Hrnnetmmmer 10 Mrmge
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Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit + verſehenen Origlnal=Aufſähe und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 293
Dienstag, den 22. Oktober 1929.
192. Jahrgang
27 mm breite Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzelgen 40 Reichspfg. Rellamezelle (92 mm
breit/2 Reiſchsmark. Anzelgen von auswärts 40 Reichepfg.
Finanz=Anzelgen 60 Reſchepfg. 92 mm breite
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(1 Dollar — 4.20 Markl.
Im Falle böherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streſt uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſſung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchtlſcher Beltrelbung fäll ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und Darme
ſtädter und Natlonalbank.
Die Skunde der Befreiung naht!
Kein Heſſe, der ſeine Heimak wirklich liebk, kann für
Hugenbergs Volksbegehren ſtimmen.
Amtlich wird mitgeteilt:
Darmſtadt, 21. Oktober.
Mehr als zehn Jahre hat die Be=
e h
großen Worten. Gewalt ver=
— ſchmähend vertraute er auf den
Sieg des Rechts. Darum hat die
heſſiſche Bevölkerung auch treu
zur Politik der Verſtändigung
gehalten, die jetzt vom
Volks=
begehren angegriffen wird.
Der Kampf der Anhänger
die=
ſes Volksbegehrens läßt jede
Be=
rückſichtigung der heſſiſchen
Ver=
hältniſſe vermiſſen. Für das
Land Heſſen und die heſſiſche
Be=
völkerung beſteht ein beſonderes
Intereſſe an der Aenderung des
bisherigen Zuſtandes. Auch der
Young=Plan belaſtet Deutſchland
ſchwer, aber bei weitem nicht ſo,
wie das bis heute gültige Dawes=
Abkommen, auf Grund deſſen
Deutſchland allein in den
näch=
ſten 10 Jahren 6½ Milliarden
mehr zahlen müßte. Dieſe 10
Jahre ſind aber für Deutſchland
von entſcheidender Bedeutung.
Der jetzige Zuſtand hindert
das Reich, Landern und
Gemein=
den erhöhte Steueranteile zu
über=
weiſen. Die Senkung der
Real=
ſteuern wird ohne Senkung der
Reparationslaſten beſtimmt
un=
durchführbar bleiben Damit muß
namentlich die heſſiſche
Landwirt=
ſchaft und das heſſiſche Gewerbe
rechnen. Nach der Abſicht der
Reichsregierung ſollen ferner die
auf Grund des Dawes=Plans
all=
jährlich von der Landwirtſchaft
Dieſe Erleichterung würde in
Heſſen in erſter Linie den kleinen
und mittleren Landwirten
zu=
gute kommen.
Härter als jedes deutſche Land
wurde Heſſen auch durch die
Be=
ſatzung getroffen. Auf ſeinen
Schultern liegt heute die
Haupt=
laſt der Beſatzung. Nun beſteht
die Möglichkeit des Abmarſches
in kürzeſter Friſt. Am 30. Juni
1930 ſoll kein fremder Soldat
mehr auf deutſchem Boden ſtehen.
Nahezu 5 Jahre früher als nach
dem Verſailler Vertrag würde
alſo auch für die rheinheſſiſche
Heimat die Stunde der Befreiung
ſchlagen. Dies alles ſoll nun
ver=
hindert werden?
Wir wenden uns an die
poli=
tiſche Einſicht und den geſunden
Sinn der heſſiſchen Bevölkerung.
Kein Heſſe, der ſeine Heimat
wirklich liebt, kann ſolchem
Un=
ternehmen Beihilfe leiſten. Die
heſſiſche Bevölkerung hat in allen
ihren Schichten ihre deutſche
Ge=
ſinnung durch opferbereite Tat
bewieſen. Sie wird ſich dagegen
zu wehren wiſſen, daß Politiker
ohne Verantwortung die Arbeit
für die Befriedung und Befreiung
ſtören und unſer Land, wie beim
Ruhrkrieg, erneut in ſchwere
Wir=
ren ſtürzen wollen. Die heſſiſche
Bevölkerung hat im
Abwehr=
kampf zur Separatiſtenzeit über
alle Parteigrenzen hinweg ſich
zuſammengefunden. Sie muß es
zurückweiſen, daß in dieſem
Volks=
begehren die perſönliche und
po=
litiſche Ehrenhaftigkeit der
deut=
tigt wird.
In der feſten Ueberzeugung,
damit dem Wohl des ganzen
Heſſenlandes zu dienen, fordern wir deshalb alle Heſſen, Männer ſtändig ſei, ſondern daß dieſer Fall lediglich den Dienſtaufſichts=
und Frauen, auf, mit uns gemeinſam dem Volksbegehren ihr
„Nein” entgegenzuſetzen. Wer für das Volksbegehren behörden und damit dem Diſziplinarhof vorbehalten ſei, der
eintritt und ſich in die Liſten einzeichnet,
han=
delt gegen das ganze deutſche Volk und beſonders Recht zu ſprechen habe. Wie die Entſcheidung des Staatsgerichts=
Adelung. Kirnberger. Leuſchner. Korell.
Beamkenrechle und =Pflichken. — Der
Skaals=
gerichtshof kritk zuſammen.
einer wichtigen Entſcheidung zuſammen. Er muß ſich mit der eine gutachtliche Aeußerung der höchſten Inſtanz für Dienſwer=
Klage beſchäftigen, die von den Deutſchnationalen gegen die preu= gehen der Reichsbeamten — bei der übrigens der
Reichsgerichts=
worden iſt. Die preußiſche Regierung hat gedroht, alle Beamten, gerichtshofes zur Urteilsfällung vorlegen wollte.
diſziplinariſch zu belangen, die ſich für das Volksbegehren
ein=
tragen. Die Deutſchnationalen berufen ſich demgegenüber auf
Artikel 130 der Reichsverfaſſung, der allen Beamten die Freiheit
unter Umſtänden durch einſtweilige Verfügung auferlegt wer= ſtändiſche Pflicht, die zwar mannigfach geordnet, aber immerhin
den, bis zur endgültigen Stellungnahme des Staatsgerichtshofes lichen Lebens in Deutſchland mußten die Anforderungen an den
Abmarſch der Franzoſen aus dem Rheinland.
aufzubringenden Rentenbankzin= Bereits jetzt beginnen die Franzoſen auch die 3. Zone zu räumen. Das 8. franzöſiſche
Infanterie=
ſen künftig reſtlos fortfallen. Regiment iſt aus Mainz in ſeine Heimat abgerückt. Die Zeit iſt nahe, in der endlich Streſemanns
Werk gekrönt und die deutſchen Lande vom letzten fremden Soldaten frei ſein werden.
Abrückende franzöſiſche Truppen in den Straßen von Koblenz.
ſchen Befreiungspolitiker verdäch= Hugenbergs hemmungsloſe Aktion gegen die Haager Abmachungen, die uns unter anderem die
ſo=
fortige Räumung der zweiten und die vorzeitige Räumung der dritten Zone brachten, ſchädigt die
außenpolitiſchen Intereſſen des deutſchen Volkes auf das ſchwerſte.
Legen Heſſen und das Wohl ſeiner Bevölkerung, hofes ausfallen wird, iſt ſehr unſicher. Der frühere
Reichsgerichts=
präſident Simons hat in einem anderen Fall eine einſtweilige
Verfügung abgelehnt — unſerer Anſicht nach mit Recht — weil es
nicht angängig iſt, derartige Formen der Zivilprozeßordnung vor
das Verfahren vor dem Staatsgerichtshof anzuwenden. Dem
* Berlin, 21. Oktober. (Priv.=Tel.) Staatsgerichtshof wird das Urteil nicht leicht fallen, deshalb hat
Am Dienstag vormittag tritt der Staatsgerichtshof unter der Reichsgerichtspräſident für Montag die Mitglieder des
dem Vorſitz des Reichsgerichtspräſidenten Bumke in Leipzig zu Reichsdiſziplinarhofes nach Leipzig zuſammentelephoniert, weiler
ßiſche Regierung wegen angeblichen Beamtenterrors eingereicht präſident ebenfalls Vorſitzender iſt — den Richtern des Staats=
* Der Geſehenkwurf über die Berufs=
Ausondang.
Von
Profeſſor Wittſchewſky.
Die berufliche Ausbildung der Lehrlinge in den
organiſier=
ihrer politiſchen Geſinnung gewährleiſtet. Preußen ſoll daher ten Handwerksbetrieben galt in früheren Jahren als eine
berufs=
beſchränkten Umfangs war. Mit dem Aufſchwung des
gewerk=
allen Beamten freie Hand zu laſſen. Die preußiſche Regierung gewerblichen Nachwuchs wachſen und ſich erweitern. Die
Indu=
wendet dagegen ein, daß es ſich um gar keinen Verfaſſungsſtreit ſtrie brauchte vorgebildete Facharbeiter, die kaufmänniſchen
Ge=
ſchäfte verlangten ein entſprechend geſchultes Perſonal, und auch
handle, daß infolgedeſſen auch der Staatsgerichtshof nicht zu= die Hauswirtſchaft wollte vielfach ſich mit „den Mädchen vom
Lande” nicht begnügen. Eine einigermaßen ausreichende
Rege=
lung des Lehrlingsweſens gibt es zurzeit überhaupt nur für
das Handwerk, während ſchon die gewerbliche Lehrlingshaltung
außerhalb des Handwerksbetriebs der notwendigen eingehenden
Regelung entbehrt. Als beſonders mißlich hat ſich erwieſen, daß
der Grundſatz berufsſtändiſcher Selbſtverwaltung und
Beauf=
ſichtigung des Lehrlingsweſens nur unzulänglich durchgeführt
worden iſt. Nur den Handwerkskammern, nicht den Handels=
und Landwirtſchaftskammern, ſteht das Recht der Regelung und
Beaufſichtigung des Lehrlingsweſens zu; ebenſo iſt das
Prü=
fungsweſen grundſätzlich auf die handwerkliche Lehrlingsgattung
beſchränkt. Daher iſt eine umfaſſende, das geſamte Gebiet der
Berufsausbildung einheitlich regelnde geſetzliche Neuordnung
dem Wunſche der Parteien gemäß aufgeſtellt worden.
Um Irrungen zu vermeiden, ſei hervorgehoben, daß das
allgemeine Berufsausbildungsgeſetz keineswegs nur Lehrlinge
im allgemeinüblichen Sinne erfaßt, ſondern auch jugendliche
Arbeiter und Angeſtellte, die Arbeit gegen Entgelt oder zum
Zwecke der Berufsausbildung leiſten. Jugendliche ſind
Perſo=
nen zwiſchen dem 14. und 18. Lebensjahre, ferner Knaben und
Mädchen, die jünger als 14 Jahre ſind, aber zum Beſuch der
Volksſchule nicht mehr angehalten werden können. Auch
Jugend=
liche über 18 Jahre fallen unter das Geſetz, falls ſie in einem
Lehrverhältnis ſtehen, bis zu deſſen Beendigung. Hingegen
gilt das Geſetz nicht für Schüler, ſofern nicht die oberſte
Lan=
desbehörde in dieſer Hinſicht beſondere Anordnungen erlaſſen
hat. Unter den im Geſetz aufgezählten Ausnahmen (Beamte
u. a. m.) bilden eine wichtige Kategorie die Jugendlichen in der
Landwirtſchaft. Die Reichsregierung und die
landwirtſchaftli=
chen Arbeitgebervereinigungen befürworten ein Sondergeſetz
für die Landwirtſchaft, deren beſondere Bedürfniſſe dadurch
beſſer berückſichtigt werden ſollen, während Preußen und einige
andere Länder im Reichsrai die Unterſtellung der in der
Land=
wirtſchaft beſchäftigten Jugendlichen unter das allgemeine Geſetz
beantragt haben. Die Entſcheidung hierüber wird im Reichstag
zu treffen ſein, doch iſt nach den bisherigen Verhandlungen zu
vermuten, daß die Mehrheit das Parlaments für das in
Aus=
ſicht geſtellte Sondergeſetz Stellung nehmen wird.
Der Schwerpunkt des Berufsausbildungsgeſetzes liegt in
den, wie uns ſcheint, allzu breit ausgedehnten Erzieherpflichten
des Arbeitgebers oder Lohnherrn den Jugendlichen gegenüber.
Daß die Beſchäftigung und berufliche Ausbildung dem verboten
werden kann, der die Pflichten gegen die von ihm beſchäftigten
Jugendlichen gröblich verletzt, oder gegen den ſonſt Tatſachen
vorliegen, die ihn als ſittlich ungeeignet erſcheinen laſſen, läßt
ſich rechtfertigen; auch die Fürſorge für die Geſittung und den
Schulbeſuch der Jugend iſt gewiß angebracht; zweifelhaft aber
dünkt uns die Zumutung, daß die Arbeitgeber ſich auch um die
Teilnahme ihrer Jugendlichen an Sport und ähnlichen
Veran=
ſtaltungen der Jugendbewegung bekümmern ſollen. Unter den
modernen Arbeitsverhältniſſen können weder induſtrielle noch
kaufmänniſche Großbetriebe ſolche Aufgaben erfüllen, um ſo
weniger, wenn es ſich nicht nur um Lehrlinge im engeren Sinne,
ſondern auch um Angeſtellt: und ſelbſt ungelernte Arbeiter
han=
delt. Denn in der Begründung zum Geſetzentwurf wird
aus=
drücklich erklärt, daß „Lehrling” bei der Vielgeſtaltigkeit des
öffentlichen Lebens kein beſtimmter Begriff ſei. Die
Entſchei=
dung der Frage, ob ein Lehrverhältnis vorliege, müßte der
Rechtſprechung überlaſſen werden. Im übrigen enthält der
Ent=
wurf ſelbſt das wichtigſte Begriffsmerkmal: es muß ſich um
Be=
ſchäftigung zum Zwecke der Berufsausbildung handeln.
Für den Lehrbetrieb entwickelt der Geſetzentwurf
Vorausſetzungen, die allgemeine Geltung gar nicht haben können.
In der Theorie klingt es erbaulich, daß Lehrlinge grundſätzlich
nur in ſolchen Betrieben beſchäftigt werden ſollen, die als
Lehr=
betriebe geeignet ſind. Die Inhaber ſolcher Lehrbetriebe follen
mindeſtens 24 Jahre alt ſein, ſowie die Reife und die berufliche
Befähigung beſitzen, „die notwendig ſind, um junge Menſchen
zu brauchbaren Facharbeitern und Berufsgenoſſen
heranzubil=
den”. Treffen dieſe Vorausſetzungen nicht zu oder liegen ſie
nicht mehr vor, ſo iſt die geſetzliche Berufsvertretung
verpflich=
tet, dem Betriebsinhaber die Beſchäftigung von Lehrlingen zu
unterſagen. Die Unterſagung kann auch für einzelne Berufe
oder Berufszweige ausgeſprochen werden. Solchenfalls iſt
Be=
ſchwerde an die höhere Verwaltungsbehörde zuläſſig; unter
Um=
ſtänden kann auch die Reichsregierung Anordnungen hierzu
er=
laſſen. Die hieraus aus der Praxis ſich ergebenden Bedenken
ſind naheliegend und werden bei der Beratung des
vorliegen=
den Geſetzentwurfs nicht unausgeſprochen bleiben.
Die Lehrverhältniſſe werden im Entwurf eingehend
gere=
gelt. Den Abſchluß der Lehrzeit ſollen Prüfungen bilden,
die von den Handwerkskammern ſchon jetzt veranſtaltet werden,
deren Ausübung den übrigen Berufsſtänden für die Zukunft
empfohlen wird. Die Einzelheiten für das Prüfungsweſen
werden umfaſſend feſtgeſtellt.
Die Durchführung des Geſetzes will der Entwurf
grundſätz=
lich der Selbſtverwaltung der beteiligten Berufsſtände
übertragen. Dadurch ſoll bei den Berufsgenoſſen das
Bewußt=
ſein der Verantwortung für den Nachwuchs des Berufs
er=
weckt und wachgehalten werden. Völlige Gleichberechtigung
bei=
der Teile des Berufsſtandes, alſo ſowohl der Arbeitgeber wie
der Arbeitnehmer, iſt durch die geſetzliche Regelung vorgeſehen,
Seite 2
Dienstag, den 22. Oftober 1929
Nummer 293
Hugenberg.
Keine Skienrte dieſen Bolksbegehren!
Vom Tage.
Der frühere bulgariſche Miniſterpräſident
Waſſili Radoſlawoff iſt am Montag nach mehrmonatiger
ſchwerer Krankheit in der Berliner Charité geſtorben.
Man ſchreibt uns: Ein Volksbegehren — es liegt ſchon in der
Bedeutung des Wortes — hat zweifellos etwas Beſtechendes an
ſich. Ein im Herzen des deutſchen Volkes gehegter Wunſch kann
zum Geſetz erhoben werden, falls ſich die Mehrheit des Volkes
dafür entſcheidet. Eine Perſpektive eröffnet ſich, ein von hehren
idealen Zielen beſeelter Wunſch kann aus eigener Kraft des Volkes
verwirklicht werden. Ein ideales Ziel nur das, hinter dem die
Mehrheit des Volkes ſteht. Dies kann von der in dieſen Tagen
von dem Reichsausſchuß für das Volksbegehren gegen den Young=
Plan eingeleiteten Aktion nicht behauptet werden. Hinter dieſem
Volksbegehren ſteht eine kleine Minderheit des Volkes, ein
aus=
ſichtsloſes Unternehmen. Bis geſtern mittag, alſo in den erſten
½ Tagen, haben ſich in Darmſtadt rund 620 Perſonen für das
Volks,,begehren”, durchſchnittlich täglich alſo rund 110, eingetragen.
Die übrigen Zahlen aus dem Reiche ſind alles weniger als
glück=
verheißend. Ohne heute ſchon zu prophezeien, ſcheint es ſo, als ob
noch nicht einmal die 4,1 Millionen Stimmen zuſammenkämen, die
für den eigentlichen Volksentſcheid erforderlich ſind. Ein klägliches
Unternehmen. Was will eigentlich das Volks,,begehren”"
Es
will verhindern, daß der unter erbitterten Kampfen im Haag
unter der verdienſtvollen Führung Streſemanns zuſtande
gekom=
mene Young=Plan Geſetzeskraft erlangt, es will die
Reparations=
verhandlungen auf den Stand des Dawes=Planes zurückführen, es
will, daß das Rheinland weiterhin unter feindlicher Beſatzung
leide, daß die Kontrollkommiſſion beſtehen bleibe und daß
Deutſch=
land nach dem Dawes=Plan durchſchnittlich jährlich eine halbe
Milliarde, in den erſten Jahren ſogar jährlich 750 bis 800
Millio=
nen mehr zu zahlen hat, als dies nach dem Young=Plan der Fall
iſt. Der geiſtige Vater dieſes Unſinns iſt Herr Hugenberg, der die
unangenehme Eigenſchaft hat, daß ein Teil der Preſſe unter ſeiner
„Obhut” ſteht, die Oeffentlichkeit mit „ſeiner und ſeiner dunklen
hintermänner Politik” verſeucht wird; ſeine angenehme
Eigen=
ſchaft iſt ſeine Unfähigkeit. Ein vernünftig denkender Menſch hat
für dieſes „Volksbegehren”, das eine empfindliche Verſchlechterung
von Deutſchlands Lage begehrt, wirklich kein Verſtandnis, das
kann uns Herr Hugenberg nicht zumuten. Es iſt politiſche
Un=
fähigkeit, gepaart mit raffinierter Demagogie, die zur Kataſtrophe
führen muß. Die in der politiſchen Kampagne von dem
Hugen=
bergkreis, insbeſondere den Nationalſozialiſten, verbreiteten Lügen
und Verleumdungen hervorragender verdienter Politiker,
bei=
ſpielsweiſe Streſemanns, dem ſie im Tode noch die nötige Achtung
verſagen durch gemeine Beſchimpfungen, kennen keine Grenzen
mehr und machen auch vor der ehrwurdigen, überragenden Geſtalt
des greiſen Reichspraſidenten keinen Halt. Man hat wohl
nach=
traglich ſeine Perſon, nachdem man ſah, was man in den eigenen
Reihen damit für einen Schaden angerichtet hat, aus dem
berühm=
ten Zuchthausparagraphen herausgenommen, indem man den
Ge=
ſetzentwurf, kaum nachdem das Knablein geboren war, geflickt hat.
Es kann jedoch gar keinem Zweifel unterliegen, daß auch
Hinden=
burg, durch deſſen Unterſchrift als Reichspräſident ein Geſetz erſt
Geſetzeskraft erlangt, ins Zuchthaus wandert. Dieſe Tatſache ſteht
klipp und klar feſt und kann auch nicht mit der ausgeklügeltſten
juriſtiſchen Spitzfindigkeit hinweggedeutet werden. Man ſieht alſo,
die von dem Reichsausſchuß für das Volksbegehren betriebene
Politik iſt bar jeder Vernunft und Anſtändigkeit. Sie entſpringt
brutalſtem Machtwillen, dem jedes Mittel recht iſt. Hindenburg
elbſt hat den Zuchthausparagraphen als perſonlichen politiſchen
Angriff bezeichnet, den er entſchieden bedauert und verurteilt. Er
hat ſomit eindeutig gegen dieſes ſonderbare Volksbegehren
Stel=
lung genommen. Deshalb hat auch die Beamtenſchaft beſchloſſen,
dem Volksbegehren fern zu bleiben, denn rein objektiv betrachtet
geht es doch wirklich nicht an, daß ein Beamter durch ſeine
Ein=
zeichnung für das Volksbegehren den Dolch in der
nationalſozia=
liſtiſchen Werkſtätte ſchleifen hilft, der ſeinem oberſten Chef in den
Rücken gebohrt werden ſoll. Ganz abgeſehen von der Privatperſon
Hindenburg. Er, der getreue Ekkehard des deutſchen Volkes, der
in ſeinem Lebensabend noch einmal dem Rufe ſeines Vaterlandes
gefolgt iſt, ihm in ſchwerer Zeit Führer geweſen, der zweifellos zur
Ueberbrückung der Gegenſätze viel beigetragen hat, der ruhende
Pol in Deutſchlands politiſchem Kampfe. Meidet das
Volks=
kal.
begehren! Ihm keine Stimme!
Sireſenann und die evangeliſche Kitche.
Vom Evangeliſchen Preſſeverband, für Heſſen wird uns
ge=
ſchrieben:
Durch ſein Amt als Außenminiſter trat der verſtorbene Dr.
Streſemann auch mit der Auslandsarbeit der evangeliſchen Kirche
nähere Berührung. So wohnte er u. a. der Jahrestagung des
Guſtav=Adolf=Vereins in Düſſeldorf im Jahre 1926 bei und hat
hier in einer viel beachteten Rede das Wirken der evangeliſchen
Kirche im Auslande für die Kulturgemeinſchaft des deutſchen
Vol=
kes gewürdigt. Seine Wertſchätzung dieſes Dienſtes kam auch darin
zum Ausdruck, daß er während ſeines Kuraufenthaltes in San
Remo 1927 allſonntäglich den dortigen deutſchen Gottesdienſt
be=
uchte. Sein beſonderes Intereſſe gehörte der Deutſchen
Oſtaſien=
miſſion, der er mehr als einmal für Werbeveranſtaltungen ſein
Haus zur Verfügung ſtellte. Auch an ſein herzlich gehaltenes
Glückwunſchſchreiben an die Berliner Miſſionsgeſellſchaft zu deren
Jahrhundertfeier im Jahre 1924, worin dem Wirken dieſer
Geſell=
chaft hohe Anerkennung gezollt und „unter den alten Leitſternen
des Gottvertrauens und des zähen deutſchen Willens” weiterer
Erfolg gewünſcht wurde, darf hier erinnert werden. Das Bei=
Der deutſche Botſchafter v. Hoeſch iſt von ſeinem
Urlaub nach Paris zurückgekehrt und hat die Geſchäfte
der Botſchaft wieder übernommen.
Poincaré hat ſich geſtern der ſeit längerer Zeit
angekün=
digten zweiten Operation unterzogen. Die Operation iſt
gut verlaufen.
Bei einer Erſatzwahl in Cahors wurde der ehemalige
franzöſiſche Miniſter, der Radikale de Monzie, mit
überwaltigender Mehrheit in die Kammer gewählt.
Der Zuſtand Clémenceaus ſcheint, trotzdem aus der
jächſten Umgebung des „Tigers” die Schwere ſeiner Krankheit
be=
ſtritten wird, ſehr ernſt zu ſein. Die Herzſchwäche, die
vor=
geſtern abend eintrat, war zwar geſtern morgen nicht mehr ſo ſtark
fühlbar, nachdem der Kranke einige Einſpritzungen erhalten hatte
uind künſtliche Atmung die Herztätigkeit wieder belebte. Die
Herz=
ſchwäche hatte jedoch eine allgemeine Schwächung des ganzen
Kör=
pers zur Folge.
Nach Meldungen aus Marokko iſt im ſogenannten Souß
ein Aufflackern der Gefechtstatigkeit feſtzuſtellen.
Abteilungen von Aufſtändiſchen beunruhigen die den Franzoſen
unterworfenen Stämme und haben verſchiedentlich die franzöſiſchen
Poſtenlinien angegriffen.
Nach einer Meldung aus Liſſabon wird der ehemalige
portugieſiſche Geſandte in Berlin Caſtro demnächſt
nach Berlin reiſen, um den Botſchafterpoſten zu
über=
nehmen.
Miniſterpräſident Macdonald iſt, von Ottawa kommend,
mit ſeiner Begleitung in Montreal eingetroffen. Von der
Be=
völkerung wurde dem engliſchen Miniſterpräſidenten ein
begeiſter=
ter Empfang bereitet.
Als amerikaniſche Delegierte für die
bevor=
ſtehende Fünfmächte=Seeabrüſtungskonferenz in
London ſind nach einer Mitteilung des Staatsſekretärs Stimſon
die Senatoren Reed und Robinſon ernannt worden. Beide
Sena=
toren haben die Ernennung angenommen.
Der auſtraliſche Premierminiſter Bruce, der
Führer der bei den letzten Wahlen geſchlagenen
nationaliſtiſch=
agrariſchen Koalition, hat dem Generalgouverneur ſeine
Demiſ=
ion überreicht. Der Führer der Arbeiterpartei
Scullin wurde, wie erwartet, mit der
Kabinettsbil=
dung beauftragt.
Angeſichts der heftigen Oppoſition gegen die
zehn=
prozentige Gehaltskürzung ſämtlicher
Zivil=
beamten in Japan, die ein monatliches Einkommen von
über 10 Pfund Sterling haben, hat die Regierung beſchloſſen, dieſe
Verfügung zurückzuziehen.
Die japaniſche Botſchaft in Paris kündigt offiziell an, daß die
japaniſche Delegation für die Londoner Konferenz ſich einige Tage
in Waſhington aufhalten und längere Unterredungen mit dem
Präſidenten Hoover und dem Staatsſekretär Stimſon haben werde.
Gegenſtand dieſer Beſprechungen werde die U=Boot=Frage ſein,
Japan wolle, ſowie Frankreich und Italien, das
U=Boot als Waffe beibehalten.
leidstelegramm des Deutſchen Evangeliſchen Kirchenausſchuſſes an
die Reichsregierung hebt gerade dieſe Seite ſeines Wirkens
her=
vor, indem es dankbar zum Ausdruck bringt, daß Dr. Streſemann
„die kirchliche Arbeit im Ausland mit warmem Herzen und
weit=
blickendem Verſtändnis allezeit tatkräftig gefördert hat”,
Aber über die ſachlichen Beziehungen hinaus fühlte ſich Dr.
Streſemann der evangeliſchen Kirche perſönlich verbunden. Er
hörte gerne Erörterungen über kirchliche Fragen. Im Chriſtentum
erblickte er einen integrierenden Beſtandteil der deutſchen Kultur,
dem er ſeine zentrale Stellung im deutſchen Geiſtesleben erhalten
wiſſen wollte. Das Lied „Harre, meine Seele”, das auf dem
Friedhof von Mitgliedern der Staatsoper geſungen wurde, hat der
Heimgegangene ſelbſt beſtimmt.
Die Volksparkei beräf.
* Berlin, 21. Oktober. (Priv.=Tel.)
Der Parteivorſtand der Deutſchen Volkspartei hat am
Mon=
tag in Berlin beraten. Zu Beſchlüſſen iſt es indeſſen noch nicht
gekommen. Er beſchränkte ſich darauf, die geſamte politiſche Lage
zu beſprechen, wobei begreiflicherweiſe das Stahlhelmverbot,
Be=
amtenmaßregelungen und das Volksbegehren im Vordergrund
ſtanden. Es handelte ſich aber mehr um eine orientierende und
informierende Unterhaltung, da man mit der Feſtlegung bis zur
Geſundung des Fraktionsführers Dr. Scholz warten will, deſſen
vollſtändige Heilung nach der letzten Mitteilung der Aerzte in
etwa 3—4 Wochen zu erwarten iſt. Am kommenden Montag
tritt die Reichstagsfraktion zuſammen.
Die Skimme des Volkes.
Hugenberg wird ſein Ziel nichk erreichen.
* Berlin, 21. Oktober. (Priv.=Tel.)
Beinahe die Hälfte der Friſt zur Einzeichnung für das
Volksbegehren iſt vorüber. Der Reichsausſchuß erklärt in ſeinen
offiziellen Mitteilungen, daß er von dem bisherigen Ergebnis
voll befriedigt iſt, aber es kann kein Zweifel darüber beſtehen,
daß man ganz andere Stimmenzahlen erwartet hat, als ſie
bis=
her eingelaufen ſind. Ergebniſſe liegen ja eigentlich nur aus
Großſtädten vor, aber auch da ſind bisher durchſchnittlich mehr
als 2 bis 3 Prozent der Stimmberechtigten nicht eingetragen
gegenüber den 10 Prozent, die erwartet wurden. Zum Teil iſt
dieſer Prozentſatz noch nicht einmal erreicht worden. Das läßt
ſich natürlich in der kommenden Woche noch ausgleichen. Es iſt
aber zu bedenken, daß die Großſtadt diesmal nicht entſcheidet,
daß vielmehr die ausſchlaggebende Bedeutung das flache Land
geben wird, das Millionen Stimmen bringen kann und leicht
imſtande wäre, das Verſagen der Großſtädte wettzumachen. Aber
ſicher iſt das keineswegs. Im allgemeinen herrſcht jedenfalls der
Eindruck vor, daß die Stimenzahl, wie ſie bei der letzten
Reichstagswahl von den Deutſchnationalen erreicht wurde,
dies=
mal nicht erzielt wird. Es ſind ſogar Zweifel berechtigt, ob die
notwendigen 4,1 Millionen Stimmen tatſächlich aufgebracht
wer=
den, was urſprünglich für eine Leichtigkeit und
Selbſwerſtänd=
lichkeit gehalten wurde, da die hinter dem Volksbegehren
ſtehen=
den Parteien bei den letzten Wahlen 7 Millionen Stimmen
er=
halten hatten und auf ſtarken Zuzug aus dem Stahlhelm
rech=
neten. Die große Begeiſterung, auf die ſie ſich glaubten ſtützen
zu können, iſt ausgeblieben, und der geſunde Menſchenverſtand
ſcheint doch weiter verbreitet zu ſein, als ſie glaubten.
Der Skand der Einkragungen zum Bolksbegehten
in Berliu.
Wie vom Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitgeteilt wird,
ſind am Sonntag in der Reichshauptſtadt insgeſamt 25 834
Ein=
tragungen für das Volksbegehren erfolgt. Es iſt intereſſant,
zum Vergleich die Zahlen heranzuziehen, die bei den beiden
vorausgegangenen Volksbegehren am erſten Sonntag nach
Er=
öffnung der Eintragungen feſtgeſtellt worden ſind. Bei dem
Volksbegehren gegen den Panzerkreuzer „A” wurden am erſten
Sonntag 37 083 und beim Volksbegehren gegen die
Fürſten=
abfindung am erſten Sonntag 164 952 Eintragungen in die Liſte
vorgenommen. Insgeſamt ſind bis jetzt in Berlin 93 829
Stim=
men für das Volksbegehren abgegeben worden. Das beſagt,
daß an fünf Tagen nicht die Stimmenzahl erreicht wurde, die
beim Volksbegehren gegen die Fürſtenabfindung an einem
ein=
zigen Tage verzeichnet worden iſt. Es iſt natürlich verfrüht, jetzt
ſchon Vorausſagen über den Ausgang des Volksbegehrens gegen
den Youngplan zu machen. Das verhältnismäßig geringe
Ein=
zeichnungsergebnis vom Sonntag hat in den Kreiſen der
An=
hänger des Volksbegehrens ziemlich enttäuſcht.
Senſakionelle Abberufung der ikalieniſchen Botſchaft
in Berlin.
* Berlin, 21. Oktober. (Priv.=Tel.)
In Berlin geht ſeit einigen Tagen das Gerücht, daß der
italieniſche Botſchafter einſchließlich des geſamten Perſonals
An=
weiſung erhalten haben ſoll, unverzüglich nach Rom
zurückzu=
kehren. Muſſolini ſelbſt ſoll dieſe Anordnung getroffen haben.
Als Urſache für dieſe aufſehenerregende Maßregel wird
ange=
geben, daß ein wichtiger Chiffrierſchlüſſel aus dem Geheimſchrank
der Botſchaft verſchwunden ſein ſoll. Nach unſeren
Informa=
tionen iſt es richtig, daß eine perſonelle Umgruppierung durch die
römiſche Regierung in Ausſicht genommen iſt. Wahrſcheinlich
wird binnen kurzem das Perſonal vom Botſchaftsrat bis zum
letzten Diener nach Italien abreiſen. An dem Botſchafter ſelbſt
iſt nach den bei der Botſchaft vorliegenden Informationen eine
Anweiſung, ſeinen Berliner Poſten aufzugeben, noch nicht
er=
gangen. Der Botſchafter ſelbſt befindet ſich ſeit geraumer Zeit in
Rom auf Urlaub. Es ſcheint aber, als ob auch er einen
Nach=
folger erhält. Ueber die Gründe der Auswechſlung der Botſchaft
ſchweigt man ſich aus. Es ſieht aber ſo aus, als ob tatſächlich
etwas paſſiert iſt, was Muſſolini veranlaßt, mit aller Strenge
durchzugreifen und alle Angehörigen der Botſchaft nach Italien
zurückzuberufen.
* Die Gedächtnis-Ausſtellung Profefſor
N
Alörer Harimkan,
die der Kunſtverein für den vor etwa Jahresfriſt verſtorbenen
Künſtler veranſtaltet, wurde am Sonntag vormittag in der
Kunſthalle am Rheintor eröffnet. Der Einladung des
Kunſtver=
eins hatte das künſtleriſch und geiſtig eingeſtellte Darmſtadt ſo
zahlreich Folge geleiſtet, daß die Räume der Kunſthalle einen
Beſuch aufwieſen, wie ſeit Jahren nicht mehr.
Ueber die Ausſtellung, die ungemein reichhaltig iſt und den
Künſtler als ganz univerſelle Begabung zeigt, während dem
großen Publikum bisher faſt ausſchließlich ſeine Aquarelle
be=
kannt waren, herrſchte bei den zahlreichen Beſuchern nur eine
Stimme herzlicher Anerkennung der geſunden, klaren, wenn auch
akademiſchen Kunſt.
Der verſtorbene Künſtler hat über 20 Jahre dem Vorſtand
des Kunſtvereins für Heſſen angehört. Trotzdem war es auch
für ſeine näheren Freunde überraſchend, welche Fülle von
Wer=
ken aus den verſchiedenſten Gebieten der Kunſt, richtiger „
Kunſt=
technik”, er hinterlaſſen hat. Auf allen Ausſtellungen in den
letzten Jahrzehnten, auf denen Profeſſor Albert Hartmann
ver=
treten war, ſah man faſt ausſchließlich ſeine ſo wundervoll
ſau=
ber gemalten und zeichneriſch meiſterhaft durchgebildeten
Aqua=
relle. In dieſer Gedächtnisausſtellung ſehen wir neben, den
Aquarellen, die ſelbſtverſtändlich den weiteſten Raum einnehmen,
eine große Anzahl Oelgemälde, in erſter Linie ſehr fein
charak=
teriſierend gemalte Porträts, ferner Lithographien, Holzſchnitte,
Radierungen, Zeichnungen, Paſtellbildniſſe uſw uſw.
Wenn man an Hand dieſer Gedächtnisausſtellung den Weg
beobachtet, den Albert Hartmann als Künſtler gegangen, ſo
er=
gibt ſich eine einzige, unbeirrbare klare Linie. Sein erſtes
Aqua=
rell, eine aquarellierte Zeichnung, die er mit 15 Jahren
fer=
tigte, iſt ausgeſtellt. Schon in dieſer frühen Jugendarbeit, die
gewiß kein großes Kunſtwerk iſt, iſt aber das Streng=Sachliche,
dabei fein Maleriſche, bei aller Naturtreue Poeſieüberhauchte,
ſchon zu ſehen. In dieſem Anfang beginnend, geht die lichte
Klarheit, die Liebe zur Sonne, zur ſonnigen Farbigkeit, die Liebe
zu den intimſten Einzelheiten deſſen, was das Künſtlerauge
er=
ſchaut, durch das ganze Schaffen Albert Hartmanns. Mag man
das immerhin akademiſch nennen, mag man Albert Hartmann
als zur „alten Schule” gehörend bezeichnen, er war doch eine
ganze und große Künſtlernatur. Er verſtand es wie wenige, die
Aquarellfarbe, die er in ſeinem künſtleriſchen Schaffen wohl am
meiſten geliebt, nebeneinander zu ſetzen, wo es irgend angängig
war, auf die Miſchwirkung des Ineinanderlaufens zu verzich=
ten, und dabei doch auch ſeinen Aquarellfarben eine Leuchtkraft
zu geben, die vielfach zwingend wirkt.
Und wie er einige ſeiner Aquarelle mit lichtem Dunſt
über=
zog, durch den die bunte Farbigkeit nur matt aufleuchtet, ſo iſt
die große Mehrzahl der Blätter, die die Ausſtellung zeigt, von
einer bewundernswerten Sauberkeit in der Farbgebung, von
ebenſo bewundernswerter Sicherheit in der Zeichnung, in der
peinlich liebevollen Erfaſſung von tauſend Einzelheiten, über
die der moderne Maler heute hinwegſieht, weil ſie ihm im
Ge=
ſamtſchauen des Bildes unwert dünken. Und ebenſo
bewun=
dernswert iſt das ſichere Gefühl, der reife Blick für den
wirkungs=
vollen Bildausſchnitt. Da iſt auch kein Werk in dieſer Kollektion,
das irgendwie inhaltlich auseinanderfällt, das nicht wie eine
ge=
ſchloſſene Vollendung oder abgerundete Geſchloſſenheit wirkt,
obwohl viele Abſchnitte ſo gewählt ſind, daß Randdarſtellungen
nur teilweiſe noch zur Durchbildung gelangen.
Daneben bewundern wir die Vielſeitigkeit und die
Verſchie=
denartigkeit der Vorwürfe, die Albert Hartmann zu maleriſcher
Betätigung reizten. Er fand für ſeine Farbenfreude, für den
künſtleriſchen Ausdruck ſeiner Liebe zur Natur und zu Dingen
von Menſchenhand, die ſich irgendwie in Schönheit äußern,
überall dankbare Objekte. Die Landſchaften und Straßenbilder
aus der engeren Heimat, deren Schönheit mehr oder weniger
hart und herb iſt, gaben dem Künſtler ebenſoviel und ebenſo
dankbar Genommenes, wie die weiche Schönheit des
ſonnen=
durchfluteten Landſchaftsbildes im Süden, etwa die
Jugend=
arbeiten aus Aegypten, oder aber auch die reifen Bilder aus der
Zeit, da er am Gardaſee malte oder Studienreiſen durch die
engere Heimat, dann auch in Tirol und vor allem im
Franken=
lande mit ſeinen idylliſchen Städten und Dörfern machte. Und
wie die Gegend, zeigte auch die Jahreszeit dem Künſtler immer
wieder die letzte Offenbarung ihrer Schönheit. Er malte im
Frühling und im Herbſt, verſtand Morgen= und
Abendſtimmun=
gen künſtleriſch zu geſtalten, nur der kalte, unfreundliche Winter
lag ihm ſcheinbar nicht. Die idylliſche Schönheit von
Walden=
burg in Württemberg hat er in mehreren ganz reifen, ganz groß
geſehenen Aquarellen feſtgehalten.
In dem Raum vor dem großen Oberlichtſaal ſind in erſter
Linie die Bildniſſe in Oel und einige Landſchaften placiert. Die
Porträts ſind in Anlehnung etwa an Lenbach, einige erinnern an
noch größere Meiſter, durchaus naturaliſtiſch geſehen, und ſind
ein ebenſo naturaliſtiſches Feſthalten der dargeſtellten
Men=
ſchen. Trotzdem fand Hartmanns reife Kunſt die Möglichkeit
auch in dieſer Malweiſe die Perſönlichkeit zu
charakteri=
ſieren. Die Mutter des Künſtlers und einige andere Bildniſſe ſind
Muſterbeiſpiele hierfür.
In den übrigen Räumen hängen zahlreiche Blätter, von
denen die Herkunft aus der Hand Albert Hartmanns für viele
geradezu überraſchend wirkt. Immenſer Fleiß und das Streben,
von innen heraus gefühlt, Beſtes zu geben, ſpricht aus der
gro=
ßen Mehrzahl aller Werke der Kollektion. Sehr beachtenswert
ſind auch ſeine Holzſchnitt= und Lithographieverſuche. Von ſtark
illuſtrativer Wirkung viele Radierungen, beſonders die Exlibris,
Wer aber ſich am Schluß des Rundgangs in die wundervollen,
feinen Bleiſtiftzeichnungen im letzten kleinen Raum vertieft, dem
wird der beſte Kern, das tiefinnerſte Weſen des Menſchen und des
Malers Albert Hartmann, überzeugend aufgehen.
Konzeri.
Zum Beſten der Nothilfe der Lukasgemeinde fand geſtern
abend im Gemeindehaus eine muſikaliſche Veranſtaltung ſtatt,
die gut beſucht war und dieſen Beſuch wegen der Gediegenheit
der Darbietungen auch vollauf verdiente. Max
Budden=
hagen (Drumms Quartettgenoſſe) und Carl Dietrich hatten
chon im letzten Jahre den Hörern im Gemeindehaus ſo zu
Dank muſiziert, daß ſie auch dieſes Jahr verpflichtet wurden,
und auch dieſes Jahr blieb Dank und Beifall nicht aus.
Budden=
hagen iſt ein vornehm=ſachlicher Geiger; alles Techniſche und
Tonliche ſitzt tadellos; ſo gelang ſchon die erſte Nummer, Griegs
Sonate in C=Moll, ihm und ſeinem gleichgearteten Begleiter
Carl Dietrich ausgezeichnet; das dankbare, beiden Spielern
Gleichwertiges zuteilende Werk iſt, namentlich im letzten, famos
klingenden Allegro animato, beſter Grieg; die Hörer fühlten das
auch und ſpendeten Werk und Aufführung viel Beifall. Nicht
minder gefielen — und mit Recht — die ſoliſtiſchen Darbietungen
von Dietrich; Mozarts D=Moll=Fantaſie und Eccoſaiſe von
Beet=
hoven zeigten den ſympathiſchen Künſtler in ſtetem und
erfolg=
reichem Vorwärtsſtreben, techniſch und klanglich. Buddenhagen
holte ſich dann mit zwei kleinen Salonſtücken, Andante von
Mar=
tini=Kreisler und Rigaudon von Fraucveur=Kreisler einen
Spezialerfolg, der ihm eine Zugabe abverlangte: Ave Maria von
Schubert=Wilhelmi.
Die Dritte im Bunde war Frl. Maria Kienzl vom
Lan=
destheater, für deren namentlich in der Höhe prachtvoll füllige
Stimme der Saal faſt zu klein war. Von den drei Brahms=
Liedern gelangen beſonders gut „O wüßt ich doch den Weg
zurück” und „Nachtigall”, während das „Vergebliche Ständchen”
ein klein wenig zu robuſt ausfiel. Es war dies Lied zu ſehr
auf „Stimme” geſtellt; daß Frl. Kienzl weich und zart zu ſingen
verſteht, bewies ſpäter die „Liebesbotſchaft” deren Stimmung
ſie voll auszuſchöpfen verſtand; ſieghaft klang dann die Stimme
im „Unendlichen‟ Ein weiteres Schubert=Lied, „Geheimnis”
dankte für den allgemeinen Beifall und die Blumenſpenden, die
auch die beiden Herren für ihre künſtleriſchen Darbietungen
en=
hielten.
9.
Nummer 293
Senalserſakwahlen in Frankreich.
Keine merkliche Aenderung in der Zuſammenſehung
des Henals.
EP. Paris, 21. Oktober.
Heute morgen liegen 94 Ergebniſſe der geſtrigen
Senats=
wahlen vor. Es fehlen nur noch zwei Ergebniſſe aus den
Kolo=
nien. Die 96 gewahlten Senatoren gehören nach dem „Journal”
folgenden Parteien an: Republikaner (Gruppe Marin) 17 (18),
Linksrepublitaner 11 (18), Radikate 18 (14), Raditale Sozialiſten
35 (32), Republitaniſche Sozialiſten 12 (12), Sozialiſten 3 (2),
Kommuniſten 0 (0).
Eine merkliche Aenderung in der Zuſammenſetzung des
Se=
nats iſt alſo nicht eingetreten. Die Radikalen, Radikalſozialiſten
und Republikaniſchen Sozialiſten gehören im Senat einer
einzi=
gen Gruppe, nämlich der demokratiſchen Linken an, die 7 Sitze
gewonnen hat. Die Linksrepublikaner verlieren 7 Sitze.
Außer=
dem haben die Sozialiſten einen Sitz erobert und die Gruppe
Mavin einen verloren.
Die Niederlage des autonomiſtiſchen Pfarrers. Haegy im
Elſaß wurde dadurch möglich, daß die Sozialiſten geſchloſſen für
den national=katholiſchen Kandidaten Pfleger ſümmten.
Unter den Gewählten, ſind an bekannten Perſönlichkeiten:
Finanzminiſter Chéron, Senatspräſident Doumer, deſſen
Wieder=
wahl gefährdet war, Henry de Jouvenel, Lucien Hubert (
Vor=
ſitzender des Senatsausſchuſſes für auswärtige Angelegenheiten)
de Luberdac, Albert Sarraut, Maurice Sarraut, Marcel
Plai=
ſant (franzöſiſcher Völkerbundsdelegierter), ſowie der franzöſiſche
Delegierte bei der Reparationskommiſſion, Chapſal, und der
ehe=
malige Innenminiſter Schrameck.
Von bekannteren Senatoren ſind bei den geſtrigen
Senats=
erneuerungswahlen nicht wiedergewählt worden der ehemalige
Miniſterpräſident Marſa= und der ehemalige Handelsminiſter
Raiberti ſowie der Bürgermeiſter von Marſeille, der
unabhän=
gige Sozialiſt Flaſiſſieres, und der der Fraktion Poincaré
ange=
hörende Senator Peres, der im Prozeß Caillaux vor dem Senat
für eine Verurteilung Caillaux” energiſch eintrat.
Von bekannteren Abgeordneten treten auf Grund der
geſt=
rigen Wahlen in den Senat ein die Rechtradikalen Le Trocquer
und Landry und die Sozial=Republikaner Violette und Paul
Laffont.
Die Pariſer Preſſe hebt in ihren Kommentaren zu den
Senatswahlen allgemein hervor, daß die politiſche
Zuſammen=
ſetzung des Senats nicht geändert werde, wenn auch ein leichter
Ruck nach links feſtzuſtellen ſei. Das „Oeuvre” beziffert den
Ge=
inn der Linken auf etwa 10 Sitze und unterſtreicht beſonders
die Tatſache, daß einige der bekannteſten Reaktionäre auf dem
Kampfplatze geblieben ſeien. Das „Echo de Paris” behauptet
da=
gegen, die nationalen Parteien hätten ihre Stellung reſtlos
ge=
halten, wenn auch die Niederlage gewiſſer politiſcher Führer der
Rechten zu beklagen ſei.
Von allen Blättern ohne Ausnahme wird es mit Jubel
be=
grüßt, daß der Pfarrer Haegy bei den Wahlen unterlegem iſt,
was als eine direkte Niederlage des Autonomismus bewertet
wird. Die Sozialiſten, die durch ihre Stimmabgabe für den
national=katholiſchen Kandidaten Pfleger deſſen Sieg ermöglicht
haben, werden für ahre „nationale Diſziplin” gelobt.
Die Niederlage des ehemaligen Reichstagsabgeordneten
Haegy, ſo ſchreibt der „Petit Pariſien” werde ein hiſtoriſches
Datum für das Elſaß und ganz Frankreich ſein.
Die politiſche Lage in Frankreich.
EP. Paris, 21. Oktober.
Nach beinahe dreimonatigen Ferien tritt am Dienstag das
Parlament wieder zuſammen. In der Kammer, die unverzüglich
in die Beratung des Budgets für 1930 eintreten wird, dürfte es
zu einigen Scharmützeln um die von den
Linkspar=
teien geforderten Steuerermäßigungen kommen,
ohne daß aber mit ernſten Schwierigkeiten zu rechnen iſt.
Der gegenwärtig noch beſtehende Konflikt zwiſchen
dem Finanzminiſter und der
Finanzkommiſ=
ſion, die die von der Regierung bewilligte Steuerermäßigung
um 1,5 bis 1,6 Milliarden Franken erhöht hat, wird
höchſtwahr=
ſcheinlich, wie meiſt in ſolchen Fällen, durch ein Kompromiß
bei=
gelegt werden. Mit allgemeiner Spannung ſieht man dagegen
der großen außenpolitiſchen Ausſprache entgegen, die
vorausſicht=
lich Mitte November einſetzen wird.
Als die Kammer am 31. Juli der jetzigen Regierung Briand,
dem „Kabinett Poincaré ohne Poincaré” ein Vertrauensvotum
erteilte, geſchah dies in der Ueberzeugung, daß dieſes Miniſte=
* Zum 70.Geburkskag von Dr. Carl Muck
Von Konzertmeiſter Georg Schmidt, Schweinfurt a. M.
Dr. Carl Muck, den Darmſtadt mit Stolz und Freude als
großen Sohn heute herzlich begrüßt, iſt ſeit Jahren als eine der
markanteſten Künſtlererſcheinungen ſowie als einer der
hervor=
ragendſten Meiſterdirigenten von internationalem Ruf bekannt,
auch in unſerer Stadt, die ihn wiederholt als geiſtvollen Leiter
großer Sinfonie= und Opernwerke bewundern konnte. Als
treuer Hüter der Traditionen des Haufes Wahnfried waltet er
in Bayreuth mit ſeiner aus tiefſtem Herzensgrunde quellenden
Begeiſterung. Muſtergültig, unanfechtbar und unerreichbar ſteht
er feſt als Meiſterinterpret vor den Augen der geſamten
Kunſt=
welt. Es dürfte daher von Intereſſe ſein, über den Werdegang
unſeres großen Landsmannes Näheres zu erfahren. Seine
Eltern ſiedelten von hier nach Würzburg über, woſelbſt ſein
Vater, ein hochangeſehener Juriſt und Advokat, als
Muſiklieb=
haber eifrige Studien in Theorie, Kompoſition und auf dem
Klavier betrieb. Er ſchrieb mehrere Chor= und
Kammermuſik=
werke, ſogar einige Opern. Der rege Muſikſinn ſeines Sohnes
Carl wurde dadurch frühzeitig geweckt, und er genoß in ſeiner
Jugend ausgezeichneten Klavierunterricht. Zu Oſtern 1878 trat
er als Schüler in das Leipziger Konſervatorium ein, und
er=
regte bald die Aufmerkſamkeit des ganzen Profeſſorenkollegiums
durch ſein großes Talent und ſeine enormen Fortſchritte im
Klavierſpiel. Da ich ſelbſt in Leipzig von 1879—1883 Violine bei
den Profeſſoren Henry Schradieck und Friedrich Hermann
ſtu=
dierte, war ich ſehr oft Zeuge der ſtaunenswerten Leiſtungen
Mucks. Er konnte ſchon im Dezember 1879 als feinſinniger Be=
Begleiter der Geſangvorträge von Frau Amalie Joachim, der
Gattin des genialen Violinheros, bei einem Kammermuſikabend
im Gewandhaus mitwirken. Am 19. Februar 1880 erzielte er
einen durchſchlagenden Erfolg mit dem vollendeten Vortrag des
Klabierkonzertes in B=Moll von Xaver Scharwenka, ſowie mit
dem Präludium und Fuge in G=Moll von J. S. Bach im großen
Gewandhauskonzert, in welchem auch der Meiſterſänger Eugen
Bura aus München auftrat und die Zuhörer begeiſterte. Den
Unermüdlichen Fleiß und die eiſerne Energie Mucks beim
Stu=
dium der ſchwierigſten Pianowerke, ſowohl der klaſſiſchen
Sonaten, wie auch der virtuoſen Kompoſitionen eines Henſelt,
ehobin, Rubinſtein, Liſzt und anderer Koryphäen zeitigten
die herrlichſten Früchte. Sein fabelhaftes Gedächtnis verhalfen
Iym dazu, daß er faſt alle Solis auswendig zu Gehör brachte.
Schon damals begann er ſein Augenmerk auf das Partiturſpiel
zu richten und vertiefte ſich ſpäter immer mehr als perfekter
Kontrapunktiker in die Geheimniſſe der Oratorien, Sinfonien
und Obern. Durch einflußreiche Gönner erhielt er ſeine erſte
Stellung als Theaterkapellmeiſter in Salzburg, 1 Jahr ſpäter
Dienstag, den 22 Oktober 1929
rium lediglich die Verhandlungen im Haag führen und bei
Wie=
dereröffnung der Tagung ſich erneut vor dem Parlament
prä=
ſentieren werde. Heute hat es jedoch nicht den Anſchein, als ob
das Kabinett Briand ſeine Demiſſion anbieten wollte.
Herriok unkerſtühlt die Polikik Briands.
In Lyon hielt am Sonntag Herriot in einer Radikalen=
Ver=
ſammlung eine Rede, in der er die politiſche Lage vor dem
Zu=
ſammentritt der Kammer darlegte. Man ſehe ſich der
merk=
würdigen Tatſache gegenüber, daß die Außenpolitik des
Miniſter=
präſidenten von einem Kabinett und einer Mehrheit unterſtützt
werde, die ihn ſeinerzeit bekämpft hätte, als er und ſeine
poli=
tiſchen Freunde die gleiche politiſche Linie verfolgten. Herriot
bemühte ſich, die damals gegen das Londoner Abkommen und
den Dawesplan erhobenen Vorwürfe zu entkräften und fügte zu
dieſem Zwecke an, der Dawesplan habe Frankreich in 5 Jahren
über 4 Milliarden Goldmark, d. h. rund 25 Milliarden Franken
eingebracht. Dieſes Ergebnis ſei erzielt worden, ohne die Sache
Seite 3
des Friedens zu ſchädigen. Vielmehr ſeien ſogar die
Beziehun=
gen zu den ehemaligen Feinden verbeſſert und der Friede ſei
gefeſtigt worden. Herriot ſprach ſich dann für Briands Plan der
Vereinigten Staaten von Europa aus und erklärte, die Radikale
Partei werde dieſe Politik nach innen und außen fortſetzen.
Bolſchafter v. Hoeſch bei Briand.
EP. Paris, 21. Oktober.
Der deutſche Botſchafter von Hoeſch, der heute früh von
ſei=
nem Urlaub zurückgekehrt iſt, hatte heute nachmittag eine
ein=
ſtündige Unterhaltung mit dem franzöſiſchen Miniſterpräſidenten
Briand. Der Botſchafter brachte zunächſt den Dank der
deut=
ſchen Regierung für die Beileidsbezeugungen anläßlich des
Todes des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann zum Ausdruck.
Im übrigen bezog ſich die Unterhaltung auf den Stand und die
Weiterführung der Arbeiten der durch die Haager Konferenz
eingeſetzten Ausſchüſſe.
Die Schweden=Anleihe abgeſchloſſen.
Anleihe auf Abruf.
5 Pfennig Preisaufſchlag auf das Paket Zündhölzer.
* Berlin, 21. Okt. (Priv.=Tel.)
Die Verhandlungen zwiſchen der Reichsregierung und dem
ſchwediſchen Zündholztruſt ſind am Montag inſoweit zum
Ab=
ſchluß gebracht worden, daß die vorläufigen Abmachungen
para=
phiert werden, während der offizielle Abſchluß erſt in den
näch=
ſten Tagen erfolgt. Damit iſt tatſächlich eine Einigung ſchon
erzielt, die nach dem Stand der Verhandlungen in der vorigen
Woche zu erwarten war. Die Anleihe und ihre direkte
Verzin=
ſung waren ja nicht mehr ſtrittig. Der Kampf ging nur noch
um die mittelbaren Vorteile, die der Schwedentruſt aus dem
Verkaufsmonopol erzielen wollte. Er hatte urſprünglich
ver=
langt, die Verkaufspreiſe um 10 Pf., von 25 Pf. auf 35 Pf. für
das Paket zu 10 Schachteln Streichhölzer, zu erhöhen. Daran
wollte der Reichsfinanzminiſter aus Angſt vor ſeinen
ſozialdemo=
kratiſchen Parteifreunden nicht heran. Er hofft, mit einer
Er=
höhung von 5 Pf. auszukommen, die ſchlüſſelmäßig zwiſchen
dem Reich und den Zündholzintereſſenten aufgeteilt werden ſoll,
ſo daß dem Reich ein beſcheidener Gewinn zufallen würde, der
bei dem allgemeinen Finanzbedürſnis in ſeiner ganzen Löſung
nicht ins Gewicht fällt, aber doch die effektive Verzinſung der
Anleihe herunterdrücken könnte. Angeboten iſt dem Reich eine
Anleihe von 500 Millionen Goldmark mit 6prozentiger
Verzin=
ſung, auszahlbar zu 93 Prozent. Die Verzinſung würde alſo
zwiſchen 7 und 7½ Prozent liegen. Das iſt wohl erheblich
billi=
ger, als das Reich heute an anderer Stelle Geld bekommen
könnte. Es iſt aber feſtzuhalten, daß die Anleihe nicht ſofort
be=
geben werden ſoll. Der Finanzminiſter will die Anleihe
viel=
mehr in den großen Topf der allgemeinen Finanzreform
wer=
fen, um einen Ausgleichsfonds zu haben bei den
Steuerſenkun=
gen. Wahrſcheinlich werden aber auch die Schweden an das
Ge=
ſchäft erſt herangehen, wenn der Youngplan ratifiziert iſt. Die
Anleihe würde alſo früheſtens im zweiten Vierteljahr des
näch=
ſten Jahres zur Verfügung ſtehen. Wenn auch die kurzfriſtige
Verſchuldung des Reiches zirka 1 Milliarde Mark beträgt, ſo
ließe ſie ſich doch durch die Anleihe auf etwa die Hälfte
halbie=
ren. Der Nachteil der Anleihe liegt aber in den
ſtimmungsmäßi=
gen Bedenken gegen eine Vergebung eines
ſtaatlichen Hoheitsrechtes an einen
ausländi=
ſchen Konzern, liegt aber auch darin, daß dieſe Anleihe
dem deutſchen Kreditbedürfnis noch angerechnet wird, wenn das
Reich ſelbſt an den ausländiſchen Geldmarkt herangeht. Deshalb
wird die Durchbringung der Vorlage im Reichstag nicht ganz
leicht ſein.
Eine Erklärung des ſchwediſchen Zündholzkrufts
Zum Zündholzmongpol.
Stockholm, 21. Oktober.
Die Direktion des ſchwediſchen Zündholztruſtes gibt folgende
offizielle Mitteilung heraus: „Ein endgültiger Vertrag iſt am
Samstag abgeſchloſſen worden zwiſchen der deutſchen
Reichs=
regierung und der ſchwediſchen Zündholzgeſellſchaft, ſowie der
Firma N. V. Finanzielle Maatſchappif Kreuger und Toll, wo=
durch das Monopolrecht für Deutſchland für Verkauf, Ausfuhr
und Einfuhr von Streichhölzern der deutſchen Zündholz A.=G.
überlaſſen wird, die vorausſichtlich ſpäter infolge der Transaktion
ihren Namen ändern wird. Die Zeit für die Ueberlaſſung des
Monopols iſt feſtgeſtellt worden auf wenigſtens 32 Jahre und
höchſtens 50 Jahre, abhängig von dem Zeitpunkt für die
Rück=
bezahlung des in Verbindung mit der Transaktion der deutſchen
Regierung gewährten Darlehns. Während der Vertragszeit
dürfen keine neue Zündholzfabriken in Deutſchland angelegt
wer=
den. Die Hälfte der Aktien in der Monopolgeſellſchaft ſollen
direkt oder indirekt von der ſchwediſchen Zündholz=Geſellſchaft
und der International Match Korporation und die andere Hälfte
der Aktien von den deutſchen Fabriken und der Reichskredit A.=G.
übernommen werden. Die Erzeugungsquoten für die
Zündholz=
fabriken ſind ſo feſtgeſetzt worden, daß die zu der ſchwediſchen
Zündholzgeſellſchaft gehörigen Fabriken 35 v. H. der
Zündholz=
erzeugung erhalten. Hinſichtlich der Preisfeſtſetzung für
Zünd=
hölzer ſoll der Einzelverkaufspreis von 25 auf 30 Pfg. je Paket
für 10 Schachteln erhöht werden. Beſonders ausführliche
Be=
ſtimmungen für die Preisfeſtſtellung ſind in dem Vertrag
auf=
genommen. Den Aktienbeſitzern der Monopolgeſellſchaft wird
zugeſichert eine feſte Dividende auf ihre Aktien in Höhe von
9 Prozent. Die Regierung ſoll 13 Reichsmark je Kiſte von 10000
Schachteln erhalten und der möglicherweiſe darüber
hinaus=
gehende Gewinn ſoll zu gleichen Teilen zwiſchen dem deutſchen
Staat und dem ſchwediſchen Intereſſenten verteilt werden. In
Verbindung mit dem jetzt abgeſchloſſenen Vertrag ſoll N. V.
Finanzielle Maatſchappif Kreuger und Toll dem deutſchen Staat
ein Darlehen von 125 Millionen Dollar auf eine Zeit von 50
Jahren geben zu einem Zinsfuß von 6 v. H. und zu 93 v. H.
Ausgabekurs, ſowie mit einem Konvertierungsrecht für den
deut=
ſchen Staat zu pari nach zehn Jahren. Das Darlehen ſoll in
zwei Teile geteilt werden, der eine zu 50 Millionem Dollar ſieben
Monate nach dem Inkrafttreten des Vertrages und der Reſt von
75 Millionen Dollar nach weiteren neun Monaten. Der Vertrag
ſoll vom Reichstag ratifiziert werden und iſt abhängig von der
Annahme des Youngplanes.
Die Ruſſen über den Abſchluß mit Krenger verärgerk.
Die Handelsvertretung der Sowjetunion in Berlin nimmt
jetzt zur Neuordnung der deutſchen Zündholzwirtſchaft Stellung.
Darin heißt es u. a.: „Bei den in Ausſicht genommenen
Maß=
nahmen händele es ſich nicht um irgendwie wefentliche deutſche
Wirtſchaftsintereſſen, ſondern um die Intereſſen eines
auslän=
diſchen Konzerns. Die Einfuhr aus der U. S. S.R. bedeute eine
wirtſchaftliche Kontrolle der monopoliſtiſchen Preispolitik des
deutſchen Zündholzſyndikates, an dem der Kreuger=Konzern
nominell mit 65 v. H., praktiſch aber weit mehr beteiligt iſt. Eine
Zündholzeinfuhr nach Deutſchland findet aus keinem anderen
Lande als aus der Sowjetunion ſtatt und darum ſtelle jede
Maßnahme, die die Einfuhr belaſte, einen feindlichen Akt gegen
die Ausfuhrintereſſen der U. S. S.R. dar. Da die
volkswirtſchaft=
lichen Intereſſen durch die Ausfuhr der Zündhölzer aus der
Sow=
jetunion nicht geſchädigt werden, müßten wir jede Maßnahmen
der deutſchen Regierung, in einer Einſchränkung der Ausfuhr
dahin bewerten, daß die deutſche Regierung mehr Rückſicht nimmt
auf die geſchäftlichen Intereſſen eines ausländiſchen
Privatkon=
zerns, als auf die Intereſſen des Handels zwiſchem Deutſchland
und der U. S. S. R.”
in Brünn, wo er überall geiſtige Anregung fand. Bald danach
erhielt er einen ehrenvollen Ruf an das Deutſche Landestheater
in Prag, der böhmiſchen Kunſtmetropole, wo regſtes Kunſtleben
herrſchte und Mucks glänzenden Eigenſchaften als Dirigent ins
hellſte Licht traten. Es begann ſein Aufſtieg, nur ungern ſah
man ihn aus Prag ſcheiden, doch ein ſehr vorteilhaftes Angebot
Generalmuſikdirektor Dr. Carl Muck.
führte ihn 1892 als Hofkapellmeiſter nach Berlin. Dort fand
er einige Rivalen im künſtleriſchen Wettſtreit, bald aber gewann
er infolge ſeiner rühmlichen Erfolge und ſeines vortrefflichen
Organiſationstalents die Oberhand, und unbekümmert trotz
manigfacher Hemmniſſe verfolgte er unentwegt ſein Ziel. Das
Ausland wurde auf ihn aufmerkſam, er wurde als Gaſtdirigent
nach Brüſſel berufen, wo er allſeitige Anerkennung fand, ebenſo
in Paris und Madrid. Allenthalben erregte es höchſte
Bewun=
derung, wie ſchnell er in kurzer Zeit durch ſeine Schlagfertigkeit
und ſeine Intelligenz den Kontakt herſtellte mit den fremden
Orcheſtern und neuen Bühnenverhältniſſen. Ein glänzender
Vertrag zog ihn nach Amerika als Leiter des berühmten, aus
108 Künſtlern beſtehenden Sinfonieorcheſters in Boſton, woſelbſt
vorher Arthur Nikiſch, Carl Gericke, Fiedler und nach ihm
Konſſewitzki erfolgreich als Dirigenten wirkten. Muck feierte drüben
Triumphe in allen Großſtädten. Zum größten Bedauern aller
Kunſtkreiſe wurde er während des Weltkrieges in einem Ge=
fangenenlager drüben interniert. Nach ſeiner Rückkehr aus
Amerika wirkte er wieder mit vollem Eifer in Bayreuth, wo er
von ſeinen Getreuen freudig begrüßt wurde. Während mehreren
Wintern nimmt er eine führende Stellung ein im Hamburger
Muſikleben als 1. Dirigent der großen philharmoniſchen Konzerte
und erntete auf ſeinen auswärtigen Gaſtſpielreiſen mit
genann=
tem Orcheſter reiche Lorbeeren, wie kürzlich wieder in
Kopen=
hagen. Er erfreut ſich trotz ſeiner 70 Jahre einer erſtaunlichen
Rüſtigkeit an Körper und Geiſt. An ſeinem Ehrentage wird die
geſamte Kunſtwelt des genialen Meiſters, von reinſten Idealen
beſeelten Künſtlers und edelgeſinnten Menſchen in Liebe,
Ver=
ehrung und Dankbarkeit gedenken.
Heſſiſches Landeskheaker.
Kleines Haus. — Montag, den 21. Oktober.
Sonatenabend.
Jedesmal, wenn Edmund Weyns, der junge, aus
Darm=
ſtadt ſtammende Violinkünſtler, ſeine Vaterſtadt wieder beſucht,
iſt man aufs neue erſtaunt über die raſche und ſichere
künſtle=
riſche Entwickelung dieſes bedeutſamen geigeriſchen Talentes.
Bewunderten wir in ihm vor Jahresfriſt den pirtuoſen Spieler,
ſo bewies er heute beim Vortrag edelſter Kammermuſik, wie
groß ſein Können und zugleich ſein, künſtleriſcher Ehrgeiz iſt.
Vor allem beſticht die imponierende Ruhe und geſchmeidige
Sicherheit ſeiner Bogenführung, der ſtets ſingende Klang, den
er ſeinem Inſtrument entlockt.
Jeanne Jaſpar, die hervorragende Pianiſtin, mit der
Weyns vorbildlich zuſammenwirkte, war ihrem Partner nicht
nur ebenbürtig, ſondern zuweilen in der Farbigkeit ihres
An=
ſchlages und der Fülle der Klangunterſchiede faſt überlegen.
Be=
wundernswert war die Reife, mit der ſie geſtaltete, und die ſtarke
Einfühlung. Wir hörten zuerſt die anmutige G=Dur=Sonate
von Beethoven aus dem Kaiſer Alexander I. gewidmeten
Opus 30. Hier gelangten Aufbau und Spiel der Themen in
vorzüglicher Klarheit zu Gehör. Den Höhepunkt des Abends
bildete die letzte der drei Violinſonaten von Brahms in D=Moll,
in deren herbe Größe ſich beide Künſtler ſtark verſenkt hatten.
Schließlich hörten wir die A=Dur=Sonate von Ceſar Franck, dem
feinſinnigen belgiſch=franzöſiſchen Romantiker, deſſen Schaffen
ſo eng verbunden mit deutſcher Kammermuſik und Orgelkunſt
iſt. Aus ihren großen Formen erwuchſen für beide Spieler überaus
dankbare Aufgaben, die in beſonders hervorzuhebender
Klang=
ſchönheit gelöſt wurden. Das Haus war gut beſucht, und der
geradezu begeiſterte Beifall entſprach durchaus der künſtleriſchen
E. N.
Höhe der Leiſtungen.
Seite 4
Dienstag, den 22. Oktober 1929
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Nummer 29.
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Todes=Anzeige.
Nach Gottes Ratſchluß verſchied heute morgen
6¾ Uhr nach ſchwerem Leiden und doch völlig
unerwartet meine liebe, treue Gattin, unſere
herzens=
gute, treuſorgende Mutter, Großmutter,
Schwieger=
mutter, Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau
Anne=Marie Lampert
geb. Sattler
im Alter von 58 Jahren.
Im Aamen der trauernden Hinterbliebenen:
Chriſtian Lampert.
Bickenbach, Pſungſtädterſtraße 2.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 24. Oktober,
nachmittags 2 Uhr ſtatt.
Statt Karten.
Nach Gottes unerforſchlichem Ratſchluß iſt meine
innigſi=
geliebte Frau, unſer herzensgutes Mütterchen
Frau Anna Schubert
geb. Burk
im Alter von 56 Jahren heimgegangen.
(16547
In tiefſter Trauer:
Georg Schubert
und Kinder
Pallaswieſenſtraße 4.
Wir bringen die Gute in aller Stille zur letzten Ruhe.
Von Beileidsbeſuchen und Blumenſpenden bitten wir abzuſehen.
Dankſagung.
Für die vielen Kranzſpenden und
Beileids=
bezeugungen die uns bei dem Hinſcheiden unſeres
lieben Entſchlafenen zu teil wurden, danken wir
herzlichſt. Beſonderen Dank Herrn Pfarrer
Zimmermann für die troſireichen Worte am
Grabe, dem Perſonal für den ehrenden Nachruf
und nicht zuletzt Frau Keil für Ihre aufopfernde,
liebevolle Pfiege
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ernſt Waſſer.
(16578
Ke
Steinpilze
kauft jedes Quantum
Faßbender, Ludwigſtr. 6.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Am 16. Oktober entſchlief ſanft nach arbeitsreichem
Leben unſere gute Mutter, Schwiegermutter und
Großmutter
Frau Kath. WeigelWwe.
geb. Münſtermann
im 63. Lebensjahr.
In tiefer Trauer:
Familie Karl Weigel
Familie Heinrich Weigel
Familie Georg Weigel.
„Darmſtadt, den 21. Oktober 1929.
Die Beiſetzung hat nach Wunſch der Entſchlafenen
in aller Stille ſtattgefunden.
Todes-Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen, unſere innigſtgeliebte,
herzensgute und ſtets treubeſorgte
Mutter und Großmutter, Frau
Me
Sufanne Lugner Bw.
geb. Müller
von uns in ein beſſeres Jenſeits
abzurufen.
Im Namen der
tieftrauernden Hinterbliebenen:
Luiſe Wagner Auguſte Bagner
Frau Marie Bagner WBw., geb. Büttner
und Kinder.
Darmſtadt, den 20. Oktober 1929.
(16559
Neue Niederſtr. 16.
Die Beerdigung findet Mittwoch,
23. Okt., nachm. ½3 Uhr, auf dem
Friedhof Nd.=Namſtäoterſtr. ſtatt
Dankſagung.
Für die aufrichtige Teilnahme, ſowie für
die zahlreichen Kranz=und Blumenſpenden
und allen denen, die unſerem
innigſt=
geliebten Vater
Adam Arnold
Wagnermeiſter
die letzte Ehre erwieſen haben, ſagen
wir auf dieſem Wege unſeren
herz=
lichſten Dank.
Die Kinder.
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Spielers von Oberroden auf der Rennbahn
Heidelbergerſtr., am Sonntug, den 20. 10.2
geſehen und den Täter namhaft macher
kann, wird dringend gebeten, ſich auf de
Geſchäftsſtelle d. 1. Fußball=Club „Union”
Darmſtadt, Ludwigshöhſtr. 35, zu melden
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Nummer 293
Olenstag, den 22. Oktober 1929
Seite 3
Aus der Landeshaupkfkadt.
Darmſtadt, 22. Oftober.
„Gules Licht gehörk zum Haushalt”.
„Um des Lichts geſell ge Flamme ſammeln ſich die Hausbewohner”,
Fgutet eine Stelle in dem Lied von der Glocke. Schiller ſchrieb es zu
Beginn des 19. Jahrhunderts nieder. Als Meiſter anſchaulicher
Wirk=
lichkeitsdarſtellung charakteriſiert er mit dieſen wenigen Worten den
damaligen Stand der Wohnungsbeleuchtung. Eine Leuchte mußte
genügen, in deren ſpärlichem Schein ſich des Abends die Familie
zu=
ſammenfand. Dieſes Bild blieb im Grunde genommen typiſch während
des ganzen 19. Jahrhunderts, denn die Petroleumlampe, die 1859 in
Aufnahme kam, war wohl heller als ihre Vorgängerin, die
Rüböl=
lampe, aber doch nicht ſo lichtſtark, um eine ausreichende
Allgemein=
beleuchtung zu geben. Auch ſie beherrſchte mit ihrem Schein immer nur
einen Tiſch, eine verhältnismäßig kleine Arbeitsfläche. Eine gute
Woh=
nungsbeleuchtung konnte man alſo nur durch eine größere Anzahl
von Petroleumlampen ſchaffen, aber wegen der ebenſo umſtändlichen
wie unerfreulichen Bedienung und Reinigung dieſer Lampe, mußte
man von ihrer Verwendung in ſolchem Maßſtabe abſehen, zumal dann
auch die Betriebskoſten ſich ſehr ſtark bemerkbar gemacht haben würden,
ganz abgeſehen von der geſundheitsſchädigenden Wirkung ſo vieler
luftverbrauchender Lichtquellen in einem Wohnraum. Das
Gasglüh=
licht, das um die Jahrhundertwende der lichthungrigen Menſchheit
be=
ſchert wurde, brachte wohl mehr Licht in die Wohnungen, ihm fehlte
gber die Beweglichkeit der Petroleumlampe, die eine Verwendung an
beliebiger Stelle ermöglichte. Erſt die heutige elektriſche Glühlampe
vereinigt in ſich die beiden Eigenſchaften, mit denen eine allen zu
ſtellenden Anforderungen entſprechende Wohnungsbeleuchtung geſchaffen
werden kann, nämlich beliebig hohe Lichtſtärke einerſeits und beliebig
weitgehende Unterterlungsmöglichkeit andererſeits.
Auf zwei Wegen kann man das Ziel einer guten
Wohnungsbe=
leuchtung erreichen. Das eine führt zur Anordnung weniger ſehr
licht=
ſtarker Lampen, die eine ſo helle Allgemeinbeleuchtung des Raumes
er=
geben, daß an jeder Stelle gute Beleuchtung herrſcht. Der andere führt
zur Verwndung mehrerer Einzellampen, von denen jede ihren
beſtimm=
ten Wirkungskreis hat.
Die beſte Löſung iſt eine Vereinigung beider Wege, alſo gute
All=
gemeinbeleuchtung des Raumes, ergänzt durch beſondere Beleuchtung
an einzelnen Stellen. Dieſe Ergänzung fällt nur weg in ſolchen
Näu=
men, die ausſchließlich Allgemeinbeleuchtung beanſpruchen.
Daß in der heutigen Zeit mit ihren Anſprüchen an die Kräfte des
einzelnen eine gute Wohnungsbeleuchtung unbedingt Notwendigkeit
iſt, ſteht außer Zweifel. Die elektriſche Glühlampe als ideale
Licht=
quelle vermag ſie zu ſchaffen, aber leider verſtehen es die meiſten nicht,
den richtigen Gebrauch davon zu machen, weil ſie nicht wiſſen, auf
welche Art und Weiſe man auch mit einfachen Mitteln den beſten
Er=
folg erhalten kann.
Heute, Dienstag, den 22. Oktober 1929, findet abends
8 Uhr, bei freiem Eintritt im ſtädt. Saalbau ein Vortrag von Herrn
Ingenieur Wild ſtatt über das Thema.
„Gute und zweckmäßige Beleuchtung im Haushalt,
die Forderung der Zeit”
Auf Grund anſchaulicher Lichtbilder ſoll vor Augen geführt
wer=
den, wie vielſeitig die elektriſche Beleuchtung gegenüber allen anderen
Beleuchtungsarten iſt, welche Bequemlichkeit ſie bietet, wie ſie rein
äußerlich die Wohnung verſchönt, wie ſie Behaglichkeit und
Häuslich=
keit erhöht. Der Vortrag ſoll zeigen, daß in vielen Fällen die
vor=
handene Beleuchtung unvollkommen iſt und ausgebaut werden muß.
Jeder wird ein Beiſpiel finden, das für ſeine Verhältniſſe zutrifft,
und iſt damit in der Lage, ſeine elektriſche Beleuchtung, ob ſie nun
erſt neu eingerichtet wird, oder die vorhandene verbeſſert werden ſoll,
ſo zu geſtalten, wie es dem Stande der heutigen Beleuchtungstechnik
entſpricht. — Mit dem Vortrage iſt noch eine Verloſung von
Küchen=
leuchten verbunden.
— Ernannt wurde am 23. September der Lehrer an der
Volks=
ſchule in Mainz Heinrich Herrmann zum Zeichenlehrer an der
Oberrealſchule in Heppenheim mit Wirkung vom 1. Oktober 1929 ab.
— Aus dem hefſiſchen Schuldienſt entlaſſen wurde am 18. Oktober
die Lehrerin Maria Mai an der Volksſchule in Mainz auf ihr
1
Nachſuchen mit Wirkung vom 1. November 1929 ab.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde am 14. Oktober der
Ober=
ſtudienrat an der Auguſtinerſchurle (Gymnaſium und Oberrealſchule) zu
Friedberg Dr. Fritz Loos auf ſein Nachſuchen vom 1. Dezember
d. Js. ab. — Auf Grund des Geſetzes über die Altersgrenze der
Staatsbeamten vom 2. Juli 1923 bzw. 19. Dezember 1923 in der
Faſ=
ſung des Geſetzes vom 8. Oktober 1925 (Reg.=Bl. S. 249) tritt am
1. November 1929 in den Ruheſtand die Handarbeitslehrerin Eliſabeth
Weil an der Volksſchule zu Darmſtadt.
— Erledigt ſind: eine Schulſtelle für einen Lehrer an der
katho=
liſchen Volksſchule und eine Schulſtelle für eine Lehrerin an der
evan=
geliſchen Volksſchule in Bingen. Dienſtwohnungen ſind nicht
vor=
handen, Mietwohnungen ſchwer zu beſchaffen.
— Seinen 70. Geburtstag begeht am 22. ds. Mts. in geiſtiger und
körperlicher Friſche Herr Rechnungsrat Adam Leißler, Zollamtmann
i. R., Ludwigshöhſtraße. Seit 1894 — mit kurzer Unterbrechung —
war er bei dem Hauptſteueramt, jetzt Hauptzollamt, Darmſtadt tätig.
Während dieſer Zeit hat er ſich durch ſein ruhiges und
entgegenkom=
mendes Weſen nicht nur die Achtung der Beamten erworben, ſondern
er erfeute ſich auch größter Wertſchützung in den Handelskreiſen, mit
denen er dienſtlich in Berührung kam. Im Dezember 1924 wurde
er in den Ruheſtand verſetzt, obwohl ſein Geiſt und ſeine Rüſtigkeit
nicht dazu angetan waren. Auch fachliterariſch hat er ſich betätigt. Seine
Rüſtigkeit geſtattet ihm heute noch mehrſtündige Wanderungen in die
weitere Umgebung.
— Hefſiſches Landestheater. Die Dreigroſchenoper” von
Brecht und Weill gelangt heute Dienstag um 20 Uhr im Kleinen
Haus mit der Premierenbeſetzung außer Miete zur Aufführung. Preiſe
1—5 Mark.
Morgen Mittwoch, 19.30 Uhr, findet im Großen Haus die erſte
Aufführung der volkstümlichſten Verdi=Oper „Der Troubadour”
in neuer Einſtudierung und Inſzenierung ſtatt. Muſikaliſche
Lei=
tung: Carl Maria Zwißler. Inſzenierung: Arthur Maria Rabenalt
und Wilhelm Reinking. Die Beſetzung der Hauptrollen iſt folgende:
Leonore: Roſe Landwehr, Azucena: Anna Jccobs, Manrico: Hans
Grahl, Graf Luna: Carl Stralendorf. (Miete B.)
„Neues vom Tage”, luſtige Oper von Paul Hindemith, die
intereſſanteſte Opernneuheit des Jahres, wird am Donnerstag, den
24. Oktober, um 20 Uhr im Großen Haus unter muſikaliſcher Leitung
von Dr. Karl Böhm wiederholt. In den Hauptrollen: Landwehr,
Stralendorf, Stadelmaier, Loewen, Vogt.
Die nächſte Aufführung des „Amphitryon” von Kleiſt findet
in der Inſzenierung Carl Eberts am Freitag, den 25. Oktober, im
Großen Haus ſtatt. (Miete D.)
Erſtes Sonderkonzert im Landestheater.
Mon=
tag, den 28. Oktober, gelangt im Rahmen des erſten Sonderkonzerts
unter muſikaliſcher Leitung von Generalmuſikdirektor Dr. Karl Böhm
die „Nordland=Rhapſodie” von Joſeph Marx in
An=
weſenheit des Komponiſten zur Uraufführung. Joſeph Marx als
fein=
ſinniger Liederkomponiſt ſeit langem geſchätzt, iſt im Jahre 1882 in
Graz geboren und zur Zeit Rektor der Hochſchule für Muſik in Wien.
Sein romantiſches Klavierkonzert ſpielte vor zwei Jahren Walter
Gieſeking mit außerordentlichem Erfolg in einem Sinfoniekonzert des
Landestheaters.
Allerheiligen. Die Sonntagsrückfahrkarten gelten:
zur Hinfahrt: am Donnerstag, 31. Oktober, von 12 Uhr an; am
Freitag, 1. November; am Samstag, 2. November; am Sonntag, 3.
November. Zur Rückfahrt am Freitag, 1. November; am
Sams=
tag, 2. November, bis 9 Uhr; am Sonntag, 3. November; am
Mon=
tag, 4. November, bis 9 Uhr. Im übrigen finden die allgemeinen
Tarifbeſtimmungen über die Sonntagsrückfahrkarten Anwendung.
Schlägerei. Zu der geſtrigen Notiz über die Schlägerei in der
Schloßgaſſe werden wir gebeten mitzuteilen, daß die Schlägerei nicht
im Kaffee Gick ſtattgefunden hat.
Sacraſani.— Eine Revue der Welt.
neun Millionen Mark. Davon waren Löhne und Gehälter 3 370 200
Mark; Ausgaben für Betriebsſtoffe 754 000 Mark, für Inſerate 700 850
Bilder und Schauſpiele aus fünf
Mark, Luſtbarkeitsſteuer 533 900 Mark, Automobilfabriken 620 000 Mk.
10000 Beſucher der Gala=Gröffnungsvorſtellung.
(Bilder von unſerem Zeichner.)
Darmſtadt hat für eine Woche ſeine Senſation. Sarraſani iſt
Senſation! Sarraſani iſt kein Zirkus ſchlechthin, obwohl dieſes
Rie=
ſenunternehmen beſte Zirkuskunſt in erſter Linie bietet. Sarraſani
iſt Weltſchau im weiteſten Sinne des Wortes. Iſt Erfüllung von
Sehnſuchtsträumen aus Kinderzeit geborener Abenteurerluſt, ein
Ge=
miſch von lebendig und wahrhaftig gewordenen Märchen und von
Schönheit und Kraft durchwobener Romantik, die in kein Schema zu
Me—
faſſen iſt. Dieſer Zirkus iſt Kraft und iſt Schönheit, iſt eine bunte
bewegte Welt, in der alles, was uns geboten wird, höchſte
Steige=
rung, letzte, größte Entfaltung von Kraft und Gewandtheit iſt,
ver=
körpert durch Menſch und Tier.
Sarraſani iſt aber auch — ſchon im äußeren Rahmen — ein
Wunder der Technik, ein Meiſterwerk der Organiſation und ein
Muſterbeiſpiel kühnen deutſchen Unternehmergeiſtes. Wenige von den
10 000 Menſchen, die geſtern Abend — und hoffentlich auch die folgen=
W
den Abende — das Rieſenzelt füllten, haben wohl einen Begriff
da=
von, welche Unſumme von Arbeit, von Aufwand an Geld und Geiſt
hinter einem Unternehmen von Sarraſanis Einmaligkeit in Größe und
Qualität ſteckt.
Wir hatten Gelegenheit, in 2½ſtündigem Beſuch vor der
Vor=
ſtellung unter ſachkundiger Führung des Preſſechefs, Herrn Quindt,
einen Blick hinter die Kuliſſen zu tun und Einblick zu nehmen in den
Aufbau und die Führung dieſes Unternehmens. Einige Zahlen: Vom
1. Januar 1926 bis 31. Dezember 1927 führte Sarraſani nach Ausweis
ſeiner Bücher der deutſchen Wirtſchaft 8 949 990 Goldmark zu, alſo rd.
*
All das intereſſiert heute weniger, da die erſte Vorſtellung geſtern
abend mit beiſpielloſem Erfolg ſtattgefunden, den heute 10 000
Men=
ſchen als ein Erlebnis preiſen werden. Sarraſani hat nur eine
Manege, aber ſie iſt die größte der Welt! Tauſende von
Glüh=
lampen umreißen die prunkende Faſſade und die Konturen des
Rie=
ſenzeltes, und eine Lichtfülle grüßt den Beſucher auch im Innern.
Und ſchmetternde Muſik ganz hervorragender argentiniſcher
Militär=
muſiker. Erſtklaſſig und der Weltbedeutung entſprechend die ganze
Aufmachung. Entfaltung höchſten farbenfrohen Pompes die Parade
vor der Eröffnung des zircenſiſchen Programms, in der Direktor Hans
Stoſch=Sarraſani ſich vorſtellt und Darmſtadt grüßt.
Dann folgen durch vier pauſenloſe Stunden hindurch die
Num=
mern des Programms, die das Hervorragendſte bringen aus und auf
allen Gebieten zircenſiſcher Kunſt, unter Einſchluß der Tierdreſſuren
und artiſtiſcher Darbietungen von nie geſehener Vollendung.
Unmöglich, alle Einzelheiten des Programms zu bezeichnen.
Eini=
ges ſei hervorgehoben: Eine wirklich einzig daſtehende
Kamel=
ſchule führt Herr P. Meyer=Florio vor. Prachtvoll gepflegte
Doppelhöcker zeigen Dreſſurkönnen wie beſte Pferdedreſſuren; geritten
auf allen Gangarten der hohen Schule und vorgeführt in freien
Dreſſurakten. Dann Europas letzte Steppenvölker und wildeſte Reiter:
Tſcherkeſſen und Koſaken in atemberaubendem Wettbewerb.
Nie zuvor gezeigte Reitkünſte. Ali Beck voltigiert im ſauſenden
Ga=
lopp um den Hals und unter dem Bauche des Pferdes hinweg; bisher
nie gekannte reiterliche Leiſtung. — Der brodelnde ferne Oſten bringt
ein phantaſtiſches Maſſenaufgebot chineſiſcher Gaukler,
Zopfakrobaten, Meſſerwerfer und Springer, Feuerſchlucker und
Jong=
leure; zum Schluß am Zopf hängend unter der Kuppel; und ganz
— Klaſſiſche Zirkuskunſt in
ſtän=
einzigartige Reckturner.
dig wechſelnden Maſſendreſſuren, Schöpfungen des deutſchen
Groß=
meiſters Ernſt Schumann, zeigte dieſer ſelbſt. Koſtbare Blutſtröme
pulſen durch Sarraſanis Marſtall. Abſoluter Gehorfam,
Geſchmeidig=
keit, Beweglichkeit, Kraft, Schnelligkeit des edlen Pferdes ſind bis zur
höchſten Entwicklung entfaltet.
Klaſſiſche Reitkunſt zeigten Sarraſanis Schulreiter in höchſter
Voll=
endung, allabendlich wechſelnd mit Pferd und Reiter. Geſtern ritt
Lydia Walterſtein, die jüngſte und vielleicht raſſigſte
Vertre=
terin il
garvühr Lunſt die Vollblutſtute „Roni” und den Oſtpreußen
Zwei edle Tiere unter einer ebenſo anmutigen wie in der
Reitkunſt höchſtqualifizierten Reiterin.
Kapitän Frohms Gruppe kanadiſcher Seelöwen, die
„Naſtellis” der Tierwelt, folgte einer großen Ausſtellungsſchau „Fata
Morgana‟. Eine Viſion aus dem Morgenlande, Truppen von
Kongonegern, dreſſierte Kamele, Zebras, Zebroid, Nilpferd,
Feuer=
ſchlucker, Schlangentänzerinnen, Rifkabylen, die verwegenſten
Akroba=
ten und Springer der Erde, darunter die weltbekannte Magador=
Truppe, die Ali=Ben=Bajadur=Truppe und die drei Johnſons.
Von den Raubtiergruppen wechſeln allabendlich Dreſſurgruppen
von Löwen, Königstigern und Polarbären. Den Regen in
Darm=
ſtadt eröffneten die letzteren. Prachtvolle, beſtdreſſierte Tiere ſind es,
die Kapitän Joſe Winter zeigt.
Des Programms zweiten Teil leitet ein das Potpourri in den
Lüften: 10 Artiſten am fliegenden Trapez und am hängenden
fünf=
fachen Reck in der Zirkuskuppel, die in gleicher Vollendung ihrer
Lei=
ſtungen noch nicht geſehen wurden. — Auch Clown Barnas
Wunderpferd „Lonny”, ein Ponny,, der Trompete bläſt und
Glockenſpiel ſchlägt, iſt einzigartig. Und dann Direktor Hans Stoſch=
Sarraſani mit ſeinen „kleinen” Lieblingen, den Rieſenelefanten,
die in Einzel= und Gruppendreſſuren von fabelhafter Vollendung
ge=
zeigt werden und Stürme des Beifalls entfeſſeln.
Wieder eine gigantiſche Ausſtattungsnummer „Hoftheater des
Mikado”, von der das Programm mit Recht ſagt: Man vergißt die
Umwelt, iſt ganz hingeriſſen von dem buntn Zauber des fernen Orients,
von den unerhörten Künſten der Söhne jahrtauſend alter
traditions=
reicher Artiſtengeſchlechter. Die, welche Ihr hier vor euch ſehr im
bunten Spiel verblüffend geſchickter Körperlichkeit, deren Füße wie
Hände ſind, ſind die letzten Vertreter der alten Geſchlechter der Fufi,
Thenos, Otſu, Ando, Cho=Cho und Kobes. Fuß=Jongleure, Hand=
Equj=
libriſten auf Klötzen. Leiter=Balanceure, Bambusſtangen=Läufer,
Akro=
baten, deren Name ſich wie ein buntſchillernder Faden durch die
Jahr=
tauſende ruhmreiche Geſchichte Japans zieht.
Und die große Amerika=Schau „Wildweſt” unter Mitwirbung der
echten Indianer beſchließt dann den Abend mit einem gigantiſchen
Schlußbild „Huldigung an das Sternenbanner”. In der Wildweſtſchau
wirken Cowboys und Cowgirls, Mexikaner, Mulatten, Creolen und
Creolimen, Braſilianer und Argentinier Darſtellung hiſtoriſcher Szenen
aus dem wilden Weſten Amerikas. Ueberfälle, Jagden, Verfolgungen,
Sportſpiele der Trapper, Original=ackſon=Truppe, die eleganten und
tollkühnen Mulatten=Cowbohs in ihren unerreichbaren Künſten mit
Wurfleinen, Bullpeitſchen, Meſſern und Tomahawks; Reiten der
ge=
zähmten Stiere und der mexikaniſchen Vollblutmauleſel, Vorführung
der Waſſerbüffel durch den Gaucho Florio, Laſſokünſte. ..
Vier Stunden bunter phantaſtiſcher Eindrücke. Stunden, die nicht
ermüden, die ein Erlebnis bedeuten, das iſt ein Wbend bei Sarraſani!
*=
Das Polizeiamt teilt mit: Nach Mitteilung der Zirkusdirektion
Sarrcſani führt ſie eine Truppe von ea. 20 Sioux=Indianern mit, die
im allgemeinen einen ruhigen Charakter haben, aber nach dem
gering=
ſten Alkoholgenuß zu Ausſchreitungen neigen. Es iſt daher im
Inter=
eſſe der Wirte und des Publikums gelegen, wenn den Indianern
alkoholhaltige Getränke nicht verabreicht werden.
ScHUH-
EINHEITS
PNEISE
Schuh- Ses. m. b.H
185819
[ ← ][ ][ → ]Seite 6
Dienstag den 22 Oktober 1929
Nummer 293
Tierſchuhverein für Heſſen in Darmſtadk, Beckſtr. 55.
Eine ganz beſonders wichtige Frage für jeden Obſtzüchter und
Gar=
tenfreund iſt heute die der wirkſamen Schädlingsbekämpfung. Die
hohen Werte aller Erzeugniſſe des Obſt= und Gartenbaues führen in
verſtärktem Maße zu dem Beſtreben des Einzelnen, ſeine Anlagen von
Schädlingen möglichſt verſchont zu ſehen und in bezug auf Menge und
Güte vollwertige Ernteergebniſſe zu erzielen. Für die Bekämpfung
ſind in den letzten Jahren unendlich viele chemiſche Mittel
aufge=
taucht, die jedoch alle beſtenfalls nur von vorübergehendem Erfolg ſein
können und nicht ſelten mehr oder wenig ſchädlich auf Bäume und
Pflanzen einwirken. Auch pflegen dieſe Mittel meiſt erſt dann zur
Anwendung zu kommen, wenn ſich ein ſtärkeres Auftreten von
Schäd=
lingen bereits bemerkbar macht. Hier iſt ein dauernd
vor=
beugendes Mittel von unbedingt ſicherer Wirkung
von ganz beſonderer Bedeutung, und das haben
wir in der ſachgemäßen Ausübung eines praktiſchen
Vogelſchutzes.
Die Mithilfe der Vögel bei der Schädlingsbekämpfung iſt garnicht
zu entbehren. In erſter Linie durch die Vögel ſteuert die Natur einem
übermäßigen Auftreten der vielen Schädlinge, und ganz beſonders ſind
es hier wieder die inſektenfreſſenden Höhlenbrüter, deren ſich die
Natur zur Kurzhaltung der tieriſchen Schädlinge des Obſt= und
Gar=
tenbaues bedient. Wo viele Vögel angeſiedelt ſind,
werden Schädlinge niemals übermäßig auftreten
können. Dieſe Tatſache haben viele tauſende Beſitzer von
Obſt=
bflanzungen und Gartenanlagen erkannt und ſich zunutze gemacht,
in=
dem ſie den zuverläſſigen Helfern Wohn= und Niſtgelegenheiten
ſchaff=
ten, und auch ihrer im Winter nicht vergaßen. Hohle und morſche
Bäume werden heute kaum noch irgendwo geduldet, und fehlt es den
Höhlenbrütern faſt überall an natürlichen Niſtgelegenheiten. Dieſe
Vogelarten werden daher ſelten in den Anpflanzungen und Gärten.
Um ſie dort in größerer Zahl wieder heimiſch zu machen, muß man
ihnen die fehlenden Wohnungen auf andere Weiſe erſetzen. Dieſe
ſchwierige Aufgabe darf als gelöſt betrachtet werden, ſeitdem uns
Frei=
herr von Berlepſch, der verdiente Vorkämpfer des Vogelſchutzes, nach
jahrzehntelangen Verſuchen, die nach ihm benannte v.
Ber=
lepſchſche Niſthöhle gab. Die Anſchaffung und geeignete
An=
bringung von Niſthöhlen für die verſchiedenen Vogelarten muß
erfolgen.
Der Vorſtand des Tierſchutzvereins für Heſſen in Darmſtadt hat
die dringende Notwendigkeit der auch im volkswirtſchaftlichen Intereſſe
notwendigen Maßnahme erkannt und er wird, da dies ſich im Vorjahr
außerordentlich gut bewährt hat, auch in dieſem Jahr ſich der
Be=
ſchaffung von Niſthöhlen für Gemeinden, Schulen und Private widmen.
Die durch Ueberſendung der beſtellten
Niſt=
höhlen entſtehenden Porto= und Frachtkoſten
wer=
den vom Verein übernommen.
Von den einzelnen Gemeinden, Schulen, Pfarreien und Privaten
auch wenn die letzteren bis jetzt noch nicht Mitglieder unſeres Vereins
ſind — wären nur die erheblich ermäßigten
Anſchaf=
fungskoſten an den betreffenden Ortsvertreter zu zahlen.
Da es notwendig iſt, daß die Niſthöhlen vor Eintritt des
Win=
ters, alſo bis ſpäteſtens Mitte November aufgehängt ſind, ſo erſcheint
es wünſchenswert, daß die Beſtellungen bei dem Ortsvertreter oder
der Geſchäftsſtelle des Vereins in Darmſtadt (Beckſtraße 55) alsbald
vorgenommen werden.
Die eingefrorenen Waſſermeſſer.
8 Man wird ſich einer Notiz in der Preſſe erinnern, in der
Darm=
ſtädter Hausbeſitzerverein die Mitteilung machte, er habe
Verhandlun=
gen mit der Stadtverwaltung eingeleitet, nachdem die letztere den
Haus=
beſitzern eine Rechnung für Reparatur der Meſſer und das Montieren
derſelben hatte zugehen laſſen.
Dieſe Verhandlungen haben nun dem Vernehmen nach einen Erfolg
bisher nicht gehabt, indem die Stadtverwaltung von ihrem Standpunkt
nicht abgehen zu können erklärt hat. Eine Begründung dieſer
Stellungnahme wurde, ſoweit wir unterrichtet ſind, nicht gegeben.
Angeſichts der grundſätzlichen Seite dieſer für den
Haus=
beſitz in Darmſtadt nicht unwichtigen Frage erſcheint es angebracht,
ab=
geſehen von dem rein wirtſchaftlichen Standpunkt, den der
Hausbeſitzerverein in ſeinen Ausführungen vom 22. April d. J. in den
Vordergrund geſtellt hatte, einmal die Sache vom rein rechtlichen
Standpunkt, und zwar leidenſchaftslos, zu beleuchten. Dies ſoll im
Nachſtehenden geſchehen:
Maßgebend ſind nicht die Satzungen vom 15. Februar 1901, wie
ſeither fälſchlich angenommen wurde, ſondern die als
Vertragsgrund=
lage geltenden Bedingungen für die Lieferung von Waſſer aus, dem
Städtiſchen Waßſerwerk zu Darmſtadt vom 31. März 1922.
Dieſe wurden in der Stadtverordnetenverſammlung vom 30. März
1922 beſchloſſen und mit Wirkung vom 1. April 1922 in Kraft geſetzt.
In dem Eingangsworten heißt es: „Nach Beſchluß der
Stadtverord=
netenverſammlung vom 30. März 1922 wird unter Aufhebung der
ſeit=
herigen Satzungen vom 15. Februar 1901 nachſtehendes beſtimmt: 8 1
be=
handelt die Waſſerlieferung: 8 2 Anmeldung des Waſſerbezugs (
Ver=
trag); 8 3 Beendigung des Waſſerbezugs — Beſitzwechſel; 8 4 Anſchlüſſe;
8 5 Waſſermenge; 8 6 Ausführung der Leitungsanlage im Innern der
Gebäude und Grundſtücke (Haswaſſerleitung): 8 7 Anſchluß beſonderer
Ueberwachung der Waſſerleitungseinrichtungen;
Einrichtungen: 8
89 Art des Waſſert
erbrauchs; 8 10 deſſen Feſtſtellung; 8 11 Nachläſſe;
8 12 Waſſerpreife; 8 13 Zahlungen und Sicherheitsleiſtung; 8 14
Ver=
tragsſtrafen: 8 15 Waſſerentziehung; 8 16 Aenderungen der
Bedingun=
gen; 8 17 Waſſerlieferung außerhalb der Bedingungen; 8 18
Inkraft=
treten der letzteren.
8 5 Abſ. 1 beſtimmt: „Die zur Feſtſtellung des Waſſerverbrauchs
erforderlichen Waſſermeſſer werden ausſchließlich vom Städtiſchen
Waſſerwerk geliefert, eingebaut und unterhalten, auch beſtimmt es
Größe und Aufſtellungsort.
Für die Meſſer wird eine vom Stadtrat für unbeſtimmte Zeit
feſt=
geſetzte Meſſer miete erhoben. Die Meſſer bleiben nach 8 4
Eigen=
tum der Stadt, ihre regelmäßige Inſtandhaltung übernimmt koſtenfrei
das Waſſerwerk”
Im letzten Abſatz des 8 4 heißt es: „Durch den Abnehmer oder
Dritte verſchuldete Schäden, z. B. infolge mangelhaften
Froſt=
ſchutzes, beſeitigt das Waſſerwerk ſtets auf Koſten des Abnehmers.”
Aus dieſem Paſſus ergibt ſich klar, daß der MMieter des Meſſers für
Schäden an dieſem nur aufzukommen hat, wenn er ſolche
verſchul=
det hat. Die Stadtverwaltung wüßte den Nachweis führen, daß ein
ſolches Verſchulden vorliegt. Aber dieſer Nachweis kann im Fragefall
nicht erbracht werden, weil hier höhere Gewalt in Frage war in
Ge=
ſtalt einer ſolch abnormen Kälte, der gegenüber die Technik in ihrem
jetzigen Stande einfach machtlos war. Ein Froſtſchutz war überhaupt
nicht möglich. Sowohl nach der objektiven wie nach der ſubiektiven Seite
lonnte der Hausbeſitzer auh unter Anwendung peinlichſter Sorgfalt
das Unbrauchbarwerden der Meſſer nicht verhindern, und nach Exner
(dem Vertreter der objektiven Theorie) „war das unvermeidliche
Ereig=
nis ein von außen kommendes, nicht innerhalb des Betriebskreiſes des
Hausbeſitzers entſtandenes”
Sind dieſe Rechtsausführungen einem geſunden Rechtsempfinden
entſprechend, ſo ſollten ſie die Stadtverwaltung vergnlaſſen, von ihrer
Forderung endgültig Abſtand zu nehmen.
— Vogelsberger Höhen=Club, Zweigverein Darmſtadt. Am
Sonn=
tag, den 27. Ortober, findet die elfte Wanderung in die nähere
Umgebung Darmſtadts ſtatt. Mit derſelben iſt eine Beſichtigung des
Botaniſchen Gartens verbunden. Für eine große Anzahl V.H. C.er
dürfte dieſelbe etwas Neues und auf alle Fälle für jeden intereſſant
ſein. Die Wanderung führt durch unſeren herbſtlich geſchmückten
Oberwald und endigt in Nieder=Ramſtadt. Wenn dieſelbe auch nur in
die nähere Umgebung führt, bietet ſie doch jedem Teilnehmer viele
Reize. Es wird daher erwartet, daß — zumal keine großen Koſten
hiermit verknüpft ſind — ſich ſämtliche Mitglieder beteiligen.
— Stenographie. Die Stenographen=Vereinigung,
Handwerker=
ſchule Ecke Karl= und Nieder=Ramſtädter Straße, macht darauf
auf=
merkſam, daß an dem am letzten Freitag begonnenen
Anfänger=
kurſus in Reichskurzſchrift die Teilnahme heute abend noch
mög=
lich iſt.
* Kreisausſchuß.
Tp. Klage des Wilh. Nothnagel 6., des Gg. Maſſing 2. und
Ge=
noſſen, alle zu Griesheim, gegen die Beſchlüſſe des Gemeinderats
der Gemeinde Griesheim vom 12. und 16. Auguſt 1929, die
Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters und den
Erlaß einer Ortsſatzung dazu betreffend.
Aus dem Vollmachtspunkt geht hervor, daß es 19 Kläger ſind, die
die Beſchlüſſe des Gemeinderats im Klagewege anfechten. Der
Ge=
meinderat hat zwei ſeiner Mitglieder zum Termin abgeordnet.
Der Gemeinderat hat am 12. Auguſt die Anſtellung eines
Berufs=
bürgermeiſters und am 16. Auguſt die bezügliche Ortsſatzung
be=
ſchloſſen.
Die Kläger erachten ſolche Anſtellung den Intereſſen der Gemeinde
und der Steuerzahler für abträglich; der Antrag auf ſolche Anſtellung
gehe nur von der ſozialdemokratiſchen Fraktion aus; der Antrag
ver=
folge allein parteipolitiſche Tendenzen. Die Amtsperiode des
derzeitigen Gemeinderats gehe ja doch in einigen
Monaten zu Ende. Der Antrag verſtoße gegen das
Rechtsempfin=
den der Gemeindeangehörigen. Die Anſtellung eines
Berufsbürger=
meiſters verteuere die Verwaltung erheblich. Dieſe Mehrbelaſtung
treffe vorwiegend Hausbeſitzer und Gewerbetreibende. Der
Ehren=
bürgermeiſter ſei mit der Gemeinde verbunden und verwachſen; er
ſei völlig für die Intereſſen der Gemeinde ausreichend. — Gerügt wird
insbeſondere, daß der Gemeinderatsbeſchluß bezüglich der
Orts=
ſatzung nicht ordnungsmäßig offengelegen habe. Die Gemeinde
Griesheim hat Gegengründe gegen die
Klage=
begründung nicht vorgebracht; ſie iſt durch den
Beigeord=
neten Feldmann im Termin vertreten.
Für die Kläger ergriff Ph. Wicht 6. das Wort. Der im
Ab=
gehen begriffene Gemeinderat hätte nicht ſo einſchneidende
Maßnah=
men beſchließen und dieſen Gegenſtand dem neugewählten Gemeinderat
überlaſſen ſollen. Beim Bürgermeiſter einer Landgemeinde komme es
auf die Perſönlichkeit an; der ortsfremde Berufsbürgermeiſter ſei hier
mehr auf ſeine Untergebenen angewieſen. Die Entſcheidung der
gan=
zen Frage möge bis nach der Neuwahl des Gemeinderats zurückgeſtellt
werden. Die Klage iſt von Mitgliedern der Deutſchen
Volkspartei und von Mitgliedern de9 Heſſiſchen
Landbundes unterſchrieben; ſie wollen als
Privat=
leute gehandelt haben.
Ph. Hofmann 9., der Handwerk und Gewerbe vertritt, widmet
dem verſtorbenen Bürgermeiſter anerkennende Worte; aus
Erſparnis=
gründen ſei er gegen einen Berufsbürgermeiſter. Die Sache könne
erſt nach der neuen Wahl des Gemeinderats ſpruchreif werden.
Beigeordneter Feldmann ſpricht ſich gegen einen
Berufsbürger=
meiſter aus.
Der eine Vertreter des Gemeinderats hält den derzeitigen
Ge=
meinderat für voll berechtigt, den Beſchluß wegen Anſtellung eines
Berufsbürgermeiſters zu faſſen. Hinter dem Beſchluſſe ſtehe die
ge=
ſamte Arbeiterſchaft. Der zweite Vertreter des Gemeinderats
ver=
weiſt auf die ſchwierigen Probleme, die in Griesheim nach Beendigung
der Beſetzung zu löſen ſind; dieſe erforderten gerade einen
Berufs=
büirgermeiſter. Die Mehrheit der Bevölkerung ſei für einen
Berufs=
bürgermeiſter. Dies ſtellt die Klageſeite in Abrede.
Das Urteil lehnt den Antrag auf Vertagung ab und weiſt die
Klage als unzuläſſig zurück.
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Sonderverbindungen zum Sarraſani=Gaftſpiel
in Darmſtadt.
Die Reichsbahndirektion Mainz hat folgende Sonderzüge anläßlich
der Sarraſani=Feſtſpielwoche in Darmſtadt eingelegt;
Mittwoch, den 23. Oktober 1929, und Donnerstag, den 24. Oktober 1929.
Richtung Frankfurt a. M.: Darmſtadt Hbf. ab 23.42 Uhr, mithin
20 Minuten ſpäter.
Richtung Gernsheim: Darmſtadt Hbf. ab B3.43 Uhr, mithin
20 Minuten ſpäter.
Richtung Wiebelsbach-Heubach: Darmſtadt Oſt ab 23.25 Uhr,
mit=
hin 20 Minuten ſpäter. Der Zug wird außerdem bis Höchſt (Odw.)
durchgeführt.
Richtung Groß=Zimmern: Darmſtadt Oſt ab 23.32 Uhr, mithin
2 Minuten ſpäter.
Die Beſucher aus Richtung Babenhauſen haben am
Sams=
tag, den 26., und Sonntag, den 27. Oktober 1929 Gelegenheit zum
Beſuch der Vorſtellungen, da an dieſen Tagen ein Triebwagen
Darm=
ſtadt Hbf. ab 23.47 Uhr bis Babenhauſen verkehrt, der bei Bedarf als
Dampfzug gefahren wird.
Die Beſucher aus Richtung Weinheim können täglich den
Per=
ſonenzug Darmſtadt Hbf. ab 23.45 Uhr benützen.
für Hachen und
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satz, schwarz und tarbig. — Für Damen und Kinder.
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Ecke Elisabethen- und Luisenstraße.
— Volkshochſchule. Unſere Vorträge über Vogelkunde, in
denen über die Winterfütterung und die Beſchaffung von
Niſtge=
legenheiten geſprochen wird, müſſen noch etwas hinausgeſchoben
wer=
den. Anzeige erfolgt noch. — Am 22. Oktober beginnen die
Experi=
mentalvorträge über „Elektrizität” im Elektrotechniſchen Inſtitut
der Techniſchen Hochſchule, der Lehrgang über „Lebensbilder
aus der Tierwelt der Vorzeit” im Saal 137 der Techniſchen
Hochſchule, die Vorträge über „Weibliche Geſundheitslehre‟
im Realgymnaſium, und zwar alle um 20 Uhr. Zu allen Lehrgängen
erfolgen die Anmeldungen auf der Geſchäftsſtelle der Volkshochſchule,
Mathildenplatz 17.
Evangel. Petrusgemeinde. Am Mittwoch, den 23. Oktober, 8.15
Uhr abends, wird in unſerem Gemeindehaus (Eichwieſenſtraße 8) Herr
Alfons Schultes, der durch ſeine Vortragsreihe im Januar 1927
in weiteſten Kreiſen unſerer Stadt bekannt geworden iſt, ſprechen über
„Drei Jahre Abſpann=Arbeit‟ Die Jahre hindurch hielt Herr Schultes
die Verbindung mit ſeinem hieſigen Freundeskreis aufrecht durch die
„Loſen Blätter, von Hof Abſpann”. Nun möchte er ſelber einmal
mündlich Bericht erſtatten von dem Fortgang ſeiner Arbeit. Zu
die=
ſem Vortrag werden unſere Gemeindeglieder ſowie alle, die ſeither
ſchon die Abſpann=Arbeit unterſtützten oder ſich dafür intereſſieren,
herzlichſt eingeladen. Der Eintritt iſt frei.
— Der Vortrag über Evangeliſation in Rußland muß verſchoben
werden bis auf die zweite Hälfte des November, da die Redner erſt
eine Vortragsreiſe durch die Schweiz machen und erſt im Anſchluß
da=
ran hier nach Darmſtadt kommen werden. Herr Prochanoff=Leningrad
wird ruſſiſch vortragen über die Reformationsbewegung im ruſſiſchen
Volk, überſetzt von Herrn Paſtor Jack=Wernigerode.
— Städtiſche Akademie für Tonkunſt. Auf den im heutigen
An=
zeigenteil bekanntgegebenen Vortragsabend der
Geſangsausbil=
dungsklaſſen von Mathilde Weber am Mittwoch, den
23. Oktober, um 20 Uhr, im Kleinen Saal des Städtiſchen Saalbaues
wird nochmals hingewieſen. Karten zu 0,50 RM. im Vorverkauf im
Sekretariat der Akademie, Eliſabethenſtraße 36, und an der Abendkaſſe.
Reichs-Arbeilsgericht.
Zur Frage der friſtloſen Entlaſſung des Reiſenden einer Hefefal;
Am 7. März 1927 vereinbarte die beklagte Preßhefefab
zu Eberſtadt bei Darmſtadt mit einer Anzahl Bäckermeiſter
Mannheim, deren Führer der Bäckermeiſter K, war, daß
Bäcker ihren Hefebedarf bei der Beklagten deckten; die Beklagte verpf
tete ſich dagegen in Mannheim keine weiteren Verbindungen au
nehmen, auch keine direkte Belieferung von Bäckermeiſtern vorzun
men. Die Verteilung der Hefe oblag dem K. als „Verteiler”,
„Verſchleißer‟. Die Gruppe K. ſtand im Gegenſatz zu der Bä
innung in Mannheim. Am 29. September 1928 ſchrieb die Bekle
ihrem den Bezirk Mannheim bearbeitenden Reiſenden F. in Me
heim (Kläger), er ſolle am 1. Oktober mit dem Bäckermeiſter K. R
ſprache nehmen und in der nächſten Woche zuerſt in Mannheim t
ſein. Von ſeiner Mannheimer Tätigkeit ſolle F. täglich den K.
Kenntnis ſetzen. Am Morgen des 1. Oktober gegen halb 9 Uhr t/
die Beklagte dem F. telephoniſch mit, daß die Innung den Hefep
von 65 auf 40 Pfg. ermäßigt habe und daß deshalb ſeitens der
klagten der Preis auf 38 Pfg. herabgeſetzt werde. Gleichzeitig w.
F. angewieſen, ſich alsbald mit dem Bäckermeiſter K. in Verbind
zu ſetzen. Dieſer begab ſich nun zunächſt zu den Bäckermeiſtern
B. und L., die zwar zur Gruppe K. gehörten, aber dazu neigten,
der Innung wieder zuzuwenden, wenn die Beklagte Hefe auch an
Innung liefere. Auch Kläger ſympathiſierte mit dieſem Gedan
aus Berichten an die Beklagte geht hervor, daß er eine ſtarke Ab
gung gegen K. hegte. Erſt gegen halb 12 Uhr begab ſich Kläger
1. Oktober zu K., den er nicht antraf. Es kam zu einer Auseinan
ſetzung mit Frau 8. Nachdem die Beklagte den Kläger angewi
hatte, am 6. Oktober früh ſich mit K. in Verbindung zu ſetzen, Kli
aber wieder zu ſpät kam, verbot die Beklagte ihm weiteren Be
ihrer Kundſchaft, weil er ihre Intereſſen nicht genügend gewahrt
ſeine Vertragspflichten verletzt habe. Am 23. Oktober wurde Kle
friſtlos entlaſſen. Dagegen verwahrte ſich Kläger und machte Geha
anſprüche in Höhe von 480 Mark gegen die beklagte Firma gelten
Das Landesarbeitsgericht ſprach dem Kläger nur die Hälfte
Summe zu. Zwar habe die Beklagte keinen Grund zur friſtloſen (
laſſung des Klägers gehabt. Eine beharrliche Arbeitsverweiger
liege nicht vor, Kläger habe nur behauptet, er als Reiſender der
klagten habe ſich keine Inſtruktionen bei dem Verteiler K. zu hol
für die Behauptung, daß Kläger falſche Berichte eingeſandt habe,
die Beklagte den Beweis ſchuldig geblieben. Dagegen habe Klé
durch ſein Verhalten in den kritiſchen Konkurrenztagen des Okte
1928 in ſchuldhafter Weiſe mit dazu beigetragen, daß die Bekle
das Angeſtelltenverhältnis friſtlos gekündigt hat. In wenig taktvo
Weiſe hat er ſeinem Mißbehagen gegenüber dem Bäckermeiſter L. 9
gemacht und geſagt, wenn es Pleßer nicht paſſe, werfe er ihm
Bettel vor die Füße. Durch dieſes Mitverſchulden des Klägers n
die Frage der Berechtigung der friſtloſen Kündigung zu einem Gri
fall, der gemäß 8 254 BGB. die Hälftelung des Schadens rechtfert
Das Reichsarbeitsgericht, hat jetzt das Urteil des 22
aufgehoben, ſoweit es zuungunſten des Klägers lautet. Die Bekle
wird verurteilt, dem Kläger weitere 240 Mark nebſt Zinſen zu zah.
Nach den tatſächlichen Feſtſtellungen — ſo wurde zur Begründung g
geführt — ſtehen dem Kläger die Gehaltsanſprüche zu, da ſein
ſtellungsverhältnis durch die friſtloſe Entlaſſung nicht beendet wor
iſt. Rechtlich iſt es aber nicht zuläſſig, dieſen Gehaltsanſpruch
reinen Vertragserfüllungsanſpruch durch die Anwendung des 8
BGB. über die Schadenserſatzfrage einzuſchränken. Entweder iſt
Vertragsverhältnis wirkſam beendet, dann beſteht kein Anſpruch, o
es iſt nicht beendet, dann iſt der Anſpruch gerechtfertigt. Da letzte
der Fall iſt, mußte dem Kläger auch die andere Hälfte der beanſprt
ten Summe zugeſprochen werden. „Reichsgerichtsbrieße”. (RAG.
29. — Urteil des Reichs=Arbeitsgerichts vom 19. Oktober 1929.)
Kleine Straſkammer.
p. 1. Ein Zimmermann von Seeheim fuhr am 24. Januar d.
den Autobus Darmſtadt—Jugenheim und befand ſich etwa an
Merckſchen Apothete auf gleicher Höhe mit der Straßenbahn die
überholen, bzw. vor der er die Geleiſe überqueren wollte. Anſchein
nahm er an, daß die Bahn Richtung Rheinſtraße weiterfahre,
währ=
ſie in die Luiſenſtraße rechts einbogz er will den großen ſchwe
Wagen erſt kurze Zeit gefahren haben und mit Linienführung
Bahn nicht vertraut geweſen ſein. Der Kandelaber am Platze wu
geſtreift. Da er ſeine Aufmerkſamkeit nur auf die Bahn richtete,
wahrte er auch nicht eine Perſon, die einen Handwagen fuhr und
letzt wurde.
Der Amtsrichter hat unter den vorliegenden Verhältniſſen e
Schuld verneint und den Angeklagten wegen Transportgefährdu
und fahrläſſiger Körperverletzung freigeſprochen.
Die Verhandlung wurde zwecks Augenſcheinsvornahme für ku
Zeit unterbrochen.
Die rot=weiße Linie (5) biegt 11 Meter früher nach rechts ab u
unterſcheidet ſich in der Farbe ſehr gut von den direkt nach d
Hauptbahnhof gehenden Linien. Der Angeklagte war auch die Stre
lange genug gefahren, um zu wiſſen, daß die rot=weiße Linie abbie
Da er kein Vorfahrtsrecht hatte, mußte der Angeklagte der Bahn
Vorfahrt laſſen und deshalb langſam hinter ihr herfahren, zumal
ſich nach der Straßenbahn in ſeiner Fahrt richten mußte. Darg
reſultiert die Fahrläſſigkeit.
Das Erkenntnis hebt das angefochtene am 29. Juli verkünd
Urteil des Amtsgerichts auf und erkennt wegen in Fahrläſſigkeit
gangener Transportgefährdung und Körperverletzung auf 50 M
Geldſtrafe.
2. Eine weitere Sache verfällt der Vertagung.
— Kunſtgeſchichtlicher Kurſus. In einer ſiebenſtündigen, bis We
nachten dauernden Vortragsreihe mit Lichtbildern wird Frl. M. Fr.
lich über „Mittelalterliche Plaſtik in Deutſchlan
(tun 1400—1530) ſprechen. Der Kurſus findet Dienstags von 8—9 u
im Gewerbemuſeum, 1. Stock rechts, ſtatt. Beginn: 28. Oktober. 9
meldungen erbeten nach Annaſtraße 37. (Siehe Anzeige.)
Lokale Veranſtalkungen
—Homöopathiſch=Biochemiſcher Verein macht ſei
Mitglieder auf den heute abend ſtattfindenden Film=Vortrag in 4
Aula des Realgymnaſium aufmerkſam. (Siehe Inſerat.)
— Hausfrauenbund e. V. Wir machen nochmals dara
aufmerkſam, daß heute abend um 8 Uhr ein öffentlicher Vortrag üb
„Deutſche Teigwaren”, mit Lichtbildern und Warenproben von Fre
Alexanderſen=Hamburg gehalten wird. Es iſt wichtig, daß jede Hau
frau über ihren Einkauf von Eierteigwaren unterrichtet wird; in A
betracht deſſen bitten wir um regſte Beteiligung. Der Vortrag find
im „Fürſtenſaal” (Grafenſtraße) ſtatt.
Briefkaſten.
Rdrr Anfrage if die lohzte Bezugtaultung beizufüigen. Anenmme Anfragen weitm
nicht beanfwortet. Die Beantwortung erfelgt ohne Nechiebrrbindſichtelt.
Hindenburg. 1. Evangeliſch. 2. nein.
G. H. 182. Wenden Sie ſich an das Reichswehrminiſterium.
Tageskalender für Dienstag, den 22. Oktober 1929.
deſſ Landestheater, Großes Haus: Keine Vorſtellung,
Kleines Haus. 20 Uhr: „Dreigroſchenover” — Orpheum: G
ſchloſſen. — Meßplatz; 1930 Uhr: Vorſtellung des Zirkus Sarr
ſani, — Konzerte: Schloßkaffee, Rheingauer Weinſtube.
Fürſtenſaal, 20 Uhr: Oeffentlicher Vortrag des Hausfrauer
bunds e V. — Muſikvereinsſaal, 20 Uhr: Konzert de
Ludwig=Georgs=Gym
Geſangsſchule Käthe Nowack. —
naſium, 20,15 Uhr: 2. Vortrag der Anthropoſophiſchen Geſel
ſchaft. — Kinovorſtellungen: Union=Theater, Helig,
*
*
M windtniltic snrrnonniſban”
für Suppen- Soßen-Gemüse- Salate
Nummer 293
An. Arheilgen, 21. Okt. Einſperren der Tauben. Da die
Getreideausſaar noch nicht beendet iſt, wurde von ſeiten der hieſigen
Polizei das Einhalten der Tauben auf weitere 14 Tage angeordnet. —
Neugründung. Einige Kranichſteiner Bürger beabſichtigen einen
Zuſammenſchluß aus wirtſchaftlichen Gründen. Die Notwendigkeit
die=
ſer Vereinigung wurde in einer Vorbeſprechung feſtgeſtellt und ein
pro=
viſoriſcher Vorſtand gewählt. Eine Gründungsverſammlung iſt für die
nächſte Zeit geplant. Konfeſſionell und politiſch wird der Verein
neu=
tral ſein. — Hausſammlung. In dieſer Woche wird hier eine
Sammlung für die epileptiſche Anſtalt in Nieder=Ramſtadt
vorgenom=
men. Für die Zwecke dieſer chriſtlichen Liebestätigkeit hat ſicherlich
jeder=
mann ein Scherflein bereit.
J. Griesheim, 21. Okt. Anläßlich der am 17. November d. J.
ſtatt=
findenden Neuwahl des Gemeinderates haben ſich die bürgerlichen
Par=
teien, Demokraten, Deutſche Volkspartei und Landbund auf eine
gemein=
ſame Kandidatenliſte geeinigt, die unter der Bezeichnung „Vereinigte
freie Wählerſchaft” bei dem Gemeindewahlkommiſſar eingereicht wurde.
Die Vorſchlagsliſte weiſt folgende Namen auf: 1. Georg Maſſing 2.,
Ge=
meinderat; 2. Valentin Schick 1., Zimmermeiſter; 3. Wilhelm
Noth=
nagel 6., Gemeinderat; 4. Konrad Funk 6., Gemeinderat; 5. Georg
Funk 1., Gemeinderat; 6. Adam Senzel, Lehrer; 7. Philipp Bauſch,
Ober=Rechnungsrat; 8. Johann Feldmann 2., Gemeinderat; 9. Wilhelm
Maus, Gemeinderat; 10. Philipp Müller 10., Zimmermeiſter; 11. Phil.
Wicht 6., Landwirt; 12. Karl Mall, Lehrer; 13. Friedrich Hoppſtock,
Schreinermeiſter; 14. Philipp Gerhard 2., Landwirt; 15. Peter
Noth=
nagel 2., Landwirt; 16. Philipp Feldmann 12., Weißbindermeiſter; 17.
Philipp Funk 13., Landwirt; 18. Peter Göbel 3., Landwirt. Weitere
Wahlvorſchläge wurden von der Sozialdemokratiſchen und der
Kommu=
niſtiſchen Partei eingereicht. — Am Donnerstag abend, kurz nach 11
Uhr, wurde die hieſige Einwohnerſchaft durch das Heulen der
Feuer=
ſirene aus dem Schlaf geweckt. Glücklicherweiſe war es nur ein blinder
Alarm, welcher unſerer Feuerwehr galt, die der Kreisfeuerwehrinſpektor
in Darmſtadt auf ihre Schlagfertigkeit prüfen wollte. Es dauerte auch
gar nicht lange, und die beiden Züge der Feuerwehr waren zur Stelle
und konnten nach dem Neuen Schießhaus abrücken, das als Brandſtelle
gedacht war. Die Uebung iſt zur vollſten Zufriedenheit des
inſpizie=
renden Kommandanten ausgefallen. — Im Wahlvorſchlag der Deutſchen
Volkspartei für die Wahl zum Kreistag des Kreiſes Darmſtadt ſteht
Heru Schmiedemeiſter Wilhelm Nothnagel 6. hier an fünfter Stelle, und
dem Wahlvorſchlag des Heſſiſchen Landbundes Herr Beigeordneter
(eldmann an zweiter Stelle.
F. Eberſtadt, 21. Okt. Zentralverband der
Arbeits=
znvaliden und =Witwen Deutſchlands. Die immer
grö=
ger werdende Not in den Kreiſen der Arbeitsinvaliden und =Witwen
Deutſchlands hat auch am hieſigen Platze ihren Niederſchlag in der Grün=
Zung einer Ortsgruppe des genannten Verbandes und in ihrer bisher
wändig wachſenden Mitgliederzahl gefunden. In einer ſehr gut
beſuch=
den Verſammlung der Ortsgruppe, die am Samstag im Saale „Zur
Harmonie” (Kunz) ſtattfand und von dem Vorſitzenden, Herrn Poth,
ge=
heitet wurde, ſprach ein ausgezeichneter Kenner des Fürſorgeweſens,
berr Rudolf Karſten=Berlin, über das Thema: „Das ſoziale Elend und
unſer Kampf”, Redner ging in ſachlicher Weiſe auf das heute beſonders
wichtige Gebiet und auf die ab 1. Oktober 1929 für die Invalidenrentner
eingetretene Rentenerhöhung im beſonderen ein, darauf hinweiſend, daß
eines zähen Kampfes bedurft habe, um dieſen Erfolg zu erringen.
Der weitere Kampf des Verbandes ſuche zu verhindern, daß denjenigen,
die neben ihrer Rente noch Leiſtungen aus der öffentlichen Fürſorge
be=
ziehen, von dieſer die Rentenerhöhung wieder abgezogen wird. Für die
Unfallrentner fei vom Verband erreicht worden, daß der Reichstag die
Regierung aufgefordert habe, ein Geſetz vorzubereiten, das die
Unfall=
renten durch Andaſſung an die heutigen Löhne auf eine andere
Grund=
lage ſtelle. Redner wies weiter darauf hin, daß es dem Verbande
ge=
lungen ſei, zu verhüten, daß die Invalidenrenten bei der
Inanſpruch=
nahme der Arbeitsloſenverſicherung ganz auf die Unterſtützung dieſer
Verſicherung angerechnet werden, ſondern nur inſoweit, als die
Invaliden=
rente den Betrag von monatlich 30 RM. überſteigt. Redner ſchildert
weiter gewiſſe Mißſtände, die beſeitigt worden ſeien. Vor der
Unter=
zeichnung des zurzeit aufliegenden Volksbegehrens (ſog. Freiheitsgeſetz),
warnt Redner unter Hinweis auf die Tatſache, daß ſich gewiſſenloſe
Elemente gerade an alte Invaliden und Witwen herandrängten, um
ſie zur Unterzeichnung zu verleiten. — Bürgermeiſter. Dr. Uecker
aner=
kennt die foziale Not der Invaliden und Witwen und wies auf die
finanzielle Belaſtung, beſonders der Arbeitsgemeinden hin, der man
durch fogenannte Gefahren=Gemeinſchaften zu begegnen verſuche, um die
ſteigenden Laſten gerechter zu verteilen, wie dies zurzeit der Fall ſei.
Ein Fortſchritt in der hieſigen Gemeinde ſei der Vertrag mit den
Orts=
ärzten, durch den eine Krankenkaſſenverſicherung der Sozial= und
Klein=
rentner ſowie Ortsarmen in Zukunft ſich inſofern erübrige, als auf
Grund des Vertrages den genannten Kreiſen ärztliche Behandlung und
Apotheke auf Koſten der gemeindlichen Fürſorge gewährt werde. An
der Debatte beteiligten ſich ferner Kolb=Darmſtadt und Pritſch=Eberſtadt.
die auch ihrerſeits auf die Notwendigkeit eines möglichſt engen
Zu=
ſammenſchluſſes aller Invaliden= und Unfallrentner ſowie Witwen
hin=
wieſen, um eine Beſſerung ihrer wirtſchaftlichen Lage herbeizuführen.
F. Eberſtadt, 21. Okt. Obſt=und Gartenbauverein. Zum
erſten Male in der Zeit ſeines 30jährigen Beſtehens trat der Obſt= und
Gartenbauverein in einer geſelligen Veranſtaltung an die Oeffentlichkeit.
Im Gaſthaus „Zur Eiſenbahn” (Hartmann), deſſen Saal feſtlich
ge=
ſchmückt war, fanden ſich in großer Zahl die Mitglieder des Vereins und
geladene Gäſte zu einer Abendunterhaltung zuſammen, für die man ein
recht unterhaltendes Programm zuſammengeſtellt hatte. Im erſten Teil
wartete Lehrer Knöß — auf dem Klavier von ſeiner Frau begleitet —
mit einem Violinſolo, Fräulein Uecker=Darmſtadt mit Sologeſängen
auf, künſtleriſch bemerkenswerte Leiſtungen, die mit Beifall
aufgenom=
men wurden. Auch die Jugend des Vereins, die zunächſt mit ſchönen
Tanzreigen, ſpäter in allerlei luſtigem Kurzweil dem Publikum die
Zeit vertrieb, zeigte durch die Aufführung des in Darmſtädter
Mund=
art geſchriebenen Luſtſpiels: „Der Kaktusfreund” ihre Kunſt im beſten
Lichte, trug damit weſentlich zu einer recht heiteren Stimmung bei und
erntete lebhaften Beifall. Gemeinſame Geſänge, ein ſich anſchließender
Tanz und eine ſehr reichhaltige Tombola ergänzten das Programm,
deſſen Vorbereitung dem Vorſitzenden, Lehrer Pörtner, der eingangs
den geſelligen Kreis herzlichſt begrüßte und den Mitwirkenden Dank
ſagte, oblag, der aber in Herrn Krauth, wie man bemerkte, nicht nur
eine ſtarke Stütze, ſondern auch einen guten Arrangeur hatte. So konnte
das Feſt auf dieſe Weiſe einen ſchönen Verlauf nehmen und berechtigt
zur Annahme, daß ähnliche geſellige Veranſtaltungen künftig einen Teil
der Vereinsarbeit bilden werden.
4a. Eberſtadt, 21. Okt. Feuerwehrball. Die Freiw.
Feuer=
wehr Eberſtadt weiſt ſchon jetzt darauf hin, daß der allſeits beliebte
Feuerwehrball in dieſem Jahre am 16. November ſtattfindet.
Aa. Eberſtadt, 21. Okt. Gewitter im Oktober. Am Freitag
abend, kurz nach elf Uhr, ging über der Bergſtraße ein heftiger
Ge=
witterregen, von mehrmaligem lautem Donnergrollen begleitet, nieder.
Cp. Pfungſtadt, 21. Okt. Schulbeginn. Der Unterricht an den
Volksſchulen, an denen mit Rückſicht auf die Scharlacherkrankungen die
Ferien nochmals verlängert werden mußten, beginnt jetzt beſtimmt am
28. Oktober. — Der Verkehrsverein Pfungſtadt hat während
der Sarraſani=Woche Sonderfahrten mit dem Kraftomnibus eingelegt.
Das „Männerquartett” Pfungſtadt hält am 2. Nobember im
„Rheiniſchen Hof” einen Theaterabend ab. Zur Aufführung gelangt
Der Schwank „Der Me’ſteiboxer” von Otto Schwarz und Carl Mathern=
Frankfurt. — Am Sonntag nachmittag fand hier eine
Proteſtver=
ammlung der Kriegsbefchädigten ſtatt.
Cp. Pfungſtadt, 21. Okt. Filmvortrag. Die Ortsgruppe
Pfungſtadt des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden hielt am
Sonn=
tag nachmittag einen Filmportrag über die ſozialpolitiſche Arbeit des
Verbandes — Der Krieger= und Militärverein
Pfung=
ſtädt feiert am Samstag abend ſein 40jähriges Beſtehen. Die
Veran=
ſtaltung findet im Saale des „Rheiniſchen Hofes” ſtatt. Außer einer
Gefallenenehrung iſt eine Chrung der Vereinsgründer und Altveteranen
vorgeſehen. — Das Kinderturnen im Turnverein fällt bis auf weiteres
aus:
Dienstag, den 22. Oktober 1929
G. Ober=Ramſtadt 21. Okt. Fußſteigherſtellung. Einer
dringenden Notwendigkeit entſprechend, wird gegenwärtig der linksſeitige
Fußſteig im Frankenhäuſerweg, und zwar von der Bauſtraße bis zur
Lichtenbergſtraße, ausgebaut. — Säuglingsfürſorge. Nächſten
Montag, den 28. Oktober, nachmittags von 2—3 Uhr, findet im unteren
Rathausſaal Säuglingsberatungsſtunde ſtatt.
r. Babenhauſen, 21. Okt. Nach der Pfarrkonferenz des Dekanats
Groß=Umſtadt=Babenhauſen hielt am Donnerstag nachmittag im
Schloſſe vor einem Kreis von Dirigenten evangel. Kirchengeſangvereine
Herr Prof. Dr. Noack=Darmſtadt einen alle Zuhörer ſtark feſſelnden
Vortrag über das Thema: „Wie übe ich einen gemiſchten Chor ein?”
Geradezu alle Fragen der inneren und äußeren Organiſation wurden
von dem Leiter des Darmſtädter Volkschors, dem vortrefflichen
Muſik=
pädagogen, geſtreift. Da redete ein Mann der Praxis, der aus dem
Vollen ſchöpfte und geſtaltete, zu ſeinen aufmerkſamen Zuhörern. Die
Arbeitsweiſe des Dirigenten wurde an dem Chor „Der Herr iſt mein
getreuer Hirt” praktiſch vorgeführt und kritiſch beſprochen. Der ganze
moſaikartige Aufbau des Chores erſtand, erſt das rein
Handwerks=
mäßige, dann die künſtleriſche Geſtaltung, die lebendige, harmoniſche
Zuſammenarbeit zwiſchen Chor und Leiter. Den Dank der Hörer, die
eine Fülle von Anregungen, methodiſchen Winken und Ratſchlägen
durch den zweiſtündigen Vortrag gewannen, erſtattete am Schluſſe Herr
Pfarrer Kehr=Babenhauſen in beredten Worten.
r. Babenhaufen, 21. Okt. Das Gaſtſpiel der Südweſtdeutſchen Bühne
„Arm wie eine Kirchenmaus”, das als 1. Vorſtellung am Sonntagabend
im Saalbau „Deutſcher Hof” ſtattfand, bedeutete für die Künſtlerſchar
einen vollen Erfolg. Die Theatergemeinde iſt gegründet und weiſt bis
jetzt ungefähr einen Stamm von rund 100 Perſonen auf. Die
vor=
treffliche künſtleriſche Leiſtung wird für gar manchen Beſucher ein
An=
trieb geweſen ſein, der Theatergemeinde als Mitglied für die drei
nächſten Vorſtellungen beizutreten.
Le. Groß=Umſtadt, 21. Okt. Aus dem Gemeinderat. Unter
dem Vorſitz des Bürgermeiſters Lampe wurde beſchloſſen: 1. Die
Aende=
rung des Voranſchlags für die Oberreal= und Höhere
Landwirtſchafts=
ſchule für 1930 wird nach Begründung durch Herrn Oberſtudiendirektor
Pfersdorff genehmigt. 2. Gegen den Voranſchlag für die Höhere
Mäd=
chenſchule für 1930 hat der Gemeinderat nichts zu erinnern. 3. Die
Einfriedigung des neuerbauten Zollhauſes ſoll aus Holz hergeſtellt
wer=
den. 4. Ueber die Anlage eines Blitzſchutzes am Erweiterungsbau der
Oberrealſchule ſoll ſpäter verhandelt werden. 6. Als Markttage in 1930
wurden folgende Tage beſtimmt: a) der erſte Donnerstag in der zweiten
Septemberhälte 17. 9. 31 (Pferdemarkt), b) der erſte Montag nach
Aller=
ſeelen 9. 11. 31 Krämermarkt (Kirchweih), c) der zweite Montag im
Dezember 14. 12. 31 (Weihnachtsmarkt). 7. Der Bauplatz des Theodor
Bücking, der in der Schillerſtraße gelegen iſt, wird zur Errichtung eines
Poſtgebäudes angekauft. 8. Die Höchſter Straße ſoll mit Kaltaſphalt
belegt werden. 9. Die Rechnung der Gemeinde für 1927 hat vorgelegen.
Der Gemeinerat hat keine Einwendungen zu machen. 10. Für die
Ge=
meinde Groß=Umſtadt werden folgende Ortslöhne feſtgeſetzt: Für
Ver=
ſicherungspflichtige über 21 Jahre: männliche 5,00 Mk., weibliche 3,50
Mk.; für Verſicherungspflichtige von 16—21 Jahren: männliche 4,00 Mk.,
weibliche 2,50 Mk.; für Verſicherungspflichtige unter 16 Jahren:
männ=
liche 2,00 Mk., weibliche 1,40 Mk. 11. Dem Gg. Hr. Martin Hax 2. wird
eine Schäferhütte zum Preiſe von 25 Mk. verkauft. 12. Der in der
katho=
liſchen Schule freigewordene Schulſaal wird der Freiwilligen
Sanitäts=
kolonne als Geräteraum überlaſſen. 13. Das Parken der Kraftwagen
in der oberen Marktſtraße ſowie in der Kaiſerſtraße vom alten
Schul=
haus ab bis zum Bachtor iſt verboten. 14. Das Baugeſuch des Georg
Müller 1. wird genehmigt.
t. Ernſthofen, 21. Okt. Die bürgerliche Liſte hat folgende
Kan=
didaten: 1. Adam Poth 1., Landwirt; 2. Adolf Schwinn, Landwirt;
3. Johann Philipp Daum 1., Landwirt; 4. Peter Roß 1., Kaufmann;
5. Georg Schwerer, Schneider; 6. Heinrich Fuhr 2., Weißbinder. — Die
Liſte des Mittelſtandes: 1. Georg Heyd, Landwirt; 2. Georg Mager,
Maurermeiſter; 3. Philipp Axt 3., Gaſtwirt. — Die Liſte der
Arbeiter=
partei: 1. Adam Delp, Mühlenarbeiter; 2. Peter Drautmann, Arbeiter;
3. Wilhelm Bauer, Weißbinder; 4. Hans Flügel 2., Steinſchleifer
Georg Friedrich Heyd, Schneider; 6. Karl Graf, Landwirtſchaftsarbeiter;
7. Hans Küfner, Schneider. Soviel bekannt iſt, hat ſich die
Mittelſtands=
partei mit der Arbeiterpartei eng verbunden.
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— Sandbach i. Odw., 21. Okt. Obſtausſtellung. Die am 27.
Oktober 1929 hier ſtattfindende Obſtausſtellung dürfte, wie man
allge=
mein hört, ſich eines guten Beſuches erfreuen, und zwar dadurch, daß
jeder Ausſtellungsbeſucher an einer Gratisverloſung teilnehmen kann.
Das herrliche Obſt, das allgemein in der Gemarkung wächſt, iſt den
Obſt=
käufern gut bekannt, und wird deshalb von Obſthändlern aus allen
Gegenden Deutſchlands gerne gekauft. Auch zu dieſer Ausſtellung ſollen
ſchon auswärtige Obſtkäufer ihr Erſcheinen in Ausſicht geſtellt haben.
Vereine aus Nachbarorten haben zum Teil ſchon ihr Erſcheinen
zuge=
ſagt. Die Ausſtellung ſollte anfänglich am 20. Oktober 1929 ſtattfinden,
jedoch durch Verhinderung des Vertreters der Landwirtſchaftskammer
Darmſtadt, wird die Ausſtellung auf Sonntag, den 27. Oktober
1929 verlegt.
Cd. Michelſtadt 21. Okt. Am letzten Freitga hielt die „
Oden=
wälder Vereinigung für Kunſt und Wiſſenſchaft
ihre diesjährige Hauptverſammlung ab. Der Vorſitzende, Herr O,St.D.
Dr. Weiner, gab zunächſt den Jahresbericht. Derſelbe enthielt den
Ueberblick über die Veranſtaltungen des letzten Winters, die alle
durch=
ſchnittlich ausgezeichnet beſucht waren. Die Rechnung wurde geprüft
und in Ordnung gefunden. Die durch Wegzug ausgeſchiedenen
Vor=
ſtandsmitglieder wurden auf Vorſchlag des Vorſtandes erſetzt durch Frl.
Franz, Frau Dr. Brücher=Erbach und Herrn Lehrer Friedrich=
Michel=
ſtadt. Die Hauptverſammlung nahm dann noch die Ueberſicht über die
geplanten Winterveranſtaltungen entgegen, die den Mitgliedern und
andern Beſuchern außerordentlich reiche Anregungen verſprechen. In
Anbetracht des niedrigen Mitgliedsbeitrags und damit des geringen
Eintrittsgeldes ſollte ein größerer Kreis der Bevölkerung ſich
regel=
mäßig bei den Veranſtaltungen jeden Freitag einfinden. Nach Schluß
der Verſammlung wurde den anweſenden Mitgliedern ein beſonderer
und überraſchender Genuß zuteil durch die Darbietungen des Lehrers
für dramatiſche Kunſt, Rudolf Gaebel aus Breslau. Derſelbe bot
mit wirkunvollem Organ, ſtarker dramatiſchen Bewegtheit und
geſchick=
ter Einführung Erzählungsproben von Tolſtoi und Küber, eine
drama=
tiſche Szene von Hebbel und einige lyriſche Gedichte. Er wurde
darauf=
hin ſofort für die erſte Veranſtaltung dieſes Winters am kommenden
Freitag verpflichtet.
Cd. Michelſtadt, 21. Okt. Bremen=Film. Am Mittwoch
abend brachten die Michelſtädter Lichtſpiele zuſammen mit dem Nord.
— Wie ſehr der Name
deutſchen Lloyd den Film die „Bremen”
Bremen populär geworden iſt, zeigte der überaus gute Beſuch der
Veranſtaltung. In techniſch und künſtleriſch gleich wertvollen
Aufnah=
men wurde der Bau dieſes Ozeanrieſen von der Kiellegung bis zum
Stapellauf gezeigt. Herr Oberingenieur H. Blecker=Hannover
er=
klärte in verſtändlichen Worten die einzelnen Teile und Aufnahmen
und konnte man die gewaltigen Maſchinen bewundern, die zum Bau
eines ſolchen Rieſenſchiffes nötig ſind. Schier unglaubliché Zahlen
über die Mengen der verarbeiteten Materialien: Stahl uſw., wurden
genannt. Man konnte durch die einzelnen Aufnahmen klar das Fort=
Seite 7
ſchreiten des Bauwerks beobachten. Auch der Stapellauf, den viele
jedenfalls im Rundfunk mit angehört haben, konnte man in dieſem
Der 2. Teil des
Film in verſchiedenen Aufnahmen mirerleben.
Filmes brachte dann die Vorbereitungen zur erſten Ausreiſe nach
Nordamerika, das Uebernehmen der Poſt, Einſchiffen der Paſſagiere
uſw. — Auch die Abfahrt und die Reiſe über den Atlantiſchen Ozean
waren in vielen trefflichen Einzelheiten auf dem Film feſtgehalten.
Die gewaltigen maſchinellen und techniſchen Einrichtungen des Schiffes,
das man ruhig mit einer S vergleichen kann, riefen allgemeinen
Erſtaunen hervor. Sehr intereſſant war auch der Abflug des
Kata=
pult=Flugzeuges von Bord der Bremen. — Mit der Rückkehr nach
Bremen war dann der hervorragende Kulturfilm zu Ende.
m. Beerfelden, 21. Okt. Bau einer katholiſchen
Ka=
pelle. Die katholiſchen Einwohner unſeres Städtchens hielten ſeither
ihren Gottesdienſt im Saal der hieſigen Klein=Kinderſchule; in den
letz=
ten Wochen nun wurde mit dem Bau einer katholiſchen Kapelle
begon=
nen, und zwar in der Nähe des Bahnhofs, am Nordausgang des
Städt=
chens. Daß der Bau in Angriff genommen werden konnte, iſt das
Ver=
dienſt von Herrn A. S. Roſenthal=New York, eines geborenen
Beerfelders, der zwei Drittel der Baukoſten übernahm; außerdem ſtiftet
er 2 Glocken, die Altarausſtattung und ein großes Harmonium; an
Stelle des letzteren hätte auch eine Orgel zur Verfügung geſtanden, ein
Naum für eine ſolche war aber im Bauplan nicht vorgeſehen. Dieſe
Stiftung zeugt von einem hochherzigen Sinn, der Einſeitigkeit und
Kleinlichkeit nicht kennt, ſondern Nächſtenliebe übt an jedermann. Herr
Roſenthal iſt ſchon gar oft in die Breſche geſprungen, wenn es galt,
irgend ein öffentliches Werk zu unterſtützen und zu Ende zu führen,
nicht zu vergeſſen der Privatwohltätigkeit, die Herr Roſenthal zu Zeiten
ſeines Hierſeins auch in weiteſtem Maße ausübte.
A. Rimbach, 21. Okt. Diebſtahl. Als der Obſthändler Schuſter
von hier nachts nach Mannheim mit Obſt auf den Markt fuhr und nur
eine Verwandte in ſeinem Haus ſchlief, nahmen Diebe die Gelegenheit
wahr und verſuchten einen Einbruch, der ihnen auch gelang. Sie
durch=
ſuchten die Wohnräume. Durch das dabei entſtehende Geräuſch wurde
die Verwandte von Sch. wach. Als die Diebe das merkten, nahmen ſie
Reißaus. Es ſollen ihnen 800—1000 Mark in die Hände gefallen ſein.
A. Ellenbach, 21. Okt. Einbruch. In die Mühle unterhalb des
Dorfes an der Provinzialſtraße nach Fürth, die einem Mannheimer
Großkaufmann gehört, wurde ein Einbruch verſucht, was ſehr leicht war,
da das Anweſen die Woche über meiſt leer ſteht. Jedoch konnten die
Einbrecher keine große Beute machen, da die Wohnräume gut
ver=
ſchloſſen waren. Sie hatten anſcheinend keine Einbruchswerkzeuge bei
ſich und nahmen mit einem kleinen Quantum Obſt vorlieb.
W. Heppenheim a. b. B., 21. Okt.
Handwerkskammer=
ſprechtag. Der nächſte Sprechtag der Handwerkskammernebenſtelle
findet am kommenden Mittwoch, den 23. Oktober, im hieſigen Kreisamt,
Zimmer Nr. 16, ſtatt. — Vierteljahrsausweis des
Kreis=
verbands. Der vierteljährliche Rechnungsausweis des
Gemeinde=
verbands (Kreis) Heppenheim für die Zeit vom 1. Juli bis 30.
Septem=
ber 1929 weiſt einen Fehlbetrag von 25 890 RM. nach, der ſich unter
Hinzurechnung des Defizits der Vormoante per 30. September 1929 auf
79 725 RM. erhöht. Das Jahresſoll iſt mit 1 315 798 RM. vorgeſehen.
Die Iſteinnahme im erſten Halbjahr (1. April bis 30. September 1929)
iſt 516 168 RM., denen 573 501 RM. Ausgaben gegenüberſtehen. —
Odenwaldklub. Die hieſige Ortsgruppe des Odenwaldklubs
unter=
nahm am geſtrigen Sonntag eine Tageswanderung nach Heidelberg
und Umgebung. — Feuerwehr der Stadt Heppenhei=
Die diesjährigen Herbſtübungen der hieſigen Feuerwehr finden am 2
und 24. Oktober, abends 8 Uhr, und am Sonntag, den 27. Oktober,
nach=
mittags 3 Uhr beginnend, ſtatt. —
Winterſchafweideverpach=
tung. Am Freitag, den 25. Oktober, werden im Saalbau Karchner
ſämtliche Wieſen der Stadt Heppenheim, etwa 1500 Morgen, als
Win=
terſchafweide befahrbar mit 400 Stück Schafen, für 1929/30 meiſtbietend
verpachtet.
zm. Hofheim (Ried), 20. Okt. Volksbegehren. Für das
Volksbegehren haben ſich in hieſiger Gemeinde bis jetzt zwei Perſonen
eingetragen. — Für die kommende Gemeinde=, Kreis= und
Provinzial=
tagswahl wurden hier fünf Wahlvorſchläge eingereicht. Es ſind dies
dieſelben wie früher: S.P.D., D. V.P., Ldbd., Zentrum und K.P.D.
Auch bringen die einzelnen Wahlvorſchläge in der Beſetzung keine
we=
ſentliche Neuerung. — Auch heute mußte die 1. Elf des hieſigen
Fuß=
ballvereins wieder eine Niederlage einſtecken. Trotz einem 3:1=Sieg
bei Halbzeit konnte die Elf in Hochheim nicht zu Punkten kommen. Am
Schluß hieß es 4:3 für den Gegner, und die hieſigen hatten wieder
Sieg und Punkte verſchenkt. Wenn es ſo weiter geht, wird der Abſtieg
nicht zu umgehen ſein.
* Gernsheim, 20. Oktober. Waſſerſtand des Rheins am
20. Oktober: 1,35 Meter, am 21. Oktober: 1.34 Meter.
* Hirſchhorn, 2. Oktober. Waſſerſtand des Neckars am
20. Oktober: 0,53 Meter, am A. Oktober: 0,56 Meter.
Ck. Groß=Gerau, 21. Okt. Wahlen zum Kreisſchulamt.
Die Amtszeit der derzeitigen Lehrermitglieder des Kreisſchulamts läuft
mit Ende dieſes Jahres ab. Es iſt darum die Neuwahl für drei
Ver=
treter der Kreislehrerſchaft, nebſt die von Erſatzmännern vorzunehmen.
Das Kreisſchulamt fordert die Kreislehrerſchaft auf, ſpäteſtens bis zum
15. November dieſes Jahres ihre Wahlvorſchläge einzureichen. Sofern
nur eine Wahlliſte bis zu dem genannten Termin eingereicht werden
ſollte, wäre eine Wahl nicht mehr notwendig und die in der Liſte
aufgeführten Lehrperſonen, nebſt den dazugehörigen Erſatzmännern
hätten dann als gewählt zu gelten. — Die Kreiskaſſe Groß=
Gerau gibt ſoeben einen Vierteljahrs=Ausweis über die Einnahmen und
Ausgaben des Kreiſes Groß=Gerau für das Vierteljahr Juli—
Septem=
ber des Rechnungsjahres 1929 heraus. An Einnahmen ſind zu nennen:
Steuern 95 000 Mk., Allgemeine Verwaltung 5000 Mk.,
Wohlfahrts=
pflege und Geſundheitsweſen 987000 Mk., Kämmereiverwaltungen
1080 Mk., Einnahmen insgeſamt (abzüglich der Zuſchüſſe an
Unterneh=
mungen, Betriebe und Vermögensverwaltung) 388000 Mk. An
Aus=
gaben ſind zu nennen: Allgemeine Verwaltung 18 000 Mk.,
Gemein=
nützige Anſtalten und Einrichtungen 2000 Mk., übrige
Kämmereiver=
waltungen 80 000 Mk. Wohlfahrtspflege und Geſundheitsweſen 299000
Mk., Ausgaben insgeſamt 399000 Mk., mithin Mehrausgabe 11000
Mk. Der Kaſſenabſchluß ergibt einen Beſtand von 307000 Mk.
Ck. Aſtheim, 21. Okt. Der Aſtheimer Gurkenmarkt. Das
Kreisamt Groß=Gerau hat für den Aſtheimer Gurkenmarkt, der weit
über die Grenzen unſerer Heimat hinaus bekannt iſt, eine
Marktord=
nung erlaſſen, nach der der Markt auf dem öffentlichen Platze am alten
Schulhauſe und Friedhof und in der Pfarrgaſſe abgehalten werden
muß. Alljährlich vor Beginn der Gurkenernte beſtimmt das
Kreis=
amt den Zeitpunkt, wann der Markt zu eröffnen iſt. Dieſer Zeitpunkt
wird öffentlich bekannt gemacht. Der Markt dauert ſolange, bis deſſen
Schluß für das betreffende Jahr von dem Kreisamt verfügt wird. Der
Markt iſt allwöchentlich zweimal. Die Bezeichnung der beiden
wöchent=
lichen Markttage erfolgt durch den Marktausſchuß. Die Marktzeit
dauert von 7 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags. Nach Bedürfnis
kann der Marktausſchuß die Marktzeit verkürzen oder verlängern. Die
Eröffnung und der Schluß des Marktes werden durch Aufziehen und
Einziehen einer Fahne oder durch Läuten bekannt gegeben. Alle au
den Markt gebrachten Waren werden als käuflich betrachtet, ſolange ſie
auf dem Markt ſind; ihr Beiſeiteſetzen und Verbergen iſt unterſagt.
Insbeſondere iſt es verboten, Marktwaren der polizeilichen Kontrolle
zu entziehen, vielmehr ſind alle Beſitzer von Gurken gehalten, ihre
ſämtlichen Vorräte an eingeernteten Gurken den Polizeiorganen zur
Beſchau vorzuzeigen. Es dürfen nur geſunde, reine und friſche Waren
auf den Markt gebracht werden. Jeder An= und Verkauf vor Beginn
des Marktes iſt unterſagt. Die zum Markt gebrachten Waren dürfen
nur zum Stückpreis verkauft werden. Für die Benützung des Platzes
ſind tarifmäßige Gebühren zu entrichten. Der Käufer hat die
er=
worbene Ware ſofort zu entfernen. Zuwiderhandlungen gegen die
Vorſchriften der Marktordnung werden mit Geldſtrafe bis zu 150 Mk.
beſtraft. Die Marktordnung tritt mit dem 19. Oktober d. J. in Kraft.
Aa. Rüfſelsheim, 21. Okt. Evgl. Freizeit. In der vergangenen
Woche fand ſeitens des Verbandes der evgl. weiblichen Jugend Heſſens
eine Freizeit ſtatt, die unter der Leitung von Frl. Ecker=Zwingenberg
ſtand. Es wurden Fragen religiöſer, ſittlicher und erzieheriſcher Art
behandelt. Es waren rund 20 Mädchen aus allen Teilen Heſſens
zu=
ſammengekommen. Außer Frl. Ecker hielten Pfarrer Blum=Ginsheim
und Schweſter Dorothea Referate.
Geſichtsausſchlag, Pickel, Puſteln, Wimmerln, 4ene rulgaris.
keſſer und Ekzeme, die beſonders bei jungeren Leuten beiderlei
chlechts ſo überaus haufig auftretenden Hautübel, werden von
ofk faſt verzweifelnden Opfern mit allen nur erreichbaren
teln bekämpft. Vortrefflich bewährt hat ſich nach meinen
Er=
ungen folgendes Verfahren: Man nehme ein Stuck „Zucker s
kent=Medizinal=Seife” reibe mit der Hand oder noch
er mit einer naſſen Bürſte, einem naſſen Pinſel und dergleichen
möglichſt viel dicken Schaum, läßt ihn eventuell noch einige Zeit
tehen, bis er ſo dick iſt wie Brei. Salbe oder Sirup, und trägt ihn
dann leicht, ohne zu reiben, auf die zu behandelnden
Haut=
ſtellen auf. Am beſten geſchieht das Auftragen des Abends, damit
der Schaum genügend Zeit hat. auf der Haut einzutrocknen und
die Nacht über liegen bleiben kann. Morgens erweicht man ihn
mit etwas Waſſer, ſpült ihn dann leicht ab und trocknet hierauf
die Haut, ohne zu reiben oder zufrottieren, ſanft mit
einem weichen Tuch. Nachher ſtets die Haut mit „Zuckooh=
Creme”, die ebenſo wie „Zucker’s Patent=Medizinal=
Seife” in jeder Apotheke, Drogerie und Parfümerie, ſowie in
edem beſſeren Friſeurgeſchäft zu haben iſt, nachbehandeln. Dieſe
Prozedur, richtig durchgeführt, ſchafft in Kürze neue, reine ung
geſunde Haut und verjüngt um Jahre.
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Das Leben dieses Titanen, der Buropa und der ganzen Welt ein neues Gesicht verliehen hat, von ihm
gelbst und seinen Zeitgenossen geschildert, liest sich spannend wie ein fesselnder Roman, und wirkt
ergreifend und erschütternd wie ein Drama von Shakespeare oder eine Tragödie des Sophokles. Mit Recht
nennt der große Kritiker Sainte-Beuve Napoleons Memoiren
das großartigste Werk der Weltliteratur.
Napoleons beispielloser Aufstieg vom unbekannten Leutnant zum Kaiser und Weltbeherrscher wäre ohne
die vorausgehenden großen Umwälzungen der französischen Revolution undenkbar gewesen. Sein
grandioses Abenteuerleben wird uns erst verständlich, wenn wir die Zusammenhänge und Auswirkungen
der Revolution kennen, deren Sohn, Bezwinger und Testamentsvollstrecker Napoleon Bonaparte gewesen
ist. Deshalb bringen wir gleichzeitig mit Napoleons Memoiren die nicht minder packende und zeitgemäße
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und gesellschaftliche Entwicklung Europas nachhaltiger und einschneidender beeindußt als die große
französische Revolution, die der berühmte Historiker Michelet mit hinreißender, unübertrefflicher
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schaulichkeit geschildert hat. Dieses für das Verständnis der Jetztzeit grundlegende Werk erscheint
in unserm Verlag zum erstenmal in deutscher Sprache.
Durch Einsendung des unten angefügten Absohnittes erwirbt jeder Leser dieses Blattes das Recht zur
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II Hbg 16532
[ ← ][ ][ → ]Seite 10
Dienstag, den 22. Oktober 1929
Reich und Ausland.
Ein einzigartiger Rekord des „00 1‟
Kriegsgräberfürſorge.
Aus Anlaß ſeines 10jährigne Beſtehens hält der
Volksbund Deutſche Kriegsgräberfürſorge e. V. ſeine
diesjährige Bundestagung vom 20. bis 22. Oktober in
der Reichshauptſtadt ab. Dem Ernſt der Aufgaben
und Ziele des Volksbundes entſprechend iſt von jeder
beſonderen Feierlichkeit Abſtand genommen. Nach
einem gemeinſamen Gottesdienſt in den Hauptkirchen
aller Konfeſſionen und einer ſtillen
Kranznieder=
legung auf dem Garniſonfriedhof Haſenheide wird
die Bundestagung am Sonntag mittag um 12 Uhr
in der alten Aula der Univerſität Unter den Linden
im Beiſein der Vertreter von Reichs= und
Staats=
behörden, großen Körperſchaften, zahlreichen
Spitzen=
verbänden und Organiſationen eröffnet. Anſchließend
folgt die Eröffnung der Ausſtellung „
Kriegsgräber=
fürſorge” in der Neuen Wache (Schinkelwache) neben
der Univerſität. In dieſer Ausſtellung wird an
Hand von Friedhofsmodellen, Zeichnungen und
Bil=
dern die Tätigkeit des Volksbundes veranſchaulicht.
Das Auswärtige Amt hat von Friedhöfen in den
Randſtaaten und Belgien eine Anzahl Bilder zur
Verfügung geſtellt, die die vom Reich geleiſtete
Ar=
beit kennzeichnen. Die Ausſtellung, die von 10 bis
20 Uhr geöffnet iſt, wird vorläufig bis zum 27.
Ok=
tober einſchließlich gezeigt. Die ſpäteren Termine
werden noch bekanntgegeben. Der Eintritt iſt frei.
Schneefall im Schwarzwald.
Freiburg. Nachdem es in ganz Oberbaden
während der beiden letzten Tage nahezu
ununter=
brochen geregnet hatte, trat in den Abendſtunden des
Sonntags plötzlich ein Witterungsumſchlag ein. Bei
ſternenklarem Himmel wurde in der Nacht zum
Mon=
tag der Gefrierpunkt erreicht, ſtellenweiſe ſank die
Temperatur noch tiefer. Im Hochſchwarzwald herrſchte
bei ähnlichen Temperaturen Schneefall bis zu etwa
700 Metern herab. Auf dem Feldberg liegt eine
Schneedecke von ungefähr fünf Zentimetern, die
aller=
dings durch Verwehungen ſehr unregelmäßig iſt.
Auch aus den benachbarten Schweizer Gegenden
werden ähnliche Wetterverhältniſſe gemeldet. Auf
dem Rigi, dem Pilatus und dem Gotthard liegt
be=
reits eine etwa 50 Zentimeter hohe Schneedecke.
Ein Rauſchgiftſchwindler verhaftet.
Hagen. Die Hagener Polizei verhaftete am
Samstag einen 19jährigen Erwerbsloſen, als er auf
ein gefälſchtes Rezept eine größere Menge Rauſchgift
in einer Apotheke abholen wollte. Bei dem
Ver=
hafteten wurden noch zehn Ampullen mit Rauſchgiften
gefunden, außerdem Rezeptformulare eines Hagener
Arztes, die der Verhaftete mit nachgeahmter Schrift
des Arztes ausfüllen wollte. Der Verhaftete
unter=
nahm durch Oeffnen der Pulsadern einen
Selbſt=
mordverſuch, der jedoch mißglückte. Die
Nachforſchun=
gen nach etwaigen Helfershelfern des Verhafteten ſind
im Gange.
Raubüberfall auf eine Berliner
Untergrundbahnkaſſe.
Berlin. In der Nacht zum Sonntag erſchien
ein Mann vor dem Fahrkartenſchalter der
Unter=
grundbahnhalteſtelle Sophie=Charlotte=Platz, klopfte
an die Tür und teilte der Fahrkartenverkäuferin, die
Nachtwache hatte, mit, ſie werde am Telephon
ver=
langt. Die Verkäuferin ſchöpfte ſofort Verdacht und
ſetzte die Alarmglocke in Bewegung. Vorher hatte
der Mann mit zwei Helfern den 59 Jahre alten
Untergrundbahnwächter überfallen, auf eine Bank
geſchleppt und mit der Schußwaffe gezwungen, ſich
ruhig zu verhalten. Als die Alarmglocke in
Tätig=
keit trat, waren alle drei plötzlich verſchwunden. Das
Ueberfallkommando konnte die Räuber nicht mehr
ausfindig machen.
Englands Hollywood niedergebrannt.
Berlin. Wie die „B. Z.” aus London
be=
richtet, ſind die Filmateliers des Britiſh Talking
Pie=
tures Ltd. und der Britiſh Sound Film Production
in Wembley am Montag früh durch Feuer vernichtet
worden. Auch ein neues mit einem Koſtenaufwand
von 100 000 Pfund errichtetes Atelier für
Klangfilm=
aufnahmen iſt vollkommen niedergebrannt. Das Feuer
brach in einem Atelier aus, in dem ſich hunderte von
Wachsmarionetten befanden, die für einen neuen Film
verwendet werden ſollten. Ausrüſtungsgegenſtände
aller Art, Kameras, Beleuchtungslampen,
Laut=
ſprecher uſw. ſind zerſtört worden. Ein Behälter, der
20 bis 30 noch nicht entwickelte Filme enthielt, flog
mit ungeheurem Getöſe in die Luft.
Schweres Autounglück.
Breslau. Die „Breslauer Neueſten
Nach=
richten” melden: Am Sonntag iſt in der Nähe der
Sieben Kurfürſten im Eulengebirge ein Auto aus
Schweidnitz einen Abhang etwa 30 Meter tief
hin=
untergeſtürzt, wobei ſich der Wagen mehrere Male
überſchlug. Von den vier Inſaſſen war der Beſitzer
ſelbſt tot, während ſein Sohn, der den Wagen
ge=
ſteuert hat, und ſeine Frau ſchwere Verletzungen
da=
vontrugen.
Blutige Sonntagsnacht in Wien.
Wien. Die Sonntagnacht verlief in Wien
über=
aus blutig. Zuſammenſtöße Betrunkener forderten
zwei Todesopfer und fünf Schwerverletzte. In
Her=
nals kam es bei einem Glücksſpiel zu einer
Revolver=
ſchießerei, die 1 Todesopfer forderte. Weiter überfiel
eine Gruppe von Radaubrüdern einen harmloſen
Spaziergänger und trat ihn mit Füßen buchſtäblich
zu Tode. Auf der Schmelz gab es gleichfalls einen
Revolberkampf und zahlreiche andere Streitigkeiten.
Außer drei Toten wurden acht Schwerverletzte gezählt.
Der Eſſener Defraudant Rode in Wien
feſtgenommen.
Wien. Der 26jährige Buchhalter der Sparkaſſe
in Eſſen, Hermann Rode, der von den deutſchen
Be=
hörden wegen Unterſchlagung zum Nachteil der
Eſſener Sparkaſſe verfolgt wird, wurde von der
Wiener Polizei als bedenklich angehalten, weil er
in der Nacht zum Samstag in einem
Vergnügungs=
lokal in luſtiger Geſellſchaft nicht weniger als 17
Flaſchen Sekt zu bezahlen hatte. Er legte auf der
Polizei das Geſtändnis ab, daß er von den
deut=
ſchen Behörden wegen Unterſchlagung verfolgt werde.
Plötzlich zog er ein Taſchenmeſſer aus der Taſche und
brachte ſich eine tiefe Stichwunde in der Herzgegend
bei. In ſchwerverletztem Zuſtand wurde er ins
Krankenhaus der Gefängnisanſtalt gebracht. Die
reichsdeutſchen Behörden wurden von dem
Sachver=
halt verſtändigt.
Zum erſtenmal 170 Perſonen in einem Flugzeug. — Ein hoffnungsfroher
Ausblick für die Perſonenbeförderung der Zukunfk.
Friedrichshafen, 21. Oktober.
Das Flugſchiff „Do. K” iſt heute vormittag bei
herrlichem Wetter um 11,15 Uhr mit 151 Paſſagieren
und 19 Mann Beſatzung zu einem dreiviertelſtündigen
Flug über dem Bodenſeegebiet geſtartet. Um 12,05
Uhr iſt es glatt gelandet. Die Motoren haben ſehr
zufriedenſtellend gearbeitet.
Ueber den Paſſagierflug des „Do. X” ſind noch
folgende Einzelheiten zu berichten: Neben 30
Preſſe=
vertretern und Filmleuten beteiligten ſich 120
Ange=
hörige der Dornierwerft, Altenrhein, an dem Flug.
feres Waſſer geſchleppt worden war, wurden
nachein=
ander die Maſchinen in Gang gebracht.
Innerhalb von drei Minuten liefen ſämtliche
zwölf Motoren. Darauf begannen die Rollmanöver,
die etwa eine Viertelſtunde dauerten. Um 11,25 Uhr
ging das Fahrzeug in den Anlauf zum Start über.
Schon nach 72 Sekunden löſte ſich das ſchwer
be=
laſtete Flugboot normal vom Waſſer und begann
ſeinen Rekordflug der etwa 40 Minuten dauerte und
ſich in zirka 350 Meter Höhe über dem ganzen
Ober=
ſee von Konſtanz bis Bregenz erſtreckte. Um 11,57
Uhr traf „Do. K” wieder über Altenrhein ein. Nach
Ein Querſchnitt durch „Do. K”. Im Kreis: „Do. K” auf nächtlichem Flug.
Um 10,30 Uhr wurden die 150 Fluggäſte zum Schiff
gebracht, um in dem rieſigen Rumpf Platz zu
neh=
men. Als Beſatzung befanden ſich, einſchließlich des
Informationsperſonals, 19 Mann an Bord, ſo daß
insgeſamt 169 Perſonen in dem Flugſchiff Aufnahme
gefunden hatten. Das Gewicht der Zuladung, ſowie
das Abflugsgewicht ſind im Augenblick noch nicht
bekannt. Betriebsſtoff wurde für etwa ſechs Stunden
an Bord genommen. Wenige Minuten nach 11 Uhr,
nachdem der „Do. K” durch ein Motorboot in tie=
einer eleganten Schleife über der Dornierwerft wurde
zur Landung geſchritten. Um 12,04 Uhr ſetzte die
Maſchine nach ihrem ſo glänzend gelungenen Flug
wieder auf dem Waſſer auf. Mit Ueberbelaſtung
hätte eine Strecke von 1000 bis 1500 Kilometern
zu=
rückgelegt werden können. An Bord befanden ſich
auch Maurice Dornier und außerdem noch ein
vier=
jähriger Junge, der allerdings nicht gewogen wurde,
ſo daß eigentlich 170 Perſonen den Flug mitgemacht
haben.
Dem Diener des Briedens und des Vakerlandes.
Die neue Streſemann=Gedenkmünze.
Zum Andenken des ſo plötzlich verſchiedenen Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann werden von der
Preußiſchen Staatsmünze in Berlin Gedenkmünzen in Fünfmarkſtückgröße nach dem Entwurf des
bekannten Bildhauers Oskar Glöckler geprägt. Die Vorderſeite der Münze zeigt das Bildnis
Streſe=
manns mit der Umſchrift „Diener des Friedens und des Vaterlands Streſemann”, während die
Rückſeite eine ſymboliſche Darſtellung der Rheinlandbefreiung mit der Beſchriftung „
Rheinland=
räumung 1929—1930” trägt.
4
Zer Hapenäuf dei HAeisnig"
der Kreuzer gleitet nach dem feierlichen Taufakt in ſein Element
s nebenſtehende Bild zeigt den mächtigen Bug des neuen Kreuzerg.
Numnie: 20 3
30jähriges Beſtehen des chriſtlichen
Mekallarbeikerverbandes Deutſchland
30 Jahre bedeuten für die Bewegung eine
Berufsſtandes einen langen Weg aufbauende
und zielbewußter Arbeit. Dieſen Weg hat de
chriſtliche Metallarbeiterverband, der am 15. O
tober 1899 von beherzten Männern geſchaffe
wurde, glänzend beſtanden. Aus den 150 Grür
dungsmitgliedern zu Duisburg, die den Grund
ſtein legten, ſind 117 000 Verbandsmitglieder ge
worden unter Führung des tatkräftigen Former
Franz Wieber, der die Seele der Bewegung wa
und auch heute noch iſt.
Bereits in den 70er Jahren des vergangene
Jahrhunderts wirkte ein chriſtlich=ſozialer Metall
Stein= und Holzarbeiterverband in Eſſen, de
ſich unter dem Sozialiſtengeſetz in einen Sterbe
verein umwandelte. In den 80er Jahren bil
deten ſich dann allenthalben Fachgruppen de
Metallarbeiter, unter denen die Formerfad
gruppe in Duisburg mit Franz Wieber an de
Spitze Vorbildliches leiſtete. Sie beſtand bereit
1889 einen halbjährigen Kampf um das Koali
tionsrecht. 1891 ſchloß ſich die Duisburger For
merfachgruppe dem Formerverband an, der Neu
tralität vorgab, um ſo deſto wirkſamer die Ge
ſchäfte der kirchenfeindlichen Sozialdemokratie z.
beſorgen. Jahrelange Bemühungen der chriſt
lichen Former den Verband aus dem ſozial
demokratiſchen Fahrwaſſer herauszubringen, ſchei
terten, und ſo taten die chriſtlich denkenden For
mer den einzig möglichen Schritt und trate
1895 aus dem Formerverband aus. Vier Jahr
ſpäter, 1899, erfolgte dann von Duisburg aus di
Gründung des heute ſo machtvollen chriſtlicher
Metallarbeiterverbandes.
Auch in hieſiger Gegend hat der chriſtlich
Metallarbeiterverband beſonders in den letzter
Jahren ſtark an Mitgliedern zugenommen. J
allen größeren Induſtrieſtädten des rhein=maini
ſchen Wirtſchaftsgebietes konnte er ſelbſtändige
Sekretariate mit frei geſtellten Kräften errichten
um ſo wirkungsvoller die Intereſſen ſeiner Mit
glieder zu vertreten.
Hohe Belohnung für die Auffindung eines
vermißten franzöſiſchen Flugzeugführers.
Paris. Am 22. September d. J. fand man,
wie gemeldet, bei Agram einen franzöſiſchen
Frei=
ballon auf, der am Tage vorher an einem Pariſer
Wettflug teilgenommen hatte. Blutſpuren an der
Gondel ließen darauf ſchließen, daß der Inſaſſe der
Gondel verwundet und dann aus der Gondel
heraus=
geſchleudert worden war. Die Nachforſchungen haben
nun ergeben, daß das Unglück ſich in Deutſchland
zu=
getragen haben muß, und zwar ungefähr 100
Kilo=
meter nördlich oder ſüdlich der vermutlichen
Flug=
linie Stuttgart—Ulm—Augsburg—München—
Salz=
burg. Nunmehr iſt eine Belohnung von 20000
Franes ausgeſetzt worden für eine Mitteilung, die
die Auffindung des Piloten ermöglicht.
Ueberſchwemmungen in Honduras.
Tegueigalpa (Honduras). Schwere
Wolken=
brüche riefen große Ueberſchwemmungen im Norden
und Süden des Landes hervor. Der Fluß Holua iſt
aus ſeinen Ufern getreten. Der Bahnverkehr wurde
unterbrochen. Der Ort San Manuel wurde eiligſt
geräumt; andere Ortſchaften ſind bedroht. Der
Sach=
ſchaden iſt groß.
Tödlicher Unfall durch eine Fliegerbombe.
Mailand. Wie aus Ciwita Veechia berichtet
wird, geriet der 15jährige Hirt Fernandi auf dem
Flugfeld Furbana auf ein mit roten Fahnen
abge=
grenztes Gebiet, auf das Kampfflieger Bomben
ab=
gworfen hatten. Er ſtieß an eine nicht explodierte
Fliegerbombe, die ſich entzündete und ihn in Stücke
riß.
Blutiger Streit unter Negern.
Chicago. 400 Neger, unter denen ein Streit
über die Paſtorenwahl in ihrer Kirche entſtanden
war, bearbeiteten ſich mit Raſiermeſſern derart, daß
mehr als 20 verletzt wurden, darunter einige ſchwer.
60 Neger wurden verhaftet.
Vier Fiſcher ertrunken.
Neukuhren. Am Montag früh hat ſich hier
ein ſchweres Unglück zugetragen. Von 19 in der
Nacht auf den Fiſchfang ausgefahrenen Kuttern iſt
einer im Sturm gekentert. Die vier Fiſcher ſind
ertrunken; die übrigen Boote ſind wohlbehalten
zu=
rückgekehrt.
Gasvergiftung einer ſiebenköpfigen Familie.
NewYork. In einem Wohnhaus im
Armen=
viertel von New York wurden Sonntag vormittag
ein Vater und ſeine ſechs Kinder, drei Knaben und
drei Mädchen im Alter von 8 bis 16 Jahren, tot
aufgefunden. Sie waren während der Nacht durch
ausgeſtrömtes Leuchtgas vergiftet worden.
Nummer 293
* Hloffwechſelforſchungen.
Verſammlung der Geſellſchaft für Verdauungs= und
Stoffwechſel=
krankheiten, Berlin, 16.—18. Oktober 1929.
Die großen Fortſchritte auf den verſchiedenen Gebieten der
Stoffwechſelforſchung geben der diesjährigen Tagung der
Ge=
ſellſchaft für Verdauungs= und Stoffwechſelkrankheiten, die unter
dem Vorſitz des berühmten Magenchirurgen Prof. Dr. von
Habe=
rer kürzlich in Berlin ſtattfand, eine beſondere Bedeutung. Die
Vertreter der verſchiedenſten Spezialgebiete, Interniſten,
Chirur=
gen, Kinderärzte, Phyſiologen, Pharmakologen uſw. vereinigten
ſich hier, um Stoffwechſelfragen in ihren verſchiedenen
Arbeits=
gebieten aus zu beſprechen und ihre Forſchungsergebniſſe zu
vergleichen. Schon das erſte Hauptreferat, die Pharmakotherapie
des Verdauungskanals, vorgetragen von dem Berliner
Pharma=
kologen Prof. Trendelenburg, führt ſo tief in wiſſenſchaftliche
Ein=
zelheiten, daß hier nur auf einzelne Punkte hingewieſen werden
kann. Der Referent trat beſonders für eine ſehr genaue Prüfung
aller Arzneimittel auf Reinheit und Ungefährlichkeit im
Tier=
verſuch ein. Er warnt vor der Verwendung älterer, ſtark
wir=
kender Abführmittel wie Crotonöl und Colloquinten, da ſie einen
ſtarken Entzündungsreiz auf die Darmſchleimhaut ausüben.
Auch von der zu häufigen Verwendung von Einläufen wurde bei
dieſer Gelegenheit abgeraten. In neuerer Zeit hat ſich als
mil=
des und ſchonendes Abführmittel beſonders das Paraffinöl
be=
währt. Es bildet im Darm mit Waſſer eine Aufſchwemmung,
die eine zu ſtarke Eindickung des Darminhalts verhindert. Die
moderne Medizin iſt hier wie auf anderen Gebieten beſtrebt,
möglichſt ſolche Stoffe anzuwenden, die der Körper ſelbſt
her=
ſtellt und unter phyſiologiſchen Verhältniſſen verwendet. Ein
ſolcher Stoff iſt das Cholin. Es wird in der Darmwand ſelbſt
gebildet und iſt chemiſch mit der Gehirnſubſtanz verwandt. Man
gebraucht es vor allem, wenn Darmlähmung droht. Große
Be=
deutung bei der gefürchteten Darmlähmung nach Operationen
hat der Extrakt aus einem Teil des Hirnanhangs erlangt. Dieſe
Präparate wirken günſtig auf die Steigerung des Blutdrucks
und Kräftigung des Blutkreislaufs.
Von der kliniſchen Seite wurde die Wirkung von
Arznei=
mitteln auf die Verdauungsorgane durch Profeſſor Weſtphal
(Hannover) beleuchtet. Der Referent warnte ausdrücklich vor
dem übermäßigen Gebrauch von doppeltkohlenſaurem Natron,
das in vielen Familien geradezu als Univerſalmittel bei allen
Magenſtörungen gilt. Ein großer Fortſchritt liegt in der
Ver=
wendung von Knoblauch und Tierkohle zur Bekämpfung der
Blähungsbeſchwerden, insbeſondere bei Schwerkranken und
Operierten.
Ein Gebiet von ſehr großer praktiſcher Bedeutung wurde
durch das Referat Prof. Eckſteins über den Magenpförtnerkrampf
(Pyloroſpasmus) berührt. Pyloroſpasmus iſt eine Erkrankung
der erſten Lebenswochen, die vorwiegend Knaben befällt. Es
handelt ſich meiſtens um einen zu kräftig ausgebildeten
Schließ=
muskel des Magenausgangs, der die Magenentleerung derart
er=
ſchwert, daß die Ernährung des Kindes ganz ungenügend iſt und
die Kinder größtenteils an Entkräftung zugrunde gehen. Das
auffallendſte Symptom iſt das heftige Erbrechen der Kinder.
Die Erkennung iſt durch das Röntgenverfahren ſehr erleichtert
worden. Die Behandlung erſtreckt ſich zunächſt auf eine
ſorg=
fältige, dem Krankheitsfall angepaßte Koſt und eine Ausſchaltung
des krampfhaften Verſchluſſes des Magenpförtners durch Arznei=
und Schlafmittel. Leider gelingt es auf dieſe Weiſe nicht immer,
die Kinder zu retten. Dann muß zur Operation geſchritten
wer=
den (Weber und Ramſtedt). Kirſchner, Tübingen, berichtete
über 44 ſchwerkranke Kinder, die durch die Operation alle zur
Heilung gebracht wurden.
Es gibt auch einen Krampf des Magenmundes (
Cardioſpas=
mus). Ueber dieſes Thema ſprach Prof. Starck, Karlsruhe. Dieſes
Leiden, das ſich in Schluckbeſchwerden, Erbrechen und Schmerzen
äußert, beruht auf einer Störung der nervöſen Leitungsbahnen
und einer dadurch bedingten mangelhaften Zuſammenarbeit der
Speiſeröhre und des Schließmuskels am Mageneingang.
Re=
ferent berichtet über einen Kranken, der dieſe Störung immer nur
nach dem Genuß größerer Mengen alkoholiſcher Getränke
über=
wand. Oft wird die Erkrankung durch Erregung ausgelöſt.
Ekel führt ja manchmal zu dem Gefühl, als ob etwas im Halſe
ſtecken bleibt oder zu Erbrechen, ganz ähnlich wie es bei dieſer
Krankheit der Fall iſt. Auch die Redensart, der Aerger kann
nicht heruntergeſchluckt werden, zeigt den Einfluß des
Gemüts=
lebens auf den Schluckakt. Die Behandlung des Leidens iſt
dem=
entſprechend zunächſt eine ſeeliſche, ſuggeſtive. Beſteht die
Krank=
heit ſchon länger, ſo muß zur Dehnung mit beſonderen
Inſtru=
menten geſchritten werden.
In einem weiteren Hauptreferat wurden Fragen verhandelt,
die zur Zeit auch in der Oeffentlichkeit viel diskutiert werden,
Magerſucht und Fettſucht. Es handelt ſich dabei aber nicht um
Fragen der ſchlanken Linie oder um den Begriff „vollſchlank”
ſondern lediglich um die krankhaften Formen. Wie Prof.
Thann=
hauſer, Düſſeldorf, ausführte, muß man innerlich und
äußer=
lich bedingte Urſachen unterſcheiden. Sie ſind oft ſchwer von
einander zu trennen. Für die Magerſucht als Krankheitsform
kommen im Weſentlichen innere Urſachen in Betracht. Schon die
Dienstag, den 22. Oktober 1929
Art der Abmagerung, die verſchiedenen Körperſtellen, an denen
das Fettpolſter ſchwindet, geſtatten dem Arzt häufig die
Feſt=
ſtellung der Urſache. In vielen Fällen führt die vermehrte
Tätig=
keit der Schilddrüſe zur Magerſucht. Es handelt ſich hier meiſt
um ſehr lebhafte, leicht ſchwitzende Perſonen, die bei körperlicher
Arbeit oft verſagen, weil ihre Verbrennungsvorgänge und
Herz=
tätigkeit, alſo ein großer Teil ihrer Stoffwechſelvorgänge, ſchon
in der Ruhe geſteigert ſind und ſich daher größeren
Anforderun=
gen nicht gewachſen zeigen. Anders die ebenfalls große Zahl der
Mageren, infolge einer Hirnanhangſtörung. Bei ihnen zeigen
Herz und Kreislauforgane einen hohen Grad von
Anpaſſungs=
fähigkeit. Zu dieſer Gruppe gehören viele Sportsleute von hohem
Wuchs und auffallend langen Armen, die durch ihren Körperbau
ſowie durch ihre Zähigkeit beſonders als Langſtreckenläufer und
Skiläufer bedeutende Leiſtungen vollbringen.
Jede übergroße Magerkeit muß ihren Urſachen entſprechend
behandelt werden, zunächſt durch eine dem Einzelfall angepaßte
Koſt. Eine Behandlung mit Organpräparaten iſt bisher nur
durch Verwendung von Inſulin möglich. Dieſes Präparat, das
a bei der Behandlung der Zuckerkrankheit eine ſo große Rolle
ſpielt, iſt nach dem Vorſchlag des Wiener Klinikers Falta mit
ſehr gutem Erfolg zur Bekämpfung übermäßiger Magerſucht
verwendet worden unter gleichzeitiger reichlicher Kohlehydrar=
Diät.
Das entgegengeſetzte Krankheitsbild, die krankhafte
Fett=
ſucht, über die Prof. Bauer, Wien, ſprach, entſteht in den
aller=
meiſten Fällen auf vererbter Grundlage. In 83 Prozent der
Seite 11
Fälle beſtand die Fettleibigkeit auch bei beiden Eltern und einem
der Eltern. Die Fettſucht entſteht ebenfalls unter dem Einfluß
gewiſſer Blutdrüſenſäfte. Nur in etwa 3 Prozent fand ſich
hoch=
gradige Fettſucht infolge Ueberfütterung. Dabei handelt es ſich
meiſtens um Individuen, deren Beruf beſondere Gelegenheit
zum Mäſten gibt, vor allem Brauer und Fleiſcher.
Merkwürdiger=
weiſe fanden ſich aber auch zwei Operntenöre darunter. Der
Berliner Kliniker von Bergmann und ſeine Mitarbeiter haben in
umfangreichen Stoffwechſelunterſuchungen nachgewieſen, daß der
Fettſüchtige die Kohlehydrate (Zucker, Kartoffeln, Brot, Mehl)
nicht genügend als Muskelzucker zu ſpeichern vermag und ſie
ſtatt deſſen in Fett umwandelt, was der Normale nur bei
über=
mäßigem Angebot tut. Die Auswirkungen der krankhaften
Fett=
ſucht auf die Haut und auf das Nervenſyſtem werden heute mit
beſonderer Aufmerkſamkeit verfolgt und müſſen bei der Diät
weitgehend berückſichtigt werden. Einſchränkung der Waſſer=
und Salzzufuhr, eine kalorienarme Koſt und unter Umſtänden
gewiſſe aus Drüſen mit innerer Sekretion hergeſtellte Präparate
ſind neben allgemein hygieniſchen Vorſchriften die wichtigſten
Mittel zur Bekämpfung der Fettſucht.
Aus der Fülle der zahlloſen ſchwierigen wiſſenſchaftlichen
Unterſuchungen auf dem Gebiete der Stoffwechſelforſchung, die
auf dieſer Tagung mitgeteilt wurden, konnten nur ein paar
ſinnfällige praktiſche Ergebniſſe angeführt werden, aus denen
jedoch ſchon hervorgeht, daß hier ein neues, weites Arbeitsfeld
erſchloſſen worden iſt, das im Kampf gegen die Krankheit noch
viele wertvolle Früchte tragen wird.
Dr. Georg Kaufmann.
Geſchichten aus aller Weit.
Gebrakene Vögel fliegen vom Himmel ..!!
Ein Märchen, das Wahrheit geworden iſt.
Sk Bukareſt. Daß einem gebratene Vögel direkt in den
Mund fliegen, ſoll bekanntlich nur in dem ſagenhaften
Schlaraffen=
ländchen an der Tagesordnung ſein. Leider iſt noch niemand aus
dieſer herrlichen Gegend wieder zurückgekehrt, von dem man
er=
fahren könnte, ob dort auch in der Nachkriegszeit die ſchlaraffiſchen
Zuſtände noch beſtehen. Aber wie die üppigſte menſchliche
Phan=
taſie immer wieder von der Phantaſie und dem Einfallsreichtum
der Wirklichkeit übertroffen wird — darum ſind auch die
phan=
taſtiſchen Romane mit den unglaublichſten Vorgängen gewöhnlich
der — Natur entlehnt — ſo iſt auch in dieſen Tagen das ſchöne
Schlaraffenmärchen von den gebratenen Vögeln, die in der Luft
umherfliegen, zu Wahrheit geworden, und zwar in der
rumä=
niſchen Petroleumſtadt Moreni.
Wie ſich mancher Leſer aus früheren Zeitungsberichten
viel=
leicht erinnert brennt dort ſeit mehr als vier Monaten
ununter=
brochen eine Sonde der rumäniſch=amerikaniſchen
Petroleumgeſell=
ſchaft. Sie brennt bei einem Druck von 130 Atmoſphären
und hat eine Stichflamme von 40 Meter Höhe, die in
der Nacht kilometerweit die Gegend in blutigen Flammenſchein
taucht.
Wie jeder weiß, hat vor kurzem die alljährlich wiederkehrende
Reiſehochflut bei den — Strich= und Zugvögeln eingeſetzt, die jetzt
in Millionen von Exemplaren den Balkan auf dem Wege nach
den warmen Winterquartieren Aegyptens und des Sudans
über=
fliegen. Ein ſolcher Vogelzug kam dieſer Tage auch in die Nähe
von Moreni. Wahrſcheinlich durch das helle Licht angelockt
jag=
ten Tauſende und Abertauſende der rieſigen
otichflamme zu. Aber ehe ſie noch in den Feuerſtrahl der
brennenden Oelſonde gerieten, wurden ſie durch die enorme
Hitze betäubt und fielen bewußtlos auf die Erde. Die ganze
Bevölkerung, jung und alt, groß und klein, ſtürzte ſich mit
Freu=
denſchreien über die armen Tiere her, die in rieſigen Maſſen
ein=
gefangen werden konnten. Durchfahrende Schauluſtige bezahlten
ſogar hohe Preiſe für einzelne Stücke, und in den Gaſthäuſern von
Moreni weiſen die Speiſekarten eine Unzahl wundervollſter
Vogel=
gerichte auf — halb geſchenkt natürlich, denn man weiß nicht,
wo man mit dem vielen luftgebratenen Vogelfleiſch hin ſoll,
Wie man ſieht — gibt es alſo ein Schlaraffenland!
R
der Fluch des „Bamp".
Paris. In einem ſoeben in Frankreich erſcheinenden Buch
„Die letzten Tage der Jſadora Duncan” erzählt die Schauſpielerin
Marie Deſti unter anderem eine intereſſante Epiſode aus dem
Leben der berühmten Tänzerin. Man erinnert ſich, daß die beiden
Kinder der Duncan bei einem Autounglück in der Seine ertranken
und daß Jſadora ſelbſt einige Jahre ſpäter durch ihr Auto umkam,
indem ſich ihr Schal am Wagenrand feſthängte und ſie erdroſſelte.
„Drei Jahre vor dem Tode der Kinder”, ſo erzählt Marie
Deſti, „fuhren Jſadora Duncan und ich an den Quais von Paris
ſpazieren. In unſerer Geſellſchaft befand ſich eine bekannte
Film=
ſchaugröße, ein „Vamp”, alſo eine Vertreterin der dämoniſchen
Rollen. Zwiſchen Jſadora und der Filmſchauſpielerin kam es zu
einer Auseinanderſetzung wegen einer Liebesaffare. Die Filmdiva
warf Jſadora vor, ihr den Freund geraubt zu haben. Der Streit
wurde immer heftiger, und ſchließlich ſchrie der „Vamp” in
furcht=
barer Erregung mit einer vor Haß und Zorn zitternden Stimme:
„Sie haben mir meinen Freund geſtohlen. Sie wiſſen alſo nicht,
daß ich ein Kind von ihm hab
Der Gott meiner Väter ſoll Sie
verfluchen bis ins letzte Glied!“
Und an der gleichen Stelle, an der dieſe Verwünſchung
aus=
geſtoßen wurde, ſtürzten ſpäter die Kinder der unglücklichen Duncan
in die Seine.
Der verſchwenderiſche Baker und ſein ſparſamer Sohn.
(a) New York. Nicht immer vergeuden Söhne das Geld
ihrer Väter. Man höre, wo es umgekehrt war: es handelt ſich um
Vater und Sohn Vanderbilt. Der Herr Papa und Seniorchef der
Millionärsfamilie kreuzte mit ſeiner Yacht „Ara” auf den
euro=
päiſchen Gewäſſern und legte häufig an der ſpaniſchen Küſte in
Malaga an. Hier wurden die Vorräte an Lebensmitteln und
Ge=
tränken ergänzt. Als Vanderbilts Yacht das letzte Mal in
Ma=
laga landete, kam ein ſehr erregter ſpaniſcher Kaufmann an Bord
und ergoß ſich in Schimpfereien über die gewiſſenloſen Ausländer,
die wohl reich genug ſeien, um ihr Leben auf einem Luxusſchiff zu
genießen, andererſeits aber die kleinen Kaufleute ſchädigten. Sie
wollen immer die beſte Ware, wenns aber ans Bezahlen geht,
machen ſie ſich dünne. Miſter Vanderbilt verſtand zwar herzlich
wenig ſpaniſch, entnahm aber dem Redeſchwall des
temperament=
vollen Südländers, daß anläßlich des letzten Beſuches in Malaga
die Rechnungen des Lieferanten verſehentlich nicht beglichen
wor=
den ſeien. Natürlich beeilte ſich der Geldmagnat, ſein Scheckbuch
hervorzuholen. In der Hitze des Gefechts ſtellte er aber den Scheck
anſtatt auf 676 auf 979 Peſeten aus. Der Spanier war
zufälliger=
weiſe ein grundehrlicher Kauz. Er merkte ſofort den Irrtum und
wollte die Differenz in bar zurückgeben. Angeſichts der ſchmutzigen
und überaus abgegriffenen Banknoten wehrte aber Vanderbilt mit
einer wegwerfenden Geſte ab: „Ich habe keine Luſt, meine Hände
durch Ihre verflixten Bazillenträger zu infizieren.”
Miſter Vanderbilt junior denkt ganz anders über ſolche
Dinge. Er überraſchte ja die ſtaunenden „Höheren Vierhundert”
von New York ſchon im jugendlichen Alter durch ſeine „Flucht aus
dem Reichtum” und verdiente ſein Brot als Journaliſt. Sehr weit
hat er es ja auf dieſem Gebiete nicht gebracht, über einen
Wochen=
verdienſt von dreißig Dollar kam er nie. Immerhin lernte er in
dieſer Zeit den Wert des Geldes kennen und ſchätzen. Anläßlich
einer Autopartie mit ſeiner jungen Frau nach Montreal konnte
ihm der Inhaber ſeiner Tankſtelle an einem Sonntag nicht
heraus=
geben. Es handelt ſich um die Summe von 50 Cents. Der
junge Vanderbilt dachte aber nicht daran, auf den halben Dollar
zu verzichten, und wartete geduldig, bis der Junge des
Tank=
mannes das Kleingeld holte. Es dauerte, da alle Läden geſchloſſen
waren, eine geſchlagene halbe Stunde. In der Zwiſchenzeit
lüf=
tete aber der ſmarte Sohn des Dollarkönigs ſein Inkognito und
hielt dem nicht wenig verdutzten Inhaber der Tankſtation einen
lehrreichen Vortrag über die Verſchwendungsſucht ſeines Schöpfers,
ſowie über ſeine eigenen Sparſamkeitsgrundſatze.
Um die Weltmeiſterſchaft im Sauerkraukeſſen.
(aga) New York. Es gibt in den Vereinigten Staaten
mehrere Dutzend Ortſchaften mit dem Namen Springfield. Die
ihn tragende des Staates Minneſota zeichnet ſich u. a. dadurch
aus, daß dort alljährlich, wenn der Kopfkohl geerntet iſt, auf dem
Frühherbſt=Jahrmarkt ein Wettkampf um die Weltmeiſterſchaft im
Sauerkrautvertilgen ſtattfindet. Letztes Jahr war der
Meiſter=
ſchaftstitel einem gewiſſen C. U. Lautermilch aus Akron, Ohio,
zugefallen; vor einigen Tagen hatte er ihn eoram publico gegen
Carl D. Schmid aus Springfield und Max Schmelling von
eben=
daher zu verteidigen. Max darf nicht verwechſelt werden mit
unſerem Landsmann mit einem I, der bekanntlich im Dreinhauen
auch ganz Erkleckliches leiſtet.
Jedem Bewerber um die Sauerkraut=Krone wurden auf einer
rieſigen Schüſſel zwei Gollonen des lieblich aromatiſchen,
dampfen=
den Krauts vorgeſetzt. Als Beſteck dienten ihnen die beiden
fünf=
fingrigen Gabeln, die der Menſch als Verlängerung ſeiner Arme
von der gütigen Mutter Natur mitbekommen hat. Es ſei bemerkt,
daß eine Gallone ungefähr 4 Liter iſt, die zwei Gallonen müſſen
alſo gut und gern ihre 12 bis 14 Pfund gewogen haben.
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Seite 12
Dienstag, den 22 Oktober 1929
Nummer 293.
Seueigeſehgedang and Sorlbereine.
Verhandlungen mit dem Reichsfinanzminiſterium.
Die große Maſſe der deutſchen Turn= und Sportvereine befindet
ſich in ſchwerer wirtſchaftlicher Notlage, die mit den Jahren immer
ſchlimmer wird. Kein Kenner der Verhältniſſe wird das beſtreiten
können. Es ſollte daher alles geſchehen — und gerade von ſeiten der
öffentlichen Hand —, um eine weitere Schädigung der deutſchen Turn=
und Sportwelt zu verhüten. Leider ſpielt aber heute noch die
Be=
laſtung der Turn= und Sportvereine durch öffentliche Abgaben und
Steuern eine durchaus nicht zu unterſchätzende Rolle im Vereinsbudget.
Es ſei zugegeben, daß an einigen wenigen Stellen der
Steuergeſetz=
gebung der Turn= und Sportverein bevorzugt behandelt wird. Im
großen und ganzen findet aber die gemeinnützige und den öffentlichen
Haushalt entlaſtende Tätigkeit der deutſchen Turn= und
Sportbewe=
gung bisher noch nicht den Niederſchlag in der Steuergeſetzgebung,
den man zu wünſchen und mit gewiſſer Berechtigung auch zu fordern
geneigt iſt.
Seit einem Jahre bemühen ſich die beiden Spitzenverbände für
Leibesübungen, der Deutſche Reichsausſchuß für Leibesübungen und
die Zentralkommiſſion für Arbeiterſport und Körperpflege, in
gemein=
ſamer Arbeit bei den Parlamenten und zuſtändigen Miniſterien unter
Hinweis auf die
Gemeinnützigkeit der Turn= und Sportvereine,
Steuererleichterungen durchzuſetzen, und ihrem Endziel, der
Steuerfrei=
heit der Vereine, allmählich näherzukommen. Das
Reichsfinanzmini=
ſterium hatte ſich vor längerer Zeit bereit erklärt, die Sachverſtändigen
der beiden Spitzenverbände zu einer Ausſprache zu laden. Dieſe
wich=
tige Zuſammenkunft hat nun unter Vorſitz von Miniſterialdirektor Dr.
Zarden ſtattgefunden. Außer dem Vorſitzenden nahmen vom
Reichs=
finanzminiſterium Oberregierungsrat Weckerle und zwei weitere
Re=
ferenten des Finanzminiſteriums teil. Das Reichsaußenminiſterium
hatte Oberregierungsrat Dr. Becker entſandt. Der DRA. war durch
die Herren Nürck, Maak, Ladewig, die Zentralkommiſſion durch die
Herren Hentzel und Frl. Rieſebeck vertreten.
Nach einleitenden Ausführungen der Vertreter des DRA. über
die Bedeutung der Leibesübungen und die gemeinnützige Tätigkeit der
Vereine und Verbände wurde eine
Denkſchrift der beiden Spitzenverbände
übergeben. Es muß dankbar feſtgeſtellt werden, daß die Vertreter der
Behörden, vor allem Oberregierungsrat Dr. Becker, der die Wünſche
der Verbände aufs wärmſte befürwortete, volles Verſtändnis für die
Lage der Vereine und ihre Einſtellung zu der ſteuerlichen Belaſtung
zeigten. Leider hatte die Beſprechung nicht das poſitive Ergebnis,
das man gern geſehen hätte. Es zeigte ſich, daß das
Reichsfinanz=
miniſterium aus ſteuertechniſchen und finanziellen Gründen oft zu
einer Ablehnung der eingebrachten Vorſchläge kommen mußte, aus
Gründen, die nicht zuletzt mit der Finanznot des Staates aufs engſte
zuſammenhängen. — Ein Gutes hat die Ausſprache aber zweifellos
gebracht. Es wurde zugeſagt, daß zukünftig in verſchiedenen
Steuer=
fragen das Miniſterium durch Verwaltungsanweiſungen an die
nach=
geordneten Steuerbehörden dafür ſorgen wird, daß
beſtehende Härten nach Möglichkeit ausgeglichen
werden, bei ſtrittigen Tatbeſtänden Klärung und Milderung erfolgen
ſoll. Hiermit müſſen wir uns zunächſt zufrieden geben. Die
Geſamt=
lage der öffentlichen Wirtſchaft ließ kein beſſeres Ergebnis zu.
Bei dem am 20. Oktober ſtattgefundenen erſten Serienkampf gegen
Bieber gelang es der Darmſtädter Mannſchaft, einen glänzenden Sieg
zu erringen. Bieber ſtellte eine gut durchtrainierte und bedeutend
kräf=
tigere Mannſchaft, trotzdem gelang es der Darmſtädter Mannſchaft, den
Sieg mit 12 zu 2 Punkten an ſeine Farben zu heften. Es rangen in
den einzelnen Klaſſen folgende Leute:
Fliegengewicht: Adam Götz=Darmſtadt—Ad. Meis=Bieber; Sieger Götz,
50 Sekunden.
Bantamgewicht: Gg. Schnauber=Darmſtadt, ausgefallen, kampflos Sieger.
Federgewicht: J. Bauer=Darmſtadt—Herm. Obſt=Bieber, unentſchieden.
Leichtgewicht: K. Scharf=Darmſtadt—Wilh. Gödde=Bieber, unentſchieden.
Leichtmittelgewicht: H. Neidig=Darmſtadt—Hrch. Obſt=Bieber, 50 Sek.
Schwermittelgewicht: F. Zapf=Darmſtadt—Chriſt. Knecht=Bieber, 3 Min.
Schwergewicht: J. Zulauf=Darmſtadt-Ludw. Bohn=Bieber, 40 Sek.
Für den Anfang ein ſchöner Erfolg; nun heißt es für die
Darm=
ſtädter Mannſchaft, feſt auf dem Damm zu ſein und nicht die Hände in
den Schoß zu legen und zu glauben, daß es mit den anderen Kämpfen
auch ſo geht, denn die ſchwerſten Kämpfe ſtehen noch bevor. Am
Sonn=
tag, den 27. Oktober, fährt die Darmſtädter Mannſchaft nach
Jüges=
heim, und muß ſie ihr ganzes Können aufbieten, wenn ſie auch hier
Sieger bleiben will.
* 05 Groß=Zimmern gegen
gung 98 Bingen 16:3.
Vor gutbeſetztem Hauſe fand am Samstag abend in Groß=
Zimmern im „Kaiſerſaal” das 2. Treffen der Oberliga im
Mann=
ſchaftsringen des 2. Kreiſes D.A. S.V. 1891 ſtatt. Das erſchienene
Publikum wurde auf eine harte Geduldsprobe geſtellt inſofern, daß
die Gäſtemannſchaft mit reichlicher Verſpätung hier eintraf, aber
die gebotenen Kämpfe zeigten auf ſpörtlichem Gebiet ſehr ſchöne
Leiſtungen, das die Verſpätung entſchuldigte. Die Kämpfe ſelbſt
tanden unter Leitung von Herrn Kaltwaſſer=Darmſtadt der in
jeder Hinſicht einwandfrei arbeitete. Sie zeigten nachfolgendes
Ergebnis:
Bantamgewicht: Poth (Groß=Zimmern) — Erbelding (Bingen),
Der Kampf ſetzte beiderſeits ſehr lebhaft ein und nach 2.25 Min.
unterlag der Binger durch blitzſchnellen Hüftzug von Poth.
3 Punkte.
Federgewicht: Ohl (Groß=Zimmern) — Knyſp (Bingen). Ohl,
der als Techniker reichlich bekannt iſt, läßt eine reiche Griffſerie
folgen und beſiegt ſeinen Gegner nach 5.20 Min. durch
ſtil=
reinen Ueberwurf.
Leichtgewicht: Reinhardt (Gr.=Zimmern) — Korndörfer (Bingen)
Dieſer Kampf geht über die Diſtanz, und der jugendliche
Rein=
hardt wurde nach ſehr ſchönem Kampf verdienter Punktſieger, 8:0.
Weltergewicht: Ohl, Karl (Groß=Zimmern) — Stenger (Bingen).
Hier wurde Ohl ſchon nach 2.18 Min. Sieger durch Hammerlok
und Eindrücken der Brücke 11:0.
Mittelgewicht: Danz (Groß=Zimmern) — Heinz (Bingen). Danz,
der gleich in Führung geht, unterlag aber gegen den an
Rou=
tine erfahreneren Binger nach 3.25 Min.
11.
Sperling (Bingen).
Halbſchwergewicht: Fröhlich (Gr.=Zimmern)
Beide Gegner ieferten ſich einen harten Kampf, der aber ſtets
im ſportlichen Rahmen blieb. Fröhlich ſiegte nach 13 Min.
durch Aufgabe ſeines Gegners. 14:3.
Schwergewicht: Bernhardt (Gr.=Zimmern) — Hofmann (Bingen).
Der Kampf ging über die Zeit und Bernhardt, der ſtets in
Führung lag, wurde verdienter Punktſieger.
Endreſultat 16:3 für Groß=Zimmern. Mit einem gegenſeitigen
„Kraft=Heil” und ein Wiederſehen in Bingen nahm das ſchone
Treffen ſein Ende.
Die norddeutſche Handball=Pokalelf. Zu dem am 3. November in
Hannover ſtattfindenden DSB.=Pokalvorrundenſpiel
Norddeutſch=
land—Südoſtdeutſchland hat der Handballausſchuß des NSV.
eine ſpielſtarke Elf aufgeſtellt. Sie ſieht folgendermaßen aus: Voß
(Polizei Hamburg;) Wachsmuth (Polizei Hannover), Timmermann
(Polizei Hamburg); Sohka (Polizei Hamburg) Bolze (Hannover 96),
Wüſtefeld (Polizei Hannover), Siemſen (O.=Alſt.=Hamburg), Albes
(Polizei Hannover), Bruſe (Polizei Hamburg), Bode (Hannover 96),
Grudnik (Polizei Hamburg). Der Gegner, der ſeine Spieler aus dem
in ſeinem Gebiet führenden PSV. Oppeln entnimmt, gibt einen nicht
zu unterſchätzenden Gegner ab.
Klein auf DKW. Sieger in der 175 Kubikzentimeter=Klaſſe.
Auf einer Rundſtrecke von 16,5 Km. bei Barcelona begann
am Samstag die letzte große motorſportliche Veranſtaltung
dieſes Jahres. Herrliches Wetter war der Veranſtaltung
beſchie=
den, ſo daß die Anteilnahme des Publikums, äußerſt lebhaft
war. — Punkt 9 Uhr ſtarteten die Beiwagenmaſchinen, in der
350 Kubikzentimeter=Klaſſe nur mit einem Teilnehmer und in
der 600 Kubikzentimeter=Klaſſe mit vier Fahrern. Der Engländer
Hick auf Velocette, ſiegte in der leichteren Klaſſe mit einem
Stundenmittel von 87,190 Km. und fuhr damit eine ſchnellere
Zeit als der Sieger der 600 Kubikzentimeter=Klaſſe d’Eternod
auf Sunbeam, der einen Durchſchnitt von 85,340 Km. erzielt.
Am Nachmittag folgten dann die Solomaſchinen der 175 und
250 Kubikzentimeter=Klaſſe, während die kleinſten Maſchinen bis
zu 125 Kubikzentimeter mangels Beteiligung ausfallen mußten.
Der DKW.=Fahrer Klein (Waldkirchen) ging ſofort nach dem
Start an die Spitze und hatte bis zur Mitte des Rennens
bereits einen erheblichen Vorſprung vor dem zum Schluß gut
aufkommenden Italiener Bruſi auf Benelli. Der Sieg des
Deut=
ſchen löſte beim Publikum lebhaften Beifall aus, dem beſonders
die hervorragende Kurventechnik Kleins gefiel. Klein benötigte
für die 165,080 Km. lange Strecke 1,50:48,4 und erzielte einen
Stundendurchſchnitt von 89,382 Km. während Bruſi mit 1.54:21
zweiter wurde. Zehn Fahrer nahmen an dem Rennen teil.
In der 250 Kubitzentimeter=Klaſſe waren acht Fahrer am Start,
davon vier Engländer, drei Italiener und ein Engländer auf
einer ſchweizeriſchen Maſchine. Nachdem der Engländer Handley
auf Motoſacoche bis zur elften Runde in Führung lag, mußte
er wegen Bremſenſchadens vorzeitig aufgeben. Dadurch kam
ſein Landsmann Longman an die Spitze, die er auch bis zum
Schluß behaupten konnte.
Seitenwagen bis 350 Kuhikzentimeter (Strecke 148,572 Km.):
1. Dick (England) auf Velocette 1.42:14,8 (87,190 Std.=Km.)
im Alleingang.
Seilenwagen bis 600 Kuhikzentimeter (Strecke 165,018 Km.):
1. Mabſell (England) auf Norton 1.56:29,4 (85,340 Std.=Km.);
2. d’Eternod auf Sanbeam 2.23:00; 3. Naure auf Scott.
Motorräder Klaſſe bis 175 Kubikzentimeter (Strecke 165,080 Km.):
1. Klein (Deutſchland) auf DKW. 1.50:48,4 (89,382 Std.=Km.):
2. Bruſi (Italien) auf Benelli 1.54:21; 3. Sourdot auf
Monet=Gohon 1.59:43.
Klaſſe bis 250 Kubikzentimeter (Strecke 247,620 Km.): 1.
Long=
man (England) auf OK. Supreme 2.41:27,2 (92,080 Std.=
Km.); 2. Gherſi (Italien) auf Guzzi 2.48:10; 3. Himing
(England) auf Zenith 2.53:18,4.
Die Rennen des zweiten Tages im Großen Preis von
Furopa für Motorräder zu Barceloua waren eine rein engliſche
Angelegenheit. In der 500 Kubikzentimeter=Klaſſe belegten die
drei Engländer Hunt auf Norton, Walker auf Rudge=
White=
worth und Dodſon auf Sunbeam die drei erſten Plätze. Hunt
benötigte für die 330,160 Kilometer lange Streck= 3.05:14
Stun=
den und fuhr mit einem Stundenmittel von 106,944 Kilometer
die ſchnellſte Zeit des Tages. In der Kategorie bis 350
Kubik=
zentimeter mußten die beiven deutſchen Fahrer Klein=
Waldkir=
ſchen und Hiemel=Wakdſee wegen Defektes vorzeitig ausſcheiden.
Sieger in dieſer Flaſſe blieb der Engländer Davenport auf
N9S. in 326,26 (97,770. Std.=Km.) über die gleiche Diſtanz.
Hüddeukſchland ſchlägt Südoſldeukſchland 5:1 (2:1).
Das Vorrundenſpiel um den Silberſchild des Deutſchen
Hockeybundes in Nürnberg zwiſchen den
Repräſentativmann=
chaften von Süd= und Südoſtdeutſchland endete mit dem
erwar=
teten 5:1 (2:1) Siege der ſüddeutſchen Vertretung. Im letzten
Augenblick war durch Abſagen von Lieglein und Diemaher
(München) eine Mannſchaftsumſtellung notwendig, die ſich aber
in jeder Hinſicht bewährte. Hinzu kam noch, daß Theo Haag—
trotz ſeiner unfreiwilligen Pauſe — wieder eine ganz
hervor=
ragende Partie lieferte und nicht zuletzt den Löwenanteil am
Siege der Süddeutſchen hat. Durch eine von Theo Haag
verwan=
delte Strafecke und einen unerwarteten Schuß des Heidelberger
Maier 1. ging der Süden mit 2:0 in Führung, während Südoſt
nach einem Durchbruch zum einzigen Treffer kam. Nach der
Pauſe wurde die Ueberlegenheit der Süddeutſchen immer größer.
Sie ſtellten ſchließlich durch drei weitere Tore von Strobel, Ell
und Maier 1. das Endergebnis von 5:1 her.
Bei dem am Sonntag, den 20. Oktober, in Frankfurt
ſtattgefun=
denen Jungmannen=Fechten des 2. Bezirks beteiligten ſich 78 Fechter. Die
Gefechte wickelten ſich unter der bewährten Leitung des
Bezirksfecht=
warts Ph. Graf ſchnell und reibungslos ab. Von den Fechtern der
T. G. 46 Darmſtadt erhielten Otto Burkhardt den 2. Sieg, Heini Getroſt
den 11. Sieg, Karl Langsdorf den 13. Sieg. Von 78 Fechtern kamen
9 in die Schlußrunde und von dieſen wurden 6 Fechter der Altmannen=
Klaſſe überſchrieben. Nachſtehend die Sieger der Schlußrunde: 1. Hau,
Turngemeinde Bürgel; 2. Burkhardt, Turngemeinde 1846 Darmſtadt;
3. Röbig, Turn= und Fechtklub „Teutonia” Niederrad; 4. Kübler,
Turn=
gemeinde Bürgel; 5. Bernhardt, Turnverein Höchſt; 6. Karſten,
Turn=
gemeinde „Eintracht”, Frankfurt.
Schießſportklub „Windmühle” in Hanau erfolgreich.
Bei dem von der Arbeitsgemeinſchaft, die ſich aus den acht Hanauer
Schützenvereinen zuſammenſetzt, abgehaltenen Hauptſchießen waren die
Mitglieder obengenannten Vereins äußerſt erfolgreich. Im
Mannſchafts=
wettkampf gelang es der Mannſchaft mit einem Plus von 23 Ringen,
den vom Hanauer Schützenverein E. V. in Anbetracht ſeines 60jährigen
Fahnenjubiläums geſtifteten echt ſilbernen Becher zu erringen. Im
Ein=
gelwettkampf wurden folgende Reſultate erzielt:
Serien 3 Schuß ſtehend freihändig, 12er Scheibe: 1. Gräf 36 Ringe;
Schneider 34 Ringe; Schupp, Stahl und Preſtel 32 Ringe.
Vollkarte, 15 Schuß: Gräf 162 Ringe; Schneider 155 Ringe.
Serien 3 Schuß auf 20er Scheibe: Gräf 57 Ringe; Schneider 56 Ringe;
Stahl, Schupp und Preſtel, 55 Ringe.
Vollkarte: Gräf 259 Ringe; Schneider 252 Ringe; Schupp 249 Ringe.
Feſtſcheibe: 1. Schneider; 2. Gräf; 5. Stahl; 6. Schupp.
Die Ehrenſcheibe errang Stahl mit Hauptſchuß 12 und Stehſchuß 12.
Bei dem in Aſchaffenburg abgehaltenen Herbſtſchießen wurden von
den Windmühle=Schützen folgende Reſultate erzielt:
Serie a) 5 Schuß ſtehend: Ehrich, Schneider, Schupp und Gräf 56 Ringe.
Vollkarte: Gräf, Ehrich und Schneider 160 Ringe; Schupp 155 Ninge.
Auf Meiſterſcheibe 75 Schuß ſtehend: 1. Ehrich 786 Ringe; 2. Gräf 781
Ringe; 3. Schneider 778 Ringe; 5. Schupp 742 Ringe.
Scheibe Glück: 4. Preis Uhrich; 5. Preis Gräf.
Ferner iſt noch nachzuholen, daß es der Fünfermannſchaft zum
zweiten Male gelang, die Meiſterſchaft der Bergſtraße zu erringen.
Bei der Einzelkonkurrenz gingen als Sieger hervor: 1. Ehrich; 2. Gräf;
3. Schneider.
Seichrälgient.
Angarn beſiegk Italien mit 78:64 Punkken.
In Genua gab es am Sonntag für den italieniſchen Sport eine
un=
angenehme Ueberraſchung. Nachdem es ihnen gelungen war, gegen
Frankreich mit viel Glück einen knappen Sieg zu erzielen, hofften die
Italiener auch im Leichtathletikkampf gegen Ungarn auf einen Sieg.
Die ungariſchen Athleten waren aber in hervorragender Verfaſſung und
gewannen den Kampf glatt mit 78:64 Punkten. Die Leiſtungen waren
bei beiden Mannſchaften ſehr gut, es gab je drei neue ungariſche und
italieniſche Landesrekorde. Die einzelnen Ergebniſſe:
100 Meter: 1. Maregatti=Italien 11 Sek.; 2. Piva=Italien Bruſtbr. zur.
400 Meter: 1. Barſi=Ungarn 48/4 Sek. (Rekord); 2. Tavernaria=Italien
48,6 Sek. (Rekord).
800 Meter: 1. Barſi=Ungarn 2:03,4 Min.; 2. Tavernaria=Italien 2:06,8
Minuten.
1500 Meter: 1. Beccali=Ungarn 3:58 Min. (Rekord); 2. Szabo=Ungarn
4:00 Minuten (Rekord).
5000 Meter: 1. Szerb=Ungarn 15:31,8 Min.; 2. Lippi=Italien 15:50,2
Minuten.
Staffel (200 Meter, 200 Meter, 400 Meter, 800 Meter): 1. Ungarn
3:36,2 Min., 2. Italien 3:42,4 Minuten.
110 Meter Hürden: 1. Carlini=Italien 15,2 Sek. (Rekord); 2. Agoſti=
Itakien 16 Sek.
400 Meter Hürden: 1. Facelli=Italien 54,2 Sek.; 2. Szomfah=Ungarn
57,4 Sekunden.
Diskuswerfen: 1. Marvalits=Ungarn 44,45 Meter; 2. Domigan=Ungarn
42,67 Meter.
Kugelſtoßen: 1. Czerneh=Ungarn 15,21 Meter (Rekord); 2. Daranh=
Ungarn 14,23 Meter.
Speerwerfen: 1. Szepps=Ungarn 63,85 Meter; 2. Palmieri=Italien 57,75.
Hochſprung: 1. Keſmarki=Ungarn 1,85 Meter; 2. Orban=Ungarn, 1,85.
Weitſprung: 1. Ballogh=Ungarn 6,97 Meter; 2. Tommaſi=Italien 6,74,
Stabhochſprung: 1. Zſuffka=Ungarn 3,80 Meter; 2. Carlovits=Ungarn
3,50 Meter.
Ziehungsliſte der 34. Preuß. Südd. Klaſſenlokkerie.
2. Tag, 1. Klafſe. Am 19. Oktober fielen in der Vormittegs=
Ziehung 2 Gewinne zu 50 000 RM. auf Nr. 362,651; 4 Gewinne
zu 5000 RM. auf Nr. 65 163, 314 852; 6 Gewinne zu 200 RM. auf
Nr. 18 815, 135 484, 180 126; 6 Gewinne zu 1000 RM. auf Nr. 50 883,
344 204, 365 377; 8 Gewinne zu 800 RM. auf Nr. 20 409, 55 751, 111 339
214 519; 22 Gewinne zu 500 Mk. auf Nr. 9 244, 28352, 51925, 132 864,
246 343, 251 608, 279 558, 291 536, 326 715, 354 217, 375 353; ferner 100
Gewinne zu 20 RM. und 230 Gewinne zu 120 RM.
In der
Nachmittags=Ziehung fielen: 4 Gewinne zu 3000 RM. auf Nr.
155 067, 344 028; 2 Gewinne zu 2000 RM. auf Nr. 198 463; 6 Gewinne
zu 1000 RM. auf Nr. 23 519, 220 636, 236 865; 16 Gewinne zu 800 RM.
auf. Nr. 80 695, 117 120, 158271, 173 675, 237 952, 247336, 299 586,
378 273; 26 Gewinne zu 500 RM. auf Nr. 36 523, 56 157, 131 712,
157011, 230 894, 242 768, 243 468, 247 322, 274 429, 327 901, 355 660,
369 664, 390 280; ferner 122 Gewinne zu 200 RM. und 238 Gewinne
zu 120 RM. — Die Ziehun; der 2. Klaſſe findet am 15. und 16.
November 1929 ſtatt.
(Ohne Gewähr.)
Frankfurt
Dienstag, 22. Okt. 13.30: Schallplatten: Imitationen. 0 15.15:
Jugendſtunde: Lehrer Stricker: Kohlraupe und =Schlupfweſpen.
9 16.15: Konzert des Funkorch. Leitung: H. Rosbaud. Mitw.:
Johannes Willy (Bariton), E. J. Kahn (Klavier). 18.15:
Stuttgart: Dr. Glogau: Das menſchliche Gehirn, ein Empfänger,
Transformator und Sender der Weltenergie. O 18.45: Poſtinſp.
Günzel: Einrichtungen der Poſt zur beſchleunigten Uebermittlung
und Zuſtellung von Poſtſendungen. 6 19: Kaſſel: Vortrag. 0 19.20:
Funkhochſchule, Abtlg. Geſundheitswiſſenſchaft. O 19.40: Armin
Geß=
ner: Der Ausbau der Angeſtelltenverſicherung. 20: Kaſſei:
Arien= und Liederabend Umberto Urbano. Giordani: „Caro mio
ben”, Arietta. — Cariſſimi: „Vittorja, vittoria” Cantate. —
Bel=
lim: Zwei Cavatinen aus „Die Puritaner”. — Verdi: Arie (Poſa’s
Tod) aus „Don Carlos”, — Leoncavallo: Arie aus „Zara” — Roſ=
— Donizetti:
ſini: Cavatine aus „Der Barbier von Sevilla”.
Arie aus „Die Favoritin”. — Thomas; Trinklied aus „Hamlet”.
Verdi: Cavatine aus „Ernani” Am Klavier: H. Gareis. O 22:
Wo kommen die Löcher im Käſe her? Eine Szene von Kurt
Tucholsky. Perſ.: Der Vater; Margot, die Gattin; Sonia; Tobby;
Onkel Adolf; Onkel Sigismund; Tante Jenny; Doktor
Guggen=
heimer: Direktor Flaxkeland; Der Rechtsanwalt; Seine Frau; Emma
aus Gumbinnen. 23: Kammermuſik des Pro=Arte=Quartetts.
Königswuſierhauſen
Deutſche Welle. Dienstag, 22. Okt. 9: K. Naſe: Berlin im
Gedicht. 9.25: Uebertr. aus Köln: Mit dem Zeppelin über den
Ozean. (Funkoffizier Willy Speck von der Beſatzung des „Graf
Zeppelin”). O 10: Reichskunſtwart Dr. Redslob: Deutſche Bäuten
als Dokumente deutſcher Geſchichte. o 12: Franzöſiſch für Schüler.
6: 12.30: Schallplatten. 14.30: Margarete Wallmann:
Tanz=
turnen für Kinder. o 15: Jugendſtunde: W. Mayer:
Flugzeug=
modellbau. 6 15.45: Künſtleriſche Handarbeiten für Frauen:
Sil=
houettenſchnitt: Buchſchmuck. e 16.30: Leipzig: Konzert des
Funk=
orcheſters. O 17.30: Heinrich Heine. Dichtungen in Proſa. Einf.:
Dr. Weiß, Rezitat.: Elſe Beyer. O 18: Dr. Lueſſe: Der
Kraft=
fahrer im Recht. O 18.30: Franzöſiſch für Fortgeſchr. O 19:
Auf=
lage=Vortrag: Reichspoſtminiſter Schätzel ſpricht über „Das
Volks=
begehren”. O 19.30: Albrecht Schaeffer lieſt aus eigenen Werken.
O 20.05: Köln: „Es war einmal” von Hans Ebert Großmutter
Klein=Däumling
erzählt. — Rotkäppchen und der Wolf —
Aſchenpuddel. Weſtdeutſches Funkorch. Dirig.: Dr. W. Buſchkötter.
Anſchl.: Arien= und Lieder=Abend. Giordani: Caro mio ben,
Arietta. — Cariſſimi: Vittoria, vittoria, Kantate. — Bellini:
Zwei Cavatinen aus „Die Puritaner” — Verdi: Arie (Poſa’s
— Leoncavallo: Zaza, kleine Zigeunerin.
Tod) aus „Don Carlo=
Arie aus „Jaza‟. — Roſſini: Cavatine aus „Der Barbier von
Sevilla”. — Dontzetti: Arie aus „Die Favoritin” — Thomas:
rinklied aus „Hamlet” — Verdi: Cavatine aus „Ernani”. Umberto
igel: H. Gareis. O Anſchl.: Dr. Räuſcher:
Fero Fer eal Fraßtloſen Dienſtes. 8. Danahl” Bildfunf
Fortgeſetzte Druckſtörungen, die ſich über Europa verteilen,
beherr=
ſchen die Wetterlage. Durch ihre verſchiedenen Lagen, im Südweſten
über der Biskaya, ſowie über der Oſtſee und Nordſkandinavien, wird
ein Wechſel der Luftbewegung hervorgerufen, deren Richtung durch die
Windſtrömungen der einzelnen Störungen bedingt wird. Infolgedeſſen
beſteht immer noch kein Uebergang zu einer beſtändigen Wetterlage. Die
Temperaturen verhalten ſich ſchwankend, da teils wärmere Luftmaſſen
Bewölkung mit ſich führen, und andererſeits kältere ein Auflöſen der
Wolkendecke und ſomit auch Temperaturrückgang verurſachen.
Ausſichten für Dienstag, den 22. Oktober: Meiſt wolkiges Wetter,
Tem=
peraturen ſchwankend, einzelne Niederſchläge.
Ausſichten für Mittwoch, den 23. Oktober: Noch immer unbeſtändiges
und etwas kühleres Wetter.
Hauptſchriftlellung: Rudolf Maupe
ann
;
„Die Gegenwart‟: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Wilip Kuhle; Dmad
und Verlag: L. C. Wittſch — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 16 Geiten.
[ ← ][ ][ → ]Rummer 293
Dienstag, den 22. Oktober 1929
Seite 13
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Ohne umfassende Kenntnisse der Rechtsverhältnisse kann heuts keiner mehr sein, wenn er nur
1albwegs mit unseren Gesetzen und Verordnungen in Beziehung kommt. Ganz besonders nicht
Kaufleute und Gewerbetreibende, leitende Angestellte, auch nicht der Privatmann. Aber Was gilt
als Recht, wer findet sich ohne einen Führer durch das Labyrinth der deutschen Gesetagebung
und Rechtsprechung hindurch ? Selbst der Jurist kann es oft nicht! Wer kennt z. B. so, daß er
keinen Schaden leidet, alle Bestimmungen über Grundbesitz, Gewerbebetrieb, Kundenwerbung,
Transport- und Versicherungswesen, gewerbliche Schutzrechte, über das heute so wichtige Arbeits-
und Steuerrecht, über Rechtsverfolgung im Zivil- und Strafprozeß wie Mahnverfahren. Güteverfahren
Awangsvollstreckung, Arrest und einstweilige Verfügung, böswillige Schuldner, Bankerott, Konkurg
und Akkord, schließlich die Bestimmungen über das Familien- und Erbrecht? Sie werden antworten
müssen, daß auch Sie auf den meisten Gebieten versagen. — Deshalb ist es nicht eine leere
Redensart, wenn wir behaupten: Auch in Ihre Hände gehört unser „Neues Handbuch des deutschen
Rechts”, denn nur dieses kaun Sie schützen vor Strafe und Verlust. Das groß angelegte Werk
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[ ← ][ ][ → ]Rummer 293
Dienstag, den 22 Oktober
Vom Holzmarkk
ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die Lage des Geldmarktes und die
innerpolitiſchen Verhältniſſe ſind dem Herbſtgeſchäft nicht von Nutzen.
Sonſt rüſtete ſich um dieſe Zeit das Tiſchlereigewerbe für die
Weih=
nachtszeit, die Umſätze ſtiegen, größere Abſchlüſſe mit den
Waren=
häuſern und Abzahlungsgeſchäften wurden getätigt. Die
Tiſchlerei=
betriebe hatten unter ſolchen Umſtänden Neigung, Schnittholz
einzu=
kaufen. Nichts von dem iſt jetzt der Fall. Die Aufträge fließen den
Be=
trieben nur ſpärlich zu. Im Gegenteil, es wird oft genug der Verſuch
gemacht, die einmal erteilten Aufträge zurückzunehmen. Die Unſicherheit
im Geſchäftsleben iſt dadurch groß geworden. Dazu kommt, daß die
Zahlungseingänge recht ſchleppend ſind. Man kann die Geſamtlage der
Wirtſchaft als recht kritiſch anſprechen. Allerdings muß feſtgeſtellt
wer=
den, daß die Lagerbeſtände in wirklich gutem Schnittholz ſtärkerer
Ab=
meſſungen knapp geworden ſind. Darin wird eine weitere Verknappung
eintreten, auch wenn das Herbſtgeſchäft ſo ſchlapp bleibt, wie es
augen=
blicklich iſt. Aus dem Rheinland ſind die Nachrichten ebenfalls nicht
er=
freulich. Die Platzholzhändler haben wenig zu tun, die Umſätze ſind
ſeit dem Auguſt beträchtlich zurückgegangen. Die polniſche Stammkiefer
wird von den amerikaniſchen Holzarten mehr und mehr verdrängt. Die
weſtfäliſchen Holzhändler haben von nennenswerten Einkäufen in
Stammkiefer faſt ganz Abſtand genommen. Ebenſo trübe iſt die Lage
im Harz, man ſpricht von Schwierigkeiten finanzieller Art, die in dieſem
Gebiet bevorſtehen. Etwas beſſer iſt der Geſchäftsgang in der
Küchen=
möbelinduſtrie des Gebietes um Oeynhauſen geworden. Hier ſind einige
Aufträge eingegangen. Abſchlüſſe in aſtreinen Seitenbrettern zu
aller=
dings ſehr gedrückten Preiſen wurden bekannt. In Polen iſt der Umſatz
klein. Am Weichſelmarkt ſind die dort auf dem Flößereiwege
eingetrof=
fenen Traften bis auf etwa 40 000 Feſtmeter inzwiſchen verkauft worden,
allerdings zu Preiſen, die für die polniſchen Holzexporteure ſehr ſchwere
Verluſte bedeuten. Manch einer von ihnen wird 1930 infolge von
Kapitalverluſten kein Holz mehr aus Polen nach Deutſchland bringen
können.
Wiriſchaftliche Rundſchau.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren: Offenbach: Jakob Johann Amerſchläger,
Manu=
faktur= und Modewarenhändler. Anmeldefriſt 9. 11.,
Gläubigerver=
ſammlung 30. 10., Prüfungstermin 11. 12. — Beendete
Kon=
kurſe: Darmſtadt: Firma Fritz Habermehl u. Kaufmann Fritz
Haber=
mehl.
Offenbach: Kartonnagenfabrik Friedrich Klein. Louis
Guth=
mann, Wäſche= und Strumpfhaus. — Neue
Vergleichsverfah=
ren: Mainz: Kaufmann Adam Kaſpar Stenner in Firma Britſch u.
Brucker, Drogen=Material= und Farbengroßhandlung. Vergleichstermin
8. 11. Darmſtadt: Firma Glasinduſtrie Darmſtadt Leonhard Raſt u.
Co., G. m. b. H. — Aufgehobene Vergleichsverfahren:
Gießen: Firma Gebr. Weil, Inh. Frau Witwe Weil und Emil
Mann=
heimer.
Veith=Werke A. G., Sandbach bei Höchſt i. Odw. Nach
Informa=
tionen ſchließt die Geſellſchaft 1928/29 (30. September) wiederum mit
einem minimalen Gewinn ab, der aber knapp für die notwendigen
Ab=
ſchreibungen ausreicht. Eine Dividende wird allerdings, wie erwartet,
nicht berteilt werden können. Das Geſchäft war gedrückt infolge der
dreimaligen Preisermäßigung für Fertigprodukte, der ſich die
Geſell=
ſchaft durch den Konkurrenzkampf der großen Fabriken anſchließen
mußte. Die Beſchäftigung war gut. Beſondere Verluſte im
Geſchäfts=
jahre waren nicht zu verzeichnen. Die ſchon lange geplanten
Sanie=
rungsmaßnahmen ſcheitern immer daran, daß ſich kein neuer
Inter=
eſſent für die Uebernahme von neuen Aktien findet.
Zur Millionen=Inſolvenz Jakob Dreyfuß u. Co., Frankfurt a. M.
Zu der infolge großer Effektenfehlſpekulationem des Inhabers der
Mehl=
handels=Firma Jakob Dreyfuß u. Co., Frankfurt a. M., verurſachten
Schwierigkeit erfahren wir, daß als Vertrauensmann der Banken der
nichtbeteiligte Bankier Hugo Mah, Frankfurt a. M., beſtellt wurde. Die
Bankſchulden ſollen ſich auf rund 9 Millionen RM. belaufen, die
Waren=
fchulden auf rund 1 Million RM., das Wechſelobligo ohne
Kunden=
wechſel auf nicht ganz 6 Mill. RM., draunter allein zirka 1 Mill. RM.
Gefälligkeitsakzepte. Die Ausfälle aus Wechſeln ſind ſchwer zu
über=
ſehen. Die Höhe der Aktiven hängt ſehr von ihrer Verwertbarkeit ab
und iſt infolgedeſſen ſchwer feſtſtellbar, daß aber mit ziemlichen Ausfällen
für die Gläubiger zu rechnen iſt, ſteht feſt. Der Effektenbeſitz
einſchließ=
lich der Beteiligung an der Hafenmühle A.=G., Frankfurt, ſtellt auf
Baſis der letzten Wochenhöhe einen Kurswert von etwa 4,5 Mill. RM.
dar, der Hausbeſitz beläuft ſich auf rund 0,4 Mill. RM. Daneben
beſtehen eine Reihe von Beteiligungen an Mühlen (z. B. Dampfmühle
J. Schmitt in Mainz uſw.), ferner Aktiven aus Finanzierungen von
Mühlen, Mehlhändlern und Bäckern, und ſchließlich einige
Aktivhypo=
theken. Es wird betont, daß alle Banken beſchloſſen haben, den ihnen
verpfändeten Effektenbeſitz zunächſt nicht an der Börſe zwangsweiſe zu
verkaufen. Vielmehr iſt bereits in der letzten Zeit, wodurch ſich übrigens
das große Angebot in Farben und Glanzſtoff teilweiſe erklärt, glatt
geſtelltz worden. Die Gläubiger ſind zumeiſt gedeckt. Für die
Fortfüh=
rung des Geſchäftes der Firma Jakob Dreyfuß beſtehen noch
verſchiedent=
lich Schwierigkeiten. Auch muß erſt die geſamte finanzielle Situation
noch beſſer geklärt werden, bis dieſe Frage entſchieden werden kann.
Auf alle Fälle ſoll verſucht werden, den Konkurs zu vermeiden. Eine
Gläubigerverſammlung iſt noch nicht einberufen. Wir erfahren noch,
daß bei den Aktiven an Debitoren rund 2 Mill. RM. und
Waren=
beſtände nur 0,25 Mill. RM. vorhanden ſind. Es ſtehen alſo zirka
16 Mill. RM. Paſſiven rund 7 Mill. RM. Aktiven gegenüber. Das
Beſtreben der Hauptgläubigerbanken geht dahin, zunächſt der Firma
einen Zahlungsaufſchub von etwa zwei Monaten zu gewähren. Man
will alſo das Geſchäft weiterführen und vor allem den Konkurs
ver=
meiden.
che
Rleine wirtſwäftsnachrichten.
Die Elite=Diamant=Werke A. G. hat nach Informationen von
zu=
ſtändiger Stelle ihre Zahlungen eingeſtellt. Ein Termin für die
Gläu=
bigerverſammlung konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden.
Wie bekannt, hat die Geſellſchaft unter der ſehr ungünſtigen
Geſchäfts=
entwicklung in der Automobil= und Fahrradinduſtrie zu leiden gehabt.
Wie mitgeteilt, hat die Ford Motor A.G. nunmehr beſchloſſen,
ihren Sitz und Betrieb nach Köln zu legen. Soweit bekannt wird, iſt
zunächſt nur ein Vorvertrag über die Hauptpunkte geſchloſſen worden.
Der Erwerb des Geländes an und für ſich bedarf noch beſonderer
Ab=
ſchlußverhandlungen.
Die auf Grund eines Einſpruchs der Kieler Induſtrie= und
Han=
delskammer vor einigen Monaten in „Kieler A.G.” umgetaufte
Hol=
ſten=Bank zu Kiel, die auch Zweigſtellen in verſchiedenen
ſchleswig=
holſteiniſchen Landſtädten unterhielt, hat ihre Zahlungen eingeſtellt.
Die Hartſtein=Induſtrie im Reſtkreis Baumholder=St. Wendel, der
ſtets eine große wirtſchaftliche Bedeutung zukam, befindet ſich infolge
einer tiefgreifenden Abſatzkriſe in Schwierigkeiten.
Geſtern ſind im großen Sitzungsſaale der Frankfurter
Handels=
kammer die Vertretungen der deutſchen und öſterreichiſchen
Handels=
kammern unter dem Vorſitz des Präſidenten des Deutſchen Induſtrie=
und Handelstages v. Mendelsſohn zu einer Tagung
zuſammengetre=
ten. Am Vormittag wurde zunächſt die Frage der ſozialpolitiſchen
Rechtsannäherung behandelt.
Im Zuſammenhang mit der Schwierigkeit der Firma Lorch in
Homburg (Saar) hat auch die damit verbundene Mannheimer
Pro=
duktenfirma Lorch ihre Zahlungen eingeſtellt und ſtrebt einen
außer=
gerichtlichen Vergleich an.
Die Streiklage im nordböhmiſchen Braunkohlengebiet weiſt
An=
zeichen des bevorſtehenden Zuſammenbruches auf. Auf den meiſten
Schächten wird bereits gearbeitet. Durch die Arbeitsaufnahme in den
letzten Tagen iſt die Zahl der Streikenden auf 1500 geſunken.
Gegenwärtig ſtreiken 20000 Bergarbeiter im Bezirk Borinage in
der Provinz Hennegau (Südbelgien).
Mn
Anerikaniſche Kabelnachrichten
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 21. Okt.:
Getreide: Weizen, Dez. 128½, März 136, Mai 13958: Mais,
Dez. 91½, März 97½4, Mai 100½: Hafer, Dez. 50½, März 5238,
Mai 54½; Roggen, Dez. 104½, März 109½, Mai 11158.
Schmalz: Okt. 10,75, Nov. 10,75, Dez. 10,90, Jan. 1930 11,45.
Fleiſch: Rippen, Okt. 11,25: Speck, loco 11,25; leichte Schweine
9.40—9,90, ſchwere Schweine 9,25—9,85; Schweinezufuhren
Chi=
cago 44 000, im Weſten 140000.
Baumwolle: Okt. 17,85, Dez. 1805.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 21. Okt.:
Getreide: Weizen, Rotwinter 138½, Hartwinter 134½: Mais
104½: Mehl 5,90—6,25; Getr. Feacht nach England 1,6—2,3 sh,
nach dem Kontinent 8—9 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 11,50; Talg, extra loſe 8½.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 21. Oktober.
Zum Wochenbeginn machte die Beruhigung weitere Fortſchritte, und
die Börſe eröffnete allgemein etwas freundlicher. Die
Interventions=
täitgkeit der Banken und die Bereitwilligkeit, nach beſten Kräften ein
weiteres Abgleiten der Kurſe zu verhüten, machte einen günſtigen
Ein=
druck, ſo daß man vielfach bemerken konnte, daß ſich die allgemeine
Spannung löſte und die in den letzten Tagen beſtehende ſtarke
Kriſen=
ſtimmung und Nervoſität mehr an Kraft verlor. Die Spekulation
ſchritt etwas ermutigt hierdurch zu Deckungen, ſo daß in Spezialwerten
das Geſchäft zeitweiſe einen etwas lebhafteren Charakter trug. Die
ſchwache New Yorker Börſe vom Samstag und eine in
Zahlungsſchwie=
rigkeit geratene Getreidegroßhandlung riefen keinen nennenswerten
nach=
teiligen Eindruck hervor. Die noch vorhandenen Effektenbeſtände ſollen
vorläufig nicht zum Verkauf kommen, ſo daß die Börſe durch eine evtl.
Liquidation dieſer Firma kaum mehr betroffen werden dürfte. Einen
recht günſtigen Einfluß konnten die Ausführungen in der
Generalver=
ſammlung bei Klöckner machen. Klöckner ſelber wurde davon jedoch nur
wenig berührt und konnten nur 1 Prozent gewinnen, während die
üb=
rigen Montanaktien bis 3 Prozent feſter eröffneten. Einen vorteilhaften
Widerhall hinterließen noch die beſſeren Handelsbilanzziffern des Monats
September. Etwas mehr Intereſſe wurde noch dem Montanmarkt
un=
ter Bevorzugung von Licht und Kraft mit plus 5 Prozent und
Schuk=
kert mit plus 5,5 Prozent entgegengebracht. Die übrigen Werte dieſes
Marktes gewannen bis zu 2 Prozent. J. G. Farben und Zellſtoff
Aſchaffenburg eröffneten bis zu 3,75 Prozent höher. Stärker
hervor=
treten konnten noch Kali Salzdetfurth mit plus 7 Prozent. Von
Glanz=
ſtoff=Aktien waren Bemberg wieder angeboten und 5,5 Prozent ſchwächer,
Glanzſtoff blieben dagegen gut behauptet. Renten ſtill.
Im Verlaufe war das Geſchäft wieder recht ſtill, doch waren
Kurs=
veränderungen kaum zu verzeichnen. Nur gegen Schluß der Börſe
traten Abſchwächungem bis zu 1,5 Prozent ein, und zwar infolge Mangel
an Aufträgen und auch verſchiedentlich hervorgerufen durch
Gewinn=
mitnahmen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 Prozent
unver=
ändert. Am Deviſenmarkt konnte ſich der Dollar etwas erholen. Man
nannte: Mark gegen Dollar 4,1926; gegen Pfunde 20.3910; London—
Kabel 4,8755; Paris 123,87½; Mailand 93,05. Auch Madrid war mit
34,35 leicht gebeſſert. Holland 12,10½.
An der Abendbörſe war die Stimmung wieder unſicher, und
wie zum Schluß der Mittagsbörſe überwog die Abgabeneigung. Das
Geſchäft war im allgemeinen recht ſtill.
Berlin, 21. Oktober.
Nachdem man ſich im heutigen Vormittagsverkehr trotz freundlicherer
Grundſtimmung noch vom außerbörslichen Handel zurückgehalten hatte,
machte der offizielle Beginn der neuen Woche einen durchaus weiter
be=
ruhigten Eindruck. Man verwies auf die optimiſtiſchen Auslaſſungen
Peter Klöckners in der G.=V. der Klöckner=Werke und betonte, daß dieſe
um ſo beachtenswerter ſeien, da ſie von ſchwerinduſtrieller Seite gemacht
wurden. Ferner wirkten die guten Außenhandelsbilanzziffern, die am
Samstag kaum Beachtung gefunden hatten, nach, und nicht zuletzt trug
die Meldung von einem dicht bevorſtehenden Abſchluß der Kreuger=
An=
leihe zu der freundlichen Stimmung bei. Daß trotz leichten Geldſatzes
New York am Samstag ſchwach war, wurde nicht tragiſch genommen.
Im Gegenteil, man hoffte, daß die Auslandsſpekulation hierdurch von
drüben ab= und nach Berlin hingezogen werden könnte. Die von uns
gemeldete Herabſetzung der Einſchüſſe bei Termingeſchäften war
hin=
ſichtlich der Abwicklung des Ultimos ein weiteres Beruhigungsmoment,
und man erwartet weiter, daß die Banken auch alle ſich ihnen ſonſt
bietenden Stützungsmöglichkeiten ausnutzen werden. Angeregt durch
freundliche Wochenberichte, in der Hauptſache aber wohl durch das
nied=
rige Kursniveau, konnte man bei der Bankenkundſchaft heute
zuneh=
mende Kaufneigung beobachten. Obwohl andererſeits auch noch kleines
Angebot da war, zeigten die erſten offiziellen Notierungen gegen die
Samstagſchlußkurſe in den meiſten Fällen aber doch, wenn auch nicht
ſehr große, Befeſtigungen. Auch nach den erſten Kurſen konnten ſich bei
den meiſten Werten weitere Befeſtigungen durchſetzen. Angeblich
be=
kundete die Schweiz Nachfrage am Elektromarkt, und für
Schiffahrts=
werte und Montanpapiere ſoll Holland als Käufer aufgetreten ſein.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metall=Termine vom 21. Oktober ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 142,50 (142,75), Februar 143 (143), März 143
(143,50), April 143,25 (143,25), Mai, Juni 143,25 (143,50), Juli, Auguſt
143 (143,25), September 143,25 (143,25), Oktober 141,75 (143), November
142 (142,50), Dizember 142,25 (142,50). Tendenz: ſchwach. Für Blei;
Januar 45,25 (45,50), Februar, März, April, Mai, Juni, Juli 45,25
(45,75), Auguſt, September 45,50 (45,75), Oktober 45 (46), November 45
(45,25), Dezember 45,25 (45,25). Tendenz: ſtetig. Für Zinc: Januar.
43,25 (45), Februar 44 (45), März. April, Mai 44 (45,25), Juni, Juli,
Auguſt 44 (45,50), September 45 (45,50), Oktober, November 42 (44),
Dezember 43 (45). Tendenz: luſtlos. — Die erſten Zahlen bedeuten
Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Produkkenberichke.
Mannheimer Produktenbericht vom 21. Oktober. Auf rückläufige
Auslandsforderungen hin verkehrte die Börſe in ruhiger Haltung. Im
nichtoffiziellen Verkehr nannte man waggonfrei Mannheim p. 100 Kilo
in RM.: Weizen inländiſchen mit 25,75—26; ausländiſchen mit 27 bis
32,25; Roggen inländiſchen mit 19,50; Hafer inländiſchen mit 18,25 bis
19,25; Braugerſte badiſche und württembergiſche mit 21—22,50; pfälziſche.
mit 22—23,25; Futtergerſte mit 18—19; Mais mit Sack 2;
ſüddeut=
ſches Weizenmehl Spezial Null 38; dito 2. Sorte 36,50; ſüddeutſches
Weizenauszugsmehl mit 42; ſüddeutſches Roggenmehl 27,25—32; Kleie
10,75; Biertreber 16,75; Leinſaat mit 47.
Frankfurter Produktenmarkt vom 21. Oktober. Im Zuſammenhang
mit den erneut ſchwachen Auslandsmeldungen und des faſt völlig ins
Stocken geratenen Mehlgeſchäfts, verkehrte der Frankfurter
Produkten=
markt in etwas ſchwächerer Haltung. Das verhältnismäßig kleine
An=
gebot von Inlandsbrotgetreide fand nur zu nachgebenden Preiſen
Unter=
kunft. Auch faſt alle übrigen Getreidearten gaben bis zu 0,25 RM. nach,
nur Gerſte und Hafer konnten ihren Preisſtand behaupten. Es notierten:
Weizen 25,25—25,50; Roggen 18,75—19; Sommergerſte 20—20,75: Hafer
19; Mais 19,50; Weizenmehl ſüdd. und niederrhein. 38—38,25;
Roggen=
mehl 27,25—28,25; Weizenkleie 10,25—10,35; Roggenkleie 10—10,25;
Erbſen 31—44; Linſen 55—100; Heu ſüdd. 11; Weizen= und Roggenſtroh
drahtgepr. 6,00; gebündelt 5,75—6,00; Treber getrocknet 16,75—18,00.
Tendenz: ruhig.
Berliner Produktenbericht vom 21. Oktober. Angeſichts der erneut
ſchwachen Auslandsmeldungen und des faſt völlig ins Stocken geratenen
Mehlgeſchäftes hielt ſich die Unternehmungsluſt an der Produktenbörſe
auch zu Wochenbeginn in engen Grenzen. Das mäßige Angebot von
Inlandsbrotgetreide fand nur zu etwa 1 bis 2 Mark niedrigeren
Prei=
ſen Unterkunft, wobei für Roggen als Käufer in der Hauptſache die mit
Reichsſtützung betrauten Firmen in Betracht kamen. Am
Lieferungs=
markt ſetzte Weizen bis 2 Mark, Roggen bis 2,5 Mark niedriger ein.
Die Umſatztätigkeit blieb auch hier auf wenige Abſchlüſſe beſchränkt.
Für Weizen= und Roggenmehle ſind die Mühlen bei Geboten zu
Preis=
konzeſſionen bereit, Umſätze gehen über die Deckung des dringendſten
Bedarfes nicht hinaus. Hafer ausreichend angeboten und gleichfalls
ſchwächer. Gerſte ruhig, aber ziemlich ſtetig.
R
Hieuenartie.
Manheimer Großviehmarkt vom 21. Oktober. Dem heutigen
Groß=
viehmarkt waren zugefahren: 188 Bullen, 327 Ochſen, 293 Kühe, 469
Färſen, 690 Kälber, 103 Schafe, 3539 Schweine und 21 Ziegen. Bezahlt
wurden für: Ochſen 38—61, Bullen 42—56, Kühe 18—50, Färſen 44
bis 62, Kälber 54—86, Schafe 52—56, Schweine 75—90, Ziegen 12—24.
Marktverlauf: Mit Großvieh ruhig, Ueberſtand, mit Kälbern lebhaft,
ausverkauft und mit Schweinen ruhig, Ueberſtand.
Frankfurter Viehmarkt vom 21. Oktober. Aufgetrieben waren: 1520
Rinder, darunter 360 Ochſen, 75 Bullen, 604 Kühe, 441 Färſen, 435
Kälber, 81 Schafe und 4804 Schweine. Marktverlauf: Rinder mäßig
rege, nahezu ausverkauft, Schweine mäßig rege, geräumt, Kälber und
Schafe rege, geräumt. Preiſe pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen;
al) 58—61, a2) 54—57, b1) 49—53, Bullen: 56—64, b) 50—55, Kühe:
a) 48—51, b) 44—47 c) 39—42, d) 30—38, Färſen: a) 58—61, b) 54
bis 57, c) 49—52, Kälber: a) —, b) 82—85, c) 76—81, d). 70—74,
Schafe ſind nicht notiert; Schweine: a) —, b), c) und d) 90—91,
e) 86—89. Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch 1. 90—100, 2. 80—90,
Bullenfleiſch 85—90, Kuhfleiſch 2. 65—75, 3. 50—65, Kalbfleiſch 110—115,
Schweinefleiſch 1. 114—117, holländiſch 100—110, Gefrierfleiſch (
Rind=
fleiſch) 56, Hinterviertel 65. Geſchäftsgang mittelmäßig.
Berliner Kursbericht
vom 21. Oktober 1929
Deviſenmarkt
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Frei=
ſtaat v. 27 ....."
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ſtaat v. 27 .....
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ſtaat v. 27 ....."
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Dtſche. Anl.
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8% Bad.=Bad. v. 26
6% Berlin v. 24.
835 Darmſtadt v. 26
v. 28
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8% Mainz v. 26 ..
Mannh. v. 26..
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8‟), Heſſ. Landesbk.
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69
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Nummer 293
Dienstag, den 22. Oktober 1929
Seite 15
Welrsans MARKEN
Urheber=Rechtsſchutz durch Verlag Oskar Meiſter, Werdau i. Sa.
23)
Nachdruck verboten
Bei den erſten Worten Heury Graves begannen einzelne
Mitglieder der Frauenvereine ein wahnſinniges Gebrüll, um
zu verhindern, daß man die Worte Graves hören könne. Aber
das dauerte keine halbe Minute; denn die erregte Mäſſe machte
Miene, gegen die Ruheſtörerinnen vorzugehen, Und letzten Endes
waren ja auch die Mitglieder der Frauenvereine neugierig.
So hörte man denn Henry Grave reden.
Wer auf eine Senſation, auf pikante Enthüllungen gefaßt
geweſen war, der kam nicht auf ſeine Rechnung. Doch hatten
die Ausführungen des jungen Mannes den größten Erfolg und
übten auf alle den tiefſten Eindruck aus.
Henry Grave zog ſich glänzend aus der Affäre. Seine
Worte wirkten auf die bewegten Wogen des Zornes.
Als er ſchloß: „. .. und ſo ſtehe ich an dieſer Stelle, um
mich vor Ihnen als anſtändiger Menſch zu verantworten. Ich
habe es getan, erwarten Sie mich nie wieder an dieſer Stelle.
Im übrigen glaube ich, daß die ganze leidige Angelegenheit
nicht ein Prozent des Staubes wert iſt, der aufgewirbelt wurde
Etwas weiß ich jedoch beſtimmt: Wenn es mir noch einmal ſo
ginge, ich würde wahrſcheinlich genau wieder ſo impulſiv
han=
deln und für den Schwächeren eintreten. Wenn ich auch nur
ein armer Teufel bin . . . Gott erhalte mir ein anſtändiges
Herz.
Die Menge war begeiſtert und klatſchte wie verrückt.
Sie ruhte nicht, bis Henry Grave erſchien und ſich bedankte.
So ging der Tag zwar intereſſant zu Ende, aber doch ohne
Störung.
Nicht ein Poliziſt hatte in Aktion treten müſſen.
*
Am nächſten Tage berichteten die Zeitungen über den Fall
und gaben auch bekannt, daß ſich Mr. Hooge wahrſcheinlich an
die Gerichte wenden werde.
George lächelte, als er dieſe Meldung las. Er wußte ganz
genau, daß dies nicht eintreten würde. Dazu hatte der brave
Mr. Hooge doch zu viel Dampf.
Mittlerweile war der bewußte Freitag, an dem Mrs. Heliane
das Geld an der Lincolnſtatue niederlegen ſollte,
heran=
kommen.
George hatte beſchloſſen an dieſem Tag mit dem
zuverläſ=
ſigen Konſtabler Smith zu verſuchen, die Verbrecher zu faſſen.
Das Paket wurde durch einen Beauftragten ordnungsgemäß
niedergelegt, aber die im Gebüſch Verſteckten warteten umſonſt,
daß ſich jemand zeige, der es abhole.
Es wurde Mitternacht, und das Geld lag immer noch da,
das heißt: das Paket ohne Geld.
George fror trotz warmer Kleidung. Dem Poliziſten erging
es nicht anders.
Schließlich, nach ſechsſtündigem Warten, entſchloſſen ſie ſich,
ihr Warten aufzugeben.
Vorſichtig verließen ſie das Gebüſch und ſchritten den
Park=
weg hinunter.
Nichts rührte ſich. Sie beſtiegen das Auto und fuhren heim.
Am anderen Tag lag das Paket immer noch da und wurde
von einem Poliziſten eingeholt.
George wußte nicht, was er ſich denken ſollte.
Er beſchloß, abzuwarten.
So ſekts in Kocktach.
v.
Wi Hulktlnr,
ſondern
Attge
So korntt nämlick
eift der — eitttge
Kathreinergeſchmad
zur Gekung!
BKathreiners Mahkaffee
Die Tage gingen hin, und Robert George merkte, daß es für
ihn immer ſchwieriger wurde.
Er kam nicht vorwärts. Die Reinigungsaktion ſtockte, mußte
ſtocken, denn die Beamtenſchaft ſtand gegen ihn, befleißigte ſich
einer gewiſſen paſſiven Reſiſtenz.
Robert George nahm ſelber die Verfolgung verſchiedener
Kriminalfälle auf, führte auch zwei gut durch, aber er konnte es
nicht aufhalten, daß ſich die Verbrechen häuften, daß die
Ver=
brecherwvelt immer unverſchämter und ſeine eigenen Beamter
immer arroganter wurden.
So ging es nicht weiter.
Er entſchloß ſich, mit dem Gouverneur Rückſprache zu
nehmen.
Mr. Woodland nahm ihn ſehr herzlich auf.
Er hörte George mit dem größten Intereſſe zu, als dieſer
ihm die Schwierigkeiten ſeiner Stellung auseinanderſetzte.
George ſchloß mit den Worten: „Die Befürchtung, die ich
vom erſten Tage an hatte, daß meine Ernennung zum oberſten
Chef der Chicagoer Polizei nichts anderes bedeute, als eine
Kaltſtellung, hat ſich als berechtigt herausgeſtellt. Ich bitte Sie
deshalb, mich dieſes Amtes zu entbinden. Ich will wieder der
einfache Detektiv Robert George ſein. In dieſer Eigenſchaft kann
ich der Verbrecherwelt viel beſſer beikommen.”
Doch zu ſeinem Erſtaunen ſchüttelte der Gouverneur ſehr
energiſch den Kopf. Verſchmitzt funkelten die kleinen, hellen
Augen.
„Nein, Mr. George! Da macht Woodland nicht mit!
Wood=
land ſagt Ihnen, daß er und auch die Stadt Chicago ſehr
zu=
frieden mit Ihnen iſt. Glauben Sie, daß wir ſo kurzſichtia
waren und nicht wußten, daß Ihre Ernennung zunächſt wie das
bunte Tuch auf den Stier auf die Verbrecherwelt wirken würde?
Das haben wir gewußt! Wie lange ſind Sie im Amt? Noch
nicht ein Vierteljahr! Herr, wollen Sie denn die Welt
ein=
reißen, was denken Sie denn? In einem Jahrhundert hat ſich
die Verbrecherwelt Chicagos ſo entwickelt. Glauben Sie denn,
daß Sie es in einem Vierteljahre ſchaffen, ſie ins Knie zwingen?
Das wäre ja ein Wunder, und Wunder gibt es nicht.”
George ſchüttelte ärgerlich den Kopf und ſagte: „Das
meine ich nicht. Ich ſage nur, daß ich erkannt habe, daß ich ſo
nicht weiterkomme. Mein ganzes Kämpfen wird ein Griff ins
Nichts ſein, wenn ich weiter Polizeipräſident bin.
„Nein!” entgegnete der Gouverneur trocken. „Hören Sie
Mr. George. Wir erwarten von Ihnen etwas ganz beſonderes.
Denken Sie einmal darüber nach, ob man nicht gut täte, die
Kampfmethoden zu wechſeln.”
„Wie meinen Sie das, Herr Gouverneur?”
„Wie ichs meine, das macht’s nicht. Sie ſelber ſollen ſich
einmal überlegen, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt, erſtens
den Verbrechern beizukommen und zweitens die ſo bitter
not=
wendige Reinigung der Polizei zu Ende zu führen.”
George überlegte. „Sie meinen, ich muß den Weg finden,
der mich in die Lage verſetzt, die Macht als oberſter Chef in die
Wagſchale zu werfen, andererſeits aber wie der frühere Detektiv
zu arbeiten
„Well, Sie haben es erfaßt!“
„Aber da einen Weg finden!“
„Verſuchen Sie es, lieber George. Sie haben doch einen
regſamen Geiſt. Verſuchen Sie alſo, den neuen Weg zu finden.”
*
George unterhielt ſich am Abend mit Benn über Mr.
Wood=
lands Vorſchlag.
Benn war ein ſehr aufmerkſamer Zuhörer.
„Der gute Woodland hat recht”, ſagte er ſchließlich. „Die
Situation erfordert tatſächlich, daß wir neue Wege zu gehen
ver=
ſuchen. Das alte Syſtem taugt nicht für das. Alſo lieber George
wollen wir einmal die Situation durchſprechen. Referiere mir
mal im Zuſammenhange über die Chicagoer Verbrecherwelt und
ihre Organiſation.”
„Es iſt nur eine Wiederholung, Benn.”
„Ganz gleich! Ich möchte alles einmal im Zuſammenhang
hören.”
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Einträge in das Handelsregiſter,
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teilung 4: Am 14. Oktober 1929
hin=
ſichtlich der Firma: G. &. H. Wagner,
Darmſtadt: Die Firma iſt geändert in:
Georg Wagner, Buch= und Kunſthdlg.
Am 16. Oktober 1929 hinſichtlich der
Firma: Immobilien=Verwertung
Mar=
gareta K. Dingeldein, Darmſtadt: Die
Prokura des Kaufmanns Friedrich
Din=
geldein iſt erloſchen. — Am 17. Oktober
1929 hinſichtlich der Firma: Fritz
Haber=
mehl, Darmſtadt: Die Prokura der Fritz
Habermehl Ehefrau Elſe geborenen
Kugel iſt erloſchen. — Die Firma iſt
er=
loſchen. — Am 18. Oktober 1929
hin=
ſichtlich der Firma: Jean Löhr.
Darm=
ſtadt: Die Prokura der Jean Löhr
Ehe=
frau Marie geborenen Jörg iſt erloſchen.
Die Firma iſt erloſchen. —
Abtei=
lung B: Am 15. Oktober 1929
hinſicht=
lich der Firma: Engelbert Maier,
Geſellſchaft mit beſchränkter Haftung,
Darmſtadt: Durch Beſchluß der
Geſell=
ſchafterverſammlung vom 16. März 1929
iſt die Geſellſchaft aufgelöſt. Der
ſeit=
herige Geſchäftsführer, Engelbert Maier,
Kaufmann in Darmſtadt, iſt zum Liqui=
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dator beſtellt,
Darmſtadt den 19. Oktober 1929.
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