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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſebenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 286
Dienstag, den 15. Oktober 1929.
192. Jahrgang
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Im Falle höberer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſct
ede Verpſiſchtung auf Erfüllung der
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auſträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fäll ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Natſonalbank.
Segen Polksbegehren und Polksverhetzung
Bleibt dem Volksbegehren fern!
hütet Euch vor den Kakaſtrophenpolikikern!
Sämtliche Reichsminiſter, der preußiſche Miniſterpräſident,
der heſſiſche Staatspräſident, der Reichsbankpräſident
und eine Reihe führender Perſönlichkeiten aus Politik, Wirtſchaft,
Wiſſenſchaft und Kunſt veröffentlichen folgenden Aufruf gegen
das Volksbegehren zum Youngplan:
An das deutſche Volk! Seit mehr als 10 Jahren kämpft das
deutſche Volk gegen die ungeheuren Laſten, die ihm der Verſailler
Vertrag als Folge eines heldenhaft geführten, aber verlorenen
Krieges auferlegt hat. Nach einer Epoche, in der die Siegerſtaaten
durch Anwendung einer ungehemmten Machtpolitik Deutſchland
ihren Willen aufzuzwingen ſuchten, einer Epoche, die Deutſchland
nahe an den Rand des Abgrundes brachte, gelang es endlich den
deutſchen Bemühungen, einen Umſchwung herbeizuführen.
An=
dere Methoden der Politik kamen zur Geltung und ſchützten unſer
Vaterland vor den drohenden Gefahren. Auf die Zeit der Gewalt
und einſeitigen Diktate folgte die Zeit der Unterhandlungen und
Verſtändigung. Die Vernunft ſetzte ſich durch. Deutſche Männer
traten hervor, feſten Herzens und klaren Kopfes, unbekümmert
um den Fanatismus, der ihnen aus dem eigenen Volke
entgegen=
ſchlug: dieſe Männer wieſen den
Weg in die beſſere Zukunft.
Es zeigte ſich immer mehr, daß nur auf dieſem Wege das
Ziel der Befreiung Deutſchlands erreicht werden
konute. Das Ergebnis dieſer mühſamen, aber allein möglichen
Polit’k iſt, daß ſich die Stellung Deutſchlands unter den Völkern
wieder gefeſtigt hat. Jetzt ſteht in kurzer Friſt die Befreiung des
Rheinlandes von fremder Beſetzung bevor. Die
Repara=
tionen ſollen um erhebliche Jahresbeträge
her=
abgeſetzt werden, die dem Wiederaufſtieg der deutſchen
Wirtſchaft zugutekommen werden. Die Souveränität der
deutſchen Finanzen und der deutſchen
Wirt=
ſchaft ſoll wiederhergeſtellt werden. Es ſind Verhandlungen
eingeleitet, um auch das Saargebiet alsbald wieder reſtlos mit
dem übrigen Deutſchland zu vereinigen. Gewiß ſind damit noch
nicht alle Aufgaben der deutſchen Politik erfüllt, aber es iſt der
Weg eröffnet, um den Wiederaufſtieg Deutſchlands zu Ende zu
führen und unſerem Lande die Zukunft zu ſichern, auf die es
ein Recht hat.
Dieſe Enkwicklung ſell jetzt mit einemmal
abgeſchnikken werden.
Ein Volksbegehren ſoll zuſtandegebracht werden, das die
grund=
ſätzliche Abkehr von der Politik der Verhandlungen und der
Ver=
ſtändigung verlangt und das den Anſchein zu erwecken ſucht, als
ob Deutſchland jetzt ſeine Wünſche und Forderungen nun den
Siegern des Weltkrieges aufzwingen könnte. Deutſchland ſoll
ſich losſagen von den Haager Vereinbarungen über die Befreiung
des Rheinlandes. Man glaubt durch einſeitige deutſche
Be=
ſchlüſſe die fremden Truppen aus dem beſetzten Gebiet
heraus=
bringen zu können. Deutſchland ſoll die ſchwebenden
Verhand=
lungen über die Erleichterung der Reparationslaſten abbrechen
und an den unerfüllbaren Bedingungen des Dawesplanes
feſt=
halten, um ſo eine finanzielle und wirtſchaftliche
Kataſtrophe herbeizuführen, deren unabſehbare Folgen jeder
einzelne Deutſche zu tragen haben würde. Ein ſolcher Plan iſt
keine ernſthafte, verantwortungsſchwere Politik.
Kein vernänftig denkender Deulſcher, dem der
Wiederaufftieg ſeines Bakerlandes am Herzen
liegl, kann ein ſolges Vorhaben fördern.
Trotzdem wagen die Urheber dieſes Planes ein Geſetz
vorzuſchla=
gen, das diejenigen Deutſchen, die ſich in verantwortlicher
Stel=
lung zu der bisher erfolgreich betriebenen Verſtändigungspolitik
bekennen, als gemeine Landesverräter behandelt und mit
Zucht=
haus bedroht. Ein Vorſchlag, ſo ungeheuerlich, daß er als
Ver=
ſuch ſchlimmſter Volksverhetzung gebrandmarkt
wer=
den muß. Das ganze Volksbegehren iſt auf eine
offenkundige Unehrlichkeit aufgebaut. Es ſtützt
ſich auf die unſinnige Behauptung, daß die bisherige deutſche
Außenpolitik auf der Anerkennung der Kriegsſchuld Deutſchlands
beruhe und daß die deutſche Regierung den Kriegsſchuldartikel
des Verſailler Vertrages nur ſchriftlich zu widerrufen brauche,
um Deutſchland von allen Laſten und Feſſeln des Vertrages zu
befreien. Niemals hat Deutſchland den einſeitigen Schuldſpruch
des Verſailler Vertrages anerkannt. Jede deutſche Regierung
hat dieſes Unrecht in feierlichen Erklärungen zurückgewieſen.
Das iſt zuletzt noch geſchehen in einem Aufruf, den am 10.
Jah=
restag der Unterzeichnung des Verſailler Vertrages der Herr
Reichspräſident v. Hindenburg und die Reichsregierung an das
deutſche Volk gerichtet haben. Unermüdlich haben daneben die
berufenen deutſchen Stellen die Welt über die wahren Urſachen
des Krieges aufgeklärt. Der Erfolg dieſer Arbeit tritt immer
deutlicher zutage. Der Glaube an das Märchen von der
Allein=
ſchuld Deutſchlands verſchwindet immer mehr. Das
Volksbegeh=
ren würde dieſe hoffnungvolle Entwicklung um Jahre
zurück=
werfen.
Das deutſche Volk hat jetzt zwiſchen Vernunft und Unſinn
zu wählen. Wer nicht in törichter Verblendung den
Bemühun=
gen um den Wiederaufſtieg des Vaterlandes in den Arm fallen
will, muß dieſem Volksbegehren fernbleiben. Wer
es unterſchreibt, fördert die Zerſetzung und die Verſklavung des
deutſchen Volkes.
Jvar Kreuger abgereiſt.
Der Skreik um die Verzinſung der Anleihe.
* Berlin, 14. Okt. (Priv.=Tel.)
Ivan Kreuger iſt bereits am Samstag von Berlin nach
London abgereiſt, ohne die Verhandlungen über das
Zündholz=
monopol zum Abſchluß zu bringen. Ob er ſelbſt noch einmal
nach Berlin kommt, iſt zweifelhaft, aber ſeine bevollmächtigten
Vertreter ſind hier geblieben, ſo daß die Beſprechungen
weiter=
gehen können. Es iſt noch nicht gelungen, alle Schwierigkeiten
aus dem Wege zu räumen, und zwar geht der Streit in
erſter Linie um die Verzinſung der Anleihe. Hier iſt
naturgemäß zu unterſcheiden zwiſchen der reinen Verzinſung der
Anleihe und der mittelbaren, die aus der Verteuerung der
Streichhölzer dem deutſchen Volke auferlegt wird. Es wäre ein
ſchlechtes Geſchäft, wenn wir die Anleihe zwar 1 oder 1½
Pro=
zent billiger bekämen als zu den heutigen Sätzen auf dem
Geld=
markt, dafür aber dann 2 und mehr Prozent auf anderem Wege
an die Schweden abführen müßten. Hier ſcheint aber die
Zünd=
holzgruppe noch zäh an ihren Forderungen feſtzuhalten. Das
Reichsfinanzminiſterium glaubt auf Grund der ſchwediſchen
Vor=
ſchläge auf eine über 8prozentige Verzinſung zu kommen und
hat deshalb andere Vorſchläge ausgearbeitet, über die in den
nächſten Tagen noch verhandelt werden wird. Anſcheinend hält
aber auch das Miniſterium daran feſt, das Zündholzmonopol
nicht geſondert zu behandeln, ſondern mit in die große
Finanz=
reform hineinzubauen. Beſondere Eile ſcheint daher auch nicht
am Platze, zumal immerhin noch ungeklärt iſt, inwieweit andere
Anleihemöglichkeiten verhanden ſind oder waren. Die Zeitung
der chriſtlichen Gewerkſchaften „Der Deutſche” ſetzt ihren
Ent=
hüllungsfeldzug in dieſer Richtung fort mit einer perſönlichen
Zuſpitzung gegen den Reichsbankpräſidenten Dr. Schacht. Sie
erzählt, daß Ende Juni der Reichsfinanzminiſter eines der
nam=
hafteſten Mitglieder der engliſchen Hochfinanz im Reichstag in
Gegenwart des Reichsbankpräſidenten empfangen habe und daß
dabei von engliſcher Seite Vorſchläge über die Befriedigung des
Kreditbedürfniſſe des Reiches gemacht worden ſeien, allerdings
unter der Vorbedingung, daß das Anleihekonſortium der
Groß=
banken ausgeſchaltet und als Vermittler nur Dr. Schacht
auf=
trete. Dr. Schacht habe das abgelehnt und habe ſogar, als der
Finanzminiſter erklärte, daß dann eine Auszahlung der
Beam=
tengehälter bedroht ſei, ſich für eine Kürzung der
Beamten=
gehälter ausgeſprochen. Das Reichsfinanzminiſterium bemerkt
dazu lediglich, daß ihm von einer ſolchen engliſchen Offerte nichts
bekannt ſei, obwohl der „Deutſche” behauptet, die
Anleihebereit=
ſchaft der Enaländer habe mindeſtens am 30. September noch
be=
ſtanden. Mit einem ſolchen einfachen Dementi kann alſo der
Fall nicht erledigt ſein. Auch Dr. Schacht, der hier als
Sünden=
bock gelten ſoll, wird ſich äußern müſſen, aus welchen Gründen
er den engliſchen Vorſchlag nicht weiter verfolgte. Wir können
uns jedenfalls nicht gut vorſtellen, daß die detaillierte
Darſtel=
lung des „Deutſchen” einfach erfunden iſt.
Preußen will ſparen.
* Berlin, 14. Oktober. (Priv.=Tel.)
Die Finanzſchwierigkeiten des Reiches wirken ſich natürlich
auch auf die Länder aus. Der preußiſche Finanzminiſter Dr.
Hoepker=Aſchoff, deſſen Energie gegenüber der Paſſivität des
Reichsfinanzminiſters jedesmal angenehm auffällt, hat bereits
vor einiger Zeit Richtlinien über den Zwang zur
Sparſam=
keit ergehen laſſen, die er am Montag im Beamtenausſchuß des
preußiſchen Landtages ergänzte. Er kündigte an, daß für den
Etat 1930 Mehreingänge aus den
Reichsüberwei=
ſungen nicht mehr zu erwarten ſeien, wofür im
Vor=
jahre 125 Millionen zur Verfügung ſtanden. Wenn demgegenüber
heute Mehrforderungen von 200 Millionen für den kommenden
Haushaltungsplan ſtehen, dann könne nur radikale
Zuſam=
menſtreichung Abhilfe ſchaffen. Er denke aber nicht
an einen neuen Perſonalabbau, ſondern nur an eine planmäßige
Verminderung durch Einſchränkung der Verwaltungsaufgaben, ſo
daß freiwerdende Stellen nicht wieder beſetzt werden. Groß ſeien
allerdings hier die Möglichkeiten nicht. Der preußiſche Staat
be=
ſchäftigt rund 200 000 Beamte, Angeſtellte und Arbeiter. Dazu
kommen noch 110 000 Volksſchullehrer. Bei den Lehrern ſei eine
Verminderung nur durch Erhöhung der Klaſſenſtärke möglich.
Verminderungen in der Juſtizverwaltung würden eine
drako=
niſche Juſtizverwaltungsreform vorausſetzen, die in Händen des
Reiches liegt. An den rund 50 000 Beamten der Juſtizverwaltung
ſind alſo Abſtriche nicht zu machen. Auch eine Verminderung der
rund 81 000 Polizeikräfte wäre nur möglich bei Nichtausnutzung
der uns zugeſtandenen Höchſtgrenze. 10 000 Beamte ſind im
Steuerweſen tätig, die aber voll beſchäftigt ſind, ſolange nicht
unſere Steuergeſetzgbung einer völligen Aenderung
entgegen=
geführt wird. Dagegen hält der Finanzminiſter eine
Verminde=
rung der Perſonalkoſten für möglich, wenn lokale Behörden
rück=
ſichtslos zuſammengelegt, Sonderverwaltungen in die allgemeine
Verwaltung hineingenommen und die Doppelbeſetzung der
Pro=
vinzialverwaltungen beſeitigt würden. Aber hier beſtehen noch
Kompetenzſtreitigkeiten, die eine Reform in weite Ferne rücken.
Die Befürchtungen aus Beamtenkreiſen über einen neuen
Be=
amtenabbau ſeien völlig unbegründet, allerdings habe der
Mi=
niſter die aus den verſchiedenen Reſſorts kommenden
Anforde=
rungen von 2700 neuen Beamtenſtellen abgelehnt und lediglich
für einige überalterte Anwärter neue Stellen bewilligt. Der
Miniſter erhofft weitere Einſparungen durch eine Kürzung aller
Dispoſitionsfonds um 10 Prozent, durch Streichung aller
An=
forderungen für Neubauten und Streichung der
Fondsverſtär=
kungen im Extrgordinarium. Allerdings werde auch dadurch der
Etat für das kommende Jahr noch nicht ausgeglichen,
*
Vor den Wahlen in der
Tſcheche=
ſtowakei.
Tuka, der Zertrümmerer der tſchechiſchen Kvalition. — Deutſche
Wahlbündniſſe und ihre Ausſichten.
Von unſerem H=Korreſpondenten.
Prag, 13. Oktober.
Die Fülle der politiſchen Geſchehniſſe in der Tſchechoſlowakei
in den letzten Wochen war verwirrend: noch war die Erregung
über die Verurteilung des tſchechiſchen Spions Pecha durch das
Budapeſter Militärgericht nicht abgeflaut, als der zwei Monate
hindurch unter rieſigem Koſtenaufwand gegen den ſlowakiſchen
volksparteilichen Abgeordneten Tuka geführte Hochverratsprozeß
in ſein letztes, entſcheidendes Stadium trat und in dieſem
Ab=
ſchnitt auch die Entſchiedenheit, mit der ſich die Partei und ein
großer Teil des ſlowakiſchen Volkes hinter den angeſchuldigten
Abgeordneten ſtellte, die Prager Regierung in eine
außerordent=
lich unerquickliche Situation brachte. Denn offen auf der Hand
liegend war die Tatſache, daß der bei einer Verurteilung Tukas
zu erwartende Austritt der ſlowakiſchen Volkspartei aus der
ge=
miſchtnationalen Regierung zur Auflöſung des bürgerlichen
Kabinetts und vor Ablauf der verfaſſungsmäßigen Amtsperiode
infolge des Fehlens einer Budgetmehrheit zur Einſetzung einer
Beamtenregierung geführt hätte, die dann vorausſichtlich ziemlich
lange amtiert und dem Linksblock Zeit gelaſſen hätte, für die
künftigen Wahlen entſprechend zu rüſten. Udrzal, der
Miniſter=
präſident, hat in weiſer Vorausſicht kommender Ereigniſſe einen
entſchloſſenen Schachzug getan: er ernannte den Agrarier
Vis=
kovſky zum Heeresverteidigungsminiſter, d. h. er provozierte die
tſchechiſche Volkspartei, die ſich gegenüber den Agrariern
benachteiligt fühlte, und ſo erhob ſich alsbald der erwartete
Ruf nach Neuwahlen. Es war ein willkommener Ruf, denn
es lag der Prager Regierung ſehr viel daran, um die Tatfache
herumzukommen, daß Tuka, der Slowak, die Koalition
zertrüm=
mert hätte . . . So hatte der Miniſterpräſident denn auch ſchon
glücklich das Auflöſungsdekret für beide parlamentariſche
Kam=
mern in der Taſche, als ſich in Preßburg der Prozeß gegen Tuka
ſeinem Ende zuneigte. Es kam das unerwartet harte Urteil —
und die Folge war eine leidenſchaftliche Kampfanſage des
ſlowa=
liſchen Führers Hlinka an Prag, war die Demiſſion der zwei
ſlowakiſchen volksparteilichen Miniſter — aber der Schein blieb
gewahrt: nicht Tuka war es, nicht die Slowaken waren es, die
das Kabinett zum Sturz gebracht hatten . . . aus den
Gegen=
ſätzen zwiſchen Agrariern und tſchechiſchen Volksparteilern waren
die Schwierigkeiten, in der Koalition herausgewachſen. Man
gönnte nicht den Slowaken den Triumph, das auf ſchwachen
Fun=
damenten ruhende Gebäude eingeriſſen zu haben, in dem nach
einem nicht immer geſunden Syſtem Staatsregie geführt worden
war; man gefiel ſich in einer Komödie, mit der man das Ausland
über die wirklichen Zuſtände im Schoße der Prager Regierung
täuſchen zu können vermeinte, und man ſucht ſich auch heute noch
um das Eingeſtändnis herumzudrücken, daß der als Folge des
Urteils gegen Tuka zu erwartende Austritt der ſlowakiſchen
Volkspartei aus der Regierung die Notwendigkeit der
Ausſchrei=
bung von Neuwahlen ergeben mußte. Die um ſo mehr, als keine
Möglichkeit vorhanden war, die austretende Partei durch eine
andere, bisher oppoſitionelle Gruppe zu erſetzen. —
Die ſonach für, den 27. Oktober ds. Js. ausgeſchriebenen
Wahlen in beide parlamentariſche Kammern haben eine
inter=
eſſante Umſchichtung im Lager der politiſchen Parteien
hervor=
gerufen. Abgeſehen davon, daß die ſlowakiſche Volkspartei, die
bisher der Regierung angehörte, ſich in ſchärfſte
Oppoſitions=
ſtellung begeben und daß die tſchechiſche Volkspartei ſich geſpalten
hat, ſind von beſonderem Intereſſe die Veränderungen im Lager
der Sudetendeutſchen. Es ſind hier mehrere Wahlübereinkommen
abgeſchloſſen worden, die zum Teil bisher einander bekämpfende
Gruppen zuſammengeführt haben, wenn auch in den
unterſchied=
lichen Wahlaufrufen die „Politik der freien Hand”, d. h. die
gegenſeitige Ungebundenheit, betont wird. So finden wir den
bisher gemeinſchaftlich mit den deutſchen Chriſtlichſozialen und
den Gewerbeparteilern in der Regierung vertreten geweſenen
Bund der deutſchen Landwirte gemeinſam mit der Deutſchen
Arbeits= und Wirtſchaftsgemeinſchaft, die bisher — wenn auch
nur außerhalb des Parlaments — oppoſitionelle Politik getrieben
hat, in den Wahlkampf ziehen. Dieſen vereint marſchierenden
Gruppen hat ſich die Karpathendeutſche Partei angeſchloſſen, und
ihre Wahlwerberliſte trägt den Titel „Deutſche
Wahlgemein=
ſchaft‟ Die mit den Gewerbeparteilern geführten Verhandlungen
wegen des Anſchluſſes an dieſe deutſche Wahlgemeinſchaft
zer=
ſchlugen ſich an der Forderung der Gewerbepartei nach einer
beſtimmten Anzahl von Mandaten. Es kam daher ein
Wahl=
übereinkommen deutſche chriſtlichſoziale Volkspartei—
Gewerbe=
partei zuſtande, das inſofern ein einheitlicheres Programm als
das der deutſchen Wahlgemeinſchaft aufweiſt, als beide Gruppen
nach wie vor aktiviſtiſche Politik betreiben, d. h. Anſchluß an die
tſchechiſche Mehrheit zu finden trachten werden. Ausgeſprochen
oppoſitionellen Charakter hat das auch von den Ungarn
unter=
ſtützte Wahlbündnis zwiſchen der Deutſchen Nationalpartei und
dem „Sudetendeutſchen Landbund”, d. i. dem ſeinerzeit vom
Bund der deutſchen Landwirte abgeſprengten nationalen Flügel,
der, unter Führung des Egerländer Bauern Mayer ſtehend, die
regierungsfreundliche Politik des Bundes nicht gutgeheißen hat.
Selbſtändig in den Wahlkampf gehen die deutſchen
National=
ſozialiſten, die deutſchen Sozialdemokraten und — zum erſten
Mal ſeit dem Beſtehen der tſchechoſlowakiſchen Republik — die
Alldeutſchen. Die deutſchen wie die tſchechiſchen Kommuniſten
haben eine gemeinſame Liſte aufgeſtellt. Günſtige Ausſichten
haben nach vorſichtiger Schätzung der Geſamtlage die Deutſche
Wahlgemeinſchaft (Arbeits= und Wirtſchaftsgemeinſchaft), die
deutſchen Nationalſozialiſten, die Gewerbepartei und die
deut=
ſchen Sozialdemokraten, während die Nationalpartei und die
Chriſtlichſozialen wahrſcheinlich mit Stimmen= und
Mandats=
verluſten werden rechnen müſſen. Ziemlich ausſichtslos bei der
erforderlichen hohen Wahlziffer erſcheint die ſelbſtändige
Kandi=
datur der Alldeutſchen; es wäre zu wünſchen geweſen, daß dieſe
Seite 2
Dienstag, den 15. Oftober 1929
Nammer 286
Partei Anſchluß an eine der beſtehenden großen nationalen
Grup=
pen geſucht hätte, alſo entweder an die Nationalpartei oder an
die Nationalſozialiſten. Den Bund der Landwirte dürfte die
Gemeinſamkeitsliſte mit der Arbeits= und
Wirtſchaftsgemein=
ſchaft vor dem Verluſt einiger Mandate bewahren, den er
vor=
ausſichtlich zu verzeichnen gehabt hätte, wenn er ſelbſtändig in
den Wahlkampf gezogen wäre. Schließlich werden die
Kommu=
niſten erhebliche Einbuße an ihrem bisherigen Mandatsſtand
erleiden.
Jedenfalls und leider iſt feſtzuſtellen, daß von einem
einheit=
lichen nationalen und kulturellen Programm der ſudetendeutſchen
Parteien auch diesmal nicht viel zu ſehen iſt. Die einzelnen
Gruppen gefallen ſich nach wie vor in den kleinlichen Plänkeleien,
unter denen die ſudetendeutſche Politik ſeit jeher zu leiden hat;
ſie überſehen in ihrem Eifer, dem Deutſchen des „anderen”
Lagers eins am Zeuge flicken zu können, die bittere völkiſche
Not, die allen Deutſchen in der Tſchechoſlowakei, zu welcher
Par=
tei ſie immer gehören mögen, gemeinſam iſt. Wohl finden wir
auf tſchechiſcher Seite da und dort Erſcheinungen ähnlicher
Natur, aber der Unterſchied zwiſchen dem „Staatsvolk” und den
„Minderheiten” iſt denn doch allzugroß, als daß der eine als
billig anſehen kann, was dem anderen recht erſcheint. Wenn
derzeit auch innerhalb einiger tſchechiſchen Parteien die
Verhält=
niſſe zu erheblichen Komplikationen geführt haben — das eine
ſteht feſt: daß in dem Augenblick, in dem es um die nationalen
Rechte bzw. um die Vorherrſchaft der Tſchechen geht, im
Hand=
umdrehen jeder kleinliche Programmgegenſatz überbrückt iſt. Nur
die deutſche Minderheit in der Tſchechoſlowakei glaubt ſich heute
noch wie vor zehn Jahren, aller bitteren und trüben
Erfahrun=
gen ungeachtet, den Luxus leiſten zu können, bei jeder
Gelegen=
heit getrennt marſchieren zu können. Tagen bei den letzten
par=
lamentariſchen Wahlen dank des gemeinſamen Vorgehens der
Chriſtlichſozialen mit dem Bunde der Landwirte und der
Ge=
werbeparkei nur vier deutſche Wahlliſten auf, ſo ſind diesmal
durch den Eintritt der deutſchen Arbeits= und
Wirtſchaftsgemein=
ſchaft ins aktive politiſche Leben einerſeits und durch die
ſelb=
ſtändige Kandidatur der Alldeutſchen andererſeits ſechs Liſten zu
verzeichnen. (Verſuche, auch eine Hausbeſitzer=, eine Beamten=
und eine ſogenante Partei der Parteiloſen ins Leben zu rufen,
ſind glücklicherweiſe nicht realiſiert worden; damit hätte das
Tohuwabohu im deutſchen Lager ſeine Krönung gefunden!)
Gewiß kann die auch diesmal wieder aufſcheinende
Zerſplitte=
rung im Kampf eines ſchwer um ſeine Rechte ringenden Volkes
nicht als Fortſchritt bezeichnet werden!
Die Milikärrevolte in Ching.
Die Rankiug=Begierung kämpft um ihre Eriſtenz.
EP. Peking, 14. Oktober.
Die Erhebung mehrerer Generäle der Kuomintſchun, der
Armee des chriſtlichen Generals Feng Yu=hſiang, ſcheint allen
Anzeichen nach die ſchwerſte Erſchütterung zu bedeuten, der die
Nankingregierung ſeit ihrem Beſtehen bisher ausgeſetzt war.
Sollte es der nationalchineſiſchen Regierung
nicht gelingen, die neue Revolte zu unterdrücken
und ihre Autorität abermals durchzuſetzen, ſo
iſt mit dem Sturz Dſchiang Kai=ſcheks oder zum
mindeſten mit der Loslöſung des Nordens
Chinas von Nanking zu rechnen. Wie ernſt der
Auf=
ſtand der Generäle Feng Yu=hſiangs und des Generals Yen=
Hſi=ſchan iſt, geht daraus hervor, daß von ihnen bereits eine neue
Kabinettsliſte aufgeſtellt worden ſein ſoll, die als Kriegsminiſter
den General Feng und als Außenminiſter Wellington Koo
vorſieht.
Zwiſchen den auf Hankau marſchierenden Truppen der
Kuomintſchun und den Truppen der Nankingregierung ſoll es
öſtlich von Luohang zu ernſten Kämpfen gekommen ſein. Große
Truppenkontingente der Armee Fengs ſollen unaufhörlich in die
Provinz Honan einſtrömen. Ueber die Meldungen aus der
Pro=
vinz Kwangſi hat die Nankingregierung eine ſcharfe Zenſur
ver=
hängt, um Berichte über etwaige Niederlagen ihrer Truppen
unterdrücken zu können.
Die Stellung des chriſtlichen Generals Feng in dem Konflikt
ſeiner Generäle iſt noch immer unklar. Offiziell hält ſich Feng
neutral, obwohl es andererſeits außer Frage ſteht, daß die
Ak=
tionen ſeiner Generäle nicht ohne ſeine Einwilligung
durchge=
führt werden.
Nach verſchiedenen Meldungen aus anderen Quellen ſind
nördlich von Wuhan große Truppenbewegungen der
Nanking=
regierung im Gange. Ein Heeresteil von 6½ Diviſionen
Regie=
rungstruppen ſoll ſich bereits längs der Grenze zwiſchen den
Provinzen Honan und Hupeh befinden, wo in Kürze eine
Offen=
ſibe gegen Feng zu erwarten ſein ſoll. Die Truppen des
auf=
ſtändiſchen Generals Schan=Fatkwai haben bereits die Stadt
Kweilin erreicht und ſollen kurz vor ihrem Einmarſch in die
Provinz Kwantung mit dem Ziel Kanton ſtehen.
Vom Täde.
Wie die „Deutſche Kolonialgeſellſchaft” mitteilt, wurde der
Deutſche J. Meinert, Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung
in Windhuk zum Bürgermeiſter von Windhuk gewählt.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat dag Politbüro der
kommuniſtiſchen Partei der Sowjetunion ſich gegen
die Rückkehr Trotzkis nach der Sowjetunion ausgeſprochen.
Das Politbüro iſt der Anſicht, daß die Rückkehr Trotzkis nach Rußland
nur von dem Kongreß der kommuniſtiſchen Partei geſtattet werden
könne.
Die bayeriſche Staatsregierung hat ebenſo wie die
württem=
bergiſche Regierung die von der Reichszentrale für „Heimatdienſt
erbetene Mitwirkung der Behörden bei dem
An=
ſchlag des Plakates „Streſemanns Vermächtnis”
abgelehnt.
Am Samstag erfolgte der Abmarſch weiterer engliſcher
Truppen aus dem Nheinland.
Der engliſche Premierminiſter Macdonald, hat
am Samstag ſein 62. Lebensjahr vollendet. Er feierte
ſei=
nen Geburtstag in aller Stille in einem New Yorker Hotel.
Der britiſche Premierminiſter Macdonald iſt nach Kanada
abgereiſt.
Neue hefige Kämpfe an der rufſiſch=mandſchuriſchen
Grenze.
EP. Mukden, 14. Oktober.
An der mandſchuriſch=ruſſiſchen Grenze, iſt es nach kurzer
Ruhepauſe zu neuen Zuſammenſtößen" zwiſchen ruſſiſchen und
chineſiſchen Grenztruppen gekommen. Die neuen Kämpfe ſollen
außerordentlich ſchwerer Natur geweſen ſein. In einem
offiziel=
len Bericht der Mukden=Regierung wurde heute bebanntgegeben,
daß im Verlaufe von heftigen Kämpfen auf dem Amurfluß, der
die Grenze zwiſchen der Nordmandſchurei und Rußland bildet,
die chineſiſche Stadt Lahaſuſu von rufſiſchen Truppen
eingenom=
men worden iſt. Bei den Kämpfen um die Stadt ſollen drei
chineſiſche Kanonenboote von den Ruſſen verſenkt worden ſein,
wobei 500 chineſiſche Matroſen ertrunken ſeien. Die Verluſte auf
ruſſiſcher Seite werden in dem Bericht gleichfalls als ſehr
erheb=
lich bezeichnet.
ſofruf."
Sowde Autſiſcher Prokeſt gegen chineſiſche Überfälle.
Die Sowjetregierung führt in einer Erklärung an die deutſche
Botſchaft zur Weitergabe, an die Regierungen in Nanking und
Mukden eine Reihe neuer Ueberfälle durch chineſiſches Militar und
Weißgardiſten auf Sowjetgebiet an, darunter eine am 12. Oktober
erfolgte Beſchießung einer Flottille von Sowjethandelsſchiffen. Die
Beſchießung habe die begleitende Sowjetkriegsflottille gezwungen,
Gegenmaßnahmen zu treffen. Die Sowjetregierung proteſtiert
ent=
ſchieden gegen dieſe neuen Angriffe und erklärt, ſie werde
ferner=
hin die zur Sicherung der Ruhe zwiſchen der Sowjetunion und
China erforderlichen Maßnahmen treffen.
Die Sowjelregierung billigt das Henderſon-
Dowgalewfki=Abkommen.
EP. London, 14. Oktober.
Im engliſchen Außenminiſterium iſt heute eine Note der
Sowjet=
regierung eingelaufen, in der von ruſſiſcher Seite das Einverſtändnis
zu dem zwiſchen dem engliſchen Außenminiſter Henderſon und dem
ruſſiſchen Bevollmächtigten Dowgalewſki erzielten Abkommen über die
Wiederaufnahme der diplomatiſchen Beziehungen zwiſchen den beiden
Ländern ausgedrückt wird. Henderſon und Dowgalewſki haben ſich in
dem Abkommen bekanntlich über eine Reihe von Fragen geeinigt, die
nach gegenſeitigem Austauſch von Botſchaftern diplomatiſchem
Wege geregelt werden ſollen.
Löbes Rückkehr.
* Berlin. 14. Oktober. (Priv.=Tel.)
Der Reichstagspräſident Löbe iſt nach einem längeren
Kur=
aufenthalt in Bad Mergentheim wieder nach Berlin zurückgekehrt
und hat die Geſchäft wieder aufgenommen. Allzu viel Arbeit findet
er zurzeit nicht vor. Durch die Hinausſchiebung der Haager
Schluß=
konferenz wird auch der Zeitpunkt für die Zuſammenkunft des
Reichstages hinausgezögert. Man rechnet in politiſchen Kreiſen
eigentlich kaum mehr damit, daß der Reichstag vor der zweiten
Halfte des Novembers zuſammentritt, eben weil vorher an eine
Ratifikation nicht zu denken iſt. Es wäre vielleicht zu überlegen
um die Winterſaiſon von allem Beiwerk, zu entlaſten und das
Plenum und die Kommiſſionen für die großen Entſcheidungen der
Finanzreform tunlichſt freizuhalten, andere und unaufſchiebbare
Geſetze ſchon vorher zu verabſchieden, alſo den Reichstag etwa
be=
reits anfangs November einzuberufen. Dagegen ſpricht aber
ein=
mal die bei den Parteien beſtehende ſtarke Spannung, die ſehr
leicht vorzeitig zu Exploſionen führen könnte. Außerdem ſind die
Arbeiten im Finanzminiſterium noch nicht weit genug
vorge=
ſchritten. Auch das Republikſchutzgeſetz liegt noch im Kabinett und
ſcheint dort einige Schwierigkeiten zu machen, ſo daß tatſächlich
ſchon Mangel an Arbeitsſtoff die Reichstagseinberufung erſt für
Ende November veranlaſſen dürfte.
* Kleines Haus —Kulkurfilmbühne.
Es wäre ſehr zu begrüßen, wenn die derzeitigen Filme, die
im Auftrag der Kulturfilmbühne im Kleinen Haus gezeigt
wer=
den, beſſer beſucht wären. Beide ſind in ihrer Axt
ausgezeich=
nete Leiſtungen, beide bereichern in leichter und gefälliger Form
das Wiſſen oder ſie ſind — wie der Afrikafilm „Im Flugboot
durch Afrika” — ein gutes geographiſch=ethnographiſches
Repeti=
torium. Dieſer genannte Film iſt das Produkt der Weltfahrt
des engliſchen Fliegers Sir Allan Cobham, der mit ſeiner
Frau und mehreren Gefährten, unter ihnen S. Bonnet als
Photograph, im Auftrag eines engliſchen Induſtriellen,
Wake=
field, die Möglichkeiten für Waſſerflugzeugverbindungen durch
Afrika unterſuchen ſollte. Es iſt der alte, von Curzon, Kitchener,
Cromer und anderen Staatsmännern befürwortete Gedanke
eines britiſchen Verbindungsweges quer durch Afrika in
meri=
dionaler Richtung. Einer Verbindung, die ſeit der
Einverlei=
bung Deutſch=Oſtafrikas ja territorial beſteht, die auch zu
Zwei=
dritteln durch Eiſenbahnlinien ſchon hergeſtellt iſt, die aber in
dem ſchwierigen Mittelſtück, von Chartum bis Katanga etwa,
geſchloſſen werden muß. Mit dem ganz modernen
Verkehrs=
mittel, das ja auch anderweit in den Dienſt des britiſchen
Im=
periums geſtellt wird — wir denken an die Probefahrt des
„R 101” —, mit dem Flugboot, ſoll jetzt dieſe Verbindung
raſcher und bequemer erſtellt werden. Das Flugzeug, ein
Dop=
peldecker, der ſich in ſeinen äußeren Formen neben dem „Do K‟
recht altertümlich ausnimmt, der aber mit zwei 720=PS=Rolls=
Royce=Motoren ausgeſtattet iſt, nimmt ſeinen Weg von
Ply=
mouth über London, Bordeaux, das Garonnetal, den Canal du
Midi entlang, hinüber nach Korſika und Malta, nach Benghaſi
und Aegypten. Den Nil aufwärts geht es — wobei die
Pyra=
miden mehrfach umflogen werden — nach dem gewaltigen
Stau=
damm von Aſſuan. Ein merkwürdiger Kontraſt: die rieſigen, wie
regelmäßige erratiſche Blöcke anmutenden Pyramiden in der
Sandwüſte — der ſchnurgerade, zwei Kilometer lange Damm,
hinter dem ein See von Milliarden von Kubikmetern Waſſer
aufgeſpeichert iſt. Ueber Wadi Halfa nach Chartum, der Stadt
des Madhi und der Kämpfe der engliſchen Truppen unter
Kit=
chener gegen die Derwiſche. Vorbei an Faſchoda, bekannt ſeit
dem Zuſammentreffen Kitcheners mit Marchand 1898. Auf dem
großen Victoria=Nyanſa, der einſt zur Hälfte deutſches Meer —
denn es iſt ein Meer von der Größe Bayerns — war, geht das
Flugboot nieder, beſtaunt von den Eingeborenen, die ihm zu
Ehren Kriegstänze vorführen. Der Weg geht ſüdwärts nach
Durban und Kapſtadt und wendet ſich dann wieder an der
Weſt=
küſte entlang nach dem Norden, nach Lagos, Goldküſte, Sierra
Leone und Las Palmas. Ueber Spanien und Frankreich führt
die Fahrt nach der Heimat, nach Plymouth und London zurück.
— Das Ganze ein Film, der in Anbetracht der ſchwierigen
Auf=
nahmeverhältniſſe — alles oder faſt alles iſt vom fahrenden
Flugzeug aufgenommen — geradezu glänzend iſt.
In die Werkſtatt des Kulturfilmherſtellers führt uns der
zweite Film: „Die Wunder des Films”. Es werden die
verſchiedenen Möglichkeiten der Aufnahme, die Wirkungen der
Belichtung gezeigt. Die Wirkungen von Zeitlupe und Zeitraffer
werden verdeutlicht. All die ungeheuer komplizierten und
er=
ſtaunlichen Maſchinerien und Apparaturen, dieſe wahrhaften
Wunder der Technik, werden vorgeführt. Am erſtaunlichſten der
Apparat, der ſelbſttätig Operationen aufnimmt. Unwillkürlich
denkt man an den mebiziniſchen Lehr= und Lernbetrieb in
fünf=
zig Jahren. — Die mühſame Arbeit, die zur Verfertigung der
Trickfilme verſchiedenſter Art notwendig iſt, wird uns vor Augen
geführt. Die Tauſende und Abertauſende von Zeichnungen und
Kopien und Scherenſchnitten — welch letztere Lotte Reinking ſo
entzückend ſchneidet — rufen Bewunderung und Anerkennung
hervor. — Im letzten Teil werden die Wirkungen der Farbe im
Film gezeigt. Sicher iſt der Farbenfilm noch nicht über das
Stadium des Verſuches hinaus. Aber was da gezeigt wurde,
war doch ſchon ſehr beachtlich. Weniger die farbigen Streifen
nach amerikaniſchem Verfahren, als vielmehr nach dem deutſchen
Siriusverfahren. Sehr deutlich wurde der Unterſchied bei der
Aufnahme eines Stillebens, aber auch bei den Aufnahmen der
Badenden im Waſſer. Trotz der Unvollkommenheit des farbigen
Films wirkt der Schwarzweißfilm eigentlich recht fade und
ab=
geſchmackt. Es iſt dabei immer im Auge zu behalten, daß dieſe
Farbenfilmproduktion auf zwei= oder dreijährige Verſuche
zurück=
ſchaut. In der letzten Zeit wird ſo ſehr viel geredet und
ge=
ſchrieben vom Tonfilm. Vielleicht etwas zuviel. Vielleicht wäre
es ganz nützlich, ſich mit dem Farbenfilm etwas mehr zu befaſſen.
Nicht nur deshalb, weil der Film doch hauptſächlich eine
An=
gelegenheit des Schauens, des Auges iſt, und erſt in zweiter
Linie des Ohres. Sondern vor allem vielleicht aus der ganz
nüchternen Erwägung, daß die angelſächſiſche Produktion im
Tonfilm aus ſprachlichen Gründen uns immer überlegen ſein
wird, daß ſich aber für die deutſche chemiſche Induſtrie, die doch
immer noch führend auf dem Weltmarkt iſt, aus einer
patent=
rechtlich geſicherten hervorragenden Farbenfilmproduktion
be=
grüßenstverte Folgen ergeben könnten. — Dieſer Kulturfilm des
Kulturfilms war begleitet von einem ſehr geſchickten und klaren
Poincaré über die Bereinigken Staaken
von Europa.
„Mau müſſe einen lonalen Berſuch machen.”
EP. Paris, 14. Okt.
Der ehemalige Miniſterpräſident Poincaré ſetzt ſeine
Artikelſerie in der großen Tageszeitung von Buenos Aires
„Nacion” ſort. — Der „Temps” bringt heute die Ueberſetzung
eines Artikels vom 15. September, in dem Poincaré einen Rückblick
auf die Haager Abkommen und einen Ueberblick über die Genfer
Ratstagung und das „Europäiſche Frühſtück” gibt. Die Haager
Abkommen haben nach Poincarés Anſicht, trotzdem ſcheinbar eine
Einigung erzielt worden ſei, die bedeutenden Probleme in bezug
auf das Funktionieren des Young=Planes ohne Löſung gelaſſen,
und erſt wenn einmal die endgültigen Texte angenommen ſeien,
könne Frankreich das geſchaffene Werk beurteilen. Denn die
Opfer, die Frankreich bringe, müßten gerechtfertigt werden können
nicht durch zweifelhafte Hoffnungen, ſondern durch eine
undis=
kutierbare Wirtſchaft. Der weitaus größte Teil des
Poincaré=
ſchen Artikels iſt dem europäiſchen Frühſtück in Genf, dem
Ge=
danken einer europäiſchen Staatenföderation, gewidmet, und die
Gedanken, die der ehemalige Miniſterpräſident hier darlegt, ſind
ſelbſt für den überraſchend, der die Entwicklung Poincarés vom
„Mann der Ruhr” bis zu ſeiner letzten Regierungsperiode kennt,
die Entwicklung nämlich einer deutſch=franzöſiſchen
Ausſöhnung und Zuſammenarbeit. Poincaré
win=
det zuerſt ſeinem langjährigen Mitarbeiter, dem jetzigen
Miniſter=
präſidenten Briand, einige Lorbeeren. Das „europäiſche
Früh=
ſtück” habe in dem Licht der öffentlichen Meinung der Welt die
kollektive Wirklichkeit Europas bewieſen. Dieſe Zuſammenkunft
habe einen ſymboliſchen Charakter gehabt, den man nicht
ver=
kennen dürfe, denn er könne dazu dienen, einen Präzedenzfall zu
ſchaffen und die notwendige gemeinſame Linie zu begünſtigen.
Immerhin dürfte man ſich für den Augenblick keinen zu großen
Illuſionen hingeben. Aber dieſe Arbeit ſei würdig, die größten
Geiſter zu beſchäftigen und die Aufmerkſamkeit der Völker zu
er=
regen. — Poincaré ſpricht ſich natürlich gegen eine
enropäiſche Staatenföderation im Sinne einer
vollſtändigen Auflöſung des Nationalgutes in
den neuen Staaten aus, denn man könne durch den Willen
nicht zerſtören, was die Geſchichte langſam aufgebaut habe.
Eng=
land, Deutſchland, Frankreich, Italien und Spanien hätten jedes
ihre Größe und ihre Schönheiten, und man müſſe wünſchen, daß
ſie eines Tages eine harmoniſche Gemeinſchaft ſchaffen können.
Aber Spanien, Italien, Frankreich, Deutſchland und England
ſwpürde es niemals gelingen, in derſelben Einheit aufzugehen.
Einem großen franzöſiſchen Schriftſteller habe er, Poincaré,
ein=
mal auf ſeinen Ausruf: „O Europa, mein Vaterland” erwidert:
„Was mich betrifft, bin ich bereit, Europa mein zweites
Vater=
land zu nennen, aber es kann niemals mein erſtes erſetzen”.
Poincaré drückt im weiteren Verlauf ſeines Artikels die
Meinung aus, daß trotz dieſer Reſerve man einen loyalen
Verſuch machen müſſe; auch wenn ſich die Idee
jetzt noch nicht verwirklichen laſſe, bedeute es ſchon
viel, daß die europäiſchen Staatsmänner die Gewohnheit
ange=
nommen hätten, ſich jährlich mehrere Male, ſei es in Genf oder
einer anderen europäiſchen Stadt, zu treffen. Poincaré
ſchont in ſeinem Artikel auch gewiſſe Seiten der
Vor=
kriegspolitik nicht. Eine der unangenehmſten Seiten
die=
ſer Politik ſei die Iſolierung der Regierungen geweſen, in die ſie
ſich verdroſſen eingeſchloſſen hätten. Einige mißtrauiſche und
kalte Beziehungen zwiſchen der Wilhelmſtraße, dem Ballplatz,
dem Quai d’Orſay; Beſuche zwiſchen Botſchaftern und Miniſtern
— das ſei alles geweſen. Die Menſchen begegneten ſich niemals,
ſie kannten ſich kaum, und dieſe Ungewißheit iſt nach Poincaré
der beſte Boden geweſen, um Mißverſtändniſſe hervorzurufen.
Man wird wohl kaum einen beſſeren Kronzeugen für eben dieſe
Vorkriegspolitik finden, die in dieſem Artikel ſo treffend
geſchil=
dert wird, als gerade den damaligen Leiter der franzöſiſchen
Politik, Herrn Poincaré. Hören wir alſo zum Schluß die neue
Melodie, die aus dem Schlußſatze des Poincaré=Artikels vom
25. September 1929 klingt: „So laßt uns denn ſo oft als dies
nur möglich iſt, das Frühſtück von Genf wiederholen und laßt
uns guten Mutes auf die Geſundheit von Europa trinken.”
erläuternden Vortrag, in dem Frau Lona Grundig die
Schwierigkeiten der Filmproduktion eindringlich und lebendig
darzuſtellen wußte.
sch.
Die Verleihung der heſſiſchen Staaksmedaillen
für Werke der Ausſtellung „Der ſchöne Menſch”.
Der von dem heſſiſchen Staatspräſidenten geſtiſtete
Ehren=
preis für Kunſt gelangte anläßlich der Internationalen
Kunſtausſtellung „Der ſchöne Menſch” auf der Mathildenhöhe in
Darmſtadt erſtmalig zur Ausgabe. Die goldene Medaille wurde
dem Bildhauer Charles Deſpiau von Paris für ſeinen
„Frauentorſo” zuerkannt. Silberne Medaillen erhielten
Pro=
feſſor Oskar Schlemmer in Deſſau für ſein Bild „
Beklei=
dete und Unbekleidete in Architektur” und der Bildhauer
Harold Winter in Oberurſel i. T. für ſeine Plaſtik „Torſo”,
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Die Glückwünſche des heſſiſchen C.
präſidenten zum 70. Geburtstag des bber=
Dichters und Trägers des Georg=Büchner=Preiſes A
Bock ſind von dem Provinzialdirektor der Provinz Obe.); fen
Graef dem Jubilar übermittelt worden. Hierbei wurde dem
Dichter ein im Auftrage des heſſiſchen Staatspräſidenten von
Pro=
feſſor Chr. H. Kleukens („Mainzer Preſſe”) hergeſtellte
Sonderdruck ſeines Romans „Der Flurſchütz”
überreicht; den Einband beſorgte der Buchkünſtler Rehbein in
Darmſtadt. Die Auflage des Buches trägt den
Widmungs=
vermerk: „Herrn Dr. h. 6. Alfred Bock, dem vortrefflichen
Schilderer oberheſſiſchen Volkstums, als feſtliche Gabe dankbarer
Anerkennung zu ſeinem 70. Geburtstage. Darmſtadt, am 14.
Ok=
tober 1929. Der Staatspräſident des Volksſtagtes Heſſen. Dr.
Adelung.”
Wege im Schatten. Erzählungen von Alfred Bock. Ganzleinenband
Mk. Berlin 1929. Deutſche Landbuchhandlung.
Die ſechs Erzählungen, die in dem Buch vereinigt ſind, offenbaren
aufs neue des Dichters eigenſtes Weſen und Schaffen. Kernig, klar
und natürlich entrollen ſich die Schickſale ſeiner Geſtalten. Voll
dunkler, erdgeborener Gewalt treffen Verhängniſſe aufeinander. All
dieſe Menſchen wirken durchaus unſentimental, ſie ſind ſeßhaft,
verwach=
ſen mit Haus und Hof, aber darüber hinaus ſpürt man die Wärme und
Strahlung der weiten Welt. In dieſen von Energien und Spannungen
getragenen Erzählungen tritt ein hohes Maß epiſcher Kunſt zutage.
H. H.
O
D
Nummer 286.
Die Räumung.
Was will Maginok? — Ift ſeine Auslegung die der
franzöſiſchen Regierung oder nichk?
EP. Paris, 14. Okt.
Der franzöſiſche Kolonialminiſter Maginot, deſſen Rede
von vor drei Wochen in Bar=le=Duc über die Auslegung des
Haager Abkommens noch in aller Erinnerung iſt, hielt am
Sonn=
tag anläßlich einer Denkmalseinweihung in Longueville=en=
Bar=
rois im Departement Meuſe wiederum eine Rede, die er mit
einer Reminiſzenz auf ſeine letzte Rede begann, welche, ſo ſagte
er, anſcheinend großes Erſtaunen in verſchiedenen Ländern
her=
vorgerufen habe. Es ſei aber unmöglich, dem Haager Abkommen
eine der Logik und der Gerechtigkeit konformere Auslegung zu
geben. Man könne nicht einſehen, wie Frankreich, nachdem die
Zurückziehung der Truppen von gewiſſen Bedingungen abhängig
gemacht worden ſei, mit der Räumung des Rheinlandes
begin=
nen könne, wenn dieſe Bedingungen nicht erfüllt ſeien. — „Ich
glaube mit Beſtimmtheit,” ſagte der Miniſter, daß es nämlich
nur ein Mittel gibt, um unſere Sicherheit zu garantieren, und
das iſt, unſere Truppen am Rhein zu belaſſen, bis der
Young=
plan eine Wirklichkeit iſt.”
Maginot kam dann auf die Sicherheitsfrage zu ſprechen und
befaßte ſich ſehr eingehend mit der Verteidigung der
franzö=
ſiſchen Grenze gegen Deutſchland. Gegenwärtig ſei die Grenze
noch offen und die Verteidigung müſſe erſt noch organiſiert
wer=
den. Niemand könne ernſthaft behaupten, daß die militäriſche
Verteidigung der franzöſiſchen Grenze genügend geſichert ſei.
Ein ſolcher Zuſtand ſei aber noch ſchwerwiegender, als der
daher die Grenzbefeſtigung in aller Eile ausbauen, und zwar in
der Weiſe, wie es durch den Rückzug der Truppen vom Rhein
notwendig werde. Die Grenzbefeſtigung hätte einen doppelten
Zweck: einen Einfall in franzöſiſches Gebiet zu verhindern und
die Mobiliſierung und Konzentrierung der franzöſiſchen Truppen
Schluß ſeiner Rede eine Erhöhung der Zahl der Grenztruppen,
beſonders nach 1935, wenn ſich einmal der Geburtenausfall aus
der Zeit des Weltkrieges in der Rekrutierung geltend mache.
franzöſiſchen Regierung oder nicht?
dann hätten die in Locarno getroffenen Abmachungen und der gangen. Aus dem Trümmerfeld des Jahres 1923 führt ein harter,
Maginot habe nur die Organiſierung der franzöſiſchen Grenze der uns in zäher, von innerem Feuer getragener Arbeit zu un=
Bedeutung. Dieſe Theſe ſei für einen Mitarbeiter Briands=
Regierung geworden?
„Populaire” ſchreibt: Maginot verſucht zu bluffen. Ueber
die Bedingungen der vorzeitigen Rheinlandräumung gab es zwei haben. Leidenſchaftlich wurde er, wenn ihm bedeutet wurde,
die Poincarés, wonach die Räumung von der Kommerzialiſierung
der geſchützten Young=Annuitäten abhängig ſein ſolle. Der
an=
der Verabſchiedung der Geſetze zur Anpaſſung der inneren
deut=
ſchen Verhältniſſe an den Young=Plan, durch den Reichstag.
von Realitäten, aber er beſtreite nicht in formeller Weiſe die
Briandſche Auslegung. Was will er denn eigentlich ſagen, ſo manns ſchuldig zu ſein. Wenn er auch Gegner des Volksbegehrens
wendigerweiſe hat annehmen müſſen? Maginot hat genügend
geblufft. Man will jetzt eine präziſe Antwort.
Zweites Akademie=Konzerk.
Städtiſcher Saalbau. — Montag, den 14. Oktober.
Der Kammermuſikabend des Weiß=Quartetts, Wien, das
noch von ſeinem Auftreten in der Bücherſtube Bodenheimer in
beſter Erinnerung iſt, bot einen Kunſtgenuß vornehmſter Art.
War auch der Salbau nicht ganz ſo ſtark beſetzt, wie man es ſonſt
bei Akademie=Konzerten gewohnt iſt, ſo ließen ſich die Hörer doch
raſch von den vier jungen Damen in den Bann ziehen, die uns
ſo recht das Muſikantiſche und zugleich den feinen Geſchmack der
Wiener Kunſtübung zu vertreten ſchienen. Bei ausgezeichnetem
Einzelkönnen bietet das Quartett die aufgeführten Werke in einer
Klarheit und Objektivität dar, die nur durch ſtrengſtes
künſt=
leriſches Arbeiten bei ſtarker gegenſeitiger Anpaſſungsfähigkeit
ermöglicht wird. Die Damen hatten ſich drei in ihrer Art völlig
verſchiedene Werke zum Vortrag ausgewählt und ſtellten ſich nicht
nur in der Art des Vortrags, ſondern auch in der Klangfarbe
jedesmal vollſtändig um. Wir hörten zuerſt Max Regers
D=Moll=Quartett Opus 74, das an die Mitarbeit des Hörers
gewaltige Anforderungen ſtellt. Die mächtigen Außenſätze zeigen
etwa den Aufbau der Kommermuſikwerke von Brahms, denen ſich
Reger in ſeiner Schwerblütigkeit auch zuweilen inhaltlich nähert.
Neben der bewundernswerten thematiſchen Arbeit tritt als
weſentlicher Faktor die ſtarke Betonung kontrapunktiſcher
Stimm=
führung hervor, und auch der harmoniſche Zuſammenhang iſt
ſelbſt heute, nachdem die muſikaliſche Entwicklung weiter
fort=
geſchritten iſt, noch nicht leicht zu verfolgen. Denn Reger liebt
es, weit voneinander abſtehende Tonalitäten in engen
Zuſammen=
hang zu bringen und nach kurzem, ruhigem Verweilen plötzlich ſo
unerwartet auszuweichen, daß die tonalen Zuſammenhänge nicht
leicht zu erkennen ſind. Dieſe Ueberraſchungskunſt lebt ſich
be=
ſonders in dem Vivace aus. Wie immer iſt Reger dann am
bedeutendſten, wenn er in Form von Variationen ſeine
kapri=
ziöſen Gedanken mit einem gegebenen Thema in Verbindung
bringt.
Mit bewundernswerter Beherrſchung des Geiſtigen und
größter Spannkraft trugen die Künſtlerinnen das umfangreiche
Werk vor. Demgegenüber war die Wiedergabe des ſchönen
B=Dur=Quartetts aus Haydns Opus 64 ein frohes,
unbeküm=
mertes Muſizieren bei dem das liebevolle Eingehen auf die
kleinen Feinheiten Haydnſchen Satzes immer wieder entzückte.
Zum Schluß erklang das große B=Dur=Quartett von Dvorak,
das in allen Sätzen den Einfluß tſchechiſcher Melodik und
Rhyth=
mik erkennen läßt, und das den Damen Gelegenheit bot, roman=
Dienstag, den 15 Oktober 1929
Inkereſſanke Ausſagen im Sklarek=Skandal.
* Berlin, 14. Oktober. (Priv.=Tel.)
Mit anerkennenswerter Schnelligkeit hat der Staatskommiſſar
Tapolski die Unterſuchung gegen die Direktoren
der Berliner Stadtbank nach der diſziplinariſchen Seite
hin weitergeführt und bereits die Anklageſchrift fertiggeſtellt.
Darauf werden von Direktor Hoffmann in einer Erwiderung u. a.
die Geſchäftsverbindungen zwiſchen der Stadtbank und den
Ge=
brüdern Sklarek geſchildert. Er behauptet, daß der Kredit an die
K. V. G. von den Stadtbankdirektoren Schmidt und Hoffmann nicht
allein bewilligt wurde, ſondern der Genehmigung des
Kreditaus=
ſchuſſes der Stadtbank bedurfte. Zunächſt wurde den Gebrüdern
Sklarek im März 1925 ein Kredit von 150 000 Mark eingeräumt.
Als ſich dann die Geſchäfte der Sklarek mit der Stadt immer
größer geſtalteten, wurde der Kredit allmählich ausgedehnt. In
der Erklärung Hoffmanns heißt es dann wörtlich: „Die
Ge=
brüder Sklarek galten als abſolut ſicher, die Auskünfte, die von
der Stadtbank pflichtgemäß eingezogen wurden, waren gut.
Außerdem mußten ihnen die Verträge mit der Stadt Berlin
Mil=
lionen einbringen. Sie wurden auch überall mit prominenten
Perſönlichkeiten geſehen, z. B. auch mit dem Stadtkämmerer
Seite 3.
Lange.” Außerdem unterlag die Prüfung der Sklarelſchen Bücher
der Hauptprüfungsſtelle des Magiſtrats und der
Zentralrevi=
ſionsſtelle des Spar= und Giroverbandes.
Die Arbeitsloſigkeit ſteigt weiter langſam an.
Berlin, 14. Oktober.
Nach den endgültigen Berichten der Landesarbeitsämter iſt
in der zweiten Septemberhälfte die Zahl der
Hauptunterſtützungs=
empfänger in der Arbeitsloſenverſicherung um nicht ganz 14000
Perſonen oder 1,8 v. H. geſtiegen. Von den am 30. September
gezählten rund 750 000 Unterſtützten waren 566 000 Männer und
183 000 Frauen. Auch in dem vorliegenden Berichtszeitraum
beſchränkte ſich die Zunahme der Unterſtützten ausſchließlich auf
die Männer (plus 20000), während bei den Frauen wiederum
eine Abnahme zu verzeichnen war (minus 6500).
Die gleiche Erſcheinung ließ ſich auch in der
Kriſenunter=
ſtützung feſtſtellen. Die weiblichen Hauptunterſtützungsempfänger
nahmen hier um rund 1 v. H. ab, während die männlichen um
rund 2 v. H. anſtiegen. Die Geſamtzunahme belief ſich auf 1500,
ſo daß die Zahl der Unterſtützten in der Kriſenunterſtützung
nun=
mehr rund 162 000 beträgt.
Pom Ruhrkampf bis zum 3. Oktober.
Trauerkundgebung für Dr. Skreſemann
in Düſſeldorf.
Rückzug der franzöſiſchen Truppen am Rhein. Frankreich müſſe „Aus dem Trümmerſeld des Jahres 1923 führk ein
(
harker, ſteiniger Weg
Düſſeldorf, 14. Oktober.
In dem ſtimmungsvoll dekorierten Saal der Städtiſchen
Ton=
in voller Sicherheit zu gewährleiſten. Maginot verlangte am halle fand am Sonntag eine Trauerfeier für den verſtorbenen
Reichsminiſter des Aeußern Dr. Streſemann ſtatt. Die Feier, an
der Vertreter ſtaatlicher und ſtädtiſcher Behörden teilnahmen,
wurde umrahmt von Orgelvorträgen. Die Gedächtnisrede hielt
der Geſchäftsführer des Langnampereins, Dr. M. Schlenker. Er
führte u. a. aus: Guſtav Streſemann iſt nicht mehr unter uns.
Zwei linksſtehende Pariſer Blätter, und zwar das Organ Mitten aus dem Kampf um Deutſchlands Zukunft und um
ſeines Volkes Freiheit iſt er von uns geriſſen. Es fehlt das
der Radikalen „La République” und das der Sozialiſten „Le. Maß für den Verluſt. Es fehlt — wenn wir nicht auf Bismarck
Populaire”, beſprechen in gleichem Sinne die geſtrigen Erklä= zurückgreifen — das Maß für die Größe dieſes Mannes, den ein
rungen des Kolonialminiſters Maginot über die Räumungs= gütiges Geſchick an die Spitze unſeres Volkes ſtellte, als Volk,
Staat und Wirtſchaft reſtlos am Boden lagen. Ruhrkampf! Wir
frage. Beide Blätter fragen: Iſt die Auslegung, die müſſen uns die damalige Lage in ihrer ganzen Schwere und
Maginot dem Räumungsverſprechen in Bar=le=Duc / Hoffnungsloſigkeit ins Gedächtnis zurückrufen, um den Fortſchritt
und geſtern wieder in Longoueville gegeben hat, die der voll zu würdigen, der mit dem Namen Streſemann für alle Zeiten
untrennbar verbunden iſt. Sechs Jahre reger und unermüdlicher
Arbeit Streſemanns als Reichskanzler und Reichsaußenminiſter
„République” ſchreibt: Wenn man Maginot glauben wolle, im Wiederaufbau von Staat und Wirtſchaft ſind ſeitdem ver=
Kellogg=Pakt nur wenig Bedeutung für den Frieden. Für ſteiniger Weg über London, Genf, Locarno, Thoiry, Paris, Haag
bis zum 3. Oktober. Da bricht das Leben eines Menſchen ab,
ſerer heutigen Stellung in der Welt wieder emporführte. Durch
allerdings habe Maginot ſich nicht nach Locarno begeben — ſelt= die furchtbaren Jahre der Nachkriegszeit und
ſam und unerwartet. Iſt dieſe Theſe, ſo fragt das durch die entſetzlichen Nonate des
Ruhr=
kampfes wuchs Streſemann heran zu dem großen um=
Blatt, die offizielle Theſe der franzöſiſchen faſſenden Staatsmann, der unter der Anteilnahme der ganzen
Welt vor 8 Tagen zu Grabe getragen wurde. Sein
Glaubens=
bekenntnis gipfelt in dem Satz von dem alten Deutſchland, daß
wir leben, und von dem neuen Deutſchland, für das wir zu leben
Theſen. Die erſte aus der Zeit vor der Haager Konferenz ſei daß auf dem Wege der Verhandlungen ſich die erhofften Ziele
nicht erreichen laſſen dürften. „Gebt mir das Heer von 1914, dann
lann ich eine andere Politik führen. Solange ich aber”, ſo fuhr
er mit beißendem Spott fort, „auf Regenſchirme angewieſen bin,
deren Auslegung habe Briand im Haag ſelbſt zugeſtimmt, und halte ich meine Politik für die allein mögliche.‟ Er hat auch
aus=
nach ihr werde der Abzug der franzöſiſchen Truppen nur ab= geſprochen, daß es ein leichtes für einen großen Redner wäre, der
häugig gemacht von der Annahme des Young=Planes und von populärſte Mann in Deutſchland zu werden, wenn man die
Maſſen, in denen das unterdrückte und gequälte nationale
Ge=
fühl auflodert, um ſich ſchart. Aber er wußte, daß ein
verant=
wortlicher Staatsmann, der nicht an heute und morgen, ſondern
Maginot ſpreche nun zwar von Bedingungen, von Erfüllungen, an die Zukunft dachte, dieſen Stimmungen nicht nachgeben durfte.
Einen Gedanken möchte ich hier aber mit allem Nachdruck
ein=
ſchalten, weil ich glaube, dieſe Feſtſtellung dem Andenken
Streſe=
fragt das Blatt; will man ſich an die erſte Auslegung, die vor ſein mußte, nie und nimmer würde er der in dieſen Tagen
ver=
dem Haag galt, halten, oder an die zweite, die Briand doch not= fügten Auflöſung des Stahlhelms ſeine Zuſtimmung gegeben
haben. Er hätte bei ſeinem feinen Fingerſpitzengefühl die
pſycho=
logiſchen Rückwirkungen eines derartigen Gewaltaktes richtig
er=
kannt und würde gleichzeitig vor allem aus außenpolitiſchen
Gründen nie zugegeben haben, daß harmloſen Geländeſpielen
eine Bedeutung beigelegt wird, die ſie nicht haben, auf die ſich
nunmehr unſere Gegner in übertreibender Form und zu unſerem
Nachteil zu ſtützen vermögen. Wiederholt ſprach er auch im
Reichstag aus, daß jeder deutſche Außenminiſter auf eine
abſeh=
bare Reihe von Jahren notgedrungen auch den Mut zu einer
populären Politik haben müßte. Immer wieder erfolgte ſein
Appell, über das Trennende hinweg unſere Kräfte zu
gemein=
ſamer Arbeit am Wiederaufbau zu vereinigen. Es nütze nichts,
ſich immer und immer wieder aufzubäumen, denn, ſo führte er
einmal in einem engen Freundeskreiſe mit feiner Ironie aus:
„Allmählich ſollte es ſich auch in gewiſſen Klubs und in Kreiſen
von Unentwegten herumgeſprochen haben, daß wir immerhin 1918
den furchtbarſten Krieg der Weltgeſchichte verloren haben.” Am
packendſten aber iſt der Menſch Streſemann, wenn er ſich mit
ſeinem warmherzigen Empfinden mit der deutſchen Jugend
be=
ſchäftigt. Er beweiſt, daß ein wahrhaft großer Menſch auch die
Jugend in ihrem geheimſten Wollen, in ihren unausgeſprochenen
Wünſchen verſteht. Der Redner ging dann auf die hiſtoriſchen und
literariſchen Intereſſen des Verſtorbenen noch näher ein und
ſchloß: Ein großer Mann, dem der beſte Reichkanzler der
nach=
bismarckſchen Zeit, Fürſt Bülow, höchſtes Lob und größte
An=
erkennung zollte, iſt von uns gegangen. Laſſen Sie mich mit den
Worten ſchließen: „Was vergangen, kehrt nicht wieder, aber ging
es leuchtend nieder, leuchtets lange noch zurück.”
Nachruf Chamberlains für Dr. Skreſemann.
London, 14. Oktober.
„Sunday Times” veröffentlicht einen Nachruf Sir Auſten
Chamberlains für Dr. Streſemann. Darin gibt der frühere
Sekretär des Aeußern, der den verſtorbenen Staatsmann den
größten Deutſchen ſeit Bismarck nennt, einige perſönliche
Erinne=
rungen aus der Zeit der Locarno=Konferenz und ſagt: Die
Nach=
richt von Streſemanns Tod traf mich ganz unvorbereitet. Zu
der Empfindung für das Unglück, das Deutſchland und Europa
betroffen hat, kam noch meine perſönliche Trauer über den Tod
eines Mannes, für den ich bei dem Verkehr der letzten Jahre nicht
nur tiefe Bewunderung, ſondern auch aufrichtige perſönliche
Zu=
neigung zu empfinden gelernt hatte. Wenn einmal die
Geheim=
geſchichte der letzten Haager Konferenz geſchrieben werden wird,
dann wird es nicht überraſchend ſein, zu finden, daß es
Dr. Streſemanns Hand war, die im letzten Augenblick einen
Zu=
ſammenbruch verhinderte. Es iſt ein Troſt für uns in unſerem
Verluſt, daß er, der ſo viel wagte und ſolchen Mut zeigte, noch
die Vollendung ſeines Werkes erlebt hat, und daß er jetzt von
ſeinem eigenen Volk betrauert wird als der Mann, deſſen
un=
geheure Verdienſte um ſein Vaterland erkannt werden, und daß
er von anderen Nationen als ein großer Staatsmann, ein
lohaler Unterhändler und als ein wahrer Freund des Friedens
geachtet wird.
Am Grabe Skreſemanns.
Die letzte Ruheſtätte Dr. Streſemanns iſt in den letzten Tagen
zu einer Wallfahrtsſtätte der Berliner geworden. Während man
an den erſten Tagen der Woche durchſchnittlich 50 000 Beſucher
zählte, die am Grabe verweilten, war am letzten Sonntag die
Grabſtätte das Ziel von über 100 000 Frauen und Männern aus
allen Schichten der Bevölkerung. Vom frühen Morgen bis zum
Einbruch der Dunkelheit ging ein endloſer Zug am Grabe des
ver=
ſtorbenen Staatsmannes vorbei.
Nobelpreiskräger Henri Bergſon 70 Jahre.
Profeſſor Henri Bergſon,
der franzöſiſche Philoſoph und Dozent am Pariſer College de
France, der Träger des Nobelpreiſes von 1927, feiert am 18.
Okto=
ber ſeinen 70. Geburtstag. Seine Philoſophie fand als eine Lehre,
die aus den Engen des am Ende des 19. Jahrhunderts
herrſchen=
den Materialismus und Naturalismus hinausſtrebt, auch in
Deutſchland große Beachtung. Nach Bergſon iſt die ſchöpferiſche
Lebenskraft, der „Slan vital” das tiefſte Sein der Welt und des
Lebens. Dieſer tiefſte Kern der Wirklichkeit wird nicht vom
be=
grifflichen Denken, ſondern nur durch ein innerliches Einfühlen
und Verſenken, die „Intuition”, erkannt.
tiſch beſeelten Ton, breite Klangfülle und ſtarkes Temperament
in ihrem Spiel zu entwickeln. Wie ſtark die Hörer von den
Darbietungen gefeſſelt wurden, zeigte aufs deutlichſte der
über=
aus lebhafte Beifall, den die Damen Lilly Weiß, Lotte Selka,
Lotte Hammerſchlag und Beatrice Reichert nach jedem Werk und
ganz beſonders am Schluß erhielten.
B. N.
* Die Theaker=Planwirkſchaft im Induſtriegebiet
marſchierk?
Sie ſpukt ſchon lange im Hintergrund aller Erwägungen
über die Entlaſtung der Theateretats. Wer will auch in dieſen
Zeiten ſchwerſter wirtſchaftlicher Depreſſion tägliche Opernzuſchüſſe
bis zu 5000 RM. verantworten, wenn es Möglichkeiten zu ihrer
Verminderung gibt! Es handelt ſich um die Städte Düſſeldorf
und Eſſen, zwiſchen denen ſchon ſeit einiger Zeit in dieſem Sinne
Verhandlungen gepflogen werden. Sie ſcheinen laut präziſierter
Meldungen aus der Ruhrſtadt nach und nach konkrete Formen
anzunehmen. Die gehen dahin, daß Eſſen die Oper an
Düſſel=
dorf abgibt, auch ſeine Tanzgruppe, und Düſſeldorf dann ſeine
Opernkunſt an die Ruhr ſchickt. Als kommender Ruhr=
Opern=
intendant wird Schulz=Dornburg genannt. Ferner ſoll in den
Orcheſteretats ein Ausgleich zwiſchen den beiden Städten
ge=
ſchaffen werden. Generalmuſikdirektor Hans Weisbach — Fiedler
in Eſſen ſteht ja nicht weit von der Altersgrenze — würde dann
die Eſſener Konzerte leiten, aber ſeinen Wohnſitz in Düſſeldorf
behalten. Ziemlich feſt ſteht die Auflöſung des Eſſener
Schau=
ſpiels und ſein Erſatz durch das Düſſeldorfer Schauſpielhaus
Dumont=Lindemann. Dieſe Verhandlungen ſollen ſchon recht weit
gediehen ſein. Das ſind Endziele, denen zunächſt eine „
Etappen=
löſung” voraufgehen wird, derart, daß man zunächſt eine Union
der Spitzenkräfte, der Leiter, Regiſſeure, Bühnenbildner und
Sänger, herbeiführt, um die Möglichkeit in der Praxis
vorzu=
prüfen. — Man ſteht dieſen Erwägungen in beiden Städten
mit ziemlicher Skepſis gegenüber, wenigſtens hinſichtlich der
vollſtändigen Theaterfuſion. Man macht nicht mit Unrecht
gel=
tend, daß Eſſen, nach den letzten Umgemeindungen die drittgrößte
Theaterſtadt Preußens, ſich kaum zu einer ſolch weitgehenden
Amputation ſeiner Theaterinſtitute bereit finden wird, zumal
es mit ſtändig wachſender Reſonanz in den neuen Gebieten
rechnet. Düſſeldorf würde ja ſeine Stellung als Kunſtlieferant
nur befeſtigen. So ganz neuartig wäre dieſe
Theatergemein=
ſchaft nicht. Sie hat zwiſchen Düſſeldorf und Duisburg ein
ganzes Jahrzehnt beſtanden und wurde durch die neue
Grup=
pierung Duisburg—Bochum abgelöſt. In kürzeſter Zeit erwartet
man ſchon greifbare Entſchließungen, deren Verwirklichung
natürlich mit den noch laufenden Vertragsverhältniſſen
rech=
nen muß.
Seite 4
Dienstag, den 15. Oktober 1929
Nummer 286
OM
Für die uns anläßlich unſerer Vermählung
erwieſenen Aufmerkſamkeiten jagen wir Allen
herzlichen Dank.
Oberjuſizſekretär Alfred Eiſenhauer
und Frau Milli, geb. Meß.
Afe
Am 10. Oktober ſtarb in Gießen plötzlich und
unerwartet infolge eines Herzſchlags unſere
geliebte Mutter, Schwiegermutter und
Groß=
mutter
Frau
Mathilde Jung
geb. Zurbuch
Witwe des Oberlandesgerichtsrats I. R. Otto Jung
im vollendeten 77. Lebensjahr.
In Dankbarkeit und Liebe:
Emmh Jung
Regierungsrat Karl Jung und Frau
Otto Jung und Frau
Regierungs=Oberbaurat Fiſcher u. Frau
Tilla, geb Jung
Guſte Jung
ſowie 7 Enkel.
Darmſiadt Blankenburg=Harz, Gießen
und St. Georgen i. Schw.
(16159
Die Beerdigung fand in der Stille ſtatt.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute
nachmittag meinen lieben, guten Mann, Vater
und Schwiegervater
eitith Schnelver
Schneider
im 60. Lebensjahre nach kurzem ſchweren
Leiden in die Ewigkeit abzurufen.
In tiefem Schmerz:
Eva Schneider, geb. Jeck
Käthe Schneider
Karl Guſchel (Bräutigam).
Darmſiadt, den 13. Oktober 1929.
Heidelbergerſtr. 6.
(
Die Beerdigung findet auf Wunch des Verſtiorbenen in
aller Stille ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen wird gebeten Abſtand zu nehmen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teil=
nahme, ſowie für die reichen Kranzſpenden
bei dem Heimgange meines geliebten
Mannes „
Maß Souer
ſage ich herzlichſien Dank.
Toni Bauer.
Darmſiadt, den 14. Oktfober 1929.
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Dankſagung.
(Statt Karten.)
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger
Teilnahme an dem ſchmerzlichen
Ver=
luſt unſeres lieben, unvergeßlichen
Ent=
ſchlafenen
Konrad Heberer
ſagen wir auf dieſem Wege herzlichen
Dank. Beſonderen Dank Herrn Dr.
Winkler und Schweſter Dina für ihre
au opfernde Pflege, Herrn Pfarrer
Winkler für ſeine troſtreichen Worte,
ſowie den Vereinen und Verbänden
für ihre innige Anteilnahme.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Katharina Heberer
geb. Germann.
Meſſel, den 12. Oktober 1929. (16166
Dankſagung.
Allen, die unſerem lieben, guten Vater
die letzte Ehre erwieſen und ihn mit
ſo vielen Blumenſpenden bedacht haben,
ſowie Herrn Pfarrer Marx herzlichſten
Dank. Beſonders danken wir Herrn
Dr. Andres, ſowie dem Diakon Herrn
Hangel für ihre liebevolle Pfiege.
Geſchwiſter Waldſchmidt.
Darmſiadt, den 14. Oktober 1929. (*
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Wil=
minenſtr. 32, Stb. 4
Rummer 286
Dienstag, den 15. Oktober 1929
Seite 5
Darmſtadt, 15 Oftober.
— Miniſterium für Kultus= und Bildungsweſen. Erledigt iſt
eine Lehrerſtelle für einen katholiſchen Lehrer an der Volksſchule in
Wald=Erlenbach, Kreis Heppenheim. Dienſtwohnung iſt
vor=
handen.
— Ernannt wurden: Am 7. Oktober: der Lehrer an der
Volks=
ſchule in Darmſtadt Albert Volg zum Muſiklehrer an dem
Realgym=
ngſium in Darmſtadt; am 10. Oktober: der Studienrat an der
Real=
ſchule zu Lauterbach Georg Bentz zum Studienrat an der
Oberreal=
ſchule zu Gießen, der Studienrat an der Oberrealſchule am
Friedrichs=
platz in Offenbach Dr. Guſtav Göttelmann zum Studienrat an der
Reglſchule in Langen, der Studienrat an der Studienanſtalt und
Frauen=
fchule in Mainz Johannes Hoops zum Studienrat an dem
Gymna=
ſium in Mainz, der Studienrat an der Realſchule in Langen Wilhelm
Kolb zum Studienrat an dem Realgymnaſium in Darmſtadt, der
Studienrat an dem Gymnaſium in Mainz Dr. Ludwig Lambinet
zum Studienrat an der Oberrealſchule in Mainz, der Studienrat an der
Realſchule in Groß=Gerau Dr. Albert Mannheimer zum
Studien=
rat an der Ludwigs=Oberrealſchule in Darmſtadt, der Studienrat an
der Oberrealſchule in Gießen Eduard Schoen zum Studiendirektor
an der Realſchule in Lauterbach, der Studienrar an der Ludwigs=
Ober=
realſchule in Darmſtadt Dr. Georg Borchardt zum Studienrat an
der Liebigs=Oberrealſchule in Darmſtadt; ſämtlich mit Wirkung vom
14. Oktober 1929 an.
— Städtiſcher Muſikdirektor W. Schmitt wurde gelegentlich einer
Sitzung am 6. Oktober in Mainz zum erſten Vorſitzenden des
Landes=
verbandes Heſſen des Reichsverbandes Deutſcher Tonkünſtler und
Muſik=
lehrer e. V. gewählt. Der ſeitherige Vorſitzende Profeſſor Dr. F. Noack
bat, von einer Wiederwahl abzuſehen, da ſein Arbeitsfeld vorwiegend
in Frankfurt a. M. liege. Er hat aber, einem allgemeinen Wunſche
entſprechend, ſeine reiche Erfahrung dem Verbande erhalten, indem er
ſich in dankenswerter Weiſe bereit erklärte, das Amt eines zweiten
Vorſitzenden des Landesverbandes Heſſen des R. D. T. M. zu
über=
nehmen.
— Dienſtjubiläen. Ihr 25jähriges Geſamtdienſtjubiläum feiern heute
die bei der Stadtkaſſe beſchäftigten Verwaltungsbeamten Heinrich Joſt
und Jakob Weber.
— 80. Geburtstag. Fräulein Emma Mannheimer hier,
Mathildenplatz 9, II. wohnhaft, begeht am Dienstag, 15. Oktober, ihren
achtzigſten Geburtstag.
— Heſſiſches Landestheater. „Othello” von Verdi kommt heute
Dienstag im Großen Haus in der erfolgreichen Inſzenierung Carl
Eberts unter muſikaliſcher Leitung von Dr. Karl Böhm zur
Auffüh=
rung. Die Titelpartie ſingt zum erſten Male in dieſer Spielzeit Hans
Grahl. Desdemona: Anny von Stoſch; Jago: Hans Komregg; Caſſio:
Otto Stadelmeier. (Miete 4.)
„Die Dreigroſchenoper” von Brecht und Weill, die
beſt=
beſuchte Schauſpielaufführung der letzten Jahre, wird morgen Mittwoch
um 20 Uhr im Großen Haus mit der erfylgreichen Premierenbefetzung
(Hinz, Hoffart, Keßler, Gothe, Maletzki, Canradi, Mosbacher
wieder=
holt. (Miete B.)
Paul Hindemiths luſtige Oper „Neues vom Tage” wird nach
längerer Unterbrechung am Freitag, dem 18. Oktober, wieder in Szene
gehen. Muſikaliſche Leitung: Dr. Karl Böhm. In den Hauptrollen:
Landwehr, Stralendorf, Stadelmeier, Loewen, Vogt. Heute Dienstag
Beginn des Vorverkaufs.
„Der Waffenſchmied” von Lortzing wird am Samstag, dem
19. Oktober, im Kleinen Haus einmalig als Volksvorſtellung
bei kleinen Preiſen (1—3 Mark) zur Darſtellung kommen.
— Kulturfilmbühne im Kleinen Haus. „Die Wunder des
Films”, eine Filmkompoſition von Edgar Beyfuß, wird heute
Diens=
tag und morgen Mittwoch um 16 und 20 Uhr im Kleinen Haus des
Landestheaters vorgeführt. „Die Wunder des Films” waren in allen
Großſtädten ein außerordentlicher Erfolg; in Berlin allein war der Film
bisher in mehr als ſechzig Theatern im Wochenyrogramm. Auch das
Darmſtädter Kinopublikum dürfte mit Intereſſe dem Kameramann bei
ſeiner Arbeit zuſehen. Der Film wird durch einen Vortrag von Frau
Lena Grandig erläutert; der Vortrag findet ſowohl für die
Nachmit=
tags= wie für die Abendvorſtellungen ſtatt. Außer den „Wundern des
Films” gelangt der Sportgroßfilm „Mit dem Flugboot rund
um Afrika (der Flug, des Kapitäns Cobham) zur Aufführung.
— Hermann=Löns=Abend. Da die hieſige Löns=Gemeinde ſehr groß
iſt, dürfte es ratſam ſein, ſich bereits im Vorverkauf mit Karten zu
verſehen. Den Vorverkauf haben übernommen: Buchhandlung Saeng,
Schulſtraße, und die Parfümerie Müller, Rheinſtraße. (Preiſe ſiehe
Anzeige in der Sonntagsausgabe.)
— Bundesfeſt des BDJ. 1930. Wir erinnern an die Geſamtſitzung
aller, auch der jüngeren, Mitglieder des BDJ. heute Dienstag, den
15. Oktober, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus, Kahlertſtraße 26, bei
welcher über das Bundesfeſt 1930 i Einzelheiten geſprochen werden
ſoll. Die Bundesfreunde und Einzelmitglieder werden zu dieſem Abend
dringend gebeten.
Vortrag über die Chriſtliche Wiſſenſchaft. Die Chriſtlich=
Wiſſen=
ſchaftliche Vereinigung Darmſtadt veranſtaltet heute abend 8 Uhr im
großen Saale des Städtiſchen Saalbaues einen eintrittsfreien Vortrag
in deutſcher Sprache über die Chriſtliche Wiſſenſchaft (Chriſtian
Science). Thema: „Die Chriſtliche Wiſſenſchaft: Die Wiſſenſchaft der
Vollkommenheit” Vortragender iſt Herr Dr. Hendrik de Lange, C. S.
Derr Haag, Holland, Mitglied des Vortragsausſchuſſes. Der
Mutter=
kirche, Der Erſten Kirche Chriſti, Wiſſenſchafter in Boſton, Maſſachuſets,
U. S. A. (Siehe Anzeige in der Sonntagsnummer.)
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Wir
möchten auch an dieſer Stelle unſere Mitglieder nochmals auf die
Hauptverſammlung des Heſſiſchen Handwerks= und Gewerbeverbandes
(Handwerkertag) hinweiſen, die am Somntag, dem 27. Oktober,
vor=
mittags 10 Uhr, im Saalbau zu Alzey eröffnet wird. In der
Erwar=
tung, daß auch aus Darmſtadt der Beſuch recht zahlreich ſein wird, haben
wir Vorſorge getroffen, gegebenenfalls die Hin= und Rückfahrt mit
Sonderomnibus zu bewerkſtelligen. Anmeldungen hierfür ſind
um=
gehend an unſere Geſchäftsſtelle, Wilhelminenſtraße 21, I, Fernruf
4338, zu richten; Geſamtfahrpreis 4 RMM. Näh. Auskunft erteilen unſere
Geſchäftsſtelle, ſowie die Herren Innungsobermeiſter und die
Vorſitzen=
den unſerer Fachvereinigungen.
— Meiſterprüfungs=Vorbereitungskurſus in Darmſtadt. Alle
Kan=
didaten, die ſich an der bevorſtehenden. Meiſterprüfung im Frühjahr
1930 beteiligen wollen, werden darauf aufmerkſam gemacht, daß auch
in dieſem Jahre wieder Meiſterprüfungs=Vorbereitungskurſe in
Darm=
ſtadt ſtattfinden. Anmeldungen hierfür ſind ſofort an die
Ge=
fchäftsſtelle Darmſtadt Wilhelminenſtraße 21 I,
Fern=
ruf 4338, zu richten. Die Kurſe beginnen bereits im Laufe des Monats
Oktober und werden, wie auch früher, im Ernſt=Ludwigs=Haus
(Allexandraweg) abgehalten.
— Der Kolonial=Verein, Ortsgruppe Darmſtadt, eröffnete im
Re=
ſtaurant Sitte vor einem geladenen Intereſſentenkreiſe die
Vortrags=
reihe für das Winterhalbjahr. Es ſprach der Präſident des Vereins,
Herr Föllmer aus Berlin, über Exiſtenzfeſtigung durch koloniale
Tätigkeit‟. Der Vortrag fand allſeitigen Beifall, iſt doch die
Exiſtenz=
frage die wichtigſte Frage der Gegenwart für jeden Deutſchen
gewor=
den. Der Vorſitzende der Ortsgruppe Darmſtadt, Herr Oppelt, ließ in
ſeinem Schlußwort weitere Möglichkeiten zur Behebung dieſer großen
deutſchen Not durchblicken, ſo daß beſchloſſen wurde, alsbald mit
prak=
tiſcher Arbei= zu beginnen.
— Altkatholiſche Landesſynode. Wie in den meiſten Ländern
Deutſchlands haben ſich auch die Altkatholiken Heſſens zu einem
Lan=
desverband zuſammengeſchloſſen, der ſeine Gemeinſchaftstätigkeit in
der Synode oder in der Verſammlung der Abgeordneten aller
heſſi=
ſchen altkatholiſchen Gemeinden äußert. Eine ſolche Synode findet
das erſte Male in Darmſtadt am Sonntag, den 20. Oktober, ſtatt. Der
Synode, die im Kaiſerſaal in der Grafenſtraße tagt, geht ein
Feſt=
gottesdienſt in dem Gemeindeſaal der evangeliſchen Stadtgemeinde,
Kiesſtraße 17, voraus. Der Nachmittag vereint alle Freunde und
Gönner der altkatholiſchen Bewegung zu einem geſelligen
Zuſammen=
ſein.
Der Verein der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters hielt geſtern
abend im Mozartſaal eine Mitgliederverſammlung ab, deren
weſent=
lieher, die Oeffentlichkeit intereſſierender Zweck war, Herrn
Generalinten=
dan: Prof. Ebert Gelegenheit zu einem Vortrag über ſeine
künſtleri=
ſihen Abſichten für die laufende Spielzeit zu geben. Eine Tatſache, die
immerhin ſo ſtarkes Intereſſe erveckt hatte, daß — ſonſt ungewohnt
bei dieſen Verſammlungen — verhältnismäßig zahlreiche Zuhörer
er=
ſchienen waren.
Die Verſammlung leitete der Vorſitzende, Herr Dr. Büchner
der nach Willkommensgruß an die Erſchienenen ſich zunächſt nochmals
über Zweck und Ziel des Vereins der Freunde verbreitete. Wir haben
darüber mehrfach berichtet. Erinnert ſei hier an die in der letzten
Ver=
ſammlung beſchloſſene Umſtellung des Vereins, dahingehend, daß der
Verein der Freunde beſtehen bleibe als „Bindeglied zwiſchen der
theater=
liebenden Bevölkerung und der Theaterleitung‟. Die Satzungen
wur=
den entſprechend geändert, der künſtleriſche Beirat erweitert mit der
Beſtimmung, daß dieſer alle zwei Monate zuſammentritt, und daß zu
Beginn und zur Beendigung der Saiſon Mitgliederverſammlung
ſtatt=
finden. Der Vorſitzende bedauert und bezeichnet es als „abwegig”, daß
in den letzten Tagen nach den bekannten Vorgängen zahlreiche
Mitglieder ausgetreten ſind. Der Verein will auf
gegen=
ſeitiges Verſtändnis hinleiten.
Profeſſor Carl Ebert
ergriff dann das Wort zu ſeinem Vortrag, der ſich in etwa folgenden
Gedankengängen bewegte: Er begrüße mit großer Freude den Verſuch,
einen ſtärkeren Kontakt herzuſtellen zwiſchen Theater und Publikum.
Allerdings müſſe er von vornherein ſagen, daß dieſer Verſuch des
Kontaktherſtellens, der in normalen Zeiten leicht und unterhaltend ſei,
in den Zeiten des Kampfes die Gefahr in ſich berge, das Theater in
ſeiner Produktionsfähigkeit zu beeinträchtigen. Er wolle in Rückſicht
auf die letzten Vorgänge verzichten auf das ſonſt ſehr beliebte Mittel
des Gegenangriffs, und ſich bemihen, möglichſt ſachlich und objektiv zu
bleiben.
Der Redner machte zunächſt rückläufige Feſtſtellungen über die
Ver=
hältniſſe des Thearerbeſuchs zu Zeiten Legals und zu der, als er,
Red=
ner, die Leitung übernahm. Das Theater machte damals die geiſtige
Kriſe durch, die alle Theater durchmachen mußten. Das Darmſtädter
Theater kennte ſeine künſtleriſche Miſſion nur erfüllen, wenn alle Kräfte
ihm halfen. Der Abgang von einem Drittel ſeiner Vollmieter bedrohte
ſeinen Lebensfaden. Die gefahrvolle Situation des Theaters zu
Zei=
ten Legals wurde von einem Teil der Oeffentlichkeit nicht erkannt und
der neuen Leitung Mißtrauen entgegengebracht. Die Mieter gingen um
weitere 25 Prozent zurück. Es mußte alſo eine Gegenaktion einſetzen.
Das Mittel der Werbeſchrift brachte den Mieterſtand wieder faſt auf
die Höhe der Zeis Legals. Dem Verein gebührt für die Ermöglichung
der Werbeſchrift Dank. Dank aber auch dem Publikum, das ſich dem
Theater wieder zuwandte trotz der Gegenſätzlichkeit eines Teiles der
Preſſe. Im zweiten Jahre meiner Intendanz nahm dieſes Intereſſe
außerordentlich zu. Der Geſamtmieterſtand des letzten Jahres war der
größte, den das Theater bisher überhaupt hatte.
Dank ſprach er den beiden großen Publikumsorganiſationen, der
Volksbühne und dem Bühnenvolksbund, aus. Er habe immer die
Tätigkeit der großen Publikumsorganiſationen dankend anerkannt, und
keine Verleumdung könne daran etwas ändern. Mit „
Dunkel=
männertum” und „Duckmäuſertum” habe er keine
be=
ſtimmten Berufsgruppen oder Kreiſe gemeint.
Nach dieſen „in Parantheſe” geſprochenen Abſchweifungen wandte
ſich der Redner wieder der Statiſtik zu. Für das Darmſtädter Theater
tuaf in keiner Weiſe das Wort vom „Niedergang des Theaters”, in
bezug auf die Beſucherzahl zu. Beſonders die Volksbühne brachte
ſtar=
ken Zugang der Mieter. Von einer Abkehr des Publikums oder von
einem Rückgang des Intereſſes kann keine Rede ſein. Wenn trotzdem
die Zuſchüſſe=Summen ſich in ſteigender Linie bewegen,
ſo liegt das in der allgemeinen Verſchlechterung der Wirtſchaftslage
und beſonders daran, daß bei erhöhten Leiſtungen die Eintrittspreiſe
ſtändig geſenkt werden mußten, ohne das Abſatzgebiet erweitern zu
können. An den erhöhten Ausgaben iſt das künſtleriſche Perſonal nicht
beteiligt. Der Vorwurf, daß in dekorativer Hinſicht Verſchwendung
getrieben wurde, iſt auch nicht ſtichhaltig. Es liegt im Zug der Zeit,
daß der Kern auch eine prunkhafte Schale erhalten muß, und der alte
Fundus an Material iſt völlig zuſammengeſchmolgen. Das gereicht der
Blihne natürlich zum Vorteil. Von Repertoir=Inſzenierungen ſind im
vorigen Jahre noch 13, in dieſem Jahre nur noch 5—6 vorhanden. —
Das Theater von heute iſt — wiederholte dann der Redner —
weſentlich verſchieden von dem von geſtern. Gewiß hat auch das Theater
von geſtern Kämpfe geſehen (Ibſen, Hauptmann), aber ſie blieben
Einzelerſcheinungen und gingen erſt nach Jahrzehnten in die
Geſamt=
heit über. Das Theater iſt heute die Stätte geworden, die der Zeit
den Spiegel vorhält. Immer, ſchon von Ariſtophanes und Aeſchylos
an, iſt das Neue als etwas Unſittliches, zum mindeſten Fragwürdiges,
als Nihiliſtiſches und Niederreißendes erſchienen. Das iſt dielleicht
ſchick=
ſalhaft für das Theater, aber es iſt nicht zu ändern. An Stelle der
jahrzehntelangen künſtlichen Ernährung des Theitermenſchen iſt heute
die Nabelſchnur für den gegenwärtigen Menſchen wiedergefunden und
ſeine geſunde künſtleriſche Nahrung wiedergegeben worden. Das
Künſtleriſche und der Spielplan, das „Wie” und das „Was” ſind nach
ihrem geiſtigen Urſprung nicht zu trennen. Das Neue, das im Theater
und ſeiner Miſſion im Werden iſt, in ſeinem Gebären zu ſtören, iſt
niemand berechtigt, der das „Stirb und werde!” in ſeinem tiefſten
Sinne erfaßt.
In längeren Ausführungen derteidigte dann Prof. Ebert die Inſze
nierungen von „Egmont”, „Figaros Hochzeit”, „Der heſſiſche Landbote‟
„Carlos” uſw., und bat ſchließlich, als wahre Freunde des Theaters
deſſen ausführenden und leitenden Organen das Vertrauen
entgegen=
zubringen, daß ſie es ernſt mit ihrer künſtleriſchen Aufgabe meinen
und mit Verantwortungsbewußtſein an deren Löſung hekantreten.
Herr Dr. Büchner dankte dem Redner und eröffnete eine
Aus=
ſprache, zu der ſich aber niemand zum Wort meldete, woraus der
Herr Vorſitzende den Schluß zieht, daß die Ausführungen des Redners
ſo ausgleichend gewirkt haben, daß der Eindruck des Vortrages durch
eine Ausſprache geſchmälert würde.
Schließlich meldet ſich der Spielleiter Herr Jenſen=Heidelberg
zum Wort, der es bedauert, daß nun „nichts mehr los iſt‟. Er habe
ſich darauf gefreut, hier etwas zu erleben. Schließlich ſei es abter
überall ſo wie in Darmſtadt. — Oberbürgermeiſter Mueller führte
aus: Unſer Theater iſt unſer größtes Kulturwerk, das wir alle lieben
und alle erhalten wollen. Die Qualität unſerer Aufführungen iſt bei
uns ſehr oft beſſer wie anderswo. Man ſollte Herrn Prof. Ebert ſicher
den ernſten Willen zuerkennen, das Beſte leiſten zu wollen. — Her=
Wilhelm Michel ſtellte zunächſt einige Gegenſätzlichkeiten in den
grundſätzlichen Aufaſſungen feſt zwiſchen ihm und dem Intendanten,
und kam dann auf die „Dreigroſchenoper” zu ſſrrechen, die doch
den Anlaß zu den Auseinanderſetzungen gab. Er bezeichnet die „
Drei=
grofchenoper” als einen „Schmarren”, bei deſſen Schaffung es
Brecht nicht auf eine ſoziale Tat ankam, ſondern auf das Geld, das
da=
mit zu verdienen ſei. (Sehr wahr
In ſeinem Schlußwort lieſt Prof. Ebert einen Brief eines
Gymnaſiaſten vor, dem die „Dreigroſchenoper” als heilige
Wahr=
heit erſchien. (!) Er führt weiter aus, daß die Abſicht des Dichteus
gleichgültig, daß die Wirkung ausſchlaggebend ſei. Wenn nur auf
drei Siebzehnjährige der moraliſche Eindruck ſo ſtarb war, wie bei
die=
ſem Gymnaſiaſten, ſo ſei der Wert des Stückes damit dokumentiert. (!)
Herr Dr. Büchner ſchloß darauf die Verſammlung mit dem
Ausdruck der Hoffnung, daß der Verlauf des Abends auch den Verein
der Freunde geſtärkt habe.
— Verein für das Deutſchtum im Ausland. Die Mitglieder werden
eingeladen vom Deutſchen Oſtbund, der am 19. Oktober, abends
8 Uhr, im Fürſtenſaal eine Feier veranſtaltet zum Gedenken an die
tauſendjährige Oſtmark. Im Mittelpunkt dieſer Feier ſteht die Nede
des Frankfurter Univerſitätsprofeſſors Dr. Gieſe über „Tauſend
Jahre deutſche Oſtmark‟. Die Vortragsfolge bietet außerdem
muſikaliſche und deklamatoriſche Vorträge und ſchließt mit der
Auffüh=
rung des Dramas „Heimatſcholle” von Fr. Schare durch
Mit=
glieder der Frankfurter Outsgruppe. Der Eintritt beträgt nur 75 Pf.
Da der Reinertrag den deutſchen Schulen im abgetrennten Oſtgebiet
zu=
gute kommt, darf man hoffen, daß die Mitglieder des Vereins der
Ein=
ladung des Oſtbundes zahlreich Folge leiſten.
Täglich
trischgebr. KAllee
in anerkannt vorzüglicher Oualität
(15403a
Schulstraße 10
M. W. Prassel
— Mütter, Frauen und junge Mkädchen machen wir aufmerkſam
auf unſeren Lehrgang für Säuglingspflege. Zur Beſprechung kommen
(verbunden mit praktiſchen Uebungen an der Lehrpuppe): Bett,
Klei=
dung, Baden des Säuglings, Pflege des Neugeborenen, natürliche und
unnatürliche Ernährung, Beikoſt, Ernährungs= und
Entwickelungsſtörun=
gen, Pflege des Kindes in Krankheitstagen (keine Behandlung).
An=
meldungen zur Teilnahme an dieſem Lehrgang erfolgen auf der
Ge=
ſchäftsſtelle der Volkshochſchule, Mathildenplatz 17. — Die
Anwoh=
nerder Waldkolonie ſeien auf den Vortrag des Herrn
Studien=
rats Jacob über „Aufgaben und Ziele der
Volkshoch=
ſchule”, der am Dienstag, dem 15. Oktober, im Gemeindehaus am
Damaſchkeplatz ſtattfindet, aufmerkſam gemacht und zum Beſuch herzlichſt
eingeladen.
— Evangeliſcher Bund Darmſtadt. Speyerer Feſtſpiel.
Nachdem in letzter Woche drüben im Rheinland zu Koblenz die
mäch=
tige Kundgebung des Evangeliſchen Bundes in ſeiner Geſamtheit
Tauſenden von Evangeliſchen aus ganz Deutſchland die Gewiſſen
ge=
ſchärft und die Herzen begeiſtert, rückt nun auch die Zeit für das
Feſtſpiel in Darmſtadt näher. Nun gilt es auch hier, alle
Evangeli=
ſchen auf den Plan zu rufen, um Zeugnis abzulegen für ihren
Glau=
ben dadurch, daß ſie alle, alle wie ein Mann ſich im Saalbau zu der
Aufführung einfinden. Die Vorſtellungen finden am 1., 3. und
5. November d. Js. ſtatt und verſprechen, zu einem hohen Kunſtgenuß
und zu einem ſeeliſchen Erlebnis zu werden. Die Eintrittspreiſe ſind
ſo gehalten, daß jedem, auch den wirtſchaftlich Schwachen, die
Mög=
lichkeit gegeben iſt, das Spiel zu befuchen. Jedes evangeliſche Haus
ſollte deshalb ſeine Zugehörigkeit und ſeine innere Stellung= und
An=
teilnahme zu ſeiner Kirche dadurch bekunden, daß es teilnimmt an
dieſen bedeutſamen Aufführungen.
— Der Ortsausſchuß des Deutſchen Beamten=Wirtſchaftsbundes,
der die wirtſchaftlichen Belange der Beamtenſchaft in Darmſtadt
ver=
tritt, hat mit einem Vortrage über die Sterbekaſſe der ſüddeutſchen
Beamtenbanken ſeine Arbeitstagungen begonnen. Bei der Beratung
über die Grundſätze für die organiſatoriſche Gliederung des Deutſchen
Beamtenwirtſchaftsbundes wurde der in Darmſtadt beſchrittene Weg
für den richtigen bezeichnet. Der Ortsausſchuß wird für die
Selbſthilfe=
einrichtungen der Beamten werben und die Zeitſchriften mit ihren
An=
zeigen aufmerkſam prüfen. Die Beamten erhalten durch die beſtellten
Vertrauensmänner eingehende Aufklärung
der ſchönſten norwegiſchen Tänzerin.
„Ich war ein armes Fiſchermädchen.”
Im Foyer des Grand=Hotels. Madame kommt eben von der Probe.
Die halblauten Geſpräche verſtummen, wenn dieſe graziöſe
Er=
ſcheinung hevanſchwebt. Kurze Vorſtellung, Begrüßung — und ſchon
ſind wir mitten im Geſpräch.
Wenn die Harmonie der Bewegungen, das Gleichmaß der Glieder
und natürliche Anmut die Schönheit der Frau ausmachen, dann iſt
Bella Siris wunderſchön. So ſicher ihr Auftreten, ſo be
cheiden iſt ihr Weſen. Alles an ihr iſt Linie, Bewegung, Fluß. In
ihrem Blut rauſcht noch das Meer der heimatlichen Fjorde...
„Sie ſtammem aus dem hohen Norden, Madame?‟
„Geſwiß, meine Eltern waren dort Fiſcher. Einfache Leute.
Walfiſchfänger, die ſich mühſam ihr Brot verdienen. Ich bin ſchlicht
er=
zogen worden, aber Tanzblut hatte ich ſchon immer in mir. AlsKind
tanzte icham Meer, unbewußt und ungelernt. Die Wellen
rauſch=
ten mir die Melodien dazu und mein ungeſtümes Blut klopfte den
Rhythmus .. .
Wie ich entdeckt wurde.
„Niemand berſtand das Kind, das tanzen mußte, weil es beſeſſen
war ſom Tanz. Und eines Tages wurde ich doch entdeckt. Ich war
eben 6 Jahre alt. Madame Chriſtianſon, eine Dame aus dem Geſchlecht=
Ibſen, wurde auf mich aufmerkſam. Ein Tanzſcherz entzückte den
In=
tendanten der Opera Comique aus Oslo — und ich wwar entdeckt.
Die Ausbildung begann. Ein Stipendium förderte mich, ich kam
nach Oslo. Mit 14 Jahren war ich eine kleine Berühmtheit und gaſtierte
bereits in allen Großſtädten Europas und Amerikas.
„Welche Empfindung haben Sie, Bella Siris, wenn Sie tanzen?”
„Keinel Ichbin entrückt. Die Tanzidee, die Tanzſchöpfung
wwird in mir immer wieder neu lebendig. Ich weiß darum nie, wie ich
dieſen oder jenen Tanz tanzen werde. Jeder meiner Tänze hat
hun=
dert War
iationen. Ich ſchwebe einfach und bin mitgeriſſen von
der Muſik.”
Das iſt das wahre Weſen des Tanzes. Darum auch meine Frage.
Der künſtleriſche Tanz als Ausdrucksmittel einer anderen Welt. Die
Tänzerin als Medium des Kosmiſchen. Das iſt Bella Siris. Das iſt
„Tanz an ſich”, Tanz als Ekſtaſe, als Entrückung — und der Menſch
als lebendes Kunſtwerk. — Das Gaſtſpiel beginnt morgen,
Mitdwoch, abends 8,15 Uhr, und währt nur 5 Tage. Näheres über
das Programm iſt aus heutigem Inſerat erſichtlich. (Siehe auch
Plakat=
tafeln.)
— Die Fach= und Modekommiſſion der Friſeur= und
Perücken=
macher=Zwangsinnung Darmſtadt veranſtaltet auch in dem kommenden
Winter 1929/30 wieder eine Reihe von Modeabenden, welche in
weitgehendſtem Maße auch der Damenwelt zugängig ſind. Aufgabe
dieſer Modeabende ſoll ſein, die neueſten Friſuren in der Oeffentlichkeit
vorzuführen und zu zeigen, wie dieſelben zu Geſicht, zur Körperform
und Kleidung ausgeführt ſein müſſen, damit ſie auch ihre Trägerinnen
kleiden. So bringt der am 16. Oktober, abends 8 Uhr, im Fürſtenſaal
ſtattfindende Modeabend die jederzeit zu tragenden Friſuren für Tag
und Abend. Daher ſollte keine Dame verſäumen, ſich das hier Gebotene
anzuſehen, da dieſe Friſuren ſtets getragen werden können und überall
Anklang finden. Die Friſuren werden ausgeführt von Mitgliedern
der Friſeur= und Perückenmacher=Zwangsinnung und deren
Ange=
ſtellten.
p. Ausdehnung der Angeſtelltenverſicherungspflicht. Ab 1. Oktober
gilt: Die Verſicherungspflicht in der Angeſtelltenverſicherung wird auf
Muſiker und Hebammen erſtreckt, die ihre Tätigkeit auf eigene
Rechnung ausüben, ohne in ihrem Betrieb Angeſtellte zu beſchäftigen.
Dieſe Vorſchrift gilt nicht für die Hebammen, denen eine der
Ange=
ſtelltenverſicherung gleichwertige Verſorgung gewährt wird. Darüber,
ob dieſe Vorausſetzung zutrifft, entſcheidet die oberſte
Verwaltungs=
behörde.
Man nehme ein Stück „Zucker’s Patent=Medizinal=
Seife”, reibe mit der Hand oder noch beſſer mit einer naſſen
Bürſte, einem naſſen Pinſel und dergleichen möglichſt viel dicken
Schaum, läßt ihn eventl. noch einige Zeit ſtehen, bis er ſo dick iſt
wie Brei, Salbe oder Sirup, und trägt ihn dann leicht, ohne
eu reiben; auf die zu behandelnden Hautſtellen auf. Am
Von Spezialarzt Dr. med. Woltzer.
beſten geſchieht das Auftragen des Abends, damit der Schaum
genügend Zeit hat, auf der Haut einzutrocknen und die Nacht über
liegen bleiben kann. Morgens erweicht man ihn mit etwas
Waſ=
ſer, ſpült ihn dann leicht ab und trocknet hierauf die Haut, ohne
u reiben oder zu frottieren, ſanft mit einem weichen
Tuch. Nachher ſtets die Haut mit „Zuckooh=Creme”, die
ebenſo wie „Zucker’s Patent=Medizinal=Seife” in
jeder Apotheke, Drogerie und Parfümerie zu haben iſt,
nachbehan=
deln. Dieſe Prozedur, richtig durchgeführt, ſchafft in Kürze neue,
(TN. 237
reine Haut und verjüngt um Jahre.
Seite 6
Dienstag, den 15 Oklober 1929
Nummer 286
Die Einkragung zum Volksbegehren.
Aus einem Ausſchreibon des Staatspräſidenten an die Kreisämter,
betreffend das Volksbegehren „Freiheitsgeſetz”, ſind folgende
Beſtim=
mungen über das Eintragsverfahren auch für die breitere
Oeffentlich=
keit beachtenswert:
Die Ausrüſtung der Gemeinden mit den für die Eintragung nötigen
Eintragungsliſten, unter Umſtänden Anhänge= und Einlegebogen, iſt
Sache der Antragſteller.
Die Eintragungsfriſt beginnt mit dem 16. Oktober und endigt mit
dem 29. Oktober 1929 Die Eintragungsſtunden ſind ſo zu legen, daß
alle Eintragungsberechtigten der Gemeinde die Möglichkeit haben,
inner=
halb der Eintragungsfriſt ſich in die Liſten einzuzeichnen.
Die Eintragung ſelbſt läßt ſich ſchon um deswillen nicht als
ge=
heim behandeln, weil dem Eintragenden die ſeiner Unterſchrift etwa
vorausgehenden Unterſiheiften nicht verborgen bleiben können. Dem
Eintragendo wird auch der Wunſch, das im Kodfe der Liſre abgedruckte
Begehren durchzuleſen, nihr vorenthalten werden können. Er wird
damit ohne weiteres die dem vorgedruckten Begehren unmittelhar
fol=
genden erſten Eintragungen zu Geſicht bekommen. Eine förmliche
Ueber=
wachung des Eintragungsverfahrens durch Beauftragte der
Antrag=
ſteller wäre jedoch mit den Beſtimmungen der Reichsſtimmordnung nicht
vereinbar. Eine dauernde Beſetzung der Eintragsräume mit Obleuden
von Parteien kommt hiernach nicht in Frage. Es beſtehen aber keine
Bedenken, wenn Beauftragten der Parteien auf Wunſch allgemeine
Aus=
künfte über den Fortgang der Eintragungen gegeben werden. Eine
Zurücknahme der einmal in der Eintragungsliſte abgegebenen
Unter=
ſchrift iſt ebenſowenig zuläſſig, wie bei einer Wahl die Stimmabgabe
zurüickgezogen oder geändeit werden kann.
Eintragungsſcheine ſind von den Vürgermeiſtereien bis zum
Ab=
lauf der Eintragungsfriſt (29. Oktober 1929) auszuſtellen. Verlorene
Eintrayungsſcheine werden nicht erſetzt
Weitere Beſtimmungen regeln die Feſtſtellung des
Eintragungs=
ergebniſſes. — Zum Schluß wird bemerkt: Die Reichsregierung legt
großes Giewicht auf äußerlich glatten und reibungsloſen Verlauf des
Volksbegehrens. Niemand darf Anlaß zu berechtigter Klage haben, daß
ihm die Ausübung des verfaſſungsmäßigen Eintragungsrechts durch
mangelhafte Maßnahmen unmöglich gemacht oder unbillig erſchwert
worden ſei, andernfalls muß aber jeder mittelbare oder unmittelbare
Zwang, ſich am Eintragungsverfahren zu beteiligen, unterbleiben.
— Petrusgemeinde. Im Mittelpunkt des überaus zahlreich
beſuch=
ten erſten Gemeindeabends der Petzusgemeinde für dieſen Winter ſtand
die Beerachtung deutſch=evangeliſcher Not i der Diaſpora des Oſtens.
Tief in die Sache hinein führte der erſte Redner des Abends, Herr
Pfarrer Stork von Heppenheim, der, unter dem friſchen Eindruck der
eihebenden Guſtav=Adolf=Tagung in Breslau und dem ſich daran
an=
ſihließenden Beſuch der Anſtalten von Dr. Theodor Zöckler in
Stanis=
lau ſtehend, die vielfache Not dieſes weitverzweigten Liebeswerkes,
die=
ſes „Bethels des Oſtens”, mit beredten Worten und beſegten Herzens
ſchilderte. Alle ſchweren Schickſalsſchläge, die im Laufe der Zeit dieſes
Bollwerk evangeliſchen Glaubens getroffen haben — es ſei an die
Ein=
äſcherung der eben eingebrachten gsſamten Ernte im Auguſt dieſes
Jah=
res erinnert — vermo=hten nicht, Dr. Theeder Zöckler in ſeinem
Lebens=
grundſatz „Füirchte dich nicht, glaube nur!” wankend zu machen, vielmehr
laſſen ſie ihn deſto feſteren Mutes bekennen zu dem „Dennoch!”, das
er über die Sakriſteitür ſeiner beſcheidenen Kirche geſchrieben hat. Die
Ausſührungen von Pfarrer Stork, denen man die Wärme perſönlichen
Erlebens anmerkte, haben ſicherlich den Boden gut vorbereitet für die
Kollekte, welche am nüchſten Sonntag, beim Erntedankfeſt, für die hart
bedrängten Zöcklerſchen Anſtalten in der Beſſunger Kirche erhoben wird
— Ein düſteres Bild grauſamer Feindſchaft chriſtlichen Lebens entwarf
Fräulein Katterfeld aus Mitan im Valtenland. Sie hat die
Schreckens=
zeit der Bolſchewviſtenherrſchaft miterlebt ud ſchilderte in ergreifender
Weiſe die Leiden des Diakoniſſenhauſes in Mitau und den
Märtyrer=
tod ſeiner Oberin und ſeines Vorſtehers, Pfarrer Wachsmuth. Jetzt
erſt wieder regen ſich die erſten Zeichen neuerwachenden. Lebens bei
eiſcm Werk chriſtlicher Liebesrätigkeit in Mitau. Der Bitte, bei ſeinem
Wiederaufbau mitzuhelfen, iſt erfreulicherweiſe von den Anweſenden in
reichem Maße entſprochen worden. — Der bewegten Stimmung des
bends angeraßt waren die muſikaliſchen Vorträge. Fräulein
Gunder=
loch brachte mit ihrem wohlausgebildeten, tragfähigen Mezzo=Sopran
Lieder von Händel, Mendelsſohn und Braga zum anſprechenden
Vor=
trag, bei zwei Liedern von der Violine des Herrn Rettig begleitet.
Herr Rettig, in der Petrusgemeinde kein Fremder mehr, durfte ſich
be=
ſonders nach dem Vortrag der Cavatine von Raff eines warmen
Bei=
falls erfreuen. Aufrichtiges Lob verdient auch die verſtändnisvoll
ange=
pa
te Begleitung der Geſänge und Violinvorträge auf dem Flügel durch
He
n Dr. Boye. — In ſeinen herzwärmenden kurzen Anſprachen wies
Herr Pfarrer Weiß, früher ſelbſt Diaſporapfarrer, hin auf die wichtige
Sache des Guſtav=Adolf=Vereins und empfahl beſonders die Beſtellung
einer „Guſtav=Adolf=Jubiläums=Sammelbuichſe” beim Pfarramt. Hierauf
ſeien auch diejenigen aufmerkſam gemacht, die an dem Gemeindeabend
nicht teilnehmen konnten. Dieſer dürfte ſeinen Zweck, die
Gemeinde=
glieder einander näher zu bringen und ihre Herzen für Gutes und
Schönes zu begeiſtern, in hoſem Maße erfüllt haben.
— Evangeliſcher Arbeiter= und Handwerkerverein. Die Mitglieder
werden auf die am Dienstag, den 15. Oktober, abends 8.30 Uhr, im
Vereinshaus „Feierabend” (Stiftſtraße 51) ſtattfindende
Monats=
verſammlung aufmerkſam gemacht. Die Wichtigkeit der
Tages=
ordnung erfordert vollzähliges Erſcheinen.
— Durch Berufsbildungsarbeit zum Aufſtieg im Beruf. Unter
dieſem Leitwort hat der Deutſchnationale Handlungsgebilfem=Verband,
Ortsgruppe Darmſtadt, ſeinen Plan für die Arbeit im Winterhalbjahr
1929/30 herausgegeben. Aus der äußerſt geſchmachvoll aufgemachten
Druckſache iſt zu entnehmen, daß auf die berufliche Ertüchtigung der
Mitglieder der größte Wert gelegt wird. 12 berufliche Kurſe ſind neben
beruflichen Arbeitsgemeinſchaften und Wochenendlehrgängen vorgeſehen.
Eine wirtſchafts= und ſozialpolitiſche Vortragsreihe ſorgt für die
Schu=
lung der Mitarbeiter. Weiter finden wir verſchiedene Beſichtigungen,
eine Vortragsreihe „Die deutſche Geſchichte als Grundlage der
Gegen=
wartspolitik”, einen Gymnaſtiklehrgang für die Angehörigen,
Schach=
abende und verſchiedene geſellige Veranſtaltungen. Beſondere Beachtung
verdient auch der Arbeitsplan der Jugendgruppe, des Bundes der
Kauf=
mannsjugend im DH.V. Die Witerarbeit wird eröffnet durch einen
Vortrag des Herrn Gauvorſtehers Auerbach=Frankfurt a. M. am
Donnerstag, dem 17. Oktober, abends 8,30 Uhr, im Heim der
Kauf=
mannsgehilfen, Rheinſträße 35 I, über das Thema „Young=Plan und
Rationaliſierung der kaufmänniſchen Arbeit‟. Die Mitglieder des
Ver=
bandes und ſonſtige Intereſſenten ſind zu dieſem Vortrag herzlichſt
ein=
geladen. Der Arbeitsplan ſteht Intereſſenten auf Wunſch unentgeltlich
zur Verfügung.
ſk=
Lokale Verannallungen
— Alldeutſcher Verband. Unter Hinweis auf unſere
An=
zeige in der Sonntagsnummer teilen wir mit, daß unſer heutiger
Po=
litiſcher Abend der Aufklärung über das Volksbegehren gegen
den Young=Plan dient, wozu die Einzeichnung am 16. Oktober
be=
ginnt. Schriften darüber werden verteilt. Fermer wird Bericht über
die politiſchen Ereigniſſe von der Ablehnung des Nepublikſchutzgeſetzes
erſtattet. Gäſte (auch Frauen) ſind herzlich willkommen.
Aut. a
KAuſthoftzen.
Ueber Werte, Känſtlier oder fünſfleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtehenden Grwähnung
geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Uriel vor
— Klavierkonzert Alexander Buch. Der Kreutzer=
Schüler Alexander Buch wird am Montag, den 4. November, ein
Klavierkonzert geben. Für das Programm ſind vorgeſehen:
Beet=
hoven: 15 Variationen und Fuge (Eroica=Variationen), Schumann:
Symphoniſche Etüden, Chopin und Prokofieff. Alexander Buch
ge=
hört der Meiſterklaſſe des bekannten Berliner Pianiſten Leonid
Kreut=
zer an. Er ging aus der hieſigen Städtiſchen Akademie hervor. Dieſes
Klavierkonzert dürfte bei dem muſikliebenden Publikum in Darmſtadt
ſtarkes Intereſſe hervorrufen. Den Kartenverkauf hat die Bücherſtube
Alfred Bodenheimer, Rheinſtraße 24, übernommen.
Stadt und Land gehören zuſammen.
Eine Ausſprache über den Abſaß heimiſcher Etzeugniſſe.
In der Unterredung, die vor einiger Zeit zwiſchen der heſſiſchen
Regierung und Vertretern der Landwirtſchaft ſtattfand, ſind die
Schwie=
rigkeiten in der Frage des Abſatzes heimiſcher Produkte, und die
Schä=
den durch die Auslandskonkurrenz erörtert worden. Dieſe Erörterungen
gaben den Ausgangspunkt für eine Beſprechung, zu der der heſſiſche
Miniſter für Arbeit und Wirtſchaft am Montag vormittag Stadt und
Land, Erzeuger, Handel und Verbraucher zuſammengeführt hat. Es
waren erſchienen: Vertreter der Hausfrauenorganiſationen, des Einzel=
und Großhandels, der Konſumgenoſſenſchaft, der Marktgenoſſenſchaften
in Mainz, Ingelheim, Heidesheim und Gau=Algesheim. Die Gaſtwirte
hatten einen Teilnehmer entſandt, die Handels= und Handwerkskammer
und das Mühlengewerbe. Von der Landwirtſchaftskammer war
an=
weſend ihr Präſident und ihr Generaldirektor. Das Miniſterium war
vertreten durch Miniſter Korell, der die Ausſprache leitete, und durch
Referenten der beiden Abteilungen.
Miniſter Korell ging in ſeiner einleitenden Anſprache von der
Ver=
antwortung aus, die die Regierung der Landwirtſchaft gegenüber fühlt,
deren Produktionsumſtellung auf Sonderkulturen ſtark propagiert
wurde. Das hat für den Augenblick bewirkt, daß die
Produktionsför=
derung weit vorangetrieben wurde, während die Regelung der
Verkei=
lung noch ſehr dahinter zurückbleibt. Auf dem Markt herrſchen heute
z. T. noch chaotiſche Zuſtände.
Der Miniſter ſchlug vor, daß ſich Verbraucher und Erzeuger in
aller Offenheit über ihre Sorgen und Anſtände ausſprechen möchten.
Wohl könne man von einer ſolchen Ausſprache, noch keine endgültigen
Ergebniſſe erwarten. Das erfordere noch lange Zeit. Aber man darf
von der Ausſprache inſofern einen ſichtbaren Erfolg erhoffen, als der
weiteren Zuſammenarbeit durch ſie die Wege geebnet werden ſollen,
Von ſeiten der Landwirtſchaftskammer wurde nunmehr ein Bild über
die Preisgeſtaltung dieſes Jahres gegeben. Obwohl z. B. die Obſternte
gut ausgefallen ſei, erhalte der Erzeuger einen ſo niederen Preis, daß
der Städter ſelbſt darüber erſtaunt ſein müſſe. Aehnlich liegen die
Veu=
hältniſſe auf dem Getreidemarkt. Die Umſtellung, in der die
Landwirt=
ſchaft begriffen ſei, könne ſich natürlich nur nach und nach auswirken,
Zum Teil fehlen auch die Arbeitskräfte auf dem Lande, die es
geſtatte=
ten, allen Erforderniſſen der Verpackung uſw. nachzukommen. Ueber
die Güte und Ueberlegenheit der heimiſchen Produkte, braucht man kein
Wort zu verlieren. Der Preisſpanne ſei nachzugehen, aber gleichzeitig
müſſe betont werden, daß von einer Ausſchaltung des Handels nicht die
Rede ſein kann. — Ein Vertreter der Konſumgenoſſenſchaften ſchilderte
darauf ſeine Erfahrungen mit dem Abſatz der heimiſchen Erzengniſſe.
Das Ziel, die Landwirtſchaft ſo zu ſtärken, daß wir möglichſt
unab=
hängig vom Auslande auf unſerem Lebensmittelmarkt werden, ſteht feſt.
Es hat ſich herausgeſtellt, daß die Klagen über ungleichmäßige und
un=
geeignete Beſchickung des Marktes überall dort hinfällig werden, wo der
Bezug durch gut geleitete landwirtſchaftliche Genoſſenſchaften erfolge.
Die deutſche Markenbutter, beſonders die heſſiſche, könne ſich überall
ſehen laſſen. Sie habe auch bei den einfachen Käuferſchichten die
ſoge=
nannte Landbutter bereits verdrängt. Aehnlich liegen die Verhältniſſe
auf dem Eiermarkt. Hier zeigt ſich, daß der Käufer gewillt iſt, für das
gute deutſche Friſchei einen höheren Preis anzulegen, der der
Landwirt=
ſchaft zugute komme. Auch die viel erwähnte Abneigung gegen das
Wei=
zenbrot iſt nicht überall zu beobachten. Ein gutes Roggenbrot mit
ſeinem größeren Nährwert werde überall gekauft, wvo es in guter
Quali=
tät erhältlich und auch angeprieſen wird.
Vom Einzelhandel wurde die Verſicherung abgegeben, daß man die
Beſtrebungen, den Abſatz deutſcher Erzeugniſſe zu fördern, gerne
unter=
ſtütze. Man ſei auch bereit, bei der Propaganda deutſcher Waren
mit=
zuwirken, ſei es durch Veranſtaltungen von Ausſtellungen, die
Abhal=
tung von Vorträgen in den Ortsvereinen, durch Aushang von
aufklä=
renden Plakaten. Der Sprecher für den Einzelhandel gab intereſſante
Beiſpiele dafür, wie überall dort, wo man zielbewußt aufkläre, ſich der
Erfolg zugunſten unſerer heimiſchen Nahrungsmittel eingeſtellt habe,
Die Hausfrauen erklärten, alle Beſtrebungen für eine Propaganda
deut=
ſcher Waren zu unterſtützen. Notwendig ſei aber, daß man auch wirklich
in den Läden die Ware, die man verlangt, erhalten kann. Dier ſei noch
manches nachzuholen. Dieſen Erklärungen gegenüber be e e der
Prä=
ſident der heſſiſchen Landwirtſchaftskammer ſeinen beſonderen Dank.
Dankbar müſſe man auch für das Zuſtandekommen dieſer Beſprechung
ſein. Die Gedankenloſigkeit ſei im deutſchen Käuferpublikum ſehr weit
verbreitet. In einer Zeit, in der wir einen Ueberfluß an guten und
ſehr billigen Mirabellen hatten, wurden wir mit Bananen überſchwemmt,
die ein großes Käuferpublikum fanden. Wenn die Landwirtſchaft dazu
übergehe, immer mehr Markenwaren zu erzeugen, ſo ſei es auch
not=
wendig, daß der Käufer die Einſicht gewinne, daß für ein qualitativ
beſſeres Erzeugnis, ſich auch ein höherer Preis lohne. Als Beiſpiel
wurde die Milch angeführt. Milch und Milch iſt nicht dasſelbe. Der
Qualitätsmaßſtab müſſe auch vom Verbraucher angelegt und anerkannt
werden. Ein weſentlicher Teil der Ausſprache galt der Frage des
deut=
ſehen Roggenbrotes. Es iſt angeregt worden, daß die
Landwirtſchafts=
kammer Nichtlinien für Erſtellung eines heſſiſchen Markenbrotes abfaſſe,
Gerade von Verbraucherſeite iſt dabei hervorgehoben worden, wie
ſchwie=
rig es gerade in Heſſen und in der heſſiſchen Landeshauptſtadt iſt, ein
einwandfreies Roggenbrot zu erhalten. Es ſei auch nicht richtig, daß
der Geſchmackswandel durchaus das weiße Brot verlange. Die Vorliebe
für das Weißbrot, die erklärlich iſt aus der Zeit unmittelbar nach
Be=
endigung des Krieges, iſt nicht ſo ſtark, wie von Intereſſentenkreiſen
geſagt wird. Man kann auch von der Seite der Bäcker den Geſchmack
beeinfluſſen. Bei der Erörterung dieſer Fragen iſt mit Nachdruck
dar=
auf hingewieſen worden, daß es mit dem geſetzlich vorgeſchriebenen
Ver=
mahlungszwang allein nicht getan iſt. Notwendig erſcheint ein
Beimah=
lungszwang. Für die Frage des Roggenmehls wurden wertvolle
An=
regungen gegeben.
In ſeiner Schlußbemerkung faßte Miniſter Korell die Ergehniſſe
der Ausſprache zuſammen. Die Ausſprache hatte eine erfreuliche
Einig=
keit und einen geſchloſſenen Willen bei allen Teilnehmern gezeigt. Es iſt
beabſichtigt, die gegebenen Anregungen im gemeinſamen
Zuſammenwir=
ken weiter zu verfolgen. Der Miniſter betonte noch beſonders die
Not=
wendigkeit, daß in alle Teile des Volkes hineingetragen werde, was
bis=
her auf dem Gebiete der heimiſchen Produktionsverbeſſerung in Heſſen
ſchon geleiſtet worden iſt. Die Unkenntnis auf Seiten des breiten
Pu=
blikums iſt ein Hauptgrund für viele Schwierigkeiten. Eine ſyſtematiſche
Aufklärung auch auf dem Wege über die Schule wird erfolgen. Die
Unterredung war nur ein Anfang, Stadt und Land
zuſammenzu=
führen. Der gute Wille, in gleicher Richtung weiter zu arbeiten, dürfte
bei allen Kreiſen vorhanden ſein, die ſich der Verantwortung für das
Volksganze bewußt ſind.
— Lernt Stenographie! Wir verwveiſen auf die heutige Anzeige der
Stenographen=Vereinigung, Handwerkerſchule, Ecke Karl= und Nieder=
Ramſtädterſtraße, wonach heute abend und am Freitag, den 18. d. Mts.,
abends 8 Uhr, neue Kurſe in Reichskurzſchrift beginnen.
Jedem Vorwärtsſtrebenden ſei der Beſuch dieſer Kurſe dringend
empfohlen, da die Kenntnis der Kurzſchrift im heutigen Evwerbsleben
eine unbedingte Notwendigkeit iſt. Als Unterrichtsleiter ſind bewährte,
ſtaatlich geprüfte Lehrkräfte tätig, und es ſwird gute Ausbildung
zu=
geſichert. Das Unterrichtsgeld iſt fürr dieſe Kurſe ſehr niedrig gehalten
und kann in Raten bezahlt werden.
Gartenbauverein Darmſtadt E. V. Am kommenden
Donners=
tag finder die nächſte Monatsverſammlung ſtatt. Herr. Obſtbauinſpektor
Behne wird in einem Rückblick den Zweck und die Ziele der Ausſtellung
des Kreisobſtbauverbandes näher beleuchten. Näheres im Anzeigente3.
A
Porlaumnn Vin mintt
die Winter-Ausgabe des Darmstädter
Fahr-
planbuch zu kaufen. Erhältlich in den Buch-, Kiosken, Bahnhofs-
Buchhand-
lungen, der Geschäftsstelle, Rheinstr. 23, und
bei den Agenturen des Darmstädter Tagblatts.
Preis 80 Pfennig.
— Falſchmünzer an der Arbeit. Einem Polizeihundeführer
des Darmſtädter Polizeiamts iſt es mit Hilfe ſeines Suchhundes
gelungen, den in Dieburg geborenen H. W., der neben zwei
ande=
ren Perſonen in einer Feldſcheune in der Umgebung
Darm=
ſtadts nächtigte, aufzugreifen. Auf Grund eingehender
Ermitt=
lungen über ſeinen Aufenthalt in letzter Zeit und ſeinen Erwerb
konnte feſtgeſtellt werden, daß er ſich ſeit längerer Zeit eingehend
damit beſchäftigt, gefälſchtes Hartgeld ſowie auch falſche
Bank=
noten auf photographiſchem Wege herzuſtellen. Bei dieſer
Ge=
legenheit konnte er auch gleichzeitig der ſchweren
Urkundenfäl=
ſchung überführt werden. Weitere Straftaten bedürfen noch der
Aufklärung. Er kam in Unterſuchungshaft.
Wichtiger Zeuge geſucht. Bei dem Unfall in der
Die=
burger Straße kommt der Fuhrmann eines Steinfuhrwerks als
wichtiger Zeuge in Betracht. Derſelbe wird aufgefordert, ſich ſofort
bei der Kriminalpolizei zu melden. Ebenſo werden Perſonen, welche den
Namen des Fuhrmanns wiſſen, gebeten, dies der Kriminalpolizei
mit=
zuteilen.
Warnung. In letzter Zeit iſt in Darmſtadt ein
Verſicherungs=
ſchwindler aufgetreten, der nur bei älteren Damen vorgeſprochen hat,
um ſie in eine Sterbekaſſe aufzunehmen. Er ließ ſich in betrügeriſcher
Abſicht Anzahlungen von 1,50—2 RM. geben, wofür er eine Quittung
ausſtellt. Beſchreibung: Alter 28 bis 30 Jahre, trägt dunkelblauen
An=
zug, dunkle Mütze, ſchwarze Halbſchuhe, hat dunkelbraunes Haar, ſpricht
Darmſtädter Dialekt.
Vorſicht im Herrngarten. Am Sonntag, dem 13. Oktober 1929,
wurde ein in Frankfurt a. M. wohnender Büroangeſtelter, B. Z., wegen
Erregung öffentlichen Aergerniſſes jungen Männern gegenüber im
Herrngarten feſtgenommen. Dir Ermittelungen ergaben, daß er
län=
gere Zeit mit einem jungen Mann von hier in unſittlicher Weiſe
Ver=
kehr ſuchte. Durch das verſtändnisvolle Verhalten des betreffenden
jungen Mannes wurde er durch die Polizei feſtgenommen und ein
Strafverfahren eingeleitet.
Feſtnahme. Ein hieſiger Schleifer, L. R., wurde am 14.
Okto=
ber 1929 auf Grund eines Haftbefehls des Amtsgerichts I Darmſtadt
wegen Unterſchlagung feſtgenommen und in Unterſuchungshaft
ver=
bracht.
* Schwurgericht.
p. Unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit wird gegen ein Mädchen von
Groß=Zimmern wegen Kindestötung verhaudelt. Die Anklage geht
da=
hin, daß ſie ihr uneheliches Kind in der Nacht bom 2. zum 3. Juni d. J.
in einem Eimer Waſſer ertränkt habe. Elf Zeugen und drei
Sachver=
ſtändige ſind geladen.
Das Kind männlichen Geſchlechts wird von ärztlicher Seite als
lebensfähig bezeichnet. Die Mutter ſelbſt erſcheint von ſchwwacher
Urteils=
kraft, aber für die Tat verantvortlich, wenn auch in gemildertem Grade.
Die Angeklagte iſt im weſentlichen geſtändig.
Mildernde Umſtände erachtet der Stoatsanwalt für vorliegend. Der
Verteidiger geht den Motiven für die Tat nach: ärmliche Verhältniſſe,
Furcht vor dem Vater, Zweifel hinſichtlich. der Ernährung. Das Urteil
erkennt auf 2 Jahre Gefängnis und rechnet 4 Monate
Unterſuchungs=
haft an.
Schwurgericht. Für den 18. Oktober werden von der
Gerichts=
ſihreiberei der Strafkammer zur Verhandlung der Mordſache Stoykow,
hier, Karten ausgegeben, ebenſo für die Sache Wacher in Schönnen, die
am 23. Oktober anſteht. In letzterer Sache ſind 52 Zeugen und 4
Sach=
verſtändige, in erſterer 26 Zeugen und 3 Sachverſtändige geladen. Es
werden nur Einlaßkarten im Verhältniſſe der vorhandenen Sitzplätze des
Schwurgerichtsſaales mit Galerien zur Ausgabe gelangen, worauf wir
ausdrücklich hinweiſen.
Kleinviehdiebſtahl. Aus einem Garten in der Nähe des alten
Friedhofs wurden in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober 1929 aus
einem verſchloſſenen Bretterbau 7 wertvolle Tauben geſtohlen. Man
vermutet als Täter einen Gartenbeſitzer aus der dortigen Nachbarſchaft.
Sachdienliche Mitteilungen an Polizeiamt, Hügelſtraße 31/33, Zimmer
Nr. 3.
Wegen Diebſtahls feſtgenommen. Am 13. Oktober 1929 wurden
zwei hieſige Hilfsarbeiter feſtgenommen, weil ſie als Gäſte in der
Wirt=
ſchaft „Zum Chauſſeehaus” dem Wirt 50 Mark aus ſeiner Kaſſe
ge=
ſtohlen haben. Die Ermittelungen in dieſem Falle ſind noch nicht völlig
abgeſchleſſen.
Einbruchsdiebſtahl. In der Nacht vom 13. auf 14. Oktober 1929
wurde ein Einbruchsdiebſtahl zum Nachteil einer Wirtin in der
Schloß=
gaſſe durch zwei durchreiſende Handwerksburſchen verſucht.
Während=
dem der eine ſofort feſtgenommen werden konnte, iſt es dem zweiten
gelungen, kurz vor ſeiner Feſtnahme die Flucht zu ergreifen. Die
Kriminalpolizei hat das Weitere veranlaßt, um auch des zweiten Täters
habhaft zu werden.
Wäſchediebſtahl. In der Nacht vom 13. zum 14. Oktober 1929
wurde aus der Hofreite Wienersſtraße 78 eine Anzahl Wäſcheſtücke
ge=
ſtohlen. Schon wiederholt wurden gerade im dieſer Hofreite
Wäſche=
diebſtähle begangen, ohne daß es gelungen iſt, die Täter dingfeſt machen
zu können. Sachdienliche Mitteilungen werden enbeten an
Polizei=
amt, Hügelſtraße 31/33, Zimmer Nr. 3.
Diebſtähle im hieſigen Hallenſchwimmbad. Am Sonntag, dem
6. Oktober 1929, gegen 12 Uhr, wurden im hieſigen Hallenſchwimmbad
zwei Diebſtähle, wahrſcheinlich von dem gleichen Täter, begangen. Der
Täter hatte es in dieſem Falle nur auf Geld abgeſehen, denn es
wur=
den in beiden Fällen die Portemonnaies mit Inhalt entwendet. In
dem einen Falle fielen ihm 4 und im zweiten Falle 15 RM. im die
Hände. Geld und Wertſachen, die nicht unbedingt benötigt werden,
ſollte man zu Hauſe laſſen.
Motorraddiebſtahl. Einem Kaufmann von hier, H. K., wurde
am 13. Oktober 1929, um 2 Uhr, ſein vor dem Hanſahotel hier
aufge=
ſtelltes D. K.W.=Motorrad, Kennzeichen VS 8914, geſtohlen.
Sachdien=
liche Mitteilungen an Polizciamt, Hügelſtraße 31/33, Zimmer 2.
Tageskalender für Dienstag, den 15. Oktober 1929.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, 19 Uhr, A 6: „Othello”.
— Kleines Haus, 16 und 20 Uhr: Kulturfilmbühne. — Konzerte:
Schloßkaffee, Rheingauer Weinſtube. — Turnhalle am
Wvogs=
plat, 2 Uhr: Oeffentliche Verſammlung der Nat.=Soz. Deutſch.
Arb.=Partei (Hitlerbewegung). — Städt. Saalbau, 20 Uhr:
Vortrag der Chriſtl.=Wiſſenſchaftl. Vereinigung. — Fürſtenſaal,
20 Uhr: Mitgliederverſammlung des Sparerbundes und
Rentner=
bundes. — Kinovorſtellungen: Union=Theater, Helia.
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TV.466
[ ← ][ ][ → ]Nummer 286
Dienstag, den 15. Oftober 1929
Seite 7
Aus Heſſen.
Ein Ehrenkag für Pfarrer Paul.
F. Eberſtadt, 14. Oktober.
Der geſtrige Sonntag, an dem ſich der Ortsgeiſtliche der
evangeli=
ſchen Kirchengemeinde. Pfarrer Paul, von ſeinen Eberſtädtern
verab=
ſchiedete, geſtaltete ſich zu einem großen Ehreutag für den Genaunten.
In einem Feſtgottesdienſt am Vormittag hielt Pfarrer Paul ſeine letzte
Predigt, durch die ſeine mehr als 18jährige pfarramtliche Tätigkeit am
hieſigen Platze abgeſchloſſen wurde. Poſaunenchor und
Kirchengeſang=
verein gaben dieſem Abſchluſſe eine beſonders feierliche Note.
Andachts=
voll lauſchten die Gläubigen dem, was ihr Seelſorger ihnen zum
Ab=
ſchied zu ſagen hatte. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt,
ein Zeichen der Anhänglichkeit, der ſich Pfarrer Paul erfreut.
In einer am Nachmittag im Saale „Zum Bergſträßer Hof”
ſtattge=
fundenen Feier gab man der Gemeinde Gelegenheit, ſich noch einmal
um ihren Pfarrer zu verſammeln. Mehr als 600 Gemeindeangehörige
machten hiervon Gebrauch. An einer Tafel vor der Bühne, die durch
grüne Blattpflanzen eingerahmt und mit Blumen geſchmückt war, hatte
Pfarrer Paul mit dem Kirchenvorſtand und einer Reihe geladener
Gäſte Platz genommen. Kirchenvorſteher, Forſtrat Hoffmann.
be=
grüßte — nachdem der Poſaunenchor mit dem Largo von Händel die
Feier eröffnet hatte — mit herzlichen Worten die Verſammelten.
Hier=
auf ſang der Kirchengeſangverein, den für die Feier neu eingeübten
Chor: „Geleite‟. Die Feſtanſprache hielt Nektor i. R. Vogel, in der
er dem ſcheidenden Pfarrer Paul in warmen Worten dankte und in der
er deſſen Verdienſte um die Gemeinde gebührend hervorhob. Er ſchloß
mit den Worten:
„In voller Würdigung Ihrer bleibenden Verdienſte um die hieſige
Gemeinde und als Zeichen der Verehrung und Liebe, der Hochachtung
und unauslöſchlichen Dankbarkeit ernennen die Vorſteher der hieſigen
ebangeliſchen Kirchengemeinde Sie einſtimmig zum Ehrenmitglied
des Kirchengemeinde und laſſen Ihnen durch mich dieſe Ehrenurkunde
überreichen. Sie zeigt oben das Bild der hieſigen Kirche und hat
fol=
genden Wortlaut: „Die evangeliſche Kirchengemeinde Eberſtadt erinnert
ſich bei dem Weggange ihres Ortsgeiſtlichen, Geurn Pfarrer Hans Paul,
ſeiner in ſchwerſter Notzeit ausgeübten, aufopferungsvollen,
ſegensrei=
chen, von echtem chriſtlichem Geiſte getragenen, mehr als achtzehnjährigen
pfarramtlichen Tätigkeit am hieſigen Platze. Sie verdankt ihm den im
Jahre 1913—1913 vollzogenen und wohlgelungenen Um= und Ausbau
ihrer Kirche und ernennt ihn bei gleichzeitiger Verſicherung
unwandel=
barer Treue und Anhänglichkeit durch dieſe Urkunde zum Ehrenmitglied.”
Und nun ziehen Sie hin in Frieden! Gottes Segen ſei mit Ihnen!”
Hierauf dankte Pfarrer Paul in bewegten Worten für alle Beweiſe
der Liebe und des Vertrauens. Bürgermeiſter Dr. Uecker ſprach
namens der bürgerlichen Gemeinde, Rektor Storck namens der Schule,
Pfarrer Braun namens der katholiſchen Gemeinde. In allen
An=
ſprachen kam die hohe Wertſchätzung des Scheidbendene und der ihm
ge=
bührende Dank zum Ausdruck.
Im weiteren Verlauf der Feier, bei der Poſaunenchor und
Kirchen=
geſangverein mithalfen Ernſt und Würde in die Abſchiedsſtunde zu
legen, zeigte ſich auch die evangeliſche Mädchen= und Knabenvereinigung
dankhar durch Liedervorträge und Reigenaufführungen. Große Freude
bereitete dem Publikum die Kleinkinderſchule, die es ſich ebenfalls nicht
nehmen ließ, ihrem Pfarrer einen herzlichen Abſchiedsgruß mit auf
den Lebenswanderweg zu geben. Ein letzter Händedruck der
Gemeinde=
angehörigen, und die Feier nahm ein weihevolles Ende.
J. Griesheim, 14. Okt. Werbewoche der Turnerſchaft
Griesheim. Vergangene Woche traten die Sportler und Spieler
unter Leitung von Turnwart Widmaier vor die Oeffentlichkeit.
Ausgie=
bige Körperſchule und vorbereitende Uebungen für Wurf, Sprung, Stoß
und Lauf ſowie Uebungen wie Werfen und Fangen des Balles
erbrach=
ten den Beweis, daß auch das Gebiet des Volksturnens bei uns eine
Fflegeſtätte findet. Am Samstag abend turnten die Schülerinnen unter
Leitung von Frauenturnwart Aßmus und Turnerin Müller und die
Schüler unter Leitung der Jugendturnwarte Hopp und Nöll. Friſches,
fröhliches Leben durchpulſt unſere beiden Jugendabteilungen.
Spiele=
riſches Turnen der Jüngſten, Hindernisturnen der Mittelſtufe und
Lei=
ſtungsturnen der Aelteren bieten Gewähr dafür; daß jedes Kind ſich
ſeinem Alter und ſeinen Körperkräften entſprechend betätigen kann. Am
Sonntag fanden ſchließlich volkstümliche und Geräte=Wettkämpfe ſtatt,
bei denen die Pflichtübungen mit Abſicht denkbar einfach gehalten waren,
um jedem Turner und jeder Turnerin die Möglichkeit zu bieten, ſich mit
Erfolg an den Kämpfen zu beteiligen. Als Abſchluß der Werbeivoche
fand die Siegerverkündigung ſtatt, verbunden mit Tanz und turneriſchen
Vorführungen. Möge der Turnerſchaft Griesheim mit ihrer
Werbe=
woche ein voller Erfolg beſchieden ſein. — Vielfachen Wünſchen und
An=
regungen entſprechend, hat ſich die Leitung des Philharmoniſchen
Or=
cheſters entſchloſſen, am Sonntag, den 20. Oktober, im Saale „Zum
Darmſtädter Hof”, hier, ein Nachmittagskonzert in großer
Streich=
orcheſterbeſetzung abzuhalten. Ein geſchmackvoll zuſammengeſtelltes
Pro=
gramm wird den Beſuchern einige muſikaliſche Delikateſſen bieten. Der
Eintrittspreis wird ſehr niedrig gehalten, um den Charakter eines
Volks=
konzerts zu wahren. Mitglieder haben freien Zutritt.
— Weiterſtadt, 14. Okt. Hohes Alter. Frau Marie Görich
Witwe kann am Donnerstag, den 17. Oktober, in voller geiſtiger und
körperlicher Rüſtigkeit ihren 80. Geburtstag begehen.
An. Arheilgen, 14. Okt. Ueberfahren von der elektriſchen
Vorortbahn auf der Strecke nach unſerem Orte wurde geſtern abend 6,30
Uhr in der Nähe der Gärtnerei Henß der Ziegeleibeſitzer Peter Noß von
hier. Der ſcheinbar nicht ſchwer Verletzte ging auf dem Schienengleiſe
in der Richtung nach Arheilgen und wurde von dem erſten Wagen des
elektriſchen Zuges zur Seite geſchleudert und an der rechten Stirnſeite
verletzt. Die erſte Hilfe wurde ihm durch den Arbeiterſamariter Spengler
zuteil, der ihm einen Notverband anlegte. Das durch einen Nadfahrer
herangerufene Sanitätsauto der chemiſchen Fabrik Merck verbrachte den
Verunglückten nach dem ſtädtiſchen Krankenhaus Darmſtadt. — Dem
Vernehmen nach wird in nächſter Zeit Pfarrer Emil Fuchs aus
Eiſe=
nach, ein Sohn des früheren hieſigen Pfarrers Fuchs, hier in einer
öffentlichen Verſammlung ſprechen. Fuchs iſt Mitglied der
Sozialdemo=
kratiſchen Partei Deutſchlands und durch ſein mutiges und offenes
Ein=
treten für die Sache der Arbeiterſchaft, für Friede und Gerechtigkeit eine
bekannte Perſönlichkeit. — Geſtern ſprach hier im Haupt= und
Kinder=
gottesdienſt Miſſionar Richter=Brudergemeinde und ergab die Kollekte
in beiden Gottesdienſten eine erkleckliche Summe für die Sache der
Miſ=
ſion. — Winternähkurſe. Der hieſige Ortsausſchuß für
Arbeiter=
wohlfahrt hat auch in dieſem Winter ſeine Nähkurſe begonnen und
wer=
den dieſelben wiederum von Frau Anna Schmitz, geprüfte Meiſterin,
ge=
leitet. — Hier verſtarb nach langem, ſchwerem Leiden Heinrich
Schmitt 1. im Alter von 62 Jahren. Derſelbe war eine beſonders in
Muſikerkreiſen bekannte Perſönlichkeit. — Am Dienstag findet
nachmit=
tags 3 Uhr auf dem Nathauſe, Zimmer 13, eine Beratungsſtunde
der Mutter= und Säuglingsfürſorge ſtatt. — Mit Beginn dieſer Woche
hat hier der Schulunterricht wieder ſeinen Anfang genommen.
— Im Auftrage des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden
und =Witwen ſpricht am Dienstag abend 8 Uhr im Gaſthaus „Zum
Löwen” in einer öffentlichen Verſammlung Herr Rudolf Karſten,
Ber=
lin, über „Das ſoziale Elend und unſer Kampf”. Redner iſt einer der
beſten Kenner unſerer ſozialen Gſeetzgebung und liegt es im Intereſſe
ſämtlicher Rentenbezieher, ſich dieſen Vortrag anzuhören. — Der hieſige
Schachklub wird im Laufe dieſes Monats wieder regelmäßig jeden
Dienstag abend ſeine Zuſammenkünfte im Gaſthaus „Zum Schwanen”
abhalten. Alle Schachfreunde und ſolche, die es werden wollen, ſind
für dieſe Abende hierdurch freundlichſt eingeladen. — Bei der in
Darm=
ſtadt ſtattgefundenen Ausſtellung des Obſt= und
Gartenbauverban=
des für den Kreis Darmſtadt konnten die Herren Johannes Bärenz,
Franz Benz und Heinrich Völger, ſämtlich Mitglieder des hieſigen
Obſt= und Gartenhauvereins, wiederholt prämiert werden.
Der heſſiſche Rebmuttergarten bei Heppenheim
... wird eingeweihlt.
Wer am Nachmittag des zweiten Oktoberſonntags, über den
ſich eine milde Herbſtbläue ſpannte, die Bergſtraße und dabei die
idylliſche Strecke zwiſchen Bensheim und Heppenheim beſuchte, der
ſah in jenem auffällig regelmäßigen, großen Rebenſtück, in deſſen
Mitte ein freundliches, modernes Landhaus die Inſchrift „
Heſ=
ſiſcher Rebmuttergarten” trägt, unter wehenden
Fahnen=
maſten eine Gruppe, feierlich gekleideter Männer. Der Garten
wurde eingeweiht. Die Gruppe ging langſam — denn der
Weg iſt ſteil — zu einem etwas chineſiſch anmutenden
Sonnen=
tempelchen auf halber Bergeshöhe, bewunderte die Rebanlagen,
ſah über den Weg, der genau auf den Wormſer Dom zielt, über
die Riedwälder ins Rheinheſſiſche hinüber und ließ ſich dann
hiſto=
riſch im Bild feſthalten. Sie ſchritt darauf bedächtig, Fragen
ſtel=
lend und Erklärungen über den komplizierten Rebenbau
entgegen=
nehmend, den Hang entlang nach Norden, wo über einem
Gelände=
einſchnitt eine ebenſo große Fläche — 30 Morgen — wie der
bis=
herige Garten, mit Abzugsgräben verſehen feingeharkt. hellbraun
daliegt, bereit, in den nächſten Tagen die Stecklinge aufzunehmen.
Die überaus warme Lage des Gartens hatte man ſo am eigenen
Leib erprobt. Bei einem erfriſchenden Glas Bergſträßer, an dem
man ſich in den hübſchen, oberen Räumen, des ideal gelegenen
Wirtſchaftsgebäudes ſtärkte, gab es dann feſtliche Anſprachen.
Miniſter für Arbeit und Wirtſchaft Korell
begrüßte die Gäſte im neuen Heim: den Staatspräſidenten und
Landtagspräſidenten, die Fraktionsführer des Landtags und die
an der Schaffung des Werkes beteiligten Beamten und Männer
ſowie die ſonſt geladenen lokalen Behördenvertreter und
Inter=
eſſenten. Er lobte die Väter der Anlage: den geiſtigen Vater,
Oberſtudiendirektor Dr. Fuhr, den Leiter der Heſſiſchen Lehr=
und Verſuchsanſtalt für Wein= und Obſtbau in Oppenheim; den
juriſtiſchen Vater, Miniſterialrat Becker, der in mühſeliger
Arbeit nahezu 200 Parzellen zur Schaffung des Heppenheimer
Muttergartens aufgekauft hat, den Architekten des form= und
farbenſchönen Gebäudes, Baurat Günther, und nicht zuletzt
den wackeren Meiſter Roth von Heppenheim, der den Bau
aus=
geführt. Der Miniſter pries das Werk, das dem guten deutſchen
Wein auf Amerikaner=Unterlage dient.
Was iſt ein Amerikaner=Rebmuttergarten?
Darüber unterrichtete kurz und faßlich Oberſtudiendirektor
Dr. Fuhr. Die Notwendigkeit ſolcher Anlagen hat die
Reb=
l aus verſchuldet. Die amerikaniſche Rebe hat ſtärkere und
ge=
ſündere Wurzeln als die deutſche, man hat ſie bis zur vollen
Immunität gegen die Reblaus gezüchtet. Das amerikaniſche
Unterlagenholz braucht nun aber nicht mehr in zweifelhafter
Qualität und Auswahl vom Ausland bezogen zu werden,
ſondern wird in edelſter Auswahl auf dem warmen Bergſträßer
Gelände bei Heppenheim zu beſter Holzreife gezüchtet, um es dann
durch Aufpfropfung deutſcher Sorten den Winzern zum Anbau zur
Verfügung zu ſtellen. Der Rebmuttergarten dient alſo der
Holz=
vermehrung — Wein wird dort keiner erzielt — und gibt
Aufſchluß über die Anpaſſung der Amerikanerſorten an die
Boden=
verhältniſſe; er iſt die Baſis für die Rekonſtruktion
des heſſiſchen Weinbaues. Seit 1892 beträgt die durch
die Reblaus verſeuchte Fläche in Heſſen 180 Hektar. Der
Heppen=
heimer Garten iſt in wenigen Jahren in der Lage 1,8 bis 2
Millionen Schnittreben jährlich zu liefern und
da=
mit nicht nur den heſſiſchen Bedarf zu decken. — Miniſterialrat
Becker ergänzte dieſe fachlichen Ausführungen nach der
finan=
ziellen Seite: Der Heppenheimer Rebmuttergarten iſt mit
Reichsmitteln geſchaffen. Er
koſtet den heſſiſchen Staat und Steuerzahler keinen Pfennig.
Der Kaufpreis für das aus 173 Parzellen gewonnene Gelände
von 154 620 Quadratmeter beträgt 152 717 Mark. Die Koſten für
das Verwaltungsgebäude betragen 72 000 Mk., für das
Wein=
bergshaus, die Pavillons und Stützmauern 76 000 Mk., die
Rodungsarbeiten bisher 142 000 Mk. Nach ihrer Vollendung im
nördlichen Teil dürfte die Geſamtanlage etwa 570 000 Mk.
koſten.
Seine volle Anerkennung für die von dem
Wirtſchafts=
miniſterium durch Direktor Dr. Fuhr geleiſtete Arbeit
ſprach Herr Schätzel als Vertreter des heſſiſchen
Wein=
bauverbandes aus. Das ſollten die rheinheſſiſchen Winzer
einmal ſehen, was hier Muſtergültiges geſchaffen worden ſei! Er
bezeichnete den Rebmuttergarten als eine Art
Verſicherungs=
anſtalt für den heſſiſchen Weinbau. Mit dieſer
An=
lage ſtehe Heſſen in vorderſter Linie in der Förderung
des Weinbaues. — Geſprächsweiſe äußerten ſich auch Graf
Matuſchka=Greifenklau und Herr Gümbel jun.,
Bin=
gen, ſehr anerkennend über die Anlage.
Bürgermeiſter Dr. Schiffers überbrachte die Grüße der
Stadt Heppenheim, in deren Gemarkung der Garten liegt.
*r beglückwünſchte die Regierung zu dieſem Schmuck der
Bergſtraße und ſprach die Hoffnung aus, daß dieſer
neue Wallfahrtsort der Winzer
auch dem Beſuch Heppenheims zugute kommen möge — Nach
an=
regender heiterer Ausſprache verlieh gegen Abend
Landtagspräſi=
dent Delp dem Dank der Gäſte herzliche Worte. Er verwies
da=
bei beſonders auf die anerkennende Rede des Herrn Schätzel, die
der Regierung für manche unberechtigte Kritik volle
Genug=
tuung gegeben habe. Regierung und Parlament hätten für
die Winzer Heſſens ſtets das größte Intereſſe gezeigt und in die
Tat umgeſetzt. Aber die Staatshilfe bedürfe der Ergänzung durch
die Selbſthilfe. Bei beiderſeitiger planvoller Arbeit ſei, wie
auch Herr Schätzel es in Ausſicht geſtellt habe, dem
Winzer=
ſtand eine glücklichere Zukunft gewiß.
Das landwirkſchafliche Genofſenſchafisweſen
in Heſſen.
Vom Verband der heſſiſchen landwirtſchaftl.
Genoſſenſchaften wird uns geſchrieben: „Entgegen den
alarmierenden Preſſenotizen über ein Aufgeben der
Selbſt=
ſtändigkeit ſeitens unſerer Organiſation müſſen wir richtigſtellen,
daß dahingehende Vermutungen jeglicher Grundlage entbehren.
Auch wegen einer Sitzverlegung des Verbandes und der
Land=
wirtſchaftlichen Zentralgenoſſenſchaft von Darmſtadt nach
Frank=
furt ſind noch nicht einmal vorbereitende Schritte unternommen
worden. Sollte aber aus zwingenden Gründen ſich dies in
ab=
ſehbarer Zeit als notwendig erweiſen, ſo dürfte die durch die
Vereinheitlichung des Genoſſenſchaftsweſens im Rhein=Main=
Gebiet erzielte Vereinfachung der Verwaltung und der
geſchäft=
lichen Leitung nicht nur eine weſentliche Koſtenerſparnis, ſondern
auch eine Intenſivierung der genoſſenſchaftlichen Arbeit
brin=
gen. Damit wäre nicht zuletzt auch der heſſiſchen Landwirtſchaft,
die an der Geſamtorganiſation maßgebend beteiligt iſt, ein
poſitiver Dienſt erwieſen.”
F. Nieder=Beerbach, 14. Okt. 50 Jahre Spar= und
Dar=
lehnskaſſe. Die Spar= und Darlehnskaſſe Nieder=Beerbach (
Naiff=
eiſen=Verband) konnte im Auguſt d. J. auf ihr 50jähriges Beſtehen
zu=
rückblicken. Aus dieſem Anlaß hatte die Verwaltung der Kaſſe ihre
Mitglieder ſowie eine Anzahl Gäſte und Vertreter von Naiffeiſenſchen
Darlehnskaſſen aus der näheren und weiteren Umgebung am letzten
Samstag zu einer feſtlichen Veranſtaltung in den ſchön geſchmückten
Simmermacherſchen Saal eingeladen. Nach einer Begrüßungsanſprache
durch Beigeordneten Krämer=Frankenhauſen hielt Pfarrer Blum=
Gernsheim, der in letzter Stunde für den erkrankten Generalſeketär Dr.
Nohr eingeſprungen war, die Feſtrede. Er ſprach der Verwaltung der
Jubiläumskaſſe zunächſt namens des Raiffeiſen=Verbandes die
herzlich=
ſten Glückwünſche aus, dabei auf ihr ſegensreiches Wirken in den
ver=
floſſenen 50 Jahren hinweiſend. In anſchaulicher Weiſe ſchilderte
Ned=
ner, wie die zuerſt ſich nur langſam Bahn brechende Idee des
Begrün=
ders der ländlichen Spar= und Darlehnskaſſenvereine, Friedrich Wilhelm
Naiffeiſen, im Laufe der Zeit immer mehr Fuß gefaßt habe und
aner=
kannt worden ſei als der Weg zur Abhilfe der ländlichen Not,
nament=
lich der Kreditnot, und daß dieſe nur gefunden werden könne im
ge=
noſſenſchaftlichen Zuſamenſchluß. Redner gab ſeiner Freude Ausdruck,
im Nieder=Beerbacher Verein noch ſechs Gründer unter dem
Mitglieder=
beſtande zu wiſſen. Es ſind dies: 1. Karl Stein, 2. Georg Schneider,
3. Georg Heß 1. 4. Adam Merz, 5. Georg Plößer, 6. Bernhard Kraft,
Ihnen überreichte er die Raifeiſen=Nadel mit Worten herzlichen Dankes
für ihre Treue im Dienſte Raiffeiſenſcher Arbeit. Herr Schaf
über=
brachte der Jubiläums=Genoſſenſchaft die Glückwünſche des Bezirks=
Nevi=
ſionsverbandes und überreichte in deſſem Auftrage den Jubilaren
künſt=
leriſch ausgeführte Ehren=Urkunden. Namens der Jubilare dankte
Herr Kraft. Hierauf ſprach der Rechner der Kaſſe, Herr Plößer, über
die Entſtehung und Entwicklung der Kaſſe, ſchilderte insbeſondere die
ſchweren Erſchütterungen, denen ſie ab und zu und zuletzt durch die
In=
flation ausgeſetzt geweſen ſei, aber Dank der Treue der Mitglieder
über=
wpunden hätte. An den offiziellen Teil ſchloß ſich eine geſellige Feier an,
die Mitglieder und Gäſte bis in die frühen Morgenſtunden
zuſammen=
hielt. Die Nieder=Beerbagzer Kapelle Fertia ſtellte die Muſik, die der
Feier den Rahmen gab, während Vater Kraft=Frankenhauſen, dem man
ſeine 82 Lenze nicht anſieht, es meiſterhaft verſtand, durch Vortrag
eige=
ner Dichtungen der Feier die nötige humoriſtiſche Würze zu geben.
— Hirſchhorn, 14. Okt. Waſſerſtand des Neckars am
13. Oktober 0,48 Meter, am 14. Oktober 0,38 Meter.
— Gernsheim, 14. Okt. Waſſerſtand des Rheins am
13. Oktober —0,122 Meter, am 14. Oktober —1,23 Meter.
a. Offenbach, 14. Okt. Goldene Hochzeit. Am Samstag,
12. Oktober, konnten Kirchendiener Johann Ludwig Binkert und ſeine
Gattin das ſeltene Feſt der Goldenen Hochzeit feiern. Seit 1. Mai 1880
ſtand Herr Binkert im Dienſte der Kirche, zuerſt als Balgtreter, dann
bei Ausbruch des Weltkrieges vertretungsweiſe als Kirchendiener und
zuletzt als Kirchendiener der Stadtkirche. Bei der kirchlichen Feier in
der Stadtkirche ſprach Pfarrer Knodt über das Samuelwort: „Bis
hier=
her hat uns der Herr geholfen.”
Ck. Groß=Gerau, 14. Okt. Bürgerliche Einheitsliſte zu
den Kommunalwahlen. Die hieſigen bürgerlichen Parteien,
Deutſche Volkspartei, Zentrum, Bauernbund, Demokraten und der
Einzelhandelsverband, ſowie der Gewerkſchaftsbund der Angeſtellten
haben beſchloſſen, zu der Stadtratswahl am 17. November, wie ſchon bei
den letzten Kommunalwahlen, eine gemeinſame Kandidatenliſte
aufzu=
ſtellen. Die Nominierung der Kandidaten erfolgt in einter Verſammlung
von Mitgliedern aller genannten Organiſationen. Bei der
Zerſplitte=
rung der bürgerlichen Parteien iſt das die einzigſte Löſung, zum Erfolg
zu kommen. Der bürgerlichen Einheitsliſte wird nur noch eine Liſte der
Sozialdemokraten und eine ſolche der Kommuniſten gegenüberſtehen.
Die Wahlen zum Vertragsaustauſch bei dem
Ver=
ſicherungsamt Groß=Gerau. Nachdem beim
Verſicherungs=
amt nur je eine Vorſchlagsliſte der Aerzte= und Krankenkaſſenvertreter
zu den Wahlen zum Vertragsausſchuß bei dem Verſicherungsamt Groß=
Gerau eingereicht wurde und die Vorgeſchlagenen die Wahl angenommen
haben, gelten als gewählt: 1. Aerztevertreter: Mitglieber: Dr. Mißler=
Nüſſelsheim, Dr. Schad=Gros=Gerau, Dr. Bormet=Nauheim: 1.
Stell=
vertreter: Dr. Diehl=Biebesheim, Dr. Schad=Biſchofsheim, Dr. Keſſel=
Kelſterbach; 2. Stellvertreter: Dr. Ochs=Rüſſelsheim, Dr. Ritz=
Kelſter=
bach, Dr. Haas=Biſchofsheim. 2. Vertreter der Krankenkaſſen:
Mit=
glieder: Philipp Traiſer 8.=Rüſſelsheim. Peter Heus=Rüſſelsheim. Karl
Hoffmann=Mainz; 1. Stellvertreter: Jakob. Nold=Groß=Gerau, Anton
Aufleger=Kelſterbach, Ernſt Reuter=Rüſſelsheim, 2. Stellvertreter=
Wal=
ter Donat=Goddelau, Johann Hirſch=Büttelborn, Friedrich Wigand=
Mainz. — Theater im Dienſt der
Tuberkuloſebekämp=
fung. Das Landesverſicherungsamt veranſtaltet am Sonntag in der
Aula der Groß=Gerauer Realſchule mit Unterſtützung der Allgemeinen
Ortskrankenkaſſe Groß=Gerau und der Stadtverwaltung eine
Theater=
aufführung „Blaue Jungen‟. Das zur Aufführung gelangende
Schau=
ſpiel dient zur Aufklärung über die Tuberkuloſebekämpfung.
a. Offenbach, 13. Okt. „Bürgerliche
Arbeitsgemein=
ſchaft‟ Die Bildung einer bürgerlichen Einheitsliſte zur
Stadtrats=
wahl, die aus den verſchiedenen Wirtſchaftsgruppen und der Deutſchen
und Deutſchnationalen Volkspartei zuſammengeſtellt werden ſollte, iſt
an den zu hohen Forderungen der Detailliſten, des Handwerkskartells
und des Haus= und Grundbeſitzervereins, der ſeinen Geſchäftsführer
Weiſer nicht fallen laſſen wollte, geſcheitert. Die beiden genannten
Parteien haben nun doch einen gemeinſamen Wahlvorſchlag, der ſich
„Bürgerliche Arbeitsgemeinſchaft” nennt, herausgebracht, der auf die
einzelnen Wirtſchaftszweige weitgehend Rückſicht nimmr und deshalb
als die eigentliche bürgerliche Einigungsliſte anzuſehen iſt. Die zwölf
erſten Bewerber dieſes Wahlvorſchlags lauten: 1. Metzgermeiſter
Lud=
wig Becker, 2. Fabrikant Richard Heyne, 3. Rentner Johs. Keiſer,
4. Lehrer Joh. Georg Joſt. 5. Hausfrau Julie Heraeus, 6.
Bürger=
meiſter Karl Mosbach, 7 Tapezierermeiſter W. Mottſcheller, 8.
Hand=
lungsgehilfe Johannes Mathes, 9. Spenglermeiſter Georg Reuter,
10. Bauunternehmer Johanes Grundel, 11. Gaſtwirt Albert Schreiber
und 12. Fleiſchbeſchauer Ernſt Dahmer. Die Wählerkreiſe, die hinter
der ,Bürgerlichen Arbeitsgemeinſchaft” ſtehen, rechnen beſtimmt damit,
die elf Sitze, die bisher die Bürgerfraktion im Stadtrat inne hatte,
wieder zu erobern, da dieſer Einigungsliſte die Stimmung in der
Bür=
gerſchaft, ſo weit man dies im voraus feſtſtellen kann, außerordentlich
günſtig iſt. Demokraten und Zentrum haben es leider ſofort abgelehnt,
ſich an einer Einigungsliſte des Bürgertums zu beteiligen.
Kheinheſſen.
Ah. Worms a. Rh., 14. Okt. Abzug der Beſatzung.
Nach=
dem ſchon vor einiger Zeit die alten franzöſiſchen
Beſatzungsangehöri=
gen unſere Stadt verließen, rückte am Samstag ein Bataillon des
fran=
züſiſchen Regiments ab, das bei Pionsville bei Metz eine Garniſon
be=
zieht. Wie es heißt, ſoll in vier bis fünf Wochen ein weiteres Bataillon
unſere Stadt verlaſſen. Mit einer Rückgabe der Beſatzungswohnungen
kann man noch nicht rechnen, da den Angehörigen der Beſatzung die
Be=
nutzung der Räume auf die Dauer von zwei weiteren Monaten
ge=
ſtattet iſt.
Oberheſſen.
h. Alsfeld, 11. Okt. Unſer Stadtbild gewinnt immer
mehr durch die fortſchreitende Kanaliſation und die Neupflaſterung der
Straßen. Nachdem im Kern der Stadt die Kanaliſation und
Neupflaſte=
rung fertiggeſtellt iſt, iſt gegenwärtig der Roßmarkt, der Ludwigsplatz
und die Aliceſtraße in Arbeit genommen. Die Neupflaſterungen werden
in Kupferſchlacken=Pflaſterſteinen aus Eisleben hergeſtellt. Beſonders
ſehön wird der Ludwigsplatz vor dem Poſtneubau ausgeführt. Eine
ſchöne Raſenfläche mit Anlagen und Ruhebänken ſoll hier errichtet
werden.
(V.575
Oo
Sie ausdriicklich
Kordern
Achten Ste auf den Namen MAGGl und die gelb-pote Packung
[ ← ][ ][ → ]Seite 8
Dienstag, den 15. Oktober 1929
Nummer 286
Reich und Ausland.
Der Schuß ins Weltall — am 19. Oktober?
Profeſſor Oberty, der Theoretiker der Rakete,
ver=
folgt gemeinſam mit dem Filmregiſſeur ernſthaft die
Abſicht, eine Rakete in die Sphären zu ſchicken, um
genaue Studien für einen Raketenflug zu machen. Es
iſt den beiden endlich gelungen, vom
Reichsverkehrs=
miniſterium die Erlaubnis zu erlangen, einen erſten
Verſuch von der Greifswalder Oie zu unternehmen.
Die Greifswalder Oie iſt eine kleine Inſel öſtlich von
Rügen, ihr Leuchtturm mit dem Blinkfeuer iſt wohl
allen Rügen= und Uſedomfahrern gut bekannt. Die
Inſel iſt kaum bewohnt, außer dem ſtaatlichen
Leucht=
turmwärter wohnen nur ein paar Fiſcherfamilien
dort. Von hier aus will Profeſſor Oberth ſeine
Rakete in die Lüfte jagen, nachdem er der Erlaubnis
der Regierung ſicher iſt, geht er unverzüglich an die
vorbereitenden Arbeiten. Dazu mußte zunächſt ein
Schiff gechartert werden, damit eine Schar von
Zimmerleuten nach der Inſel gebracht werden konnte.
Dieſe beginnen jetzt mit der Herſtellung eines
bom=
benſicheren Unterſtandes, von dem aus der Flug der
Rakete beobachtet werden ſoll. Der Unterſtand muß
ſo ſicher angelegt ſein, damit bei etwaigen
Zwiſchen=
fällen keine Gefährdung der Beobachter eintritt. Die
Rakete wird etwas geneigt in nordöſtlicher Richtung
abzuſchießen ſein, hier ſwinkt die größte Waſſefläche
der Oſtſee. Und damit die Schiffahrt nicht gefährdet
wird, denkt die Regierung daran, für den Eritiſchen
Tag die Kreiſe der Reeder und Schiffseigner dawor
zu warnen, die Route um die Greifswalder Oie zu
wählen. — Der Start der Rakete ſoll am 19.
Ok=
tober nachmittags erfolgen, immer vorausgeſetzt, daß
bis dahin die Vorbereitungen abgeſchloſſen ſind und
das Wetter einigermaßen günſtig iſt. Von
Greifs=
wald aus wird ein Regierungsſchiff die Vertreter der
Regierung, der Wiſſenſchaft und der Preſſe nach der
Oie führen. Die Rakete wird zunächſt ohne
Meß=
inſtrumente abgeſchoſſen werden. Man will erſt
ein=
mal feſtſtellen, welche Höhe das 10 Meter lange
Ge=
ſchoß erreichen kann. Die Meſſung erfolgt auf
trigo=
nometriſchem Wege. Bei der zu erwartenden
Rauch=
eutwicklung aus dem Kopf der Rakete erſcheint die
Beobachtung mit Zielfernrohren wohl möglich.
Pro=
feſſor Oberth hat berechnet, daß mit dieſer Rakete die
reſpektable Höhe von 60—70 Kilometern zu erreichen
ſein müßte. Wenn der Verſuch gelingt, wird eine
zweite Meßrakete ins Weltall geſchoſſen werden.
Leipart auf der Avus verunglückt.
Ein ſchweres Automobilunglück ereignete ſich am
Montag morgen gegen 8,30 Uhr auf der Aousbahn.
Ein Privatwagen der „Bank für Arbeiter, Angeſtellte
und Beamte” geriet in einem Tempo von 70
Kilo=
meter auf den Mittelſtreifen, überſchlug ſich und
be=
grub den Chauffeur und die beiden Inſaſſen des
Wagens unter ſich. Lebensgefährlich verletzt wurde
der Miniſter a. D. und Vorſitzende des Allgemeinen
Deutſchen Gewerkſchaftsbundes, Theodor Leipart,
während der mitfahrende Geheimrat Bachem ebenfalls
ſchwere, doch nicht lebensgefährliche Verletzungen
er=
litt. Der Chauffeur erlitt eine Gehirnerſchüitterung.
Leipart hatte den Vorſitz des A. D. G.B., der größten
deutſchen Arbeitnehmerorganiſaion, nach dem Tode
von Karl Legien vor acht Fahren übernommen.
Ein abſchreckendes Urteil.
Koblenz. Der hieſige Kraftwagenführer, der
in der Nacht zum 17. Juni d. J., als er von einer
Vergnügungsfahrt mit mehreren andern Perſonen
zurüchkehrte, auf der Moſelweißerſtraße einen Mann
überfahren und getötet hatte, wurde vom hieſigen
Erweiterten Schöffengericht zu einem Jahr und ſechs
Mongten Gefängnis verurteilt und ſofort verhaftet.
Lieferungsſkandal bei einer Koblenzer
Reichsbahnſtelle.
Köln. Der Inhaber der vor kurzem
zuſammen=
gebrochenen Firma Toni Dunkel in Koblenz, die u. a.
für die Reichsbahn arbeitete, ſſowie mehrere
Reichs=
bahnbeamte ſind unter dem Verdacht unlauterer
Machenſchaften bei der Vergebung von Aufträgen der
Reichsbahn verhaftet worden. Gelegentlich des
Zu=
ſammenbruchs der Firma Dunkel (elektriſche Licht=
und Kraftanlagen) und der Eröffnung des Konkurſes
wurden durch den Konkursverwalter unter den
Ge=
ſchäftspapieren Aufzeichnungen entdeckt, welche den
Werdacht aufkommen ließen, daß eine Reihe von
Be=
amten des Maſchinenamtes Koblenz der Reichsbahn
ſich ſchwere Verfehlungen auf dem Gebiete des
Ver=
gebungsweſens ſchuldig gemacht haben. Die
gericht=
liche Vorunterſuchung iſt bereits eingeleitet und hat
zu den erwähnten Verhaftungen geführt. Die
Unter=
ſuchung iſt in vollem Gang. Es liegen jedoch
ab=
ſchließende Ergebniſſe noch nicht vor. Nur ſobiel kann
ſchon jetzt geſagt werden, daß die gerichtliche
Unter=
ſuchung ſich auf dem Gebiet der Amtsunterſchlagung
ſowie der aktiden und paſſiven Beſtechung bewegt.
Die Reichsbahnberwaltung wird, wie ſie bekannt gibt,
ihrerſeits alles tun, was geeignet iſt, die Tätigkeit
des Unterſuchungsrichters zu unterſtützen, damit eine
ſchleunige und reſtloſe Aufklärung herbeigeführt wird.
In der Notwehr erſchoſſen.
Erbſen (Kreis Uslar). Am Sonntag hat der
Rittergutspächter Klein ſeinen zwanzigjährigen
Schweizer erſchoſſen. Wie verlautet, ſoll Klein in
Notwehr gehandelt haben. Der Schweizer hat in
den Morgenſtunden ſämtliche Fenſterſcheiben
zer=
trümmert und ſoll dann ſeinen Dienſtherrn mit der
Miſtgabel bedroht haben. Die Staatsanwaltſchaft
hat die Ermittlungen aufgenommen.
Ein Dach, das der Stürm 50 Meter weit
ſchleuderte.
Vor der Welkaufführung der „Frau im Mond”
Eine Syntheſe aus Wiſſenſchaft und Utopie verſucht der neue Großflim der Ufa „Die Frau im
Mond”, der am 15. Oktober ſeine Welt=Uraufführung in Berlin erleben wird. Der Vorſtoß ins
Weltall, uraltes Sehnen der Menſchheit, nun vielleicht näher gerückt durch das neuentdeckte
Raketen=
prinzip, das iſt das Thema dieſes Films den Fritz Lang (Mitte) gedreht hat und deſſen
wiſſenſchaft=
liche Oberleitung der bekannte Raketenſachverſtändige Prof. Oberth (rechts) inne hatte.
R4
„90 4 weienter Wia daf ſeinen Amernantag dor.
Rieſenflugzeug „Do X‟
bei einem Probeflug über dem Bodenſee zur Vorbereitung ſeines Südamerikafluges, zu dem es noch
in dieſem Jahr ſtarten ſoll,
Das gekenterte Schiff „Haakon III.”,
bei deſſen Untergang an der norwegiſchen Weſtküſte 40 Paſſagiere den Tod fanden.
(Funkbild, über Kopenhagen geſendet.)
Verhaftung zweier Falſchmünzer.
Trier. Wegen Falſchmünzerei iſt hier ein
Maurer berhaftet worden, der über eine Eomplett
ein=
gerichtete Werkſtatt zur Herſtellung falſcher
Silber=
münzen verfügte. Er ſwar ſchon am Freitag in einer
Wirtſchaft bei der Ausgabe falſcher Fünfmarkſtücke
er=
wiſcht worden, hatte aber ſich noch rechtzeitig
ge=
flüchtet. In der Nacht zum Samstag wurde dann
ſein Unterſchlupf entdeckt. Bei ſeiner Vernehmung
gab er den Namen eines Mittäters an, der zurzeit
in Großbeeren bei Berlin ſich aufhielt. Auf
tele=
graphiſche Nachricht dorthin iſt auch er verhaftet
wor=
den. Die beiden haben die Herſtellung von Falſchgeld
bereits ſeit Auguſt d. J. betrieben.
Großer Geſchäftseinbruch in Dresden.
Dresden. In der Nacht zum Montag drangen
Einbrecher mit Nachſchlüſſeln in die im zweiten Stock
gelegenen Geſchäftsräume einer Firma in der
in=
neren Stadt ein, öffneten einen Geldſchrank und
ſtahlen etwa 80 Dollar, 180 tſchechiſche Kronen und
einen Betrag in deutſchem Gelde. Hierauf arbeiteten
ſie ſich durch den Fußboden in die darunter liegenden
Lagerräume einer anderen Firma, wo ſie für etwa
hunderttauſend Mart Seidenſtoffe erbeuteten. Die
Beute wurde auf einen unten wartenden Kraftwagen
verladen. Die Täter ſind unerkannt entkommen.
Eine fliegende Jacht für einen amerikaniſchen
Millionär.
Berlin. Der als Rennbootfahrer bekannte
amerikaniſche Millionär Carfield Wood aus Detroit,
der kürzlich mit ſeinem Rennboot „Miß America” in
Venedig verunglückte, hat bei den Dornierwverken in
Friedrichshafen eine Privat=Luftjacht in Auftrag
ge=
geben. Bei dem nach eigenen Angaben und
Wün=
ſchen Woods zu konſtruierenden Flugboot handelt
es ſich um ein Ganzmetallflugboot mit bier
amerika=
niſchen Motoren zu 500 Pferdeſtärken, das aus dem
amerikaniſchen Leichtmetall Alclad hergeſtellt werden
ſoll. Das Flugboot, das eine Spannweite von
31 Metern und eine Länge von 25 Metern haben
wird, wird mit zwei Decks gebaut, ſo daß die
Be=
ſatzung über dem Hauptdeck unabhängig von den
Paſſagierräumen untergebracht werden kann. Die
durchſchnittliche Reiſegeſchwindigkeit wird 180
Stun=
denkilometer, die Höchſtgeſchwindigkeit etwa 220
Stun=
denk’lometer betragen. Das Boot, das eigentlich für
27 Perſonen Raum bietet, ſoll nur für fünf Perſonen
eingerichtet werden. Es enthält außer einer
elek=
triſchen Küche mit Eisſchrank und beſonderer
Kühl=
vorrichtung einen Gäſteſalon und Wohnraum,
Schlafräume mit Bade= und Brauſeeinrichtungen.
Herr Wood, der die Maſchine ſelbſt fliegen ſuird,
er=
klärte, daß er dieſes Modell nicht für geſchäftliche
Zwecke, ſondern lediglich für ſeinen privaten Gebrauch
haben wolle.
„R101” fliegk zum erfkenmal
Beſuch über London.
Lange genug hat dieſes engliſche Rieſenluftſchiff
auf ſeine Fertigſtellung gewartet, ſo daß die
eng=
liſche Oeffentlichkeit ſchon unruhig zu werden
be=
gann. Die engliſche Regierung ließ ſich aber durch
alle Angriffe nicht aus ihrem Schweigen herauslocken.
Am Montag war nun endlich der große Tag
gekom=
men. Eine große Zuſchauermenge war bereits zum
Wochenende nach Cartingtown hinausgewandert, wo
„R 101” am Ankermaſt lag. Pünklich zur feſtgeſetzten
Zeit erhob ſich das Luftſchiff, das äußerlich ſchon von
„Graf Zeppelin” abweicht. Seine Form iſt
gedrun=
gen, weil das Luftſchiff nicht ſo lang wie „Graf
Zep=
pelin”, aber im Durchſchnitt umfangreicher iſt. Zudem
iſt die Gondel nur ein kleiner Punkt an dem
Luft=
ſchiff, weil die Räume für die Paſſagiere und die
Mannſchaft ſich im Innern des Luftſchiffes befinden.
Recht eigenartig und abſonderlich für uns wwirkt auch
die große Stabiliſierungsfläche und das ſehr groß
gehaltene Steuerruder. Rein techniſch finden ſich
noch einige ſonſtige Abweichungen von dem deutſchen
Luftſchifftyp. So kann nur ein Motor für den
Rück=
wärtsgang des Luftſchiffes benutzt werden. Die
Mo=
tore werden mit Schweröl betrieben. Das hat den
Vorteil, daß die Exploſionsgefahr herabgemindert,
aber die tote Laſt beudeutend vermehrt wird.
Un=
gleich größer ſind aber die Räume für die Paſſagiere
und die Mannſchaften, und es fehlt auch kein
Kom=
fort. In dieſer Beziehung haben die Engländer
lobenswerte Arbeit geleiſtet.
„R 101” nahm Kurs auf London, wo ſich dann die
von den Zeppelinflügen bei uns bekannten Szenen
auf Straßen und Dächern abſpielten. Die
Bevölke=
rung begrüßte den langſam und ziemlich tief
fliegen=
den Rieſenballon mit großer Begeiſterung. Am ſpäten
Nachmittag traf das Luftſchiff wieder im Hafen ein,
wo Major Scott, der Führer, von den
Preſſeber=
tretern mit Fragen beſtürmt wurde. Er gab auf alles
nur die Antwort, es ſei beſſer gegangen als man
er=
wartet habe. Natürlich könnten auf einer erſten
Probefahrt keine Höchſtleiſtungen erzielt werden.
Schon heute aber habe er eine Mavſchgeſchwindigkeit
von 90 Stundenkilometern erreicht und
durchgehalten. Auch die Steuerung habe hervorragend
funktioniert. Von den Paſſagieren wurde erklärt,
daß der Lärm der Motore im Innern des Luftſchiffes
kaum zu hören ſei.
Die Unterſuchung im Falle Neumann.
Der abgebrochene Dietrich.
Breslau. In der Breslauer Mordaffäre Roſen
iſt durch die Aufklärungsarbeit zweier Berliner
Kom=
miſſare bekanntlich die ehemalige Wirtſchafterin des
Profeſſors Roſen ſo ſchwer belaſtet worden, daß ſie
erneut berhaftet wurde. Die Beamten hatten an die
Oeffentlichkeit um Unterſtützung appelliert und u. a.
beſonderes Gewicht auf Ermittlungen bezüglich eines
Dietrichs gelegt, der nach dem Mordtage an der
Kellertüir der Villa des Profeſſors Roſen aufgefunden
wurde, und zwar gerbrochen. Anſcheinend ſollte durch
dieſen Dietrich der Verſuch eines Einbruches
vorge=
täuſcht werden. Darauſhin hat ſich ein Waffenhändler
gemeldet und angegeben, daß vor einigen Jahren eine
ältere Frau in ſeiner Werkſtatt erſchienen ſei und ſich
die Handhabung einer Piſtole habe erklären laſſen.
Sie hat bei dieſem Beſuch außerdem, wie die „
Bres=
lauer Neueſten Nachrichten” melden, einen Dietrich
abbrechen laſſen, was natürlich aufgefallen ſei. Da
von dem Werkſtätteninhober angenommen wurde,
daß ſpäter einmal dieſer Dietrich eine beſondere
Rolle ſpielen könnte, ſo ſwurde an dem Bruchſtück
ein Ekleines Zeichen mit einer Feile angebracht. Dieſes
Zeichen iſt tatſächlich an dem Dietrich, der in der
Villa des Profeſſors Roſen gefunden wurde,
feſtge=
ſtellt worden. Bei einer Gegenüberſtellung Frau
Neumanns mit dem Büchſenmeiſter und deſſen
So=
zius, der damals auch zugegen war, erklärten dieſe,
daß ſie zwar angeſichts des vierjährigen Zeitraums
nicht beſchwören könnten, daß die damalige Kundin
und Frau Neumann ein und dieſelbe Perſon ſeien,
aber mach ihrer Erinnerung liege beſtimmt eine
Per=
ſonengleichheit vor. Frau Neumann beſtreitet, in
dem Geſchäft der genannten Zeugen geweſen zu ſein.
Rettung Schiffbrüchiger.
Die Rettungsſtation Büſum der Deutſchen
Geſell=
ſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet: Am
10. Oktober von dem Ewer „Lidonie”, Schiffer
Hell=
wege, geſtrandet auf Tertiusſand, mit Steinen und
Loren von Neuland bei Wiſchhafen nach Föhr
be=
ſtimmt, 2 Perſonen durch das Motorrettungsboot
„Theodor Gruner” der Station gerettet.
Ein zwölfjähriger Löwenjäger.
London. Wie „Morning Poſt” aus
Johannes=
burg meldet, hat ein zwölfjähriger Knabe, der in
der Nähe von Lorenzo Marquez Vieh hütete, mit
Bogen und Pfeil eine Löwin erlegt. Das Tier war
plötzlich aus einem Buſch herausgeſprungen und hatte
ſich auf einen Ochſen geſtürzt. Der Knabe ſchoß auf
die Löwin einen Pfeil ab, der ihr in den Bauch
drang. Durch die Bewegungen des gereizten Tieres
wurde der Pfeil tiefer in die Wunde hineingedrückt.
Der Knabe näherte ſich unerſchrocken der Beſtie und
ſchoß ihr einen zweiten Pfeil ins Auge, der ſie
tötete.
Schweres Straßenbahn=Unglück. 5 Tote,
40 Schwerverletzte.
EP Mailand. Auf der von einer
Privat=
geſellſchaft betriebenen Straßenbahnſtrecke
Mor=
tara-Lomello in der Provinz Pavia ereignete
ſich geſtern morgen durch den Zuſammenſtoß
zweier Züge ein ſchweres Unglück. Da die Strecke
einſpurig iſt, ſollten ſich die Züge bei der
Ge=
meinde Gambolo kreuzen. Dieſe Anordnung
wurde diesmal von dem einen Zugführer nicht
beachtet. Er wollte erſt in der nächſten Gemeinde
den Zug abwarten. Kaum war der Zug aber
auf offener Strecke, ſo ſtieß er mit dem
entgegen=
fahrenden Zug zuſammen. Der Anprall war ſo
heftig, daß ſämtliche Wagen zertrümmert
wur=
den. Der nach Vigevano fahrende Zug war von
Paſſagieren, die zur dortigen Meſſe fahren
woll=
ten, vollgepfropft. Die Zahl der Verletzten iſt
daher außerordentlich hoch. An der Unglücksſtelle
ſelbſt konnten drei Leichen geborgen werden.
Zwei weitere Perſonen ſind bei der
Ueberfüh=
rung ins Spital geſtorben. Bei der erſten
Unter=
ſuchung der zertrümmerten Wagen wurden 40
Schwerverletzte und 11 Leichtverletzte feſtgeſtellt.
Schweres Automobilunglück.
Mailand. In der Nacht zum Sonntag fuhr
in der Nähe von Mailand ein mit ſechs jungen
Leu=
ten beſetztes Automobil in eine Straßenabſperrung
hinein. Drei Inſaſſen wurden auf der Stelle
ge=
tötet, die anderen drei ſchwer verletzt.
2
G
C
Diens ag, den 15. Oktober 1929
Seite 9
Forſchungsreiſende als Lokomotivführer
Abenkener auf der Lokemokive
im innerſten Afrikg.
„Fou are enginedriver?‟ — „Tes, we are!" Mit dieſer
Antwort, die wir dem Chefingenieur auf ſeine Frage gaben,
waren wir als Lokomotivführer angeſtellt. In der Nacht ließen
wir uns ron einigen Negern und dem Loco=Forman die
Hand=
griffe beibringen: Bremſe, Exhauſtor, Waſſerzuleitung, Excenter,
Waſſerſtandsglas.
Der Güterzug iſt pünktlich zurückgekommen. Anfangs war
es ja ein biſchen unbehaglich, wie der Zug ſo durch den Buſch
und Urwald ſtampfte, und von der Landſchaft habe ich ſo gut
wie gar nichts geſehen — immer nur das Waſſerſtandsglas,
Manometer und das ſchimmernde Schienenpaar. Aber
allmäh=
lich gewöhnte man ſich dran.
Nach vierzehn Tagen hatten wir ſchon ganz das Anſehen
öligſchmieriger Lokomotivführer angenommen. Immer der
gleiche eintönige Dienſt. Von Sonnenaufgang bis ſpät nach
Sonnenuntergang auf der Maſchine. Tagsüber ſtinfzig ſis
ſechzig Grad Hitze, nachts bis vier Grad Kälte. Wir arbeiteten
durchſchnittlich hundert Stunden pro Woche. Alle wir Wochen
war Sonntags frei. Die Gehälter fingen mit vierzig Pfund
an und ſtiegen je nach Leiſtung.
Eines Tages waren wir, weil der letzte Wagen aus dem
Gleis geſprungen war und es erſt mit vereinten Kräften von
hundert Eingeborenen gelungen war, den Wagen wieder auf die
Schienen zu ſchieben, erſt ſpät nach Mitternacht zur Rückfahrt
bereit. Die Höchſtfahrgeſchwindigkeit wurde nachts nicht
einge=
halten. Alſo, ich jagte los. Am Sawindſchila mußte Waſſer
genommen werden; dort ſtand ein Tank. Aber als wir ankamen,
war der Tank leer. Er mußte leck geworden ſein; denn am
Boden ſtanden lehmige Pfützen und Waſſerlachen. Ich kroch auf
den Tank. Vielleicht hatte auch einer aus Bosheit den Hahn
aufgedreht. Jedenfalls mußte ich zur Pumpe herunter und dieſe
in Betrieb ſetzen laſſen. Die Maſchine mußte zunächſt liegen
bleiben; denn bis zur nächſten Tankſtelle reichte es auf keinen
Fall mehr.
Ich nahm meine Signallampe in die Hand, drehte die Scheibe
auf rot und ſtieg zum Fluß hinunter. Da ſtand im Schein des
roten Lichts ein Gepard, — wie im Zirkus, mußte ich
augen=
blicklich denken. Er rührte ſich nicht; ich drehte die grüne Scheibe
vor, da wirkte er geſpenſtiſch. Erſt als ich die Lampe hin und
her ſchwenkte, trollte er ſich ſeitwärts in die Büſche.
Oben am Tank legte ich mich auf die Schienen im vorderſten
Wagen und ſchlief kurze Zeit. Mir war noch heiß vom Stehen
im Führerſtand her, ſo daß ich außer den Schuhen nur die
Khakihoſe und mein offenes Hemd anhatte. Als ich aufwachte,
war um mich herum ein kriſtalliſches Glitzern, und wie ich
nach=
ſah, war es Eis. Das Waſſer in den Pfützen war gefroren.
Mir klapperten die Zähne und eine Gänſehaut nach der anderen
lief mir über den Körper, als ich jetzt ganz ſchlaftrunken meine
rote Laterne wieder holte, die ich ans Zugende geſtellt hatte. Ich
war ganz ſteif geforen und entſetzlich müde.
Acht Tage ſpäter erfolgte das Eiſenbahnunglück bei km 892.
An der Lokomotive meines Bruders, die den ſchönen Namen
„Carlotta” führte, war mittags ein Cylinderdefekt entſtanden.
Bei dem Lager am Sawindſchila erhielt ich die telephoniſche
Order, mit großer Beſchleunigung zurückzufahren und „Carlotta”
heimzuziehen. Bei km 897 hatte ich noch im Führerſtand eine
Taſſe Kaffee getrunken, die mir mein Hausboy an den Zug
ge=
bracht hatte, und war nach einem Aufenthalt von fünf Minuten
weitergefahren.
Volldampf! „Carlotta” ſollte bei Em 922 ſtehen, alſo konnte
ich mit größter Geſchwindigkeit fahren. Plötzlich höre ich in der
tiefen Hohlſchlucht bei km 892 ein Ziſchen, als ſei eine Maſchine
vor mir. Und wie wir um die ſcharfe Kurve herum ſind, ſehe
ich kaum zweihundert Meter vor mir einen Zug heranraſen.
Die Bahn in Afrika iſt eingleiſig. Das Entſetzen, das meine
Glieder lähmte, währte nur eine Sekunde, ich ſah die Kaffern
abſpringen, riß den Bremshebel herum und ſprang hinunter.
Ich rutſchte eine Böſchung hinab, überkugelte mich einige Male
und vernahm im ſelben Augenblick die ungeheure Detonation.
Die Lokomotiven waren buchſtäblich ineinandergefahren,
beide Keſſel waren geplatzt, und eine rieſige Feuergarbe ſchoß
gen Himmel. Einige Schienenſtücke ſtanden aufrecht wie
Weg=
weiſer, andere waren wie Spiralen gedreht und Dutzende von
Schwellen glatt durchſchnitten. Mein Bruder hatte genau ſo das
Ziſchen gehört, plötzlich die Maſchine heranbrauſen ſehen, den
Hebel herumgeriſſen und war auch abgeſprungen. Er lag im
Graben und machte ſich gerade langſam auf die Beine, als ich
herankam. Man muß es als ein Wunder bezeichnen, daß keiner
von den zehn Eingeborenen, die jeder Maſchine als Heizer
bei=
gegeben ſind, und von uns beiden getötet oder auch nur verletzt
wurde. Die Maſchine meines Bruders war zeitiger wieder flott
geworden, ſie „hinkte” mit einer Pleuelſtange auf Anordnung
des Streckeningenieurs zurück. Dieſer Gegenbefehl war mir
nicht ausgerichtet worden. Wer der Schuldige nun eigentlich
war, hat ſich nie feſtſtellen laſſen.
*) Der vorſtehende Beitrag iſt ein Abſchnitt aus dem ſoeben
erſchie=
nenen ſpannenden Buch Afrikaniſche Abenteuer. Auf der Walze durch
Urwald, Sumpf und Steppe” von Willem Jaspert (Wilhelm Köhler
Verlag, Minden in Weſtf. Preis in Ganzleinen gebunden 5,50 RM.)
Es ſchildert die abenteuerlichen Erlebniſſe einer Forſchungsreiſe durch
ganz Portugieſiſch=Angola, die der Verfaſſer in den Jahren 1926—27
mit ſeinem Bruder, auf einem Teil des Weges begleitet von ſeiner
Frau und ſeinem einjährigen Kinde, unternahm. Die Mittel zur
Durchführung der Expedition mußten an Ort und Stelle in den
ver=
ſchiedenſten Berufen erarbeitet werden. Der vorſtehende Abſchnitt
zeigt den Verfaſſer als Lokomotivführer im innerſten Afrika.
Einmal in Munhango. Wir hatten bei einer befreundeten
deutſchen Familie Kaffee getrunken. Der Mann war
Oeſter=
reicher und ein patenter Kerl. Erſt war er in Braſilien geweſen,
hatte in den Kühlräumen des Schlachthofes in Rio de Janeiro
gearbeitet, während ſeine Frau — damals noch als
Braut=
ein Kinderhoſpital in der gleichen Stadt leitete. Sie hatten einen
prächtigen Jungen namens Jürgen, der mit ſeinen fünf Jahren
ein vollendeter Kavalier war, ſechs Sprachen ſprach und mit
ſeinem blonden Pagenkopf der Liebling ſämtlicher Bahnleute war.
An einem Abend hatten ſie uns zum Tanz in ihrem Hauſe
in Munhango eingeladen. Während wir drinnen bei den
Klän=
gen eiges Grammophons tanzen, geht der Hausherr mit dem
Wincheſter=Gewehr bewaffnet vor die Tür, um einmal
nachzu=
ſehen, ob vielleicht ein Bock in die Falle geraten iſt, die er vor
dem Schafſtall aufgeſtellt hatte. Ein Sprung, und ein Leopard
ſteht vor ihm, die Hintertatze klemmt in dem Schlageiſen, aber
den ſchweren Anker hat er glatt losgeriſſen. Das Wincheſter=
Ge=
wehr kann hier keinen Dienſt leiſten. Schon ſpringt ihm der
Leopard an den Hals. Im letzten Augenblick hält ihm der
Oeſterreicher den Gewehrkolben entgegen, den der Leopard faſt
durchbeißt. Dan krallt das Tier ſich in die Schultern ſeines
Opfers.
Er war ſicher ein hünenhafter Kerl, der Oeſterreicher, aber
das iſt doch, glaube ich, bisher noch nicht vorgekommen, daß
ein Menſch mit ſeinen Händen einen Leoparden erwürgt. Und
doch, ſo war es; er preßte ihm ſolange die beiden Daumen auf
die Kehle, bis der Leopard zu röcheln aufhörte und leblos zu
Boden fiel. Der Oeſterreicher ging dann durch die Hintertür
ins Haus, machte ſich ſelbſt einen Verband und kehrte dann
lachend zur Tanzgeſellſchaft zurück: „Ich habe draußen einem
Leopaiden die Luft abgeſtellt.”
Ich fuhr heute die Maſchine nicht ſelbſt. Der Engländer
kletterte in den Führerſtand, ich kontrollierte die „Fahrkarten”
der Eingeborenen auf dem letzten Güterwagen und nahm dann
auf dem vorletzten Platz. Der Zug zog an. Plötzlich ein
gräß=
licher Schrei. Grau vor Entſetzen und zitternd deuteten die
Schwarzen nach dem Wald. Ich konnte nichts ſehen. Was war
geſchehen? Ein Löwe war aus dem Dickicht unmittelbar neben
der Station auf den letzten Wagen geſprungen und hatte einen
Neger vom fahrenden Zug geholt und abgeſchleppt. Däs ganze
muß das Werk einiger Sekunden geweſen ſein. Ich hatte ihn weder
gehört noch geſehen, ich hatte mit der roten Flagge das Zeichen
gegeben ...
Tagebucheintragung: „Wo geſtern noch die ſchöne Brücke
über den Cu ha war, die der deutſche Zimmermann gebaut hat,
iſt heute nichts mehr. Die Waſſerfluten haben ſie weggeſpült.
Ich mußte den Zug am Ufer ſtehen laſſen und werde mich eine
Zeitlang mit bein: Brückenbau beſchäftigen müſſen.”
Die Kaffern machten mich auf eine eingezäunte Stelle neben
dem Bahngleis aufmerkſam. Auf den hineingeſteckten Stäben
tanzten leere Flaſchen: das Grab eines Eingeborenen, der hier
verunglückte ..."
Seltſam, wie dieſer Mandeviela, der Oberheizer auf meiner
Maſchine, vom Schickſal verfolgt wurde. Erſt verlor er einen
Finger beim Legen eines Hemmſchuhs, dann brannte ihm ſeine
Hütte nieder, dann ging ihm ſeine Frau mit ſämtlichen Sachen
und einem fremden Kaffern durch, bei einem Zuſammenſtoß erlitt
er einen Nerverchock und dann? — Vom Lungue=Bungue herauf
zog ein Steppenbrand zur Waſſerſcheide Caſſai=Zambefi, die wir
hier auf einer Höhe von achtzehnhundert Metern überſteigen.
Der Brand bricht an der Bahnlichtung zuſammen. In dem
Augenblick aber, als die Lokomotive vorbeifährt, ſchlägt ein
mannesdicker Baum, der wohl unten von dem Feuer angefreſſen
war, zwiſchen Führerſtand und Tender und trifft Mandeviela,
der auf der Stelle tot iſt.
Drei Tage lang hörten wir nun ſchon die monotone
Toten=
klage, das dumpfe Trommeln, das Schreien und Tanzen der
Weiber, das jeden Schlaf in der Nacht vertreibt. Und am Abend
des vierten Tages, kurz vor Sonnenuntergang fand die
Beerdi=
gung ſtatt. In Tücher, Bqumbaſt und Fetzen eingerollt wurde
Mandevicla, von dem keiner von den Kaffern mehr weiß oder
wiſſen will, daß er Mandeviela heißt, mit dem Kopf nach Weſten
in ein Grab gelegt. Das Grab wird verſchloſſen, und
Mande=
vielck iſt vergeſſen.
Der gleiche Tag forderte noch ein zweites Opfer: der
Zug=
führer Antonio iſt am Schwarzwaſſerfieber geſtorben. Vorgeſtern
haben wir mit ihm geſprochen; er hatte Malaria und hat wohl
bei ſteigendem Fieber Chinin gegeſſen. Der Gefahr, die hiermit
verbunden iſt, wird in den meiſten Handbüchern für die Tropen
viel zu wenig Beachtung geſchenkt. Wir haben, um dem faſt
immer tödlichen Schwarzwaſſerfieber zu entgehen, zuletzt
über=
haupt kein Chinin mehr eingenommen, höchſtens, daß wir
pro=
phylaktiſch in fieberfreien Pauſen eine Injektion mit Chinin
ge=
macht haben. Wie viele Weiße, die wir kannten, ſind an dieſer
furchtbaren Krankheit geſtorben. Das erſte Anzeichen ſind
blutig=
rote Ausſcheidungen, dann heißt es trinken, trinken, am beſten
leichten Tee oder Fruchtwaſſer, damit die Nieren arbeiten.
Plötz=
lich verſagt die Urinabſonderung. Das bedeutet unmittelbare
Todesgefahr und in neunundneunzig von hundert Fällen ſind
die Betroffenen innerhalb von zwei bis drei Stunden tot.
Gegen Schwarzwaſſerfieber hat die europäiſche Medizin
bis=
her kein Mittel. Der Medizinmann weiß ein. Es iſt eine
furcht=
bar bitter ſchmeckende Mutondawurzel, die friſch gegraben in
Waſſer aufgekocht wird. Der wie Galle ſchmeckende Abſud muß
in Rieſenquantitäten getrunken werden. Und es iſt eine
un=
zweifelhafte Tatſache, daß alle, die den Trank des
Medizin=
mannes genommen haben, gerettet wurden. Eine abergläubiſche
Scheu hat mich davon abgehalten, mir von einem Neger die
Wurzel beſchaffen zu laſſen. Schwarzwaſſerfieber war das
ein=
zige, wovor wir alle in Afrika eine entſetzliche Angſt hatten.
Bundeskag des Reichsbundes der
Kommunal=
beamken in Mannheim.
Mannheim, 14. Oktober.
Am 12. Oktober begann in Mannheim der diesjährige
ordent=
liche Bundestag des beinahe 200 000 Mitglieder umfaſſenden
Reichsbundes der Kommunalbeamten und =
an=
geſtellten Deutſchlands. In ſeiner Begrüßungsanſprache
ging der Vorſitzende des Reichsbundes, Magiſtratsrat Gu
ſchmidt=Berlin, u. a. auch auf die jetzt die Oeffentlichkeit in
erſter Linie beſchäftigende Frage des Volksbegehrens ein.
Er ſagte dazu, es müſſe dem deutſchen Volke Schaden daraus
er=
wachſen, zumal nicht zu überſehen ſei, ob nicht möglicherweiſe jede
Handlung der Regierung unmöglich gemacht werde, ſelbſt wenn ſie
eine Verbeſſerung der nun einmal beſtehenden Verträge
herbei=
führen würde. Die Beamtenſchaft ſehe ihre ſtaatspolitiſche
Auf=
gabe aus innerlicher und ethiſcher Einſtellung nicht zuletzt mit
darin, das deutſche Volk vor Schaden und Nachteil zu bewahren
und die Gegenſätze zu überbrücken, und das allein muß genügen,
um der Beamtenſchaft den einzig richtigen Weg zu weiſen, den ſie
in dieſen Fällen, zu gehen hat, nämlich: ſich vom
Volks=
begehren fernzuhalten.
Der Bundestag nahm nach den Begrüßungsanſprachen ſofort
die Verhandlung des Hauptpunktes der Tagesordnung. „Das
kommunale Berufsbeamtenproblem” vor. Der Bun=
(e
desdirektor, Stadtrat a.
Ehrmann=Berlin, führte dazu
etwa folgendes aus: Bei den Gemeinden müſſe man von einer
Verdrängung der Berufsbeamten durch Angeſtellte und von einer
gegenwärtigen ernſten Gefahr für das Berufsbeamtentum ſprechen,
wie ſie nirgendwo ſonſt vorliege. Es ſei in weitem Ausmaß
ziem=
lich hemmungsloſer kalter Abbau des Inſtituts des
Berufsbeam=
tentums. Und alle Sympathieverſicherungen können die Sorge
darüber nicht bannen. Darum verlangten die Organiſationen ſeit
Jahrzehnten nach einer ſtaatsrechtlichen Bindung der Gemeinden
dahingehend, daß für dauernd notwendige Dienſte bei Erfüllung
öffentlicher Aufgaben Berufsbeamte anzuſtellen ſeien. Die
deut=
ſchen Kommunalbeamten und =angeſtellten verlangten,
entſpre=
chend dem Inhalt und Sinn der Reichsverfaſſung,
reichseinheit=
liche Regelung aller weſentlichen Grundlagen des Beamtenrechts,
inſonderheit auch geſetzliche Sicherung der Unkündbarkeit und einer
angemeſſenen Beſoldung.
In der Ausſprache nahmen die Herren Schick=Düſſeldorf,
Holzmann=München, Reck=Offenbach. Nuding=Stuttgart,
Böhringer=Karlsruhe und Götze=Weimar noch eingehend
zu dieſer Frage Stellung und zeigten dabei in durchweg energiſch
Dann machte der Vorſitzende einige ergänzende
Bemer=
kungen zu dem gedruckt vorliegenden Geſchäftsbericht. Er
ging dabei u. a. auch auf den Fall Sklarek ein.
Nach einem Referat des Geſchäftsführers des Reichsbundes,
Meurer=Berlin, über „Zehn Jahre deutſcher und außerdeutſcher
Beamtenbewegung” folgte nach einer kurzen Ausſprache
Bundes=
direktor Schubert=Dresden mit einem Referat über den
Über=
tritt von Beamten in den Reichsdienſt aus Anlaß der
Steuerver=
einheitlichung. Bundesdirektor Schubert proteſtierte darin gegen
den Verſuch des Reichsfinanzminiſteriums, durch dieſen Entwurf
die in der Verfaſſung verankerten Grundrechte der Beamten zu
erſchüttern.
Nach Entgegennahme des Kaſſenberichtes und Annahme
des Haushaltplanes wurde die Neuwahl des Vorſtandes
vorgenommen. Zum 1. Vorſitzenden wurde Magiſtratsrat
Gut=
ſchmidt=Berlin einſtimmig wiedergewählt. 2. Vorſitzender wurde
Direktor Holzmann=München, 3. Vorſitzender Bürodirektor
Boettger=Dresden, Rechnungsführer Rechnungsdir. Garbe=
Elberfeld
Am Sonntag dem 13. Oktober 1929, ſprach der badiſche
Mini=
ſter des Innern Dr. Remmele über „Reichsreform und
Selbſt=
verwaltung‟. Er führt u. a. aus: Die Erlöſung aus aller
Finanz=
not und Duplizität der Verwaltungsarbeit kann weder, wie manche
Kommunalpolitiker glauben, von einer Reichsgemeindeordnung
kommen, noch kann die Durchführung der Verwaltungsreformen,
wie die Erfahrung zeigt. Sache der Länder ſein. In den
Länder=
parlamenten ſtehen die bezirklichen Intereſſen zu ſehr einer
Ver=
einfachung der Staatsverwaltung und einer Verminderung
ſtaat=
licher Bezirksbehörden entgegen. Aber auch durch
Reichsgeſetz=
gebung läßt ſich nicht glatt über alle Hemmniſſe und
Schwierig=
keiten hinwegkommen. Nur eine Verſtändigung unter den
poli=
tiſchen Kräften im Reich, in den Ländern und Gemeinden kann
das große Werk zum guten Ende führen. Das Problem, das der
heitsſtaat nur möglich ſei, wenn das Reich ſich im weſentlichen
auf die Initiative beſchränkt und Verwaltung nur inſoweit
aus=
übt, als es ſich um hohe und höchſte Reichsaufgaben handelt. Einig
iſt man über die Schaffung einer Rechtsgleichheit und
Freizügig=
keit, ſowie eines einheitlichen Verwaltungsverfahrens.
Es folgte ein Vortrag des Bundesdirektors des Deutſchen
Beamtenbundes Lenz über „Die Zukunft des
Berufsbeamten=
tums” am Sonntag, dem 13. Oktober.
Geſchäfliches.
Das Problem des Haarwuchſes und der Haarpflege
iſt eingehend in dem Büchlein „Die Erhaltung und Wiedergewinnung
unſeres Kopfhaares” behandelt.
Es werden darin die Erfolge prominenter Mediziner, insbeſondere
Univerſitäts=Profeſſor Dr. med. Pollands uſw. beſchrieben, die mit der
„Silvikrin=Haarkur komplett” ſelbſt bei eingetretener Erkahlung erzielt
werden konnten. Einen breiten Raum nimmt auch die Haarpflege ein,
die, richtig ausgeübt, es nicht zum Haarſchwund kommen läßt.
Das genannte Büchlein und eine Probe Silvikrin=Shompoon
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(TV 15946
Wekkerbericht.
Das Hochdruckgebiet im Südweſten, deſſen Kern ſich geſtern mit über
Süddeutſchland erſtreckte, hat ſich weiter ausgedehnt ſowie gekräftigt
und iſt mehr oſtwärts nach Zentraleuropa gewandert. Infolgedeſſen
ge=
wann die neue atlantiſche Störung, die eine abermalige
Wetterver=
ſchlechterung in Ausſicht ſtellte, keinen Einfluß auf unſere Wetterlage,
da ſie in höheren Breiten vorüberzog und mit ihrem Kern über
Skan=
dinavien lagert. Bei uns macht ſich zunächſt der Einfluß hohen Druckes
geltend, fo daß ruhiges, trockenes Wetter herrſcht und mehr
Aufheite=
rung eintritt. Wenn auch während der vielfach klaren Nacht infolge
Ausſtrahlung die Temperaturen zurückgehen, ſo herrſcht doch tagsüber,
begünſtigt durch Einſtrahlung und Weſtluftzufuhr, mildes Herbſtwetter.
Ausſichten für Dienstag, den 15. Oktober: Stellenweiſe Frühnebel,
tags=
über leicht wolkig mit Aufheiterung, trocken, nachts etwas mehr
Temperaturrückgang, tagsüber Anſtieg und mild.
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Seite 10
Dienstag, den 15 Oktober 1929
Nummer 286
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Ich kdsse Ihre Hand Madame
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CARLO ALPTMI
Zwei höllische Tage!
Beginn 3½ Uhr.
Heute noch:
Evelyn Holt in:
Nachtlokal
und
Mady Christians in:
Grand-Hotel
(16192
Beginn 3½ Uhr.
em Kleinem Mit Capitain Cobham im Flugboot rund um Afrika — und
Die Wunder des Films, mit Vortrag Hona Grundig-Frankfurt
Haus: Heute und morgen noch — 16 und 20 Uhr.
Damenwelt Darmstadts
Umgegend!
ORPHEUM
A
abends 8.15 Uhr
Nur 5 Tagel
Gastspiel der gr. Tanz. Tragödin
Bella Siris
Norwegens schönste Frau, von der Opera Comique
Oslo, die berühmte Vedette vom Theätre des
Champs Elysces, Paris.
—Die Sehnsucht und der Traum aller
1. Tell- Damen: Das dehelmnls der
blelbenden Schönheit und Jugend.
Persönlicher Demonstrationsvortrag über die Lösung
des Rätsels der modernen Körperpflege. Frauenanmut,
Frauenschönheit, die zu idealen Gangbewegungen, zu
höchstentwickelter Tanzkunst und zur ewigen Jugend
führt. Das verheißungsvolle Problem der Jahrtausende:
Wie bleibe ſch schlank, schön, gesund!
wird durch die beachtenswerten Erläuterungen und
praktischen Uebungen Bella Siris endgültig gelöst, die
nicht nur der Weiblichkeit sondern auch der
Männlich-
keit gelten.
(Wichtig auch für Kindererziehung)
II. TElL:
Original Komposition von Tanzereationen Bella Siris.
Mimoplastische, rythmische Tanzgestalten, Tanzmasken,
pspchologische Tanzvisionen in noch nie gezeigter
künstlerischer Vollendung.
Programm: Personifizierung der Abmut, Freude,
Schmerz, Keuschheit, Liebe, Laster und des Grauens,
nach Musik von Chopin, Beethoven, Strauß, Luigini,
Grünfeld, Spolianski, Micheli, Paderevski, Periez.
II1. TElL:
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Donnerstag, 17. Okt.,
20 Uhr, im
Fürſten=
ſaal. 1. Mitteilungen
2. Vortrag des Herrn
Obſtbau=Inſpektors
Behne über: Zweck
und Ziele der
Aus=
ſtellung des
Kreis=
obſtbauverbandes
Darmſtadt. 3. Ver=
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bert Wiskirchen, Darmſtadt: Die Firma
iſt erloſchen. — Am 11. Oktober 1929
hinſichtlich der Firma: N. Lakowſky,
Darmſtadt: Geſchäft ſamt Firma iſt auf
Guſtav Plaut, Kaufmann in Darmſtadt,
übergegangen. Die Firma iſt geändert
in: N. Lakowſky Nachf. — Die Prokura
der Ehefrau des Nathan Lakowſky iſt
erloſchen. — Abteilung B: Am 9.
Okto=
ber 1929 hinſichtlich der Firma:
Pfeil=
dreieckſeifenfabrik Geſellſchaft mit
be=
ſchränkter Haftung, Darmſtadt: Durch
Beſchluß der Geſellſchafterverſammlung
vom 13. Auguſt 1929 iſt der
Geſellſchafts=
vertrag geändert — Durch gleichen
Be=
ſchluß iſt der Sitz der Geſellſchaft nach
Nürnberg verlegt. — Die Prokura des
Dr. Eduard Schamberg iſt erloſchen.
Darmſtadt, den 12. Oktober 1929.
Amtsgericht I.
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Burtzorgehren
„Freiheitsgeſetz
Während der Zeit von Mittwoch, den
16. bis einſchl. Dienstag, den 29. Oktober
Ifd. Js., Werktags von 8 bis 12‟, und
von 141, bis 19 Uhr und Sonntags von
10 bis 17 Uhr (ununterbrochen) liegen die
Einzeichnungsliſten für das obige
Volks=
begehren im Stadthaus,
Rhein=
ſtraße 18/18, Zimmer 17, offen.
Innerhalb obiger Friſt können alle
männlichen und weiblichen Einwohner,
die Reichsangehörige ſind und bis
zum Schluß der Offenlegung das 20.
Le=
bensjahr vollendet und den Nachweis
ihrer Berechtigung zum Eintrag erbracht
haben, ſich in die Liſten eintragen.
Aus=
geſchloſſen von der Eintragung ſind u. a.
ſolche Perſonen, die in der Ausübung
ihres Stimmrechts behindert ſind oder
deren Stimmrecht ruht.
Eintragungsſcheine für Perſonen, die
während der ganzen Eintragungsfriſt
von Darmſtadt abweſend ſind, werden
im Stadthaus, Zimmer 15, ausgeſtellt.
Darmſtadt, den 14. Qktober 1929.
8t. 161881 Der Oberbürgermeiſter.
Am Dienstag, den 15. Oktober
1929, nachmittags 3 Uhr, verſteigere
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Darmſtadt, den 14. Okt. 1929.
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[ ← ][ ][ → ]Dienstag, den 15. Oftober 1929
Seite 11
*
11 Stunden Nachkfahrt durch das theiniſch=
weſt=
fäliſche Induſtriegebiek.
Der Frankfurter Automobilklub hatte, aus Anlaß ſeines 30jährigen
Jubiläums, ein Ausſchreiben zu einer Sternfahrt erlaſſen, das in ſeiner
Art ganz neuartig war, und zu höchſt intereſſanten ſportlichen
Ergeb=
niſſen geführt hat. Es handelte ſich im weſentlichen darum, in einer
18ſtündigen Fahrt, ohne Fahrerwechſel, die größtmögliche Zahl von
Automobilklubs zu beſuchen und gleichzeitig die größtmögliche Anzah.
Kilometer zurückzulegen. Ein Ausſchreiben, das auf den erſten Blick
ver=
hältnismäßig einfach ausſieht, das aber — die Durchführung hat es
gezeigt — die allergrößten Anforderungen an Fahrer und Maſchinen
ſtellte, und gleichzeitig ein ganz raffiniertes Organiſationstalent für
den zur Vorausſetzung hatte, der dieſe Sternfahrt gewinnen wollte.
Die Meldungsliſte wies eine Reihe bekannter Namen, darunter die
beſten zurzeit bekannten Langſtreckenfahrer, auf, ſo daß mit
letztmög=
lichen Höchſtleiſtungen gerechnet werden mußte. Nur wer das Letzte aus
feinem Wagen, das Letzte aus ſich ſelbſt herauszuholen in der Lage war,
hatte Ausſicht, gut placiert zu werden. Der Sieg war für jeden
zwei=
felhaft.
Ich hatte das Glück, die Fahrt in einem der Siegerwagen
mitzu=
machen, und darf geſtehen, daß dieſe 18ſtündige Fahrt durch Nacht und
Regen und Nebel in einem der ſtärkſten deutſchen Wagen (Mercedes=
Kompreſſor, K=Typ) zu den eindrucksvollſten zählt, die ich je mitfahren
durfte. Gleichzeitig auch, daß die Durchführung dieſer Fahrt
aller=
größte Hochachtung für den Fahrer ſowohl, wie für die gute deutſche
Maſchine abringt.
Die Leiſtung: Sie iſt mit wenigen Worten gut und ſcharf
um=
riſſ n. 18 Stunden, darunter die erſten 11 Fahrtſtunden in ſtockdunkler
Nacht am Steuer eines ſchweren Wagens, ohne jede Unterbrechung, als
die in allergrößter Hetze erzwungene, der Beſuchseintragungen bei den
Klubs, die nie mehr als eine Minute in Anſpruch nahm, an Eſſen oder
Trinken überhaupt nicht zu denken, dazu völlig unbekannte Wege, die
tagelang, faſt bis zur Stunde des Starts, unter ſtarkem Regen lagen.
Dies alles wird auch dem Laien die Größe der menſchlichen und
maſchi=
nellen Leiſtung eindringlichſt und klar vor Augen führen.
Die Organiſation: Es gehörte genaueſte mathematiſche
Be=
rechnung dazu, dem Ausſchreiben entſprechend, innerhalb den
vorge=
ſchriebenen 18 Stunden Spitzenleiſtung zu erzielen. Es war zunächſt
feſt=
zuſtellen, in welcher Gegend. Deutſchlands die meiſten Automobilklubs
im A. v. D. zuſammengeballt ſind. Es war ferner zu berechnen, von
welchem Punkt aus der Start mit der größtmöglichen Ausſicht auf
Er=
folg unter Vermeidung möglicher Leerlaufſtrecken vor ſich gehen mußte.
Es war endlich genau zu berechnen, welche Kilometerzahl unter
Ein=
ſchluß der Tatſache, daß 11 Stunden der Geſamtfahrt in dunkler Nacht
zurückgelegt werden mußten, nach genauer Kenntnis der
Leiſtungsfähig=
keit des Wagens innerhalb des in Ausſicht genommenen Rahmens zu
erzielen war. Es mußte unter Zugrundelegung genaueſter Kenntnis der
menſchlichen und maſchinellen Leiſtungsfähigkeit auf die Minute
berech=
net werden, welche Zeit das Tanken, das Eintragen der
Beſuchsbeſchei=
nigungen erforderte. Es mußte ſelbſtverſtändlich die unerläßliche
Ein=
beziehung einer gewiſſen Karenzzeit für Zwiſchenfälle (Pneuwechſel
uſw.) errechnet werden. Das alles zuſammengenommen heißt, jede
Mi=
nute der 18ſtündigen Fahrt mußte genau vorher errechnet und der
Fahr=
plan mußte genau innegehalten werden, wenn die Spitzenleiſtung
wirk=
lich erzielt werden ſollte. — Dieſe Organiſation war eine hervorragende
Arbeit des Herrn Direktors Juſti und ſeiner Helfer, der Herren Bert
und Erneſti, die ihre Qualität ſchließlich ja auch durch den
unbeſtrit=
tenen Sieg der beiden Teilnehmer an dieſer Organiſation, der Herren
Juſti und W. R. Wittich, Darmſtadt, erwies.
Zur Illuſtration der Organiſation ſei kurz folgendes mitgeteilt:
Der vorher feſtgeſtellte Fahrplan — nach Minuten! — wurde von den
beiden Mercedes=Fahrern ſo eingehalten, wie beim Start verabredet
daß nämlich ein Ueberbieten der feſtgelegten Zeit nicht in Frage
kommen dürfe, daß aber von vornherein erſtrebt werden müſſe, die
Fahrzeit ſoweit wie möglich zu unterbieten. Das letztere gelang
ſo vortrefflich, daß gegen Schluß der Fahrt 70 Minuten gewonnen
waren, deren Ausnutzung es noch ermöglichte, zwei weitere Klubbeſuche
einzufügen.
Der Verlauf der Fahrt: Wie die der meiſten Teilnehmer
führte unſere Fahrt durch das rheiniſch=weſtfäliſche Induſtriegebiet und
zum Schluß durch Süddeutſchland. Es dürfte hier intereſſieren, welche
Klubs wir beſuchten. Start war in Osnabrück um 20.02 Minuten.
Mit dem wundervollen Brummton des Kompreſſors ſauſten die beiden
K=Wagen durch die von einer großen Menſchenmenge umſäumte Straße
vor dem Hotel „Schaumburg” ab nach Bielefeld, das in 55 Mi
nuten erreicht war. Von hier aus wurden in folgender Reihe Einträge
eingeholt; Hörde, Hagen, Barmen, Elberfeld, Eſſen
Duisburg, Krefeld, München=Gladbach, Düſſeldorf
Köln, Koblenz, Wiesbaden, Mainz, Bad=Kreuznach,
Kaiſerslautern, Karlsruhe. Pforzheim, Mannheim,
Darmſtadt, Aſchaffenburg, Frankfurt.
Von beſonderem Eindruck, vielfach Bilder von unvergeßlicher
Schön=
heit entrollend, war die Fahrt durch das rheiniſch=weſtfäliſche
Induſtrie=
gebiet. Licht an Licht, Bogenlampe an Bogenlampe, dazu die weithin
ſichtbaren Feuerſcheine aus den Hochöfen, wirkten im Dunkel der Nacht
wie eine gigantiſche Illumination von unfaßbaren Ausmaßen. Genüſſe,
die trotz der Fahrſchnelligkeit — etwa 65 Km. im Durchſchnitt, oftmals
zwiſchen 120—140 Stundenkilometer — ſtark und eindringlich
aufgenom=
men werden konnten. Dazu wundervolles Wetter. Bis 1 Stunde vor
Start hat es ununterbrochen geregnet. Von dieſem Augenblick an
aber ein prachtvolles Nachtwetter, wie es für die Fahrt, abgeſehen von
dem Zuſtand der Straßen, ſchöner nicht gedacht werden konnte. Die
leichten Nebelbänke und Nebelmauern, die hin und wieder in der
zwei=
ten Hälfte der Nacht durchfahren werden mußten, waren nicht ſo ſtark,
daß ſie irgendwie ernſtlich behinderten. Kartenleſen und Spürſinn
feierten Triumphe. Dazu aber gehört auch Glück, in unbekannten
Groß=
ſtädten nachts durch die Sträßen zu den Klubs und wieder
herauszu=
finden. Es gelang alles vortrefflich, dank allerdings oftmals der
Or=
ganiſation.
Trotz des großen Genuſſes der Illuminationsſchönheiten der Nacht
fahrt wurde der dämmernde Morgen, zwiſchen Wiesbaden und Mainz,
doch mit hörbarem Seufzer der Erleichterung begrüßt. Wir waren
wie=
der in bekannter Gegend, das ewige Suchen mit Lichtern nach Weg= und
Fahrtweiſer konnte aufhören. Wir ſahen unſere Geſichter,
ſchmutz=
bekruſtet und etwas übernächtigt, aber doch freudig ſtolz darauf, daß
bisher alles glänzend gelungen. Von nun an zweifelte keiner der
Mit=
fahrer mehr an dem Sieg. Was im Laufe der Nacht durch die
Schwie=
rigkeit des Pfadfindens zugegeben werden mußte, wurde jetzt in 120 bis
140 Km.=Tempo ſpielend wieder eingeholt. Als wir im H.A. C. in
Darm=
ſtadt den programmäßig letzten Eintrag vornehmen ließen, war ſo viel
Zeit gewonnen, daß der Umweg über Aſchaffenburg genommen werden
konnte. Das brachte den ſicheren Sieg.
Steif an allen Gliedern, zugeſtandenermaßen körperlich wohl müde,
geiſtig aber friſch und freudeerfüllt ob des wundervollen Sieges, ließen
wir uns in Frankfurt das ſtärkende Glas Champagner ſchmecken, das der
Jubiläumsklub uns kredenzte.
Die Teilnehmer der Fahrt waren in zwei Gruppen eingeteilt. Die
erſte Gruppe umfaßte, die Mitglieder, der auswärtigen A. v. Ds., die
zweite die Mitglieder des Frankfurter Automobilklubs.
Sieger der Gruppe I (Mitglieder auswärtiger A. v. Ds.) wurde W.
R. Wittich (Heſſiſcher A. C.). Er legte 1026,7 Km. zurück und beſuchte
23 Klubs. 31,07 Punkte. Zweiter: Jan Willems Roelants (Bahr.
A. C. München); 992 Km.; 23 Beſuche: 30,89 Punkte. Dritter: Frau
Roehrs (Dtſch. D.A. C.); 983 Km.; 23 Beſuche. Vierter: Ernſt
Scheinberger (Heſſ. A. C.); 927 Km.; 21 Beſuche; 28,53 Punkte.
Fünfter: H. E. Vormann (Rhein.=Weſtf. A. C.); 907,2 Km.: 21
Be=
ſuche; 28,41 Punkte. Sechſter: Direktor Aug. Chriſt (Bayr. A. C.
München); 888,1 Km.; 20 Beſuche; 27,29 Punkte. Siebenter: Dr. Paulin
(Nahetal=A. C.); 704,1 Km.; 19 Beſuche; 24,88 Punkte,
Sieger der Gruppe II (Frankfurter Automobilklub) wurde Direktoy
Juſti. Er legte innerhalb der vorgeſchriebenen Zeit 1026,7 Km. zurück
und beſuchte 23 Klubs. 31,07 Punkte. Zweiter: Otto Kleyer; 952,4
Km.: 22 Beſuche; 29,68 Punkte. Dritter: H. G. Stempel; 790,8 Km.;
20 Beſuche; 26,61 Punkte. Vierter: Direktor Schwarzenberger;
5 Km.; 19 Beſuche; 25,42 Punkte. Fünfter: von Gorup; 695,3 Km.;
19 Beſuche; 24,79 Punkte.
Den Damenpreis gewann Frau Roehrs (Dtſch. Damen=A.C.);
8085 Punkte:
Klubpreiſe erhielten der Deutſche Damen=A.C. mit fünf
Fah=
rerinnen (Wertung: 21,217,8) und der Heſſiſche A.C. mit zwei Fahrern
(Wertung: 13,657,6).
Den Sonderpreis der Adlerwerke für den beſten Fahrer auf Adler
holte ſich Jan Willem Roelants (30,89 Punkte).
M. St.
*
Der Reigen der Veranſtaltungen wurde mit einer
Ballonver=
folgung fortgeſetzt, der unter Mitwirkung des Frankfurter Vereins
ür Luftfahrt vor ſich ging. Die Flugzeit war auf 3 Stunden, die größte
Entfernung auf 100 Km. feſtgeſetzt. Die Ergebniſſe waren:
1. Ballon Darmſtadt, Führer Prof. Eberhardt=Darmſtadt: Die Preiſe
für Wagen wurden nicht vergeben, da nicht genügend Unterlagen
vor=
handen waren. 1. Preis für Motorräder Paul Dörr, D.M.V., 2. Preis
Ludwig Liebhard F. M. C.
2. Ballon Mannheim, Führer Direktor Schneider 1. Preis für Wagen
J. W. Roelants, Bayeriſcher A. C., München; 2. Preis Herr Salzer,
F. A. C.; 1. Preis für Motorräder Ing. Gg. Rothbarth, D.M.V.; 2.
Preis Friedr. Schäfer, D.M. V.
3. Ballon Stagula, Führer Dierlamm: 1. Preis für Wagen Herm.
Schindling, F.A. C.; 2. Preis Dir. A. Chriſt, Bayeriſcher A. C.; 1. Preis
für Motorräder Ph. Scheib, D.M.V.
4. Ballon Drory, Führer W. Hahn: 1. Preis für Wagen Graf
Er=
bach=Erbach, Heſſiſcher A.C.; 2. Preis Otto Kleyer, F.A. C.; 1. Preis
für Motorräder Georg von Opel, A. D.A,C.; 2. Preis Ernſt Ludwig,
D.M. V.
3:0
Der fünfte Spielſonntag brachte wieder die in der ſüdheſſiſchen
Kreisliga üblichen Senſationen. Da iſt vor allem der, wenn auch
knappe, Sieg des ſeitherigen Tabellenletzten über den bisherigen
Tabellenerſten, die bombiſche Packung in Lorſch, die glatte Sache
in Biblis und dann noch der mit Mühe und Not erzwungene Sieg
des Kreismeiſters in Horchheim. Die Reſultate lauten:
:2
Sportverein Horchheim — Olympia Worms . ."
Olympia Lorſch — Starkb. Heppenheim . . . . .. . . 10:1
R. Bürſtadt — Spv. Hochheim . . . . . . . . 2:0
F.V. Biblis — Norm Pfiffligheim
... 4:0
pv. Herrnsheim — Olympia Lampertheim . . . . . 1:0
V. f. L. Lampertheim — F.V. Hofheim . .
Es war alſo ſchon richtig, wenn wir dem Südheſſen=Meiſter in
der Vorſchau nur bei Kampf bis aufs äußerſte einen Sieg
zu=
ſprachen. Zehn Minuten vor Schluß lagen die Einheimiſchen nock
0 in Führung, ließen dann etwas nach ſchon hatten ſich die
Gäſte mit zwei Toren die Punkte ſichergeſtellt. Die Horchheimer
ſpielten heute wieder einen ſchönen Kombinationsfußball, dagegen
waren die Leiſtungen des Meiſters aus Worms wirklich nicht
be=
geiſternd. In Lorſch hat man den Heppenheimern noch weit heller
heimgeleuchtet als in Biblis am letzten Sonntag. Die Mannſchaft
konnte ſich heute überhaupt nicht zurechtfinden, dagegen waren die
Lorſcher wieder einmal in großer Fahrt und haben bei ihrer
ſchönen Geſamtleiſtung den Sieg in dieſer Höhe glatt verdient.
die Bürſtädter haben ſich wieder einmal ganz unauffällig zwe=
Punkte geholt. Sie halten damit immer wieder gleichen Schritt
mit den Erſten. Es war nicht leicht, gegen Hochheim zu gewinnen;
die Gäſte=Mannſchaft hat heute erneut bewieſen, daß ſie ernſt zu
nehmen iſt. In Biblis hängen jetzt die Trauben wieder ziemlich
hoch. Die Pfiffligheimer Packung war „vier”=eckig. Dabei ſpielten
die Riedleute heute wundervoll zuſammen; diverſe Torpfoſten= und
Lattenſchüſſe hätten leicht zu einem 7—8:0 helfen können.
Pfifflig=
heim kämpfte aufopfernd, war aber im freien Feldſpiel nie auf dem
Damm. Herrnsheim hat 1:0 gewonnen; man muß das nochmals
feſtnageln, denn mancher wird im erſten Augenblick glauben, das
Reſultat ſei umgeſtülpt. Herrnsheim ſpielte heute recht gut, und
ſo war es nicht verwunderlich, wenn die erſatzgeſchwachte
Mann=
ſchaft der Gäſte durch dieſe Niederlage um zwei Punkte gebracht
wurde. V. f. L. Lampertheim ſetzte ſeinen Siegeszug fort. Die
Hofheimer, ſpieleriſch als Neuling nun denn doch noch etwas
un=
erfahren, mußten ſich dem ſchnellen und dabei berechneten
Flügel=
ſpiel der V.f.L.=Leute beugen und waren nicht in der Lage, bei
etlichen guten Chancen wenigſtens den Ehrentreffer zu erzielen.
Zum Schluß noch die heute vollſtändig umgekrempelte Tabelle.
Spiele gew. unent. verl.
Olympia Worms
0
9.
. f. L. Lampertheim
Olympia Lampertheim
Olympia Lorſch
R. Bürſtadt
V. Biblis
T.
Spv. Horchheim
0
5
Spv. Hochheim
F.V. Herrnsheim
Norm. Pfiffligheim
5
.0
„V. Hofheim
0
3
Starkb. Heppenheim
0
3
Punkte
8
Junioren—
1. Jgd.—1.
2. Jgd.—1.
3. Jgd.—1.
4. Jgd.—1.
5. Jgd.—2.
1. Schüler=
2. Schüler-
Sport=Verein 98 (Jugend).
Junioren Eintracht Darmſtadt
Jgd. Arheilgen, hier . . .
Jgd. Ober=Ramſtadt, dort . .
Jgd. Münſter, hier
Jgd. Pfungſtadt, hier . . .
Jgd. Eintracht, hier
1. Schüler Arheilgen, hier .
—1. Schüler Griesheim, dort „
5:3
2:1
2:0
1:2
5:1
1:0
5:0
0:4.
I.
Generalverſammtlung des 2.M.B.
Der D.M.V. hielt am Samstag und Sonntag in Stettin ſeine
diesjährige Generalverſammlung ab. Die Sitzungen wurden zum Teil
intern geführt, ſo daß die Preſſe nicht immer mit dabei ſein konnte.
Lebhafte Debatten über einzelne Punkte ließen das ſtarke Intereſſe
er=
kennen, das der Tagung allgemein entgegengebracht wurde. Obwohl
ſich eine ſtarke Oppoſition bemerkbar machte, wurde Präſident Frucht
wiedergewählt. Der Sportpräſident Dr. Wettſtädt nahm
ſein Amt nicht wieder an. An ſeiner Stelle wurde Schwabe=
Ham=
burg zum Sportpräſidenten gewählt. Wanderfahrwart wurde Scholz=
Stettin. Dr. Wettſtädt, ſowie die Rennfahrer Henne, Bauhofer und
Soenius wurden mit dem Goldenen Sportabzeichen des D.M.V.
aus=
gezeichnet. Zum Tagungsort für die nächſtjährige
Generalverſamm=
lung wurde Frankfurt a. M. beſtimmt. Das Sportprogramm für
das nächſte Jahr konnte noch nicht endgültig feſtgelegt werden, da
das Verbot für Straßenrennen eine Lage geſchaffen hat, in die erſt
Klarheit gebracht werden muß. Feſtgelegt wurden nur die Strecken
für drei Meiſterſchaftsläufe, und zwar der Nürburgring, der
Marien=
burger Dreieckskurs und Kolberg. Falls das Kolberger Bäderrennen
niicht geſtattet wird, findet dieſer Lauf auf der Avus in Berlin ſtatt.
Die Daten für dieſe drei Läufe ſtehen auch noch nicht feſt. Im Juli
1930 iſt als Werbeveranſtaltung eine Befreiungsfahrt zum Rhein
vor=
geſehen. Die aus Anlaß der Tagung vorgeſchriebene Zielfahrt nach
Stettin hatte wegen des ſchlechten Wetters nicht den Andrang
gefun=
den, den man erwartet hatte.
Der Deutſche Eislaufverband hielt am Sonntag im Hotel Adlon
zu Berlin eine außerordentliche Sitzung unter dem Vorſitz von
Hönicke vom Berliner Schlittſchuklub ab. Einen beſonders breiten
Naum nahm in der Tagung die Stellungnahme zu der Amateurange
legenheit des Berliner Schlittſchuhklubs ein. Trotz ſtundenlanger
Diskuſſion konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, ſo daß dieſe
Frage endgültig auf dem ordentlichen Verbandstag, der am Karfrei
tag nächſten Jahres in Koburg ſtattfindet, geregelt werden wird. Zum
erſten Verbandsvorſitzenden wurde der frühere Preſſewart und
Schrift=
führer des DEV.; Geheimer Regierungsrat Schöning; gewähltz=
A
Nakionales Schwuamfeſt in Hamburg.
Mit großen Ueberraſchungen endete der erſte Tag des Nationalen
Schwimmfeſtes der Hamburger Intereſſengemeinſchaft, des Hamburger
S.V. 79, S.V. Stern 93 und Ottenſer S. S.V. 09. Ueber 400 Meter=
Bruſt mußte ſich der deutſche Meiſter Sietas=Hamburg eine glatte
Nie=
derlage gefallen laſſen. Schwarz=Göppingen ſiegte in recht
eindrucks=
voller Weiſe in 6:17.2 vor dem Hamburger in 6:29.4. Die deutſche
Rekordſchwimmerin Lotte Mühe brauchte ſich nicht auszugeben, um im
100=Meter=Bruſtſchwimmen in 1:31.3 leicht zu ſiegen. Einen
unglück=
lichen Ausgang nahm das Damen=Kunſtſpringen, bei dem Fräulein
Margrit Borgs=Düſſeldorf ſich infolge des ungewohnten Stahlbrettes
beim Salto eine leichte Gehirnerſchütterung zuzog und vorzeitig
aus=
ſcheiden mußte. Die ſehr gut veranlagte Gertrud Hermann=Ottenſen
hatte ſomit freie Bahn zum Siege. Auch das 200 Meter=
Freiſtilſchwim=
men endete mit einer Ueberraſchung. Der deutſche Meiſter Derichs
konnte ſich nicht placieren und mußte nicht nur dem Gelſenkirchener
Hans Balk in 2:28.0 den Sieg überlaſſen, ſondern auch noch
Schra=
der=Hildesheim und Wiechman=Leipzig vor ſich laſſen.
Neuer Rekorb von Küppers über 100, Meter Rücken.
Der zweite Tag der Nationalen Schwimmwettkämpfe der
Ham=
burger Intereſſengemeinſchaft brachte als Häuptereignis einen neuen
deutſchen Rekord im 100=Meter=Rückenſchwimmen. Küppers=Vierſen
ver=
beſſerte ſeine eigene Höchſtleiſtung auf 1:09,8 und verwies Ohlwein=
Eſſen (1:15.2) und Günther=Gelſenkirchen (1:18.8) auf die Plätze. Das
200=Meter=Bruſtſchwimmen brachte eine große Ueberraſchung, denn der
Favorit und deutſche Meiſter Sietas=Hamburg hatte große Mühe, ſich
den dritten Platz vor Budig=Köln zu ſichern. Der Sieger Schwarz=
Göppingen benötigte 2:55.5 vor dem überraſchend auflaufenden
Wit=
tenberg (Poſeidon=Berlin) 2:56.2. Sietas ſchlug erſt in 3:01 an. Die
3mal100=Meter=Freiſtilſtaffel ſicherte ſich Poſeidon 04 Gelſenkirchen in
3:18,2 vor Poſeidon=Leipzig 3:19.2, der ohne Heinrich ſtartete. Sparta
Köln kam in 3:23,6 auf den dritten Platz. Einen heftigen Kampf
brachte das Damen=Bruſtſchwimmen über 200 Meter. Lotte Mühe
behielt in 3:20.8 über Fräulein Schaper=Altona 3:21.3 die Oberhand.
Nixe Charlottenburg trat in der 3mal100=Meter=Lagenſtaffel nicht an
ſo kam Bille=Hamburg leicht vor dem Altonger S. V. zum Siege.
Aeußerſt ſcharf war die 100 Meter=Freiſtilſtrecke umſtritten. Derichs=
Köln gewann hier nur durch den ſchnelleren Anſchlag in 1:04.3 vor
Schrader=Hildesheim.
Vor 4000 Zuſchauern fand in Gießen ein Kunſtturn=Geräte=
Wettkampf zwiſchen den Gauen Frankfurt, Heſſen und Rhein=Moſel
im Mittelrheinkreis der D.T. ſtatt. Der Kampf, zu dem jeder der drei
Gaue je neun Turner zu ſtellen hatte, endete mit einem Siege der
Frankfurter Vertreter vor Heſſen und Rhein=Moſel. Frankfurt
er=
reichte 965½ Punkte, Heſſen 941 Punkte und Rhein=Moſel 766 Punkte.
Die beſten Turner waren Winter (Eintracht Frankfurt), 107 Punkte,
Werntoen (Tgſ. Koblenz) und Seth (T.V. Großen=Linden), je 105½
Punkte, und Sinnwell (T.V. Bad=Nauheim), 108 Punkte.
Tag der Boxmeiſterſchaften in Dortmund. — 10000 Zuſchauer.
Neue Meiſter.
Die Dortmunder Weſtfalenhalle hatte am Sonntag mit
ihrem „Tag der Meiſterſchaften” einen vollen Erfolg. 10 000
Zuſchauer füllten die weite Halle bis auf den letzten Platz.
Zwiſchen den Kämpfen zeigte ſich auch Max Schmeling im Ring,
um einen ftürmiſchen Empfang durch das=Publikum quittieren
zu können. Vor den vier Meiſterſchaftskämpfen gab der
bis=
herige „Amateur=Mittelgewichtsmeiſter Skihinſki=Bochum ſein
Debut als Berufsboxer. Der Examäteur fertigte den Belgier
de Kahſer, der nur dank ſeiner Härte über die vier angeſetzten
Runden kam, hoch nach Punkten ab. Im Bantamgewicht
ver=
teidigte Otto Ziemdorf (Berlin) ſeinen Titel gegen den
ehemaligen Fliegengewichtsmeiſter Karl Schulze=
Magde=
burg. Der Magdeburger nützte ſeine größere Reichweite
ge=
ſchickt aus, er war aber auch der beſſere Boxer. Ziemdorf war
meift auf dem Rückzuge und wurde oft mit ſchweren
Schlag=
ſerien zugedeckt. Ziemdorf gab ſchließlich in der 13. Runde
dicht vor dem k.o. auf und überließ ſomit den Titel an Schulze,
Im Federgewicht kam es zwiſ hen Heinrich Gohres (
Duis=
burg) und Franz Dübbers (Köln) zu einem ſehr bewegten
Nampf. Der ohne Syſtem boxende, oft wild um ſich ſchlagende
Gohres drängte von Anfang an auf die Entſcheidung, traf aber
in Dühbers auf einen guten Verteidigungsboxer, der
Schlag=
wechſel mied und ſich aufs Punkteſammeln verlegte. Von der
ſeihſten Runde ab ſicherte ſich Dübbers ein Punktplus, das
ſchließlich auch zu einem Pnnktſiege reichte. Dübbers iſt
da=
mit der Nachfolger von Paul Noack in der
Federgewichtsmeiſter=
ſchaft. — Die Leichtgenichtsmeiſterſchaft konnte nicht vergeben
werden, da ſich Jakob Domgörgen (Köln) und W.
Hai=
niſch (Mühlhauſen, Thür.) mit einem Unentſchieden trennten.
Es war ein ſchönes Treffen, bei dem der Thüringer angenehm
überraſchte
Frankfurt
Dienstag, 15. Okt. 13.30: Tangos auf Schallplatten. 6 15.15:
Jugendſtunde: Aus dem Wunderreiche der Natur. 16.15:
Kon=
zert des Funkorch. Leitung: R. Merten. Mitw.: Clara Ebers
(Sopran). O 18.10: Leſeſtunde: Aus dem Decamerone des
Boc=
caccio. Sprecher: Studtmann. o 18.30: R. Huelſenbeck: Abenteuer
in der Mandſchurei. O 18.50: Kaſſel: W. Eggert: Was bedeutet
Bayreuth für das heutige Theater und ſein Publikum? o 19.10:
Stadtarzt Dr. Reinheimer: Knochen= und Gelenkverletzungen. 8 19.30:
Fragen des Films. Eine Diskuſſion zwiſchen Dir. Pulch. Dir.
Spier und Dr. Laven. o 20: Stuttgart: Konzert des Wendlin=
Quartetts. O 21.15: Stuttgart: Literariſch=Muſikaliſche
Veran=
ſtaltung. O 22.30: Stuttgart: Tanzmuſik.
Königswuſterhaufen
Deutſche Welle. Dienstag, 15. Okt.. 9: Schulfunk. O 10:
Reichskunſtwart Dr. Redslob: Deutſche Bauten als Dokumente
deutſcher Geſchichte. 12: Franzöſiſch für Schüler. o 12.30:
Schallplatten=Konzert. S 12.55: Nauener Zeit. O 14:30: Kinder=
ſtunde: Papparbeit: Photoalbum. 16.30: Leipzig: Geſpräch
von J. Georgi, H. Kreutzberg, A. Günther und E. Latzko über
Der moderne Tanz”. — Anſchl.: Konzert des Funkorch. O 17.30
Dr. Joh. Günther: Geſchichte der Fabel. O 18: Prof. Dr.
Mers=
mann: Kleine Formen der Klaviermuſik. O 18.30: Franzöſiſch
für Fortgeſchr. O 18.55: Dr. Jahnke: Gutes Deutſch für Jeder=
mann. O 19.20: Geh. Ob.=Reg.=Rat Dr. ing. Albrecht: Das
Aufſpeichern von Wärme und Arbeit in der Natur und in der
Technik. O 19.50: Programm der aktuellen Abteilung
Mrse
Von
man ſpricht”. 20.15: „Hans Sonnenſtößers Höllenfahr
Paul Apel. Regie: P. Apel a. G. O. Anſchl.: Dr. Räuſcher:
Preſſeumſchau des drahtloſen Dienſtes. O. Danach: Bildfunk.
Hauptſchriftleltung: Rudolf Maupe
Verantwortſich für Poltikk und Wirtſchaft: Rudelf Maupe; für Feuilleten, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmang;
droas Bauer;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schiußdienſt:
„Die Gegenwart”‟: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratzentell: Willp Kuhlei Drue
und Verlag: Z. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtad
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung n ich t Abernommen.
Die heutige Nummer hat 14 Geiten.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 286
Sautk
Dienstag, den 15 Oktober
Die Lage der deukſchen Maſchinen-Induſkrie
im Hepkember.
Vom Verein Deutſcher Maſchinenbau=Anſtalten, dem
Spitzenver=
band der deutſchen Maſchineninduſtrie, wird uns geſchrieben: Die
Anfragetätigkeit der Inlands= und Auslandskundſchaft blieb im
Sep=
tember hinter der des Vormonats zurück. Auch der Auftragseingang
erreichte weder im Inlands= noch im Auslandsgeſchäft das Auguſt=
Ergebnis, das ſeinerſeits bereits um einige Prozent hinter den Juli=
Aufträgen zurückgeblieben war. Die Zahl der ſchlecht beſchäftigten
Betriebe erhöhte ſich und der an der Geſamtzahl der geleiſteten
Ar=
beiterſtunden gemeſſene Beſchäftigungsgrad ging von 70 auf 68 Proz.
zurück. Die Nachrichten über Verkürzung der Arbeitszeit und ſonſtige
Maßnahmen zur Betriebseinſchränkung mehrten ſich.
Der bereits im Juli und Auguſt feſtgeſtellte ruhigere
Geſchäfts=
gang ſcheint alſo nicht nur eine Folge der üblichen hochſommerlichen
Geſchäftsſtille geweſen zu ſein. Die bis zum Ende des 2. Halbjahres
1929 im ganzen aufwärts gerichtete Entwicklung der Lage der deutſchen
Maſchineninduſtrie zeigt im 3. Vierteljahr eine rückläufige Tendenz.
Am ſtärkſten nahm der Eingang von Inlandsaufträgen ab. Im
In=
landsgeſchäft wurden zwar die Juniziffern in den folgenden 3
Mona=
ten auch nicht erreicht, die Auslandsaufträge hielten ſich aber doch
weſentlich beſſer als die Inlandsaufträge und vermochten, da ſie im
3. Vierteljahr die Hälfte aller Aufträge der deutſchen
Maſchinen=
induſtrie ausmachten, die Geſamtlage fühlbar zu ſtützen.
Als entſcheidende Urſache für die Verſchlechterung der Lage der
Maſchineninduſtrie als wichtigſter Produktionsinduſtrie muß der
Kapi=
talmangel in Deutſchland und die Anſpannung auf den internationalen
Kapital= und Geldmärkten angeſehen werden. Die Kapitalverſorgung
der deutſchen Wirtſchaft hat ſich im Laufe des letzten Jahres weſentlich
verſchlechtert. Die Aufnahmefähigkeit des inländiſchen Kapitalmarktes
für Neu=Emiſſionen von Aktien und feſtverzinslichen Werten iſt ſtark
zurückgegangen. Auch der Zufluß von Auslandsanleihen hat ſeit etwa
einem Jahr ſehr ſtark nachgelaſſen. Die rückläufige Konjunktur
ver=
ringert, wie die amtliche Bilanzſtatiſtik zeigt, die Gewinne der deutſchen
Unternehmungen und die zurzeit dringend notwendige
Kapitalbil=
dung in ihnen. Der Umſtand, daß ſomit alle für die Finanzierung von
Neuinbeſtitionen in Frage kommenden Quellen ſpärlicher fließen, muß
zwangsläufig einen Rückgang des inländiſchen Maſchinenabſatzes nach
ſich ziehen. Aber auch der Rückgang der Anfragen und Aufträge für
Maſchinen aus dem Auslande ſcheint mit den Kapitalſchwierigkeiten
zuſammenzuhängen, die ſich in den für die Kapitalverſorgung der Welt
wichtigſten Ländern, Amerika und England, in letzter Zeit in
zuneh=
mendem Maße bemerkbar machen und in ungewöhnlich hohen
Bank=
diskontſätzen ihren Ausdruck finden. Außerdem haben einige kleinere
Länder ihre Diskontſätze in der letzten Zeit erhöht.
Danach erſcheint die Befürchtung nicht unbegründet, daß die
inter=
nationale Konjunkturentwicklung vor Rückſchlägen ſteht. Umſo
not=
wendiger iſt es, daß alles geſchieht, was zur Feſtigung der deutſchen
Konjunkturlage geeignet iſt. Daraus ergibt ſich eine neue beſonders
aktuelle und dringende Begründung für die ſeit langem wieder und
wieder erhobene Forderung nach Erleichterung der auf der deutſchen
Wirtſchaft ruhenden ſteuerlichen und ſonſtigen Laſten. Dieſe
Ent=
laſtung iſt um ſo dringender, als von einer baldigen Verſtärkung der
Kapitalbildung im Inlande die Wiedergeſundung unſerer Wirtſchaft
abhängig iſt.
Ao
Birtſchaftnge hundſchan.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren: Alzey: Elektromeiſter Friedrich Flügel in
Gau=Odernheim. — Af. 25. 10., Prft. 31. 10. Reinheim:
Zimmer=
meiſter und Gaſtwirt Philipp Spörl. — Af. 23. 10., GlV. u. Prft.
31. 10. — Zwingenberg: Kfm. Guſtav Feſenmeher in Alsbach.
Af. 21. 10., Prft. 4. 11. — Bingen: Bäckermeiſter Johann Beck. — Af.
2. 11., Prft. 9. 11. — Beendete Konkurſe: Darmſtadt: Fa.
Heſſ. Motorenbau A.=G. — Michelſtadt: Fa. Künzel u. Co., A.=G.,
Kammfabrik — Neue Vergleichsverfahren: Alsfeld:
Als=
felder Trikotweberei G. m. b. H. — VerglZ. 14. 10.
Aufge=
hobene Vergleichsverfahren: Darmſtadt: Ingenieur
Robert Kunze in Fa. Heſſ. Maſchinenfabrik Robert Kunze. —
Offen=
baſt a. M.: Fa. Kinz u. Treichler, Textilwaren en gros. — Offenbach
a. M.: Möbelhandlung Wilhelm Weber. — Worms: Fa. Heinrich
Stauffer. — Fa. Adolf Roſenberg.
Vom Tabakmarkt. Ein großer Teil der neuen Sandblätter iſt
inzwiſchen dachreif geworden, konnte aber infolge der allzugroßen
Trockenheit nicht abgehängt werden. Nachdem nun zu Ende der
Be=
richtszeit kühlere Witterung eingetreten iſt, haben die Tabake ſoviel
Feuchtigkeit angezogen, daß ſie ohne Gefahr einer Beſchädigung
abge=
hängt werden können. Die Sandblätrer haben ſich in Farbe gut
ent=
wickelt. Im Einkaufsgeſchäft war es ſtill. In der kommenden Woche
wird ſich allerdings eine Belebung bemerkbar machen, da in Speher
rund 14000 Ztr. Tabake und auch in Baden größere Mengen
Sand=
blatt ausgeboten werden. Bei der guten Qualität des Sandblatts
Lürfte es zu einem lebhaften Geſchäft kommen, wenn im Preis das
richtige Mittel gefunden wird. Einen beſtimmten Satz hat man bisher
noch nicht gehört, beide Seiten hüllen ſich in Stillſchweigen. In neuen
Sandgrumpen ſcheint vorerſt der Bedarf gedeckt zu ſein, denn neue
Pflanzenverkäufe wurden nicht bekannt. Auch am Markt für alte
Tabake war es ruhig, obwohl die Eigner im Preis ſehr willig ſind,
da man jetzt ſchon mehr Intereſſe den Tabaken entgegenbringt, die von
beſſerer Qualität ſein ſollen als jetzt noch im Markt liegen. Ganz
ver=
nachläſſigt ſind die Zigarrentabake, trotz der guten Beſchäftigung der
Zigarreninduſtrie für das Weihnachtsgeſchäft, und die Rippen.
Farbeninduſtrie, A.=G., Frankfurt a. M. Zu den Meldungen, die
J. G. Farbeninduſtrie, A.=G., habe eine größere kapitalmäßige
Be=
teiligung bei der J. P. Bemberg A.=G. erworben, erfahren wir von
der Verwaltung der Barmer Geſellſchaft, daß ihr davon nichts bekannt
ſei. Allerdings habe die Socist Financiere Internationale letzthin
ein größeres Paket Bemberg=Aktien abgeſtoßen. Die J. G.
Farben=
induſtrie erklärt auf Anfrage, daß dieſe Kombination völlig aus der
Luft gegriffen ſei. Die Farbeninduſtrie habe keine einzige Aktie
ge=
kauft.
Wayß u. Frehtag, A.=G., Frankfurt a. M. In dem am 31. Juli
abgelaufenen Halbjahr hat der erzielte Umſatz denjenigen im gleichen
Abſchnitt des Vorjahres überſtiegen. Die Tochterunternehmungen im
In= und Auslande ſind nach wie vor recht befriedigend beſchäftigt. Das
Geſamtergebnis dürfte unter dem üblichen Vorbehalt hinſichtlich der
Witterungsverhältniſſe demjenigen des Vorjahres (8 Proz. Dividende)
entſprechen.
Amerikaniſche Kabelngchrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 14. Okt.:
Getreide: Weizen, Dez. 137½, März 141½, Mai 145: Mais,
Dez. 93½, März 98½, Mai 101: Hafer 50½, März 53½, Mai 55;
Roggen, Dez. 107½, März 112½, Mai 113½.
Schmalz: Okt. 10,725, Nov. 10,875, Dez. 10,95, Jan. 30 11,35.
Fleiſch: Rippen, Okt. 11,475: Speck, loco 11,50 leichte Schweine
9,60—10,.15, ſchwere Schweine 9,25—10,20; Schweinezufuhren
Chicago 38 000, im Weſten 118000.
Baumwolle: Okt. 18,10, Dez. 18,27.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 14. Okt.:
Getreide: Weizen, Rotwinter 143½, Hartwinter 137½: Mais
106½: Mehl 6—6,40; Getr. Fracht nach Englanr 1,6—2,3 sh, nach
dem Kontinent 8—9 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 11,/45; Talg, extra loſe 8½
Kakav: Tendenz willig, Umſätze in Lots 150, Loco 10½,
Ok=
tober 9.85, November 9.84, Dezember 9.85, Januar 1930 9.87,
Fberuar 9.91, März 10, Mai 10.17, Juli 10.72, September 10.47.
Biehmärkke.
Frankfurter Viehmarkt vom 14. Oktober. Wegen des jüdiſchen
Feiertages ſind heute nur wenig Schweine aufgetrieben, und zwar
4643 Stück. Preiſe pro Zentner Lebendgewicht: Schweine a) 88—90,
b), c), d) 88—91, e) 84—88. Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch
1) 90—95, 2) 80—90, Bullenfleiſch 88—92, Kuhfleiſch 2) 60—75, 3) 45
bis 60, Kalbfleiſch 2) 110—115, Schweinefleiſch 1) 110—115, holländiſch
105—108, Gefrierfleiſch (Rindfleiſch) Voderviertel 56, Hinterviertel 65,
G=ſchäftsgang mittelmäßig. Der Marktverlauf war rege, ausverkauft.
Frankfurker uud Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 14. Oktober.
Zu Beginn der neuen Woche herrſchte an der Börſe bei ſchwachem
Beſuch infolge des jüdiſchen Feiertages faſt vollkommene
Geſchäfts=
loſigkeit. Die Grundſtimmung war jedoch nicht unfreundlich, und die
Kurſe blieben im allgemeinen etwa behauptet, obwohl nennenswerte
Anregungen nicht vorlagen. Die beſtehende Zurückhaltung wurde noch
verſtärkt durch neue Nachrichten, nach denen bei den Verhandlungen
mit dem Schwedentruſt Schwierigkeiten aufgetreten ſind. Die
Kurs=
veränderungen gegen die Schlußkurſe vom Samstag gingen kaum über
1 Prozent hinaus. Auffallend war die ſchwache Haltung der
Chade=
aktien, die zum erſten Kurs 17¾ Mark einbüßten. Am Elektromarkt
lagen ſonſt Gesfürel, Schuckert und Siemens je 1 Prozent höher,
AEG., Licht u. Kraft und Elektr. Lieferungen dagegen bis 1 Prozent
gedrückt. J. G. Farben eröffneten bei minimalen Umſätzen 1 Proz.
niedriger. Bis zu 1 Prozent ſchwächer lagen noch Danatbank,
Dresdner Bank, Süddeutſche Zucker und Daimler, letztere auf das
morgige Ende der Optionsfriſt auf das bekannte Schapiroſche Daimler=
Paket. Am Markte der Bauunternehmungen gaben Wayß u. Freytag
½ Prozent nach, während Holzmann behauptet blieben. Deutſche und
ausländiſche Anleihen lagen geſchäftslos. Im Verlaufe ſtagnierte das
Geſchäft vollkommen. Die Tendenz blieb behanptet. Lediglich für
Montanwerte beſtand etwas Intereſſe bei leicht anziehenden Kurſen.
Am Geldmarkt war Tagesgeld infolge des Steuertermins weiter knapp
zu 8½ Prozent. Am Deviſenmarkt lag Spanien weiter ſehr ſchwach.
London-Madrid 34,50, London-Kabel 4,8670, Paris 123,93, Mailand
92,97, Holland 12,09¾, Mark gegen Dollar 4 1917½, gegen Pfunde
20,40.
Berlin, 14. Oktober.
Da wegen des hohen jüdiſchen Feiertages mit einem ſchwachen Beſuch
der Börſe gerechnet werden mußte, geſtaltete ſich bereits der
Vor=
mittagsverkehr im Verkehr von Büro zu Büiro recht ſtill, und die
ge=
nannten Kurſe ließen gegenüber dem Samstag nur geringe
Verände=
rungen erkennen. Der amtliche Börſenverkehr entſprach in der
hoch=
gradigen Geſchäftsſtille dieſen Vorausſetzungen. Es kam noch hinzu,
iß Anregungen in politiſcher und wirtſchaftlicher Art kaum vorlagen.
Die Ausführungen des Leiters der Siemenswerke mit ihrer deutlichen
Spitze gegen die bekannte AGG.=Transaktion bildeten zwar den
Gegen=
ſtand eifriger Erörterungen, ſchon in ihren eventuellen Auswirkungen
auf die Zufuhr weiterer Auslandsgelder für die deutſche Wirtſchaft,
hatten aber auf die Kursbildung am Elektromarkt keinen
bemerkens=
werten Einfluß. Dieſe hiel= ſich überhaupt hinſichtlich ihrer
Verände=
rungen nach oben und unten in engen Grenzen, denn die größten
Aus=
ſhläge betrugen zumeiſt nur 1—3 Prozent nach beiden Seiten. Zu der
dadurch bewieſenen behaupteten Haltung trugen auch die bekannten
Vorgänge im Zuſammenſchluß der deutſchen Schwachſtrominduſtrie und
die anſcheinend jetzt etwas gebeſſerten Ausſichten auf eine Senkung der
Börſenumſatzſteuer bei. Lediglich Polyphonaktien erhöhten ſich um 5½
Prozent, wogegen die Chadeaktien, anſcheinend im Zuſammenhang mit
der Schwäche der ſpaniſchen Währung, welche durch die
Stützungsmaß=
nahmen der Regierung wieder einmal beleuchtet werden, 11½ Mark
einbüßten. Der Rentenmarkt zeigte das bisherige ſtille Ausſehen.
Ver=
änderungen waren auf ſeinen berſchiedenen Gebieten kaum zu bemerken.
Die Geſchäftsſtille führte auch im weiteren Verlauf zu keinen
nennens=
werten Veränderungen des Kursſtandes. Lediglich für Montanſverte,
und von dieſen namentlich für Phönix und Stahlverein, zeigte ſich
etwas Kaufluſt bei leiht anziehenden Kurſen.
Frankfurter Produktenpreiſe wurden infolge des geſtrigen jüdiſchen
Feiertags keine feſtgeſetzt.
Berliner Produktenbericht vom 14. Oktober. Der Produktenmarkt
blieb heute ſo gut wie gänzlich geſchäftslos. Infolge des hohen
iſraeli=
tiſchen Feiertages war der Beſuch außerordentlich ſchwach, vom
Aus=
lande fehlte auch jegliche Anregung. Von Roggen lag einiges
In=
landsangebot vor, das von den mit der Stützung beauftragten Firmen
zu unveränderten Preiſen aufgenommen wurde. Nachfrage der Mühlen
war heute für beide Brotgetreidearten kaum zu beobachten. Am
Liefe=
rungsmarkt erfolgten nur wenige Umſätze, die Preisveränderungen
gingen über ½ Mark nach oben bzw. unten nicht hinaus. Am
Mehl=
i-H.ziche Gefezaftsſtille, ebenſo lagen Hafer und Gerſte
ſehr ruhig.
Hoher Stand der Schweinepreiſe.
Daß die Schweinepreiſe in der letzten Zeit einen hohen Stand
erreicht haben, zeigt das folgende Schaubild auf Grund der
amt=
lichen Zuſammenſtellungen über die Berliner Großhandelspreiſe
für Schweine und Schweinefleiſch. Die in den letzten Monaten
er=
reichten Durchſchnittspreiſe ſind die höchſten, die im Verlauf der
letzten vier Jahre erreicht worden ſind.
Großhandelspreis für Schrteine bezw.
Schweige-
feisch in RMpro 50kg.
—-Schweinefleisch
N Hebende Schteine
60
50* 26 1927 1e8 1929
„Im übrigen ergibt ſich aus dem Schaubild, daß die
Schweine=
preiſe ſtarken Schwankungen ausgeſetzt ſind. Die Kurven beziehen
ſich auf Berliner Notierungen. Die Preiſe, die anderwarts
im Reiche erzielt und feſtgeſtellt worden ſind, mögen von dem
Ber=
liner Preis mitunter mehr oder weniger ſtark abweichen, in der
Grundrichtung ſtimmen ſie aber mit dem Berliner Preis überein.
2
im
Rleine Witeſgaftsgachtichten.
Berliner Metallnotierungen fielen geſtern wegen des jüdiſchen
Feiertages aus.
Die geſtrige Abendbörſe fiel infolge des jüdiſchen Feiertages aus.
Am letzten Rindermarkt waren in Hamburg rund 3000 Tiere
auf=
getrieben. Das Geſchäft war infolgedeſſen derartig gedrückt, daß keine
Räumung erzielt werden konnte und die Preiſe weiter nachgaben.
Die Firma Lenz u. Co., G. m. b. H., Berlin, verhandelt mit
den zuſtändigen Behorden in Moskau wegen eines Auftrages für den
Bau von 400 000 qm Aſphalt= und Betonſtraßen. Wie wir hierzu
er=
fahren, ſollen die Arbeiten im Sommer nächſten Jahres durchgeführt
werden. Der Wert des Auftrages wird mit 10—11 Mill. Rubel, d. h.
20—22 Mill. RMM., angegeben.
Wie wir hören, beſchloß die Vereinigung der Fabriken verzinkter
Blechwaren ihre Auflöſung und gab den Inlandsverkauf ihren
Mit=
gliedern mit ſofortiger Wirkung frei. Der Grund für die Auflöſung
liegt in der Ablehnung einiger Außenſeiter, der Vereinigung
beizu=
treten, ſowie in dem Austritt verſchiedener bisheriger Mitglieder der
Vereinigung.
In einer Sitzung des Verbands=Elektrizitätswerkes Waldeck wurde
die Beteiligung an der Gründung der Kaſſeler A.G. vorläufig
ab=
gelehn
* Direktor Emil Schmitz=Mannheim blickt auf eine 25jährige
Tätigkeit in den Pfälziſchem Mühlenwerken Mannheim zurück.
In der Pforzheimer Schmckinduſtrie hat das Weihnachtsgeſchäft
ſehr gut eingeſetzt. Kurzarbeit iſt in einzelnen Betrieben vorhanden,
teilweiſe aber auch in manchen Betrieben wieder Ueberſtundenarbeit.
Der kurz nach dem Kriege einſetzende Export iſt wieder zurückgegangen.
Nach dem Wochenausweis der Londoner Bankfirma Samuel
Mon=
tagu u. Co. belief ſich in der Zeit vom 30. September bis 7. Oktober
der Goldimport auf 1 838 505 Lſtr. Hiervon kamen 1 Mill, Lſtr. aus
Auſtralien und 809 491 Lſtr. aus BritiſchSüdafrika. Der Expor=
be=
trug demgegenüber 207 598 Lſtr., wovon nach Frankreich allein
2 698 137 Lſtr. gingen.
In einer Sitzung zwiſchen den Vertretern der vier großen
Eiſen=
bahngefellſchaften und der Eiſenbahnergewerkſchaften wurde eine
Eini=
gung über den beſtehenden Lohnkonflikt erzielt.
Eine amerikaniſches Konſortium hat der Stadt Warſchau einen
Kredit in Höhe von 5 Mill. Dollar für die Verbeſſerung der Straßen
und den Ausbau des Autobusverkehrs angeboten. Ein endgültiger
Beſchluß von ſeiten des Magiſtra=s ſoll in den nächſten Tagen gefaßt
werden.
Die Veraxbeitung einheimiſcher und importierter Tabake in
Ita=
lien hat in den letzten ſieben Jahren eine vollkommene Verſchiebung
zugunſten des einheimiſchen Tabaks erfahren. In den Jahren 1921/22
wurden in den ſtaatlichem Betrieben 28 Mill. Zentner eingeführter
Tabak und 6 Mill. Zentner einheimiſche Ware verarbeitet.
Berliner Kursbericht
vom 14. Oftober 1929
Deviſenmarkt
vom 14. Oktober 1929
Me He
Lanatbank
.
eutſchie Bant
Disconto=Geſ.
Dresdner Bant
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
261.50 Mie ee
G. Farben
Gelſenk. Bergw. Nf
197.75 Kad
Rütgerswerke 341.—
.50 Helſingfors Währung
100 ſinn. Mi Ra
10.52 Vit
10.54 Schweiz Währung
100 Franten Geld
0.9 Brief
81.13 61.— 1.35.75 Salzdetfurth Kan 368.— Lien 100 Schilling 53.65 8.9 Spanien 106 Peſetas 74 58.86 31.— Geſ. f.elektr. Unterr 181.50 Leonh. Tietz 184.50 Prag 100 Tſch. Kr. 12.3. 12.414 g 100 Gulden 31.44 81. 155.50 Harpener Bergbau 141.50 erein. Glanzſtoff H.- Budapeſt 100 Peng! 3.07 73.21 Jap Yen 2. 117.50 Hoeſch Eiſen 24.— Verein. Stahlwerke Sofia 100 Leva 2.(38 Rio de Janeirc tilrei? 0.498 155.625 Phil. Holzmann 2.50 Weſteregeln Alkali 5.— Holland 100 Gulden go.48 68.5C Jugoſlawien 100 Dinar 7. 110.7! ſKali Aſchersleben 223. gsb.=Nrnb. Maſch. 82.375 Oslo 100 Kronen 111.9 112.13 Portugal 100 Escudos 18. 183.125 Klöcknerwerke 8.625 Baſalt Linz Kopenhagen 100 Kronen 111.95 12.17 Athen 190 Drachm 78.— öln=Neueſſ. Bgw. 120.- Berl. Karlsr. Ind. 67.375 Stockholm 100 Kronen 12.3: 112.57 Konſtantinope 1 tüirk. 2 1.* 1.9 226.5C Ludw. Loewe Hirſch Kupfer 11:0. London 1 E.Stg. 20.383 20.42: Kairo ägypt. * 26.905 20.94 209.50 Nannesm. Röhr. 75 vohenlohe=Wer ( Buenos=Aires 1 Pap. Pe o 1.75 1.76* Kanada canad. Doll a.1 g. 149 63.— Maſch.=Bau=Untn 49.125 Lindes Eismaſch.
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Frankfurter Kursbericht vom 14. Oktober 1929.
6% Dtſche.
Reichs=
anl. v. 27 ......"
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ſtaat v. 27 ...."
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ſtaat. . . . . v. 28
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Berlin v. 24.
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Mannh. v. 26.
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I, Heſſ. Landesbk.
Goldpfbr. . .
8‟), Heſſ. Landesbk.
Goldoblig.
41.% Heſſ. Lds.
Hyp.=Bk.=Liquid.
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1914
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Goldr.,
Aktien
Accum.=Berlin....
dlerw. (v. Kleher).
AEG. Stamm ..
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Erdöl ......."
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8C.4
112.5
27.5
14.35
7.25
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24.25
37
181.75
115
210.5
132.5
97
124
55
Jaa
37.25
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186
214
33
213
197.75
75
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48
130
1221,
130
92.5
78.25
215
364
140.25
155
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2.
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20.5
55.5
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Ka
108
145
106
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74
56
222
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Darmſt. u. Nt.=Bk. 1261.5
Deutſche Bank. ..
ff.-u.
Wechſel=
bank . . ..
Diskonto=Geſellſck
Dresdener Ban.)
Frankf. Ban1
öhp. Bank
Pfdbr.=Bk. /136
Gotha. Grundkr. Bk.
Mein. Hyp.=Bant
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Pfälz. Syp.=Bank
Reichsbanf=Ant.
Rhein.Creditbi.
Hhp.=Bank..
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Wiener Bankverein
103.
143
—
122.75
An4
161.5
120.5
51½,
132.25
124
21.75
131
119.5
147
A.-G. j. Veriehrew. 126.5
Allg. Lokalb. Kraftn
% Dt. Reichsbahn
Vorzge
Hapag.
117.5
Nordd. Lloyd
110
Schantung=Eifenk
Südd Ciſenb.=Geſ./119
Allianz. u. Stutte
Verſicherung ..
Frkft. Allg. Verſ.=G
Frankona Rück= u.
Mitv. .. .. . . . . .
Mennk. Berſich.
250
z
Re
von
rr W0r Swarreane MakkEn
Urheber=Rechtsſchutz durch Verlag Oskar Meiſter, Werdau i. Sa.
17)
Nachdruck verboten
„Die verſäumten Stunden werden Ihnen abgezogen!” ſagte
der Meiſter der Verpackungsabteilung, in der Suſanne Lindquiſt
arbeitete.
Gleichmütig nickte das Mädchen. „Ich weiß, Mr. Shorts.”
„Im übrigen”, grollte der Meiſter weiter, „ſind Kräfte, die
alle Augenblicke Urlaub brauchen, nicht willkommen. Das
prägen Sie ſich ein.”
„Ich habe, ſolange ich hier arbeite, nur einmal, und zwar
heute eine Stunde gefehlt”, verteidigte ſich Suſanne.
„Widerſprechen Sie mir nicht immer, das verbitte ich mir!“
fuhr ſie der Meiſter an.
Nun begehrte Suſanne auf. Kampfesmutig funkelten ihre
Augen. Sie hatte ja die Trümpfe in den Händen, konnte
ein=
mal vom Herzen herunterreden, was ſie wollte.
Kampfesmutig funkelten ihre großen ſchönen Augen.
„Ich rede, wie ich will. Sie haben mir nicht das geringſte
zu verbieten.”
Der Meiſter war erſt einen Augenblick ſtarr, dann rief er
wütend: „Noch ein Wort, und Sie ſind entlaſſen, liegen auf der
Straße!”
Doch Suſanne lachte auf.
„Ja, ja, das weiß ich, das wiſſen wir alle, die Sie hier
tyranniſieren, daß Mr. Towler in Ihnen einen gewalttätigen
Patron an die leitende Stellung ſeines Unternehmens geſetzt
hat. Sie können mich entlaſſen, ja, ich warte darauf, aus dieſer
Hölle herauszukommen. Aber ins Geſicht ſchreien will ich Ihnen,
ehe ich gehe: Sie ſind ein Schurke, ein hundsgemeiner Lump
Denken Sie doch einmal an das Schickſal der armen Anne, die
jetzt im Michigan ruht. Die haben Sie auf dem Gewiſſen, und
noch ſo manche andere. O, wäre ich doch Mr. Towler ..."
ich würde Sie ſofort an die friſche Luft ſetzen!“
Die Arbeiterinnen im Eaal waren Narr
Suſanne Lindquiſt hatte laut und klar geſprochen, ſo daß ſie
ein jedes Wort verſtanden hatten.
Zweihundert Herzen ſchlugen ſchneller. Zweihundert Herzen
waren von Suſannes Mut begeiſtert.
Shorts hatte einen Augenblick wie gelähmt geſtanden, dann
ſtürzte er ſich, ſeiner Sinne nicht mehr mächtig, voll Wut auf das
Mädchen.
Aber Suſanne erwartete ihn mutig. Ihre kleinen Hände
waren zu Fäuſten geballt.
Als die Hände des Meiſters auf ſie einſchlagen wollten,
wehrte ſie ſich heftig.
Shorts fluchte und drang weiter mit blutunterlaufenen
Augen auf ſie ein. Nun konnten ſich zweihundert Mädchen im
Saale nicht länger zurückhalten. Ein einziger Schrei der
Em=
pörung kam aus ihren Kehlen. Schon wollten ſie ſich auf Shorts
ſtürzen, um Suſanne zu helfen, da erſtarrten ſie plötzlich zu
Stein; denn Mr. Towler war eingetreten.
gamwe wentgt
E9
ut dei Auii zags!
Dechalb:
* Sokuetkaſfee
TAIf
MSKacKerOT
MiiteA —
das ſchmerkk ertzuckend
und hift ſo ſchön ſparen,
Beun das ganze Pfundpaktt
Kachreiner hſtet
K6
E
Nur Sun!
Auch Shorts ſah ihn und hielt inne. Schweratmend ging er
dem Chef entgegen.
„Was hat das zu bedeuten, Mr. Shorts?” fragte Mr. Towler
ruhig.
Shorts wollte antworten, aber Suſanne Lindquiſt kam ihm
zuvor. Mit lauter, durchdringender Stimme rief ſie flehend:
„Mr. Towler, befreien Sie zweihundert gequälte Seelen von
dieſem Teufel!
Shorts war keines Wortes mächtig, ſo würgte ihn die Wut.
Mr. Towler kam in ſeiner langſamen, ruhigen Art näher
heran und ſah Suſanne prüfend an.
„Wer ſind Sie?” fragte er nicht unfreundlich.
„Ich bin Suſanne Lindquiſt, Packerin in dieſer Abteilung
ſeit bald zwei Jahren. Ich verlaſſe heute meine Stellung; denn
ich vermag nicht mehr bei dem Manne zu ſchaffen, der von allen
verlangt, daß ſie ihm zur Verfügung ſtehen, der uns quält bis
aufs Blut. Unſere Kollegin Anne hat ſich ſeinetwegen im
Michigan ertränkt. Mr. Towler, wenn Sie Gerechtigkeit in ſich
tragen, ſo geben Sie der Abteilung einen anderen Chef.
Mr. Towler ſchwieg eine kurze Weile, dann wandte er ſich
an den Meiſter und fragte: „Was ſagen Sie dazu, Short?”
„Verdammte Lüge, Mr. Towler!” brüllte der Meiſter
Ein Aufſchrei der Mädchen aber anwortete: „Es iſt wahr
bei Gott . . . es iſt wahr!
Mr. Towler ſah den Meiſter ſtreng an.
„Wollen Sie mir noch ſagen, warum Sie ſich an einem
Mädchen tätlich vergreifen wollten?”
„Sie hat mich beleidigt, Mr. Towler.”
„Dann ſteht Ihnen zu, ſich zu beſchweren, und die
Perſonal=
abteilung wird in begründeten Fällen die Entlaſſung veranlaſſen.
Ich kann Sie nicht mehr gebrauchen, Shorts. Sie verlaſſen die
Werke. Holen Sie ſich an der Kaſſe Ihr Geld.”
Damit wandte ſich Mr. Towler ab, ohne die Mädchen oder
Suſanne eines weiteren Blickes zu würdigen und verließ den
Saal.
Shorts ſtand blaß vor Wut, dann ſchrie er wütend auf und
machte Miene, ſich auf Suſanne zu ſtürzen. Aber nun reckten
ſich ihm zweihundert Fäuſte entgegen, und ein teufliches
Spott=
gelächter gellte ihm in die Ohren.
Er wich und verließ den Raum.
Es war gut ſo; denn die Mädchen und Frauen, die er
jahre=
lang geknechtet hatte, hätten ihn totgeſchlagen. So wühlte es in
ihnen.
Sie umarmten Suſanne Lindquiſt ſtürmiſch und gaben ihr
in ihrer Dankbarkeit zärtliche Namen.
„Bleibe bei uns!” bettelten ſie.
Doch ſie wehrte ab. „Wenn ich gewußt hätte, daß Shorts
gehen muß, dann ja . . . aber nun habe ich eine Stellung in
Millans Fleiſchwerken angenommen.”
Den Abſchied aber feierten die Mädchen ganz großartig.
*
Benn las die wenigen Zeilen Georges und ſah Suſanne
Lindquiſt freundlich an.
„Gut, Miß Lindquiſt. Ich werde Sie in den Werken
unter=
bringen. Sie waren in der Verpackungsabteilung? Gut, gutl
Das kommt uns gelegen.”
Dann wandte er ſich zum techniſchen Leiter der Werke, Willy
Kramer, einem Hünen mit einem gutmütig freundlichen Geſicht.
„Mr. Kramer, ſagten Sie nicht, daß wir in unſerer
Ver=
packungsabteilung Saal 9 eine tüchtige Kraft als Aufſicht
brauchen?
„Jawohl!” ſagte Kramer gemütlich und nickte dem Mädchen
freundlich zu. Er war immer freundlich, keiner ſah ihn je mit
einem böſen Geſicht, und mit dieſer Freundlichkeit und mit einer
beiſpielloſen Tatkraft hielt er den Betrieb zuſammen.
Er ließ ſich von Suſanne erzählen, was ſie bisher in Towlers
Fleiſchwerken gearbeitet, und aus ihren Antworten erkannte er,
daß ſie in der Branche firm war.
Sie machte einen guten Eindruck.
Das Ernſte, Gefeſtigte ihres Weſens gefiel ihm ausgezeichnet.
„Gut,” ſagte Benn zu Kramer. „Sie ſoll die Aufſicht über
Saal 9 haben. Lohn vorläufig dreißig Dollar die Woche. Später
ſprechen wir noch einmal darüber.”
Suſanne Lindquiſt war überglücklich. (Forſetzung folgt.)
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