Einzelmummer 10 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſiattet.
Nummer 50
Mittwoch, den 19. Februar 1930.
193. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſſung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichticher Beltreibung jäll jeder
Nabatt weg. Banſkionto Deutſche Bani und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Muldenhauers Hampf unn dent Einaasgieiih
Die Berakungen im Reichskabinett. — Verſtändigung über die Ausgaben des Reichshaushaltsplans für 1930.
Ergebnisloſe ſozial- und finanzpolikiſche Beſprechungen mit den Sachverſtändigen der Regierungsparkeien.
Der Reichsfinanzminiſter erwarkek nunmehr Deckungsvorſchläge der Parkeien.
Sozialdemokrakiſche Forderungen nach einem Noik=
Audlithuug des Reiastabinerts.
opfer für die Arbeitsloſenverſicherung.
Differenzen zwiſchen Moldenhauer und Wiſſell.
Reichsfinanzminiſter Moldenhauer lehnt dieſe
Pläne ab,
Noch keine Einigung über den Sozialekak.
* Berlin, 18. Febr. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett hat, um den Regierungsparteien einen
Beweis ſeines Eifers zu geben, vom Montag zum Dienstag eine
richtige Nachtſitzung gehabt, über deren Ergebnis, im amtlichen
Communiqué verkündet wird, daß es gelungen ſei, wenigſtens bei
der Ausgabenſeite des Etats in allen wichtigen Punkten eine
Ver=
ſtändigung herbeizuführen. Dieſer Zweckoptimismus hält
aller=
dings einer Nachprüfung nicht ſtand. Zunächſt einmal iſt dabei
die wichtige Frage der Arbeitsloſenverſicherung völlig draußen
geblieben. Im übrigen war die Sitzung im weſentlichen
aus=
gefüllt mit einem „Duell” zwiſchen dem Reichsfinanzminiſter Dr.
Moldenhauer und dem Arbeitsminiſter Wiſſel. Herr
Molden=
hauer hat ſehr ſtarke Abſtriche an den ſozialpolitiſchen
Forderun=
gen des Arbeitsminiſters verlangt und ſich mit 50 Millionen auch
durchgeſetzt. Er hat damit aber wohl nur einen Scheinerfolg
er=
rungen. Im Kabinett ſcheint Herr Wiſſel allerdings allein
geblie=
ben zu ſein. Die übrigen drei ſozialdemokratiſchen Miniſter haben
nicht mit ihm geſtimmt. Der „Vorwärts” erklärt aber bereits, daß
die ſozialdemokratiſche Fraktion auf Seiten des Arbeitsminiſters
ſtehe. Der ganze Kampf wird alſo im Reichstag, noch einmal
durchgefochten werden müſſen. Inſofern hat alſo der „Vorwärts”
recht, wenn er im Gegenſatz zum amtlichen Communiqué feſtſtellt,
daß im Sozialetat keine Einigung erzielt ſei.
Panzerkreuzer b.
Klärung des Wehretats.
Dagegen iſt der Schreck um den Panzerkreuzer B
ausgeſtan=
den. Herr Gröner hat die Forderung nach einer Ausſprache mit
dem Finanzminiſter und dem Kanzler im Kabinett nicht erneut
eingebracht. Er hat aber erreicht, daß die Geſamthöhe des
Wehr=
etats oberhalb der Grenze von 1928 und 1929 liegt und auch eine
Vermehrung der Mittel für Manöver erzielt. Er wird ſo vielleicht
auf Umwegen dafür Sorge getragen haben, daß die Mittel zur
Planung des neuen Kreuzers, die er urſprünglich in Form einer
Anerkennungsgebühr von 100 000 RM. verlangen wollte, auf
andere Weiſe bereitſtehen. Das iſt wohl der einzige Zentimeter
Fortſchritt, der innerhalb der Koalitionsparteien erzielt worden iſt.
Moldenhauers Verhandlungen mit den Parkeien
auf dem koken Punki.
Ausſichtsloſe Erörterungen der
Deckungs=
möglichkeiten.
Die Beſprechungen der ſozialdemokratiſchen
Sachverſtän=
digen, wie auch die Verhandlungen am Dienslag abend zwiſchen
dem Finanzminiſter und den Finanzſachverſtändigen der
Regie=
rungsparteien haben wieder mit einem Fragezeichen geendet.
Man hat einen ganzen Tag geredet und merkt nun, daß man
auf dem toten Punkt angekommen iſt. Dr. Moldenhauer hat mit
einer freundlichen Handbewegung die Regierungsparteien
einge=
laden, nun doch einmal von ſich aus zu entwickeln, wie ſie ſich
die Deckung des Fehlbetrages vorſtellen. Er erwartet davon
ſicherlich, daß auf dieſe Weiſe die Auswahl der möglichen
Pro=
jekte ſich ſehr raſch verringert. Er betont nach wie vor, daß er
die Führung nicht aus der Hand geben wolle. Von außen her
geſehen, macht es aber doch den Eindruck, als ob er ſeinem
Vor=
gänger Hilferding hier folgte. Das zeigt ſich namentlich bei dem
Verſuch, das Defizit aus dem vorigen Etatjahr abzudecken.
Ur=
ſprünglich wollte er 600 Millionen ſchwebende Schulden abſtoßen.
Jetzt hat er ſich ſchon einen großen Teil abhandeln laſſen. Die
450 Millionen aus der Lex Schacht ſollen nach dem neueſten
Pro=
jekt in der Form aufgeteilt werden, daß 230 Millionen
bereit=
geſtellt werden, um das Defizit der Arbeitsloſenverſicherung aus
dem Vorjahr abzudecken und 150 Millionen, um dos Defizit des
Etatjahres 1928 auszugleichen. Es würde alſo gerade ein
Be=
trag von 70 Millionen übrig bleiben, der wirklich zur Deckung
der kurzfriſtigen Verſchuldung übrig bleiben würde.
Die Beſeiligung der kurzfriſtigen Verſchuldung
von 450 Millionen nach dem Schachk=Plan
ſoll nun plötzlich auf 8 Jahre erſtreckt werden.
Dabei iſt noch immer völlig ungeklärt, was mit den 250
Mil=
lionen geſchehen ſoll, die auch im neuen Jahr wieder
rechnungs=
mäßig für die Arbeitsloſenverſicherung zu Laſten des Etats
gehen. Hier ſchwanken die Vorſchläge noch, ob man 150
Millio=
nen auf den Etat übernehmen und durch den Verkauf von
Reichs=
bahnvorzugsaktien flüſſig machen und 100 Millionen der
Ver=
ſicherungsanſtalt ſelbſt zur Deckung und Einſparung überlaſſen
ſoll.
Vorläufig iſt die eine Löſung ebenſo irrational wie die
andere, nachdem die Spitzenorganiſation der ſozialdemokratiſchen
Gewerkſchaften jeden Eingriff in das Sozialverſicherungswerk
abgelehnt und mit der Forderung nach einem Notopfer
beant=
wortet hat. Der Finanzminiſter hat wohl auch ſchon eingeſehen,
daß er ſich bei der Verfolgung ſeiner Pläne in der Reform der
Arbeitsloſenverſicherung totläuft. Er hat aus dieſem Grunde in
gewiſſem Maße bereits ein Kompromiß geſchloſſen, indem er dieſe
Frage zunächſt einmal zurückſtellt, und nun mit den Parteien
erſt einmal die Erörterung der Deckungsmöglichkeiten für das
andere Defizit aufnimmt.
Die Sozialdemokraten ſind am Dienstag nochmittag ſehr
ent=
ſchieden mit der Forderung des Notopfers hervorgetreten, das
in Höhe von 134 Prozent auf das geſamte Einkommen und den
geſamten Beſitz gelegt werden ſoll. Die Volkspartei hält eine
der=
artige Maßregel für untragbar. Auch Dr. Moldenhauer hat ſich
mit Entſchiedenheit dagegen ausgeſprochen. Die
Sozialdemokra=
ten halten aber an ihrem Plan vorläufig feſt und ſcheinen auch
aus dem Zentrum wewigſtens eine begrenzte Unterſtützung zu
finden, obwohl eine Verſtändigung innerhalb der
Regierungs=
parteien auf dieſer Grundlage ausgeſchloſſen iſt.
Einführung einer Kopfſteuer im Finanzausgleich?
Das Ende der Finanzbeſprechungen noch
nicht abzuſehen.
Der Gedanke einer Kopfſteuer iſt dagegen wieder mehr in
den Vordergrund getreten. In der Konferenz der Finanzminiſter
der Länder iſt auch dieſer Gedanke aufgegriffen worden, der auch
unter den Regierungsparteien Anhänger hat. Wir nehmen an,
daß er in den nächſten Dagen weiterverfolgt werden wird — in
den nächſten Tagen, denn ein Ende der Beſprechungen iſt noch
gar nicht abzuſehen. Daher ſucht das Zentrum durch ſeine
Mi=
niſter auch die Beſprechungen im Ausſchuß über den Youngplan
hinauszuſchieben, um für dieſe Finanzverhandlungen Zeit zu
gewinnen, immer noch in der Hoffnung, in abſehbarer Zeit eine
Klärung zu erzielen, eine Hoffnung allerdings, die täglich mehr
und mehr ſchwindet.
Konſolidierung der preußiſchen Gemeindefinanzen.
Eine einſchneidende Verordnung über die
kommunalen Kreditbedürfniſſe.
* Berlin, 18. Februar. (Priv.=Tel.)
Zwiſchen dem preußiſchen Innenminiſterium und dem
Finanzminiſterium auf der einen Seite und den kommunalen
Spitzenverbänden auf der anderen Seite ſind
Vereinba=
rungen über die Organiſation der kommunalen
Kreditbedürfniſſe zuſtande gekommen. In Zukunft
wer=
den Kreditausſchüſſe, die auf der Baſis der Selbſtverwaltung
be=
ruhen, das kommunale Anleiheweſen regulieren. Innenminiſter
und Finanzminiſter haben einen entſprechenden Runderlaß an
die Gemeinden und Gemeindeverbände herausgegeben, der im
weſentlichen vorſchreibt, wie ſich dieſe Kreditausſchüſſe zu
verhal=
ten haben. Sie haben alle kommunalen Kreditanträge
vorzu=
prüfen und zu begutachten, ob ſie an die Genehmigungsbehörde
weitergehen ſollen. Die Ausſchüſſe haben auch dafür zu ſorgen,
daß bei der Umwandlung kurzfriſtiger Kredite in langfriſtige
der Anlagenzuwachs durch die Sparkaſſen in verſtärktem Maße
den Girozentralen zugeführt wird. Es wird dann beſonders
dar=
auf aufmerkſam gemacht, daß die Genehmigung einer
lang=
friſtigen Anleihe nicht zur Aufnahme kurzfriſtiger Anleihen zu
den gleichen Zwecken berechtigt. Am bedeutſamſten iſt jedoch der
Paſſus in dem Runderlaß, wonach „die leitenden Beamten der
Gemeinden und Gemeindeverbände und die Finanzdezernenten
perſönlich dafür verantwortlich gemacht” werden, daß kurzfriſtige
Kredite nur aufgenommen werden, wenn ſie als ſolche genehmigt
ſind. Verboten iſt auch, kurzfriſtige Kredite als „vorübergehende‟
Kaſſenkredite aufzunehmen. Die Beamten werden auch dafür
verantwortlich gemacht, daß Ausgaben auf Rechnung von
An=
leihen aus anderen bereiten Mitteln nur dann geleiſtet werden,
wenn die Genehmigung für die Anleihe erteilt oder der
Ein=
gang der Anleihevaluta ſichergeſtellt iſt. Gleichzeitig werden die
Gemeinden noch einmal energiſch zur Sparſamkeit und
Schulden=
tilgung aufgefordert. Soweit die Schuldentilgung durch
Spar=
maßnahmen nicht möglich iſt, wird eine Erhöhung der
Ein=
nahmen nicht grundſätzlich abgelehnt, ſofern anders die notwen=
dige Liquidität der Kaſſe nicht gewahrt werden kann.
* Dab Lüfſtiche Prooiem.
„Wir alle träumen davon, daß einſt alle ſlawiſchen Bäche im
ruſſiſchen Meer zuſammenfließen werden” — ſo umriß am 10.
De=
zember 1913 im ruſſiſchen Reichsrat Miniſterpräſident Kokowzow
das Ziel des Panſlawismus. Der Weg über Berlin und Wien
führte nach Konſtantinopel und zugleich zum panſlawiſchen
Staat, zur Herrſchaft über den „faulen Weſten‟. Dieſes Ziel war
den Ruſſen ein religiöſes, ſein Symbol die Hogia Sofia. — Jahre
ſind vengangen. Das Zarentum ſtürzte, Kerenſki folgte ihm nach,
die Sowjets ſiegten, an ihrer Spitze Lenin. Zwölf Jahre währt
das Regiment der Sowjets, des Zentralen Exekutivkomités.
Lenin geſtorben, Trotzki verbannt, der Agrarreformer Stalin an
der Spitze.
Soſteme und Menſchen haben gewechſelt; aber im Grunde iſt
das Ziel ein gleiches: auch heute will das ruſſiſche (ſprich:
bol=
ſchewiſtiſche) Meer alle ſlawiſchen (ſprich: kommuniſtiſchen) Bäche
in ſich aufnehmen. Dieſer Expanſionsdrang iſt zariſtiſch=
panſla=
wiſtiſches Erbſtück, zugleich auch dem bolſchewiſtiſchen Syſtem
immanent. Gerade dieſe vielfache Vermiſchung und gegenſeitige
Durchwachſung alter und neuer Beſtandteile macht es ſo ſchwer,
die ruſſiſchen Verhältniſſe ſachlich abzuwägen. Es erſcheint
ver=
fehlt, nur auf die ökonomiſche Seite Wert zu legen, vielmehr muß
auch das Pſychiſche genügend in Rechnung geſtellt werden. Zu
vieles wird über Rußland geſchrieben, meiſt voreingenommen im
poſitiven oder negativen Sinn. Das neue Buch Avthur Feiler’s:
„Das Experiment des Bolſchewismus”, verſucht, den Dingen
nach=
zugehen und die verſchiedenartigen, komplizierten Probleme
objektiv zu ſchildern. Dem Sinn des Bolſchewismus gemäß,
nimmt das Oekonomiſche natürlich einen breiten Raum ein, aber
unter Einbeziehung der politiſchen, kulturellen, pſychiſchen
Fak=
toren gelangt der Verfaſſer zu einer abgerundeten Darſtellung.
Vieles von dem, was hier geſchrieben wird, iſt dem, der ſich mit
wirtſchaftlichen Zuſammenhängen befaßt, klar und bekannt. Aber
die eigene Anſchaunug kommt dem Verfaſſer bei der Erläuterung
zugute. Deutlich vermag man bei dem Problem des Sowjetſtaates
die ökonomiſch=politiſche von der pſychologiſchen Seite zu
unter=
ſcheiden. Und — um dieſes Ergebnis ſchon vorweg zu nehmen —
man kann feſtſtellen, daß dieſe letztere im Laufe der Zeit mehr und
mehr an Bedeutung gewonnen hat. Woraus ſich dann die
Kon=
ſequenzen für Weſteuropa ergeben.
Bei Betrachtung der ökonomiſchen Seite ſehen wir, daß
Rußland als autarkes, in ſich geſchloſſenes Wirtſchaftsgebiet am
eheſten die Vorausſetzungen für eine Durchführung des
ſozialiſti=
ſchen Experiments bietet. Wenn überhaupt auf Erden, ſo mußte
es hier gelingen. Tatſächlich hat es ſich — endgegen allen
Prophe=
zeiungen — zwölf Jahre gehalten. Wer hieraus ingendwelche
Schlüſſe ziehen wollte, dem müßte aber entgegengehalten werden,
daß es ſich bei Rußland um ein 85prozentig agrares Land handelt,
deſſen induſtrieller Sektor noch ſehr klein und unbedeutend iſt.
Bisher bezog ſich aber die Sozialiſierung lediglich auf dieſen
induſtriellen Sektor. Von einer reſtloſen Durchführbarkeit des
bol=
ſchewiſtiſchen Experiments wäre erſt dann zu reden, wenn auch
die geſamte ländliche Wirtſchaft ſozialiſiert, alles Land in
„Weizenfabriken” verwandelt wäre. Die heutige Stalinſche
Agrar=
reform iſt die darum notwendige, durchaus richtige Konſequenz
der Sozialiſierung. Und von der Möglichkeit ihrer Durchführung
wird für den Bolſchewismus alles abhängen. Eben ſie ſtößt auf
unüberwindliche Schwierigkeiten. — Einſtweilen wird das
bolſche=
wiſtiſche Experiment inſofern auf dem Rücken der ländlichen
Be=
völkerung ausgetragen, als die Induſtrieproduktenpreiſe künſtlich
hoch, die Getreidepreiſe künſtlich niedrig gehalten werden. Dies
letztere, um die Arbeiter billig mit Lebensmitteln zu verſorgen,
dann aber, um durch Getreideverkauf ans Ausland die zur
Be=
zahlung der vom Ausland importierten Induſtriewaren
notwen=
digen Deviſen beſchaffen zu können. Die Folge der rückſichtsloſen
Niederhaltung der landwirtſchaftlichen Preiſe iſt ein Rückaang der
Intenſität der Bebauung, ſomit ein Sinken, der agraren
Roh=
erträge. Damit wird die Verſorgung der ſtädtiſchen Bevölkerung
einerſeits, die weitere Induſtrialiſierung Rußlands anderſeits
gehemmt, auf die Dauer vielleicht unmöglich gemacht.
Wie liegen die Dinge in der Induſtrie? Unter Ausſchaltung
des Marktes, der „freien Konkurrenz”, wird gewirtſchaftet, wird
auch die Verteilung des Sozialproduktes an die an ſeiner
Her=
ſtellung Beteiligten vorgenommen. Auch die ſozialiſtiſche
Wirt=
ſchaft muß „wirtſchaften”, d. h. rechnen, d. h. Aufwand mit dem
Erfolg vergleichen. Aufwand in ökonomiſchem Sinn iſt: Arbeit,
Boden. Kapital, letzteres als Maſchinen, Fabrikgebäude („
produ=
zierte Produktionsmittel”, wie Karl Marr ſagt). Wie wird die
Vergütung an dieſe drei Faktoren feſtgeſtellt? Da Preiſe
aus=
geſchloſſen ſind, iſt das nur auf dem Wege des Diktates und der
Statiſtik möglich. Das bringt Ungerechtigkeit und
Unvollſtändig=
keit mit ſich. Selbſt wenn es gelänge, den Aufwand genau
feſt=
zuſtellen, wäre damit nichts über die Rentabilität ausgeſagt. Sie
ergibe ſich erſt aus dem Vergleich, von Aufwand und Erfolg.
Der Erfolg (— Erlös) wird auf dem Markt feſtgeſtellt. Fehlt
dieſer, ſo iſt eine Erfolgsrechnung unmöglich. Die Gefahr beſteht,
daß darauf losgewirtſchaftet wird. Auch unrentable Betriebe
werden jahrelang mitgeſchleppt. Das geht eine Zeitlang gut.
Auf die Dauer wird die Wirtſchaft ſchwer geſchädigt. So ſieht
man, daß die NEP. — neue ökonomiſche Politik — den
Markt=
preis wieder einführte, damit eineder Hauptſtützen des
ſozialiſtiſchen Staates preisgab. Auch in der
ſozialiſtiſchen Wirtſchaft muß es einen Zins geben. Wie aber
beſtimmt ſich deſſen Höhe?‟ Damit im Zuſammenhang ſteht die
ſchwere Frage: wer ſpart heute in Rußland? Wer ſchafft Erſatz
für den jährlichen Geſamtverſchleiß, wer ſorgt für die 3½
Millio=
nen jährlich zuwachſenden Menſchen? Es iſt natürlich möglich,
daß auch der Staat Kapital bildet, indem er Fabriken, Stauwerke,
Eiſenbahnen, Wohnungen baut uſw. Dieſe Art von
Kapitalbil=
dung iſt nur viel ſchwerer und auch unwahrſcheinlicher.
Es konnten nur einige wenige Punkte der ökonomiſchen Seite
des ruſſiſchen Problems beleuchtet werden. Aber es erhellt hieraus
zur Genüge, daß — wirtſchaftlich geſehen — das Experiment des
Bolſchewismus verſagt hat. Dieſes Verſagen wäre eher zutage
getreten, wenn nicht die 85 Prozent ländliche Bevölkerung als
Stoßhämpfer hätte dienen müſſen. Der Lebensſtandard iſt geſun=
Seite 2
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Nummer 50
ken. Und gerade hier gibt das Feilerſche Buch wertvolle Berichte.
Was Wohnung, Nahrung, Kleidung anbelangt, überhaupt in
allem, was wir unter Komfort, unter Ziviliſation verſtehen, ſteht
auch das verarmte Nachkriegsdeutſchland himmelweit über
Sow=
jetrußland Wirtſchaftlich braucht Weſteuropa von der
Sow=
jetunion nichts zu fürchten, es ſei denn, daß es ſich durch eine
un=
vernünftig: Politik ſelbſt zermürbt und ſo dem Bolſchewismus
den W.g bereitet.
Trotz dieſer ärmlichen Verhältniſſe iſt — was uns
Weſt=
europäer wundern mag — der Bolſchewismus noch nicht
zuſam=
mengebrochen. Und hier ſtoßen wir auf das pſychologiſche
Problem, das Feiler mit folgenden Worten umreißt: „Es gibt
eine Zwiſchenſchicht von geiſtig Hochſtehenden, die in den langen
Jahren der Revolution über ihr kleines Einzelſchickſal
hinaus=
gewachſen ſind zu einem objektiven Miterleben des gewaltigen
Vorgangs der Revolution. . . Die ruſſiſche Seele muß einmal
ſo geweſen ſein, ſo reich im äußeren Elend, ſo ſtill gläubig in ſich
ruhend.‟ Die Maſſen des ruſſiſchen Volkes ſind natürlich nicht in
zehn, zwölf Jahren völlig umgekrempelt. Der ruſſiſche Menſch iſt
noch immer dieſer ſeltſame, primitiv=gläubige, heitere und myſtiſche
Menſch, Raskolnikow und Sergeant Griſcha. Es iſt unmöglich,
aus ihm von heute auf morgen einen modernen, rationalen,
tech=
niſch=naturwiſſenſchaftlichen Menſchen zu machen. Was man
ge=
machr hat und — wie auch Feiler beſtätigt — mit vollem Erfolg:
die Erſetzung des alten chriſtlichen, durch einen neuen
bolſchewiſti=
ſchen Elauber. Wo früher die Bilder der Muttergottes und des
Zaren hincen, hängt heute das Bild Lenins. Auf dem Kreml
weht Tag und Nacht die rote Fahne, nachts durch Scheinwerfer
beleuchtet. Gemeinſamer Unterricht, die Zeitungen — es
erſchei=
nen eigentlich nur Prawda und Iſweſtija mit vielen
Provinz=
blättern —, vor allem der Film (Sturm über Aſien, die
General=
linie) und das Theater . . . alles iſt in den Dienſt der
bolſchewiſti=
ſchen Idee geſtellt. Und dies iſt überhaupt das außerordentlich
merktürdige Phänomen bei dieſer ganzen ruſſiſchen Revolution:
Sie geht aus von einem durchaus weſtleriſchen, verſtandesmäßigen
Programm: dem des marxiſtiſchen Sozialismus. Im Verlauf
der ruſſiſchen Revolution wird das Verſtandesmäßige von der
ruſſiſchen Pſyche abſorbiert, das Weſteuropäiſche, Rationale wird
in das ruſſiſch=irrationale Fühlen um= und eingeſchmolzen. So
macht der Bolſchewismus eine Wandlung durch vom rein
ökono=
miſchen Prinzip und Poſtulat zur religiöſen Idee. Ja, je mehr
eigentlich auf wirtſchaftlichem Gebiet ſich Schwächen und Fehler
zeigen, un ſo mehr zieht er ſich auf das Pſychiſche zurück. „Die
Erziehung zum kollektiven Menſchen” nennt Feiler den Vorgaug,
der ſich heute in Rußland vollzieht. Man will bewußt einen neuen
Menſchentyp heranzichen, einen unindividuellen, kollektiven
Men=
ſchen. Dieſe geiſtige Wandlung ſcheint den heutigen Leitern der
ruſſiſchen Revolution das Primäre zu ſein.
All das iſt nur möglich mit Hilfe einer ſtarken diktatoriſchen
Zentralgewalt. Sie iſt in Rußland nichts Neues. An Stelle des
(V.P.U. (Wie überhaupt in der Geſchichte die Verſuche
ſoziali=
ſtiſcher Staaten Autokratien mit ſchärfſter Ausprägung des
obrig=
keitlich=autoritären Charakters darſtellen: Pharaonenreich,
Inka=
ſtaat, Jeſuitenſtaat in Paraguay und heute das riſſiſche Reich.) —
Jede Idee iſt zugleich expanſiv. Wir ſehen das am Beiſpiel des
Bei ihm iiſcht ſich die expanſive Kraft der Idee mit jener ererbten
panſlawiſtiſch=allruſſiſchen Ideologie. Dieſe nicht zu
unter=
ſchätzende Kraft ſpürt heute Weſteuropa immer heftiger. Die
all=
gemeine wirtſchaftliche Depreſſion läßt die breiten Maſſen an der unterliegen. Ferner wurde umfangreiches Material über den ver=
Fähigkeit und Willigkeit der heutigen Wirtſchaft zweifeln, und es
iſt bei ſolcher Lage der Dinge nicht allzu ſchwer für eine ſtoßkräftige und beſchlagnahmt. Die Sichtung des Materials dauert weiter an.
Idee, Anhänger zu finden. So betrachtet, iſt es der ſchwere
hiſtoriſche Fehler der Gläubigermächte, die deutſche Wirtſchaft auch
nach dem Youngplan ſo ſchwer belaſtet zu haben, denn — wenn
man die hier vorliegenden Zuſammenhänge einmal übertrieben
darſtellen will — jede Mark mehr an das Ausland führt
Deutſch=
land der Gefahr des Bolſchewismus näher. Und aus dieſem
Grund wird eine Reviſion des Youngplans ſich auf die Dauer
nicht vermeiden laſſen.
Ueber dieſe wirtſchaftspolitiſchen Zuſammenhänge hinaus
wandelt und vertieft ſich das ruſſiſche Problem zu der Frage, ob
es Weſteuropa gelingen wird, der expanſiven Kraft des
Bolſche=
wismus etwas Gleichwertiges und Beſſeres entgegenzuſetzen. Die
heutige Zeit iſt müde und fataliſtiſch geworden. Der „brüllende
Optimismus” des jungen amerikaniſchen Kapitalismus begegnet
in Europa enttäuſchten Geſichtern. Gerade auch durch den Krieg
mern keinen Sinn hat. Trotzdem wird aber von der Möglichkeit Juſtiz genügten nicht. Die Satzungsänderungen müßten ſich auch
einer geiſtigen Regeneration des abendländiſchen
Kulturkreiſes alles abhängen. . . ."
Vom Tage.
Der Aelteſtenrat des Reichstags beſchloß auf Wunſch des
Aus=
wärtigen und des Haushaltsausſchuſſes, die nächſte
Reichstags=
ſitzung am Montag ſtattfinden zu laſſen.
In Warſchau wurde geſtern der deutſch=polniſche
Roggen=
exportvertrag unterzeichnet, der die Teilung der
Export=
quoten für Roggen im Verhältnis 40 (Polen) zu 60 (Polen) vorſieht.
Die Verkaufstransaktionen werden von einem gemeinſamen
Verkaufs=
büro durchgeführt. Der Vertrag läuft bis zum 1. Juli 1931.
Der Tambour von St. Privat, der 83jährige
Fried=
rich Rohde, iſt geſtern in Uebelsfeld geſtorben.
Im polniſchen Seim kam es geſtern bei der Beratung des
Rekrutierungskontingentes zu einer Schlägerei zwiſchen
Kom=
muniſten und Sozialiſten, wobei ein Kommuniſt verletzt
wurde.
Der ungariſche Miniſterpräſident Gref Bethlen iſt
in Paris eingetroffen, um an den Oſtreparationsverhandlungen
teil=
zunehmen.
Die Ausſchüſſe des Schweizeriſchen National=
und Ständerats haben am Dienstag ihre Beratungen über die
Regierungsvorlage wegen der Bank für
Inter=
nationale Zahlungen abgeſchloſſen. Beide empfehlen
einſtimmig dem Parlament die Genehmigung des Staatsvertrages.
Der Austritt des engliſchen Miniſterpräſidenten
Maedonald aus des Unabhängigen Arbeiterpartei
hat in Londoner politiſchen Kreiſen gewiſſe Ueberraſchung
hervorge=
rufen. Mit beſonderem Intereſfe ſieht man der für heute angeſetzten
Konferenz der parlamentariſchen Arbeiterpartei entgegen, auf der von
dem linken Flügel der Partei die Bolitik Maedonalds und ſeiner
Mini=
ſterkollegen ſchärfſter Kritik unterzogen werden ſoll.
England iſt um eine Partei reicher geworden. Lord
Beaverbrook, der Vorkämpfer für den Gedanken des
Freihandels innerhalb des engliſchen Reiches, hat, nachdem ihm
von konſervativer Seite keinerlei Unterſtützung in ſeinem Feldzug
zu=
teil geworden war, eine neue Partei, die ſogenannte United Empire
Party. ins Leben gerufen.
Das zwiſchen den Mächten und der Nankingregierung abgeſchloſſene
neue Abkommen über die Reorganiſation des Schanahaier Gemiſchten
Gerichtshofes iſt von allen Vrtretern der Vertragsmächte in China
mit Ausnahme des franzöſiſchen Vertreters unterzeichnet worden.
Hausſuchung bei der K.P.2.-Zenkrale.
Kommuniſtiſche Vorbereikungen zum Hochverrak.
Die Polizei beſchlagnahmt zahlreiches Makerial.
Berlin, 18. Februar.
Durch Beſchluß des Vierten Strafſenats des Reichsgerichts vom
15. Februar 1930 iſt in der Ermittlungsſache gegen Unbekannt wegen
Vorbereitung des Hochverrats die Durchſuchung des Karl Liebknecht=
Hauſes in Berlin, insbeſondere der Abteilung „Vervielfältigung”, ange=
„Väterchen Zar” und ſeiner Ochrana ſteht heute Stalin und die ordnet worden. Es handelt ſich, wie der Polizeipräſident mitteilt, um
die Zerſetzungſchrift „Was müfſen wir Polizeibeamte jetzt tun?
Polizei=
beamte als Opfer des Young=Plans” und um Material, aus dem ſich
ergibt, daß dieſe Schrift in dem genannten Gebäude hergeſtellt worden
iſt. Die Durchſuchung hat am Dienstag vormittag begonnen. Nach
einer Mitteilung des Berliner Polizeipräſidenten verlief die
Durch=
ſuchung im allgemeinen reibungslos. Ein Angeſtellter hatte
Druck=
ſchriften und anderes Material in einen Kaffer verpackt und verſuchte
Chriſtentums, des Mohammedanismus, heute des Bolſchewismus, ihn im Fahrſtuhlſchacht dem Zugriff zu entziehen. Das Material wurde
ſichergeſtellt. Die Durchſuchung förderte mehrere Zentner Druckmaterial
zu Tage, das ſich mit der Zerſetzung der Reichswehr und Schutzpolizei
befaßt, und außerdem Broſchüren und Flugblätter, die auf Grund
gerichtlicher Beſchlüſſe aus zurückliegender Zeit der Beſchlagnahme
botenen Roten Frontkämpferbund, z. T. aus neueſter Zeit, gefunden
Eine deutſche Noke an den Völkerbund.
* Genf, 17. Februar. (Priv.=Tel.)
Am 25. Februar tritt in Genf ein Studienausſchuß des
Völ=
kerbundes zuſammen, um feſtzuſtellen, welche Aenderungen bei den
Völkerbundsſatzungen zur Anpaſſung an die Kriegsächtung des
Kellogg=Paktes notwendig ſind. Von den Mitgliedern des
Völker=
bundes ſind bereits Vorſchläge in Genf eingelaufen. Auch die
Reichsregierung hat in Form von Bemerkungen ihren
Stand=
punkt auseinandergeſetzt, den unſer Delegierter v. Bülow auch
noch mündlich im Ausſchuß vertreten wird. Die Bemerkungen der
Reichsregierung geben ſtark ins Einzelne. Nach dem engliſchen
Vorſchlag ſoll bei Einſtimmigkeit im Rat im Konfliktsfall auch
dem obſiegenden Teil fortan verboten ſein, ſich mit Waffengewalt
ſein Recht zu holen, falls der Gegner ſich weigert, den
Rats=
beſchluß anzunehmen. Die Reichsregierung will weitergehen. Sie
verlangt gleichzeitig, daß die Friedensmittel zur Beilegung von
Konflikten ausgebaut werden ſollen. Alle Lücken in der
Völker=
bundsſatzung, die einen Krieg zulaſſen könnten, ſollen
verſchwin=
ſind viele früheren Werte verſchwunden, an denen ſich feſtzuklam= den. Der Ausbau der Schiedsgerichtsbarkeit und die internationale
auf die Beſeitigung der Sanktionsklauſel erſtrecken. Man darf
wohl annehmen, daß Deutſchland in dieſem Streben von zahl=
W. S. reichen Mitgliederſtaaten unterſtützt wird.
Das Schmerzenskind des Young=Planes.
Bedenken der Regierungsparkeien gegen das Polen=
Abkommen. — Deutſche Vorſtellungen
in Paris und London.
* Berlin, 18. Februar. (Priv.=Tel.)
Der ganze Kampf hinter den Kuliſſen um den
Young=Plan ſpitzt ſich immer mehr auf eine
Auseinan=
derſetzung um das deutſch=polniſche
Liquida=
tionsabkommen zu. Große Teile der Regierungsparteien,
die den Young=Plan längſt als das kleinere Uebel gegenüber dem
Dawes=Plan anſehen, haben verſtandes= und gefühlsmäßig
Hem=
mungen, auch dem Polenvertrag zuzuſtimmen. Der
Außen=
miniſter hatte urſprünglich die Möglichkeit zugeſtanden, über den
Young=Plan und das Polenabkommen getrennt abzuſtimmen, hat
aber ſpäter ſeine Haltung geändert und hat den Reichstag vor
die Alternative ſtellen wollen, daß gleichzeitig über beide Geſetze
abgeſtimmt werden müſſe, weil ſonſt Frankreich die Ratifizierung
verweigern würde. Die Bedenken innerhalb der
Re=
gierungsparteien ſind aber ſo ſtark geweſen, daß der
Reichsaußenminiſter neuerdings veranlaßt
worden iſt, in London und Paris anzufragen, ob
nicht doch eine Trennung dieſer künſtlichen
Einheit erfolgen könnte. Dabei hat weſentlich ein
Beſuch des volksparteilichen und des Zentrumsführers beim
Außenminiſter mitgewirkt. Die Andwort ſcheint nicht vollſtändige
Ablehnung geweſen zu ſein. In politiſchen Kreiſen verlautet, daß
Frankreich bereit ſein ſoll, auch hier ein Entgegenkommen zu
zeigen, das vielleicht die Möglichkeit neuer
Verhand=
lungen mit Polen eröffnen würde. Am Quay d’Orſay ſoll
Neigung vorhanden ſein, Deutſchland mitzuteilen, Frankreich
verlange nur ein Abkommen mit Polen, lege ſich aber nicht auf
dieſes feſt. Wir haben uns vergeblich bemüht, nachzuprüfen,
in=
wieweit dieſe Angaben richtig ſind, haben aber nur feſtſtellen
können, daß in der Tat in Regierungskreiſen die Hoffnung auf
eine Herauslöſung des Polenvertrages aus der
Geſamtabſtim=
mung beſteht, ohne allerdings Anbaltspunkte dafür zu finden,
inwieweit daraus die Wahrſcheinlichkeit neuer Verhandlungen
mit Warſchau abgeleitet werden kann. Der Sturz der
Regie=
rung Tardieu wird natürlich auch hier neue Schwierigkeiten
ſchaffen und die Aufklärung verzögern.
Die Ausſchußberakungen über die oung=Geſekze.
Berlin, 18. Februar.
Die vereinigten Ausſchüſſe des Reichstages für den Young=
Plan ſetzen am Dienstag die vertrauliche Ausſprache
über das Thema „Schutzklauſel” fort. Für den folgenden
Fra=
genkomplex, der ſich mit den Schiedsgerichtsverfahren, den
Sicher=
heiten und Pfändern befaßt, wurde die Vertraulichkeit der
Be=
ratungen aufgehoben. Auf eine Anfrage, ob der Young=Plan die
Verteilung der Bierſteuer auf die Länder verhindere, wurde
von einem Vertreter des Finanzminiſteriums erwidert, daß die
negative Verpfändung Ueberweiſungen an die Länder, berechnet
an den Erträgen der Bierſteuer, nicht hindere. Es ſei nur nicht
möglich, die Bierſteuer aus den Händen des Reiches
herauszu=
nehmen. Ueber das Schiedsgericht äußerte ſich auf
An=
fragen Miniſterialdirektor Gauß. Das Schiedsgericht ſei nicht
nur für Streitigkeiten zwiſchen den Gläubigern ſelbſt zuſtändig.
Bei allen Prozeſſen müſſe dem Schiedsgericht ein deutſcher
Rich=
ter angehören. Darauf äußerte Reichsminiſter Dr. Wirth ſein
Erſtaunen darüber, daß die Oppoſiition gerade zu den für den
Young=Plan ſo außerordentlich wichtigen
Schiedsgerichtsver=
fahren ſchweige. Ohne dies Schiedsgericht, das für Deutſchland
von größter Bedeutung ſei, wäre der Young=Plan unannehmbar
geweſen. Im Dawes=Plan ſeien lediglich die Streitfragen über
die Auslegung, jetzt aber auch die Streitfragen über die
Anwen=
dung des Planes der Schiedsgerichtsbarkeit unterworfen. Der
Deutſchnationale Graf Weſtarp erwiderte, daß das
Schieds=
gericht gut und zweckmäßig ſein könne, aber doch keinesfalls die
Reviſionsmöglichkeiten einſchließe, auf die es allein ankomme.
Im Gegenſatz zu den Abgeordneten Dr. Reichert (Dntl.) und
von Freytagh=Loringhoven erklärte Abg. Prof. Hoetzſch (Chriſtl.=
Nat.), daß durch die Ausarbeitung des Schiedsgerichtsgedankens
im Young=Plan ein Fortſchritt in der ganzen
Reparationsrege=
lung gemacht worden ſei.
Die Ausſchüſſe werden die Beratung der Young=Geſetze am
Samstag beſchließen. Für die 2. Leſung des Young=
Planes in der Reichstagsvollſitzung iſt der
Mitt=
woch nächſter Woche in Ausſicht genommen.
Ein neues Kakakombenmuſeum in Rom
Nicht vielen Forſchern wird, der Triumph beſchieden, von
einem ganzen Muſeum ſagen zu können: das iſt mein Werk!
Dieſe Genugtuung erlebt, in dieſen Tagen Frl. Margarethe
Gütſchow aus Lübeck, die verdienſtvolle deutſche Archäologin, die
ſeit einer Reihe von Jahren als Forſcherin in Rom lebt, bei der
feierlichen Eröffnung des Prgetextatmuſeums in der römiſchen
Campagna. Kein Stück iſt in dem höchſt reizvollen und
geſchmack=
voll angelegten Muſeum, das nicht durch ihre prüfenden Hände
gegangen wäre und mehr als das: die ſechs Sarkophage,
größten Formats, die den Grundſtock der Sammlung bilden, ſind
unter ihrer perſönlichen Leitung, Stück für Stück, mit einer
liebe=
vollen Hingebung, die nur eine im Herzen von ihrer Tätigkeit
erfüllte Gelehrtennatur aufbringen kann, gleich einem Moſaik aus
unzähligen Trümmerreſten im Lauf von knapp dreiviertel Jahren
zu neuem Leben erſtanden. Aber auch die Anregung zur
Grün=
dung des Muſeums iſt von Frl. Gütſchow gegeben worden! Die
gelehrte Dame arbeitet ſeit Jahren im Auftrag des Deutſchen
archäolegiſchen Inſtituts mit an der Neuauflage des Corpus der
Sarkophage, welche das Deutſche Reich veranſtaltet. Eines Tages
im vergangenen Frühſommer beſuchte ſie gelegentlich die
Prae=
textatkalakombe, wo ſie das rieſige Chaos von Marmortrümmern
zu ſehen bekam, welches die Grabungen der „Pontificia
Com=
miſſione di Sacra Archeologia” unter dem Vorſitz von Mgr.
Reſpighi (einem Verwandten von Ottorino Reſpighi, der die
„Verſunkene Glocke” vertont hat) zutage gefördert hatte und
wel=
ches vernachläſſigt und unbenutzt umherlag. Sie nahm (zuerſt
wie im Spiel) hie und da ein Marmorſtück in die Hand und
ver=
ſuchte, es mit andern brüderlich zuſammenzuſetzen, und zu ihrer
freudigen Ueberraſchung gelang es, zuerſt einen Juno, dann einen
geflügelten Genius zuſammenzufügen. Ihr geſchultes Auge
er=
kannte ſogleich, daß es ſich um vortreffliche Arbeiten römiſchen
(und auch griechiſchen) Meißels aus dem 3. Jahrhundert unſerer
Zeitrechnung handelte und daß hier ein Schatz zu heben war,
welcher der Wiſſenſchaft nicht verloren gehen dürfe.
Frl. G. machte ſofort der päpſtlichen archäologiſchen
Kom=
miſſion von ihrer Entdeckung Mitteilung, und dieſe trat mit
Den Freunden des Gewerbemuſeums werden die Vorträge in
Erinnerung ſein, die Fräulein Margarete Gütſchow vor einigen
Jahren iber neue Ergebniſſe der archäologiſchen Forſchung gehalten
hat. Am 13. d. M. wurde in Nom durch den Heiligen Stuhl ein von
ihr neu eingerichtetes Muſeum eröſ net und wir ſind in der Lage,
unſeren Leſern darüber einen Bericht zu bringen.
Feuereifer für die Sache ein. Frl. G. erhielt den Auftrag, mit
einem Stab von geſchickten und techniſch geſchulten Arbeitern den
Verſuch, den ſie vorgeſchlagen hatte, zu wagen, und damit dem
Werk die Weihe nicht fehle, ſandte Papſt Pius XI. der deutſchen
Archäologin ſeinen perſönlichen Segen. Der Erfolg war denn auch
in jeder Hinſicht bedeutend. Nicht weniger als ſechs Sarkophage
größten Formats, von hoher künſtleriſcher Schönheit, gelang es,
zuſammenzuſetzen. Einem Puttenſarkophag, ohne Zweifel
grie=
chiſcher Herkunft, gebührt nach dem übereinſtimmenden Urteil
aller Beſucher die Krone der Schönheit. Die ſpielenden Kinder
chen ſehen aus wie Geſchwiſter der Putten von Donatellos
Sänger=
tribünen und Kanzeln oder wie in Stein verwandelte
Schöpfun=
gen von Anſelm Feuerbachs Meiſterhand.
Das Muſeum hat die gewiß bodenſtändige Form des
alt=
römiſchen Hauſes: eines geräumigen Atriums, deſſen Mitte ein
Baſſin mit Springbrunnen und Gartenanlagen zieren. Rundum
läuft ein gedeckter Gang, deſſen tragende Pfeiler Efeu und Roſen
umranken. An den Wänden und auf zierlichen Marmortiſchen
ſind die beſten Fragmente, die nicht verwendet werden konnten
(Trümmer von nicht weniger als 60 Sarkophagen!) verteilt, ſodaß
das Ganze einen höchſt anmutigen und heiteren Eindruck macht.
Die Prgetextatkatakombe gehört zu den bedeutendſten Roms.
Sie liegt an der Via Appia Pignatelli, kaum 100 Schritt von der
Stelle entfernt, wo dieſe von der antiken Via Appia abzweigt,
nahe beim Grab der Cecilia Metella, etwa drei Kilometer vor der
Porta San Sebaſtiano. Hiſtoriſcher Boden im eminenten Sinn!
Ehe die eiſten Chriſten den Boden unterhöhlten, war auf ihm die
pompöſe Villa des Pompeus Attieus angelegt, von deren Luxus
und Fülle zahlreiche Funde in den römiſchen Muſeen, ſowie die
Neſte erhaltener Bauten zeugen. Die wohl allen Romfahrern
be=
kannte ſog. Grotte der Egeria liegt etwa einen Kilometer vom
Katakombeneingang, im Tal des rauſchenden Almo, auf derem
Gebiet.
Herodes Attieus, Freund und Lehrer des Kaiſers Marc
Aurel (und durch Heirat mit dem antoniniſchen Kaiſerhaus
ver=
wandt) war nicht nur der gelehrteſte, ſondern auch der reichſte
Mann des Imperium romanum eine nicht gerade häufige
Paarung von Eigenſchaften. Später gehörte die Tenuta der
römiſchen Familie Caffarelli, deren jetzt abgeriſſener Palaſt auſ
dem Kapitol bis zum Ausbruch des Weltkriegs Sitz der deutſchen
Botſchaft beim König von Italien war. Im Jahr 1920 erwarb
die Kirche auf Veranlaſſung des deutſchen Mar. Wilpert, des
beſten lebenden Kenners der Katakomben und des frühchriſtlichen
Roms, den Grund und Boden, um der Forſchung, hauptſächlich
der theologiſch hiſtoriſchen, Vorſchub zu leiſten. Die Katgkombe
iſt ein rieſenhaftes Labyrinth von Gängen, und ſeit 1920 iſt erſt
etwa ein Drittel ausgegraben worden. Der Reſt verſpricht noch
manche Ueberraſchung. Aber die Arbeit in dem von Natur und
Menſchenhand unterhöhlten vulkaniſchen Boden iſt mühſam und
erfordert Vorſicht. Die Chriſten benutzten die Katakomben ſeit
dem 2. Jahrhundert mehrere Jahrhunderte lang, aber die
gefun=
enen Fragmente der Sarkophage ſind faſt durchweg heidniſchen
Irſprungs und ſtammen aus den Jahren 230 bis 300, ſobaß der
Forſcher es mit einer hiſtoriſch feſtumgrenzten Epoche zu tun hat,
was dem Muſeum an ſich ſchon den Reiz einer nicht häufig
an=
zutreffenden Geſchloſſenheit verleiht.
Die Eröffnungsfeier verlief ſehr harmoniſch. Sie fand unter
dem Ehrenvorſitz des Kardinals Cerretti ſtatt, der als
Titular=
nachfolger Rampollas ſeine Titelkirche Sta. Cecilia in Traſtevere,
beſonders den früher ſtark baufälligen Vorhof ſo glänzend
erneu=
ert hat. Cerretti war jahrelang päpſtlicher Nuntius in
Waſhing=
ton und Paris und gilt für einen der hervorragendſten
Diplo=
maten des päpſtlichen Stuhls. Eine große Anzahl kirchlicher
Würdenträger und weltlicher Größen der Wiſſenſchaft, Profeſſor
Ludwig Curtius an der Spitze des Archäologiſchen Inſtituts,
waren erſchienen, um Frl. Gütſchow an ihrem Ehrentag zu
huldigen.
Dr. H. Hohenemſer=Steglich.
* Eine Offenbach=Araufführung im Offenbach=Skil
in Leipzig.
Eine Hochzeit mit Hinderniſſen.
Poſſe in 5 Bildern nach Labiſche und Michel von Heinz Mertens.
Muſik von Jaques Offenbach.
Im Leipziger Alten Theater wurde „Eine Hochzeit mit
Hinderniſſen” als Poſſe in 5 Bildern nach Labiſche und Michel von
Heinz Mertens, zu der Alexander Schettler die Geſangstexte
geſchrieben und die Muſik von Offenbach ausgewählt und bearbeitet
hat, uraufgeführt. Für dieſe liebenswürdige, kleine Scherzidee des
In=
haltes, daß ein älterer Junggeſelle an ſeiner Heirat 5 Bilder lang durch
alle möglichen Zufälle vor allem durch einen Florentiner Hut (den eine
junge abenteuerliche Ehefrau als ſchweres corpus delioti verloren hat),
verhindert wird, waren Autor und Regie auf die originelle Idee
ge=
kommen, das Stücklein als Offenbachaufführung in der Offenbachzeit, in
dementſprechenden Stil urd Koſtüm herauszuſtellen. Das Publikum
nahm die von Erhard Siedel flott und launig inſzenierte
Urauf=
führung als heitere Abendunterhaltung mit viel Humor und Beifall auf.
Nummer 50
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Seite 3
Die Kabinettskriſe in Frankreich.
Bemühungen Doumergues zur Beilegung der Kriſe. — Der Henak für ein neues Kabinelt Tardien.
Auch Poincaré wird genannk. — Die Kammer nach wie vor zwieſpälkig. — Die Sozialiſten unker gewiſſen
Bedingungen zur Regierungskeilnahme bereit.
Doumergue verhandelk.
Die Lage noch unklar.
Paris, 18. Febr.
Der Präſident der Republik Doumergue hat heute ſeine
Beſprechungen zur Beilegung der Kabinettskriſe in der üblichen
Weiſe aufgenommen. Er empfing zunächſt die Vorſitzenden des
Senates und der Kammer, der Kommiſſionen für auswärtige und
Finanzfragen, ſowie die Senatoren Clementel, Bérard, die Abgg.
Malvy und Paul=Boncour. Dieſer erklärte, die Kriſe müſſe
mög=
lichſt raſch beigelegt werden, da Frankreich in London und Genf
nicht fehlen könne. Er ſei überzeugt, daß eine ſtarke Linksregierung
in der Kammer eine ſichere Mehrheit finden würde. Später
er=
ſchienen bei Doumergue die Senatoren Bienvenu=Martin, Ratier
und Poincaré, die Abgg. Chautemps, Louis Marin und
nochmals Senator Bérard. Dieſer erklärte, man würde im Senat
ein neues Kabinett Tardieu gerne ſehen. Man könne
aber keine Prophezeiungen machen angeſichts einer Kammer, die
in zwei Teile zerfalle. Der Präſident der Republik wird morgen
vormittag ſeine Beſprechungen fortſetzen.
Irgendwelche Anhaltspunkte für die künftige Entwicklung der
Dinge laſſen ſich vorläufig dieſen Beſprechungen noch nicht
ent=
nehmen. Auch die Nachmittagspreſſe hält immer noch die
Bil=
dung eines Kabinetts der republikaniſchen
Konzen=
tration für wahrſcheinlich, die von den Radikalen bis
zur Gruppe Marin gehen könnte. Ob die Gruppe Marin ſelbſt in
dieſe Konzentration einbezogen werden muß, das dürfte im
weſentlichen von der Stellungnahme der Sozialiſten abhängen.
Inſofern iſt eine Entſcheidung von Intereſſe, die heute früh von
der ſozialiſtiſchen Kammerfraktion angenommen wurde, worin es
heißt, daß die Sozialiſten bereit ſeien, allein die
Re=
gierungsgewalt zu übernehmen, daß ſie aber, falls
eine derartige Löſung nicht möglich ſei, einer auf eine
Links=
mehrheit geſtützten Regierung der Radikalen ihre
Unter=
ſtützung gewähren wollen, wenn dieſe Regierung entſchloſſen
ein Programm der Reformen und des Friedens durchführe. Man
darf es jetzt als ſicher betrachten, daß eine
Konzentrationsregie=
rung, zu deren Mehrheit die Gruppe Marin zählt, nicht auf die
Unterſtützung der ganzen radikalen Gruppe, ſondern nur
auf etwa 50 Abgeordnete zählen könnte. Die Gruppe Franklin=
Bouillon ſchließlich hat beſchloſſen, jede Konzentrationsregierung
zu unterſtützen, die das in London feſtgelegte franzöſiſche Mindeſt=
Flottenprogramm aufrecht erhält und die Induſtrie= und
Land=
wirtſchaftskriſe, ſowie die Lebenshaltungsteuerung durch
weit=
gehende Steuermäßigungen bekämpfen wolle.
Kommi Tardien wieder?
EP. Paris, 18. Februar.
Die Pariſer Preſſe unterſtreicht, daß der Kampf um die geſamte
Politik der Regierung geführt werde. Das gibt der Preſſe
Veran=
laſſung, recht eingehend die Leiſtungen des Kabinetts Tardieu zu
wür=
digen. Nach Anſicht des größten Teiles der Preſſe iſt ihm die
Rege=
lung der Reparationsfrage auf der zweiten Haager Konferenz voll und
ganz gelungen. Zu den weiteren Leiſtungen des Kabinetts gehören
die Verlegung des Beginns des Haushalstjahres vom 1. Januar auf den
1. April ſowie die Durchſetzung eines Programms des nationalen
Ausbaues für die nächſten fünf Jahre mit einem Koſtenaufwand von
5 Millarden Franken. Schließlich ſtand Tardieu zur Stunde in
Lon=
don in einem harten Kampf gegen Amerika und England um die
An=
erkennung Frankreichs als See= und Kolonialmacht. In London habe
er den Vorſchlag auf Abſchaffung der Unterſeeboote zum Scheitern
ge=
bracht die Annahme des franzöſiſchen Vermittlungsvorſchlages als
Grundlage der Verhandlungen erreicht und es auf dieſe Weiſe fertig
gebracht, bei der Verteidigung der franzöſiſchen Bedürfniſſe den
For=
meln der Waſhingtoner Konferenz zu entgehen.
In der Beſprechung der Lage gehen heute abend die Meinungen
noch weit auseinander. Die rechtsſtehende Preſſe glaubt, ſagen zu
kön=
nen, daß Finanzminiſter Chéron durch die geſtrige Abſtimmung
be=
rührt worden ſei, und daß Tardieu als erfolgreicher Unterhändler im
Haag und als Retter der Unterſeeboote in London vom Präſidenten der
Republik wieder berufen werden würde. Die ſozialiſtiſchen, radikalen
und gemäßigten, die Politik der mittleven Parteien vertretenden
Blät=
ter dagegen ſtellen feſt, daß die Zuſammenſetzung der Mehrheit, die
Die Ausſichken einer Konzenkrakionsregierung.
geſtern das Kabinett geſtürzt hat, eine ausgeſprochene Linksmehrheit
war, und daß infolgedeſſen der Präſident der Republik einem
links=
gerichteten Politiker die Regierungsbildung übertragen müßte. Wem?
In erſter Linie nennt man Briand, der jedoch keine beſondere
Nei=
gung empfinden dürfte, die innerpolitiſchen Kämpfe, die die Lage
nun=
mehr erfordert, durlzuführen. Man nennt auch einige radikale
Sena=
toren, an der Spitze Albert Sarraut, ferner Clementel und
auch Steeg. Niemand jedoch erwähnt die beiden radikalen
Abgeord=
neten, die geſtern die Kriſe herbeigeführt haben, die Abgeordneten
Lamoureux und Chautemps. Alle Blätter ſind dagegen einig in der
Anſicht, daß die Kriſe nur von kurzer Dauer ſein werde, da
hinſicht=
lich der Verhandlungen in London eine raſche Entſcheidung
notwen=
dig ſei.
Der deutſche Geſandke in Belgrad
Nr. noſtet /.
Belgrad, 18. Febr.
Der deutſche Geſandte Dr. Köſter, der an einer
Blinddarm=
entzündung erkrankt war, iſt am Dienstag um 19.20 Uhr verſtorben.
* Der deutſche Geſandte in Belgrad Adolf Köſter war einer
von den ſozialdemokratiſchen Journaliſten, die nach der
Revo=
lution, ebenſo wie Rauſcher in Warſchau und Müller in Bern, in
die Diplomatie hineingekommen ſind. Trotzdem kann man ihm
nicht nachſagen, daß er in erſter Linie Sozialdemokrat geweſen iſt.
Dr. Adolf Köſter †.
Er hat um ſeiner politiſchen Ueberzeugung willen — er kam 1912
als Privatdozent an die Univerſität München — ſeine Karriere
aufgeben müſſen, wurde dann Kriegsberichterſtatter des „
Vor=
wärts” und ſtellte ſich nach der Revolution in Weimar der neuen
Regierung zur Verfügung. Man ſchickte ihn als
Abſtimmungs=
kommiſſar nach Schleswig=Holſtein, und was er hier in der
zwei=
ten Zone geleiſtet hat, wenn er auch den engliſchen Diplomaten
nicht immer gewachſen war, verdient Anerkennung. Es ſoll
un=
vergeſſen bleiben, wie er am Morgen des Kapp=Putſches, der in
Berlin 24 Stunden vor der Abſtimmung in Schleswig=Holſtein
losbrach, die Führer aller politiſchen Parteien auf einen
General=
nenner brachte, daß bis zum Augenblick der Abſtimmung von den
Vorgängen in Berlin nicht geſprochen werden ſollte. Dadurch
er=
reichte er eine Abſtimmung, die einen großen moraliſchen Erfolg
darſtellte. Er wurde dann Reichstagsabgeordneter, ſpäter
Außen=
miniſter und ſchließlich Reichsinnenminiſter, zog ſich aber bald aus
der Innentolitik zurück und ging als Geſandter zunächſt nach
Riga und dann nach Belgrad, ohne allerdings ſeine
innerpoliti=
ſchen Aſpirationen aufzugeben. Er war aber klug genug, warten
zu können, er wollte ſich nicht vorzeitig verbrauchen, ſondern erſt
auf Außenpoſten Erfahrungen ſammeln. Für den nationalen
Flügel der Sozialdemokratie iſt ſein Tod ein ſchwerer Verluſt.
Schwierigkeiken in London.
Die Konferenz in der Sackgaſſe. — Unnachgiebigkeit
auf allen Seiten.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 18. Fedruar.
Die Verhandlungen in London ſind wieder auf einem
ſchwie=
rigen Punkte angelangt. Franzöſiſcherſeits ſpricht man zwar noch
nicht von der Möglichkeit der Abreiſe der franzöſiſchen Delegation,
aber es wird offen eingeſtanden, daß die Konferenz ſich in
einer Sackgaſſe befindet. Als Haupturſache der
Schwierig=
keiten wird in Paris das rückſichtsloſe Vorgehen der einzelnen
Delegationen bezeichnet. Die Teilnehmer ſollen ohne jede
Rück=
ſichtnahme auf die Bedürfniſſe und politiſche Lage der anderen
Mächte ihr Programm entwickeln. In dieſer Politik der
Rückſichts=
loſigkeit ſoll Amerika führen, aber es herrſcht trotzdem in
Ver=
bindung mit der Konferenz hier keine beſondere amerikafeindliche
Stimmung. Denn Amerika, wenn es auch die franzöſiſchen
Forde=
rungen nicht berückſichtigt — hütet ſich, irgendwie aktiv in die
„kontinentalen” — das Wort hat für franzöſiſche Ohren einen
unangenehmen Klang — Angelegenheiten einzumiſchen.
Frankreichs Gegner in London iſt vor allem England.
Wäh=
rend Macdonald in der erſten Zeit der Konferenz auf ein
eng=
liſch=franzöſiſches Zuſammengehen beſonderen Wert zu legen ſchien,
tut er jetzt alles, was die Franzoſen verſtimmen kann. Die
eng=
liſche Preſſe leiſtet ihm dabei Hilfe, und aus einigen beſonders
ſcharfen Angriffen gegen Frankreich — „Daily Herald” — will
man hier direkt die Stimme Macdonalds heraushören.
In Paris machen ſich immer mehr Stimmen geltend, die die
Londoner Konferenz auf die Sicherheitsfrage überleiten möchten.
Dieſe Vorſchläge ſind zum Teil recht phantaſtiſch. Aber die
fran=
zöſiſche Delegation in London möchte, wenn auch in weit
beſchei=
denerem Maße, ähnliche Wege einſchlagen. Der Gedanke eines
Mittelmeer=Locarnos iſt noch nicht fallen gelaſſen. England zeigt
aber recht wenig Intexeſſe dafür, vielleicht, weil die franzöſiſche
Bereitwilligkeit, im Falle eines Mittelmeer=Abkommens die
Stärke der franzöſiſchen Flotte über das geforderte Mindeſtmaß
herabzuſetzen, unter Umſtänden nur theoretiſchen Wert hat.
Die Londoner Verhandlungen ins Stocken geraken.
EP. London, 18. Februar.
Die Arbeiten auf der Londoner
Seeabrüſtungs=
konferenz ſind infolge der franzöſiſchen Regierungskriſe faſt
vollſtändig zum Stillſtand gekommen. In
An=
weſenheit der franzöſiſchen Delegierten werden zwar
voraus=
ſichtlich eine Reihe von Beſprechungen unter den übrigen vier
Delegationen ſtattfinden. Ein definitiver Fortſchritt der
Ver=
handlungen iſt aber für die nächſten Tage kaum zu erwarten. —
Für heute war eine engliſch=franzöſiſche Ausſprache
angeſetzt, die aber vertagt werden mußte. An Stelle dieſer
Unterredung hat eine Konferenz zwiſchen
Mac=
donald, Stimſon und Grandi im Unterhaus
ſtattge=
funden, auf der Italien zum erſten Male an einer Diskuſſion
über die zahlenmäßigen Forderungen und Vorſchläge der
üb=
rigen Delegationen teilnahm.
Das ikalieniſche Memorandum. — Ikalien bleibt feſt.
TU. London, 18. Februar.
Der italieniſche Außenminiſter Grandi hatte heute eine
Aus=
ſprache mit Macdonald und Stimſon über eine neue italieniſche
Denkſchrift, die in Kürze veröffentlicht werden ſoll. Italien weiſt
in der Denkſchrift darauf hin, daß die Konferenz nach ſeiner
Mei=
nung die Flottenſtärke möglichſt niedrig feſtſetzen ſollte. Die
italieniſche Forderung auf Gleichſtellung mit
Frankreich wird aufrecht erhalten. Italien habe zur
Verhinderung eines Flottenwettbewerbes ſeit der Waſhingtoner
Konferenz auf jedes langjährige Flottenbauprogramm verzichtet
und ſeither nur die für die ſofortigen Bedürfniſſe unerläßlichen
Schiffe gebaut. Die durch den Waſhingtoner Vertrag nicht
be=
grenzten Schiffstypen werden ſodann einem Vergleich mit
Frank=
reich unterzogen. Die italieniſche U=Boot=Tonnage wird mit
27 000 Tonnen gegen 32 000 Tonnen Frankreichs ausgewieſen.
Frankreichs Bauprogramm an U=Booten betrage 50 000 Tonnen,
Italien habe nur 9000 Tonnen genehmigt.
Würkkembergiſche Verfaſſungsſtreitfrage
vor dem Staatsgerichtshof.
Leipzig, 18. Februar.
Der Staatsgerichtshof für das Deutſche Reich hat in der
württem=
bergiſchen Verfaſſungsſtreitfrage dahin entſchieden:
Die Anträge der klagenden ſozialdemokratiſchen Fraktion im
würt=
tembergiſchen Landtag gegen das Land Württemberg und gegen den
württembergiſchen Landtag wegen Verfaſſungswidrigkeit der Regierung
in Württemberg und gewiſſer Beſtimmungen der Geſchäftsordnung des
Landtages werden zurückgewieſen. Die Anträge werden in allen Teilen
als ungültig angeſehen. Die Zuſtändigkeiten des Staatsgerichtshofes
ſind gegeben, weil kein anderes Gericht, auch nicht der württembergiſche
Staatsgerichtshof, als zuſtändig erſcheinen kann.
Volk ohne Berufe!
Von Prof. M. J. Bonn.*)
Es gibt in Amerika keine Stände, es gibt nur Stufen.
Der einzelne ſteigt, ſeinen Fähigkeiten und ſeinem Glück
ent=
ſprechend, hinauf und hinab. Er hat keine Rechte auf eine einmal
erworbene Lebenshaltung. Niemand lehrt ihn, daß es ſeine
Pflicht ſei, dem einmal engriffenen Berufe treu zu bleiben. Im
Gegenteil. Es gibt keine geſchloſſenen Berufe. Es kommt nicht
darauf an, den Befähigungsnachweis für einen Beruf durch ein
Diplom zu erbringen, ſondern darauf, daß man ihn erfolgreich
ausübt. Der Europäer, insbeſondere der Deutſche, iſt ganz
be=
wußt ſpezialiſierter Fachmann; der Amerikaner iſt ebenſo
be=
wußt „Dilettant”. Er geht nicht immer ſo weit wie Henry
Ford, der jeden neuen Zweig ſeiner Unternehmung nur einem
Nichtfachmann anvertrauen will, er hat aber den Glauben des
Pioniers behalten, daß der tüchtige Mann alles kann. Und da
man in der techniſchen Ausgeſtaltung den gelernten Arbeiter mehr
und mehr durch die Maſchine erſetzt, ſo werden Intuition,
An=
ſtelligkeit und Findigkeit wichtiger als das Lehrzeugnis. Der
einzelne iſt alſo nicht darauf beſchränkt, ſein Schifflein in der
ſchmalen Rinne des erwählten Berufes ſtromaufwärts zu rudern;
das weite Meer des ganzen Wirtſchaftslebens ſteht ihm offen, wo
ein günſtiger Wind ihm immer die Segel ſchwellen kann. Er
weiß, daß das Meer andere Gefahren birgt als der enge Kanal.
Er iſt aber von der Zeit der Väter her gewöhnt geweſen,
Ge=
fahren zu laufen. Der moderne induſtrielle Aufſtieg iſt ſicher
ungefährlicher, als die Eroberung des Weſtens geweſen iſt. Die
Aengſtlichen ſind damals zu Hauſe geblieben, die Schwachen
ſind am Wege zuſammengebrochen, die Tüchtigen haben das
Ziel erreicht. Warum ſollte er weniger tüchtig ſein als ſeine
Ahnen? Er iſt bereit, den vollen Einſatz zu wagen. Er will
in die Höhe kommen, Unternehmer werden, Kapitaliſt. Der
eigene Arbeitgeber iſt für ihn keine beſondere Klaſſe, die ihm
irgendwie von Natur überlegen wäre. Es hat wohl einmal
ſo=
wohl im alten Neuengland als im Süden ein Unternehmertum=
*) Entnommen dem Werke: Prof. M. J. Bonn, „Die Kultur der
Vereinigten Staaten, (Volksverband der Bücherfreunde. Wegweiſer=
Verlag G. m. b. H., Berlin=Carlottenburg 2, Berliner Straße 42/43,
304 Seiten, in Halbleder gebunden 2,90 RM.. In dieſem glänzend
geſchriebenen, auf überlegener Stoffkenntnis beruhendem Werke bietet
Prof. Bonn eine allgemein verſtändliche Zuſammenfaſſung ſeiner
Stu=
dien, denen er den unbeſtrittenen Ruf des beſten Kenners amerikaniſcher
Verhältniſſe verdankt.
gegeben, das ſich als eine beſondere Klaſſe betrachtet und die
Ar=
beiter als „Dienende” anſah. Die Erſchließung des Weſtens und
der Bürgerkrieg haben den Begriff der Klaſſe endgültig
aus=
getilgt. Zwar hat ſich in den Anfängen der kapitaliſtiſchen
Kon=
zentrationsbewegung bei den Eiſenbahnmagnaten und
gelegent=
lich in der Schwerinduſtrie eine Stimmung breitgemacht, daß
der Unternehmer „Herr im Hauſe” ſei. Die
Antitruſtgeſetz=
gebung hat indeſſen dieſen Beſtrebungen das Rüchgrat gebrochen.
Der Monopolismus iſt zwar nicht beſeitigt, er wird aber nur
geduldet, ſolange der Monopoliſt darauf verzichtet, nach außen
hin als Herrſcher aufzutreten. Der Arbeitgeber erſcheint daher
dem amerikaniſchen Arbeiter nicht als beſondere Menſchengattung.
Er iſt nicht „Wirtſchaftler” ſondern „Geſchäftsmann”, nicht „
Berg=
herr”, ſondern „Operationsleiter” (Operator). Er iſt nicht
an=
dersartig, nicht anderswertig. Er hat nur ein paar Nullen mehr
hinter ſeinem Einkommen, das iſt alles. Es iſt eine bloße
Quanti=
täts=, keine Qualitätsfrage.
Der Arbeiter hat auf der anderen Seite auch nicht die
Emp=
findung, für einen Herrn zu arbeiten. Er arbeitet für ſich. Der
Unternehmer führt den Begriff des „Dienſtes” immer im Munde.
Er will damit ausdrücken, daß ſeine Tätigkeit von ſozialem
Nutzen für das Gemeinwohl iſt. Der Arbeitnehmer wendet
dieſes Wort nicht an. Für ihn hat der Begriff „dienen” den
Charakter der Unfreiheit. Ihm ſind bezahlte häusliche Dienſte
eine Beeinträchtigung der perſönlichen Freiheit, ſelbſt wenn ſie
nicht von Dienſtboten, ſondern von Hausangeſtellten verrichtet
werden. Es iſt Negerarbeit. Wenn der Weiße ſie ausführen
ſoll, tut er es ſchlecht und widerwillig. Dagegen iſt er im
in=
duſtriellen Arbeitsverhältnis durchaus bereit, ſein Beſtes
herzu=
geben, die Arbeit zu beſchleunigen, ſich geiſtloſer mechaniſcher
Verrichtung willig anzupaſſen, vorausgeſetzt, daß er durch
Mehr=
leiſtung mehr Lohn erzielt. Er ſträubt ſich nicht gegen
Fordis=
mus und Taylorismus, wenn ſie nicht zum Lohndrücken
verwen=
det werden. Denn die Arbeit iſt ihm ein Mittel, Geld zu
ver=
dienen, aufzuſteigen, kein Beruf, an den man ſeeliſch gebunden
iſt. In einzelnen Induſtrien hat die organiſierte Arbeiterſchaft
ſich durch Uebernahme von Verantwortlichkeit ſeitens ihres
Ver=
bandes für Erhöhung der Produktionsleiſtung eingeſetzt.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Berlin: Der Präſident des Archäologiſchen Inſtituts des Deutſchen
Neiches, Profeſſor Dr. Gerhart Rodenwaldt iſt zum
Ehren=
gkademiker der Königl. Spaniſchen Akademie der Geſchichte in Madrid
ernannt worden,
— Laut Abkommen zwiſchen der Genoffenſchaft deutſcher
Bühnen=
angehöriger und dem Deutſchen Bühnenvepein muß jeder ausgebildete
Schüler, der in den Bühnenberuf aufgenommen werden will, einen
Be=
fähigungsnachweis ſeitens einer Prüfungsſtelle haben. Die
diesjähri=
gen Prüfungen im Bezirk Frankfurt a M. ſind feſtgeſetzt auf den 16.
und 23. März für Aſpiranten der Oper und Operette, auf den 30. März
für Aſpiranten des Schauſpiels. Die Geſchäftsſtelle Frankfurt a. M.
bitet, alle Anfragen und Anmeldungen mit genauer Adreſſenangabe
an das Sekretariat, Holbeinſtraße 18, zu richten.
*uwe Lars Nobbe: „Ein Kriegsfreiwilliger‟. Ludwig Voggenreiter
Verlag, Potsdam. 200 S. kart. 3 Mk., Ganzleinen 4,50 Mk.
Dieſes neue Kriegsbuch ſchildert uns das Erleben eines vom
Gym=
naſium kommenden Kriegsfreiwilligen. Während ſeine Schulkameraden
faſt alle bei Langemarck gefallen ſind, kommt er als einziger in eine
Feldkompagnie, macht hier die Jahre des Stellungskrieges in der
Champagne mit und fällt ſchließlich in der Sommeſchlacht. Es iſt
kein Buch, das uns einfach das Frontleben ſchildert wie Renn und
Remarque, ſondern hier ſucht ſich ein Einzelner mit dieſem Erleben
auseinanderzuſetzen. Er kommt dabei zu keinem Ergebnis, ſondern den
Kern des Widerſtandes ſieht er in der ſtrengen Pflichterfüllung und im
Höhepunkt des Großkampfes in der Erkenntnis des „Wehre dich — es
bleibt ja nichts anderes übrig‟. Es fehlt ihm dabei an der
Schlag=
kraft und Lebendigkeit der Schilderung, als auch an der
Ueberzeu=
gungskraft der Auseinanderſetzung, die Jünger hat, der ja von
der=
ſelben Seite und aus der gleichen Lage zu den Dingen Stellung zu
nehmen ſucht. Es fehlt ihm die Selbſtverſtändlichkeit der
Kamerad=
ſchaft Brögers, es fehlt ihm die Klarheit und Wahrheit, die uns „Die
andere Seite” wertvoll macht. Es iſt ein Kriegsbuch von den
vie=
len, als ſolches ja immer wertvoll für den großen Teil der Jugend,
die das Erlebnis nicht mehr ſelbſt mitmachte, ſondern heute mühfam
berſuchen muß, an das Problem Krieg heranzukommen, da es doch eine
ernſthafte Auseinanderſetzung verſucht.
Thorkild Graplund, Am Ende der Welt. Roman. In Ganzleinen geb.
6 RM. Hanſeatiſche Verlagsanſtalt, Hamburg 36.
Gravlund zählt heute zu den bedeutendſten däniſchen Dichtern der
Gegenwart. Er iſt Geſtalter des däniſchen Volkslebens. In ſeinen
Büchern zeigt er immer wieder das allmähliche Sich=Loslöſen des
Vol=
kes vom Althergebrachten, von den alten Sitten, von den alten
Ueber=
lieferungen, von dem alten Glauben, und das Hinübergehen in die neue
Zeit. Nun hat es ein Jugendfreund und Vertrauter Gravlunds
under=
nommen, ſein berühmtes Buch. Am Ende der Welt” ins Deutſche zu
übertragen, in dem wir den ſtarken Ausdruck rein germaniſchen Weſens
erkennen. Graplund geſtaltet in dieſem Roman die nordiſche Natur
und den nordiſchen Menſchen zu einer Schichſalseinheit. Um einen
Bauernhof, fern der Stadt, ſpielt die Handlung, die uns in ihrer
Herb=
heit und Eindringlichkeit vicht losläßt. Wir erleben das langſame
Werden und das ſtille Verwachſen zweier Menſchen mit dem Hofe, den
ſie ſich in zäher Hingabe erarbeiteten, und den ſie wieder zu einem
rechten Vatererbe machen.
Seite &
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Nummer 50
Der Einzelhandel zur Finanzreform.
Warnungen der Wirlſchaft vor einer uferloſen Ausgabenpolikik. — Soforkige Senkung der Ausgaben
um nur fünf Prozenk genügk im Augenblick zur nolwendigen Abdeckung der Schulden und zur
unerläßlichen Steuerſenkung. — Auf dieſe Weiſe rund eine Milliarde Einſparungen.
Forderungen des deutſchen
Einzel=
handels.
Prokeſt gegen die geplanke Erhöhung
der Umſahſteuer.
Die Hauptgemeinſchaft des Deutſchen Einzelhandels e. V. hat an die
Reichstagsabgeordneten eine Erklärung der Mitgliederverſammlung
übermittelt, in der es u. a. heißt:
„Die Verbände der deutſchen Wirtſchaft haben ſchon ſeit mehreren
Jahren die politiſchen Gremien im Reich, Ländern und Gemeinden
wie=
derholt darauf hingewieſen, daß eine Fortführung der
ufer=
loſen Ausgabenwirtſchaft zur Kataſtrophe führen
muß. Prophezeiungen haben ſich als richtig erwieſen, die
Befürch=
tungen ſind weit übertroffen, dann die Geldkalamität, in der ſich Reich,
Länder und Gemeinden zurzeit befinden (die kurzfriſtigen Schulden von
allen dreien müſſen auf mindeſtens 2½ Milliarden geſchätzt werden) iſt
größer als ein Außenſtehender jemals ahnen konnte. Die
Mitglieder=
verſammlung der Hauptgemeinſchaft des Deutſchen Einzelhandels iſt
einſtimmig der Anſicht, daß
die Fundierung der ſchwebenden Schuld von Reich,
Län=
dern und Gemeinden, ſo dringend notwendig ſie erſcheint,
trotzdem nicht in einer Weiſe überſtürzt werden darf, daß
dadurch die notwendigen Steuerſenkungen für die
Wirt=
ſchaft wegfallen.
Die Verſammlung iſt der vollen Ueberzeugung, daß die
Konſolidie=
rung in erwünſchtem Umfange ohne weiteres erfolgen kann, wenn ein
Teil der ſchwebenden Schulden durch Ausgabenerſparniſſe in Reich,
Län=
dern und Gemeinden abgedeckt wird. Eine Senkung der Ausgaben im
neuen Etatsjahr 1930/31 um nur 5 Prozent gegenüber dem Vorjahre
würde genügen, um ſowohl rechtzeitig die notwendige Abbeckung der
Schulden, als auch die für die Wirtſchaft in der Zeit der Depreſſion
unerläßliche Antriebskraft durch Senkung der Steuern herbeizuführen.
Nur auf dieſem Wege kann auch das erſtrebte Ziel einer Entlaſtung des
Geld= und Kapitalmarktes durch die öffentliche Hand erreicht werden.
Sollten auch diesmal wieder von den verantwortlichen politiſchen
Körperſchaften und Parteien alle Warnungen der Wirtſchaft in den
Wind geſchlagen werden, ſo iſt die Hauptgemeinſchaft des Deutſchen
Einzelhandels der feſten Ueberzeugung, daß in abſehbarer Friſt
finan=
zielle Maßnahmen durch Reich, Länder und Gemeinden ergriffen
wer=
den müſſen, die alle bisherigen Maßnahmen auf dieſem Gebiet noch weit
überſteigen und für die Maſſe des deutſchen Volkes ſchlimme Folgen in
wirtſchaftlicher Beziehung zeitigen müſſen.” In Verfolg dieſer
Erklä=
rung erheben wir nochmals
ſchärfſten Proteſt dagegen, daß Reichsregierung und
Reichs=
tag Pläne über Steuererhöhungen für das Etatsjahr
1930/31 beraten, anſtatt mit allen Mitteln und mit aller
Macht eine Ausgabenſenkung in ſolchem Umfange
herbei=
zuführen, daß durch Erſparniſſe und Abſtriche an den Etats
aller öffentlichen Einrichtungen in Reich, Ländern und
Ge=
meinden die Mittel zur Sanierung der öffentlichen
Haus=
halte und darüber hinaus zu der für die Wirtſchaft
un=
bedingt notwendigen Steuerſenkung bereitgeſtellt werden.
Mit ganz beſonderer Schärfe müſſen wir allen denjenigen
Plänen widerſprechen, die eine Erhöhung der Umſatzſteuer
von 34 auf 1 Prozent durchführen wollen. Eine ſolche
Maßnahme würde das geſamte deutſche Preisniveau aufs
unheilvollſte beeinfluſſen.
Die Umſatzſteuer iſt beſtimmungsgemäß auf den jeweiligen
Abneh=
mer abzuwälzen. In allen Stufen der Produktion und der Verteilung
würden innerhalb der Volkswirtſchaft Preiserhöhungen mit
Notwendig=
keit auftreten müſſen, die eine weitere Verteuerung der Lebenshaltung
in Deutſchland unausweichbar nach ſich ziehen würden.
Nicht nur für den Abſatz deutſcher Erzeugniſſe ins
Aus=
land würden ſich daraus nachteilige Folgen ergeben,
be=
ſonders auch innerhalb Deutſchlands wären alle Schichten
der Verbraucher durch eine ſolche Maßnahme mit einer
weiteren Senkung ihres Realeinkommens bedroht.
Insbeſondere die Beamten, Angeſtellten und Arbeiter würden durch eine
ſolche Entwicklung getroffen werden, da ihnen in den allermeiſten Fällen
keine Möglichkeit gegeben ſein dürfte, im gegenwärtigen Zeitpunkt
ſchwe=
rer wirtſchaftlicher Depreſſion Gehalts= oder Lohnerhöhungen durchzu=
ſetzen. Eine Aenderung der Beamtengehälter vollends dürfte auf lange
Zeit hinaus überhaupt nicht in Frage kommen. Es kommt hinzu, daß
durch eine ſolche Erſchütterung des geſamten Preisniveaus
vermittels einer Aenderung der Umſatzſteuer die geſamte
Wirtſchaft in lebhafteſte Unruhe verſetzt wird.
Alle Möglichkeiten und Anſätze neuer wirtſchaftlicher
Aufwärtsentwick=
lung werden im Keim erſtickt. Wir beſtreiten nach wie vor, daß die
Notwendigkeit von Steuererhöhungen überhaupt beſteht und damit die
Notwendigkeit, zwiſchen einer Erhöhung der Umſatzſteuer einerſeits und
einer Erhöhung von Steuern und Zöllen auf entbehrliche
Verbrauchs=
güter andererſeits zu wählen. Sollte man im Gegenſatz zu unſerer
Auffaſſung der Notwendigkeit des Abbaues der öffentlichen Ausgaben
die Notwendigkeit einer Steuererhöhung trotzdem als gegeben anſehen,
ſo kann u. E. die Wahl alsdann immer nur in Richtung der Erhöhung
von Steuern auf den entbehrlichen Verbrauch erfolgen. Wir faſſen
ab=
ſchließend unſere
Forderungen
nochmals zuſammen:
1. Wir verlangen, daß von Steuererhöhungen jeglichen Ausmaßes
überhaupt abgeſehen wird, und daß ſowohl die Sanierung der
öffent=
lichen Finanzen wie auch die der Wirtſchaft verſprochene durchgreifende
Steuerſenkung dadurch ermöglicht wird, daß die Ausgaben der
öffent=
lichen Haushalte im nächſten Etatsjahr durchweg um 5 Prozent geſenkt
werden. Mit der auf dieſe Weiſe zu erzielenden Einſparung von rund
1 Milliarde RM. laſſen ſich beide Probleme löſen (300 Millionen wären
im Reichsetat zu ſparen, 700 Millionen bei Ländern und Gemeinden).
2. Wir erheben ſchärfſten Proteſt gegen alle Pläne zur Erhöhung
der Umſatzſteuer.
Aufruf zur Finanz= und Wirkſchaftspolitik
von führenden Perſönlichkeiten der Wirkſchaft
und winſenſchaft.
Berlin, 18. Februar.
Mehr als 200 führende Perſönlichkeiten der Wirtſchaft und
Wiſſen=
ſchaft veröffentlichen zu der wirtſchafts= und finanzpolitiſchen Lage
Deutſchlands eine Erklärung, in der es als unerläßlich bezeichnet wird,
die Finanz= und Wirtſchaftspolitik grundlegend zu ändern. Sie müſſe
einheitlich und folgerichtig auf die endgültige Ordnung der öffentlichen
Finanzen und auf die Steigerung der Produktivität der deutſchen
Ge=
ſamtwirtſchaft eingeſtellt werden. Die durch die äußeren
Verpflichtun=
gen verſchärfte Verantwortung des Reiches für die Finanzgebarung
auch in Ländern und Gemeinden erfordere, daß die Ordnung der
öffent=
lichen Haushalte als eine einheitliche Aufgabe von Reich, Ländern und
Gemeinden betrachtet und unter Führung des Reiches durchgeführt
werde. An die Durchführung des Neuen Planes könne aber auch nicht
gegangen werden, wenn nicht die Erkenntnis verwirklicht werde, daß
die Verpflichtungen nur aus einer Ueberſchüſſe erzeugenden
Volkswirt=
ſchaft aufgebracht werden können. Die gegenwärtige Finanzpolitik,
die die notwendigen Ueberſchüſſe in weiteſtem Umfange wegſteuere, ſei
hiermit wirtſchaftlich und politiſch unvereinbar. Die Steuern
müß=
ten insbeſondere an den Stellen geſenkt werden, wo dieſe Senkung am
wirkſamſten dem Kapitalſchwund und der Kapitalflucht entgegenwirke.
In der Förderung der gewerblichen und landwirtſchaftlichen
Produk=
tion und in der Verbreiterung und Hebung des Wohlſtandes in den
weiteſten Schichten unſeres Volkes ſehen die Unterzeichner der
Erklä=
rung eine Vorbedingung für den nationalen und kulturellen Aufſtieg,
der aber nur erreicht werden könne, wenn die Wirtſchaft ſich ihrer
vollen Verantwortung gegen Staat und Volk bewußt ſei und der Staat
die Erforderniſſe einer ſtreng ſachlichen Wirtſchaftspolitik erfülle.
Rückkrikt des ſächſiſchen Kabinekks.
Dresden, 18. Februar.
Der ſächſiſche Landtag nahm in ſeiner heutigen Vollſitzung
nach mehr als vierſtündiger Ausſprache die Abſtimmung über die
gegen das Kabinett Bünger eingebrachten Mißtrauensanträge vor.
Für den kommuniſtiſchen Mißtrauensantrag ſtimmten 45, dagegen
42 Abgeordnete bei 9 Stimmenthaltungen. Der Antrag iſt damit
tabgelehnt, da die erforderliche Mindeſtzahl von 49 nicht erreicht
iſt. Hierauf wurde die Abſtimmung über den nationalſozialiſtiſchen
Mißtrauensantrag vorgenommen. Für dieſen ſtimmten 63,
da=
gegen 24 Abgeordnete bei 9 Enthaltungen, Landtagspräſident
Weckel ſtellte feſt, daß der nationalſozialiſtiſche Mißtrauensantrag
angenommen und der Regierung Bünger damit das Vertrauen
entzogen ſei. Miniſterpräſident Dr. Bünger erklärte hierauf den
Rücktritt der Geſamtregierung. Das Kabinett wird bis zur
Bil=
dung der neuen Regierung die Geſchäfte weiterführen.
Der Heſſiſche Landgemeindekag
Jan Spurgrogranm der Hegierung.
Der Vorſtand des Heſſiſchen Landgemeindetages befaßte ſich heute
unter dem Vorſitz von Bürgevmeiſter Alexander Gonſenheim mit dem
Sparprogramm der heſſiſchen Regierung und legte nach eingehender
Beratung ſeine Stellungnahme in einer Entſchließung nieder, im
der es u. a. heißt:
Der Heſſiſche Landgemeindetag erhebt als berufene Vertretung von
nahezu tauſend heſſiſchen Landgemeinden gegen demjenigen Teil der von
der heſſiſchen Regierung geplanten Sparmatznahmen Proteſt, die nichts
weiter als eine Verſchiebung der Laſten, ohne Zubilligung neuer
Ein=
nahmequellen für die betroffenen Gemeinden bedeuten,
Angeſichts der unabweisbaren Lebensnotwendigkeit der Gemeinden
erhebt der Heſſiſche Landgemeindetag die Forderung auf Schaffung
eines ausreichenden Laſtenausgleichs zur Herſtellung dringend
erforder=
licher Gefahrengemeinſchaften auf dem Gebiete der ſozialen Fürſorge,
ſowie die Forderung auf Errichtung eines neuen innerſtaatlichen F.
nanz=
ausgleichs. Der Heſſiſche Landgemeindetag ſieht ſich zu folgenden
Feſt=
ſtellungen veranlaßt:
1. Die Erhöhung der Einnahmen der ſtaatlichen Heil= und
Pflege=
anſtalten bedeutet eine Erhöhung der Aufwendungen der
Bezirks=
fürſorgeverbände und der Gemeinden.
2. Der Beitrag der Gemeinden von 200 Mark für jede
Volksſchul=
lehrerſtelle bringt den Geminden eine weitere Neubelaſtung, ohng
daß hierfür Erſatz geleiſtet wird. Die in der Preſſe gezogenen
Ver=
gleiche in bezug auf die geringfügige Steigerung der Laſten für
die Gemeinden mit höheren Schulen wirken irreführend. Mehr als
90 Prozent der heſſiſchen Gemeinden beſitzen keine höheren Schulen,
erfahren alſo auch keinen Ausgleich der geſchilderten Art. Im
übrigen verlangen die Gemeinden mit höheren Schulen ſchon ſeit
1820 eine Neuregelung der Koſtenverteilung der höheren Schulen,
bis jetzt erfolglos.
3. Der Wegfall des ſeitherigen Staatszuſchuſſes zur
Verſicherungs=
anſtalt für gemeindliche Beamte bewirkt eine Neubelaſtung der
Landgemeinden, auf die nach der jetzigen Rechtslage der Ausfall
abgewälzt werden wird.
4. Die Verringerung des Staatsbeitrages zur Straßenunterhaltung
verurſacht ebenfalls eine Schädigung der Gemeinden und
Pro=
vinzen.
5. Die Einſparungen auf dem Gebiete des Volksſchulweſens durch
Erhöhung der Klaſſenſtärke gefährden das mit großen Opfern
auf=
gebaute Syſtem der modernen Volksſchule. Mit dieſer Frage im
Zuſammenhang ſtehend, erhebt der Heſſiſche Landgemeindetag
gleichzeitig Einſpruch gegen eine Entblößung des ſlachen Landes
von höheren Lehranſtalten. Die Landgemeinden mit ihrer die
über=
große Mehrzahl der Geſamteinwohner Heſſens bildenden
Bevöl=
kerung müſſen auf dem Gebicte des höheren Schulweſens die gleiche
Berückſichtigung fordern wie die Städte.
6. Die geplante ſtarke Verminderung der ſtaatlichen Baudarlehen
trifft die Landgemeinden beſonders hart. Dieſe Maßnahme müßte
ſich außerdem in der ungünſtigſten Weiſe auf das Wirtſchaftsleben
des Landes auswirken.
Der Heſſiſche Landgemeindetag ſiehr die Herabſetzung des Zuſchuſſes
zum Heſſiſchen „Landestheater” in Darmſtadt als ungenügend an.
Die beabſichtigte Verminderung der Polizeiſtellen gibt dem
Heſſi=
ſchen Landgemeindetag willkommene Veranlaſſung, ſich gegen die
ge=
plante Schaffung von Gendarmerie=Großſtationen zu wenden, da eine
ſolche Maßnahme nicht im Intereſſe der Landgemeinden gelegen ſein
kann.
Grundſätzlich ſieht ſich der Heſſiſche Landgemeindetag zu der
Feſt=
ſtellung veranlaßt, daß es geltendem Landesrecht (Art. 15 des Heſſ.
Ausführungsgeſetzes zum Finanzausgleichsgeſetz vom R. März 1924)
widerſpricht, den Gemeinden neue Laſten aufzubürden, ohne ihnen
gleichzeitig ausreichende neue Einnahmequellen zu erſchließen.
Der Heſſiſche Landgemeindetag muß im Intereſſe der bedrohtem
Gemeinden mit aller Entſchiedenheit die Forderung vertreten, das
De=
fizit des heſſiſchen Staates durch geeignetere Maßnahmen
herab=
zudrücken. Als geeignetes Mittel hierzu ſind gewiſſe Aenderungen in
der Organiſation der Staatsverwaltung zu bezeichnen, die auf die Dauer
zu namhaften Erſparniſſen in der Zentralvevwaltung zu führen
ver=
mögen. Im beſonderen erhebt der Heſſiſche Landgemeindetag die
For=
derung auf Aufhebung der Oberrechnungskammer, Reviſionsamt II und
die Ueberweiſung der Rechnungsprüfung der Kirchen, Gemeinden und
Korporationen an geeignete Rebiſionsbepbände. Eine Zurückführung
der ſtaatlichen Bauverwaltung auf einen einfacheren und billigeren
Stand erſcheint ebenſo vertretbar, wie die vorübergehende Aufhebung
der derzeitigen Denkmalpflege, die Vergrößerung von
Forſtamts=
bezirken, Einſparungen an der Techniſchen Hochſchule, der
Landesuni=
vevſität, Landesbibliothek, Geologiſchen Landesanſtalt und an anderen
Stellen.
Hinſichtlich einer Bemerkung in der kürzlichen Erklärung des
Heſ=
ſiſchen Städtetages legt der Heſſiſche Landgemeindetag nachdrücklichſt
Ver=
wahrung ein gegen die dort zutage getretene Abſicht der
Inanſpruch=
nahme ſtaatlicher Baudarlehnsmittel zugunſten der Städte, die den
Landgemeinden zuſtehen.
Der Heſſiſche Landgemeindetag bittet die Staatsregierung im
Be=
wußtſein der hohen Verantwortung, die alle beteiligten Faktoren trifft,
von einer Belgſtung der Gemeinden unter allen Umſtänden abzufehen,
ſondern im Gegenteil auf Mittel und Wege zu ſinnen, um den von
finanziellem Zuſammenbruch bedrohten Gemeinden des Landes zur
Er=
füllung ihrer geſetzlichen Aufgaben zu verhelfen.
Schließlich kann ſich der Heſſiſche Landgemeind tag der Beſorgnis
nicht erwehren, daß die von der Heſſiſchen Staatsregierung in ihrem
Sparprogramm vorgeſehenen Maßnahmen eine Geſundung der
heſſi=
ſchen Staatsfinanzen auf die Dauer nicht werden hepbeiführen können,
ſo daß zu erwägen wäre, ob nicht dem Gedanken der Schaffung eines
dezentraliſierten Einheitsſtaates mit beſtimmt abgegrenzten
Wirtſchafts=
gebieten, unter Aufrechterhaltung der Eigenheiten der einzelnen Länder
ernſtlich nähergetreten werden müßte.
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Nummer 50
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Seite 5
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 19. Februar.
— Heſſiſches Landestheater. Heute Mittwoch findet im Großen
Haus, um 19,30 Uhr, die Erſtaufführung des Schauſpiels „Die
Affäre Dreyfus” von Rehfiſch und Herzog, in der Inſzenierung
von Renato Mordo (Bühnenbilder: Lothar Schenck von Trapp) ſtatt.
In der Rolle des Emile Zola gaſtiert Fritz Valk vom Düſſeldorfer
Schauſpielhaus. In den übrigen Hauptrollen: Nürnberger, Baumeiſter,
Minetti, Keßler, Hinz, Pfaudler, Mosbacher, Jürgas, Weſtermann,
Gallinger, Maletzn, Hoffart, Gothe. Flemming, Wemper, Schindler,
Ehrhard, Tibaldi. (Miete B.) — Morgen Donnerstag wird „Die
Affäre Dreyfus” um 19,30 Uhr im Großen Haus erſtmalig
wiederholt. (Miete C.)
Morgen Donnerstag wird um 20. Uhr im Kleinen Haus Lortzings
komiſche Oper „Der Wildſchütz” in der beifällig aufgenommenen
Neuinſzenierung von Arthur Maria Rabenalt und Wilhelm Reinking
unter muſikaliſcher Leitung von Karl Maria Zwißler zur Darſtellung
kommen. (Darmſtädter Volksbühne, Gemeinde X, Gruppe I—IV.)
„Der Troubadour” von Verdi gelangt Freitag, den 21.
Fe=
bruar, um 19,30 Uhr, im Großen Haus unter muſikaliſcher Leitung
von Karl Maria Zwißler mit Hans Grahl in der Titelpartie zur
Auf=
führung. In den übrigen Hauptrollen: Landwehr, Loewen, Tibaldi,
Wünzer. (Darmſtädter Volksbühne, Gemeinde G, Gruppe I—IV.)
Kulturfilmbühne im Kleinen Haus. Heute
Mitt=
woch finden um 16 und 20 Uhr im Kleinen Haus die beiden letzten
Vor=
führungen des amerikaniſchen Großfilms „Fanfaxen der Liebe‟
(Regie: D. W. Griffith) mit Mary Philbin, Lionel Barrymore und
Don Alvarado in den Hauptrollen ſtatt.
Heiterer Wiener Abend. Am Freisag, dem 21. Februar, findet
im Kleinen Haus eine Wiederholung des „Heiteren Wiener Abends”
ſtatt, mit dem Maria Kienzl, Franz Tibaldi und Carl Bamberger vor
einigen Wochen ſtürmiſchen Beifall ernteten. Das Programm bleibt
im weſentlichen dasſelbe. Der Kartenverkauf findet an der Tageskaſſe
des Kleinen Hauſes, in der Konzertdirektion, Heß, Eliſabethenſtraße,
und in der Bücherſtube Bodenheimer, Rheinſtraße, ſtatt.
— Der Ball der Bühnenkünſtler, der, wie alljährlich, auch für
dieſen Roſenmontag geplant war, wird angeſichts der ungeklärten
Situation des Landestheaters, die eine Kündigung des geſamten
Enſembles zur Folge hatte, auf einen ſpäteren Termin
ver=
ſchoben. Der Ortsausſchuß der Bühnengenoſſenſchaft hofft, die
Veranſtaltung zugunſten der Altpenſionäre und Wohlfahrtskaſſen
der G.D.B.A. in der erſten Maiwoche abhalten zu können.
— Adolf=Beyer=Ausſtellung. Der Mittelrheiniſche Architekten= und
Ingenieur=Verein beſichtigte in dieſen Tagen die Adolf=Beher=
Ausſtel=
lung in der Kunſthalle am Rheintor. Der Künſtler Prof. Beyer hatte
ſich in liebenswürdiger Weiſe bereit erklärt, den Verein zu führen, und
entledigte ſich dieſer Aufgabe in der ihm eigenen, ſchlichten, alles
Per=
ſönliche zurückſtellenden Weiſe, indem er allgemein auf das Weſen der
Tätigkeit des Malers hinwies, deſſen Werke, ſelbſt wenn er Vertreter
naturgetreuer Darſtellungskunſt iſt, ſich innerlich ſtets erheblich
unter=
ſcheiden werden von den Leiſtungen, die beiſpielsweiſe heute die
künſt=
leriſche Photographie hervorzuheben vermag. An den einzelnen
Wer=
ken, wie ſie in den Sälen augeordnet und verteilt ſind, konnte man den
Entwicklungsgang des Künſtlers verfolgen, deſſen gereifte Kunſt hohe
Vollendung zeigt und deſſen neueſte Schöpfungen noch ſo friſch und
lebenswahr den Beſchauer anmuten, wie diejenigen aus ſeinen
jünge=
ren Jahren. Dies gilt in gleicher Weiſe von den Porträts, den
Land=
ſchaften und Blumenſtücken. Der Vorſitzende des Vereins dankte
Pro=
feſſor Beher für die Führung, die eine Ruhe= und Feierſtunde für alle
Anweſenden war. Mit dem Eindruck, daß man hier Einblick in das
Schaffen eines Meiſters getan habe, der unbeirrt durch Tagesſtrömungen
und doch mit der Zeit gehend, ſich ſelbſt treu geblieben iſt, ſchied man
von der Schauſtätte ſeines erfolgreichen Wirkens.
Städt ſche Akademie für Tonkunſt. Ernſt Munck, Tenor, Schüler
der Opernſchule der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt (Geſangsklaſſe
Profeſſor Beines) erhielt anläßlich der Premiere von „Friederike” im
Operettenhaus Bochum folgende Kritiken: „Weſtfäliſcher
Anzei=
ger‟: Der Erfolg einer ſolchen „Klaſſiker”=Aufführung beruht
natur=
gemäß in erſter Linie auf den Darſtellern der Hauptperſonen, in
die=
ſem Falle alſo des jungen Goethe und der lieblichen Friederike. Man
hätte wirklich keinen beſſeren Goethe finden können als Ernſt Munck,
der einen blühenden, beſtrickenden Tenor ins Feld zu führen hat, der
ihm ſowohl nach ſeinem Auftrittslied „O wie ſchön, wie
wunder=
ſchön . . ." als auch dem jauchzenden „Mädel, mein Mädel, wie lieb ich
dich!” einen unbeſtreitbaren, ſtarken und begeiſterten Publikumserfolg
ſicherte. „Weſtfäliſcher Kurier”: Ernſt Munck bewies
über=
zeugend ſeine beachtlichen Qüalitäten als Teuor in der Rolle des
Goethe. Iu der äußeren Erſcheinung voll Eleganz und Würde, war ſein
Geſang klar und wohllautend, ja, er ſchwang ſich zu begeiſterten
Mo=
menten auf. In den ernſten Rollen ſcheint ſeine Stärke zu liegen.
Ausſtellung. In dem Schaufenſter der Firma Friedrich
Weyrauch, Muſikinſtrumenten=, Pianolager, Darmſtadt,
Schuchard=
ſtraße 4, iſt zurzeit die Lyra des Muſikkorps der Freiwilligen
Feuer=
wehr Nieder=Ramſtadt ausgeſtellt, welche von der Firma Fr. Weyrauch
geliefert wurde.
— Ueber die Kinder=Tanz= und Spiellieder von Lili Hickler, die
am Sonntag, den 23. Februar, vormittags 11.15 Uhr, im Kleinen
Haus des Landestheaters in neuer Folge zur Aufführung kommen,
ſchreibt das Pforzheimer Tagblatt: „Immer erſcheinen ſie wie neu wie
am erſten Tage, und rufen jenes Entzücken wach, das uns ergreift, wenn
etwas in uns Verſchüttetes berührt wird. Hier heißt es: Sehnſucht nach
dem verlorenen Kinderparadies. Soll man ſagen, worin eigentlich der
ungewöhnliche Zauber der Hicklerſchen Spiellieder beſteht, ſo gerät man
in Verlegenheit. Man ſieht und hört die tiefgehende Wirkung, weiß
aber nicht, wie es gemacht wird. Es iſt, als hätte jemand, der ſich ganz
beſonders gut darauf verſteht, Kinder beim Spielen zu beobachten, das
Erſchaute ſinnvoll geordnet, in eine von künſtleriſchem Willen
gebän=
digte Form gebracht. Für die Mitwirkenden iſt und bleibt das, was
ſie machen, Spiel, Betätigung eigener, nur vielleicht von außen her
angeregter und gezügelter Geſtaltung. Sie merken garnicht, wie ſich
öfter zeigte, daß da außer ihnen noch jemand iſt, ſie ſpielen auch hier
oben unter ſich und für ſich. Die Bühne iſt ihnen gleichbedeutend mit
Zimmer oder Wieſe.”
Nachtrag zur Tagesordnung für die Sitzung des Stadtrats am
20. Februar 1930: 2. Ergänzung der Deputationen und Ausſchüſſe.
— Vortrag. Auf Veranlaſſung des Verkehrszentralamtes der
Deut=
ſchen Studentenſchaft ſprach in der Techniſchen Hochſchule der durch ſeine
fortſchrittliche Wirkſamkeit bekannte Frankfurter Straßenbahndirektor
Dr.=Ing. Kremer über „Amerikaniſchen Großſtadtverkehr”. Beſonders
intereſſant an dem Vortrag und der folgenden Vorführung des vom
Vortragenden ſelbſt aufgenommenen amerikaniſchen Verkehrsfilms waren
die zahlreichen neuen Bauarten von Straßenbahnwagen und Omnibuſſen
und die Einblicke in den Verkehrswirbel zwiſchen den Wolkenkratzern
amerikaniſcher Millionenſtädte. Für viele Hörer, erſtaunlich war die
Feſtſtellung, daß man zur Bewältigung des Maſſenverkehrs drüben die
Straßenbahn dem Omnibus bei weitem vorzieht, und daß die Zahl der
vom Omnibus beförderten Perſonen im Verhältnis zur Leiſtung der
Straßenbahn geringer iſt als in Europa (in New York werden 10, in
Chicano 7, dagegen in London 60, in Berlin 16 und in Frankfurt a. M.
9 Prozent des Geſamtverkehrs durch Omnibuſſe bewältigt). Für
Deutſch=
land empfahl Dr. Kremer großräumige Straßenbahnwagen mit
ge=
trenntem Ein= und Ausgang und dazwiſchen feſt angeordnetemr
Schaffner=
ſitz nach Art des im vorigen Herbſt in Frankfurt mit beſtem Erfolg
er=
probten Mailänder Straßenbahnwagens amerikaniſcher Bauart, um die
Leiſtung des Perſonals durch Erleichterung ſeines Dienſtes zu
ver=
größern. Dem im überfüllten Saal mit großer Begeiſterung
auf=
genommenen Vortrag wohnten auch Vertreter der Reichsbahn und die
Aufſichtsbeamten der Heag in großer Zahl bei.
— Skiklub Darmſtadt=Odenwald. Zur erſten diesjährigen Tour rief
der Skiklub Darmſtadt=Odenwald am Sonntag, den 16. d. M., ſeine
Jünger zuſammen. Früh 5.21 Uhr ging der Zug nach Franffurt ab
und bereits gegen 9 Uhr wurden nach kurzem Steigen oberhalb von
Königſtein die Bretter angelegt. Der Führer, Herr Hans Bach,
ermög=
lichte es den fortgeſchrittenen Läufern der aus 15—20 Perſonen
be=
ſtehenden Gruppe, größere Abfahrten am Feldberg zu machen, während
er aufopferungsvoll bei den Anfängern am Uebungshang blieb.
Nach=
dem man zwiſchendurch im gemütlichen Gaſthof Weilquelle ausgiebin
für das leibliche Wohl geſorgt hatte, gings am Nachmittag hinauf auf
Den Feldberg. Herrliche Schneeverhältniſſe! Und die Sonne, die
ge=
legentlich für kurze Augenblicke aus den Wolken hervorbrach, brachte die
Intereſſanteſten, ſtets wechſelnden Licht= und Schattenwirkungen auf den
werſchneiten Bäumen hervor. Die lange Abfahrt führte dann die
Teil=
uiehmer je nach Wunſch auf ſteileren oder weniger ſteilen Wegen in
Sichtung Königſtein zurück. Bei der gegen 10 Uhr erfolgten Ankunft
in Darmſtadt äußerte mancher, wenn er auch ermüdet war, den Wunſch,
moch öfters den Sonntag auf ſolche Weiſe zu verbringen.
Das Waldemar=Peterſen=Haus der Techniſchen
uuſchale Burmſtäotm Miſchegg m Argau.
Von cand. mach. Fritz Becker.
Bekanntlich iſt der Techniſchen Hochſchule und der Stadt Darmſtadt
ein neues Heim entſtanden.
Es iſt nicht übertrieben, wenn man behauptet, daß ein derartiges
Haus wohl kaum beſſer eingerichtet werden kann. Hier haben wir das
Reſultat engſter Zuſammenarbeit aller Abteilungen einer Techniſchen
Hochſchule: Architektur, Maſchinenbau, Elektrotechnik, Leibesübungen
und Bauingenieurweſen.
Die Ba geſchichte des Waldemar=Peterſen=Hauſes, deſſen
Ein=
weihung am 15. Dezember 1929 ſtattſand, iſt eng verbunden mit der
Entwicklung des Skſportes an unſerer Hochſchule.
Unter der Leitung von Herrn Diplom=Turn= und Sportlehrer
Söllinger wurde in den Weihnachtsferien 1924 erſtmalig ein Skikurſus
durchgeführt, und zwar auf Anregung von Herrn Prof. Dr=Ing. h. c.
Peterſen, dem damaligen Vorſitzenden des Akademiſchen Ausſchuſſes für
Leibesübungen, im Walſertal, in der Umgebung von Riezlern. Alle
Teilnehmer waren, von dieſem idealen Uebungs= und TourengTände
begeiſtert. Damals ſchon faßte Herr Söllinger den Plan, hier eine
Ski=
hütte zu erbauen, und ſuchte auch einen Bauplatz aus. Nach ſeiner
Rückkehr nach Darmſtadt gelang es ihm, Herrn Prof. Peterſen für dieſe
Idee zu gewinnen, und an Pfingſten 1925 konnte dann der Bauplatz in
Hirſchegg gekauft werdei.
Nun ging es an die Ausarbeitung der Pläne, und es erwies ſich
die Notwendigkeit dieſes Hauſes nicht nur als Skihütte, ſondern auch im
Sommer als Erholungsheim zu benutzen, damit möglichſt das ganze
Jahr hindurch die Bewirtſchaftung durchgeführt werden kann.
Nachdem durch eine hochherzige Stiftung von Herrn Prof. Peterſen
die Finanzierung des Baues ſichergeſtellt war, wurde Herr Geheimer
Baurat Prof. Dr.=Ing. ehr. Berndt auf Grund ſeiner reichen
Erfah=
rungen zum Vorſitzenden des Bauausſchuſſes gewählt und verſtand es
ganz meiſterhaft, mit Hilfe ſeiner vielen Beziehungen die deutſche
In=
duſtrie für dieſes Projekt zu intereſſieren und eine Menge Stiftungen
hierfür zu erhalten. Mit unermüdlichem Eifer ſetzte ſich Herr
Geheim=
rat Verndt für die Sache ein, und ihm iſt es vor allem zu verdanken,
daß die im März 1929 begonnenen Bauarbeiten zu Beginn dieſes
Win=
ters beendet waren und in den Weihnachtsferien ſchon der erſte Skikurs
im „Waldemau=Peterſen=Haus” wohnen konnte,
Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie wundervoll dieſes
Haus eingerichtet iſt und wie alles bis ins kleinſte wohldurchdacht iſt,
bitte ich den Leſer, mit mir in Gedanken einen Rundgang durch dieſe
„Skihütte” zu machen.
Im Winter betreten wir das Haus durch den Skiſtall, während in
der ſchneefreien Zeit ein beſonderer Eingang benutzt wird. Im Skiſtall
ſind zum Aufbewahren der Skier numerierte Geſtelle vorhanden, und
zwar hat jeder Gaſt der Hüitte hier die gleiche Nummer wie an ſeinem
Bett, ſeinem Handtuch, Mundglas und Gefach im Trockenraum, der ſich
daneben befindet. Da alle vom Schnee durchnäßten Kleidungsſtücke hier
zum Trocknen aufgehängt werden können, kommt es hier auch nicht mehr
vor, daß in der Hüttenſtube das Schmelzwaſſer den Skiläufern ins
Genick läuft, wie das auf kleinen Hütten üblich iſt. Ski=Reparaturen
können in der gut eingerichteten Werkſtatt ausgeführt werden. Im
Erdgeſchoß befinden ſich auch zwei Duſchräume, einer für Damen und
einer für Herren, mit insgeſamt 7 Duſchen, ein Wannenbad, ein
Waſch=
raum und die Küche. Sie iſt auf das modernſte eingerichtet mit einem
großen Hotelherd der Firma Gebr. Roeder A.G., Darmſtadt,
Speiſeauf=
zug, elektriſch getriebenen Küchenmaſchinen und einem großen
Warm=
waſſerſpeicher.
Der Keller enthält die Warmluftheizungsanlage, Vorratsräume,
eine Kühlanlage der Firma Brown, Boveri u. Cie.,, eine Dunkelkammer
und eine Waſchküche mit elektriſchen „Miele” Maſchinen.
Im erſten Obergeſchoß befindet ſich die Hüttenſtube, das
Schmuck=
ſtück des ganzen Hauſes. Durch die ſchöne Holztäfelung, die Tiſchlampen
und den netten Kachelofen, der allerdings nur in der Uebergangszeit
benutzt wird, wirkt die Stube äußerſt gemütlich. Ein Grammophon,
mit Radioempfänger kombiniert, ſorgt für Unterhaltung.
In einer Niſche iſt das Büfett mit einem elektriſchen Kühlſchrank
untergebracht, der Aufzug und eine Telephonkabine.
Dieſes Geſchoß enthält noch zwei Schlafräume mit fließendem Kalt=
und Warmwaſſer, Garderobe und die Wohnung des Wächters.
Das zweite Obergeſchoß enthält wieder 2= bis 6bertige Schlafzimmer,
Waſchräume und ein Schreibzimmer, das ſich als ſehr zweckmäßig
er=
wieſen hat, denn bei dem Betrieb in der Hüttenſtube kann man doch keine
Briefe ſchreiben.
Im Dachgeſchoß befindet ſich der große Matratzenraum mit 18
Matratzen, ein kleiner Schlafraum mit 2 Matratzen und für Damen ein
Raum mit 3 Matratzen und einem beſonderen Waſchraum.
Sämtliche Wände ſind vorläufig aus bautechniſchen Gründen mit
gelbem Rupfenſtoff beſpannt, Treppen und Gänge mit Kokosläufern
be=
legt, ſo daß das Haus einen behaglichen Eindruck macht.
Die geräumige Liegehalle, die ihre eigenen Waſcheinrichtungen
be=
ſitzt, wird im Winter auch als Schlafraum benutzt, während im Sommer
drei große Oeffnungen an der Südſeite freigelegt werden, ſo daß
Er=
holungsbedürftige hier in der kräftigen Höhenſonne ihre Liegekuren
durchführen können. Der Bau dieſer Liegehalle iſt vor allem Geheimrat
Berndt zu werdanken, der auch bei dieſem guten Werk wiederum durch
hochwertige Stiftungen aus der Induſtrie unterſtützt wurde.
Dieſes prachtvolle Kleinod, das in ſeiner Zweckmäßigkeit bis jetzt
wohl unerreicht iſt, konnte nur zur Durchführung kommen, weil es
gelungen iſt, in Herrn Prof. Peterſen einen Mann zu gewinnen, deſſen
Herz von jeher warm für unſere akademiſche Jugend ſchlug.
Ein beſcheidener Dank kam darin zum Ausdruck, daß das Haus den
Namen des edlen Stifters erhielt.
Das neue Heim der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt iſt das ganze
Jahr hindurch für alle Studierenden der deutſchen Hochſchulen geöffnet
und nur in den Weihnachtsferien und einem Teil der Oſterferien für
die Darmſtädter Studentenſchaft vorbelegt.
Da nun in allernächſter Zeit die Vollkonzeſſion erteilt werden wird,
ſteht dieſes ſchöne Heim auch weiteſten Kreiſen der Darmſtädter
Bevöl=
kerung zur Verfügung, ſo daß hier viele die Freude des alpinen
Ski=
laufes oder der Hochtouren im Sommer genießen können, um dann mit
neuer Lebensfreude und neuem Schaffensdrang die Sorgen des
All=
tages zu bezwingen.
— Richard=Wagner=Verband. Wir verfehlen nicht, nochmals auf die
am 20. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Hauſe der Frau v. Selzam,
Neckarſtraße 19, ſtattfindende Veranſtaltung des Richard=Wagner=
Ver=
ſtiftung hinzuweiſen, zu der in liebenswürdigſter Weiſe Fräulein Roſe
Landwehr, Herr Göſta Andreaſſon und Herr Hans Simon ihre Kunſt
zur Verfügung ſtellen.
— „Dienen” iſt das Thema der Männerbibelſtunde heute abend 8,30
Uhr im Heim des Chriſtlichen Vereins junger Männer, Alexanderſtr. 22
(Infanteriekaſerne). Wie ſoll unſerer Zeit anders aufgeholfen werden,
als daß jeder einzelne es lernte, ſelbſtlos zu dienen. Wer auf dieſem
Wege weiterkommen möchte, iſt eingeladen, an der Ausſprache
teilzu=
nehmen.
Elite-Strümpfe unübertrefflich.
Nur eigene Oualitätsmarken von
her-
vorragender Preiswürdigkeit Dadurch
ständige Umsatzstegerung. Jeder
Versuch überzeugt zweitellos. (1806a
Strumpfhaus Elite Schulstraße 1
Während der Umbauarbeiten am Hauſe Saalbauſtraße 27 wird
die Eliſabethenſtraße von der Neckarſtraße bis zur Zimmerſtraße und
die Saalbauſtraße von der Waldſtraße bis zur Hügelſtraße für
Kraft=
fahrzeuge von mehr als 5,5 Tonnen und ſchwere Laſtfuhrwerke bis auf
weiteres geſperrt.
Heute
Kinder-Mittwoch
(2646a
Im
Schliler-
Schunhads lacop platz s.
— Die Wiederſehensfeier der Leichten Munitions=Kolonne 1/111 am
letzten Sonntag iſt glänzend verlaufen. 60 Kameraden und 20
Ange=
hörige waren dem Rufe gefolgt. Bei Frühlingswetter ging es über den
Exerzierplatz zur 6ler, jetzt Schupo=Kaſerne, die beſichtigt wurde, am
Gefallenen=Denkmal im Prinz=Emils=Garten wurde ein Kranz
nieder=
gelegt, das Schloßmuſeum überraſchte alle Teilnehmer durch ſeine reichen
Beſtände, in der „Bockshaut” warteten leibliche und ſeeliſche Genüſſe
er=
freulichſter Art. „Auf Wiederſehen in zwei Jahren!” war der herzliche
Abſchiedsgruß.
Me
Prassel-Hafieé fisch geröstet 80kulstr. 10
— Die Riviera=Reiſen beginnen! Die Zahl der Reiſenden, die unter
ſachkundiger Führung die einzigartige Landſchaft der italieniſchen und
franzöſiſchen Riviera beſuchen wollen, ohne ſich für längere Zeit nur an
einen Platz zu binden, wächſt ron Jahr zu Jahr. Das Mitteleuropäiſche
Reiſebüro (ER.) veranſtalter daher in dieſem Jahre, im Februar
beginnend, 16 Tage dauernde Geſellſchaftsreiſen an die Azurküſte, die
in die ſchönſten Orte beider Rivieren und Südfrankreichs führen und in
Paris endigen. Bei einigen dieſer Reiſen wird auch die Geburtsſtätte
Napoleons, die intereſſante Inſel Korſika, beſucht. Im März und April
finden dreiwöchige Geſellſchaftsreiſen nach Algier und Tun’s ſtatt.
Beſondere Proſpekte über dieſe Reiſen ſowie für Reiſen zu den
Kriegs=
gräbern in Frankreich und Belgien ebenſo wie jede gewünſchte Auskunft
erhält der Intereſſent koſtenlos von der Vertretung der MER.:
Ver=
kehrsbüro, Ernſt=Ludwigs=Platz 5.
Das Bier als Erporkarikel.
Man ſchreibt uns: Das Braugewerbe iſt faſt die einzige Induſtrie,
bandes deutſcher Frauen zum Beſten der Richard=Wagner=Stipendien= die ohne erhebliche Inanſpruchnahme des Auslandes ihre Erzeugniſſe
aus einheimiſchen Rohſtoffen herſtellt. Aus dieſem Grunde iſt ſie eine
Exportinduſtrie für die deutſche Wirtſchaft von hoher Bedeutung. Im
letzten Vorkriegsjahre exportierte ſie 158 477 Tonnen Bier, während des
Krieges und in den Inflationsjahren geriet der Bierexport
vollkom=
men in Verfall, um ſich alsdann von Jahr zu Jahr allmählich zu
er=
holen. Das Jahr 1928 weiſt eine Exportziffer von 113 125 Tonnen auf,
es iſt alſo der Friedensſtand bei weitem noch nicht erreicht und dürfte
auch in den laufenden Jahren nicht erreicht werden. Der Exportrückgang
des deutſchen Bieres iſt einerſeits auf den Ausfall des amerikaniſchen
Marktes zurückzuführen, andererſeits auf die Verteuerung des Bieres
durch die Steuer. Betrug der Steuerſatz vor dem Kriege 3,50 Mark
pro Hektoliter, iſt er allmählich auf 7.50 Mark pro Hektoliter geſtiegen
und ſoll nunmehr nach dem Finanzprogramm der Regierung eine
aber=
malige Steigerung um 50 Prozent erfahren. Damit iſt mit höchſter
Wahrſcheinlichkeit mit einem Rückgang des Exports und zugleich mit
einer Verſchlechterung der Handelsbilanz zu rechnen. Weiter wird die
Aktivität der Handelsbilanz durch den ſteigenden Import von Aus=
Friedrich Schaefer, Darmstadt, Ludwigspl. 7. Tel. 45 landsbier gefährdet. Im Jahre 1928 ſind, vorwiegend aus der
Tſchecho=
ſlowakei, 34 529 Tonnen Bier eingeführt worden! Das iſt nicht nur
vom Standpunkt des Braugewerbes, ſondern auch vom Standpunkt der
deutſchen Wirtſchaft ein ſehr bedauerlicher Zuſtand, dem unter allen
Umſtänden abgeholfen werden müßte. Das kann aber nur geſchehen,
wenn das deutſche Bier durch eine vernünftige Steuerpolitik
konkurrenz=
fähig auf dem Weltmarkt erhalten wird. Darum muß die Parole
lau=
ten: Nicht Steuererhöhung, ſondern Steuerabbau auf der ganzen Linie,
namentlich wenn es ſich, wie beim Biere, um ein Genuß= und
Nahrungs=
mittel handelt, das als Exportartikel zur Aktivierung der Handelsbilanz
außerordentlich beitragen kann.
— Hohes Alter. Die im Altersheim, Frankfurter Straße 37,
woh=
nende Frau Seipp, Witwe des ehemaligen Oberhoflakai, hat am 20.
Fe=
bruar ihren 80. Geburtstag. Frau Seipp begeht dieſen Tag in ſeltener
Rüſtigkeit, lebhaft heiterem Weſen und beſonderer geiſtiger Friſche. Ihr
Sohn Ludwig, ein Schüler von Butterweck, Wünzer und Angelo
Neu=
mann, war lange Jahre Oberregiſſeur am Deutſchen Theater in Prag
und iſt ſeit Jahven Oberſpielleiter am Schauſpielhaus in Chemnitz.
— Die „Mathematik als Kulturſymbol im Sinne Oswald Spenglers
Untergang des Abendlandes” behandelte im Vortrag vor einer großen
Anzahl höherer Vermeſſungsbeamten der Ortsgruppen der
mittelrheini=
fchen Städte Herr Oberregierungs= und Steuerrat Dübbers aus
Wies=
baden. Vorſitzender Vermeſſungsrat Heyl=Darmſtadt begrüßte die
An=
weſenden und erteilte nach einigen geſchäftlichen Ausführungen dem
Vortragenden das Wort. Der Redner bezeichnete als Zweck ſeines
Vor=
trages, eine klärende Ausſprache darüber anzuregen, ob die Anſicht des
Münchener Gelehrten Beifall finde, daß es keine Kulturgeſchichte im
Sinne einer durchlaufenden Entwickelung gebe, daß vielmehr
jede Kultur — und mit ihr die zugehörigen Kulturſymbole — an die
ſcharf abgegrenzte Landſchaft gebunden ſei, auf deren Boden ſie entſtehe,
ſich entfalte und ſchließlich ſchickſalhaft in Ziviliſation verfalle, ohne
benachbarte oder folgende Kulturen weſentlich zu beeinfluſſen. Zu den
zahlreichen Symbolen ſolcher Kulturen, die näher erklärt wurden,
ge=
höre auch die Mathematik. Von den 8 hohen Kulturkreiſen, die
Speng=
ler nach dieſen verſchiedenen Symbolen erforſcht hat, beſchränkte ſich der
Vortrag auf die ägyptiſche, helleniſche, arabiſche und abendländiſche
Kul=
tur, und zwar hauptſächlich, ſoweit es ſich um das mathematiſche
Pro=
blem handelt. Um den Begriff „Kulturſymbol” zunächſt klar
herauszu=
ſchälen, damit ſeine Anwendung auf die Mathematik verſtändlich werde,
zog Redner vergleichsweiſe als Kulturſymbole die Architektur,
Skulp=
tur und die Malerei der genannten 4 Kulturkreiſe heran und zeigte
dann, daß Spengler die ägyptiſche Mathematik als
handwerks=
mäßig=praktiſch bezeichnet unter Uobergehung von Fehlern, die für den
praktiſchen Gebrauch nicht weſentlich ins Gewicht fallen, was Redner
unter Hinweis auf den Papyrus Rhind und Rechentafeln von
2500 v. Chr. erläuterte. Nur ſoweit das tätige Leben es erfordere (
Be=
wäſſerungsanlage, Feldverteilungen und Pyramidenbauten) kam die
ägyptiſche Mathematik zur Geltung. Die helleniſch apolliniſche
Mathe=
matik fordert das mathematiſche Experiment in Verbindung mit dem
Beweis; die Zahl iſt ihr das Weſen der Dinge, ihre Form ſchaffend, durch
ſcharfe Grenzſetzung für Strecken, Flächen, Körper (Euklid). Die
ara=
biſche (magiſche) Mathematik führt unbeſtimmte Größen ein und
Glei=
chungen mit mehreren Löſungen (diophantiſche). Die Zahl iſt von ihrer
ſinnlichen Gebundenheit befreit, die Arithmetik erweitert, und die
Algebra wird als Lehre von unbeſtimmten Größen geſchaffen. Die
Zahl beſteht alſo nicht mehr als feſtbegrenzter Wert, ſondern das
Grenz=
gefühl iſt anders als das helleniſche geworden. Die abendländiſche
fau=
ſtiſche Mathematik faßt die Dinge auf, wie ſie werden, ſich zueinander
verhalten und führt die Zahl als Funktion ein. Das führt zur
analy=
tiſchen Geometrie, Differentialrechnung und Funktionentheorie. Es iſt
die völlige Loslöſung von der optiſchen Konſtruktion, von der meßbaren
Strecke eingetreten. Der Begriff Funktion wäre einer ägyptiſchen,
helle=
niſchen oder arabiſchen Kulturwelt ganz unfaßbar geweſen. Dieſe
Aus=
führungen wurden durch Verleſung eines Auszuges aus dem
Spengler=
ſchen Buche erweitert und vertieft. Reicher Beifall der Anweſerden
lohnte die äußerſt intereſſanten und ſchönen Ausführungen des Herrn
Vortragenden. Nach einer entſprechenden Ausſprache und dem
Schluß=
wort des Herrn Redners und dem beſonderen Dank des Vorſitzenden
an dieſen wurde die anregende Zuſammen unft geſchloſſen.
Seite 6
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Nummer. 50
Aus Heſſen.
* Weiterſtadt, 18. Febr. Für die Bevölkerung von Weiterſtadt
dürfte es von größtem Intereſſe ſein, daß die Heag am Mittwoch, den
19. d. M., abends 8 Uhr, im Gaſthaus „Zum Löwen” einen
Werbe=
vortrag veranſtaltet, der ſicher wie überall zahlreiche Beſucher finden
wird. Der Redner; Herr A. Heß von der Werbeabteilung der Heag,
wird in ſeinen äußerſt intereſſanten Ausführungen das Thema
behan=
deln „Die Elektrizität in Haushalt, Gewerbe und Landwirtſchaft”,
ver=
bunden mit einer Anzahl intereſſanter und praktiſcher Vorführungen,
die den beſten Beweis erbringen dürften, daß die Elektrizitätsanwendung
große Arbeitserleichterungen und Zeiterſparniſſe ſchafft. Mit dem
Vor=
trag iſt ferner noch eine Filmvorführung mit Schallplattenkonzert
ver=
bunden. Eine Freiverloſung wird die glücklichen Gewinner in den
koſten=
loſen Beſitz eines praktiſchen elektriſchen Gegenſtandes ſetzen. Die am
Schluſſe des Vortrages zur Verteilung kommenden Koſtproben werden
die Zuhörer unbedingt von den großen Vorzügen des elektriſchen
Haus=
haltes überzeugen. Am Tage nach dem Vortrag, nachmittags von 3—6
Uhr, findet eine Sprechſtunde ſtatt, um nochmals Gelegenheit zu geben,
die reichhaltige Ausſtellung zu beſichtigen; auch können hierbei
Beſtel=
lungen aufgegeben werden, wobei die Käufer elektriſcher Apparate einen
ſonſt nicht üblichen Rabatt von 10 Prozent erhalten. Der Eintritt zu
dem Vortrag iſt frei. Um jedoch eine Ueberfüllung des Saales zu
ver=
meiden, kann der Zutritt Perſonen unter 16 Jahren nicht geſtattet werden.
Le. Groß=Umſtadt, 18. Febr. Frauenverein. Am Sonntag
fand unter ſtarker Beteiligung die Hauptverſammlung des hieſigen
Frauenvereins ſtatt, der die ſtattliche Zahl von 456 Mitgliedern
aufzu=
weiſen hat. Die Vorſitzende, Frau Pfarrer Loos, begrüßte die
An=
weſenden, und dankte vor allem den drei Schweſtern, die unermüdlich
im Dienſte chriſtlicher Nächſtenliebe tätig ſind. Nachdem Herr Pfarrer
Hartmann den Rechenſchaftsbericht verleſen hatte, berichtete Herr Pfarver
Thaer, als Rechner des Vereins, über den Stand der Kaſſe in dem
ab=
gelaufenen Vereinsjahr. Aus dem Bericht geht hervor, daß trotz der
notwendig gewordenen baulichen Veränderungen im Gemeindeſtift noch
ein barer Reſt von 85 Mark verblieb. Die mit dem Schweſternhaus
ver=
bundene Kleinkinderſchule wird von der Stadt unterhalten. Von ſeiten
der Schweſter Katharine und dem ſie unterſtützenden „Lutherröschen”
wurden rund 10 000 Krankenbeſuche gemacht. Dieſe Zahl iſt gewiß ein
beredtes Zeugnis von der ſegensreichen Arbeit, die von unſeren
Schweſtern geleiſtet wird. Infolge einer vorausgegangenen
eingehen=
den Prüfung der Rechnung durch Herrn Oberreallehrer Bernbeck konnte
dem Rechner, dem der Dank des Vereins ausgedrückt wurde, Entlaſtung
zuteil werden.
Bk. Groß=Zimmern, 18. Febr. Gemeinderatsſitzung. Die
Umzäunung des Sportplatzes findet einſtimmige Annahme. — Das
Kleidergeld für die Polizeibeamten wird erneut abgelehnt. — Zu Punkt
4, Gehaltsxegulierung der Gemeindebeamten, wurde die Mitteilung des
Kreisamts Dieburg zur Kenntnis gebracht, wonach kein Anlaß zur
Ab=
änderung der hieſigen Gemeindebeamtenbeſoldung vorliege. Auf
An=
trag des Landtagsabgeordneten Hch. Angermeier 5. ſoll bei dem
Kreis=
amt Djeburg angefragt werden, ob es in Anbetracht der kataſtrophalen
Lage der Gemeinde nicht möglich wäre, die im vorigen Jahre
vorge=
nommene Gehaltserhöhung rückgängig zu machen und niedere
Einſtufun=
gen vorzunehmen. — Der Antrag des Forſtamtes Dieburg, einen
Holz=
tag abzuſchaffen, wird mit Rückſicht auf die allgemeine Not abgelehnt.
— Das Kreisamt verlangt einen Vorſchlag zur Beſchaffung der Mittel
zur Ausführung des Beſchluſſes betr. Winterbeihilfe, der aber vorerſt
nicht gemacht werden konnte. Es ſollen deshalb vorerſt nur Beträge
nach den Richtlinien des Landtages ausbezahlt werden. — Die Anträge
der K.P.D.: 1. Der Gemeinderat proteſtiert gegen die vom Kreistag
und Ausſchuß beſchloſſenen unſozialen Waſſergeldſätze, 2. der
Gemeinde=
rat proteſtiert gegen den Beſchluß des Kreisausſchuſſes, daß ab 1. Juli
d. J. die Hausbeſitzer die ſämtlichen Anſchlußkoſten ſelbſt tragen ſollen
und verlangt, die Friſt um 1 Jahr zu verlängern, und 3. der
Gemeinde=
rat proteſtiert gegen die von der heſſiſchen Regierung geplanten
Be=
laſtungen der Gemeinden durch Beiträge zu den Lehrerbeſoldungen,
wer=
den angenommen. — Die Entlohnung der Holzentrinder wird auf
An=
trag von Gemeinderat Angermeier von 0,75 Mk. auf 1 Mk. erhöht.
In. Altheim, 18. Febr. 25 Jahre Freiwillige
Feuer=
wehr Altheim. Im Sommer vorigen Jahres waren es 25 Jahre,
daß unſere hieſige Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Man kam
allgemein zu dem vorbildlichen Entſchluß, in Anbetracht der ernſten
Zeit an Stelle eines rauſchenden Feſtes eine einfache Vereins= und
Fa=
milienfeier zu ſetzen. So beging nun die hieſige Freiwillige Feuerwehr
am vergangenen Sonntag in ſchlichter, aber ſchöner Weiſe ihr 25jähriges
Stiftungsfeſt. Den Feſttag leitete ein Kirchgang des Vereins (mit
Fahne) ein. Als Feſtpredigt wählte der Ortsgeiſtliche den Text des
Johannes=Evangeliums 13, Vers 34 und 35, aus. Er wies dabei auf
die hohe Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr hin, welche im
Hin=
blick auf ihren ſchönen Wahlſpruch: Gott zur Ehr, dem Nächſten zur
Wehr, nichts weniger tut, als das große Gebot des Herrn von der
Nächenliebe zu erfüllen. Am Abend fand im Gaſthaus des Kameraden
Friedrich Michael Funck eine Familienfeier ſtatt, wozu alle Ortsvereine
und ein großer Teil der Gemeindeglieder erſchienen waren. Während
der 1. Kommandant, Aug. Willmann, die Erſchienenen begrüßte, war
die eigentliche Feſtrede dem 2. Kommandanten, Chriſtian Jox,
über=
tragen worden, welcher in begeiſterter Rede vom Weſen des Vereins
und ſeiner Geſchichte ſprach und dabei in üblicher Weiſe die zwei
ge=
fallenen Mitglieder ſowie die verſtorbenen 5 aktiven und 7
Ehrenmit=
glieder ehrte. Während die Ortsvereine durch ihre Vorſitzenden der
Feuerwehr ihre Glückwünſche darbrachten, ſprach im Namen der ganzen
Gemeinde Pfarrer Scheid dem Verein den Dank für wiederholte
er=
folgreiche Hilfeleiſtung bei Feuersbrunſt und die beſten Wünſche für die
weitere Zukunft des Vereins aus. In dankenswerter Weiſe ſuchten die
Ortsvereine durch ihre ſchönen Darbietungen die Anweſenden zu
er=
freuen, wobei auch noch manches ſchöne Wort geſprochen wurde.
Ins=
beſondere ſeien hier die herzlichen Worte des früheren 1.
Kommandan=
ten Ad. Phil. Appel, der 20 Jahre lang die Wehr führte und ſich ſehr
verdient gemacht hatte, erwähnt. Im allgemeinen machte die harmoniſche
Feier tiefen Eindruck auf alle Teilnehmer.
In. Harpertshauſen, 18. Febr. Beim Verladen des
Gemeindeſtamm=
holzes auf Station Langſtadt geriet ein hieſiger junger Mann ſo
un=
glücklich zu Fall, daß ihm beide Handgelenke geſtaucht wurden. Doch
war bei dem Unfall noch großes Glück dabei, zumal man bedenken
muß, daß der Sturz von dem beladenen Eiſenbahnwagen aus erfolgte.
* Seckmauern, 18. Febr. Am 21. Februar feiert Marg. Maxrin,
geb. Beck, bei beſter Geſundheit im Kreiſe ihrer Angehörigen den 90.
Geburtstag. Trotz ihres Alters lieſt dieſelbe noch ohne Brille.
r. Babenhauſen, 18. Febr. Hohes Alter. Ihren 90.
Geburts=
tag beging am Dienstag die älteſte Bewohnerin unſeres Städtchens,
Frau Chriſt. Fendt 1. Witwe, geb. Mahla, im Kreiſe ihrer Kinder,
Enkel und Urenkel. Die Greiſin, der noch weiter ſonnige Tage
beſchie=
den ſein mögen, iſt noch ſehr rüſtig. — Der Dipl.=Handelslehrer A.
Krauß, Leiter einer kaufmänniſchen Privatſchule in Hanau, plant die
Eröffnung einer einjährigen Handelsſchule in Babenhauſen, zu
der Schüler aller Vorbildungsgrade, die ſich dem kaufmänniſchen
Be=
rufe widmen wollen, zugelaſſen ſind. — Die Bürgermeiſterei hat den
Wortlaut einer Ortsſatzung über die Bildung eines
Forſtbe=
iebsſtocks für den Wald unſerer Stadt zur öffentlichen Kenntnis
bracht. Dieſer wird in der Weiſe errichtet, daß ab 1. Oktober 1928
von dem erntekoſtenfreien Erlöſe aus dem Abtrieb der „Großen Heege‟
250 000 RM. dieſem Stock zugeführt werden. Der reſtliche, auf 130000
RM. geſchätzte Betrag ſteht der Stadt zwecks Schuldentilgung zur
Ver=
fügung. Der Forſtbetriebsſtock zerfällt in einen Ablöſungs=,
Betriebs=
reſerve= und Wiederaufforſtungsſtock. Der Ablöſungsſtock in Höhe von
120 000 RM. ſoll zur Ablöſung der Hälfte der Berechtigung an
Orts=
bürgerholz dienen. Die Zinſen des Betriebsreſerveſtocks ſollen der Stadt
als Erſatz für den Einnahmeausfall infolge Herabſetzung des regel=
(ßigen Jahreshiebſatzes zur Verfügung ſtehen. Der
Wiederauffor=
ngsſtock dient zur Wiederaufforſtung der Abrriebsflächen der „Großen
Jeege” und zur Anſchaffung einer Siemens=Bodenfräſe.
4x. Neuſtadt (Obdenw.) mit Burg Breuberg, 18. Febr. Der letzte
Strick= und Leſeabend des Frauen= und Jungfrauenvereins ſtand im
Zeichen froher Geſelligkeit. Im ſchönen Schwanenſälchen” hatte man
ſich zum „Kaffeekränzchen” eingefunden. Es kamen viele wohl an 70
Perſonen mögen es geweſen ſein. Und es darf wohl mit Recht geſagt
werden, daß ſie alle dabei auf ihre Rechnung kamen. Mit dem ſchönen
Volksliede „Im ſchönſten Wieſengrunde” wurde der feſtliche Abend
ein=
geleitet. Anſchließend begrüßte unſere liebe erſte Vorſ Frau Horn,
in poetiſcher Weiſe ihre vielen Getreuen. Es folgten Ueberraſchungen
der verſchiedenſten Art. Als erſte beſtieg unſere kleine unermüdliche
Vereinsdienerin den Rednerſtuhl. Ihr ungezwungener Dialektvortrag
erregte viel Heiterkeit. Der männliche Beirat, Pfarrer Strack, fand liebe
Worte der Freude und des Dankes für die Zuſammenarbeit, für das
Wirken und Streben des Vereins, nicht zuletzt ausklingend in der Liebe
für den ſchönen Odenwald. Dafür dankte man ihm mit dem Liede „Im
Odenwald bin ich daheim”. Und es floß das muntere Bächlein der
ver=
ſchiedenartigſten Unterhaltung immer weiter. Nach kurzer Pauſe ging
ein Einakter „Wie zwei in einer Nacht kuriert wurden” über die
be=
ſondere Bühne — und fand viel Gefallen. Und aus der Ecke floſſen
Dialktproben um die Wette. Nicht zuletzt „Der Zufall”, ein halb
melo=
dramatiſches Stückchen, war originell aufgemacht.
Ein Wintermorgen in Kranichſtein.
Von Gerhard Heſſe.
Fern im Oſten graut ſchon der junge Tag. Allmählich verliert der
Mond ſeinen matten Silberſchein, der glitzernden Sterne ehernes
Fun=
keln verblaßt, langſam weichen die alles umſpannenden Schleier der
kalten Winternacht, und dichte, blaugraue Nebelſchwaden dehnen ſich
aus. Noch herrſcht allerorts ein jiefes, geheimnisvolles Schweigen,
nur die rauhreifüberſponnenen Blätter der Jungbuchen flüſtern und
raunen geſpenſterhaft, wenn ſie der Frühwind mit ſeinem eiſigen Hauche
berührt. Weit hinten im aſchfahlen Dämmerdunkel des hohen Holzes
ruft ein Kauz tief und hohl; aber plötzlich lacht er gellend auf und
verſtummt jäh, denn dort drüben über den verſchwommenen Wipfeln
der düſteren Altfichten verkündet ein hauchzarter, rubinroter Schimmer
das Kommen der Sonne.
Wie ſchon ſo manchesmal, pirſche ich auch heute den ſchmalen,
hart=
gefrorenen Randpfad des breiten Holzabfuhrwveges entlang, hinunter
nach der weiten, birkenbeſtandenen Wieſe. Hier erwarte ich, an den
rauhen Stamm des alten Eichenüberhälters gelehnt, den Tag. Barſch
fährt der herbe Frühwind, durch die kahlen, rauhreifüberpuderten
Kronen und zerfetzt ruckweiſe die blau=weißen Nebelſchleier.
Endlich hat ſich die Sonne durch das grauſchwarze Wolkenmeer
durchgerungen, und majeſtätiſch hebt ſie ſich nun über die ſchlanken
Fichtenwipfel. Eben durchfluten ihre erſten roſaroten Zauberſtrahlen
den verſchlafenen Winterwald. Lodernde Flammenzeichen ſpielen
minutenlang unruhig auf der aſchgrauen, ſchwarzfleckigen Rinde der
glattſchäftigen Rotbuchen, huſchen gedankenſchnell über das fahle
Vor=
jahrslaub am Boden, laſſen hier und da ein lichtgrünes Moospolſter
grell aufleuchten, gleiten auf die ſchlank=ragenden Stämme der hohen
Lärchen und hüllen gleich darauf die riſſige, braungelbe Borke der
rauhknorrigen Kiefern bis hoch hinauf unter die rauhreifſtarrenden
Kronen in gleißendes Gold. War eben noch alles ſtill, ſo erhebt ſich
jetzt rings umher ein reges Leben und ein geſchäftiges Treiben.
Wie=
der ſind zuerſt die niedlichen ſchmucken Meiſen munter und beginnen
mit luſtig=lautem Geläute ihr emſiges Tagewerk. Unſtet geht es hin
und her, von Zweig zu Zweig, von Stamm zu Stamm. Ein
Buchfinken=
hähnchen lockt herriſch, eine Amſel zetert gellend, irgendwo tickt leiſe
ein Rotkehlchen, drüben über der großen Wieſe lärmen die Häher, und
aus dem mumen Altholz dringt das feurige Lachen eines Grünſpechtes.
Klein=Zaunkönig kommt eben aus ſeinem Holzſtoß hervor, blinzelt mich
ein Weilchen mißtrauiſch aus ſeinen klugen ſchwarzen Aeuglein an und
ſchnurrt dann hinüber in die niedere Weißdornhecke, die noch immer
mit ihren korallenroten, ſchwarzbemützten Beeren prahlt. Hier
ſchnit=
tert das winzige Kerlchen urvergnügt vor ſich hin und läßt darauf ſein
keckes, lebenſprühendes Liedchen hören. Ein Flug Krähen ſtreicht mit
rauhem Gekrächze unter dem hellblauen Morgenhimmel dahin.
Un=
aufhörlich gehen die Köpfe mit den klobigen Schnäbeln hin und her,
denn das ſchwarze Gelichter ſpäht ſcharf nach Beute aus. —
Der ganze Winterwald ſteht jetzt in Flammen. Ueberall ein
Flim=
mern und Glimmern, ein Lodern und Funkeln ohne Ende. Mit blan=
ken Augen beſtaune ich immer von neuem die zauberſchöne
Märchen=
pracht. Endlich verlaſſe ich meinen Platz an der alten Eiche und pirſche
über das gefrorene, wie von Diamanten überſäte Fallaub, tief hinein
in den ſonnendurchfluteten, rauhreifſtarrenden Winterwald. Ein
ſilber=
helles, glockenreines Lachen läßt mich urplötzlich zuſammenfahren: In
weitem Bogenflug kommt der Schwarzſpecht gerade auf mich zu und
hakt an einer freiſtehenden Kiefer feſt. Kurze Zeit hängt er
regungs=
los an dem rauhen Stamm. Prachtvoll ſchimmert ſein
ſchwarzglänzen=
des Federkleid und grell leuchtet ſeine rubinrote Haube im Glanze der
goldenen, Frühſonne. Jetzt biegt er den Kopf weit zurück und beginnt
ſein lautes Trommeln. Doppelt gibt es das Echo wieder. Nun macht
der rotbemützte Zimmermann eine Pauſe und lauſcht angeſtrengt, ob
ſich nichts unter der dicken Borke regt. Eben rutſcht er blitzſchnell auf
die andere Seite des Stammes, und ſofort erfüllt wieder ſein kraftvoller
Trommelwirbel die klare Winterluft. Doch der Stamm iſt kerngeſund,
denn plötzlich ſchwingt ſich der ſtolze Vogel ab und verſchwindet mit
einem verächtlichen Aufwiehern burrenden Fluges zwiſchen den
aſch=
grauen Stämmen.
Schon will ich weitergehen, da ſchnalzt und faucht es hiuter mir.
Behutſam drehe ich mich um. Zwei fuchsrote Eichkatzen treiben dort
an der großen Lärche ihr tolles Spiel. Wie ich ihren verliebten
Schnalz=
laut nachahme, halten beide ſofort ganz verdutzt inne und äugen mich
aus ihren großen, ausdrucksvollen Augen mißtrauiſch an. Doch dann
beginnen ſie von neuem ihre tolle Hatz, und ich gehe langſam weiter
durch den ſonnigen Märchenwald. Ein Alttier taucht zwiſchen den
Stämmen auf und zieht vertraut nach der Dickung. Weit hinten
zwi=
ſchen den blaugrün=ſchimmernden Tannen blitzt der blendend weiße
Spiegel eines Rehes auf, und iſt im nächſten Augenblick auch ſchon
wie=
der verſchwunden.
Ein Flug Dohlen erfüllt die Luft mit heiſerem Gekicher. — Halt,
was war das eben, rief da nicht ein Ringeltauber? Wahrhaftig. Dumpf
und hohl dringt ſein herriſcher Ruf zu mir herüber. Raſch lege ich
die verſchränkten Hände an den Mund, runde die Lippen und ſende
ihm einen ebenſo herriſchen Morgengruß hinüber. Jetzt ſchweigt er
eine Weile, doch dann legt er von neuem los. Kaum iſt ſein dumpfer,
ſchwer vernehmbarer Schlußlaut verklungen, ſo antwortete ich ihm
wieder. Noch dreimal rufe ich den blaugrauen Vogel an, noch dreimal
ertönt ſein dumpfes Heulen, dann bleibt er ſtumm.
Nun umſchlage ich die langgeſtreckte Fichtendickung, doch das
Rot=
wild iſt längſt von der Fütterung zurück und in die ſchützende Deckung
eingewechſelt.
So trete ich denn den Heimweg an und genieße noch einmal in
vollen Zügen den prachtvoll ſonnigen Wintermorgen mit ſeiner ganzen
märchenhaften Zauberpracht.
a. Aus dem Klinger Tälchen, 18 Febr. Man ſchreibt uns: In
unſerem Tälchen beſteht eben eine Poſthilfsſtelle zu Ober= und eine
Poſtagentur zu Nieder=Klingen. Die Reichspoſt erwägt nun, den
Poſt=
betrieb dieſer Orte zu verkraften und ſie von Höchſt im Mümlingtal
über Haſſenroth und Hummetroth, alſo über den dritten Zug des
Odenwaldes, poſtaliſch verſorgen zu laſſen. Die Poſtagentur in Nieder=
Klingen ſoll Poſthilfsſtelle werden, und die Zuſtellung der Poſtſachen
ſoll Ortsanſäſſigen in Auftrag gegeben werden. Die Poſtagentur in
Lengfeld ſoll von den Neuerungen unberührt bleiben. In Höchſt ſoll
die Stelle eines Poſtmeiſters, in diejenige eines Oberpoſtmeiſters
umge=
wandelt werden. Einwohner der Orte Ober= und Nieder=Klingen, die
ſtärkeren Poſtverkehr haben, haben ſich bei der Oberpoſtdirektion
be=
reits gegen dieſen Plan ausgeſprochen. Man wünſcht auch im Laufe der
Poſt eine möglichſt raſche Verbindung mit der Landeshauptſtadt, fürchtet
eine mindeſtens weniger raſche Zuſtellung der Poſtſachen und vielleicht
auch ein weniger ſtrenges Hüten des Poſtgeheimniſſes. Es darf noch
darauf hingewieſen werden, daß die Reichspoſt über unberechtigte
Auf=
blähung der poſtaliſchen Einrichtungen in unſeren Orten in der
Nach=
kriegszeit kaum zu klagen haben dürfte. Wir hatten ſchon vor dem
Kriege täglich zweimal Beſtellung und müſſen uns nun mit einmal
täglich zufriedengeben. Hier kann demnach nur um= und abgebaut
wer=
den, was ſchon lange vor dem Kriege beſtand. Unſere Poſt lief
ehe=
mals einmal über Reinheim, und in der Zuleitung von Höchſt aus iſt
kein Fortſchritt zu erblicken. Wenn aber auch bei uns noch mehr
ge=
ſpart werden muß und eine Aenderung des Poſtverkehrs unſerer Orte
nicht zu umgehen iſt, ſo wäre die Poſtverbindung wieder über
Rein=
heim gegenüber Höchſt auf alle Fälle als kleineres Uebel anzuſprechen.
Afe
mit Mentol
gegen
Husten, Heiserkeit
Cd. Michelſtadt, 17. Febr. Schützengeſellſchaft 1883 e. V.
Die Generalverſammlung der Schützengeſellſchaft e. V. 1883 Michelſtadt,
die ſich eines zahlreichen Beſuches erfreute, fand am vergangenen
Frei=
tag im Lokal zur Einhardsklauſe ſtatt. Vor Eintritt in die
Tages=
ordnung wurde das Andenken des durch Tod ausgeſchiedenen Herrn
Kahles geehrt. Herr Oberſchützenmeiſter Dr. Völker berichtete ſodann
über die Beſchlüſſe der Generalverſammlung der O.S.V. am 9.
Fe=
bruar in Darmſtadt und gab ſodann der Freude Ausdruck, daß
An=
träge und Vorſchläge der Schützengeſellfchaft Michelſtadt hierbei faſt
aus=
nahmslos Annahme fanden. Die nächſte Tagung der Odenwälder
Schützenvereinigung findet in Babenhauſen ſtatt, das Verbandsſchießen
1930 wird in Sprendlingen, die Mannſchaftskämpfe in Groß=Umſtadt
zum Austrag kommen. Der Schriftführer Herr Reubold erſtattete den
Jahresbericht. Mit Worten des Dankes ſeitens des Herrn
Oberſchützen=
meiſters finden die trefflichen Ausführungen ohne weiteren Zuſatz
An=
nahme. Der von Herrn Rechner Keidel erſtattete Kaſſebericht läßt
er=
freulichenweiſe eine weitere günſtige Entwicklung der finanziellen Lage
der Geſellſchaft erkennen. Die von Herren Bauer und Kiehl
durchge=
führte Rechnungsprüfung ergab keinerlei Anſtände und erteilte der
Oberſchützenmeiſter unter Worten der Anerkennung für die
muſter=
gültige Kaſſeführung dem Rechner Entlaſtung. Im Laufe des Jahres
erfolgten 26 Aufnahmen und 6 Austritte, gewiß eine Tatſache, die dafür
ſpricht, daß die Geſellſchaft in die Epoche einer günſtigen
Aufwärtsent=
wichlung getreten iſt. Herr Max Bauer berichtete ſodann an Hand der
Einträge in die Schießbücher über die techniſche Entwicklung des
Saal=
ſchießens und ſtellt mit Genugtuung feſt, daß eine ſtete Steigerung der
Schießleiſtungen aller Teilnehmer erkennbar iſt. Nach Erledigung
einiger weiterer Punkte ergriff Herr Oberſchüitzenmeiſter Dr. Völker das
Wort und dankte in warmen Worten allen denen, die ſich um die
För=
derung der Intereſſen der Schützengeſellſchaft verdient machten. Einen
Rückblick auf die Entwicklung der Geſellſchaft ſeit Errichtung der neuen
Schießſtände werfend, erklärte er in klarer Weiſe alle Maßnahmen und
Veranſtaltungen die geeigner waren, die Geſellſchaft techniſch ſowohl
als auch geſellſchaftlich an die Stelle zu bringen, an der ſie heute ſteht.
Der Herr Oberſchützenmeiſter erinnerte an die ſchönen Stunden der
Saalſchießabende, an die netten Uebungsſchießen auf den neuen
Stän=
den bei Stockheim, die traditionelle Metzelſuppe bei Schützenbruder
Gott=
lieb Schmucker und nicht zuletzt an die ſeit einigen Jahren gelegentlich
ber Preisverteilungen abgehaltenen bunten Schützenabende. Die am
25. Januar dieſes Jahres im Gaſthaus zu den 3 Haſen durchgeführte
Preisverteilung des Saalpreisſchießens, verbunden mit Tanz und
reich=
lich buntem Beiprogramm verlief wiederum in ſtimmungsvollſter und
harmoniſchſter Weiſe und führte der Geſellſchaft eine ſtattliche Anzahl
neuer Mitglieder zu. Herr Oberſchützenmeiſter Dr. Völker ſchließt mit
dem Wunſche, daß der Schützengeſellſchaft eine weitere günſtige
Auf=
wärtsentwicklung beſchieden und ein ungetvübter Sportgeiſt erhalten
bleiben möge. Nachdem Herr Schriftführer Reubold namens der
Gene=
ralverſammlung Herrn Oberſchützenmeiſter Dr. Völker in herzlichen
Worten den Dank für die zielbewußte Führung und Leitung der
Ge=
ſchicke der Geſellſchaft erſtattet hatte, ſchloß Herr Dr. Völker um 11,55
Uhr die Verſammlung einig mit allen Teilnehmern in dem Beſwußtſein,
ein Vereinsjahr zum Abſchluß gebracht zu haben, das in der Geſchichte
der Schützengeſellſchaft e. V. 1883 Michelſtadt als ſbedeutungsvoller
Ab=
ſchnitt zur Weiterentwicklung gelten wird.
er. Brensbach, 18. Febr. Nächſten Sonntag, den 23. Februar (
Sexa=
geſimä), feiern die Eheleute Adam Schröder und Frau Eliſabeth, geb.
Vogel, von hier im Kreiſe ihrer ganzen Nachkommenſchaft das Feſt der
goldenen Hochzeit. Beide Jubilare im Alter von 73 und 75 Jahren
er=
freuen ſich noch körperlicher, friſcher Geſundheit. — Bei der im Gaſthaus
zur Poſt ſtattgefundenen Holzverſteigerung der Oberförſterei Neuſtadt
in den fiskaliſchen Waldungen Böllſtein und Wallbach kann man
feſt=
ſtellen, daß die gebotenen Preiſe a er Klaſſen erheblich niedriger ſind
gegen die der Voxjahre.
er, Brensbach, 17. Febr. Sparverein=
Jahreshaupt=
verſammlung. Vertretungsweiſe eröffnete der 2. Vorſitzende König
die Verſammlung und erteilte dem Rechner Heiland das Wort zur
Be=
kanntgabe des Jahres= und Rechenſchaftsberichtes. Die Jahresrechnung
ergab einen Ueberſchuß von 35 Mark und iſt mithin ein
Geſamtüber=
ſchuß von 510 Mark zu verzeichnen. Aus dem Bezug von 2200 Zentner
Briketts und 1500 Zentner Kohlen iſt erſichtlich, daß die Frachtunkoſten
den gleichen Betrag aufweiſen als der Einkaufspreis der Kohlen. Als
Lieferant der Kohlen wird die ſeitherige Firma Schneider=Darmſtadt
beibehalten.
* Breitenbrunn, 18. Febr. Der Witwe Michael Krall (Handlung)
wurde vom 9. auf 10. Februar ein Betrag von 100 Mark von einem
Dienſtknecht geſtohlen. Die Polizei hat den Dieb aber ſchnell abgefaßt.
— Der Kleinkaliber=Schützenverein ſoll nach längerem Brachliegen
wie=
der in Tätigkeit treten. Hoffentlich entfaltet ſich dieſer ſchöne Sport
wieder zu voller Blüte. — Der Arb.=Geſangverein feiert das Feſt
ſeines 25jährigen Beſtehens am 15. und 16. Juni.
A. Rimbach, 18. Febr. Gemeinderatsbericht. In der
letz=
ten Gemeinderatsſitzung wurden die Zahlungsbedingungen für die
Holz=
verſteigerungen im Gemeindewald feſtgeſetzt. Den Steigerern wird für
Nutz= und Brennholz gegen Stellung ſicherer Bürgſchaft zinsloſer Kredit
bis 1. Oktober 1930 gewährt; von da ab werden 10 Prozent Zinſen
gerechnet. Außerdem wurde die probeweiſe Aufſtellung von
Waſſer=
meſſern der Firma Koch von Frankenthal im Faſelſtall und bei
Kauf=
mann Weichſel genehmigt. Bei dem Arbeitsamt Weinheim ſoll wegen
Kontrolle der Arbeitsloſen Vorſtellung erhoben werden. Sie ſoll wie
früher vorgenommen werden.
A. Schlierbach, 18. Febr. Generalverſammlung des
Kriegervereins. 1. Protokollverleſung und Rechnungsablage für
1929. Beide wurden gutgeheißen und dem Rechner Entlaſtung erteilt.
2. Der Gefallenengedächtnistag am 16. März wird durch Kirchgang,
an den ſich eine kleine Nachfeier mit Kranzniederlegung am
Krieger=
ehrenmal anſchließt, gefeiert. 3. Es liegen mehrere Einladungen zu
Jubiläumsfeiern von Kriegervereinen vor, von denen die des
Krieger=
vereins Ellenbach angenommen wird. 4. Der Schützenabteilung wird
ein Kredit bis zu 100 Mark eingeräumt, damit die noch fehlenden.
Aus=
ſtattungsgegenſtände angeſchafft werden können. 5. Für 25jährige
Mit=
gliedſchaft werden den Mitgliedern Joſeph Gehbauer=Glattbach, Simon
Gehbauer=Seidenbuch, Nikolaus Bauer und Georg Rettig, Schlierbach,
und Joh. Georg Hübner=Eulsbach, Ehrentafeln überreicht. 6. Es wird
beſchloſſen, den Frühjahrsbezirkstag des Haſſiabezirkes Bensheim am
25. Mai in Ellenbach möglichſt zahlreich zu beſuchen, damit die
Mit=
glieder einen Einblick in die Tätigkeit des Bezirkes bekommen.
Ce. Seeheim, 17. Febr. Dierſchutzvortrag. Vor einem
nicht übergroßen, wohl aber ſtark intereſſierten Kreiſe ſprach Herr
Lehrer i. R. Vonderheit=Darmſtadt an Hand von Lichtbildern
über „Schutz der Singvögel”. Aus dem lehrreichen Vortrage geben
wir folgendes wieder: Nicht nur aus wirtſchaftlichen Gründen ſollten
wir die gefiederten Sänger ſchützen, wenngleich ihr Nutzen ganz
bedeu=
tend iſt. Frißt doch z. B. die Meiſe täglich bis tauſend Inſekten, die
dem Obſtbau ſchaden. Bei dem allgemeinen Käferfraß im Jahre 1905,
der in ganz Deutſchland die Wälder heimſuchte, fand man, daß drei
Waldbezirke, in denen man bewußt die Vögel ſchützte völlig verſchont
blieben. Auch Falken und Eulen ſind zu ſchonen. Wer ſie bekämpft,
begeht nicht allein eine Dummheit und Roheit, ſondern macht ſich
ge=
ſetzlich ſtrafbar. Nach Anſicht des Ornithologen Frhrn. v. Berleßſch in
Thüringen ſollte man die Singvögel ſchützen, um der Natur ihre
Eigen=
art und Schönheit zu erhalten, und ſich ſomit in den Dienſt der
Heimat=
pflege ſtellen. Der richtige Vogelſchutz ſucht den Tieren ihre
Lebens=
bedingungen zu erhalten durch Rückgabe der geraubten Niſtgelegenheiten:
man ſoll nicht Hecken und Sträucher ohne zwingenden Grund entfernen.
Wohl aber kann man in Gärten, Parkanlagen und Wäldern durch ſog.
Quirlſchnitte, Zuſammenbinden von Aeſten und Anbringung von
Niſt=
höhlen, deren Oeffnungen nie nach der Wetterſeite gehen dürfen, für
Niſtgelegenheit ſorgen. Starkſtromleitungen ſind gefährliche Gegner der
Vögel, fand man doch zwiſchen 36 Leitungsſtangen 83 tote Vögel. Froſt
und Schnee, namentlich Rauhreif und Glatteis, ſind Gefahren, denen
man durch richtige Winterfütterung begegnen kann, da z. B. die
Mei=
ſen nicht länger als 16 Stunden hungern können. Waſſertränken ſind
nicht nötig, warmes Waſſer wird deshalb gefährlich, weil es zum Baden
verleitet und die Tiere dann erfrieren können. Schon im Herbſt ſollte
man die Vögel an die Futterplätze locken. Katzen und Spatzen ſind
fern=
zuhalten, wenn ſie nicht die Sänger vertreiben ſollen. Nachdem dem
Redner noch verſchiedene Fragen vorgelegt worden waren, dankte ihm
Herr Pfarrer Marguth mit herzlichen Worten und wies nochmals
be=
ſonders auf die gemütbildende Seite des Vogelſchutzes hin.
Ci. Zwingenberg, 17. Febr. Opfer der Arbeit. Im hieſigen
Steinbruch der Firma Rüth und Reinmuth war der Steinhauer
Jo=
hann Fieberling beim Einſpannen der Pferde behilflich und ſtand hinter
dem Sattelvferd zwiſchen Waage und Vorderrad, als im ſelben
Augen=
blick das Nebenpferd anzog und dem Unglücklichen ein Bein faſt
ab=
drückte. Der Schwerverletzte wurde auf einer Leiter ins Städtchen
getragen und dann mittels Auto ins Krankenhaus nach Bensheim
trans=
portiert.
Bb. Bensheim, 17. Febr. Mit dem heutigen Tage wurde mit dem
obligatoriſchen Beſpritzen der Obſtbäume zwecks Vertilgung der
Obſt=
ſchädlinge in der Gemarkung Bensheim begonnen. Zu dieſem Zweck
hat die Landwirtſchaftskammer unſerem Kreiſe eine fahrbare
Motor=
ſpritze geſtellt, deren Bedienung durch Beauftragte der Stadt erfolgt.
Die Spritzflüſſigkeit beſteht aus Karbolineum=Emulſion. Die
Motor=
ſpritze geſtattet mühelos eine gründliche Beſpritzung ſelbſt hoher Bänme.
Zurzeit werden die gemeinbeitlichen Obſtbäume an den Straßen, zugleich
aber auch die erreichbaren Obſtbäume privaten Beſitzes wirkſam mit der
Spritze behandelt. Bekanntlich hat die Stadt Bensheim analog dem
erfolgreichen Vorgehen anderer obſtbautreibenden Gemeinden die
obliga=
toriſche Schädlingsbekämpfung durch eine Polizeiverordnung eingeführt.
Die Beſpritzung mit Karbolineum erfolgt ſeitens der Stadt koſtenlos.
Nummer 50
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Seite 7
Von der Maſſenlebenshaltung in Deutſchland
Wie ſteht es um die Lebenshaltung der breiten Volksſchichten in
Deutſchland? Insbeſondere alſo der Arbeitnehmer? Material für eine
einigermaßen zuverläſſige Beantwortung dieſer Frage iſt kaum
vor=
handen. Auch die moderne Statiſtik mit ihren vielfach ausgebauten und
verfeinerten Hilfsmitteln gibt uns nur wenig exakte Unterlagen an die
Hand. Wohl ſind Produktion, Handel und Verkehr in
wei=
tem Umkreiſe ſtatiſtiſcher Beobachtung unterworfen; der private
Haushalt jedoch iſt, trotz manchen wertvollen Ermittlungen der
letzten Zeit, in gewiſſem Sinn immer noch Neuland für die ſtatiſtiſche
Forſchungsarbeit. Auch die neue, vom Statiſtiſchen Reichsamt
durchge=
führte Erhebung von privaten Haushaltsrechnungen vermag kein
ge=
treues Spiegelbild des Lebensſtandards der Arbeitnehmer in
Deutſch=
land zu vermitteln. Sie liefert jedoch wertvolle Anhaltspunkte über
die Haushaltsführung eines Teiles, der deutſchen
Arbeitnehmer=
ſchichten. Ein Jahr lang — von März 1927 bis Februar 1928 — haben
über zweitauſend beſonders ausgewählte Haushaltungen alle ihre
Ein=
nahmen und Ausgaben ſorgfältig gebucht. Die Haushaltsbücher ſind
dann ſtatiſtiſch aufgearbeitet worden, 896 ſolcher Wirtſchaftsrechnungen
wurden der Aufſtellung tabellariſcher Ueberſichten über die
Arbeiter=
haushaltungen zugrunde gelegt.
Um den Ausgangspunkt der folgenden Durchſchnittsberechnungen
zu kennzeichnen: die beobachteten Arbeiterhaushaltungen ſetzen ſich
durchſchnittlich aus 4,2 Köpfen zuſammen, darunter befinden ſich 18
Kinder unter 15 Jahren. Durchſchnittlich haben dieſe Haushaltungen
3 325 RM. jährlich zu verzehren, wobei allerdings zu berückſichtigen iſt,
daß in dieſer Summe auch z. T. Verdienſte der Ehefrau und
Erwerbs=
tätiger Kinder enthalten ſind. Wie wird dieſer Betrag verwendet?
1507 RM. oder 45,3 Prozent des Geſ mtbetrages werden für
Nahrungs= und Genußmittel ausgegeben. An zweiter
Stelle ſtehen die Ausgaben für Bekleidung und Wäſche mit
423 RM. jährlich (12,7 Prozent des Geſamtbetrages), an dritter Stelle
folgt die Wohnungsmiete mit 333 RM. (10 Prozent), dann kommt die
große Gruppe der ſonſtigen Lebensbedürfniſſe.
Darun=
ter ſind noch zu nennen: für Körper= und Geſundheitspflege rund 46
RM. (1,4 Prozent) für Bildung 65 RM. (2 Prozent), für Vergnügen
und Erholung 67 RM. (2 Prozent). Von dem reſtlichen Teil des
Ein=
kommens, der nicht unmittelbar Verbrauchszwecken dient, wird ein
kleiner Teil, nämlich eine Summe von 43 RM. oder 13 Prozent des
Geſamtbetrages erſpart.
Betrachten wir den Verbrauch an Nahrungs= und Genußmitteln
genauer:
Der durchſchnittliche Jahresverbrauch an wichtigen Nahrungs= und
Genußmitteln im Arbeiterhaushalt:
... 17,9 Kg. 73,5 Sonſtige Fette ..." 55,4 „ 95,1 Kartoffeln.
... 507,8 67,1 Eier (472 Stück).
Nährmittel (Mühlenfabrikate uſw., 23,6 „ 58,4 Reis und Hütlſenfrüchte). 81,1 58,7 Gemüſe
. 1273 55,9 Obſt und Südfrüchte ...... 962 55,3 Zucker ........" 53,6 384 Fiſche
.. 212 20,9 Schokolade und ähnliches 40 „ 14,0
Am teuerſten wird für den Haushalt alſo die Deckung des
not=
wvendigen Fleiſchbedarfs. An zweiter Stelle erſt ſind die Ausgaben für
Brot, an dritter die für Milch zu finden. Wertmäßig ins Gewicht fallen
auch die Ausgaben für Butter und andere Fette. Kartoffeln, die
mengenmäßig an erſter Stelle zu nennen ſind, ſtehen wertmäßig weiter
zurück. Der Bierverbrauch iſt in den einzelnen Gegenden Deutſchlands
ſehr verſchieden. Unter den 896 Arbeiterhaushaltungen befinden 84
baheriſche Familien, die durchſchnittlich 363 Liter Bier je Haushaltung
verbrauchen gegen 104,2 Liter im Geſamtdurchſchnitt.
So intereſſant dieſe Ergebniſſe im einzelnen auch ſein mögen —
Schlußfolgerungen auf die allgemeine Lebenshaltung der breiten
Ar=
beitnehmerſchichten in Deutſchland kann man daraus nicht ohne weiteres
ziehen. Die vielfachen Schwierigkeiten und Gefahren, die die
ungün=
ſtige Wirtſchaftlage namentlich für die Arbeiterhaushaltungen mit ſich
bringt, ſpiegeln ſich in dieſen Ziffern nicht wider. Von den Wirkungen
der Arbeitsloſigkeit und Kurzarbeit beiſpielsweiſe, die ja zeitweiſe
Maſſenſchickſal geworden iſt, auf den Lebensſtandard berichtet dieſe
Statiſtik nichts. Denn ſie erfaßt nur Haushaltungen, die einigermaßen
ſtetige, durch konjunkturelle Erſchwerniſſe nicht beeinträchtigte
Lebens=
führung aufweiſen. Man wird daher den Durchſchnittshaushalt, der
ſich hier widerſpiegelt, ſchwerlich als typiſch für die Lebensverhältniſſe
der deutſchen Arbeiterſchaft anſehen können, umſo weniger, als dieſer
Durchſchnittshaushalt über Einnahmen verfügt, die ein beträchtlicher
Teil der Arbeitnehmerſchaft nicht zu verzeichnen hat.
Bt. Auerbach, 17. Febr. Notſtandsarbeiten in der
Ge=
meinde. Um den Aubeitsloſen der Gemeinde Arbeits= und
Verdienſt=
möglichkeiten zu ſchaffen, läßt die Gemeindeverwaltung zurzeit
Not=
ſtandsarbeiten durchführen. Auf dem der Gemeinde gehörigen Gelände
am Margarethenbeig werden die Straßen planmäßig angelegt, was
Erd=
apbeiten in größerem Umfang erforderlich macht. Gegen Ende der
letzten Woche waren daſelbſt 19 Evwerbsloſe beſchäftigt. Die ganze
Arbeit iſt den Maurermeiſtern Chriſtian Riebel, Friedrich Jakob und
Karl Lahr als Unternehmer vergeben. Um Unſtimmigkeiten bei der
Lohnbemeſſung zu ſteuern, wurde in der letzten Gemeinderatsſitzung von
der ſozialdemokratiſchen Fraktion der Vorſchlag gemacht, eine gemiſchte
Kommiſſion zu bilden, wodurch die Gemeinde Einfluß gewinnen ſoll auf
die Entlohnung der Arbeitnehmer. Die von der Gemeinde
bereitge=
ſtellten Mittel bclaufen ſich auf 15 000 RM.
Bt. Bensheim, 17. Febr. Kreisobſtbauverband. Der
Vor=
ſtand des Kreisobſtbauverbands hielt am vergangenen Mittwoch eine
gemeinſame Sitzung mit den Vorſitzenden der örtlichen, Obſt= und
Gartenbauvereine im Sitzungsſaal des Kreisamtes ab. Herr
Kreis=
direktor Reinhardt legte nach der Begrüßung die Gründe dar, warum
die heutige Tagung im kleineren Kreiſe für die zu beſprechenden Punkte
zweckdienlicher ſei, als die bevorſtehende Hauptverſammlung. In die
Tagesordnung eintretend, verlas er ein Rundſchreiben des
Landesver=
bandes, worin die Schaffung einer Konjunktur=Nachrichtenſtelle und
Marktberichterſtattung für den Kreis Bensheim empfohlen wird. Herr
Obſtbauinſpektor Behne gab in ſeinen Ausführungen ſodann Aufſchluß
über den Aufbau dieſer Organiſation ſowie deren Tätigkeit. Als Melder
wurden nachſtehende Perſonen namhaft gemacht: für Seeheim Herr
Waßmuth, für Zwingenberg Herr Mahr, für Auerbach Herr Adam
Scherer, für Groß=Rohrheim Herr Bürgermeiſter Olf, für Lampertheim
Herr Genoſſenſchaftsdirektor Kärcher, für Schwanheim Herr
Bürger=
meiſter Wagfahrt, für Gronau Herr Martin Steffan, für Gadernheim
Herr Baumwart Mayer, für Lindenfels Herr Trillig, für Bensheim
Herr Güterverwalter Wenz, für Ober=Beerbach Herr Deggert und für
Reichenbach Herr Bürgermeiſter Mink. Dieſen Herren gehen von der
Landwirtſchaftskammer Richtlinien zu, nach denen ſie ihre Tätigkeit
auszuüben haben. Von Herrn Scherer, dem Vertreter der Bergſträßer
Obſtbau= und Verwertungsgenoſſenſchaft in Auerbach, wurde auf die
Notwendigkeit hingewieſen, daß die Landes=Konjunktur= und Nachrichten=
Stelle bei der Landwirtſchaftskammer es ſich angelegen ſein laſſen müſſe,
täglich frühzeitig die Frankfurter Großmarktpreiſe an die Melder und
Genoſſenſchaften hinauszugeben. Auch ſollten die Melder zu
gegen=
ſeitiger geeigneter Auskunft und Orientierung miteinander in
Verbin=
dung treten. Sodann gab Herr Inſpektor Behne Aufſchluß über den
Stand der Schädlingsbekämpfung im Kreiſe; mit der planmäßigen
Arbeit gehe es ſehr langſam voran. Auf Grund eines Ortsſtatuts iſt
nur in Bensheim, Lampertheim und Zwingenberg die zwangsweiſe
Durchführung der Schädlingsbekämpfung gewährleiſtet, wo in dieſem
Jahre nun die Beſpritzung mit Hilfe einer fahrbaren Motorbaumſpritze
durchgeführt wird. Außerdem ſtehen im Kreiſe nun noch 5 fahrbare
handbetriebene Spritzen zur Verfügung. Herr Behne begründete
ein=
gehend die Notwendigeit der planmäßigen Beſpritzung und hält hierbei
als äußerſte Maßnahme für erforderlich, daß innerhalb dreier Jahre
mit Karbolineum (als Reinigungsmittel), dann mit Solbar= oder
Schwefelkalkbrühe und ſchließlich mit einem Arſenmittel geſpritzt werden
müſſe und davon dürfe man ſich nicht aus ängſtlichen
Sparſamkeitsgrün=
den abbringen laſſen. Herr Kreisdirektor Reinhardt empfiehlt, in den
Gemeinden auf eine Einbringung eines Ortsſtatuts hinzuwirken, da von
ſeiten der Kreisverwaltung eine derartige Zwangsmaßnahme nicht
hin=
ausgehen könne. Nach dem Bericht des Herrn Inſpektors Behne ſteht
es mit dem planmäßigen Umpfropfen im Kreiſe etwas beſſer. Er
emp=
fiehlt die Fortſetzung dieſer Arbeiten. Als Zeitpunkt der Abhaltung
der Kreishauptverſammlung wurde ein Sonntag in der erſten Hälfte
des Monats März in Ausſicht genommen. Vom Verband der heſſiſchen
landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften ſoll ein Vertreter gewonnen,
wer=
den, der über den genoſſenſchaftlichen Abſatz im Obſt= und Gemüſebau
ſprechen wird. Auch wurde vom Vorſitzenden die Veranſtaltung einer
Verloſung anläßlich dieſer Hauptverſammlung in Ausſicht geſtellt.
— Bensheim, 18. Febr. Die Bensheimer „Fortſchrittliche
Arbeits=
gemeinſchaft” veranſtaltet am Donnerstag, 20. Februar, im großen
Saale des „Deutſchen Hauſes” eine große öffentliche Volksverſammlung.
Als Programm des Abends wurde das Thema: „Heſſens Finanznot —
Heſſens Wirtſchaftsnot — Heſſens Zukunft” gewählt. Als Referent
wurde der Abgeordnete des Heſſiſchen Landtags Dr. Leuchtgens,
Beige=
ordneter der Stadt Friedberg, gewonnen. Zu der öffentlichen
Ver=
ſammlung iſt die geſamte Bürgerſchaft des Kreiſes Bensheim
freund=
lichſt eingeladen.
4d. Horchheim, 18. Febr. Waſſerleitung. In Anweſenheit
von Regierungsrat Jourdan, Baurat Jakob und Euler, Vertreter der
Rheinelektra und der Firma Wagenbrünner fand die offizielle
Ueber=
gabe der Waſſerleitung an die Gemeinden Horchheim und Weinsheim
ſtatt. Bei dieſer Gelegenheit wurde mitgeteilt, daß der Voranſchlag nicht
überſchritten wurde.
g. Gernsheim, 17. Febr. Gemeinderatsbericht. Das
Er=
gebnis der Jagdverpachtung am 6. Februar 1930, wonach für die geſamte
Feld= und Waldjagd nur 3100 RM. geboten waren, wurde ſeinerzeit
vom Gemeinderat nicht genehmigt. In der am Freitag ſtattgefundenen
Sitzung mußte ſich das Gemeinderatskollegium mit dieſer einſchneidenden
Frage nunmehr beſchäftigen. Die Taxe, die vom Forſtamt Gernsheim
für den ganzen Jagdkomples feſtgeſetzt war, bezifferte ſich auf 6210 RM.
Ueberraſchenderweiſe wurde im Gemeinderat eine Einſtimmigkeit
er=
zielt dahingehend, die geſamte Jagd an den Meiſtbietenden der letzten
Verſteigerung auf die Dauer von neun Jahren aus freier Hand zu
ver=
pachten. Mit dem in Frage kommenden Jagdherren wurden ſofort
Verhandlungen aufgenommen und beide Parteien einigten ſich auf den Friedhof gefahren wurde. Von da ging es unter Führung von König
jährlichen Pachtpreis von 6600 RM. In dem Pachtpreis iſt auch das
Mitbenutzungsrecht der beiden Jagdſchutzhütten im ſüdlichen und
nörd=
lichen Waldrevier einbegriffen. Die freihändige Verpachtung bedarf
jetzt nur noch der Genehmigung des Miniſteriums des Innern, die aber
anſtandslos erteilt werden wird, zumal man mit dem Erlös in Anbetracht
der kritiſchen Zeitumſtände und dem Ueberangebot von Jagden
zu=
frieden ſein kann. — Mit den auf dem Himſchlinggelände beſchäftigten
Arbeitern wurde ſeinerzeit eine Arbeitsordnung vereinbart. Der 8 4
dieſer Arbeitsordnung wurde in der Sitzung in Anbetracht der von dem
von 75 Pfg. pro Kubikmeter Aushub auf 90 Pfennig erhöht. Die be= liebenswürdiger Weiſe die neu eingerichtete Milchkühlanlage ſowie die
antragte Anſchaffung eines Ofens für das Dienſtzimmer des
Amts=
gerichtsrats, ſowie die Inſtandſetzung dreier Räume wurde beſchloſſen. Kranichſtein nach Arheilgen zum Gaſthof Erzgräber, wo man noch einige
Der Koſtenaufwand für die innere Inſtandſetzung iſt jedoch im
Rech=
nungsjahre 1930 in Ausgabe zu ſtellen. Der Inhaber des Unionlicht=
ſpieltheaters, Karl Werner ſowie die vier hieſigen Saalbeſitzer waren
wegen Ermäßigung der Vergnügungsſteuer eingekommen. Einſtimmig
lehnte der Gemeinderat das geſtellte Anſinnen ab. Dem Geſuch des
Kanzleiaſſiſtenten Jakob Märten um Zuſtimmung der beantragten
Löſchungsbewilligung, ſowie den Eingaben des Landwirts Heinrich
Sebaſtian Grüll und Anton Michael Kauth Witwe, dahier, auf
Er=
teilung von Vorrangseinräumungen wurde ſtattgegeben. Die
Wohnungs=
angelegenheit des vor kurzem hier zugezogenen praktiſchen Zahnarztes
Dr. Wilhelm Gorenflo wird als erledigt betrachtet, ſobald der
Geſuch=
ſteller die Stellung einer Erſatzwohnung garantiert hat. Die von der
Chemiſchen Fabrik Buckau für Gernsheim käuflich erworbenen
Grund=
ſtücke werden auf Beſchluß des Gemeinderates nunmehr zur öffentlichen
Verpachtung ausgeſchrieben. Die vorgelegten Ackerüberſchreibungen und
Allmendüberweiſungen fanden Genehmigung. Vor Eintritt in die
nicht=
öffentliche Sitzung, in der Stundungs= und Unterſtützungsgeſuche und
dergleichen behandelt wurden, kam der Punkt bzw. Antrag des
Ord=
nungsblocks auf Zuteilung der Gemeinde Gernsheim zum Kreiſe
Darm=
ſtadt zur Ausſprache und Abſtimmung. Der Wortführer des
Ordnungs=
blocks, Herr Kaufmann Theodor Bauer, begründete in eingehender und
überzeugender Weiſe den Antrag, und hob insbeſondere hervor, daß
Gernsheim in wirtſchaftlicher wie auch in geographiſcher Hinſicht
unbe=
dingt vom Kreiſe Groß=Gerau abgetrennt und dem Kreiſe Darmſtadt
zu=
geteilt werden müſſe. Die Orientierung Gernsheims iſt heute mehr
denn je nach Darmſtadt, was auch daraus hervorgeht, daß die Stadt
Darmſtadt heute ein großer Intereſſent des Gernsheimer Hafens iſt
und mit einem beſtimmten Prozentſatz an dem hieſigen
Hafenunter=
nehmen beteiligt iſt. Dem Antrag wurde zugeſtimmt und die
Verwal=
tung beauftragt, das Weitere in die Wege zu leiten.
Vater ſagt zur Mutter:
„Wenn das Mädchen in die Apotheke, in
die Drogerie oder ins Reformhaus gehi,
ſoll es Pflug’s „Waldflora” Kräuterpulver,
und die koſienloſe Broſchüre nicht vergeſſen.”
* Goddelau, 18. Febr. Odenwaldklub. Mit ewas
Winter=
ſtimmung erfolgte die Abfahrt um 9,B Uhr ab Goddelagu nach
Darm=
ſtadt woſelbſt mit dem bereitſtehenden elektriſchen Wagen zum alten
und Graulich auf ſchneebedeckten Wegen zum Böllenfalltor, Flugplatz,
Roßdörferſtraße, Meierei, Roſenhöhe, Löwentor zum Wiener
Kronen=
bräukeller, wo die Mittagsraſt gehalten wunde. Hierzu geſellte ſich noch
die Jugendgwuppe Langen, gar zu raſch riefen die Führer zum
Auf=
bruch und man trennte ſich von der gaſtlichen Stätte, wo Küche und
Keller das Beſte geboten hatten mit allgemeiner Zuſriedenheit. Es
ging nach dem Heiligen Kreuz, Obevwaldhaus, Steinbrückerteichſchneiſe
Rondel durch den Pank nach dem Kranichſteiner Teich, Jagdſchloß und
Arbeitervertreter vorgebrachten Gründe geändert und die Vergütung Ockonomiegebäude Der dortige Vewwalter, Herr Schilling, zeigte uns in
übrigen Einrichtungen und Stallungen. Von da ging es über Bahnhof
Zeit gemütlich zuſammen war, um mit der Elektriſchen nach Darmſtadt
zurückzufahren.
4a. Neu=Iſenburg, 18. Febr. Ertappter Wildfrevler. Jm
hieſigen Stadtwald wurde ein aus Offenbach ſtammender Mann vom
Forſtperſonal beim Stellen von Schlingen auf friſcher Tat überraſcht
und feſtgenommen. Wie die Ermittlungen ergaben, hatte der
Uebel=
täter erſt vor kurzem eine längere Freiheitsſtrafe veubüßt.
Rheinheſſen.
* Mainz, 18. Febr. Chronik. Ein ſchwerer Unfall ereignete ſich
in den Steinbrüchen der Firma Dyckerhoff u. Söhne in Mainz=
Amöne=
burg. Der 43jährige Steinbrucharbeiter W. Ewald aus Mainz=Kaſtel
geriet zwiſchen zwei Wagen der elektriſchen Betriebsbahn und wurde
ſchwer gequetſcht. Im Mainzer ſtädtiſchen Krankenhaus
wur=
den rechtsſeitige Nippenbrüche und eine linksſeitige Nierenquetſchung
feſtgeſtellt. — Während eines längeren Aufenthaltes im Mainzer
Kran=
kenhauſe lernte ein Dienſtmädchen aus Wiesbaden einen jungen Maun
kennen, der ſich als Kraftwagenfüh einer angeſehenen Firma in
Wiesbaden=Biebrich ausgab. Das Paar lernte ſich nicht nur kennen,
ſondern auch lieben und ſollte jetzt die Hochzeit gefeiert werden. Die
Braut wartete ſtundenlang vor dem Standesamt, aber „Er” kam nicht.
Wie ſich jetzt herausſtellt, hat der Treuloſe das Mädchen ſchnöde
be=
trogen. Er hat dem Mädchen ſeine Erſparniſſe entlockt, am Tage vor
der angeblichen Trauung noch einmal 70 Mark, mit denen er verſchwand.
Ac. Worms, 17. Febr. Einbrecher. Vor wenigen Tagen
wur=
den einem Einwohner des Vorortes Herrnsheim durch Einbruch vier
Schinken entwendet, und es iſt jetzt der Kriminalpolizei gelungen, die
drei Täter zu ermitteln, deren einer der Sohn des jetzt zu 16 Monaten
Zuchthaus verurteilten Riedmann iſt. Dieſer und ein Mittäter,
eben=
falls ein Verwandter des R., wurden verhaftet, der dritte iſt flüchtig
gegangen. Die Schinken waren, als ſie in der Wohnung des R.
gefun=
den wurden, bereits zum größten Teile aufgezehrt, nur ein noch nicht
angeſchnittener Schinken wurde in einer Tonne unter Lumpen verſteckt
aufgefunden. Außerdem fand man bei der Durchſuchung der Behauſung
in einem Miſthaufen verſteckt eine 10 Liter=Ausmeßmilchkanne, die noch
gut erhalten und demnach auch erſt in den letzten Tagen geſtohlen
wor=
den ſein kann. Deren Beſitzer hat ſich bis jetzt noch nicht gemeldet. Die
Täter hatten ſich vor Begehen ihres Einbruchs erſt noch den großen
Diebſtahlsprozeß angehört, bei dem der Vater des einen Täters unter
den Angeklagten ſaß. — Verkehrsunfall. Ein Wormſer
Motor=
radfahrer rannte beim Bahnübergang des Vorortes Pfeddersheim, wo
jetzt die Autoumführungsſtraße gebaut wird, gegen einen Haufen neuer
Randſteine und wurde dabei in großem Bogen vom Rade geſchleudert,
ſo daß er ſich erhebliche Verletzungen am Kopf und Armen zuzog. Er
mußte abtransportiert werden. Das Rad iſt ſchwer beſchädigt, ſo daß
es wohl kaum wieder herzuſtellen ſein wird. Schuld an dem Unſall
trägt der Fahrer ſelbſt, da er ein viel zu raſches Tempo fuhr und dabei
die Herrſchaft über das Motorrad verlor.
*
— Wafſerſtandsnachrichten vom 18. Februar 1930. Rhein:
Hü=
ningen 0,28, Kehl 1,51, Maxau 3,25, Mannheim 1,94, Mainz minus 12,
Bingen 1,11, Kaub 1,18, Köln 107 Meter. Main: Schweinfurt 0,71,
Würzburg 0,71, Lohr 1,08, Groß=Steinheim 2,29, Frankfurt 2,31,
Koſt=
heim Staatspegel minus 48, do. Waſſertiefe 1,48, do, Fahrtiefe 1,18
Meter.
— Gernsheim, 18. Febr. Waſſerſtand des Rheins am
17. Februar —1,05 Meter, am 18. Februar —1,08 Meter.
— Hirſchhorn, 18. Febr. Waſſerſtand des Neckars am
17. Februar 0,71 Meter, am 18. Februar 0,77 Meter.
M. 761
[ ← ][ ][ → ]Seite 8
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Nummer 50
Todes=Anzeige.
Geſtern abend 10½ Uhr verſchied nach
ſchwerem Teiden mein lieber Mann, unſer
treuer Bruder, Schwager und Onkel
Fuß-Hygienische
Deller Totle
Orthopädisch
Meil Hemmich Kuſter
Privatier
im 20. Lebensjahre.
Die trauernde Gattin:
Marie Küſier, geb. Wörner.
Darmſtadt, den 18. Februar 1930. B. 2999
Klappacherſtr. 20.
Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 3 Uhr,
auf dem Beſſunger Friedhof ſtatt.
R
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei dem
Hinſcheiden unſeres lieben Entſchlafenen ſagen wir auf
dieſem Wege herzlichen Dank. Ganz beſonders danken
wir den Brüdern des Herz=Jeſu=Hoſpitals, ſowie Herrn
Dr. Schäfer für die aufopfernde Pflege. Auch danken
wir Herrn Pfarrer Weisgeber für die troſtreiche
Grab=
rede und dem Fahrbeamten=Verein Darmſtadt
Kranich=
ſtein für die Kranzniederlegung und allen denen, die
ihm die letzte Ehre erwieſen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Famile Hch. Weigand, Darmſtadt
Familie Phil. Weigand, Darmſtadt
Familie Johs. Weigand, Eberſtadt
Familie Gg. Weigand, Eberſtadt
Frau Winkel, geb. Weigand, Eberſtadt
und 13 Enkel.
Darmſtadt, den 18. Februar 1930,
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger
Teil=
nahme bei dem Heimgang unſeres
lieben Entſchlafenen
Herrn
Georg Peter Keil
ſagen wir herzlichen Dank. Ganz
be=
ſonders danlen wir Herrn Pfarrer
Beringer für die troſtreichen Worte,
den ehrw. Franziskaner=Brüdern für
die liebevolle Pflege, dem Militärverein
und der Schuhmacher=Innung
Darm=
ſtadt für die Kranzniederlegung. Auch
Allen, die dem Entſchlafenen während
ſe ner Witwenjahre ſo hilfreich zur Geite
ſianden, ſei an dieſer Stelle herzlich
gedankt.
Familie Richard Keil.
Eberſtadt, den 17. Februar 1930. (*
Für die troſtreichen Worte des Herrn
Pfarrer Illert, für die liebevolle
Pflege der Krankenſchweſter, der
Familie Roß, ſowie für die
zahl=
reichen Kranzſpenden und
Anteil=
nahme von nah und fern ſagt
innigſten Dank
Georg Germann I.
Nd.=Beerbach, den 17. Febr. 1930. (*
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Eichen: 24 St. Kl. 2 — 10,35 fm. 79
St. Kl. 3 — 50,50 fm, 34 St. Kl. 4
— 32,92 fm;
Buchen: 25 St. Kl. 3 — 18,72 fm, 13
St. Kl. 4 — 13,89 fm, 8 St. Kl. 5 —
14,54 fm, 5 St. Kl. 6 — 9.27 fm;
Eſchen: 3 St. Kl. 2—4 — 2,27 fm;
Ulmen: 8 St. Kl. 2—3 — 4,62 fm;
Birken: 16 St. Kl. 1—3 — 4.45 fm;
Kiefern: 12 St. Kl. 2b — 6,55 fm, 79
St. Kl. 3a — 63,80 fm. 96 St. Kl. 3b
— 98,01 fm. 50 St. Kl. 4a — 69,75
fm, 24 St. Kl. 4b — 34,16 fm, 12St.
Kl. 5 — 25.69 fm;
Fichten: 38 St. Kl. 1a—3a — 9.11 fm;
Derbſtangen: 122 St. Fichten Kl. 1— 3;
Reisſtangen: 2467 Stück Fichten Kl.
4—7.
Das Holz iſt vor der Verſteigerung
zu beſichtigen. Auskunft durch die Herren
Förſter Luley, Forſthaus
Nikolaus=
pforte, Förſter Scholtz, Forſthaus
Fall=
torhaus und die unterzeichnete Stelle.
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ſendung von 1 RM. von uns bezogen
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werden.
Groß=Gerau, den 17. Febr. 1930.
Heſſ. Forſtamt Groß=Gerau.
Freitag, den 21. Februar 1930,
vormittags 10 Uhr anfangend, werden
im Altheimer Gemeindewald
ver=
ſteigert:
1 Eichen=Stamm — 0,94 im
11 Eſchen=Stämme — 2,78 tm
59 Fichten=Stämme — 20,72 im
146 Lärchen=Stämme — 72,86 tm
— 0,14 tm
1 Ulmen=Stamm
2 Erlen=Stämme
— 0,73 im
22 Kiefern=Stämme — 19,44 tm
67 Fichten=Derbſtangen — 3,69 tm
Zuſammenkunft am Abtrieb in
Ab=
teilung 40 an der Haupiſchneiſe
Bahn=
wärterhaus 63, 25 Minuten von Station
Meſſel.
Altheim, den 17. Februar 1930.
Heſſ. Bürgermeiſterei Altheim.
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1930, nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in
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(3003
1 Büfett, 1 Bücherſchrank, 1
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ſchrank, 1 Drogenſchrank, 2 Fahrräder,
1 Standuhr, 1 Klavier, 1 Eisſchrank,
1 Crammophon. 1 Radioapparat, eine
Nähmaſchine, 1
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Darmſtadt, den 18. Februar 1930.
Acker
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Anſi
ſations
ingung
ben
greiſe il
unter
M
waſſer
Reines
Nummer 50
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Seite 9
Muſiedlung rußlanddeufſcher Bauern
in Braſilien.
In den erſten Tagen des Februar haben 300
der aus Rußland geflüchteten deutſchen Bauern,
uner ihnen 80 Kinder verſchiedenen Alters mit
dem Dampfer „Werra” des Norddeutſchen Lloyd
vo Bremen aus die Ausfahrt nach Braſilien
angetreten. Ihr Reiſeziel iſt San Francisco do
Sil im Süden Braſiliens. Die Ausfahrt und
di Anſiedlung wird von der Hanſeatiſchen
Kolo=
niſationsgeſellſchaft geleitet. Sie hat die
Unter=
bungung von 1000 Koloniſten übernommen.
Da=
neben geben ähnliche Bemühungen privater
Kieiſe in Braſilien, die von den amtlichen
Stel=
lei unterſtützt werden. Die Vorbereitungen für
die Uebernahme deutſcher Rußland=Koloniſten
hoben bereits im Dezember des vergangenen
Ihres begonnen. Die braſilianiſche Regierung
hat ſich unter der tatkräftigen Mitwirkung des
deutſchſtämmigen Verkehrsminiſters Dr. Viktor
Konder bereit erklärt, die Uebernahme und die
Mſiedlung zu fördern. Um die Fürſorge für die
dutſchen Einwanderer über den Rahmen der
geſetzlichen Vergünſtigungen hinaus zu
ermög=
lichen, hat ſich ein Hilfskomitee gebildet, das
vn privater Seite Mittel bereitſtellen will. Die
Litung des Komitees hat ein deutſcher Pfarrer
in der Hand, und Dr. Viktor Konder hat das
Rotektorat übernommen. Neben ihm haben ſich
die beiden Staatspräſidenten von Santa
Catha=
rna und Parana dem Protektorat angeſchloſſen,
Af Anregung Dr. Konders wurde eine
Denk=
ſcrift verfaßt, die bereits Ende Dezember beim
Kbinett eingereicht worden iſt.
Als Anſiedlungsgebiet iſt Weſt=Parana und
die Kolonien nördlich des Rio Uruguay im
Saate Santa Catharina und bei Bedarf noch
dis Gebiet bei Mafra in Ausſicht genommen.
I einzelnen ſind die Landesteile jedoch noch
nicht beſtimmt, weil erſt die Unterſuchungen des
Geländes und die organiſatoriſchen Vorarbeiten
cgeſchloſſen werden müſſen. Unabhängig von
dieſer Aktion, hat noch eine andere Gruppe von
Deutſchen in Braſilien die Abſicht in der
Gegend von Foz de Jguaſſu deutſche Koloniſten
azuſiedeln. Auf den Vorſchlag des
Verkehrs=
yiniſters hat man jedoch ins Auge gefaßt, die
eſte Gruppe der Einwanderer dem Gebiet am
bruguay zuzuführen. Die dort bereits
vorhan=
dnen Anſiedlungen ſind von dem verſtorbenen
dutſchen Pfarrer Faulhaber dem Organiſator
vn Neu=Württemberg. gegründet worden. Der
Staatspräſident von Santa Catharina hat im
urgangenen Jahre das Siedlungsgebiet
beſich=
tgt und es erſcheint am beſten geeignet, den
Anſiedlern ein ſchnelles Vorwärtskommen zu
er=
nöglichen. Im Augenblick leben in dieſem
Ge=
het etwa 250 Familien.
Schneeſtürme an der amerikaniſchen Oſtküſte.
New York. Ein ſchwerer Schneeſturm, der in
dn letzten 24 Stunden die atlantiſche Küſte der
Ver=
cigten Staaten heimſuchte, hat bis jetzt 17
Todes=
ofer gefordert. Ueber New York ſelbſt ging ein
8hneeſturm nieder, wie er ſelten erlebt worden iſt.
1000 Hilfsarbeiter wurden aufgeboten, um die
Echneemaſſen zu beſeitigen. Zahlreiche Unfälle ſowie
Rzählige Verkehrsſtörungen waren die Folge dieſes
ßerordentlich reichlichen Schneefalles.
Schwierige Einholung der Byrd=Expedition.
New York. Der Dampfer „City of New York”
zur Abholung der Byrd=Expedition an der
Eis=
trriere eingetroffen, hat aber die Walfiſchbai noch
icht erreichen können, weil er nach Weſten
abgetrie=
an wurde bis zur Roß=Inſel. Das Schiff ſucht ſich
ſitzt einen Weg durch das Eis nach Oſten zu bahnen.
las Deck und das Tauwerk des Dampfers ſind mit
ener dicken Eiskruſte bedeckt.
Ratafteopsster Brune vei Bona
W.
22 Häuſer eingeäſcherk.
Blick auf die vom Feuer zerſtörten Gebäude.
In der Ortſchaft Oefingen bei Donaueſchingen brach in einem Hauſe Feuer aus, das infolge des
Windes mit Rieſenſchnelligkeit um ſich griff. In kurzer Zeit ſtanden 22 Anweſen in Flammen
und brannten vollſtändig nieder.
Linienſchiff „Elſaß” wird außer Dienſt geſkellk.
Das 1903 erbaute Linienſchiff „Elſaß”
wird jetzt außer Dienſt geſtellt. An ſeine Stelle tritt das umgebaute Linienſchiff „Hannover”,
Schweres Eiſenbahn=Unglück
in England.
51 Perſonen verlett.
London. Bei Ruther Glen, in der Nähe von
Glasgow, hat ſich am Montag abend ein
folgen=
ſchweres Eiſenbahnunglück ereignet. In dem dichten
Nebel, der über der Gegend lag, iſt ein Zug auf
einen Vorzug aufgeſahren. Nach Mitteilungen der
an den Bergungsarbeiten Beteiligten wurden etwa
50 Fahrgäſte unter den Trümmern der zerſtörten
Wagen begraben und verletzt. Die Verwundeten
wur=
den ſo ſchnell wie möglich teils durch Kraftwagen,
teils in einem Sonderzug in die benachbarten
Kran=
kenhäuſer geſchafft.
Wir erfahren noch folgende Einzelheiten: In der
Nähe von Glasgow ereignete ſich ein ſchweres
Eiſen=
bahnunglück, als zwei Züge aufeinander auffuhren.
Der voranfahrende Zug hielt auf offener Strecke und
wartete auf das Einfahrtſignal, als der zweite Zug
infolge dichten Nebels in voller Geſchwindigkeit auf
den wartenden auffuhr. Die drei letzten Wagen des
haltenden Zuges wurden vollſtändig zertrümmert. Die
Lokomotive des zweiten Zuges entgleiſte. Wie durch
ein Wunder wurde niemand getötet. Dafür iſt die
Zahl der Verletzten ſehr hoch. 51 Perſonen wurden
verletzt, darunter vier ſchwer. Die Mehrzahl der
Verletzten beſteht aus Frauen und Kindern, die ſich
von ihren Arbeitsſtätten in Glasgow in ihre
Wohn=
orte begeben wollten.
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Seite 10
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Nummer 50
Der rieſenhafte Bug der „Europa”
mit den kombinierten Wappen des
Reichs, Amerikas und des
Nord=
deutſchen Lloyds.
Oben: Das Flugzeugdeck, von dem die Poſtflugzeuge ſtarten
können.
Unten: Blick auf einen der ovalen, 7 Meter breiten und
18 Meter langen Doppelſchornſteine.
Kapitän Johnſon,
der Führer der „Europa”.
Bremen. Am 19. Februar wird
vorausſicht=
lich der Schnelldampfer „Europa” des Norddeutſchen
Lloyd ſeine Probefahrt von Cuxhaven aus
be=
ginnen, um am 19. März ſſeine erſte Ausreiſe von
Bremerhaben nach New York anzutreten. Die
„Europa” wird dann gemeinſam mit der „Bremen”
und der „Columbus” das bereits oft ewwähnte
Schnelldampfertrio bilden, mit dem der Norddeutſche
Qoyd den Expreßdienſt über den Nordaulantik, den
ſchnellſten Dienſt der Welt, ausführen wird.
Der Schnelldampfer „Europa” iſt auf der Werft
von Blohm u. Voß, Hamburg, erbaut wovden. Die
Kiellegung erfolgte am B. Juli 1927, und Mitte
Auguſt 1928 war das Schiff, das etwa 51 000 B.R. T.
groß iſt, ſoweit fertiggeſtellt, daß es am 15. Auguſt
nach einem feierlichen Taufakt, bei dem der
ameri=
kaniſche Botzſchafter Shurman die Taufrede hielt,
ſeinem Element übergeben werden konnte,
Am Samstag nachmittag fand auf Einladung
des Norddeutſchen Lloyd eine Beſichtigung des
nun=
mehr fertiggeſtellten Rieſendampfers ſtatt. Das Schiff
hat eine Länge von 285 Metern, eine Breite von
31 Metern, eine Seitentiefe von 27,2 Metern und iſt
ingerichtet für die Beförderung von 800 Paſſagieren
in der 1. Klaſſe, 500 Fahrgäſten in der 2. Klaſſe,
300 Reiſenden in der Touriſtenklaſſe, die auf 500
Reiſende durch Hinzuziehung der 2. Klaſſe erhöht
verden kann, und von 600 Paſſagieren der 3. Klaſſe.
Wie bei dem Schſweſternſchiff, der „Bremen”, ſo
ſt auch bei der „Europa” auf die
Sicherheitseinrich=
tungen der größte Wert gelegt worden. Das Schiff
hat einen von vorn bis hinten durchlaufenden
Dop=
pelboden und iſt durch 14 waſſerdichte Querſchotten
in 15 waſſerdichte Abteilungen eingeteilt. Firner
enthält der Schnelldampfer eine umfangreiche
Schaum=
feuerlöſchanlage, ſowie eine große Anzahl von
Hand=
feuerlöſchapparaten und Feuerlöſchpumpen, die allein
etwa 1300 Kubikmeter Waſſer pro Stunde fördern
können, weiter eine große
Kohlenſäurefeuerlöſch=
anlage. Der Dampfer „Europa” iſt ferner mit
großen unſinkbaren Rettungsbooten ausgerüſtet, die
ſämtlich Motorantrieb haben und je 145 Perſonen
faſſen können, ſo daß alle Paſſagiere und die
Be=
ſatzung bequem in ihnen Platz finden können.
Von beſonderem Intereſſe ſind die Keſſel= und
Maſchinenanlagen, die in zwei voneinander
unab=
hängige Hauptgruppen geteilt ſind, ſo daß im Falle
iner Kolliſion ſtets ein Teil intakt bleibt. Die
räumliche Entfernung dieſer Anlagen iſt
gekennzeich=
jet durch die außerordentlich weite Stellung der
bei=
den 18 X7 Meter Durchmeſſer betragenden elliptiſch
geformten Schornſteine. Hinter dem
Hauptmaſchinen=
raum iſt noch ein beſonderer Raum zur Aufnahme
der Hilfsmaſchinen vorhanden.
Genau wie der Schnelldanppfer „Bremen”, ſoll
auch die „Europa” die Reiſe von Bremerhaven nach
New York in ſechs Tagen zurücklegen. Zur
Beſchaf=
fung des elektriſchen Stromes für Licht und Kraft
Die fertiggeſtellte „Europa” im Hamburger Hafen.
ſind vier große kompreſſorloſe Dieſeldynamos
auf=
geſtellt. Dieſe Dieſelanlage muß mehr als 420
Elektro=
motore in Betrieb ſetzen. In dem Schiff iſt ein Kabel
und Leitungsnetz von etwa 1 Mill. Meter verlegt.
Die Küchen ſind mit elektriſchen Herden verſehen,
wie überhaupt alle Apparate elektriſch betrieben
wer=
den, ſo daß nicht ein Stückchen Kohle mit an Bord
genommen zu werden braucht.
Ein beſonderes Kapitel iſt die Innenarchitektur
und die künſtleriſche Ausſchmückung der Räume auf
dem Schnelldampfer „Europa” wozu eine Reihe der
namhafteſten und modernſten deutſchen
Innenarchi=
tekten herangezogen wurden. Die Ausſtattung der
Räume der 1. und 2. Klaſſe war dem bekannten
Münchener Prof. Paul Ludwig Trooſt übertragen
worden, dem reiche, in jahrelanger Betätigung auf
Lloydſchiffen geſammelte Erfahrungen in der
Schiffs=
ausſtattung zur Verfügung ſtehen. In der
Emp=
fangshalle fällt beſonders das Symbol des Schiffes,
eine von Prof. Joſef Wackerle=München geſchaffene
Bronzegruppe Europa mit dem Stier” ins Auge.
Derſelbe ſchuf für den Hauptſpeiſeſaal auch ein in
Goldbronze getriebenes, mit farbiger Gmaille
einge=
legtes Flachrelieſ „Wunder des Meeres‟. Denſelber
Raum ſchmücken vier koſtbare, von Hans Gött,
München, entworfene Gobelins, die die Europa=Sage
zum Vorwurf haben. Die intim gehaltenen
Seiten=
teile des Saales werden teils durch Wandmalereien
des Berliner Malers Prof. E. R. Weiß, teils durch
Moſaik des Münchener Malers Max Schwarzer
be=
left. Vier Bronzebüſten, und zwar Kant, Emerſon,
Goethe und Withman, ſchmücken die Bibliothek. Den
Ballſaal ziert ein prachtvoller Gobelin, der die
be=
rühmte Flötenſzene aus der Mozartſchen „
Zauber=
flöte” darſtellt, vom Münchener Maler Alfred Hagel
geſchaffen, ferner vier Flachreliefs „Moderne Tänze‟
von Prof. Wackerle. Im Foher des Ballſaales
er=
zählen kapriziöſe Wandgemälde des Mürnchener
Ma=
lers Profeſſor Friedrich Heubner Szenen aus
Shakeſpeares „Sommernachtstraum”.
Die Führung des neuen Schnelldampfers
„Europa” iſt dem berühmten Commodore N.
John=
ſon, dem bisherigen Kapitän des Dampfers „
Colum=
bus”, übertragen.
Die Ausſtellung „Der Menſch” durch
Zeuer vernichkel. — Ein Lebenswerk
Zerſtörk. — Ein noch unberechenbarer
Schaden.
Dortmund. Am Dienstag in früher
Mor=
genſtunde brach in der anatomiſch=hygieniſchen
Aus=
ſtellung „Der Menſch” aus bisher unbekannter
Ur=
ſache ein Brand aus, der in kurzer Zeit die
Ausſtel=
lungshalle mit vielen Hunderten von Modellen und
Präparaten vollkommen vernichtete. Der Schaden
iſt unberechenbar und dürfte ſich auf viele
hundert=
tauſend Ma=k belaufen. Die in einer proviſoriſchen
Holzhalle untergebrachte Ausſtellung, die ſchon ſeit
Jahren zahlreichen deutſchen Großſtädten gezeigt
wurde und im Frühjahr nach Amerika überführt
wer=
den ſollte, ſtellt das Lebensſwerk des bekannten
Mün=
chener Univerſitätsplaſtikers Emil Eduard Hammer
dar. Der Brand breitete ſich, vbwohl die Feuevwehr
gleich mit acht Schlauchleitungen anrückte, mit ſolcher
Geſchwindigkeit aus, daß nichts gerettet werden
konnte. Von der Halle ſind nur noch einige verkohlte
Balken übrig geblieben.
Der Frankfurter Karnevalszug findet nicht ſtatt.
Er muß dem Fußball=Länderſpiel weichen.
Frankſurt a. M. Wie wir ſoeben erfahren,
hat ſich der Große Rat des Franbfurter
Karnevals=
zuges in einer am Montag abend abgehaltenen
Sitzung nochmals eingehend mit der Abhaltung des
für den 2. März vorgeſehenen Karnevalszuges
be=
faßt. Da der Deutſche Fußballbund es abgelehnt hat,
den Beginn des Fußball=Länderſpiels Deutſchland
gegen Italien, das bekanntlich am gleichen Sonntag
im Frankfurter Stadion ſtattfindet, von 3 Uhr auf
9 Uhr vorzuverlegen, wurde beſchloſſen, den
Karne=
valszug ausfallen zu laſſen, da als Beginn
desſel=
ben die Zeit von 5 Uhr nachmittags für zu ſpät
an=
geſehen wird.
1000 RM. Belohnung für Auffindung
des Profeſſors Drexel.
Frankfurt a. M. Für die Anhaltung und
Rückführung von Profeſſor Drexel, der ſeit 8. Febr.
d. J. vermißt iſt, oder für Nachrichten, auf Grund
deren dies erfolgen kann, wird ſeitens der Römiſch=
Germaniſchen Kommiſſion Frankfurt a. M. eine
Be=
lohnung von 1000 RM. ausgeſetzt. Sollte Profeſſor
Drexel nicht mehr am Leben angetroffen werden, ſo
wird für Nachrichten, die über ſein Schichſal
Gewiß=
heit verſchaffen, eine angemeſſene Belohnung gewährt
werden. Zuerkennung der Belohnung wird durch die
Römiſch=Germaniſche Kommtſſion nach der Anhörung
der zuſtändigen Polizeibehörde unter Ausſchluß des
Rechtsweges erfolgen.
Sauerbrey iſt geſtändig.
Frankfurt a. M. Die bisherige gerichtliche
Vernehmung Sauerbreys, des ehemaligen Direktors
der Südweſtdeutſchen Bank, hat den Eindruck
beſtä=
tigt, daß er mit der Wahrheit nicht zurückhalten will.
Mit dieſen Ausſagen Sauerbreys kann der Favag=
Prozeß eher ſtattfinden, als das noch vor kurzem
angenommen werden konnte. Obwohl den zuſtändigen
Stellen offiziell noch nichts bekannt iſt, kann mit
großer Wahrſcheinlichkeit damit gerechnet werden, daß
die Unterſuchung auf eine Reihe weiterer
Perſönlich=
keiten ausgedehnt wird, die bisher nur peripheriſch
mit dem Favag=Skandal zu tun hatten. Bei dem
augenblicklichen Stand der Vorunterſuchung kann
da=
mit gerechnet werden, daß der Prozeß unmittelbar
nach den Gerichtsferien beginnen wird.
Naubüberfälle.
Frankfurt a. M. In der Taunusſtraße
wurde nachts ein Zeitungsverkäufer von zwei
Män=
nern überfallen. Dieſe entriſſen ihm in einem
Haus=
flur die Geldtaſche, die er an einem Riemen um die
Schulter trug. Die Täter ſind noch nicht ermittelt.
Gelnhauſen. Im Walde zwiſchen
Lohr=
haupten und Flörsbach wurde abends der Händler
Alhus aus Bieber von zwei Wegelagerern überfallen,
die ſich von ihm etwas zum Eſſen erbaten. Als der
Mann dem Wunſche nachkommen wollte, überficlen
die beiden ihn und ſuchten ihn zu berauben. Der
Heberfallene ſetzte ſich zur Wehr und vermochte durch
Fußtritte und Schläge ſich zu befreien.
Ein Auto vom Zuge erfaßt.
Hechingen (Hohenzollern). Am Montag abend
um 22½ Uhr wurde beim Bahnübergang Hechingen=
Boll (am Fuße des Hohenzollern) ein mit drei
Per=
ſonen beſetztes Automobil von einem aus
Sigma=
ringen kommenden Perſonenzug erfaßt und faſt gans
zertrümmert. Der Autolenker war ſofort tot; die
zwei anderen Inſaſſen erlitten ſehr ſchwere
Ver=
letzungen.
Achtet auf eure Kinder!
In einen Topf mit kochendem Waſſer gefallen.
Simmern. Im benachbarten Mullenſcheidt
ſtellte eine Frau einen Topf mit kochender Wäſche
vom Herd auf den Boden. Das in der Nähe
ſpie=
lende zweijährige Töchterchen ging ahnungslos
rück=
wärts und ſtürzte in das kochende Waſſer. Mit
ſchweren Brandwunden mußte es dem Krankenhaus
zugeführt werden.
Bad Kreuznach. Im benachbarten
Fiſch=
bach fiel beim Spielen ein 3½jähriger Junge in
einen Kübel mit kochendem Waſſer. Er trug ſo
ſchwere Brandwunden davon, daß er bald darauf
ſtarb.
Der Poſtraub von Triebel aufgeklärt.
Forſt. Der am 7. Februar ausgeführte
Raub=
überfall auf zwei Poſtbeamte in Triebel, wobei den
Tätern 10000 Mark in die Hände fielen, hat jetzt
ſeine Aufklärung gefunden. Als Täter ſind der
Handformer Fritz Schmidt und ſein Bruder Albert
ſowie deren Mutter verhaftet worden. Fritz Schmidt
legte ein Geſtändnis ab und erklärte, daß alle
Be=
ſchildigungen falſch ſeien, die er gegen den
Brunnen=
bauer Bergel und den Weber Behniſch, die als die
vermutlichen Täter verhaftet worden waren,
ausge=
ſprochen habe. Bei der Gegenüberſtellung mit ſeinem
Bruder Abert legte auch dieſer ein Geſtändnis ab
und erklärte, daß er und ſein Bruder die alleinigen
Täter ſeien. Von dem geraubten Gelde konnten
be=
reits rund 5000 Mark wieder herbeigeſchafft werden.
Die Ermittlungen nach dem Verbleib des Reſtes ſind
noch in vollem Gange.
Der Katholiſche Akademikerverband
veranſtaltet in der Zeit vom 18. bis W. März 1980
ſeine ſechſte, unter Leitung des Sanitätsrates Dr.
Wilhelm Bergmann ſtehende Tagung über Religion
und Seelenleiden in Kevelger am Niederrhein.
Die Flugzeugwerke von Meudon
nieder=
gebrannt.
Paris. Sonntag abend brach in den
Flug=
zeugwerken von Meudon (Seine et Oiſe) ein Brand
aus, der ſich ſchnell ausbreitete. Die Flugzeugfabrik
von Meudon mit ihren ſämtlichen Ateliers wurde
ein Raub der Flammen. Mehrere in der Nähe
lie=
gende Wohnhäuſer ſind mehr oder weniger durch den
Brand beſchädigt worden. Die Urſache des Brandes
hat noch nicht feſtgeſtellt werden können.
Fünf Todesopfer eines Schiffsunglücks.
Paris. Ein Schiffsunglück, das fünf
Men=
ſchen das Leben koſtete, ereignete ſich in Franzöſiſch=
Marokko, an der Mündung des Sebu. Acht
Marok=
kaner hatten in einer Barke Platz genommen, um
ſich zu dem in Bau befindlichen Hafenabſchnitt von
Madhya zu begeben. Ein heftiger Sturm trieb ſie
jedoch gegen die Ankerkette eines Schleppers und
brachte das Boot zum Kentern. Drei der Inſaſſen
konnten im letzten Augenblick gerettet werden,
wäh=
rend die übrigen fünf ertrankw.
Schweres Bootsunglück auf der Donau.
Bukareſt. Bei Calaraſi kenterte auf der
Donau eine zu ſchwer beladene Fähre. Von den
Inſaſſen konnte ſich nur der Bootsſührer retten. Die
11 Fahrgäſte, meiſt Bauern aus der Umgegend,
ertranken.
Großfeuer im Hafen von Genua.
Genua. In den großen Lagerhäuſern im
Hafen von Genua iſt am Montag abend eine aus
Amerika eingetroffene Sendung von 1500 Ballen
Baumwolle in Brand geraten. Das Feuer konnte
erſt in der Nacht gelöſcht werden. Ein großer Teil
der Sendung wurde zerſtört. Ein Matroſe kam
wäh=
rend der Löſcharbeiten mit der Starkſtromleitung
in Berührung und wurde ſchwer verletzt. — Etwas
päter geriet in der Nähe der erſten Brandſtätte,
offenbar durch Funkenflug, ein großes Holzlager in
Brand. Bis jetzt konnte die Feucrwehr nur den
Brand auf ſeinen Herd beſchränken. Der Sachſchaden
beträgt etwa 4 Millionen Lire.
Der Begleiter Eielſons tot aufgefunden.
New York. Wie aus Alaska berichtet wird,
wurde die Leiche des vermißten Nordpolfliegers
Borland, des Begleiters von Eielſons, unter einer
zwei Meter ſtarken Schneedecke in Sibirien gefunden.
Hotelbrand in U. S.A.
New York. Ein Großfeuer zerſtörte, wie
Aſſociated Preß meldet, das Hotel Galarineau
in Maniwaki im Staate Quebec. Zwei dem
Hotel benachbarte Gebäude wurden gleichfalls
ein Raub der Flammen. Bei dem Brande kamen
fünf Perſonen ums Leben: die Zahl der
Ver=
letzten konnte noch nicht feſtgeſtellt werden.
Neuer Höhenweltrekord für Leichtflugzeuge.
New York. Der amerikaniſche Flieger
Zim=
merley hat in St. Louis den Höhenweltrekord
für Leichtflugzeuge, den bisher der deutſche
Flie=
ger Bäumer innehatte, auf die Höhe von 9116
Meter geſchraubt und damit Bäumers Rekord
um ungefähr 1660 Meter überboten.
Zimmer=
leys Flugzeug hatte einen Lambertmotor von
90 PS.
Die vierköpfige Beſatzung eines Kohlenprahms
erfroren.
New York. Seit Sonntag wurde die
vierköp=
fige Beſatzung des Kohlenppahms „Nerrill” am Cape
May New Jerſey vermißt. Vorgeſtern fanden in den
frühen Morgenſtunden Schiffer, die auf die Suche
gefahren waren, die vier Mann enfroren auf dem
Prahm.
Nummer 50
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Seite V
Sport, Spiel und Zurnen.
„I.
auf dem Feldberg (Schwarzwald).
Univerſität Freiburg ſiegt knapp vor der
Techniſchen Hochſchule Darmſtadt.
Am Samstag und Sonntag wurden bei den beſten Schnee=
ſtulen Freiburg, Baſel, Heidelberg. Stuttgart, Karlsruhe und
Uarmſtadt mit insgeſamt 80 Läufern. Am Samstag vormittag
urde der Landlauf ausgetragen, der von Pahl (Univerſität
ſteiburg) gewonnen wurde. (Pahl hat bereits die deutſchen
ſrben auf der Weltolympiade vertreten!) In kurzem Abſtand
ſlgten Moſer=Freiburg und Wilh. Müller (Techn. Hochſchule
Uarmſtadt) Da die übrigen Darmſtädter Läufer ebenfalls bald
enliefen, konnte die Hochſchulmannſchaft der T. H. Darmſtadt ſich
inter der Freiburger Mannſchaft vor allen anderen Hochſchulen
ſacieren. Der Lauf ſtellte an die Teilnehmer ungeheuere
An=
irderungen, da Anſtieg und Abfahrten dauernd wechſelten, ſo
hiß viele unterwegs aufgeben mußten. Den Höhepunkt der
Wett=
umpfe bildete der Staffellauf über 20 Kilometer, bei dem
Frei=
ſrg und Darmſtadt ſich ein erbittertes Rennen lieferten. Wie
di den olympiſchen Kämpfen in Davos ſtarteten 11 Staffeln zu
leicher Zeit, was dem Rennen natürlich einen erhöhten Reiz
ver=
leh. Pahl=Freiburg, der Sieger im Langlauf, wurde auf der
eſten Strecke nach einem äußerſt ſcharfen Lauf von
Vondran=
larmſtadt um 30 Sekunden geſchlagen. Beide waren dem übrigen
ſelde weit vorausgeeilt, nur Stuttgart vermochte in einem
Ab=
ſand von einer Minute zu folgen. Auf der zweiten Strecke hatten
te Freiburger Moſer eingeſetzt, während Piller für Darmſtadt
lef, die beide heftig um die Führung kämpften. Infolge zu
glat=
r Skier konnte Piller den Vorſprung im Anſtieg nicht halten und
bergab in einem Abſtand von etwa 40 Metern hinter Moſer dem
Itzten Darmſtädter Läufer, Müller das Staffeltuch. Der
weite Wechſel hatte unmittelbar vor dem Hotel Feldberger Hof
fittgefunden, und die Spannung der zahlreichen Zuſchauer ſtieg
atürlich aufs höchſte, als ſich die letzten Läufer auf die Strecke
egaben, die mit einem Anſtieg auf den Feldberg begann. Mit
nappem Vorſprung lief die Univerſität Freiburg vor der T. H.
Tarmſtadt durch das Ziel. Anſchließend an den Staffellauf fand
linn noch der Sprunglauf unter der Leitung von Herrn Dr.
Vil=
inger und Herrn Dr. Duras ſtatt. Bei einer Beteiligung von 30
kpringern konnte Emanuel Wolf=Darmſtadt mit zwei
geſtande=
gen Sprüngen den 6. Platz belegen.
Die Ergebniſſe dieſer Meiſterſchaften haben gezeigt, daß die
lechniſche Hochſchule Darmſtadt, trotzdem ſie weitab von gutem
Ekigelande liegt, hervorragende Läufer beſitzt, die es ruhig mit
dn ſtärkſten Konkurrenten aufnehmen können!
Kraffſpork.
Brief aus dem zweiten Kreis.
In der Oberliga ſind die Würfel bereits gefallen. Was noch folgt,
ind lediglich Nachhuttreffen, welche aber für die Beſetzung der beiden
rſten Plätze nicht mehr in Frage kommen. An den Gruppenkämpfen
ſehmen endgültig teil: Kreuznach als Kreismeiſter und Tabellenerſter
u Sachſenhauſen als Tabellenzweiter.
Zum angeſetzten Verbandswettkampfe mit Kreuznach trat Mainz
ur unerklärlichen Gründen nicht an.
In der Kreisliga des 2. Bezirkes konnte Dieburg in Offenbach nach
hwerem Kampfe die Punkte mit nach Hauſe nehmen. 12:9 lautete das
tefultat für Dieburg, und eine Unterſchätzung des Gegners hätte
bei=
ſahe die Punkte gekoſtet.
Der Tabellenerſte Damm feſtigte ſeine Stellung durch einen knappen
9:9=Sieg über die Polizei Darmſtadt. Hier überraſcht die Niederlage
es Kreismeiſters Lisfeld, die man ſeitens der Polizei auf das Konto
es ſportfeindlichen Karnevals ſetzt.
Hanau hat ſich nun ſelbſt jeder Meiſterſchaftshoffnungen entblößt
ſurch eine übereilte Starterlaubnis des früheren Aſchaffenburger Ringers
btein. Sie gehen dadurch nicht nur des Dieburger Kampfes verluſtig,
ondern auch die Polizei iſt noch der lachende Dritte. Es iſt dies eine
Nahnung an alle Vereine, mit den Sperrbeſtimmungen ſehr vorſichtig
u ſein.
Nachſtehend die Tabelle des 2. Bezirkes:
Regeln.
Keglervereinigung Darmſtadt und Umgebung.
Ausſcheidungskämpfe.
Dieſelben haben durch die Starts am vergangenen Samstag und
Sonntag im weſentlichen ihr Ende erreicht. Damit ſteht nunmehr die
Kampfmannſchaft und der Verbandsmeiſter feſt.
Die letzten Ergebniſſe ſind folgende: 1. Reichert 1083, 2. Weber 1055,
3. Gebhardt 1039 4. Scherer 1010, 5. Rößler 1008, 6. Ringler 1000,
7. Dörr 989, 8. Mees 984, 9. Draitz 972, 10. Grab 972, 11 Ott 897,
12. Mohr 874.
Senioren: Schieferdecker 506.
Frauen: 1. Frau Schwinn 496, 2. Frl. Bäumer 484, 3. Frau
Eigenbrodt 473, 4. Frau Daab 471, 5. Frau Wißkirchen 465, 6. Frau
Thümmel 454, 7. Frl. Bangert 435. — Zwei Frauen haben noch
nach=
zuwerfen und iſt damit auch dieſes Ausſcheidungskegeln beendet.
Allgemeines über die Ausſcheidungskämpfe.
Es beteiligten ſich insgeſamt 77 Kegelbrüder und 14 Kegelſchweſtern
an den Kämpfen. Von den Männern waren 600 Kugeln — 4 mal 100
und 1 mal 200 — von den Frauen 500 Kugeln — 5 mal 100 —
abzu=
werfen. Die Ergebniſſe können als befriedigend bezeichnet werden.
Es haben 30 Kegelbrüder den Durchſchnitt und darüber erreicht, völlig
durchgehalten haben 67 Kegelbrüder, während 10 teils durch Krankheit,
teils durch die geringe Ausſicht, etwas zu erreichen, vor Beendigung
abgebrochen haben; während von den Kegelſchweſtern 4 vorzeitig
auf=
gegeben haben.
Verbandsmeiſter für 1930 iſt Kegelbruder Grün
(L. L. 08) mit einer Geſamtholzzahl von 3182 Holz geworden. Er hat
damit zum zweitenmal dieſen Titel errungen.
Der Titel war ſtark umſtritten. Bei 400 Kugeln hatten die meiſten
Ausſichten Wilbert und Reinhardt mit 2163 bzw. 2157 Holz. Der letzte
Lauf über 200 Kugeln brachte jedoch manche Ueberraſchung. Die
Spitzenkandidaten hatten einen ſchlechten Tag und kamen nur wenig
über die Durchſchnittszahl, während Grün 59 plus erreichte. Damit
hatte er einen guten Vorſprung, der nicht mehr von den ihm hätte
gefährlich werdenden Gegnern überboten wurde.
Seniorenmeiſter wurde Schinnerl (Zwölfer) mit 2518
Holz, dem Schieferdecker (Zwölfer) mit 2481 Holz folgt.
Als Verbandsmeiſterin von den Frauen kann zweifellos
Frl. Bäumer (Roll. Glück) mit 2537 Holz bezeichnet werden. Die
beiden Frauen, welche noch zu ſtarten haben, liegen ſoweit zurück, daß
ſie den Vorſprung nicht mehr aufholen können.
Von den Kegelbrüdern zählen die 20 Beſten zu der
Kampfmann=
ſchaft. Dies ſind: 1. Grün (L.L. 08) 3182; 2. Sattler (Zwölfer) 3174;
3. Reinhardt (Zwölfer) 3172; 4. Wilbert (D.K. 1911 BV.) 3163; 5.
Hüb=
ner (Haſſia 1919) 3157; 6. Kramer (L.L. 08) 3142; 7. Scherer (Haſſia)
3138; 8. Belz (Konkordia) 3131: 9. Reichert (Zwölfer) 3131; 10. Leining
(Gut Holz Eb.) 3129; 11. Schimpf (Kranz Eb.) 3113; 12. Gebhardt
(K.K. 23) 3109; 13. Zuleger (D.K.K. 1911 BV.) 3107, 14. Ringler
(Sportkegler) 3100: 15. Pohlmann (Haſſia 19) 3098; 16. Mees (K.K. 23)
3097: 17. Becher (D.K. 1911 BV.) 3090; 18. Bender (Sportkegler) 3088;
19. Wenner (L. L. 08) 3072: 20. Bangert (Kranz) 3068.
Uebungskegeln.
Nach Beendigung der Ausſcheidungskämpfe ſetzt das
Uebungs=
kegeln im Bürgerverein wieder ein. Dasſelbe findet Samstag
nach=
mittag ſtatt und kann jeder Kegelbruder und jede Kegelſchweſter daran
teilnehmen. Vorherige Anmeldung bei dem Sportwarte iſt
erforder=
lich. Es bietet eine gute Gelegenheit, ſich im Kegeln zu verbeſſern.
in
Damm . 144: 66 Dieburg . 12 177: 62* Polizei. 12 165: 73 Hanau. 11 107:108 Hörſtein 10 81:109 Offenbach 65:114 Arheilgen 12 81:154 Bieber ... „ 13 63:195 Der bekannte Internationale Hoffmann vom Dresdener SC. zog
ich in der Nacht zum Dienstag infolge eines Autounfalls eine ſchwere
Hehirnerſchütterung zu, ſo daß er an dem Spiel gegen Italien nicht
eilnehmen kann.
Ein tödlicher Unfall ereignete ſich bei den Jubiläums
Meiſterſchaf=
en des HDW., die mit den Fünfer=Bobrennen auf der Kunſtbahn
n Gablonz ihren Anfang nahmen. Das dem BC. Gablonz
ge=
örige Fahrzeug „Windsbraut” mit W. Hoffmann am Steuer
ge=
iet in einer ſchwierigen Kurve ins Schleudern, ſo daß der Führer
ſie Herrſchaft verlor und der Bob umſchlug. Hoffmann erlag bald
hach Einlieferung in ein Krankenhaus ſeinen Verletzungen, während ſich
eine vier Mitfahrer nur leichte Verletzungen zuzogen.
Deutſcher Kunſtlaufmeiſter wurde bei den Wettkämpfen in Breslau
er Münchener Maier=Labergo vor Härtel=Berlin.
Einen neuen k.o.=Sieg errang Primo Carnera in Oklahoma gegen
en Schweden Erickſon.
Die Handballbewegung im Odenwaldgauhat ſehr
günſtige Fortſchritte gemacht. Wenn man bedenkt, daß
1926 zuerſt 2, dann 4 Vereine das Spiel aufnahmen, und heute, nach
kaum 4 Jahren, 30 Vereine mit 51 Mannſchaften das
Spiel betreiben, ſo darf man ſagen, daß bei uns keine andere
Sportart eine ſo ſchnelle und ſtarke Ausbreitung nachweiſen kann, wie
gerade das Handballſpiel. 600 Turner haben ſich ihm verſchrieben, eine
ſtattliche Zahl! Wenn auch nicht alle hervorragende Könner werden, ſo
ſind ſie doch mit Liebe und Eifer bei der Sache. Zu einem mächtigen
Uebungszweig hat ſich das Spiel entwickelt. Möge es weiter ſo
Maſſen=
ſport bleiben unter Beachtung der erprobten Grundſätze der D.T., zu
denen auch taktvolles Benehmen außerhalb des Turnplatzes gehört. Daß
ſich unſere Spitzenmannſchaften an Spielſtärke mit denen der
Nachbar=
gaue meſſen können und ehrenvoll dabei beſtehen, haben ſie ſchon öfter
bewieſen. Auch innerhalb des Gaues gibt es eine größere Anzahl
Mannſchaften, die Gutes, ja Hervorragendes leiſten. Verglichen an der
Mitgliederzahl, iſt der Spielbetrieb im Odenwaldgau zu 50 ſtärker als
in den Nachbargauen.
Spielergebniſſe vom 16. Februar:
Momart—Groß=Bieberau 1:3 (Groß=Bieberau ſomit Gaubeſter der
B=Klaſſe). Groß=Umſtadt 1.—König 1. 3:1. Steinbuch—Erbach 2. 6:2.
Hergershauſen 1.—Groß=Umſtadt 2. 2:3. Mümling=Grumbach-Heubach
5:1. Richen 1.—Kirch=Brombach 1. 2:3. Richen 2.—Kirch=Brombach 2.
2:4. Langſtadt 1.—Klein=Umſtadt 1. 0:1. Langſtadt 2.—Kl.=Umſtadt 2.
0:0. Nieder=Klingen 1.—Habitzheim 1. 11:1.
Hähnlein 1. — Worfelden 1. 2:11 (1:6).
Worfelden zeigt in dieſem Spiel, daß es wirklich Handball ſpielen
kann, alles klappte wieder einmal, und ein ſchwacher Punkt war
tat=
ſächlich nicht da. Hähnlein ließ ſich durch den ſchnellen und wuchtigen
Angriff des Platzvereins ganz aus dem Konzept bringen und verlor
dabei verſchiedene Male die Ruhe. Man ſoll auch eine Niederlage
er=
tragen können. — Hähnlein 2.— Worfelden 2. 0:5 (0:2).
Fechken.
Deutſche Hochſchul=Fechtmeiſterſchaften.
Die Fechtmeiſterſchaften der deutſchen Hochſchulen vereinigten in
Hannover aus allen Teilen des Reiches zahlreiche Bewerber.
Be=
reits am Samstag wurden die Florett=Meiſterſchaften entſchieden.
Der Titel fiel an den in allen Gefechten ungeſchlagen gebliebenen
Kol=
binger=München mit neun Siegen. Zweiter wurde Eugen Mayer (
Uni=
verſität Berlin) mit acht Siegen und einer Niederlage und dritter
Mül=
ler=Berlin mit ſieben Siegen und zwei Niederlagen. Der Münchener
Kolbinger holte ſich auch ohne Niederlage mit ſechs Siegen den Titel
in der Degen=Meiſterſchaft. Den zweiten Platz beſetzte Drillhaaſe=
Jena vor Schuſter=Leipzig. Um die Entſcheidung um die Säbel=
Meiſterſchaft ſtanden ſich Eugen Mayer, der Bruder der Weltmeiſterin
Helene Mayer, und Hoffmeiſter=Göttingen gegenüber. Mayer gewann
dank ſeiner reiferen Technik das Endgefecht mit 5:1 und damit die
Mei=
ſterſchaft. Als dritter placierte ſich hier Kolbinger=München mit fünf
Siegen. — Schwach beſetzt war nur die Damenmeiſterſchaft im
Florett, um die ſich vier Teilnehmerinnen bewarben. Sieg und Titel
fielen an Frl. Wachtern=München mit drei Siegen vor Frl. Bauer=
München und Frl. Brand=Berlin.
34. Preußiſch-Süddeutſche Klaffenlokkerie.
8. Tag. 5. Klaſſ=. In der Vormittags=Ziehung fielen:
winne zu je 500 Mark und 206 Gewinne zu je 300 Mark. — In der
Nachmittags=Ziehung fielen: 2 Gewinne zu je 5000 Mark auf
Nr. 397135; 10 Geſvinne zu je 3000 Mark auf Nr. 54 755 126 624
161 187 281 912 335 174; 4 Gewinne zu je 2000 Mark auf Nr. 85 845
258 406; 34 Gewinne zu je 1000 Mark auf Nr. 2190 7820 20 988 28 217
29 744 12 295 48 366 100 855 131 409 135 914 181835 233 966 25 877
305 322 340 783 379 832 399 884; ferner 52 Gewinne zu je 500 Mark
und 206 Gewinne zu je 300 Mark. — Im Gewinnrade verblieben:
2 Prämien zu je 500 000 Mark, 2 Gewinne zu je 500 000 Mark, 2
Ge=
winne zu je 300 000 Mark, 2 Gewinne zu je 200 000 Mark, 4 Gcwinne
zu je 75000 Mark, 2 Gewinne zu je 50 000 Mark, 12 Gewinne zu je
25 000 Mark, 56 Gewinne zu je 10 000 Mark, 118 Gewinne zu je 5000
Mark, 332 Gewinne zu je 3000 Mark. 614 Geſvinne zu je 2000 Mark,
1574 Goewinne zu je 1000 Mark, 3380 Gewinne zu je 500 Mark und 8650
Geſvinne zu je 300 Mark.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 19. Febr. 11.15: Schulfunk. O 13.30: Schallplatten.
O 15.15: Kinderſtunde. o 16: Kurhaus Freudenſtadt: Kurkapelle:
Lortzing: Ouv „Undine‟. — Strauß: Früh ingsſtimmenwalzer. —
Strauß: Wiegenlied: Ständchen. — d’Albert: Fantaſie aus „
Tief=
land‟. — Dann Tanzmuſit. O 18.05: O. Rombach: Der Brand im
Affenhaus. O 18.35: Paul Wanner lieſt aus eigenen Schriften,
O 19.05: Dr. Koll: Die deutſche Südgeorgien=Expedition 1928—1929.
O 19.30: Saalbau Frankfurt: Volks=Sinfonie=Konzert. Brahms:
Serenade in D=dur. — Mendelsſohn: Konzert in E=moll. — Liſzt:
„Mazeppa” ſinfon. Dichtung. O 21: Kleines Varieté.
Zuſammen=
geſtellt von Elſe Dobler. O 21.45: Ein weißer Ball um die
Jahr=
hundertwende. Polonaiſe mit Walzer. — Rheinländer. — Polka=
Mazurka. — Quadrille (Francaiſe). —Walzer (Damenwahl)
Ver=
teilung der Tanzſchleifen. — Rheinländer. — Schottiſch (
Herren=
wahl). — Quadrille à la cour (Lancier). — Galopp.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Mittwoch. 19. Febr. 9: Landwirtſchaftsrat Dr.
Feuerſänger: Beſchaffung und Ausnutzung wirtſchaftseigener
Fut=
te:mittel. O 9.30: W. C. Gomoll: Reiſe durch Jugoſlavien.
O 10: Dr. Paquet: Der Neckar. O 10.35: Mitteil, des Reichs=
Städtebundes O 14.45: Kinderſtunde. O 15.45: Cläre Degener:
Einrichtung von Milchſtuben. o 16: St. von Dumn Borkowſki;
Erziehung der Jugend für die Gemeinſchaft. O 16.30: Hamburg:
Konzert. O 17.30: Dr. H. Hofer: a=capella Suite. o 17.50:
Ob.=Reg.=Rat Lautenbach: Währungsſchutz im Young=Plan und
die Bedeutung der internationalen Bank für Zahlungsausgleich.
O 18.20: P. Dahms: Liebe im Schnee. o 18.40: Spaniſch für
Anf O 19.05: Gutes Deutſch. O 19.30: Hauptwachtmeiſter Eggert:
Ernſtes und Heiteres von der Polizei. O 20: Tanzmuſik. —
Ein=
lage: Zehn Minuten: Ringelnatz. O. Anſchl.: Zeit, Wetter. O
Da=
nach: Das Terra=Tonfilm=Orcheſter ſpielt.
Das Hochdruckgebiet hat ſich ſowohl verſtärkt als auch weſentlich
an Ausbreitung über Zentraleuropa gewonnen. Sein Kern über
Süd=
ſkandinavien läßt Barometerſtände von über 780 Millimeter erkennen.
Der Hochdruckeinfluß bringt Deutſchland kontinentale Luft, in deren
Be=
reich — namentlich ſpäter bei gleichzeitiger ſüdöſtlicher Verlagerung des
Hochs — außer ſtellenweiſer Nebelbildung vielfach Aufheiterung zu
er=
warten iſt. Die neuen Störungen, die über dem Ozean heranrücken,
dürften das Hoch zwar an ſeiner Nordſeite wieder abbauen, jedoch wirkt
ſich in unſerem Gebiet der Hochdruckeinfluß in den nächſten Tagen aus.
Ausſichten für Mittwoch, den 19. Februar: Bewölkt mit Aufheiterung,
leichter Nachtfroſt, meiſt trocken.
Ausſichten für Donnerstag, den 20. Februar: Fortdauer der herrſchenden
Wetterlage.
Hauptſchriftleitung. Rudelf Maupe
Verantwortlich für Polltſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feuiſleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch: für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”, Tagesſplegel in Bild und Wort Dr. Herberi Nette;
für den Inſeratenteu und geſchäftliche Mitteilungen: Willv Kuble;
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſiadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten
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Gothaer Lebensverſicherungsbant auf Gegenſeitigteit.
Gothaer Transportverſicherungsbant Rktien=Geſeliſchaft.
Sothger Rugemeine Verſicherungsbant Nktien=Geſellſchaft.
Altoſte Zoitung der Rheienpfalz.4
Loſerzahl ſäunttichyer Fritungen int
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. Februar hat ſich
die geſamte Kapitalanlage der Bank in der zweiten Februarwoche
in Wechſeln und Schecks, Lombards und Effekten um 216.7
Mil=
lionen auf 1891.3 Millionen Reichsmark verringert. Im einzelnen
haben die Beſtände an Reichsſchatzwechſeln um 10 000 Reichsmark
auf 40 000 Reichsmark, die Beſtände an Handelswechſeln und
Schecks um 240.2 Millionen auf 1719.7 Millionen Reichsmark
ab=
genommen, während die Lombardbeſtände um 23.5 Millionen auf
78.2 Millionen Reichsmark angewachſen ſind.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind
230.0 Millionen Reichsmark in die Kaſſen der Bank
zurückgefloſ=
ſen, und zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 214.,6
Millionen auf 4166.4 Millionen Reichsmark, derienige an
Renten=
bankſcheinen um 15.4 Millionen auf 336.5 Millionen Reichsmark
verringert. Unter Berückſichtigung, daß in der Berichtswoche
Rentenbankſcheine in Höhe von 4.9 Millionen Reichsmark getilgt
worden ſind, haben ſich die Beſtände der Reichsbank an
Renten=
bankſcheinen auf 50.3 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden
Gelder zeigen mit 502.2 Millionen Reichsmark eine Zunahme um
51.2 Millionen Reichsmark.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich
um 32.,8 Millionen auf 2752,6 Millionen Reichsmark erhöht. Im
einzelnen haben die Goldbeſtände um 25.1 Millionen auf 2351.0
Millionen Reichsmark, die Beſtände an deckungsfähigen Deviſen
Die Deckung der Noten durch Gold allein beſſerte ſich von 53.1
Prozent in der Vorwoche auf 56 4 Prozent, diejenige durch Gold
und deckungsfähige Deviſen von 62.1 Prozent auf 66.1 Prozent.
Der Aktienindex. Der vom Statiſtiſchen Reichsamt errechnete
Aktien=
index 1924/26 — 100) ſtellt ſich für die Woche vom 10.—15. Februar
1930 auf 121,4 gegenüber 122,9 in der Vorwoche, und zwar in der
Gruppe Bergbau und Schwerinduſtrie auf 120,4 (122,2), in der Gruppe
verarbeitende Induſtrie auf 109,3 (110,9) und in der Gruppe Handel
und Verkehr auf 141,5 (142,6).
Die Vereinsbank König, e.G.m.b. 6., kann für das abgelaufene
Ge=
ſchäftsjahr 1929 auf eine gute Entwicklung zurückblicken. Die Zahl
der Mitglieder betrug 301 mit 388 Geſchäftsanteilen. Im
abgeſchloſ=
ſenen Geſchäftsjahr 1929 vermehrten ſich die Guthaben der Mitglieder
um 11 249,10 RM. Die Geſamthaftſumme aller Mitglieder betrug am
Jahresſchluß 194 000 RM. Der Umſatz hat ſich im abgelaufenen
Ge=
ſchäftsjahr auf einer Seite des Hauptbuches um 1,5 Millionen Mark
erhöht und beträgt für 1929 9 235 269,11 RM. Der Reingewinn wird
mit 10 190,24 RM. angegeben, faſt die gleiche Höhe wie im Jahre 1928,
obwohl die Ziusſpanne im Jahre 1929 bedeutend ermäßigt worden iſt.
Die Spareinlagen haben im Jahre 1929 um rd. 60 000 RM.
zugenom=
men. Auch die Einlagen in Ifd. Rechnung haben eine Erhöhung von
rd. 20 000 RM. erfahren. Das Inſtitut kann eine ſehr liquide Bilanz
aufweiſen. Die diesjährige 66. Generalverſammlung wird am 2. März
im Gaſthaus „Zum Berggarten” abgehalten.
Der Uebergang des Frankfurter Bankvereins auf die Stadt
Franc=
furt. Der raſche Entſchluß der Stadt Frankfurt a. M., die Sicherheit
für die Einlagen und Kontokorrentforderungen der Frankfurter
Bank=
verein A.=G., Frankfurt a. M., in vollem Umfange zu übernehmen und
eine Sanierung des Inſtituts einzuleiten, hat glücklicherweiſe
verhin=
dert, daß in Frankfurter Sparerkreiſen neue Beunruhigung und
Un=
ſicherheit entſtand. Der Andrang von Sparern, die ihre Einlagen
ab=
heben wollten, war infolge der Bekanntmachung, daß die Stadt
Frank=
furt die Sicherheit ſämtlicher Einlagen der Bank gewährleiſte, nicht
nennenswert groß, um ſpäter faſt ganz abzuflauen. Die Mehrzahl der
Einleger gab ſich mit dem Garantieſtempel der Städtiſchen Sparkaſſe
zufrieden und beließ die Einlagen auf der Bank.— Wie verlautet, ſind
die Verluſte des Inſtituts ſo groß, daß das Aktienkapital von 1,02 Mill.
RM. und die 220 000 RM. offenen Reſerven als verloren zu betrachten
ſind. Ob und inwieweit der entſtandene Verluſt darüber noch
hinaus=
geht, muß die Reviſion ergeben. In einer ſofort einzuberufenden ao.
G.=V. wird den Aktionären Mitteilung gemäß 8 240 HGB. (Verluſt von
mehr als der Hälfte des Aktienkapitals) gemacht werden. Die Herren
Egler und Schönrock von der Städtiſchen Sparkaſſe Frankfurt a. M.
ſind in den Vorſtand der Bank eingetreten, während der bisherige
Direk=
tor Ries ſein Amt niederlegen wird. Die Bank ſoll liquidiert und der
Beſtand an Einlagen und Kontokorrentforderungen allmählich auf die
Städtiſche Sparkaſſe überführt werden.
Einigung in der Saar=Elektrowirtſchaft. Der Zweckverband
Weiherzentrale hat am 17. Februar in ſeiner Vollverſammlung mit 226
gegen 89 Stimmen den gegenteiligen Beſchluß vom 9. November 1929
aufgehoben und den Uebergang des Zweckverbandes Weiherzentrale
an die Vereinigten Saar=Elektrizitäts A.G. beſchloſſen. Damit iſt dem
bekannten Beſchluß des Präſidiums des R.W. E., das ſeinerzeit mit 5
gegen 2 Stimmen bei 2 Enthaltungen die Freigabe der Weiherzentrale
für den Fall verfügt hatte, daß die Weiherzentrale in ihrer Mehrheit
dieſen Wunſch ausſprechen würde, Genüge geleiſtet und endlich die laug
erſtrebte Einigung in der Elektrowirtſchaft des Saargebietes erreicht,
nachdem auch am 15. Februar der Kreisausſchuß den Beſchluß gefaßt
hat, dem Kreistag den Beitritt zu den Vereinigten Saarunternehmen
zu empfehlen.
Diehmärkke.
* Mainzer Viehhof=Marktbericht vom 18. Februar. Auftrieb 31
Ochſen, 19 Bullen, 540 Kühe oder Färſen, 368 Kälber, 31 Ziegen, 962
Schweine. Marktverlauf: In allen Viehgattungen ruhig, langſam
geräumt. Es wurden per 50 Kg. Lebendgewicht folgende Preiſe in
RM. bezahlt. Ochſen 56—58, 45—51, Bullen 40—46, Kühe 44—48,
32—39, 25—30, 18—22, Färſen 50—58, Kälber 50—64, 48—50, Schweine
77—80, 79—82.
Produkkenberichke.
Berliner Produktenbericht vom 18. Februar. Der hieſige
Produk=
tenmarkt vermochte ſich der Wirkung der weiterhin ſehr ſchwachen
Mel=
dungen von Ueberſee nicht zu entziehen. Das Geſchäft kam nur ſehr
ſchleppend in Gang, da die Mühlen angeſichts des nach wie vor
unbe=
friedigenden Mehlabſatzes kaum Aufnahmeneigung bekunden. Für das
keineswegs reichliche Inlandsangebot von Weizen lauteten die Gebote
zwei bis drei Mark niedriger als geſtern. Der Lieferungsmarkt ſchloß
ſich dieſer Kreisbewegung an. Roggen zur prompten Waggonverladung
ſteht weiter reichlich zur Verfügung, beſonders da das Preisniveau
infolge der Stützungskäufe beträchtlich über dem der Märzſicht am
Lieferungsmarkte liegt. Ueber die heute von der mit der Stützung
betrauten Firma bewilligten Preiſe war bisher nichts bekannt. Am
Lieferungsmarkt ſetzten die vorderen Sichten viereinhalb bzw.
dreiein=
halb Mark niedriger ein. Weizen= und Roggenmehle ſind in den
Mühlenforderungen weiter um bis 50 Pfg. ermäßigt, ohne daß Umſätze
über die Deckung des notwendigſten Bedarfes hinausgehen. Die Käufer
für Hafer bekunden gleichfalls einige Zurückhaltung, ſo daß niedrigere
Preiſe im allgemeinen nicht zu erzielen ſind. Gerſte liegt ſehr ruhig.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. Febr.:
Getreide. Weizen: März 1133 Mai 118½, Juli 119½,
Sep=
tember 121½; Mais: März 85½, Mai 8938, Juli 91½, September
91½; Hafer: März 423, Mai 44½, Juli 433; Roggen: März
82½, Mai 81½, Juli 82½ September 84½.
Schmalz: März 10,95, Mai 11,10, Juli 11,32½, September
11,52½.
Fleiſch. Rippen —; Speck, loko 13,25; leichte Schweine 10,75
bis 11,50, ſchwere Schweine 10,25 bis 11,00; Schweinezufuhren:
Lhicago 27 000, im Weſten 116000.
Baumwolle: März 15,35, Mai 15,62.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 18. Febr.:
Schmalz: Prima Weſtern 11,50; Talg, extra, loſe 7.
Getreide. Weizen: Rotwinter n. Ernte 135½, Hartwinter
f. Ernte 119½; Mais 98½; Mehl 5,40—5.70; Getreidefracht:
ſtach England 1,6—2,6 Schilling, nach dem Kontinent 8—9 Cts
Kakao „Tendenz: ſtetig; Umſätze: 106; Loko: 9½: Mä
104, April 9,22, Mai 9/41, Juni 9,55, Juli 9,69, Auauſt —
September 9,94, Oktober 9,89, November —, Dezember 9,75.
Frankfurt a. M., 18. Februar.
An dem Börſenbild änderte ſich auch heute wieder nur wenig.
Lediglich die Stimmung war gleich zu Beginn etwas
zuverſicht=
licher, da die Erholung der Siemens=Debentures, nachdem geſtern
in Holland hierin eine rückläufige Tendenz zu bemerken war, dem
Markt eine gewiſſe Stütze bot. Sonſtige Anregungen lagen kaum
vor. Die feſte geſtrige New Yorker Börſe machte nur geringen
Eindruck, ebenſo der etwas leichtere Geldmarkt. Der anhaltende
Ordermangel ſtand einer lebhafteren Geſchäftsentfaltung hemmend
im Wege. Gegenüber der geſtrigen Abendbörſe war die
Kurs=
geſtaltung nicht einheitlich, da ſpäter am Chemiemarkt Material
herauskam. Hiervon ausgehend, griff eine ſtärkere Verſtimmung
um ſich, ſo daß das Geſchäft faſt vollkommen ſtagnierte und die
Tendenz eher zur Schwäche neigte. J.G Farben büßten 1½ Proz.
ein. Am Elektromarkt waren Chadeaktien auf die weitere
Ab=
ſchwächung der ſpaniſchen Valuta ſtärker angeboten und 4 Mark
ſchwächer. Die übrigen Werte dieſes Marktes lagen zur Erſtnotiz
ebenfalls niedriger, doch gingen die Abſchläge nicht über einhalb
Prozent hinaus. Am Montanmarkt konnten Gelſenkirchen und
Ilſe Bergbau je 1 Prozent anziehen. Gut behauptet lagen Phönix
und Mannesmann, Rheinſtahl gaben dagegen leicht nach. Von
Kunſtſeide=Aktien lagen Aku 2 Prozent ſchwächer. Einiges
Inter=
eſſe beſtand für Cement Heidelberg. Junghans, Zellſtoff Waldhof
und Frankfurter Maſchinen. Am Bankenmarkt büßten Dresdner
um 7.7 Millionen auf 401.6 Millionen Reichsmark zugenommen. Bank 1½. Prozent ein, Deutſche und Diskonto lagen leicht
ge=
beſſert. Am Rentenmarkt hat das Intereſſe für Türken
nachge=
laſſen. Es traten bei dieſen Werten eher kleine Abſchwächungen
ein. Nur für Anatolier erhielt ſich einige Nachfrage bei weiter
leicht anziehenden Kurſen. Deutſche Anleihen vernachläſſigt. Im
Verlaufe traten infolge der Geſchäftsſtille Abbröckelungen bis zu
½ Prozent ein. Schuckert verloren insgeſamt 2½ Prozent. Am
Geldmarkt wurde der Satz für Tagesgeld um ½ Prozent auf 6
Prozent ermäßigt. Am Deviſenmarkt war Spanien ſchwach. Die
Mark war ebenfalls rückgängig. Man nannte Mark gegen Dollar
4.1923, gegen Pfunde 20.374. London—Kabel 4 8600, Paris 124.22,
Mailand 92.90, Madrid ca. 40.40, Schweiz 25.197/, Holland 12.12½.
An der Abendbörſe blieb das Geſchäft infolge der weiter
herr=
ſchenden Orderloſigkeit zwar wieder ſehr ſtill, die Tendenz war jedoch im
allgemeinen gut behauptet. Die Kursveränderungen gegen den
Ber=
liner Schluß blieben gering. J.G. Farben konnten ſich auf kleine
Deckungskäufe geringfügig erholen. Außerdem beſtand für Siemens
und Gesfürel bei etwa 1 Prozent höheren Kurſen einiges Intereſſe.
Am Rentenmarkt waren Ungariſche Goldrente zu 26 Prozent gefragt.
Serben blieben auf dem erhöhten Kursniveau gehalten; Talonſerben
21 Brief, 1909er Serben 15½ Brief. Im Verlaufe machten ſich einige
Kursſchwankungen bemerkbar. J.G. Farben gaben wieder leicht nach.
Berlin, 18. Februar.
Im Vormittagsverkehr und an der Vorbörſe herrſchte eine etwas
freundlichere Stimmung. In Siemens wollte man weitere
Deckungs=
nachfrage bemerken und dieſes Papier wurde vorbörslich mit 262
Pro=
zent geſprochen, Polyphon war mit 284 Prozent zu hören. Man ſah
dem Beginn des offiziellen Verkehrs zuverſichtlich entgegen. Die erſten
Kurſen brachten, obwohl die Veränderungen nur vereinzelt über 1—1½
Prozent hinausgingen, eine Enttäuſchung. Der um dieſe Zeit zur
Ver=
öffentlichung gelangende Reichsbankausweis per 15. Februar konnte
ſich trotz der befriedigenden Entlaſtung nicht günſtig auswirken, und
es ergaben ſich überwiegend Kursabſchläge. Im Verlaufe bröckelten
die Kurſe bei größter Geſchäftsſtille weiter ab.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metalltermine vom 18. Februar 1930 ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 134.50 (134.50) Februar 136 (140), März 135
(137.50), April 134.50 (135.50), Mai 134 (185). Juni 134.50 (134.50),
Juli und Auguſt 134 (134.75), September and Oktober 134.25 (134.50),
November und Dezember 134.50 (134.50). Tendenz: abgeſchwächt. —
Für Blei: aInuar 42.50 (42. 75), Februar 41.25 (42.25), März 41.50
(42), April 41.50 (41.75), Mai 41.75 (42), Juni 42 (42.25), Juli und
Auguſt 42 (42.50), September und Oktoher 42.25 (42.50), November und
Dezember 42.50 (42.75). Tendenz: ſtill. — Für Zink: Januar 39,75
(40.25), Februar 36 (38) März 37 (37.50), April 37.50 (38), Mai 37.75
(38,75), Juni 38.50 (39.25), Juli 38,75 (39.75), Auguſt 39.50 (40),
Sep=
tember 39.50 (40.25), Oktober 39,75 (40), November und Dezember 39,75
(40.25). Tendenz: ruhig. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in
Klammern Brief.
ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Trotz der weſentlichen Verbilligung des
Geldes hat ſich eine Belebung des Geſchäftsganges am Holzmarkt
bis=
her nicht eingeſtellt. Die Lage des Baugeſchäftes iſt einſtweilen überaus
ruhig, neue Projekte werden immer ſeltener herausgebracht, viele Pläne
müſſen wegen der Unmöglichkeit, ſie zu finanzieren, einſtweilen
zurück=
geſtellt werden. So kommt es, daß die Sägewerke in die größte
Ver=
legenheit geraten, weil ſie nicht wiſſen, wozu ſie ihre Bauhölzer
ver=
werten ſollen. Auch in der Möbelinduſtrie ſieht es unerfreulich aus,
die Zahlungen gehen immer ſchleppender ein, an Beſtellungen fehlt es.
Inſolvenzen im Tiſchlereigewerbe und neuerdings auch im Möbelhandel
ſind auf der Tagesordnung. So hat vor einigen Tagen ſich die
be=
kannte Möbelfirma Landes Söhne in Mannheim an ihre Gläubiger
mit der Erklärung gewandt, daß Schwierigkeiten vorliegen und ein
Vergleich angeſtrebt werden muß. An dieſem Zuſammenbruch ſind
Tiſchlereibetriebe aus ganz Deutſchland, vor allem aus Thüringen,
be=
teiligt, die einen weſentlichen Teil der eingegangenen Wechſel an ihre
Holzlieferanten weitergaben. In den letzten Tagen mußten von
zahl=
reichen Holzhändlern dieſe notleidend gewordenen Kundenwechſel aus
dem Verkehr gezogen werden. Die Bautiſchlereibetriebe haben wenig
zu tun. Geſucht werden hier und dort nur 42 Millimeter
Stamm=
bretter mit mindeſtens 65 v. H. 1. Klaſſe bei brettweiſer Sortierung.
Auch im Holzhandel fehlte es nicht an Zuſammenbrüchen. In
Ham=
burg kam eine alte Platzholzhandelsfirma, die viel Schnittholz in
Oſt=
preußen kaufte, zu Fall, in Berlin ſtellte eine Holzhandlung mit
Hobel=
werk die Zahlungen ein, die Inſolvenz einer Waldausnutzungsfirma
in Warſchau wurde bekannt. Die Verluſte, die bei allen dieſen
Inſol=
venzen für den Holzhandel zu beklagen waren, trugen keineswegs zu
einer Befeſtigung der Stimmung bei. Im Ruhrrevier und in Hannover
belebte die Nachfrage nach aſtreinen Seitenbrettern, aber die erzielbaren
Preiſe ſind für die Sägewerksinduſtrie ruinös.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
dich
Die deutſche Rohzinkproduktion einſchließlich Zinkſtaub betrug,
wie der Geſamtausſchuß zur Wahrung der Intereſſen der deutſchen
Metallwirtſchaft, Berlin, auf Grund der Berechnungen des ſtatiſtiſchen
Büros der Metallgeſellſchaft A.=G., Frankfurt a. M., mitteilt, im
Januar 9 053 To. gegen 8996 To. im Dezember 1929.
In Kempen wurde als Zweiggruppe des Rheiniſchen
Rübenbauer=
verbandes der Verband Niederrheiniſcher Rübenbauer ins Leben
ge=
rufen.
Ein großer Konzern beabſichtigt, die Verbindlichkeiten der in
Zah=
lungsſchwierigkeiten, ſich befindenden Textilfirma Arthur Wertheim,
Kaſſel, mit 40 Prozent zu garantieren unter der Vorausſetzung, daß
die Gläubiger dieſen Vorſchlägen zuſtimmen. Die 40 Prozent ſollen in
drei Naten kurzfriſtig an die Gläubiger ausgeſchüttet werden.
Wie der Fwd. erfährt, iſt das Geſchäftsjahr 1929 der
Portland=
zementfabrik Karlſtadt A.=G., Karlſtadt, günſtig verlaufen. Die
Be=
ſchäftigung war gut und das finanzielle Ergebnis angemeſſen. Der im
April ſtattfindenden Bilanzſitzung wird eine unveränderte Dividende
von 10 Prozent auf 6,82 Mill. RM. A. K. in Vorſchlag gebracht werden.
Es iſt beabſichtigt, die Aktien der Leonhard Tietz A.G., Köln, in
den Frankfurter Börſenterminhandel einzubeziehen.
Nach der Statiſtik über die Herkunft des in Frankfurt a. M. im
Jahre 1929 aufgetriebenen Schlachtviehs ſtammt vom geſamten Auftrieb
38 Prozent aus Bayern, ſo daß das bayeriſche Vieh einen
Haupt=
beſtandteil des Frankfurter Marktes ausmacht. An zweiter Stelle ſteht
HeſſenNaſſau und an dritter Stelle Württemberg.
Die Juſtizpreſſeſtelle Frankfurt a. M. teilt mit: Die
Vorunter=
ſuchung in Sachen der Favag iſt auf die früheren Vorſtandsmitglieder
B. Lindner und H. Schumacher ausgedehnt worden. Beiden werden
Vergehen gegen die Bilanzierungsvorſchriften und handelsrechtliche
Un=
treue vorgeworfen.
In der G V. der Naſſau=Selterſer=Mineralquellen A.=G.,
Ober=
ſelters, wurde für das abgelaufene Geſchäftsjahr, das befriedigend war,
eine erhöhte Dividende von 8 (6) Prozent auf das Stammkapital von
227 800 und unverändert 8 Prozent auf 20000 RM. V.A. beſchloſſen.
Die Wirtſchaftslage in der Pirmaſenſer Schuhinduſtrie hat faſt keine
Aenderung erfahren. Die Vermittlungstätigkeit beim Arbeitsamt war
rege, doch wird die Zahl der vermittelten Arbeitskräfte durch die
ent=
laſſenen Arbeiter etwa ausgeglichen.
Die G. V. der württembergiſchen Portland=Zementwerke. A. G.,
Lauffen, genehmigte für 1928/29 wieder 12 Prozent Dividende aus 2,8
Mill. RM. A.K. Durch die Neubeſetzung des A.R. kommt der
Mehr=
heitsbeſitz der Stadt Heilbronn zum Ausdruck.
Berliner Kursbericht
vom 18. Februar 1930
Deviſenmarkt
vom 18. Februar 1930
Italien 100 Lire 21.30 21.94 Tallinn Eſtl. 1 100 eſtl. Kr. 111.49 111.77 102.50 Orenſtein & Koppell 73.375 Wanderer=Werke 48.— Paris 100 Francs 18.315 16-415/Riga 100 Lats 80.60 *0.n78
12 Uhr
Me H
Danatbank.
Deutſche Banlu. 7
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A.6. 8.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummt.
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
Gubdil
Honalsanr, Kouicanengerenfcäft
Frankſurter Kursbericht vom 18. Februar 1930.
83Dtſch. Reichsanl.
% „
% Baden ...
8% Bahern ...
89
% Heſſen b. 28
890
v. 29
6% Preuß.
Staats=
anl. . .. .
8% Sachſen...
...
7½ Thüringen ....
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. 4 I.
Ablöſungsanl. ..
Diſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ....
8% Baden=Baden
620 Berlin......
8% Darmſtadtv. 26
„ v88
8%0
7%0 Frankf. a. M.
8% Mainz..... .
88 Mannheim.
8%0 Nürnberg ....
8% Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr. .....
8%0
„ Goldobl.
4½ % Heſſ. Lds.=
Hhp.=Bk.. Liqnid.
Pfbr.. .. .....
8 % Preuß. Lbs.,
Pfbr.=Anſt. Gold=
Pfbr.. .......
8% „ „ Goldobl
82 Darmſt. Komm.
Landesbk. Goldobl.
89
KaſſelerLandes=
kredit Goldpfbr.,
M.
87.5
76
96.75
76.4
84.5
87
91.4
96.75
74
76.5
51.95
8.325
2I.
86.5
85
82
88.5
96.5
88.5
7.5
345
94
95
18%Naſ. Landesbk.)
Goldpfbr. . . .
4½% „ Obl.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.-Anl.
* Ausl. Ser. 1
„ Ser, II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
18% Berl. Syp.=Bk.
4½ %0 „Liqu.=Pfbr.
8% Frkf.Hyp. Bk..
4½% — Lig. Pfbr.
8% „Pfbr. Bk.,)
4½% „ Lig. Pfbr.,
8%Mein. Hyp. Bk..
4½% „Lig.Pfbr.,
8% Pfälz. Hyp. Bk.
4½%0 — Lig.Pfbr.
8% Preuß.
Boden=
ered.=Bank ....
4½% — Lig.Pfbr.
8% Preuß. Centrl.=
Bodener.=Bk....
4½% — Lig.Pfbr.
18% Rhein.Hyp.Bk.
4½,% „ Lig. Pfbr..
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit... ..
80 Südd. Bod.=
Cred.=Banl.. ...
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Bürtt. Hyp.=Bk.
6% Daimler Benz
8½ Dt. Linol. Werke
82 Rlöchner=Werfel
720 Mainkraftwerke
7% Mitteld.
Stahl=
werke .......!
8% Solzmannu. Co.
7% Ver. Stahlwerke
6 BoigtckHäffner!
72.75
49-1.
66
18
96.5
82
96.5
81.25
96
83.5
96
84.75
96.5
80.525
95.5
84.5
96.5
96.5
82.95
94.5
97.5
81.5
96
70
98
91
84
86
85
84.5
92.75
J.0. FarbenBonds /100,
5% Bosn. L.E.B.
5% „ L.Inveſt.
4½% Oſt.
Schatz=
anw. .. . . . . . . . .
420 Oſt. Goldrente
delovereinh. Rumän.
4½%0
4%
42o Türk. Admin.
425 „ 1. Bagdad
4% „ Zollanl.
4½% Uungarn 1913
4½% „ 19141
„ Goldr.
4%0
„ 1910
4%
Aitien
Rig. Kunſtzüde Unie
AEG. Stamm ...!
AndregeNoris Bahn
Baſt Nürberg. . ..
Bemberg J. P...
Bergmann. . ..
Brown BoverickCie
Brüning & Sohn..
Buderus Eiſen ...
Cement Heidelberg
Karlſtadt
J. 6.Chemie, Baſell;
Chem.Werke Albert
Chade ...........!.
Contin. Gummtw.
. Linoleum
Daimler=BenzA. G.
Dt. Atl. Telegr. . .
Eiſenh. Berlin.
„Erdöl ......."
„ Gold= u. Silb.=Anſtalt .
„ Linoleumwerk.
Onckerhoff u.
Wib=
mann
Eichbaum=Werger.
Elektr. Licht u. Kraft
„ Liefer=Geſ.,
29.3
10.5
16.8
8.5
2n
25.8
23.7
174.5
111
127
145
186.25
320
148
120
50
104
148
168
185
„Eſchw. Bergwerk.
Eßlingen Maſchinen
Ettlingen Spinnerei
J. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter),
Felt. & Guillegum.
Frkft. Gas ...
bo..
Geiling & Cie .....
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f. elektr.
Unter=
nehmungen ....
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft..
Hammerſen......
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfbr!
Hinderichs=Aufferm
Hirſch Kupfer...
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil..
Ho lzverk.=Induſtrie
Flſe Bergb. Stamm
„ Genüſſel
Junghans Stamm
Kali Chemie .... .
Aſchersleben
Salzbetfurth.
„ Weſteregeln
Kammaarnſpinn.
Karſtadt, R. ..
Klein, Schanzlin .
Alöchnerwerke.
Lahmeher & Co.
Lech, Augsburg..
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Wainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . . .
205
210
162.5
80
115
63
27
137
166
68.5
50.5
189
128
u6s
83
115
89.25
98
82
250.5
129
161
2s5
129
116.25
243
65
12
lsa
Men Mie
Mansfeld Bergb..
Metallgeſ. Frankf.:
Miag. Mühlenbau.
Montecatini Maild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
„ Oberurſel
Nicolay, Hofhr
Nürnberger Brauh.
Sberbedarf..
Otavi Minen
Phönix Bergbau".
Reiniger, Gebb...
Rh. Braunkohlen.
„ Eleltr. Stamm
„ Stahlwerke ..
Riebeck Montan ..
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerke
Sachtleben A. G. ..
Salzw. Heilbronn.
Schöfferhof=Bind.
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel=
Schuckert Eleftr. ..
Schwarz=Storchen.
Siem.Glasinduſtr.
Siemens & Halskel
Strohſtoff. Ver.
Südd Immobilien
„ Zucker=A. G.
Spensla Tändſticks =
Tellus Bergbau
Thür. Liefer.=Ge).
Tucher=Brauerei..
Unterfianken
Beithwerke..
Ber f Chem. Ind.
. Laurahütte. . .
„ Stahlwerke
„Ultramarin.. ..
Zellſt. Berlin.
Vogtländ. Maſchin.
Boigt & Haeffner.
Nec
au0
130.75
56.25
50
50
115
104
113
141
95.75
119.25
162
2o8
249
9a
115
187
ſ2sg
196
43
158
346
112
105
97
5is
Wanß & Frentag)
Wegelin, Rußfabr.
Zellſtoff. Aſchaffbg.
Memel.
Waldhof.
Allg. Dt. Creditanf
Badiſche Bank.
Bank f.Brauinduſtr
BarmerBankverein
Berl. Handelsgeſ..
„ Hypothekenbk
Comm. u. Privatb.
Darmſt.u.Nt.=Bl.
Dt. Ban und Disk.
Deutſche Effekten
und Wechſelbank
Dresdener Ban!
Frankf. Ban!
Syp. Ban!
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundr.B.
Mein,Hyp.=Ban!
Oſt. Creditanſtal=
Pfälz. Hyp.=Ban
Reichsbant.....
Rhein. Hyp.=Bank.
Süd d. Bod.-Cr. Bk.
Wiener Bankverein!
Württb Notenbank
(5
104.5
149.5
124
206
120.25
169
148
129.5
2(3
155
236
150.25
N.-G. f. 2 ertehrsw.
Allg. Lo lalb. Kraftn
70o Dt. Reichsbahn
Vorzge
Hapag.. . . ...
Nordd. Llohzd ....
Schantung=Eiſenl
Südd Ciſenb.=Ge
All anz. u. Stung.
Verſicherung..
Verein. Verſ.=
Frkft. Allg. Verſ.G
„ Rückverſich.
Frankona Rück= u.
Mitv. ...... ..1
Mannh. Berſich. —
ja11
1.6
101.75
142.5
141
120
135
2971.
1ag‟
297
152.75
121.
156.5
109
154
101.25
1041.
114
230
201
42
145
[ ← ][ ][ → ]Nummer 50
Mittwoch, den 19. Februar 1930
Seite 13
Manker alß der Tod.
5)
Roman von Hans Schulze.
Nachdruck verboten.
„Ich kann heute nicht anders, Evelyn! Nie hab’ ich ſo
ge=
fühlt, was du mir biſt. So möchte ich dich haben und halten,
miein Leben lang!”
Seine Augen liebkoſten ihr Geſicht, das ſo weich und voll
füßeſter Zärtlichkeit war.
Und ſie ſchmiegte ſich enger in ſeinen Arm, das feſſelloſe
Ge=
fühl in ihm berauſchte auch ſie, daß ſie ihm immer wieder den
Mund bot und ſeine Küſſe wie ein betörendes Gift in ſich
hin=
eintrank, willenlos, mit heiß verſchleierten Sinnen.
Nach langen Minuten machte ſie ſich endlich wieder frei und
ſtrich das verwirrte Haar aus der Stirn.
Er führte ſie zu einem Seſſel und nahm ſie auf ſeine Knie.
So ſaßen ſie eine Zeitlang in ſeliger Selbſtvergeſſenheit.
Evelyn erzählte von den kleinen Erlebniſſen des Tages, er
lauſchte ſtill verſonnen auf den Klang ihrer herben, jungen Stimme
und dachte immer wieder nur das eine, wie glücklich er war, daß
ſie um ihn war.
„Haſt du Frau Hartkort eigentlich ſchon wegen des Tees
Beſcheid geſagt?” fragte er endlich in hausherrlicher Beſorgtheit.
Evelyn verneinte.
„Das Mädchen hat mich eingelaſſen. Die Gnädige war gerade
ausgegangen. Ich glaube, wir ſind ganz allein in der Wohnung!”
„Ich hab” heute auch nur noch wenig Zeit!” ſchloß ſie
zag=
haft. „Mein Mann wollte gegen ſieben Uhr zu Hauſe ſein. Wir
machen heut’ in Familienglück!”
Er ſah ihr tief in die Augen.
„Du ahnſt nicht, wie du mich mit ſolchen Worten quälſt!”
Evelyn wiegte ſich leiſe hin und her.
„Du biſt dumm. Schatz! Du weißt doch, daß ich nur immer
dich lieb haben werde!”
Kurt reckte ſich höher, ſein Geſicht ſpannte ſich.
„Wenn ich das nicht wüßte, möchte ich gar nicht weiterleben.
Und doch hab’ ich ſchon den ganzen Tag ein Gefühl, als ob uns
beiden ein großes Unglück drohe!"
Evelyn bewegte unmutig den Kopf.
„Immer kommſt du mit ſolch ſchrecklichen Dingen. Gerade,
wenn ich ſo recht von Herzen froh ſein möchte. Nimm das Leben
wie ich. Augen zu. Und von einem Tag zum andern gelebt!“
Er lächelte nachſichtig.
„Das kann ich nicht, Kind! Mir iſt unſere Zukunft eine
große Sorge. Ich bange um unſere Liebe. Täglich, ſtündlich,
immer!“
Sie nahm ſeine Hand und ſtreichelte ſie zärtlich, das leichte
Blut ihres Vaters regte ſich.
Ich mache mir darüber gar keine Gedanken. Alles im Leben
iſt Beſtimmung und kommt, wie es kommen muß!“
Und als ſie ſein tiefernſtes Geſicht ſah, legte ſie ihren Kopf
an ſeine Schulter und ſagte ganz leiſe an ſeinem Ohr:
„Weißt du, ich muß dir ein großes Geheimnis anvertrauen.
Nämlich, daß ich dich aanz ſchrecklich lieb habe!"
In dieſem Augenblick klang ein Hupenſignal durch die Stille.
Ein großer amierikaniſcher Wagen glitt wie ein grauer
Schat=
ten faſt lautlos die einſame Villenſtraße entlang.
Wie unter einem geheimen Zwang war Evelyn
aufgeſprun=
gen und in den Erker getreten.
„Das Auto meines Mannes”, ſagte ſie mit totblaſſen Lippen.
„Er ſteigt aus, er kommt ſchon durch den Vorgarten!”
Faſt gleichzeitig ſchrillte ein Klingelzeichen durch die bange
Schwüle der geſpannten Erwartung.
Kurt machte unwillkürlich eine Bewegung zur Tür, doch da
hing Evelyn ſchon an ſeinem Arm.
„Du wirſt ihm doch nicht öffnen!” ſtammelte ſie angſtvoll.
Er zuckte die Achſeln.
„Das Mädchen kann jeden Augenblick vom Einholen zurück
ſein. Da kommt er doch mit herein. Auch ſchlägt er vielleicht die
Tür ein, wenn ich ihm nicht aufmache. Du weißt ja, daß er keine
Rückſicht kennt!“
Von neuem mahnte die Klingel ſcharf und gellend, daß ſie
aus dem langgezogenen Laut die ſtürmiſche Ungeduld des
War=
tenden faſt körperlich herauszuhören meinten.
Kurt riß ſich empor.
Irgend etwas mußte geſchehen.
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„Geh’ in die Küche, Evelyn!” ſagte er haſtig. „Und über die
Hintertreppe in den Garten. Von da kommſt du ungeſehen zum
Bahnhof. Ich halte deinen Mann inzwiſchen hier feſt und rufe
ſofort bei dir an, was er gewollt hat. Vor allem ängſtige dich
nicht unnötig, Kind! Du weißt, ich ſtehe zu dir und verlaſſe dich
nicht! Aber ich kann mich doch nicht verſtecken. Wenn unſer
Verhältnis entdeckt iſt, iſt eine Auseinanderſetzung einfach
unver=
meidlich!"
Noch ein Kuß, eine letzte leidenſchaftliche Umarmung.
Dann ſchob er die noch immer Widerſtrebende mit ſanfter
Gewalt in die Küche und ging ſelbſt durch die Diele, die
Haus=
tür zu öffnen.
„Womit kann ich Ihnen zu Dienſten ſein? Wollen Sie bitte
Platz nehmen!“
Hochaufgerichtet wie zwei Kämpfer ſtanden ſich die beiden
Männer gegenüber und tauchten die Blicke prüfend ineinander.
Karr hatte unwillkürlich die Fauſt gehoben, als ob er Kurt
ins Geſicht, ſchlagen wollte, jede Fieber ſeines Körpers war
krampfhaft geſpannt.
Dann aber ſank ihm der Arm wieder herab; ein pfeifender
Ton kam aus ſeiner Bruſt, ſein Geſicht erſchlaffte.
„Ich weiß, daß Sie mich mit meiner Frau betrügen!” ſtieß er
endlich mit heißer Stimme hervor. „Sie erwarteten ſie heute zum
Tee, ſie iſt vielleicht noch hier. Leugnen wäre feig und ſinnlos!”
Kurt hob die Schultern.
„Ich habe auch gar nicht die Abſicht, zu leugnen, was Sie ſo
beſtimmt zu wiſſen glauben!“
Mit großen, klingenden Schritten ging Karr ein paarmal
durch das Zimmer, daß die Glasprismen, der Mittelkrone leiſe
aneinanderklirrten.
Dann trat er mit geducktem Nacken wie ein raſender Stier
ganz dicht zu Kurt heran.
„Ich verlange Genugtuung!” ſagte er halblaut zwiſchen den
Zähnen.
Kurt verneigte ſich förmlich.
„Ich ſtehe ganz zu Ihrer Verfügung!“
Ein hartes Lachen war die Antwort.
„Nein, junger Freund! Nicht ſo, wie Sie denken! Ich habe
nicht die geringſte Luſt, mich von Ihnen auch noch niederknallen
zu laſſen, nachdem Sie mir meine Frau genommen haben." Ich
halte ein Duell für abgeſchmackt und ſinnlos!“
„Was wünſchen Sie alſo von mir?”
„Ich will meine Rache haben! Verſtehen Sie, Rache! Sie
hätten mir gewiß keine ſilbernen Löffel geſtohlen, aber Sie haben
ſich keinen Augenblick beſonnen, mir mein koſtbarſtes Beſitztum,
meine Frau, zu ſtehlen. Das gilt in Ihren Kreiſen ja wohl noch
für eine beſondere Heldentat!”
Kurt bewegte abwehrend die Hand.
„Wollen wir nicht bei der Sache bleiben!? Ich frage
noch=
mals, was Sie von mir wünſchen!“
Eine jähe Röte ſchoß Karr in die Stirn.
„Ich will es Ihnen ſagen!” begann er dann mit kaum noch
gewahrter Beherrſchung.
„Ich will Ihr Leben!”
Unwillkürlich war Kurt einen Schritt zurückgewichen.
„Mein Lebens” wiederholte er leiſe.
Der ältere Mann nickte.
„Allerdings! Ich verlange nichts mehr und nichts weniger
als das Opfer Ihres Lebens!”
„Sie ſcheinen die Situation noch immer nicht ganz zu
be=
greifen!” fuhr er dann nach einer Pauſe mit unheimlicher Ruhe
fort. „Ich habe von Ihren Beziehungen zu meiner Frau ſchon
vor meiner letzten Reiſe gehört, aber ich habe ſie nicht ernſt
ge=
nommen, ſie für einen harmloſen Flirt gehalten, bis mir heute
durch den Bericht eines Detektiv=Inſtituts die Augen geöffnet
wurden.
Und da wollte ich anfangs nicht an das Letzte glauben, weil
ich meine Frau für zu klug hielt, um für eine Liebelei ihre ganze
Exiſtenz aufs Spiel zu ſetzen. Und nicht nur ihre eigene, ſondern
auch die ihrer geſamten Familie, ihrer jüngeren Geſchwiſter und
ihrer kranken Mutter, die morgen auf der Straße liegen, wenn
ich meine Hand von ihnen abziehe.
Meine Frau iſt im Luxus groß geworden, er iſt ihr ein
Lebensbedürfnis, wie anderen die Luſt zum Atmen. Ich habe
ihr durch unſere Ehe ermöglicht, ihr Luxusleben fortzuſetzen. Ich
habe ihr jeden Wunſch erfüllt, ihr alles gewährt, was das Leben
nur zu bieten hat.
Zum Dank dafür hat ſie mich mit Ihnen betrogen!“
Er hatte bei den letzten Worten wieder unwillkürlich die
Stimme erhoben; ein unheimlich greller, drohender Glanz lag
über ſeinen Augen.
„Ich will nicht darüber rechten, wer von Ihnen beiden die
größere Schuld trägt.
Ich weiß, meine Frau iſt jung und leidenſchaftlich, aber Sie
ſind der Mann und haben darum auch für die Folgen einzuſtehen,
Denn ich habe nicht die Abſicht, meine Frau zu verlieren.
Ich will vielmehr verſuchen, zu vergeſſen, was ſie mir angetan
hat, und ich glaube auch, ich werde vergeſſen können.
Aber nur unter der einen Bedingung, daß Sie nicht mehr am
Leben ſind, daß ſich meine Frau in unſeren Umarmungen auch
nicht mehr mit einem einzigen Gedanken zu Ihnen flüchten kann!“
Mit einer raſchen Bewegung griff er in ſeine Manteltaſche
und legte ſeinen Browning vor Kurt auf den Tiſch.
(Fortſetzung folgt.)
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fesselter Offiziere preisgegeben,
um das Dasein ihres Mannes,
ihres Kindes und um ihr eigenes
Schicksal ringt.
In den übrigen Hauptrollen eine
Reihe internationaler Schauspieler
von Ruf
Dazu als zweiter Schlager:
Die keusche Kokotte
Ein Gesellschaftsstück in 6 Akten,
mit Lia Eiben chütz u. Otto Gebühr
in den Hauptrollen.
Beginn 3½ Uhr.
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heute und morgen
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zum mondänsten Girl. Eine
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vagante Handlung mit tretfsicherer
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verstaubtem Moralpredigertum u.
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In der Hauptrolle:
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Siegfried Arno, Clga Limburg,
Karl Harbacher.
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Beginn 3½ Uhr.
Im Doppelspielplan:
Der große deutsche Kriminal- und
Abenteurerfilm.
Reinhold Schünzel in:
kelenmE R
Ein Drama aus der Unterwelt und
dem Nachtleben Berlins
Begie: Reinhold Schünzel.
In weiteren Rollen:
Grete Reinwald,
Ernst Stahl-Nachbaur
Als zweiter Schlager:
Ein kleiner Vorschuß
auf die Seligkeit
Ein echtes, rechtes Filmlustspiel,
ein Drunter und Drüber von
Irre-
führungen, Intriguen, Täuschungen
und Verwechslungen.
In den Hauptrollen die bewährten
Darsteller Dina Gralla,
Paul Hörbiger
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