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Heſſiſche Neueſite Nachrichten
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ſ9. September 218 Reichsmark und 22. Pfennig
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nztpreiſes. Beſſellungen und Abbeſtellungen du
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Franffurt a. M. 4304
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche ilnſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſebenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſfattet.
Nummer 258 Dienstag, den 17. September 1929.
192. Jahrgang
2 mm breite Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg
FinanzAlnzeigen 40 Reichspfg. Rellamezelle (92 mn
breitl2. Reichemark. Anzelgen von auswärte 40 Reſchspfg
Finanz=Anzeigen 60 Reſchspfg. 92 mm brelte
Rellame=
zelle 3.00 Reichsma
ſe in Reich=
20 M
Dolſar —
Im Falle
Gewalil.
Krieg, Auffuhr, Streil uſw., erlſcht
umg der
Anzeigen=
iede Berpſichtung auf Ertu Goodenece
*
guſträge und Leſtung v
Konturs oder gerſchtiſcher Beſtreibung fällt jeder
Bank und Darme
Nabatt weg. Bankkonto Deutf
ſädter und Nationalbank
Das kommende Finanzprogramm.
* Der Ruf nach Skeuerreform.
2u Grundlinien der Reform: Henkung der
Real=
ſeern. — Beſeikigung der Sonderlaſten der Induſtrie
und der Landwirkſchaft.
Es iſt eine verdienſtliche Tat, daß der preußiſche
Finanz=
miſter Hoepker=Aſchoff das Thema der Steuerreform auf
dürPreußentagung der Demokratiſchen Partei endlich
angeſchnit=
tinhat. Er ſcheint auch ſchon über die Art, wie das ganze
Pyblem anzupacken iſt, ſehr beſtimmte Vorſtellungen zu haben.
(rverlangt eine Beſeitigung der Sonderlaſten der
Oſduſtrie und der Landwirtſchaft, Senkung der
Mellſteuern um rund ½ Milliarde und Auseinanderziehung der
Cinommenſteuer. Das iſt ein Programm, worüber ſich reden
lufl. Bedauerlich genug, daß auch diesmal wieder der
Nächſt=
bhtligte, nämlich der Reichsfinanzminiſter Dr. Hilferding, ſich
dae Initiative aus der Hand nehmen läßt.
Wir haben ſchon wiederholt verlangt, daß bei der
endgül=
tütgzer Verabſchiedung des Youngplanes durch den Reichstag von
dar Regierung und den Parteien beſtimmte Erklärungen
ab=
gogben werden möchten, die ſich nicht mit verwaſchenen Worten
bygügen, ſondern die Grundlinien der kommenden
Meform feſtlegen. Für, dieſes Jahr iſt ja nichts mehr zu
mchen. Wenn aber die neuen Steuern am 1. April in Kraft
thein ſollen — und das iſt ja auch unbedingt zu verlangen —,
dam müſſen die Geſetzentwürfe im Reichstag ſo rechtzeitig
ein=
mhacht werden, daß auch die Steuerämter ſich noch umſtellen
ſmen. Herr Dr. Hilferding hat alſo nicht mehr allzu viel Zeit
terlieren; trotzdem kann er ſich noch nicht aus ſeiner
Entſchluß=
ſikeit aufraffen, obwohl von den Referenten die Entwürfe im
mlntlichen wohl bereits fertiggeſtellt ſind. Die Anſprüche
auf Steuerſenkung gehen allerdings weit hinaus über die
F70Millionen, die durch den Youngplan eingeſpart werden. Da
kunnen Induſtrie und Landwirtſchaft wegen der Befreiung von
da/Sonderbelaſtung in Höhe von 300 Millionen für die
Indu=
ſt) und von 100 Millionen, für die Rentenbankablöſung. Die
Reihsbahn will von der Beförderungsſteuer von 300 Millionen
bäſteit ſein. Damit wäre alſo die ganze Erſparnis ſchon
aus=
gaſtöpft. Es bliebe nichts für den Abbau der Realſteuern, nichts
früirdie Senkung der Einkommenſteuer, allerdings auch nichts für
Gern Wiſſell, der ſehr weitgehende ſozialpolitiſche Wünſche hat.
Mi einfachen Abſtreichungen kommt man aber nicht vorwärts.
Eymuß ſchon ſyſtematiſcher vorgegangen werden. Vor allem
iſtes notwendig, die Schraube der Realſteuern
zühückzudrehen, was nach den bisherigen Erfahrungen nur
dauh einen reichsgeſetzlichen Zwang auf die Länder geſchehen
kemn, indem ihnen gleichzeitig ſelbſtverſtändlich Erſatz dafür
an=
gabten werden muß. Es iſt daher kaum damit zu rechnen, daß
dae Induſtriebelaſtung mit einem Male fortfällt. Sie wird ver=
Unulich jährlich um 100 Millionen gekürzt und nach 3 Jahren
wlg verſchwinden. Auch die Reichsbahn täuſcht ſich wohl, wenn
ſide laubt, die Beförderungsſteuer abſchütteln zu können. Das
Mech will auf dieſe Einnahmequellen nicht verzichten, die
Reichs=
bun höchſtens zu einem Teil zu entlaſten.
(Natürlich wäre es nützlich und eigentlich notwendig, wenn
biden Aenderungen, die jetzt kommen, ein grundſätzlicher
Neu=
bänunſeres ganzen Steuerſyſtems erfolgte, das bei der
Gelegen=
haßgeſetzmacherei der letzten Jahre ſtark der Einheitlichkeit
er=
mägelt. Aber daran iſt wohl kaum mehr zu denken. Wir
wer=
dänauch jetzt nicht viel mehr erreichen, als die Steuern in ihrem
Unag ſo umzubauen, daß ſie ergiebiger werden, im übrigen
ar die Reform aufſchieben, bis die Zeit für einen Finanzaus=
Mih zwiſchen Reich, Ländern und Gemeinden reif geworden iſt.
Figlich bleibt dabei, was mit der Bierſteuer geſchehen ſoll, die
aich erhöht werden müßte. Dieſe Abſicht iſt aber bisher an
d Bayern geſcheitert, deren Stimmen, innerhalb der
Regie=
raiskoalition nicht entbehrt werden konnten und die auch jetzt
al Hebel in Bewegung ſetzen werden, um eine ſtärkere ſteuer=
II9 Belaſtung des Bieres zu den Einnahmen des Reiches oder
ArLänder zu verhindern.
M Reichsral für das Arbeitsloſen=
Berſicherungs=
kompromiß.
* Berlin, 16. Sept. (Priv.=Tel.)
Nach ſehr harten Kämpfen iſt es der preußiſchen Regierung
khſigſtens im Reichsrat gelungen, eine Mehrheit für das Kom=
Anmiß in der Arbeitsloſenverſicherung zuſtandezubringen, das in
Bavergangenen Woche zuſtandegekommen iſt. Beſonders
ſtatt=
lchallerdings ſieht dieſe Mehrheit nicht aus. Sie beträgt eine
9ie Stimme und kam nur dadurch zuſtande, daß Preußen auf
ſeſte Nachbarſtaaten, vornehmlich wohl auf Lippe, einen
ent=
ſphenden Druck ausübte. Die Verſuche, die
ſüddeut=
ſſon Länder zu gewinnen ſind geſcheitert.
hern, Sachſen, Württemberg und Thüringen haben dagegen
AAmmt. Baden hat trotz mancher Bedenken ſich dafür ausge=
Richen. Im Ausſchuß war für das Kompromiß eine Minder=
1 zu verzeichnen, die dann vom Reichsratsplenum, allerdings
ürſter und zweiter Leſung mit der Mehrheit von einer Stimme,
(eworfen wurde.
Der Reichstag wird ſich nun alſo mit zwei
Erlagen zu befaſſen haben, von denen die eine, die
Aveſentlichen die urſprüngliche Regierungsvorlage darſtellt, die
Eitigung der allgemeinen Mißſtände vorſieht, während die
ſite nur auf eine 1½jährige Friſt die Einſchränkungen bei der
Atezeit und die Beitragserhöhungen behandelt. Die beiden
Letzentwürfe bilden aber inſofern wieder eine Einheit, als ſie
Rig ſtens rechneriſch das Defizit der Reichsanſtalt abdecken und
MLoch ausfüllen, das die Reichsregierung gelaſſen hatte. Nicht
W allerdings. Die Ausſchüſſe des Reichstags hatten Vorſchläge
gemacht, aus denen noch ein Ueberſchuß von 30 Millionen
her=
auskam, ſo daß die Verſicherungsanſtalt ſich langſam einen
Re=
ſervefonds bilden und ihre Schulden abbezahlen konnte. Was
jetzt herauskam, bringt
immer noch eine Unkerbilanz von 6 Millionen.
Großzügig tröſtet man ſich darüber hinweg, daß die Schätzungen
ſehr vorſichtig ſeien ,daß alſo praktiſch das Gleichgewicht zwiſchen
Einnahmen und Ausgaben ſich herausſtellen würde.
Nachdenk=
lich muß ſtimmen, daß ein Artikel auf Antrag der
Reichsregie=
rung geſtrichen worden iſt, wodurch die Reichsregierung das
Necht bekommen ſollte, die Leiſtungen der Verſicherung im
Ver=
ordnungswege herabzuſetzen, wenn Anleihen über mehr als
50 Millionen aufgenommen worden ſeien. Es bleibt alſo dabei,
daß das Reich unbegrenzt für alle Schulden der
Verſicherungsanſtalt haftet.
Allzuviel iſt mit der Annahme im Reichsrat noch nicht
ge=
ſchafft. Die Reichsregierung wird vielleicht in einigen Punkten
eine Doppelvorlage unterbreiten, im großen wird ſie die Vorlage
übernehmen. Fragt ſich allerdings, wer die Reichsregierung iſt.
Die volksparteilichen Miniſter ſind zweifellos gegen den
Ent=
wurf, und die ſozialdemokratiſchen Miniſter haben ſich bisher ſehr
zurückgehalten, begreiflich genug, wenn man das Echo in der
Sozialdemokratiſchen Partei lieſt und hört. Herr Aufhäuſer,
einer der ſozialdemokratiſchen Wortführer, hat jedenfalls die
Vor=
ſchläge mit aller Entſchiedenheit für unannehmbar erklärt und
eine Kapitulation der Sozialdemokratie genannt, wenn die
Par=
tei ſich darauf einlaſſe. Das klingt nicht gerade optimiſtiſch. Herr
Wiſſell wird alſo die undankbare Aufgabe haben, am Mittwoch
den Fraktionsvorſitzenden die Vorlage ſchmackhaft zu machen, mit
der er ſich innerlich wahrſcheinlich nicht identifiziert, die bei der
Volkspartei auf ein glattes Unannehmbar ſtößt und bei den
Sozialdemokraten als Kapitulation bezeichnet wird — das ſind
ſchlechte Vorzeichen für einen Erfolg, aber die notwendigen
Fol=
gen der von verantwortlicher Stelle gezeigten Lethargie.”
Das Handwerk gegen die Erhöhung der Beikräge
der Arbeitsloſenverſicherung für Saiſonarbeiker.
Nach den bekannt gewordenen Abmachungen iſt zwiſchen dem
Reichs=
kabinett und deu Preußenkahinett eine Verſtändigung über die
Re=
form der Arbeitsloſenverſicherung dahin zuſtande gekommen, daß für
denjenigen Teil des Saiſongewerbes, der beſonders hohe Löhne zahlt,
eine Beitragserhöhung um 1½ Prozent auf 4½ Prozent vorgeſehen
iſt. Hiervon wird vor allen Dingen das Baugewerbe betroffen
wer=
den. Der Reichsverband des deutſchen Handwerks hat gegen dieſe
Ab=
ſicht, die Saiſonarbeiterfrage rein ſchematiſch durch die
Beitrags=
erhöhung zu löſen, Einſpruch erhoben beim Reichskabinett, beim
Reichs=
wirtſchaftsminiſterium, beim Reichsarbeitsminiſterium, beim
Reichskom=
miſſar für das Handwerk und Kleingewerbe, ſowie bei den Fraktionen
der bürgerlichen Parteien. In ſeiner Begründung weiſt der
Reichs=
verband darauf hin, daß ein ſolche= Schritt alle die Beſtrebungen, die
auf eine Verbilligung des Bauens abzielen, mit einew Schlage
illu=
ſoriſch machen würde. Weiter wird angeführt, daß im Baugewerbe der
Anteil der Lohnkoſten an den geſamten Fertigungskoſten beſonders
hoch iſt, ſo daß Zuſchläge zu den Löhnen in Form von erhöhten
Sozial=
verſicherungsbeiträgen ſich beſonders ſcharf auswirken müſſen. Hinzu
tritt, daß die erhöhte Belaſtung der Arbeitnehmer durch die
Steige=
rung ihrer Beitragsleiſtung um 34 Prozent mit größter
Wahrſcheinlich=
keit eine neue Lohnbewegung auslöſen wird, ſo daß die wirkliche
Be=
laſtung des Lohnkontos über die vorgeſehene Erhöhung des Beitrages
von 1½ Prozent bedeutend hinausgehen würde. Der Neichsverband
des deutſchen Handwerks wiederholt ſeinen Vorſchlag, daß die
Saiſon=
arbeiter aus verſicherungstechniſchen Gründen für die berufsübliche
Ar=
beitsloſigkeit von der Verſicherung nicht erfaßt werden ſollen. Sollte
dieſe Forderung nicht verwirklicht werden können, ſo ſei eine Löſung
zu ſuchen, durch die ein beſſerer Ausgleich zwiſchen Leiſtung und
Gegen=
leiſtung geſchaffen wird. Nach der Auffaſſung des Reichsverbandes des
deutſchen Handwerks iſt dadurch zu erveichen, daß die Wartezeit
ver=
längert und die Unterſtützungsſätze ermäßigt werden. Zu erwägen
bleibt noch, ob nicht auch durch Verlängerung der Anwartſchaftszeit
dem verſicherungstechniſchen Grundſatz bei der Arbeitsloſenverſicherung
der Saiſonarbeiter beſſer Rechnung getragen werden kann.
Die Arbeitgeberverbände zur Arbeitsloſen
verſicherungs=Reform.
Nach Mitteilung der „Vereinigung der deutſchen
Arbeitgeberver=
bände” und des „Reichsverbandes der Deutſchen Induſtrie” haben beide
Organiſationen an die für die Reform der Arbeitsloſenverſicherung
zu=
ſtändigen Regierungsſtellen ein Telegramm gerichtet, in dem ſie
noch=
mals Widerſpruch gegen die durch Preſſenachrichten bekannt gewordene
Abſicht erheben, die Sanierung der Reichsanſtalt für
Arbeitsvermitt=
lung und Arbeitsloſenverſicherung durch eine allgemeine
Beitrags=
erhöhung um ½9 Prozent und eine weitere Beitragserhöhung um
1½ Prozent für die Saiſonberufe, insbeſondere für die Bauinduſtrie,
herbeizuführen. In dem Telegramm heißt es weiter, die derzeitige
Lage verlange eine Reform der Arbeitsloſenverſicherung ohne
Beitrags=
erhöhung. Dies ſei bei Durchführung der von den Arbeitgebern
ge=
machten Vorſchläge auch unter Wahrung der ſozialen Aufgaben der
Neichsanſtalt möglich.
Sozialiſtiſche Sörderung der Landflucht.
Lw. Während offiziell auch die Reichsregierung die
program=
matiſche Forderung vertritt, daß der Landflucht durch die
Sied=
lung und ſonſtige Maßnahmen entgegengearbeitet werden muß,
treten hervorragende Führer der Sozialdemokratie aus rein
par=
teipolitiſchen Gründen für die möglichſt umfangreiche Förderung
der Landflucht ein. Nach einem Bericht der ſozialiſtiſchen Preſſe
hat der ſozialdemokratiſche Parteivorſitzende in Mecklenburg
ge=
äußert, daß die gegenwärtige bürgerliche Regierung in Schwerin
nur dann beſeitigt werden könnte, wenn es gelänge, die
Land=
arbeiter in größerer Zahl zur Abwanderung in
die Stadt zubewegen. Auf dem Lande können die
Sozial=
demokraten zu ſchwer an die Arbeiter heran, während ſie in der
Stadt eine wertvolle Stütze der ſozialdemokratiſchen Herrſchaft
ſein könnten. Kommentar überflüſſig. Immerhin iſt das ein
Beiſpiel für die Motive und Methoden der
ſoziali=
ſtiſchen Agrarpolitik, das man ſich merken muß.
*
Sächſiſche Wirkſchaftsſorgen.
Von unſerem ſtändigen ſächfiſchen Mitarbeiter.
Die ſächſiſche Regierung hat in dieſen Tagen einen ſachlich
zweifellos begründeten und begrüßenswerten Erlaß an alle
Stel=
len der ſtaatlichen Verwaltung bekanntgegeben, der in ſeiner
Eigenart etwas Beunruhigendes an ſich haben würde, wenn es
nicht längſt bekannt wäre, daß es um die ſächſiſchen
Staatsfinan=
zen, mit denen ſich die Regierungsbekanntmachung mittelbar
be=
faßt, keineswegs roſig beſtellt iſt. Die Regierung erklärt, daß die
Kaſſenlage des Staats auf das äußerſte angeſpannt ſei, und ſieht
ſich gezwungen, ſogar, davon Kenntnis zu geben, daß die zur
Deckung des außerordentlichen Haushalts erforderlichen Mittel
zur Zeit nicht in vollem Umfange vorhanden ſind. Ihre
Auf=
forderung geht dementſprechend dahin, auf allen Gebieten der
ſtaatlichen Verwaltung ſchärfſte Einſchränkung und ſtrengſte
Sparſamkeit zu üben, ja jede Aufgabe daraufhin zu prüfen, ob
ſie nicht unter irgendwelchen Umſtänden vermieden werden kann.
Ausgaben, die ſich als unvermeidbar erweiſen, ſollen tunlichſt
noch lange hinausgeſchoben werden, freiwillige Staatsbeiträge, —
ſagen wir ruhig — unter allen Umſtänden unterbleiben. In
einem beſonderen Abſatz des Erlaſſes wird mit etwas verſteckten
Worten eine verſchärfte Steuerbeitreibung in Ausſicht geſtellt,
indem alle Stellen der ſtaatlichen Verwaltung die Anweiſung
erhalten, den Staatseinnahmen und ihrem rechtzeitigen Eingang
die größte Sorgfalt zu widmen. Einzelkaſſen ſollen die
Abfor=
derung von Bedarfsgeldern auf das alleräußerſte einſchränken
und jeden irgendwie entbehrlichen Kaſſenbeſtand an die offenbar
ſchwer notleidende Landeshauptkaſſe abliefern. Man weiß im
einzelnen nicht, wie ſich die Motive, von denen ſich die
Regie=
rung des Freiſtaates Sachſen bewegen läßt, ziffernmäßig
aus=
drücken. Aber es wird wohl darauf geſchloſſen werden können,
daß ein ſo ernſter Appell vor breiteſter Oeffentlichkeit nur dann
ſtatt der ſonſt üblichen Anweiſung für den inneren Dienſtbetrieb
erlaſſen wird, wenn eine wirkliche Gefahr für die
Aufrechterhal=
tung des Staatsbetriebes ſich ankündigt. Der Sachverhalt iſt ja
ziveifellos der, daß der kataſtrophale Niedergang der Wirtſchaft,
der entgegen der Ueblichkeit der letzten Jahre ſchon vor Ablauf
der Sommerzeit in Erſcheinung getreten iſt, auch auf die
Verhält=
niſfe der öffentlichen Körperſchaften ſtärkſte Schatten zu werfen
beginnt. Bis zur Mitte des Jahres möchte es ſo ſcheinen, als ob
in ganz Deutſchland eine relativ befriedigende wirtſchaftliche
Ent=
wicklung ſich vollzog. Die Hauptprodukte der Gütererzeugung wieſen
mit wenigen Ausnahmen progreſſiv anſteigende
Monatstonnen=
zahlen auf. Die Erwerbsloſigkeit verminderte ſich, und zwar von
2 246 000 Hauptunterſtützungsempfängern in der
Arbeitsloſen=
verſicherung, die es im Januar gab, bis auf 710 500 im Juli. Die
Wagengeſtellung bei der Reichsbahn ebenſo wie die Einnahmen
dieſes Inſtituts wieſen gleichfalls monatlich anſteigende Ziffern
auf. Die Ausfuhrwerte im reinen Warenverkehr blieben zum
mindeſten konſtant. Aber alle dieſe günſtigen Anzeichen dürften
im letzten Monat eine nicht unerhebliche Verſchiebung erfahren
haben. Genaueres wird man ſagen können, ſobald die
ent=
ſprechenden landes= und reichsſtatiſtiſchen Zahlungsergebniſſe
vorliegen. Für Sachſen dürfte ſich dabei herausſtellen, daß es
vom Ernſt der allgemeinen Wirtſchaftslage in Deutſchland am
ſchwerſten heimgeſucht wird, wie es die dichte Siedlungsweiſe
und intenſive Induſtriealiſierung des Landes nicht anders
er=
warten laſſen. Soweit ſchon jetzt entſprechende
Prüfungsergeb=
niſſe vorliegen, laſſen ſie ein betrübliches Abgleiten der ſächſiſchen
Wirtſchaft verſpüren. In der „Sächſiſchen Induſtrie”, dem
Organ des Verbandes Sächſiſcher Induſtrieller, wurde kürzlich
einſchlägiges Material veröffentlicht. Darnach weiſt das
Som=
merhalbjahr 1929 einen Rekord an Konkurſen auf, wie er in den
vorangegangenen Jahren nicht vorhanden war. Gegen 422
Kon=
kurſe und 65 Vergleichsverfahren im Sommerhalbjahr 1927 ſind
im entſprechenden Zeitraum dieſes Jahres 741 Konkurſe und
264 Vergleichsverfahren abgeſchloſſen worden. In derſelben
Nichtung deutet die Zunahme der Wechſelproteſte, die in den
erſten 6 Monaten des Jahres 1927 20 400 im Werte von 3,77
Millionen Mark umfaßte, während ſie 1929 zwiſchen Januar und
Juli auf 36 400 Proteſte mit der Geſamtſumme von 6 890 000
Mark anſtieg. Dabei iſt der Zugang an Auslandswechſeln in
Sachſen von 83 Millionen im Sommer 1927 auf 118,5 Millionen
Mark im gleichen Zeitraum des laufenden Jahres geſtiegen,
ob=
wohl Verkehrs=, Produktions= und Umſatzziffern eine auch nur
einigermaßen entſprechende Zunahme nicht aufweiſen. Die
Fol=
gerung, die daraus gezogen werden muß, iſt unbedingt die, daß
die ſächſiſche Wirtſchaft einen großen Leerlauf aufzuweiſen hat,
der zur fortſchreitenden Aufzehrung des Kapitals führte und
weiter hinführen muß. Ob die ſächſiſche Regierung angeſichts
dieſer Tatſachen mit ihrem alarmierenden Erlaß, insbeſondere
aber mit der Ankündigung erhöhten Steuerdrucks und ſchärferer
Beitreibung der Steuermitel den richtigen Weg geht, muß
unbe=
dingt verneint werden; denn letzten Endes wird ſie damit nichts
anderes erreichen, als eine Beſchleunigung des Zuſammenbruchs
der ſchwer kämpfenden Unternehmungen gerade des mittleren
und kleinern Gewerbes, aber auch der mittel= und
großinduſtriel=
len Betriebe. Man war erſchrocken, kürzlich zu erfahren, daß
eine führende ſächſiſche Hutfabrik, die Jahrzehnte lang beſtanden
hat, trotz einer keineswegs ungünſtigen Bilanz einfach aus
Man=
gel an Betriebsmitteln zum Konkurs gezwungen wurde. Daß
ſolche Vorkommniſſe durch eine ſchärfeve Beitreibung der Steuern
nicht eingeſchränkt, ſondern vervielfacht werden müſſen, liegt auf
der Hand. Wenn es ſchon politiſch nicht recht verſtändlich iſt,
daß die Regierung, die nach ihrem Programm den Kurs ihrer
Vorgängerin fortſetzen will und damit unbedingt auch die
Steuermilderungsverordnungen mancherlei Art bejahen ſollte,
die unter dem letzten Kabinett Heldt erſchienen, ſo iſt es
wirt=
ſchaftlich abfolut unbegreiflich, den ziffernmäßig beweisbaren
Niedergang der Wirtſchaft mit verſtärktem Steuerdruck zu
beant=
worten. Hier wird die ſächſiſche Regierung bei der
Parlaments=
eröffnung im Spätherbſt noch einige Aufklärungen geben müſſen.
Dem wirtſchaftsparteilichen Finanzminiſter ſelbſt
dürfte es nicht leicht ſallen, ſeine widerſpruchsvollen Edikte ſowohl
vor dem Parlament wie vor den Kreiſen der Wirtſchaft zu
recht=
fertigen.
Seite 2
Dienstag, den 17. Geptember 1929
Nummer 258
Ein weikeres Geſtändnis.
Altona, 16. September.
Die Ermittlungen über die Bombenattentate ſind, wie das
Preußiſche Landeskriminalpolizeiamt mitteilt, zu einem gewiſſen
Abſchluß gelangt. Die Feſtſtellungen haben der amtlichen
Erklä=
rung zufolge ergeben, daß die verſchiedenen Bombenattentate
von denen die meiſten ſchon jetzt reſtlos aufgeklärt werden
konn=
ten, auf eine einheitliche politiſche Bewegung
rechtsradikaler aktiviſtiſcher Kreiſe zurückzuführen
ſind. Als Mittelpunkt dieſer Bewegung iſt allem Anſchein nach
die Reichshauptſtadt anzuſehen. Von den in Berlin
feſtgenom=
menen elf Perſonen wurden im Laufe des Montagvormittags
ſieben Perſonen dem zuſtändigen Richter vorgeführt. Vier
Per=
ſonen wurden im Laufe des Sonntags entlaſſen, da das Material
zu ihrer Ueberführung nicht ausreichte. Von den in Altona im
polizeilichen Gewahrſam ſich befindenden 24 Perſonen
er=
ſcheinen 23 derart ſtark belaſtet, daß gegen ſie von der Polizei
richterlicher Haftbefehl erwirkt werden wird. Zu dieſen 23
Per=
ſonen gehören leitende Perſönlichkeiten der Landvolk=Bewegung.
Wie das Polizeipräſidium mitteilt, wurde im Laufe des
Sonn=
tags der Landwirt Franz Luhmann aus Clues bei Winſer
an der Luhe und der Diplomlandwirt Rittmeiſter a. D. Walter
Bohm aus Altona feſtgenommen. Ferner wird bekannt, daß vor
den in Haft befinndlichen Perſonen ein weiteres Geſtändnis über
den am 9. Juni auf das Wohnhaus des Landrats in Niebüll
er=
folgten Anſchlag eingeſtanden wurde. Damit wären nur noch die
beiden Anſchläge in Lüneburg und am Reichstagsgebäude in
Berlin zu klären.
1
Dh
Aburkeilung der Bombenakkenkäter in Berlin.
Inzwiſchen hat man ſich an den zuſtändigen Stellen dahin
geeinigt, daß die Aburteilung der verſchiedenen Bombenattentate
vor einem Berliner Gericht ſtattfinden ſoll. Die Berliner
Poli=
tiſche Polizei ſoll dazu die entſprechenden Vorbereitungen
tref=
fen. Von der Polizei wird erklärt, das vorliegende Material
reiche aus, um ein Verfahren wegen Verbrechens gegen das
Sprengſtoffgeſetz einzuleiten, insbeſondere wegen Herſtellung von
Sprengſtoffen, Benutzung zu Bombenattentaten, außerdem gegen
einzelne Verhaftete wegen Mitwiſſerſchaft, bezw. Begünftigung
von Verbrechen und Beteiligung an Geheimbündelei uſw.
Die Holfkeiner Beſchuldigken gegen Ueberleitung
der Unkerſuchung nach Berlin.
Rechtsanwalt Dr. Lütgebrune hat im Namen der
holfteini=
ſchen Beſchuldigten in der Bombenattentatsangelegenheit folgen
des Telegramm an den Preußiſchen Juſtizminiſter gerichtet:
„Namens der von mir vertretenen weitaus größten Anzahl
der in der Bombenaffäre Beſchuldigten, nämlich aller in Altona
Verhafteten, proteſtiere ich gegen das durch die Preſſe mitgeteilte
Vorhaben, die Sache nach Berlin abzugeben. Ich bitte um
An=
weiſung an Oberſtaatsanwalt Altona, nach dorthin zu
über=
nehmen, zumal zehn von elf Anſchlägen in und um Altona
ge=
ſchehen und Abgabe nach Berlin Aufklärung und Verteidigung
unnötig erſchwert. Die Beſchuldigten beſtehen auf ihrem
verfaſ=
ſungsmäßigen Recht, vor heimiſche Richter geſtellt zu werden.”
deutſcher Landkreistag in Baden=Baden.
Baden=Baden, 16. Sept.
Unter großer Beteiligung fand am Montag hier die diesjährige
Hauptverſammlung des Deutſchen Landkreistages in Anweſenheit von
Behördenvertretern ſowie zahlreicher Reichstags= und
Landtagsabge=
ordneter ſtatt.
Der Präſident des Deutſchen Landkreistages Dr. v. Stempel wies
darauf hin, daß der Youngplan die künftige Geſtaltung des
Reichs=
finanzausgleiches maßgebend beeinfluſſen werde. Für den Fall der
An=
nahme des Young=Planes forderten die Landkreiſe ſchon jetzt, daf
die ſich etwa daraus ergebenden Erleichterungen den Gemeinden und
Gemeindeverbänden zugute kommen. Die Belaſtung der
Kreisein=
geſeſſenen ſei heute ſchon bis zur Unerträglichkeit geſteigert, und die
Zukunft müſſe unter allen Umſtänden weſentliche Erleichterungen brin
gen. Ueber das Thema „Wohlfahrtspflege und ländliche Wirtſchaft”
zeferierte Landrat Dr. Kracht=Heide. Der Redner unterſuchte,
aus=
gehend von der vielfach nicht genügend gewürdigten Bedeutung der
ländlichen Wirtſchaft für Geſamtvolk und Staat, die Zuſammenhänge
zwiſchen Wirtſchaft und planmäßiger umfaſſender Wohlfahrtspflege,
die ſich auf wirtſchaftliche, geſundheitliche und kulturelle Förderung der
ländlichen Bevölkerung bezieht.
Oberregierungsrat im badiſchen Miniſterium des Innern Dr.
Schühly ergänzte die Ausführungen des Vorredners in Rückſicht auf
die kleinbäuerlichen Verhältniſſe in Süddeutſchland, insbeſondere in
Baden. Anſchließend behandelte der Redner die Bedeutung der
Sozial=
verſicherung für die ländliche Wirtſchaft und Wohlfahrtspflege, die
gerade in den kleinbäuerlichen Verhältniſſen von erhöhter Bedeutung
iſt, weil ſie weitgehend auch den Kleinunternehmern zugute kommt.
* Karl worfscehl.
Zu ſeinem ſechzigſten Geburtstage.
Von Friedrich Gundolf.
Faſt jede Bewegung, die durch Führer ſichtbar wird und
durch Gruppen mehr oder minder unterirdiſch weiterdringt,
emp=
fängt ihre Macht außer von den großen und weithin ſichtbaren
Werken und Taten, ihren „Denkmalen” oder „Markſteinen”, und
von Folgen, welche des Führers Werk umſetzen in flachere,
faß=
lichere übertragbare Breiten, in Schulen, Methoden oder wie
immer man das kollektive Wohl oder Uebel benenne — durch rege
und reiche Lebensgeiſter, die ſchwer faßlich ringsum ſprühen oder
drängen und ohne perſönlichen Ehrgeiz, ohne haftbare Eitelkeit,
ja ohne eigentliche Werkziele aus der Fülle eines vom Überſchuß
erſchütterten und ausgeglichenen Weſens die Ströme vor der
Er=
ſtarrung unwillkürlich ſchützen und ſelbſt dem beſtimmten Willen,
dem ſie freudig dienen, einen geheimnisvollen Rückhalt verheißen,
gleichſam als Chaos, deſſen jede Erſcheinung bedarf. Mit der
Zeit munkelt oder ſpricht ſich dann bei jedem Sieg und
Durch=
bruch ſolch ein verborgener Mitwirkender, zumal in unſeren
lüſternen hiſtoriſchen, beſſerwiſſenwollenden Jahrzehnten, als der
Eigentliche oder Wirkliche herum. Im Guten wie im Böſen muß
er den Dank oder Hohn abnehmen, den ein Meiſter oder eine
Gemeinſchaft ſich zugezogen haben und die Wiſſenſchaft fängt
an hinternach feſtzuſtellen, was ſich von vornherein geregt habe,
mit unzulänglichem Kauſalitätswerkzeug eine Wachstumseinheit
zerreißend und verfälſchend. Ein berühmtes Beiſpiel ſolch eines
gleitenden Kräftewebens vor und mit dem Schöpfer iſt Hamann
und neuerdings ahnt man ſelbſt am Urſprung der
weltbeherr=
ſchenden Hegelei den leiſen Hölderlin.
Es mag einem Freund erlaubt ſein, einem Mann zu ſeinem
ſechzigſten Geburtstag öffentlich zu danken, der ſeit einem
Men=
ſchenalter wie kein zweiter im Licht und im Schatten Stefan
Georges als ſolch ein Begleiter und Verwandter einer Strahlung
gewirkt hat, die heute ſchon öffentlich genug iſt, um ohne
Preis=
gabe ihrer unveräußerlichen Gründe von ihrer Geſchichte zu
ſpre=
chen, zumal dadurch vielleicht der müßige Klatſch um das
viel=
deutig Bewegte ein wenig beſchwichtigt wird. Karl Wolfskehl
iſt zahlloſen Menſchen durch Gerede jeder Art und Abſicht eine
Vorſtellung, vielen beleuchtet von ſeiner Zugehörigkeit zum
„Georgekreis” her als myſtiſcher Dichter, vielen vom Münchener
Faſching, vielen aus Zeitungen als ein Kenner unüberſehbarer
Von Tage.
Die interparlamentariſche Handelskonferen;
wird ihre 15. Vollverſammlung in Berlin unter dem Protektorat des
Reichstagspräſidenten und des Reichskanzlers abhalten. Die
Eröffnungs=
ſitzung wird am 23. September im Reichstag ſtattfinden. Es werden
insgeſamt 40 Parlamente vertreten ſein.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat dort die O.G.P.U. im
Zu=
ſammenhang mit der Entdeckung der Geheimorganiſation „
Wieder=
geburt” 30 Perſonen verhaftet. Sie ſind beſchuldigt, Propaganda in
der Roten Armee und Roten Marine getrieben zu haben.
Die Tage der Herrſchaft des Uſurpators von Afghaniſtan
Habib Ullah, dürften gezählt ſein. Den Streitkräften des
Machthabers von Kabul wurde von dem kriegeriſchen Stamm der
Du=
ranis nach in Sima einlaufenden Meldungen eine empfindliche
Niederlage beigebracht. Danach ſoll die wichtigſte Stadt von
Süidafghaniſtan, nämlich Kandahar, die Hauptſtadt der gleichnamiger
Propinz, ohne Blutvergießen von den Duranis eingenommen
wor=
den ſein.
In Sofia wurde am Sonntag ein ſüdſlawiſcher Staatsbürger
namens Anaſtas Spaſitſch auf offener Straße meuchlings
er=
mordet. Spaſitſch, ein Photograph aus Zaxibrod, erhielt 30 Meſſer
ſtiche und wurde von drei Revolverkugeln getroffen. Die Täter ſind
bisher unbekannt. — Außerdem wurde der Sofioter Rechtsanwalt Angel
Nikoloff von unbekannten Tätern erſchoſſen.
Nach der angekündigten Reform des Großen Fasciſtenrats wird
jetzt auch eine Reform des fasciſtiſchen Parteiſtatuts
angekündigt. Man iſt daher auf die nächſte Seſſion des Großen
Fas=
ciſtenrats ſehr geſpannt. Der Parteiſekretär Turati beabſichtigt,
ein=
ſchneidende Aenderungen in dem Parteiſtatut vorzuſchlagen.
Die Haltung des Völkerbundes in der
Opium=
frage war Gegenſtand einer ſehr lebhaften Auseinanderſetzung in
der humanitären Kommiſſion der Vollverſammlung. Die Kritik
er=
ſtreckte ſich, wie in den letzten Jahren mehrfach, auf die Verzögerung
der Ratifikationen der Opiumkonvention durch die
Völkerbundsmitglie=
der und gegen die Läſſigkeit gewiſſer Mitglieder, die keine Auskunft
über die Rauſchgift= und Opiumproduktion in ihren Ländern liefern.
Ein ſcharfer Proteſt iſt ebenſo gegen die
Tſchechoſlo=
wakei wegen der Behandlung der karpathenruſſi
ſchen Minderheit in Genf eingelaufen, der die Tſchechoſlowakei
heute noch die in den Friedensverträgen zugeſicherte kulturelle und
nationale Autonomie verweigert.
Die kroatiſchen Proteſte gegen die ſüflawiſche
Regierung, die regelmäßig zu jeder Ratstagung in Genf
ein=
treffen, häufen ſich diesmal aus Anlaß der Vollverſammlung.
Wie aus Nanking gemeldet wird, hat die Nankingregierung
den chineſiſchen Geſandten in Genf beauftragt, nach
Beendigung der Ratstagung ſich nach Berlin zu begeben
um dort Verhandlungen mit dem
Sowjetbotſchaf=
ter Kreſtinſki zu führen.
Die Organiſakionskomikees nehmen ihre Arbeiken auf
EP. Paris, 16. September.
Die drei zur Ausarbeitung des Young=Planes vorgeſehenen
Organiſationskomitees haben ſich heute morgen zu ihren erſten
Sitzungen verſammelt, die nur von kurzer Dauer und reine
Formſache waren. Das Komitee zur Liquidierung
des Krieges eröffnete ſeine Sitzungen um 11 Uhr. Vertreten
ſind darin: Deutſchland durch Dr. Dorn, Belgien durch J. M.
Marx, England durch Sir John Williams, Frankreich durch
Dayras, Griechenland durch Politis, Rumänien durch Titulescu
und ferner Japan, Italien, Polen, Portugal und die
Tſchecho=
ſlowakei. — Das Komitee beſchloß, am nächſten Mittwoch die
Arbeitem aufzunehmen.
Am Sitz der franzöſiſchen Abteilung für Sachlieferungen
tagte das Sachlieferungskomitee.
Das Komitee für die abgetretemen
Staats=
güter, das ſich auch mit der Frage der Regelung der
ſogenann=
ten Oſt=Reparationen zu beſchäftigen hat, hat ſſch am Sitz der
Re=
parationskommiſſion ebenfalls zu einer erſten Fühlungnahme
verſammelt. Die nächſte Sitzung iſt auf morgen nachmittag
an=
berqumt worden.
Die Reiſe Parker Gilberts nach Amerika.
Berlin, 16. September. (Priv.=Tel.)
Die plötzliche Abreiſe des Reparationsagenten Parker Gilbert
nach Amerika iſt von der internationalen Preſſe zu allerlei
Kom=
binationen benutzt worden. Wir glauben, daß dieſe Reiſe mit der
Reparationspolitik in keinem Zuſammenhang ſteht. Die Tage des
Agenten in Deutſchland ſind gezählt. Wahrſcheinlich iſt in dieſer
Tatſache der Grund ſeiner Reiſe nach Amerika zu ſuchen, um dort
bei Verhandlungen in New York für ſich eine neue Poſition zu
ſuchen.
Schärfſter Kampf der 2.B.P. gegen dieſe Polikik der
verankworkungsloſen Aufpeitſchung der Maſſen.
Hannover, 15. Sept.
Der Parteitag der Deutſchen Volkspartei für den
Reichstags=
wahlkreis Südhannover=Braunſchweig faßte eine Entſchließum,
in der es u. a. heißt:
„Der Parteitag der Deutſchen Volkspartei im Wahlkrefi / o
Südhannover=Braunſchweig dankt dem Führer der Parts= sunſ
Mie
Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann, und dem Reichswirtſchaſtss 5.
miniſter Dr. Curtius für die aufopfernde Arbeit, die ſie im ir
Haag für Deutſchland geleiſtet haben. Der Parteitag iſt ſich deſſe, 9.
bewußt, daß auch der Youngplan dem deutſchen Volke Laſte Aoon
aufbürdet, die es nicht auf die Dauer tragen kann. Aber & ſhug
bringt uns eine weſentliche Senkung der Tributzahlungen übg W
Ar
die nächſten Jahre. Ein Teil unſerer Verpflichtungen hat der „ie es.
Transferſchutz verloren. Aber ein großes nationales Ziel füf zaizoll
hierbei erreicht worden: Die vom Feinde beſetzten Teile Deutſch, Veriom
lands werden geräumt, der Rhein wird frei. Jetzt gilt es, dure iſcgen
ein großzügiges Reformwerk den Staatsaufbau zu vereinfachen. Aiw ne
Der Parteitag erachtet es als ein nationales Unglück, daß z. en
dieſem Zeitpunkt ein unter Führung Hugenbergs ſtehende huttes
nit den
Reichsausſchuß in demagogiſcher Weiſe durch Entfeſſelung eine=) ſcherwei
Volksbegehrens ſchwere innere Kämpfe und neue Zerſplitterunn der M
ins Volk trägt. Seine Annahme würde Deutſchland aufs neu ſe
in unabſehbare außenpolitiſche Gefahren ſtürzen. Das Rheiry/
land bliebe beſetzt. Die Kriſe der Landwirtſchaft würde ſich ver nit Re
ſchärfen. Das innerpolitiſche Reformwerk würde verhinder en die
den
Seine zweifelloſe Ablehnung aber belaſtet uns nach außen m:/ ſieshad
dem Schein einer freiwilligen Zuſtimmung zu den uns auferleg, ü belege
ten Laſten. Darum fordert der Parteitag ſchärfſten Kampf gege ung de
dieſe Politik der verantwortungsloſen Aufpeitſchung der Maſſen.
Die Zenkrumsſphinr.
* Berlin, 16. Sept. (Ppiv.=Tel.)
ſtei
fer ſol4
erch
den d
Die Zentrumsfraktion des Reichstags hat in Koblenz wie= gag der
der einmal einen ausgeklügelten Beſchluß gefaßt. Sie hat ſich ſegen liet
dem Young=Plan gegenüber noch nicht feſtgelegt, ſondern
ihr=
dte ha
endgültige Stellungnahme abhängig gemacht von dem Ergebnis
der laufenden Verhandlungen, vornehmlich von der Rückgliede= ſie
rung der Saar. Herr Dr. Kaas, der ja unmittelbar aus Gene
kam, hat dieſen Beſchluß maßgebend beeinflußt. Er wird
ver=
mutlich hoffen, damit die franzöſiſche Regierung unter Druck
nehmen zu können, die ſich zwar für den Young=Plan erklärt hat, Heit
aber bei den Saarverhandlungen ſicherlich einen möglichſt hohem ſo9 A
Preis nach Hauſe bringen möchte. Sie wird vielleicht billigem
mit ſich reden laſſen, wenn ſie ſich vor der Gefahr ſieht, daß
ohne=
die Rückgabe des Saargebiets eine Mehrheit im Reichstag nichtt
zu haben iſt. Das intereſſanteſte an dem Beſchluß der Zentrums
fraktion iſt aber, daß über die Kontrolle nichts geſagt iſt. Hier
über gingen ja bekanntlich die Auseinanderſetzungen zwiſchen
Dr. Kaas und Dr. Wirth. Wenn jetzt feſtgeſtellt wird, daß
Fraktion zu einer einheitlichen Auffaſſung gekommen iſt, ſo !
ſich daraus wohl herausleſen, daß Herr Dr. Kaas ſeinen Wide
ſpruch gegen die Regelung vom Haag zunächſt zurückgeſtellt
und bereit iſt, über dieſen „Schönheitsfehler” hinwegzuſeh
wenn bis zur Unterzeichnung des Schlußprotokolls eine befn
digende Regelung unſerer Forderungen auf das Saargebiet
funden iſt.
Genf, 16. Sept. (Priv.=Tel.)
Zwiſchen dem jugoſlawiſchen Außenminiſter Marinkowitſt
und dem bulgariſchen Außenminiſter Burow haben erneute B
ſprechungen wegen der Regelung der Oſtreparationen für
Bul=
garien ſtattgefunden. Dabei hat, wie von ſerbiſcher Seite erklän
wird, Marinkowitſch dem bulgariſchen Außenminiſter die
Zuſiche=
rung gegeben, daß Jugoſlawien ſich einer Regelung de Repara
tiosfrage für Bulgarien in keiner Weiſe in den Weg ſtellen werd
da ſeine Anſprüche durch die im Haag getroffene Regelung
be=
friedigt ſeien. Wie von der gleichen Seite verlautet, erhebt jedo
Griechenland noch Anſpruch auf einen Anteil von neun Millionen
Goldmark jährlich aus den bulgariſchen Reparationen, u.
ebenſo hat ſich Italien ein Einſpruchsrecht offen gehalten, ü.
das in den Verhandlungen, die demnächſt in Paris beginnen,
ge=
ſprochen werden muß.
Wiſſensgebiete, die er mit einer ſelbſt Fachleute oft
verblüffen=
den Sicherheit, Gedrungenheit und mühloſen Freiheit
durch=
ſchreitet, vielen teils aus privaten Zirkeln, teils aus
gelegent=
lichen Feſtgaben, teils aus öffentlichen oder halböffentlichen
Scherzen als ein Geiſt von grenzenloſer Reichweite und
trun=
kener Einfallfülle, vom Schlag der Rabelais, Fiſchart, Jean Paul
vielen als Helfer und Berater in Nöten und Sorgen jeder Art
von Wortwahl bis zu Berufswahl, faſt immer auch im kleinſten
ſachkundiger als der Frager und mit einem ſechſten Sinn, der
Wahrnehmung und Durchdringung begabt in faſt allen Bereichen,
als habe ein Augenleiden ſeine Sinne geſteigert. Wer ohne
böſen Willen, nicht eingenommen durch den üblichen Klatſch, nicht
gekränkt durch einen der zahlloſen Witze Wolfskehls (meiſt ſchärfer
ſormuliert als ſpitz gemeint und aus dem Wohlwollen eines
ſelbſtſicheren Herzens und oft überlegen unüberlegten Geiſtes,
der ganz vom Hier und Jetzt beſeſſen mit der tauſendfältigen
Negung ſeiner Inhalte ſpielt und geſpielt wird, heimgeſucht in
der Sekunde von Geſichten der Zeiten und Zonen), dieſem Mann
begegnet mit halbwegs offenem Sinn, den verwirrt, ärgert oder
bezaubert eine Exuberanz ohnegleichen — als Ueberſchuß von
Geiſt und Leben — und Exuberanz, als Taumel und Schnelle,
Spannung von Vitalität und feinſter Bildung. Chaos als Geiſt.
Wolfskehl iſt, bei aller Weite ſeiner wiſſenſchaftlichen
Teil=
nahme, zunächſt ein Dichter eben vermöge ſeines Gefühls für die
vitalen Urſprünge der Sprache aus den Kräften, des Uebergangs
von der Stimme ins Wort, des ſinnlichen Klangs in den
Bild=
geiſt und wiederum der Heimkehr des feſtſtellbaren Begriffs und
Geſichts in den dunklen Wandel. Die viel beſpöttelte Dunkelheit
ſeiner Gedichte ſtammt nicht wie bei ſeinem Meiſter George aus der
herriſchen Verdichtung, die ſich jeden intellektualen Mittlertums
zwiſchen Geſicht und Ausdruck entſchlägt, ſondern aus den
Ueberſchwingen ſeiner Geſamtnatur aus dem beſtändigen
Ueber=
gang einer höchſt beſtimmten und hellen Einzelſeele in die
vor=
geſtaltlichen, ja vormenſchlichen Kräfte und Stoffe. Es iſt hier
nicht der Ort, Wolfskehls Gedichte anzuzeigen. Sie ſind im
deut=
ſchen Schrifttum einzig durch die Spannung zwiſchen einem
ab=
gefeimt gebildeten Geiſt, der auch die Geſetze, Mittel, Wege ſeiner
Sprache (kennt) hat und einer chaotiſchen Vitalität, die für alle
Lebenszuſtände vom pflanzlichen und tieriſchen bis zur zarteſten
Seelenklärheit der perſönlichen Bildung mächtig, oder wenn man
will, empfänglich ohnmächtig iſt und deshalb bei einem
zauberi=
ſchen Reichtum des Klang= und Sinnwandels nicht eigentlich im
Geſtaltenreich daheim oder haftbar iſt, ſondern vom ſinnlich run
den Wort an über die weit= und tiefſinnigen Sätze bis in die
ausgewogenen rhythmiſchen Gefüge übergänglich,
überſchwäng=
lich im Strom ſelbſt, im Sturm, im ſauſenden Wald, in de
Wüſte, in der Flut, in allem was die Grenzen ſprengt, löſt
löſcht oder tilgt. Die Wotanstiere (Wolf und Rabe) kehren nich
zufällig als Gleichniſſe ſeines eigenen Schweifens in ſeinen
Ge=
dichten immer wieder. Doch eben dieſes verweilende Wander
eines raſtloſen Gemüts, worin das, was er beſitzt oder was ihn
beſitzt, zugleich als Sehnſuchtsgeſicht und als Alp erſcheint, das
was ihm vorſchwebt, zugleich Schwall und Schwund meint, un
der einzelne Laut zugleich das trächtige Schweigen, dem er
end=
rinnen will, mitträgt als ſeine eigene Emporhebung und Auſ
hebung, — kurz der unabläſſige Kampf zwiſchen den genaue
Zeichen dieſes durchgebildeten Individuums und ſeinen zeiche
ſprengenden Gründen macht ſeine Gedichte zum Tort der blof
Buchſtabendeuter und der bloßen Sinnſucher, der romantiſche
und der rationalen Leſer, d. h. der Mehrzahl heutiger Leſe
Uebrigens hat er ſeine Dichtkunſt wie ſeine (auch von größer
Notdurft) veranlaßte Tagesarbeit mit derſelben unbekümmerte
Leichtigkeit genommen, die zugleich aus dem Gefühl der perſ
lichen Sicherheit i allen Stoffen ſtammt, wie aus dem Gefül
der Vergängnis, d. h. bei ihm eben des Uebergangs, heidniſ
geſprochen, der Ewigkeit des durchlebten Nu, chriſtlich geſprochel
der Eitelkeit aller Dinge in Gott. Daß er dieſe beiden Leben
urgefühle zugleich und in einem aushält als ein leidenſchaftti
mitlebiges Kind unſerer Tage, — unſerer Bildungsvorral
„Schleier”, „Kleider” und, Larven” kundig und fähig wie wenie
humoriſtiſche Perſon mit der ganzen Sorgfalt und Beſol
derung des Goetheſchen Jahrhunderts, Zeitteilnehmer mit de
ganzen Neugier, Hatz und Witterung der techniſchen und wil!
ſchaftlichen Läufte, und dabei mit einer echten (nicht romantiſgh
geſpielten, nicht hirnlich und nervös differenzierten) Fülle, Breil
und Gelaſſenheit der Natur, der pflanzlichen, tieriſchen, kindlichen
Triebunſchuld, macht ihn über ſeine einzelnen Zufallsleiſtungel
hinaus als Geſamtweſen zu einem beglückenden und verwirken
den Staunen für alle, die ſich Mühe geben, ihn wirklich zu kelle
nen, zu einem Rückhalt wider die Ueberzüchtung und Zerfal
rung unſerer Bildungsorgane und einem Schutz vor dem Rug
fall in die nicht nur geiſtloſe, ſondern ſeelloſe Barbarei. Dem
oder jenem, der an beiden Sorgen leidet, wenigſtens einen De
griff vom Daſein eines ſolchen Menſchen zu vermitteln, und ihm
ſelbſt, dem Vielverkannten, ein wenig Dank abzutragen durch ein
Zeugnis gleichſam ſeiner Bildwirkung — von ſeinem
unier=
irdiſchen und ungedankten Wirken nur ein winziger Teil — 1
der Zweck dieſer notwendig entſagenden Zeilen.
Dienstag, den 17. Ceptember 1929
Seite 3
Der Völkervermitkkler Karl Hillebrand.
Zu ſeinem 100. Geburtstag (17. September).
Von Prof. Dr. phil. h. c. Karl Berger
Die vier großen Kulturnationen Europas, Deutſchland,
frankreich, England und Italien, hätten guten Grund, den 100.
beburtstag Karl Hillebrands dankend zu feiern. Denn lange,
he es eine Europäiſche Revue zur Pflege der geiſtigen Einheit
inſeres Erdteils gegeben hat und der Gedanke an Paneuropa
im politiſchen Horizonte auftauchte, hat dieſer große deutſche
Reiſter des hiſtoriſchen Eſſays ſein ungeheures Wiſſen und
Kön=
ten in den Dienſt einer neuen europäiſchen Bildung durch
gei=
ſige Vermittelung zwiſchen ihren Hauptträgern geſtellt. Dabei
ſter allezeit ein entſchiedener Deutſcher geblieben, echt deutſch in
einer weitaufgeſchloſſenen Empfänglichkeit für das Große und
ſchöne aller Zeiten und Zonen, echt deutſch aber auch in ſeiner
ühnen, ſich ſelbſt und ſeinem Volke treuen Aneignungskraft.
Echwere Lebensſchickſale bedrohten den früh aus der Heimat
Ge=
tiebenen mit Entwurzelung, aber ſein ſtarker Wille wendete das
Inglück zum Segen für ſich und ſein Vaterland, das er über
einer kosmopolitiſchen Aufgabe nie vergaß, ebenſo wenig wie
eine heſſiſche Heimat und ſeine Vaterſtadt Gießen.
Dort wurde er am 17. September 1829 als der Sohn des
Iniberſitätsprofeſſors und Gymnaſialdirektors Joſeph
Hille=
rand geboren, eines ebenſo charaktervollen wie tiefgebildeten
Nannes, der ſich als Literarhiſtoriker Anſehen in ganz
Deutſch=
and, und als liberaler Politiker — er war Abgeordneter und
Gräſident der Zweiten Kammer — Verdienſte um Heſſen
erwor=
ſen hat. Im Hauſe des Vaters, einem Mittelpunkte des geiſtigen
Lebens in Gießen, wo damals Geiſter wie Juſtus Liebig, Karl
Vogt und der Aeſthetiker Moritz Carriere lebten und lehrten, im
Bymnaſium, auf der Univerſität und nicht am wenigſten durch
igenes, damals ſchon die größten Meiſterwerke aller Literaturen
rfaſſendes Studium empfing der hochbegabte Sohn eine
Bil=
ſung, die ihn in die äſthetiſch=künſtleriſchen, philoſophiſchen und
geſchichtlichen Probleme, aber auch in die Intereſſen der Zeit
ein=
führte. Der junge Korpsſtudent ſchon fiel Kommilitonen und
an deren Freunden, wie Otto Roquette, dem ſpäteren Darmſtädter
Augenarzt Geh. Medizinalrat Weber, den Mainzern Ludwig
Bamberger und Friedrich Dernburg, durch ſeinen literariſchen
Zuug ins Große und ſeine Fähigkeit, ſich in dichteriſche Erſcheinun=
gen einzufühlen, mächtig auf. Doch, wie der Rheinländer Karl
Schurz, ward der junge Gießener mitten aus ſeinen Studien
heraus in die revolutionäre Bewegung geriſſen und der Heimat
für immer entzogen: wegen ſeiner Teilnahme am badiſchen
Auf=
ſtand eingekerkert, aber durch ſeine Schweſter Marie, ſpäter die
eigenartigſte Lehrerin und Schulvorſteherin Deutſchlands (an
ſelbſtgegründeten Anſtalten zu Gießen, Offenbach, Rödelheim und
Soden), aus den Raſtatter Kaſematten befreit, floh er nach
Frankreich, ward nach Zeiten ſchwerer Not Heinrich Heines
Se=
kretär, dann eiftiger Mitarbeiter an der „Revue des deux Mondes”
Korreſpondert der „Times” und anderer engliſcher Zeitungen,
ſpäter auch deutſcher Blätter wie der „Allgemeinen Zeitung” und
der „Deutſchen Rundſchau”. Von Anfang an war Hillebrands
Beſtreben darauf gerichtet, das Verſtändnis zwiſchen den
Natio=
nien zu fördern, vor allem die Ausländer über das Weſen des
Deutſchtums, die Eigenart deutſchen Denkens und Schaffens
aufzuklären. Seit 1863 Profeſſor der fremden Literaturen an der
kleinen Provinzialuniverſität Douai, ward er durch häufigen
Aufenthalt in Paris auch heimiſch in den beſten Salons der
Hauptſtadt. Während er, damals ſchon ein Meiſter pſychologiſcher
Charakteriſtik und volksſeelenkundlicher Vergleichung, noch
be=
müht war, durch Schriften wie „La Prusse contemporaine” und
„La societé de Berlin 1798—1815”, das wegen Sadowa grollende
Frankreich mit dem neu werdenden Deutſchland zu verſöhnen
und mit ſeinen Kräften bekannt zu machen, brach der
deutſch=
franzöſiſche Krieg aus. Unverzüglich entſchied ſich Hillebrand für
fein Vaterland, wäre aber beinahe, als er bei der Abreiſe einem
Schaffner einen nach Darmſtadt gerichteten Brief zur
Beförde=
rung überreichte, ein Opfer der Volkswut geworden, wenn ein
vernünftiger Präfekt den vermeintlichen Spion nicht in
Schutz=
haft genommen hätte.
In Floxenz fand der Bewunderer der Renaiſſance ſeine neue
Heimat. Dort erſt begann Hillebrands große Zeit. Alle
Be=
rufungen an Univerſitäten und andere Anerbietungen ablehnend,
ſchuf er ſich ſeine Stellung aus eigener Kraft: perſönlich als
an=
erkanntes Haupt jener glänzenden deutſchen Gemeinde, der der
Bildhauer Adolf Hildebrand, die Maler Arnold Böcklin und
Hans von Marées, der Kunſthiſtoriker Adolf Bayersdorfer und
die Dichterin Iſolde Kurz angehörten; ſchriftſtelleriſch als Eſſayiſt
größten Stils, ein Meiſter in jener eleganten, geiſtſprühenden
Darſtellungskunſt, die ihren Gegenſtand von allen Seiten
be=
trachten und doch niemals erſchöpfen, mehr anregen als durch
Gründlichkeit belehren will. Zuerſt ſchuf ſich Hilleband ein
eige=
ues Organ in der Zeitſchrift „Italia”, die „ein Jahrbuch zur
mmer 258
Was wird mit Wiesbaden und Bingen?
Die Rheinlandräumung.
Beſekzen die Franzoſen Wiesbaden?
EP. Tondon, 16. September.
Die erſten engliſchen Truppen aus dem Rheinland ſind am
Ennitag hier eingetroffen. Es handelt ſich um ungefähr 60 Mann
Leiceſterſhire= und Dorſetſhire=Regiment, denen von ihren
Agehörigen ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Daily
reß” berichtet über eine plötzliche Kriſe in der Durchführung
Rheinlandräumung, die durch
Ankündigung hervorgerufen
prden ſei, daß die engliſchen
Luppen in Wiesbaden nach ihrem
Wug durch franzöſiſche erſetzt wer
ſollen. Nach Berichten des R
Snderkorreſpondenten des Blattes
ſe es feſt, daß wenigſtens zwei
We
funzöſiſche Regimenter in
Wies=
ſen einmarſchieren werden. Der
erkommandierende der
eng=
ſſchen Truppen im Rheinland iſt
m engliſchen Kriegsminiſter
We.
Saw nach London berufen
wor=
um nach Informationen des
Bittes eine wichtige Beſprechung
dem Kriegsminiſter und
mög=
ſiterweiſe auch mit Macdonald
üer die Rheinlandräumung zu
Nen.
Noch keine Enkſcheidung über den künftigen Siß
der Rheinlandkommiſſion.
Koblenz, 16. September.
Seit einigen Tagen iſt man ſowohl bei den hier
untergebrach=
ten Beſatzungstruppen, wie auch bei den verſchiedenen Abteilungen
der Rheinlandkommiſſion damit beſchäftigt, die Vorbereitungen
zum Abzug aus Koblenz in die Wege zu leiten. Wie mitgeteilt
wird, gehen täglich Materialtransporte über die Grenze nach
Engliſche Truppenabkeilung auf dem Abmarſch.
* Daily Expreß” ereifert ſich
mt Recht darüber, daß die
Fran=
zgen die Abſicht haben ſollen, das
den Engländern geräumte
Aesbaden erneut mit Truppen
z belegen. Das iſt eine Verleug
ung des Geiſtes des Haager
Ab=
immens. Wenn auch an amtlichen
Brliner Stellen von derartigen
unzöſiſchen Abſichten noch nichts
btannt iſt, ſo muß aber doch mit
erer ſolchen Möglichkeit tatſächlich
A gechnet werden Königſtein und
8d Schwalbach ſind nach dem
Ab=
u der Engländer völlig frei.
Da=
ggen liegen bei Bingen und
Wies=
nuden die Dinge anders. Beide
Sädte haben neben der engliſchen
eine franzöſiſche Beſatzung,
ach
u in Bingen zwar nur aus
we=
ugen Mann beſteht und auch in
Mesbaden höchſtens 150 Mann
berägt. Nun wird aber
wahr=
ſcteinlich die Abſicht durchgeführt.
ſch. der
Räumung der zweiten
zne die Rheinlandkommiſſion nach Wiesbaden zu verlegen. Die
Fanzoſen haben nun in Berlin mitteilen laſſen, daß ſie dann
mötigt ſein würden, gewiſſermaßen als Ehrenwache für die
Kom=
mſſion ihre Beſatzung in Wiesbaden zu verſtärken, haben aber
hnzugefügt, daß es ſich dabei nur um eine geringfügige
Verſtär=
tug handeln würde. Die Angaben der engliſchen Blätter von der
Nubelegung mit zwei Regimentern wäre in jedem Falle ein
Ver=
iß gegen den Geiſt des Haager Abkommens. Es iſt überhaupt
ucht einzuſehen, wozu die Rheinlandkommiſſion eine beſondere
Nache braucht und noch weniger iſt einzuſehen, weshalb für die
urze Zeit bis zum 30. Juni eine Umgruppierung einzelner
Fuppenteile erfolgen ſollte.
Reine Verzögerung in der Rheinlandräumung.
EP. London, 16. September.
Zu den von einem Teil der engliſchen Morgenpreſſe
veröffent=
en Meldungen, die von einer plötzlichen Kriſe in der
Durch=
zrung der Rheinlandräumung wiſſen wollten, wird heute vom
iegsminiſterium offiziell erklärt, daß dieſe Gerüchte ohne jede
Eundlage ſeien. Es treffe keineswegs zu, daß der
Oberkomman=
derende der engliſchen Beſatzungstruppen im Rheinland zur
Teil=
uhme an einer Räumungskonferenz nach London berufen worden
Auch die Meldung entſpreche nicht den Tatſachen, daß zwei
anzöſiſche Regimenter nach Zurückziehung der engliſchen Truppen
Wiesbaden einmarſchieren werden. Soweit man im engliſchen
riegsminiſterium unterrichtet ſei, würden nur 400 franzöſiſche
Koldaten zum Schutz und zur Bewachung des Gebäudes der
Rhein=
indkommiſſion in Wiesbaden einquartiert werden.
Belgiſche Truppen verlaſſen Jülich.
Am Montag früh haben zwei Bataillone des 8. belgiſchen
lnien=Regiments die Stadt Julich verlaſſen. Kurz vor ſechs Uhr
ückten ſie mit einem Trompeter an der Spitze aus der Zitadelle
6 zum Bahnhof, wo ſie um halb ſieben Uhr abfuhren. Die
Be=
ſtzung Jülichs beſteht jetzt nur noch aus einem Bataillon
Pio=
neren, der Gendarmerieſtation und einem Stab. Sie wird am
. Oktober ebenfalls die Stadt verlaſſen. Am 30. November ſoll
unn eine große Befreiungsfeier auf dem Markt ſtattfinden.
Frankreich. Nach dieſen Vorbereitungen hat es den Anſchein, daß
ſich bereits am 15. November in Koblenz ſo gut wie kein
fran=
zöſiſches Militär mehr befinden wird. Auch bei der
Rheinland=
kommiſſion ſcheinen die Vorbereitungen zur Abreiſe ſo eingerichtet
worden zu ſein, daß die von ihr beſchlagnahmten Baulichkeiten
und Einrichtungen am 15. November, alſo einen Monat vor dem
im Haag für den 15. Dezember vereinbarten letzten
Räumungs=
termin, der deutſchen Verwaltung wieder zurückgegeben werden
dürften. Allerdings ſteht es immer noch nicht feſt, ob die
Rhein=
landkommiſſion mit weſentlich vermindertem Perſonal tatſächlich
nach Wiesbaden zieht, oder ob ſie ſich im letzten Augenblick für
einen anderen Standort entſcheidet. Es hat aber den Anſchein,
daß die Rheinlandkommiſſion an ihrem urſprünglichen Vorhaben
feſthält.
Die Reichs=Einnahmen und =Ausgaben bis
ein=
ſchließlich Juli.
Berlin, 16. Sept.
Nach Mitteilung des Reichsfinanzminiſteriums betrugen (in
Millio=
nen Reichsmark) die Reichseinnahmen des ordentlichen Haushaltes ſeit
Beginn des Rechnungsjahres bis einſchließlich Juli 3 493,0. Die
Aus=
gaben des ordentlichen Haushaltes betrugen ſeit Beginn des
Rech=
nungsjahres bis einſchließlich Juli 3 179,7. Es ergibt ſich demnach
eine Mehreinnahme von 313,3. Im außerordentlichen Haushalt
be=
trugen die Einnahmen ſeit Beginn des Rechnungsjahres bis
einſchließ=
lich Juli 191,2, die Ausgaben ſeit Beginn des Rechnungsjahres bis
einſchließlich Juli 149,5. Mithin ergab ſich eine Mehreinnahme von
41,7. Nach der Ueberſicht über die Kaſſenlage des Reiches betrug (in
Millionen Reichsmark) der Kaſſenſollbeſtand am 31. Juli 1647, wovon
1561 verwendet wurden. Die Reichsſchulden betrugen (in Millionen
Reichsmark) am 30. Juni dieſes Jahres 8 186,5, die ſchwebenden
Schul=
den am 31. Juli 1 131,2.
Das Abrüftungsproblem.
Der neue engliſche Ankrag. — Forderung auf
Herab=
ſehung der Reſerven und des gelagerken Makerials.
* Genf, 16. Sept. (Priv.=Tel.)
Die engliſche Haltung in der Abrüſtungsfrage in Genf iſt
ſonderbar ſchwankend. An Stelle ſeiner erſten Reſolution, in
welcher die Herabſetzung der ausgebildeten Reſerven wie des
ge=
lagerten Materials ausdrücklich verlangt werden ſollte, hat Lord
Robert Cecil nunmehr einen bedeutend vorſichtiger formulierten
Neſolutionsentwurf für die dritte Kommiſſion eingebracht. In
dem neuen Reſolutionsentwurf werden die beiden wichtigſten
Forderungen auf Herabſetzung der Reſerven
und des gelagerten Materials nur noch umſchrieben.
Immerhin erſcheint es aber auch jetzt noch möglich, daß die Frage
der Reſerven und des gelagerten Materials bei der nächſten
Tagung der Abrüſtungsvorkommiſſion in der Diskuſſion wieder
aufgegriffen wird.
Die Reſolution erklärt, daß die fortſchreitende und allgemeine
Abrüſtung für die Welt eine dringende Notwendigkeit iſt und
tritt dafür ein, daß die Abrüſtungsvorkommiſſion ihre Arbeiten
ſo bald wie möglich abſchließt. Sie ſoll bei der nächſten Tagung
feſtſtellen, wie weit folgende Prinzipien angenommen ſind oder
angenommen werden müſſen:
a) Anwendung der gleichen Prinzipien bei Herabſetzung der
Perſonal= wie Materialrüſtungen ſowohl bei den Land= wie auch
bei den See= und Luftſtreitkräften;
b) Begrenzung der Streitkräfte entweder durch Herabſetzung
ihrer Präſenzſtärke oder durch Herabſetzung der Dienſtzeit oder
durch beide Methoden;
) Beſchränkung des Kriegsmaterials entweder durch
zahlen=
mäßige Angabe der Beſtände oder durch Herabſetzung der
Bud=
getmittel oder durch beide Methoden;
d) Anerkennung einer internationalen Stelle, die berechtigt
ſein ſoll, über die Durchführung der Abrüſtungsbeſtimmungen zu
wachen.
Der Punkt a dieſer Entſchließung läßt eine Tür für eine
neue Erörterung der Herabſetzung der Perſonal= wie der
Mate=
rialrüſtungen auf der ganzen Linie offen. Man weiß jedoch,
daß die Franzoſen gedroht haben, ſie würden bei einer
Wieder=
aufrollung der Reſerve= und der Materialfrage ſofort verlangen,
daß die Frage der Seeabrüſtung in der Vorkommiſſion auf die
Tagesordnung geſetzt werde.
Der Punkt b ſieht in ſtark veränderter Form die Einrichtung
einer internationalen Kontrolle für die Durchführung der
Ab=
rüſtungsbeſtimmungen vor.
Seeabrüſtungskonferenz im Januar 1930.
w. Waſhington, 16. September.
Wie Staatsſekretär Stimſon heute mitteilte, hat man ſich
aus techniſchen Erwägungen entſchloſſen, die
Seeabrüſtungs=
konferenz nicht vor Januar 1930 einzuberufen, da nicht nur die
Vorbereitungen der Details geraume Zeit in Anſpruch nähmen,
ſondern auch mit Rückſicht auf die Weihnachtsferien in Europa
und die Neujahrsfeiern in Japan der Dezember ungeeignet ſei.
Es verlautet, daß man zunächſt in formelle
Beſprechun=
gen mit Frankreich und Italien treten will, damit die
Konferenz ſelbſt möglichſt reibungslos verlaufe.
Der Genfer Berichterſtatter der „Chicago Tribune” will aus
Völkerbundskreiſen erfahren haben, daß Frankreich und Italien
an der geplanten Seeabrüſtungskonferenz beſtimmt teilnehmen
werden. Vor einigen Wochen ſchon hätten die engliſche und
amerikaniſche Regierung die Verſicherung erhalten, daß beide
Länder ihre Haltung vom Jahre 1927 gegenüber der damaligen
Genfer Abrüſtungskonferenz geändert hätten und jetzt
Volldele=
gationen zu der geplanten Konferenz entſenden würden. Ueber
die Ausſichten der Konferenz zeige man mehr Peſſimismus als
Optimismus, denn man befürchtet, daß vor allem die drei
üb=
rigen Mächte einer definitiven Einigung zwiſchen England und
Amerika und vor allem auch einem genau feſtgelegten Plan dieſer
beiden Länder gegenüberſtünden.
Die amerikaniſche Abordnung für die Konferenz
der Seemächte.
Einer Waſhingtoner Meldung zufolge ſoll die amerikaniſche
Abordnung für die Flottenkonferenz der Seemächte aus
Staats=
ſekretär Stimſon, dem Londoner Botſchafter, General
Da=
wes, dem Brüſſeler Botſchafter Gibſon und den beiden
Ad=
miralen Hilaray=Jones und Andrew Long beſtehen.
Aus gut unterrichteten Kreiſen wird bekannt, daß auch
Sena=
tor Borah nach London fahren werde, um an der geplanten
See=
abrüſtungskonferenz teilzunehmen. Er werde von dem
demokra=
tiſchen Senator Joſeph Robinſon begleitet ſein.
Verbindung der Geiſter zwiſchen Italien und Deutſchland ſein
ſollte”; ſie beſtand nur drei Jahre. Daneben ſchrieb er weiter
für verſchiedene Zeitungen und Zeitſchriften der vier
Kultur=
nationen. Sein kritiſcher Scharfblick erwies ſich als untrüglich:
er war der erſte, der Lagarde und Nietzſche in ihrer Bedeutung
gewürdigt hat, beiden verbündet durch die Verachtung des
vul=
gären Wiſſenſchaftsbetriebs und den Gegenſatz wider den
herr=
ſchenden, alles billigenden „hiſtoriſchen Sinn”. Der radikale
Nevolutionär von einſt bekannte ſich nun zu einem konſervativen
Liberalismus und zur Verehrung Bismarcks. Seinem
äſthetiſch=
ariſtokratiſchen Ideal, gab er Ausdruck in den „Zwölf Briefen
eines äſthetiſchen Ketzers” einem Manifeſt, in dem Anſchauungen
Nietzſches, des „Rembrandtdeutſchen” und Hermann Burtes (im
„Wiltfeber”) vorweggenommen ſind. Die gleichen Anſchauungen
werden in Hillebrands Hauptwerk vertreten, in den ſieben
Bän=
den Eſſays, die von 1872—1882 unter dem Titel „Zeiten, Völker
und Menſchen” erſchienen ſind: ſie enthalten literariſche,
pſycholo=
giſche und kulturhiſtoriſche Einzelſtudien, glänzende Porträts
be=
deutender Perſönlichkeiten und andere Charakterbilder in feinſter
und eingehender Analyſe, lauter Darſtellungen, denen man nichts
von den ungeheuren Mühen der vorausgegangenen
wiſſenſchaft=
lichen Arbeit anmerkt und uns deshalb zum künſtleriſchen Genuß
kommen laſſen. Dieſe unüberſehbare Gemäldegalerie weiſt
Hille=
brand einen Rang unter den erſten Meiſtern hiſtoriſcher und
zeit=
genöſſiſcher Porträtkunſt an. Auch ſeine „Geſchichte Frankreichs
von der Thronbeſteigung Ludwig Philipps bis zum Fall
Napo=
leons III.” die freilich nur bis 1848 gediehen iſt, zeigt Hillebrand
nach dem Urteil aller Berufenen auf der Höhe einer
Darſtellungs=
weiſe, die ſtrenge Wiſſenſchaftlichkeit mit anmutiger
Form=
gebung zu verbinden weiß.
Mitten aus dieſer Arbeit riß der Tod den Unermüdlichen
am 19. Oktober 1884 hinweg. Die dankbaren Florentiner
huldig=
ten dem Toten, indem ſie an ſeinem Hauſe eine Inſchrift
anbrach=
ten, wo er „bene merito del popolo italiano” genant wird.
Ge=
wiß, er hat ſich um die Italiener, wie um die Engländer und
Franzoſen, verdient gemacht, aber immer als ein echt deutſcher
Mann, der auch in der Fremde mit jeder Zeile ſeiner Schriften
für ſein Vaterland wirken wollte, indem er einer neuen deutſchen
Kulturblüte vorarbeitete und das Beſte dazu durch ſein eigenes
Lebenswerk gab. Was er geſät hat, wird erſt noch aufgehen,
wenn einmal die ſchlimmſten Feinde, die Hillebrand kannte,
falſche Demokratie und unechte Halbbildung ihre kulturhemmende
Wirkung nicht mehr ausüben können.
Seite 4
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Marthel Plaut
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Dankſagung.
Für die Überaus vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme, ſowie die zahlreichen
Blumenſpenden und die Begleitung zur letzten Ruheſtätte bei dem mich ſo
ſchwer betroffenen Verluſte meines lieben, teueren Gatten und Vaters
Tuvoig Ber
ſage ich hiermit herzlichen Dank. Insbeſondere fühle ich mich veranlaßt, für
die ehrenden Nachrufe ſeitens der Reichspoſt und dem Deuiſch=Orden,
Kommende Darmſtadt und Eberſtadt, ſowie der Knappſchaft für die Ehrung
meinen innigſten Dank auszuſprechen. Herrn Pfarrer Marx von Herzen
Dank für ſeine troſtreiche Grabrede.
Tilli Heil, geb. Leidner
und Kind Dieter.
Darmſtadt, den 17. September 1929.
14557
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme beim Heimgang unſerer
lieben Entſchlafenen ſagen wir allen
denen, die ihr die letzte Ehre gaben,
ſowie für die zahlreichen Kranz= und
Blumenſpenden unſeren tiefgfühlten,
innigſten Dank. Insbeſondere danken
wir den Händlern und Händlerinnen
des Darmſtädter Wochenmarktes,
ſo=
wie dem Griesheimer Marktverein
für die Kranzniederlegung am
Grabe.
Ad. Treffert und Kinder
nebſt Anverwandten.
Das Seelenamt für die Verſtorbene
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[ ← ][ ][ → ]ummer 258
Dienstag, den 17. Geptember 1929
Seite 3
Ans der Landesharptftadt.
Darmſtadt, 12. September.
Kommunglwahlen.
aar ſchreibt uns: Um zu den bevorſtehenden Kommunalwahlen
Stselng zu nehmen, verſammelten ſich am letzten Donnerstag,
nach=
mimſes 6 Uhr, gegen 200 Vertreter der evangeliſchen Gemeinden und
Zenmu evereine aus Darmſtadt und Umgebung im großen Saale des
Geymadehauſes der Stadtgemeinde. Nach einem einleitenden Neferat
desg ſrrn Landeskirchenrats D. Waitz und z c einer ſich daran
an=
ſchlienden Ausſprache wurde ein Ausſchuß von 18 den verſchiedenen
wollüſhun Parteien angehörigen Männern und Frauen gebildet.
Die=
ſer arde beauftragt, mit den örtlichen Wahlkommiſſionen der
politi=
ſcheh Jarteien Fühlung zu nehmen, damit in die Wahlvorſchläge an
usuffesreichen Stellen Perſönlichkeiten aufgenommen werden, die
wilelg und in der Lage ſind, die evangeliſchen Belange in der
Stadt=
verrietenverſammlung, im Kreis= und Provinzialtag und in den zu
bilüſger Ausſchüſſen und Deputationen zu vertreten. Die
außer=
reerich zahlreiche und lebhafte Teilnahme an dieſer Verſammlung,
derr ritere Verſammlungen in den einzelnen Gemeinden folgen
wer=
dem ſit klar und deutlich erkennen laſſen, daß die Vertreter der
evan=
gelrſan Gemeinden ſowie der evangeliſchen Männer=, Frauen= und
ſomfen Gemeindevereine von dem Bewußtſein ihrer Verantwortung
fürF evangeliſche Kirche und dem von ihr unſerem Volke auch in
Ge=
meun, Kreis und Prooinz zu leiſtenden Dienſt tief durchdrungen und
um ſeltendmachung der evangeliſchen Belange auf den verſchiebenen
Geben des öffentlichen Lebens feſt entſchloſſen ſind, ohne die
evan=
helrſt Kirche ſelbſt in den Machtkampf der politiſchen Parteien
hinein=
zuzren und den Boden parteipolitiſcher Neutralität zu verlaſſen.
* In den Ruheſtanb verſetzt wurden: Am 9. September: der
or=
gertſe Profeſſor an der philoſophiſchen Fakultät der
Landesuniver=
ität ſeh. Hofrat Profeſſor Dr. Karl Elbs auf ſein Nachſuchen, mit
Wih=lig vom 1. Oktober 1929 an; am 10. September: der orden=liche
Prcfor für organiſche Chemie an der Techmniſchen Hochſchule
Darm=
ſtaut Frofeſſor Dr. Hermann Finger auf ſein Nachſuchen, mit
Wir=
ug om 1. Oktober 1929 an.
Hohes Alter. Am Mittwoch, dem 18. September, feiert Frau
Karh Lich Wwe., geb. Knauf, wohnhaft Neugaſſe 7, in körperlicher und
geintr Friſche ihren 92. Geburtstag.
Heſſiſches Landestheater. Heute Dienstag gelangt im Großen
baut Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer” i
neuss Einſtudierung und Inſzenierung zur Aufführung. Muſikaliſche
Lerrug:
Dr. Karl Böhm, Inſzenierung Renato Mordo, Bühnenbild:
louz Schenck von Trapp. In den Hauptrollen ſind Hans Komregg,
one Landwehr, Hans Grahl, Theo Herrmann, Otto Stadelmaier und
Mſna Liebel beſchäftigt. Die Vorſtellung iſt der Miete 4 zugeteilt
ginnt um 19,30 Uhr.
m Kleinen Haus findet heute die erſte Wiederholung des am
Solanig erfolgreich uraufgeführten Schauſpiels „Der heſſſſche
2am bote” von Walter Gruber in der Inſzenierung Günter
Hae=
nels uind Wilhelm Reinkings ſtatt. Büchner: Bernhard Minetti.
RZcſcmiete VI, Beginn 19,30 Uhr.)
4e nächſten Wiederholungen des Shakeſpeareſchen Luſtſpiels
98 für Maß” in der Inſzenierung Renato Mordos (
Bühnen=
ilſ= Lothar Schenck von Trapp) finden morgen Mittvoch, den 18.,
Tunn ſreitag, den 20. September, ſtatt. Dieſe Vorſtellungen beginnen,
bicen Wüinſchen aus dem Publikum entſprechend, um 20 Uhr.
Nittwoch=Vorſtellung iſt der Miete B, die Freitag=Aufführung der
MHI. zugeteilt.
der Herr ſeines Herzens”, Schauſpiel von Paul
Rah=
udnar dird Donnerstag, den 19. September, im Kleinen Haus zur
Erſt=
urürung gebracht. In den Hauptrollen ſind Sybille Flemming, Sieg=
Nürnberger, Werner Hinz und Lotte Mosbacher beſchäftigt.
In=
iung: Carl Werckshagen, Bühnenbild: Wilhelm Reinking.
Die
ſichrung findet für die Zuſatzmiete V ſtatt und beginnt um 20 Uhr.
Aozarts „Figaros Hochzeit” wird in der Inſzenierung Carl
unter muſikaliſcher Leitung von Dr. Karl Böhm Freitag, den
1Sptember, wieder in den Spielplan aufgenommen. Die erſte
Auf=
des „Figaro” in dieſer Spielzeit findet außer Miete ſtatt.
Einy ſeil der Plätze iſt durch die Darmſtädter Volksbühne belegt. Die
Graft ſingt erſtmalig Anny von Stoſch, den Grafen Franz Tibaldi.
Die ſörigen Hauptrollen ſind, wie in der vergangenen Spielzeit, mit
texür Harre, Käthe Walter, Theo Herrmann, Heinrich Kuhn und
Eun/ Vogt beſetzt. Die Vorſtellung beginnt um 19,15 Uhr.
Franz Tibaldi, lyriſcher Bariton des Landestheaters, gibt
Mon=
tag ſen 23. September, im Kleinen Haus einen eigenen Arienabend.
„Das
Programm bringt u. a. folgendes: Bach, Lortzing, Schumann,
Veu) Marſchner, Donizetti uſw. Am Flügel Erwin Palm. Karten
junn Brogramme an der Tageskaſſe und in der Konzertdirektion Heß,
Elkgethenſtraße.
Karl Ettlinger, genannt Karlchen, lieſt am 18. September in
der halaſtlichtſpielen aus eigenen Werken. Der goldene Humor
Ettlin=
gerss geſpickt mit glitzernden Bosheiten, wird wieder alle in ſeinen
Boty zwingen. Dazu kommt noch die glänzende Vortragsweiſe, denn
er xghört zu den wenigen Schriftſtellern, die durch die Vortragsweiſe
ihre bachen erſt in das rechte Licht ſtellen. Karien ſind im Vorverkauf
beis=Verkehrsbüro, Konzert=Arnold, Eliſabethenſtraße 28, und in der
Gokaftsſtelle des G.D.A., Hügelſtraße 20, zu erhalten. (Alles nähere
ſiege Inzeige.)
Heinrich Schlusnus in Darmſtadt. Eine der bedetungsvollſten
murſtliſchen Veranſtaltungen dieſes Konzertwinters iſt der Arien= und
Liſtdrabend des in aller Welt äußerſt erfolgreichen deutſchen
Geſangs=
küſſers Heinrich Schlusnus. Der erſte Baritoniſt der Verliner
Staats=
oparwird auf Veranlaſſung der Konzerragentur Wilhelm Heß am
Sie
tag, dem 6. Oktober, 20 Uhr, im großen Saale des Städtiſchen
Scalalres ſingen. Es dürfte dankbarſt zu begrüßen ſein, daß Heinrich
Schltnus, der deutſche Sangesmeiſter, in dieſer Saiſon in Darmſtadt
zun gſte iſt. Die Begleitung iſt dem ſtändigen Pianiſten des
Künſt=
lenz Franz Rupp (Berlin) übertragen. Der Kartenverkauf zu dem
borngekündigten großen Abend beginnt in den nächſten Tagen und
win)näheres noch bekanntgegeben.
Bücherſtube Alfred. Bobenheimer. Lichtbildervortrag
Me Geiſenheyner. Für den Vortrag des Chefredakteurs Max
Geiheyner über ſeine Weltfahrt mit „Graf Zeppelin” zeigt ſich ein
üihrr Erwarten ſtarkes Intereſſe. Der Vortrag, der von
hochintereſſan=
ten ſichtbildern illuſtriert wird, beginnt heute abend pünktlich 8,15 Uhr
im toßen Saale des Saalbaues. An der Abendkaſſe fällt jede
Preis=
er aſtzigung weg.
Das Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift zu Darmſtadt wird in den
en Wochen ſeine alljährliche Hauskollekte in der Stadt Darmſtadt
—ſmeln laſſen. Der neue Kollektant iſt Herr Michgel Schrauth
Nchr, Landwehrſtraße 4. Da in dieſem Sommer ſchon von
Unbefug=
tech ſir das Stift geſammelt worden iſt, ſo bitten wir herzlich, nur dem
ſiet Ausweis der Pfarrämter verſehenen Sammler Gaben
anzuver=
mim. Das neue chirurgiſche Krankenhaus iſt im Rohbau ſchon faſt
das Wetter war zum Bauen außerordentlich günſtig. Freilich
ſilfür den Bau große Summen erforderlich. Wir hoffen deshalb,
EKſie zahlreichen Freunde unſeres Hauſes gern ihr Scherflein
bei=
ſt uen. Zwingende Gründe veranlaßten den Neubau — hoffentlich
keln er im Sommer 1930 eingeweiht werden. Zu unſerer großen
GEſde ſind in den letzten Wochen eine Anzahl junger Schweſtern ein=
Aamen und weitere ſtehen in Ausſicht. Wir ſind deshalb wieder eher
ti er Lage, Bitten um Schweſtern in abſehbarer Zeit zu erfüllen.
Ein Forſchungsinſtikuk
für Herzkrankheiken in Bad=Nauheim.
Millionen=Skifkung eines amerikaniſchen Kurgaſtes.
WSN. Bad=Nauheim, 16. Sept. In Gegenwart der Vertreter
des heſſiſchen Staates und der Stadt wurde am heutigen
Mon=
tag von einer dankbaren amerikaniſchen Patientin Bad=Nauheim
eine Stiftung in Höhe von 4½ Millionen Reichsmark gemacht.
Davon ſind zwei Millionen für einen Stipendienfonds und 2½
Millionen für ein Inſtitut zur Erforſchung und Bekämpfung der
Herzkrankheiten beſtimmt. Die Stipendien werden verliehen zur
Durchführung wiſſenſchaftlicher Arbeiten und zur
wiſſenſchaft=
lichen Weiterbildung. Das Inſtitut wird von einem
Verwal=
tungsrat geleitet, dem Vertreter des Staates, der Vorſitzende
der Landesverſicherungsanſtalt Heſſen, Vertreter der
benachbar=
ten Gemeinden und der Aerzteſchaft Bad=Nauheims angehören.
Das Inſtitut wird vier Abteilungen enthalten: 1. Eine
Unter=
ſuchungsabteilung der Patienten, die von Trägern der
Sozial=
verſicherung nach Bad=Nauheim geſchickt werden; 2. eine
Abtei=
lung für ſtatiſtiſche Erhebungen über die Urſachen der
Herz=
krankheiten. 3. eine Abteilung für ſoziale Aufklärung über
Ur=
ſachen und Bekämpfung der Herzkrankheiten; 4. eine Abteilung
für experimentale Pathologie und Therapie der Herzkrankheiten.
Das Inſtitut wird der Bad=Nauheimer Aerzteſchaft eine
medi=
ziniſche Bücherei zur Verfügung ſtellen und allen Bad=
Nauhei=
mer Aerzten die Möglichkeit für Forſchungsarbeiten geben. Ein
Medizinmuſeum wird eingerichtet. Die Bad=Nauheimer
Aerzte=
ſchaft wird einen Sitzungsſaal erhalten. Für den Bau ſind 1½
Millionen Reichsmark ausgeworfen. Das monumentale Gebäude
ſoll gegenüber vom Badehaus 8 errichtet werden. Mit dem Bau
ſoll in kürzeſter Friſt begonnen werden.
* Orphenm.
Gaſtſpiel des Carl Schultze=Theaters Hamburg.
Der geſtrige Premierenabend brachte einen überraſchend
ſtarken Erfolg. „Das galante Quartier”, drei Akte von Auguſte
Achaume, iſt eine ganz ſcharfe Sache. Die pikanten Abenteuer
mit ſchönen Frauen werden aber von dem glänzend eingeſpielten
Enſemble mit ſo liebenswürdigem und dabei ſchnoddrigem
Humor (beſonders von Lilli Flohr) geſpielt, daß auch die
gewag=
teſten Situationen ſchließlich nur ſehr luſtig wirken. Wir kommen
auf die Aufführung zurück.
— Der „Kleingartenbauverein Karlshof” hielt im Saale des Wiener
Kronenbräukellers ſeine Familienfeier ab. Einleitend ſprach der
Vorſitzende des Vereins über den Zweck der Veranſtaltung: das
Mit=
einanderbekanntwerden der Mitglieder und Förderung und Pflege des
Zuſammengehörigkeitsgefühls. Darauf erteilte er Herrn Diplom=
Gar=
tenbauinſpektor Derner, einem Vereinsmitglied, das Wort zu ſeinem
außerordentlich intereſſanten Lichtbildervortrag, wozu in dankenswerter
Weiſe die Landwirtſchaftliche Verſuchsſtation den Apparat geſtellt
hatte. Herr Derner ſprach über den Wert der Kleingärden, über
zweck=
mäßige, auch äſtheriſch befriedigende Anlage von Kleingärten, über
Aus=
ſchmückung der Gärten durch Blumen und über die Aufſtellung
ein=
facher, aber doch ſchöner Lauben. Daran ſchloſſen ſich Ausführungen
über zweckmäßige Schädlingsbekämpfung. Vorzügliche Lichtbilder
ver=
anſchaulichten die Darbietungen des Herrn Referenten. Reicher Beifall
der Zuhörer lohnte den Herrn Vortragenden. Schöne Muſikſtücke,
vor=
getragen durch zwei Herren des Stadtorcheſters (Klavier und Geige)
trugen weſentlich zur Erhöhung der Feſtſtimmung bei. Auch zu einem
Tänzchen war der Jugend und den tanzluſtigen „älteren Jahrgängen”
Gelegenheit geboten. In vorgerückter Stunde wurde der ſo recht
har=
moniſch verlaufene ſchöne Abend durch das Deutſchlandlied beſchloſſen.
Am Sonntag morgen wurden die von den Mitgliedern aus ihren
Gär=
ten zur reichen Ausſchmückung des Saales geſtifteten Blumen aller
Arten in die hieſigen Krankenhäuſer verbracht, wo ſie gewiß manchem
Patienten in für ihn jetzt trüben Tagen unverhofft einen freundlichen
Gruß aus Gottes ſonniger Natur überbracht haben werden. Um die
Ausſchmückung des Saales machten ſich beſonders Herr Ströher und
Herr Demmler verdient.
— Ludwigs=Oberrealſchule und Freunde der Darmſtädter
Realanſtal=
ten veranſtalten am Samstag, dem 21. September, abends, im Saalbau
ein Konzert, das mit der 4. Gründungsfeier der Vereinigung
verbun=
den iſt. Unter der bewährten Leitung des Herrn Muſitoberlehrers
Pfaff ſind Schülerchor und Schülerorcheſter, verſtärkt durch Mitglieder
des Vereins, beſtrebt, den Beſuchern einen genußreichen Abend zu
bieten. Aus der Vortragsfolge ſei auf Werke von Bach, Beethoven,
Händel, Haydn, Mozart und Wagner hingewieſen. Als Uraufführung
bringt der Abend die Kleine Kammermuſik des jungen Darmſtädter
Ton=
ſetzers Fritz Breidert. Herr Fritz Creter, begleitet von Herrn Karl
Dietrich, ſingt Haydn und Wagner. Da der Reinertrag in die
Wohl=
fahrtskaſſe der Schule fließt, iſt ein reger Beſuch erwünſcht. Karten ſind
bei den Schülern und an der Abendkaſſe zu haben. Der Konzertflügel
von Steinway und Sons wird von der Firma Klavier=Arnold,
Eliſa=
bethenſtraße 28, freundlichſt zur Verfügung geſtellt. Nach dem Konzert
lädt die Vereinigung alle geſchätzten Beſucher zum gemütlichen Abſchluß
in den Gartenſaal des Saalbaues. (Vergleiche auch die morgige
An=
zeige.)
— Paulusgemeinde. Der im Jahre 1904 gegründete
Frauen=
erein der Paulusgemeinde feiert am nächſten Sonntag, dem
22. September, das Feſt ſeines 25jährigen Beſtehens.
Wenn nur darauf hingewieſen werden ſoll, daß der Frauenwerein durch
lange Jahre hindurch die Krankenpflege der Gemeide durch die
Ge=
meindeſchweſtern ermöglicht und unterhalten hat und auch heute noch
in dieſer Liebesarbeit mitwirkt, ſo wiſſen unſere Gemeindeglieder ſchon,
wieviel ſie dieſem Verein zu daken haben. Wir hoffen auch, daß ſein
Ehrentag ſich zu einem Feſttag der ganzen Gemeinde ſich geſtalten wird.
Vormittags um 10 Uhr iſt der Feſtgottesdienſt, in dem der
Kirchenchor mit verſchiedenen Chören mitwirkt. Nachmittags 3 Uhr iſt
im Orangeriehaus eine Feſtfeier zu der Herr Prälat
D. Dr. Diehl eine Feſtanſprache zugeſagt hat. Verſchiedene
muſika=
liſche Darbietungen (Geſang: Frl. Betty Aßmuth, Klavier: Frl. Lina
Becker, ein von Herrn Karl Cauer geleitetes Quartett) und Reigen
un=
ſeres Jugendbundes ſollen das Feſt verſchönen helfen. In der Pauſe
findet Verpflegung mit Kaffee und Kuchen ſtatt. Eintrittskarten zu
Mk. (einſchließlich Verpflegung) ſind bis zum 20. September beim
Kirchendiener oder den Vorſtandsmitgliedern zu löſen. Von dem
Mit=
bringen kleinever Kinder bitten wir Abſtand zu nehmen. Wir laden
zu allen Feiern hiermit herzlich ein.
Ein Auto für 50 Pfennig. Bei der Ziehung der
Blinden=
lotterie fiel der Hauptgewinn, ein Opelauto, auf Nr. 25 563, der zweite
Hauptgewinn auf Nr. 51 187, der dritte Hauptgewinn auf Nr. 83 073.
Der Gewinner des Autos hat ſich nech nicht gemeldet.
Kriegsbeſchädigken-Tag der Kriegerkameradſchaft
„häſta".
h. Friedberg, 16. Sept. Der Provinzialvorſitzende für Oberheſſen,
Otto Bonhard=Gießen, begrüßte den Landesvorſitzenden Lehrer Ihrig=
Darmſtadt, die Vertreter des Verſorgungsamtes und der
Wohnungs=
fürſorge=Geſellſchaft, ſowie die Haſſia=Bezirksvorſteher und =Obmänner.
Er gedachte dann der Kameraden, die im Kampfe für das Vaterland
ge=
fallen ſind und widmete ihnen einen herzlichen Nachruf. Beſonderen
Willkomm entbot er den Kameraden aus dem beſetzten Gebiet und
be=
glückwünſchte ſie zur baldigen Befreiung. Der Landesvorſitzende Ihrig
übermittelte die Grüße des Haſſia=Präſidiums.
Ueber den Kriegsopferverband innerhalb der Haſſia wurde
folgen=
der Jahresbericht bekannt gegeben. Die Organiſation umfaßt
14 436 Vevſorgungsberechtigte, das bedeutet gegen das Vorjahr eine
Zunahme von 1250. Davon entfallen auf Starkenburg in 11
Bezirks=
gruppen 6005 (+ 439), auf Oberheſſen in 18 Gruppen 4300 (—66), auf
Rheinheſſen in 9 Gruppen 4131 (+877) Kriegsopfer. Die ſtärkſte
Zu=
nahme weiſt Rheinheſſen auf. Der Stärkenachweis muß genauer
gemel=
det werden, denn darnach richtet ſich die Zahl der Beiſitzer bei den
Verſorgungsgerichten. Bei dem Verſorgungsgericht Darmſtadt,
be=
ſtehend aus den Kammern der drei Provinzen, wurden 1543 Fälle
ver=
treten, beim Reichsverſorgungsgericht in Berlin 251 Fälle, während
noch 407 Fälle ſchweben. Mit Hilfe der Wohnungsfürſorge konnten 50
Mitgliedern Neuwohnungen errichtet werden. Das Verhältnis zu den
anderen Kriegsopfer=Organiſationen war ein gutes, Kämpfe unter den
Verbänden müſſen im Intereſſe der Kriegsopfer vermieden werden. Die
Haſſiaorganiſation blickt auf ihr 10jähriges Beſtehen zurück, ſie wurde
1919 vom Bezirk Neckartal beantragt und auf dem Haſſiatag in
Darm=
ſtadt gegründet. Es bildeten ſich dann in den drei Provinzen Orts=,
Bezirks= und Provinzialgruppen. Bald war die Anſtellung von
Für=
ſorgeleitern und Obmännern notwendig, in Darmſtadt, Gießen und
Mainz bildeten ſich Geſchäftsſtellen, welche die Belange der Kriegsopfer,
Altrentner, Altveteranen, Unfall=, Invaliden= und Kleinrentner
ver=
treten. Die Haſſia arbeitet in ſelbſtloſer Weiſe und völlig koſtenlos an
der Verbeſſerung der Lage der Kriegsopfer. Daher erklärt ſich auch die
ſtarke Zunahme des Verbandes an Mitgliedern. Der Kyffhäuſerbund
(Deutſcher Kriegerbund) mit ſeinen 3,5 Millionen Mitgliedern, iſt die
größte militäriſche Organiſation, der Welt, er umfaßt 400 000
Kriegs=
opfer, iſt daher auch die größte Kriegsopfer=Organiſation in Deutſchland.
Hans Freund=Mainz ſprach über das Thema „Organiſationsfragen
der Kriegsopfer innerhalb der Kriegerkameradſchaft Haſſia‟. Er fordert
zu genauen Meldungen der Kriegsbeſchädigten, damit die Zahl der
Bei=
ſitzer wachſe; auf Oberheſſen entfallen 7, auf Starkenburg und
Rhein=
heſſen je 5. 1931 finden wieder Neuwahlen der Beiſitzer zu den
Gerich=
ten ſtatt. Er fordert lebhafte Werbetätigkeit der Obmänner und mehr
Rührigkeit der Kriegsbeſchädigten; denn die Organiſation ſei die
Grund=
lage des Erfolges. — Otto Bonhard=Gießen hielt einen klaren Vortrag
über „Das Reichsverſorgungsgeſetz‟. Er ſprach über Neuanträge,
Melde=
friſt, Elternrente, über den großen Wert der Ausſagen des Hausarztes
und des Zeugniſſes des Bürgermeiſters u. a. m. — Oberleutnant
Kröm=
melbein=Darmſtadt ſprach über das gleiche Thema und erklärte, daß in
der Zeit der heutigen Not die Haſſia alles für die im Felde
beſchädig=
ten Kameraden tun werde. Die Kriegsbeſchädigten müßten die letzten
ſein, bei denen bei aller Not des Vaterlandes geſpart werden dürfe.
Lebhafter Beifall. — Der Landesvorſitzende Ihrig referierte über die
Frage: „Erfahrungen bei den Sitzungen am Verſorgungs= und
Reichs=
verſorgungsgericht” Wie rieſengroß die Arbeit iſt, gehr daraus hervor,
daß in Berlin 40 000 Rekurſe noch unerledigt ſchweben, darunter noch
ſolche von 1927. Noch rückſtändige Geſuche müßten jetzt ſchleunigſt
ein=
gereicht werden. Ein Sparerlaß folge dem anderen. Sehr wichtig ſei
der § 104, der ſich mit nochmaliger Unterſuchung und Obergutachten
be=
faſſe. Redner behandelt beſonders die Zuſammenſetzung und Gliederung
des Gerichts in Berlin, und ſpricht zum Schluſſe über Nervenleiden,
Fallſucht, Lungenkrankheit und Tuberkuloſe. — Bezirksobmann für
Butzbach, Klee=Rockenberg, gibt wertvolle Aufklärungen über „
Inva=
liden=, Unfall= und Sozialfürſorge‟. Er erläutert die Frage des
Wie=
der=Inkrafttretens der Rente, der Erlangung der Zuſatzrente, der
Heil=
behandlung, des Markenklebens uſw.
Als letzter Referent ſprach Dr. Wicksner=Darmſtadt anſtelle des
ver=
hinderten Regierungsbaumeiſters Kohl über „Wohnungsfürſorge‟. Es
ſoll möglichſt innerhalb der Haſſia eine Organiſation für
Klein=
wohnungsbau für die Kriegsopfer ins Leben gerufen werden, die den
Bau von Eigenheimen in Heſſen anſtrebt. In Gießen wurde in der
Perſon des Diplom=Ingenieurs Schmidt ein Vertrauensmann ernannt.
— Straßenſperren. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten
wird der Schrautenbachweg zwiſchen Holzhofallee und Stadtallee vom
16. d. M. bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art geſperrt. —
Des=
gleichen der Thylmannweg zwiſchen Hopfengarten ud Philipp=Röth=
Weg vom 16. d. M. bis auf weiteres. — Desgleichen der Philipp=Röth=
Weg zwiſchen Holzhofallee und Stadtallee vom 16. d. M. bis auf
weiteres.
Lokdte Veranfallmgen.
De
Ud Noim i mftl Amc af Ln
iieen Faie bpentwit al” Deirrchuns oder Kritk.
— Im Wiener Kronenbräukeller findet heute abend
das am vorigen Freitag ausgefallene Elitekonzert ſtatt. Herr
Kapell=
meiſter Willi Schlupp will für dieſen Abend dem Publikum eine
beſon=
dere Muſik ſpenden. (Siehe Anzeige.)
Aus den Parkeien.
— Donnerstag, den 19. September, öffentliche Verſammlung der
Nat.=Soz. Deutſchen Arbeiterpartei im „Perkeo”. Alexanderſtraße. Ned.
ner: Geyſer=Fett, Breslau. (Näh. worgige Anzeige.)
Skimmen aus dem Leſerkreiſe.
Gür die Dersffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaltien keinertel
Der=
antwortung; für ſie bleibt
uf Grund des 9 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzet in vollem
Umfange=
der Einſender verantwort
Einſendungen, die nich
verwendet werden, Uönnen nicht
zrüggeſandt, die Ablehnung nicht begründest werden.
Zu dem Eingeſandt: „Schulgelderhöhung an den
höheren Schulen (Nr. 252, S. 3).
Nicht nur die unverheirateten Lehrerinnen, die übrigens zum
gro=
ßen Teil unterſtützungsbedürftige Angehörige in ihrem Heim
aufge=
nommen haben, ſondern die ganze ledige Beamtenſchaft (Männer und
Frauen) ſtellt mit ganz geringen Ausnahmen die Forderung des
un=
gekürzten Wohnungsgeldes.
Die Lehrerinnen beſchränken ſich aber darauf, das volle
Wohnungs=
geld erſt vom 45. Lebensjahre an zu fordern, wie das in anderen
deutſchen Ländern und vor allem im Reiche ſelbſt bereits Regel iſt.
Sie ſind der Anſicht, daß ihnen in dieſem Alter auch ein Anrecht auf
ein gemütliches Heim zuſteht.
Eine Lehrerin.
Tageskalender ſür Dienstag, den 17. September 1929.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, 19.30 Uhr, 4 2: „Der
Fliegende Holländer”. — Kleines Haus, 19.30 Uhr, Zuſatzmiete II:
„Der Heſſiſche Landbote”, — Orpheum, 20.15 Uhr: „Das galante
Quartier”. — Konzerte: Schloßkaffee, Kaffee Oper. — Wiener
Kronenbräukeller, 20 Uhr: Konzert. — Bücherſtube A.
Bodenheimer, 201 Uhr: Lichtbildervortrag Max Geiſenheyer
„Die Weltfahrt des Graf Zeppelin”. — Kinovorſtellungen:
Union=Theater, Helia.
Eine Mutter schreibt uns
Daher nur,Seeligs kandierken
Die Wliten veen Mil!
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Jrnlinf Win (ea W Mirn Mrn Mias Mättern süchn daun Wia
Jachr 9 2 MMm Wruchanf us Kaßm Taksistee mratefk..
1 Pfund 55 Pfennig
Jahmeniten vm Stennkachn!
Kornkaffee das gesunde deutsche Familiengetränk
Seite 6
Dienstag, den 17. September 1929
Nummer 258
Aus Heſſen.
E. Wixhauſen, 15. Sept. Feier der Fänfzigjährigen.
Die hieſigen Fünfzigjährigen veranſtalteten am Samstag im Gaſthaus
zur „Sonne” eine Jubläumsfeier. Es waren ihrer 35, die ſich mittags
dort zuſammenfanden. Hierbei wurden von Herrn Bürgermeiſter Jung
und von einem Kameraden, Herrn Schmidt, Begrüßungsanſpnachen
ge=
halten. Am Abend geſellten ſich die Familienangehörigen zu den
Jubi=
laren. In dem feſtlich geſchmückten Saale breitete ſich bald eine
feſt=
freudige Stimmung aus. Bei Muſik, Sang und guter Bewirtung blieb
wan bis zum hellen Sonntagmorgen beiſammen.
G. Ober=Ramſtadt, 16. Sept. Gemeinderatsſitzung.
Mitt=
woch, den 18. September, abends 8 Uhr, findet im Nathausſaale eine
Gemeinderatsſitzung ſtatt. — Straßenſperre. Wegen
Neuherſtel=
lung und Verbreiterung der Brücke in der Ernſt=Ludwigſtraße bleibt
dieſe, und zwar von der Darmſtädter= bis zur Wehrſtraße, bis auf
wei=
teres für jeglichen Fuhrwerksverkehr geſperrt.
Bp. Dieburg, 16. Sept. Ein ſchwerer Autounfall
ereig=
sete ſich geſtern auf der Straße nach Altheim. Ein Babenhäuſer Auto
paſſierte mehrere Fahrzeuge und Autos, als dicht vor dem Wagen ein
Kind auf der Straße lief. Um das Kind nicht zu überfahren, ſteuerte
der Wagenlenker ſcharf zur Seite und rannte dabei gegen einen Baum.
Der eine Inſaſſe erlitt einen Schlüſſelbeinbruch, der zweite kam mit
leichten Geſichtsverletzungen davon.
— Ober=Modau, 16. Sept. Der Altveteran Johannes Schmidt 3.,
vielen Darmſtädtern unter dem Namen „Butterſchmidt” bekannt, feiert
morgen ſeinen 83 Geburtstag,
„O. Groß=Bieberau, 16. Sept. Unſere Gemeinde hatte geſtern einen
ſchweren Tag. In dem Grau des Himmels ſchien ſich die Stimmung
der Gemeinde abzuſpiegeln, die ſich ohne Unterſchied des Standes und
der Neligion zurückverſetzte in die Tage des furchtbaren Krieges. Dem
Gedächtnismale der Gefallenen galt es, die richtige
Weihe zu geben und Einkehr zu halten mit ſich ſelbſt. Als um
1.30 Uhr die Kirchenglocken läuteten, da bewegte ſich ein großer Zug
von Leidtwgenden Ortsvereinen und Kriegervereinen der Umgebung,
mit Pfarrer und Bürgermeiſter an der Spitze, auf gewundenen Wegen
den Haslochberg hinauf nach dem Gefallenendenkmal. Die Kapelle
Koll=
bacher aus Werſau ſpielte Trauermärſche. Nach den herzlichen und
trefflichen Begrüßungsworten des Bürgermeiſters Daab fand ein
Feld=
gottesdienſt ſtatt. Herr Pfarrer Krämer, der ja hier ſeine Jugendzeit
verlebte und ſeine Heimat kennt, verſtand es, ſo recht die Herzen für
die Bedeutung des Tages zu wecken. Unſer Ehrenmal, das ſo wuchtig
auf unſer Heimatdorf hinabſieht und faſt auf allen Stätten ſichtbar iſt,
wo unſere tapferen Brüder gelebt und gewirkt haben, gilt einzig und
lein ihrem Gedächtnis. Darum ſuchen wir in dieſer Weiſe die geiſtige
Wiedervereinigung mit ihnen. Wir grüßen ſie und ſie grüßen uns.
Unſer Denkmal ſoll ein Ort der Pietät ſein, geweiht durch den Schmerz
um ſie, durch den Stolz auf ſie, durch die Hoffnung auf ſie. Von ihrem
Opfertode müſſen ausgehen Kräfte neuen Lebens, die zu entſcheiden
haben zwiſchen Egoismus und Gemeinſchaftsleben. Als Dank für die
gefallenen Brüder gilt die Selbſterziehung zum Dienſt für Volk und
Vaterland. Nun weihte er das Denkmal als ein Ehrenmal für die
ge=
fallenen Helden, als ein Gedächtnismal an Deutſchlands ſchwerſte Zeit
und als ein Mahnzeichen für unſere Gemeinde: ſeid einig, einig, einig.
Die vielen Fahnen, die um die vor dem Denkmal geſtellte Ehrenwache
gruppiert waren, ſenkten ſich beim Fallen der Hülle. Es war ein
feier=
licher Augenblick. Nach Verleſung der Gefallenen durch den
Bürger=
meiſter unter Glockengeläute und dem alle ergreifenden Liede „Ich hatt”
einen Kameraden . . ." fanden die Kranzniederlegungen ſtatt, voran
Bürgermeiſter Daab für die Gemeinde. Dann kamen die 115er (
Offi=
ziersverein) Generaloberarzt Dr. Vollbrecht, die 6ler Oberſtleutnant
Lautenſchläger, die 11ſer Oherſtleutnant Henriei, und die ehenaligen
8der. Aus allen Anſprachen klang die Wehmut an die gefallenen Helden
aus unſerer Gegend. Sodann folgten die verſchiedenen Ortsvereine
ſo=
wie die iſrgelitiſche Gemeinde, deren Vorſitzender Lud. May den Verluſt
zwei ſeiner Glaubensgenoſſen beklagte und zur Einigkeit mahnte.
Ar=
chitekt Karl Böhm von hier übergab das Denkmal der Gemeinde, und
Bürgermeiſter Daab übernahm es in den beſonderen Schutz der
Ge=
meinde mit dem beſonderen Hinweis, daß dieſes Mal bis in die fernſten
Zeiten ein Sammelpunkt und ein Mahnzeichen ſein möge. Geſangverein
Eintracht” und der Kirchengeſangverein verſchönten die Feier mit
trefflichen Chören. Zum Schluſſe klang das Deutſchlandlied den Berg
hinunter über das ſtille Dorf. Nach und nach verließen die vielen
Teil=
nehmer nachdenklich die Höhe. Die Denkmalsweihe war ein Markſtein
in der Geſchichte unſerer Gemeinde. Möge dieſe Stätte bis in die
fernſten Zeiten erhalten bleiben und ganz beſonders unſerer Jugend
nicht nur eine Stätte der Erinnerung, ſondern auch der Erbauung und
Begeiſterung ſein.
Lampertheim, 13. Sept. Gemeinderatsbericht. Nach
Eröffnung der Sitzung erbittet zunächſt Gemeinderatsmitglied Kärcher
das Wort und drückt dem Bürgermeiſter im Namen des
Geſamtgemeinde=
rats zu ſeinem 50. Geburtstag die herzlichſten Glüchwünſche aus.
Die=
ſer dankt für die an ihn gerichteten Worte und verſichert, daß er auch
weiterhin ſein Amt in der bisherigen objektiven Weiſe weiterführen
werde. Sodann tritt man in die Beratung des Voranſchlags
ein, der in der von der Verwaltug vorgelegten Faſſung genohmigt
wird. Jedoch will man ſich in einer nächſtwöchngen Sitzung über
ver=
ſchiedene Punkte desſelben noch eingehend unterhalten. Bezüglich
Ru=
brik Wohnungsbau ſoll über derzeitige Mieten, neuen Mietpreis,
Not=
wohnungen uſw. geſprochen werden. Betreffs der gemeindlichen
Weiden=
kulturen ſoll die Verwaltung darüber Vorlage machen, ob eine
Selbſt=
ernte der Weiden einer Verſteigerung vorzuziehen iſt. Des weiteven
ſoll die Bürgermeiſterei für die Beratung der Abänderung der
Waſſer=
bezugsordnung eime ſtatiſtiſche Aufſtellung über den Verbrauch durch
Private Gewerbe uſwv. unterbreiten. Auch darüber, ob man dem
RheinMainiſchen Arbeitgeberverband weiter angehören ſoll, ſoll
Be=
ſchluß geſaßt werden. Da der Erbauer der Waſſerleitung noch mit
der Inſtandſetzung der Ernſt=Ludwig=Straße und des Falterweges im
Rüchſtand iſt, ſo wird die Bürgermeiſterei beauftragt, dieſen
unverzüg=
ich zur ordnungsmäßigen Herſtellung aufzufordem. In der nächſten
Sitzung will man ſich über ein Proteſtſchreiben an das Arbeitsamt
Mannheim unterhalten, das den auf der hieſigen Nebenſtelle vor
Ueben=
gang an Mannheim beſchäftigten Kriegsiwaliden Schärges kurzerhand
an die Gemeinde zurückſtieß, während der Leiter dieſer Stelle gar nicht
in der Lage iſt, die Arbeit zu bewältigen, und Hilfskräfte aus
Mann=
heim hierhergeſchickt werden, während man eine geübte Kraft einfach
beiſeite ſchiebt. — Die von der Verwaltung vorgeſehene Erhöhung
des Sprunggeldes für Faſeltiere wird nicht angenommen und ſoll der
zum Ausgleich des Voranſchlags, fehlende Bedarf durch Einſparung bei
Wegebauten erzielt werden, da die Feldwege ſich jetzt durchgehends in
einem guten Zuſtand befinden und daher die vorgeſehenen Mittel nicht
benütigt werden. Trotz größter Sparſamkeit iſt für die Gemoinde ein
Umlagebedarf von 195 645,35 RM. aufzubwingen, der folgendermaßen
gjedeckt werden ſoll: bei Ausſchlagſätzen von 0,40 bei Gebäuden und
Bauplätzen — 45 694,40 RM., 0,80 bei land= und forſwwirtſchaftlich gen.
Grundbeſitz — 61 407.20 RM., 0,75 bei gewerbl. Anlage= und
Betriebs=
kapital — D452,75 RM. bei 3,00 Gewerbeertrag — 2 187 RM. und
bei 36,43 Sondergebäudeſtener — 40 894,50 RM. Der Verwaltumg wird
zur Auflage gemacht, vierteljährlich dem Gemeinderat darüber Bericht
zu erſtatten, wieweit die Beträge der ginzelnen Rubriken verwandt
worden ſind. — Da Joh. Jakob 9. für ein nur Sonntags geöffnetes
Verkaufshäuschen gegenüber den Inhabern von ſolchen, die ſie täglich
offen halten dürfen, zu viel Pacht bezahlt, ſo wird deſſen Pachtpreis
auf 10 RM. ermäßigt. — Zwei vorliegende Geſuche um
Wirtſchafts=
konzeſſion werden genehmigt, da es ſich um Uebergänge handelt. —
Einem Antrag auf Aufſtellung von zwei ſtabilen Ruhebänken am
Wald=
rand wird ſofort ſtattgegeben. — Für die nächſtwöchige Sitzung wird
ein Antrag, den ausgeſteuerten Erwerbsloſen eine Zuwendung durch
Arbeit zu machen, zurückgeſtellt, desgleichen ein Antrag der Fraktion
der Deutſchen Volkspartei und des Zentrums auf größte
Sparſamkei=
ſeitens der Verwaltung und der Verwendung von Geldern aus einer
Rubrik des Voranſchlags in einer anderen.
Die (inweihung
des D. H. V.=Ortsgruppenheims in Eberſtadt
F. Eberſtadt, 16. September.
Vor einem Kreiſe geladener Gäſte wurde das von der hieſigen
Ortsgruppe des Deutſchnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes, im
Gartenſaal der Weinhandlung Jacob Jacob eingerichtete
Ortsgruppen=
heim ſeiner Beſtimmung übergeben. Der Vertrauensmann der
Orts=
gruppe Eberſtadt, Kollege Jakob Dächert, begrüßte die Gäſte und
erinnerte daran, daß im gleichen Lokale, in dem nun das Heim
unter=
gebracht ſei, vor 31 Jahren die Ortsgruppe, die heute 106 Mitglieder
zähle, gegründet worden ſei. Er übergebe das Heim ſeiner Beſtimmung
in der Hoffnung, daß in ihm ſtets lebendiger D.H.V.=Geiſt wohnen
und von ihm eine weitere Aufwärtsentwicklung der hieſigen Ortsgruppe
ausgehen möge. Die Loſung ſolle jetzt erſt recht lauten: „Vorwärts
immer, rückwärts nimmer!”
Im Auftrage der Verwaltung des Verbandes ſprach Gauvorſteher
Auerbach=Frankfurt a. M., der etwa folgendes ausführte: „Es iſt
heute das 220. Mal, daß der D.H. V. ſeinen Ortsgruppen ein Heim zur
Benutzung übergibt. Ich bin feſt davon überzeugt, daß die Weihe des
Heims in Eberſtadt einen wichtigen Abſchnitt im Leben der hieſigen
Ortsgruppe bedeuten wird. Von den vielen jungen Menſchen, die nicht
bei ihren Eltern wohnen können, gehört der größte Teil dem
Kauf=
mannsſtande an. Bei ihm wirkt ſich die Raumnot als geiſtige
Berufs=
not aus und bringt große Gefahren moraliſcher Art mit ſich. So
kommt es, daß bei vielen der jungen Kaufmannsgehilfen die innere
Verbundenheit mit dem Betriebe oder Werke, in dem ſie arbeiten,
all=
mählich verloren geht und die Anſicht bei ihnen entſteht, daß ſie nur
arbeiten müſſen, um Geld zu verdienen. Um ſo höher iſt es
anzuerken=
nen, was Gemeinſchaftsſinn unter den Verbandsmitgliedern durch die
Schaffung von bereits mehr als 200 Heimen, davon allein 20 im engeren
Verbandsgebiet, vollbracht hat. Die günſtigen Auswirkungen werden
ſich allerdings erſt nach Jahren zeigen. Die Heime ſollen zu wertvollen
Mithelfern werden an unſerer Aufgabe den jungen Berufsgenoſſen
durch ſtändige Erziehungsarbeit und Bildungsmöglichkeit in eigenen
Näumen eine geachtete Stellung zu ſchaffen. Dieſe Erziehungsarbeit
wolle den Einzelnen als ganzen Menſchen erfaſſen, alſo nicht nur
nütz=
lich machen für den Beruf, ſondern auch als Glied der menſchlichen
Ge=
ſellſchaft und des Staates. Vier wichtige Geſichtspunkte ſtellt der D.H.V.
ſeiner Arbeit voran. 1. Der D.H.V. als bewußt nationale Gewerkſchaft
ſtellt die Pflege deutſchen Volkstums und nationale Wohlfahrt des
Volkes der internationalen Geſinnung gegenüber. Der Verband ſucht
deutſche Sitte und deutſche Art wieder wachzurütteln und wachzurufen
und durch die Standesgemeinſchaft die Volksgemeinſchaft herzuſtellen.
2. Als kaufmänniſcher Berufsverband ſieht der Verband ſeine Aufgabe
darin, ſeine Mitglieder zu geachteten ehrbaren Kaufleuten
heranzubil=
den. Der Verband lehnt es ab, Proletariergeiſt zu züchten. Vom
Lehrling bis hinauf zum Direktor kann jeder die Mitgliedſchaft im
Ver=
band erwerben. Die verſchiedene ſoziale Schichtung des Verbandes
be=
einträchtigt keineswegs ſeine Homogenität. Jeder zweite Lehrling
ge=
hört heute der kaufmänniſchen Jugend des D.H.V. an. 3. Der D.H.V.
iſt eine unabhängige Gewerkſchaft. Als ſolche erfüllt er die Aufgabe,
ſeine Mitglieder zu treuen überzeugten Gewerkſchaftlern heranzubilden.
Im feſten wirtſchaftlichen Zuſammenſchluß liegt das Geheimnis des
Er=
folges des Verbandes. Bei all der Stärke, die in den ſozialen und
wirtſchaftlichen Einrichtungen des Verbandes zum Ausdruck kommt, iſt
und bleibt die mächtigſte Kraft dennoch die geiſtige und ſeeliſche Kraft
des Einzelnen, die ſelbſt durch gewerkſchaftliche Kraft= und Machtanwen=
Die St. Hildegard=Zeierlichkeiten in Bingen.
WSN. Bingen, 15. Sept. Die Feierlichkeiten zu Ehren des 750.
Todestages der Hl. Hildegard nahmen an der Stätte ihrer Tätigkeit
ihren Anfang. An dem Feſt, das ſich bis zum kommenden Sonntag, den
22. September einſchließlich, ausdehnt, nehmen alle Bevölkerungskreiſe
der Stadt ohne Rüchſicht auf die Konfeſſion regen Anteil. Die
Feier=
lichkeiten wurden am Samstag nachmittag in Bingen eröffnet mit
der feierlichen Einholung der Biſchöfe von Mainz und Rottenburg.
Weiter trafen am Samstag ein der Biſchof von Trier ſowie andeve hohe
kirchliche Würdenträger Prälaten und Aebte, während am Sonntag
vormittag noch der Biſchof von Speher ſowie Prälat Dr. Seipel aus
Wien eintrafen. An weltlichen Ehrengäſten haben in Bingen Wohnung
genommen der Vertreter der heſſiſchen Staatsregierung und
Ehrenvor=
ſitzender des Feſtausſchuſſes Miniſter Dr. Kirnberger=Darmſtadt, der
heſſiſche Geſandte Nuß=Berlin, der Oberpräſident der Rheinprovinz
Dr. Fuchs=Koblenz, Landeshauptmann Dr. Horion=Düſſeldorf u. a. Mit
dem Einbruch der Dunlelheit am Samstag abend erllang im ganzen
Rheingau und in Mainz feierliches Glockengeläute und dröhnten
Böller=
ſchüſſe. Gleichzeitig erſtrahlten die verſchiedenen Stätten von Bingen,
Nupertsberg und Eibingen, an denen die Hl. Hildegard wirkte, in
elek=
triſchem Licht. In den Räumen des Deutſchen Hauſes in Bingen
ver=
anſtalteten der Katholiſche Akademiterverband, der Katholiſche
Frauen=
bund und der Hildegardisverein gemeinſam einen Begrüßungsabend.
Die Feierlichkeiten des Sonntags wurden um 10.15 Uhr vormittags
mit einer gkademiſſchen Feier in der Binger Feſthalle eingeleitet. Dabei
ſprach als Vertveterin der katholiſchen Akademikerinnen Frau Dr.
Schlüter=Hermkes=Berlin über „Die heilige Hildegard als Meiſterin
katholiſcher Geiſtesarbeiter”. Im Anſchluß daran ſprach Fräulein
r. Krabbel vom Katholiſchen Frauenbund üüber „Hildegard, die heilige
Frau”. Nach Begrüßungsworten des Miniſters Kirnberger ſprach der
Abt von Maria Laach über „Die heilige Hildegard im Lichte ihrer
ge=
ſchichtlichen Eigenart
Nachmittags 3 Uhr verſammelte ſich eine zahlreiche Menſchenmenge
auf dem Rochusberg zu einer katholiſchen Kundgebung, bei der
Bundes=
kanzler a. D. Prälat Dr. Jgnaz
eipel zu dem Thema „Die hl.
Hilde=
gard im Geiſtesleben unſerer Zeit
ſprach. Er führte dabei u. a. aus:
Nicht an Gebäuden, nicht an Mauern und Türmen haſtet das
Ge=
dächtnis an die vor 750 Jahren geſtorbene Frau. Die hl. Hildegard,
die als Kind mit dem geſangenen Heinrich IV., unter demſelben Dach
gelebt hatte, kam mit Päpſten und Kaſſern, mit Füyſten und Biſchöfen,
mit Weiſen und Heiligen zuſammen, aber ſie verdankt nicht einem von
dieſen das Fortleben in der Geſchichte.” Im Verlauf ſeiner Rede feierte
Dr. Seipel die hl. Hildegard als Seherin, Beraterin, Naturbetrachterin
und Menſchenkennerin und ſchloß mit dem Wunſche, daß Gott zu jeder
Zeit der Menſchheit die Seher und Bevater, die Natur= und
Menſchen=
kundigen, die Aerzte und die Führer geben möge, die ſie braucht.
— Höchſt i. O., 16. Sept. Nächſten Sonntag, 22. d. M., findet im
evangeliſchen Gemeindehaus dahier nachmittags 1.30 Uhr wieder
Got=
tesdienſt für Gehörloſe ſtatt. Wegen Fahrtausweis wende man ſich an
hieſiges Pfarramt.
Viernheim, 15. Sept. Ein ſchönes Beiſpiel von
Sangesbrüderlich=
leit geben die beiden hieſigen Geſangvereine „Harmonie” und „Flora”,
die an Pfingſten 1930 ihr 25jähriges Beſtehen gemeinſam als ein
Sil=
bernes Doppeljubiläum begehen. Mit dem Jubelfeſte iſt ein großer
nationaler Geſangswettſtreit verbunden. Neben hohen Geldpreiſen
kom=
men werwolle Ehren= und höchſte Ghrenpreiſe, ſowie prachwolle
Ameri=
kanerpreiſe zum Austrag. Auch für die Herren Dirigenten ſind Preiſe
vorgeſehen. Bei dem lebhaften Intereſſe, das die geſamte Bevölkerung
Viernheims an dem Doppelfeſte nimmt, dürſte ſich dasſelbe zu einem
großen Sängertag geſtalten.
— Gernsheim, 16. Sept. Wafſerſtand des Rheins am
15. September —0,52 Meter, am 16. September —0,54 Meter.
— Hirſchhorn, 16. Sept. Waſſerſtand des Neckars am
15. September 0,45 Meter, am 16. September 0,48 Meter.
dung nicht erſetzt werden kann. 4. Als nationaler Verband ſtreben g”
dem nationaliſtiſchen Staat zu. Aus dieſer Bewegung erwächſt die M.
pflichtung, die Verbandsmitglieder zur ſtaatsbürgerlichen Geſiunw
Haltung und ſtaatsbürgerlichem Denken zu erziehen. Wir ſehen
Grenzen der Welt nicht Ez den Grenzen unſeres Berufsſtandes, ſondchn 9u
arbeiten an den Staatsaufgaben mit und wollen ſo auch dem Wohle
Ganzen dienen. In den Ortsgruppenheimen ſchafft ſich der Verſo,/”n
Hilfsmittel zur ſtaatsbürgerlichen Erziehung ſeiner Mitglieder, Staga zu fmf
bürgerliche Erziehung ſoll auch hier in dem neuen Eberſtädter Gom Aſt
getrieben werden. Nicht durch Wiſſensanhäufung, ſondern durch imt.ſt ä
ſive Schulung des Charakters und der Willensbildung des Einzelrviltu
wollen wir unſere Mitglieder befähigen, zu allen Fragen des öffenlſcht
nt.
Lebens Stellung zu nehmen. Möchte auch das Eberſtädter Heimn dies, m
hohen Zielen dienen.”
Anſchließend an die mit ſtarkem Beifall aufgenommenen Ausführro ſte
gen des Redners ſprach zunächſt Bürgermeiſter Dr. Uecker der zu 20
Einrichtung des neuen Heims als eine mutige Tat bezeichnete, ier
Glückwünſche der Gemeinde aus. Pfarrer Paul ſprach namen „ſierfühl
evangeliſchen Kirchengemeinde; Rektor, Becker, namens des Orſt ſchn. M
ausſchuſſes für Volksbildung und Jugendpflege. Rektor Storck M0. a B.
brachte die herzlichſten Wünſche der Schule, betonend, daß die Armaft der
an der Jugend, die in der Schule begonnen werde, dort aber nicht ſotz, Fil.
geſetzt werden könnte, ihre Fortſetzung in den Bildungsſtätten
m ſte
D. H. V. zum Segen ſeiner Mitglieder finde.
Mätang.
Es ſprachen weiter Glückwünſche aus: Gemeinderat. Peter 6gſtynte dur
für den Stenographenverein „Gabelsberge
den Sprecher als mit eeiain
Ortsgruppe eng verbunden bezeichnete: „Gemeinderat Heinrich Dieggatnſt in
namens des Ortsgewerbevereins, Gemeinderat Heinrich Dächert naunzd le
des Landbundes. Poſtmeiſter Maykemper namens der Poſtverwpallungen 0
Eberſtadt, Grund=Pfungſtadt namens der Ortsgruppen Darmſtadt uud icichen
Pfungſtadt, Philipp Eyſenbach namens der Verſchönerungs= und EA.,mielt —
kehrsvereins. Die Induſtriellen=Vereinigung hatte ihre Glückwinte Nrunge
ſchriftlich übermittelt. Der Vertrauensmann dankte am Schluſſe 41
ſchönen Feier für die Glückwünſche, von denen er hoffte, daß ſie allesroh
AAST
Erfüllung gehen möchten.
Am Samstag abend fand eine zweite Feier für die Mitglieder eu
Ortsgruppe im Heim ſtatt. Hier ſprach Kollege Lauer=Wiesbaiu gigte
in einer groß angelegten Rede von der Arbeit und dem Wollen
Verbandes und gab damit dieſer Feier ihren geiſtigen Inhalt. Kr
geſchäftsführer Zimmermann=Frankfurt a. M. überreichte in ein ziehen
kernigen Anſprache dem Kollegen Ludwig Becker für 25jährige Zru fuh 12
hörigkeit zum Verband die ſilberne Verbandsnadel und eine Ehrm 4heſt.
urkunde. Dem Kollegen Auguſt Schmidt wurde für tatkräftige Wem füche E
arbeit ein ſilberner Ning überreicht. Das dreifache „Heil” des Nednm Altet
galt der Ortsgruppe Eberſtadt, ihrem Wachſen, Blühen und Gedeink
Fräulein Hanne Jung, als Sprecherin für die Damen der Mitgliechl
übergab der Ortsgruppe neben einer aus freiwilligen Spenden
beſch=
ten Standuhr als Grundſtock für eine Ortsgruppenbibliothek eine B.) Mre u
zahl nützlicher Bücher und zur Unterhaltung einige Spiele. Sie un
Frau Küfer hatten ſich im übrigen auch u. a. um die Ausſchmückung 7!
Heims mit Blumen verdient gemacht. Auch darf verzeichnet werdch
daß wertvolle Bücherſpenden von Herrn Karl Hilſz. Herrn Fritz Ba /M0 I0
haupt gemacht, ſowie von anderen Herren in Ausſicht geſtellt workl
ſind. Allen Spendern dankte der Vertrauensmann Jakob Dächert ou
Schluſſe der Feier herzlichſt. Ein Tanz folgte, der der Heimweihe 4/ Die verl
Abſchluß gab.
leſien rei
den Mi
dere
Abſchluß der Marburger 400=Jahr Feier.
ſten,
WSN. Marburg, 16. Sept. Die internationale Tagung führenä.
98 Sch
Kirchenmänner und Pheologen, die anläßlich der 400=ahrfeier des Motz egn der
burger Religionsgeſpräches ſtattfand und auf der die Vertreter
50 proteſtantiſchen Konfeſſionen zuſammengetreten ſind, beſchäftigte 5
heute mit dem Plan einer engeren prartiſchen Zuſammenarbeit derfuarfüſer be
ſchiedenen Konfeſſionsgruppen. Der Marburger Unwerſitätsdokto trtller die 2ü
Otto, der den Haupwortrag über die gemeinſamen Aufgaben des hrulnghns d
teſtantismus hielt, wies auf die großen Weltfragen auf ſozialem mitnm. M
Mittel
ſittlichen Gebiet hin, auf die nicht eine einzige proteſtantiſche Aiu
eine Andwort geben könne. Der Proteſtantismus müſſe ein Gmupbute
haben, durch das er ſeine Stimme erheben und zu dieſen Fragen Sty.M Veru
lung nehmen könne. Im Verlaufe der Ausſprache, die dem Hauptau ſweit ſie
trag folgte, betonte Profeſſor Brown aus New York die geiſtige Einhe
eten
zwiſchen den verſchiedenen proteſtantiſchen Konfeſſionen, die dieſe V
Idkäfer,
gung erneut gezeigt habe. Er befürwortete zur Förderung dieſer 6t
heit weitere interkonfeſſionelle Religionsgeſpräche im Sinne der Mal üienern
burger Tagung. Der Präſident des Schweizeriſchen Kirchenbmde Wftä
Prof. Dr. Herold, ſprach von der inneren Bewegung einer zunehn
Eenr gor
den Verſtändigung zwiſchen den Konfeſſionen. Prof. Jundt
richtete an die Leitungen aller Reformationskirchen, die von Wil
dungen
berg, Genf und Bürich ausgegangen ſind, die Bitte, den Vorſchläg
einer engeren praktiſchen Zuſammenarbeit der Konfeſſionen ihre beſac. Lar
dere Aufmerkſamkeit zu ſchenken. Er begntragte, daß der Deuſſe!le
Gvangeliſche Kirchenausſchuß gebeten werde, nach zeitgemäßen Mit
ſich Frt
und Wegen zu ſuchen, wie die Wahrnehmung gemeinſamer ebangs
tige
ſcher Aufgaben geſichert werden könne. Entſprechend dieſem Vorſchl.
eliſck
*
ſollen die Anvegungen der Tagung an den Deutſchen Gban=
Lirchenausſchuß geleitet werden, der ſie ſeinerſeits an die Kirchenbün
n G
und die Kirchenleitungen in dem Auslande weiterleiten ſoll. Bei 98
30
Empfang, den die Stadt Marburg zu Ghren der Tagung beranſtaltei”
ſprach der Obepbürgermeiſter Müller als Laie ſeine Genugtuung
über aus, daß die proteſtantiſchen Konfeſſionen entſchloſſen ſeien dad
was ſie untereinander einte, in Zukunſt in den Vordergrund zu ſtells, Lu
Eil als
Die konfeſſionellen Spaltungen hätten viel dazu beigetragen, die Als
nSberpfl
zwiſchen den Maſſen und der Kirche zu vergrößern. Mit einom
Fe=
gottesdienſt in der Marienkirche fand die 400=Jahrfeier des Marburag
Religionsgeſprächs ihren Abſchluß.
Le. Groß=Umſtadt, 16. Sept. In den letzten Tagen ſprach ein arb
gekleideter jüngerer Herr in den Pfarrhäuſern der Umgegend vor un
bat dabei, da er ein ſtellenloſer Büroangeſtellter ſei, um eine Gahl
die ihm auch reichlich zuteil wurde. Merkwürdigerweiſe vermißt
der Herren nach dieſem Beſuche ſeine goldene Uhr. Der Staatsanlu
ſchaft wurde Mitteilung von dieſem Vorkommnis gemacht. Vorſicht 71 ü befrie
alſo geboten! — In der hieſigen Molkerei war ſeit einiger Zeit ”
20jähriger junger Menſch, der einer auswärtigen angeſehenen Fanili,
iol
entſtammt, zur Erlernung des Molkereibetriebs tätig. Als der
erfahren hatte, daß ſich ſein Sohn ohne Wiſſen der Eltern verlobt uun
das ſtandesamtliche Aufgebot zur Trauung bereits erfolgt war, kan e
hierher, um ſeinen Sohn zur Rede zu ſtellen. Aber zu ſeinem Erſt
erfuhr er, daß ſein Sohn mit ſeiner Geliebten nach Ulm, wo dieſe
heimatet iſt, abgereiſt war. Leider war aber dem glücklichen Bräutioe.
unterwegs das nötige Kleingeld ausgegangen. Da er ohne Fa
betroffen wurde, wurde das wohl in Seligkeit ſchwelgende Paar
zuch=
die Hartherzigkeit des Bahnbeamten jäh aus ſeinem Liebesrauſch herußs
geriſſen, indem dieſer den Bräutigam feſtnahm.
Bw. Langſtadt, 16. Sept. Der in den 20iger Jahren ſtehenol
Arbeiter Muhl aus dem nahen Schlierbach verunglückte bei den Ge8
leitungsarbeiten zwiſchen Zellhauſen und Seligenſtadt dadurch, daß
ſchweres Leitungsrohr in die Ausſchachtung rutſchte und ihm dabei di
beiden Oberſchenkel gebrochen wurden. Sein Arbeitskollege aus Grſts
Zimmern erlitt ſchwere innere Verletzungen.
2
AAA
hilft in der Küche sparen.
Schon wenige Tropfen geben schwachen Suppen, ooßen, Gemüsen und Salaten Rraftigen
Wohlgeschmack — Vorteilhaftesten Bezug in großen Opiginalflasche zu R.M. 6.50.
Venlangen Sie ausdvücklich MAGG Würze
[ ← ][ ][ → ]Nummer 258
(rnährungsminiſter
ſar der Tagung des Deutſchen
Land=
wirkſchaftsraks
Von Frithjof Melzer.
Durch den Briefwechſel zwiſchen den bier Bauernführern und dem
90 sernährungsminiſter iſt, in dieſer Form „anz unerwartet, eine
Ewicklung der Agrarpolitik in Gang gekommen, die gefährlicher
wer=
gekann als alle Schickſalsſchläge, die in den letzten Jahren die
Wirt=
getroffen haben. Auf beiden Seiten mögen techniſche Fehler in
äußeren Handhabung des Briefwechſels unterlaufen ſein. Es lohut
ſit nicht, ihnen nachzugehen, hier wieder einmal eine Schuldfrage zu
ſten. Auf den ſachlichen Inhalt und auf das ſachliche Ergebnis
ſmt es allein an. Zunächſt einmal iſt die Situation nach außen ſo:
z Reichsminiſter für Ernährung und Landwirtſchaft, der
demokra=
ſe Reichstagsabgeordnete Dr. Dietrich, ſteht im ſchärfſten Gegenſatz
z Landwirtſchaft, die in ihrer Geſamtheit ſich durch die vier
Bauern=
üſter vertreten fühlt und die die Ueberzeugung hat, daß die dier
Aernführer ihrer Meinung und ihrem Willen Ausdruck gegeben
gen. Mag Dr. Dietrich das mit ſeiner erſten nervöſen Antwort auf
d Brief der Bauernführer nicht beabſichtigt haben. Es iſt Tatſache,
t der Tatſache haben wir uns zu bsſchäftigen.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß jede Agrarpolitik ihren Sinn verliert,
mn ſie aus perſönlichen Motiven getrieben wird, wenn ſie in ihrer
Mtung, in der Wahl der Maßnahmen und in der Wahl des
Zeit=
guttes durch perſönliche Empfindlichkeiten und Abneigungen oder
Zu=
geungen beſtimmt wird. Mag es zutreffen oder nicht, die
Landwirt=
aſt in ihrer breiten Maſſe draußen hat jedenfalls den Eindruck, als
ſbei Dr. Dietrich zunächſt bei der Abfaſſung ſeiner Antwort die
ſach=
ſten Geſichtspunkte nicht allein den Ausſchlag gegeben hätten. Die
ſalichen Zweifelsfragen und — auch darum hat es ſich ja leider
ge=
ſadelt — die Mißverſtändniſſe ſind inzwiſchen durch die weiteren
Er=
ſtungen der Bauernführer klargeſtellt. Die Bauernführer haben alſo
als getan, die Bahn für neue ſachliche Arbeit frei zu machen. Es iſt
oal ſelbſtverſtändlich, daß neben dieſen offiziell nach außen in
Erſchei=
ug getretenen Schritten inzwiſchen auch die perſönliche Verbindung
ugenommen iſt, ſo daß, unabhängig von der hoffentlich endgültig
be=
ewigten öffentlichen Polemik, der Kern der Fragen bereits
heraus=
uche
t iſt.
Die Dinge eilen. Die Nor der Landwirtſchaft iſt auf die Spitze
„bieben. Es kommt darauf an, im letzden Augenblick den
Zuſammen=
ſach des Bauernſtandes zu verhindern. Es muß wirklich etwas
ge=
ſahen. Jene Polemik über Formen und techniſche Fragen, über
per=
ſliche Empfindlichkeiten, über Eitelkeiten und dergleichen mehr,
be=
ſiſtet eine überflüſſige und ſinnloſe Kräftevergeudung in einem
Augen=
in dem es darauf ankommt, alle Kyäfte, die der Landwirtſchaft,
Behörden und Organiſationen und die der ganzen deutſchen
Volks=
utſchaft auf die Abwvendung der Agrarkataſtrophe zuſammenzufaſſen.
Awäre unverantwortlich, wenn mit dieſen Aeußerlichkeiten Zeit ver=
Dienstag, den 17. Geptember 1929
und Landwirtſchaft.
geudet würde. Es iſt wahrhaftig ſchon genug vevſäums worden. Und
es ſteht mehr auf dem Spiel als allein das Schickſal des
landwirtſchaft=
lichen Berufsſtandes. Es handelt ſich auch um das Schichſal der Stadt,
die mit der Landwirtſchaft ihre Exiſtenzarundlagen verlieren würde,
es geht um eine Schickſalsfrage der deutſchen Volkswirtſchaft. Und es
geht ſchließlich auch darum, ob wir eine neue fünchterliche Revolution
erleben ſollen, die diesmal, umgekehrt wie 1918, vom Land in die Stadt
getragen wird. Die Atmoſphäre iſt überſpannt bis dort hinaus. Es
ſollte die Aufgabe aller verantwortlichen Stellen ſein, für die
Entſpan=
nung zu ſorgen, ehe eine gewaltſame Entladung kommt. Die
Land=
wirtſchaft iſt ſich deſſen bewußt, daß poſitiv nur dann etwas geſchehen
kann, wenn die Führer der Landwirtſchaft Hand in Hand mit dem
Er=
nährungsminiſter arbeiten. Es braucht nicht erſt feſtgeſtellt zu werden,
daß die Bauernführer zur Zuſammenarbeit bereit ſind. und wir ſind
davon überzeugt, daß auch Dr. Dietrich ſich des Ernſtes der Lage
be=
wußt iſt.
So wie die Dinge auf des Meſſers Schneide ſtehen, bietet die
un=
zittelbar bevorſtehende Tagung des Deutſchen Landwirtſchaftsrats in
Münſter die letzte Gelegenheit zur Klarſtellung. Von vornherein war
für die Tagung der halbamtlichen Vertretung der geſamten deutſchen
Landwirtſchaft die Beſchlußfaſſung zu den Rentabilitätsfragen der
Landwirtſchaft auf Grund eines Referates von Dr. Brandes
vor=
geſehen. Die anderen Punkte der Tagesordnung, wie die Erörterung
von Young=Plan und Agrarpolitik durch Dr. Solmßen die
Be=
richterſtattung über die Sozialreform durch Graf Baudiſſin und
die Beſprechung der kritiſchen Lage der kleinbäuerlichen Betriebe durch
Profeſſor Münzinger, wie auch die Stellungnahme zum Entwurf
des Reichsmilchgeſetzes durch Oebonomierat Keiſer ſtehen in engſtem
Zuſammenhang mit den allgemeinen Rentabilitätsfragen. Wie auch
ſonſt will der Ernährungsminiſter der Tagung beiwohnen. Soll die
Tagun
nicht jeden praktiſchen Sinn verlieren und ſoll die
Anweſen=
heit Dr. Dietrichs mehr bedeuten als nur einen leeren förmlichen
Höf=
lichkeitsakt, ſo muß das Ergebuis der Tagung die Ginigung zwiſchen der
Landwirtſchaft und dem für ſie verantwortlichen Minüſter über die
un=
verzüglich zu ergreifenden konkreten Maßnahmen ſein.
Dr. Dietrich hat vor kurzem wieder davon geſprochen und hat es
auch in ſeiner Antwort an die Bauernführer anklingen laſſen, daß man
die Landwirtſchaft mit Programmen nicht retten könne, daß es allein auf
Taten ankäme. Das iſt es ja geuade, worauf die Landwirtſchaft wartet.
Was ſollen die Bauernführer nach der Durchorganiſierung der
Selbſt=
hiffe anderes tun, als wohlerwogene Programme und Richtlinten
auf=
zuſtellen und ſie dem für die Durchführung allein zuſtändigen Miniſter
zu überreichen? Die Bauernführer haben ja doch letzten Endes keine
Vollſtreckungsgewalt. Sie ſind darauf angewieſen, ſich in der klaren
Form des Rentabilitätsprogramus an den Miniſter zu wenden. Und
ſeine Aufgabe iſt es, zu Taten zu ſchreiten, ganz gleich, ob ihm
Pro=
gramme vorgelegt werden, oder ob er aus eigener Initiativa handelt.
Wären die Bauernführer nicht programmatiſch hervorgetreten, ſo hätte
man ihnen mit Recht den Vorwurf machen müſſen, daß ſie ihre Pflicht
verſäumt haben. Die Tagung des Landwirtſchaftsrats würde mit einem
Mißklang enden, wenn nicht der Wille zur Tat unmißverſtändlich zum
Ausdruck käme.
Die Lage der Landwirkſchaft im Auguſt 1929.
(Nach Berichten deutſcher Landwirtſchaftskammern.)
Die verhängnisvolle Lage der Landwirtſchaft hat im Auguſt
nahe=
uim ganzen Reich infolge der anhaltenden Dürre einen beſonders
be=
ſyhlichen Charakter angenommen. Lediglich in Südbayern und in
Aleſien reichten die Niederſchläge einigermaßen aus. Auf den leichten
6den Mittel= und Norddeutſchlands hat jedoch die Trockenheit bereits
ſwbere Schäden verurſacht. Die Kartoffeln, die zunächſt gut angeſetzt
ſten vertrockneten, Zucker= und Futterrüben ſtocken im Wachstum.
ds Schälen der Stoppeln und Pflügen zur Herbſtbeſtellung mußte
pgen der Unmöglichkeit, mit dem Pfluge in den Boden zu kommen,
ufach eingeſtellt werden. Andererſeits war das Erntewetter für das
tbringen der Getreideernte, die im allgemeinen bis auf Weizen und
ſhter beendet werden konnte, ſehr günſtig. Allerdings verurſachte auch
ſite die Dürre vielfäch Notreife und minderte ſo den Körnerertrag. Das
Enebnis der Ernte liegt, mit Ausnahme von Hafer, unter dem
vorjäh=
ten. Man wird ſie als eine befriedigende, ſtellenweiſe knappe
Mittelernte bezeichnen können. Die Urſache dafür dürfte in den
Guerſchäden, dem ungünſtigen Frühjahr und der infolgedeſſen
ſtärke=
ſt Verunkrautung zu ſehen ſein. Die Beſchaffenheit der Körner wird
Geit ſie nicht durch Notreife beeinträchtigt worden iſt, befriedigend bis
u genannt werden können. Die Dürre führte auch zu einem ſtärkeren
Atreten von Pflanzenſchädlingen. Beſonders machten ſich Blattläuſe,
Stildkäfer, die Rübenfliege und die Nübenblattwanze bemerkbar. Die
öpfenernte ſoll gut ausgefallen ſein. Ebenſo wie das Ackerland, wenn
ugt ſtärker, litten die Grünflächen unter der Trockenheit. Der
ine Schnitt fiel zwar meiſt gut aus, der Nachwuchs blieb jedoch faſt
ürall gering. Vielfach mußte das Vieh bereits von den Weiden
ab=
gerieben und aufgeſtallt werden. Infolge Futtermangels auf den
Wei=
gingen verſchiedentlich die Milcherträge zurück. Im
Feldgemüſe=
u Gartenbau machte ſich ebenfalls der Mangel an Niederſchlägen
beerkbar. Das Obſt, beſonders Aepfel, bleiben klein oder fallen ab.
iiter den Obſtbaumbeſtänden führt die Trockenheit bei den im Winter
drch Froſt beſchädigten Bäumen zu weiteren Abgängen. Die
Wein=
hir ge ſtehen, ſoweit ſie nicht vom Froſt geſchädigt wurden, gut. In
* Fiſcherei und Teichwirtſchaft zeigten die Teichfiſche im
allge=
minen gutes Wachstum. In den Flüſſen, beſonders in den verunreinig=
Gewäſſern in der Nähe der Großſtädte, traten infolge des Fehlens
o Niederſchlägen und Sauerſtoff Erſtickungsverluſte ein.
Die Preisgeſtaltung für landwirtſchaftliche Erzeugniſſe blieb,
ſpeit ſie ſich nicht verſchlimmerte, nach wie vor ungünſtig. Starke
Yunruhigung herrſcht über die niedrigen Getreidepreiſe, die ſich zum
Al als Folge der Notverkäufe der Landwirtſchaft ergaben. Die hohen
Ansverpflichtungen und ſonſtigen Fälligkeiten zwingen die
Landwirt=
ſahft zum Verkauf. Auch die Frühkartoffelpreiſe enttäuſchten. In der
Verde= und Rindviehzucht genügten die Preiſe nicht. Lediglich die
Gweinepreiſe waren ausreichend. Die Nachfrage nach Ferkeln ließ
in=
ſigedeſſen noch nicht nach, obwohl eine zu ſtarke Ausdehnung der
Gweinezucht recht bedenklich erſcheint. Bei Schafen entlaſteten ruſſiſche
Afkäufe teilweiſe den Markt. Die Beſtrebungen, durch
Genoſſenſchafts=
ulkereien die Milchwirtſchaft und durch
Eierverwertungsgenoſſenſchaf=
un die Geflügelzucht einträglicher zu geſtalten, finden immer mehr
In=
teſſe. Kreditanträge für Geflügelfarmen konnten im Weſten vielfach
uct befriedigt werden.
Die Lage für Perſonal= und Realkredit blieb unverändert
ſchlecht. Realkredit iſt kaum zu haben. Als Folge dieſer ſchwierigen
Verhältniſſe ſteigt das Angebot am Grundſtücksmarkt. Eine
entſpre=
chende Nachfrage fehlt. Beſitzwechſel findet faſt nur im Wege der
Zwangsverſteigerung ſtatt. Landwirtſchaftliche Betriebsmittel werden
nur in dringend notwendigen Fällen gekauft. Etwas ſtärker war der
Bedarf an Erntemaſchinen, weil der Arbeitermangel zum Erſatz der
Handarbeit durch Maſchinenarbeit zwingt. Das gute Erntewetter ließ
glücklicherweiſe den Mangel an Arbeitskräften nicht in ſeiner ganzen
Schärfe in Erſcheinung treten. Es fehlen jedoch tüchtige
Landarbeiter=
familien und beſonders jüngere ledige Kräfte in bäuerlichen Betrieben.
der Bau von Landarbeiterwohnungen kommt wegen Erſchöpfung der
Mittel ins Stocken. Das Angebot an Motorpflugführern war im
all=
gemeinen ausreichend. Immer wieder wird über die demoraliſierende
Wirkung der Arbeitsloſen= und die ſchwere Laſt der Sozialverſicherung
geklagt.
Reichsverhand der deufſchen landwirtſchaflichen
Genoſſenſchaften.
Die Geſchäftsergebnifſe des Jahres 1928.
Da auf Grund der am 19. Juli in Frankfurt a. M. gefaßten
Be=
chlüſſe der genoſſenſchaftlichen Einigungskommiſſion noch im Laufe
die=
ſes Jahres mit der Gründung des Einheitsverbandes der deutſchen
andwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften zu rechneen iſt, ſo gewinnt das
ſo=
ben erſchienene „Jahrbuch 1929” des Reichsverbands der
deutſchen landwirtſchaftlichen Genofſenſchaften,
der mit 64,8 Prozent des Geſamtbeſtandes an deutſchen
landwirtſchaft=
ichen Genoſſenſchaften als ſtärkſter Partner in die kommende
Einheits=
rganiſation hineingeht, beſondere Bedeutung. Dieſes „Jahrbuch”
ent=
hält den Geſchäftsbericht des Reichsverbands für die Zeit vom 1.
Ja=
uar bis 31. Dezember 1928 und ſtellt feſt, daß „die
Geſamtorga=
iſation des Reichsverbands allen Hemmungen
um Trotz ſich weiterhin aufwärts entwickelt hat”,
vas auch zahlenmäßig Ausdruck findet. An dem 301 effektive
Neugrün=
dungen betragenden Geſamtzuwachs des Jahres 1928 iſt der
Reichsver=
and mit 224 beteiligt, ſo daß ihm am 1. Januar 1929 von 40 396
land=
wirtſchaftlichen Genoſſenſchaften insgeſamt 26 170 angehörten, die ſich
in 85 Zentralgenoſſenſchaften 12924 Spar= und Darlehnskaſſen, 4002
Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften, 3224 Molkereigenoſſenſchaften und
3935 Sonſtige Genoſſenſchaften gliederten. Die Aufwärtsentwicklung
es Reichsverbands findet gleichfalls ihren Ausdruck in den
Geſchäfts=
ergebniſſen der ihm angeſchloſſenen zentralen Geſchäftsanſtalten. Das
„Jahrbuch” ſtellt feſt, daß ſich die 25 Zentralkaſſen „im
all=
gemeinen günſtig weiterentwickelt” haben. Der
Geſamt=
umſatz betrug 31 232 318 625 RM. gegenüber 29 734 910 970 RM. im
Jahre 1927. Die Geſchäftsguthaben der Genoſſen haben ſich von
5,8 Mill. RM. Ende 1927 auf 79,7 Mill. RM. Ende 1928 erhöht.
Wie=
derum iſt auch das eigene Betriebskapital nicht
unbeträcht=
ich geſtiegen, und zwar von 85 780 759 RM. auf 91 493 610 RM. — Die
44 Hauptgenoſſenſchaften haben mit 1 483 301 RM. Gewinn abgeſchloſſen.
Der genoſſenſchaftliche Bezug und Abſatz ſind
mengen=
oder wertmäßig geſtiegen. Die bei den
Molkereigenoſſen=
ſchaften des Reichsverbands eingelieferte Vollmilchmenge iſt von 3,34
Seite 7
auf 3,60 Milliarden Kg. geſtiegen. Steigende Umſatzahlen weiſt
wie=
derum auch die genoſſenſchaftliche Viehverwertung auf,
die bekanntlich im vorigen Jahre durch die Gründung der
Genoſſen=
ſchaftlichen Reichsviehverwertung m. b. H., Berlin, ihre Reichsſpitze
ge=
funden hat. Der genoſſenſchaftliche Viehabſatz konnte ſich in 1928 um
mehr als ein Drittel des Umſatzes von 1927 auf 1,5 Millionen Stück
Vieh im Werte von 217,3 Mill. RM. vermehren. Der Weinabſatz der
Winzergenoſſenſchaften hat ſich vermindert. Die von den
Elektrizitätsgenoſſenſchaften vermittelte Strommenge iſt
geſtiegen. Auf den Gebieten des genoſſenſchaftlichen Eier=,
Obſt= und Gemüſeabſatzes ſind im Jahre 19238 wichtige
organi=
ſatoriſche Arbeiten durchgeführt worden. Der Aufbau von 20
Eierabſatz=
zentralen für das ganze Reich iſt in Durchführung begriffen. — Das
„Jahrbuch” enthält außerdem eine eingehende Statiſtik der dem
Reichsverband angehörenden
Einzelgenoſſenſchaf=
ten für das Jahr 1927 ſowie eine Ueberſicht der
Geſchäftsergeb=
niſſe für 1927 der im Freien Ausſchuß der deutſchen
Ge=
nofſenſchaftsverbände vereinigten genoſſenſchaftlichen
Spitzen=
verbände. Schließlich iſt ihm beigegeben das ſtenographiſche Protokoll
des am 4. und 5. Juli in Königsberg i. Pr. abgehaltenen 42.
Deut=
ſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftstages, der
für die Einigungsverhandlungen des deutſchen landwirtſchaftlichen
Ge=
noſſenſchaftsweſens von maßgeblicher Bedeutung war.
Bezirkskagung der Verkrauensmänner der
Angeſtellkenverſicherung.
Am Sonntag fand in Frankfurt a. M. im Hauſe der Geſellſchaft
für Handel, Induſtrie und Wiſſenſchaft ſeit drei Jahren wieder die
erſte Bezirkstagung der Vertrauensmänner der Angeſtelltenverſicherung
aus Heſſen, Heſſen=Naſſau und der Pfalz ſtatt. Ueber 150 Perſonen
nahmen an ihr teil. Nach einer Begrüßung durch Fabrikant
Gern=
groß, dem Vorſitzenden des Frankfurter Ortsausſchuſſes, hielt Direktor
Schäfer von der Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte einen
aus=
gezeichneten Vortrag über die Entwicklung der R. f. A. in den letzten
drei Jahren, über die beſtehenden Ausbauwünſche und ihre
Auswir=
kungen, ſowie über die dem Reichsrat vorliegende Geſetzesnovelle vom
12. Juli d. J. Die Angeſtelltenverſicherung habe eine gute Entwicklung
genommen, ſie erfaſſe jetzt 3,3 Millionen verſicherte Angeſtellte und
320 000 Arbeitgeber. Am 1. Juli 1929 liefen 163 000 Nenten gegen
149 000 zu Beginn dieſes Jahres. Die Rentenſumme betrage im Juli
d. J. 11 160 000 RM. Der Durchſchnitt der Rente betrage Anfang d. J.
82,60 RM. (einſchl. Steigerungsſatz aus der Inv.=Verſ.), der
Witwen=
rente 45,15 RM. und der Waiſenrente 37,50 RM. An die auf Grund
des Geſetzes vom März d. J. neu rentenberechtigten 60 Jahre alten
ſtellenloſen Angeſtellten ſeien bis zum 31. Auguſt d. J. 1177 Ruhegelder
bewilligt. Vom 1. Januar bis 31. Auguſt 1929 ſeien 18 644 Anträge
auf Renten bewilligt. Im Heilverfahren ſeien 106 000 Anträge im Jahre
1928 bewilligt. Aus Mangel an Mitteln ſei aber kein Antrag
abge=
lehnt. Im Jahre 1928 ſeien über 104 000 Darlehensgeſuche bei der
R. f. A. eingegangen. Für den Wohnungsbau habe die R. f. A. im
ver=
gangenen Jahre 100 Mill. RM. bewilligt. 2663 Einzelſiedlungshäuſer
ſeien bewilligt.
An Verwaltungskoſten würden 2,9 Prozent der Einnahmen
ver=
braucht, ein ſehr niedriger Satz im Vergleich zu anderen
Sozialverſiche=
rungskörperſchaften. Hinſichtlich der vorliegenden Anträge auf
Leiſtungs=
ausbau vertritt die R. f. A. die Auffaſſung, daß weſentliche
Leiſtungs=
verbeſſerungen ohne Beitragserhöhung zurzeit auf Grund der
verſiche=
rungstechniſchen Bilanz nicht möglich ſeien. Eine Beitragserhöhung
könne aber nicht befürwortet werden. Die R.f. A. lehne insbeſondere
die Erhöhung des Steigerungsſatzes von 15 Prozent auf 20 Prozent
ab, obwohl dies ſelbſtverſtändlich wünſchenswert wäre. Nachdrücklich
wandte ſich Direktor Schäfer gegen die Verſchlechterung der
Selbſtver=
waltung, die die Geſetzesvorlage an den Reichstag enthalte. Der
Prä=
ſident und die beamteten Direktoriumsmitglieder müßten von den
Or=
ganen der Anſtalt ſelbſt gewählt werden. Dieſe Forderung vertreten
auch die Angeſtellten. Auch das Etatrecht und die Aufſtellung der
Be=
ſoldungsordnung müſſe die R. f. A. ſelbſt haben. Der Vortrag wurde
mit ſehr großem Beifall aufgenommen. Die ſich daran anſchließende
Ausſprache geſtaltete ſich z. T. recht ſtürmiſch. Der Verſuch, eine
Ent=
ſchließung zum Leiſtungsausbau einzubringen, ſcheiterte, weil die
Be=
zirkstagung ſich für unzuſtändig erklärte. Es wurde geltend gemacht,
daß die Aufſtellung von Forderungen zum Leiſtungsausbau Sache der
Angeſtellten= und Arbeitgeberverbände bzw. der parlamentariſchen
Ver=
tretungen ſei. Dieſe Meinung vertrat auch nachdrücklich der
Direk=
toriumsvertreter. Die Entſchließung nahmen die Einbringer dann
not=
gedrungen auch zurück. Beſonders bemerkenswert war noch die
Auf=
faſſung des R. f. A.=Vertreters hinſichtlich der verſicherungstechniſchen
Bilanz, da dieſe von einem Teil der Vertrauensleute als ungeeignete
Grundlage zur Leiſtungsbemeſſung bezeichnet wurde. Direktor Schäfer
ſtellte feſt, daß die R. f. A. etwas beſſeres als die verſicherungstechniſche
Bilanz nicht habe und man ſie als Grundlage jeweilig für die weitere
Ausbaumöglichkeit anſehen müſſe. Alle fünf Jahre würde ſie neu
auf=
geſtellt und man könne dann neue Beſchlüſſe faſſen.
Geſchäftliches.
Illumination für jedermann. Illuminationen kann ſich
heute nicht nur das große Reſtaurant leiſten, ſondern auch das kleinſte
Lokal und weiterhin jeder, der in ſeiner Wohnung elektriſches Licht hat.
Er braucht nur die Osram=Illuminations=Lampen zu
verwenden, die er in ſechs verſchiedenen lebhaften Farben für Einzel=
und für Serienſchaltung erhält. Die Inſtallation iſt einfach, die Wir=
0—.
kung ausgezeichnet.
Trinke dich geſund! Unreines Blut und geſchwächte Nerven
ſind die beiden großen Plagegeiſter der Menſchheit. Unreines Blut
ver=
giftet die Nerven, lähmt die Nervenkraft, und der ſcheinbar noch leidlich
kräftige Körper unterliegt dann dem ernſthaften Angriff einer
belie=
bigen Krankheit. Das natürlichſte, vollkommenſte und wirkſamſte Mittel
zur Geſundung, Verjüngung, Reinigung und Gntaiftung des Blutes,
zur Beſeitigung der im Körper zurückgebliebenen Schlacken (Harnſäure
uſwp.), zur Stärkung der Newven, zur Kräftigung des geſchwächten
Kör=
vers gibt uns die Natur ſelbſt in dem ſo raſch beliebt gewordenen
Altbuchhorſter Markſprudel, Starkquelle. Deſſen Kraft iſt
— wenn regelmäßig genoſſen — ſchier rätſelhaft und ſeine
Wirkungs=
art bei richtiger Lebensweiſe ſo vielſeitig, daß niemand von uns,
einer=
lei ob krank oder geſund, jung oder alt, berſäumen ſollte, ihn
regel=
mäßig zu trinken. Wir verweiſen angelegentlichſt auf den unſerer
heu=
tigen Stadtauflage beiliegenden ausführlichen Proſpekt.
UV 10 125
*
SdTaoe..
Sicht in Kaushalt
Seite 8
Dienstag, den 17. Tepiember 1929
Aei und Austand.
Zeuer am Berliner deutſchen dom.
Berlin. Geſtern mittag gegen 13.15 Uhr
ent=
ſtand aus bisher noch nicht bekannter Urſache ein
Brand in der Kuppel des Deutſchen Domes an der
Mohrenſtraße. Gegenwärtig finden am Dom
umfang=
reiche Ausbeſſerungsarbeiten ſtatt; das ganze Gebäude
iſt mit Gerüſten umkleidet. U. a. wird auch das
Kuppeldach mit neuen Deckplatten verſehen.
Vermut=
lich iſt die Entſtehungsurſache des Brandes auf die
mit dieſer Arbeit verbundenen Lötarbeiten
zurückzu=
führen.
Der Brand in der Kuppel des Deutſchen Domes
am Gendarmenmarkt, einem Bauwerk Friedrichs des
Großen, konnte von der Feuerwehr, die unter
Lei=
tung des Oberbranddirektors Gempp mit zwei Zügen
anvückte, alsbald auf ſeinen Herd beſchränkt werden.
Der Brand hätte unüberſehbare Folgen angenommen,
wenn die Feuerwehr nicht ſo ſchnell zur Stelle
ge=
weſen wäre. In dem alten Gebäude befinden ſich
zur=
zeit die Wohnung des Küſters, die Büroräume des
Vereins für die Geſchichte Berlins und des Vereins
gegen Verarmung. Und daran ſchließt ſich das
Kirchen=
ſchiff an.
Großfeuer bei Koburg.
13 Gebäude eingeäſchert.
Koburg. Am Sonntag nachmittag gegen 5 Uhr
entſtand in dem hart an der bayeriſchen Grenze
ge=
legenen thüringiſchen Dorfe Aeßlitz in der Scheune
des Landwirts Berwin ein Großfeuer, das ſich mit
raſender Schnelligkeit ausdehnte und 13 Gebäude in
Schutt und Aſche legte. Da durch den Blitz die
elektriſchen und Telephonleitungen geſtört waren,
wur=
den Hildburghauſener Perſonenautos herbeigerufen.
die es übernahmen, die Feuerwehren der Umgegend
zu verſtändigen. Die Löſcharbeiten waren durch
Waſ=
ſermangel, ſtank beeinträchtigt, doch gelang es, um
9 Uhr abends den Brand zum Stillſtand zu bringen.
Großfeuer in Brückenau.
Brückenau. In dem Weiler Obergeiersbach
brach ein Großfeuer aus, das in kurzer Zeit fünf
Häuſer und drei Scheunen in Aſche legte. Einige
Frauen und Kinder konnten nur mit Mühe und Not
gerettet werden. Viel Vieh, die geſamte Ernte und
landwirtſchaftliche Maſchinen wurden ein Raub der
Flammen. Die Motorſpritze aus Brückenau war
wegen Waſſermangels machtlos. Als Brandurſache
wird Brandſtiftung vermutet. Von dem Weiler ſtehen
nur noch zwei Wohnhäuſer.
Ein Rieſenfeuer in New Jerſey.
New Jerſey. Ein Rieſenfeuer brach am
Sonntag in einem Lagerhaus an der ſogenannten
Oelküſte in New Jerſey aus, wo 60 000 Fäſſer Oel
lagerten. Die Feuerwehren verſuchten mit allen
möglichen Mitteln des Brandes Herr zu werden, doch
ſahen ſie bald das Unnütze ihrer Anſtrengungen ein.
Ein ziemlich heftiger Wind entfachte das Feuer noch
mehr, und haushohe Flammen ſchlugen gen Himmel.
Nach ſechsſtündigen, übermenſchlichen Anſtrengungen
konnte der Brand wenigſtens auf ſeinen Herd
be=
ſchränkt werden.
Liebestragödie.
Nürnberg. Am Samstag abend ereignete
ſich in dem Städtchen Roth eine furchtbare
Liebes=
tragödie. Gegen 8 Uhr abends fuhr ein
Mietsauto=
beſitzer einen Herrn und eine Dame zum Bahnhof,
wobei ihm der Fahrpreis im Voraus bezahlt wurde.
Kurz vor dem Bahnhof hörte der Führer im Innern
des Wagens ſtreitende Stimmen. Er drehte ſich um=
und ſah gerade im Schein einer Straßenlampe, wie
der Mann verſuchte, ſich den Hals zu durchſchneiden.
Der Kraftwagenlenker bremſte ſofort und rief um
Hilfe. Als er den Wagen öffnete, bot ſich ihm ein
furchtbarer Anblick. Das Auto war über und über
mit Blut beſpritzt. In der Ecke lag mit
durchſchoſ=
ſenem Kopf die Dame. Neben ihr lag der Herr mit
einer klaffenden Wunde am Hals. Revolver und
Na=
ſiermeſſer lagen auf dem Polſter. Die ſofort
herbei=
gerufene Gerichtskommiſſion beſchlagnahmte den
Kraft=
wagen und die Leichen. Es handelt ſich bei den
Toten um einen 38jährigen Händler namens Karl
Knorr aus Ingolſtadt und um eine etwa
dreißig=
jährige Frau Käthe Paumann, ebenfalls aus
Ingol=
ſtadt. Ein unglückliches Liebesverhältnis dürfte der
Grund zur Tat geweſen ſein.
Deutſche Ballons beim Gordon=Bennel=
Preis der Lüfte.
Der deutſche Ballon „Stadt Eſſen” links ſein
Führer E. Leimkugel=Eſſen.
Vier deutſche Freiballonführer haben
Deutſch=
land verlaſſen, um ſich nach St. Louis (U. S. A.)
zu begeben, wo am 28. September der Start
zum diesjährigen Freiballon=Wettfliegen um den
Gordon=Bennet=Preis der Lüfte erfolgt. Die
Deutſchen, die ſchon letztes Jahr den zweiten
Preis belegten, gehen mit guten Ausſichten auf
Erfolg in das Rennen.
Solantermin i den Ziieriater Arpen.
Der Tatort auf dem Breitlahner mit der Dominikushütte,
Halsmann bekeuerk wiederholk ſeine
Unſchuld.
Innsbruck, 16. September.
Im Halsmannprozeß begannen die Verhandlungen
am Tatort in den Zillertaler Alpen am Samstag
vormittag um ½9 Uhr. Der Vorſitzende zeigte den
Geſchworenen zunächſt die Todesſtelle des alten
Hals=
mann; es wurde übereinſtimmend feſtgeſtellt, daß die
Veränderungen am Berghange gegenüber dem
Vor=
jahre ziemlich bedeutend ſind. Der Weg iſt ſtark
er=
höht und eine kleine Stützmauer ganz neu ausgebaut
worden; außerdem iſt der Weg breiter geworden.
Der Abhang, der vom Weg zum Bach hinunterführt,
iſt durch dieſe Arbeiten weniger ſteil geworden als er
zur Zeit der Tat geweſen iſt. Ferner wurden
ver=
ſchiedene Aenderungen am Gelände feſtgeſtellt.
Der Staatsanwalt kletterte dann über den Hang
hinunter und bezeichnete mit Papierſtreifen die
Stel=
len, an denen ſeinerzeit Blutſpuren feſtgeſtellt
wur=
den. Der Vorſitzende ſtellte dann feſt, daß der junge
Halsmann bei ſeiner erſten Vernehmung
unmittel=
bar nach der Auffindung der Leiche erklärt habe, er
habe bereits außerhalb der Wegkurve an einer
er=
höhten Stelle des Weges geſtanden, die etwa zehn
Schritte vom Scheitelpunkt der Kurve entfernt ſei.
Bei ſpäteren Verhören habe er dann aber geſagt,
wahrſcheinlich habe er weiter talaufwärts
geſtan=
den. Tatſächlich ſei etwa 180 Schritte von der
Tat=
ſtelle ab talaufwärts eine Stelle, von der man dieſes
Wegſtück ſehen könne. Der gerichtliche mediziniſche
Sachverſtändige Dr. Fritz begab ſich nun über den
Abhang hinunter zum Bach und erklärte den
Ge=
ſchworenen die gefundenen Blutſpuren ſowie die
Lage der Leiche. Halsmann bezeichnete dann genau
jene Stelle, die er zuerſt als ſeinen eigenen
Stand=
punkt bezeichner hatte. Dieſe Stelle befindet ſich in
gefunden wurde, iſt vom Innsbrucker Gerichtshof
Philipp Halsmann war unter Polizeibewachung
Mieter Höhe gebracht worden.
der Nähe jenes Platzes, an dem die große Blutlache
und der blutige Stein gefunden worden waren.
Hals=
mann betonte aber noch einmal, daß er
möglicher=
weiſe weiter talaufwärts geſtanden habe. Es wurden
dann verſchiedene Verſuche vorgenommen. U. a.
wur=
den von der von der Tatſtelle etwa 180 Schritte
ent=
fernten Stelle Hörerſuche angeſtellt. Dabei wurde
übereinſtimmend feſtgeſtellt, daß man Hilferufe von
der Tatſtelle bis zu dieſem Punkte noch ganz gut
hören kann. Bei der erſten Vernehmung hatte
Hals=
mann angegeben, daß er nach dem Hören des
Hilfe=
rufes ſeines Vaters etwa zwei bis fünf Minuten
zu=
rückgelaufen ſei. Um dies nachzuprüfen, ließ man
Halsmann zweimal von dem etwa 140 Schritte
ent=
fernten Platz bis zum Scheitelpunkt der Kurve
lau=
fen. Das erſtemal benötigte er 25 und das zweitema
30 Sekunden.
Am Tatort wurden dann Verſuche zu der
Feſt=
ſtellung unternommen, wie lange ein Menſch braucht,
um von dem Punkt aus zum Bach abzuſteigen, wo der
Tote lag. Dr. Fritz brauchte zum Abſtieg 10 und zum
Aufſtieg 20 Sekunden. Der Angeklagte erſuchte um
die Erlaubnis, dieſe Probe anſtellen zu dürfen, aber
von der Stelle aus, wo ſich die Blutſpuren
hinge=
zogen haben. Dieſes Erſuchen wurde abgelehnt.
Trotz=
dem ſprang Halsmann hinab. Seine Zeit wurde aber
nicht gemeſſen. Vor Verlaſſen des Tatortes wandte
ſich der Angeklagte an die Geſchworenen und beteuerte
vor ihnen ſeine Unſchuld. Nun wurde die nochmals
von der Verteidigung vorgebrachte Feſtſtellung des
Inhabers eines Detektivbüros Karl Zipperer
über=
prüft, daß ein Schleichweg zum Tatort führt.
Zip=
perer zeigte den ſchlecht ausgetretenen und durch
Büſche markierten Weg, der den Taleinwohnern
be=
kannt iſt, und der daher nicht als Schleichweg
be=
zeichnet werden bann. Der Staatsanwalt behielt ſich
angeſichts dieſes Tatbeſtandes vor, Zipperer eventuell
zu verfolgen.
Vertreter Oeſterreichs auf der Vollverſammlung
des Deutſchen Landwirtſchaftsrats.
Die 59. Vollberſammlung des Deutſchen
Land=
wirtſchaftsrats am 18, und 19. September 1929 in
Münſter wird dadurch einen beſonderen Charakter
er=
halten, daß zum erſtenmal Vertreter der
öſtereichi=
ſchen landwitſchaftlichen Berufsvertretung anweſend
ſind. Nachdem im Winter und Frühjahr die
Be=
ziehungen zwiſchen den geſetzlichen landwirtſchaftlichen
Berufsvertretungen des Deutſchen Reiches und
Deutſch=Oeſterreichs in Berlin und Wien
aufgenom=
men und auch bereits eine Zuſammenarbeit in
ge=
meinſamen Fragen beſchloſſen wurde, wird jetzt eine
öſterreichiſche Abordnung, an ihrer Spitze der
Vor=
ſitzende der Präſidentenkonferenz der
landwirtſchaft=
lichen Hauptkörperſchaften Oeſterreichs, Präſident
Reither, an den Verhandlungen des Deutſchen
Land=
wirtſchaftsrates teilnehmen.
Doppelſelbſtmord im Hotel.
Füſſen (Schwaben). In einem hieſigen Hotel
wurde ein junges Paar bewußtlos mit
Vergiftungs=
erſcheinungen aufgefunden. Im Bezirkskrankenhaus
iſt in der vergangenen Nacht der junge Mann
ge=
ſtorben. Die Feſtſtellungen haben ergeben, daß es ſich
bei dem Paar, das Veronal zu ſich genommen hatte,
um einen 22 Jahre alten Studenten der Medizin
Gerhard Schepke und die 19jährige Erna Rüdiger,
beide aus Berlin, handelt.
In den Bergen verunglückt.
Kufſtein. Beim Aufſtieg auf das „
Toten=
kirchle” verunglückten fünf Münchener Touriſten.
Da=
bei wurden zwei durch Steinſchlag und drei durch
Abſturz ſchwer verletzt.
Schweres Unglück auf Zeche Deimelsberg.
Eſſen=Steele. Auf der ſtillgelegten Zeche
Deimelsberg in Steele werden zurzeit von einer
Un=
ternehmerfirma „Abbruchsarbeiten ausgeführt, bei
denen auch Schweißapparate zur Verwendung
kom=
men. Bei dieſen Arbeiten ereignete ſich auf bisher
noch nicht geklärte Weiſe eine Exploſion an den
Schweißapparaten. Zwei Arbeiter ſtanden ſofort in
Flammen. Obwohl dieſe von den Kollegen ſchnell
ge=
löſcht werden konnten, erlitten die Arbeiter ſchwere
Brandwunden. Einer von ihnen ſtarb im
Kranken=
haus, während der Zuſtand des anderen als
bedenk=
lich gilt.
Schwerer Bauunfall.
Leipzig. Eine zu Baggerarbeiten benutzte
Lo=
komotive ſtürzte geſtern vormittag am Cotta=Weg, in
der Nähe der Sportplätze, plötzlich um und verſank in
dem ſchlammigen Boden. Ein Arbeiter wurde dabei
mitgeriſſen und getötet, ein anderer wurde ſchwer
verletzt.
Abermalige Schlagwekker=Exploſion
auf der Charles=Grube.
Bisher zehn Tote.
Saarbrücken. Infolge der geſtrigen
Ex=
ploſion auf Schacht II der Charles=Grube waren
die Ventilatoren des Schachtes zerſtört worden,
und die Wetterführung verſagte. Heute, am
Montag, nachmittag hat ſich eine neue
Explo=
ſion ereignet, wie man annimmt, durch ſchla
gende Wetter. Durch dieſe Exploſion, die viel
gewaltiger war als die geſtrige, wurden die
elek=
triſche Zentrale und das Keſſelhaus völlig in
Trümmer gelegt. Bisher hat man zehn Tote
ge=
borgen. Die Zahl der Schwer= und
Leichtver=
letzten konnte noch nicht angegeben werden. Es
läßt ſich auch nicht ſagen, wie viele Mann ſich
in den Gruben befanden.
Schweres Autvunglück.
Görtingen. Der Sohn des Wagenfabrikanten
Meher fuhr im Auto mit dem Beſitzer des bekannten
Reſtaurants „Franziskaner”, Hiebenthal, nach Hauſe.
Dabei wurde ein ſchnelles Tempo angeſchlagen. Der
Wagen ſtieß dabei zunächſt an den Rand des
Bür=
gerſteiges und fuhr dann mit Wucht gegen einen
Baum. Meyer wurde dabei getötet. Hiebenthal er
litt durch Splitter Stirnverletzungen und wurde
be=
wußtlos in die Klinik geſchafft.
Schwerer Autobusunfall in Berlin.
Berlin. Am Sonntag abend ereignete ſich an
der Friedrichſtraße, Ecke Dorotheenſtraße, ein ſchwerer
Verkehrsunfall. Ein Autobus fuhr gegen eine
Straßenbahn, wobei der Autobus umfiel. 30
Per=
ſonen wurden mit Verletzungen in die Klinik in der
Ziegelſtraße gebracht. Es handelt ſich dabei in der
Hauptſache um Inſaſſen des Omnibuſſes, während die
Fahrgäſte der Straßenbahn mit einem Schrecken
da=
vonkamen.
Auf dem Wege zum Standesamt verunglückt.
Lüben (Niederſchleſien). Am Sonntag ſtieß ein
mit ſechs Perſonen beſetzter ſchwerer Tourenwagen
aus Berlin in Brauchitſchdorf mit einem leichteren
Automobil zuſammen, das ein Brautpaar mit den
Trauzeugen zum Standesamt bringen wollte. Der
Zuſammenprall war ſo heftig, daß der kleinere Wagen
umſtürzte und die Inſaſſen ſchwer verletzt wurden.
Sowohl das Brautpaar, wie auch die Zeugen
muß=
ten in das Lübener Krankenhaus gebracht werden. Die
Braut iſt in der Nacht zum Montag ihren
Ver=
letzungen erlegen. Auch eine Inſaſſin des Berliner
Autos wurde bei dem Zuſammenſtoß erheblich
verletzt.
Heute Nordſee=Fahrt des „Graf
Zeppelin”.
Friedrichshafen. Von maßgebem
Stelle des Luftſchiffbaues wird mitgeteilt.
Are
der „Graf Zeppelin” bei einigermaßen ſchön
We
er Dienstag früh gegen 4 Uhr
ſeiner Fahrt nach Hamburg aufſteigen wird
dieſer Fahrt wird das Luftſchiff folgende Ste
überfliegen: „Rottweil, Horb. Calw. Neuſt
d. Haardt, Alzey, Kreuznach, Simmsy,
Euskirchen, Aachen, Herzogenrath, Eſchweß
M
Düren, Jülich, Erkelenz, Geldern, Cleve, Boch
Koesfeld Gronau, Rheine, Osnabrück,
men, Oldenburg, Wilhelmshaven
terhaven. Cuxhaven, Hamburg, Lübxim=
Wismar, Schwerin und dann zurück mug t
Friedrichshafen, wo das Luftſchiff am Mittw” nu ger
den 18. d. M., früh gegen 7 Uhr, wieder zu Unzchite
den beabſichtigt. Der „Graf Zeppelin”
wird=
nai
Hamburg anläßlich des Empfanges Dr. Ecke
nicht
anweſend ſein, jedoch nicht nach Berlin fliesn
ſondern von Schwerin aus direkten Kurs Tohe d0s
Friedrichshafen nehmen.
ig hat
benn
Güterzugentgleiſung.
gelbar b0
Zittau. Vor der Einfahrt in den Bahmy, das
Eibau entgleiſte geſtern vormittag, kurz vor 8 Urolle W
ein von Dresden kommender und nach Zittau caler
ſtimmter Gütterzug mit der Lokomotive und den Euthen Inſt
nachfolgenden Wagen. Zwei Güterwagen wurBch Ma
völlig zertrümmert. Verletzt wurde der Zugfülynenn er
Berndt aus Bittau. Die Züge der Linie Bitt-i inholte
Dresden mußten über Löbau umgeleitet werden. ſin in ihn
unden in
Der einzige Ueberlebende des Dampſers „DS/, ſich ſo
in Swinemünde.
ibei gerin
Swinemünde. Mit dem Linienſchiff „Heſſ4 dunn an
landete in Swinemünde der einzige Ueberlebende An ihm au
in der Nacht zum 8. September in der Danziger Bry unnötig
untergegangenen däniſchen Dampfers „Dan”. Es=), verhielt
der däniſche Matroſe Martin Mann, der von Sye der 2
Linienſchiff gerettet wurde, nachdem er die ga-Mſfe ſeines
Nacht hindurch in einem Boor getrieben war. EA löſte und
dem Boot hatten ſich fünf MMann der ſchiffbrüchi.
Beſatzung befunden, von denen vier herausgeſt), das Biul
wurden und ertranken. Der gerettete däniſche Mat—.)m Geſit
äußert ſich höchſt anerkennend über die aufopferun-), bracht
volle Pflege an Bord des Linienſchiffes. Auf
im Ra.
Sturmfahrt berletzte er ſich beide Arme und Be=Zugen vo
und iſt noch in ärztlicher Behandlung. Er wurde, 9 Nugen
er nur mit Hemd und Hoſe bekleidet war, an Bruſpiel hat
des Linienſchiffes völlig eingekleidet. Eine von
Beſatzung veranſtaltete Sammlung ergab einen na.)
er war
Signier
haften Betrag, der dem Schiffbrüchigen beim P), Fat rei
laſſen des Schiffes ausgehändigt wurde.
tue es!
wſucht,
Bootsunglück bei einer internationalen Mot
ungelte
bootregatta.
nöch
Nach einer Meldung der „B. Z. a. M.” iſt
woran
der Internationalen Motorbootregatta am Lido d.
ſte Mo
amerikaniſche 2000=PS=Motorrennboot „Miß
Am=
rica III” im Rennen gegen die bekannte „Miß Gr)l Lioe
der näd
land” des Majors Seegrave aus noch nicht aufl ſich war
klärten Gründen verunglückt. Das Boot ſchoß in einu
Welle plötzlich etwa 6 Meter hoch in die Luſt w dei.m
fiel kieloben aufs Waſſer, wobei es ſchwer beſchäfki.7 Wand
ſvurde. Der Führer, der Amerikaner Philip Wock iiat der
umd ſein Mechaniker wurden ins Waſſer
geſchleuſ=
aber von dem nachfolgenden Konkurrenten gerg
und ins Krankenhaus übergeführt. Das verungli
Boot vermochte eine Geſchwindigkeit von rund
Kilometern in der Stunde zu erzielen.
Der Dampfer „Guatemala” an der mexikaniſt
Küſte in Seenot.
EP. San Francisco. Der Dam
Guatemala”, der von New York
ach Sa
Francisco via Panama=Kanal fährt, iſt in de
Nähe von Mazatlan im Staate Sinaloa an
d=
mexikaniſchen Küſte in Seenot geraten. Er !i
auf einen Felſen auf. Die 70 Paſſagiere un
100 Mann Beſatzung befinden ſich in höchſt
ss herrſcht hoher Seegang. Da
fährlicher Lage.
Schiff ſendet E
5.=Rufe aus. Bis jetzt hat ne
kein Schiff geantwortet und man befürchtet, da
ſich auch keines in der Nähe der Unglücksſtell
befindet. Das Schweſterſchiff der „Guatemalg
„Venezuela”, die ſich im Hafen von Sa
Pedro in Kalifornien befindet, hat Ordre er
halten, der „Guatemala” zu Hilfe zu eilen.
Entfernung iſt jedoch ſo groß, daß das
kaum noch rechtzeitig an der Unfallſtelle ein
treffen kann.
Unfall im Zirkus Gleich.
Urſache — ein Racheakt?
Toulon. Während einer Vorſtellung in der
deutſchen Zirkus Gleich riß das Hohe Seil, auf dem
der vierzigjährige tſchechiſche Seilkünſtler Jowanoe
witſch akrobatiſche Kunſtſtücke ausführte. Er ſtürzi
aus 12 Meter Höhe ab und wurde ſterbend ins Kran
kenhaus gebracht. Wie die Unterſuchung ergab, wat
das Seil an zwei Stellen angeſchnitten. Man glaubt.
daß Eiferſucht das Motiv zu dieſer verbrecheriſchen!
Tat war.
Ein hoher Pariſer Polizeibeamter ermordet.
Paris. Der Leiter des Eriminaliſtiſchen Erkeie
nungsdienſtes Bahle iſt geſtern vormittag im
Juſti=
palaſt auf der zu ſeinem Büro führenden Treppe durch
drei Revolverſchüſſe getötet worden. Der Täter wume
auf der Straße von Polizeibeamten, die die Detong
tion gehört hatten, nach kurzer Verfolgung felu / V
nommen. Es handelt ſich um einen 43jährigen
delsvertreter, der die Tat als Racheakt wegen eiſe
von Bayle gegen ihn erſtatteten Gutachtens verſ.
haben will. Der Ermordete, der in allen großen
Schwurgerichtsprozeſſen eine Rolle ſpielte, galt as
Autorität auf dem Gebiet der Anthropometrie ſowie.
der Feſtſtellung der Echtheit von Kunſtwerken und
Altertümern. Er hatte vor kurzem die Funde bon
Glozel im amtlichen Auftrage unterſucht und ſich ge
gen deren Authentizität ausgeſprochen.
Vier belgiſche Miſſionare in China ermordel.
EP Paris. Wie das Außenminiſterium mite
teilt, ſind vier belgiſche Miſſionare in der Nähe
von Siotang durch Chineſen ermordet wordel
Ziſchof von Itſchang, Monl.
und zwar der
Jans. und zwei Miſſionare, während der vierle
Miſſionar ſchon im Auguſt in der gleichen
Ge=
gend ermordet worden ſei. Die Ermordeten 9e‟
hörten dem Franziskanerorden an.
Paul Müllers zweites Ozeanboot zerſchellt.
NewYork. Wie aus Elizabeth=Stadt in Nord
Karolina; gemeldet wird, iſt das zweite Boot de.
Deutſchen Paul Müller, der bekanntlich in einen
Segelboot den Ozean überquert hatte, an einer Fe.
ſenklippe zerſchellt. Paul Müller konnte von einen
Küſtenwachtſchiff an Bord genommen werden.
Mer 258
Dienstag, den 17. September 1929
Seite 9
din Mmang.
Von Fritz W. Schönfeld.
m Muſeum zu D. waren im Zeitraum von wenigen Wochen
derdiebſtähle vorgekommen. Es handelte ſich in jedem
ſlen n ganz kleine Stücke, die mit dem Rahmen aus den
Mu=
mm ütfernt worden ſein mußten, denn trotz eingehender Süche
erg irgendwo die Rahmen aufzufinden. Die Bilder waren
760 gemalt und die Befeſtigung an der Wand mit
Werk=
geut erſtört.
AMdie Wachſamkeit der Angeſtellten noch nicht im geringſten
hchelſſen hatte, beſuchte Dr. Falke aus P. den Raum des
ums, aus dem die verſchwundenen Bildchen ſtammten
Atter dieſes Tages war ſehr trübe, der Beſuch des Mu=
Kumgsur gering, denn die eingeſeſſene Kunſtjüngerſchaft kannte
ſchte Beleuchtung des Hauſes an ſolchen Tagen. Dr.
ckeh tar auf der Durchreiſe, kannte den Verluſt des Hauſes
ucht, weil er ſich lange im Ausland aufgehalten hatte,
wolte das noch nie beſuchte Muſeum nicht auslaſſen. Im
erunn hatte er ſogar einen leichten halbleeren Koffer
ein=
elelt denn er war der beſchränkten Beſuchsſtunden wegen
n5atbar vom Bahnhof in das Muſeum gegangen, um ſich
muihhſierdas Hotel zu ſuchen.
Zfce war als Privatgelehrter langjähriger Angeſtellter an
lem ſalerien geweſen. Das unbefangene und freie Benehmen
ſonchn Inſtituten lag ihm im Blut. Es ging ihm heute nicht
z htſe Mal ſo, daß er vergaß, auf Reiſen nicht im Amt zu
„ ſann er nicht ganz beſondere Vollmachten der
Galerie=
em inholte. Die außergewöhnliche Ruhe in den Räumen
chie in ihm beſonders ſtark das Gefühl, außerhalb der
Be=
ysßtden in dem Hauſe zu weilen, erweckt haben. Oder er
alun ſich ſo oberflächlich, zu glauben, daß ſein Verhalten
in=
ger)s geringen Verkehrs keinesfalls ſchwierig werden, und
„im ſann an Hand ſeiner Papiere leicht aufklärbar ſein würde.
maa ihm auch wohl zu umſtändlich, wegen der kleinen
Feſt=
umgunnötige und umſtändliche Schritte zu tun.
Oerverhielt ſich jedenfalls unüberlegt oder gedankenlos, als
eime der Bilder, zu deſſen Art auch die geſtohlenen gehörten,
gile ſeines Taſchenwerkzeuges von ſeiner Befeſtigung an der
unn öſte und damit an die lichteſte Stelle des Saales ging,
Zu Signierung feſtzuſtellen und die Erhaltung zu ſtudieren.
z urdas Bild in der Hand hielt, wurde ihm am heiß
ange=
gefemt Geſicht bereits klar, daß er ein Unrecht begangen hatte.
gerr; brachte das Bild nicht wieder zurück, ſondern ſah ſich
hen im Raume um, ob ihn niemand beobachte. Er ließ ſich
näühigen von der nicht zu leugnenden Tatſache, daß er in
aſein Augenblick mühelos das Bild ſtehlen konnte. Im
Ge=
ge ikembiel hatte er die Möglichkeit oft lachend konſtruiert, in
einnie:” raxis hatte er viel öfter ganz entgegengeſetzt gehandelt —
r war über Unvorſichtigkeit oder Ueberheblichkeit plötzlich
Tat reif. Wieder lachte er: „Ich kann jetzt doch ſtehlen.
tue es!” — Wagemut, Schadenfreude, eigentlich beine
nywiſucht, alſo nur der echte, erwachte Beſitz= oder
Stehl=
biungelte giftig.
nöchſten Augenblick berechnete er ſchon wieder ganz
htn, woran er in kurzer Zeit als Dieb erkannt ſein würde,
tödſte Moment brachte das Wiſſen wieder, däß er nicht zum
ehnt hergekommen war, der nächſte, daß es Unrecht ſei, zu
lander nächſte erweckte den Ekel vor ſolcher Tat wieder, und
emlih war damit das Erlebnis bereits durchlitten.
ſhr in dem Augenblick, als er die Befeſtigung des Bildes
i 91Wand — nervös und umſtändlich — wieder herſtellen
1ſrat der Wächter in den Raum und alarmierte das Haus.
Dr. Falke begann, zunächſt nur vor ſich ſelber Dr. Falke zu ſein,
denn ſchon das Beſitzrecht an ſeinen Papieren wollte ihm niemand
glauben. Die herbeigeeilte Polizei nahm ſie ihm ab, der
halb=
leere Koffer nebſt dem Taſchenwerkzeug wurden als wertvolles
Beweisobjekt abgehoben. Falke wurde in das
Unterſuchungs=
gefängnis überführt.
Erſt aus der Anſchuldigungsſchrift erſah er, daß er — auch
ſpäter trotz gut befundener Papiere und beſter
Leumundszeug=
niſſe — für einen Dieb von vier Bildern gehalten wurde, ſtatt
als leichtfertiger Wiſſenſchaftler genommen zu werden, der ſich
jetzt ſchon ſelber faſt keine Rechtfertigung mehr dafür geben
konnte, aus welchen Motiven er gehandelt. Die „Anmaßung von
Rechten” galt den Gerichten ſicher nicht als glaubwürdiger Grund,
und die Darlegung der ſeeliſchen Vorgänge, als er das Bild in
Händen hielt, wäre den Richtern als albern erſchienen. So blieb
ihm nur die Beſchäftigung mit ſich.
Im lautloſen Dunkel ſeines Haftraumes wurde es Falke
deutlich, daß er in der Tat einen kurzen Moment lang glühend
geglaubt hatte, daß das Leben Gelegenheit zum Stehlen ſchaffe
und daß man dann Schuldloſigkeit daran in ſich trüge, wenn
man zum Diebe geworden war. „In dieſem Augenblick trägt der
Dieb keine eigene Verantwortlichkeit mehr in ſich” hatte er
ge=
olgert. „Das Stehlen iſt ein gräulicher Rauſch”, ſchüttelte er
ſich dieſe Gedanken vom Leibe. Und dennoch wuchs er unter
der dumpfen Laſt dieſer Decken und Wände, die ſo viele
qual=
volle Selbſtanklagen gehört haben mochten, zunächſt immer tiefer
in die Verwandtſchaft mit der Gequältheit aller Schuldbeladenen
hinein. Bald begriff er nicht mehr, daß die Auflehnung gegen
jeden Schuldbegriff den Umſturz göttlichen Willens in ſich faßt,
der, wenn überhaupt gewollt, die Schuld auf Kreaturen häuft,
damit ſie ihren Willen zum reinen Handeln anſtacheln. Er
ver=
gaß, daß Diebe im Unterſchied zu ihm ſelber meiſt das träge und
üppige Leben liebten. Er ſah nur, daß ſicher alle Diebe ſo wie
er einmal willenlos auf ihren Weg gerieten. Er ſtellte ſich ihnen
ganz gleich dar. Entweder waren ſie alle ſo unſchuldig wie er
oder er ſo ſchuldig wie alle anderen. Und er meinte, daß der
Grundzug alles Diebsſinns ſich ja ſchon darin äußerte, daß man
an einer beliebigen Meeresküſte umherſtreifte, um Seeſterne zu
hamſtern oder anderes herrenloſes Gut.
Die Nächte in der Zelle machten ihn zu einem gegen ſich
unerbittlichen Bekenner ſeiner Schuld.
Wie ſchon erwähnt, ſtellten die Behörden ſeine Identität
feſt, die Inſtitute, die ihn lobend anerkannten, gaben ſogar an,
daß hin und wieder Irrtümer vorgekommen wären, die ſich
ſpäter dahin aufklärten, daß er eigenmächtig Aenderungen
vor=
genommen, Gegenſtände, wenn auch ſachlich, an Stellen
unter=
gebracht hatte, die niemand vermutete. Jedoch, die brei Bilder
blieben verſchwunden.
Eines Morgens trat ſchließlich Falke mit der überraſchenden
Erklärung hervor, daß er die Bilder alle geſtohlen habe. In die
Enge getrieben, korrigierte er ſich: „Er könne ſie geſtohlen haben,
weil er das vierte auch ſtehlen wollte.” — Die Beamten
lächel=
ten jetzt ſogar: „Solche Gefühle hat ja faſt jeder anſtändige
Menſch einmal.” Falke verſuchte nun den Beamten Beweiſe zu
führen, ſtatt umgekehrt: „Ich weiß nicht mehr, wie lange ich in
dem Muſeum war, alſo kann ich ebenſo gut öfter darin geweſen
ſein. So wenig, wie ich Kontrolle über meine Gedanken habe,
ſt meine Schuld möglich”. — „Wo denn die Bilder
ſo ſehr
ſeien?” — „Ich wollte das andere auch nicht verſchleißen.”
Falkes Verwirrung nahm täglich zu, ſo wie ſein
Schuldbewußt=
ſein wuchs.
Schließlich wurden die Bilder gefunden und die wahren
Täter ermittelt. Falke wurde dieſes Ergebnis vom
Unter=
ſuchungsrichter mitgeteilt. Er winkte lächelnd ab: „Das iſt eine
Falle! Wozu das noch? Ich weiß ja, daß ich diebiſche Züge
habe, und freigelaſſen, werde ich erſt recht Zug um Zug tun!”
Die Begmten verſuchten, ihm die ſchwere Selbſtbeſchuldigung nun
auszureden; die Qual der Selbſtprüfungen war zu groß geweſen:
„Ich bin Dieb; die andern lügen, daß ſie die Bilder ſtahlen.”
Dr. Falke fiel nach dieſer Unterredung in ein ſchweres
Ner=
venfieber. Die Erinnyen der Schuld leiſteten gewiß harte
Ar=
beit. Aber wer will ſagen, wie es ſtünde, wenn ihr Eifer in
tauſend anderen Fällen ſchwächer wäre?
Nach ſeiner Geſundung erbat Falke bei der beſtohlenen
Muſeumsverwältung eine Anſtellung, damit er an der Stätte
ſeiner Heimſuchung ſein Selbſtvertrauen wieder gewinnen, die
Wachheit ſeiner Sinne wieder lieben lerne, die er vorübergehend
haßte, weil ſie ihn einmal verführt hatte.
Goethes und Shakeſpeares Marmorköpfe nickten ihm
auf=
munternd zu, als er das Gebäude als Angeſtellter betrat.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt
Dienstag, 17. Sept. 8: Bad Homburg: Konzert des Kurorch.
13.30: Schallplatten. 15.15: Jugendſtunde. Frankfurt: Rektor
Hürten: Aſchaffenburg. — Mittelſchullehrer Hanſli: Die Schwalm.
16.15: Konzert. 18.10: Leſeſtunde. Aus dem Dekameron des
O. W. Studtmann. O 18.30: Kaſſel: Garten=
Boccaccio. Sprecher:
ingenieur Hinze: Ratſchläge für den Gartenfreund. o 18.40: Dr.
Laven: Wo uns der Schuh drückt. Verſicherungsagenten. o 19:
0: Kaſſei: Dialog aus
Wanderratſchläge des Taunusklubs. o..
dem Alltagsleben: „Bei Strafe verboten!“ o 19.40: Hernh. Otte:
Das Weſen und Wollen der chriſtlichen Gewerkſchaften. o 20:
Stuttgart: Ruſſiſche Lieder und Arien. Ausf.: Philharmoniſches
Orcheſter Stuttgart, Alex. Alexandrowitſch (Tenor), Boris Borodin
(Baß), W. Hahn (Klavier). O 21.35: Stuttgart: Es geht dich an.
Bilder aus unſerer Zeit. Eine Sendefolge von Ilſe Kamnitzer und
E. Stockinger. Drei Adreſſen. — Eine gute Tat. — Sechstagerennen.
— Predigi ans Großſtadtvolk. — Hinrichtung. — Das Herz.
Auf einen Sprung in Neuyork. — Salut au monde. o 22.45:
Kaſſel: Vom Meer. Röntgen: „Ein Lied von der See‟
Nieder=
ländiſches Volkslied. — Burggraf: Intermezzo: „Elmsfeuer am
Naſt”, eine Szene über den Waſſern. Perſ.: Alter Matroſe; junger
Matroſe; der Tod. Sprecher: Mitglieder des Staatstheaters Kaſſel,
Nivode: Aus der ſinfoniſchen Ode „Das Meer”. Ausf.: Funkorch.
Königswuſterhauſen
turnen für Kinder. o 15: Jugendſtunde: Schuldirektor Mayer:
Flugzeugmodellbau. O 15.45: Frauenbaſtelſtunde: Vorſatzpapiere
(Das Kleiſterpapier). O 16.30: Dr. Roeſeler: Verſunkene
Univerſi=
täten. O 17: Leipzig: Kammermuſik. Mitw.: W. Reiner (Violine),
b. Schilling (Cello), Th. Blumer (Klavier). o 18: Prof. Dr.
Mersmann: Muſikverſtehen: Volksliederanalyſen. O 18.30:
Fran=
zöſiſch für Fortgeſchr. 18.55: Dipl.=Kaufmann Dr. Lisnik:
Die gewerblichen Genoſſenſchaften im Lichte des
Genoſſenſchafts=
tages, 6 19.10: Düngemittellehrgang: Prof. Dr. Binz: Chemie,
Landwirtſchaft und Kunſtdünger. O 20: Berliner Dom: Konz
des Staats= und Domchors. Bach: Motette „Fürchte dich nicht”.
Arnold Mendelsſohn: Deutſche Meſſe für 8ſtimmigen
gemiſch=
ten Chor. — Brahms: „Denn es gehet dem Menſchen” und „Wenn
ich mit Menſchen= und Engelszungen redete” aus „Vier ernſte
Geſänge‟. — Thomas: Paſſionsmuſik nach dem Evangeliſten
Mar=
kus für gemiſchten Chor a capella. Soliſten: Karin Branzell
(Alt), Prof. Walter Fiſcher (Orgel). Dirigent: Prof. Rüdel. o
An=
ſchließend: Preſſeumſchau des drahtloſen Dienſtes. Am Mikrophon:
Dr. Räuſcher. O Danach: Bildfunk.
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[ ← ][ ][ → ]Seite 10
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der Hel
des
Ben Hur
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dem äußerst dramatischen Kampf zweier Brüder um den
Besitz eines Mädchens. — Der Schauplatz der Handlung ist
ein Frachten-Segler, auf dem sich unerhört harte Kämpte
abspielen. — See-Aufnahmen von außergewöhnlicher
Schön-
heit wechseln mit den Bord-Ereignissen.
Ein Mädel mit Tempo
ein wirklich lustiges Lustspiel mit
Marion Davis.
Den Wert dieses Films beweist das Urteil Charlie Chaplin’s,
der ihn als
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Stb. 1. Vor Ankalt
A. w.
Nierner 258
Dienstag, den 17. Sepfember 1929
Seite 44
Sport, Spiel und Zurnen.
Zechken.
zubfechten beim Darmſtädker Fechk= Club.
gMerſtmaligen Kämpfe um die von Mitglied Kommerzienrat
eroldſlünchen als Wanderpreiſe geſtifteten Silber=Pokale wickel=
ſüſch ox geladenen Ehrengäſten und zahlreich erſchienenen
Mit=
jedenin flottem Tempo und durchaus guter Form ab. Bei den
amenniegte in ausgezeichneter Weiſe Frl. Marie Niebel wieder
ne „Nederlage bei nur 12 erh. Treffern. Zweite wurde etwas
errryſtend Frl. Vikt. Engel mit nur einer 5:2=Niederlage von
öitzerin und 15 erh. Treffern gleichfalls in guter Haltung
H.
ſrrſchter Ruhe, ſtets geſchickt Klinge auf Linie, mit knappen
Srie
nüber Frl. Käte Jordan (16 Tr.) und Frl. Tilde Brück=
Tr.), welche die Angriffsbewegungen etwas groß
aus=
hrtehnund mehrmals ihrer Gegnerin in die Klinge fielen. Die
lgewidn Frl. Grimm und Frl. Melcher gefielen im Angriff, aber
ſanden ſind noch etwas unſicher. Stürmiſcher in den
An=
ffeinind hartnäckiger in den Kampfgängen rangen die Herren
denSieg und den wertvollen Wanderpreis. Hier konnte der
ſiegen om letzten Juniorenfechten, Dr. Hans Roth, ohne
Nieder=
erhaltene Treffer) nur ganz knapp 4:5 Siege vor Herm
tüll lit
2 Tr.) und Heinz Sack (16 Tr.) herausholen, die mit
üüzlchen ſcharfen Angriffen und ſchnellen Paraden bei guter
ingerührung kämpften, aber in der Hitze des Gefechtes die
ſchere ſuhe des Siegers vermiſſen ließen und durch nicht genü=
und beerrſchte Beintechnik keinen vollen Erfolg erringen konn=
ſich dem Fechten fand im Kreiſe der Mitglieder eine
ge=
llige ſeier ſtatt, bei welcher die ſchöne Stiftung, die Leiſtungen
Heuterinnen und Fechter, ſowie des jungen talentvollen
Club=
keiſtſer Angelini gewürdigt und die Pokale, gefüllt mit edlem
ſten nReinwein, den Siegern von Frau Hufnagel, der Schwägerin
is Oftſters, kredenzt wurden.
Hegein.
Müdke-Wektkampf in Frankfurk=Riederwald.
AlifAnlaß der Bezirksſportwoche des 1. Bezirks im Südd.
zu ſinn ein Städtewettkampf ſtatt, an dem ſich 14 Verbände beteiligten.
uch ſü hieſige Mannſchaft beteiligte ſich daran. Ein Erfolg blieb ihr
rſagt. Verſchiedene Umſtände wirkten ungünſtig auf das Ergebnis
ſuächſt kam in Betracht, daß drei Mann Erſatz eingeſtellt werden
ißten dann trat ſtörend in die Erſcheinung, daß der Start erſt abends
Ur angeſetzt war und dann noch mit einer Stunde Verſpätung
ſt bchonnen konnte. Alles drängte auf eine möglichſt raſche
Abwick=
ng. lie Siegerverkündigung ſollte um 9 Uhr ſtattfinden und das
nde de Startes war erſt um 10.30 Uhr zu erwarten. Dadurch trat
ne geuiſſe Nervoſität von Startbeteiligten und auch der Startleitung
„ hehyu kam noch, daß die Aufſetzer ermüdeten und nur mit Mühe zu
wegunwaren, auszuharren. So kam es, daß Darmſtadts Mannſchaft,
ſiih ſisher immer erfolgreich behauptete, nicht das geſteckte Ziel
er=
ſchte: Sie mußte ſich bei einer Kugelzahl von 500 Holz mit 2527
Ge=
mthekahl begnügen. Wohl noch ein gutes Durchſchnittsergebnis,
er rſät ausreichend, um ſich für Sieg placieren zu können.
2
Mißſtände, welche ſich bei dieſem Kampfe zeigten, dürfen ſich
ſcht viderholen und müſſen ausgemerzt werden.
Stdleutſche Sportwoche in Wiesbaden vom 6.—13. Okt. 1929.
Tasbedeutendſte ſportliche Ereignis im Süddeutſchen Gau iſt neben
ſameiſterſchaftskämpfen die alljährlich im Herbſt ſtattfindende
ddmitche Kegelſportwoche. Das Programm hierzu umfaßt:
Astragung der Süddeutſchen Städtemeiſterſchaft unter den 1.
Be=
rlsmeſtern; 10er=Mannſchaftskampf über 1000 Kugeln.
hämpfe um den Ehren=Wanderpreis der Stadt Wiesbaden im
ſertchk vn 750 Mark; 10er=Mannſchaftskämpfe 500 Kugeln.
3.1eportabzeichen für Männer und Frauen, 200 bzw. 100 Kugeln.
4.150=Kugelkampf auf Aſphalt.
5. hr=Riegenkämpfe für Frauen über 250 Kugeln.
6. kurz= und Langſtreckenkämpfe.
22a Süddeutſche Gau rüſtet ſchon fleißig für dieſe Sportwoche und
eim fuker Zuſpruch zu erwarten. Meldungen haben bis 1. Oktober
ſih Verbandsſportwarte zu erfolgen.
2/ Verband Darmſtadt hat ſeine Kampfmannſchaft als
Bezirks=
iſtar ur Südd. Städtemeiſterſchaft zu entſenden, die hoffentlich ohne
ſatzh bitreten kann.
Sauball.
Die Kreisliga in Starkenburg.
Vom 1
F.C. Union 1913 e. V. wird uns als Berichtigung
geſchrieben:*)
„Ihre Meldung über Ausſchreitungen auf der Rennbahn
ent=
ſpricht nicht den Tatſachen. Es kam wahrend und nach dem Spiel
zu keinerlei Ausſchreitungen. Lediglich verurſachte das
Zu=
rechtweiſen einiger Heißſporne aus dem
Urbe=
acher Lager durch die Ordnungsmannſchaften einmal einen
Auflauf außerhalb der Barrieren. Das Eingreifen
der Ordnungsmannſchaften war mehr als berechtigt, denn die
Zurufe, die ſich das Publikum dem kriegsbeſchädigten
Schiedsrichter gegenüber leiſtete, waren ſchon nicht mehr
menſchlich. Daß das Beſſunger Publikum darauf
reagierte, iſt zu verſtehen. Außerdem iſt das
ſiegbrin=
gende Tor einem von Darmſtädter getretenen und von Rau
ver=
wandelten Strafſtoß entſprungen.”
*) Im Original iſt nichts geſperrt. D. Red.
„Ziw
3. 5p. 5. 1919 Groß-Mamern — Sp. B. 1920 Roßdorf
2:2 (0:2).
Bei herrlichem Fußballwetter trafen ſich obige Mannſchaften zum
Verbandsſpiel am vergangenen Sonntag in Groß=Zimmern. Vorweg
ſei geſagt, daß ſich diesmal die einheimiſche Elf während des ganzen
Spiels nie ſo richtig zuſammenfand, wie man es eigentlich nach dem
vorſonntäglichen Sieg über Lengfeld erwartet hatte. Der Sturm war
der unzulänglichſte Mannſchaftsteil, der die unglaublichſten Chancen
ver=
gab und dem gegneriſchen Hintertrio faſt nie ernſtlich gefährlich werden
konnte. Anders dagegen war es bei den überaus eifrigen Gäſten
be=
ſtellt. Sie ſpielten mit einem Elan ſondergleichen und lagen ſchon nach
kurzer Spielzeit mit 2:0 Toren in Führung, denen die Groß=Zimmerner
bis zur Halbzeit nichts entgegenſetzen konnten.
Nach dem Wechſel aber wurde das Spiel der Gaſtgeber doch etwas
beſſer, und war von nun an eine leichte Ueberlegenheit nicht mehr zu
verkennen. Allerdings überzeugen konnte man auch jetzt noch nicht. Erſt
durch ein von einem Roßdörfer Verteidiger verurſachten
Elfmeterſtraf=
ſtoß, der zum erſten Gegentor für Groß=Zimmern verwandelt wurde,
kam etwas Leben in den einheimiſchen Sturm. Zwiſchendurch waren
auch die Gäſte nicht müßig und leiteten ein paar äußerſt gefährliche
Angriffe ein, die jetzt aber reſtlos abgeſchlagen werden konnten. Mehr
Glück dagegen hatten die Einheimiſchen, die nun nach einem gut
vorge=
tragenen Vorſtoß durch den Halblinken zum längſt verdienten
Ausgleichs=
tor kamen. Die letzten Minuten waren ausgeglichen und ſollte bis zum
Schlußpfiff an dem Reſultat nichts mehr geändert werden. Der
Schieds=
richter, ein Herr aus Edingen, war äußerſt korrekt und leitete das
Spiel zur beiderſeitigen Zufriedenheit. — Zweite Mannſchaften 4:0 für
Roßdorf.
Segelflug.
Segelflugſpork im Odenwald.
10. Rhön=Schulungswettbewerb der Jungfliegergruppe des
Heſſen=
flieger=Vereins für Luftfahrt e. V. Darmſtadt, ausgetragen auf
dem Forſtberg, Gemarkung Ueberau bei Groß=Bieberau.
Die am 15. 9. getätigten vier Starts hatten weitere Flüge
im Gefolge. Zwei von ihnen ſtellten Zielflüge dar: Jungflieger
Weicker landete nach anmutigem Fluge 14 Meter von der
Ziel=
flagge entfernt. Jungflieger Röhrig flog zum Schluſſe in ſchönen
Kurven auf den Transportwagen zu und ſetzte die Maſchine vier
Radſpork.
Deutſches Turn= und Sporkabzeichen.
Die nächſte Prüfung zur Erlangung des deutſchen Turn= und
Sport=
abzeichen in Gruppe V, Radfahren 20 Km. auf der Landſtraße, findet
jetzt am Sonntag, den 22. September, vormittags, auf der Rundſtrecke
in Kranichſtein ſtatt. Anmeldungen ſind zu richten an den
Gaurenn=
fahrwart des Gau 70 B.D.R., Georg Hahn (Fahrrad=Hahn),
Schwanen=
ſtraße 20, Ecke Schloßgartenplatz. Die Prüfung erfolgt unentgeltlich.
Kanuſpork.
Dritte Langſtrecken=Wettfahrt auf dem Altrhein.
Das für vorgeſtern angeſetzte Kanu=Rennen, deſſen Leitung in den
Händen der Altrhein=Waſſerſportvereinigung lag, wurde unter günſtigen
Verhältniſſen ausgefahren, da der Altrhein zurzeit einen ſehr niedrigen
Waſſerſtand hat. Durch die vorhandene ſchwache Strömung war den
Rennpaddlern die Stromaufwärtsfahrt vom Kilometer 0,5 an der
Knob=
lochsaue bis zur Landungsbrücke des Kanuklubs Darmſtadt am
Kilo=
mneter 7 etwas erleichtert. Die Meldungen zu den einzelnen Rennfolgen
waren im Verhältnis zu der am Altrhein anſäſſigen großen
Paddler=
zahl gegenüber den früheren Jahren nicht beſonders ſtark, dagegen
wur=
den aber ſehr gute Zeiten erzielt und einige Rennen, trotz der großen
Strecke, bis zum Ziel in ganz ausgezeichneter Form durchgefahren.
Die Ergebniſſe ſind folgende:
Rennen 1: Faltboot=Zweier für Herren: 1. Ruderabtlg. Schw.=Kl.
Jung=Deutſchland, P. Fasler und O. Schäfer, Zeit 40,05 Minuten; 2.
Kanu=Klub Darmſtadt, L. Müller und F. Lehmberg, Zeit 41,45 Minuten.
Der vom Kanu=Klub Darmſtadt geſtiftete Wanderpreis in Form
eines prachtvollen Pokals ging damit endgültig in den Beſitz der
Ru=
derabtlg. des Schw.=Kl. Jung=Deutſchland über, da dieſer Verein
be=
reits im vorigen Jahr als Sieger in dem gleichen Rennen
hervorge=
gangen war.
Rennen 2: Faltboot=Einer für Herren: 1. V.f. L. Rot=Weiß, E.
Weich=
ſel, Zeit 42 Minuten; 2. Jung=Deutſchland, A. Fasler, Zeit 47 Min.
Der Sieger erhielt den vom Amt f. L. Darmſtadt geſtifteten
Wan=
derpreis.
Rennen 3: Zweier=Kajak für Herren.
Dieſer Wettkampf fand einen unglücklichen Verlauf. Ein von
Mik=
gliedern des Kanu=Klubs Darmſtadt beſetztes Boot kenterte durch
Scha=
den am Steuerruder zirka 50 Meter von dem Ziel. Ein weiteres, von
Rot=Weiß gefahrenes Boot, das etwas zurück lag und im Endſpurt kurz
vor dem Ziel ſtark aufgekommen war und ſeinem Gegner ſchon faſt
gleich lag, wurde von einem in der Fahrtrichtung gelegenen Boote
be=
hindert. Es wurde daher entſchieden, beiden erſten Booten gleiche Preiſe
zu geben. 1. Jung=Deutſchland, Kläs und Lehr; 2. V. f. L. Rot=Weiß,
Emmrich und Rottmann, Zeit 43,30 Minuten.
Rennen 4: Gemiſchter Zweier: 1. Jung=Deutſchland, Frl. Wittmann
und Herr Wißmann, Zeit 43 Minuten; 2. Rot=Weiß, Frl. Leithäuſer
und Herr Knauf, Zeit 45,3 Minuten.
Die Sieger erhielten einen von Herrn Med.=Rat Dr. Friedrich
ge=
ſtifteten Wanderpreis.
Anſchließend wurden den vielen Zuſchauern, die dem Rennen vom
Ufer aus beiwohnten, noch einige ſehr intereſſante waſſerſportliche
Vor=
führungen gezeigt. P. Fasler führte einige gut gelungene Eskimo=
Ken=
terübungen im Boot vor und einige Damen beteiligten ſich am
Wellen=
reiten hinter ſchnellfahrenden Außenbord=Motorbooten.
buchen, um ſo mehr, als ſie bei faſt völliger Windſtille erfolgten
In dem Schachweltmeiſterſchaftskampf zwiſchen Aljechin und
Bogoljubow gab Aljechin in der ſechſten Partie nach dem 48. Zuge auf.
Der Golfländerkampf. Deutſchland — Holland endete mit einem
Siege der Holländer 5½:3½ Punkten.
Ungarn gewann den Schwimmländerkampf gegen Oeſterreich mit
43½ : 33½ Punkten.
Franz Diener beabſichtigt, ſich endgültig vom Boxſport zu trennen
und ſich im Rheinland an einer größeren Fleiſchfabrik zu beteiligen.
Wekterberichl.
Hoher Luftdruck mit einem Kerngebiet über den britiſchen Inſeln
erſtreckt ſich in öſtlicher Nichtung bis nach Polen, das im Bereich des
anderen Hochdruckkernes liegt. Die Südſeite des Hochs dehnt ſich über
Deutſchland aus. Infolgedeſſen wird zunächſt aufheiterndes. Wetter
eintreten und die Temperatucen mehr der Ein= und Ausſtrahlung
unterliegen.
Ausſichten für Dienstag, den 17. September: Etwas kühleres
Wet=
ter, wolkig mit Aufheiterung, trocken.
Ausſichten für Mittwoch, den 18. September: Meiſt heiteres Wetter,
zwiſchen Tag und Nacht ſtärkere Temperaturgegenſätze, trochen.
Die heutige Nummer hat 14 Geiten.
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[ ← ][ ][ → ]Vom Holzmarkt
ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Das Geſchäft würde auch für den
Holz=
handel einen geregelteren und erfolgreicheven Verlauf nehmen, wenn
nicht in immer ſtärkerem Umfange oſtdeutſche Sägewerke und ſchleſiſche
Holzhandlungen durch ihre Vertreter auch die kleinen Betriebe des
Verbrauchs in Mittel= und Weſtdeutſchland beſuchen ließen. Dadurch
wird vielfach der geſunde und lebensberechtigte Zwiſchenhandel
ausge=
ſchaltet, und es werden vor allem die Preiſe nicht ſelten ſtark unter
boten. Häufig kommt es vor, daß die Sägewerke den Holzverbrauchern
Schnittholz zu nicht weſentlich teureren Verkaufspreiſen anbieten als
dem Platzholzhandel, der mit ſtarken Unkoſten belaſtet iſt und obendrein
den Konſumenten gut ausgetrocknetes Holz zur Verfügung ſtellen ſoll.
In kieferner Stammware kauften Platzholzhändler in
Mitteldeutſch=
land größere Mengen zu Preiſen von etwa 100 Mark je Kubikmeter
frei Waggon deutſch=polniſcher Grenze bei Bentſchen, deutſcherſeits
un=
verzollt, ein. Im Inland erzeugte Stammware brachte Parität Kreuz
und Drieſen in Stärken von mindeſtens 42 Millimetern 112 bis 12
Mark je Kubikmeter je nach dem Inhalt an 1. Klaſſe bei brettweiſer
Sortierung. In Bayern hat ſich das Geſchäft ebenfalls etwas belebt,
Geſucht war beſſere Ware, während in geringeren Sortimenten die
Angebote die Nachfrage überſteigen.
Produkienberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 16. September. Bei ermäßigten
Offerten vom Auslande und reichlichem Angebot in Inlandsware nahm
die Börſe auch heute wieder einen ruhigen Verlauf. Im nichtoffiziellen
Verkehr nannte man gegen 12.30 Uhr in RM. pro 100 Kilo waggonfrei
Mannheim: Weizen, hierländiſchen, mit 25,75, ausländiſchen mit
25,75—33, Roggen, hierländiſchen, mit 20,50, Auslandsroggen nich
notiert, Inlandshafer (alter) 20—21, neuer 18,50—19,50, Auslandshafer
20—21, Braugerſte, badiſche und württembergiſche, mit 21,50—23,
pfäl=
ziſche mit 23—24, Futtergerſte mit 18,75—19,25, Mais mit Sack 21,
ſüd=
deutſches Weizenmehl, Spezial 0, mit 38,25—38,50, ſüddeutſches
Weizen=
mehl, Spezial 0 (2. Sorte), 36,25—36,50, ſüddeutſches
Weizenauszugs=
mehl 42,25—42,50, ſüddeutſches Weizenbrotmehl mit 30,25—30,50,
ſüd=
deutſches Roggenmehl 28,50—33, Kleie 11,25, und Biertreber mit Sack
mit 17,50—18,50.
Frankfurter Produktenbericht vom 16. September. Der
Frankfur=
ter Produktenbericht verkehrte zum heutigen Hauptmarkt in ruhiger
Hal=
tung. Das Geſchäft bewegte ſich in allerengſten Grenzen, wobei
Preis=
veränderungen nur ganz vereinzelt zutage traten. So war Weizen
geringfügig niedriger, während Weizeu= und Roggenkleie etwas anziehen
konnten. Mehl hat bei ſtetigen Preiſen laufendes, jedoch ſeh kleines
Konſumgeſchäft. Hafer war in feinen Qualitäten zu Exporizwecken
etwas gefragt, jedoch der Preis hierfür unverändert. Gerſte iſt weiter
vernachläſſigt. Weizen 25—25,15, Noggen 20, Sommergerſte 21—21,50
Hafer neuer Ernte 18,75—19, Mais 20,60—20,75, ſüdd. und niederrhein.
Weizenmehl 38,10—38,75, Roggenmehl 2,50—30, Weizenkleie 11,35 bis
11,50, Noggenkleie 11,25—11,50, Erbſen je nach Qualität für
Speiſe=
zivecke 35—18, Linſen desgl. 45—85, Heu, ſüdd., gut, trocken 10,75—11,
Weizen= und Rogenſtroh drahtgepr. 5,50—5,75, dto. gebündelt 4,90—5,50,
Tveber 17,50—18,50.
Berliner Produktenbericht vom 16. September. Trotz der
ſchwäche=
ren Auslandsmeldungen eröffnete die Produktenbörſe den neuen
Be=
richtsabſchnitt in ſtetiger Haltung, wenn auch das Geſchäft kein größe.
res Ausmaß erreichte. Für Inlandsweizen waren infolge beſſerer
Nachfrage der rheiniſchen Mühlen etwa 1 Mark höhere Preiſe als am
Wochenſchluß zurückzuholen. Roggen wurde zur prompten
Waggon=
verladung ausreichend angeboten und fand zu Samstagspreiſen
Unter=
kunft, jedoch glaubt man, weitere Stützungskäufe beobachten zu können.
Kahnware war reichlich angeboten und nicht immer unterzubringen. Am
Lieferungsmarkt ſetzten die Preiſe für beide Brotgetreidearten bis
1 Mark höher ein. Mehl hat bei ſtetigen Preiſen laufendes, jedoch
kleines Konſumgeſchäft. Hafer wird in feinen Qualitäten zu
Export=
zwvecken weiter gefragt, das Preisnivcan iſt etwa behauptet. Gerſte bei
unveränderten Preiſen in ruhigem Geſchäft.
Die Berliner Produktennotierungen vom 16. September ſtellten ſich
für: Weizen, märk. 2.26—2.30, Roggen 1.87—1.91, Sommergerſto 2.08—
2.27, Futtergerſte 1.70—1.86, Hafer,märk. 1.70—1.77, Mais, loko Berlin
2.10—2.11, Weizenmehl 23.25—34.50, Noggenmehl 24.75—28.00,
Weizen=
kleie 11.60—12.25, Viktorigerbſen 38—46, kl. Speiſeerbſen 28—33,
Futter=
erbſen 21—23. Rapskuchen 18.50—19.00, Leinkuchen 24.30—24.60,
Trocken=
ſchnitzel 12.50—12.70, Sojaſchrot 20.40—20.90, Kartoffelflocken 18.20
bis 18.70.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 16. Sept.:
Getreide. Weizen: Sept. 130½, Dez. 139½, März 144¾,
Mai 148½; Mais: Sept. 1027, Dez. 98½, März 103½, Mai
105¾; Hafer: Sept. 51½, Dez. 54½, März 57½, Mai 58½;
Rog=
gen: Sept. 103, Dez. 109½, März 105½.
Schmalz: Sept. 11,65, Okt. 11,60, Dez. 11,85, Januar 12.15.
Fleiſch. Rippen: Sept. 13,00, Okt. 12,50; Speck, loko 13,00;
leichte Schweine 9,75 bis 10,75, ſchwere Schweine 9,50 bis 10,60,
Schweinezufuhren: Chicago 35 000, im Weſten 99 000.
Baumwolle: Oktober 18,48, Dezember 18,84.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 16. Sept.:
Getreide. Weizen: Rotvinter 142½, Hartwinter 134½;
Mais: 1147; Mehl: 6,00—6,40; Fracht: nach England 1,6—2,3
Schilling, nach dem Kontinent 8—9 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,35; Talg, extra, loſe 794
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze in Lots: 66; Loko: 10½;
September 10,61, Oktober 10/43, November 10,27, Dezember 10,08,
Januar 10,08, Februar 10,11, März 10,14.
Baumwolle. Bei mäßigen Umſätzen war die Tendenz
durch=
weg feſt auf Anſchaffungen lokaler und Spekulationsfirmen;
ſüd=
liche Firmen traten als Abgeber hervor.
Kaffee. Deckungen und Käufe angeſichts guter braſilianiſcher
Kabel ließen die Preiſe anziehen, doch konnten ſich die höchſten
Kurſe bis zum Schluß nicht voll behaupten.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Das Reichsaufſichtsamt für Privatverſicherung zu der Genebmigung
der Uebertragung der Verſicherungsbeſtände auf die „Allianz” bzw.
„Hermes‟. Das Reichsaufſichtsamt teilt mit: „Die Genehmigung der
Uebertragung der Verſicherungsbeſtände auf die „Allianz” und „
Her=
mes” hätte verſagt werden müſſen, wenn die Intereſſen der
Ver=
ſicherten durch die Uebertragung nicht genügend gewahrt worden wären.
Das Reichsverſicherungsamt hat alſo durch die Genehmigung der Auf
faſſung Ausdruck gegeben, daß die Uebernahme eine hinreichende
Wah=
rung bedeutet. Nach geltender Rechtſprechung bedarf es bei dem
Uebergang der einzelnen Verſicherungsverträge auf die übernehmende
Geſellſchaft der Zuſtimmung des einzelnen Verſicherten. Verweigert
dieſer die Zuſtimmung, ſo gilt die Uebertragung ſeines
Verſicherungs=
vertrages als nicht erfolgt und es verbleibt bei dem urſprünglichen
Vertragsverhältnis zwiſchen ihm und der Frankfurter Allgemeinen. Ob
etwa in einem ſolchen Falle das Recht der Verſicherten das Recht au
Löſung des Vertrages gegenüber der Frankfurter Allgemeinen zuſteht,
iſt im Streitfalle allein von ordentlichen Gerichten zu entſcheiden.
Da=
bei wird die Tatſache Berückſichtigung finden müſſen, daß die Allianz
für die bei der Frankfurter Allgemeinen verbleibenden Verſicherungen
die Garantie übernommen hat. Bemerkt ſei noch, daß die „Allianz”
auch für die Verſicherungsverträge mit der „Neuen Frankfurter
Allge=
meinen” Garantie geleiſtet hat.
127 Mill. Mark Bürgſchaftsverpflichtungen der Frankfurter
Allge=
meinen. Von der Frankfurter Allgemeinen Verſicherungs A.G. wird
ſetzt eine Aufſtellung der Bürgſchaftsverpfbichtungen bekanntgogeben,
deren Geſamtſumme ſich auf 127 200 000 Mark beläuſt. Rechnet man die
Hypothekengarantien uſw. in Höhe von 41 60000 Mark hinzu, ſo er
gibt ſich eine Endſumme von 168 800 000 Mark. Die Durchprüfung der
Vürgſchaftsverpflichtungen, namentlich im Hinblick auf die Bonität der
Crſtſchuldner und Sicherheiten, iſt noch nicht beendet. Es befinden ſich
darunter eine Reihe von Geſthäften, die Ausfälle nicht befürchten laſſen
Die Höhe der Inanſpruchnahme kann deshalb noch nicht endgültig
ab=
geſchitzt werden, ſodaß eine Abänderung der Neſerve nach oben oder
nuten vorbehalten bleiben muß.
Faſt 5 Milliarden deutſche Anleihen in Amerika. In einer
Ver=
öffentlichung des amerikaniſchen Handelsminiſteviums über die deutſchen
Anleihen in U. S.A. werden für die Zeit vom Oktober bis Juni 1929
161 öffentliche Auflagen von Bonds und Aktien, mit einem
Kapital=
betrag von 1158,5 Mill. Dollar errechnet. Während im erſten
Halb=
jahr 1929 infolge der Neparationsverhandlungen eine Stockung in der
Auflegung neuer Anleihen eintrat, könne man, wie der Leiter der
Finanzabteilung des Miniſteriums, Gouverneur Jones, mitteilte,
damit rechnen, daß nach Inkrafttreten des Young=Planes eine neue
Periode deurſcher Auslandsanleihen einſetzen werde. Von dem
genann=
ten Anleihebetrage entfielen ein Drittel auf Reich, Länder und
Ge=
meinden und zwei Drittel auf prirate Handelsgeſellſchaften.
Frankfurker und Berliner Efſektenbericht.
Frankfurt a. M., 16. September.
Zu Beginn der neuen Woche machte ſich an der Börſe wioder eine
Beruhigung bemerkbar. Die Stimmung zeigte ein allgemein
freund=
licheres Ausſehen, da heute Nachrichten mcht vorlagen, die die Börſe
nachteilig beeinfluſſen konnten. Aber trotzdem ließ das Geſchäft viel
zu wünſchen übrig, nur ſpäter wurde in Spezialwerten das Geſchäft
etwas lebhafter, da man Interventionen von Großbanbſeite Eemerkt
haben wollte. Veranlaßt hierdurch, ging die Sbekulation aus ihrer
zur Gewohnheit gewordenen Reſerve heraus und ſchritt an einigen
Marktgebieten zu Deckungen und Meinungskäufen. Vorteilhaft
ver=
merkt wurde die feſte New Yorker Börſe vom Samstag, ſowie
Anzei=
chen einer geringen Entſpannung am Geldmarkt. Aufträge lagen
da=
gegen wieder nur ſpärlich vor, doch wird die allgemeine Lage nicht
mehr ſo peſſimiſtiſch beurteilt. Heute machte ſich gerade etwas mehr
Intereſſe für die in der letzten Zeit ſtark gedrückten Werte bemerlbar,
bei denen gegenüber den Schlußkurſen vom Samstag durchſchnittlich
Erhöhungen bis zu 2½ Prozent eintraten. Führend waren am
Elektro=
markt Siemens mit plus 3½ Prozent und Schuckert mit plus 2½
Pro=
zent. Gesfürel gewannen 1½ Prozent und AEG. 1 Prozent, wahrend
Licht u. Kraft 1½ Prozent niedriger eröffneten. Auch J. G. Farben
waren geſuchter und konnten nach der ſtarken Vernachläſſigung vom
Samstag 2½, Prozent gewinnen. Am Glanzſtoffmarkt wurden in
Glanzſtoffaktien wieder Rückdeckungen vorgenommen, und der Verluſt
vom Samstag, wovon die Börſe gegen Schluß nachteilig beeinflußt
wurde, konnte mit plus 9 Prozent voll ausgelichen werden.
Montan=
werte lagen ſtill, zumeiſt jedoch etwas gebeſſert. Deutſche Linoleum plus
3½ Prozent. Zementaktien waren auf den ſtarken Rückgang des Zement
abſatzes eher angeboten. Renten etwas freundlicher. Von Auslandern
Anatolier gefragt und höher. Im Verlaufe waren die Umſätze wieder
kleiner, doc) konnte ſich das Kursniveau bei geringſten Abſchlüſſen bis
eirka 1 Prozent heben. Am Geldmarkt war Tagesgeld ſpäter wieder
ſtärker geſucht, was mit 8½ Prozent zu einer Verteuerung führte. Am
Deviſenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2015, gegen Pfunde
20,36, London-Kabel 4,8468, Paris 123,89, Mailand 92,69, Madrid
32,86, Holland 12,0920.
An der Abendbörſe war die Stimmung zwar allgemein beruhigt
und die Kurſe blieben meiſt gut behauptet, doch beſchränkte ſich die
Umſatztärigkeit wieder auf ein Minimum, da Kaufaufträge faſt
voll=
kommen fehlten. Die Kursveränderungen gegen den Berliner Schluß
betrugen nur Bruchteile eines Prozentes.
Berlin, 16. Sptember.
Zu Beginn der neuen Woche lagen poſitive Meldungen, die eine
Beſſerung der Tendenz gerechtfertigt hätten, zwar ebenfalls nicht vor,
es wehte aber trotzdem heute in den Börſenſälen ein freundlicherer
Wind. Schon die Verſion, daß die Großbanken wieder
Interventions=
abſichten hätten, genügte, um die Spekulation zu Deckungen zu
veran=
laſſen. Man konnte übrigens bei den Banken eine kleine Zunahme der
Kauforders feſtſtellen. Vielleicht haben nicht mehr ganz ſo" ſchwarz
ſehende Wochenberichte dieſem und jenem Spekulanten eine Anregung
gegeben, vielleicht hat man auch bei einer ruhigeren
Sonntagsbetrach=
tung des Kurszettels geſehen, daß die Mehrzahl der Papiere wieder
ſehr billig geworden iſt, und entſchloß ſich zum Einſteigen bzw. zum
Nachkaufen, um ſeine noch beſtehenden Engagements zu verbilligen,
Das Geſchäft war aber im allgemeinen nicht umfangreich, und die
Er=
holungen gegen die Samstagsſchlußkurſe betrugen nur ſelten mehr
als 1 bis 2 Prozent. Der Geldmarkt blieb ſteif. Tagesgeld mit 7½
bis 9½ Prozent ſogar noch feſter als am Samstag, Monatsgeld 9 bis
10½, Prozent, Warenwechſel 7½ Prozeat und darüber. Von den
ein=
gangs erwähnten Interventionsabſichten der Großbanken war, wen
überhaupt, dann nur in den eigenen Akkien etwas zu bemerken.
Danat=
bank und Berliner Handelsgeſellſchaft weitere 1½ bis 2 Prozent höher.
Metallnokierungen.
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Feiseie
Die Berliner Metallnotierungen vom 16. September ſtellten
Gl. Etrolytkupfer auf 171 RM., Originalhüttenaluminium 196 9
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gleichen 194 GüM., Neinnickel 350 9M., Antimon Regulus 62—68 ½, vn Artell
Feinſilber 70.25—72.00 MM.
Die Berliner Metalltermine vom 16. September ſtellten Fih
Kupfér: Januar 149.75 (150.50), Februar bis April 150.00
Mai 150,75 (151.00), Juni und Juli 151.00 (151.00), Auguſt Biaſſl. !
P
151.25), September 147.00 (149.50), Oktober 147.50 (148.50), Nor
148.25 (149,75), Dezember 149.75 (150.25). Tendenz: ſchwächer. an beibe
Blei: Januar bis Auguſt 47.25 (47.50), September 47.00 (47.50 w aide N
ugent
ber 47.00 (47.25), November 47.25 (47.25), Dezember 47.25 (47.5
Bo ce
denz: ſtetig. — Für Zink: Januar 49.00 (49.50), Februar
49.75), März 49.00 (49.75), April 49.50 (49.75), Mai und Jur/ E. mude roie
(50.00), Juli 49.25 (50.00), Auguſt 49.75 (50.25), S=ptember 47.;
Oktober 47.00 (49.00), November 47.50 (49.00), Dezember 49.00 e 10 Md
nekrät
Tendenz: luſtlos. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in
2ien; deil
mern Brief.
Mannheimer Großviehmarkt vom 10. September. Den
Großviehmarkt waren zugefahren: 323 Ochſen, 187 Bullen, 262
419 Färſen, 640 Kälber, 21 Schafe und 2008 Schweine, 15 Ziegen
zahlt wurden für Ochſen 40—61, für Bullen 44—55, für Kühe
für Färſen 51—63, für Kälber 56—84, für Schafe 54—58, für Se
74—91, für Ziegen 10—25 RM. Marktverlauf mit Großvieh
mäßig, mit Kälbern lebhaft, ausverkauft, mit Schweinen mitte
geräumt.
Frankfurter Großviehmarkt vom 16. September. Aufge
waren: 335 Ochſen, 117 Bullen, 728 Kühe, 532 Färſen, 563 Käl
Schafe, 4473 Schwveine. Marktverlauf: Ninder langſam, Uebe
Schweine anfangs mäßi
rege, ausverkauft; Kälber und Schafe
geräumt. Preiſe pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen a1) 58—60.
bis 57, b) 48—53; Bullen a) 53—56, b) 48—52; Kühe a) 45—47
bis 44, c) 34—39, d) 28—33; Färſen a) 58—60, b) 54—57, c)
Kälber a) —, b) 78—82, c) 73—77, d) 66—72; Schafe ſind nicht —
Schweine a) 86—88, b), c) und d) 84—88, c) 83—86. — Fleiſchg
delspreiſe: Ochſenfleiſch 1) 90—100, 2) 80—90, Bullenfleiſch 85—94 erkätſicher i
ächſe.
Uade
r1ſichN
wohl zu
folgte
adurhöl
ſichen aul.
hi: Frent
ſite dure
rr und 3
2alte Cſ
bus Euch
us Geſucht
Haſeldick
Zätterhüll
t nicht
fleiſch 1) 55—65, 3) 40—55, Hammelfleiſch 100—115, Rindfleif— ich war;
inhe
frierfleiſch): Vorderviertel 56, Hinterviertel 65. Geſchäft Kun?
ſchleppend.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die diesjährige Hauptverſammlung der Geſellſchaft Deutſcher
hütten= und Bergleute wurde am 14. und 15. September in A
unter reger Beteiligung von Fachleuten des Metallerzbergbau
des Metallhüttenweſens unter dem Vorſitz des Herrn Dr. Dr.=Jr
Heinhold, Generaldirektor der Mansf—ld AG., abgehalten.
Am Sonntag vormittag wurde die 10. Kölner Herbſtmeſſe
bunden mit der 3. Weſtdeutſchen Funkweſſe, eröffnet. Die
Ausſteller hält ſich auf der gleichen Höhe wie die der diesjährige
jahrsmeſſe. In der Möbelmeſſe konnten nicht alle Antragsſteller
ſebracht werden. Der geſchäftliche Auftakt ſcheint gut zu ſein,
Meſſe am Sonntag früh ſehr viele Beſuher aufwies.
Im Gegenſatz zum Vorjahre, in dem der Zementverſand im
noch eine kleine Steigerung gegenüber dem Juli erfuhr, war i
Jahre der Anguſtabſatz mit 787 000 To. gegenüber dem J
867 000 To. ſtark rüickläufig.
einer e
Mo
Die Niagara=Hudſon=Power Corporation, ein Konzern, O
kurzem von der Morgan=Geſellſchaft mit 450 Mill. Dollar Akt
gegründet wurde, hat die Frontier=Corporation, die am St. Lay
Fluß Kraftſtationen mit einer Kapazität von 2,4 Mill. PS be
gekauft. Damit beſitzt Morgan die Kontrolle über ſämtliche be
den Kraftſtationen im Staate New York.
Die ſoeben in Waſhington veröffentlichte Außenhandelsſtatiſti
rikas weiſt für den Monat Auguſt eine Geſamtausfuhr von 3
Dollar gegenüber 379 874 000 Dollar im Auguſt vorigen Jah
Die Einfuhr betrug 377 Mill. Dollar gegenüber 346 806 000
gleichen Monat des Vorjahres. Für die erſten acht Monate
ſich der Export auf 3 407 875 000 Dollar gegenüber 3 136 7250
im Jahre 1928, und der Import auf 3 016 942000 Dollar ge
2 750 489 00 Dollar im Jahre 1928.
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1. 10.
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Berliner Kursbericht
vom 16. September 1929
Seutſche Dunt,
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vom 16. Sepiember / Ahre
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Dresdner Wan!
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Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw
J. P. Bember
Bergmann Elektr
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdbl
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K
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54.50
116.50
154.50
109.25
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246.—
222.50
75.50
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189.5(
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G. Farben
Gelſenk. Berow.
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Phil. Holzmann
Kalt Aſchersleben
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Nöln=Neueſſ. Bgw.
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Maſch.=Bau=Untn
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw
Orenſtein & Koppel
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131.75
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Rutgerswerke
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Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwer
Weſteregeln Alkali
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Hohenlohe=Werie
Lindes Eismaſch.
Herm. Poege
Vogel Telegr. Drah.
Wanderer=Werke
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14.25
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Frankfurter Kursbericht vom 16. September 1929.
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Schramm Lackſabr.
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Mitv. .. .. ..."
Mannh. Berlich. .
Seite 13
fir mmer 258
Dienstag, den 17. September 1929
Damine Haalark
ſie Lebensgeſchichte eines Silberfuchſes.
Von Erneſt Thompſon Seton.
(Berechtigte Ueberſetzung von Max Pannwitz.)
Nachdruck verboten
ſeit langer, langer Zeit haben die Tiere nach der beſten Art
ſim gs Zuſammenleben der Geſchlechter blindtaſtend geſucht
„lugc i)eformen haben ſie ausprobiert und alle außer einer
man=
befunden. Das einzige, was den höchſten Anſprüchen
hat, iſt die reine Einehe. Sie iſt das Ehegeſetz der
höchſt=
lheden Arten. Das Fieber der erſten Liebe vergeht, aber ein
wdes Band bleibt beſtehen. Auch bei unſerem Paar hatte ſich
„„zſebesfeuer mit dem Schwinden des Hungermonds ein wenig
ſäpft, aber ein dauerhafteres Gefühl war an ſeine Stelle
gen, gleichwie der rote Schein der untergehenden Sonne am
liinn Berghang ein helleres Feuer zu entzünden ſcheint als
ſy ſilde Rot des Granits; aber das eine loht nur einen köſt=
EunAugenblick, das andere aber allzeit und immerdar. Liebe
freundſchaft nennen es die Menſchen, und wenn auch das
aende rote Licht zuzeiten ſo hell aufflammte, das bleiche
ſſcrot war’s, das ihrem Daſein ſeine Farbe gab. Domino
wichneekräuschen waren nicht nur Gatten, ſie waren Freunde
ig?eben; denn ſo halten es die edelſten Tiere, ſo halten es
üchſe.
98 aus den Schneemaſſen die erſten eiſigen Rinnſale quollen,
ſte ſich das Paar aufgemacht: es ſuchte, trottete und ſuchte,
wohl zutreffender geſagt, Schneekräuschen ſuchte, und
Do=
folgte ihr ergeben. Durch den ſandigen Strich öſtlich vor
ſoldurhöhen führte ihr Weg. Dort fanden ſie die kleinen
gichen anderer Füchſe, die in der Fuchsſprache deutlich be=
: „Fremde, die hier durchkommen, müſſen kämpfen.” Jetzt
zu ſie durch die oberen Goldurhöhen, wo der Schnee viel zu
tr, und zurück zum Stromufer und ſchließlich in ein
Eſpen=
us alte Cſpental aus Dominos Jugendzeit, und hier endlick
das Suchen zu Ende zu ſein, die kleine Füchſin hatte
offen=
us Geſuchte gefunden.
ſie ſchnüffelte hierher und dorthin; dann fing ſie an, in
Haſeldickicht ein Loch zu graben. Tiefer Schnee und eine
Blätterhülle deckten hier den Boden, ſonſt hätte ſie ihren
ot nicht treiben können. Aber der Inſtinkt oder ſonſt ein
erärlicher Führer ließ ſie an dem einen Platz graben, wo es
ſh war; allenthalben war ſonſt die Erde froſtſtarr. Hoch
mer Anhöhe ſaß unfern Domino als Schildwache und Schutz
ſcheiner Stunde hörte Schneekräuschen mit Graben auf, und
tmo löſte ſie ab.
wenigen Tagen war der Bau vollendet — ein langer
der abwärts führte, dann empor zu einem Speicher, mit
Zweiten Tunnel, der nach einigen Metern zu einer ſeit=
lichen Ausbuchtung, einer kleineren Kammer, leitete und ſich
dann aufwärts wandte dem gefrorenen Erdboden zu, wo er fürs
erſte ſein Ende fand.
Aber jeden Tag kratzte die Füchſin an der gefrovenen Kruſte
darüber, jeden Tag wurde der Zwiſchenraum dünner, bis ſie
ſchließlich den Bang durchtrieb und einen hübſchen runden
Ein=
gang unter dem Schutz eines mächtigen vorjährigen Grasbüſchels
anlegte. Jetzt machte ſie den urſprünglichen Eingang zu. Um
das neue Loch herum war keine Erde, kein Auge konnte es
ent=
decken, auch wenn es nur wenige Schritt entfernt war, und das
wachſende Gras verſteckte es täglich noch beſſer.
An Nahrung war kein Mangel mehr, und als
Schneekräus=
chen einmal, ohne hungrig zu ſein, ein Murmeltier fing, das
unvorſichtigerweiſe einen nächtlichen Bummel machte, grub es
ſeinen fetten Körper in dem trockenen Sande der Nebenkam
mer ein.
Das Paar hütete ſich jetzt immer mehr, ſich bei der Höhle
ſehen zu laſſen. Oft watete Schneekräuschen wohl hundert
Meter weit in einer kleinen Waſſerrinne, damit keine Fußſpun
mit ihrem verräteriſchen Geruch zum Bau führte. Mehr als
einmal lag Domino flach auf einem Baumſtamm oder duckte ſich
ins Gras, während ein Bauernburſche keine zwanzig Meter weit
vorübertrampelte, ohne Ahnung, daß ein Fuchs ſo nahe war;
gegen ſolche Gäſte empſand der Fuchs von Tag zu Tag ein
größeres Mißtrauen.
Eines Tages kam es zu einer Begegnung anderer Art. E
ſah ein „Menſchending” herankommen. Es war kein Jäger; es
gehörte zu den Nichtjägern, zu den jungen, zu ſolchen mit langem
Kleid, das die Füße, aber nicht die Beine ſehen ließ. Am Arme
trug es einen Korb. Domino fühlte keine große Aufregung, aber
es war ihm unbehaglich. Er wußte nicht, daß es ein
Schulmäd=
chen war, das Wintergrünbeeren pflücken wollte; doch ſchwand
ſeine Beunruhigung immer mehr, als ſie näher kam. Er ſtand
ſtill. Dann ſprach es in ihm aus der nicht erlernten, nicht
erwerb=
baren Erkenntnis der ſprachloſen Geſchöpfe heraus: „Das iſt
ein harmloſes Menſchending, das meint es gut.” Von einem
neuen und ſonderbaren Gefühle getrieben, ſchritt er ganz offen
auf das Mädchen zu. Sie ſtand und ſtarrte in furchtloſer
Ver=
wunderung, und ein leiſes warmes Gefühl erwuchs in ihrem
Herzen. Sie wollte gern das glänzende Fell ſtreicheln, und er
wollte gern, daß ſie es ſtreichele. So zog es die beiden
zuein=
ander. Aber ach, die Freundſchaft wurde gebrochen, noch ehe ſie
geſchloſſen war. Der zurückgebliebene kleine Hund des Mädchens
kam mit überſchäumender Tatkraft und ohne jedes
Verſtänd=
nis für mildere Gefühle wie toll bellend vorwärtsgeſprungen.
Domino kehrte dem Köter verächtlich den Rücken und lief in
leichten Sätzen davon. Das Mädchen ging mit ſeinen Beeren
heim und erzählte eine merkwürdige Geſchichte von einem glän
zenden Fuchs, deſſen Augen freundlich ausgeſehen hätten, eine
Geſchichte, die nur die ganz Jungen und die ganz Alten glaubten,
das heißt die, welche das Kind verſtanden, und die, welche den
Fuchs verſtanden.
IK.
Das Ereignis.
Sumpfkohl und Nieswurz hatten ihre Zeit gehabt,
Leber=
blümchen und Natternzunge waren an der Reihe, und als der
Grasmond den Krähenmond ablöſte, da füllten ſich Luft und
Wald und Boden mit der ſchwellenden Verheißung neuen Lebens
Und dann trat bei Schneekräuschen eine Veränderung ein. Sie
mied Domino, als wäre er ihr Feind. Wollte er ihr in die Höhle
folgen, ſo fuhr ſie wütend auf ihn los und trieb ihn zurück. Das
war unbegreiflich, aber der große ſchwarze Fuchs gehörte zu
denen, welche die Art und Weiſe des Weibchens mit Achtung
hinnehmen, einfach darum, weil es die Art des Weibchens iſt,
und das iſt, wenn auch auf der unterſten, durchaus tieriſchen
Stufe, ſicher der Grundſtein aller Ritterlichkeit. Tagelang blieb
er der Höhle fern, und während ſeiner Abweſenheit trät das
große Ereignis ein.
Wer heißt die Mutter, das neugeborene Kindlein lieben,
hegen, füttern? Wer führt ihr die Hand, daß ſie es zart und
ſorglich aufhebe? Wer lehrt ſie, es warm zu halten, es vor jeder
Gefahr mit ihrem Körper zu ſchützen, ja, ihr Leben an ſeine
Rettung zu ſetzen? Wer iſt ihr Lehrer? Es iſt das ihr
ange=
borene mütterliche Gefühl. Die unerfahrene „wilde” Mutter
handelt ebenſo wie die klügſte unſerer Raſſen. Und mag man
dieſen Lehrer nennen, wie man wolle, es iſt ganz derſelbe
ge=
weſen, der die Mutter Fuchs gelehrt hat. Sie war allein in der
dunklen Höhle, als ihre Stunde kam.
Da lagen fünf Füchslein, klein, formlos, „häßlich” — würden
die Menſchen ſagen, aber für die Mutter Fuchs das
Wunder=
vollſte, das Köſtlichſte, was es je gegeben hatte, und ſie fühlte
eine Liebe, eine neue, herzerfüllende, überſtrömende und ganz
vollkommene, die ſie die Kleinen umfangen und liebkoſen ließ
und ihr ganzes Leben umwandelte.
Erſt viele Stunden nachher ließ ſie ſie einmal allein, und
dann nur, um einen kühlenden Trunk in dem nahen Rinnſal zu
nehmen. Domino lag in der Nähe und paßte auf. Sie legte ihre
Ohren ein wenig zurück, gab aber keinen Ton von ſich und ſchenkte
ihm ſonſt keinerlei Beachtung. Er duckte ſich mit dem Kopf flach
auf die Blätter, und ſie kehrte in den Bau zurück. An dieſem
Tage fühlte ſie kein Nahrungsbedürfnis. Am nächſten Tage
emp=
fand ſie Hunger, hatte aber keine Neigung zu jagen. Warum
auch jagen? Dasſelbe Bedürfnis, dieſelbe Not hatte noch jede
Mutter Fuchs bedrängt, ſolange es Fuchsmütter gab, und tief
war in ihren Geiſt ein Inſtinkt eingeprägt, der ſie vorſorgen ließ.
Darum hatte ſie, wohl ahnungslos, das Murmeltier zurückgelegt,
das ihr nun Nahrung bot.
Als ſie zwei Tage ſpäter wieder der Nahrung bedurfte und
aus dem Eingang trat, ſah ſie ganz nah einen kleinen Haufen
ſriſchgetöte Mäuſe liegen. Vielleicht waren ſie für die Jungen
beſtimmt. Wer kann es ſagen? Soviel iſt ſicher — ſie erreichten
ihren Zweck und nährten die Jungen, wenn ſie auch von der
Mutter verzehrt wurden. Hinfort lag täglich Futter am
Ein=
gang oder im Gras verſteckt oder nahebei unter Blättern. (Ftſ. f.)
VEIBLICH
„Meine Tochter hatte ein ſchweres chroniſches
Baſenleiden
Ich ließ mir 30 Flaſchen Alt
brauch
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Starkquelle komt
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Niederlage: Heinrich Lohr, Nieder=Ram=
(TV.9003
ſtädterſtr. 20. Telefon 1782,
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Leierfräulein
erb. u. T. 93
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mar) ſucht paſſ.
frungskreis per
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unter T. 84
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Stelle bei
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an Frl. J.
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ettiße 74, I.
Eilhiges ehrliches
Nädchen
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Empf. ſucht
ſtelle. Ang. u.
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Qirnt l. Mädchen
de, 24 J.. m.
Zeugniſſ. ſucht
ng. Angeb.
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Mädchen
Stell. i. Haus
d4Iſt auch i.
Nä=
bewand
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Aelteres Fräulein
ſucht tagsub.
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lung in gut., frau.. Haushalt. War
über 20 J. in gut
Ang.
Hauſe tätig.
u. T. 94 Geſchſt.
Empf. Köchin.,
Haus=
u. Alleinmdch. Suche
perf. Haus= u.
Allein=
mädch. f. Geſchäftsh
KarolinaBech,
gewerbs=
mäß. Stellenvermittl.
Karlſtraße 25.
Kinderliebe. Haus
tochter ſ. Stelle geg.
Taſchengeld: Ang. u.
T 29 Geſchäftsſt.
Jg. Frau ſucht für
nachm. geg. geringet
Lohn Beſchäft. Ang.
u. T 98 Geſchſt.
Saub., zuverl. Frau
hat n. Tage frei zun
Waſch. u. Putzen.
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geb u. T 107 Gſchſt.(
MiNMLIcN
Buchhalter
bilanzſ., ſucht
ſtun=
denweiſe Beſchäftig.
Hier o. ausw. Ang.
u. T. 81 Geſchſt.
Junger gel. Hotel
u. Reſtaur.=Kellner
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T. 104
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hat am 28. Auguſt 1929 begonne
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mann Kommanditgeſellſchaft.
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Am 10. September 1929
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ichtlich der Firma: K. Weller,
Darv=
ſtadt: Die Firma iſt erloſchen
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