Einzelnummer 10 Pfennige
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Mtg
Tat
9
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Tat
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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1s S1. März 2.18 Reichsmarl und 22 Pfennig
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Frankfurt a. M. 1304.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 28
193. Jahrgang
Mittwoch, den 19. März 1930.
Z mm breie Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.,
Finanz=Anzelgen 40 Reichspfg. Nelamezelle (92 mm
breitl2 Reſchsmark.Anzeigen von auswärte 40 Reſchepfg.
Finanz=Anzelgen 60 Reſchepfg. 92mm breite Nelſames
zelle 3.00 Reichsmarf. Alle Preiſe in Reſchsmart
4 Dollar — 420 Mark). — Im Falle höberer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strell uſw., erliſcht
ſede Verpfichtung auf Erfüllung der Anzeigene
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichtliſcher Beſtreibung fällt jeder
Nabatt weg. Banktonto Deutſche Banl und
Darm=
ſädter und Naiſonalbank.
der Reichspräſident erſucht die Regierung in Anbekracht der Noklage der öſtlichen Grenzgebiete
um Vorlage eines Oſtprogramms.
Hindenburgs Unkerſcheift.
Eine Kundgebung an die Reichsregierung.
Berlin, 18. März.
Reichspräſident von Hindenburg hat die Unterzeichnung des
beutſch=polniſchen Liquidationsabkommen vor zogen. Gleichzeitig
hat er in Anbetracht der Notlage der öſtlichen Grenzgebiete die
Reichsregierung um Vorlage eines Oſtprogramms erſucht.
* Dieſer Akt iſt dem Reichspräſidenten ſichtlich ſchwer
gewor=
den. Ihm ſind viele Mahnungen zugegangen und zum anderen
iſr die geringe Mehrheit von 18 Stimmen im Reichstag bei der
Aerabſchiedung auf ihn nicht ohne Eindruck geblieben. Um ganz
ſiher zu gehen, hatte er noch einmal die Juriſten der
Reichs=
regierung gehört, hat ſich aber ihren Argumenten nicht
verſchlie=
ſien können, hat es aber auch für ratſam gehalten, angeſichts der
drirch die Bevölkerung des Oſtens gehenden Erbitterung nicht
gnnz ſang= und klanglos die Unterzeichnung zu vollziehen. Er
hnt erneut den Ausweg einer Kundgebung gewählt.
Dies=
mal in der Form eines Briefes an die
Reichs=
regierung, der aber auch gleichzeitig an den notleidenden
urid durch die Unterzeichnung des Handelsvertrages mit Polen
noch ganz beſonders beunruhigten Oſten gerichtet iſt. So iſt es
denn auch natürlich, daß der Reichsregierung die Linderung der
Aotlage der oſtdeutſchen Landwirtſchaft nicht nur ans Herz
ge=
ligt, ſondern ihr geradezu zur Pflicht gemacht wiro. Der Oſten,
dem Hindenburg ſchon mehrmals Hilfe angedeihen ließ, darf
aich jetzt wieder ſich auf Hindenburgs Wort verlaſſen.
Hindenbargs Berlangen nach einert Oſtprogramm.
Berlin, 18. März.
Der Reichspräſident hat heute das, das deutſch=polniſche
Läquidationsabkommen enthaltende „Geſetz über die Abkommen
zur Regelung von Fragen des Teiles X des Vertrages von
Ferſailles” unterſchrieben und bei dieſer Gelegenheit an den
Herrn Reichskanzler das nachſtehende Schreiben gerichtet:
Sehr geehrter Herr Reichskanzler!
Aus dem geſtrigen Vortrag des Herrn Reichsjuſtizminiſters
urid der mit ihm bei mir erſchienenen Herren" habe ich die
U eberzeugung gewonnen, daß gegen das vom
Reichs=
tag verabſchiedete Zuſtimmungsgeſetz zum deutſch=
polni=
ſchen Liquidationsabkommen
verfaſſungsrecht=
liche Bedenken nicht beſtehen. Ich habe gelegentlich des
mir erſtatteten Berichtes auch Kenntnis davon genommen, daß
Rechtsgutachter, welche die Regierungsvorlage als
verfaſſungs=
äridernd anfahen, jetzt ihre Bedenken als behoben erachten,
nach=
dem der Reichstag in der Entſchädigungsfrage eine von der
ur=
ſprünglichen Vorlage abweichende Regelung beſchloſſen hat.
Dem=
gemäß habe ich nunmehr das Geſetz über die Abkommen zur
Regelung von Fragen des Teiles X des Vertrages von
Ver=
ſrilles ausgefertigt und zur Verkündung an das
Reichsgeſetz=
hatt weitergeleitet.
Bei meiner Entſcheidung habe ich den von einer ſtarken
Min=
derheit des Reichstages gegen das deutſch=polniſche
Liquidations=
abkommen erhobenen Widerſpruch durchaus gewürdigt, beſonders
herſtehe ich die im notleidenden Oſten unſeres Vaterlandes gegen
dieſes Geſetz und das bevorſtehende deutſch=polniſche
Wirtſchafts=
bkommen vorhandenen Widerſtände.
Das Liquidationsabkommen hat in erſter Linie zum Ziele,
die deutſchen Stammesgenoſſen jenſeits unſerer Grenze
auf ihrer Scholle und in ihre: Exiſtenz zu erhalten. Ich
will hoffen, daß dieſes Ziel durch den neuen Vertrag voll
erreicht wird. Aber in Verbindung hiermit erwächſt uns
die Pflicht, unſeren Oſtpreußen und den anderen Brüdern
im deutſchen Oſten in ihrer Not, die aufs höchſte geſtiegen
iſt, zu helfen, und auch ihnen den Acker, von dem ſie leben,
zu bewahren. Daß auch hier raſch und tatkräftig gehandelt
wird, muß ich in dieſer Stunde, in der ich trotz mancher
Bedenken auch dieſes Geſetz ausfertige, von der
Reichs=
regierung nachdrücklichſt verlangen.
In meiner Kundgebung vom 13. März habe ich mich dahin
huusgeſprochen, daß der politiſche Kampf der letzten
Monate nun einer entſchloſſenen praktiſchen
Arbeit Platz machen muß. Für dieſe praktiſche
Trbeit eröffnet ſich hier ein ganz bedeutſames
Bebiet. Zunächſt iſt erforderlich, daß die zurzeit
zuir Beratung ſtehenden Agrarmaßnahmen, die der
ge=
ſamten Landwirtſchaft zugute kommen ſollen, aber für den
Oſten beſonders lebensnotwendig ſind, mit aller
Beſchleunigung und in einem umfang
durchge=
ührt werden, der der deutſchen Landwirtſchaft
n allen ihren Betrieben, den großen wie den
bäuer=
lächen, für die Dauer die Lebensfähigkeit
wieder=
g.ibt
Die allgemeinen Maßnahmen zum Schutze der
Landwirt=
ſchaft werden für den verzweifelt um ſeine Exiſtenz
ringen=
den Oſten allein nicht ausreichen. Für den Oſten muß,
be=
ginnend mit den beſonders gefährdeten Gebieten, noch
eine wirkſame finanzielle Hilfsaktion
hin=
zutreten.
Viele landwirtſchaftliche Betriebe, Güter wie Bauernhöfe, ſind
in einem Grade überſchuldet und mit ſo hohen Zinsleiſtungen
belaſtet, daß es ihnen unmöglich iſt, aus den Erträgniſſen auch
nur die Zinſen aufzubringen und aus eigener Kraft die
Ueber=
ſchuldung und damit den Verluſt der Scholle abzuwehren. Hier
müſſen große Mittel bereitgeſtellt werden, umden
Eigen=
tümern Zuſchüſſe zu den übermäßig hohen Zinsſätzen zu
geben, ihnen die Umſchuldung zu ermöglichen und
ihnen den Beſitz zu erhalten, der die Grundlage für
die Exiſtenz faſt der geſamten Bevölkerung des Oſtens iſt.
Geſchieht dies nicht, dann iſt der Zuſammenbruch vieler
Landwirte und die Abwanderung zahlreicher Menſchen aus
dem Oſten unaufhaltbar. Ich weiß wohl, daß es bei der
ſchlechten Finanzlage des Reiches ſchwer iſt, die hierfür
er=
ſorderlichen erheblichen Mittel aufzubringen; aber die
un=
mittelbare Not, die den deutſchen Oſten in ſeiner
Geſamt=
heit bedroht, zwingt dazu, dieſe Summen, zu beſchaffen.
Ein Teil derſelben wird — ſo nehme ich an — aus den
geſteiger=
ten Erträgniſſen, welche die erhöhten Zölle einbringen, verfügbar
gemacht werden können. Soweit dies nicht ausreicht, erſcheint
es mir ein gerechter Ausgleich, wenn weitere
Mit=
tel aus der Induſtriebelaſtung, deren
ſchritt=
weiſer Abbau im Finanzprogramm der
Reichs=
regierung vorgeſehen iſt, dadurch entnommen
werden, daß der Abbau der Induſtrieabgabe im
Tempo verlangſamt und im Ausmaß gemindert
wird. Die in den letzten Jahren abgeſchloſſenen
Handelsver=
träge und das geſtern zwiſchen Deutſchland und Polen
para=
phierte neue Wirtſchaftsabkommen haben, um der deutſchen
In=
duſtrie neue Abſatzmöglichkeiten zu verſchaffen, der
Londwirt=
ſchaft durch Zulaſſung der Einfuhr von Agrarerzeugniſſen große
Opfer auferlegt und in weiten Kreiſen, gerade im Oſten, die
Meinung einer abſichtlichen Vernachläſſigung der
landwirtſchaft=
lichen Lebensintereſſen aufkommen laſſen.
Es erſcheint mir billig und recht und auch zur Beſeitigung
dieſer Mißſtimmung geeignet, wenn nun in dieſen
Not=
jahren der Landwirtſchaft von der Induſtrie ein gewiſſer
Ausgleich gewährt wird, und dies in der Weiſe geſchieht,
daß alljährlich, etwa auf die Dauer der nächſten fünf Jahre,
aus der Induſtriebelaſtung Beträge für landwirtſchaftliche
Zwecke zur Verfügung geſtellt werden. Es iſt in der letzten
Zeit viel über die Verbundenheit der landwirtſchaftlichen
und der induſtriellen Produktion geſprochen und
geſchrie=
ben worden; hier iſt ein Gebiet, wo ſich dieſe
Verbunden=
heit praktiſch betätigen und nicht nur zur Sanierung der
produktiven landwirtſchaftlichen Betriebe, ſondern auch zu
allgemeinwirtſchaftlichen Zwecken, nämlich zur Stärkung
des Binnenmarktes und zur Beſſerung unſerer
Handels=
bilanz beitragen kann.
Aus Beſprechungen, die ich in der letzten Zeit mit einzelnen
Führern der deutſchen Induſtrie hatte, habe ich den Eindruck
gewonnen, daß dieſer Gedanke der Verbundenheit und des
Aus=
gleiches auch in der Induſtrie — trotz eigener Sorge und trotz
der Klagen über die hohen, die Produktion bedrückenden Laſten
— Verſtändnis findet.
Im Hinblick auf die Stellung, welche die Reichsverfaſſung
dem Reichspräſidenten einräumt, will und kann ich hier nicht
ein genau umriſſenes Programm und einen beſtimmten Weg
feſt=
legen. Aber es iſt mir eine Gewiſſenspflicht, die
Reichsregierung eindringlichſt aufzufordern,
mit aller Beſchleunigung auf ſolcher
Grund=
lage ein Oſtprogramm aufzuſtellen und es nach
ſeiner Verabſchiedung durch die geſetzgebenden Körperſchaften
gemeinſam mit Preußen durchzuführen. Bei der
Durchführung der Hilfsmaßnahmen im einzelnen halte ich es
für geboten, die Mitarbeit der landwirtſchaftlichen Vertretungen
und Vertrauensſtellen der Oſtprovinzen ſelbſt einzuſchalten.
Nachdem die ſeit langem ſchwebenden außenpolitiſchen
Fragen nunmehr ihre geſetzliche Regelung gefunden haben,
muß neben der Sanierung unſerer Finanzen, nun
ent=
ſchloſſen an die Geſundung unſerer Landwirtſchaft und an
die Wiederaufrichtung des zuſammenbrechenden Oſtens
herangegangen werden.
Nur in der beſtimmten Erwartung, daß dies geſchieht, habe
ich meine eigenen Bedenken gegen das deutſch=polniſche
Liquida=
tionsabkommen, und das geſtern paraphierte deutſch=polniſche
Handelsabkommen zurückzuſtellen vermocht und dem Geſetz meine
Unterſchrift geben können.
Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung und mit
freundlichen Grüßen bin ich Ihr ſehr ergebener
(gez.) v. Hindenburg.
Falſche Wege der hefſiſchen
Finanz=
polikik.
Von
Bürgermeiſter Dr. Niepoth, M. d. L., Schlitz.
Wohl noch niemals iſt der Voranſchlag des heſſiſchen
Staa=
tes von den politiſch intereſſierten Kreiſen des Landes mit
grö=
ßerer Spannung erwartet worden als in dieſem Jahr. Man
weiß, daß auf Grund einer Vereinbarung des Reiches mit der
heſſiſchen Regierung die Beauftragten des Reichsſparkommiſſars
ſeit Jahren eine genaue Prüfung der heſſiſchen
Finanzverhält=
niſſe vornehmen, man weiß, daß dieſe Prüfungen zum Abſchluß
gekommen ſind, und daß das Ergebnis ſeit einem halben Jahre
der Regierung bekannt iſt. Man erinnert ſich aber auch
gleich=
zeitig an die ernſten finanzpolitiſchen Auseinanderſetzungen
zwiſchen der Oppoſition und den Regierungsparteien in den
Jah=
ren 1925 und 1926, man erinnerte ſich, daß der damalige
Finanz=
miniſter von der Tribüne des Landtages aus erklärte, er wolle
lieber auf die Selbſtändigkeit Heſſens verzichten als durch
Aus=
gabenabſtriche die heſſiſche Bevölkerung in kultureller Beziehung
ſchlechter zu ſtellen als die der Nachbarländer. Nach all dem
Voraus=
gegangenen mußte man ſich naturgemäß mit Recht fragen, wie
ſich die Entwicklung der Staatsfinanzen in der Vevgangenheit
geſtaltet hat und ſich in der nächſten Zukunft geſtalten wird.
In der dem Voranſchlag beigegebenen Denkſchrift legt die
Regierung durch folgende Zuſammenſtellung Rechenſchaft ab:
Ergebnis
ſichtlich 11
Daraus ergibt ſich, daß das Rechnungsdefizit der Jahre 1925
bis einſchließlich 1929 ſich auf etwa 35,4 Millionen RM. belaufen
wird. Wenn man jedoch berückſichtigt, daß aus den früheren
Jahren noch ein Ueberſchuß von 5,4 Millionen Mark vorhanden
war und weiter damit rechnet, daß das Reich die Heſſen
gewähr=
ten Vorſchüſſe in Höhe von 10,2 Millionen Mark als Zuſchüſſe
anſieht, ſo vermindert ſich zwar der Fehlbetrag um 15,6
Millio=
nen, erreicht aber immer noch den erſchreckend hohen Betrag von
19,8 Millionen Mark. Da aber der Finanzminiſter in der
Denk=
ſchrift weiter ausführt, daß bei Verzicht auf irgendwelche
Spar=
maßnahmen der Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1930 ſich
gegen=
über dem des Jahres 1929 um etwa 2 Millionen Mark auf 13
Millionen Mark erhöht haben würde, ſo kann man verſtehen, daß
auch die Regierung eine ſolche Entwicklung als kataſtrophal
an=
ſieht und gezwungen iſt, zur wenigſtens teilweiſen Deckung des
Fehlbetrags Vorſchläge zu machen. Bevor ich mich mit dieſen
Maßnahmen der Regierung beſchäftige, iſt es doch wohl von
In=
tereſſe, die Frage zu prüfen, welche Gründe für dieſen
außer=
ordentlichen hohen Haushaltfehlbetrag ausſchlaggebend waren.
Wir ſind der Meinung, und ich habe dieſer Auffaſſung in den
früheren Jahren ſtets Ausdruck verliehen, daß der heſſiſche Staat
in den erſten Nachkriegsjahren Aufgaben übernommen hat, die
über ſeine finanzielle Leiſtungsfähigkeit hinausgingen. Als wir
in den Jahren 1925 und 1926 Vorſchläge machten, die früheren
Fehler wieder auszugleichen, wurde uns von der Regierung und
den Koalitionsparteien ſtets darauf hingewieſen, daß ſowohl die
Uebernahme neuer Laſten von den Gemeinden, wie auch die
Rück=
übertragung nur eine Laſtenverſchiebung, aber keine
Laſten=
erhöhung oder =verminderung darſtellten. Daß dieſe Argumente
falſch waren, hat nicht nur die tatſächliche Entwicklung gezeigt,
auch der Sparkommiſſar gibt in ſeinem Gutachten derſelben
Auf=
faſſung Ausdruck, wenn er ſchreibt:
„Es iſt nicht zutreffend, daß die geſamten Koſten der
Ver=
ſtaatlichung der verſchiedenen erwähnten Perſonalkörper einemr
Laſtenausgleich entſprechen. Falls dieſes im Augenblick der
Ver=
ſtaatlichung der Fall geweſen ſein ſollte, trifft es gegenwärtig
jedenfalls nicht mehr zu. Bei den Beſuchen und Beſprechungen
an Ort und Stelle konnte immer wieder feſtgeſtellt werden, daß,
ſolange der an dem nunmehr verſtaatlichten Perſonalkörper
un=
mittelbar. Intereſſierte auch die Koſten dieſes Apparates zu
tragen hatte — in der Hauptſache ſind es die Gemeinden geweſen
— dieſer Perſonalkörper ſparſam und billig verwaltet wurde, daß
dagegen von dem Augenblick an, wo jener unmittelbar
Inter=
eſſierte die Perſonalkoſten nicht mehr zu zahlen brauchte, die
Forderungen auf Vermehrung des Perſonals einſetzten und auch
zum Teil erfüllt worden ſind. Die Verſtaatlichungjener
Perſonalkörperhat demnachdem Lande nichtxur
eine Steigerung der Perſonallaſten, ſondern
auch eine Verteuerung dieſer Laſten gebracht.”
Mit anderen Worten, auch der Sparkommiſſar iſt der Anſicht,
daß beiſpielsweiſe die perſönlichen Volksſchullaſten, die nach dem
Stand von 1925/26 in Heſſen auf den Kopf der Bevölkerung
aus=
gerechnet, 2,87 RM., oder insgeſamt 3,9 Millionen mehr
be=
tragen als in Preußen, die Höhe nie erreicht hätten, wenn die
Gemeinden wie in der Vorkriegszeit an der Aufbringung dieſer
Koſten beteiligt geweſen wären.
Wir haben in der Vergangenheit weiter darauf hingewieſen,
daß der zweite Grund für die außerordentliche
Ausgabenſteige=
rung des heſſiſchen Staates die Zentraliſation der Aufgaben in
den Miniſterien und die damit verbundene Aufblähung der
Zen=
tralverwaltung geweſen ſei. Unſere Forderung ging demgemäß
dahin, durch eine Dezentraliſation der Aufgaben auf die
Lokal=
ſtellen erhebliche Erſparniſſe zu ermöglichen. Im Zuſammenhang
damit haben wir die Behauptung aufgeſtellt, daß dieſe
Dezen=
traliſation der „Aufgaben den Lokalſtellen durch Wegfall der
Schreibarbeit nicht mehr, ſondern weniger Arbeit mache und daß
deshalb auch bei ihnen eine Erhöhung der Koſten nicht eintrete.
Auch in dieſem Fall können wir uns wiederum auf die
Auf=
faſſung des Sparkommiſſars ſtützen, der in ſeinen Ausführungen
über die Miniſterien auf Seite 151 und 152 derſelben Meinung
Ausdruck verleiht.
Den dritten der Hauptgründe an der finanziellen Notlage
des heſſiſchen Staates erblicken wir in der Tatſache, daß aus
ſicher nicht rein ſachlichen Gründen hunderte von neuten Beam=
tenſtellen geſchaffen wurden, ohne daß die Tätigteit dieſer neuen
Beariten ein Beamtenverhältnis bedingt hätte. Ich möchte aber
nicht mißverſtanden werden; wir vertreten dieſe Auffaſſung nicht
gegen, ſondern im Intereſſe des Berufsbeamtentums, dem
ſicher nicht damit gedient iſt, die Zahl der Beamten uferlos
er=
höht und damit eine Stimmung in der Geſamtbevölkerung
er=
zeugt zu ſehen, die dem Beamten alles andere als dienlich ſein
kann.
Auch hier iſt der Sparkommiſſar in ſeinen Unterſuchungen
zu demſelben Ergebnis gekommen. Auch er iſt der Meinung,
daß zwiſchen Hoheitsaufgaben und Aufgaben der
Betriebsver=
waltungen ſtreng unterſchieden werden müſſe, und nur die
Durch=
führung der Hoheitsaufgaben erfordert nach ſeiner Anſicht
un=
bedingt Beamte. Die Fehler des jetzigen Syſtems geißelt er,
wenn er ſchreibt, „beiſpielsweiſe mag eine Oberköchin in einer
Heilanſtalt, die den Küchenzettel aufſtellt, die den Zucker, das
Salz, die Nudeln zum Kochen aus den Beſtänden herausgibt, die
Speiſen abſchmeckt und ganz einfache ſchriftliche Arbeiten erledigt,
gewiß einen wichtigen Beruf haben — ſie deshalb aber zur
Beamtin in der Beſoldungsgruppe 5 oder ſogar 6 zu machen
und mit einem Oberaſſiſtenten oder Sekretär, der im Kreisamt
für die Referenten Verfügungsentwürfe anfertigen muß,
gleich=
zuſtellen, dürfte nicht angängig ſein.” Er ſchreibt weiter: „Es iſt
ein Fehler, wenn vielfach auf Vermehrung der Beamtenſtellen
ge=
drängt wird, ohne daß vorher genügend geprüft wird, ob ein
wirkliches Bedürfnis für eine Beamtenſtelle beſteht. Es wäre
deshalb nicht nur vom Standpunkt der Sparſamkeit, ſondern
auch aus wohlverſtandenen beamtenpolitiſchen Intereſſen richtig,
wenn ſich die Organiſationen bei ihren Mitgliedern dafür
einſetz=
ten, die Forderung auf ein möglichſtes Kleinhalten des
Beamten=
körpers zu erheben.”
Fragen wir uns nun, ob der Finanzminiſter die tieferen
Gründe für die Notlage der heſſiſchen Finanzen richtig erkannt
hat und die notwendigen Folgerungen aus dieſer Erkenntnis
zieht, ſo muß uns allerdings ſein Sparprogramm auf das
Schwerſte enttäuſchen. An den grundlegenden Fehlern
des Syſtems geht er völlig vorbei. Statt an der
Wurzel, fängt mit ſeinen Sparmaßnahmen an Einzelſymptomen
an, ſtatt großzügig durch Organiſationsänderung und
Rückgängig=
machung früherer Fehler den Ausgleich zu ſchaffen, verſucht er
es mit kleinen Mitteln; denn wirkliche Erſparniſſe bilden nur
den kleinſten Teil ſeines Programms. In der Hauptſache
be=
ſteht die „Sparaktion” aus Einnahmeerhöhungen und
Abwälzun=
gen von Ausgaben auf die Gemeinden, im letzteren Fall
aller=
dings ohne dem von uns ſchon lange erkannten Kernproblem
irgendwie näher zu kommen.
Die Vorſchläge des Finanzminiſters im Einzelnen und ihre
Trennung in zukünftige und ſofortige Maßnahmen dürfen wohl
als bekannt vorausgeſetzt werden. Trotzdem iſt es aber von
Intereſſe, die Vorſchläge des ſogenannten Sofortprogramms
etwas anders zu gruppieren als es in den bisherigen
Veröffent=
lichungen geſchehen iſt und ſie zu teilen in
Ausgabevermin=
derungen und Einnahmeerhöhungen. Beſchäftigen
wir uns zunächſt mit den Einnahmeerhöhungen, ſomuß zum
beſſe=
ren Verſtändnis folgendes vorausgeſchickt werden. Die
Aus=
gaben des Staatshaushaltes im Rj. 1930 bleiben zwar mit 139
Millionen um 2,9 Millionen gegenüber 1929 zurück. Dieſe
Ver=
minderung iſt aber nur eine ſcheinbare, da der früher für
Wöl=
fersheim vorgeſehene Ausgabenbetrag von 1,2 Millionen infolge
des Verkaufs der Gruben ausfällt und Bad=Nauheim und
Theater infolge Einführung der kaufmänniſchen Buchführung
nicht mehr mit den Bruttoziffern erſcheinen, und ſo die
Geſamt=
ſumme um 3,8 Millionen mindern.
Es ergibt ſich ſomit, daß alle Maßnahmen des
Finanz=
uiniſters auch im Rj. 1930 eine weitere Steigerung der Ausgaben
in Höhe von 2,1 Millionen nicht hindern konnten und daß zur
Verbeſſerung des Voranſchlags um 4,8 Millionen gegenüber 1929
eine Einnahmeſteigerung von etwa 7 Millionen nötig iſt. Wie
verſchafft ſich nun der Finanzminiſter die notwendigen
Mehr=
einnahmen?
1. Auf Koſten der Gemeinden
1,3 Mill.
(Beiträge zur Volksſchule und
Erhöh=
ung der Pflegegelder)
2. Erhöhung der Gerichtsgebühren . . . 0,1
3. Erhöhung der Gewerbeſteuer über den
Betrag von 7,2 Mill.
0,6
4. Heranziehung der Steuerrückſtände . . 1.— „ — 3.—
5. Höhere Einnahmeſätze
a) Stempel .
1,0 Mill.
b) Reichsſteuern (gegenüber 1928
177
27
Staatsgüter
a) Bad=Nauheim
0,3 Mill.
b) Wald
*
0,9 „ — 12
Zuſammen Millionen 6,
Mirrwoch, den 19. März 19—
Vom Tage.
Im Reichstag haben die Regierungsparteien mit Ausnahme der
Bayeriſchen Volkspartei den Antrag eingebracht, die Kundgebung des
Reichspräfidenten vom 13. März 1930 über die Haager Beſchlüffe
öffent=
lich anzuſchlagen.
Der Preußiſche Landtag verabſchiedete am Dienstag den
Geſetz=
entwurf, wonach die Altersgrenze der Hochſchullehrer vom 65. auf das
68. Lebensjahr heraufgeſetzt wird. Nach einem dazu angenommenen
Aenderungsantrag tritt das Geſetz am 31. März 1930 in Kraft.
Wie wir hören, wird der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete
Dr. Wunderlich demnächſt zum Reichsgerichtsrat
er=
nannt werden. Er wird daraufhin ſein Reichstagsmandat
nieder=
legen.
Der polniſche Staatspräſident hat den Senatsmarſchall Profeſſor
Julian Szymanſki beauftragt, das neue Kabinett zu bilden.
Der polniſche Regierungsblock hat in ſeiner Sitzung beſchlofſen, ſich
allen Verſuchen, während der durch das Parlament hervorgerufenen
Kabinettskriſe eine Seimſitzung abzuhalten, mit den allerſchärfſten
Mit=
teln zu widerſetzen.
Die Zahl der engliſchen Erwerbsloſen beziffert ſich
nunmehr auf insgeſamt 1563800. Die Zunahme gegenüber der
Vor=
woche beträgt 16 583. Mit dem Vorjahr verglichen, iſt die engliſche
Arbeitsloſenziffer um 294 961 höher.
Die ſpaniſche Regierung hat beſchloſſen, dem
verſtor=
benen General Primo de Rivera ein Staatsbegräbnis
zu bereiten mit den Ehrenbezeugungen, die ſonſt emem
Feld=
marſchall zuteil werden.
In der ruſſiſchen Nationalkirche des römiſch=
katho=
liſchen Ritus San Lovenzo dei Monti in Rom wurde aus Anlaß
der Kirchenverfolgung in her Sowjetunion eine
feier=
liche Sühneandacht abgehalten. Ein großer Teil der ruſſiſchen
Kolonie, auch der Orthodoxen, war vertreten. Heute findet in der
ruſſi=
ſchen Nationalkirche des orthodoxen Ritus eim Sühnegottesdienſt ſtatt. In
der Peterskirche wird der Papſt eine Meſſe für die in der Sowjetunion
lebenden Chriſten leſen.
Was die Ausgabeſeite des Etats anlangt, ſo ſoll unterſucht
werden, welche Ausgabenverminderungen wirkliche und dauernde
Erſparniſſe darſtellen.
Das Sofortprogramm ſieht vor:
1. Koſtenabwälzung auf Gemeinde und
Gemeinde=
verbände (Verſicherungsanſtalt —
Straßenunter=
haltung)
0,5 Mill,
2. Stärkere Heranziehung der Sonderſteuer für
Zwecke des Finanzbedarfs (Droſſelung des
Woh=
nungsbaues)
2.—
3. Einmalige Erſparniſſe bei der
Gebäudeunter=
haltung
0,7
4. Dauernde Erſparniſſe (Schule, Univerſität,
Hoch=
ſchule Polizei und Theater) ... . . . 2,1 „
Zuſammen 5,3 Mill.
Wenn ich mir auch eine Kritik dieſer letzten Vorſchläge im
einzelnen für einen ſpäteren Zeitpunkt vorbehalten will, ſo muß
doch ſchon heute geſagt werden, daß die Erſparniſſe des geſamten
Sofortprogramms bei näherem Zuſehen auf 0,7 Millionen
ein=
malige und 2,1 Millionen dauernde Ausgaben
zuſammen=
ſchrumpfen.
Mit derſelben Skepſis muß uns auch das Zukunftsprogramm
der Regierung, durch Aufhebung von Lokalämtern erhebliche
Erſparniſſe zu erzielen, erfüllen. Wir wiſſen zwar, daß es bei
keiner Reform, die das Defizit des Haushalts nicht nur
ver=
kleiſtern, ſondern tatſächlich beſeitigen ſoll, ohne erhebliche Härten
für die Bevölkerung abgehen wird und geben zu, daß auch durch
Aufhebung des einen oder des anderen Amtes Erſparniſſe
er=
zielt werden können. Wir müſſen aber fordern, daß dieſe
Er=
ſparniſſe nicht nur auf dem Papier zu verzeichnen ſind. (Die
Er=
fahrungen bei der Organiſation der Reichsſteuerverwaltung oder
der Arbeitsloſenverſicherung ſollten in dieſer Hinſicht bedenklich
ſtimmen) und daß ſie im richtigen Verhältnis zu den indirekten
Laſten der Bevölkerung ſtehen. Ich wiederhole aber das
ein=
gangs Geſagte: Niemals wird die D.V. P. Regierungsvorſchlägen
zuſtimmen, wenn mit dem Abbau einzelner Lokalämter nicht auch
die Dezentraliſation der Aufgaben und damit ein Abbau der
Zentrale Hand in Hand geht. Das geſchieht nicht nur aus
finan=
ziellen, ſondern auch aus pſychologiſchen Erwägungen. Man
kann von der Bevölkerung keine Zuſtimmung
erwarten, ohne den praktiſchen Beweis zu
lie=
fern, daß man mit dem Sparen oben und nicht
unten anfängt. Man kann keine Opfer
verlan=
gen, wenn man gerade noch in letzter Zeit mit der
Ernennunghöherer Beamten inden Miniſterien
und der inneren Verwaltung von neuem zeigt,
daß man nicht nur nicht gewillt iſt, auch nur ein
Jota von parteipolitiſchen Wünſchen
aufzu=
geben, ja, wenn die Regierung ihre eigenen
Erſparnismaßnahmen durch ſolche
Ernennun=
gen geradezu ſabotiert.
ehrmus Mit oer Gasmdste.
Ueber künſtleriſche Freiheit.
Von Wilhelm Michel.
George Groſz, Kultur= und Sozialkritiker mit den Mitteln
der Zeichnung, brachte vor einiger Zeit ein Bild heraus, das
den gekreuzigten Chriſtus mit Gasmaske und Militärſtiefeln
darſtellte. Die Unterſchrift lautete: Maul halten und
weiter=
dienen.
Dieſe Zeichnung wurde beſchlagnahmt, der Künſtler wegen
Religionsvergehen vor Gericht gezogen. Die erſte Inſtanz
ver=
urteilte ihn, die zweite ſprach ihn frei. Das Reichsgericht
ver=
warf das freiſprechende Urteil und ordnete nochmalige
Entſchei=
dung an.
Der Fall iſt vielfach in der Oeffentlichkeit erörtert worden,
zumal Eroſz neuerdings auf der antireligiöſen Ausſtellung der
Berliner Kommuniſten eine plaſtiſche Nachbildung der
Darſtel=
lung vorgeführt hat, die ebenfalls der Beſchlagnahme verfiel.
Vor wenigen Tagen wurde gemeldet, daß eine Anzahl von
künſt=
keriſchen und literariſchen Verbänden ſich auf die Seite von G.
Groſz geſtellt haben, um die nach ihrer Anſicht bedrohte Freiheit
der Kunſt zu retten.
Es gibt an dieſer Angelegenheit zwei Seiten, die beſonders
intereſſieren. Die eine iſt die Frage, ob und inwiefern hier
Gottesläſterung vorliege. Die andere iſt die Frage nach dem,
was man die Freiheit der Kunſt nennt.
Chriſtus am Kreuz, das Geſicht unter der Gasmaske mit
ihrem rüſſelartigen Vorderſtück verſteckt, die Füße in ſchlotterigen
Militärſtiefeln — das iſt das Bild, um das es geht. Jedermann
weiß, wie die Gasmaske die menſchliche Geſtalt ins Tieriſche
zieht. In Hunderten von Darſtellungen, gerade von
kriegs=
gegneriſcher Seite her und nicht zuletzt von Groſz ſelbſt, iſt die
Angleichung an tieriſche Formen, wie ſie die Gasmaske
hervor=
bringt, bewußt in kritiſchem und ſatiriſchem Sinne verwendet
worden; in einem Sinne, der ſagen wollte: Seht, ſolche
beſtia=
liche Entſtellung nimmt der moderne Krieg mit dem
Menſchen vor.
Sieht man nun die Geſtalt des am Kreuz geſtorbenen C
löſers in dieſer Weiſe verunehrt, ſieht man ſeine Züge verborg
unter einem Apparat, dem die Gebärde des ſtumpfen Glotze
und Schnüffelns unausweichlich aufgeprägt iſt, dann iſt die er
Regung tiefes Erſchrecken, die zweite Empörung: Wie konnte e
Menſch es wagen, ſich an der edelſten Geſtalt derart zu v
greifen?
Aber da kommen ſchon die Einwände. Wir halten uns ſel
entgegen, daß das Bild ſich zunächſt ja nicht gegen den Heila
wendet, ſondern gegen die Stellung der Kirche zum Krieg. Es
wirft der Kirche vor, daß ſie im Kriege die chriſtliche
Liebes=
predigt ſchweigen laſſe, daß ſie den großen Verkünder der
Nächſtenliebe gleichſam zum Militärdienſt einziehen laſſe und
den Herzdunkt ſeiner Lehre der kriegeriſchen Forderung der
Stunde Preisgebe. So lautet auch die Formulierung des
frei=
ſprechenden Urteils: Groſz habe zeigen wollen, „ſo wenig
Gas=
maske und Soldatenſtiefel zum Chriſtusbild paſſen, genau ſo
wenig paßt die Lehre der kriegshetzenden Vertreter der Kirche
zur eigentlichen chriſtlichen Lehre.” Alſo, nimmt man’s ganz
genau: Groſz erhebt in getviſſer Weiſe den Anſpruch, Chriſtus
gegen einen Teil ſeiner eigenen Anhänger zu verteidigen —
gegen diejenigen Chriſten nämlich, die der Anſicht ſind, daß
Chriſtentum uns nicht der Pflicht enthebe, das reale
geſchichtliche Leben ſamt Kampf und Krieg mitzuleben,
wenn es uns auch durchaus verpflichtet, innerhalb dieſes
ge=
ſchichtlichen Lebens ſo viel als möglich zum Frieden zu wirken.
Dieſe im Kern zweifellos richtige Anſicht iſt im Krieg manchmal
ſehr hart formuliert worden. Es iſt das böſe Wort vom „
Mora=
torium des Chriſtentums” gefallen. Ein Geiſtlicher ſoll während
des Krieges ſogar eine Aeußerung getan haben des Sinnes:
wenn Jeſus heute lebte, ſtünde er auch im Schützengraben am
Maſchinengewehr.
Geben wir zu, daß eine ſolche Aeußerung ein ſchwerer
Fehl=
griff iſt. Geben wir zu, daß ſie zur Kritik herausfordern konnte.
Aber wie oft wir uns das auch vorhalten mögen: ſobald unſer
Blick auf das Bild fällt, iſt das Erſchrecken, die Empörung
wie=
der da Groſz wollte nicht die Geſtalt Chriſti angreifen, ſondern
das Verhalten ſeiner Anhänger zum Krieg. Schön und gut.
Aber dann iſt zunächſt feſtzuſtellen, daß das Bild etwas anderes
getan hat, als ſein Verfertiger angeblich „wollte‟. Das Bild
legt faktiſch und unzweideutig Hand an die Geſtalt des Erlöſers.
Es begeht, mit ihm etwas, das Läſterung, Beſchimpfung iſt.
Warum hat ſich der Künſtler, wenn er nicht Chriſtus, ſondern
Andere meinte, nicht an dieſe gehalten? Warum hat er ſich
Chriſti bedient als eines bloßen Mittels, um vermeintliche
Irr=
tümer von Chriſten zu verhöhnen? Offenbar deswegen, weil
kein Gefühl für die Heiligkeit der Geſtalt ihn hinderte, mit ihr,
mit ihrer Verzerrung und Beſchimpfung zu exemplifizieren. Ihm
war die Geſtalt des Gekreuzigten nicht zu gut, um mit ihr ſeine
Theſe zu erweiſen; ſie war ihm gerade gut genug dafür.
Will ſich Groſz und wollen ſich ſeine Verteidiger hinter der
angeblichen „Meinung” des Bildes verſtecken, ſo iſt zu fragen:
Iſt ein Bild ein Nichts? Iſt es nur ſo in den Wind geredet,
iſt es ein bloßes Geſpenſt, bei dem es nur auf das leere
Abſtrak=
tum ſeiner formulierbaren „Abſicht” ankommt — oder hat ſein
Sichtbares, ſein Körper etwas Objektives an ſich? Gibt dieſes
Bild von Groſz nicht wirklich der verehrungswürdigſten Ge=
Lonliinmangen mie Heichstag.
Annahme des Republikſchuh= und Miniſter=
Penſions=
geſetzes. — Am Miktwoch erſte Leſung
der Zoll= und Steuervorlagen.
Berlin, 18. März.
Auf der Tagesordnung der Dienstags=Sitzung des
Reichs=
tages ſtanden die Abſtimmungen in dritter Beratung zum
Repu=
blikſchutzgeſetz. Präſident Löbe teilte mit, daß von den
Deutſchnationalen und den Kommuniſten die
Ausſetzung der Verkündung des Geſetzes
bean=
tragt worden iſt. Abg. Dittmann (Soz.) beantragte
darauf=
hin, das Geſetz für dringlich zu erklären.
8 6, der die Beſchimpfung der Republik, der Flaggen, der
Regierungsmitglieder uſw. mit Strafe bedroht, wurde nach
Ab=
lehnung aller Aenderungsanträge in namentlicher Abſtimmung
mit 265 gegen 151 Stimmen angenommen.
§ 10, der die Länder unter beſtimmten Vorausſetzungen zur
Auflöſung von Vereinen ermächtigt, wurde mit 266 gegen 148
Stimmen angenommen.
Alle anderen Beſtimmungen des Geſetzes wurden gleichfalls
in der Faſſung der zweiten Beratung angenommen.
Die namentliche Schlußabſtimmung ergab die Annahme des
Geſetzes mit 265 gegen 150 Stimmen. Für das Geſetz haben nur
die Regierungsparteien geſtimmt.
Das Abſtimmungsreſultat wurde von den Kommuniſten mit
lauten Pfuil=Rufen aufgenommen.
Nunmehr wurde durch Auszählung feſtgeſtellt, ob ein Drittel
der anweſenden Abgeordneten für die von den Deutſchnationalen
und den Kommuniſten beantragte Ausſetzung der Verkündung
des Geſetzes iſt. Für die Ausſetzung ſtimmen Deutſchnationale,
Nationalſozialiſten, Chriſtlich=Nationale und Kommuniſten. Die
Wirtſchaftspartei bleibt der Abſtimmung fern. Nur der Abg.
Lucke (WP.) ſtimmte mit Ja. Präſident Löbe teilte mit, daß
120 Abgeordnete von 255 gegen die Ausſetzung geſtimmt haben,
daß alſo das für den Ausſetzungsbeſchluß erforderliche Drittel
nicht erreicht iſt. Damit war der ſozialdemokratiſche
Dringlich=
keitsantrag gegenſtandslos geworden.
Hierauf wurde das Reichsminiſtergeſetz in der namentlichen
Schlußabſtimmung mit 340 gegen 70 Stimmen bei 5
Stimm=
enthaltungen angenommen.
Damit war, wie Präſident Löbe feſtſtellt, die für
verfaſſungs=
ändernde Geſetze erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht. Der
Vorſchlag des Präſidenten, am Dienstag noch den Antrag der
Regierungsparteien zu beraten, der den öffentlichen Anſchlag der
Kundgebung des Reichspräſidenten zum Youngplan fordert,
ſchei=
terte am Widerſpruch der Rechten. Um 16.30 Uhr vertagte ſich
das Haus auf Mittwoch, 11 Uhr. Auf der Tagesordnung ſtehen
die Zoll= und Steuervörlagen und der Antrag auf
öffentlichen Anſchlag der
Reichspräſidenten=
kundgebung.
* Der Reichstag leidet, ſo ſeltſam das klingt, augenblicklich
an Stoffmangel. Es liegen zwar an ſich Beratung” =genſtände
genug vor, aber bei der geſpannten Lage will man an Fragen
von einiger Bedeutung nicht herangehen. Man begnügt ſich daher
damit ſoviel Waſſer auf die parlamentariſche Mühle zu leiten,
daß ſie gerade noch klappert. So blieb denn auch am Dienstag
nur die Abſtimmung über das Republikſchutzgeſetz und das
Mini=
ſterpenſionsgeſetz übrig. Das Republikſchutzgeſetz wurde mit
265:150 Stimmen der geſamten Oppoſition angenommen.
Deutſchnationale und Kommuniſten brachten aber das Drittel der
Abgeordneten nicht auf, das zur Ausſetzung der Verkündung
des Geſetzes notwendig geweſen wäre. Das
Miniſterpenſions=
geſetz dagegen wurde mit 340:70 Stimmen angenommen und
da=
mit die erforderliche qualifizierte Mehrheit erreicht. Am
Mitt=
woch ſollen nun die Steuervorlagen zur Beratung ſtehen, auch
ein Antrag der Regierungsparteien, die Kundgebung des
Reichs=
präſidenten bei der Unterzeichnung der Younggeſetze öffentlich
an=
ſchlagen zu laſſen. Hierüber dürfte ſich vermutlich eine recht
erregte Ausſprache mit der Rechtsoppoſition ergeben.
In der Beſprechung der Finanzſachverſtändigen der
Regie=
rungsparteien im Reichstag am Dienstag nachmittag teilte
Reichsfinanzminiſter Dr. Moldenhauer mit, daß er am Mittwoch
die Zoll= und Steuervorlagen bei der erſten Leſung kurz
begrün=
den werde. Es ſtellte ſich heraus, daß ſich die Regierungsparteien
auf kurze Reden beſchränken werden, ſo daß man mit einer
Be=
endigung der erſten Leſung am Mittwoch abend rechnen kann.
Die Beratung der Vorlagen im Steuerausſchuß des Reichstags
wird jedoch mit Rückſicht auf den Parteitag der Deutſchen
Volks=
partei in der nächſten Woche beginnen können.
ſtalt der Menſchheit Schnauze und Glotzaugen, hängt es nicht
wirklich an ſie Vorſtellungen und formliche Anklänge, die
ſchlechthin durch keine „Meinung” entſchuldigt werden können?
Es iſt eine Geiſtigkeit von vorgeſtern, die glaubt, ſich mit der
Berufung auf ein lächerliches Geſpenſt von „Meinung” um den
realen, ſinnfälligen Sachverhalt dieſes Bildes herumſchwindeln
zu können. Die Geiſtigkeit von heute weiß: Nein, gerade das,
was ein Künſtler ſinnfällig zu Papier bringt — gerade das
„meint” er, gerade das „will” er, gerade das ſtellt das Tiefere
ſeiner Abſicht dar — wohingegen die ſogenannte innere Meinung
oft nur die vordergründige Kuliſſe iſt, hinter der er ſein wahres
Beſtreben verſteckt. Wir wiſſen heute wieder, daß in jeder
ge=
zeichneten Linie, in jedem unwillkürlichen Federzug reale geiſtige
Inhalte ſich ausdrücken. Warum tun Richter und
Sachverſtän=
dige auf einmal vor einem ſolchen Bilde ſo verſtiegen ideell, als
bedeute das, was es faktiſch darſtellt, was es in die Welt ſtellt,
ein Nichts, ein nebelhaftes Ungefähr, das den Verfertiger nicht
bindet? Macht man mit dieſer Anſchauung Ernſt, dann iſt jedes
Bild ein Nichts, und auch das Wort iſt ein Nichts und unſere
Geſten, unſere Taten ſind auch ein Nichts, und der entſcheidende
Wertpunkt unſeres Tuns rückt in die endloſe Innerlichkeit
hin=
ein, wohin ihm kein Richter und nicht einmal ein Bußprediger
nächlaufen kann.
Groſz und ſeine Leute mögen noch Bände füllen mit dem
Gerede über die „Meinung” des Bildes: das Bild ſelbſt gibt
über dieſe Meinung klare, erſchöpfende Auskunft. Die Geſtalt
Chriſti war ihm gut genug, ſeinen Anhängern damit ins Geſicht
zu ſchlagen; ſie war ihm nicht ſo gut, daß er ſich verboten
hätte, ſie zugunſten ſeiner Theſe freventlich zu verzerren. Und
ſo erweiſt ſich das Ausgangsgefühl ſchließlich als völlig richtig:
Wer Chriſtus nicht innerlich haßt und ablehnt, hebt dieſe freche
Hand nicht zu ſeinem ehrwürdigen Haupt empor. Das Bild
ſpricht ein deutliches Wort, und dieſes Wort heißt, in mildeſter
Faſſung: Mangel jeder Neigung, das Heilige in geltender
Reli=
gion auf die von Sitte und Geſetzgebung geforderte Weiſe zu
reſpektieren.
Und was noch einmal Groſz' angebliche „Meinung” anlangt:
ich glaube kaum, daß das neuerliche Auftreten ſeines Bildes in
einer ausgeſprochen religionsfeindlichen Hetz=Veranſtaltung
ge=
eignet iſt, ihn als einen berufenen Eiferer für das wahre gegen
das falſche Chriſtentum zu qualifizieren.
Nun melden ſich aber die Verfechter der künſtleriſchen
Frei=
heit zum Wort.
unſt, meinen ſie, muß im Enderfolg
not=
leiden, wenn man iy= nicht überall völlig freie Hand läßt.
Frei=
heit der Kuſſt! Iſt von einem gemalten oder gemeißelten oder
geſchriebenen Erzeugnis nachgewieſen, daß es ein Kunſtwerk iſt,
Nummer 78
Mittwoch, den 19. März 1930
Seite 3
Wiſſell gegen Moldenhauer.
Anüberbrückbare Gegenſähe zwiſchen dem Reichsarbeitsminiſter und dem Reichsſinanzminiſter in der
Arbeitsloſen-Berſicherungsfrage. — Kampfanſage Wiſſells im Reichshaushaltsausſchuß. — Sie Finanzreform
noch keinen Schrift weiter. — Die rechkzeitige Berabſchiedung des Ekals infolge der Uneinigkeit
der Parkeien unmöglich. — Einbringung eines Nokekals.
verhältnismäßig günſtige Aufnahme fanden, ſind von der
ſozial=
demokratiſchen Fraktion wieder abgelehnt worden. Die
Der kägliche Koalikionskrieg.
Sozialdemokraten halten nach wie vor daran
feſt, daß die Haftung des Reiches für das ge=
Näch wie vor Spannung unker den Regierungs= ſamte Defizit der Arbeitslofenverſicherung
beſtehen bleibt, während die Volkspartei ebenſo beſtimmt
parkeien.
* Berlin, 18. März. (Priv.=Tel.)
Hinter den Kuliſſen des Reichstags geht es immer noch
un=
kriedlich genug zu. Die Spannung unter den Regierungsparteien
iſſt nachgerade ſo groß geworden, daß ſie bei jeder Gelegenheit
um Durchbruch kommt. Im Hauptausſchuß des Reichstags
wurde am Dienstag die Beratung des Nachtragshaushalts des
Reichsarbeitsminiſteriums fortgeſetzt. Der Reichsrat hat
be=
tanntlich beſchloſſen, den Reichsbeitrag für die
Steigerungs=
beträge in Höhe von 22½ Millionen Mark auf die 50 Millionen,
die der Invalidenverſicherung aus der Lex Brüning zufließen,
im Anrechnung zu bringen, ſo daß die Zuſchüſſe zur Invaliden=
Ferſicherung um dieſen Betrag gekürzt würden. Die
Reichsregie=
tung hat in dieſer Frage keine Doppelvorlage in den Reichstag
ingebracht. In der Ausſchußſitzung beantragten nun die
Sozial=
emokraten, den Reichsratsbeſchluß wieder rückgängig zu machen.
Vom Zentrum wurde darauf erklärt, daß durch den
ſozialdemo=
ratiſchen Antrag eine neue Lage geſchaffen ſei. Aus den
Aus=
fEihrungen des Reichsarbeitsminiſters am Montag gehe hervor,
aß er eine andere Aufaſſung vertrete, als der
Reichsfinanz=
riniſter. — Moldenhauer hat bekanntlich von der Notwendigkeit
iner Reform der Arbeitsloſenverſicherung geſprochen. — Man
ſönne deshalb über dieſe Frage erſt entſcheiden, wenn man den
Standpunkt des Kabinetts kenne.
In der weiteren Ausſprache erwiderte auf verſchiedene
An=
ragen der Sozialdemokraten Reichsarbeitsminiſter Wiſſell, daß
der Reichsfinanzminiſter Dr. Moldenhauer in Hamburg nicht als
Miniſter, ſondern als Privatmann geſprochen habe. Von der
Rotwendigkeit eines organiſatoriſchen Umbaues der
Arbeitsloſen=
erſicherung, von der der Miniſter geſprochen habe, habe er nichts
eſpürt. Der ganzen Kritik über Mißſtände in der
Arbeits=
loſenverſicherung ſcheine die erforderliche Sachkunde völlig zu
iehlen.
In der Ausſprache erklärte der
Zentrumsabgeord=
t.ete Dr. Köhler, daß offenbar der Reichsarbeitsminiſter
tänen Teil ſeines Haushalts nicht zu vertreten in der Lage ſei.
Oer deutſchnationale Abg. Schmidt=Stettin er=
Tärte, daß es vollkommen unmöglich ſei, der Oeffentlichkeit
zu=
inumuten, einen Unterſchied zu machen, ob ein Miniſter als
ſplcher oder als Privatmann geſprochen habe. Für die
Deutſche Volkspartei ſprach ſich Abgeordneter Morath
ſür die Abſetzung der mit der Arbeitsloſenverſicherung
zuſam=
menhängenden Haushaltskapitel aus, weil durch die
ſozialdemo=
ratiſche Anfrage über die Rede des Finanzminiſters in
Ham=
lrurg und die Antwort des Reichsarbeitsminiſters eine Lage
ent=
handen ſei, die die Fortſetzung der Ausſprache über die
Arbeits=
loſenverſicherung in Gegenwart des Reichsfinanzminiſters
not=
wendig mache.
Schließlich hat dieſe Aufſehen erregende Desavouierung
eines Kabinettsmitgliedes durch das andere zur Vertagung der
Ausſchußverhandlungen geführt, da ſich die Hinzuziehung des
Reichsfinanzminiſters zu den Beratungen als notwendig erwies.
Ein ſchroffer, mehr als unfreundlicher Vorſtoß, der ſtark nach
einer offenen Fehdeanſage ausſieht. Es iſt doch ein unglaublicher
Fuſtand, daß ein Miniſter ſich eine Anfrage bei einem
Partei=
freund beſorgt, nur um die Möglichkeit zu haben, auf ſeinen
Sabinettskollegen loszuſchlagen.
Dieſer Vorgang iſt aber auch ein Beweis, daß die
Hoff=
zung auf eine Verſtändigung in der
Finanz=
teform ſich vorläufig noch nicht verwirklichen
will. Die Finanzſachverſtändigen beraten täglich. Die
Steuer=
geſetze ſelbſt ſtehen dabei im Augenblick noch nicht einmal ſo ſehr
im Vordergrund. Man kämpft wieder um die
Ar=
eitsloſenverſicherung. Die von dem Volksparteiler
Pfeffer am Montag überreichten Vorſchläge, die zunächſt eine
dann ſoll es dem Zugriff der Behörde und des Geſetzes
ent=
zogen ſein.
Wir ſind bei der „Freiheit der Kunſt” an einem Punkte, wo
mitten im heutigen Leben ein Rattenkönig von überalterten,
ſtennlos gewordenen Begriffen ſitzt.
Ich will nicht davon reden, welches klägliche Armutszeugnis
man der Kunſt ausſtellt, wenn man behauptet, ſie vermöge ein
ſatiriſches Wort nur auf flegelhafte, geſetzwidrige Weiſe zu
ſpre=
cen. Als wäre die Kunſt nicht überreich an Ausdrucksmitteln!
Als hätte ſie nicht viele Male aus Verbot und Zenſur geradezu
Nahrung, Bereicherung und Verfeinerung geſchöpft! Als lege
die heutige Geſetzgebung nicht lediglich eine letzte Grenze feſt,
imnerhalb deren Raum für jeden Tatendrang gegeben iſt!
Ich will von der Freiheit der Kunſt ſprechen.
Sehen wir heute nicht, daß für die Kunſt ein Uebermaß an
Freiheit verderblicher iſt als ein Uebermaß an Zwang? Die
Kunſt iſt heute „frei”, und die Erfahrungen, die wir mit dieſer
Freiheit machen, ſind ſo, daß wir ſagen dürfen: Wollte Gott,
Sir lebten in einer Zeit, die die Kunſt als eine ins Leben
ein=
eordnete Sache zu behandeln vermöchte — ſtatt :r die Freiheit
iner nutzloſen und ungefährlichen, einer nebenſächlichen und
nicht ernſt zu nehmenden Spielerei zu geben. Sehen wir nicht
die Atemzüge der Kunſt in dem luftleeren Raum, in den ſie ſich
miit all ihrer Freiheit hineinmanövriert hat, ſich ſtändig
ver=
kürzen, verflachen? Könnte ihr ein größeres Geſchenk gemacht
werden als das, daß man ſie umſtreitet und ernſt nimmt — auch
durch Verbote, auch durch Proteſte und Verurteilungen? Denn
Ell dieſe Dinge wären ihr zugleich Nahrung und Kraftzufuhr —
ſtatt daß ſie jetzt in dieſer Freiheit, die ein ſo unverdächtiger
Zeuge wie Alfred Döblin als Eſelsfreiheit kennzeichnet, bis zur
Srſchlaffung ausgehungert wird.
Das Dogma von der Freiheit der Kunſt entſtammt der Zeit
Des Impreſſionismus. Es entſtammt einer Kunſtgeſinnung, die
an nichts glaubte, die keinen Weg zur Wirklichkeit der Welt
wußte, die nur ein Verhältnis zum Wie und keines zum Was
hatte. Von Rechts wegen hätte die Lehre von der Herrlichkeit,
Ser Freiheit, der Ungebundenheit und Unverbundenheit der
Skunſt mit dem Impreſſionismus verſchwinden müſſen. Sie lebt
Seiter als ein ſinnloſes Ueberbleibſel, keineswegs unangefochten,
Aber immer noch kräftig genug, um namentlich ſolche zu beſchäf=
Eigen, die nicht ernſthaft mit der Kunſt und den Schritten der
Zeit leben.
Will man wiſſen, wie Menſchen, auf die dieſe Vorausſetzung
Sltrifft, heute zur Freiheit der Kunſt ſtehen? Ich habe ſchon
Alfred Döblin genannt. Er überſchreibt eine Aeußerung über
Solitik und Dichtkunſt mit den Worten: „Kunſt iſt nicht frei,
ſſondern wirkſam.” Und da führt er aus: „Die Auffaſſung
Einiger Leute geht dahin: die Geſinnung im Kunſtwerk iſt un=
erklärt, daß damit eine vernünftige Finanzpolitik nicht zu machen
iſt, und daß eine Formel gefunden werden müſſe, um die
Gene=
ralhaftung des Reiches auszuſchließen. Darüber wird man ſich
wohl bis zur nächſten Woche ſtreiten.
Noketak infolge Parkeihaders.
Berlin, 18. März.
Da die Verhandlungen über das Finanzprogramm noch in
kein entſcheidendes Stadium getreten ſind, und der ordentliche
Etat 1930 nicht mehr vor den Oſterferien vom Reichstag in
An=
griff genommen werden kann, muß man auch in dieſem Jahre
wieder mit einem Notetat rechnen.
Dem Reichstag iſt jetzt erſt der Entwurf des
Reichshaus=
haltsgeſetzes für 1930 zugegangen, dem die einzelnen Etats wie
üblich als Anlagen hinzugefügt ſind. Allerdings fehlt darunter
noch die Geſamtüberſicht des Haushaltsplans, und auch einige
wichtige Einzeletats muß die Reichsregierung noch nachliefern,
darunter den Etat des Arbeitsminiſteriums, den des
Finanz=
miniſteriums und den des Verkehrsminiſteriums, alſo gerade
Haushaltspläne, die umſtrittene Ausgaben enthalten. Die
Haus=
haltspläne werdem nun zunächſt von den einzelnen
Länderregie=
rungen geprüft, und erſt wenn die Reichsratsbevollmächtigten die
Inſtruktionen von ihren Regierungen erhalten haben, kann die
Beratung des Etats in den Reichsratsausſchüſſen beginnen. Das
dürfte etwa am Freitag, den 4. April, der Fall ſein. Die
Un=
möglichkeit, den Haushalt 1930 noch rechtzeitig vor dem 1. April
zu verabſchieden, ſteht ja ſchon ſeit langem feſt. Infolgedeſſen iſt
ein Notetat für die Uebergangszeit
erforder=
lich. Die Beratung dieſes Notetats in den Reichsratsausſchüſſen
wird wahrſcheinlich am nächſten Samstag ſtattfinden, ſo daß das
Reichsratsplenum den Notetat in einer Sonderſitzung am nächſten
Montag verabſchieden könnte. Peinlich genug, daß wir das erſte
Jahr des Youngplanes, damit eröffnen und die erſte
Voraus=
ſetzung einer geordneten Finanzwirtſchaft, die rechtzeitige
Ver=
abſchiedung eines ausgeglichenen Etats, nicht erfüllen können.
Der Reichstag wird nun wohl oder übel die proviſoriſche
Ge=
nehmigung von zwei Budgetzwölfteln erteilen müſſen, damit die
Maſchine im Laufen bleibt und über den April und Mai
hin=
weg kommt.
Einigung über die Hilfsakkion für die Landwirkſchaft.
Zollerhöhungen. —Maismonopol durch Inikiakivgeſetz
Berlin, 18. März.
Die interfraktionellen Verhandlungen der Regierungsparteien
über die Agrarzölle haben, abgeſehen von geringfügigen
Einzel=
heiten in der Zuckerpreisfrage am Dienstag abend zu einer
Ver=
ſtändigung geführt. Die Fraktionsvertreter wollen am Mittwoch
vormittag die endgültige Formulierung der Anträge vornehmen.
Der Weizenzoll ſoll um 2,50 RM. auf 12 RM. je
Doppel=
zentner erhöht werden. Beim Roggen bleibt es bei den bisherigen
Zollbeſtimmungen beſtehen. Der Gerſtenzoll ſoll auf 10 RM.
her=
aufgeſetzt werden mit der Möglichkeit einer Zollermäßigung auf
2 RM., wenn der Nachweis erbracht wird, daß der Käufer eine
beſtimmte Menge Roggen zur Verfütterung erworben hat. Wer
daher einen Zentner Roggen zu Futterzwecken verbraucht hat, hat
die Berechtigung, zwei Zentner Gerſte zu einem verbilligten
Zoll=
ſatz von 2 RM. einzuführen. Hafer, der bisher einen feſten
Zoll=
ſatz von 6 RM., je Tonne hatte, wird nunmehr auch variabel
ge=
ſtaltet. Hier ſollen die Zollſätze 4—12 RM. betragen. Die
Mehl=
zölle ſollen auf das Eineinhalbfache der entſprechenden
Getreide=
zölle feſtgelegt werden, zuzüglich einer Preisſchutzſpanne von 5 25
je Doppelzentner. Kleie ſoll mit einem Zoll von jeweils der Hälfte
des in Geltung befindlichen Getreidezolles belegt werden,
ausge=
nommen Weizenkleie. Die Zollfeſtſetzung ſoll in Zukunft auf der
Grundlage des Durchſchnittspreiſes von vier Monaten errechnet
werden, während bisher drei Monate die Grundlage bildeten.
angreifbar; im Augenblick, wo feſtgeftellt iſt, das Tendenzwerk
iſt ein Kunſtwerk, darf kein Verbot an das Werk heran. Denn
die Kunſt iſt unantaſtbar, die Kunſt iſt heilig. Ich bin nicht dieſer
Meinung. Es iſt freilich ſchlau, geriſſen und zweckmäßig, im
politiſchen Kampf, in dem auch Schriften und Bilder verwendet
werden, den Gegner ſchachmatt zu ſetzen mit der Behauptung:
die Kunſt iſt heilig, und was heilig iſt, darf man natürlich nicht
beſtrafen. Die Kunſt iſt aber nicht heilig, und
Kunſtwerke dürfen verboten werden. . . . „Die
Kunſt iſt heilig” bedeutet praktiſch nichts weiter als: der Künſtler
iſt ein Idiot, man laſſe ihn ruhig reden . . . Nur in den
libe=
raliſtiſchen modernen Staaten, die ſich dem Handel, dem Kapital
und dem Militär verſchrieben haben, konnte der Hohn
aufkom=
men: „Die Kunſt iſt frei.” . . . Ich ſtelle die Forderung der
Künſtler auf, ernſt genommen zu werden. Der Kunſtcharakter
eines Tendenzwerkes macht dieſes nicht derartig minderwertig,
daß es darauf heilig geſprochen bzw. mit Goldſchnitt verſehen in
den Bücherſchrank abgeſchoben wird . . . Wir bedanken uns für
unſere Freunde. Wir wollen ernſt genommen ſein. Wir wollen
wirken, und darum haben wir — ein Recht auf Strafe.” (
Jahr=
buch der Sektion für Dichtkunſt 1929, S. Fiſcher, Berlin. Ich
habe gekürzt zitiert.)
Wen dieſe Ausführungen nicht überzeugen, der leſe Erwin
Piscator „Das politiſche Theater” (Adalbert Schultz, Berlin,
1930). Ich teile Piscators politiſche Anſchauungen nicht, aber
als einen Mann, der ſehr genau mit der Zeit lebt und von dem
man daher Zutreffendes über ihre geiſtige Haltung erfahren
kann, muß ihn auch der Feind gelten laſſen.
Was denkt dieſer Mann, den viele für Deutſchlands größten
modernen Regiſſeur halten, über die Freiheit der Kunſt? — Sie
iſt ihm das gleichgültigſte Ding von der Welt.
Er führte einmal ein dramatiſches Gefüge „Konjunktur” von
Leo Lonia auf. Das behandelte den Weltkampf ums Oel. Es
kam darin eine weibliche Figur vor, die die ſowjetruſſiſche Politik
verkörperte. Es engab ſich bei der Generalprobe, daß die ruſſiſche
Politik in der Darſtellung durch dieſe Figur unaufrichtig und
zweideutig erſchien. Darauf Seelenqualen bei Dichter und
Regiſ=
ſeur. Piscator ſchreibt: „Ich war entſchloſſen, lieber das Theater
zuſckließen, als eine Aufführung herauszulaſſen, die auch nur
den leiſeſten Zweifel an der politiſchen Haltung (lies: an der
bedingungsloſen Bolſchewiſtenverehrung) der Bühne geſtattet
hätte.” Und noch in der Nacht wurde der Text ſo lange
um=
gebügelt, bis die Politik der Sowjets in dem Stück die
beab=
ſichtigten moraliſchen Glanzlichter aufwies.
So ſieht die Freiheit der Kunſt aus bei Männern, die das
große Umdenken der modernen Zeit rüſtig mitgemacht haben
(und die zugleich einem George Groſz viel näher ſtehen als ich).
Die Kunſt unter der Glasglocke, die Kunſt neben dem Leben,
Beim Weizen iſt eine ſogenannte Kataſtrophenklauſel
eingefügt, die beſagt, daß Regierung, Reichsrat und ein
Reichs=
tagsausſchuß ermächtigt werden, den Zoll weiter heraufzuſetzen,
wenn der Weltmarktpreis bis 40 Prozent unter den am 18. März
geltenden Preis herunterſinkt. Der Kartoffelzoll ſoll vom 15. Febr.
bis 31. März ſtatt 4 RM. 20 RM betragen. Dieſe Maßnahme
richtet ſich gegen die als Luxusgenußmittel eingeführten
ſogenann=
ten Maltakartoffeln. Das Maismonopol ſoll in der Weiſe zur
Durchführung kommen, daß von einem Ermächtigungsgeſetz
Ab=
ſtand genommen wird. Vielmehr werden Sozialdemokraten,
Zen=
trum und Bayeriſche Volkspartei das Maismonopol als
Initiativgeſetz einbringen. Von der Deutſchen
Volkspartei und den Demokraten wurden bei den
Verhandlungen noch Bedenken dagegen geäußert, doch
wird an der Annahme des Maismonopols nicht gezweifelt.
Das Hilfsprogramm für die beſehken Gebieke.
20 Millionen für den Weſten.
Berlin, 18. März.
Der Reichstags=Ausſchuß für die beſetzten Gebiete
beſchäf=
tigte ſich am Dienstag mit verſchiedenen wichtigen Fragen, zu
denen der Reichsminiſter für die beſetzten Gebiete ſeine
Stel=
lungnahme bekannt gab. Damit durch die Räumung der
beſetz=
ten Gebiete die wirtſchaftliche und politiſche
Sou=
veränität des Reiches und der Länder im Weſten
wiederhergeſtellt wird, muß auf Jahre hinaus, um die
end=
gültige wirtſchaftliche Hemmung in dem Wiederaufbau dieſer
Gebiete ſeit Kriegsende zu lindern, eine ſyſtematiſche beſondere
Betreuung durch Reich und Länder erfolgen. Neben der
Bereit=
ſtellung von Mitteln im Haushalt, muß immer wieder die größte
Aufmerkſamkeit des Reiches und der Länderbehörden auf die
Notwendigkeit bevorzugter Beteiligung an der Vergebung der
öffentlichen Betriebsverwaltungen gerichtet werden. Im
Nach=
tragshaushalt 1929 und im Haushalt 1930 beabſichtigt die
Reichs=
regierung zur Hebung der durch die neue Grenzziehung und die
lange Beſetzungsdauer notleidend gewordenen Gebiete des Weſtens
einen Geſamtbetrag von 20 Millionen Reichsmark
in Vorſchlag zu bringen. Zu dieſen Mitteln treten weitere Mittel
für die Beſchleunigung einer Wirtſchaftsbelebung aus dem
Haus=
halt des Reichsverkehrsminiſteriums, insbeſondere für die
Inan=
griffnahme des Eiſenbahnbrückenbaues bei Ludwigshafen=
Mann=
heim hinzu.
Die 20 Millionen Reichsmark werden veranſchlagt: Zur
För=
derung der landwirtſchaftlichen Produktions= und
Abſatzverhält=
niſſe, zur Gewährung von Beihilfen zum Bau von
Waſſerlei=
tungen in den armen Gemeinden, zur Förderung von
Klein=
gewerbe, Handwerk, Einzelhandel und Induſtrie, zur
Verbeſſe=
rung der Verkehrsverhältniſſe und für Bäderkredite.
Die Mittel des Weſthilfsprogramms ſollen Zuſatzmittel zu
dem ſonſt im Richshaushalt bereitgeſtellten Mitteln ſein.
Unter=
ſtützungen an einzelne Firmen oder Perſonen aus dem
Weſthilfs=
programm werden nicht gewährt. Bei der Veräußerung der im
beſetzten Gebiet freiwerdenden Grundſtücke wird nicht einſeitig
nach fiskaliſchen Grundſätzen verfahren werden. Eine
Verſchleu=
derung des Reichsvermögens darf nicht eintreten. Es werde
außerordentlich ſchwer, wenn nicht unmöglich ſein, die
Saar=
gängerunterſtützung in dem bisherigen Ausmaße weiterzuführen.
Demgegenüber treten die Redner aller Fraktionen für die
Weiterführung der Saargängerunterſtützung in der bisherigen.
Form und Höhe ein und warnen dringend vor einem
vorzei=
tigen Abbau. — In der allgemeinem Ausſprache über die den
Ausſchuß beſchäftgenden Fragen, beteiligten ſich die
Abgeord=
neten Hofmann=Ludwigshafen, Dr. Beyersdörfer, von Tryander,
Dr. Koch, Pallmann, Jaddaſch, Kirchmann und Dr. Becker=
Heſſen.
Die Stockholmer Welkkirchenführer zu den
Religions=
verfolgungen in Rußland.
Die Präſidenten der europäiſch=kontinentalen, britiſchen und
orthodoxen Gruppe des „Oekumeniſchen Rates für praktiſches
Chriſtentum”, (Stockholmer Weltkirchenkonferenz) erlaſſen zur
Religionsverfolgung in Rußland die folgende Kundgebung:
„Durch die Nachrichten über die ſchwere Bedrückung der
Glau=
bens= und Gewiſſensfreiheit in Rußland ſind wir tief erſchüttert.
Wir haben weder Beruf noch Abſicht, uns in die innere Politik
Rußlands einzumiſchen. Aber kraft unſerer Verantwortung als
Diener unſeres Herrn und Heilandes Jeſus Chriſtus und in Treue
gegen die Prinzipien unſerer Stockholmer Botſchaft von 1925
er=
heben wir unſere Stimme zum Proteſt. Wir verſichern die in
ihren heiligſten Menſchenrechten ſchwer Verletzten unſeres tiefſten
Mitgefühls. Wir ermahnen unſere Glaubensgenoſſen in allen
Ländern, freier noch als bisher ſich mit den Bedrückten in Gebet
und Fürſorge zu vereinen und den allmächtigen und barmherzigen
Gott anzuflehen, daß er den Bedrückten Kraft bis zum Aeußerſten
gebe, daß er der ſchweren Not unſerer Brüder ein Ende mache, daß
er durch die Wetterzeichen der Zeit uns alle aufrüttele zu neuer
Buße für die Verſäumniſſe der Chriſtenheit und zu neuem
brüder=
lichen Dienſt in der Nachfolge unſeres Meiſters.
mit Steuerfreiheit und allerlei ernſtloſen Vorrechten, die Kunſt
als kniefällig verehrter Popanz und unantaſtbarer Höchſtwert —
das iſt nicht heutiges Denken, heutige Welt. Piscator vertritt
gewiß den Standpunkt der „gebundenen Kunſt” mit einer
maß=
loſen Enge und Einſeitigkeit, die auf die Dauer zu böſen Häuſern
führen muß. Aber in ſeiner grundſätzlichen Betonung des Was,
des Inhaltlichen, in ſeiner ſcharfen Ablehnung der äſthetiſtiſchen
Weltanſchauung hält er ſich auf der Linie zeitgerechten Denkens.
Er iſt damit nur Einer under Vielen. Ueberall, wo man einen
geraden Blick ins Geſicht der Zeit getan hat, wird gewußt, daß
der kränklich überſpitzte Begriff von der künſtleriſchen Freiheit
heute keinen Boden mehr hat. Man leſe nach, was ein Mann
wie Hanſenſtein in ſeinem neueſten Buche „Meiſter und Werke‟
darüber zu ſagen hat. Man blicke in moderne Kunſtdeutung, im
moderne Seelenkunde, Geſchichtsforſchung und Theologie hinein:
überall tritt die Einſicht auf, daß Kunſt und Geiſt nur in einem
realen Zuſammenhängen mit dem wirklichen Daſein ihre Stätte,
ihre Lebendigkeit haben. Das ſtellt ſie unter völlig neue
Maß=
ſtäbe. Das kürzt ihnen die „Freiheit” — aber nur, um ſie ihnen
als Leben wiederzugeben.
Zuſammenfaſſend habe ich zu ſagen: ich bin der Meinung,
daß George Groſz mit ſeinem Bilde „Chriſtus mit der
Gas=
maske” eine Gottesläſterung begangen hat und daß er dafür
beſtraft werden muß, ohne Rückſicht auf die Frage, ob das Bild
ein „Kunſtwerk” iſt oder nicht. Ich bin weiterhin der Meinung,
daß die liberaliſtiſchen Begriffe von der „Freiheit der Kunſt”
im Sinne des inzwiſchen erfolgten Denkfortſchritts revidiert
wer=
den müſſen. Dieſen Denkfortſchritt faſſe ich auf als einen
Aus=
fluß jener Kraft, die vielleicht auch die Kunſt eines Tages wieder
in das handgreifliche, gelebte Leben der Menſchen einreihen und
ihr die verlorene Wirklichkeit zurückgeben wird.
Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. — Dienstag, den 18. März.
Don Giovanni.
Oper von W. A. Mozart.
Elſa Varena, die heute die Donna Anna ſang, wie dies
der Primadonna zukommt, bringt das große wuchtige Format
mit, das für dieſe Rolle erfordert iſt. Die ariſtokratiſche Dame,
der unkomplizierte Charakter, voll Tragik und Pathos: das ſind
die richtigen Züge ihrer Darſtellung. Geſanglich vortrefflich
disponiert, geſtützt auf ihr fülliges dramatiſchbetontes Material
und auf ein ſehr ſicheres Können, erfreute die Künſtlerin mit
einer großzügigen, erfolgreichen Leiſtung und ließ bedauern, daß
ſie ſo ſelten zu hören iſt. — Karl Bamberger dir gierte gut
F.H.
und umſichti
Seite 4
Mittwoch, den 19. März 1930
Nummer 78
Schmeuno Mcenvor vemgmangaus ſchap
Die Abſtimmungen über den Schulabbau verſchoben. — Die Koalikionsparkeien noch nicht einig.
Enkſcheidung erſt in der kommenden
Woche.
* Am Dienstag begann im Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags
die mit Spannung erwartete Beratung des Etats des Kultusminiſteriums
und der am heſſiſchen Schulweſen geplanten Abbaumaßnahmen, die in
der Oeffentlichkeit bereits eine lebhafte Erörterung ausgelöſt haben.
Kap. 53, Kultusminiſterium ſieht an Einnahmen 100 RM.,
an perſönlichen Ausgaben 393 544 RM., an ſachlichen Ausgaben 17000
Reichsmark vor. Bei Kap. 54 — Stellvertretungs= und
Aushilfskoſten — erſcheinen nochmals 49 300 RM. ſachliche und
344 000 RM. perſönliche Ausgaben. In der lebhaften Ausſprache
wurde von verſch edenen Fraktionen bemängelt, daß im Miniſterium
nichts abgebaut worden ſei. Die Regierung erklärte jedoch, daß dieſe
Stellen derart überlaſtet und die Arbeiten bereits ſo verteilt ſeien, daß
eine Stelleneinſparung untragbar wäre. Volkspartei und Landbund
hielten ihre Anträge auf Inhaberbewilligungen in den höheren Stellen
jedoch aufrecht. Die D.V.P. verlangte außerdem, die ſachlichen
Aus=
gaben auf den vorjährigen Stand zu begrenzen, alſo 15 000 RM.
ins=
geſamt abzuſetzen. Die Abſtimmung über die Anträge wurde jedoch
ausgeſetzt. Die Koalitionsparteien ſind ſich über ihre Haltung zu den
Abbaumaßnahmen noch neht ganz einig. Ihr
interfraktio=
neller Ausſchuß wird am Donnerstag nachmittag zur
ent=
ſcheidenden Sitzung zuſammentreten. Mit Rückſicht auf den
Reichs=
parteitag der Volkspartei, ſt aber die vorgeſehene Abſtimmung vom
Freitag auf Dienstag kommender Woche verſchoben worden.
Die Zuſchüſſe an die Kirchen
ſind in Kap. 56 wieder mit zuſammen 747 721 RM. eingeſetzt, und zwar
Beitrag für die evangeliſche Kirche 322 000 RM., für die katholiſche
Kirche 178 872 RM., für die Altkatholiſche Gemeinde in Offenbach 1849
Reichsmark und „zur Erhöhung der vorgenannten Beträge 250 000
Reichsmark‟. Die Kommuniſten beantragten wieder Streiſchung des
ganzen Kapitels, doch wurde ihr Antrag bei Stimmenthaltung der
Sozialdemokraten abgelehnt. Mit den Stimmen der Volkspartei, des
Zentrums, des Landbundes, der Deutſchnatz vnalen und der
Volksrecht=
partei wurden inhaltsgleiche Anträge angenommen, in denen die
Re=
gierung ermächtigt wird, den Kirchen wie im Vorjahre ein Darlehen
in derſelben Höhe und zu denſelben Bedingungen zu gewähren. Die
Sozialdemokraten enthielten ſich herbei der Stimme. Wie verlautet,
wird das zwiſchen dem Staat und der evang. Kirche vereinbarte
Schieds=
gericht demnächſt gebildet.
Die Ausſprache über das Bolksſchulweſen
wurde vom Ausſchuß begonnen, aber nicht mehr zu Ende geführt. Das
Kapitel ſieht an Einnahmen 734 200 RM. vor aus Beiträgen der
Ge=
meinden (200 RM. für jede Schulſtelle). Haben Gemeinden über die
vorgeſehene Anzahl hinaus Schulſtellen engerichtet, die auch weiterhin
beibehalten werden ſollen, dann iſt von den Gemeinden der
durchſchnitt=
liche Aufwand für einen Schulverwalter für eine ſolche Stelle zu
er=
ſetzen. Die Geſamtausgaben betragen 20 107 133 RM. Trotz der
vor=
geſehenen Einſparung von 205 Schulverwalterſtellen bleibt dann
gegen=
über dem Vorjahre, noch eine Mehrausgabe von 3 297 563 RM. Ein
Vertreter der Regierung unterbreitete dem Ausſchuß ſtatiſtiſches
Mate=
rial über die Organiſation und die bisherigen Abbaumaßnahmen am
Schulweſen. Von der Regierung wurde mitgeteilt, daß auch nach dem
Abbau der 205 Stellen das heſſiſche Schulweſen einen Vergleich mit
Baden und Preußen nicht zu ſcheuen brauche. Vorſorglich ſeien die
Abberufungen der Anwärter ſchon jetzt erfolgt. Dabei ſei man, um
voll=
kommen freie Hand zu haben, weiter gegangen, als es bei
Durchfüh=
rung der Maßnahmen, wenn ſie vom Landtag beſchloſſen ſeien,
not=
wendig ſein werde. Ein großer Teil der Abberufenen werde
zweifellos alsbald wieder zur Verwendung kommen können.
Eine Abſtimmung über die zahlreichen Anträge der Parteien fand noch
nicht ſtatt. Bei der Abſtimmung werden wir darauf zurückkommen.
Die Direkkorſtelle an der Höheren
Landes=
baugewerkſchule.
war Gegenſtand einer volksparteilichen Anfrage. Die Regierung
er=
klärte, daß die in der Preſſe erſchienene Mitteilung von der
bevor=
ſtehenden Neubeſetzung dieſer Stelle nicht offiziell oder offiziös ſei. Es
ſei nicht beabſichtigt, vor der Erledigung der betreffenden
Etatspoſition über die Neubeſetzung zu entſcheiden.
Der Theakerbeiral
des Landtags war am Nachmittag in eine Vorberatung des
Sondervor=
anſchlages des Heſſ. Landestheaters eingetreten, die bis zum Abend
an=
dauerte.
Miniſter Korell gegen den Anſchluß an Preußen.
Alzey, 18. März.
In einer hier gehaltenen Rede über die wirtſchaftliche und politiſche
Zukunft Heſſens ſtreifte Miniſter Korell auch die Frage der
Reichs=
reform. Er machte darauf aufmerkſam, daß dieſe Reform, ſo wie man
ſie jetzt ſehe keine großen Erſparniſſe bringen würde. Erſt durch eine
organiſche Verwaltungsreform innerhalb des Reiches und der Länder
und einer darauf folgenden Zuſammenarbeit könnten Fortſchritte erzielt
werden. Die Verwirklichung des dezentraliſierten Einheitsſtaates, der
von Heſſen immer gefordert worden ſei, ſei durch das Arbeiten der
Län=
derkonferenz zunächſt in den Hintergrund geſtellt. Preußen ſowie einige
ſüddeutſche Länder hätten an dieſem dezentraliſierten Einheitsſtaat kein
Intereſſe gehabt. Daran hätte die heſſiſche Regierung keine Schuld.
Aus der Verzweiflung über die Stockung in den Verhandlungen ſei der
Wunſch entſtanden nach Anſchluß an Preußen. In dem
Zeit=
punkte eines Defizits von 6 Millionen Mark, in dem Preußen glauben
müßte, daß wir uns ihm an den Hals werfen, würde eine ſolche
Po=
litik zur Kataſtrophe führen. Das wäre Selbſtmord,
Kon=
kurs. Erſt müſſen wir unter allen Umſtänden die Finanzen ſanieren,
Er ſei ein leidenſchaftlicher Anhänger des dezentraliſierten
Einheits=
ſtaates und ein aufrichtiger Bewunderer der Leiſtungen Preußens in der
Geſchichte, müſſe aber feſtſtellen, daß nirgends ein ſtärkerer Zentralismus
herrſche als gerade in Preußen. Der preußiſche Miniſterpräſident wolle
warten, bis ihm die kleineren Länder wie reife Aepfel in den Schoß
fallen. Der deutſche Gedanke ſei keineswegs identiſch
mit Preußen. Er warne vor der Stimmung der Verzweiflung und
ermuntere zur Hoffnung.
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Cummer 78
Mittwoch, den 19. März 1930
Seite 5
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 19. März.
Privakzimmer geſucht!
Darmſtadt hat einen guten Namen als Kongreßſtadt. Im
vergangenen Jahre wurden einige Veranſtaltungen mit ungefähr
700—800 Teilnehmer durchgeführt, für welche
Privatzimmermel=
dungen in gleicher Höhe vorlagen. In dieſem Jahre werden in noch
erhöhtem Maße Privatzimmer mit einem oder zwei Betten mit
und ohne Telefonanſchluß für mehrere Veranſtaltungen geſucht;
insbeſondere für die Weltmeiſterſchaften der
Studen=
ten, die in der Zeit vom 1. —10. Auguſt 1930
ſtatt=
finden.
Es ſei hier betont, daß der Ruf Darmſtadts auf dem Spiele
ſteht, wenn es nicht gelingt, die entſprechende Anzahl
Privat=
zimmer für die Unterbringung der Studenten bzw. der
auswär=
tigen Gäſte zu bekommen.
Die beiden Aufrufe, die der Unterbringungsausſchuß für die
Weltmeiſterſchaften der Studenten vor einigen Tagen an dieſer
Stelle erſcheinen ließ, haben eine große Anzahl von
Privat=
zimmern erbracht. Jedoch genügt die Zahl der Anmeldungen
immer noch nicht.
Es werden dringend Privatzimmer benötigt.
Haben Sie Ihre Zimmer ſchon angemeldet?
Wir brauchen ſie: für die Weltmeiſterſchaften der Studenten
vom 1.—10. Auguſt 1930.
Wir vergüten eine gewiſſe Summe für Uebernachtung einſchl.
Frühſtück, denn wir verlangen von niemand etwas umſonſt!
Melden Sie Ihr Zimmer bitte gleich an, da wir in der
Reihenfolge der Anmeldungen zuteilen.
Zimmer mit Telefonanſchluß für auswärtige Journaliſten
ebenfalls erbeten.
Alle Anmeldungen von Privatzimmern ausſchließlich
im Stadthaus, Zimmer 70, nur in den Vormittagsſtunden.
Der Unterbringungsausſchuß
für die Weltmeiſterſchaften der Studenten.
— Die Gruppe junger Schauſpieler aus Berlin gaſtiert
nächſten Montag, den 24., und Dienstag, 25. März, mit dem
er=
folgreichen Bühnenſtück „Cyankali” von Dr. Fr. A. Wolf
(nur 2 Aufführungen) in Darmſtadt. Weitere Mitteilung folgen.
— Volkshochſchule. Unſere Hörer und Mitglieder machen wir
auf=
merkſam auf die Fe er, die der Ortsverein der Darmſtädter Buchhändler
am Samstag, dem 22. März, im Städtiſchen Saalbau veranſtaltet. Im
Mittelpunkt der Feier ſtehen Reden des Direktors der Landesbibliothek
Dr. Eppelsheimer und des Leiters der Zentralſtelle für Volksbildung
und Jugendpflege, Schulrats Haſſinger. Es wirken ferner mit das
Schnurrbuſch=Ouartett unſeres Landestheaters und der Schülerchor der
Ballonſchule. Programme ſind in der Geſchäftsſtelle der
Volkshoch=
ſchule zu haben.
— Ortsgewe=beverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt.
Be=
kanntlich ſpricht am morgigen Donnerstag, dem 2. März d. J.,
abends um 8 Uhr, Herr Dr. A. Wagner von der Univerſität
Mar=
burg im „Gelben Saal” bei Sitte (Karlſtraße) über das bedeutſame
Thema „Die öffentliche Hand in der Wirtſchaft als
Gefahr für das ſelbſtändige Gewerbe‟. Es handelt ſich
hier um eine Frage von entſcheidender Bedeutung für den geſamten
gewerblichen Mittelſtand, und zweifellos wird es jeder Angehörige von
Handwerk und Gewerbe mit Freuden begrüßen, daß unſer Verein in
öffentlicher Kundgebung zu dieſem Problem Stellung nimmt. — Der
Vortragende iſt als ausgezeichneter Sachkenner bekannt, und deshalb
ſollte n mand von unſeren Mitgliedern es verſäumen, am morgigen
Donnerstag abend zur Stelle zu ſein. Auch ſonſtige Freunde von
Handwerk und Gewerbe ſind nebſt Angehörigen herzlichſt eingeladen.
— Schülerkonzert im Realgymnaſium. Rechenſchaft und Abſchluß
der muſikunterrichtlichen Arbeit des abgelaufenen Schuljahres, ſowie
Einblick in dieſe Seite der ſchuliſchen Tätigkeit zu geben und den
jugend=
lichen Künſtlern ein Auftreten vor großem Publikum zu ermöglichen,
das ſind die hauptſächlichen pädagogiſchen Zwecke dieſer alljährlich
wie=
derkehrenden und gern beſuchten Konzerte. Das diesjährige
Schüler=
konzert des Realgymnaſiums findet, wie immer, in der
Turnhalle am Woogsplatz, und zwar am Donnerstag, 27. März, 20 Uhr,
ſtatt. Das Programm, das ſich in der Auswahl der Stücke hat Grenzen
durch die erreichbare Leiſtungshöhe hat ziehen laſſen, umfaßt neben
Vorträgen des Orcheſters (Haydn=Symphonie, Straußwalzer,
Armeemärſche) und ſolchen des Chores (Volkslieder) auch ein
Melo=
dram, ſowie Violin= und Flötenſoli. Seine bunte
Mannig=
faltigkeit dürfte viele veranlaſſen, das Konzert, deſſen Reinertrag für
das Landheim der Schule beſtimmt iſt, zu beſuchen. Karten bei den
Schülern und der Direktion der Anſtalt (Kirchſtraße 22).
— Volksbühne. Das am 4. April von der Volksbühne geplante
Konzert muß wegen Erkrankung von Fräulein Roſe Landwehr auf den
9. Mai verlegt werden. Die bereits gelöſten Karten ſind in den
näch=
ſten Tagen umzutauſchen. — Dr. Arthur Feiler, Chef=Handelsredakteur
der „Frankfurter Zeitung”, ſpricht Montag, den 31. März, im Saalbau
über „Sowjetrußland im 13. Jahre der Revolution” Mitglieder der
Volksbühne erhalten Vorzugspreiſe gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte
in der Bücherſtube Alfred Bodenheimer. — Zu dem Sonntag
nach=
mittag 16 Uhr im Orpheum wiederholten Volksſtück „Flieg’, roter Adler
von Tirol” werden den Mitgliedern gegen Vorzeigen der
Mitglieds=
karte an der Kaſſe des Orpheums ebenfalls Preisvergünſtigungen
gewährt.
— Cello=Abend. Auf den morgen Donnerstag, 20 Uhr, im
Muſik=
vereinsſaal (Wilhelm=Gläſſing=Straße 24) ſtattfindenden Cello=
Abend von Hans Andrä ſei hiermit nochmals hingewieſen. Die
Begleitung hat Hans Simon. Karten i der Muſikalienhandlung
Heß, Eliſabethenſtraße 34.
— Schülerkonzert im Realgymnaſium. Es wird darauf hingewieſen,
daß zu dieſem Konzert des Schülerorcheſters und =chores, für das ſich
lebhaftes Intereſſe zeigt, nunmehr auch Karten in der
Buchhand=
ung von Schlapp, Schulſtraße, erhältlich ſind.
— Drumm=Quartett. Am Freitag, dem 21. März, abends 8 Uhr,
indet im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters der 3.
Kammer=
nuſik=Abend des Drumm=Quartetts ſtart. Zum Vortrag gelangen drei
Perlen der Klaviertrio=Literatur, und zwar das große B=Dur Op. 97
von Beethoben, das C=Moll Op. 101 von Brahms und das Dumky=Trio
Op. 90 von Dvorak. Für den Klavierpart wurde Guſtav Beck (Berlin
gewonnen, deſſen hervorragendes Spiel hier in Darmſtadt hinlänglich
vekannt iſt. Der Flügel wrd von der Firma Zimmermann
freund=
icherweiſe zur Verfügung geſtellt.
— Liederkranz=Konzert am 3. April im Feſtſaal der Turngemeinde
am Woogsplatz. Kapellmeiſter Friedel Fiſcher hat der
neuzeit=
ichen Chormuſik weiten Raum gegeben. Kompoſitionen führen
der Vertreter der gemäßigten Richtung gelangen zur Aufführung,
darunter Karl Wieſe und S egfried Kuhn mit zwei paſtoralen
Stim=
mungsbildern. Otto Siegl kommt mit vier Chören zu Wort. Das dem
Liederkranz gewidmete „Kartenſpiel” erlebt ſeine Uraufführung. Zwei
Werke, welche die Höhepunkte der deutſchen Sängerwochen in
Nürn=
berg mitbildeten, dürften beſonderer Beachtung begegnen: Ludwig
Bau=
manns gewaltiger achtſtimmiger „Ge ſterruf” aus Symbolum von Goethe
und Huber=Anderachs „Auf Roſſesrücken” mit Begleitung von Klavier
ind Waldhorn. Beide Kompoſitionen hatten einen faſt ſenſationellen
Lrfolg zu verzeichnen. Zum Schluß des Programms kommt unſer
ein=
heimiſcher Geſangsmeiſter und Komponiſt Profeſſor Carl Beines
mit zwed ſeiner ſchönſten Chöre und verſchiedenen Liedern, die ſeine
ialentvolle und vielverſprechende Schülerin Elſa Lampmann=
Frank=
furt a. M. (Alt=Mezzo) ſingt, zu Ehren. Lieder von Brahms, Arnold
Mcendelsſohn und Mahler vervollſtündigen die Vortragsfolge. Als
Be=
gleitet waltet Profeſſor Beines.
— Orpheum — Thoma=Abende. Die oberbayeriſche Ganghofer=
*90ma=Bühne (Leitung Gebrüder Schultes) gibt heute in Fortſetzung
Dres erfolgreichen Gaſtſpiels einen Thoma=Abend, und zwar „1. Klaſſe‟
und „Die Brautfahrt”. Boſde Stücke empfehlen ſich ſelbſt in ihrem
Derrlſchen Humor und in ihrer unvergleichlichen Draſtik. Die
Gang=
er=Shoma=Bühne wird ihrer Wiedergabe in jeder Beziehung durch
ſitgerechte und hochkünſtleriſche Darſtellung gerecht. Von allen Bauern=
Farern iſt die Ganghofer=Thoma=Bühne entſchieden dasfen ge, das zur
Sarſtellung Thomaſcher Werke am meiſten berufen iſt, ſind doch die
jetzi=
u Zeiter, die Brüder Bertl und Max Schultes, die Nachfolger und
ühſtleriſchen Erben des berühmten Michel Dengg, welcher zu Thomas
Vzeiten deſſen Werke auf ſeinen Bauerntheatern verkörperte und
wel=
cer zu den vertrauteſten Freunden des Meiſters gehörte.
Schlußfeier für die Teilnehmer an dem Fachkurſus
der Haltler=Innung darmſtadt und Umgegend.
Die Sattler=Innung Darmſtadt hatte zu einer Schlußfeier für die
Teilnehmer an dem von ihr veranſtalteten Fachkurſus in den unteren
Räumen des Ernſt=Ludwigs=Hauſes, woſelbſt auch der Kurſus
abgehal=
ten wurde, eingeladen.
Neben den Kurſusteilnehmern waren zahlreiche Mitglieder der
Sattler=Innung Darmſtadt, Vertreter der Innungen Dieburg und
Worms, der Vorſitzende des Heſſiſchen Landesverbandes und ein
Ver=
treter der Heſſiſchen Handwerkskammer erſchienen.
In ſeiner Begrüßungsanſprache namens der Sattler=Innung
be=
leuchtete Herr Obermeiſter Gieſecke den Zweck und die Ziele der
Ab=
haltung von Fachkurſen und wünſchte den Kurſusteilnehmern recht oft
Gelegenhe4 zur Verwertung des Erlernten, zum Vorteil des
einzel=
nen wie auch zur Hebung des Gewerbes im allgemeinen. Dank ſagte er
dem Kurſusleiter, Herrn Sattlermeiſter Küntz=Zwingenberg, für die gute
Durchführung des Kurſus.
Für den Heſſiſchen Landesverband ſprach deſſen Vorſitzender, Herr
Schütz im Namen der Heſſiſchen Handwertskammer Herr
Schwe=
ver, der die Kurſusteilnehmer zu dem ſchönen Erfolg, der in den
ge=
fertigten Arbeiten gezeigt wurde, beglückwünſchte und ausführte, daß
die Handwerkskammer ſich mit beſonderer Sorgfalt der Förderung der
Ausbildungsmöglichke ten des Junghandwerkers zuwendet.
Herr Böhmann=Darmſtadt dankte namens der
Kurſusteil=
nehmer dem Kurſusleiter für die gute Anleitung und der Innung und
Handwerkskammer für die gewährte Unterſtützung.
Bei der ſich anſchließenden Beſichtigung der in dem Kurſus
gear=
beiteten Stücke folgten weiter noch fachlich=kritiſche Erläuterungen.
Die Feier geſtaltete ſich ſo zu emem würdigen Abſchluß einer
Ver=
anſtaltung der Sattler=Innung Darmſtadt, die der Weiterbildung des
Junghandwerkers in ſeinem Gewerbe diente, die heute bei dem
Exiſtenz=
kampf der Betriebe mehr denn je vonnöten iſt.
Ehret Eure Gefallenen
durch den Besuch der Ausstellung des
Volksbundes Deutsche
Kriegsgräberfürsorge
in der Kunsthalle am Rheintor
Das Abbrennen der Hecken im Frühjahr.
Der Tierſchutzverein für Heſſen in Darmſtadt ſchreibt
uns: Die Beobachtungen der letzten Jahre haben ergeben, daß im
Früh=
jahr trotz der vielfach beſtehenden polizeilichen Verbote ſowohl von
Kin=
dern, als auch von Erwachſenen das verdorrte Gras an Feldrainen und
Böſchungen angezündet und verbrannt wird. Außer der hierdurch
her=
vorgerufenen Gefahr der Verurſachung von Waldbränden werden durch
die Brände viele Vögel, die im Frühjahr ganz zeitig an der Erde
brü=
ten, und denen gerade die überhängenden Grasbüſchel an Feldrainen
und Böſchungen die beſte Niſtgelegenheit bieten, in ihrem Niſt= und
Brutgeſchäft geſtört oder auch gänzlich vernichtet.
Es iſt dringend notwendig, daß Erwachſene wie Kinder dieſe
Un=
ſitte unterlaſſen. Die Eltern und Erzieher der Jugend werden gebeten,
die ihnen anvertrauten Kinder auf die ſchädlichen Folgen aufmerkſam
zu machen.
— Der Verband hefſiſcher Verwaltungsbürobeamten hielt im
Schützen=
haus in Friedberg ſeinen diesjährigen ordentlichen Verbandstag ab,
der von etwa 100 Bürobeamten und Kanzleigehilfen der heſſiſchen
Staats=
behörden, Staatsanſtalten und Kreisverwaltungen beſucht war. Der
Vorſitzende, Verwaltungsſekretär Weyrich aus Darmſtadt, begrüßte
die erſchienenen Kollegen aufs herzlichſte und fügte hinzu, daß zufällig
der Verbandstag auf den Volkstrauertag falle. Zum Zeichen ehrenden
Gedenkens der Gefallenen erhoben ſich die Anweſenden von den Plätzen.
Der Vorſitzende konnte dann mitteilen, daß die Verbände heſſiſcher
Ver=
waltungsſekretäre, Bauſekretäre ud Forſtſekretäre ſich mit dem
Ver=
hand heſſiſcher Verwaltungsbürobeamten vereinigt haben, was von der
Verſammlung mit Beifall aufgenommen wurde. Am Vormittag
gelang=
ten die geſchäftlichen Verbandsangelegenheiten zur Erledigung. Am
Nachmittag unterhielt man ſich über die Sparmaßnahmen der heſſiſchen
Regierung in Verbindung mit dem Gutachten des Reichsſparkommiſſars
und über die Beſtrebungen gewiſſer Landtagsfraktionen auf Kürzung der
Dienſtbezüge. Vom Heſſiſchen Beamtenbund nahm Herr Bürodirektor
Weber aus Darmſtadt teil und teilte in längeren Ausführungen die
Stellungnahme des Bundes mit. Nach längerer Ausſprache faßte der
Verbandstag einſtimmig eine Entſchließung, in der es u. a. heißt: Der
Verbandstag wendet ſich entſchieden gegen die Anſicht des
Reichsſparkom=
niſſars, daß die Kanzleigehilfen in Zukunft nicht als Beamte angeſtellt
werden ſollen. Die Anſicht des Reichsſparbommiſſars, daß Angeſtellte für
den Staat billiger ſeien als Beamte, wird von anderer Seite als irrig
bezeichnet. Der Verbandstag wendet ſich aber auch entſchieden gegen
die Kürzung des Grundgehalts, Wohnungsgeldes und der
Kinder=
zuſchläge.
Heute
Kinder-Mittwoch
(2646a
Im
Schiller-
Schanhads latop platz 8.
Deutſchnationaler Handlungsgehilfen=Verband, Ortsgruppe
Darm=
ſtadt. Der für Mittwoch, den 19. d. M., angeſetzte Frauennachmittag
wrd auf Mittwoch, den 26. März, verlegt. Der Vortrag des Kollegen
W. Köhler über Mexiko am Donnerstag fällt wegen Erkrankung des
Kollegen aus. Auf den Vortrag des Herrn Dr. Klein=Buchſchlag
am 27. März „Die ſchwarz=rot=goldene Bewegung von 1817—1848‟
machen wir unſere Mitglieder bereits heute aufmerkſam.
— Vereinigung ehem. elſ.=lothr. Soldaten. Am Sonntag fand in
dem Odenwaldzimmer des Gaſthauſes „Zur Krone” in Darmſtadt die
Gründung einer hameradſchaftlichen Vereinigung ehemaliger elſaß=
loth=
ringiſcher Soldaten ſtatt. Die Vereinigung ehem. Ner und die der Jäger
zu Pferde Nr. 3 hatten in einer vorangegangenen Zuſammenkunft ſich
zu dieſem Beſchluß geeinigt, um allen hier und in der Umgegend
woh=
menden Kameraden, die Angehörige ehem. elſ.=lothr. Truppenteile und
Militärbehörden waren, die Möglichkeit zu geben, ſich in einem Verein
zuſammenzufinden, um die altbewährte Kameradſchaft hochzuhalten.
Ein=
berufer der Verſammlung waren nun die ehemaligen 97er, unter deren
Vorſitz (Kamerad Roſſow) ſich auch die Tagesordnung abwickelte. Die
Gründung wurde einſtimmig nach der wirkungsvollen Anſprache eines
älteren Offiziers a. D. beſchloſſen. Wir ſind Deutſche und es iſt die
Pflicht gegenüber unſerem deutſchen Vaterland, gegenüber der deutſchen
Jugend und gegenüber uns ſelbſt, die alte Kameradſchaft weiter zu
pflegen und hochzuhalten. Zum geſchäftsführenden Vorſtand wurden die
Kameraden Chriſt Schneider und Franck einſtimmig gewählt.
Gleichzeitig, iſt die nächſte Zuſammenkunft auf den 4. Mai
1930, nachmittags 3 Uhr, im Gaſthaus zur Krone, Darmſtadt (
Jagd=
zimmer) feſtgelegt. Alle heute noch fernſtehenden Kameraden ſind zu
dieſer Verſammlung herzlichſt eingeladen.
Stets
Prasser-Kaffee fisch geröstet Bohulstr. 10 g
— Verſteigerung von Herbuchbullen und Zuchtebern. Der
Land=
wirtſchaftskammer=Ausſchuß ſür de Provinz Starkenburg veranſtaltet
am Denstag, dem 15. April 0. J., vormittags 10 Uhr, auf dem
Pferde=
marktplatz zu Darmſtadt (Holzhofallee) eine Verſteigerung von
erſt=
klaſſigen, ſprungfähigen Herdbuchbullen des Fleckviehſchlages aus den
beſten Starkenburger Zuchten. Gleichzeitig findet eine Verſteigerung
von ſprungfäh gen Zuchtebern des veredelten Landſchwein= und des
den ſchen Edelſchwein=Schlages ſtatt. Die Eber ſtammen ebenfalls aus
unſeren beſten anerkannten Zuchten, zum Teil auch aus erſtklaſſigen
Leiſtungszuchten, und haben Abſtammungsnachweiſe. Den Gemeinden
und Privatzüichtern iſt de beſte Gelegenheit geboten, vorzügliches
Zucht=
material anzukaufen. (Siehe Anzeige.)
Unfall. Ecke Heidelberger= und Hermannſtraße wurde geſtern
wieder einmal von einem Perſonenauto ein Gaskandelabeu angefahren
Die ſtädtiſche Feuer= und Rettungswache dichtete das Eas ab und
beſei=
tigte de Rückſtände.
Generalverſammlung der Tgd. Beſſungen 1865 e.B.
Der 2. Sprecher Emil Bracher eröffnete für den erkrankten
1. Sprecher Wilhelm Hering die Generalverſammlung. Mit Worten
herzlichſter Begrüßung gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die
Ver=
ſammlung der Turngemeinde einen vollen Erfolg bringen möge, zum
Wohle der edlen Turnfache. Beſonders herzlich begrüßte er den
er=
ſchienenen Ehrenſprecher, Studiendirektor Kiſſinger, dem er die Leitung
der Verſammlung übergab. Einen kurzen Rückblick gebend, gedachte der
Ehrenſprecher der im abgelaufenen Jahre verſtorbenen Turnbrüder.
Die Verſammlung erhebt ſich von den Sitzen zu ſtillem Gedenken.
Nunmehr zur Tagesordnung: Oberturnwart Reinhard gibt in
ſehr ſachlicher Weiſe die einzelnen Berichte des techniſchen Ausſchuſſes
bekannt. Er konnte feſtſtellen, daß der Beſuch in allen Abteilungen
ein guter war. Sein Wunſch gehe aber dahin, immer noch mehr
Mit=
glieder den einzelnen Abteilungen zuzuführen, damit auch ſie die
Seg=
nungen einer planmäßigen Betätigung, gleich welcher Art, erfahren
möchten. — Ergänzend berichtete hierauf Wanderwart Franz Schulz
für ſeine Wanderer. Mit Stolz konnte er berichten, daß die
Wander=
abteilung in allen Teilen auf der Höhe ſei, dank des guten Geiſtes, der
in der Wanderabteilung herrſche. — Für die Singmannſchaft ſprach Gg.
Künzel. Auch dieſe Abteilung könne der Stolz der Beſſunger
Turn=
gemeinde ſein. Mit dem Lied wurde manche Veranſtaltung verſchönt.
Auch in geſanglicher Beziehung habe die Singmannſchaft ſich unter der
Stabführung ihres tatträftigen Chorleiters Friedel Fiſcher in
Sängeu=
kreiſen einen beachtlichen Namen errungen. — Hierauf ehrte Turner
Noth für den Heſſiſchen Sängerbund zwei Mitglieder für 40jährige
aktive Mitarbeit, und zwar Karl Darmſtädter und Karl Kurz,
mit der Silbernen Ehrennadel des Bundes. Er gab dabei ſeiner Frende
Ausdruck, daß Turner und Sänger in edlem Idealismus koſtbare
Auf=
bauarbeit an unſerem Volke treiben würden; die einen zur Stählung
des Körpers, die anderen zur Hebung des inneren Menſchen. Er konnte
dabei zum Ausdruck bringen, daß Sänger ſowie Turner nicht die
ſchlech=
teſten Staatsbürger und Volksgenoſſen ſeien. Selbſtlos und tren ſei
ihre innere Einſtellung. Die Singmannſchaft grüßte die beiden
Jubi=
lare mit dem Sängerbundesgruß und bracht einen Chor zu Gehör, der
von der Verſammlung lebhaft anerkannt wurde.
Kneipwart Jäger ſtreifte jetzt die Kneipabende und bat um
beſ=
ſeren Beſuch. Hierbei hätten alle Gelegenheit, ſich über Vorkommniſſe
innerhalb der Turngemeinde auszuſprechen. — Turner Grünewald,
Vorſitzender des Wirtſchaftsausſchuſſes, entwarf darauf ein trübes Bild.
Der Verſammlung mußte er auch in dieſem Jahre wieder mitteilen,
daß zur Unterhaltung der Turnhalle ſelbſt ſowie auch der geſamten
Einrichtung jegliche Mittel fehlen. Die ſteuerliche Belaſtung ſei eine
ungeheuere. Jeder verfügbare Betrag, der doch zur Ertüchtigung unſerer
Jugend und zur Erhaltung der koſtbaren Volksgeſundheit abſolut nötig
wäre, würde einfach weggeſteuert. Die allernötigſten Geräte könnten
kaum mehr beſchafft werden. Mit lebhaftem Bedauern wurden dieſe
Ausführungen von der Verſammlung aufgenommen.
Nach kurzen Berichten einzelner Tätigkeitswarte konnte der
Ehren=
ſprecher nunmehr folgende Jubilare durch Ueberreichung von
Ur=
kunden bzw. Nadeln ehren. Es erhielten den Ehrenbrief fürfünfzig
Jahre unter Ernennung zu Ehrenmitgliedern die Turner: Ludwig
Hering 1., Konrad Henkel, Friedrich Röder, Philipp Schweinsberger,
Karl Weihl; die Vereinsehrennadel für 40 Jahre die Turner:
Emil Bracher, Karl Darmſtädter, Wilhelm Schneider, Adolf Keßler,
Karl Wittmann, Auguſt Kurz, Georg Bickel, Karl Kurz und Friedrich
Weimar; den Ehrenbrief für 25 Jahre die Turner Georg Aßmuth,
Heinrich Heck und Friedrich Seelbach; den Vereinsbrief für
Verdienſte im Verein die Turnerin Frau Friedrich, die Turner Heinrich
Heß, Georg Hoffmann, Karl Wolf, Georg Hofmann und Peter Becker.
Der Main=Rheingau ehrte den verdienſtvollen Oberturnwart
Rein=
hard mit dem Gauehrenbrief. Für alle Jubilare hatte der
Verſamm=
lungsleiter ehrende Worte, die lebhafte Zuſtimmung der Verſammlung
auslöſten.
Rechner Heil, der hierauf das Wort erhielt, erſtattete den
Kaſſen=
bericht: Das übliche Bild, der Zeit entſprechend — leere Kaſſe. Nur
mit zäher Ausdauer war es dieſem verdienſtvollen Turner möglich,
daß die Ausgaben nur zum kleinen Teil die Einnahmen überſtiegen.
Auch hierbei trat ſo recht die enorme ſteuerliche Belaſtung in
Erſchei=
nung. Der Voranſchlag für 1930 zeigt dasſelbe trübe Bild. Für die
Erhaltung der Geſundheit unſeres Volkes kein Geld, da nur ein
ver=
ſchwindend kleiner Betrag der eingehenden Mittel für den Turn= und
Spielbetrieb zur Verfügung geſtellt werden kann. Gegenrechner ſowie
Kaſſenprüfer beantragen Entlaſtung, die auch einſtimmig unter
Aner=
kennung der geleiſteten Arbeit genehmigt wurde. Zwei vom Vorſtand
eingebrachten Anträge wurden von der Verſammlung angenommen.
Die Vorſtandswahl brachte der Turngemeinde einen neuen
1. Sprecher, da der ſeitherige 1. Sprecher Wilhelm Hering ſein Amt
niederlegte. Mit Worten der Anerkennung gedachte der
Verſammlungs=
leiter des erkrankten ſeitherigen 1. Sprechers. 2. Sprecher wurde Turner
Grünewald für den ſeitherigen, da Turner Emil Bracher dieſes Amt
ge=
ſundheitshalber ebenfalls niederlegen mußte. Für Turner Heeb übernahm
Roth die Geſchäftsſtelle. Auch Turner Heeb erhielt warme Worte der
Anerkennung für ſeine ſeit Jahrzehnten geleiſtete Arbeit. Sonſt
be=
hielten die Vorſtandsmitglieder die alten Aemter, ſo daß auch für das
neue Vereinsjahr die Gewähr geboten iſt, daß die Turngemeinde immer
vorwärts ſchreiten kann, zum Segen ihrer geſamten Mitglieder und der
Turnſache ſelbſt.
Mit dem Gelöbnis der weiteren Treue konnte der
Verſammlungs=
leiter, nachdem Turner Emil Bracher ihm den Dank der Verſammlung
ausgeſprochen hatte, um 1 Uhr die ſo anregend verlaufene
General=
verſammlung ſchließen. Gut Heil!
Gfr.
Heſſiſches Landeskheaker.
Großes Haus Kleines Haus Mittwoch,19. März 19.30—22 Uhr
Schwanda
B 16
Preiſe 1.20—12 Mk. Keine Vorſtellung Donnerstag,
20 März 20—22.30 Uhr
Angelina
G 12 (Darmſtädter Volks=
Preiſe 1.00—10,00 Mk. 20—22.15 Uhr
Der Kaiſer von Amerika
bühne) Gruppe 1—4. K. Xl. 12 Bühnenvolksbund
Preiſe 1 50—7.50 Freitag,
21. März 20.00—22.15 Uhr
Im weißen Röß!!
D 17. T Gr. 7u. 8
Preiſe 1—10 Mk. 20—22 Uhr
3. Kammermuſikabend des
Drumm=Quartetts
Preiſe 1, 2, 3 Mark Samstag,
22. März 19.30—22.30 Uhr
Die Affäre Dreyfus
H 10 (Bühnenvolksbund)
Preiſe 1.00—10.00 Mr. 20—22 Uhr
der Poſtillon v. Lonjumean
E 19* TGr. 4 u. 5
*für E. Miet d. keine Zuſatz=
Miete haben. Sonntag,
23, März 14 —17 Uhr
Die Affäre Dreyfus
Heſſenlandmiete II 8, III •
P 4 Darmſt. Volksb. Gr. 1-
Preiſe 1.00—10.00 Mr.
20—22.30 Uhr
C 17
Schwanda
Preiſe 1.20—12.00 Mk. 20—22 15 Uhr
K XII 12 Bühn.=Volksbund
Der Kaiſer von Amerika
Preiſe 1.50—7.50 Mk.
11.30—13 Uhr
15—16.30 Uhr
Heitere Märchenſtunde
Preiſe 0.30—1.50 Montag,
24. März 20 Uhr
2. Volfskonzert
Preiſe 0.75—3.00 Mk. Keine Vorſtellung
— Erſtaufführung „Schwanda, der Dudelſackpfeifer”. Die Volksoper
„Schwanda, der Dudelſackpfeifer” von Jaromir
Weinber=
ger gelangt heute Mittwoch in der Inſzenierung von Renato Mordo
(Bühnenbilder: Lothar Schenck von Trapp) unter muſikaliſcher Leitung
von Karl Maria Zwißler zum erſten Male zur Aufführung. —
Jaro=
mir Weinberger iſt 1896 in Prag geboren, abſolvierte das Prager
Kon=
ſervatorium und kam mt 20 Jahren in die Meiſterklaſſe Max Regers
am ſtaatlichen Konſervatorium in Leipzig. Im Jahre 1922 folgte er
einer Berufung nach Amerika und wirkte als Profeſſor der Theorie am
Konſervatorium in Ithaca, N. Y. Seit einigen Jahren lebt
Wein=
berger wieder ſtändig in Prag, um ſich ganz der Kompoſition widmen
zu können. Mit der Schwanda=Oper iſt Jaromir Weinberger
fruh=
zeitig zu Weltruhm gelangt.
Mittwoch, den 19. März 1930
Nummer 78
Seite 6
Konzerk der Eliſabethenſchule.
Herr Lehrer A. Born hat ſich ſchon ſo oft als Meiſter
muſikerzieheriſcher Tätigkeit in der Schule erwieſen, daß man
in ſeine Veranſtaltungen mit großen Erwartungen geht. Der
große Erfolg blieb auch bei der diesmaligen Veranſtaltung,
welche am Montag abend in der Otto=Berndt=Halle ſtattfand,
nicht aus. Die Darbietungen des ſtattlichen Mädchenchors der
Eliſabethenſchule und eines aus dieſem ausgewählten
Sing=
kreiſes, beſtehend aus ungefähr einem Dutzend friſcher, junger
Mädchenſtimmen, zeigten in mehrſtimmigen Chören, welch
treff=
lichen Unterricht die jungen Damen genießen, was ſie im
chori=
ſchen Zuſammenſingen ſchon erreicht haben, und daß ſie ſich
unter ſoſcher Führung getroſt an ſchwierigere Aufgaben wagen
können. Beſondere Anerkennung verdient die Auswahl der
Vor=
träge, man hörte nur wertvolles; „Morgenlied” von Hugo Kaun
(hier in der Höhe die Grenze der Leiſtungsfähigkeit ſo
jugend=
licher Stimmen berührend), dann das große „Hallelujah” von
Franz Schubert; von dem verdienſtlichen Armin Knab drei
feine Chorlieder: „Morgenlied” „Feierabend” und „Des Herzen
Slüzzelin”, die außerordentlich klangvoll geſetzt ſind, an Tiefe
der Wirkung aber weit zurückſtehen hinter drei, in der 2.
Abtei=
lung vom Singkreis geſungenen Chorliedern von Arnold
Men=
delsſohn „Tag und Nacht” „Fernweh” und „Immer wenn der
Märzwind weht”. Hier iſt meiſterliche Satzkunſt, hier klingt
aber auch Herz und Gemüt und ein köſtlicher Humor, der den
„Märzwind” ſtürmiſch zur Wiederholung verlangte.
Wunder=
voll getroffen iſt die wehmütige Stimmung in „Fernweh” ohne
daß ein weichlicher oder ſentimentaler Ton erklingt; das ſind
ganz köſtliche Lieder. Zum Schluß ſang der Chor drei einfache
Volksweiſen „Kuckuck”, „Fuhrmannslied” und „Sandmännchen”
mit prächtigem Gelingen ſich und ihrem Leiter zur Ehre und
dem Publikum zur Freude.
Beſondere Erwähnung verdienen aber noch vier kurze, im
ſtrengen Stil gehaltene, fromme Geſänge: „Herr, tu meine
Lippen auf” von Johann Schein, „Vater unſer im
Himmel=
reich” von J. de Vento, „Agimus tibi gratias” von O. di Laſſo
und „Adoramus” von J. Brahms. Die Wiedergabe dieſer
ſchwie=
rigen Stücke war ſo gut, daß ihr tiefer Gefühlsgehalt voll zur
Wirkung kam. Ausgezeichnet waren aber auch die Solovorträge,
welche willkommene Abwechſlung zwiſchen den Chören brachten.
Frl. Lotte Dornbuſch (Schülerin der Meiſterklaſſen Göſta
Andreaſſons) zeigte in einer Sonate von Tartini und zwei
kleinen Stücken alle Vorzüge, die der Unterricht bei dieſem
Meiſterlehrer verleiht. Und vielverſprechende Talente ſind die
jungen Damen; Lotti Drexler (Schülerin von Frl. Schmitt,
Städt Akademie), welche die C=Moll=Polonaiſe von Chopin,
überraſchend klanglich und techniſch zu geſtalten vermochte.
Frl. H. Löſch (Schülerin von Frl. E. Weimar) ſpielte ſich mit
einem Klavierſolo aus den Davidsbündlertänzen von
Schu=
mann, die mit großer Sicherheit gebracht wurden, allſeitigen
Beifall, der nicht minder geſpendet wurde den Damen Alix
Gebauer und Marta Wehlan, die im tadelloſen
Zuſam=
menſpiel auf zwei Klavieren ein Rondo von Gurlitt brachten.
Solch talentierter Schülerinnen dürfen ſich ihre Lehrerinnen
E. Haaſe und H. Schmitt ebenſo freuen, wie es das
Publi=
kum tat. Alſo: ein voller, wohlverdienter Erfolg, zu dem man
alle Beteiligten beglückwünſchen kann.
P. S. Wir hatten bisher geglaubt, ſchlimmeres als die
Garderobenverhältniſſe im Saalbau gebe es nicht; wir haben
uns geirrt; die in der Otto=Berndthalle ſind noch viel
ſchlimmer.
O.
Aus den Darmſtädker Lichtſpieltheakern.
Helia.
In „Ramona” einer Romanverfilmung, fpielt die ſchöne
Do=
lores del Rio de Titelvolle, eine Halbblutindianerin. Spielt ſie
mit dem ganzen Aufgebot der reichen Skala ihrer Augenaufſchläge,
ihres naiv=verführeriſchen und hingebenden Lächelns und — ihrer
Trä=
nen. Spielt ſie aber auch mit der katzengleichen Geſchweidigkeit ihres
ſchön gewachſenen Körpers und mit gut und wirkungsvoll
ausgepräg=
tem Mienenſpiel. Sie hat viel zu leiden und viel zu weinen um ihrer
Liebe willen, die ſchöne Dolores, um der Liebe zu dem ſchönen armen
Indianer. Aber am Schluſſe geht alles gut aus. Wird ſie wieder
ge=
ſund und fühlt auch die Liebe erglühen zu dem ſchönen jungen Spanier,
der ihr durch ſo viel Leid hindurch die Treue gehalten hat und ſie
end=
lich auch heimführen darf, nachdem alles, was an die Indianer=Ehe=
Irrung erinnert, durch das Schickſal ſelbſt aus dem Wege geräumt
wurde. — Im übrigen bringt der Film ſehr ſchöne und ſehr
inter=
eſſante Bilder in der Szenengeſtaltung und Milieuſchilderung. Er
ſpielt aus der Zeit, da im frühen Kaliforn en noch Spanier herrſchten
und Indianer frei lebten. Warner Baxter Roland Drew. Vera
Lewis und Michael Viſaroff ſind gute Mitſpieler.
„Kaczmarek” ein Militärſchwank (Regie: Carl Wilhelm), iſt eine
urkomſche Sache aus dem Militär der Vorkriegszeit in Oeſterreich. An
ſich harmlos, auch in den Uebertreibungen nicht verletzend, iſt eine ſehr
heitere Satire entſtanden, die ſpäter, nach vielen Jahren, auch eine Art
„Kulturdokument” ſein wird. Irgendwo und irgendwann hat es dieſe
Typen ja alle einmal gegeben, wenn auch nicht, wie hier, in einen
ſo duftenden Strauß gewunden. Verebes, Junkermann, Garriſon,
Heidemann, Fritz Schulz, Evi Eva, Hanni Weiße, Trude Lehmann uſw.
ſind luſtige Spieler.
Palaſt=Lichtſpiele.
Erfriſchend und voll köſtlicher Heiterkeit iſt der Hoot=Gibſon=Film
„Derfliegende Teufel von Texas”. Tom Smith (Hoot
Gib=
ſon) als Führer der berühmten Texas Rangers, iſt der reinſte
Akro=
bat. Auf Motorrad, im Flugzeug, zu Pferd, überall iſt er „im Sattel”,
und vollbringt die kühnſten Experimente mit einer ſpielenden und
er=
ſtaunlichen Leichtigkeit. Dabei iſt ſein Spiel ſo ſelbſtverſtändlch und
ungekünſtelt, die Ueberrumpelung und Entlarvung ſeiner Gegner ſo
draſtiſch und originell, daß man an dieſem „Wildweſt=Ranger” ſeine
helle Freude hat. Der „Lohn”, die hübſche und raſſige Ozeanfliegerm
Ruth Elder, hier die Tochter des reichen Farmbeſitzers Hobſon, bleibt
denn auch nicht aus. — Der zweite Film „Irene Rysbergues
große Liebe” nach dem Schauſpiel „Madame Colibri” von H.
Ba=
taille ſcheint ſchon älteren Datums zu ſein. Er behandelt das bekannte
Thema der Liebesirrungen einer „unverſtandenen” Frau, dargeſtellt von
M. Jacobini endet aber ausnahmsweiſe nicht ſo tragiſch, wie
ge=
wöhnlich bei derartigen Filmhandlungen.
* Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Vor dem Amtsgericht I hatte ſich ein junger Handlungsgehilfe,
der mehrfach wegen Diebſtahls und gewerbsmäßigem Glücksſpiel mit
Geldſtrafen vorbeſtraft iſt, wegen einfachem Diebſtahl zu verantworten.
Er traf im Februar in einer Wirtſchaft einen Weißbinder aus Traiſa
und begab ſich mit ihm auf die Zechreiſe. Als dem Weißbinder das Geld
ausging, beſann er ſich, daß er noch zweihundert Mark von einem
Milch=
händler aus Nieder=Modau zu bekommen hatte. Er gab dem jungen
Handlungsgehilfen eine Quittung. Dieſer holte das Geld bei dem
Milch=
händler ab und übergab es dem Weißbinder, worauf ſie ihre Bierreiſe
eine zweite Nacht fortſetzten. Endlich ſchlief der Weißbinder ein, und
als er wieder erwachte, fehlten ihm einhundertſiebzig Mark und der
Handlungsgehilfe war fort. Der Angeklagte gibt an, der Weißbinder
habe mit dem Geld um ſich geworfen, und dabei habe er vielleicht einen
oder den anderen Schein erhaſcht. Nach den Bekundungen von Zeugen
hat er in einer anderen Wirtſchaft noch, nachdem er den Weißbinder
ver=
laſſen hatte, eine Zeche von 170 Mark gemacht. Er war dabei
keines=
wegs ſo ſinnlos betrunken, wie er es wahr haben will. Das Amtsgericht
verurteilte ihn zu fünf Monaten Gefängnis wegen einfachen Diebſtahls,
abzüglich einen Monat Unterſuchungshaft.
— Der Zentralverband der Arbeitzmvaliden und Witwen
Deutſch=
lands hält am Sonntag, dem 23. März 1930, nachmittags, im Gaſthaus
Jakob Mayer in Gernsheim, Waldſtraße, eine Verſammlung für
alle Invaliden, Unfallverletzten, Sozial= und Kleinrentner ab. Das
Referat übernimmt der Gauleiter, Kollege Jaxt. Er ſpricht über
For=
derung und Rentenerhöhung am Reichstag und unſere Forderungen
auf Erhöhung der Richtſätze der Sozial= und Kleinrentnerfürſorge=
Ans Heiſehn.
* Das kirchliche und religiöſe Leben im evangeliſchen
Dekanak Eberſtadt im Jahre 1929.
F. Aus dem ſoeben erſchienenen Jahresbericht über das kirchliche und
religiöſe Leben im Dekanat Eberſtadt im Jahre 1929 entnehmen wir,
daß der gegenwärtige Mangel an jungen Geiſtlichen in Heſſen
auch im Dekanat ſchmerzlich empfunden wird. Zwei der größten
Ge=
meinden, Eberſtadt und Ober=Ramſtadt, ſind noch immer ohne
Pfarr=
aſſiſtenten, und die Pfarrei Hahw muß noch immer von Pſungſtadt und
Eſchollbrücken aus verſehen werden. Die einzige Pſarraſſiſtentenſtelle im
Dekanat, die noch beſetzt geblieben iſt, iſt die in Traiſa. Dort iſt im
Herbſt 1929 ein Perfonenwechſel eingetveten, der auch mit dem Mangel
an Pfarrernachwuchs zuſammenhängt. Pfarver Weißgerber wurde
näm=
lich zum Pfarrvikar in Eberſtadt ernannt, während Pfarrer Paul die
Verſehung der Traiſaer Pfarraſſiſtentenſtelle übernahm, unbeſchadet
ſeiner Inhaberſchaft der Pfarrſtelle in Eberſtadt. Ferner haben im
Laufe des Jahres 1929 zwei definitive Pfarver das Dekanat verlaſſen,
lic. theol. Waas=Ober=Ramſtadt, um eine neu errichtete Pfarrſtelle in
Gießen, und Hofmann=Nieder=Beerbach, um die Pfarrſtelle in
Rüſſels=
heim zu übernehmen. An ihrer Stelle wurde Pfarrer Nürnberger=Ober=
Ofleiden zum Pfarrer in Ober=Ramſtadt, Pfarver Illert=Oſthofen zum
Pfarrer in Nieder=Beerbach ernannt.
An kirchlichen Vereinen beſtehen im Dekanat: 13
Kirchengeſang=
vereine, 2 Frauenchöre, 6 Bläſerchöre, 14 Frauenvereine, 2
Männerver=
eine, 7 männliche und 11 weibliche Jugendvereine 1 Mädchenchor.
Kran=
kenpflegevereine ſind in 15 Gemeinden des Dekanats eingerichtet. Sie
ſind in 12 Gemeinden in den Händen der Kirche (auch der
Frauenver=
eine), in den anderen in der Verwaltung der bürgerlichen Gemeinde.
Kleinkinderſchulen beſtehen 12 im Dekanat.
Der Gottesdienſtbeſuch betrug 11,38 Prozent der Erwachſenen. Den
beſten Kirchenbeſuch hat diesmal Seeheim aufzuweiſen (24,40 Prozent
der Erwachſenen). Es folgt Crumſtadt mit 2,40 Prozent, Rohrbach
(20,38 Prozent), Ernſthofen (19,51 Prozent), Goddelau (18,91 Prozent),
Gersheim (18,81 Prozent), Biebesheim (18,77 Prozent), Eſchollbrücken
(17,66 Prozent), Wolfskehlen (17,23 Prozent), Nieder=Beerbach 17,2
Prozent), Frankenhauſen (15,68 Prozent), Wembach=Hahn (15.19
Pro=
zent), Nieder=Modau (13,61 Prozent), Hahn (13,22 Prozent) Ober=
Beer=
bach (12,62 Prozent), Traiſa (11,89 Prozent), Stockſtadt (11,20 Prozent),
Nieder=Ramſtadt (9,52 Prozent) Erfelden (9,27 Prozent), Ober=Ramſtadt
(8,12 Prozent), Eberſtadt (6,04 Prozent), Malchen (5,21 Prozent),
Pfung=
ſtadt (5,09 Prozent).
Eheſchließungen fanden im Dekanat ſtatt 423. Unter dieſen waren
384 vein evang, und 49 Miſchehen. Von den 24, bei denen der Mann
katholiſch war, wurden 15, von den 25, bei denen die Frau katholiſch
war, wurden 14 von evangeliſchen Geiſtlichen getraut. Von 384
ge=
ſchloſſenen rein evangeliſchen Ehen wurden 334 kirchlich getraut, 37
wurden als aufgeſchoben angegeben, ſo daß 13 rein ebangeliſche Paare,
das ſind 3,4 Prozent, ohne kirchſliche Tvauungen blieben.
Die Zahl der Geburten im Dekanat betrug 746, die der Taufen 730.
Von den 57 Kindern aus Miſchehen mit Katholiken ſind 41, das ſind
72 Prozenk, vom evangeliſchen Geiſtlichen getauft worden, von den drei
aus Miſchehen mit Diſſidenten zwei, das ſind 66 Prozent. Die Zahl der
unehelichen Geburten betrug 85 — 11,4 Prozent. Konfirmiert wurden
871, kirchlich beerdigt wurden 452 Gemeindeglieder.
Die Austrittsbewegung hat einen gewiſſen Stillſtand erfahren. Im
Berichtsjahr betrug die Zahl der Austritte 46. Ihnen gegenüber ſind
18 Uebertritte zur Landeskirche zu verzeichnen.
Die kirchliche Liebestätigkeit brachte 53 428 RM., auf den Kopf der
ebangeliſchen Bevölkerung (41 728 Seelen) — 1,34 RM. Für die äußere
Miſſion wurden im Dekanat aufgebracht 4700 MM., für die innere
Miſſion 3060 RM., für den Guſtav=Adolf=Verein 242 RM., für das
Eliſabethenſtift 1753 RMM., für den Heſſ. Digkonieberein 487 RM., für
den evangeliſchen Bund 750 RM.
Landeskirchliche Gemeinſchaften beſtehen in der Mehrzahl der
Deka=
natsgemeinden.
Der Jahresbericht ſchließt mit der Feſtſtellung, daß das Bild, das
dieſer gibt, von viel Treue im kleinen in dem Kampf, in den die
evangeliſche Kirche geſtellt iſt, kündet.
Ber Stuhlverſtopfung
NUR
ApoTHEkER
BCN BRANDFS ALlbafespilefe!
Bk. Groß=Zimmern, 18. März. Gemeinderatsſitzung.
Der Gemeinderat ſtmmt der Regulierung der Gemarkungsgrenze betr.
Feldbereinigung der Gemeinde Klein=Zimmern zu unter der Bedingung,
daß der Gemeinde der Steuerwert erhalten bleibt. — Die Anträge des
Landtagsabgeordneten Hch. Angermeier 5.: Der Gemeinderat möge
be=
ſchließen, daß Allmendgelände vor den Lettlöchern den Bauluſtigen zum
Wohnungsneubau zur Verfügung zu ſtellen, und der Bürgermeiſter wird
beauftragt, die nötigen Schritte zu unternehmen zur Bereitſtellung von
Notſtandsarbeiten, werden angenommen. Als Notſtandsarbeit ſoll die
Entwäſſerung des Birkerts im Gemeindewald vorgenommen werden,
weiter ſollen einige Straßen im Ort ausgebeſſert und die Gerſprenz bei
Dieburg erweitert werden. — Betr. Mietregelung für die Wohnungen
in den Schulen hat die Verwaltung mit dem Kreisſchulamt verhandelt.
Der Beſchluß des Gemeinderats, für dieſe Wohnungen 30 Prozent
Mietſteigerung zu berechnen, hat keine Ausſicht, da es ſich hier um
Alt=
wohnungen handelt, die genau nach den Mietgeſetzen behandelt und
feſt=
gelegt ſind. Es iſt jedoch eine Einigung erzielt worden, die für die
Ge=
meinde keinen Nachteil bedeutet. — Der Gemeinderat beſchl eßt, daß die
Bauluſtigen, die bis zum 1. 11. 1929 Kleinwohnungen erbaut haben und
noch nicht mit Bauholz bebefert werden konnten, genau ſo behandelt
werden, wie alle vorhergehenden. — Die Beſchwerde des Georg Hottes 10.
über die Nichtbeachtung der Schweigepflicht der Gemeinderatsmiglieder
bei nichtöffentlichen Sitzungen wird dem Gemeinderat vorgeleſen. Der
Bürgermeiſter ermahnt die Mitglieder des Gemeinderats, den
Einfüh=
rungsbeſtimmungen gemäß die Schweigepflicht zu wahren. — Das
Klein=
pflaſter der Gundernhäuſerſtraße muß ausgebeſſert werden. Die Koſten
werden je zur Hälfte von der Provinz und der Gemeinde getragen und
betragen zuſ. 250 Mark, der Gemeinderat ſtimmt zu. — Die Negulierung
der Straßengrenzen für die Baulandumlegung koſter 450—500 Mark.
Demgegenüber erhält die Gemeinde das geſamte Straßengelände
un=
entgeltlich (Wert 3000 Mark), die Koſten werden durch die Gemeinde
übernommen. — Der Antrag des Gemeinderats Hch. Angermeier 5. betr.
Waldſtreunutzung, für Zweiſpänner 3 Mk. und für Emſpänner 1,50 Mk.
zu nehmen, wurde angenommen.
Bw. Langſtadt, 18. März. Generalverſammlung des
Geſangvereins Liederkranz. Der 1. Vorſ., Herr Fritz Eckert,
eröffnete dieſelbe und gab einen kurzen Ueberblick über die
Vereins=
tätigkeit im verfloſſenen Jahre. Nach Bekanntgabe der Tagesordnung
gedachte er der im letzten Jahre verſtorbenen Mitglieder und ſtellte die
Zahl der reſtlichen Mitglieder feſt. Der Rechner gab die Jahresrechnung
bekannt. Aus ſchied ein Vorſtandsmitgl ed, Herr Philipp Krapp, und
Herr Adam Schmidt trat an ſeine Stelle. Das Amt des Notenwarts
ging in die Hände von Heinrich Hammann über. Ein weiterer Beſchluß
ging dahin, daß Mitglieder welche durch Zuzug oder Verheiratung aus
anderer Gemeinde in den Verein eingetreten ſind, ihre Mitgliedſchaft
bei dem früheren Verein mit angerechnet wird. Somit wurde Herr
Philipp Krapp Ehrenmitglied, desgleichen die Herren Peter Willmann
und Chriſtoph Volz 2.
Cd. Michelſtadt, 18. März. In der Vereinigung für Kunſt
und Wiſſenſchaft ſprach am vergangenen Freitag der Beſitzer
und Leiter des Geneſungsheims in Bad König, Herr Dr. med. Zimper,
über: „Seeliſche Erkrankungen in neuzeitlicher Auffaſſung‟. Der
Red=
ner ging zuerſt ein auf das Verhältnis der ſeeliſchen Erkrankungen
zu den körperlichen und Geiſteskrankheiten. Körperliche Wirkungen bei
ſeeliſchen Urſachen ſind oft durch Hormone vermittelt. Als Urſache
ſeeliſcher Spannungen ſind die Unluſtempfindungen verantwortlich zu
machen. Es gibt verſchiedene Arten von Unluſtempfindungen,
ins=
beſondere Triebe. Daß nicht jeder ſeeliſch krank wird, iſt bedingt durch
die Abwehrkräfte, die ſich aus Temperament und Milieuwirkungen
er=
geben. Weiterhin kamen zur Darſtellung einzelne Organneuroſen, wie
Herzneuroſe, Magenneuroſe und ähnliche. Es waren wirklich
inter=
eſſante Gebiete, die der Redner ſeinen Zuhörern näher brachte, und die
redneriſch und inhaltlich gleich guten, wenn auch nicht gerade leichten
Ausführungen hielten die zahlreich erſchienenen Zuhörer bis zum
letz=
ten Augenblick im Bann. Man merkte es, daß ein Mann ſprach, der
ſein Wiſſen nicht nur aus Büchern ſchöpfte, ſondern ſich Tag für Tag
praktiſch mit dieſen Problemen beſchäftigt. Am nächſten Freitag ſpricht
der Süidamerikaforſcher Carl Schöffer über Robinſon und die
Robinſon=
inſeln. Der Vortrag findet mit Lichtbildern ſtatt. Nach vorliegenden
Beſprechungen ſteht uns wieder einmal ein ganz beſonderer Genuß
bevor.
Frühjahrskuren in Bad=Nauheim.
Wer für eine Frühjahrskur den Jungborn der
weltberühm=
ten, heilkräftigen Quellen Bad=Nauheims aufſuchen kann, findet ſehr
günſtige Verhältniſſe. Die der Sonne offene Frühlingslandſchaft, der
tiefe, grünende Frieden des einzigartigen Parkes, die Abwechſlung der
Unterhaltungen, das behagliche Kurleben, das noch außerhalb des
Hoch=
betriebes liegt, machen die Kurpflichten in dieſer Zeitſpanne beſonders
leicht und angenehm. Dazu kommt noch der Vorteil, daß die Skala der
Kurabgabe für die bis zum 1. Mai eintreffenden Gäſte günſtig abgeſtuft
iſt. Daher ſteigt die Beſucherkurve, die zur Zeit rund 1000 Anweſende
vegiſtriert, mit jedem Tage höher in dieſem Mekka für Herzkranke,
Rheumatiker, von beginnender Arterienverkalkung, Gicht, Bronchitis,
Rückenmarks= und Nervenleidenden Geneſungsſuchenden.
Be. Spachbrücken, 18. März. Das Konzert des Arbeiter=
Geſangvereins erfreute ſich ſehr guten Beſuchs. Nach der
Be=
grüßung der Erſchienenen durch den 1. Vorſitzenden eröffnete die
Stadt=
kapelle Offenbach den erſten Teil mit einer Ouvertüre. Es folgten dann
in ſehr raſcher Abwechſlung Chöre des Geſangvereins mit und ohne
Orcheſterbegleitung und muſikaliſche Vorträge der Kapelle. Ein gutes
Gelingen des Abends war ſchon damit zugeſichert, daß die ganze
Ver=
anſtaltung unter der ſtraffen Leitung des Muſikdirektors Robert Herber
aus Darmſtadt ſtand.
m. Etzean i. O., 17. März. Staatliche Deckſtation.
Nach=
dem aus Erſparnisgründen die ſtaatliche Deckſtation Stockheim
auf=
gelöſt wurde, iſt den Landwirten Gelegenheit geboten, nunmehr von
ſogenannten Leihhengſten in Langen=Brombach und hier Gebrauch zu
machen. Der hierher geſtellte Hengſt „Vorwärts” iſt ein ſehr guter
Rheiniſch=Belgier; er befindet ſich auf dem Weidegut des
Landwirtſchafts=
kammerausſchuſſes für die Provinz Starkenburg und ſteht vormittags
zur Verfügung. Das Pferd iſt ein mit Bläſſe, heller Mähne und hellem
Schweif gezeichneter guter, ſchwerer Fuchs.
Cf. Birkenau, 18. März. Bunter Abend. Der von der
Horn=
bacher Spielſchar am Samstag abend hier im Vereinshaus abgehaltene
Bunte Abend war recht unterhaltend und fanden die kleinen,
unermüd=
lichen Spieler lebhaften Beifall. Beſondere Anerkennung gebührt dem
Leiter, Herrn Lehrer Becker, der in raſtloſer Arbeit ſeine Schule zu dem
gemacht, was ſie heute iſt; eine Muſterſchule. Wie auch im vergangenen
Jahr, wollen die Hornbacher Schulk nder auch dieſes Jahr wieder eine
Fahrt in die Welt machen, und zur Finanzierung derſelben dienen dieſe
Unterhaltungsabende. Wie wir hören, ſoll es dieſes Jahr in die Alpen
gehen.
Bn. Hirſchhorn, 18. März. Die vorgeſtrige
Monatswande=
rung der hieſigen Ortsgruppe des Odenwaldklubs konnte ſich, trotz
des vorauszuſehenden ſchlechten Wetters, das jedoch zugunſten der
Wan=
derung am Sonntag umſchlug, einer zahlreichen Beteiligung erfreuen.
29 Wanderinnen, Wanderer und Jugendwanderer verſammelten ſich am
Sonntag früh 9 Uhr am Bahnhof, um mit der Bahn nach Eberbach die
Wanderung anzutreten. Von Eberbach führte dieſelbe über Wald=
Katzenbach-Dielbach nach Schollbrunn, wo eine Mittagsraſt eingelegt
wurde. Nachdem man ſich hier kräftig geſtärkt hatte, wurde die
Wan=
derung durch die „Winterhauch” über die „Margarethenſchlucht” nach
Neckargerach fortgeſetzt, von wo aus man nach kurzem Aufenthalt mit
der Bahn die Heimfahrt antrat und um 6 Uhr wieder wohlbehalten in
Hirſchhorn anlangte. — Am Mittwoch abend findet im Gaſthaus „Zur
Krone” eine von der Bürgermeiſterei Hirſchhorn einberufene
Proteſt=
verſammlung gegen die Zuteilung des Amtsgerichtsbezirks Hirſchhorn
zu dem Amtsgerichtsbezirk Wimpfen ſtatt. Der Amtsgerichtbezirk
Wimpfen umfaßt ca. 3000 Einwohner, während der Amtsgerichtsbezirk
Hirſchhorn nahezu 7000 Seelen zählt, und iſt es hier unverſtändlich,
warum man ſchon mit Rückſicht auf dieſe Tatſachen den größeren Teil
einem kleineren zuteilen will, zumal das Amtsgericht Hirſchhorn noch
über genügende Räumlichkeiten verfügt, außerdem beide Orte lokal weit
voneinander durch badiſches Gebiet getrennt liegen.
Bt. Auerbach, 18. März. Gemeinderatsbericht. Gegen das
Baugeſuch der Bergſtr. Obſthau= und Verwertungsgenoſſenſchaft lagen
von drei Beſchwerdeführern Eingaben an den Gemeinderat vor.
Der=
ſelbe lehnt mit 10 gegen 7 Srimmen die Beſchwerden ab. Das
Bau=
geſuch des Herrn Roſſenbeck zur Errichtung eines Wirtſchaftsgebäudes
in ſeinem Garten wird genehmigt. Die Laubverſteigerung, deren Erlös
ſich auf 6,80 RM. ſtellen würde, wurde nicht genehm gt. Es werden
alsdann die Offerten bekannt gegeben, die über die Arbeiten für den
Kanak im Herdweg und im Armenhaus eingereicht waren. Für die
Kanallegung im Herdweg fordern die drei Maurermeiſter bei
gemein=
ſamer Durchführung 1,04 Stundenlohn zuzüglich 30 Prozent. Zu den
Weißbinderarbeiten im Armenhaus lagen 4 Offerten mit einer
Preis=
ſpanne von 26 bis 54 RM. vor. Die Koſten der Dachdeckerarbeit, zu der
vier Meiſter eingelegt haben, ſchwanken zwiſchen 113,75 und 181 RM.
Zu der Vergebung der Waſſerleitungsarbeiten in der Ernſt=
Ludwigs=
promenade lagen drei Offerten vor. Der Zuſchlag für ſämtliche Arbeiten
wurde in die ſich anſchließende nichtöffentliche Sitzung zurückgeſtellt.
W Heppenheim a. d. B., 15. März.
Handwerkskammer=
ſprechtag. Der nächſte Sprechtag der Handwerkskammer=Nebenſtelle
Darmſtadt in Heppenheim findet am Mittwoch, den 19. März,
nachmit=
tags 1.45 Uhr beginnend, im Kreisamt, Zimmer Nr. 16, ſtatt. —
Katholiſcher Männerverein. Aus dem Jahresbericht der
Rechtsauskunftſtelle des hieſigen Männervereins werden folgende Zahlen
entnommen. Im Jahre 1929 wurden 44 Rechtsauskunftsſtunden
abge=
halten. Rechtsauskunft wurde an dieſen 44 Nachmittagen erteilt an
378 Perſonen. Von den Fällen erſtreckten ſich 26 auf Arbeitsrecht,
111 Kranken=, Invaliden= und Unfallverſicherung, 28
Wohnungangeie=
genheit, 79 Steuer, 49 Schuldverhältniſſe, 85 anderveitige Fragen,
zu=
ſammen 378 Auskünfte. Hinzu kommen 31 ſchriftliche Anfragen,
zu=
ſammen 409 Auskünfte. Von dieſen Rechtsſchutzſuchenden waren 61 im
Arbeiterverein, 109 im Männerverein, 239 überhaupt nicht Mitglied
einer Organiſation. 26 Rechtsſchutzſuchende kamen aus Heppenheim,
alle übrigen aus Hambach, Erbach, Bensheim, Weinheim, Lampertheim,
Waldmichelbach, Lorſch, Kleinhauſen, Wahlen und anderen umliegenden
Orten. Schriftſätze wurden 141 ausgefertigt und verſandt.
Vertre=
tungen wurden an den verſchiedenen Gerichten neun übernommen.
Sämtliche Rechtsauskünfte, Herſtellung der Schriftſätze Uebernahme
der Vertretungen geſchehen völbig koſtenlos an alle. An Barerfolg
wur=
den, ſoweit überhaupt erfaßbar, 920 RM. feſtgeſtellt. Die Auskünfte
er=
folgen, durch Herrn Arbeiterſekretär Even, Mainz, der neben ſeiner
Tätigkeit in den Wintermonaten noch eine Reihe von Vorträgen in der
hieſigen Arbeitergruppe des Katholiſchen Männervereins hielt.
Ca. Lorſch, 18. März. Holzverſteigerung. Die geſtrige
Holzverſteigerung ſeitens der Bürgermeiſterei brachte nur mäßige Preiſe.
Durch die vielen vorhergehenden Verſteigerungen und die Abgabe des
Losholzes iſt der Bedarf gedeckt und ſo wenig Liebhaber mehr da. —
Geländeerwerb. Die Kath. Krche hat das ſeit Jahren von der
Deutſchen Jugend=Kraft, Ortsgruppe Lorſch, als Sportplatz innegehabte
Gelände von Herrn Weidmann käuflich erworben und überläßt es ge
nannter Vereinigung weiterhin als Sportplatz, die dieſen weiter
aus=
bauen will. — Sport. Der Sportklub Olympia Lorſch holte ſich
vor=
geſtern in einem wenig ſchönen Spiel gegen Herrnsheim mit 2:1 zwe
we tere für den 2. Tabellenplatz wichtige Punkte.
Bm. Hofheim (Ried), 18. März. Autounfall. Ein noch
glimpflich verlaufener Autounfall ereignete ſich nahe beim hieſigen
Vahnhof. Drei Herren aus Worms kamen mit einem Perſonenwagen
von der Bahnhofſtraße her und fuhren über den Bahnübergang am
Stellwerk 1 in der Richtung zum Schlackenwerk Haberkamm. Dabel
geriet der Wagen zu nahe an die Gleisböſchung und fiel ſeitwärts um
auf das nächſte Rangiergleis. In der nahen Bahnhofswirtſchaft
wei=
lende hieſige Einwohner erhielten gleich Kenntnis von dem Unfall und
eilten den Inſaſſen zu Hilfe. Mit vereinten Kräften wurde das Autd
wieder auf die Räder geſtellt und bis zum Bahnübergang geſchoben.
Wagen und Inſaſſen erlitten keinerlei Schaden und konnten gleich die
Heimreiſe antreten.
Cm. Groß=Gerau, 18. März. Generalverſammlung der
Pferdezüchtervereinigung. Die Generalverſammlung der
Pferdezüichtervereinigung für den Kreis Groß=Gerau fand am Sonntaß
im „Adler” ſtatt. Oberlandwirtſchaftsrat Dr. Lung, der Vorſitzende der
Vereinigung, eröffnete die Verſammlung und begrüßte die Mitglieder.
Landwirtſchafts=Aſſeſſor Dr. Becker teilte den Geſchäftsbericht mit. Nach
der Rechnungsablage durch den Landwirt Philipp Diehl=Wallerſtädten
wurde die Wahl der Erſatzmänner für die ausſcheidenden
Vorſtands=
mitglieder vorgenommen. Eine lebhafte Ausſprache entſpann ſich über
die Frage der im Jahre 1930 vorzunehmenden Veranſtaltungen. Die
Prämiierung ſoll Ende Mai ſtattfinden. Die Beſichtigungsfahrt nach
Oldenburg, die mehrere Züchter wünſchen, wurde auf ſpäter
zurück=
geſtellt.
— Waſſerſtandsnachrichten vom 18. März. Rhein: Hüningen 0,9‟
ehl 1,83, Maxau 3,74, Mannheim 2,64, Mainz 0,40, Bingen 1,54, Kaub
62, Köln 1,27 Meter. Main: Schweinfurt 1,19, Würzburg 0.3,
ohr 1.40. Steinheim 2,35, Frankfurt 2,51, Koſtheim Staatspegel plus
„7, do. Waſſertiefe 2,08, do. Fahrtiefe 1,78 Meter.
— Gernsheim, 18. März. Waſſerſtand des Rheins am
. März —0,62 Meter, am 18. März —0,35 Meter.
— Hirſchhorn, 18. März. Waſſerſtand des Neckars am
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D eiein
O
At
I
Seite 8
Mittwoch, den 19. März 1930
EHH
A.
Die Geburt ihrer Tochter Grete zeigen
hocherfreut an
Heinrich Weyer und Frau
Liese, geb. Löb.
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z. Zt. Klinik Dr. Wolff und Dr. Hoffmann.
(4578
Unser Brüderchen
ist glücklich angekommen.
Ursula und Otto Strecker.
Rrn L Le
Maurermeiſter Konrad Jung I. und
Ebefrau, geb Löhr, Meſſel, begehen
(4574
heute das Feſt der
Silbernen Hochzeit.
Rcedcreer D
Darmstadt, den 17. März 1930.
Wilhelmstr. 9.
Todes=Anzeige.
Am 17. März ds. Js., abends 10½ Uhr, hat
Gott der Herr unſere liebe Tochter, Mutter,
Schwiegertochter, Schwägerin und Tante
Frau
Eliſabeth Roß
geb. Hirſch
im Alter von 45 Jahren von ihrem langen,
ſchweren, mit größter Geduld ertragenen
Leiden durch ſantten Tod erlöſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Hirſch und Frau
Marie, geb. Benz
Peter Roß und Kinder.
Arheilgen, den 18. März 1930. (4550
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 20. März,
nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhauſe,
Margareten=
ſiraße 11 hier ſtatt.
Todes=Anzeige.
Am 15. März verſchied ſanft nach kurzem,
ſchweren Teiden unſer lieber, treuſorgender
Vater, Schwiegervater, Großvater und
Ur=
großvater
Herr
Georg Buxbaum
Lehrer i. R.
im Alter von nahezu 84 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
pfungſiadt, Griesheim, Darmſiadt.
Die Beerdigung fand in aller Stille auf dem
Waldfriedhof in Darmſtadt ſiatt.
Todes=Anzeige.
Allen Verwandten und Bekannten
die traurige Mitteilung, daß unſer
lieber Vater, Schwiegervater,
Groß=
vater, Urgroßvater, Bruder und Onkel
nach kurzer Krankheit im 85.
Lebens=
jahre ſanft entſchlafen iſt.
Darmſtadt, den 17. März 1930
Beſſungerſtr. 87
Frankfurt a. M.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Gebrüder Rieſinger
nebſt Familien
Die Beerdigung, findet am
Mitt=
woch nachmittag 3 Uhr auf dem
Waldfriedhofe ſtatt.
Statt Karten.
In der Nacht von Montag
auf
Dienstag iſt unſer Sonnenſchein
Klaus
nach kurzem, ſchwerem Leiden im
Alter von 3½ Monaten ſanft
ent=
ſchlafen.
Georg Maſſoth und Frau
Hedwig, geb. Heil.
Darmſtadt, den 18. März 1930.
Die Beerdigung findet in der Stille
ſtatt.
Von Beſuchen bitten wir Abſtand
nehmen zu wollen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe wohltuender
Teilnahme, ſowie der vielen
Blumen=
ſpenden anläßlich des Hinſcheidens
unſerer lieben, unvergeßlichen
Ent=
ſchlafenen
Frau Käthe Steuerwald
geb. Günther
ſagen wir allen Verwandten, Freunden
und Bekannten innigen Dank. Ganz.
beſonderen Dank Herrn Pfarrrr Köhler
für ſeine troſtreichen Worte am Grabe,
den aufopfernden Bemühungen des
Herrn Dr. Schreiner und den
Schwe=
ſtern des Alicehoſpitals.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Steuerwald
Familie Hch. Günther
Riegerplatz 8,
Darmſtadt, den 18. März 1930. (4538
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Hinſcheiden
un=
ſerer lieben Mutter
Frau Anna Riedel
geb. Hechler
ſagen wir herzlichen Dank.
Beſon=
deren Dank Herrn Pfarrer Heß und
den Schweſtern derKaplaneigemeinde
ſowie für die vielen Blumenſpenden.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 19. März 1930.
Damen- und
Hüite
Herren-
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Grafenſtraße 89
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Lodes=Anzeige.
Am 18. März, früh 9½ Uhr verſtarb plötzlich und
unerwartet infolge Herzſchlag unſer lieber Vater,
Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel
Sonnee Ragnei
im 64. Lebensjahre.
In tiefem Schmerz:
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſiadt, den 18. März 1930.
Mauerſtr. 31
Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. März, nachmittagé 2 Uhr
auf dem Waldfriedhof, ſtatt.
(4569
Nummer 78
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läßlich des Ablebens meines unvergeßlichen Gatten,
unſeres lieben Vaters, ſagen wir tiefgefühlten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Eliſe Kattler
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Darmſiadt, im März 1930.
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Mittwoch, den 19. März 1930
Seite 9
„
Von Erich Metzenthin, Korvettenkapitän a. D., M. d. L.
Am 19. März tritt der neue Lloyd=Schnelldampfer „Europa”
ſeine erſte Ausreiſe an. Nach ſeiner Indienſtſtellung werden von
den ſechs größten Schiffen der Welt zwei die deutſche Flagge
tra=
gen. Auf deutſchen Werften gebaut ſind fünf, nämlich außer den
Neubauten „Bremen” und „Europa” die früherem Dampfer der
Hamburg=Amerika=Linie „Imperator”, „Vaterland” und „
Bis=
marck”, die nach Friedensſchluß an England bzw. Nordamerika
ausgeliefert werden mußten.
Mit „Bremen” und „Europa” hat Deutſchland den Kampf
um das blaue Band des Ozeans wieder aufgenommen.
Abge=
ſehen von früheren kürzeren Epiſoden iſt es von 1897 bis 1907
in ſeinem Beſitz geweſen. England nahm es uns mit der „
Mau=
retania”, die die für damalige Zeiten unerhörte Geſchwindigkeit
von 26 Seemeilen erzielte. Infolge des Krieges iſt die
ſchiff=
bauliche Enzwicklung nicht ſo ſchnell vorwärtsgegangen, wie es
wohl ſonſt der Fall geweſen wäre. So hat „Mauretania” 22
Jahre den Ruhm des ſchnellſten Paſſagierſchiffes behaupten
kön=
ven. Erſt die „Bremen” hat 1929 mit einer Reiſedauer von vier
Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten zwiſchen Nantucket
Feuer=
ſchiff und Eddyſtone=Leuchtturm ihre Leiſtung übertroffen.
Als 1907 die „Mauretania” in Dienſt kam, verzichtete die
deutſche Handelsſchiffahrt bewußt darauf, einen gleich ſchnellen
Konkurrenten zu ſchaffen, weil es bei dem damaligen Stande der
Technik ausgeſchloſſen war, ein ſolches Schiff wirtſchaftlich zu
be=
treiben. Die Engländer lamen über derartige Erwägungen
hin=
weg, weil ihre Regierung den Bau und Betrieb finanziell ſtark
unterſtützte. In der Folge gab die Hamburg=Amerika=Linie die
Imperatorenklaſſe in Bau, die zwar um einige Meilen longſamer,
dafür aber ſehr viel größer und für die Paſſagiere bequemer und
angenehmer war. Es iſt nun intereſſant, durch Vergleich dieſer
Schiffe mit den Neubauten ſich einmal klarzumachen, welche
Fort=
ſchritte der Schiffbau in 15 Jahren gemacht hat.
Die „Europa” iſt etwas kleiner als der „Imperator”. Sie
wird 27 Sm. — 50 Km. gegen 23 Sm. des „Imperator” laufen
Während dieſer 60 000 PS hatte, verfügt „Europa” über 100 000.
Trotzdem iſt es möglich geweſen, Maſchinen= und Keſſelräume
auf einen ſehr viel geringeren Raum zuſammenzudrängen. Das
hat ſeine Urſache hauptſächlich darin, daß man in der
Zwiſchen=
zeit gelernt hot, Keſſel zu bauen, die nicht mit 17, ſondern mit
25 Atmoſphären Ueberdruck arbeiten. Jeder Keſſel erzeugt Dampf
für 5500 PS, während die Imperatorkeſſel nur für je 1500
PS lieferten. „Imperator” hatte 38 Keſſel, „Europa” beſitzt nur
18, ſo daß der Keſſelraum ſehr viel kleiner geworden iſt.
Ein anderer grundſätzlicher Fortſchritt beſteht darin, daß
man es gelernt hat, Ueberſetzungsgetriebe von außerordentlicher
Leiſtungsfähigkeit zu bauen. Dadurch wird die Verwendung
hochtouriger Turbinen von geringſtem Gewicht und mit beſter
Wärmeausnutzung möglich, wobei man trotzdem die Drehzahl
der Propeller im Bereich günſtiger Wirkungsmöglichkeiten halten
kann. Schließlich ſpielt noch eine Rolle, daß nur noch Oel zum
Antrieb gebraucht wird, das einen weſentlich größeren Heizwert
hat und in Doppelbodentanks untergebracht werden kann, ſo daß
es keinen nutzbaren Raum fortnimmt. Die Folge davon iſt, daß
die „Bremen” Platz für 2200 Paſſagiere hat.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß die Sicherheitseinrichtungen
auf das Beſte ausgebildet ſind. Das Schiff hat 15 waſſerdichte
Abteilungen. Es bleibt noch ſchwimmfähig, wenn die zwei
größ=
ten voll Waſſer gelaufen ſind. Für den ſchlimmſten Fall ſind
22 Motorrettungsboote für je 145 Perſonen vorhanden.
Wenn man „Mauretania” mit der „Europa”, die nur um
etwa eine Seemeile ſchneller ſein dürfte, vergleicht, ſo wird man
ſagen können, daß eine Schiffsgeſchwindigkeit, die vor 15
Jah=
ren nur techniſch möglich war, jetzt auch
wirt=
ſchaftlich möglich geworden iſt. Es iſt ſelbſtverſtändlich,
daß der Norddeutſche Lloyd die neuen Schnelldampfer nicht
ge=
baut hat, um Geld daran zuzuſetzen. Es iſt ebenſo
ſelbſtver=
ſtändlich, daß eine Subvention des Reiches nicht in Frage
kommt. Die Schiffe müſſen ſich aus eigener Kraſt erhalten und
amortiſieren.
In dieſer Feſtſtellung liegt auch eine andere Tatſache
be=
gründet. Zweifellos iſt es techniſch möglich. Dampfer zu
bauen, die Deutſchland das blaue Band des Ozeans wieder
ent=
reißen. Es wird ſeit Jahren davon geſprochen, daß die
Ver=
einigten Staaten von Nordamerika 30=Seemeilendampfer, daß
auch England gleichſchnelle Schiffe auf Stapel legen wolle. Dies
iſt lediglich eine Frage der Opfer, die man dem nationalen
Preſtige in Form von Subventionen, zu bringen bereit iſt.
Immerhin iſt feſtzuſtellen, daß, nachdem die White=Star=Linie
den Bau der „Oceanie” wieder eingeſtellt hat, „weil die Frage
des Antriebs noch nicht geklärt iſt” zurzeit kein Konkurrent
ge=
baut wird. Das bedeutet für Deutſchland einen Vorſprung von
mindeſtens drei Jahren. Hoffentlich wird es in dieſer Zeit
ge=
lingen, recht viel zahlungskräftiges ausländiſches Stammpublikum
auf unſere Schiffe zu ziehen. Dollars zu ernten und unſere
Zah=
lungsbilanz zu verbeſſern. Bei guter Beſetzung der „Europa‟
bringt jede Reiſe eie Bruttoeinahme von etwa 2 Millionen
Reichsmark.
Möglicherweiſe wird mit der „Europa” die höchſte Stufe der
Entwicklung, die mit der Dampfmaſchine zu erzielen iſt, erreicht
ſein. Wenn andere Nationen ſich bisher nicht zu ähnlichen
Bau=
ten entſchloſſen haben, ſo liegt dies zum Teil daran, daß man
glaubt, zu einer anderen Art des Antriebes übergehen zu ſollen.
Es iſt nicht möglich, hier auf dieſe Dinge näher einzugehen.
Immerhin mag angedeutet werden, daß vielleicht ſchon die nächſte
Serie großer Schnellſchiffe dieſelmotoriſchen Antrieb erhalten.
wird.
Die „Europa” vom Llond abgenommen.
Auf der Höhe von Horns Riff wurde am Montag nachmittag
der Schnelldampfer „Europa” durch Generaldirektor Gläſſel vom
Norddeutſchen Lloyd mit einer kurzen Anſprache von der Werſt
übernommen.
An den Reichspräſidenten von Hindenburg wurde dann
folgendes Telegramm geſandt: „Dem Herrn Reichspräſidenten
entbiete namens des Nordd. Lloyd nach ſoeben glücklich beendeter
Probefahrt des jüngſten Sproſſen der Lloydflotte, des
Schnell=
dampfers „Europa”, meinen ergebenſten Gruß. Der Dampfer
„Europa” hat die in ihn geſetzten Erwartungen voll erfüllt und
legt auf Grund ſeiner hervorragenden See=Eigenſchaften ein
glänzendes Zeugnis von dem hohen Stande der deutſchen
Schiffs=
baukunſt ab.”
An Botſchafter a. D. Schurmann wurde telegraphiert: „Ihr
Patenſchiff „Europa” abſolvierte ſoeben glänzend verlaufene
Nordfeeprobefahrt. Als Verbindungsmittel im deutſch=
ameri=
kaniſchen Reiſeverkehr dürfte es zu ſeinem Teil dazu berufen ſein,
Ihrerſeits tatkräftig geförderte freundſchaftliche Beziehungen
beider Völker zu ſtärken und zu feſtigen.
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[ ← ][ ][ → ]Seite 10
Mittwoch, den 19. März 1930
Die Polizeimörder Schulle und Hoyer
WSN. Frankfurt a. M., 18. März.
Heute nachmittag gegen 3 Uhr beobachtete der
Landjäger Hörning, aus Braunfels im Kreiſe
Wetzlar in der Nähe von Leun zwei verdächtige
Perſonen auf Fahrrädern. Bereits in der
ver=
gangenen Nacht war die Landjägerei des Kreiſes
und die Polizei der Stadt Wetzlar alarmiert
worden, weil die Spuren der beiden
mutmaß=
lichen Mörder des Frankfurter
Polizeioberwacht=
meiſters Kern, Schulle und Hoyer, nach dem
Kreiſe Wetzlar führten. Der Landjäger ſtellte
die beiden verdächtigen Radfahrer; einer warf
ſofort ſein Rad weg und konnte zunächſt in die
Gegend von Heiſterberg entkommen, der andere
wurde feſtgenommen. Es handelte ſich in der
Tat um den Kürſchner Schulle, der vorläufig der
nächſten Polizei zugeführt wurde. Darauf
unter=
nahm die Wetzlarer Polizei im Verein mit
Landjägereibeamten eine Streife nach dem
ent=
kommenen Hoyer. „Nach mehrſtündigem Suchen
in ſchwierigem Gelände gelang es. Hoyer im
Heiſterberger Wald feſtzunehmen. Beide wurden
in einem Auto nach Wetzlar ins Gefängnis
ge=
bracht. Sofort nach Eintreffen der Meldung von
der Verhaftung des Schulle begaben ſich
Frank=
furter Kriminalbeamte in drei Autos nach
Wetz=
lar, um Schulle und Hoyer in Empfang zu
neh=
men und nach Frankfurt zu transportieren.
Beinahe gefaßt, aber .
Wie dringend notwendig es iſt, eine gut
infor=
mierte Zeitung zu leſen, wird durch einen
Vor=
fall bewieſen, der ſich im Dillkreis abgeſpielt hat.
Hatte der Landjäger von Sechshelden die
Zei=
tung rechtzeitig geleſen wäre die Verhaftung des
Schulle und des Mitverdächtigen Hoyer
möglich geweſen. Der Landjäger ſtellte auf der
Chauſſee zwei Individuen feſt, die ihm
verdäch=
tig erſchienen. Der eine hatte ein gelbes
Fahr=
rad neben ſich liegen beſaß keine
Ausweis=
papiere und erklärte Schuler zu heißen. Der
andere legte Papiere auf den Namen Hoyer vor.
Darauf ſchienen dem Landjäger die beiden,
trotz=
dem der eine einen Entlaſſungsſchein aus dem
Gefängnis bei ſich trug, vollkommen
unverdäch=
tig, ſo daß er ſie laufen ließ. Kurze Zeit ſpäter,
als er das Bild des Hoyer in einer Frankfurter
Zeitung ſah, merkte er, daß er ſich geirrt habe.
Er war immerhin ſo klug, ſofort ſeine vorgeſetzte
Behörde und durch dieſe das Frankfurter
Polizei=
präſidium zu benachrichtigen, das Polizei und
Landjägerei des Dillkreiſes aufgeboten hatte, um
nach den beiden Verdächtigen zu fahnden.
Beiſetzung des ermordeten Polizeibeamten.
Frankfurt a. M. Unter großer Anteilnahme
der Bevölkerung fand am Montag die Beiſetzung des
erſchoſſenen Polizeioberwachtmeiſters Kern ſtatt. Eine
große Anzahl von Polizeibeamten aus Frankfurt und
Umgegend, an ihrer Spitze der Fvankfurter
Polizei=
präſident Steinberg, gaben dem im Dienſte gefallenen
Oberwachtmeiſter das letzte Geleit. Für die preußiſche
Regierung legte Major Hanken=Wiesbaden einen
Kranz am Grabe nieder.
Schwere Folgen eines Dummenjungenſtreiches.
Kaſſel. Die einzige Schwurgerichtsſitzung am
Montag befaßte ſich mit der Anklage wegen
Mein=
eides gegen den 20 Jahre alten Handlungsgehilfen
Karl Schreiber aus Reichenſachſen, der unter
Zubil=
ligung mildernder Umſtände zu neun Monaten
Ge=
fängnis verurteilt wurde. Schreiber war
Handlungs=
gehilfe in einem Fabrikbetrieb in Eſchwege. In der
Mittagspauſe vertrieb er ſich mit zwei anderen
jungen Leuten die Zeit damit, daß ſie mit
Teſching=
büchſen ſchoſſen. Am 26. November v. J. wurde eine
gegenüber wohnende Frau Hermann durch einen
Schuß in die linke Hand getroffen. In dem
Ermitt=
lungsverfahren hatte der Angeklagte Schreiber unter
Eid bekundet, daß er nicht geſchoſſen habe, und daß
er nicht wiſſe, wer überhaupt einen Schuß abgegeben
habe. Tatſächlich hatte der 16 Jahre alte Lehrling
Degenhardt von Schreiber das Gewehr in die Hand
bekommen und den Schuß abgefeuert. Frau
Her=
mann brachte dies in Erfahrung und veranlaßte die
Weiterführung der bereits eingeſtellten Unterſuchung
mit dem Ergebnis, daß Schreiber vor das
Schwur=
gericht kam.
Tod bei einer Schulfeier.
Fulda. Bei der Abſchiedsfeier der diesjährigen
Abiturienten der hieſigen Oberrealſchule erlitt
Stu=
dienrat Ernſt Bagon nach ſeiner Anſprache einen
Schlaganfall, dem er bald darauf erlag. Der
Ver=
ſtorbene ſtammte aus Frankfurt und hat ſich
beſon=
ders um die Fuldger Heimatforſchung verdient
ge=
pnacht.
Der Frankfurker Archäologe
Profefſor Drerel kok aufgefunden.
Profeſſor Dr. Drexel
vom Frankfurter Archäologiſchen Inſtitut, der
ſeit dem 8. Februar ſpurlos verſchwunden war.
wurde jetzt bei Höchſt am Main aus dem Main
geborgen. Wahrſcheinlich liegt Selbſtmord vor.
Endlich Einigung zwiſchen Turnen und Spork.
Die die Einigung vollzogen:
Dominicus
Linnemann
Lang
(Deutſche Turnerſchaft)
(Fußball)
(Leichtathletik)
Faſt ein Jahrzehnt zogen ſich die Einigungsverhandlungen der Turner und Sportverbände
ergeb=
nislos hin. Nun endlich haben die Vertreter der Deutſchen Turnerſchaft, der Deutſchen
Sport=
behörde für Leibesübungen und des Deutſchen Fußballbundes ſich darauf geeinigt, die drei großen
Körperkulturverbände zu einer großen deutſchen Sportorganiſation zuſammenzuſchließen.
Zuſion Reinhardk-Bühnen—
Generaldirektor Tietjen,
der Leiter der preußiſchen Staatstheater.
Max Reinhardt,
der berühmte Regiſſeur und Leiter des nach ihm
benannten Berlin=Wiener Theaterkonzerns.
Zwiſchen Generalintendant Tietjen und Max Reinhardt ſind ſeit Wochen Verhandlungen im Gange,
die auf eine Zuſammenarbeit zwiſchen den Staatstheatern und den Reinhardt=Bühnen abzielen
ſollen. Es iſt ſowohl eine Abonnements=Gemeinſchaft wie vor allem eine künſtleriſche
Arbeits=
gemeinſchaft geplant, die Reinhardt Gaſtinſzenierungen in den Staatstheatern ermöglicht.
Großfeuer in Savoyen. — 20 Millionen Schaden beim Brand der
Lebensmitkel=
fahrik in Sk. Michel de Maurienne. — Feuer auf einem Flußdampfer.
20 Perſonen umgekommen.
Paris. Ein Großfeuer, das einen Sachſchaden
von 12 bis 15 Millionen Franken anrichtete, brach in
den frühen Morgenſtunden des Montags in einer
Lebensmittelfabrik in Saint Michel de Maurienne
aus. Begünſtigt durch den Wind ſtand bald die
geſamte Häuſerreihe in hellen Flammen, und es
konnte nichts gerettet werden. Militärtruppen und
ſämtliche Feuerwehren der Umgebung eilten zu Hilfe,
und ſahen ſich gezwungen, das Waſſer eines in der
Nähe fließenden Kanals umzuleiten, um das geſamte
Gebiet unter Waſſer zu ſetzen. Der Schaden iſt noch
nicht genau feſtgeſtellt worden, wird aber, wie
be=
reits vermerkt, auf etwa 15 Millionen Franken
ge=
ſchätzt.
Paris. Die große Feuersbrunſt in einer
Nah=
rungsmittelfabrik von St. Michel de Maurienne
ver=
urſachte einen Sachſchaden von 15 bis 20 Millionem
Franken. Das ganze, 12 000 Quadratmeter
umfaſ=
ſende Gebäude war zwei Stunden nach Ausbruch des
Brandes nur noch eine einzige Feuermaſſe, die alles
verzehrte und von den 200 Maſchinen und den
200 000 Kilogramm Fertigwaren nur noch einige
kümmerliche Reſte übrig ließ. Am Montag morgen
8 Uhr war jede weitere Gefahr beſeitigt. Die
Land=
ſtraße, an der die Fabrik liegt, war weithin geſperrt.
New York. Etwa 50 Perſonen ſind bei dem
Brand eines Flußdampfers in dem Hafen von La
Dorado in Columbien ums Leben gekommen. Die
34 Paſſagiere und 20 Mann der Beſatzung wurden
in der Nacht vom Feuer überraſcht, das mit einer
ſolchen Geſchwindigkeit um ſich griff, daß
wahrſchein=
lich niemand den Flammen entkommen konnte. Der
Dampfer ſank innerhalb kurzer Zeit.
Wie ergänzend berichtet wird, ſind in der
furcht=
baren Schiffskataſtrophe am Karibiſchen Meer über
20 Mann von der Beſatzung und den Paſſagieren
Opfer der Flammen geworden. Der Dampfer, der
Petroleumtonnen aus den Oelfeldern von Maracaibo
geladen hatte, war die Nacht den Magdalenenſtrom
hinaufgefahren. Das Feuer breitete ſich mit ſolcher
Schnelligkeit und Gewalt aus, daß es unmöglich
wurde, rechtzeitig Rettungsmaßnahmen zu ergreifen.
Dreißig Gehöfte niedergebrannt.
Bukareſt. In einer Vorſtadt von Tulcea iſt
am Montag morgen ein Rieſenbrand ausgebrochen,
der 30 Gehöfte ſamt den dazu gehörigen
Wirtſchafts=
gebäuden gänzlich einäſcherte. 300 Perſonen ſind
obdachlos geworden.
Schwere Gasexploſion in Budapeſt.
Budapeſt. In einer Wohnung in der
Prater=
gaſſe ereignete ſich am Montag eine ſchweve
Gas=
exploſion. Dort waren vier Arbeiter der Städtiſchen
Gaswerke damit beſchäftigt, die Gasleitung zu
ver=
legen. Aus bisher noch ungeklärter Urſache erfolgte
plötzlich eine Exploſion, die ſo heftig war, daß die
Decke einſtürzte und die vier Arbeiter unter ſich
be=
grub. Erſt nach langen Bewühungen gelang es der
Feuerwehr, drei der Verunglückten zu bergen. Sie
mußte zu dieſem Zweck in die Seitenwand des
Ge=
bäudes eine Breſche ſchlagen. Während zwei der
Geborgenen mit dem Tode ringen, hatte der dritte
nur leichte Verletzungen erlitten. Der vierte
Ver=
ſchüttete konnte noch nicht befreit werden; man
be=
fürchtet, daß er den Tod gefunden hat. Während die
Feuerwehr noch mit den Aufräumungsarbeiten
be=
ſchäftigt war, erfolgte in dem Unglückshauſe eine
zuveite Exploſion. Das ganze dreiſtöckige Gebäude iſt
daraufhin ſofort geräumt und die Umgebung
abge=
ſperrt worden.
Der Bergrutſch bei Miellen.
Bad Ems. Die Bergrutſchſtelle an den
Oſt=
hängen des Geherskopfes, gegenüber dem Dorfe
Miellen wird noch ſtändig überwacht. Die
Rutſch=
ſtelle iſt etwa 60 bis 80 Meter breit und dadurch
ent=
ſtanden, daß die niedrigen Laubwald tragende
Erd=
ſchicht über dem anſtehenden ſteilen Schiefergang
her=
unterrutſchte. Der Rutſch iſt alſo kein Felsrutſch,
ſondern ein Erdrutſch. Die Hauptgefahr ſcheint
vor=
über zu ſein. Sobald die Froſtzeit nicht mehr droht,
wird eine Stützmauer gebaut, bzw. die teibweiſe ſchon
vorhandene erhöht.
Vom Spiel in den Tod.
Saal (Kr. Franzburg). Mehrere Knaben ließen
ſich an den Flügeln der lungſam gehenden
Wind=
mühle des Dorfes ein Stück hochziehen und ſprangen
dann ab. Der neunjährige Sohn des Ziegelei=
Nummer 78
Die Stromfalle von
Kornenburg=
vor Gerichk.
Wien. Ein eigenartiger Kriminalfall, kam am
Montag vor dem Schwurgericht von Korneuburg zur
Verhandlung. Im Sommer vorigen Jahres wurden
an einem Montag morgen auf der Landſtraße bei
Korneuburg drei Männer mit furchtbaren
Brand=
wunden und teilweiſe verkohlt als Leichen
aufgefun=
den. Ein Unbekannter hatte am Abend vorher durch
die Verbindung eines Drahtes, den er quer über die
Straße ſpannte, mit der vorüberführenden
Stark=
ſtromleitung eine Stromfalle errichtet, die den
ahnungsloſen Opfern bei Berührung des Drahtes
einen Strom von 20000 Volt durch den Körper
jagten und ſie im Augenblick töteten. Da den Toten
keinerlei Wertgegenſtände fehlten, war es klar, daß
es ſich nicht um einen Raubmord handelte. Das
erſte Opfer war der 40jährige Bauernſohn Mathias
Neumayer aus Rückersdorf, der ſich am
vorhergehen=
den Abend auf ſeinem Rad von dem Beſuch ſeiner
Braut auf dem Heimwege nach Rückersdorf befand.
Zwei Stunden ſpäter ſtießen wieder zwei Radfahrer
gegen das mörderiſche Hindernis und ſanken entſeelt
von ihren Rädern. Als das furchtbare Verbrechen
bekannt wurde, bemächtigte ſich der ganzen Gegend
eine ungeheure Aufregung. Einige Tage ſpäter wurde
der jüngere Bruder des ermordeten Mathias
Neu=
wayer, Franz Neuwaher, der ſich durch ſein
Ver=
halten verdächtig gemacht hatte, verhaftet. Er geſtand
ſchließlich nach anfänglichem Leugnen, daß er ſeinen
Bruder habe aus dem Wege räumen wollen, um bei
ſeiner bevorſtehenden Verheiratung ein größeres
Hei=
ratsgut zu bekommen und ſchließlich ſeine Eltern
allein zu beerben. In der Unterſuchungshaft ſchwächte
Fvanz Neumayer ſein Geſtändnis zunächſt ab, indem
er angab, daß er ſeinen Bruder nicht habe töten,
ſondern ihm nur einen Denkzettel habe geben wollen.
Schließlich aber leugnete er, offenbar auf Anraten
ſeiner Mithäftlinge, die Tat begangen zu haben. Zu
der nunmehrigen Gerichtsverhandlung ſind mehr als
100 Zeugen geladen. Einige ſollen den von dem
Angeklagten verſuchten Alibibeweis erſchüttern,
an=
deren gegenüber ſoll Franz Neumayer ſelbſt die
Mordtat eingeſtanden haben.
Eine landwirtſchaftliche Zwangsverſteigerung
auf Rügen geſprengt.
Purtbus. In einer Inventarverſteigerung
in Grabitz bei Rambin auf Rügen erſchienen etwa
500 Bauern. Als die Verſteigerung beginnen follte,
bot niemand. Um den Auktionaror bei ſeinen
Auf=
forderungen zu überbieten, wurde von der Menge
das Deutſchlandlied geſungen. Als dann der
Ver=
treter des Stralſunder Landwirtſchaftlichen Ein= u.
Verbaufsvereins, für den die Verſteigerung
ſtattfin=
den ſollte, ein Gebot machte, wurde er verprügelt
und entbam wur dank der Hilfe eines
Landbund=
führers. Die Bauern begaben ſich dann ruhig wieder
nach Hauſe. Kenner der hieſigen Gegend und
Bevöl=
kerung ſehen die Lage als äußerſt ernſt an, da noch
ſehr viele landwirtſchaftliche Zwangsverſteigerungen
bevorſtehen. Unter dieſen Umſtänden rechnet man
mit der Möglichkeit ernſter Unruhen.
45 Arbeiter mit einem Laſtwagen verunglückt.
Paris. Auf einer Chauſſee in der Nähe von
Lille ſtürzte ein mit 45 Arbeitern beſetzter
Laſt=
wagen um, der die Arbeiter zur Arbeitsſtätte bringen
ſollte. Zehn Arbeiter gerieten ſo unglücklich unter
den ſchweren Wagen, daß ſie lebensgefährliche
Quet=
ſchungen davontrugen. Der Unfall iſt auf ein
gleich=
zeitiges Verſagen der Steuer= und Bremsvorrichtung
zurüickzuführen.
Mißglückte Probefahrt Kay Dons.
Dayton Beach (Florida). Die Probefahrt
des engliſchen Rennfahrers Kay Don am Montag
mit ſeinem Rieſenrennwagen „Silver Bullet”, war
von Pech verfolgt. Schon nach kurzer Zeit trat eine
Motorſtörung auf, die ihn zwang, die Verſuche für
dieſen Tag aufzugeben. Neue Probefahrten ſollen
wahrſcheinlich heute ſtattfinden.
Zum 60. Geburkstag des Verkeidigers
von Deutſch=Ofkafrika.
arbeiters Schuldt wurde hierbei von den
Windmüh=
lenflügeln mit hochgeriſſen und ſtürzte von oben auf
das Dach der Mühle. Trotz ſofortiger Hilfe erlag
er bereits nach einer Stunde ſeinen ſchweren
Ver=
letzungen.
Dem Spielteufel verfallen.
Wien. Montag nachmittag hat ſich hier der
Mitinhaber der bekannten Textilfirma Herwann
Pollak, Friedrich Pollak, durch einen Revolverſchuß
getötet. Der Aufſehen erregende Selbſtmord des
56jährigen Induſtriellen wird mit rieſigen
Spielver=
luſten in Zuſammenhang gebracht, die er in einem
franzöſiſchen Badeort und in einem Wiener
Spiel=
klub erlitten hat und deren Höhe mit 500 000
Schil=
ling, von anderer Seite ſogar mit 3 Millionen,
Schilling angegeben wird. Die Firma, aus der
Fried=
rich Pollak übrigens kürzlich ausgetreten war, wird
durch dieſe Verluſte nicht berührt.
General Paul von Lettow=Vorbeck
feiert am 20. März ſeinen 60. Geburtstag. Als
Kommandeur der Schutztruppe von Deutſch=
Oſt=
afrika hielt er im Weltkrieg mit ſeiner kleinen,
von der Heimat abgeſchnittenen Truppe die
deutſche Kolonie vier Jahre lang bis nach dem
Waffenſtillſtand im November 1918. Nach ſeiner
Rückkehr wurde Lettow=Vorbeck
Diviſionskom=
mandeur in der Reichswehr, unterdrückte 1919
den Hamburger Kommuniſtenaufſtand und nahm
dann 1920 den Abſchied.
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Aus den Amtsverkündigungen des Kreisamts
Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 3 Portemonnaies mit
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halt, 2 Prima=Wechſel, 1 Herrenfahrrad,
1 wollene Decke mit Franſen, 1 Doublé=
Nadel, 1 Broſche, 1 Kyffhäuſerorden am
ſchwarz=weißen Band, 1 ſilberne Halskette
1 Donblé=Armband, 1 Autoplan, 1 Schal
1 Werkzeugtaſche mit Werkzeug, 1 Brille
mit vergoldetem Geſtell, 1 Nappa=
Herren=
handſchuh, 2 einzelne Kinderhandſchuhe. —
Zugelaufen: 1 Rotlweiler, 1 Katze, 1 Ente
Wir machen wiederholt darauf
auf=
merkſam, daß auch noch Fundgegenſtände
vorhanden ſind, die in früheren
Bekannt=
machungen verzeichnet ſind. Intereſſenten
können die Fundgegenſtände während der
Büroſtunden auf Zimmer 1 beſichtigen.
Bekanntmachung
betr. Verſteigerung von
ſprung=
fähigen Herdbuchbullen und Ebern.
Am Dienstag, den 15. April 1930,
vormittags 10 Uhr, findet auf dem
Pferdemarktplatz in Darmſtadt (
Holz=
hofallee) eine Verſteigerung von erſt
klaſſigen, ſprungfähigen Herdbuchbullen
(Fleckvieh), ſowie von Zuchtebern des
deutſchen Edelſchwein= und des
ver=
edelten Landſchwein=Schlages mit
Ab=
ſtammungsnachweiſen ſtatt.
Den Gemeinden und ſonſtigen Käufern
iſt hier Gelegenheit geboten, erſtklaſſiges
Zuchtmaterial zu erwerben. Alle
Inter=
eſſenten werden, zu dieſer Veranſtaltung
(4590
hiermit eingeladen.
Darmſtadt, den 17. März 1930.
Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß
für Starkenburg.
Zusd Berpacrang.
Die Gemeindejagd unſerer Gemeinde
iſt leihfällig und ſoll in zwei Bezirken
auf 6 oder 9 Jahre, beginnend mit dem
1. Februar 1930, verpachtet werden. Die
beiden Bezirke (umfaſſend Feld, Wald
und Wieſen) ſind:
Bezirk I: ca. 2800 Morgen groß,
nörd=
licher Teil;
Bezirk II: ca. 2400 Morgen groß,
ſüd=
licher Teil.
Weiterſtadt. 1 Stunde von Darmſtadt
entfernt, iſt Station der Eiſenbahnlinie
Darmſtadt—Mainz. Beide Jagdbezirke
grenzen an den Bahnhof Weiterſtadt.
Maßgebend für die Verpachtung ſind
die Bedingungen des amtlichen
Jagd=
verpachtungsprotokolls. Dieſe
Bedin=
gungen können bei uns eingeſehen
wer=
den. — Jagdliebhaber werden erſucht
ihre Pachtangebote für eine ſechs= und
neunjährige Pachtbeſtandszeit bis
ſpä=
teſtens 31. März 1930, abends 6 Uhr,
(4542
bei uns einzureichen.
Weiterſtadt, den 17. März 1930.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
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Seite 12
Mittwoch, den 19. März 1930
Nummer 78
Sport, Spiel und Turnen.
Heule abend 8 Uhr: Hallen=Handballkurnier
i der geiſile.
Das vom Sportverein Darmſtadt 1898 in der Feſthalle auf dem
Exerzierplatz veranſtaltete Hallen=Handballturnier dürfte zweifellos
gro=
ßes Jntereſſe erwecken. Zum erſten Male kommt eine derartige
Hallen=
veranſtaltung in Darmſtadt zum Austrag, nachdem andere Zentren des
Handballſportes ſchon ſeit längerer Zeit die Pflege des Hallenſportes
in ihr Sportprogramm aufgenommen haben. Nach den bei dem
Trai=
ningsbetrieb gemachten Erfahrungen ſteht feſt, daß die Darmſtädter
Feſt=
halle zur Durchführung von Hallenhandballſpielen ſehr gut geeignet iſt;
die Darmſtädter Halle hat ſogar gegenüber anderen Sporthallen den
un=
bedingten Vorteil, ein größeres Ausmaß des Spielfeldes zu ermöglichen.
Dem Nachteil der Darmſtädter Feſthalle, keine feſt eingebauten
Zuſchauer=
ränge zu beſitzen, iſt dadurch begegnet, daß in einem Abſtand von zirka
3 Metern von dem Spielfeld eine doppelte Stuhlreihe aufgeſtellt iſt.
Dahinter befinden ſich die Stehplätze. Es ſei ausdrücklich erwähnt, daß
von jedem Platz das geſamte Spielfeld gut überblickt werden kann.
Wir ſkizzieren nochmals den Verlauf der heutigen Veranſtaltung:
Im erſten Spiel trifft Fußballſportverein Frankfurt auf. Not=Weiß
Darmſtadt, in der zweiten Begegnung die 98er auf Eintracht Frankfurt.
Nach einem kurzen Treffen zweier Jugendmannſchaften des
Veranſtal=
ters beginnen die Schlußkämpfe, die zuerſt die beiden Unterlegenen der
Vorkämpfe, hierauf die Sieger der Vorkämpfe im Kampfe
gegeneinan=
der ſieht.
Da die Veranſtaltung die Zeit von 2½ Stunden in Anſpruch nimmt
wird ſie auf jeden Fall pünktlich um 8 Uhr beginnen. Es empfiehlt ſick
daher für die Zuſchauer, ſpäteſtens um 3,8 Uhr auweſend zu ſein, um
eine glatte Kaſſenabwicklung zu ermöglichen.
Handball im 9denwaldgau der Deutſchen Turnerſchaft
Der 16. März brachte folgende Ergebniſſe: Nieder=Klingen 1. —
Klein=Umſtadt 1. 3:5: Nieder=Klingen Jad. — König Jgd. 2:9;
Sicken=
hofen 1. — Hergershauſen 1. 1:1; Altheim 1. — Reinheim 1. 7:0. Wegen
des Volkstrauertags fanden nur wenige Kämpfe ſtatt.
Klein=Umſtadt liefert ein ſchönes Spiel. Der Tormann Nieder=
Klingens iſt an der Niederlage ſeiner Mannſchaft viel ſchuld. König Jad.
iſt jederzeit überlegen. Obgleich ſich der Gegner alle Mühe gibt, muß
er ſich der beſſeren Technik und größeren Spielerfahrung beugen.
Sicken=
hofen ſchießt das 1. Tor. In der zweiten Halbzeit iſt Hergershauſen
leicht überlegen. Altheim ſiegt in dieſer Höhe verdient.
Am kommenden Sonntag ſpielen: Erbach 2. — Groß=
Bie=
berau 1. um 3 Uhr: Nichen 1. — Taſ. Darmſtadt 3, um 3 Uhr; König 2.
— Zell 1. um 1.30 Uhr; Klein=Umſtadt 1.— Wenig=Umſtadt 1. um 3 Uhr;
Klein=Umſtadt 2. — Wenig=Umſtadt 2. um 4 Uhr; Nieder=Klingen 1.—
Momart 1. um 2.15 Uhr: Nieder=Klingen Jgd. — Momart 2. um 3.15
Uhr; Hergershauſen 1. — Hahn 1. um 3.30 Uhr; Hergershauſen 2. —
Hahn 2. um 2.30 Uhr: Groß=Umſtadt 1. — Oberroden 1. um 3 Uhr;
Groß=Umſtadt 2. — Oberroden 2. um 2 Uhr; Hainſtadt 2. — Reinheim 2.
um 2 Uhr: Michelſtadt 1. — Höchſt 1. um 2.30 Uhr; Langſtadt 1.
Mümling=Grumbach 1. um 3 Uhr: Groß=Zimmern 1. — Worfelden 1.
um 3 Uhr; Groß=Zimmern 2. — Worfelden 2. um 2 Uhr.
Tv. Bensheim — Tv. Frieſenheim (D. T.=Meiſter).
Dem Turnverein Bensheim iſt es gelungen, für ſeinen
Hand=
ballwerbetag am nächſten Sonntag den Deutſchen
Handball=
meiſter der 2.T., den Tv. Frieſenheim. zu gewinnen. Die beſte Art
der Werbung wird durch dieſen Spielabſchluß in Bensheim gezeigt
werden. Wer die Leiſtungen der Bergſträßer kennt, die ſie gegen ſtärkſte
Vereine der Kreisklaſſe aufwieſen, wird ſicher ſein, daß dieſes Treffen
des Anreizes nicht entbehren wird. Frieſenheim wird ſein volles Können
entfalten müſſen, wenn es in Bensheim ſeinem Namen Chre machen will.
Der Deutſche Handballmeiſter ſoll in dieſem Werbeſpiel zeigen, was er
kann, und darum wird ſich ein Beſuch des Spieles lohnen.
Main-Rheingau, Zeukſche Turnerſchaft.
Dem Gauprogramm zufolge iſt der 23. März, an welchem die
28. Zufammenkunft der Mittelrheiniſchen
Vor=
turner=Vereinigung in Darmſtadt ſtattfindet, von
jeg=
lichen turneriſchen Veranſtaltungen frei gehalten worden, um ſo den
Gauvereinen Gelegenheit zu bieten, dieſe Groß=Turnſchau, über die
be=
reits ſchon an dieſer Stelle berichtet wurde, zu beſuchen. Wenn es
unſerem Gau=Oberturnwart W. Hofferbert gelungen iſt, die für
Kreuz=
nach vorgeſehene Zuſammenkunft nach Darmſtadt zu bekommen, ſo
ſoll=
ten die Gauvereine nicht verſäumen, der praktiſchen Lehrarbeit ſowie
dem Bühnen=Schauturnen, die für die Vereinsarbeit neue Anregungen
bringen dürften, beizuwohnen. Die Lehrarbeit bringt vormittags 8.45
Uhr, des Schauturnen um 3 Uhr nachmittags in der Turnhalle der
Turngemeinde 1846 Darmſtadt, Woogsplatz, ſtatt. — Mit einer ſehr
geſchickt aufgeſtellten Turnfolge, bei der Turner, Turnerinnen und
Altersturner mitwirken, wartet der Turnverein Arheilgen am
Samstag, den 22. März, abends, in einem Bühnen=Schauturnen auf,
deſſen Beſuch gleichfalls empfohlen werden kann.
Zu den Akadem. Weltmeiſterſchaften in
Darm=
ſtadt hat jetzt auch Aegypten ſeine Meldung abgegeben.
Seinen 10. k. v. Sieg konnte Carnera gegen den Halbindianer
Wig=
gens erzielen, den er in St. Louis bereits in der 2. Runde für die Zeit
auf den Beden ſchickte.
* Fußbalt in Kreis Hüdheſſen.
Die Abſtiegsfrage noch nicht entſchieden.
Zur ſüdheſſiſchen Kreisliga gehören Ueberraſchungen, genau
ſo, wie Salz in die Suppe. Regelmäßig ſtellen ſich die mehr oder
minder erwarteten Senſationen ein, nicht ſelten der Tabelle ein
ganz neues Bild gebend. Zurzeit ſoll die Abſtiegsfrage entſchieden
werden. Nach dieſem Spielſonntag hielt man die Lage für endlich
geklärt. Erneut hat ſie ſich recht verzwickt geſtaltet — erſt die
letz=
ten Spiele werden Klarheit ſchaffen. Bei den Erſten der Tabelle
wird ſich wohl nicht mehr allzu viel verſchieben; diesmal gab es
allerdings noch einmal Stellungswechſel, bedingt durch folgende
Reſultate:
Olympig Lorſch — Spv Herrnsheim .
Norm Pfiffligheim — Spp. Hochheim.
43
8. Hofheim — Starkb. Heppenheim . .
F.V. Biblis — Sportv. Horchheim.
14
Ein am Samstag nachmittag ausgetragenes Freundſchaftsſpiel
zwiſchen Olympia Worms und dem A=Meiſter Viktoria Neuhauſen
wurde wegen ſtarken Regens nach viertelſtündiger Dauer die
zwei=
ten Halbzeit beim Stande 0:0 abgebrochen. Neuhauſen hielt ſich
alſo ſehr gut. In Lorſch kämpften, die vom Abſtieg bedrohten
Herrnsheimer ſehr tapfer und hätten faſt einen Punkt mit nach
Hauſe nehmen können. Dadurch wären ſie gewiß für die nächſte
Saiſon geſichert geweſen. Natürlich hatten die ſpieleriſch
bedeu=
tend beſſeren Lorſcher den Sieg unbedingt verdient. Ueberraſchend
gut ſchlug ſich der zweite Abſtiegskandidat Normannia
Pfifflig=
heim. Der Gegner aus Hochheim war allerdings nicht allzu ſehr
auf einen Sieg erpicht, dadurch hatten es die Normannen
verhält=
nismäßig nicht allzu ſchwer. Das Spiel war hart, aber jederzeit
fair — hätten die Pfiffligheimer alle Verbandsſpiele mit ſolchem
Eifer durchgeführt, wären ſie wohl nicht an den Rand des „
Ab=
grundes” gekommen. In Hofheim zeigten ſich die Bergſträßer
er=
neut in beſtem Lichte. Ein harter Exiſtenzkampf ging vom Stapel
— die Gäſte aus Heppenheim ließen ſich nicht aus dem Konzept
bringen und erzielten ſo unerwartet ein Remis. Hofheim hat ſich
mit dieſem Unentſchieden ſehr viel verſcherzt — evtl. wird dieſer
Punktverluſt für den Abſtieg ausſchlaggebend ſein. Die Bibliſer
haben ſich im letzten diesjährigen Verbandsſpiele doch noch einmal
zuſammengerafft und kamen ſo zu einem verdienten Sieg. — Die
Tabelle:
Sportv. Herrnsheim
Norm Pfiffligheim . . F.V. Hofheim.
... .. 21 13 12 p.V. 1919 Groß=Zimmern 1.— — Liga=Reſ. Sp. V. . 98 Darmſtadt
Zu einem Freundſchaftsſpiel hatte ſich am Sonntag Groß=Zimmern
die Liga=Reſerve des Sportvereins 1898 Darmſtadt verpflichtet, und man
hatte damit keinen ſchlechten Griff getan. Die Mannſchaft war ihrem
Gegner im Feldſpiel etwas überlegen, Groß=Zimmern glich dies jedoch
durch größeren Eifer und mehr Entſchlußfähigkeit vor dem Tore wieder
aus. So kam es auch, daß Groß=Zimmern bald mit 2:0 in Führung
lag. Durch ein weiteres Tor nach der Pauſe und einen Elfmeter, der
glatt verwandelt wurde, endete das Spiel 4:0. Das Ergebnis wäre noch
höher ausgefallen, wenn nicht der glänzend disvonierende Torwart der
Sportvereinself die ſicherſten Sachen gemeiſtert hätte Groß=Zimmern
konnte im allgemeinen gut gefallen, nur müßte Erſatz für den
Nechts=
außen geſchaffen werden. — Die 2. Mannſchaft konnte gegen die gleiche
von Ober=Ramſtadt mit 3:2 Toren gewinnen.
Wiederum wartete Helen Madiſon in Miami Beach mit einem neuen
Weltrekord auf, und zwar in 1:06,8 Minuten für 100 Yards Freiſtil.
Abgeſagt wurde für dieſes Jahr das auf den 20. Juli angeſetzte
Taubenſuhlrennen für Automobile und Motorräder.
Eine außerordentliche Leiſtung vollbrachte der Argentinier
Can=
diotti, der die Stromſtrecke Goya=Santa Fé des Rio Paranz — eine
Ent=
fernung von 380 Km. — durchſchwamm, wozu er 65 Stunden 54 Min.
benötigte.
Welebeichl.
Ueber dem nordweſtlichen Deutſchland und dem Nordſeeküſtengebiet
bewegte ſich heute morgen der Kern der Störung, welche bei uns
aber=
mals verbreitete Niederſchläge und wieder Temperaturzunahme brachte.
Raſch wird der Erwärmung Abkühlung folgen, die durch die zufließende
Kaltluft an der Rückſeite der Störung hervorgerufen wird. Dabei bleibt
das Wetter unbeſtändig, Bewölkung wechſelt, mit Aufheiterung und
Schauer treten vorläufig auf, welche bei der Abkühlung teils als Schnee
niedergehen dürften.
Ausſichten für Mittwoch, den 19. März: Wechſelhaftes Wetter mit
Tem=
veraturrückgang und Schauern, teils als Schnee.
Ausſichten für Donnerstag, den 20. März: Etwas ruhigeres, wolkiges
Wetter mit Aufheiterung, aber kühl.
Geſchäfkliches.
Verbreiterung des Automobilabſatzes. Dieſer Geſichtspunkt iſt
heute für alle bedeutenden Kraftfahrzeugfirmen entſcheidend. Denn je
weitere Kreiſe der Motoriſierung zugeführt werden können, um ſo
größer iſt die Abſatz=, und damit die Produktionsmöglichkeit. Mit
ihrem Wachſen aber iſt Verbeſſerung des Fabrikats und Senkung der
Preiſe verbunden. Die Fiatwerke zu Turin haben, dieſem
Genchts=
zunkt Rechnung tragend, ein neues, ungemein preiswertes Modell
„Fiat 514” auf den Markt gebracht, das bei vorzüglicher Qualität
den=
noch dank ſeines niedrigen Preiſes die Erſchließung neuer, großer
Ab=
nehmerkreiſe geſtattet. Das neue Modell „Fiat 514” zeigt ingenieuſe
Konſtruktion und edle Linien. Es iſt ein 6/30 PS=Wagen, 1,5 Liter
Zylinderinhalt, bequem und ſchnell. Der Wagen iſt ernſter Beachtung
aller Intereſſentenkreiſe wert.
Verminderung der Ausgaben für Gummibereifung.
Der Kraftfahrer weiß trotz aller Veröffentlichungen und Hinweiſe
der Gummi=Fabriken immer noch recht wenig von ſeinen Reifen. Viele
Fahrer wollen vielleicht nicht einmal etzwas davon wiſſen. Eines aber
tun ſie alle: ſie ſchimpfen, wenn die Bereifung vorzeitig zugrunde
ge=
gangen iſt und machen dem Herſteller Vorwürfe, die ſie in den
aller=
meiſten Fällen beſſer an ihre eigene Adreſſe richten würden, denn es
ſind faſt immer die Folgen falſcher Behandlung, die zum vorzeitigen
Ende der Reifen führten.
Wer ſeinen Wagen, der im ja komplett bereift von der Automobil=
Fabrik geliefert wurde, mit dem höchſtzuläſſigen Gewicht belaſtet,
be=
laſtet ſeine Reifen ſtändig an der Greuze ihrer Tragfähigkeit, und die
Folge iſt ein ſchneller Verſchleiß. Der gleiche Wagen mit gleichen
Rei=
fen ſtets nur mit zwei Perſonen beſetzt und mit wenig Gepäck belaſtet,
wird längſt nicht eine ſo ſchnelle Abnutzung der Reifen zeigen. Dieſes
Beiſpiel deutet ſchon darauf hin, wie Abhilfe geſchaffen werden kann:
Uebergrößen montieren.
Uebergrößen paſſen auf die gleichen Felgen bziv. Räder. Sie haben
eine höhere Tragfähigkeit, weiſen alſo gegenüber den bisherigen Reifen
ein erhebliches Plus an Widerſtandsfähigkeit auf und müſſen darum
eine weitaus längere Lebensdauer haben. Die geringen Mehrkoſten
ſind dadurch reichlich aufgehoben.
Es iſt der Deutſchen Dunlop Gummi Company zu danken, daß
ſie jetzt beſonders darauf hinweiſt und in einem ſehr inſtruktiven
Bei=
ſpiel an einem 8 PS=Wagen mit Reifen 5.25—30 als Normalbereifung
den Nachweis führt, daß bei ſtändiger Höchſtbelaſtung die Uebergröße
5.50—2, alſo mit 9 Prozent höherer Tragfähigkeit, eine Mehrleiſtung
von 20 Prozent ergibt. Dieſer Nachweis der größeren Wirtſchaftlichkeit
von Uebergrößen ließe ſich natürlich mit jeder einzelnen Wagen=
Berei=
fung führen, aber das iſt eine Aufgabe, die der betreffende Kraftfahrer
für ſeinen Spezialfall ſelbſt löſen muß. Als Anhalt dazu dient ihm
der von der Deutſchen Dunlop Gummi Compagnie in Hanau a. M.
herausgegebene, koſtenlos zur Verfügung ſtehende. Dunlop=Reifen=
Almanach”
Rundfunk-Programme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch. 19. März. 11.15: Schulfunk. o 13.30:
Schall=
platten. O 15.15: Jugendſtunde, O 16: Volksbildungsheim
Frank=
furt a. M.: Konzert. Liſzt: Orpheus, ſinfon. Dichtung. — Bizet:
Kinderſpiele. — Rich. Strauß: „Aus Italien‟. 0 16.25:
Regie=
rungs= und Medizinalrat Dr. Hiltmann: Wanderfahrt und
Ge=
ſundheit. o 18.05: Wie geht es dem Bauarbeiter? o 18.35:
Stuttgart: Dr. Hagemann: Jeruſalem und Damaskus. o 1905:
Stuttgart: W. Draſcher: Bilder aus dem ſüdamerikaniſchen
Be=
freiungskampf 19.30: Beneſchs Rechenſchaftsbericht und das
tſchechoſlowakiſche Parlament (Actualis). O 20.10: Stuttgart:
Marſch=
muſik. O 21: Stuttgart: Heinrich Lerſch lieſt aus eigenen Schriften.
0 21.25: Lieder=Abend Anna Maria Lenzberg. Werke von Hans
Pfitzner.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Mittwoch, 19. März. 9.30: Edm. Hoehne:
Frachtdampferfahrten nach den Shetlandinſeln und nach Marokto.
O 10: Dr. Hajek: Die deutſchen Mundarten. O 10.35: Mitteilungen
des Reichsſtädtebundes. O 12: Schallplatten=Konzert. O 14,45:
Kinderſtunde. o 15.45: Hilde Caeſar=Weigel: Welchen
ländlichshaus=
wirtſchaftlichen Beruf ſoll meine Tochter ergreifen. 2 16: Pröf. Dr.
Morgenſtern: Bilder aus der Arbeit einer pädagogiſchen Akademie.
0 16.30: Hamburg: Konzert. 0 17.30: Dr. Steinbömer: Das
Weſen des Porträts. o 17.55: Oberbürgermeiſter a. D. Prot. Dr.
Moſt: Das Sparprogramm der Kommunen und die deutſche
Volls=
wirtſchaft. 2 18.20: Alwin Steinitz: Rhythmus der Arbeſt —
Tempo der Zeit. O 18.40: Spaniſch für Anfänger. 0 1905: Gutes
Deutſch für Jedermann. o 19.30: E. Händler: Der Beamte als
Zeitungsleſer. O 20: Wovon man ſpricht. O 20.30: Breslau: „So
oder nicht ſo?” Kabarettfolge von A. Arheus. O Anſchl.: Zeit.
Wetter. 0 22.30: Karten=Spiele. 0 Anſchl.: Tanzmuſit.
BM
beranworma mr zolit und Wrſchaft: Rudolf Maupes ür Feutſſeion. Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe: für Sport: Karl Böhmannz
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdlenſt: Andceas Bauer; fürl
„Die Gegenwart” Tagesſpſegel in Bild und Wort. Dr. Herbert Neite:
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ar135
Nummer 73
Mittwoch, den 19. März
Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. März hat ſich die ge=
Famte Kapitalanlage der Bank in der zweiten Märzwoche in Wechſeln
und Schecks, Lombards und Effekten um 321,0 Mill. auf 1801,0 Mill.
werringert. Im einzelnen haben die Beſtände an Handelswechſeln und
Schecks um 278,7 Mill. auf 1639,4 Mill. RM. und die Lombardbeſtände
rim 27,2 Mill. auf 68,3 Mill. RM. abgenommen. Beſtände an Reichs=
Fchatzwechſeln, die am Ende der Vorwoche 15,0 Mill. RM. betragen
Gatten, ſind nicht mehr vorhanden.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 215,1
SMill. RM. in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen, und zwar hat ſich
Der Umlauf an Reichsbanknoten um 214,2 Mill. auf 4266,0 Mill. RM.,
Derjenige an Rentenbankſcheinen um 0,9 Mill. auf 337,2 Mill. RM. ver=
—ingert. Dementſprechend haben ſich die Beſtände der Reichsbank an
Mentenbankſcheinen auf 46,4 Mill. RM. erhöht. Die fremden Gelder
Beigen mit 458,5 Mill. RM. eine Abnahme um 71,8 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich um
S8,4 Mill. auf 2892,4 Mill. RM. erhöht. Im einzelnen haben die
„Goldbeſtände um 18,3 Mill. auf 2480,5 Mill. RM., die Beſtände an
Ddeckungsfähigen Deviſen um 10,1 Mill. auf 411,9 Mill. RM.
zuge=
nomment.
Die Deckung der Noten durch Gold allein beſſerte ſich von 55,0
Pro=
zent in der Vorwoche auf 58,1 Prozent, diejenige durch Gold und
deckungsfähige Deviſen von 63,9 Prozent auf 67,8 Prozent.
Frankfurter Bankverein A.=G., Frankfurt a. M. Der
Generalver=
ſammlung wurde die Bilanz ſowie die Gewinn= und Verluſtrechnung
für 1929 vorgelegt, ſowie Anzeige nach § 240 HBG. gemacht. Die
vorliegende Bilanz ſchließt mit einem Verluſt ab von 1865000 RM.
In dieſer Summe ſind die erforderlichen Abſchreibungen, die zum
größten Teil ſchon in den früheren Jahren notwendig geweſen wären,
berückſichtigt. Trotz vorſichtiger Bilanzierung iſt es der Verwaltung
nicht möglich, zu überſehen, ob bei der gegenwärtigen wirtſchaftlichen
Depreſſion weitere Verluſte bei den laufenden Engagements des
In=
ſtituts während der Abwicklung ausgeſchloſſen ſind. Die 30000 Kunden
des Frankfurter Bankvereins wurden bekanntlich durch das Eintreten
der Stadt Frankfurt im Verfolg der Fuſionsverhandlungen vor
ſchwe=
ren Verluſten bewahrt. — Die Generalverſammlung wählte Stadtrat
Aſch zum Vorſitzenden. Vertreten waren 843 540 Stammaktien mit
41 177 Stimmen und 20 000 Vorzugsaktien mit 20 000 Stimmen. Von
dieſen vertrat die Stadt Frankfurt 39 162 und die 20 000 Stimmen der
Vorzugsaktien. In längeren Ausführungen wandte ſich Rechtsanwalt
Dr. Kann gegen den vorgelegten Bericht und die Geſchäftsführung
ſei=
tens der alten Verwaltung des Aufſichtsrates. Er beantragte die
Ver=
tagung der Generalverſammlung zwecks Fühlungnahme mit der Stadt,
dem Aufſichtsrate und dem alten Vorſtande zur Erreichung einer
ent=
gegenkommenden Entſchädigung der Aktionäre. Der Antrag wurde
gegen die Stimmen der Stadt Frankfurt abgelehnt. Die Bilanz wurde
gegen die Stimmen der Oppoſition genehmigt. Entkaſtung des
Vor=
ſtandes und Aufſichtsrates wurde ausgeſetzt. Der Antrag, eine
Revi=
ſionskommiſſion zwecks Prüfung der Bilanz und Feſtſtellung einer evtl.
Regreßpflicht von Aufſichtsrat und Vorſtand einzuſetzen, wurde mit den
Stimmen der Stadt abgelehnt. Daher wird ſeitens der Stadt das
ſtändiſche Reviſionsamt mit der Reviſion beauftragt, wobei die Stadt
noch erklärte, daß ſie ſelbſtverſtändlich, falls ſich eine Klage gegen den
Aufſichtsrat und alten Vorſtand als notwendig erwies, dieſe erheben
würde. Der Antrag auf Herabſetzung des Grundkapitals zwecks
Berei=
nigung der Unterbilanz durch Verfügungsſtellung und Einziehung der
Vorzugsaktien von 20000 RM. ſowie Zuſammenlegung des reſtlichen
Grundkapitals im Verhältnis 1000:1 wurde bei 1800 Stimmen
Enthal=
tung und gegen 1215 Stimmen mit den Stimmen der Stadt Franrfurt
angenommen. Im ſelben Verhältnis wurde der Antrag angenommen
über Erhöhung des zuſammengelegten Grundkapitals auf 50.000 RM.
unter Ausſchluß des Bezugsrechtes der Aktionäre. Die ſich ergebenden
Satzungsänderungen wurden ebenfalls angenommen. Neu in den
Auf=
ſichtsrat gewählt wurden die Stadträte Prof. Dr. Trumpler, Bruno
Müller, G. Korndörfer, P. Fiſcher, Ulrich, Nelles, Loeb und Aſch. Die
Bilanz zeigt Aktienkapital (alles in Millionen RM.) 1020 (1,020),
ge=
ſetzliche Rücklage 0,22 (0,22), Penſionskaſſe der Angeſtellten 0,14 (0,14),
unerhobene Dividende 0,007 (0,003), Guthaben deutſcher Banken und
Bankfirmen 0030 (0,030), Rückſtellungskonto für Dubioſen 1,886,
Gläubiger 9,099 (10,934). Andererſeits nicht eingezahltes
Vorzugs=
aktienkapital 0,015 (0,015), Kaſſe, Deviſen, fremde Geldſorten und
Kupons 0,221 (0,248), Guthaben bei Banken und Bankfirmen 0,120
(0,372), Wechſel und Schecks 0,701 (1,399), eigene Wertpapiere 0,492
(0,564), Schuldner 7,287 (8,183), Hypotheken 0,882 (0,871), Mobilien
0,048, Immobilien 0,770 (0,770).
Ausſperrung in der Mannheimer Textilinduſtrie. Am 6. März iſt
vom Schlichtungsausſchuß in Freiburg für das badiſche Textilgewerbe
ein Schiedsſpruch gefällt worden, der den früheren Tarifvertrag
unver=
ändert wieder in Kraft ſetzt. Die Erklärungsfriſt läuft am 24. März
ab. Inzwiſchen ſind die in der Abteilung Schlichterei der Vereinigten
Juteſpinnereien und Webereien A.=G., Werk Mannheim=Waldhof,
Lohndifferenzen entſtanden, die zu einem Streik führten. Den
Lohn=
forderungen haben ſich auch die Weberei und Spinnerei angeſchloſſen,
ſo daß, nachdem die Verhandlungen zwiſchen der Verwaltung und den
Arbeitnehmern am Dienstag ſpät abends ergebnislos abgebrochen
wur=
den, die Verwaltung ſich veranlaßt ſah, am Mittwoch die geſamte
Beleg=
ſchaft auszuſperren. Betroffen werden von dieſer Maßnahme etwa
1100 Arbeiter und Arbeiterinnen.
Die Deutſche Hypothekenbank in Meiningen macht im
Inſeraten=
teil bekannt, daß ſie ihre 8rozentigen Gold=Pfandbriefe Emiſſion XXII,
die ſie in letzter Zeit nur gegen bar zum jeweiligen Börſenkurs abſetzte,
in Fortſetzung ihres früheren Umſchuldungsangebots auch wieder gegen
Hereinnahme ihrer 4½prozentigen Liquidations=Gold=Pfandbriefe bis
zum Geſamtbetrage von GM. 3000 000 abgibt, nachdem ſich ſich einen
entſprechenden Betrag Umſchuldungshypotheken geſichert hat. Der
An=
rechnungskurs der 4½prozentigen Liquidations=Gold=Pfandbriefe, der
bisher 85 Prozent betragen hat, iſt auf 86 Prozent feſtgeſetzt.
Commerz= und Privatbank A.=G., Hamburg=Berlin. Die Commerz=
und Privatbank, Hamburg=Berlin, ſchlägt wieder eine Dividende
von 11 % auf das erhöhte Aktienkapital von 75 Millionen Reichsmark
(im Vorjahre 60 Millionen Reichsmark) vor. Der Gewinn ſtellt ſich
ein=
ſchließlich des Gewinnvortrages von 1,83 (1,52) Millionen RM. auf 10,86
(11,52) Mill. RM. Während im vorigen Jahre aus dem Reingewinn
dem Reſervefonds 2,5 Millionen RM. zugewieſen worden ſind, iſt in
dieſem Jahre vor Feſtſtellung des Reingewinns eine Zuweiſung von
2,38 Mill. RM. erfolgt.
Produkkenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 18. März. Am Produktenmarkt
macht ſich ſtärkſte Unſicherheit über die zur Beratung ſtehenden neuen
Agrarhilfs= bzw. Zollgeſetze bemerkbar, und die Unternehmungsluſt
hielt ſich infolgedeſſen in engen Grenzen. Weizen liegt trotz etwas
reichlicheren Angebotes auf Grund der feſten Auslandsmeldungen und
der laufend guten Mühlennachfrage feſter. Für effektive Ware waren
eineinhalb bis zwei Mark höhere Preiſe zu erzielen. Auch der
Liefe=
rungsmaukt wies eine Befeſtigung auf. Roggen iſt knapp offeriert,
ver=
ſchiedentlich werden für promptes Material eine Mark höhere Preiſe
bewilligt; der Lieferungsmarkt lag ſtetig. Das Mehlgeſchäft iſt bei
unveränderten Forderungen der Mühlen weiterhin ruhig. Auch Hafer
iſt heute ziemlich knapp angeboten, höhere Forderungen ſind jedoch nur
bereinzelt durchzuholen. Vor allem bekundet der Konſum gegenüber
höheren Preiſen Zurückhaltung. Gerſte ſtill.
Metallnokierungen.
Die Berliver Metalltermine vom 18. März 1930 ſtellten ſich für
Kupfer: Januar und Februar 131.25 (131.75), März 133 (135),
Bpril 132 (134), Mai 131.50 (132.75), Juni 131.50 (132.50), Juli, Auguſt
und September 131.50 (132), Obtober und November 131.25 (131.75),
Dezember 131.25 (132). — Tendenz: ſtill. — Für Blei: Januar 37.50
(37.75), Februar 37.25 (37.75), März 36.50 (38), April und Mai 37
(37.50), Juni 37.50 (37.50), Juli und Auguſt 37.25 (37.75), September
37.30 (37.75), Oktober 37.25 (37.75), November 37.50 (37.75), Dezember
37.25 (37.,75). Tendenz; ruhig. — Für Zink: Januar und Februar
38.75 (39), März 34.50 (36.50), April 35 (36.50), Mai 36 (37.75), Juni
(38.50), Oktober
Tendenz; ruhig.
Brief:
Frankfurker und Berliner Effekktenbörſe.
Frankfurt a. M., 18. März.
Vormittags herrſchte wieder ſtarke Verſtimmung und große
Zurück=
haltung, da der Ordermangel weter anhielt. Die offizielle Eröffnung
der Börſe brachte jedoch eine beſſere Beurteilung der Lage, da einige
günſtige Nachrichten heute etwas mehr Beachtung fanden. Vor allem
wurde mit Befriedigung die Unterzeichnung des Polenabkommens
auf=
genommen. Aber auch die geſtrige feſte New Yorker Börſe und die
leichten internarionalen Geldmarktverhältn ſſe, in deren
Zuſammen=
hang erneut Diskontermäßigungshoffnungen in Erwägung gezogen
wur=
den, gaben der Börſe einen gewiſſen Anreiz. Die Spekulation ſchritt
in Erwartung einer baldigen Beſſerung der Verhältniſſe zu
Meinungs=
käufen, ſo daß zu den erſten Kurſen an den meiſten Märkten eine etwas
lebhaftere Geſchäftstätigkeit feſtzuſtellen war. Gegenüber der geſtrigen
Abendbörſe traten überwiegend Beſſerungen ein. Mehr in den
Vorder=
grund traten Siemens, die 3 Prozent, und Gesfürel, die 194 Prozent
gewannen. A. E.G. leicht gebeſſert. Der Chemiemarkt wurde anfangs
nur wenig beachtet, und J. G. Farben konnte ſich auf dem Niveau der
geſtrigen Abendbörſe behaupten. Renten gedrückt.
Im Verlaufe war die Umſatztätigkeit weder ſehr beſcheiden; der
Auftragsmangel hemmte jede Unternehmungsluſt. Die Tendenz blieb
jedoch unverändert freundlich, da auf der anderen Seite der heute
ver=
öffentlichte Reichsbankausweis mit ſeiner ziemlich ſtarken Entlaſtung
be=
friedigte. Teilwe ſe konnten ſich Spezialaktien noch etwas beſſern,
be=
ſonders die anfänglich vernachläſſigten Farbenaktien. Zum Schluß der
Börſe ſetzte, beſonders am Farbenmarkt, ein ſtärkerer Baiſſeangriff ein,
wobei die Spekulation wieder alle möglichen ungünſtigen Momente
her=
vorkehrte und auch die bekannten Befürchtungen hinſichtlich einer
Divi=
dendenreduktion auftauchten. Die erzielten Gewinne gingen
größten=
teils wieder verloren. J. G. Farben büßten 2 Prozent ein.
Tendenz: gut behauptet. An der Abendbörſe war die Stimmung
nach dem Kurseinbruch heute mittag weſentlich beruhigter. Die
Tat=
ſache, daß die D.=D.=Bank entgegen allen Verſionen wieder eine
unver=
änderte Dividende zur Ausſchüttung zu bringen beabſichtigt, und die
jetzt nicht mehr glaubhaften Gerüchte im Zuſammenhang mit der
Far=
benaktie, führten zur beſſeren Beurteilung der Tendenz. Das Geſchäft
bewegte ſich jedoch in engſten Grenzen, da der Ordereingang nach wie
vor gering blieb. Lediglich die Spekulation ſchritt zu einigen
Rück=
deckungen, und die Kurſe lagen gegen den Berliner Schluß, ohne daß
eine Sonderbewegung zu verzeichnen geweſen wäre, gut behauptet. Im
Verlaufe traten zumeiſt kleine Erholungen ein, ohne daß eine Belebung
zu verzeichnen geweſen wäre.
Berlin, 18. März.
Nachdem der heutige Vormittagsverkehr ruhig
und abwartend verlaufen war, ſchien ſich an der
Vor=
verkehr ruhig und abwartend verlaufen war, ſchien ſich an der
Vor=
hörſe eine freundlichere Tendenz entwickeln zu wollen. In erſter Linie
gaben wohl börſentechniſche Momente Anlaß zu dieſer Hoffnung,
da=
neben boten aber auch der ſehr feſte geſtrige New Yorker Schluß und
die international weiter flüſſigen Geldverhältniſſe der Spekulation
einen Anreiz. Die erſten Kurſe enttäuſchten dann, da ſie meiſt etwas
unter dem Vortagniveau lagen. Es war wider Erwarten doch noch
etwas Ware herausgekommen, wofür neue Arbeiterentlaſſungen im
Ruhrbergbau und bei Daimler, die Stillegung der Brikettfabrik „Grube
Konkordia” der J. G. Farben, die rückgängige Geſchäftsentwicklung im
Maſchinenbau und das anhaltend drückende Angebot in Aku=Aktien
mitbeſtimmend geweſen ſein dürfte. Im Verlaufe wurde es auf die
Meldung eines Mittagsblattes, die in beſtimmter Form von einer
un=
verändert 10prozentigen Dividende bei der Dedi=Bank ſprach, allgemein
freundlicher. Stimulierend wirkte ferner der mit einer
Geſamtent=
laſtung von 321 Millionen als recht günſtig anzuſprechende
Reichs=
bankausweis per 15. März. In den Hauptwerten betrugen im
Ver=
laufe die Gewinne 1—2½ Prozent, Rheiniſche Braunkohlen und
Salz=
detfurth zogen ſogar um 4 bzw. 3 Prozent an. Später wurde es
wie=
der etwas ruhiger, doch erhielt ſich die freundliche Grundſtimmung.
Mainzer Viehhofmarktbericht vom 18. März. Auftrieb: 21 Ochſen,
20 Bullen, 525 Kühe oder Färſen, 329 Kälber, 26 Ziegen, 892 Schweine.
Marktverlauf: In allen Viehgattungen ruhig, langſam geräumt. Es
wurden pro 50 Kg. Lebendgewicht folgende Preiſe in RM. bezahlt:
Ochſen 56—59, 45—51, Bullen 40—46, Kühe 44—47, 32—39, 26—31, 18
bis 23, Färſen 50—59, Kälber 59—73, 57—59, Schweine 71—74, 73—76.
Neue Bankenverſchmelzung in 1. 5.A.
Die ſeit einiger Zeit zwiſchen der Chaſe National Bank, der
Equi=
table Truſt Cy und der Inter=State Truſt Cy geführten Verhandlungen
über eine Verſchmelzung der drei Banken ſoll, wie aus zuverläſſigen
Wallſtreet=Kreiſen verlautet, nunmehr abgeſchloſſen worden ſein. Nach
der Verſchmelzung der drei Banken wird die neue Geſellſchaft das größte
Bankinſtitut der Vereinigten Staaten mit einem Kapital von drei
Mil=
liarden Dollar darſtellen.
Amerikaniſche Kabelnachrichten
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. März:
Getreide. Weizen: März 104, Mai 107½, Juli 105¾,
Sep=
tember 107½: Mais: Mai 83½, Juli 84½, September 84½;
Hafer: März 42, Mai 43½, Juli 42½, September 4238; Roggen:
März 62½, Mai 63, Juli 66½, September 69½.
Schmalz: März 10,25, Mai 10,35, Juli 10,55, September
10,75.
Fleiſch. Rippen —; Speck, loko 13,25; leichte Schweine 9,90
bis 10,75, ſchwere Schweine 9,85 bis 10,00; Schweinezufuhren:
Chicago 13000, im Weſten 72 000.
Baumwolle: März 15,15, Mai 15,34 bis 15,36.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 18. März:
Schmalz: Prima Weſtern 10,96; Talg, extra, loſe 6½.
Getreide. Weizen: Rotwinter n. Ernte 125½, Hartwinter n.
Ernte 109½; Mais 9228: Mehl 5,60 bis 5,80; Getreidefracht:
nach England 1,6 bis 2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8 bis
9 Cents.
Kakav. Tendenz: ſtetig; Loko 8½; März 8,16, April 8,29,
Mai 8,45, Juni 8,57, Juli 8,71, Auguſt —, September 9,01,
Oktober 902, November —, Dezember 8,93.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Nach den Ermittlungen des A. D.G. betrug Ende Februar 1930
bei 4 230 451 (Januar 1930: 4 211 318) Mitgliedern über die berichtet
wurde die Zahl der Arbeitsloſen 1002 314 (936 689) oder in Prozenten
der Mitgliederzahl 23,7 (22,2) Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter
530 283 (447 388) bzw. 12,5 (10,6) Prozent.
Von maßgebender Stelle wird erklärt, daß die Dividende der
Deut=
ſchen Bank= und Diskontogeſellſchaft in unveränderter Höhe von 10
Prozent vorgeſchlagen wird. Die Bilanzſitzung des Aufſichtsrates
fin=
det am 9. April ſtatt.
Die Elektrizitäts=Lieferungs=Geſellſchaft, Berlin, weiſt für 1929
einen Reingewinn von 4 329 324 (789 262) RM. aus. Der
General=
verſammlung am 14. April wird eine Dividende von wieder 10 Prozent
vorgeſchlagen.
Bekanntlich befindet ſich die Helios=Rückverſicherungs A.=G. im
Be=
ſitze eines Interimsſcheines über 13 Stück Aktien der Frankfurter
All=
gemeinen 4 400 RM., die mit 25 Prozent eingezahlt ſind. Trotz
Auf=
forderung und Androhung der Verfallserklärung hat die Helios den
auf dieſen Interimsſchein angeforderten Reſtbetrag nicht eingezahlt
und wird daher ihrer Anteilsrechte und der geleiſteten Einzahlungen
zugunſten der Favag für verluſtig erklärt.
Die älteſten Juwelierfirmen Wiesbadens, Julius Herz und J. H.
Heimerdinger, haben ſich gemeinſam mit der in Mannheim
altein=
geſeſſenen Firma E. Netter u. Co. unter der Firma Netter, Herz u.
Heimerdinger G. m. b. H. vereinigt.
Die Vereinigung der Verbände ſächſiſcher Metallinduſtrieller in
Chemnitz hat den Manteltgrif für die ſächſiſche Metallinduſtrie zum
30. Juni 1930 gekündigt.
Die Société Anverſoiſe de Soie artificielle zeigt mit ihrem
Ab=
ſchluß dasſelbe Bild wie auf dem übrigen Kunſtſeidemarkt; wie ſchon
der unlängſt veröffentlichte Abſchluß der Tubize. Der Reingewinn der
Geſellſchaft betrug nur 174 000 Franken gegenüber 4 020 000 Franken im
vorigen Geſchäftsjahr, der auf neue Rechnung vorgetragen wird.
Die Banque belgo=louxembourgoiſe ſchließt das Geſchäftsjahr mit
einem Verluſt von rund 4 Millionen Franken ab.
Berliner Kursbericht
vom 18. März 1930
Oeviſenmarkt
vom 18. März 1930
Ra H
Danatbank
Deutſche Ban1u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummi
Deutſche Cont. Eas
Deutſche Erdö!
100 Franken 81.06 143.— Gelſenk. Bergw. 137.75 Salzdetfurth Ke 354.—
Wien 100 Schilling 58.995/ 69.11 Spanien 100 Peſetas 53.00 Geſ. f.elektr. Untern 168.— Leonh. Tietz 152.125
Prag 100 Tſch. Kr. 12.41 12.43 Danzig 100 Gulden 81.385 146.— Harpener Bergbau 129.50 Verein. Glanzſtoff 152.— Budapeſ 100 Pengö 73. 19‟ 73.335 Japan 1 Yen 2.06c 104.75 Hoeſch Eiſen 1C4.50 Berein. Stahlwerke 94.75 Sofia 100 Leva 3.03 3.745 Rio de Janetrolt Milreis 0.488 146.— Phil. Kokzmann 95.— Weſteregeln Alkali 210.— Holland 100 Gulden 167.90 168.24 Zugoſlawien 100 Dinar 7.399 107.875 Kali Aſchersleben 206.— Agsb.=Nrnb. Maſch. 72.25 Lslo 100 Kronen 112.05 112.271 Portuga! 100 Escudos 18.81 160.— Klödnerwerke 100.— Baſalt Linz 36.125 Kopenhager 100 Kronen 112. 12 112.34 Athen 100 Drachm. 5.425 142.50 Köln=Neueſſ. Baw 102.50 Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer 68.25
112.125 Stockholm
London 100 Kronen
1 2.Stg. 112.46
20.363 112.68
0.40: Konſtantinopell1 türk. 2
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20.92
4.1925
3.687
92.34
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Aik
1e
Frankfurter Kursbericht vom 18. März 1930.
7% Dtſch. Reichsanl.
60
6%Baden ......."
8% Bayern ....."
6%
8% Heſſen v. 28
v. 29
6% Preuß. Staats=
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N=
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86.25
91.70
96.75
77.5
2.76
86.25
96.5
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4½
—
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96
49.75
68.25
17.25
96.5
96.5
82
96
82.4
96.5
85.25
96.5
81.9
96.5
83.
97
—
96.5
82‟.
95
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80
97
70
87
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23
88
159.5
112
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138.75
64.5
40.75
183.5
110.75
114
89.5
94.5
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110.5
145
100.75
132
142
119
132.5
29.8
140
153
144.5
12.5
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Nur noch heute und morgen:
Mur noch heute und morgen:
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in dem grandiosen Filmwerk:
Kalndha
Die Handlung ist der bekanuten Novelle
von Helen Hust Jacksons entnommen
und spielt in den Bergen der Sierra
Nevada zur Zeit, da Mexiko noch von
Indianern und Spaniern bewohnt wurde.
Regie: Edwin Carewe
In weiteren Hauptrollen:
Warner Baxter und Roland Drew
Dazu als zweiter Schlager:
Kaurfafck
Ein Militärschwank in 6 Akten.
Regie: Karl Wilhelm.
Eine ausgelassene Satire voll der
komischsten und tollsten Situationen.
In den Hauptrollen:
Paul Heidemann, Ernst Verebes, Hans
Junkermann, Siegfried Arno, Evi Eva,
Hanni Weiße, Trude Lehmann.
Beginn 3½, Uhr.
in seinem neuesten Filmwerki
Die Tragödie des Romantikers anf dem Königsthron, des Gönners
Richard Wagners, des Schöpfers der bayrischen Königsschlösser.
Ein Filmwerk, das an den historischen Stätten Bayerns aufgenommen
und sich auf ernstliche geschichtliche Forschungsarbeit stützt, deren
wirkliche Tatsachenschilderung außer Zweifel steht und dessen
Darstellung das Tragische im Geschick des Königs
in den Vordergrund stellt.
Weitere Mitwirkende:
Eugen Burg, Hubert v. Meyrinck, Hedwig Pauly Winterstein,
Rina Marsa, Ferd. v. Alten, Theodor Loos, Trude v. Molo u. a.
Unsikalische Leitung: Kapellmeister GB0RG SEIBARR
Beginn: 3½ Uhr
(I.4548
Mur noch heute und morgen:
Der neueste
Hoot Gibson-Film
Ber
Hegende Toufer
von Tenad
Hoot Gibson — ein Allerweltskerl, ein
verwegener Bursche. Er reitet wie der
Wind, Hiegt wie der Teufel, rast mit
dem Motorrad über Stock und Stein.
schießt, springt, wirft, schlendert — ein
echter Texas-Ranger. Vollbringt die
tollsten Sensationen, überrennt die
un-
glaublichsten Hindernisse spielend und
scherzend. Die abgefeimtesten Schurken
und Banditen führt er an der Nase
herum — wie er das macht, ist köstlich
und zum Brüllen komisch.
Mit ihm spielt Ruth Elder, die
welt-
bekannte Ozeanfliegerin.
Dazu als zweiter Schlager:
Hehe Ayssergaes
Arose Hiebe
Nach dem Schauspiel „Madame Colibri”
von Henry Bataille.
Dieser Film ist die Tragödie der
un-
verstandenen alternden Frau und erörtert
in aller Offenheit die Konfikte der
modernen Ehe.
In der Titelrolle: Maria Jacobini, weiter
sind beschäftigt: Helene Hallier,
Franz Lederer.
Beginn: 3½ Uhr
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Leber- und Gallenleiden.
Stauungen und Rückstände im Körper sind die ersten Ursachen
der meisten Krankheiten, wie Frauenleiden, Gicht u
Rheumatis-
mus, Nerven- und Lungenleiden, Asthma, Arterienverkalkung
und hoher Blutdruck, vorzeitiges Altern, der immer mehr
zu-
neh menden Krebskrankheiten .
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Da löſte er ſich ganz leiſe und vorſichtig aus der
Gebüſch=
deckung der Villa und ſtahl ſich über die weichen Raſenböſchungen
Droredt and dente 4or, des Gartens unhörbar bis zu einer Liguſterhecke, über der der
Gipfelſaum eines Waldes wie eine hohe Mauer in den dunklen
Roman von Hans Schulze.
Nachdruck verboten.
Mit unſicheren Händen begann er ſich anzukleiden und ſeine
Scchuhe anzuziehen; dabei lauſchte er klopfenden Herzens auf
ſwdes Geräuſch hinter der weißen Tür, die ihn mit ihrem
ſchwar=
z n Guckloch wie mit einem böſen, drohenden Auge zu beobachten
Sien.
Dann ſtand er fertig angekleidet wieder am Fenſter und
ueiterſuchte den Verſchluß.
Der oberſte Teil wurde von einem Kippfenſter gebildet, das
der Stationspfleger zur Lüftung in der warmen Nacht in einem
6 elenk halb aufgeſtellt hatte.
Die Vergitterung endete hier mit runden Verſchnörkelungen
decht über dem feſtſtehenden Unterteil und bildete für einen
kör=
verlich gewandten, ſchlank gebauten Menſchen kein weſentliches
Kindernis, durch den ſchmalen Schacht der Zwiſchenöffnung das
7 reie zu gewinnen.
Mit einem raſchen Blick prüfte Kurt die Höhe des
Fenſter=
ruhmens und kletterte dann mit Hilfe eines Stuhles vorſichtig
daran hinauf.
Das eiſerne Scharnier des Kippgelenks knackte bedrohlich, als
er ſich jetzt langſam darin aufſtützte.
Doch ſchon hatte er ſich über die zolldicke Scheibe geſchickt
hin=
weggewunden und hing an der Außenſeite des Unterfenſters,
Toch ein letzter Sprung über ein Spiräengebüſch, und er ſtand
hoch aufatmend in einem Garten.
Nun erſt erfaßte er wie in einer plötzlichen Offenbarung den
wahren Charakter ſeiner Umgebung.
Er war in einem Irrenhauſe eingeſchloſſen geweſen, wenn
däeſe Siedlung vornehmer, weißer Villen vielleicht auch den
harm=
loſeren Namen eines Sanatoriums trug.
Mit einer angſtvollen Bewegung taſtete er nach ſeiner Stirn.
War er denn wirklich geiſteskrank geweſen, ja, war er es
viel=
leicht noch?
Wie mit Zentnerſchwere fiel es ihm auf einmal aufs Herz,
daß ihm die Erinnerung an ein ganzes Stück ſeines Lebens ja
och immer nicht wiedergekehrt war. —
Ein taktmäßig ſchlürfender Schritt ſchreckte ihn endlich aus
ſeiner Verſunkenheit auf.
Der Nachtwächter kam mit blinkender Laterne vorbei.
Hinter ihm im Hauſe ſchlug eine Uhr mit langaushallenden
Schlägen.
Dann wieder nur das ſtumme Wachſen und Sproſſen, das
Beheimnis des Werdens, das die blühende Nacht wie ein Zauber
Umſpann.
Himmel hineinzackte.
Ein ſchmales Pförtchen war mit ſträflicher Sorgloſigleit nur
angelehnt.
Im nächſten Augenblick ſtand er auf einem kleinen Feldrain
und reckte mit einem unterdrückten Jubelruf die Arme.
Gott ſei dank, er war frei!
Dann ſaß er lange auf einem bemooſten Findlingsblock am
Waldesrand und lauſchte in die große, ſommerliche Stille hinaus.
Zur Rechten wuchs der Wald eine Bergwand entlang, tief
ſehwarz und ſteil.
Kinderwagen aller Artnur im Spezialgeschätt
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Eine grasüberwachſene Fahrſtraße, führte bis zur halben
Höhe hinauf und verlor ſich dann weiter in unbekannte, drohende
Dunkelheiten.
Die wählte er endlich zu ſeinem Wanderweg, ganz gleich,
wo=
hin ſie ihn führen würde.
Nur fort, weit fort von den Fangarmen dieſer Menſchenfolle,
wenn am anderen Morgen ſeine Flucht entdeckt wurde.
Zuweilen rauſchte und raſchelte es über ihm wie von
unſicht=
baren großen Vögeln, es duftete nach Blumen, die das Auge
nicht ſah.
Und überall ſchwirrten in Gebüſch und Geſträuch unzählige
Glühwürmchen, ihre kurze Eintagstrunkenheit verfunkelnd und
verſprühend.
Jetzt ſäumte ein erſter roſiger Schimmer die ragenden
Buchen=
wipfel.
Ein friſcher Wind kam durch das Unterholz.
Die Sonne erſtand aus nächtlichem Schlaf.
Unwillkürlich hemmte Kurt ſeinen Schritt und ſchaute in
ſtiller Andacht in das ewig neue Wunder des erwachenden Tages.
In langen Goldſtreifen flirrte das Licht zwiſchen den
grau=
grünen Stämmen hindurch und goß einen lohenden
Purpur=
ſtrom über die betauten Wieſen und Moorgründe.
Hier und da regten ſich bereits die erſten Vogelſtmmen, und
ein kleiner Kuckuck wurde nicht müde, ſeinen Namen immer
wie=
der durch den ſtillen Wald zu rufen.
Eine Stunde ſpäter traf Kurt an einer Schonung auf ein
altes Hutzelweibchen, das Bruchholz auf einen kleinen Wagen
ſammelte.
Er rief ſie an und fragte nach dem nächſten Dorf.
Sie wies ihm einen Weg, der in ſteilem Abſtieg über eine
weite Rodung führte.
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Seite 15
In großen Klaftern lag das friſch geſchlagene Holz
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weiſe aufgeſchichtet; eilfertige Ameiſen irrten über die blaugelben
Skelette und Stubben, und tiefeingeſchnittene Räderſpuren
kün=
deten von der Mühſal der Gäule, die die ſchwerbeladenen Wagen
durch den lockeren Sand gezogen hatten.
Dann öffnete ſich der Wald auf ein freundliches Tal.
Eine baumbeſtandene Landſtraße lief durch Wieſen und
Felder.
Das junge Korn wiegte ſich im Morgenwind, der Roggen
ſchon ſchwer in Aehren, der Hafer noch grün.
Dahinter die weiße Kirche eines ſtattlichen Dorfes.
„Reinhardtshagen — Kreis Sondershauſen —
Amtsgerichts=
bezirk Allſtedt” las er an einer verwitterten Grenztafel.
Dann ſoß er im Garten eines kleinen Wirtshauſes; er hatte
in ſeiner Weſtentaſche noch einen ganz zuſammengeknüllten
Fünf=
markſchein gefunden und ſich ein einfaches Frühſtück beſtellt.
Pfingſtroſen wucherten über verwilderten Beeten,
Schwert=
lilien und Goldlack und Fleißiges Lieschen.
Buntgewürfelte Betten hingen über einem Staketenzaun,
und hinter den nie gelüfteten Fenſtern der Gaſtſtube ſtand ein
Myrthenbäumchen und in einem Bierglas ein halbverwelkter
Vergißmeinnichtſtrauß.
Er trank Kaffee und aß heißhungrig ein paar fingerdicke
Butterſtullen mit friſchem Landſchinken.
Dann nahm er ein Zeitungsblatt auf, das die Wirtin für den
ſeltenen Stadtgaſt vorſorglich mit herausgebracht hatte.
Es war eine Nummer einer großen mitteldeutſchen
Provinz=
zeitung, zerleſen und wochenalt und doch für ihn die erſte
Ver=
bindung zu einer verlorenen Welt.
Mit einem flüchtigen Blick überflog er den politiſchen Teil.
Und dann fuhr es auf einmal wie ein Axthieb gegen ſeine
Stirn.
In Fettdruck ſchrien ihm aus dem erſten Beiblatt zwei
furcht=
bare Zeilen entgegen:
„Der Mord in Wannſee; der mutaßliche Täter Dr.
Stein=
hoff flüchtig, Evelyn Karr unter dem Verdacht der Anſtiftung in
Unterſuchungshaft.” —
Nach langen Minuten erhob er endlich wieder den Kopf und
blickte verſtört vor ſich hin.
„Der Mord in Wannſee.”
Auf einmal war die Umſchleierung ſeines Denkens wie ein
Spinngewebe zerriſſen, und in ihrer ganzen erbarmungsloſen
Nacktheit ſtanden die Ereigniſſe der jüngſten Vergangenheit
wie=
der drohend vor ſeiner Seele:
Der Pakt mit Karr, der Abend im Weſtendtheater, die
furcht=
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Erſte Leſung der Sinanzgeſetze im Reichstag
Sotkdauer der Gegenſähe in der Finanzreform. — Neu=Anſorderungen der Arbeitsloſen=
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anſtalt. — Moldenhauers Ankwork auf Wiſſells Vorſtoß.
Oeffenklicher Anſchlag
der Hindenburg=Kundgebung.
Reichstagspauſe bis zum Monkag.
* Berlin, 19. März. (Priv.=Tel.)
Der Reichstag hat ſich nun bis zum Montag vertagt. Man
Hatte damit gerechnet, daß es am Mittwoch recht ſcharfe
Oppo=
ſition geben würde, wie das die Nationalſozialiſten angekündigt
Hatten, es iſt aber wenig dabei herausgekommen. Allerdings
ſcheute ſich der Nationalſozialiſt Straſſer bei dem Antrag der
Regierungsparteien auf Anſchlag der Kundgebung Hindenburgs
bei der Unterzeichnung der Youngplangeſetze nicht, dem
Reichs=
bräſidenten vorzuwerfen, daß er von Tag zu Tag mehr der
ftehende Faktor der „marxiſtiſchen Republik” geworden ſei. Die
Sürgerlichen Oppoſitionsparteien legten aber doch Wert darauf,
ſich von dieſer Tonart zu diſtanzieren und ihre Reverenz vor
Der Perſönlichkeit des Reichspräſidenten zu machen, wenn ſie auch
Oen Regierungsparteien den Vorwurf machten, ſie verſteckten ſich
Hinter der Autorität des Reichspräſidenten. Der Antrag wurde
chließlich mit 218:130 Stimmen angenommen, wobei bezeichnen=
Derweiſe die Bayeriſche Volkspartei ſich der
Stimme enthielt.
Auch die erſte Leſung der Finanzgeſetze war keine
aufregende Angelegenheit. Die Parteien, beſchränkten ſich im
uveſentlichen auf Allgemeinheiten. Die Regierungsparteien
blie=
ben ſehr zurückhaltend, um für die Ausſchußberatungen nichts
zu verſchütten. Auch der Reichsfinanzminiſter bot kaum etwas
Meues, denn er hat ja ſchon oft genug über das gleiche Thema
ſprechen müſſen.
Die Ausſchußberatungen ſollen erſt am kommenden
Mittwoch beginnen. Das war eigentlich der Tag, an dem
mach den angeſtellten Berechnungen des Finanzminiſteriums
eigentlich die Finanzgeſetze verabſchiedet ſein müßten, wenn ſie
Zum:½ April laufen ſollten. Dr. Moldenhauer hofft aber immer
moch, daß es ihm gelingt, wenigſtens im Laufe der kommenden
Woche fertig zu werden, obwohl während des volksparteilichen
Parteitages, alſo bis zum Montag, auch die interfraktionellen
Beſprechungen ruhen. Die kommende Woche wird alſo mit
aus=
reichenden Verhanklungen angefüllt ſein.
In der Agrarreform, die in Form von Initiativgeſetzen
am Montag aufder Tagesordnung ſteht, iſt zwar eine
halbe Verſtändigung unter den Regierungsparteien geglückt, die
aber auf ſehr ſchwachen Füßen ſteht, weil mit abwechſelnden
Mehrheite; gearbeitet wird und mindeſtens die Möglichkeit von
Ueberraſchungen nicht von der Hand gewieſen werden kann.
Die ſachlichen Gegenſätze in der Finanzreform
ſind die gleichen geblieben, verſchärft allerdings durch
per=
ſönliche Mißhelligkeiten, die der Reichsarbeitsminiſter Wiſſell am
Dienstag mit ſeinem unbegründeten Vorſtoß gegen den
Finanz=
miniſter auslöſte. Herr Moldenhauer hat ihm zwar am
Mitt=
woch an der gleichen Stelle im Haushaltungsausſchuß ſehr
ſchlag=
fertig geantwortet. Er hat mit echt rheiniſcher Laune den
Ar=
beitsmiiſter ironiſiert und die Frage, ob er in Hamburg als
Privatperſon oder als Finanzminiſter geſprochen habe, mit der
glänzenden Antwort abgefertigt, er glaube mehr als
Finanzmini=
ſter geſprechen zu haben. Aber eine Verſtimmung zwiſchen den
beiden Miniſtern bleibt doch beſtehen und muß ſich, gerade jetzt,
wo das Kabinett, um ſich durchzuſetzen, Einigkeit doppelt
not=
wendig hätte, unbequem auswirken. Die Arbeitsloſenverſicherung
beanſprucht aber anſcheinend noch weitere Mittel. Der
Reichs=
tagsausſchuß hat am Mittwoch 222 Millionen im
Nachtragshaus=
halt bewilligt. Es ſcheint aber, als ob dieſe Summe noch nicht
einmgl ausreicht, ſondern weitere 40 Millionen bis zum 1. April
notwendig we den. Dadurch wird natürlich den Kritikern des
ganzen Syſtems eine ueue wertvolle Waffe geliefert, die nicht
dadurch ſtumpf wird, daß Herr Wiſſell erklärt, er könne die
Not=
wendigkeit eiger Reform der Verſicherung nicht einſehen.
Der Anſchlag mit 218 gegen 130 Skimmen
bei 26 Enkhallungen genehmigk.
Berlin, 19. März.
Die Mittwoch=Sitzung des Reichstages wurde eingeleitet
mit einer kurzen Ausſprache über den von den Sozialdemokraten,
Demokraten, vom Zentrum und der Deutſchen Volkspartei
ein=
gebrachten Antrag auf öffentlichen Anſchlag der Kundgebung
des Reichspräſidenten zum Youngplan. Es ſprachen
ausſchließ=
lich Redner der Oppoſition, und zwar erklärte der
deutſch=
nationale Abg. Oberfohren, daß der Reichspräſident
in ſeiner Kundgebung von einer irrigen Auffaſſung der
geſam=
ten Lage und der Folgen des Youngplanes ausgehe, und daß die
Deutſchnationalen ſich von dieſer Ueberzeugung auch nicht durch
Gefühle der Verehrung für ſeine hiſtoriſche Perſönlichkeit
ab=
bringen ließen. Der Kommuniſt Stöcker ſtellte einen
Er=
hanzungsantrag, auch die Drohung des Reichspräſidenten
onzu=
ſchlagen, „mit Hilfe des Artikels 48 die zur Auspreſſung des
Volkes beſtimmten Zoll= und Steuergeſetze durchzuführen”, wenn
der Reichstag damit nicht bis zum 1. April fertia werde. Auch
die Abgeordneten Drewitz (WP.) und Hepp (Chr.=Nat.)
ſpra=
chen ſich gegen öffentlichen Anſchlag der Kundgebung aus. Der
Aba Straſſer (NS.) erklärte, der Reichspräſident ſei immer
mehr ein Stgbiliſationsfaktor der marxiſtiſchen Republik
gewor=
den. Die revolutionäre Jugend könne auf dieſem Wege dem
Präſdenten nicht folgen.
Nachdem der kommuniſtiſche Ergänzungsantrag gegen
Kom=
muniſten und Nationalſozialiſten abgelehnt worden war, wurde
dem Antrag auf öffentlichen Anſchlag in
nament=
licher Abſtimmung mit 218 gegen 130 Stimmen bei 26
Enthaltungen, darunter auch die Bayeriſche Volkspartei,
zugeſtimmt.
Der Reichstag überwies ſodann die Vorlage auf
Verlänge=
dazu gehörigen Anträgen an den Siedlungsausſchuß und trat
in die
erſte Beralung der Zoll= und Steuervorlagen
ein, die zum finanziellen Deckungsprogramm der Regierung
ge=
hören. Eine Vorlage verlangt Erhöhung des Benzin=
Zolles von 6 auf 10 Mark und die Einführung eines
Benzolzolles von 10 Mark. Nach der Negierungsvorlage
ſoll dafür der Zuſchlag zur Kraftfahrzeugſteuer auf 10 Prozent
herabgeſetzt werden. Der Reichsrat beantragt da egen 15
Pro=
zent. Die in einer weiteren Vorlage verlangte Aenderung
der Tabakſteuer ſoll durch Verkürzung der
Zah=
lungsfriſten und Aufhebung der
Tabakſteuer=
lager 32 Millionen einbringen. Durch ähnliche Aenderungen
ſoll der Ertrag der Zuckerſteuer um neun Millionen
er=
höht werden. Dazu kommt die Mineralwaſſerſteuer,
aus der den Ländern 40 Millionen Mark zufließen ſollen, und
ſchließlich die Bierſteuer.
Abg. Rademacher (Dn.) kritiſierte, daß die im Dezember
angekündigten Steuerſenkungen um 915 Millionen Reichsmark
nicht erfolgt ſeien. Der deutſchen Wirtſchaft werde aber eine
Neubelaſtung von 405 Millionen Reichsmark zugemutet. Seit
Dezember betrage die abſolute Neubelaſtung ſogar 925 Mil=
Steuerſenkung ergeben.
Reichsfinanzminiſter Dr. Maldenhauer
gegen die Ausgabewiekſchaft.
Reichsfinanzminiſter Dr. Moldenhauer, der eigentlich erſt bei
der zweiten Beratung der Zoll= und Steuervorlagen das Wort
nehmen wollte, fühlte ſich hier veranlaßt, bereits einige
Erklä=
rungen zu geben. Er habe mit voller Offenheit die finanzielle
Lage dargeſtellt und keine unerfüllbare Verſprechungen gemacht.
Er habe nach der Möglichkeit von Einſparungen zu ſuchen und
ſich dabei gegen Ausgabeforderungen aller
Par=
teien zu wehren. Man könne natürlich nicht einſeitig auf die
Arbeitsloſenverſicherung verweiſen, denn keiner werde es für
möglich halten, die Leiſtungen dieſer Verſicherungen mit einem
Schlage um 300 oder 400 Millionen zu ſenken. Der andere denk= gegen die Kirche gerichteter Feldzug mit der denkbar größten
bare Weg wäre der einer entſprechenden Senkung der
Beamten=
gehälter, ein Vorſchlag, gegen den er ſich mit größter
Entſchieden=
heit aus ſtaatspolitiſchen Gründen wende. Erreicht würde nur
etwas, wenn die Ausgaben ſyſtematiſch auf allen Gebieten des drückung und Knebelung jedes freien Wortes, jedes freien
Ge=
öffentlichen Lebens geſenkt würden und in der Verwaltung durch dankens, jedes freien Glaubensbekenntniſſes iſt dieſem Lande,
zweckmäßige Geſtaltung und durch den Abbau von Ausgaben
ge=
ſpart würde. Er (Dr. Moldenhauer) arbeite gemeinſam mit dem
Reichsſparkommiſſar an einem Ausgabenſenkungs=Ge= zuwider.
ſetz für Reich, Länder und Gemeinden. Der
Reichs=
rat werden am Donnerstag das Geſetz über den Finanzausgleich
und noch in dieſer Woche das Geſetz über die
Einkommenſteuer=
werk der Finanzreform, Kaſſen=Sanierung und Entlaſtung der
Wirtſchaft, möglichſt ſchnell zu erledigen.
Die Ausſprache über das Moldenhauerſche
Programm.
Im weiteren Verlauf der Sitzung erklärte der
Wirt=
ſchaftsparteiler Coloſſer, er ſehe in den vorliegenden
die dringendſte Not hinwegzukommen, und der
Sozialdemo=
krat Keil erklärte, daß ſeine Partei nicht gegen eine
Steuer=
ſenkung ſei, doch halte ſie erſt die Sanierung der Reichskaſſe für
erforderlich. Im gleichen Sinne äußerte ſich auch der
Zen=
trumsabgeordnete Dr. Föhr. Für die Deutſche
Volkspartei erklärte Abg. Dr. Cremer man lege den
ſteuern, Gewerbs= und Grundvermögensſteuer erſtrecke. Die
Ueberweiſung an den Steuerausſchuß diene dazu, abzuwarten,
bis der Reichsfinanzausgleich vorliege, ſo daß das Problem im das ſelbſt nur aus einem ſpäteren Jahrhundert ſtammt. Gefahr
ganzen beraten und ſo zweckmäßig gelöſt werden könne.
Auch Abg. Dr. Reinhold (Dem.) hielt die Sanierung
der Kaſſenlage des Reiches gegenüber der Steuerſenkung für
vor=
dringlich, doch verlange die demokratiſche Fraktion, daß
gleich=
zeitig ſteuerliche Entlaſtungen beſchloſſen werden, auch wenn
deren Inkraftreten an einem ſpäteren Termin erfolge. Das
Mol=
denhauerſche Programm erſcheine der demokratiſchen Fraltion /
als Verhandlungsgrundlage annehmbar, wenn auch gegen Ein=
zelheiten ſchwere Bedenken zu erheben ſeien.
Sybel die bisherige Finanzpolitik als verhängnisvoll und die
(B. V.P.) gab die Bereitwilligkeit ſeiner Partei kund, an einer
Verbeſſerung der Vorlage mitzuarbeiten. Allerdings müſſe die
Bierſteuer=Erhöhung aus rechtlichen, ſozialen, wirtſchaftlichen und
finanziellen Erwägungen heraus bekämpft werden.
Nachdem die Steuervorlagen dem Steuer=Ausſchuß
über=
wieſen worden waren, vertagte ſich das Reichstagsplenum um
17.15 Uhr auf Montag, den 24. März, 15 Uhr. Tagesordnung:
Agrarzollanträge der Regierungspartei und kleinere Vorlagen.
* Englands Kreuzzug gegen das goktloſe
Moskau.
Von unſerem (=Korreſpondenten.
London, 17. März.
I.
In ganz England, in allen Gotteshäuſern aller Konfeſſionen
beteten am letzten Sonntag Millionen von Menſchen für die
Opfer der religiöſen Verfolgungen in Sowjetrußland. Englands
Proteſtanten, Katholiken, Juden, Mohammedaner, alle haben ſich
zuſammengetan und ihre Stimmen gegen die in Rußland
vor=
ſichgehende Ausrottung der Kirche erhoben. Die engliſchen
Zei=
tungen werden mit Briefen aus dem Leſerkreiſe förmlich
über=
rung der Pachtſchutzordnung bis 30. September 1930 mit den ſchüttet. Faſt täglich finden in allen Teilen Englands von
Tau=
ſenden beſuchte Proteſtmeetings ſtatt. Kaum eine Woche vergeht,
ohne daß die Frage der bolſchewiſtiſchen Religionshetze nicht
zum Gegenſtand von Anfragen im Parlamente gemacht wird. Es
iſt — in Kürze — ein Problem, das zurzeit die öffentliche
Mei=
nung ganz Englands aufs Lebhafteſte beſchäftigt. Seine
Ur=
ſachen und Wirkungen näher zu betrachten, dürfte daher an der
Zeit ſein.
Bei dieſer beiſpielloſen Aufrüttelung der
engli=
ſchenöffentlichen Meinung in bezug auf die Moskauer
Religions=Verfolgungen handelt es ſich natürlich um einen
Pro=
zeß, der bereits im Laufe von vielen Jahren langſam, aber ſicher
herangereift iſt. Vor allem ſind es die Sowjetführer ſelbſt
ge=
weſen, die bereits vom erſten Tage ihrer Machterfaſſung an alles
getan haben, was in ihren Kräften lag, um die bürgerlichen
Staaten, England voran, durch die „Gottloſigkeit” ihres Weſens
zu verblüffen. Nur zögerte man in den erſten Jahren, dieſe
Angelegenheit als eine dauernde Erſcheinung hinzunehmen. Jetzt
aber, ſeitdem in Moskau der wunderbare Georgier Stalin das
Heft in die Hand genommen hat, iſt es der Sowjetmacht
end=
gültig gelungen, England von der Kulturloſigkeit ihres
Verhal=
tens gegenüber der Kirche zu überzeugen. Auch haben ſämtliche
engliſche private und halb=offizielle Delegationen (die
wirtſchaft=
lichen inbegriffen), die im Laufe des letzten Jahres Rußland
be=
ſuchten, der Frage der „antireligiöſen Kampagne” ein beſonders
lionen. Auch für 1931 werde ſich keine Möglichkeit für erhebliche aufmerkſames Studium gewidmet. Den kirchlichen Organiſa
io=
nen Englands ſind über dieſes Problem Berichte in
erdrücken=
den Mengen zugegangen. Sie ſind aufmerkſam ſtudiert, ihre
Schilderungen — ſorgſam geprüft worden. Das Dargelegte fand
in faſt allen Fällen eine vollſtändige Beſtätigung. So kam Ende
1929 der Augenblick, da für Eugland über den wahren Charakter
der in Rußland geführten „antireligiöſen Kampagne” keine
Zwei=
fel mehr übrig bleiben konnten. Erſt hiernach ging man zum
Handeln, zum öffentlichen Proteſtieren und Erlaſſen von
Auf=
rufen über.
Für das engliſche Begriffsvermögen iſt dieſer „antireligiöſe
Krieg”, mit all ſeinen ſpezifiſch bolſchewiſtiſchen
Begleitumſtän=
den, ganz beſonders unverſtändlich und abſtoßend. Es iſt
durch=
aus keine „religiöſe Scheinheiligkeit”, die aus dieſer Empörung
der engliſchen öffentlichen Meinung ſpricht. Was die Engländer
in allererſter Linie mit Abſcheu erfüllt, iſt die Tatſache, daß dieſer,
Deutlichkeit von jenem allgemeinen geiſtigen
Pro=
grom Zeugnis ablegt, der heute in Rußland, unter
höch=
ſter Anleitung der Negierenden durchgeführt wird. Die
Unter=
wo jeder reden, jeder denken und jeder glauben kann, was und
wie es ihm beliebt, im tiefſten Grunde des nationalen Weſens
Nicht minder ekelt die Engländer natürlich vor den
ver=
werflichen Methoden, mit Hilfe welcher die
Sowjetbe=
hörden ihren gewaltſamen Verſuch, das ruſſiſche Volk zum
ſenkung verabſchieden. Man habe den Wunſch, das Geſamt= Atheismus zu bekehren, durchzuführen pflegen. Derartige Dinge,
wie das von den kommuniſtiſchen Hooligans geübte Beſpeien von
Kreuzen, Umſchmelzen von Kirchenglocken in Affenkäfige,
Unter=
brechung von Gottesdienſten durch Abſingen bolſchewiſtiſcher
Lie=
der, Benutzen von religiöſen Abbildungen als Zielſcheiben für
Schießübungen und ähnliche Ausſchreitungen mehr, können in
dieſem Lande nicht anders, als nur abſtoßend wirken. Derartige
Scheußlichkeiten müſſen in einem Lande, das ſich gleicherweiſe
durch gute Manieren im politiſchen und privaten Leben, wie durch
anſtändige Behandlung ſeiner Gegner in allen religiöſen, militä=
Eutwürfen keinen Rettungsweg, ſondern nur den Verſuch, über riſchen, ſportlichen und anderen Auseinanderſetzungen
auszeich=
net, nur den denkbar ſchlechteſten Eindruck auslöſen.
Aehnliches empfindet England ferner, angeſichts des jetzt in
Sowjetrußland geübten maſſenweiſen Zerſtörens von
alten Kirchen, ehrwürdigen Klöſtern und künſtleriſch=
hoch=
ſtehenden Gegenſtänden des religiöſen Kultes. England iſt ein
größten Wert darauf, daß die Steuerſenkung ſich auch auf Real= Land, in welchem die Denkmäler des Altertums und der Kunſt
ſtets ſorgfältig erhalten und gepflegt werden. Droht in dieſem
Lande irgendeiner Kirche oder irgendeinem hiſtoriſchen Gebäude,
in Verfall zu geraten, ſo werden zu deſſen Schutze ſofort Dutzende
von Aufrufen erlaſſen, durch freiwillige Spenden werden
inner=
halb weniger Wochen Tauſende und Abertauſende von Pfund=
Sterlingen aufgebracht und das Werk der Erhaltung iſt geſichert.
Wobei England bekanntlich überreich an alten Kirchen, Klöſtern
und hiſtoriſchen Bauten aller Art iſt, deren zahlloſe bis aufs 15.,
14. und gar 13. Jahrhundert zurückgehen. Rußland iſt es in
dieſem Maße nie geweſen. Kirchen und Klöſter, die aus dem
14. Jahrhundert ſtammen, ſind in Rußland nie dicht geſät ge=
Für die Chriſtlich=Nationalen erklärte Abg. von weſen. Eine ruſſiſche Regierung, ſo würde man logiſcherweiſe
annehmen,, ſollte dieſe wenigen, wirklich alten Kirchen und
Alö=
vorliegenden Entwürfe als unannehmbar. Abg. Dr. Horlacher, ſter, die noch in Rußland verblieben ſind, zum mindeſten ſo
ſorg=
fältig pflegen und hegen, wie ihre Mittel es ihr geſtatten würden.
Was tut die Sowjetregierung ſtattdeſſen?
Statt ſich um die Erhaltung dieſer Denkmäler der ruſſiſchen
Geſchichte und Kunſt zu bemühen, gibt ſie Order, eines der
ehr=
würdiaſten und ſchönſten Klöſter Rußlands, eines der wenigen
aus dem 14. Jahrhundert ſtammenden Klöſter, das Rußland noch
behalten hat, das weltberühmte Simonowſkii=
Floſter bei Moskau — durch Dynamit in die Luft zu
Seite 2
ſprengen und es von einer, eigens zu dieſem Zwecke
losgelaſſe=
nen, 5000=köpfigen Horde bewußt irregeleiteter Rotarmiſten
inner=
halb von 24 Stunden dem Erdboden gleichzumachen! Weshalb?
Um an dieſer Stelle einen „Palaſt proletariſcher Kultur” zu
er=
richten, für den in der weiten und ländlichen Umgebung
Mos=
kaus über und übergenug Platz vorhanden iſt! Lieſt man
der=
artiges ausgerechnet in England, ſo ſagen ſich die Leute hier
un=
willkürlich, daß ſelbſt all die Schilderungen, die bisher die
wütend=
ſten Antibolſchewiſten von der in Moskau herrſchenden Clique
entworfen haben, hierdurch in den Schatten geſtellt werden.
Men=
ſchen, die derartige kulturwidrige Handlungen begehen, ſie gar
zur täglichen Regel gemacht haben, können nicht anders als nur
„Barbaren”, „Vandalen” und „Hottentotten” genannt werden
Nach all dem bedarf es eigentlich kaum mehr, auf die von
den Sowjetfunktionären an Geiſtlichen aller
Kon=
feſſionen begangenen Grauſamkeiten hinzuweiſen
Dieſe Taten haben dem in England ſeit langem anſchwellenden
Unwillen gegen das wilde Treiben der Moskowiter nur den
letzten Stoß gegeben. Namentlich nachdem von einigen
Parla=
mentariern und anderen hervorragenden Engländern, die kürzlich
Rußland beſucht hatten, die an Geiſtlichen begangenen Morde
unumſtößlich bewieſen worden ſind, ſchwanden hierüber auch die
letzten Zweifel dahin: es wurden den Führern der drei in
Eng=
land verbreitetſten Kirchen nicht nur zahlreiche Sowjetblätter mit
den offiziellen an Prieſtern vollſtreckten Todesurteilen und aus
Sowjetquellen ſtammende Statiſtiken und Berichte über die roten
Erfolge „auf dem antireligiöſen Kriegsſchauplatz” zur Verfügung
geſtellt, ſondern auch in großer Zahl Photographien erſchoſſener
Geiſtlicher vorgelegt; auch ſonſt mangelte es nicht an
einwand=
freien Zeugenausſagen; gewiſſe Dinge, welche die aus Rußland
geflüchteten Mennoniten, Schweden, Finnen und andere, in
Ruß=
land lebende Fremdſtämmige zu berichten wußten, erwieſen ſich
als aller Beſchreibung ſpottend. In der Verdammung dieſer
Dinge glaubt man in England nicht weit genug gehen zu können.
Sie bewirkten es, daß das Gefühl der Empörung, das ſich
an=
fänglich nur auf den Kreis der Geiſtlichen beſchränkte,
allmäh=
lich zu einer gemeinſamen Sache aller Gläubigen Englands
(Ein weiterer Aufſatz folgt.)
wurde.
Vom Tage.
Der Preußiſche Landtag lehnte am Mittwoch in namentlicher
Ab=
ſtimmung den kommuniſtiſchen Mißtrauensantrag gegen den preußiſchen
Wohlfahrtsminiſter Dr. Hirtſiefer, der mit Mißſtänden in der
Fürſorge=
erziehung begründet war, mit 222 Stimmen der Regierungsparteien
gegen 39 Stimmen der Kommuniſten ab.
Nachdem der Handelsvertrag mit Polen zum Abſchluß gekommen
iſt, hat der im Mai 1927 gegründete deutſch=polniſche
Wirt=
ſchaftsbund mit dem Sitz in Breslau nach Fühlungnahme mit den
maßgebenden Wirtſchaftsvertretungen ſeine Umwandlung in
eine deutſch=polniſche Handelskammer vollzogen.
Der deutſche Botſchafter in Moskau hatte eine längere
Unterredung mit Litwinow über die deutſch=
ruſſi=
ſchen Beziehungen.
Der als franzöſiſcher Unterhändler für die Saarverhandlungen
beſtätigte Miniſter der öffentlichen Arbeiten, Pernot, hat geſtern
mit Miniſterialrat v. Friedberg die Saarverhandlungen
wieder aufgenommen.
Die engliſchen Liberalen haben einſtimmig beſchloſſen, bei der
Unterhausdebatte über die konſervativen Abänderungsvorſchläge zu dem
Geſetzentwurf über den Kohlenbergbau am 20. März nicht gegen die
Regierung Macdonald zu ſtimmen.
Die engliſche Regierung hat an den Völkerbund den
Antrag auf Einberufung einer neuen
internatio=
nalen Konferenz geſtellt, die die Inkraftſetzung des Abkommens
über die Kontrolle des internationalen Waffenhandels vom 17. Juni
1925 betreiben ſoll.
Der Präſident der tſchechiſchen Republik,
Ma=
ſaryk, iſt in Roquebrune — Kap Martin — angekommen,
wo er ungefähr einen Monat zur Erholung verweilen wird.
Die feierliche Beiſetzung Primo de Riveras
ge=
ſtaltete ſich zu einer großartigen Kundgebung aller Schichten der
ſpani=
ſchen Bevölkerung, die in unüberſehbaren Maſſen dem toten Führer
das letzte Geleit gaben.
Die zollpolitiſche Freizone des Quarnero iſt nach
dem jetzt veröffentlichten Dekret vorläufig bis Ende 1931 vorgeſehen.
Sie umfaßt die Küſtengebiete Fiume, Abbazia, Volosca und Laurana
mit den umliegenden Gebieten.
Auf einer Konferenz von Vertretern, des japaniſchen
Marineminiſteriums und des Oberſten
Flotten=
ſtabes wurde beſchloſſen, dem Kabinett die Ablehnung der
letzten amerikaniſchen Vorſchläge zu empfehlen.
Nach Meldungen aus Schanghai ſollen bewaffnete Kommuniſten
die Stadt Fuan in der chineſiſchen Provinz Fokien angegriffen und
ein=
genommen haben. Dabei ſollen alle Beamten ſowie 2000 Männer,
Frauen und Kinder niedergemetzelt worden ſein.
der Proſeiſot „humoris Lauſa".
Zum Tode des berühmten Humoriſten und Vortragskünſtlers
Marcell Salzer.
Marcell Salzer, der ſoeben verſtorbene hervorragende
Humo=
riſt und Künſtler, war im Laufe der Jahre ein Sorgenbrecher für
das deutſche Volk geworden, der es in Krieg und Frieden
ver=
ſtanden hat, für einige Stunden Heiterkeit und Vergeſſen zu
ver=
breiten. Er war urſprünglich Kaufmann, und zwar Buchhalter in
einem Wiener Geſchäftshaus. Schon damals legte er mehr Wert
auf Rezitationen als auf die engliſche und franzöſiſche
Korre=
ſpondenz. Er wurde darum auch von ſeinem Chef ſehr ſchnell
an die friſche Luft befördert. Nun hatte er Gelegenheit, ſeinen
Lebenstraum zu verwirklichen und Künftler zu werden. Er
be=
gann in Hirſchberg i. Schl., wo ein Brauſebad errichtet werden
ſollte. Die Reineinnahmen ſeines Vortrages waren für die
Er=
richtung des Brauſebades beſtimmt. Dieſer Erfolg machte ihn
kühn, hatte er doch hier zum erſten Mal 30 Mark an einem Abend
verdient. Da er gemerkt hatte, daß ſeine heiteren Vorträge ſich
des größten Beifalls erfreuten, ſo verzichtete er bald darauf, Teile
aus Tragödien vorzuleſen, ſondern er hielt ſich an die luſtigen
und nachdenklichen Geſchichten. Beſonders „Die Sache mit dem
Regeuſchirm” war in früheren Jahren ſein Haupterfolg. Ein
Bauer fragt ſeine Frau, als er in die Stadt gehen will, ob er
einen Regenſchirm mitnehmen ſoll. Und die Frau kann ſagen,
was ſie will, immer wendet er das Gegenteil ein. Wenn die
Frau ſagt, daß es ſchönes Wetter iſt, ſagt er, es könne
bald ſchlechtes Wetter werden. Und wenn die Frau ihm
darin Recht gibt, erklärt er wütend, daß es doch ſchön bleiben
kann. Schließlich ſchimpft er auf die Frau, weil die Frauen nie
wiſſen, was ſie wollen. Nur hin und wieder brachte Salzer auch
tragiſche Dichtungen zum Vortrag. Das war für viele ſeiner
Zuhörer völlig neu und als er eines Tages ein ernſtes Gedicht
von Fontane las, ſagte ein biederer Sachſe: „Ich wes nich, da
gann ich nu nich lachen.‟ Er war überzeugt, daß man bei
Marcell Salzer lachen muß.
Salzer hatte bekanntlich den Titel Profeſſor, der ihm viel
Freude machte. Der Herzog von Koburg hatte ihn dazu ernannt,
um der Welt zu zeigen, daß auch ein Humoriſt würdig iſt, eine
hohe Auszeichnung zu erhalten. Beſonders in früheren Jahren
waren nur die Tragiker und ſogenannten ernſten Künſtler für
voll angeſehen worden, während man die Humoriſten mehr für
Donnerstag, den 20. März 1930
EP. London, 19. März.
Der frühere engliſche Premierminiſter Lord
Balfour iſt am Mittwoch morgen, im Alter von 82 Jahren
geſtorben.
Lord Arthur James Balfour gehörte zu jenem Kreis engliſcher
Führer, denen die Beſchäftigung mit Politik eine Angelegenheit
vornehmer Tradition war. Dieſer Zug kam bei dem jetzt
verſtor=
benen Staatsmann, zu beſonderem Ausdruck, da er nach ſeiner
ganzen Veranlagung nicht nach Volkstümlichkeit verlangte und am
liebſten in einem Kreiſe Gleichgeſinnter wirkte. Seine
Beſchäfti=
gung mit der Philoſophie, die ihm ebenſo wie ſeine Leidenſchaft
für das Golfſpiel nach der in Eton und Cambridge durchgemachten
Schule eine Lieblingsſache war, förderte dieſen Hang. Die
geſchicht=
lichen Ereigniſſe haben Balfour trotzdem einen feſten Platz in der
Chronik der letzten dreißig Jahre geſichert. Sein Name iſt vor
allem mit zwei, wohl noch für Jahrzehnte wirkſamen und dem
Politiker vertrauten Dokumenten verbunden: der Balfour=
Dekla=
ration, der weltgeſchichtlichen Erklärung, die dem Zionismus eine
Heimſtätte in Paläſtina verſchafft hat, und der ſogen. Balfour=
Note, die ein für allemal die Politik der engliſchen Regierung
da=
hin feſtlegte, daß Großbritannien mindeſtens genau ſo viel
Zah=
lungen von ſeinen europäiſchen Schuldnern und von Deutſchland
erhalten müßte, wie es ſelber an die Vereinigten Staaten zu leiſten
habe
Die Zugehörigkeit Lord Balfours zu dem ſchottiſchen Geſchlecht
der Cecils und ſeine Verwandtſchaft mit Lord Salisbury
beſtimm=
ten ſeine politiſche Laufbahn. Bereits im Alter von 26 Jahren
trat er ins Unterhaus ein. Als Miniſter für Irland konnte er in
den Jahren 1887 bis 1891 unter Salisbury durch energiſches
Zu=
greifen wieder geordnete Verhältniſſe auf der von Aufruhr
er=
füllten Inſel herſtellen. Im Jahre 1892 wurde er zum Leiter der
Konſervativen Partei gewählt. 1902, nach dem Rücktritt
Salis=
burys, wurde er Premierminiſter. Seine Miniſterpräſidentſchaft
ſtand unter dem Zeichen heftiger Kämpfe zwiſchen Freihändlern
und Schutzzöllnern, welch’ letztere unter der Führung von Joe
Chamberlain dem inneren Gefüge der Konſervativen Partei
ſchwe=
ren Schaden zufügten. Nach der Wahlniederlage 1906 zog ſich
Bal=
four von der Politik zurück, um erſt 1915 wieder politiſch
hervor=
zutreten, wo er im Koalitionskabinett Churchill das Amt des
Erſten Lords der Admiralität übernahm. Im folgenden Jahre
wurde er als Nachfolger Greys Leiter des Auswärtigen Amtes,
das er bis zur Umbildung des Kabinetts Lloyd George im
No=
vember 1919 innehatte, um dann „Lordpräſident des Geheimen
Rats” zu werden. Als Führer der engliſchen Delegation auf der
Waſhingtoner Seeabrüſtungskonferenz von 1922 hatte Balfour
einen weſentlichen Anteil an dem Zuſtandekommen dieſer
Konfe=
renz. Die Balfour=Deklaration und die Balfour=Schuldennote ſind
ſchon erwähnt. Bei der Parlamentsauflöſung im Jahre 1929 zog
ſich Balfour noch vor dem Sturz Baldwins aus dem politiſchen
Leben zurück, um auf ſeinem Gut Whittingehame an der
ſchot=
tiſchen Oſtküſte zu leben und ſeine Memoiren zu verfaſſen. Er hat
ein Alter von faſt 82 Jahren erreicht.
*
Zur Ehrung des Andenkens von Lord Balfour hat ſich das
Unterhaus nach einer drei Minuten dauernden Sitzung vertagt.
Das Oberhaus vertagte ſich aus dem gleichen Anlaß kurz nach
Eröffnung der Sitzung, König Georg von England hat an die
Familie des Verſtorbenen ein Beileidstelegramm geſandt, in dem
er den Tod Lord Balfours als den Verluſt eines großen
Staats=
mannes für die engliſche Nation bezeichnet. — Zahlreiche andere
Beileidstelegramme ſind von Freunden und Bekannten des
Ver=
ſtorbenen bei den Hinterbliebenen eingegangen. — Der franzöſiſche
Botſchafter in London, de Fleuriau, hat im Namen des
franzö=
ſiſchen Außenminiſters Briand der Familie des verſtorbenen Lord
Balfour ſowie dem engliſchen Außenminiſter Henderſon
Beileids=
beſuche abgeſtattet.
Spaßmacher anſah. Dieſem Vorurteil wollte der Herzog
begeg=
ien und als Marcell Salzer zu ihm ging, um ihm dafür zu
dan=
ken, erklärt ihm der Herzog: „Ich habe Sie zum Profeſſor
„humoris causa” ernannt. Sie können es auch „honoris eausa‟
nennen, denn beides iſt gleichwertig.‟ Der Herzog war ein rich=
Profeſſor Marcell Salzer.
tiger Prophet, denn Salzer war bald überall, wo er auftrat, ſo
geehrt, wie der um die Wiſſenſchaft hochverdiente Gelehrte,
ſo=
daß niemand an ſeinen Titel Profeſſor irgendwie Anſtoß nahm.
Im Gegenteil! Man freute ſich, daß der hervorragende Künſtler
auf dieſe Weiſe auch der Oeffentlichkeit gegenüber durch einen
Titel, der bekanntlich in Deutſchland viel gilt, ausgezeichnet
wor=
den war. Oft wies Marcell Salzer darauf hin, daß es in der
Welt keinen anderen Profeſſor „humoris causa” gäbe.
Sehr innig waren die Beziehungen Marcell Salzers zu
Liliencron. Bekanntlich litt Liliencron während ſeines ganzen
Lebens nicht gerade unter einer Fülle von Geld. Seine Werke
brachten ihm nicht viel ein. Als nun im Jahre 1901 von
Wol=
zogen das Ueberbrettl gegründet wurde, in dem auch Marcell.
Verſtändigungsverſuche in London.
Die Jialiener unker dem Druck der
Konferenz=
keilnehmer.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 19. März.
Es iſt ſehr ſchwierig, über den Stand der Verhandlungen in
London ein klares Bild zu gewinnen. Die Konferenz hat jetzt zwei
wichtige Poſten auf der Aktivſeite zu verzeichnen.
Die Verſtändigung zwiſchen Amerika und
Japan iſt in ihrer Bedeutung nicht zu unterſchätzen. Es iſt
wahr, ſie iſt nicht definitiv, und Japan wünſcht ebenſowenig wie
die beiden angloſächſiſchen Mächte ein Dreimächteabkommen. Alſo
hängt alles nach wie vor von dem allgemeinen Ergebnis, das
man in London erzielen wird, ab. Amerika hat aber ſehr ernſte
und weitgehende Konzeſſionen an Japan gemacht, und das iſ
immerhin ein Poſitivum.
Die allgemeine Lage in London erſcheint nach wie vor un
lösbar. Aber darüber iſt man in Chequers ſcheinbar über
eingekommen, daß keiner der Teilnehmer den Abbruch und den
Mißerfolg der Konferenz wünſcht. Es wäre eigentlich das beſte,
die Konferenz vermanent zu erklären und ſie bis zum jüngſten
Gericht tagen zu laſſen. Denn Zeit, alles gewonnen. Leider
ſcheint aber dieſe Löſung unausführbar, deshalb wird man auf
die Ewigkeit verzichten und ſich mit etlichen zehn Tagen
be=
gnügen.
Für Amerika wäre es aus innenpolitiſchen Gründen ſehr
un=
angenehm, wenn die Konferenz ſcheitern würde. Für England
gilt dies in noch erhöhterem Maße. Japan und Italien müßten,
wenn die Konferenz verſagen würde, das Wettrüſten mit
Ame=
rika, beziehungsweiſe mit Frankreich aufnehmen, ein ebenſo
koſt=
ſpieliges wie hoffnungslos ausſichtloſes Beginnen. Und
Frank=
reich würde ſich in eine unangenehme diplomatiſche Situation
hineinmanövrieren. Man werde es als den Alleinſchuldigen an
dem Mißerfolg der Konferenz darſtellen. Gewiß, das wäre für
die franzöſiſche Außenpolitik kein unerträglicher Schlag, aber man
vermeidet ihn gerne. Einen Ausweg ſieht man bis jetzt
auer=
dings nicht. Deshalb auch die Geheimniskrämerei.
Von allen Konferenzteilnehmern befindet ſich namentlich
Italien in der peinlichſten Lage. Das ganze bisherige Verhalten
der italieniſchen Delegation war eine eklatante Widerlegung des
Märchens von der diplomatiſchen Geſchicklichkeit der Italiener.
Es iſt kein Wunder, daß der Druck, der bisher im Intereſſe einer
Löſung der Konferenz auf Frankreich gelaſtet hat, jetzt auf Italien
ausgeübt wird. Italien iſt die ſchwächſte Seemacht auf der
Kon=
ferenz, und es iſt eigentlich natürlich, daß man nun auf ſie die
ſtärkſte Preſſion ausüben wird. Aber die Lage iſt ſo, daß ein
Nachgeben für Italien in London beſonders peinlich wäre,
Neue ernſte Lage. — Ablehnung der amerikaniſchen
Vorſchläge durch Japan.
EP. Tokio, 19. März.
Die amerikaniſchen Abrüſtungsporſchläge
an Japan, die in den Verhandlungen zwiſchen Senator Reeg
und dem japaniſchen Botſchafter in London, Matſudeira, zuſtandd
gekommen waren, ſind vom japaniſchen Kabinett als
unannehmbar abgelehnt worden. Der japaniſche
Außenminiſter, Baron Schidehara, erklärte aber, daß die
Regie=
rung bis Freitag dieſer Woche Gegenvorſchläge ausarbeiten wolle,
die nach Billigung durch das Kabinett dem japaniſchen
Delega=
tionsführer in London übermittelt werden ſollen. Wie in
hie=
ſigen politiſchen Kreiſen verlautet, iſt es zwiſchen dem japaniſchen
Auswärtigen Amt und der Admiralität zu einem ſcharfen
Kon=
flikt über den amerikaniſchen Abrüſtungsvorſchlag gekommen, der
von offiziellen Marinekreiſen als offenſichtliche Benachteiligung!
Fapans abgelehnt werden müſſe.
*
Durch die Ablehnung der amerikaniſchen Vorſchläge ſeitens
der japaniſchen Regierung hat ſich die allgemeine ernſte Lage der
Londoner Konferenz weiter zugeſpitzt. Nach achtwöchigen
Ver=
handlungen ſteht bisher nichts weiter feſt, als das engliſch=
ameri=
kaniſche Flottenabkommen, das bereits vor der Konferenz
zu=
ſtande gekommen war. Angeſichts dieſer Lage kurſierten in
hieſi=
gen politiſchen Kreiſen geſtern hartnäckig Gerüchte, die von einenn
bevorſtehenden Zuſammenbruch der Konferenz wiſſen wollten:
In Italien glaubt man nicht mehr an einen
Erfolg der Flottenkonferenz von London. Die
Regierungsblätter bemühen ſich, die unverſöhnlichen
Rüſtungs=
anſprüche Frankreichs und ſeine hartnäckige Ablehnung den
Gleichſtellung mit Italien für den Mißerfolg verantwortlich zu
machen.
Salzer eine hervorragende Rolle ſpielte, war der Erfolg dieſes
literariſchen Varietes ſo groß, daß eine Reihe ähnlicher
Unter=
nehmungen aus dem Boden emporwuchſen. Adlige Dichter, die
nach dem Beiſpiel Ernſt v. Wolzogens dieſe Brettl leiten ſollten.
waren ſehr gefragt. So wurde mit Hilfe von Marcell Salzer
uuch das ſogenannte „Bunte Brettl” gegründet, in dem Liliencrom
zum Direktor ernannt worden war. Marcell Salzer ſchuf dieſes
Unternehmen eigens zu dem Zwecke, um dem armen Dichter
auch=
einmal eine Möglichkeit zu feſten monatlichen Bezügen zu geben.
Liliencron erhielt ein Gehalt von 1000 Mark, für ihn eine
unge=
heure Summe. Dafür mußte er allerdings auch ſelbſt einige
ſei=
ner Dichtungen vortragen. Liliencron trat geſtiefelt und geſpornt.
auf dem Podium auf und ſtellte darum bei Abſchluß des
Ver=
trages die merkwürdige Bedingung, daß ihm jeden Abend eiſſt.
Stiefelputzer zur Verfügung ſtehen müßte, damit ſeine
Stiefel=
immer ſchön blank ſeien. Dieſe Bedingung wurde von Salzer
gern bewilligt. Lange dauerte allerdings die Herrlichkeit den
Bunten Brettl” nicht. Aber von hier nahm der Ruhm Salzers
ſeinen Ausgang. Er wurde bald ſo beliebt, daß er ein eigenes
Buch ſeiner Vorträge herausgeben konnte, das er „Das luſtigs
Salzerbuch” nannte,
* Studiengeſellſchaft für elekkro=akuſtiſche Muſik.
Im Prinz=Emil=Schlößchen fand vorgeſtern die erſte Jahres
verſammlung der Studiengeſellſchaft für elektro=akuſtiſche
Muſt=
ſtatt. Den zahlreich Erſchienenen erſtattete der Vorſitzende, Her
Fabrikant Schenk, den erſten Jahresbericht. Darauf wurde mi
allſeitiger Zuſtimmung der Städt. Muſikdirektor W. Schmitt in
den Vorſtand gewählt, und dann zeigte Herr Jörg Mayer di=
Früchte und Erfolge ſeiner einjährigen Arbeit. Zweck und Ziel
ſeiner Arbeit ſind ja bekannt; mit Freude läßt ſich erkennen, da f
nicht nur fleißig gearbeitet wurde, ſondern daß gegen früher er
hebliche Vorteile bereits erzielt werden konnten. Herr Jör=4
Mayer hat inzwiſchen zwei Sphärophone gebaut, ein Hochtom
inſtrument hinauf bis zum Klange des Piccolo, und ein Normal.
toninſtrument mit dem Umfang ungefähr von Cello und Geige.
man hört die Klangfarbe von Oboe, Clarinette und Fagott. Di.
kleine Orgel hat inzwiſchen auch weitere Verbeſſerungen
erfah=
ren, ſo hinterließ die Vorführung durchaus befriedigende Eim
drücke und läßt hoffen, daß die Bemühungen des ſympathiſchen
und begeiſterten Erfinders auf dem noch weiten Wege bis zu.
O.
Erfüllung von Erfolg begleitet ſind,
Nummer 79
Donnerstag, den 20. März 1930
Seite 3
Mampfänſtge Sebeligs gegen Thulingen.
Miniſter Frick wird beſchuldigk, die khüringiſche Polizei im nakionalſozialiſtiſchen Sinne zu beeinfluſſen.
Hochverralsanzeige gegen Miniſter Frick? — Vorläufige Sperrung der Reichszuſchüſſe für Thüringen.
aber auch die übrigen thüringiſchen Parteien, die mit den Na=
Severing gegen Brick.
tionalſozialiſten in der Regierung ſitzen, genau ſo intereſſiert.
Vielleicht wäre es deshalb zweckmäßig, hier den Hebel
anzu=
ſetzen und gerode die Vollspartei, die bei einem ſolchen Experi=
Die Auswirkungen des Severing=Briefes.
* Berlin, 19. März. (Priv.=Tel.)
Der Reichsinnenminiſter hat in einem Schreiben vom 18.
März der thuringiſchen Regierung offizielt den Fehdehandſchuh
Zeivorſen. In ſeinem Schreiben ſagt er:
„Auf mein Schreiben vom 17. Februar ds. Js. habe ich bis
hute eine Antwort nicht erhalten. Dagegen hat nach bisher
unwiderſprochenen Zeitungsmeldungen, das
Nitglied des thüringiſchen Staatsminiſteriums,
gerr Miniſter Fria, in einer öffentlichen
Ver=
ammlung erklärt, daß ich auf eine Antwort
lange warten könne.
Dieſe Haltung des Herrn Staatsminiſters Frick hat mich
ver=
arlaßt, für den Geſchäftsbereich meines
Mini=
ſteriums Anordnung dahin zu treffen, daß
Anfra=
gen und Schreiben des thüringiſchen Staats=
In iniſteriums nicht früher beantwortet
wer=
den, bis eine Antwort auf mein Schreiben — auf
die ich übrigens keineswegs warte — eingegangen iſt.
(leichzeitig ſino die zuſtändigen Stellen meines
Mini=
ſtriums angewieſen worden, alle Ueberweiſungen
aus Fondsmitteln des
Reichsinnenminiſte=
rrums an Thüringen einſtweilen einzuſtellen.
Schließlich mache ich darauf aufmerkſam, daß mir
Nachrich=
tim zugegangen ſind, die begründete Zweifel darüber
eiweaen, ob die Vorausſetzungen für die
Gewäh=
rung eines Reichszuſchuſſes für Polizeizwecke
von ſeiten des thüringiſchen
Staatsmini=
ſteriums noch erfüllt ſind. Ich bin daher nicht in
der Lage, weitere Zuſchußzahlungen
anzuwei=
ſen, wenn nicht vom thüringiſchen
Staatsmini=
ſterium der bündige Beweis dafür erbracht
inerden kann, daß von ihm die Grundſätze für
die Gewährung des Reichszuſchuſſes in vollem
umfange beachtet werden."
(gez.) Severing.
*
* Dem Schreiben Severings entſprechend wird am 1. April
d e zu dieſem Tage fäuige Ueberweiſung von 225 000 Mark on
das thüringiſche Staa sminiſterium nicht erfolgen. Der
thürin=
g ſche Polizeielat wird ungefähr zu neun Zehuteln aus
Reichs=
zuſchüſſen beſtritten. Die Aufnahme, die dieſer Vorſtoß in der
Terliner Preſſe und im Parlament gefunden hat, iſt geteilt.
Im der Mitte äußerſt man ſich ſehr viel zurückhaliender, einmal
neil Herr Severing formell im Unrecht iſt. Er hat in ſeinem
nicht beantworteten Schreiben von dem „nationalſozialiſtiſchen
t üringiſchen Innenminiſter” geſprochen, und die thüringiſche
3egierung bann ſich wohl mit Recht verbitten, daß in den dienſt=
1hen Briefwechſel derartige Parteifragen hineingetragen
wer=
den. Darüber hinaus aber iſt das angebliche Material, das gegen
den thüringiſchen Innenminiſter Frick vorliegen ſoll, nach dem,
nas man bisher gehört hat, ſehr dürftig. Es ſtützt ſich auf eine
enzige Anzeige, die kaum hinreichend beweiskräftig iſt. Man
ſpricht zwar auch von einer weiteren Anzeige beim
Oberreichs=
aiwalt. Der Oberreichsanwalt ſelbſt aber weiß davon bisher
nächts. Beſonnene Elemente hätten es daher lieber geſehen, wenn
Kerr Severing etwas gewartet hätte, bis er eines vollen
Erfol=
ges ſicher war. Ob das jetzt der Fall iſt, bleibt zum mindeſten
zweifelhaft.
Die thüringiſche Regierung wird ſich mit der Sperrung
der Polizeigelder, auf die ſie einen berechtigten Anſpruch
z haben glaubt, nicht beruhigen. Im Reichsinnenminiſterium
rochnet man mit einem Proteſt bei der Reichsregierung, der dann
das Reichsinnenminiſterium berechtigen würde, Beauftragte nach
Thüringen zu ſchicken, um entſprechende Unterſuchungen
anzuſtel=
len. Es wäre aber auch denkbar, daß die thüringiſche Regierung
den Weg des Verwaltungsſtreitverfahrens einſchlägt und ſür
Herrn Severing wäre es mehr als peinlich, wenn er dabei der
umterliegende Teil ſein ſollte.
Auf der anderen Seite aber iſt es ebenſo ſelbſtverſtändlich,
daß der Reichsinnenminiſter von Amts wegen die Entwicklung
der Polizei beobachten muß und nicht dulden darf, daß aus dieſer
Landespolizei eine Parteiorganiſation gemacht wird. Daran ſind
ment der Leidtragende wäre, hätte ein Intereſſe daran, wenn ſie
ſich gegen weitere Extratouren des Herrn Frick in ſeiner Stellung
als thüringiſcher Innenminiſter ſicherte.
Die Vorwürfe gegen den Oberbürgermeiſter
von Eiſenach.
Das Vorgehen des Reichsinnenminiſters Severing gegen den
nationalſozialiſt ſchen thüringiſchen Innenminiſter Frick findet in der
Berliner Oeffentlichkeit ſtärkſte Beachtung. Dem amtlichen Vorgehen
ſind Veröffentlichungen in der ſozialdemokratiſchen Preſſe
vorausgegan=
gen, in denen gegen den Oberbürgermeiſter von Eiſenach, Janſon,
hef=
tige Anſchuldigungen erhoben werden, weil er in anem politiſchen
Ver=
hör eines früheren Polizeioffiziers M., der ſich um die Stellung eines
Polizeikommiſſars beworben hatte, dieſem zugemutet habe, für den Fall
eines Losſchlagens von Nationalſozial ſten und Stahlhelm nicht gegen
dieſe vorzugehen. Dies ſowie ſeine Beziehungen zum Reichsbanner
hätten Janſon veranlaßt, den Bewerber abzulehnen. Nach einer
Aus=
kunft, die Janſon dem „Lokal=Anzeiger” telephoniſch erteilt hatte,
be=
ſtreitet dieſer die ſozialdemokrat ſche Darſtellung. Gegen den Anwärter
hätten vielmehr ſchwere Beſchuldigungen perſönlicher Art vorgelegen;
ſo ſei behauptet worden, daß er im Felde ſich ſelb verſtümmelt habe,
um aus der Front wegzukommen. Janſon habe darauf dem Anwärter
erklärt, das beſte würde ſein, wenn er, da die Beſchuldigungen aus
Rechtskreiſen ſtammen, auch Leumundszeugniſſe aus Rechtskreiſen
bei=
bringen könnte.
Zu dem Vorgehen Severings gegen den M miſter Frick ſelbſt
ver=
lautet weiter, daß das Schreiben des Reichsinnenminiſters
ſelbſtverſtänd=
lich im Einvernehmen mit dem Reichskanzler abgeſandt worden ſei.
Sollte die Sperrung der finanziellen Zuſchüſſe — das Reich bezahlt
nicht wemger als 85 v. H. der thüringiſchen Polizeikoſten — nicht die
gewünſchte Wirkung haben, dann werde die Reichsregierung auch vor
entſchiedeneren Maßnahmen, insbeſondere der Ernennung eines
Reichs=
kommiſſars für Thüringen, nicht zurückſchrecken.
Moldenhauers Ankwork an Wiſſell.
Berlin, 19. März.
Im Haushaltsausſchuß des Reichstages wurde am
Mitt=
woch die Frage der Arbeitsloſenverſicherung in Gegenwart des
Reichsfinanzminiſters weiter beſprochen. Reichsfinanzminiſter
Dr. Moldenhauer erklärte, er habe einige Nach ſtunden Schlaf
geopfert, um darüber nachzudenten, ob er ſeine Hamburger Rede
als Priratmann oder als Finanzminiſter gehalten habe. Die
Löſung dieſes Rätſels ſei ihm noch nicht gelungen. Es ſei aber
feſtzuſtellen, daß er vom Oſtaſiatiſchen Verein in Hamburg nicht
in ſeiner Eigenſchaft als privater Oſtaſienkenner, die nicht allzu
berühmt ſei, eingeladen wurde, ſondern wohl wahrſcheinlich
als Finanzminiſter. Deshalb habe er geglaubt, nicht über
Oſt=
aſien, ſondern über die Reichsfinanzreform ſprechen zu ſollen.
Er habe mit ſeinen Ausführungen keineswegs irgendwelche
Zu=
ſtändigkeitsgrenzen verletzen wollen. Es ſei aber nicht zu
leug=
nen, daß die Arbeitsloſenverſicherung ihm möglicherweiſe den
ganzen Haushalt über den Haufen werfen könne. Deshalb ſei
es die Pflicht jedes Finanzminiſters, ſich auch mit dieſer Frage
eingehend zu beſchäftigen. Er denke nicht daran, die
Sachverſtän=
digkeit des Reichsarbeitsminiſteriums anzuzweifeln, aber auch
ihm ſei eine gewiſſe Sachverſtändigkeit nicht abzuſprechen, da er
ſich beruflich ſeit 1901 mit der Arbeitsloſenverſicherung
beſchäf=
tige. Im Hinblick auf dieſe Tatſache hoffe er, daß ſeine
Ham=
burger Rede mit etwas weniger Leidenſchaft betvachtet werde
und ſein Streben, in erſter Linie den Haushalt in Ordnung zu
halten, anerkannt werde.
In der weiteren Ausſprache erklärte der
Reichsfinanzmini=
ſter noch, die Reichsregierung habe ſich der einſtimmigen
Auf=
faſſung des Reichsrates über die Anrechnung der Mittel aus der
Lex=Brüning angeſchloſſen. Er bitte dringend, den
Nachtrags=
haushalt unverändert anzunehmen. In einem Geſetz zur
Vor=
bereitung der Finanzreform, das dem Reichsrat vorliege, werde
beſtimmt, daß ein Betrag, der über 1450 Millionen Mark der
Lohnſteuer hinausgehe, zur Bildung eines beſonderen Notſtocks
der Arbeitsloſenverſicherung zurückgeſtellt werden ſoll.
Der Ausſchuß nahm ſchließlich entſprechen dem Vorſchlag
des Reichsfinanzminiſters den Nachtragsbausholt des
Reichs=
arbeitsminiſteriums in der Faſſung der Vorlage an.
Welkbektag gegen die
Chriſken=
verfolgungen in Rußland.
Kommuniſtiſche Anſchläge gegen Berliner Kirchen.
* Berlin, 19. März. (Priv.=Tel.)
Der heutige Weltbettag der geſamten chriſtlichen Kirche, der
die Weltaktion gegen die Chriſtenverfolgungen im roten Rußland
einleiten ſoll, hat einige Berliner Kommuniſten zu neuen
„Helden’taten herausgefordert. Jedenfalls benutzten ſie die
ſpä=
ten Abendſtunden, um an einer Berliner Kirche ihr Mütchen
zu kühlen. Einige Berliner Kirchen ſind dazu übergegangen,
ihre Eingänge durch beleuchtete Transparente mit einem
Bibel=
ſpruch zu verſehen. So auch die Heilandkirche in Moabit. Deren
Transparent mit der Inſchrift „Durch ſeine Wunden ſind wir
geheilt” wurde durch Steinwürfe einiger jugendlicher
Kommu=
niſten zerſtört. Die katholiſche Sebaſtianskirche am Gartenplatz
wurde von kommuniſtiſchem Geſindel in der vergangenen Nacht
mit hetzeriſchen Inſchriften in roter Farbe beſudelt. Bis in
8 Meter Höhe wurden an den Wänden Schmähſchriften gegen die
Geiſtlichkeit angebracht. Die Polizei hat von dem Treiben nichts
bemerkt und es iſt zu erwarten, daß die Kommuniſten nach ihren
erſten „erfolgreichen” Verſuchen ihren Kampf gegen die Kirchen
verſtärkt aufnehmen werden.
Die ruſſiſchen Gottloſen=Verbände haben beſchloſſen,
anläß=
lich der Oſterfeiern eine große antireligiöſe Karnevalsfeier zu
or=
ganiſieren, an der die geſamte Jugend, die Rotarmiſten und
an=
dere Verbände teilnehmen ſollen. Man beabſichtigt,
Straßenver=
ſammlungen abzuhalten und den Atheismus zu propagieren.
Der päpſtliche Sühnegokkesdienſt.
In der Peterskirche in Rom wurde am Mittwoch die ſeit längerer
Zeit als große Kundgebung der katholiſchen Kiuche gegen die antireligiöſe
Politik des ruſſiſchen Bolſchewismus angekündigte Sühnemeſſe vom
Papſt ſelbſt zelebriert. Aeußerer Prunk war bei der Zeremonie
vermie=
den worden. Schon eine Stunde vor Beginn des Gottesdienſtes war
der Petersdom ſo von Gläubigen überfüllt, daß die Tore geſchloſſen
werden mußten. Alle Volksklaſſen Roms und zahlreiche Pilger waren
vertreten. Auf der Diplomatentribüne bemerkte man den König von
Schweden und die Erzherzogin Maria von Oeſterreich, die mit einem
Ehrengeleit empfangen wurden. Außerdem waren faſt alle
Kurien=
kardinäle, das vollzählige Domkap tel und die religiöſen Orden Roms,
ſowie zahlreiche ruſſiſche Flüchtlinge zugegen; letztere begrüßten den
Papſt mit einem ſchwermütigen Geſang. Am Schluſſe der Meſſe wurde
eine Geldſammlung veranſtaltet, deren Erlös für die Gläubigen in
Ruß=
land beſtimmt iſt.
Nur 30 Millionen zum Schuße der deukſchen Oftgrenze
* Berlin, 19. März. (Priv.=Tel.)
Das Reichswehrminiſterium hat vor geraumer Zeit bereits
Pläne über den Ausbau der uns im Verſailler Vertrag
zugeſtan=
denen Oſtbefeſtigungen ausarbeiten laſſen und fordert im
neuen Etat hierfür einen Betrag von 30 Millionen an.
Wo=
für die Beträge im Einzelnen ausgegeben werden, iſt natürlich
ein militäriſches Geheimnis. Durch den Verſailler Vertrag ſind
uns bekanntlich nur die Feſtungen Königsberg, Küſtrin, Glogau
und Breslau erlaubt. Dieſe ſind aber durch die Interalliierte
Kontrollkommiſſion auf den Stand von 1914 herabgeſetzt worden,
d. h. vollkommen entwertet worden, ſo daß ſie heute nicht mehr
wert ſind als kleinere Garniſonen. Natürlich müſſen die Anlagen
unterhalten werden. Zu den Verteidigungsanlagen gehörten noch
88 betonierte Unterſtände, die vor einigen Jahren bekanntlich an
die Kontrollkommiſſion verraten wurden. Es fand
ein ſehr heftiger Notenwechſel ſtatt mit dem Ergebnis, daß
Deutſch=
land nur 34 Unterſtände zerſtören mußte, und daß man einen
Unterſchied zwiſchen einer äußeren und einer inneren
Feſtungs=
linie machte. Dieſe äußere Verteidigungslinie iſt den Bedingungen
des Verſailler Vertrages unterworfen. Hier darf nichts geändert
werden. In der inneren Verteidigungslinie ſind wir in unſeren
Entſchlüſſen vollkommen frei. Dieſe Linie fällt etwa mit dem Lauf
der Oder zuſammen. In Oſtpreußen iſt allerdings nur ein kleiner
Kern frei geblieben, weil in die äußere Linie das Grenzgebiet
entlang der litauiſchen und polniſchen Grenze fällt, aber auch das
Küſtengebiet dazu gerechnet wird.
Abbau der Techniſchen Nokhilfe.
Die Techniſche Nothilfe iſt den Sozialdemokraten ſchon ſeit
Jahren ein Dorn im Auge. Als Herr Severing ins
Innenmini=
ſterium einzog, beeilte er ſich, für eine Kürzung der für die
Tech=
niſche Nothilfe eingeſetzten Reichsmittel einzutreten. Er hat
da=
bei nicht ganz erfolglos gearbeitet. Die Teno erhielt nur noch
einen Bruchteil der früher bezogenen Unterſtützung. Im neuen
Etat ſind die Zuſchüſſe weiter geſenkt worden. Der Innenminiſter
hätte am liebſten den Zuſchuß ganz eingeſtellt. Soweit wagte er
ſich aber nicht vor, da er ſchon im vergangenen Jahr auf ſtarken
Widerſtand der übrigen Regierungsparteien geſtoßen war. Es
iſt aber wohl damit zu rechnen, daß in abſehbarer Zeit die Teno
wegen mangelnder Mittel gänzlich aufgelöſt werden wird.
Heſſiſches Landeskheater.
Großes Haus. — Mittwoch, den 19. März 1930.
Schwanda, der Dudelſackpfeifer.
Volksoper von M. Kares, Muſik von Jaromir
Weinberger.
Ein Stück, das heuer über 60 Bühnen geht, auch hier zur
Diskuſſion geſtellt zu ſehen, muß dankbar begrüßt werden. Es
wird volle Häuſer machen, denn es wendet ſich an ein breites
Sublikum, dem Schaujuſt und Vergnügen über Kunſt geht.
Zwei=
fellos ſteckt diel wirkliches Theater drin; ein ſicherer
Bühnen=
inſtinkt ſteht dahinter. Es wäre indes irrig, anzunehmen, daß
(s irgendwie bedeutungsvoll, richtungweiſend wäre. Es iſt ein
Zeitdokument. Und zwar ein trauriges, wenn es ſich
heraus=
ſtellt, daß, nachdem das Muſikdrama erſchöpft ſcheint, die
Spiel=
awer von der Vergangenheit zehrt, die Operette veraltet, die
tonale Oper nicht Fuß faßt, die politiſche Oper Spezialität
kleibt, nun als Reaktion die raffinierte Mache an die Neihe
kommt, wie ſie übrigens auf allen Kunſtgebieten in
erſchrecken=
der Weiſe aufzublühen ſcheint
Das Textbuch von Milos Kares iſt höchſt dürftig, ſzeniſch
wirkſam aufgebaut, jedoch ohne Gedanken und Sinn. Ein
Volks=
frück? Wohl kaum. Die böhmiſch koſtümierten Figuren ſind
Thea=
terpuppen, ohne völkiſche Urkraft, ohne Seele. Da iſt der mit
„Hauberkraft begabte Muſikant, da iſt der „edle” Räuber, der
ge=
rellte Teufel vieler Märchen, der böſe Magier, die Eiskönigin,
23 treue Bauernfrauchen: feſte Typen, aber loſe
nebeneinander=
geſtellt, ohne Bezug auf ein ſinnvolles Ziel, das nur in einer
miythiſchen Idee beſtehen kann; Menſchen, deren oft
unverſtänd=
läche Handlungen nicht einer inneren Seelennot — Kern jedes
Märchens — entſpringen, ſondern der Willkür des
Theater=
raktikuſſes.
Auch die Muſik Weinbergers hat keinen Kern, iſt
äußer=
ſäiche Mache eines alle Rezepte beherrſchenden Eklektikers,
be=
wußt meiſt tonal, bereichert durch geſchloſſene Sätze in Form
von Balade, Tänzen, Fugen, Enſembles, Chören, höchſt virtuos,
hoch ohne eigene Erfindung. Schon ſchwirrt das Scherzwort:
Muſillexikon. Auf Schritt und Tritt trifft man auf alte
Be=
kannte, deren Material unverblümt benutzt wird. Das geſchieht
mit erſtaunlichem Anpaſſungstalent, mit Intelligenz und
raffi=
nierter Technik, wodurch die mit allen Waſſern gewaſchene
Par=
kitur überladen, ſchwülſtig, verſüßlicht wird. Volksmuſik? Das
Höhmiſche Kolorit iſt doch wohl nur Attrappe. Ein Nachfolger
Smetanas? Nein, ein äußerlicher Nachahmer. Was bei jenem
aus Nationalgefühl urkräftig ſprudeind echt iſt, plätſchert hier
unecht auf einer flachen, ſinnlichen Oberfläche. Ein aufgebauſchter
Apparat, der ſchnellen Verwandlungen wegen nicht leicht
aufführ=
bar, mit oft kaum ſpielbarer Partitur, mit unnötig ſchwer
ge=
ſchriebenen Rollen. Freilich ein Theaterſtück, deſſen ſzeniſche und
muſikaliſche äußere Wirkung nicht geleugnet werden kann.
Der Erfolg, der dieſer Oper auch heute treu blieb, gründet
ſich allgemein darauf, daß unſer Publikum der modernen Opern=
Experimente ſatt iſt, obgleich deren künſtleriſcher Wert den
Schwanda meiſt überragt. Nun wird den im Grunde doch noch
romantiſchen Seelen der Hunger nach Schmalz und Zucker
ge=
ſtillt, die an Sachlichkeit ernüchterten Augen ſchwelgen in der
Märchenwelt von Himmel und Hölle! Bei uns wird der Erfolg
hauptſächlich der glänzenden Inſzenierung durch Nenato
Mordo und Schenck v. Trapp verdankt, wobei nicht die
fabelhaft gearbeiteten Koſtüme (Frl. Heß und Herr Storck)
und die phantaſtiſchen Lichteffekte Herrn Weils vergeſſen
wer=
den dürfen. Ich beſchreibe ſie nicht. Es ſoll ſich
jeder überraſchen laſſen von der Fülle und Schönheit der genialen
Leiſtung dieſer vorbildlich, zweckmäßig und mit geringen Mitteln
zuſammenarbeitenden Künſtler. Nicht minder wichtigen Anteil
hat unſer hinreißend, nur allzulaut ſpielendes Orcheſter, unter
der überlegenen, ſchmiſſigen Leitung C. M. Zwißlers.
Aner=
kennung gebührt auch der Tanzgruppe, deren Darbietungen
im Reich der Königin geſchmackvoll und eigenartig ausſahen. Im
Höllenreich glaube ich indes hat ſich Cläre Eckſtein die
Gele=
genheit entgehen laſſen, Opernballett in großem Stil zu machen.
Szene und Muſik ſind ergiebig und brauchbar vorhanden. Hier
ſpurde der Improviſation zuviel überlaſſen. Die Zeitſtrömung
geht dahin, neuen zur „Großen Oper” drängenden Werken
wie=
der choreographiſch durchgearbeitete Ballette einzufügen. Damit
wären den Tanzgruppen ſinngemäße Aufgaben geſtellt. Es heißt
ſie nicht geringzuſchätzen, ſondern auszunutzen.
Der Chöre und ihrem Leiter Emil Kaſelitz muß mit
warmem Lobe gedacht werden. Als Stützen der Handlung und
Stimmträger vieler Tänze ſind ſie ein weſentlicher Beſtandteil
des Werkes, und ſie haben ihre Sache gut gemacht.
Die Rollen verlangen beſonders geeignete Spieler, ſtellen an
die muſikaliſche Beherrſchung kniffliche Anſprüche, erfordern, wie
für eine große Oper, trägende ſchöne Stimmen, die dem Anſturm
des Orcheſterſchwalles gewachſen ſind. Darin waren nicht alle
Wünſche erfüllbar geweſen.
Als Schwanda und Dorota erfreuten KarlStralendorſ
und Käte Walter durch temperamentvolles Spiel und
geſang=
liches Können in ſympathiſcher Weiſe. Aber beider ſtimmliche
und perſönliche Anlagen ſind im Weſentlichen auf andere Gebiete
gerichtet. Stralendorf liegt das Zigeunerhafte, Dämoniſche fern,
ebenſo wie Frl. Walter das Bäuerlich=Naive. Für den Babinſky
iſt Hans Grahls Perſönlichkeit zu unſentimentaliſch. Er
braucht geſunde, handfeſte Charaktere, nicht Waſchlappen. Durch
eine glänzende ſtimmliche Leiſtung ſicherte er ſich den Erfolg.
Ines Loewen bemühte ſich mit meiſt glücklichem Gelingen,
der farbloſen Königin wenigſtens muſikaliſches Leben zu geben.
Der humorloſe Teufel fand in Heinrich Kuhn einen
vor=
trefflichen, draſtiſchen Vertreter. Auch für den Magier erwies ſich
Ernſt Overlack als gut geeignet. Ein ulkiger Höllenfamulus
war Eugen Vogt, Hans Ney ein klaſſiſcher Scharfrichter.
Sylveſter Bunſel ſang den Richter.
Zuſammenſchluß der Perſonen, Einzel= und Maſſenwirkung
aller Mitwirkenden war muſtergültig. Die Aufführung bewies
aufs neue, auf wie hoher künſtleriſcher Stufe unſere Darmſtädter
Oper ſteht.
v.II.
Seelenloſe Kunſkt?
Es gibt heute Verſuche, eine ausgeſprochen „ſeelenloſe‟
Muſik, überhaupt eine „ſeelenloſe” Kunſt zu machen. Seele, die ein
Eigendaſein führt, ſagt ein moderner Schriftſteller, iſt
leerlaufen=
des Leben. Seele tritt immer nur da auf, wo die Wirklichkeit
zu ſchwach oder zu brüchig iſt, um den ganzen Menſchen zu
er=
greifen und zu binden. Seele und beſeelte Kunſt ſind daher nach
dieſer Anſchauung nichts als eine Art Lückenbüßer für
man=
gelnde Lebensrealität. Wo ein wirklich erfülltes Leben iſt, da
gibt es keine „Seele”, die ungebunden über die Wirklichkeit
hin=
ausragt.
In dieſer Anſchauung liegt ein doppelter Irrtum. Irrig
iſt die Vorſtellung, als könne ſich der Menſch jemals in einer
„Wirklichkeit” ohne Reſt erfüllen. Selbſt im materiellſten
Men=
ſchen bleibt ein Etwas lebendig, das ihn gelegentlich über
Berufs=
arbeit und Genuß hinausweiſt. Nur wenn er Tier wäre, könnte
er ſich mit ſeiner „Wirklichkeit” vollkommen decken und ſich in
lauter real gelebtem Leben erfüllen. Und zweitens kommt die
Kunſt wie die Seele aus Fülle des Lebens, nicht aus Armut.
Gerade geſunde, ſtarke Menſchlichkeit hat ſeit allen Zeiten
be=
ſeelte, ſprechende, lebensfrohe Kunſt hervorgebracht.
In dieſem Sinne äußert ſich die „Deutſche Kunſt und
Deko=
ration”, deren Aprilheft zugleich gut illuſtrierte Berichte über die
Maler Faiſtauer und Coubine, über die Plaſtik=Ausſtellung der
Berliner Sezeſſion und über neuen Wohnhausbau von Bruno
Paul bietet.
Seite 4
Die Schuldebakke im Finanzausſchuß.
Um die Sonderklaſſen und die Gemeinde=Schullaſten.
Auch Heſſen brauchk einen Nok=Ekak.
* Der Finanzausſchuß des Landtages ſetzte geſtern die
Be=
ratung des Etats des Kultusminiſteriums fort. Zunächſt
aller=
dings entwickelte ſich eine ſtundenlange Geſchäftsordnungsdebatte
über einen geſtern bereits heißumſtrittenen Beſchluß, alle
An=
träge zu dem Haushalt eines Reſſorts vorab zu behandeln. Der
Antragſteller kann alſo ſeine Anträge begründen, die Ausſprache
wird durchgeführt und abgeſchloſſen, während die Abſtimmung
zurückgeſtellt wird, bis das betreffende Kapitel vom Ausſchuß
durchberaten iſt. So wurde denn heute auch ein Antrag der
Sozialdemokraten vorgenommen, der verlangte: Um die
Klaſſen=
ziffern in den unteren Klaſſen der höheren Schulen zu
ſen=
ken, ſoll die Regierung Maßnahmen treffen, daß nur begabte
Kinder in die höheren Schulen aufgenommen werden dürfen.
Dieſem Antrag wurde von allen bürgerlichen Parteien mehr oder
minder ſcharf widerſprochen. Auch die Regierung erklärte den
Antrag für undurchführbar. Von kommuniſtiſcher Seite wurde
dann ein gutes Dutzend Anträge zum Schulkapitel vorgetragen.
Der Ausſchuß ſetzte dann die Ausſprache zu Kapitel 57
Volksſchulen fort. Dabei erörterte der Vertreter des
Fi=
nanzminiſteriums ſehr eingehend den inneren Finanzausgleich,
insbeſondere im Hinblick auf die Schullaſten=Verteilung. Nach
ſeinen Darlegungen ſtehen die heſſiſchen Gemeinden weit
beſſer da als die aller übrigen Länder mit Ausnahme von
Baden.
In der Beratung wurde ausführlich ein volksparteilicher
Antrag behandelt, der anſtatt der im Etat vorgeſehenen Beiträge
Donnerstag, den 20. März 1930
der Gemeinden von je 200RM. pro Schulſtelle mit einer
Ein=
nahme von 734200 RM. folgendes verlangt: „Sämtliche
Koſten der in den einzelnen Gemeinden errichteten
Sonder=
klaſſen (Förder=, Hilfsklaſſen, Klaſſen mit erweiterten
Lehr=
zielen, 9 und 10. Schuljahr) gehen zu Laſten der
Gemein=
den, die ſie eingerichtet haben.” In der gleichen Richtung gehen
auch Anträge des Landbundes. Der volksparteiliche Vertreter
wies nach, daß dieſe Sonderklaſſen an den öffentlichen
Volks=
ſchulen faſt nur einzelnen Städten zugute kommen und infolgedeſſen
nicht als Sache des ganzen Landes angeſprochen werden könnten.
Der Landbundvertreter machte außerdem die Anregung, die
ein=
klaſſigen Schulen evtl. als Halbtags=Schulen zu
führen, daß daran alſo keine 30, ſondern nur etwa 15—18
Stun=
den Schule gehalten werden ſolle. Auf den Landbundantrag,
überhaupt keine einklaſſigen Schulen eingehen zu laſſen, wies die
Regierung nach, daß es Schulen gibt, die tatſächlich
zuſammen=
gelegt werden können, insbeſondere wenn ſie nur 1—2 Kilometer
auseinanderliegen. Bei den insgeſamt 91 einklaſſigen
Schulen ſei an die Aufhebung von 12 Schulen, wo
die Verhältniſſe entſprechend liegen, gedacht. Aus dem
volks=
parteilichen Antrag wegen der Belaſtung der Gemeinden mit den
Sonderklaſſen errechnete die Regierung eine Belaſtung von
ca. 618 000 Mk. bei 206 Klaſſen auf 31 Gemeinden, wenn die
Ge=
meinden dieſe Klaſſen in dem ſeitherigen Umfang beibehalten
würden und hierfür den vollen Betrag von 3000 RM. für eine
Schulverwalterſtelle aufzubringen hätten. Der Ausſchuß
verab=
ſchiedete ſodann gegen die Stimmen des Landbundes die
Re=
gierungsvorlage über die Verlängerung des
Finanz=
geſetzes, da der Etat für 1930 nicht mehr rechtzeitig vor dem
1. April verabſchiedet werden kann. Das Landtagsplenum wird
daher zu einer kurzen Tagung noch vor Ende des Monats
zu=
ſammentreten, um dieſen „Notetat” zu genehmigen.
Der Ausſchuß ſetzt ſeine Beratungen am Donnerstag bei dem
Kapitel Landestheater fort.
—5—
Nummer 79
Die Reichsverſicherungsanſtalk für Angeſtellkte
im Jahre 1929.
Die Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte legt ſoeben ihren
Bericht über das Jahr 1929 vor. Aus dieſen ſehr intereſſanten
Dar=
legungen geben wir nachſtehend einen kurzen Auszug der wichtigſten
Teile (in Klammern die Ziffern des Jahres 1928):
Am 31. Dezember 1929 liefen 98 621 (72 751) Ruhegelder mit 15 858
(10 245) Kinderzuſchüſſen, 55 036 (46 459) Witwen= und Witwerrenten
und 34 238 (30 513) Waiſenrenten. Insgeſamt waren 96 542 (65 067)
Leiſtungsanträge zu bearbeiten. — Der Geſamtaufwand für die
Rentenleiſtungen, Abfindungen und Beitragserſtattungen betrug im
Jahre 1929 145,3 Mill. (105 Mill.) RM. Die ſtarke Steigerung iſt
hauptſächlich zurückzuführen auf das Geſetz vom 7. März 1929, das die
Wartezeit verkürzte und bis zum Ablauf des Jahres 1933 die
Möglich=
keit ſchuf, Ruhegeld auch ſolchen Verſicherten zu gewähren, die das
60. Lebensjahr vollendet haben und ſeit mindeſtens einem Jahr
arbeits=
los ſind. Die Zahl der Anträge auf Heilverfahren ſtieg auf 117 131
(106 788). Hiervon entfallen auf ſtändige Heilverfahren 71 919 (65 396),
auf nichtſtändige Heilverfahren (Zahnerſatz uſw.) 45 212 (41 392). Es
wurden 45 221 (38 716) ſtändige Heilverfahren durchgeführt. Die
durch=
ſchnittliche Dauer der Kuren betrug in den Lungenheilſtätten 102 Tage,
in den Sanatorien 30 Tage und in den Bädern 28 Tage. Die Zahl der
Anträge auf Gewährung von Zuſchüſſen zu Heilverfahren für
tuber=
kulöſe, tuberkulos=gefährdete und rachitiſche Kinder von Verſicherten und
für Waiſenrentner betrug 7366 (6082). Zuſchüſſe wurden in 5164 (3894)
Fällen bewilligt. Für die Geſundheitsfürſorge wurden insgeſamt 24
Mill. (18,9 Mill.) RM. aufgewendet. — Die
Geſamtbeitrags=
einnahme belief ſich auf rund 372 Mill. (317 Mill.) RM. bei etwa
3,4 Millionen Verſicherten. Zur Förderung des Wohnungsbaues
wur=
den rund 154 Mill. (100 Mill.) RM. langfriſtig zur Verfügung geſtellt,
An verſicherte Angeſtellte wurden 1721 hypothekariſche Darlehen für
neuerſtellte Eigenheime mit 11023345 RM. ausgezahlt.
Die perſönlichen Verwaltungskoſten beliefen ſich auf rund 7,7
Mil=
lionen (7,5 Mill.) RM., die ſachlichen auf rund 4,3 Mill. (3,8 Mill.)
RM.
Todes=Anzeige.
Nach langem ſchwerem, mit beiſpielloſer Geduld ertragenem
Leiden iſi meine liebe Frau und treueſter Lebenskamerad
Celine geb. Plüß
meine tapfere Schwägerin und unſere unvergeßliche Tante,
un=
erwartet raſch in die ewige Heimat eingegangen.
In tiefer Trauer:
Hugo Specht, Gewerberat
Dr. E. Dünow, prakt. Arzt
Gretel, Hilde, Loite, Annemarie.
Darmſtadt, Jahnſir. 113, Weinheim a. d. B., den 18 März 1930.
Beerdigung: Freitag, den 21. März, nachmittags 3 Uhr, Friedhof Nieder=
Ram=
ſtädierſtraße.
(4637
Statt beſonderer Anzeige.
Dienstag Mittag iſt unſere geliebte Mutter, Schwiegermutter,
Groß=
mutter und Schweſter
Und Derthr Moefſner
geb. Bientzle
im 71. Lebensjahre ſanft entſchlafen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Dr. Albert Moeſſner.
Darmſtadt, Weyprechiſtr. 20, Stuttgart, Bukareſt, Buenos Aires,
den 18. März 1930.
Die Beerdigung findet Freitag, den 21. März, um 11½ Uhr, auf dem
Waldfriedhof ſiatt.
Dankſagung.
Für die bei dem Heimgange meines lieben Mannes,
unſeres geliebten Vaters, Sohnes, Schwiegerſohnes,
Bruders, Schwagers und Onkels
Herrn
Heinrich Wilhelm Block
Steuerſekretär
erwieſene aufrichtige Teilnahme ſprechen wir allen
denen, die mit uns fühlten, unſeren innigſten Dank
aus. Beſonders danken wir Herrn Pfarrer Hartmann
für die tröſtenden Worte am Grabe, dem Finanzamt
Reinheim, dem Kriegerverein, der Kriegerkameradſchaft
Haſſia Bezirk Groß=Umſtadt, dem Schützen=Verein
Groß=Umſtadt, dem Schützen=Verein Raibach, ſowie
den vielen Kranz= und Blumenſpendern, für die
er=
wieſene letzte Ehrung.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Greta Block, geb. Preher
und Kinder.
Groß=Umſtadt, den 19. März 1930.
(4602
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Hartmann *
Todes=Anzeige.
Am 15. März verſchied ſanft nach kurzem,
ſchweren Leiden unſer lieber, treuſorgender
Vater, Schwiegervater, Großvater und
Ur=
großvater
Herr
Srotg Dumannt
Lehrer i. R.
im Alter von nahezu 84 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Pfungſiadt, Griesheim, Darmſtadt. (
Die Beerdigung fand in aller Stille auf dem
Waldfriedhof in Darmſiadt ſiatt.
HI. VORTRAG
on
Dr. med. H. J. Oberdörffer
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im Fürstensaal am 20, März, abends 8 Uhr
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Für die herzliche Teilnahme
beim Heimgang meines lieben
guten Mannes danke ich
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herzlich.
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Rinteln, den 18. März 1930
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Darmſtadt,
Nummer 79
Donnerstag, den 20. März 1930
Seite 5
Aus der Landeshaupkſtadt.
Darmſtadt, den 20. März
Ein Molorrad fährt auf ein Langholzfuhrwerk.
Zwei Darmſtädter tyt.
Geſtern abend gegen 7 Uhr ereignete ſich etwa 600 Meter
ur dem Ortseingang Eberſtadt ein Zuſammenſtoß zwiſchen einem
lotorrad und einem Fuhrwerk. Von der Kriminalpolizei
er=
ihren wir hierzu: Gegen 7 Uhr fuhr ein Langholzfuhrwerk aus
Fangſtadt von der Villenkolonie nach Eberſtadt. Ein Motor=
„dfahrer namens Koch aus der Klappacherſtraße mit einem
ſozius namens Sebaſtian Walter aus der Karlsſtraße 65
holte in raſendem Tempo das Fuhrwerk überhölen, rannte
übei aber direkt in die Stämme hinein. Der Fahrer wurde auf
dr Stelle getötet, während. Wälter kurz nach der Einlieferung
das Krankenhaus verſtarb. Von den Inſaſſen der elektriſchen
ſtraßenbahn, die etwa auf gleicher Höhe fuhr, war der ganze
ſorgang beobachtet worden. Da die Dämmerung bereits
ein=
tkrochen war, brannten die Lampen des Langholzwagens.
An=
ſinend gelang es aber dem Motorradfahrer nicht mehr, ſein
fahrzeug in der Gewalt zu behalten. Die näheren Umſtände
* Zuſammenſtoßes werden noch geklärt.
Prakliſche Arbeit der Skudierenden
des Bauingenieurweſens.”
Die Techniſche Hochſchule Darmſtadt teilt uns mit:
ie praktiſche Arbeit auf Bauſtellen bildet bekanntlich einen
pflicht=
näßigen Teil des Studiums des Bauingenieurweſens auf den
Techni=
hen Hochſchulen. Neuerdings haben ſich die deutſchen Techniſchen
ochſchulen im Intereſſe einer möglichſt gleichartigen Geſtaltung des
ſurdienganges auf geneinſame Vorſchriften für dieſe
Praktikanten=
au gkeit, die für die künftigen Bauingenieure ſechs Monate beträgt,
eeinigt und dieſe Vorſchrift in Form eines überſichtlichen
Merk=
lattes herausgegeben. Das Merkblatt kann von den
Praktikanten=
ſellen der Bauingenieurabteilungen der Techniſchen Hochſchulen
be=
gen werden. In Darmſtadt iſt dieſe Stelle der Vorſtand der
hteilung für Bauingenieurweſen.
EPH. Erfatzwahl zur Landesſynode. Als Erſatz für den infolge
irer Ernennung zum Superintendenten der Provinz Starkenburg
us dem Heſſiſchen Evangeliſchen Landeskirchentag ausgeſchiedenen
frü=
ſeten Pfarrer Dr. Müller=Rüſſelsheim und für ſeinen ebenfalls
aus=
eſchiedenen Stellvertreter, Dekan Lie. Jakob=Mainz, wurden als
geiſt=
cher Abgeordneter Pfarrer Seriba=Groß=Gerau und als
Stell=
ertreter Pfarrer Diebener=Mainz in den Heſſiſchen
Evan=
beliſchen Landeskirchentag gewählt.
Hohes Alter! Heute wird Fräulein Juſtine Held
Pallaswieſenſtraße 4 — achtzig Jahre alt. Ueber ein Menſchenalter
tar ſie in Babenhauſen, im Kreiſe Dieburg, Kinderſchullehrerin, und
u mit großer Treue ihres verantwortungsvollen Amtes an der Jugend
ewaltet, bis das Alter ſie zwang, ihre Stelle niederzulegen und ſich zu
uten Verwandten in hieſiger Stadt zu begeben. Möge der greiſen
ame ein geſegneter Lebensabend beſchieden ſein.
— Sommerferien. Wie wir aus zuverläſſiger Quelle
er=
uhren, werden die diesjährigen Sommerferien vom 5. Juli bis
Auguſt dauern.
— Tagung des Kreisfeuerwehrverbandes Darmſtadt. Der
Kreis=
eierwehrverband Darmſtadt hielt im Gaſthaus „Zum Adler” im
Ober=
kamiſtadt eine Verſammlung under dem Vorſitz von
Kreisfeuerwehr=
alwektor Karpfinger ab. Für das Kreisamt war Regierungsaſſeſſor
eſtein vom Kreisamt Darmſtadt, ferner die Bürgermeiſter von
Ober=
u5 Nieder=Namſtadt, Traiſa, Erzhauſen Nieder=Beerbach und der
Bei=
e rdnete von Griesheim erſchenen. Regierungsaſſeſſor Dr. Eckſtein
hermittelte die Grüße des Kreisamts und gab dem Ausdruck, daß das
teisamt für das Feuerlöſchweſen ſtets großes Intereſſe habe. Die
ötüße der Gemeinde Ober=Ramſtadt erſtattete der Bürgermeiſter.
Zu=
kähſt wurde der Toten gedacht, insbeſondere des verdienten
Komman=
aiten von Arheilgen, Kunz. Intereſſant war, dem Geſchäftsbericht,
en Kreisfeuerwehrinſpektor Karpfinger erſtattete, zu entnehmen, daß
er Kreisfeuerwehrverband über 1130 freiw lige und 770
Pflichtfeuer=
vehrleute verfügt. Weiter über 40 Saug= und Druckpumpen, 6000
eter Schlauchmaterial und 23 Leitern. An Bränden waren im
ver=
aigenen Jahre 9 Großfeuer, 3 Kleinfeuer und 2 Waldbrände zu
ver=
ſeichnen. Die Kreismotorſpritze wurde 5mal alarmiert. Kritik geübt
ſpurde an der Ausrüſtung der Mannſchaften, bei denen es an ſo
man=
hem fehle. Unter Bezug auf den Tod des Feuerwehrmanns in
Renzen=
orf wurde beſonders darauf hingeweſen, daß bei Bränden auf
elek=
riſche Ständer auf den Dächern beſonders geachtet werden ſolle, die
iets eine erhöhte Gefahr bilden. Als ſtellvertretender
Kreisfeuerwehr=
nſpektor wurde Brandinſpektor Herborn mit Mehrheit dem Kreisamt
n Vorſchlag gebracht. Nach längerer Debatte wurde der Vorſtand mit
er Bearbeitung der Heſſiſchen Feuerlöſchordnung und den
Ausführungs=
ieſtimmungen beauftragt. Eingehend beſprochen wurden der Wert der
Feuerſirenen, die Führerkurſe, und beſonders betont, daß die
Mann=
chaften in das dort Erlexnte eingeweiht werden ſollen. Bei der
Aus=
prache fanden alle vorkommenden Brände Erwähnung.
Zweites Volkskonzert im Landestheater. Den vielen Freunden
laſſiſcher Muſik bringt das am Montag, dem 24. März, unter
Leitung von Generalmuſidirektor Dr. Karl Böhm ſtattfindende zweite
Volkskonzert beliebte und doch nicht oft gehörte Werke von Mozart und
Beethoven. Beethovens 1. Sinfonie in C=Dur, im Jahre 1800 vollendet,
zeigt den jungen Meſter noch im Banne Mozarts und Haydns. In
einer friſchen Muſizierfreudigkeit iſt es ein immer gern gehörtes Werk.
— Die zweite Leonoren=Ouvertüre iſt durch die große dritte etwas in
den Schatten geſtellt worden; in letzter Zeit erſcheint ſie jedoch weder
löſters auf den Programmen der großen Konzertgeſellſchaften, und mit
vollem Recht. Mozarts Klavier=Konzert in D=Moll, von Dr. Heinrich
Simon aus Frankfurt geſpielt, und ſein Waldhornkonzert Nr. 3 (Soliſt:
Max Zimolong) vervollſtänd’gen das Programm des Mozart=
Beet=
hoven=Abends.
— Drumm=Quartett. Unter Mitwirkung des in Berlin lebenden
Darmſtädter Pianiſten Guſtav Beck findet am Freitag, den 21. März,
der dritte Kammermuſik=Abend der Quartettvereinigung ſtatt. Zum
Vortrage gelangen die Klaviertrios von Beethoven Opus 97 Dvorak und
Brahms C=Moll. Beginn des Konzertes 20 Uhr.
— Den Mitgliedern der Arbeitsgemeinſchaft Darmſtädter
Jugend=
verbände wird der Beſuch der am Samstag abend 8 Uhr. m Städtiſchen
Saalbau ſtattfindenden Veranſtaltung „Tag des Buches”, wärmſtens
empfohlen”, Vorzugskarten für die Arbeitsgemeinſchaft ſind bis
Sams=
tag mittag bei Margret Jage, Waldſtraße 40, Zimmer 11, zu haben.
Bundesſihung des Heſſiſchen Schükenbundes,
Sit Darmſtadk.
Der Heſſiſche Schützenbund mit dem geladenen Gauvorſitzenden hielt
ſeine erſte Bundesvorſtandsſitzung im Lokal der Schützengeſellſchaft
„Diana‟ Darmſtadt ab. Vor Eingang in die Tagesordnung gedachte
man anläßlich des Gefallenengedenktages auch der gefallenen
Schützen=
brüder und erhob ſich zu deren Ehren von den Plätzen. Sodann
be=
grüßte der 1. Bundesvorſitzende die anweſenden Vorſtandsmitglieder
und gab kund, daß das angefangene Werk nach ſeiner Anſicht ſich zur
vollſten Zufriedenhet aller vervollſtändigen wird. Man ſcheint in der
Ausarbeitung der Gaueinteilung doch vorſichtig alle Bedenken erwägend
vorgegangen zu ſein, was auch aus den anſchließenden Berichten der
einzelnen Gauvorſitzenden zu entnehmen war, deren Programm auf
ein und dasſelbe Ziel hinwies. Durch dieſe Maßnahme iſt jetzt jedem
Bundesverein Gelegenheit gegeben, ſene ſportlichen Veranſtaltungen
auf einen feſtgeſetzten Tag zu legen, und alle unliebſamen Vorkommniſſe
werden dadurch ausgeſchaltet. Inzwiſchen hat von ſeiten des Rodgaues
eine rege Agitation für unſeren Sport eingeſetzt, ſo daß mit dem Eintritt
von zwei weiteren Vereinen in den Bund in Kürze zu rechnen iſt. Auch
die anderen Gaue ſind aufs eifrigſte beſtrebt, die noch Fernſtehenden zu
gewinnen; auch hofft man auf weiteren Zuwachs, ſobald die
Beſchrän=
kungen im beſetzten Gebiet endgültig gefallen ſind. Laut Beſchluß der
Hauptbundestagung wurde eine Bundesmeiſterſchaftskette angeſchafft, die
der 1. Bundesvorſitzende zur Begutachtung vorlegte und die allgemeinen
Beifall fand, ſo daß deren Anſchaffung einſtimmig beſchloſſen wurde.
Sie wird erſtmalig auf dem Bundesfeſt in Ober=Ramſtadt
aus=
geſchoſſen. Nach ſtattgefundener Vorſtandswahl der einzelnen Gaue
ſetzt ſich deren Leitung wie folgt zuſammen: Gau Darmſtadt:
Vorſitzender Danz=Darmſtadt; Gau Odenwald; Vorſitzender
Hof=
mann=Ober=Ramſtadt; und Rodgau: Vorſitzender Wieſt=
Epperts=
hauſen.
Prokeſt des Mikkelſtandskarkells gegen die
Rundfunk=
reklame.
Der Vorſtand des Berliner Kartells des
ſelbſtän=
digen Mittelſtandes iſt geſtern beim Reichsrundfunkkommiſſar,
Staatsſekretär Bredow, vorſtellig geworden, um auf den Mißmut und
die allgemeine Entrüſtung hinzuweiſen, den die
Rundfunk=
reklame der Warenhäuſer hervorrufe. Der Rundfunk
als vom Staat konzeſſionierte und mit allgemeinen Mitteln aufgebaute
Einrichtung dürfe nicht einzelnen finanzſtarken
Grup=
pen zur Verfügung ſtehen, die ihre
Reklamemöglich=
keit zur Polemik gegen andere Stände ausnützen.
Die dem Rundfunk zur Reklame zur Verfügung ſtehende, ſehr kurz
bemeſſene Zeit bedinge einen Preis, deſſen Höhe dem
gewerblichen Mittelſtand, die Ausnutzung dieſer
Reklame unmöglich mache. Der Mittelſtand ſtehe
grund=
ſätzlich auf dem Standpunkt, daß der Rundfunk nur der Unterhaltung
und Volksbildung und nicht als Reklame zur Verfügung
ſtehen dürfe. Für die Reklame ſtünden jedem die Tageszeitungen
ausreichend zur Verfügung.
KONZERT
veranſtaltet von der
Gesangsschule Maria Franke
Donnerstag, den 3. April, 20 Uhr, im
Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters
Karten zu M. 3.00, 2.00, 1.00 an der Kaſſe des Kleinen Hauſes, bei s
Klavier=Arnold, Eliſabethenſtr. 28, ſowie Kiesſtr. 127, Anruf 1860 S
Aus dem Gerichksſaal.
Aw. Ein Techniker, der am 21. Januar abends im Auto von
Frank=
furt kam, begegnete zwiſchen Sprendlingen und Langen, in der Nähe
des Langener Krankenhauſes, einigen Autos, von denen eines nicht
ab=
blendete. Er rempelte daher ein Ehepaar aus Oberhauſen an der Nahe
an, die hintereinander, jeder einen Kinderwagen drückend, auf dem
Fuß=
weg gingen. Die Frau, die hinten ging, wurde gefaßt und etwa neun
Meter mitgeſchleift, und der Mann wurde überfahren. Der eine
Kinder=
wagen wurde demoliert, doch kamen die Kinder mit dem Schrecken
da=
von. Die Verletzten kamen gleich ins Krankenhaus; ſie ſind heute
ent=
laſſen. Die Frau hatte ziemlich erhebliche Verletzungen an Kopf, Bein
und Schulter, der Mann war nur geringfügig verletzt. Das
Bezirks=
ſchöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen fahrläſſiger
Körper=
verletzung in Tateinheit mit Uebertretung der
Kraftfahrzeugverkehrs=
verordnung und des Kraftfahrzeuggeſetzes zu 70 Mark Geldſtrafe. Die
Schuld des Angeklagten wird darin geſehen, daß er, als er geblendet
wurde, ſeine Geſchwindgikeit nicht genug ermäßigte. Doch wurde
immer=
hin eine Mitſchuld des Autofahrers, der nicht abgeblendet hatte, aber
nicht mehr ermittelt werden konnte, und eine Mitſchuld der Frau, die
auf die Fahrbahn gekommen war, angenommen.
Aufklärung des Ueberfalls auf den Metzgermeiſter Brodbeck. Am
30. Juni 1928 wurde der Metzgermeiſter Brodbeck, als er abends ſeinen
Garten aufſuchte von Obſtfrevlern niedergeſchlagen. Brodbeck hatte
einen doppelten Schädelbruch von den Schlägen davongetragen und
be=
fand ſich einige Monate im Stadtkrankenhaus in Darmſtadt. Der
Kriminalpolizei iſt es nunmehr nach faſt zwei Jahren gelungen, die
Täter ausfindig zu machen und feſtzunehmen. Brodbeck hat infolge der
Schädelbrüche erheblich an ſeiner Geſundheit gelitten und an dem einen
Ohr das Gehör vollſtändig verloren.
— Straßenſperre. Wegen Vornahme von Kanalarbeiten wird die
Riedeſelſtraße zwiſchen Heidelberger= und Hindenburgſtraße vom
20. März 1930 bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art geſperrt.
— Ueber das Waſſergeld ſchreibt man uns: Vielfach wird die Frage
geſtellt, ob die Beſtimmungen über das erhöhte Waſſergeld Ende dieſes
Monats endgültig außer Kraft treten. Hierzu iſt zu ſagen: Auf
An=
trag der Stadtverwaltung hatte der Stadtrat mit Mehrheit die
Waſſer=
gelderhöhung vom 1. Auguſt 1929 bis 31. März 1930 beſchloſſen. Mit
dem Geld ſollten die notwendigen Reparaturen am Waſſerwerk
ausge=
führt werden. Das Miniſterium hatte die Erhöhung genehmigt. Nun
läuft die Friſt am 31. d. M. ab. Der Mieterverein hat das
Erforder=
liche unter Hinweis auf die Ablauffriſt veranlaßt. Er iſt der Anſicht,
daß ſie einzuhalten iſt, da Darmſtadt allein eine Ausnahme macht. Es
iſt dadurch auch viel Streit unter den Parteien entſtanden, der
unbe=
dingt beſeitigt werden muß.
Experimenkalvorkrag Dr. Sorkana.
Dr. Sortana hielt im Konkordiaſaal ſeinen zweiten
Experi=
mentalvortrag, der ihm, gleich dem erſten, ganz ungewöhnliche
Erfolge brachte. Nach einigen Vorführungen auf dem Gebiete
der Telepathie, Experimenten, die man ſchon oft ſah und die vom
Dr. Sortana nur als Einführung gedacht waren, nach
inter=
eſſanten Ausführungen über die Unterſchiede zwiſchen
Gedanken=
leſen und Telepathie, nach weiteren Vorträgen über nervöſe
Schlafloſigkeit und hypnotiſche Einwirkungen folgte eine Reihe
hochintereſſanter praktiſcher Heilexperimente durch fluidale
Ein=
wirkungen.
Dr. Sortana bat anweſende Leidende zu ſich aufs Podium und
ſtellte jeweils durch Befragen anderer bekannter Perſönlichkeiten
feſt, daß es ſich um einwandfreie, in keiner Weiſe beſtellte
Per=
ſonen handelte. Es meldete ſich ein älterer Herr mit einer
Bein=
lähmung. Wenige Striche über die leidende Stelle des Beines
genügten, um die Lähmungserſcheinungen zu beheben. Die
gleiche frappierende Heilung erreichte Dr. Sortana bei anderen
Rheumatikern, bei Kreuzſchmerzen, bei Kopfſchmerzen, bei
Haut=
jucken uſw. Es genügte einfaches Beſtreichen der kranken Stellen,
bzw. Handauflegen und die dadurch erfolgte magnetiſche
Aus=
ſtrahlung, um die Uebel zu beheben. Zwei ältere Herren, die
den Arm nicht bis zur Schulterhöhe heben konnte, konnten nach
einer Behandlung von einer Minute Armrollen vorwärts und
rückwärts ohne jede Beſchwerde ausführen.
Unter Kontrolle eines anweſenden Arztes brachte Dr.
Sor=
tana Pulsſchläge von 120 herunter auf 90 durch eine Minute
langes Handauflegen, in einem anderen Fall von 132 auf 102.
Auch die übrigen Heilexperimente wurden unter Aufſicht eines
Arztes, der die Patienten vorher und nachher befragte,
ausge=
führt. Die Heilerfolge dauerten, was auf Befragen feſtgeſtellt
wurde, am Schluſſe des Vortragsabends noch an. —
Wir beſchränken uns darauf, dieſe Tatſache referierend
feſt=
zuſtellen. Dr. Sortana teilte dem Auditorium mit, daß er täglich
eine große Anzahl Kranker im Hotel zur Traube behandele. Er
gab auf eine Unzahl von Anfragen Auskunft und ging dann zum
zweiten Teil des Abends über, der hochintereſſante Experimente
auf dem Gebiete der Wachſuggeſtion brachte.
Ein dritter Vortrag wird, wie Dr. Sortana mitteilte, am
nächſten Dienstag (nicht Freitag) ſtattfinden. Wir werden
nach dieſem noch eingehender auf die Experimente zurückkommen.
*
Thoma-Abende im Orpheum.
„1. Klaſſe” und „Die Brautſchau”.
Die Ganghofer=Thoma=Bühne ſetzte geſtern abend mit ihren Thoma=
Schwänken „1. Klaſſe” und „Die Brautſchau” das erfolgreiche Gaſtſpiel
fort. Die Darſtellung der bekannten Typen dieſer Stücke wurde
meiſter=
haft durchgeführt. Insbeſondere lieferte Direktor Bertl Schultes in der
Figur des Landtagsabgeordneten Filſer eine Prachtleiſtung. Wir
kom=
men auf dieſe intereſſante Aufführung, die heute und die folgenden
Abende bis einſchließlich Sonntag, B. März, wiederholt werden, noch
zurück.
— Vortragswoche. Der „Deutſche Ring”, eine Arbeitsgemeinſchaft
bündiſcher Jugend in Darmſtadt, hatte die Darmſtädter Jugendbünde
zur Teilnahme an einer Stammler=Richtwoche aufgefordert. Wegen zu
geringer Beteiligung mußte dieſe leider abgeſagt werden. Der „Deutſche
Ring” veranſtaltet nun vom 23. bis B8. März eine Vortragswoche über
das Thema: Volk und Staat. Die Vorträge ſind jeweils abends 8 Uhr
im Gartenhaus, Beckſtraße 64. Es ſind hierzu alle Jugendlichen
Darm=
ſtadts eingeladen; es wird ein kleiner Unkoſtenbeitrag von 50 Pf.
er=
hoben.
— Städtiſche Akademie für Tonkunſt. Es ſei nochmals darauf
hin=
gewieſen, daß der für heute (Donnerstag) in Ausſicht genommene
Vor=
tragsabend der Opernſchule infolge Erkrankung verſchiedener
Mitwir=
kender auf Mittwoch, den 26. d. M., verlegt wurde. Der Abend findet,
wie ſchon bekannt gegeben wurde, im Kleinen Saale des Städtiſchen
Saalbaues, 20 Uhr, ſtatt.
Heſſiſches Landestheaker.
20 März 20—22.30 Uhr
Angelina
G 12 (Darmſtädter Volks=
bühne) Gruppe 1—4.
Preiſe 1.00—10.00 Mk. 20—22.15 Uhr
Der Kaiſer von Amerika
K. XI. 12 Bühnenvolksbund
Preiſe 1 50—7.50 Freitag,
21. März 20,00—22.15 Uhr
Im weißen Röß!
D 17. T Gr. 7 u. 8
Preiſe 1—10 Mk. 20—22 Uhr
3. Kammermuſikabend des
Drumm=Quartetts
Preiſe 1, 2, 3 Mark Samstag,
22. März 19.30—22.30 Uhr
H 10 (Bühnenvolksbund)
Preiſe 1.00—10.00 Mk. 20—22 Uhr
Die Affäre Drehfus Der Poſtillon v. Lonjumean
E 19* TGr. 4 u. 5
*für E. Miet d. keine Zuſatz=
Miete haben. Sonntag,
23. März 14—17 Uhr
Die Affäre Dreyfus
Heſſenlandmiete 11 8, III 9
P4 Darmſt. Volksb. Gr. 1-4
Preiſe 1.00—10.00 Mk.
20—22.30 Uhr
C 17
Schwanda
Preiſe 1.20—12.00 Mk. 20—22 15 Uhr
K XII 12 Bühn.=Volksbund
Der Kaiſer von Amerika
Preiſe 1.50—7.50 Mk.
11.30—13 Uhr
15—16.30 Uhr
Heitere Märchenſtunde
Preiſe 0.30—1.50 Montag,
24. März 20 Uhr
2. Bolkskonzert
Preiſe 0.75—3.00 Mk. Keine Vorſtellung Dienstag,
25. März 19.30—22 Uhr
Schwanda
A 19
Preiſe 1.20—12 Mk. Keine Vorſtellung
99
Die keinen kosmetischen Oele in der
Falmolzye-Seite behüten die Haut vor Hezzungen
(TV. 1904
Palmolive-Seite ist aus reinen
Palm- und Olivenölen
her-
gestellt. Seit Jahrrausenden
sind diese Ole die
wirksam-
sten natürlichen f
Schönheitsmitrel.
(en
Erktpla
40 Pf. (nſprac”
im Gel.
Nehr als Seife — ſowie
ein Schönheitsmittvon ſeit
„V. Jer
Lesen Sie, was der berühmte italienische
Schönheitsspezialist Ihnen rät:
„Wenn Sie die Haut scbön und jugendlicb erbalten wollen, sollten Sie zur
gründlicben Reinigung nur Palmoliue-Seife verwenden. Der weiche Scbaum
der Palmolive-Seife dringt tief in die Poren ein, obne selbst besonders
empfind-
licbe Haut zu reizen. Waschen Sie das Gesicht regelmäßig zueimal täglich mit
Palmoliue-Seife, Sie geben Ibrer Haut damit die beste Pflege.”
MAHAND
[ ← ][ ][ → ]Seite 6
Donuerstag, den 20. März 1930
Nummer 79
Aus Heſſen.
Groß=Zimmern, 19. März. Männergeſangverein. Der
mit großem Erfolge aufgeführte Theaterſchwank „Hurra — ein Junge‟
wird am kommenden Sonntage im Saale „Zur Harmonie” wiederholt.
r. Babenhauſen, 18. März. Von unſerer Volksbank. Ihre
57, ordentliche Generalverſammlung hält unſerer Volksbank dieſen
Samstag abend im Gaſthof zum Löwen ab. Die Tagesordnung ſieht
vor: Rechenſchaftsbericht und Rechnungsablage für 1929, Bericht über
die vom Verbandsreviſor im November vorgenommenen Reviſionen,
Verwendung des Reingewinns und Aufſichtsratswahlen. Zurzeit liegen
Bilanz=, Gewinn= und Verluſtrechnung 8 Tage in dem Geſchäftszimmer
der Bank zur Einſicht offen.
Bz. Reinheim, 19. März. Am Samstag fand der altbekannte
Faſelmarkt in Reinheim ſtatt. Von nah und fern ſtrömten
Züch=
ter und Intereſſenten herbei, um ſich die Viehzucht des vorderen
Oden=
waldes anzuſehen, und alles kam auf ſeine Rechnung. Wahre
Pracht=
exemplare waren aufgetrieben, und ſo entſpann ſich bald ein reger
Ver=
kauf an Bullen. Anſchließend fand eine Prämiierung der Tiere ſtatt,
und es fiel den Preisrichtern recht ſchwer, das Richtige unter den vielen
zu treffen. Anſehnliche Geldpreiſe hatte für männliches Vieh der
Land=
wirtſchaftskammerausſchuß und für weibliches Zuchtvieh der Kreis
Die=
burg, die Bezirksſparkaſſe Reinheim, die Landwirtſchaftlichen
Konſum=
vereine Reinheim und Ueberau, die Rinderzuchtvereine Reinheim und
Ueberau, der Ziegenzuchtverein Reinheim und die Gemeinde Reinheim
geſtiftet. Den erſten Preis für Bullen erhielt Adam Wolf 7., Raibach;
den erſten Preis für Eber Hch. Böhm, Kohlbacher=Mühle; den erſten
Preis für ältere Kühe Adam Maus, Habitzheim; für jüngere Kühe
der=
ſelbe; für Rinder Karl von Willich, Illbach; für „Familien Adam
Maus, Habitzheim; für ältere Ziegen Philipp Weidmann, Reinheim
für jüngere Ziegen derſelbe; Sammlungen des Ziegenzuchtverein
Rein=
heim; Familien Philipp Weidmann, Reinheim: Böcke Jakob Guth 2.,
Nieder=Klingen; ältere Sauen Philipp Hölzer 2., Reinheim.
An=
ſchließend fand ein gemeinſames Eſſen im Gaſthaus zum Schwanen
ſtatt.
Al. Höchſt i. Odw., 18. März. Der Gemeinderat beſchloß,
die ſeither gewährte Bauholzvergütung in Höhe von 100 Mark zum
Zwecke der Förderung der Bautätigkeit aus Sparſamkeitsgründen
end=
gültig einzuſtellen. — An dem Umpfropfen und den Muſterſpritzungen
an Obſtbäumen will ſich die Gemeinde dieſes Jahr nicht beteiligen, und
ſollen Anmeldungen für das nächſte Jahr rechtzeitig gemacht werden.
— Dem Antrag des Apothekers Haas um Verminderung der
Fahr=
geſchwindigkeit von Laſtwagen ohne Luftbereifung wurde dahingehend
ſtattgegeben, daß ein entſprechender Vorſchlag den zuſtändigen Stellen
unterbreitet werden ſoll. — Nach Einholung von Auskünften ſcheint
es nicht ratſam, in das Verwaltungsſtreitverfahren bezüglich der
Unter=
haltung des Duſenbacher Weges einzutreten. Der Ortsvorſtand
be=
fihließt daher, die Unterhaltungskoſten auf die Gemeinde zu
überneh=
men. — Von einem Schreiben des Kreisamtes betreffend Waſſerfrage
nahm der Gemeinderat Kenntnis. — Eine geheime Beratung ſchloß ſich
an. — Die Odenwälder Volksbank, e. G. m. b. H., Höchſt
i. Odw., hält ihre Generalverſammlung am 30. März im Gaſthaus „Zur
ſchönen Ausſicht” ab. — Abſchiedsfeier. Zu Ehren des am 28. 2.
in den Ruheſtand getretenen langjährigen hieſigen Lehrers und Rektors
Weidmann, findet am kommenden Sonntag, den 23. März,
nach=
mittags 3.45 Uhr, im Saale des Gaſthauſes „Zur Burg Breuberg”
eine öffentliche Abſchiedsfeier ſtatt.
Az. Neuſtadt i. O. mit Burg Breuberg, 19. März. Frühjahrs=
Gauturntag des Odenwaldgaues D.T. Die Begrüßung der
Gauvereine erfolgte in herzlichen Worten durch Turnbruder Dr. Spalt.
Anſchließend hieß der 1. Vorſitzende des hieſigen Turnvereins alle
Gau=
vertreter herzlich willkommen. Eine beſondere Note erhielt der Gautag
durch die Feierſtunde am Volkstrauertag. Hierauf wurde der Bericht
über den letzten Gauturntag verleſen. In eingehender und geſchickter
Weiſe verſtand es unſer bewährter Führer, die im Intereſſe des
Turn=
betriebes und der Veranſtaltungen nötigen Aufgaben zu kennzeichnen.
Im Rahmen des Geſchäftsberichts fanden die Gauwanderungen
beſon=
dere Würdigung durch Turnfreund Steinbach. Auch den Spielen,
ins=
beſondere dem Völkerballſpiel, ſchenkte man in dieſem Zuſammenhang
beachtliches Intereſſe. Die Gaubeiträge für 1930 wurden in der
vorjäh=
rigen Höhe feſtgeſetzt. Danach gab der Gautag ſeine Zuſtimmung zu
der Wahl des Gaufrauenturnwartes Glenz. Bei dem Punkt „
Gauver=
anſtaltungen 1930” blieb man bei den ſeitherigen Feſtbeiträgen. Für das
Gaufeſt in Erbach warb der Vorſitzende des dortigen Turnvereins in
herzlichen Worten. Für das Volksturnfeſt und Jugendfeſt des erſten
Bezirks werden ſeitens des Gauvorſtandes noch ergänzende Mitteilungen
an die Vereine ergehen. Der vom Turnverein Erbach geſtellte Antrag
über „Ueberpunkte” an Gauturnfeſten in Unter= und Mittelſtufe wurde
mit Mehrheit angenommen. Der Gauſpielwart Horn, der Gauturnwark
Leinert und andere gaben Aufklärung und Belehrung.
Ay. König i. O. (Stahlbad), 19. März. Herr Pfarver Bergér
der faſt ein Jahrzehnt hier weilte, bevor er an die Martinskirche nach
Darmſtadt verſetzt wurde, hielt im Saale des Hotels Büchner einen
Vortrag über de Paſſion des evangeliſchen Volkes. Einleitend
beleuch=
tete der vorzügliche Redner die Leiden der ruſſiſchen Glaubensgenoſſen
unter der Schreckensherſchaft des Bolſchewismus, um dann die deutſchen
Verhältniſſe bis in die Zeit des 15. Jahrhunderts zu erörtern. Die
aufmerkſam und geſpannt lauſchenden Zuhörer haben dankbaren Herzens
die trefflichen Ausführungen ihres allverehrten früheren Seelſorgers
entgegengenommen, und beſtens befriedigt konnte Herr Pfarrer
Brieg=
leb die Veranſtaltung, welche von Qedervorträgen des evangeliſchen
Kirchengeſangvereins unterſtützt wurde, ſchließen. — Ein heftiges
Gewitter mit teilweiſe wolbenbruchartigem Regen ſchreckte am
ver=
gangenen Samstag abend gegen 7 Uhr unſer Städtchen aus ſeiner
Ruhe. Grelle Blitze, die den Abendhimmel ſchaurig=ſchön beleuchteten,
durchzuckten die Nacht, begleitet von heft gem Grollen des Donners. Das
Gewitter, das erſte in dieſem Jahre, zog in öſtlicher Richtung dem
Main=
tale zu. — Handball. Einen ſchönen Erfolg errang am
vergange=
nen Sonntag die 1. Jugend des hieſigen Turnvereins in Nieder=Klingen,
indem ſie die 1. Jugendmannſchaft des Gaſtgebers 10:2 n ederkanterte.
— Die Bezirkskaſſe Höchſt i. O. blickt in dieſem Jahre auf ihr
100jähriges Beſtehen zurück. Sie wurde, was wohl wenig bekannt iſt,
in König von dem damaligen Gräflich Erbach=Schönbergſchen
Kammer=
direktor Ernſt Theodor Schulz gegründet und war anfangs im den
Räu=
men der Rentkammer zu König untergebracht. — Eine ſchwere
Bluttat leiſtete ſich geſtern abend ein hieſiger jungverheirateter
Ar=
beiter, indem er einen hieſigen Schreinermeiſter, der im Kriege eine
ſchwere Granatverletzung, unter der er heute noch ſtark zu leiden hat,
durch einen Stih in die linke Bruſtſeite ſchwer verletzte, ſo daß der
Ge=
troffene bedenklich daniederliegt. Dem Vernehwen nach gingen dem
Vorgang Differenzen voraus. Der Meſſerheld wurde von der Polizei
verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis nach Höchſt i. O.
über=
geführt.
Brensbach, 18. März. Geſtern ſtarb der älteſte Einwohner unſeres
Ortes, Herr Johann Georg Eidenmüller, im Alter von 91 Jahren.
Bilke an Kahenbeſiher.
Der Tierſchutzverein für Heſſen in Darmſtadt
ſchreibt uns: Der Frühling beginnt, und damit auch das erneute Leben
in der Tierwelt. Bald wird die „Mieze=Katze” umringt ſein von ihrem
niedlichen Zuwachs. Ein ſelten ſchönes und ergreifendes Bild für jeden
Beſchauer. Ergreifend deswegen, wenn man an das Los dieſer
poſſier=
lichen Geſchöpfe denkt, das ihrer meiſtens harrt. Zuerſt geliebkoſt, dann
als „Kinderſpielzeug”, herumgequält und dann als läſtig und ſatt
emp=
funden — hinausgejagt, herrenlos gemacht. Elend und verkommen
ſitzen dieſe ärmſten Geſchöpfe in den Straßen und Winkeln, ſchutzlos
jeder Roheit preisgegeben. Dieſen erſchütternden Bildern und
Quäle=
reien kann man begegnen und abhelfen, wenn von den Jungen in den
erſten Stunden alle auf humane Weiſe getötet werden oder man nur
ſo viele am Leben läßt, als beſtimmt in gute Behandlung und Pflege
gebracht werden können.
Damit die Vögel beim Brutgeſchäft in den kommenden Monaten
nicht geſtört werden und die junge Brut nicht vernichtet wird, ſind
Katzen in dieſer Zeit nach Möglichkeit und beſonders nachts im Hauſe
zu halten und in keinem Falle morgens ins Freie zu laſſen, ehe ſie ihr
Futter erhalten haben; denn gerade nachts und in den frühen
Morgen=
ſtunden richtet die unbeaufſichtigte Katze an der Vogelwelt den größten
Schaden an.
* Michelſtadt (Odenwald), 19. März. Fortbildungsſchullehrer i. R.
Heinrich Schaab=Michelſtadt, ein langjähriger erfolgreicher
Geflügelzüch=
ter, ſchreibt: Wenn in der Wirtſchaftsfrage uns nur noch Qualitätsarbeit
hochbringen kann, ſo trifft dies auch auf die Enten= und Hühnerhaltung
mit ihrer Eierproduktion außerordentlich zu. Raſſenhaltung in
Enten= und Hühnerzucht iſt das erſte Gebot auf dieſem Gebiet.
Fall=
neſterkontrolle dabei unentbehrlich. Es nutzt auch nichts,
ein=
zelne Tiere zur Hochleiſtung zu bringen, ſondern die Hochleiſtung muß
im Durchſchnitt der Geſamtleiſtung bewertet werden. Man hört wohl
von phantaſtiſchen Zahlen bei ſogenannten Legewettbewerben, aber dieſe
Luxusleiſtungen einzelner Tiere durch beſondere „
Fürſorgeerzie=
hung” kann für uns nicht maßgebend ſein. Ausſchlaggebend iſt, wie
ſchon geſagt, die Geſamtdurchſchnittseierzahl von Hühnern und Enten
ohne beſondere Fütterung und Belichtung. Ich habe nach meinem
Fallneſtkontrollbuch eine Zuſammenſtellung der Eierproduktion meiner
zwei Stämme weißer amerikaniſcher Leghorn (2/15), die ich
ausſchließ=
lich ſeit beinahe 12 Jahren züchte, und eines Stammes Kaki=
Campell=
enten (1/5) vorgenommen, die jedem ehrlichen Geflügelzüchter Freude
bereiten werden. Vom 6. März 1929 bis 6. März 1930 legten dieſe 15
amerikaniſche weiße Leghorn 2582 Eier; mithin ein Durchſchnitt von 172
Eiern pro Huhn, und meine fünf Kakienten 1114 Eier, alſo eine Ente
223 Eier. Dieſer Standard bis zu 170 Eiern pro Huhn muß erreicht
werden, wenn eine Rentabilität der Zucht gewährleiſtet ſein ſoll.
Zur
Gesund-
haltung!
gING
Friedrich Schaefer, Darmstadt, Ludwigspl. 7, Tel.45
Cu. Reichenbach, 19. März. Die Generalverſammlung
des Verkehrs=Vereins wurde von dem 1. Vorſitzenden, Herrn
Bürgermeiſter Muck geleitet. Ueber die Tätigkeit des Vereins im
verfloſſenen Jahr berichtete Herr Lehrer Schlörb. Durch Annoncen,
Proſpekte und Briefverſchlußmarken wurde eifrig geworben. Die
Frem=
denziffer ſtieg ums Dreifache, die der Verpflegungstage ums Fünffache
gegenüber den Vorjahren. In Reichenbach ſelbſt wurde alles getan, um
den Gäſten den Aufenthalt angenehm zu machen: Aufſtellung von 25
Nuhebänken, Weganlagen, Beſchilderung der Wege und Blumenſchmuck
an Häuſern. Für gute Verbindung wit Bensheim wurde geforgt. (12
Fahrten!) Herr Lehrer Matthes gab ſodann den Rechnungsbericht. Die
Rechnung wurde geprüft und der Rechner entlaſtet. Herr Bürgermeiſter
Mink gibt bekannt, daß der Bau einer Autohalle durch die Poſt bald
er=
folgen würde. Unſere Omnibuslinie wurde im letzten Jahr von 160 000
Fahrgäſten benutzt und iſt ſomt eine der rentabelſten Strecken
Deutſch=
lands. Die Ausſprache über Fahrplangeſtaltung, Autohalle, Halteſtellen
uſw. iſt ſehr lebhaft. Es wird allſeitig anerkannt, daß der
Verkehrs=
verein Gutes geleiſtet und die Intereſſen der Gemeinde vertreten hat.
Herr Dude findet warme Worte für die hohen Ziele des Vereins und
bittet um eifrige Mitgbederwerbung. Außer den Gaſtwirten ſollen
künf=
tig auch die übrigen Geſchäftsleute zur geldlichen Unterſtützung des
Vereins herangezogen werden. Für freiwillige Spenden ſollen
Sammel=
büchſen aufgeſtellt werden.
Bn. Hirſchhorn, 19. März. Aus dem Gemeinderat. Der
von der Bürgermeiſterei aufgeſtellre Voranſchlag der hieſigen Gemeinde
für das Rechnungsjahr 1930 wurde beraten und hierüber das
vorgeſchrie=
bene beſondere Protokoll aufgenommen. — Von der Heſſiſchen
Regie=
rung wird die Aufhebung des hieſigen Amtsgerichts bzw. Zute lung zum
Amtsgericht Wimpfen in Ausſicht genommen. Es wird deswegen am
19. I. Mts. eine Proteſtverſammlung abgehalten. — Von dem badiſchen
Forſtamt Neckarſchwarzach wurde ein Antrag bei der Gemeinde
einge=
reicht, die hieſige Gemeinde ſolle zu den Unterhaltungskoſten des Weges
nach der „Krautlache” der auch von den heſigen Beſitzern der dort
ge=
legenen Wieſen und Aecker benutzt wird, einen Beitrag derart beiſten,
daß ſie alljährlich die Lieferung von zwei Kubikmeter Kalkſteinſchotter
übernehmen ſollte. Dieſer Antrag wird nicht genehmigt, da dieſer Weg
ſchon von jeher von den hieſigen Grundſtücksbeſitzern benutzt wurde, ohne
daß die hieſige Gemeinde ſich an den Unterhaltungskoſten beteiligte
mit=
hin eine rechtsgültige Verjährung vorliegt. — Auf Nachſuchen des
Turn=
vereins und des Fußballvereins iſt die Gemeinde bereit zur
Ablei=
tung des Waſſers vom Sportplatz, die Koſten der erforderlichen
Kanal=
rohre und des anzulegenden Schachtes auf Gemeindekoſten zu
überneh=
men. Die Grabarbeiten hierzu werden von den Migliedern der
oben=
genannten Vereine unentgeltlich ausgeführt. — Auf den von dem
Volks=
ſchulrektorat in Eberbach=Baden geſtellten Antrag auf Uebernahme
weiterer Koſten für die neuerrichtete Schule in Jgelsbach=Baden auſ die
hieſige Gemeinde geht die Gemeinde nicht ein, vielmehr wrd an dem
früheren Gemeinderatsbeſchluß feſtgehalten, wonach die Gemeinde
Hirſch=
horn von den Koſten der Innenausſtattung dieſer Schule den Betrag
von 2000 RM. übernimmt.
H. &F. Becker
Bielefelder Leinen- und Wäschehaus
KAUFT IMA GUTEM
g. Gernsheim. a. Rh., 19. März. Generalberſammlung.
Die diesjährige Generalverſammlung der Zemtrumspartei tagte am
Sonntag abend im Saalbau Haas. Der Beſuch war ein guter.
Herz=
liche Worte der Begrüßung richtete der ſtellvertretende Vorſitzende, Herr
Nektor Schmitt, an die Verſammlung. Den Jahresbericht erſtattete der
Schriftführer, Herr Nikolaus Diel. Aus demſelben war zu entnehmen,
daß die Zahl der eingeſchriebenen Mitglieder im vorigen Jahre ſich auf
269 bezifferte. Die Rechnungsablage erfolgte durch Herrn Rektor Schmitt.
Die Vorſtandswahl ergab folgendes Ergebnis: 1. Vorſitzender Herr
Nektor Schmitt, 2. Vorſitzender Herr Nikolaus Diel, Beiſitzer: Fräulein
Lehrerin Fiſcher, Frau Anna Moritz, Hausmeiſter Johann Wolf,
Vor=
arbeiter Ludwig Müller, Landw rt Jakob Nikolaus Kiſſel 1.,
Metzgermei=
ſter Jakob Leicht und Weißbindermeiſter Ludwig Kiſſel 10. Aus der
Mitte der Beiſitzer beſtimmt ſpäter der Vorſtand den Rechner und
Schriftführer. Die Mitglieder des Ausfchuſſes beſtimmt demnächſt eine
Vollverſammlung. — Vogelſchutzverein für Heſſen. Der im
Naturkundenſaal der Realſchule, abgehaltene Vortrag des
Vogelſchutz=
verens für Heſſen war ſehr zahlreich beſucht. In meiſterhafter Weiſe
verſtand es der Redner, Herr Oberſtudiendirektor Beiſinger=Heppenheim
(Bergſtraße), an Hand von Lichtbildern die Zuhörer für ſein Referat zu
feſſeln. Herr Studiendirektor Schott und Herr Studienrat Strygler
hatten ſich ebenfalls in liebenswürdiger Weiſe zur Ergänzung des
Vor=
trages zur Verfügung geſtellt, um die Intereſſen des Vogelſchutzvere’ns
bei den Mtgliedern und ſonſtigen Intereſſenten zu fördern. — Städt.
Elektrizitätswerk. Das Elektrizitätswerk der Stadt Gernsheim
kann in dieſem Monat auf ſein 25jähriges Beſtehen zurückblicken. Im
Sommer des Jahres 1904 unter der Amtsperiode des Bürgermeiſters
Nuß wurde die Erbauung des Werks durch Gernsheimer Geſchäftsleute
getätigt. Die Bauleitung lag damals in Händen des Kreisbauinſpektors
Plitt vom Kreisbauamt Groß=Gerau. Die Leitung der techniſchen
Ein=
richtungen oblag Herrn Profeſſor Kittler von der Techniſchen Hochſchule
Darmſtadt. Die Ausführung des Werks wurde von der Allgemeinen
Elektrizitätsgeſellſchaft Berlin beſorgt. Die maſch nelle Anlage beſtand
aus zwei Dingleriſchen Dampfmaſchinen mit je 65 P.S., zwei Dyuamo
a. 50 Kw.und einer Akumulatorenbatterie mit 3 Stunden 180 Ampere
Entladung. Bei Inbetriebnahme des Werks am 5. März 1905 waren nur
450 Zähler angeſchloſſen. Die Zahl der Stromabnehmer nahm von
Jahr zu Jahr zu. Im Jahre 1913 war die Stromabgabe und die Zahl
der Abnehmer von elektr’ſcher Energie derartig geſtiegen, daß der
An=
ſchluß an das Elektrizitätswerk Rheinheſſen in Worms akut wurde. In
demſelben Jahre wurde ein Umformerapparat von 30 Kw. zum Laden
der Akkumulatorenbatterie, und als Erſatz hierfür wurde ein
Groß=
gleichrichter von der Firma Brown=Boveri in Mannheim angeſchafft.
Während des Krieges und in der Nachkriegszeit ſteg die Zahl der
Zähleranſchlüſſe auf 1200. Infolge der immer größer werdenden
Strom=
abgabe und den bei dem Ueberlandwerk häufig aufgetretenen Störungen
wurde an Stelle der zwei Dampfmaſchinen, die veräußert wurden, ein
Dieſelmotor von 150 PS, der im November 1923 käuflich erworben
worden war, im Januar 1924 in Betrieb genommen. Im Berriebsjahr
1929 wurden verabreiht 394 000 Kw. Gleichſtrom und 263000 Kw.
Dreh=
ſtrom. Dem Werk ſteht ſeit 25 Jahren der Maſchinenmeiſter, Herr Franz
Joſef Knecht, in Treue und Gewſſenhaftigkeit vor. Das
Bekriebs=
perſonal beſteht augenblicklich aus 5 Mann. Das Elektrizitätswert
arbeitet ſtets mit einem anſehnlichen Ueberſchuß, der für die Geſtaltung
der Gemeindef nanzen in die Wagſchale fällt. Leider hat es die
Ge=
meindeverwaltung ſeit Stabiliſierung der Mark unterlaſſen, alljährlich
in Höhe der Abſchreibungen Rücklagen zum Reſervefonds zu ſchafſen.
Unter allen Umſtänden muß bei der Voranſchlagaufſtellung für 1930 Rf.
eine Betriebsrücklage vorgeſehen werden; denn über Nacht können
unvor=
hergeſehene größere Reparaturen oder Anſchaffungen notwendig werden,
wofür die nötigen Mittel alsdann fehlen würden. — Die erſte
Mann=
ſchaft des Fußballklubs Konkordia 1910 ſtand am letzten Sonntag auf
dem eigenen Platz der erſten Lgareſervemannſchaft Allemania Worms
gegenüber. Der ſchöne Kampf endigte mit dem Reſultat 5:3 zugunſten
der Einheimiſchen. Im großen ganzen ſind die beiden Mannſchaften
als gleichwertig anzuſehen. Der Schiedsrichter konnte, von kleinen
Fehlern abgeſehen, gefallen.
A. Groß=Rohrheim, 19. März. Ausdem
Gemeindeparla=
ment. Es wurde beſchloſſen: dem Antrag des
Kleinkaliberſchützen=
vereins wegen Ervchtung eines Schießſtandes in dem Niederbruch wird
Genehmigung erteilt, jedoch eine ſolche für Belieferung des Vereins mit
Kies verſagt. Die Holzverſteigerungsprotokolle werden genehmigt. Die
Verſteigerung von Dung aus dem Gemeindefaſelſtall brachte nicht den
erhofften Preis und wird nicht genehmigt, jedoch der Ankauf von
Kar=
toffeln zur Fütterung der Zuchttiere im Faſelſtall gutgeheißen. Durch
den Garten des Johannes Heß 5. ſollen auf Gemeindekoſten 15 Meter
Tonrohre zur Durchleitung des Buggrabens gelegt werden. Im
Ge=
meindewald ſollen verſchiedene Schneiſen mit einem Wegehobel geebne
werden. Den Fiſchereipächtern wird wegen des ſchlechten Fiſchbeſtandes
die Pacht für 1930 um 50 Prozent ermäßgt. In die Gemeindeſiegel ſoll
das entworfene und vom Miniſterium des Innern genehmigte
Gemeinde=
wappen eingefügt werden.
1. Von der Bergſtraße, 18. März. In den Bezirken Weinheim und
Heppenheim (zuſammengefaßt in Arbeitsamt Weinheim) iſt die Zahl
der Arbeitſuchenden auf 5184 herabgegangen (gegenüber 5842 im
Vormonat).
By. Langen, 19. März. Evangeliſche Gemeindewoche,
In dieſer Woche finden jeden Abend im Evang. Gemeindehauſe Vor
träge ſtatt mit den Themen: „Frau, Mann, Jugend und die evang.
Kirche‟. Neben Rednern unſerer heſſiſchen Heimat hat der ſchwväbiſche
Arbe ſterſekretär, Herr Springer aus Ludwigsburg, Vorträge
übernom=
men. — Hohes Alter. Am 18. d. M. wird Herr Rendant Thou,
der langjährige Rechner der hieſigen Sparkaſſe, 80 Jahre alt. Am
1. April 1876 trat er als Gehilfe bei dem damaligen Leiter der Kaſſe ein,
wurde 1884 Kontrolleur und am 1. Oktober 1892 Rechner. Durch
Ge=
wiſſenhaftigkeit, Fleiß und Umſicht hat er der Kaſſe viele Freunde
ei=
worben. Am 1. Oktober 1912 trat Herr Thon in den Ruheſtand.
Vilbel, 19. März. In Vilbeler Gewerbekreiſen herrſcht eine ſtarke
Aufregung über die neu beſchloſſene Mineralwaſſerſteuer, da wohl kaun
ein Ort in Heſſen ſo davon betroffen werden wird, wie gerade Vilbel
mit ſeinen mehr als zwanzig Mineralquellen. Der Mineralwaſſerhandel
iſt das ausgeſprochene Gewerbe Vilbels und Hunderte von Vilbeler
Familien leben von ihm. Sie werden von der verhältnismäßig hohen
Mineralwaſſerſteuer hart betroffen.
— Waſſerſtandsnachrichten vom 19. März. Rhein: Hüningen 0,38,
Kehl 1,88, Maxau 3,75, Mannheim 2,62, Mainz 0,53, Bingen 1,86,
Kaub 2,02, Köln 2,37 Meter. Main: Schweinfurt 1,27. Würzburg 1.10,
Lohr 1,70, Steinheim 2,43, Frankfurt 2,41, Koſtheim Staatspegel 0,21,
do. Waſſertiefe 2,28, do. Fahrtiefe 1,98 Meter.
— Hirſchhorn, 19. März. Waſſerſtand des Neckars am
18. März 1,34 Meter, am 19. März 1,25 Meter.
— Gernsheim, 19. März. Waſſerſtand des Rheins am
18. März —0,35 Meter, am 19. März —0,28 Meter,
C. Schürmann & Co.
Haus für feine Damen-Moden
Heckmann-Schmidt
Putz-, Weiß-, Wollwaren
Herren-Artikel
Tkeodor Kalbfuss
Wäsche / Weißwaren / Betten
Rgab einmal eine Zeit,
da kaufte man nur im Spezialgeschäft
und erfreute sich der gekauften Oualitäten
noch nach vielen, vielen Jahren. Warum’s
heute anders machen?
Seidenhaus Volz
Seiden /Wolle /Damen-Hüte /Pelze
Nummer 79
Donnerstag, den 20. März 1930
Seite 7
Deraciipfeietn u Pamſagettäg i Seſfenn
** Am Sonntag trauerte das deutſche Volk um ſeine im Weltkrieg
ge=
fallenen 2 Millionen Helden. Ueberall im Deutſchen Reiche fanden
ernſte würdige Feiern ſtatt, die in ihrer Schlichtheit und Erhabenheit
ein Zeichen treuen Gedenkens und tiefer Dankbarkeit waren. Wie wir
bereits meldeten, ſtand an der Spitze der Veranſtaltungen die
Gedenk=
feier, die der Volksbund Deutſcher Kriegsgräberfürſorge im
Plenar=
ſitzungsſaale des Reichstages abhielt und an dem auch unſer greiſer
Reichspräſident in tiefer Trauer teilnahm. An der Feier der Länder
nahmen die Staatspräſidenten als Vertreter der Regierungen teil und
wie in den Landeshauptſtädten, wurde der Tag auch auf dem flachen
Lande in würdigen Feiern begangen.
Aus ganz Heſſen liegen uns Berichte von erhebenden Gedenkfeiern
vor. Das Volk trauerte wahrhaft überall um ſeine gefallenen Söhne
und überall ſtellten ſich örtliche Muſikkapellen und Geſangvereine in
ſelbſtloſer Weiſe zur Verinnerlichung und Verſchönerung der Feier zur
Verfügung. Wie ein goldener Faden zog ſich durch alle
Gedächtnis=
reden das dankbare Gedenken an die, die ihr Höchſtes, ihr Leben für ihr
Vaterland geopfert hatten.
Im Odenwald.
In Nieder=Ramſtadt fand, nachdem bereits im Rahmen des
Sonntag=Vormittagsgottesdienſt, wobei der Kirchenchor mitwirkte,
un=
ſerer im Weltkrieg Gefallenen gedacht wurde, im Anſchluß daran am
Ehrenmal eine allgemeine öffentliche Feier ſtatt, wozu ſämtliche Vereine
mit ihren Fahnen erſchienen waren. Die Anſprache hielt Herr Pfarrer
Weigel, der auf die große Bedeutung des Tages hinwies in der
Er=
mahnung, unſere teuren Toten nicht zu vergeſſen. Im Namen der
Ge=
ſamtgemeinde wurde durch Herrn, Bürgermeiſter Jährling ein
Kranz am Ehrenmal für die im Weltkrieg Gefallenen niedergelegt. —
Der Volkstrauertag wurde in Ober=Ramſtadt kirchlich begangen.
Im Vormittagsgottesdienſt gedachte Herr Pfarrer Nürnberger in
tiefgründenden Predigt unſerer Gefallenen, die ſtarben, damit wir leben.
Mit Worten des Troſtes, des Dankes und der Hoffnung zeigte er den
Weg, der wieder zu einer beſſeren Zukunft unſeres Volkes führen kann.
— Die Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges in Unter=
Moſſau nahm, wie überall, einen würdigen Verlauf. Auf der Bühne
neigten ſich die ſchwarzumflorten Fahnen ſämtlicher Ortsvereine über
der mit Grün geſchmückten Ehrentafel des Geſangvereins. In der Feier
ergriff Herr Pfarrer Clotz das Wort zur Gedächtnisrede. Er
ſchil=
derte zuerſt kurz alle die tiefen Wunden, die der unheilvolle Krieg
ge=
ſchlagen hatte und fand dann reiche Worte des Troſtes. Der tiefe Sinn
ſeiner Worte wird Kräfte geben zu neuem Leben. — Wie alljährlich
fand auch in Hammelbach eine Feier zu Ehren unſerer in fremder
Erde ruhenden Helden ſtatt. Nach Schluß der Gottesdienſte bewegte ſich
ein ſtattlicher Zug unter Vorantritt der Muſikkapelle zu dem Ehrenmal
auf dem Friedhof. Dort wechſelten Trauerweiſen der Kabelle, Gedichte
der Schulkinder und Lieder der einzelnen hieſigen Chöre miteinander ab.
Die Gedächtnisrede hielt Herr Bürgermeiſter Röth, der auch im
Namen der Gemeinde Hammelbach einen Kranz niederlegte. — In
Gras=Ellenbach verſammelten ſich nach gemeinſamem Kirchgang
die Vereine am Nachmittag am Schulhaus, um geſchloſſen zum
Ehren=
mal der gefallenen Söhne der Gemeinde zu ziehen, wo Herr Pfarrer
Lohfink eine ergreifende Gedächtnisrede hielt. — Zur Ehrung der
im Weltkriege gefallenen Kameraden unſerer Gemeinde verſammelte ſich
der Krieger= und Militärverein Brensbachs zu gemeinſamem
Kirch=
gang zur Teilnahme an der Feier des Volkstrauertages. Der
Orts=
geiſtl che Herr Pfarrer Bickel legte ſeiner ergreiſenden Predigt den
zu dem Volkstrauertag paſſenden Text zugrunde: „Sie kämpften und
ſtarben für uns” Im Anſchluſſe an den Gottesdienſt wurden die
Ge=
fallenen durch Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal geehrt. — In
Werſau hielt an dem Kriegerdenkmal Herr Pfarrer Gürtler eine
zu Herzen gehende Anſprache.
Nach Beerfelden hatten am Volkstrauertag 9. Filialorte zur
kirchlichen Feier entſandt. Eine ungemein zahlreiche Schar von
An=
dächtigen hatte ſich eingefunden, außer den Vereinen Beerfeldens
zahl=
reiche Vereine von auswärts und mit Fahnen; vor bzw. hinter dem
Altar zählte man deren acht. Herr Pfarrer Knodt wußte der
Be=
deutung des Tages in tiefgründiger Weiſe gerecht zu werden und zur
Hebung der Feier trugen auch die zwei hieſigen Männergeſangvereine
durch je einen Chor bei. — In Wiehelsbachi, D. verſammelte ſich
nach gemeinſamem Kirchgang die Gemeinde am Kriegerdenkmal.
Sämt=
liche Ortsvereine mit trauerumflorter Fahne und der Ortsvorſtand
nah=
men an der Feier teil. — Zur gemeinſamen Gedenkfeier unſerer im Foſeph. Der Grundgedanke ſeiner Anſprache war das Wort: „Stei=
Weltkrieg gefallenen Brüder begaben ſich die Ortsvereine
Spach=
brückens und die Gemeindevertretung geſchloſſen an das
Gefallenen=
denkmal der Gemeinde, um im Geiſte derer zu gedenken, die in dem Kameraden — Die Glocken des Sonntags hatten für Lindenfels
großen Völkerringen ihr höchſtes Gut für uns gegeben haben. Der
Bürgermeiſter gedachte in einer Anſprache unſerer gefallenen Helden, beſuchter als fonſt; galt es doch, der Gefallenen im Weltkrieg im ſtillen
Nach der Feier begaben ſich die Vereine geſchloſſen zum Gottesdienſt. — Gebet zu gedenken. Die Predigt war in der Kirche ganz auf die Toten=
Am Volkstrauertag wurde in Groß=Umſtadt wie alljährlich auch in gedenkfeier abgeſtimmt. Die Airchenglocken läuteten gemeinſam von 12
Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt in der altehrwürdigen Stadtkirche
abgehalten. Sämtliche Vereine mit ihren Fahnen beteiligten ſich daran, reichen ſoll zur Verſöhnung, zum Wiederaufbau in dem parteipolitiſch
Die Gedächtnisrede, die von Herrn Pfarrer Thaer gehalten wurde,
übte auf die nach Hunderten zählenden Andächtigen eine tiefe Wirkung die Ortsvereine in geſchloſſenem Zuge auf, um auf die Stätte zu ziehen,
aus. Im Anſchluß an den Gottesdienſt begaben ſich ſämtliche Vereine
unter Vorantritt der Kapelle und unter den ernſten Klängen der
Ge=
dächtnisglocke nach dem Friedhofe, wo auf dem Ehrenhain nochmals eiue
kurze Feier ſtattfand. Herr Oberſtudiendirektor Pfersdorff hielt
hier eine dem Tag entſprechende eindrucksvolle Anſprache. In der Turn= am Ehrenmale nieder. Nach einem Muſikvortrag hielt Pfarrer
Pal=
halle der Oberrealſchule fand die Einweihungsfeier der
Gedächtnistafeln für die im Welkriege gefallenen da Pfarrer Schwenk wegen einer Erkältung das Zimmer hüten mußte.
ehemaligen Lehrer und Schüler der hieſigen Oberreal= Der Volkstrauertag brachte für Lindenfels Stunden der Erhebung und
Pfersdorff gedachte in einer Anſprache der 147 früheren Lehrer und
Schüler der Anſtalt, die in treuer Pflichterfüllung und brüderlicher Liebe
ihr junges, hoffnungsvolles Leben dem Vaterland zum Opfer gebracht
haben. Anſchließend an dieſe Feier fand an den Gedächtnistafeln ſelbſt, Feier des Volkstrauertages in Reichenbach nahm einen würdigen
die in künſtleriſcher und äußerſt ſtimmungsvoller Umrahmung im
Trep=
benaufgang der Schule angebracht ſind, noch eine kleine Feier ſtatt, wo= liche Vereine nahmen teil. Nach dem Gottesdienſt fand eine Nachfeier
bei die Vertreter der drei berſchiedenen Konfeſſionen kurze Anſprachen
hielten.
die Gemeinde Höchſt i. O. ihrer Heldentoten, die in dem großen Schick= des Volkstrauertages ein Gottesdienſt für die im Weltkrieg Gefallenen
ſalskampfe von uns gehen mußten, unſerer Väter, Söhne und Brüder,
die für uns ſtarben. Um 2 Uhr bewegte ſich ein ſtattlicher Trauerzug, fundenen Worten ermahnte, allezeit derer zu gedenken, die im Glauben
an dem faſt ſämtliche hieſigen Vereine mit umflorten Fahnen und der an das Vaterland ihr Leben ſelbſtlos geobfert haben. Nach dem Gottes=
Ortsvorſtand vollzählig teilnahmen, nach dem Gefallenendenkmal. Herr
Pfarrer Koch gedachte in ſeiner Gedächtnisrede in herzergreifenden, nach dem Gefallenendenkmal, wo Herr Bürgermeiſter Jakob einen
und zugleich mahnenden Worten derer, die ihr Leben für uns dahin ge= Kranz der Gemeinde am Denkmal niederlegte.
geben. Alsdann ergriff der Vorſitzende des Vollsbundes deutſcher
Kriegsgräberfürſorge, Ortsgruppe Höchſt. Herr Rektor Mathes, das im Kirchſpiel Schlierbach eingebürgert hat. bewies der Beſuch des
Wort. Er wies auf das edle Werk der Herrichtung und Inſtandhaltung Gedächtnisgottesdienſtes. Erhebend war die Anteilnahme der hieſigen
der Kriegsgräber hin und forderte zur tatkräftigen Unterſtützung des
Volksbundes auf. Im Namen der Gemeinden Höchſt und Duſenbach an der Trauerfeier teilnahmen. Der Geiſtliche gedachte, dem Sinn des
legte Herr Bürgermeiſter Wolf alsdann einen ſchönen Kranz nieder. —
Wie allerorts im weiten deutſchen Vaterlande trug der letzte Sonn= mal der Gefallenen fand dann anſchließend an den Gottesdienſt eine
tag auch in der Stadt Erbach das Gepräge des Volkstrauertages. Die Nachfeier mit Kranzniederlegung ſtatt. Nachmittags fanden in mehreren
öffentlichen Gebäude hatten auf Halbmaſt geflaggt. In der evangeliſchen
und katholiſchen Kirche fanden Gedächtnisgottesdienſte ſtatt. Um 1130 ſtatt. In Ellenbach hielt Herr Lehrer Sattler eine kurze, der Feier
Uhr fand eine Gedenkfeier am Denkmal auf dem Schöllenberg ſtatt, des Tages angepaßte Anſprache. Seitens der Angehörigen der Ge=
Zahlreiche Gemeindemitglieder hatten ſich zu dieſer erhebenden ernſten fallenen und der Vereine wurden viele Kränze niedergelegt.
Feierſtunde im Ehrenhaine eingefunden. Den Mittelpunkt der Feier
ſtellte die ernſte Anſprache des Herrn Bürgermeiſters Dengler dar.
Am Schluſſe ſeiner Ausführungen legte er einen Kranz in den
Stadt=
farben am Denkmal nieder. Erbaraf Alexander zu Erbach widmete
ſeinen gefallenen Kameraden gleichfalls einen Kranz in Dankbarkeit und
Treue. Die Feier des Volksbundes Deutſche Kriegsgräberfürſorge wurde, haus bewegte ſich ein ſtattlicher Zug unter Vorantritt der Fahnen zur
abends 8 Uhr im evangeliſchen Gemeindehaus veranſtaltet. Nach ein= Kirche. Herr Pfarrer Eßlinger ging in ſeiner Pedigt, die auf einen
leitenden Worten über das Weſen des Volkstrauertages ſowie Zweck und
Ziele des Volksbundes Deutſche Kriegsgräberfürſorge, verſtand es Herr. — In Bensheim nahm die Trauerfeier zur Ehrung unſere Ge=
Kreisſchulrat Gerbig vortrefflich, die zahlreichen Anweſenden mit fallenen auf dem Ehrenfriedhof einen erhebenden Verlauf. In
An=
einem Lichtbildervortrag über Kriegsgräber ſowie deren Pflege und
Inſtandhaltung zu feſſeln. — Zu Beginn des Vollstrauertages fand in Herr Oberſtudiendirektor Komo von der Aufbauſchule hielt die zu
der Stadtkirche zu Michelſtadt ein Gottesdienſt zum Gedächtnis der Herzen gehende Anſprache, in der er ſelbſterlebter Stunden im Weltkrieg
Gefallenen ſtatt. Für den Nachmittag war dann eine Trauerfeier au gedachte, Stunden, in denen eine große Zahl Gefallener der Erde
über=
dem neuen Krieger=Ehrenmal vorgeſehen, die aber leider durch die
un=
günſtige Witterung ausfallen mußte. Hierfür fand nach Schluß des unſere Jugend, hochzuhalten, was uns jene Helden mit ihrem Blute er=
Gottesdienſtes auf dem Marktplatze eine kurze Feier ſtatt wo Herr Ober, kritten haben: das Vaterland! — In Hofheim (Nied) gedachte man
pfarrer Herber eine Anſprache hielt. Am Kriegerdenkmal für die am Vollstrauertag der gefallenen Helden am Ehrenmal, wo die beſſiſche
Gefallenen von 1870/71 am Gedenkſtein für die Gefallenen des Welt= Flagge mit Trauerwimpeln auf Halbmaſt wvebte. Herr Martin
krieges auf dem Friedhof, ſolie am neuen Krieger=Ehrenmal auf dem „Schmitt legte mit warmen Worten des Gedenkens der gefallenen
alten Turnplatze, wpurden von ſeiten der Stadt hzw. der Kriegsgräher.
fürſorge Kränze niedergelegt. Den Schluß des Volkstrauertages bildete dächtuisrede ergriff nun der Ehrennorſitzende des Krieger= und
Sol=
ein Trauer=Kirchenkonzert, veranſtaltet von dem Organiſten der hieſigen
Kirche. A. Knecht, unter Mitwirkung des Kirchenchores. — In
Reichelsheim ſtand bereits der Vormittagsgottesdienſt im Zeichen
des Volkstrauertages. Nachmittags um halb 2 Uhr bewegte ſich ein
ſtattlicher Zug nach dem am Südabhang des Schloßberges ſtehenden
Gefallenendenkmal, wo Herr Rechtsanwalt Fiſcher das Wort zur
Gedächtnisrede ergriff. — In Vielbrunn wurde der
Vollstrauer=
tag durch eine Trauerfeier im Vormittagsgottesdienſt eingeleitet, in
welchem Herr Pfarrer Seriba ſeine ernſte Troſt= und Mahnpredigt,
aufgebaut auf „Heſekiel” Kap, 33 Vers 7—9, hielt. Nachmittags
ver=
ſammelten ſich am Kriegerdenkmal auf vorhergegangene Einladung des
Vorſitzenden der hieſigen Ortsgruppe des Volksbundes „Deutſche
Kriegs=
gräberfürſorge‟, Herrn Lehrer Koch, der Kriegerverein und die beiden
Geſangvereine mit trauerumflorten Fahnen, ferner Verkehrs= und
Ver=
ſchönerungsverein und Odenwaldklub, ſowie die Einwohnerſchaft. Herr
Pfarrer Seriba betonte in klarer, weithin verſtändlicher Anſprache
u. a., daß der Volkstrauertag allem Parteigetriebe ein Halt gebiete, und
erſchütternd waren ſeine Worte, all denen, die in Oſt und Weſt und im
fernen Weltenmeer für Volk und Vaterland ihr Höchſtes hingaben,
ehrend gewidmet.
Der Volkstrauertag wurde in Groß=Gerau in würdiger Weiſe
begangen. Am Nachmittag fand in der Gedenkhalle des alten Rathauſes
eine Feier ſtatt, an der zahlreiche Vereine der Stadt geſchloſſen
teil=
nahmen. Bürgermeiſter Dr. Lüdecke hielt eine Anſprache, die durch
Muſik= und Geſangsvorträge umrahmt wurde. Am Abend fand zum
Beſten des Denkmalfonds eine Feier in der Turnhalle ſtatt in der
Kreisſchulrat a. D. Backes einen Lichtbildervortrag über „Ruheſtätten
deutſcher Krieger” hielt. — Zum erſten Male fand in dieſem Jahre
in Vilbel die Feier des Volkstrauertages unter der Leitung der
Ge=
meinde ſtatt. Daher beteiligten ſich mehr Vereine als hisher. Die
Ge=
denkrede hielt Herr Bürgermeiſter Moosdorf. — Der
Volkstrauer=
tag wurde in Nieder=Ingelheim in der üblichen Weiſe begangen.
Bolkskrauerkag in Berlin.
Die Feier im Reichstag. — Blick auf den Reichstagsſaal während der Gedenkfeier.
Reichspräſident von Hindenburg
beim Verlaſſen des Reichstags, grüßt die
ſalu=
tierende Ehrenkompagnie der Reichswehr.
hob hervor, daß das deutſche Volk einig ſein möge, um ſich unſerer
ge=
fallenen Helden würdig zu zeigen. — In Kimbach verſammelte ſich
nach dem Gottesdienſt nachmittags die Einwohnerſchaft an dem mit
Kränzen geſchmückten Kriegerdenkmal. Herr Pfarrer Seriba=
Viel=
brunn hielt eine eindrucksvolle, die Bedeutung des Volkstrauertages
würdigende Anſprache.
Auch in der Gemeinde Erlenbach b. Fürth wurde der
Volls=
trauertag in ernſter, feierlicher Weiſe begangen. Um 2 Uhr nachmittags
zogen unter Vorantritt der Schule und des Geſangvereins die Einwohner
hinaus zum Kriegerdenkmal. Dort ſprach die Gedenkrede Herr Lehrer
gen und ſinken, ſo lautet das Gebot, das uns beherrſcht, und König iſt
der Tod‟. Die Feier ſchloß mit dem alten ſchönen Lied vom guten
diesmal eine weitere Bedeutung verkündet. Die Gotteshäuſer waren
dieſem Jahre wieder eine gemeinſame kirchliche Feier zu Ehren der im bis 12,15 Uhr. auffordernd, noch einmal der Gefallenen zu gedenken, —
aber auch verkündend, daß ſich das deutſche Volk jetzt endlich die Hände
zerriſſenen deutſchen Vaterland! Und um 3 Uhr nachmittags ſtellten ſich
die abſeits von dem Trubel der Landſtraße liegt. Hoch oben auf dem
Schenkenberg ſteht das Denkmal der Gefallenen. Dort gedachte
Bürger=
meiſter Schnellbacher im Namen der Gemeinde unſerer Gefallenen.
Er legte einen wundervollen Kranz zum Gedächtnis der Gefallenen
mer die Gedächtnisrede, ſeinen katholiſchen Amtsbruder vertretend,
und Höheren Landwirtſchaftsſchule ſtatt. Herr Oberſtudiendirektor fand einen würdigen Abſchluß. — Ernſt und ergreifend verlief in
Heu=
bach i. D. die am Sonntag mittag veranſtaltete Gedenkfeier für die
Ge=
fallenen des Weltkrieges. Tief ergreifende Worte wurden über die
Be=
deutung des Volkstrauertages zu den Anweſenden geſprochen. — Die
Verlauf. Der Gottesdienſt war beſonders feierlich ausgeſtaltet.
Sämt=
am Kriegerdenkmal ſtatt. Herr Bürgermeiſter Mink legte nach einer
kurzen Anſprache einen Kranz im Namen der Gemeinde Reichenbach
Am Volkstrauertag gedachte in ſchlichter eindrucksvoller Feier auch nieder — In Birkenau fand in der evangeliſchen Kirche anläßlich
ſtatt. Die Predigt hielt Herr Pfarrer Storck, welcher in tief
emp=
dienſt zogen die Kriegervereine unter Vorantritt des Poſaunenchors
Wie ſtark ſich die Anteilnahme an der Feier des Volkstrauertages
und auswärtigen Vereine, die geſchloſſen und zum Teil mit ihren Fahnen
Tages entſprechend, beſonders der Opfer des Welttrieges. Am Ehren=
Dörfern des Kirchſpiels an den dortigen Ehrenmälern Gedenkfeiern
An der Bergſtraße.
In Auerbach wurde ebenſo wie allerorts der Gedenktag an
un=
ſere Gefallenen im Weltkrieg in würdiger Weiſe begangen. Vom Nat=
Paſſionstext aufgebaut war, auf die Bedeutung des Volkstrauertages ein.
weſenheit einer großen Trauergemeinde wurde die Feier abgehalten.
geben wpurde. Seine Worte klangen aus in der Ermahnung an uns und
Naueraden au Deukinal einen Kranz nieder. Zu einer längeren
Ge=
daſenvereins. Herr Wendel Eberts, das Wort. Tief ergreifend und
Ein langer Zug, an dem ſich ſämtliche Ortsvereine beteiligten,
mar=
ſchierte zum Kriegerdenkmal, vor deſſen Stufen Bürgermeiſter
Muntermann die Anſprache hielt und einen großen Lorbeerkranz
namens der Gemeinde niederlegte.
Auch in Eſchollbrücken fand ein gemeinſamer Kirchgang der
Ortsvereine ſtatt.
In Bad=Nauheim weihte in ſehr feierlicher Handlung die
ebangeliſche Gemeinde am Volkstrauertage in der Dankeskirche zwei
Kriegergedächtnistafeln in Gegenwart der Behörden und der
Fahnen=
abordnungen der Vereine. Pfarrer Schäfer hielt, die Feſtpredigt,
während Pfarrer Knodt die Weihe der Tafeln vornahm. Dieſe haben
in der Vorhalle der Kirche ihren Platz erhalten und ſind ein Werk des
bekannten heſſiſchen Kirchenmalers Velte (Nieder=Ramſtadt),
der in ſtändiger Fühlungnahme mit dem heſſiſchen Denkmalpfleger, Prof.
Walbe (Darmſtadt), gearbeitet hat. Durch zwei ſchlanke
Licht=
träger, die in der Vorhalle aufgeſtellt ſind und bei beſonderen
Gelegen=
heiten brennen ſollen, erhält der dreiteilige Raum den Charakter einer
Gedächtnishalle. Die Tafeln verzeichnen 136 evangeliſche
Gemeinde=
glieder, die fürs Vaterland 1914—1918 geſtorben ſind.
In faſt allen Gemeinden wurden die Denkmäler der Gefallenen mit
Kränzen und friſchen Blumen geſchmückt. Es herrſchte wahrhaft tiefe,
aufrichtige Trauer, und die ehernen Glocken mahnten die Lebenden:
„Wanderer verweile in Andacht, und künde zu Hauſe wie wir als Männer
gefallen, in Treue zur Heimat”, und ernſt klang es allerorts:
Gebenket der Toten des Weltkrieges!
Jahreshauplverſammlung des heſſiſchen
Fürſorge=
verandes.
EPH. In Frankfurt a. M. fand unter ſtarker Beteiligung der
Vertreter der heſſiſchen ſtädtiſchen, ſtaatlichen und freien Fürſorge die
Jahreshauptverſammlung des Ebangel.
Fürſorge=
verbandes ſtatt. Auch das Miniſterium und das
Landeskirchen=
amt hatten Vertreter entſandt. In ſeiner Begrüßungsanſprache
ge=
dachte der ſtellvertretende Vorſitzende, Herr Dekan Mahr=Eppelsheim,
zunächſt des früheren langjährigen Vorſitzenden der Tagungen, des
nunmehrigen Ehrenvorſitzenden, Herrn Dekan Röschen, und gab
ſeiner lebhaften Freude über das harmoniſche Zuſammenarbeiten
zwi=
ſchen öffentlicher und freier Jugendfürſorge Ausdruck, zumal auch neben
den Dezernenten und Sachbearbeitern der Jugendämter, neben
Jugend=
richtern und Jugendſtaatsanwälten auch die Kreis= und ſtädtiſchen
Für=
ſorgerinnen mit der Leiterin der Zentrale für Mutter= und
Säuglings=
pflege, Frau Regierungsrat Keller, erſchienen waren. Nicht zuletzt
galt ſein Gruß dem neugewählten Vorſitzeuden. Herrn Pfr Grein=
Arheilgen, der dann auch die weiteren Verhandlungen leitete. In dem
ausführlichen Tätigkeitsbericht des Landesgeſchäftsführers, Herrn
Lan=
desjugendpfarrer Lie v. d Au, wurde ein klarer Ueberblick über die
im Berichtsjahr durch die Dekanats=Erziehungsvereine und die Anſtalten
geleiſtete Arbeit gegeben. Erfreulich iſt die wiedereinſetzende Zunahme
der betreuten Jugendlichen, die ſich im vergangenen Jahre auf 1239
helief. — An der ſich anſchließenden Ausſprache beteiligte ſich der
Vertreter des Miniſteriums des Innern, Herr Oberregierungsrat Dr.
Krebs, der dem Verband für ſeine in der Stille geleiſtete tatkräftige
Mitarbeit am Werk unſerer gefährdeten Jugend in beredten Worten
dankte.
Im Mittelpunkte der Tagung ſtand der zweiſtündige Vortrag Dr.
Wittnehens, des leitenden Arztes des größten deutſchen Heimes
für Schwachſinnige. Aus ſeinem glänzenden Vortrag, der zum Thema:
„Vorbeugende Fürſorge für geiſtig anormale Jugendliche” hatte,
gin=
gen deutlich die Erfolge hervor, die in der vorbeugenden Fürſorge
für jugendliche Schwachſinnige mit Hilfe der Kapillarmikroſkovie
er=
zielt werden. Herr Dr. Wittneben wußte die geſpannt lauſchende
Zu=
hörerſchaft für ſeine Gedanken zu begeiſtern, und fand ein lebhaftes
Ccho. Seine klaren, auch dem Laien verſtändlichen Ausführungen
wur=
den weſentlich durch Lichtbilder ergänzt. — Mit herzlichem Dank für
den gebotenen Vortrag ſchloß der Vorſitzende die angeregt verlaufene
Tagung, die allen Mitarbeitern der freien und öffentlichen
Wohlfahrts=
dflege und Jugendfürſorge aufs neue das große Ziel aufleuchten ließ:
Den Dienſt der Liebe an unſerer gefährdeten Jugend.
Briefkaſfen.
Jeder Anfrage iſt die letzie Bezugsquſtiung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlſchleit
Es wird weſentlich darauf ankommen, ob die
Grunddienſt=
undbuch eingetragen iſt. Wir empfehlen aber zu aller
orſorge, den Nachbar zunt Sühleberſuch vor das Amtsgericht zu
Nummer 7
Seite 8
Donuerstag, den 20. März 1930
Reich und Ausland.
Unkerſuchung in der Mordſache Kern.
Ein Brief an die Kriminalpolizei. — Ein
weiteres Verbrechen geplant.
Frankfurt a. M. Die beiden des Mordes an
dem Wachtmeiſter Kern verdächtigen Schulle und
Hoyer ſind am Dienstag abend zwiſchen 9 und
10 Uhr in Frankfurt eingetroffen und nach dem
Polizeipräſidium verbracht worden. Dort wurden ſie
einem kurzen Verhör unterzogen. Die Tat an ſich
haben die beiden Verbrecher inſofern eingeſtanden,
daß der eine den anderen beſchuldigt, den tödlichen
Schuß von hinten auf den Poſizeiwachtmeiſter
abge=
geben zu haben. Wer nun der wirkliche Täter iſt,
ſteht noch nicht feſt. Das Verhör wurde geſtern früh
fortgeſetzt.
Bei den Schulle abgenommenen Papieren
befin=
den ſich mehrere an Privatperſonen gerichtete Briefe
ſowie ein Brief an die Frankfurter Kriminalpolizei,
in dem Schulle ſeinen Komplizen Hoyer als den
Mörder des Polizeibeamten bez ichnet.
Der Briefumſchlag trägt den Vermerk „Porto
bezahlt die Frankfurter Polizei”. Schulle gibt in dem
Brief eine Schilderung der Tat, wie ſie ſich
zuge=
tragen haben ſoll. Danach ſeien beide von dem
Poli=
zeibeamten wegen Fehlens der Beleuchtung an ihren
Fahrrädern angehalten worden. Er habe Kern ſeine
Papiere und ein Meſſer übergeben, worauf Kern den
etwa zehn Meter entfernt ſtehenden Hoher
aufgefor=
dert habe, ebenfalls näherzutreten und mit zur Wache
zu gehen. Darauf habe Hoyer geandwortet: „Fünf
Mark wegen Fehlens der Beleuchtung zahlen wir
nicht, wir gehen auch nicht mit zur Wache!” In
demſelben Augenblick habe Hoyer auch ſchon ſeine
0,8 Repetierpiſtole gezogen und gerufen: „Hände
hoch!‟ Der Polizeibeamte habe nun ebenfalls nach
ſeiner Waffe gegriffen; im ſelben Augenblick krachte
aber bereits der Schuß und Kern ſank zu Boden. Er
erhob ſich noch einmal, lief einige Meder vorwärts
und ſtürzte dann wieder zu Boden. Darauf haben
ſie beide die Flucht ergriffen. — Weiter teilt Schulle
in dem Brief mit, daß ihn Hoher aufgefordert habe,
am kommenden Samstag nachmittag in die
Vorſchuß=
kaſſe in Schwanheim einzubrechen.
Geheimrat Frobenius aus Südafrika
zurückgekehrt.
Frankfurt a. M. Nach faſt zweijähriger
Abweſenheit iſt Geheimrat Leo Frobenius vom
Frank=
furter Inſtitut für kulturelle Morphologie wieder
nach Frankfurt zurückgekehrt. Der Gelehrte hielt ſich
zu ethnographiſchen und archäologiſchen
Studien=
zwecken in Südafrika auf, und hat auch Rhodeſien
und die Südafrikaniſche Union bereiſt. Zum
Emp=
fang hatten ſich eine Anzahl Wiſſenſchafter
ein=
gefunden.
Neuer Weltrekord im Fallſchirmabſprung.
Aus 5200 Meter Höhe glatt gelandet!
Kaſſel. Dem jungen bayerifchen Piloten
Reſch gelang es am Mittwoch in der Mittagsſtunde
über dem Flugplatz Waldau den bisherigen
Welt=
rekord im Fallſchirmabſprung von Bord eines
Flug=
zeuges zu brechen. Reſch, der wit dem deutſchen
Kunſtflugmeiſter Fieſeler bei ſtrahlendem Wetter
aufgeſtiegen war, ſprang aus einer Höhe von 5200
Metern ab und hat damit ſeinen bei einem
Würz=
burger Start aufgeſtellten Weltrekord, der 4300 Meter
betrug, um 900 Meter geſchlagen. Reſch landete nach
20 Minuten in der Krone eines Baumes an einer
Landſtraße vollkommen unverſehrt. Wie er erklärte,
ging der Abſprung nur unter großen Schwierigkeiten
bei einer Temperatur von minus 29 Grad vor ſich.
Die letzten 150 Meter über dem Erdboden drohten
ihm verhängnisvoll zu werden, da er eine
Stark=
ſtromleitung zu paſſieren hatte. Wenige Meter über
die todbringenden Drähte ging die Landung, um in
der Baumkrone zu endigen.
19. Deutſcher Eſperanto=Kongreß.
Die Vorarbeiten für den zu Pfingſten in
Dres=
den in den Räumen des neuen Deutſchen Hygiene=
Muſeums ſtattfindenden 19. Deutſchen Eſperanto=
Kongreß ſind in vollem Gange. Einen beſonderen
Genuß verſpricht das Gartenfeſt am 2. Pfingſtfeiertag
im „Lingnerſchloß”. Zur Aufführung gelangt die
Oper „Baſtien und Baſtienne” von Mozart in
Eſperanto.
Sprengſtoffexploſion in Steglitz.
Berlin. In Steglitz machten ſich am
Diens=
tag wehrere Knaben mit Blechbüchſen zu ſchaffen,
die offenbar mit Sprengſtoff gefüllt waren. Als ein
Knabe verſuchte, eine der Büchſen durch Aufſchlagen
auf das Straßenpflaſter zu öffnen, ertönte plötzlich
eine heftige Detonation. Die Blechbüchſe explodierte,
und dem Jungen wurde die rechte Hand abgeriſſen.
Ein Filchner=Brunnen in Bad Homburg
Die Büſte Wilhelm Filchners,
des großen deutſchen Aſien= und
Südpolar=
forſchers, die von der Kurverwaltung von Bad
Homburg, der Erholungsſtätte des Forſchers, an
dem neuen Filchner=Brunnen im Kurpark
auf=
geſtellt wurde.
geſchühk.
Bordeaue wird gegen die
Pioniertruppen errichten Schutzmauern an der Garonne,
um die Straßen und Bahnlinien bei Bordeaux gegen die erneute Ueberſchwemmungsgefahr zu
ſchützen.
Japans Erinnerungsfeier an das Rieſen=Erdbeben 1923.
Tokios Vorbereitungen zu dem Erdbebenfeſt: Die Straßenlampions werden bunt bemalt.
Am 24, März beginnt in Tokio die Gedenkfeier des Rieſen=Erdbebens im Jahre 1923 durch das
die japaniſche Hauptſtadt faſt vom Erdboden vertilgt wurde. Der raſche Wiederaufbau Tokios wird
in fünftägigen Feſtlichkeiten prunkvoll begangen werden.
Fünf Geldſchrankknacker auf friſcher Tat
feſtgenommen.
Berlin. In der Nacht zum Mittwoch
ver=
ſuchten Einbrecher in einem Hauſe an der
Linden=
paſſage in den Geſchäftsräumen der Deutſchen
Ver=
eins=A.=G. die /Panzerſchränke aufzubrechen. Die
Geldſchrankknacker, die unter der Maske harmloſer
Gäſte durch ein im Haus befindliches Weinlokal ſich
eingeſchlichen hatten, wurden von dem Heizer des
Hauſes, einem 71 Jahre alten Mann, überraſcht.
Sie feſſelten den Heizer und ſetzten ihn auf einen
Stuhl, ohne ihm ſonſt etwas zuleide zu tun. Als der
Nachtwächter auf ſeinem Kontrollgang den Heizer
vermißte, benachrichtigte er einen auf der Straße
patrouillierenden Polizeipoſten, der dann gemeinſam
mit dem überfallkommando, das Haus durchſuchte.
In=
zwiſchen erbrachen die Einbrecher einen Geldſchrank.
Da dieſer aber nur 50 Mark Bargeld enthielt,
ver=
ſuchten ſie ihr Heil an einem zweiten; hier kamen
ſie aber nicht bis an die Treſore heran, ſo daß ſie
die Arbeit einſtellen mußten. Sie verſuchten durch
das Gewirr der Höfe den nach ihnen ſuchenden
Poli=
zeibeamten zu entkommen und verſteckten ſich im
Kel=
ler und in Toiletteräumen. Nach und nach fanden
die Polizeibeamten alle fünf Mann und nahmen
ſie feſt.
Senfationelle Wendung im Dielingen=Prozeß.
Osnabrück. In dem Prozeß gegen den
Knecht v. Dielingen ergab die Beweisaufnahme eine
Senſation. Der Zeuge Henſeler erklärte, von dem
Verteidiger Dielingens befragt, daß das Geſtändnis
des Angeklagten v. Dielingen, das dieſer in der
erſten Schwurgerichtsverhandlung im Jahre 1926
ab=
gelegt hatte, ihm von ſeinem Mitgefangenen Meyer
und dem Zeugen Henſeler eingeimpft worden ſei.
Meyer habe Dielingen die Anklageſchrift vorgeleſen
und ſich dann dahin geäußert, daß Dielingen des
Mordes überführt würde, wenn er nicht geſtehe, im
Affekt gehandelt zu haben. Außerdem würden ſein
Vater und ſeine Brüder in den Verdacht geraten,
die Tat begangen zu haben. Meyer habe D. geraten,
was er ſagen ſollte. D. ſei völlig
zuſammen=
gebrochen, als er von M. hörte, daß ſein Vater und
ſeine Brüder in die Sache verwickelt würden, wenn
er kein Geſtändnis ablege. Der Verteidiger.
Die=
lingens, Rechtsanwalt Dr. Mendel, erklärte nach den
Ausſagen des Zeugen Henſeler: „Das iſt die
Ent=
ſcheidung des Prozeſſes! Der Zeuge bekundet hier
unter ſeinem Eid, daß das Geſtändnis Dielingens
von Meher und ihm erfunden ſei.” — Vorausſichtlich
wird das Urteil ſpäteſtens am Donnerstag
vormit=
tag gefällt werden.
15 Jahre Zuchthaus für Kräutler.
München. Im Mordprozeß Peter Kräutler
verkündete das Gericht am Dienstag abend
folgen=
des Urteil: Der Angeklagte wird wegen eines
Ver=
brechens des Totſchlags zu 15 Jahren Zuchthaus
ver=
urteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem
Angeklagten auf 10 Jahre aberkannt. In der
Urteilsbegründung heißt es u. a., daß nicht
ein=
wandfrei nachgewieſen werden konnte, ob die Tat
mit Ueberlegung ausgeführt worden ſei. Mildernde
Umſtände wurden dem Angeklagten nicht
zugebil=
ligt. Kräutler nahm das Urteil ruhig entgegen.
15 Verletzte bei einem Autounfall.
Prag. Auf der Straße zwiſchen Klicar und
Weltrus geriet ein Laſtkraftwagen, der mit
Teil=
nehmern an einem Fußballwettſpiel beſetzt war, in
den Straßengraben. Von den Inſaſſen wurden drei
ſchwer und 12 weitere leicht verletzt.
Schweres Flugzeugunglück auf dem Prager
Militärflugplatz.
Prag. Auf dem Militärflugplatz Milowitz
über=
ſchlug ſich ein Militärflugzeug und geriet in Brand.
Zwei der Piloten konnten nur als Leichen geborgen
werden.
Eine Feuersbrunſt vernichtet ein Kabelwerk.
Prag. Am Montag iſt in dem Kabelwerk der
Firma Krizik in Bodenbach ein Brand ausgebrochen,
der erſt nach ſechzehnſtündiger Dauer gelöſcht
wer=
den konnte. Das ganze Kabelwerk, das aus fünf
Maſchinenhallen beſteht, iſt vernichtet. Der Schaden
wird auf 50 Millionen Kronen geſchätzt.
Rieſenbrand im Zentraltheater von Galatz.
Bukareſt. Am Dienstag morgen brach in dem
größten Theater von Galatz, dem Zentraltheater,
ein Brand aus, der einige Stunden andauerte und
das Theatergebäude völlig in Aſche legte.
Menſchen=
leben ſind glücklicherweiſe nicht zu Schaden
gekom=
men. Der Sachſchaden wird auf 10 Millionen Lei
geſchätzt.
Neuer Bombenfund auf einer rumäniſchen
Schnellzugsſtrecke.
Bukareſt. Auf der Strecke Bukareſt—
Con=
ſtanza wurden neuerlich drei Dynamitbomben
gefun=
den. Nur dem Umſtand, daß die Zündſchnur geriſſen
war, iſt es zu verdanken, daß die Exploſion nicht
dei der Durchfahrt des Expreßzuges erfolgte.
Erſte Ausreiſe der „Guropg
Bremen. Der Schnelldampfer „Europa” des
Norddeutſchen Lloyd trat um 13 Uhr von
Bremer=
haven ſeine erſte Reiſe nach New York an. Die
2. Klaſſe, die Kafüte für Touriſten und die 3. Klaſſe
des Schiffes ſind ausverkauft. Die erſte Klaſſe iſt
zut beſetzt. Außer den fünf Sonderpaſſagierzügen
des Norddeutſchen Lloyd veikehrte von Berlin der
Lloyd=Expreß mit vollbeſetztem Schlafwagen auf
direktem Weg über Bremen nach Bremerhaven=
Columbus=Pier.
Der Start der erſten Ausfahrt der „Europa‟
keunzeichnete ſich wieder durch rieſigen Verkehr in
den Unterweſerorten. Seit den frühen
Morgenſtun=
den kamen Autos um Autos hier an und fuhren
zum Kaiſer=Hafen, dicht beſetzt wit Leuten, die
dieſem Ereignis beiwohnen wollten. Vor dem
Coluwbus=Bahnhof ſtanden unüberſehbare
Auto=
kolonnen, die, wie die Nummernſchilder verrieten,
aus allen Gauen Deutſchlands kamen. Kurz nach
9 Uhr traf der erſte Zug wit Paſſagieren der
3. Klaſſe für die „Europa” ein, dem bald darauf
ein zweiter folgte. Dann trafen mit dem erſtmalig
verkehrenden FD=Zug Berlin-Bremerhaven
Paſſa=
giere der 1. Klaſſe ein. Insgeſamt kamen ſechs
Züge, der letzte um 12.35 Uhr, von Bremen,
eben=
falls mit Paſſagieren 1. Klaſſe. An Bord der
„Europa” herrſchte ein unbeſchreibliches Leben, da
die meiſten Ausreiſenden von ihrem Recht,
Ver=
wandte mit an Bord zu bringen, Gebrauch machten.
Währenddeſſen hatten die großen Kräne, auf der
Columbus=Kafe mit erſtaunlicher Schnelligkeit die
un=
überſehbare Gepäckmenge der Paſſagiere bewältigt,
Um 12.50 Uhr wurde der letzte Laufſteg eingezogen,
Die „Europa”, ließ ihre gewaltige Dampfpfeife
er=
tönen. Die letzten Troſſen wurden losgeworfen.
Unter ungeheurem Jubel der tauſendköpfigen
Men=
chenmenge löſt ſich kurz nach 13 Uhr der Rieſen
dampfer „Europa” vom Lande, während die
Bord=
kapelle das Lied „Muß i denn zum Städtle hinaus”
ſpielte. Langſam entfernte ſich die große
ſchwim=
mende Stadt vom Lande. Nach etwa einer
Viertel=
ſtunde war auch der letzte Schlepper zurück. Die
Sicht iſt nach anfangs dieſigem Wetter leidlich gut,
Möwen umkreiſen das rieſige Schiff.
iuf de
Iaear verbi
iadet,
Schithialt !
S0 hle
Truiffae alle
drufen, d
b undete
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lähe, hab
GSöfte, I
dien, 31
Eine Frau von verwilderten Hunden zerfleiſcht.
Genf. Im Schweizer Jura iſt eine junge Frau
von einer Meute von fünf Hunden angefallen und
ſchrecklich zerfleiſcht worden. Die Hunde waren
voll=
kommen ausgehungert und verwildert. Das Geheul
der Hunde lockte einige Holzarbeiter herbei, die die
Meute gerade noch daran hindern konnten, ihr
Opfer zu zerreißen und aufzufreſſen.
2000 Menſchen von chineſiſchen Räubern
niedergemetzelt.
Schanghai. Eine kommuniſtiſche Räuberbande
hat, wie chineſiſche Berichte beſagen, zu Anfang
die=
ſes Monats den Ort Fuan überfallen, die ganz=
Ortſchaft ausgeplündert und 2000 Männer, Frauen
und Kinder niedergemetzelt.
Tod eines Vorkämpfers der Röntgenbehandlung.
London. In Edinburgh ſtarb einer der erſten
Mitarbeiter Röntgens bei der Anwendung der
*=Strahlen zur Bekämpfung vom Krankheiten, Dr=
John Webſter Lowſon Spence. Dr. Spence, der
auch einer der Gründer der Radiologiſchen
Abtei=
lung des Edinburgher Königlichen Hoſpitals war)
hat ſein ganzes Leben dem Ausbau der X=Strahlen=
Behandlung gewidmet und iſt dabei zum Märtyrer
ſeiner Wiſſenſchaft geworden. Im Jahre 1916 mußte
ihm der rechte Arm abgenommen werden, und vor
kurzem mußte ihm auch die andere, noch verbliebene
Hand zum größten Teil amputiert werden. Seing
Unterſuchungen erſtreckten ſich hauptſächlich auf
Knochenkrankheiten, beſonders bei Kindern. Im
Jahre 1922 war Dr. Spence vom Carnegie=Fonds
eine Medaille und eine jährliche Penſion zuerkannt
worden.
200 Perſonen bei einem Kinobrand ums Leben
gekommen.
London. Nach einem Bericht aus Peking
ſind bei einem Kinobrand in Kirin (
Mand=
ſchurei) mehr als 200 Perſonen ums Leben
ge=
kommen. Sechs Poliziſten kamen bei dem
Ret=
tungswerk ums Leben.
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Und bei
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Im Guropt
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fader un
Nieung al
leit be
Flugpoſtdienſt Braſilien—Deutſchland.
New York. Nach einer Meldung der „Aſſo4
ciated Preß” aus Rio de Janeiro beginnt der
Flug=
poſtverkehr Braſilien-Deutſchland am 21. März. Ein
Condor=Flugzeug wird von Rio de Janeiro nach
Fernando Moronha fliegen, um die Poſt an Bord,
des Dampfers „Caz Arcona” zu bringen. In der
Nähe der portugieſiſchen Küſte wird die Poſt von
einem Dampfer übernowmen und wieder mit einem
Flugzeug nach Hamburg befördert.
Die Gedenktafel im Golden Gate Park
in San Franzisko,
die von der norwegiſchen Kolonie zu Ehren des
großen Forſchers Roald Amundſen errichtet
wurde, der bei der Nobile=Rettungsaktion ums
Leben kam.
Eummer 79
Donnerstag, den 20. März 1930
Seite 9
Ueberſchwemmtes Paradies.
(Darſtellung eines Beſuchers vor der Kataſtrophe.)
Aus Anlaß der furchtbaren Waſſerverwüſtungen in
Südfrankreich, deren bedauernswerteſtes Opfer das alte
Städtchen Moiſſac geworden iſt, bringen wir aus dem
jüngſt bei Georg Müller, München, erſchienenen
Buch von C. O. Jatho: „Frankreich” den
folgen=
den Abſchnitt, der uns die einzigartige künſtleriſche
Bedeutung Moiſſacs und die Idyllik ſeiner
landſchaft=
lichen Umwelt eindringlich ſchildert. In Moiſſges
welt=
berühmter Benediktinerabtei ſind gegenwärtig die Opfer
der Ueberſchwemmung zu Hunderten aufgebahrt,
wäh=
rend Ungezählte noch unter den Trümmern der Häuſer
liegen.
zwiſchen Azurküfte und Silberküſte, nicht allzu fern vor dem
el der Pyrencen, am lautloſen Einſtrom des Tarn in die
gronne, durchfädelt von einer Nebenlinie des großen, Meer mit
Aer verbindenden Canal du Midi, ſchläft an Hängen, die die Rebe
hadet, das Städtchen Moiſſac. Für Schmecker des paysage
wime und eines ungetauften franzöſiſchen Landweins iſt es des
un miſchten Labſals voll. Doch noch ein anderes gewährte das
Gickſal: Moiſſac wurde das Mekka der Freunde mittelalterlicher
Anſt.
So bleibt man denn ſchon auf dem Weg von Bordeaux nach
wiſac allein mit ſich ſelbſt und mit den fremden Dingen da
duu ßen, die unter dem Himmel hinziehen wie von Anbeginn
be=
hunrdete Welt. Man fühlt von Viertelſtunde zu Viertelſtunde,
wder Sommer wächſt. Junge Pferde ſpringen durch den Wald;
4he, halb im Sumpf, käuen behaglich wieder. Flach lagern
éhöfte, locker verſtreut, lorbeerumfriedet zwiſchen Kirſchbäumen,
zuen, Zypreſſen. Kleine Bahnhöfe, in die der Wald
hinein=
räſt: Neſter, vom Goldroſt der Jahrhunderte ſakrofankt. In
ſhenden Geländewellen feſte Schlöſſer, alte Windmühlentürme
nd immer wieder diefe faſt baſilital unter ein Dach gebrachten
thöfte. Man möchte ſich feſtbinden laſſen, um nicht Gefahr zu
lafen, an jeder Station aus dem Zug zu ſpringen. Bei
Ton=
ins, bei Aiguillon, wo der Lot, ſilberner Bläue ſelig, in die
(ronne ſich liebt, ſchwört man Wiederkehr, Einkehr in kürzeſter
ſiſt, um nicht vor ſich ſelbſt mit ſeiner ſträflichen
kilometerfreſſen=
dr Europäerhaſt als heilloſer Banauſe dazuſtehen. Dabei iſt’s
fyr ein train omnibus, den man benutzt. Eine Taube gleit=t
gie Weile am Fenſter mit. Schließlich kommt man doch nur
Ppedes apostolorum zum letzten Ziel. Wir ſind unter die
hder unſrer Erfindungen gekommen. Am Tag der
Verwirk=
ſiung aller Möglichkeiten hat ſich der Menſch ſeiner beſten
Mög=
ſiteit begeben.
Es iſt faſt wie Troft, daß mein Bummelzug ſchon ein foſſiles
Au ehrswerkzeug iſt, mich mächtig ſchleudert und ſtößt und ohne
1 eignes Zutun von einem Fenſterplatz auf den andern wirft.
fArdlich wird das Gelände bald ſteiler und ſpröder und gibt
Ein nerung an deutſches Land; nach Süden verebbt es in Ebene
ub trächtiges Mittelmeerbecken. Gegen Norden geſchützt, gegen
Eiden offen der Sonne, zu der alle Völker beten, gründeten die
Xnediktiner ſchon im ſiebten Jahrhundert ihr Kloſter Moiſſac.
Ee führten ihren Pflug und ihr Schwert bis vor die Tore von
Xu=ouſe. Ihre Siedlung, klug etwas entfernt von der
Nie=
diung der Garonne am bogigen Uſer des Tarn, im Rücken die
Erge, wurde eine befeſtigte Stadt, ihre Kirche eine
Feſtungs=
hihe; nur wenige Schleifen und Krümmen der Bahn noch — und
Fmuß hinter den Nußbäumen des eanal latéral im Fruchtland
fünen und uns ihr heiliges Zeichen entgegenhalten.
Ein junger Mann drückt mir die Klinke des Wagens auf;
u Abſchiedslächeln, das Berge traditioneller Vorurteile ein=
ebnet, ſingt leiſe nach in unſern Herzen. Er will nach
Caſtel=
ſarraſin zu ſeiner kranken Mutter, ich zur Erfüllung eines ſeit
drei Luſtren brennenden Wunſches. Gegenüber dem
Bahnhöf=
chen, an dem kein Dienſtmann, keine Droſchke, kein Hotelwagen
auftaucht, führt der Kanal hin zur Stadt; zwei Maultiere, denen
ein Pferdchen beigeſchirrt iſt, ziehen einen Kahn; am Steuer
lehnt eine Frau und ſtrickt. Ein Kahn iſt’s, der faſt die ganze
Breite des Waſſerſpiegels füllt, der ſelbſt gefüllt iſt bis an den
Rand und weit darüber: mit Wein; einer dieſer Kähne, die einem
auf der ganzen Fahrt längs des Kanals begegnet ſind, die alle,
in kurzen Intervallen, lautlos weben den Strömen her des Wegs
gekrochen kommen und alle hochbeladen ſind mit Fäſſern, Fäſſern.
Sie kommen, ſchwinden, kommen. Endlos. Schiffkarawanen
über Land mit Wein ad inänitum. Dieſe Monotonie wirkt
lang=
ſam in uns Erſchütterung, wird Melodie. Man zaudert, man
lauſcht. Zwiſchen dem farbigen Verfall der Häuschen und den
von den ſchleppenden Tauen rundgeſchliffenen Steinborden des
Kanals regt ſich kein Laut und keine Geſtalt; kein Mütterchen,
kein Kind, kein Hund, nicht der Schwanz einer Katze. Ich gehe
wohl falſch? Ich gehe richtig: zum Markt, zur Cité. Ueber
nie=
derm Gedächer ſteht der Pyramidenhelm der Abtei. Und man
läßt ſich ziehen, blindlings, von der Magie eines Heiltums, das
zu erreichen ja doch nicht in unſre Macht gegeben iſt, zu dem hin
mau im Grunde nur auf den dunkeln Wegen des Wunders
ge=
führt wird. Es gibt weitere Wege als den von Berlin nach
New York; nach Moiſſac, das iſt ein Sturz in den Weltenraum,
aus dem es keine Rückfahrkarte gibt. Ein Srrz und ein
Auf=
ſtieg, was in aſtronomiſchen Räumen ja keinen Unterſchied macht.
Als man um die entſcheidende Ecke biegt, ſieht man das Werk
mit dem Reſt ſeiner Verteidigungswehr und den ſpitzbogigen
Füllungen einer ſpätern Zeit, und ſein Portal richtet ſich auf
uns wie ein großes, ringsum die Welt verneinendes
Augen=
leuchten. Sie haben auf dem Kirchplatz ein Denkmal für die
Ge=
fallenen von Moiſſac aufgeſtellt. Vor dem machte ich halt.
Keine dieſer fanfarigen Lügen, die den untern Inſtinkten der
Ueberlebenden ſchmeicheln und eine Verachtung der Toten
be=
deuten. Eine gebeugte Frau auf dem Sockel, die hilflos weint,
ſonder Phraſe, ſonder Elan, ſonder „Kunſt‟ Der Moiſſaciſche
Denkmalkünſtler hatte im Angeſicht des Portals von Moiſſac auf
Kunſt Verzicht geleiſtet. Nur aus dem Mut zu ſolchem
Klein=
mut wächſt das Reis einer künftigen Kultur. Solches Glaubens
tritt man unter das Portal.
Von drei tragenden Hauptgedanken aus erſteigt der Blick das
Tympanon der Letzten Dinge. In der Mitte die aus Beſtien
und Heiligen gewachſene Säule teilt den Eingang, an dem zur
Rechten der Prophet Jeſaias, zur Linken der Schlüſſelhalter
Petrus) in die gezackten Flankenflächen eingelaſſen iſt. Rechts
im Gewände iſt es Verkündigung und Geburt, links hölliſches
Feuer und verwandte Szene, was den chriſtlichen Kosmos
ründet. Dies alles nicht, wie die ſpätere Gotik es wohl liebte,
in erzähleriſcher Fülle bühnenmäßig ſprechend und etwas
unbe=
kümmert um künſtleriſche Raumgeſetze hingeſpielt, ſondern
zu=
innerſt verpflichtet dem ſtrengen Du ſollſt! des räumlich=plaſtiſchen
Geſchehens, vollkommener Dienſt am Leib des Bauwerks: letzte
Vergeiſtigung des Schmuckgedankens, Schmuck im eigentlich
ma=
giſchen Sinn. Und doch, obwohl hier alles allerhöchſte Kunſt ift:
die Kunſt iſt vergeſſen vor dem religiöſen Erlebnis, das (man
muß ſich faſt entſchuldigen, es zu ſagen) die Vorausſetzung einer
großen künſtleriſchen Form und einer großen Kultur überhaupt
iſt. Das Portal hat Stimme; es tut ſeinen Mund auf und
ver=
kündet der Welt die Viſion der Apokalypſe, die Viſion vom
An=
bruch des Tauſendjährigen Reichs.
Mit Fragen beſchwert, geht man durch den ſinkenden Tag
und tritt in den Kreuzgang. Geiſterhaſte Stille. Moos grünt
dunkel auf Ewigkeiten, Efeu klammert ſich um greiſe Zeder, die
mit dem Wipfel hoch über das Schindeldach der Kirche blickt,
Ein Lorbeerbaum tut es ihr gleich. Tauben ſchlafen in den
Abendzweigen. Zwiſchen den Bilderkapitälen, von denen jedes
eine Welt iſt, fangen die Spinnwebfäden den Glanz des
Unter=
gangs. Dieſe Kapitäle ſind im Stein, was im Glas der
Welt=
kreis der Fenſter von Chartres iſt. Die Benediktiner waren zu
Haus in der heiligen Geſchichte wie im Dämoniſchen. Ein
Ave=
läuten vom Turm: „Und ſie empfing vom Heiligen Geiſt‟. Die
Tauben ſenken ihre Köpfe tiefer ins Gefieder. Der letzte zage
Glockenlaut verhaucht im Schweigen. Tauſend Kinder, tauſeno
Frauen, unſichtbar, begleiten, ſich bekreuzend, den Ruf. Ueber
einem Kapitäl entziffere ich die verwitterten Worte des Bildners:
„Ich habe es gemacht durch meine Kraft, und Du haſt mir durch
Deine Eingebung geholfen.”
Ueberwach von Geſichten, die die Müdigkeit nicht dulden,
be=
ſinnt man ſich endlich, daß man noch keine Unterkunft hat. Am
Markt liegt ein kleiner behaglicher Gaſthof, ein altes
Patrizier=
haus. Ich ſetze den Türklopfer in Bewegung. Die Wirtin freut
ſich über den noch ſo ſpät ſie beehrenden „Amsricain‟. Ein
Be=
wohner des Nachbarlandes wird nicht vorausgeſetzt; Eintragung
ins Fremdenbuch wird nicht verlangt. Die Wirtstafel deckt man
für mich und einen bordeauxroten Weinreiſenden nebſt zartem
Anhang. Wir drei teilen uns in die zwanzig Zimmer und die
mit komiſchem Goldſatin beſteppten Betten. Noch einmal trete
ich ans Fenſter. Längſt ſchläft Moiſſac. Der Wein, der an den
Hängen in Hoffnung ſteht, ſchläft. Die blauen Flüſſe der Ebene
ſchlafen und umatmen, umzärtlichen die ewig blühenden Brüſte
dieſes bäuerlichen Landes. Nur ein Himmel voll ſüdlicher Sterne
wacht ſchirmend über der Abtei; denn auch er vermag nichts in
all ſeiner Größe, das größer wäre als das abendländiſche
Er=
eignis Moiſſac.
Geſchäfkliches.
Gemüſe= und Obſtkonſerven
haben einen immer größeren Freundeskreis gefunden. Auch die
berufs=
tärige Hausfrau hat die Vörteile erkannt, die mit der Verwendung von
Konſepben verbunden ſind. Sie kann ſchnell und ohne beſondere Mühe
eine ſchmackhafte Mahlzeit zuſammenſtellen. Gemüſe= und
Obſtkon=
ſerben gelten längſt nicht mehr als Luxus. Sie erfahren in allen Kreiſen
der Bevölkerung einen lebhaften Zuſpruch. Die Großeinkaufs=Geſellſchaft
Deutſcher Conſumpereine m. b. H. (GEG) hat ſchon vor Jahren dig
Herſtellung dieſer Produkte in die Hand genommen. Erſtklaſſige
maſchinelle Einrichtungen in der neu ausgebauten Fabrik ſorgen dafür,
daß die zur Verarbeitung kommenden Gemürſe= und Obſtſorten ſchnell,
ſauber und in hygieniſch einwandfreier Weiſe in die Doſen gelangen.
Durch die günſtige Preisſtellung werden auch den weniger
zahlungs=
kräftigen Verbrauchern Nahrungsmittel geboten, die eine
abwechſlungs=
reiche, dabei aber nahrhafte Koſt ermöglichen. Dieſe mit dem bekannten
Zeichen GE.G. verſehenen Konſerven ſind ſelbſwerſtändlich nur im
Konſumverein erhältlich.
Haupnchriftleitung Rudolf Mauve
Verantwortlich für Poltiſt und Wirtſchaft: Rudolf Mauve: für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch, für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; fürt
„Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort, Dr. Herbert Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willv Kuhle.
Druck und Verlag: C. C. Wittich — ſämtlich in Darmſfadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
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Es gibt bestimmte Gerichte,
welche die Hausfrau wegen
ihrer Schmackhaftigkeit gern
ötters reichen möchte, wie
Kalbskopf, Beefsteak, Schnitzel
u. dgl., die aber wenig oder
keine Soße geben. Haben Sie
Knorr-Bratensoße zur Hand,
so können Sie in wenigen
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würzige Tunke bereiten. —
Andere Soßen, die nicht
recht geraten sind, erhalten
durch Knorr-Bratensoße
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Ein Würfel gibt so viel
Soße wie 2 Pfund Braten.
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Seite 10
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8 152 des Genoſſenſchaftsgeſetzes ſtrafbar. — Soweit wir Nichtmitglieder beim Einkauf in
unſeren Verteilungsſiellen ermitteln, werden wir dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen.
Die Mitgliedſchaft kann von Jedermann in unſeren Verteilungsſtellen koſienlos
erworben werden. Auskunft er eilt das Verkaufsperſonal (4625
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Betr. Meldepflicht der Arbeitgeber.
Nach den Vorſchriften der RVO.
(8 317 ff.) ſind die Arbeitgeber verpflichtet,
Beginn und Ende der Beſchäftigung
binnen 3 Tagen zu melden. In der
gleichen Friſt ſind auch die
Lohnver=
änderungen, ſoweit ſie eine andere
Lohn=
ſtufeneinteilung bedingen, anzuzeigen.
Wir haben nun in letzter Zeit die
Wahrnehmung machen müſſen, daß ein
Teil der Arbeitgeber die Vorſchriften über
die Meldepflichten nicht beachtet.
Da=
durch können der Krankenkaſſe, als auch
den Arbeitgebern, große Nachteile
ent=
ſtehen. Die Arbeitgeber werden daher
gebeten, die Meldungen rechtzeitig und
richtig zu erſtatten. Insbeſondere wire
darauf verwieſen, daß der Tag des Ein
tritts in die Beſchäftigung auf de
Meldung der Wirklichkeit entſpricht und
daß es ſtrafbar iſt, wenn ein ſpäterei
Tag auf der Meldung angegeben wird.
Wir erſuchen die Arbeitgeber, die
Melde=
pflicht pünktlich zu erfüllen andernfalls
wir genötigt ſind, von den
Strafvor=
ſchriften Gebrauch zu machen. (4617
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Donnerstag, den 20. März 1930
Nummer 79
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 79
Donnerstag, den 20. März 1930
Seite 11
Sport, Spiel und Turnen.
Am die Handball=Weſtgruppen=
Meiſterſchaft.
Sporiverein Darmſtadt 1898-B. f. R. Kaiſerslaukern
Der kommende Sonntag wird die endgültige Entſcheidung bringen,
velcher Verein die Weſtgruppe, die aus den Bezirken Main=Geſſen und
Ahein=Saau beſteht, bei dem am 6. April ſtattfindenden Endſpiel um
f9x Süddeutſche Meiſterſchaft vertritt. Der Vertreter der Oſtgruppe,
1aſo der Bezirke Bahern und Württemberg=Baden, ſteht ja in der
Spiel=
ue reinigung Fürth, dem vorjährigen Süddeutſchen Meiſter, feſt.
Die Frage iſt alſo, wer der Gegner der „Kleeblättler” im Endſpiel
ſtin wrd. Wird es dem Sportverein Darmſtadt 1898 oder dem Rhein=
Saar=Meiſter V.fR. Kaiſerslautern gelingen, ſich für das Endſpiel zu
geieren, mit welchem Gelingen auch gleichzeitig die Berechtigung zur
Teilnahme an den Spielen um die Deutſche Meiſterſchaft, an der ja
be=
huntlich ſowohl der Me ſter der Oſtgruppe als auch der Weſtgruppe
1n ilnehmen, gegeben wäre? Nachdem die 98er in Kaiſerslautern das
Vor=
ſdiel gewonnen haben, wird man ihnen zweifellos unbedenklich die
größere Chance geben dürfen. Schon ein Unentſchieden genügt ihnen
1ia zur Weſtgruppenmeiſterſchaft, während eine Niederlage ein drittes
Spiel notwendig machen würde. Man wird geneigt ſein, nach dem
Sie in Kaiſerslautern den Lilienträgern für das Rückſpiel des
kom=
menden Sonntags in Darmſtadt die Wiederholung des doppelten
Punkt=
geiy nns zuzutrauen. Die Pfälzer haben ſich im Vorſpiel von der beſten
Seite gezeigt und durch eine ſelten ſtarke Kampfkraft einen völlig
gleich=
nerteilten Spielverlauf erreicht. Es wird der Chrgeiz des Rhein=Saar=
Meiſters ſen, in Darmſtadt mit einer dem Vorſpiel gleichen Leiſtung
laufzuwarten. Dies läßt auf einen offenen Spielverlauf ſchließen, zumal
die 98er immer noch auf Fiedler und Werner verzichten und jetzt auch
Delp, der am letzten Sonntag verletzt wurde, erſetzen müſſen. Es wird
alſo ſchon des ganzen Ernſtes und der größten Aufopferung der
erſatz=
geſchwächten Darmſtädter Elf bedürfen, wenn nicht dicht vor dem Ziel
der Erfolg doch noch aufs Spiel geſetzt werden ſoll.
Das Spiel gegen Kaiſerslautern beg unt nachmittags 3 Uhr. An=
1ichl”eßend tritt ebenfalls auf dem Hauptkampffelde eine durch
Liga=
erſatz= und Juniorenſpieler ergänzte Fußball=Ligamannſchaft
der 98er, die zeigen ſoll, daß in der Fußballabteilung des Sportvereins
doch mehr Fußballkönnen ſteckt, als nach dem Spiel des vergangenen
Sonntags anzunehmen iſt, gegen Germanig Pfungſtadt, den
gerade in den letzten Wochen beſonders erfolgreichen Kreisligiſten, an.
Die 98er Sieger im Darmſtädter Hallenkurnier.
Die erſtmalige Austragung eines Hallenturniers in Darmſtadt war
(in voller Erfolg für den Veranſtalter. Die Feſthalle, die annähernd
2000 Beſucher aufzuweiſen hatte, bot einen glänzenden Rahmen; ſie
genügte durchaus den Anforderungen, die für Hallen=Handballſpiele zu
ſtellen ſind. Da ſämtliche teilnehmenden Mannſchaften gute, zum Teil
ſogar ausgezeichnete Leiſtungen boten, war es kein Wunder, daß die
Buſchauer gleich nach Beginn in die richtige Begeiſterung gerieten. Da
die Leiſtungen ſich mit dem Fortſchreiten der Veranſtaltung ſtetig
ver=
beſſerten, hielt die gute Stimmung bis zum Schluſſe an, zumal eine
ladelloſe Lautſprecheranlage (Rühl u. Lang) die Pauſen mit
feſſeln=
den Muſikvorträgen ausfüllte.
Im Eröffnungsſpiel ſiegte
Fußballſportverein Frankfurt — Rot=Weiß 5:3
Durchaus verdient. Frankfurt ging in den erſten paar Minuten mit
S:0 in Führung. In der zweiten Halbzeit wurden die Darmſtädter
wohl beſſer. Die glänzenden Leiſtungen des Frankfurter Hüiters Frion
Tießen jedoch den Ausgleich nicht zu.
Den zweiten Kampf gewann dann
Sportverein 98 — Eintracht Frankfurt 10:8.
Das Spiel war ſehr ſpannend und abwechſlungsreich. Die Frankfurter
Elf. aus aktiven Leichtathleten beſtehend, war ungeheuer raſch am Ball,
ſehr wendig und ſchußſicher, ſo daß die 98er, die in manchen
Spiel=
phaſen verhalten ſpielten, ſich zum Schluſſe gehörig ſtrecken mußten,
um den Sieg zu halten.
Nach einem Jugendſpiel zweier Vereinsmannſchaften der 98er trat
Eintracht Frankfurt — Rot=Weiß Darmſtadt
zur Ermittlung des 3. Platzes an. Wieder kamen die Frankfurter zu
einer abgerundeten Leiſtung. Hauptſächlich in der erſten Halbzeit waren
ſie dank ihrer Schnelligkeit ſtark überlegen, ſo daß ſie nach Ablauf der
erſten Hälfte ſchon mit 6:1 führten. Dann wurden die Darmſtädter
beſſer, ohne allerdings bei ihrem unproduktiven Stürmerſpiel viel zu
erreichen. Die Erringung des 3. Platzes durch die Eintrachtmannſchaft
—Endreſultat 9:3 — entſprach ſo durchaus dem Stärkeverhältnis.
Im Schlußſpiel imponierten dann die Ver durch ihre glänzende
Form. Von der erſten Minute klappte die Kombination fehlerlos, ſo
daß mit mächtigen Würfen ſchon nach den erſten 15 Minuten der
Fuß=
ballſportverein mit 6:2 geſchlagen war. Bei gleicher Ueberlegenheit
in der zwe ten Spielhälfte erſtritten ſich
die 98er mit einem 12:4=Sieg den erſten Platz.
Es dürfte überflüfſig ſein, zu erwähnen, daß dieſer Sieg mit großem
Beifall aufgenommen wurde.
Süddeukſche Damen=Handballmeiſterſchaft.
Zum erſten Male nimmt in dieſem Jahre eine baheriſche
Mann=
ſchaft an den Endſpielen um die Süddeutſche Damen=Meiſterſchaft teil.
Bisher wurde die Meiſterſchaft immer nur zwiſchen den Meiſtern der
Bezirke Main=Heſſen und Rhein=Saar ausgetragen. Die Meiſter dieſer
beiden Bezirke ſtehen bis jetzt noch nicht feſt. Im Bezirk Main=Heſſen
bewerben ſich Eintracht Frankfurt, Sportverein Wiesbaden. Wormatia
Worms und der noch nicht feſtſtehende Meiſter des Kreiſes Starkenburg
um den Titel. Bisher wurden insgeſamt fünf Spiele ausgetragen. An
der Spitze ſteht Eintracht Frankfurt mit drei ausgetragenen Spielen,
die ſämtlich gewonnen wurden. In Rhein=Saar haben ſich VfR.
Mann=
heim und 1. FC. 02 Kreuznach für die Endkämpfe qualifiziert, und in
Nordbayern wurde der 1. FC. Nürnberg ermittelt, der damit den
Be=
zirk Bahern vertritt. In Württemberg=Baden wurde kein
Damen=
meiſter ermittelt. Die Spiele um die Süddeutſche Meiſterſchaft ſollen
am 30. März beginnen. Da bis dahin weder in Main=Heſſen noch in
Rhein=Saar der Meiſter endgültig ermittelt iſt, wird der Behörde nichts
anderes übria bleiben, als einen Meiſter zu ernennen. Zuerſt ermitteln
die Bezirke Main=Heſſen und Rhein=Saar im Vor= und Rückſpiel gnalog
den Herren einen Meiſter der Gruppe Weſt, und dieſer trifft dann
ge=
legentlich des Herren=Endſpiels auf den 1. FC. Nürnberg.
die Mikkelrheiniſche Vorkurner=Vereinigung
Mn Damfalf.
Geräte= und Kunſtturnen.
Vor nicht allzu langer Zeit hatte es den Anſchein, als wollte man
dem Geräte= und Kunſtturnen nicht mehr die Wertſchätzung gewähren,
die ihm gebührt, und es hat nicht an Stimmen gefehlt, die ſich dagegen
ausſprachen und die Forderung ſtellten, daß es ſtark in den Hintergrund
treten ſolle. Man hat dabei oft genug mit Schlagworten gearbeitet.
So wollte man das Geräteturnen als „unnatürliches Turnen” abtun
und im Gegenſatz dazu ein „natürliches Turnen”, in den Vordergrund
ſtellen, als ob eine Stütz=, eine Schwung=, eine Hangbewegung „
unnatür=
lich” ſein könnte, da ſie ja in ihrer Einzelform nichts weiter iſt als die
Uebertragung einer im praktiſchen Leben vorkommenden
Bewegungs=
form auf ein Gerät. Daß man das Geräte= und Kunſtturnen vom
Ausbildungsplan der Turnvereine nicht verſchwinden ließ, was
zweifels=
ohne ein Aufgeben ſtarker Erziehungswerte bedeutet hätte, dafür
ſorg=
ten zumeiſt die beſtehenden Vorturner=Vereinigungen. Im
Mittelrhein=
kreis der D.T. war es die im Jahre 1894 gegründete Mittelrheiniſche
Vorturne=Vereinigung, die den Wert der erzieheriſchen Arbeit klar
erkannte und ſtets, durch Vertiefung und Verbreitung deutſchen
Geräte=
turnens, deſſen Körper und Charakter bildende Erziehungswerte
ver=
mittelte und hier führend voranſchritt. Einen Einblick in ihre intenſive
Arbeit auf dem Gebiete des Geräte= und Kunſtturnens ſoll die am B. 3.
in Darmſtadt in der Turnhalle der Turngemeinde 1846 ſtattfindende
28. Zuſammenkunft der Vereinigung gewähren. Sie wird am
Vormit=
tag zunächſt in einer Turnfolge zeigen, daß Geräteturnen den Aus= und
Durchbildung eines jeden dienen kann, und das Ziel der
Maſſenaus=
bildung in der Körverbeherrſchung, Geſundheit und Kraft liegt. Der
Nachmittag des 23. März ſoll dem großen Bühnen=Schauturnen
der Vereinigung vorbehalten ſein, bei welchem Kunſtturnen, das
hohes Können vorausſetzt, dem Beſchauer geboten werden ſoll. Nicht
um einen Wettkampf wird es ſich handeln, ſondern es ſoll Gipfelturnen,
das gewiſſermaßen der Sport der beſonders Befähigten und von Natur
dafür Veranlagten, als Charakterſchule und Muſterbild von Mut,
Ent=
ſchloſſenheit und Tatkraft, gezeigt werden. Wie anderwärts ſo ſoll auch
hier das Schauturnen der Mittelrheiniſchen Vorturner=Vereinigung am
23. März zugleich eine Werbeveranſtaltung werden, in deren Verlauf
zahlreiche der beſten Kunſtturner die Schönheit des deutſchen Geräte=
und Kunſtturnens erneut erweiſen.
Um irrigen Auffaſſungen, daß das Turnen der Mittelrheiniſchen
Vorturner=Vereinigung eine Angelegenheit der nur ihr angehörigen
Vereine ſei, zu begegnen, muß beſonders darauf hingewieſen werden,
daß beide Veranſtaltungen — Lehrarbeit und Schauturnen — für die
breite Oeffentlichkeit beſtimmt iſt und deren Beſuch nur beſtens zu
empfehlen iſt. Auswärtige Intereſſenten können ſich Eintrittskarten
zum Schauturnen bei Gau=Oberturnwart W. Hofferbert, Darmſtadt,
Taunusſtraße 19, vorausbeſtellen. Für Darmſtadt findet der
Vorver=
kauf bei dem Hausmeiſter der Turngemeinde 1846, am Woogsplatz, ſtatt.
Leichkakhlekik.
Not Weiß, BfA.
Am nächſten Sonntag beteiligt ſich die erſte Waldlaufmannſchaft
von Rot=We ß, V.f.R. an dem bezirksoffenen Waldlauf des V.f.L.
Frankfurt. Dieſer Waldlauf wird ſehr ſchön werden, weil er in
ande=
ver Form als bisher ausgetragen wird. Drei Läufer müſſen Hand in
Hand das Ziel durchlaufen. Ohne Zweifel ſtellt dieſe Art des
Wald=
laufs höhere Anforderungen an die Mannſchaft. Es kommt dabei nicht
auf die Spitzenleiſtung eines anzelnen Läufers an, ſondern auf die gute
Allgemeindurchbildung der Mannſchaft. Und das iſt der Vorzug dieſer
Art des Waldlaufs. — Zum Schluſſe ſei noch mitgeteilt, daß das nächſte
Hallentraining der Leichtathleten am B. März 1930, 20 Uhr, in der
Feſthalle ſtatfindet.
Kraftſporl.
Werſau—Fürth 6:14.
Die Ringermannſchaft des KSV. 09 Fürth i. O. weilte am
Sonn=
tag beim KSV. 1920 Werſau zum fälligen Rückkampf. An dem Siege
der Fürther Mannſchaft war bei der ins Feld geſtellten Kampfſtärke
nicht zu zweifeln. Das Reſultat hätte noch beſſer ausfallen können,
wenn Fürth in zwei Klaſſen den Sieg nicht durch Aufgabe verſchenkt
hätte. Fürth ſiegte im Bantam=, Feder=, Leicht=, Welter= und
Schwer=
gewicht. Im Leichtmittel= und Schwerm telgewicht fielen die Punkte
durch Aufgabe der Fürther nach Werſau.
„Deutſche Eiche” Roßdorf — Bensheim 18:3.
Im weiteren Verlauf der Verbands=Rückkämpfe gelang es am
Sonntag dem Kraft=Sportverein „Deutſche Eiche” Roßdorf, den Kraft=
Sportverein Bensheim einwandfrei mit dem Bombenreſultat von 18:3
zu ſchlagen und ſo ſeine Spitzenſtellung weiterhin zu behaupten.
Roß=
dorfs Mannſchaft hat durch dieſen Sieg erneut bewieſen, daß ſie das
nötige Können in ſich hat und in ſolcher Form den reſtlichen Kämpfen
mit Ruhe entgegengehen kann.
Bensheim kam im Bantam=Gewicht durch Uebergewicht des
Noß=
dörfers zu ſeinen Punkten, während Roßdorf, mitunter in nur ganz
kurzer Kampfdauer, in den weiteren 6 Gewichtsklaſſen zu Siegen kam.
— Am kommenden Sonntag, den 23. d. M., ſtellt ſich die erſte
Mannſchaft des Kraft=Sportvereins Hetzbach der des Kraft=
Sportvereins. Deutſche Eiche” als Gegner vor und darf auch hier mit
einem ſpannenden Kampf und Sieg der Hieſigen gerechnet werden.
Keulenereiniang durmftat ind Lungelung.
Mannſchaftskampf.
Wie alljährlich nach Beendigung des Ausſcheidungskegelns fand ſich
am Sonntag die Kampfmannſchaft für 1930 im Bürgerverein ein, um
einen Mannſchaftskampf auszutragen. Es bildeten ſich zwei Riegen, von
denen die eine aus den 10 Beſten der Mannſchaft und die zweite aus
den nächſtfolgenden zuſammenſetzte. Jede Mannſchaft hatte 1000 Kugeln
abzuwerfen. Vor Beginn des Kegelns ehrte der Verbandsvorſitzende
Thümel, in einer entſprechenden Anſprache die diesjährigen Meiſter:
1. Kegelbruder Grün als Verbandsmeiſter, 2. Kegelbruder Schinnerl als
Seniormeiſter, 3. Fräulein Bäumer als Verbandsmeiſterin. Daran
ſchloß ſich der Mannſchaftskampf, der ſich recht wechſelvoll geſtaltete.
Das Ergebnis desſelben war: 1. Mannſchaft 5237 Holz, 2. Mannſchaft
4953 Holz.
In dem am Sonntag im Fechtſaal der Turngemeinde ausgetragenen
Tiſch=Tennisturnier zwiſchen der Tennisabteilung der Turngemeinde
1846 und dem Tiſch=Tennistlub Bensheim ging die erſtgenanute
Abtei=
lung mit 16:10 Punkten als Sieger hervor. Keinesfalls darf man aber
die Bensheimer Teilnehmer unterſchätzen, denn die Ueberzahl der Spiele
im Einzel=, Doppel oder Gemiſchten nahm erſt nach fünf harten und
ſpannenden Sätzen ihr Ende. — Am Freitag abend (21. März),
8 Uhr, geht im Turnhauſe ein Tiſch=Tenniswettkampf gegen den
Sport=
verein und am Sonntag, den 23. März, ein Turnier gegen den
Tennisklub Michelſtadt in Michelſtadt vor ſich.
Die Amerikanerin Eleguor Holm ſtellte in Jacks Villa in Florida
über 100 Meter Rücken mit 1:12,6 Minuten einen neuen Weltrekord
auf und underbot damit de von der Holländerin Marie Braun
gehal=
tene Beſtleiſtung um volle neun Sekunden.
Eine ganz ausgezeichnete Leiſtung vollbrachte der Wiener
Schwver=
athlet Hangl, der im beidarmigen Stoßen der Leichtgewichtsklaſſe die
bisher auf 270 Pfund ſtehende Weltrekordleiſtung ſeines Landsmannes
Haas mit 287 Pfund ganz erheblich unterbot.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 20. März. 15.15: Jugendſtunde o 16: Kurhaus
Wiesbaden: Konzert. Cherubini: Ouv. „Anakreon”. — Verdi:
Fan=
taſie aus „Ein Maskenball”. — Spinelli; Vorſpiel zu „A. baſſo
Porto‟. — Donzetti, Fantaſie aus „Die Favoritin” — Roſſini=
Qunertüre zu „Tell”. — Leoncavallo: Intermezo aus „Der
Baiazo”. — Puccini: Fantaſie aus „Tosca”, o 1805: Zeitfragen.
18.35: Otto Rombach lieſt aus ſeinem Buch. Der Brand im
Affenhaus” o 19.05: Franzöſiſch. o 19.30: Stuttgart: Konzert.
Millöcker: Qup. zu Gaſparone‟. — Hrubetz: Beſuch bei Franz
Lehar. — Seifert; Kärntner Liedermarſch. O 20: Stuttgart: Vom
Main zur Donau. Cornelius: Ouv. zu „Barbier von Bagdad”.
— Goethe. Groteske in zwei Bildern von E. Friedell u. A. Polgar.
— Schwäbiſche Ländler, geſpielt von der Bauernkapelle.
Schwäbi=
ſcher Humor. Adam und Eva von Aug. Lämmle. — Alemanniſche
Bauernmuſik, geſpielt von der Bauernkapelle. Alemanniſche
Mundart=
dichtung. — Bayriſcher Defiliermarſch. — Privatlogis in Bavern.
Eine Begenheit von Wilh. v. Hebra. — Fetras: Tirol in Lied und
Tanz. — Ein Viertel Tiroler Adler. Eine Szene von Rud. Greinz
und K. Köſtlin. — Strauß: Geſchichten aus dem Wiener Wald.
— Mein Chauffeur oder: Der öſterreichiſche Menſch. Von Fr. R.
Ginzken. — Strauß: Radetzkymarſch. O 29: Stuttgart: Im Krug
zum grünen Kranze, Heitere Schallplattenplauderei von C. Struve.
O 23.15: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Donnerstag, 20. März. 9: Aus dem Leben
einer Verkäuferin. O 9.30: Muſikſtunde. O 10: Dr. Bethge: Was
unere Mutterſprache von den Tieren weiß. O 10.35: Mitteil.
des Verb der Preuß. Landgemeinden. o 12: Schallplatten=
Kon=
zert. 0 14.30: Jugendſtunde. o 15: Sofie Lazarsfeld: Aus
der Praris der Wiener Jugendberatungsſtellen. o 15.45: Trude
Herrmann: Einrichtungen, welche die Frauen kennen ſollten o 16:
Ob.=Stud.=Rat Dr. Röhl: Die Laufbahn des Studienrats. 16.30:
Berlin: „Konzert. o 17.30: Prof. Dr. Müllerburg: Willibald
Alexis „Ruhe iſt die erſte Bürgerpflicht”. o 17.55: Dr. Ernſt:
Elſaß=Lothringen im Reich. 18.20: C. Landsberg: Die Frau
beute und geſtern. 18.30: Spaniſch für Fortgeſchr. 0 19.05:
Ob.=Reg.=Rat Dr. Peiſer: Soziale Wandlungen im Eigentumsbegriff.
O 19.30: Prof. Dr. Eichinger: Ueber Verſuchsringe und Verſuche
im bäuerlichen Betrieb. O 20: Stuttgart: „Vom Main zur
Donau”, Cornelius: Qup. zu „Der Barbier von Bagdad” —
G5e e. Groteske in 2 Bildern von Egon Friedell und Alfred
Polgar. — Schwäbiſche Ländler. — Schwäbiſcher Humor. —
Alemanniſche Bauernmuſik. — „Alemanniſche‟ — Bayriſcher
Defi=
liermarſch. — „Privatlogis in Bayern‟. Eine Begebenheit von
Wilhelm v. Hebra. — Fetras: Tirol in Lied und Tanz. — „Ein
Viertel Tiroler Adler”, Szene von Rudolf Greinz und Karl
Köſt=
ſin. — Joh. Strauß: Geſchichten aus dem Wiener Wald. —
Mein Cauffeur” oder „Der öſterreichiſche Menſch” von Franz
K. Ginzkey. — Joh. Strauß (Vater): Radetzkymarſch. O Anſchl.:
Berlin: Zeit Wetter. 2 Danach: Tanzmuſik.
Welieberichl.
Mit dem anſteigenden Luftdruck hat ſich über Mitteldeutſchlaud die
Wetterlage beruhigt, und während der klaren Nächte fielen die
Tempe=
raturen bis zum Gefrierpunkt und etwas darunter, was namentlich in
unſerem Bezirk eintrat. Die Beſſerung iſt nur vorübergehend denn
ein Tiefausläufer über Frankreich dürfte beim Weiterzug wieder
Tempe=
raturanſtieg bringen ſowie zu erneuten Niederſchlägen führen. Der
Er=
wärmung folgt dann mit dem Zufließen kühlerer Luft
Temperaturrück=
gang, und das Wetter bleibt veränderlich.
Ausſichten für Donnerstag, den 20. März: Zunächſt wieder etwas
mil=
der, wolkig und bedeckt mit Niederſchlägen, dann wechſelnd wolkig
und kühler.
Ausſichten für Freitag, den 21. März: Nur vereinzelte Schauer, kühl,
bewölkt mit Aufheiterung.
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Frankfurker Allgemeine.
Majoritätszuſtimmung der Gläubiger. — 800 Aktionäranmeldungen.
Wie wir erfahren, liegen nunmehr über 75 Prozent Zuſtimmungen
der Gläubiger zum Verglechsvorſchlage vor, ſo daß auch im Wege der
nicht freien Vereinbarung ein Zwangsvergleich geſichert iſt. Als eine
der Hauptgläubiger ſteht allerdings immer noch die Allgemeine Elſäſſiſche
Baukgeſellſchaft mit einer Forderung von einer Million Dollar n
Oppoſition, dagegen iſt weiterem Vernehmen nach die Einigung mit
der Schweizer Gruppe, der Theſaurus A.G., Continentale
Effekten=
geſellſchaft Zürich, der Eidgenöſſiſchen Bank in Zürich und der Schwe
ze=
riſchen Unfall=Verſicherungsgeſellſchaft Winterthur perfekt. Bei der am
Mittwoch vormittag erfolgten Zwangsverſteigerung des Baublockes der
Baugeſellſchaft Textorſtraße A. G., Frankfurt a. M. der eine Belaſtung
von insgeſamt 6,9 Mill. RM. hat, darunter auf Bürgſchaft der Favag
die erſte Hypothek für die Theſaurus A.G. mit 3,2 Mill. RM., und
de zweite Hypothek für die Eidgenöſſiſche Bank und die Schweizer
Unfallverſicherung Winterthur mit 2,7 Mill. RM., gleichfalls mit
Favag=
garantie, haben die Edgenöſſiſche Bank und Winterthur, die den Block
fert gbauen, zu gleichen Rechten zum Betrage von 1,5 Mill. RM. das
Objekt Textorſtraße verſteigert. Winterthur bedarf dazu als
Verſiche=
rungsgeſellſchaft noch die Genehmigung des Reichsaufſichtsamtes. Der
Favagvergleich mit dieſen drei Schweizer Gläubigern ſieht nun vor, daß
die Theſaurus A.G. mit der garant erten Favagquote von 20 Prozent
oder mit rund 600 000 RM. Favagleiſtung befriedigt wird, während die
Eidgenöſſiſche Bank und Winterthur auf die 40 Prozent Favagquote
oder rund 1,2 Mill. RM. Favagleiſtung ſich einigten. Die internen
Vereinbarungen Theſaurus mt den beiden anderen Inſtituten bleiben
davon unberührt. Die Geſamtleiſtung der Favag liegt weſentlich unter
dem Favaggebot vom November 1929 an die Schweizergruppen und iſt
aus der verſchlechterten Situation der Favag zu erklären. — Wie wir
weiter erfahren, liegen zur a.v. G.V. der Favag am 21. d. M. etwa 800
Aktionäranmeldungen vor, ſo daß mit den Aktionärvertretungen und
ſonſtigen Intereſſenten wieder mit einem Beſuch der
Generalverſamm=
lung von annähernd 1000 Leuten, alſo mit gleicher Stärke wie bei der
G.V. vom 30. September 1929, zu rechnen iſt. Während die
Gläubiger=
zuſtimmung weitgehend erreicht iſt, gehen von Aktionärſeite, beſonders
der Schweizergruppe Dr. Schwendener, immer noch Beſtrebungen aus,
eine höhere Abfindung als 15 Prozent oder 60 RM. je 400 RM. nom.
Akt en zu erzielen. Diesb züglich ſoll am Donnerstag vormittag in
Frankfurt eine Fühlungnahme der Schweizer Aktionärgruppe mit dem
Deutſchen Aktionärverein ſtattfinden. Letzterer wird übrigens
Donners=
tag abend in einer Sitzung die letzten Richtlinien für das Vorgehen in
der G.V. feſtlegen.
wirkſchaftliche Rundſchau.
Keine Verlegung des Frankfurter Montags=Viehmarktes. Geſtern
nachmittag fand unter dem Vorſitz von Stadtrat Dr. Lingnau über
An=
gelegenheiten des Schlacht= und Viehhofes eine Inteveſſentenbeſprechung
ſtatt, an der Vertreter der Landwirtſchaft, des Viehhandels, der
Veh=
kommiſſionäre und der Metzgerſchaft uſw. teilnahmen. Insbeſondere
wurde über den erneut vorgebrachten Wunſch der Verlegung des
Montagsmarktes geſprochen. Man war ſich jedoch allgemein darüber
einig, daß aus den verſchedenſten Gründen vorläufig eine Verlegung
des Montagsmarktes nicht zweckmäßig ſei, und daß der ganzen Frage
überhaupt erſt dann näher getreten werden könne, wenn auch die
übri=
gen deutſchen Vehmärkte auf einen anderen Wochentag verlegt
wür=
den. Stadtrat Dr. Lingnau berichtete dann über die von Direktor
Bourmer duregeführten und eingeleiteten Verbeſſerungsmaßnahmen im
Betriebe des Schlacht= und Viehhofes, die von den Anweſenden
aner=
kannt wurden. Er konnte weiterhin mitteilen, daß der Magiſtrat ſich
grundſätzlich für die Moderniſierung des Kühlhauſes ausgeſprochen habe
die durchgeführt werden ſolle, ſobald es nur die finanzielle Lage der
Stadt geſtatte. Auch die weiteren Wünſche, u. a. die Moderniſierung
und Erweterung der Schweinemarkthalle, ſollen ſobald wie möglich
er=
füllt werden.
Bayeriſche Vereinsbank München=Nürnberg. In der vorgeſtrigen
ordentlichen Generalverſammlung vertraten 46 Aktionäre ein
Aktien=
kapital von 26 240000 RM. Vor Eintritt in die Tagesordnung kam
Präſident Dr. h. c. Fritz Neumeyer nochmals auf den Geſchäftsbericht
zu ſprechen und bemerkte dazu, daß man das abgelaufene Jahr ſowohl
vom Standpunkt der Verwaltung, als auch von dem der Aktionäre aus
als gut bezeichnen könne. Für die Bank ſei das abgelaufene
Geſchäfts=
jahr ein ſehr ſchwieriges geweſen. Zu den ſchlechten wirtſchaftlichen
Verhältniſſen ſei noch die ſchlechte Verfaſſung der Börſen gekommen.
Unter dieſen ungünſtigen Verhältniſſen brauche es nicht Wunder zu
nehmen, daß die Hypothekenabteilung nicht die gleiche Verbeſſerung
ge=
bracht habe wie im Vorjahr. Bei der Bank=Abteilung habe die
Bör=
ſenderoute Verluſte und Abſchreibungen von erheblichem Umfange
ge=
bracht, die im Berichte erwähnt ſeien. Der Ausfall ſei aber durch
höhere Proviſionen und Zinſen mehr als ausgeglichen. Prophezeiungen
für das laufende Geſchäftsjahr könnten nicht gemacht werden. Unſere
Wirtſchaft hänge in noch größerem Ausmaß als bisher von der
Ent=
wicklung der außen= und innenpolitiſchen Lage ab. Wenn in
außen=
politiſcher Hinſicht gewiſſe Erleichterungen ſich anzubahnen ſcheinen,
ſo ſeien in innenpolitiſcher Beziehung die Verwirrungen um ſo größer.
Für das Bankgewerbe ergebe ſich weiter die unabweisbare
Notwendig=
keit, darauf hinzuweiſen, daß gedeihliche Wirtſchaftsverhältniſſe eine
Notwendigkeit für das Gedeihen von Staat und Volk ſind. Die
Ge=
neralverſammlung genehmigte den bekannten Abſchluß mit wiederum
10 Prozent Dividende.
Stürmiſche Verſammlung bei der Zentrale der Landwirtſchaftlichen
Lagerhäuſer A.G., Tauber=Biſchofsheim. Die Auswirkungen des
Zu=
ſammenbruchs des Hopfen Konzerns zeigten ſich in der G.V. der
Zen=
trale der Landwirtſchaftlichen Lagerhäuſer A.G. Gleich zu Beginn
er=
gab ſich eine Auseinanderſetzung zwiſchen Aktionären und dem
Urkunds=
beamten, der ſich genöt gt ſah, zur Sicherung der Verhandlungen
Gen=
darmerie herbeizurufen. Generaldirektor Hopf legte den
Geſchäfts=
bericht vor, über den eine lebhafte Ausſprache einſetzte. Man warf der
Verwaltung Verſchleierungspolitik vor und betonte nachdrücklichſt, daß
die Verſchuldung der Aktiengeſellſchaft bereits aus dem Jahre 1926
her=
rühre und ihre Urſache habe in der unerhört überſetzten
Goldmark=
eröffnungsbilaz von 1924. Die Verwaltung erklärte, ihr möglichſtes
getan zu haben, um die Zentrale im Intereſſe ihrer Aktionäre wieder
auf die Höhe zu bringen. Bei der Abſtimmung über den Punkt 1 der
Tagesordnung, d. h. über die Annahme oder Ablehung der B’lanz durch
Gewinn= und Verluſtrechnung, ergab ſich inſofern eine Senſation, als,
trotzdem alles mt einer Ablehnung gerechnet hatte, die Bilanz und
Ge=
winn= und Verluſtrechnung mit 3529 gegen 2412 Stimmen angenommen
wurde. Die Verkündigung des Ergebniſſes löſte größte Erregung aus.
Die Verſammlung wurde von zahlreichen Aktionären verlaſſen. Seitens
des Vorſtandes wurde ein Antrag eingebracht, nachdem von einer
Auf=
löſung des A.R. abgeſehen und die Einleitung des gerichtlichen
Ver=
gleichsverfahren beantragt werden ſoll. Der Antrag wurde
ange=
nommen.
Produkkenberichte.
Frankfurter Produktenbericht vom 19. März. Die heutige
Pro=
duktenbörſe war weſentlich beruhigter und lebhafter als an den
ver=
gangenen Märkten. Das Zuſtandekommen einer Verſtändigung zwiſchen
dem Reichsernährungsminiſter und den Vertretern der
Regierungs=
parteien über die meiſten ſchwebenden Agrarfragen bot eine ſtärkere
Anregung. Namentlich Weizen war vermehrt gefragt und eine halbe
Mark feſter. Auch Roggen und Mais konnten ſich gut erholen, während
Gerſte ſchwächer lag. Weizen 26 50—26,75, Roggen 17,00, Gerſte 16,75.
Hafer 15,75—16,00, Mais14,75—15,00, Weizenmehl ſüdd. 37,75—38,50,
do. niederrhein. 37,75—38,25, Roggenmehl 24,75—25,50, Weizenkleie
8,10—8,25, Roggenkleie 8,50.
Gelreide=Hauſſe in Rumänien und Jugoflawien.
Wie aus Galatz und Braila gemeldet wird, ſind dort die Maispreiſe
ſeit zwei Tagen in einer ſtürmiſchen Aufwärtsbewegung begriffen. In
Bra’la notierte am Montag abend Mais mit 27 500 Lei pro Waggon,
In den letzten drei Tagen iſt der Maispreis um 4000 Lei pro Wangon
geſtiegen. Dabe hielt die Nachfrage unverändert an, und die Tendenz
iſt auch weiterhin feſt. — In offiziellen Kreiſen wird dieſe Hauſſe
da=
mit erklärte, daß die Nachrichten über die amerikaniſchen Vorräte
an=
ſcheinend übertrieben geweſen ſeien.
Se4 Samstag macht ſich in Jugoſlawien eine ſtürmiſche Nachfrage
mach Mais bemerkbar, ſo daß die Preiſe ſeit drei Tagen um 16 Dinar
pro Meterzentner geſtiegen ſind.
Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 19. März.
Nachdem der Reichspräſident die Unterzeichnung des deutſch=
polni=
ſchen Liquidationsabkommens vorgenommen hat, war die Tendenz
weſentlich beruhigter. Die Stimmung wurde durch einige noch
vor=
handene günſtige Momente beſtärkt. Beachtung fanden vor allem die
feſte geſtrige New Yorker Börſe, die vorteilhaften internationalen
Geldmarktverhältniſſe — der Medio zeigte diesmal nur ganz
gering=
fügige Beanſpruchung — und der relativ gute Abſchluß der Commerz
u. Privatbank. Auch wurde geſtern ſchon mit Befriedigung
wahr=
genommen, daß die D.=D.=Bank bekannt gab, daß mit einer Kürzung
der Dividende nicht zu rechnen ſei. Die Gerüchte, die im
Zuſammen=
hang mit der Farbenaktie aufgetaucht waren, wurden jetzt ſelbſt in
Börſenkreiſen nicht mehr geglaubt. Der Markt eröffnete freundlicher,
und die Kuliſſe ſchritt weiter zu Rückdeckungen, ſo daß gegenüber der
gebeſſerten geſtrigen Abendbörſe weitere Kurserholungen eintraten.
Das Geſchäft konnte im allgemeinen aber keine größere Bedentung
an=
nehmen, da der Ordereingang immer noch klein blieb. Renten ſtill.
Deutſche Anleihen gut behauptet.
Nachdem nach der Feſtſetzung der erſten Kurſe erneut kleine
Beſſe=
rungen eingetreten waren, wurde die Tendenz ſpäter auf Realiſationen
etwas ſchwächer und das Kursniveau gab bis zu 1½ Prozent unter
Anfang nach. Späterhin konnten ſich aber wieder Erholungen
durch=
ſetzen, und die Tendenz war zuverſichtlich und freundlich. Am
Geld=
markt war Tagesgeld mit 5 Prozent erneut leichter. Am Deviſenmarkt
war Spanien wieder etwas ſchwächer. Mark gegen Dollar 4,1929,
gegen Pfunde 20,3850. London=Kabel 4,8620, Paris 124,30, Mailand
92,85. Madrid 38,70, Schweiz 25,12½, Holland 12,12½.
An der Abendbörſe konnte ſich die Stimmung weiter etwas
beſſern, wenn auch eine Belebung des Geſchäftes in Anbetracht des
anhaltenden Ordermangels nicht eintrat. Die Umſatztätigkeit beſchränkte
ſich in der Hauptſache auf Deckungen in der Kuliſſe. J. G. Farben,
Schuckert, Siemens, Waldhof und Mannesmann lagen bis ca. 1 Prozent
feſter. Banken blieben gut behauptet. Am Markte der Kaliaktien
gaben dagegen Aſchersleben auf Realiſationen geringfügig nach.
Beulin, 19. März.
Eine Reihe günſtiger Momente ließ ſchon während des
Vor=
mittagsverkehrs und an der Vorbörſe eine freundliche Tendenz
auf=
kommen. Die durch die Unterzeichnung des Liquidationsabkommens
mit Polen und die Annahme des Republikſchutzgeſetzes eingetretene
poli=
tſche Beruhigung konnte ſich auswirken. Die weiter zunehmende
Ver=
flüſſigung der internationalen Geldmärkte ließ neue Diskontſenkungen
bedeutender Plätze erhoffen. Aus der Induſtrie wurden gut
fortſchrei=
tende Stickſtoff=Syndikatsverhandlungen gemeldet, und auch die
Erklä=
rungen der Farbeninduſtrie bezüglich der Dividende und des
gebeſſer=
ten Stickſtoffabſatzes im Inlande wirkten ſtimulſerend. Die erſten Kurſe
lagen faſt durchweg 1—2½ Prozent über geſtrigem Schluß, ohne daß
jedoch größere Abſchlüſſe getätigt wurden. Im Verlaufe hielt zunächſt
die freundliche Stimmung an und es kam zu weiteren Beſſerungen, die
bei den ſchon anfangs bevorzugten Werden bis zu 2 Prozent betrugen.
Später ließ das Geſchäft nach, die Stimmung wurde durch einen 5
pro=
zent gen Rückgang von Bemberg ungünſtig beeinflußt, neue Abgaben
in Farben ließen auch hier eine Abſchwächung von zirka 1½ Prozent
eintreten. Gegen 1 Uhr hörte man zumeiſt wieder Anfangskurſe,
teil=
weiſe lag das Niveau ſchon etwas darunter.
Metallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 19. März 1930 ſtellten ſich für
Elektrolytkupfer auf 170,50 RM., Originalhüttenaluminium 190,
des=
gleichen 194, Reinnickel 350, Antimon Regulus 57—60, Feinſilber 56.75
bis 58,75 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 19. März 1930 ſtellten ſich für
Kupfer: Januar und Februar 130.50 (131), März 132.50 (134),
April 131.75 (132.75), Mai 131 (132.25), Juni 131 (132), Juli 131 (131),
Auguſt 130.75 (131), September 130.50 (131), Oktober 130.50 (130.75),
November 130.50 (131), Dezember 130.50 (130.75). Tendenz: abgeſchwächt.
— Für Blei: Januar und Februar 37.50 (37.75), März und April
37 (37.25), Mai 37 (37.50), Juni und Juli 37.25 (37.50), Auguſt 37.25
(37.75), September, Oktober, November und Dezember 37.50 (37,75).
Tendenz: ruhig. — Für Zink: Januar und Februar 39 (39,25)
März 34.50 (37), April 35.50 (36.50), Mai 36.25 (36.75), Juni 37 (37.75),
Juli 37.50 (38). Auguſt 37.75 (38.50), September 38 (38.25), Oktober
38.25 (38.75), November 38.25 (39), Dezember 38,75 (39). Tendenz
ſtetig. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern Brief.
Ernſte Lage der Texkilinduſtrie.
Aus Chemnitz kommt die Nachricht, daß der Aufſichtsrat
der Sächſiſchen Maſchinenfabrik vorm. Rich. Hartmann — einer
der größten deutſchen Textilmaſchinenfabriken — beſchloſſen hat,
dem Antrag des Vorſtandes ſtattzugeben, die Werke ſtillzulegen
und die Geſellſchaft aufzulöſen. Hiermit wird ein altes deutſches
Werk von Weltruf ein Opfer der kataſtrophalen Lage der
Textil=
induſtrie. Ueberproduktion, Sinken der Warenpreiſe und
Preis=
ſtürze auf dem Baumwoll= ſowie Wollmarkt hatten den
Zuſammen=
bruch ſo vieler Spinnereien und Tuchfabriken zur Folge, daß der
Markt mit gut erhaltenen gebrauchten Textilmaſchinen auf Jahre
hinaus derartig überfüllt iſt, daß eine hinreichende Beſchäftigung
der Textilmaſchinenfabriken nicht mehr zu erzielen war und auf
Jahre hinaus auch nicht wieder zu erzielen ſein wird.
Amerikaniſche Kabelnachrichten
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 19. März;
Getreide. Weizen: März 104½, Mai 108½, Juli 106½,
Sep=
tember 108½: Mais: März 81½, Mai 84½, Juli 85½,
Septem=
ber 86: Hafer: März 42½, Mai 43½, Juli 433½8, September
4228; Roggen: März 65, Mai 65½, Juli 69½, September 72½.
Fleiſch. Rippen —: Speck 1325; leichte Schweine 990 bis
10,80, ſchwere Schweine 9,85 bis 10; Schweinezufuhren: Chicago
10 000, im Weſten 71000.
Baumwolle: März 14,92, Mai 15,13.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 19. März:
Schmalz: Prima Weſtern 10,90; Talg, extra, loſe 6¾.
Getreide. Weizen: Rotwinter n. Ernte 126½, Hartwinter n.
Ernte 110½; Mais 93½: Mehl 5,60 bis 5,80; Getreidefracht:
nach England 1,6 bis 2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8 bis
9 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 106; Loko: 858; März
8,27, April 8,34, Mai 8,52, Juni 8,67, Juli 8,52, Auguſt —,
Sep=
tember 9,09, Oktober —, November —, Dezember 9.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Die inzwiſchen ſtattgefundenen Stickſtoffverhandlungen laſſen die
Erwartung berechtigt erſcheinen, daß, wie wir erfahren, innerhalb
einiger Tage ein endgültiger Abſchluß erreicht wird. Der
Geſamtein=
druck wird als erfreulich bezeichnet.
Die deutſche Kupferhüttenproduktion ſtellte ſich, wie der
Geſamt=
ausſchuß zur Wahrung der Intereſſen der deutſchen Metallwirtſchaft
auf Grund der Berechnungen des ſtatiſtiſchen Büros der
Metallgeſell=
ſchaft A.=G., Frankfurt a. M., mitteilt, im Februar 1930 auf 4494
Ton=
nen gegenüber 4730 Tonnen im Januar 1930.
Ueber die Firma Rhein=Pfälziſche Weinkellereien, Bingen, die ihren
Sitz in Mußbach hat, wurde das Konkursverfahren eröffnet.
Die Abſatzſchwierigkeiten in der Eiſeninduſtrie haben zu weiteren
Produktionseinſchränkungen bei den Eiſenwerken Mariahütte geführt,
die die Geſamtlage des Unternehmens, das ſich ſeit längerer Zeit
be=
müht, die Betriebe aufrechtzuerhalten, weiter verſchlechtert. In den
letzten Tagen mußten 330 Arbeiter (die Belegſchaft beträgt zurzeit 450)
entlaſſen werden.
Die Chemin de fer de l Eſt ſchlagen eine Dividende von 55 Franken
— 11 Prozent (52,50 Franken — 10½ Prozent) auf die Kapitalaktie und
35 Franken — 7 Prozent (32,50 Franken — 6½ Prozent) auf die
Genußaktien vor.
Die Compagnie Auxiliaire de Navigation (Aktienkapital 27½ Mill.
Franken) verteilen aus einem Reingewinn von 13,7 (9,19) Franken eine
Dividende von 85 Franken — 17 Prozent (70 Franken — 14 Prozent),
Die franzöſiſche Eiſenbahngeſellſchaft Paris—Orleans hat
beſchloſ=
ſen, eine zu 5 Prozent verzinsliche Anleihe von 33,3 Millionen
Schwei=
zer Franken auszugeben, deren Ertrag zur teilweiſen Konvertierung
der alten 6prozentigen Anleihe von 50 Mill. Schweizer Franken dienen
ſoll. Die neue Anleihe iſt vom 1. Juni 1937 bis ſpäteſtens 1. Dezember
1956 rückzahlbar.
Die Zahl der engliſchen Erwerbsloſen beziffert ſich nach der
geſtri=
gen Bekanntgabe des Arbeitsamtes auf insgeſamt 1 563 800. Die
Zu=
nahme gegenüber der Vorwoche beträgt 16 583. Mit dem Vorjahr
verglichen, iſt die engliche Arbeitsloſenziffer um 294 961 höher.
Berliner Kursbericht
vom 19. März 1930
Oeviſenmarkt
vom 19. März 1930
Re
Danatbant
Deutſche Ban u.
Tisconto=Geſ.
Dresdner Panl
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G
Bahr. Motorenw
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Cummi
Deutſche Cont. Eas
Deutſche Erdö!
16750
26.25
143.—
196.25
1(4E0
146.—
107.—
160.62E
Anee
183.—
61.—
149.—
166.75
97.50
Miei Meee
J. G. Jarben
Gelſenk. Beraw
Geſ. f.eleftr. Untern
Karpener Bergbau
Soeſch Eiſen
Phil. Kolzmann
Kali Aſchersleben
Klödnerwerke
Köln=Neueſſ. Bon.
Mannesm Röhr
Maſch.=Bau=Untn
Nordd. Wolle
Tberſchleſ. Kolsw
Trenſtein & Koppell
Nie
1E6 50
137.75
C8.—
129.—
(6.25
24.—
2C8.50
1C0.50
1C2.25
1(2.875
45.—
84.50
C8.75
72.—
Mee
Rütgersnerke
Salzdetfurth Ki
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahln erke
Beſteregeln Alkalt
Agsb.=Yrnb. M.aſd
Baſalt Lmnz
Berl. Karlsr. Ind.
Eirſch Kupfer
Sohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
Herm. Pocge
VogelTelegr. Draht
Wonderer=Werke
Rd
74.375
253.50
156.—
150.—
SE.—
11.—
73.—
26.
67.125
112.12
173.25
17.
C4.50
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00 Leva 3.037 2.(4. Holland 100 Gulder 167.24 168.2 Cslo” 100 Kronen 112.05 Kopenhage: 100 Kronen 112.11 12. Stsckholm 100 Kronen 112.46 112.6
London 1 2=Stg. 20.36 20.40 Buenos=Aires 1 Pap. Peſo 1.568 1.574 New Yort 1 Dollar 4.1885 196*
Belgien 100 Belgo" 58.365 58.485 Italien 100 Lire 21.825 21.96: „
Paris 100 Francs 16.38 1c.42
10.rEs/Schweiz
Spanien
12.408/Danzig
73.31 1Japan
Rio de Janetro
Jugoſlawien
112.271 Portuga!
Athen
Konſtantinopel
Kairo
Kanada
Uruguay
Jsland
Tallinn (Eſti. / 1100 eſtl. Kr
Rigo
Frankfurter Kursbericht vom 19. März 1930.
7% Dtſch. Reichsanl.
6%
*
6% Baden ......"
8% Baher .....
6%
8% Heſſen v. 28
v. 2
620 Preuß.
Staats=
anl. . . . . . . . . . .
8½% Sachſen ....."
„
720 Thüringen
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. *
Ablöſungsanl.
Dtſche. Anl. Ablö
ſungsſch. (Neub.
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe
% Baden=Baden
60 Berlin. . . . .
8% Darmſtadtv. 2/
v. 2
% Frankf. a. M
80 Mainz...
80 Mannheim. .
8% Nürnberg
5¾% Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr.
Goldobl
½ % beſſ. Lds
Hyp.=Bk.-Ligud.
Pfbr.. ..
Preuß. Lds.=
Pfbr.=Anſt. Gold=
Pfbr.
Goldobl.
8‟ Darmſt. Komm
Landesbk. Goldobl
3 XKaſſelerLandes
Kos
76.5
84. 25
87
91.70
96.75
99.75
78
51.85
3.275
2.7
86
85
85
82
96.*
9.5
94.5
2 Naſſ. Landesbk.
Goldpfbr. .
4½%0
Sbl.
Dr. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
* Ausl. Ser. I
Ser, II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz).
% Berl. Hyp.=Bk
4½% „Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp. Bk..
4½%
Lig. Pfbr
„Pfbr. Bk..
4½% Lig.Pfbr
8½ Mein. Syp. Bl.
½%0 „ Lig. Pfbr.
O Pfälz. Hyp.Bk.
½% „ Lig.Pfbr.
8% Preuß. Boden
cred.=Bank".
½% „ Lia.Pfbr.
O Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bl.
4½% „ Lig.Pfbr.
3% Rhein.Hyp.B
4½% „Lig.Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit
% Südd Bod.
Cred.=Bank.
½%0 „ Lig. Pfbr
8% Württ. Hyp=Bk.
79 Daimler Ben
8½ Dt. Linol. Werke
% Klöckner=Werte
% Mainkraftwerk
6 Mitteld
Stahl=
werke .. .. .."
Solzmann u. Co
Ver. Stahlwerke
äfin
96
49.75
K
96.5
82
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82.3
96
83.75
96.5
96.5
87.9
96.*
83.75
83
96.5
Z
97
97.5
80‟
9n
70
91
94
84.75
87
J. G. FarbenBonds /100.5
5% Bosn L. E.B.
L. Inveſt.
4½% Oſt.
Schatz=
anw.
...
4% Oſt. Goldrente
5‟/vereinh. Rumän
8 Türk. Admin.
„ 1. Bagdat
Zollanl.
% Ungarn 1913
1914
Gold=
1910
Aktien
Aig. Kunſtziide Unie
AEG. Stamm .
AndreaeNoris Zahn
Baſt Nürnberg
Bemberg J. P....
Beramann. . . . . ."
Brown BoverickCie
Brüning & Sohn.!
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Cemen: Seidelbere
Karlſtadt
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Contin Eummit
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Gold, u. Silb.=Anſtalt.
Linoleumwert.
Dhckerhoff u.
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Liefer=G
48.5
11.225
17.3
9
6.4
24.3
2777/.
26
88.5
161.2!
112
140
192
125
76
127
147
177.*
48
324.5
147.75
246
36.25
114.5
146.*
157
Eſchw. Bergwerk.
Eßlingen Maſchinen
Ettlingen Spinnerei
J. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter)
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Harpener, Bergbau
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Hirſch Kupfer
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Holzmann, Phil.
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Zlſe Bergb. Stamn
„ Genüſſe
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Aſchersleben 1209
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Löwenbr. Münch.
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Lutz Gebr. Darmſt
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Aft.=Br. 1
205
A.
156‟,
92
10
50
28
136.75
65.1
40
183.5
157
110.75
111.5
94.75
83.5
250
131. 75
146
351.75
23.5
241
62
11
Mannesm. Röhren
Mansfeld Bergb..
Metallge) Frankf..
Miag. Mühlenbau
Montecatini Maild
Motoren Darmſtadt
Deutz
. Oberune
Nicolan. Hofbr
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Phönix Bergba:
Reiniger. Gebb.. .
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ſoigt & Haeffner.
03.25
Aer4
129.5
49
70.25
113
157
55.1
113
231
111
104
74
24 9.*
94
122
744
19r
110
105.5
97.25
76.2
50.5
95
Wayb & Freytag
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1a5
128
Aa
147
192
155
226.25
144.5
1C0.5
132
142
29.8
140
280
152.5
121/.
153
89.75
104.5
1C7.
25
40
G
Nummer 79
Marker al6 der Jau
Donnerstag, den 20. März 1930
Seite 13
Roman von Hans Schulze.
Nachdruck verboten.
Bis auf einmal der Einhieb kam, der ſein Bewußtſein
ſpal=
te, daß ſeitdem nichts mehr in ſeiner Erinnerung war als eine
idloſe ſchemenhafte Weite, ohne ein Merk, für Zeit und
Ge=
ſHehen.
Mit zitternder Hand griff er wieder zu dem
verhängnisvol=
ſn Blatt, ob das gedruckte Wort ihm vielleicht ſein verlorenes
Gedächtnis wiedergeben könnte.
Doch die Buchſtaben tanzten vor ſeinen Augen, ſo daß er die
eilen immer wieder von vorn beginnen mußte und nur ganz
langſam die Einzelheiten des mit kinohaften Zwiſchentiteln
ſen=
zationell zurechtgeputzten Berichts in ſich aufnahm.
„Der Tote im Schlafzimmer — die Frau im Einverſtändnis.”
Und dann das Letzte: Evelyns Verhaftung.
Evelyn im Gefängnis.
Die zarte Frau hinter Kerkermauern, in einer öden, kahlen
Felle, zwiſchen dem Auswurf der Menſchheit.
Von neuem überfiel ihn eine wahnſinnige Angſt, ob er nicht
ſoch vielleicht ſeinen Verſtand verloren hätte.
Karr tot, ermordet, indes er ſelbſt noch lebte.
Ein ſinnloſes, nutzloſes Geſchenk des Schickſals an einen
Totgeweihten, der mit jenem Handel ja doch ſein Leben verwirkt
Zatte, gleichgültig, was inzwiſchen mit ſeinem Gegner geſchehen
war.
Es war dem einſam Sinnenden zumute, als ob er
verzwei=
ſeln müßte, ſo ſehr hatte er die Herrſchaft über ſein Inneres
derloren.
Und nur der eine Gedanke behauptete ſich in dem ſtürmiſchen
Aufruhr ſeines Herzens:
Er mußte zu Epelyn.
Er mußte ihr helfen, weil er der einzige Menſch auf Erden
war, der ihr helfen konnte.
Wenn ſein verlorenes Leben noch zu etwas nütze war, ſo war
(s das eine, daß er es ihr zum Opfer brachte.
Ganz klar und deutlich lag dieſer letzte Bußgang, dieſer Weg
ur Schädelſtätte auf einmal bis zum Ende vor ihm, daß er
all=
riählich wieder gefaßter, geſammelter wurde und beim Abſchied
nrit der Wirtin ganz ruhig und ſachlich über den Weg zur nächſten
Bahnſtation ſprechen konnte.
Noch einmal ſah er zu den ragenden Waldbergen zurück, durch
die er in der letzten Nacht wie im Traume gewandelt war,
Dann trat er auf die Landſtraße hinaus und ging feſten
Schrittes durch den lachenden Morgen — ſeinem Schickſal ent=
Legen. —
XIV.
Die Vorunterſuchung war von Landgerichtsrat Dr.
Rott=
ſriann mit bemerkenswerter Schnelligkeit ſo weit gefördert
wor=
den, daß die Anklage gegen Kurt und Evelyn ſchon gegen Ende
des Monats Juni erhoben und der Hauptverhandlungstermin
roch vor den Gerichtsferien anberaumt werden konnte.
Die Selbſtgeſtellung Kurts hatte den Karr=Prozeß auf
ein=
mal wieder in den Meitelpunkt des allgemeinen Iniereſſes
ge=
ruckt, nachdem ſein nächrlicher Ausbruch aus dem Sanatorium
Walofrieoen die geſamte Polizei Mitteldeurſchlands in
Alarm=
zuſtand verſetzt hatte.
Drei Tage nach ſeiner Flucht aus der Anſtalt war Kurt in
böllig erſchopftem Zuſtande noch am ſpäten Abend auf dem
Poli=
zeipraſidium am Alexanderplatz erſchienen und hatte ſich ſelbſt
der Täterſchaft an der Ermordung Karrs bezichtigt; er hatte,
ſoweit ſeine geringen Barmittel ausgereicht hatten, die
Eiſen=
bahn benutzt und dann die letzte Wegſtreae von Wittenberg bis
Berlin zu Fuß zurückgelegt.
Er war ſofort in Haft genommen, und ſchon am anderen
Morgen einer vielſtündigen Vernehmung unterzogen worden, die
für die Nerven des Unterſuchungsrichters eine ſehr ſtarke
Be=
laſtungsprobe gebildet hatte.
Kurt war auf eine große Anzahl von Fragen die Antwort
ſchuldig geblieben, ſo daß es dem erfahrenen Juriſtem erſt ganz
allmählich gelungen war, aus ſeinen ſpärlichen, lückenhaften
An=
gaben ein ungefähres Bild des Dramas in der Wannſeevilla
herauszuſchälen.
Irgendwelche nähere Einzelheiten" über den Auftritt im
Schlafzimmer Karrs waren auch bei ſpäteren Verhören nicht aus
ihm herauszubringen geweſen; er hatte ſich vielmehr mit
uner=
ſchütterlicher Beharrlichkeit immer wieder darauf beſchränkt, in
kurzen Worten ſein erſtes Geſtändnis zu wiederholen und dabei
zu betonen, daß der Gedanke des nächtlichen Ueberfalls einer
plötzlichen Eingebung entſprungen geweſen ſei und Frau Karr
hiervon ebenſowenig Kenntnis gehabt habe wie von ſeinen
vor=
aufgegangenen Differenzen mit ihrem Ehemann.
Kurt war in ſeinen Ausſagen mit inſtinktiver Vorſicht ſo
kngpp und zurückhaltend wie möglich geweſen, war doch der
Bo=
den, auf dem ſich die Fragen des Richters bewegten, für ihn noch
immer ein völlig unbekanntes Land, da er auch mit dem
Auf=
gebot ſeines ganzen Erinnerungsvermögens nicht imſtande war,
ſich die entſcheidenden Vorgänge der verhängnisvollen Nacht ins
Gedächtnis zurückzurufen.
Vor allem jedoch fürchtete er, durch ein nicht ganz genau
ab=
gewogenes Wort Evelyn zu verraten, über deren Belaſtung durch
die bisherigen Unterſuchungsergebniſſe er abſichtlich im unklaren
gehalten wurde.
In den langen, einſamen Stunden der Gefängnishaft hatte
ſich heimlich ein entſetzlicher Gedanke in ihm eingeniſtet, den er
anfangs, vor ſich ſelbſt erſchreckend, in den innerſten Winkel ſeiner
Seele zurückverwieſen und der doch, immer mächtiger wachſend,
allmählich ſein ganzes Bewußtſein überſchattet hatte:
Der Gedanke an Evelyns Schuld.
Niemand anders als ſie, das war ihm nach und nach zur
felſenfeſten Ueberzeugung geworden, konnte die furchtbare Tat
getan haben, in der ſich die lange angeſammelte Spannung einer
innerlich zerbrochenen Ehe auf einmal mit der Gewalt einer
Na=
turkataſtrophe entladen hatte.
Ganz deutlich, wie in einer dichteriſchen Eingebung, ſah er
die Grundlinien der düſteren Tragödie im Geiſte immer wieder
vor ſich:
Das qualvolle Zuſammenſein im Theater mit ſeiner ſich
lang=
ſam ſteigernden Erregung, die Heimfahrt nach Wannſee in dem
verbiſſenen Schweigen der Todfeindſchaft, und endlich der letzte
elementare Zuſammenſtoß, bei dem ihr der Galte vielleicht den
Triumpy ſeines Sieges hohnend ins Geſicht geſchleudert und ſie
dann in einer ſinntoſen Wauung von Haß und Verzweiflung die
töoliche Wafſe gegen den Raſenoen gerichtet hatte.
Es ſchien ihm oft wie ein Wunder, daß Evelyn unter dem
unerträgtichen Druck der immer neuen Vernehmungen nicht ſchon
längſt einmal mit ihren Nerven zuſammengebrochen war und
durch ein plötzliches Geſtändnis das gonze Opfer ſeines
verlore=
nen Lebens zunichte gemacht hatte.
Und er atmeie aus tiefſtem Herzen erleichtert auf, als ihm
der alte Gefängnisarzt, den das Gericht mit einer Begutachtung
ſeines Geiſteszuſtandes betraut hatte, eines Morgens bei ſeinem
Beſuch erzählte, daß Frau Karr mit Rüaſicht auf ihre ſtark
an=
gegriffene Geſundheit nach einem langen Krieg der zuſtändigen
Amtsſtellen gegen eine ſchwindelnd hohe Kautionsſumme
wahr=
ſcheinlich ſchon in allernächſter Zeit wieder auf freien Fuß geſetzt
werden würde.
Von dieſem Augenblick an war eine gewiſſe Hochſtimmung
in ihm eingezogen, daß er den Tag der Hauptverhandlung faſt
wie einen Feſttag herbeiſehnte, an dem er Evelyn zum erſten
Male wiederſehen und vor aller Oeffentlichkeit für ſie Zeugnis
ablegen, den letzten entehrenden Makel von ihr nehmem konnte.
Nur manchmal in ſtillen Nächten, wenn die Sehnſucht nach
ihr durch ſeine wachen Träume zog, wenn er ihr leuchtendes
Haar, ihren geliebten Mund faſt greifbar deutlich vor ſich zu ſehen
glaubte, überkam ihn immer wieder eine grenzenloſe
verzwei=
felte Erbitterung, warum gerade ihn in der Blüte ſeiner Jahre,
auf der Schwelle zu Glück und Ruhm, ein ſo vernichtendes
Schick=
ſal traf.
Daß er auf einmal mit einer wilden Bewegung von ſeinem
Lager aufſprang und wie ein Tier im Käfig auf dem ſchmalen
Engpaß ſeiner Zelle ruhelos hin und her lief, bis der erſte zarte
Schimmer des erwachenden Morgens durch die winzige Oeffnung
des Lichtſchachtes hereingrüßte.
Und plötzlich wuchs das ganze leere Grauen, die blinde Angſt
aller lebenden Kreaturen vor dem letzten Ende, auch in ſeinem
tapferen Herzen mächtig empor, daß er all die Marter eines
jung=
heißen Blutes, in einem harten, tränenloſem Schluchzen
ver=
ſtrömte. —
Walter v. Prayer war ſofort nach Kurts Verhaftung um
Beſuchserlaubnis eingekommen und bereits an einem der nächſten
Tage nach Moabit hereingefahren.
Das Wiederſehen der beiden Freunde in dem halbdunklen
Sprechzimmer des Gefängniſſes hatte ſich ſehr bewegt geſtaltet.
Kurt war Walter in ſeiner erſten Herzensfreude faſt um den
Hals gefallen und hatte ihm immer wieder gedankt, daß er ihn
nicht vergeſſen und ihm trotz allem, was geſchehen, ſeine alte
Freundſchaft bewahrt habe.
Noch ſei ihm ſelbſt ja das ganze wie ein wüſter Traum, doch
ſchrecklicher noch als dieſer Traum ſei die Wirklichkeit der
Ker=
kerzelle.
Wenn er nicht die Pflicht in ſich fühle, für Evelyn
weiterzu=
leben, ſo würde er dieſem Daſein der Schande ſchon längſt ein
Ende gemacht haben und durch einen freiwilligen Tod dem
Spruch des Gerichts zuvorgekommen ſein.
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Seite 14
Donnerstag, den 20. März 1930
Nummer 79
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Ecke Kasino- und Friedrichstraße
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urdentlichen General=Verfammlung
auf Frcitag, den 4. April 1930
abends 8½ Uhr
im Kaiſerſaal (bei Chriſt).
Tagesordnung:
1. Bericht des Vorſtandes über das
ab=
gelaufene Geſchäftsjahr.
2. Genehmigung der Bilanz, ſowie der
Gewinn= und Verluſtrechnung.
3. Beſchlußfaſſung über die Verwendung
eines etwaigen Ueberſchuſſes.
4. Entlaſtung des Vorſtandes.
5. Neuwahl des Vorſtandes.
6. Verſchiedenes.
Teilnahmeberechtigt an der
Mitglieder=
verſammlung ſind nur Inhaber von
Anteilſcheinen.
Für den Vorſtand:
Dr. Reuschäffer.
Verband für Freidenkertum und
Fenerbeſtattung, e. V., Sitz Berlin
Ortsgruppe Darmſtadt
Freitag, den 21. März, abends 8 Uhr.
im großen Saale des Gewerkſchaftshauſes
Thema: „Die Entwicklung der deutſchen
Kultur unter dem Einfluß der Kirche.”
Referent:
Joseph Papert aus Dux in Böhmen.
Zu dieſem Vortrag ladet höflichſt ein
Der Vorſtand.
O
AiM
OUUM
Heute letzter Tagr.
Dolores del Rio
in dem grandiosen Filmwerk:
Die Handlung ist der bekannten
Novelle von Helen Hust Jacksons
entnommen und spielt in den Bergen
der Sierra Nevada zur Zeit, da Mexiko
noch von Indianern und Spaniern
bewohnt wurde..
Regie: Edwin Carewe.
In weiteren Hauptrollen:
Warner Baxter und Roland Drew
Heute letzter Tag:
WILHELM
DIETERLE
in seinem neuesten Filmwerk
Dazu als zweiter Schlager:
Kaczmarek
Ein Militä schwank in 6 Akten.
Regie: Karl Wilhelm.
Eine ausgelassene Satire voll der
komischsten u. tollsten Sitnationen.
In den Hauptrollen:
Paul Heidemann, Ernst Verebes,
Hans Junkermann, Siegfried Arno,
Evi Eva, Hanni Weiße,
Trude Lehmann.
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Beginn 3/, Uhr.
Hönig vonBapern
Hauptdarsteller und Regie:
WILHEL
DIETERL
Die Tragödie des Rowantikers auf
dem Königsthron, des Gönners Richard
Wagners, des Schöpfers der bayrischen
Königsschlösser Ein Filmwerk, das an
den historischen Stätten Bayerns
auf-
genommen und sich auf ernstliche
geschichtliche Forschungsarbeit
stützt, deren wirkliche
Tatsachen-
schilderung außer Zreifel steht und
dessen Darstellung das Tragische im
Geschick des Königs in den
Vorder-
grund stellt.
Weitere Mitwirkende:
Eugen Burg, Hubert v. Meyrinck,
Hedwig PaulyWinterstein, Rina Marsa,
Ferd. v. Alten. Theodor Loos,
Trude v. Molo u. a.
Musikalische Leitung: Kapellmeister
GEORG SEIBERT
Beginn: 3½ Uhr (V.4600
Heute leizter Tag:
Der neueste
Hoot Gibson-Film
vel
Megende Tonter
von Tckus
Hoot Gibson — ein Allerweltskerl, ein
verwegener Bursche. Er reitet wie
der Wind, Hiegt wie der Teufel, rast
mit dem Motorrad über Stock und
Stein, schießt, springt, wirft,
schlen-
dert — ein echter Texas-Ranger,
Voll-
bringt die tollsten Sensationen,
über-
rennt die unglauhlichsten Hindernisse
spielend und scher, nd. Die
abgefeim-
testen Schurken und Banditen führt
er an der Nase herum — wie er
das macht, ist kös lich und zum
Brüllen komisch.
Mit ihm spielt Ruth Elder, die
welt-
bekannte Ozeanfliegerin.
Dazu als zweiter Schlager:
1icne Hsdergaus
grohe Hieue
Nach dem Schauspiel „Madame
Colibri” von Henry Bataille.
Dieser Film ist die Tragödie der
un-
verstandenen, alternden Frau und
erörtert in aller Offenheit die Konfitte.
der modernen Ehe.
In der Titelrolle: Maria Jacobini,
weiter sind beschäftiet: Helene Hallier,
Franz Lederer.
Beginn: 3½ Uhr
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Sonntag, den 23. März, vormittags 11½ Uhr
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