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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 206
Sonntag, den 27. Juli 1930.
193. Jahrgang
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m Falle höhe
Gewalt, w
e Krieg. Aufruhr, Streit
ſw., erlit
Mr
htung auf Erfüllung der
Anzelgen=
aufträge und Leiſiung von
chadenerſatz. Bedl
onkurs oder gerichticher Beltreſbung fällt
ſede
anflonto Deutſche Bank und Darm=
Mobesß Deiß ſädter und Jalienalbent.
Die neuen Notverordnungen.
Keine Verlängerung des Nokekaks. — Der Haushaltsplan für 1930 in Kraft. — Die Fehlbekräge durch
Reichs=
hilfe, Einkommenſteuerzuſchläge und Ledigenſteuer gedeckk. — Erſchließung neuer
Skeuer=
quellen für die Gemeinden. — Hilfsmaßnahmen für den Oſten. — Neuregelung
der Sozialverſicherungen. — Beſeiligung wirkſchaftlicher Mißſkände.
hat vielmehr im Intereſſe einer geordneten Kaſſenführung den
Haushaltsplan für 1930, wie er ſich nach den Beſchlüſſen des
Die Nolverordnung.
Reichstages in zweiter Leſung geſtaltet hat, durch
Notverord=
nung in Kraft geſetzt. Die Garantieermächtigung
Vorſorgende Maßnahmen mit Hilfe des Arkikels 48. zur Förderung des deutſchen Außenhandels iſt
* Berlin, 26. Juli. (Priv.=Tel.)
Nach langwierigen Reſſortbeſprechungen und
Kabinettsſitzun=
gen iſt am Samstag vormittag die neue Notverordnung
der Reichsregierung verabſchiedet worden. Sie wurde
in den Nachmittagsſtunden vom „Reichspräſidenten
von Hindenburg gegengezeichnet und hat damit
Rechtsgültigkeit erlangt. Die Verordnung iſt ein
unge=
wöhnlich umfangreiches Dokument. Sie ſtellt alle Verordnungen
gleicher Art, die namentlich unter dem Reichspräſidenten Ebert
in großer Zahl erlaſſen wurden, vollkommen in den Schatten. Sie
zerfällt in 5 große Abſchnitte. An erſter Stelle ſtehen die
Deckungsmaßnahmen für den Reichshaushalt
1930, dann folgt die Erſchließung von Einnahmen
der Gemeinden, an dritter Stelle ſteht die Oſthilfe,
an vierter Stelle die Arbeitsloſenverſicherung, die
Krankenverſicherung und die
Reichsverſor=
gung. An fünfter Stelle folgen die Verhütungsmaßnahmen
gegen unwirtſchaftliche Preisbindungen.
Jede dieſer Verordnungen wird ſich nun durch den ganzen
Wahlkampf ziehen. Sie werden namentlich von den
Oppoſitions=
parteien zum Gegenſtand heftiger Angriffe gemacht werden.
Vor=
nehmlich die Sozialdemokratie wird von neuem von einem
Miß=
brauch des Artikels 48 ſprechen, der die Anwendung notwendiger
Maßnahmen vorſieht, wenn die öffentliche Sicherheit und
Ord=
nung erheblich geſtört und gefährdet werden. Auf den erſten
Blick wird es natürlich ſcheinen, als ob die Reichsregierung dem
Artikel 48 eine weitherzige Auslegnug gegeben habe. Wenn man
ſich aber mit den Gedankengängen, die dem Kabinett vorgelegen
haben, etwas vertrauter macht, wird man auch verſtehen, warum
die Reichsregierung mit Hilfe des Artikels 48 ſogar bis zur
Oſt=
hilfe, bis zu den Kaſſenverhältniſſen, ja, bis zu den
Preisbindun=
gen der Kartelle hinübergegriffen hat.
Die eigenkliche Urſache unſerer Zinanzſchwierigkeiken
iſt die Arbeitsloſenverſicherung.
Die Reichsregierung konnte nicht einfach den Reichsetat in Kraft
ſetzen und für neue Steuern bürgen. Sie mußte ſich vor Augen
halten, daß eine Zuſchußpflicht des Reiches zur
Arbeitsloſenver=
ſicherung beſteht, infolgedeſſen mußte ſie die
Arbeitsloſenverſiche=
rung in den Kreis ihrer Maßnahmen hineinziehen. Sie mußte
das weiter, weil ihr Beſtreben dahin geht, die Verſicherungsanſtalt
zu entlaſten, alſo die Ausgaben dieſes Inſtituts zu verringern.
Eine Entlaſtung muß aber auch durch eine Verringerung der
Ar=
beitsloſigkeit herbeigeführt werden. Das hatte nun zur Folge,
daß die Regierung die
Arbeitsbeſchaffung und Wiederankurbelung
der Wirtſchaft
in die Verordnung mit hineinnehmen mußte. Hält ſie den
Zu=
ſammenbruch der Wirtſchaft nicht auf, dann ergibt ſich daraus eine
Vermehrung der Erwerbsloſigkeit. Namentlich die
Wohlfahrts=
laſten der Gemeinden werden größer. Zahlreiche Gemeinden ſehen
ſich ſchon jetzt außerſtande, dieſe Laſten zu tragen. Kommt es
in=
folge des wirtſchaftlichen Zuſammenbruches zu einer finanziellen
Kataſtrophe, dann wird es hier auch zuerſt zu einer Störung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch die Erwerbsloſen
kom=
men, die nicht mehr unterſtützt werden können. Aus dieſer
Er=
wägung heraus erwuchs nun wieder für die Regierung die
Pflicht, den Gemeinden beſtimmke Steuerquellen
zu erſchließen.
Daß ſie die Oſthilfe mit hineinnahm, geſchah ebenfalls aus guten
Gründen. Ein großer Teil unſerer Landwirtſchaft befindet ſich in
ungewöhnlich ſchwieriger Situation. Wenn man vermeiden will,
daß es eines Tages zu Bauernunruhen kommt, dann muß eben
jetzt ſchon der Landwirtſchaft eine gewiſſe Entlaſtung gebracht
werden. Sie nahm darum auch die Oſthilfe in die Verordnung
hinein. Man wird unter Hinweis auf den Artikel 48 ſagen
kön=
nen, daß die Ruhe und Ordnung noch gar nicht geſtört iſt. Eine
Regierung, die ſich aber ihrer Verantwortung bewußt iſt, kann
nicht erſt warten, bis eine Lage geſchaffen iſt, die auch nach
An=
ſicht der Sozialdemokratie die Anwendung außerordentlicher
Maß=
nahmen auf Grund des Artikels 48 geſtattet. Sie mußte
Vor=
ſorge treffen; das hat ſie getan. Wenn ihre Notverordnung
nicht weniger als 20 Druckſeiten umfaßt, dann iſt das Schuld der
Oppoſitionsparteien des Reichstages, die ſich in der Mehrheit
be=
fanden und die eine Verabſchiedung der Geſetze, deren
weſentlich=
ſter Teil in die Notverordnung mit herübergenommen worden iſt,
zu verhindern wußten. Die Väter der Verordnung ſind nicht die
Mitglieder des Kabinetts Brüning und der Reichspräſident,
ſon=
dern die oppoſitionellen Abgeordneten des aufgelöſten
Reichs=
tages, von Hugenberg bis Thälman. Nachſtehend der Inhalt der
Notverordnung:
Haushalts= und Deckungsmaßnahmen:
Die Reichsregierung hat davon abgeſehen, den
Not=
haushalt, der am 31. Juli abläuft, zu verlängern. Sie
im Intereſſe der Entlaſtung des
Arbeitsmark=
tes auf 350 Millionen verdoppelt worden. Auch iſt
eine Ermächtigung zur Uebernahme von
Zins=
garantien für die von der Reichsbahn zum Zwecke der
Arbeitsbeſchaffung bis zum Betrage von 250 Millionen
zu begebenden Schuldverſchreibungen vorgeſehen. Die
Deckungsmaßnahmen, beſtehen wieder aus
Reichs=
hilfe, Einkommenſteuerzuſchlägen und
Ledi=
genſteuer. Sie kehren im weſentlichen in der Faſſung der
erſten Notverordnung wieder. Die Reichshilfe, die vom
1. September bis 1. April nächſten Jahres erhoben
werden ſoll, beträgt 2,5 Prozent der
Bruttobe=
züge, abzüglich der Kinderzuſchläge. Die
Be=
zieher von Aufſichtsratstantiemen unterliegen
der Reichshilfe mit 60 Prozent der im Jahre 1929
erzielten Einkommen. Der Einkommenſteuerzuſchlag
beträgt 5 Prozent für die Einkommen über 8000
Mark. Die Ledigenſteuer beſteht in dem Wegfall der
Lohnſteuerabſchläge und in einem Zuſchlag von 10 Prozent bei
den Einkommen über 220 Mark monatlich. Befreit ſind
un=
berheiratete Frauen, denen Kinderermäßigungen zuſtehen, und
Steuerpflichtige, die zum Unterhalt ihrer geſchiedenen Ehefrau
oder eines bedürftigen Elternteiles mindeſtens 10 Prozent ihres
Einkommens aufwenden. Bei den veronlagten
Steuer=
pflichtigen unterliegen, da der Ledigenzuſchlag nur für
7 Monate gelten ſoll, nur 60 Prozent der Jahresſteuer für
1929 dem Ledigenzuſchlag.
II.
Erſchließung von Einnahmen für die Gemeinden:
Um der Notlage der Gemeindehaushalte abzuhelfen, ſollen
die Gemeinden mit ſofortiger Wirkſamkeit das Recht erhalten,
Bürgerſteuer, Gemeindebierſteuer zu erheben, die
den Gemeinden zur Auswahl, zur Verfügung geſtellt werden.
Gemeinden, deren Haushalt durch die
Wohlfahrtserwerbsloſen=
fürſorge außerordentlich belaſtet ſind, ſollen daneben auch von
den übrigen Getränken eine Gemeindetränkeſteuer erheben
kön=
nen. Nurwenn die Realſteuerſätze eine beſtimmte
Höhe überſchreiten, tritt die Pflicht zur
Er=
hebung, der Bürgerſteuer und der
Gemeinde=
bierſteuer ein, zu denen je nach der Höhe der Realſteuern
noch Zuſchläge treten. Im Gegenſatz zur früheren Vorlage wird
eine Staffelung der Bürgerſteuer vorgeſchlagen. Der
Satz beträgt im allgemeinen 6 Mk. Er ermäßigt ſich für
Per=
ſonen, die nicht der Einkommenſteuerpflicht unterliegen, auf
3 Mk. erhöht ſich aber auf 25 Mk. bei den Einkommen über
8000 Mk. und dann weiter auf 50, 100, 200, 500 bis 1000 Mk. bei
den höchſten Einkommen.
III.
Oſthilfe:
Die Notverordnung über die Oſthilfe verfolgt den Zweck, bis
zum Inkrafttreten eines Oſthilfegeſetzes die dringendſten
Maß=
nahmen in die Wege zu leiten. Neben der im Haushalt
vorge=
ſehenen Ermächtigung, die für die Oſthilfe beſtimmten Mittel
aus=
zugeben, ſoll die Beſchaffung der für dieſes Jahr im Rahmen der
ländlichen Siedlung und der Umſchuldung erforderlichen
Kredit=
hilfe ſichergeſtellt und der Vollſtreckungsſchutz geregelt werden.
Zur Beſchaffung des Dauerkredits für die ländliche Siedlung
wird der Reichsregierung die Ermächtigung zur
Ueber=
nahme einer Garantie in Höhe von vorläufig 50
Millionen Mark und für Errichtung des Siedlungsinſtituts
gegeben. Fürdie Umſchuldung ſtehen insgeſamt 100
Mil=
lionen Mark in Garantien zur Verfügung. Es iſt zu
erwar=
ten, daß die preußiſche Staatsregierung gleichfalls einen
ent=
ſprechenden Betrag bereitſtellen wird.
Der Vollſtreckungsſchutz wird, genau im gleichen Umfang wie
urſprünglich vorgeſehen, bis zu Ende des Jahres gewährt
wer=
den. Die erforderlichen Anordnungen werden in den nächſten
Tagen bekannt gegeben.
TV.
Soziale Vorlagen:
In der Frage der Arbeitsloſenverſicherung wird
die vom Reichstag nicht mehr verabſchiedete Novelle im
weſent=
lichen in Kraft geſetzt. Es handelt ſich um die
Beitrags=
erhöhung auf 4½ Prozent ab 11. Auguſt und um
Ein=
ſparungsmaßnahmen, die etwa 100 Millionen
Mk. betragen. Die Höhe der Unterſtützungen wird
künftig in eine Beziehung zur Dauer der
Anwart=
ſchaft gebracht. Die Beſtimmungen über die Unterſtützung
er=
werbsüblicher Arbeitsloſigkeit bleiben auch für den kommenden
Winter aufrecht erhalten. Die normale Dauer der
Sperr=
friſt beträgt künftig 6 Wochen. Weiter wird die
Warte=
zeit neu geregelt. Endlich enhält die Verordnung eine
Beſchränkung der Zuſchußpflicht des Reiches.
Jeder künftige Mehrbedarf ſoll zu gleichen Teilen vom Reich
und von der Verſicherung getragen werden. Die Verſicherung
ſoll dann ihre Beiträge erhöhen. Auch die
Krankenver=
ſicherung iſt in die Notverordnung mit
einbe=
zogen worden. Die Verordnung entfpricht den Beſtimenungen
der urſprünglichen Vorlage. Die Krankenkaſſenſchein
(Fortſetzung auf Seite 2, zweite Spalte.)
* Ordnung in Deutſchland!
Von
Rechtsanwalt Eduard Dingeldey, Darmſtadt.
Die Lage des deutſchen Volkes iſt voll ſchwerſter Gefahren.
Bedroht von den Wirkungen der Weltwirtſchaftskriſe, geſchwächt
durch die Folgen einer planloſen, vom Geiſte des
Staatsſozialis=
mus beeinflußten Ausgabenpolitik, erſchüttert durch die immer
mehr zunehmende Wettbewerbsunfähigkeit mit dem billiger
pro=
duzierenden Auslande iſt die Wirtſchaft Deutſchlands in weiten
Teilen eingeſchrumpft und erlahmt. Die Folgen ſind
zuneh=
mende Arbeitsloſigkeit, Vernichtung zahlreicher nicht
kapitalkräftiger Exiſtenzen. Und aus dieſem Zuſammenhang
wiederum entſteht die dauernd fortſchreitende Erſchütterung
unſereröffentlichen Finanzen in Reich, Ländern und
Gemeinden. Dieſer Prozeß, der ſchleichend ſeit Jahren vor ſich
gegangen iſt, nimmt allmählich die Formen einer ſich ſchnell
ent=
wöckelnden akuten Kriſe an und gefährdet nicht nur die
Wirt=
ſchaftslage, ſondern geradezu den Beſtand des Staates! Denn
wenn es nicht gelingt, allmählich dieſer Dinge Herr zu werden,
ſo werden das ſich immer vermehrende Heer der Arbeitsloſen,
die aus Beruf und Verdienſt geworfen ſind, und die zerſtörten
und verzweifelten Exiſtenzen ein Unſicherheitsfaktor ſchlimmſter
Art für die ſtaatliche Ordnung werden. Wenn es nicht gelingt,
dieſer Dinge Herr zu werden, ſo werden die immer weiter
zer=
rütteten Finanzen den Kreditmarkt und den deutſchen
Kapital=
markt verwüſten, das Vertrauen im In= und Auslande zerſtören
und damit der deutſchen Wirtſchaft die Kraft zur
Wiederauf=
richtung rauben. Daß in dieſem Zuſammenhang die
Tribut=
laſten trotz ihrer Schwere nicht die entſcheidende Bedeutung
beſitzen, die ihnen aus agitatoriſchen Gründen von
Hugen=
berg und Hitler zugemeſſen wird, iſt klar.
Erkennt man ſo den Geſamtzuſammenhang der Dinge, und
ſieht, daß die Not der Finanzen, die Not der Gemeinden, die
Zerrüttung der Wirtſchaft, die Arbeitsloſigkeit der Menſchen, alle
aus einer großen Fehlerquelle, nämlich einer ungeſunden und
unmöglichen Heraufſchraubung der Lebenshaltung
des geſamten Volkes über das Maß ſeiner Kraft
hinaus hervorgegangen ſind, dann kann ein Zweifel darüber nicht
beſtehen, daß nur ein großzügiges und entſchloſſen durchgeführtes
Reformprogramm, das von oben (Miniſtern und
General=
direktoren) bis unten (Arbeitern und Beamten) und das durch
Abbau der übermäßigen Aufgaben der öffentlichen Hand die
Dinge wieder auf einen geſunden, tragkräftigen Boden ſtellt,
das deutſche Reich vor ſchwerſten Erſchütterungen, vor tödlichen
Gefahren bewahren kann.
In dieſer Lage iſt das deutſche Volk zur freien Entſcheidung
über ſein Schickſal durch die Reichstagsauflöſung
be=
rufen worden. Es handelt ſich nun wirklich nicht mehr darum,
die Meinungsverſchiedenheiten über die Zweckmäßigkeit einzelner
Maßnahmen auszukämpfen. Wir ſehen auf der einen Seite eine
Regierung, die den feſten Willen bekundet hat, durch ein auf
lange Sicht abgeſtelltes, dem Uebel allmählich an die Wurzel
gehendes Reformprogramm Reich und Volk vor der Zerſtörung
zu bewahren. Wir haben geſehen, wie der Mann, der für das
ganze deutſche Volk auch heute noch vielleicht das einzige
wirklich lebendige zuſammenfaſſende Band, das Symbol von
Pflichterfüllung darſtellt, wie unſer Reichspräſident
dieſe Regierung mit ſeiner ganzen Autorität ſtützt. Jedermann
muß ſich darüber klar ſein, daß alſo auf der einen Seite der
Gedanke der Staatsautorität, der feſte Wille zur
Rettung des Reiches kämpft, gegen ein Parlament, das ſich in
ſeiner Zerſplitterung und in ſeinen Intereſſentenkämpfen zu
wirk=
lichen Taten nicht aufzuraffen vermochte.
Unſer Volk iſt unter der Einwirkung einer ſo fürchterlichen
Lage, wie ſie nun allmählich ſeit Jahren in wachſender
Stei=
gerung ſich herausgebildet hat, wieder in den Zuſtand innerer
Erkrankung geraten. Die Menſchen, die in ihrer Perſon und in
ihrem Beruf die Not tagtäglich unerträglicher fühlen, die
Staats=
bürger, die ein wirkliches Ziel ſtaatlichen Lebens und politiſcher
Führung nicht erkennen konnten, ſind infolgedeſſen in
wachſen=
dem Maße den Rattenfängermelodien wilder
Ver=
ſammlungshelden, phantaſtiſcher Radikaler unterlegen.
Ich wage die Behauptung, daß von den Menſchen, die den
Nationalſozialiſten folgen, nur ein kleiner Prozentſatz aus einer
wirklichen inneren Hingabe an die „Ideen” dieſer Bewegung,
von einem Glauben an ihre „Ziele” geleitet werden. Bei den
meiſten iſt es die primitive Antwort auf die Not der Zeit, die
Freude an ſtarken Worten und Gebärden, der Rauſch, in dem
man ſich ſelbſt durch Aufzüge und lärmende Aktionen von der
Lähmung durch wirtſchäftliche Not befreien möchte. Aber die
Folge iſt natürlich, daß alle dieſe Menſchen i eine völlig
nega=
tive Stellung gegenüber dem, was heute allein not tut, nämlick
gegenüber der Aufgabe, die Sanierung des Staates
und der öffentlichen Ordnung durchzuſetzen
und auszubauen, hineingetrieben werden. Dazu kommt
dann das weitere, daß der Sozialismus ſich als unfähig
er=
wieſen hat, die Führung in dieſer Reformarbeit, die
Verantwor=
tung für die ſchweren kommenden Aufgaben zu übernehmen. Was
immer befürchtet wurde, iſt eingetroffen. Trotz beſſerer
Ein=
ſicht der Führer, trotz guten Wollens etwa ſolcher Männer wie
Müller, hat ſich der auf Opganiſation und Klaſſenkampf
ein=
geſtellte Apparat der Funktonäre und Sekretäre ſtärker erwieſen
als der Führergedanke. Dazu dann endlich die völlige
Verwil=
derung, der Fanatismus und geiſtloſe Kampf eines
Hugen=
berg, der es nun wirklich verſtanden hat, ein ſo wertvolles
Gut, wie es die größte bürgerliche Partei des Reichstags
dar=
ſtellte, in zwei Jahren völlig zu zerſtören.
Bei den Menſchen draußen im Lande iſt das Mißtrauen, die
Reſignation, wo nicht wilde Verzweiflung herrſcht, eingekehrt.
Man glaubt nicht mehr! Man glaubt nicht den Parteien, man
glaubt nicht dem Parlament. Das iſt ein furchtbarer Zuſtand
für den Staat und iſt der Boden, aus dem die Saat des
Ver=
falls giftige Früchte bringen kann. Wasiſt demgegenüber
zu tun?
Den wirklich ſtaatspolitiſchen Führern iſt die große Aufgabe
geſtellt, das Volk aus der Kleinlichkeit der Intereſſenkämpfe,
aus dieſem Zuſtand dumpfen Unglaubens und Mißtrauens her=
Seite 2
Sonntag, den 27. Jnli 1930
Nummer 206
auszuführen zu einer gemeinſchaftlichen
Kraft=
anſtrengung, die es allein zu retten vermag. Heute iſt die
Zeit für die alte kleine Parteipolemik und Parteipolitik vorbei.
Wer den kommenden Wahlkampf mit den alten Rezepten des
gegenſeitigen Herunterreißens, der Diskuſſionen über die Fehler
des einen oder des anderen beſtreiten will, hat die Zeichen der
Zeit nicht erkannt. Worum es ſich jetzt dreht, das iſt
die Aufgabe, dem Volk den Glauben wieder zu
ſchaffen, den Glauben an die Zukunft der
Staatsidee den Glauben an die Autorität des
Staates, die Vorſtellung von einer inneren
Volksgemeinſchaft und das Bewußtſein davon,
daß allein die gemeinſchaftliche
Kraftanſtren=
gung uns rettenkann vor völligem Verfall.
Dar=
aus folgt: Niemals mehr als heute hat der Gedanke der
Grün=
dung einer Staatspartei als des Sinnbildes einer auf
neuer Grundlage unter völliger Bejahung des Staates und des
Gedankens der Volksgemeinſchaft erfolgenden Zuſammenfaſſung
aller aufbauwilligen Kräfte ſeine Berechtigung erwieſen. Und
wenn dieſe große Staatspartei im Augenblick nicht zu ſchaffen
iſt, weil die Zeit bis zum Tage der Reichstagswahlen für die
ideenmäßige und organiſatoriſche Arbeit, die zu leiſten iſt, nicht
mehr reicht, ſo muß an alle beteiligten Parteien die Forderung
gerichtet werden, daß ſie ihre eignen Intereſſen, ihren
Partei=
egoismus zurückſtellen, um in dem Volke wenigſtens durch ihr
Zuſammenſtehen und Mitemandergehen bei den Wahlen die
Vor=
ſtellung einer für den Gedanken der Staatsautorität kämpfenden
Front zu ſchaffen. Die Parteien, die ſich jetzt einem
ſolchen Gedanken verſagen, die Parteien, die
auch jetzt nur von ihrem „Eigenleben” von ihrem
engherzigen Egoismus reden, verſündigen
ſich an der Zukunft des Volkes. Seien wir uns
dar=
über klar, der Parlamentarismus wird zerſtört ſein, das Chaos
in Deutſchland wird an die Stelle ſtaatlicher Ordnung treten,
wenn es nicht gelingt, die großen Gedanken der Gemeinſchaft,
der Staatsautorität zum Siege gegen die zerſetzenden Kräfte des
Radikalismus und der Intereſſenten zu führen.
Ich habe ſeit langer Zeit im Kreiſe der Deutſchen
Volkspartei und in Gemeinſchaft mit Männern aus anderen
politiſchen Kreiſen für das Ziel der Erneuerung unſeres
Partei=
weſens von innen heraus gearbeitet. Dabei war ich durchdrungen
von der Ueberzeugung, daß den jungen heranwachſenden
Men=
ſchen, die mit der jugendlichen Kraft und mit dem kämpferiſchen
Geiſte, der der jüngeren Generation von Natur aus eigen iſt, in
die Politik eintreten, dieſes ganze Treiben der Parteien nichts
zu bieten vermag wenn es nicht durch eine Zuſammenfaſſung und
innere Erneuerung, durch eine Belebung der Staatsidee wieder
in die Herzen greift und die Köpfe erwärmt. Die Deutſche
Volkspartei und ihr Führer, Dr. Scholz, haben durch Wort
und Tat ſeit Jahr und Tag und in dieſen Tagen nun zum letzten
Male die Hand geboten, um auf jedem imer noch auch nur
er=
reichbaren Wege dieſer inneren Erneuerung unſeres deutſchen
Parteiweſens vorzuarbeiten. Es dreht ſich dabei wirklich nicht
darum, ob dieſer oder jener Stand mit ſeinen Forderungen mehr
oder weniger zur Geltung kommt. Es dreht ſich heute nicht
darum, ob dieſe oder jene Partei oder Fraktion ein paar
Man=
date mehr oder weniger bekommt.
Vor uns ſteht die Schickſalsfrage, ob es
ge=
lingt, dieſen Staat und die Autorität der
Volksgemeinſchaft zum Siege zu führen gegen
die zerſetzenden und auflöſenden Kräfte. Der
Staatsgedanke aber, der Gedanke der Ordnung und des Aufbaus
wird für das Volk im Augenblick verkörpert durch dieſe
Reichs=
regierung und durch den Reichspräſidenten. Wer die Not unſeres
Volkes ſo fühlt, wer ſieht, wie der Weg dem Abgrunde zugeht,
wer mit uns empfindet, wie dieſe unſelige Zerſplitterung und
Auflöſung der Kräfte Reich und Volk unfähig zum Wiederaufbau
und zur Schaffung eines größeren Deutſchlands machen müſſen,
der kann nicht anders, als mit ganzer Kraft und mit heißem
Willen in dieſem Kampf dem Reichspräſidenten und der den
Staatswillen verkörpernden Regierung ſeine Hilfe zu leihen. Die
Parteien, die hinter der Regierung ſtehen, haben die Aufgabe,
durch das Vorbild der Selbſtloſigkeit, durch die Darſtellung eines
Willens zur gemeinſchaftlichen Arbeit dem Volke das
Gefühl zu geben, daß es hier ſich wirklich nur darum handelt,
eine ſtarke Mehrheitsfront des Aufbauwillens,
des Rettungswillens gegen den Willen zur Zerſtörung zu
ſchaf=
fen. So möge dieſer Wahlkampf unter den großen
verbinden=
den ſtaatspolitiſchen Geſichtspunkten geführt werden, ſo mögen
die Parteien zurücktreten laſſen die kleinen, überalterten,
zer=
ſplitternden Gedanken! So möge das Volk erkennen, um welche
gewaltigen Schickſalsfragen es ſich handelt! In dieſem Sinne
nehme ich den Ruf auf: Mit Hindenburg für,
Deutſch=
lands Rettung!
* Campania, Baſilicaka, Puglia,
die Gegend der italieniſchen Erobeben.
Matéra, Juli 1930.
Die drei ſüdlichen Provinzen Italiens, die gerade von dem
heimtückiſchen, unterirdiſchen Arm des Pluto geſchüttelt, die
ge=
waltige Kotaſtrophe des Erdbebens erlebten, ſind einige der
in=
tereſſanteſten Reiſegebiet dieſer Halbinſel, wenn ſie auch wegen
der Strapazen, der Unwirtlichkeit großer Strecken und der teils
ſehr großen Hitze und Malariggefahren wenig von Reiſenden
heimgeſucht werden.
Die bildende Kunſt nimmt beſonders im Südoſten eine
her=
vorragende Stellung ein. Die Kirchen der Südweſt= und
Oſt=
küſte tragen in den Cosmatenarbeiten des 12. und 13.
Jahr=
hunderts, in den Moſcikarbeiten, mit denen Kanzeln,
Biſchofs=
ſtühle, Ciborien und Fußböden geſchmückt ſind, beſondere
Be=
deutung. Die älteſten Erztüren befinden ſich in Benvento
Troia, Salerno, Canoſa, Monte Caſſino und
Monte Gargano. Unter der Normannenherrſchaft blühte
die Malerei, und die Lombarden prägten prächtige Bauten. Die
Caſtelle der Sarazenen, der Hohenſtaufen tragen ihren Stempel,
ſo das gewaltige Oktogon des Caſtel del Monte von
Barbaroſſa.
An der Oſtküſte von Ravenna kommend, über Aucona,
Pescara, beginnt das große Tafelland der Puglia,
Höhlen=
dörfer, Steinhütten, Pulos, tauchen auf, von denen die Provinz
Appulien den Namen trägt. Es iſt das Tavoliere, das
Schachbrett, das von grünem Weideland bedeckt, in jedem Herbſt
den Millionen von Schafherden, die aus den Abruzzen und dem
übrigen Appennin kommen, Nahrung bietet. Eine unter der
kargen Humusſchicht liegende Lava= und Kalkſteinſchicht hindert
den Baumwuchs. — Kakteen und Gräſer wuchern, Dotterblumen
und Magritten decken den Boden im Dezember, die Roſe blüht
unter Palmen auf den Zierplätzen der kleinen Städte im Freien,
Oelbaum und Eiche bleibt auch im Winter grün. Im Sommer
iſt das Land mit weißem Staub bedeckt. Je mehr wir uns der
Gebirgskette aus grauweißem Kalkſtein, der Murge, nähern,
die die Baſilicata von Appulien in langem
Bogen trennt, je zerriſſener klaffen Felſen, je wilder
bauen ſich Städte und Dörfer wie Feſtungen auf; nie ruhig
gelagert, ſondern wie Ruinen, oder ſelbſt zu Felſen und Höhlen
geworden, kletternd, auf barockem Untergrunde. Ich wohnte aut
in einer dieſer zur Höhle gewordenen Wohnungen mit nur einer
Oeffnung nach oben, die Rüchwand in den Felfen ſief hinein=
Vom Tage.
Der frühere Oberbürgermeiſter von Kaſſel und
Spitzenver=
treter der Sozialdemokratiſchen Partei im Reichstag für den
Wahlkreis Heſſen=Naſſau, Philipp Scheidemann,
vollen=
dete geſtern ſein 65. Lebensjahr. Scheidemann, der ſich vom
Buchdrucker zum Parteiführer entwickelt hat, war der erſte
ſozial=
demokratiſche Reichskanzler.
Der ungariſche Reichsverweſer hat anläßlich des Unglücks in
Koblenz an Reichspräſident von Hindenburg ein in herzlichen
Worten gehaltenes Beileidstelegramm gerichtet. Der Reichsprä
ſident hat in einem Antworttelegramm dem Reichsverweſer
ſei=
nen aufrichtigen Dank ausgeſprochen.
Der König von Italien hat an den
Reichsprä=
ſidenten ein Danktelegramm für deſſen Beileidstelegramm z.
dem ſchweren Erdbebenunglück geſandt und gleichzeitig ſein
Mit=
gefühl für die Koblenzer Kataſtrophe zum Ausdruck gebracht.
Der Wechſel in der Leitung des Inſtituts für
geiſtige Zuſammenarbeit iſt, wie bereits gemeldet, am
Freitag nachmittag endgültig vorgenommen worden. Der
bis=
herige Direktor Luchair hat den Titel eines Ehrendoktors
er=
halten und iſt ferner zum Mitglied des Unterausſchuſſes für
Kunſt und Literatur ernannt worden. Der an ſeine Stelle
ge=
wählte neue Direktor Henry Bonnet übernimmt ſein
Amt am 1. Januar.
Einer der größten Bankerotte der letzten
Jahre iſt in Gent zu verzeichnen. Die Leinenweberei Charles
Vandewinckele iſt zuſammengebrochen. Das Defizit beträgt 58
Mil=
lionen Franken. Der Direktor der Geſellſchaft iſt flüchtig.
Der Samstag brachte eine weitere Ausdehnung des
Proteſtſtreiks gegen die Lohnabzüge für die So=
Die bisherige Zahl
ialverſicherung in Frankreich.
der Streikenden ſtieg von 60 000 auf 80 000. Abgeſehen von
über=
all auffackernden Teilſtreiks haben ſich 3000 Handſchuhmacher in
Millau, 2000 Textilarbeiter in Lillebonne, 3000 Hafen=, Metall=
und Textilarbeiter in Rouen und 1000 Textilarbeiter in St.
Quentin neuerdings dem Ausſtand angeſchloſſen.
Die von dem früheren Miniſter im Kabinett Primo de
Rivera, Aunos, gegründete ſpaniſche Arbeiterpartei
er=
läßt einen Aufruf, in dem als Ziele der Partei bezeichnet
wer=
den: Befreiung der Arbeiter vom Kommunismus, Beſſerung der
Löhne der ſpaniſchen Arbeiter, Teilnahme der Frauen an den
Re=
gierungsgeſchäften, internationale Einigung zur Bekämpfung des
Krieges.
die Nolverordnung.
(Fortſetzung von Seite 1, zweite Spalte.)
gebühr iſt auf 0, 50 Mk. feſtgeſetzt. Ferner ſind die
Be=
ſtimiungen über die Beteiligung der Verſicherten
an den Koſten für Arznei aufrecht erhalten worden. Der
Krankenkaſſenbeitrag muß auf Grund der Verordnung
neu feſtgeſetzt werden. Schließlich enthält dieſer Abſchnitt die
vom Reichstag nicht mehr verabſchiedete Aenderung des
Verſorgungsrechts, die in der Hauptſache den Zweck
verfolgt, die Neuanmeldungen von
Kriegsbeſchä=
digtenrenten auszuſchließen.
V.
Verhütung unwirtſchaftlicher Preisbindungen.
Durch dieſe Verordnung wird die Reichsregierung ermächtigt,
unter beſtimmten Vorausſetzungen durch Verwaltungsmaßnahmen
unwirtſchaftliche Preisbindungen aufzuräumen.
Ferner kann die Reichsregierung die Eingangszölle ſolcher Waren,
deren Erzeugung oder Verkehr durch Preisbindungen in
unwirt=
ſchaftliche Bahnen gelenkt werden, aufheben. Vor Erlaß einer
dieſer Maßnahmen ſoll die Regierung die beteiligten
Wirtſchafts=
kreiſe hören und den Reichswirtſchaftsrat um eine gutachtliche
Stellungnahme erſuchen. Zur Begründung dieſer
Verord=
nung wird von der Reichsregierung erklärt, daß die
Anpaſ=
ung der gebundenen Preiſe an die veränderte
Wirtſchaftslage und die geſunkene Kaufkraft
ſich zeitlich zu langſam und in ihrem Ausmaß
unzuläng=
lich durchſetzt. Infolgedeſſen ſei u. a. das Verhältnis der Preiſe
von Ware und Leiſtungen zueinander vielfach in einer
volkswirt=
ſchaftlich nicht fruchtbaren Weiſe verſchoben worden. Dadurch
wird die Ueberwindung der wirtſchaftlichen Not
erſchwert und verzögert. Bei dieſer die öffentliche
Sicher=
heit und Ordnung erheblich gefährdenden Lage müſſe die
Re=
gierung es ſich angelegen ſein laſſen, Mißſtände dieſer Art zu
beſeitigen. Sie rechnet dabei auf die verſtändnisvolle
Mitarbeit der beteiligten Wirtſchaftskreiſe.
Soweit dieſe jedoch im Einzefalle nicht zu gewinnen ſei,
gebe die Verordnung der Reichsregierung die
Mittel in die Hand, das im Intereſſe der
Ge=
ſamtheit Notwendige auch gegenüber
Wieder=
ſtrebenden ſchnell und wirkſam durchzuſetzen.
Die Verordnungen treten am 27. Juli in Kraft.
gebaut, in Matéra, das tief in die Murge mit Terraſſen und
Treppchen einſchneidet.
Von Foggia kommen wir über Ascoli, das alte
Ausculum der Römer, wo 279 v. Chr. König Pyrrhus die
Römer beſiegte, am Fuße des Monte Carpiniella
Candela und das ſteinige Rochetta, wo wir den Zug nach
Melfi und Potenza wechſeln, mitten durch das jetzt in
Ruinen gewandelte Gebiet, das der Monte Vulture
be=
herrſcht. 1330 Meter hoch ragt er über die appuliſche Kreidetafe
über 60 Kilometer ſichtbar bis Tricarico Matera,
Altamura im Süden, und Benevento. Bovino im
Nordweſten, ruhig ſchlafend unter hohem Buchenwald und einer
Schicht alter Lava; erloſchen, wie ein von Leidenſchaften
ausge=
glühter Menſch, der ſich dem Boden der Erde ſchlafend anſchmiegt.
In ſeinen Oden (III. 4.) beſingt Horaz den „Apuliſchen
Vultur”. Südlich liegt wie ein Auge des Zeus der faſt 40
Meter tiefe See von Montiechio mit dem Kapuzinerkloſter
San Michele; das Mineralbad wird von guten Neapolitaner=
und Römiſchen Familien gern beſucht. — Aber ſchon die
Trüm=
mer der Abtei S. Ippolito erinnern uns an das Erdbeben
von 1851 und 1857, das auch die reiche Stadt Melfi
vollſtän=
dig verwüſtete. Der halbzerſtörte Seitenkrater des Monte
Vulture, auf dem die Stadt am Abhange als Mittelpunkt
eines reichen Oel= und Weinhandels ſich lagerte, iſt wieder zu
neuem Leben erwacht. Mitten in der Nacht, da die Bewohner
ruhen, müde des Erntens an früchtereichen, grauen Oliven und
ſaftigen Muskateller Trauben, ſtreckte er ſeine eiferſüchtige Hand
vernichtend, verbrennend aus über ſonnennahes Leben und
Treiben. —
Es iſt, als ob die Tiere die unterirdiſche Welle vorher
er=
ſpüren, Ratten, Hunde, Katzen und Pferde reißen an Feſſeln,
toben und jagen, Vögel flattern ſcheu umher, und nur der
Menſch betäubt durch Arbeit, durch gegenſeitige Reibung des
hetzenden Tages, ſchläft, nichtsahnend. — So ruhten ſie in
Pom=
peji, ſo in Hereulanum, bis man ihre verſteinerte Form
wieder=
fand und den Blicken einer ſpäteren Generation in Muſeen
ab=
ſchreckend zeigte, die nun dasſelbe Schickſal trifft, unentrinnbar.
Ich kannte ſie, viele von ihnen, aus Melfi, aus
Bene=
vento Napoli Matera, wie ſie ihr kleines Leben der
Arbeit lebten. Ich lebte unter ihnen, die Fremde, die ſie
gaſt=
rei aufnahmen, die ſie, die Aermſten der Armen, oft, mit einem
Wort, einer Blume, einem Maiskolben oder einer Feige, einem
Ei oder einem Schluck Kaffe erfreuten. Den Hirten Piero,
Valentino den Töpfer und ſeine Genoveva, Don Giovanni, den
Arzt Signore Giuſeppe, den Poſthalter, den kleinen munteren
Profeſſore und den Bürgermeiſter, Clelia, die Schaffnerin im
Albergo: Petronilla, die alte Ariſtokratin, und den verwitterten,
armen Brafen von Aquila und wie ſie alle heißen, die jetzt der
Angeſtellken=Enklafſungen
in der Beliiher Herätnndaſen.
Infolge ſchlechken Geſchäftsganges.
Berlin, 26. Juli.
Der Siemens=Konzern hat geſtern durch Anſchlag in den
Ber=
liner Werken angekündigt, daß er ſich gezwungen ſehe, infolge
de=
ſchlechten Geſchäftsganges 10 Prozent der geſamten Angeſtellten in
den Berliner Unternehmen zu entlaſſen. Die Ankündigung iſt
er=
folgt, nachdem Verhandlungen zwiſchen der Werkleitung und den
Angeſtellten über eine Verkürzung der Gehälter und der
Arbeits=
zeit geſcheitert ſind.
Es wird jetzt vielfach die Frage erörtert, ob nicht das
Reichs=
arbeitsminiſterium eingreifen werde, um dieſe Maßnahme in
ihren weittragenden Folgen zu vermeiden. Wie uns von
unterrich=
teter Seite mitgeteilt wird, hat das Reichsarbeitsminiſterium aus
tarifrechtlichen Gründen zunächſt keine Möglichkeit, offiziell in der
Angelegenheit zu intervenieren, da es den tarifrechtlichen
Grund=
ſätzen widerſpricht, einzugreifen, während ein Tarifvertrag
be=
ſteht. Das Reichsarbeitsminiſterium mußte ſich auch bei den
Vor=
gängen, die der Ankündigung des Siemens=Konzerns
voraufgin=
gen, darauf beſchränken, die Auffaſſungen der Arbeitgeber und
Arbeitnehmer anzuhören. Für die Streitfrage, die hierbei eine
große Rolle ſpielte, ob nämlich eine Arbeitszeitverkürzung auch
eine Gehaltsherabſetzung zuläßt, iſt nicht das Arbeitsminiſterium,
ſondern das Arbeitsgericht zuſtändig. Es iſt aber anzunehmen,
daß das Reichsarbeitsminiſterium inoffiziell ſich bemühen wird,
noch eine Verſtändigung herbeizuführen. Wie wir übrigens hören,
beabſichtigt das Reichsarbeitsminiſterium, ſeinen Standpunkt in
dieſer Frage der Oeffentlichkeit bekannt zu geben.
Der geplante Angeſtelltenabbau im Ausmaß von etwa 10
v. H. in der Berliner Metallinduſtrie beſchränkt ſich nicht allein
auf die Siemensbetriebe, ſondern wird auch bei andeven
Be=
trieben erwogen. Die Verhandlungen, die der Verband Berliner
Metallinduſtrieller mit den Angeſtelltenorganiſationen geführt hat,
ſind geſcheitert, weil die Angeſtelltenverbände eine Reihe von
Forderungen ſtellten, die von den Arbeitgebern nicht bewilligt
werden konnten. Die Angeſtellten forderten insbeſondere ein
völliges Kündigungsverbot während der Laufzeit des neuen
Ab=
kommens. Ferner verlangten ſie, daß die Entſcheidung über
Kurzarbeit dem Betriebsrat überlaſſen bleiben ſoll. Zugleich
konnten die Arbeitgeber auch die Forderung des abſoluten
Ueber=
ſtundenverbots nicht bewilligen.
Nachdem die Allgemeinverhandlungen geſcheitert waren,
wur=
den ſie bekanntlich in die einzelnen Betriebe gelegt, und führten
teilweiſe zu einer Einigung. Auch bei Siemens zeigte ſich im
Angeſtelltenrat zunächſt eine gewiſſe Bereitwilligkeit, auf die
Vor=
ſchläge der Verwaltung einzugehen. Erſt nach Zuziehung der
Gewerkſchaften verhielt ſich der Angeſtelltenrat ablehnend. Daher
ſchritt die Verwaltung zur Ankündigung eines Abbaues von
10 v. H. bei der Angeſtelltenſchaft.
Hindenburgs Dank an das Heſſenland.
Reichspräſident von Hindenburg hat an den heſſiſchen
Staatsrräſidenten Dr. Adelung folgendes Dankſchreiben gerichtet:
Sehr geehrter Herr Staatspräſident!
Nach den erhebenden Tagen am Rhein, die leider einen ſo
entſetzlichen Abſchluß gefunden haben, nach Berlin zurückgekehrt,
danke ich Ihnen auch auf dieſem Wege nochmals für den ſo
freundlichen Empfang, den ich bei der heſſiſchen Regierung und
bei den heſſiſchen Behörden gefunden habe. Ich werde die beiden
eindrucksvollen Tage, die ich im Heſſenland verlebte, nie
ver=
geſſen.
Darf ich Sie bitten, auch der Bevölkerung, die mich in ſo
überaus herzlicher Weiſe begrüßt hat, meinen Dank zu
über=
mitteln. Das Treuebekenntnis zum Vaterland, das mir aus
allen Schichten der Bevölkerung entgegenklang und die
perſön=
lichen Willkommensgrüße, die mir gewidmet wurden, haben mich
hoch erfreut.
Ein beſonderes Wort der Anerkennung und des Dankes
möchte ich der Polizei ausſprechen, die ihre ſchweren Aufgaben,
beſonders in Mainz, muſterhaft gelöſt hat.
Mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr ſehr ergebener
gez. von Hindenburg.
heiße Boden deckt. Noch geſtern ſchrieb mir Ophelia di Claudia
einen jener lieben kurzen Briefe, daß ſie an mich denken; es iſt
wie der Stillſtand einer Geſchichte über drei Provinzen, die teils
mehr, teils weniger gelitten.
Pinien ſtehen auf dem Friedhof in der Höhe, ſie pilgern
hinauf, ihre Toten zu bergen, und die geweihte Erde kann kaum
die Zahl der Opfer faſſen. — Hoch vom Caſtello komme ſich, von
den kahlen Höhen, wo man die Apuliſche Ebene und den Nebel
über dem Adriotiſchen Meer ſieht, der abnehmende Mond
be=
leuchtet dieſe alte griechiſche Kolonie. Wie ſteinerne Felſenmaſſe
liegt die Stadt im Felſen gebannt, die Hirten ſteigen zu Tal; auf
ihren Mulis die Bauern, die draußen ernteten; ſie ſingen im
Dämmern vor ſich ſchöne weiche Lieder. An der Fontanella ſtehen
die braunen, ſchönen Mädchen und Frauen und holen an Stricken
aus der Ciſterna ihr klares Waſſer. Am eimetero komme ich
vorbei, eine gerade Straße mit Zypreſſen ſteigt ernſt hinan,
da=
vor liegt oben ein ägyptiſcher Bau mit flachem Giebel und einer
Inſchrift, die ſeltſam frei klingt: „Der Geiſt, der über dieſen
Gräbern weht, ſteigt zu Gott und ſiegt‟.
Weit liegen die Wieſen und Hügel der Puglia und der
Baſilicata, weit im Abendnebel, wie vergeſſen, ein Geheimnis
in ſich bergend, und immer wieder fordernd von neugieriger
Menſchenhand, die Vaſenfunde der Griechen.
Gret=Gottſchalk=Wenzel.
Die Erdbebengürkel der Erde.
Das älteſte Erdbeben, von dem wir ſichere Kunde haben, hat
ſich in derſelben Gegend ereignet, die jetzt wieder von einer ſo
furchtbaren Kataſtrophe heimgeſucht wurde. Auch damals war
es die Umgegend von Neapel, das Vulkangebiet des Veſuv, auf
dem ſich 79 v. Chr. jenes furchtbare Unglück ereignete, das der
ältere Plinius ſo meiſterhaft geſchildert hat. So hat Süditalien
in der Geſchichte der Erdbeben ſtets eine tragiſche Rolle geſpielt.
Nach den Statiſtiken des bekannten Erdbebenforſchers Prof.
Sie=
berg wird das Apenmin=Gebiet jährlich von 184 Beben ergriffen,
die aber glücklicherweiſe in der Hauptſache ziemlich unbemerkt
vorübergehen und nicht ſolche grauſigen Folgen haben wie das
letzte. Wir hören heute ſo oft von dieſen Erſchütterungen der
Erde, daß ſich die Anſicht verbreitet hat, die Zahl der Beben habe
in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Das iſt aber keineswegs
der Fall, ſondern es ſind nur die viel beſſeren
Regiſtriermöglich=
keiten, die uns heute geſtatten, auch die kleinſten
Erderſchütterun=
gen mit unſern Meßinſtrumenten aufzuzeichnen. Dadurch wiſſen
wir heute, daß in jeder Stunde eine ganze Menge Erdbeben
paſſieren; an die V2. wrden jährlich vegiſtriert, und von die=
Nummer 206
Der likauiſche Vorſtoß
gegen das Memel=Skakuk.
Anſchlag auf die Selbſtverwalkung der
memel=
ländiſchen Bevölkerung.
In der letzten Zeit ſind verſchiedene Konflikte der litauiſchen
Zentralregierung mit der Bevölkerung und den Behörden des
Memel=Gebiets eingetreten, die auf eine etwas eigentümliche
Auf=
faſſung von den Verpflichtungen Litauens aus dem Memel=
Statut ſchließen ließen. Wir erinnern in dieſem Zuſammenhang
an die Entführung eines wegen Unterſchlagung zu einer
Ge=
fängnisſtrafe verurteilten memelländiſchen Eiſenbahnbeamten
durch litauiſche Behörden, an den Konflikt mit dem Memeler
Oberſtaatsanwalt Merk uſw. Litauen hat ſich dabei auf den
Standpunk: geſtellt, daß grundſätzlich die Behandlung aller
Straf=
taten, auch wenn ſie von Memelländern innerhalb des Memel=
Gebiets begangen werden, Sache der Kownoer Behörden ſei,
wenn es ſich dabei um Perſonal von Dienſten handle, die unter
deren Kompetenz fallen, alſo z. B. Eiſenbahn, Poſt und
Tele=
graphie. Aber ſchwerwiegender als dieſe Einzelvorgänge iſt der
nunmehr vorliegende Verſuch, das Memel=Statut, bzw. die
Memel=Konvention auf geſetzgeberiſchem Wege praktiſch zu
ent=
wirklichen.
Der litauiſche Außenminiſter Dr. Zaunius hatte bereits vor
einiger Zeit in einer Unterredung ſolche Geſetze angekündigt, die
nunmehr, drei an der Zahl, vorliegen. Sie beziehen ſich auf die
Behandlung von Fällen, in denen zwiſchen Memel=Statut und
litauiſcher Geſetzgebung oder zwiſchen den Verfügungen der
beiden Regierungsbehörden eine Kolliſſon eintritt. Der erſte
Ge=
ſetzentwurf behandelt das Aufſichtsrecht des Gouverneurs über
die ordnungsmäßige Durchführung der für das Memel=Gebiet
geltenden Geſetze, ſeine Pflicht, das Direktorium auf
Verletzun=
gen aufmerkſam zu machen und ihm gegebenenfalls einen Termin
zu ſetzen. Werden die Beſtimmungen dann nicht durchgeführt,
ſo ſoll der Staatspräſident ein „anderes Organ” mit der
Durch=
führung beauftragen dürfen. Beamte des Memel=Gebiets, die
ſich einer ſolchen Aufgabe widerſetzen, kann der Staatspräſident
ihres Amtes entheben. Der Gouverneur ſoll im Falle des
Feh=
leus von Geſetzen zur Durchführung ſeiner Beſtimmungen dem
Landtag „anheimſtellen”, ein ſolches Geſetz herauszugeben. Tut
er das nicht, ſo wird das Geſetz, wiederum auf Verfügung des
Staatspräſidenten, von einem litauiſchen Zentralorgan erlaſſen.
Dagegen ſteht dem Memel=Direktorium ein Einſpruchsrecht bei
einem zu bildenden Kompetenzgericht zu, wodurch aber die
Durch=
führung der ergriffenen Maßnahmen nicht aufgehalten wird.
Dieſes Kompetenz= oder Statut=Gericht wird vom
Staatsprä=
ſidenten eingeſetzt, der Vorſitzende, ſein Stellvertreter und die
Mitglieder werden von ihm ernannt. Dieſes Gericht hat zu
ent=
ſcheiden, ob die Geſetze der Zentralregierung — alſo der Inſtanz,
die das Gericht einſetzt und ernennt! — im Widerſpruch zur
Memel=Konvention und zum Memel=Statut ſtehen, ob die
Maß=
nahmen der Zentralbehörden zu Recht ergriffen und ob
diejeni=
gen des Gouverneurs rechtzeitig und rechtsgültig angewandt
wor=
den ſind. Es ſoll alſo unter litauiſcher Kompetenz darüber
ent=
ſchieden werden, ob Verpflichtungen Litauens gegenüber einer
außenſtehenden Vertragspartei und auf Grund internationaler
Vereinbarungen erfüllt worden ſind; eine derartig naive
Konſtruk=
tion zur Sanktionierung willkürlicher, einſeitiger Handhabung
vertraglicher Beſtimmungen dürfte kaum jemals in der Geſchichte
verzeichnet ſein! Das weitere Verfahren, das dem gleichen
Schein=
zweck dient, iſt daneben ohne Belang; es enthält Vorſchriften über
Erklärungs= und Einſpruchsfriſten uſw. In einem lapidaren Satz
wird aber ſchließlich verkündet, daß die Entſcheidungen des
Kom=
petenzgerichts endgültig ſind und im Regierungsanzeiger
ver=
öffentlicht werden. Für dieſe letzterwähnte Feſtſtellung hat man
ſogar einen eigenen, dritten Geſetzentwurf gemacht, in dem
be=
ſtimmt wird, daß die Kompetenzkonflikte zwiſchen memelländiſchen
und litauiſchen Gerichten von dem Plenum des oberſten
litauiſchen Gerichtshofes gleichfalls endgültig und ohne
Beru=
fungsmöglichkeit entſchieden werden.
Nun, es gibt noch eine Berufungsmöglichkeit gegen dieſe
ſelbſtherrliche Behandlung der Memelländer und der
internatio=
nalen Verpflichtungen, die im Memel=Statut niedergelegt iſt.
Denn deſſen Artikel 17 beſtimmt, daß jede Ratsmacht den
Völker=
bundsrat auf Uebergriffe und Verletzungen des Status
aufmerk=
ſam machen kann, und das iſt auch ſchon früher geſchehen. Der
Ver=
ſuch, die Welt vor vollendete Tatſachen zu ſtellen, und mit
die=
ſen ſonderbaren Geſetzen noch vor der nächſten Genfer Tagung den
berechtigten Anſprüchen der memelländiſchen Bevölkerung auf ihre
Selbſtverwaltung ein Ende zu machen, kann ſelbſtverſtändlich nicht
ſtillſchweigend hingenommen werden.
Sonntag, den 27. Juli 1930
Seite 3
Die Außenpolitik der Sowietunion
Keine Aenderung des Moskauer Kurſes. — Feſthalken an den Grundſähen der Okkober=Revolukion.
Sicherung und Verkeidigung der Errungenſchaften der Revolukion.
Tge‟
Grltdrauben Aintdinelog.
Welirevolukion, das Ziel der Sowſekaußenpolikik.
Moskau, 26. Juli.
In einer Unterredung mit ausländiſchen Preſſevertretern
machte der neuernannte Volkskommiſſar des Auswärtigen,
Litwi=
now, Ausführungen über die Außenpolitik der Sowjetunion.
Seine Ernennung bedeute keine Aenderung der
Außen=
politik. Der Außenpolitik der Sowjetunion lägen die
Grund=
ſätze der Oktoberevolution zugrunde, und die
Vertei=
digung der Errungenſchaften der Revolution
gegen äußere Einwirkung und Einmiſchung ſei eine ihrer
Haupt=
aufgaben. Eine nicht minder wichtige Aufgabe der
Sowjetdiplo=
matie ſei die Sicherung der friedlichen
Bedingun=
gen für den ſozialiſtiſchen Aufbau und die
Ver=
hinderung von äußeren Erſchütterungen. Wir
müſſen, ſo ſagte Litwinow, an dem Sozialismus in einem Lande
Litwinow,
der neue Außenminiſter der Sowjetunion.
bauen, das von kapitaliſtiſchen Ländern umgeben iſt. Wir müſſen
die größten Anſtrengungen machen, um gegen die Beſtrebungen
beſtimmter kapitaliſtiſcher Gruppen, die auf die Schaffung
ſtändi=
ger Reibungen und Konflikte zwiſchen beiden Syſtemen hinzielen,
zu kämpfen. Demzufolge machen wir auch die größten
Anſtren=
gungen für die Feſtigung und Erhaltung des Völkerfriedens, und
werden dies in Zukunft auch tun müſſen. Die beſtehenden
bedeu=
tenden nationalen und wirtſchaftlichen inneren Widerſprüche in
der kapitaliſtiſchen Welt erſchweren jedoch eine gleichartige
Ein=
ſtellung gegenüber der Sowjetunion und die Ausarbeitung
gleich=
artiger Kampfmethoden gegen ſie. Die ſogenannten
Friedensver=
träge, die den Abſchluß des imperialiſtiſchen Krieges bilden, haben
die Widerſprüche vertieft, indem ſie ſcharfe Grenzen zwiſchen den
ſogenannten ſiegreichen Ländern und den Beſiegten zogen.
In=
folge unſeres natürlichen Mitgefühls mit den Ländern, in denen
unter den ihnen auferlegten Laſten hauptſächlich die Werktätigen
ſchwer leiden, ſowie infolge der Politik der Länder, welche an der
Verewigung des in den Friedensverträgen verkörperten Zuſtandes
intereſſiert ſind und zugleich die aggreſſive Politik gegenüber der
Sowjetunion führen, entſtand eine gewiſſe
Inkereſſengemeinſchaft zwiſchen der Sowjekunion
und den unker den Kriegsfolgen
leidenden Staaken.
Auf dieſem Boden entſtanden zwiſchen der Sowjetunion und
eini=
gen dieſer Staaten durchaus korrekte und loyale, in einigen Fällen
ſogar freundſchaftliche Beziehungen, welche wir auch fernerhin
loyal fördern und feſtigen möchten. Zugleich werden wir aufrich=
tig um die Herſtellung gleichartiger Beziehungen mit allen
Staa=
ten, die es wünſchen, bemüht ſein. Wir verhehlen nicht, daß wir
bei der Verwirklichung unſeres wachſenden Wirtſchaftsausbaues
auf eine Erweiterung unſerer wirtſchaftlichen Beziehungen mit
an=
deren Staaten rechnen möchten. Doch auch hier ſtoßen wir auf
gegenteilige Beſtrebungen einzelner feindlicher kapitaliſtiſcher
Gruppen, die einen Feldzug für die Löſung der wirtſchaftlichen
Verbindungen mit unſerer Union führen. Dieſe Beſtrebungen ſind
ſcheinbar hauptſächlich gegen unſere Ausfuhr gerichtet, aber in
Wirklichkeit gegen unſeren ganzen Außenhandel, denn eine
Ein=
ſchränkung unſerer Ausfuhr würde unvermeidlich zu einer
entſpre=
chenden Einſchränkung der Einfuhr führen. Staaten, die der
Ein=
fuhr unſerer Rohſtoffe und Waren Hinderniſſe in den Weg legen,
dürfen nicht glauben, dieſe Maßnahmen würden zu keiner
Ein=
ſchränkung oder gar Einſtellung unſerer Einfuhr aus dieſen
Län=
dern führen. Wir ſind jedoch feſt überzeugt, daß alle dieſe
ankiſowiekiſtiſchen Feldzüge
zu Mißerfolgen verurteilt ſind. Wir ſind uns der Notwendigkeit
wirtſchaftlicher Verbindungen und Handelsabkommen vollkommen
bewußt. Wir werden gerne Vorſchläge unterſtützen, die die
Be=
ſeitigung der Möglichkeiten bewaffneter Zuſammenſtöße und die
Sicherung des allgemeinen Friedens bezwecken. Wir werden aber
abſolut feindlich gegen internationale Aktionen bleiben, die
irgendwie zur Unterdrückung der einen Völker durch andere oder
zur Vorbereitung neuer Kriege beitragen können. Beſonders
aufmerkſam werden wir die Politik der nächſten Nachbarländer
verfolgen, wo in letzter Zeit eine merkliche Zunahme aggreſſiver
Bewegungen, die den Frieden ſchwer bedrohen, feſtzuſtellen iſt, da
wir nach wie vor die Feſtigung und Förderung friedlicher
freund=
nachbarlicher Beziehungen zu dieſen Ländern als die wichtigſte
Aufgabe unſerer Diplomatie betrachten. Wir werden, ſo ſchloß
Litwinow, unſere alterprobte Außenpolitik fortführen im
Bewußt=
ſein ihrer Richtigkeit und Angemeſſenheit im Intereſſe aller
Völ=
ker, ſowie im Bewußtſein der wachſenden Macht der
Sowjet=
union.
Geſpannke Lage in Aegypken.
Sonderkagung des Wafd troßz Verbok. —
Mißkrauens=
volum gegen die Regierung. — Paſſive
Reſiſtenz und Skeuerverweigerung.
EP. Kairo, 26. Juli.
Die Behörden von Kairo haben die umfangreichſten
Vor=
ſichtsmaßnahmen ergriffen, um den angekündigten Verſuch der
Wafdabgeordneten, heute im Parlament eine Sitzung abzuhalten,
unmöglich zu machen. Zahlreiche Truppen ſind in das
Stadt=
innere verlegt worden und haben bereits das Parlamentsgebäude
und alle Zugangsſtraßen beſetzt. Trotzdem hat die Wafd=Partei
in der vergangenen Nacht in Gegenwart ihrer
Parlaments=
angehörigen im Wafd=Klub als Rumpfparlament getogt. Dieſe
Sitzung ſtellte die Antwort auf die Weigerung des
Königs bzw. des Miniſterpräſidenten Sidky Paſcha dar, eine
Sondertagung des Parlaments einzuberufen.
Die Verſammlung der Wafd=Abgeordneten, die ſich ſomit
als oppoſitionelles Parlament konſtituierte, hat ein
Votum angenommen, in dem der Regierung Sidky
Paſcha das Mißtrauen ausgeſprochen wird.
Im Anſchluß an die trotz aller Gegenmaßnahuen der
Re=
gierung zuſtandegekommene Sitzung des Parlaments hat Nahas
Paſcha eine Proklamation an das ägyptiſche Volk erlaſſen, in
der er die gegenwärtige Regierung für illegal
erklärt, nachdem ihr das Parlament heute ſein
Miß=
trauen ausgeſprochen habe. Nahas Paſcha
for=
dert die Bevölkerung auf, an dieſe unrechtmäßige
Re=
gierung keine Steuern mehr zu bezahlen und ihr in
jeder Hinſicht den Gehorſam zu verweigern.
Die Spannung in allen politiſchen Kreiſen Aegyptens
iſt unter dieſen Umſtänden aufs höchſte geſtiegen, da die
Ausſichten auf eine friedliche Beilegung der beſtehenden
Gegen=
ſätze nunmehr auf ein Minimum zurückgegangen ſind. Die
Re=
gierung hat 2 000 Mann Militär an den wichtigſten Punkten von
Kairo verteilt, um ſie nötigenfalls ſofort einſetzen zu können.
ſen ſind etwa 5000 ſo ſtark, daß ſie in der Nachbarſchaft des
Ur=
ſprungs beobachtet werden können; nur ganz wenige ſind
aller=
dings ſo heftig, daß ſie Häuſereinſtürze und Menſchenopfer
for=
dern. Während man vor 30 Jahren noch wenig über die
Ver=
teilung der Erdbeben auf dem Erdball wußte, kann man heute die
eigentlichen Erdbebenzonen= und =gürtel auf unſerem Planeten ganz
genau angeben. Das erdbebenreichſte Gebiet iſt Chile und dort
beſonders das Atacama=Tief, das durchſchnittlich 1000 Beben im
Jahr und 21 Prozent aller Beben auf der Erde aufweiſt. An
zweiter Stelle ſteht Japan mit 431 Beben, die 9 Prozent der
Geſamtziffer betragen und von denen 5 Prozent ſchwerer
verlau=
fen. Dann folgt die oſtafrikaniſche Rif=Zone mit jährlich 300
Beben; und danach kommen die dinariſchen Alpen mit 194 Beben
und das Apennin=Gebiet. Auch die Berggegenden von Thrazien
und Bulgarien werden häufiger von Erſchütterungen
heimge=
ſucht, haben durchſchnittlich 169 Beben im Jahr, Klein=Aſien und
die Joniſchen Inſeln 145, von denen 3,1 Prozent ſchwerer ſind.
Es gibt aber auch Zonen, die von Erdbeben faſt völlig verſchont
werden. Zu dieſen glücklichen Ländern gehören Deutſchland und
England, wo das Auftreten einer allgemein ſpürbaren
Erſchütte=
rung zu den größten Seltenheiten gehört. Man muß damit
rech=
nen, daß ſich in menſchenleeren Gebieten Erſchütterungen
ab=
ſpielen, von denen niemand etwas erfährt.
Sehr deutlich zeichnen ſich auf der Erdoberfläche gewiſſe
Erd=
bebengürtel ab, die über die Zonen mit großen Erderhebungen
und beſonderen Meerestiefen verteilt ſind. Ein ſolcher Gürtel
ozeaniſcher Tiefe begrenzt die beiden Amerika, führt an der
aſia=
tiſchen Küſte bis zum Oſtindiſchen Archipel entlang und ſetzt ſich
bis Neuſeeland fort; er umgibt alſo den Stillen Ozean, das
größte Meer, das die Hälfte der Erde bedeckt. In dieſen
Meeres=
tiefen haben häufig Erdbeben ihren Urſprung. Die Länder, die
daran grenzen beſitzen Bergketten, unter denen einige, wie die
Anden, zu den höchſten der Welt gehören. Hier ſind die
Erd=
beben beſonders heimiſch. Ein Tief, nördlich von der Inſel Neu=
Guinea, iſt ein aktives Gebiet dieſes Erdbebengürtels im Stillen
Ozean, und von dort dehnt ſich weſtwärts ein zweiter Gürtel
aus, der burch Java, Sumatra und die Bai von Bengal nach
dem Himalaja=Gebirge führt. Vom Himalaja wendet ſich der
Erdbebengürtel weſtwärts durch Perſien und Kleinaſien nach
Griechenland, Italien, Spanien und nach dem öſtlichen
Atlanti=
ſhen Ozeanz er kreuzt dieſen Ozean nicht, obwohl
Erdbeben=
gebiete auf der andern Seite, nördlich und ſüdlich des karaibiſchen
Tiefs erſcheinen. Das Becken des Atlantiſchen Ozeans
unter=
ſcheidet ſich von dem Stillen dadurch, daß es eine
verhältnis=
mäßig ruhige Gegend iſt, was die Meerestiefen, die Höhe der
Gebirgsketten, die Tätigkeit der Vulkane und die Häufigkeit der
Erdbeben anbetrifft. Im Becken des Atlantiſchen und Indiſchen
Szeans gibt es nur wenige verſtreute Erdbebenzentren, und es
gibt einen tätigen Gürtel, der ſich von dem andern dadurch
unter=
ſcheidet, daß er mit keinem ozeaniſchen Tief verbunden iſt. Das
iſt der afrikaniſche Erdbebengürtel, der ſich vom Mittelmeergürtel
in Paläſtina abzweigt und durch Oſtafrika zum Kap der guten
Hoffnung erſtreckt.
ck.
Rabindranakh Tagore in Frankfurk a. M.
Rabindranath Tagore, der berühmte indiſche Dichter und
Philoſoph, weilte am Freitag auf Einladung der
Studenten=
hilfe in Frankfurt a. M. Am Abend ſprach der greiſe Dichter
in der überfüllten Aula der Univerſität über grundſätzliche Fragen
der Kunſt und Kultur. Mit leiſer, kaum vernehmbarer Stimme
legte Tagore in ideenreicher Prägung ſeine individuelle
Auffaſ=
ſung von Kunſt und Kultur dar und ſchilderte in blumiger
Sprache, wie er in ſeiner Seele und ſeinem tiefempfundenen
Den=
ken die Entſtehung und Entwicklung der nationalen Kultur durch
Natur, Welt und Menſchenleben begreift. Durch die
Fortpflan=
zung dieſer nationalen Kulturwelle werden nach ſeiner Anſicht
Oſt und Weſt befruchtet, verbunden und gegenſeitig nähergebracht
und das geiſtige Verſtehen von Aſiate und Europäer in idealer
Weiſe gefördert. Im Anſchluß hieran trug Tagore zwei ſeiner
Gedichte in engliſcher Sprache mit der ihm eigenen Rhetorik und
Klangfärbung vor, um ſie dann in der Urſprache des Bengali mit
einer überaus reichen Fülle von Betonung, Klang und Feuer zu
wiederholen. Am Nachmittag hatte Tagore eine Anzahl von
Studenten zum Tee zu ſich gebeten, um die akademiſche Jugend
Deutſchlands und ihre geiſtige Entwicklung kennenzulernen.
Kunſt. Wiſſenſchaft und Leben.
Univerſität Gießen. In der Philoſophiſchen Fakultät,
II. Abteilung, wurde die venia legendi erteilt: dem Aſſiſtenten
am Zoologiſchen und vergleichend anatomiſchen Inſtitut Dr.
Wulf Emmo Ankel für das Fach der Zoologie und
vergleichen=
den Anatomie, dem Aſſiſtenten am Geologiſchen und
Palaeon=
tologiſchen Inſtitut Dr. Heinrich Richter für das Fach der
Geologie und Urgeſchichte.
Intendant Emil Claar geſtorben. Der frühere Intendant
der Frankfurter Bühnen. Emil Claar, iſt im Alter von 88 Jahren
geſtorben. Ein ganzes Menſchenalter, 33 Jahre, hat er die
Frank=
furter Theater (Opern= und Schauſpielhaus) geleitet und ſie zu
einer gediegenen künſtleriſchen Höhe geführ: Unter Claars
Leitung wurde das Frankfurter Opernhaus 1880 eröffnet und
ein tragiſches Geſchick wollte es, daß er das 50jährige Jubiläum
des Opernhauſes im Oktober dieſes Jahres nicht mehr erleben
ſollte. Profeſſor Emil Claar, der aus Galizien ſtammte, hatte
in Frankfurt eine zweite Heimat gefunden und war aus dem
Frankfurter Geiſtesleben kaum noch wegzudenken. Aber auch
über Frankfurt hinaus war Emil Claar eine der repräſentativſten
Erſcheinungen des deutſchen Theaterlebens am Ende des vorigen
Jahrhunderts.
Heinrich Kröller geſtorben. Der Ballettmeiſter und
Opern=
regiſſeur der Bayeriſchen Staatstheater, Profeſſor Heinrich Kröller,
iſt an ſeinem 50. Geburtstag in München nach kurzer Krankheit
geſtorben. Der Verſtorbene war auch an den Staatstheatern in
Berlin und Wien tätig.
König Haber. Erzählung von Alfred Neumann (J.
Enge=
horns Verlag, Stuttgart).
Ap. Das Buch behandelt wieder einmal das Thema der
Ehe=
irrung und erweckt den Anſchein einer hiſtoriſchen Erzählung, da
Namen von Metternich, Tayllerand und Lord Seymour uſw. in
die nach dem Jahre 1820 ſpielende Handlung mit einbezogen
wer=
den. Es iſt aber nicht zu erkennen, ob es ſich um eine wirkliche
Begebenheit, und um welche Perſonen es ſich handelt. Eine
Groß=
herzogin iſt mit einem perverſen Gatten vermählt, der die eheliche
Gemeinſchaft mit ihr nicht eingegangen iſt. Sie ergibt ſich dem
Hofbankier Haber, einem harten, zielbewußten, in ſeinen Mitteln
unbedenklichen Mann von zweifelhafter Vergangenheit, der, in
den Freiherrnſtand erhoben, zum allmächtigen und
unentbehr=
lichen Berater des Großherzogs geworden iſt. Da die
Großher=
zogin einem Sohn das Leben ſchenkt, kann der Skandal nicht mehr
verſchwiegen werden und der Vertreter der erbfolgeberechtigten
Seitenlinie droht mit Enthüllung der Affäre. Haber will der
Großherzogin zuliebe die Situation retten und bringt das Kind
heimlich ums Leben. Ein Duell zwiſchen dem Vertreter des
Adelsbundes und Haber endet damit, daß ſich erſterer ſelbſt
er=
ſchießt, weil er es mit ſeiner Ehre nicht vereinbar hält, Haber, der
ſich ihm nahe vor die Piſtole ſtellt, zu töten. Haber gilt als ſein
Mörder und wird von dem empörten Pöbel umgebracht. Das
Buch iſt flott und von Anfang bis Ende ſpannend geſchrieben.
Otto Wirz: Die Flucht vor der Klugheit Billiger Sonderdruck
von fünf Kapiteln aus dem Roman „Gewalten eines Toren”
Stuttgart 1930, J. Engelhorns Nachf. Broſchiertes Billig=Buch
(BBB) RM. 2.—
„Ein Parſifal in einem Jahrhundert der Turbinen und
Elektromotoren. Sein Weg durch die Zeit, durch Fabriken,
Land=
ſtraßen, Zirkusbuden und magiſche Sphären iſt von bodenloſer
Tiefenſchau. Das Eigenwilligſte, Sprachmächtigſte und Viſionärſte,
was dieſes Jahrhundert hervorgebracht hat. In ihrer
Bildhaftig=
keit maßlos erregende Schöpfungen.” So ſchrieb Frank Thieß üb
„Gewalten eines Toren”, und ähnlich urteilten noch viele unſerer
hervorragendſten Köpfe. Wohl kaum ſind jemals über ein Buch
ſoviel Worte der verehrungsvollſten Begeiſterung geſchrieben
wor=
den wie über „Gewalten eines Toren”. Möge dieſer Sonderdruck
dazu beitragen, daß „die unerbittliche Flamme, die in dem Helden
dieſer Dichtung nach dem Sinn ſeiner Exiſtenz brennt” (A. F. Binz
in „Orp id”), weithin leuchte.
Seite 4
Sonntag, den 27. Juli 1930
Nummer 206
O—r3c25 4c3—r2r5Rerr 2444f445
Dr. Heinrich Löw geben wir
be=
kannt
Oberlandesgerichtsrat Fritz Schade
und Frau Ottilie, geb. Betz
Statt beſonderer Anzeige.
Die Verlobung unſerer Tochter Meine Verlobung mit Fräulein
Waltrud mit Herrn Studienrat Waltrud Schade, gebe ich
be=
kannt
Studienrat Dr. Heinrich Löw
Roquetteweg 3
Darmſiadt, Juli 1930
Heinrich=Fuhrſtraße 5
Statt beſonderer Anzeige.
Am Freitag Abend um 11½ Uhr iſt unſere liebe Schweſter,
Schwägerin und Tante
Ennfavely Gerlanu
ſanft verſchieden.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Mathilde Eißer, geb. Gerland
Prof. Dr. Gerland, Jena.
Statt Karten.
Gerda Goldschmidt
Ludwig David
Verlobte
Schlüchtern
(Bez. Kassel)
Alsbach
(Bergstr.)
Anna Seeger
Hans Neuſchulz
Dipl.-Hdl. Hermann Kaiser
Elisebeth Kaiser
geb. Reinhard
Vermählte
Nieder-Ramstadt
Friedberg
Celle, 26. Juli 1930.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme an unſerem
ſchweren Verluſie, ſowie der vielen Blumenſpenden bei
dem Heimgange unſeres unvergeßlichen
Herrn Martin Schneider
ſagen wir hiermit herzlichſten Dank. Beſonders danken
wir den Herren Aerzten, ſowie den Schweſtern des
Stadt=
krankenhauſes für ihre aufopternde Pfiege, ferner Herrn
Pfarrer Behringer, ſowie Allen, welche unſerem teuren
Entſchlafenen die letzte Ehre erwieſen haben.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Fran Marie Schneider u. Kinder.
Darmſtadt, den 27. Jull 1930.
Kranichſteinerſtr. 69.
Verlobte
(*
Nieder=Ramſiadt Darmſiadt
Hans Fischer
Tilly Fischer
geb. Schäfer
Vermählte
Darmstadt
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme bei
dem Heimgange unſerer lieben Entſchlafenen
Frau Martha Coenen
ſagen wir allen herzlichen Dank. Gleichzeitig danken
wir Herrn Pfarrer Lautenſchläger für ſeine
troſt=
reichen Worte ſowie den Barmherzigen Schweſtern
für ihre aufopfernde Pflege während den letzten
Wochen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Martin Coenen und Kinder
Lichtenbergstr. 78
Darmſtadt, den 26. Juli 1930.
Mitteilung
für Darmſtadt und Umgegend.
Mit Vollendung des dreißigſten Jahres erliſcht am 1. Auguſt
1930 meine Dienſtverpflichtung gegen Heilſtättenverein und
Landesverſicherungsanſtalt. Ich ſtelle nunmehr meinen
fach=
ärztlichen Rat nicht verſicherungspflichtigen Perſonen mit
Krankheiten der Lungen und Luftwege
zur Verfügung. Auch Wohlfahrtsarbeit aller Art übernehme
ich gern, — beſonders geſundheitliche Volksbelehrung durch
Wort und Schrift. — Regelrechte Sprechſtunden erſt ab Mitte
September, zunächſt Anmeldung durch Fernſprecher 4099 erbeten.
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Grafenſtraße 23.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger
Teilnahme und Blumenſpenden bei
dem Heimgang unſeres guten
Adam Harniſchfeger
ſagen wir auf dieſem Wege herzlichen
Dank. Beſonders für die Ehrung der
Schulkameraden, der Feuerwehr und
Herrn Pfarrer Weigel für die
troſt=
reichen Worte am Grabe ſei herzlichſt
gedankt.
Im Namen der Angebörigen:
Ludwig Harniſchfeger.
Waſchenbach, den 26. Juli 1930. (*
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Geſtern Abend entſchlief unerwartet
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Fräulein
Eliſabeth Gerland
Seit der Ausweiſung aus ihrem geliebten
Straßburg, das ſie vor wenigen Wochen zum
letzten Male wiederjah, gehörte ſie unſerer
Vereinigung führend mit an.
Natürliche Menſchenfreundlichkeit und
höchſie Nächſienliebe zeichneten ſie auch in
ihrem erfolgreichen Wirken für uns aus. Der
Verluſt iſt für uns unerſetzlich.
Nie wird ihr Andenken bei den Elſaß=
Lothringern Darmſiadts und vielen, vielen
diesſeits und jenſeits des Rheins erlöſchen.
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nai
Nummer 206
Sonntag, den 27. Juli 1930
Seite 5
Aus der Landeshaupkftadk.
Darmſiadt, den 27. Juli.
Die Polizeirufanlage in Darmſtadk in Bekrieb.
Dem erfreulichen Zuſammenarbeiten aller beteiligten
Stel=
len iſt es gelungen, am Tage der offiziellen 600=Jahrfeier der
Stadt Darmſtadt die öffentliche Polizeirufanlage in ihrem erſten
Ausbau dem Betrieb zu übergeben.
Die Bauarbeiten, welche im Sommer des Jahres 1929
be=
gonnen wurden, führten in dieſem Ausbau zum Anſchluß von 35
Privatmeldern und 2 öffentlichen Meldern.
Nun ſind wir auch in Darmſtadt ſo weit, wie in den meiſten
größeren Städten Südweſtdeutſchlands, daß die Polizei von den
Anſchlußnehmern an der Polizeirufanlage und von öffentlichen
Meldern ebenſo wie ähnlich die Feuerwehr von Feuermeldern
alarmiert werden kann.
Es wird ſpäter, nachdem die Vertreter der Preſſe Gelegenheit
gehabt haben, die Anlage zu beſichtigen, Näheres über die
Ein=
richtung bekannt gegeben werden.
200 Jahre Darmſtädter Kunſt.
Der Beſuch der beiden Ausſtellungen in der Kunſthalle und
auf der Mathildenhöhe, der von Woche zu Woche zunimmt iſt
gleichwohl immer noch nicht ihrer Bedeutung entſprechend. Dieſe
Ausſtellungen ſind eine Feſtgabe zur 600=Jahrfeier der Stadt und
gehen als ſolche jeden Darmſtädter etwas an, der die Kunſt, von
der das Anſehen der Stadt in der Welt immer noch zehrt, zu
unterſtützen als Pflicht fühlt. Eins iſt ſicher, daß es nie mehr
möglich ſein wird, eine Zahl von über 400 Werken von 75
Darm=
ſtädter Künſtlern früherer Zeiten als Leihgaben aus der Hand von
etwa 90 Sammlern zu zeigen. Nie mehr auch wird faſt das
ge=
ſamte Werk von Heinz Heim ſo geſchloſſen zu ſehen ſein.
Schließ=
lich wird der Beſuch entſcheiden, ob nicht dieſe Ausſtellung auf
Jahre hinaus die letzte ſein wird.
Die gerügten techniſchen Mängel ſind inzwiſchen in glücklicher
Weiſe beſeitigt worden. Durch Zuſammenfaſſung gleichgearteter
Werke gibt jede Wand einen geſchloſſenen Eindruck. Viele Bilder
gewinnen eine ganz neue Wirkung.
Das große Jubiläums=Reit- und Fahrkurnier
mit Hengſtparade in Darmſtadt.
Die Ausſchreibungen zu dem in größerem Rahmen zur
Durchführung gelangenden Darmſtädter Reit= und Fahrturnier
am 30./31. Auguſt 1930 ſind nunmehr erſchienen. Das Programm
ſieht eine große Anzahl intereſſanter Wettbewerbe vor. Zunächſt
als Hauptprüfung kommt ein Wettkampf der heſſiſchen
Reiterver=
eine in Form einer Vielſeitigkeitsprüfung zum Austrag, und
zwar in einer Klaſſe für Vorgeſchrittene und in einer Klaſſe für
Anfänger. Es ſind 500 Mk. Geldpreiſe ſowie zwei Wanderpokale
und zwei goldene Medaillen des Reichsverbandes ausgeſetzt.
Außerdem finden zwei Jagdſpringen für ländliche Reiter ſtatt,
und zwar für Vorgeſchrittene und für Anfänger. Jede Prüfung
gibt 150 Mark Geldpreiſe und Ehrenpreiſe. An
Fahrwettbewer=
ben kommen drei zum Austrag, und zwar für Einſpänner,
Zwei=
ſpänner und für Kaltblutgeſpanne. In einer Dreſſurprüfung
Klaſſe 4 und in einem Jagdſpringen Klaſſe 4 ſind alle Reiter
und Reiterinnen teilnahmeberechtigt, die noch an keinem
öffent=
lichen Springen bzw. an keiner öffentlichen Dreſſurprüfung
teil=
genommen haben. Sehr intereſſant wird auch das
Amazonen=
jagdſpringen mit 5jährigen und älteren Pferden werden, welches
von Reiterinnen im Herren= und Damenſattel zu reiten iſt.
Fer=
ner ſind noch vorgeſehen eine Eignungsprüfung für „Reitpferde
und eine ſchwere Dreſſurprüfung, und ſchließlich als Hauptnummer
des Programms der „Große Preis von Darmſtadt”, ein
Jagd=
ſpringen über einen ſehr ſchweren Hinderniskurs, in welchem ein
Ehrenpreis für den ſiegenden Reiter und 600 Mark ausgeſetzt
werden. Es ſteht zu erwarten, daß hier bekannte deutſche
Tur=
nierreiter mit beſtem Pferdematerial um den Sieg kämpfen
wer=
den. Der Nennungsſchluß iſt auf Dienstag, den 12. Auguſt,
feſt=
gelegt, und zwar bei der Turnierleitung. Darmſtadt,
Rhein=
traße 62 (Telephon 3326), woſelbſt alle Auskünfte, insbeſondere
aber die Ausſchreibungen zum Turnier bezogen werden können.
Neue Profeſſoren. Der heſſiſche Miniſter für Kultus= und
Bildungsweſen, Herr Staatspräſident Dr. Adelung, hat in
Aner=
kennung des Umſtandes, daß dem Seminar für Sprecherziehung
an der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt wichtige Aufgaben aus
dem Bereich des öffentlichen Erziehungs= und Bildungsweſens
ge=
ſtellt ſind, angeordnet, daß für die Dauer des Beſtehens des
Se=
minars und ihrer amtlichen Verbundenheit mit ihm der Direktor
der Akademie, Herr Muſikdirektor Wilhelm Schmitr, und der
Lei=
ter des Seminars, Univerſitätslektor Karl Friedrich
Roede=
meyer, die Amtsbezeichnung „Profeſſor” führen.
Im Schloßmuſeum finden Führungen ſtatt: am Sonntag,
den 27. Juli, um 10 Uhr 11 und 11.30 Uhr vorm., ſowie
nach=
mittags 2.30 Uhr eine Sonderführung für die Schuhmacher=
Innung. An allen Wochentagen ſind vormittags um 11 und 11.30
Uhr und nachmittags um 3 und 3.30 Uhr Fuhrungen. Die
Aus=
ſtellung Alt=Kelſterbacher Porzellan iſt am Sonntag vormittag
von 10 bis 1 Uhr und an den Wochentagen vormittags von 10 bis
1 Uhr und nachmittags von 3 bis um 6 Uhr geöffnet. In dieſer
Zeit kann die Madonna von Hans Holbein ſtets getrennt von den
Führungen beſichtigt werden. Es wird darauf aufmerkſam
ge=
macht, daß die auf Veranlaſſung der Tagung des Reichsverbandes
des deutſchen Schuhmacherhandwerks im Kaiſerſaal des
Schloß=
muſeums veranſtaltete Sonderſchau „Der Schuh in Kunſt und
Handwerk” bis auf weiteres ſtehen bleibt. Die Beſichtigung
der=
ſelben iſt in dem Eintrittsgeld für das Schloßmuſeum einbegriffen
— 80. Geburtstag. Frl. Mathilde Kierſchbaum, die
frü=
here Vorſteherin der jetzigen Eliſabethenſchule, feiert am 30. Juli
in Königswinter a. Rh., Düſſeldorfer Hof, ihren 80. Geburtstag.
— Orpheum. Heute findet die einzige Sonntagsaufführung
der dreiaktigen Schwank=Burleske von Max Neal und Max
Fer=
ner ſtatt. Dieſer Lachſchlager iſt von ganz beſonderer Qualität,
er erzeugt Lachſtürme in Permanenz. Guſtav Bertram iſt von
einer unüberbietbaren Komik, ſo daß niemand verſäumen ſollte,
ihn wieder in dieſer neuen Rolle zu ſehen. Man beachte die
heu=
tige Anzeige. Sonntagskarten: Verkehrsbüro von 11 bis 1 Uhr,
Orpheumskaſſe von 11 bis 1 Uhr und von 3 Uhr nachmittags
un=
unterbrochen.
— Stenographie und Maſchinenſchreiben. Die Stenographen=
Vereinigung Gabelsberger”, Handwerkerſchule, Ecke Karl= und
Nieder=Ramſtädter Straße, macht unter Hinweis auf die heutige
Anzeige darauf aufmerkſam, daß am Dienstag, dem 29. Juli, und
Freitag, dem 1. Auguſt, abends 7 und 8 Uhr, in ihren
obengenann=
ten Unterrichtsräumen neue Kurſe in Reichskurzſchrift unter
Lei=
tung ſtaatlich geprüfter Lehrer der Stenographie beginnen. — Der
Maſchinenſchreib=Unterricht in der Karlſtraße 23, Erdgeſchoß, kann
jederzeit täglich von 16—21 Uhr unter fachmänniſcher Leitung auf
neuen Maſchinen begonnen werden. — Anmeldungen für beide
Kurſe in der erſten Stunde.
Vom Wochenmarkt. Kleinhandelspreiſe vom 26. Juli 1930
für ein Pfund bzw. Stück in Rpf.: 1. Gemüſe: Kohlrabi 5—,
Karotten 8—10, gelbe Rüben 10, rote Rüben 12—15, Spinat 40,
Römiſchkohl 12—15, Rotkraut 20—25, Weißkraut 12—15, Wirſing
15—20, Stangenbohnen 30—40, Buſchbohnen 20—25, Wachsbohnen
25—35, Erbſen 40—50, Zwiebeln 12—15, Knoblauch 80, Rhabarber
15—20, Tomaten 25—50, Endivienſalat 12—15 Kopfſalat 12—17
Salatgurken 15—70. Einmachgurken 1—4, Blumenkohl 70—100,
eln: Frühkar=
Rettich 10—15 Meerrettich 40—70. 2. Kart=
3. Obſt: Pfirſiche 50—60,
toffeln 7—8, Spätkartoffeln 5—7
Aprikoſen 45—55, Kirſchen 25, Johannisbeeren 20—25,
Stachel=
beeren 25—30. Heidelbeeren 40, Mirabellen 40—50, Reineclauden
25—35, Tafeläpfel 30—40, Wirtſchaftsäpfel 25—30, Falläpfel 10
5—30,
Trau=
bis 15, Tabelbirnen 25—35, Zwetſchen 35, Pflaumen
ben 60—70, Zitronen 7—10, Bananen 55—65. 4 Eßwaren;
Süßrahmbutter 200—220 Landbutter 180—190, Weichkuſe 30—35,
Handkäſe 5—10, Eier, friſche 12—14. 5. Wild und Geflügel:
leiſch= und Wurſt=
Hühner 120—140, Tauben 60—90. 6.
8 lbfleiſch 120. Hammel=
2
Rin fleiſch, friſch 90—100
waren:
fleiſch 100 Schweinefleiſch 130—150, Dörrfleiſch 180, Wurſt 80 bis
160, Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 120.
*
5. Allgeneiner Deutſcher Schuhmacherkag in Darmſtadl.
Vorbemerkungen.
*t. In dieſen Tagen, vom 25. bis 28. Juli, hält das geſamte
Deutſche Schuhmacherhandwerk hier ſeine diesjährige große
Reichstagung ab. Der Oberbürgermeiſter hatte den Reichsverband
des Deutſchen Schuhmacherhandwerks (Sitz Hannover) und den
Reichsbund der Orthopädie=Schuhmachermeiſter (Sitz Leipzig) aus
Anlaß des 600jährigen Jubiläums der Stadt eingeladen, in
Darm=
ſtadt zu tagen. Dieſer Einladung hat das Schuhmacherhandwerk
in ſtärkſtem Maße Folge geleiſtet.
Auch Wiener
Hollän=
der und Schweizer Vertreter ſowie Vertreter von Danzig
und dem Saargebiet nehmen an der Tagung teil.
Die heimiſche Schuhmacherinnung Darmſtadt und der Heſſ.
Schuhmacherlandesverband, unter Führung der
Schuhmachermei=
ſter Spät und Rothe, ſind an den Vorarbeiten dieſer Tagung
in der Hauptſache beteiligt geweſen.
Das Deutſche Schuhmacherhandwerk kann in ſeinen
Organi=
ſationen auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken.
Ge=
ſchichtlich bedeutende Männer ſind aus den Reihen des
Schuh=
macherhandwerks hervorgeangen. Beſonders erwähnenswert ſind:
Der Meiſterſinger Hans Sachs von Nürnberg, der Philoſoph
Jacob Böhme aus Görlitz, der Ritter Hans von Sagan aus
Oſt=
preußen und der Geſellenvater und Begründer des kath.
Geſellen=
vereinsweſens Adolf Kolping.
Das neuzeitliche Schuhmacherhandwerk hat ſich mit zäher
Energie und Organiſationsarbeit in ſeinen wirtſchaftlichen
Grund=
lagen bis heute behauptet, wenn auch der Fabrikſchuh den
Maß=
ſchuh im allgemeinen verdrängt hat, ſo iſt doch durch den
Reichs=
tag feſtgeſtellt worden, daß das Deutſche Schuhmacherhandwerk für
die geſamte Volkswirtſchaft unentbehrlich iſt und einen
weſent=
lichen Faktor darſtellt. Seine Bedeutung liegt nicht nur auf
wirtſchaftlichem und geſellſchaftlichem ſondern gegenwärtig auch
auf volkshygieniſchem Gebiet. Der Serieninduſtrieſchuh iſt nicht
für alle Kreiſe der Bevölkerung die geeignetſte Fußbekleidung.
Wenn die durch das Tragen von Fabrikſchuhwerk aufgetretenen
Fußerkrankungen noch größeren Umfang annehmen, ſo wird der
Maßſchuh des Schuhmachermeiſters zweifellos wieder zu einem
beſonderen Kulturgut zur Befriedigung des perſönlichen Bedarfs
werden.
Der größte Teil der Schuhmachereibetriebe Deutſchlands iſt
durch die ſchuhinduſtrielle Entwicklung wirtſchaftlich in der
Haupt=
ſache auf Reparaturarbeit eingeſtellt und angewieſen. Das
deutſche Volk bietet dem deutſchen Schuhmacherhandwerk jährlich
ca. 150—180 Millionen größere Reparaturaufträge an. Dieſer
volkswirtſchaftliche Auftragsbeſtand reicht bei weitem nicht aus.
um die meiſten der Schuhmachereibetriebe wirtſchaftlich exiſtenz=
und lebensfähig zu erhalten. Man kann deshalb von einer ſtarken
Ueberſetzung des Schuhmacherhandwerks ſprechen.
Vom Schuhmacherhandwerk leben ca. 140 000
Schuhmacher=
meiſter mit ihren Familien, dazu 35 000 Geſellen und ca. 20 000
Lehrlinge. Die Geſamtbevölkerung, die vom
Schuhmacherhand=
werk ernährt werden, muß, beläuft ſich ca auf 300 000—350 00
Köpfe. Dieſe Zahl beweiſt, welche wirtſchaftliche und ſoziale
Be=
deutung das Schuhmacherhandwerk auch heute noch in
Deutſch=
land hat.
Die Tagung begann am Freitag mit verſchiedenen Sitzungen
der Ausſchüſſe, Beiräte und Vorſtände. Mittags fand in der
„Traube” eine Begrüßung der Reichsverbands=, Vorſtands=,
Aus=
ſchuß= und Beiratsmitglieder des Reichsbundes der Orthopädie=
Schuhmachermeiſter durch den Herrn Oberbürgermeiſter und
ver=
ſchiedene Stadtratsmitglieder ſtatt.
Am Samstag vormittag begannen die Verhandlungen mit
einem
Preſſe= und Behördenempfang
im Gartenſaal des ſtädt. Saalbaues. Herr Ehrenobermeiſter
Hein=
rich Stoffer=Hannover, der Vorſitzende des Reichsverbandes,
begrüßte die Vertreter der Behörden, Organiſationen, der
Ver=
bände und der Preſſe herzlichſt. U. a bemerkten wir Herrn
Ober=
bürgermeiſter Mueller, Herrn Miniſterialrat Dr. Hechler
Herrn Jakob Nohl, Herrn K. Haury, M. d. L., Herrn
Direk=
tor Schüttler, Vertreter der Reichsbank, des Polizeiamtes,
des Stadtſchulamtes, des Hausfrauenbundes uſw.
Herr Syndikus Dr. Schild=Hannover ergriff ſodann das
Wort und betonte, daß der Reichsverband, abweichend von ſeiner
ſonſtigen Gepflogenheit, nicht zu Beginn der Tagung eine groß
angelegte Kundgebung veranſtaltet habe, ſondern die Vertreter
der Behörden. Organiſationen und der Preſſe gebeten habe, um
der Oeffentlichkeit einen Begriff von den Fragen zu geben, die in
wirtſchaftlicher, ſozialer und geſellſchaftlicher Hinſicht bei der
dies=
jährigen Tagung zur Debatte ſtehen. Der Vortragende wies im
Laufe ſeiner intereſſanten Ausführungen mit Recht darauf hin,
daß bei der Verbildung der Füße in unſerer „Generation auf
geſundes Schuhwerk derſelbe Wert gelegt werden müſſe wie auf
die Erhaltung z. B. der Füße unſerer heranwachſenden
Gene=
ration. Der Kulturwert der Maßſchuhe muß erhalten werden.
Die ſtarke Ueberſetzung im Schuhmacherhandwperk muß mit
allen Mitteln der Selbſthilfe beſeitigt werden, leider reichen
hierbei die durch die Staatshilfe gegebenen Möglichkeiten
nicht aus. Was hilft es, einen Stamm von Schuhmachern
auszu=
bilden, der nachher nicht in der Lage iſt, ſich wirtſchaftlich
durch=
zuſetzen. Als Handwerk des individuellen Bedarfes kann, das
deutſche Schuhmacherhandwerk niemals eine Bedeutung für den
Weltmarkt gewinnen. Und das Angebot aus der deutſchen
Kund=
ſchaft? Im Durchſchnitt entfallen auf einen Betrieb nur zwei bis
drei Haupt=Reparaturaufträge an einem Tag. Davon kann der
Betrieb nicht leben. Hierzu kommt eine Konkurrenz der vielen
ſtaatlichen und gemeindlichen Regie=Betriebe, die, wie die
Erfah=
rung gelehrt hat, durchaus unwirtſchaftlich arbeiten. Leider ſind
es politiſche Momente, die hier neben bürokratiſchen eine
Rolle ſpielen. Auch das Schuhmacherhandwerk kann ſtaatliche
Aufträge als Notſtandsarbeiten gebrauchen. Wir, fordern eine
grundſätzliche Aenderung bei der Vergebung der Aufträge der
öffentlichen Hand. Wir wollen grundſätzlich keine Staatshilfe,
aber in der gegenwärtigen Notlage des Schuhmacherhandwerks
muß ihm geholfen werden.
Herr Rieſenbeck ſprach dann ſehr inſtruktiv über die
Preisgeſtaltung im Schuhmacherhandwerk und
demonſtrierte ſeine Beweisführungen an Hand von praktiſchen
Beiſpielen. Der Redner, dem, wie dem Vorredner, lebhafter
Bei=
fall dankte, bat die Oeffentlichkeit, bei den Fragen der Aufſtellung
von Mindeſtpreiſen durch die Innungen dieſe zu unterſtützen und
zu bedenken, daß die Preisgeſtaltung zwangsläufig durch
Mate=
rial, Geſtehungszeit, Löhne, Unkoſten und Meiſtergewinn gegeben
iſt. Hierbei ſpielt das Material wegen ſeiner verſchiedenen
Quali=
täten und Preiſe eine erhebliche Rolle.
Hierauf kamen die Ehrengäſte zu Wort, die in durchweg ſehr
herzlich gehaltenen Worten ſprachen. Herr Oberbürgermeiſter
Mueller erwähnte hierbei, daß es auch in Darmſtadt ſich als nötig
erwieſen habe, die ſtädtiſchen Regiebetriebe ſo weit als
irgend möglich abzubauen.
Im Anſchluß an den Preſſe= und Behördenempfang eröffnete
Herr Stoffer die
Ausſtellung,
welche in der geräumigen Feſthalle untergebracht iſt und den
Fach=
kollegen wie der Allgemeinheit Anregungen und Aufklärungen
geben ſoll. Die Ausſtellung ſoll zugleich als Werbung für den
Maßſchuh und den orthopädiſchen Schuh dienen. Auch die
Vor=
lieferantenſchaft, die Schuhmaſchineninduſtrie, die
Halbfabrikat=
induſtrie uſw. ſind in der Ausſtellung vertreten. Der Redner
dankte allen um die Ausſtellung Verdienten.
Omnibuſſe der Heag brachten die an dem Empfang Beteiligten
nach der Feſthalle, wo in zwangloſer Form und Reihenfolge
die wirklich ſehenswerte und geſchickt aufgemachte Ausſtellung
be=
ſichtigt wurde.
Heſſen iſt natürlich beſonders ſtark vertreten, u. a. die
In=
nungen aus Darmſtadt, Offenbach, Bingen, Bensheim, Orthopäden
aus Kaſſel und Stuttgart, Firmen aus Bremen, Hamburg,
Düſſel=
dorf, Siegen und anderen Orten.
Beſonders vertreten waren auch die Berufsſchulen mit
bemer=
kenswertem Material, ſo Gießen und Oldenburg.
Neben prächtigen Leiſtungen des Handwerks in Maßſchuhen
normaler und koſtbarer Art war auch eine Fülle von
orthopä=
diſchen Schuhen und Arbeitsſchuhen zu ſehen. Beſonderes
Inter=
eſſe erregte natürlich der größte Schuh der Welt, 3.20 Meter lang,
1,70 Meter hoch, Größe „450‟
In Form und Material einem
normalen Schuh vollkommen gleich. (Verfertiger Joſef Schratt,
Oberſtdorf.)
Im ganzen genommen bedeutete die Ausſtellung ein
erfreu=
liches Zeugnis für das Streben und das Können deutſchen
Hand=
werks.
Der Samstag Nachmittag war verſchiedenen Ausſchußſitzungen
gewidmet. Am Abend hielt Herr Gewerbeoberlehrer A Sahm
im großen Saal des ſtädtiſchen Saalbaues einen öffentlichen
Lichtbildervortrag
über das wichtige Thema „Fußleiden, Entſtehung und Abhilfe‟,
Der Vortragende verſtand es ganz ausgezeichnet, an Hand
zahl=
reicher, guter und klarer Lichtbilder ein zahlreiches Publikum über
das Vortragsthema aufzuklären. Mag es auch traurig berühren,
daß ſo viele Menſchen verbildete Füße haben, ſo iſt doch im
ortho=
pädiſchen Schuhwerk, von Fachmännern gefertigt, ein erfolgreiches
Mittel zur Abhilfe gegeben.
Empfehlenswerke Aukokouren.
Mitgeteilt vom Starkenburger Automobil=Club,
Sitz Darmſtadt, e. V. A. D.A. C.
Nr. 15.
Tagesfahrt.
Darmſtadt — Mainz=Kaſtel (nicht über die Straßenbrücke) Bieb=
— Wiesbaden, dem Ring entlang nach der Eiſernen Hand
— Bleidenſtadt — an Langenſchwalbach vorbei geradeaus in das
Aartal, Adolseck — Hohenſtein mit Ruine Michelbach —
Zoll=
haus
78,1 Km.
Hier links nach Katzenelnbogen, Rettert,
Holzhau=
ſen auf der Haid — Naſtätten
— St Goarshauſen
37,3 Km.
Mit der Fähre überſetzen nach St. Goar (Burg
Rhein=
fels), St. Goar — Oberweſel, Bacherach — Rhein=Die=
—
Bin=
bach — Nieder=Heimbach —
Trechtingshauſe
Nieder=Ingelheim — Mainz—
gerbrück=Bingen
90,1 Km.
Groß=Gerau — Darmſtadt . . . .
Geſamtſtrecke: 205,5 Km.
Orpheum.
2
*
— Promenaden=Konzert. Am Sonntag, dem 27. Juli, von 11
bis 12 Uhr, ſpielt das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines
Kapell=
meiſters W. Schlupp anläßlich der Schuhmacherausſtellung an der
Feſthalle nach folgendem Programm: 1. Einig und ſtark, Marſch
von Friedemann, 2. Ouvertüre zur Oper Egmont von Beethoven,
3. Neu=Wien, Walzer von Strauß, 4. Paraphraſe über
Wald=
andacht von Nehl, 6. Unter dem Sternenbanner, Marſch von
Souſa, 5. Fantaſie aus der Oper Lohengrin von Wagner.
Gaſtſpiel Marga Peter — Guſtau Bertram
„Der müde Theodor”.
Dieſe Schwankneuheit von Max Neal und Max Ferner, die
Guſtav Bertram Gelegenheit gibt, ſeinen Jubiläumsrollen eine neue
wirkſame Type anzureihen, iſt nun ſchon eine ganz tolle Sache! Eine
ſolche Reihe von Verwicklungen und komiſchen Einfällen zu erfinden
und zu konſtruieren, dazu gehören wirklich zwei Autoren. Für
einen Max iſt das zu viel. Den beiden aber iſt es glänzend
ge=
lungen, trotz völliger Anſpruchsloſigkeit in literariſcher Beziehung einen
Schwank zu bauen, der an Tollheit nicht zu überbieten iſt und der
wirklich ein Brillantfeuerwerk von Lachſalven entzündet. Was dem
guten Rentier Hagemann, der in einer ſchwachen Stunde „Mäzen”
wird und der, um die 400 Mark Geſangsſtunden ſeines Schützlings
be=
zahlen zu können, die Brillantbroſche ſeiner Frau verſetzt, alles paſſiert,
das zu erfinden bedarf ſchon reichſter Schwankphantaſie. Angefangen
mit der Grammophon=Schnarchplatte und der nächtlichen
Oberkellner=
rolle im „Grünen Krokodil” bis zu der unglaublich tollen Situation im
Hotelzimmer, jagt ein launiger ausgelaſſener Einfall den anderen, bis
ſchließlich alles ſich in Wohlgefallen auflöſt — und man Bertram und
ſein Enſemble mit Beifall überſchüttet.
Freilich, es gehört die unglaubliche Vielſeitigkeit und die
benei=
denswerte Spiellaune und =Freudigkeit Bertrams und das
Tem=
verament einer Marga Peter dazu, um den letzten Erfolg aus den
Pointen herauszuholen, mit denen dieſer Schwank ſteht und fällt. Und
dieſe Spielfreudigkeit reißt alle mit. Kein Mitglied des Enſembles
bleibt etwas ſchuldig. Es kommt ſtets ein muſterhaft flottes
Zuſammen=
ſpiel heraus. Urkomiſch Walther Geyers Euſebius Findeiſen und
Arthur Guttmanns unglückſeliger Komponiſt. Sehr flott Ernſt
Federlins eand. jur. und ſchick und ebenſo flott Anni Borns
Jenny. Mieze Rauſchenberg als Roſa iſt eine ebenſo gute
komiſche Alte, wie Eva Hanno ein friſch=frohes Mädchen Frieda und
Elſe Volk ein netter Piccolo. Werner Sprenger endlich bleibt
ſeiner Doppelrolle nichts ſchuldig. — Das Ganze ein Paar Stunden
harmloſes frohes Lachen, für das mit viel Beifall und Blumen gedankt
wurde.
.
— Militär=Konzert. Die durchſchlagende, günſtige Aufnahme
ſeiner bisherigen großen Konzerte hat den Reichsbund ehem.
Militärmuſiker beſtimmt, als dritte und letzte ſeiner
Veranſtal=
tungen ein großes Doppel=Militär=Konzert aus Anlaß
des Stadtjubiläums und der internationalen Hochſchulmeiſterſchaft
am Montag, den 4. Auguſt, in der Feſthalle zu veranſtalten. 120
Mitglieder der Ortsvereine Darmſtadt und Mannheim werden
diesmal unter Leitung des Vereinsdirigenten G. Greilich
Darmſtadt und des Obermuſikmeiſters Vollmer=Mannheim
durch eine umfangreiche Spielfolge, in der, wie immer, die
Mili=
tärmärſche eine hervorragende Stelle einnehmen, allen Beſuchern
einen unterhaltenden Abend bereiten, der vorausſichtlich auch
durch das Erſcheinen einer größeren Zahl unſerer auswärtigen
Gäſte einen beſonderen Glanz erhält. Die Tatſache, daß die 5000
Perſonen faſſende Feſthalle bei den bisherigen Konzerten des
Reichsbundes die Beſucher kaum alle aufnehmen konnte, iſt der
beſte Beweis, für deren Bedeutung im Muſikleben der Stadt.
Dazu kommt, daß es nur durch das ehrenamtliche Mitwirken aller
Nitglieder trotz der hohen Unkoſten möglich iſt, den einheitlichen
Eintrittspreis (50 Pf.) ſo niedrig zu halten, daß jedermann auch
mit Familie in der Lage iſt, ſich den Beſuch zu leiſten. Es dürfte
ſich allerdings empfehlen, ſich rechtzeitig mit den in den
Vorver=
kaufsſtellen der ganzen Stadt zur Verfügung ſtehenden Karten zu
verſehen. (S. Anzeigen.)
Nummer 206
Seite 6
Sonntag, den 27. Juli 1930
Die Ferngasfrage.
Das neverbaute
Schwimmbad
der Gemeinde
Jugenheim
Die ſtädtiſche Betriebsverwaltung der Gas= und
Waſſer=
werke in Celle hat ſich eingehend mit der Prüfung der Frage der
Rentabilität der Ferngasverſorgung beſchäftigt und iſt zu dem
in=
tereſſanten Ergebnis gelangt, ebenſo wie die Stadt Braunſchweig
den Anſchluß an das Fernleitungsunternehmen abzulehnen. Das
ſtädtiſche Gaswerk in Celle vermag hochwertiges Gas billiger zu
liefern und dabei noch der Stadt einen erheblichen Nutzen zu
ge=
währen, Vorteile, die bei der Ferngasleitung ausgeſchloſſen ſind.
Die ſtädtiſche Betriebsverwaltung war ſtets in der Lage, der
Ein=
wohnerſchaft billige Koksfeuerung bei geringem Verdienſt
abzu=
geben. In Zukunft müßte die Stadtbevölkerung jährlich 50 000
Reichsmark mehr für Koksbeſchaffung aufwenden, falls
Ferngas=
leitung eingeführt wird. Bislang kann aus den Nebenprodukten
z. B. die Straßendecke mit geräuſchloſem Belag verſehen werden.
Auch dieſer Vorzug dürfte hinfällig werden, wodurch die
Straßen=
baukoſten ganz erheblich ſteigen. Alle dieſe Feſtſtellungen haben
für die Stadt Celle einwandfrei die Unwirtſchaftlichkeit der
Fern=
gasleitung für ſie ergeben. Die Stadt Celle hat es nicht nötig,
ein ſehr gut arbeitendes Werk, wie es die ſtädtiſche Gasanſtalt
nachgewieſen iſt, ſtillzulegen und der Ferngasleitung ſich
anzu=
ſchließen. Die Stadt behält damit ihr eigenes Gaswerk.
— Ortsverband der B.D.J. Heute Sonntag, den 27. Juli
abends 8 Uhr, kommen ſämtliche Mitglieder des Ortsverbandes,
einſchließlich der Jungſcharen, zur letzten Beſprechung vor dem
Bundesfeſt im Gemeindehaus, Kahlertſtraße 26, zuſammen.
— Nächſte Dampferabfahrten der Hamburg=Amerika=Linie
(einſchließlich Deutſch=Auſrral= und Kosmos=Linie). Abgeſchloſſen
am 23. Juli 1930. Ohne Verbindlichkeit. Aenderungen
vorbe=
halten. Nach New York: D. Cleveland ab Hamburg 29. 7.,
ab Cuxhaven 30 7. 7
Hamburg ab Hamburg 31. 7., ab
Cux=
haven 1. 8. D. Albert Ballin ab Hamburg 7. 8., ab Cuxhaven 8.
D. Reliance ab Hamburg 11. 8., ab Cuxhaven 12. 8. M.S. St.
Louis ab Hamburg 12. 8., ab Cuxhaven 13. 8. D. New York ab
Hamburg 14. 8., ab Cuxhaven 15. 8. D. Deutſchland ab Hamburg
21. 8., ab Cuxhaven 22. 8. D. Reſolute ab Hamburg 25. 8., ab
Cux=
haven 28. 6. Nach Boſton, Philadelphia, Baltimore,
Norfolk ab Hamburg: D. Emden 6 8. D. Ilmar 16 8. D.
Har=
burg 27. 8. D. Hannover 6 9. Nach der Weſtküſte
Nord=
amerika ab Hambuxg: D. Donau 2. 8
M.S. San Francisco
. 8. D. Eſte 23. 8. M. S. Oakland 3. 8. D. Vancouver 13. 9. M. S.
attle 24. 9. Nach Kanada ab. Hamburg: D. Cleveland
30. 7. D. Elmshorn 8. 8. D. Kings County 29. 8. D. Cleveland
3. 9. Nach Weſtindien, Weſtküſte Zentralamerika
ab Hamburg: M.S. Preſidente Gome
2. 8. M.S. Orinoco 9.
D Artemiſia 16. 8. D. Rugia 23. 8. M. S. Claus Horn 30. 8 M.S.
Magdalena 6. 9. D. Minden 13. 9. D. Teutonia 29 9 Nach den
Weſtindiſchen Inſel
ab Hamburg: M.S. Henny Horn
29. 7. D. Feodoſia 12. 8. M.S. Waldtraut Horn 26. 8. D. Adalia
1. 9. M.S. Thereſe Horn 23. 9. Nach Cuba ab Hamburg: D.
Al=
gia 23. 8. D. Phrygia 13. 9. Nach Mexiko ab Hamburg:
M.S Palatia 31. 7. D. Weſterwald 12 8. M.S. Rio Bravo 26. 8.
D. Nord=Schleswig 6. 9. Nach der Oſtküſte Südamerika
ab Hamburg: D. General San Martin 7. 8. D. Iſerlohn 9.
Bayern 14. 8
Cuba 23. 8 D. Kiel 27. 8. M.S. General
Oſorio 4. 9. D. Württemberg 10. 9. Nach der Weſtküſte
Südamerika ab Hamburg: D. Aachen 30 7. D. Amaſis 6. 8.
. Itauri 9. 8. M.S. Ruhr 13. 8. Nach Niederländiſch=
Indien: M.S. ,Halle ab Hamburg 30. 7. D. Phrontis ab
Ham=
burg 13. 8. M.S. Heidelberg ab Rotterdam 19. 8. D. Uckermark
ab Hamburg 27. 8. Nach Auſtralien ab Hamburg: D. Leuna
8 D. Neckar 16. 8.
D. Peleus 27. 8. M.S. Magdeburg 11. 9. D
Moſel 25. 9. Nach Südafrika ab Hamburg: D. Lüneburg
23. 8. D. Naumburg 20 9. D Caſſel 18 10 Nach Oſtaſien ab
Hamburg: M S. Leverkuſen 30. 7. D. Mecklenburg 2. 8. D.
Saar=
brücken 6. 8 D. Pfalz 9. 8. D. Saarland 13. 8. D. Oliva 16 8 D.
Aller, 20. 8. D. Königsberg 23. 8. Hamburg== Rhein=
Linie ab Hamburg: D. Frankfurt ca. 30 7. D. Karlsruhe ca.
im ca. 5. 8. D. Köln ca 9 8. Hamburg=Lon=
2. 8. D. Mannhe
don=Linie
Wöchentlich drei Abfahrten. Mitgeteilt durch
die hieſige Vertretung, Bankgeſchäft Friedrich Zaun, Darmſtadt,
Luiſenplatz 1.
wird heute feierlich eingeweiht
und dem Betrieb übergeben.
Die Wormſer Unruhen.
Aw. Am 10. Verhandlungstag werden zunächſt eine Anzahl
Zeugen vernommen über die einzelnen der zur Anklage ſtehenden
Fälle. So die Zeugen Polizeihauptwachtmeiſter Schneider
und Galm und Kaufmann Schmal ſowie Zeuge Hoffeller
über die Verhaftung des Angeklagten Neubauer, Zeugin, Frau
Bigi über Bayerbach, die Zeugen Polizeihauptwachtmeiſter
Blum und Volk über Taraſchewſki, Ludwig Klöppinger
über Habermehl, Polizeihauptwachtmeiſter Bittmann,
Fräu=
lein Schrumpf und Preis über Leinhaas.
In ſeinem geſundheitlichen Gutachten ſagt der
medizi=
niſche Sachverſtändige aus, daß auf der Anklagebank viele
Pſychopathen ſitzen, die ſich ſchwer beherrſchen können. Nachdem
auf Verlangen der Angeklagten um 3412 Uhr eine viertelſtündige
Pauſe eingelegt worden iſt, geht die Verhandlung weiter bis
½22 Uhr. Man hat die Beweisaufnahme bis auf zwei nicht
er=
ſchienene Zeugen beendet, ſo daß am Montag unmittelbar nach
Vernehmung dieſer beiden Zeugen die Plädoyers beginnen
kön=
nen. Das Gericht hat beſchloſſen, die kranken Angeklagten erſt
nach dem Plädoyer des Staatsanwalts zu laden, da in erſter
In=
ſtanz dieſe Angeklagten ſich dabei derartig erregten, daß es bei
ihnen wiederholt zu Anfällen kam und der Staatsanwalt kaum
mehr zu Worte kommen konnte. Der Verteidiger verſprach auf
Bedenken des Vorſitzenden, das Fernbleiben dieſer Angeklagten
nicht als Reviſionsgrund in Betracht zu ziehen. Hierauf wurde
die Sitzung auf Montag 9 Uhr vertagt.
— Aus Anlaß der Landung des „Graf Zeppelin” am
Sonn=
tag, dem 3. Auguſt, hat die Firma Heinrich Lautz in ihrem Erker,
Ecke Rhein= und Grafenſtraße, eine Spezialausſtellung von
Zeppe=
linaufnahmen uſw. veranſtaltet.
— Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
Er=
krankung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der
Haus=
arzt zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am
Sonntag, den 27. Juli 1930 folgende Aerzte zu deſſen
Ver=
tretung bereit: Dr. med. Buchhold II., Aliceſtr. 19½, Tel.
3208; Dr. med. Hammer=Karlsſtr. 95, Tel. 632; Dr. med.
Schefers=Zimmerſtr. 8, Tel. 2000.
Lokale Veranfkalkungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen m betrachten
ie leinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritl.
— Der Bund Königin Luiſe, Ortsgruppe Eberſtadt,
veranſtaltet am 4. Auguſt 1930, nachmittags, im Gaſthaus
„Deutſches Haus” Alte Darmſtädter Straße, einen
Großmütter=
chenkaffe, zu welchem die Kameradinnen unſerer Ortsgruppe
herz=
lichſt eingeladen ſind. — Gleichzeitig geben wir bekannt, daß
un=
ſere nächſte Zuſammenkunft Mittwoch, den 6. Auguſt,
abends, bei Sitte ſtatfindet. Vortrag über Jugendpflege. Wir
hoffen, daß nach der langen Pauſe die Verſammlung rege beſucht
wird.
Orangeriehaus (Beſſunger Herrngarten) Heute
Sonntag, 8 Uhr, Konzert des Stadtorcheſters. Der Beſuch iſt
beſtens zu empfehlen. (Siehe Anzeige.)
— Im Hotel Prinz Heinrich findet heute
abend Konzert mit Tanz ſtatt.
— Im Wiener Kronenbräukeller finden heute zwei
große Konzerte von ehemaligen Militärmuſikern ſtatt. Ab 8 Uhr
abends wird Herr Obermuſikmeiſter Weber mit einem verſtärkten
Orcheſter die Leitung ſelbſt übernehmen. Der Eintritt iſt frei.
(Siehe Anzeige.)
— Im Datterich, Kiesſtraße 27, findet heute eines der
be=
liebten Gartenkonzerte ſtatt. Der Eintritt iſt frei.
Tageskalender für Sonntag, den 27. Juli 1930.
Orpheum 20 Uhr: „Der müde Theodor”, — Konzerte:
Schloßkeller, Kaffee Oper, Hotel Schmitz, Sportplatzreſtaurant,
Bockshaut, Oberwaldhaus, Hotel zur Poſt, Kaffee Jöſt, Zum
Datterich, Reichshof, Waldſchlößchen. — Ludwigshöhe,
16 Uhr: Konzert. — Wiener Kronenbräukeller,
16 und 20 Uhr: Konzert — Herrngartenkaffee vorm.
11 Uhr, nachm. 16 und 20 Uhr: Konzert. — Rummelbräu,
16 und 20 Uhr: Konzert. — Zum Roſengarten: Konzert.
Kinovorſtellungen: Union=Theater, Helia=
Licht=
ſpiele, Palaſt=Lichtſpiele.
Tstaunlich billig arbeitet
0arbeitet wirklich sparsam. 10 Liter G=
Spülwas=
ser kosten nur 1 Pfg. Bedenken Sie einmal, welche
Menge fettiger Geschirre, Bestecke, Töpfe, Flaschen
und Holzgeräte Sie damit reinigen können.
U0 arbeitet aber nicht nur sparsam, sondern
gleich=
zeitig flink. Das müssen Sie einmal gesehen haben,
wie blitzschnell ( Fett und Schmutz entternt, es
geht wie im Handumdrehen.
Oarbeitet sparsam, flink und gründlich. Das gibt
es nicht, daß da noch irgendein Schmutztleckchen
oder irgendeine Fettspur zu tinden ist, wo uß
ge=
wirkt hat. Alles strahlt in appetitlicher Sauberkeit
und Frische, in herrlichem C9=Glanz.
Ihr sparsamer, flinker und gründlicher Helter seiG
Nummer 206
Sonntag, den 27. Juli 1930
Seite 7
Aus Heſſen.
J. Griesheim, 26. Juli. Die von der Mainzer Aktien=Brauerei
auf ihrem Grundſtück an der Darmſtädter Landſtraße erbaute Halle
„Zur Sportklauſe” wurde heute eröffnet. Pächter iſt die Familie
Jo=
hannes Zugſchwerdt von hier. — Die Beſſunger Straße iſt im
Wirt=
ſchaftsviertel des Truppenübungsplatzes wegen Straßenbauarbeiten bis
Samstag, den 2. Auguſt d. J., für Fahrzeuge aller Art geſperrt. —
Infolge eines Wortwechſels gerieten in der Nacht zum Donnerstag
zwei unge Leute in Streitigkeiten, wobei dem einen, als er ſich auf
dem Nachhauſewege befand, mit einem Meſſer ein Stich in den rechten
Arm berſetzt wurde. Da die Angelegenheit in den Händen der Polizei
iſt, wird die Sache noch ein gerichtliches Nachſpiel haben. — Geſtern
nachmittag iſt an der Dreſchhalle am Gaswerk ein Wagen mit Stroh.
verbrannt. Der Brand iſt jedenfalls durch einen Funkenflug
entſtan=
den. Es iſt als großes Glück zu bezeichnen, daß bei den vielen dort
in unmittelbarer Nähe ſtehenden Wagen kein größeres Brandunglick
entſtanden iſt. Hilfsbereite Leute holten aus den in der Nähe liegenden
Brunnen das Waſſer und haben ſo, ohne daß die Feuerwehr in Aktion
treten mußte, das Feuer gelöſcht. — Es wird darauf hingewieſen, daß
bei der morgigen Beigeordnetenwahl die Wahlhandlung von
vormit=
tags 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr dauert.
Aa. Eberſtadt, 26. Juli. Jahresfeſt. Die Evgl.
Landeskirch=
liche Gemeinſchaft feiert am Sonntag ihr Jahresfeſt. — Das evgl.
Pfarramt teilt mit, daß die Sprechſtunden in Kirchenſteuerſachen
wäh=
nend des Urlaubs des Pfarrers Dienstagsnachmittags ſtattfinden. —
Der Juli=Frauenabend des evgl. Frauenvereins, der eigentlich am
Die
jenstag kommender Woche ſtattſinden müßte, findet erſt am 5. Auguſt
ſtatt. — Wertungsturnen. Der Turnverein 1876 hält am
Sonn=
tag vormittag auf ſeinem Turnblatz in der Marktſtraße ein
Wertungs=
turmen für die aktiven Teilnehmer an dem bevorſtehenden Hanauer
Kreisturnfeſt ab
4a. Eberſtadt, 26. Juli. Die Kaſſengeſchäfte des
Elektrigitätswerkes werden vom 1. Auguſt ab nur noch
durch die Gemeindeverwaltung (Bürgermeiſterei und
Gemeinde=
kaſſe) erledigt. Von dieſem Zeitpunkt ab werden die Gelder für
den Stromverbrauch, Zählermiete uſw. durch den Kaſſier ſofort
bei der Ableſung erhoben. Der Kaſſier iſt zur Quittungsleiſtung
berechtigt. — Zum örtlichen Meldeweſen macht die
Bürger=
dmeiſterei darauf aufmerkſam, daß jeder Zugang und Abgang von
Perſonen innerhalb acht Tagen gemeldet werden muß. In bezug
auf die bevorſtehende Reichstagswahl iſt jede Meldung von
be=
ſonderer Wichtigkeit. — Die diesjährigen Dreißigjährigen haben
nunmehr beſchloſſen, ihre gemeinſame Geburtstagsfeier am
Sams=
tag, den 27. September, abzuhalten.
42. Eberſtadt, 38. Juli. Hohes Alter. Die Witwe Florig,
wohnhaft in der Ludwigſtraße, kann am Sonntag in guter Rüſtigkeit
ihren 88. Geburtstag begehen.
Cp. Pfungſtadt, B. Juli. Die nächſte
Gemeinderats=
ſitzung findet am Montag abend ſtatt. Zur Beratung ſtehen u. a.
die Voranſchläge für 1930 und die Feſtſetzung der vorläufigen
Gemeinde=
ſteuern. — Ausfahrt der Radfahrer. Der Nadfahrerverein
1898 unternimmt am Sonntag eine Ausfahrt nach Gadernheim. Ferner
veranſtaltet der Radfahrerverein Union eine Ausfahrt nach dem
Alt=
rhein. — Der Arbeiter=Radfahrerverein begibt ſich am Sonntag nach
Nieder=Beerbach, um zuſammen mit der Freien Turngemeinde an dem
Jubiläumsfeſt des dortigen Arbeitervereins teilzunehmen.
G. Ober=Ramſtadt, 26. Juli. Kirchenſteuer. Nachdem in den
angeſetzten Sprechſtunden der vergangenen. Woche die
Geſamtreklama=
tionen für Kirchenſteuern erledigt wurden, können Reklamationen für
das 2. Ziel von arbeitsloſen Steuerpflichtigen erſt wieder am Freitag,
den 15. Auguſt, nachmittags von 5—7 Uhr, beim Pfarramt vorgebracht
werden. — Verfaſſungsfeier. Zu einer Vorbeſprechung und
Feſtſetzung des Programms für die diesjährige Feier des
Verfaſſungs=
tages hat der Bürgermeiſter die Vereinsvorſtände und Korporationen
auf Montag, den B. Juli, abends 8.30 Uhr, in das Nathaus
ein=
geladen.
b. Erbach i. Odw., 26. Juli. Die Neubautätigkeit im
Kreiſe Erbach. Nach amtlichen Unterlagen kamen im Kreiſe
Er=
bach im Jahre 1929 auf 1000 Einwohner 3,6 Wohnungen. Dieſe Ziffer
liegt unter dem Reinzugang an Wohnungen im Durchſchnitt der Jahre
49498, die 3,8 beträgt. Im Kreiſe Erbach wurden, im Jahre 1929
99 Wohnungsbauten errichtet, davon 72 mit Unterſtützung der
öffent=
lichen Mitteln. Durch die Neubauten konnten 155 neue Wohnungen
geſchaffen werden, wozu noch 30 neue durch Umbau kamen. Da jedoch
durch Abbrüche, Brände uſw. einige Wohnungen verloven gingen,
be=
trug im vergangenen Jahre ſchließlich der Reinzugang an Wohnungen
im Kreiſe Erbach 177. Im Vergleich zu andenen Kreiſen Starkenburgs
iſt dies die niedrigſte Zahl.
Hirſchhorn, 25. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
25. Juli 1.12 Meter, am 26. Juli 1.22 Meter.
Gernsheim, 26. Juli. Waſſerſtand des Rheins am
25. Juli 1.95 Meter, am 26. Juli 1.92 Meter.
Ein billiges Kraftnährmittel
iſt Ovomaltine. Sie ſollten Ovomaltine zur Erhaltung Ihrer Körper=
und Nervenkraft ſofort verſuchen. Ueberall, im Büro, daheim oder auf
der Reiſe können Sie Ovomaltine leicht nehmen. Originaldoſe mit
250 gr. Inhalt für 2.70 RM., 500 gr. für 5.— RM. im jeder Apotheke
und Drogerie erhältlich Gratisprobe und Druckſchriften durch
Dr. A. Wander G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen. 158
m. Vom ſüdlichen Obenwalb, 24. Juli. Von der
Heidelbeer=
ernte. Die Heidelbeerernte hat durch den öfter auftretenden Regen
immer wieder einen neuen Antrieb erhalten, ſo daß heute noch, drei bis
vier Wochen nach deren Beginn, die Ausbeute eine ſehr annehmbare iſt.
Auch die Preiſe haben ſich wieder gehoben; ſie fielen im Laufe der erſten
14 Tage von 30 Pfg. auf 20 Pfg. und ſtiegen dann wieder auf 25 und
28 Pfg. Wenn nämlich ein gewiſſer Tiefſtand erreicht iſt, dann liefern
die Sammler keine Beeren mehr ab, ſondern verwenden ſie ſelbſt zu
Mus und Wein, und dadurch ziehen die Preiſe wieder an. Die heurige
ergiebige Ausbeute kam gar mancher Familie ſehr zuſtatten und
ge=
ſtattete ihr Anſchaffungen an Kleidungsſtücken uſw., die die üble
wirt=
ſchaftliche Lage ſchon lange Zeit verzögert hatte. Wo Heidelbeerferien
ſind, gehen ſie ihrem Ende zu oder ſind ſchon bendet. Wohl alle Kinder
haben bei Beginn derſelben ihre Schulbücher freudig zur Ruhe gelegt,
viele werden ſie jetzt bei Beginn der Schule ebenſo freudig wieder
her=
vorholen, denn das Heidelbeerpflücken iſt keine leichte Arbeit. Wer
einige Tage pflückt, der mag die Tätigkeit als angenehmen Zeitvertreib
empfinden, wer aber ſozuſagen berufsmäßig und notgedrungen pflückt,
der arbeitet im Schweiß nicht nur ſeines Angeſichts.
Ca. Lorſch, 25. Juli. Ein ſchöner alter Brauch iſt dieſer Tage hier
wieder zu Ehren gekommen. Die Kloſterapotheke, ein alter
Fachwerk=
bau, hat einen größeren Umbau erfahren. Als dabei die Zimmerleute
mit dem Aufbau des Dachſtuhls fertig wanen und ihre Fahne gehißt
hatten, beſtieg ein zünftig gekleideter Geſelle mit dem traditionellen
Zylinderhut, in der Hand eine Flaſche Wein, die höchſte Spitze des
Dachfirſtes und fällte den Zimmermannsſpruch, der gute Wünſche für
den Neubau und ſeine Bewohner und manchen zünftigen Witz enchielt.
Dazu hatten ſich zahlreiche Zuſchauer auf dem angrenzenden Marktplatz
eingefunden. Ein feuchtfröhliches Richtfeſt beſchloß die kleine Feier.
Kichliche Nachrichken
Methodiſten=Gemeinde (Evang. Freikirche), Wendelſtadtſtraße 38.
Sonntag, 27. Juli 1930, vormittags 11 Uhr, Sonntagsſchule, abends
8 Uhr Predigt. Thema: „Was wiſſen wir über die Engel?” Prediger
— Dienstag, 29. Juli, abends 8 Uhr, Bibel= und Gebet=
E. Bültge.
ſtunde. — Zu allen Verſammlungen iſt jedermann herzlich
will=
kommen.
Evangeliſche Gemeinde Eberſtadt. Vorm. 9.30 Uhr: Gottesdienſt.
Jahresfeſt der Landeskirchlichen evangeliſchen Gemeinſchaft Eberſtadt.
Mittwoch: Kir=
(Chriſtenlehre und Kindergottesdienſt fallen aus.)
chenchor. — Veranſtaltungen der Jugendgemeinde ſiehe Aushang.
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A.
Frank-
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G.
——
—.. 5
Zeit iog TA.
W9r—
Das drole Sbektalnads or Damen-Konfektlon
Nummer 206
Sonntag, den 27. Juli 1930
Seite 2
Laurt, Taiut uan sarnnn
Gauſporkfeft des Main=Rheingaues 9. T.
Einzel= und Skaffelkämpfe. — Handballwektſpiel.
Zum entſcheidenden Kampfe um die Beſtleiſtungen in den
volkstümlichen Uebungen wird es heute unter den Turnern des
Main=Rheingaues auf dem Sportplatze der Turngeſellſchaft
Darm=
ſtadt an der Kranichſteinerſtraße kommen. Für den Vormittag
ſieht die Sportfolge die Ausſcheidungskämpfe in Lauf, Wurf und
Sprung vor. Ab 2 Uhr ſetzen die Entſcheidungskämpfe in den
ein=
zelnen Diſziplinen ein, außerdem werden die Staffelläufe
ent=
ſchieden. Den Abſchluß der Kämpfe bildet ein Handballwettſpiel
zwiſchen der Städtemannſchaft der Darmſtädter Turnerſchaft und
der Gauwahlmannſchaft. Beide Mannſchaften ſtanden ſich im
vorigen Herbſt bereits einmal, allerdings in etwas veränderter
Aufſtellung, gelegentlich der Sportplatzeinweihung gegenüber.
Damals endete das ſpannende Spiel 5:5. Ein Gang nach dem
Sportplatze an der Kranichſteinerſtraße dürfte ſich alſo lohnen.
Die Darmſtädter Elf ſpielt in folgender Aufſtellung:
Hahndorff
Reichsbahn
Grün
Naumann
T. Geſ. 75
R.B.Tv.
Spahn
Holletſchek
Schnellbächer
T. Geſ. 75
Beſſungen
T. G. 46
Geher
Kaltenbach
Neutzſch
Bachmann Geduldig
T. G. 46
Beſſungen.
T.Geſ. 75 Beſſungen T. G. 46
Tade. 46 Darmſtadt — Zwingenbera 1.
Heute nachmittag 1.30 Uhr treffen ſich vorgenannte Mannſchaften
zu einem Freundſchaftsſpiele auf dem Sportplatze am Oſtbahnhof.
Wenn auch Zwingenberg in der A.=Klaſſe ſpielt, ſtellt es doch einen
ernſthaften Gegner dar, was die in letzter Zeit ausgetragenen Spiele
beweiſen. Die 1846er werden ſich mächtig anſtrengen müſſen, um in
Ehren beſtehen zu können, dies um ſo mehr, als ſie mit fünf Mann
Erſatz antreten müſſen.
Die 2. T. veröffenklicht Ausführungsbeſtimmungen.
Die Deutſche Turnerſchaft veröffentlicht ſoeben den Vertrag mit
dem Zuſatz zum 8 10 ſowie die Ausführungsbeſtimmungen zu dem
Vertrage zwiſchen der Deutſchen Turnerſchaft und der Deutſchen
Sport=
behörde für Leichtathletik ſowie dem Deutſchen Fußball=Bund. In
einem Vorwort hierzu heißt es: „Aufgabe aller Kreiſe, Gaue und
Ver=
eine innerhalb der Deutſchen Turnerſchaft wird es nunmehr ſein, an
die Ausführungen dieſes Vertrages heranzugehen. Wir erinnern an
den Geiſt, der den Deutſchen Turntag in Berlin im Oktober 1929 dazu
veranlaßte, grundſätzlich den Abſchluß derartiger Verträge mit den
Sportbehörden anzuſtreben, und hoffen, daß die Deutſche Turnerſchaft
auch in dieſer wichtigen, für die Entwicklung der deutſchen
Leibes=
übungen bedeutſamen Angelegenheit ihren alten Ruf der
turnbrüderir=
lichen Geſinnung und Zuverläſſigkeit bewahrheiten wird.
Zum § 10 des Vertrages (Fußball und Sommerſpiele), der
bekannt=
lich Gegenſtand recht heftiger Erörterungen war, iſt die
Ausführungs=
beſtimmung ſehr ausführlich gehalten. Es wird betont, daß die D.T.
auf Meiſterſchaften im Fußball, der D.F.B. und die D. S.B. auf
Mei=
ſterſchaften verzichte. Die zuſtändigen Verbände ermöglichen den die
Spiele treibenden Mannſchaften der Vereine der anderen Verbände eine
Teilnahme an ihrem Spielbetrieb, ohne ihnen die Verpflichtung
aufzu=
legen, Mitglied des für den Spielbetrieb zuſtändigen Verbandes zu
werden.
Meldetermine ſind für Fußball der 1. Auguſt, für Sommerſpiele
der 1. März 1931. Im Fußball ſchickt der Kreis 1 der D.T. zur Bildung
der Unterausſchüſſe ſeine Vertreter zum Südoſtdeutſchen
Fußballver=
band, Kreis 2 zum Baltiſchen Sportverband, Kreis 3a und 2b zum
V. B. B. V., Kreiſe 3e, 13 und 14 zum V.M.B.V., Kreiſe 4, 5 und 6
zum N. S.V., Kreiſe 7, 8a und 8b zum W. S.V. und Kreiſe 9, 10, 11
und 12 und die Pfalz zum Süddeutſchen Fußball= und Leichtathletik=
Verband.
Pferdeſpork.
Tag der Damen in Aachen.
Am drittletzten Tage des 6. Internationalen Reitturnieres in
Aachen kamen in erſter Linie die Damen zu Worte, denen ein großer
Teil des Nachmittagsprogramms vorbehalten war. Die beiden
Jagd=
ſpringen im Damen= und Herrenſattel zeigten in der Beteiligung
deut=
lich, daß ſich der Herrenſattel bei unſeren Amazonen immer mehr
Gel=
tung verſchafft. Weit über die doppelte Zahl der Bewerberinnen traten
in der Konkurrenz im Herrenſattel an. Die Baronin Annelieſe von
Oppenheim ſteuerte im Damenſattel ihren „Regenbogen” mit der
weit=
aus ſchnellſten Zeit von 92 Sekunden zu einem leichten Siege. Noch
ſchneller war in der anderen Abteilung Hartherz, der unter Frau
Franke in 87 Sekunden triumphierte. Mit dem Preis von Deutſchland
ging eine weitere große Trophäe nach dem Auslande. Der
Einzel=
wettbewerb in dieſem Jagdſpringen der Nationen ſah zwei
auslän=
diſche Offiziere im Endkampf. Urfé unter dem ſchwediſchen Oberlt.
Arno Franke und Naſello unter dem Italiener Fillivoni hatten /
zwei Fehler und qualifizierten ſich für das Stechen. Als Oberlt. Franke
den Kurs in glänzender Manier abſolviert hatte, verzichtete der
Italie=
ner, das Nutzloſe ſeiner Bemühungen einſehend. Im
Mannſchafts=
kampf trat die Ueberlegenheit der Gäſte noch deutlicher zutage. Italien
ſiegte mit 19 Fehlern vor Schweden (22), Schweiz (27½) und
Deutſch=
land mit 30 Fehlern.
Rennen zu Hoppegarten.
Preis von Droſedow. 3300 Mark 1600 Meter: 1. Graditz' Colleoni
(E. Huquenin), 2. Pronto, 3. Freiweg II; ferner Herodias. Toto:
18. Platz: 12, 26. Kopf—Hals.
Preis von Hohengöhren. Für Zweijährige, 2800 Mark, 1000 Meter:
Sterns Sanda (E. Grabſch), 2. Aka, 3. Sauerkirſche; ferner
Rentmeiſter. Immerfort, Eigenliebe, Evelyn, Patriot, Laxevill,
Vinguliſt, Soldat, Pariſerin, Maſetto, Clichy. Toto: 51. Platz:
20, 21, 27. Hals-Kopf.
Preis von Neuhaus. 3300 Mark, 1600 Meter: 1. H. G. v. Dertzens
Erika (E. Grabſch), 2. Ina, 3. Galleria Reale; ferner Saalburg,
drauwacke, Vergangenheit. Toto: 16. Platz: 12, 19. 1—2 Lg.
Preis vom Dambeck. Für Dreijährige, 2800 Mark, 1400 Meter: 1. R.
Haniels Celerina (J. Göhl), 2. Fatime, 3. Koerner; ferner
Rech=
berg, Gaby, Tongola. Toto: 23. Platz: 18, 18. 1½—2 Lg.
Remlin=Rennen. Ausgleich II, 3300 Mark, 2000 Meter: 1. P. Poetſchs
Galvani (E. Huguenin), 2. Waiſenknabe II, 3. Pale; ferner
Pal=
mieri, Feldjäger, St. Robert, Opar, Tintoretto, Gero. Toto: 53.
Platz: 19 27, 30. ½—Kopf.
Preis von Charlottenthal. Für Zweijährige, 3900 Mark, 1200 Meter:
1. Stall Hagos Helmut (E. Grabſch), 2. Suus, 3. Atrox; ferner
Markgräfin, Carna. Toto: 25. Platz: 21, 36. 2½—2 Lg.
Preis von Briggow. Ausgleich III, 2900 Mark, 1600 Meter: 1. Geſt.
Tzechelns Mongole (A. Murphy), 2. Iſchtar, 3. Morgenrot,
4. Majeſto; ferner Signora, Wien, Heidelerche, Fabuliſt,
Kriegs=
ſpiel, Helmbuſch, Polyglott, Trianon, Eldon, Garwhal, Redekunſt,
Fiametta, Hoheit, Morganat, Mynheer, Irrlicht, Hetman,
Stern=
fahrt, Dynaſt, Chapeau, Waldi. Toto: 180. Platz: 44, 105, 58,
182. 1½—1½ Lg.
Neuer Weltrekord im Zehnkampf.
Der bekannte finniſche Leichtathlet Achilles
Järvin=
nen konnte bei einer Leichtathletikveranſtaltung am Samstag
und Sonntag in Finnland einen neuen Weltrekord im Zehnkampf
aufſtellen, der den alten Rekord, erſt vor einer Woche von Paowo
Driolä in Aalborg aufgeſtellt, um ein Beträchtliches überbieten.
Er erreichte eine Punktzahl, von 8255,475 — 8187,30 Punkte
Yrjölä.
Die einzelnen Leiſtungen des Finnen, verglichen mit den
Lei=
ſtungen Yrjöläs nachſtehend: 100 Meter: 111 (116). 400
Meter: 50 (53,2), 1500 Meter: 4:54 (4:37,5), 110 Meter
Hürden: 15,/4 (16.1). Hochſprung: 180 (1,85),
Weit=
ſprung 6,89 (6.76) Stabhochſprung: 3,60 (3.10),
Dis=
kuswerfen: 35,47 (39,66), Speexwexfen: 58,15 (58,88),
Kugelſtoßen: 13.14 (14,72).
Darmſtädter Sporkkalender.
Sonntag, den 27. Juli 1930.
Leichtathletik.
Ab 8,30 Uhr: Kranichſteinerſtraße (Tgſ. 75): Sportfeſt des Main=
Rhein=Gaues der D.7
dort: Entſcheidungskämpfe
Ab 2,00 Uhr:
15 Uhr: Stadion: 7. Nationale Jugend=Kämpfe.
Handball.
13.30 Uhr: Oſtbahnhof: Tgde. 46 — Zwingenberg
16,00 Uhr: Kranichſteinerſtr.: Stadtmannſchaft — Gau=
Mann=
ſchaft D. T.
*
Deukſchlands Tennis=Jugend
wird geſchulk.
Bei Reichskrainer Hannemann im Frankfurker Skadion
Der Sport unſerer Tage iſt in erſter Linie ein Mittel zur
Ertüchtigung der Jugend und nur der Sport, der der Jugend
gehört, hat Gegenwartswert und Zukunfts=Hoffnung. Allzuſehr
wurde im erſten Jahre nach dem Krieg die Ausbildung unſerer
deutſchen Tennis=Jugend vernachläſſigt. Es fehlten die Mittel,
es fehlte auch lange Zeit der geeignete Mann und es fehlten in
den erſten ſchweren Jahren der Inflation die geeigneten
räum=
lichen und techniſchen Grundlagen. Das Frankfurter Stadion iſt
eine geradezu ideale Baſis für die Abhaltung eines Tennis=
Lehr=
kurſus, wie wir ihn nun ſchon im dritten Jahre unter
Reichs=
trainers Hannemanns Leitung auf der idylliſchen Großanlage
hin=
ter der Hauptkampfbahn organiſieren. Man hatte — eine ſehr weiſe
pädagogiſche Maßnahme — die Zahl der Teilnehmer auf 15
be=
ſchränkt, wodurch natürlich die erzieheriſchen Möglichkeiten weit
beſſer ausgenützt werden können, als früher, wo Knaben und
Mädchen in einem Kurs vereinigt waren. In allen Kurſen dieſes
Jahres, den beiden, die Hannemann Pfingſten in Kiel abhielt,
ebenſo wie in den beiden, die er in dieſen Tagen in Frankfurt
ab=
ſolviert, waren nur Knaben und Junioren verſammelt. Es
han=
delt ſich hier keineswegs um ein Tennis=„Dolce farniente” für
unſere Jungens. Die jungen Leute haben ſich vielmehr einem ſehr
ſcharfen Training zu unterwerfen, und manch einer verbarg an
den erſten Abenden tapfer den „Muskelkater”, den Tempo und
Mannigfaltigkeit der geforderten Tennis=Uebung und
Rahmen=
ſport=Betätigung dem jugendlichen Körper aufzwang. Der Tag
beginnt bei Hannemann mit Zweckgymnaſtik aller Art. Turnen,
Seilſpringen, Uebungen am Punchingball. Medizinball, Rhönrad
und Sprungübungen, die zum Teil unter Anleitung der amtlichen
Stadion=Lehrer ſtehen. Von 9—12 Uhr wird „geſpielt” oder
ge=
nauer geſagt, geübt. Das Punktſpiel tritt zurück hinter der
ſyſte=
matiſchen Ausbildung der Schläge, und zwak in erſter Linie der
modernen Schläge, des getwiſteten Aufſchlages, des raſchen
Flug=
ball Vor= und Rückſchlages, des ſcharf gedrehten Chopballs und des
riskierten Halbflugſchlages. Jeder der 15 wird einzeln dran
ge=
nommen, falſche Schlägerhaltung wird ſofort gerügt und jeder
Ball wird ſolange geübt, bis er einigermaßen ſitzt. Dazwiſchen
werden Einzel= und Doppelſpiele mit eingeſtreuter taktiſcher
Un=
terweiſung gepflegt, und auch in den Pauſen wird das praktiſch
Erprobte techniſch durchgeſprochen und erläutert. Nach dem
ge=
meinſamen Mittageſſen, für deſſen raſche Vertilgung die
voraus=
gegangenen Uebungen volle Gewähr bieten, wird dem Tennis=
Jungvolk die verdiente Ruhepauſe gewährt. Von 15 bis etwa 18
Uhr geht es wieder auf den Tennisplatz und der Schluß des Tages
wird mit dem für Tennisſpieler und angehende „Cracks”
beſon=
ders nützlichen Erziehung zum Mannſchaftsgeiſt ausgefüllt.
Hand=
ball oder Waldlauf und auch ſonſtige Ballſpiele, die den Körper
nicht ſonderlich anſtrengen, aber eine gewiſſe Diſziplin erfordern
bilden abwechſelnd den Programmſchluß. Natürlich wird an heißen
Tagen auch das Freilichtbad des Stadions, dieſes ſchönſte
Frei=
band Frankfurt — und meiſtens vor dem Eſſen — gemeinſam
be=
ſucht. Eine Stunde nach dem Abendbrot iſt nicht ſelten
theoreti=
ſchein Vorträgen gewidmet. Solche Vorträge finden auch während
der Tagesarbeit als eine Art geiſtige Entſpannung nach der
körperlichen Anſtrengung ſtatt. So hat ſich insbeſondere der
rührige Leiter des Tennis=Bezirks Main=Heſſen, Dr. Liebmann,
der zurzeit im Stadion verſammelten Junioren angenommen.
Unterricht in den Spielregeln mit praktiſchen Beiſpielen,
Schieds=
richter=Uebungen zur Schärfung des Urteils und ſchließlich ein
Vortrag, den ein Tennis=Theoretiker über ſeine Erfahrungen in
Wimbledon hielt, vervollſtändigten das Kurſus=Programm, das in
dieſer Form unter Hannemanns außerordentlich geſchickter
Lei=
tung praktiſch wie theoretiſch ſchlechthin als ein Vorbild, nicht
nur für Tennis=Jugendkurſe, ſondern für ſportliche Jugend=
Er=
ziehung überhaupt bezeichnet werden darf.
Das Pforzheimer Turnier.
Fleißiger Spielbetrieb am Samstag. — Im Herren=Einzel
alle Deutſchen ausgeſchieden.
Am Samstag war in Pforzheim das Wetter völlig
umge=
ſchlagen; am wolkenloſen Himmel ſtand eine Sonne, die es faſt zu
gut meinte. Dank des ſchönen Wetters und der glänzenden
Be=
ſetzung des Turniers gab es an dieſem Tage auch einen
Rekord=
beſuch, man hatte das Gefühl, als habe ſich ganz Pforzheim zum
Tennis begeben. Der ſtarke Beſuch fand ſeine Belohnung in ſehr
ſchönen und ſpannenden Kämpfen. Im Herren=Einzel
wur=
den bereits die „letzten Acht” ermittelt. Unter ihnen befinden ſich
keine Deutſchen mehr. Die Viertelfinals beſtreiten der Wiener
Mateika, der Engländer Dower der Japaner Sato der Italiener
de Stefani, der Neuſeeländer Malfroy und die Auſtralier
Craw=
ford, Moon und Willard. Die Senſation des Tages war der glatte
6:2 6:3=Sieg von Malfroy über Dr. Buß=Mannheim. Eine große
Ueberraſchung gab es auch im Herren=Doppel, wo das junge
Ber=
liner Paar Henkel—Daller mit 3:6 6:2 7:5 über eine ſo ſtarke
Kombination wie Mateika—Sato ſiegreich blieb. Im Damen
Einzel ſtehen bereits Mlle, Barbier, Frl. Hammer, Frl. Roſt
und Frl. Peitz in der Vorſchlußrunde.
Frankreich führt 2:1.
Die Ueberraſchung des zweiten Tages im Davispokal=Finale:
Die Amerikaner im Doppel geſchlagen.
Auch am Samstag nachmittag hatte ſich bei ſchönſtem
Sommer=
wetter im Pariſer Tennisſtadion Roland Garros zur Fortſetzung
des Davispokalkampfes Frankreich — U. S.A. wieder eine große
Menſchenmenge eingefunden. Zwar waren es keine 12 000
Zu=
ſchauer wie am Freitag, aber immerhin doch 9000, die die große
Senſation im Doppel erlebten. Man hatte allgemein erwartet,
daß die Amerikaner auch in dieſem Jahre das Doppelſpiel wieder
gewinnen würden, ſah ſich aber in dieſer Erwartung getäuſcht. Die
Franzoſen Cochet—Brugnon befanden ſich in einer glänzenden
Form. Beſonders Cochet zeigte wieder — wie ſchon am Freitag—
daß er nie beſſer geweſen iſt. Es kam nicht einmal zu einem
be=
ſonders harten Kampf, verhältnismäßig leicht ſchlugen Cochet—
Brugnon das bewährte Doppel der Amerikaner Allion—van Ryn
mit 6:3, 7:5, 1:6, 6:2. Damit dürfte im Daviscupfinale bereits
die Entſcheidung gefallen ſein, denn es iſt bei der Form von
Cochet kaum anzunehmen, daß die Franzoſen am Sonntag beide
Punkte verlieren werden.
Die auſtraliſchen Davis=Pokal=Spieler in Frankfurt a. M.!
Ein Klubwettſpiel zwiſchen dem Sidney=Lawn=Tennis=Club
und dem Frankfurter Tennisklub 1914” findet am Dienstag,
den 29. Juli, ab 15,30 Uhr im Palmengarten ſtatt. Für
Sidney ſpielen: Crawford, Willard, Hopmann und Moon, alſo
die geſamte Davis=Mannſchaft Auſtraliens für Frankfurt:
Froitzheim. Goſewiſch, O. Kreuzer und Erwen. Die Auſtralier
haben in den diesjährigen Davis=Wettſpielen bemerkenswerte
Siege gegen Irland und England errungen und ſind erſt gegen
Italien, den Sieger der europäiſchen Zone, unterlegen. Die
Mann=
ſchaft befindet ſich zurzeit beim Internationalen Turnier in
Pforz=
heim und begibt ſich von da über Frankfurt zu dem Länderkampf
Auſtralien-Japan=Deutſchland, der ab 31. Juli in Berlin
ſtatt=
findet. Ein beſonderes Eintrittsgeld für den Palmengarten iſt
nicht zu entrichten.
Radſpork.
Die 20. Etappe der „Tour de France‟
Die 20. und vorletzte Etappe der Radfernfahrt „Rund um
Frank=
reich” führte am Samstag das ſeit dem 2. Juli ſtark
zuſammengeſchmol=
zene Feld von Charleville nach dem 271 Kilometer entfernten Malo=
Les=Bains. Die Strecke führte zu einem großen Teil über die
Schlacht=
felder des Weltkrieges, zeigte aber durchweg gute Straßenverhältniſſe.
Die Fahrer zeigten aber keine große Aktionsluſt mehr, da ja die
Ent=
ſcheidung des Rennens bereits auf den voraufgegangenen Etappen
ge=
fallen iſt. Den Franzoſen iſt ſowohl im Einzelklaſſement (Leducca), wie
auch im Klaſſement der Nationen der Geſamtſieg nicht mehr zu nehmen.
Den Küſtenort bei Dünkirchen erreichte eine 34köpfige Spitzengruppe
nach 10:05,10 Stunden, man hatte alſo diesmal nicht einmal ein
Stun=
denmittel von 27 Kilometern erreicht. Im Endſpurt ſiegte wieder
ein=
mal der Franzoſe Charles Pelliſſier vor dem Belgier Bonduel, dem
Franzoſen A. Magne und dem Italiener Guerra. Diesmal ging es im
Endſpurt aber ohne Boxkämpfe ab. In den fünften Platz teilten ſich
30 Fahrer, unter ihnen befand ſich auch die ganze deutſche Mannſchaft
mit Schön, Manthey, Thierbach und Siegel. Die deutſche Vertretung
dürfte ſich damit den dritten Platz im Klaſſement der Nationen
end=
gültig geſichert haben.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Rundfunk=Programm Frankfurt a. M. (390).
Zwiſchenſender: Kaſſel (246).
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6 u. 6.*0: Wetter, Zeit,
Gymnaſtik. O 12: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsm., Waſſerſt. 0 12.20:
Schallplattenkonzert. O 12.55: Nauener Zeit. O 13: Schallplatten.
O 14.50, 15.50: Zeit, Wirtſchaftsm. 16.10: Ind., Handelsk. (Di.
u. Fr.). O 17.45: Wetter, Wirtſchaftsm., währ. d. Nachm.=Konzerts:
Vereinsnachrichten. O 18.05, 19.15 oder 19.30: Wirtſchaftsmeld.
Sonntag, 27. Juli.
7.00: Hamburg: Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.15: Katholiſche Morgenfeier.
10.00: Wickenrode=Großalmerode: Stunde des Chorgeſangs.
11.15: Gelnhauſen: Stadtgründungsfeier.
12.00: Berlin: Konzert. Artur Guttmann mit dem Terra=Tonfilm=
Orcheſter.,
13.00: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
13.10: Schotten: 4. Lauf um die deutſche Meiſterſchaft für
Motor=
radfahrer.
13.30: Berlin: Fortſetzung des Konzerts des Terra=Tonfilm=Orch.
14.00: Stuttgart: Kinderſtunde: Onkel Theobalds Erlebniſſe mit
den kleinen Bären im Wald.
15.00: Dr. Fabian: Was iſt beim Betrieb eines Schleppers mit
ngehängtem Bindenäher zu beobachten
20
15.30: Not des Landes iſt Not der Stadt. Geſpräch zwiſchen
Altbürgermeiſter G. Schmidt und Hugo Ramm.
16.00: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters.
18.00: Sigismund von Radecki lieſt aus eigenen Arbeiten.
18.20: Max Ittenbach: Das deutſche Volkslied in Lothringen.
19.30: Stuttgart: Bilder aus Dorf und Stadt. Rezitationen von
Martin Lang.
20.00: Stuttgart: Blaskonzert. Märſche.
21.15: Stuttgart: Heitere Einakter von Curt Götz.
23.00: Stuttgart: Tanzmuſik (Schallplatten).
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle (1635).
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.50:
Wetter für den Landwirt. o 6.30: Morgengymnaſtik. 6
Wetter für den Landwirt. Ca. 7: Konzert. o 10.30, 13.30:
Neueſte Nachrichten. o 12.25: Wetter für den Landwirt. (So.
12.50:. O 12 bzw. 12.30: Schallplatten (außer So.). o
12.55:
Nauener Zeit. o 14: Berlin: Schallplatten. o 15.30: Wetter, Börſe.
0 19.50: Wetter für den Landwirt.
Deutſche Welle. Sonntag, 27. Juli.
6.30: Funt=Gymnaſtik.
7.00
Blasorcheſterkonzert Auguſt Theiß=Orcheſter.
8.00: Viertelſtunde für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Oberförſter Hannecke: Aufforſtungen.
8.50: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
Anſchl.: Glocken des Berliner Doms.
11.00: Richard Tauber (Schallplattenkonzert).
Elternſtunde. Rich. P. Frank: Kind und Bettler.
1.30
Mittagskonzert. Artur Guttmann mit dem Terra=Tonfilm=
12
Orcheſter.
14.00: Jugendſtunde: Von klugen und dankbaren Tieren.
14.30: Sportvorſchau des Sonntags.
14.50: Mandolinenorcheſter=Konzert.
15.35: Bunte Geſchichten von Hermann Linden.
16.00: Geſangsvorträge.
Unſchl.: Ferruccio, F. Buſoni.
16.40: Programm der Aktuellen Abteilung.
17.05: Nachmittagskonzert. Muſikkorps der Kommandantur Berlin.
Tanzkapelle Thomſen.
18.30: Der Breitengrad O (Aequator),
19.00: Einführung in deutſche Meiſteropern: Hans Teßmer: „
Tri=
in und Iſolde‟
19.30: Dichterſtunde: Jakob Martin Dolata lieſt aus eigenen Werken.
20.00: Hamburg: Lortzing=Abend
Danach: Tanzmuſik. Kapelle Robert Gaden.
Weikerbericht.
An der Rürkſeite des abziehenden Oſtſeetiefs ſind in der letzten Nadk
in Nord= und Nordoſtdeutſchland noch recht erhebliche Niederſchläge g.
fallen. So meldeten heute morgen Berlin 17 Millimeter, Dresden 18
Millimeter, Breslau 17 Millimeter und Grünberg in Schleſien ſoga
20 Millimeter Regen. In unſerem Gebiet dagegen gingen nur gan
leichte Schauer nieder. Durch den dauernden Zuſtrom von kalter
Luf=
hat ſich der hohe Druck jetzt endlich mehr nach dem Feſtland hin ver
lagert und führt bereits ſtellenweiſe zu Aufheiterung. In ſeinem Be
reich wird ſich das Wetter zunächſt etwas ruhiger und freundlicher ge
ſtalten. Jedoch hat die ſchon geſtern an der Weſtküſte Irlands erken
bare Tiefdruchſtörung ſchnell an Raum gewonnen und ſich über die
britiſchen Inſeln ausgebreitet, wo die Temperaturen allgemein etwa
angeſtiegen ſind und ſtellenweiſe auch ſchon Niederſchlagstätigkeit ein
geſetzt hat. Mit dem weiteren Vordringen der Störung dürfte de
Einfluß des hohen Druckes allmählich wieder abgeſchwächt werden. D
Warmkuft an der Vorderſeite wird zu Temperaturanſtieg und ſpät
hin auch zu Bewölkung und erneuter Niederſchlagsneigung führen.
Ausſichten für Sonntag, den 27. Juli: Zunächſt aufheiternd, ſpäter er
neute Eintrübung, wärmer, vorerſt trocken, jedoch wieder aufkom
mende Niederſchlagsneigung.
Em
Veranwortich für polti und Wirtſchaſt: Rudolf M
ür Feuilleton, Reich und
Ausland
he Nachrichten: Ma
Sfreefe
rt. Kari Böhmann;
für den Handel.
r. C. H. Queiſch;
ir den
dienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart” Tagesſplegel
Bild und
Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und ge
häftiche Mitteilungen: Willy Kuhle.
Druck und Verlag: C. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernomme
Die heutige Nummer hat 20 Geiten.
Nummer 206
uang
Die Mondtsohlänsen beälſcher
Mreontoanten.
Rückgang der kurz= und mittelfriſtigen Gelder.
Die Zahl der Monatsbilanzen veröffentlichenden
Kreditban=
ken iſt um 2 zurückgegangen, zwei kleine Kreditinſtitute, die
Rhei=
niſche Bauernbank mit 1,5 und die Bernburger Bank mit 0,5 Mill.
Reichsmark Aktienkapital, ſind diesmal ausgefallen.
Ebenſo wie im Vormonat kommt auch in den jetzt
veröffent=
lichten Ziffern für Juni die Letargie des Geſchäftslebens zum
Ausdruck. Immerhin zeigt jedoch die Entwicklung der einzelnen
Bilanzpoſten eine ziemlich große Verſchiedenartigheit vom
Vor=
monat. Da die Bewegungen bei ſämtlichen Kreditbanken faſt
gleichlaufend ſind mit denjenigen der Berliner Großbanken,
kon=
nen wir uns auf einen Ziffernvergleich bei den letzteren
beſchrän=
ken. Im Gegenſatz zum Vormonat haben, die Kreditoren eine,
wenn auch geringe Zunahme um 57 Mill. RM. erfahren, während
ſie im Vormonat um 25 Mill. RM. zurückgegangen ſind. Die
Geſamtzunahme der fremden Gelder beträgt aber nur 50 Mill.
Reichsmark, da gleichzeitig auf Akzeptkonto, ein Rückgang von
Mill. RM. ausgewieſen wird. Innerhalb der fremden Gelder
iſt wiederum wie im Vormonat eine beträchtliche Verſchiebung
zugunſten der ganz kurzfriſtig angelegten Gelder feſtzuſtellen.
Während die innerhalb 7 Tagen fällig werdenden Kredite um 242
(im Vormonat 123) Mill. RM. geſtiegen ſind, hat der Rückgang
der bis zu 3 Monate fälligen Gelder einen weiteren Fortſchritt
um 170 (118) Mill. RM. gemacht. Die nach 3 Monaten fälligen
Gelder ſind um 20 Mill, RM. geſtiegen (i. V. 9 Mill. RM.
Ruck=
gang). Man darf daher annehmen, daß auch weiterhin in
erheb=
lichem Maße auf Prolongierung kurzfriſtiger Auslandsgelder
ver=
zichtet worden iſt und von den beſonders billigen Tagesgeldſätzen
Gebrauch gemacht worden iſt.
Auffallend iſt der Rückgang der ſeitens der Kundſchaft bei
dritten benutzten Kredite um 36 Mill. RM., während der
ent=
ſprechende Poſten auf der Aktivſeite Vorſchüſſe auf Waren eine
kleine Steigerung um 4 Mill. RM. zu verzeichnen hat. Auf der
Aktivſeite haben die Debitoren in laufender Rechnung diesmal
eine geringe Steigerung von 4 Mill. RM. erfahren, während ſie
im Vormonat um 61 Mill. RM. zurückgegangen ſind. Die
Kaſſen=
beſtände, die im Vormonat einen Rückgang von 22 Millionen
auf=
wieſen, ſind diesmal erheblich, und zwar um 65 Mill. RM.,
ge=
ſtärkt worden. Auch die Wechſelbeſtände ſind um 87 Mill. (23 in
Vormonat) geſtiegen, doch entfällt die Steigerung faſt allein auf
Anlage in Schatzanweiſungen, die um 80 Millionen ſtiegen
gegen=
über einem Rückgang von 22 Millionen im Vormonat. Der
Rück=
gang von Noſtroguthaben um 42 Millionen (im Vormonat 16
Millionen Steigerung), dürfte, mit dem oben erwähnten Rück
gang der ſeitens der Kundſchaft bei dritten benutzten Kredite
aber auch mit dem Rückgang der Auslandsguthaben in
Verbin=
dung ſtehen. Einen erheblichen Rückgang weiſen Reports und
Lombards auf, und zwar um 62 Millionen gegenüber einer
Stei=
gerung von 15 Millionen im Vormonat. Von dem Rückgang fallen
allein 60 Millionen auf Börſenreports. Die Anſprüche der Börſe
gehen immer weiter zurück, was ein weſentliches zu der großen
Geldflüſſigkeit beitragen mag. Die übrigen Aktivpoſten weiſen
nur geringe Verſchiebungen auf, zu erwähnen iſt eine Steigerung
der Konſortialbeteiligungen um 14 Millionen.
Der Verlauf bei den einzelnen Großbanken war durchaus
ver=
ſchiedenartig. Fremde Gelder ſind am erheblichſten der Commerz=
und Privatbank zugefloſſen, während die D.D.=Bank einen nicht
unweſentlichen Rückgang aufzuweiſen hat. Die Summe der
Bilanz=
ziffern iſt bei der D.D.=Bank um 55 Millionen zurückgegangen,
während ſie bei der Commerz= und Privatbank um 64 Mill.
ge=
ſtiegen iſt. Nächſt der Commerz=Bank weiſt die Dresdner Bank
einen erheblicheren Zugang der fremden Gelder aus. Auf der
Aktivſeite ſind bei der D.D.=Bank die Kaſſenbeſtände und die
Kon=
ſortialbeteiligungen am ſtärkſten geſtiegen, während alle anderen
Poſten, insbeſondere die Neſtroguthaben und die Debitoren in
laufender Rechnung den erheblichſten Rückgang aufweiſen. D
Wechſelbeſtand iſt bei der DD.=Bank um 53 Millionen zurückge
gangen, dafür hat die Bank 46 Millionen mehr in
Schatzanwei=
ſungen angelegt. Die erheblichſte Steigerung des Wechſelbeſtandes
weiſt die Dresdner Bank aus, Noſtroguthaben ſind allein bei der
Commerzbank und bei der Berliner Handelsgeſellſchaft geſtiegen.
Die Verſchiebungen der Liquiditätsziffern ſind nur ſehr
gering=
fügiger Natur. Die Dresdner Bank weiſt eine kleine Verbeſſerung
von 55,1 auf 55,3, die Danat=Bank eine ſolche von 56 auf 56,3, die
Commerz=Bank von 51,6 auf 52,8 aus. Bei der DD.=Bank iſt eine
geringfügige Verſchlechterung von 51,7 auf 51,6 und bei der
Ber=
liner Handelsgeſellſchaft von 61,5 auf 61,2 Prozent zu verzeichnen.
Sowohl die Staats= und Landesbanken wie auch die
Giro=
zentralen berichten von einem Rückgang der kurz= und
mittel=
friſtigen Gelder. Beide Arten von Bankinſtituten weiſen dagegen
eine Steigerung der langfriſtigen Anleihen bzw. Darlehen aus,
die bei den Staats= und Landesbanken um 28 Millionen und bei
den Girozentralen um 8 Millionen geſtiegen ſind. Entſprechend
ſtiegen auch die langfriſtigen Ausleihungen bei den Staats= und
Landesbanken um 42 Millionen und bei den Girozentralen um
28 Millionen RM.
Meiallnokierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin (für je 100 Kg.) am 26. Juli
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Dt.
Elek=
trolytkupfernotiz) 105,25 RM.
Amerikaniſche Kabelngchrichten
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 26. Juli
Getreide. Weizen: Juli 89½, September 91½, Dezember 96¾,
März 1931 101½; Mais: Juli 87½, September 86½, Dezember
82½, März 1931 85½; Hafer: Juli 34½, September 37½,
De=
zember 41½, März 1931 44; Roggen: Juli 56½, September 58½8,
Dezember 64½, März 1931 69
Schmalz: Juli 9,60, September 9,65, Oktober 9,70,
Dezem=
ber 9,27½.
Speck loco 13,50.
Chicago Baumwolle: Oktober 12,92, Dezember 13,04.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 26. Juli:
Schmalz: Prima Weſtern 10,40; Talg: extra loſe 5½.
Getreide. Weizen: Rotwinter neue Ernte 101, Hartwinter
97½; Mais: loco New York 99½; Mehl: Spring wheat clears
4,90—5,15; Fracht nach England (in sh und O) 1,6—2,3, nach
dem Kontinent in Dollarcts.) 7—9.
Wirtſchafliche Rundſchau.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 23. Juli. Die auf den
Stichtag des 23. Juli berechnete Großhandelsindeziffer des Statiſtiſchen
Reichsamtes iſt mit 125,5 gegenüber der Vorwoche unverändert. Von
den Hauptgruppen hat ſich die Indexziffer für Agrarſtoffe um 0,5 v. H.
auf 116,8 (116,2) erhöht. Die Indexziffer für induſtrielle Rohſtoffe und
Halbwaren iſt um 0,1 v. H. auf 119,0 (119,1) und diejenige für
indu=
ſtrielle Fertigwaren um 0,4 v. H. auf 150,1 (150,7) zurückgegangen.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Konkurſe. Bingen: Fa. Eugen Wolf, Inh. Eugen Wolf.
Anmeldefriſt 16. 8., Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 21. 8.
Darmſtadt: Bäckermeiſter Jakob Stuckert. Anmeldefriſt 4. 8.,
Gläubiger=
verſammlung 4. 8., Prüfungstermin 1. 9. Lampertheim: Spar= und
Weihnachtskaſſe, rechtsfähiger Verein. Anmeldefriſt 1. 8., Wahltermin
und Prüfungstermin 13. 8. Mainz: Kaufmann Karl Behr in Fa.
G. L. Gieſen, Farben und Lacke. Anmeldefriſt 1. 8.,
Gläubigerver=
ſammlung und Prüfungstermin 13. 8. Gießen: Ingenieur Heinz Ring
in Lollar. Anmeldefriſt 29. 7., Gläubigerverſammlung und
Prüfungs=
termin 6. 8. Neue Vergleichsverfahren. Gießen: Adam
Wehrheim, Inh. der Fa. A. Wehrheim, Polſterwerkſtätte.
Vergleichs=
termin 14. 8.; Spengler und Inſtallateur Wilhelm Brück in Leihgeſtern.
Vergleichstermin 13. 8.
Südweſtdeutſche Luftverkehrs A. G., Frankfurt a. M. Die
Ge=
ſellſchaft ſchließt mit 36 000 (25 000) RM. Abſchreibungen ohne
Gewinn und Verluſt (i. V. 62 063 RM. Verluſt). Während der
Hauptflugzeit 1929 wurden 20 (16) Linien, im Winter nur 7 (11)
Linien fortgeführt. Befördert wurden 14 756 (17 651) Perſonen,
275 419 (179 851) Kg. Fracht und 39 948 (36 088) Kg. Poſt. In der
Bilanz erſcheinen u. a. bei 1,5 Mill. RM. A.K. Gläubiger mit
103 572 (8667) RM., andererſeits unv. 1,05 Mill. RM.
Beteiligun=
gen, 0.27 (0,15) Bankguthaben und /0,11 (0,13) Mill. RM.
Debi=
toren. Im laufenden Jahre hätten die Kreditoren durch
Verrech=
nung bzw. durch Ueberweiſung bereits ihre Erledigung gefunden.
auch der größte Teil der Debitoren ſei bereits ausgeglichen
worden.
Die Kohlenproduktion des Deutſchen Reiches im Juni 1930. Nach
den Berechnungen des Statiſtiſchen Reichsamtes wurden im Juni 1930
im Deutſchen Reich ohne Saargebiet 10 804 760 (1929: 13 221 431)
Ton=
nen Steinkohle, 11746 277 (13 728 826) Tonnen Braunkohle, 2 611 467
(3 146 562) Tonnen Koks ſowie 354 740 (436 406) Tonnen Preßkohlen aus
Steinkohlen und 3 028 100 (3 511 127) Tonnen Preßkohlen aus
Braun=
kohlen hergeſtellt. Für die Zeit vom Januar bis Juni wurden ſomit
insgeſamt produziert Steinkohlen 73 343 194 (1929: 78 484 158) Tonnen,
Braunkohlen 71 770 333 (84 719 578) Tonnen, Koks 17 494 261 (18 598 678
Tonnen, Preßkohlen aus Steinkohlen 2 171 608 (2 670 579) Tonnen und
Preßkohlen aus Braunkohlen 16 607 636 (20 383 496) Tonnen.
Produktenberichte.
* Rheinheſſiſche Obſtgroßmärkte. Nach wie vor bleiben die
Zu=
fuhren auf den Märkten gering. Die Landleute befinden ſich in der
Getreideernte und können ſich bei dem zweifelhaften Wetter und dem
Umſtand, daß das Getreide unter allen Umſtänden eingebracht werden
muß, nur wenig dem Einbringen des Obſtes widmen. — Auf der
Hei=
desheimer Obſtauktion wurden bezahlt für Aprikoſen I 37, II 27,
mitt=
lere Sorte 21, III 10, Mirabellen 24—26, Pfirſiſche rot 42, mittel 23,
Zwetſchen 27, Pflaumen 19, Birnen 21, Aepfel 19—24, Stangenbohnen
37. — Auf dem Gau=Algesheimer Verſteigerungsmarkt koſteten Pfirſiche
19—35, Pflaumen 22, Mirabellen 30, Reineklauden 17—18,
Sauer=
kirſchen 14—15, Birnen 15—20, Aepfel 21—25 Pfg. — Von der Obſt=
und Gemüſeverwertungs=Genoſſenſchaft wurden erzielt für
Stachel=
beeren 6, Pfirſiche T 40, II 28 Mirabellen 25, Reineklauden 14—15,
Sauerkirſchen 12, Aepfel I 19—28, II 8, Birnen I 13—21, II 9,
Stangen=
bohnen 30 Pfg. — Auf dem Obſt= und Spargelgroßmarkt des Obſt=
und Gartenbauvereins Ingelheim erlangten am 24. Juli:
Sauer=
kirſchen 13—18, Johannisbeeren 8—11, Stachelbeeren I 16—19, II 7—14
Pfirſiche 30—50, Frühbirnen 16—28, Frühäpfel 20—32, Pflaumen 20
bis 28, Mirabellen 25—35, Reineklauden 13, Zwetſchen 23—28, Aprikoſen
35—50, Pertriko 28—30, Bohnen 16—35 Pfg. — Sämtliche Preiſe
ver=
ſtehen ſich je Pfund. — Die Ernte der Johannisbeeren und
Stachel=
beeren iſt jetzt ſoweit beendet.
Mainzer Produktenbericht. Großhandelseinſtandspreiſe per 100
Kilo loko Mainz am Freitag, den 25. Juli: Hafer 17—17,50, Malzkeime
10—11, ſüdd. Weizenmehl Spezial Null 44,65, Roggenmehl 60proz. 28,
Weizenkleie fein 8,50, dito grob 9,15, Roggenkleie 9, Biertreber 10,50
bis 11,50, Erdnußkuchen 15—15,75, Kokoskuchen 15,75—20,50,
Palm=
kuchen 11,50—12,50, Rapskuchen 10—11, Kleeheu loſe 5,90, dito geb.
6,40, Wieſenheu loſe 6,10, dito geb. 6,40, Drahtpreßſtroh 4,20, weiße
Bohnen 37. Tendenz: abgeſchwächt.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Marktlage: Bei feſter Tenden;
aber ſchwachem Abſatz wurden folgende Preiſe erzielt: italieniſche 8,50
bis 9,50, bulgariſche 8,50—8,75, jugoſlawiſche 8,5—8,75, rumäniſche 7,75
bis 8,00, ruſſiſche nicht am Markt, polniſche 6,50—7,00, chineſiſche nicht
am Markt, holländiſche 8,50—12,00, däniſche 9,00—12,00, belgiſche 9,75
bis 10,00, franzöſiſche nicht am Markt, ſchleſiſche 8,50—9,00, bayeriſche
7,50—8,50, norddeutſche 9,00—10,00. Auslandseier unverzollt ab
Grenz=
ſtation, Inlandseier ab Station.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Marktlage: Auslandsbutter
ſchwächer, deutſche Butter gut behauptet. Preiſe für 1 Pfund im
Großhandelsverkehr: Auslandsbutter (holl. oder dän.) 1 Faß (50 Kilo
1,70, ½ Faß 1,72, in Halbpfundſtücken 1,74, deutſche Molkereibutter
1,64 Mk.
Berliner Produktenpreiſe vom 26. Juli. Futtergerſte 174—197
Hafer märk. 175—182, Weizenmehl 31,75—39,50, Roggenmehl 22,75 bis
25,75, Weizenkleie 10,20—10,60, Roggenkleie 7,25—10,75, Viktorigerbſen
R—32, kleine Speiſeerbſen 24—27,50, Futtererbſen 19—20, Peluſchken
22—25, Ackerbohnen 17—18,50, Wicken 21—23,50, Lupinen blau 20—22,
dito gelb 26—28, Rapskuchen 8,60—9,40, Leinkuchen 14,10—15,10.
Sonntag, den 27. Juſi
Die Akkion zur Zenkung der Zinsjaße.
Die Beſprechungen, die auf Anregung des Reichsbankpräſidenten
Dr. Luther im Reichsbankdirektorium mit den führenden
Perſönlich=
keiten des Sparkaſſen=, Genoſſenſchafts= und Bankweſens ſowie der
ent=
ſprechenden Spitzenverbände begonnen wurden, um Mittel und Wege
zu finden, wie eine Senkung der gegenüber dem letzten Kreditnehmer
geforderten übermäßigen Zinsſätze und ihre größere Annäherung an
den Reichsbankdiskontſatz zu erreichen ſei, wurden am Freitag im Ober
präſidium zu Königsberg mit den Vertretern der oſtpreußiſchen
Wirt=
ſchaftsverbände unter Leitung des Reichsbankpräſidenten und unter
Beteiligung des Oberpräſidenten Dr. Siehr ſowie der oſtpreußiſchen
Verwaltungsſtellen fortgeſetzt. Die Beſprechungen führten zu der
ein=
mütigen Annahme der von den Spitzenorganiſationen angeregten
Vor=
ſchläge über die Ausſchaltung des ungeſunden Wettbewerbs der
ver=
ſchiedenen Organiſationen, mit dem Ziel einer Ermäßigung der Soll=
Zinſen auf dem Wege über die Senkung der Haben=Zinſen und der
Herabſetzung der Zinsmargen. Es wurde ein Arbeitsausſchuß
einge=
ſetzt, der ſeine Arbeiten unter Vorſitz des Oberpräſidenten bereits
be=
gonnen hat. Die Aktion, die für das ganze Reichsgebiet gedacht iſt,
ſoll mit beſonderem Nachdruck in den Kriſengebieten, in erſter Linie in
Oſtpreußen, durchgeführt werden.
Beffentniche Hiife für Mansfelo.
Wiederaufnahme der Arbeit im Kupferfchieferbergbau
Zwiſchen der Reichsregierung, der preußiſchen Staatsregierung
und der Mansfeld Aktiengeſellſchaft für Bergbau und
Hütten=
betrieb in Eisleben iſt auf Grund der Verſtändigung mit den
Ge=
werkſchaften eine Vereinbarung zuſtande gekommen, wonach der
Betrieb noch im Laufe dieſer Woche aufgenommen werden wird.
Die Vereinbarungen tragen den Charakter einer proviſoriſchen
Regelung bis zum 31. Dezember 1930. Die Reichs= und
Staats=
regierung gewahrt vom Tage der Wiederaufnahme der Betriebe
ab für die Weiterführung des Kupferbergbau= und
Hüttenbetrie=
bes eine finanzielle Beihilfe in der Form eines zunächſt zinsloſen
Kredites in Höhe von 540 000—500 000 RM. monatlich. Zur
Feſt=
ſtellung der Geſamtbetriebsergebniſſe der Mansfeld A. G. ſoll
als=
bald eine Prüfung ſeitens der Deutſchen Reviſions= und
Treu=
hand=Geſellſchaft erfolgen. Falls das Ergebnis dieſer Prüfung
feſtſtellt, daß bis zum 31. Dezemher 1930 der Mansfeld A. G. kein
Ueberſchuß verbleibt, ſo gilt die bis zum 31. Dezember 1930
be=
wirkte öffentliche Geldleiſtung als verlorener Zuſchuß. Bei
Feſt=
ſtellung eines Ueberſchuſſes iſt der Kredit in dieſer Höhe
inner=
halb Jahresfriſt bei Verzinſung zum Reichsbankdiskont
zurückzu=
zahlen. Angeſichts der Gefahr einer bei den heutigen
Kupferprei=
ſen an ſich unvermeidlichen längeren Stillegung des
Kupferberg=
baues haben die Reichs= und Staatsbehörden geglaubt, eine
geld=
liche Hilfeleiſtung gewähren zu ſollen, um die drohende
Verelen=
dung des geſamten Mansfelder Landes zu verhindern.
Die Mansfeld A., G. nimmt zu der Wiedereröffnung ihrer
Kupferbetriebe wie folgt Stellung: Auf Grund der neuen
Tarifver=
einbarungen mit den Gewerkſchaften und des geſtern abgeſchloſſenen
Abkommens zwiſchen der Reichs= und Staatsregierung und der
Mans=
feld AG. werden die Kupferbetriebe der Geſellſchaft einſchließlich des
Meſſingwerkes am Freitag, den 25. Juli, wieder in Betrieb genommen
Die nunmehr zuſtandegekommene Regelung iſt ein Kompromiß, dem,
wie meiſt in ſolchen Fällen, mancherlei Mängel anhaften, das aber
immerhin im ganzen betrachtet, von zwei Uebeln das geringere
dar=
ſtellt. Das größere Uebel wäre in jedem Falle eie weiter dauernde
Stillegung der Kupferbetriebe geweſen. Ein Außenſtehender kann ſich
kaum eine Vorſtellung davon machen, welche einſchneidende Wirkung
die Stillegung des Mansfelder Kupferbergbaues nicht nur für die be
troffene Belegſchaft von ca. 14000 Mann, ſondern für das geſamte
Mansfelder Wirtſchaftsgebiet bereits gehabt hat und in verſchärftem
Maße in Zukunft haben würde.
Die Gemeinden ſtanden ſchon jetzt vor dem finanziellen
Zuſam=
menbruch. Das geſamte Wirtſchaftsleben drohte zu erſtarren, und es
beſtand die Gefahr, daß die öffentliche Hand finanziell mit einem viel
fachen der jetzt als Beihilfe in Frage kommenden Summe in Anſpruch
genommen worden wäre. Dieſe Folgererſcheinungen hätten bei den
grundſätzlich berechtigten Bedenken wegen einer öffentlichen
Subven=
tionierung von Privatbetrieben in Kauf genommen werden müſſen,
wenn ſchon heute feſtſtünde, daß der Mansfelder Kupferbergbau au
die Dauer zur Unrentabilität verurteilt iſt. Eine ſolche Feſtſtellung
läßt ſich aber nicht ohne weiteres bei einem Unternehmen treffen, das
über eine geſunde Grundlage und über moderne techniſche Einrichtungen
verfügt und deren Exiſtenz nur durch plötzlich auftretende internationale
Preisſchwankungen bedroht wird. Hier kommt es darauf an, ob
An=
haltspunkte für die zukünftige Preisentwicklung gegeben ſind. Wenn
man bexückſichtigt, daß wir vor nicht viel mehr als Jahresfriſt noch
eine ſtarke Kupferhauſſe mit Preisniveau von 20 Cts. und darüber
hatten, ſo wird niemand mit Sicherheit prophezeien können, ob nicht
nach Ueberwindung der gegenwärtigen Weltwirtſchaftskriſe ſich der
Kupferpreis wieder auf einer Höhe ſtabiliſiert, die auch den
Mans=
feldſchen Kupferbergbau bei ſtarker Droſſelung der Selbſtkoſten eine
Exiſtenzgrundlage ohne fremde Hilfe ermöglicht. Der Mansfelder
Kupferbergbau hat im Laufe ſeiner jahrhundertelangen Entwicklung
ſchon ſo ſtarke Schickſalsſchläge überwunden, daß es kurzſichtig wäre,
bei der heutigen Depreſſion ohne weiteres die Flinte ins Korn zu
werfen und das ganze Wirtſchaftsgebiet ſeinem Schickſal zu
über=
laſſen.
Dieſe Erwägungen ſind für alle Beteiligten, die Reichs= und
Staatsregierung, die Mansfeld AG. und die Gewerkſchaften bei der
getroffenen Zwiſchenregelung ausſchlaggebend geweſen. Man hofft,
Ende des Jahres die weitere Entwicklung des Kupfermarktes klarer
beurteilen und dann neue Entſchlüſſe faſſen zu können. Die
Zwiſchen=
regelung war nur möglich, indem alle Beteiligten erhebliche Opfer
brachten, nicht nur in materieller Beziehung, ſondern auch im
Hin=
blick auf ihre grundſätzlichen Anſchauungen. Der Verwaltung der
Mans=
feld AG. iſt es ſicherlich nicht leicht gefallen, von ihrer grundſätzlichen
Anſchauung abzugehen, daß ein privatwirtſchaftliches Unternehmen in
erſter Linie auf dem Wege der Selbſthilfe ſeine Rentabilität zu ſichern
habe, anſtatt öffentliche Hilfe in Anſpruch zu nehmen. Wollte man
ſich aber nicht auf dem zwar folgerichtigen, aber in ſeinen
Auswir=
kungen brutalen Standpunkt ſtellen, ohne Rückſicht auf die Bevölkerung
des mit der Mansfeld AG. verwachſenen Gebietes die Betriebe bis zum
Wiedereintritt beſſerer Kupferpreiſe ſtillegen zu laſſen, ſo blieb keine
andere Wahl, als die Mithilfe der öffentlichen Hand. Denn das früher
aufgeſtellte Selbſthilfeprogramm konnte allenfalls den Fehlbetrag durck
den erſten Kupferpreisſturz von 18,30 auf 14,30 Cts. überbrücken, nicht
aber den Ausfall weiteren ca. 6 Mill. Mark durch den ſpäteren
Rück=
gang des Preiſes auf 11.30 Cts. Zu dieſem Rückgang der Erlöſe trat
außerdem noch ein beträchtlicher Ausfall bei dem Selbſthilfeprogramm
infolge der geringeren Lohnreduktion (9½ ſtatt 15 Prozent). Auck
unter Anrechnung der Reichs= und Staatsbeihilfe verbleibt der
Mans=
feld AG. noch beträchtliches Verluſtriſiko.
Im ganzen geſehen, wird man trotz aller Bedenken die getroffene
Regelung begrüßen müſſen, da ſie die Radikalmaßnahme der
dauern=
den Stillegung zunächſt vermeidet und die Möglichkeit ſchafft, in
ruhi=
geren Zeiten über das endgültige Schickſal des Mansfelder
Kupfer=
bergbaues und der von ihm abhängigen Bevölkerung zu einem
abſchlie=
ßenden Ergebnis zu kommen.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Der Kupferblechverband hat ab 22. Juli eine
Preiser=
mäßigung um 22 RM. für 100 Kg. vorgenommen. Kupferbleche in
Großhandel ſtellen ſich jetzt auf 147 (169) RM.
Die Aufnahmefähigkeit der Werke des rheiniſch=weſtfäliſchen Schrott
marktes iſt auf ein Minimum geſunken; nennenswerte Abſchlüſſe
kom=
men nicht mehr zuſtande. Die Läger der Händler und Werke ſind
überfüllt. Das Schrottaufkommen hat infolge der ungünſtigen Lage der
eiſenverarbeitenden Induſtrie erheblich nachgelaſſen. Dieſe Reduzie
rung übt aber keinen Einfluß auf die Geſamtlage des Schrottmarktes
aus, und die Nachfrage liegt weiterhin erheblich unter dem Angebot.
Am 30. Juni 1930 bezifferte ſich die Welthandelsflotte
auf 68024 000 B.R.T. gegenüber 66 407 000 B.R.T. im Vorjahre.
Deutſchland ſteht mit 4 199000 B.R.T. gleich 6,17 Prozent der
Welt=
handelsflotte unverändert an vierter Stelle. Die Vorjahrsziffern
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Sonntag, den 27. Juli 1930
Nummer 206
Die Beiſetzung der Opfer.
der Koblenzer Brückenkataſtrophe.
Die Fahnen auf Halbmaſt. — Beiſehung unker ungeheuerer Bekeiligung der
Bevölkerung. — Reichs= und Preußenregierung ſowie die Skadt Koblenz
bekunden ihre Ankeilnahme durch Niederlegung von Kränzen.
Erſtes Originalbild von der Erdbebenkakaſtrophe in Italien.
Wohnhaus in der Via Caſanova in Neapel.
Die oberen Stockwerke ſind wie bei einem Puppenhaus vollſtändig bloßgelegt. Faſt ſämtliche
Bewohner wurden von dem ſtürzenden Mauerwerk erſchlagen.
Die Trauerfeier.
Die Menge defilierk in ſtundenlangem
Zuge an den kranzbedeckten
Sürgen vorüber.
Koblenz, 26. Juli.
Die unglücklichen Opfer der Brückenkataſtrophe
ſind am Samstag nachmittag zur letzten Ruhe
beſtattet worden. Die Beiſetzung fand unter
un=
geheurer Beteiligung der Bevölkerung ſtatt.
Durch die Straßen, in denen allenthalben die
Fahnen auf Halbmaſt wehten, ergoß ſich ſchon in
früher Morgenſtunde ein gewaltiger
Menſchen=
ſtrom zur Herz=Jeſu=Kirche, wo um 9 Uhr
vor=
mittags von dem Biſchof von Trier, Dr.
Borne=
waſſer, ein Pontifikalamt zelebriert wurde. Die
Vertreter der Behörden, unter ihnen
Oberprä=
ſident Dr. Fuchs und Bürgermeiſter Dr. Ruſſell,
ſowie die Geiſtlichkeit aus Stadt und Land, mit
dem Abt von Maria Lach und dem Trierer
Dom=
kapitular Dr. Fuchs an der Spitze, nahmen mit
den Hinterbliebenen der Opfer und einer großen
Menge Leidtragender an dem Requiem teil. Im
Anſchluß daran zogen Tauſende zur
Telegraphen=
kaſerne, wo man in der Turnhalle die Opfer
aufgebahrt hatte. An den kranzbedeckten Särgen
defilierte die Menge in ſtundenlangem Zuge
vorüber.
Die Miniſter von Guérard und Hirtſiefer,
ſowie Staatsſekretär Schmid, die heute früh
in Koblenz zur Teilnahme an der Trauerfeier
eingetroffen waren, legten im „Auftrage der
Reichsregierung und der preußiſchen
Staatsre=
gierung Kränze nieder. Auch die Stadt Koblenz
hatte ihrer Anteilnahme durch Niederlegung
von Kränzen Ausdruck gegeben.
Das Ergebnis der amklichen
Unker=
ſuchung des Koblenzer Unglücks.
Die vom Reichsverkehrsminiſter angeordnete
Unterſuchung der Brückenkataſtrophe bei Koblenz
fand geſtern ſtatt. Durch den
Miniſterialkom=
miſſar wurden die beteiligten Beamten
ein=
gehend verhört und die Erhebungen an Ort und
Stelle vorgenommen. Die Brücke, die die
Ein=
fahrt zu einem Bauhafen überbrückt, war im
Jahre 1887 erbaut und für eine Tragfähigkeit
von 280 Kilogramm=Quadratmeter Nutzlaſt
be=
rechnet worden. Dieſe Nutzlaſt wurde der
Zweck=
beſtimmung der Brücke entſprechend, für
aus=
reichend erachtet, denn die Brücke war nicht für
den allgemeinen Verkehr beſtimmt. Aus Anlaß
der Beleuchtung der Feſtung Ehrenbreitſtein
hatten ſich am Abend des 22. Juli auf dem
Ufer=
gelände am ſogenannten Neuendorfer Eck
un=
gewöhnlich große Menſchenmaſſen verſammelt,
die nach Beendigung des Feuerwerks in dichtem
Gedränge auf dem nach Koblenz=Lützel
führen=
den Schartwieſergweg zurückfluteten.
Eine Anzahl Zuſchauer wählte, um ſchneller
vorwärts zu kommen, den Leinpfad, der im
Zuge der Brücke liegt und der, weil er kein
öffentlicher Weg iſt, auch keine Beleuchtung
hatte. Die Brücke hätte dieſe Verkehrsbelaſtung
ausgehalten, wenn nicht der über die Brücke
abmarſchierende Menſchenſtrom durch einen ſich
von der Seite keilförmig einſchiebenden Trupp
junger Leute verwirrt und zuſammengeballt
worden wäre. Dies wirkte um ſo
verhängnis=
voller, als außerdem irgendein Ereignis auf der
Moſel oder am gegenüberliegenden Ufer die
Aufmerkſamkeit der auf der Brücke befindlichen
Paſſanten erregte, die infolgedeſſen unvermittelt
ſtehen blieben, während von den
Nachkommen=
den nachgedrängt wurde. Infolge der
Ueber=
laſtung wurden die Schwimmer der Brücke
voll=
ſtändig unter Waſſer gedrückt und die Brücke
kenterte.
Nach Mitteilung des Polizeipräſidiums
Kob=
lenz yaren von der Schutzpolizei alle
Vorkehrun=
gen getroffen, um eine glatte Abwicklung des
Verkehrs vom Neuendorfer Eck nach Koblenz=
Lützel zu gewährleiſten. Einzelne Perſonen
zogen es vor, den abkürzenden Weg über die
Hafenbrücke einzuſchlagen. Die Beamten
dul=
deten ſchließlich die Abweichung vom Hauptweg.
weil ſie darin keine Gefahr erblicken konnten,
denn ſie kannten die Brücke und wußten, daß ſie
bei mancherlei Anläſſen von größeren
Volks=
mengen benutzt wurde. Es war ihnen aus
eigener Anſchauung bekannt, daß der
Fußgänger=
verkehr bei früheren Veranſtaltungen ebenſo
groß, wenn nicht noch größer, war, als in der
Nacht vom 22. zum 23. Juli. So haben die
poli=
zeilichen Ermittlungen zu dem Ergebnis
ge=
führt, daß es ſich um einen tragiſchen Unfall
handelte, der ſich bei der Verkettung
unglück=
licher Umſtände jeder menſchlichen Vorausſicht
entzog.
2142 Toke und 4551 Berwundeke
der Erdbebenkakaſtrophe.
Rom, 26. Juli.
Am Samstag mittag wurde ein amtlicher
Be=
richt des Miniſters für öffentliche Arbeiten
aus=
gegeben, der die Toten im Erdbebengebiet bis
20 Uhr des 25. Juli mit 2142 und die
Ver=
wundeten mit 4551 angibt, aber hinzufügt,
daß dieſe Zahlen wahrſcheinlich noch
ſteigen werden. Im Hinblick auf die
Höhen=
lage und auf die verhältnismäßig kurze Zeit vor
dem Eintritt des Winters hat der Miniſter
be=
reits angeordnet, daß in der nächſten Woche in
den zerſtörten oder ſchwer beſchädigten
Gemein=
den mit der Errichtung von vorläufigen
Wohn=
baracken begonnen werden Ioll.
Bei den Bergungsarbeiten im
Erdbebenge=
biet werden noch immer einzelne Perſonen
le=
bend unter den Trümmern hervorgeholt,
trotz=
dem nun ſchon über drei Tage ſeit dem
Erd=
beben vergangen ſind. So wurden in Lacedona
eine Frau und ein vierjähriges Mädchen
ge=
rettet. Das Mädchen verdankte ihre Rettung
einem Zufall. Unter den Trümmern, die ſie
be=
deckten, hatte man keine lebende Seele mehr
vermutet. Als aber eine Frau dort ein leiſes
Jammern zu hören glaubte, gruben zwei
Mili=
tärärzte und ein Karabinerileutnant vorſichtig
nach und fanden nach mühevoller Arbeit das
Kind, das das einzige überlebende Mitglied
ſeiner Familie ſein dürfte. — Gleich ſchwierig
wie das Rettungswerk iſt die Verpflegung von
ſchätzungsweiſe 60 000 Menſchen (Zivil= und
Militär). Auf den Anfahrtsſtraßen erfolgt ein
fortwährender Nachſchub von Brot, Fiſchen,
Kon=
ſerven und Früchten. Die Bäcker in den
ver=
ſchonten Ortſchaften arbeiten Tag und Nacht.
Für die durch das Erdbeben geſchädigte
Bevölke=
rung ſind dem Miniſterpräſidenten ſchon etwa
1000 000 Lire zur Verfügung geſtellt worden,
davon etwa die Hälfte von der Fasciſtiſchen
Partei.
Der König von Italien hat das
Erdbeben=
gebiet beſucht. Die Fahrt ging durch die
Ge=
gend von Lacedonia, Aquilonia und Biſaccia.
Der König ſuchte in den einzelnen Orten die
Hoſpitäler auf, ſprach den Verletzten Mut zu
und tröſtete die Hinterbliebenen. Die
Bevöl=
kerung bereitete ihm einen herzlichen Empfang.
Der Europa=Rundflug.
Ungünſtiges Wekter
in den ſchleſiſchen Bergen.
Breslau, 26. Juli.
Trotz anhaltenden Sturmes und Regen iſt
der am Freitag als Zweiter in Breslau
ein=
getroffene Engländer Butler heute mittag 12,01
Uhr zur weiteren Etappe Breslau-Poſen
ge=
ſtartet, nachdem er kurz vorher einen etwa zehn
Minuten währenden Erkundungsflug gemacht
hatte. Butler hatte von der Wetterſtelle des
Flughafens die Auskunft erhalten, daß die
ſchlechte Wetterlage nur etwa 75 Kilometer weit
reiche und er dann Ausſicht habe, auf gutes
Wetter zu ſtoßen. Die weiteren Teilnehmer,
ſoweit ſie geſtern in Breslau landeten, ſind noch
nicht abgeflogen.
Nach Butler verließen auch die anderen im
Breslauer Flughafen liegenden Europa=Flieger
in der erſten Nachmittagsſtunde bei
anhalten=
dem Regen ſämtlich Breslau. Zunächſt ſtartete
12,25 Uhr der Engländer Broad, fünf Minuten
ſpäter der Engländer Thorn und 12.38 Uhr der
Deutſche Poß. Nach dieſem Start befindet ſich
im Breslauer Flughafen kein Europa=Flieger
mehr.
Spihenflieger Bukler hat in Poſen
Propellerbruch.
Der engliſche Europarundflieger Butler auf
K. 5 iſt um 13.10 Uhr auf dem Flughafen
Law=
niza bei Poſen gelandet. Bei der Landung
wurde aber ein Propellerbruch feſtgeſtellt, ſo daß
der Flieger früheſtens erſt Sonntag vormittag
wieder ſtarten kann.
Der deutſche Flieger Offermann mit
ſeinem Begleiter ködlich verunglückt.
Lyon, 26. Juli.
Der Europa=Rundflug hat am Samstag ſein
zweites Todesopfer gefordert. Heute abend 18
Uhr geriet beim Flugplatz von Lyon das
Flug=
zeug des Deutſchen Offermann, in eine
Hoch=
ſpannungsleitung und ſtürzte ab. Die beiden
Inſaſſen des Flugzeuges, Offermann und
Ober=
leutnant Jerzemſki, wurden getötet.
Vier Flieger bei einem Zuſammenſtoß
in der Luft getötet.
New York. Bei einem Zuſammenſtoß zweier
Flugzeuge in der Luft ſind, wie Aſſociated Preß
aus Mexiko=City meldet, vier mexikaniſche
Heeresflieger getötet worden. Das Unglück
er=
eignete ſich über dem in unmittelbarer Nähe der
Stadt gelegenen Flugplatz Valbuena.
Hindenburgs Ehrengabe zum 19. Deukſchen Bundesſchießen
Der Ehrenpreis des Reichspräſidenten:
Fünfteiliges ſilbernes Service, das vom Reichspräſidenten als Ehrengabe zum 19. Deutſchen
Bundesſchießen in Köln geſtiftet wurde.
Schweizer Fahrt des „Graf Zeppelin”.
Friedrichshafen. Das Luftſchiff „Graf
Zeppelin” iſt am Samstag früh 4,45 Uhr zu
einer Schweizer Fahrt geſtartet. An Bord
be=
finden ſich elf Fahrgäſte. Um 9 Uhr überflog
das Luftſchiff bei herrlichem Wetter die
Schwei=
zer Bundeshauptſtadt Bern.
Neuer Probeflug von „R. 100‟.
London. Das engliſche Luftſchiff „R 100‟
iſt am Freitag abend zu einem 24ſtündigen
Probeflug über Mittelengland, den Briſtol= und
den Aermelkanal aufgeſtiegen. Dieſer Flug iſt
der letzte vor Antritt der Kanada=Reiſe, die bei
günſtiger Wetterlage ſchon am kommenden
Mon=
tag beginnen ſoll.
Schwerer Unfall auf einer Fiſchdampfer=
Probefahrt.
Bremen. Auf dem neuerbauten
Fiſch=
dampfer S. 475, der am Freitag eine
Probe=
fahrt auf der Weſer machte, platzte ein
Dampf=
rohr, wobei vier Leute des Maſchinenperſonals
lebensgefährlich verbrüht wurden. Von den vier
Maſchiniſten ſind zwei ihren Verletzungen
er=
legen. Der Keſſel, ein ganz neuer Typ, arbeitet
mit hundert Atmoſphären. Der Fiſchdampfer
mußte nach der Werft zurückgeſchleppt werden.
Unſinnige Gerüchte am Mittelrhein.
Das Koblenzer Unglück erzeugt
Maſſenpſychoſe.
Schnell ſprach ſich ein Gerücht von Koblenz
ausgehend den Rhein hinauf. Am Mittelrhein
—
irgendwo — ſollte ein Auto, nein, ein
Om=
nibus mit 50 Perſonen in den Rhein geſtürzt
ſein. Das Gerücht behauptete ſich hartnäckig.
Das Unglück wurde immer größer. Nur wo das
Unglück erfolgt ſein ſollte, wußte man nicht. —
Die Telephone ſpielten den Rhein hinauf und
herunter. Der Menſchen am Rhein bemächtigte
ſich, eine Aufregung, die durch immer neue
Ge=
rüchte neue Nahrung erhielten. Die
Polizei=
ſtationen am Mittelrhein wurden angeläutet
Es wurden Polizeiſtreifen an den Rhein
ge=
ſandt, die mit Fernrohren den Rhein abſuchten.
Preſſeautos fuhren ſämtliche gefährlichen
Stel=
len ab. Nirgends war eine Spur zu finden. Der
Grund der Aufregung der Bevölkerung am
Mittelrhein iſt letzten Endes in einer
Angſt=
pſychoſe zu ſuchen. Ueber allen Menſchen am
Rhein laſtet die Koblenzer Tragödie und aus
dieſer Stimmung heraus wurde das Gerücht
geboren.
Schwere Eſſigſäure=Exploſion
in England.
Billingham. Durch eine Eſſigſäure=
Explo=
ſion in einer chemiſchen Fabrik in Billingham
wurden am Samstag 20 Arbeiter durch
Brand=
wunden ſchwer verletzt. Sie mußten in ein
Krankenhaus überführt werden. Ein Arbeiter
iſt dort bereits verſtorben; der Zuſtand von neun
Mann iſt ſehr ernſt.
Der letzte Tote der Hausdorfer
Gruben=
kataſtrophe geborgen.
Neurode. Im Laufe des Freitags iſt es
gelungen, aus dem Kurtſchacht den letzten Toten
zu bergen. Im Geſtein fand man einen Kanal,
aus dem der verhängnisvolle
Kohlenſäureein=
bruch in den Schacht erfolgt ſein muß.
Ein Berliner Ehepaar tödlich abgeſtürzt.
Klagenfurt. In den Mallnitzer Tauern
iſt ein Ehepaar Greßler aus Berlin=Steglitz von
den ſogenannten Raumetterbrettern abgeſtürzt.
Die Verunglückten wurden am Freitag als
Leichen aufgefunden.
Die ſpinale Kinderlähmung im Elſaß.
Straßburg. Die ſpinale Kinderlähmung
im Elſaß breitet ſich langſam aus. Es ſind in
den letzten 24 Stunden fünf neue Fälle zu
ver=
zeichnen, im ganzen alſo in den letzten fünf
Wochen 210, davon in Straßburg allein 55.
Geheimer Medizinalrat Profeſſor
Fürbringer F.
Geheimer Medizinalrat Prof. Fürbringer.
einer der verdienſtvollſten deutſchen Aerzte au
allen Gebieten der inneren Medizin. bis 1903
Leiter der inneren Abteilung am Berliner
Krankenhaus Friedrichshain, ſtarb im
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Kreuzgangs — wenige Schritte von dieſer beſchaulichen
Nuhe das feilſchende Durcheinander des Börſenplatzes. In
einer Nebengaſſe ſtehen die ſtattlichen Gebäude der Großen
oder Sankt Mariengilde ſowie der Kleinen oder Sankt
Johannisgilde, Bauten, die zwar erſt im vorigen
Jahr=
hundert errichtet wurden, in denen aber doch die
Cra=
dition der alten Kaufmanns= und Handwerkergeſchlechter
lebt, die Riga groß gemacht hatten, denn Erzbiſchof und
Nitterſchaft lebten in ſtändiger Eiferſucht. Das werktätige
Volk war es, das Vigas Nuhm bis tief hinein ins Land, bis
an die Wolga und nach Perſien trug.
Wir alle wiſſen von den Balten, ihrem
jahrhunderte=
langen Ningen gegeu den Oſten, ihrem heldenhaften
Ster=
ben einſt und vor wenigen Jahren, haben von baltiſcher
Gaſtfreundſchaft gehört, als noch die Edelhöfe Treffpunkte
hochgemuter Menſchen waren; die altehrwürdigen
Städte=
namen Niga, Neval und Dorpat ſind uns alle vertraut, ſie
ſind Sinnbilder, deutſchen Kulturwillens, ſind uns
Mark=
ſteine deutſcher Oſtlandſendung. Wie viel hat, allein die
deutſche Wiſſenſchaft den Balten zu verdanken — Karl
Ernſt von Baer, Alexander Graf Keyſerling, Carl
Schir=
ren, die beiden Oettingen, Wilhelm Stieda, Oſtwald
Schweinfurt, Bergman, Harnack, Baron
Strom=
berg und Rohrbach. — Nur wenig aber wiſſen wir
von dem Baltenlande ſelbſt. Wald und Heide loll es
lein, Moräſte und Sümpfe neben kargen Wieſen und
Feldern — von Schönheit haben wir ſelten gehört und
doch dennoch, es iſt ſchön; freilich nicht jene weiche,
wohlige, ſatte Schönheit des Südens, nichts von
Marmorpaläſten und azurenem Himmel und dem Sang
liebesſehnſüchtiger Nachtigallen —
Von Stettin führt uns unſer Dampfer in
zwei=
tägiger Fahrt nach der Mündung der breiten Düng,
die vor mehr als 700 Jahren von
unternehmungs=
luſtigen lübiſchen Kaufherret aufgeſegelt wurde, die
aber ſchon lange das Einfallstor germaniſcher
Wilin=
ger in den Oſtraum war. Damals mag der Urwald
geherrſcht haben, denn die liviſchen und kuriſchen
Stämme, die in kleinen Gruppen um den Meerbuſen
ſaßen, waren noch wenig ziviliſiert. Heute bietet ſich
dem Ankömmling ein impoſantes Hafenbild dar, das
auf den erſten Blick die alte Hanſaſtadt zeigt. Unſer
treues Schiff hat am breiten Kai feſtgemacht, und wir
betreten das erſtemal baltiſchen Boden, nehmen geiſtig
Beſitz von einem Lande, in dem deutſches Weſen
jahr=
hundertelang gegen den Oſten kämpfte und Sieger
blieb, wenn auch der deutſche Menſch und deutſches
Gemeinweſen augenſcheinlich in dieſem Ningen unter=
A.
lag. Das bunte, aber etwas abgeſchabte
Menſchen=
gewimmel, das uns bald umbrandet, wenn wir erſt in
die Nähe der alten Ordensburg gelangen, die heute
als Palais des Staatspräſidenten dient, ſieht zwar
durchaus öſtlich aus. Die vielen hundert Buden mit
Fleiſch und Käſe, Altkram und Kurzwaren, eben
ge=
fangenen Siſchen und großen Bergen von Waldobſt
und Pilzen verſtärken den orientaliſchen Eindruck.
Wie man aber in die alte Stadt eintritt, fühlt man
Europa. Die zweckvolle Winkligkeit der alten
Stra=
ßen und Gaſſen führt uns wenige hundert Schritte
bergan zum Herderplatz, mit dem beſcheidenen
guß=
eiſernen Standbild des Gelehrten, der hier jahrelang
als Geiſtlicher und Lehrer gewirkt hat. Dann ſtehen
wir vor der ziegelroten Gewaltigkeit des Domes von
Sankt Marien, deſſen klobiger Curm uns ſchon von
weither ſichtbar geweſen war. Mit dem Bau dieſer
Metropolitankirche wurde im Jahre 1211 unter
Biſchof Albert begonnen, ſo daß alſo die erſten
Bau=
abſchnitte, Chor und Querſchiff, romaniſche Baufor=
A.
men aufweiſen. Schon nach wenigen Jahrzehnten muß
der Dom vollendet geweſen ſein, was beweiſt, daß
Nigas Anſehen, ſeit es erzbiſchöfliche Neſidenz
ge=
worden war, gewaltig geſtiegen ſein mußte. Außer dem
Dom wurden von Ritterſchaft und Bürgerſchaft noch
zahl=
reiche Gotteshäuler erbaut. Craurigen Nuhm erwarb ſich
die lettiſche Regierung durch die Enteignung der
evan=
geliſch=deutſchen St. Jakobikirche, die ſie 1923 den
Katho=
liken als Biſchofskirche übergab.
Wohl den ſchönſten Nundblick über Riga erhält man
vom Domturm”, deſſen Erſteigung zwar eine ziemliche
An=
ſtrengung iſt, die aber niemanden, der ſie bei ſichtigem
Wetter unternimmt, reuen wird. Der Düng gewaltiges
Strombett iſt mit Cauſenden, von Floßen bedecket, die aus
Nußland dem Meere zuſchwimmen und in Niga verkauft
werden; freilich der lebendige Handel der Vorkriegszeit, der
rege Schiffsverkehr ſind nicht mehr vorhanden, denn das
große ruſſiſche Hinterland iſt durch das kommuniſtiſche
Han=
delsmonopol abgeſperrt. Alle die vielen Fabriken, die wir
am Nande der Stadt lehen, ſtehen ſtill; ihre Maſchinen
wurden 1915 von den Ruſſen verſchleppt und nie mehr
zu=
rückgegeben, wodurch das deutſche Bürgertum ungeheuer
geſchädigt wurde, die lettiſche Arbeiterſchaft aber ihren
Verdienſt verlor, lodaß ſie abwanderte und Niga nur etwa
70 Prozent der Einmohnerzahl von 1913 hat. Der kleine
Kern der alten Stadt und der berühmten Feſtung iſt mit
ſchönen Parkanlagen umgeben, die auf den ehemaligen
Feſtungswerken errichtet wurden. Jenſeits dieſer Anlagen
breitet lich das moderne Riga mit ſeinen breiten Straßen
und weitläufigen Plätzen, ſeinen Hafenanlagen,
Induſtrie=
vororten, den großen Holzplätzen und Lagerräumen aus.
Steigen wir vom Curm herab, ſo umfängt uns zunächſt
die kühle, grüne Nuhe des ſchattigen, efeuumſponnenen
Architektoniſch das mtereſſanteſte Profangebäude iſt
das ſogenannte Schwarzhäupterhaus, das Gildenhaus jener
exkluſiven Vereinigung junger, wehrhafter und reicher
Pa=
trizierſöhne, die aus der bereits im 13. Jahrhundert
gegrün=
deten Sankt Georgsbrüderſchaft hervorgegangen war. Der
hochaufragende gotiſche Giebel, der dem Marktplatz
zuge=
kehrt iſt, wurde leider durch Nenaiſſanceornamente ſtark
verunſtaltet, doch konnten die edlen Maße der Urform doch
nicht gänzlich entſtellt werden. Das Innere des bedeutſamen
Bauwerkes, in dem oft Stadtgeſchichte gemacht wurde, iſt
ganz modern und ſeit Jahrzehnten durchaus feudales
Klub=
haus. Die unſchätzbaren Werte des großen Silberhortes
ſind 1915 von den Ruſſen „ewakuiert” worden. Nach
lan=
gen Verhandlungen iſt es gelungen, den hiſtoriſch
wertvoll=
ſten Ceil zurückzuerhalten. Baugeſchichtlich ſehenswert iſt
der Häuſerkomplex um die alte St. Georgskirche und des
Konventsgebäudes zum Heiligen Geiſt. Es ſind dies die
Reſte der älteſten Nitterburg des Schwertbrüderordens, die
im Jahre 1208 erbaut wurde. Was Niga aber der ganzen
Welt voraus hat, das iſt ein Kirchturm aus Holz, der die
ſtolze Höhe von 136 Meter erreicht. Dem Schutzpatron
Rigas, dem Heiligen Peter geweiht, war die größte
Stadt=
kirche, deren Anſicht nichts ſonderlich Kunſtvolles bietet, was
den weitgereiſten Menſchen feſſeln könnte, doch der
merk=
würdige, barocke, dreiteilige Curmhelm, deſſen graziöſe
Leichtigkeit dem Stadtbilde Nigas einen ganz eigenen
Ak=
zent gibt, den wird man nie vergeſſen können, wenn man
ihn je geſchaut hat.
Von der alten Stadtbefeſtigung iſt bis auf einen
maſſi=
ven Pulverturm gar nichts übriggeblieben, und ſtolze
Schwäne ziehen heute im Stadtgraben ihre Bahn, und in
dem Waſſer ſpiegelt ſich der ſtattliche Bau des ehemals
deutſchen Stadttheaters, das heute die lettiſche
National=
oper beherbergt, in der freilich original=lettiſche Werke
kaum zur Aufführung gelangen.
Doch nun wollen wir die Umgebung von Niga beſuchen,
denn es iſt uns erzählt worden, daß der Rigenſer, gleich
welcher Nation, im Sommer ein Doppelleben führt — halb
Amphibie und halb Stadtmenſch — wenn er es nur
irgend=
wie kann, die ganzen Sommermonate am Strande verbringt.
Vom Strandbahnhof fährt man durch das Mündungsgebiet
der Düng und der Aa in etwa drei Viertel bis einer
Stunde in jenes idylliſche Ländchen, das ganz von
Waſſer und herrlichen Strandkiefern umgeben iſt, und
in dem hart am Nande eines einzigartigen, breiten
und überaus feinkörnigen Sandſtrandes ſich zahlreiche
Billenſtädtchen aufgebaut haben, in die der Nigger
Ende Mai, Anfang Juni mit Sack und Pack, Kind
und Kegel überſiedelt, um in der Luft zu ſein und ſich
zu erholen. Nur die Hausfrau hat wenig Freude,
denn ſie muß in ſehr primitiver Weiſe für die in puncto
Eßluſt durch das Baden ſehr anſpruchsvolle Männ= ſorgen, denn man kocht zu Hauſe.
Unter=
ſcheidet ſich der Badebetrieb ſchon dadurch weſentlich
von dem deutſcher Bäder — es gibt natürlich auch
hier Penſionen und Hotels — ſo vor alem aber durch
das Baden ſelbſt. In der Früh bis 10 Uhr beherrſchen
die Männer den Strand — von dieſer Seit, bis um
Uhr haben die Frauen Waſſer, Sonne und Sand für
ſich — alſo kein Familienbadebetrieb mit all ſeiner
luſtigen Fröhlichkeit, ſeinem harmloſen Crall — — es
wird gebadet, und dazu noch — wie mir ein alter
Balte ſagte, „nicht im Frack”, londern ganz ſo, wie
unſer Hergott us erſchaffen hat. über Geſchmäcker
läßt ſich bekanntlich nicht ſtreiten. —
So recht aufgeſchloſſen für Fremdewerkehr iſt das
Land noch nicht, und man wird ein wenig angeſtaunt,
wenn man als Fremder mit dem Neiſehandbuch über
Land fährt, gar mit dem Nuckſack wandert, um die
alten und neuen Burg= und Schloßruinen zu beſuchen.
Wer Riga einen längeren Beſuch abſtattet, der darf
nicht verſäumen, eine oder die andere Fahrt ins
Land zu unternehmen, um ſeine ſchlichte und herbe
Schönheit kennen zu lernen, jene nordiſche Weite, von
der die baltiſchen Dichter ſingen. Eine Fahrt ſteht mir
da ganz beſonders im Sinn, und zwar eine Bootsfahrt
von Stockmannshof, wo einſtens der geprieſene
bal=
tiſche Pommeranzen= und Kümmellikör fabriziert
wurde, düngabwärts dis zum berühmten
Koßen=
huſen. Bootsfahrt auf der Düna iſt heute eine mehr
als primitive Sache. Der Schiffsmann Johann Knauer
hat zwar verſucht, durch Sweige das „Großboot”
etwas wohnlich zu geſtalten, es iſt ihm aber nur ſchlecht
gelungen. Swölf Perſonen haben in dem flachen Kahn
Platz und bald trägt uns der breite, ſeichte Strom
ab=
wärts in eine viele Kllometer lange, aber niedere
Klamm, die der Fluß durch das Geſtein gefreſſen hat.
Bei einem großen Knie der Düna ſtand auf ſtark
er=
höhtem, tief ausgefreſſenem Felsgeſtein die alte Beſte
Selburg, deren letzten Veſte langſam zerfallen. Die
Uferpartien gleichen engliſchen Parks, beſonders fallen die
ſchönen, hochgewachſenen Birken auf, deren ſilberweißen
Stämme weithin leuchten. Unſer Kahn gleitet an Giſchreuſen
vorbei, in denen der weltberühmte Dünglachs gefangen
wird, der als der wohlſchmeckendſte ſeiner Gattung
geprie=
ſen wird. Ohne zu rudern, nur von der Strönung getragen,
fahren wir weiter abwärts, bis wir an einem
ſagenumwobe=
nen hohen Felſen, dem Cränenſtein, halten, den die lettiſchen
Volksſänger beſingen. Ein Ceil des berühmten Staburgas
iſt kürzlich, wohl durch die Cränen unterhöhlt, in den Gluß
geſtürzt, und nun wird die Seele des betrogenen und hier
weinend zum Fels verwandelten Mädchens wohl ihren
Frie=
den bekommen haben. Stundenlang fahren wir, und die
heiße Sonne des Juli brennt uns die Haut zu großen roten
Blaſen, die auch das kühle Bad nicht zu tröſten verſteht.
Am ſpäten Nachmittag ſehen wir die einſt ſo gewaltige
Ruine Kokenhuſen, die ſchon im 18. Jahrhundert von den
abziehenden Soldaten des Königs Auguſt in die Luft
ge=
ſprengt wurde, auf hohem Felſen vor uns ſtehen, und wir
ſind am Ende unſerer Fahrt. Iſt dieſe Nuine großartig, ſo
die des Herrenhauſes, das den Baronen Loowenſtern
ge=
hörte, ein Bild grauenhaften Jammers. Schloß und Park
haben unter den Granaten fürchterlich gelitten, und da die
Beſitzer enteignet wurden, ſo wird das Schloß niemals mehr
aufgebaut werden. Die Gräber der Nitter verfallen, eine
Kulturepoche ſcheint mit ihnen hinabgeſunken zu ſein.
Ob das deutſche Schickſal hier beſiegelt iſt? Wer
könnte es ſagen? Wert aber iſt das Land, beſucht zu
wer=
den, denn wir lernen ein Stück auslandsdeutſcher Geſchichte
von höherom Geſichtspunkt aus zu betrachten.
ESamuranmnnnnnnnnnnnnnunggmnnnnnnnnnnnnnnngnnnnggnnagggnrEne mmg Enggmnnngnnnngngnnnnangannnngenngneggnemgngngng argnm Engengnnnnng
[ ← ][ ][ → ] Die frohlrch
Von Nichard B
Wie ein ſteinernes Schiff mit vier aufrecht ſtehenden,
ſtar=
ken, ſteinernen Maſten ſchwimmt die Stadt über dem tiefblauen
Waſſer; ſteil ragen aus den Wellen die Felſen, über den Felſen
hängen gequaderte Mauern, darüber ſind weite Plattformen
ge=
breitet und darauf ſtehen Häuſer, Kirchen, Dome und Nuinen.
dazwiſchen Kakteen und großblättrige Agaven, manchmal auch
etwas Brachland, auf dem Diſteln wachſen. Die Inſel Nab
ſcheint alſo gar nicht ſo „fröhlich” zu ſein, ſondern ſie mutet
ſchein-
bar gepanzert an; aber der Stein, aus dem dies alles gebaut iſt.
iſt wahrhaftig nicht farblos triſt oder froſtig monumental, er
wirkt vielmehr unſagbar adrett und die Nuinen wirken nicht im
geringſten deprimierend. Im Gegenteil ſogar: ſie geben dem
Stadtbild einen exotiſchen Einſchlag, und das läßt das Meer nur
noch blauer, noch ſüdlicher ſcheinen, die grauen Karſtberge im
Innern der Inſel ſehen dann aus wie große, rieſenhafte Dünen
und der wunderſchöne Wald hinter der Stadt dem Strand
ent=
lang — ein, zwei halbverfallene Kirchen ſitzen darinnen —
leuch-
tet nur noch grüner und fröhlicher als er ohnehin ſchon leuchtet.
Die Architektur von Nab hat etwas Reinliches, dazu aber
auch etwas eminent Gegenwärtiges und obendrein etwas
ent=
ſchieden Leichtes, Beſchwingtes, ſodaß man den Kirchtürmen ihre
maſſive Nomantik gar nicht ſo anmerkt; die Sonne, der Stein
und der tiefblaue Himmel ſind alle ſchlechtweg nur fröhlich, das
viele zwecklos daliegende Mittelalter, die venezianiſchen Palazzi
und Haſſen, die verborgene Loggia und der toternſte Stadtturm
an der Niva laſſen nicht einen Augenblick lang an Vergangenheit
denken, wenigſtens nicht an Vergangenheit, die das Vergnügen
an der Wärme und an der Köſtlichkeit des Badewaſſers belaſtet.
Man braucht ſich nur beſtändig vorzuſtellen, daß inmitten dieſer
mittelalterlichen, folglich ſcheinbar düſteren Welt die Badegäſte
im Pyjama herumpilgern, daß beiſpielsweiſe die Maler im
Py=
jama an der Staffelei ſtehen und alſo leicht beſchürzt Nabs
Herr=
lichkeiten abkonterfeien. Dazu der Niva entlang die Hotels; aber
es iſt doch zu konſtatieren, daß das eine von ihnen im Palazze
weiland einer Naber Patriziatsfamilie untergebracht iſt, daß vor
ihm ein internationaler Canzplatz ſich breitet, von kleinen, vorerſt
noch jungen und darum ſchüchternen Palmen beſtreut, und daß
darüber, geiſterhaft in den Nachthimmel ragend, fahl beleuchtet
e Inſel Nab
uſch=Hantner.
vom Widerſchein zahlloſer elektriſcher Birnen, die Front einer
Kapelle ragt, an deren Saſſade der Kruzifixus hängt, dieweilen
unter ihm eine Niggerjazzband . . .
Die Kirchen von Nab gehören unbedingt zu den „Seligkeiten”
der Inſel; und das inſonderheit deshalb, weil ſie zwar ſehenswert
ſind, nicht aber „Sehenswürdigkeiten‟. Der Dom beiſpielsweiſe,
eine ſchwere, wunderbar maſſige Nomantik, gut erhalten, aber
doch mit jenem leicht ruinöſem Einſchlag, daß man das
Unver=
dorbene daran richtig herausfühlt. Im Innern wenig feſſelnd,
ein paar wunderſchöne Geſtühle abgeſehen, der Vorplatz aber,
einfach in kahle Mauern gefaßt, iſt eine in Steine gebannte
Ele=
gie: da liegen Dutzende von Grabplatten als Pflaſter auf dem
Boden, links iſt Brachfeld, rechts öffnet ſich die felsgetragene
Plattform zum Meer. Da ſcheint der Dom allein auf ſeiner
ſteinernen Unterlage zwiſchen Himmel und Waſſer zu ſchwimmen,
wie das Wrack eines geſtrandeten Schiffes, das kieloben auf den
Klippen liegt.
Gehen wir die einzige lange Prunkgaſſe entlang, immer hart
oben an der Scheide der Felszunge, die die Stadt trägt, ſo
wieder=
holt ſich immer wieder dasſelbe Schauſpiel: rechterhand klettern
enge Sträßchen von der Niva her den Höhenrücken herauf und
öffnen ſich zu kleinen Plätzen, die auf der anderen Seite i das
Meer und in die Luft hinausmünden. Beiderſeitig ſtehen enge,
ſteinerne Häuſer, die Straße windet ſich zwiſchen ihnen
ſchlucht-
artig durch, an zwei anderen Kirchen vorbei; die dritte, die älteſte
von allen, iſt vor zwei Jahrzehnten zuſammengeſtürzt und nur ihr
Kampanile ſteht noch. Dieſe Kirchen haben im Kein noch alle
uraltes Gemäuer, im Innern ſtoßen ſie ab, aber in verſchwiegenen
Winkeln bergen ſich venezianiſche Cafelbilder der beſten Seit. So
einen echten Vivarini und anderswo einen echten Cizian (er
ge=
hört allerdings nicht zu den beſten)
Eines der Bilder ſteht im Nufe der Wundertätigkeit, und
man kann an Feiertagen Naber Fiſcherfrauen ſehen, angetan mit
der ſonderbar ſchwarzen Cracht — ſie iſt ganz anders als ſonſt in
Dalmatien — wie ſie auf ihren Knien von der Niva die
Berg=
gaſſen herauf in die Kirche bis zu den Stufen des Altars kriechen
Die Sekretarin
Von H. M. Kahler.
Berechtigte Überſetzung von B. Glaſer.
Die Art und=Weiſe, wie Nobert Gill die vor ihm liegenden
Papiere erledigte, bewies, daß er zum Herrſchen und Befehlen
geboren war. Ein Blick genügte ihm, um jedes Problem zu
er=
faſſen und Fräulein Bemiſch in einem einzigen gedrängten Satz zu
inſtruieren, wie die Angelegenheit in ſeiner bevorſtehenden
Ab=
weſenheit zu handhaben ſei.
„Hm, der Vertrag mit der Univerſal? Sie wiſſen ja, was da
zu machen iſt, dasſelbe wie im vorigen Jahr.”
Die tadelloſe Spitze von Fräulein Bemiſchs Bleiſtift ſchrieb
ein einziges ſtenographiſches Seichen an den Nand. Nobert Gills
Augen wurden ein wenig wärmer, und die geſchäftliche Schärfe
ſeines Benehmens ließ etwas nach.
„Sie werden das beſſer machen als ich”, ſagte er.
Es klang ſehr wohlwollend, machte aber anſcheinend nicht
den geringſten Eindruck auf Fräulein Bemiſch. Ebenſogut hätte
Nobert Gill einer treuen Nechenmaſchine einen freundlichen Klaps
verſetzen kömen. Fräulein Bemiſch glich wirklich den
ſinnn-
reichen Maſchinen, mit denen ſie ihre Obliegenheiten als
Sekre=
tärin erfüllte; ihre Augen hinter den glänzenden, randloſen
Bril=
lengläſern waren offenbar von Natur aus dazu beſtimmt,
Ge=
ſchäftsbriefe zu leſen; ihr Mund war wie geſchaffen, genaue
Aus=
kunft über Daten, Beträge und Prozentſätze zu geben; ihr
adret=
tes dunkles Kleid, ihre ſchwarzen Strümpfe und Schuhe, die
glat=
ten, unſcheinbaren, bräunlichen Haare erinnerten an die dunkle
Politur einer Schreibmaſchine.
„Bei dieſer Abreiſe”, fuhr Nobert Gill, unentwegt
wohl=
wollend fort, „wird mir erſt klar, daß ich Ihnen zu wenig Gehalt
zahle, Fräulein Bemiſch. Es iſt unklug von mir, es zuzugeben,
aber ich würde nicht wagen, einen Monat lang vom Büro
fort=
zubleiben, wenn ich Sie nicht hätte. Ich erhöhe hiermit Ihr Gehalt
um fünfzig Schilling.”
Fräulein Bemiſch neigte den Kopf. Ihr Bleiſtift machte.
als ſei es eine rein mechaniſche Neaktion, emn anderes
ſteno-
graphiſches Seichen auf, ihren Block, ſonſt, blieb ſie unbewegt
Nach einer kleinen, abwartenden Pauſe nahm Herr Gill die
Ar=
beit wieder auf, und ſein Con und ſeine Art waren wieder kurz
und gebieteriſch.
„Halligans Vorſchlag.” Er runzelte die Stirn, fuhr mit der
Hand über das trotzige Kinn, das friſch raſiert war; die Nägel
der Hand — eine äußerſt fähige Hand — waren vor kurzem aufs
ſorgfältigſte manikürt. Fräulein Bemiſchs Augen — ſie hatte
von ihrem Stenographenblock aufgeſehen — folgten dieſen
glän=
zenden Nägeln, und ihr Mund wurde, wenn möglich, noch
aus=
drucksloſer als vorher. „Das müſſen Sie ſich anſehen und nach
eigenem Ermeſſen handeln”, ſagte Nobert Sill. Das kann
nicht bleiben, bis ich zurück bin. Ich kann mich darauf verlaſſen
daß Sie herausfinden, wenn irgendwo ein Haken iſt.”
Fräulein Bemiſch nickte. Das Celephon ſurrte; ſie ſtreckte
die Hand aus, aber Herr Sill war ſchneller. „Ich werde ſelber
ſprechen.”
Es war wie eine Entſchuldigung und klang ein wenig
be=
fangen, aber in den Hörer ſprach er mit eindringlicher und
be=
ruhigender Stimme. Fräulein Bemiſch nahm die Unterbrechung
ſo gleichgültig hin, als wäre ſie eine Maſchine.
„Hier iſt Nobert Gill
Oja —
* Die Stimme wurde
wärmer und leiſer. Fräulein Bemiſch preßte die Lippen noch
feſter zuſammen. „O nein, ſo viel habe ich niemals zu tun
Wann? Ja, ja, mit dem größten Vergnügen . . . um halb zwei,
alſo. Jawohl.”
und beten. Iſt die Andacht zu Ende, ſo ſtehen ſie auf, gehen
wie=
der hinunter und beginnen die Wallfahrt von neuem.
*
Die Inſel Nab könnte keinesfalls ſo fröhlich ſein, wäre ſie
nicht eine Ausnahme, von gnadenreicher Hand eingeſtreut unter
die eintauſend nennenswerten Inſeln der dalmatiniſehen Küſte.
Hier in Nab gibt es Quellen, und folglich auch Waſſer, hier gibt
es Wald, wirklichen, regelrechten, wunderſam lichtgrünen Wald
und einen köſtlichen Wein. Sonſt iſt Dalmatien ein grauer
Stein=
haufen, auf dem kaum auch nur ein Stamm gerade und ſenkrecht
in die Höhe gedeiht.
Auf den Hängen der Inſel, die ſich tief landeinwärts ziehen,
ſitzen verſteckt, verloren, vereinſamt und ziemlich vergeſſen
Kir=
chenruinen fener ganz frühen Heit, die, wie gelehrte Forſchung
feſtgeſtellt hat, bis in jene Jahrhunderte zurückreichen, wo die
erſten Kroaten der Völkerwanderungszeit von Norden her kamen
und hier die erſten Gotteshäuſer bauten, nach nordiſcher Sitte
hoch oben auf ſteinigten Höhen. Weiter innen in der Inſel iſt
auch noch ein Kloſter, faſt tauſendjähriges Gemäuer, benannt zu
St. Peter im Cal, eine kleine dunkle Baſilika, angefüllt mit dem
Hauber ihrer Ode und ihrer vergangenen Größe. Der Konvent
und der Kreuzgang daneben ſtehen dürftig und traurig, denn vor
beiläufig vierhundert Jahren war hier die Peſt... . Dieſelbe
Peſt, die auch in Nab gewütet hat, bis von den 4000
Einwoh=
nern damals nur noch 200 übrig waren und die Häuſer zerfielen.
Daher die zahlreichen Nuinen heute.
Die Inſel Nab aber iſt fröhlich; ſo fröhlich, daß die Peſt
überwunden wurde und ihre Cragik heute längſt nicht mehr da iſt.
Die Landſchaft iſt viel zu lebensbejahend, um dergleichen ſpüren
zu laſſen. Dazu iſt Nab ſo gottvoll altmodiſch, ohne jeden
ſtören=
den, verſtimmenden Fortſchritt, es herrſcht ein gewiſſermaßen
Nouſſeau’ſcher Suſtand und eine „Schluß mit Europa”-Stimmung,
Schluß mit Europa inſofern, als hier eine erdteilloſe
Jenſeitig=
keit der reinen Freude anfängt. Es gibt hier keine einzige —
überhaupt nur fahrbare Straße, es gibt keine Autos, keine
Wägen, keine Fahrräder, ja nicht einmal Pferde. Nur Eſel und
einige Ninder, außerdem Siegen. Auch haben die Bauern noch
Pflüge auf ihren Ackern, in denen man Konſtruktionen erkannt
hat, wie ſie Homer beſchreibt, und mit Homer ließe ſich Nab auch
ſonſt noch paſſend beſtimmen: wollte man dies unendlich friedſame,
bukoliſche Eiland mit dem ſagenhaften Neich der Phäaken
ver=
gleichen, ſo würde man gewiß keinen Fehler begehen. Nab hat
in der Cat etwas von jener beſchaulichen Fröhlichkeit, der nicht
„Böſe” und deshalb auch nicht „Gut” bewußt war, die nur die
Freude am Daſein kannte und folglich heiter und ſorglos lebte.
Der Hörer klappte auf den Apparat. Herr Gill ſah nach
ſeiner Armbanduhr und ſchob den Stuhl zurück.
„Der Neſt muß bis Montag bleiben, Fräulein Bemiſch. Ich
werde ein dis zwei Stunden vor der Abfahrt hier ſei. Dringende
Sache — — muß ſofort in die Stadt fahren . .."
Fräulein Bemiſchs Stimme klang wie die Stimme eines
Parlographen, als ſie impoſant, aber mit einem gewiſſen Sögern
nach der Cür ſchritt.
„Sie haben um viertel zwei eine Verabredung mit Frau
Gill”, ſagte ſie. „Lunch und Cheater.
Herrn Gills Geſicht wurde ernſt und betroffen.
„Mein Gott! Und ſie kommt extra den weiten Weg nach
Leiceſter hierher! Sie werden es ihr erklären müſſen, Fräulein
Bemiſch. Ich kann nicht warten, bis ſie kommt.‟ Er ſah
beun=
ruhigt aus. „Sie wird ſehr enttäuſcht ſein. Ich — ich verlaſſe
mich auf Sie, daß Sie ihr klar machen, daß es ſich um eine nicht
zu umgehende geſchäftliche Angelegenheit handelt.”
„Gewiß”, ſagte Fräulem Bemiſch. Die Stimme ſchien
Herrn Gills Unruhe zu beſchwichtigen.
Danke.‟ Er zögerte. „Und was das Gehalt anbetrifft,
Fräulein Bemiſch, ſo finde ich, daß eine Sulage von fünfzig
Schil=
ling nicht genügt. Jetzt, wo ich mitten in der Saiſon fort muß,
wird mir erſt klar, wie ſehr ich auf Ihre Hilfe angewieſen bin.
Wir wollen es auf einhundert mehr pro Monat abrunden. Nein
er hob die Hand, als hätte ſie, ſprechen wollen, „nein, Sie
verdienen es. Ich könnte unmöglich fortreiſen, wenn Sie nicht da
wären.”
„Ich danke Ihnen”, ſagte Fräulein Bemiſch. Sie verbeſſerte
das ſtenographiſche Seichen auf ihrem Block. Nobert Gill ging
ort. Fräulein Bemiſch ſammelte ihre Papiere auf dem Pult
zu=
ſammen und zog ſich in ihr Simmer zurück. Hier vernachläſſigte
ſie zunächſt ihre Pflichten ur öffnete ihre Morgenzeitung, und
zwar ſchlug ſie die Seite mit den Schiffahrtsnachrichten auf und
Craume, die Wahrheit wurden meinen Vater?” — „Nein”.
Von Cyrus bis Franz Ferdinand.
Die Weltgeſchichte in Cräumen.
Von Georg Bieſenthal.
„Das Leben und die Cräume ſind Blätter eines und des
nämlichen Buches. Das Leſen (dieſes Buches) im Zuſammenhang
beißt wirkliches Leben”, ſchreibt Schopenhauer, der ſich mit
Cräu=
gezeichnet und ſelbſt mehr als einmal im Craum in die Sukunft
geſchaut hat. „Die Träume für bloßes Gedankenſpiel, bloße
ſinnung oder an Nedlichkeit”, ſagt er an anderer Stelle. Und
Nietzſche — um noch einen zweiten großen Verfechter des
Crau=
mes zu zitieren — mahnt: „Unſere Cräume ſind vielmehr unſere
Erlebniſſe, als man glaubt — über Cräume muß man umlernen!”
Der Begründer der Pſycho=Analuſe war alſo nicht der erſte
in unſerer Seit, der das Craumleſen ſuſtematiſch auf ſeine Be=
Gedanken an die praktiſche Anwendung fortgeſetzt, was wenige
Jahrzehnte früher Schopenhauer bereits begonnen hatte.
Auch jene beſondere Gattung von Cräumen: das
Voraus=
ſehen kommender Ereigniſſe im Schlaf, iſt wiederholt Gegenſtand
aber hier nicht fortgeſetzt werden. Statt ihrer folgen Berichte
über Catſachen, aus denen ſich jeder ſelbſt ein Urteil bilden kann.
Der wahrſagende Craum, die „ineubatio” wurde im
Alter=
tum bewußt herbeizuführen geſucht. Schon das Alte Ceſtament
ſpricht von geweihten Stätten, an denen man ſich niederlegte, um
eines Craumorakels teilhaftig zu werden. Im Cempel der
Sera=
pis in Unter=Agypten, im Cempel der Iſis, in der Pyramide
E=ſaggal zu Babylon, in den 186 heute nachgewieſenen
Heilig=
tümern des Aſklepios gab es beſondere Schlafräume, in denen
man weisſagende Cräume empfing. Der Calmud berichtet von
wochenlangen Faſten, die man ſich auferlegte, um beſtimmte
Wahrträume zu erzielen. Und noch heute ſuchen primitive
Völ=
ker vor wichtigen Entſchlüſſen den göttlichen Ratſchlag im
Craum.
In einem überaus packenden Werk, im „Buch der Cräume‟
(Rowohlt=Verlag), hat Ignaz Jezower eine Weltgeſchichte
zu=
ſammengetragen: eine Geſchichte der Welt im Schlaf. Sie be- 9eieiter
Nar=
ginnt mit Joſeph und Pharao und wird fortgeführt bis in unſere
Seit. Hier finden ſich erſtaunlich zahlreiche Beiſpiele für
voraus=
deutende Cräume, und unter denen wiederum viele, die mit der
Seitgeſchichte aufs engſte verknüpft waren:
Aſtuages, der Mederkönig, hat zweimal die Begründung
des perſiſchen Weltreichs durch Cyrus, den Sohn ſeiner Cochter,
vorausgeſehen. Cyrus ſelbſt hat in zei Cräumen ſeinen Cod
erfahren. Im zweiten Craum wurde ihm offenbart, daß die
Herr=
ſchaft über ſein Neich auf Darius übergehen würde. Kröſus ahnte
im Craum den Cod ſeines Sohnes durch eine eiſerne Lanzenſpitze
voraus — und Simonides wurde im Craum vor einer Seereiſe
gewarnt: „Er gab daher die Neiſe auf, die andern aber, die
fort=
ſegelten, kamen um.” Harun al Naſchid erfuhr im Craum Seit
und Ort ſeines Begräbniſſes — und Calpurnia träumte in der
Nacht zum 15. März von der Ermordung Cäſars, ihres Gemahls.
Solche Wahrträume werden von faſt, allen Helden der Antike
überliefert — bis zu den letzten römiſchen Kaiſern.
Es iſt unmöglich, auf ſo knappem Naum die Wahrträume
in der Sammlung Jezower’s aufzuzählen. Hier ſeien nur noch einige
Beiſpiele herausgegriffen.
Armand Carrel, der bekannte franzöſiſche Publiziſt, erzählte
eines Cages ſeinem vertrauteſten Freunde folgenden Craum:
„Ich habe meine Mutter im Schlafe geſehen, ſie war
ſchwarz gekleidet, und hatte die Augen voller Cränen.
las nochmals den kurzen Kommentar über die Abfahrt der
Neronia, die am Montag auslaufen ſollte. Nicht einer der
Paſſa=
giere war einer Erwähnung in der Preſſe für wert befunden
wor=
den. Laſſie Faure, die vor einer Filmaufnahme ſtand und ſoeben
eine Scheidung hinter ſich hatte, welche ihren fünften erfolgloſen
Ausflug in die Ehe beendete, wollte von einem ſechſten Noman
nichts verraten, wie ſie ſchelmiſch verſicherte Fräulein Bemiſch
preßte die Lippen feſter und feſter zuſammen, während ſie las,
und ihre Mundwinkel zogen ſich abwärts.
Sie ließ die Seitung in den Papierkorb fallen, als ſie einen
leichten Schritt hörte, und begrüßte Frau Nobert Gill, die heiter
herein kam, ernſt und reſpektvoll.
„Guten Morgen, Fräulein Bemiſch. Erlauben Sie, daß ich
Herrn Gill jetzt mitnehme?‟
Frau Gill war winzig, zart und ſündhaft hübſch. Ihre
Sprache ähnelte einem friſchen Lachen, in ihrem Blick lag das
durch nichts zu trübende Vertrauen eines Kindes; ihr Auftreten,
ihre Kleidung, ihr Schmuck, ihre ganze Perſönlichkeit, waren ein
lebendes Seugnis für Nobert Gills pekunjäre Erfolge und mehr
noch für ſeinen Geſchmack.
„Es tut mir leid, aber ich fürchte, das wird nicht gehen”.
ſagte Fräulein Bemiſch. „Gerade vor ein paar Minuten iſt er
fortgerufen worden, eine dringende — eine dringende
geſchäft-
liche Angelegenheit. Es tat ihm ſehr leid, aber
Frau Gill riß ihre blauen Augen weit auf, wie ein Kind.
Es ſah aus, als wollte ſie im nächſten Augenblick losweinen.
„Er war ſchrecklich enttäuſcht”, lagte Fräulein Bemiſch
ſchnell. „Er bat mich, Ihnen auseinanderzuſetzen, daß es einfach
nicht zu ändern war. Es iſt ſchwierig für einen Mann wie Herrn
Gill, ſeine Angelegenheiten ſo zu ordnen, daß er einen Monat
lang fort ſein kann, und daher . . ."
„Ich weiß.” Frau Sill ſchien aus dieſer Verſicherung etwas
Croſt geſchöpft zu haben. „Ich verſtehe gar nicht, wie er es
ein=
richten kann, fortzufahren; er iſt den ganzen Winter ſo beſchäf=
Erſchrocken fragte ich ſie: „Um wen weinſt Du? Um
„Um meinen Bruder?”
„Nein”. — „Um wen trauerſt Du denn ſonſt?” — „Um Dich,
mein Sohn.”
Am Cage nach dieſem Craum ſchrieb. Armand Carrel jene
Seilen, die Anlaß gaben zu dem Duell, in dem er tödlich
verwun=
det wurde.
Walter Snoo, ein Freund von John Franklin, ſah im Craume
men viel beſchäftigt, Cräume in großer Sahl geſammelt und auf= die Gegend, wo die Franklinſche arktiſche Exepdition
verun=
glückte. Als er erwachte, nahm er einen Bleiſtift, und da er ein
guter Seichner war, zeichnete er die Boote, die ſie umgebenden
Phantaſiebilder ausgeben zu wollen, zeugt von Mangel an Be= Eisblöcke, kurz die ganze Gegend. Dieſe Seichnung ſchickte er
einem Freunde ein, dem Beſitzer eines großen Illuſtrierten
amerikaniſchen Journals. In dieſer Seitung wurde das Bild
veröffentlicht, und eine kurze Beſchreibung der
Craumempfin=
dung Walter Snoos wurde ihm beigefügt.
Als man viele Monate ſpäter die Neſte der verunglückten
Expedition in der Eisregion auffand, ſchickte ein Augenzeuge
ebenfalls eine Seichnung der Unglücksſtelle ein: die Lage und
deutung unterſuchte. Sreud hat im zeitgemäßeren Sinne und in Stellung der vereiſten Körper, die Eisblöcke, die Boote, die
Hunde, alles ſtimmte auf das genaueſte mit der Seichnung Snoos
überein.
*
Eines Morgens im Frühling des Jahres 1886, als noch
nie=
gelehrter Erörterungen geweſen. Solche Erörterungen ſollen mand an die baueriſche Königskataſtrophe denken konnte, erzählte
der Geheime Medizinalrat Dr. Gudden in München ſehr
ver=
ſtimmt am Frühſtückstiſch, er habe in der Nacht das ſchreckliche
Craumgeſicht gehabt, wie er im Waſſer ſtehend mit einem Mann
um ſein Leben rang.
Bald danach wurde der König Ludwig II. für geiſteskrank
erklärt und am 10. Juni nach Schloß Berg am Starnberger See
gebracht, wo Geheimrat Gudden mit ſeiner Überwachung betraut
war.
chen im Waſſer des Sees. Der Arzt hatte, wie man noch erken= Während ihre Cätigkeit ſich darauf beſchränkt, für die
Hand=
gerungen.
Perſönlichkeit, Dr. Joſeph von Lanyi, Biſchof zu Groß=
War=
dein, folgendes Craumgeſicht:
randiger und ſchwarzgeſiegelter Brief mit dem Wappen und der
Brief und ſah auf der Kopfſeite des Briefbogens ein farbiges
Anſichtskartenbild, das den Erzherzog und ſeine Gemahlin im
Automobil, ihnen gegenüber einen General, neben dem Chauffeur
einen Offizier zeigte. Aus dem Zuſchauerſpalier ſpringen wei immer wieder muß er ſeinen Aufſtellungspunkt verändern, um die
junge Burſchen und ſchießen auf die Hoheiten. Der geträumte
Brieftert lautete:
„Euer Biſchöfliche Gnaden!, Lieber Doktor Lanyi!
Ceile Ihnen hiermit mit, daß ich heute mit meiner Frau
in Sarajewo, als Opfer eines politiſchen Meuchelmordes
falle. Wir empfehlen uns Ihren frommen Gebeten und verblaſſen.
heiligen Meßopfern und bitten Sie, unſeren armen Kindern
auch fernerhin in Liebe und Creue ſo ergeben zu bleiben wie
bisher.
Sarajevo, 28. Juni 1914, halb vier morgens.”
Herzlichſt grüßt Sie Ihr
Erzherzog Franz.
träumten Briefes noch im Morgengrauen zu Papier gebracht;
ſeine Niederſchrift iſt ſogar der Handſchrift Franz Ferdinands
frappant angenähert. Er ließ ſodann ſeine Mutter und ein dei
ſeiner Mutter zu Beſuch weilendes Fräulein S. rufen und
er=
zählte ihnen ſeinen Craum. Dann las er in der Hauskapelle
eine Meſſe für das erzherzögliche Paar.
Genau 24 Stunden nach ſeinem Craum, um ½4 Uhr nach= präpariert, dann werden die Propeller bereitſtehender
Flugzeug=
mittags, erhielt er aus Wien ein Celegramm, das ihm die
Er=
mordung des Chronfolgers und ſeiner Gemahlin meldete.
Der Mann, der die Sonne bewegt
und das Wetter macht!
Von Otto Behrens.
den Hilfskräften eines Filmateliers, die gewiſſermaßen im
Ver=
vorgenen ſchaffen, und deren Leiſtungen ebenſo wichtig ſind, wie
die der Darſteller, Regiſſeure und Kameraleute. Unentbehrliche
Helfer, ohne die kein Film hergeſtellt werden kann, gibt es eine ſitzt ganz hinten im Parkett in aller Beſcheidenheit auf ſeinem
und Simmerleute, Capezierer, Maler und ſonſtigen Handwerker, Mann, der die Sonne bewegte und das Wetter machte.
Hanf
tigt geweſen. Jeden Abend iſt er ſo ſpät nach Hauſe gekommen. , das du dabei gehabt hätteſt. . . ., nein, es iſt einfach gemein! Und
Ich freue, mich wirklich, daß er nach Hollywood fahren muß,
wenigſtens auf dem Dampfer wird er ein bißchen Nuhe haben.” dumm, mir einzureden, ſie hätte dich wirklich gern.”
„O ja”, ſtimmte Fräulein Bemiſch zu. Aber ihre
Mund=
winkel zogen ſich trotzdem noch tiefer abwärts.
da wären”, ſagte Frau Gill herzlich. „Er erzählt mir dauernd,
Ihnen bin.”
„Ich werde für alles bezahlt, was ich tue”, ſagte Fräulein / den größten Dienſt von der Welt.”
Bemiſch ſteif.
dumme Pult augenblicklich und kommen Sie mit mir eſſen.” berührten die weiche Nundung der Wangen und die Welle ihres
Fräulein Bemiſch machte eine ablehnende Bewegung mit dem ſpinnwebfeinen blonden Haares. Zögernd riß er den Blick los
Kopf. „Bittel” Cun Sie es doch. Ich gehe ſo ungern allein / und ſah durch das Fenſter hinaus, wie ein Mann, der ſoeben
Stimme bebte, und ihr Geſicht glühte vor ehrlicher Entrüſtung. nen, als die winterliche Brandung des Atlantiſchen Ozeans.
„Es iſt zu gemein und undankbar, ich bin einfach ſprachlos. Nach
all dieſen Jahren, nach all deiner Großzügigkeit und Nückſicht= ten Dienſt .. . . Natürlich mußte ſie es erraten haben . . .
nahme, nachdem ich ſelbſt erſt vorgeſtern ſo nett zu ihr war, ſie / Celephoniſche Beſtellungen, Nechnungen vom Blumenhändler ..."
mit zum Eſſen und ins Cheater genommen habe. Und dann zu Er erinnerte ſich, wie ſie die Mundwinkel, herabgezogen hatte,
warten bis zu dem Augenblick, wo du aufs Schiff gehen willſt, wenn ſie ſie aus der Poſt ausſortierte und zu den privaten
Brie=
um dir zu ſagen.
Nobert Gill zuckte philoſophiſch die Achſeln.
„Im Geſchäft”, erklärte er, „erwartet man keine Dankbar= ihn auf andere Weiſe daran hindern können.
keit, liebes Kind, aber ich muß zugeben, daß es mir trotzdem
einen tüchtigen Stoß verſetzt hat, als ſie —
„Wo ſie wußte, daß du unmöglich fort kannſt, wenn ſie nicht
da iſt, um nach allem zu ſehen. Wo ſie wußte, daß du die Reiſe zu Haufe eine Menge Erklärunger notwendig machen, aber
mor=
aufgeben und auf das bißchen Ausſpannung verzichten müßteſt, gen früh würde Fräulein Bemiſch ihren Poſten zurückerhalten.
denen die Aufgabe obliegt, die Bauten und Dekorationen — die
Am 15. Juni fand man den König und ſeinen Arzt als Lei= Scheinwelt fertigzuſtellen, die die Wirklichkeit vorläuſchen ſoll.
nen konnte, mit dem König im Waſſer vergeblich um ſein Leben lung den äußeren Nahmen zu ſchaffen, ſteht eine andere Gruppe
Facharbeiter mit den eigentlichen Aufnahmen, ſelbſt in engſter
Berührung, ja, ohne ſie würde dem Kameramann das Allernot=
Und ſchließlich ein Craum, der das weittragendſte Ereignis / wendigſte für ſeine photographiſchen Aufnahmen fehlen, nämlich
unſerer Epoche: den Weltkrieg, auf geheimnisvolle Weiſe ein= das Licht! Man weiß, daß im Filmatelier unzählige Lampen
von der Stärke vieler Hunderttauſend Kerzen die Sonne erſetzen
In der Nacht zum 28. Juni 1914, gegen ½4 Uhr morgens, bzw. ſie an Lichtſtärke noch um ein Bedeutendes übertreffen
hatte eine dem Erzherzog Franz Ferdinand beſonders naheſtehende müſſen, um eine kinematographiſche Aufnahme machen zu können.
Licht aus vielen Beleuchtungskörpern zu haben, deren Strahlen
ſich zu hellſtem Schein vereinigen, iſt die erſte Vorausſetzung für
Er träumte, daß oben auf ſeiner Morgenpoſt ein ſchwarz= das Gelingen der Photographie. Der Mann, der die Lichtquellen
dieſer künſtlichen Sonne bedient, ſie nach allen gewünſchten
Handſchrift des Chronfolgers liege. Der Biſchof öffnete den Nichtungen hin bewegt, um nicht nur zu leuchten, ſondern auch
anzuleuchten, das heißt die Lichtſtrahlen auf die Szene und auf
die Darſteller gleichmäßig zu verteilen, iſt der Beleuchter.
Ein ſehr wichtiges Amt iſt es, das ihm obliegt! Immer und
Aufnahmeobjekte „in das richtige Licht zu ſetzen”. Mal hockt
dieſer „Sonnengott” mit ſeinen Gehilfen am „Himmel” der Halle
auf Balkengerüſten, dann ſteigt er wieder zur Erde herab, um
ſeine Sonne nahe an die Schauſpieler heranzurücken. Ohne ſeine
Sonnenſtrahlen müßte der noch ſo hell leuchtende Silm=,Stern”
Da nun die Sonne nicht immer in den Filmhandlungen
ſcheint, kommt es ſehr häufig vor, daß das Manuſkript für eine
beſtimmte Szene Schneeſturm oder Negenwetter
vor=
ſchreibt. In ſolchen Fällen muß man im Atelier ſein eigener
Wettergott ſein und die Witterung ſo geſtalten, wie ſie eben
ver=
langt wird. Bei Schnee bedeckt man den Boden des Filmateliers
Biſchof Lanyi hat ſein Craumgeſicht und den Cext des ge= mit einer etwa 30 Sentimeter hohen Schicht Kochſalz und Gips.
Gebäude, Bäume und Sträucher erhalten die Auflage von
Wattekiſſen, die mit Naphthalin beſtreut werden, damit der
„Schnee” im Lichtſchein der Atelier=Sonne auch ſchön glitzert.
Naphthalinſchuppen klebt man ferner an die Kleidung der
han=
delnden Perſonen und hilft mit ein paar Kilo Salz und Gips
nach, damit ſie recht „wintermäßig” ausſehen. Iſt alles ſo weit
motoren angeworfen, und im Chaos der Luftwirbel bewegen ſich
nicht nur die Salzmaſſen des Bodens, ſondern vor allem auch
jene Mengen, die man von hochragenden Gerüſten aus nach unten
abwirft. Zur Unterſtützung des nebligen Dunſtes quillt aus
Dutzenden von Nöhren Waſſerdampf, und außerdem treten noch
einige Feuerlöſcher in Aktion, um das Durcheinanderwirbeln der
„Schneemaſſen” möglichſt naturgetreu vor Augen zu führen.
Flaut der „Sturm”, ſchließlich ab, dann übernehmen
Atelier=
arbeiter die ſagenhafte Cätigkeit der Frau Holle und ſchütten von
Gar nichts oder nur wenig erfährt das Publikum von all” den Gerüſten Bettfedern herab, die locker fallende Schneeflocken
vortäuſchen.
Wird nun ein ſolcher Silm uraufgeführt, und die Darſteller
zeigen ſich beifallumrauſcht vor dem Vorhang des Kinos, dann
ganze Neihe im Atelier. Da ſind zunächſt die Maurer, Ciſchler Freiplatz ein einfacher Arbeiter, dem niemand Lob ſpendet — der
noch vorgeſtern, als ich ſie von dir ſprechen hörte, war ich ſo
„Ich habe auch immer gedacht, ſie hätte mich gern”, ſagte
Nobert Gill, „auf ihre vertrocknete, altjungfernhafte Weiſe.”
„Und er könnte nicht einmal daran denken, wenn Sie nicht / Er hielt inne, runzelte die Stirn. „Es iſt komiſch, Milly, aber
ſelbſt, als ſie mich heute, gerade im letzten Augenblick, anhielt
daß er nicht wüßte, was er ohne Sie machen ſollte, Fräulein / und mir mitteilte, daß ſie ihren Poſten auf der Stelle aufgebe,
Bemiſch. Ich möchte, daß Sie wiſſen, wie ſchrecklich dankbar ich hatte ich nicht den Eindruck, daß ſie etwas gegen mich hat. Es
klang ſo — wie ſoll ich ſagen? — es klang ſo, als leiſtete ſie mir
Langſam richtete er ſich aus dem tiefen Armſeſſel auf. Die
„Nein, nicht für das, was Sie für mich tun!”, Frau Gills / Flammen des Kamins tanzten auf Millys lächerlich kleinen
Hand berührte den dunklen Armel. „Schließen Sie mal dies / Schuhen, hüpften über den Seidenglanz ihres zarten Fußgelenkes,
ins Cheater. Und es ſoll ein ſo entzückendes Stück ſein. Bitte!” einer Gefahr entronnen iſt. Es war ihm, als ſähe er weit
jen=
ſeits des Fenſters und der Hügel von Leiceſter, die Lichter eines
„Nein, ich kann es nicht begreifen, Nobbie.” Frau Gills / Dampfers, Lichter, die Nobert Gill plötzlich gefährlicher erſchie=
Er atmete tief auf
Einen Dienſt . . . den
allergröß=
fen legte. Niemand anderes hätte ihn hindern können, dieſe
Reiſe zu unternehmen. Nicht einmal Fräulein Bemiſch hätte
„Ich finde, das allerabſcheulichſte auf der Welt iſt
Undank=
barkeit”, ſagte Milly.
„Ich auch” antwortete Nobert Gill. Es würde natürlich
Parks um Rhein und Main
II. Der Eulbacher Park.
Von Johann Georg Gerlach.
Man ſoll die kleinen Parks nicht verachten. Caugt ein Lied
weniger als ein Epos, bloß weil es kürzer iſt? Und kann ein
Spruch nicht mehr Weisheit enthalten als ein Buch? Kann ſo
nicht auch in einem kleinen Park ein Entwurf gelingen, der
über=
raſcht? Eine Feinheit des Empfindens im lebendigen, grünen
Wuchs ſichtbar werden, daß ſie entzückt? Und ſo gerade iſts im
„Engliſchen Garten” des Jagdſchloſſes Eulbach.
Schon der erſte Gedanke an ihn war, eine Kühnheit. Die
Mächtigen am Nande des Gebirgs hatten ihre Schlöſſer und
Gärten ſchon in die Rheinebene verlegt, wo Fläche war für die
Ausbreitung der Parks. Karlsruhe, Bruchſal, Schwetzingen
waren ſchon aus der Erde gekommen. Da wagte der Plan des
Grafen Franz von Erbach den umgekehrten Weg: Oben auf der
trockenen und rauheren Höhe des Odenwalds ſollte ein Park
entſtehen. Aus halb verödeten Ackern des einſtigen Dorfes
Eul=
bach — zerſtört im Dreißigjährigen Krieg und nicht mehr des
Aufbauens wert befunden — ſollte ein engliſcher Garten werden.
Gegen alle Bedenken, zumal, ob. Waſſer genügend da ſei, ließ der
Graf 1802 mit der Ausführung des Entwurfs von Shell den
An=
fang machen, und das Unternehmen glückte.
Und dennoch: Auch wenn die natürlichen Bedingungen für
das Gedeihen der Pflanzen ſich herſtellen ließen, ſo iſt damit noch
nicht geſagt, daß auch die künſtleriſche Aufgabe gelungen ſei.
Wenn man heute vom Mümlingtal — etwa von Michelſtadt oder
Erbach — oder auch vom Maintal her durch die großen
Buchen=
wälder und Fichtenbeſtände hinaufwandert, mag einem das
Be=
denken kommen, ob hier in dieſer Landſchaft überhaupt ein Park
möglich ſei.
Um ſo überraſchter wird der Aufnahme=Fähige ſein, wie hier
eine Möglichkeit Bild und Naum wurde, wie hier der Park in
den Wald eingeſchmiegt iſt. Wohl ſind beſtimmte Motive der
damaligen Gartenkunſt übernommen: Am einen Ende des Parks
liegt das Schloß, am anderen Ende liegen Weiher. Und dem
Schloß gegenüber läuft zunächſt eine „Große Allee” in der
Nich=
tung der Hauptachſe in den Garten. Ehe man ſie aber betritt,
quert man einen Laubengang, der ſich parallel zum Schloſſe nach
rechts und links hinzieht.
Man verſteht die Bedeutung dieſes „Berceau”, wenn man
bedenkt, daß zwiſchen dem Schloß und dem Garten, die Straße
hindurchläuft. So iſt der Park dicht und wirkſam durch ein
gärt=
neriſches Mittel gegen die Straße abgeſchloſſen. Drinnen in den
Lauben ſchaut man das Geäſt der Linden. Seltſam verkrümmt
es ſich und unterbricht wieder ſeine Krümmungen. Es iſt ſo
ſpar=
rig durcheinander gebogen und abgebogen, daß man weniger die
Gewaltſamkeit der menſchlichen Hand ſpürt, als das Wachſen der
Natur zu märchenhafter Verworrenheit. Dann fällt der
Lauben=
gang ab im Wieſe und Buſch.
In den Garten hinein wird man gleich gefaßt von der Linden=
Allee. Unter dem hohen Suſammenſchließen der Stämme zu ſpitzen
„gotiſchen” Bogen geht man vorwärts bis zum baumumſchloſſenen
Obelisken. Aber dann iſt die ſtrenge Führung der Hauptachſe
auch gebrochen. Der Weg wird beiſeite geführt. Und dies iſt
bezeichnend für das künſtleriſche Feingefühl der Erbauer. Wohl
liegt in der Mittelfläche nun eine große Wieſe, wie es im
eng-
liſchen Garten beliebt iſt. Aber über ſie ſind Bäume locker
ver=
teilt, und — ſchon nach dem urſprünglichen Grundriß — gerade
in der Achſe dieſer Wieſe ſtehen unregelmäßige Buſch= und
Baumgruppen. So nimmt einen wohlig die Geſtaltung in ſich,
ohne daß ſie ſich aufdrängt. In dieſer Unauffälligkeit des
For=
mens aber iſt der Park auch ſtetig mit der Waldlandſchaft
ver=
bunden. Wald und Wieſe gehen ineinander über, ja durchdringen
ſich, ſodaß der Garten nur wie eine Erhöhung des Waldes wirkt.
übergang wird auch dadurch geſchaffen, daß die häufigen Bäume
des Waldes, Buche und Sichte, Eiche, auch im Park häufig
ver=
wendet ſind. Aber dieſe gewinnen hier eine freie Entfaltung
ihres breiten, allſeitigen Wuchſes, wie es ihnen im dichten
Be=
ſtand nicht vorgönnt iſt. So leiten ſie über zur Gepflegtheit des
Parks. Wenn ſie ſchon zu einer Feſtlichkeit ihrer Bildung aus
dem Forſt herausgenommen ſind, ſo iſt es nur ein nächſter
unauf=
fälliger Schritt, wenn ſich an ſie fremdländiſche Bäume reihen.
Es iſt ſo, als müßte es ſo ſein, daß neben dem ſchwer
ausgreifen=
den Pathos der Sichte das mattere Niederhängen der Sypreſſe
ſteht.
Mit dem gleichen Cakt für die äſthetiſchen Bedingungen des
Orts ſind die Steinmale, die hier geſammelt ſind, aufgeſtellt.
Schon daß es echte Reſte römiſcher oder mittelalterlicher
Bear=
beitung ſind und keine „künſtlichen”, das bedeutet auch einen
künſtleriſchen Vorzug. So haben Zeugen der Vergangenheit,
die draußen längſt vom Bauer überackert, vom Städter
über=
mauert ſind, hier im Gebirgspark eine Hegung gefunden; wie
bisweilen im Gebirg ſich uralte Völker erhalten haben, während
drunten eine Völkerwelle von der anderen überrannt wurde. Und
glücklich ſind die Steine und Mauerreſte ins Buſchwerk
ge=
ſchmiegt, ſodaß wiederum alle Aufdringlichkeit, vermieden iſt.
Glücklich ſind die Neſte zweier Kaſteltore eingebaut. Sie dilden
Grenze zwiſchen Park und Wald; zwiſchen ihnen führt der Weg
von einem zum andern hindurch. Aber nach dem Garten hin ſteht
vor ihnen ſchon Wuchs, ſodaß auch hier in der Klarheit der
Be=
grenzung ein ſtetiger übergang gefunden iſt.
Manche Wege, zeigen, wie der Boden, zur Schönheit des
Parks mitwirken kann, indem ſie in ſandſteinrote Erde
einge=
graben ſind, über der die grüne Buchenhecke im Lichte leuchtet.
Der Park endet auch hier in Weihern, in deren braunen
Waſſern grüne Spiegelungen ſich verſpielen. Und das Inſelchen
mit ſeiner Holzkapelle und leiner Steinbank unterm Laudwerk
hat in zarter, ſtiliſtiſcher Einheit etwas von jener unpathetiſchen
Innigkeit und gegenwärtigen Verträumtheit Eichendorfſcher
Nomantik, von der auch wir Modernen uns willig ein Weilchen
himehmen laſſen.
*) Bgl. Biebricher Schloßpark. Gegenwart Nr. 25.
Hut und Charakter
Jeder hat erlebt, daß er beim Anblick eines Herrenhutes
in irgendeiner Garderobe mit Beſtimmtheit zu wiſſen glaubte,
daß dies der Hut eines Bekannten iſt. Jeder hat erlebt, daß er
ſeinen eigenen Hut, nachdem er gereinigt und friſch aufgeplättet
worden war, nicht mehr als ſein Eigentum erkannte oder
empfand. Wer ſich eben einen neuen Hut gekauft hat und ſich
im nächſten Spiegel betrachtet, kommt ſich höchſt lächerlich vor
und glaubt, auf der Straße das Augenmerk aller auf ſich zu
lenken. Dieſes neue Stück iſt noch nicht ſein Eigentum, hat noch
nichts von ſeiner perſönlichen Note angenommen.
Ein altgedienter Hut dagegen hat ſich ſeinem Cräger
ge=
fügt und ſich in Linie und Form ſeiner Eigenart angepaßt. Dem
neuen Hut, der in ſeiner ſchlichten Gleichform ein
unbeſchriebe-
nes Blatt iſt, gibt ſein Eigentümer nach perſönlichem Geſchmack
eine individuelle Form, die durch die Art, zu grüßen,
über=
haupt mit ihm umzugehen, noch weiter ausgeſtaltet wird. Das
„Geſicht” des Hutes wird ſchließlich ſo ausgeprägt, daß ihn ſein
Cräger aus einer Neihe noch ſo ähnlicher Kopfbedeckungen mit
Sicherheit herausgreift.
Hut und Charakter iſt eine paradoxe Gegenüberſtellung.
Schon in der Wahl des neu zu kaufenden Hutes komt
perſön-
liche Eigenart zum Ausdruck. Es verrät einen beſtimten Cyp,
ob ein Menſch ſich eine Sportmütze, einen ſteifen Hut, einen
breitrandigen ſchwarzen oder den üblichen Herrenhut in ſeinen
feinen Variatioen anſchafft. Nicht als ob Cräger des
glei=
chen Hutes unbedingt gleiche Menſchen ſein müßten. Aber
irgend=
ein gleicher Charakterzug ſteckt hinter der Vorliebe für eine
beſtummte Form der Kopfbedeckung. So verrät der in der Mitte
eingedollte, breitrandige ſchwarze Hut Geltungsgefühl oder
Gel=
tugsbedürfwis. Hiter dem ſteifen Hut wittere ich immer einen
„fertigen”, abgeſchloſſenen Menſchen. Ganz verſchiedene
geſell=
ſchaftliche Kategorien tragen ihn: kleine Beamte, Lebemänner
und gewaltige Kaufleute. Aber immer habe ich bei dieſen
Menſchen das Gefühl, daß ſie — ähnlich wie ihr Hut — in
ihrer Form erſtarrt ſind. Wer hier weiter beobachtet, der wird
auch aus den feinſten Variationen der Hutform, aus der Art,
die Krempe zu tragen, den Nand zu biegen, pſychologiſche
Schlüſſe ziehen lernen.
Und von der anderen Seite geſehen: die Art des Hutes
be=
einflußt den Geſamteindruck eines Mannes außerordentlich. Ein
amerikaniſcher Film zeigt Buſter Keaton im einem Hutladen,
wie ihm 8 verſchiedene Hüte aufprobiert werden. So
aus=
geprägt Buſter Keatons Geſtalt iſt: unter jedem Hut erſcheint
ein anderer Buſter Keaton. Und Charlie Chaplin weiß, warum
H. V.
er bei ſeinem kleinen ſteifen Hütchen bleibt.
Aufgabe 533.
Nummer 373
Walther Freiherr von Holzhauſen.
(Leipziger Tageblatt, 1924.)
g b
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Beiß: Kh1 Db4 Sel k3 B43 (5);
Schwarz: Kat Th7 Lg8 h8 Soß Be3 e7 h3 (8) 34
Aufgabe 584.
Iſidor Groß in Karlobae.
(Neue Leipz, Ill. Zeitung, 1926, Ehr. Erw.)
Weiß: Kh5 Da5 Tkt k8 1b3 Ses 15 B13 (8);
Schwarz: Kf4 De4 P43 I.h7 Sg5 Bg4 (69
Matt in zwei Zügen.
Anfragen. Beiträge, Löſungen uſw. nur an die Schriftleitung des
Darmſtädter Tagblatts mit der Aufſchrift „Schach”.
ID1
Kätſel
I
Kreuzworträtſel mit Pyramidenrätſel.
Die Wörter bedeuten von links nach rechts: 1
Chriſtbaum=
ſchmuck, 6 lateiniſcher Gruß, 7 Heilige (Patronin Schottlands),
11 Vieh, 13 bibl. Hoheprieſter. 15 deutſche Stadt an der Donau,
16 Fluß in Afrika, 17 verſönliches Fürwort, 19 öſterr Dramatiker.
Von oben nach unten: 1 Gattin Jakobs, 2 Dienerin, 3
Stamm=
mutter. 4 Hieb beim Fechten, 5 Singſtimme, 7 wertlos
gewor=
denes Papier, 8 das Beſte der Milch, 9 Hirſch, 10 Nervenkrankheit,
12 Baum, 14 Vereinigung, 18 Feldmaß.
Das Pyramidenrätſel die Wörter entſtehen, indem zu den
Buchſtaben des vorherigen Wortes ein neuer hinzutritt); 1 Vokal,
2
Tonſtufe, 3 nordiſche Gottheit, 4 Wild, 5 Verbrennungsreſt,
6 Teil des Stiefels, 7 Glasbehälter.
Silbenrätſel.
Aus den Silben: a, an, bel, ber, bir bud, chen, dan, de, der, dhif,
di, do, e. e, ein, ex, fer, ge, ge, grim, hu, i, i, i, le, luſt, mann,
men, muſ, muſ, na, neh. ni, niel, no, ob, raſ, rer, rie, rung. rup,
ſa, ſe ſen, ſen, ſi, ſi, ſpiel, ton, tu, uſ wid, wil ſind 19 Wörter
zu bilden, deren erſte und dritte Buchſtaben, beide von oben nach
unten geleſen, den Anfang eines Sommerliedes ergeben (ch — ein
Die Wörter bedeuten: 1 Jagddieb, 2 kleiner Behälter, 3
be=
rühmte Filmſchauſpielerin, 4 ſchmale ſandige Landzunge,
franz.
Revolutionär, 6 bräunlich=gelbes Pferd. 7 Ordnung der
Säuge=
tiere (Pferde), 8 Tierkreiszeichen. 9 Name des Wolfes in der
Fabel. 10 Bühnenſtück. 11 Hunderaſſe. 12 Prüfung, 13
Kahn,
14 deutſches Gebirge, 15 Glaslava, 16 dicke zuckerhaltige
Flüſſig=
keit, 17 Humaniſt des 16. Jahrhunderts, 18 Meßwerkzeug, 19
Aſia=
tiſche Religion.
Auflöſung der Rätſel aus Nummer 29.
Kreuzworträtſel.
Farben.
Grün, weiß, violett, orange, drapp. gelb, lila, ſchwarz, braun,
blau, roſa, grau, rot. — „Ritter Blaubart”.
Druck, Verlag u. Kliſches: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rbeinſtr. 23. — Verantwortl, für die Redaktion: Dr. 5 Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1. 2389— 2392. — Alle Pechte vorbebalten. Nachdr. verboten.
[ ← ][ ][ → ]Sinndags Tiooihauddaas Bedrathdunde
Da, jetzt weer aach däß iwwerſtanne. Un ich maan, wann
ich mer die Sach hinnenooch noch emol ſo iwwerleg, maan ich,
8 hett ſich doch gornet ſo iwwel ausgenumme. Nemlich mit däre
dedwas verkorxte Stadtiuwiläumsfeier. Ganz im Gäjedaal:
ſtimmungsvoller, wie bei uns in de Altſtadt, uff de Inſel,
alſo ſozuſage im Härz vun Darmſtadt, hett mer den
denkwär=
diche Dag wohl kaum begeh kenne. Alſo in dem Fall kann mer
N
5
ruhich ſoge, do hatt unſer hochverehrlichte Stadtverwaldung im
letzte Momend widdermol mehr Glick, wie Valldien
Freilich, wann ich mer ſag, was all geblant war, was mer
all for Bleen geſchmied hott, ſeit volle fimf Johr, un uff was
mer all verfalle is, wo demit mer däß Stadtjuwiläum
groß=
jechich begeh wollt, un was dann der Nod gehorchend, nicht dem
eichenen Driewe, zu Waſſer worrn is, un zwar in des Words
verwächendſter Bedeidung, indem nemlich vun all dem, was
anſere Mennetſcher geſchwant hott, nix iwwrich gebliwwe is, als
wie en — Brunne ... . . . alſo wann ich mer däß ſag, dann
muß ich mer ſage: der Menſch denkt, un dann kimmts allemol
annerſter . ..
No, un jetzt ſteht’s, unſer Niewergall=Brinnelche, zur ewigen
Erinnerung an die „denkwärdich” Stadtiuwiläumsfeier, die wo
ausgerächend midde in a vun de ſchwerſte Nodzeide enei gefalle
s, wo unſerm deitſche Vaderland beſchiede ſin —
Noja, wann’s uns net ſo ſchlecht ging, hedde mer valleicht
zur Feier vun däre Eiweihungsfeier, anſtatt Waſſer — Wei
aus dem Brunnerohr erauslagfe loſſe, und hedde domit unſere
Altſtädter emol en gude Dag gemacht. Awwer ich glaab, ſie
wworn’s aach ſo zufridde. Dann wer daalnemme konnt, an de
Eiweihungsfeierlichkeid, wer geſähe hott, wie mei Altſtädter ihr
„Inſel” zu=ere reine „Feſtwiß” erausſtaffiert hadde, der wärd
aach geſähe hawwe, wie all ihr Aage geſtrahlt und geleicht hawwe,
un daß ſe zu ſchätze wiſſe, wann mer ſe aach e bische äſtimiert,
ſan dhut en die Gunn a. — Offe geſtanne: es war mein ſchennſte
Dag, un ich bin ſtolz uff mei Altſtädter —
— mir halte feſt un
drei zuſammel ..
No, un die brumminendeſte vun unſere Brumminende, die
wo ſich zu däre Feier bei uns uff de Inſel eigefunne hadde, die
Hawwe awwer aach net ſchlecht geguckt, dann die Ruh un die
Ordnung, wo do gehärrſcht hott, die war gradezu
muſtergil=
bich! — Jawoll, im Ernſtfall garandiern mir for jeden Zillinder
der wo ſich uns zu Ehrn, bei uns blicke leßt! — Däß hott valleicht
niemand beſſer gewißt, wie unſer liewer Brälad Wilhelm
Diehl, der wo ſich’s däßhalb net hott nemme loſſe, in ſeim
ehemalige Amtsbezirk, nemlich im Kabbleneivärdel, im vollem
Ornad zu de Eiweihungsfeier zu erſcheine. Do ſin mer
beſun=
mers ſtolz druff! — Jawoll! — Un wann er net do gewäſe weer,
Ho hedd entſchiede e Stick Alt=Darmſtadt gefehlt, dann er is doch
ſozuſage die wandelnd Stadtkrohnik, un er greift ſemtliche
ge=
ſchichtliche Dade vun Darmſtadts Vergangenheit aus ſeim Ge=
Dächtnis eraus, mit=ere Sicherheit, wie e Bries aus ſeine Duhs.
Un daß aach de Herr Miniſter Korell, un annern hoche
Wir=
bendräger, ſich zu „unſere” Stadtjuwiläumsfeier in de Altſtadt
eigefunne hawwe, ſoll=en gedankt ſei. Dann ich hab ſo des
Ge=
fiehl, als fende die große Leit net oft de Wähk zu uns. Däß mege
walleicht die „Umſtend” ſo mit ſich bringe. Awwer drotzdem is
mers, als weers for ſie, un for uns beſſer, wann ſe ſich als
emol bei uns ſähe ließe. — Bei uns kann mer oft mehr lärne,
un heern, als an manchem griene Diſch, erſtensmal, weil unſer
Urdaal dorch „Sachkenntnis” dorchaus net gedriebt is, un weil
mir däßhalb meiſtens des Schwazze uff m Nagel dräffe, un
zweidensmal, weil mir in de meiſte Fäll oft gornet ſo dumm
ſin, wie die annern ausſähe. De Verkehr mit unſeraam hott noch
kaam was geſchadd, dann was die Haubtſach is: er macht
be=
ſcheide, und däß kenne mer heit mehr brauche wie je— —
Jetzt, am meiſte, hott ſich wohl unſer großer Herr
Owwer=
owwer, der Beherrſcher aller Darmſtädter Heiner, bei uns „
ge=
fiehlt‟. Däß hett er ſich wohl vun uns Altſtädter net draame
loſſe. Un ich nemm a, er ſchickt uns jetzt als emol efter de Willy
Schlupp mit ſeine Kabäll; e dankbarer Bubbligumm wärn die
kaum finne, un e kunſtverſtendicheres aach net, däß hawwe die
Geſangvereine, wie die „Konkordia” un ſo, wo ſchun bei uns
geſunge hawwe, an eichener Haut erfahrn. — Gott, mir klagne
Leit ſin jo ſo dankbar, däß waaß valleicht kaaner beſſer, wie de
Heinrich Haſſinger, der wo ſo ehrlich beſträbt is, uns lichte
Momende in de graue Atdag zu zauwern, un der wo ſich
däß=
halb bei de Eiweihung, wie’s ſo ſei Art is, äwenfalls unners
Volk gemiſcht hot.
Am meiſte hott mer awwer unſerm große Herr Owwerowwer
ſei Red gefalle, wo er Koram Bubligo un ſo, emol klar un
deid=
lich zum Ausdruck gebracht hott, wer der „Datterich” is, un daß
mer uns wohl iwwer den zweifelhafte Held ammiſiern kenne,
awwer, daß merin uns nie zum Vorbild nemme
ſolle; er is dorchaus net der Tyb vun uns
Dorchſchnittsdarm=
ſtädter; ſo wenich, wie s wohr is, daß der Niebergall die Fiſchur
„mahnend vor ſeine Seele” geſtellt hott. Dumm Zaik. Der „
Datte=
rich” is aach dorchaus kaa Schenie, ſundern e grad ſo großer
Spießer, wie die annern, die in dem Stick vorkumme; er krickt
mit vollem Recht vum Schuſter Bengler ſei Schlee, un wärd
mit vollem Recht zum Schluß vun dem gutmiediſche Schmitt de
Dier enaus geworfe. Un ſo geht s alle. Datteriche” emol im
Läwe, iwwer korz odder lang ereilt ſe ihr Schickſal —
Wer alſo vum „Datterich” uff de Niebergall ſchließt, is recht
grindlich uffm Holzwähk; däß kemt mer grad ſo vor, als wie
wann ich vum Franz Moor uff de Schiller ſchließe wollt, oder
vum Richard de Dritte uff der Schäckſpier. Naa, des „ſcheniale‟
is, wie de Niebergall uns —
uns!— die Fiſchur „mahnend
vor die Seel” geſtellt hott, nemlich, indem, daß mer ſo en Kerl
wie de „Datterich” noch gärn hawwe kann, drotz all ſeine
Schlech=
dichkeid . . ."
Wie geſagt: Der „Datterich” is die ſchenialſte Dialektkomedie
aus de Biedermeierzeit; awwer de größte deitſche Dialektdichter
is däßhalb unſer Niebergall net, wie unſer Herr Owwerowwer
in verzeihlichem Stokz gemaant hott. Mir wolle däß ruhich
zu=
gäwwe, damit uns die annern deitſche Bundesbrieder net bees
ſin. Die Bladddeitſche hawwe ihrn Fritz Reuter un Klaus Groth,
die Schleſier ihrn Kall un Gerhard Hauptmann, die
Frankfor=
ter ihrn Stolze, die Schwowe ihrn Sailer, die Bayern ihrn
Ludwig Thoma, die Oeſtreicher ihrn Anzengruber, die Sachſe ihrn
Reimann . . . korz, jeder Volksſtamm hott „ſein‟
Dialekt=
dichter, uff den er ſtolz is. Un ſo därfe mir aach ſtolz ſei uff
unſern Ernſt Elias Niebergall.
Gewiß, iwwer däß „Denkmal”, däß mir=em geſetzt hawwe,
kann mer verſchiedener Maanung ſei. Lu liewer Gott; mer is
in Deitſchland un in Darmſtadt iwwer ſo vieles verſchiedener
Maanung, warum net aach iwwer den Niebengallbrunne. Awwer
in die Altſtadt geheerts, un däß Plätzche wo mer=em gäwwe
hawwe, is gans vun de ſchennſte, wann mer vun de
Pädagog=
ſtroß dorch die Dönnchesborngaß guckt. Un wann die klaane
Heiner druff erum kläddern, un halte ihr Fieß in de Brunne=
drog — was dhuth’s, däß ſchad dem Drog nix, un de Fieß
erſt recht nir —
Annererſeits ſoll uns awwer däß beſcheidene Denkmal mit
ſeine luſtiche Fiſchurn un ullgiſche Sprich immer dra erinnern,
daß mer aach in=ere Nodzeit de Kobb net henke loſſe, un de
Hu=
mor net verliern därfe. Un weider ſoll uns der
Niebergall=
brunne ſage, daß nor Beharrlichkeid zum Ziel fiehrt: des Rechte
erkenne, des Rechte wolle, un des Rechte dhu, un es iwwriche
de Zukunft iwwerloſſe — dann wärds ſchun gut. In dem Sinn
ſag ich däß, was mei liewer Freind Julius Harres am Schluß
vun ſeine Eiweihungsredd vum „unſerm” Niebergallbrunne ſo
ſchee geſagt hott:
„Meeche ſei Waſſer rauſche einer recht
baldi=
gen glicklicheren Zeit. Däß walte Gott!”
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Im iwwriche hot ſich unſer
Stadt=
juwiläum ſtill un beſcheide abgeſpielt. Glickwinſch ſin uns vun
alle Seide dargebracht worrn; die Stadt hott de Brumminende e
Kaffeekobbche vum Albin Müller zum A.denke gäwwe; un unſer
Nojorker Heſſe=Darmſtädter hawwe unſern Owwerowwer zum
Ehrenmidglied gemacht. — Aus ——
Jwwrichens, unſer ameriganiſcher Juwiläumsbeſuch hott ſich
widder aißerſt lowend ausgeſproche iwwer unſer Städtche, un
es dhet mit jedem Johr ſchenner un ſaiwerer wärrn. Noja,
unſeraam fellt däß net ſo uff, mer nimmt däß alles als
ſälbſt=
verſtendlich hie; bloß wann= mer Beſuch hott un fiehrt en ſo
erum, do muß mer ſich vun ſeim Beſuch ſage loſſe, was mer all
for Addracktzione un Scheenheide hier hawwe ..."
Noja, es is ſchun ſo, uff manches muß mer mit de Nas
ge=
ſtumbt wärrn. So is es mir’s gange mit de Ausſtellung
im Rheidor drunne. Vor lauder Hatz und Rawaaſch, in de
letzte Woche, bin ich gornet dezu kumme, do emol en Gang hie
zu mache. Awwer die Woch war ich dort, un hab geguckt mit
alle meine Aage. Alſo mit aam Wort; es is die ſcheenſt un
ſauwerſt Juwiläumsveraſtaldung, die wo mer uffwoiſe kenne:
e Kawwinäddsſtick!— Noja, mer muß ſem ſchun loſſe, dem
Graf Haddenbärch, was der in die Hand nimmt, däß hott Band
an de Hoſe, un en ausgeſuchte Geſchmack. Vor allem wärrn
nadierlich manchem Darmſtädter aach die Bilder vun unſere
Vadderſtadt indräſſiern, wie ſe frieher war, un wie’s uns zum
gude Daal noch denkt. Un was do zuſamme gedrage is, däß wärd.
mer ſo ſchnell net widder ſähe. Un däßhalb mecht ich jedem rode,
emol en Gang an’s Rheidor un in die Kunſthall zu mache, 8
wärd en net gereie!
Schließlich un endlich bin ich aach gefrogt worrn, for was
ich jetzt bäddele gingt. No, ich wißt ſchun manches, for däß mer
drebbelchesweis des Gäld zuſamme lebbern kennt, un kennt’s
zur Verſcheenerung vun unſerer Vadderſtadt verwenne. Zum
Beiſpiel, daß mer hergtngt, un dhet emol die Darmquell nei
faſſe loſſe, die liggt ſchun ſeit Johrn beiſamme. Awwer no ich
ſag mir, for was ham=mer dann agäblich en —
Verſcheenerungs=
verein
. Odder wie ſtehts domit . . .? u. a. w. g.!
Awwer bald!
Ich jedenfalls dank for’s Erſte noch=emol for Alles, aach for
die Glickwunſchſchreiwe un Dellegramme, un for die 10 Mack vun
meine liewe, alde Waldfee; die kumme uns noch wie geruffe ...
In dieſem Sinne nochmols: Herzlichen Dank
aller=
ſeits!
Der zeitgemäße Haushalt.
Mund=und Zahnpflege der Kinder. In ungezähl=
Tten Familien iſt noch die Meinung verbreitet, daß die Milchzähne,
wie ja doch einmal ausfallen werden, keinerlei beſonderer Pflege
bedürfen. So kommt es denn, daß vielen Kindern bis weit in das
ſichulpflichtige Alter hinein der Gebrauch der Zahnbürſte ein ganz
unbekannter Begriff iſt, und es ſchon ſehr viel iſt, wenn die Mutter
morgens auf ein Spülen des Mundes mit irgendeiner
entſprechen=
den Löſung achtet. In Wirklichkeit ſollte jedoch das Kind, ſobald
es nur einigermaßen geſchickt genug iſt, zur Hantierung mit der
Zahnbürſte erzogen und zur regelmäßigen Mundpflege am
Mor=
wen ganz energiſch angehalten werden. Iſt es doch erwieſen, daß
die längere Dauer der Milchzähne für die beſſere Entwicklung der
machfolgenden Dauerzähne von außerordentlichem Wert iſt und
jeder kleinſte Defekt auch an dieſen Vorläufern des künftigen
Ge=
biſſes durch den Arzt gleich im Entſtehen beſeitigt werden ſollte.
Um die Kinder zur richtigen Handhabung der Zahnbürſte
und des Mundſpülwaſſers zu gewöhnen, ſollte die dazu verwendete
Zahnbürſte ſo weich wie möglich ſein, damit das noch ungeſchickte
Kind nicht das Zahnfleiſch damit verletzen kann, da bekanntlich
blutendes Zahnfleiſch manches Kind derart erſchreckt, daß es weder
durch Bitten noch Drohungen oder Strafe zum ferneren Gebrauch
dieſer Bürſte angehalten werden kann. Weiter ſollte das
Mund=
waſſer entweder durch etwas beigefügtes Salz oder wenig
Zitro=
nenſaft ſtatt eines Zahnwaſſers geſchmacklich verbeſſert werden,
damit auch ein gelegentlicher Schluck von dieſem, beim Kinde kein
Uebehagen ausgelöſt oder ihm ſogar ſchadet. Namentlich für das
notwendige Gurgeln ſind dieſe harmloſen Zuſätze zum
Mundſpül=
waſſer ſehr angenehm und zugleich auch heilſam und
zweckent=
ſprechend. Erſt wenn das Kind ganz ſicher und ſyſtematiſch zu
gurgeln verſteht, ſollten ihm auch einige Tropfen einer wertvollen
Mundſpüleſſenz ins Mundwaſſer gegeben werden. Die
morgend=
liche, gründliche Mundſpülung, ſollte am Abend, kurz vor dem
Schlafengehen nochmals wiederholt werden, da manche Speiſen
während der Nacht außerordentlich zerſetzend auf den zarten
Zahn=
ſchmelz einwirken und ſo frühzeitig zu deſſen Verfall beitragen.
H. J.
Kann man ſeidene Schlafanzüge ſelbſt
rei=
nigen? Die von der Frauen= wie Männerwelt in den
Som=
mermonaten als Morgenkleidung ſo bevorzugten ſeidenen oder
kunſtſeidenen Schlafanzüge werden ſelbſt bei größter Schonung
ſchmutzig und unanſehnlich, ſo daß ihre Reinigung notwendig
wird. Da aber eine chemiſche Reinigung oftmals ſehr lange
Zeit beanſprucht und zudem ſparſame Hausfrauen gern die
Koſten dafür ſparen, ſo ſei ihnen verraten, daß ſie die Reinigung
ſelbſt durch ſogenannte Kaltwäſche vornehmen können. Dazu
verwende man kaltes Waſſer, dem man auf 10 Liter 5 Eßlöffel
Perſil beifügt. In dieſem wird jedes Stück einzeln ohne jedes
Reiben ſtrichweiſe durchgedrückt und geſchwenkt, ſofort mehrmals
in warmem, öfter gewechſeltem und ſchließlich in kaltem
Eſſig=
waſſer geſpült, breite jedes einzelne auf trockenen Tüchern aus,
wickle es damit recht eng zuſammen und bügle ſchließlich die
Sachen in nur noch halbfeuchtem Zuſtande ſorgſam mit nicht zu
heißem Eiſen erſt von links und dann von rechts unter
aufgeleg=
tem dünnen Leinen= oder Batiſttuch völlig trocken.
H.
Leckere Erdbeertörtchen. 450 Gr. Weizenmehl, 250
Gr. Butter, 125 Gr. Zucker, das Abgeriebene einer Zitrone und
3—4 Eier verarbeite man zu geſchmeidigem Teig, den man nicht
zu dick ausmangelt. In bekannter Weiſe ausgeſtochen, backe man
die Törtchen lichtbraun. Belege jedes mit ½ Stunde zuvor
ein=
gezuckerten Garten= =oder Walderdbeeren, beſpritze ſie gitterweiſe
mit geſüßtem Eiſchnee oder Schlagſahne und laſſe ſie nochmals
überbräunen.
Himbeertörtchen. Dazu verwende man den gleichen
Teig, nur preſſe man einen Teil der rohen Himbeeren gut aus
und verrühre den gewonnenen Saft mit aufgelöſter roter
Gela=
tine (wovon man 3—4 Blatt auf 14 Liter Saft rechnet). Gut
geſüßt, gieße man dieſen kurz vor dem Erſtarren auf die mit
eingezuckerten Himbeeren belegten Törtchen, die nach dem
Feſt=
werden der Geleedecke mit Schlagſahne gefällig beſpritzt werden.
Johannisbeertörtchen, werden auf die gleiche Weiſe
bereitet, nur werden dazu die Johannisbeeren in Zuckerſaft
an=
gedünſtet und abgetropft auf die Törtchen gegeben. Der Eiſchnee
muß gut geſüßt ſein.
Stachelbeertörtchen erhalten ebenfalls kurz in
Zucker=
ſaft geſchmorte, jedoch nicht zerkochte Stachelbeeren und werden
entweder mit Vanille gewürztem Eiſchnee überzogen im Ofen
nochmals überbacken oder mit Schlagſahne garniert.
Kirſchtörtchen. Zu dieſen verwendet man entweder ganz
dunkle Schwarz= oder Herzkirſchen oder Sauerkirſchen (Ammern)
die zuvor entkernt, ebenfalls im Zuckerſaft gedünſtet und
abge=
tropft auf die gebackenen Törtchen auf einer Unterlage von
ge=
riebenem Zwieback gegeben werden.
Auch Pflaumentörtchen kann man ſpäterhin auf
gleiche Weiſe, wie angegeben, backen.
Speiſen=Zettel.
Sonntag: Pilzſuppe. Kalbsgulaſch in Reisrand.
Kirſch=
ſpeiſe mit Sahne. — Montag: Gefüllte Tomaten. — Diens=
— Mittwoch:
tag: Hefenklöße mit geſchm. Heidelbeeren.
Donn rstag: Gurken=
Miſchgemüſe mit gebr. Leber.
gemüſe mit Ei. — Freitag: Gek. Seelachs m. Senfſoße.
Samstag: Reis mit Kohlrabi und gek. Rinderbruſt.
Allerhand.
„Fabelhaft ſpielt Ihre Tochter die Beethoven=Sonate!”
„Ja, und dabei hat ſie nur eine billige Volksausgabe zu 75
Pfen=
nig; das Mädel verſteht, aus allem etwas zu machen!”
Ein Feinſchmecker. „Mama, ich möchte einen Hals wie eine Giraffe
haben.” — „Warum denn?” — „Wenn ich ein Bonbon herunterſchlucke,
ſchmecke ich es viel länger.
(Pages Gaies.)
Der Lokomotivführer zu Hauſe. „Wie findeſt du meinen neuen
Radioapparat? Die ganze Schaltung mit Gehäuſe ſelber gebaut!“ „Das
habe ich mir gleich gedacht — er pfeift bei jeder Station, genau wie
du.
(„Tit=Bits:)
Das Symptom. Er: Sind rote Backen ein Zeichen guter
Geſund=
heit?” Sie: „Ja, gewiß!” Er: „Dann ſind Sie ja, mein Fräulein, auf der
einen Backe geſünder als auf der anderen!” („Berlingske Tidende‟)
Schwierig. „Haſt du ſchon gehört, der Kaufmann an der Ecke iſt
verhaftet worden!“
„Warum denn?” „Wegen Btrugs. Er hat Schnee
(„Pages Gaies”.)
im Ofen getrocknet und als Zucker verrauft.”
Wer nicht dafür ſchwärmt, den Urlaub in
warmen Gegenden, alſo am Meeresſtrand oder an
einem See in vollkommener Ruhe zu verbringen
wird ſicherlich mit Freude an die Ferien im
Ge=
birge denken, denn man weiß, daß die Höhenluft
gerade für den durch Arbeit und Unraſt überreiz
.
ten Städter eine abſolut ſichere Erbolung und
Entſpannung bedeutet, ganz abgeſehen davon, daß
auch der Bewegung=ungewohnte Körper wieder
zu ſeinem Rechte kommt und ſich bier eine
aus=
gezeichnete Möglichkeit bietet, das ſo viel
gefürch=
tete „Uebergewicht” auf angenehme Art, nämlich
durch größere Bergtouren, wieder abzuſtoßen.
Der Begriff „Mode” hört ſich zwar in Ver=
*
bindung mit „Touriſtik” ein wenig ſeltſam an,
und tatſächlich wäre es ja auch verfehlt, für die
—
Berge eine Dreß zu wählen, die ſich nicht durchaus
A
an die herkömmliche Art der Aufmachung hält und
nicht in jeder Beziehung auf die Beſonderheit des *
Verwendungszweckes Bedacht nimmt.
Bei dem allergeringſten „Zuviel” könnte
näm=
lich hier der Eindruck von „Salontouriſtik”
er=
weckt werden, der nicht nur vollkommen
unan=
gebracht, ſondern auch lächerlich wirken müßte und
P
von Menſchen mit modiſcher Kultur ängſtlich
ver=
mieden wird.
Bei den verſchiedenen Garderobeſtücken (man
braucht deren zwar nicht viele, aber das Wenige,
das angeſchafft wird, muß ſorgfältig gewählt
ſein!) kommt es in allererſter Linie auf das
Ma=
terial an.
Es muß ſelbſtverſtändlich darauf Rückſicht
ge=
nommen werden, daß nur jene Gewebe
heran=
gezogen werden, die in keiner Beziehung
empfind=
lich ſind, denen alſo weder Feuchtigkeit noch die
grellen Strahlen der Gebirgsſonne das geringſte
anhaben können
Ferner wäre unter allen Umſtänden nur
neu=
tral=gefärbtes Material zu verwenden, da zu
dunkle Gewebe die Staubflecke, zu helle
aber wieder die Waſſerſpritzer deutlich zeigen und
nur eine Mittelfarbe ſtets tadellos ausſehen.
Natürlich wird man im Sommer gerne „
porö=
ſes” Material verarbeiten, da die dicken, ſport= AüAdd
lichen Stoffe, die man früher zu verwenden
ge=
wohnt war, einerſeits einen unnötigen Ballaſt darſtellen,
an=
dererſeits auch keineswegs angenehm, (weil viel zu ſchwer) ſind
Auch wäre die Tatſache feſtzuhalten, daß bei der ſportlichen
Aufmachung eine ängſtlich beobachtete Einheitlichkeit keineswegs
wichtig erſcheint, da — ganz im Gegenteil — immer jene Stücke
die netteſten ſind, die aus verſchiedenen Materialien
zu=
ſammengeſtellt werden, da ſie für die Eigenart der Trägerinnen
ſprechen und ihre ſportliche Note beweiſen.
Darum wählt man auch nicht — wie dies bisher immer
üblich war — ausſchließlich das Sportkleid und einen
dazu=
gehörigen, genau paſſenden Umhang, ſondern begnügt ſich mit
dem traditionell=geweſenen Koſtüm, das durch eine Bluſe zu
einem richtigen Sport=Enſemble ergänzt wird.
Dieſe Bluſen müſſen reſtlos einfach ſein, da hier jedwede
Garnierung ganz überflüſſig iſt und es nur darauf ankommt,
ein ſolches Stück raſch und ohne jede Schwierigkeit reinigen zu
können, damit es immer friſch und appetitlich wirkt.
Am gebräuchlichſten iſt hier immer die typiſche
Herrenhemd=
ſeide und Shantung, der bekanntlich als außerordentlich
wider=
ſtandsfähig und praktiſch gilt.
Solche Bluſen werden — der Art des Materials entſprechend
ganz glatt wie Herrenhemden gearbeitet, manchmal auch mit
ein paar Säumchen verſehen, die dekorativ ausſehen, ohne die
Waſchbarkeit zu beeinträchtigen (letzte Skizze
Jede Bluſe dieſer Art wird mit einem ſportlichen Koſtüm
(aus Fresko oder einem anderen „poröſen” Stoffe), das ſich
aus einem mit eingelegten Falten verſehenen Rock und einer
geraden Jacke mit aufgeſteppten Taſchen zuſammenſetzt, ganz
vortrefflich wirken, wobei es ſogar volkkommen
unwichtig iſt, ob Jacke und Rock im Material
voll=
kommen harmonieren oder nur in der Schattie
rung entſprechend korreſpondieren.
Die beſte Kopfbedeckung iſt nach wie vor die
Pullmann=Kappe, die ſich jeder Aufmachung gut
anpaßt und inſofern angenehm iſt, als man ſie —
8
zuſammengefaltet — leicht unterzubringen vermag,
während jeder andere Sporthut viel empfindlicher
4
iſt und bei unachtſamer Behandlung leidet.
R 4
Die moderne Gebirgsdreß ſetzt ſich aber nicht
nur aus Rock, Bluſe und Jacke zuſammen, ſon=
2 macht auch eine Sporthoſe erforderlich,
m
da eine größere Bergtour ohne „Knickerbockers
Ru
einfach undenkbar wäre, weil man längſt weiß
daß eine ſtundenlange Wanderung im engen Rock
) s
———) nicht nur bewegungshemmend und ermüdend iſt
ſondern auch — bei Märſchen im Gerölle oder au
R
ſteinigem Boden — faſt eine Gefahr bedeutet, da
B.
K
die Touriſtin im engen Rocke niemals jene
Sicher=
heit des Schrittes hat, die in der Sporthoſe eine
Selbſtverſtändlichkeit iſt.
ud
Zu den Knickerbockers trägt man anſtelle der
Hemdbluſe viel lieber einen der ſchicken, „grob ge=
2
ſtrickten” Pullovers, die die ſportliche Note
unter=
ſtreichen, außerordentlich praktiſch ſind und die
richtige touriſtiſche Aufmachung vervollſtändigen.
Fef
(Bild 2.)
B
Die Strickmode ſpielt natürlich im Gebirge
Kicte
überhaupt eine ganz beſondere Rolle, da ihre
Schaffungen bekanntlich außerordentlich widev=
K
R
ſtandsfähig ſind und ſelbſt nach langer Strapaze
noch tadellos ausſehen, ohne im geringſten aus
4 der Form gekommen zu ſein. Am netteſten ſind
immer die ſportlich=flotten Strickkleider mit
glat=
tem geknöpftem Oberteil und angeſetzter
ſtrick=
pliſſierter Rockpartie.
Dazu trägt man gerne eine waſſerdichte Jacke,
vielfach auch den immer populärer werdenden
kur=
zen Leder=Paletot, der im Gebirge ſicherlich gute
Dienſte zu leiſten vermag. (Figur 1.)
Aber auch waſſerdichtes Segelleinen eignet ſich
EE für die Gebirgsaufmachung ſehr gut; auch hier
pflegt man inſoferne eine Kombination zu
ſchaffen, als Rock und Jacke aus Leinen verfertigt werden
während man dazu eine geſtrickte Bluſe in einer ſchönen
„Sonnenfarbe
trägt, die der Sportdreß jenen Akzent gibt,
deſſen ſie bedarf, um nicht monoton, farblos und „un=
jugend=
lich” zu wirken. (Vorletztes Bild).
Der Sportſchuh, ein wichtiges Kapitel, muß
tadel=
los in Form und in der Ausführung ſein, um dem Fuß den
notwendigen Halt zu geben.
Geſchnürte Modelle mit unterlegter Laſche gehören
unbe=
dingt zu den beliebteſten Typen, da hier der Fuß gut
abge=
ſchloſſen iſt und die Feuchtigkeit nicht eindringen kann, was
natürlich bei längerem Urlaubsaufenthalt im Gebirge — der
ja auch ſo manchen der unangenehmen Regentage bringt
ſehr wichtig, iſt.
Willy Ungar.
Ein Blütenſtrauß ſchöner Bluſen.
Seitdem die Bluſe wieder ſo hoch in Gunſt ſteht,
wie es wohl noch nie vorher der Fall war,
wett=
eifern die verſchiedenen Ateliers mit einander in
der Schaffung ſchöner und eigenartiger Modelle.
Demzufolge iſt es auch nicht möglich, die
Blu=
ſenmode auf Grund eines beſtimmten Schemas zu
beurteilen, da es in der Auffaſſung hier ſo viele
Schwankungen und Schwebungen gibt, daß ſich
bin=
dende Richtlinien wohl kaum geben laſſen.
Immerhin kann man feſtſtellen, daß die Bluſen
der kommenden Saiſon ſehr ſchlicht, trotzdem aber
im Schnitt keineswegs einfach ſind, da — wie dies
ja in der neuen Mode immer wieder feſtzuſtellen
iſt — viel Wert auf feine Kleinarbeit gelegt wird,
die natürlich nur für den ganz genauen Beſchauer
und Kenner offenbar wird.
Das Material, das für die verſchiedenen
Blu=
ſen herangezogen wird, richtet ſich natürlich ganz
nach dem Verwendungszweck. Praktiſche Modelle,
die viel getragen werden ſollen, müſſen tadellos
waſchbar ſein und dürfen durch die Reinigung
nicht leiden, da nur ſolche Stücke die in ſie
geſetz=
ten Erwartungen nicht enttäuſchen.
Man kennt heuer eine ganze Reihe der feinſten
Waſchſtoffe, begonnen vom glänzenden
Seidenlei=
nen bis zu den verſchiedenen Waſchſeiden; aber
auch die Rohſeide bleibt keineswegs
unberückſich=
tigt, da ſie ſich gerade hier ſehr vorteilhaft
ver=
arbeiten läßt.
Für die nachmittägliche Bluſe hingegen zieht
man gerne die verſchiedenen Standard=Seiden
heran, unter denen in der Hauptſache China= und
Marokko=Krepp ſowie Georgette zu verſtehen ſind.
Neu auf dem Gebiete der Bluſenmode iſt
„Flamingo” das in ſeiner poröſen Webart und
eigenartigen Ornamentik ſehr gut gefällt.
Nicht unintereſſant iſt die Tatſache, daß die
Bluſe nach und nach eine derartige Verbreitung
ge=
winnt, daß man ſogar wünſcht, ſie auch in der
Abendmode vertreten zu ſehen, ſo daß man alſo
für „kleine” abendliche Gelegenheiten mit „Rock
und=Bluſe” in entſprechend phantaſiereicher
Aus=
führung ſicherlich während der Hochſaiſon zu rechnen haben wird.
Ein Kapitel für ſich ſind auch die Schaffungen der
Strick=
mode, die ja hier ſozuſagen „bodenſtändig” iſt, da der
gigan=
tiſche Aufſchwung dieſer Induſtrie bekanntlich ſeinerzeit von
Bluſen und Jumpern ſeinen Ausgang nahm. — Eines der
modi=
ſchen Schlagworte, die wohl gegenwärtig am gebräuchlichſten
ſind, iſt „Vetit=Golf” worunter man jene entzückenden,
kurz=
taillierten Strickbluſen zu verſtehen hat, die — der neuen Mode
entſprechend — in den Rock getragen werden und
jene ganz unnachahmliche Grazie und
Jugendlich=
keit beſitzen, die der Frau von heute vortrefflich
gefällt.
Solche Bluſen können entweder ausgeſchlagen
oder aber wie ein Herrenhemd, alſo:
hochgeſchloſ=
ſen getragen werden und ſind immer wieder
feſ=
ſelnd und eigenartig. Die Strickmode verſteht es
ſogar, die verſchiedenen Details in ausgezeichneter
Art wiederzugeben. So zum Beiſpiel bringt unſere
Mittelſkizze ein „Petit=Golf” mit einem Fiſchü
durch die Mitte, das ebenfalls auf ſtricktechniſchem
Wege hergeſtellt iſt. Durch einen ſtrickpliſſierten
Rock wird eine ſolche Bluſe zu einem ganz
ent=
zückenden Kleide vervollſtändigt.
Natürlich werden auch die verſchiedenen Weſten
viel beachtet und fallen vornehmlich durch die feine,
neuartige Strickart auf, die ſommerlich=leicht wirkt.
Knopfverſchlüſſe ſind ziemlich ſelten geworden, da
dem Gürtel immer noch der Vorzug gegeben wird E
(Skizze links oben).
Ein ganz entzückendes Modell aus einem
kunſt=
gewerblich=gemuſterten Seiden=Flamingo bringt
das nächſte Bild der oberen Reihe. Hier iſt der
eigenartig=gerollte Kragen beachtenswert, wie auch
die bauſchig=erweiterten Aermel unbedingt eine
Neuheit darſtellen. Dieſe Art von Bluſen iſt für
den Nachmittag ſehr elegant und die richtigſte
Er=
gänzung des kleinen, ſommerlichen Koſtüms.
Die letzte Figur rechts iſt ganz auf die ſportliche
Note geſtellt, ſo daß hier alſo nur Leinen,
Roh=
ſeide und ähnliches Material in Frage kommt.
Selbſtverſtändlich iſt auch die Form ganz einfach.
Am vorteilhafteſten ſind Modelle mit
ausgeſchla=
genem Kragen, einer Sattelpartie und ſeitlichen
Faltbahnen, weil ſie gelegentlich (in Verbindung
mit einem weißen, pliſſierten Rocke) auch zum
Ten=
nis, für Weekendfahrten u. ſ.f. gute Dienſte leiſten.
Die Krepp=Satin=Bluſe, die für Beſuch ſehr
be=
liebt erſcheint und meiſt in Weiß oder Blaßroſa
her=
geſtellt wird, iſt in ihrer Grundform ſehr ſchlicht
und wird vielfach mit einem Kutſcherkragen aus
gleichem Materiale kombiniert, der die Aermel
er=
läßlich macht, umſomehr als der lange Handſchul
wieder im Vordergrunde des Intereſſes ſteht und ſich in Ver=
W
bindung mit derartigen Bluſen ſehr vorteilhaft einführt und von
unbedingt maleriſcher Wirkung iſt. (Bild links unten.
Willy Ungar.
Nummer 206
Sonntg, den 27. Jult 1930
Seite 19
Das Parlaukann
dur Maark.
Kriminalroman von Gebh. Schatzler=Peraſini.
52)
Nachdruck verboten.
Graf Egons Arm taſtete nach Eva. An ihr ſing er ſich, ſtützte
ſeine wankende Geſtalt.
„Laß gut ſein, Liebling,” ſogte er mit ſeltſam feſter Stimme.
„Ich ahnte es ja, ſeitdem ich weiß, wer dieſer Mann in
Wahr=
heit iſt. Das Spiel iſt . . . aus!”
Die Baroneſſe umklammerte ihn mit einem Schrei. „Ich
laſſe dich nicht, Egon! Ich bleibe bei dir, und ginge es in den
Tod!”
Der Graf lächelte ſchmerzlich und ſah mit einem Ausdruck
unbeſchreiblicher Liebe in ihr blaſſes, von Angſt entſtelltes
Geſicht.
„Der Tod wird nicht barmherzig genug ſein, Liebling,”
murmelte er. „Er will mich nicht einmal haben. Ich muß
ſüh=
nen, das Verhängnis läßt mir keine andere Wahl.”
„Auch dann, Egon, auch dann . . .” ſchluchzte das zitternde
Mädchen.
Der Verwundete hob den Kopf und ſah feſt den Doktor an.
Dieſer hatte mit keinem Wort das Geſpräch der beiden
unter=
brochen.
„Ich darf wohl annehmen, Herr Doktor, daß Sie alles
vor=
bereitet haben, mich zu verhaften,” ſagte er. „Ich bin bereit.
Aber da ich nicht ganz ſicher bin, ob ich noch ſo viel Kraft beſitze,
lebend die Fahrt nach der Reſidenz zu machen, wollen Sie eine
Eiklärung für alle dieſe rätſelhaften Dinge entgegennehmen,
damit man in jedem Fall weiß, daß nicht ein gemeiner
Ver=
brecher dieſes gewagte Spiel trieb?”
Und als der Doktor einen Moment mit der Antwort zögerte,
ſagte Eva bittend: „Hören Sie ihn an, Herr Doktor!
Da verneigte ſich Doktor Borngräber leicht. „So mag es
ſein. Aber nicht hier, vielleicht in den bewohnten Gemächern
drüben”, ſprach er.
Graf Egon dankte ihm mit einem Blick. Als er, von Eva
geſtützt, aus der Türfüllung trat, fiel ſein Blick plötzlich auf die
am Boden liegende verhüllte Geſtalt. Er hob ſich unwillkürlich,
ſeine Augen klammerten ſich an das Geſicht des Doktors, er
deu=
tete auf den Toten . . . „Was ... iſt das?” rang es ſich von
ſeinen Lippen.
Der Doktor erwiderte langſam, ernſt: „Der alte Mühlhauſer.
Der Schreck hat ihn getötet. Ein Herzſchlag. Daß es nicht anders
war, mein Wort!”
Graf Egon riß ſich von Evas Arm los, er wollte auf den
Toten zu, aber dann brach er auf einem zur Seite ſtehenden
Seſſel zuſammen. Seine Lippen bewegten ſich, es zuckte um
ſeinen Mund, und nun lehnte er den Kopf gegen Evas Geſtalt,
die raſch zu ihm getreten war. Wie ein Schluchzen ſtieg es aus
ſeiner Kehle: „Der Tote, es war . . . meim Vater!
Eva kannte das Geheimnis ſchon. Sie regte ſich nicht. Aber
auch Doktor Borngräber nickte nur gelaſſen.
„Auch das wußte ich!” ſprach er. „Und nun kommen Sie.
Die Zeit rückt weiter. Bis zum Mongen iſt noch viel zu tun.”
Mit der Blendlaterne ging er voran. Graf Egon und Eva
folgten, dicht aneinandergeſchmiegt.
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In Evas Zimmer, das durch eine halbverſchleierte eleltriſche
Ampel matt erleuchtet war, ſaß nun Graf Egon. Ihm gegenüber
der Doktor. Die Baroneſſe lehnte rückwärts an dem Seſſel, den
ihr Verlobter einnahm, den Arm halb herübergebeugt, mit den
angſtvollen Blicken jedes ſeiner fiebernden Worte auffangend.
Der Verwundete wollte ſprechen, er beſtand darauf, ſo ſchwer
es ihm auch wurde. Da er der Stärkung dringend bedurfte,
reichte ihm Eva von Zeit zu Zeit aus einem geſchliffenen Glas
den roten, alten Schloßwein.
Im Raume war es eine Weile geiſterhaft ftill. Man hörte
nicht einmal den Atem der drei Menſchen, die ſich hier in der
tiefen Nacht zur letzten Abrechnung zuſammenfanden, nicht
frei=
willig, Puppen des grauſamen Schickſals, das uns alle meiſtert.
Der Mann, unter ſchwerer Schuld zuſammengebrochen und
doch ſich anklammernd an den letzten Halt, der ihm blieb, an das
reine Mädchen, das wiederum ihr ganzes Glück, die letzte
Hofſ=
nung des Lebens in dem Beſitz des Geliebten ſah, der nach den
harten Geſetzen der Welt ein Schuldiger wurde.
Ein Spielball des Zufalls, des Schickſals, einen Moment
wankend und dann hingeriſſen von der Wucht der ihn
beſtür=
menden Ereigniſſe, zu ſchwach vielleicht nur, um rechtzeitig alles
aufzuklären, und dennoch in den Augen Evas rein daſtehend.
Vor dem Forum des Gerichtes freilich gab es für ihn kein
Nichtſchuldig, höchſtens mildernde Umſtände.
„Machen Sie es möglichſt kurz”, ſagte in die Stille hinein
der Doktor mit ſeltſam belegter, rauher Stimme. „Den größten
Teil ihrer Geheimniſſe kenne ich ja bereits . . . aus der
Wald=
hütte. Aber ſo manches iſt mir noch unklar. Ich muß wiſſen,
wie die Dinge mit dem Perlenhalsband und dem Mann
zuſam=
menhängen, der in der Schloßhalle tot liegt.”
Der Verwundete hob etwas den Kopf. „Ich werde kurz
ſein, Herr Doktor, nur die nackten Tatſachen Ihnen ſchildern.
Den inneren Zuſammenhang werden Sie leicht ſelbſt erkennen.
Und dann bin ich auch müde all der ſchweren Kämpfe, ich möchte
ſelbft ein Ende vor mir ſehen”, ſagte er.
Eva reichte ihm das Weinglas, und er ſchlürfte gierig den
roten Trank. Dann begann er mit leiſen, aber von innerem
Fieber getriebenen Worten ſeine Beichte ...
Er ſchilderte ſein Jugendleben im alten Schloſſe Arensberg,
wo er, der einzige Sohn des Vertrauten und Leibdieners
Mühl=
hauſer, mit dem Grafen Egon ſich vergnügen durfte, wo ſeine
gute Mutter noch lebte, die unendlich zart war und an der Seite
des immer etwas düſteren Gatten, des Leibdieners Mühlhauſer,
ſich nie glücklich fühlte. Schilderte kurz, daß er die Mutter bald
verlor, daß ſie auslöſchte wie ein dünnes Lichtflämmchen, dem
die Nahrung fehlte. Und wie darauf der Vater noch weit ernſter,
verſchloſſener wurde.
Wie er den Sohn nach der Stadt brachte und ſich dem Kinde
vollkommen entfvemdete, wie dies dann in die harte Schule des
Lebens genommen wurde, viel lernen mußte, aber nirgends
warme Liebe fand und endlich in die Ferne flüchtete, immer nach
dem Glück ſuchend, dem ſein Herz entgegendürſtete.
Dann rief ihn ſein Vater herriſch zurück. Ihm aber graute
vor dem Zuſammenſein mit dem fremdgewordenen Vater, der
für ihn nichts bedeutete und in dem er die Urſache von dem
frühen Tod der Mutter ſah. Er blieb fern — und der Vater
ſagte ſich kurz und entſchieden von ihm los, warf ihn zu den
Katen.
Wie er als Glücksſucher dann die Welt dunchſtreifte,
jahre=
lang, wie er ſo wenig fand, was er erſehnte, aber immer das
Beſtreben feſthielt, ein aufrechter, ehrlicher Menſch zu bleiben,
bis — ja, bis zu jenem dunklen Tage, der ſein Schickſal wendete.
„Ich hatte nichts mehr von der deutſchen Heimat erfahren,
ſie war gleichſam geſtorben für mich”, fuhr er leiſe fort. „Ob
die Menſchen dort, die ich kannte, noch lebten, ich wußte es nicht,
ich ſtellte mir auch nicht einmal die Frage. Und dann ſtieg eines
Nachts ganz plötzlich die ganze Vergangenheit vor mir mit einem
Schlage empor — ich ſaß meinem Jugendgeſpielen gegenüber,
dem Grafen Egon von Arensberg.
Gibt es Fügungen im Menſchenleben, die eine dunkle Macht
für uns bereithält, um uns in Verſuchung zu führen? Ich habe
mir nachher oft dieſe Frage geſtellt.
Im afrikaniſchen Buſch war es, in einer tropiſchen Nacht voll
geheimnisvoller Schauer, voll von ſeltſamen Stimmen, die vom
nahen Urwald herüberklangen und uns das Herz
zuſammen=
krampften.
Wir beide, zwei Deutſche, in der Schutztruppe dienend,
dort=
hin verſthlagen, auf getrennten Wegen, nachdem jeder von uns
die Welt durchjagt hatte, an einſamem Lagerfeuer ſitzend und in
die verlöſchende Glut ſtarrend — ich, der Sohn des alten
Mühl=
hauſer, und er, Graf Egon von Arensberg.
(Fortſetzung folgt.)
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bei uns einzureichen.
Darmſtadt, den 27. Juli 1930.
Heſſ. Hochbauamt.
Seite 20
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