Einzelnummer 10. Pfemige
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Tat
*
N4
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Ter
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Franfurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 36
Mittwoch, den 5. Februar 1930.
193. Jahrgang
27 mm brelie Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
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zeille 3.00 Reſchsmark. Alle Preiſe in Reichsmart
(4 Dollar — 420 Mark. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streil uſw., erliſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konhurs oder gerſchtilſcher Beltreibung ſäſlt jeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Zwei Wochen Londoner Konferenz
Blokkenabrüſtung in privaken Beſprechungen. — Nach dem franzöſiſchen nun auch ein engliſcher
Kompromiß=
vorſchlag zur Tonnagebeſchränkung. — Noch keine Einigung zwiſchen England und Frankreich.
Notwendigerweiſe muß es zu einer Einigung über das
Dalaer Noch Meihungsberſchiedenheilen Abrüſtungsverfahren kommen. Was bisher gefunden worden iſt,
iſt lediglich eine Grundlage für dieſe Einigung. Die
fran=
zöſiſch=engliſchen Delegationsbeſprechungen
Nach zwei Wochen noch kein Verhandlungsprogramm haben zu der grundſätzlichen Bereitwilligkeit
EP. London, 4. Februar.
Die Ausſichten auf eine baldige Feſtſetzung eines
Verhand=
lungsprogramms für die Londoner Flottenkonferenz ſind,
ob=
wohl die Verhandlungen bereits in die dritte Woche eintreten,
noch immer recht gering. Auf der heutigen Ausſchußſitzung
im St.=James=Palaſt wurde zwar neben dem
franzö=
ſiſchen Abrüſtungsvorſchlag den Delegierten ein von der
eng=
liſchen Abordnung ausgearbeiteter Gegenvorſchlag zur
Prüfung unterbreitet. Als Hauptpunkt ſoll der engliſche
Vor=
ſchlag ſich gegen die Tonnageübertragung von einer anderen
Lategorie auf Schlachtſchiffe oder Unterſeeboote ausſprechen. Im
übrigen ſollen auch die engliſchen Delegierten in dieſem
Gegen=
vorſchlag die Einteilung der Flotten in ſechs Kategorien
for=
dern, und zwar in Schlachtſchiffe, Flugzeugmutterſchiffe, Kreuzer
mit achtzölligen Geſchützen, Kreuzer mit ſechszölligen Geſchützen,
Zerſtörer und Unterſeeboote. Die Ausſchußberatung im
St.=James=Palaſt, die unter dem Vorſitz des erſten Lord
der Admiralität, Alexander, in Vertretung Macdonalds
ſtatt=
ſrnd, iſt jedoch erwartungsgemäß ohne jede
jüeberraſchung verlaufen. In der Konferenz wurden
ſowohl der franzöſiſche Abrüſtungsvorſchlag,
der nach einer Mitteilung der „Evening News” in verſchiedenen
Aunkten abgeändert ſein ſoll, als auch der engliſche
1Gegenvorſchlag beſprochen. Einem offiziellen
Com=
muniqué über die Sitzung zufolge, haben die Beſprechungen
Feiter gute Fortſchritte gemacht.
Die Japaner und Amerikaner geben dem franzöſiſchen
Vorſchlag als Berhandlungsgrundlage den Borzug.
Wie über die heutige Ausſchußſitzung weiter verlautet, ſoll
von amerikaniſcher Seite gegen eine
Anwen=
dung der Transferklauſel auf die 10 000=
Tonnenkreuzer entſchieden Einſpruch erhoben worden
ein. Amerika ſoll aber andererſeits bereit ſein, einer
Tonnage=
lebertragung für Flugzeugmutterſchiffe zuzuſtimmen, falls die
10 000=Tonnenkreuzer rein zahlenmäßig für jede einzelne Nation
eſtgeſetzt werden. Die japaniſche Delegation ſoll ſich ungefähr
uf der gleichen Baſis wie die Amerikaner für den franzöſiſchen
Vorſchlag ausgeſprochen haben. Die italieniſche Delegation hat
ich indeſſen einer definitiven Stellungnahme zu dem Vorſchlag
kuthalten.
Auf der Suche nach einem Generalnenner.
Die Londoner Flottenkonferenz hat bis zur Stunde ihr Ver=
Jandlungsprogramm noch nicht gefunden. Noch immer ſuchen
die Delegierten nach dem Generalnenner, mit dem ſie an die
igentliche Aufgabe der Konferenz, die Herabſetzung der
Rüſtun=
en zur See, herangehen wollen. Vielen mag die Tatſache, daß
die Konferenz ſich über ihr Programm noch nicht geeinigt hat,
ls ein wenig erfreuliches Anzeichen gelten. Viele werden ſich
ragen, was werden wird, wenn man erſt zu den dornigen und
ſomplizierten techniſchen Problemen kommt. Das Tempo, in dem
ie Verhandlungen Fortſchritte machen, iſt kangſam. Viel zu
langſam für diejenigen auf jeden Fall, die ſich durch die
zuver=
ſchtlichen Erklärungen Macdonalds und des Präſidenten Hoover
„übertriebenen” Hoffnungen verleiten ließen. Macdonald, der
vor der Konferenz als ſeine Hauptaufgabe betrachtete, die
ffentliche Meinung der Welt für eine weitgehende Abrüſtung
ur See zu mobiliſieren, iſt jetzt derjenige, der bei jeder
Gelegen=
eit die Preſſevertreter warnt, ihren Leſern zu große Hoffnungen
zu machen. Dieſe Warnung Macdonalds mag nicht ſo ſehr für
ſie gegenwärtigen Verhandlungen Geltung beſitzen, alſo auf das
ſeſamtergebnis der Konferenz. Wie weit die Londoner
Kon=
renz einen nennenswerten Fortſchritt auf dem Wege zur
all=
enieinen Abrüſtung darſtellen wird, läßt ſich nicht vorausſagen.
laß aber eine Reihe von Macdonalds eigenen Erwartungen
lſicht in Erfüllung gehen werden, ſcheint ſicher. Es iſt aber
au=
ſichts des langſamen Fortſchritts in den Verhandlungen nicht
igebracht, bereits jetzt Peſſimismus und Enttäuſchung an den
kax zu legen. Wenn man eine Konferenz in der Hauptſache mit
Aolitikern beſchickt, ſo iſt es wohl nicht zu vermeiden, daß
die Polikik im Bordergrund der Verhandlungen
ſeht. Die Frage — wie ſoll abgerüſtet werden: nach Kategorien
der nach der Geſamttonnage? — iſt das große politiſche
Pro=
em der Konferenz. Eine Tatſache, die von Tardieu, viel ſtär=
Ɨr aber noch von dem italieniſchen Hauptdelegierten Grandi
ſterſtrichen wurde. In den vorbereitenden Verhandlungen vor
röffnung der Konferenz konnten die politiſchen
Meinungsver=
ſiedenheiten und Gegenſätze trotz allen Anſtrengungen nicht
be=
bben werden. Ihr ſchwieriger Charakter geht auch daraus
her=
daß ſie auch im Lauf der vorhergegangenen drei Jahre nicht
ſeitigt werden konnten. Man kann alſo nicht erwarten, daß
eſe Gegenſätze jetzt in wenigen Tagen ausgeglichen werden.
ieſelben Probleme, die die Arbeitem der Vorbereitenden
Ab=
uſtuungskommiſſion zum Stillſtand brachten, ſtehen in London
Debatte. Hie Abrüſtung nach Kategorien — hie Abrüſtung
—der Geſamttonnage. Die Londoner Konferenz muß, foll
ganze Aufgebot an Arbeit und Stimmungsmache nicht
um=
ſuitk geweſen ſein, mit einem einigermaßen vor der Welt
vertret=
uren Ergebnis beendigt werden.
Englands geführt, ein Kompromiß zwiſchen der von
England begünſtigten Kategorien=Abrüſtung und der von
Frank=
reich gern durchgeführten Global=Tonnage=Abrüſtung als weitere
Verhandlungsbaſis
anzuerkennen. Dieſes Kompromiß geht auf den von
Paul=Boncour der Vorbereitenden Abrüſtungskonferenz des
Völkerbundes unterbreiteten Abrüſtungsvorſchlag zurück, der eine
Mittellöſung zwiſchen der Rüſtungsbeſchränkung nach
Katego=
rien und der nach der Geſamttonnage darſtellt. Boncour ſchlug
kurz folgendes vor: Beſtimmung einer Globaltonnage für jede
Nation. Dieſe Globaltonnage ſollte dann anfangs in vier,
ſpä=
ter in fünf Kategorien aufgeteilt werden: Schlachtſchiffe,
Flug=
zeugmutterſchiffe, Kreuzer und Hilfsſchiffe von 10000 Tonnen
bis 1850 Tonnen, Schiffe von 1850 Tonnen bis 600 Tonnen und
ſchließlich Unterſeeboote. Für die letzten drei Kategorien ſollte
den einzelnen Mächten das Recht der Uebertragung eines
ge=
wiſſen Teiles der Tonnage einer Kategorie auf die einer anderen
Kategorie zugeſtanden werden, mit der Beſtimmung, daß dieſer
Tonnage=Transfer den übrigen Mitgliedern eines
Abrüſtungs=
übereinkommens ein Jahr vorher bekannt gegeben werden müſſe.
Auf dieſen Vorſchlag iſt man in London jetzt zurückgekommen,
er ſtellt im Grunde das von der franzöſiſchen Delegation den
übrigen Delegierten unterbreitete Abrüſtungsverfahren dar.
England, Amerika und Japan betonen zurzeit zwar immer noch,
daß ſie einer Abrüſtung nach Kategorien den Vorzug
ein=
räumen, ſind aber bereit, das von Frankreich vorgeſchlagene
Verfahren auf ſeine Durchführbarkeit hin zu prüfen. Es ſcheint
ſicher, daß
das franzöſiſche Verfahren
letzten Endes von allen Delegationen als Verhandlungsbaſis
an=
genommen werden wird. Frankreich wird ſich wohl niemals zu
einer Herabſetzung ſeiner Flotte auf Grund des
Kategorienver=
fahrens bereit erklären. Italien unterſtützt, ſolange ſein eigener
Standpunkt nicht zur Erörterung kommt, die franzöſiſche
Forde=
rung. Macdonald hat bereits im Grundſatz nachgegeben. Die
amerikaniſche Delegation hat ſich ebenfalls dem franzöſiſchen
Vor=
ſchlag gegenüber nicht unnachgiebig gezeigt. Dami iſt alſo der
Weg gewieſen, auf dem es zu einer Einigung kommen kann und
vorausſichtlich kommen wird. Wie lange es dauern wird, bis
eine Einigung in der Abrüſtungsfrage erzielt worden iſt, hängt
in der Hauptſache von der Frage ab, in wieviel Kategorien die
Flotten eingeteilt werden ſollen, und wie groß der Prozentſatz
ſein ſoll, der von der Tonnage einer Kategorie auf die Tonnage
einer anderen übertragen werden darf. Jede der beiden
Par=
teien, Japan, England und Amerika auf der einen, und
Frank=
reich und Italien auf der anderen Seite, werden ſoviel wie
mög=
lich von ihrem Standpunkt zu retten ſuchen.
Inzwiſchen wird die Oeffentlichkeit bis zur nächſten
Voll=
ſitzung wiederum nicht diel erfahren, da über die
Ausſchuß=
ſitzungen ebenſo wie über die Privatbeſprechungen größtes
Stillſchweigen bewahrt wird. Die Preſſe, mit wenigen
nichts=
ſagenden offiziellen Communiqués abgeſpeiſt, wird wiederum
ihren Vermutungen und Annahmen freien Lauf laſſen können
und, wie in den erſten Wochen, den Tatſachen weit voraus ſein.
Kammerdebalke über die franzöſiſchen
400 Millionen Branken für die Neuorganifakion
der Lufkwaffe.
Die franzöſiſche Kammer nahm am Dienstag das Budget
des Luftminiſteriums in Angriff. Der Sozialiſt Gamard wies
darauf hin, daß, wie auf allen anderen Gebieten, ſo auch auf dem
Gebiet des Flugweſens, ein Wettrüſten im Gang ſei. Die
fran=
zöſiſchen Luftſtreitkräfte beliefen ſich auf 150 Geſchwader. In
10 Jahren ſeien 13 000 Militärflugzeuge verbraucht worden.
Wäh=
rend man öffentlich verkünde, daß der Gaskrieg geächtet ſei, ſuche
in der Praxis jede Nation die Giftgaſe weiter zu vervollkommnen.
Mehrere Redner klagten darüber, daß Frankreich auf dem
Gebiet des Handelsflugweſens und der Waſſerflugzeuge hinter
Deutſchland. England und Italien zurückgeblieben ſei. Auf eine
Frage des Abgeordneten Renaitour, ob der Flugzeugkonſtrukteur
Dornier Frankreich ſein Patent vergeblich zum Verkauf angeboten
habe, entgegnete Luftverkehrsminiſter Laurent Eynac, die
fran=
zöſiſche Regierung habe dieſes Patent niemals abgelehnt und
kaufe ſogar ausländiſches Material. Frankreich habe den Do. K
nur wegen des hohen Preiſes nicht angekauft.
Im Verlauf der Beratung forderte der Sprecher der
Radi=
kalen, Linken energiſche Verbeſſerungen der Luftverteidigung
Frankreichs an der Nord= und Nordoſtgrenze. Im Falle eines
Krieges mit Deutſchland würde der Einbruch in erſter Linie auf
dem Luftwege erfolgen.
Der Luftfahrtminiſter Laurent Eynac erklärte hierauf, daß
die Maßnahmen zur Flugzeugabwehr zwar nicht zu ſeinem
Reſ=
ſort gehörten. Er habe aber beim Kriegsminiſterium einen
Kre=
dit von 400 Millionen Frs. erhalten, um eine gründliche
Neuorganiſierung der Landesverteidigung durchzuführen.
* Der Wechſel im preußiſchen
Kulkus=
miniſterium.
Von
D. Dr. Schian.
Als die Staatsumwälzung 1918 neben Hgeniſch den
Links=
ſozialiſten Adolf Hoffmann in die Leitung des preußiſchen
Kultusminiſteriums brachte, fand dieſer Vorgang (und die ihm
folgende Tätigkeit Ad. Hoffmanns) in ganz Deutſchland ſtarke
Beachtung. Mir ſcheint, daß auch der Wechſel im preußiſchen
Kultusminiſterium, den der Januar 1930 gebracht hat, über die
Grenzen des Landes Preußen hinaus Intereſſe finden ſollte. Er
iſt zweifellos ein Ereignis von hoher Bedeutung.
Adolf Hoffmann machte ſich mit ſeinem blindwütigen
Radikalismus bald unmöglich. Länger hielt ſich Miniſter
Kon=
rad Haeniſch. Er wich, als die große Koalition der Deutſchen
Volkspartei das Kultusminiſterium zuſchob. Die Jahre, in denen
Miniſter Boelitz es leitete, liegen nun ſchon weit zurück;
man=
cher, der damals ſeine Handlungen kritiſierte, wird ihn
in=
zwiſchen ſehnlichſt zurückgewünſcht haben. Er mußte natürlich
der Koalition Rechnung tragen; aber er war ein Mann nicht nur
von größter Sachkenntnis auf dem Gebiete der Schule, ſondern
auch von ſorgſamſter Ueberlegung und Beſonnenheit. Die große
Koalition in Preußen zerfiel, da die Deutſche Volkspartei
aus=
ſchied. Das war ein folgenſchwerer, wahrſcheinlich auf irriger
Rechnung beruhender Schritt. Das Kultusminiſterium kam an
den früheren Profeſſor der orientaliſchen Sprachen, der ſchon
longe zur Verwaltung übergegangen war, D. Becker. Er galt
als Demokrat, ſtand auch ſicher der Demokratiſchen Partei nahe,
obwohl er dem Vernehmen nach nicht (wenigſtens in letzter Zeit
nicht) ihr Mitglied war. Jetzt iſt er durch den Vizepräſidenten
des brandenburgiſchen Provinzialſchulkollegiums, Grimme,
erſetzt worden. Grimme iſt Sozialdemokrat.
Die Umbeſetzung des Kultusminiſteriums iſt mit neuerlichen,
von vornherein wenig ausſichtsreichen Verhandlungen über die
Einbeziehung der Deutſchen Volkspartei in die Regierung
ver=
quickt worden. Als die Erweiterung der Regierungskoglition
geſcheitert war, iſt ſie — gegen alles Erwarten — dennoch, und
zwar ganz ſchnell, vollzogen worden. Die ſozialdemokratiſche
Partei erhob einfach „Anſpruch” auf dieſes Miniſterium; der
ſozialdemokrotiſche Miniſterpräſident verwirklichte dieſen
An=
ſpruch; nach der Verfaſſung ſteht ihm ja die Ernennung der
Miniſter zu. Die demokratiſche Fraktion wurde anſcheinend
überraſcht; ſie ſah in Becher weſentlich ihren Mann, den ſie nicht
preisgeben wollte. Sie hätte nun das Mittel zu wirkſamem
Ein=
ſpruch in der Hand: den Austritt aus der Regierungskoglition.
Aber ſie war wirklich unverhältnismäßig ſtark im Miniſterium
vertreten; und wenn ſie die Regierung zu Fall brächte, ſo würde
ſie (da ſie ja mit den Rechtsparteien keine Regierung wird bilden
wollen) hinterher nicht beſſer fahren als vorher. Sie wird alſo
wohl dieſe Konſequenz nicht ziehen; und Braun wird ſiegen.
Was aber beſtimmte den Miniſterpräſidenten? Das
ſozial=
demokratiſche Parteiorgan brachte Aeußerungen der
Unzufrieden=
heit mit Beckers Wirkſamkeit, die auffallen mußten. Er habe —
ſo etwa hieß es — dem republikaniſchen Gebänken nicht
hin=
reichend Geltung verſchafft. Man hat in Preußen den Eindruck,
daß D. Becker es in dieſer Hinſicht durchaus nicht hat an ſich
fehlen laſſen. Den von ihm abhängenden Beamten und Lehrern
brachte er beim Volksbegehren ihre Unfreiheit ſehr deutlich zum
Bewußtſein. Im Falle Goslar ſind ſeine geradezu drakoniſchen
Maßregeln in friſcher Erinnerung. Den Univerſitäten verbot er
die Abhaltung von Gedenkfeiern am Zehnjahrestag des
Ver=
trags von Verſailles. Das ſind nur einige ſeiner Maßnahmen;
ſie rechtfertigen jene ſozialdemokratiſche Kritik wahrlich nicht.
Auch daß er die Organiſation der Deutſchen Studentenſchaft
zer=
brach, weil ſie der Forderung nach Beſchränkung auf die
Reichs=
grenzen nicht nachkam, wird ſicher nicht gegen die Abſichten des
ſozialiſtiſchen Miniſterpräſidenten geweſen ſein. Welches ſind
alſo Brauns Motive? Ohne ernſte Beweggründe wird er ſeine
Freundſchaft mit den Demokraten nicht aufs Ziel geſetzt haben.
Die Aeußerungen der ſozialdemokratiſchen Preſſe werden
eben doch die Richtungen weiſen. So unwahrſcheinlich es klingt,
Dr. Becker iſt der Sozialdemokratie nicht ſcharf
genug geweſen. Das weite Maß von Entwicklungsfreiheit,
das er den (genau genommen: verfaſſungswidrigen) weltlichen
Schulen in Preußen gewährte; ſeine Perſonalpolitik, die in
er=
heblichem Umfang auch Sozialiſten, auch Diſſidenten, in leitende
Stellungen berief; ſeine Univerſitätspolitik, die vor
Maßrege=
lung eines Profeſſors wegen eines monarchiſtiſch geſtimmten
Zeitungsartikels nicht zurückſchreckte: die Tatſache, daß er über
den überradikalen Schulreformer Siegfried Kaweran, anläßlich
ſehr gewaater Aeußerungen dieſes Mannes ſchützend die Hand
hielt — das alles iſt anſcheinend nicht genug geweſen. Die
Sozial=
demokratie will mehr.
Gerade hierin liegt der große Ernſt der Situation. An ſich
könnte man ſich denken, daß ein ſachkundiger, beſonnener
Sozial=
demokrat als Kultusminiſter etwa die gleiche Linie hielte wie
D. Becker. Aber da ganz deutlich iſt, daß der Nachfolger zu keinem
anderen Zweck berufen iſt, als zu dem eines ſchärferen Vorgehens,
ſo ſieht man ſchwere Kämpfe heranziehen. Wem wird der
Haupt=
angriff gelten? Den Univerſitäten, die ja auch heut noch der
Sozialdemokratie ein Dorn im Auge ſind? Den höberen Schulen,
deren Republikaniſierung nicht ſchnell genug geht? Oder am Ende
— den Kirchen? Oder ihnen allen?
Den Kirchen? Ja, auch heut noch, trotz „Trennung von
Kirche und Staat”, hat der Kultusminiſter in Preußen viel mit
den Kirchen zu tun. Freilich: eine katholiſche Kirche in Preußen
iſt durch zwei Faktoren geſichert: durch das Konkordat und das
in der Regierung befindliche Zentrum. Aber die evangeliſche
Kirche! Mit Rückſicht auf ſie drängen ſich aus Anlaß des
Miniſter=
wechſels gerade in dieſem Augenblick ganz außerordentlich ernſte
Erwägungen auf. Im Sommer 1929 ſchloß bekanntlich Preußen
ſein Konkordat mait der katholiſchen Kirche. Seitdem wurden
zwiſchen dem preußiſchen Staat und den evangeliſchen Kirchen in
Preußen unverbindliche Verhandlungen über einen
evange=
liſchen Kirchenvertrag gepflogen. Sie ſind ſo weit
ge=
führt, daß jetzt der verbindliche Abſchluß zu erwarten ſtand. Mit
Seite 2
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Nummer 36
Sicherheit ſchien er Ende Januar bevorzuſtehen. In dieſem
Moment ſchickt der Miniſterpräſident den
Kul=
tusminiſter fort, zu deſſen Reſſort dieſe
Ver=
handlungengehören! Anfänglich wird der längſt geplante
Wechſel mit der Frage der Erweiterung der Regierungskoalition
verbunden; eine größere Umgruppierung des Miniſteriums hätte
dieſe Maßnahme natürlich weniger auffällig gemacht. Als die
Er=
weiterung ſcheitert, wird der Wechſel in dieſem einen Miniſterium
trotzdem vollzogen. Erſt ſollte ein diſſidentiſcher Sozialiſt
Kultus=
miniſter werden; das ſtieß bei zwei Regierungsparteien auf
Widerſpruch; ſo iſt nun ein evangeliſcher Sozialiſt zu Beckers
Nachfolger ernannt. Er findet die Kirchenvertragsverhandlungen
faſt fertig vor. Was iſt nach des Miniſterpräſidenten Braun
Ab=
ſicht ſeine Aufgabe? Will er vielleicht einem Sozialdemokraten
den Ruhm ſichern, in raſchem Abſchluß der evangeliſchen Kirche
die ihr gebührende Parität zu gewähren? Oder wird der neue
Kultusminiſter Zeit fordern, um ſich erſt in die Materie
einzu=
arbeiten, und wird die Angelegenheit ſo weiter verzögert
wer=
den? Oder — wird der neue ſozialiſtiſche Miniſter nach dem
ſozialdemokratiſchen Programm handeln ( das freilich in Sachen
des katholiſchen Konkordats gründlich beiſeite geſchoben
wurde) und der evangeliſchen Kirche ihr Recht vorzuenthalten
ſuchen?
Wir haben ein Recht, dieſe Fragen aufzuwerfen. Denn iſt
es an ſich eine ungewöhnliche Maßnahme, daß ohne irgend
zwin=
genden Anlaß ein Miniſter, der ſicher gern im Amt geblieben
wäre, verabſchiedet wird, ſo iſt es ein doppelt und dveifach
auf=
fallendes Vorgehen, wenn der Augenblick des Wechſels ſo
ge=
wählt wird (wirklich frei gewählt wird), wie hier geſchehen iſt.
Es wäre faſt naiv, wollte man darin keine Beziehung auf die
Verhandlungen mit den evangeliſchen Kirchen ſehen. Muß man
ſie aber darin ſehen, ſo ſtehen die Wetterzeichen auf Sturm. Was
wird die nächſte Zeit bringen?
Die Ekakſorgen des Reichskabinekts.
Prüfung der Einnahmeſeike. — Auf der Suche nach
Deckungsmöglichkeiten.
* Berlin, 4. Februar. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett wird am Mittwoch zu einer Sitzung
zu=
ſammentreten, die in der Hauptſache den
Haushaltsſchwierig=
keiten gewidmet ſein dürfte. Da der neue Etat immer noch nicht
vorliegt, wird ſich das Kabinett lediglich mit der Einnahmeſeite,
alſo den Deckungsmöglichkeiten befaſſen. Die verſchiedenen
Ar=
den einer Ausbalancierung des Etats ſind in den letzten Tagen
in der Oeffentlichkeit lebhaft erörtert worden. Im
Finanz=
miniſterium iſt aber noch keine Entſcheidung gefallen, auf welche
Möglichkeiten zurüchgegriffen werden ſoll. Sollte man ſich
mor=
gen im Kabinett ſchon über die Einnahmeſeite des Etats einig
werden, dann wird auch der Termin für die nächſte Beſprechung
mit den Parteivertretern feſtgelegt, die dem Etat gelten ſoll.
Die parlamenkariſche Behandlung des Youngplanes.
* Berlin, 4. Februar. (Priv.=Tel.)
Der Youngplan wird dem Reichstag in Form eines
Haupt=
geſetzes und verſchiedener Nebengeſetze zugehen. Insgeſamt
han=
delt es ſich um fünf Vorlagen; um den eigentlichen
Young=
plan, das Geſetz über die Reichsbahn, die
Reichs=
bank, den deutſch=amerikaniſchen Sondervertrag
und um die zuſammengefaßten fünf
Liquidations=
verträge. Wenn der Reichsaußenminiſter im Haag bei der
Deponierung des deutſch=polniſchen Liquidationsvertrages darauf
hinwies, daß dieſer Vertrag kein Element des Youngplanes
be=
deute, ſo wollte er damit lediglich verhindern, daß der Reichstag
über das Reparationsabkommen und den Liquidationsvertrag
ge=
meinſam in einem Zug abzuſtimmen haben würde. Er hat damit
das ſtaatsrechtliche Junctim abgelehnt. Die politiſche Verbindung
läßt ſich allerdings nicht leugnen. Die Abſtimmung wird alſo in
der Reihenfolge vorgenommen, wie die Geſetze vorgelegt werden.
Bundeskanzler Schober in Rom.
EP. Rom, 4. Februar.
Der öſterreichiſche Bundeskanzler Dr. Schober wurde heute bei
ſeiner Ankunft in Rom am Bahnhof im Namen Muſſolinis vom
Unterſtaatsſekretär der Miniſterpräſidentſchaft, Giunta, und dem
Unterſtaatsſekretär des Aeußeren, Abg. Fani, begrüßt. Außerdem
hatten ſich der Präfekt und der Gouverneur von Rom ſowie der
öſterreichiſche Geſandte von Egger mit dem geſamten Perſonal der
öſterreichiſchen Geſandtſchaft beim Quirinal mit mehreren
Mit=
arbeitern des Miniſteriums des Außern eingefunden.
Bundes=
kanzler Schober wurde ins Hotel begleitet und wird am
Nach=
mittag Muſſolini ſeinen erſten Beſuch abſtatten.
In Abweſenheit des Miniſters des Aeußern, Grandi, werden
Vom Tage.
Die Landeshauptleute des ſchwerbedrohten deutſchen Oſtens
ver=
anſtalteten am Montag in Berlin eine Kundgebung, in der
eindring=
lich auf die Notwendigkeit hingewieſen wurde, daß dem deutſchen
Oſten geholfen werden müſſe.
Die mecklenburg=ſtrelitzer Regierung führt, wie von zuſtändiger
Stelle beſtätigt wird, augenblicklich mit Preußen Verhandlungen
über den Anſchluß von Mecklenburg=Strelitz an das
preußiſche Staatsgebiet.
Der Warſchauer Geſandte Ulrich Rauſcher iſt
geſtern nach Berlin abgereiſt, um an den parlamentariſchen
Verhandlungen wegen des deutſch=polniſchen Liquidationsvertrages
teil=
zunehmen.
Der Verwaltungsrat des Internationalen
Arbeitsamtes trat in Genf zu einer außerordentlichen Tagung
zuſammen, um in erſter Linie die bedeutungsvolle Frage der
Arbeitszeit im Kohlenbergbau zu behandeln.
Der italieniſche Miniſter für öffentliche
Arbei=
ten, Michele Bianchi, iſt in der vergangenen Nacht an einem
Lungenleiden geſtorben. Bianchi war ſeit Kriegsausbruch einer
der erſten Mitarbeiter Muſſolinis und Mitglied des Quadrumpirats
des Marſches auf Rom.
Bei der Stichwahl im elſäſſiſchen Bezirk Rottweiler wurde
der franzöſiſch orientierte Nationalkatholik
Rie=
der gewählt.
Am heutigen Mittwoch beginnt in Paris die Konferenz
über die aus dem Haag noch ſtrittigen Oſtreparationen.
Südafrika wird den Vereiniaten Staaten folgen und ſeine
Einwanderung ſtark beſchränken.
Präſident Hoover hat an Stelle des zurückgetretenen
Präſidenten des Oberſten Gevichtshofes, Taft, den früheren
Staats=
ſekretär Charles Evans Huahes zu deſſen Nachfolger
er=
nannt. Huahes war 1907 Gonverneur von New York, 1916
republi=
kaniſcher Kandidat für die Präſidentſchaft und wurde 1918 Richter des
Haager Schiedsgerichtshofes.
Aus Sowjetrußland kommt die Nachricht, daß die G.P.1t. die
Maſſenhinrichtung aller vormaligen
Marine=
offiziere durchgeführt habe, d. h. aller dever, die nicht in den
Sowietflottendienſt eingetreten und trotzdem in Rußland zurückgeblieben
waren.
alle Beſprechungen mit dem italieniſchen Regierungschef ſelbſt
ge=
führt werden. Dr. Schober hat Muſſolini bereits nachmittags im
Palazzo Venezia ſeinen, erſten Beſuch abgeſtattet. Ueber dieſe
Unterredung mit dem italieniſchen Regierungschef iſt noch keine
Mitteilung veröffentlicht worden. Infolge des unerwarteten
Hin=
ſcheidens Bianchis (Siehe auch „Vom Tage”) hat Muſſolini
ver=
fügt, alle zu Ehren des öſterreichiſchen Bundeskanzlers
beſchloſſe=
nen Kundgebungen und Ehrungen auf übermorgen zu verſchieben.
— Um ½5 Uhr begab ſich Schober in Begleitung der
öſterreichi=
ſchen Geſandten beim Quirinal und Vatikan mit ſeinem
Mitarbei=
ter an die Totenbahre des verſtorbenen Miniſters im Littorio=
Palaſt, um im Namen Oeſterreichs einen Kranz niederzulegen. —
* Berlin, 4. Februar. (Priv.=Tel.)
Mit dem neuen Etat zieht für die Sozialdemokratie eine neue
ſchwere Gefahr herauf: das Reichswehrminiſterium hat den
An=
trag geſtellt, im Etat die erſte Baurate für das
Pan=
zerſchiff Beinzuſetzen oder doch wenigſtens eine kleinere Summe
zu bewilligen, um mit den Vorarbeiten beginnen zu können. Den
Sozialdemokraten iſt die Erinnerung an den Panzerkreuzer A
noch nicht verblaßt. Es iſt ihnen daher nicht zu verdenken, wenn
ſie ſich um dieſen Kernpunkt herumdrücken wollen. Man könnte
auch Verſtändnis dafür haben, wenn ſie ſich etwa dahinter
zurück=
zögen, daß im Notjahr 1930, wo der Reichsfinanzminiſter ohnehin
Schwierigkeiten genug hat, den Etat auszubalancieren, für einen
neuen Bau kein Platz ſei. Das wäre eine Auffaſſung, über die
ſich diskutieren ließe. Statt deſſen aber kommen die
Sozialdemo=
kraten mit politiſchen oder moraliſchen Bedenken. Sie ſpielen
ſo=
gar auf die Londoner Seeabrüſtungsverhandlungen an und
be=
haupten, daß der Bau des Panzerkreuzers B geeignet ſei, die ganze
Abrüſtung zur See zu gefährden!! Die genau begrenzten
Panzer=
ſchiffe, die Deutſchland nach dem Verſailler Diktat genehmigt ſind,
ſpielen gegenüber den gewaltigen Rüſtungen der Seemächte ſo gut
wie keine Rolle. Sie haben keinerlei Offenſivwert, dienen
ledig=
lich zur Verteidigung. Daß ſie techniſch nicht ſchlecht projektiert
ſind, iſt daraus zu entnehmen, daß ſich einige ausländiſche
Ma=
rinen den Typ unſeres Panzerkreuzers A zum Vorbild genommen
haben. Aber Angſt vor dieſem einen Schiff haben weder England
noch Frankreich, und ſie denken auch gar nicht daran, wegen
Deutſchland ein Schiff weniger oder mehr zu bauen. Mit ſolchen
Argumenten ſollten die Sozialdemokraten wirklich nicht hauſieren
gehen. Dann ſollten ſie lieber zugeben, daß ſie aus Angſt vor den
Kommuniſten die Politik einer Landesverteidigung nicht treiben
wollen, dann könnten auch im Kabinett entſprechende
Feſtſtellun=
gen getroffen werden, die für die Entwicklung unſerer
Innen=
politik immerhin von einigem Wert wären.
Der Polen=Verkrag.
Eine Denkſchrift der Reichsregierung über die
Liguidierung mit Polen.
Berlin, 4. Februar.
Nachdem die Verhandlungen mit Polen am Samstag zum Abſchluß
gekommen ſind, hat die Reichsregierung dem Reichsrat die
notwendi=
gen Geſetzentwürfe mit einer Denbſchrift zugeleitet, in der eine
ein=
gehende Begründung gegeben wird. Die Verhandlungen des
Reichs=
ratsausſchuſſes werden vorausſichtlich heute abend beendet werden, ſo
daß die Vollſitzung des Reichsrats morgen ihre Beratungen abſchließen
ann. In politiſchen Kreiſen wird darauf hingewieſen, daß das
Liqui=
dationsabkommen mit Polen ſeinen Urſprung im Abſchnitt 9 des
Young=
planes hat, der die Liquidierung der Vergangenheit empfiehlt.
In=
dem die Reichsregierung die Verhandlungen mit Polen vom Haag
ab=
getrennt hat, hat ſie erreicht, daß wir keinen Generalverzicht
aus=
ſprechen mußten. Auf dieſe Weiſe iſt es auch gelungen, die
Gegen=
leiſtungen und die Verbeſſerungen gegenüber dem Youngplan zu
er=
zielen. Im weſentlichen handelt es ſich dabei um folgende drei Punkte:
I.
Die Freigabe der bisher zur Liquidation geſtellten Güter.
Im ganzen waren noch 15 000 Hektar mit ſogenannten
Liquidations=
beſchlüſſen behaftet. Die Schwierigkeit beſtand darin, daß die polniſchen
Liquidationen nicht nur finanzieller Art waven, wie die in anderen
Län=
dern, ſondern politiſchen Charakter hatten. Es iſt uns in den
Verhand=
lungen mit Polen trotzdem gelungen, dieſe Liquidationen mit in das
Geſamtwerk einzubeziehen und feſtzulegen, daß Anweſen, die am 1.
Sep=
tember 1929 noch in der Hand ihrer Beſitzer waren, erhalten bleiben.
II.
Die Abrechnung über die beiderſeitigen Staatsforderungen.
Die Polen forderten vor allem Erſtattung der Rücklagen aus der
Sozialverſicherung in dem abgetrennten Oberſchleſien. Die deutſchen
Forderungen beziehen ſich auf die Abſtimmungskoſten in Oberſchleſien,
Allenſtein, Marienwerder, die Koſten für den Transport von
Beſatzungs=
truppen und ähnlichem. Die Hauptforderungen von beiden Seiten
um=
faſſen finanzielle Abgeltungen in Poſen und Weſtpreußen. Insgeſamt
beliefen ſich die deutſchen Forderungen auf 538,7 Miillonen, die
polni=
ſchen auf etwa 830 Millionen, freilich mit recht ungleichem inneren
Wert. Darin waren Erſatzanſprüche für Requiſitionen und
Zwangs=
maßnahmen gegen polniſche Arbeiter und Kriegsgefangenenforderungen
enthalten. Beide Teile haben auf dieſe Privatforderungen verzichten
müſſen. In dem Geſetzentwurf der Reichsregierung werden nun
be=
ſtimmte Maßnahmen vorgeſchlagen, die Sicherheit bieten für eine
ge=
rechte Entſchädigung der deutſchen Privatanſprüche, und zwar für ein
Verfahren auf ſchiedsrichterlicher Grundlage mit dem
Reichswirtſchafts=
ſericht als „Reviſionsinſtanz”, Reichsregierung, Reichsrat und
Reichs=
tag bilden einen gemeinſamen Ausſchuß, dem die Feſtſetzung der
Richt=
linien obliegt für die Entſchädigung nach dem inneren Wert der
Anſprüche.
III.
Das Wiederkaufsrecht.
Deutſchland hat die Anſprüche auf die Geltendmachung des
Wieder=
kaufsrechts nicht anerkannt. Bisher hat Polen in 450 Fällen von
ſei=
ten Rechten als Nachfolger der preußiſchen Anſiedlungskommiſſion
Ge=
rauch gemacht. Polen hat nun künftig auf die Geltendmachung des
Wiederkaufsrechts verzichtet, und zwar hat Deutſchland den Preis
die=
ſes Verzichts ſoweit wie möglich ausgedehnt. Dabei iſt auch der
Todes=
fall des Beſitzers, der in der Praxis des Wioderkaufsrechts bisher die
Hauptrolle ſpielte, beſonders berückſichtigt worden. Die Raſerven, die
Polen eingeſchaltet hat, ſind vor allem ſchlechte Bewirtſchaftung und
Vergehen und Verbrechen. Die Führung der deutſchen Minderheit in
Polen hat gegen die Geltendmachung der ſchlechten Bewirtſchaftung
nichts einzuwenden, da ſich hieraus bei dem hohen Kulturſtand der
deut=
ſchen Landwirtſchaft in Polen bisher noch niemals eine Gelegenheit zu
polniſchem Eingreifen geboten hat. Die Frage der Vergehen iſt in den
letzten Verhandlungen dahingehend interpretiert worden, daß darunter
nur ſolche gegen den Staat, wie Fahnenflucht und dergleichen, zu
ver=
ſtehen ſind. Das iſt nach Auffaſſung deutſcher Kreiſe ein erheblicher
Fortſchritt, wenn auch nicht alle deutſchen Wünſche Gefriedigt worden
ſind. In dieſem Zuſammenhang wird übrigens darauf aufmerkſam
gemacht, daß die Grenzzonenverordnung ſeit ihvem Erlaß im Jahre 1926
in keinem Falle zu Enteignungszwecken gegen deutſche Anſiedler
ange=
wendet worden iſt.
Es wird hervorgehoben, daß die deutſche Minderheit, deren Führer
über den Verlauf der Verhandlungen unterrichtet worden ſind, den
Abſchluß der Abkommen begrüßt, weil damit erreicht wird, daß 50 000
Hektar deutſcher Siedlung mit 12000 Siedlerſtellen und 80 000 Menſchen
davor bewahrt werden, enteignet zu werden. In Berliner politiſchen
Kreiſen betrachtet man dieſe Abkommen auch als die notwendige
Grundlage für die Weiterführung der Handelsvertragsverhandlungen.
Zur parlamentariſchen Erledigung der Abkommen wird bemerkt,
daß die Geſetzentwürfe nach dem Urteil des Reichsjuſtiz= und des
Reichsinnenminiſteriums keinen verfaſſungsändernden Charakter haben,
und daß deshalb keine Zweidrittelmehrheit erforderlich iſt. Außerdem
liegen der Reichsregierung Gutachten namhafter Autoritäten vor, die
ſich in gleichem Sinne ausſprechen. Der Reichstag wird die Abkommen
mit Polen und die eigentlichen Young=Geſetze in getrennter
Abſtim=
mung zu erledigen haben.
Von Prof. Dr. phil. h. a. Karl Berger.
Die Sage von Ahasverus, jenem unſeligen Manne von
Je=
ruſalem, der zur Strafe dafür, daß er den unter der Laſt des
Kreuzes faſt zuſammenbrechenden und darum kurze Raſt
hei=
ſchenden Heiland hartherzig von der Schwelle ſeines Hauſes
ſtieß, zu ewigem, ruheloſem Erdenwallen verdammt ward, iſt
aus mittelalterlichen Legenden entſproſſen, zuerſt in Deutſchland
novelliſtiſch feſtgelegt worden: im Jahre 1602, fünfzehn Jahre
nach dem Volksbuch vom Doktor Fauſt, erſchien zu Leyden die
„Kurtze Beſchreibung und Erzählung von einem Juden mit
Namen Ahasverus‟. Dieſe Hiſtorie erlebte in ihrem
Geburts=
lande eine große Anzahl neuer Drucke und Ausgaben, ſie
ver=
breitete ſich raſch über ganz Weſteuropa und mußte ſich von der
Phantaſie der verſchiedenen Völker mannigfache Um= und
Weiter=
bildungen gefallen laſſen. Während ſich aber die Volkspoeſie
katholiſcher Länder, vor allem in Flandern und der Bretagne,
des armen Erdenpilgers bereits im 17. Jahrhundert voll warmen
Mitleids annahm, ward Ahasver im proteſtantiſchen
Deutſch=
land zum Gegenſtand theologiſcher Streitigkeiten. Die
Kunſt=
dichtung verhielt ſich entſprechend dem rationaliſtiſchen Zeitgeiſt:
im Banne der Gelehrſamkeit, der Aufklärung dienend und nach
Glückſeligkeit ſchmachtend, wußte ſie mit der dämoniſch=myſtiſchen
Geſtalt eines zu ewigem Unheil Verdammten, die ihr als bloße
Ausgeburt eines abergläubiſch=phantaſtiſchen Volkswahns
er=
ſchien, nichts anderes anzufangen, als ſie zur komiſchen Figur
zu erniedrigen oder zu ſatiriſchen Zwecken zu mißbrauchen.
Erſt Goethe hat ſich durch jenes Volksbuch (1774) zu ein
ernſten Behandlung des rieſenhaften Stoffes anregen laſſen: i
einem epiſchen Weltgedicht, das ganz im Stile von Hans Sach
anhebt, wollte er mit dem ewigen Juden durch die
Jahrhunder=
wandern, bei den hervorſtechenden Punkten der Religions= un
Kirchengeſchichte verweilen und dabei die eigene Stellung z
Chriſtentum und Kirche mit Satire und Humor zur bildliche
Darſtellung bringen. Dieſer Verſuch blieb Fragment ebenſo w.
des Schwaben Schubart lyriſche Rhapſodie „Der ewige Jud
(1783). Auch hier, wie bei Goethe, ſoll dem reuigen Sünder en
lich Erlöſung zuteil werden, bei Schubart mehr äußerlich, nack
dem alle Qualen des Nichtſterbenkönnens des Todesſehnſüd
tigen in bald gräßlichen, bald erhabenen Bildern geſchildert ſin.
Ganz anders packen einige ſchriftſtelleriſche Zeitg noſſen dieſe
Dichter das Thema an: Ahasver wird in Geſchichtsromanen un
„Geſchichtsklitterungen” als techniſches Mittel benutzt, um zur U
terbaltung oder Belehrung Blicke in das Raritätenkabinett od
die Numpelkammer der Geſchichte zu eröffnen. Der ewige Juſ
wird zum Anekdotenerzähler, zum amüſanten Plauderer, zu
rationaliſtiſchen Ausdeuter der Weltbegebenheiten. Im chri
ſichen Geiße der Romantik verwandelt ſich der ewige Jude zu=
Warner der Zweifler und Ungläubigen, wie in A. W.
Schle=
gels Ballade „Die Warnung” (1802), zum Erzieher und Freund
der Sünder in Achim von Arnims Drama „Halle und
Je=
ruſalem” (1811), wo er, ſelber Chriſt geworden, unter den Juden
Propaganda für das Chriſtentum macht. Eine ähnliche Miſſion,
die Bekehrung Abtrünniger zum Evangelium, fällt ihm in Franz
Horns Novelle „Der ewige Jude” (1819), in Auguſt
Klin=
gemanns Trauerſpiel „Ahasverus” (1825) und in Ed. v.
Schenks epiſchem Bruchſtück (1834) zu. Eine „didaktiſche
Tra=
gödie” von Wilhelm Langewieſche führt den ewigen Juden
(1831) als Prediger über Zeit und Ewigkeit ein, eine Novelle
von Friedrich Laun (1820) behandelt ihn als zauberhaften
Schützer der Tugend.
In Frankreich wird in dieſem Sinne der „Juif=Errant” ſeit
1812 der Held von Melodramen und Opern mit ſtarken
Regie=
effekten, er erſcheint unter Blitz und Donner, im Sturmhut mit
Feder als eine Art Fra Diavolo, um das Gruſeln zu lehren.
Auch als „aktueller” Coupletiſt tritt er dort auf mit ſatiriſcher
Abſicht. Unter den Deutſchen läßt zuerſt Wilhelm Hauff die
ehrwürdige Geſtalt eine heitere Rolle ſpielen: der „Ewige” in
ſeinen „Mitteilungen aus den Memoiren des Satan” (1827) iſt
ein urkomiſches Zerrbild des alten Ahasven, dazu berufen, in
vielwendiger Narrheit, das äſthetiſierende Berlin, einige
Blau=
ſtrümpfe und andere modiſche Erſcheinungen zu verſpotten. Im
gleichen Jahre ſchildert Ludwig Aurbacher in einem ſeiner
Volksbüchlein das Leben des ewigen Juden als eine an
Wand=
lungen und Abenteuern reiche Bekehrungsgeſchichte. Doch die
größten Verherrlichungen Ahasvers in chriſtlichem Geiſte
ge=
hören dem Auslande an: der Däne H. C. Anderſen macht
ihn, den gefallenen Engel des Zweifels, in ſeiner
romantiſch=
verſchwommenen Dichtung (1844) zum Mittelpunkt
geſchicht=
licher Erinnerungen bis zur Entdeckung Amerikas und läßt ihn,
wie die Menſchheit, in raſtloſer Entwicklung unbewußt zum
Göttlichen zurückſtreben; der Ruſſe Joukoffsky, auf alles
Metaphyſiſche verzichtend, gibt in ſeinem Epos (1852) eine
menſchlich ergreifende Darſtellung der Wandlung Ahasvers vom
notgepeinigten, an allem verzweifelnden Vagabunden zum
pſalmodierenden Sänger der Wunder Gottes und damit eine
Verherrlichung der verinnerlichenden Kraft des Leidens; des
däniſchen Byronjüngers Fredrick Paludan=Müller Drama
„Ahasverus” (1853) läßt den leidgeprüften Peſſimiſten unter
den Schauern des jüngſten Tages heimkehren in den ewigen
Frieden; der Franzoſe Ed. Grenier endlich bringt ſeinem
irrenden Juden nach einem Leben von anderthalb Jahrtauſenden
in der Stunde des Todes durch eine Viſion die Bekehrung von
ſeinem Trotz gegen Gott. Erlöſung durch den Tod iſt auch das
Thema einer größeren Reihe von deutſchen Ahasver=Dichtungen.
Andere Poeten dagegen, wie Lenau, W. Müller, William
Wordsworth, Béranger werden gerade durch die Schrecken des
Lebenmüſſens und Nichtſterbendürfens zur Darſtellung des
ewigen Juden gelockt: ſie laſſen aus ſeinem Munde lyriſche
Klagen ausſtrömen über den Fluch raſtloſer Wanderung durch
das Elend der Welt.
Neben ſolchen Verſuchen, dem todesmüden, verzweifelnden
Pilger menſchlich näher zu kommen, machten ſich Deutungen
geltend, die in Ahasver ein Symbol des verſtoßenen, geplagten,
vergeblich nach Gleichberechtigung ringenden jüdiſchen Volkes
erblickten. Der Streit um die Judenfrage bemächtigte ſich der
Geſtalt mit Für und Wider. Den Auftakt machte Berthold
Auerbach in ſeinem Judenroman „Spinoza” (1837), wo
Ahasver, der ſtrenge Jehovadiener, den aus der jüdiſchen
Ge=
meinde ausgeſtoßenen ketzeriſchen Denker zu ſeiner und damit
des jüdiſchen Volkes Erlöſung beruft. Andere jüdiſche Dichter
wollten Ahasver ſelbſt mit der Miſſion betreuen, zu der er bei
Auerbach den weiſen Spinoza auserkoren hatte. Gegen dieſe
Auffaſſung führte der Häuptling der Jungdeutſchen Karl
Gutz=
kow, der in Ahasver die auch von Börne, Heine und Karl Beck
herb getadelten ſchlechten Eigenſchaften des Judentums
ver=
körpert ſah, einen erbitterten Zeitungskampf. Und doch war
auch dieſer Gegner ahasveriſcher Zukunftsträume von der
mo=
diſchen „Ahasverllstrauer” nicht ganz frei, einer Sympathie, die
zahlreiche chriſtliche Dichter die alte Sage in jüdiſchem Geiſte
bearbeiten, den Jammer Ahasvers als den Jammer eines
hei=
matloſen, gemarterten Volkes empfinden ließ. Doch aus dem
Weckrufer für jüdiſche Freiheit wird Ahasver mit der Zeit ein
ſchwärmeriſcher Vorkämpfer für politiſch und religiös liberale
Ideale, ein Prometheus des neuen Bundes, eine Art
Menſchen=
heiland, der von der Gegenſeite zum Diener des Antichriſt oder
gar zum Satan ſelber geſtempelt ward. Erblickten ruheloſe, von
Land zu Land gehetzte Märtyrer der Freiheit in dem ewigen
Juden ein Sinnbild ihrer Leiden und Kämpfe, ſo machten peſſie
miſtiſche Dichter ihn zum Symbol ihres Weltſchmerzes. Byron
mit ſeinem hadernden Pilger Harold und Shelley, der den Geiſt
Ahasvers oft in ſeinen Dichtungen beſchwört, hatten den
An=
ſtoß gegeben. In Deutſchland haben ſie in Julius Moſen den
bedeutendſten Nachfolger gefunden: ſein epiſches Gedicht „
Ahas=
ver” (1838), ein trotziges Lied der Selbſtherrlichkeit des
Men=
ſchengeiſtes gegenüber der Gottheit, gibt in drei Abſchnitten von
je ſieben Geſängen in dem Schickſal des von Miſſion zu Miſſion
eilenden Kämpfers eine Art geſchichts= und
religionsphiloſophi=
ſcher Entwicklung der Menſchheit, bis zur Erſtürmung
Jeruſa=
lems durch Titus, bis zum vergeblichen Verſuch der
Wieder=
aufrichtung des jüdiſchen Reiches unter Julian Apoſtata, bis
zur Verkündigung des Iſlams durch Mohammed. Aber ewig
wie das Erdenwallen Ahasvers bleibt auch der Kampf des
unterdrückten prometheiſchen Geiſtes gegen die den Jammer
aller Kreatur verurſachenden Kräfte. Von anderen
gleichzei=
tigen deutſchen Ahasverdichtungen ſeien „Die Wanderungen des
Ahasverus” von J. H. von Zedlitz erwähnt, ein Gedicht, das
in dem byroniſierenden Erdenwaller die weltſchmerzliche
Ueber=
zeugung aufdämmern läßt, daß das Reich des Friedens und
der Liebe hienieden vergebens erwartet wird; dann Ferdinand
Nummer 36
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Seite 3
Kutfer ui die Affnte Kouliegow.
Die polizeilichen Ermitklungen immer noch ergebnislos. — Diplomaliſche Verwicklungen zwiſchen Paris
und Moskau nicht ausgeſchloſſen. — Dowgalewfki bei Tardieu und Briand.
Froſtige Unkerhalkung Tardieu-Dowgalewſki.
ſchafter die Zuſicherung gegeben, daß die ruſſiſche
Bot=
ſchaft unter dem Schutz der franzöſiſchen Behör=
Noch kein Licht in dem Dunkel
den ſtehe, die jeden Handſtreich der Weißruſſen verhindern
wür=
den. — Hinſichtlich der franzöſiſchen Preſſekampagne gegen
Sow=
um Koukiepow.
jetrußland habe er jedoch jeden Eingriff in die
Preſſe=
freiheit abgelehnt und Dowgalewſki auf den Weg der
Geſpannke franzöſiſch =ruſſſiſche Beziehungen. Privatklage gegen diejenigen Zeitungen verwieſen, die unwahre
Anſchuldigungen oder Beleidigungen gegen die Sowjetbotſchaft
veröffentlichen.
Die Pariſer Preſſe für Bruch mit Moskau.
Wie das weißruſſiſche Monarchiſtenblatt „La Rennaiſſance‟
Von unſerem B=Korreſpondenten.
Paris, 4. Februar.
Die Beziehungen zwiſchen Frankreich und Rußland
ſtag=
nieren ſchon ſeit langer Zeit; die Wirtſchaftskreiſe ſtehen dem
„ruſſiſchen Geſchäft” mit Skepſis und Gleichgültigkeit gegenüber,
und ſelbſt die kommuniſtiſche Agitation in Frankreich hat viel an
Intenſität eingebüßt. Gäbe es keine Skandalaffären, in deren
Mittelpunkt diesmal die ruſſiſche Diplomatie ſteht, ſo würde die
jüngere Generation in Paris, welche die traditionelle Mißachtung
der Geographie geerbt hat, überhaupt kaum noch wiſſen, daß es
ein Rußland gibt. Nur in Paris kann man wahrnehmen, wie
wenig heute Rußland zu der ziviliſierten Welt gerechnet wird,
und außer einer dünnen intellektuellen Schicht intereſſiert ſich hier
kaum noch jemand für das Problem Rußland. Die
Sowjetdiplo=
matie, deren wiederholten Fehler und Mißgriffe dieſe franzöſiſche
Einſtellung herbeigeführt haben, ſorgt jedoch ſeit einiger Zeit für
die Wachhaltung des Intereſſes an Rußland. Seit der
tragi=
komiſchen Affäre Beſſedowſkys gewann die Sowjetdiplomatie
einen eigenartigen Nimbus. Alle Skandal= und
Schreckens=
geſchichten, die man über ſie erzählte, wurden reſtlos geglaubt,
und man geht in der ſonſt ſo ruhigen und würdigen rue de
Grenelle mit einem leiſen Fröſteln an der
Sowjet=
botſchaft vorbei.
Das Verſchwinden des Führers der ruſſiſchen Emigranten,
des Generals Koutiepow, hat nun die Frage der Beziehungen
zu Rußland mit ihren zweifelhaften Vorteilen erneut in den
Vordergrund gerückt. Iſt General Koutiepow wirklich entführt
worden? Der größte Teil der Preſſe ſcheint davon überzeugt zu
ſein. An und für ſich wäre man geneigt, die ganze Geſchichte einer
gewalttätigen Entführung im Herzen von Paris, am hellen Tag,
für abſurd und erfunden zu halten. Es ſind auch Theorien über
eine willkürliche Flucht aufgetaucht. An Zweiflern fehlt es noch
heute nicht. Aber die Polizei hat bis heute den General nicht
aufgefunden. Und die Sowjetgeſandtſchaft ſchweigt. Die Sprache
der Preſſe wird aber immer erregter. Ueberhitzte Phantaſien
ar=
beiten. Man hört die unmöglichſten Dinge. Aber nichts iſt
unmöglich, wenn die Affäre Koutiepow wahr iſt.
Wird in Paris jemand bei einer nächtlichen Rauferei verletzt, ſo
ſchreibt die Boulevardpreſſe am anderen Tage über ein
myſte=
jöſes Attentat, über das „Rätſel der rue K und F‟. Was ſoll
ſie nun über das Verſchwinden des Generals Koutiepow
ſchrei=
ben? Die Agitation für den Abbruch der Beziehungen mit
Ruß=
land wird immer ſtärker. Und wenn es einwandfrei bewieſen
wird, daß die ruſſiſche Geheimpolizei in Paris Menſchen
lentführt oder gar hinrichtet und die Leichen der
Be=
ſeitigten in Krematorien, die ſich in den Kellern der Warſchauer
bzw. der Pariſer Botſchaft befinden ſollen, verbrennt, können die
diplomatiſchen Folgen wirklich nicht ausbleiben.
Die diplomakiſche Seite der Affäre Koukiepow.
EP Paris, 4. Februar.
In der Affäre Koutiepow beginnen, wie ſchon geſtern
ange=
kündigt, nun auch die diplomatiſchen Vertretungen ihre Rolle zu
ſpielen. Der Sowjetbotſchafter Dowgalewſki hat nicht nur
Tar=
dieu einen Beſuch abgeſtattet, ſondern auch Außenminiſter
Briand Mitteilungen über einen von weißruſſiſcher Seite
vor=
bereiteten Handſtreich auf die Sowjetbotſchaft gemacht.
Dowga=
lewſki hat Tardieu auch am Dienstag nachmittag einen Beſuch
abgeſtattet.
Ueber die Unterredung Dowgalewſkis mit Tardieu verlautet,
ſie ſei außerordentlich froſtig verlaufen. Tardieu habe dem Bot=
heute berichtet, ſoll Dowgalewſki ſeine Regierung gebeten haben,
ihm in Anbetracht der Aufregung, die zur Zeit in Paris wegen
der Affäre Koutiepow herrſcht, einen dreimonatigen Urlaub zu
gewähren. Dieſe Nachricht iſt bisher von ruſſiſcher Seite weder
dementiert noch beſtätigt worden, muß aber mit aller Vorſicht
aufgenommen werden. Dagegen wurde begreiflicherweiſe
wieder=
holt die Behauptung Dowgalewſkis dementiert, der weißruſſiſche
Führer Miller bereite mit ſeinen Trupps einen Handſtreich auf
die Sowjetbotſchaft vor.
Nach einer Mitteilung aus Moskau hat der Korreſpondent
der „Iſweftija” ſeinem Blatte aus Amſterdam telegraphiert,
Ge=
neral Koutiepow habe ſein Verſchwinden von langer Hand mit
Hilfe ſeiner Freunde vorbereitet und habe ſich am 26. Januar
nach einer ſüdamerikaniſchen Republik unter Mitnahme einer
be=
deutenden Geldſumme eingeſchifft.
In der Sache ſelbſt ſind die mit den Nachforſchungen
beauf=
tragten Beamten geſtern immer noch mit der Ueberwachung eines
Hauſes in einem Pariſer Vorort, der geheimgehalten wird, aber
in der Nähe von Verſailles liegen dürfte, beſchäftigt geweſen.
Greifbare Reſultate ſind nach den Mitteilungen der Polizei aber
nicht erzielt worden.
Gerüchke über General Koukiepows Aufenthall.
Der „Temps” berichtet aus La Rochelle, die Pariſer
Sicher=
heitspolizei habe den Hafenbehörden mitgeteilt, daß General
Koutiepow von Perſonen entführt worden ſei, die ſich im Beſitz
lettländiſcher Päſſe befinden. Die Behörden ſollten daher alle
Reiſenden mit lettiſchen Päſſen ſcharf überwachen.
Demgegen=
über will die „Liberté” wiſſen, die Polizei habe feſtgeſtellt, daß
General Koutiepow nach kurzem Aufenthalt in einer weſtlichen
Pariſer Vorſtadt nach Belgien, und zwar in unmittelbare Nähe
der deutſchen Grenze, gebracht worden ſei.
General Koutiepow,
der Führer der Militärverbände der weißruſſiſchen Emigranten.
Seine Freunde glauben, daß Koutiepow ein Opfer der Sowjet=
Tſcheka geworden iſt.
Hautbals Terzinengedicht „Die Ahasveriade”, wo Ahasver
die Rolle eines gottloſen Zweiflers zu ſpielen hat, Eduard
Dullers Roman „Der Antichriſt”, der den ewigen Juden
als ſchadenfrohen, grauſamen, lüſternen Helfer des Satans
ge=
ſbraucht, der Darmſtädter Ludwig C. Wittich, deſſen
Ahas=
verus, vor die Wahl geſtellt zwiſchen Leben und Tod, die
„dampfend volle Lebensſchale” ergreift, und endlich Franz
The=
emins Legende „Der ewige Jude”, wo der Typus, parodiſtiſch
gefaßt, als Epikureer, Weltmann, Freigeiſt und Freund aller
Freigeiſter und Gottesleugner erſcheint. Parodiſtiſch und
ſa=
liriſch hatte in Frankreich ſchon 1822 Edgar Quinet die alte
Sagengeſtalt gegenüber den Lobrednern des Mittelalters
aus=
geſpielt, war aber elf Jahre ſpäter ſelbſt der romantiſchen Myſtik
rlegen, als er in ſeinem Myſterium „Ahasvérus” ſechs
Jahr=
auſende Weltſchöpfung und Weltentwicklung zum Gegenſtande
hiner großartigen, in vier Tagen ſich abſpielenden Viſion machte.
luch hier iſt der ewige Wanderer als Geiſt der Menſchheit
ge=
aßt, dem niemals Ruhe gegönnt iſt, der nur in raſtloſem
Stre=
den Erlöſung finden kann. Quinets philoſophiſcher
Künſtler=
raum blieb von der Leſewelt faſt unbeachtet, während Eugene
Sue durch ſeinen blutrünſtigen Schauerroman „Le juif errant”
1844/45) der gefeierte Leihbibliothekenkönig von Europa ward,
beil er es verſtand, die gruſeligen Züge der Ueberlieferung zu
ſerſtärken und die Geſtalt des Ahasverus, des Bruders aller
Interdrückten, im Kampfe gegen Jeſuiten, ſoziales Elend und
tergleichen mit geſellſchaftretteriſcher Poſe zu verwerten. Kein
Lunder, daß bald fingerfertige Dramenklitterer den von Sue
ubereiteten Stoff für die franzöſiſche und auch die deutſche
hühne verarbeiteten; daß auch die Karikatur in Wort und Bild
en dankbaren Gegenſtand ergriff; daß man, anſtatt Ahasverus
um Träger von ewigen Ideen und zum Repräſentanten der
ungenden Menſchheit zu machen, ſeine Perſon wieder als
be=
utemes Hilfsmittel zur Schilderung von einzelnen großen
Zeit=
oochen oder zum Entwerfen von Weltgemälden benützte. In
frankreich iſt das bezeichnende Beiſpiel Alexander Dumas
2s Aelteren fragmentariſcher „Jſagc Laquedem” der in tollen
lreuz= und Querſprüngen, unterbrochen von kulturhiſtoriſchen
hildchen, ein „großes Phantaſiegemälde” von mehr als fünfzehn
Jahrhunderten umreißen ſollte. In Deutſchland gipfelt dieſe
Irt von Ahasverusdichtung in den Werken zweier
deutſch=
ſterreichiſcher Epiker: in Robert Hamerlings
vielbewun=
ertem und vielgeſcholtenen Gedicht „Ahasver in Rom” (1866),
(nem Epos des Sinnentaumels und der Ueberſättigung aus
er neroniſchen Zeit, womit der Dichter ſeiner Zeit einen
ab=
hreckenden Spiegel vorhalten wollte; dann in dem einſt von
lückert gelobten, heute kaum mehr geleſenen Heldengedicht
Abasverus” von Seligmann Heller (1868), das den ewigen
ſuden von Generation zu Generation behutſam durch die
Jahr=
underte bis in den Beginn des neunzehnten geleitet. Kaum
ine bedeutende Perſönlichkeit der Weltgeſchichte, kaum ein
gro=
er Gedanke und kaum ein merkwürdiges Ereignis, die nicht in
dieſen 15 500 Verſen ihre Stätte fänden. Heller, ſelbſt ein Jude,
deſſen Leben nach ſeinem eigenen Zeugnis ein Ueberwinden von
angeborenen und anerzogenen Vorurteilen geweſen iſt, führt
auch ſeinen Ahasverus auf den ſchweren, leidensvollen Weg der
Entwicklung zu höchſter Unbefangenheit und Reife in der
Wür=
digung menſchlicher Ideale. Ein unerſchöpfliches Wiſſen und ein
gewaltiges Wollen, denen nur die angemeſſene Geſtaltungskraft
mangelte.
Auf dieſe Flut folgte eine Zeit der Ebbe. Die ſkeptiſche
Haltung der Zeit gegenüber dem Stoffe ließ es nur noch zu
ironiſierenden, parodiſtiſch=ſatiriſchen, komiſchen Behandlungen
des Stoffes kommen. Selbſt in ſtudentiſchen Kommersliedern
mußte ſich der alte Ahasver von L. Eichrodt und Rud.
Baum=
bach eine neue luſtige Rolle gefallen laſſen. Sogar „ewige
Jü=
dinnen” entſproßten der ſpottenden Laune. Die ſeltſamſten
Mas=
ken wurden dem ruheloſen Wanderer geliehen: er erſchien als
Jude in ſchmierigem Kaftan, als Schulreformator und Gegner
des humaniſtiſchen Gymnaſiums, als Spottfigur auf Richard
Wagners Dramengeſtalten, als moderner jüdiſcher
Geldariſto=
krat oder großer Zeitungsverleger, als luſtiger Galan oder
ge=
langweilter Engländer auf Reiſen. Auch verſchiedene Werke der
leichteren Belletriſtik erinnerten ſich des ewigen Juden, und
Lewis Wallace, der Verfaſſer von „Ben Hur”, machte ihn
noch einmal zum Helden eines ſchauderhaften Hintertreppenromans,
genannt „Der Prinz von Indien”, ausgeſtattet nach dem Sueſchen
Rezept mit Greueln, Ränken und ſchaurigen Geheimniſſen.
Das war 1894, aber ſchon Ende der achtziger Jahre hatte
man in Ahasverdichtungen wieder ernſte Probleme in ernſter
Weiſe zu behandeln begonnen. Nachdem Hans Herrig den
alten Ahasver in ſeinem hiſtoriſchen Drama „Jeruſalem” die
an Jeremias erinnernde Rolle eines politiſchen Agitators hatte
ſpielen laſſen und Max Haushofer ihn in ſeinem
myſterien=
reichen dramatiſchen Gedicht „Der ewige Jude” (1886) in
wech=
ſelnder Geſtalt als Verkörperung des Erlöſung ſuchenden, durch
die Weltgeſchichte ſchwankenden Unſterblichkeitsgedankens
dar=
geſtellt hatte, erſchien in Romanem, Novellen und Dramen
meiſt jüdiſcher Dichter, wie Fritz Mauthner, Robert Jaffé,
Lud=
wig Jacobowſki u. a., ein neuer Ahasver, ein Ahasver in
mo=
dernem Aeußeren, um das Märtyrerlos des Judentums zur
An=
ſchauung zu bringen. Auf der Gegenſeite machte der katholiſche
Dichter Joſef Seeber in ſeinem Epos „Der ewige Jude‟
(1894) das Judentum in Geſtalt von Ahasverus und ſeinen
Brüdern verantwortlich für die heimliche Unterwühlung der
chriſtlichen Geſellſchaft: ſein Gold, ſeine Lehren, ſeine
Förde=
rung jeder Umſturzbewegung, ſeine Propaganda für Gleichheit,
Freiheit, Humanität, die Macht ſeiner Preſſe und ſeine
Ver=
brüderung mit dem Freimaurerorden haben das antichriſtliche
Reich gründen helfen. In die Höhen reiner, tendenzloſer
Dich=
tung ſchwingt ſich dann wieder der evangeliſche Theologe
Jo=
hannes Lepſius in dem Myſterium „Ahasver der ewige
Jude” (1895) empor, worin er den Alten als mit Undank be=
Verſpäkete Meldung eines Polizeibeamken.
Ein neuer und ſehr wichtiger Augenzeuge der Entführung
des Generals Koutiepow iſt jetzt aufgetaucht, nämlich ein
Polizei=
beamter, des unerklärlicherweiſe bisher über ſeine
Wahrneh=
mungen geſchwiegen hat.
Der Beamte befand ſich am Sonntag, den 22. Januar, um
die Zeit, zu der der General Koutiepow verſchwunden iſt,
als Poſten vor der italieniſchen Botſchaft in der Avenue
de Villars, als ein graues Privatauto in ziemlich großer
Geſchwindigkeit vorüberfuhr. In dieſem Wagen ſaß auf
einem Klappſitz mit dem Rücken zum Chauffeur ein
Poli=
zeibeamter, der mit ausgeſtreckten Armen einen großen
bärtigen Mann auf dem Rückſitz feſthielt. Rechts und
links neben dieſem Mann, der ſich heftig zur Wehr ſetzte,
ſaßen zwei Ziviliſten, die ſich ebenfalls bemühten, den
Mann zu überwältigen und ſein Geſicht zu verbergen. Dem
grauen Wagen folgte ein rotes Auto in kurzem Abſtand.
Der Polizeibeamte hatte, angenommen, daß es ſich um den
Transport eines Verletzten oder eines Irren handle.
Ein Zeuge wird wahnſinnig. — Zahlreiche
Haus=
ſuchungen bei bekannken Bolſchewiſten.
Die Affäre Koutiepow geſtaltet ſich immer dramatiſcher. Am
Dienstag nachmittag wurde ein Zeuge, der Chauffeur
Re=
din, plötzlich wahnſinnig. Redin hat ſeinerzeit die Ruſſin
Ludmilla Tſchoban als die Frau denunziert, die den
General in einen Hinterhalt gelockt habe. Redin
ſcheint jetzt vom Verfolgungswahn befallen zu ſein,
denn er ruft ununterbrochen aus: „Die
Bolſche=
wiſten werden mich töten.‟ Er wurde von den
Behör=
den in eine Irrenanſtalt gebracht. Die Polizei nimmt immer
noch an, daß der General Koutiepow noch am Leben iſt. Sie
glaubt, daß er in einer ſüdweſtlichen Vorſtadt von Paris, in der
zahlreiche Ruſſen wohnen, gefangen gehalten wird. Dort haben
geſtern abend und in der verfloſſenen Nacht Hausſuchungen bei
bekannten Bolſchewiſten ſtattgefunden, die aber anſcheinend
er=
gebnislos verlaufen ſind. Die Blätter teilen weiter zahlreiche
Einzelheiten über angeblich in die Affäre verwickelte und meiſt
in Berlin wohnhafte ruſſiſche Perſönlichceiten mit, die eine
Wie=
dergabe nicht verdienen, da ſie ebenſo phantaſtiſch wie
unerwie=
ſen ſind.
Kriſengerüichke in Paris.
Eine Inkrige Briands gegen Tardien?
In den Wandelgängen der franzöſiſchen Kammer ſprach man
heute wieder von Kriſenmöglichkeiten. Anlaß dazu gab
folgen=
der Vorfall: Miniſterpräſident Tardieu hatte heute die
Führer der Mehrheitsfraktionen zu einer
Sitzung einberufen, um ihnen über den Verlauf der
Haa=
ger und der Londoner Konferenz ſowie über das
Arbeitspro=
gramm der Regierung bis zu den Oſterferien zu berichten. Der
Abg. Danielou, der Führer der radikalen Linken, die in der
Regierung durch drei Miniſter und drei Staatsſekretäre
vertre=
ten iſt, weigerte ſich, dieſer Einladung Folge zu
leiſten. In einem Schreiben an Tardieu begründete
er ſeine Weigerung damit, daß ſeine Fraktion ſchon ſeit Jahren
nicht mehr an Sitzungen teilgenommen habe, zu denen nur die
rechts von ihr ſtehenden Fraktionen zugezogen würden.
Tar=
dieu zeigte ſich darüber ſehr erregt und drohte mit
Re=
preſſalien gegenüber den linksradikalen
Re=
gierungsmitgliedern. In parlamentariſchen Kreiſen
wird in dieſem Zuſammenhang unterſtrichen, daß Danielou
mit Briand ſehr befreundet iſt. Dieſer Zwiſchenfall
in Verbindung mit der Tatſache, daß ſchon ſeit langer
Zeit von einer Spannung zwiſchen Briand und
Tardieu geſprochen wird, genügte, um Gerüchte von einer
Intrige des Außenminiſters gegen ſeinen
Mi=
niſterpräſidenten aufkommen zu laſſen, deren
Stichhaltig=
keit ſelbſtverſtändlich nicht nachprüfbar iſt.
Briand wieder nach London abgereiſt.
Außenminiſter Briand und Kolonialminiſter Piétri ſind
heute mittag nach London abgereiſt, um weiter an den
Verhand=
lungen der Flottenabrüſtungs=Konferenz teilzunehmen. Briand
erklärte vor der Abfahrt, er werde in etwa 12 Tagen wieder nach
Paris zurückkehren. — Miniſterpräſident Tardieu empfing heute
die vor Beginn der Londoner Konferenz ernannten acht
parla=
mentariſchen Flotten=Sachverſtändigen, denen er über den
bis=
herigen Verlauf der Beſprechungen Bericht erſtattete.
lohnten Meſſias ſeines Volkes ein dem Schickſal Jeſu ähnliches
Los erleben läßt. Moderne Entwicklungs= und
Wiedergeburts=
gedanken, mit der Weihe religiöſer Stimmung umgeben, liegen
einer anderen Reihe von Ahasverdichtungen zugrunde: bei
Carmen Sylva geht Ahasver in dem Gedicht „Jehovah”
(1882) den langen, leidvollen Weg des Zweifels und Suchens,
der Irrung, Sünde und Not bis zu der erlöſenden Erkenntnis:
„Im Werden da iſt Gott, Gott iſt ewig Werden”; in Adolf
Wilbrandts dramatiſcher Dichtung „Der Meiſter von
Pal=
myra” (1889) findet das Ahasver=Schickſal des zu ewigem
Leben Verfluchten und doch ſo Todesſehnſüchtigen ſeine Löſung
durch die Erkenntnis, daß das menſchliche Ich nur in der
Ent=
wicklung von Form zu Form Dauer finden, nur durch den Tod
zu einem höheren Leben eingehen könne. So dringen
Wieder=
geburtsgedanken in den Ahasverusſtoff ein, wie bei Felix
Weingartner in ſeinem dreiteiligen Muſikdrama „Die
Er=
löſung”, deſſen letzter Teil „Ahasverus” dem geläuterten Pilger
die Erlöſung in der Seligkeit des Nirwana bringt. Auch
Hein=
rich Bulthaupt hat Ahasverus zum Helden eines
Muſik=
dramas gemacht, in dem dem Verfluchten die ſelige Ruhe durch
die Erkenntnis von dem Werte ſelbſtaufopfernder Nächſtenliebe
zuteil wird. Werktätige Liebe ſtellt ſich der Kraft des Wiſſens
und dem Streben nach Macht in Friedrich Lienhards
Tra=
gödie „Ahasver” (1903) entgegen, der Dämon des Machthungers
zerbricht am Gegenſatz zu Golgatha, der Macht der Liebe.
Auch der Zeitgeiſt fordert ſein Recht an dem uralten Stoffe:
ſozialiſtiſche und individualiſtiſche Tendenzen ſtreiten miteinander
in dem Weltanſchauungsgedicht „Die Inſel Ahasvers” (1893)
von Maurice v. Stern; als individualiſtiſcher
Lebensbe=
jaher im Sinne Nietzſches, als Apoſtel des Diesſeits trotz
Him=
mel und Hölle erſcheint Ahasver der vereinten Phantaſie von
Johanna und Guſtav Wolff in dem gleichnamigen
dramati=
ſierten Myſterium (1899); als Vertreter ſozialiſtiſcher Ideen, als
Kämpfer für alle Unterdrückten und als Haſſer alles Gemeinen
bei hoch und niedrig tritt der leiderprobte Erdenwaller in
Guſtav Renners dramatiſchem Myſterium „Ahasver” (1904)
auf, um ſchließlich an der Wiege des wiedergekehrten Heilands,
der Selbſterlöſer beim Welterlöſer, die erſehnte Ruhe zu finden.
Ahasver als Vertreter der Erdtreuen, als Lobpreiſer der
Schönheit und Herrlichkeit dieſer Welt trotz all ihres Leides und
all ihrer Schmerzen, Ahasver als der verkörperte Triumph des
Lebens — das iſt der äußerſte Gegenſatz zu dem ewigen Juden
des alten Volksbuches, dem die Erde ein Jammertal war und
das Leben ein ewiger Fluch: ſo, als Erdenbürger in
Menſchen=
luſt und =leid, haben Arno Holz, Hans Benzmann, Wolfang
Kirchbach, Wolfgang Madjera den Alten aufgefaßt, den erſten
Anſtoß zu dieſer Auffaſſung aber hat, wie oben erwähnt, der
Darmſtädter Ludwig C. Wittich gegeben, deſſen „
Ahas=
verus” in den „Sieben Büchern deutſcher Sagen und Legenden
— in alten und neuen Dichtungen”, herausgegeben in
Darm=
ſtadt 1839 von Anguſt Nodnagel, zu finden iſ=
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Nummer 36
Seite 4
Die Geburt ihres Sonntags-
Jungen zeigen hocherfreut an
Dipl.-Ing. Viktor Piatnik
und Frau Lilli, geb. Ahlers.
z. Zt. Graz, den 26. Januar 1930
Sanatorium Hansa.
(2216
Die glückliche Geburt einer gesunden
Tochter zeigen in dankbarer Freude an
Hans Schrader und Frau
Else, geb. Gubsch.
Münster (Westt.), den 1. Februar 1930.
z. Zt. Hedwigs Klinik.
Todes=Anzeige.
Am 1. Februar iſt mein unendlich guter
Mann
Adert Bieſe
Privatmann
in ſeinem 81. Lebensjahre, bei liebevollſter
Pflege der Schweſtern Abt 2 des ſtädt.
Kranken=
hauſes, aus dem Leben geſchieden.
In großem Leid,
auch im Namen der Verwandten
Anna Wieſe
Darmſiadt, 4. Februar 1930.
Frantfurterſtraße 531.
Die Einäſcherung hat in der Stille ſiattgefunden.
Ich bitte herzlich, von Beileidsbeſuchen abſehen zu wollen.
Todes=Anzeige.
An den Folgen eines Hirnſchlages
ver=
ſchied mein innigſigeliebter Gatte,
unſer=
unvergeßlicher Vater und Großvater, der
Kgl. Preuß. Rechnungsrat und
Stabszahlmeiſter a. D.
Snheim Jung.
Im Namen
der tiefbetrübten Angehörigen:
Frau Käthe Jung
geb. Friedel.
Darmſiadt, den 2. Februar 1930.
Die Einäſcherung findet auf Wunſch des Entſchlafenen
in aller Stille ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Todes=Anzeige.
Geſiern Abend wurde unſer geliebter,
treu=
ſorgender Vater
Son. Zimmer
Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht,
unſere Alten Herren, Philiſter und inaktiven
Burſchen von dem Ableben unſeres lieben
Alten Herren
Zib.=Ing. Albert Schriever
(aktiv 1897 bis 1998)
geziemend in Kenntnis zu ſetzen. Er verſtarb
am 2. Februar in Eſſen.
In tiefer Trauer:
Die O.B. Rheno=Guefffalia.
J A Strüven X
(2262
Darmſtadt, den 3. Februar 1930.
Küfermeiſter
im Alter von 67 Jahren von einem langen,
ſchweren Leiden erlöſt.
In tiefem Schmerz:
Familie Job. Zimmer.
Darmſtadt, den 4. Februar 1930.
Marienplatz 1, früh. Kaſino.
Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 3½ Uhr,
auf dem Waldtriedhof ſtatt.
Todes=Anzeige.
Statt beſonderer Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige
Mit=
teilung, daß der allmächtige Gott ineinen geliebten
teuren, unvergeßlichen Mann, den herzensguten,
treu=
beſorgten Vater unſerer beiden Kinder, meinen lieben
Sohn, Bruder, Schwiegerſohn, Schwager, Onkel u. Neffe
Herrn Aoam Druſt
nach langem, ſchweren, mit großer Geduld getragenem
Kriegsleiden im Alter von 42 Jahren zu ſich in die
(2268
Ewigkeit gerufen hat.
Im Namen der lieſtrauernden Hinterbliebenen:
In tiefem Schmerz:
Eliſabeth Bruſt Ww., geb. Friedrich
Wallbach, den 4. Februar 1930.
Beerdigung Donnerstag, 6. Februar, nachmittags 2 Uhr
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger
Teilnahme beim Heimgange
unſeres lieben Entſchlafenen,
ſowie die ſchönen Blumen= und
Kranzſpenden, beſonders auch
der Behörde, Schule, den
Ver=
einen und die wirklich
auf=
opfernde Bemühungen des Herrn
Dr. Schultheiß ſagen wir unſeren
herzlichſien Dank.
(2247
Frau Marg. Pohl Wwe.
und Angehörige.
* Nieder=Ramſtadt, den 3. Februar 1930.
Sch. gr. Gaszuglampe
(auch f. El.) bill. z. vk.
Heidelbergerſt. 88,I.*
Mehrere faſt neue
ands
dar. ein Bechſtein,
billigſt.
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För=
ſter, Müller,
Schied=
mayer, Victoria u. a.
v. 850.— ℳ an.
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Nummer 36
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Seite 5
Aus der Landeshaupkftadk.
Darmſtadt, den 5. Februar.
— Ernennung. Der Regierungsbaumeiſter Veit Hugo Leicht aus
Darmſtadt, zurzeit bei der Reichsbahndirektion Breslau, wurde mit
Wirkung vom 1. Februar d. J. zum Reichsbahnbaurat ernannt.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde: Am 27. Januar der
Polizei=
rreiſter Emil Bönſel in Darmſtadt auf ſein Nachſuchen, mit Wirkung
tom 1. April 1930.
— Schule und Faſtnacht. Der heſſiſche Kultusminiſter hat
ange=
yrdnet, daß in den heſſiſchen Schulen der Unterricht am Nachmittag
oes Faſtnachts=Dienstag für alle Klaſſen auszufallen hat. Der freie
halbe Tag ſoll jedoch auf irgendwelche Ferien nicht angerechnet werden.
Bibliothek des Gewerbemuſeums. Im Monat Dezember und
Hanuar wurden für die Bibliothek des Gewerbemuſeums u. a.
erwor=
ben: Löffler, Einführung in die Handſchriftenkunde. 1929
Rohr=
ſcheid, Das Handwerksrecht. 1930. Granger, La Céramique
induſtrielle. 1929. Unwin, Das wahre Geſicht des Verlagsbuchhandels.
dR. Sehffert, Allgemeine Werbelehre. 1929. Illersperger,
Praxis des Beleuchtungsweſens. 1929. Nickliſch, Handwörterbuch
der Betriebswirtſchaft. 5 Bände. Langsdorf. Taſchenbuch der
Luftflotten. 1928/29. Miſes, Fluglehre. 1926. Pfiſter. Der Bau
des Flugzeuges. Boehn, Puppen und Puppenſpiele. 1929.
Gym=
nich, Sportflugzeug. 1926. Katz, Neuzeitliche Flugmotoren. 1928.
georgii, Wettervorherſage. 1924. Sauerlandt,
Edelmetall=
jſſungen in der Keramik. 1929. Haeder, Berechnnug eines
Auto=
noblmotors. 1930. Bauhaus=Tapetenbuch. Bücher der
Kartenſchönheit. 10 Bände. Demmig, Repetitorium der
Me=
hrnik, 2. Band: Feſtigkeitslehre. Feulner, Farbige Raumkunſt der
Vergangenheit. 1930. Biema, Farben und Formen als lebendige
Kräfte. 1930. Doyé, Franz von Sales. Die alten
Trach=
en. 1930.
— Heſſiſches Landestheater. Heute, Mittwoch, gelangt um 19.30 Uhr,
m Großen Haus „Die Bohéme” Oper in vier Alten von
8rccini, deren Wiederaufnahme in den Spielplan ſtärkſten Anklang
efunden hat, zur Aufführung. Muſikaliſche Leitung: Karl Maria
Zwißler. (Bühnenvolksbund, Micte H und Miete T, Gruppe 1.)
„Reporter” wird heute, Mittwoch, um 20 Uhr im Kleinen
öaus mit der erfolgreichen Premierenbeſetzung wiederholt. (
Zuſatz=
niete II.) Die mächſten Aufführungen der „Reporter” finden Samstag,
en 8. Februar, und Sonntag, dem 9. Fibruar, jeweils um 20 Uhr, im
Aleinen Haus ſtatt.
„Don Giovanni”, Oper von Mogart, wird in der
erfolg=
eichen Neueinſtudierung unter muſibaliſcher Leitung von Dr. Karl
zahm morgen, Donnerstag, um 19.30 Uhr, im Großen Haus erſtmals
viederholt. Die Titelpartie ſingt Hans Komregg.
Die Heſſiſche Spielgemeinſchaft veranſtaltet morgen, Donnerstag,
m 20 Uhr, im Kleinen Haus, außer Miete eine Wiederholung ihres
mterhaltſamen Einakterabends in heſſiſcher Mundart. Es gelangen
Der Kaktusfreund” von Joſef Nerking, „Der guto Rat”
on Heinrich Rüthlein und „Hochzeitstag” von Georg Büchner
ar Aufführung
„La vida breve” Kurzoper von Manuel de Falla, wird in
ſerbindung mit der Tanzpantomime. Die Hochzeit in
Cre=
adna” (Muſik von Glinka) Freitag, den 7. Februar, um 20 Uhr, im
einen Haus in Szene gehen. (Zuſatzmiete V und Miete T,
ſurppe 7 und 8.)
Gerhart Hauptmanns Florian Geyer” wird in der
erfolg=
tichen Neuinſzenierung Freitag, den 7. Febpuar, um 19 Uhr, im
roßen Haus zur Darſtellung kommen. (Miete D und Miete 7,
iurppe 2, 3. 4.)
„Tiafland”, Oper von dAlbert, wird Sonntag, den 9. Febr
m 19.30 Uhr, im Großem Haus, unter muſikaliſcher Leitung von Carl
ſamberger zur Aufführung gelangen. Spielleitung: Heinz Arnold.
den Hauptrollen: Roſe Landwehr. Hams Grahl, Carl Stralendorf,
o Herrmann, Regina Harre, Ernſt Overlack. Anna Jacobs, Martha
ſepel, Maria Kienzl. Morgen, Donnerstag, Beginn des Vorverkaufs.
— Wiederholung des Operetten=Abends Thea Böhm—Hans Grahl
n Donnerstag, den 13. Februar, im Kleinen Haus. Der geſtrige
Ope=
uien=Abend Thea Böhm—Hans Grahl, der mit großem Erfolg vor
je fülltem Hauſe abſchloß, wird auf vielfachen Wunſch am
Donners=
ty. den 13. Februar, um 20 Uhr, im Kleinen Haus wiederholt werden.
e Vortragsfolge wird zum Teil ergänzt durch neue Schlager. Der
Grverkauf beginnt heute an der Tageskaſſe des Kleinen Hauſes; die
Emtrittskarten werden zu ermäßigten Preiſen abgegeben.
— Peterſen=Simon=Abend. Wir machen nochmals auf den heute
n 20 Uhr im Saale der Städtiſchen Akademie zugunſten der
Hilfs=
tſe des Reichsverbandes Deutſcher Tonkünſtler und Muſiklehrer
ſtatt=
ndenden „Modernen Komponiſten=Abend” aufmerkſam. Das
Pro=
amm umfaßt Lieder von Wilhelm Peterſen (Sängerin: Grete Nies,
7t) und ein Violin=Konzert von Hans Simon (Konzertmeiſter
Schnurr=
iſch). Karten zu 1 Mk. ſind in der Städtiſchen Akademie für
Ton=
mſt, Eliſabethenſtraße 36, und an der Abendkaſſe zu haben.
Darmſtädter Sängerſchaft. Unſer Lieſerabend, der am 3. Mai
1n der Feſthalle abgehalten wird, bedingt größere Vorarbeiten, die nur
zr Zufriedenheit aller Vereine durchzuführen ſind, wenn die angeſetz=
In Termine auch pünktlich eingehalten werden. Es iſt durchaus
not=
andig, daß die Vereine die Chöre, die geſungen werden ſollen, ſofort
In Vorſitzenden F. G. Roth einreichen, damit der Muſikausſchuß die
förtragsfolge zuſammenſtellen kann. Einige gut geleitete Vereine
ſben die Chöre bereits namhaft gemacht. Auf die Abgabe der
Beſtands=
webungsblätter für 1930 wird ebenfalls nochmals hingewieſen.
— Orpheum. Die heutige Nachmittagsvorſtellung von
Schneewitt=
lch und die ſieben Zwerge beginnt pünktlich um 4 Uhr. Der
Karten=
nverkauf iſt bis 12.30 Uhr im Verkehrsbüro und ab 2.30 Uhr an der
Oheumskaſſe. Da die Nachfrage wieder ſehr ſtark iſt (am vergangenen
enntag beſuchten zirka 1300 Kinder und Erwachſene die
Nachmittags=
imſtellung!) empfiehlt es ſich, die Karten im Vorverkauf zu entnehmen
ar durch Rufnummer 389 zu beſtellen. (S. Anz.) Die Eintrittspreiſe
ibegen ſich von 50 Pfennig bis 2 Mark. — Abends 8.15 Uhr
Auf=
inen zweier Attraktionen in einem Spielplan: der unerreichte Sylveſt
lSyder, der „Diktator der Träume”, ſowie die reizende
Liliputaner=
ſchvue „Klein — aber oho‟ Es wird darauf hingewieſen, daß der
der=
züge Spielplan nur noch bis Sonntag, 9. Februar, einſchließlich währt.
ür die Abendvorſtellung gelten Preiſe von 1 Mk. bis 3 Mk. (S. Anz.).
— Mozart=Maskenball. Das vom „Mozart” entdeckte Wunderland
hudideli” das ſeinen Namen nach ſeiner Weſensart. Nur
Dik=
iſur der Liebe” erhalten hat, das Land der dornenloſen Roſen
im flammenden Herzen, weiß wunderbare Feſte zu feiern. Die Nudi=
Verinnen wollen Schönheit ihrer Körper und Koſtüme zeigen. Sie
Uden Ueberfüllung und Verdunkelung ihrer Feſtſäle. Die Phantaſie
r Koſtüme iſt übermütig, aber der Name des Landes hat mit
Nudi=
ſütnichts zu tun. 15. Februar Saalbau. Karten bei O. Titze.
— Verein Freundinnen jg. Mädchen. Unſere Heimabende jeden Don=
Wtag abend 8.15—10 Uhr ſind unſern ortsfremden jg. Mädchen ein
utes Bedürfnis geworden. Dort wird geſchneidert, geſungen und
ge=
in und Dinge aus dem täglichen Leben beſprochen. Dieſen
Donners=
nehmen wir teil an dem Vortrag von Herrn Pf. Köhler über Ru=
9 Schäfer, den Maler der deutſchen Familie, im Beſſunger Gemeinde=
, Eichwieſenſtraße 8 (Halteſtelle Linie 3). Eintritt frei. Treffpunkt
Kdſtraße, an der kath. Kirche, 8.15 Uhr Abmarſch. Rege Beteiligung
inſcht.
— Wanderklub „Falke” 1916, Darmſtadt. Am kommenden
Sonn=
unternimmt der „Falke” ſeine zweite Wanderung, welche
König über Weitengeſäß—Eulbach—Ernsbach nach Erbach führen
— Nachdem der Maskenball verrauſcht iſt, hoffen wir, unſere
Uglieder vollzählig beim Wandern begrüßen zu können, zumal
wie=
ein intereſſantes Wandergebiet beſucht werden ſoll. Abfahrt 6.13
Oſtbahnhof. (Näheres ſiehe Anzeige.)
— Turngemeinde Beffungen 1865. Unſeve
Jahreshauptverſamm=
m die für den 8. Februar angeſagt war, muß nunmehr auf den
März d. J. verlegt werden. Eingetretene techniſche Schwierigkeiten
Iien die Verlegung unbedingt erforderlich.
— Reichskurzſchrift=Anfängerkurſe beginnt der Gabelsberger
Steno=
ſhenverein (1861) am Freitag, den 7., und Dienstag, den 11. Fe=
Ur, in ſeinen Unterrichtsräumen in der Ballonſchule (Ballonplatz)
a00 Uhr. Die Kurſe werden, entſprechend dem guten Rufe dieſes
ällten und größten Stenographenvereins Darmſtadts, von nur beſten,
müten und in der Praxis erfahrenen Stenographielehrern erteilt.
9Teilnehmergebühren, die äußerſt niedrig bemeſſen ſind, können in
2 ſen gezahlt werden. Maſchinenſchreibunterricht, der jederzeit
begon=
nAwerden kann, wird in unſeren eigenen Räumen, Ballonplatz 7, täg=
Tihvon 10—21 Uhr, erteilt. Weitere unverbindliche Auskunft ſtets
gee in unſerer Auskunftsſtelle Ballonplatz 7 und an den erſten
Unter=
vitzabenden. (Näheres ſiehe heutige Anzeige.)
— Schloß=Kaffee. Auf die Veranſtaltungen des Schloß
Kaffee=
cm bles unter Leitung von Kapellmeiſter Curt Fiſcher ſei hier=
Nh beſonders hingewieſen. Heute nachmittag 4 Uhr findet ein großes
Enberkonzert ſtatt; abends 8 Uhr Geſellſchaftsabend,
die woielſcaſtiiche dage des hanolderts iin Monnt Sunanr Lsso.
RH. Vom Reichsverband des deutſchen Handwerks wird uns
ge=
ſchrieben:
Entſprechend der allgemeinen ſchlechten Lage der Wirtſchaft war auch
im Handwerk die Wirtſchaftslage im Monat Januar äußerſt ungünſtig.
Die Berichte der einzelnen Kammern weiſen faſt übereinſtimmend für
ſämtliche Berufe darauf hin, daß die Entwicklung der wirtſchaftlichen
Verhältniſſe im Handwerk ſich ſehr ſchlecht geſtaltet hat. Selbſt die
Handwerksberufe, die normalerweiſe im Berichtsmonat gute
Beſchäf=
tigung aufzuweiſen haben, ſind mit dem Geſchäftsgang ſehr unzufrieden.
So berichtet beiſpielsweiſe das Herren= und Damenſchneidereihandwerk,
daß in dieſem Jahre der Auftragseingang erheblich nachgelaſſen hat.
Auch das Friſeurgeſchäft hat trotz der Faſchingszeit und Ballſaiſon nur
vereinzelt eine Belebung ſeines ſchlechten Geſchäftsganges erfahren.,
Nachteilig für den Geſchäftsgang des Handwerks wirkten vor allem die
Inventurausverkäufe der großen Warenhäuſer. Für einige Berufe
wirkte auch die milde, trockene Witterung nachteilig. Vor allem das
Schmiede= und Klempnerhandwerk hatte hierdurch einen erheblichen
Ausfall an Aufträgen zu verzeichnen. Auch dem Schuhmacherhandwerk
brachte die Witterung einen Rückgang an Reparaturarbeiten. Die
Handwerksberufe dagegen, die aus dem milden Wetter einen Vorteil
hätten ziehen können, das Bauhaupt= und die Baunebengewerbe, mußten
wegen der beſtehenden großen Geld= und Kapitalknappheit die günſtige
Zeit ungenutzt verſtreichen laſſen. Auch die Baunebengewerbe hatten mit
Ausnahme des Dachdeckerhandwerks, das für die Jahreszeit verhältnis=
mäßig zufriedenſtellend beſchäftigt war, faſt keine Arbeiten auszuführen.
Lediglich die Fertigſtellung der aus früheren Monaten vorliegenden
Aufträge gab vereinzelt den Betrieben noch etwas Beſchäftigung. Die
ungeklärte wirtſchaftspolitiſche Lage und der Beſchluß des Deutſchen
Städtetages auf Droſſelung der Neubautätigkeit haben im Baugewerbe
größte Beunruhigung hervorgerufen.
Nach wie vor wird auch über den ſchlechten Zahlungswillen der
Kundſchaft geklagt. Die Begleichung ratenweiſer Zahlungen erfolgt
immer ſchleppender. Trotz der Senkung des Reichsbankdiskonts iſt auf
dem Kapitalmarkt noch keine fühlbare Entſpannung eingetreten.
Lang=
friſtige Kredite waren für das Handwerk immer noch ſehr ſchwer zu
be=
kommen. Schwer betroffen wurde das Handwerk auch häufig durch
Konkurſe und Vergleichsverfahren ſeiner Schuldner. Trotzdem nach
Möglichkeit verſucht wurde, durch Arbeiten auf Vorrat wenigſtens die
Stammarbeiterſchaft zu beſchäftigen, mußten von vielen Betrieben
Arbeiterentlaſſungen vorgenommen werden. Am größten war die
Ar=
beitsloſigkeit im Baugewerbe, aber auch die metallverarbeitenden
Hand=
werke ſowie die holzverarbeitenden mußten in vielen Fällen Hilfskräfte
wegen Mangel an Arbeit entlaſſen. Die Löhne haben trotzdem zum
Teil, beiſpielsweiſe im Holzgewerbe ſowie im Buchbinderhandwerk
angezogen. — Die Verſorgung mit Rohſtoffen und Halbfabrikaten
er=
folgte ohne Schwierigkeiten. Die Preisgeſtaltung wies, von
unweſent=
lichen Schwankungen abgeſehen, keine Aenderung auf.
Tagung der Deutſchen Chriſtlichen
Skudenken=
vereinigung, Gau heſſen, in griedberg.
Am 25. und 26. Januar d. J. fand in Friedberg ein Gautreffen
der vier Kreiſe Darmſtadt, Frankfurt, Gießen und Marburg der
Deut=
ſchen Chriſtlichen Studentenvereinigung (D. C. S.V.) ſtatt. Im
Mittel=
punkt der Tagung ſtand das Referat von Dr. med. Georgi über das
Thema: „Der Chriſt impolitiſchen Leben”. Als heute
wich=
tigſte politiſche Aufgabe bezeichnete der Referent die Schaffung einer
politiſchen Laienſchaft mit geiſtiger Tragfähigkeit in unſerem Volk. Er
gab eine Orientierung zunächſt über die geiſtige Lage der Partei. Jede
Partei hat 1. ihre gläubigen Enthuſiaſten; das ſind die eigentlichen
gei=
ſtigen Träger der Partei, 2. perſönlich Ehrgeizige, die die Partei als
Mittel zu ihren Zwecken gebrauchen, 3. ein großes Heer von Mitläufern,
4. Ueberläufer aus anderen Parteien (Querulanten).
Als Typen chriſtlicher Einſtellung zum politiſchen Leben ſtellte der
Referent heraus, einmal die religiöſen Enthuſiaſten, die aus falſcher
Reichsgotteshoffnung das politiſche Leben für nichts achten; die politiſche
Not, die die Not des Bruders iſt, wird nicht geſehen. Zum anderen die
religiös=politiſch Radikalen (religiöſe Sozialiſten) und endlich die
poli=
tiſch Heimatloſen, die ſcharf von der 1. Gruppe der religiöſen Enthuſiaſten
zu unterſcheiden ſind.
Die Ratloſigkeit unſeres politiſchen Lebens kann nur durch vor Gott
ſich ihrer Verantwortung bewußte Menſchen überwunden werden. Es
gilt im Handeln, in ſachlicher Intereſſiertheit an allen Dingen, den
jeweils beſten Weg in der gegebenen Situation zu weiſen. Solche
ver=
antwortungsbewußte Menſchen verfallen nicht reſtlos den Dingen oder
ihren Theſen wie die Fanatiker. Einen Weg ſolcher chriſtlich=politiſchen
Arbeit ſah der Referent im „Chriſtlichen Volksdienſt”
Aus der überaus regen Ausſprache ſcheint mir die entſcheidendſte
Frage zu ſein, ob die chriſtliche Haltung gegenüber der Politik immer
nur eine kritiſche, die Auswüchſe bekämpfende ſein könne; und wenn
nicht, wie eine chriſtliche Politik als Realpolitik und beſonders als
Außenpolitik geſtaltet werden könne. Eine Antwort wurde dahin zu
geben verſucht: Daß der chriſtliche Politiker in der jeweiligen Situation
in der Gewiſſensentſcheidung und im jeweiligen Handeln in Schuld und
Sünde ſehe; daß er aber im Glauben an Gottes Vergebung ſich
ent=
ſcheiden und handeln müſſe.
Wandern und Geſang in der 9. T.
— Am Sonntag fand in Bensheim im „Deutſchen Haus” die
dies=
jährige Jahreshauptverfammlung der Vereinswarte für Wondern und
Geſang, ſowie der Vereinsſtabführer der Spielmannszüge ſtatt. Um
11 Uhr wurde mit dem Lied „Turner auf zum Streite” die Sitzung
eröffnet, und Gauwanderwart Müller hieß die anweſenden Vertreter
der einzelnen Gauvereine herzlich willkommen. Der Vertreter des
Turnvereins Bemsheim übermittelte die Grüße ſeines Vereins und
wünſchte der Tagung einen guten Verlauf. Alsdann trat man in die
Tagesordnung ein und Gauwandewwart Müller erſtattete den Bericht
über das abgelaufene Jahr, worüber ſich eine lebhafte Ausſprache
ent=
ſpann. Es wurden verſchiedene Anregungen gegeben, wie die einzelnen
Veranſtaltungen in Zukunſt ſchöner und beſſer geſtaltet worden ſollen.
Als Ziel für die Frühjahrsgauwanderung, die am B. 5. 1930
ſtattfin=
det, wurde die Starkenbung bei Heppenheim feſtgeſetzt. Die Herbſt=
Gau=(Schmuck=)=Wanderung führt, wie alljährlich, auf dem Frankenſtein,
an das Ehrenmal unſerer gefallenen Turnbrüder. Die
Kreiswinter=
turnfahrt 1931 hat als Ziel Bad=Naſſau. Auch die Geſangsriegen
wer=
den ſich wie in den vorhergehenden Jahren o dem Gauturnfeſt in
Groß=Gerau und an dem Kreisturnfeſt in Hanau beteiligen. Bei der
Schmuchwanderung ſollen die Singmannſchaften der Vereine der
Darm=
ſtädter Tumerſchaft die Feierſtunde verſchönern. Gauwanderwart
Müller weiſt darauf hin, das Singen auf Wanderungen,
Uebungs=
plätzen, in Verſammlungen und bei Feſtlichkeiten noch mehr zu
pflegen. Die Spielmannszüge (37 Stück) haben im kommenden Jahr
ebenfalls wieder reichlich Arbeit. Außer einigen Uebungsſtunden
wer=
den die Züge bei dem Gauturnfeſt in Groß=Gerau, bei dem
Gau=
frauenturnen in Sprendlingen und bei dem Kreisturnfeſt in Hanau
mitwirken. Die Neuwahlen gingen glatt von ſtatten. Als Gauwart
für Wandem und Geſang wurde Turner Müller wiedergewählt, als
Ausſchußmitglied für Wandern Turner Hch. Bicker, und als
Gauſtab=
führer Turner Hanſtein. Hiermit war die arbeitsreiche Tagumg zu
Ende, und zum Abſchluß wurde das Lied „Ein Ruf iſt erklungen”
ge=
ſungen. Um 13½ Uhr ſchloß Gauwanderwart Müller die Sitzung mit
einem kräftigen „Gut Heil!” auf unſere ſchöne Turnſache.
Erkisck den Mund
halk ihn gesund
durch
R
Zeel MUNDWASSER-
KUGELN
K)
Die Auswirkungen einer Bierſteuer=Erhöhung.
— Man ſchreibt uns: Nach dem Finanzprogramm der
Reichsregie=
rung ſoll das Bier mit einem Steuermehr von 50 Prozent herangezogen
werden. Da wir uns zur Zeit zweifellos in einer Periode des
Konjunk=
turniederganges befinden, ſo dürfte eine erhöhte Sonderbeſteuerung des
Bieres aller Vorausſicht nach zu einer Verminderung des Abſatzes
füh=
ren. Infolge der geſchwächten Kaufkraft der breiten
Verbraucherſchich=
ten werden dieſe gezwungen ſein, entweder ihren Biergenuß
einzu=
ſchränken oder ihren Verbrauch von anderen Waren zurückzuſchrauben.
In beiden Fällen wird der Schaden die Induſtrie und den Handel,
namentlich aber die ohnehin ſchwer um ihre Exiſtenz ringendenn kleinen
Brauereibetriebe treffen. Es iſt nämlich durchaus demagogiſch und
ein=
ſeitig gedacht, wenn in einer gewiſſen Preſſe immer wieder auf die
an=
geblich viel zu hohen Dividenden mancher Aktienbrauereien hingewieſen
wird. Denn die Großbrauereien ſtellen doch nur einen Teil der
deut=
ſchen Brauinduſtrie dar. Im großen und ganzen iſt das Braugewerbe
auch heute noch ein Mittelſtandsgewerbe, das, namentlich in
Süddeutſch=
land, eine ſehr große Anzahl kleiner Gewerbetreibender ernährt.
Nicht minder ſchwer würde der deutſche Arbeiter, der zweifellos der
größte Bierkonſument iſt, durch eine Bierſteuererhöhung betroffen
wer=
den. Denn es iſt für das Budget des Arbeiters von weittragender
Be=
deutung, wenn er das Glas Bier infolge einer Steuererhöhung mit
einem Bieraufſchlag von 5 Pfg. und darüber hinaus bezahlen müßte.
* Sieuer- und Wirkſchafiskalender
für die Zeit vom 1. bis 15. Februar 1930.
Ausſchneiden!
Aufbewahren!
1. Februar: Letzter Tag für die Entrichtung des Schulgeldes für
die Darmſtädter höheren Schulen und die gewerblichen
Fortbil=
dungsſchulen für Januar 1930 an die Stadtkaſſe. (Schonfriſt bis
10. Februar.)
1. bis 15. Februar: Friſt zur Abgabe der Steuererklärungen für
die Frühjahrsveranlagung 1930. Die Steuererklärungen für die
Einkommenſteuer, die Körperſchaftſteuer und die Umſatzſteuer ſind
in dieſer Zeit unter Benutzung der vorgeſchriebenen Vordrucke
abzugeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erklärung
verpflichtet ſind, erhalten vom Finanzamt einen Vordruck
zuge=
ſandt. Die durch das Einkommenſteuergeſetz, das
Körperſchaft=
ſteuergeſetz und das Umſatzſteuergeſetz begründete Verpflichtung,
eine Steuererklärung abzugeben, auch wenn ein Vordruck nicht
überſandt iſt, bleibt unberührt; erforderlichenfalls haben die
Pflichtigen Vordrucke beim Finanzamt anzufordern.
5. Februar: Abgabe der Beſcheinigung an die Finanzkaſſe, daß die
Summe der im Januar 1930 abgeführten Steuerabzugsbeträge
mit der Summe der im Januar 1930 einbehaltenen
Steuer=
beträge übereinſtimmt. (Keine Schonfriſt.)
5. Februar: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom
1. bis 15. Januar 1930 erfolgten Lohnzahlungen. Falls die bis
zum 15. Januar 1930 einbehaltenen Beträge 200 RM. wicht
er=
reicht haben, im Ueberweiſungsverfahren Abführung der
Lohn=
ſteuer für die in der Zeit vom 1. bis 31. Januar 1930 erfolgten
Lohnzahlungen. (Keine Schonfriſt.)
5. Februar: Ablauf der Schonfriſt für das am 25. Januar 1930
fällig geweſene fünfte (gemeindliche) Ziel der Gemeinde=, Kreis=
und Provinzialumlagen für das Rechnungsjahr 1929.
5. Februar: Ablauf der Schonfriſt für die am B. Januar 1980 in
Darmſtadt fällig geweſene Abführung (5. Ziel) der Gebühren für
Müllabfuhr, Straßenreinigung und Kanalbenutzung für das
Rech=
nungsjahr 1929.
5. Februar: Ablauf der Schonfriſt für das am 25. Januar 1930
in Darmſtadt fällig geweſene 5. Ziel der Filialſteuer für das
Rechnungsjahr 1928.
Hinſichtlich der 3 vorſtehenden Termine ſiehe auch die Mahnung
der Stadtkaffſe vom 2. Januar 1930 in Nr. 77 des „Darmſtädter
Tagblatts” vom R. Januar 1980.
10. Februar: Ablauf der Schonfriſt für die Entrichtung des
Schul=
geldes für die Darmſtädter höheren Schulen und gewerblichen
Fortbildungsſchulen für Januar 1930.
10. Februar: Zahlung der Börſenumſatzſteuer, ſoweit dieſe im
Abrechnungsverfahren entrichtet wird.
10. Februar: Vermögenserklärung zum Zwecke der Aufbringung
für aufbringungspflichtige werbende Betriebe, ſoweit dieſe
Be=
triebe in der Zeit vom Beginn des 1. Januar 1929 bis zum
31. Dezember 1929 eröffnet worden ſind. Näheres in der
Ver=
ordnung über die Jahresleiſtungen nach dem Aufbringungsgeſetz
für das Kalenderjahr 1930 (13. Durchführungsverordnung zum
Aufbringungsgeſetz vom 9. Januar 1930, abgedruckt im Erlaß des
Reichsfinanzminiſters vom gleichen Tage, Nr. S. 7400—300, II).
15. Februar: Viertes Ziel der Kirchen= und Kultusſteuer für
1929/30 laut Beſcheid.
15. Februar: Letzter Tag für die Abgabe der Steuererklärungen
für die Einkommenſteuer, die Körperſchaftſteuer und die
Umſatz=
ſteuer zur Frühjahrsveranlagung 1980. Näheres oben unter
„1. bis 15. Februar”.
15. Februar: Einreichung der Belege über den Steuerabzug vom
Arbeitslohn für das Kalenderjahr 1929 an das zuſtändige
Finanz=
amt. Näheres im Steuerkalender für die erſte Januarhälfte 1930
und in der Bekanntmachung der Finanzämter Darmſtadt=Stadt,
Darmſtadt=Land, Langen und Reinheim vom 14. Januar 1930
in Nr 17 des „Darmſtädter Tagblatts” vom 17. Januar 1930.
15. Februar: Einkommenſteuer=Vorauszahlung der Landwirtſchaft.
Keine Schonfriſt.
15. Februar: Körperſchaftſteuer=Vorauszahlung der Landwirtſchaft.
Keine Schonfriſt.
15. Februar: Vorauszahlung auf die Vermögenſteuer 1930, erſte
Rate. Zuſchlag für 1929.
15. Februar: Abführung der Beiträge zur Brandverſicherung für
1930 an die Finanzkaſſe. Einziges Ziel.
Hundeſteuer 1930.
Das erſte Ziel der Hundeſteuer für 1930 iſt eigentlich am 15.
Fe=
bruar 1930 fällig. Da jedoch in der Erhebung der Hundeſteuer in
Darm=
ſtadt organiſatoriſche Aenderungen bevorſtehen, wird ſich die
Heraus=
gabe der Hundeſteuerzettel verzögern. Weitere Mitteilungen folgen
im nächſten Steuerkalender Mitte Februar.
Erſtattung von Lohnſteuer 1929.
Es wird wiederholt darauf aufmerkſam gemacht, daß Anträge auf
Erſtattung der Lohnſteuer für 1929 bis ſpäteſtens am 31. März 1930
bei dem zuſtändigen Finanzamt geſtellt ſein müſſen. Näheres im
Steuer=
kalenber für die erſte Januarhälfte.
H. W. Wohmann.
Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Die Große Strafkammer beſchäftigte ſich mit der Berufung,
die ein praktiſcher Arzt aus Erbach gegen das Urteil wegen fahrläſſiger
Tötung, die das Bezirksſchöffengericht Erbach erlaſſen hatte, eingelegt
hatte. Der Arzt war eines Tages im Auguſt vorigen Jahres mit
ſei=
ner Frau und einer Verwandten mit ſeinem Auto nach Heidelberg
ge=
fahren, wo man bei Bekannten Einkehr hielt und abends Bowle und
Sekt trank. Auf dem Heimweg ſuchte das Auto bei Ebersbevg ein ſehr
ſchnell fahrendes (70—80 Kilometer) Motorrad zu überholen, geriet
un=
mittelbar hinter dem Motorrad zu weit links in eine Grasnarbe, brach
ein Rad, kippte und ſchleuderte die Inſaſſen hinaus. Die Frau des
Arztes war ſofort tot, der Arzt als Führer und die Verwandte
tru=
gen nur leichteve Verletzungen davon. Der Angeklagte macht heute
geltend, das Motorrad ſei unmittelbar vor dem Ueberholen mit einer
plötzlichen Schwenkung nach links hinübergebogen, ſo daß er, inſtinktiv
folgend, den linken Straßenrand überfahren habe. Das Gericht kann
ſich den Argumenten des Angeklagten nicht anſchließen. Es verwirft
beide Berufungen (die des Angeklagten und die des Staatsanwalts)
und beläßt es bei der Gefängnisſtrafe von zwei Monaten. Es ſetzt
dagegen die an deren Stelle verwirkte Gelbdſtrafe von zweitauſend auf
eintauſend Mark zurück, in der Erwägung, daß die Einnahmen der
freien Berufe nicht mehr ſo glänzend ſeien, wie das Vorgericht wohl
angenommen habe.
— Feuer. Geſtern morgen 5 Uhr entſtand in der Hinkelsgaſſe durch
Unvorſichtigkeit ein größerer Zimmerband, durch den die ganze
Einrich=
tung vernichtet wurde. Dank des ſchnellen und energiſchen Eingreifens
der Berufsfeuerwehr konnte von dem enggebauten Stadtteil ein
grö=
ßeres Unglück ferngehalten werden. — In der Arheilger Straße 77
ent=
ſtand ein Kaminbrand, der durch die Berufsfeuerwehr raſch abgelöſcht
werden konnte.
Seite 6
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Nummer 36
Aus Heſſen.
Skarkenburg.
* Dieburg, 4. Febr. Damen= und Herrnſitzung des
Karnevalsvereins Dieburg. Schon ſehr lange vor Beginn
der Veranſtaltung waren alle Räume des Hotels „Zum Mainzer Hof”
gefüllt. Eine heiter geſtimmte, gefpannte Menge von Gäſten begrüßte
um 8.11 Uhr den Einzug des Elfer=Rats, der auf der farbenprächtig
geſchmückten Bühne, deren Ausſchmückung wie im vorigen Jahr Narr
Hügen geſchaffen hatte, ſeines Amtes waltete. Unermüdlich wirkte auf
der Muſiktribüne die Kapelle Wohlfarth, wiederum verſtärkt durch einen
Gaſt vom Geſtade des Woogs, „Paulchen” genannt, der, vom
letzt=
jährigen Nigger umgefäubt, mit gleichem Erfolg wie voriges Jahr durch
ſein Schlagzeug wie durch ſein Mundwerk für Heiterkeit ſorgte. Der
Vorſitzende des närriſchen Rats, Herr Rechnungsrat Ernſt Geisler,
hatte wieder eine ſchwierige, aber dankbare Aufgabe zu bewältigen.
Das Programm wies eine Ueberfülle von Nummern auf, deren
Einzel=
behandlung unmöglich Aufgabe des Berichts ſein kann, vielmehr muß
dieſer ſich darauf beſchränken, verſchiedenes herauszugreifen. Mit dem
Vorſitzenden konnte in Konkurrenz treten der Protokollführer des
när=
riſchen Rats (Valentin Karſt). Von vorigem Jahr bekannt und
des=
halb freudig begrüßt war das Heſſen=Naſſauiſche Bauernpaar
Klein=
meier, das wieder in ſeinen Koſtümvorträgen wirkſame Typen aus
dem Volksleben bot. Ein zweiter Gaſt, der Dieburger Dialektdichter,
Herr Franz Herz von Mainz, war ſelbſt in ſeine alte Heimatſtadt
ge=
kommen, um als alter Dieburger und Faſtnachter ſein Herz
auszuſchüt=
ten. Im übrigen wurde das Programm, von einheimiſchen Kräften
beſtritten. Vom Elferrat beteiligten ſich hieran die Narren: Fritz
Weber, Simon Gruber, Jean Enders. Des weiteren wirkten in
ver=
ſchiedenen Vorführungen mit die Herven Knapp, Danz, Enders, Kern,
Vogel. Die alten Dieburger Faſtnachtslieder, denen ein gewiſſer
kultur=
geſchichtlicher Wert nicht abzuſprechen iſt, erklangen in alter Friſche im
Verein mit den von Georg Simon eigens für den Abend gedichteten
neuen Poemen. Herr Poſtſekretär Frey unterſtützte am Klavier die
Vor=
träge. Daß Emich Hügen mit einer gelungenen Karikatur „Moderne
Geographie” nicht fehlen durfte, verſteht ſich von ſelbſt. Alle haben
zweifellos ihr Beſtes gegeben und die dankbaren Zuhörer kargten nicht
mit ihrer Anerkennung. Auch die Stadt Dieburg hatte ihren zweiten
Beigeordneten, Herrn Rödler, entſandt, der aber keine feſte Zuſage auf
finanzielle Unterſtützung für den Zug am Faſtnachtdienstag aus
ſtädti=
ſchen Mitteln in Ausſicht ſtellen konnte.
r. Babenhauſen, 4. Febr. Unſere Freiwillige Feuerwehr
(gegründet 1875) hielt im Gaſthaus „Zur Michelsbräu” ihre
diesjäh=
rige Hauptverſammlung ab. Nach Begrüßungsworten des
erſten Kommandanten Herrn Heinlein wurden Rechenſchaftsbericht
und Protokolle verleſen, die zu Beanſtandungen keinen Anlaß gaben.
Die von Kamerad Ph. Fr. Rühl IV. geprüfte Jahresrechnung wurde
als gewiſſenhaft und vorbildlich bezeichnet. In ſeinem Tätigkeitsbericht
hob der Vorſitzende die Neuherſtellung des Spritzenhauſes hervor und
ſprach dabei Worte hoher Anerkennung dem Stadtvorſtand aus, der
ſtets mit großem Opferſinn die Feuerwehr unterſtützt habe. Das
An=
denken von drei verſtorbenen Kameraden wurde in der üblichen Weiſe
geehrt. Bei der Ehrung der Jubilare wurden den Kameraden Hch.
Mohr 1., M. Mohr 3., W. Dudene und W. Sehnert für
40jährige treue Dienſte das Ehrenzeichen mit Diplom überreicht. Dem
Ehrenpräſidenten der Wehr, Kamerad W. Rademer, der bereits
über 50 Jahre Mitglied iſt, ſoll in Kürze das Deutſche Feuerwehr=
Ehrenkreuz am Bande verliehen werden. Der 1. Kommandant
Hein=
lein wurde mit dem geſamten Vorſtand von den Mannſchaften
ein=
ſtimmig wiedergewählt; „Schriftführer wurde Ferd. Hinkelbein.
Nachdem der Vorſitzende noch darauf hingewieſen hatte, daß in nächſter
Zeit Vortragsabende ſtattfinden, zu denen die Kameraden der
Pflicht=
feuerwehr, ſowie die geſamte Einwohnerſchaft eingeladen ſind, ſchloß
er nach Erledigung einiger interner Feuerwehrangelegenheiten die
Verſammlung.
Cp. Eppertshauſen, 4. Febr. Beim Radfahren vom
Herz=
ſchlag getroffen. Zwiſchen hier und Urberach erlitt auf Ober=
Rodener Gemarkung ein 60 Jahre alter Mann namens Lechner aus
Sprendlingen bei Offenbach mitten im Radfahren einen Herzſchlag. Er
fiel vom Rad und war ſofort tot. Die Leiche wurde zunächſt nach dem
Friedhof von Ober=Roden verbracht.
— Groß=Umſtadt, 4. Febr. Am Samstag, den 1. Februar, hielt der
Geſangverein „Liederkranz” im Gaſthaus Hotel „Lamm” eine
humo=
riſtiſche Abendunterhaltung ab, die einen ſehr angeregten Verlauf nahm.
Den Hauptanteil der Vortragsfolge füllten drei Theaterſtücke aus: „Der
erſte Hochzeitstag” von Dr. Georg Büchner, ein Singſpiel „Die ganze
Welt ſteht Kopp” und ſodann „Bliemchen als Wachsfigur‟. Die
Dar=
ſteller waren nur einheimiſche Kräfte und Mitglieder des Vereins. Es
iſt im Rahmen eines kurzen Berichtes nicht möglich, auf Einzelheiten
einzugehen, es ſei nur im allgemeinen geſagt, daß die Darſteller
durch=
weg ganz vorzüglich ſpielten und die Stücke in ihrem Weſen voll
er=
faßten. Der Erfolg war dementſprechend ganz ausgezeichnet, der Saal
war überfüllt und der Beifall ſehr ſtürmiſch. Wir glauben, daß die
Vereinsleitung damit einen ſehr guten Griff getan hat und viel Beifall
bei den Mitgliedern finden dürfte. Eine Wiederholung dieſer
Veran=
ſtaltung würde jedenfalls mit Freuden begrüßt werden. Die Tanz= und
Konzertmuſik führte die bekannte Kapelle Kehrmann aus, deren ſchöne
Weiſen die tanzluſtige Jugend bis zum Morgen, in beſter Stimmung
beiſammen hielt.
* Brensbach, 4. Febr. Der V.D.B. Brensbach hat es ſich zur
Aufgabe gemacht, alte Sitten des Odenwaldes zu pflegen, und hat
in ſeiner letzten Sitzung beſchloſſen, Freitag, den 8. Februar, abends
8 Uhr, eine „Echt altdeutſche Spinnſtube” in ſämtlichen
Näumen des Gaſthauſes „Zum Ochſen” hier zu arrangieren und
rech=
net beſtimmt auf die Unterſtützung der Gemeinde und Umgegend. Nur
erſte Kräfte des V.D.B. werden auftreten, und iſt deshalb ein
harmo=
niſcher Verlauf der Veranſtaltung ſchon von vornherein geſichert.
Al. Höchſt i. Odw., 4. Febr. Feuerwehrlehrkurſus. Die
zweite Vertretertagung der Feuerwehren des nördlichen Bezirks des
Kreiſes Erbach im hieſigen Gaſthaus „Zur Burg Breuberg” eröffnete
wiederum als Vertreter des Kreisamtes Erbach Herr Regierungsrat
Rindfuß=Erbach i. O. Er hieß die Anweſenden, insbeſondere die faſt
vollzählig erſchienenen Bürgermeiſter der einzelnen Gemeinden,
herz=
lich willkommen. In ſeinen weiteren Ausführungen gab er der
Hoff=
nung Ausdruck, daß ſich die Feuerwehrleitungen und die
Gemeindever=
tretungen immer mehr zu gemeniſamer Arbeit zuſammenfinden
möch=
ten, damit bei Neuanſchaffungen von Geräten trotz aller
Sparmaßnah=
men der Sicherheit des einzelnen Bürgers Rechnung getragen wird.
Alsdann ergriff Herr Branddirektor Stahl=Wiesbaden das Wort und
ſprach eingehend über die „Verwendung von Rauchſchutzapparaten nud
Handfeuerlöſchgeräten”. Herr Branddirektor Winter=Darmſtadt
ver=
breitete ſich hierauf in einem längeren Vortrag über „Flüſſigkeitsbrände
und Starkſtromleitungen‟. Herr Regierungsrat Rindfuß dankte den
beiden Nednern für ihre hochintereſſanten Vorträge. Ein gemeinſames
Mittageſſen ſchloß ſich an. Der Nachmittag war von praktiſchen
Vorfüh=
rungen der Höchſter Freiwilligen= und Pflichtfeuerwehr ausgefüllt, die
ſehr viel Neugierige anlockten. Auf dem Marktplatz wurde die
Hand=
habung von 2 Schaumfeuerlöſchgeräten von der Firma Winter=
Bens=
heim und der „Minimax”Vertretung praktiſch vorgeführt. Außerdem
wurden die Funktionen einer tragbaren Motorpumpe mit 600 Liter
Minutenleiſtung an der Mümling eingehend erklärt. Die Bekämpfung
cines angenommenen Aktenbrandes im Rathaus gab der Höchſter Wehr
Gelegenheit, ihr Können, zu zeigen. Flotte Weiſen der
Feuerwehr=
kapelle bildeten den Schluß der Tagung.
4i. Vielbrum, 4. Febr. Familienabend. Stark beſucht wa
am Sonntag der Familienabend des Kriegervereins und war das Lok=
(Gaſthaus Engel, Ruppert) von Mitgliedern und Gäſten, auch von aus
wärts, bis auf den letzten Platz beſetzt. Der 2. Vorſitzende, Herr Lehrer
Knop, ſchilderte in ſeiner Begrüßungsanſprache in ausführlicher Weiſe
die moraliſche nud kameradſchaftliche Bedeutung der Kriegervereine
bedauerte die ihnen gegenüber vielfach beſtehende Voreingenommenhe
Er betonte, daß Kriegervereine keine politiſchen, ſondenrn kameradſchaft
liche Vereinigungen ſeien, denen jeder unbeſchadet ſeiner politiſche
Einſtellung, angehören könne. Humoriſtiſche Gedichtvorträge, ernſte un
heitere Geſangesvorträge des „Fünfgretel=Jungfrauenchors” unter Lei
tung und Klavierbegleitung der Frau Lehrer Knop und Cello= und
Violinbegleitung der Herren Ruppert, Straub und Fritz Kupp, ſowie
gebotene Muſikeinlagen wurden von den freudig lauſchenden Zuhörern
mit rauſchendem Beifall belohnt. Der Schlußgeſang der beiden gleid
namigen, durch ihre Geſangsleiſtungen wohlbekannten, bei feſtlichen
Ver=
anſtaltungen ſehr geſuchten „Singvögel” wurde mit ſtürmiſchem Applau
gekrönt. Leider mußte man wie gewöhnlich, wenn es am ſchönſten wird
trotz der vorgerückten Stunde, nur allzu früh ſich trennen.
* Rimhorn, 4. Febr. Vortrag. Durch das Landwirtſchaftsam
Michelſtadt wurde am Sonntag ein Vortrag in der Wirtſchaft vo
Herrn Gg. Wolf gehalten. Das Referat hielt Herr Aſſeſſor Lemb
über Aufzucht von Jungvieh und Milcherzeugung
Die Verſammlung war aus bäuerlichen Betrieben ziemlich gut
be=
fucht. Mit größter Spannung wurde den Ausführungen des Redner
gefokgt.
Berfnmmnang ves lansſcen Mausfragenberenng.
Referat über Hühnerhaltung und Eierverwertung.
Haiſterbach, 4. Februar.
Im Gaſthaus Wolf hier fand eine Verfammlung des ländlichen
Hausfrauenvereins ſtatt. Sie war überaus zahlreich beſucht; auch
aus den Nachbarorten waren von überall Vertreter gekommen. Frl.
Sauermann, Direktorin der Haushaltungsſchule Michelſtadt,
be=
grüßte die Verſammlung, insbeſondere Herrn Altbürgermeiſter
Wal=
ther, Haiſterbach. Sie wies auf die wirtſchaftliche Bedeutung der
Hühnerhaltung, der aktuellſten Frage der Gegenwart, im Vergleich
mit der geſamten deutſchen Volkswirtſchaft und den einzelnen
Produk=
tionsgruppen hin. Weiter führte ſie aus, welchen bedeutenden Anteil
die Geflügelwirtſchaft in handelspolitiſcher Beziehung habe, und daß
gerade dieſer Umſtand in Verbindung mit der Tatſache, daß bei den
einwandfreien neuzeitlichen Methoden die Hühnerhaltung einen ſehr
gewinnbringenden Teil des landwirtſchaftlichen Betriebes darſtellen
könne. Die Reichsregierung hat daher der genoſſenſchaftlichen
Eier=
verwertung, in Verbindung hiermit der Hebung der
Nutzgeflügel=
zucht, ganz beſondere Aufmerkſamkeit und Förderung gewidmet. Herr
Geſchäftsführer Wagner gab einen genauen Ueberblick über die
Entſtehung und den Werdegang der genoſſenſchaftlichen
Eierverwer=
tung, und machte auf Grund der in Erbach gemachten Erfahrungen
Vorſchläge über die künftige Aufnahme ihrer Tätigkeit und die
ein=
zuſchlagenden Wege. Bekanntlich richtet ſich die Einfuhr nach
Deutſch=
land in hohem Maße nach der Jahreszeit, und zwar werden die
größ=
ten Mengen im Frühjahr eingeführt, obwohl naturgemäß die
deut=
ſche Eierverſorgung da am günſtigſten iſt. Die Einfuhr geſchieht eben
hauptſächlich dann, wenn auch im Auslande die Eierpreiſe niedrig
liegen. Infolgedeſſen ergibt ſich trotz der ungleichmäßigen Verteilung
der Einfuhrmenge im Laufe des Jahres eine monatlich ziemlich
gleich=
bleibende Größe des Einfuhrwertes. Das Jahr 1929 zeigt für die
Eiereinfuhr ungefähr das gleiche Bild wie das vorbergehende Jahr.
Während Ende 1928 die Preiſe verhältnismäßig günſtig waren,
brach=
ten die ſchwierigen Transportverhältniſſe im März 1929 eine ſtarke
Steigerung des Durchſchnittseinfuhrpreiſes. Im Frühjahr gingen die
Preiſe etwas zurück; dafür ſtiegen ſie aber im Herbſt und gegen den
Winter hin nicht in dem Maße als ſonſt. Die Geſamteinfuhr des
letz=
ten Jahres betrug 2,75 Milliarden Stück mit einem Werte von 280
Millionen Reichsmark. Es kommen alſo 37 Prozent der in
Deutſch=
land verbrauchten Eier aus dem Ausland. Das Ausland tut alles,
um ſeinen Einfluß auf dem deutſchen Markt noch mehr zu vergrößern.
In Deutſchland kommen auf einen Einwohner ein Huhn, in Amerika
2,5 Hühner und in Kanada fünf Hühner. Soll man nun in
Deutſch=
land die Eierproduktion noch mehr ſteigern? Dieſe Frage kann nur
bejaht werden, wenn gleichzeitig mit der Produktionsſteigerung eine
zweckmäßige Abſatzregelung Hand in Hand geht. Die augenblicklichen
Abſatzverhältniſſe ſind jedoch geradezu troſtlos. Warum liefert das
Ausland beſſer? Es liefert waggonweiſe geſchloſſene Mengen, immer
ſaubere Eier in vollfriſcher Qualität, gut ſortiert und in einheitlicher
Verpackung. Der deutſche Landwirt kümmerte ſich um dieſe Vor=
bedingungen überhaupt noch nicht, daß die Eier nur in beſter und
ein=
wandfreier Qualität zu verkaufen ſind. Der Ruf der deutſchen Ware
hat darunter ſehr gelitten. Tatſache iſt, daß in weiten
Verbraucher=
kreiſen ſtändig Auslandseier verlangt werden, daß ſie aus Erfahrung
wiſſen, daß ſie beim Kauf dieſer ſtandardiſierten Auslandsware gut
beliefert werden. Die Nachfrage der deutſchen Konſumenten zwingt
den deutſchen Handel, die Auslandseier ſtändig zu führen. Was kann
gegen die Verhältniſſe getan werden? Es gibt nur einen Weg, und
dieſer iſt die genoſſenſchaftliche Verwertung, wie ſie die nordiſchen
Staaten Dänemark, Schweden, Norwegen und Holland getan haben,
bevor ſie die jetzige Bedeutung erlangt haben. Der Erfolg der
genoſ=
ſenſchaftlichen Eierverwertung hängt jedoch von mehreren
Voraus=
ſetzungen ab:
Die Geflügelhalter müſſen ſich vor allen Dingen genügend
betei=
ligen; ſie müſſen regelmäßig und tatſächlich einwandfreie Eier
ab=
liefern. Liefern die Geflügelhalter die Eier in friſchem, ſauberem
Zuſtande ab, ſo wird der Verbraucher bald merken, daß das mit dem
Qualitätsſtempel verſehene Ei den Forderungen entſpricht, die man
an ein gutes Ei zu ſtellen gewöhnt iſt. Die Folge davon wird erhöhte
Nachfrage und ſteigende Preiſe ſein. Dabei ſoll ausdrücklich feſtgeſtellt
werden, daß das deutſche Ei nicht etwa überteuert werden, ſondern
nur in ſeinem Werte entſprechend bezahlt werden ſoll.
Fräulein Sauermann unterſtrich dieſe Ausführungen und ſtreifte
die verſchiedenen Vorbedingungen, die bei einer rein
landwirtſchaft=
lichen Hühnerhaltung in Betracht zu ziehen ſind. Dies ſind vor allem=
Auslauf, Stall, Tiere, Brut, Aufzucht, Fütterung, Pflege, ſowie
an=
gemeſſene Verwertung. Sie empfiehlt, den Hühnerhof der
Landwirt=
ſchaftlichen Haushaltungsſchule Michelſtadt zu beſichtigen. — Auch Frau
Hörr=Hüttenthal wies überzeugend darauf hin, daß die
Landwirt=
frauen ſich unbedingt beſtreben müſſen, nur beſte Ware an die
Zen=
trale abzuliefern, da alle Eier von der Genoſſenſchaft peinlichſt genau
durchleuchtet, auf Friſch= und Reinheit geprüft und nach Gewicht in
drei Sortenklaſſen eingeteilt werden. Klaſſe A muß 60—65 Gramm,
Klaſſe B 55—60 Gramm, und Klaſſe C 50—55 Gramm haben. Schmutz=,
Fleck= und Bluteier, ſowie nicht normalſchalige und anormal geformte
und gewaſchene Eier müſſen zurückgewieſen werden. Erſt nach dieſer
ſorgfältigen Prüfung erhalten die Eier den Stempel „Deutſches Friſch=
Ei‟. Dieſer Stempel bürgt unbedingt für Friſch= und Reinheit der
Ware. Fräulein Sauermann erläuterte anſchließend in ſehr
ausführ=
lichen und eingehenden Darlegungen die Aufgaben und Ziele des
länd=
lichen Hausfrauenvereins. Dieſe Ausführungen wurden von allen
Anweſenden mit außerordentlich lebhaftem Intereſſe aufgenommen.
— Fräulein Engelmann=Güttersbach trug in den Pauſen einige
Unterhaltungsſtückchen vor, die lebhaften Beifall ernteten. Die
an=
ſchließende Ausſprache war ſehr lebhaft und rege. Man konnte
feſt=
ſtellen, daß die warmherzigen Ausführungen auf guten Boden gefallen
waren. Faſt ſämtliche anweſenden Hausfrauen erklärten ihren
Bei=
tritt zu dem ländlichen Hausfrauenverein Michelſtadt.
Cd. Michelſtadt, 4. Febr. Sonntag abend gaſtierte hier im Städt.
Saalbau das Revue=Cabarett „Blauer Vogel‟. Der Saal war
verhält=
nismäßig gut beſetzt und eröffnete ein kleines Jazz=Orcheſter den Abend
mit einem Muſikſtück, worauf ſich dann in raſcher Folge das reichhaltige
und gut zuſammengeſtellte Programm abwickelte. Der erſte Teil war
etwas ernſt gehalten und beſtand in einem Vorſpiel zu einer Tragödie.
Der zweite Teil brachte dann die Lachmuskeln in Bewegung. Nach einer
Einleitung durch die Girls trat der Komiber Franz Noll auf den Plan
und brachte derartigen Huwor, daß man eben lachen mußte, ob man
wollte oder nicht. Er brachte zum Beiſpiel eine Oper, die im Gegenſatz
zu den Aufführungen an den großen Theatern nur einige Minuten
dauerte, dabei kopierde er die Geſtalten einer ſolchen Oper ſo
natur=
getreu, auch die ſämtlichen Stimmen des Chores, ſogar die
Damen=
ſtimmen, daß man aus dem Lachen nicht mehr herauskam. — Hierzu
begleitete ihn ſehr gut das Jazz=Orcheſter unter Leitung des
Kapell=
meiſters Nieo Arnold, der ja für die Michelſtädter durch ſeine frühere
hieſige Tätigkeit kein Fremder mehr iſt. — Auch die hier fehr gut
be=
kannte Ellen Mundhenke erntete für ihre künſtleriſchen Darbietungen
lebhaften Beifall, beſonders bei ihvem Auftreten als „Förſterchriſtel”,
Alles in allem, es war ein ſehr gelungener Abend und für Michelſtadt
mal wieder etwas anderes.
b. Erbach, 4. Febr. In dem Wirtſchaftsgebäude des Gaſthauſes
„Zum Adler” brach heute abend gegen 7 Uhr ein Schadenfeuer
aus, das leicht ein größeres Unglück hätte zur Folge haben können.
Durch die ſchlagfertige Feuerwehr wurde der Brand auf ſeinen Herd
beſchränkt. Die alarmierten Wehren von Steinbach und Michelſtadt
brauchten nicht mehr einzugreifen. Die Entſtehungsurſache iſt unbekannt.
Furmäätttik
Ae. Hammelbach, 4. Febr. Familienabend. Der evangeliſche
Kirchengeſangverein hatte für Sonntag abend zu ſeinem diesjährigen
Familienabend eingeladen. Wer der Einladung gefolgt war, hatte es
wirklich nicht zu bereuen, denn jeder kam auf ſeine Rechnung.
Ein=
geleitet wurde der Abend durch den Chor „Die Nacht” von Schubert,
der dynamiſch und rhythmiſch vorzüglich gelang. Herr Pfarrer
Loh=
fink begrüßte dann mit herzlichen und humorvollen Worten die
Er=
ſchienenen. Mit beſonderer Wärme ſprach er über die Entſtehung und
den Wert des deutſchen Volksliedes und bat, das deutſche Volkslied als
köſtlichſtes Gemeingut auch weiterhin zu pflegen. Das Schauſpiel
„Mathilde, ein deutſches Frauenherz”, verfehlte ſeine Wirkung nicht.
Mit tiefem Ernſt und wachſender Spannung wurde das Stück
ver=
folgt. Die Chöre „Innsbruck, ich muß dich laſſen”, und „Heilige Nacht,
o gieße du”, kamen anſchließend gut ausgeglichen und abgerundet zum
Vortrag. Im folgenden Luſtſpiel „Eine Eiſenbahnbekanntſchaft” ſollte.
auch der Frohſinn zu ſeinem Recht kommen. Nicht unerwähnt bleiben
ſollen der Bim=bam=Kanon und der Lach=Kanon. Auch hier bewies
der Dirigent des Chores, Herr Lehrer Schwinn, daß er ſeine
Sängerſchar in der Hand hat. Wünſchenswert wäre es allerdings,
wenn die Worte des Herrn Pfarrer Lohfink auf fruchtbaren Boden
gefallen wären, und ſich noch ſangesfreudige Damen und beſonders
aber Herren finden würden, die ihre Stimme dem Schönen und Guten
zur Verfügung ſtellen wollten.
Cf. Birkenau, 4. Febr. Rheinfahrt. Zur Zeit werden dahier
durch Vereinsdiener Unterſchriften zur Teilnahme an einer für den
15. Juni d. J3. geplanten Rheinfahrt geſammelt. Die Vorarbeiten zu
dieſem Unternehmen haben drei hieſige Ortsvereine: Tv. 1886 e. V.,
Männergeſangverein Eintracht und die Ortsgruppe des O.W.K.,
über=
nommen, von welchen aus auch die Anregung zu dieſer Fahrt ergangen
war. Die Fahrt iſt nicht als eine geſchloſſene Angelegenheit der drei
genannten Vereine gedacht, ſondern ſie ſoll ein Ausflug aller Teile
der Bevölkerung ſein.
Bn. Hirſchhorn, 4. Febr. 88. Geburtstag. Die Altpfründnerin
Frau Guß Witwe aus Langenthal, zurzeit im St. Bonifatius=
Kranken=
haus dahier, feierte geſtern als älteſte Frau Hirſchhorns ihren 88.
Ge=
burtstag. Möge der wackeren Alten noch ein zufriedener Lebensabend
beſchieden ſein. — Jagdverpachtung. Bei der Verpachtung der
Jagd der heſſiſchen Gemeinde Neckarhauſen wurden nur 50 RM.
Jahres=
pacht geboten. Für die in der Hauptſache nur aus Feld beſtehende
Jagd=
fläche wurden ſeither 220 RM. gezahlt. Pächter bleibt der ſeitherige
Pächter Herr Stefan aus Mannheim. Ob der Gemeinderat ſeine
Zu=
ſtimmung geben wird, bleibt abzuwarten.
m. Vom Odenwald, 4. Febr. Jagdverpachtung. Dieſer Tage
wurde die Gemeindejagd in Hüttenthal neu vergeben. Der dabei
er=
ſteigerte Pachtpreis beträgt 1300 Mk., genau ſoviel wie ſeither. Der eine
Bezirk erzielte 800 RM., Pächter ſind zwei einheimiſche Landwirte, die
Herren Wilh. und Ludwig Hörr, den zweiten Bezirk wußte ſich Herr
El=
fenbeinſchnitzer Egly=Erbach für die Summe von 500 RM. zu ſichern.
Bb. Auerbach, 4. Febr. Die Heſſiſche Operettenbühne führte am
Sonntag unter der Leitung des Herrn Direktors. Theo Mayer im
großen Saale des Hotels Weigold auf deſſen neu hergerichteten
moder=
nen Bühne die Operette „Küß die Hand, Madame” von Leo Stein, vor
vollbeſetztem Hauſe wit großem Erfolg auf. Spiel und ſzeniſche
Dar=
ſtellung waren nur einwandfrei und gefielen allgemein.
Bb. Bensheim, 4. Febr. Die Hauptverſammlung der Ortsgruppe
Bensheim des Odenwaldklubs war recht gut beſucht, ſie verlief in allen
Phaſen der Verhandlungen und Beſprechungen bei lebhafter Ausſprache
über die einzelnen Punkte trotz zutage getretener Gegenanſchauungen
reibungslos. Der Jahresbericht des Schriftführers und des Rechners
fanden Zuſtimmung. Diesmal werden die goldenen Abzeichen
aus=
nahmsweiſe im Anſchluß an die nächſte Nachmittagswanderung, die am
16. Februar ſtattfindet und Reichenbach zum Endziel hat, zur
Vertei=
lung gelangen. Dies Verfahren wird eingeſchlagen, um zu vermeiden,
daß zwei Feiern gleicher Art innerhalb 34 Jahren ſtattfinden, was eine
große Kaſſenbeanſpruchung zur Folge hätte. Das Dekorierungsfeſt für
1930 ſoll wie üblich wieder im November im „Deutſchen Haus”,
ſtatt=
finden. Der diesjährige Wanderplan iſt in üblicher Weiſe auf die Mi
gliebskarten aufgedruckt und iſt aus demſelben erſichtlich, daß u. a. au
eine 1½=Tagestour Ende Mai nach der Hornisgrinde, Mummelſee un
Allerheiligen im Schwarzwald vorgeſehen iſt. Die Mitgliederzahl der
Ortsgruppe beziffert ſich auf 280, ſie iſt der vorvorjährigen gleich
geblieben. Ueber den Verlauf der vorjährigen Wanderungen wird be
der Ehrung der Teilnehmer in Reichenbach berichtet werden, ſie nahmel
alleſamt einen würdigen und prächtigen Verlauf.
Bm. Hofheim (Ried), 4. Febr. Erfolgreiche Züchter. Ve
der am 1. und 2. d. M. im Vereinshaus (Peter Noll) in Bürſtadt
ſtatt=
gefundenen 4. Bezirks=Geflügelſchau Ried waren auch verſchiedene
Züch=
ter des hieſigen Kleintierzuchtvereins mit Erfolg beteiligt. Es erhielten
die Züchter Karl Eichhorn 1 Ehrenpreis, 2 erſte und 1 zweiten Preis;
Adam Kärcher 1 zweiten und 1 dritten Preis; Joſeph Lenſinger 1
Ehren=
preis, 1 zweiten und 2 dritte Preiſe; Konrad Löſch 1 dritten Preis,
Georg Ries 3 Ehrenpreiſe, 2 erſte und 1 dritten Preis; Jakob Stradk
1 dritten Preis. Auch die hieſige Jugendgruppe war mit zwei
Jung=
züchtern erfolgreich beteiligt. Es erhielten: Walter Ries 1 Ehrenpreis
und 1 zweiten Preis; Willi Sauer 1 Ehrenpreis, 1 erſten, 1 zweiten
und 2 dritte Preiſe. Den ſtrebſamen Züchtern und Jungzüchtern herz
lichen Glückwunſch. — Im Zeichen des Faſchings. Trotz der
ernſten Zeit fehlt es hier nicht an Faſchingsveranſtaltungen. Drei
Mas=
kenbälle fanden bereits ſtatt und ſieben ſtehen noch bevor. Bis jetzt
konnten die Veranſtalter und Wirte zufrieden ſein. An auswärtigen
Gäſten fehlt es nie, ſo daß auch die kommenden Veranſtaltungen kein
Minus zu befürchten brauchen.
z. Bürſtadt (Ried), 4. Febr. Am 1. und 2. Februar veranſtaltete
der Geflügel= und Farbentaubenzucht=Verein Bürſtadt im Saale von
Peter Noll die 4. Bezirks=Geflügelſchau „Nied‟. Die Ausſtellung war
gut beſchickt durch den Geflügelzucht=Verein Bürſtadt 1920, den
Kanin=
chen=, Geflügel= und Vogelzucht=Verein Lampertheim den Geflügelzucht=
Verein Phönix, Lampertheim, den Geflügelzüchter=Klub Viernheim 1926,
die Geflügelzuchtvereine Biblis, Gernsheim, Biebesheim, Lorſch und
Hofheim, ſowie den Geflügel= und Farbentaubenzucht=Verein Bürſtadt.
Als Preisrichter fungierten Herr Jean Koller, Bad=Nauheim, Hert
J. Dörr. Neuenheim i. Taunus, Herr Karl Weber, Weinheim an
der Bergſtr., Herr Ackermann, Sprendlingen, Herr A. Heite
mann, Mannheim als Hilfsrichter. Es wurden erzielt 51 Ehrenpreiſt 9
38 erſte Preiſe, 45 zweite Preiſe und 92 dritte Preiſe
— Lampertheim, 4. Febr Vortrag. Heute Mittwoch, 5. Febr,
um 20 Uhr im Gaſthaus „Zum Rheiniſchen Hof” hier, Römerſtraße,
am Donnerstag, den 6. Febr., 20 Uhr, im „Fürſtenſaale” in Darme
ſtadt findet öffentlicher Vortrag der Bauwirte mit Lichtbildern ſtatt,
auf den wir die Bevölkerung nochmals hinweiſen. — Die Bauwirte
ſind örtlich begründete und ſelbſtändige Genoſſenſchaften zu gegene
ſeitiger Hilfe durch zinsloſes Geld. Ueber ihre Taten und Leiſtungen
werden die Bauwirte in Wort und Bild Bericht erſtatten. Der
Ein=
tritt zum Vortrag iſt frei. (Siehe heutige Anzeige.)
— Stockſtadt a. Rh., 4. Febr. Die hieſige Turngemeinde hielt ihr
ordentliche Hauptverſammlung ab. Der Vorſitzende Nold gab einen
aus=
führlichen Bericht vom vergangenen Jahr. Aus dieſem konnte
entnon=
men werden, daß ſich der Verein wieder günſtig entwickelt hat. Turne
wart Merz erſtattete den Turnbericht und gab ein Bild reicher tun
neriſcher Arbeit in allen Fachgebieten. Rechner Graulich verlas den
Kaſſenbericht der Badeanſtalt und Rechner Merz erſtattete den Nechen
ſchaftsbericht der Vereinskaſſe. Die folgenden Wahlen des Vorſtandes,
Turnausſchuſſes und Verwaltungsausſchuſſes erfolgten durch Zuruſ=
Der ſeitherige Rechner Merz legt zum allgemeinen Bedauern ſein Am
nieder und wurde an deſſen Stelle Turner Bechtold einſtimmig zum
Rechner gewählt. Dem Turner Merz wurde hierauf einſtimmig da4
Amt des Oberturnwarts übertragen. Der Vorſtand ſetzt ſich nunmehr
wie folgt zuſammen: 1. Vorſ. Fr. Nold, 2. Vorſ. L. Fuchs, Rechner
Aug. Bechtold, Schriftführer Gg. Schmidt, Oberturnwart Aug. Mer/
Werbewart L. Horſt, Zeugwart Phil. Klingler, Beiſitzer R. Hefermehl=
Gg. Mölbert, E. Will und Hch. Heil. Der Turnausſchuß ſetzt ſich wiee
folgt zuſammen: Oberturnwart A. Merz, Männer=Turnwart H. Mo0‟
renweiſer, Frauenturnwart Aug, Merz, Knabenturnwart Gg. Barth
Mädchenturnwart Aug. Merz, O. Blaurock Spielwart, Hans Moorel
weiſer Volksturnwart, Phil. Klingler Schwimmwart, Aug. Merz
Wal=
derwart, Phil. Klingler Jugendwart. Der Verwaltungsausſchuß der
Badeanſtalt ſetzt ſich zuſammen aus Vh. Hacker Vorſ., Hch. Graulich Reche
ner, Fr. Nold Schriftführer und als Beiſitzer J. Maurer, Gg. Mölbert,
E. Will, 7. Nold, W. Krumb, Aug. Metzger, Ph. Dingelbein. Ld0=
Horſt 2. Der von dem Rechner Merz vorgelegte Voranſchlag für 1990
wurde einſtimmig genehmigt. In Anbetracht der langjährigen Mite
gliedſchaft des Vereinswirtes Turner Phil. Kraft wurde dieſer auf An”
trag des Vorſtandes einſtimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Zu Punſ.
Veuſchiedenes teilte der Vorſitzende mit, daß am 1. März wie alljährlich
der Turnermaskenball ſtattfindet.
Nummer 36
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Seite 7
Der
Wenn uns auch der geſtirnte Himmel als Sinnbild
der Ruhe erſcheint gegenüber dem Treiben und Haſten
auf der Erde, ſo bedeutet dies doch nicht, daß wir an
ihm keine Veränderungen wahrnehmen könnten. Ganz
im Gegenteil weiß der Sternfreund von einer großen
Anzahl von Erſcheinungen am Himmel zu erzählen, die
durch ihren Wechſel das Himmelsbild beleben.
Am auffallendſten iſt das Spiel, das uns unſer
Mond vorführt, indem er bei ſeinem monatlichen
Umlauf um die Erde durch die Sternbilder des
Tier=
kreiſes wandert und dabei zugleich alle Uebergänge von
der Sichelgeſtalt bis zur runden Vollmondſcheibe zeigt.
Im Februar erſcheint die ſchmale Mondſichel in den
erſten Tagen am weſtlichen Abendhimmel. Am 6. ſteht
der Mond im erſten Viertel und iſt im Sternbild des
Widders zu finden. Bis zum 13. läuft der bis zur
Vollſcheibe zunehmende Mond bis in den Löwen, wo
er als Vollmond oberhalb des Sterns Regulus zu
fin=
den iſt. In abnehmender Phaſe läuft der Mond weiter
und erſcheint am 20. im letzten Viertel. In den letzten
Tagen des Monats wird ſeine immer ſchmaler werdende
Sichel am Morgenhimmel unſichtbar, da am 28.
Neu=
mond iſt.
Da ſich der Mond, während er einmal um die Erde
läuft, genau einmal um ſich ſelbſt dreht, ſo kommt es,
daß er der Erde ſtets dieſelbe Seite zuwendet. Wir
kennen alſo ſeine Rückſeite nicht; aber vermutlich ſieht
ſie genau ſo aus, wie die uns bekannte Seite, die mit
Rundformen größten Ausmaßes bis herab zu Löchern
von gerade noch erkennbarer Größe überſät iſt. Dieſe
Gebilde ſind nicht mit den Gebirgen oder Vulkanen
Sternhlinwer vi
Februgr.
unſerer Erde vergleichbar: wie ſich der Mond auch
da=
durch von unſerem Planeten unterſcheidet, daß er ohne
eine Waſſer= und Lufthülle iſt.
Eine bemerkenswerte Theorie über die Entſtehung
der Mondkrater deutet dieſe Gebilde als die
Aufſchlags=
ſpuren von Meteoren, die auf den Mond geſtürzt ſind.
Auf der Erde waren bisher zwei Stellen bekannt, wo
Rieſenmeteore den Mondkratern ähnliche
Aufſchlags=
löcher erzeugt haben. Neuerdings bringt die Zeitſchrift
für Aſtronomie und verwandte Gebiete „Das Weltall”,
Berlin, einen Bericht über einen weiteren in Texas
entdeckten Meteorkrater, der einen Durchmeſſer von 160
Metern beſitzt, alſo nicht die Größe des einen bereits
bekannten und in der Nähe liegenden Kraters von
Arizona, der 1300 Meter Durchmeſſer hat, erreicht.
Berückſichtigt man, daß die Geſchwindigkeit der die Erde
treffenden Meteore in der Lufthülle ſtark abgebremſt
wird, ſo erſcheint die ſtärkere Wirkung eines
Meteor=
einſchlags auf dem Monde nicht unwahrſcheinlich.
Auf unſerer Sternkarte, die den Sternhimmel
gegen 9 Uhr abends darſtellt, ſind die Namen der
ſicht=
baren Sternbilder und helleren Sterne verzeichnet. Im
Oſten erſcheinen der rötliche Arktur im Bootes und die
Jungfrau. im Süden ſteht der hellglänzende Sirius
und der Kranz der Winterſternbilder, im Weſten
fin=
den wir den Walfiſch und Widder, und der Norden
zeigt uns die nie untergehenden Zirkumpolarſternbilder,
Von den Planeten iſt am Abendhimmel nur
Jupiter ſichtbar, der im Sternbild des Stiers ſeine
Bahn zieht. Am Morgenhimmel erſcheint kurz vor
Sonnenaufgang noch Saturn.
Der Gernsheimer Hafen.
Ewd. Gernsheim, 3. Februar.
Der im Jahre 1899 vollendete Staatshafen, der ſeit 1921 an die
Hafenbetriebs=Geſellſchaft m.b.H. (beſtehend aus den Herren R. Nuß
und F. C. Hofmann, der Stadt Darmſtadt, der Vereinigungsgeſellſchaft
rheiniſcher Braunkohlenwerke und der Firma M. Stinnes) auf
fünf=
unddreißig Jahre verpachtet iſt, hatte früher Monopolſtellung. Das
Hauptumſchlagsgut bildete damals neben der Kohle die von der
Oden=
wälder Hartſtein=Induſtrie hauptſächlich nach Holland gelieferte
Schot=
ter, die in einer Jahresgeſamtmenge bis zu 20000 Tonnen hier
ver=
laden wurde. Durch das Anwachſen der Baſaltwerke in Holland kam
dieſes Umſchlagsgut für den Gernsheimer Hafen ſeit zwei Jahren ganz
in Wegfall. Als Ausgleich hierfür kam infolge der regeren
Bautätig=
keit der Rheinkies mehr als bisher in Betracht, und ſeine
Anlieferun=
gen wuchſen von Jahr zu Jahr.
Kohlen und Rheinkies ſind heute die einzigen Umſchlagsgüter (
ins=
geſamt jährlich 170 000 Tonnen), wobei der Kies vorherrſchend iſt. Die
Schiffskohlen ſind heute zugunſten der Streckenkohlen (direkte
Liefe=
rungen zum Beſtimmungsort, alſo ohne Umſchlag) weſentlich im
Rück=
gang begriffen. Ein Verdrängungsfaktor der Schiffskohlen ſind die
Braunkohlenbriketts, deren Anlieferung ſich in den letzten Jahren
ver=
vierfacht hat. Auch in finanzieller Beziehung iſt die Schiffskohle ſeit
der Syndizierung ein ſehr riskantes Umſchlagsgut geworden.
Der Gernsheimer Hafen, der nur für das Wirtſchaftsgebiet von
Lampertheim, Groß=Gerau und für das heſſiſche
Hinterland mit Darmſtadt und der Bergſtraße in
Frage kommt, geht keinen roſigen Zeiten entgegen. Elektrizität und
Gas verdrängen die Kohle mehr und mehr, und im Hinblick auf die
ſich gewiß auch einmal erſchöpfende Bauperiode, kann man auch beim
Rheinkies nicht mit einem konſtanten Geſchäft rechnen. Heute ſchon.
ſind die hier angelieferten Kiesmengen aus der näheren Umgebung
ge=
ringer geworden, weil, ja im Rhein nur noch die verſandeten
Fahr=
rinnen in Loſen von nur 10 000 Tonnen ausgebaggert werden dürfen.
Die Hauptzufuhren kommen zur Zeit aus der Speyerer Gegend, und
zwar wird der Kies aus Grundſtücken mit dünner Erdoberfläche
ge=
wonnen.
Wie ſich nun angeſichts dieſer Tatſachen das künftige Schickſal des
Gernsheimer Hafens geſtalten wird, iſt im Augenblick noch unklar.
Andererſeits wäre eine Neubelebung durch Zugang weiterer
Induſtrie=
unternehmungen ſchon möglich, zumal genügend geeignetes Gelände
zur Verfügung ſteht und der Hafen mit ſeinen neuzeitlichen
Einrich=
tungen — ſeit einem Jahr ſind die vorhandenen Verladevorrichtungen
durch eine moderne Ladebrücke vermehrt worden — die Umſchlag
gro=
ßer Mengen geſtattet.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 4. Febr. Schnee. Was geſtern abend
noch Regen war, deckte heute früh unſere Höhen mit einer etwa 10
Zenti=
meter dicken Schneeſchicht. Es ſchneit weiter die Witterung iſt aber im
übrigen ſo mild, daß mit einer Dauer des Schnees nicht mit Sicherheit
zu rechnen iſt.
— Wafſerſtandsnachrichten vom 4. Februar 1930. Rhein:
Hü=
ingen 0,50, Kehl 1,70, Maxau 3,49 Mannheim 2,21, Mainz 0,11,
Bin=
en 1.30, Kaub 1,38, Köln 131 Meter. Main: Schweinfurt 0,85,
Fürzburg 0,80, Lohr 1,21, Groß=Steinheim 2,29, Frankfurt 2,39,
Koſt=
eim Staatspegel minus 0,26, do. Waſſertiefe 1,70, do. Fahrtiefe 1,40
Meter.
— Hirſchhorn, 4. Febr. Waſſerſtand des Neckars am
Februar 0,81 Meter, am 4. Februar 0,77 Meter.
— Gernsheim, 4. Febr. Waſſerſtand des Rheins am
Februar —0,75 Meter, am 4. Februar —0,76 Meter.
An eine Anflöſung des Kreiſes Groß=Gerau
kaum zu denken.
Ck. Groß=Gerau, 4. Febr. In der letzten Kreistagsſitzung ſchnitt
Kreistagsabgeordneter Bürgermeiſter Dr. Lüdecke (Groß=Gerau) die
Frage der Aufteilung des Kreiſes Groß=Gerau an und wümſchte vom
Kreistag eine Stellungnahme in dem Sinne, daß dieſe Froge für den
Kreis Groß=Gerqu wicht zu evörtern iſt. Kreisdirektor Dr. Merck teilte
darcufhin mit, daß ſchm von einer Aenderung der Strucktur des Kreiſes
nichts bekannt ſei. Die wirtſchaftliche Lage ſei ernſt, aber wir hätten
keine Urſache zu übertriebenem Peſſimismus. Im finanzieller Hinſicht
ſei für unſeren Kreis eine feſte Grundlage vorhanden, und der heſſiſche
Innenminiſter habe ausdrücklich den Kreis Groß=Gerau als
lebens=
fähig bezeichnet. Durch die Mainzer Eingemeindungen
habe der Kreis ein Siebentel ſeiner Steuerkraft verloren, das ſind 40
bis 50 000 Mark jährlich. Die Lebensfähigkeit des Kreiſes werde
da=
durch noch nicht erſchüittert. Jedenfalls ſtehe der reis kaum hinter
anderen heſſiſchen Kreiſen zurück. Der Kreis habe vorzügliche Arbeit
geleiſtet, beſonders ſei an die Errichtug verſchiedener Waſſevwerke zu
deukem. Für die Zukunft werde man wichts zu befürchten brauchen,
wenn ſachlich zuſammengearbeitet werde.
Rheinheſſen.
* Mainz, 4. Febr. Chronik. Der Provinzialausſchuß
der Provinz Rheinheſſen beſchäftigte ſich in ſeiner Sitzung
am Dienstag als Berufungsinſtanz mit der Wormſer
Stadt=
ratswahl. Gegen die Verteilung der Sitze, die nach den Ergebniſſen
der Wahl auf die einzelnen Fraktionen gefallen waren, hatten die
Deutſchnationalen Einſpruch beim Kreisamt eingelegt. Sie fühlten ſich
dadurch benachteiligt, daß zwei Stimmzettel als ungültig angeſehen
wur=
den, die ſie als unzweifelhaft für ihre Partei beſtimmt anfahen. Da
der Stimmenunterſchied bei dieſer Wahl ſehr klein war, ſo konnten zwei
Stimmen, falls ſie den Deutſchnationalen zugezählt wurden, dieſen einen
dritten Sitz verſchaffen. Die Kommuniſten waren die Leidtragenden, die
von ihren 5 Sitzen, die zuerſt ihnen zugeſprochen wurden, einen
ver=
lieren mußten. Der Einſpruch der Deutſchnationalen beim
Kreisaus=
ſchuß hatte Erfolg; dieſer erklärte die beiden ominöſen Zettel für
gül=
tig, ſchrieb die beiden Stimmen den Deutſchnationalen zu und verhalf
ihnen ſo zum dritten Sitz. Gegen dieſen Beſchluß des Kreisausſchuſſes
hatten die Kommuniſten Berufung eingelegt, der am Dienstag vor dem
Provinzialausſchuß in Mainz verhandelt wurde. Der kommuniſtiſche
Einſpruch erſtreckte ſich, abgeſehen von den oben genannten
Stimmzet=
teln, auf verſchiedene Unſtimmigkeiten, die bei der Wahl vorgekommen
ſein ſollen. Der Provinzialausſchuß verwarf die Berufung der
Kommu=
niſten gegen das Urteil des Kreisausſchuſſes Worms vom 17. 12. 29.
Es verbleibt ſomit dabei, daß die Kommuniſten vier ſtatt fünf, die
Deutſchnationalen aber drei ſtatt zwei Sitze bekommen. — Im Alter
von nahezu 70 Jahren ſtarb in Rüſſelsheim infolge eines Schlaganfalls
der im Ruheſtand lebende langjährige Rektor der Rüſſelsheimer
Volks=
ſchule, Herr Delp. Ueber 40 Jahre verbrachte der Lehrerveteran in
Rüſſelsheim. — Während ein ſchwerbeladener Laſtwagen an einem
Wohnhaus in Guntersblum (Rheinheſſen) vorbeifuhr, fiel infolge der
Erſchütterung der Ofen um. Als die Wohnungsinhaber zurückkehrten,
mußten ſie feſtſtellen, daß der Schrank und die Wäſche ſowie Gardinen
und Betten angekohlt und teilweiſe vernichtet waren.
Bodenunkerſuchungsergebniſſe und Düngung.
Rund 132000 Böden ſind in den letzten Jahren von den
landwirt=
ſchaftlichen Verſuchsſtationen und Bodenunterſuchungsſtellen.
Deutſch=
lands auf Kalkgehalt und Reaktion unterſucht worden. Das Ergebnis
iſt kurz folgendes: 25 Prozent aller unterſuchten Böden ſind ſtärker
ſauer, d. h. auf ihnen erleiden die meiſten Kulturpflanzen, beſonders
aber die ſäureempfindlichen, wie Luzerne, Klee, Weizen, Gerſte, ſchon
ſtarke Schädigungen. Weitere 40 Prozent der unterſuchten Böden
waren ſchwach ſauer und hatten keine Kalkreſerven mehr. Man
bezeich=
net ſolche Böden als „Uebergangsböden‟. Hier ſind direkte
Wachstumsſchädigungen mit dem Auge nur ſchwer feſtſtellbar. Doch
be=
ſteht die Gefahr, daß bei unrichtiger Düngung dieſe Böden über kurz
oder lang ebenfalls verſagen.
Was bedeuten nun dieſe Zahlen für den denkenden Landwirt?
Zu=
nächſt iſt der Schluß berechtigt, daß es mit allen übrigen nicht
unter=
ſuchten Böden nicht viel beſſer beſtellt ſein wird! Aufgabe der
Land=
wirte iſt es daher, bei Aufſtellung des Düngungsplanes weitgehend auf
den Kalkzuſtand des Bodens Rückſicht zu nehmen. Ein großer Teil
aller Böden, nach den vorher erwähnten Bodenunterſuchungen
minde=
ſtens 25 Prozent, bedarf einer Kalkdüngung. Dieſe und weitere 40
Prozent ſollten möglichſt nur Kunſtdüngerarten erhalten, die
alka=
liſch reagieren und infolge ihrer chemiſchen Zuſammenſetzung
dem Boden Kalk zuführen. Dieſer Kalk iſt beſonders wohlfeil, weil er
koſtenlos mitgeliefert wird.
Welches ſind nun die Düngemittel mit dem höchſten Kalkgehalt?
An der Spitze ſteht der bekannte Kalkſtickſtoff, der neben 20 Prozent
Stickſtoff 65 Prozent chemiſch gebundenen Kalk in höchſt wirkſamer Form
enthält. Wie Verſuche gezeigt haben, entſpricht dieſer Kalkanteil in
ſeiner Wirkung annähernd der doppelten Menge Kalk in Form von
kohlenſaurem Kalk. Bedenkt man weiter, daß 90 Prozent aller Böden
ſtickſtoffarm ſind, ſo ergibt ſich hieraus die große Bedeutung dieſes
Dün=
gers für unſeve Landwirtſchaft. Man ſtreut ihn am beſten im
Ge=
menge mit Kali oder Thomasmehl etwa 8—14 Tage vor der Saat; zur
Kopfdüngung der Winterſaaten gibt man den Kalkſtickſtoff vor Beginn
der Vegetation. Da Thomasmehl rund 50 Prozent Kalk enthält,
bringt man durch dieſe Düngerkombination eine Kalkmenge in den
Boden, die geeignet iſt, bei regelmäßiger Anwendung die meiſten Böden,
vor allen Dingen die ſogenannten „Uebergangsböden”, geſund zu
er=
halten. Das Geſagte gilt nicht nur für das Ackerland, ſondern auch für
das Grünland, da alle guten Gräſer und beſonders die Kleearten
ſehr kalkliebend ſind.
Die durch die kalkhaltigen Düngemittel der deutſchen Landwirtſchaft
jährlich koſtenlos zugeführten Kalkmengen ſind außerordentlich
beach=
tenswert. Durch die Verwendung der Kalkſtickſtoffproduktion werden
allein über 300 000 Tonnen Kalk, berechnet auf Branntkalk (Ca0), in
den Boden gebracht.
M. S.
Stuhlträgheit.
Beachtenswertes über ihre Behandlung.
(I.57
Träger Stuhlgang, Verſtopfung und Hartleibigkeit werden
hauptſächlich durch ungeeignete Ernährung, haſtiges Eſſen,
Nervo=
ſität, Mangel an Bewegung, infolge von ſitzender Lebensweiſe
oder Bettruhe und durch die ſchlechte Angewohnheit der
Unter=
drückung des Stuhles hervorgerufen. Dieſe Urſachen zu beſeitigen,
gelingt häufig nicht, weil es entweder infolge beruflicher
In=
anſpruchnahme an der nötigen Zeit fehlt oder Veranlagung und
ſonſtige Umſtände hinderlich ſind. Deshalb gebraucht man in
ſolchen Fällen zur Unterſtützung der Verdauung am zweckmäßigſten
ein rein pflanzliches Abführmittel, wie es die bekannten
Apo=
theker Richard Brandt’s Schweizerpillen ſind. Sie beheben die
Stuhlbeſchwerden ſchmerzlos und doch zuverläſſig. — Dr. med. G.
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Standuhr, Waſchtiſch, Fleiderſchränke, Delgemälde, Serviertiſche,
Paneel=
bretter, Ziertiſche, Wringmaſchine, Schreibmaſchine, Büro=Schreibtiſche,
Schreibmaſchinentiſche, Brücken (echt), Polſterſeſſel, Sofa, Aquarelle,
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Seite 8
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Nummer 36
Auf der Fahrk nach der Skrafkolonie
Guayana.
In Algier hat dieſer Tage das
Verbannten=
ſchiff „Le Lamartiniere” 600 Sträflinge an Vord
genommen, um ſie nach der franzöſiſchen Strafkolonie
Guyana zu bringen. Unter dieſen 600 meiſt für ihr
ganzes Leben von der Zivibiſation ausgeſtoßenen
Menſchen befanden ſich auch diesmal wieder einige
„Berühmtheiten‟. Die Abenteuer des
Fremdenlegio=
närs Klems, der in das Lager des aufſtändiſchen
Abd el Krim überging, dieſem unſchätzbare Dienſte
erwies, von den Franzoſen jedoch bei der
Gefangen=
nahme Abd el Krims gefangen wurde, ſind noch in
aller Erinnerung. Nun wird er im fernen Guyana,
an der heißen Nordoſtküſte Südamerikas, ſeinen
„Verrat an der Trikolore” abbüßen müſſen.
Franzö=
ſiſche Journaliſten, die ihn dieſer Tage ſahen,
er=
zählen, er zeige immer woch ſein Lächeln. Lächeln
der Hoffnung?, fragt einer. Er wäre nicht der erſte,
der die Wächter täuſchte. Erſt bürzlich machte die
Nachricht die Runde durch alle franzöſiſchen Blätter,
daß jener Marſeiller Arzt, wegen Mordes angeblagt,
nach Guyana depordiert, von dort nach Mexiko
ent=
flohen, in dieſem Lande eine glänzende Exiſtenz
habe, eine viel beſſere jedenfalls, als er ſie je in
Frankreich hätte erhoffen können. Ein anderer
Aben=
teurer iſt bei dieſem Transport, der Mjährige Pole
Gwald Mathys. Vom Kriegsrat zu 10 Jahren
Zwangsarbeit im Jahre 1926 verurteilt, wurde er
nach Guayana geſchickt, entfloh von dort,
ver=
pflichtete ſich wieder in die Fremdenlegion in Bel
Abbés, wurde entdeckt und macht jetzt zum zweiten
Male die Reiſe nach Guayana.
Naffinierter Betrugsverſuch in Amſterdam.
Amſterdam. Die Amſterdamer Polizei hat
einen Mexikaner und einen Bolivianer verhaftet, die
auf Grund eines gefälſchten Wechſels bei der Firma
Cook u. Co. einen Betrag von 16 000 Dollar
ab=
heben wollten. Die Firma Cook hatte vor einigen
Tagen aus der Stadt Mexiko einen Brief erhalten,
in dem ihr der Beſuch der beiden Herren angeküindigt
und ſie beauftragt wurde, denſelben Betrag von
16 000 Dollar auszuzahlen. Da der Brief, dem ein
Deckungswechſel beilag, nicht eingeſchrieben war,
ſchöpfte man Verdacht. Eine Anfrage in London
ergab die Beſtätigung, daß der Wechſel gefälſcht ſei,
und daß eine Betrügerbande am Werk ſei.
Aehn=
liche Briefe hatten auch andere holländiſche
Groß=
banken erhalten. Der äußerſt raffinierte
Betrugsver=
ſuch ſchlug nur dadurch fehl, daß die Betrüger ſich in
der Laufzeit der Briefe verrechnet hatten und die
Firme Zeit fanden, ſich über die Echtheit der
Wechſel zu erkundigen. Die beiden Betrüger waren
am Montag aus Paris hier eingetroffen.
Sechs Fälle von Papageienkrankheit
auf einem Dampfer.
Kopemhagen. Auf dem däniſchen Dampfer
„Louiſiana”, der Montag nachmittag im hieſigen
Hafen eintraf, ſind ſechs Mann der Beſatzung unter
typhusartigen Erſcheinungen erkrankt. Man glaubt,
daß es ſich um Papageienkronkheit handolt. Die
„Louiſiana” kam von Broſilien und hatte 30
Papa=
geien an Bord, die ſämtlich dem hieſigen
Serum=
inſtitut übergeben wurden. Die ſechs erkrankten
Matroſen wurden einem Krankenhaus zugeführt.
Selbſtmord eines Londoner Gefangenen
vor der Züchtigung durch Peitſchenhiebe.
London. Großes Aufſehen erregt in der
Preſſe der am Montag erfolgte Selbſtmord eines
Gefangenen im Gefängnis von Wandsworth, der am
letzten Freitag im Old=Bwikey=Gericht wegen eines
Angriffs auf zwei Kaſſierer zu 10 Jahren
Zucht=
haus und zu 15 Peitzſchenhieben verurteilt worden
war. Die Gefängmisbehörden üben Stillſchweigen
über den Fall. Es verlautet jedoch, daß der
Ge=
fangene über das Geländer eines die oberen Zellen
verbindenden Balbons ſprang, als er gur Züchtigung
geführt wurde. Die das Gericht beſuchenden Richter,
die anweſend waremn, um der Ausführung der
Züch=
tigung beizuwohnen, waren Zeugen der Tragödie.
Der Gefängmsarzt, der ebenfalls in der Mittelhalle
des Gefängniſſes wartete, eilte heubei, konnte jedoch
nur feſtſtellen, daß die Verletzungen tödlich waren,
In einer Woche 716 Todesopfer der Pocken=
Seuche in Bombay.
Bombah. Die Pockenſeuche nimt im
hie=
ſigen Bezirk in ſtarkem Umfang zu. Während
vor=
letzte Woche 2640 Erkrankte mit 662 Todesfällen zu
verzeichnen waren, ſtiegen die Erkvamkungen im Laufe
der letzten Woche auf 3654 mit 716 Todesfällen. Dig
Pockenepidewie nimmt auch in London ſeit
Novem=
ber langſam zu. Während damals 200 Fälle
behan=
delt wurden, ſteht die Zahl im Januar auf 539.
Ein deutſcher Flieger als Gaſt der American
Legion.
New York. Zum erſtenmal nach dem
Welt=
krieg war ein deutſcher Kriegsflieger Ehrengaſt der
American Legion. In der Gruppe New York der
„American Legion Advertiſingmen” ſprach der
Flie=
ger Franz Karl Schleiff über ſeine Erlebniſſe im
Weltkriege. Seine Anſprache wurde begeiſtert
auf=
genommen.
Auch ein Rekord.
Chicago. In der kurzen Zeitſpanne von zehn
Stunden wurden am Montag in Chicago vier Morde,
vierzig Raubübevfälle und zwei Bombenexploſionen
verzeichnet. Eine der Bomben platzte vor einem
Kinopalaſt, während einer Vorſtellung. Während der
Sachſchaden bedeutend iſt, wurde glücklicherweiſe
wie=
mand verletzt. Die zweite Bombe explodierte im
Hauſe eines Kaufmannes. Auch hier wurde
beträcht=
licher Sachſchaden angerichtet, aber wie durch ein
Wunder niemand verletzt.
Ein glücklich verlaufener Flugunfall Lindberghs
Lebee (Kalifornien). Bei Flügen, die
Lind=
bergh und andere amerikaniſche Flieger auf den
Tehachapi=Bergen unternahmen, um den Weltrekord
im Segelflug, der von Deutſchland gehalten wird, zu
brechen, löſte ſich die Verbindungsfläche an der
rech=
ten Tragfläche des Flugzeugs von Lindbergh. Dieſer
brachte geiſtesgegemwärtig ſein Segelflugzeug iw.
Gleitflug dennoch glücklich eur Erds
Reich und Ausland.
Sauerbrey wieder in Frankfurt.
Frankfurt a. M. Beinahe ſo ſang= und
klanglos wie er Frankfurt a. M. verlaſſen hat, iſt
Sauelbrez, der frühere Direktor der
Südweſtdeut=
ſchen Bank, wieder in Frankfurt eingetroffen. Der
Frankſurter Kriminalkommiſſar Römer, der
ſeiner=
zeit Sauerbrey in Prag ermittelt und verhaftet
hatte, fuhr nach Od’mbach, holte Sauerbrey ab und
transportierte ihn mit noch einem Kriminalbeamten
nach Frankfurt. Die Polizei hatte die
Ankunfts=
zeit ſtreng geheim gehalten, um überſlüſſige
Sen=
ſationen zu vermeiden. Nichtsdeſtoweniger warteten
einige Journabiſten und Kriminalbeamte auf dem
Bahnſteig auf die Ankunft Sauerbreys, dem dieſer
Gmpfang offenſichtlich peinlich war. Er ſieht ſehr
mitgenowmen und blaß aus. Sauerbrey wurde
ge=
feſſelt nach einem Auto gebracht, das ihn nach dem
Gerichtsgefängnis tronsporverte. Durch das
Ein=
treffin Sauerbreys, von dem man wichtige Ausſagen
erhofft, wird die Unterſuchung gegen die
Favag=
leute vorausſichtlich in ein anderes Fahrwaſſer und
vor allem auch in ein ſchnelleres Tempo gebracht
werden.
Ermittlung einer Brandſtifterin.
Limburg. In Münſter (Oberlahnkreis)
ent=
ſtanden kürzlich zwei Schadenfeuer. Als
Brandſtif=
terin wurde die 21jährige Lina Kreis, ein
ehe=
maliger Fürſorgezögling, ermittelt. Das Mädchen
war bei dem Landwirt Datum in Stellung und
hatte dort auf dem Heuboden Feuer angelegt. Bei
der Vernehmung gab die Brandſtiſterin an, daß ihr
das Landleben nicht zuſage. Sie hoffte, durch den
Brand von ihrer Dienſtſtelle frei und in die
Groß=
ſtadt zu kommen.
Ein betrunkener Chauffeur überfährt
eine Familie.
Unna. Auf der Chauſſee von Stockum nach
Hewmerde (Weſtfalen) fuhr der Kraftwagenführer
Brüning in ongetrunkenem Zuſtand in die auf dem
Heimweg befindliche Familie des Maurers
Sie=
mann aus Hemmerde hinein. Der Vater und ſeine
achtjährige Tochter wurden überfahren und zwanzig
Meter weit witgeſchleift. Das Mädchen ſtarb auf
der Stelle, der Vater erlag ſeinen ſchweren
Ver=
letzungen bei ſeiner Einlieferung ins Krankenhaus.
Der rückſichtsloſe Kraftfahrer ſuchte das Weite, ohne
ſich um ſeine Opfer zu kümmern. Er konnte aber
ſpäter feſtgenommen werden.
Tödlicher Unfall eines Univerſitätsprofeſſors.
Berlin. Der 66jährige Profeſſor der
irami=
ſchen und armeniſchen Philologie an der Berliner
Unierſität Dr. Joſeph Marquart wurde geſtern
vormittag in ſeiner Wohnung in Lichterfelde von
ſeiner Wirtſchafterin tot aufgefunden. Wie die
Er=
mittlungen ergaben, iſt er durch ausſtrömende Gaſe
getötet worden. Prof. Marquart iſt allem
An=
ſchein nach einem Unfall zum Opfer gefallen. Er hat
wahrſcheinlich den Gashahn verſehentlich geöffnet
und iſt dann durch die ausſtrömenden Gaſe betäubt
und getötet worden.
Fünf Kinder entführt.
Hohenböddenſtedt (Kreis Salzwedel). Die
fünf Kinder des Hofbeſitzers Romaſchka ſind
heim=
lich entführt worden. In ſeiner Abweſenheit fuhren
vier unbekannte Männer vor und nahmen die
Kin=
der mit, nachdem ſie ſie beim Ortsvorſteher unter
der Angabe abgemeldet hatten, daß die Mutter der
Kinder ihnen den Auftrag zur Abholung erteilt
habe. Frau Romaſchka wurde im vergangenen Jahr
wegen Brandſtiftung zu einer Zuchthausſtrofe
ver=
urteilt, entzog ſich aber der Strafverbüßung durch
die Flucht. Es wird vermutet, daß Fvau Romaſchka
die Urheberin der Kindesentführung iſt.
Mord und Selbſtmord eines Geiſteskranken.
Kirchenlamitz (Oberfranken). Vorgeſtern
nachmittag erſchoß der 29jährige geiſteskranke Sohn
des Pfarrers Günther den 36 Jahre alten Arzt
Dr. Klaus, als dieſer ihm einen Krankenbeſuch
machte. Er gab den Schuß aus einem
Infanterie=
gewehr ab und verletzte den Arzt ſo ſchwer, daß
dieſer eine Stunde ſpäter ſtarb. Gündher ſchloß ſich
nach der Tat ein und ſteckte das Zimmer in Brand.
Die Feuerwehr löſchte den Brand, bevor er größeren
Schaden angerichtet hatte. Nach der Brandlegung
brachte ſich Günther mit dem Infanteviegewehr einen
tödlichen Kopfſchuß bei. Ueber den geiſteskranken
Täter wird noch folgendes mitgeteilt: Günther, der
früher als Referendar bei der Deutſchen Reichsbahn
tätig, aber beurlaubt worden war, war von
Nürn=
berg, wo er ſich auf ſeinen Geiſteszuſtand
unter=
ſuchen ließ, in die Kreisheilanſtalt nach Bayreuth
verwieſen worden. Hier bezeichnete man ſich als
unzuſtändig, da ſich Günther von einer
mittelfränki=
ſchen Anſtalt unterſuchen laſſen müſſe. Wieder zu
Hauſe angelangt, beging der Unglüchliche dann die
wnſelige Tat.
Der Sieger im Kugelſchießen
auf der Berliner Grünen Woche.
Fritz Lange
blieb Sieger im Kugelſchießen, das im Rahmen
der 5. Grünen Woche in Berlin ausgetragen
wurde.
Der Konkurs des Breslauer Handelshauſes Molinari vor Gericht.
Lagerhaus der Firma Molinari & Söhne in Breslau,
die dem weltberühmten Roman Guſtav Freytags „Soll und Haben” zum Vorbild diente und deren
Zuſammenbruch vor dem Großen Schöffengericht in Breslau jetzt ſein gerichtliches Nachſpiel findet.
Ein fürſtliches Braukpaar beim Winkerſpork.
Prinzeſſin Ileana von Rumänien mit ihrem Verlobten,
dem jungen Grafen von Hochberg, Frhr. von Fürſtenſtein, beim Skilaufen in dem rumäniſchen
Winterkurort Predeal.
Enthüllungen zum Mordfall Meußdörfer.
Nürnberg. Ein Berbiner Blatt veröffentlicht
aufſehenerregende Mitteilungen zum Fall
Meußdör=
fer in Kulmbach. Ein Redaktionsmitglied des
Blat=
tes will in Kulmbach von der Mutter des uter
dem Verdacht des Mordes an der Gattin des
Kom=
merzienrates Meußdörfek verhafteten Arbeiters Pohl
erfahren haben, daß Brauereidirektor. Wilhelm
Meußdörfer, ein Sohn des ſchon ſeit Wochen in
Unterſuchungshaft ſitzenden Kommerzienrats
Meuß=
dörfer, der Arbeiterfrau Schubert, deren Mann
eben=
falls des Mordes bezichtigt iſt, 6000 Mark angeboten
habe, falls ihr Mann die Tat auf ſich wehmem würde.
Das Blatt veröffentlicht im vollen Wortlaut eine
angebliche Beſtätigung Direktors Meußdörfer an
Frau Schubert, in der die ſofortige Zahlung von
1000 Mark verſprochen und eine weitere Zahlung von
5000 Mark in Ausſicht geſtellt wird, falls die
Täter=
ſchaft des Fritz Schubert durch Urteil des Gerichts
feſtgeſtellt ſei.
Feſtnahme eines internationalen Betrügers.
St. Gallen. In Trübach, im Rheintal,
ge=
lang der Polizei die Verhaftung eines von
Deutſch=
land, Oeſterreich und mehreren Schweizer Kantonen
ſteckbrieflich verfolgten internationalen Schwindlers.
Dieſer trieb ſich in St. Gallen unter verſchiedenen
hochtrabenden Namen umher und beſuchte Gaſühöfe
mit der Erklärung, der Vertreter eines Vereins
internationaler Automobilhotels zu ſein. Durch ſein
ſicheres Auftreten machte der Betrüger, vermutlich
ein 45 Jahre alter Schleſier, gute Geſchäfte.
Zahl=
reiche Gaſthofbeſitzer erklärten ihren Beitritt zu dem
erwähnten Verein und bezahlten zugleich die
Ein=
trittsgebühr von 35 Schweizer Franken.
Schwere Benzolvergiftung in einer Wiener
Gummifabrik.
Wien. In der Gummifabrik Hömes in Wiener=
Neuſtadt erkrankten vor einiger Zeit zahlreiche
Arbeiterinnen infolge Benzolvergiftung. Bereits
drei Frauen ſind geſtorben. Bei zwölf Arbeiterinnen,
die zuerſt mit leichten Vergiftungserſcheinungen in
häuslicher Pflege waren, hat ſich der Zuſtand ſo
verſchlimmert, daß ſie ins Krankenhaus gebracht
wer=
den mußten, und es beſteht, wie die Blätter
mel=
den, die Befürchtung, daß ſich die Zahl der
Todes=
opfer vergrößert,
Eine Brauerei in Paſſau niedergebrannt.
Paſſau. In der Nacht zum Dienstag brach in
der Bayeriſchen Löwenbrauerei Stockbauer, A.=G., in
Paſſau=Innſtadt ein Brand aus, der ſich ſehr raſch
auf die Binderei und Tiſchlerei ausdehnte. Der ganze
große Gebäudekomplex wurde ein Raub der
Flam=
men. Bis gegen 11½ Uhr war die Lage ſehr
kri=
tiſch, weil in einem Nebenraum in einem Tank
mehrere tauſend Kilo Benzin lagerten. Das Feuer
dauerte noch in den Morgenſtunden an. Die
Ur=
ſache des Brandes iſt noch nicht geblärt.
Schiffsunglück.
Belgrad. An der dalmatiniſchen Küſte hat
der gegenwärtig herrſchende heftige Sturm ein
ſchweres Schiffsunglück verurſacht. Der
Fracht=
dampfer „Puglia” der Schiffahrtsgeſellſchaft Bvioni=
Bam iſt in der Nähe der Inſel Vis gekentert und
innerhalb weniger Minuten geſunken. Von der
39 Mann ſtarken Beſatzung konnten 37 gerettet
wer=
den, während zwei den Tod in den Fluten fanden.
Von den Geretteten erlitten drei ſchwere
Ver=
letzungen.
Ueberfall auf einen rumäniſchen Perſonenzug.
Bukareſt. Die Generaldirektion der
Staats=
bahnen teilt mit, daß der Perſonenzug Pitesci—
Krajowa auf offener Strecke von fünf Unbekonnten
angehalten wurde, die vor einem Zuſammenſtoß mit
einem angeblich auf demſelben Gleis
entgegenfahren=
den Güterzug warnten. Während der eintretenden
Panik verſuchten die Unbekannten, das Gepäck der
Paſſagiere zu berauben. Ein Räuber konnte von
den Paſſagieren feſtgenommen werden, die vier
an=
deren konnten mit ihrer Beute entbommen.
Schwere Unwetter über Portugal.
Liſſabon. Die Unwetter haben ſeit 48
Stun=
den keineswegs nachgelaſſen. In vielen Gegenden des
Landes erreichte der Sturm faſt die Stärke eines
Zyklons. Der Minho iſt an verſchiedenen Stellen
über die Ufer getreten und hat weite Strecken
Lan=
des überſchwemmt. Zahlreiche Fiſcherboote ſind
ge=
ſunken. Die Zahl der Ertrunkenen ſteht noch nicht
annähernd feſt.
Schwerer Verkehrsunfall.
Amſterdam. Ein Autobus rannte in der
Nähe von Deteuge an einen Baum und überſchlug
ſich. Die 23 Inſaſſen wurden zum Teil ſchwer verletzt.
Nummer 36
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Siedlungsmöglichkeiten im deutſchen Oſten.
Von Dr. Kiffmeyer, Kaſſel.
Jeder rechte Landwirt, der Landwirt mit dem Herzen und
licht nur dem Namen nach iſt, hängt an ſeinem Berufe und
nöchte ihn um nichts in der Welt mit einem anderen vertauſchen.
und doch iſt es dem deutſchen Bauern heute nicht leicht gemacht,
uf ſeiner Scholle auszuharren. Unerträgliche Steuer= und
Zins=
aſten drücken, die Preiſe der landwirtſchaftlichen Produkte ſtehen
n keinem Verhältnis zu ihren Geſtehungskoſten und der auf ſie
erwandten Arbeit. In weiten mittel= und weſtdeutſchen
Gebie=
in, in denen die Realteilung herrſcht, wird die Wirtſchaft durch
ſie unwirtſchaftliche Betriebsweiſe erheblich erſchwert, die
Be=
tiebe werden mit zunehmender Teilung immer unrentabler, und
dn Zwergparzellenbeſitzern wie den nachgeborenen
Bauernſöh=
een bleibt meiſt nichts übrig als in die Induſtrie abzuwandern
ud dort binnen kurzer Friſt das Heer der Erwerbsloſen noch
z vergrößern und von öffentlicher Unterſtützung zu leben oder,
ſhlimmer noch, der alten Heimat den Rücken zu kehren und ins
zusland zu gehen.
Und doch beſteht im deutſchen Vaterlande für tüchtige
Land=
hirte, die aus irgendeinem Grunde in ihrer Heimat nicht mehr
pran kommen können, die Möglichkeit, auch unter heutigen
Ver=
ſiltniſſen noch ihrem Berufe treu zu bleiben und ſich mit eiſerner
Lichtigkeit und Zähigkeit, ohne zu große eigene Mittel eine neue
uskömmliche Exiſtenz zu ſchaffen. Im deutſchen Oſten, bis nach
lecklenburg hinauf, iſt in den Großgutsbezirken noch Raum
ge=
wg für viele Tauſende neuer bäuerlicher Wirtſchaften. Reich,
Ander und Provinzen ſtehen der dortigen Siedlungsarbeit mit
goßem Intereſſe gegenüber und unterſtützen ſie ihrerſeits durch
Krgabe beträchtlicher billiger Kedite. Die Durchführung der
länd=
lihen Siedlung geſchieht im allgemeinen durch die geweinnützigen
povinziellen Siedlungsgeſellſchaften, an denen der Staat
betei=
ſt und ſomit die Gewähr für ſachgemäße Durchführung der
Abeit gegeben iſt, doch ſind auch Privatgeſellſchaften, wenn auch
in erheblich geringerem Umfang, auf dem Gebiete des
Sied=
lngsweſens tätig.
Die Kredite der öffentlichen Körperſchaften werden auf Grund
de geſetzlichen Beſtimmungen nicht an die Siedler ſelbſt,
ſon=
den nur an die Siedlungsunternehmungen gegeben. Gewährt
urd einmal der ſog. Ankaufskredit, der zum Ankauf von
Sied=
lugsland durch die Siedlungsgeſellſchaften verwandt wird. Die
erorderlichen Bauten und Meliorationen werden mit Hilfe des
ſchweiſungskredites vorgenommen. In beſonders gelagerten
Fillen kann der Siedlungsbewerber bei der Inventarbeſchaffung
den noch durch den Einrichtungskredit unterſtützt werden. Der
Ansfuß für Ankaufs= und Nachweiſungskredit beträgt
einſchließ=
ſie Tilgung und Verwaltungskoſten 5 Prozent je Jahr.
Außer=
de ſt Preußen ſeinen Siedlern aus dem Aufkommen der
Gusziusſteuer Mittel zur Verfügung, die mit 3 Prozent zu
dezinſen und mit 1 Prozent zu tilgen ſind. Bis auf weiteres
ſidie Belaſtung aus preußiſchen Krediten auf 1 Prozent je Jahr
ehränkt; für die Reichskredite erhält der Siedler ein Freijahr.
N Belaſtung auf Grund dieſer Kredite ſtellt ſich dann je
Mor=
uſ je nach der Güte des Bodens auf etwa RM. 17 bis 22, die
i Hinblick auf die erzielten Erträge als durchaus tragbar
er=
cint. Man darf nicht vergeſſen, daß bei der heutigen Lage
Bütermarktes den Siedlungsgeſellſchaften beſiedlungsfähiges
2a) in überreichlichem Maße zum Kauf angeboten wird, ſo
ſa ſie nur guten Boden kaufen können, auf dem dem Siedler
ſuh wirklich ein Forikommen gewährleiſtet iſt.
Die von den Siedlungsgeſellſchaften geſchaffenen Stellen
überſteigen im allgemeinen nicht die Größe von 60 Morgen. Bei
Aufſtellung des Beſiedlungsplanes wird. Wert darauf gelegt,
daß das zu einer Stelle gehörige Land möglichſt in einem Stück
am Hofe liegt, um ein möglichſt rentables Wirtſchaften zu
er=
möglichen. Es werden durchſchnittlich RM. 6 000 Anzahlung
verlangt; für das Inventar kann, wenn der Siedler es nicht
mitbringt, ein Betrag von RM. 3/4 000 gerechnet werden, ſo daß
zum Ankauf einer Siedlerſtelle im allgemeinen RM. 9/10000 aus
eigenen Mitteln erforderlich ſein werden. Einige Provinzen
ge=
währen ihren Siedlern für zum Zwecke des Ankaufs von
Sied=
lungen aufgenommene Darlehen Zinsverbilligungszuſchüſſe und
ſind auch ſonſt bei der Beſchaffung der Anzahlungsſumme
weit=
gehend behilflich. Die Stelle wird mit voller Ernte und guten
Gebäuden bebaut übergeben; das erforderliche lebende und tote
Inventar kann der Siedler entweder ſelbſt mitbringen oder mit
Unterſtützung der Siedlungsgeſellſchaft am Orte der Siedlung
kaufen. An Gebäuden wird, bei den verſchiedenen
Siedlungs=
geſellſchaften unterſchiedlich, meiſt ein halb unterkellertes maſſives
Wohnhaus mit etwa 70 Quadratmeter Wohnfläche erſtellt mit
der Möglichkeit, dieſes im Bedarfsfalle im Obergeſchoß ohne
große Koſten auszubauen. Dazu kommt die Futterküche ſowie
ein maſſiver Stall mit zirka 120 Quadratweter Grundfläche und
Raum für 2 Pferde, 8 Stück Rindvieh, 6—8 Schweine und
Ge=
flügel, ſowie eine hart gedeckte Bretterſcheune mit Tenne von
gut 1000 Kubikmeter Inhalt. An Nebenanlagen werden Brunnen,
Jauchegrube, Umzäunung und Anſchluß an die elektriſche
Lei=
tung geliefert.
Kleinere, etwa 40 Morgen große Stellen, werden nach Bedarf
ausgelegt und ſind zu einem entſprechend billigeren Preis zu
erwerben. Außerdem werden bei vorliegendem Bedarf
Land=
arbeiterſtellen mit etwa 4 Morgen eigenem und der gleichen Fläche
Pachtland errichtet, jedoch nur dort, wo den Inhabern die
be=
ſtimmte Gewähr geboten iſt, durch landwirtſchaftliche oder
indu=
ſtrielle Lohnarbeit etwas hinzuzuverdienen. Dieſe Stellen koſten
etwa 10 000 RM. und ſind im allgemeinen mit einem
Anzahlungs=
kapital von RM. 12/1500 zu übernehmen.
Die Erwerber von Neuſiedlerſtellen ſind von der
Grund=
erwerbsſteuer ſowie vom Landesanteil der
Grundvermögens=
ſteuer auf 5 Jahre befreit. Die Uebernahme der Siedlungen
erfolgt ebenfalls gebührenfrei.
Die Siedlungsgeſellſchaften ſind bei Anlage von
Neuſied=
lungen verpflichtet, Wege=, Schul= und Kirchenverhältniſſe zu
ordnen. Im allgemeinen wird das Prinzip der
landsmannſchaft=
lichen Siedlung durchgeführt, um den Siedlern in den ſchweren
Anfangsjahren das Einleben zu erleichtern. Auch eine Trennung
nach Konfeſſionen hat ſich als praktiſch erwieſen.
Die Siedlungsanwärter tun am beſten und ſparen viel Zeit
und Geld, wenn ſie ſich zunächſt durch die
Siedlervermittlungs=
ſtelle beraten laſſen. Dieſe auf Veranlaſſung der Reichsregierung
errichtete Stelle, die in engſter Verbindung mit den zuſtändigen
Behörden und landwirtſchaftlichen Organiſationen arbeitet, hat
für Mitteldeutſchland in Kaſſel, Scharnhorſtſtraße 2, Tel. 5124,
eine Zweigſtelle errichtet. Sie iſt zu ſchriftlichen Auskünften
bereit und ſteht zu aufklärenden Vorträgen jederzeit zur
Ver=
fügung. Sprechtag: jeden Dienstag in Kaſſel,
Rathaus=
ſchänke, Wilhelmſtraße 29. Erſt nach Klärung aller Einzelfragen
dürfte ſich eine Reiſe in das Siedlungsgebiet zur Beſichtigung
Seite 9
der in Ausſicht genommenen Objekte empfehlen. Es wird
ver=
ſucht werden, Geſellſchaftsreiſen zu veranſtalten, um die
ent=
ſtehenden Koſten möglichſt niedrig zu halten.
Angeſiedelt werden grundſätzlich nur Perſonen, die über
gute landwirtſchaftliche Kenntniſſe ſowie über praktiſche
Er=
fahrung in der bäuerlichen Landwirtſchaft verfügen. Die
Anſied=
lung erfolgt hauptſächlich in den dünn bevölkerten Provinzen des
Deutſchen Oſtens, Oſtpreußen, Grenzmark, Ober= und
Nieder=
ſchleſien, Pommern, Brandenburg, Mecklenburg=Schwerin und
Mecklenburg=Strelitz. Es iſt, wie bereits erwähnt,
ſelbſtverſtänd=
lich, daß die dortigen Siedlungsgeſellſchaften nur ſolche Güter
beſiedeln, auf denen den Siedlern nach Bodengüte und
Abſatz=
lage ſichere Exiſtenzmöglichkeit gegeben iſt.
Ein napoleeniſches Fork zu verkauſen!
Paris. Zwiſchen den Inſeln Aix und Oleron erhebt ſich
ein Fort, das eine alte Geſchichte, ein verwittertes Ausſehen und
einen billigen Preis hat. Dieſes Fort wurde von Napoleon I. in
Auftrag gegeben, und zwar aus ſtrategiſchen Gründen gegenüber
der Inſel Aix. Die Geſchichte berichtet, daß der Korſe am 5. Auguſt
1808 den Bau beſichtigte; aber dann ruhte er 40 Jahre lang, um
erſt 1859 vollendet zu werden. Jetzt wird dieſes Fort zum
Ver=
kauf oder zur Miete für irgend einen Sonderling ausgeboten,
Die Fortſchritte der Artillerie haben es überflüſſig gemacht, und
die hohen Unterhaltungskoſten bewieſen, daß es unrentabel ſei.
Nicht einmal als Gefängnis lohnte es. Wer wünſcht ein Fort zu
erwerben? Billig, billig — ein Fort, das Napoleon beſtellte. Nur
das Meer und die Stürme nagen ſo verteufelt ſtark an den Feſten,
daß es möglich iſt, eines Tages das billige Fort mitſamt dem
Mie=
ter fortgeſchwemmt zu ſehen, verſchlungen vom Rachen Neptuns.
Ein Dorſ. in dem man ſich nicht ärgerk.
(k) London. In der engliſchen Grafſchaft Ruthland gibt es
ein kleines Dorf Pickworth. Es iſt nicht anders als andere Dör=
fer. Höchſtens daß es noch kleiner iſt. Denn es zählt nur 150
Einwohner. Und von dieſen ſind faſt zwanzig über 70 Jahre alt.
Das iſt erſtaunlich. Noch merkwürdiger aber iſt, daß im Laufe der
letzten zehn Jahre nur ein Menſch in dieſem Ort geſtorben iſt; der
Totengräber! Seit dieſer Zeit iſt der Poſten nicht wieder neu
beſetzt worden. Man hat die Einwohner von Pickworth um eine
Erklärung befragt, wie es käme, daß ſie alle ſo lange lebten. Sie
wiſſen nur einen Grund; ſie leben einfach und ärgern ſich nicht.
Ein Dorf in dem man ſich nicht ärgert! Das dürfte es nicht oft
geben auf der Welt. Vielleicht ſogar nur einmal — eben in
Pickworth in der Grafſchaft Ruthland.
„Zingerabdrücke” des Aukos.
(a) New York. Wer entſinnt ſich nicht, welche Rolle in
den Indianerbüchern der Jugend der Spürſinn, genauer geſagt:
die Auffindung und Verfolgung der Gegner auf Grund der
zurück=
gelaſſenen Spuren, ſpielt. Die Rothäute hatten bekanntlich einen
Riecher” dafür, um den ſie mancher moderne Detektiv beneiden
könnte. Die Rolle der zurückgelaſſenen Fußſpur hat mit dem
ſteigenden Automobilverkehr aber immer mehr das — Muſter des
Autoreifens übernommen, und in Los Angeles hat, wie man jetzt
erfährt, die Spur des Autos kürzlich zu der Aufdeckung eines
ab=
ſcheulichen Verbrechens und zu der Ueberführung einer ganzen
Räuberbande geführt. Bei dieſer Gelegenheit hat man auch
er=
fahren, daß es eine neue Wiſſenſchaft gibt, die die „Daktyloſkopie
des Autoreifens” genannt wurde. Es gibt in der Sammlung
eines Sachverſtändigen hierfür nicht weniger als 250 verſchiedene
Reifenabdrücke die verſchiedene Muſter zeigen und nach denen
ſogar auf die Größe die Schnelligkeit und das Gewicht der Wagen
geſchloſſen wird. Dieſe ſind alle genau photographiert abgemeſſen
und künſtlich nachgebildet worden, ſo daß die Feſtſtellung der
Fabrikmarke, Größe uſw eines Verbrecherwagens auf Grund
ſeines Fingerabdrucks” in 99 von 100 Fällen vom grünen Tiſch
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Mittwoch, den 5. Februar 1930
Nummer 36
Sport, Spiel und Turnen.
Jupoall.
Waſſerball.
Rol-Beiß, V. ſ. R. — 5.5. Mannheim.
Anläßlich ſeines internen Winter=Wettſchwimmens am
kom=
menden Donnerstag, bei welchem auch die
Vereinsmeiſter=
ſchaften ausgetragen werden, hat ſich der Rot=Weiß, V. f. R. die
Ligamannſchaft des Schwimmvereins Mannheim zum Rückſpiel
eingeladen. Bekanntlich fand vor drei Wochen im Mannheimer
Herchelbad das Vorſpiel ſtatt, welches unentſchieden endete. Bei
dem Rückſpiel werden nun beide Teile bemüht ſein, eine
Ent=
ſcheidung herbeizuführen; beſonders die Darmſtädter werden ſich
anſtrengen, im eigenen Bad zu gewinnen. Die körperlich ſchwächere
Rot=Weiß=Mannſchaft hat allerdings gegen die ſchwereren
Mann=
heimer keinen leichten Stand, zumal die Gäſte trotz ihrer Schwere
verſchiedene ſchnelle Sprinter in ihren Reihen haben, welche die
100 Meter glatt unter 1,10 Min. bewältigen ſollten. Den
Darm=
ſtädtern kommt lediglich eine beſſere Taktik und ein beſſeres
Schuß=
vermögen zugute. Da die diesjährige Winterſaiſon
außerordent=
lich arm an guten Waſſerballſpielen iſt, ſo ſollten ſich die
Anhän=
ger dieſes Sports das Spiel nicht entgehen laſſen. Es findet, wie
bereits geſagt, am Donnerstag, abends ½9 Uhr, im
ſtädtiſchen Hallenbad ſtatt.
1898 Bingen — Darmſtadt 1910 9:11.
Mit einem knappen, aber verdienten Sieg konnten die
Hie=
ſigen aus Bingen heimkehren. Verdient inſofern, als ſie ſich
wäh=
rend des ganzen Kampfverlaufes als die Beſſeren erwieſen. Nur
Borowſki und Veith boten diesmal eine ſchwache Leiſtung;
ent=
ſchuldigend kann nur angeführt werden, daß ſie die beiden beſten
Bingener Ringer zum Gegner hatten. Keitel war diesmal nicht
von der Partie, da er noch an einer alten Verletzung laboriert.
Was den Kampfleiter anbetrifft, ſo war man beiderſeitig mit
ſeinen Entſcheidungen zufrieden. — Im einzelnen nahmen die
Kämpfe folgenden Ausgang:
Bantam: Erbelding=Bingen kann in der 6. Minute eine
verunglückte Schleuder Borowſkis abfangen und denſelben auf die
Schultern zwingen. 3:0.
Feder: Korndörfer=Bingen und Schwarz=Darmſtadt
liefer=
ten ſich in den erſten 10 Minuten einen lebhaften Standkampf, der
nach Ablauf dieſer Zeit remis endete. In den darauf folgenden
Bodenrunden kann ſich der Darmſtädter ein Punktplus ſichern, das
ihm nach 20 Minuten den Sieg bringt. 3:2.
Leicht: Stenger=Bingen kann das vorgeſchriebene
Körper=
gewicht nicht halten und erhält Siegriſt=Darmſtadt die Punkte
kampflos. 3:5.
Welter: Maſſing=Bingen — Heß=Darmſtadt. Erſterer kann
dem Darmſtädter nicht gefährlich werden. Bereits nach 1,30 Min.
kann H. ſeine Ueberlegenheit durch ſeitlichen Ueberwurf nach
hinten dokumentieren. 3:8.
Mittel; Teichmann=Bingen — Zapf=Darmſtadt. Dieſes
Treffen war das härteſte des Tages, wurde aber ſehr fair
aus=
getragen. Hin und her geht es, keiner gibt dem anderen etwas
nach. Doch kurz vor Ablauf der 10 Minute gelingt dem
Darm=
ſtädter ein Armfallgriff, der den Bingener auf die Schultern
be=
fördert. 3:11.
Halbſchwer: Heinz=Bingen — Veith=Darmſtadt. Der
Bingener muß durch einen Armzug Veiths in die Brücke gehen.
Bei der Abwehr gelingt es erſterem, den Darmſtädter in dieſelbe
Lage zu bringen. Hierbei touchiert V faſt unmerkbar mit den
Schultern, und der Kampfleiter entſcheidet Sieg für Heinz. 6:11.
Schwer; Hofmann=Bingen kommt kampflos in den Beſitz
der Punkte, da Darmſtadt dieſe Klaſſe unbeſetzt ließ. 9:11.
Hiermit fand das letzte Treffen auf fremdem Boden für die
Einheimiſchen ein gerechtes Ende. — Am nächſten Samstag, den
. Februar, findet nun in der Turnhalle Soderſtraße 30 der
Schlußkampf dieſer Saiſon gegen Athl.=Sportvereinigung 1888
Mainz ſtatt.
Sp. V. Fürkh i. 9. — Sp. 5. 1920 Werſau 12:9.
Die erſatzgeſchwächte Mannſchaft von 1920 Werſau weilte am
vergangenen Sonntag in Fürth und mußte ſich von dem in
ſtärk=
ſter Aufſtellung kämpfenden dortigen Sportverein, mit obigem
Reſultat beſiegen laſſen. Durch verſchiedene Krankheitsfälle und
durch Uebergewicht war man leider gezwungen, zwei Siege zu
verſchenken. Die überaus zahlreich erſchienenen Zuſchauer ſahen
harte, intereſſante Kämpfe. Es ſiegten im Bantamgewicht Schütz=
Fürth durch ſeitlichen Untergriff über Fornoff=Werſau, im
Feder=
gewicht mußte der in Führung liegende Walter=F. von Bermond=
W. nach fünf Minuten durch Ueberwurf nach hinten eine
Nieder=
lage hinnehmen. Im Weltergewicht traf der äußerſt ſtarke
Rei=
bold=F. auf Daum=W. Der durch einen blitzſchnellen Hüftzug in
Führung gegangene Daum ſiegte ſchließlich nach harter Gegenwehr
durch Eindrücken der Brücke. Pfeifer=F. verlegte ſich im
Mittel=
gewicht gegen Niebel=W. ganz auf die Verteidigung. Der
abwech=
ſelnd im Stand und in der Bodenlage geführte Kampf endete nach
17 Minuten zugunſten von Werſau. Im Halbſchwergewicht ſiegte
Buſer=F. über Göttmann=W.
Auszeichnung eines Sportvereins. Dem Verein für
Bewegungs=
ſpiele Koburg iſt eine ehrenvolle Auszeichnung zuteil geworden. Für
verdienſtvolle Förderung und Pflege der Jugend wurde dem Verein die
vom Reichspräſidenten Hindenburg zur Verfügung geſtellte große
ſilberne Medaille nebſt Diplom verliehen.
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Natürlich fehlte es auch dieſen Sonntag nicht an Senſatiönchen —
der glatte Sieg der Wormſer „Kleeblätter” gehört hierzu allerdings
nicht, er wurde erwartet. Aber in Hofheim und Pfiffligheim, da gab’s
ſchon etwas Außergewöhnliches; die größte Ueberraſchung iſt jedoch
das ſchön und anſtändig durchgeführte Rückſpiel der Herrnsheimer bei
Olympia Lampertheim. In anbetracht der mißlichen Zuſtände im
Vor=
ſpiel (daraus gab es zwei Monate Platzſperre für Lampertheim) war
die Behörde vertreten geweſen, hatte aber gar keinen Grund, irgendwie
einzuſchreiten; im Gegenteil, auch diesmal war der Eindruck der
Lam=
pertheimer nur der allerbeſte. In Pfiffligheim gab es großen Radau
— die Einheimiſchen wollten abſolut gewinnen. Die Bürſtädter
muß=
ten eine ziemlich deutliche Niederlage hinnehmen. Dies ſind übrigens
die Reſultate:
Olympia Worms—Sportverein Horchheim 3:0,
Sportverein Hochheim-V.f.R. Bürſtadt 4:2,
Norm. Pfiffligheim—F.V. Biblis 1:1,
Olympia Lampertheim—Sportverein Herrnsheim 4:1,
F.V. Hofheim—V.f. L. Lampertheim 1:0.
Olympia Worms ſetzt ſeinen Siegeszug unentwegt fort. Mit zehn
Mann (Benner wurde kurz nach Spielbeginn am Auge verletzt)
ſchlu=
gen ſie die Horchheimer Gäſte, wie ſie wollten. Den Bürſtädter
Raſen=
ſpielern bekam der Hochheimer Platz nicht gut. Die Hochheimer
Mann=
ſchaft gehört mit ihrem ſchußkräftigen Sturm unbedingt zur
Mittel=
gruppe unſeres Kreiſes. Pfiffligheim wollte ſich aus dem Spiel gegen
Biblis unbedingt zwei Punkte retten — begreiflich, wenn man ſo nahe
am „Abgrund” ſteht. Unbegreiflich jedoch iſt, wie man nur ſo
aus der Rolle in eine unmögliche Holzerei fallen kann, wenn die Sache
nicht nach eigenem Willen geht. Zwei Spielerherausſtellungen waren die
Folge — — zuguterletzt wurde noch das Wormſer Ueberfallkommando
geholt. Die Riedleute haben nun glücklich ihr halbes Dutzend
Unent=
ſchieden — auch ein Rekord. In Lampertheim wurden beiderſeits keine
allzu großen Leiſtungen gezeigt, immerhin war dieſe Sache recht fair.
Der Exiſtenzkampf in Hofbeim war ſpannend bis zum Schluß; der
Tabellenletzte war der Glücklichere. Die Tabelle hat ſich hauptſächlich
in der Mittelgruppe wieder ziemlich verſchoben.
Handball in der Deutſchen Turnerſchaft.
Um den Aufſtieg zur Kreisklaſſe.
Groß=Zimmern (Meiſter im Odenwaldgau) gegen Obernburg
(Meiſter im Main=Speſſartgau) 3:1 (2:0).
Unter der bewährten Leitung von Wenner=Beſſungen wickelte
ſich dieſes bedeutende Spiel vor vielen Zuſchauern in anſtändigem
Rahmen ab und dürfte auch als Werbeveranſtaltung auszuwerten
ſein.
Main=Rhein=Gau.
Freundſchaftsſpiele.
Bensheim 1. — Arheilgen 1. 3:7 (3:5).
Arheilgen 2. — Urberach 2. 5:1.
Egelsbach Jgd. — Arheilgen Jgd. 2:2.
Pfungſtadt 1. — Bickenbach 1. 4:3 (1:2).
Auerbach 1. — Univerſität Frankfurt 1. 3:6 (1:2).
Hähnlein 1. — Wallerſtädten 1. 2:1 (1:1).
Crumſtadt 1. — Wolfskehlen 2. 6:9 (1:3).
Arheilgen war trotz vier Erſatzleuten in großer Fahrt und
ſtellte nach einem anfänglichen Verluſte von 0:2 das ſehr
beacht=
liche Endergebnis von 7:3 in Bensheim her. Pfungſtadt probierte
eine neue Mannſchaftsaufſtellung gegen Bickenbach aus, die ſich
erſt nach der Pauſe bewährte und ſo ebenfalls den Halbzeitverluſt
von 1:2 zum verdienten Siege mit 4:3 führte. Auerbachs
Nieder=
lage mit 3:6 gegen die 1. Frankfurter Univerſität.=Mannſchaft iſt
als ehrenvoll zu bezeichnen. Ein vorbildliches Spiel in jeder
Hinſicht. Hähnleins Sieg gegen Wallerſtädten fiel deshalb nur
knapp mit 2:1 aus, weil der Gäſtehüter eine Glanzleiſtung
voll=
brachte. Der Torſegen in dem Treffen Crumſtadt—Wolfskehlen
reſultiert aus den guten beiderſeitigen Stürmerleiſtungen.
Hauptſchriftlettung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltſk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch: für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort Dr. Herbert Nette;
für den Inſeratenteu und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuble;
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 14 Geiten
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 5. Febr. 11.15: Schulfunk. O 13.30: Schallplatten.
O 15.15: Jugendſtunde. Sagen von geheimnisvollen Zauberern.,
16: Funkorch.: Mojart: Ouvertüre und Roſen=Arie aus „Figaros
Hochzeit”; Fanta ie aus „Don Juan”. — Spohr: Duett für zwei
Violinen. — Trunk: Stilles Lied. — Brahms: Zwei Lieder. —
Haydn: Aus der Sinfonie in Es=dur. — Armandola: Im Zirkus.
Morena: Johann Strauß ſpielt auf! Potp. — Waldteufel:
Eſtudiantina. — Wagner: Die Bosniaken kommen. 18.05: H.
Ramm, Fr. Seckl: Aus dem Tieraſyl des Tierſchutzvereins. O 18.35:
M. Lang: Mathilde Wrede, der Freund der Gefangenen. O 19.05:
Dr. König: Bei den Eskimos von Oſt= und Nord=Labrador,
O 19.30: Klavierkonzert. Paul Aron. O 20: Paris: Orcheſterkonzert.
21.45: Saarbrücken: Funk=Kabarett. O 22.45: Schach.
Königswuſterhauſen.
Deut e Welle. Mittwoch, 5. Febr. 9: Landw. Rat König:
Das Grund= und Betriebskapital. O 9.30: Dr. Bethge: Von
Schlangen und anderem verdächtigen Viehzeug. O 10: Prof. Fader:
Stuttgart und die moderne Architektur. 10.35: Mitteilungen
des Reichsſtädtebundes. O 14.45: „Pole Poppenſpäler”, nach Th.
Storm. O 15.45: Anna Drewitz: Verwendung des Kleidergeldes.
6 16 Prof. Goldbeck: Der jugendliche Menſch im Spiegel
ſeines Ich o 16.30: Hamburg: Konzert. o 17.30: Balladen.
o 17.55: Dr. Tänzler: 25 Jahre Deutſche Arbeitgeberverbände.
O 18.20: Oberförſter a. D. von Kapherr: Der Wolf in der
Legende und Wirklichkeit. o 18.40: Spaniſch für Anf. O 19.05:
Gutes Deutſch für Jedermann. O 19.30: Prof. Peters: Vor=
und Ausbildung der höheren Verwaltungsbeamten. O 20: Paris:
Orcheſterkonzert. David: Le déſert. — Berlioz: Ouv. du Carnaval
Romain. — Ravel: Aſie. — Saint=Saens: Phaeton. — Duparc:
Invitation au vayage. — Lalo: Symphonie eſpagnole Nr. 2. —
Debuſſy: Fetes. — Fauré: Deur Melodies. — Rabaud:
Diver=
tiſſements ſur des airs ruſſes. — Fauré: Deux Interludes. —
Chabrier: A la muſique. — Charpentier: Sur des Cimes des
„Impreſſions d’Italie‟ — Dukas: Lapprenti ſorcier. O Anſchl.:
Zeit. Wetter. O. Danach: Tanzmuſik.
Wetterbericht.
Ausſichten für Mittwoch, den 5. Februar: Stellenweiſe nebliges, ſonſt
wolkiges Wetter, vereinzelte Niederſchläge, Temperaturen etwas
an=
ſteigend.
Ausſichten für Donnerstag, den 6. Februar: Weiterhin nebliges, auch
wolkiges Wetter mit Aufheiterung, Temperaturrückgang
wahr=
ſcheinlich.
Amtliche Winterſportnachrichten
herausgegeben von der
Heſſ. Sffentl. Wetterdienſtſtelle am Landwirtſch. Inſtitut der
Univerſität Gießen.
der
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möglichkeſt heute morgen
A heute Vogelsberg:
Hoherodskopf
(767 m) Schneefall 1. 6-7 1-2 Pulverſchnee Skiu. Rodel
gut Herchenhainerhöhe
(643 m) Schneefall 10 Na Pulverſchnee Sfi u. Rodel gut Odenwald:
Tromm
(523 m) Schneefall Pappſchnee Mäßig Neunkirchen
(512 m) — — Taunus:
Kl. Feldberg
(820 m) Rhön:
Waſſerkuppe
(950 m) Schwarzwaid:
Feldberg
(1497 m) ſtärkerer
Schneefall z-1 Pulverſchnee Sh und
Rodel gut Hornisgrinde
(1.460 m) le chter
Schneefall 30 Firnſchnee Ski und Rohel
ſehr gut Ruheſtein
Gßf. 5 leichter
Schneefall 18 10 Firnſchnee Ski gut, Robd
mäßig Furtwangen
(850 m) bewölkt 18 Pulverſchnee Ski und Rodel
9. Alpen:
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ſehr gut Bad Tölz — Harz:
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Nummer 36
Mittwoch, den 5. Februar
eſ Neueſte Nachrichten
Zenkralausſchußfihung der Reichsbank.
Diskonkermäßigung der Reichsbank auf 6 Prozenk.
In der geſtrigen Zentralausſchußſitzung wurde bekannt gegeben, daß
Der Reichsbankdiskont um ½ Prozent auf 6 Prozent und entſprechend
Der Lombardzinsfuß von 7½ auf 7 Prozent ermäßigt wurde. Zur
Be=
gründung führte der Reichsbankpräſident Dr. Schacht aus, daß zwar
die langfriſtigen Zinsſätze immer noch recht hoch ſeien und der deutſche
Geldmarkt für eine Ermäßigung eigentlich noch nicht geeignet ſei, an
den ausländiſchen Geldmärkten ſeien aber ſo ſtarke Erleichterungen
ein=
getreten, daß man es doch riskieren könne, den Diskont herabzuſetzen.
Die Zinsſpanne zwiſchen dem deutſchen und dem ausländiſchen Satz ſei
immer noch hoch genug, um Rückflüſſe zu verhindern.
* Die Reichsbank hat am Dienstag ihren Diskontſatz auf 6 Prozent
herabgeſetzt, nachdem bereits am 17. Januar ſchon eine halbprozentige
Ermäßigung erfolgt war. Wenn ſich die Reichsbank zu dieſem Schritt
entſchloſſen hat, ſo waren zweierlei Gründe dafür maßgebend. Einmal
ſah ſie ſich durch das Abgleiten der ausländiſchen Diskontraten
gezwun=
gen, damit Hand in Hand zu gehen. Zum andern will ſie natürlich der
gedrückten Wirtſchaft durch die Verbilligung des Diskontſatzes helfen.
Auswirkungen ihrer Maßnahmen laſſen ſich natürlich nicht von einem
zum andern Tag erkennen. Auch die Diskontſenkung vom Januar hat
noch nicht die erwünſchte Erleichterung gebracht. Immerhin darf man
aber erwarten, daß ſich die allgemeine Wirtſchaftslage wieder etwas
beſſert.
Neuordnung der Gewinnverkeilung der Reichsbank.
In der Zentralauschußſitzung der Reichsbank wurden, wie wir
zuverläſſig erfahren, auch Mitteilungen über die zukünftige
Gewinn=
verteilung bei der Reichsbank gemacht. Der Anteil des Reiches ſoll
danach auf etwa das Vierfache des bisherigen, der in den letzten beiden
Jahren etwa 5 Millionen betrug, erhöht werden. Von den erſten
25 Mill. des Gewinns ſoll das Reich 57 Prozent, die Anteilseigner
25 Prozent erhalten, von den nächſten 20 Millionen das Reich 90 Proz.,
die Anteilseigner 10 Prozent. Von einem evtl. Reſtbetrag das Reich
95 Prozent, die Anteilseigner 5 Prozent. Die Reſerven, die bisher
vorweg mit 20 Prozent dotiert worden ſind, ſollen in Zukunft nur
noch 10 Prozent erhalten. Der Mindeſtſatz von 8 Prozent für die
Anteilseigner bleibt beſtehen. Man könne, ſofern die Reichsbank etwa
36 Millionen herauswirtſchaftet, auf abſehbare Zeit mit einer
Divi=
dende von 12 Pvozent für die Anteilseigner rechnen. Hierzu werde
welleicht in gewiſſen Zeiträumen (etwa alle 5 Jahre) ein beſonderer
Bonus von 1 Prozent treten. Als Entſchädigung für die
Beſchrän=
kung der Anteilseigner in ihren Gewinnanteilen, ſollen auf je 4
Reichs=
bankanteile zu je 100 RM. eine Golddiskontbankaktie im Nominalwert
von 10 Pfund und ein Reichsbankanteil gewährt werden.
12 Mill. Bankkredit — 20 Prozent ſofortige Ausſchüttung.
Die von der Abwicklungsleitung der Favag mit der Allianz und
den Banken geführten Verhandlungen haben zu folgendem Ergebnis
ge=
führt: Den Gläubigern ſoll ein Vergleichsvorſchlag gemacht werden,
wo=
nach die mit der Allianz abgeſchloſſenen Verträge aufrechterhalten
blei=
um und auf Regreßanſprüche gegen den Aufſichtsrat verzichtet wird.
2re Allianz hat ſich für den Fall einer vergleichsweiſen Regelung bereit
gFunden, die ihr nach Verrechnung des Kaufpreiſes verbleibenden
An=
prüche an Forderungen aus Rücklagen uſw. inſofern zu ermäßigen, als
ie dieſe Forderungen als Maſſenanſprüche betrachten und zur
Abgel=
urig für die verbleibenden Anſprüche Objekte übernimmt, deren
Ab=
vcklung ſich vorausſichtlich nur langfriſtig und verluſtbringend in der
Havag=Liquidation ermöglichen laſſen würde. Die Ueberlaſſung dieſer
Objekte (Häuſer, Hypotheken) wirkt ſich infolge einer für die Favag
gün=
igen Bewertung bei der Errechnung der mutmaßlichen Quote für die
ungedeckten Gläubiger derart aus, daß ein nicht unerheblicher Teil der
un der Quotenſchätzung von den Aktiven abgeſetzten Rückſtellungen für
ie ungedeckten Gläubiger frei wird.
Um alsbald nach Zuſtandekommen eines Vergleichs eine
Ausſchüt=
ung zu ermöglichen, iſt ein Bankenkonſortium bereit, einen Kredit von
2 Millionen RM. zur Verfügung zu ſtellen. Dadurch ſoll die ſofortige
Ausſchüittung einer Quote von 20 Prozent ermöglicht werden. Das
Zankenkonſortium iſt weiter bereit, mit der Rückzahlung eines Teils
ieſes Kredits in Höhe von 3 Mill. RM. zurückzutreten, bis ſämtliche
bläubiger 35 Prozent ihrer Forderungen erhalten haben. Der
Reſt=
ſetrag von 9 Mill. RM. iſt nach Ausſchüttung von 20 Prozent an die
bläubiger aus den erſten Liquidationserlöſen als Maſſeſchuld
rückzahl=
lar. Der Gläubigerausſchuß tritt Mittwoch in Berlin zuſammen, um
i dem Ergebnis Stellung zu nehmen. Das Reichsaufſichtsamt für
Frivatverſicherung wird am Freitag in einer Senatsſitzung über die
ugenblickliche Lage beraten.
Wirtſchafkliche Rundſchau.
Zinsermäßigung bei der Stempelvereinigung. Wie wir hören,
at die Vereinigung von Berliner Banken und Bankiers aus Anlaß
der Ermäßigung des Reichsbankdiskontſatzes von 6½ auf 6 Prozent
beſchloſſen, die Zinsſätze mit Wirkung vom 5. Februar 1930 wie folgt
brabzuſetzen: 1. Sollzinſen von 7½ auf 7 Prozent, 2. Habenzinſen
iir täglich fällige Guthaben in proviſionsfreier Rechnung von 3½ auf
Prozent, in proviſionspflichtiger Rechnung von 4 auf 3½ Prozent,
uf Sparkonten von 6 auf 5 Prozent p. a.
Zahlungsſchwierigkeiten der Raab=Katzenſtein Flugzeugwerke. Die
Maab=Katzenſtein Flugzeugwerke G. m. b. H. hat infolge der bekannten
Ehwierigkeiten innerhalb, der deutſchen Luftfahrtinduſtrie ihre
Zah=
lingen eingeſtellt und geſtern beim Amtsgericht Kaſſel vorſorglich Er=
Einung des Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurſes mit
eier evtl. Quote von 50 Prozent beantragt. In dem Antrag iſt jedoch
zm Ausdruck gebracht, daß die Firma an ihre Gläubiger mit dem
Er=
ſthen herangetreten iſt, ihr ein angemeſſenes Moratorium zu
gewäh=
m, im Verlauf deſſen die Geſellſchaft, deren Bilanz einen
Aktivüber=
ſuß aufweiſe, ihre Gläubiger mit 100 Prozent befriedigt. Die
Zah=
higseinſtellung iſt auch vor allem in Verbindung zu bringen mit dem
Kſammenbruch des Kaſſeler Bankhauſes H. Schirmer, bei dem die
ſab=Katzenſtein Flugzeugwerke eine größere Summe einbüßten. In
ſe letzten Zeit ſind der Firma dann ſeitens verſchiedener Banken die
ſamten Kredite gekündigt worden, und außerdem iſt eine Summe von
M000 RM., die von einer durch das Reichsverkehrsminiſterium
beauf=
ngten Stelle an die Firma gezahlt werden ſollte, nur mit 25 Prozent
zr Auszahlung gelangt.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Wie wir erfahren, betragen die Paſſiven der Wein= und
Spiri=
wſengroßhandlung Max Weil, Neuſtadt a. d. H. nach einem
vor=
hfig aufgeſtellten Status rund 10 Millionen RM., denen 7,5 Mill.
M. Aktiven gegenüberſtehen, ſo daß ſich eine Unterbilanz von etwa
X Mill. RM. ergibt.
Auf der in Limburg ſtattgefundenen Generalverſammlung der
Ge=
liſenſchaftsbank für Heſſen=Naſſau wurde nach einem Bericht des
Prſtandes über die Vereinheitlichung des Geldgeſchäftes in Naſſau,
1h. die Zuſammenlegung der bisherigen Filiale der Raiffeiſenbank in
Fankfurt mit der Genoſſenſchaftsbank für Heſſen=Naſſau in
Frank=
ſat, das neue Statut ſowie der Rationaliſierungsvertrag erörtert und
* Verſchmelzungsvertrag einſtimmig genehmigt.
der deutſche Geſandte in Helſingfors hat nach einer Preſſemeldung den
ſimniſchen Außenminiſter Procope aufgeſucht und über die notwendigen
Zänderungen des deutſch=finniſchen Handelsvertrages verhandelt. Der
hmniſche Außenminiſter habe keine Ausſichten auf Veränderungen der
Alſätze zugunſten der deutſchen Wirtſchaft gegeben.
Das franzöſiſche Handelsgericht hat auf Antrag des
Verwaltungs=
wes der kommuniſtiſchen Arbeiter= und Bauernbank die Liquidierung
* Unternehmens verfügt und zwei Liquidatoren beſtellt.
Dienstag begann der größte Streik in der Geſchichte der New
Yeker Damenkleiderinduſtrie. Mehr als 35 000 Arbeiter und
Arbei=
unnen ſtreiken für die 40ſtündige Arbeitswoche und höhere Lohnſätze.
Die Außenhandelsbilanz der Vereinigten Staaten für das Jahr
19 weiſt nach der ſoeben veröffentlichten Statiſtik des
Handelsdeparte=
mits einen Ausfuhrüberſchuß von 800 Millionen Dollar auf. Die
Asſtahr betrug 5 240 Millionen, die Einfuhr 4 400 Millionen Dollar= kredit Goldpfbr ..
Frankfurker und Beriiner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 4. Februar.
Die feſte Tendenz der geſtrigen Abendbörſe, die durch
Bekannt=
werden des geplanten Zuſammentritts des Zentralausſchuſſes der
Reichs=
bank für heute immer ſtärker um ſich greifen konnte, erfuhr zu Beginn
der heutigen Börſe einen Umſchwung. Da der Zentralausſchuß erſt
heute mittag um 16 Uhr zuſammentrat, wurde gemutmaßt, daß eine
Diskontſenkung nicht in Betracht komme. Es würden lediglich
Beſpre=
chungen über Statutenänderungen ſtattfinden. Man kam zu dieſer
Kombination, da man gewohnt war, daß, wenn eine Diskontſenkung
geplant ſei, der Ausſchuß ſchon früher hätte zuſammentreten müſſen.
Aus dieſem Grunde machte ſich eine große Verſtimmung geltend, und
bei der zunehmenden Zurückhaltung der Spekulation traten gegenüber
der geſtrigen Abendbörſe teilweiſe ganz erhebliche Abſchwächungen ein.
Beſonders die geſtern ſtark favoriſierten Werte wurden hiervon ſtärker
betroffen. Die Siemens=Transaktion machte kaum noch einen
Ein=
druck. Auch wurden die günſtigen Geldmarktverhältniſſe heute außer
acht gelaſſen. Das Geſchäft bewegte ſich in kleinem Rahmen.
Im Verlaufe hielt die Verſtimung an. Die Aufnahmeluſt war
gering, und das herauskommende Material fand nur mit erneuten
Ab=
ſchlägen bis zu 1 Prozent Unterkunft. Das Angebot nahm aber kein
größeres Ausmaß mehr an. Am Geldmarkt wurde der Satz für
Tages=
geld auf 7 Prozent ermäßigt. Am Deviſenmarkt lag der Dollar
inter=
national feſt. Mark gegen Dollav 4,1890, gegen Pfunde 20,363, London—
Kabel 4,8630, — Paris 123,97. — Mailand 92,92, — Madrid 36,60,
— Schweiz 25,20½, — Holland 12,11½.
An der Abendbörſe war die Haltung im Anſchluß an die feſtere
Nachbörſe zwar freundlich, doch war im Zuſammenhang mit den weiter
beſtehenden Zweifeln in der Diskontfrage eine gewiſſe Zurückhaltung
nicht zu verkennen, und das Geſchäft blieb im allgemeinen gering. J. G.
Farben konnten gegen den Berliner Schluß 1½ Prozent anziehen.
Elek=
trowerte waren ebenfalls leicht befeſtigt. Am Bankenmarkt beſtand für
Bayer. Hyp. und Wechſelbank (plus 2 Prozent) wieder Intereſſe. Im
Verlaufe machte ſich für Reichsbankanteile lebhaftere Nachfrage
be=
merkbar.
Berlin, 4. Februar,
Die Feſtigkeit des geſtrigen Nachmittags, die ſich auf den heutigen
Frühverkehr übertragen hatte, konnte ſich nicht bis zur Eröffnung der
offiziellen Börſe behaupten. Die Einberufung des Zentralausſchuſſes
der Reichsbank, die den Grund zu der geſtrigen Aufwärtsbewegung
ge=
geben hatte, wurde heute wegen des ſpäten Termins (5 Uhr nachmittags)
nicht mehr ſo günſtig aufgenommen, und es traten Zweifel auf, ob
über=
haupt eine Diskontſenkung vorgenommen werde. Die Nachrichten von
Arbeiterentlaſſungen bei Mannesmann und einer geplanten
Betriebs=
einſchränkung im oberſchleſiſchen Steinkohlenbergbau ließen die
Speku=
lation eher zu Abgaben neigen. Hinzu kamen die leichte Verſteifung
des Geldmarktes und der geſtrige, ſchwache Schluß der New Yorker
Börſe. Die erſten Notierungen waren dann, verglichen mit den
hoch=
geſpannten Erwartungen des Vormittags, recht enttäuſchend, Kali= und
Montanwerte tendierten ſogar ausgeſprochen ſchwach. Obwohl für die
Kaligeſellſchaften ein günſtiger Status vorliegt, bewirkten die
wahr=
ſcheinlich unveränderten Dividenden ein Nachgeben der Kurſe bis 2
Pro=
zent. Im Verlaufe gaben die Kurſe unter Schwankungen weiter nach.
Vorübergehend war ſtärkeres Intereſſe für Siewens, Schuckert,
Salz=
detfurth und Gelſenkirchen zu bemerken, doch gingen die hier erzielten
Gewinne bald wieder verloren. Die Stimmung konnte ſich im weiteren
Verlauf allgemein erholen.
Die Arbeitsgemeinſchaft der Heſſiſchen
Kredif=
genoſſenſchaften
gibt ſoeben die Rohbilanzziffern per 31. Dezember 1929 bekannt.
Die Bilanzſumme (74,1 Mill. RM.) zeigt erſtmalig ſeit
lan=
ger Zeit eine Verminderung, die gegenüber dem 31. Oktober 1929
rund 1,9 Millionen RM. ausmacht. Gegen Ende 1928 beträgt
allerdings die Zunahme immer noch rund 5,4 Mill. RM. Infolge
der allgemeinen Vertrauenskriſe im zweiten Halbjahr 1929 ſind
auch bei den Kreditgenoſſenſchaften, nach anfänglicher
Verminde=
rung des Spareinlagenzufluſſes, Spareinlagen abgezogen
worden, obwohl die gezeigte Nervoſität hinſichtlich der Sicherheit
der Guthaben unbegrundet war. Die ferner zu verzeichnende
Ab=
nahme der kurzfriſtigen Gelder bei gleichzeitigem
Rück=
gang der Wechſelbeſtände und der Giroverbindlichkeiten ſpiegelt
deutlich die ſchwierige Lage der Wirtſchaft wieder, deren
Kenn=
zeichen ein Einſchrumpfen des Geſchäftes auf vielen Gebieten iſt.
Eine entſprechende Reduzierung des Kreditpolumens ging
natur=
gemäß damit Hand in Hand.
Erfreulich iſt die Zunahme des Eigenkapitals auf
nun=
mehr 11.6 Mill. RM., d. ſ. 18½ Prozent des Fremdkapitals: die
innere Struktur der Kreditgenoſſenſchaften erfährt hierdurch
zwei=
fellos eine Stärkung.
An Krediten waren, unter Einbeziehung der gewährten
Diskontkredite der heſſiſchen Wirtſchaft Ende 1929
rund 67½ Millionen Reichsmark zur Verfügung
geſtellt.
Die Spareinlagen betrugen rund 39 Mill., ſonſtige
Kunden=
gelder ca. 16 Mill. RM. Die Bankverpflichtungen hielten ſich auf
dem Stand zu Ende Oktober 1929. Die Liquidität betrug
65 Prozent der täglich fälligen Verbindlichkeiten.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 4. Febr.:
Getreide. Weizen: März 115½, Mai 119½, Juli 121½,
Sep=
tember 123½; Mais: März 88½, Mai 92, Juli 93½, Sept. 935;
Hafer: März 44½, Mai 45½, Juli 45½: Roggen: März 85½,
Mai 85½ Juli 86½, September 87.
Schmalz: März 10,72½, Mai 10,90, Juli 11,10.
Fleiſch. Rippen: —;, Speck, loko 12,50; leichte Schweine
10,40 bis 10,65, ſchwere Schweine 10,00 bis 10,55;
Schweine=
zufuhren: Chicago 37 000, im Weſten 135 000.
Baumwolle: März 16,01, Juli 16,27.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 4. Febr.:
Schmalz: Prima Weſtern 11,35; Talg, extra, loſe 728.
Getreide. Weizen: Rotwinter n. Ernte 132½, Hartwinter
121½; Mais —: Mehl 5,40—5,70; Getreidefracht: nach
Eng=
land 1,6 bis 20 Schilling, nach dem Kontinent 8 bis 10 Cents.
Kakav. Tendenz: kaum ſtetig; Umſätze in Lots: 121: Loko:
9,50; Februar 9,31, März 944, April —, Mai 9,82, Juni 9,94,
Juli 10,07, Auguſt —, September 10,30, Oktober 10,22,
Novem=
ber —, Dezember 10,03.
Diegmartte.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metalltermine vom 4. Februar 1930 ſtellten ſich für
Kupfer: Jonuar 135.50 (135.50), Fbruar 135.00 (136.50) März
135.00 (136.00), April bis Juni 135.00 (135.75), Juli bis September
135.00 (135.50), Oktober und November 135.25 (135.50) Dezember
135.50 (135.50). Tendenz: befeſtigt. — Für Blei: Januar 42.75
(42.75), Februar 41.50 (42.50), März 41.75 (42.00), April 42.00 (42.00),
Mai und Juni 42.00 (42.50), Juli und Auguſt 42.25 (42.50), September
42.50 (42.50), Oktober bis Dezember 42.50 (42.75). Tendenz: ſtetig. —
Für Zink: Januar 41.00 (41.50), Februar 37.00 (39.00), März 38.00
(39.50), April 38.50 (40.00), Mai 38.75 (40.00). Juni 39.00 (40.50), Juli
39.50 (40.75), Auguſt 40.50 (41.00), September 40.50 (41.50), Oktober
bis Dezember 41.00 (41.50). Tendenz; ruhig. — Die erſten Zahlen
be=
deuten Geld, die in Klammern Brief.
Berliner Kursbericht
vom 4. Februar 1930
* Mainzer Viehhof=Marktbericht vom 4. Februar. Auftrieb 37
Ochſen, 16 Bullen, 533 Kühe oder Färſen, 302 Kälber, 23 Ziegen, 1010
Schweine. Marktverlauf: Bei Großvieh ruhig, langſam geräumt, bei
Schweinen ruhig, weichende Preiſe, geräumt. Es wurden bei 50 Kg.
Lebendgewicht folgende Preiſe in RM. bezahlt: Ochſen 56—58, 45—51,
Bullen 40—46, Kühe 44—48, 32—39, 25—30, 18—22, Färſen 50—58,
Kälber 50—64, 47—49 Schweine 79—82, 81—84.
Frankfurter Pferdemarkt. Der am Montag ſtattgefundene
Pferde=
markt zeigte einen für das Winterhalbjahr ungewöhnlich zahlreichen
Auftrieb von Pferden aller Gattungen. Insgeſamt waren rund 600
Stück zum Verkauf geſtellt. In jungen Pferden mittleren und
ſchwe=
ren Schlages waren die Preiſe durchweg anziehend und wurden über
die vormonatige Notierung gehandelt. Bei Schlachttieren waren die
Preiſe allgemein gedrückt und gegen die letzte Preisnotiz merklich
zurückgegangen. Der geſamte Umſatz war befriedigend. Der nächſte
Markt findet am 3. März ſtatt.
Deviſenmarkt
vom 4. Februar 1930
Re M
Danatbank
Deutſche Banku.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag.
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
J. P. Bemberg
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Deutſche Erdöl
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107.375
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108.—
182.—
78.—
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71.25
152.50
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100.50
218.25
107.625
115.50
178.—
109.625
46.625
93.—
105.—
80.—
Kee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka
Leonh. Tietz
Verein, Glanzſtof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkal=
Agsb.=Nrnb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
Herm. Poege
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
Rie
82.25
368.75
162.—
180.—
105.75
220.50
78.25
29.25
70.—
120.—
87.—
172.50
18.125
74.50
53.—
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia.
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Atres
New York
Belgien
Italien
Paris
Bährung
100 finn. Mk.
100 Schilline
100 Tſch. Kr
100 Pengö
100 Leva.
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 .Sta.
1 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belga
100 Lire
100 Franc4 116.405
NeidBriefſ
10.517 10.53:
59.87 58.89
12.377/ 12.391
73. 11 73.25
.024/ 2.730/Rio de Janeire
167.90 168.2
111.711if.ss
111.85 112.0
112.26 112.48
0.342 20.3e2
1.629 1.623
1.184
18.26
21.80
4. 192
58.38
21.94
16.445
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Jugoſlawien
Portuga
Athen
Konſtantinrpe
Fairo
Kanada
Nruguag
Island
Tallinn (Eſtl.
Miga
Frankfurter Kursbericht vom 4. Februar 1930.
77Dtſch. Reichsank.
6%
„
6% Baden ......."
8% Bayern ......
..
6%
8% Heſſen v. 28
v. 20
8%
6% Preuß.
Staats=
anl. . ...... . . ..
8% Sachſen ......"
.....
7% Thüringen ...
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. *
Ablöſungsanl. ..
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ...."
8% Baden=Baden
6% Berlin.. ... ..
8% Darmſtadtv. 26
v. 28
Frankf. a. M.,
8 Mainz.......
8% Mannheim. ..
8% Nürnberg ..."
8% Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr. . . . ..
8% „ Goldobl.
4½ % Heſſ. Lds.,
Hyp.=Bk.=Liquid.
Pfbr..
8% Preuß. Lbs.=
Pfbr.=Anſt. Gold=
Pfbr.. . .
„ „ Goldobl.
8% Darmſt. Komm.
Landesbk. Goldobl.
8%KaſſelerLandes=
Re
87.5
5.75
83.5
91.4
96.75
7
53
8.525
3.25
86
85
R
96.5
93.25
80.6
gi
94.5
8% Naſi. Landesbk.
Goldpfbr. .
4½% „ Obl.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+ Ausl. Ser. I
„ Ser, II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
8‟ Berl. Hyp.=Bk.
4½% „Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp. Bk.. .
4½% „ Lig. Pfbr.
18% „Pfbr.Bk..
4½% „Lig. Pfbr.
8½ Mein. Hyp.Bk.
4½% Lig. Pfbr..
8% Pfälz. Hyp. Br.
4½% „ Lig.Pfbr.
8% Preuß.
Boden=
cred.=Bank ..
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Preuß. Centrl.
Bodener.=Bk. ..
4½% „ Lia. Pfbr.
8% Rhein.Hyp.Bk
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.
Bb.=Eredit .....
8% Südd. Bob.=
Cred.=Banl. . . .
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Württ. Hyp.=Bk
6% Daimler Benz
8½ Dt. Linol. Werke
82 Klöchner=Werkel
7% Mainkraftwerke
7% Mitteld.
Stahl=
werke.
8% Salzmann u. Co.
7% Ver. Stahlwerke
9% PoigtckHäffnerl
95
77.9
50.45
66
17.75
96.5
82
96.5
82‟.
96
85
96
84.75
96.5
81.6
96.5
96.5
83.8
94.5
69
88.5
93.5
86.5
85.25
86.75
93
J. G. FarbenBonds /102.5
5% Bosn L.E.B.
„ L.Inveſt.
4½% Oſt.
Schatz=
anw. . . . . . ... ..
4% Oſt. Goldrentel 26.5
‟vereinh. Rumän. 110.525
17.35
4½% „
8.525
4%0
4% Türk. Admin.
4% „ 1. Bagdad
4% „ Zollanl.
4½% Ungarn 1913/ 23.25
14½% „ 1914/ 26.25
49 „ Goldr. / 23.7
4% „ 1910/ 22.25
Aktien
Alg. Kunſtziide Unie
AEG. Stamm .. .
AndregeNoris Bahn
Baſt Nürnberg ....
Bemberg J. P....
Bergmann . . . . . .
Brown BoverickCie
Brüning & Sohn..
Buderus Eiſen ...
Cement Heidelberg
Karlſtadt
F. G. Chemie, Baſel
Chem. Werke Albert
Chade .......... .""
Contin. Gummi
„ Linoleum !
Daimler=BenzAl. G.
Dt. Atl. Telegr. . . .
„ Eiſenh. Berlin.
„Erdöl .......
„ Gold= u. Silb.
ſcheide=Anſtalt".
Linoleumwerk.
Dhckerhoff u.
Wid=
mann
Eichbaum=Werger.
Elektr. Licht u. Kraf=
Liefer=Geſ
181:/,
112
178
214
130
86
78
117.75
140
190
50.5
350
152
260
41.5
112
n4
109
152.75
Eſchw. Bergwerk 1201
Eßlingen Maſchinen! 32
Ettlingen Spinnerei)
F. G. Farbeninduſtrl171‟,
Feinmech. (Jetter). 78
Felt. & Guilleaum.
Frkft. Gas .... . . . /415
1. Hof..."
62
Geiling & Cie..
27.5
Gelſenk. Bergwerk 1142
Geſ. f. elektr
Unter=
nehmungen .. . . 1178.25
Goldſchmidt Th. . . / 74
Gritzner Maſchinenl 53.5
Grün & Bilfingerl165
Hafenmühle Frrft. 1129
Hammerſen .. . . . .
—
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf. /165
Hilpert Armaturfbr/405
Hinderichs=Aufferml 81.5
Hirſch Kupfer.. . . . 1118
Hochtief Eſſen..
89
Holzmann, Phil.. . 1100.25 I
Holzverk.=Induſtrie
Flſe Bergb. Stammle47
„ Genüſſe/136.5
Junghans, Stamm/ 46.25
Kali Chemie . . . . . . /162
„ Aſchersleben /220
„ Salzbetfurth.
„ Weſteregeln 1224
Kammgarnſpinn. . /110
135
Karſtadt, R. ..
Klein, Schanzlin ../116.25
Klöcknerwerke ..
Lahmeher & Co...
Lech, Augsburg. . .1108
Löwenbr. Münch. /258
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt. 13
Mannesm. Röhren 1108.5
Mansfeld Bergb...
Metallgeſ. Frankf. /114.75
Miag. Mühlenb au. /132.5
Montecatini Maild.! 58
Motoren Darmſtadtl 50.5
Deutz
„ Oberurſel /115
Nicolay. Hofbr 1175
Nürnberger Brauh.
Oberbedarf...
Otavi Minen
60
Bayß & Freutag
Wegelin Rußſabr.
Zellſtoff. Aſchaffbg.
Memel ...
Waldho; *
Phönir Bergbau
Reiniger, Gebb.. .
Rh. Braunkohlen..
„Elektr. Stamm
„ Stahlwerke .. .
Riebeck Montan .
Roeder Gb. Darmſt.
Rütgerswerke ..
Sachtleben A. G. ..
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind.
Schramm Lac
Schriftg. Ste
Schuckert Eleftr
Schwarz=Storchen.!
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halsk
Strohſtoff. Ver.
Südd. Immobilien
„ Bucker=A. G. 157
Spensia Tändſticks
Tellus Bergbau
Thür. Liefer.=Geſ.
Tucher=Brauerei ..
106.25
113
121.75
119.25
82.7
169
208
263
94
114.5
195
138
292
Aklg. Dt. Creditanſt. 124.25
Badiſche Bank ... /164
Bank f. Brauinduſtr 1157
BarmerBankverein/129.75
Berl. Handelsgeſ.
„ Hypothekenbk. 1202
Comm. u. Privatb. 1160
Darmſt. u. Nt.=Bk. 1243.5
Dt. Ban: und Disk. /154
Deutſche Effeilten!
und Wechſelbank 112
88.5
100
157.75
120
217
Dresdener Bant.
Frankf. Bank ..."
Hyp. Bank
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. B
Mein. Hyp.=Bank
Oſt. Creditanſtalt . .
Pfälz. Hyp.=Bank.
Reichsbank. . . . . .!
Rhein. Hyp.=Bank
Südd. Bod.-Cr. Bk.
Wiener Banſverein
Württb. Notenbank
Mainkr.=W. Höchſt. /108
171.75 Mainz. Akt.Br. . . . 187.5
Unterftanken
Beithwerke..
Ver f Chem. Ind.
„ Laurahütte..
„ Stahlwerke ...
Ultramarin. . . .
„ Zellſt. Berlin.
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Haeffner.
46 A.-G. f. Vertehrsw.
Allg. Lofalb. Kraftw
7% Dt. Reichsbahnl
Vorzge ......
113
Hapag. . . . . ..."
103.5 Nordd. Llotzd ....!"
135 Schantung=Eiſenb.
101.25 Südd. Eiſenb.=Ge
—
154.5
104
140.5
139
120
1347.
29.8
139
314
150
1a8
12.25
150.25
162
90.75
Vaa
111.5
56.25
104.75
142
m
220.25.I
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung. .
Verein. Verſ..
Frkft. Allg. Verſ.=G
„ Rückverſich.
Frankona Rück= u.
Mitv. ....... . .
Mannh. Verſich. „
225
20r
63
Seite 12
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Nummer 36
und Sittenfilm:
Frauen
am Abarune
Regie Georg Jacoby.
In den Hauptrollen: Elga Brink,
Valery Boothby, Livio Pavaneili,
Gustav Diess”.
Es handelt sich um das Schicksal
einer Frau, die aus dem engen
Kreis bürgerlicher Arbeit und Treue
herausgerissen, plötzlich dem
großen mondänen Leben mit seinen
Reizen und Verführungen
gegen-
übersteht, das sie in jäher
Wen-
dung zum Abgrund führt.
Dazu der Lustspielschlager:
Ossi hat die Hosen an
eine amüsante Sache in 7 Akten
mit Ossi Oswalda und Fritz
Kam-
pers in den Hauptrollen.
Weiter sind beschäftigt von
be-
liebten Darstellern Hilde Maroff
u. Wolfgeng Zilzer.
Regie: Carl Boes:.
Beginn 3½ Uhr
Liebeskarneval
Manuskript und Regie:
Augusto Genina
Um die vielbesprochene
zeitge-
nössische Sage von der
Vermänn-
lichung der Frau hat Genina einen
entzückenden Film gemacht.
Carmen Boni, diese rassige
pikante südliche Schönheit spielt
die Hauptrolle der modernen Frau.
die in Männerkleidern auf
Liebes-
pfaden wandelt undschließlich auch
den Mann ihrer Sehnsucht erringt.
Der dezente und doch prickelnde
Reiz dieser Darstellerin ist
einzig-
artig.
In den wännlichen Hauptrollen
zeigen sich auf der Höhe ihrer
Kunst der charmante Jack Trevor
und der wunderbar trottelige
Hans Junkermann.
Dazu reichhaltiges Beiprogramm.
Beginn 3½ Uhr. (V.2276
Immer wieder wird man über die
frappierenden Leistungen Rin-
tin-
tins in Erstaunen gesetzt, die nicht
nur Ergebnis einer unglaublich
exakten Dressur sind, sondern einer
ganz ungewöhnlichen Instinkt-
Begabung dieses — man möchte
agen — Wunderhundes verraten
der sich selbst in seinen Leistungen
dauernd steigert.
Als zweiter Schlager:
Ein Sensations-Abenteuer aus dem
Dunkel der Großstadt:
Die Beute der
Bankräuber
Ein spannender Kriminal-Großfilm
Hauptdarsteller:
Dolores Costello und
Conrad Nagel
Beginn 3½ Uhr.
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Union-Theater
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Das Hotorrad und wir
Motorsport schrelbt: Freiheit aus
der Sklaverei der Straßenbahn, der
Eisenbahn. Wunschträume werden
wahr, raus aus der Stadt.
Wochen-
endfahrt mit Zelt u. Ziehharmonika
und so. Die Ferienfahrt in die Alpen
so schön, daß man wieder das alte
große Fernweh kriegt u. am liebsten
aut die Mühle steigen möchte,
irgendwohin ins Weite ... ..
Aufnahmen aus der Sechstagefahrt.
Und dann geht es los. Schmiere am
Kesselberg, Flexenpass,
Klausenpass, St. Gotthard . . .
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verdient es als Kulturtilm gezeigt
zu werden und ist zweifellos der
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Ende: Wanns all is!
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wiſſen muß
Was man
von der Ehe
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Die Liebe z. and. Geſchlecht. Geſchlechtstrieb
und Schamgefühl. Heirat oder nicht. Die
Vergangenh. d. Mädch. Jungfräulichk., Ehe
Geſundheit, Geſchlechtskrankh. Die Wahl d.
Ehegatt. Was iebt d. Weib a. Manne? Was
liebt d. Manna Weibe ? Verh. i. d. Ehe. Verl.
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Hygiene. Unglückl. Ehen. D. Wund. d. Zeu
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(. Dr. 50
Din Waan dnr
Uassmeitter Bäumnr.
Roman von P. Wild.
Copyright by Marie Brügmann, München 19.
24)
Nachdruck verboten.
„Ich habe nicht mitkommen wollen. Ellas Wunſch .. .
„Das intereſſiert mich nicht. Muß ich noch deutlicher
wer=
den, Erich?‟
Erich kam ſich wie verprügelt vor. Er knirſchte mit den
Zähnen vor Wut. Als er aufbegehren wollte, warnte ihn ein
autsdrucksvoller Blick Wollings. Mit gebeugtem Kopf verließ er
den Raum.
„Eri, bleib' hier!” rief Ella.
Hörte er den Ruf nicht? Die Tür fiel hinter ihm ins Schloß.
„Nun zu uns beiden” wandte ſich der Bankier an die
Toch=
ter. „Ich habe ſehr wichtige Dinge mit dir zu beſprechen.”
Sie nickte, drückte ihr Spitzentaſchentuch leicht gegen die
Augen, tupfte ein paar Tränen weg, behutſam, damit ſie den
Puder nicht abwiſchte.
„Natürlich haſt du wieder etwas Nachteiliges über Erich
ge=
hört”, kam ſie ihm zuvor. Sein Schweigen war ihr unheimlich.
„Sag’, was du willſt! Und wäre es auch das Schlimmſte, ich
heirate Eri doch”, ſagte ſie trotzig.
„Du wirſt Erich Bäumer nicht heiraten, Ella. Höre zu und
ſei vernünftig .
„Vernünftig? Du haſt gut reden. Mit fünfzig Jahren kann
nan gut von Vernunft predigen. Du haſt in deiner Jugend auch
jetan, was du wollteſt, geheiratet, wen du wollteſt.”
„Weißt du das ſo genau? Ich habe gegen meinen Willen,
gegen meine Neigungen die Bank übernommen, weil ich der
ein=
ige Sohn war.”
„Nun ja, aber geheiratet haſt du doch, wen du wollteſt.”
„Deine Mutter, Ella, weil wir uns lieb hatten”, kam es ſo
veich, wie ſie es nie für möglich gehalten hatte, von des Vaters
Lippen.
„Na, Eri und ich, iſt das vielleicht anders?”
„Ja, ſein Leben und er ſelbſt ſind deiner unwürdig.”
,Beleidige ihn nicht, Vater, ſonſt beleidigſt du mich”, brauſte
ſie auf. „Ich werde ihn heiraten, wenn alle Tugendprotzen
da=
gegen Front machen — dann gerade. Mit oder ohne deine
Er=
ſaubnis heiraten wir.”
Wolling bemühte ſich, ruhig zu bleiben.
„Tue es nicht, Erich hat . . .
„Ein Verhältnis mit Nera Sulla, Schulden und ſo weiter
die Litanei kenne ich zur Genüge. Mich ſtört es nicht, abſolut
ticht. Ich finde es reizend, wenn er mit Armeſündermiene
ſeichtet. Einfach zum Küſſen iſt er dann. Vater, auch du warſt
inmal jung. Warum vergißt du das? Ich bin auf keinen Fall
pießig genug, mich an Kleinigkeiten zu ſtoßen.”
„Schweig’! Was ich dir ſagen muß, verträgt keinen Spott;
8 iſt bitter ernſt.” Langſam, voll Scheu, Ella weh zu tun, fuhr
r fort: „Erich Bäumer hat Wechſel gefälſcht.”
„Nein!” ſchrie ſie auf. „Nicht beſchimpfen, Vater. Nimm
as Wort zurück, oder wir ſind geſchiedene Leute für immer.”
Mittwoch, den 5. Februar 1930
Seite 13
Wolling wurde bleich. Mit Mühe blieb er ruhig. Behielt
klare Berechnung angeſichts Ellas blinder Aufregung. Er fühlte
die Notwendigkeit, ſeine Anklage zu begründen. Weich klang
ſeine Stimme bei ihrem Leid.
„Es tut mir weh wie dir, Ella, doch ich muß ſprechen; du
mußt die Wahrheit erfahren. Sitz” dich zu mir, komm, Kind!"
„Es iſt nicht wahr, kann nicht wahr ſein!” jammerte ſie.
„Sag’, daß es nicht wahr iſt. Du willſt mich auf die Probe
ſtellen, das iſt alles.” Angſtvoll ſah ſie ihn an; ſein Geſicht blieb
unverändert, tiefernſt.
„Du ſchweigſt?” Grell lachte ſie auf, erfaßte die Wahrheit
der Worte und warf den Kopf in den Nacken. „Was dit es,
ich heirate ihn doch.”
„Ella! Erich Bäumer hat ſeine Ehre verloren.”
„Nicht beleidigen! Sage es nicht!” bat ſie.
„Er hat zwei Wechſel gefälſcht.”
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Sie wurde totenbleich, lehnte minutenlang unbeweglich im
Seſſel. In wildem Wirbel höhnten ſcheußliche Fratzen in ihrem
Hirn. Sie ſah Erichs weiße, gepflegte Männerhand auf einem
Wechſelformular einen fremden Namen ſchreiben. Immer
den=
ſelben Namen, wieder und wieder. Erinnerung wurde wach.
Die Aſtrologin — Worte klangen in die Leere: „Ein ſchreckliches
Ereignis kurz vor ihrer Hochzeit . . . Sie werden nicht heiraten,
Ihren Verlobten nicht und keinen anderen
Sollte ſie recht behalten? Niemals! Sie würde Erich
hei=
raten, gleichviel, was geſchehen war. Wozu ſich verloren geben!
Sie ſetzte ſich kerzengerade aufrecht, ſah den Vater feſt an.
„Du wirſt deine Behauptung beweiſen, Vater.”
„Ich werde es.”
„Kannſt du das denn? Und iſt nicht alles Irrtum?”
„Nein, ich irre mich nicht. Er hat auch die Unterſchrift Horſt
Wanners gefälſcht.”
Sie war wie verſteinert.
„Sind die Wechſel eingelöſt worden?”
Wolling nickte.
Wie erlöſt atmete ſie auf.
„Dann iſt alles gut. Alſo niemand hat davon erfahren?”
„Detektiv Möbius.”
„Das iſt dein Werk. Du haſt ihn auf Erichs Spur gehetzt,
Vater. Wie durfteſt du ſo etwas tun, Erichs Namen und guten
Ruf in die Hand eines . . . Detektivs legen.”
„Hüte dich!” warnte Wolling. „Was ich getan habe, geſchah,
um mir die Schmach zu erſparen. Er hat ſeine Ehre ſelbſt
preis=
gegeben. Es wäre beſſer geweſen, ich hätte dieſe unglückſelige
Verlobung nie zugegeben. Nun muß ich die Schwäche teuer
be=
zahlen; denn keiner ſoll erfahren, daß meine Tochter die
Ver=
lobte eines Wechſelfälſchers geweſen iſt. Ich werde Erich ſelbſt
die gefälſchten Wechſel vorlegen und . . .
„Haſt du die Wechſel hier?” unterbrach ſie ihn, ein
Flim=
mern in den Augen, als glühe ein Entſchluß darin.
„Ja.”
„Laß ſie mich ſehen!“
Er reichte ſie ihr. Ehe er zugreifen konnte, zerfetzte ſie die
beiden Wechſel in hundert Schnitzel, blies ſie in die Luft.
„Was bedeutet das?” rief er laut aus.
„Ich habe die Wechſel eingelöſt, die Schuld iſt getilgt.”
„Nein.”
Zwei ſcharfe Falten ſtanden faſt ſenkrecht auf Wollings
Stirn, der Mund preßte ſich zuſammen, daß er ausſah wie ein
Strich.
„Ich heirate Erich dennoch!” ſchrie Ella auf, wobei ihre
Stimme von Erregung überſchnappte.
„Einen Wechſelfälſcher, Ella?”
„Beweiſe es ihm jetzt!” triumphierte ſie.
Verblüfft ſah er ſie an. War das wirklich ſein eigenes Kind,
Blut von ſeinem Blut, das ſo niedrig vom Werte der Ehre
dachte? Einen Wechſelfälſcher heiraten? Es dünkte ihr
un=
faßbar.
Er redet ſich in Wut.
„Alſo, ſo war dein Tun gemeint! Du begehrſt gegen
Ver=
nunft, Sitte, Anſtand und Moral auf. Dann gibt es nur eins.
Ich tue, was meine Pflicht iſt, zeige die Wechſelfälchung bei der
Staatsanwaltſchaft an.”
„Und dann .
„Auf Wechſelfälſchung ſteht Zuchthaus.”
Sekundenlang ſtierte ſie ihn mit weit geöffneten Augen
feſt an.
„Die Wechſel ſind ja vernichtet.”
„Ehre zereißt man nicht und klebt ſie wieder zuſammen wie
Papierfetzen, Ella.”
Es ſah troſtlos in ihr aus. Sie fühlte ſich ſchwach,
hils=
bedürftig, gedemütigt und voller Trotz. Sie war an Erich
ge=
kettet mit tauſend unſichtbaren Fäden. Eines klaren Gedankens
nicht fähig, trachtete ſie einem Ziele zu: Zeit zu gewinnen. Vor
allem wollte ſie Erich ſprechen; er mußte ihr helfen.
Leiſe weinte ſie vor ſich hin.
Ahnte Wolling, was in ihr vorging? Wie ſie ſo
zuſammen=
geſunken vor ihm ſaß, tat ſie ihm unſagbar leid.
„Ella, ich mußte dir weh tun, dir die Wahrheit ſagen. Laß
uns gemeinſam überlegen, was du jetzt tun willſt. Ich halte es
für das beſte, morgen, übermorgen ſchon zu verreiſen, wann und
wohin du willſt. Wenn du heimkommſt, iſt der Klatſch
ver=
geſſen, der ſich über die Aufhebung der Verlobung verbreitet.
Ueberlege dir meinen Vorſchlag, Kind. Doch du ſiehſt elend
aus. Lege dich auf die Chaiſelongue und ruhe dich aus. Nur
um eins bitte ich dich: verſprich mir, keinen Verſuch zu machen,
dich mit Erich in Verbindung zu ſetzen!“
Sie nickte ſtumm, das Taſchentuch an die Augen gedrückt.
Erich Bäumer fühlte den Boden unter ſeinen Füßen wanken.
Am beſten war es, er verließ die Stadt ſobald als möglich. Wenn
nur die Ebbe in der Kaſſe nicht geweſen wäre! Ein
verdamm=
tes Pech, ausgerechnet unmittelbar vor dem Ziel gefaßt zu
wer=
den, das Spiel um die Zukunft zu verlieren. Wer mochte die
Wechſelfälchung ausſpioniert haben? Niedergeſchlagen hätte er
den Hund am liebſten, auf der Stelle! Er kannte Wollings
Ehr=
begriffe zur Genüge. Da nutzten weder Ausflüchte,
Entſchuldi=
gungen noch Lügen. Mit der Heirat war es endgültig vorbei.
Oder — ein Gedanke kam ihm. Er pfiff bei dem Einfall ein
paar grelle Takte, zerrte unwillkürlich nervös an der Kravatte.
Ein Gewaltſtreich — Flucht!
Das war es.
Der Entſchluß beruhigte ihn, trieb ſeine Phantaſie einer
neuen Richtung zu.
Fortſetzung folgt.
Starkenburger
Aufomobil-Club
(ADAC) —
Samstag, 8. Febr. 1930
in den Räumen der
VEREINIGTEN GESELLSCHAFT
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[ ← ][ ]Seite 14
Mittwoch, den 5. Februar 1930
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Samstag, den 8. Februar 1930,
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borner Gemeindewald folgendes
Nutz=
holz zur Verſteigerung:
1 Buche 2. Kl. 2 St. — 0,88 Fm., 3. Kl.
1 St. — 1,08 Fm. II. Eiche 2. Kl. 36 St.
— 13,66 Fm., 3. Kl. 106 St. — 48,0 Fm.,
4. Kl. 26 St. — 34,29 Fm., 5. Kl. 4 St.
— 613 Fm., 6. Kl. 3 St. — 6,51 Fm.
III Birke 3. Kl. 4 St. — 2,43 Fm., 4. Kl.
St. — 0,97 Fm. IV. Ulme 2. Kl. 2 St.
088 Fm., 3. Kl. 4 St — 1,80 Fm.
V. Rundſcheiter: Buche 6 Rm., Eiche
2 Rm. II. Kiefern: Kl. 2a 1 St. — 0.19
Fm., 2b 8 St. — 3 79 Fm., 3a 10 St.
751 Fm.. 3b 4 St. — 4,05 Fm., 4a
2 St. — 2.27 Fm. Die Kiefern ſind
lau=
ter Ueberſtänder und prima Schnittholz.
Stammholzverzeichniſſe ſind auf der
Bürgermeiſterei erhältlich.
Zuſammen=
kunft auf dem Griesheimerweg am
Ein=
gang des Waldes.
(2232
Büttelborn, den 3. Februar 1930.
Heſſiſche Bürgermeiſterei Büttelborn.
Barthel.
Außholz=Verſteigerung.
Dienstag, den 11. Februar d. J.,
vor=
mittags 110 Uhr, wird in Griesheim
b. Darmſtadt, Gaſthaus „Zum
Darm=
ſtädter Hof”, das nachſtehende Nutzholz
aus den Domanialwalddiſtrikten
Har=
ras und Trieſch verſteigert:
Stämme: Eichen 106 Kl. 2 — 34,96
Fm., 66 Kl. 3 — 35,93 Fm., 37 Kl. 4
— 32,33 Fm., 8 Kl. 5 — 10.36 Fm.,
2 Kl. 6 — 3,24 Fm. Kiefern 158 Kl. 2a
— 54,51 Fm., 258 Kl. 2b — 129 61 Fm.,
105 Kl. Za — 70,65 Fm., 23 Kl. 3b —
21,62 Fm., 2 Kl. 4a — 2.31 Fm., 2 Kl. 5
— 2,32 Fm. Fichten 137 Kl. 1a—2b —
32,51 Fm. Weißtannen 3 Kl. 1b — 0,85
Fm. Derbſtangen: 43 Stück 1. und
2. Klaſſe.
Nummernverzeichniſſe können gegen
Einſendung von 1 RM. von uns und
Herrn Förſter Ahlheim, Forſthaus
Har=
ras ab 6. d. Mts. bezogen werden. Das
Holz iſt vor der Verſteigerung zu
be=
ſichtigen.
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Groß=Gerau, den 3. Februar 1930.
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Herren=Sohlen u. Fleck
3.40
Beſſunger
Schuhbeſohlung
Weinbergſtr. 17. (363 a
Musie-
Inſtrumente
und Saiten billig
bez Gerbig.
Neckar=
ſtr. 24, Hth. 1. (1883a
Gebr. Herrenräder,
„ Geſchäftsräder,
„ Schülerräder.
wie neu, ſehr billig.
Auch auf Teilzahlg.
Reparaturen
an Motorrädern u.
Fahrrädern billigſt.
Benz & Comp.
Grafenſtraße 20/22.
(423b)
Am Donnerstag, den 6. Febr.
1930, nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in des
meinem Verſteigerungslokale Luiſen= eine
ſtraße 32 zwangsweiſe meiſtbietend gegen
(269 Wicheft
Barzahlung:
1 Klubſeſſel, 1 D=Motorrad, 1 Laden= id ſtellt
theke, 1 Warenſchrank. 1 Grammophon,
1 Standuhr, 1 Kaſſenſchrank, 2 Schreib= Mir ein
maſchinen, 1 Teppich, 1 Klavier, ein VNthaln
Fahrrad, 1 Entſtaubungsapparat, eine
Nähmaſchine, 1 Sofa, 1 Standuhr,
1 Polſtergarnitur, 3 große Oelgemälde,
1 Biedermeier=Ofenſchirm ſowie Möbel
aller Art.
Ferner verſteigere ich um 4 Uhr
Aliceſtraße 2 beſtimmt:
1 Perſonenkraftwagen (N.S. J.), 14 P8,,
1 Kaſſenſchrank, 1 Aktenſchrank, hell
eichen, 1 Schreibmaſchine („Ideal”),
1 Schreibmaſchine („Adler”), 1
Doppel=
ſchreibtiſch. 1Aktenrollſchrank, 1Schreibe
pult mit eiſernem Untergeſtell; ferner:
Dichtungen, Roſetten, T=Stücke,
Kreuz=
ſtücke, Verſchraubungen, Hähne,
Mano=
meter, Hydrometer, Thermometer,
Schrauben, Winkel, Muffe, Regler,
Rohrnippel, Reinigungsbürſten,
Flan=
ſchen, Stopfen, 2 große Doppelregals
4 einfache Regale, 6 Porzellanbecken,
70 Flanſchen. 200 Stück Gußrohrteile,
3 Schachtdeckel und verſchied. mehr.
Darmſtadt, den 4. Febr. 1930.
Acker
ſtellvertr. Gerichtsvollzieher.
tung
Großer Freſhandverkau
Nachſtehende Möbel habe im gefl.
Auf=
trage, ſow. aus Nachläſſen in mein. Lokal
1e Beſchſtahe 1.
zu ſehr günſtigen Preiſen abzugeben:
1 Speiſezimmer, eich., vollſtänd. modern,
2 Herren= und 2 Schlafzimmer, modern,
Küche modern, kl. Büfett eich. Büfett
nußb. Dipl.=u. Damenſchreibtiſch
Büro=
ſchreibtiſch mit Hocker, Pult, Bücher=,
Glas= und Eckſchränke, Kleiderſchränke,
Rauch=, Näh=, Serv.=, runde u.
Blumen=
tiſche Kommode, Auszug=, ovale, runde
u. Küchentiſche, Stühle, Flurgarderoben.
Venezianer= u. Trum.=Spiegel, Vertiko,
1 Gewehrſchrank nußb., Kredenz, Backel”, 2 gleiche vol. Betten. einz. Betten,
Barockſofa m. 6 gepolſt. Stühlen, Sofu,
Polſterſeſſel, Kinderbetten Bücherregale,
Zteil. Garderobeſchrank. Waſch= u.
Nacht=
tiſche, Küchenſchränke, Spiegel, Bilder,
2 Teppiche, elektr. Lüſter Nähmaſchine,
Herrenkleider u. Schuhe, ſowie ſonſtigen
Hausrat, 1 Piano, gutes Inſtr., moderſ.
Johannes Krummeck
Auktionator und Tarator. — Tel. 4130.
Annahme von Verſteigerungen
und Taxationen.
Geöffnet von 9—4 Uhr ununterbrochen.