Darmstädter Tagblatt 1930


08. August 1930

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Weltmeisterschaften der Studenten 1930

Einzelnummer 10 Pfennige

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bie 31. Auguſt 2.48 Reichsmark und 22 Pfennig.
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Nummer 218
Freitag, den 8. Auguſt 1930.
193. Jahrgang

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ſ4 Dollar 420 Marh. Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpſichtung auf Erfüſlung der Anzeigene
auffräge ud Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konſurt oder gerichticher Betreibung ſäalf ſeder
Rabatt weg. Bankionto Deutſche Bank und Darme
ſtädter und Nationalbans.

Die vagelſche Sumang geſchenern.

Sonderinkereſſen des Landvolkes und der Wirkſchaftsparkei verhindern das Zuſtandekommen eines Wahl=
blocks
. Die Berhandlungen zwiſchen Hoepker=Aſchoff und Scholz geſcheikerk. Scholz fordert
Aufgehen der Skaatsparkei in der Volksparkei. Hoepker=Aſchoff lehnk ab.

Keine Parkei der Mikke.
Jede weitere Diskuſſionsbaſis abgeſchnitken.
Kein gemeinſamer Wahlaufruf.
* Berlin, 7. Aug. (Priv.=Tel.)
Das Ergebnis der Donnerstagsverhand=
lungen
zwiſchen den Parteien, die jedenfalls nach der
Hoffnung der Volkspartei eine ſtarke Fortführung in der Rich=
tung
der Sammlung der bürgerlichen Parteien bringen ſollte,
iſt ein großer Scherbenhaufen. Alle Verſuche,
einen Schrit vorwärts zu kommen, ſind geſcheitert, zunächſt
unter den Gruppen der Volkspartei, der Wirt=
ſchaftspartei
, des Landvolkes und der Volks=
konſervativen
. Die Vorbeſprechungen unter dieſen Par=
teien
über einen gemeinſamen Wahlaufruf mit ſpäterer fraktionel=
ler
Bindung waren günſtig verlaufen. Es überraſchte daher,
daß jetzt in der letzten Beſprechung plötzlich der Vertreter des
Landvolkes, Dr. Gerricke, der offenbar eine ſehr ſcharfe Marſch=
route
von ſeinem Parteivorſtand bekommen hatte, die Erklärung
abgab, das Landvolk ſei einmal mit ſeiner Organiſation
nicht fertig, ſei außerdem doch wirtſchaftlich intereſ=
ſiert
und unterſcheide ſich dadurch weſentlich
von den übrigen Parteien. Infolgedeſſen ſei er nicht
imſtande, irgendwelche Bindungen durch einen
gemeinſamenWahlaufruf oder durchFeſtlegung
ſeiner künftigen Politik zu übernehmen. An die=
ſer
Auffaſſung hielt er feſt, obwohl auch die Volkskonſer=
vativen
ſich ſehr ſtark um eine Vermittlung bemühten.
Als jedoch klar war, daß an der Haltung des Land=
volkes
die Verſtändigung ſcheitern mußte, zog ſich
auch die Wirtſchaftspartei zurück, indem ſie darauf
hinwies, daß ſie ja auch ſehr ſtarke berufsſtändiſche
Intereſſen hätte. Allein aber wollten auch die Volks=
konſervativen
nicht bleiben, ſo daß die ganze Verhand=
lung
auseinanderbrach. Die Vertreter des Landvolkes gaben
zwdar eine halbe Zufage, daß vielleicht in einer Woche noch ein=
mal
darüber geredet werden könnte. Die Volkspartei lehnte
aber neue Verzögerungen ab, weil jetzt den Wählern endlich eine
klare Wahlparole gegeben werden müßte, ſo daß im Grunde nur
ein rein negatives Ergebnis zu verzeichnen war. Blieb alſo
die Beſprechung zwiſchen Scholz und Hoepker=Aſchoff.
die jetzt, nachdem die Volkspartei ihre Hände gegen rechts frei=
bekommen
hatte, vielleicht noch eine Teillöſung hätte brin=
gen
können. Herr Scholz hat auch nach der Richtung einen Ver=
ſuch
gemacht. Er hat, ohne ſich mit ſeinen Parteifreunden in
Verbindung zu ſetzen, Herrn Hoepker=Aſchoff den Vorſchlag
gemacht, daß die Staatspartei in der Volkspartei
aufgehen ſolle, und zwar ſo, daß die neue Partei den
Titel Deutſche Volkspartei mit dem Untertitel
Deutſche Staatspartei führen ſollte. Gleichzeitig hat
Herr Scholz erklärt, daß ſeine Perſon kein Hindernis für
die Einigung ſein ſolle, daß er deshalb auf die Führung
der Partei verzichten würde. Zur Begründung ſeines Vor=
ſchlages
wies er darauf hin, daß darin zwar ein Opfer des In=
tellektuells
enthalten ſei, weil die Volkspartei damit auf ihre
große Sammlungsparole verzichte, durch eine ſolche Teillöſung
würde aber der Kern der Volkspartei beiſammen gehalten und
bliebe weiterhin nach rechts verhandlungsfähig. Da die Staats=
partei
wiederholt erklärt habe, daß es ihr nur auf die Sache an=
komme
und durch den Rücktritt von Scholz die Perſonalfrage er=
ledigt
ſei, hoffe er, daß auf dieſer Grundlage eine Verſtändigung
erzielt werden könne.
Herr Hoepker=Aſchoff antwortete mit der Gegen=
frage
, wie ſich die Volkspartei zur Sozialdemo=
kratie
ſtelle. Die Staatspartei könne ſich nicht einſeitig nach
rechts feſtlegen. Auch die Sozialdemokratie ſei ſtaatserhalsend,
man müſſe alſo ein Zuſamengehen mit ihr offenhalten. Herr
Scholz erwiderte ihm darauf, die Politik der Volkspartei in den
letzten 10 Jahren habe bewieſen, daß ſie ein Zuſammenarbeiten
mit der Sozialdemokratie nicht ablehne, ſie könne aber mit der
Sozialdemokratie keine Geſinnungsgemeinſchaft eingehen, außer=
dem
ſtänden im Augenblick nach ihrer Meinung die ſtaatserhal=
tenden
Kräfte der Rechten der Volkspartei erheblich näher als
die Sozialdemokratie, deren Mißwirtſchaft ſie zu einem weſent=
lichen
Teile in den gegenwärtigen Wahlkampf geführt habe. Herr
Hoepker=Aſchoff erkannte das loyale Entgegenkommen des
volksparteilichen Führers an, er wollte ſich aber zu einem
Aufgehen ſeiner Staatspartei in die Volks=
partei
nicht bereit finden, hielt vielmehr daran feſt,
daß etwas Neues geſchaffen werden müßte, und zwar unter die=
ſem
Neuen verſtand er eine Partei der Mitte, die zwiſchen den
Kräften der Rechten und den Sozialdemokraten ſtünde. Er müſſe
daher das Angebot von Scholz ablehnen und mache den

Gegenvorſchlag, daß beide Parkeien in eine neue
gemeinſame Staaksparkei, ekwa unker der Führung
von Kahl, aufgehen ſollken.
Einen derartigen Gedanken lehnte aber Herr
Scholz mit aller Entſchiedenheit ab, mit Rückſicht auf die
Sammlungsparole, die ſeine Partei den ganzen Sommer hin=
durch
betreut habe und an der ſie auch jetzt noch feſthalte. Eine
ſolche Sammlung werde aber unmöglich, wenn eine etwas ver=
ſchwommene
Partei gebildet würde, die von vornherein jeden
Brückenſchlagnach rechts ablehne. Damit war auch hier
jede weitere Diskuſſionsbaſis abgeſchnitten.
Die Parteiführer haben ſich getrennt in der Ueberzeugung, daß
jetzt alle Möglichkeiten vergeblich ſeien. Auf Einladung des volks=
parteilichen
Vorſitzenden Scholz kommen die Parteiführer der
Saarländer Volkspartei Roechling und Schmelzer am Freitag
vormittag nach Berlin. Aber die Dinge haben ſich doch ſchon
ſo weit entwickelt, daß jede weitere Vermittlung ausſichtslos iſt.
Jedenfalls iſt der Parteivorſtand der Volkspartei, der am Don=
nerstag
noch einmal zuſammentrat, zu dem Ergebnis gekommen,
daß jetzt vor den Wahlen neue Verhandlungen
keinen Sinn hätten, daß alſo nichts anderes übrig bleibe
als getrennt in den Wahlkampf zu gehen, wobei allerdings die
Volkspartei nach wie vor an ihren Sammlungsbeſtrebungen für
die Zeit nach den Wahlen feſthalte und daran glaube, das die
Entwicklung ihr Recht geben werde.
Die Regierung im Wahlkampf.
In Erwarkung des Wahlprogramms.
* Berlin, 7. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Die Reichsregierung hat bisher noch keinen Verſuch gemacht,
aktiv in den Wahlkampf einzugreifen. Der Reichskanzler ſpricht
zwar am Freitag in Köln und am Sonntag in Hagen, aber nur
in internen Zentrumsverſammlungen, während bisher fälſchlich die
Vermutung aufgetaucht war, daß er bei dieſer Gelegenheit den
Wahlkampf von Regierungswegen offiziell eröffnen würde. Auch
die Anſprache, die Dr. Brüning am Montag bei der Ver=
faſſungsfeier
im Reichstag hält, wird kaum ſo ge=
halten
ſein, daß ſie als Fanfare wirken könnte. Der praktiſche
Grund iſt wahrſcheinlich darin zu ſuchen, daß die Miniſter nach
den ſchweren parlamentariſchen Wochen erſt einmal Ruhe brau=
chen
und das Kabinett vor dem kommenden Montag kaum be=
ſchlußfähig
ſein wird. Dann ſoll die nächſte Woche zu Reſ=
ſortsberatungen
benützt werden und erſtinfrüheſtens
einer Woche iſt eine Kabinettsberatung vorgeſehen, die dann
ſo etwas wie ein Wahlprogramm enthalten ſoll.
Der Kanzler iſt ſich nicht im unklaren darüber, daß er ſehr be=
ſtimmte
Ziele aufſtellen muß, wenn er überhaupt darauf hinaus
will, die Minderheit vom 18. Juli am 14. September in eine
Mehrheit umzuwandeln. Er trägt ſich auch wohl mit einer Reihe
umfaſſender Pläne auf finanziellem und verfaſ=
ſungspolitiſchem
Gebiet, die aber erſt noch ſubſtan=
tiviert
werden ſollen, wozu die kommende Woche dienen würde.
Jedenfalls wird in politiſchen Kreiſen damit gerechnet, daß in
der Kabinettsſitzung, die etwa um den 18. Auguſt herum ſtatt=
finden
ſoll, dann das Finanzprogramm für den kom=
menden
Winter aufgeſtellt wird, das einen Umbau un=
ſeres
Steuerſyſtems in Verbindung mit ſtarken
Erſparniſſen umfaſſen ſoll, und vielleicht auch erneut Ver=
ſuche
gemacht werden, das Problem der Reichsfinanzpeform unter
dem Geſichtswinkel der Vereinfachung und Verbilligung anzu=
ſchneiden
. Vorläufig haben aber alle dieſe Gedanken noch keine
greifbare Form. Viel Zeit iſt dabei kaum mehr zu verlieren,
den der Wahlkampf, der langſam in Fluß kommt, bahnt ſich doch
allmählich ſeinen Weg und je ſpäter ſich die Regierung zu Wort
meldet, um die Führung in die Hand zu bekommen, deſto ſchwe=
rer
wird es ihr ſein, gegen die Agitation der Oppoſitionsparteien
anzukommen, die auf dieſe Weiſe mindeſtens 3 Wochen gewonnen
haben.
Neue Schwierigkeiten bei der Oſthilfe.
* Berlin, 7. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Am Donerstag iſt wieder den ganzen Tag über die Organi=
ſation
der Oſthilfe verhandelt worden, ohne daß jedoch irgend=
welche
Fortſchritte zu erzielen waren. Der Reichskanzler und der
Ernährungsminiſter Schiele haben am Vormittag den Reichs=
präſidenten
aufgeſucht und erreicht, daß er ſeine Bedenken über
die vorzeitige Veröffentlichung der Perſonalvorſchläge wieder
zurückſtellt. Eine Einigung zwiſchen dem Reiche und Preußen
könnte aber nicht erzielt werden, weil Preußen einen ſehr weit=
gehenden
Einfluß auch auf die ſachliche Ausgeſtaltung der Oſt=
hilfe
verlangte und dafür Zugeſtändniſſe forderte, die der Reichs=
ernährungsminiſter
nicht geben will. Unter dieſen Umſtänden
blieb, um Schlimmeres zu verhüten, ſchließlich nichts anderes
übrig, als die Verhandlungen abzubrechen. Der Reichskanzler
iſt jedenfalls nach Köln gefahren, ohne in der Lage zu ſein, dem
Reichspräſidenten die Vorſchläge über die ſachlichen und perſön=
lichen
Pläne zu machen, ſo daß neue Neſſortsverhandlungen ein=
ſeten
müſſen, die dann erſt nach der Nückkehr des Kanzlers
Anfang nächſter Woche zu einem Erfolg führen könnten.

Deutſcher Induſtriekredit
ür Die Zuriel.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
P. Konſtantinopel, im Auguft 1930
Zwiſchen den Vertretern der deutſchen Eiſen=
bahn
=Bauinduſtrie und der türkiſchen Regierung
iſt jetzt eine Einigung zuſtandegekommen und ein
Vertrag unterzeichnet worden. Die deutſche
Gruppe verpflichtet ſich, Lokomotiven, Waggons,
Eiſenbahnmaterial, Reparaturwerkſtätten uſw.
im Werte von gegen 45 Millionen Reichsmark zu
liefern. Das ſtaatliche türkiſche Eiſenbahnnetz ſoll.
bis zum Jahre 1934 bis zu einer Länge von
3 669 Kilometern ausgebaut werden. Die Amorti=
ſation
der kreditierten Summen ſoll dergeſtalt er=
folgen
, daß 13,5 Millionen RM. in den nächſten
drei Jahren und der Reſt zu 6 Prozent verzinſt
in den Jahren 1934 bis 1936 zurückgezahlt wer=
den
. Immerhin kann nach vorhergegangenen
ſechsmonatiger Ankündigung die Zahlung eines
Drittels der in den letzten drei Jahren fälligen
Beträge auf weitere drei Jahre hinausgeſchoben
werden.
Am Donnerstag wurde in Angora die Redaktion eines
Vertrages beendet und der Vertrag unterzeichnet, der die Auf=
merkſamkeit
der deutſchen Oeffentlichkeit erneut und verſtärkt auf
die Türkei und ihre Entwicklungen lenken muß. Denn dieſer
Vertrag macht Deutſchland für die nächſten
Jahre zum alleinigen Lieferanten der Türkei
für alles rollende und ſtehende Eiſenbahn=
material
. Der deutſchen Lokomotiwinduſtrie winken neue
große Aufträge. Es handelt ſich um einen Induſtriekredit großen
Stils, den eine deutſche Gruppe unter Führung der Friedrich
Krupp A.=G. und der Firma Henſchel=Kaſſel der Türkei zur Ver=
fügung
geſtellt hat, und zwar in Höhe von 40 Millionen Reichs=
mark
. Eine gewiſſe Einſchränkung erfährt dieſe Ausſchließlich=
keit
deutſcher Lieferung vorerſt noch inſofern, als die Türkei ver=
traglich
gebunden iſt, das rollende und ſtehende Material für die
beiden Schwedenbahnbauten durch die Schweden zu beziehen,
doch haben die Schweden auch bisher ſchon bei ihren Lieferungen
einen guten Teil von der deutſchen Induſtrie bezogen und wer=
den
das auch fernerhin tun müſſen, da ſie ſelbſt nicht alles liefern
können.
Der neue Vertrag iſt fraglos ein großer Erfolg für die
deutſche Induſtrie. Er hat aber auch ſeine Gefahren, die man
jenachder Auffaſſung von der türkiſchen Kredit=
würdigkeit
höher oder niedriger einſchätzen wird. Er ſtellt
in gewiſſem Sinne eine Fortſetzung des Bahnbauauftrags dar,
den die Türkei vor drei Jahren der Julius Berger Tiefbau A.=G.
erteilt hat. Damals hat ſie ſich verpflichtet, alles rollende und
ſtehende Material für die beiden Berger=Strecken Kutahia
Balikeſir und Ulukichla-Kaiſarie nur durch Berger in Deutſch=
land
zu beziehen. In Wirklichkeit hat ſie bisher, obwohl die
beiden Strecken ſchon ihrer Vollendung entgegen gehen, nur
Schienen, Gleiſe und einige Brückenanlagen aus Deutſchland
b=zogen, und ſie bezog ſich dabei auf ein Gutachten des Sach=
verſtändigen
Emmerling der deutſchen Reichseiſenbahn, daß das
rollende Material der Türkei für all ihre Strecken ausreichte. Die
Türkei ſchob alſo die Erfüllung ihrer Verpflichtung, darauf ge=
ſtützt
, immer wieder hinaus, gab jedoch ihre grundſätzliche Ver=
pflichtung
ohne weiteres zu. Jetzt kommt nun dieſer deutſche In=
duſtriekredit
und gibt den Türken das Geld, um ihre an ſich be=
ſtehende
Verpflichtung gegen die deutſche Induſtrie zu erfüllen;
jedenfalls ein nicht ganz häufiger Fall.
Die Sache hat aber noch eine viel ernſtere Seite. Bekannt=
lich
hat das Deutſche Reich ſchon bei dem Berger= Bahnbau=
auftrag
eine Garantie gegenüber der hinter Berger ſtehenden
Dauatbank in Höhe von 35 Millionen Mark übernommen, und
für den neuen Kredit an die Türkei wird es eine neue Garantie
von 60 Prozent, alſo 24 Millionen Mark übernehmen. Das Reich
hat aber außerdem Garantien auf ſich genommen für die Gute
Hoffnungshütte für den Bau eines Kupferwalzwerkes und eines
Stahlwerkes, ferner gegenüber Siemens für deren große Anlage
im Kriegshafen von Iſmid. Man ſchätzt die Geſamtſumme
derdeutſchen Reichsgarantienkaum zu hoch, wenn man
ſie für die Türkei mit 80 Millionen Reichsmark beziffert.
Und das entſpricht einem Kredit von 160 Millionen Reichsmark,
den die deutſche Induſtrie der Türkei gewährt hat, wozu noch ganz
bedeutende Kredite kommen, die nicht durch Reichsgarantien ge=
deckt
ſind. Hält man ſolche Summen in Vergleich zum türkiſchen
Geſamtſtaatshaushalt, der 445 Millionen Reichsmark aufweiſt, ſo
iſt die Frage immerhin berechtigt, ob die Türkei für dieſen aus=
gedehnten
Kredit gut iſt, und die Frage iſt um ſo berechtigter, als
38 v. H. des türkiſchen Staatshaushaltes für die bewaffnete
Macht gebraucht werden, die Türkei aber auch noch andere große
Auslandsverpflichtungen zu erfüllen hat, ſo die aus der Dette
ontomane nud aus dem Rückkauf der Anatoliſchen Bahn mit
Anhängſeln.
Eine Anzahl von Unternehmern haben in der Türkei
ſchlecht abgeſchnitten, ſo Lenz, die ſich jetzt ganz zurück=
gezogen
haben, weil ſie keine Aufträge bekommen konnten, vor=
erſt
auch Junkers, doch iſt dieſe Frage noch nicht endgültig ent=
ſchieden
, ſo in einigen Fällen Elektrizitätsfirmen, ſo endlich die
franzöſiſche Werft St. Nazaire, die bei der Reparatur des Kreu=
zers
Jawus, der ehemaligen Göben, bis jetzt ſchon über

Weltmeisterlchatten der Studenten 1930
Ausführlicher Bericht und Tages-
programm
auf Seite 9, I0

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Freitag, den 8. Auguſt 1930

Nummer 218

Seite 2

zwei Millionen Türkpfund zugeſetzt hat und noch weitere Ver=
luſte
erleiden wird. Aber das alles iſt nicht die Schuld der Tür=
kei
. Bei dem großen Run um Aufträge in der Türkei hat man
ſich verkalkuliert, hat auf leere Hoffnungen hin große Kapitalien
inveſtiert, die Kreditwürdigkeit des türkiſchen Staates hat dabei
keine Rolle geſpielt. Bei dem neuen Kredit ſind die Preiſe für
alle zu liefernden Materialien ſchon feſtgelegt, und man darf
ſagen, daß die Preiſe zwar nicht ſo hoch bemeſſen ſind wie früher,
immerhin aber weſentlich beſſer, als die vor zwei Jahren bei
jenem törichten Run um eine Ausſchreibung genannten.
Viele andere großen deutſchen Unternehmungen in der Tür=
kei
ſtellten feſt, daß die türkiſche Regierung bisher
immer ihre Verpflichtungen, wenn auch manchmal
mit kleinen Verſchiebungen und Umſtellungen der Zahlungs=
termine
, doch prompt erfüllt hat. Die Finanzſachver=
ſtändigen
, die wie der deutſche Reichsbankdirektor Dr. Müller
und der Franzoſe Charles Riſt in den letzten Jahren die tür=
kiſche
Finanzlage geprüft haben, ſtehen auf dem Standpunkt,
daß die Türkei ſich mit den verfügbaren feſten Einnahmen durch=
winden
könnte, wenn keine unvorhergeſehenen Ereigniſſe ein=
träten
. Das ſind Urteile, die unbedingt günſtig für die Kredit=
würdigkeit
der Türkei ſprechen. Ihnen ſteht aber einmal das
plötzliche, unbedachtſame Moratoriumserſuchen an die Dette otto=
mane
in dieſem Februar gegenüber, dann aber auch das wieder=
holte
Aufrufen der Gläubiger, das durch ſeine Wiederholung
geradezu unmoraliſch wirkt, weil es als Spekulation auf ver=
ſpätete
Meldung der ausländiſchen Gläubiger aufgefaßt werden
muß. Es fehlt aber auch nicht an den unvorhergeſehenen Ereig=
niſſen
, und zwar gerade in der letzten Zeit.
Der Kurdenaufſtand, der immer wieder von neuem
aufflammt, bald hier, bald dort, zu deſſen Bekämpfung jetzt ſchon
die Truppen von drei Armeekorps aufgeboten ſind, hat ſchon
viele Millionen gekoſtet und wird weitere Millionen
koften, abgeſehen von dem enormen Schaden, den die Wirtſchaft
in den Oſtwilajets erlitten hat. Dazu kommt die faſt einen gan=
zen
Tag dauernde große Exploſion von Derindſche, durch die
bedeutende Mengen von Schiffsmunition in die Luft geflogen
ſind. Dieſe Munition muß aber im Intereſſe der Sicherheit des
Kriegshafens von Ismid unbedingt und umgehend erſetzt wer=
den
. Man kann nach all dem ſagen, daß die 10 Millionen Dol=
lar
, die die Türkei von der ſchwediſch=amerikaniſchen Gruppe
als Anleihe für die Gründung der Staatsbank erhalten hat, wo=
für
die Türkei für 25 Jahre das Zündholzmonopol aus der
Hand geben mußte, ſich ſchon wieder verflüchtigt haben. Die
Türkei hat wirklich in vieler Hinſicht Pech.
Durfte nach all dem die deutſche Induſtrie das neue Riſiko
in dieſer Höhe eingehen? Deutſchland muß ſich unter allen Um=
ſtänden
den türkiſchen Markt erhalten, das iſt an ſich ſchon ein
Riſiko wert. Die Kredite laufen zudem durchweg nur 4 bis 5
Jahre und nehmen infolge der fortgeſetzten Zahlungen, die die
Türkei auf ſie leiſtet, ſchrittweiſe ab. Und endlich wird ja das
geſamte Material nicht auf einmal geliefert. So ermäßigt ſich
das Riſiko immerhin erheblich. Es darf auch angenommen wer=
den
, daß die deutſchen Kreiſe es in dem Vertrage nicht an den
nötigen Sicherungen haben fehlen laſſen. Iſt das aber ge=
ſchehen
, dann darf ſich die deutſche Induſtrie wohl des abge=
ſchloſſenen
Vertrages freuen, der uns die Türkei als Abſatzmarkt
und Betätigungsfeld von neuem ſichert.

Eine Beamkeneingabe an die preubiſche Staafs=
regierung
.
Auf den Erlaß des preußiſchen Staatsminiſteriums gegen eine
Beteiligung von Beamten an radikalen Parteien haben der
Deutſche Beamtenbund und der Preußiſche Beamtenbund der
preußiſchen Staatsregierung eine Eingabe zugeleitet, in der, dem
Lokal=Anzeiger zufolge, auf die durch die Reichsverfaſſung den
Beamten gewährleiſtete Freiheit der politiſchen Geſinnung hin=
gewieſen
wird. Zum Schluß betonen die beiden Beamtenverbände,
daß der genannte Erlaß des preußiſchen Staatsminiſteriums er=
neut
Zweifel an der Sicherheit der Verfaſſungsgarantien hervor=
rufen
müſſe und fordern eine Ueberprüfung in der Richtung, daß
eine bloße Zugehörigkeit zu den in Betracht kommenden Parteien
nicht unter das Verbot geſtellt werde.
Der Popolo d’Ikalia zur deutſchen Parkeienkriſe.
Die im Verfolg der Notverordnungen und der Reichstags=
auflöſung
in Deutſchland ſich anbahnenden Veränderungen im
Parteiengetriebe und die Zuſpitzung der innerpolitiſchen Lage er=
wecken
in der italieniſchen Preſſe große Aufmerkſamkeit. Der
Popolo d’Italia kommt in einem längeren Auffatz über dieſe
Fragen zu der Feſtſtellung, daß die Perſönlichkeit des beſonne=
nen
Strategen Hindenburg geeignet ſei, der deutſchen Regierung
in ihren außerordentlichen Schwierigkeiten ihre Richtung zu
geben. Ferner ſieht das Blatt voraus, daß Hindenburg und die
deutſche Regierung auch nach der Wahlſchlacht eine klare Richt=
tung
in der Fortführung einer Innen= und Außenpolitik bei=
behalten
werden, die die Anſprüche des deutſchen Volkes klären
und Deutſchland den im letzten Jahrzehnt bitter erkämpften Frie=
den
geben werden.

J. J. Bauloſens Aanderhindot
von Malter und Sohh.
Von Dr. Robert Schäfer, Heppenheim, Bergſtr.
Seit den Zeiten des Humanismus wird das Evangelium der
individualiſtiſchen Freiheit des Menſchen gepredigt, und die Auto=
nomie
des Geiſtes erlebt im Abendland zum zweiten Male Ge=
burt
, Hochblüte und Entartung. Kulturphiloſophie und = mor=
phologie
ſuchen die augenblickliche offenſichtliche Kriſe zu diagno=
ſtizieren
entweder auf Verfall oder Regeneration der Kultur.
Beide Richtungen ſtützen ſich oder laſſen ſich beſtätigen von dem
Werk eines Mannes, dem wir eine der eigenartigſten und be=
deutendſten
Darſtellungen des Ablaufs der antiken Kultur ver=
danken
: Johann Jakob Bachofen.
Im Jahre 1886 ſtarb dieſer Baſler Patrizier und Forſcher,
in anarchoretiſche Vereinſamung entrückt und ſo unbeachtet, wie
er faſt ſein ganzes Leben inbrünſtiger Forſchung hindurch auch
ohne Anerkennung geblieben war. Erſt kurz vor ſeinem Tode
ſah er ſich von der damals gerade ſich bildenden Gruppe deut=
ſcher
Völkerkundler ſie nannten ſich noch nach den engliſchen
Paten ihres Wiſſenſchaftszweiges Folkloriſten , als einen
ihrer Begründer genannt. Nicht nach ſeinem wahren Verdienſt
allerdings wurde er da gewürdigt, ſondern auf die im Grunde
unweſentlichen Nebenergebniſſe der Antiquariſchen Briefe feſt=
gelegt
, die nur ethnologiſche Belege bedeuten zu ſeiner großen
Theſe von dem Wert des Muttertums und der Frauenverehrung
als Geburt und Wiedergeburt der männlich=geiſtigen Kulturen
des Mittelmeerraumes. Weſentlich näher hätte Auguſt Bebel
in ſeinem Buch von der Frau an das Kernproblem kommen
können, wenn er nicht nur einen Beleg für ſeine eigene Doktrin
daraus gemacht hätte. Wenigſtens hätte die geradezu paideu=
matiſche
Studie über den römiſchen Staatsgedanken: Die
Sage von Tanaquil, in dieſem bedeutenden Parteiführer einen
Widerhall jenſeits der politiſchen Beſchränkung finden können
Eigentlich erregend in der weiten Oeffentlichkeit und in hef
tigem Für und Wider fruchtbar iſt Bachofens Kulturanſchauungs=
weiſe
erſt mit der Schrift von Ludwig Klages über den
kosmogoniſchen Eros geworden, wo Bachofens Name zum erſten
Male in einem Ideenzuſammenhang genannt wird, in den er
auch hingehört. Wenn auch Klages, um es gleich anzudeuten,
ihr= zu einſeitig heranzieht, als daß es unwiderſprochen bleiben
könnte. Als im darauffolgenden Jahre, 1923, Manfred
Schroeter die erſte Neuausgabe einer Bachofenſchen Studie
Oknos, der Seilflechter, unternahm, ſah ſich der große Kreis
der noch Uneingeweihten einer Forſcherarbeit von ſolchem Wert

Vom Tage.
Sämtliche Mitglieder der deutſchnationalen Fraktion im Dresbener
Stadtverordnetenkollegium ſind aus der Deutſchnationalen Volkspartei
ausgetreten und bis auf einen zur Konſervativen Volkspartei überge=
gangen
. Gewerkſchaftsſekretär Haupt iſt zu den Chriſtlich=Sozialen
übergegangen.
Der Parteivorſtand der Deutſchen Volkspartei
iſt am Donnerstag vormittag im Reichstag zuſammengetreten, um vor
allem interne Parteifragen zu erörtern.
Der Reichslandbund legt in einem an den Reichsernäh=
rungsminiſter
Schiele gerichteten Schreiben gegen die Haltung
des Reichsverbandes der Deutſchen Induſtrie in der
Frage der Handelspolitik Beſchwerde ein.
600 Kurden haben nach einer Reutermeldung aus Angora am
Mittwoch erneut die türkiſche Grenze überſchritten
und türkiſche Vorpoſten in dem Gebiet von Urfa und Mardin ange=
griffen
. An der Grenze Perſiens und des Jrakgebirges ſind ſtarke Ab=
teilungen
türkiſcher Truppen zuſammengezogen worden.
Die japaniſche Regierung hat zum Nachfolger des nach
Japan zurückgekehrten früheren Geſandten in Paris, Baron Adatſchi,
als Mitglied des Völkerbundsrates den neuen japani=
ſchen
Geſandten in Paris, Yoſhiſawa, ernannt.

Die dnge 1 Indien.
Valgbhai Pakel zu 3 Monaken Gefängnis verurkeilk.
EP. Bombay, 7. Auguſt.
Der im Zuſammenhang mit der Gehorſamsverweigerung
vor kurzem verhaftete Präſident des Allindiſchen Kongreſſes und
hervorragende indiſche Nationaliſtenführer Valabhai Patel
wurde heute von der Bombayer Gerichtsbehörde zu drei Mona=
ten
Gefängnis verurteilt. Damit iſt die Leitung der indiſchen
Nationaliſten=Bewegung nunmehr zum vierten Male ihres Füh=
reres
beraubt und man darf geſpannt ſein, wer nach Gandhi,
dem Richter Abbas Tyabji, der Dichterin Naidu und Valabhai
Patel jetzt das Amt übernehmen wird.
Nicht weniger intereſſiert ſieht man nach dieſer neuerlichen
Verurteilung eines angeſehenen Kongreßführers dem Ergebnis
der Verhandlungen entgegen, die nach Genehmigung durch den
Vizekönig von Indien, Lord Irwin, der im Gefängnis von
Puna ſitzende Gandhi mit den im Gefängnis von Allahabad
feſtgehaltenen beiden Nehrus demnächſt führen wird. Dieſen
Verhandlungen mißt man in Indien die größte Bedeutung bei
inſofern, als ſie überhaupt erſt nach andauernden Bemühungen
der indiſchen Liberalen Tei Sapru und Jayakar zuſtande kamen
und nichts weniger als den Abbruch der nationaliſtiſchen Ge=
horſamsverweigerung
zum Gegenſtand haben
Der gleichzeitig mit Valabhai Patel verhaftete Malavija und
die übrigen Angeklagten kamen mit einer Geldſtrafe von je
ſieben Pfund davon.
*
Der zu drei Monaten Gefängnis verurteilte Präſident des
Allindiſchen Kongreſſes, Valabhai Patel, ernannte den
Nationaliſtenführer. Abdul Kalam Azad zu ſei=
nem
Nachfolger.
60 Bombenflugzeuge gegen die Afridis.
Sechs Bombenwerfergeſchwader, beſtehend aus etwa 60 Flug=
zeugen
, werden ſeit geſtern gegen die auf Peſchawar heranrücken=
den
Afridi=Stämme von den Engländern eingeſetzt. Die Afridis
rücken in Stärke von ſchätzungsweiſe 5 000 Mann, die in kleine
Trupps verteilt ſind, durch das Bara=Tal, ſüdlich des Khyber=
Paſſes, vor. Sie konnten bisher in ihrem Vormarſch nicht auf=
gehalten
werden, zumal das Wetter heute unſichtig war, was die
Tätigkeit der Bombenflugzeuge ſtark beeinträchüigte. Der letzte
Einfall der Afridis erfolgte im Juni. Damals konnten ſie durch
die engliſchen Flugzeuge über die Grenze zurückgetrieben werden.
Die Ergebniſſe der Konferenz von Sinaia.
EP. Belgrad, 7. Auguſt.
Ueber die Ergebniſſe der Konferenz von Sinaia machten
heute Handelsminiſter Demetrowitſch und Handelsminiſter Si=
benik
Preſſevertretern gegenüber eine Reihe von Mitteilungen
Der Handelsminiſter erklärte, daß zwiſchen Rumänien und Jugo=
ſlawien
vorläufig eine Art Zollbündnis zuſtande gekommen ſei,
das ſpäter zu einer Zollunion erweitert werden ſolle.
Auf die Frage eines Journaliſten, welche Bewandtnis es
mit dem Plan eines Agrarblocks habe, dem ſich auch Ungarn und
Bulgarien anſchließen würden, erklärte Landwirtſchaftsminiſter
Sibenik, daß es ſich vorläufig nicht um einen Block, ſondern um
eine Verſtändigung handle. Es ſei aber nicht ausgeſchloſſen,
daß das Abkommen zwiſchen Jugoſlawien und Rumänien durch
den Beitritt der beiden genannten Länder eine Erweiterung er=
fahre
.

gegenüber, daß das Wenige, was noch in Antiquariaten von ſei=
nen
Werken lag, raſch vergriffen und die Veranſtaltung von
Neuausgaben notig wurde.
Leider wurde damit die Bachofenkenntnis zur Modeforde=
rung
. Und zwar in einem wohl zeitbedingten, aber ſicher un=
bachofenſchen
Sinn, nämlich in dem vom Klageſchen Werk propa=
gierten
, als einer Hinleitung zum vorbewußten, erotiſch beſtimm=
ten
Naturdaſein. Daß das eine arge Verkennung des vornehmen
Baſler Gelehrten bedeutet und einen Weg, den man nicht gehen
darf, wenn man zu ihm gelangen will, geht aus Schroeters groß
angelegter Einleitung zum Oknos deutlich hervor. So iſt es
wohl auch ein Glück zu nennen, daß man die Mode einfach
wieder vergaß, als man vor der Aufgabe ſtand, ſich in das Werk
ſelbſt zu vertiefen, daß hingegen Philologen, Archäologen, Juri=
ſten
, Ethnologen und Religionsforſcher, mit dem größten Recht
aber die Kulturphiloſophen ein fachliches Intereſſe an den Er=
gebniſſen
des vergeſſenen Baſlers gewonnen haben. Denn es
geht nicht länger an, das lange Verdikt über dieſen Gelehrten
unbegründet beizubehalten, wenn es überaupt berechtigt iſt.
Aber vielleicht kommt es gar nicht mehr ſo ſehr darauf an,
daß Bachofen endlich als Wiſſenſchaftler rehabilitiert wird. Das
Wichtigſte ſind zweifellos die großen Impulſe, die hier von der
einſamen und myſtiſch vertieften Trauer eines Sohnes und von
ſeiner hingebenden Liebe an die verlorene Mutter ausgehen, vom
Mutter=Sohn=Erlebnis, das Bachofen zum Symbol menſchlicher
Kulturgeſtalt und Würde ſchlechthin umſchuf, in der wie eine
Epopoe hinzunehmenden Trilogie: Gräberſymbolik, Mutterrecht,
Tanaquil.
Frobenius, Ziegler, Bernoulli, Bäumler,
Spengler, der George=Kreis haben Entſcheidendes,
nicht nur ihre eigene Stellung auf kulturkritiſchem Boden
Beſtätigendes ihm zu verdanken. Daneben aber gibt es ſicher
die weit größere Zahl der Ungekannten, denen, wie auch von dem
Nietzſche=Schüler Klages angenommen werden darf, Bachofen zu
einem Erretter aus Lebens= und Geiſtesnot wurde, denen be=
ſonders
aus der Gräberſymbolik eine heiße Welle des Lebens
und der Natur im Weib=Symbol entgegenflutete, darinnen ihre
zum Intellekt erſtarrte Geiſtigkeit, ihre zu leeren Denkformeln
mechaniſierte Logik ſich löſen und neu erfüllen konnte.
Das erſchütternde Beiſpiel ſolcher Not des Geiftes, der alle
Triebmacht, allen Lebensſchwung zu ſeiner Errettung beſchwören
möchte, gibt Friedrich Nietzſche. Nur daß er aus Haß
gegen ſeinen angeborenen überſcharfen Intellekt und ſeine
zwangsläufige philologiſche Akribie ſich einen dämoniſch tätigen
Dionyſos in künſtleriſcher Berauſchtheit erſchuf, der ſo un=
griechiſch
war, ſo ganz Nietzſches Geſchöpf, daß ſein Schöpfer in
dieſer zweiten Ichwerdung ſich zerſtörte. Bachofen dagegen hat
den Gott der Frauen, den echten Dionyſos, in beiſpielloſer

Die Ronferenz ar imterhättohanes
Seerecht.
Rechtsverbindliche Konvenkionen.
In dieſen Tagen fand in Antwerpen die 17. Konferenz für
internationales Seerecht ſtatt, auf der Deutſchland, Belgien,
Dänemark, Amerika, Frankreich, England, Griechenland, Italien,
Japan, Norwegen, die Niederlande, Portugal und Schweden ver=
treten
waren.
Auf der gegenwärtigen Konferenz konnte in dieſem Zuſammen=
hange
berichtet werden, daß die Brüſſeler internationale Kon=
vention
von 1924 und 1926 von der Mehrzahl der Regierungen
ratifiziert worden wäre. Insgeſamt liegen etwa 30 Ratifikationen
vor, während noch immer die Ratifikationen verſchiedener Rand=
ſtaaten
ſowie von Staaten des Fernen Oſtens und Südamerikas
ausſtehen. Von weiteren Abkommen iſt deutſcherſeits die Kon=
vention
über die Behandlung von Staatsſchiffen ratifiziert wor=
den
. Doch dürfte dieſes Abkommen noch einmal einer grund=
legenden
Ueberprüfung unterzogen werden, da engliſcherſeits eine
Reihe von Abänderungsanträgen vorgebracht wurden, die bei
einer evtl. Annahme ſelbſtverſtändlich auch für Deutſchland eine
neue Situation ſchaffen müßten.
Wenn es ſich nun auch bei dieſer Konferenz lediglich um=
Tagesfragen der Schiffahrt handelte, ſo zeigen doch auch die
früheren Vereinbarungen, daß im Rahmen einer ſolchen Kon=
ferenz
Probleme geklärt werden können, die ſich im internatio,
nalen Leben als gemeinſame Intereſſen auswirken müſſen. Ee
zeigte u. a. auch die Beratung der bei Schiffszuſammenſtößen
auftauchenden Fragen, wie notwendig es iſt, für ſolche Fälle all=
gemein
verbindliche Regeln zu ſchaffen, um auf dieſe Weiſe die
Beurteilung ſolcher Vorfälle zu erleichtern, und damit eine Unter=
ſchiedlichkeit
innerhalb der ſchiffahrttreibenden Staaten von vorn=
herein
auszuſchalten. Allerdings ging aus der Debatte aber auch
mit Deutlichkeit hervor, wie ſchwierig es iſt, in dieſen Fragen
zu einer internationalen Vereinbarung zu gelangen, weil jede
Löſung die jeweiligen nationalen Rechtsintereſſen tangieren muß,
die in den einzelnen Staaten durchaus verſchiedene Geſichtspunkte
beobachten. Die gleichen Probleme tauchten im übrigen auch bei
der Beratung der Frage der Paſſagierverſicherung auf, wo die
einzelnen Intereſſen ebenfalls an Mannigfaltigkeit nichts ver=
miſſen
laſſen. Immerhin muß hervorgehoben werden, daß es in
der Frage der Haftung des Schiffeigentümers zu einer einſtimmig
angenommenen Entſchließung kommen konnte, da gerade dieſes
Problem ſchon oft die Konferenz beſchäftigt hat, ohne eine all=
gemein
befriedigende Löſung zu finden.
Ueberblickt man dieſe Fragen, die in der Schiffahrt von
eminenter Bedeutung ſind, und die ſowohl für die einzelnen
Staaten als auch für die verſchiedenen Reedereien Konſequenzen
haben, die ſelbſtverſtändlich grundlegende Ueberprüfungen for=
dern
, ehe ſie in der Form einer rechtsverbindlichen Konvention
angenommen werden können, ſo wird man auf jeden Fall feſt=
ſtellen
können, daß die Konferenz für das internationale See=
recht
eine Arbeit geleiſtet hat, die im allgemeinen Intereſſe nur zu
begrüßen iſt
Die Forderungen der chriſtlichen Bergarbeiter.
Aachen, 7. Auguſt.
An der Schlußſitzung der Generalverſammlung des Gewerk=
vereins
chriſtlicher Bergarbeiter nahm auch der Präſident der
Rheinprovinz Dr. Fuchs teil, der eine große Anſprache hielt. Die
Arbeiten der Generalverſammlung ſind niedergelegt in fünfzehn
Entſchließungen, die einſtimmig angenommen wurden, Sie for=
dern
eine direkte Bewertung der produktiven Arbeit und wenden
ſich ſcharf gegen jeden Lohnabbau im Bergbau. Zum Preisabbau
wird gehofft, daß der Lebenshaltungsindex dem Großhandelsindex
nachfolge. Zur Arbeitszeit fordert eine Entſchließung, daß für alle
Arbeiter unter Tage die Arbeitszeit ſieben Stunden pro Schicht
und 40 Stunden in der Woche nicht überſteigen darf. Für Arbeiter
an heißen Betriebsſtellen müßten fünf Stunden pro Schicht und
30 Stunden pro Woche Höchſtmaß ſein. Für Arbeiter über Tage
wird eine Arbeitszeit von acht Stunden in der Woche für not=
wendig
erachtet. Die Forderungen zur Arbeitsloſenverſicherung
und arbeitsrechtliche Forderungen wurden ebenfalls in Entſchlie=
ßungen
feſtgelegt. Weiter wird ein Ausbau des Schutzes für
jugendliche Arbeiter und Urlaub ſchon vom 14. Lebensjahr an
verlangt. Zur Rückgliederung des Saargebietes ſtellt die Ver=
ſammlung
die Forderung auf, daß ſich Frankreich endlich dazu ver=
ſtehe
, einer den Frieden Europas und einer wirklichen Verſtändi=
gung
der Völker dienende Vereinigung des Saargebietes mit dem
Vaterlande zu ermöglichen. Weitere Entſchließungen fordern end=
lich
eine durchgreifende Verwaltungsreform und praktiſche Gleich=
berechtigung
der Arbeitnehmer im Volksſtaat. Der Vorſitzende
Abg. Imbuſch aus Eſſen wurde einſtimmig wiedergewählt, ebenſo
der zweite Vorſitzende.

Fähigkeit der Deutung in allen ſeinen Phaſen zu geſtalten ver=
mocht
, von ſeiner Heilandstat an den verſklavten Frauen der
griechiſchen Männer=Gerechtigkeit an, von ſeiner Magiertat phal=
liſchen
Zeugerauſches und mänadiſchen Beſeſſenſeins bis zur
Thronerhebung der Hetäre, deren Fuß der würdelos und ver=
ächtlich
gewordene Gott ſich auf den Nacken ſetzt. Mit Worten,
die von Nach=Erleiden glühen, hat Bachofen dieſen Lauf des
Gottes geſchildert, ohne wie ein Verdurſtender die Lehre in ſich
zu reißen, ohne wie ein verlorener Geiſt ſich am totalen Anders=
ſein
zu verzücken. Was ihn davor bewahrte, war die unbedingt
religiöſe Sohnesliebe zur Muter, von der er in ſeiner hymni=
ſchen
Studie vom lykiſchen Volk ein unvergängliches Zeugnis
ablegte. Im Mutter=Sohn=Mythus von der Erdmutter Leto
und ihrem geſetzesgewaltigen Sohne Apollon iſt die Kräfte=
polarität
Natur=Geiſt zum Maßſtab jeglicher Kultur geprägt
worden.
Klages hat wohl recht, daß er den Geiſt als den WZiderſacher
des Lebens kennzeichnet. Aber er ſollte dazuſetzen, daß der Geiſt
es nur dann iſt, wenn er von ſeiner Sohnesſtufe und dienenden
Erlöſeraufgabe ins Deſpotiſche entartet. Und wenn Klages die=
ſem
deſpotiſchen Geiſt gegenüber Rückkehr in vorbewußtes Trieb=
und Naturweſen als Arzeney erſehnt, ſo heißt das doch wohl
nicht mehr und nicht weniger, als die Schöpfungsgeſchichte des
Menſchengeſchlechts repetieren zu laſſen, aber ohne den Menſchen,
den Gott ſich zum Bilde ſchuf. Vor dieſer Folgerung hat Bach=
ofen
klar gewarnt, und Nietzſches Schickſal iſt wie ein Fanal an
dieſem Wege aufgerichtet. Max Scheler hat dieſe ſelbe
Lebensfeindlichkeit des Geiftes auch betont, aber er erkennt ihn
trotzdem als das Menſchtümliche an und löſt ſeinen Träger nicht
aus der Werte verwirklichenden Spannung mit der biologiſchen
Einheit Körper=Seele. Nirgends herrſcht zudem in der menſch=
lichen
Region ein abſoluter Geiſt, er wird immer wieder auf die
Natur des Menſchen bezogen werden und hat von dort ſeit je
ſeine Regulative erhalten. Und dieſe Bezogenheit iſt es, die der
Baſler Religionsphiloſoph in ſtiller Anſchauung vor der antiten
Kulturwelt als myſtiſches Symbol erlebt hat, als das Symbol
von Mutter und Sohn.
Daß Bachofen zu ſeiner Zeit in Deutſchland unbekannt blieb,
hat ſeine Gründe ſo gut wie ſein jetziges falſch oder richtig Ver=
ſtandenwerden
. Die ſtaatsſchöpferiſchen Energien der Bismarck=
Aera waren ſo voll aktiver männlich=geiſtiger Daſeinsfülle, waren
ſo geſund und gegenwartsnahe, daß von der in Kapitalismus
und Oekonomiſierung der Erde verborgenen Gefahr noch nichts
ſich geltend machen konnte. Der Imperialismus der politiſchen
Macht und der Technik hatte noch nicht den Deſpotismus der
Vor= und Nachkriegsjahre erreicht und die Kulturkriſe ſo bedroh=
lich
bewußt werden laſſen. Der zweite, rein wiſſenſchaftsmetho=
diſche
Grund liegt etwas verborgener und iſt ein dunkles Kapi=
tel
mehr in der Geſchichte der zünftigen Forſchung. Ihre Eng=

[ ][  ][ ]

Nummer 218

Freitag, den 8. Auguſt 1930

Seite 3

Randſtaaken=Probleme.
Friedensſkörer Temps. Unverankwortliche Heke
gegen Deutſchland.
Der Temps beſchäftigt ſich in einem Leitartikel mit der
Lage in Litauen, wobei er, ausgehend von der Memelfrage
auch auf die deutſch=polniſchen Beziehungen zu
ſprechen kommt und in dieſem Zuſammenhange Schlußfolgerun=
gen
aufſtellt, die eine merkwürdige Unkenntnis der dortigen Si=
tuation
aufzuweiſen haben. Offenbar bezweckt das Blatt mit
ſeinen Ausführungen unter Bezugnahme auf die akuten Rand=
ſtaatenprobleme
eine Hetze gegen Deutſchland,
die auch davor nicht zurückſcheut, in Unkenntnis der Zuſammen=
hänge
Behauptungen aufzuſtellen, die ſowohl in fachlicher als
auch in hiſtoriſcher Hinſicht jeder Grundlage entbehren. Denn
anders laſſen ſich die vollkommen widerſpruchsvollen Darſtellun=
gen
des Temps einfach nicht erklären.
Nur ein Blick auf die Genfer Verhandlungen, in denen dieſe
Probleme zur Debatte ſtanden, hätte dem Verfaſſer dieſes Ar=
tikels
genügen müſſen, um ſich von der Hinfälligkeit ſeiner Be=
hauptungen
zu überzeugen. Denn gerade die Tätigkeit der deut=
ſchen
Vertreter in Genf bei der Beratung dieſer Probleme dürfte
doch nachgeräde genug den Beweis erbracht haben, daß Deutſch=
land
im Oſten alles andere als eine annektioniſtiſche Politik ver=
folgt
. Außerdem iſt deutſcherſeits im Zuſammenhang mit den
polniſch=litauiſchen Auseinanderſetzungen, nichts unverſucht ge=
blieben
, um zwiſchen dieſen beiden Staaten die Anbahnung nor=
maler
Beziehungen in die Wege zu leiten. Weder jetzt noch in
vergangenen Tagen hat Deutſchland Pläne verfolgt, die, wie der
Temps behauptet, auf eine Annexion Memels durch Oſtpreu=
ßen
hinauslaufen. Man muß deshalb beinahe befürchten, daß
dieſe Behauptung, wie die, daß Deutſchland immer wieder die
Wiederherſtellung normaler Beziehungen zwiſchen Litauen und
Polen verhindert habe, nur in einer tendenziöſen Abſicht aufge=
ſtellt
wurde, um Deutſchland auf dieſe Weiſe einer Politik zu
verdächtigen, die nicht im geringſten Einklang mit den tatſäch=
lichen
Bemühungen Deutſchlands um den Ausbau des Friedens
ſteht. Es erübrigt ſich deshalb, im einzelnen auf die Ausfüh=
rungen
des Temps einzugehen, da die Haltloſigkeit dieſer
Verdächtigungen wohl in allen Kreiſen, die es mit der Wahrheit
genau nehmen, anerkannt werden dürfte.
Gerade im Hinblick auf die Schwierigkeiten der Oſtprobleme
iſt es aber zu bedauern, daß derartige Ausführungen der Oef=
fentlichkeit
überhaupt zugänglich gemacht werden konnten. Man
ſollte annehmen, daß der ſachlichen Betrachtung aus dieſem
Grunde ein größerer Raum gelaſſen würde, hat man doch des
öfteren in Genf feſtſtellen müſſen, daß vor allem in dieſen Fra=
gen
eine ſachliche Prüfung der Zuſammenhänge, die gewiß nicht
immer aus mancherlei Gründen von Anfang an zu ermöglichen
war, am Platze ſein muß. Entſtellungen, wie die des Temps,
ſind doch nur geeignet, den Weg zur Bereinigung dieſer zum
Teil recht diffizilen Fragen zu verſperren und damit ne e
Schwierigkeiten zu verurſachen, wo doch im Grunde genommen
alle Anſtrengungen gemacht werden müßten, um die Verhältniſſe
zu ſchaffen, die, organiſch notwendig, eine endgültige Stabiliſie=
rung
gewährleiſten.
Die Sprache der Sieger.
Paris, 7. Auguſt.
Eine Abordnung des Verbandes der franzöſiſchen Reſerve=
offiziere
überreichte Tardieu eine Denkſchrift über die Sicherheits=
frage
und die franzöſiſche Außenpolitik. In dieſer Denkſchrift
heißt es u. a., während Frankreich und ſeine Verbündeten den
großartigſten militäriſchen Sieg über Deutſchland davongetragen
hätten, ſei es Deutſchland jedoch gelungen, den großartigſten di=
plomatiſchen
Sieg über Frankreich zu erringen. 1921 ſeien die
Leiſtungen Deutſchlands an Frankreich auf 68 Milliarden Gold=
mark
feſtgelegt worden. Der Youngplan habe 1930 die deutſche
Schuld an Frankreich auf 20 Milliarden Goldmark herabgeſetzt.
Im Vergleich zu ſeinen urſprünglichen Forderungen erleide
Frankreich dadurch einen Geſamtverluſt von 1007 Milliarden
Papierfranken. Außerdem habe der Youngplan die Räumung des
beſetzten Gebietes nach ſich gezogen und zwinge Frankreich, ſeine
neuen Grenzen zu befeſtigen, was drei Jahre Arbeit und vier
Milliarden Franken koſten werde. Alle dieſe Opfer (21) habe man
ohne Entſchädigung oder Gegenleiſtungen gebracht. Weiter heißt
es in der Denkſchrift, daß die franzöſiſchen Truppen beim Abzug
aus dem Rheinlande von der Bevölkerung beſchimpft worden
ſeien, und daß man diejenigen Rheinländer, die ſich Frankreich
gegenüber korrekt benommen hätten, gepeinigt, verwundet und
geplündert habe. Die Annäherungspolitik habe ſomit Schiffbruch
erlitten und ebenſo wie die Politik gegenüber Italien die trau=
rigſten
Ergebniſſe gezeitigt. Die diplomatiſche Spannung zwiſchen
Frankreich einerſeits ſowie Deutſchland und Italien andererſeits
ſei heute ſchärfer denn je. Der Verband der Reſerveoffiziere

wendet ſich an Tardieu als Frontkämpfer und Reſerveoffizier
mit der Forderung, die franzöſiſche Außenpolitik zu revidieren
und die Frankreich aus dem Verſailler Vertrag zuſtehenden Rechte
in bezug auf das Saargebiet energiſch wahrzunehmen.
Der Skreik in Nordfrankreich dehnk ſich weiker aus.
Die Streiklage in der Textil=Induſtrie im Gebiet von Roubaix=
Tourcoing hat im Laufe des geſtrigen Tages weiter um ſich ge=
griffen
. Die Zahl der ausſtändiſchen Arbeiter beläuft ſich in dieſem
Bezirk auf 80 000. In Lille dagegen iſt die Zahl der ſtreikenden
Metall= und Textilarbeiter leicht zurückgegangen. In Halluin iſt
geſtern der Generalſtreik beſchloſſen worden. Infolgedeſſen wer=
den
heute einige andere Induſtriezweige, ſo die Wäſchereien,
Gummifabriken und Tapetenfabriken ſtillgelegt werden. Während
auf franzöſiſchem Boden Ruhe herrſcht, kam es geſtern abend
auf belgiſchem Gebiet wieder zu ernſten Zwiſchenfällen. In der
Nähe von Menin griff ein Demonſtrationszug von 1500 Streiken=
den
die Gendarmerie an, die wit der blanken Waffe und auf=
gepflanztem
Bajonett zum Gegenangriff überging. Etwa 20
Streikende wurden verletzt, darunter mehrere ſchwer.
Eine weitere Verſchärfung hat die Streikbewegung in Nord=
frankreich
durch die Beteiligung von etwa 300 000 Bergarbeitern
der Bezirke Anzin=Nord und Pas de Calais erfahren, denn dieſe
haben geſtern durch ihren Verband eine von den Unternehmern
ſchon wiederholt abgelehnte Forderung auf bezahlte Ferien er=
neut
geſtellt.
*
Paris im Zeichen lakenker Rervoſikäk.
Anhaltende Unzufriedenheit mit der Finanzpolikik
der Regierung Tardien.
Von unſerem Y=Korreſpondenten.
Paris, 7. Auguſt.
Die franzöſiſche Regierung veranſtaltet auf dem Lande eine
förmliche Propaganda; gewiſſermaßen als Antwort auf die Akti=
vität
der Oppoſition. In den Regierungskreiſen hat man die
dauernde Zunahme der oppoſitionellen Stimmung im Lande be=
reits
erkannt.
Darüber hinaus klangen aber die Reden Tardieus und haupt=
ſächlich
die Rede Paul Reynauds als Rechtfertigungen. Der
Finanzminiſter Paul Reynaud hat ſich nicht geſcheut, in Epinal
ein wirkliches Finanzexpoſé zu halten. Ob er damit ſein Ziel er=
reichte
und all die verſchiedenen Gerüchte über die Finanzpolitik
zerſtreuen konnte, iſt eine andere Frage. Denn es herrſcht eine
große Konfuſion in allen finanzpolitiſchen Fragen. Das iſt es,
was die heutige Lage auf dem erſten Blick von der Situation
unter Poincars und Chéron unterſcheidet. Während damals
überall Zuverſicht und Vertrauen herrſchte, ſteht jetzt alles im
Zeichen einer latenten Unruhe und Nervoſität, die mit rein logi=
ſchen
Argumenten nicht ze treut werden kann.
Zweifellos iſt die allsmeine Wirtſchaftslage an dieſer Situ=
ation
mehr Schuld als die Finanzpolitik der Regierung. Dieſe
kann eigentlich nur wegen der andauernden Goldaufhäufung
der Banque de France angegriffen werden. Aber es ſcheint mehr
als fraglich, ob in Anbetracht der engliſchen und amerikaniſchen
Finanzpolitik die Banque de France ihre bisherige Taktik über=
haupt
ändern könnte.
Mit ſeiner Wirtſchaftspolitik hat Tardieu entſchieden ſehr
wenig Glück. Von ſeinem großzügigen Inveſtitionsprogramm, von
der narionalen Ausrüſtung rückt die öffentliche Meinung lang=
ſam
aber deutlich ab. Man zweifelt an der Durchführbarkeit des
ganzen Planes, und nicht nur in der Oppoſition ...
Die Durchführung des Geſetzes über die ſoziale Verſicherung
hat bisher keine beſonders günſtigen Ergebniſſe gebracht. Die
Arbeiter verhalten ſich an vielen Orten entſchieden ablehnend, die
alten Mutualités funktionierten in vielen Fällen vorteilhafter.
Dazu kommt noch, daß die Gewerkſchaften die ganze Laſt der
Verſicherung auf die Arbeitgeber abzuwälzen verſuchen. Sie
argumentieren damit, daß die Kaufkraft der Löhne ſowieſo im
ſtändigen Sinken begriffen iſt. Dieſe Argumentation kann auch
nicht bezweifelt werden.
Die Streikbewegung in Nordfrankreich, die immer mehr um
ſich greift, hat in der Frage der ſozialen Verſicherungen ihren
Ausgangspunkt. Es wäre durchaus falſch, ſie als eine politiſche
Manifeſtation aufzufaſſen. Es iſt ein Lohnkampf, hinter dem
man vergeblich kommuniſtiſche Propaganda ſucht. Es iſt wahr,
daß die Gewerkſchaften in Frankreich ſich wieder mehr nach links
orientieren; es mag auch ſein, daß die Sozialiſten die vielen
kommuniſtiſchen Elemente, die zu ihnen übergingen, noch nicht
ganz abſorbieren konnten. Aber allein das reſtloſe Verſagen der
kommuniſtiſchen Manifeſtation am 1.: Auguſt beweiſt, daß die
Kommuniſten ihren Einfluß auf die Arbeiterſchaft in Frankreich
größtenteils eingebüßt haben.

Keine Wahlreform in England.
Figsko der Arbeiten der Wahlreform=Kommiſſion.
Von unſerem (D=Korreſpondenten.
London, 7. Auguſt.
Eine der erſten Verfügungen, die Mr. Ramſay MacDonald
vor Jahresfriſt, als er ans Ruder kam, erließ, war die Ein=
ſetzung
einer Wahlreform=Kommiſſion, unter dem
Vorſitz von Lord Ullswater. Die Einſetzung dieſer
Kommiſſion war vor allem auf Drängen der Liberalen erfolgt:
das gegenwärtige engliſche Wahlſyſtem, das weder den Proporz,
noch die Aufrechnung der Reſtſtimmen kennt, läßt bei jeder Wahl
ſtets mehrere Millionen Stimmen unberückſichtigt; während der
letzten drei Wahlen hatten von dieſem unvollſtändigen Wahl=
ſyſtem
vor allem die Liberalen zu leiden; und nur natürlich war
es, daß gerade dieſe Partei ſich ganz beſonders für eine radikale
Reformierung des Wahlſyſtems einſetzte.
Die Kommiſſion Lord Ullswaters begann ihre Arbei=
ten
im Dezember vorigen Jahres. Sie beſtand aus
23 Mitgliedern. Außer Lord Ullswater ſelbſt, gehörten ihr unter
anderem an: von den Konſervativen Lord Hugh Cecil und
Sir Samuel Hoare, von den Liberalen Miß Megan Lloyd
George und Sir Herbert Samuel, von der Labour=Party
Captain Bennet und Mr. G. Dallas. Die Kommiſſion arbeitete
ganze 8 Monate, ſie hielt eine endloſe Reihe von Sitzungen ab,
zahlreiche Memoranden wurden durchſtudiert uſw. Doch zu guter
Letzt endete die Kommiſſion dennoch mit einem Mißerfolg. Die
Anſichten der drei Parteien ließen ſich beim beſten Willen nicht
in Einklang bringen. Und Lord UUswater teilte in der letzten
Juli=Woche dem Premier in aller Form mit, daß die Kommiſ=
ſion
die ihr geſtellten Aufträge nicht habe erfüllen können und daß
ſie ſich ſelbſt aufgelöſt hätte. Ueber die Arbeiten der Kommiſ=
ſion
reichte er einen ſchriftlichen Bericht ein.
Lieſt man nun dieſen Bericht Lord Ullswaters
durch, ſo ſchälen ſich immerhin aus ihm zwei nicht unintereſſante
Ergebniſſe der Beratungen heraus: erſtens die Tatſache, daß die
Vertreter aller drei Parteien die Einführung des Pro=
porz
=Syſtems als für England nicht anwendbar
bezeichneten, und zweitens, daß eine große Anzahl der Kommiſ=
ſions
=Mitglieder als die wünſchenswerteſte und am leichteſten zu
verwirklichende Reform die Einführung einer Alter=
nativ
=Stimmabgabe bezeichneten. Dieſe beſteht darin,
daß beim Vorhandenſein von drei Wahlkandidaten jeder Wähler
auf ſeinem Stimmzettel zwei Namen zu markieren hätte mit
Nr. 1 denjenigen, den er in erſter Linie gewählt ſehen möchte, und
mit Nr. 2 denjenigen, den er für den Fall einer niht genügendem
Mehrheit für einen der drei Kandidaten, als den Nächſtliebſten
gewählt ſehen würde. Man ſtellt ſich dieſe Prozedur etwa ſo
vor: wenn von drei Wahlkandidaten, A., B. und C. die beiden
erſten, A. und B., die Mehrheit aller Stimmen erhalten, ſo wer=
den
die für C. abgegebenen Stimmen annuliert und dieſe
Stimmen, gemäß dem Alternativ=Syſtem, entweder zu A. oder
zu B. zugeſchlagen.
Ein derartiges Syſtem dürfte uns Kontinentalen faſt bar=
bariſch
erſcheinen. Aber für Englandſcheint esder ein=
zige
Ausweg zu ſein. Im Jahre 1929 gab es in 469 Wahl=
bezirken
drei Kandidaten. Von dieſen 469 Bezirken gingen in
nur 161 Bezirken Kandidaten durch, die mit der Mehrheit aller
Stimmen gewählt wvunden. In nicht weniger als 308 Bezirken
hingegen ſind Kandidaten gewählt worden, auf die nur eine Min=
derheit
aller Stimmen entfallen war. Ueber 6 Millionen Stim=
men
gingen völlig verloren. Bei der Einführung des Alternativ=
Syſtems, ſagen die Befürworter dieſer Reform, könnten dieſe
6 Millionen Menſchen wenigſtens einen für ſie nächſtliebſten
Kandidaten ins Parlament ſchicken.
Nun aber iſt, infolge des Fiaskos der Arbeiten
der Wahlreform=Kommiſſion, ſelbſt die Ausſicht auf
dieſe geringfügige Beſſerung des gegenwärtigen Wahlſyſtems in
weite Fernen gerückt. Die Liberalen zeigten ſich über den nega=
tiven
Ausang der Arbeiten der Ullswater=Kommiſſion völlig ver=
zweifelt
. Dagegen iſt bei den Konſervativen und bei der Labour=
Party von einer Enttäuſchung oder einem Aerger ſo gut wie
nichts zu merken. Dieſe beiden Parteien haben ja von der Ueber=
vorteilung
der liberalen Kandidaten ſtets gewonnen. Im Grunde
ihres Herzens ſind ſie daher an einer Wahlreform nicht im
Geringſten intereſſiert.

herzigkeit, ihr Schul= und Cliquencharakter machte ſie unfrei ge=
nug
, ſpröde genug, Bachofens unbedingt lebendige Methode der
hiſtoriſchen Forſchung und damit gleichzeitig ſeine Ergebniſſe ab=
zulehnen
. Erwin Rhode ſchrieb lieber lange Seiten ſeiner
Pſyche in philologiſchem Leerlauf, als daß er ſich mit dem echten
Liebhaber der Antike in irgendeinem Problem gefunden hätte,
trotz weitgehender Uebereinſtimmungen im Sachlichen, die wir in
ſteigendem Maße von da ab auch ſonſt in der klaſſiſchen Philolo=
gie
feſtſtellen können. Erſt heute aber, wo auch die Mode über
den Menſchen und ſeine Hinterlaſſenſchaft hinweggerauſcht iſt,
iſt man bereit, ſich Bachofen in Ruhe und Liebe zu nähern.
Das Teſtament Siegfried Wagners. Siegfried Wagner hat
in ſeinem Teſtament ſeine Gattin, Frau Winifred, als alleinige
Erbin eingeſetzt und als alleinige zukünftge Leiterin der Bay=
reuther
Feſtſpiele beſtimmt. Auf ihren Wunſch hin haben ſowohl
Künſtlerſchaft als auch alle an den Feſtſpielen beteiligten Stellen
ihre Aemter beibehalten. Eine Abſetzung der Bayreuther Feſt=
ſpiele
dürfte mit Rückſicht auf die bereits getroffenen umfang=
reichen
Vordereitungen nicht in Frage kommen.
Ferdinand Bonn: Trenck der Mann in Eiſen, (Franz
Schneider Verlag, Leipzig. Gebd. 3,80 Mk.)
Das bewegte, abenteuerliche Leben des Freiherrn von der Trenck,
des einſtigen Günſtlings des großen Fritz und ſein nachmalig von ihm
bis zum Tode gehetzter und verfolgter Feind, dieſe hiſtoriſche Perſönlich=
keit
, die ſchon ſo viele Schriftſteller zur Geſtaltung reizte, hat in Ferd.
Bonn eine ſtark dramatiſche Verlebendigung gefunden. Knappheit und
Prägnanz des Ausdrucks im beherrſchten Stil geben ſtarke Spannungs=
momente
in der Erzählung und Charakteriſierung der handelnden Per=
* *
ſonen.
Ap. Das Geheimnis. Roman von Grazia Delleda. (Verlag von
J. P. Bachem, Köln. Preis broſch. 4 Mk., gebd. 5,50 Mk.)
Die Verfaſſerin, Nobelpreisträgerin des Jahres 1927, entrollt dem
gebannten Leſer ſozuſagen ein Pandämonium der Liebe. Irgendwo in
Italien, am Strande des Meeres, in einer Sand= und Ginſterwüſte‟,
lebt ein Einſamer. Sein Herz iſt tot, er flieht die Menſchen. Das
Einzige, was er in ſeinem Hauſe duldet, iſt ein Kater. Eine junge
Bäuerin aus dem Nachbardorfe bringt ihm den nötigen Lebensunterhalt.
Sie iſt ſeine ergebene und hörige Magd, und er ergreift Beſitz von ihr.
Aber es iſt das reine Triebhafte, was ihn zu ihr führt, und nicht
Lebensinhalt; die echte Liebe fehlt. Er findet ſie wieder in einer an=
deren
Frau, der Gattin eines Arztes, der ſich am Strande angeſiedelt
hat. Dieſer erliegt einem ſchweren Nervenleiden, das ihn plötzlich über=
fallen
hat, und ſtirbt in geiſtiger Umnachtung. Als fürchte der Einſame
die neue Gemeinſchaft, flieht er wieder, ehe er noch zum Bewußtſein
ſeines neuen Glückes kommt. Das Verlangen, frei zu ſein, ſeinem
Schmerze offenen Lauf laſſen zu können, iſt ſtärker als alles andere.
Stark wis die Schilderung der ſeeliſchen Vorgänge iſt, die der Land=

ſchaft, in denen ſich das ſpannungsvolle Geſchehen abſpielt. Das Ge=
heimnis
hat die Verfaſſerin ihren Roman benannt. Es iſt das Ge=
heimnis
der Natur und der ewig widerſtreitenden Menſchenſeele, das
ſich uns hier offenbart. Die Uebertragung von Theodor Lücke wird
dem bald zarten, bald dämoniſchen Charakter der Handlung in allen
Teilen gerecht.
* Das Leben der Autos. (Zu dem gleichnamigen Buch von
Ilja Ehrenburg.*) Daß die Maſchine den Menſchen verſklavt, iſt
noch immer eine ziemlich landläufige Weisheit, bei der nur über=
ſehen
wird, daß die Maſchinen gerade und ausſchließlich die
mechaniſchen Arbeiten dem Menſchen abnehmen. Immerhin iſt
dieſe peſſimiſtiſche Auffaſſung verſtändlicher als das Gehaben
harmloſer Fortſchrittsfreunde, die der Maſchinenwelt ein Mäntel=
chen
von fadenſcheiniger Romantik umhängen, unter dem das Ge=
ſpenſtige
, Kataſtrophale, Verdummende und Verflachende nur
deſto kraſſer zum Vorſchein kommt. Ilja Ehrenburg hat die
Maſchine Auto zum Gegenſtand eines Buches gemacht, er hat ver=
ſucht
, hinter manche Kuliſſen der Technik und Wirtſchaft zu ſehen,
er hat Erfindung, Herſtellung, Vertrieb des Autos ſtudiert und
bemüht ſich nun, die Auswirkungen des Autos auf die Bewohner
der Erde darzuſtellen. Aus Zeitungsnotizen, Gerichtsprotokollen,
Sitzungsberichten, Memoiren, Tagebüchern hat er das Rohmate=
rial
herbeigeſchafft, das er mit Freiheit, aber ohne Willkür be=
handelt
. In einer Form, die zwiſchen Bericht und Novelle wech=
ſelt
, beſchreibt er z. B.: das Leben der farbigen Arbeiter auf den
Gummiplantagen und das ihrer weißen Aufſeher, die furchtbar
abſtumpfende Tätigkeit am laufenden Band in europäiſchen und
amerikaniſchen Fabriken, die Spekulationen und Aengſte des
Haſardeurs André Citroen, die Kämpfe um Kautſchuk oder Ben=
zin
oder Abſatzgebiete etwa zwiſchen Ford, Deterding, Rakowſki,
die Machenſchaften der Börſenleute, die Reklamefeldzüge und end=
lich
das Auto in ſeiner Funktion, eine Welt von Millionen
dahinraſender Maſchinen, in der die Menſchen eine untergeord=
nete
Stelle einnehmen, in der ſie mitgeriſſen werden von ſinn=
loſer
und zerſtörender Haſt.
Das Poſitive an Ehrenburgs Arbeit; er hat ſich einen ge=
wiſſen
Einblick in ſehr verwickelte und verzweigte Dinge verſchafft
und hat Auswirkungen ſichtbar gemacht, die heute faſt niemand
mehr hinter den Börſenberichten, Statiſtiken, Ziffern ſieht, Aus=
wirkungen
, die der Arbeiter auf Sumatra genau ſo ſpürt wie
jeder von uns. Denn an den Kämpfen um Gummi, Benzin oder
Oel nimmt, wiſſend oder unwiſſend, jeder von uns teil, er braucht
nur das kleinſte Motorrad zu ſteuern, er braucht nur Fahrgaſt in
einem Autobus zu ſein. Inſofern hat Ehrenburg ein Stück Zeit=
chronik
gegeben, aber ſein Blick iſt zu ſtarr aufs Negative gerichtet.
Es iſt gewiß gut, der Realität ſtandzuhalten, und Ehrenburgs
Haltung iſt weit entfernt von kleinbürgerlichem Groll gegen das
Zeitalter; was ihn treibt, iſt die heftige Erbitterung eines Dich=
ters
, die ſich noch am Mitleid mit blutenden Gummibäumen ent=
zündet
. Darüber hinaus aber hat ſich der Dichter keine Gedanken
gemacht über den Sinn dieſer induſtrialiſierten Erde, über die
Notwendigkeit der Lebensgemeinſchaft zwiſchen Menſch und Ma=

*) Malik=Verlag, Berlin.

ſchine, über die Bedeutung der Verringerung aller Entfernungen,
die eine neue Epoche einleitet. Hier frühzeitig den Sinn des
Kommenden zu erfahren, iſt die Aufgabe. Dabei iſt abergläu=
biſche
Furcht vor der Maſchine aus der zuletzt alle Feindſchaft
gegen ſie entſpringt, nicht am Platze.
Dr. N.
* Otto Flake, Marquis de Sade. S. Fiſcher Verlag, Berlin.
Der Begriff Sadismus hat den Namen des Marquis de Sade
verewigt, deſſen Leben Flake hie reiner Unterſuchung unterzieht,
die ſich nicht auf die Kreiſe der Fachleute beſchränkt. Sade war
mehr als ein Pornagraph und er war, keinesfalls wahnſinnig;
man kann ihn alſo weder in die Kurioſitätenkammer der ſogenann=
ten
Sittengeſchichte einſperren, noch ihn dem Pſychiater ausliefern.
Daß Napoleon ihn ins Irrenhaus ſteckte, war faſt ebenſo willkür=
lich
wie die Gefängnishaft, in der ihn die Bourbonen ein halbes
Leben lang hielten. Der C oniſt kann ihm ebenfalls einige halb=
wegs
beglaubigte Gewalttätigkeiten anrechnen, im übrigen lebte
er nicht ſchlimmer als ein großer Teil ſeiner Standesgenoſſen, und
er wäre nicht intereſſanter als ſie ohne ſeine ſehr zahlreichen
Bücher, von denen ein Teil, ohne erotiſchen Einſchlag, philoſo=
phiſche
und moraliſche Dinge behandelt, während andere, zeitlich
weit auseinanderliegende Schriften jene grauenhaften Phantaſien
enthalten, denen er ſeinen, abſchreckenden Ruhm verdankt. Sade
gehört zweifellos zu den negativen Erſcheinungen, aber für die
Geiſtesgeſchichte und Seelenforſchung ſind die problematiſchen Na=
turen
nicht weniger kenntniswert; zudem entbehrt das Weſen
Sades nicht eines tragiſchen Untertons.
Flake beleuchtet den Fall von der pſychologiſchen, charakter=
kundlichen
und kulturgeſchichtlichen Seite, ſeine Darſtellung iſt,
wie immer, klar und konzentriert, ſeien Wertungen ſind gerecht
und entſchieden. Sein Ergebnis, daß Sade ein Vorläufer des
Naturalismus und hundert Jahre von Krafft=Ebing, der erſte
Syſtematologe der Pſychopathia ſexualis war, iſt eine hinlängliche
Rechtfertigung des zunächſt nur ſeſationell ſcheinenden Themas.
Dr. N.
Bilder aus der heſſiſchen Kirche von Wilhelm Müller,
Verlag von C. F. Winter in Darmſtadt. Mit 10 Kunſtbeilagen
und 8 Textbildern.
Viel zu wenig bekannt ſind dieſe Bilder aus der heſſiſchen
Kirche, die uns Wilhelm Müller, der verdienſtvolle Schrift=
leiter
an den Heimatblättern für beide Heſſen, Naſſau und Frank=
furt
: Volk und Scholle gegeben hat und die es verdienen, nicht
nur von Kirchenfreunden geleſen zu werden. Wilhelm Müller iſt
ein ausgezeichneter Erzähler, und wenn wir dazu noch hören vom
Beerfelder Kirchenfenſterſtreit, von den Darmſtädt, kirchlichen
Zuſtänden um das Jahr 1800 von Fürſt Bismarck in einer
heſſiſchen Dorfkirche vom Kirchengeſang", von Pfarrerorigi=
nalen
von Ortschroniken, von einem Schülerſtreik im Jahre
1774, von Schwedenerinnerungen von Matthias Claudius in
Darmſtadt, von Luther und dem vergifteten Glas Wein", von
Aberglauben und Unglauben und vielem Andern noch, dann geben
wir gern das mit ſo vielen guten Bik ern ausgeſtattete Buch auch
Walter Schweter.
als liebes Geſchenk weiter.

[ ][  ][ ]

Seite 4
OM
Hans Bernau
Helene Bernau
geb. Wiegand
Vermählte
Darmſiadt, 9. Auguſt 1930.
Rhönring 44.
Die kirchl. Trauung findet am 9. Auguſt,
nachmittags 3 Uhr, in der Eliſabethen=
kirche
ſiatt.

Statt Karten.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
und die zahlreichen Kranzſpenden
bei dem Heimgang unſeres lieben Ent=
ſchlafenen

gerrn zohann Krauß
ſagen wir Allen unſeren innigſten Dank.
Ganz beſonders danken wir Herrn
Pfarrer Heß für die troſtreichen Worte
am Grabe, ſowie der Schneider=Innung
Darmſtadt für die Kranzniederlegung.
Die trauernd. Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 7. Auguſt 1930.
Nieder=Ramſtädterſtr. 57. (12125

Freitag, den 8. Auguſt 1930

Nummer 218

Dankſagung.
Für die uns von allen Seiten er=
wieſene
Teilnahme bei dem plötz=
lichen
Hinſcheiden unſeres unvergeß=
lichen
Vaters, Schwiegervaters und
Großvaters
Herrn Daniel Fiſcher
ſagen wir unſeren herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Traiſa, den 7. Auguſt 1930.

Dr. med. Riemenſchneider
wird bis auf weiteres vertreten von
den Herren:
Dr. Berger, Wilhelminenſtraße 5
Dr. Bernet, Jahnſtraße 34
Dr. Buchhold, Aliceſtraße 19½
Dr. Gallus, Bismarckſtraße 23
Dr. Hein, Hermannſtraße 25
Dr. H. Hofmann, Lauteſchläger=
ſtraße
16
Dr. Leydhecker, Heinrichſtraße 23.
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den 6. Auguſt 1930.
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Dr. M. Grad
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[ ][  ][ ]

Nummer 218

Freitag, den 8. Auguft 1930

Seite 5

Aus der Laudeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 8. Auguſt.

241PAulohrtfe.

Die Berfaſſungsfeier in Darmſtadk.
Der diesjährige Verfaſſungstag ſteht nicht nur im Zeichen der
Befreiung der beſetzten Gebiete von ſchwerem Beſatzungsdruck,
ſondern für Darmſtadt

s Programm für die Darmſtädter Veranſtaltungen
mußte ſich dieſen Ereigniſſen anpaſſen.
Am Sonntag abend, dem 10. Auguſt, 21 Uhr, werden in der
Feſthalle auf dem Exerzierplatz die Meiſterſchaften der
Studenten mit der Siegerverkündung und Preis=
verteilung
feierlich beſchloſſen. Es wird dabei des Verfaſ=
ſungstages
beſonders gedacht werden. Im Anſchluß an die Sieger=
verkündung
wird etwa um 23 Uhr auf dem Exerzierplatz zu Ehren
der Verfaſſung der Deutſchen Republik ein beſonders ſchönes
Feuerwerk abgebrannt werden. Der Fackelzug muß dieſes Jahr
im Hinblick auf die ſonſtigen Veranſtaltungen ausnahmsweiſe
ausfallen.
Am Montag vormittag finden die Entſcheidungskämpfe um
die Verfaſſungsplaketten auf dem Exerzierplatz ſtatt. Pünktlich um
11.30 Uhr beginnt der Feſtakt im Städtiſchen Saalbau.
Er wird eröffnet mit der Ouvertüre zum Freiſchütz von Carl
Maria von Weber, vorgetragen vom Städtiſchen Orcheſter. Dann
ſingt der Volkschor Wachet auf aus den Meiſterſingern von
R. Wagner. Im Mittelpunkt der Feier ſteht die Verfaſ=
ſungsrede
des Herrn Miniſters Korell. Danach ſingt der
Volkschor Die Flamme lodert von Beethoven. Die Feier wird
durch das Stadtorcheſter beſchloſſen mit der Egmont=Ouvertüre
von Beethoven. Die Bevölkerung von Darmſtadt wird aufgefor=
vert
an den Veranſtaltungen, insbeſondere dem Feſtakt, zu dem
der Eintritt frei iſt, zahlreich teilzunehmen. Sonſtige Veranſtal=
tungen
können am Montag im Hinblick auf die Zeppelinlandun=
gen
nicht ſtattfinden.

In den Ruheſtand verſetzt wurden: Am 1. Auguſt: der
Strafanſtaltsoberwachtmeiſter bei der Zellenſtrafanſtalt Butzbach
Johannes Friedrich auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom
Dezember 1930 an; am 2. Auguſt: der Juſtizſekretär bei dem
Amtsgericht Groß=Gerau Auguſt Alexander Leichner, mit
Wirkung vom 1. November 1930 an.

Reichsfinanzverwaltung Landesfinanzamt Darmſtadt.
Der Vorſteher des Finanzamts in Homberg (Oberheſſen), Regie=
rungsrat
Bieger, wird als Vorſteher an das Finanzamt in
Hungen (Oberheſſen) und Steueramtmann Meißinger beim
Finanzamt Darmſtadt=Land wird als Vorſteher an das Finanz=
imt
in Homberg (Oberheſſen) verſetzt.

Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Zur Wiederbeſetzung
werden ausgeſchrieben: die evangeliſche Pfarrſtelle zu Dolges=
heim
, Dekanat Oppenheim: die evangeliſche Pfarrſtelle zu
Lehrbach Dekanat Alsfeld; die evangeliſche Pfarrſtelle zu
Altenſchlirf. Dekanat Lauterbach (den ſämtlichen Riedeſel,
Freiherren zu Eiſenbach, ſteht das Präſentationsrecht zu); die
zweite evangeliſche Pfarrſtelle zu Reichelsheim a. O., Deka=
nat
Erbach (dem Grafen zu Erbach=Erbach ſteht das Präſenta=
tionsrecht
zu).

Der Heſſiſche Automobil=Club E. V. (A. v. D.) ſchreibt uns:
Die AHA Autohilfe G.m.b.H., Berlin W. 8, Wilhelmſtraße 46.
hat ſich die Aufgabe geſtellt, auf den befahrenſten Autoſtraßen
des Reiches einen als vorbildlich zu bezeichnenden Autohilfsdienſt
für Kraftfahrer einzurichten; ſie genießt hierbei die weitgehendſte
Unterſtützung und Förderung des Reichsverkehrsminiſteriums und
des Reichspoſtminiſteriums.
Die AHA Autohilfe iſt eine gemeinnützige Geſellſchaft, der
die führenden Verbände der Automobilinduſtrie und des Auto=
mobilhandels
ſowie unſere führenden Verkehrsverbände und Auto=
mobilklubs
angehören. Mit dem Deutſchen Roten Kreuz und dem
Arbeiter=Samariter=Bund arbeitet ſie in engſter Fühlungnahme
zuſammen.
Vor zirka einem Jahr hat die AHA die Strecke Berlin- Leip=
zig
als erſte Strecke mit Streckentelephonen ihres Syſtems aus=
gebaut
. Dieſe Streckentelephone befinden ſich in einem verſchloſ=
ſenen
, runden Gehauſe, und ſind die Apparate an 3 Meter hohen
Maſten, die in der Reihe der Chauſſeebäume am Straßenrande
zur Aufſtellung gelangt ſind, angebracht. Dieſe Maſte ſind durch
weißen Anſtrich und ein Schild Fernſprecher Autohilfe deutlich
gekennzeichnet, ſie erhalten zur beſſeren Auffindung für die Nacht
Rückſtrahlvorrichtungen. Das Wahrzeichen der 4HA, die grün=
roten
Kreuze, durfte den meiſten Automobiliſten bereits be=
kannt
ſein.
Durch ihre Fernſprecher bietet die AHA dem Kraftfahrer bei
Unglücksfallen die Möglichkeit, ſich ſchnellſtens Hilfe herbeizurufen.
Die Fernſprecher ſind mittels beſonderer Leitung mit der nächſt=
gelegenen
größeren Werkſtätte direkt verbunden, ſo daß ein Anruf,
ohne erſt über das Poſtamt geſchaltet zu werden, ſogleich bei der
zuſtändigen Hilfsſtation ankommt.
Die Hilfsſtationen der Autohilfe ſind als ſolche wieder
durch Schilder mit den grün=roten Kreuzen gekennzeichnet, und
haben dieſe Hilfsſtationen ſich vertraglich verpflichten müſſen, ſo=
wohl
bei Unglücksfällen erforderlichenfalls ſofort ärztliche ſowie
polizeiliche Hilfe zu beſchaffen, als auch einen ſtändigen Bereit=
ſchaftsdienſt
zu unterhalten, ſo daß ankommende Hilferufe jederzeit,
am Tage und in der Nacht, Sonntags und Alltags, gehört werden.
Die Fernſprecher befinden ſich auf den Strecken natürlich nur da, wo
zwiſchen einzelnen Ortſchaften größere Entfernungen beſtehen, alſo
normalerweiſe auf einer längeren Strecke keine Telephonmöglich=
keit
vorhanden iſt.
Die AIA hat außerdem mit einer ganzen Reihe von Gaſt=
wirtſchaften
welche an der Landſtraße liegen und Reichsfern=
ſprecher
haben, Verträge abgeſchloſſen, die die Gaſtwirtſchaften
zur Entgegennahme von Unfallmeldungen verpflichten und durch
die den Mitgliedern der Autohilfe die Möglichkeit gegeben
iſt. gegen Erſtattung der Telephongebühren jederzeit die Reichs=
telephone
der Gaſtwirtſchaften ſowie die von der AHA in den
Gaſtwirtſchaften devonierten Materialien zu benutzen.
Auch dieſe Gaſtwirtſchaften ſind durch Naſenſchilder, die die
grün=roten Kreuze und die Bezeichnung Autohilfe Fern=
precher
tragen. gekennzeichnet.
Die Autohilfe hat ferner auf Strecken, auf denen auf
längere Entfernung keine ärztliche Hilfe zu haben iſt, an Gaſt=
häuſern
, die ſich zur Verfügung geſtellt haben, Schilder ange=
racht
mit ihren grün=roten Kreuzen und der Bezeichnung Un=

fallmeldeſtelle Verbandskaſten. Bei dieſen Gaſthäuſern
iſt für die erſte Hilfe, vor Eintreffen des Arztes, ein Verbands=
kaſtchen
mit dem allernotwendigſten Verbandsmaterial uſw. zur
unentgeltlichen Entnahme für die Abonnenten der AHA deponiert.
Auf den ausgebauten Strecken befinden ſich an jedem fünften
Telegraphenmaſt der Reichspoſt ein kleiner Richtungspfeil ( weiß=
grundig
mit grün=rotem Kreuz) welcher dem Hilfeſuchenden die
Richtung angibt, die er einzuſchlagen hat, um die nächſtgelegene
Meldeſtelle zu erreichen.
Zuſammenfaſſend kann geſagt werden, daß auf den ſo aus=
gebauten
Strecken rund alle 4 Kilometer eine Fernſprechmöglich=
keit
, wenn man die dazwiſchenliegenden Orte hinzunimmt noch
häufiger, gegeben iſt, ſo daß alſo im ungünſtigen Falle der von
einer Panne oder Unglücksfall Betroffene etwa 2 Kilometer zu=
rücklegen
muß, um ſich Beiſtand herbeizuholen.
Wie bereits erwahnt, ſind vor zirka einem Jahr die Strecken
von Berlin nach Leipzig und Halle als erſte Strecken
Deutſchlands mit dieſen muſtergültigen Hilfsdienſtanlagen ver=
ſehen
worden. Inzwiſchen ſind die Strecken von Berlin nach Mag=
deburg
, Neubrandenburg (Meckl.), Eberswalde (Stettin), Frank=
furt
a. d. Oder, Küſtrin, Jüterbog (Dresden) und die bayeriſche
Strecke von Munchen nach Nürnberg über Ingolſtadt Weißen=
burg
Roth in gleicher Weiſe ausgebaut worden.
Im ganzen ſind hiermit rund 1200 Kilometer Hauptſtraßen
von der ATA mit rund 100 eigenen Strechſtellen an beſonderen
Maſten und rund 250 Hilfsfernſprechſtellen für Unfallmeldungen,
bei denen durchwegs Verbandsmaterial deponiert iſt, ausgebaut.
In Vorbereitung befindet ſich die Strecke Berlin nach Ham=
burg
, und iſt geplant, eine weitere ſüddeutſche Straße, und zwar
die Strecke von Frankfurt a. M. über DarmſtadtHeidelberg
BruchſalStuttgart nach Ulm auszubauen.
Es iſt durchaus wünſchenswert, daß die Kraftfahrer dieſe
Organiſation voll unterſtützen. Der zu zahlende Jahresbeitrag von
RM. 15. für Kraftwagenfahrer (Mitglieder der angeſchloſſenen
Clubs erhalten noch eine Ermäßigung) und RM. 7 für Kraft=
radfahrer
iſt angeſichts der nicht unbedeutenden Herſtellungs= und
Unterhaltungskoſten ſo niedrig gehalten, daß es ſelbſtverſtändliche
Pflicht jedes Fahrers ſein ſollte, der Autohilfe beizutreten. Je
zahlreicher die Kraftfahrer der AHA als Abonnenten beitreten,
deſto ſchneller läßt ſich der Ausbau des geſamten deutſchen Straßen=
netzes
mit dieſen ausgezeichneten Anlagen durchführen.
Die Autohilfe gibt ihren Mitgliedern für den Abonne=
mentsbeitrag
einen Telephonſchlüſſel, der zu jedem Apparat
paßt, ganz gleich, auf welcher Straße ſich der Fahrer befindet;
ferner eine Mitgliedskarte, die den Fahrer berechtigt, bei einem
Unfall in ſämtlichen Unfallmeldeſtellen der Autohilfe koſten=
los
Verbandsmaterial zu entnehmen. Der Abonnent erhält außer=
dem
Wagenplakette, die das Fahrzeug auch äußerlich als der AHA
angeſchloſſen kenzeichnet.
Außerdem erhält jedes Mitglied koſtenlos die Spezialſtrecken=
karten
der AIA, in denen die Streckenfernſprecher ſowie die Un=
fallmeldeſtellen
der Autohilfe eingezeichnet ſind.
Beitrittserklärungen ſind zu richten an die AHA Auto=
hilfe
G. m. b. H., Berlin W. 8, Wilhelmſtraße 46. Außerdem
nimmt jede Hilfsſtation der Autohilfe ſowie die ihr ange=
ſchloſſenen
Clubs und Verbände Beitrittserkärungen entgegen.

Die Sportausſtellung im Landesmuſeum, mit unfehlbar
richtiger Wendung Die geiſtige Idee im Sport genannt, iſt
täglich von 10 bis 13 Uhr bei freiem Eintritt ge=
öffnet
. Die hiſtoriſche und ſyſtematiſche Abteilung derſelben iſt
im Veſtibül des Muſeums aufgeſtellt, die Abteilung Sport und
Kunſt im Kupferſtichkabinett. In der letzteren ſind auch zwei
Darmſtädter Maler vertreten, Karl Deppert und Karl Scheld.
Es iſt beabſichtigt, ihr in einigen Tagen auch Momentſkizzen von
der noch im Gang befindlichen Studenten=Olympiade hinzuzu=
fügen
. Im Veſtibül, ſind außerdem in einer Vitrine die
Sportpreiſe des Herrn Reichspräſidenten von Hindenburg, des
Herrn Staatspräſidenten Adelung (Bildhauer und Elfenbein=
ſchnitzer
Frölich=Erbach), des Herrn Geh. Kommerzienrats Dr.
Wilhelm von Opel, der Deutſchen Sportbehörde für Leichtathletik
und der Darmſtädter Hochſchule ausgeſtellt.

Der Neubau des chirurgiſchen Krankenhauſes des Diakoniſ=
ſenhauſes
Eliſabethenſtift iſt nun vollendet und wird in den näch=
ſten
Tagen in Gebrauch genommen werden. Am Sonntag, den 10.
Auguſt, nachmittags 2.30 Uhr findet die feierliche Einweihung des
Baues ſtatt. Herr Prälat D. Dr. Diehl wird die Weiherede halten.
An dieſe Feier wird ſich anſchließen die Beſichtigung des Hauſes,
die für jedermann freigegeben iſt. Nach der Beſichtigung findet
eine Nachfeier ſtatt im Garten des Mutterhauſes, bei der Kaffee
gereicht wird und verſchiedene Anſprachen gehalten werden. Alle
Freunde des Hauſes ſind zu dieſer Feier herzlich eingeladen. Eine
Beſichtigung des Hauſes durch die Behörden und die mit dem
Hauſe verbundenen Körperſchaften findet bereits am Freitag ſtatt;
für die Aerzte wird eine Führung ſtattfinden durch den Chefarzt
des Hauſes am Donnerstag, den 21. Auguſt.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer zeigt jetzt, nach Beendi=
gung
der Bode=Ausſtellung, wieder einen jungen Künſtler der
Darmſtädter Gruppe Gottfried Richter Offenbach,
mit neuen Arbeiten; Oelbilder, die bei ſeinem Schwarzwaldauf=
enthalt
entſtanden ſind. Von den Bode=Bildern wurde Die
Kathedrale käuflich erworben. Die Sintenis=Radierungen
und =Plaſtiken werden noch bis zum 15. ds. gezeigt. Am 24. Aug.
eröffnet die Bücherſtube eine Carl Hofer=Ausſtellung, zu der
Kuſtos Dr. Karl Freund einen einleitenden Vortrag hält.
Neuengagements des Heſſiſchen Landestheaters für die
Spielzeit 1930/31. Generalintendant Carl Ebert hat für die kom=
mende
Spielzeit folgende Neuverpflichtungen vorgenommen: in
der Oper: Grete Bertholdt, Anita Mitrovic, Bernhard Heyer,
Albert Lohmann, Joachim Sattler, Johannes Schocke, Johannes
Spira; im Schauſpiel: Sybille Schmitz, Jenny Wiener. Joſef
Keim, Franz Kutſchera, Theodor Leithner, Curt Max Richter.

Orpheum. 3 Volksvorſtellungen. Morgen Sams=
tag
, 9., Sonntag, 10., und Montag, 11. Auguſt, wird der erfolg=
reiche
Schwank Der müde Theodor mit dem Bertram=
Enſemble letztmalig wiederholt. Guſtav Bertram hatte an ſei=
nem
Ehrenabend (am 28. Juli 1930) einen Sondererfolg ob ſei=
ner
unüberbietbaren Komik. Die Pauſen werden diesmal durch
Muſikſtarkton=Uebertragung, ausgeführt durch die Firma G. Geil
Nieder=Ramſtädter Straße, angenehm ausgefüllt. Der Karten=
verkauf
bei kleinſten Preiſen von 80 Pf. bis 2 Mk. in den Vor=
verkaufsſtellen
Verkehrsbüro und Hugo de Waal, Rheinſtraße 14,
hat begonnen. (Siehe Anzeige.)
Große Fechtakademie am Freitag abend in der Feſthalle.
Der Vorverkauf für die Große Fechtakademie am Freitag
abend in der Feſthalle unter der Teilnahme der Meiſter der Stu=
dentenolympiade
hat begonnen. Karten ſind im Sporthaus Adel=
mann
, Rheinſtraße, und bei Skurnik im Schalterraum der Haupt=
poſt
zu haben. Sitzplätze nur an der Abendkaſſe.
* Zur Darmſtädter Zeppelin=Landung wird uns mitgeteilt,
daß es nicht richtig iſt, daß der Graf Zeppelin bei Wiederauf=
ſtieg
am Montag abend zwei Kiſten Selters abgeworfen hat.
Vielmehr hat. Graf Zeppelin zwei Kaſten mit 50 Flaſchen Sel=
ters
=Sprudel Auguſta Viktoria mit an Bord genommen und die
leeren Kiſten abgeworfen.

Zum Zeppelinbeſuch in Darmſtadt.
Wie bereits mitgeteilt, wird das Luftſchiff Graf Zeppelin
am Verfaſſungstag, 11. Auguſt, zweimal in Darmſtadt landen, um
einen Erſatz zu bieten für ſein Ausbleiben am vergangenen
Sonntag. Zur Klärung von Zweifelsfragen ſei mitgeteilt, daß
die bereits gelöſten und am 4. Auguſt nicht benutzen Eintritts=
karten
Gültigkeit haben zum Beſuch der Landungen am Verfaſ=
ſungstag
. Die Karten berechtigen zum einmaligen Eintritt; wer
alſo die Morgenlandung beſucht, kann auch ohne indeſſen das
Lagergelände zu verlaſſen die Nachmittagslandung miterleben.
Graf Zeppelin wird morgens um 7.30 Uhr, von Dortmund
kommend, ſeine erſte Landung auf dem Griesheimer Sand ausfüh=
en
und dort Paſſagierwechſel vornehmen. Das Luftſchiff ſtartet
nach einigem Aufenthalt zu einer Tagesrundfahrt und wird nach=
mittags
zwiſchen 3 und 4 Uhr wieder auf dem Griesheimer Sand
landen; der Rückflug führt zum Heimathafen. Während der Fahr=
ten
wird Funkverbindung mit dem Luftſchiff hergeſtellt und die
Meldungen des Luftſchiffes werden auf Siemens=Großlautſprecher
übertragen. Zur Pauſenausfüllung findet Platzkonzert ſtatt.
Wer es möglich machen kann, ſollte bereits die Morgenlan=
dung
beſuchen, weil der Andrang zu dieſer Veranſtaltung erheb=
lich
geringer ſein wird als nachmittags. Der Kartenverkauf geht
in den bekannten Vorverkaufsſtellen weiter. Im übrigen bleibt
die urſprünglich vorgeſehene Verkehrsregelung die aus der
Orientierungskarte in den Zeppelin=Erinnerungsheften zu erſehen
iſt beſtehen, wie auch die Polizeiverordnung über das Betreten
des Griesheimer Lagers und des Griesheimer Platzes für dieſe
Veranſtaltung Gültigkeit hat.
Die hieſige Vertretung der Hamburg=Amerika=Linie als allei=
nige
Buchungsſtelle der Luftſchiffsbau Zeppelin G. m. b. H., Fried=
richshafen
, für Darmſtadt und Umgegend teilt uns ſoeben mit,
daß aus Anlaß der am 11. Auguſt in Darmſtadt 7.30 Uhr vormit=
tags
erfolgenden Landung des Luftſchiffes Graf Zeppelin ein
78ſtündiger Ringflug in ſchöne Gegenden zu einem beſonders
hierfür ermäßigten Preiſe von 250 Mark ſtattfindet und daß, um
weiten Kreiſen eine Fahrtmöglichkeit zu bieten, ſich bis zu 30 Per=
ſonen
an dieſer Tagesrundfahrt beteiligen können.
Für die nachmittags zwiſchen 3 und 4 Uhr ſtattfindende
Rückfahrt von Darmſtadt nach Friedrichshafen ſtehen ebenfalls noch
bis zu 30 Plätze zu dem ermäßigten Preis von 200 RM. zur Ver=
fügung
. Intereſſenten wollen ſich an die Hapag wenden. Es wird
gleichzeitig auf die heutige Anzeige verwieſen.

Weſthilſe‟
In der jetzt überall beginnenden Grenzlandarbeit für das
Rheinland will auch die deutſche Kaufmannsjugend nicht fehlen.
Den Auftakt zur ideellen Weſthilfe bildet der Tag der Kaufmanns=
jugend
in Bingen am Rhein vom 9. bis 10. Auguſt, den der
Deutſchnationale Handlungsgehilfen=Verband durchführt. Im An=
ſchluß
an dieſe große Tagung, zu der über 1000 Jungkaufleute er=
ſcheinen
, werden Lehr= und Wanderfahrten und Zeltlager der
Kaufmannsjugend ein anſchauliches Bild von den rheiniſchen
Grenzlanden und ihrer Bevölkerung vermitteln, aber auch den
Bewohnern unſeres Rheinlandes zeigen, daß die Kaufmanns=
jugend
ihrer gedenkt. Acht Lehr= und Wanderfahrten in die Eifel,
nach Eupen=Malmedy, in das Saargebiet durch die Pfalz und die
angrenzenden rheiniſchen Gebietsteile erfaſſen faſt 400 Jungkauf=
leute
, außerdem 3 Zeltlager bei Annweiler, in der Eifel und auf
dem Turnierplatz des Schloſſes Rheinſtein nochmals 300 Jung=
kaufleute
.
Volkshochſchule Darmſtadt. Gymnaſtikkurſe. Fräu=
lein
F. Kaſten, ſtaatlich geprüfte Turn= und Sportlehrerin beab=
ſichtigt
, ihre Kurſe am 22. Auguſt wieder zu beginnen. Weitere
Mitteilung folgt.

verkeilung am Sonnkag.
In der Feſthalle finden Sonntag abend 21 Uhr, die
Preisverteilung und der Abſchluß der 4. Internationalen Welt=
meiſterſchaften
ſtatt. Die Ergebniſſe werden dort verkündet, als=
dann
marſchieren die Nationen der Reihe nach auf, um die von
ihnen gewonnenen Preiſe in Empfang zu nehmen. Um allen Krei=
ſen
der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, dieſer Schlußfeier bei=
zuwohnen
, iſt der Eintrittspreis einheitlich auf 50 Pf. feſtgeſetzt
worden. Der Vorverkauf beginnt heute Freitag, nachmittags
3 Uhr, bei Adelmann, Rheinſtraße, und Skurnik.

Hauswirtſchaftliche Fragen der Neuzeit. Der heutige
Zuſtand der Ueberbeanſpruchung der Hausfrau durch
aufreibende Alltagsarbeit iſt unhaltbar. Es iſt daher um ſo mehr
erforderlich, immer wieder auf Mittel und Wege zu ſinnen, wie
dieſer Zuſtand gebeſſert werden kann. Gelegentlich wurde wohl
die Tatſache hervorgehoben, daß heute die Technik wirkſame Mittel
an Hand gibt, um hier helfend einzugreifen. Nicht genügend wird
aber die Tatſache gewürdigt, daß gerade die Elektrizität
dazu berufen iſt, durch Verwendung im Haushalt hier gründlichen
Wandel zu ſchaffen. Einen weſentlichen Fortſchritt in dieſer Rich=
tung
brachte bereits die Einführung von Staubſauger, Küchen=
motor
, Waſchmaſchine uſw. Aber ſo bedeutſam auch die Erleich=
terung
von mechaniſcher Arbeit iſt, die dieſe Maſchinen der Haus=
frau
bieten, ſo ſoll doch in dieſem Zuſammenhange nur von dem
Schwerpunkt der Hausfrauenarbeit, dem Kochen, die Rede ſein,
Gerade auf dieſem Gebiet, finden wir die erweiterten Anwen=
dungsmöglichkeiten
der Elektrizität und zwar bei der
Speiſen= und Heißwaſſerbereitung. Wie ſauber hy=
gieniſch
einwandfrei und billig eine elektriſch eingerichtete Küche
arbeitet, insbeſondere wie angenehm das müheloſe Steriliſieren im
elektriſchen Brat= und Backofen iſt, wird heute abend 8 Uhr im
Heaghaus ein Vortrag von Frl. Hellwig zeigen, deſſen Beſuch jeder
Hausfrau beſtens zu empfehlen iſt.
Exploſion. Geſtern um die Mittagszeit ereignete ſich eine
Exploſion im Hauſe des Bäckermeiſters Bangert in der Ludwigs=
höhſtraße
23. Infolge Platzens eines Dampfrohrs im Backofen
wurde ein Junge von 12 Jahren und ein Bäckergeſelle verletzt,
Der Junge trug Kopfverletzungen, der Bäckergeſelle innere Ver=
letzungen
davon. Die Rettungswache verbrachte die beiden nach
Anlegen von Notverbänden in das Städtiſche Krankenhaus. Die
Feuerwehr, die auch alarmiert war, brauchte nicht in Tätigkeit
zu treten.
Lokale Veranſtalkungen.
Im Waldreſtaurant Neues Schießhaus findet am
Sonntag nachmittag von 4 Uhr bei günſtiger Witterung großes
Militarkonzert unter perſönlicher Leitung des Herrn Obermuſik=
meiſters
Matthias Weber ſtatt.

Briefkaſten.

L. 3. 1 Nein. 2. Rückfahrt muß ſpäteſtens bis Dienstag, 12.
Auguſt, 9 Uhr vormittags, angetreten ſein. 3. Nein.
Sch. in D. Die Aufwertung von Rentenverſicherungen er=
folgt
auf Grund eines von der Aufſichtsbehörde genehmigten Tei=
lungsplanes
. Letzteren wird der Anwalt in Händen haben. Aus
dieſem muß zu erſehen ſein, ob noch Zahlungen aus dem Aufwer=
tungsſtocke
ausſtehen. Vielleicht fragen Sie einmal bei der Ver=
ſicherungsgeſellſchaft
an. Es ſteht nichts im Wege, daß Sie ſich
der Geſellſchaft gegenüber Anſprüche, die ſich aus einer Verände=
rung
der Geſetzgebung ergeben könnten, vorbehalten.

Preis:
70 Pfg.

In den ersten 10 Jahren
sollte jede Mutter ihr Kind aus-
schließlich
mit der reinen, milden
MIVEA
KINDERSEIFE
waschen und baden. Dem
Kind wird dadurch später
manche Sorge um die Er-
haltung
seines guten Teints
erspart bleiben Nivea-
Kinderseife ist überfettet
und nach ärztlicher Vor-
schrift
besonders für die
empfindliche Haut der
Kinder hergestellt. 2
Ala

Freilicht, Freiluft und Sonne! Und dazu

UHLTIA

Das gibt gesunde Haut und schön gebräuntes Aussehen, auch
bei bedecktem Himmel; denn auch Wind und Luft bräunen den
Körper. Aber trocken muss Ihr Körper sein bei direkter Sonnen-
bestrahlung
. Und gut mit Nivea-Creme vorher einreibenl Sie
vermindern dadurch die Gefahr schmerzhaften Sonnenbrandes.
Dank des nur ihr eigenen Gehalts an Eucerit dringt Nivea-Creme
eicht in die Haur ein, und erst die einge-
lrungene
Creme kann ihre wohltuende
WWirkung voll zur Geltung bringen. / Also
Mivea-Creme auch bei bededetem Himmel!

In Dosen: RM o.20, o.50, o.60 und 1.20
In Tuben aus reinem Zinn: RM 0.60 u. 1.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Freitag, den 8. Auguſt 1930

Nummer 213

mnmrang der Beutſchen
Sontspättei.
Ft. Gleichſam als Auftakt zum Wahlkampf, der nun auch in
Darmſtadt allmählich einzuſetzen ſcheint trennen uns doch nur
noch knapp 5 Wochen vom Wahltag , hatte die Ortsgruppe
Darmſtadt der Deutſchen Volkspartei ihre Mitglie=
der
am Donnerstag abend in den Fürſtenſaal zu einer Verſamm=
lung
eingeladen.
Die überfüllte Verſammlung eröffnete der 1. Vorſitzende der
Ortsgruppe Darmſtadt, Herr Oberlandesgerichtsrat Alten=
dorff
, und wies auf die Verworrenheit und Unklarheit der poli=
tiſchen
Lage hin. Der alte Reichstag hat verſagt und ſein Schick=
ſal
verdient. Die Aufgabe, die uns nun bevorſteht, iſt die, einen
für die Reformen arbeitsfähigen Reichstag zu ſchaffen. Die Wahl
muß entſcheiden. Wird das Bürgertum nicht geſtärkt, dann iſt auch
der neue Reichstag nicht arbeitsfähig. Es iſt nicht abzuſehen,
was dann zu geſchehen hat. Das Bürgertum muß ſich davor hüten,
Parteien nachzulaufen, die gar nicht das Ziel haben. Ruhe und
Ordnung zu ſchaffen, ſondern das Gegenteil. Der Vorbereitung
für die Reichstagswahl und der Aufklärung unſerer Mitglieder ſoll
die Verſammlung dienen.
Der Referent des Abends, Herr Rechtsanwalt Dingeldey,
ging kurz auf die Entwicklung der deutſchen Politik in den letzten
Jahren ein und betonte, daß in den letzten Jahren oft unter dem
Geſichtspunkt der Durchführung einer zielſtrebigen Außenpolitik im
innerpolitiſchen Leben brennende Geſichtspunkte zurückgeſtellt wer=
den
mußten. Eine Auswirkung hiervon ſei einmal geweſen, daß
die Machtſtellung der Sozialdemokratiſchen Partei auf das ſtärkſte
gewachſen ſei und daß infolgedeſſen wir in eine äußerſt ſchwierige
wirtſchaftliche Lage gekommen ſeien. Nur ganz einſchneidende Re=
formen
in Wirtſchaft und Verwaltung, in Verfaſſung und Finanz=
weſen
könnten hier helfen. Es ſei unmöglich, auf dem bisher be=
ſchrittenen
Wege weiterzugehen, wenn man nicht das Chaos wolle.
Die Reichstagwahl werde entſcheidend ſein, ob es dem deutſchen
Volke gelingen könne, aus eigener Kraft einen Weg zu Ruhe und
Ordnung zu finden. Dieſes Jahr, dieſe Wahl, dieſer Herbſt müſſe
die Entſcheidung bringen, ob es dem deutſchen Volke noch einmal
möglich ſein werde, zur wirtſchaftlichen und politiſchen Vernunft
zu gelangen. Ganz falſch ſei es, alles Uebel nur in der Erfüllung
des Young=Planes zu ſuchen, man müſſe bedenken, daß über ein
Drittel der geſamten Ausgaben im Deutſchen Reich vorweg für
Zwecke der öffentlichen Hand aufzuwenden ſeien. Der Lebens=
ſtandard
eines jeden in Deutſchland vom Miniſter und General=
direktor
an bis herab zum kleinen Beamten uſw. müſſe, da über=
ſpannt
, herabgeſchraubt werden, das ſei die bittere, ernſte
Wahrheit.
Hilfe ſei nur möglich, wenn auf dem von der Regierung Brü=
ning
begonnenen Reform=Wege ernſtlich weiter gearbeitet werde.
Es gelte auch, ſich klar zu machen, daß in Deutſchland bald jeder
zehnte Menſch von dem Geſpenſt der Arbeitsloſigkeit erfaßt ſei.
Kein Etat im Reich, in den Ländern und in den Gemeinden könnte
ſich in dieſem Jahre 1930 im Rahmen des Voranſchlags halten.
Die Kriſe, in der wir alle lebten, ſei eine Weltkriſe, und
deren Urſachen wirkten ſich bei uns doppelt aus, die wir unter
den Folgen einer verfehlten innerſtaatlichen Geſetzgebung zu lei=
den
hätten. Es handelt ſich jetzt darum, ob es in Deutſchland
noch genug Leute gibt, die aus dem Gemeinſchaftsgefühl heraus
handeln könnten und Vernunft genug beſäßen, um einzuſehen, daß
jetzt jeder mit Hand anlegen müſſe.
Der Redner ſtreifte dann kurz die Frage der Reichszuſchüſſe zur
Arbeitsloſenverſicherung und betonte ausdrücklich, daß die bisher
von der Regierung Brüning gewählten Maßnahmen nur
Teilſtücke eines großzügigen, im Herbſt zu beginnenden
Reformwerkes ſein könnten. Auf dieſer Grundlage nur
müſſe die Aufbauarbeit geleiſtet werden, die zu fordern ſei,
Deshalb handele es ſich heute und in dem kommenden
Wahlkampf nicht um Einzelheiten, ſondern um die Stärkung des
Staatsgedankens gegen die Zerſplitterung in Intereſſentengruppen
und gegen negative Kräfte. Wie vollkommen habe hier der Füh=
rer
der Deutſchnationalen Volkspartei verſagt, einſt der Führer
der ſtärkſten bürgerlichen Partei, der in engſtirniger Parteiherr=
ſchaft
die Beſten vor den Kopf ſtieß. Seine Opfer wurden nicht
nur die deutſchnationalen Wähler, ſondern darüber hinaus zahl=
reiche
Bürgerliche, die den lockenden Tönen der radikalen Ratten=
fänger
folgten.
Bei allem Verſtändnis für die aufbrauſende Leidenſchaft der
deutſchen Jugend könne man nicht verſtehen, wie deutſche Jugend
Freude haben könne an ſolchen verzehrenden Kampfmethoden. Die
Sozialdemokratiſche Partei trage durch ihre Stärke eine ungeheure
Verantwortung gegenüber der Zukunft und habe doch vollkommen
verſagt. Immer wieder hätten die Maſſenagitation und die Rück=
ſichtnahme
auf die Maſſen, auf Gewerkſchaftsſekretäre und Partei=
zentralen
den Sieg davongetragen über die vernünftigen Anſich=
ten
, die in der Fuhrerſchaft der Partei vorhanden ſeien.
Die Front ſei nun klar gezeichnet. Rechts treibe die unſelige
Politik Hugenbergs Teile ſeiner Anhänger zu den Nationalſozia=
liſten
, und in der Mitte blieben nun übrig für den Reformgedan=
ken
, für den inneren Aufbau die Gruppen von der Demokratiſchen
Partei bis zu der Gruppe um SchieleWeſtarp. Der Führer der
Deutſchen Volkspartei habe nun mit ſeinem Sammelruf nicht eine
neue Partei ſchaffen wollen, ſondern eine ſtarke Front zur Erledi=
gung
der Reformaufgaben für die nächſte Zeit. Nur durch die
Herausſtellung einer ſolchen Einheit vor das Volk glaubte man
dieſem den Ernſt der Lage ſcharf genug vor Augen ſtellen zu
können. Mitten in die Verhandlungen hinein zur Bildung einer
ſolchen Einheitsfront, ohne jede Fühlungnahme mit den Führern
der Deutſchen Volkspartei, ſei dann die Gründung der Deutſchen
Staatspartei vorgenommen worden. Bei der erſten Preſſebeſpre=
chung
hätten die Gründer der Staatspartei erklärt, nicht von
Partei zu Partei verhandeln zu wollen, ſondern nur mit einzel=
nen
Perſönlichkeiten, alſo ſei von vornherein die Kaltſtellung der
Deutſchen Volkspartei beabſichtigt geweſen, Vorgänge, die um ſo
mehr Anlaß zum Mißtrauen geben mußten, als ſie zu ſehr an die
Vorgänge erinnerten, die bei der Gründung der Demokratiſchen
Partei im Jahre 1918 und der Zurückdrängung unſeres Führers
Streſemann eine Rolle geſpielt hätten.
Der Huſarenſtreich der Gründung der Staatspartei habe die
Idee des Sammlungsrufes der Deutſchen Volkspartei in bedauer=
licher
Weiſe verfälſcht. Die Deutſche Volkspartei habe vor allen
Dingen eine breite und tragfähige Front für die Erledigung der
großen Aufgaben im Herbſt ſchaffen wollen. Für die Zukunft des
Bürgertums der liberalen Mitte, das doch das Deutſchland der
letzten hundert Jahre hoch gebracht habe, ſei es eine Lebensfrage.
ob es nun gelingen werde, eine wirklich neue, große Staatspartei
der Mitte zu gründen, ohne in Intereſſentengruppen zu zerfallen.
Dieſer Gedanke ſei ja auch das Ziel Streſemanns geweſen, deſſen
Verwirklichung er noch gerne erlebt hätte. Aber nie ſei hierbei
die Rede davon geweſen, die Hand nur nach links auszuſtrecken.
Nur auf der Plattform von Verhandlungen von Partei zu
Partei ſei noch eine Möglichkeit der Einigung gegeben, nicht wenn
man damit beginnen wolle, erſt einmal die Deutſche Volkspartei
zu zerſchlagen. Die Deutſche Volkspartei dürfe nicht um des
Namens der Staatspartei willen eine Sache in den Kauf neh=
men
, die in Wirklichkeit nur eine Verunſtaltung des Sammlungs=
gedankens
bedeute.
Den Ausführungen der Redner folgte ſehr lebhafter Beifall.
Ein Vertreter der Reichsgemeinſchaft Deutſcher Volksvarteiler
erklärte ausdrücklich, daß die Reichsgemeinſchaft treu zur Deutſchen
Volkspartei ſtehe und an keinerlei Trennung denke
Nach einer kurzen Ausſprache gab Herr Generalſekretär Wel=
kow
Richtlinien für den Wahlkampf bekannt, kennzeichnete in
großen Umriſſen die Einrichtung der Organiſation und den äußeren
Ablauf der Wahlvorbereitungsarbeiten.
Tageskalender für Freitag, den 8. Auguſt 1930.
Konzerte: Schloßkeller, Kaffee Oper, Hotel Schmitz, Rhein=
gauer
Weinſtube. Sportplatz=Reſtaurant, Zum Datterich.
Kinovorſtellungen: Union=Theater, Helia=Lichtſpiele,
Palaſt=Lichtſpiele.
Gottesdienſt der iſrgelitiſchen Religionsgemeind=.
Hauptſynagoge (Friedri hſtraße)
Freitag, den 2. Aug.: Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 9. Aug.: Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min
Sabbatausgang 8 Uhr 45 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen.
Morgens 7 Uhr Min. Abend3 7 Uhr 00 Min.
Gebetszeiten in der Synagoge der Fſraelitiſ hen Religion3geſeilſchaft,
Samstag, den 9. Aug.: Vorabend 7 Uhr 20 Min. Morgens
8 Uhr. Nachm. 5 Uhr. Sabbatausgang 8 Uhr 45 Min.
Bochentags: Morgens 6 Uhr Min. Abends 7 Uhr 00 Min.

Ans Hefſen.

An. Arheilgen, 7. Aug. Lange Dienſtzeit. Am 1. d. M.
waren es 30 Jahre, daß Frl. Margarete Benz im Dienſte der hieſigen
Milchabſatzgenoſſenſchaft ſtebt. Spar= und Darlehnskaſſe.
Die Geſchäftsräume der Kaſſe befinden ſich ab 8. d. M. im Hauſe des
jetzigen Rechners, Herr Gg. Hatzenberger, Darmſtädter Straße 72. Die
Kaſſenſtunden ſind für jeden Verkehr täglich von 813 Uhr und von
24 Uhr. Mittwochs bis 6 Uhr. Samstags nachmittags iſt die Kaſſe
geſchloſſen. Am geſtrigen Donnerstag waren es 40 Jahre, daß Ober=
werkmeiſter
Philipp Repp bei der Firma Gebr. Röder, Darmſtadt,
tätig iſt.
Bo. Dornberg, 7. Aug. Motorradunfall auf der Wolfs=
kehler
Straße. Geſtern nachmittag kam ein Motorradfahrer die
Straße von Wolfskehlen her, an der Straßenkreuzung in Wolfskehlen
der Straße nach Stockſtadt zu, kam ihm ein Auto entgegen. Beide Fahrer
hatten ein ſehr ſcharfes Tempo und rannten zuſammen. Der Lenker
des Motorrades wurde zum Glück leichter, wogegen die auf dem Sozius
mitfahrende Dame im Geſicht und an beiden Armen ſchwer verletzt
wurde. Ein Arzt, welcher zufällig aus Stockſtadt des Weges kam, leiſtete
die erſte Hilfe und brachte die Schwerverletzte in ihre Wohnung.
J. Griesheim. 7. Aug. Zurzeit ſind die Abbrucharbeiten für das
geſamte Wellblechlager des Truppenübungsplatzes im Gange. Der Ab=
bruchunternehmer
iſt der Bauſchloſſer Jakob Hener aus Mainz, der
nur das Wellblech abtransportiert und das an den Baracken befind=
liche
Holz unentgeltlich abgibt, wovon auch reichlich Gebrauch gemacht
wird. Die Schupo, die das Barackenlager bewacht, verhaftete dieſer
Tage einen auf dem Truppenübungsplatz wohnhaften jungen Mann.
der ſich im Lager Gußſtücke aneignete, und brachte ihn in der Nacht
in das hieſige Arreſtlokal. Der Verhaftete gab bei ſeiner Vernehmung
der Kriminalpolizei gegenüber an, daß er aus Nor gehandelt babe. Da
Fluchtverdacht nicht vorlag und der Wert ein ſehr geringer iſt, wurde
er wieder auf freien Fuß geſetzt. Die Marktſtandplätze für die am
24. Auguſt d. J. ſtattfindende Kirchweihe werden am Dienstag, den 12.
Auguſt d. J.. auf dem hieſigen Nathaus öffentlich verſteigert. Im
Schaufenſter der Buchdruckerei Baſſenauer hier ſind die von dem Ge=
ſangverein
Frohſinn beim Geſangswettſtreit in Worfelden errungenen
Preiſe ſeit vorgeſtern ausgeſtellt.
F. Eberſtadt, 7. Aug. Baulandumlegung Waldfriede
Schillerſtraße. Nachdem der Gemeinderat für die Grundſtücke
zwiſchen WaldfriedeSchillerſtraße die Baulandumlegung endgültig be=
ſchloſſen
hat, iſt durch öffentliche Bekanntmachung des Bürgermeiſters
beſtimmt worden, daß während der Dauer des Umlegungsverfahrens
die Errichtung von baulichen Anlagen jeder Art, ſowie der Uebergang
von einer Bewirtſchaftung der Grundſtücke, die von der bisherigen oder
gewöhnlichen Art der Bewirtſchaftung erheblich ab eicht und geeignet
iſt, das Umlegungsverfahren zu berhindern, zu erſchweren und zu ver=
zögern
, in dem Umlegungsgebiet unterſagt ſind. Im Widerſpruch mit
dem Verbot errichtete Bauten oder wirtſchaftliche Aenderungen bleiben
im Umlegungsverfahren unberückſichtigt. Verfaſſungsfeier.
Bei der Verfaſſungsfeier, über deren Ausgeſtaltung wir geſtern berich=
tet
haben, wird Rechtsanwalt und Notar Geißler=Dar ſtadt
die Feſtrede halten. Spärgelroſt. Auf den Spargelfeldern der
hieſigen Gemarkung iſt verſchiedentlich der Spargelroſt aufgetreten. Das
um die jetzige Zeit ſonſt noch grüne Spargelkraut nimmt ein fahles,
gelbliches Ausſehen an. Die Stengel zeigen krankbafte, roſtartige Flecken,
die Triebe ſterben vorzeitig ab. Ein Pilz, der Spargelroſt, hat ſich an=
geſiedelt
, und der Schaden, den er anrichtet, iſt zuweilen recht bedeutend.
Tritt er mehrere Jahre hintereinander auf, ſo kann die ganze Spargel=
anlage
zugrunde gehen. Ein ſicheres Vorbengungsmittel für dieſe
Krankheit iſt kräftige Düngung, namentlich mit Kuhmiſt, da die Spar=
gelpflanzen
dadurch dem Pilz Widerſtand leiſten. Ein zuverläſſiges
Spritzmittel iſt die ſogenannte Bordelaiſer Brühe ( Kuvfervitriolkalk=
milch
) Es empfiehlt ſich ferner, im Herbſte die kranken Pflanzen über
der Wurzel abzuſchneiden und an Ort und Stelle zu verbrennen.
Beleuchtung der Burgruine Frankenſtein. Die Burg=
ruine
Frankenſtein iſt durch Fällung des ſie unmittelbar umgebenden
alten Baumbeſtandes durch die ſtaatliche Forſtverwaltung in den letzten
Jahren ſoweit freigelegt worden, daß die Zinnen der Burg wieder ſtolz
in die Lande ſchauen und weithin ſichtbar ſind. Damit iſt die Möglich=
keit
geſchaffen worden, die Burgruine zu beleuchten. Die Gemeinden
Eberſtadt und Nieder=Beerbach werden unter Beteiligung intereſſierter
Vereine, ſo des Verſchönerungs= und Verkehrsvereins Eberſtadt, eine
ſolche Beleuchtung anläßlich des Verfaſſungstages am Sonntag, den
10. Auguſt 1930, veranſtalten.
G. Ober=Namſtadt, 7. Aug. Verkaſſungskeier. Die dies=
jährige
Verfaſſungsfeier findet auf dem Turnplatz des Turnvereins
1877 in der Wehrſtraße ſtatt, und zwar am Verfaſſungstage, Montag,
den 11. Auguſt. Ein Feſtzug ſtellt ſich nachmittags 2.45 Uhr an den
Eichenmannsmühlen auf und marſchiert mit Muſik nach der Turnhalle.
Hier wird die Feier mit einem Muſikvortrag eröffnet. Die Feſtrede
hält Herr Rektor Lehr hier, Liedervorträge, Konzert und turneriſche
Darbietungen bilden im weſentlichen das Programm der Veranſtaltung,
zu der jedermann freundlichſt eingeladen iſt.
G. Ober=Ramſtadt, 7. Aug. Turnverein 1877, D. T. Eine
der beliebteſten Veranſtaltungen iſt das alljährliche Sommerfeſt des
Turnvereins 1877 das dieſer am kommenden Samstag und Sonntag
auf ſeinem Turnhallengelände in der Wehrſtraße abhält. In dieſem
Jahre wird die Veranſtaltung ein ganz beſonderes Gepräge erhalten, da
mit ihr am Samstag abend eine Befreiungsfeier für das be=
ſetzte
Gebiet verbunden iſt, bei der Herr Dr. Stroh, hier, die Feſt=
anſprache
halten wird.
Gundernhauſen, 7. Aug. Der hieſige Turnverein, gegr. 1905,
feiert am nächſten Sonntag, den 10., und Montag, den 11. Auguſt, das
Feſt ſeines 25jährigen Beſtehens, verbunden mit volkstüm=
lichem
Dreikampf. An demſelben werden zirka 120 Wettkämpfer aus
16 Vereinen des Odenwaldgaues teilnehmen. Die Wettkämpfe beginnen
vormittags 9 Uhr. Nachmittags 1 Uhr findet eine Gefallenenehrung
auf dem Friedhof ſtatt. Nach Abholen der auswärtigen Vereine um
1.30 Uhr erfolgt die Aufſtellung des Feſtzuges um 2 Uhr. Der Umzug
durch die Ortsſtraßen endigt auf dem Feſtplatz; anſchließend Begrü=
ßung
. Feſtrede durch den Gauvorſitzenden Herrn Dr. Spalt. Ehrung
der Jubilare, Muſterriegenturnen, Reigenvorführungen, geſangliche und
ſportliche Darbietungen, Siegerverkündigung. Abends Jubiläumsball
im Saale Zur Krone von K. Dreieicher und Tanz in der Sporthalle.
Montags vormittags findet dann ein Frühfchoppenkonzert und nach=
mittags
und abends großes Volksfeſt auf dem Sportplatz ſtatt, mit
welchem die Gemeinde die Verfaſſungsfeier verbinden wird. Nach den
getroffenen Vorbereitungen dürfen wir wohl auf einen guten Beſuch
und Verlauf des Feſtes rechnen. Hoffen wir, daß uns hierzu noch ein
recht gutes Wetter beſchieden wird.
Az. Neuſtadt mit Burg Breuberg, 7. Aug. Bei der dritten und
letzten Verſteigerung des Hauſes der verſtorbenen Trabolt Wwe. Erben
wurde für das ganze Anweſen: Haus, Scheune und großer Garten, 9000
Mark geboten. Sonſtige vermutliche Intereſſenten blieben aus. Bei
der heutigen Geldknappheit dürfte es ſchwer ſein, einen höheren Preis
zu erzielen. Aufwertung. Die in Sachen des Eiſenbahngeländes
(Bachgaubahn) intereſſierten Perſonen ſind endlich zu ihrem Gelde ( Auf=
wertung
) gekommen. Die ſeit Jahren ſich hinſchleppende Angelegenheit
kam durch ein prozeſſuales Vorgehen eines ſtark beteiligten Gläubigers
in Fluß. In zwei Gerichtsverhandlungen wurde ihm Aufwertung in
erhöhtem Maße zugeſprochen. Vorhergehende Vergleichsverhandlungen
auf der Grundlage eines niedrigen Satzes ſcheiterten an dem Widerſtand
zweier Vertreter der in Frage kommenden bürgſchaftshaftenden Gemein=
den
. Die Erledigung ſämtlicher rückſtändiger Poſten fand nun nach dem
bereits gefällten Gerichtsurteil ſtatt. Danach beträgt der Teil der nach
Neuſtadt fließenden Gelder die Höhe von etwas über 30 500 Mark. In
Zeiten ſchwerſter wirtſchaftlicher Not bedeutet dies einen ſchätzenswerten
Zufluß für die Belange der Landwirtſchaft und des Gewerbes.
Ay. König i. O. (Stahlbad), 7. Aug. Das Konzert des Mainzer
Frauenlob, das die rheiniſchen Gäſte im Verlauf einer Odenwaldreiſe
hier gaben, geſtaltete ſich zu einer erhebenden Kundgebung für den
deutſchen Männergeſang. Beſonders für den Kenner bildeten die aus=
geſuchten
Chorwerke alter und moderner Meiſter einen delikaten Kunſt=
genuß
, zumal der prächtige Chor feine Variationen und ſchwierige
Tonſätze unter vorzüglichſter Leitung ſeines Dirigenten, Herrn Muſik=
divektor
Alfred Stauffer, Mainz, in edler harmoniſcher Tonfülle wieder=
gab
. Herr Stauffer erfreute als Violinſoliſt durch virtuoſenhaftes
Können, ſowie auch Frau Buſch (Alt) die gut abgeſtimmte Vortrags=
folge
durch einige Lieder angenehm ergänzte. Der 1. Vorſitzende des
Frauenlob überreichte den 1. Vorſitzenden beider hieſiger Geſang=
vereine
Liederkranz und Liedertafel zum Zeichen treuer Sängerfreund=
ſchaft
je eine Befreiungsplakette als Fahnenſchmuck, wofür dieſe herz=
lichſt
dankten. Herr Martin Schneider von Liedertafel König wurde
für ſeine Mühewaltung durch Verleihung der Ehrennadel des Frauen=
lob
beſonders geehrt. Die geſamte Veranſtaltung, die gegen Ende in
abwechſelnden Liedervorträgen der Gäſte, ſowie der beiden hieſigen
Geſangvereine Liederkranz und Liedertafel einen ſchönen Ausklang
nahm, wurde ſehr beifällig aufgenommen. Die hieſige evangeliſche
Kirche, ein ehrwürdiges mittelalterliches Baudenkmal, an dem der ältere
Turm ſich beſonders markant ausnimmt, wird zur Zeit einer größeren
Renovierung unterzogen, ſo daß ſie bis auf weiteres geſchloſſen iſt und
die kirchlichen Handlungen im evangeliſchen Gemeindehaus ſtattfinden.
Ihre kleinere, aber ältere Schweſter, die ehemalige Wallfahrtskirche auf
dem Friedhof, träumt noch gut erhalten in friedlicher Ruhe unter
dem geheimnisvollen Liſpeln ſchattiger Bäume.

Aus dem Gerichtsſaal.

Am. Die Große Strafkammer hatte ſich am Donnerstag mit
einer Anklage wegen fahrläſſigen Falſcheides und Betrugs gegen
einen 38jährigen Chauffeur aus Sprendlingen zu beſchäftigen. Der
Mann war deswegen am 30. Auguſt 1929 vom Bezirksſchöffen=
gericht
in Offenbach zu einer Geſamtſtrafe von vier Monaten Ge=
fängnis
verurteilt worden und hatte dagegen Berufung eingelegt
mit dem Ziel auf Freiſpruch, da er ſich keiner Schuld bewußt ſei.
Er beſchränkt jedoch auf Vorhalten des Vorſitzenden gleich vor
Eintritt in die Verhandlung ſeine Berufung auf Strafherab=
ſetzung
. Er hatte bei einem Offenbarungseid, den er im Jahre
1926 geleiſtet hatte, eine ihm zuſtehende Zinsforderung aus einer
auf den Namen ſeiner Frau geſchriebenen Hypotkeh verſchwiegen
und dieſe Hypothek auch ſpäter ſeinen Gläubigern gegenüber nicht
angegeben, ſo daß der ſtarke Verdacht beſteht, daß er einen Mein=
eid
geleiſtet habe und ſeine Gläubiger zu hintergehen verſuchte. Er
beſtreitet das jedoch. Er gibt heute zu, daß er fahrläſſig gehandelt
hat. Er ſei jedoch nie in den Beſitz der Zinſen gekommen, die ſtets
zur Schuldentilgung verwandt wurden, und auch als ſpäter, die
Hypothek verkauft wurde, wurden größtenteils Schulden damit be=
zahlt
. Ein Teil des Geldes hatte auch ſeinem Schwiggervater ge=
hört
. Das Gericht ändert das Urteil erſter Inſtanz dahin ab, daß
es wegen" fahrläſſigen Falſcheides auf eine Gefängnisſtrafe von
zwei Monaten, da immerhin der Verdacht eines Meineids beſtehen
bleibt, und wegen Betrugs auf eine Geldſtrafe von 100 Mark, im
Nichteinbringungsfalle auf einen Tag Gefängnis für je 5 Mark
erkennt.
Dann wurde die Berufung eines 25jährigen Flugzeuglehrers
aus Hersfelden verhandelt. Der junge Mann, war am 5. Mai
1930 vom Bezirksſchöffengericht Darmſtadt wegen fahrläſſiger Eiſen=
bahntransportgefährdung
und Betrugsverſuchs zu einer Gefäng=
nisſtrafe
von fünf Monaten verurteilt worden, die der Vorſitzende
in der heutigen Berufungsinſtanz als äußerſt milde bezeichnete.
Nach Befund der Akten ſei ſeiner Meinung nach der Angeklagte
wegen vorſätzlicher Transportgefährdung zu verurteilen. Er rät
dem Angeklagten dringend, ſeine Berufung zurückzuziehen oder
wenigſtens auf das Strafmaß zu beſchränken, da er andernfalls
höchſtens eine Zuchthausſtrafe von mideſtens einem Jahr gewärti=
gen
könne. Der Angeklagte iſt dazu bereit, jedoch der Vertreter
der Staatsanwaltſchaft verfolgt ſeine Berufung, beſchränkt ſie
jedoch auf das Strafmaß. Der Angeklagte hatte im November
1929 ſein in einem Eiſenbahnwaggon verladenes Sportflugzeug
mittels Zündſchnur in Brand geſteckt. Der Brand wurde jedoch
von Bahnbeamten noch rechtzeitig entdeckt und gelöſcht, ſo daß
wenigſtens kein ſchwerer Schaden entſtand. Der Angeklagte hatte
dann eine Schadenerſatzklage im Werte von 8000 Mark gegen die
Eiſenbahn erhoben. Er hatte dieſes Flugzeug ſelber erbaut. Seine
ganze Familie hatte ihr Geld hineingeſteckt, die Erwartungen aller
wurden aber ſehr enttäuſcht und die Familie kam in recht be=
drängte
Lage. Der Angeklagte hofſte, auf dieſe Art wieder zu
Held zu kommen. So die Darſtellung des Verteidigers. Der
Staatsanwalt verlangt, mit aller Strenge gegen den Angeklagten
vorzugehen. Man müſſe unbedingt öffentliche Inſtitute wie die
Eiſenbahn vor derartig leichtſinnigen und frivolen Angriffen
ſchützen. Der Angeklagte hätte ſich unbedingt ſagen müſſen, trotz
ſeiner Jugend, daß durch ſein Vorgehen unter Umſtänden Men=
ſchenleben
in Gefahr kommen und ein ungeheurer Schaden hätte
entſtehen können. Er habe außerdem in erſter Inſtanz nicht die
mindeſte Reue gezeigt, ſondern ohne weiteres Polizeibeamte be=
ſchuldigt
, ſie hätten ein Geſtändnis aus ihm herausgepreßt. Das
Gericht ſchließt ſich dem an. Es verwirft die Berufung des An=
geklagten
und verurteilt ihn zu zehn Monaten Gefängnis.

m. Beerfelden, 6. Aug. Aus dem Gemeinderat. Aus der
reichhaltigen Tagesordnung, der letzten Sitzung iſt erwähnenswert, daß
die abgeſchloſſene Rechnung für 1928 genehmigt wurde. Die Einrichtung
einer Heizung in dem vor einiger Zeit erworbenen Breimerſchen Hauſe
wurde beſchloſſen. Mit der neuen Frankfurter Allgemeinen Verſiche=
rungsgeſellſchaft
ſoll eine Haftpflicht=Verſicherung abgeſchloſſen werden.
Der Vorgänger des jetzigen Gemeinderechners hat noch ein Depoſitum
von 130 RM. bei der Gemeinde; dieſes ſoll zurückgegeben werden. Ver=
ſchiedene
Fürſorgeſachen wurden in nichtöffentlicher Sitzung erledigt.
Für die eben in Arbeit befindliche Inſtandſetzung der Straßen uſw.
ſind noch Randſteine nötig; die Lieferung wurde der Odenwälder Hart=
ſtein
=Induſtrie in Darmſtadt übertragen. Siegreiche Turne=
rinnen
und Turner. Vom hieſigen Turnverein beteiligten ſich
zehn Mitglieder an dem vom 31. Juli bis 4. Auguſt in Hanau ſtatt=
gehabten
34. Mittelrheiniſchen Kreisturnfeſt; acht davon konnten mit
dem Eichenkranz als Sieger heimkehren. Turnerinnen=Siebenkampf
der Unterſtufe (Schwimmen); Frau B. Willenbücher 9. Sieg mit 97 P.;
Turner Oberſtufe Zwölfkampf: H. Beyſel 45. Sieg mit 154 P.; Ober=
ſtufe
Zehnkampf: Hch. Schott 22. Sieg mit 154 P.; Oberſtufe Fünf=
kampf
(Volksturnen): H. Berger 10. Sieg mit 80 P.: Unterſtufe Zwölf=
kampf
: Fr. Schott (Bäcker) 33. Sieg mit 171 P., W. Seifert 38. Sieg
mit 166 P., W. Beyſel 43. Sieg mit 161 P., Fr. Schott (Schreiner),
45. Sieg mit 159 P. Das Ergebnis gibt Zeugnis von der Leiſtungs=
fähigkeit
der hieſigen Turner.
Bt. Auerbach, 6. Aug. Gefallenenehrung durch ſpa=
niſche
Studenten. Die ſpaniſche Abordnung zu den Weltmeiſter=
ſchaften
der Studenten in Darmſtadt iſt in den beiden hieſigen Hotels
Zur Krone und Weigold untergebracht. Am Samstag abend ver=
anſtaltete
der Kur= und Verkehrsverein zu Ehren der ſpaniſchen Gäſte
im Hotel Weigold einen Tanzabend. Der Sprecher der ſpaniſchen
Studentenſchaft gab im Verlauf des Abends bekannt, daß am Sonn=
rag
vormittag 11 Uhr eine Ehrung der Weltkriegsopfer ſtattfinden
werde. Zur feſtgeſetzten Stunde begab ſich die ſpaniſche Abordnung in
muſterhafter Zugordnung, unter Vorantritt des Kriegervereins mit
Fahne und gefolgt von Vertretern des Kur= und Verkehrsvereins zum
Ehrenmal. Daſelbſt hatte ſich bereits die Einwohnerſchaft und Kur=
fremde
zahlreich eingefunden. Der Bläſerchor unter Leitung des Herrn
Obermuſikmeiſters Urbach eröffnete die Feier mit dem Gebet von
Mehul. Der Sprecher der Studentenſchaft, Herr Cuznero, wies in
ſeiner in der Mutterſprache gehaltenen Anſprache auf die freundſchaft=
lichen
Beziehungen der ſpaniſchen und deutſchen Nation ſowie auf den
tiefen Sinn der hier vorzunehmenden Gefallenenehrung hin. Alsdann
widmete Herr Graf de Zubiria in deutſcher Sprache den gefallenen
tapferen Helden der deutſchen Armee einen tiefempfundenen warmen
Nachruf und legte als Zeichen der Verehrung einen prachtvollen Kranz
mit Schleifen in den ſpaniſchen und deutſchen Nationalfarben nieder.
Im Namen des Vorſtandes des Kur= und Verkehrsvereins ſprach Herr
Poſtmeiſter Schmidt den Studenten den Dank des Vereins ſowie der
Auerbacher Einwohnerſchaft für die erwieſene Ehrung aus. Alsdann
richtete der 2. Vorſitzende des Kriegervereins, Herr Adam Scherer, an
die ſpaniſchen Studenten Worte tiefgefühlten und herzlichen Dankes.
Er brachte noch beſonders zum Ausdruck, daß dieſer Ehrung der deut=
ſchen
Weltkriegsopfer am Auerbacher Ehrenmal durch die ſpaniſche Stu=
dentenſchaft
eine mehr als örtliche Bedeutung beizumeſſen ſei: inſofern
als hierdurch die Weltkriegsopfer der deutſchen Armee und Marine ge=
ehrt
würden. Die Studenten dürften ſich auch des innigſten Dankes des
Haſſia=Verbandes und auch des Kyffhäuſerbundes, von dem der
Reichspräſident, Generalfeldmarſchall von Hindenburg, Ehrenpräſident
iſt, verſichert halten. Herr Scherer ſchloß ſeine Ausführungen mit einem
Hoch auf die ſpaniſchen Gäſte ſowie deren Volk und Vaterland. Mit
dem vom Bläſerchor geſpieltem Lied Ich hatt einen Kameraden fand
die erhebende Feier am Ehrenmal ihren Abſchluß. Alsdann marſchierte
der Zug unter Vorantritt des Bläſerchors in flottem Marſchtempo durch
die Ortsſtraßen zum Hotel Weigold. Vor der Auflöſung dafelbſt
hielt Herr Graf de Zubiria noch eine begeiſtert aufgenommene Rede,
worin er das Städtchen Auerbach, Deutſchland ſowie ſeinen Reichs=
präſidenten
von Hindenburg hochleben ließ. Die ſpaniſche Studenten=
ſchaft
, die ſich hier ſehr wohl fühlt, hat ſich durch dieſen Ehrungsakt
allſeitige Sympathie erworben.
j. Von der Bergſtraße, 7. Aug. Im Gewann Zwiſchen den Däm=
men
in Weinheim a. d. B. ſtürzte der dort wohnhafte 72jährige
verheiratete Landwirt Heinrich Horchler beim Zwetſchenbrechen vom
Baume herab, was den ſofortigen Tod zur Folge hatte.
Gernsheim, 7. Aug. Waſſerſtand des Rheins am
6. Auguſt 1,87 Meter, am 7. Auguſt 1,78 Meter, morgens 5.20 Uhr.
Hirſchhorn, 7. Aug. Waſſerſtand des Neckars am
6. Auguſt 0,88 Meter, am 7. Auguſt 0,90 Meter, morgens 5.30 Uhr.

Oberheſſen.

Friedberg, 7. Aug. Auf den Spuren der Römer. Die
ſtarke Beſiedlung der Wetterau in römiſcher Zeit wird immer wieder
durch Bodenfunde erwieſen. Sehr intereſſant iſt ein kürzlich bei Groß=
Karben gemachter Fund. Bei Regulierungsarbeiten an der Nidda
ſtieß man nämlich auf eine noch gut erhaltenen römiſche Holzbrücke,
die im Straßenzuge SaalburgSelzerbrunnen-Marköbel über einen
alten Niddalauf führte. Die gemachten Beifunde erleichterten die zeit=
liche
Beſtimmung. Außer römiſchen Ziegelſteinen mit den bekannten
Legionsſtempeln, fand man noch Scherben aus römiſcher Töpfererde,
eine Axt und eine Grabſchippe. Die Funde wurden dem Wetterauer
Muſeum einverleibt.

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Nummer 218

Freitng, den 8. Auguſt 1930

Seite 7

Ein Baloläuſg Laboigs V.i Jahle 102 1

Von Fritz Gevert.

Wenn wir vom Schnampelweg aus nach Ober=Ramſtadt
wandern, kommen wir, ſobald wir uns der Gemarkung dieſer
Gemeinde nähern, in einen Waldbezirk. den man den Spieß
nennt. Vor dem dreißigjährigen Kriege gehörte dieſer Wald
nebſt einigen anderen Diſtrikten der Gemeinde Ober=Ramſtadt.
Durch dieſen dörflichen Waldbeſitz erfuhr das Jagdgebiet der
heſſiſchen Landgrafen eine ungeſchickte Begrenzung, und die
Abſicht der fürſtlichen Herren, den geſamten Wald zu erwerben,
wird verſtändlich. Es iſt nicht einfach geweſen, mit den Ober=
Ramſtädtern dieſe Angelegenheit in Fluß zu bringen, und erſt
als dieſe ihren Vorteil dabei erſahen, hat ſie ſchneller ein beide
Parteien zufriedenſtellendes Ergebnis gezeitigt. Im Jahre 1621
kam ein Tauſch zu ſtande. Landgraf Ludwig V. gab den Ober=
Ra=ſtädtern für ihren Wald ſeine Hofgüter, die er in dieſer
Gemeinde beſaß. Die Tauſchurkunde trägt den Titel: Tauſch=
brieff
über die von gnädigſter Herrſchafft an die Gemeinde Ober
Ramſtatt vertauſchte Höffe und Schäfferey.
Das Schriftſtück erwähnt die verſchiedentlich gepflogenen
Verhandlungen, und es wird mit Zufriedenheit allgemeine Ein=
mütigkeit
feſtgeſtellt, ſo daß der Vertrag als rechtmäßig, beſtän=
dig
, ewig und unwiderruflich bezeichnet werden kann. Die hoch=
fürſtliche
Vertragspartei legt Wert auf die Feſtſtellung, daß der
Taſch wohlbedächtiglich, ohne einigen Zwang, freywillig und
eischelliglich erfolgt, daß ferner eine Gemeindeverſammlung
vorau,sgegangen ſei, zu der vorſchriftsmäßig mit einem Glocken=
ſtreich
das Zeichen gegeben wurde, und daß hier ein einmütiger
Beſchluß zu ſtande kam. Bezüglich des Waldes wird feſtgeſtellt,
daß es ſich um den von den Ober=Ramſtädtern bißher gehabten
eigenthümlich Wald der Spieß genannt handelt, ſambt daran
gelegenen Bruch, ſo dann dem Pfarr Holtz und armer Leuth
Hecken, alles in dem Begriff und Bezierck, wie ſolche Stücke zwi=
ſchen
dem hohen Wildzaun, da der Spieß unten an der Nieder
Ramſtätter Pfingſt Weydt anfängt, und forters an der Heege
hinauß zwiſchen dem Beßunger Wald, und dem Baar Winckel
Flecken, nach dem Roßdorffer Schlag, Von dannen nacher dem
Diebsbronnen, Fallthor am Lincken Buſch, neben ihrem Geißen=
wald
welcher gleichwohl in dießem Tauſch nit begriffen,
ſondern ihnen denen von Ober Ramſtatt außgeſetzt und ver=
bleiben
ſoll und forters nach ihrem Küh=Fall=Thor die Lich=
tenberger
Straß hinauß nach dem dürren Stock und weiter an
Trayßer Gemarcken forth, biß wieder an die Pfingſt Weyde, nechſt
an unſern Buchwald, zeucht.
Alle Stücke dieſes Waldes, ſamt ſeinen Nutzbar= und Ge=
rechtigkeiten
an Gehölz, Maſtung, Wieſen und Aeckern, ſoweit
dieſe zum Wildzaun gehören, ſowie der Weidgang ſollen dem
Landgrafen zufallen. Er will alles genau ſo inhaben, beſitzen,
nutzen und genießen wie es bisher die Gemeinde getan hat.
Dieſe erhält dafür als recht= und billigmäßigen Gegenwechſel
die landgräflichen Güter zu Ober=Ramſtadt, nämlich den Großen
Hof ſambt der Schäfferey, doch ausſchließlich der Zehntſcheuer
und des Hirtengärtleins, ferner den Schmartzenhof, den Noden=
bergershof
, den Ketzfedershof, den Culmanshof, den Hertzogs=
hof
und den Calbenhof, dazu noch den landgräflichen Hof aus der
Obern Trayßer Gemarcken, wohl den heutigen Dippelshof.
Der Landgraf bezog von dieſen Gütern jährlich 18 Gulden,
dazu 24 Gänſe, vom großen Hof außerdem ein Pfund Heller oder
15 Albus, an Hubkorn 6 Simmer, 1 Neujahrsſchwein und von
der Schäferei 24 Handkäſe und 2 Viertel Sauermilch. Von dieſen
Abgaben bleibt die Gemeinde bei der Uebernahme befreit, doch
Steuern, Zehnten und Frondienſte, ſoweit ſie zu den Höfen
gehören, bleiben beſtehen.
Der=Schluß des Tauſchbriefes lautet:
So wir Landgrave zu Heßen ete, vor Uns Unſern Erben
und nachkommende Fürſten zu Heſſen mit eigener Hand unter=
ſchrieben
, und mit unſerm angehängten Fürſtlichen Inſiegel be=
kräfftiget
, und wir ob und vielgenahmte Schultheiß, Gericht
und alle Inwohner gemeinlich und unverſchiedenlich des Dorffs
Ober Ramſtatt haben zu unwiederrufflicher Beſtättigung dieſes
Erbtauſchs oder Wechſells, nicht allein unſer Gemein Gerichts
Inſiegel, uns aller obbeſchriebenen Punkten; damit Kräfftiglich
zu beſagen, zu ende dieſes Brieffs angehängt, Sondern auch
dieweil wir mehrentheils ſchreibens unerfahren, die Ehrenhaffte
und wohlgelahrte Johann Burckhard Eyßenlöffeln, Centhgraffen
zu Ober Ramſtatt, und Hermann Geißheimern publicum.
Notarium, und älteren Statt Schreiber zu Darmſtatt dießen
Brieff von Unſertwegen zu ende desſelben umb mehrer Zeugnüß
willen zu unterſchreiben gebethen und erbethen, So wir jetzt
bemeldte Centhgrave undt Statt Schreiber uf beſchehene Bitt
alſo gethan zu haben hiermit bekennen, doch uns und unſern
Erben und Nachkommen ohne Schaden; So geſchehen iſt zu Darm=
ſtatt
am Sechſten Tag des Monaths January, im Jahr nach der
Gnadenreichen Geburth Unſers Erlößers und Seeligmachers
Chriſti Ein Taußend Sechs Hundert und Ein und Zwantzigk.
Ludwig Landgraff zu Heßen.
Ex Commissione IIIustrissimi:
Hermann Geißheimer Georg Bernhard von Hertingshaußen
Heß. Ober Forſt und Jägermeiſter.
Notarius
Johann Weitzel Landſchreiber.
Johann Burckhardt
Eißenlöffel
Am ſelben Tage wird aber noch eine zweite Urkunde auf=
geſetzt
. Nach ihr ſollen die Ober=Ramſtädter nur die Ländereien
der Landgräflichen Höfe bekommen, die in der Gemarkung Ober=
Ramſtadt ſelbſt liegen. Ferner gibt der Landgraf ſeine Weid=
gerechtſamkeit
, die er von ſeiner Ober=Ramſtädter Schäferei aus

auch in den Nachbargemeinden ausüben durfte, nicht her. Es
handelte ſich dabei um die Sommer= und Winterweide in den Ge=
markungen
Hahn, Wembach, Niedermodau und Traiſa von Mar=
tini
bis Petri Stuhlfeier, um den Weidgang in der Gemarkung
Frankenhauſen, der im Winter täglich, im Sommer aber wöchent=
lich
2 Tage ausgeübt werden durfte, und ferner um den in Nieder=
Ramſtadt, der von Martini bis Georgi Tag zu Recht beſtand.
Zum Schluß beſitzen wir noch ein drittes Schriftſtück, das
gewiſſermaßen die Ratifizierung des Vertrages darſtellt. In ihm
berichtet der Notar Geißheimer: Mittwochens den Eilfften July
alten Calenders nach zehen Schlägen Ich Ends unterſchriebener
Notarius mit und neben denen daſelbſt ernannten glaubwürdigen
Gezeugen uf zuvor, von wegen Burgermeiſter, Heimburger,
Sechßer Gerichts und der gantzen Gemeinde zu Ober Ramſtatt
Begehren perſöhnlich Kommen und erſchienen bin zu bemeltem
Ober Ramſtadt, und daſelbſt uf dem gemeinen Rath Hauß in der
Obern großen Rath= und Gerichts Stuben, zu ſehen und hören,
was daſelbſten fürgehn, geſchehen und Mir ferner fürgehalten
werden ſoll Und daß daruff ſo bald uf und nach ergangenem
Glocken Schlag ſich befunden haben. Erſtlich von wegen des
Durchleuchtigen Hochgebohrnen Fürſten und Herrn Herrn Lud=
wigen
Landgraffen zu Heßen, Graffen zu Catzenelnbogen, Dietz,
Ziegenhayn und Nidda Seiner Fürſtl. Durchl. Abgeordnete die
Geſtrenge Wohl Edel Veſte auch Ehren Veſt und Hochachtbare
Georg Bernhard von Herttingshaußen Ober Forſt= und Jäger=
meiſter
der Obern Graffſchaft Catzenelnbogen; Johann Balthaßar
von Weitolshaußen genannt Schrautenbach Rath und Ambt=
mann
uf Lichtenbergk; und Johann Weitzel Landſchreiber zu
Darmſtatt, ſitzend an einem Vierecketen Tiſch in der Echen gegen
affgang, an einer Seiten, dann auch fürs zweyte ſich verſamblet
haben alle und jede Inwohner deroſelben Gemeind, und ſeynd
in der Ordnung an gewöhnlicher Gerichts Stelle gegen der Rück=
wandt
über einer langen mit grünem Tuch bedeckten Taffel be=
ſonder
auch niedergeſeßen, die Ehrſam und Wohlweiße Peter
Schmarth, Unter Schultheiß, Lorentz Scholl, Cloß Hammer,
Claus Eißenach, Anſtatt Lübeck, Jakob Weitz, Peter Zehe, Peter
Hertzogk, Paul Poth, Hanß Schlenckenring, Hanß Rücknagel, Wil=
helm
Orth und Leonhardt Hübener, alle des Gerichts mit ihren
beygehabten Sechßern, und ließen durch ihren Heimburgen um=
zehlen
, von Orth zu Orth, und hat ein jeder Gemeindsmann uf
Außruffung ſeines Nahmens ſich mit dem Wort Ja ſeiner Gegen=
wart
bezeuget.
Zeitgeſchichtlich intereſſant iſt ein Schlußprotokoll, das ſich
als Anhängſel an dieſen Vertrag befindet und von den Be=
ſchädigungen
ſpricht, denen die Urkunde während des Einfalles
der Mansfelder ausgeſetzt war. Es heißt:
Demnach dieſes rechte wahre mit Fürſtlichen Handen unter=
ſchriebene
Original Tauſch und Wechßelbrieff durch den Mannß=
feldiſchen
Einfall entgäntzet, und ſeiner angehängten Sigillen be=
raubt
worden; alß habe uff Begehren der Gemeind Ober Ram=
ſtatt
Ich vor und nachbeſchriebener Notarius causa ſolches
agnossirt, auch daßelb mit angeregtem Instrumento Traditionis
zu verifieiren mein gewöhnlich Notariat Insiegel von außen
wieder angehängt. Actum d. 26ten 9bris 1623.
Hermannus Geisheimerus.
L. S.
Die Menſchen ſind dahi, die jenen Vertrag miteinander
ſchloſſen. Viele von ihnen haben in den Hunger= und Peſt=
jahren
des Dreißigjährigen Krieges ein jammervolles Ende ge=
funden
. Auch von den Höfen, die der Landgraf den Ober= Ram=
ſtädtern
gab, weiß man dort nur wenig mehr. Aber der Wald
iſt jung und grün geblieben und bringt von Jahr zu Jahr erneut
Friſche und Freude Lebenskraft und Daſeinsmut den unſteten
und vergänglichen Menſchengeſchlechtern. Uns aber klingt ſein
Rauſchen wie heimattreues Grüßen, da wir wiſſen, was ver=
gilbte
Blätter von ihm erzählen können.

Auslandsdeukſche, kauft deutſche Waren!
Ein Mahnruf, die Laſten des Mutterlandes mitzutragen.
Die in Temesvar erſcheinende Banater Deutſche Zeitung veröffent=
licht
einen Aufruf, in welchem darauf hingewieſen wird, welche ſchweren
Kriegslaſten Deutſchland zu tragen hat und daß Technik und Induſtrie
in erſter Linie mitarbeiten an der Abdeckung der aufgezwungenen Ver=
pflichtungen
. Entſcheidend für den deutſchen Wirtſchaftskampf iſt die Ge=
winnung
von Ablſatzgebieten im Auslande. Hier müſſen die Auslands=
deutſchen
mithelfen:
Alles, was wir brauchen, ob es ein Luxus= oder ein notwendiger
Bedarfsgegenſtand iſt, können wir in deutſcher Erzeugung finden. Neh=
men
wir einmal einen Kraftwagen, ganz gleich, ob für Laſt= oder Luxus=
zwecke
. Bringen da die Deutſchen nicht wunderbare Wagen auf den
Markt?. Hat die deutſche Technik nicht erſtklaſſige Radios, Schreib=
maſchinen
und verſchiedene elektriſche Geräte, für den Landwirt aber
gute Wirtſchaftsgeräte geſchaffen? Warum kaufen wir für unſeren
täglichen Gebrauch amerikaniſche Seife und Zahnpaſta?. Gibt es keine
deutſche? Muß die Frau franzöſiſche Schönheitsmittel benützen? Muß
der Mann ſich mit einer franzöſiſchen Raſierklinge raſieren? Können
unſere Kinder nicht mit deutſchen Spielzeugen ſpielen?. Müſſen wir
engliſches Tuch für unſere Anzüge kaufen? Iſt es beſſer als das
deutſche? Kein Menſch ahnt, wieviel deutſches Tuch nach England aus=
geführt
, von den Engländern ein wenig hergerichtet, und dann für
teures Geld als engliſche Ware verkauft wird . . . Und wer kennt nicht
die deutſchen Farben? Die ganze Welt muß ihre Farben aus Deutſch=
land
beziehen, wenn ſie farbenecht ſein ſollen . . . Haben wir alſo ein
Herz für unſer Mutterland und kaufen wir immer nur deutſche Ware!
Auch dieſer Aufruf zeigt die enge Verbundenheit des Auslands=
deutſchtums
mit dem Mutterlande und den wirtſchaftlichen Wert, den
das Auslandsdeutſchtum für das Mutterland beſitzt. Wer dem Aus=
landdeutſchtum
hilft, hilft auch dem Mutterlande!
V. D. A.

* Die Einweihung des Domes
von Trondhiem.
Von unſerem Sonderberichterſtatter
Fritz Löwe.
Trondhjem,
Ueber Trondhiem flattern die Fahnen. Die See iſt tief blau.
Ein ſtrahlender Himmel wölbt ſich über der feſtlichen Stadt. Vom
Dome läuten die Glocken. Aus der ganzen Welt ſind Teilneh=
mer
gekommen, um der feſtlichen Einweihung des Domes von
Trondhiem beizuwohnen.
Als um 8 Uhr morgens von der Feſtung Kriſtianſten die
Kanonen donnerten, brauchten die Einwohner der Stadt nicht erſt
geweckt zu werden. Sie waren ſchon längſt in Feſtſtimmung und
Feſtkleidung unterwegs. Die Straßen machten ſich mit ihren
bunten Flaggen wunderbar. Das Wetter war das denkbar
ſchönſte. Die Straßen, durch die die Prozeſſion ihren Weg neh=
men
ſollte, waren von Menſchenſcharen erfüllt. Der farbenreiche
Zug wurde von den norwegiſchen Biſchöfen in ihren ſchönen
Trachten eröffnet. Ihnen folgten die Prälaten aus dem Aus=
lande
in buntem Feſtkleid mit Mitra und Stab. Dann kamen
die Staatsminiſter, die Profeſſoren der Univerſität, die Vertreter
der Stadt und eine lange Reihe von Prieſtern in vollem Ornat.
Ein großer Teil der Teilnehmer der Prozeſſion ging vom der
Maria=Kapelle aus und vereinigte ſich mit den übrigen vor dem
Eingang der Kirche. Dann folgte der Einzug in den Dom. An
der Spitze des Zuges ſchritten 75 Knaben in Matroſenkleidern,
Mitglieder des Domchors. Dann folgten die norwegiſchen
Biſchöfe in ihren farbenreichen Ornaten. Ihnen ſchloſſen ſich an
die Erzbiſchöfe von Upſala, Dänemark, Finnland, Island und
andere. Hinter ihnen ſchritten der Präſident der norwegiſchen
lutheriſchen Kirche in Amerika, der Biſchof von Guilford als Ver=
treter
des Erzbiſchofs von Canterbury, ein Vertreter der ſchotti=
ſchen
Kirche, Repräſentanten der däniſchen, finniſchen und islän=
diſchen
theologiſchen Fakultäten, Vertreter der ſchwediſchen Uni=
verſität
, der theologiſchen Fakultäten von Wittenberg, Halle und
Roſtock, Repräſentanten der norwegiſch=amerikaniſchen theolo=
giſchen
Fakultäten und Vertreter der evangeliſchen Kirchen
aus Deutſchland und Frankreich.
Ihnen folgten der Staatsminiſter, der Kriegsminiſter, die
Rektoren der Univerſitäten und Techniſchen Hochſchulen, die Bür=
germeiſter
der Stadt, die Architekten und Künſtler, die am Bau
des Domes mitgewirkt, ſowie Vertreter der Arbeiter, die am
Bau beteiligt waren. Der Schluß bildete eine unüberſehbare
Schar norwegiſcher Prieſter in ihrer geiſtlichen Tracht.
Die Prozeſſion durchſchritt den langen Mittelgang. Es war
eine feierliche, unvergeßliche Stunde als die Prozeſſion den
neuen Dom betrat, während die neue, aus Deutſchland ſtammende,
von der Firma Steinmeyer in Oettingen in Bayern erbaute
Orgel das hohe Gewölbe mit ihren herrlichen Klängen erfüllte.
Die Orgel hat eine wunderbare Klangwirkung voller Nuancen.
und durchbrauſte den Dom mit wunderbarem Klang. Sie iſt die
dritt=größte in Europa, die größte in ganz Skandinavien.
Durch die herrliche Fenſterroſe der Weſtfront brach das Licht
in ſanfter Glut. Auf dem neuen Kreuzaltar, dem koſtbaren Ge=
ſchenke
der norwegiſchen Armerikaner, brannten in hohen Leuch=
tern
6 Lichte. Ihr Schein ſpiegelt ſich in dem großen Silber=
kruzifix
, ebenſo einer Gabe der norwegiſchen Amerikaner.
Der König, die Könjgin und der Kronprinz waren mit ihrem
Gefolge kurz vor Beginn der Feier in den Dom gekommen und
wurden von den Geiſtlichen der Kirche empfangen. Als die
königlichen Herrſchaften den Dom betraten, erhob ſich die ganze
Verſammlung und ſang den erſten Vers der Königshymme. Der
Gottesdienſt wurde durch ein Präludium des Organiſten Linde=
mam
eröffnet. Dann folgte ein ſtilles Gebet, während die
Biſchöfe und Prieſter am Altar knieten. Dann verlas der Kaplan
ber Domkirche, Paſtor Arne Fjellbo, das Eingangsgebet. Hierauf
ſtieg aus tauſenden von Kehlen ein Pſalm zu den Wölbungen
des Domes. Es war ein Augenblick von unvergeßlicher Schön=
heit
, als die Stimmen der Gemeinde ſich mit den Klängen der
Orgel zu einer wunderſamen Symphonie verbanden, während
die Sonne in den bunten Scheiben der Fenſterroſe brannte. Die
Einweihungspredigt hielt Biſchof Stören, Trondhjem.
Nach der Predigt wurde ein Pſalm geſungen, während alle
ſich erhoben, das Einweihungsgebet, für den neuen Dom ge=
ſprochen
.
Ergreifend war der Moment, als nach einem ſtillen Gebet
aus der Höhe die Domglocken drei Mal drei Glockenſchläge gaben.
Der Gottesdienſt im Dome von Trondhjem wird für jeden,
der ihm beiwohnte, eine Erinnerung für das Leben bedeuten.
Aus Ruinen hat ſich der ſtolze Dom erhoben. Seine wunder=
baren
Wölbungen erheben ſich wieder wie vor ſechs Jahrhunder=
ten
, als das norwegiſche Volk um ſeinen Dom verſammelt ſtand.
Nach Beendigung der ſtimmungsvollen Einweihungsfeier
verließen die königlichen Herrſchaften den Dom. Ihnen folgten
in langem Zuge die Prieſter. In den Straßen ſtanden Men=
ſchenmaſſen
mit entblößten Häuptern. Wenn ſie auch keinen Platz
im Dome fanden, hatten ſie doch Gelegenheit, dem Gottesdienſte
beizuwohnen, denn durch Radio wurde die Feier über Stadt und
Land verbreitet. Durch die flaggengeſchmückten Straßen brauſten
laut die Töne der alten Pſalmen.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Freitag, den 8. Auguſt 1930

Nummer 218

Reich und Ausland.
Das erſte Hindenburg=denkmal.

Mindenentg Püruoe in Beinin.

Der Sieger im Europa=
Handſtag.
Der Deuiſche Morzik wieder an erſter
Skelle.
Berlin. Der geſtern beendete Start= und
Landewettbewerb im Europa=Rundflug ergab,
daß der vorjährige Sieger Morzik wieder an die
Spitze rückte. Er hat zwar nur die gleiche Punkt=
zahl
wie der als Zweiter folgende Poß, jedoch
entſchied die beſſere Wertung im Start und
Landewettbewerb. Die dritte Stelle konnte Miß
Spooner für England belegen.

Das Hindenburg=Denkmal in Bad Reinerz
(Schleſien).
Das Denkmal, das den Reichspräſidenten als
deutſchen Ordensritter darſtellt, iſt ein Werk
Prof. Seifferts=Berlin
Unangenehme Entdeckung nach der Ferienreiſe.
Bad Homburg. Eine Homburger Fa=
milie
, die von ihrer Ferienreiſe zurückkehrte,
mußte die Entdeckung machen, daß ihre Villa von
Einbrechern erbrochen und gründlich ausgeräumt
worden iſt. Die Einbrecher drangen durch die
nach der Gartenſeite gelegenen Fenſter des
ziemlich iſoliert daſtehenden Hauſes ein. Drinnen
wüteten ſie wie die Wilden. Schränke, Türen,
Behältniſſe, die verſchloſſen waren, erbrachen ſie
mit Gewalt. Was ihnen von Kleidungs= und
Einrichtungsſtücken mitnehmenswert erſchien,
packten ſie ein und ſchafften es fort. Nur die
Silber= und Wertſachen, die gut verwahrt waren,
konnten ſie nicht entdecken. Die Einbrecher
ſcheinen ſich viel Zeit zu ihrer Arbeit genom=
men
zu haben; wahrſcheinlich haben ſie über=
haupt
mehrere Nächte in dem Hauſe zugebracht.
Der Einbruch muß in den letzten 14 Tagen er=
folgt
ſein. Von den Tätern fehlt bisher jede
Spur.
Ein deutſches Poſtflugzeug vermißt.
Berlin. Das geſtern nacht um 23 Uhr
planmäßig in Stockholm zum Fluge nach Stral=
ſund
geſtartete Poſtflugzeug D. 1826 iſt an
ſeinem Beſtimmungsort nicht eingetroffen. Auf
dieſer Luftpoſtnachtlinie werden lediglich Poſt
und Fracht, jedoch keine Paſſagiere befördert.
Die letzte Standortmeldung der mit Funkgerät
ausgerüſteten Maſchine, Typ Junkers W. 33,
ſtammte aus dem Schärengebiet um 23,50 Uhr,
der nächſte Kontrollfunk wurde nicht mehr ge=
meldet
. Die Suche nach dem vermißten Flug=
zeug
und ſeiner aus zwei Perſonen beſtehenden
Beſatzung wurde ſofort aufgenommen. Vier
ſchwediſche Waſſerflugzeuge ſowie mehrere
ſchwediſche Torpedoboote beteiligten ſich an den
Nachforſchungen. Das verunglückte Junkers=
flugzeug
der Linie StockholmStralſund iſt an
der ſchwediſchen Küſte bei der Inſel Stora Alö,
etwa 70 Kilometer ſüdlich Nyköbing, aufgefun=
den
worden. Der Flugzeugrumpf liegt unter
Waſſer, ſo daß wenig Hoffnung beſteht, daß die
beiden deutſchen Inſaſſen gerettet ſein könnten.
Das Säuglingsſterben in Lübeck.
Lübeck. Wie das Lübecker Geſundheitsamt
am Donnerstag vormittag mitteilt, hat ſich die
Zahl der Todesopfer unter den mit Tuberkel=
kulturen
vergifteten Säuglingen durch einen
weiteren Todesfall von 63 auf 64 erhöht.
Die Biſchofskonſerenz in Fulda.

Oben: Vorbeimarſch der Wachtruppe vor dem Reichspräſidenten.
Unten: Hindenburg im Geſpräch mit den Herren des Stabes.
Der Reichspräſident ſtattete dem Moabiter Exerzierplatz einen Beſuch ab, wo eine Parade der
geſamten Berliner Wachtruppen ſtattfand.
Berlins Gefallenen=Ehrenmal Unker den Linden.

Entwurf von Profeſſor A. Poelzig
für den Umban der Berliner Neuen Wache zu einem Gefallenen=Ehrenmal.
Poelzigs Entwurf wurde bei dem vom preußiſchen Staatsminiſterium ausgeſchriebenen Wettbewerb
preisgekrönt.

Kardinalfürſtbiſchof Dr. Bertram=Breslau
führt den Vorſitz der diesjährigen Biſchofskonfe=
renz
in Fulda, die mit einer feierlichen Andacht
in der Bonifacius=Gruft in Fulda eröffnet
wurde.

Verhaftung eines ungetreuen Kaſſenboten.
Leipzig. Ein Kaſſenbote, der bereits mehr
als 30 Jahre bei einer hieſigen Großbank ange=
ſtellt
war, hatte vorgeſtern von der Hauptkaſſe
des Hauſes 70 000 Mark abzuholen und war mit
dem Gelde verſchwunden. Er konnte jedoch be=
reits
an demſelben Tage feſtgenommen werden.
Das Geld fand man noch vollſtändig in ſeinem
Beſitz.
Ein Naturdenkmal.
Gifhorn. Die bekannte 1000jährige
Hirſcheiche im Barnstorfer Walde iſt jetzt voll=
ſtändig
abgeſtorben. Der Umfang dieſer Eiche in
½ Meter Höhe beträgt 6½ Meter, in 1½ Meter
Höhe 4,80 Meter. Der gewaltige Stamm iſt
innen hohl, ſo daß bequem 4 Mann dort ſtehen
können. Der Hohlraum hat eine Höhe von 15
Metern. An der Weſtſeite iſt ein etwa 8 Meter
hoher und ½ Meter breiter Eingang entſtanden.
Die Eiche befand ſich ſeit 15 Jahren in dieſem
Zuſtand. Der Hohlraum wurde aber immer
größer. Trotzdem ergrünte die Eiche noch alle
Jahre; jetzt aber ragen nur noch gewaltige
kahle Aeſte dieſes 18 Meter hohen Baumes in
die Höhe. Die Eiche iſt ſchon ſeit Jahren der
Anziehungspunkt vieler Fremden geworden.
Schwere Unwetterſchäden in Norditalien.
Rom. Infolge des letzten Erdbebens iſt
bei Treviſo ein Erdſpalt von 2 Meter Durch=
meſſer
entſtanden, aus dem gasartige Dämpfe
aufſteigen. Aus Norditalien werden wieder
ſchwere Unwetterſchäden gemeldet. In der Um=
gebung
von Brescia ſind infolge außerordent=
lich
heftiger Wolkenbrüche die Flüſſe aus den
Ufern getreten, ſo daß weite Strecken Acker=
landes
überſchwemmt wurden. Heftige Ge=
witter
ſind über Bergamo und dem Trentin
niedergegangen. In Avio wurde die Weinernte
durch Hagelſchlag vernichtet. Vom Obſer=
vatorium
bei Salo am Gardaſee wurde eine
Waſſerhoſe beobachtet, die das Gebiet von
Campoverde heimſuchte und ein kleines Flüß=
chen
in einen reißenden Strom verwandelte.
Das Obſervatorium regiſtrierte in zwei Stun=
den
ungefähr 86 Millimeter Regen.

Ein Detektiv=Büro, das Einbrechern Adreſſen
liefert.
Warſchau. Im Zuſammenhang mit der
Verhaftung eines internationalen Einbrechers
in Warſchau hat die Polizei die beiden Inhaber
eines dortigen Detektivbüros feſtgenommen, die
ſich, wie ſich herausſtellte, gewerbsmäßig damit
beſchäftigten, Einbrechern Adreſſen von einzel=
ſtehenden
Villen und anderen Wohnungen, die
ſich für Einbrüche beſonders eigneten, zukom=
men
zu laſſen. Die Dienſte dieſes Unterneh=
mens
ſollen auch von ausländiſchen Verbrechern
häufig und gern in Anſpruch genommen wor=
den
ſein, ſo daß die im Handelsregiſter als
Detektivbüro eingetragene Firma glänzende E
ſchäfte machte.
Wiener Univerſitätsdozent in den Seller=Alpen
tödlich abgeſtürzt.
Innsbruck. In den Felſen der Boe=
ſpitze
in den Seller=Alpen fanden Bergſteiger
den Körper eines abgeſtürzien Touriſten auf,
der ausgeſtreckt auf einer Felſenſtufe lag. Der
Tod war bereits eingetreten. Aus den Papie=
ren
, die man bei dem Toten vorfand, ging her=
vor
, daß es ſich um den Univerſitätsdozenten
Dr. Anton Sochner aus Wien handelt. Der
Abſturz dürfte vor zwei Tagen erfolgt ſein.
Zwei Todesopfer des Grubenunglücks
im Saargebiet.
Völklingen. Von den ins hieſige
Knappſchaftskrankenhaus eingelieferten Verletz=
ten
der Schlagwetterexploſion auf der Grube
Clarenthal ſind zwei ſchwer verletzte Bergarbei=
ter
im Laufe des geſtrigen Nachmittags ge=
ſtorben
.
Der Flieger Cunningham gefunden.
Batavia. Der auſtraliſche Flieger Cun=
ningham
, der am Dienstag in Windham ( Auſtra=
lien
) zu einem Flug nach England geſtartet war,
aber ſeine erſte Etappenſtation Bima, auf der
Inſel Sumbawa, nicht programmäßig erreichte.
iſt an der Küſte der Inſel Flores gefunden wor=
den
, wo er bereits am Dienstag wohlbehalten
gelandet war,

Fritz Morzik=Deutſchland,
zum zweitenmal Sieger des Europa=Rundflugs.
Chronik der Unglücksfälle.
Paris. In der Nähe von Agen ſtießen
zwei Automobile zuſammen. Einer der Wagen
geriet in Brand, wobei ein Ehepaar bei leben=
digem
Leibe verbrannte. Der Sohn erlitt ſo
ſchwere Verletzungen, daß er im Krankenhauſe
ſtarb. In Marakeſch (Marokko) brannte ein
Seidenlager nieder. Von den zur Bekämpfung
des Brandes aufgebotenen Soldaten wurden
fünf durch Einſturz einer Decke ſchwer verletzt.
Der Sachſchaden überſteigt 1 Million Franken.
Madrid. In einer Feuerwerksfabrik von
Olleria bei Valencia ereignete ſich eine Explo=
ſion
, durch die vier Arbeiter getötet wurden. Die
Fabrik wurde vollſtändig zerſtört.
Schwerer Unglücksfall während der Regatta=
woche
in Cowes.
London. Die Regattawoche in Cowes
wurde durch einen Zuſammenſtoß von zwei
Segeljachten empfindlich geſtört. Die große
Segeljacht Lulworth fuhr in voller Fahrt auf
die zwölf Meter=Jacht Lucilla auf, die inner=
halb
von zwei Minuten ſank. Der Steurmann
der Lucilla, der bei dem Anprall am Kopf
ſchwer verletzt wurde, wurde über Bord ge=
ſchleudert
und ertrank. Die übrigen ſechs In=
ſaſſen
des Bootes wurden durch die Rettungs=
boote
der Lulworth aufgenommen. Der Zu=
ſammenſtoß
ereignete ſich in der Nähe einer
großen Zuſchauermenge.
Die europäiſchen Schönheiten ſchneiden in
Amerika ſchlecht ab.
New York. Der elfte internationale
Schönheitskongreß in Galveſtone hat mit einem
für Europa wenig ſchmeichelhaften Reſultat ge=
endet
. Die beiden erſten Preiſe erhielten zwei
Amerikanerinnen. Der Titel Miß Univer=
ſum
wurde der 17jährigen Dorothy Goff aus
New Orleans, die bereits geſtern zur Miß
Amerika gewählt wurde, zuerkannt. Es folgen
dann als Zweite Helen Hannan=Vereinigte
Staaten, als Dritte Marianne Namiyica= Ru=
mänien
und als Vierte Nadia Dekoſarſin= Ruß=
land
.
44 Verletzte bei einem Auto=Unglück.
New York. Bei Waſt=Orange im Staate
New=Jerſey ereignete ſich ein ſchweres Autobus=
unglück
. Ein vollbeſetzter Autobus raſte in
ſchneller Fahrt gegen einen Baum und wurde
vollſtändig zertrümmert. 44 Perſonen wurden
ſchwer verletzt. Das Befinden von vier Ver=
letzten
iſt hoffnungslos.
Der unbekannke Komponiſt eines
bekannken Liedes.

Prof. Paul Hoppe.
der Komponiſt des berühmten Rheinliedes. Ein
rheiniſches Mädchen beim rheiniſchen Wein

vatoriums, der heutigen Muſikhochſchule, ſchrieb
Mitte der 90er Jahre ſein Rheiniſches Mäd=
chen
, das eines der volkstümlichſten Rheinlieder
geworden iſt.

chaft

[ ][  ][ ]

Nummer 218

Freitag, den 8. Auguſt 1930

Seite 9

Glänzender Start unserer Leichtathleten.

Die Damen siegen über 100 Meter. Sievert 2. im Kugelstoßen. Körnig, Eldracher und Salz im 100-Meter-Finale.
Möller im 400-Meter-Endlauf. Die beste Zeit in der 3mal 100-Meter-Staffel gelaufen. Nur die Hürdler ausgeschieden.
Drei Deutsche im 1500-Meter-Finale. Die Schwimmer holen noch die 5mal 100-Meter-Lagen-Staffel.

Endkampf im 100-Meter-Zwischenlauf. Sieverfs bester Stoß (14,525 Meter). Daranyis Meisterwurf (15,21 Meter). Die deutschen Siegerinnen über 100 Meter.

Phot.; Weißgärber, Darmstadt.

Die Elite kämpft!
* Langsam neigen sich schon die Tage der Weltmeister-
schaften
der Studenten ihrem Ende zu, aber noch steht der
Höhepunkt der akademischen Olympia bevor: die schöne
Leichtathletik. Sie erlebte am Donnerstag nachmittag eine
glückliche Auferstehung vor gut 8000 Zuschauern, einer Be-
sucherzahl
, die übrigens alle Pessimisten eines besseren be-
lehrte
. Um das Erfreulichste vorwegzunehmen: unsere deut-
schen
Sprinter haben sich restlos in den Vor- und Zwischen-
läufen
über 100 Meter und in der Staffel durchgesetzt.
Wie bei allen größeren Leichtathletik-Festen, brauchte
auch an diesem Tag das Kampfgericht und die Ansage durch
Lautsprecher einige Zeit zur Einarbeit, aber im Verlauf der
Kämpfe wurden gar bald alle Nörgler wenigstens durch
schnellere Abwicklung der Kämpfe zufriedengestellt.
Nach kurzer Verspätung wurden zunächst die

Vorläufe über 110 Meter Hürden
gestartet, im ganzen 5 an der Zahl. Schon gleich im ersten
Vorlauf vermißte man Steinhardt-Deutschland, der nach den
gezeigten Leistungen der anderen Bewerber zweifellos sich
hätte durchsetzen können. Erfreulicherweise kämpfte sich
Dinkler-Deutschland in den Zwischenlauf durch, ohne aller-
dings
die Technik eines Fudiita-Japan oder eines Bowler-
England zu erreichen. Auch der zweite japanische Vertre-
ter
, Tyanaga, fiel durch seine gute Technik auf. Mit beson-
derer
Spannung wurden die
Vorläufe über 100 Meter
erwartet, hatte hier doch Deutschland drei sehr starke Waf-
fen
im Gefecht: Körnig, Eldracher, Salz. Der erste Vorlauf
sah bereits Körnig am Start, gegen Toshioka-Japan und
Geisler-Oesterreich, die besten seiner vier Konkurrenten. Ein
Fehlstart steigert noch die Erwartung der Zuschauer, aber
dann löst der deutsche Meister durch ganz überlegenen Lauf
die Spannung und siegt nach verhaltenem Auslauf. Bedeu-
tend
heftiger mußte schon Eldracher im zweiten Vorlauf
gegen Glaser-Oesterreich kämpfen, der allerdings dem kräf-
tigen
Endspurt des Deutschen nicht mehr gewachsen war.
Die drei nächsten Vorläufe sahen nur ausländische Stu-
denten
am Start, von denen erwartungsgemäß Raggambi-
Ungarn, Engel-Tschechoslowakei und Balenski-Frankreich
ihren Vorlauf gewannen. Noch größer wurde die Freude,
als auch Salz trotz Verletzung den letzten Vorlauf sehr
sicher gewinnen konnte. Miltlerweile fand, von den meisten
Zuschauern wenig beachtet, zumal auch die Ansage durch
den Lautsprecher nicht immer auf der Höhe war, in zwei
Gruppen die
Ausscheidung im Kugelstoßen
statt, Trotzdem der neue deutsche Meister Sievert in guter
Form war, konnte er im Vorkampf den ungarischen Meister
und Rekordmann Daranyi nicht ganz erreichen, dafür aber

Das heutige Programm.
Leichtathletik, Hochschulstadion:

10.00 Uhr: 16.00 Uhr: 16.00 Uhr: 16.10 Uhr: 16.50 Uhr: 17.00 Uhr; 17.05 Uhr:

17.10 Uhr:
17.15 Uhr:

17.25 Uhr:
17.30 Uhr:
17.50 Uhr;

21.,00 Uhr:

Fünfkampf (Weitsprung, Speerwurf, 200 Meter,
Diskus).
110 Meter Hürden, Entscheidungslauf mit No-
wosiolski
-Polen, Borros-Ungarn, Tvanaga-Japan,
Fudiita-Japan, Bowler-England, Marchand-
Frankreich.
Weitsprung, Vorentscheidung.
800 Meter, Vorläufe.
80 Meter Hürden für Studentinnen, Entschei-
dung
.
100 Meter Entscheidungslauf, mit Körnig, Eld-
racher
und Salz-Deutchland, Glaser-Oesterreich,
Tosioka-Japan, Raggambi-Ungarn.
Olympische Staffel-Entscheidung mit
Deutschland (Schwerdtfeger, Eldracher, Metz-
ner
, Danz),
Frankreich (Galtier, Fredet, Jakson, Levier),
Italien (Vianello, Curtoni, de Negri, DAgo-
stimo
),
Oesterreich (Geisler, Glaser, Pärr, Pugl),
Japan (Toshiwa, Nakadjima, Nishi, Toshioka),
England (Rinkel, Glegg, Lowter, Goodhart).
Weitsprung, Entscheidung.
400 Meter, Entscheidung mit Möller- Deutsch-
land
, Jackson-Frankreich, Kenicky- Tschecho-
slowakei
, Haug-Norwegen, Moore-Irland,
Bartl-Tschechoslowakei.
Hochsprung für Studentinnen, Entscheidung,
200 Meter, Vorläufe.
Fünkkampf 1500 Meter.
Fechten, Festhalle:
Große Fechtgala.

den Amerikaner Levi sicher halten, 14,46 Meter, 14,39 und
13,98 Meter waren die erzielten Leistungen des Vorkampfes.
Besonders stark besetzt waren
die 400 Meter,
so daß auch hier sechs Vorläufe nötig waren. Der erste war
eine sichere Sache des auch technisch sehr guten Jackson-
Frankreich, dessen schärtster Gegner Moore-Irland war. Im
zweiten Lauf konnte Kazorke-Deutschland hinter Neame-
England als zweiter ankommen, während Göricke leider im
3. Lauf ausschied. Dafür konnte anschließend Noeller-
Deutschland sich die Teilnahme am Zwischenlauf erkämpfen.
Beachtlich war die Tatsache, daß Frankreich drei Leute,
Jackson, Fredet und Crotoff in den Zwischenlauf bringen
konnte, ebenso wie die Tschechoslowakei, die über diese
Strecke erstaunlich stark vertreten ware

Die erste Entscheidung fiel im
100-Meter-Lauf für Damen,
zu dem leider nur die drei deutschen Vertreterinnen, Brau-
müller
, Freitag und Schlottmann antraten. Hier siegte
schließlich die blonde Inge‟ Braumüller vor Freitag und
Schlottmann, und wenn auch die erzielten Zeiten keine sehr
guten waren, so bejubelten doch anschließend bei der feier-
lichen
Siegerverkündung die Tausende unsere drei deut-
schen
Vertreterinnen. Wieder einmal, hoffentlich nicht zum
letzten Male, ging an den drei Siegermasten die deutsche
Flagge hoch, und begeistert stimmte die Menge das
Deutschlandlied an.
Und diese Begeisterung lebte sofort wieder auf, als die
drei Zwischenläufe über 100 Meter unsere drei deutschen
Vertreter Körnig, Eldracher und Salz wiederum als Sieger
sah, wobei als besonders erfreulich auch der famose Lauf
des österreichischen Meisters Glaser gegen Körnig hervorzu-
heben
ist. Ragsambi und Toshioka qualifizierten sich erwar-
tungsgemäß
ebenfalls für den Endlauf.
Auch die starke Beteiligung
über 1500 Meter
bedingte drei Vorläufe, in denen sich jeweils die Deutschen
Krause Sujatta und Hellpapp für die Entschei-
dung
durchsetzen konnten.
Inzwischen wurde im Kugelstoßen erbittert um den aka-
demischen
Weltmeistertitel gekämpft, und es war anzu-
nehmen
, daß der Sieger die Vorkampfleistungen verbessern
mußte. Dem Ungarn Daranyi gelang schließlich, wie das im
Kugelstoßen gar oft üblich ist, ausgerechnet mit dem letzten
Versuch der große Wurt: mit 15,21 Meter wurde er vor Sie-
vert
-Deutschland (14,525 Meter) und Levi-U.S.A. (14,49 Me-
ter
) Weltmeister der Studenten. Auch diese zweite Sieger-
verkündigung
war sehr feierlich, zumal bei den leichtathleti-
schen
Wettkämpfen die Zeremonie unmittelbar nach jedem
Wettbewerb vorgenommen wird und die drei Sieger dem
Hissen der Siegerflaggen beiwohnen.
Die Zwischenläufe über 400 Meter brachten den deut-
schen
Vertretern Freide und Enttäuschung, denn im ersten
Lauf kam Nöller mit 51,6 Sek. hinter Jackson-Frankreich in
die Entscheidung, während im zweiten Kazorke trotz seiner
50,9 Sek. nur Dritter werden konnte, und damit ausschei-
den
mußte. Erstaunlich leicht gewann Moore-Irland den
dritten Vorlauf in der Bestzeit von 50,3 Sek. Auch hier ist
hervorzuheben, daß die Tschechen Bartl und Kenicky in den
Endlauf kommen konnten.
Nicht nur bei den Zuschauern, auch bei den Teilnehmern
im ersten Vorlauf über 4X100 Meter herrschte erhöhte
Spannung, denn ausgerechnet der deutsche Startmann Salz
verursachte den ersten Fehlstart, und erst nach einem zwei-
ten
ging dieser prächtige Kampf los.
Ganz hervorragend war der erste Wechsel der Deut-
schen
zwischen Salz und Metzner, der überdies ein ausge-
zeichnetes
Rennen lief und die deutsche Staffel in klare Füh=

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Freitag, den 8. Auguſt 1930

Nummer 218

rung brachte. Und da auch Eldracher sich in der Kurve be-
sonders
wohl fühlte, hatte Körnig nichts mehr zu schlagen.
Mit einem Vorsprung von 20 Metern siegten unsere deut-
schen
Vertreter in 42,3 Sekunden. Ihr prächtiger Lauf hatte
die Zuschauermenge wirklich begeistert, Im zweiten Vorlauf
kam es zu einem interessanten Kampf zwischen den kleinen,
flinken Japanern, deren eigenartige Wechseltaktik auffiel,
und den Ungarn, den letztere knapp für sich entscheiden
konnten. Mitten in die Freude hinein platzte die Nachricht,
daß der Oberbürgermeister von Tokio telegraphisch herzliche
Glückwünsche gesandt hatte, eine Mitteilung, die diese
Freude noch erhöhte.
Da die Vorläufe der
Olympischen Staffel
wegen Nichtantretens verschiedener Nationen ausfielen,
konnten als letzte Konkurrenz dieses Tages die drei Zwi-
schenläufe
über 110 Meter Hürden gestartet werden. Auch
hier setzten sich erwartungsgemäß die beiden Japaner
Tvanaga und Fudiita durch, vor Marchand-Frankreich, Bow-
ler
-England, Nowosiolski-Polen und Boros-Ungarn. Leider
konnte sich Dinkler-Dutschland nicht mehr für den Endlauf
gualifizieren.
Damit waren diese schönen und fairen Kämpfe des
ersten Tages zu Ende, und zweifellos werden die in so statt-
licher
Zahl erschienenen Zuschauer mit großer Befriedigung
diesen feierlichen Auftakt der Leichtathletik aufgenommen
haben. Wir wünschen daher, daß gerade die letzten Tage
der Weltmeisterschaften der Studenten, die ja noch weit
schönere und interessantere Kämpfe bringen sollen, einem
erhöhten Interesse begegnen.
Die Ergebnisse.
110 Meter Hürden.
1. Vorlauf: 1. Dunbar-U.S.A. 16,5 Sek. 2. Bowler- Eng-
land
16,7 Sek. 3. Boroß-Ungarn. 2. Vorlauf: 1. Nowo-
sielsky
-Polen 15,9 Sek. 2. Trapnell-England 16,1 Sekunden.
3. Dinkler-Deutschland 16,3 Sek. 3. Vorlauf: 1. Fudiita-
Japan 16,2 Sek. 2. Marchand-Frankreich 17,7 Sekunden.
4. Vorlauf: 1. Jpanaga-Japan 16 Sek. 2. Dobrowolski-Polen
16,6 Sek. 3. Frey-Schweiz 16,8 Sek. 4. Binet-Belgien.
5. Vorlauf: 1. Bloos-England 16,4 Sek. 2. Trojanowski-Polen
16,7 Sek.
In den Zwischenlauf kommen: Dunbar, Bowler, Boroß,
Nowosielski, Trapnell, Dinkler, Fudifta, Marchand, Tyanaga,
Dobrowolski, Frey, Bloß und Trojanowski.
1. Zwischenlauf: 1. Nowosiolski-Polen 16,2 Sek. 2. Bo-
roß
-Ungarn 16,3 Sek. 3. Bloos-England 16,4 Sek. 2. Zwi-
schenlauf
: 1. Tyanaga-Japan 15,7 Sek. 2. Marchand- Frank-
reich
15,7 Sek. 3. Thring-England. 3. Zwischenlauf.
1. Fudiita,Japan 15,9 Sek. 2. Bowler-England 16 Sekunden.
3. Dinkler-Deutschland 16,4 Sek.
Die beiden Ersten jedes Zwischenlaufes kommen in den
Endlauf.
100 Meter.
1. Vorlauf: 1. Körnig-Deutschland 10,7 Sek. 2. To-
shioka
-Japan 10,9 Sek. 3. Geißler-Oesterreich 11,1 Sek.
2. Vorlauf: 1. Eldracher-Deutschland 10,9 Sek. 2. Glaser-
Oesterreich 11 Sek. 3. Ohshima-Japan 11,2 Sek. Brignoli-
Italien. 3. Vorlauf: 1. Balenski 11 Sek. 2. Clegg-England
11,1 Sek. 3. Cerny-Tschechoslowakei 11,3 Sek, 4. Delioigne-
Belgien. 4. Vorlauf: 1. Raggambi-Ungarn 10,9 Sekunden.
2. Lincoln-U.S.A. 11 Sek. 3. Gelsonini 11,2 Sek 4. Oost-
huizen
-Südafrika. 5. Vorlauf: 1. Engle-Tschechoslowakei
11,0 Sek. 2. Sakasi-Japan 11,3 Sek. 3. Burg-Belgien 11,5
Sek. 6. Vorlauf: 1. Salz-Deutschland. 2. Trojanowski-
Polen 11 Sek. 3. Bouguet-Frankreich 11,3 Sek. 4. Thom-
sor
-England.
In den Zwischenlauf kommen die ersten drei jedes
Vorlaufes.
1. Zwischenlauf: 1. Körnig-Deutschland 10,7 Sekunden.
2. Glaser-Oesterreich 10,9 Sek. 3. Engel-Tschechoslowakei
11 Sek. 2. Zwischenlauf: 1. Eldracher-Deutschland 10,9
Sek. 2. Tosioka-Japan 11 Sek. Trojanoweki-Polen 11,2
Sek. 3. Zwischenlauf: 1. Salz-Deutschland 10,8 Sekund.
2. Raggambi-Ungarn 10,9 Sek. 3. Lincoln-U.S.A.
Jeweils die zwei Ersten des Zwischenlaufs für 100 Meter
kommen in die Entscheidung.
400 Meter.
1. Vorlauf: 1. Jackson-Frankreich 50,5 Sek. 2. Moore-
Irland 51,0 Sek. 3. Piechoki 51,5 Sek. 4. Studer-Schweiz.
2. Vorlauf: 1. Neame-England 51,8 Sekunden. 2. Kazore-
Deutschland 52,0 Sek. 3. Miller-Polen 52,4 Sek. 4. Stüch-
ler
-Schweiz. 3. Vorlauf: 1. Knenicky-Tschechoslowakei
50,7 Sek. 2. Fredet-Frankreich 51,3 Sek. 3. Nishiy-Japan
51,4 Sek. 4. Vianello-Italien. 4. Vorlauf: 1. Mussis- Lett-
land
52,6 Sek. 2. Gesadi-Italien 53 Sek. 3. Noeller- Deutsch-
land
55 Sek. 4. Goodhart-England. 5. Vorlauf: 1. Fiser-
Tschechei 52,1 Sek. 2. Haug-Norwegen 52,6 Sek. 3. Met-
calfe
53,3 Sek. 4. Farkas-Ungarn. 6. Vorlauf: 1. Bartl-
Tschechoslowakei 52,5 Sek. 2. Krotoff-Frankreich 52,7 Sek.
3. Gastre-Spanien 52,9 Sek, 4. Sazar-Ungarn.
Die drei Ersten eines jeden Vorlaufes kommen in den
Zwischenlauf.
1. Zwischenlauf: 1. Jackson-Frankreich 50,6 Sekunden.
2. Möller-Deutschland 51,6 Sek. 3. Nishi-Japan 51,9 Sek.
2. Zwischenlauf: 1. Knenicky-Tschechoslowakei 50,6 Sekund.
2. Haug-Norwegen 50,8 Sek. 3. Kazorke-Deutschland 50,9
Sek. 3. Zwischenlauf: 1. Moore-Irland 50,3 Sek. 2. Bartl-
Tschechoslowakei 50,5 Sek. 3. Fredet-Frankreich 51,4 Sek.
Die beiden Ersten aus den Zwischenläufen kommen in
den Endlauf.
100 Meter Damen.
Entscheidung: 1. Braumüller-Deutschland
13,1 Sek. 2. Freitag-Deutschland 13,2 Sek. 3. Schlottmann-
Deutschland 13,3 Sek.
1500 Meter.
1. Vorlauf: 1. Cerati-Italien 4.08,4 Min. 2. Dahlström-
Schweden 4.10,4 Min. 3. Krause-Deutschland 4.10,5 Min.
4. Sidorowicz-Polen. 2. Vorlauf: 1. Helps-England 4.12,3
Min, 2. Johannsen-Norwegen 4.14,0 Min. 3. Sujatta- Deutsch-
land
4.17,8 Min. 4. Hren-Tschechoslowakei. 3. Vorlauf:
1. Seduc-Frankreich 4.15,4 Min. 2. Riß-England 4.17,4 Min.
3. Hellpapp-Deutschland 4.18,3 Min. 4. Pruskewski-Polen
Die drei Ersten der Vorläufe im 1500-Meter-Lauf kom-
men
in den Zwischenlauf.

4 X100 Meter:
1. Vorlauf: 1. Deutschland 42,3 Sek. (Salz, Metzner,
Eldracher, Körnig). 2. Tschechoslowakei 44,5 Sek. ( Kne-
nicky
, Engel, Cerny, Bertl). 3. Frankreich 44,8 Sek. ( Bous-
duet
, Balensi, Ferdet, Hezschel). 2. Vorlauf: 1. Ungarn
42,5 Sek. (Paku, Balogh, Paitz, Izs0), 2. Japan 43,2 Sek.
(Foshioka, Sasaki, Ohsima, Nishi). 3. Italien 43,8 Sekunden
(Gelsomini, Tomasi, Brignole, D-Agostino).
Die drei Besten jedes Vorlaufes kommen in die Ent-
scheidung
.
Am gestrigen Abend folgten die etwa 80 Vertreter der
ausländischen und deutschen Presse einer
Einladung des Presseausschusses
der Olympiade in das Hotel Traube. Einige Stunden der
Unterhaltung, ohne den hetzenden Zwang des Tempos, der
tagtäglich die Pressevertreter in Anspruch nimmt, dienten
dem persönlichen Näherkommen. Nach einer Begrüßungs-
ansprache
des ersten Vorsitzenden Streese-Darmstadt,
sprach der Vorsitzende des Turn- und Sportamtes der Deut-
schen
Studentenschaft, Walter Hinsch-Berlin, über die
Ziele des Studentensportes. Dr. Karl Merck-Darmstadt
referierte über die Abwicklung des Tennisturniers, während
Dipl.-Ing. Gordelmann den Stand des Fußballsportes
an den deutschen Universitäten kurz skizzierte, Frl. Dr.
Borgs, die Meisterin im Kunstspringen, gab den Veranstal-
tern
beherzigenswerte Winke zu flotter und auch die Teil-
nehmer
befriedigender Abwicklung der schwierigen Spring-
wettkämpfe
, Reg.-Rat Bartling-Darmstadt umriß die
neue Entwicklung des Rugbyspieles in England, Frankreich,
Deutschland. Min.-Rat Mallwitz-Berlin bezeichnete als
Ziel der deutschen Sportärzte eine ähnliche straffe Organi-
sation
, wie sie Italien jetzt zuwege gebracht habe, Kurt
Doerry, der Senjor der deutschen Sportjournalisten,
leerte sein Glas auf eine glückliche Entwicklung des Studen-
tensports
. Als Vertreter der italienischen Studenten gab Dr.
Tagliavia der Bewunderung Ausdruck für die perfekte
Organisation, die bei den hiesigen Meisterschaften herrsche.
Gegenwärtig hingen die Augen ganz Italiens an den Vor-
gängen
in Darmstadt. Wir können aus eigener Anschauung
seine Bemerkung bestätigen, daß alle großen italie-
nischen
Zeitungen die Sportkämpfe in Darm-
stadt
unter Balkenüberschriften auf den ersten Seiten ihrer
Millionenauflagen herausbringen. Für den Austausch von
Erinnerungen und die Vertiefung neuer Freundschaften war
die Zeit nur sehr kurz, da bereits der frühe Freitag vormittag
die Fortsetzung der Kämpfe und damit neue Arbeit
-6.
Rugby: Frankreich-Spanen
69:0.
In dem Rugbyspiel Frankreich gegen Spanien im Frankfurter
Stadion zeigten die Franzosen ein Spiel von Klasse, allerdings
setzten ihnen die Spanier nicht den erwarteten Widerstand ent-
gegen
. Frankreich kommt nur schwer in Fahrt, kann aber in
der 7. Minute den ersten Versuch buchen. Spanien verteidigt
geschickt, erhält viel Bälle aus dem Gedränge, die es aber nicht
verwerten kann. Die Franzosen halten das Spiel dauernd in des
Gegners Hälfte, ihre Läufer sind ausgezeichnet und das Weiter-
geben
der Bälle vorzüglich, Ihre körperliche und technische
Ueberlegenheit läßt sie bis zur Halbzeit 7 Versuche erzielen, von
denen zwei erhöht werden (25:0). Nach der Pause spielt Spanien
nur mit 14 Mann, trotzdem ist es zuerst den Franzosen leicht
überlegen. Doch allmählich müssen sich die Spanier wieder
stark auf die Verteidigung beschränken, In ungestümen Angrif-
fen
gelingen den Franzosen noch 12 Versuche bis zum Schluß,
von denen 4 erhöht werden, insgesamt haben sie 19 Versuche
erzielt und davon 12 erhöht, während die Spanier leer ausgehen
mußten. Bei dem Sieger gefiel vor allem der Angriff, dessen
Laufen und Weitergeben des Balles geradezu vorbildlich war.
Fast der ganze Sturm bricht in einer Linie vor, vorzüglich waren
auch die Dreiviertel- und die Schlußleute. Die Spanier kamen
nie zu einem geschlossenen Spiel, nur standen fie gut im Ge-
dränge
, Schiedsrichter Dr. Schlatter-Heidelberg leitete zur voll-
sten
Zufriedenheit.
Ausklang im Fechten.
Die Einzelkämpfe im Säbel.
Die Beteiligung an den Säbelkämpfen war nicht so stark,
wie man anfangs erwartete, Von den gemeldeten Fechtern tra-
ten
an: Simonsen und Söltoft (Dänemark), Kolbinger, Mayer und
Trillhaase (Deutschland), Jourdant (Frankreich), Bierke ( Nor-
wegen
), Roca, Zanmichieli und Gabrielli (Italien), Hehs, Göszy
und Fiala (Ungarn), Stanley-Smuth (England), Gobat (Schweiz).
Von diesen konnten am Nachmittag zu der Schlußrunde an-
treten
: Kolbinger, Mayer, Trillhaase, Hehs, Göszy, Fiala,
Zanmichieli und Gabrielli. Unter der Leitung des Deutschen
Meisters aller Waffen, Erwin Casmir, wickelten sich die Ge-
fechte
rasch und glatt ab. Obwohl sich bei einzelnen Fechtern
bereits eine starke Ermüdung geltend machte, sah man auch
hier wieder schöne fechterische Leistungen. Unter den Ungarn
wußte sich Hehs am besten durchzusetzen. Die übrigen Fechter
hielten sich ziemlich das Gleichgewicht, so daß nur die Zahl
der erhaltenen Treffer über die Rangfolge entschied. Nach
Schluß der Kämpfe dankte Direktor Steffan im Namen der Tur-
nierleitung
allen Fechtern und den Sportkameraden, die sich
in den Dienst der Sache gestellt hatten, für ihre eifrige Mithilfe.
Die Fechtwettkämpfe sind nun beendet. Es war zu erwar-
ten
, daß hier Italien und Ungarn an die Spitze kommen würden,
denn gerade in ihren Ländern wird das Fechten als Hochschul-
sport
besonders gepflegt. Die Rangfolge sämtlicher Mann-
schafts
- und Einzelkämpfe wird morgen veröffentlicht werden.
Ergebnisse im Säbel- und Einzelkampf: 1. Hehs (Ungarn),
2. Fiala (Ungarn), 3. Göszy (Ungarn) Doppelpreis, 4. Gabrielli
(Italien) Doppelpreis, 5. Trillhaase (Deutschland), 6. Zan-
michieli
(Italien), 7. Mayer (Deutschland), 8. Kolbinger
(Deutschland).
Berichtigung.
Zu den Säbel-Mannschaftskämpfen ist nachzu-
tragen
, daß am 6. August in der Feststellung der Rangfolge der
Leitung ein Irrtum unterlief, Italien und Deutschland
hatten nach Beendigung die gleiche Zahl Einzelsiege. Die Kampf-
regeln
der Federation internationale deserime, die für die
Studentische Olympiade als maßgebend anerkannt sind, sieht im
französischen Urtext eine für die einzelnen Waffen verschiedene
Berechnung der Punktzahl vor. Nach dem deutschen Text waren
hierin Zweifel möglich, die aber in der nachfolgenden Kampf-
richtersitzung
geklärt wurden. Hiernach ändert sich die Reihen-
folge
der Sieger in den Säbel-Mannschaftskämpfen: 1. Ungarn
4 Punkte; 2. Italien 2 Punkte; 3. Deutschland 0 Punkte.

Ausklang im Schwimmen.

Am Donnerstag vormittag fanden die Schwimmwettbewerbe
der internationalen Meisterschaften der Studenten ihren Ab-
schluß
. Noch einmal hatte sich trotz regnerischem Wetter eine
stattliche Zahl von Zuschauern eingefunden, die Zeuge der letz-
ten
Kämpfe der Schwimmer sein wollten. Nach Beendigung der
letzten Entscheidung war damit eine schwimmsportliche Ver-
anstaltung
zu Ende gegangen, die in den Annalen des deutschen
und vor allen Dingen des akademischen Schwimmsports mit
großen Buchstaben eingeschrieben wird. Ausgezeichneter Sport,
glänzende Organisation, an allen Tagen zahlreiches Publikum,
kurz es klappte alles, wie man es sich nicht besser wünschen
konnte.
Die letzten Kämpfe
begannen mit der Lagenstaffel 3X100 Meter für Herren. Am
Start erschienen die Mannschaften von Oesterreich, England,
Deutschland, Ungarn und Italien. Nach gutem Start übernahm
der neugebackene Weltmeister im Brustschwimmen, Weigmann-
Deutschland, die Führung und verschaffte seinem Nachfolger
Ohlwein einen klaren Vorsprung. An zweiter Stelle lag Italien,
dem Oesterreich und Ungarn bald folgten. Der Oesterreicher
Rödiger schwamm ein glänzendes Rennen, überholte den Ita-
liener
und Ungarn und konnte auch gegen Ohlwein eine Kleinig-
keit
gut machen. Der deutsche Schlußmann Watrin konnte je-
doch
diesen wertvollen Mannschaftskampf unangefochten nach
Hause schwimmen. Um die Plätze entspann sich noch ein herr-
licher
Kampf zwischen Oesterreich, Ungarn und Italien, den

Die französische Wasserballmannschaft.
Phot.: Weißgärber, Darmstadt.
Unterberger-Oesterreich knapp gewinnen konnte. Ein hervor-
ragendes
Rennen schwamm dabei der 100-Meter-Meister Szekely-
Ungarn, der fast zu dem Oesterreicher auflaufen konnte und
Italien noch auf den 4. Platz verwies.
Die letzte Entscheidung der Schwimmkonkurrenzen gab es
dann in der langen Strecke

1500 Meter Kraul für Herren.
Der erklärte Favorit Gambi-Italien schwamm hierbei ein Rennen
für sich. Nachdem sein Landsmann Bacigalupo ihm bis 400 Meter
noch einigermaßen folgen konnte, machte sich Gambi auf die
Verfolgung der anderen und konnte nach und nach alle anderen
Teilnehmer überrunden. So erfocht er einen ganz überlegenen
Sieg, denn Bacigalupo lag zum Schluß 65 Meter hinter ihm, alle
anderen weit über 100 Meter. Gambi, der in diesem Rennen
sich den zweiten Meistertitel eroberte, hatte ein glänzendes
Stehvermögen und wurde zum Schluß immer schneller, denn für
die letzten 500 Meter brauchte er nur 7:15,8 Min., während er
die zweiten 500 Meter in 7:28,7 Min. durchschwommen hatte.
Seine Gesamtzeit von 21:53,8 ist international gewertet ganz aus-
gezeichnet
. Hinter Bacigalupo wurde Feher guter Dritter, wäh-
rend
sich um den 4. Platz ein scharfer Endkampf zwischen dem
Franzosen Roig und dem Deutschen Wernitz entspann, den
der Franzose knapp zu seinen Gunsten entschied. Der Deutsche,
dem man nie eine Chance eingeräumt hatte, errang sich durch
sein tapferes Durchhalten einen Achtungserfolg. Der sonst so
gute Oesterreicher Unterberger bildete, ermüdet von der vor-
hergehenden
Staffel, den Beschluß des Feldes.

Ergebnisse.

3X100 Meter Lagenstaffel: 1. Deutschland 3:45,8
Min. (Weigmann 1:23,5 Min., Ohlwein 1:16,5, Watrin
1:05,5.) 2. Oesterreich 3:50,2 Min. (Haas 1:27,7, Rödiger
1:14,5, Unterberger 1:08.) 3. Ungarn 3:50,8 Min. (Bitskey,
Herendy, Szekely.) 4. Italien 3:50,9 Min. (Aru, Grozio,
Pepe.) 5. England 4:17,2 Min. (Ryder, Hazeldeene, Sutton.)
1500 Meter Freistil: 1. Gambi-Italien 21:53,8 Minuten.
2. Bacigalupo-Italien 22:53,8 Min. 3. Feher-Ungarn 23:44
Minuten. 4. Roig-Frankreich 24:10 Minuten. 5. Wernitz-
Deutschland 24:12,8 Minuten. 6. Unterberger-
Oesterreich 24:56,7 Minuten.

Wasserball-Ende: Belgien-Frankreich
4:0 (5:0).
Im Entscheidungsspiel um den 4. Platz des Wasserballtur-
niers
standen sich unter der Leitung des ungarischen Schieds-
richters
Jonas die Mannschaften von Belgien und Frankreich
gegenüber. Das Spiel bot keine überragenden Leistungen und
war durch die äußerst harte Spielweise der Franzosen sehr un-
schön
. Die Belgier waren in jeder Beziehung besser und ge-
wannen
verdient mit 4:0 (3:0) Toren.
Die Reihenfolge im Wasserballturnier ist daher die
folgende: 1. Deutschland, 2. Ungarn, 3. England, 4. Belgien,
5. Frankreich.

In der Gesamtwertung der Schwimmwettkämpfe
ehen sowohl bei den Herren als auch bei den Damen die Deut-
hen
überlegen an der Spitze dank der großen Vielseitigkeit
1 des guten Durchschnittes ihrer Teilnehmer.
82 Punkte.
A. Herren: 1. Deutschland
2. Italien
54
3. Ungarn
50
4. Oesterreich
19
5. England
17
6. Tschechoslowakei 13
7. Frankreich
11
B. Damen: 1. Deutschland
48
2. Frankreich
25
3. Ungarn
3
Die Weltmeisterschaft im Kugelstoßen.

Die Weltmeisterschaft im Kugelstoßen sicherte sich der
Ungar Daranyi mit 15.21 Meter. 2. Sievert- Deutsch-
land
14.52,5 Meter. 3. Levi-U.S.A. 14.49 Meter. 4. OCal-
laghan
-Irland 13.65 Meter, 5. Chmelik-Tschechoslowakei
13.62 Meter

[ ][  ][ ]

Nummer 218

Freitag, den 8. Auguſt 1930

Seite 11

Der Spork des Sonnkags.
Nachdem am vergangenen Sonntag ſich zahlreiche Meiſter=
ſchaftskämpfe
in den verſchiedenſten Sportarten auf den einen Tag
zuſammengeballt hatten, tritt diesmal eine gewiſſe Entſpannung
in dem ſportlichen Programm des Sonntags ein. Das ſoll nicht
heißen, daß wir nun auf einige wenige Veranſtaltungen von Be=
deutung
im Sport angewieſen ſind, ſondern daß an Stelle der
Spitzenveranſtaltungen zahlreiche kleinere, aber qualitativ auch
ganz ausgezeichnete Veranſtaltungen getreten ſind. Das gilt vom
Schwimmen ſowohl wie vom Radſport, vom Motorſport wie von
der Leichtathletik. Eine Ausnahme machen die Kämpfe um die
internationalen deutſchen Tennis=Meiſterſchaften und um die
Weltmeiſterſchaften der Studenten in Darmſtadt. Außerdem iſt
noch beſonders die Deutſche Meiſterſchaftsregatta in Berlin=
Grünau hervorzuheben. Und dann der Fußballſport. Er tritt,
wie nach der vierwöchigen Zwangspauſe nicht anders zu erwar=

ten, mit zahlreichen Freundſchaftsſpielen auf den Plan, er be=
ginnt
wieder, eine das ſonntägliche Sportprogramm beherrſchende
Rolle zu ſpielen. Die Zeit bis zum Beginn der diesjährigen
Verbandsſpielſaiſon iſt nicht mehr lang. Denn ſie beginnt bereits
am 24. Auguſt.
Fußball.
Nur noch wenige Sonntage trennen uns in Süddeutſchland
von dem Beginn der vielgerühmten und vielgeſchmähten Ver=
bandsſpiele
. Kein Wunder, daß jeder Verein jetzt keine Gelegen=
heit
vorübergehen läßt, ſeiner Mannſchaft in Geſellſchaftsſpielen
den letzten Schliff zu geben, damit ſie fit in den Punktekampf
gehen kann. So hat der FSV. Frankfurt den FK. Teplitz nach
Frankfurt verpflichtet, der VfB. Stuttgart ſpielt in Wangen
gegen den Grazer AC., ebenſo beſtreitet Phönix Ludwigshafen
ein Jubiläumsſpiel in Maikammer gegen VfL. Benrath. Weitere
Spiele tragen aus: Kickers WürzburgUnion Niederrad, Saar 05
SaarbrückenFK. Pirmaſens, Boruſſia NeunkirchenVfB. Dil=
lingen
, SV. Waldhof=Düſſeldorfer SC. 99, SC. FreiburgVfL.
Neckarau, FC. PforzheimVfR. Mannheim, FV. Zuffenhauſen
ASV. Nürnberg, FC. FreiburgRed Star Straßburg, FC. Eis=
lingen
Sportfreunde Stuttgart, FV. OffenburgFC. Mann=
heim
08. SV. 05 Reutlingen-Phönix Karlsruhe, Germania
BrötzingenRot=Weiß Frankfurt, SV. WiesbadenFV. 04 Würz=
burg
, FC. Idar-Hanau 93. Auf Reiſen befindet ſich die
SpVg. Fürth, die bereits am Samstag ein Verſöhnungsſpiel in
Berlin gegen Hertha/BSC. austrägt. München 1860 ſpielt eben=
falls
am Samstag in Leipzig gegen Fortuna Leipzig. Der ſüd=
deutſche
Meiſter Eintracht Frankfurt iſt in Schalke Gegner von
Schalke 04. Die Offenbacher Kickers unternehmen am Wochen=
ende
eine Reiſe nach Weſtdeutſchland und ſpielen am Samstag
gegen FV. Bonn und am Sonntag gegen Germania Herne
Von den Treffen der Arbeiterſportler iſt der dritte Län=
derkampf
Deutſchland England zu erwähnen, der in Stuttgart
vor ſich geht.
Schwimmen.
In Wiesbaden gelangen am 10. Auguſt die Kämpfe um
die Deutſchen Strom=Schwimm=Meiſterſchaften zur Durchfuhrung,
denen man im Deutſchen Schwimm=Verband ein großes Intereſſe
entgegenbringt. Es liegt ein ausgezeichnetes Meldeergebnis vor,
da alle Schwimmer und Schwimmerinen am Start erſcheinen, die
über die 7500 Meter lange Strecke Ausſicht auf Erfolg haben.
Für Süddeutſchland ſind die Spiele der Zwiſchenrunde um die
Süddeutſche Waſſerball=Meiſterſchaft von Bedeutung, die in
Darmſtadt und München vor ſich gehen.
Akademiſche Weltmeiſterſchaften.
Darmſtadt erlebt am Sonntag bei den internationalen Studen=
ten
=Meiſterſchaften noch einmal einen Höhepunkt, der auch gleich=
zeitig
den Abſchluß dieſer impoſanten Veranſtaltung bringt, und
zwar mit dem Aufmarſch der Nationen zur Schlußfeier und mit
der feierlichen Siegerverkündung. Außerdem ſind noch die Ent=
ſcheidungen
im Stabhochſpringen und im Speerwerfen vorgeſehen.
Tennis.
Hier gibt es nur ein Ereignis; die Schlußkämpfe um die
internationalen deutſchen Tennis=Meiſterſchaften in Hamburg
die ſich bereits über acht Tage erſtrecken. Dadurch, daß die dies=
jährigen
Titelkämpfe eine ſo überraſchend gute Beſetzung gefunden
haben mehr denn je ſind ausländiſche Spitzenſpieler u= ſpielerin=
nen
im Tennisſtadion an der Rothenbaumchauſſee verſammelt,
verſprechen die einzelnen Finals, eine beſondere tennisſportliche
Delikateſſe zu werden. Die Kämpfe um den Bad=Emſer Gold=
pokal
, die von den Tennislehrern Deutſchlands und Englands all=
jährlich
ausgetragen werden, haben durch die Teilnahme Hollands
eine intereſſante Bereicherung erfahren. Konnten bei den beiden
letzten Begegnungen zwiſchen Deutſchland und England die deut=
ſchen
Vertreter erfolgreich bleiben, ſo iſt jetzt der Ausgang voll=
kommen
offen.
Rudern.
Auf der klaſſiſchen Rennſtrecke von Berlin=Grünau kommen
die Deutſchen Rudermeiſterſchaften zur Entſcheidung. Die Aus=
ſchreibung
ſieht insgeſamt 6 Meiſterſchafts=Rennen, und zwar im
Vierer ohne und mit Steuermann, Einer, Zweier, Doppelzweier
und Achter vor. Dabei wird die Entſcheidung fallen, ob Amicitia
Mannheim auch in dieſem Jahre die Hegemonie im deutſchen
Ruderſport behauptet.
Radſport.
Es iſt unverkennbar, daß das Publikums=Intereſſe an rad=
ſportlichen
Veranſtaltungen in letzter Zeit ſich geſteigert hat.
Einen weiteren Beweis werden die Rennen im Frankfurter
Stadion bieten, wo die Belgier Linart und Thollembeek auf
die Holländer Scleebaum und Blekemolen, ſowie auf die Frank=
furter
Nachwuchsfahrer Chriſtmann und Schäfer treffen. In
Baſel gelangt das internationale Straßen=Kriterium zum Aus=
trag
, an dem die deutſchen Fahrer Buſe und Geyer beteiligt ſind.
Motorſport.

Das wichtigſte Ereignis im Motorſport iſt unſtreitig das am
9. und 10. Auguſt ſtattfindende Klauſenpaßrennen, das
als Lauf zur Bergmeiſterſchaft gewertet wird. Neben zahlreichen

guten ausländiſchen Fahrern hat ſich, auch Hans von Stuck auf
Auſtro=Daimler bereits in die Meldeliſte eingeſchrieben. Eine
Achtſtunden=Materialprüfungsfahrt hat der Saarländiſche Motor=
ſportclub
Saarbrücken mit Start und Ziel in Saarbrücken für die=
ſen
Tag ausgeſchrieben, das ebenfalls ſehr gut beſetzt iſt.

Boxen.
In dieſer Sportart iſt nur der Großkampftag in Oberbau=
ſen
zu erwähnen, wo der Duisburger Rudi Wagener den Haupt=
kampf
gegen den Engländer Dan Shortland beſtreitet.
Turnen.
Die Badiſche Turnerſchaft wartet mit dem Badiſchen Landes=
turnfeſt
in Mannheim auf, eine Veranſtaltung, die durch die
überaus große Beteiligung eine machtvolle Kundgebung zu wer=
den
verſpricht.
Pferdeſport.
Galopprennen werden an dieſem Sonntag in Halle, Hanno=
ver
, Köln und Gelſenkirchen, ſowie in Deauville gelaufen.

Fräulein Dr. Borgs,
Studentenmeiſterin im Kunſtſpringen.
Jung=Deukſchland Deutſche Hochſchul=Mannſchaft.
Sonntag vormittag, 11.30 Uhr, Großer Woog.
Die Weltmeiſter=Mannſchaft der Studenten, die deutſche Hoch=
ſchul
=Mannſchaft, wird am Sonntag vormittag noch einmal dem
Darmſtädter Publikum Gelegenheit bieten, ihr ausgezeichnetes
Können zu bewundern. Der Darmſtädter Schwimmklub Jung=
Deutſchland wird in einem Freundſchaftsſpiel im Großen Woog
der Gegner der deutſchen Studenten ſein. Da an dieſem Vor=
mittag
im Hochſchulſtadion keine Entſcheidungen ſtattfinden wird
ſich ein Beſuch dieſer Veranſtaltung, die ferner noch eine Staffel
enthalten wird, lohnen.
Rol=Weiß, V. ſ. R. Germania Eberſtadt.
Samstag abend 6 Uhr.
Zum fälligen Rückſpiel empfangen die Fußballer von Rot=
Weiß, V.f.R. den A=Meiſter Germania Eberſtadt an der Rhein=
allee
. Dieſes Spiel iſt inſofern ſehr intereſſant da beide Mann=
ſchaften
aller Vorausſicht nach die in wenigen Wochen beginnen=
den
Verbandsſpiele in der A=Klaſſe beſtreiten müſſen und beide
als Favoriten dieſer Klaſſe gelten werden. Eberſtadt wird ohne
Zweifel in ſeiner ſtärkſten Aufſtellung erſcheinen, während man auf
ſeiten der Rot=Weißen für die verletzten Spieler Breuer=Wettengl
und Süßenböck Erſatzleute einſtellen muß. Jedoch dürfte dieſes
nicht allzuviel ausmachen, da dieſes Jahr, entgegen dem Vorjahre
in der Kreisliga, die Erſatzleute nicht nur ſpieleriſch bedeutend
beſſer, ſondern auch erfreulicherweiſe zahlreicher ſind.
Der Eintrittspreis iſt ſo niedrig gehalten, daß es ſich jeder=
mann
erlauben kann, das Abendſpiel zu beſuchen.
Am Sonntag vormittag 10 Uhr trifft die zweite Mannſchaft
auf die ſehr ſpielſtarken Junioren des Sportvereins 98 auf dem
Stadion.
Sportverein 1910 Weiterſtadt Sportverein Bingerbrück.
Nach einmonatiger Pauſe nimmt der Sportverein 1910 Wei=
terſtadt
wieder den Spielbetrieb auf. Für kommenden Sonntag,
den 10. Auguſt 1930, wird die 1. Mannſchaft des Kreisligiſten
Sportverein Bingerbrück erwartet. Die Einheimiſchen haben Ge=
legenheit
, im friedlichen Freundſchaftstreffen ihre Spielſtärke für
die in aller Kürze beginnenden Verbandsſpiele unter Beweis zu
ſtellen. Bingerbrück ſtellt eine gute, techniſch reife und ſchnelle
Mannſchaft. Weiterſtadt hat ſeine Mannſchaft etwas umgeſtellt
und ſpielt in folgender Aufſtellung: Greifenſtein; Joh. Becker,
Wilh. Menzer; Adam Petri, Peter Becker, Joh. Weſterwald;
Gg. Körner, Jak. Numrich, Hch. Ewald, Ph. Schwarz, Ludw. Hahn.
Spielbeginn: 3.30 Uhr. Die 1. Handballelf fährt nach Wix=
hauſen
. Im Vorſpiel konnte Wixhauſen knapp 2:1 gewinnen.

Kraftſpork.

Athlet.=Vgg. 1896 Oberſtein Darmſtadt 1910.
Die einheimiſchen Oberligiſten begeben ſich am kommenden
Samstag nach Oberſtein a. d. Nahe, um, einer Einladung der dor=
tigen
Athl.=Vgg. 1896 folgend, am ſelben Abend gegen deren erſte
Mannſchaft einen Freundſchaftskampf im Ringen auszutragen. Es
bleibt zu hoffen, daß es die Hieſigen verſtehen den Namen der
alten Garde zu verteidigen und die Farben ihrer Heimatſtadt
gegen den ſtarken Gegner in Ehren zu vertreten.

Deukſche Tennis=Meiſterſchaften.
Nach den Regenſchauern der letzten Tage lachte am Donners=
tag
endlich einmal wieder die Sonne, ſo daß bei trockenem Wetter
das vorgeſehene Programm bei den internationalen deutſchen
Tennsmeiſterſchaften erledigt werden konnte. In beiden Einzel=
Meiſterſchaften ſtehen jetzt bereits die Teilnehmer und Teilnehme=
rinnen
an der Vorſchlußrunde feſt. Bei den Herren hat im Vor=
finale
Bouſſus gegen den Auſtraler Crawford und Prenn gegen
den Japaner Ohta zu ſpielen, während bei den Damen Cilly
Außem die Schweizerin Payot, und Frl. Roſt Frl. Krahwinkel als
Gegnerin in der Vorſchlußrunde hat. Mit ener Ausnahme waren
alle Entſcheidungen hart umſtritten, und die zahlreichen Zuſchauer,
die ſich dank des wärmeren Wetters eingefunden hatten, bekamen
ein erſtklaſſiges Tennis zu ſehen.
Schwediſcher Sieg im modernen Fünfkampf.
Oblt. Hax beſter Deutſcher in Stockholm.
Mit ausgezeichnetem Erfolg beteiligten ſich die deutſchen
Reichswehroffiziere am modernen Fünfkampf in Stockholm, der
am Mittwoch beendet wurde und, wie erwartet, die in dieſer
Sportart führenden Schweden auf den erſten drei Plätzen ſah. Als
beſter Deutſcher belegte Oblt. Hax den vierten Platz vor einem
weiteren Schweden und ſeinem Landsmann Lt. Naude.
Fußball=,Kriegserklärung an Uruguay.
Auf Grund der Vorfälle, die ſich nach dem Entſcheidungsſpiel um
die Fußball=Weltmeiſterſchaft ereigneten, hat jetzt der Fußball=Verband
von Argentinien den Abbruch der Beziehungen zu Uruguay beſchloſſen.
Dieſe Maßnahme iſt dem Fußball=Verband von Uruguay in einem offi=
ziellen
Schreiben mitgeteilt worden. Bekanntlich kam es nach dem
Siege Uruguays mehrfach zu Ausſchreitungen, und in Buenos Aires
wurde ſogar die Geſandſchaft von Uruguay mit Steinen bombardiert.

Geſchäftliches.

Jeder einmal an die Waſſerkante!
Die beliebte billige Reiſe an die Waſſerkante veranſtaltet
vom Norddeutſchen Lloyd, findet auch in dieſem Jahre wieder
ſtatt, und zwar in der Zeit vom 14. bis 19. Auguſt 1930. Was dieſe
Reiſe alles und für wenig Geld bietet, ſagt Ihnen der heraus=
gegebene
Proſpekt. Erhältlich bei der Fa. Anton Fiſcher, Frank=
furter
Straße 1214; Lloydhaus, Rheinſtraße 17, Tel. 186.

Rundfunk=Programme.

Frankfurt a. M.
Freitag, 8. Auguſt.
8.00: Bad Münſter am Stein: Konzert des Kurorcheſters.
15.15: Kaſſel: Oberſtudienrat Gaß: Arbeitsſchulmäßige Methode
im phyſikaliſchen Unterricht.
16.10: Darmſtadt: Akademiſche Weltmeiſterſchaften: Leichtathletik=
Entſcheidung.
16.40: Bad Münſter am Stein: Konzert des Kurorcheſters.
18.05: Buch und Film.
18.35: Freiburg: Aerztevortrag: Sportſchäden.
19.05: Stuttgart: Geh. Archivrat Dr. Krauß: Das neuzeitliche
Kunſträtſel.
19.30: Stuttgart: Populäres Konzert des Philharmoniſchen Orch.
20.30: Stuttgart: Die deutſchen Kleinſtädter. Luſtſpiel in vier
Akten von Aug. v. Kotzebue.
21.30: Stuttgart: Streifzug durch den Aether. Heitere Schall=
plattenplauderei
.
23.00: Stuttgart: Tanzmuſik (Schallplatten).
0.30: Nachtkonzert.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Freitag, 8. Auguſt.
9.00: Geheimrat Dr. Poetzſch=Hefter: Erinnerungen zum Ver=
faſſungstag
.
15.00: Jungmädchenſtunde. Grete Maria Markſtein: Was wir
leſen.
16.00: Prof. Erich Hylla: Gedanken zur Umgeſtaltung der oberen
Jahrgänge der Volksſchule.
16.30: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.30: Hermann Griebel: Heimatſpiele und Heimatſpielbewegung.
18.00: Dr. Bathe: Wirtſchaftskriſe und Arbeitsloſigkeit in England.
18.30: Wolfgang. Gubalke: Zeitungskurioſa.
18.55: Ober=Studien=Direktor, A. Bockelmann: Das Geheimnis um
Shakeſpeare.
19.25: Wiſſenſchaftlicher Vortrag für Zahnärzte.
20.00: Breslau: Die Hafenkneipe‟ Hörſpiel von Jörn Jörnſon.
21.15: Breslau: Seemannslieder.
Danach: Blasorcheſter=Konzert.

Weiterbericht.

Die Nordmeerſtörung hat ſich weiter abgeflacht, befördert jedoch an
ihrer Südſeite fortgeſetzt maritime Luftmaſſen nach dem Feſtland, wo=
durch
heute morgen in unſerem Gebiet wieder Niederſchläge fielen.
Der Luftdruck iſt trotz der Niederſchlagstätigkeit bei uns noch im Stei=
gen
begrifffen, ſo daß wieder Aufheiterung eintreten wird. Aber eine
konſtante Wetterlage kommt noch nicht auf, da an der Rückſeite des
Tiefs, verbunden mit der Vorderſeite des ſüdweſtlichen Hochs, die
ozeaniſche Kaltluftzufuhr vorerſt erhalten bleibt. Es dürften alſo bei
vorübergehend ſtärkerer Bewölkung noch einzelne Regenſchauer fallen.
die ſtellenweiſe von Gewitterſtörungen begleitet ſind.
Ausſichten für Freitag, den 8. Auguſt: Wechſelnde Bewölkung mit Auf=
heiterung
, noch mäßig warm und vereinzelte Schauer, teilweiſe
gewitterhafter Art.
Ausſichten für Samstag, den 9. Auguſt: Etwas mehr aufheiterndes, fe=
doch
noch wechſelhaftes Wetter.
Hauptſchrittleitung. Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
ſür den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart Tagesſpiegel in Bild und Wort; Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuble:
Druck und Verlag: L. C. Wittſch ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

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[ ][  ][ ]

Nummer 218

Freitag, den 8. Auguſt

Wirtſchaftliche Rundſchau.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Die arbeitstägliche Kohlenförde=
rung
betrug in der Zeit vom 27. Juli bis 2. Auguſt 322 595 To. gegen
512 154 To. in der vorhergehenden Woche. Die arbeitstägliche Koks=
erzengung
ſtellte ſich auf 74 316 To. (70 854), die arbeitstägliche Preß=
kohlenherſtellung
auf 8844 (9392) To. Wegen Abſatzmangels wurden in
der Berichtswoche 238 897 (arbeitstäglich 39 816) Feierſchichten eingelegt
gegen 306 582 (51 087) in der Vorwoche.
Schiedsſpruch für die mitteldeutſche Metallinduſtrie. Im
Reichsarbeitsminiſterium fanden abermals Verhandlungen vor
dem Sonderſchlichter für die mitteldeutſche Metallinduſtrie (Halle
MagdeburgAnhalt) ſtatt. Sie führten zur Fällung eines neuen
Schiedsſpruches, wonach, wenn der gleiche wirtſchaftliche Nutzeffekt
nicht durch Mehreinſtellung von Arbeitern erreicht, werden kann,
bis zu 50 Stunden in der Woche gearbeitet werden darf. Das
alte Ueberarbeitsabkommen ſah die 52ſtündige Arbeitszeit vor.
Wie verlautet, wird der Metallarbeiterverband auch dieſen
Schiedsſpruch ablehnen. Die Erklärungsfriſt läuft bis 12. Auguſt,
18 Uhr. Die Stellungnahme der Arbeitgeber iſt noch nicht
bekannt.
Vor einer Heraufſetzung der Vermahlungsquote von Inlandsweizen.
Der Reichsernährungsminiſter hat zum Freitag die zuſtändigen Kreiſe
zu ſich geladen, um die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit einer Herauf=
ſetzung
der Vermahlungsquote für Inlandsweizen zu erörtern. Zur=
zeit
iſt die im Geſetz vorgeſehene Quote von 40 Prozent in Geltung,
deren Heraufſetzung noch für den Auguſt von der Landwirtſchaft und
den Mühlen angeſtrebt wird. Bekanntlich iſt die bisherige Quote von
40 Prozent die Urſache, für die Mühlenſtillegung, beſonders in Süd=
deutſchland
.
Faſt eine Million Verluſt bei Excelſior=Fahrrab. Der Abſchluß
1929 zeigt unter Berückſichtigung des Verluſtvortrags von rd. 200 000
RM. und der üblichen Abſchreibungen von 155 500 RM. (185 000 RM.)
einen Fehlbetrag von 990 000 RM (560 000 RM.). Der abermalige
Verluſt wird in erſter Linie wieder auf die anhaltende Ungunſt der
allgemeinen Wirtſchaftsverhältniſſe zurückgeführt, die ſich beſonders
nachteilig auf die Fahrradbranche auswirkten. Die Verwaltung ſchlägt
der Generalverſammlung am 10. September vor, den Verluſt in voller
Höhe vorzutragen. Ueber das laufende Jahr lauten die Nachrichten
der anhaltenden Wirtſchaftsdepreſſion entſprechend weniger günſtig.
Der Umſatz in Motorrädern, der ſich bisher im Gegenſatz zum Fahrrad=
geſchäft
hoffnungsvoll entwickelte, hat ſtark nachgelaſſen, und der Fahr=
radverkauf
bleibt weiter unbefriedigend.
Geſunkener deutſcher Bierexport. Deutſchlands Bierexport, der im
erſten Halbjahr 1929 gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von
288 566 auf 319 143 Hektoliter aufzuweiſen hatte, iſt in der erſten Hälfte
dieſes Jahres um 16 327 Hektoliter auf 302 816 Hektoliter und dem
Werte nach um 2,31 auf 17,66 Mill. RM. zurückgegangen. Bemerkens=
wert
iſt, daß die Ausfuhr von Bier in Behältniſſen mit einem Raum=
gehalt
von 15 Litern aufwärts im Einklang mit der Entwicklung der
Vorjahre erneut um faſt 50 Prozent geſtiegen iſt, während der Export
von Bier in kleineren Behältniſſen, alſo auch von Flaſchenbier, eine
Abnahme um nahezu 20 Prozent erfahren hat. Der Exportrückgang
entfällt im weſentlichen auf die wichtigen überſeeiſchen Abſatzmärkte,
die hauptſächlich Bier in kleineren Behältniſſen aus Deutſchland be=
ziehen
.
Tellus A.G. für Bergbau und Hütteninduſtrie, Frankfurt a. M.
Die Generalverſammlung genehmigte ohne Ausſprache den bekannten
Abſchluß 1929, wonach der faſt unveränderte Reingewinn von 266 630
Neichsmark mit 240 000 RM. angeſichts der Erſchütterungen im Wirt=
ſchaftsleben
zu Abſchreibungen und Rückſtellungen auf Effektenbeſitz und
Außenſtände verwendet und mit 26 630 RM. vorgetragen wird. Im
Vorjahre wurde auf 3 Mill. RM. Aktienkapital 8 Prozent Dividende
verteilt. Neu in den Aufſichtsrat wurde der bisherige Vorſtand Fritz
Sondheimer gewählt.

Die Berliner Metallnotierungen vom 7. Auguſt ſtellten ſich
für je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg,
Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 105 RM. Die Notierungen
der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium, 98= bis 99., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 190 RM., desgl.
in Walz=, oder Drahtbarren 99proz. 194 RM.; Reinnickel, 98= bis
99proz. 350 RM., Antimon Regulus 5052 RM., Feinſilber
(1 Kilogramm fein) 47.2549.25 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 7. Auguſt ſtellten ſich für
Kupfer: Auguſt 97.75 (97.75) Sept. 96.75 (96.75), Okt. 96.25
(96.75), Nov. 96.50 (96.75), Dez. 96.50 (96.75), Jan. 95.75 (96.25),
Febr. und März 95.75 (96.25), April, Mai, Juni und Juli 95.75
(96). Tendenz: ſtetig. Für Blei: Aug. 36 (37), Sept. 35.75
(37), Okt. 35.50 (36.50), Nov. 35.50 (36.50), Dez., Jan., Febr.,
März und April 35.50 (36.25), Mai, Juni und Juli 35.75 (36.25).
Tendenz: luſtlos. Für Zink; Aug. 31.50 (32), Sept. 31.50
(32.50) Okt. 31.75 (32.50), Nov. 32.25 (33), Dez. 32.75 (33.50),
Jan. 33 (34), Febr. 34 (34.50) März 34.25 (35), April 34.50
(35.25), Mai und Juni 34.75 (35.50), Juli 34.75 (35.25). Tendenz:
ſtill. Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern Brief.

Es notierten nach Meldungen aus Chikago vom 7. Auguſt:
Getreide. Weizen: September 96,5, Dezember 102¾, März 1931
106½, Mai 109,75; Mais: September 99,25, Dezember 96, März 1931
985, Mai 100½; Hafer: September 41½, Dezember 45¾, März 1931
48½, Mai 50; Roggen: September 66,25, Dezember 71,50, März 1931
757.
Schmalz. September 10,85, Oktober 10,90, Dezember 10.825. Januar
1931: 10,95.
Speck, loko 14,00.
Schweine. Leichte Schweine 9,559,80, ſchwere Schweine 8,75 bis
9,20. Schweinezufuhren in Chikago 23 000, im Weſten 74 000.
Baumwolle. Oktober 13,10, September 13,26.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 7. Auguſt:
Schmalz, prima Weſtern 11,55.
Talg: extra, loſe 5½=
Getreide. Weizen: Rotwinter, neue Ernte 106¾, Hartwinter 104¾;
Mais, loko New York 112½; Mehl: Spring wheat clears 490515;
Fracht nach England (in sh und d) 1,62,3; nach dem Kontinent (in
Dollarcents) 79.

Produkkenberichte.

* Rheinheſſiſche Obſtgroßmärkte. Es iſt eine ſteigende Zufuhr auf
den einzelnen Märkten feſtzuſtellen. In geſchäftlicher Hinſicht iſt das
Kaufintereſſe durchweg rege. Heute betrug das Angebot auf dem Obſt=
großmarkt
Ingelheim des Ingelheimer Obſt= und Gartenbauver=
eins
rund 300 Zentner. Es erlangten Pfirſiche 2550, Birnen 1528,
Aepfel 1026, Mirabellen 2024, Reineklauden 515, Zwetſchen 718,
Aprikoſen 3540, Pertriko 1215, Bohnen 920 Pfg. Auf der
Heidesheimer Obſtauktion gab es ein Angebot von etwa 500
Zentner, davon waren allein 300 Zentner Zwetſchen. Man bezahlte
für Aprikoſen 1535, Pfirſiche 1025, Mirabellen 1718, Bühler
Zwetſchen 1011, Birnen 1. 2829, 2. 810, Aepfel 828, Tomaten
1517, Bohnen 1618 Pfg. Die Obſt= und Gemüſe=Verwertungs=
Genoſſenſchaft Ingelheim und Umgebung erzielte für Mira=
hellen
1517, Reineklauden 10, Zwetſchen 68, Bühler Zwetſchen 10
bis 13, Pfirſiche 2035, Aepfel 1. 1524, 2. 79, Birnen 1. 2530,
Wirtſchaftsbirnen 1315 Pfg. Auf dem Gau=Algesheimer
Verſteigerungsmarkt koſteten Mirabellen 19, Aepfel 23, Birnen 227,
Reineklauden 5, Zwetſchen 411, Pflaumen 37 Pfg. Sämtliche Preiſe
verſtehen ſich für das Pfund.
Mannheimer Produktenbericht vom 7. Auguſt. Auf ungün=
ſtige
Erntenachrichten aus den Vereinigten Staaten wurden, die
Auslandspreiſe ſtark erhöht. Die hieſige Börſe verkehrte in feſter
Haltung, während der Konſum nur zögernd an die hohen Preiſe
herangeht. Im Vormittagsverkehr hörte man in RM. per 100 Kg.
waggonfrei Mannheim: Weizen inl., neuer 27,7528, ausl. 32
bis 34, Roggen inl., alter 18,7519 neuer 17,7518, Hafer inl
17,7518,50, Futtergerſte 1920, ſüdd. Weizenmehl. Spezial Null,

per Auguſt 44, September=November 43,25, ſüdd. Weizenauszugs=
mehl
per Auguſt 48, September=November 47,25, ſüdd. Weizenbrot=
mehl
per Auguſt 30, September=November 29,25, ſüdd. Roggenmehl
6060proz. Ausmahlung 27,5029, Weizenkleie 7,507,75, Bier=
treber
10.2511,25, Leinſaat 35,50, Raps 28.

Frankfurter und Berliner Efſektenbörſe.
Frankfurt a. M., 7. Auguſt.
Der geſtrige ſtarke Kurseinbruch hatte zu Beginn des heutigen
Marktes eine ſtärkere Unſicherheit hinterlaſſen. Das jetzt erſt ängſtlich
gewordene Publikum kam erneut mit Material an den Markt, ſo daß
auch heute die Mehrzahl der Papiere weiter nachgaben. In den Bör=
ſenkreiſen
ſelbſt hatte ſich jedoch eine gewiſſe Beruhigung bemerkbar
gemacht, da die Banken beſtrebt ſind, das herauskommende Material
nach Möglichkeit aufzunehmen, um ſomit eine weitere Verſchlechterung
der Börſenſituation zu vermeiden. Die Kuliſſe blieb reſerviert und
ging nur vorſichtig zu Werk, doch war von dieſer Seite das Angebot
nicht mehr ſo dringend, ſo daß ſich im Grundton trotz der ſchwächeren
geſtrigen Abendbörſe eine gewiſſe Widerſtandsfähigkeit bemerkbar
machte. Am Chemiemarkt eröffneten J.G. Farben gehalten, während
Goldſchmidt mit minus 3 Prozent ſtärker gedrückt waren. Rütgerswerke
verloren 1,5 Prozent. Für die geſtern ſtark nachgebenden Siemens=
Aktien machte ſich Rückdeckungsbedürfnis geltend, und Siemens ge=
wannen
1,5 Prozent. Bis zu 1 Prozent feſter eröffneten noch Geſ. für
El. und A. E. G., Felten und Bergmann je minus 3 Prozent. Licht u.
Kraft, Elektr. Lieferungen, Lahmeyer und Rhein. Elektro büßten bis
zu 1,5 Prozent ein. Deutſche Linoleum gewannen 3 Prozent. Von
Kunſtſeideaktien büßten Aku 2 Prozent ein, während Bemberg gut be=
hauptet
blieben. Stärker unter Druck ſtanden noch am Kalimarkt
Weſteregeln mit minus 4 Prozent und Aſchersleben mit minus 2 Pro=
zent
. Salzdetfurth gut behauptet. Zellſtoff Aſchaffenburg waren nach
dem geſtrigen ſtarken Einbruch leicht gebeſſert. Schiffahrtspapiere wenig
verändert. Der Montanmarkt hatte mit einigen Ausnahmen nur kleine
Kursrückgänge zu verzeichnen. Von Bankaktien waren Danatbank mit
minus 3 Prozent ſtärker gedrückt. Die übrigen Werte dieſes Marktes
verloren bis zu 1,5 Prozent. Von Renten waren Deutſche Anleihen
geringfügig niedriger. Das Geſchäft hatte im Verlaufe wieder nach=
gelaſſen
, doch konnten ſich die Kurſe gegen Anfang um bis zu 1,5 Proz.
beſſern. Der Schluß war auf dem Verlauf gut behauptet. Am Geld=
markt
trat für Tagesgeld mit 3,5 Prozent eine weitere Erleichterung
ein. Am Deviſenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1845, gegen
Pfunde 20.38¾, London-Kabel 4.8720, Paris 123.82, Mailand
93.00 Madrid 43.65, Schweiz 25,04½, Holland 12.08¾.
An der Abendbörſe machte die Beruhigung weitere Fortſchritte.
Das Geſchäft war in einigen Werten etwas reger. Gegenüber den Ber=
liner
Schlußkurſen waren die Kurſe zumeiſt gut behauptet. Bis zu
1 Prozent feſter lagen Geſ. für El., Danatbank und Rhein. Braun=
kohlen
, während Gelſenkirchen, Salzdetfurth, A.E.G., J.G. Farben,
Schuckert und Siemens um Bruchteile eines Prozents niedriger lagen.
Von Anleihen waren Neubeſitz leicht gedrückt. Im Verlaufe beſſerten
ſich die Kurſe weiter etwas, ſo daß die anfänglich etwas ſchwächeren
Werte die Kursunterſchiede ausgleichen konnten. Neubeſitz 7¾, Barmer
Bank 114, D.D.=Bank 123,5, Dresdener Bank 124, Reichsbank 235,5,
Gelſenkirchen 101, Aſchersleben 174, Salzdetfurth 299, Weſteregeln 181,
Phönix 75, Rhein. Braunkohlen 202, Rheinſtahl 82,5, Stahlverein 75,25,
Aku 85, A. E. G. 134,5, Daimler 25½, Deutſche Linoleum 176, Licht .
Kraft 125, J.G. Farben 142, Geſ. für El. 128,5, Holzmann 71, Lah=
meher
148, Schuckert 143½, Siemens 181. Waldhof 118, Hapag 84,25.
Berlin, 7. Auguſt.
Entgegen den Befürchtungen des Vormittagsverkehrs kam heute zu
Beginn des offiziellen Verkehrs nicht mehr allzuviel Material heraus,
ſo daß die Tendenz als ziemlich widerſtandsfähig bezeichnet werden
konnte. Die Kurſe lagen zwar größtenteils unter den geſtrigen Schluß=
kurſen
, wieſen aber gegenüber den Taxen des Vormittags vielfach be=
reits
mehrprozentige Erholungen auf. Die Banken: konzentrierten
wohl teilweiſe die Inlandsverkaufsorders mit kleinen Auslandskäufen,
ſo daß ſtärkere Rückgänge vermieden wurden. Gerüchte von einer Vor=
mittagsbeſprechung
der Großbanken über eine einheitliche Interven=
tionstätigkeit
beſtätigten ſich zwar nicht, dennoch war ein Eingreifen der
intereſſierten Stellen unverkennbar. So ſah ſich die Spekulation zu
Deckungen veranlaßt, wodurch beſonders im Verlaufe bei etwas lebhaf=
terem
Geſchäft 12prozentige Kursavancen eintraten. Nur ganz ver=
einzelt
betrugen die Anfangsverluſte mehr als 2 Prozent. Im Ver=
laufe
hielt die Interventionstätigkeit der Banken an, das Geſchäft war
jedoch nur zeitweiſe etwas lebhafter; die 12prozentigen Gewinne
konnten ſich aber voll behaupten. Anleihen ſchwächer.

Biehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 7. Auguſt. Aufgetrieben waren 13
Ochſen, 106 Kälber, 4 Schafe. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber auf
a) 7278, b) 6571. c) 5864 Pfg. pro Pfund. Marktverlauf lebhaft,
geräumt.
Mannheimer Viehmarkt vom 7. Auguſt. Dem heutigen Kleinvieh=
markt
waren zugefahren: 191 Kälber, 33 Schafe, 208 Schweine, 696
Ferkel und Läufer, 8 Ziegen. Bezahlt wurden für Kälber 6683, für
Schafe 4446, Schweine 7073, Ferkel bis vier Wochen 228, über
4 Wochen 3036, Läufer 3846, Ziegen 1224. Marktverlauf: Mit
Kälbern lebhaft, ausverkauft; mit Schweinen mittel; mit Ferkeln und
Läufer mittel Nächſter Pferde= und Schlachtviehmarkt findet am
Dienstag, 12. Auguſt, ſtatt.
Frankfurter Viehmarkt vom 7. Auguſt. Auftrieb: Rinder ſeit dem
letzten Markt mehr 94, Kälber 650, ſeit dem letzten Markt 168, zuſammen
818; Schafe 174, ſeit dem letzten Mark 47, zuſammen 221; Schweine
341, ſeit dem letzten Markt 24, zuſammen 365. Erzielt wurden für
Kälber: b) 7479 c) 6973, d) 6268; Schafe: a) 1. 4851, b) 4247.
Marktverlauf: Kälber und Schafe mäßig rege, ausverkauft; Schweine
rege, ausverkauft. Fleiſchgroßmarktpreiſe. Ochſenfleiſch 1. 95102,
desgl. 2. 8590; Bullenfleiſch 9095; Kuhfleiſch 2. 6576, desgl. 3.
5560; Kalbfleiſch 2. 100115; Schweinefleſich 1. 95100. Gefrier=
fleiſch
: Vorderviertel 58, Hinterviertel 65. Geſchäftsgang re Auf=
trieb
aus hieſiger Schlachtung: 487 Rinder, 46 Kälber, 295 halbe
Schweine, 10 Schafe, von auswärts 242 Rinder=Viertel, 54 Kälber, 122
halbe Schweine, 2 Schafe, 5 Stück Kleinvieh; vom Ausland: 60 Rinder=
Viertel aus Dänemark, 32 Kälber aus Holland.

Da die zwiſchen der Direktion des Unternehmens und dem Be=
triebsrat
der Baumwollinduſtrie Erlangen=Bamberg. A. G. geführ=
ten
Verhandlungen zum Zwecke einer neuen Regelung der Akkord=
und ſonſtigen übertariflichen Verdienſte zu keinem Ergebnis führ=
ten
, hat die Direktion der zurzeit aus 847 Köpfen beſtehenden
Geſamtbelegſchaft mit Wirkung vom 10. bis 15. Auguſt 1930 ge=
kündigt
.
In der Gläubigerausſchußſitzung der Favag in Frankfurt a. M.
wurde, der Status per 31. Mai 1930 vorgelegt. Danach belaufen
ſich die Aktiven auf 16 771 800 RM., die Paſſiven auf 80 Millio=
nen
RM. Die Koſten der Liquidation werden mit 234 Millionen
angegeben. Der Status wurde einſtimmig genehmigt vom Gläubi=
gerausſchuß
.

Die Gebr. Adt A.G. in Wächtersbach bei Hanau hat, mit
Ausnahme von einigen Abteilungen, den Betrieb ſtillgelegt. Bei
den zuſtändigen Stellen hat die Firma den Antrag geſtellt, daß ſie
ohne Einhaltung der Sperrfriſt die Abteilungen Holzſtoff= und
Hartpapier ſtillegen kann.

Die ſüddeutſche Mühlenkonvention hat, zum dritten Male in
dieſer Woche, den Preis für Weizenmehl. Spezial 0, per Septem=
ber/Oktober
um 0,25 RM. auf 43,25 RM. erhoht.

Der engliſch=rumäniſche Handelsvertrag iſt im engliſchen Aus=
wärtigen
Amt unterzeichnet worden. (Vgl. Politik.)
Wie das engliſche Arbeitsminiſterium bekannt gibt, iſt die
Zahl der Arbeitsloſen in der am 28. Juli zu Ende gegangenen
Woche auf 2 011 477 geſtiegen. Gegenüber der Vorwoche bedeutet
das eine Steigerung um 38 737 und gegenüber der gleichen Zeit
des Vorjahres um 857 338. Die Zahl der Arbeitsloſen in Groß=
britannien
hat damit zum erſten Male die Grenze von 2 Millio=
nen
überſchritten.

Nachdem die vor einigen Tagen in Paris, zuſammengetretene
internationale Automobilkonferenz ergebnislos verlaufen iſt, wer=
den
die Automobilfabrikanten laut Agence Economique et Fi=
nancieres
am 9. Auguſt in Brüſſel zu neuen Verhandlungen zu=
ſammentreten
.
Im Monat Juli wurden nach Blättermeldungen 1 369 159
Doppelzentner Getreide nach Italien eingeführt gegenüber
1811 554 Doppelzentner im Juli 1929, was einer Abnahme um
442 395 Doppelzentner gegenüber dem Monat Juli des Vorjahres
gleichkommt.
Geſtern wurden für zehn Millionen Dollar Gold nach Frank=
reich
verſchifft. Damit erhöht ſich der Betrag des ſeit etwa drei
Wochen nach Frankreich ausgeführten Goldes auf, insgeſamt 53
Millionen Dollar.

Deviſenmarkt
vom T. Auguſt 1930

Me e
Danatbank
Deutſche Bank u. 1
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenn
F. P. Bemberg
Bergmann Elektr. ſ.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi 135.50
Deutſche Cont. Gas).
Deutſche Erdöl

139.50
178.

123.50
123.50
84.
121.
84.50
134.
53.25
85.
165.
40.
22.05
67.

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69.50
30.50
57.
118.

60.

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64.25

36.

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Paris

Währung Re Währung GeldBrie 100 finn. Mk. 10.522 10.542 Schweiz 100 Franken 81.325 81.485 100 Schilling 59.115 59.255 Spanien 100 Peſetas 46.50 6.60 100 Tſch. Kr 12.40 12.421
Danzig 100 Gulden 81.42 81.58 100 Pengo 73.315 73.455 Japan 1 Yen 2.068 2.077 1100 Leva 3.03 3.03 Rio de Janeir= 1 Milreis 0.427 0.429 100 Gulden 168.49/ 168.8= Jugoſlawien 100 Dinar 7.421 7.435 00 Kronen 112.08/112.30 Portugal 100 Escudos 18.79 18.83 100 Kronen 112.13 112.35 Athen
00 Drachm 5.435 5.445 100 Kronen 112.46 112.64 Iſtambul 1 türk. 2 1 E=Stg. 20.366 20.40c Kairo
äghpt. 2 20.87 20.91 1 Pap. Peſol 1.528 1. 53. Kanada
canad. Doll 4.185/ 4.193 1 Dollar 4.1805 4. 1885 Uruguay 1 Goldpeſo 3.437 3.443 100 Belga 58.51 58,63 Fsland 100 eſtl. Kr. 92.03 92.21 100 Lire 21.90 21.94 Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr. 111.55 111.77 100 Francs 6.445 6.44 Riga
100 Lats 80.71 80.87

Frankfurter Kursbericht vom T. Auguſt 1930.

2o DtſchReichsanl.

88 Baden.
8½ Bayern ......
69

8% Heſſen v. 2e
v. 29
5% Preuß. Staats=
anl
. . . . . ......."
8½ Sachſen ....."
6 Sachſen ....."
7% Thüringen. . . .

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. X:/. Ab=
löſungsanl
. . ..
Dtſche. Anl. Ablö
ſungsſch. (Neub.

Dtſche. Schutzge
bietsanleihe ..."

30 Baden=Baden
6% Berlin .. ..."
8% Darmſtadt v. 26
8%
v. 27
70 Frankfurt a. M
8O Mainz......"
89 Mannheim ...
8% Nürnberg ...

He
87.75
79.5
101.25
85.5
90
92.25
96.2
100-,
82.75
84.25

59.9
7.75

8% Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr. . . . . .
8% Goldoblie
4½% Heſſ. Lds.=
Hhp.=Bk.=Liquid

T6

89.5
95

100.5
96.5

Ae
Goldpfbr. .. .
4½% Obl.

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
+Ausl. Ser. I
+Ausl. Ser, II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)
D
Berl. Hyp.=Bk.
Liqu.=Pfbr.
% Frkf. Hyp.=Bk..
4½% Lig. Pfbr
Pfbr.=Bk.
4½% Lig. Pfrb.
Mein. Hyp.=Bk.
½% Lig. Pfbr..
0 Pfälz. Hyp.=Bk.
Lia. Pfbr.
8% Preuß. Boden=
cred
.=Bank ...."
4½%Lig. Pfbr.
8% Preuß. Centrl.=
Bodencr.=Bank.
4½% Lig. Pfbr
8% Rhein. Hyp. Bk. /102
4½% Lig Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit .. . . .
18½ Südd. Bod.
Cred.=Bank ..."
4½% Lig. Pfbr
18% Württ. Hhp.=B

6% Daimler=Benz

Pfbr. . .. . . . . . .
8% Preuß. Lds..=Anſt. Gold= 3.2E 30 Dt. Linol. Werke
% Klöckner=Werke Pfbr. . . . . . . . . . 10= Mainkrw. v. 26 o Goldoblig
8% Darmſt. Komm. 98 %⁄ Mitteld. Stahl=
werke
.. . . . . . Landesbk. Goldobl.
8½Kaſſeler Land. 98.5 ½ Salzmann u. Co
% Ver. Stahlwerl k redit Goldpfbr.. 99 VeigtckHäffne

85:=

59
74
15.5
A
86.15
101.75
86.4
102.5
89.25
101.75
87.75
101
89.75
102
894
101.5
85
87
99.75
99.75
87
99.25
70

86
87

86
96.5

J. G. FarbenBonds/ 94
5% Bosn. L.E.B./ 22.25
5%
L. Inveſt.
4½% Oſt. Schatz=
anw
. . . . . . . . . . . 39.75
40 Oſt. Goldrentel 26
5%vereinh. Rumän! 9.5
4½½
4%

FI.-
80 Türk. Admin.


4½ 1. Bagda
4½ Zollanl.
4.8
4½% Ungarn 1913
4½% 19141

Goldr.
49
1910/ 19.25
Aktien

Alg. Kunſtziide Unie
AEG. Stamm. . . .
AndreaeNoris Zahn
Baſt Nürnberg.
Bemberg J. P...
Bergm. El.=Werke
BrownBoverickCie.
Brüning & Sohn".
Buderus Eiſen.. ..
Cement Heidelber/
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem. Werke Albert
Chade ..........
Contin. Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz AG.
Dt. Atl. Telegr.
Eiſenh. Berlin
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Gold= u. Silb.
ſcheide=Anſtalt
Linoleumwerk
Dhckerhoff u. Wid=
mann
.. . . . . .."
Eichbaum=Werger
Elektr. Licht u. Kraf
Liefer=Geſ

84
133.75
104
184
107

100
125
179.25
37.5
138
181.25
24.5
94
50
67.5
132

88
160
126.5
117,75

Eſchw. Bergwerk.
Eßlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnerei
J. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter
Felt. & Guilleaum.
Frkft. Gas ......."
Hof ......"

Geiling & Cie. ..."
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. elektr. Unter=
nehmungen
.. ..
Goldſchmidt Th. .
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfbr.
Hinderichs=Aufferm
Hirſch Kupfer. . . . .
Hochtief Eſſen ...
Holzmann, Phil.
Holzverk.=Induſtrie
Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſel
Junghans Stamm
Kali Chemie. . . . .
Aſchersleben
Salzdetfurth
Weſteregeln.
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R.. . . . . .
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke .. ..
Lahmeher & Co.
Lech, Augsburg ..
Löwenbr. Münch
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br. . . .

38.

141
71
110
50
27
99.5
128.5
32.75
155
125
104.5
92.75
82
119
74.5
72
83.5
219
114.5
28.5

172.5
297
178
90
90

1a8
92
223
14.75
78.75

Mannesm.=Röhren
Mansfeld Bergb.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſel
Nicolay, Hofbr. ..
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Oberbedarf .. . .. ."
Otavi Minen ...
Phönix Bergbau ..
Reiniger, Gebb. ..
Rh. Braunkohlen
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Stahlwerke. . ..
Riebeck Montan. .
Roeder Gb. Darmſt
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Schramm, Lackfabr.
Schriftg. Stempel.
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Beithwerke .. ...
Ver. f. Chem. Ind.
Laurahütte ...
Stahlwerke .. .
Ultramarin .. .
Zellſt. Berlin ..
Vogtländ. Maſchin
Vout & Haeffner.

Ri
51.5
19.5
84
46.5
50
62
118

39
74
113
198
122
82.75
99.5
45
145
208
228.5
74
142
131
181
145
40
147
99
88
133
102
17
40.5

140
48

Wahß & Fretztag. .
Wegelin, Rußfabrik
Zellſtoff Aſchaffbg.
Memel . . . . . .".
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Allg. Dt. Creditanſt.
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2o Dt. Reichsbahn
Vorzge. ......
Hapag. .. . . . ...."
Nordb. Lloyzd. . . .
Schantung=Ciſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung ..
Verein. Verſ. ...
Frkft. Allg. Verſ. G.
Rückverſ. ...
Frankona Rück= u.
Mitv. . . . . . . . ..
Mannh. Verfich. . .!

G7
88
90
117.5
105
121
113.5
2o0
127.5
177.5
123
105
123
100
156
154
120
140.25
D.8
135.5
236.25
151.5
136
10-],
141
Ru
126
94
84.5
84
107

190
188

[ ][  ][ ]

Nummer 218

Freitag, den 8. Augnſt 1930

Seite 13

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Kaffeegebäck, Zwieback, Ia Miſchbrote, Roggenbrote, Schrotbrote

5 7a Rückvergütung anf alle Waren und auf die volle Einkaufsſumme
Die Mitgliedſchaft kann von jedermann koſtenlos erworben werden.
Auskunft erteilt das Verkaufsperſonal.
(12167

Nichtmitglieder machen ſich und ihre Anſtifter durch Einkauf in unſeren Verteilungsſtellen nach
§ 152 des Genoſſenſchaftsgeſetzes ſtrafbar. Soweit wir Nichtmitglieder beim Einkauf in
unſeren Verteilungsſtellen ermitteln, werden wir dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen.

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Die Nürnberger Bürgerzeitung iſt das Sprachrohr
des Nürnberger und fränk. Hausbeſitzes, des Gaſt=
wirte
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Gewerbes wie überhaupt des geſamten Mittelſtandes.
Die wöchentlich erſcheinenden Beilagen Nürnberger
Hausbeſitzer=Zeitung, Fränk. Gaſtwirte=Zeitung
und Süddeutſche Mittelſtands=Zeitung erfreuen
ſich an Hand ihrer wertvollen redaktionellen Beiträge
größter Beachtung, ſtets ſteigender Beliebtheit und
ſtempeln die Nürnberger Bürger=Zeitung zur
größten deutſchen Mittelſtandszeitung im Sinne
der Wirtſchaftspartei.
Das geſteigerte Intereſſe überträgt ſich naturgemäß
auch auf den Anzeigenteil, ſo daß Anzeigen von auf=
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15 [ ][  ][ ]

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Beginn 3½ Uhr.

Beginn 3½ Uhr

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Seite 14

Freitag, den 8. Augnſt 1930

Nummer 218

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Heltmeisterschaften der Studenten 1.-10, Augus 1930

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10 Uhr:
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16 Uhr:
Vorkämpfe und Entscheidungen (im Hochschulstadon)
21 Uhr:
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Nummer 218

Freitag, den 8. Auguſt 1930

Seite 15

6 dnr Maeud siß.
Ein kleiner Roman von Hans Mitteweider.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale).
2)
Nachdruck verboten.
und wie lange willſt du das Geld behalten? fragte Hans
Dennhardt, der das Kuvert immer noch feſthielt.
Sonderbare Frage, mein Junge! gab Walter Herberg zu=
rück
. Meinſt du, ich hätte um Dorothee geworben, wenn ich nicht
wollte, daß ſie ſo bald wie möglich meine Frau wirds
Weiche nicht aus Walter! bat der andere. Beſtimme
eine Zeit! Es wird mich beruhigen! und verſprich mir, ſie inne=
zuhalten
, ja?

Er ſah nicht, wie die Augen des anderen funkelten, wie ein
ſonderbares Lächeln um ſeinen Mund huſchte. Er hörte nur
die Antwort:
Sagen wir: vier Wochen von heute ab! Und hier haſt du
meine Hand darauf, daß ich Wort halten will!
Vier Wochen! Es iſt lange; aber ich denke ſo lange werde
ich die Sache verdecken können. Sie trauen mir vollkommen.
Niemand wird nach dem Geld frogen.
Wer ſollte denn auch? erwiderte der andere beruhigend.
Oder denkſt du etwa, dach ich dich verraten würde? Hahaha!
Mitgegangen, mitgefangen! Ich wäre ſchön dumm, wollte ich
es tun!. Aber nun gib her!. Wir ſind zwar hier ſicher, doch
kann man nie wiſſen! Und am beſten wird ſein, wir ſehen uns
nicht gleich wieder, gelt?
Hans Dennhardt hatte ihm nunmehr den Briefumſchlag ge=
geben
. Er nickte und entgegnete:
Wir können uns ja bei Roſemarie treffen!
Junge!. Daß ſie ewas merkt! rief Walter Herberg, dies=
mal
ernſtlich erſchrocken.
Allerdings, deine Roſemarie würde dich verſtehen und
ſchweigen, fuhr er alsbald fort. Aber Dorothee! Niemals
darf ſie etwas erfahren!. Hans, um Himmels willen, verſprich
mir, da du
Er umkrampfte die Hand des anderen, daß dieſer halblaut
aufſchrie.
Selbſtverſtändlich! verſicherte Hans haſtig. Oh, nein,
Dorothee wird nie etwas erfahren! Von mir nicht!
Und auch Roſemarie nicht! forderte Walter.
Auch ſie nicht!
Ueberhaupt kein Menſch! Du weißt doch, was für uns auf
dem Spiel ſteht! und hörſt du Hans, wenn doch ich will
es nicht ausſprechen, aber du weißt, was ich meine wenn ja
dann du wirſt nicht ſo töricht ſein, mich zu nennen, etwa zu
verraten, daß ich den ganzen Plan erſonnen habe!
Ich bin kein Verräter! erwiderte Hans Dennhardt, und
Walter Herberg hörte, daß dieſe Worte ernſt gemeint waren.
Nun, man ſoll den Teufel nicht an die Wand malen! Es
iſt ja auch nicht die geringſte Gefahr dabei, nicht wahrs. Alfo
gut, mein Junge! Wir beide ſind einig! Und nun wollen wir

uns trennen! Schlaf wohl und träume von deiner Roſemarie,
wie ich von meiner Dorothee träumen werde!
Die beiden reichten einander die Hand und trennten ſich.
Hans Dennhardt ging wieder den ſchmalen Pfad zurück, den er
gekommen war. Walter Herberg aber ſchritt ebenfalls über die
Wieſe und tauchte dann drüben unter den dunklen Bäumen
unter. Er blieb erſt ſtehen, als er eine neue Lichtung erreichte.
Dort holte er den Briefumſchlog hervor, den Hans Dennhardt
ihm gegeben hatte, öffnete ihn und zählte die Geldſcheine, die
darin waren.
Er lachte vor ſich hin.
Der harmloſe Eſel! knurrte er, indem er das Geld loſe in
die Taſche ſchob, und wollte den Umſchlag, den er zerknüllt hatte,
fortwerfen, beſann ſich jedoch und ſchob ihn in eine andere Taſche.
Dann lachte er abermals auf und ſetzte ſeinen Weg fort.
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Dorothee Forſter hatte ſich beeilt, das Städichen zu erreichen,
das ihre Heimat war. Sie fürchtete ſich nicht, ſolange der Mond
ihren Weg beleuchtete; aber als ſie dann in die Anlagen kam,
die ſie durchqueren mußte, haſtete ſie, aus dem tiefen Schatten
der Bäume zu kommen.
Auf einmal, ohne daß ſie wußte, woher, kroch eine marternde
Angſt in ihr auf. Scheu blickte ſie um ſich; ſie lauſchte. Sie
meinte. Schritte hinter ſich gehört zu haben ſchon früher; aber
jetzt erſt war ſie überzeugt, daß jemand hinter ihr war.
Beide Hände auf das ängſtlich klopfende Herz preſſend, ſtand
ſie ſtill. Mit weit offenen Augen ſchaute ſie um ſich.
Doch nein! Was ſie da zu hören gemeint hatte, konnte doch
nur das erregte Klopfen ihres Herzens geweſen ſein!. Es häm=
merte
ſo laut in der Bruſt.
Ich bin zu ſchnell gelaufen, ſagte ſie ſich. Es iſt gut,
daß ich es jetzt merkel. Roſemarie würde ſogleich Verdacht ge=
ſchöpft
haben, wäre ich in dieſer Erregung heimgekommen. Ich

will mich eine Weile auf die nächſte Bank ſetzen und warten,
bis ich ruhig geworden bin.
Trotzdem ſie ſich auf dieſe Weiſe zu beruhigen verſuchte, wich
die Angſt nicht von ihr, und ſie ſchrie unwillkürlich laut auf, als
ganz plötzlich jemand hinter ihr ihren Namen ausſprach leiſe,
bittend, faſt flehend.
Dorotheel erklang es.
Sie wollte fliehen, aber ſie konnte nicht. Die zitternden
Füße verſagten ihr den Dienſt. Mit Mühe bezwang ſie ſich ſo
weit, daß ſie den Kopf zurückdrehen konnte.
Sie atmete auf, als ſie in das Geſicht eines jungen Mannes
blickte, deſſen große Augen gleich denen eines treuen Hundes
auf ſie gerichtet waren.
Robert! murmelte ſie. Robert Henning! Wie kannſt
du mich ſo erſchrecken!
Er ſtreckte eine Hand vor.
Oh, Dorothee, das wollte ich nicht! Nichts lag mir ferner!
Ich dachte nur, ich ſollte dich nicht allein gehen laſſen, erwiderte
er leiſe.
Da nickte ſie ihm zu, ſchon wieder ganz freundlich.
Sorge dich nicht um mich, Robert! Was ſoll mir denn hier
geſchehen können?
Er trat neben ſie, immer die Blicke unverwandt auf ſie
richtend, und plötzlich berührte er leicht ihren linken Arm mit
ſeiner rechten Hand.
Dorothee, das hätteſt du nicht tum ſollen! ſagte er.
Erſtaunt, betroffen, ſchaute ſie ihn an.
Was nur, Robert? fragte ſie, und ein Gefühl des Unbe=
hagens
überkam ſie unter ſeinen Blicken.
Daß du dich von Walter Herberg küſſen ließeſt! ſprach er,
ohne daß ſeiner Stimme irgendwelche Erregung anzuhören war.
Dorothee Forſter wich unwillkürlich etwas vor ihm zurück.
Faſt entſetzt ſchaute ſie ihn an. Sie dachte gar nicht daran, eine
Ausflucht zu ſuchen, ihn zu täuſchen.
Du haſt uns belauſcht? ſtieß ſie hervor.
Und dann flammten ihre Augen auf. Brennende Röte färbte
ihr eben noch ſo weißes Geſicht.
Pfui, Robert! Das hätteſt du nicht tun dürfen!
Da lächelte er wehmütig.
Die Schuld, daß es geſchah, lag wahrſcheinlich nicht an mir,
Dörte, erwiderte er. Ich konnte nicht ahnen, daß du dich mit
ihm dort treffen wollteſt. Wäre es der Fall geweſen, ich wäre
ſicher nicht geblieben. Aber ich konnte doch nicht fort, er durfte
mich nicht ſehen.
Du ſprichſt von Walter? frogte ſie haſtig.
Von Walter Herberg, den du geküßt haſt und der dich küßte!
Schamerfüllt ſchlug das Mädchen beide Hände vor das Ge=
ſicht
. Tränen quollen zwiſchen den ſchlanken Fingern hervor,
und ihr ſchlanker Körper erbebte unter einem krompfhaſten
Schluchzen.
Mikleidig faſt ſchaute Robert Henning auf die Weinende,
und nach einer Pauſe ſagte er ſo leiſe, wie er immer geſprochen
hatte:,
Ich wollte, es wären die letzten Tränen, die du um dieſer
Nacht willen vergießt, Dörte!
(Fortſetzung folgt.)

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, Grafenſtraße 30 I., Zimmer 9, ein=
(st. 12166
zureichen.
Darmſtadt, den 7. Auguſt 1930.
Städt. Hochbauamt.

Aufarb. v. Matratz.
710 . Polſter=
möbeln
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Wovg, 7. Aug. 1930
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Luftwärme 15 C
Waſſerwärme vor,
mittags 7 Uhr 190 C.
Woogs=Polizei=Wache

Wegen baulicher Veränderungen verkaufe
ich infolge Platzmangel verſchiedene
Flügel u. Klaviere
geſpielt
zu bedeutend herabgeſetzten preiſen.
Hierunter Fabrikate wie:
Bechſtein, Grotrian=Steinweg,
Schiedmayer uſw. (12145b
A. W. Zimmermann
Grafenſtr. 21, nächſt Rheinſtraße.

Wie vöre es toschen ann
wenn man alles so billig kaufen könnte! Wir wollen immer die ersten
sein, die Preise niedrig zu halten. Unser heutiges Angebot beweist es.
Wir kauften wieder in mehreren großen Schuhfabriken große Mengen gute Schuhe weit
unter Preis ein und setzen dieselben weit unter Preis wieder um. Hier nur einige Schlager:

Vergebung von Waſſer=
leitungsarbeiten
.
Die zur Erbauung der Waſſerleitung
in der Gemeinde Hofheim im Ried
erforderlichen Arbeiten und Lieferungen
ſollen in einem Loſe an einen leiſtungs=
fähigen
Unternehmer vergeben werden,
und zwar:
ca. 10000 m Rohrleitung von 40
bis 150 mm I. W. nebſt den erforder=
lichen
Formſtücken und Armaturen
ſowie den Rohrgräben.
Die Angebotsvordrucke ſind gegen
Erſtattung von 1,50 RM. pro Stück von
unterzeichnetem Amte zu beziehen, wo
auch die Pläne und Bedingungen zur
Einſicht offen liegen. Die Angebote ſind
verſchloſſen mit entſprechender Aufſchrift
bis Samstag, den 16. Auguſt
11930, vormittags 10½, Uhr, auf
unſerem Amte, Bleichſtraße 1, ein=
zureichen
, woſelbſt auch in Anweſenheit
der erſchienenen Bieter die Eröffnung
ſtattfindet. Freie Auswahl bleibt vor=
behalten
. Zuſchlagsfriſt 3 Wochen.
Darmſtadt, den 6. Aug. 1930. (12148
Heſſiſches Kulturbauamt.

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