Einzelnummer 15 Pfennige
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Tadter Tat
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Nummer 61
Sonntag, den 2. März 1930.
193. Jahrgang
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ſtädter und Nationalbank.
Dermmangsderſäc den keihsgrandenten
Die Zührer des Zenkrums und der Deutſchen Volksparkei bei Hindenburg. — der Reichspräſidenk für eine
Hilfsakkion der geſicherken Eriſtenzen. — Die Bolksparkei hält ihre Bedenken gegen das Nokopfer aufrechkt.
Einberufung der Reichskagsfrakkion der Deutſchen Volksparkei.
Kriſe um die Arbeitsloſenverſicherung.
Vor der Enkſcheidung.
Berlin, 1. März.
Der Reichspräſident empfing am Samstag den Vorſitzenden
der Zentrumsfraktion des Reichstags, Herrn Dr. Brüning,
ſo=
wie ſpäter den Vorſitzenden der Reichstagsfraktion der Deutſchen
Volkspartei, Reichsminiſter a. D. Dr. Scholz, zu Beſprechungen.
Die Beſprechung des Reichspräſidenten mit dem Vorſitzenden der
Zentrumsfraktion des Reichstages Dr. Brüning und dem
Vor=
ſitzenden der volksparteilichen Reichstagsfraktion Dr. Scholz hat
ſich, wie wir von zuſtändiger Stelle erfahren, um den ganzen
Fragenkomplex des Finanzprogramms gedreht. Der
Reichs=
präſident hat dabei ſeine Meinung über das Notopfer dahin
ge=
äußert, daß derjenige Teil der Bevölkerung, der
keine Not leide, dem anderen Teil beiſpringen
müſſe. Es handelt ſich hier um eine rein perſönliche Meinung
des Reichspräſidenten. Seiner überparteilichen und neutralen
Stellung entſprechend lehnt der Reichspräſident es nach wie vor
ab, ſich in den Streit der Parteien einzumiſchen oder die
Par=
teien in ſeinem Sinne zu beeinfluſſen.
Im Anſchluß on den Empfang ihres Parteivorſitzenden Dr.
Scholz beim Reichspräſidenten hielt der Fraktionsvorſtand der
Deutſchen Volkspartei eine Sitzung ab, im der Dr. Scholz über
ſeinen Beſuch Bericht erſtattete. Als Ergebnis dieſer
Beſpre=
chung wurde mitgeteilt, daß ſich an der Haltung der Deutſchen
Volkspartei zum Notopfer nichts geändert habe. Der
Fraktions=
vorſtand hat beſchloſſen, die Reichstagsfraktion auf Sonntag
nach=
mittag 17 Uhr telegraphiſch einzuberufen. Im Fraktionsvorſtand
rechnet man beſtimmt damit, daß auch die Fraktion in ihrer
mor=
gigen Sitzung denſelben Beſchluß faſſen wird. Vom
Reichsaus=
ſchuß der Deutſchen Volkspartei, das iſt ein kleineres Gremium
des Zentralvorſtandes, der morgen vormittags ebenfalls in
Ber=
lin tagt, iſt anzunehmen, daß er einen mindeſtens ebenſo
be=
ſtimmten Standpunkt einnehmen wird, wie die Fraktion ſelbſt.
Auch Reichsfinanzminiſter Dr. Moldenhauer hat erklärt, daß er
nicht in der Lage ſei, das Notopfer mitzumachen. Unter dieſen
Umſtänden ſieht man der Kabinettsſitzung am Montag mit
be=
ſonderem Intereſſe entgegen.
* Für die Zerfahrenheit in der politiſchen Führung der
Reichspolitik iſt es kennzeichnend, daß der Reichspräſident ſelbſt
eingreift. Er hat deshalb die Führer des Zentrums und der
Volkspartei am Samstag zu ſich gebeten und ihnen mitgeteilt,
daß er perſönlich von der Notwendigkeit eines Notopfers
über=
zeugt ſei. Wie die Dinge liegen, alſo eine Mahnung
aus=
ſchließlich an die Deutſche Volkspartei, da ja dos
Zen=
trum ſeine Bereitwilligkeit zu einem Notopfer erklärt hat und
nur der Widerſtand der Volkspartei im Kabinett einen
entſpre=
chenden Beſchluß verhindert hatte. An amtlicher Stelle wird
verſichert, daß der Reichspräſident hier nur gewiſſermaßen als
Privatperſon gehandelt habe. Wir verſtehen es durchaus, daß
ihm bei ſeinem hohen Pflichtbewußtſein der Gedanke eines
Not=
opfers in ſchweren Notzeiten des Staates als eine
Selbſtver=
ſtändlichkeit erſcheint, der ſich auch die Parteien fügen müßten.
Aber wenn wir einmal von den geſetzestechniſchen
Schwierig=
keiten eines ſolchen Notopfers abſehen — ſie ſind nicht gering,
weil die einſeitige Belaſtung eines Standes oder einer Steuer=
Zahlergruppe verfaſſungsrechtlich wahrſcheinlich nur mit
quali=
fizierter Mehrheit durchführbar iſt — darf doch einmal die Frage
aufgeworfen werden, ob denn überhaupt die tatſächlichen
Voraus=
ſetzungen für ein derartiges Notopfer in dieſem Fall gegeben ſind.
Wenn dem ſo wäre, daß das Reich ohne größte
Einſchränkun=
gen ſeinen Etat nicht ins Gleichgewicht bringen könnte, dann wäre
der Augenblick gekommen, wo man den Verſuch machen müßte,
durch eine außergewöhnliche Anſtrengung die Finanzkataſtrophe
zu verhindern. Aber darum handelt es ſich doch gar nicht.
Aus=
gangspunkt bleibt immer wieder die Arbeitsloſenverſicherung mit
hren unbegrenzten Millionenanſprüchen an das Reich, wodurch
eine geordnete Kaſſenführung unmöglich wird. Der
Finanz=
miniſter hat für dieſes Jahr 150 Millionen, für das kommende
Etatsjahr 100 Mill. aus dem Verkauf der Eiſenbahnvorzugsaktien
Fur Verfügung ſtellen wollen und verlangt, daß die
Verſicherungs=
änſtalt ihre weitergehenden Anſprüche ſelbſt befriedigt, alſo ihre
Einnahmen und Ausgaben ausbalanciert. Das iſt immerhin ein
Weg, über den ſich reden läßt. Aber die Sozialdemokraten wollen
auch das nicht; ſie wollen jede Reform der
Arbeitsloſenverſiche=
rung vermeiden und die unbegrenzten Zuſchüſſe aus der
Reichs=
aſſe weiterbeziehen in der Form eines ſolchen Notopfers mit der
Begründung, daß die Feſtbeſoldeten, die von der Gefahr einer
Arbeitsloſigkeit nicht unmittelbar betroffen ſind, aus ihrer
ge=
ſicherten Exiſtens heraus einſpringen müßten zur Unterſtützung
Des gewaltig angeſtiegenen Heeres der Arbeitsloſen. Darf man
Da nicht auch einmal die Frage aufwerfen, ob es nicht Aufgabe
Ser zunächſt Beteiligten, alſo der an der Aufrechterhaltung der
Arbeitsloſenverſicherung Intereſſierten iſt, ein Opfer zu bringen
etwa in der Form, daß ſie jeden Tag eine halbe Stunde
Mehr=
arbeit leiſten und aus dieſer Ueberarbeit die Differenz der
Arbeits=
loſenverſicherung zur Verfügung zu ſtellen. Dieſe Fälle ſind im
ſpringen muß, um einem Unternehmen zu helfen, weil der
Zu=
ſammenbruch von bedenklichen Folgen für die Allgemeinheit jetzigen Verhandlungen über eine Neubildung der franzöſiſchen
wäre. Wir erinnern nur an die Stinnesliquidierung und an den
Fall der Frankfurter Verſicherungsgeſellſchaft. Aber die
ſelbſt=
verſtändliche Folge einer ſolchen Hilfsaktion iſt
doch immer, daß auch der, dem geholfen werden ſoll,
anſtalt, und der ganze Kampf der Sozialdemokraten geht mehr
oder weniger darum, dieſe Vorbedingung zu verhindern.
Wir möchten annehmen, daß der Führer der
Volks=
partei mit allem ſchuldigen Reſpekt dem Reichspräſidenten die
grundſätzlichen Bedenken ſeiner Partei gegen, die
Fortführung einer ſolchen Finanzpolitik
aus=
einandergeſetzt hat. Er hat nach dem Beſuch beim
Reichspräſi=
denten den Fraktionsvorſtand einberufen, der wiederum die
Fraktion telegraphiſch zuſammengebeten hat, um ihr die letzte
Entſcheidung zu überlaſſen. Da gleichzeitig am Sonntag auch
der Reichsausſchuß der Volkspartei tagt, werden alſo die
zuſtän=
digen Parteiinſtanzen die Frage mit allem Ernſt überlegen. Wir
glauben aber, daß ſie zu demſelben Ergebnis kommen werden,
wie am Samstag bereits der Fraktionsvorſtand, daß der
Eingreifens des Reichspräſidenten, ihre
bis=
herige Linie zu verlaſſen. Denn die ganze Reform der
Finanzen und die Kaſſenlage des Reiches würden zu einer
Kari=
katur, wenn man nicht endlich den Mut aufbringt, dafür zu
ſor=
gen, daß das Loch, aus dem jährlich ſchon Hunderte von
Millio=
nen geſchöpft wurden, endlich geſtopft wird. Etwas anderes
können die volksparteilichen Miniſter nicht mitmachen. Beharren
die anderen Parteien auf ihrem Gedanken und verſuchen ſie etwa,
durch Mehrheitsbeſchluß trotz des Widerſpruches der Volkspartei
ein Notopfer zu erzwingen, dann wird der Finanzminiſter
Mol=
denhauer zurücktreten und es dem Kanzler überlaſſen müſſen, ſich
einen anderen Finanzminiſter zu ſuchen. Dann wäre eben die
Kriſe jetzt ſchon da, die doch unvermeidlich iſt, nur daß ſie nicht
unbedingt den Youngplan, mit in ihren Strudel zu ziehen
brauchte.
Zum Miniſterwechſel in Preußen.
Die Gründe für den Rückkrikt Grzefinſtis.
* Berlin, 1. März. (Priv.=Tel.)
preußiſchen Innenminiſters Grzeſinſki führten, ſickert immer
mehr durch. Gewiß hat der preußiſche Miniſterpräſident Braun
gewichtige politiſche Gründe gehabt — die er aber wohl zum
großen Teil für ſich behalten wird —, den unbequem gewordenen
Parteifreund loszuwerden. Wir deuteten bereits an, daß das
Privatleben des Innenminiſters ebenfalls allerlei Anhaltspunkte
bot. Dazu wird bekannt, daß der frühere ſozialdemokratiſche
Regierungspräſident Grützner, der jetzt Senatspräſident am
anfangs Februar ein Schreiben gerichtet hat, worin er an dem niemand die Verantwortung für die Ratifizierung des
Young=
daß bei Diſziplinarverfahren, die gegen andere Beamte lauſen, ſtens in der nächſten Zeit, bereits gegeben iſt. Nun ſteht aber feſt
auch das Verhalten des Innenminiſters vor dem
Oberverwal=
tungsgericht zur Erörterung kommen könnte. Nach einer
Mit=
teilung des „Vorwärts” hat Grützner dieſes Schreiben auch den
Fraktionen der Regierungsparteien zur Kenntnis gebracht. Des= Finanzreform unter Dach und Fach zu bringen wäre „Trotz
halb hat die ſozialdemokratiſche Fraktion bei dem Parteivorſtand
den Antrag geſtellt, Grützner wegen „ehrenrührigen und
partei=
ſchädigenden Verhaltens aus der Partei auszuſtoßen”.
Der Hauskrieg im Berliner Polizeipräſidium, der zwiſchen
dem Vizepräſidenten Dr. Weiß und dem Kommandeur der
Schutz=
polizei Oberſt Heimannsberg ausgebrochen war, iſt durch die
In=
terventon des Polizeipräſidenten Zörgiebel beigelegt worden.
Wie lange? Der Polizeipräſident hat die beiden Herren zu einer
Ordnung ſein ſoll. Die Schutzpolizei hat anerkannt, daß ſie nicht nungsverſchiedenheiten über den Young=Plan keine aktuelle Rolle
nur dem Polizeipräſidenten, ſondern auch dem Vizepräſidenten, mehr ſpielen.
unterſtellt iſt. Der Ausgangspunkt der ganzen Schwierigkeiten
dürfte wohl ſein, daß Vizepräſident Dr. Weiß das Unglück ge=
Berliner Schutzpoliziſten als überflüſſiges und widerſtrebendes
auf die Schutzpolizei ſchlecht zu ſprechen, daher die perſönliche
Verſtimmung zwiſchen ihm und dem Kommandeur der
Schutz=
polizei. Ein Opfer iſt auf der Strecke geblieben: der Preſſechef wendiger Atempauſe. Jetzt ſteht das deutſche Bürgertum im
geſtellt wurde, wo früher Dr. Weiß einmal amtiert hat. Wie
das aber im Preußen iſt, wurde der dem Zentrum angehörende
Preſſechef bereits durch einen Parteifreund erſetzt.
Die Woche.
Schon in der erſten Sitzung, in der ſich das neu gebildete
franzöſiſche Kabinett Chautemps der Kammer vorſtellte, kam es
zur Kataſtrophe. Das Experiment, unter den gegenwärtigen
Mehrheitsverhältniſſen eine Regierung zu bilden, die ſich auf die
alten Kartellparteien ſtützte, war mißlungen. Für die politiſche
Welt lediglich eine Beſtätigung der allgemein vorherrſchenden
Auffaſſung, keine Ueberraſchung. Jetzt iſt wieder Herr Tardieu
an der Arbeit, um ein neues Kabinett zu bilden, und es war.
ſicherlich keine Redensart, wenn er alsbald erklärte, daß er
dies=
mal vorausſichtlich einige Zeit brauchen werde. Denn Tardieu
hat Zeit — aus außenpolitiſchen Gründen. Trotzdem die ganze
franzöſiſche Regierungskriſis urſprünglich, und zwar insbeſondere
Wirtſchaftsleben doch häufig, daß eine größere Gruppe ein= der Sturz des erſten Kabinetts Tardieu, lediglich innerpolitiſch
bedingt war. Selbſtverſtändlich werden die Finanzfragen bei den
Regierung eine gewichtige, wahrſcheinlich ſogar eine
ausſchlag=
gebende Rolle ſpielen. Die franzöſiſche Wirtſchaft wehrt ſich gegen
die Theſaurierungspolitik, die ſeit Poincaré im franzöſiſchen
Finanzminiſterium getrieben wird, und da die Schatzkammer des
alle ſeine Kräfte einſetzt, um ſich zu ſanieren. franzöſiſchen Staates bis obenhin gefüllt iſt, wird der Widerſtand
Dieſe Vorausſetzung aber fehlt bei der Arbeitsloſenverſicherungs= gegen die Politik, deren letzter Vertreter Herr Chéron war, aller
Wahrſcheinlichkeit nach von Erfolg gekrönt ſein. Da auch
Tar=
dieu offenbar die Zeichen der Zeit verſteht, dürften, alſo die
Schwierigkeiten nicht unüberwindlich ſein, die der Neubildung
einer Regierung unter ſeiner Führung entgegenſtehen. Trotzdem
wird er die Dinge nicht überſtürzen, denn eine beſſere
Gelegenheit, die für die franzöſiſche Politik
höchſt unbequeme Londoner
Seeabrüſtungskon=
ferenz zutorpedieren, iſt gar nicht auszudenken.
Man war in London bekanntlich bereits auf dem toten Punkt
angelangt, als das erſte Kabinett Tardieu fiel. Der
angelſäch=
ſiſchen Einheitsfront gegenüber wurde die Stellung der
Fran=
zoſen von Tag zu Tag ſchwächer, während ſich auf der anderen
Seite die franzöſiſch=italieniſchen Gegenſätze immer mehr
zuſpitz=
ten. Immerhin hätte natürlich denjenigen, der die Konferenz zum
Fraktion nicht empfohlen werden kann, trotz des Scheitern brachte, eine ſchwere Verantwortung getroffen, eine
Verantwortung, die ſelbſtverſtändlich auch die damalige
fran=
zöſiſche Delegation nicht leichten Herzens hätte übernehmen
können. In dieſem Augenblick ſtürzte das Kabinett Tardieu, und
die peinlichen Konferenzverhandlungen erfuhren eine in Paris
ſehr angenehm empfundene ſelbſtverſtändliche Unterbrechung.
Jetzt wartet man an der Themſe ſchon geraume Zeit auf die
Rück=
kehr des franzöſiſchen Verhandlungspartners. Aber man wird
möglicherweiſe noch länger warten müſſen. Kann ingend jemand
Frankreich einen Vorwurf machen, wenn ſeine Regierungskriſis
aus rein innerpolitiſchen Gründen länger anhält als die Geduld
der anderen in London vertretenen Mächte? Wenn die derzeitige
ſranzöſiſche Regierungskriſis ſich etwa in dem Tempo entwickelt,
das bei uns bei ſolchen Gelegenheiten üblich iſt, ſo iſt es ſehr wohl
möglich, daß die ganze Londoner Seeabrüſtungskonferenz
aus=
geht wie jenes berühmte Hornberger Schießen, und das würde
der größte Erfolg ſein, den Herr Tardieu in ſeiner bisherigen
politiſchen Laufbahn zu verzeichnen hätte.
Bei aller politiſchen Bedeutung dieſer Dinge ſind wir in
Deutſchland trotzdem nicht mehr ſo unmittelbar an der
inner=
politiſchen Entwicklung Frankreichs intereſſiert wie in all den
letz=
ten Jahren, da die Entwicklung der deutſch=franzöſiſchen
Be=
ziehungen in ihren großen Richtlinien nicht mehr durch ſie be=
Ueber die eigentlichen Gründe, die zu dem Rücktritt des ſtimmt wird — vorausgeſetzt, daß der Young=Plan vom Deutſchen
Reichstag ratifiziert wird. Vorerſt aber iſt ein Ende der
parla=
mentariſchen Erörterungen leider noch nicht abzuſehen. Die
be=
ſonders vom Zentrum verlangte Verknüpfung von Young=Plan
und Finanzreform iſt inſofern zweifellos berechtigt, als eigentlich
kein Streit darüber ſein dürfte, daß die gleichen Parteien, welche
die Verantwortung für die Ratifizierung des Young=Plans zu
übernehmen bereit ſind, natürlich auch die Verantwortung
über=
nehmen müſſen für die Finanzgeſetze, die zur Durchführung dieſes
Oberverwaltungsgericht iſt, an den Miniſterpräſidenten Braun Young=Plans notwendig ſind Ueberhaupt kann ja eigentlich
Privatleben des Miniſters unter Anführung zahlreicher Einzel= Plans übernehmen, ſolange nicht durch eine entſprechende
Finanz=
fälle ſcharfe Kritik übte, offenbar aus der Beſorgnis heraus, reform die Gewähr für eine Durchführung des Young=Plans,wenig=
und wird täglich von neuem beſtätigt, daß die Sozialdemokratie
ſich doktrinär ſo ſtark feſtgelegt fühlt, daß wirklich kaum noch
ab=
zuſehen iſt, wie zuſammen mit ihr eine halbwegs vernünftige
des ſtarken Drucks, unter dem ſie zurzeit ſteht. Wieder einmal
weht Kriſenluft in Berlin, und in den Wandelgängen der
Par=
lamente ſpricht man über die Möglichkeiten einer
Reichstagsauf=
löſung. Soll man unter dieſen Umſtänden die Verbindung von
Die Kriſe im Berliner Polizeipräſidium beigelegl. Young=Plan und Finanzreform aufgeben, um zunächſt einmal
den Young=Plan zu ratifizieren und dadurch die rechtzeitige
* Berlin, 1. März. (Priv=Tel.) Räumung des Rheinlandes zu ſichern, oder will man den Reichstag
nach Hauſe ſchicken noch vor der Annahme der Young=Geſetze?
Beides erſcheint faſt undenkbar, beides würde nichts anderes
bedeuten, als eine abermalige Beſtätigung des hoffnungsloſen
Bankerotts unſeres parlamentariſchen Syſtems. Daran wird
auch nichts geändert durch die Erwägunn, daß im erſteren Falle
Unterredung zuſammengebeten und alle, nachträglich übertriebe= eine Bereinigung einer möglicherweiſe ausbrechenden
Regierungs=
nen Unſtimmigkeiten beigelegt, ſo daß alles wieder in ſchönſier kriſis viel eher möglich erſcheint, ſobald die tiefgehenden Mei=
Bitter rächen ſich jetzt die Verſäumniſſe der Vergangenheit,
bitter rächt ſich, daß man jahrelang die dringende Notwendigkeit
habt hat, daß er im vorigen Jahre bei einer Abſperrung von einer grundſätzlichen Reform unſeres parteipolitiſchen Syſtems
nicht erkennen wollte, und daß man an dieſe Dinge ſich erſt heran=
„Publikum” betrachtet, und zwar nicht mit Gummihandſchuhen, gewagt hat, als uns das Feuer bereits auf den Nägeln brannte.
aber mit dem Gummiknüppel angefaßt wurde. Seitdem iſt er In erregten Zeiten verſchob man die Reform auf ruhigere Zeiten,
und in den wenigen politiſch ruhigen Monaten, die uns während
der vergangenen Jahre vergönnt waren, ſprach man von
not=
des Polizeipräſidenten, der als Regierungsrat in Kaſſel kalt= Kampf um ſeine Exiſtenz, im Kampf um Deutſchlands Zukunft,
zerriſſen in tauſend Intereſſentengzuopen und Grüppchen, die
ſich gegenſeitig auf das Bitterſte befehden, und ihm gegenüer
ſteht eine ſozialdemokratiſche Partei, die ſich zwar in ihren Führer=
Seite 2
Sonntag, den 2. März 1930
Nummer 61
kreiſen zweifellos manchen wirtſchaftlichen Notwendigkeiten nicht
verſchließt, die aber aus Angſt vor der kommuniſtiſchen Konkurrenz
wirklichpoſitive Entſchlüſſe nicht zufaſſen vermag. Kein Wunder, daß
weite Kreiſe unſeres Volkes und insbeſondere die deutſche Jugend
dieſem Treiben verſtändnislos gegenüberſtehen, und daß man hier
beginnt, das Heil für die Zukunft allein noch in der Verneinung
alles Beſtehenden zu ſehen. Es iſt wahrlich an der Zeit, daß
wir die ungeheuren Gefahren, die in dieſer Entwicklung liegen,
erkennen und entſchloſſen aus dieſer Erkenntnis die Folgerungen
ziehen. Reform unſeres parteipolitiſchen Syſtems, eine Reform
aber nicht durch papierene Programme, ſondern durch entſchloſſene
II.
Tat.
Heſſen gegen den Anſchluß an Preußen.
Eine Unkerredung mit Skaakspräſidenk Dr. Adelung.
Frankfurt a. M., 1. März.
Ein Mitarbeiter eines hieſigen Blattes hatte eine längere
Unterredung mit dem heſſiſchen Staatspräſidenten Adelung, in
der dieſer die Möglichkeien und Ausſichten einer Reichsreform
darlegte. Staatspräſident Adelung ſagte u. a.: Die
Eigen=
ſtaatlichkeit Heſſens iſt nicht eine umantaſtbare
Sache, ſie iſt nicht das Weſentliche, weſentlich iſt vielmehr
die verwaltungsmäßige Selbſtändigkeit. In
Wirk=
lichkeit hat ja bereits die Bismarckſche Verfaſſung die
Souveräni=
tät der deutſchen Einzelſtaaten aufgehoben, und zwar zu einer
Zeit, wo man um dieſen Begriff, da er nicht unbeträchtliche
Hoheitsrechte der Fürſten einſchloß, noch ganz anders beſorgt
war. Dieſe Selbſtändigheit der Länder iſt die kleinere Sorge,
Früher oder ſpäter wird und muß es zu einer Umgliederung
kommen. Ob bei der Reichsreform die zwiſchen Reich und
Kom=
munen verbleibenden oder neu zu ſchaffenden Gebilde der Mitte
ftagtsrechtlich noch als „Staaten” anzuſprechen ſind oder nicht,
ſiſt nicht von ausſchlaggebender Bedeutung, ausſchlaggebend iſt
vielmehr, welche Funktionen dieſen regionalen Gebilden der
Mitte verfaſſungsmäßig zugebilligt werden. Die Enwicklung
des Reiches iſt eine föderative; aus den Ländern iſt das Reich
geworden, aus den Teilen ſind kulturelle Werte emporgewachſen,
die erhalten bleiben müſſen. Das heißt alſo, daß man weder in
Heſſen noch irgendwo anders das Heil von einem zentraliſtiſchen
Syſtem erwartet. Der Weg zum Einheitsſtaat ſollte auch
nicht über Preußen gehen, d. h. es ſollte nicht ſo kommen,
daß ein Großpreußen entſteht: das wäre eine Entwicklung, die
eine Endlöſung noch ſchwieriger machte. Da es als
ausgeſchloſ=
ſen gelten muß, daß z. B. Bayern, Sachſen und Württemberg in
Preußen aufgehen wollen, würde eine Entwicklung, wie ſie oben
angedeutet wurde, nicht zum deutſchen Einheitsſtaate führen,
vielmehr würde es am Ende einer ſolchen Entwicklung neben
einem vergrößerten Preußen, noch ein Bayern, ein Sachſen und
ein Württemberg geben. Daß in Heſſen die Fragen der
Reichsreform mit beſonderem Intereſſe verfolgt und debattiert
worden ſind, trifft zu, nicht aber trifft zu, daß wirtſchaftliche
Rückſichten, finanzielle Schwierigkeiten hierfür
maß=
gebend waren. Durch ein Aufgehen in Preußen würden keine=
Erſparniſſe gemacht, die heſſiſchen Gemeinden würden
ſo=
gar eine erhebliche Mehrbelaſtung erfahren. Die eigentlichen
Fragen der Reichsreform, die vorhanden und auch dringend ſind,
liegen auf anderen Gebieten. — Heſſen iſt nach den Darlegungen
ſeines Staatspräſidenten bereit, im geſamtdeutſchen Intereſſe
auch unter Opferung eigener Belange an dieſen Fragen
mitzu=
arbeiten. Jedenfalls aber liegen die Dinge nicht ſo, daß
Heſ=
ſen etwa vor dem „Bankerott” ſteht und gezwungen iſt, zu
liquidieren. Oder, wenn man es geſchäftlich ausdrücken will:
Heſſen iſt keine Firma, die von der Konkurrenz aufgekauft
wer=
den muß. Das wäre ein gerade für die Reichsreform
ver=
hängnisvoller Irrtum. Will man die heſſiſchen
Stim=
men zur Reichsreform recht verſtehen, ſo muß man den großen
politiſchen Entwicklungsgedanken heranziehen. Wenn. Heſſen
heute den Einheitsſtaat ſagen wir propagiert, ſo in dem Sinne,
daß dieſe Frage wichtig und dringend genug iſt, um ernſthaft
be=
handelt zu werden. An dem Echo, das dieſe Debatten auslöſen,
läßt ſich erkennen, ob dieſe ſchweren Fragen reif zur weiteren
Behandlung ſind. Sind ſie das nicht, mißverſteht man den Ton
und glaubt, Heſſen ſchreie aus tiefſter Not, dann werden auch in
Heſſen die Stimmen wieder ſchweigen. Niemand will im den
Armen Preußens Schutz ſuchen. Hören will man, ob ein
Ge=
danke, der mehr als zehn Jahre alt iſt, Fortſchritte
ge=
macht hat oder nicht. Sicher iſt, daß Heſſen allein ſeine
Staat=
lichkeit nicht preisgibt, wenn damit nicht der großen Frage des
Einheitsſtaates gedient wird.
Vom Tage.
Reichsverkehrsminiſter Dr. Stegerwald hat anläßlich des
50jährigen Geſchäftsjubiläums der Adlerwerke in
Frankfurt a. M., dem Begründer des Unternehmens,
Kom=
merzienrat Dr.=Ing. e. h. Heinrich Kleyer, drahtlich ſeine wärmſten
Glückwünſche übermittelt.
In Stettin wurde eine Verſammlung der „
Antifas=
ciſtiſchen Jungen Garde”, einer Organiſation der K.P.D., von
der Polizei aufgelöſt. Etwa 80 Teilnehmer, meiſt Mitglieder der
„Antifa”, wurden f.” ommen.
Entſprechend dem Verlangen des Berliner Magiſtrats, die
Aus=
gaben der Berliner Verkehrsgeſellſchaft unter allen
Um=
ſtänden einzuſchränken, hat die Direktion der Geſellſchaft 500
Arbei=
tern der techniſchen Abteilungen und
Verkehrsan=
geſtellten gekündigt, die am 15. März auszuſcheiden haben.
Am zweiten Tage der internationalen
Wirtſchafts=
tagung in Breslau wurde über „Erleichterungen und
Verein=
fachungen des mitteleuropäiſchen Eiſenbahnverkehrs”, diskutiert.
In Wien wurde von Bundeskanzler Schober die zur Erörterung
der Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtſchaftskriſe,
insbeſondere der Arbeitsloſigkeit, einberufene
Wirtſchaftskonfe=
renz eröffnet, zu der die Vertreter aller wirtſchaftlichen
Organi=
ſationen, ſowohl der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer, geladen waren.
Nach dem Empfang der Mitglieder der ungariſchen Regierung
ſo=
wie der Spitzen der weltlichen und kirchlichen Behörden erſchienen die
Mitglieder des Budapeſter diplomatiſchen Korps unter
Führung des päpſtlichen Nuntius Orſenigo beim
Reichsber=
weſer Horthy, um ihm zu ſeinem Jubiläum zu
beglück=
wünſchen.
Ein halbamtlicher Kommentar zum ungariſchen Amneſtie=
Erlaß ſtellt feſt, daß der Erlaß auch die Amneſtie von
poli=
tiſchen Vergehen zuläßt.
Das katholiſche Epiſkopat Jugoſlawiens hat
nun=
mehr auch öffentlich gegen die jüngſten Schulgeſetze
Stel=
lung genommen.
Die ruſſiſche Handelsvertretung, in Paris hat
gegen die Beſchlagnahme, ihrer Bankguthaben in
Höhe von 27 Millionen Franken, die im Zuſammenhange mit der
Affäre der Litwinow=Wechſel erfolgt iſt, beim franzöſiſchen
Juſtizmini=
ſterium Beſchwerde erhoben.
In Buenos Aires ſind verſchiedene, ſich hartnäckig erhaltende
Ge=
rüchte verbreitet, daß in dem braſilianiſchen Staat Sao
Paolo es zu einem Aufſtand gekommen ſei.
Die Revolutionäre von San Domingo haben mit der
Regie=
rung ein Abkommen abgeſchloſſen, wonach Präſident Vasquez und das
ganze Kabinett mit Ausnahme des Außenminiſters und des
Landwirt=
ſchaftsminiſters demiſſionieren werden. Der Führer der Aufſtändiſchen,
General Eſtrella Urena, wird zum Innenminiſter ernannt und
über=
nimmt die Amtsgeſchäfte des Präſidenten.
Die amerikaniſche Polizei nahm geſtern in Chicago mehrere Razzien
in den Hauptquartieren der radikalen Führer vor. 12 Radikale wurden
verhaftet und einem Peuhör unterworfen. Außerdem wurde
umfang=
reiches Propagandamaterial beſchlagnahmt, aus dem ſich ergibt, daß
großzügige internationale Kommuniſtendemonſtrationen für den 5. März
geplant waren.
Neue Ankräge im Hefſiſchen Landtag.
* Einzelne europäiſche Staaten, z. B. Dänemark, haben
geſetz=
liche Beſtimmungen getroffen, daß jede einzelne ausländiſche
Ware als ſolche deutlich erkennbar in den Verkaufsſtellen
be=
zeichnet werden muß. Auch in England ſind heimiſche Erzeugniſſe
mit einem Stempel „Engliſche Ware heißt beſte Ware”
ausge=
zeichnet. Um der heimiſchen Wirtſchaft, insbeſondere der
not=
leidenden Landwirtſchaft, zu helfen, beantragt jetzt auch das
Zentrum, die heſſiſche Regierung möge bei der Reichsregierung
vorſtellig werden, daß durch gefetzliche Beſtimmungen die in
Verkaufsſtellen feilgebotenen jausländiſchen
Erzeug=
niſſe als „Auslandsware” deutlich erkennbar
bezeichnet werden müſſen. Vor allem ſoll damit der
Achtloſig=
keit des kaufenden Publikums begegnet werden.
Der Finanzausſchuß des Landtags hat bekanntlich ſoeben
die Kinderzulage für Beamtenkinder vom 16.—21.
Lebens=
jahr geſtrichen. Um dadurch eintretende Härten beſonders in
kinderreichen Familien zu mildern, beantragt jetzt das Zentrum,
einen Betrag von 200 000 RM. als Erziehungsbeihilfen für ſolche
Härte=Fälle einzuſtellen.
Die Sozialdemokraten verlangen, daß in Heſſen alle über
60 Jahre alten erwerbsunfähig gewordenen Perſonen, die trotz
wirtſchaftlicher Lebensführung auf die öffentliche Fürſorge
ange=
wieſen ſind, den Kleinrentnern gleichzuſtellen. Von
dieſer dem Lande zuſtehenden Möglichkeit habe die Regierung
bisher keinen Gebrauch gemacht. Die überaus ſtark belaſteten
Wohlfahrtshaushalte der Gemeinden verlangten jedoch eine
Laſtenverteilung.
Die kommuniſtiſche Oppoſition verlangt die Streichung des
Artikels 14 der Heſſiſchen Verfaſſung, um durch einen
Volks=
entſcheid einen Abbau der Gehalter der oberen Beamten
durchzuſetzen.
Das Volkseinkommen in Deutſchland
And in Ainernu.
In Deutſchland hat nach den Ermittlungen des Inſtituts
für Konjunkturforſchung, das Volkseinkommen im Jahrfünft
1925—1929 um rund 15 Milliarden RM. — von 54,3 im Jahre
1925 auf rund 70 Milliarden im Jahre 1929 — zugenommen. Iſt
dies nun ein beweiskräftiges Anzeichen volkswirtſchaftlicher
Proſperität? In langſam anſteigender Entwicklung des
Volks=
einkommens kommen ebenſowohl die Wirkungen des
Bevölke=
rungszuwachſes, der geſtiegenen Anzahl der Erwerbstätigen, der
unter Schwierigkeiten und mancherlei Rückſchlägen ſteigenden
Produktivität der Volkswirtſchaft wie die ſeit 1925 feſtſtellbare
Erhöhung der Preiſe und andere rein nominelle Steigerungen
(Heraufſetzung der Mieten, Beſoldungsreform der öffentlichen
Körperſchaften uſw.) zum Ausdruck. Auch iſt die Steigerung des
Volkseinkommens ſeit 1925 zu einem Teile wenigſtens auf die
Ueberwindung der verheerenden Inflationswirkungen
zurückzu=
führen.
Mit Recht weiſt die amtliche Statiſtik darauf hin, in welchem
Grade die Erhöhung des Volkseinkommens durch
Bevölkerungs=
bewegung und geſtiegene Preiſe beeinflußt wurde. Der wahre
Stand der Dinge ergibt ſich erſt dann, wenn man das
Volksein=
kommen auf den Kopf der Bevölkerung umrechnet und
außerdem die Preisbewegung auszuſchalten verſucht
(was allerdings nur in roher Weiſe mit Hilfe des
Lebenshal=
tungsindex möglich iſt). Es ergibt ſich dann, wenn man den
Stand des Volkseinkommens im Jahre 1925 — 100 ſetzt, eine
Steigerung im Jahre 1926 auf 102, 1927 auf 108, 1928 und 1929
auf 115, d. h. eine Steigerung um nur 15 Prozent.
In gleicher Weiſe berechnet, würde ſich für das letzte
Vorkriegs=
jahr 1913 ein Stand von 119 ergeben. Das Volkseinkommen hat
mithin, trotz der relativen Steigerung der letzten Jahre, das
Vorkriegsniveau noch nicht erreicht. Legen wir das
Volksein=
kommen in Deutſchland nach dem Stand von 1929 auf den Kopf
der Bevölkerung um, ſo kommt auf jeden Einwohner ein
Jahres=
betrag von etwa 1100 RM.
Die amerikaniſche Statiſtik hat für das Jahr 1928
ziem=
lich eindeutige Zahlenreihen feſtgelegt. Danach betrug das
Ge=
ſamteinkommen aller Staatsbürger in U. S.A. rund 89½
Mil=
liarden Dollar; das ſind etwa 375 Milliarden RM. Intereſſant
iſt das ungewöhnliche Wachstum des Volkseinkommens: von 66
Milliarden Dollar im Jahre 1919 ſtieg es auf 89½ Milliarden
Dollar im vorletzten Jahre an. Umgelegt auf die Kopfzahl der
Vereinigten Staaten mit ihrer faſt doppelt ſo großen
Einwohner=
zahl wie Deutſchland, entfällt auf den Kopf des amerikaniſchen
Staatsbürgers im Jahre ein Betrag von rund 750 Dollar, in
Reichsmark umgerechnet, alſo mehr als 3100 RM.
Berück=
ſichtigt man, daß im Durchſchnitt die Lebenshaltung in Amerika
weſentlich teurer iſt als bei uns (vor allem die Mieten und der
Aufwand für Bekleidung und Schuhwerk ſind erheblich höher),
ſo können wir im großen Durchſchnitt die Kaufkraft des Dollars
nach deutſchen Verhältniſſen auf etwas über 2 RM. bemeſſen.
Unter Zugrundelegung dieſes (freilich etwas rohen) Maßſtabes
ergibt ſich, daß der Durchſchnittsbürger in den
Ver=
einigten Staaten umetwa 50 Prozent gegenüber
Deutſchland in ſeinem Realeinkommen beſſer
geſtellt iſt.
Die Unkerſuchung der Sprengſtoff=Atkenkake.
Anklageerhebung in 27 Fällen.
Berlin, 1. März.
Die Vorunterſuchung in Sachen der Sprengſtoffanſchläge iſt
im weſentlichen abgeſchloſſen. Es iſt die Aufklärung der
Spreng=
ſtoffanſchläge in Winſen, Beidenfleth, Weſſelburen, Itzehoe,
Oldenburg, Niebüll, Schleswig ſowie der drei Lüneburger
Atten=
tate gelungen. Nicht vollſtändig geklärt iſt hierbei das
Sprengſtoffattentat auf den Reichstag ſowie
kleinere Anſchläge in Schleswig=Holſtein. Wegen
des Reichstagsattentats hat die Staatanwaltſchaft beantragt, die
Vorunterſuchung, insbeſondere die Verfolgung der flüchtigen
Angeſchuldigten, in Berlin fortzuſetzen. Hinſichtlich der
Vor=
gänge in den Bezirken Schleswig=Holſtein, Oldenburg und
Han=
nover iſt die Sache — im beſonderen infolge der ven der
Mehr=
zahl der Angeſchuldigten vor dem Richter abgelegten Geſtändniſſe
— abſchlußreif. Da in Anſehung dieſer Straftaten jetzt in Berliu
eine Zuſtändigkeit nicht mehr beſteht, wird vorausſichtlich die
Staatsanwaltſchaft Altona die weitere Behandlung dieſes Teiles
der Sache übernehmen. Es dürfte inſoweit mit einer
Anklage=
erhebung gegen etwa 27 Angeſchuldigte wegen Verbrechens gegen
die Paragraphen 5, 6, 7 und wegen Vorgehens gegen Paragraph
13 des Sprengſtoffgeſetzes bzw. wegen Begünſtigung, Beihilfe
und Diebſtahl zu rechnen ſein.
A
Zündholzkönig Jvar Kreuger.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Dr. P. G. Stockholm, Ende Februar 1930.
Am 2. März wird Jvar Kreuger 50 Jahre alt. Wenn — wie
es in Schweden Brauch — alle ſeine Geſchäftsfreunde und
Schuld=
ner ihm zum Geburtstag einen Blumentopf oder ein
Glückwunſch=
telegramm ſchicken würden, ſollten es deren gar viele werden.
Auf der ganzen Welt gibt es kaum jemand, der ſo viele Kreditoren
hat, wie der Beherrſcher des ſchwediſchen Zündholztruſtes. Wenn
er im vorigen Jahre der deutſchen Regierung ein Darlehen von
500 Millionen Mark gab, bedeutet das ſchließlich doch, daßjeder
Deutſche Herrn Kreuger aus Stockholm faſt 10
Markſchuldet. Gleicherweiſe hat der Zündholzkönig ja aber
auch der franzöſiſchen Regierung, den baltiſchen Staaten und den
Balkanländern mit großen Darlehen unter die Arme gegriffen: bis
nach Südamerika reichen die Staatsanleihen des nordiſchen
Finanzdiktators.
Zwölf Länder mit mehreren hundert
Millio=
nen Einwohnern haben vom Kreugerkonzern
über 1300 Millionen geliehen; als letzter im Bunde
hat ſich ſoeben die Freie Stadt Danzig dem Zündholztruſt
ver=
ſchrieben. Mit einer ganzen Reihe anderer Länder ſchweben
Monopol= und Anleiheverhandlungen: dazu kommt der finanzielle
Einfluß des ſchwediſchen Zündholztruſtes und ſeiner
Tochter=
geſellſchaften auf alle die Staaten, wo Kreuger zwar kein
offi=
zielles Monopol beſitzt, wo aber doch viel Tauſende von
Angeſtell=
ten in Betrieben arbeiten, die der Kontrolle des Schwedentruſtes
unterſtehen, der in der Beherrſchung des Weltmarktes nirgends
ein Gegenſtück hat.
Nicht mit Automobilen, Lokomotiven oder Petroleumquellen,
nicht mit Objekten, die ſchon in der Einzahl erhebliche Werte
darſtellen, hat Kreuger ſein Vermögen erworben. Mit dem
ver=
achteten Zündholz, deſſen Preis ſich kaum angeben läßt, hat er
ſein Reich aufgebaut, den weltumſpannenden Konzern, von dem
allein die beiden Stockholmer Stammhäuſer im vergangenen
Jahre einen Reingewinn von weit über 100 Millionen beim
Steuerfiskus anzeigten. Mit den Zündholzmillionen hat der
Kreugerkonzern ſpäter neue Wirtſchaftszweige erobert, Erzfelder,
Grundſtücke, Wälder und Zellſtoffabriken in aller Welt erworben
— doch das Zündholz iſt der Mittelpunkt, die Seele des
Rieſen=
unternehmens geblieben.
Der Zündholztruſt hat, wie nicht anders zu erwarten, viele
Feinde. Jvar Kreuger hat keine Feinde. Perſönlich kennt auch
in Stockholm faſt niemand den ſchwediſchen Wirtſchaftskönig. Er
macht keine Geſellſchaften mit, gibt beine Interviews und ſucht zu
verhindern, daß ſein Name oder ſein Bild, in die Zeitungen
kommt. Mit jungen Jahren iſt er eine ſagenumwobene Geſtalt
geworden, deren Fähigkeit, ſich der öffentlichen Aufmerkſamkeit zu
entziehen, ſprichwörtlich geworden iſt.
Jvar Kreuger, deſſen Vorfahren vor 200 Jahren aus
Deutſchland in Schweden einwanderten, ſtammt zwar nicht
aus ärmlichen, aber doch einfachen Verhältniſſen. Die kleine
Zündholzfabrik, die ſein Vater in Kalmar beſaß, hat für ſeinen
Werdegang wenig bedeutet. Mit 20 Jahren ging er, nachdem er
ungewöhnlich frühzeitig an der Techniſchen Hochſchule zu
Stock=
holm ſein Examen als Bauingenieur abgelegt hatte, nach Amerika,
Auf beiden amerikaniſchen Kontinenten, in Afrika und Auſtralien
brachte er ſeine Jugend= und Studienjahre zu, baute Wege und
Brüchen, Sportpaläſte und Hotels. Nach Schweden zurückgekehrt,
gründete er kurz vor dem Kriege die Baufirma, die noch jetzt
ſeinen Namen trägt, und die aus kleinen Anfängen bald zum
Weltunternehmen wurde.
Der Arbeitsweiſe des Baumeiſters blieb er treu, auch als er
zur Zündholzinduſtrie überging. Klug berechnend, fügte er Stein
zu Stein, baute auf feſten Fundamenten den Zündholztruſt
„Svenska Tändſticksaktiebolaget” und den Finanztruſt „Kreuger
u. Troll”.
Der Zündholzkönig hat nicht einmal zum Heiraten Zeit
ge=
habt; die amerikaniſchen Zeitungen haben ihn zum reichſten
Junggeſellen der Welt ernannt. Er gönnt ſich nicht die
Muße, Feſte zu feiern und Glückwunſchtelegramme zu leſen. Zu
ſeinem 50. Geburtstag iſt er außerhalb der Landesgrenzen
ge=
flüchtet, hat ſtreng unterſagt, daß in ſeinen Betrieben eine
Ein=
ſammlung erfolge oder in irgendeiner Form ſeines Geburtstages
gedacht werde. Sein Verſuch, der Oeffentlichkeit den Jahrestag
vorzuenthalten, iſt geſcheitert. Eine Reihe von Kreugerbiographien
ſind erſchienen. Ueber den Kreugertruſt können ſie manches ſagen
— über Ivar Kreuger faſt nichts. Seine Anonymität hat einen
eigenartigen Nimbus um ihn gewoben; nur die
Preſſephoto=
graphen in Berlin. Paris und New York haben — wie eine
ſchwe=
diſche Zeitung feſtſtellt — den Beweis erbracht, daß er
wirklich lebt. In Stockholm, in ſeinem eigenen Vaterlande,
iſt der nüchterne Finanzdiktator eine romantiſche Sagenfigur.
* „Kreafur” von Ferdinand Bruckner.
Uraufführung in den Münchener Kammerſpielen am 27. Februar 1930.
Mit berechtigten Erwartungen ſah man dem neueſten Werk F.
Bruck=
neus entgegen, denn kaum ein Dichter der Moderne iſt ſo, wie er,
mit den Strömungen und Unterſtrömungen unſerer Zeit verbunden.
B. iſt zugleich Expreſſioniſt, wie Vertreter der betonten Sachlichkeit;
mit harten Konturen zeichnet er Laſter und Verbrechen als drohende
Klippen des menſchlichen Lebens, das ſchließlich ſeine Selbſterhaltung
in der engen Kameradſchaft, in der Ehe, ſucht und findet.
Die Handlung des Stückes zeigt den Ingenieur Troik (dargeſtellt
durch E. Balſer) vor dem Zuſammenbruch ſeiner bürgerlichen Exiſtenz=
Seine Frau (Eleonore Mendelſohn) rettet ihn unter Preisgabe ihres
Körpers. Nach ſpweren ſeeliſchen Konflikten keimt für beide eine
neue Lebenshoffnung im Werden ihres Kindes.
Die Münchener Uraufführung dieſes pſychologiſch wenig
komplizier=
ten Werkes konnte trotz der vorzüglichen Darſtellung (beſ. der Berliner
Gaſt Eleonore Mendelſohn) und trotz der ſorgſamen Inſzenierung
O. Falkenbergs über die Schwächen und Längen des Stückes nicht
hin=
weg täuſchen. Das durch endloſe Reflexionen ermüdete Publikum
be=
reitete daher der dritten Arbeit des anweſenden „unbekannten” Autors
A. 8.
F. B. eine recht flaue Aufnahme.
Tietjen Generalintendant ſämtlicher preußiſcher
Staats=
theater. Wie der Amtliche Preußiſche Preſſedienſt mitteilt, hat
der Miniſter für Wiſſenſchaft, Kunſt und Volksbildung dem
Ge=
neralintendanten Tietjen die Verwaltung ſämtlicher preußiſcher
Staatstheater in Berlin, Kaſſel und Wiesbaden übertragen. Die
künſtleriſche Selbſtändigkeit der einzelnen Inſtitute bleibt
be=
ſtehen. Der Generalintendant iſt ferner mit der Wahrnehmung
der Angelegenheit der preußiſchen Staatstheater im Miniſterium
in der gleichen Weiſe betraut worden, wie dort ſeit wehreren
Jahren der Generaldirektor der Muſeen tätig iſt.
„Nur eine Knabenſeele” heißt ein Buch, das Mitte November 1929
bei Herder in Freiburg anonym erſchienen iſt (der Verfaſſer iſt der
Jeſuitenpater Otto Drouven) und ſoeben in zweiter Auflage 6.—14.
Tauſend (gebunden 3 Mk.), erſcheint. Das zeigt ſchließlich, daß das
Buch Leſer genug zu finden weiß. Es behandelt Kämpfe wegen
ge=
heimer Jugendſünden, die ſich in der Seele vielleicht jedes Jungen
ab=
ſpielen, Kämpfe, von denen Eltern und Lehrer zumeiſt keine Ahnung
haben, Kämpfe zwiſchen dem Drang, ſich auszuſprechen und dem Zwang,
zu ſchweigen aus falſcher Scham. Das Buch ſoll und kann Eltern,
Lehrern und natürlich in erſter Linie den Jungen ſelbſt die Augen
öffnen.
Der 5. Band des „Großen Brockhaus” erſcheint Ende März. Wie
wir ſoeben erfahren, wird der 5. Band des größten volkstümlichen
Nach=
chlagewerks Ende März ausgeliefert werden. Es iſt erfreulich, daß der
Verlag die ſeinerzeit angekündigte und für ein ſo ſchwer
durchzuführen=
des Unternehmen überraſchend ſchnelle Erſcheinungsweiſe pünktlich
ein=
halten kann. Der „Große Brockhaus”, der mit dem neuen Band bis zum
Buchſtaben E fortgeſchritten ſein wird, wird für ein Menſchenalter
ſeine Dienſte als gewiſſenhafter Berater des Menſchen von heute erfüllen
—die ſchnelle Folge des Erſcheinens iſt daher nicht von zu
unterſchätzen=
dem Wert für alle Bezieher und ſolche, die es noch werden wollen. Wir
werden den neuen Band nach Erſcheinen an dieſer Stelle beſprechen.
Nummer 61
Sonntag, den 2. März 1930
Seite 3
Herriok und Daladier bei Tardien. — Tardieu ſchlägt den Radikalen einen Waffenſtillſtand vor. — Tardieus
Angeboke und Beſchwörungen witkungslos. — Die Radikalen fordern republikaniſche Konzenkrakion
ohne Tardien als Miniſterpräfidenk.
Kriſenſtimmung zwiſchen Paris und London.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 1. März.
Die innenpolitiſche Situation in Frankreich iſt vecht
verwor=
ren. Die nacheinanderfolgenden Kriſen haben bewieſen, daß die
Rechte und die Linke gleich ſtark ſind. Mit Hilfe der Kommuniſten
— zehn Stimmen —, die prinzipiell gegen jede Regierung
ſtim=
men, kann ſowohl eine reine Rechtsregierung wie auch eine reine
Linksregierung ohne weiteres geſtürzt werden. Die beſte Löſung
wäre die Konzentration. Aber die Rechte und die Gemäßigten
haben jede Mitarbeit mit Chautemps abgelehnt, und ähnlich
ver=
hält ſich jetzt die Linke gegenüber Tardieu. Wenigſtens tut ſie ſo.
Vielleicht wäre die ſchwierige Aufgabe der Kabinettsbildung für
eine weniger exponierte Perſönlichkeit als Tardieu leichter. Aber
die Rechte hält an Tardieu feſt.
Wenn Tardieu die Unterſtützung der Gruppe Franklin=
Bouillons erhalten könnte, dann könnte er eine, allerdings höchſt
fragliche, Regierung bilden. Aber das wäre nur ein äußerſter
Fall. Die Folgen der Kriſe werden bald ſichtbar. Die Spannung
zwiſchen den einzelnen Parteien iſt ſehr groß. Und das Schickſal
des Budgets beunruhigt die Geiſter. An eine rechtzeitige
Erledi=
gung des Budgets iſt nicht mehr zu denken. Auch wegen der
Verhandlungen in London iſt man unruhiger geworden. Mam
verübelt es in Paris der Konferenz gar ſehr, daß in Abweſenheit
der franzöſiſchen Delegation die offiziöſen Verhandlungen
allzu=
ſehr gedeihen. Man meint hier, an jeder Frage, welche
an=
geſchnitten wird, intereſſiert zu ſein, und deshalb ſollte die
Kon=
ferenz nach franzöſiſcher Auffaſſung etwas weniger Aktivität
zei=
gen. Beſonders die Verhandlungen zwiſchen den Vereinigten
Staaten und Japan beunruhigen vielfach. Die Natur der in
London behandelten Fragen bringt es mit ſich, daß jede
Ent=
ſcheidung ſich auf ſämtliche andere Probleme auswirkt. In
London wird übrigens die Verlängerung und Entwicklung der
franzöſiſchen Kriſe ohne viel Begeiſterung verfolgt. Angenehm
kann die Kriſe in Frankreich nur den Sowjets ſein. Denn — wer
weiß — ohne die Kriſe wären vielleicht ſchon die Konſequenzen
der Kutjepoffaffäre ſichtbar. Aber auch wenn jetzt die
Aufmerk=
ſamkeit in Frankreich ganz natürlich durch die Miniſterkriſe
ab=
ſorbiert iſt, will es um die Kutjepoffaffäre nicht ſtill werden. Die
Preſſe beſchäftigt ſich weiter eingehend mit jeder Phaſe dieſer
dunklen Geſchichte. Allerdings haben bis jetzt die Nachforſchungen
nicht viel ergeben. Und in Moskau ſcheint man nicht mit einer
Entſpannung und einer Intenſivierung der Beziehungen zu
Frankreich zu rechnen, ja, es verlautet ſogar, daß man die
wirt=
ſchaftlichen Organiſationen in Frankreich abbaut.
Zardieus Bemühungen ergebnislos.
EP. Paris, 1. März.
Tardieu ſetzte heute ſeine Bemühungen, die
Unter=
ſtützung der Radikalen für ſein Kabinett zu gewinnen, fort,
aller=
dings mit negativem Erfolg. Zunächſt begab Tardieu ſich
zu Briand, der, wie behauptet wird, in letzter Stunde die
endgültige Uebernahme des Außenminiſteriums
davon abhängig gemacht haben ſoll, daß den
Links=
parteien in der neuen Regierung eine
ausrei=
chende Beteiligung eingeräumt werde.”
Unmittel=
bar darauf erſchien der Vorſitzende der radikalen Kammerfraktion,
Herriot, im Quai d’Orſay. Die Unterhaltung zwiſchen
Herriot und Tardieu dauerte etwa eine halbe Stunde.
Nachdem Tardieu dann die durch Herriots Ankunft unterbrochene
Unterredung mit Briand zu Ende geführt hatte, empfing er in
ſeinem Hotel den Präſidenten der Radikalen Partei, Daladier.
Unterdeſſen erſtattete Herriot der in der Kammer
zuſammen=
getretenen radikalen, Fraktion Bericht über ſeine Fühlungnahme
mit Tardieu. Wie verlautet, hat Tardieuden Radikalen
vier Miniſterien und zwei Unterſtaatsſekre=
tariate angeböten. Nach eingehender Prüfung dieſes
An=
gebots beſchloß die radikale Gruppe jedoch erneut, Tardieu jede
Mitarbeit zu verweigern. Danach wird Tardieu nur noch der
Verſuch übrig bleiben, durch die Hereinnahme einiger
linksſtehen=
der Senatoren eine Anzahl von Stimmen beim linken Zentrum,
vielleicht auch bei dem rechten Flügel der Radikalen zu gewinnen.
Der „Paris Midi” nennt als radikale Senatoren, die ſelbſt für
den Fall, daß die Radikalen Tardieu ihre Unterſtützung verſagen,
in das neue Kabinett eintreten würden, de Monzie und Laval,
wogegen Henri de Jouvenel das ihm angebotene Portefeuille
abgelehnt habe. Der Kampfcharakter, den ein ſolches Kabinett
nach dem heutigen Beſchluß der Radikalen unbedingt erhalten
muß, wird auch noch dadurch unterſtrichen, daß Tardieu
ent=
ſchloſſen ſein ſoll, das Innenminiſterium, um das
aus Wahlgründen in erſter Linie der Kampf
ge=
führt wird, beizubehalten, während man ihm zunächſt die
Abſicht zuſchrieb, ſeine Verſöhnlichkeit gegenüber der Linken durch
die Ueberlaſſung dieſes Portefeuilles an einen möglichſt farbloſen
Senator zu beweiſen.
Der Vorſchlag eines Waffenſtillſtands=Kabinekks
abgelehnk.
Tardien übergab der Preſſe eine lange Mitteilung, in der er
oeſtätigt, daß er dem Vorſitzenden der radikalen Fraktion, Herriot,
die Bildung eines Waffenſtillſtands=Kabinetts
vorgeſchlagen habe, das die dringenden innen= und
außen=
politiſchen Aufgaben — Annahme des Budgets,
Sozialverſiche=
rungen, Londoner Flottenkonferenz, Youngplan, Genfer
Konfe=
renz und Saarverhandlungen — erledigen und dann zurücktreten
ſolle. Zu dieſem Zwecke habe er Herriot ſelbſt das mit dem
Vizeminiſterpräſidium verbundene Juſtizminiſterium und
außer=
dem vier Miniſterien und zwei Unterſtaatsſekretariate angeboten.
Er habe ferner den Wunſch ausgedrückt, daß zwei dieſer
Miniſte=
rien durch Daladier und Chautemps beſetzt werden möchten und
er habe Herriot beſchworen, die Radikalen zur
Annahme dieſes Waffenſtillſtandes zu bewegen,
der von ſeinen Anhängern einſtimmig gutgeheißen werde. Wie
bereits gemeldet, ſind ſowohl das Angebot als auch die
Beſchwörungen Tardieus wirkungslos
ge=
blieben. Die Radikalen haben beſchloſſen, auf
ihrem Standpunkt zu beharren, der ſich dahin
zu=
ſammenfaſſen läßt: für eine republikaniſche
Konzen=
tration, bei der Tardieu jedoch nicht das
Mi=
niſterpräſidium, ſondern nur ein techniſches
Miniſterium erhält.
Kabinekt Tardieu kroß Abſage der Radikalen.
Als Tardieu heute nachmittag im Elyſée erſchien, um dem
Präſidenten der Republik über ſeine Bemühungen zu unterrichten,
zeigte er trotz der Abſage der Radikalen wieder die gleiche
fröhliche Miene, mit der er ſeit November vergangenen Jahres
ſein „Kabinett der guten Laune” geführt hatte. Mit der ihm
eigenen Beſtimmtheit des Ausdrucks warf er den Journaliſten
die Schlagworte hin: „Mein Kabinett wird morgen
früh gebildet ſein!“ Daß es ſich nur um eine zweite
Auflage des alten Kabinetts handeln kann, iſt kaum
mehr zu bezweifeln. Die einzige Frage iſt die, mit welchen
Män=
nern Tardieu zu regieren beabſichtigt und ob er vor allem
die=
jenigen Elemente ſeiner neuen Kombination fernhalten will, die
vor vierzehn Tagen mehr oder weniger direkt zu ſeinem Sturz
beigetragen haben."
Wiederaufnahme der Zollfriedens=
Konferenz.
Der öſterreichiſche Vorſchlag die Grundlage für die
weiieren Verhandlungen.
* Genf, 1. März. (Priv.=Tel.)
Seit der franzöſiſchen Erklärung gegen einen europäiſchen
Zollwaffenſtillſtand treten bei den Konferenzarbeiten die
Zoll=
fragen mehr und mehr zugunſten einer mehrjährigen
Stabiliſierung der Handelsverträge zurück. Bei
der Wiederaufnahme der Vollſitzungen des Zweiten
Hauptaus=
ſchuſſes hat Serruys (Frankreich) dieſe Entwicklung nochmals im
längerer Rede zu fördern verſucht. Kurz vor ſeiner Abreiſe nach
Paris gab Serruys eine Erklärung ab, in der er den gemeinſamen
öſterreichiſch=belgiſch=luxemburgiſch=holländiſchen Vorentwurf zur
Herbeiführung eines erſten gegenſeitigen Handelsvertrages als
geeignete Grundlage für weitere Verhandlungen bezeichnet.
Der Gemeinſchaftsenwurf, deſſen geiſtiger Vater der
öſter=
reichiſche Sachverſtändige Dr. Schüller iſt, ſoll der wirtſchaftlichen
Wiederherſtellung Europas, der Herbeiführung der Freizügigkeit
für Perſon, Kapital und Waren und der Vorbereitung eines
erſten gegenſeitigen Handeisvertrages dienen. Er ſieht eine ganze
Reihe von Teilarbeiten, genaue Prüfung der augenblicklichen
wirtſchafts= und zollpolitiſchen Lage der Staaten und Berichte
über die Sonderprobleme der Agrarländer vor und bringt
außer=
dem eine erſte, genaue Faſſung der Anwendung der
Meiſtbegün=
ſtigung in einem Mehrſeitigkeitshandelsvertrag Außenſeitern
gegenüber. Danach ſoll die Meiſtbegünſtigung nur auf die
teil=
nehmenden Staaten beſchränkt ſein, deren Kreis begrenzt wird
und Außenſeiter an den Vorteilen der Meiſtbegünſtigungsklauſel
nur ſoweit teilnehmen, als ſie bisher ſelbſt den Teilnehmerſtaaten
gegenüber die gleichen Vorteile gewähren.
Durch die Erklärung Serruys iſt die Haltung Frankreichs
vor=
erſt ſoweit geklärt, daß man erkennen kann, auf welcher
Grund=
lage Frankreich weiterarbeiten will. Serruys machte allerdings
zu dem Gemeinſchaftsentwurf eine Reihe von Vorbehalten.
Des=
halb iſt anzunehmen, daß von anderer Seite, vor allem gegen die
vorgeſchlagene Faſſung der Meiſtbegünſtigungsklauſel,
Einwen=
dungen erhoben werden. Im großen und ganzen jedoch findet
der Gemeinſchaftsvertrag, wie ſich vorausſehen ließ, als
Ver=
handlungsgrundlage eine günſtige Aufnahme.
Die Beſprechungen von Delegation zu Delegation, die
wäh=
rend der letzten Tage geführt worden ſind, bewegen ſich in zwei
Richtungen. Man hofft unter Umſtänden einen Reſtzollfrieden
herbeizuführen, an dem ſich Staaten ohne
Handelsvertragsbin=
dungen, wie England, Holland, Dänemark uſw., beteiligen
kön=
nen, und neben dieſem Abkommen eine Vereinbarung
zuſtande=
zubringen, in welcher ſich eine Reihe anderer Staaten,
hauptſäch=
lich die koutinentaleuropäiſchen Induſtrieſtaaten, verpflichten, die
jetzt beſtehenden Handelsverträge, nicht zu kündigen ſowie die
Zolltarife für eine gewiſſe Zeit nicht zu erhöhen. Zwiſchen beiden
Gruxpen ſoll möglichſt eine Verbindung dadurch geſchaffen
wer=
den, daß die Teilnehmer an dem Reſtzollfrieden der zweiten
Gruppe eine Verſicherung geben, die bei ihnen beſtehenden
auto=
nomen Zölle ebenfalls für eine gewiſſe Zeit nicht zu erhöhen.
Die Arbeiten des Ausſchuſſes für die Vorbereitung künftiger
Verhandlungen, die heute vormittag in einer Vollſitzung
behan=
delt wurden, beſchränken ſich in der Hauptſache auf eine
Wieder=
holung der Empfehlungen der „Weltwirtſchaftskonferenz vom
Jahre 1927 auf den verſchiedenſten Gebieten. Nur in zwei
Punk=
ten haben die Beſprechungen dieſes Ausſchuſſes feſtere Geſtalt
gewonnen. Einmal in fünf beſtimmten Vorſchlägen für die
Weiterbehandlung des Agrarproblems, in welchen den
Agrar=
ländern empfohlen wird, durch ein Zentralorgan Verbeſſerungen
für Erzeugungs= und Abſatzorganiſation herbeizuführen. Zum
anderen in einem Vorſchlag an die Wirtſchaftsorganiſation des
Völkerbundes über die Gründe, Berechtigung und Tragweite des
Protektionismus im den jungen Induſtrieſtaaten eingehende
Unterſuchungen anzuſtellen.
Demiſſion des ſpaniſchen Kabineits Berenguer?
EP. Madrid, 1. März.
Gerüchte durchlaufen die Stadt, daß General Berenguer
demiſſioniert habe. Der tiefere Grund ſei eine Kritik des Königs
geweſen, der dem Miniſterpräſidenten wegen der Vorfälle
anläß=
lich der Rede Sanchez Guerras Vorſtellungen gemacht habe.
General Berenguer habe daraufhin dem König ſeinen Rücktritt
angeboten. In gut unterrichteten Kreiſen ſpricht man bereits
von einem Kabinett unter Führung Martinez Anides, dem
meh=
rere Miniſter der Diktatur gleichfalls angehören ſollen.
Heſſiſche Volkskunft.
Im Gewerbemuſeum wurde eine Ausſtellung von
oberheſſiſchen Weißſtickereien aus der Werkſtatt von Frau
Pro=
feſſor Alexandra Thielmann in Willingshauſen eröffnet.
Die Ausſtellung wird durch die Vorführung von farbigen
Auf=
nahmen nach oberheſſiſchen Bauerntrachten ergänzt.
Die Ausſtellung war geſtern bereits der Preſſe in einer
Vor=
beſichtigung zugänglich. Zu dieſer Vorbeſichtigung waren auch
zahlreiche Damen erſchienen, die in einem Vortrag darauf
auf=
merkſam gemacht waren, den am Freitag Frau Profeſſor
Alexan=
dra Thielmann im Gewerbemuſeum mit Vorführung von
Lichtbildern gehalten hat. Der Vortrag erregte bei den
zahl=
reichen Hörern und Hörerinnen das ſtärkſte Intereſſe. Die
Vor=
tragende wies an Hand hochintereſſanten Lichtbildmaterials nach,
daß das oberheſſiſche Bergland, vor allem die Schwalm, zu den
Gebieten Deutſchlands gehört, in denen ſich eine individuelle
bäuerliche Kunſt und Kultur, beſonders ausgeprägt durch eigene
und eigenartige Trachten, entwickelt und bis heute mehr erhalten
hat, als in irgendeiner anderen Gegend Deutſchlands. Die
Schwalm beſonders zeichnet ſich auch heute noch durch einen
großen Reichtum an originellen Textilarbeiten aus, beſonders an
Stickereien und ſonſtigen Handarbeiten, die zur Herſtellung oder
zum Schmuck der ſonntäglichen Trachten ſowohl wie des
täg=
lichen häuslichen Bedarfs dienen.
Es muß Frau Profeſſor Thielmann, der Gattin des
bekann=
ten Schwälmer Malers, beſonders hoch angerechnet werden, daß
ſie ſeit vielen Jahren nach handarbeitlichen und koſtümlichen
Schätzen dieſer Art nicht nur in Willingshauſen, ſondern auch in
anderen Gegenden des heſſiſchen Berglandes geforſcht, die Schätze,
die ſie fand, nicht nur zu erhalten beſtrebt war, ſondern es in
erſter Linie verſtanden hat, in einer eigenen Werkſtatt, der
Thiel=
mann=Werkſtätte, die alte Handarbeitskunſt dem modernen
Ge=
ſchmack und der vornehmſten Anſprüche anzupaſſen, ſo daß
alſo die Jahrhunderte alte Kunſt in ihrem individuellen
Aus=
druck, gründend auf primitive Ornamentik und figürliche Bild=
und Formgeſtaltung, in textilen Arbeiten dienſtbar gemacht und
vor Vergeſſen und Untergang bewahrt wird.
Die Ausſtellung bringt eine ganze Reihe ganz köſtlicher
Koſtümſtücke in Originalen und Nachbildungen. Daneben
zahl=
reiche Handarbeiten, vom Konſirmationstüchlein über Bruſt= und
Kopfſchmuck zu großen Bett= und Tafeltüchern, in denen außer
Stickerei auch eine ganze Reihe anderer Techniken, Knüpf=, Stopf=
arbeit und dergleichen, gezeigt werden. Daneben ſind
Erzeug=
niſſe der Thielmannwerkſtatt ausgeſtellt, die in geſchickter
Nutz=
anwendung die Auswertung der alten Handwerkskunſt für den
modernen Geſchmack und Bedarf zeigen. Frau Profeſſor
Thiel=
mann hat dabei bewieſen, daß ſie bei aller Pietät vor der
primi=
tiven Handwerkskunſt der bäuerlichen Künſtlerinnen es
verſtan=
den, unter Zugrundelegung der alten Ornamente und figürlichen
Zeichnungen, dieſe dem verfeinerten Geſchmack ſowohl wie der
feiner gewordenen techniſchen Arbeit und des Stickmaterials
an=
zupaſſen. Die Handarbeiten verdienen ſtärkſte Beachtung.
Es war ein ausgezeichneter Gedanke von Herrn Profeſſor
Haupt und überzeugt gleichzeitig von dem Wert (und der
jederzeitigen Möglichkeit, dieſe Werte auch auszuwirken) der
Schätze unſeres Gewerbemuſeums, die Ausſtellung der
Hand=
arbeiten und Koſtümſtücke zu ergänzen durch eine reiche
Aus=
ſtellung gerahmter alter Koſtümbilder aus dem bekannten
hoch=
wertigen heſſiſchen Trachtenbuch, in dem die Originaltrachten aus
allen Gegenden des heſſiſchen Berglandes und auch andever
heſſi=
ſcher Gegenden in vorzüglichen farbigen Vervielfältigungen der
Nachwelt erhalten ſind, vielfach mit Angabe der Namen der
*
jeweiligen Träger und ihres Wohnortes.
* „Die Göklin Athene in der griechiſchen Kunſt.”
Abſchluß der Winterveranſtaltungen der Vereinigung der Freunde des
humaniſtiſchen Gymnaſiums.
Das Bild der Athene, in der griechiſchen Kunſt bekannt als Pallas
thene, iſt in ſeiner vielfachen Wandlung recht eigentlich ein „Gleichnis
ſir den naturnotwendigen Verlauf eines Volkes”, und es war daher
in ſehr glücklicher Gedanke der Vereinigung der Freunde des
huma=
iſtiſchen Gymnaſiums, ihren letzten Lichtbildervortrag im
Winterſemeſter” dieſer Göttin zu widmen. Und wiederum hätte dieſe
ereinigung keinen Berufeneren als Vortragenden gewinnen können
1s Profeſſor Arnold von Salis, den Heidelberger Archäologen und
ekannten Verfaſſer grundlegender Werke über die griechiſche Kunſt.
Seinen Vortrag wollte er aufgefaßt wiſſen als einen „Gang durch
ehrere Jahrhunderte‟. Er zeigt an Hand eines ſorgfältig,
chrono=
ogiſch ausgewählten Bildmaterials die überaus intereſſanten und
man=
ſigfachen Abwandlungen des im Hellenentum impoſanteſten
Götter=
pus” und läßt dieſen „Fleiſch und Blut” werden. . Das reiche
Bild=
jaterial läßt ſtellenweiſe ſogar Vergleiche mit der „Moderne” zu und
deckt aufs neue das Verſtändnis dafür, daß die „Griechen die erſten
zuropäer” geweſen ſind.
Es iſt natürlich und mit den jeweiligen Zeitläuften eng verbunden,
daß ein Ideal in ſeinen älteſten Anfängen noch nicht alle Züge
der Vervollkommnung und Verfeinerung tragen kann. So auch hier.
Das „Urbild” der Athena, zurückreichend bis ins zweite Jahrtauſend
vor Chr, am häufigſten dargeſtellt in den ſogen. „Palladien”
Weih=
geſchenke, aufgeſtellt u. a. der Sage nach in Troja (Flion), andere in
Argos (eigener Tempel!) hatte mit reifer Kunſt noch wenig zu tun:
die hier erſcheinende Athene, meiſt mit emporgehobenem Schild und
Speer, iſt altertümlich und ſteif. Daß ſie in Waffen geht, iſt nur ein
Sinnbild; viel, viel ſpäter hat man ſie die Waffen ablegen laſſen. —
Mit Schild und Lanze tritt ſie aber auch beiſpielsweiſe in die Werkſtatt
eines Töpfers, wie ein altes Vaſengemälde im Loupre ſie darſtellt:
Hüterin des Handwerks. Daß ſie das Symbol des Griechentums iſt,
geht hieraus ſchon unzweifelhaft hervor. Die Vorſtellung der Hellenen
von der Göttin Athene als der „Wehrhaften” iſt ſehr alt; Homer beſingt
ſie in der Ilias. In Zeiten nationaler Bedrängnis, wie den
Perſer=
kriegen, iſt ſie eine Art „Nationalheros”. Athene iſt immer
da=
bei, wenn gekämpft wird, das „Weib in Waffen‟. Dem Menſchen
un=
ſichtbar, iſt ſie entweder Stärke oder Verderbnis; mit am anſchaulichſten
iſt ſie als „Perſonifikation des Kampfes ſchlechthin”, auf dem Weſtgiebel
des Tempels in Aegina (heute in der Münchener Pinakothek).
Gegen=
über dem Schwerfälligen der erſten Urbilder iſt eine gewiſſe
Zierlich=
keit in Kleidung und Waffenausrüſtung zu bemerken, Anzeichen eines
neuen Geiſtes, der ſich, wie der Vortragende ausführte, von den Feſſeln der
Konvention befreit. Zum erſten Male; aber — es iſt im 5.
Jahrhun=
dert — ſteht der Beſchauer dem Kunſtwerk als dem Geſchöpf einer
glück=
haften Stunde gegenüber, wie etwa bei der Athena Lemnia”, deren Kopf
wie gebaut iſt einen Helm zu tragen, und der trauernden Athene ganz
beſonders deren „große gewollte Schlichtheit” etwas ungemein
Zwin=
gendes hat. Das einzige Werk der klaſſiſchen Periode, von dem wir
nach alten Schriftſtellern noch eine ziemlich genaue Vorſtellung haben,
iſt die Gold=Elfenbein=Koloſſalſtatue der „Athena Parthenos” auf der
Akropolis, deren Schöpfer Phidias im — Gefängnis ſtarb, angeblich
ungerecht verdächtigt. Dieſe Statue, die großartigſte ihrer Art, war
12 Meter hoch, repräſentierte einen Wert von drei Millionen Mark; ſie
blieb bis 375 n. Chr. erhalten und ſoll durch eine Feuersbrunſt
zu=
grundegegangen ſein. Anſcheinend die getreueſte Wiedergabe der „
Par=
thenos”, das mächtige Symbol des „ſicheren Gefühls des bewaffneten
Friedens” iſt eine 1880 gefundene Marmorſtatuette, heute in Athen zu
ſehen; der zierliche Kopf iſt in der prachtvollen Gemme des
Aspa=
ſios, die nur 20 Zentimeter hoch iſt, aufs feinſte durchgebildet. Dieſe
Gemme, ein Muſterbeiſpiel klaſſiziſtiſcher Steinſchneidekunſt, befindet ſich
im Thermenmuſeum in Rom.
Der Prunk des goldglückſeligen Zeitalters des Perikles wurde den
ſpäteren Nachbildungen der Athene verhängnisvoll. Der Reiz der
jungfräulichen Kühle, die Anmut und die Sprödigkeit der attiſchen
„Hebe” iſt dahin; eine der klaſſiſchen Kunſt unbekannte Süße,
Sehn=
ſucht nach der jungfräulichen Herbe des Klaſſizismus erweckend, gibt
dem alten Götterideal vielfach falſche Züge. Im 4. Jahrhundert hat
ſie ihre Würde ſchon weit vergeſſen. „Pallas Athene iſt nicht mehr, wir
wollen von ihr Abſchied nehmen”, ſchloß der Vortragende.
Der Vorſitzende der Vereinigung, Geh. Rat Profeſſor Walbe,
dankte dem Redner für ſeine Ausführungen, und knüpfte daran einen
intereſſanten Vergleich zur Jetztzeit, der beſagen ſollte, daß Athene
nicht verloren iſt, ſondern ſich durch den Strom der Zeiten
Ap.
hindurch erhalten habe. ..
Seite 4
Sonntag, den 2. März 1930
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Nummer 61
Seite 5
Sonntag, den 2. März 1930
Vorbereitungen zu den Weltmeiſterſchaften in Darmſtadt
Rom, im Februar.
Da von dem Sportamt der G.U.F., der italieniſchen
Stu=
denten, noch teinerlei Einzelheiten über die Beteiligung an den
Darmſtädter Welmmeiſterſchaſtstämpfen veröffentlicht wurden,
haben wir es für richtig gehalten, uns mit dem Sportſekretär
des Verbandes, Dr. Saini, in Verbindung zu ſetzen. Er
er=
klärte uns auf unſere Fragen folgendes:
Ich hann Ihuen noch teine definave Auskunft über das
Sporiprogramm der G.u.F. für das Jahr 1930 geben, da es noch
Exz. Turati zur Begutachtung vorliegt. Soviel iſt aber ſicher,
daß die Hochſchulſportbewegung mit allen Mitteln geſteigert
werden wird. Die italieniſchen Studenten treten zunächſt in dem
internationalen Fechtturnier von San Remo gegen ausländiſche
Mannſchaften an, unter denen neben der franzöſiſchen, belgiſchen
und ungariſchen auch die Ihrer Nauon ſein wird. Was die
Darmſtädter Kämpfe angeht, ſo muß ich vorwegnehmen, daß
unſere gegenwärtigen Beziehungen zu dem deutſchen
Organi=
ſationskomitee die denkbar herzlichſten ſind. Sie wiſſen, daß das
italieniſch=deutſche Einverſtändnis auf ſportlichem Gebiet bis
zum vorigen Jahr ſehr zu wünſchen übrig ließ. Aber in Davos
iſt dann die Annäherung erfolgt und hat die beiderſeitigen
Standpunkte klargelegt. Die deutſchen Sportler haben auch die
Sportverbände der G.U.F. als eine geſunde nationale
Sport=
bewegung erkannt. Nach Darmſtadt wird der inalieniſche
Hoch=
ſchulſport allein 3—400 Studentenſportler außer den nicht
mit=
gezählten Angehörigen des „Athletenverbandes”, (Leichtathletik)
ſchicken. Dank der ausgezeichneten deutſchen Opganiſationen und
den von der Reichsbahn zugeſichertem Reiſeverbilligungen
wer=
den die Speſen denbbar klein ſein. Das Vorbereitungstraining
wird nicht durch Vielkämpfe, ſondern durch fortgeſetzte
Einzel=
wettkämpfe ſtattfinden. Eine Auspahme machen nur die
Schwim=
mer, die eines Mangels an Schwimmanſtalten wegen in dem
Stadion von Bologna trainieren ſollen. Die Trainingsperiode iſt
dreigegliedert; in ihrer Mitte ſtehen die Nationalmeiſterſchaften.
Da die Weltmeiſterſchaftem auch weibliche Wettkämpfe
ent=
halten, ſo iſt vom italieniſchen Verbande ein Problem zu löſen,
um in der Geſamtklaſſifikation nicht zu kurz abzuſchneiden. Es
gibt nur ganz wenige Studennnnen in Ivalien, die ſich mit Sport
beſchäftigen. Immerhin haben wir die eine oder andere
Schwim=
merim; auch Tenmisſpielerinnen fehlen nicht. Es iſt aber ein
Rundſchreiben ergangen, ob nicht in den einzelnen Gruppen noch
verfügbare Kräfte vorhanden ſind. Ich muß Ihnen außerdem
noch erklären, daß wir ein Geſuch an das Organiſationskomitee
gerichtet haben, die Weltmeiſterſchaften bis zum
Ende Auguſt hinauszuſchieben, denn bei dem
gegen=
wärtigen Termin fallen ſie in einen Abſtand von nur 15 Tagen
von den Examen. Da aber die G.U.F. nicht nur dem Sport,
ſondern auch den Studien dient, glaubten wir zu dieſem
Vor=
gehen verpflichtet zu ſein und hoffen, mit unſerer Bitte Erfolg
zu haben.
In weiteren internationalen Treffen werden die italieniſchen
Studenten, wie wir hoffen, auf dem Internationalen
Fechttur=
vier von Bari (5.—7. September) den Deutſchen gegenüberſtehen.
Es treffen ſich dort die Sieger der Weltmeiſterſchaft. In Corteo
d Ampezzo dürften am 3. März italieniſche deutſche und
Schwei=
zer Schneeſchuhläufer gegeneinander kämpfen. Und am 29. Mai
findet die deutſch=italieniſche Ruderregatta in Bologna ſtatt.
Doch iſt es ſehr gut möglich, daß dieſes Programm zwiſchen den
beiden Nationen noch Veränderungen und Bereicherungen
er=
fährt, die, wie wir dringlich hoffen, nur die guten ſportlichen
Beziehungen zwiſchen dem deutſchen und dem italieniſchen
Hoch=
ſchulſport verbeſſern.
Hierzu ſchreibt uns der Darmſtädter Arbeitsausſchuß:
Der italieniſche ſtudentiſche Nationalverband hat vor einigen
Tagen eine Meldung über den Start von etwa 100
Sportſtuden=
ten abgegeben. Gleichzeitig teilte er mit, daß ſich eine größere
Anzahl von „Schlachtenbummlern”, an der Reiſe beteiligen
würde.
Von einem Erſuchen des italieniſchen Verbandes, die
Mei=
ſterſchaftem auf Ende Auguſt zu verſchieben, iſt nichts bekannt.
Es würde auch nur unter faſt unüberwindlichen Schwierigkeiten
möglich ſein, dieſer Anregung gerecht zu werden, da bereits
ſämtliche Nationen benachrichtigt ſind. Der Brief aus Rom
be=
weiſt, wie ſehr man ſich im Ausland auf das kommende Ereignis
vorbereitet: So haben z. B. in dieſen Tagen der weißrutheniſche
und ukrainiſche Studentenverband ihr großes Intereſſe an den
Weltmeiſterſchaften bekundet und beide weiteres
Propaganda=
material angefordert. Die Ukrgine wird ihrem Schreiben nach
vorausſichtlich mit einer Fußballwannſchaft antreten.
Aus der Landeshaupkfkadk.
Darmſtadi, den 2. März.
— Ernannt wurde am 25. Februar der Lehrer Albert Nohl zu
Dalheim (Kreis Oppenheim) zum Lehrer an der Volksſchule zu
Oppen=
heim mit Wirkung vom Tage des Dienſtantritts ab.
— Verſetzt wurde am 19. Februar d. Js. der Förſter Wilh. Blum
zu Storndorf in gleicher Dienſteigenſchaft in die Förſterei Hopfgarten
des Forſtamts Romrod.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde am 24. Februar der ordentliche
Profeſſor an der Landesuniverſität Gießen Dr. Ludwig Schleſinger
auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom 1. April 1930 ab.
— Dienſtjubiläum. Geſtern konnte Oberpoſtſchaffner Friedrich
Herzberger, Kiesſtraße 27, ſein 40jähriges Dienſtjubiläum feiern.
— Jugendbünde der Johannesgemeinde. Es ſei hiermit nochmals
darauf hingewieſen, daß der heitere Abend heute um 8 Uhr im
Gemeindehaus, Kahlertſtraße 26, beginnt. Wie ſchon erwähnt, werden
2 luſtige Spiele, und zwar „Die Spitzbubenkomödie” und
Der Halsabſchneider” aufgeführt. Unſere Eltern, ſowie die
Freunde unſerer Sache laden wir hiermit nochmals herzlichſt ein.
Nume=
rierte Eintrittskarten zu 50 Pfg. ſind beim Kirchendiener, ſowie an der
Abendkaſſe erhältlich. Der Erlös des Abends iſt für unſer Landheim in
Rimhorn beſtimmt.
— Bücherſtube Alfred Bodenheimer. Der Vortrag von Dr. Arthur
Feiler über „Sowjetrußland im 13. Jahre der
Revo=
lution” findet am Montag, den 31. März, im Saalbau ſtatt. Die
Ausſtellung von Heinrich Waibel=Neu=Iſenburg wird am Mittwoch,
den 5. März, geſchloſſen. Im Anſchluß daran wird die bereits
ange=
kündigte Ausſtellung von Erich Freyer=Darmſtadt eröffnet.
Heſſiſches Landeskheaker.
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Die Fledermaus
Heſſenlandmiete II, u. III, 11,15—13 Uhr
Tanz= und Spiellieder
von Lilli Hickler
19,30—22 Uhr
Der Raub
der Sabinerinnen
Zuſatzmiete VIIyo, T,
Gruppe 7 und 8. Montag,
3. März 20—22 Uhr
Eine Nacht in Venedig
Volksvorſtellung Keine Vorſtellung. Dienstag,
4. März 20—22.30 Uhr
Ein Walzertraum
Volksvorſtellung. 19.30—22 Uhr
Ich tanze um die Welt
mit dir
Zuſatzmiete III.. Mittwoch,
5. März 19 30—22 Uhr
Tiefland
B 15, S 8 (Darmſtädter
Volksbühne), Gruppe 1—4. —22 Uhr
Lady Fanny und die
Dienſtbotenfrage
G 10 (Darmſtädter Volks=
bühne) Gruppe 3 und 4. Donnerstag, 30—22.30 Uhr
Angelina
6. März K 11 (Bühnenvolksbund),
T, Gruppe 1. 20—21.30 Uhr
„Opfer”.
Außer Miete. Freitag,
7. März 20— 22.30 Uhr
Im weißen Röß!
L 17, T, Gruppe 2, 3, 4u, 5. 20—22.15 Uhr
Außer Miete.
Einakterabend der Heſſiſchen
Spielgemeinſchaft Samstäg,
8, März Mietd o
Die Affäre Dreyfus
E 17 20-ge uhr
Der Wildſchütz
H 9 (Bühnenvolksbund), Sonntag,
9. März 14.30—17 Uhr
Angelina
Heſſenlandmiete I., P3
(Darmſtädter Volksbühne)
Gruppe 1—4.
20—22 Uhr. Außer Miete
Anna Pawlowa mit Enſ. 19.30—21.30 Uhr
Lady Fanny und die
Dienſtbotenfrage
Heſſenlandmiete III8
— Heffiſches Landestheater Darmſtadt. Anläßlich des Faſchings
finden zwei Operetten=Volksvorſtellungen im Großen
Haus ſtatt: morgen Roſenmontag: „Eine Nacht in Venedig”,
am Faſchingsdienstag: „Ein Walzertraum”. — Kleines Haus.
Faſchingsdienstag: „Ich tanze um die Welt mit dir”.
Anna Pawlowna, veranſtaltet mit ihrem weltberühmten
Ballettenſemble am Sonntag, den 9. März, ein einmaliges Gaſtſpiel
im Großen Haus, bei dem u. a. „Der ſterbende Schwan” zur
Aufführung gelangt. Morgen Montag Beginn des Vorverkaufs für
Mieter; allgemeiner Vorverkauf ab Mittwoch, 5. März.
Oſtpreußen ruft!
Das vom Mutterlande abgeſchnürte Oſtpreußen ladet in einem
Werbefaltblatt „Dies Land bleibt deutſch” zum Beſuch ſeiner
einzig=
artigen Schönheiten ein. In zahlreichen Bildern zeigt der Proſpekt
die höchſten Wanderdünen Europas auf der Kuriſchen Nehrung, die
ſamländiſche Steilküſte, die Waldeinſamkeit der maſuriſchen Seen und
zahlreiche, noch wenig genannte Landſchaften neben für Oſtpreußen
charakteriſtiſchen Burgen und Domen des deutſchen Ritterordens. Kurze
Begleitworte weiſen auf die weltgeſchichtliche und kurlturelle
Bedeu=
tung dieſes landſchaftlich noch viel zu wenig gewürdigten deutſchen
Bollwerks im Oſten hin.
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„Alt=Darmſtadt”, Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Nächſte Veranſtaltung, Donnerstag abend, 8,15 Uhr, im
Eintrachtſaal, Eliſabethenſtraße 12. Vortrag von Herrn
Pro=
feſſor Adolf Behyer über das Thema: „Auf Pfaden des Malers
Anſelm Feuerbach”. Anſchließend wird Herr Schauſpieler Eduard
Göbel eine Epiſode von Viktor von Scheffel, über ein
Zu=
ſammentreffen mit Feuerbach und Toblino im Jahre 1855 zu
Gehör bringen.
— Volksbühne. Donnerstag, den 6. März 1930, wird im Kleinen
Haus die Judith=Legende „Opfer” von Profeſſor de Marneh=Baruch
wiederholt. Die Mitglieder der Volksbühne erhalten zu dieſer
Vor=
ſtellung Karten zum Vorzugspreis von 50 Pfg. in der Geſchäftsſtelle
der Volksbühne, Eliſabethenſtraße 34 (Haus Alter).
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 2. März
1930, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr. med. Rühl=
Darmſtadt, Saalbauſtr. 38, Tel. 4300; Dr. med. Schiffer=Darmſtadt,
Theaterplatz 2, Tel. 1403, Frl. Dr. med. Vaubel=Darmſtadt,
Hein=
richſtraße 100, Tel. 1645.
der Heſſen=Darmſtädter Volksfeſtverein
beſucht die alte Heimak!
Der Heſſen=Darmſtädter Volksfeſtverein in New York tritt am 5.
Juli die Reiſe in die alte Heimat an. Das allgemeine Intereſſe, das
dieſe Europareiſe der New Yorker Heſſen findet, gründet ſich vor allem
auf die Teilnahme an den Jubiläumsfeierlichkeiten anläßlich der
600=Jahr=Feier der Stadt Darmſtadt und den nicht
min=
der anziehenden Beſuch der Oberammergauer Paſſionsſpiele. Nach
der Landung in Cuxhafen und Beſichtigung der Stadt Hamburg erfolgt
die Reiſe nach Köln, Rüdesheim, Bingen, Mainz; eine Autorundfahrt
über Laubenheim und Nierſtein, Oppenheim bringt die
Teil=
nehmer nach Darmſtadt. Hier werden die Gäſte den Feſtlichkeiten
des 600jährigen Stadtbeſtehens beiwohnen. Der zweite Teil des
Pro=
gramms führt die Landsleute nach München, zum bayeriſchen Hochland
und über Neuſchwanſtein nach Oberammergau. Ueber Innsbruck gehr es
nach Zürich, Luzern, Interlacken, Lauterbrunn und Scheidegg. Auch
Baden=Baden wird beſucht mit Ausflug in den Schwarzwald. Die Fahrt
findet ihren Abſchluß im alten Frankfurt a. M.
fo.—
— Bühnenvolksbund. Die Miete A erhält als neunte Vorſtellung
am 8. März „Wildſchütz” im Kleinen Haus. Im Schauſpiel ſind
vor=
gemerkt: „Der Kaiſer von Amerika” von Shaw und „Die Affäre
Dreh=
fus” von Rehfiſch und Herzog. Die Miete ſchließt mit einer großen
Oper, entweder „Roſenkavalier” oder „Fliegender Holländer”, ſofern die
Spielplangeſtaltung des Landestheaters es zuläßt. Die erſte der
Tauſch=
karten iſt aufgerufen, die zweite wird demnächſt aufgerufen und wird
zweckmäßig zum Beſuche von Hamlet” zurückgeſtellt, der in der Miete H
nicht erſcheinen kann. Auch „Schwanda, der Dudelſackpfeifer”, die nächſte
Opernneuheit, kann bei der beſchränkten Anzahl der Vorſtellungen in
Anicht gebracht werden. Die Miete K erhält am 6. März als 11.
Vor=
ſtellung „Angelina” im Großen Haus. Für die Oper iſt „Schwanda‟
vorgemerkt. Die Miete ſchließt ſpäter wahrſcheinlich mit den „
Meiſter=
ſingern”, ſofern der Spielplan des Landestheaters keine Aenderung
er=
fährt. Im Schauſpiel ſind vorgemerkt: „Die Affäre Drehfus‟ „Der
Kaiſer von=Amerika” und „Hamlet”. Je eine Oper und Schauſpiel
ſind noch unbeſtimmt. Die erſte Tauſchkarte iſt aufgerufen; ſie gilt
vorausſichtlich bis Ende der Spielzeit.
* Eine Vereinigung für Vogelſchutz und =liebhaberei wurde für
Darmſtadt und Umgebung gegründet. Der Jahresbeitrag beträgt 4 Mk.
Am Donnerstag, dem 6. März 20 Uhr, findet eine Verſammlung im
Hotel Prinz Carl ſtatt. Um einen wirkſamen Zuſammenſchluß aller
Vogelliebhaber zu ermöglichen, wird um eine rege Beteiligung und
Neuanmeldungen bei dieſer Verſammlung gebeten.
Städtewappen aller Erdteile in Gold- end Si76
FrFrautvaurranrneraagaegtekahaagerneeegteteadeteeutteettetgteettettarerrteetteateteetteanettecte
ARBAT
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Sonntag, den 2. März 1930
Nummer 61
* Juſtizral Dr. h. c. Reh 70 Jahre all.
Am 3. März d. J. vollendet Herr Juſtizrat Dr. h. c. Reh das 70.
Lebensjahr. Nach mit Auszeichnung beſtandenen Prüfungen wurde
er am 2. Januar 1886 zur Rechtsanwaltſchaft bei dem Amtsgericht
Als=
feld, am 14. März 1899 zugleich auch bei dem Landgericht der Provinz
Oberheſſen zugelaſſen und am 1. Oktober 1901 zum Notar mit dem
Wohnſitz in Alsfeld ernannt. Er war bis zu ſeinem am 1.10. 1926
erfolg=
ten Wegzug von Alsfeld nach Darmſtadt einer der geſuchteſten und
be=
liebteſten Rechtsanwälte und Notare in Heſſen. Viele Jahre war
Juſtiz=
rat Dr. Reh Mitglied des Kreistages des Kreiſes Alsfeld und ſpäter
des Provinzialtages der Provinz Oberheſſen. Vom 8. November 1902
bis November 1921 gehörte er als Abgeordneter dem Heſſiſchen Landtag
an, war während dieſer Zeit ſtändiges Mitglied des
Geſetzgebungsaus=
ſchuſſes und vom Herbſt 1918 bis 1921 Vizepräſident des Landtags.
Wegen ſeiner Verdienſte als Abgeordneter um die Landesuniverſität
Gießen wurde er von der mediziniſchen Fakultät am 15. November
1920 zum Ehrendoktor ernannt.
Beſonderes Intereſſe brachte Juſtizrat Dr. Reh den heſſiſchen
öffent=
lichen Sparkaſſen entgegen. Die Umwandlung der Sparkaſſe Alsfeld,
deren Vorſtandsmitglied und Direktor er geweſen war, von einer GmbH.
in einer öffentliche Sparkaſſe iſt ſein Verdienſt. Im Jahre 1913 wählten
ihn die Sparkaſſen in den Vorſtand des Heſſiſchen Sparkaſſenverbandes,
deſſen ehrenamtlicher Vorſitzender er ſeit September 1920 war. Die
Ueberleitung des Sparkaſſenverbandes in den Heſſiſchen Sparkaſſen=
und Giroverband im Jahr 1924 iſt ſeiner Umſicht und Tatkraft zu
verdanken. Seit dem 1. Oktober 1926 bekleidet Juſtizrat Dr. Reh die
Stelle eines hauptamtlichen Vorſitzenden dieſes Verbandes. Ende 1920
gründete er die Heſſiſche Girozentrale, deren Vereinigung mit der
Kommunalen Landesbank zu einer Gemeinſchaftsbank unter der neuen
Firma „Landeskommunalbank — Girozentrale für Heſſen” ſeiner
ziel=
bewußten Mitarbeit an der Förderung des kommunalen Kredit= und
Sparkaſſenweſens zuzuſchreiben iſt.
Auf allen Gebieten, die ſeine Tätigkeit erfaßte, haben ihm ſeine
ausgezeichneten Kenntniſſe, ſeine Gewiſſenhaftigkeit und Gründlichkeit,
ſein klarer Blick für das Notwendige, ſeine perſönliche
Liebenswürdig=
keit, lautere Charakterfeſtigkeit und Zuverläſſigkeit Erfolge beſchert, die
von allen beteiligten Kreiſen aufs höchſte anerkannt werden.
Das Bild dieſes vielſeitigen und erfahrenen Mannes wäre
unvoll=
ſtändig, wenn nicht auch ſeine ſchriftſtelleriſche Tätigkeit erwähnt würde.
Juſtizrat Dr. Reh iſt der Herausgeber der Sammlung Heſſiſcher
Ver=
waltungs= und Verfaſfungsgeſetze, insbeſondere der Verfaſſer eines
Kommentars der Heſſiſchen Verfaſſung und des Heſſiſchen Feld= und
Forſtſtrafgeſetzbuches, Werke, die ſich in Juriſten= und
Verwaltungs=
kreiſen allgemeiner Anerkennung und Beliebtheit erfreuen.
An ſeinem 70. Geburtstage vereinigen ſich zahlloſe Freunde und
Ver=
ehrer in dem herzlichen Wunſche, daß es Herrn Juſtizrat Dr. h. c. Reh.
vergönnt ſein möge, noch viele Jahre in völliger körperlicher und
gei=
ſtiger Friſche in ſeinem derzeitigen Berufe wirken zu können.
* Stener- und Wirtſchaftskalender
für die Zeit vom 1. bis 15. März 1930
Ausſchneiden!
Aufbewahren!
1. März: Abführung der Hundeſteuer, 1. Rate für 1930 an die
Stadtkaſſe in Darmſtadt. Die Hundeſteuerzettel ſind den
Pflich=
tigen in dieſen Tagen zugegangen.
1. März: Letzter Tag für die Entrichtung des Schulgeldes für die
Daumſtädter höheren Schulen und die gewerblichen
Fortbil=
dungsſchulen für Februar 1930 an die Stadtkaſſe. (Schonfriſt
bis 10. März 1930.)
5. März: Abgabe der Beſcheinigung an die Finanzkaſſe, daß die
Summe der im Februar 1930 abgeführten Steuerabzugsbeträge
mit der Summe der im Februar 1930 einbehaltenen
Steuer=
beträge übereinſtimmt. (Keine Schonfriſt.)
5. März: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom 16.
bis 28 Februar 1930 erfolgten Lohnzahlungen. Falls die bis
zum 15. Februar 1930 einbehaltenen Beträge 200 RM. nicht
erreicht haben, im Ueberweiſungsverfahren Abführung der
Lohnſteuer für die in der Zeit vom 1. bis B. Februau 1930
erfolgten Lohnzahlungen. (Keine Schonfriſt.)
5. März: Ablauf der Schonfriſt für die am 25. Februar 1930 fällig
geweſene ſechſte und letzte Vorauszahlung (ſtaatliches Ziel) laut
Vorauszahlungsbeſcheid über heſſiſche Staatsſteuern für das
Rechnungsjahr 1929 (Grundſteuer, Sondergebäudeſteuer und
Gewerbeſteuer).
10. März: Zahlung der Börſenumſatzſteuer, ſoweit dieſe im
Ab=
rechnungsverfahren entrichtet wird.
10. März: Ablauf der Schonfriſt für die Entrichtung des Schulgeldes
für die Darmſtädter höheren Schulen und gewerblichen
Fort=
bildungsſchulen für Februar 1930.
Erſtattung von Lohnſteuer 1929.
Anträge müſſen bis ſpäteſtens am 31. März 1930 bei dem
zuſtän=
ſigen Finanzamt geſtellt ſein. Näheres im Steuerkalender für die erſte
Januarhälfte.
Brandverſicherung.
Es wird darauf hingewieſen, daß die Abführung der Beiträge zur
Brandverſicherung, einziges Ziel für 1930, am 15. Februar 1930 an die
Finanzkaſſe vorgenommen werden mußte. H. W. Wohmann.
— Ueber ein Gaſtſpiel Hans Komreggs als „Fliegender Holländer”,
am Opernhaus in Chemnitz berichtet der bekannte Kritiker Georg Stolz
in der Chemnitzer Zeitung: „Die Geſamtleiſtung bewegte ſich in
auf=
ſteigender Linie bis hin zum Schluſſe des großen Duetts, aufleuchtend
wie das ſtrahlende E=Dur dieſes Satzes! Eine überragende
Erſchei=
nung, eine vornehme Gelaſſenheit des Spiels und der Bewegungen,
eine feingeſchulte Stimme von großem Umfange — reichlich zwei
Okta=
ven von in allen Lagen geſunden, feſt und richtig ſitzenden Tönen —
und gute Muſikalität mit geſchmackvollem Ausdruck im Gefolge; das
ſind ſehr beachtliche Qualitäten, erhalten aber erſt richtige
Zuſammen=
faſſung und Wertbetonung durch das ſtark Geiſtige der Auffaſſung und
des Ausdrucks. Das iſt nicht mehr bloß Singen und Schauſpielern, iſt
Nachgeſtaltung aus dem Vollen heraus ins Leben hinein. Wer das
große Duett von dem gehaltenen Anfang an bis zur grandioſen
Schluß=
ſteigerung hin ſo ökonomiſch anlegen kann, der muß und wird in allen
Aufgaben, ſelbſt in den ſchwierigſten, ſeinen Mann ſtellen. Wir frenen
uns auf das nächſte Mal, auf den Sänger und Darſteller, auf den
Künſtler Komregg.”
— Petrusgemeinde. Der letzte Gemeindeabend, der in
Form eines Teeabends heute um 7.30 Uhr gehalten wird, will uns in
die praktiſche Gegenwartsarbeit hineinführen. Das ſtete Wachſen eines
Bezirks, der weſtlich der Heidelberger Straße liegt, macht es notwendig,
beizeiten an die Errichtung kirchlicher Gebäude für die neu entſtehende
Kirchengemeinde zu denken. Nun hat die Frankfurter evangeliſche
Lan=
deskirche in den letzten Jahren in mehreren Bauten auf dem Gebiete
des modernen evangeliſchen Kirchenbaues Großes geleiſtet, was Stil
und praktiſche Geſtaltung betrifft. Es dürfte deshalb ſehr intereſſant
werden, den Pfarrer an der Friedenskirche zu Frankfurt, Pfarrer Fritz
Rohrbach, heute abend zu hören; er will ſprechen über Idee,
Ge=
ſtaltung und Vorbereitung eines modernen Kirchenbaus. Eine
beſon=
dere Freude iſt es uns, daß zwei anerkannte Künſtler unſerer Gemeinde
ihre Mitwirkung zugeſagt haben: Frau Rechtsanwalt Dingeldey
(Violine) und Herr Richard Heime (Klavier). Karten zu 30 Pfg.
ſind nur noch bei Herrn Hausverwalter Kropp und an der Abendkaſſe
zu haben.
— Karnevalverein Beffungen 1905. Auch die Kinder des ſüdlichen
Stadtteils ſollen ihre Faſchingsfreude haben. Aus dieſem Anlaß
ver=
anſtaltet der Karneval=Verein Beſſungen 1905 am Faſtnacht=Sonntag,
nachm. 3.11 Uhr, in der Beſſunger Turnhalle ein Kinder=Maskenfeſt,
und dürften den Kleinen allerlei Ueberraſchungen bevorſtehen.
Gleich=
zeitig ſei auf die am Faſtnacht=Dienstag, abends 8.11 Uhr, in der
Beſſun=
ger Turnhalle ſtattfindende Jubiläums=Schlußveranſtaltung mit Tanz
nochmals ganz beſonders aufmerkſam gemacht. Der Beſuch dieſer
Ver=
anſtaltung ſei jedermann empfohlen und dürfte dieſelbe wie alle
voraus=
gegangenen Veranſtaltungen einen ebenfalls dem guten Anſehen des
Vereins entſprechenden Verlauf nehmen.
— Das große Loos gezogen! Nach Bremen und Jena. Geſtern
vormittag wurde das große Los der Staatlichen Lotterie gezogen. Es
fiel auf die Nummer 217 188. Das Los wird in der Abteilung 1 in
Jena geſpielt, während die Abteilung 2 eine Lotteriekollekte in Bremen
vergeben hat.
Lehrerabbau und Kind.
Vom Heſſiſchen Landes=Lehrerinnenverband wird
uns geſchrieben:
„Vom Kinde aus” lautet eine heute oft zitierte pädagogiſche
For=
derung. Wie aber dem Kinde gerecht werden, wenn der geplante
Ab=
bau Wahrheit werden ſollte? Man ſtelle ſich nur einmal die unendlich
große Schar der Kleinen vor, die uns Erziehern alljährlich von den
Eltern anvertraut werden. In den nächſten drei Jahren gehen der
heſſiſchen Volksſchule je 10000 Kinder mehr zu als ab. Sollte man da
nicht auf=, ſtatt abbauen? Welch ein Vermögen ſtellen dieſe Kinder dar,
denn auf jedem ruhen mehr oder weniger die Hoffnungen ſorgender
Eltern. Wieviel Eigenwertigkeit ſteckt in jedem dieſer kleinen
Men=
ſchen, die da mit großen, erwartungsvollen Augen zur Schule kommen,
oder die noch ängſtlich all dem Neuen entgegenſchauen! Wie ſoll der
Erzieher auf jedes Einzelne eingehen, wenn die Schar allzu groß iſt?
Wird er nicht zu veralteten Methoden greifen, um ſein Ziel wenigſtens
annähernd zu erreichen? Muß nicht die Eigenart der kleinen
Perſön=
lichkeit gewaltſam erſtickt werden?
Man bedenke, daß wir beſonders in der Grundſchule mit den
ver=
ſchiedenartigſten Begabungen, mit der verſchiedenartigſten Umwelt zu
rechnen haben. Sind dies nicht Faktoren von tragender Redeutung?
Kann der Lehrer nur annähernd jedem Kind gerecht werden, wenn die
Klaſſen überfüllt ſind? Die moderne Pädagogik fordert mit Recht
Herabſetzung der Klaſſenſtärke.
Nun aber ſollen wir zu überwunden geglaubten Zuſtänden
zurück=
kehren. Das Kind wird in mehr oder weniger überfüllten Klaſſen einem
mechaniſierten Unterrichtsbetrieb ausgeliefert werden.
Man wende nicht ein, vor dem Kriege und in noch weiter
zurück=
liegenden Zeiten ſei die Zahl der Schüler auch größer, ja viel größer
geweſen. Hat man vergeſſen, daß das Kind von heute in ſeinem
Orga=
nismus durch den Krieg und ſeine Folgen ſchwer geſchädigt, nicht mit
dem Kinde von ehedem zu gleichen iſt! Weiß man nicht, daß es ſchwerer
ſtille ſitzen, ſich ſchwerer konzentrieren kann?. Daß Not, Sorge und
mancherlei trübe Erſcheinungen des Lebens von heute ein Eingehen auf
das Einzelne nötiger machen als je zuvor?
Wenn man ferner bedenkt, daß der heutige und erſt recht der
künf=
tige Wirtſchaftskampf immer größere Anforderungen an jeden Einzelnen
ſtellen wird, dann kann man derart tiefgreifende Maßnahmen nicht
gut=
heißen, wie der geplante Abbau ſie vorſieht. Wir müſſen auf weite
Sicht arbeiten; denn die Jugend von heute iſt der Staat von morgen.
Uns kann es nicht gleichgültig ſein, welche Erziehung, welche Bildung
wir dem künftigen Geſchlecht mitgeben. Es iſt unſere tiefinnerſte
Ueber=
zeugung, daß nur das Beſte gut genug für unſere Jugend ſein
kann. Jedem Staate ſollte es heiligſte Pflicht ſein, ſeinen künftigen
Staatsbürgern die beſten Grundlagen zur Geiſtes= und
Charakterbil=
dung übermitteln zu laſſen.
Heiligſte Pflicht ſollte es auch vor allem ſein, die Jugend geſund
zu erhalten. Bedeuten überfüllte Klaſſen, wie ſie eine Folge des
Ab=
baues ſein werden, nicht eine ſtarke geſundheitliche Gefährdung? Kleine
Urſachen vermögen die ſchlimmſten Wirkungen nach ſich zu ziehen.
„Harmloſe” Erkältungskrankheiten, die ſich ſo ſchnell durch häufiges
Lüften in überfüllten, überhitzten Klaſſen einſtellen, ſind doch ſchließ.
lich der beſte Boden für Grippen, und wer Fälle der entſetzlich wirken
den Kopfgrippe kennt, weiß, daß man dieſes Problem gar nicht ernſ
genug nehmen kann. Man denke ferner an die Gefährdung beſonders
empfänglicher Kinder durch Lungentuberkuloſe, für deren Bekämpfung=
Reich und Länder mit Recht große Mittel aufwenden. Schließlich wer
den ſich Epidemien (Maſern, Scharlach, Diphtherie, Kinderlähmung) im
überfüllten Klaſſen ganz anders auswirken als in Klaſſen mit normalen
Beſetzungsziffer.
Iſt tatſächlich etwas geſpart, wenn die Geſundheit der künftiger
Staatsbürger gefährdet wird und das Heer der Menſchen, die der
öffent=
lichen Wohlfahrt zur Laſt fallen, unabſehbar anſchwillt, Iſt vorbeuger
nicht beſſer als heilen?
Denken wir auch einmal an den Lehrer, die Lehrerin ſelbſt. Iſt es
nicht eine Tatſache, daß auch an ihnen der Krieg mit ſeinen
Aufregun=
gen und Entbehrungen nicht ſpurlos vorübergegangen iſt? Daß ſie.
wie alle intenſiv Berufstätigen, an Nervenkraft eingebüßt haben?
Geh=
eine Ueberbürdung des Lehrers nicht letzten Endes auch auf Koſten des
Schülers? Bricht der Lehrer zuſammen, was wird dann aus ſeiner
Klaſſe? Zuſammenlegung mit anderen wird durch Ueberfüllung der
Klaſſen ſchon räumlich nicht möglich ſein, entſprechende Betreuung durckh
andere Lehrperſonen kann infolge der erhöhten Stundenzahl kaum
ein=
ſetzen. Vertretungen werden keine zur Verfügung geſtellt. Oft wird
es notwendig ſein, daß Lehrer den Unterricht in der eigenen Klaſſo
kürzen müſſen, um die verwaiſte Klaſſe wenigſtens teilweiſe verſehem
zu können. Meiſtens wird allerdings „ſtille” Beſchäftigung ſtattfindem
müſſen, die der Lehrer der Nachbarklaſſe, ſeinen Unterricht häufig
unterbrechend, zu überwachen hat. Welche Anſtrengung es für den eben
kaum geneſenen Lehrer bedeutet, ſeine Klaſſe wieder in Ordnung zu
bringen, bedarf keiner Schilderung.
Ferner iſt noch folgendes anzuführen: Um die Geſundheit des
her=
anwachſenden Geſchlechts zu heben, nehmen Turnen, Wandern und
Schwimmen einen viel breiteren Raum in der Jugendpflege ein als
früher. Wer aber wäre zur Betätigung auf dieſem Felde geeigneter
als unſere Junglehrerſchaft? Ihre Fernhaltung bedeutet in
mehr als nur einer Hinſicht eine ſtarke Schädigung. Wieviel
unver=
brauchte, begeiſterungsfähige Kraft wird durch den Abbau von 205
Junglehrern lahmgelegt! Wieviel Drang nach ſelbſtändiger Arbeit wird
im Keime erſtickt und wieviel Idealismus wird zerſtört! Unſer Stanl
iſt es doch gerade, dem Berufsfreude eine der Haupttugenden ſein ſoll
— zum Beſten unſerer Jugend.
Man mag die geplanten Sparmaßnahmen betrachten wie man will,
darüber darf man ſich nicht täuſchen: Sparmaßnahmen auf dem Wege
eines Schul= und Kulturabbaues ſind ein Verhängnis, denn ſie bedrohen
das höchſte Gut des Volkes in ſeinen Grundfeſten:
Seine Jugend!
* Aus dem Gerichtsſagl.
Aw. Ein Land= und Gaſtwirt aus Lengfeld=Zipfen
war der Beleidigung eines Forſtaſſeſſors des Forſtamts Zipfen
ange=
klagt. Das Forſthaus Zipfen hat ſtaatliche Waſſerleitung, die Zipfener
Einwohner bekommen den ſogenannten „Ueberfluß”. In dem heißen
Sommer des letzten Jahres kam es nun vor, daß an drei verſchiedenen
Tagen kein Waſſer für die Zipfener Einwohner da war, und die
Zipfe=
ner waren der Meinung, der Forſtaſſeſſor habe ihnen aus ſchikanöſen
Gründen das Waſſer abgeſtellt. Es kam zu einer Auseinanderſetzung
zwiſchen dem Landwirt und dem Forſtaſſeſſor, wobei jener dieſen u. a.
„unverſchämter Lümmel” nannte, ihn aus ſeiner Wirtſchaft rauswarf,
wobei er ihn am Hals packte und dabei den Dienſtrock zerriß. Es konnte
nachgewieſen werden, daß ein techniſcher Fehler am Hahn die
Verſor=
gung Zipfens mit Waſſer hintanhielt. Der Angeklagte machte ſich
an=
heiſchig, zehn Mark für den beſchädigten Rock zu bezahlen, wenn der
Strafantrag zurückgezogen wird. Dies kann nur durch die vorgeſetzte
Behörde des Forſtaſſeſſors geſchehen. Im übrigen nehmen beide, der
Angeklagte und der Forſtaſſeſſor, die zwiſchen ihnen gefallenen
Bemer=
kungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück.
Ein Kaufmann aus Frankfurt a. M., 17mal
vor=
beſtraft, zur Zeit in Stuttgart in Strafhaft, Vertreter für
Mode=
zeitſchriften, hatte eine Anzahl Exemplare an einen anderen
Zeiſchrif=
tenhändler verkauft, außerdem hatte er einen Beſtellſchein gefälſcht und
ſich die vier Mark Proviſion auszahlen laſſen. Wegen
Unterſchla=
gung und ſchwerer Urkundenfälſchung in Tateinheit mit
Betrug wurde er zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.
Ein Kraftwagenführer aus Winkel (Kreis Bensheim)
ſandte einem Wirt in Kollbach, mit dem der Bruder des Angeklagten in
Geſchäftsverbindung ſtand, eines Tages einen Zettel durch deſſen kleinen
Sohn, worauf angeblich der Bruder um ein Darlehen von 20 Mark
er=
ſuchte. Das Bezirksſchöffengericht ſah die Tat als einen törichten,
un=
überlegten Streich an und verurteilte den Angeklagten wegen ſchwerer
Urkundenfälſchung in Tateinheit mit Betrug zur Mindeſtſtrafe von
einer Woche Gefängnis.
Ein Polizeiwachtmeiſter aus Darmſtadt hatte im
Jahre 1928 in Babenhauſen als Materialverwalter bei der dortigen
Schupoabteilung auch die Kantinenkaſſe zu verwalten. Als er abgelöſt
wurde, fehlten 200 Mark. Die Sache wurde nicht weiter verfolgt, da
er das Geld, das er als verloren zu haben angab, gleich erſetzte. Im
Jahre 1929 wurde er als Löhnungsrechner nach Darmſtadt verſetzt. Hier
fehlten auch wieder etwa 220 Mark, die er ebenfalls, wieder verloren
haben will und die er nachher bezahlte. Auch ſollte er an verſchiedene
Polizeiwachtmeiſter Verpflegungsgelder auszahlen, die auch nicht
mehr=
da waren. Er gibt bei der heutigen Verhandlung zu, daß er aus der
Kantinenkaſſe in Babenhauſen gelegentlich ein paar Mark entnommen
habe. Er habe ſie aber gleich wieder erſetzt. Das Bezirksſchöffengericht
verurteilte den Angeklagten wegen Amtsunterſchlagung in
zwei Fällen zu einer Geſamtſtrafe von vier Monaten Gefängnis.
—Den Kriegsbeſchädigten und Kriegshinterbliebenen ſind die
Jah=
resbeſcheinigungen für das Rechnungsjahr 1929 (1. April 1929 bis 31.
März 1930) durch die Poſt ausgehändigt bzw. überſandt worden. Nach
Ausfüllung und Unterſchreiben durch die Empfänger — bei einem
Elternpaar müſſen beide Teile unterſchreiben — ſind die Eintragungen
durch die Bürgermeiſtereien uſw. durch Unterſchrift und Beidrückung
des Dienſtſiegels zu beſcheinigen. Seither waren die Eintragungen
von den Kriegsbeſchädigten uſw. nicht mit der nötigen Sorgfalt erfolgt,
ſo daß viele Rückfragen notwendig wurden. Insbeſondere waren die
Geburtsdaten der Kinder uſw. nicht richtig angegeben. Auch auf genaue
Ausfüllung der Ziffer 3 bezüglich Einkommen, insbeſondere von
Be=
hörden — öffentlichen Mitteln — wäre zu achten. Die unterſchriebenen
und beſcheinigten Jahresbeſcheinigungen ſind beim Empfang der Rente
Ende März wieder an die Poſt zurückzugeben. Hierbei wird beſonders
darauf hingewieſen, daß eine Rentenzahlung nur erfolgt, wenn die
Jahresbeſcheinigung abgegeben wird.
—Zollerhöhungen für Kaffee und Tee. Mit Wirkung vom 5. März
1930 ab wird der Zollſatz für rohen Kaffee auf 160 Mark, für nicht
rohen uſw. Kaffee auf 300 Mark und für Tee auf 350 Mark erhöht.
Kaffee und Tee, die ſich am 5. März 1930 im freien Verkehr befinden,
unterliegen einem Nachzoll, der für einen Doppelzentner Kaffee 30,—
Mk., für einen Doppelzentner Tee 130.— Mk. beträgt. Vom Nachzoll
befreit ſind Kaffee und Tee im Beſitz von Haushaltungsvorſtänden,
die weder Kaffee verarbeiten noch mit Kaffee oder Tee oder daraus
her=
geſtellten Getränken Handel treiben, ſofern die Geſamtmenge nicht mehr
Is je drei Kilogramm beträgt. Formblätter für die Anmeldung von
nachzollpflichtigem Kaffee und Tee, die vom 5. März ab binnen einer
Woche zu erfolgen hat, werden an folgenden Stellen unentgeltlich
ab=
gegeben: Hauptzollamt (Ahaſtraße 7), Poſtzollabfertigungsſtelle (
Alexan=
derſtraße 22), Zollamt Bahnhof.
—Straßenſperre. Wegen Vornahme von Kanalarbeiten wird der
Broß=Gerauer Weg zwiſchen Eſchollbrücker Straße und Stadtallee vom
3. März 1930 bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art geſperrt.
* Unfall. Geſtern mittag lief in der Hügelſtraße ein 4jähriger
Junge in ein Auto (Hanomag). Er trug einen Armbruch davon und
mußte ins Städtiſche Krankenhaus gebracht werden.
— Faſchings=Sonntag im Orpheum. Der geſtrige Premierenabend
der Faſchings=Revue „Das Mädel vom Broadway” in zwanzig
faſchingsluſtigen Bildern brachte einen genußreichen Abend, wie man
ihn in Darmſtadt nur ſelten erlebt. Heute Faſchingsſonntag, abends
8 Uhr 11 Min., iſt die erſte Wiederholung bei nicht erhöhten
Ein=
trittspreiſen von 1 Mark an. Nachmittags 4 Uhr wird die Kinderrevue
„Hannis Fahrt ins Märchenland” erſtaufgeführt. Dieſe
Kinder=Revue gehört mit zu den ſchönſten derartigen Veranſtaltungen,
insbeſondere übertrifft die prächtige Koſtümausſtattung (z. B. die
Pa=
rade ſämtlicher Märchenfiguren) alle bisher aufgeführten
Kindervor=
ſtellungen. Preiſe 50 Pfg. bis 2 Mark. Karten heute im Verkehrsbüro
von 10—12 Uhr, Kaſſe Orpheum ab 2.30 Uhr. (Siehe heutige Anzeige.)
Drechſlerkunſt. Der neue Leiter der Fachſchule in Erbach Herr
Direktor Weſtphal wird am Donnerstag, den 6. d. M., um 8.15 Uhr,
im Gewerbemuſeum einen Lichtbilder=Vortrag über
Drechſler=
arbeiten halten. Der Vortrag wird das ganze Gebiet der Drechſlerei
umfaſſen und durch eine Ausſtellung gedrehter Arbeiten ergänzt. Um
die Art der Arbeit praktiſch anſchaulich zu machen, wie der Vortragende
an einer ausgeſtellten Drehbank die Arbeitsweiſe vorführen.
* Waldbrand. Am Dachsberg entſtand geſtern ein kleine=
Waldbrand, der durch Paſſanten und die Berufsfeuerwehr alsbald
ge=
löſcht werden konnte.
Lokale Veranſtalkungen
— Karneval=Ausſchuß der Turngemeinde
Darm=
ſtadt 1846. Es wird nochmals auf das heute nachmittag in der
Turnhalle am Woogsplatz ſtattfindende Kinder=Koſtümfeſt
hin=
gewieſen. Die Vorbereitungen hierzu verſprechen einen vollen Erfolg.
Den Kleinen werden einige frohe Stunden bereitet werden. — Der am
heutigen Abend ebenfalls in der Woogsplatz=Turnhalle ſtattfindende
„Bunte Abend” wird der Glanzpunkt der diesjährigen
Karnevals=
veranſtaltungen der Turngemeinde werden. Neben Konzertvorträgen
des Stadtorcheſters werden verſchiedenerlei Darbietungen dafür ſorgen,
daß echte frohe Faſchingslaune herrſcht. Es darf mit Recht
angenom=
men werden, daß die ſo glänzend verlaufene Damen= und Herrenſitzung
der Turngemeinde durch dieſe Veranſtaltung noch überboten wird. Nach
der Vortragsfolge Tanz, zu dem Tanzgeld nicht mehr erhoben wird.
(Siehe heutige Anzeige.)
— „Concordia” Darmſtadt macht ſeine Mitglieder, Freunde
und Gönner darauf aufmerkſam, daß im Bürgerhofſaale am Faſtnachts=
Dienstag ein großes Faſchingstreiben ſtattfindet. (Siehe Anzeige.)
— Bei Sitte iſt es an den Faſtnachtstagen immer ſchön; auch
an dem heutigen Faſching werden wieder zwei Kapellen für Stimmung
und Humor ſorgen, und der gelbe Saal mit ſeiner ſpiegelglatten
Tanz=
fläche wird wieder eine beſondere Nummer ſein.
— Im Hotel Prinz Heinrich findet heute, Sonntag, abend
und Dienstag Großer Faſtnachtsball ſtatt. Der Beſuch wird
ſeſtens empfohlen.
Kirchliche Nachrichken
Katholiſcher Gottesdienſt.
St. Liebfrauenkirche (Klappacherſtr. 44). Sonntag, vorm. von
6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte. Um 7 Uhr: Frühmeſſe mit
Austeilung der hl. Kommunion vor und in der hl. Meſſe. Um 9,30 Uhr:
Hochamt und Predigt. Vorher Austeilung der hl. Kommunion.
Nachm=
um 14 Uhr: Chriſtenlehre, und um 14,30 Uhr: Andacht. — Werktags:
Hl. Meſſe um 6,30 Uhr. — Donnerstag, 18 Uhr: Beichte. Vorher Eli”
ſabethenverein. — Freitag: 6 Uhr Herz=Jeſu=Meſſe.
Martinskapelle (Ecke Herdweg= und Bruchwieſenſtraße). An allen
Sonn= und Feiertagen 8 Uhr hl. Meſſe und Predigt. Um 7.45 Uhr
Beichtgelegenheit. Vor und in der hl. Meſſe Austeilung der hl.
Kom=
munion.
Tageskalender für Sonntag, den 2. März 1930.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, 19 Uhr, Heſſenlandmiete
II und III: „Die Fledermaus”. — Kleines Haus, 11,15 Uhr: Tanz=
und Spiellieder von Lilli Hickler. 19,30 Uhr, VIT 10: „Der Raub der
Sabinerinnen”. — Orpheum, 16 Uhr: „Hannis Fahrt ins
Mär=
chenland”: 2,11 Uhr: „Das Mädel vom Broadway”. —
Karne=
baliſtiſche Veranſtaltungen: Schloßkeller Schloßkaffee,
Hotel Schmitz, Reichshof, Ratskeller, Zur Oper, Reſtaurant Sitte,
Theater=Reſtaurant, Rheingauer Weinſtube, Kaffee Ernſt Ludwig,
Bockshaut, Alte Poſt, Reſtaurant Bender, Hotel zur Poſt, Hotel Prinz
Heinrich, Hotel Prinz Kaul, Sporwlatz=Reſtaurant, Herrngarten=
Kaffee, Zur goldenen Krone, Spaniſche Bodega Stadt Malaga,
Fürſtenauer Hof. Meenzer Müller, Sporer Tor, Bismarckeck,
Wein=
ſtube Stolzenfels, Stadt Nürmberg, Zum goldenen Hirſch, Alter
Ratskeller. Zum Schwanen, Kaffee Ganßmann Waldſchlößchen,
Darmſtädter Hof, Reſtaurant Dintelmann, Brauerei Schul,
Rummel=
bräu. — Turnhalle am Woogsplatz, 15,11 Uhr: Kinder=
Maskenball der Turngemeinde. 20,11 Uhr= Bunter Abend der
Turn=
gemeinde. — Ludwigsböhe 16 Uhr: Konzert. —
Kino=
vorſtellungen: Union=Theater, Helia=Lichtſpiele, Palaſt=
Lichtſpiele.
Nummer 61
Sonntag, den 2. März 1930
Seite 7
Erweiterung des Finanzamtes Darmſtadt=Stadt.
Man ſchreibt uns:
In der Stadtratsſitzung vom 6. v. M. ſtellte die Fraktion der
D.V.P. folgenden Antrag:
„Die Stadtverwaltung wird beauftragt unverzüglich mit den
zu=
ſtändigen Reichsfinanzbehörden in Vevbindung zu treten, um die
Durchführung des projektierten und bereits auch genehmigten
Erweite=
rungsbaues des Finanzamts Darmſtadt=Stadt in der Lindenhofſtraße
auf ſchnellſtem Wege zu erreichen, da die jetzigen Verhältniſſe ſowohl
für die Steuerzahler als auch für die beteilgte Beamtenſchaft auf die
Dauer unerträglich ſind.”
Es iſt uns nicht bekannt geworden, ob die Stadtverwaltung bereits
Schritte in der Angelegenheit getan hat. Die von uns befragten
Stadt=
räte ſind ebenſo klug wie wir, auch ſie wiſſen nicht, ob der
Oberbürger=
meiſter bereits mit dem Präſidenten des Landesfinazamtes oder
un=
mittelbar mit dem Reichsfinazminiſter wegen dieſer Sache in
Verbin=
dung getreten iſt. Wir hatten uns vorgeſtellt, der Antrag würde wegen
ſeiner Eile in der nächſten öffentlichen oder nichtöffentlichen
Stadt=
ratsſitzung zur Beratung kommen; das iſt, wie uns von
Stadtratsmit=
gliedern verſichert wurde, nicht geſchehen. Die Zurückſtellung oder
dila=
toriſche Behandlung dieſer Sache kann man nicht verſtehen, denn es
han=
delt ſich, weiß Gott, um keine Parteiangelgenheit. Wer hierbei
mit=
hilft, vertritt eine gute Sache und handelt im Intereſſe aller
Steuer=
zahler Darmſtadts. Unverantwortlich wäre es, ſich von dem Gedanken
leiten zu laſſen, da der Zuſtand ſchon ſeit Jahren beſteht, kann er auch
noch einige Jahre weiter beſtehen. Es zeugt von einer kaum glaublichen
Geduld der Darmſtädter Steuerzahler, wenn ſie ſich ſeither ſtillſchweigend
gefügt und gegen die beſtehenden Zuſtände bei der Unterbringung der
Finanzkaſſe Darmſtadt=Stadt noch keine Proteſtverſammlungen
ein=
berufen haben. Es iſt eine dreiſte Zumutung, daß die Steuerzahler
etwa 70 Stufen hinaufſteigen müſſen, bis ſie zur Finanzkaſſe kommen,
um ihre Steuern zu zahlen. Die maßgebenden Stellen ſcheinen nicht
zu wiſſen, daß es Kinder und alte Frauen und Herren ſind, die in der
Regel zur Finanzkaſſe geſchickt werden, denn die anderen haben keine
Zeit, ſie müſſen der Arbeit und dem Verdienſt nachgehen, andernfalls
würde man nicht Gewehr bei Fuß dieſen Mißſtand ruhig beſtehen
laſſen. Eine Kaſerne iſt ſchon an und für ſich zu einer. Finanzkaſſe
wenig tauglich; die Infanteriekaſerne in der Alexanderſtraße aber iſt
ganz und gar nicht für eine Kaſſe geeignet. Schon der Eingang iſt nicht
einladend, auf der einen Seite eine Gemüſebaracke, und auf der
anderen Seite eine Remiſe für Kiſten und Käſten. Der
An=
fang des Treppenaufganges iſt wegen ſeiner Ecken und ſtegartigen
Enge bei Schnee oder naſſer Witterung direkt lebensgefährlich. Wie
uns von kundiger Seite erzählt wurde, ſollen Unfälle an dieſer Stelle
nicht ſelten ſein, wenn es auch nicht in jedem Falle zu einer Klage
wegen Schadenerſatz kommt. Die Studenten, die mit Autos,
Kraft=
fahrrädern und Fahrrädern zu Hunderten täglich das Kaſernentor zur
Ein= und Ausfahrt zur Hochſchule benutzen, erhöhen die beſtehnde
Ge=
fahr für die hier verkehrenden Steuerzahler. Die Räume der
Finanz=
kaſſe ſind zwar groß, aber da ſie, ihrem früheren Zweck entſprechend,
ſehr tief ſind und nur auf einer Seite (Schmalſeite) Licht haben, muß
bei ſchlechten Lichtverhältniſſen gearbeitet werden, was die Arbeit nicht
fördert und der Geſundheit der Beamten ſchadet. Dazu iſt die
Geräte=
ausſtattung derartig grobklotzig, daß ſie jedem Steuerzahler auffällt.
Während alſo die Angeſtellten und Beamten an den Fenſtern dicht
gedrängt ſitzen, iſt auf der anderen Seite viel unbenutzter Raum. Dazu
ſind die meiſten Zimmer noch ſchlecht im Tünch, die Wände und Decken
ſchmutzig und ſchwarz wie die Nacht. Eines erregt ganz beſonderes
Erſtaunen, nämlich, daß die Angeſtellten und Beamten ebenſo geduldig
ſind wie das ſteuerzahlende Publikum und ſich anſcheinend ruhig mit
dieſen Zuſtänden abfinden. Eine mit dieſen Verhältniſſen vertraute
Perſon ſagte, daß die Angeſtellten den Mund halten müßten, weil ſie
ſonſt ihre Stelle verlieren könnten, und die Beamten wagten nicht zu
reden, weil ſich ſo ſchon aller Haß der Steuerzahler auf ſie abwälze.
Nach der Auffaſſung der meiſten Steuerpflichtigen ſei der Kaſſenbeamte
das Karnickel, das allein die Schuld trage, daß die Steuern ſo hoch
ſeien. Wir meinen, wenn auch der einzelne Beamte oder Angeſtellte
daran nichts ändern kann, ſo wären doch die Beamten= und
Ange=
ſtelltenausſchüſſe die berufenen Inſtanzen, hier helfend einzugreifen.
Auch in dienſtlicher Beziehung iſt die Trennung der Finanzkaſſe
vom Finanzamt ein großer Nachteil. Man kann dem Publikum nicht
zumuten, genau zu wiſſen, welche Steuerangelegenheiten es bei dem
Finanzamt und welche es bei der Finanzkaſſe zu erledigen hat. Den
Weg von der Finanzkaſſe (Alexanderſtraße) nach dem Finanzamt (
Lin=
denhofſtraße) und umgekehrt zu machen, iſt erſtens kein Vergnügen,
und zweitens eine unnütze Zeitvergeudung. Bei dem innigen
Zuſam=
menhang des Kaſſen= mit dem Veranlagungsdienſt iſt es ein
empfind=
licher Nachteil, daß Kaſſe und Veranlagungsſtelle nicht in einem
Ge=
bäude untergebracht ſind. Das ſollte auch dem Reichsfinanzminiſterium
nicht unbekannt ſein.
Ein weiteres darf nicht verſchwiegen werden. Nach unſeren
Er=
kundigungen iſt die Perſonalbeſetzung bei der Finanzkaſſe ebenſo dürftig
wie die Näume, in denen ſie untergebracht iſt. Im
Reichsfinanzminiſte=
rium ſoll die Anſicht herrſchen, daß das Kaſſengeſchäft nur ein
Neben=
betrieb der Finanzämter ſei und in der Zuteilung des Perſonals
ge=
ſpart werden könne. Das iſt ein großer Irrtum. Wo danach
gehan=
delt wird, bleiben die Folgen nicht aus. Die Stadtkaſſe Darmſtadt
und die Finanzkaſſe Darmſtadt=Stadt können miteinander verglichen
werden, da die Finanzkaſſe nicht viel größer ſein ſoll als die hieſige
Stadtkaſſe. Erſtere hat etwa 60 Beamte und 12—15 Angeſtellte,
wäh=
rend letztere 30—32 Beamte und etwa 40 Angeſtellte beſchäftigt. Die
leitenden Beamten beſtehen bei der Stadtkaſſe aus einem Direktor,
4 Amtmännern und 9 Oberinſpektoren, dagegen bei der Finanzkaſſe
aus einem Amtmann und 5 Steuerinſpektoven. Das iſt ein
Mißver=
hältnis, das nicht ohne Folgen bleiben kann. Den erſten Grund
hier=
für haben wir bereits angeführt, nämlich die Geringſchätzung des
Kaſſendienſtes im Reichsſinanzminiſterium. Der weitere Grund iſt
darin zu ſuchen, daß das Reichsfimanzminiſterium die ungeheure Arbeit
nicht anerkennen will, die die Finanzämter und Finanzkaſſen im
Staate Heſſen mit der Veranlagung der Staats= und Gemeindeſteuern
und der Erhebung dieſer Steuern, ſowie der vielen heſſiſchen Abgaben
und Gefälle zu leiſten haben. Es wird glaubhaft verſichert, daß die
Finanzkaſſen mit mehr als 50 Prozent, mit heſiſchen Aufgaben
be=
laſtet ſind.
Die Koſten des Erweiterungsbaues werden mit 500 000 Mark
an=
gegeben. Das iſt für unſere finanzielle Notzeit gewiß ein beachtlicher
Betrag, den man nicht leicht ausgeben darf. Im vorliegenden Falle
handelt es ſich aber um eine produktive Aufgabe. Es ſoll dafür ein
Gebäude errichtet werden, das den Dienſt fördern und den
Steuer=
zahlern die Erfüllung dieſer ſtaatlichen Pflicht erleichtern ſoll.
— Anthropofophiſche Geſellſchaft. Man ſchreibt uns: In ſeinem
letzten Vortrag ſkizzierte Herr v. Gleich in einer Ueberſicht die
Sternen=
ſphären, in welche die Erde eingebettet iſt. Es handelt ſich um
über=
ſinnliche Bereiche, deren Abſtufungen und Eigentümlichkeiten zuerſt in
einem geiſtigen Sinne verſtanden werden müſſen. Man findet mehr
oder weniger verhüllt in dem Leben jedes Menſchen die Nachwirkungen
ſeines Durchgangs durch die Regionen der kosmiſch=ſeeliſchen und der
geiſtigen Welt zwiſchen Tod und neuer Geburt. Was er in den
ver=
ſchiedenen einander durchdringenden und doch wieder innerlich
abgeſtuf=
ten Sphären erfahren hat, die Antriebe und Richtlinien, die er ſich in
göttlicher Ueberleuchtung für das nächſte Erdenleben gegeben, es wirkt
ſich aus und wird dargelebt in Abſchnitten, die nach der Siebenzahl
ge=
ordnet ſind. In jedem Jakrſiebent eines Menſchenlebens dominiert eine
FOGSUIAI
planetariſche Wirkſamkeit. Doch ergibt ſich aus der Verſchiedenartigkeit
der Indibidualitäten, daß die Beziehung eines Menſchen zu der einen
oder anderen Sphäre eine nähere iſt, und dieſe manifeſtiert ſich dann
in hervorſtechender Weiſe in dem betreffenden Lebensabſchnitt. Herr
v. Gleich erläuterte dieſen geiſtigen Tatbeſtand an einem großen und
beſonders harmoniſchen Leben, dem von Goethe, und ließ hierbei aufs
hellſte den Sinn ſeines Schaffens hervortreten, von dem die Fäden zur
Anthropoſophie hinüberführen. Die chronologiſche Ueberſicht der
poe=
tiſchen und der wiſſenſchaftlichen Arbeiten Goethes in dem
Jupiter=
jahrſiebent ſeines Lebens gibt dafür einen tief überraſchenden Beweis.
— Herr v. Gleich wird in ſeinem nächſten Vortrage am Dienstag damit
fortfahren, die Tatſache, daß der Menſch ein Bürger der Sternenwelt
iſt, im Konkreten zu belegen. Siebe die Anzeige im heutigen Blatt.
Aus Heſſen.
Aa. Eberſtadt, 27. Febr. 10. Liedertag. Wie in einer in dieſer
Woche abgehaltenen Sitzung feſtgeſtellt wurde, findet der diesjährige 10.
Liedertag der Eberſtädter Geſangvereine am Sonntag, den 9. März
ſtatt. In dieſem Jahre beteiligen ſich fünf Geſangvereine daran.
Außer=
dem hat der Muſikverein „Edelweiß” wie in früheren Jahren ſeine
Mit=
wirkung zugeſagt. Jeder Verein ſingt in der erſten Abteilung einen
größeren Chor und in der zweiten Abteilung zwei kleinere Volkslieder.
Die mitwirkenden Vereine rechnen mit einer zahlreichen Zuhörerſchaft
aus allen Kreiſen der Bevölkerung, zumal bereits zehn Jahre
hinter=
einander in jedem Jahr ein derartiger Liedertag abgehalten wird.
— Reinheim, 28. Febr. Der Artillerie=Verein des vorderen
Oden=
waldes hält am 9. März 1930, nachmittags, bei Kamerad Heinrich
Rein=
heimer in Groß=Bieberau (Gaſthaus „Zum Odenwald”) ſeine
General=
verſammlung ab. Die Mitglieder des Vereins werden gebeten, ſich
zahlreich einzufinden.
* Groß=Umſtadt, 1. März. Deffentliche Bauſparkaſſe.
Der hier im Saale der hieſigen Gewerbeſchule durch Herrn Direktor
Seipp von der Landeskommunalbank=Girozentrale für Heſſen gehaltene
Vortrag über die Bedeutung der öffentlichen Bauſparkaſſe für den
Volksſtaat Heſſen erfreute ſich eines ſtarken Beſuches. Die etwa hundert
erſchienenen Intereſſenten lauſchten aufmerkſam den Ausführungen des
gewandten Redners. Es zeigte ſich, daß man von der Bedeutung dieſer
Einrichtung überzeugt war, ſo daß eine Anzahl von Bauluſtigen pp. ſich
bereit erklärten, Verträge abzuſchließen.
In. Harpertshauſen, 1. März. Mit dem Monat Februar dieſes
Jahres waren es 30 Jahre, daß unſer hieſiger Feldſchütz Georg Adam
Neuling im Dienſte unſerer Gemeinde ſteht. Mit großer Treue
übte er ſeinen Beruf aus und ſetzte im Laufe der letzten Jahre, wo
man ihn noch mit allerlei Gemeindearbeiten betraute, ſeinen ganzen
Stolz darein, beſonders das Ehrenmal unſerer Gefallenen und den
Friedhof in vorbildlicher Ordnung und Reinlichkeit zu halten.
A. Fürth i. Odw., B. Febr. Film= und
Lichtbildervor=
träge. Am Dienstag und Mittmoch abend fanden hier zwei ſehr
intereſſante Vorträge ſtatt. Am Dienstag abend erzählte Herr Pfarrer
Ney=Frankfurt a. M. über ſeine Reiſeerlebniſſe in England, ganz
be=
ſonders eingehend über ſeine Eindrücke von engliſcher Frömmigkeit und
engliſchem Sektenweſen. Seine Schilderung ward für die zahlreichen
Zuhörer ſelbſt zum Erlebnis, zumal durch Vorführung von ſchönen
Lichtbildern alles deutlich veranſchaulicht wurde. Am Mittwoch abend
veranſtaltete die Poſt einen Werbeabend durch Filmvorführung in der
Turnhalle. Es wurde gezeigt, wie die Poſt dem Verkehr dient durch
Beförderung der Briefpoſt, des Geldes, der Telegramme, wie auch durch
Telefon und Omnibuſſe. Man bekam einen Einblick in ein modernes
Poſtamt mit ſeinem vielſeitigen Betrieb. Intereſſant war auch die
Gegenüberſtellung: die Poſt einſt und jetzt.
Ag. Lindenfels, 1. März. Aus dem Gemeinderat. Die
Genehmigung der Holzverſteigerung (Bezirk Hüttenbuckel), deren Erlös
weit hinter dem Schätzungswert zurückblieb, wurde trotzdem genehmigt.
Die arme Bevölkerung hat hier reichlich Gelegenheit gehabt, ſich billiges
Brennholz zu ſichern. — Die Bewilligung eines Zuſchuſſes für die
Pro=
paganda des Verkehrsausſchuſſes der Bergſtraße gibt Anlaß zu reger
Ausſprache. Ein einmaliger Beitrag ſoll bewilligt werden in Höhe von
50 RM., dem ſich 16 Gemeinden anſchließen ſollen, damit die Reklame
durchſchlagskräftig wird. Ein neuer Bergſtraßeproſpekt auf dem auch
Lindenfels, „die Perle des Odenwaldes” Aufnahme gefunden hat, foll
im Frühjahr verteilt werden. Der Gemeinderat kann ſich der
Wichtig=
keit der Reklame nicht verſchließen und bewilligt die Vorlage. — Im
Haus „Salem” wird die neu gelegte Lichtleitung von der Gemeinde
über=
nommen, obwohl keine Verpflichtung hierzu beſtand. Die
Beleuchtungs=
körper haben jedoch die Mieter zu übernehmen. — Die Kraftwagen
der Reichspoſt haben die Zufahrtsſtraßen zu der Wagenhalle (Poſtſtraße
und Einſiedelſtraße) arg mitgenommen. Die Ausbeſſerungsarbeiten
ſind nur Stückwerke und nur vorübergehend möglich, dem Uebel
abzu=
helfen. Es ergeht Beſchluß, daß wenigſtens baldmöglichſt der
Bürger=
ſteig zur Poſtſtraße gepflaſtert wird. Ein Waſſerabzugskanal ſoll
an=
ſchließend eingerichtet werden, denn für die dortigen Anwohner iſt die
Straße oft unpaſſierbar. Es ergeht hiermit die Anregung, daß die
Poſt oder der Autozweckverband einen Zuſchuß leiſten möge, damit
gleich ganze Arbeit mit der Poſtſtraße gemacht wird. Denn ſoweit
die ſchweren Wagen die Straße benutzen, hilft nur eine gepflaſterte
Straße. Auch der Kurort muß einen Anſpruch auf Erhaltung der
Straßen erhehen.
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Seite 8
Sonntag, den 2. März 1930
Nummer 61
W. Heppenheim a. d. B., 28. Febr.
Stadtverordneten=
ſitzung. Unter dem Vorſitz des Herrn Bürgermeiſters, in
Anweſen=
heit von zwei Beigeordneten und 17 Stadträten tagte der Stadtrat.
Zur Bildung von weiteren ſtädtiſchen Ausſchüſſen und Kommiſſionen
wurden die von der Lehrerſchaft zum Vorſtand in Volksſchule und in
Fortbildungsſchule gewählten Lehrer genannt. Ebenſo wurden die
Mit=
glieder des Mieteinigungsamtes und der Inſtandſetzungskommiſſion
bekanntgegeben. Eine Kommiſſion für Leibesübungen ſoll ſpäter
ge=
wählt werden. Der Finanzausſchuß ſoll gleichzeitig als
Aelteſtenaus=
ſchuß fungieren. Die Verteilungskommiſſion der Gelder zur Beihilfe
von Bauten wird um einen Herrn aus den Reihen der Einheitsliſte
verſtärkt. — Die bisherige Städtiſche Tuchbleiche wird künftig zum Teil
mit Obſtbäumen bepflanzt und zum Teil zur Anzucht von
Straßen=
bäumen, Sträuchern und Blumen verwendet, begründet durch den
Um=
ſtand, daß in hieſiger Gemarkung kein Flachs mehr gebaut wird, der
in früheren Jahren zum Bleichen größeren Raum erforderte, im
übri=
gen auch ſonſt wenig Wäſche zum Bleichen gebracht wird. — Die
Bau=
fluchtlinie eines Teiles der unteren Fürther Straße wird nach den
Vor=
ſchlägen des Stadtbauamtes und der Baukommiſſion feſtgelegt. Eine
Aenderung der Baufluchtlinie in der Kettelerſtraße, Wegfall der
vor=
geſchriebenen Vorgärten, wird genehmigt. — Auf Anregung des
Steuer=
ausſchuſſes und Vorſchläge des Finanzausſchuſſes werden folgende
Zin=
ſen für Steuerrückſtände feſtgelegt: Der erſte Monat iſt für alle
Rück=
ſtände zinsfrei; für Rückſtände ohne Stundungsgeſuch werden vom
zwveiten Monat ab 1 Prozent über Reichsbankdiskont Zinſen berechnet.
Für Rückſtände, die geſtundet ſind, werden vom zweiten Monat bis
ein=
ſchließlich ſechſten Monat 5 Prozent Zinſen gerechnet, und darüber
hin=
aus 1 Prozent über Reichsbankdiskont. — Dem Geſuch um
Konzeſſions=
erteilung zum Betrieb einer Kaffeewirtſchaft ohne Alkoholausſchank
von Herrn Bäckermeiſter und Konditor Bardong in Bahnhofſtraße 1
wird ſtattgegeben. Das Geſuch um Konzeſſionserteilung der
Schank=
wirtſchaft im Hauſe Ludwigſtraße 3 — bisher beſtehende Wirtſchaft zum
Rebſtock — wird genehmigt. Bezüglich des Geſuchs um Erteilung der
Wirtlſchaftskonzeſſion im Hauſe Ecke Darmſtädter Straße und
Ham=
bacher Weg beharrt der Stadtrat auf ſeinem früheren Standpunkt der
Ablehnung. — Die Aenderung zur Ortsſatzung bezüglich Einführung
einer Filialſteuer wird genehmigt. —Damit die bei der
Arbeitsloſen=
verſicherung Ausgeſteuerten bald wieder in den Genuß der
Arbeits=
loſenbezüge kommen können, werden dieſelben an drei Tagen — ſtatt
bisher an zwei Tagen — in der Woche beſchäftigt. Damit endigte die
öffentliche Sitzung und eine nichtöffentliche Sitzung ſchloß ſich an.
i. Von der Bergſtraße, 1. März. Die Zukunft des Weinheimer
Großobſtmarktes iſt nunmehr durch die denkbar glücklichſte Löſung der
Platzfrage als geſichert anzuſehen. In der Generalverſammlung der
Obſt= und Gemüſe=Abſatz=Genoſſenſchaft Weinheim (Bergſtraße), die
vorgeſtern unter Vorſitz von Bürgermeiſter Dr. Meiſer im Weinheimer
Stadtratsſaale ſtattfand, wurde das der Oberrheiniſchen Eiſenbahn=
A. G., Mannheim, gehörige Terrain weſtlich der Bergſtraße und ſüdlich
der Ueberführungsbrücke, nördlich der Wirtſchaft „Zum Falken” in
Weinheim, als für die Abhaltung des Großobſtmarktes am beſten
ge=
eignet erachtet, zumal auch dort die wichtige Frage des unmittelbaren
Anſchluſſes an die Geleiſe der Haupt= und Nebenbahn glücklich gelöſt
iſt. Die Generaberſammlung ermächtigte den Vorſtand zum Abſchluß
eines Vertrages mit der O.E.G., wonach die Obſt= und Gemüſe=Abſatz=
Genoſſenſchaft den genannten Platz bis Ende des Jahre 1940 in Pacht
nimmt. Die Errichtung einer Verſteigerungshalle wurde
nach den Entwürfen des ſtädtiſchen Bauinſpektors Wenninger
ein=
ſtimmig genehmigt. Zu dieſem Zwecke ſoll die Halle 2 der
Maſchinenfabrik „Badenia” Verwendung finden und aus
dem Badeniagelände nach dem oben erwähnten Platze überführt
wer=
den. Soweit der für den Hallenbau verfügbare Reichszuſchuß von
25 000 Mark und ein vom Kreiſe Mannheim erwarteter Zuſchuß von
10 000 Mark für den geplanten Hallenbau nicht ausreichen, ſollen die
erforderlichen Mittel bis zur Höhe von 20000 Mark durch
Kapitalauf=
nahme beſchafft werden. Der Vorſtand wurde zu dieſer
Kapitalauf=
nahme ermächtigt.
Bn. Hirſchhorn, 1. März. Grunderwerb zum
Neckar=
kanal. Herr Grundſtückserwerbskommiſſar Dinkeldein beim
Neckar=
bauamt, bzw. Neckarbaudirektion wird von heute ab mit denjenigen
Grundſtückseigentümern in Verhandlungen eintreten, deren Gelände
zwecks Ankauf für die Errichtung des Neckarkanals durch das Reich in
Betracht kommt. Es ſteht ſchon heute feſt, daß jenſeits des Neckars die
Wieſen, die Straße nach Ersheim bzw. zum Friedhof, ſowie das
Fähr=
haus völlig unter Waſſer geſetzt werden, da an dieſen Stellen Schleuſen
und Turbinen errichtet werden ſollen. Weiterhin ſieht das
Neckarbau=
amt an derſelben Flußſeite die ſofortige Erſtellung von drei
Wohn=
häuſern für Schleuſenwärter uſw. vor. Außerdem iſt auch die
Einmün=
dung der Hirſchhorner Brücke, die in Verbindung mit dem Bau der
Stauſtufe errichtet werden ſoll, unweit der Moosbrunn=Schönbrunner=
Straße vorgeſehen.
Bn. Hirſchhorn, 1. März. Aufgehobene
Zwangsver=
ſteigerung. Die für den M. Februar I. Js. angeſetzte
Zwangs=
verſteigerung des altbekannten Gaſthauſes „Zur Harfe” zu
Neckar=
ſteinach mußte abgeſagt werden, da der Antrag auf
Zwangsverſteige=
rung kurz vor dem Verſteigerungstermin beim hieſigen Amtsgericht
zurückgezogen worden iſt.
— Hirſchhorn, 1. März. Waſſerſtand des Neckars am
28. Februar 0,68 Meter, am 1. März 0,69 Meter.
Ca. Lorſch, N. Febr. Die öffentliche katholiſche Volksbücherei,
die beſonders von der Jugend in Anſpruch genommen wird, iſt ſeit
kurzem in dem neu erſtandenen Sakriſteibau der Kirche untergebracht.
Am rechten Ende des neuen ſüdlichen Schiffes iſt im unteren Stochwerk
die Sakriſtei geſchaffen worden, über derſelben iſt ein kleiner Saal, der
als Bibliothek und für ſonſtige gemeinnützige Gelegenheiten gute
Ver=
wendung findet. Es ſoll nun auch die innere Ausſtattung der Kirche
alsbald in Angriff genommen werden, nachdem die Arbeiten im Winter
geruht haben. Es wird noch ein gut Stück Arbeit geben, doch hofft
man, dieſe im Laufe des Sommers bewältigen zu können, ſo daß im
September die Einweihung der erneuerten und vergrößerten Kirche
ſtattfinden Eann.
A. Groß=Rohrheim, 1. März. Wohnungsbau. Laut
Bekannt=
machung müſſen alle Einwohner, die Anträge auf verbilligte
Baudar=
lehen ſtellen wollen, dieſe bis 5. März bei der Bürgermeiſterei
ein=
reichen. Auch diejenigen Bewerber vergangener Jahre, die noch keinen
zuſagenden Beſcheid erhielten, müſſen ſich wieder melden. Allerdings
ſind die Mittel dieſes Jahr ſo knapp bemeſſen, daß nur die
allerdring=
lichſten Fälle Berückſichtigung finden können. — Zuchtviehmarkt.
Auch dieſes Jahr findet mit dem Maimarkt wieder ein großer
Zucht=
viehmarkt ſtatt. Die Marktkommiſſion iſt zurzeit damit beſchäftigt, die
nötigen Vorbereitungen dazu zu treffen. Mit dem Zuchtviehmarkt wird
eine Prämiierung von Pferden, Rindern, Ziegen und Schweinen
ſtatt=
finden, zu der namhafte Preiſe ausgeſetzt werden. Auch findet wieder
eine Verloſung von Zuchtvieh und landwirtſchaftlichen Geräten ſtatt.
Die Loſe werden in den nächſten Tagen bereits zum Verkauf
ange=
boten. Auch auswärtige Intereſſenten können ſolche durch die
Bürger=
meiſterei und das Marktkomitee beziehen.
— Gernsheim, 1. März. Waſſerſtand des Rheins am
28. Februar: —1,34 Meter; am 1. März: —1,35 Meter.
Ck. Rüfſelsheim, 28. Febr. Große Wohnungsbauaktion
in Rüſſelsheim. Das mächtig aufſtrebende Rüſſelsheim ſteht vor
gewaltigen kommunalpolitiſchen Aufgaben, ſo vor allem in der
Woh=
nungsbaufrage. Es iſt aber auch in der beneidenswerten Lage, ſeine
kommunalpolitiſchen Fragen leichter als jede andere heſſiſche Stadt
löſen zu können. Dafür lieferte die letzte Gemeinderatsſitzung wieder
einen erfreulichen Beweis. Der Gemeinderat beſchloß, zur Förderung
der privaten Wohnungsbautätigkeit ein Kapital von 100 000 Mark gegen
erſtſtellige hypothekariſche Sicherheiten bereitzuſtellen. Der
Darlehens=
nehmer muß den Nachweis liefern, daß er mindeſtens 25 Prozent der
Geſamtbauſumme, einſchließlich des Bauplatzpreiſes, unbelaſtet beſitzt.
Die Baudarlehen werden pro Quadratmeter neuerſtellten Wohnraumes
berechnet und jährlich mit 7 Prozent verzinſt. Zur Vermeidung von
Mietwucher erhält der Gemeinderat das Mitbeſtimmungsrecht bei
Feſt=
ſetzung der Mietpreiſe. — Vom heſſiſchen Staat werden für
das Baujahr 1930 in Rüſſelsheim 33 neue Wohnungen mit je 2500 Mark
finanziert. — Ein Antrag, die für den Neubau eines Volksſchulhauſes
als erſte Rate bewilligte Darleheusſumme von 200 000 Mark zum Bau
weiterer Wohnhäuſer in Gemeinderegie zu verwenden, wenn der
Schul=
hausneubau mit Rückſicht auf die von der heſſiſchen Regierung
bean=
tragten Sparmaßnahmen auf dem Gebiete der Volksſchule im Jahre
1930 nicht erfolgen ſollte, wurde bis zur Entſcheidung der
Angelegen=
heit durch den heſſiſchen Landtag und bis zur ſtatiſtiſchen Feſtſtellung
über die Zahl der Volksſchüler in den nächſten Jahren zurückgeſtellt.
a. Offenbach, 1. März. Man ſchreibt uns: Landesregelung
für die ſtädtiſchen Beamten? Es mehren ſich die Anzeichen,
daß, um die Verwaltung der Stadt zu verbilligen und zu vereinfachen,
eine Aenderung des Beſoldungsplanes und der Beſoldungsordnung
der ſtädtiſchen Beamten kommen wird. Es liegt bereits bei dem
Stadt=
rat der Antrag, frei werdende Stellen nicht mehr ohne weiteres zu
be=
ſetzen, ſondern auf ihre fernere Notwendigkeit zu prüfen. Es waren
ja auch in Wirklichkeit für die Stadt noch „goldene Zeiten”, als ſie es
einſt nicht nötig zu haben glaubte, das Urteil des Landesſchiedsgerichts
vom November 1925 durchzuführen, obgleich es ihr eine Erſparnis von
etwa 100 000 Mark im Jahre gebracht hätte. Kurz vorher, in den vier
letzten Monaten des Inflationsjahres 1923, hatte die Stadt nach
Wieder=
einführung der feſten Währung mit einem Ueberſchuß von 600 000
Gold=
mark abgeſchloſſen, und das mag die damalige Haltung der
Stadtver=
waltung und des Stadtrats hinreichend erklären. Bei der
Beſoldungs=
regelung im Anſchluß an die Reichsbeſoldungsordnung vom Oktober
1927 beließ man es auch nicht bei der Regelung, die das Land Heſſen
für ſeine Beamten erließ. Man ging über dieſe mäßigeren Sätze
hinaus und griff zur Reichsbeſoldungsordnung, und zwar nahm man
aus jeder Gruppe der Reichsregelung nicht gerade den niedrigſten Satz
heraus. Seitdem ſind die Beamten mit dem ſteigenden Dienſtalter
immer mehr in die höheven Stufen der einzelnen Gruppen gewachſen,
und es iſt nicht zu viel geſagt, wenn man annimmt, daß, da ſich die
ſtädtiſche Beſoldungsordnung auch in der Witwen= und
Waiſenver=
ſorgung auswirkt, beim Zurückgehen auf die Landesregelung, die heute
immer noch ausreichend erſcheint, die öffentliche Verwaltung bedeutend
verbilligt werden könnte. Es iſt allerdings nicht angenehm, jemand
etwas verringern zu müſſen, was er bisher beſaß. Die Not der Zeit
und der Stadt wird aber einen anderen Weg kaum übrig laſſen,
ob=
wohl alle, die beim Zurückgehen auf die Beſoldung der Landesbeamten
mitwirken müſſen, ſicher mit ſehr gemiſchten Gefühlen mitarbeiten
werden.
m. Aus dem Lande, 1. März. Landwirtſchaftliches. Mit
dem nahenden Frühjahr und den wieder häufiger werdenden
Feld=
arbeiten vermindert ſich wieder die Vortragstätigkeit der betreffenden
Stellen. Die Landwirtſchaftskammer hat denn auch für den Anfang
März für jede Provinz einen Vortrag vorgeſehen. — Das
Landwirt=
ſchaftsamt Reichelsheim i. O. hält Vorträge ab an 5 Orten, das
Land=
wirtſchaftsamt Michelſtadt an 3 Orten, Mainz an einem Ort,
Büdin=
gen an 9 Orten, Gau=Algesheim a. Rh. an 3 Orten. — Für
Privat=
waldbeſitzer 2. Klaſſe wichtig ſind die Verſammlungen in Hetzbach i. O.
am 5. März und in Wald=Michelbach am 6. März, denn es ſtehen
bren=
nende Fragen der privaten Forſtwirtſchaft auf der Tagesordnung,
z. B. die Bildung von Waldgenoſſenſchaften und die Frage der
Um=
wandlung von Eichenſchälwaldungen. — Die Friſt zur Meldung für
Ablegung einer landwirtſchaftlichen Lehrlingsprüfung läuft mit 15.
März ab; an die Landwirtſchaftskammer einzuſenden iſt ein
kurzgefaß=
ter, ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf, eine Zuſtimmungserklärung und das
Zeugnis des Lehrherrn, eine ſelbſtgeſchriebene Beſchreibung der
Lehr=
wirtſchaft, der Nachweis zweijähriger Praxis und die Prüfungsgebühr
von 5 Mark. Für ihr ſpäteres Fortkommen iſt es jungen Leuten
jeden=
falls ſehr von Nutzen, ſich dieſer Prüfung zu unterziehen, damit ſie
den Befähigungsnachweis über ihre praktiſchen Kenntniſſe jederzeit
er=
bringen können.
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Nummer 61
Sonntag, den 2. März 1930
Seite 9
Ein geſunder Junge iſi angekommen.
H. Krauskopf und Frau Hilde
geb Roth.
Dr. Richard Graf von Schwerin
Else Gräfin von Schwerin
geb. Ganß
Darmſtadt, den 27. Februar 1930.
z. Zt. Alicehoipltal, Wöchnerinnenheim.
3614
beehren sich ihre
Ver-
mählung anzuzeigen.
Ihre Verlobung beehren ſich anzuzeigen
Kätchen Krämer
Georg Schröder
Kirch=Beerfurih
Fränk. Crumbach
Berlin
1. März 1930
Darmstadt
Staut Karten.
Dina Däſch
Fritz Kunz
Verlobte
Hapertshauſen Hergershauſen
2. März 1930. (3607
z. ſch. Wieſengrund
2. März 1930.
Bets
Heute entſchlief ſanft nach langem, ſchweren
Leiden unſere liebe Mutter, Schwiegermutter,
Großmutter, Schweſter, Schwägerin und
Tante
Frau Mülie Tung
geb. Wehder
im nicht ganz vollendeten 23. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Philipp Ganß.
Darmſiadt, den 28. Februar 1930.
Kranichſieinerſir. 41.
Die Feuerbeſiattung findet am Montag, nachmittags
3½ Uhr ſiatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Helmut
Statt beſonderer Mitteilung.
Heute früh entſchlief ſanft nach kurzem Krankenlager
unſere gute, treuſorgende Mutter, Großmutter und
Schwiegermutter
Frau Palentine Schmitz Ww.
geb. Balkner
im Alter von 69 Jahren
In tiefem Schmerz:
Familie Georg Schmitz.
Familie Valentin Schmitz.
Familie Georg Grobe.
Darmſtadt, den 1. März 1930.
Kiesſtraße 38.
Die Beeidigung findet am Montag, den 3. März,
nach=
mittags 2 Uhr, vom Portale des alten Friedhofes
(Nieder=Ramſtädterſtraße) aus ſtatt.
Todes=Anzeige.
Heute verſchied ganz unerwartet nach kurzer,
ſchwerer Krankheit mein innigſtgeliebter Mann,
unſer guter Sohn, Bruder und Schwager
Herr
Eenft Otuner
im Alter von 47 Jahren.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Frau Käte Stünkel, geb. Müller.
Darmſtadt den 28. Februar 1930.
(3646
Mathildenſtr. 36.
Die Beerdigung findet Montag, den 3. März,
nach=
mittags 3½ Uhr, auf dem alten Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Dankſagung.
Für die überaus zahlreichen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Hinſcheiden unſres lieben,
unvergeßlichen Sohnes und Bruders
ſprechen wir hiermit unſren tiefgefühlten Dank
aus. Ganz beſonders danken wir dem Chor
der Liedertafel für die erwieſene Anteilnahme.
Familie Auguſt Becker
Grafenſir. 35.
Ohne Diät
bin ich in kurzer Zeit=
20 Pfd. leichter
geworden durch ein
einfaches Mittel,
wel=
chesich jed. gern
koſten=
los mitteile. Frau
Karla Maſt,Bremen.
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nur Bleichſtraße 9.
Teleph. 1912. (319a
Todes=Anzeige.
Heute entſchlief ſanft nach kurzer Krankheit, mein lieber, gute Gatte
und Vater
Karl Duthel
Reichsbahnoberinſpektor i. R.
im 68. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Duthel, geb. Weber
Eliſabeth Duthel.
Darmſtadt, den 28. Februar 1930.
(3626
Heinheimerſtr. 78,
Die Beerdigung findet am Montag, den 3. März, nachmittags 2½ Uhr,
auf dem Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt,
Beileidsbeſuche danke d verbeten
Gott der Herr erlöſie meinen lieben Mann, unſeren
guten Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und
Onkel
Sinelig Beifeinorn
Sub=Direktor der Allianz und Stuttgarter
Lebens=
verſicherungsbank A.=G.
von ſeinem langen Leiden, im 57. Lebensjahr.
Darmſtadt, den 1. März 1930.
Martinſtraße 28
Im Namen der Hinterbliebenen:
Marta Weißenhorn, geb. Geubig
und Kinder.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 4. März, vormittags 11 Uhr
(3665
auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und
Bekannten hiermit die traurige
Nachricht, daß heute unſer lieber
Schwager und Onkel
FerdinandAlbert
Tapeziermeiſter
im Alter von 79 Jahren
ver=
ſ hieden iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 28 Februar 1930,
Kügelſtraße 41, Pforzheim und
Frankfurt=Weſt.
Die Beerdigung findet Montag,
den 3. März 1930, nachmittags
3 Uhr, von der Kapelle des alten
Friedhofes aus ſtatt.
Taperier=,Polſter= und Dekorateur=
Zwangsinnung Darmſtadt.
Todes=Anzeige.
Unſer Ehrenmitglied und treuer
Freund, Kollege Tapeziermeiſter
Ferdinand Albert
iſt nach arbeitsreichem Leben von
uns geſchieden. Wir werden ihm
ſtets ein ehrendes Andenken
be=
wahren.
Die Beerdigung findet am
Mon=
tag, den 3. März, nachmittags 3
Uhr, auf dem alten Friedhof,
Nie=
der=Ramſtädterſtraße, ſtatt.
Wir bitten die Kollegen dem
Dahingeſchiedenen durch
voll=
zähliges Erſcheinen die letzte Ehre
zu erweiſen
3620) Der Borſtand
Carl Herber, Obermeiſter
Todes=Anzeige.
Geſtern früh 8.30 Uhr entſchlief
nach kurzem ſchweren Leiden
mein lieber Mann, guter Sohn,
Vater, Schwiegerſohn, Schwager
und Onkel
Schuhmachermeiſter
im Alter von 38 Jahren.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen
Familie Burger.
Ober=Ramſtadt, den 2. März.
Die Beerdigung findet Montag,
den 3. März, nachmittags 3 Uhr
ſtatt.
(3684
Dankſagung.
Für die mir bei dem Ableben
meines innigſt geliebten Gatten
Cart Kayn
in ſo reichem Maße bewieſene
Teilnahme ſpreche ich auf
die=
ſemWege allen meinen innigſten
Dank aus.
Frau Fannh Kahn.
Darmſiadt, 28. Febr. 1930.
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Der holbsteite Kragen
der einzige aus Doppelgewebe
dehen unerreicht haltbar
Coh Heiaßen
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Deutsches Fabrikat
Nur echt mit Stempel ven Aeussen
Todes=Anzeige.
(Statt Karten.)
Am 28. Februar entriß uns der Tod die
liebe=
volle, treuſorgende Gattin, die ſich aufopfernde
Mutter, Tochter, Schwiegertochter und Schweſter
Frau Ria Seder
geb. Lauer
im Alter von 28 Jahren.
Im Aamen der trauernden Hinterbliebenen:
Fritz Becker.
Darmſtadt, Oberroden, den 1. März 1930.
Beſſungerſtraße 108.
Die Beerdigung, findet am Montag, den 3. März,
nachmittags 21/, Uhr, auf dem alten Friedhof an
der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme und
die Kranzſpenden bei dem Hinſcheiden, unſeres lieben
Entſchlafenen
Otto Bauer
lagen wir hiermit unſeren herzlichſten Dank. Beſonders
danken wir Herrn Pfar er Weiß, für ſeine troſtreichen
Worte, Herrn Diakon Karge für ſeine liebevolle Pflege
und den Sch veſtern der Petrusgemeinde für ihre innige
Anteilnahme.
Die trauernden Hinterbliebenen:
i. d. N.: Frau Otto Bauer, geb. Kuhn.
Darmſtadt, Sandbergſtraße 46.
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In Roßdort: Drog. A. Löffler.
Nummer 61
Sonntag, den 2. März
Der Vorabend der Leipziger Frühjahrsmeſſe 1930.
Am Vortage der Leipziger Meſſe bietet Leipzig
das gewohnte belebte Bild. Der große Ausländerbeſuch macht
ſich ſtark bemerkbar. Nach der letzten Zählung, die bis auf wenige
Tage zurückreicht, iſt die Zahl der Ausſteller mit 9570 faſt dieſelbe
wie die endgültige Ziffer des Vorjahres, die 10 170 betrug, die
von ihnen in Anſpruch genommene Ausſtellungsfläche entſpricht
aber mit 192 000 Quadratmetern ſchon jetzt der endgültigen der
Frühjahrsmeſſe 1929. Das ergibt ein entſchiedenes Hervortreten
der Großauseſteller und eine Verringerung der Zahl kleiner
Fir=
men, was auch beſonders die Textilmeſſe betrifft, wo 87 Prozent
der Ausſteller Fabrikanten ſind, der Handel alſo mehr und mehr
verſchwindet. Von den Ausſtellern entfallen 7300 auf die
Muſter=
meſſe, 2270 auf die Große Techniſche und Baumeſſe. Das
Aus=
land iſt mit 1250 Ausſtellern vertreten. Von den reichsdeutſchen
Ausſtellern kommen aus Mitteldeutſchland annähernd 3000, aus
Berlin 1420, aus dem ſüddeutſchen Wirtſchaftsgebiet 1730 und
aus dem induſtriereichen Weſten 1220 Firmen.
Die Textilmeſſe hat mit der Kunſtinduſtrieabteilung einen
wertvollen Zuwachs von großer internationaler Bedeutung und
Zugkraft erhalten. Außerordentliches bietet auch die Große
Tech=
niſche Meſſe, die imponierende Ausſtellung der
Werkzeugmaſchi=
nen mit ſehr vielen techniſchen Neuheiten und überraſchenden
Fortſchritten in der Vereinfachung des Arbeitsprozeſſes. Die
Nationaliſierungsmöglichkeiten ſcheinen alſo noch keineswegs
er=
ſchöpft zu ſein. Auf der Ausſtellung der Textilmaſchinen laſſen
ſich vor allem die Leiſtungen des zum erſten Male im Betrieb
vorgeführten japaniſchen Tojodo=Webſtuhles mit denen der
auto=
matiſchen Webſtühle deutſcher und ſchweizeriſcher Fabriken
ver=
gleichen.
Angeſichts der eindrucksvollen Geſamtſchau der Leiſtungen
der deutſchen Qualitätsarbeit ſieht, man trotz der gedrückten
wirtſchaftlichen Lage dem Meſſegeſchäft mit einer gewiſſen
Zuver=
ſicht entgegen. Jedenfalls finden die ausländiſchen Einkäufer
eine Auswahl deutſcher Fabrikate und Maſchinen, wie bisher auf
keiner Frühjahrsmeſſe.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Die Indexziffer, der Großhandelspreiſe vom 26. Februar 1930. Die
auf den Stichtag des 26. Februar berechnete Großhandelsindexziffer
des Statiſtiſchen Reichsamts iſt gegenüber der Vorwoche von 129,1 auf
128,1 oder um 0,8 v. H. geſunken. Von den Hauptgruppen iſt die
In=
dexziffer für Agrarſtoffe um 1,9 v. H. auf 113,8 (Vorwoche 116,0) und
die Indexziffer für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren um 0,3 v. H.
auf 1260 (126,4) zurückgegangen. Die Indexziffer für induſtrielle
Fer=
tigwaren hat um 0,3 v. H. auf 153,8 (154,2) nachgegeben.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren: Offenbach: Firma Gebrüder Hofmann,
Auto=
mobile und Karoſſeriebau. Anmeldefriſt 1. 4., Gläubigerverſammlung
20. 3., Prüfungstermin 24. 4; Darmſtadt: „Mönada‟, Darmſtadt,
Mül=
ler u. Mags. Anmeldefriſt 25. 2., Gläubigerverſammlung und
Prü=
fungstermin 6. 3.; Schreinermeiſter Ludwig Schaffner in
Gräfen=
hauſen. Anmeldefriſt 10. 3., Gläubigerverſammlung und
Prüfungs=
termin 15. 3. — Beendete Konkurſe: Bad=Nauheim: Frau Em.
Klöſer; Darmſtadt: Kürſchner Hermann Rau; Bingen: Maler= und
Tünchermeiſter Franz Kaſpar Klein. — Neue
Vergleichsver=
fahren: Offenbach a. M.: Firma Hermann Lehmann, A.=G.,
Leder=
fabrik. Vergleichstermin 20. 3. — Aufgehobene
Vergleichs=
verfahren: Alsfeld: Firma Auguſt Ernſt Waldeck, Inh. Wilhelm
Kooß; Mainz: Landesproduktengroßhandlung Johann Richtſcheid;
Nieder=Olm: Ludwig Goldſchmitt; Darmſtadt: Südfrüchte Import Alb.
Storper; Offenbach a. M.: Firma Ernſt Keßler, Inh. Johann Georg
Keßler und Hermann Henkel; Worms: Baufirma Friedrich Zucker.
Maſchinenfabrik Badenia, vorm. W. Platz Söhne A.G., Weinheim,
in Liquidation. Die G.V. der Geſellſchaft genehmigte die
Liquidations=
eröffnungsbilanz mit einem Verluſt von rd. 390 000 RM. und die
Bi=
lanz per 31. Dezember 1929. Die Geſchäftsunkoſten konnten durch
Nach=
läſſe auf Steuern und ſonſtige Forderungen ſowie durch einen
Roh=
ertrag aus der Fabrikation gedeckt werden. Der verbleibende
buch=
mäßige Ueberſchuß verringert den Verluſt aus der Liquidations=
Eröff=
nungsbilanz auf rd. 250 000 RM. Nachdem die kleinen Forderungen
unter 100 RM., ſowie die bevorrechtigten Forderungen ausbezahlt
wor=
den ſind, will man nunmehr baldigſt eine erſte Quote in Höhe von 10
Prozent an die Nichtbevorrechtigten ausſchütten.
Von der Frankfurter Börſe. Vom 3. März 1930 ab werden die von
der Caiſſe Commune abgeſtempelten Stücke der Zproz. Oeſterr.=Ung.
Staatsbahn=Schuldv., Serie 1—10, und 3proz. Oeſterr.=Ung.
Ergän=
zungsnetz=Schuldv. ausſchließlich der am 1. März 1922 und 1. März
1930 fälligen Zinsſcheine an hieſiger Börſe gehandelt und notiert.
Deutſches Kaliſyndikat G m. b. H., Verlin. In den Sitzungen des
A.R. und der Geſellſchafter des Kaliſyndikates, in denen Dr. Korte den
Vorſitz führte, wurde vom Vorſtand Bericht über das vergangene
Be=
richtsjahr erſtattet und die Bilanz für 1929 vorgelegt. Die vorliegenden
Anträge wurden einſtimmig genehmigt. An Stelle des ausgeſchiedenen
Generaldirektors Dr. Feit wurde Direktor Popendieker von den
Kali=
werken Aſchersleben in den A. R. gewählt.
Preußiſche Pfandbriefbank A. G., Berlin. Der Reſt von den 5
Mil=
lionen ReM. Wohnungsbauwerten aus der Genehmigung von 1929 in
Höhe von 3 Millionen RM. ſoll in Holland bekanntlich emiſſioniert
werden. Die erſten zwei Millionen RM. wurden ohne Zeichnung
pla=
eiert. Es iſt beabſichtigt, die Geſamtſerie jetzt in Amſterdam
einzu=
führen.
Umſätze im Terminverkehr an der Berliner Metallbörſe. Die
Um=
ſätze im Terminverkehr an der Berliner Metallbörſe ſtellten ſich im
Februar 1930 für Kupfer auf 860 (Januar: 1930) Tonnen, für Blei auf
520 (900) Tonnen und für Zink auf 1800 (1475) Tonnen. Im Februar
1929 betruge die Umſätze für Kupfer 2120 Tonnen, für Blei 1830
Ton=
nen und für Zink 125 Tonnen.
Mainzer Produktenberchit vom 28. Februar.
Großhandelseinſtands=
preiſe per 100 Kilo loko Mainz: Weizen 25—25.50, Roggen 16.75—17.25,
Hafer 15—15.25, Braugerſte kein Geſchäft, Futtergerſte —, Süddeutſches
Weizenmehl Spezial Null 39.15, Roggenmehl Null 1 25.50—26.50,
Wei=
zenkleie fein 8.75, Weizenkleie grob 9.75, Roggenkleie 9.75,
Weizenfutter=
mehl — Platcmais 15.75, Cing.Mais 19, Malzkeime mit Sack 13—14,
Biertreber 11.75, Erdnußkuchen 15.25—16, Kokoskuchen 15.15—21,
Palm=
kuchen 13. 75—14,75, Rapskuchen 15.75—17, Kleeheu loſe 11, desgl. geb.
12.00, Wieſenheu 9.75—10, Maſchinenſtroh 5—5.25, Drahtpreßſtroh 5,60,
Weiße Bohnen 39—43.50. Tendenz: Bei ruhiger Stimmung kleines
Geſchäft.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe vom 1. März. Auslands
butter (holländiſche oder däniſche) 1 Faß (50 Kilo) 1,90 Mk., Halbfaf
192 Mk., in Halbpfundſtücken 1,95 Mk.; deutſche Molkereibutter 1,6:
Mark das Pfund im Großhandelsverkehr.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe vom 1. März. Tendenz flau.
(Auslandseier unverzollt ab Grenzſtation. Inlandseier ab Station
Preiſe in Pfg. pro Stück): Italiener 8—8,50, Bulgariſche 6,75—7,00
Jugoſlawiſche 6,75—7, Rumäniſche 6,50—6,75. Ruſſiſche nicht an
Markt, Polniſche 5,25—5,50, Chineſen nicht am Markt, Holländiſche
7,75—10, Däniſche 7,75—10, Belgiſche (Flandern) 7,75—8,50, Franzöſiſd
nicht am Markt, Schleſiſche 9—9,75, Baheriſche 7,50—8,50, Norddeutſche
900 bis 9,50.
Vom Rohhäutemarkt. Am Rohhäutemarkt machte ſich auf den letz
ten Verſteigerungen weiter eine Abſchwächung bemerkbar. Durch die
auf der letzten Berliner Auktion erneut eingetretenen Abſchläge ſind di
Ausſichten auf ein lebhafteres Geſchäft am Rohhäutemarkt ungünſtie
fofern nicht bald beſſerer Bedarf bemerkbar wird. Die Preisrückgäng
bewegten ſich bei den meiſten Gattungen Großviehhäuten und Kall
fellen um die 5 Prozent herum Schaffelle waren wie bisher vernac
läſſigt und die Preiſe bewegten ſich ebenfalls nach unten. Bei der Mitte
deutſchen Häuteauktion in Leibzig konnten leichte Ochſen= und Rinde
häute letzte Preiſe erzielen, während Kuhhäute bis zu 10 Prozen
niedriger lagen.
Berliner Produktenbericht vom 1. März. Die Wochenſchlußbörf
bot ein ziemlich ruhiges Bild. Die Lage am Markt für Inlandsbro=
getreide hat ſich gegen geſtern kaum verändert. Weizen wird weiterhin
nur wenig offeriert, und von den Mühlen vereinzelt zu eine bis zwei
Mark höheren Preiſen aufgenommen. Roggen zur prompten
Waggon=
verladung ſteht weiter reichlich zur Verfügung und man erwartet
weitere Stützungskäufe zu geſtrigen Preiſen. Am Lieferungsmarkt
blieben die zu heute erfolgten beträchtlichen Andienungen ohne Einfluß tember 116½; Mais, März 84½, Mai 88½, Juli 90½, September
auf die Preisgeſtaltung, beſonders da noch nicht bekannt war, ob alle
angedienten Partien kontraktlich lieferbar ſind. Die
Weizenlieferungs=
preiſe ſetzen im Anſchluß an die Auslandsmeldungen 1½ bis 2 Mark
höher ein, Mairoggen konnte ſich infolge von Interventionen
gleich=
falls um eine Mark befeſtigen, die Anfangsnotierungen wurden jedoch
bald wieder Brief genannt. Weizen= und Noggenmehle haben kleinſtes
Bedarfsgeſchäft zu unveränderten Preiſen. Hafer und Gerſte ruhig,
aber ſtetig.
Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 1. März.
Zum Wochenſchluß machte ſich eine freundlichere Stimmung
bemerk=
bar. Die Annahme des Youngplans in den vereinigten Ausſchüſſen
ſtimmte zuverſichtlicher, da ſich hieran die Hoffnung knüpfte, daß die
anderen, noch offenen ſchwierigen Fragen jetzt bald eine Erledigung
erfahren werden. Die politiſche Lage wurde allgemein ruhiger
beur=
teilt. Die feſte geſtrige New Yorker Börſe bot ebenfalls Anlaß zur
Beſſerung. Die Spekulation, die faſt die ganze Woche hindurch nur zu
Abgaben geſchritten war, zeigte Rückdeckungsbedürfnis, und in
Spezial=
aktien konnte ſich eine etwas leichtere Umſatztätigkeit entfalten.
Auf=
träge ſollen jedoch wieder in nur ganz geringem Umfange eingetroffen
ſein, ſo daß die Nebenmärkte keine Belebung erfuhren, aber in
Anbe=
trachte der geklärten Situation ebenfalls leicht anziehen konnten. Im
Vordergrunde des Intereſſes ſtanden Schiffahrtswerte; eine Meldung
von einer bevorſtehenden Freigabe in New York regte ſtark an. Aber
auch die Fuſionsgerüchte zwiſchen Hapag und Lloyd erhielten ſich immer
noch, ohne daß in irgend einer Beziehung offiziell etwas über die
An=
gelegenheit bekannt geworden wäre. Aber dies genügte ſchon, um die
Kuliſſe zu Meinungskäufen zu veranlaſſen. Hapag eröffneten 2 Proz.
und Norddeutſcher Lloyd zirka 2,5 Proz, höher. Einen Spitzengewinn
hatten Salzdetfurth mit plus 5 Prozent zu verzeichnen. Der Bericht
des Kaliſyndikats befriedigte. Am Elektromarkt konnten Siemens,
nachdem an der geſtrigen Abendbörſe dieſes Papier ex. Bezugsrecht
notiert wurde, 2 Prozent gewinnen. Sonſt kamen außer Lechwerke, die
leicht gebeſſert waren, keine Erſtkurſe zunächſt zuſtande. Von
Chemie=
aktien gewannen J.G. Farben 1,5 Prozent. Rütgerswerke leicht
an=
ziehend. Montanwerte ohne nennenswertes Geſchäft. Banken etwas
freundlicher. Am Kunſtſeidemarkt waren Aku etwas niedriger. Renten
ſtill. Altbeſitzanleihe gaben etwas nach, während Schutzgebietsanleihe
leicht befeſtigt waren. Im Verlaufe beſſerte ſich die Tendenz weiter,
de die Spekulation immer noch Deckungsbedürfnis zeigte, veranlaßt durch
eintreffende Orders. Im allgemeinen lagen die Kurſe nochmals bis
2 Prozent über Anfang. Etwas mehr Nachfrage machte ſich für
Mon=
tanwerte geltend. Zellſtoff Waldhof gewannen insgeſamt 5 Prozent.
Der Schluß der Börſe war weiter etwas feſter, ſo daß ſich weitere
klei=
nere Gewinne ergaben. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Prozent
unverändert. Am Deviſenmarkt lgg Spanien wieder ſchwächer. Mark
Paris 124.30, —Mailand 92,75, Madrid 40.00, —Schweiz B.19½, ſchätzt, denen größere Werte an Grundbeſitz und Waren gegenüber=
und —Holland 12.12½.
Berlin, 1. März.
Vormittagsverkehr und Vorbörſe ließen wegen herrſchenden
Order=
mangels noch keine ausgeſprochene Tendenz erkennen. Es zeigte ſich dann
aber zur Eröffnung der Börſe, daß eine optimiſtiſchere Auffaſſung
vor=
herrſchte, und ſo lag das Anfangsniveau, der freundlichen
Grundſtim=
mung entſprechend, ea. 1 Prozent über den geſtrigen Schlußkurſen. Am
politiſchen Horizont ſcheint es ſich langſam aufzuklären, vor allem
be=
friedigt es, daß bei allen Beteiligten offenbar der gute Wille zu beſtehen
ſcheint, die vorhandenen ſachlichen Meinungsverſchiedenheiten zu
über=
brücken. Ein Bericht des Inſtituts für Konjunkturforſchung, der zum nen Tonnen auf 66 660 000 Tonnen auszuweiſen. Die Produktion des
Schluß zu einem zuverſichtlichen Ausblick für die Entwicklung der
Wirt=
ſchaft kommt, konnte einige Anregung bieten. Die Meldung von der
bevorſtehenden Freigabe in New York führte am Schiffahrtsmarkt zu
einer ſtärkeren Befeſtigung, deren Auswirkung ſich auch an den übrigen
Märkten bemerkbar machte. Eine Anzahl von Werten gewann doch
etwas über 1 Prozent bis zu 219 Prozent. Ganz vereinzelt zu
beob=
achtende Abſchwächungen gingen nicht über 1½ Prozent hinaus. Im
Verlaufe gelangten, wie immer an Samstagen, verſpätet eingetroffene
Orders zur Ausführung, wobei aus dem obenangeführten Grunde
beſonders Schiffahrtswerte eine Befeſtigung erfuhren.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 1. März:
Getreide: Weizen, März 111½, Mai 116, Juli 114½, Sep=
96½; Hafer, März 42½4, Mai 44½, Juli 44½: Roggen, März
75½, Mai 76, Juli 78, September 79.
Schmalz: März 10,50, Mai 10,70, Juli 10,95, Sept. 11,15.
Leichte Schweine 10,25—10,40, ſchwere Schweine 9,85—10,75;
Schweinezufuhren Chicago 12000, im Weſten 43000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 1. März:
Getreide: Weizen, Rotwinter n. Ernte 134, Hartwinter n.
Ernte 116: Mais 97½8; Mehl 5,60—5,90; Getreidefracht nach
Eng=
land 1,6 sh, nach dem Kontinent 8—9 C.
Kakao: Tendenz ſtetig, Umſätze 60, loco 8½: März 8.64, April
8.78, Mai 8.89, Juni 9.01, Juli 9.22, Auguſt 9.54, September 9.52,
Oktober 9.43, Januar 1931 9.54.
Viebmärkke.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. waren am Samstag
333 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 256 Stück, und zwar
Milch=
ſchweine das Stück von 25—37 Mark, Läufer das Stück von 40—75 Mk.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Nach Mitteilung des Statiſtiſchen Reichsamts wurden im Februar
1930 durch den „Reichsanzeiger” 1103 (im Januar 1106) neue Konkurſe
— ohne die wegen Maſſemangels abgelehnten Anträge auf
Konkurs=
eröffnung — und 576 (521) eröffnete Vergleichsverfahren
bekannt=
gegeben.
Heute morgen verſtarb in ſeinem Landhaus in Rengsdorf im
Weſterwald nach kurzer, ſchwerer Krankheit der Gründer und
Senior=
chef der Firma Henkel u. Co. in Düſſeldorf, Kommerzienrat Fritz Henkel,
im Alter von nahezu 82 Jahren. Er folgte ſeinem am 4. Januar d. J.
verſtorbenen Sohne Fritz im Tode nach.
Von gut unterrichteter Seite erfahren wir, daß die Paſſiven der in
Zahlungsſchwierigkeiten befindlichen Weingroßhandlung Johann
Schenk in Maikammer ſich zwiſchen 8—900 000 Mk. bewegen. Die
Firma dementiert mit Entſchiedenheit die von anderer Seite gebrachte
Meldung, nach der die Paſſiven in die Millionen gehen.
Dem Beiſpiel anderer Städte folgend, will jetzt auch Wiesbaden
ſeine Gewerbebetriebe in eine Aktiengeſellſchaft umwandeln, und zwar
in eine rein kommunale A.G., bei der die vollen hundert Prozent der
Aktien im Beſitz der Stadt verbleiben. — Für die beabſichtigte
Um=
wandlung kommen zunächſt die Waſſer=, Gas= und Elektrizitätswerke
in Frage.
Die Koffer= und Lederwarenfabrik Moritz Mädler G. m. b. H. und
die Moritz Mädler Handelsgeſellſchaft Leipzig befinden ſich in
Schwierig=
keiten. Dem Vernehmen nach ſoll der Status aktiv ſein. Die
Ver=
bindlichkeiten beider Firmen werden auf zuſammen 500 000 RM.
ge=
ſtehen. Zurzeit finden Verhandlungen mit den Gläubigern der Firma
ſtatt.
Angeblich wegen Abſatzmangels werden auf den Saargruben wieder
Feierſchichten eingelegt. Die erſte Feierſchicht hat die frantzöſiſche
Grubenverwaltung für den Bereich der Berginſpektion Luiſenthal auf
Montag, den 3. März, feſtgeſetzt.
Wie aus Holland gemeldet wird, erhielt die A. Borſig G. m. b.,H.,
Berlin=Tegel, einen Auftrag auf 12 Lokomotiven für Java.
Die engliſchee Kohlenproduktlon des vierten Quartals 1929 hat
gegenüber dem dritten Quartal eine Steigerung um über vier
Millio=
entſprechenden Vierteljahres von 1928 belief ſich nur auf 61 275 000
Tonnen. Obwohl die Schiffahrt durch ſchwere Stürme zeitweilig
behin=
dert wurde, erreichte die Ausfuhr eine Höhe, wie ſie ſeit 19B3 nicht
mehr verzeichnet worden iſt.
Der rumäniſche Außenminiſter Mironeseu erklärte den
Preſſever=
tretern, daß der Zeitpunkt für das Inkrafttreten des neuen rumäniſchen
Zolltarifs auf den 1. Mai verſchoben wurde. Damit ſoll den
verſchie=
denen Staaten, die ihre Handelsverträge mit Rumänien noch nicht
er=
neuert haben, genügend Zeit zum Abſchluß neuer Verträge gegeben
werden.
Berliner Kursbericht
vom 1. März 1930
Oeviſenmarkt
vom 1. März 1930
Berl. Handels=Geſ.).
Danatbank
Deutſche Ban1 u. 1=
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban
Hapag.
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyzd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
3. P. Vemberg.
Beromann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl 1
Mfre
235.—
148.—
149.75
102.25
146.—
105.625
164.12:
77.25
157.—
260.—
67.25
147.75
172.—
102.—
„Mieie e
J. G. Farben
Gelſenk. Bergw.
Geſ.f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Soeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerte.
Köln=Neueſſ. Bgw./1
Ludw. Loewe
Mannesm. Röhr. 1
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Kolsw. 1
Orenſtein & Koppell
Vef
163.75
138.50
170.75
132.25
110.875
96.—
207.50
105.25
108.—
170.—
105.875
44.875
86.50
100.50
74.—
Polyphonwverke. ſ
Rütgerswerke.
Salzdetfurth Ka
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
ſAgsb.=Nrmb.Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlör. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Wer 10
Lindes Eismaſch.
Herm. Poege
BogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
Fifff
76.50
358.—
157.125
168.—
101.75
210.—
77.75
36.—
67.50
115.—
88.—
171.75
65—
45-50
Helſingfors
Wien
Prag
Budapel=
Sofia.
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New Yor)
Belgien
Italien
Paris
Währung
100 finn.Mk.
1o0 Schilling!=
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
100 Leva.
100 Gulden
100 Kronen 1111.88
100 Kronen 112.02
100 Kronen
1 2.Sta.
1 Pap. Peſo
1 Dollar.
100 Belge
100 Lire
100 Frane?
M
1o.526
58.98
12,40 12.43
73.185
3.037
167.83
112.37 112.,594
20.346
1.579
4.187
58.31
2i.945
16.37 1
10.546
9.0g
73.275
2.(43
168.1
112.18
112.24
20.336
1.582
z.19s
58.43
21.9856
1641 10
Schwei=
Spanien
Danzig
Japan
Jugoſſalwien.
Vortugal
Athen
Kairo.
Kanada
turuguan
Fsland.
Tallinn Eſtt.
Riga
Frankfurter Kursbericht vom 1. März 1930.
70Dtſch Reichsanl.,
6% „
„
6% Baden ......
88 Baher .....
6%
..
8% Heſſen v. 28
v. 29
6% Preuß.
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anl. ..
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Ttſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. * 1.
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Ltſche. Anl.
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ſungsſch. (Neub.)
Deutſche
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8% Baden=Baden
6% Berlin. ...
88 Darmſtadtv. 26
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7%o Frankf. a. M.
8% Mainz..... ..
8% Mannheim..
8% Nürnberg ....
8% Heſſ. Landesbk.
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8% „„Goldobl.
4½ % Heſſ. Lds.=
Hyp.=Bk.=Liquid.
Pfbr.. . . . . . . . . .
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8% Darmſt. Komm
Landesbk. Goldobl.
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Goldpfbr. . .
4½%0 „ Obl.
Dt. Komm. Sam
mel=Ablöſ.=Anl.
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Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
8% Berl. Hyp.=Bk.
4½%0 „Liqu.=Pfbr.
18% Frkf. Hhp. Bk.
4½% „ Lig. Pfbr.
„Pfbr.Bk..
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8%Mein. Hyp. Bk..
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8% Pfälz. Hyp. Bk.
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Boden=
ered.=Bank ...."
4½% „ Lig.Pfbr.
8% Preuß. Centrl.=
Bodener.=Bk....
4½% „ Lig. Pfbr
18% Rhein.Hhp. Bk.
4½% „ Lig.Pfbr.
18% Rhein.=Weſtf.
Bd. Fredit .....
8% Südd. Bod.=
Cred.=Bank. . .
4½% n Lig. Pfbr.
8% Württ. Hhp.=Bk
6% Daimler Benz
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8% Klöckner=Werkel
7% Mainkraftwerke
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Stahl=
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2 Salzmannu. Co.
29 Ver.Stahlwerke
8% VoigtckHäffner
95
48.6
66
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81.5
96.5
81.5
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96.5
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80.9
95.5
82.4
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81.9
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97.5
79.5
96.5
94
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84.3
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J. 0. FarbenBonds /100.75
5% Bosn. L.E. B.
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1914
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Bemberg J. P....
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Brüning & Sohn.
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F. G.Chemie, Baſel
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Eiſenh. Berlin.
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Gold= u. Silb.=Anſtalt .I
Linoleumwerk.
Onckerhoff u.
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Elektr. Licht u. Kraftl=
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282.5
282.5
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17.25
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164
1411
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141.5
185.5
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322
38.75
118
Aare.
146.5
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162
167.5
Eſchw. Bergwer!.
Eßlingen Maſchinen!
EttlingenSpinnerei
F. G. Farbeninduſtr
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Felt. & Guilleaum.
Frkft. Gas ....
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Geiling & Cie..
Gelſenk. Bergwerk
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Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün, & Bilfinger
Dafenmühle Frtft..
Hammerſen......
Harpener Bergbaul
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfbr
Hinderichs=Aufferm
Hirſch Kupfer.
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil..
Ho lzverk.=Induſtri
206
210
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80.25
129
3325
Flſe Bergb. Stamm
„ Genüſſe
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KaliChemie..
Aſchersleben
„ Salzbetfurth
„ Weſteregeln
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R. ....
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke.
Lahmeyer & Co.
Lech, Augsburg.
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Alt.=Br. . . .!
171
69
40
184.25
1126
161
r1114
115
88.5
244
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153
143.5
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Sonntag, den 2. März 1930
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Darmſtadt, Neckarſtr. 16. Mündliche Anfragen
jäglich von 10—12 und 4—6 Uhr (3171a
Aus den Amtsverkündigungen des Kreisamts
Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizeiamts Darmſtadt.
Sonntagsdienſt und Nachtdienſt in
den Apotheken Darmſtadts: Es verſehen
den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
anſchließenden Woche den Nachtdienſt vom
März bis einſchließlich 8. März die
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Nr. 48 81
Helene Ketſch.
Nr. 55 557
Marie Friedrich,
Nr. 68
Leonh. Treuſch.
Nr. 174 377
Johannes Jaeger
werden nach § 23 der Satzung für
kraft=
los erklärt, wenn ſie nicht innerhalb
v. 3 Monaten bei uns vorgelegt werden.
Darmſtadt, den 27. Februar 1930.
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt.
(St. 3654)
Bekanntmachung.
Die Holzverſteigerungen vom 20. und
27. Februar 1930 ſind genehmigt.
Ausgabe der Abfuhrſcheine Donnerstag,
den 6. März. Ueberweiſungs= und erſter
Abfuhrtag am Freitag, den 7. März 1930.
Zuſammenkunft vormittags 8 Uhr beim
Beſſunger Forſthaus.
(3669
Darmſtadt, den 27. Februar 1930.
Heſſ. Forſtamt Darmſtadt.
Aukholz=Berſteigerung.
Donnerstag, den 6., und Freitag, den iſt die älteſte u. größte
* März 1930, jedesmal vormittags 9½ Vereinigg, u. der vor=
Uhr anfangend, werden aus dem Gun= nehme Weg des
Sich=
dernhäuſer Gemeindewald verſteigert: findens Zu den Mit=
Eichen=Stämme Kl. 3 7 St. — 4,75 fm gliedern zählen viele
Kl. 4 22 St. — 15,96 fm Akademiker, höhere
Kl. 5 10 St. — 11,78 fm Beamte, Induſtrielle,
Kief.=Stämme Kl. 2b 26 St. — 13,62 fm Kaufleute uſw., die
Kl. 3a 36 St. — 26,66 fm Korreſpondenzanbah=
Kl. 3b. 17 St. — 16,66 fm nungen mit geb. Da=
Bitte ausschneiden!
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mein Herz. Tango)
lch schenk Dir einen Pelz mein Herz
Aus Nutria und Nerz.
Es kann auch Persianer sein.
Vielleicht wirkt auch ein Fohlenmantel fein.
UInd ist er auch nicht billig,
Den kleinen Wunsch erfüll ich.
Sag ich dem Freund, wer mich drum quälte,
Macht er den Preis für Auserwählte.
Glaubst Du ich treibe mit Dir Scherz?
lch schenke Dir den Pelz mein Herz.
Musik von Eric Judge. Text von Karl Gaedike — Paul Fago.
Dies merke Dir!
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gut kaufe ich bei Lorz
Wenn nicht gerad ein Nerz mein Herz
ich kaufe Dir den Pelz ohn” Scherz
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Kl. 5 — 7
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Kl. 7 — 400
Kl. 8 — 150
Die Eichen=, Kiefern= u. Buchenſtämme
kommen am Donnerstag an Ort und
Stelle zur Verſteigering:
Zuſammen=
kunft am Eingang des Waldes auf der
Chauſſee nach Meſſel.
Das übrige Holz kommt am Freitag
in der Gaſtwirtſchaft Schacker zu
Gun=
dernhauſen zum Ausgebot. Es wird
ge=
beten, das Holz zu der
Freitagsverſtei=
gerung vorher einzuſehen. Nähere
Aus=
kunft durch die hieſige Bürgermeiſtere
wie auch durch Förſter Kirſchner, Roßdorf
Gundernhauſen, 28. Februar 1930.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
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Nuh- und Brennholz=
Verſteigerung Nr. 5.
(Gemeindewald Ober=Ramſtadt).
Montag, den 3. März 1930, vorm
9½ Uhr, werden im Forſtort Hainböhl
verſteigert:
Stämme: 28 Stück Lärchen, 1a u. 1b —
7,49 Fm., 10 Stück Larchen, 2a u. 3a
— 4,56 Fm., 31 Stück Fichten. 1b b. 2b
— 13.80 Fm.
Scheiter: Rm.: 45 buchen, 1 eiche,
1 kiefern.
Knüppel: Rm.: 68 buchen, 12 eichen,
) kiefern, 7 lärchen, 6 fichten.
Aſtwellen: 800 buchen, 180 eichen, 320
kiefern.
Zuſammenkunft der Steigerer am
Forſt=
ort Hainböhl auf der Provinzialſtraße
Nieder=Modau—Frankenhauſen.
Ober=Ramſtadt, am 27. Februar 1930
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
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Nummer 61
Sonntag, den 2. März 1930
eite 13
Prinz Karnepal iſt da?
Karnevalstreiben in aller Welt.
Oben: Münchener Studentenjugend vergnügt ſich koſtümiert in den Straßen.
Aus dem Feſtzug in Nizza, wo der Karneval alljährlich,
Unten: Villinger „Narros” in ihren uralten Trachten.
mit beſonderer Ausgelaſſenheit gefeiert wird.
Wie Baſel ſeiner
feierk.
Die „Pfeifer=Clique” aus dem Baſeler Faſtnachtszug.
nim Berliner Verkehr.
Skraßenbahn
Neuartige, D=Zug=ähnliche Straßenbahnwagen
wurden ſoeben in Berlin in Betrieb genommen. Die dreigliedrigen Gelenkwagen faſſen 120
Per=
ſonen und entwickeln eine Geſchwindigkeit von über 20 Kilometern.
Reich und Ausland.
50 Jahre Adlerwerke vorm. Heinrich
Kleyer A. G.
Am 1. März feierten die Adlerwerke, vorms
Hein=
rich Kleher A.=G., in Frankfurt a. M. das Jubiläum
ihres 50jährigen Beſtehens. Als der jetzige Vorſitzende
des Aufſichtsrats, Kommerzienrat Dr.=Ing. e. h.
Hein=
rich Kleyer, im Frühjahr 1880 von einer Studienreiſe
durch die Vereinigten Staaten nach Deutſchland
zu=
rückkehrte, gründete er in Frankfurt a. M. ſeine
„Maſchinen= und Velociped=Handlung” zunächſt nur
als Importhaus für ausländiſche Fahrräder. Bereits
nach 6 Jahren konnte Heinrich Kleyer durch
Auf=
nahme der Eigenfabrikation ſein Unternehmen zur
damals größten Spezialfabrik ausbauen. 1895 erfolgte
die Umwandlung des Unternehmens in eine
Aktien=
geſellſchaft, die unter der Leitung Heinrich Kleyers
alsbald den neuen und ausſichtsreichen
Produktions=
zweig des Schreibmaſchinenbaus aufnahm. Aber bald
hatte ſich Heinrich Kleyer ein neues, noch größeres
Arbeitsgebiet erſchloſſen — den Kraftfahrzeugbau.
Um die Jahrhundertwende wurde bereits dem erſten
Adler=Kraftwagen auf der Frankfurter
Automobil=
ausſtellung die Große Goldene Medaille zuerkannt.
Trotz Krieg und ſchwerer Kriſen wurde mit den beſten
Kräften der Wiſſenſchaft und Praxis eine weitgehende
Rationaliſierung aller Betriebszweige durchgeführt,
und mit modernſten Maſchinen und vorbildlichen
be=
triebstechnüſchen und ſozialen Einrichtungen ſtehen
heute die Adlevwerke in der vorderſten Reihe der
deutſchen Automobilfabriken. Unter ſtändiger
Beach=
tung aller konſtruktiven und fabrikatoriſchen
Neue=
rungen im Automobilbau iſt es ihnen gelungen, allen
Erzeugniſſen, welche das Symbol des Adlers tragen,
internationales Anſehen zu euwerben.
Frankfurt ehrt Geheimrat Dr. Kleyer.
Die Stadt Frankfurt a. M. verlieh ihre Silberne
Plakette anläßlich des 50jährigen Jubiläums der
Adler=Werke, deren Gründer Geheimrat Dr. Kleyer
iſt, und benannte die bei den Adler=Werken
vorbei=
laufende Höchſterſtraße Kleyerſtraße.
Vom Auto getötet.
Frankfurt a. M. Der 20jährige Gärtner Hans
Geher aus Oberrad wurde auf der Uferſtraße, als er
mit einem Handwagen von der Feldarbeit heimkehrte,
von einem aus Offenbach kommenden Auto von
rück=
wärts angefahren und gegen ſeinen Karren
ge=
ſchleudert. Die Verletzungen des jungen Mannes
waren derart ſchwer, daß er nach kurzer Zeit ſtarb.
Das Haus der Mutter angezündet.
Kaſſel. Am 26. Februar gegen 7.30 Uhr abends
brach in Gieſelwerder ein Brand aus, der die Häuſer
des Fuhrmanns Henne und der Witwe Warneche
ver=
nichtete. Ein Vertreter des Oberſtaatsanwalts nahm
ſofort nach Ausbruch des Brandes an Ort und Stelle
die Ermittlungen auf, die ergaben, daß zweifellos
vorſätzliche Brandſtiftung vorlag. Gegen den Sohn
der Witwe Warnecke, den arbeitsloſen Guſtav
War=
necke, der alsbald feſtgenommen wurde, hat der
Un=
terſuchungsrichter die Vorunterſuchung eröffnet und
Haftbefehl wegen dringenden Verdachts der
vorſätz=
lichen Brandſtiſtung erlaſſen.
Schwerer Einbruch in ein Uhren= und
Goldwarengeſchäft.
Kafſel. In der Nacht zum Freitag wurde in
das Uhren= und Goldwarengeſchäft Kogan in der
Bahnhofſtraße, ein ſchwerer Einbruchsdiebſtahl
ver=
übt. Den Tätern iſt eine Beute im Werte von 4000
bis 5000 Mark in die Hände gefallen. Nach den
bis=
herigen Feſtſtellungen ſind Vorſtecknadeln, goldene
und ſilberne Herrenuhren, Armbanduhren, Uhrketten,
Halsketten, goldene Bleiſtifte und verſchiedene Ringe
geſtohlen wvorden. Der Tat dringend verdächtig ſind
zwei jüngere Leute, die ſich im Laufe des Tages
län=
gere Zeit vor dem Laden zu ſchaffen machten. Es
handelt ſich um Leute imf Alter zwiſchen 20 und 30
Jahren. Der eine wird beſchrieben als etwa 1,75
Meter groß, ſchlank, bekleidet mit dunklem Mantel
und dunklem Hut und Tuchgamaſchen. Der zweite
Verdächtige iſt etwa 1,60 Meter groß, ſchmächtig, mit
grauem Anzug und hellem Hut bekleidet.
Sachdien=
liche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei.
Todesſturz in die Sandgrube.
Andernach. Der 40jährige Schloſſer Heinrich
Kappes fiel in der Nähe ſeines neu bezogenen Hauſes
in eine 10 Meter tiefe Sandgrube. Der Verunglückte
blieb mit zerſchmetterter Wirbelſäule liegen und ſtarb
kurze Zeit darauf an den erlittenen Verletzungen.
Ein Autobus vom Zuge erfaßt.
Berlin. Auf einem Bahnübergang bei dem
Bahnhof von Vallociano bei Livorno ereignete ſich,
wie Berliner Blätter aus Florenz berichten, ein
ſchwveres Unglück. Ein mit 60 Arbeitern beſetzter
Autobus wurde von einem Schnellzug erfaßt. Der
Kraftwvagen wurde eine Strecke weit vor dem Zug
hergeſchoben und ſchließlich mit den Inſaſſen über
eine Böſchung geſchleudert, wobei zwei Arbeiter
ge=
tötet und 13 lebensgefährlich verletzt wurden. Die
übrigen Inſaſſen erlitten mehr oder weniger ſchwere
Verletzungen. Das Unglück iſt darauf zurückzuführen,
daß die Eiſenbahnſchranken nicht geſchloſſen waren.
Eiſenbahnunglück in Belgien.
Brüſſel. Ein von Brüſſel kommender
Eiſen=
bahnzug ſtieß am Freitag mittag mit einem nach
Asſche fahrenden Zug zuſammen. Nach den
bis=
herigen Meldungen ſind ein oder zwei Wagen
um=
geſtürzt und acht Reiſende verletzt worden.
Kirchenraub in Santa Maria Maggiore.
Rom. In der dem Vatikan gehörenden Kirche
Santa Maria Maggiore iſt ein frevelhafter
Kirchen=
raub ausgeführt worden. Einbrecher erbrachen in der
Nacht den Tabernakel und ſtahlen einen werwollen
ſilbernen Hoſtienkelch.
Schweres Grubenunglück in der Ukraine.
Neun Tote,
Kowno. Wie aus Moskau berichtet wird,
er=
eignete ſich am Freitag in Dnjepropetrowſk (Ukrgine)
in einem Schacht ein ſchweres Grubenunglück. Durch
eine Gasexploſion wurden neun Arbeiter getötet,
während vier ſchwer verletzt wurden. Eine
Unter=
ſuchungskommiſſion ſtellte feſt, daß das Unglück auf
tichniſche Fehler zurückzuführen iſt. Der leitende
Ingenieur Saitſchenko wurde ſofort von der Ogpu
verhaftet.
Sechsfacher Mord und Selbſtmord.
Chemnitz. Am Freitagabend hat ſich in ihrer
Wohnung in der Louis=Otto=Straße im Vorort Borna
die Frau eines Kriegsbeſchädigten in deſſen
Abweſen=
heit mit ihren ſechs Kindern im Alter von ſechs
Monaten bis 12 Jahren durch Leuchtgas vergiftet.
Wiederbelebungsverſuche der Feuerwehr waren
er=
folglos. Der Grund zu der Tat ſoll in ehelichen
Zer=
würfniſſen zu ſuchen ſein
Eine Seilfabrik niedergebrannt.
Witten. Freitag nachmittag entſtand aus
un=
bekannter Urſache in der Seilfabrik Schulte=
Belling=
hauſen ein Feuer wodurch die Fabrik vollſtändig
ausbrannte. Große Mengen Hanf und Teer fielen
den Flammen zum Opfer. Die Feuerwehr ſtand dem
Brand machtlos gegenüber und mußte ſich darauf
be=
ſchränken, die Seitengebäude zu retten. Der Schaden
iſt ſehr groß.
Hinrichkung auf dem elekkriſchen Stuhl.
NewYork. Unter ungewöhnlicher Anteilnahme
der Allgemeinheit vollzog ſich am Freitag am ſpätem
Nachmittag die Hinrichtung des Profeſſors James
H. Snook. Seit vielen Tagen wurde man auch von
allen Einzelheiten, die der Hinrichtung vorangingen,
nicht mehr verſchont. So wurde in aller
Ausführlich=
keit berichtet, daß Snook ſeine letzten Mahlzeiten
mit gutem Appetit verzehrt hatte, wie er geſchlafen
hatte und daß ſchließlich der tödliche Strom, der
ſeinem Leben ein Ende ſetze, 1950 Volt ſtark war.
Prof. Snook, verheiratet und Vater mehrerer
Kin=
der, hatte ein Verhältnis gehabt, und während einer
Autofahrt ſeine Geliebte, die Studentin Frl. Hix,
getötet. Er verſuchte ſeine Tat damit zu begründen,
das Mädchen habe ihn veranlaſſen wollen, ſeine Frau
zu verlaſſen und er habe ſich ihrer wütenden
Eifer=
ſucht, die ſogar in tödliche Bedrohung ausgeartet ſei,
nicht anders erwehren können. Das Todesurteil wurde
auf Grund eines Indizienbeweiſes geführt, die Beweiſe
waven aber ſo lückenlos, daß der Profeſſor ſich nicht
mehr herausreden konnte. Das Todesurteil wurde im
vorigen Auguſt gefällt und trotz aller Gnadengeſuche
ſchließlich von allen Inſtanzen beſtätigt.
Linienſchiff „Schleſien” im Kaiſer=Wilhelm=
Kanal mit einem Dampfer zuſammengeſtoßen.
Hamburg. Auf der Durchfahrt durch den
Kaiſer=Wilhelm=Kanal ſtieß das Linienſchiff
Schleſien”, das oſtwärts fuhr, in der Nähe der
Burger Fähre mit dem deutſchen Dampfer „Welf
Heinrich”, den es überholen wollte, zuſammen.
Infolge des plötzlichen Anpralls wurde dieſem
der Steven eingebeult. Seine Maſchine ſetzte
ſo=
fort aus. Das Schiff mußte bei der Burger
Fähre feſtmachen. Die „Schleſien” die achtern
zwei große Einbeulungen erlitt, konnte ihre
Fahrt fortſetzen. Der Unfall iſt wahrſcheinlich
darauf zurückzuführen, daß der Dampfer durch
den Sog des vorfahrenden Linienſchiffes
ange=
zogen wurde.
Eine Frau wird Stadkmedizinalrat
von London.
Frl Dr. Lambert
iſt zum Stadtmedizinalrat von London ernannt
worden. Ihr unterſtehen über 100
Kranken=
häuſer mit 75 000 Betten, 26 000 Mann
Pflege=
perſonal und ein jährlicher Ausgabenetat von
800 Millionen Mark.
Nummer 61
Sonntag, den 2. März 1930
Seite 14
Heidelbergs Finanznok.
Das Stadktheaker wird geſchloſſen.
Keine Feſtſpiele mehr.
Inkernakionale Dichkergrößen in Berlin.
Führerkonferenz des Deutſchen
Bankbeamken-Bereins.
Frankfurt a. M. Der Gau
Südweſtdeutſch=
land im Deutſchen Bankbeamten=Verein hielt eine
ſtark beſchickte Führertagung ab. 48 Vertreter aus
18 ſüdweſtdeutſchen Banbplätzen waren erſchienen. In
einem anſchaulich gehaltenen Situationsbericht gab
zunächſt Gauvorſteher Decker einen kurzen Ueberblick
über die wichtigſten Vorgänge auf gewerkſchaftlichem,
organiſatoriſchem und ſozialem Gebiet. Seit 1. April
1929 konnten im Gau rund 500 neue Mitglieder
ge=
wonnen werden; 85 Prozent aller ſüdweſtdeutſchen
Bankangeſtellten gehören damit dem Deutſchen
Bank=
beomten=Verein an. In den Betriebsräten von 131
ſüdweſtdeutſchen Bankbetrieben zählte der D.B.V.
Ende 1929 302 Mitglieder und beſetzt damit nahezu
ſämtliche Sitze in dieſen Organen. Ueber 170 000
Mark an Gehaltsnachzahlungen, Abfindungen uſw.
wurden in den letzten 10 Monaten für die Mitglieder
erſtritten. Auch im Bildungsweſen zeigten ſich ſtarke
Fortſchritte. An dieſen Bericht, der mit großem
Bei=
fall aufgenommen wurde, ſchloß ſich eine längere, ſehr
anregende und fruchtbringende Ausſprache, in welcheu
inſonderheit auch die durch die letzte Großbanken=
Fuſion für die Angeſtellten dieſes Großbetriebes
ge=
ſchaffene Lage eingehend erörtert wurde. In einer
Entſchließung wurde der Zentralleitung und dem
Gauvorſtand wärmſter Dank zuteil, die anläßlich der
Großbanken=Verſchmelzung ſeitens der Organiſation
getroffenen Maßnahmen gutgeheißen und die
Bank=
angeſtellten Südweſtdeutſchlands aufgerufen, ſich mit
Nachdruck ebenfalls für die Fuſion der
Hauptpenſions=
kaſſe der Deutſchen Bank mit der Neutralen
Penſions=
kaſſe der Bankangeſtellten einzuſetzen. Mit einem
zün=
denden Appell zu weiterer recht kräftiger Mitarbeit
im Intereſſe der Bankangeſtellten fand die Konferenz
nach 4½ſtündiger Dauer unter begeiſterten Hochrufen
auf den D.B.V. ihr Ende.
Beſchlagnahme weiterer Bilder auf der
Ifa=Ausſtellung.
Berlin. Das Amtsgericht Berlin=Mitte hat
Freitag auf Antrag der Staatsanwaltſchaft I die von
der Polizei auf der Ifaſchau ausgeführte
Beſchlag=
nahme zweier dort ausgeſtellter Bilder (Kirchenfenſter
und das Kruzifix von Groß) beſtätigt und die
Be=
ſchlagnahme dreier weiterer Bilder und Figuren
an=
geordnet. Die Beſchlagnahme beruht auf § 166 des
Strafgeſetzbuches, wonach die Erregung eines
Aerger=
niſſes durch öffentliche Gottesläſterung ſowie die
öffentliche Beſchimpfung der Kirchen und deren
Ein=
richtungen und Gebräuche unter Strafe geſtellt werden.
Neu beſchlagnahmt ſind: 1. Eine figürliche
Nachbil=
dung Papſt Pius XI. im Ornat mit einem Revolber
in der auf den Beſchauer ausgeſtreckten Hand und
der Unterſchrift „Rettet die chriſtliche Ziviliſation vor
dem Teufel und dem Bolſchewismus”, 2. die
Dar=
ſtellung eines durch einen Pfarrer erteilten
Unter=
richts an Zuhörer, die ſtatt der Menſchenköpfe
Schafs=
köpfe haben, 3. eine Nachbildung eines
beſchlag=
nahmten Kreuzes mit einem Lichtbild des
Chriſtus=
bildes von Groß.
Peſtfälle auf den Azoren.
Liſſabon. Nach einer Meldung aus Punta
del Gada ſind im Januar auf den Azoren 20
Peſt=
fälle feſtgeſtellt worden.
Gunar Gunarſon,
der beſonders in den letzten
Jahren bekannt gewordene
nor=
wegiſche Roman=Schriftſteller,
weilte als Gaſt des Pen=Klubs
in Berlin.
M. Anderſen=Nexö,
der däniſche Schriftſteller,
Ver=
faſſer des groß, ſozial, Romans
„Pelle, der Eroberer” und von
„Stine Menſchkind” trifft zu
einem Beſuch in Berlin ein.
Jules Romain,
der franzöſiſche Dramatiker,
Autor des „Diktator”, wird im
Berliner ehemaligen
Herren=
haus über die „Aufgaben der
Geiſtigen” ſprechen.
Die Schupo gibt Unkerricht.
Verkehrsunterricht ländlicher Schulkinder durch Polizeiſtreifen,
die jetzt von den preußiſchen Regierungsbezirken eingeſetzt wurden, um auf dem breiten Lande über
die Verkehrsvorſchriften aufzuklären.
Heidelberg. Der Oberbürgermeiſter gab in
einer Preſſebeſprechung eine eingehende Darſtellung
der finanziellen Lage der Stadt auf Grund des neuen
Voranſchlages. Aus dem jetzt zu Ende gehenden
Ver=
waltungsjahr 1929/30 ergibt ſich ein Fehlbetrag von
ungefähr 800—900 000 Mark. Man will ihn nicht
durch einen Nachtvagsetat hereinholen, ſondern mit je
300 000 Mark in den Voranſchlägen der nächſten drei
Jahre einbringen. Sehr erheblich ſind aber, vor allem
durch das Anwachſen der Fürſorgekoſten verurſacht,
die Zahlenſteigerungen im neuen Voranſchlag Er
erfordert eine Mehrausgabe von 1,6 Millionen. Dieſe
Mehrausgabe macht neben größter Sparſamkeit auf
allen Gebieten eine Erhöhung der Umlage und der
Gebühren der ſtädtiſchen Gas=, Waſſer= und
Elektrizi=
tätswerke notwendig, ebenſo aber auch eine
Verwal=
tungsreform. Durch die Kümndigung von ſtädtiſchen
Angeſtellten und Zurruheſetzung zahlreicher älterer
Beamten, deren Poſten nicht neu beſetzt werden, will
man jährlich 160 000 Mark einſparen. Weitere
Ent=
laſſungen von Arbeitern bei den Werken müſſen
fol=
gen. Beſonders wichtig iſt die Schließung der
Stadt=
heaters, die beinahe als ſelbſwerſtändlich
angenom=
men wird. Man ſpart rund 350 000 Mark, wenn das
Theater nicht ſpielt, und es wird dem Stadtrat und
dem Bürgerausſchuß wohl nicht gelingen, dieſen
Be=
trag irgendwie ausfindig zu machen, um dadurch den
Weiterbetrieb des Theaters zu ſichern. Allerdings
betrachtet man die Stillegung nur als eine
vorüber=
gehende Maßnahme und rechnet mit der
Wiederauf=
nahme des Betriebes in ein bis zwei Jahren. Daß
die Feſtſpiele in dieſem Sommer nicht ſtattfinden
wer=
den, iſt ſicher. Ueber die Frage, ob ſie im Sommer
1931 veranſtaltet werden, wird im Herbſt oder im
nächſten Winter beraten werden.
Dynamit gegen einen Geiſteskranken.
Defiance (Ohio). Die hieſige Polizei griff am
Freitag zu einem außergewöhnlichen Mittel, um einen
gemeingefährlichen Geiſteskranken unſchädlich zu
machen, der aus dem Irrenhaus entflohen war. Der
Geiſteskranke hatte ſich aus der Anſtalt nach Hauſe
begeben und dort ſeine Frau ermordet. Als die
Polizei erſchien, empfing er ſie mit Gewehrfeuer. Die
Polizei beſchoß das Dachkammerfenſter zunächſt mit
einem Maſchinengewehr, ohne den Mann
kampf=
unfähig machen zu können. Als er durch weitere
Schüſſe das Leben der Beamten gefährdete, griffen
dieſe ſchließlich zu Dynamit und ſprengten das Haus
in die Luft.
Bombenexploſion in einem amerikaniſchen
Nachtlokal.
Chicago. In einem eleganten Nachtklublokal
explodierte unter dem Orcheſterpodium eine Bombe.
Da die Exploſion während einer Tanzpauſe erfolgte,
wurde nur ein Muſiker verletzt. Der Saal, das
darunterliegende Stochwerk und ein anſtoßendes Hotel
wurden beſchädigt. Der Anſchlag ſteht im
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Nummer 61
Sonntag, den 2. März 1930
Seite 15
A
P9
Ghnnt iitr Airptint
Vor dem Fußballkampf Oeutſchland—Italien
Bus tonnen voie Bon Lunderſpiei
Richkige Vorherſage unmöglich. — Die Deutſchen
munten ihr Syſtem hochhalten, dann ..."
* Die ganze deutſche Sportwelt iſt gebannt! Tauſende und
Aber=
tauſende erwarten geſpannt das Zuſammentreffen zweier Nationen, die
durch ihre Vertreter ihren ganzen Ehrgeiz dareinlegen werden, nach
ein=
einhalbſtündigem, friedlichem Kampf auf dem grünen Raſen ſiegreich zu
beſtehen. Monatelang ſchon beſpricht man die Chancen. Die Italiener
haben es diesmal wirklich leicht, eine erſtklaſſige Nationalmannſchaft
zu=
ſammenzuſtellen. Schlimm, ſehr ſchlimm, erging es dem D.F.B. Eine
Hiobsbotſchaft folgte der anderen, — zuletzt verloren wir gar unſeren
ausſichtsreichſten, beſten Stürmer Rich. Hoffmann. Trotzdem, man kann
die Sache nie und nimmer jetzt ſchon als ausſichtslos aufgeben. Stark
ſind einige Stützen der Elf — ſtark genug, um evtl. ſchwache Punkte
teil=
weiſe zu decken.
Die italieniſchen Gäſte haben nach diverſen Probeſpielen
ihre Beſten gewählt und geben endgültig folgende Aufſtellung bekannt:
Combi
Roſetta
Calligaris
Ferraris
Pitto
Barbieri
Conſtantino. Baloncieri „Meazza Magnozzi
Orſi
Das Schlußtrio wird alſo von den bekannten Turiner „Kanonen”
geſtellt. Gut aufeinander abgeſtimmt, werden dieſe Leute allen
Raffi=
neſſen kaltblütig gegenüberſtehen; große Schnelligkeit der Verteidiger
paart ſich hier mit vollendeter Sicherheit des Schlußmannes. Die
Läuferreihe iſt aus drei Mittelläufern zuſammengeſetzt. Man wird hier
alſo ab= und zugeben können — ganz nach Belieben. Verhängnisvoll
für die „Azzuris” könnte hier nur werden, wenn die Außenläufer, an
den Mittelpoſten gewohnt, keinen „Platz” hielten. Der Sturm iſt
glän=
zend aufeinander abgeſtimmt. Das junge italieniſche „Fußballwunder”,
Meazza, wird die Fünferreihe führen; links und rechts ſtehen
er=
probte Routiniers. Das größte Intereſſe wird man natürlich dem
an=
erkannt „fabelhaften” Linksaußen Orſi zuwenden müſſen. Gelingt es,
ihn entſprechend zu halten, wird dem temperamentvollen Sturm des
Gegners der halbe Schwung genommen ſein.
Die deutſche Vertretung hat wohl noch nie ſolch
Kopf=
zerbrechen gemacht wie für dieſes bedeutungsvolle Spiel. Nach langem
Für und Wider Eüſte man das ſchZierige z.ütſel und ſtellte auf:
W. Hoffmann Frank Pöttinger Czepan Albrecht
Heidkamp
Leinberger
Knöpfle
Weber
Hagen
Stuhlfauth
Das deutſche Schlußtrio, obwohl aus einzelnen Spielen
verſchie=
dener Vereine zuſammengeſtellt, iſt mindeſtens dem der Italiener
eben=
bürtig. Auf Stuhlfauth, den „Helden von Turin”, die „Furcht
der Azzuris”, iſt unbedingter Verlaß. Hagen und Weber ſind zwei
typiſche Einzelverteidiger, die neben großer Routine über eminente
Schnelligkeit verfügen und wohl kaum eine Lücke zum Durchſchlüpfen
laſſen werden. Bei der Läuferreihe beginnt unſere Sorge.
Leinber=
ger war in letzter Zeit nicht in Hochform. Trotzdem hat man ihn als
Rückgrat der Mannſchaft auf den Mittelläuferpoſten geſtellt, hoffend,
daß der „Fürther” in dieſem Spiele ſein ganzes Können
ent=
faltet. Schwer war die Suche nach dem rechten Läufer, der Orſi
hält. Immer wieder kam man auf Knöpfle zurück, jenen „Wühler”
der vielleicht als einziger deutſcher Läufer einem Orſi entgegengeſtellt
werden kann. Der Ex=Fürther wurde in letzter Zeit verſchiedentlich
ſchwer verletzt. Wie verlautet, ſoll er aber jetzt wieder vollkommen
aus=
kuriert ſein — damit wäre natürlich viel gewonnen. Heidkamp,
obwohl für ſeinen Verein als Mittelläufer tätig, macht uns wenig
Sorge. Der lange weſtdeutſche „Baher” wird ſchon ſeinen Platz
be=
haupten. Im Sturm iſt auf Hoffmann und Albrecht unbedingt
Verlaß. Beide werden ſicherlich mit präziſen Flanken aufwarten. Wie
aber wird ſich das Innentrio zurechtfinden? Vielleicht lehren uns dieſe
drei Leute, daß alle Bedenken unnötig waren. Pöttinger verſteht
mit allen techniſchen Feinheiten einen Sturm zu führen. Frank und
Czepan müſſen nur aufmerkſam ſein.
Es ſteht nach reiflicher Erwägung, und in Anbetracht der
vorteil=
haften Platzverhältniſſe noch lange nicht ſchlecht um unſere
Ausſichten. Schwer ins Gewicht wird natürlich auf der Gegenſeite das
Temperament und die wechſelvolle Spielart der Mannſchaft fallen.
Dar=
auf dürfen unſere Spieler aber keineswegs eingehen, ſondern müſſen
treu und brab ſich an ihren flachen Paß halten, — — das könnte evtl.
den Gegner am allererſten zermürben.
Für guten Erſatz iſt in beiden Lagern reichlich geſorgt. Italien
meldet hier: Vincenti, Ferrari, Schiavio, Avale. Deutſchland:
Kreß, Brunke, Mantel, Kotſchenreuther, Schmidt 2., Kurzorra,
Arm=
bruſter.
Das Spiel ſteht unter der bewährten Leitung von Ruoff=Bern
(Schweiz). Ungefähr 50 000 Sportbegeiſterte werden ſich den Kampf
an=
ſehen — Hunderttauſende werden am Radio die Uebertragung des
Spre=
chers Dr. P. Laven verfolgen. Hoffen wir, daß ſich das anweſende
Publik — muſtergültig benimmt und ſo dem ſtimmungsvollen Bilde ein
H. H.
würdiger Rahmen gegeben ſein wird.
Der Aufkakt in Frankfurk.
In den Sportquartieren, Sitzungen, neue Sorgen.
Das Länderſpiel gegen die Italiener hat manche Sorgen bereitet.
Die Sorgen um die Aufſtellung der deutſchen Mannſchaft, die Stürme
auf die Eintrittskarten, die Befürchtung, daß trotz aller
Vorſichtsmaß=
nahmen Störungen bei der Unterbringung der Maſſen eintreten könnten,
und dazu noch ein Schock kleinerer und größerer Sorgen. Nur vom
Wetter ſprach man faſt nicht. Es ſchien faſt ſelbſtverſtändlich, daß von
dieſer Seite keine Beeinträchtigung zu evwarten ſei. Eine Gewißheit,
die auch beſtätigt wurde. Als am Samstag mittag am Frankfurter
Hauptbahnhof Hunderte die Ankunft der Italiener erwarteten, lag ein
wolkenloſer, heiterer Frühlingshimmel über der Stadt. Kurz nach 1 Uhr
trafen die Italiener von Mannheim kommend mit dem
fahrplan=
mäßigen Zug, aber mit italieniſchen Sonderwagen, in denen am
Montag auch die Rückreiſe angetreten wird, in Frankfurt ein. Die
verſammelte ſtarke italieniſche Kolonie bereitete ihren Landsleuten einen
ſtürmiſchen Empfang. Hingegen verhielt ſich die große Maſſe der
War=
tenden auffallend ernſt. Der Peſſimismus, die Sorge um den Ausgang
des Spieles war allgemein. Immerhin demonſtrierte die große
Men=
ſchenmenge die der Ankunft der Italiener beiwohnte, wieder einmal,
wie ſtark die Erregung iſt, die von dieſem Fußballkampf ausgeht. Die
italieniſchen Spieler, in deren Begleitung ſich auch ein Dutzend
Preſſe=
leute, ein halbes Dutzend Offizieller und auch verſchiedene
Schlachten=
bummler befanden, machten ſchon rein äußerlich einen ſehr geſunden,
gut trainierten Eindruck. Während die Italiener mit einem Teil der
deutſchen Offiziellen im Hotel Monopol/Metropol Unterkunft fanden,
war das deutſche Quartier im Hotel Excelſior aufgeſchlagen.
Hier trafen um 16 Uhr zuerſt die Münchener Spieler ein. Im
weiteren Verlauf des Nachmittags und Abends geſellten ſich dann auch
einer nach dem anderen die übrigen Repräſentativen hinzu. Die
Ita=
liener b=ſuchten nachmittags das Stadion, wo ſie von der
Stadion=
geſellſchaft begrüßt und bewirtet wurden.
Inzwiſchen hörte man im deutſchen Standquartier von neuen
Sor=
gen. Es ſickerte durch, daß der Linksaußen Hoffmann (
Mün=
chen) wegen der Entgleiſung beim Meiſterſchaftsſpiel gegen Waldhof nicht
ſpielen und daß man für ihn den Fürther Kießling einſetzen
würde. Eine Umbeſetzung, die ſchon deshalb wenig Freunde fand, weil
man in Frankfurt ſelbſt einen Linksaußn hat, den man lieber geſehen
hätte. Es kanr auch wenia Zweifel darüber beſtehen, daß Kellerhoff
(Eintracht) zur Zeit beſſer iſt als Kießling und vielleicht auch als
Hoffmann.
Sehr zahlreich war ſchon am Samstag die auswärtige Preſſe
ein=
getroſſen. Die Sportiournaliſten hielten abends im Hotel „Excelſior”
eine Verſammlung ab, in der es zur Gründung eines
Ver=
bandes der ſüdweſtdeutſchen Sportpreſſe kam.
An=
ſchließend gab der Verein Frankfurter Sportpreſſe ſeinen auswärtigen
Kollegen im „Excelſior” einen Gmpfang, an dem nahezu 100 Jour=
England und Frankreich teilnahmen. Auch in der Tatzſache, daß ſelbſt
die ausländiſche Preſſe ſo ſtark vertreten war, kam erneut die große
Bedeutung des Spiels zum Ausdruck.
Am Abend ſtand Frankfurt, das übrigens zu Ehren des Fußballs
und der ausländiſchen Gäſte Flaggenſchmuck aufgeſteckt hat, im Zeichen
eines ſtarken Faſchingsbetriebes. Aber ſelbſt beim Karneval=Rummel
blieb das Ländeuſpiel Hauptgeſprächsthema und überall dominierte die
große Ungewißheit, die über dem Ausgang dieſes Spieles lag.
Darmſtädter Sporkkalender.
Sonntag, den 2. März.
Handball.
2,00 Uhr: Dornheimerweg: Reichsbahn — T. V. Crumſtadt.
2,30 Uhr: Müllersteich: Fr. Tgde. — Langen.
Von den Ski=Europameiſterſchaften bei 9slo.
Die Herren Vereinsleiker
Oberleutnant Raithel
von den Münchener Pionieren, der Führer der deutſchen
Militär=
patrouille bei den Ski=Europmeiſterſchaften bei Oslo, konnte ſich
durch ſeine ausgezeichneten Leiſtungen als Vierter in der
Geſamtbewertung placiereien
Holmenkollen=Rennen 1930.— Der 17-Ki. Langlauf.
Nach Beendigung der Wettkämpfe der Internationalen Ski=
Ver=
anſtaltung in Oslo begannen am Samstag die klaſſiſchen Holmenkollen=
Rennen. Den Anfang machte der 17=KilometerLanglauf. In vier
Klaſſen erſchienen insgeſamt 220 Läufer am Start. In Klaſſe 4 fand
man faſt wieder alle Ausländer vertreten, darunter allein ſieben
deut=
ſche Teilnehmer. Die Strecke, die zurückzulegen, war weniger ſchwierig
als die in den vorhergehenden Konkurrenzen. Nur der durch die milde
Witterung auf dem freien Gelände pappig gewordene Schnee machté.
den Läufern zu ſchaffen. Im allgemeinen ſchnitten diesmal die
Ver=
treter der mitteleuropäiſchen Nationen weit beſſer ab, als es ſeither
der Fall war. Beſonders erfreulich iſt, daß auch diesmal unſere
Ver=
treter auf verhältnismäßig guten Plätzen landen konnten. So konnte
ſich W. Bogner=München in 1:1537 auf den 20. Platz
vor=
arbeiten und mußte nur den Tſchechen Nemecky vor ſich laſſen. L. Böck
(Neſſelwang) kam an 34. Stelle in 1:57.54 Std., gefolgt von Guſtel
Müller in 1:17.59 ein. Der Schleſier Ermel beſetzte mit 1:19.05
den 48. Platz. Dagegen mußte der ſtark erkältete A. Kratzer auf halber
Strecke aufgeben, während W. Claß=Klingenthal und Recknagel
zuſam=
men mit dem Jugoſlawen Janſa auf dem letzten Platz endeten. Sieger
im 17=Kilometer=Langlauf wurde der Norweger Ole Steenen in
1:11.33 Stunden.
Europameiſter Ballangrud, ſiegte im Wettkampf um die „Pollak=
Parnegg=Trophäe” über 1500 Meter in der Zeit von 2:24,3 wieder
gegen Staksrud, der 2:25,9 benötigte. Ueber 10 000 Meter
wurde aber Ballangrund überraſchend von dem Wiener Jungbluth in
18:50,2 geſchlagen. Im Geſamtklaſſement blieb Ballangrund Sieger.
Die Tennis=Medenſpiele 1930.
Neue Zonen=Einteilung.
Die Zeiten, da die Meiſterſchaft der Bezirks=Mannſchaften,
beſſer unter der Bezeichnung Medenſpiele” bekannt, als das
Stiefkind des deutſchen Tennisſportes galten, ſind jetzt endgültig
vorüber. Von Jahr zu Jahr hat ſich das Bewußtſein, mit der
Be=
ſchickung und Durchführung der Mannſchafts=Meiſterſchaften eine
ſportliche Angelegenheit von erheblicher tennispädagogiſcher und
tennispolitiſcher Bedeutung zu unterſtützen, bei den Bezirken
ge=
feſtigt. Insbeſondere ſind es die ſüddeutſchen Tennisdiſtrikte, die
alljährlich ihre Auswahl mit ganz beſonderer Sorgfalt und unter
reger Beteiligung aller Spieler treffen. Die Schlußrunde im
Vorjahre hat, wie erinnerlich, in München den badiſchen Bezirk
mit dem Berliner Tennisverband zuſammengeführt und Anlaß
zu einer Reihe ſpannender und ſportlich hochſtehender Kämpfe
gegeben.
Die einzelnen Zonen.
In dieſem Jahre ſorgt eine neue Zonen=Einteilung, für die
die beiden eifrigſten Befürworter des Medengedankens, Dr. Paul
Liebmann=Frankfurt und Karl Grauhan=Köln, verantwortlich
zeichnen, für die notwendige Verbindung zwiſchen Nord und Süd,
Oſt und Weſt. Die uns in Süddeutſchland am meiſten
intereſſie=
rende Südweſtzone hat auch diesmal eine Verſchiebung nach
Norden beibehalten und umfaßt die Begegnungen zwiſchen Bayern
und Baden einerſeits, Württemberg und Thüringen andererſeits.
Dieſe Treffen ſollen am 17. und 18. Mai auf der neuen im Bau
befindlichen Anlage des Lawn=Tennis=Club Nürnberg
ſtattfin=
den. Der Bezirk Heſſen, der im Vorjahre noch in der Südzone
zuſammen mit Baden und Württemberg, ſowie den damals
aller=
dings abſagenden Rheinländern die Ausſcheidungskämpfe im
Frankfurter Stadion beſtritt, iſt jetzt der Zone Czugeteilt.
In dieſen ſpielen an den gleichen Tagen auf der Platzanlage von
„Etuf” Eſſen die Bezirke 8 (Rheinland) und 9 (Heſſen), ſowie
die Bezirke 5 (Hamburg) und 6 (Weſtfalen )gegeneinander.
In der B=Zone treten beim Leipziger Sportklub, ebenfalls
am 17. und 18 Mai Schleſien gegen Hannover, ſowie Sachſen
gegen den Berliner Verband an. In der Zone A endlich, die
vorausſichtlich anſchließend an das Pfingſtzurnier in Berlin
aus=
geſpielt wird, alſo zwei Wochen ſpäter als die übrigen
Zonen=
kämpfe, treffen ſich Oſtpreußen und der Freiſtaat Danzig, der
Sieger aus dieſem Spiel dann mit dem 3. Bezirk, dem Lawn=
Tennis=Turnier=Club Rot=Weiß.
bitten wir, wegen Perſonenwechſels der Schriftleitung Briefe nicht
per=
ſönlich zu adreſſieren.
34. Preußiſch=Süddeukſche Klaſſenlokkerie.
naliſten aus allen Teilen des Reiches, aus Italien, der Schweiz, 18. Tag, 5. Klaſſe. In der Vormittags=Ziehung am A.
Februar fielen: 4 Gewinne zu 5000 Mk. auf Nr. 230 451, 380 177; 12
Gewinne zu 3000 Mk. auf Nr. 24 479, 110 787, 123 307, 276 177, 278073,
380 153; 14 Gewinne zu 2000 Mk. auf Nr. 9 548, 119 367, 158 009,
217 613, 313 660, 318 199, 319 752; 34 Gewinne zu 1000 Mk. auf Nr.
39 279, 49 609, 96 214, 126 009, 155 075, 156 275, 169 874, 173 596, 201 677,
205 810, 211 678, 228 419 234 031, 258 028, 295 711, 307 721, 345 898;
ferner 92 Gewinne zu 500 Mk. und 242 Gewinne zu 300 Mk. — In der
Nachmittags=Ziehung fielen: 2 Gewinne zu 10 000 Mk. auf Nr.
133 122; 2 Gewinne zu 5000 Mk. auf Nr. 196 005; 10 Gewinne zu
3000 Mk. auf Nr. 17 483, 80 135, 130 784, 270 318 312 817; 10 Gewinne
zu 200 Mkauf Nr. 2 917, 134 999, 185 463, 217 213, 311 784; 46 Gewinne
zu 1000 Mk. auf Nr. 35987, 39 749, 54 415, 81 455, 107 121, 139 27,
139 617, 157307, 160 774, 182 103, 196 728, 197 776, 206 085, 209 301,
215 970, 227 693, 240 741, 244 623, 296 112, 334 554, 352 390, 363 625,
375 748; ferner 92 Gewinne zu 500 Mk. und 174 Gewinne zu 300 Mk.
— Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500 000 Mk.,
2 Gewinne zu je 500 000 Mk., 2 Gewinne zu je 75 000 Mk., 2 Gewinne
zu je 50 000 Mk., 2 Gewinne zu je 25 000 Mk., 40 Gewinne zu fe
10 000 Mk., 64 Gewinne zu je 5000 Mk., 196 Gewinne zu je 3000 Mk.,
304 Gewinne zu je 2000 Mk., 836 Gewinne zu je 1000 Mk., 1746
Ge=
winne zu je 500 Mk. 4540 Gewinne zu je 300 Mk. (Ohne Gewähr.)
Geſchäftliches.
„Hallo 1930"
betitelt ſich eine hochintereſſante Platte, ein Schlager=Potpourri, die die
Deutſche Grawmophon=Aktengeſellſchaft als Tanzplatte von Paul
God=
win geſpielt und einmal als Vortragsplatte von der Godwin=Kapelle
unter Mitwirkung von L. Monoſſon herausgebracht hat. Dazu noch
eine Reihe von Schlagern, die gegenwärtig ſehr populär ſind. Eine
bünſtleriſch ſehr wirkungsvolle Aufnahme iſt die auf „Grammophon”
er=
ſchienene Ouvertüre. Der Kalif von Bagdad” auf eine doppelſeitige
30=Zentimeter=Platte eingeſpielt.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6.30: Wetter, Zeit,
Gyn=
naſtit. 12: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsmeld., Waſſerſtand. O 12.55:
Nauener Zeit. O 15, 15.35: Zeit, Wirtſchaftsm. o 16.10: Ind.,
Handelsk. (Di. u. Fr.). o 16.25: Gießener Wetter, Wirtſchaftsm.,
während des Nachm.=Konzerts: Vereinsnachr. O 18.05. 19.15 oder
19.30: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 2. März. 7: Hamburg: Hafenkonzert. — Glocken
vom Großen Michel. — Hamburger Morgenruf. o 9:
Morgen=
feier der Evangel. Landeskirche Frankfurt a. M. Ausf.: Pfarrer
Struckmeyer, Kirchenchor der St. Paulsgemeinde, Marga
Struck=
meier (Sopran), R. Struckmeier (Violine). o 11: Kaſſel:
Kreis=
pfarrer Lic. Bachmann: Volksgemeinſchaft und Opterwilligkeit in
den Zeiten der Not. O 11.30: Mittelſchullehrer Schmidt: Sollen
die Eltern den Kindern beim häuslichen Aufſatz helfen?‟ o 12:
Stunde des Chorgeſangs. Ausf.: Damerchor „Lyra”. o 13:
Land=
wirtſchaftskammer Wiesbaden: Neuerſcheinungen auf dem
Dünger=
markt. — Die Düngung der Weinberge mit Stickſtoff. — Die
Kohlfliege. o 13.10: Jugendſtunde. 13.45: Rektor Ullius:
Faſtnacht im ländlichen Brauch. o 14.30: Geheimrat Löhr: Das
deutſche Friſchei. o 15: Fußball=Länderſpiel Deutſchland—Italien.
O 16.45: Militär=Konzert (Schallplatten). o 18: H. Keuth:
Land=
ſchaft an der Saar. O 18.30: Bücherſtunde. O 19.30: Schwäbiſche
Volkslieder. O 20: Die kleine Tagesſerenade. Rundfunk=Kantate für
Soli, Chor und Jazzband. (Uraufführung). O 20.20: Freiheit in
Krähwinkel. Poſſe mit Geſang nach Neſtroy. O 23.20: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6.55:
Wetter für den Landwirt. 7: Gymnaſtik. 0 12.25: Wetter für den
Landwirt (So. 12.50). 12.55: Nauener Zeit. o 14: Berlin:
Schallplatten. O 15.30: Wetter, Börſe.
Deutſche Welle. Sonntag, 2. März. 7: Gymnaſtik. o 8:
Be=
ſuch des Wirtſchaftsberaters auf einem Bauernhof. o 8.20:
Markt=
lage. O 8.30: Dr. Breſſer: Sprengverfahren in Forſt= und
Land=
wirtſchaftſchaft. O 8.55: Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
9: Morgenfeier. 0 Anſchl.: Geläut des Berliner Doms. 0 10.05:
Sonntagswetter. 2 11: Prof. Keller: Grundſätzliche
Erziehungs=
fehler vom Kinderarzt aus geſehen. 2 1k.30: Schallplatten. 12:
Märſche, Schalplatten. 2 16: Aus dem Stadion, Franffurt a. M.:
Länderfußballſpiel Deutſchland—Italien. o 17: Tanztee=Muſik. 18:
Wilh. C. Mardorf: Luſtiges Bauernbier der Lüneburger Heide.
18.30: Prof. Dr. Grützmacher: Das Werk des Goethepreisträgers
Leopold Ziegler. o 18,55: W. Stötzner: Warum ich die Nord=
Mandſchurei als Forſchungsziel wählte. o 19.20: Prof. Raouk
Francé: Die Technik der Zukunft. O 20: Mandolinenorcheſter=Konzert.
Cheſſi: Serenata Veneziana. — Mezzacapo: Miniature. — Alfieri=
Mazurka. — Lincke: Geburtstagsſtändchen. — Komzak: Münchener
Kindl. — Adam: Ouv. „Die Nürnberger Puppe‟. — Manfred:
Abdullah. — Ziehrer: Wiener Bürger. — Sullivan: Barataria=
Marſch. o 21: Konzert. Beethoven: Sonate für Violoncello und
Pianoforte A=dur. — Brahms: Von ewiger Liebe: O wüßt ich doch
den Weg zurück: So willſt du des Armen dich gnädig erbarmen.
— Gal: Suite für Cello und Klavier. — Leichtentritt: Maria
Gnadenmutter; Lebewohl. — Haas: Königin Jugend:
Regenwetter=
lied. — Bortz: Ein Singen hat mich aufgeweckt; Wellentanzlied.
Anſchl.: Zeit, Wetter. O Danach: Tanzmuſik. O 24: Um
Mitter=
nacht beim Sechstagerennen.
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Darmstadt / Telefon 3449
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Deutſchland liegt mit in dem Bereich des hohen Drucks, welcher ſich
von den Britiſchen Inſeln bis über Polen erſtreckt. Die hergeſtellte
Hochdruckwetterlage hält vorläufig an, ſo daß im weſentlichen trockenes
und tagsüber meiſt heiteres Wetter zu erwarten iſt. Nachts erreichen
die Temperaturen immer noch den Gefrierpunkt und überſchreiten ihn
ſtellenweiſe etwas.
Ausſichten für Sonntag, den 2. März: Trocken, ſtellenweiſe neblig, auch
leicht wolkig, ſonſt heiter; Temperaturen nachts um Null und etwas
darunter.
Ausſichten für Montag, den 3. März: Wenig Aenderung der
Wetter=
lage.
Hauptſchriftleitung. Rudolf Mauve
Veranwortlich für Poililk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feutilleton, Reich und
Ausland und Seſſche Nachrichten. Mar Streeſe; für Sport, Karl Böhmann
ür den Handel: Dr. C. H. Que iſch für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; fün
„Die Gegenwart” Tagesſpiegel in Bild und Wort. Dr. Herbert Neite.
für den Inſeraienteil und geſchäftliche Mitteſungen. Willy Kuble:
Druck und Verlag C.C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die beutige Nummer hat 24 Seiten.
Seite 16
Sonntag, den 2. März 1930
Nummer 61
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und die Liebespaare werden wieder im Mondſchein wandeln..!
einem „treuen Huſar” erzählt, der einmal geweſen ſein
ſoll, wenn jemand feſtſtellt, daß er „Leutnant einſt bei
den Huſaren” war, wenn die „Drei Musketiere, drei
Kavaliere” verhimmelt werden, wenn aus der Catſache,
daß jemand „kein Hauptmann und kein hohes Cier,
C(WC.
Aber wenn Herr Meier auf ſeine ſachliche Villa einen romantiſchen
Curm ſetzt, hört die Sache auf, ſpaßhaft zu ſein.
eine Katerſtimmung bringt immer Nüchternheit. Wir ſahen ein,
daß das Herz mit dem Leben, ſo wie es nun einmal iſt, nicht
fertig werden kann. Wir ſpannten den Verſtand auch dort ein,
wo früher das Nößlein Gemüt gar zierlich auf roſabeſtandenen
Ofaden getrabt war. Der Pfad war jetzt aſphaltiert und an den
Seiten ſtanden Celegraphenſtangen. Dafür ſah man aber auch
etwas mehr vom Horizont. . . . Da uns der liebe Hott ein Herz
in den Buſen gepflanzt hat, das offenbar doch nicht nur ein
Pumpwerk mit komplizierten Klappen iſt, müſſen wir es auch
benützen. Der „Sachlichkeits=Fimmel” iſt zweifellos ſehr oft zu
weit gegangen. So ein Schuß Sentimentalität iſt als Lebenswürze
nicht zu verachten. Aber ſie iſt vorſichtig zu genießen. Dreimal
täglich einen Eßlöffel voll auf nüchternen Magen. Nicht mehr!
Die Mädchen werden wieder das Herz dem Geldbeutel vorziehen.
Außerlichkeiten ausgeht. Wenn das der Fall iſt, kann dabei
unſertwegen auch der altbewährte Mond eine Nolle ſpielen,
dann können wieder roſenfarbene Briefe gewechſelt werden,
dann können Geigen durch die Nacht flüſtern — wie einſt
im Mai. Man ſoll die Sachlichkeit aber nur dort bekämpfen, wo
ſie Auswüchſe gezeitigt hat. Wir wünſchen nicht, daß der lange
Nock der Frauen ſich nach und nach wieder in die Krinoline
ver=
wandelt, nur weil damit romantiſche Cräume verbunden ſind, wir
denken gar nicht daran, wiederum „zierliche Süßchen” zu
bewun=
dern, die „neckiſch unterm Nockſaum hervorlugen”, wir würden
es dem Nentner Meier nicht raten, auf ſeine ſachliche Villa nun
einen romantiſchen Curm aufzuſetzen. — Wir müſſen uns darüber
klar ſein, daß es beſſer iſt, ſachlich zu ſein, als falſche Gefühle
an den Cag zu legen. Wenn „man wieder Herz tragen” ſoll, dann
doch nur, wenn dieſes Herz echt iſt. Gerhard Stahl.
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Man geſteht es ſich noch nicht ein, man ſchämt ſich noch
ein wenig. Man will ja ſchließlich modern ſein —
und iſt doch ſchon wieder längſt unmodern geworden:
Man trägt es nämlich wieder, das Herz, und morgen
wird es die große Mode ſein. Sorgen Sie beizeiten
für die Umſtellung, damit Sie dann nicht ins
Hinter=
treffen geraten.
An allen Ecken und Enden kniſtert’s im Gebälk
der alten neuen Sachlichkeit. So wie ein Pfahl aus
Weidenholz wieder grüne Reiſer treibt, wenn man
ihn in die Erde ſchlägt, ſo rankt ſich das Blümlein
Gemüt um die kalkweißen Mauern unſeres nüchternen
Daſeins. Ehe man ſich deſſen verſieht, iſt es da.
Leſen Sie das „Neueſte vom Büchermarkt”, ſehen
Sie ſich die allerletzte Bühnendichtung an, lauſchen
Sie den neueſten Schlagern im Nundfunk: überall
Herz und Gemüt! Verſtohlen noch in der Dichtkunſt,
wo man das Kind noch nicht beim Namen nennt,
ſon-
dern allerlei philoſophiſche Umſchreibungen dafür
findet, kräftiger dagegen ſchon in der leichten Muſe,
die ja immer von einem Extrem ins andere fällt.
Daß es ſo kommen würde, war zu erwarten.
Unſere Ideale, unſere Weltanſchauungen, unſere Mode
ſind einem ewigen Auf und Ab unterworfen, Licht
wirft Schakten, und auf Negen folgt bekanntlich
Sonnenſchein. Es war nicht ſchwer, auf das Herz als
auf den kommenden Negenten der Stunde zu —
„tipen”. Aber die Umſtellung kommt etwas
über=
raſchend. Der Überſchwang kommt wie eine Sturzflut.
Wir müſſen fürchten, daß er manches niederreißt,
was beſſer aufrecht bliebe.
Die „Sachlichkeit” von geſtern war ſchließlich doch
etwas mehr als eine Modetorheit. Wir hatten einen
Weltkrieg hinter uns, er kam als alte Duſche nach
den roſigen Cräumen der Vorkriegsgeneration. Und
Auch die beſte Medizin wirkt als Gift, wenn ſie zu reichlich
genoſſen wird. — Wenn man jetzt wieder Lieder ſingt, in
denen ſich die alte Sehnſucht der Köchinnen und
Dienſt=
mädchen nach dem zweierlei Cuch auswirkt, wenn man von
dagegen aber ein ungariſcher Honved=Musketier” iſt,
weit=
gehende Schlüſſe gezogen werden, wenn das Schickſal des
armen, aber ſchönen Gigolo weitſchweifig beweint und der
unglückſelige Sonny=Boy mit vielen Cränen begoſſen wird,
dann iſt das ſicher noch nicht die Nenaiſſance des
Herzens, die zu erwünſchen iſt. Sentimentalität muß
nicht unbedingt verlogen ſein.
Aber dari liegt eben die Gefahr jeder Mode=
Erſcheinung. Man wird aus dem Herzen ein Geſchäft
machen. Man wird uns mit Kitſch überlaufen und
uns darin erſticken. Die Schlagerdichter ziehen jetzt
ſchon alle Negiſter. Die Filmleute werden ihnen
folgen. Die Cheaterdirektoren werden nur noch
Stücke annehmen, die das Parkett mit Cränen
be=
wäſſern. Die Dichter werden ſich wieder in
Dach=
kammern zurückziehen und Goldſchnitt=Lurik fabri=
Zieren. Und die Liebespaare werden wieder im
Mondſchein
Doch halt! Hier wird die Choſe ernſthaft. Hier
beginnt ja die wirkliche Herrſchaft des Herzens.
Man hat uns auch in der Liebe und im
Familien=
leben und in der Freundſchaft „Sachlichkeit”
ge=
predigt, nicht immer zu Nutzen und Frommen der
guten Sache. Man hat das Herz auch aus ſeiner
ureigenen Domäne verdrängen und durch das Hirn
eines Mathematikers erſetzen wöllen.
Hier möge die neue Welle fruchtbar walten: es
kommt an ſich nicht darauf an, ob die Liebespaare
wieder den Mond anſchwärmen oder ob ſie ſich
geradewegs erzählen, wo der Schuh drückt. Wichtig
iſt lediglich, daß im Verkehr der Menſchen
unter=
einander wieder das Herz mitſpricht, daß man ſeinen
lieben Nächſten nicht wie eine Aktie bewertet und
behandelt, daß man wieder die zarten Jäden einer
gefühlsmäßigen Sumpathie ſpinnt, die nicht von
gſchingsfreuden in aller Welt.
B
Kölner Karneval.
Von Hedda Weſtenberger.
Wer ſie nicht kennt, der wird ſie nie begreifen — dieſe Stadt
mit den über hundert Karnevalsgeſellſchaften, dieſe Stadt mit
der traditionellen Würde in aller Narretei. Und wer es nicht in
ſich hat, der wird niemals von ganzem Herzen und in aller
Über=
zeugung, in aller ernſthaften Begeiſterung dies mitmachen können:
Herrenſitzungen und Maskenfeſte, Canzkränzchen und wieder
Maskenfeſte, und ſchließlich und endlich Noſenmontag,
Noſen=
montagszug!
Denn es iſt nicht ſo, wie man es im Norden und Oſten leider
hält, daß man ſich kurz nach Weihnachten entſchließt: der nächſte
Ball iſt Koſtümfeſt, alſo zieht man ſich irgendwie bunt an. So
nicht. Bei dem Kölner wächſt das wichtig heran, fängt an ſchon
am „elften des Elften”, zieht ſich mit Herrenſitzungen und kleinen
Feſten über die Weihnachts— und Neujahrszeit, und bricht dann
plötzlich los.
Bricht los — für die große Maſſe, indes der waſchechte,
„normale” Kölner ſchon längſt etliche ſchwere, drei= bis
vier=
ſtündige Herrenſitzungen mit ſchwungvollen Neden und neuen
„Krätzkes”, mit „Schonkeln” und Faſtnachtsliedern, ach, ſo
uner=
müdlichen, nicht übertragbaren Saſtnachtsliedern, hinter ſich hat.
Und wer begreifen will, wie der Geiſt des Karnevals ausſieht,
der mag ſich hinſetzen unter die tauſend und über tauſend Kölner
Bürgersmänner, die ſich gutmütig=froh, ſelig-behaglich
zuſam-
mengefunden haben zur würdigen Bütten- oder Herrenſitzung
und mag die Augen aufreißen. So etwas gibt es gewiß in der
ganzen Welt nicht wieder. Nicht in Nizza, nicht in München.
Hier hat in aller Narretei alles ſeine althergebrachte, gute Form,
ſeine über alles geliebte Form, und iſt doch urkomiſch dabei. Da
ſteigt zum erſten Male das neue Faſtnachtslied und der neue
Büttenmarſch, da wird aber auch — und das iſt das Komiſchſte
— ernſthafter Entſchluß für die „Jeckerei” gefaßt. Und wem der
Herrgott Nedſeligkeit gab, der ſteigt ſchließlich in die Kanzel,
die wie ein rieſengroßer Nömer ausſieht, und „de Bütt” heißt,
und von da läßt er ſeinen weingeſegneten Humor los auf tauſend
ſonſt ganz ſeriöſe und plötzlich närriſch gewordene Herren!
Nichts fehlt dieſen Herrenſitzungen äußerlich an Würde:
Ehrenpokale und Pagen, Cafelaufſätze und ſchimmernde Cracht,
Narrenmützen von unerhörter und bereits hiſtoriſch gewordener
Koſtbarkeit — vor allem aber wundervolle, rundliche,
wein=
gewohnte Kölner Stadtvätertypen.
Aber es ſind einmal nur Männer, die die Büttenſitzung
mit-
machen, und dann — nur Auserwählte. — Das Volk aber
wartet auf den Noſenmontag. Das ſpart und ſpart, ein halbes
Jahr im voraus fängt das an, das verſetzt und verſetzt, den
ſetzten Ciſch, den letzten Nock — was tut’s, Noſenmontag muß
„feſte droppjemacht” werden. Koſte es, was es wolle! Und dann
iſt’s ein Sieber. Geh hin, und ſag” einem, er ſolle ſich
augen-
blicklich auf den Kopf ſtellen, im ſchönſten Koſtüm, mit der
ſchönſten Narrenkappe — er tut’s, warum ſoll er’s nicht tun?
Und geh hin, häng dich dem erſten beſten an den Arm — „
abge=
bützt” wirſt und „jeknötſcht” wirſt du, und findeſt dich, weiß der
Himmel wo, bis in den tiefen Morgen hinein unter vollkommen
närriſch gewordenen Menſchen. Ganz abgeſehen davon, daß der
Noſenmontagszug einen Jubel auslöſt, einen Empfang bekommt,
wie ihn kein Fürſt auf Erden ſchöner je bekam, ganz abgeſehen
davon, daß dieſer Sug ein Wunder an Koſtbarkeit, aber auch
an Collheit iſt, und daß man, mag man noch ſo hilflos fremd dem
allen gegenübergeſtanden haben, doch ſchließlich hingeriſſen,
be=
geiſtert mit den andern ſingt, jubelt, brummt und — brüllt: „Dä
Klein, dä muß en Nüggel hamm”, gleichgültig, ob du weißt, daß
„Nüggel” ſo etwas wie Schnuller iſt.
Es ſoll einer dieſe Faſtnachtslieder in ernſtem, nüchternem
Suſtande leſen, gewiß wird er den Kopf ſchütteln und denken:
grenzenlos dumm. Und nirgendwo ſonſt auch könnte man ſie
ſingen — das liegt im Kölner drin, daß dieſe Lieder, von ihm
geſungen, plötzlich nicht mehr dumm ſind, daß man ſich dabei
„kapott lacht” — daß man überhaupt immerzu lacht, wenn nur
einer den Mund aufmacht!
Woran es liegt — wer kann das wiſſen — es iſt eine Welt
für ſich, eine Stadt mit tauſend und wieder tauſend
Lebens=
künſtlern, und niemand macht ihr dies nach: Das große
geheim=
nisvoll=närriſche und von ganzem Herzen kommende
Karnevals=
feſt, das damit endigt, daß eine „ſündige” vor zwei Stunden
freilich noch total verrückte Stadt am Aſchermittwoch geſenkten
Narrenhauptes „in den Dom” Buße tut — bis zum nächſten
Male!
Karneval von Binche.
Von Dr. N. Heilmann.
Die belgiſche Stadt Binche weiß ſicherlich viele Dinge von
ſich zu erzählen, die ihren Nuhm ausmachen, aber das ſind, ſo
ſumpathiſch dieſe Stadt auch iſt, Lokalgeheimniſſe. Ich glaube,
die Welt wüßte von Binche nicht viel mehr zu ſagen, als daß
es eben exiſtiert, wenn nicht — der berühmte Karneval wäre.
Was Binche als Karnevalſtadt vor allen anderen auszeichnet,
iſt, daß man den Karneval dort nicht feiert, ſondern zelebriert,
freilich, ohne daß dieſer gewiſſe Ernſt im Gegenſatz zu
ausgelaſ-
ſenſter Heiterkeit ſteht. Die Maskerade von Binche geht auf
Jahrhunderte alte Cradition zurück und entwickelt einen
eigen-
artigen Pomp, wie er ſonſt. wohl nirgends zu finden iſt. In dem
großen Umzug, der alljährlich den Höhepunkt der Seiern bildet,
repräſentieren die „Männer von Binche” die ganze groteske
Karnevalswürde mit ihrem typiſchen Lokalkolorit. Angeſehene
Bürger der Stadt betrachten es als eine beſondere Auszeichnung,
ſich am Saſchingsdienstag in die koſtbaren traditionellen
Gewän=
der kleiden zu dürfen, deren Hauptſtück ein Kopfputz aus über
ein Meter hohem Straußfedernſchmuck bildet; ein reich mit
bunten Stickereien verziertes Bolerojäckchen, weite, bauſchige
Hoſen, ebenfalls mit Sedern verziert, vervollſtändigen dieſe
ſon=
derbare Aufmachung.
Schon am frühen Morgen tummelt ſich auf dem „Grand
Marché” eine bunte Menge, von fieberhafter Spannung erfüllt,
die mit raſtloſem Eifer Straßen und Häuſerfronten für den
Feſt=
zug ſchmückt; die Schulkinder haben ſchon wochenlang vorher
unter ſich Geld geſammelt, um das Ihre zur allgemeinen Freude
beitragen zu können. Dafür ſind ſie aber auch mit ſpeziellen,
bunten, ſpitzen Kopfbedeckungen verſehen, ebenfalls einer uralten
Überlieferung gemäß.
Den Höhepunkt der Faſchingsfeier bildet der Wettbewerb
der Handwerksgeſellen, die durch allerhand luſtige
Sport=
leiſtungen ihre Anwartſchaft auf den Chron des „Geſellenkönigs”
nachweiſen müſſen. Man klettert auf meterhohe Stangen, an
deren Spitze Würſte und Brezeln ſtecken, ſchwimmt nach
ge=
backenen Siſchen und rennt gebratenen Schweinen nach, die auf
Nädern geſchoben werden — ein intereſſanter Vorläufer des
Windhundrennens. Wer als Beſter aus all dieſen Kämpfen
her=
vorgeht, hat für ein Jahr die Würde des „Geſellenkönigs” inne
und gilt unter ſeinesgleichen wie in der ganzen Stadt als
hoch-
angeſehene Perſönlichkeit.
Wenn Nizza die Stadt des koſtſpieligen Karnevals iſt, ſo
kann man Binche die Stadt des hiſtoriſchen Karnevals nennen,
denn nirgends iſt man auch in der Luſtigkeit ſo feierlich wie hier.
Karneval in Nizza.
Von E. V. Wernig.
In dieſen Cagen iſt die „Promenade des Anglais” ſchon
am frühen Morgen von der Menſchenmenge überflutet, die ſich
ſonſt erſt gegen Mittag einzufinden pflegt. Allerdings hat das
Publikum jetzt ein etwas anderes Kolorit als gewöhnlich: die
Stadtbevölkerung miſcht ſich unter die Fremden, während im
allgemeinen ein ungeſchriebenes, aber ſehr ſorgfältig reſpektiertes
Geſetz dieſe beiden Menſchengattungen voneinander trennt (mit
Ausnahme einiger weniger anſäſſiger Familien und Villenbeſitzer,
die ſelbſtverſtändlich zur Hautevolee der franzöſiſchen Niviera
gehören).
Dieſe unbefangene Ceilnahme des Volkes iſt charakteriſtiſch
für den Karneval von Nizza, der, wie kaum ein anderer, wirklich
nur ein Feſt der guten Laune, der überſchäumenden Lebensfreude
iſt. In dem weltberühmten Maskenzug wird man vergeblich nach
politiſchen Satiren oder ſonſt welchen Anſpielungen ſuchen, die
der reinen, harmloſen Fröhlichkeit Abbruch tun könnten — was
anderweitig faſt immer der Fall iſt!
Der Umſtand, dem der Nizzaer Karneval vor allem ſeinen
Nuhm vordankt, iſt der verſchwenderiſche Neichtum, mit dem er
gefeiert wird: neben dem billigen Faſtnachtstand der Straßen=
Was ſich am Srühſtückstiſch
ereignete.
Es war Ende Februar und bitter kalt, aber der Winter
konnte ſich dieſes Jahr nur ſchwer trennen und beſſerte überall
da ſein weißes Schneegewand aus, wo es drohte Löcher zu
bekommen oder kürzer zu werden.
Oeſto wärmer war es drinnen in dem braungetäfelten
kleinen Srühſtückszimmer, wo der ſummende ſilberne Ceekeſſel
eine trauliche Stimmung gab, das Kaminfeuer angenehme Wärme
ſpendete. Wie zierlich war doch da der runde Frühſtückstiſch
ge=
deckt. Ueber weißer Spitzendecke glänzte ſchön geformtes,
zart=
farbenes Porzellan, Platten, gefüllt mit Braten und roſigem
Schinken gab es da, kriſtallene Schalen ließen köſtliche
Konfi=
türen durchſchimmern, und prächtiges Obſt lud zum Verſpeiſen
ſeiner lachenden Früchte ein.
Die Krönung aber dieſes Ciſches bildete eine wundervolle
blühende Copfpflanze, die vor einigen Cagen ihren Einzug hier
gehalten und die wie eine junge, zarte Königin nach allen Seiten
der Cafel ihre blühenden Arme ausbreitete, ihren lieblichen Duft
dem Naume ſpendend.
Da klangen kurze, ſilberne Cöne durch die Stille. Die kleine
Standuhr auf dem Kaminſims hatte 8 Uhr geſchlagen. Als ihr
letzter Con in die Stille verklungen, begann der Ceekeſſel in
ſummendem Cone zu reden, und er wandte ſich dabei an die
Blume, die ihm lauſchte.
„Meine allerſchönſte, lieblichſte Blume”, begann er, „nun
wird es nicht mehr lange dauern, und ſie werden hier eintreten
und ſich an dieſen Ciſch ſetzen, ſie, deine neuen Herren und
Beſitzer, die einige Cage abweſend waren, während man dich aus
dom Blumenladen hierhergebracht. Ich bin dem Schickſal ja ſo
dankbar, daß dies geſchehen, daß du hier, und daß ich täglich,
ſtündlich deine Schönheit bewundern darf; du Liebliche, wie
köſt=
lich iſt doch dein holder Duft. Heut nun wirſt du in unſeren
Beſitzern Menſchen kennen lernen, bei denen du nur Urſache zur
Verehrung haben wirſt, ſo gut, ſo freundlich ſind ſie alle. Die
Dame des Hauſes wird dich noch ſorgſamer pflegen, wie es bis
jetzt der alte Johann getan. Der Herr wie der Sohn werden deine
Schönheit loben, und ihre kleine zarte Nichte wird ihre großen
ſcheuen Augenſterne zu dir aufſchlagen. Dann wird es ſein, als ob
eine Blume, eine Schweſter, die andere begrüße. Du wirſt ſie
alle lieben und verehren, alle Menſchen dieſes Hauſes, die du zu
ſehen bekommſt, denn ſie ſind gut und meinen es gut mit uns.”
So ſprach der Ceekeſſel, und die liebliche Blume erwiderte
ihm freundlich und ſprach: „Wie glücklich bin ich doch hier, daß
ich es ſelbſt kaum ganz begreife, wie dies ſein kann. Glaubte ich
doch, als ich noch in meinem Blumenladen ſtand, es gäbe nichts
Schöneres als ihn. Er war meine Welt, angefüllt ganz mit
Blumen und Pflanzen, von der hohen Palme hinab bis zum
kleinſten Moos. Die Verkäuferin, ſo ſtill und blond, ging
darinnen umher wie ein leiſer Engel, und ihre ſanften Hände
hegten und pflegten uns. Die Menſchen, die kamen, um etwas
zu kaufen, gefielen mir alle, denn ſie waren entweder froh und
glücklich, kauften Blumen und Pflanzen, um ſich oder ihre
Angehörigen zu erfreuen, oder ſie waren traurig, hatten
ver=
weinte Augen und kauften Blumen und Kränze für die Lieben,
die draußen auf dem Kirchhof ſchlummerten. Es wehte da eine
ſo friedliche Luft, ſo viel freundliches Lächeln neben ſtillen
Tränen, daß ich glaubte, ich könne mich nur dort wohlfühlen.
Und nun bin ich hier in dieſem warmen und freundlichen Naume
und habe in ihr einen Gefährten gefunden, der mich ſo liebevoll
umhegt. Wie leuchtet dein ſilbernes Kleid, ſehe ich dich an, biſt
du mir ein Spiegel, in dem ich mich viele Male wiederfinde.
Meine Seele ſchwingt in dir, wie du mein Bild feſthältſt;” und
ſie ſahen ſich lächelnd an, und leiſe ſchwang der ſummende Con
des Silberkeſſels durch den Naum.
Aber plötzlich miſchte ſich da ein anderer Con hinein, auch
ſummend, aber doch unangenehm, aufdringlich, nur Geräuſch. Die
Blume erſchrak darüber und fing leiſe an zu zittern. Aber der
Ceekeſſel beruhigte ſie, „habe keine Angſt, du Liebliche, was du
da hörſt, das iſt das Summen der alten Simmerfliege Hogu, die
hier überwinterte und die ſich Bewegung verſchafft, da ſie hier
ſehr gut lebt, und in den langen Wintermonaten dick und faul
geworden iſt.”
Als die alte Sliege den Ceekeſſel ſo reden hörte, unterbrach
ſie ihren Flug und ließ ſich ihm und der Pflanze gegenüber auf
einer Stuhllehne nieder und ſah die beiden aus beſen, grünlich
ſchimmernden Augen an, während ſie ſprach: „Was? Bewegung
brauche ich? Saul bin ich, und was nicht alles? Nein, mein
verehrter Silberner, ſagen Sie dieſem Fräulein nichts Falſches.
Ich wollte Ihnen mit meinem Summen nur beweiſen, daß Sie
hier nicht allein dominieren, daß es auch noch andere Leute gibt,
die ſummen können, vielleicht ſchöner, ſtärker wie Sie und zu
jeder Seit, wenn’s gewünſcht wird; aber Sie, Sie ſind überhaupt
nur dazu fähig, wenn Ihnen der alte Johann Feuer unter dem
Srack macht und Waſſer in den Bauch ſchüttet. Ach, es iſt
kläglich mit Ihnen, und Waſſer, brrr, ich habe mein Leben lang
nur Wein getrunken, wenn ich auch kein ſilbernes Gewand
trage wie Sie.‟ Dann wandte ſie ſich an die erſchrockene Blume:
„Fräulein,” ſprach Sie, „glauben Sie dem mal nicht, ſeine
Weis=
heiten, ſind nichts wert. Aber ich, ich, eine alte erfahrene
Simmerfliege, ich kenne die Welt, und vor allem die Menſchen,
die er ſo in den Himmel hebt. Merken Sie ſich, die Menſchen
ſind das Schlechteſte, das Abſcheulichſte, was es überhaupt gibt.
Sind ſie gut, wie zu dem Silbernen und zu Ihnen, ſo kommt das
nur daher, weil die Menſchen ihn nötig haben, und weil Sie zur
Verſchönerung dieſes Naumes beitragen; wäre dies nicht der
Fall, lebtet Ihr längſt nicht mehr. Sehen Sie mich an, ich nütze
den Menſchen nichts, ſollte ich es wagen, etwa vor dem Platze
des Hausherrn zu ſitzen, irgendwo, ganz ſtill und beſcheiden, keine
Minute würde vergehen, und er erſchlüge mich. O, wie ich die
Menſchen haſſe. Aber das hat noch einen ganz beſonderen
Grund,” ſetzte ſie eindringlicher fort, „den ich Ihnen erzählen
will. Alſo hören Sie. Unter meinen vielen Kindern letztes Jahr
beſaß ich auch eine entzückende, eine bildhübſche Cochter, die mein
beſonderer Stolz war. Daß ſie ſchön war, wußte ſie, und
des=
halb liebte ſie es, ſich im ſpiegelnden Glaſe zu beſehen. Eines
Cages ſaß ſie auch wieder auf einer Glasplatte, es iſt dieſelbe,
die Ihnen hier als Unterſetzer gegeben wurde, bewunderte ſich
und putzte ſich die allerliebſten, zierlichen Beinchen. Sie dachte
wohl gerade an ihren Bräutigam, den ich für ſie ausgeſucht
hatte, und, was glauben Sie, da kommt der Hausherr harein,
ſetzt ſich nieder, erblickt ſie und ſchlägt die Arme, Unglückliche
rücklings tot, dieſer Verruchte. Seit der Seit habe ich den
Men=
ſchen Nache geſchworen, und ich quäle ihn, den Mörder meiner
Cochter, ganz beſonders, wo ich nur irgend kann. Eben bin ich
dabei, meinen Sohn Hugo, er ſitzt dort oben auf der
Gardinen=
ſtange und ſchläft noch, abzurichten, wie er ihn um den
Mittags=
ſchlaf bringt; ich bin ganz glücklich, wenn ich ſehe, wie
auf=
gebracht er wird, und ſich bemüht, meinen Sohn und micb zu
erwiſchen.
Ach, neulich, da habe ich eine recht nette Sache mit ihm
erlebt. Da kommt er ſpät zu Ciſch, die Dame und der Sohn
hatten ſchon angefangen zu ſpeiſen, und iſt in denkbar ſchlechteſter
Laune. Ach, was hat man nicht alles im Kopf, ſprach er zu den
beiden, dieſe überlaſtende Arbeit, heute abend noch eine lang=:
wierige geſchäftliche Sitzung, und dem gerade eintretenden Diener
ſungen kann man Koſtüme ſehen, deren Wert in die
Hundert=
tauſende geht. Eine junge ruſſiſche Großfürſtin erſchien im
ver=
gangenen Jahre in einem Bojarenkleid, an dem der Slitter und
Straß des Originals durch Hunderte von Goldpailletten und
Brillanten erſetzt war. Der Wagen der Herzogin von
Cumber=
land war mit zwölfhundert Orchideen geſchmückt, die allein einen
Wert von vielen tauſend Franken darſtellten; die vier Pferde,
die den Wagen zogen, trugen kunſtvolle Drachenmasken und an
Hals und Beinen Ninge aus wehenden Straußenfedern. Swiſchen
dieſen Prunkſtücken des Maskenzuges torkeln die Nieſengeſtalten
von Pappdeckels Gnaden, Ceufel und Engel, arg verbeulte
griechiſche Götter, harmloſe, immer unpolitiſche Karikaturen
irgendwelcher Perſönlichkeiten, die gerade Geſprächsſtoff ſind.
Das von kleinlichen Polizeivorſchriften auch ſonſt wenig
be=
läſtigte Nizza kennt in der Karnevalszeit überhaupt kein Geſetz,
das dem Vergnügen Eintrag tun könnte. Man tollt und tanzt
und lacht ſolange, bis der große Kater da iſt, der aber hier,
auf dieſem geſegneten Sleck Erde, auch weniger grimmig iſt, als
anderswo.
Eine Heiratsagentur
vor hundert Jahren.
Autoriſierte Überſetzung von Emmi Pfeiffer.
Heiratsagenturen ſind keine moderne
Einrich=
tung. Wann und wie ſie entſtanden ſind, beſagt
folgende Schilderung eines Heiratsbüros aus dem
Jahre 1830.
„Ich hatte ein Kabriolett beſtellt, um mich zu Frau Brunet
fahren zu laſſen. Obgleich der Weg vom Palais Rogal bis zur
Rue de Seine nicht weit iſt, ſo zitterte ich doch bei dem
Ge=
danken, mir könne bei der Fahrt über den Fluß ein unſeliger
Windſtoß die Friſur verderben. Da ich mich zuvor Herrn Aubrils
kunſtfertigen Singern überlaſſen hatte, ſo wäre es tatſächlich ein
Verbrechen geweſen, wenn ich mir einen Hut aufgeſetzt hätte,
denn ſchon der leiſeſte Druck hätte dieſes Wunderwerk von
Friſur zerſtören können!
Schön friſiert und enggegürtet, dazu aufs modiſchſte
be=
kleidet, alſo erklomm ich mit Schuhen nach Sakoſkus letzter
Schöpfung die Creppe im ſchmutzigen Hauſe von der Alten. Da
hätte beinahe ein brutaler Waſſerträger meine Kleidung
beſu=
delt. Das wilde Benehmen dieſer Barbaren aus der Auvergne
überſchreitet jedes Maß. Nachdem ich dieſer Gefahr glücklich
entkommen war, erreichte ich ohne weiteres Mißgeſchick den
zweiten Treppenabſatz. Dort klopfte ich an eine Cür, die durch
hre Aufſchrift: „Geſchäftsbüro, ſpeziell für
Heiratsvermitt=
ungen” erkennbar war.
rief er zu, er wolle nach Ciſch eine Stunde ruhen, nicht geſtört
ſein, da er noch viel vorhabe. Ich höre das, fliege zu Hugo,
meinem Sohn, der gerade aus dem Weinglas des Herrn Sohnes
trank, und bitte ihn, mit mir in das Arbeitszimmer hinüber zu
fliegen. Dies geſchah nach der Mahlzeit, und er legte ſich auch
ſofort auf ſeinen Diwan und ſchloß die Augen. Nun fingen wir
an, ihn zu pieſacken, ſummten um ihn herum, ſetzten uns auf ſeine
Naſe, auf die beginnende Glatze, kurzum, überall dahin, wo es
ihn ſtörte. Er ſchlug nach uns, er fluchte, aber das machte uns
nur noch freudiger bei unſerer Arbeit, und es wurde ein richtiger
Canz, der damit endete, daß er wutſchnaubend dem alten Johann
ſchellte und ihn mit hochrotem Kopf anfuhr, die Fliegenklappe
zu holen, um uns zu erſchlagen. Der alte Johann hatte Angſt
vor ſeinem Herrn, wenn er wütend war, und gab ſich ungeſchickt
und tatterich Mühe, uns zu erwiſchen, was ihm natürlich
miß=
lang. Kaum war er fort, fing derſelbe Canz wieder an, bis das
angeſetzte Schlafſtündchen vorüber, und der alte Wüterich in
übelſter Laune ſich in ſein Coilettezimmer zurückzog, um ſich für
die bevorſtehende Sitzung umzukleiden. Mein Nachedurſt war
indes noch nicht geſtillt, und ich dachte bei mir, geh mal mit in
dieſe Sitzung, vielleicht kannſt du noch mehr für ihn tun. Meinen
Sohn, der noch nie in der kalten Winterluft draußen war, ließ
ich zurück. Ich ſetzte mich alſo auf ſeine Hutkrempe, als er ſich
ziemlich mürriſch von den Seinen verabſchiedete, und wir
ver=
ließen das Haus. Bis um die nächſte Hausecke ging er langſam
und ſchwerfällig, wie ich es bei ihm gewöhnt war. Wie aber
erſtaunte ich, als er ſeine Schritte plötzlich beſchleunigte und luſtig
zu pfeifen begann. In den nächſten Blumenladen trat er ein und
erſtand ein rieſiges Bukett der herrlichſten dunkelroten Noſen.
Das hat man alſo zu einer Sitzung notwendig, einen Noſenſtrauß,
wer hätte das gedacht, ich wurde neugierig. Dann ſtieg er in
ein Auto und fuhr und fuhr wohl eine halbe Stunde durch viele,
viele Straßen und Plätze, bis das Auto (ich möchte bemerken,
daß dies meine erſte Autofahrt war) vor einem prächtigen Hauſe
hielt. Ein Diener öffnete, er gefiel mir weit beſſer wie unſer
alter Johann, und leicht und geſchmeidig ſprang unſer Herr über
die breiten Marmorſtufen hinauf und trat in einen prächtigen
Empfangsraum ein. Der Diener war verſchwunden, und mein
Herr ſtand tief atmend da; ich weiß nicht, er kam mir ſo ganz
anders vor als ſonſt, wie er da mit den Blumen ſtand. Jetzt,
dachte ich, fängt ſicher gleich die Sitzung an. Da öffnete ſich leiſe
eine Portiere, und wer ſtand auf der Schwelle?, eine
wunder=
ſchöne junge Dame, in ein herrliches, fließendes Seidengewand
Ein Dienſtmädchen mit roten Armen führte mich in ein
Empfangszimmer, das nach dem Hofe zu lag. Von dort her klang
das Geſchrei anſcheinend betrunkener Simmerleute herauf.
Meine Angſt, ich könne etwa zu ſpät ſein, beruhigte Frau
Brunet und lächelte hinter ihrer Brille: Das Fräulein und ihre
Mutter waren noch nicht angekommen,
Erleichtert atmete ich auf!
Um die Seit zu verkürzen, ſprachen wir von der
Er=
warteten, mit der mich nach Frau Brunets Hoffnung das Band
der Ehe verknüpfen ſollte.
Die junge Perſon iſt 18 Jahre alt und heißt, Angelika.
Sie weiß ſich in Geſellſchaft zu benehmen und iſt in der modernen
Literatur gebildet. Auch ſpielt ſie recht gut Klavier. Ihren
Eltern liegt daran, daß der Schwiegerſohn rechtſchaffen und aus
Frau Brunet ſchätzt es, daß ich alle dieſe Bedingungen
erfülle. Sie raunte mir ſodann die Sahl der großen Mitgift ins
Ohr und rühmte den ausgezeichneten Nuf ihres
Vertrauens=
büros. Iſt es doch das älteſte der Hauptſtadt! Vor ungefähr
vierzig Jahren war es von ihrem Vater gegründet worden.
Dieſer hatte, um die ſchrecklichen Folgen der Eheloſigkeit in
Frankreich abzuſchaffen, 1792 als erſter den „Courrier de
PHymen” (Ehekurier) und im Jahre 1795 den „Indicateur des
Mariages” (Heiratsanzeiger) herausgegeben. Nach dem Code
dieſes rechtſchaffenen Mannes wurde ſein Schwiegerſohn, Herr
Brunet, ſein Nachfolger.
Um dieſen alten, guten Ruf unbeſcholten zu erhalten, war
es feſtſtehende Negel geworden, nur die Erklärungen von
mün=
digen Perſonen anzunehmen, nämlich von Vätern und Müttern
für ihre Kinder und von Vormunden für ihre Söglinge.
„Die kaiſerliche Negierung”, ſo belehrte mich mit einer
gewiſſen Befriedigung Frau Brunet, „konnte immer nur
zufrie=
den mit unſeren Dienſten ſein. Das Polizeiamt überwachte uns
einſtmals ſtreng. Wir wurden ebenſo wie die Präfekten und
Unterpräfekten genötigt, Verzeichniſſe über junge Mädchen von
14 Jahren und darüber zu führen, deren Mitgift oder
Pflicht=
teil ſich auf 40 000 Franken und höher belief. Sie wurden
aus=
jahmslos in die Klaſſe der reichen Erbinnen eingereiht. Wenn
wir nun eine dieſe Klaſſe betreffende Erklärung bekamen, ſo
füllten wir ſogleich den ſtaatlich gelieferten Vordruck aus.
Letzterer umfaßte acht Spalten: den Namen des Fräuleins, Alter,
die Namen des Vaters und der Mutter, ihre Eigenſchaften,
ihren jetzigen Stand, das Vermögen, mit Unterſcheidung der
beweglichen Habe und des jährlichen Einkommens aus dem
unbeweglichen Vermögen, die Mitgift und eventuelle
Erb=
ſchaften, körperliche Vorzüge, Mängel, Benehmen und religiöſe
Grundſätze der jungen Dame.
Der Kaiſer wollte, daß dadurch die reichen Erbinnen den
Offizieren oder anderen der neuen Dyanaſtie ergebenen Per=
gehüllt, wie ich es bei unſerer Frau noch nie geſehen. Unſer Herr
ſprang ihr entgegen, daß ich mich ordentlich an ſeinem Kragen
feſthalten mußte, den ich mir als Beobachtungspoſten ausgeſucht,
aber von dem ich gleich darauf flüchten mußte, denn, o, Sie
glauben nicht, wie ſtürmiſch dieſe Begrüßung war. Ueberhaupt
kam ich aus dem Staunen nicht heraus. War das unſer oft
miß=
mutiger Hausherr? Nein, dies war ein feuriger Jüngling mit
ſtrahlenden Augen, roſchen Bewegungen, der die ſchöne Dame
ſo artig behandelte und ſie mit Küſſen bedeckte.
In dem kleinen Naum, der uns jetzt aufnahm, war ein
wun=
derſchöner Ciſch gedeckt mit den herrlichſten Leckerbiſſen. Gleich
den beiden ließ ich es mir gut munden, vor allem aber war ich
entzückt von dem herrlichen ſüßen Wein, dem auch die beiden
reichlich zuſprachen. Es war ſonderbar. Je mehr ich trank, deſto
wohler und glücklicher fühlte ich mich, und vergaß faſt den
Vor=
ſatz, den Mörder meiner Cochter wieder tüchtig aufs Korn zu
nehmen. Ja, ich muß geſtehen, es blieb leider nur bei dieſem
Vorſatz, den ich hing faſt immer, wenn er nicht ſelber trank, an
ſeinem Glaſe und trank, trank, trank. Ich wurde nicht von ihm
beachtet, da er zu ſehr mit der feinen, ſchönen Dame beſchäftigt
var. Dann drehte ſich plötzlich alles um mich, ich hatte einen
Schwips, wie mir ſchien, o, ich war ſelig berauſcht, und ſchlief
ein, konnte mich vorher noch mit Mühe und Not an den unteren
Saum des Ciſchtuches ſchleppen. Ich erwachte erſt, als ich unſern
Herrn in Hut und Mantel in der Cüre ſtehen ſah, und flog
ſchnell zu ihm. So herrlich dies alles war, ſo ſchlecht fühlte ich
mich am nächſten Cage, mein Sohn war direkt beſorgt um mich.”
Kaum hatte die alte Simmerfliege dies erzählt, ſo öffnete
ſich die Cüre, die Dame, der Herr, der Sohn und ihre Nichte
traten ein, um ſich an dem Frühſtückstiſch niederzulaſſen. Mit
wieviel Freude bewunderten ſie die herrliche Blume, und das
kleine Mädchen konnte ihre ſtillen Augen kaum von ihr trennen.
„Schenke ſie mir, lieber Onkel”, flüſterte ſie leiſe, zu dieſem
hin=
gewandt. „Geſtern, als ich ſo tapfer das bockige Dony ritt,
ver=
ſprachſt du mir, ich dürfe mir etwas wünſchen. Gib ſie mir, die
ſchöne Blume. Sie ſoll hier ſtehen bleiben wie immer, damit ihr
alle eure Freude daran habt, aber mir gehört ſie.” Gern wurde
ihr dieſe Bitte erfüllt, und ihr feines, blaſſes Geſichtchen leuchteto
vor Freude, als ſie ſich bedankte.
Da flog die alte Sliege mitten auf die ſchönſte Blume der
Copfpflanze, und ſah dem Kinde gerade ins Geſicht. „O, ſieh die
häßliche Fliege,” rief es, „lieber Onkel verſcheuche ſie bitte von
meiner Blume”. „Liebes Kind,” ſprach er, „ich mache ſchon ſeit
ſonen vorbehalten blieben. Ebenſo war es nötig, daß die Namen
von Verlobten, die dem Polizeiamt vorgeſchlagen waren, zu
unſerer Kenntnis kamen. Denn die Polizei ſtrich diejenigen
jungen Leute aus ihren Liſten, die in ihren Augen unwürdig
waren, einen geordneten Hausſtand zu gründen. Seit der
Neſtaurationszeit hat dieſe läſtige Kontrolle vollſtändig
auf=
gehört. Dadurch wird uns viel Arbeit erſpart.”
In dieſem Augenblick öffnete das Dienſtmädchen die Cüre
und die bewußten Damen erſchienen. Mein armes Herz klopfte
aufs Heftigſte. Man hätte nu annehmen können, daß die
Mutter mit betrübter Miene und ſchwarwerſchleiert erſcheinen
würde. Statt deſſen trug ſie eine ſchwarze Redingote mit zwei
Kragen, eine halbſteife Boa und einen malvenfarbenen Satinhut
mit Kinnbändern, der mit Marabufedern garniert war. Ihre
Cochter hatte eine blonde, kunſtgerecht mit Noſen geſchmückte
Haube auf und ein Kleid aus granatiniſchen Spitzen mit Schleifen
und Syringenſträußchen an.
Kaſtanienbraun, dicht und lockig ſind ihre Haare; ihre an
Selmira erinnernden Augen ſind himmelblau und drücken
An=
mut und Poeſie aus. Lieblich dringt ihr Blick mir ins Herz,
da=
bereits vollends bezaubert iſt von ihrer roſigfriſchen und
blumen=
haft zarten Geſichtsfarbe, die dem ſilbrigen Schimmer von der
Morgenſonne betauter Gräſer gleicht. Ihre Arme ſind ſchön,
wohlgerundet die Schultern. Ein Herz, in dem Ideale
ſchlum=
mern, klopft in ihrer Bruſt und erregt ſie wie ein leichtes Segel,
das vom Winde beflügelt in die offene See getrieben wird. Ihr=
Stimme klingt wie eine wohllautende Harfe, deren geſpannte
Saiten den bloßen Berührungen einer See gehorchen würden.
Sie plaudern zu hören, iſt höchſtes Entzücken! Wir haben
von der Farbe des Himmels geſprochen, und daß er ſeit einigen
Cagen bedeckt iſt. Sie verſchwieg mir nicht, daß leichte
Negen=
fälle die Weintraubenernte im Herbſt begünſtigen würden. Auf
dieſe Bemerkung hin geſtand ich ihr meine Hoffnung, die
Crauben gemeinſam mit ihr pflücken zu dürfen. Ein Glück, das
ich von Gott erbitte!
Unmerklich begann unſere Unterhaltung zärtlicher zu
wer=
den. Da kam ihre Mutter dazu und pries mir Angelikas
Eigen=
ſchaften: Ihre Umgänglichkeit, ihren gutmütigen Charakter, ihre
Geſchicklichkeit im Beſticken von Gürtelbändern und
Schulter=
ſchleifen, ſowie im Anfertigen von Lichtmanſchetten durch farbige
Oblaten, die ſie im Kreis übereinander legte.
Hierauf frug mich die Mutter nach meiner Familie. Ich
führte Herrn Oudard mehrmals an und berief mich auf meinen
Vater, den Oberſten. Sie wollte den Namen meines
Beicht=
vaters wiſſen und war erſtaunt, als ſie hörte, daß ich gar keinen
hatte. Dann mußte ich ihr ſchwören, daß ich nicht republikaniſch
geſinnt ſei. Schließlich teilte ſie mir mit, daß ich durch Madame
Brunet ihre erſte Antwort erfahren würde, ſogleich nachdem ſie
ſich mit ihrem Gatten beraten hätte. . . .
einem halben Jahr den Verſuch, ihr den Garaus zu machen.
Was hat die mich ſchon geärgert und geplagt. Aber erwiſchen
läßt ſie ſich nicht, und ich glaube beinahe, ich habe mich nun ſo
langſam an ſie gewöhnt.”
Als das Frühſtück beendet und das Simmer wieder leer war,
flog die Fliege Hogu wie raſend um den Ciſch, nicht vor Sreude,
nein, vor großem Sorn. „So.” rief ſie, „das habe ich alſo
erreicht. Gewöhnt hat er ſich an mich, trotz aller Quälerei, die
ich ihm zugefügt. Nein, ſo etwas, die Menſchen werde ich doch
nie in ihrer Dummheit verſtehen können. Aber, glaubt mir, ich
werde neue Wege entdecken, um ihn nie zur Nuhe kommen zu
laſſen. Mein Sohn ſoll mir kräftig dabei helfen. Das bin ich
doch meiner armen gemordeten Cochter ſchuldig. Ich verſtehe
dieſen Kerl überhaupt nicht. Es iſt mir zum Beiſpiel ein Nätſel.”
rief ſie erneut und blickte den Ceekeſſel herausfordernd an, „wie
kann ein Menſch ſagen, daß er eine Sitzung hat, die ihm zuwider,
und auch dabei ein Geſicht macht, daß man es ihm glaubt, und
auf der Sitzung macht er den Eindruck, als ob er der glücklichſte
Menſch unter der Sonne wäre. Das muß der geringe Verſtand
machen, den ich den Menſchen beimeſſe. Ich aber behaupte meinen
Poſten hier weiter, und auch dann noch, wenn Sie, mein
ver=
ehrter Silberner, längſt ohne Glanz in einer dunklen Ecke ſtehen,
und Sie, meine Verehrteſte, verblüht ſein werden.”
Der Diener war eingetreten, öffnete das Fenſter; es hatte
aufgehört zu ſchneien. Der Himmel leuchtete in winterlichem
Hellblau, und die Sonne ließ den Schnee in tauſend Brillanten
funkeln.
„Hugo,” ſprach ſeine Mutter, „heute darfſt du den erſten
Flug hmaus mit mir tun. Aber nur kurz, damit wir ſpäter nicht
vor ein verſchloſſenes Fenſter kommen und erfrieren müſſen.”
So flogen Mutter und Sohn hinaus. Draußen aber vor
dem Fenſter ſtand ein Baum, auf deſſen kahlen Sweigen zwei
hungrige kleine Spatzen ſaßen, auch Mutter und Sohn. Sie
ſtürzten ſich ſofort auf die beiden winterlich gemäſteten Fliegen
und verſchlangen ſie mit großer Freude und gutem Appetit. So
war es aus mit Hogu und Hugo!
Im Frühſtückszimmer aber war Nuhe und Friede eingekehrt.
Der Ceekeſſel und die Blume, die geſehen, wie es den beiden
erging, dankten im ſtillen den kleinen Vögeln.
Leiſe lächelte die Blume und ſah ſich viele Male im blanken
Silber ihres Freundes widergeſpiegelt: „Wie glücklich werden
wir ſetzt miteinander ſein”, flüſterte ſie, und ihr lüßer Duft
erfüllte den ganzen Naum.
Karriere.
Von Willi Schmalfeldt.
„Brown,” ſagte Miſter Baker zu ſeinem Sekretär für die
privaten Angelegenheiten und drehte mit leichter Verlegenheit
an ſeiner Sigarre, „ich gedenke, mich zu verheiraten”.
„Es iſt beinahe unerläßlich”, entgegnete Brown ohne
be-
londere Ueberraſchung. „Nur, wenn Sie dem Hauſe eine Frau
geben, wird es zum geſellſchaftlichen Mittelpunkt von Nowport
werden können. Und letzteres kann Ihren geſchäftlichen
Ver=
bindungen nur von Nutzen ſein, Miſter Baker.”
„Oh.” ſuchte der in beruflichen Dingen ſo ſelbſtſichere
Petroleummagnat etwas zaghaft nach Worten, „ob die Dame
grade zur geſellſchaftlichen Nepräſentation geeignet iſt, weiß ich
nicht.‟ Er hielt inne
„Darf man fragen, auf wen Ihre Wahl gefallen iſt, Miſter
Baker?” mußte Brown ſeinen Chef zu näheren Einzelheiten
aufmuntern.
„Das, Miſter Brown, iſt es ja gerade, weshalb ich die
Angelegenheit mit Ihnen beſpreche: Ich woiß es nicht!”
Brown blickte fragend auf.
Baker zog an ſeiner Sigarre. „Halten Sie es in meiner
geſchäftlichen Poſition für unerläßlich, daß es eine Dame der
Geſellſchaft iſt?”
„Nein,” wog Brown ſeine Anwort ſorgfältig ab, „nur,
daß es eine Dame iſt.”
„Dann fürchte ich, daß ich eine Dummheit mache, Miſter
Brown. Oder kann auch eine junge Dame der Siegfield=Folies
ein Dame ſein?”
„Es kann eine Dame ſein”, bezwang Brown ſeine
Ver=
blüffung. „Mehr als 30 Prozent aller Siegfield=Girls werden
von amerikaniſchen Milliardären geheiratet. Miſter Baker
wer=
den wiſſen, wem Sie Ihr Vertrauen ſchenkten.”
„Wenn ich das wüßte, könnte ich das Gehalt meines
PPrivatſekretärs ſparen, Miſter Brown”, gab Baker leinen
Auf=
trag zu erkennen. „Ich weiß nur, daß ihre Erſcheinung meinem
Hauſe einen koſtbaren Glanz verleihen würde.”
„Wie heißt die Dame?” begriff Brown und zog mit
unmerklichen Falten zwiſchen den Augen den Notizblock.
„Wundern Sie ſich erſt, wenn ich draußen bin”, hatte Baker
es plötzlich eilig und brach auf. „Es iſt die Erſte von links. Das
iſt alles, was ich Ibnen zu ſagen vermag. Ich verlaſſe mich ganz
auf Sie, und wenn ſich meine Hoffnungen erfüllen dürfen, ſtellen
Sie mir die Damo morgen abend im Exzelior=Hotel vor.”
Im goldenen Simmer des Exzelſior=Hotels ſtanden vier
Ge=
decke bereit. Eine Fülle herrlicher Blumen ſchmückte den Ciſch
wie eine königliche Cafel.
Brown ſuchte die Ungeduld des Wartens zu überbrücken.
„Einen Cag ſpäter, Miſter Baker, und ein Prinz aus ehemals
regierender Samilie in Germany hätte Ihnen den Nang abge=
laufen. Miß Daiſy erhält täglich Anträge aus den erſten
Kreiſen.”
„Allo, Dame?"
„Wir wären ſonſt nicht hier”, betonte Brown die
zuver=
läſſige Erledigung der ihm anwertrauten Aufträge.
Lautlos war der rotbefrackte Diener eingetreten. „Miſter
Siegfield!”
Die Flügeltür blieb weit geöffnet. Baker zerknitterte die
Sigarette und ein leichtes Not flammte auf ſeinen Wangen.
Nebeu Miſter Siegfiold rauſchte Daiſu, ſtolzer und ſchöner
als eine Prinzeſſin herein.
Baker wechſelte jäh die Farbe. Er ſtand ſtarr wie eine
Bildläule und die Farbe ſeines Geſichts unterſchied ſich nur
wenig von der ſchneeigen Weiße des Frackhomdes.
Die erſten zehn Minuten waren eine Marter für alle
Be=
teiligten. Nur 2uiß Daiſy vermochte einigermaßen die
Verlegen=
heit des Augenblichs zu überbrücken. Baker erſchien es wie eine
Erlöſung, als Brown ſchließlich vorſchlug, die Suppe ſervieren
zu laſſen.
Der gute Cocktail, den die gereichten Limonadengläſer
ent=
hielten, brachte Miſter Siegfield in Stimmung. Er erzählte von
den vielen glückelichen Ehen, bei denen er ſozuſagen im
Neben=
beruf den Heiratsvermittler habe ſpielen müſſen.
Miſter Baker taute noch immer nicht auf. Nie hatte Brown
ſelbſt bei weittragenden Finanzaktionen ſeinen Chef ſo wenig
gefaßt geſehen. Die Bläſſe wich nicht aus ſeinem Geſicht. Brown
ſelbſt tupfte ſich feuchte Perlen von der Stirn und machte
ver=
zweifelte Verſuche, das Geſpräch in Fluß zu halten.
Erſt beim Braten bektam ſich Baker wieder in die Gewalt.
Daſus ſieghaftes Lächeln, ihre bezaubernde Schönheit und der
Adel ihrer Erſcheinung hatten geſiegt. Als man den Mokka
ein=
nahm, war Baker Feuer und Flamme und ſein Entſchluß gefaßt.
„Ich hoffe, Miß Daiſy,” ſagte er mit Wärme und einem
bewundernden Blick, „Sie und Miſter Siegfield morgen auf dem
Jour in meinem Hauſe der Geſelſchaft vorſtellen zu dürfen.”
Mit leichtem Nicken ihres zart aus den blendenden
Schul=
tern herauswachſenden Köpfchens entſchied Daiſu das Schickſal
ihres Lebens.
„Das nenne ich Glück”, ſagte Miſter Brown, als er am
nächſten Cage in Direktor Siegfields Büro den ſofortigen
Aus=
tritt Daiſus vereinbarte. „Seit wann tanzt eigentlich Miß Daſy
als Erſte von limſes in der Girlreihe?”
„Das nenne ich Karriere”, gab Miſter Siegfield zurück.
An dem Abend, an dem Sie im Auftrage Ihres Chefs an ſie
durch meine Vermittlung herantraten, zum erſten Male. Bis
dahin war ſie die Sweite von links. Ganz linkes tanzt ſonſt die
bildſchöne Miß Kitty, die jedoch ſeit einigen Cagen ausgefallen iſt
— kleine Sußverletzung.”
„Und mir hätte es meine Stellung koſten können”, ſtieß
Brovn oinen tiefen Seufzer aus. „Wie konnte ich das ahnen?
Jetzt werden Sie auch verſtehen, weshalb Aliſter Baker erſt
beim Braten wieder zu ſich kam.”
„Aſo, doch Glück, Miſter Brown,” gab Siegfield zu,
„wenigſtens für Sie. Da erkennen Sie eben den Wert meiner
Cruppo: eine wie die andere ſchön genug, um einen der
Mil=
liardäre Amerikas zwiſchen Cocktail und Braten zu boſiegen.”
Mit dem Gedanken tröſtete ſich auch Kitty, als ſie von der
durch das Spiel des Sufalls ihr entgangenen Partie hörte. —
Die Bewerbung.
Von Otto Sättler.
Da las ich von einem, der Stellung ſuchte, was er kann.
Wenn man alles unkritiſch hinnähme, was er anbietet, es wäre
der Mann, der einzige Mann, der für eien gut bezahlten,
aus=
ſichtsreichen, verantwortungsvollen Poſten in Betracht käme.
Denn er kann — ſeinen Angaben nach — ſchlechthin alles. Der
liebe Gott kann viel, aber dieſer Bewerber kann mehr. Er iſt
Virtuos in allen Fächern, erſtklaſſiger (natürlich nur
erſtklaſ=
ſiger!)) Disponent, vortrefflicher Organiſator, beherrſcht fünf
Sprachen fließend, iſt weit in der Welt herumgekommen, ſo daß
es überhaupt wohl kein Plätzchen mehr gibt, das er nicht kennt.
Alles kennt er, alles verſteht er, und mit dem Können iſt es
nicht anders. Wie alt der Mann iſt? Nun, ſchon 26, in Worten:
ſechsundzwanzig Jahre. Daraus erklärt ſich ſeine reiche
Erfah=
rung, ſeine große Kenntnis, ſeine überragende Fähigkeit.
Wie geſagt, wenn ich zu beſtimmen hätte, um jemand einen
gut bezahlten, verantwortungsreichen Poſten zu übertragen, ich
würde — nur dieſen Mann anſtellen? Nein, denn er hat nach
meinem Dafürhalten etwas nicht gelernt, das zwar heute nicht
mehr ſehr begehrt wird, aber immerhin noch gute Münze iſt:
Beſcheidenheit und Cakt.
Wenn alle ſchreien, muß man — nicht mitſchreien, und
wenn niemand beſcheiden iſt, ſo kann man es trotzdem ſein. Und
man fährt oftmals beſſer damit. Wenigſtens dann, wenn man es
mit Menſchen zu tun hat, die auch Beſcheidenheit und eine ſtille,
ehrliche und zielſichere Arbeit zu ſchätzen wiſſen. Wer aber
ehr=
liche, zielſichere Arbeit nicht ſchätzt, mun, der hat ſchließlich den
Blender vordient und den Neinfall mit ihm.
Ein kluger Praktiker ſchrieb letzthin einmal: Ein befähigter,
junger Mann ſolte ganz und mit allen ſeinen Odeen dem Werke
dienen, an dem er arbeitet. Der Chef wird ſeine Kraft ſchätzen,
ſchätzen lernen, und beide werden Gewinn davon haben. Dort
aber, wo man zielſichere Arbeitskräfte nicht ſchätzt, hat ein
tüchtiger junger Mann nichts zu ſuchen.
Auch dieſer Geſichtspunkt hat feine Berechtigung, wenn er
auch heute bei der großen Arbeitsloſigkeit in der präkkiſchen
Durchführung auf einige Schwierigkeiten ſtoßen wird.”
Immerhin: Das iſt wohl ſicher, daß man nicht alzuweit
kommt, wenn man den Mund zu ſehr voll nimmt. Wer darauf
hineinfällt, der fällt auch auf andere Vorſpiegelungen hinein,
und ſo kann man ziemlich ſicher vorausſagen, daß die Blüte
keinen ziemlich langen Beſtand hat.
Anderſeits natürlich gibt es wohl auch viele, die ihr Licht
unter den Scheffel ſtellen, treu und brav ihre Arbeit tun, mehr
tun, als ſie tun müßten und tun ſollten, weil ſie weder
An=
erkennung noch ſonſtige Würdigung bekommen, mauche, die ſehen,
wie andere, indem ſie für ſich ausgiebig Neklame zu machen
ver=
ſtehen, überflügeln, obwohl ihre Leiſtungen alles andere als das
ſind, was man als „erſtklaſſig” bezeichnet. Und trotzdem lernen
ſie nichts daraus. Und wollten ſie lernen, ſie hätten wohl kein
Geſchick dazu, einen kleinen Vorteil, den ſie eben errungen haben,
auszuwerten, zum Erreichen eines weiteren Vorteils.
Es iſt ſchon ſo, daß man heute, trotz aller Klugheit, die man
zu beſitzen glaubt, auf den „Blender” hineinfällt, nicht zuletzt
deshalb, weil man ſelbſt. . Doch ich will nichts geſagt haben.
Schach
Partie Nr. 60.
Nummer 352.
Geſpielt im internationalen Meiſterturnier zu San Remo 1930.
Stellung nach dem 30. Zug von Weiß.
b d e
Das Geſamtergebnis dieſes Turniers iſt: Dr. Aljechin 14 Punkte
(aus 15 Partien!), Nimzowitſch 10½, Rubinſtein 10, Bogoljubow 9½,
Jates 9, Ahues 8½2, Spielmann und Dr. Vidmar 8. Maroczy und
Dr. Tartakower 7½, Colle und Kmoch 6)z, Araiza 41½2, Monticelli 4.
Grau 3½, Romi 2½ Punkte.
Franzöſiſch.
Weiß:
Schwarz:
Dr. Aljechin.
Nimzowitſch.
1. 68oo4
ei--g8.
47—45
2. 4244
3. 8b1—es
Lie—b4
(f—g5
4. eL-o5
9g8—e7
5. Lo1-42
5. . .. . a:44 iſt ſchwach wegen
6. 8b5 mit eventuellem 8d6.+.
6. Koß—b5.
1b4Kd2t
Lz‟
7. Dd1sd2
b7—p6
8. 69—99.
Jeg-a
9. 19—74
In Betracht kam hier 18 mit Spiel
auf der k=Linie.
Dd8—d7
10. 9g1—13
8b8—os
11. 73—44
ebsb4.
12. b2—54
Ta 8—b7
18. 993b4
14. 8b6— 46
k7—45
Beſſer war es, ſich dem bedrohten
Damenflügel zuzuwenden (ſofort Sos).
Aiechin kommt jetzt durch kräftiges
Angriffs=
ſpiel in entſcheidenden Borteil.
Sef—gg
15. 74—a5
16. 848sb7
Da7sb7
vb7—47
17. a5—a8
jz. kira8
Baß—e
19. 0—0
b5.hg
zo. Mkl-o1
Dk8—e8
21. Pol—s
Df7—8
Schwarz ſieht zu ſpät ein, daß der
Punkt oé der Deckung bedarf, ſonſt hätte
er wohl gleich im 17. Zug Da7 gezogen.
22. Pa1—1
Waß—b8.
Schwarz ſieht noch keine Gefahr, wird
aber bald eines Beſſeren belehrt.
23. Dd2—83 droht D—a 3—a4.
Noß—N
23.:
Des—47
24. Po3—03
Kg8—is
25. No1—2
26. Deß-e1
Ub8—os
beeps
27. 1.b5—4
Ein erzwungenes Bauernopfer; es
drohte b4—b5 mit Figurengewinn.
Kf9—o8
28. Ta 4Xb5.
Kes—ds
33. I56.—94
30. h2—h4 Schwarz wird blochiert.
Seine Bauernzuge erſchöpfen ſich bald,
und dann iſt er gezwungen, eine Figur
zu ziehen, was aber ſofort verliert. Gibt
nämlich Schwarz die Deckung des Turmes
7 einmal auf, ſo erfolgt b4—b5. im
anderen Falle geht Sc6 verloren. E8
ge=
ſchah:
3o.
Dd7—e8
31. b4—bb aufgegeben.
2
Rätſel
aI
Rätſel
Sülbenrätfel.)
Aus den Silben: bir chai ckern e e ein eins eſt fug ga
kampf keit lek ma mal mi mis ngu ne pig ra rich ro vöf
ſe ſe ſe ſel ſel tal tät tal tri tyr üp un zi zwei — bilde
man die Anworten auf untenſtehende 16 Fragen, deren Anfangs= und
Endbuchſtaben einen Spruch nennen. (ch iſt ein Buchſtabe.)
1. Wie heißt die „Sprache” eines Fedewviehsd, 2. Was treiben oft
Kinder (und auch Große)? 3. Wie heißt eine Stadt in Ungarn? 4.
Welche Eigenſchaft iſt weit verbreitet?. 5. Welches Obſt wächſt auf dem
Baum? 6. Wie leben viele? 7. Wie hieß ein altertümliches
Fahr=
zeug? 8. Was iſt der Anfang einer Wiſſenſchaft? 9. Wie heißt
die Königin der Blumen? 10. Welcher Tiername iſt ein beliebtes
Schimpfwort? 11. Wie heißt eine Schachfigur? 12. Wie
hieß eine ſagenhafte Königin von Aſſyrien? 13. Was findet man in
Häuſeund, 14. Wie hieß ein berühmter frauzöſiſcher Schauſpieler? 15.
Wodurch wurden und wverden Ehrenhäudel in beſtimmten Kreiſen
aus=
getragen? 16. Wie heißt eine Naturkraft?
Carl Deubel.
Ein Feind des Winterſportlers.
bur der e er ga gart ge gen gun haupt kuh mann ra rei ret ſtutt !
ter to va win zi zie.
Obige Silben, ſchreibe man in die Felder, des Gitters, ſo daß die
waagrechten Reihen Wörter von folgender Bedeutung zeigen:
1. deutſcher Dichter der Gegenwpart, 2. Muſe, 3. germaniſcher
Volls=
ſtamm 4. Männername, 5. Oper von Kienzl, 6. Verwandter, 7. deutſch=
Hauptſtadt, 8. Haustier, 9. Genußmittel.
Die mittlere ſenkrechte Reihe nennt einen Feind des Winterſportlers,
Carl Deubel.
Was iſt das?
In der Mehrzahl erwecken
Sie Furcht und Grauen,
In der Einzahl iſt es
In Schleſien zu ſchauen. Carl Deubel.
Auflöſung der Rätſel ans Nr. 8.
Slbenrätfel.
1 Sirene, 2 Chervais 3 Muſäus, 4 Eiſenach, 5 Jgel, 6 Chevreau,
7 Etappe, 8 Lackmus, 9 Eiſaias, 10 Infanterie, 11 Jdhll, 19 Sehzdlitz,
13 Tſingtau, 14 Datib, 15 Etui, 16 Renette, 17 Bügel, 18 Erdbeere, 19
Sebennen, 20 Telegraph, 21 Epidemie. 2 Dezember, B Innozenz, 24
Etüde, 25 Bariton.
Der Spruch lautet: Schmeichelei iſt der beſte Diebesſchlüſſel zu bielen
Herzen.
Hohe Herren.
Prinz, Graf. Freiherr Baron, Herzoa, Kaiſer, Majeſtät, Fürſt,
König, Hoheit, Vicomte, Durchlaucht, Exzellenz.
„Prinz Karnebal.”
Druck. Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl, für die Redaktion: Dr. H Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten Nachdr. verroten.
[ ← ][ ][ → ] Wer wärft dann do mit Gummern,
Wer wärft dann do mit Dräck,
Wer wärft dann do ſei Portjuchhä
Mitſamſt em Gäld ewäck. . . .
Alſo, däß is aach noch ſo e Stickche ächte, alde Volksboeſie
aus unſere ſeeliche, freehliche Jugendzeit, un ſozuſage e Versche,
däß wo net bloß an Faßnacht ſei Gäldung hatt, ſundern däß
wo mer aach ſo’s Johr iwwer hott awenne un ſinge kenne, in
beziehendlicher Bezugnahme uf ärchend e Vorkummnis. . .
lin däß Versche is mer widder in Sinn kumme, wie do
neilich, uffm Rodhaus drowwe, der Gnabe Karl, als was unſer
däſchniſcher Borjemaaſter gilt, ganz forchtbar a gefange hott
färchterlich zu wärrn, ſo daß ſogar de Mackbrunne geraſt hott
un wollt ſei „Obfer” hawwe.
Un ausgerächend ſo aans vun unſere Zeidungsſchreiwercher
hott’s verwiſcht, däß wo in ſeine Unſchuld e bißche „
effend=
liche Meinung” hott mache wolle, un is dodebei aus Verſähe
in’s Fäddnäbbche gerade, ſo daß ſich, hoſte net geſähe, Blitz
un Schlag e borjemaaſterlich Ungewidder iwwer ſeim Kebbche
endlade hott, un daß es dobei dermaße Gummern un Dräck geräjend
hott, daß ſemtliche Bedeilichte, un aach gud die Hälft vun de
Unbedeilichte im erſte Momend net mehr aus de Aage gucke
konnte. . . .
No, ich ſag’s jo immer, geſchimbft is glei, un däß is jo
erſtens leicht un zweidens kaa Kunſt, weil mir däß ſozuſage als
ſteierfreies Erbgud vun unſere Altvordere erworwe hawwe, um
es zu beſitzen. Awwer die Zeit her war’s doch ſo, daß mir, was
die Bircher ſin, uns ausſchließlich uff’s Schimbfe beſchrenkt
hawwe, während ſich die Stadtverwaldung mitm Beſſerwiſſe
befaßt hott. Un do ſin mir ſeither ganz gud gefahrn debei,
mir hatte unſer Vergnieche, un die Stadwverwaldung aach.
Un dodebei hett mer’s loſſe ſolle, ’s hett noch johrelang gud
gedho ſo. — Awwer naa, do kimmt ausgerächend unſer „
däſch=
niſcher” Borjemaaſter doher, dreht de Stiel um, un ſteert däß
ſeitheriche härzliche Eivernehme, un fengt, ganz gääche den
ſeitheriche gude Brauch, äwenfalls a zu ſchimbfe. Un
ver=
greift ſich nadierlich bei däre ungewohnte Dädichkeid in de
ballamendariſche „termini technizi” derart, daß vermudlich das
ſeitheriche herzliche Eivernehme embfindlich geſteert is.
Gewiß, mer muß em zugud halte, daß er ſozuſage e
Nei=
ling is uff dem Gebied, wenichſtens ſoweits des
effend=
liche Schimbfe bedrifft; im Geheime mag er ſich jo ſchun
manch=
mol domit befaßt hawwe. — Meechlicherweis hatt=er aach de
Ehrgeiz bei ſeim erſte effendliche Uffdräde als Schimbfer gleich
de Vogel abzuſchieße. Awwer warum is er do net erſt emol
mir kumme; zu was hott mer dann ſei Freundin? — Ich
hett=em recht gärn e paar Aleidunge gäwwe, in Bezug bedräffs
dem Schimbfe. Odder wann er wenichſtens als uff die
Kanne=
vallsſitzunge gange weer, do hett er’s aach lärne kenne, wie mer
ſich alſtelle muß, wann mer effendlich ſchimbfe will, un hott
doch die Lacher uff ſeine Seid. ....
Gradezu e Muſterbeiſpiel ſin do die Meenzer „Fremde‟=
Sitzunge, in dene hauptſächlich uff die „Fremde” geſchimbft
wärd, uff die Wiesbadener, Darmſtädter un Frankforter
„Fremde‟. Am letzte Sunndag hawwe haubtſächlich die
Frankforter herhalte miſſe, ſunſt hawwe als mir
Darm=
ſtädter die Ehr. — — Awwer uff ſei goldern Meenz ſchimbft
en Meenzer net, beſunners net, wann er „Fremde” uff Beſuch
hott, daß mißtim eiffalle. Un do hott der Meenzer aach ganz
recht, do kenne mer nor vun=em lärne. Un valleicht mache mer
den Summer emal de Afang, wann die Fremde geſtreemt
kumme, un ſchimbfe uff ſe, anſtatts, daß merin for lauder
Liewenswärdichkeid hinne un vorne eneikrawwele un gäwwein
Friehſticker un Eſſe un ſo; valleicht hilft des Schimbfe bei uns
aach, un ſie kumme dann noch emol ſo gärn, die „Fremde‟.
So hott mer jo aach frieher Wärt gehatt, wie zum Beiſpiel
de „Gotwerdammich”, die ſin mit ihre Gäſt ſo ſaugrob
um=
gange, daß die wunners geglaabt hawwe, was for=e Ehr en
agedha wärd, wann ſe in dem ſeim Lokahl verkehrn därfe.
Allerdings im Geſchäftsverkehr, do kann mer mit’em Schimbfe
heit net mehr weit kumme, un ich mecht’s baam Geſchäftsmann
gerade hawwe, effentlich uff ſei Kundſchaft zu ſchenne. Im
Geheime nadierlich, do kann aach der Kaafmann als emol ſeim
bedrickte Härz Luft mache. So hab ich neilich aan gedroffe, der
hott geſchimbft, wie zwelf Wachtmaaſter aus de alde Zeid. „No,
no,” ſacht ich zu=em, „wo fehlt’s, ſin Sie etwa aus de
Geſchäfts=
uffſicht entlaſſe worrn?” — Awwer der hott immer weider
ge=
ſchimbft un hott geſagt: „Do ſchlag doch e lahmer Eſel enei, heit
middag hab ich drei, naa fimfmol ſoviel ei genumme, wie heit
morjend!“ — No, un do hab ich gemaant, däß weer doch kaan
Grund zum Schimbfe, ſundern do ſollt er doch froh ſei. „Sie
hawwe gut ſchwätze,” hott der geſagt, „awwer wann Sie erſt
wiſſe dhete, was ich heit morjend ei genumme hab.” — No ich
hab=en mit neigieriche Aage a geguckt, un hab=en gefrogt, wieviel
er dann am morjend ei genumme hett. „Nix!”, kreiſcht er, „un däß
is jo grad der Deiwel!”... Freilich, hab ich gedenkt, do kann
mer leicht middags s drei=, fimf= odder ’s hunnerdfache
einemme, un hott doch allen Grund zu ſchimbfe.
E' annerer Geſchäftsmann, der wo e paar Dag druff an
ſeine Ladedier geſtanne, un ſo e recht freundlich Geſicht gemacht
hott, den hab ich gefrogt, wie’s lagfe dhet. „Danke, 8 geht”,
ſeecht=er, „morjens is es zwar ruhich, awwer middags leßt’s
e bißche nooch, dohärngääche awends is es wie abgeſchnitte.‟ . ..
Dodruffhie hab ich geſcholle wie’n Rohrſpatz un hab geſagt,
er ſoll den Witz, der wo ſchun vor Anno Duwack im alde
Ma borjer Geſangbuch geſtanne hett, ſeine Wäſchfraa erzehle. Un
do hott ſich der noch härzlich bedankt, un hott geſagt, däß weer
ſein erſte Uffdrog wo er heit krickt hett. — — No, un mer muß
zugäwwe, däß is wärklich die vornehmſt Art, uff die Kundſchaft
zu ſchimbfe. . . .
Schließlich un endlich glaab=ich, is awwer noch in kaam Johr
ſo uff den „Prinz Karnewall” geſchimbft worrn, wie grad in
dem Johr, ſowohl vun ſeine Ahänger, dene er net luſtich genuch
war, wie aach vun ſeine Gäächner, die em gärn des letzte luſtiche
Schällche abrobbe mechte. Un dodebei hott der arm Deiwel aach
noch bis in März enei „reſchiern” miſſe, was bei däre
Bankrotts=
ſtimmung, die wo äwe uff uns laſte dhut, wärklich kaa a genehm
Beſchäfdichung is. Dann wie ich mer erzehle hab loſſe, is es uff
all dene Faſtnachtsbäll un Maskekrenzcher recht „gedrage”, un
der Zeit entſprächend hergange. Die „Vergniechungskommiſſione‟
hawwe zwar Blut geſchwitzt, awwer im Hinnergrund ſin
lang=
ſam die Vereinskaſſierer verzweifelt, während die
Vereinsmitglie=
der ſich wohl odder iwwel noochdräglich noch zu=eme „Notobfer”
uffraffe miſſe....
Im Grund genumme is jo diß Johr die ganz Faßnacht
weider nix, wie e Notobfer, wo mer ſeine verzweifelte
Stim=
mung bringe dhut, un in dem Fall valleicht net gering zu
ver=
a’ſchlage. Awwer wann mer däre, gewiſſermaße im Dienſta zug
kommandierte Luſtichkeid uff de Grund geht, ſieht ſe ſo me
ver=
logene Faßnachtskräbbel net ganz unehnlich, 8 is meiſtens
wei=
der nir, wie e Loch, mit=ere verzuggerte Haut drum erum.. . ..
No, ſeis noch um drei Dag, dann is aach die Faßnacht
iwwerſtanne, un em „Prinz Kannewall” wärds dann ganz egal
ſei, was for=en Negrolog merm hellt, er hott’s hinner ſich, ob
geſchumbfe wärd, odder net. Un ſchließlich is jo aach nor aamol
Faßnacht, awwer’s ganze Johr Aſchermiddwoch. Un wer alſo
in dem Dillemah mol ’s Bedirfnis un de Drang in ſich fiehlt,
ſeim gebräßte Härze Luft zu mache, dem mecht ich zum Schluß
nor den gane klaane Rat gäwwe: „Schimbfe wie du, wenn du Menzel: „Na, kleiner Mann, ſind Sie nun bald fertig?‟ Seine
verklagſt wärſt, winſche dhuſt, geſchimbſt zu hawwe!” — Wer ſo
ſchimbft, ſchimbft gud.. .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Unner uns geſagt, ich hab ſo die
Erfahrung gemacht, daß es weder mitm Schimbfe, noch mitm
Beſſerwiſſe gedha is. Sundern ’s aanziche was helfe kann, is
allaans es — Beſſermache. Awwer grad in däre Beziehung
habert’s aſch, ſowohl bei dene, die wo ewich bloß ſchimbfe, wie
aach bei dene, die wo alles beſſer wiſſe. — Wann ich zum Beiſpiel
hott do bis jetzt alles Schimbfe un Beſſerwiſſe genitzt? — —
kenne, weer äwe weider nix geweſe, wie afach des
Beſſer=
mache. Un meim beſchrenkte Unnertane= odder
Volksgenoſſe=
verſtand nooch, hett do wärklich net viel dezu geheert. Awwer
vor lauder Schimbfe un Beſſerwiſſe is wie gewehnlich iwwer= ſelben Momente gebot der Bruder: Stillgeſtanden. Das
Skizzen=
als abſchreckendes Beiſpiel vun=ere Kunſt= und Gaddeſtadt
ge=
zeicht wärrn kenne. Nadierlich hott mer jo heit e gut Ausredd,
mer ſeecht afach, ’s is kaa Geld do. — Awwer wie Geld do
war, hott mer for lauder „Brojäckte” de Himmel net geſähe. —
Ungefehr wie mitm Balleegadde geht’s aach mit de
ehe=
maliche Gadde= jetzt Schleiermacherſtroß. Die
Schleiermacher=
ſträßer kembſe ſchun ſeit Johrn um ihrn Blatz an de Sunn.
Awwer wie geſagt, aus em Schimbfe un Beſſerwiſſe is mer
aach do bis heit noch net erauskumme. Un wie affach weer’s,
die Sach beſſer zu mache. Awwer mer will net, un berifft ſich
heit afach druff: s is kaa Geld do. No un do wärd’s halt
vor=
erſt aach do beim Schimbfe un Beſſerwiſſe bleiwe.
Nadierlich is aach des Schimbfe un Beſſerwiſſe beim
Ther=
jater ieblich: die vor em Vorhang ſchimbfe, un die hinnerm
Vorhang wiſſe’s beſſer. — Awwer wie ich die Woch geheert un
geläſe hab, daß der große Renado Mordo ’8 „Weiße Röſſel”
inſzeneriert hott, do hab ich gedenkt, alleweil demmert’s en! —
Un wann’s aach grad kaa „Gödder”demmerung is, awwer ſie
hawwe ſich doch all gefiehlt, wie im Himmel: der Reſchiſſeer,
die Schauſpieler, 8 Publigumm un — de Theaterkaſſier . ..
No, ich muß ſage, um ſchließlich uff’s „Weiße Röſſel”, zu
kumme, do hett’s doch die Uffreechunge ſeither net gebraucht, den
„Erfolg” hette ſe lengſt hawwe kenne, wann ſe meim gude Rad
gefolcht weern. Dann derardiche Stickelcher hawwe mer noch e
Maſſe in unſerm Therjaderaſchief. Un mit ſo drei, vier
Stickel=
cher, do halte ſe de Winder iwwer ihr ganz „Drei=Groſche=
Kulldur=Theater” iwwer Waſſer, ohne daß ſich e beſunners großer
Reſchiſſeer um die Reſchie bemieht. Dann däß bische, wo do
erforderlich is, macht=en jeder beſſere Schauſpieler aus em
Hand=
gelenk. Schließlich un endlich is awwer ſo en luſticher Schwank
aach was ganz Scheenes, un es brauch ſich niemand de Kobb zu
verbräche, was in dem Fall „Kitſch” un was „Kunſt” is.
Do=
driwwer wiſſe offenbar aach nor ſehr bornierte Kebb genau
Be=
ſcheid, un ich bin die letzt, die wo ſe um däß baddendierte
Rein=
lichkeidsembfinde beneide dhut.
Beneide, wärklich beneide awwer dhu ich unſer Lili
Hick=
ler, die wo mit ihrm ſonniche Humor, un mit ihrm kinnerfrohe
Gemied, es verſteht, uns das Härz warm zu mache. Des ganze
Theater, mit ſeine babbedeckelerne Brobleme, Dichter un
Re=
ſchiſſeer, is nix wie e armſeelich Wichdichduerei, in dem Aageblick,
wo die Lili mit ihrm klaane Gezäwwel erſcheint. Do wärd die
Welt uff aamol widder hell, un ſorglos un luſtich; es gibt kaa
„Maanunge” mehr, es gibt bloß noch vergniechte, junge Geſichter,
un alles is in ſchennſter Harmonie. Die große und die klaane
Kinner, vor un hinner de Biehn, ſin reſtlos glicklich. So war’s
am letzte Sunndag, un ſo is es heit noch emol. Un wer’s
ver=
ſteht, wie die Lili Hickler, uns ſo e froh Stund zu ſchenke, dem
wolle mer vun Härze dankbar ſei.
Menzel=Anekdoten.
Die „kleine Exzellenz”.
Als Menzel ſein berühmtes Krönungsbild malte, war er ſich
von vornherein darüber klar, daß er für dieſe Arbeit mehrere
Jahre brauchen würde und er befürchtete, daß die in Frage
kom=
menden Perſönlichkeiten in dieſer Zeit ſterben könnten. Deshalb
hielt er ſich zunächſt an die älteſten. Zuerſt malte er den alten
Generalfeldmarſchall Wrangel auf das Bild. Als Wrangel
einſt=
mals wieder der langen Sitzung überdrüſſig wurde, fragte er
Zwergenſtatur aber war ein Punkt, worin Menzel durchaus keinen
Spaß verſtand — etwas höhniſch erwiderte er: „Exzellenz ſind
wohl gewohnt, die Menſchen nur nach der Elle zu meſſen”
Wrangel ergriff ſofort die Flucht mit den Worten: „Sie ſind
eine giftige, kleine Kröte” und verſchwand ſchleunigſt.
Sie wurden ſoeben — ſkizziert!
Menzels beſondere künſtleriſche Eigenart beruht wohl vor
allem darin, daß er mit ſeinem ſchönheitsdurſtigen Auge überall
im täglichen Leben, ringsum wo er immer weilte, die Schönheit
bloß ſo in dene letzte paar ſcheene Däg am Balleegadde vabei der alltäglichen Wirkſamkeit entdeckte und mit ſeiner
Zeichen=
geſtiwwelt bin, do hab ich mer ſo recht ſage kenne: ſiehſte, was kunſt ohnegleichen verwertete. Auch hierfür erzählt Meyerheim
ein intereſſantes Beiſpiel: „Ich entſinne mich eine Skizze, als wir
Nix, awwer aach rein gornix! — 8 aanziche, was hett helfe eines Abends Menzel ſpät verließen und ſchon zum Abſchied
nachts an der Haustür waren. Eine Droſchke ſtand bereit, uns
heim=
zufahren. Da umarmte meine Mutter die Schweſter des
Künſt=
lers zum Abſchied beſonders herzlich auf der Straße und im
haubt nix gemacht worrn, un ſo wärd aach im Juwiläums= buch flog aus der Taſche und die Zeichnerei ging los, unter der
johr neunzeh’hunnerddreißich der Ooſeballeegadde, de „Fremde” Laterne, auf offener Straße, viel zu lange für meine Mutter,
die ſich nach Hauſe ſehnte, zu kurz für den Droſchkenkutſcher, der
für das Warten bezahlt werden mußte.”
Der zeitgemäße Haushalt.
Molke als Reinigungsmittel. Leider iſt viel zu
wenig bekannt, daß die namentlich in ländlichen Gegenden billig
erhältliche Molke, ſich vielſeitig zu Reinigungszwecken
verwen=
den läßt. So bleiben weiße Wollſachen ſchön klar, ohne den
ge=
fürchteten gelben Schimmer anzunehmen, wenn man ſie in lauer
Molke durchwäſcht, darauf in leichtem Seifenwaſſer ſpült und
halbfeucht, ohne Auswringen getrocknet, von links bügelt. Auch
für geſtrichene, hellfarbige oder weiße Möbel, Türen und Fenſter
iſt laue Molke ein ausgezeichnetes Reinigungsmittel.
Emaille=
töpfe mit dunklem Anſatz damit ausgekocht, werden wieder
tadel=
los ſauber und für Fließen und Steinſtufen gibt es kaum ein
billigeres Reinigungsmittel wie erhitzte Molke, mit der man ſie
II.
bürſtet, um mit reinem Waſſer nachzuwaſchen.
Die „Wochenend=Ueberſicht” in der Küche. Der
Wochenend=Gedanke hat eigentlich nur immer die Ausſpannung
im Auge, während jedoch das „Wochenend” im Haushalt, reſp.
=Ueberſicht damit nur wenig zu tun hat. Denn bei der
einzu=
führenden Wochenend=Ueberſicht ſoll der Hausfrau die Möglichkeit
gegeben werden, ſich eingehend über fehlende Beſtände in Küche
und Speiſekammer zu orientieren. Dazu ſollte ſie Wochentage
benutzen, und zwar am Donnerstag und Freitag ihre Beſtände
an wichtigen Lebensmitteln: Kolonialwaren, Mehl, Salz uſw.
genau prüfen, dabei Fehlendes aufnotieren, desgleichen in der
Küche ſorgfältig Umſchau halten, um etwa fehlendes Geſchirr,
Quirle, Töpfe, Beſtecke, ſowie Putz= und Reinigungsmittel uſw.
ebenfalls auf einem ſog. „Beſorgungsblock” zu notieren, um dann
am letzten Wochentag, dem Samstag, die Ergänzungseinkäufe
vornehmen zu können. Auf dieſe Weiſe bleibt ihr ſo mancher
Extraweg erſpart, den ſie bald bei dieſem, bald jenem „
ausge=
gangenen” Lebensmittel oder fehlenden Gegenſtand gehen muß.
V.
Herd= und Ofenplatten vor dem Roſten zu
ſchützen. Blanke Herd= und Ofenplatten kann man vor dem
Roſten ſchützen, wenn man ſie nach ihrer Reinigung mit ölge=
HI.
tränktem Lappen oder einer Speckſchwarte einreibt.
Muſchel=Spaghetti. 200 Gr. in Stückchen gebrochene
Spaghetti koche man in Salzwaſſer weich, miſche ſie dann mit
4 Pfund feingewiegtem, gekochten Schinken, Salz, Pfeffer und
gehe ſie auf gebutterte Muſchelſchalen, worauf man ſie, mit ge=
riebenem Parmeſan= oder Schweizerkäſe beſtreut und mit
Butter=
flöckchen belegt, im Ofen bei Mittelhitze 15—20 Minuten überbäckt.
Man reiche ſie als Vorſpeiſe.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Nudelſuppe, Roſenkohl mit Kalbsſchnitzel.
Montag: Pichelſteiner. — Dienstag: Teltower Rübchen
und Kalbsgehirn. — Mittwoch: Gefüllte Kohlrabi. —
Don=
nerstag: Linſen mit Backpflaumen und Bratwurſt. —
Frei=
tag: Fiſch=Mayonnaiſe. — Samstag: Sauerkraut mit
Erbs=
brei und Schweinsknochen.
Der muſterhafte Haushalt.
Von Wilhelmine Plötz.
Er iſt keine Seltenheit und in allen Schichten unſeres Volkes
zu finden. Die Freude an einem ſauberen, geordneten Heim liegt
nun einmal der deutſchen Frau im Blut und befähigt auch die
berufstätige Frau dazu, in ihrer arbeitsfreien Zeit ihr
Haus=
weſen nach Möglichkeit ordnungsmäßig zu führen und ſo dem
ſonſt drohendem Verfall vorzubeugen.
Der muſterhafte Haushalt zeitigt aber auch nur zu leicht
bei jenen Hausfrauen, die, ohne Beruf, nur für ſeine
Inſtand=
haltung beſtrebt zu ſein brauchen, eine unruhvolle
Betriebſam=
keit. Da jedes Stück unverrückbar ſeinen Platz hat, darf es ſich
der Hausherr meiſt nicht einfallen laſſen, ſeine Zigarre oder
Pfeife in einem anderen Raum zu rauchen, als dem, den die
Hausfrau ſelbſt dazu beſtimmte. Wehe, wenn er einmal Spuren
ſeiner Anweſenheit auf Möbeln oder Fußböden hinterläßt, ſie
wird ſofort mit Schaufel und Beſen herbeieilen, oder mit einem
Tuche nachreiben, was, durch ihn verſchuldet, ſeinen Glanz
ein=
büßte. Beſucher können gewiß ſein, daß die Hausfrau dieſes
muſterhaften Haushalts nach ihrem Abſchied ſofort die Spuren
ihrer Anweſenheit beſeitigt, und die Kinder einer derartigen
Mutter ſind tief beklagenswert, da ſie ihnen jede Möglichkeit
zur zwangloſen unbekümmerten Bewegung beſchneidet. Daß
größere Kinder der muſterhaften Hausfrau ſobald wie möglich
das ungaſtliche Heim verlaſſen oder, wenn zum Wohnen bei den
Eltern gezwungen, bei jeder Gelegenheit fliehen, iſt nicht zu
ver=
wundern, denn ſie haben zwar eine gepflegte Ruheſtätte und
be=
kommen auch ſorgſam zubereitete Mahlzeiten, aber Ruhe und
Frieden finden ſie nicht daheim, da die Hausfrau mit
Argus=
augen darüber wacht, daß die geheiligte Ordnung ihres Heimes
nicht auf ingendeine Weiſe durch zerſtört wird.
Vielleicht kommt dieſe oder jene Leſerin obiger Zeilen zu
der Annahme, daß wir dem muſterhaft geführten Haushalt im
Innerſten abhold ſind. Weit gefehlt! Wir möchten nur vor
Uebertreibung in dieſer Hinſicht warnen, die, weit über das
lobenswerte Ziel hinausgehend, alle mitbeteiligten
Familien=
glieder, je nach deren Naturell mehr oder weniger beengt und
bedrückt. Ganz gewiß trägt ein ordentlicher Haushalt ungemein
zum Behagen jedes Familiengliedes bei. Gerade mit
nuß=
loſem Suchen nach einem verlegten oder verhängten Gegenſtand
wwird ja in zahlloſen Haushaltungen viel Zeit verſchwendet. Es
iſt deshalb auch der Hausfrau und Mutter als beſonderes
Ver=
dienſt anzurechnen, wenn ſie es verſteht, die Kinder wie die
er=
wachſenen Glieder ihrer Familie, zum Ordnunghalten zu
erziehen und ſich damit in ihnen Hilfstruppen zur Erhaltung
eines muſterhaften Haushaltes zu ſichern. Sie ſollte aber nie
ſoweit gehen, wie es die oben angeführten Hausfrauen tun:
das Haushalten dieſer Art Selbſtzweck werden
zulaſſen. Sie ſelbſt betrügt ſich damit um das häusliche
Be=
hagen, das nach der Haſt und Unruhe der Arbeit ſie ſelbſt wohlig
umfangen ſoll. Die Sorge um eine mögliche Störung der
hei=
miſchen Ordnung läßt ſie gar nicht zum Ausſpannen kommen und
für andere Intereſſen, vor allem geiſtiger Natur, Zeit finden, und
ſo verarmt ſie ſchließlich innerlich mehr und mehr, trotz dem
ſtolzen Bewußtſein: als Hausfrau geradezu vorbildlich zu ſein.
II
u mor
Der Nachteil. „Nun, wie gefällt es dir in eurer neuen Wohnung?”
— „Es geht, wenn nur nicht neben uns ein junges Ehepaar wohnen
würde, das ſich den ganzen Tag lang ſtreitet.” — „Ja, das iſt
unan=
genehm, ſowas mit anzuhören.” — „Fürchterlich!” Und was das
Schlimmſte iſt, daß ſie franzöſiſch ſprechen, ſo daß man kein
Wortver=
ſtehen kann!”
(Kaſper.)
In der Schule. „Peter, kannſt du mir eine Defination des
Be=
griffes „Nichts” geben? — „Ja, zum Beiſpiel ein Freiballon ohne
(Tit=Bits.)
Hülle.”
Schlittſchuhlaufen. „Dein Mann iſt ja wie zu Hauſe auf dem Eis!”
„Ja, und zu Hauſe wie Eis!”
Anders gemeint. Dienſtmädchen: „Bitte, gehen Sie doch etwas
vorſichtig, es iſt eben gebohnert worden.” Gaſt: O, das macht nichts
(Berlingske Tidende.)
— ich habe Nagelſchuhe an.”
taſiereichtum und Originalität
ge=
ſucht wird.
In der Regel legt man ſogar
großen Wert darauf, die
verſchie=
denen Jäckchen des Pyjama=
Com=
plets aus einem abſtechenden
Materiale zu arbeiten, und zwar
wird hier faſt immer ein
dunk=
leres Gewebe gewählt, um einen
netten Kontraſt zu ſchaffen.
Als Neuheit gelten jene
Zu=
ſammenſtellungen, die die Hoſe des
Pyjamas und den Paletot aus dem
gleichen Materiale vorſehen, die
Bluſe aber abſtechend und heller
ſein laſſen, eine Note, die ſicherlich
den unverkennbaren Vorzug hat,
ab=
ſolut jugendlich und ungemein flott
zu ſein.
Vielfach ſind auch aus dem
Futter einer Pyjama=Umhülle ſehr
gute Effekte zu holen, indem man
ſie mit dem Hausanzuge ſelbſt in
eine gewiſſe Uebereinſtimmung
bringt.
Dies iſt bei dem erſten Modell
unſerer Gruppe der Fall, da hier
eine dunkle Pyjama=Hoſe mit einem
langen Paletot aus dem gleichen
Materiale kombiniert erſcheint,
während die in die Hoſe reichende
Bluſe großgeblumt iſt und ſich
das gleiche Material als Futter des
Paletots wiederholt.
Für junge Damen ſei als
Um=
hülle das kurze „Bolero”
emp=
fohlen, das ungemein kleidſam iſt
und überdies auch in der
Tages=
mode eine gewiſſe Rolle ſpielen
wird. Unſere Mittelſkizze zeigt ein
derartiges, ganz ſchlichtes aber
wir=
kungsvolles Jäckchen in dunklem
Materiale, das hier — genau wie
bei dem früher beſprochenen
Pyja=
ma — mit der Hoſe vollkommen
übereinſtimmt. Die Bluſe iſt ſehr
einfach und wie ein Herrenhemd
aus ganz hellem Materiale — etwa
aus Roh= oder Waſchſeide —
her=
geſtellt. Auch hier wieder der
Gür=
tel, der die hochgerückte Taille
be=
tont.
Eine halblange Jacke in
ab=
ſtechender, dunkler Schattierung zu
einem hell=paſtellfarbenen Pyjama
führen wir im letzten Bilde vor
Augen. Sie bringt einen
ange=
ſchnittenen Schal, der — wenn das Jäckchen gut getragen wird —
außerordentlich maleriſch wirken kann. Das Pyjama ſelbſt iſt
eine Zuſammenſtellung von weiten Beinkleidern (in der Art der
Hamburger Zimmermannshoſe) und einer langen, mit einem
Gür=
tel verſehenen Kaſak=Bluſe, die durch gefältelte oder gekolmte
Revers garniert wird.
Willy Ungar.
Der Hausanzug.
Als das Pyjama der
Herren=
mode entlehnt und der Garderobe
der Dame einverleibt wurde, dachte
ſicherlich noch niemand daran, welch
große Rolle es einſt noch zu ſpielen
berufen ſei, da es ja vorerſt
tatſäch=
lich nur als Exzentrizität einiger
weniger Frauen zu werten war.
Ueberraſchend ſchnell aber
ge=
wann das Pyjama in Geſtalt des
Schlafanzuges in der Damenmode
ſehr große Bedeutung, denn man
fah ein, daß es viel praktiſcher ſei
als jedes Nachthemd, das ſchwerer
zu reinigen und koſtſpieliger in der
Herſtellung war und außerdem der
betonten „Sachlichkeit” unſerer Zeit
mit ſeinen Spitzenbeſätzen,
Sticke=
reien und verſchiedenen
Garnierun=
gen viel weniger entſprach als der
Schlafanzug, der all: dieſer Dinge
entraten konnte und bei größter
Einfachheit gut und kleidſam
er=
ſchien.
Außerdem erwies ſich das
Py=
jama auf Reiſen auch als ſehr
ver=
wendbar, ja beinahe als
unentbehr=
lich und vor allen Dingen auch als
viel hygieniſcher als das
Nacht=
hemd.
So kam es, daß der Hausanzug
nach und nach ein Garderoberequiſit
wurde, an das man ſich gewöhnte
(ſogar ſehr gerne gewöhnte), denn
ſelbſt im Hauſe zeigt es ſich, daß
das Pyjama viel empfehlenswerter
ſei als ein Schlafrock, weil es die
Bewegungsfreiheit nicht behindert
und außerdem viel anſpruchsloſer
iſt als das Hauskleid, das den
Nachteil hat, entweder zu primitiv
oder zu pompös auszuſehen.
Der Schlaf= und Hausanzug
iſt jetzt ſchon eine ſeit Jahren
er=
folgreiche Mode und fehlt in keiner
Garderobe. Nur zeigt ſich vielfach,
daß ein Pyjama an ſich nicht ganz
vollſtändig ſei, weil es — beſonders
während der Morgenſtunden .
nicht genügend warm hält und
man demzufolge gezwungen iſt,
eine Umhülle darüber zu nehmen.
Dieſem Erfordernis Rechnung
tragend entſtand die Idee, den
Hausanzug gleich mit einer paſſenden Umhülle zu verſehen und
ihn auf dieſe Weiſe zu einem Pyjama=Complet auszubauen, das
heute als unanfechtbar richtunggebend anzuſehen iſt.
Die Art dieſer Umhülle bleibt natürlich ganz dem
perſön=
lichen Geſchmacke der Trägerin überlaſſen. Manchmal nämlich
handelt es ſich nur um eine kleine, kurze Jacke (gelegentlich wäre
auch ein nettes Bettjäckchen für dieſen Zweck heranzuziehen), oft
um einen halblangen, meiſt aber um einen langen Paletot,
der dann — unabhängig vom Hausanzuge — auch als
Schlaf=
rock gebraucht werden kann.
Dieſe Umhüllen ſind nur in den ſeltenſten Fällen aus dem
gleichen Materiale wie das Pyjama hergeſtellt, weil ſich daraus
zweifellos eine gewiſſe Monotonie engeben würde, die gerade
bei der Hauskleidung ganz unangebracht wäre, weil hier Phan=
Die Bluſe mit ſportlichem Charakter
ſteht gegenwärtig im Mittelpunkte des Intereſſes, wie ja die
Bluſe überhaupt in allernächſter Zukunft eine ganz überragende
Rolle ſpielen ſoll. Vor allen Dingen wird ſie im Frühjahr als
Ergänzung des Koſtüms in Frage kommen, aber auch Rock, Bluſe
und Mantel dürften den Complet=Gedanken in richtiger Weiſe
variieren.
Natürlich vermag eine Bluſe, die man für alle Gelegenheiten
vervenden kann, die alſo an keinen beſtimmten Gebrauchszweck
und keine Tageszeit gebunden erſcheint, am meiſten zu in
ſieren und hier heißt es nun, Neuheiten zu ſchaffen, die e
und dabei doch nicht wirkungslos ſind.
Man trachtet im allgemeinen aus dem originellen E
mit Hilfe ſchlichter und gut waſchbarer Fiſchus und K
garnierungen ſchöne Effekte zu erreichen.
Unſer Mittelbild bringt ein ganz entzückendes Model
derartigen Kuopfbahnen, die letzte Skizze eine Bluſe mit ge
Sattelpartie und einfachem „Jabot”, die erſte Figur hin
ſtellt eine zweifarbige Bluſe dar, die derart aufzufaſſen i.
über den Schalkragen und das daraus hervorkommende 5
ein anderer, dem „Muffler” ähnlicher Kragen fällt, der
markant kontraſtierende Farbe hat, das Grund=Fiſchü zur
deckt und ſich mit ihm zu einem Ganzen vereinigt. W
Für die Promenade und den Beſuch
ſind oft die kleinen Toiletten=Details, die ja eigentlich die wahre
Eleganz einer Frau ausmachen, wichtiger noch als die einzelnen
Garderobeſtücke. Und beſonders jetzt, vor Beginn der neuen
Saiſon, beſchäftigt man ſich mit dieſen Dingen noch eingehender
als ſonſt und widmet ihnen ein ganz beſonderes Augenmerk.
Hauptſächlich iſt es der Schuh, die Handtaſche und der
Hand=
ſchuh, die hier in Frage kommen und immer wieder zeigt es ſich,
daß zweifarbige Effekte heuer ſehr beliebt ſind.
Für den Vormittag, alſo für Trotteurzwecke meiſt Ton=in=
Ton=Schattierungen, etwa Beige=Braun, Beige=Blau, Grau=Blau
uſw., für den Nachmittag aber vorwiegend Schwarz=Weiß, das
heuer große Erfolge zu verzeichnen hat.
In unſerer Gruppe zeigen wir die verſchiedenen Details für
ihre beſtimmten Tageszeiten:
Man ſieht hier, daß ſelbſt der Schuh inſofern in Schwarz=Weiß
gehalten iſt, als man für den Nachmittag gerne ein ſchwarzes
Seidenmodell mit weißem Leder einfaßt oder mit Stahlperlen
beſtickt, während die Fußbekleidung für den Vormittag durch
Kombinationen von zweifarbigem Leder die vorzüglichſten
Kon=
traſte ergibt.
Der Handſchuh für die Teeſtunde iſt weiß und hat ſchwarze
Stepplinien, dem Beige=Lederhandſchuh für die Promenade
hin=
gegen gibt man die beliebte und praktiſche, neil zu allem paſſende
„Naturfarbe” mit brauner Kantung.
Die Handtaſche für Trotteurzwecke iſt durcheus auf „
Sach=
lichkeit” geſtellt und aus dunkelbraunem Leder gedacht, die nach=
mittäglichen Typen hingegen ſind ſchon in ihrer Grundform
an=
ſpruchsvoller, phantaſie= und linienreicher und aus ſchwarzem
Sämiſchleder gearbeitet, dem ein kunſtgewerblicher Nickelbügel
die ſchwarz=weiße Note vermittelt (Gruppe links).
W. U.
Die Nockformen der kommenden Mode
ſind — ſo verſchiedenartig ſie auch auf den erſten Blick ſcheinen
mögen — im Grunde genommen auf ein= und dasſelbe Schema
und auf die gleiche Silhouette zurückzuführen.
Faſt alle haben ſie die breite, die Hüften eng=umſpannende
Paſſe, die Schlankheit und wieder Schlankheit erfordert (wobei
es ſich endlich doch erweiſt, daß alle Gerüchte von der Mode der
„Unterſetzten” eben nur — Gerüchte waren).
Aus dieſer Paſſe nun kommt der tief anſetzende Rock hervor,
der ziemlich lang iſt, die Geſtalt ſehr ſtreckt und damit eine ganz
neue Proportion ſchafft, die dazu angetan iſt, eine gänzlich
ver=
änderte Silhouette zu zeitigen, wie ja überhaupt die kommende
Mode dem Rocke viel mehr Beachtung ſchenkt als der oberen
Partie des Kleides.
Sehr ſelten nur ſind die Röcke ringsum gleich lang. Meiſt
werden ſie an einzelnen Stellen nur etwas verlängert, etwa in der
vorderen und rückwärtigen Mitte (Bild 2) oder auch einſeitig, ſo
daß die vielbeſprochene Zipfelform entſteht (letztes Bild). Am
kleidſamſten ſind aber die an mehreren Stellen verlängerten
Modelle, die ſehr jugendlich und ungemein graziös ausfehen und
dank der engen Poſſe eine beſchwinate Linie ergeben (Figur 1).
Nummer 61
Marker alß der Tox.
Roman von Hans Schulze.
16)
Nachdruck verboten.
Irgend. die in weiter Ferne, ſchlug eine Tür zu, eilige
Schritte knirſchten leiſe über den Kies der Gartenwege.
Evelyn verließ wohl ſein Haus, er rührte ſich nicht.
Er hatte das Spiel, um das er noch zwei Tage zudor den
Tod herausgefordert, ja doch verloren.
Hoffnungslos wie der Mann auf der Bühne ſtarrte er in
eine entgötterte Zukunft. —
Die Zeit verwehte.
Mitternacht kam und ging.
Und noch immer hockte Karr in ſeinem Seſſel, ein plötzliche
alt gewordener Mann mit einem ſtumpfen, leeren Bauerngeſicht.
Was ſollte nun werden?
Es war ja Wahnſinn, zu denken, daß er morgen früh vielleicht
wie immer zu ſeinem Bureau hineinfuhr und ſich wieder in der
Tretmühle der täglichen Arbeit einſpannte.
Dieſer Arbeit, die bisher ſein Leben ausgemacht hatte und
die im Grunde nicht um einen Gran ſinnvoller geweſen war als
die ewige Glücksjagd der raffgierigen Menſchenmeute, die ruhelos
von früh bis ſpät durch die Steinwüſte der Weltſtadt einem
un=
ſichtbaren Ziel zutobte.
Ein alter Bibelvers kam ihm auf einmal in den Sinn, den
ihm der Vater bei ſeiner Einſegnung auf den Weg ins Leben
mitgegeben hatte und der ein halbes Jahrhundert lang in ihm
verſchüttet geweſen war.
„Was hülfe es dem Menſchen, ſo er die ganze Welt gewönne
und nähme doch Schaden an ſeiner Seele.”
Mit zuckendem Munde ſprach er die feierlichen Worte leiſe
vor ſich hin.
„Und nähme doch Schaden an ſeiner Seele.”
Er hatte ſeine Seele, einſt dem Moloch des Geldes
ver=
ſchrieben.
Gold und Macht, ſo hatte von jeher die Deviſe ſeines Lebens
gelautet, rückſichtsloſer, erbarmungsloſer Kampf um den Erfolg.
Und was war das Ende geweſen?
Eine ungeheure Leere und Herzenseinſamkeit, die Eiſeskälte
des Alleinſeins.
Die Frau, an die er ſein liebearmes, alterndes Herz
ge=
hängt, deren Seele er ſich mit ſeinem Geld erkaufen zu können
geglaubt, ſie hatte ihn heute nacht für immer verlaſſen, ſie übte
jetzt Vergeltung an ihm für die Vergewaltigung ihrer Jugend,
die Schändung ihres Lebens.
Als ein Wrack, ein hinfälliger, willenloſer Menſch, ein
leben=
der Toter war er zurückgeblieben.
Und eine große Sehnſucht nach Erlöſung aus all dieſen
Qualen zog auf einmal übermächtig durch ſein Herz.
Ein leiſes Klopfen ſchreckte ihn endlich aus ſeiner
Verſunken=
heit auf.
Der alte Diener war geräuſchlos eingetreten und fragte, ob
er für ihn noch Befehle habe.
Karr raffte ſich gewaltſam zuſammen und trat zu ſeinem
Schreibtiſch.
Ein ſeltſamer Entſchluß war plötzlich in ihm herangereift,
daß er haſtig ein paar kurze Zeilen auf ein Briefblatt warf und
den Umſchlag an Dr. Kurt Steinhoff adreſſierte.
„Es tut mir leid, Franz, daß ich Ihnen einen Teil Ihrer
Nachtruhe raube, aber ich muß Sie bitten, dieſen Brief noch
unverzüglich nach Schlachtenſee zu beſorgen und wenn
irgend=
möglich=dem Adreſſaten perſönlich auszuhändigen. Mein Privat=
Sonntag, den 2. März 1930
auto ſoll ſie hinüberbringen. Sie können dann gleich ſchlafen
gehen, ich bedarf Ihrer heute nicht mehr!"
Wie lange Karr noch an ſeinem Schreibtiſch geſeſſen hatte,
er wußte es nicht.
Der Kopf war ihm auf die Arme herabgeſunken, die Glieder
ſchmerzten ihm vor Müdigkeit, doch ſchwerer noch war die
Müdig=
keit ſeines Herzens.
Ein Riß klaffte auf einmal in ſeinem Denken, wie wenn eine
Welle im Antrieb ſeines Gehirns zerbrochen war; und über dem
Ganzen lag eine troſtloſe Verzweiflung, durch die doch immer
wieder das Wiſſen hindurchbrach und ihn zerfleiſchte.
Wie ein Schlafwandler trat er endlich an das offene
Erker=
fenſter am Kamin und ſah in die blaue Mondnacht hinaus.
Kein Laut ſtieg aus ihr empor.
„In ſolcher Nacht ſtirbt man”, dachte er und fühlte, wie die
völlige körperliche Erſchöpfung jede Todesangſt in ihm ausgelöſcht
hatte.
Noch einmal rann die Sehnſucht nach der fernen Frau in
ihm.
Süß, ſchwer und brennend.
Dann ſchloß er leiſe das Fenſter und ging langſam nach
ſeinem Schlafzimmer hinüber.
Kinderwagen aller Artnur im Spezialgeschätt
1. Donges & Wiest, Elisabethenstraße 25 „.
VII.
Kurt hatte das Theater ſchon während der erſten Szenen des
dritten Aktes durch einen Seitenausgang des Bühnenhauſes
heimlich verlaſſen.
Auf einmal hatte ihn mitten in der Vorſtellung das
Bewußt=
ſein ſeiner Lage wieder mit niederſchmetternder Gewalt
über=
kommen, daß ihm alles, was er tat und dachte, völlig ſinn= und
zwecklos dünkte, nun, da er die Fauſt des Todes ſchon im Genick
zu ſpüren meinte.
Wie im Fieber nahm er am Steuer ſeines Autos Platz und
fegte durch den Flammentraum der Großſtadt, die ihm in
tauſend=
fachen farbentrunkenen Lichtkaskaden entgegenblühte.
Er achtete kaum darauf, wohin ihn ſein Weg führte.
Er hatte nur den einen Gedanken, den tiefen Sturm ſeiner
Nerden in einer raſenden, hemmungsloſen Fahrt zu betäuben.
Immer weiter über den ſpiegelnden Aſphalt der ſich endlos
auseinanderzweigenden, lichtübergleißten Straßenſchächte, in
denen das Leben bereits langſam zur Ruhe ging, um ſterbend
aus ſeinem Schoß ſchon wieder einen neuen Tag verzweifelten
Ringens und Raffens zu gebären.
Eine halbe Stunde ſpäter hielt er vor ſeiner Wohnung in
Schlachtenſee.
Unterwegs war ihm plötzlich eingefallen, daß die vereinbarte
Benachrichtigung an Karr ja noch ungeſchrieben war, auch glaubte
er, Walter ein paar Abſchiedsworte ſchuldig zu ſein, wenn er
ſeinen Wagen, wie es jetzt ganz ſicher bei ihm feſtſtand, zur Fahrt
in den Tod benützte.
Der ſeltſame Gedanke, der bei dem letzten Beſuche des
Freun=
des in ihm aufgeſprungen war, hatte ſich allmählich zu einem
unerſchütterlichen Entſchluß verdichtet.
Aus früheren Wanderfahrten in die Umgebung Potsdams
kannt: er eine Bahnunterführung in den einſamen Wäldern um
Neubabelsberg.
Weun er mit neunzig Kilometer Geſchwindigkeit, die Walters
Wagen im Höchſtfalle hergab, gegen die Granitquadern des
Viadukts anrannte, war eine alles vernichtende Kataſtrophe un=
Seite 23
vermeidlich, konnte er ſelbſt mit völliger Sicherheit auf den
Ein=
tritt ſeines ſofortigen Todes rechnen.
Ein leiſes Fröſteln kroch ihm plötzlich über das Genick.
Wie in einer Schreckensviſion ſah er ſich als zerſchmetterte,
blutige Maſſe unter dem zertrümmerten Wagen vor der
grau=
ſamen Steinmauer liegen.
In dieſem Augenblick bangte er, daß er doch vielleicht nicht
den Mut zu dieſem letzten Schritt aufbringen würde, und die
Angſt vor dem grauſigen Ende ſeines jungen Lebens brannte ihm
auf einmal wie ein Feuer im Herzen.
Dann ſaß er an ſeinem Arbeitstiſch und ſchrieb ſeine letzten
Briefe.
Im ganzen Hauſe regte ſich kein Laut, Frau Hartkort hatte
wohl das geſamte Perſonal zum Beſuch des Weſtendtheaters
aufgeboten.
Nur der Hausherr, der in den erſten Nachtſtunden eine Art
von Portierſtelle verſah, ſchnarchte leiſe in ſeinem Schaukelſtuhl
auf der Diele.
Es war alles ſo ruhig und friedlich um ihn her, daß er
bei=
nahe mit Gewalt immer wieder den furchtbaren Entſchluß in ſich
wachrufen mußte, deſſen Ausführung allmählich näher und näher
heranrückte.
Mit einem ſcheuen Blick ſtreifte er ſeine Schreibtiſchuhr.
Halb zwölf!
Die Nacht verrann, Minute um Minute, unaufhaltſam, ohne
Erbarmen.
In drei, vier kurzen Stunden war es ſchon wieder Tag, ein
herrlicher Frühlingstag.
Die Sonne leuchtete über die Welt, und er war nicht mehr.
Mit ſchweren Füßen kam er endlich wieder die kleine
Frei=
treppe zum Vorgarten hinab, warf die Briefe an der nächſten
Straßeuecke in einen Poſtkaſten und ſtieg in ſein Auto.
Der Mond trat in dieſem Augenblick groß und klar über die
hohen Fichtenkronen der Potsdamer Chauſſee, und die zarten
blaſſen Schatten gaben allen Linien einen geheimnisvollen Reiz.
Zur Rechten klang unabläſſig das ferne Rollen der
Wannſee=
bahn hinüber, und die langen Strahlenfächer der
Automobil=
laternen huſchten geſpenſtiſch zwiſchen den ſchlanken
Kiefern=
ſtämmen hindurch, daß ſie rot und braun aufzuflammen ſchienen,
ehe ſie wieder in das ſamtene Dunkel der Nacht zurücktauchten.
Zuweilen ein Landhaus, unter Büſchen und Bäumen wie
begraben.
Eine Tannenallee, die in ernſter Feierlichkeit auf ein
verwun=
ſchenes Schlößchen zu führen ſchien.
Ein Reh ſetzte mit federndem Sprung über den
Straßen=
damm und verſchwand windſchnell in einer niedrigen Dickung.
Und dann wurde es ganz ſtill und einſam.
Nur das unabläſſige Schrillen der Zikaden hing wie ein
einziger, langgedehnter Ton in dem großen Schweigen der
Mitter=
nacht. —
Jetzt bog der Wagen auf einen Landweg ab und mahlte eine
Zeitlang durch tiefen Sand, der die Ueberſetzung aus dem
Ge=
triebe ſtieß, daß die Maſchine gewaltig durch den Wald lärmte,
ehe ſie mit knatterndem Ruck immer wieder vorwärtsſchoß.
Dann wich der lockere Boden einer feſten Kiesſchüttung.
Eine rieſige Lichtung öffnete ſich, von der Linie des
Bahn=
damms wie von einer Mauer weithin umzogen.
Und plötzlich wuchs an der nächſten Waldecke die Wölbung
eines Viadukts wie der Rachen eines furchtbaren Tieres aus
dem mondhellen Dunkel auf.
Das Auto hielt.
Er war am Ziel.
(Fortſetzung folgt.)
kennt jede Hausfrau diese Packung. Dr. Thompson’s
Seifenpulver besitzt unvergleichliche Vorzüge, ist billig
und sparsam, und erweist sich als treuer
unentbehr-
licher Helfer zum
PSONS
HON
Einweichen und Waschen
der Wäsche
Weichmachen des Wassers
Putzen und Scheuern
in Küche und Haus
SElEEN-BULN
DAA
DATNANZ
K
u
Beifenpafder Marke Schwan
W.69
[ ← ][ ]Seite 24
Sonntag, den 2. März 1930
Nummer 61
Das Schicksal einer
russischen Emigrantin
Eine der besten Leistungen
Lya Maras. Still und verhalten
in den Liebesssenen, gestattet. Sie
mit schtem Taktgefühl das Leben
liebenden Pran. 0b
Hans-
tochter, ob Lirkusreiterin, ob
Groß-
fürstin, immer wieder schimmert
die Seele des liebenden Weibes
durch. Elingt ein starker Ton von
Gefäbl der den Znsebaner fassiwiert
Regie: Friedrich Zelnik
In den Hauptrollen:
Fred Louis Lerch, Fritz Kampers, Adele
Sandrock, Hans Mierendorff,
Szöke Szakal.
Dazu der bunte und aktuelle Filmteil
mit dem Grotesk-Lustspiel:
Der tapfere Heringsbändiger
Beginn: Sonntags 2 Uhr
Haisersaal-Restaur-Fürstensaal
Frafenstraße 18/20
Telephon Nr. 276
Tasohing zo Orpneum
Heute Fastnacht-Sonntag, abends 8.11 Uhr:
Der sensationelle
Revue-Erfolg!
ge Mauelooo Broadwaf
Jazz-Revue in 20 Bildern
Ein genußreicher Abend wie
er seit langem in Darmstadt
nicht mehr geboten wurde!
Nachmittags 4 Uhr:
Uraufführung der Kinder-Revue
Hauuis Suftt in
Märseskank!
m Im Verlaufe der Revue Parade sümtlicher
Märchen-Figuren im Reiche der Märchenfee.
Eintrittspreise:
Nachmittags:
Abends
0.50 bis 2.00 1.00 bis 3.50
Karten: Verkehrs-Büro von 9—12 Uhr.
Kasse Orpheum ab 2½ Uhr.
(3663
Tarmhalle Woogsplatz
Heute nachm. 3.11 Uhr
(3661
Kindern
KostämrRest
19—22 Uhr
Großes Haus
Hessenlandmiete
II3v, III7
Hessisches
Landestheater /11.15—13 Uhr
Sonntag
2. März 1930
19.30—22 Uhr
Zus.-M. wil, 10
Kleines Haus
T (Gr. 7 u. 8
Am Haupt-Bahnhof
Böst..
Im Kaffee-Restaurant
Bräuurer
Soha
Preiswerte
Kuche
Spezialbiel
Künsller-Honzert
Sonntags ab 4 Uhr nachm.
Beslaurant „Darmstädter Hol”
Ecke Grafen- und Waldstraße
Preiswerter Miktagstisch
Heute Sonntag, den 2. März
Sonder-Auswahl
Ab 8 Uhr abends sowie Fasching-
Dienstag 3636
Enira Honzert- 1. Janz-Hapelle
Ludwigshöhe
Teleph. 591 (3612
Heute nachmittag 4 Uhr
Karnevaliſtiſches
KONZERT
Stadtorcheſter
Eintritt frei.
Der Weg nach der Elektriſchen iſt beleuchtet.
OOMMONO TT
THotel Prinz Heinrich;
Heute Sonntag Abend
Dienstag
Fastnachts-Ball
dee
Leese eesstee
HTeute und
Fastnacht-Dienstag
KONZERT
Rothe Lui, Waldstr. 23
Heute und Dienstag
Großes Konzert
bei Wilhelm Dintelmann, Heidelbergerſtr. 40.
Für Stimmung u. Humor wird geſorgt.
Heute
Fastadenssränner
Philipp Schneider.
Es ladet ein
Ausschank Goldener Anker
am Güterbahnhof.
Bötüngers Brauerei
(Zum Handelshof)
Heute Sonntag und Dienstag
0 (Abt. Kap.
Krode Karneral. Konderte Kümmeh
(3662
wozu höflichst einladet
Fr. Glever, Ludwigsplatz 8.
Waldschlößchen
Haltestelle der Linie 9
Sonntag, 2. März, ab 4 Uhr Konzert
Montag und Dienstag
Faschings-Rummel
Besitzer: Ernst Schnelder
Nur noch
heute urd margen:
Mur noch
eute und morgen:
Tagg4
Wieder ein Pat und Patachon-Film und wieder
ein riesiger Lacherfolg! — Diesmal sind die
beiden Lieblinge des Publikums als Autobus-
Chauffeur und -Schaffner tätig, die mit ihrem
vorsintflutlichen Gefährt die Straßen Londons
unsicher machen. Bei einem Flng mit ihrem
Raketen-Omnibus nach Arabien haben sie
Ge-
legenheit, all die Register ihrer unvergleichlichen
Komik spielen zu lassen. Ihr Kampf mit
Hunderten von Arabern gehört zu dem
Zwerch-
fellerschütterndsten, was sie auf der Leinwand
geboten haben. — Monty Banks, der
bekannte Komiker, hat diesen Film inszeniert.
Im reichhaltigen Beiprogramm:
Das Grotesk-Lustspiel:
„Der Mädchenraub‟
Jugendliche haben Lutritt.
Beginn: Sonntags 2 Uhr
Wi 1dwest Afri ka
Ein abenteuerlicher Wildwest-Film, der
zu allen Comboy-Sensationen noch die
milden Reiterkünste der Araber
gesellt. Die Romantik des Orients
vermählt sich mit dem Lauber des
wilden Westens
Im bunten und aktuellen Beiprogramm:
Das Grotesk-Lustspiel:
„Blitz und Liebe‟
Jugendliche haben Zutritt.
eginn• Sonntags 2 Uhr
Die Fledermaus
Preise 1—10 Mk.
Operette.
Tanz- und Spiellieder von Lili1 Hickler
Preise 1, 2, u. 3 Mk.
Der Raub der Sabinerinnen
Lustspiel.
eise 1.20— 6 Mk.
Der bekannte Cowboy-Darsteller
TOM MA
in seiner neuen, großen
Wildwest- Sensation
Nur noch
beute und morgen!
Rosenmontag und Fastnacht-Dienstag
Paschngsränner
in allen Räumen. (3643b
Eingetragene
P Sanddamasten
„HALLON 1930‟, Schlager-Potpomrnl
Als Tanzplatte (Paul Godwin)
Nr. 22929 Plattenpreis RM. 3.50
Als Vortragsplatte
(Paul Godwin — L.. Monosson)
Nr. 27166 Plattenpreis RM. 5.—
„E gab nur eine, die ich gelleht”
Tango . . . Juan-Llossas-Kapelle
Nr. 22873 Plattenpreis RM. 3.50
„ich hab eina kleine braune Mandollne‟
Marschlied. Paul-Godwin-Orchest.
Nr. 22946 Plattenpreis RM. 3.50
„Schlaf ein meln kleines Sonnenkind”.
Tango . . . . Godwin-Monosson
Nr. 22945 Plattenpreis RM. 3.50
Quvertüre „Der Hallt von Bagdad‟
Großes Symphonie-Orchester
Nr. 27164 Plattenpreis RM. 5.—
„Frühllngsrauschen” / „Mattlnata‟
op. 32 von Sinding von Leoncavallo
Livschakoff- Künstler -Orchéster
Nr. 22915 Plattenpreis RM. 3.50
HIRL-OPERA
Keine Potpourris, keine Fantasien, sondern
die ganzen Werke, sinngemäß auf 4
doppel-
seitige 30-cm-Platten gekürzt.
„Der Freischütz” / „Lohengrin”
„Der Troubadour‟ / „Der
Bar-
bier von Sevilla‟ / „Die lustigen
Weiber von Windsort / „Zar
und Zimmermanne / „Hänsel
und Gretel.
„Die Fledermaus”
als Kurzoperette (auf 5 doppelseit, Platten)
„Wülhelm Telle
ale Kurz-Drams (auf 8 doppelseit. Platten)
Zu haben in allen
oclrlellen Verkaufsstellen von
Tamm
Eingetragene Schutzmarke
Weinstuben zum Kaplan
Mühlſtraße 68
am Kapellplatz
Sonntag, Montag und Dienstag
Grober Fastnachtstrubel
3635
Stimmung — Humor
Joh. Peter Bernhardt.
Es ladet höflichſt ein
Tel. 2519 Gegenüber der Festhalle Rheinstraße 101
nachmittag und abends in den
Heure festlich dekorierten Ränmen
DER
Bekannt gute Küche und vorzügliches Bier
Fastnacht-Dienstag
Großes karnevalistisches Treiben
in sämtlichen Räumen.
Rosen-Montag, den 3. Mürz 1930
Städt. Saalbau
in sämtlichen Räumen
Gr. Maskenball
2 Tanzkapellen
Stadtorchester. Leitung! Kapellmeister Schlupp.
Sekt- und Likörstuben.
Kein Weinzwang.
Anfang 8 Uhr.
Vorverkaut 1.50 Mk. Verkehrsbüro,
Saalbau-Restaurant Niemann
(3685
An der Abendkasse 2.— Mk.
Mittwoch, 12. März, abds. 8Uhr
Südwestdeutscher Rundtunk A.-G.
Vortührung des ersten großen Deutschen Rundtunktilms
„Achtung! Achtung!
Ein Film vom Deutschen Rundfunk‟
3609
Eintritt Frei
gegen Vorzeigen eines Gutscheines, der bei Christian
Arnold, am weißen Turm und in den bekannten
Rund-
tunkvertriebsstellen erhältlich ist.
Städtlscher Saalbau