Ginzelnummer 15 Pfeunige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 207
Sonntag, den 28. Juli 1929.
192. Jahrgang
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Konlurs oder gerſchtlicher Beltreibung fällt ſeder
Nabatt weg. Bankonto Deutſche Bani und Darme
ſädter und Natſonalbani.
Rücktritt des franzöſiſchen Geſamtkabinetts.
Poincaré läßt ſich nichk zur Zuräcknahme
ſeiner Demiſſion bewegen.
2as geſamke Kabinekt kritt dargufhin zurägk.
Briand Poincarés Nachfolger.
EP. Paris, 27. Juli.
Miniſterpräſident Poincaré empfing heute früh den
Außen=
miniſter Briand und Juſtizminiſter Barthou, die vom Kabinett
beauftragt waren, ihn zur Zurücknahme ſeiner Demiſſion zu
bewegen. Poincaré lehnte dieſes Anſuchen ab. In dem darauf
folgenden Miniſterrat, der unter dem Vorſitz des Präſidenten
der Republik, Doumergue, im Elyſeé ſtattfand, trat darauf das
geſamte Kabinett zurück. Präſident Doumergue hat ſofort mit
den bei Kabinettskriſen üblichen Beſprechungen begonnen. Er
empfing zunächſt den Senatspräſidenten Doumer und den
Kam=
merpräſidenten Bouiſſon. Man glaubt in politiſchen Kreiſen,
daß das neue Kabinett in Kürze gebildet werden
wird und rechnet nach wie vor mit einem Kabinett
Briand, das ſich auf eine durch Aufnahme
mehrerer radikaler Miniſter erweiterte
repu=
blikaniſchen Konzentration ſtützen wird.
Die Bemühnngen um das neue franzöſiſche Kabinekt.
Ein vom Präſidenten der Republik ausgegebenes
Kommu=
niqué teilt mit, daß die zurückgetretene Regierung mit der
Erle=
digung der laufenden Staatsgeſchäfte beauftragt worden iſt.
Doumergue ſetzt ſeine Beſprechungen fort. Er empfing außer den
Präſidenten der beiden Kammern die Präſidenten der großen
Kommiſſionen und der wichtigſten Fraktionen, darunter Malvy,
Paul=Boncour, Cazals, Louis Marin, Léon Blum und
Frank=
lin=Bouillon. Soweit die empfangenen Perſönlichkeiten ſich
äußerten, ſprachen ſie ſich ſämtlich für Briand als
Nachfol=
ger Poincarés aus, da dieſer die Gedanken des
Friedens und der europäiſchen Ausſöhnung
verkörpere. Der Vorſitzende der Finanzkommiſſion des
Se=
nats, Clémentel, erklärte, Briand ſei die geeignetſte
Perſönlichkeit, weil er das internationale Vertrauen
be=
ſitze und ſelbſt die ſchwierigſten Löſungen, wenn ſie von ihm
vorgeſchlagen würden, Ausſicht auf Annahme hätten. Allgemein
wird verſichert, daß die Kriſe ein ſchnelles Ende finden werde.
Man erwartet, daß Präſident Doumergue noch heute
nach=
mittag oder am Abend Briand mit der Neubildung
des Kabinetts beauftragen wird. Als
voraus=
ſichtliche Mitglieder der künftigen Regierung
werden neben Chéron und Tardien genannt: die Radikalen
Georges Bonnet, Daladier, Durand und Durafour, ferner
Da=
nislou von der Radikalen Linken und der Linksrepublikaner
Piétri. Der linksſtehende „Soir” ſpricht außerdem von Paul=
Boncour (Sozialiſt), doch dürfte dies eher ein Verſuchsballon
ſein, da das Blatt gleichzeitig die Sozialiſten beſchwört, ihre
bisherige ablehnende Haltung aufzugeben und ſich an der
Re=
gierung zu beteiligen. Den
Arſprung der Kriſe
ſührt der „Soir” u. a. auf Meinungsverſchiedenheiten über die
nach dem Hag zu entſendende Delegation zurück. Es ſei ein
un=
haltbarer Zuſtand geweſen, daß Briand einer nationaliſtiſchen
Mehrheit ſeine Friedenspolitik aufgezwungen habe. Der
Mini=
ſterpräſident, und mit ihm einige Kabinettsmitglieder, hätten
Briand die Führung der franzöſiſchen Delegation nicht
anver=
trauen wollen. Die Räumung des Rheinlandes und die Idee des
enropäiſchen Staatenbundes hätten weder die Zuſtimmung
Poincarés, noch die ſeiner Mehrheit gefunden. Briand habe
dieſe Feindſeligkeit des Kabinetts geſpürt und wäre
vorausſicht=
lich zurückgetreten, wenn nicht die Erkrankung Poincares ihm
zu=
vorgekommen wäre
Briands Kombingkionen: Republikaniſche
Konzenkra=
kign. — Der Sfreil um den Innenminiſter Tarsien.
Zahlreiche Parlamentsgruppen haben im Laufe des
Sams=
tagnachmittag Sitzungen abgehalten, um ſich mit der durch den
Rücktritt Poincarés geſchaffenen Lage zu beſchäftigen und
Richt=
linien für ihr Verhalten bei der Neubildung des Kabinetts
feſt=
zulegen. Die größte Schwierigkeit dürfte bei dieſer Neubildung
die Perſönlichkeit des Innenminiſters Tardieu machen. Die in
Ausſicht genommene Regierung der republikaniſchen
Konzentration iſt auf die Unterſtützung einiger Gruppen
der mittleren Rechten angewieſen, und dieſe ſcheinen ihre
Mit=
arbeit von der Belaſſung Tardieus im Innenminiſterium
ab=
hängig machen zu wollen. Dem widerſetzen ſich die
Radika=
len mit aller Energie. Sie wollen Tardieu in der
neuen Kombination höchſtens das Miniſterium
der öffentlichen Arbeiten zugeſtehen, während
das Innenminiſterium an eines der vier Parteimitglieder
gege=
ben werden ſoll, die die radikale Gruppe in das neue Kabinett
entſenden will. In Ausſicht genommen hat die Partei: Sarraut
für das Innenminiſterium, Daladier für das Kriegsminiſterium,
Queuille für das Landwirtſchaftsminiſterium und Lamoureux
für den öffentlichen Unterricht. Unter dieſer Vorausſetzung
ſprach ſich die radikale Gruppe für eine Politik der
republikani=
ſchen Konzentration aus.
Noch ſchärfer formulieren die Sozialiſten ihre
Ab=
lehnung Tardieus. Sie verlangen, daß dieſer aus dem
Kabinett ausgeſchloſſen werde. Die Gruppe hat jedoch noch keinen
Beſchluß darüber gefaßt, ob ſie ſich an der neuen Regierung
be=
teiligen, oder ſich auf eine wohlwollende Neutralität gegenüber
einem Kabinett der republikaniſchen Konzentration beſchränken
will. Sie erklärt ſich lediglich gegen jede Regierung der Reak=
tion und des Fascismus. — Die Stellungnahme der
Gruppe Maginot, die mit ihren 29 Abgeordneten links von
der Gruppe Marin ſteht, läßt das Zuſtandekommen der
republi=
kaniſchen Konzentration als möglich erſcheinen. Ihr geiſtiger
Führer Rehnaud erklärte ſich für die Fortſetzung einer Politik
der nationalen Union, von der ſeine Gruppe niemand
aus=
ſchließen wolle, und für deren Durchführung ihm Briand als die
geeignetſte Perſönlichkeit erſcheine.
Die radikale Linke und die Linksrepublikaner, die zuſammen
116 Abgeordnete ſtellen, ſprechen ſich ebenfalls für die
republika=
niſche Konzentration aus, deren Außenpolitik auf den
euro=
päiſchen Frieden gerichtet ſein müſſe. — Auch die republikaniſche
Linke äußert Beſorgniſſe hinſichtlich des Verbleibens ihres
Mit=
gliedes Tardieu im Innenminiſterium. — Die 18 Mitglieder
um=
faſſende Gruppe der Demokratiſchen Volkspartei, zu der eine
größere Anzahl elſäſſiſcher Abgeordneter gehört, wünſcht eine
Fortſetzung der bisherigen Politik.
Als Ergebnis all dieſer Parteibeſprechungen läßt ſich
feſt=
ſtellen, daß die dem Vernehmen nach von Briand beabſichtigte
Kombination, die ſich aufdie Kammermitte ſtützen
ſoll, in dem Augenblick greifbare Formen annehmen dürfte, in
dem es gelingt, den Streit um den Innenminiſter Tardieu und
ſein Portefeuille zu einer für alle Gruppen befriedigenden
Lö=
ſung zu bringen.
Briand mit der Neubildung des Kabinekts beaufkragk
Außenminiſter Briand iſt vom Präſidenten der Republik mit
der Neubildung des Kabinetts beauftragt worden. Heute abend
18.45 Uhr hatte Briand den Quai d’Orſay verlaſſen und ſich
zum Präſidenten der Republik in den Elyſée=Palaſt begeben. Die
Unterredung dauerte bis 19.25 Uhr. Briand erklärte beim
Ver=
laſſen des Elyſée=Palaſtes, der Präſident der Republik habe ihn
mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Er habe nicht
ge=
glaubt, dieſen Auftrag ablehnen zu dürfen. Er werde verſuchen,
dieſe ihm übertragene Aufgabe, die wahrhaftig nicht leicht ſei,
aufs beſte zu löſen. Briand wird am Sonntag früh die
Be=
ſprechungen mit den für ſein Kabinett in Ausſicht genommenen
Perſönlichkeiten aufnehmen. Er wird Sonntag mittag dem
Prä=
ſidenten der Republik erneut einen Beſuch abſtatten und ihn über
dieſe Beſprechungen unterrichten.
Nokenwechſel mit der Botſchafter-
Bor der Abberafang der milikäriſchen
Sach=
verſtändigen.
* Berlin, 27. Juli. (Priv.=Tel.)
Nach der Auflöſung der Interalliierten Kontrollkommiſſion
ſind von der Entente deren Berliner Botſchaftern ſogenannte
militäriſche Sachverſtändige zugeteilt worden, deren Aufgabe
da=
rin beſtand, durch ihre Anweſenheit in Berlin den Völkern der
Alliierten zu zeigen, daß eine gewiſfe Kontrolle über Deutſchland
noch immer ausgeübt wird. Man hatte dieſen auch einiges
Arbeitsmaterial zurückgelaſſen, das aber praktiſch bedeutungslos
war, weil bei der Erledigung der Reſtpunkte zwiſchen
Deutſch=
land und der Botſchafterkonferenz genaue Vereinbarungen über
die Abwickelungen verſchiedener Angelegenheiten getroffen und
auch beſtimmte Termine feſtgeſetzt waren. Wir denken u. a. an
die Umorganiſierung der Polizei, an die Aenderung von
Aus=
bildungsvorſchriften, die Veräußerung von Liegenſchaften und
Kaſernen uſw. Der Verkauf von Kaſernen z. B. war bis zum
Jahre 1932 terminmäßig begrenzt. Infolgedeſſen waren die
Sachverſtändigen in Berlin eigentlich nur eine Dekoration. Im
Dezember vorigen Jahres iſt nun von der
Botſchafterkon=
ferenz der Reichsregierung eine Note zugeleitet
worden, die im weſentlichen ſich mit dem Stand dieſer
letz=
ten Abwicklungen beſchäftigte und feſtſtellte, wie weit ſie
nach der Anſicht der Botſchafterkonferenz gediehen ſind. Die
Antwort Deutſchlands iſt fertiggeſtellt. Die
Reichsregie=
rung wird ihren Standpunkt entgegenhalten und ihrerſeits
feſt=
ſtellen, was geſchehen iſt und was noch zu tun übrigbleibt, und
wie man die Reſte weiterhin abzuwickeln gedenkt. Die
Zwiſchen=
zeit alſo, das letzte halbe Jahr iſt dazu benutzt worden, um noch
einige Unklarheiten in direkten Verhandlungen mit Paris aus
der Welt zu ſchaffen. Gleichzeitig haben wir darauf gedrückt,
daß auch die militäriſchen Sachverſtändigen
zu=
rückberufen werden ſollen. Nachdem man ſich in Paris einig
geworden iſt, werden wir die oben erwähnte Antwort heute
ab=
ſchicken, worauf dann die Sachverſtändigen zurückgezogen werden
ſollen.
Englands Vorbereikungen für die Haager Konferenz.
UU. London, 27. Juli.
Von amtlicher britiſcher Seite wird bekannt gegeben, daß
die britiſche Vertretung auf der Internationalen Konferenz im
Haag von Außenminiſter Henderſon und Schatzkanzler Snowden
geführt werden wird, die beide von einem großen Stab von
Ve=
amten des Foreign Office und des Schatzamtes begleitet ſein
werden. Auf engliſcher Seite iſt man darauf vorbereitet, trotz
der Verzögerung in den Vorverhandlungen die Arbeiten der
Konferenz am 6. Auguſt zu beginnen, würde aber einen
ent=
ſprechenden Pariſer Wunſch auf Verſchiebung um 10 Tage
an=
geſichts der durch die plötzliche Erkrankung und Demiſſion
Poin=
carés entſtandenen Schwierigkeiten zweifellos berückſichtigen.
Die nüchkerne Konferenz.
Von
Paul Steinfurth, Berlin.
Am letzten Abend der Konferenz von Locarno hatte ich ein
ſeltſames Erlebnis:
Im Sitzungsſaal des Juſtizpalaſtes waren die Delegierten
der Mächte verſammelt, um den Pakt zu paraphieren. Vor den
erleuchteten Fenſtern drängte ſich eine rieſige Menſchenmaſſe,
um von dieſer Stunde ſoviel wie möglich zu erhaſchen. Während
es unter den Palmen der Straße zu dunkeln begann, leuchteten
weit über uns in der Bergen an der ſchönen Kapelle der Madonna
im Felſen in einer Unzahl von Lichtern die rieſigen Buchſtaben
des Wortes Pax auf. Mit einem Mal war die ganze kleine
Stadt von einem Taumel erfaßt. Und als Chamberlain ſeine
beiden Kollegen Briand und Streſemann ans Fenſter ſchob und
über die Fahnen der beteiligten Nationen, die unter der
Fenſter=
front in freundlicher Gemeinſamkeit ihre Farben vereinten, den
ſoeben geſchloſſenen Vertrag hinaushielt gegen die Menge, ſetzte
ein Jubel und ein Bravo= und Hochrufen ein, das kein Ende
nehmen wollte. Inmitten dieſer Begeiſterung faßt plötzlich
jemand heftig meinen Arm: ich ſehe neben mir einen kleinen,
bärtigen Mann in Havelock und Schlapphut. Es mochte ein
ſchweizer Oberlehrer geweſen ſein. Ehe ich zur Beſinnung komme,
drückt er mich an ſich und ſtößt in ehrlicher, faſt naiver
Ergriffen=
heit hervor: „Jetzt beginnt eine neue Epoche, jetzt wird es
Frie=
den werden, und wir können, wie Weiland Goethe, ſagen, daß
wir dabeigeweſen ſind!"
Ich muß oft an dieſes Wort denken, denn es ſchließt die
ganze Stärke und zugleich die ganze Schwäche deſſen in ſich, was
die allgemeine Vorſtellung in dem politiſchen Begriff Locarno
zuſammenfaßt. Faſt jede Generation erlebt Momente, in denen
ſie glaubt — oder glauben möchte — daß die Weltgeſchichte hier
von vorn anfange. Und immer konnte man nachher froh ſein,
wenn die Geſchichte wenigſtens ein neues Unterkapitel
auf=
geſchlagen hatte, das nicht ganz unfruchtbar war. Aber ſo
ſkep=
tiſch man der hiſtoriſchen Entwicklung im allgemeinen und dem
Flimmertheater unſerer Zeit im beſonderen, auch gegenüberſtehen
mag, möchte ich den gläubigen Alten von Locarno doch
vertei=
digen. Als ihm das leuchtende Pax in den Bergen das Goldene
Zeitalter zu verkünden ſchien, war bereits mehr als ein halbes
Jahrzehnt verfloſſen, ſeit der ſogenannte Friede die Erde
frei=
machen ſollte, ſie aber nur in neue Wirren und neues Elend
geſtürzt hatte. Der Einmarſch der Franzoſen in Düſſeldorf und
Duisburg, die Beſetzung des Ruhrgebietes, die Not der deutſchen
Inflation und all die häßlichen und böſen Begleiterſcheinungen
dieſer Ereigniſſe — das war der Inhalt dieſer Jahre geweſen. In
Genua, in Rapallo, in Cannes, und weiß Gott wo in der Welt,
waren Friedenskonferenzen abgehalten worden, aber ſie alle
hatten für unſere Zeit nur die abfällige Meinung erhärtet, die
Treitſchke von derartigen Kongreſſen des vorigen Jahrhunderts
hatte. In Locarno aber war wirklich zum erſten Male eine
Stim=
mung maßgebend, die den Willen zum Frieden auch bei den
ver=
antwoitlichen Staatsmännern erkennen ließ. Niemand, der die
Atmoſphäre dieſer Konferenz miterlebte, wird das beſtreiten
wollen. Waren unter dieſen Umſtänden die Worte des alten
Mannes nicht der Ausdruck einer ſehr allgemeinen, großen, nur
zu verſtändlichen Hoffnung?
Man muß ſogar einräumen, daß ſie mehr waren; denn
prak=
tiſch geſehen iſt Locarno die Grundlage für den Beginn einer ganz
außerordentlichen Aenderung in den Beziehungen zwiſchen
Deutſchland und Frankreich geweſen, die Grundlage für den
Eintritt Deutſchlands in den Völkerbund, die Grundlage für die
Freiheit unſerer zivilen Luftfahrt, deren Organiſation heute von
den Fachleuten aller Länder bewundert wird, die Grundlage für
die Beſeitigung mancher anderen Hemmung deutſcher Entwicklung,
die Grundlage für die Räumung des Ruhrgebietes und auch der
erſten Zone — und ſchließlich auch die
Grundlagederkom=
menden Konferenz.
Das iſt die poſitive Seite von Locarno. Daneben ſtehen die
Schwächen. Wir wiſſen heute, daß die Weltgeſchichte dort nicht
von vorn angefangen hat. Herr Dr. Streſemann ſelbſt, einer der
drei Hauptakteure von Locarno, hat in ſeinem letzten Interview
feſtgeſtellt, daß nicht alle Blütenträume gereift ſind, die damals
dem bezaubernden Himmel des Lago Maggiore
entgegenzu=
wachſen ſchienen. Wenn man gerecht ſein will, muß man
zu=
geben, daß das bis zu einem geſviſſen Grade natürlich war. Denn
es gibt in der Geſchichte keine Entwicklung politiſcher Prinzipien,
die dem nahen, allzunahen Auge als konſequent erſcheinen könnte.
Nie wird es ohne Rückſchläge, nie ohne Hinderniſſe und
Hem=
mungen abgehen. Und wenn es in den letzten Jahren ſogar
manche Situation gegeben hat, in der von dem Wehen des
viel=
zitierten Geiſtes von Locarno herzlich wenig zu ſpüren war, ſo lag
das nicht zuletzt daran, daß man ihn einfach zu Tode gehetzt
hatte durch eine unbillige und unhiſtoriſche Ueberſteigerung der
Erwartungen, der die Enttäuſchungen nur zu ſchnell folgen
mußten.
Es iſt notwendig, ſich das gerade jetzt vor Augen zu halten,
da wir am Vorabend einer Konferenz ſtehen, der zweifellos eine
Bedeutung zukommt, die alle Zuſammenkünfte der europäiſchen
Staatsmänner in der Zwiſchenzeit weit in den Schatten ſtellt.
Seit Locarno ſind vier Jahre vergangen. Die Erfahrungen
die=
ſer Zeit haben uns gelehrt, in politiſchen Dingen nüchterner und
realiſtiſcher zu ſehen und zu denken. Wir wiſſen, daß die
kom=
mende Konferenz nicht nur den Zweck hat, den Vertretern der
Nationen wieder einmal Gelegenheit zu geben, bei vielen ſchönen
und edlen Reden am romantiſchen Biwakfeuer die diplomatiſche
Friedenspfeife zu rauchen. Wir wiſſen, daß auch der Friede
eine durchaus praktiſche und reale Angelegenheit iſt, der man
mehr dient, wenn man mit beiden Füßen auf der Erde bleibt,
ſtatt in den höheren Regionen einer ungreifbaren Phraſeologie
zu ſchweben. Wir wiſſen ſchließlich auch, daß es auf der
kommen=
den Konferenz um recht handfeſte Dinge geht. Räumung und
Reparationen — zwei Begriffe, die von dieſer Erde ſind!
Wenn ſich dieſe Auffaſſung noch nicht überallhin
herumge=
ſprochen haben ſollte, ſo müßte nun doch das Konferenzvorſpiel
Seite 2
Sonntag, den 28. Juli 1929
Nummer 207
auch den ewig Geſtrigen Augen und Ohren geöffnet haben. In
London, in Paris und ſchließlich auch auf Bühlershöhe und in
Berlin ſind die Regiſter zu dieſen Präludien kräftig genug
ge=
zogen, und es iſt eine harte und weltliche Muſik geworden, in
der die Disharmonien häufig mit nüchterner Klarheit
neben=
einanderſtehen. Wir haben vorläufig keinen Grund, uns darüber
zu beklagen, daß die Gegenſätze und Schwierigkeiten von
vorn=
herein ſo unverhüllt und augenfällig in die Erſcheinung treten;
man weiß, daß mit ihnen zu rechnen iſt und iſt vor den
Ent=
täuſchungen geſchützt, die dem Werk von Locarno ſo ſchwer
ge=
ſchadet haben. In dieſer Atmoſphäre iſt für
Ueberſchwenglich=
keiten wenig Raum. Dasiſtder grundſätzliche
Unter=
ſchied zwiſchen Locarno und der kommenden Konferenz. An die
Stelle der Illuſion iſt die organiſatoriſche
Nüch=
ternheit getreten. Darauf haben auch wir uns einzurichten.
Deshalb iſt es notwendig, die Tatſachen zu beachten, daß
gerade in dieſen Tagen der Vorbereitung der Konferenz von
franzöſiſcher Seite ein Gedanke in die Oeffentlichkeit geworfen
worden iſt, der geeignet ſein könnte, der Illuſionspolitik erneut
Nahrung zu geben. Herr Briand hat bekanntgeben laſſen, daß
er ſein, ja nicht mehr ganz nagelneues Projekt der Vereinigten
Staaten von Europa demnächſt ernſtlich in Angriff zu nehmen
beabſichtige, und es iſt dabei durchgeſickert, daß darüber auch
bereits unter den Diplomaten geſprochen worden iſt.
Zweifel=
los eine große und herrliche Idee, die bei vernünftiger und
ſchrittweiſer Entwicklung auch vielzuviel Wirklichkeitskern hat,
als daß man ſie mit einem mitleidigen Lächeln als utopiſch abtun
könnte. Warum ſoll bei gutem Willen und auch nur einem Funken
von Verſtändnis für die Lebensnotwendigkeiten der europäiſchen
Nationen nicht die Möglichkeit gegeben ſein, die Schikanen der
Grenzen abzubauen, die Wirtſchaft der Staaten von der Politik
des Kampfes aller gegen alle auf die breitere und einträglichere
Baſis planmäßiger Zuſammenarbeit zu führen und den
Natio=
nalismus der Völker und Regierungen mit dem allgemeinen
Wohl in größeren Einklang zu bringen? Vor einigen Tagen
hat der frühere franzöſiſche Miniſterpräſident Herriot in einem
ſehr intereſſanten Artikel eindringlich auf die Gefahren einer
Fortſetzung europäiſcher Zerfleiſchungs= und Zerfetzungspolitik
hingewieſen. Wenn unſer alter Kontinent nicht auf die Rufe
der=
jenigen höre, ſagte er, die ihn zur Vernunft bringen wollen,
der=
jenigen, denen unſere Streitereien armſelig erſcheinen, werde
der Tag kommen, an dem uns in ehemals deutſchen, franzöſiſchen
oder italieniſchen Sälen ein Rieſenfilm vorgeführt wird, der
die Reſultate der amerikaniſchen Koloniſation in Europa zeigt.
Zweifellos eine Perſpektive, die zu ernſtem Nachdenken zwingt, die
aber auch bereits einen der Pferdefüße des franzöſiſchen Drängens
zeigt. Für weite franzöſiſche Volkskreiſe hat Amerika das
Ge=
ſicht eines unerbittlichen, hurten und rückſichtsloſen Gläubigers,
um nicht zu ſagen: Erpreſſers, bekommen. Als ein
hervor=
ragender deutſcher Statsmann, der auch in Frankreich einen
gro=
ßen Ruf hat, vor vielleicht einem Jahre in einem berühmten
ſüdfranzöſiſchen Badeort weilte, machte ihm der Bürgermeiſter
ſeine Aufwartung und verſicherte ihn der freundſchaftlichſten
Gefühle der Mehrheit des franzöſiſchen Volkes für Deutſchland.
Nach der Auffaſſung dieſer Mehrheit müßten die beiden
Nach=
barländer, die ihre Tapferkeit in ſo vielen Schlachten
gegen=
einander bewieſen hätten, ſich zuſammenſchließen gegen jenes
„Amerika, für deſſen heutige Proſperität die Söhne beider
Na=
tionen letzten Endes geblutet hätten und das dieſelben Nationen
dafür heute unerhört ausbeute. Dieſe Anſicht iſt ſicherlich
auf=
richtig und ehrlich. Ob ſie ganz richtig iſt, wollen wir
dahin=
geſtellt ſein laſſen.
Das hindert nicht, daß die Briandſche Idee für Frankreich
einen durchaus realen Hintergrund hat. Wir wiſſen noch keine
Einzelheiten. Wir können darum auch nicht beweiſen, daß die
Stabiliſierung des heutigen für Deutſchland tauſendfach
unge=
rechten Zuſtandes eine der Hauptgrundlagen und der
Haupt=
zwecke des Profektes iſt. Man, wird uns deshalb erlauben
müſſen, zunächſt mit freundlicher Skepſis Näheres abzuwarten
und darum zu bitten, die Erörterung inzwiſchen zurückzuſtellen.
Denn es geht nicht an, daß hier mit einem Projekt, das noch
vollkommen in der Luft ſchwebt und das zu einem etwas
ver=
dächtigen Zeitpunkt in die Oeffentlichkeit lanciert wurde, eine
neue, verwirrende Illuſionspolitik eingeleitet wird. Wir müſſen
darauf achten, daß auch auf unſerer Seite der Blick für die
kommende Konferenz ſo klar und ſachlich bleibt, wie es die
ſchritt=
weiſe Organiſation des Friedens verlangt. Näher als ein
vor=
läufig noch ſchemenhaftes Gebilde liegen uns die ernſten Fragen,
über die in einigen Wochen entſchieden werden ſoll, näher als
ein zukünftiges Europa im Briandſchen Sinne, liegt uns das
Rheinland, das Saargebiet und die Laſt, die auf unſere
Schul=
tern gelegt werden ſoll. Um dieſe Dinge geht es jetzt.
zum 75. Geburtstag am 29. Juli 1929.
Von Dr. Gerhardt Gieſe (G.D.S.)
In unſerer wirren und in ſich zerriſſenen Zeit werden auch
bedeutende Perſönlichkeiten unſeres Geiſteslebens oft nur noch
gehört, wenn ſie irgendwie abgeſtempelt ſind oder ſich
hinein=
zwängen laſſen in die Särge unſerer engſtirnigen Parteipolitik;
da iſt es ein Troſt, wenn hier und da doch noch Männer über
alle Schranken der Weltanſchauung und Parteiſtandpunkte
hin=
weg von weiteſten Kreiſen als Führer anerkannt werden und für
ihre Gedanken einen aufnahmebereiten Boden finden. Das gilt
in höchſtem Maße für den Neſtor unſerer Pädagogik, den
frühe=
ren Organiſator des Münchener Volks= und Berufsſchulweſens,
Geh. Rat Prof. Dr. Georg Kerſchenſteiner, den heute 75=
Jährigen. Als ſchönſter Ertrag ſeiner großzügigen
ſchulorgani=
ſatoriſchen Arbeiten und richtungweiſenden pädagogiſchen
Schrif=
ten darf ihn heute das Bewußtſein erfüllen, Gefolgſchaft zu
fin=
den und herzliche Verehrung zu genießen bei allen pädagogiſchen
Richtungen — um eines ſeiner launigen Worte auf der
Reichs=
ſchulkonferenz von 1920 zu gebrauchen —, „von den ganz Alten
mit dem Schulzopf bis zu den allerjüngſten Modernen”.
Bei der heute vielfach üblichen Ueberſchätzung der
theoreti=
ſchen Pädagogik iſt es bemerkenswert, daß der größte unſerer
deutſchen Erzieher der Gegenwart ohne beſondere
pädagogiſch=
theoretiſche Vorbildung, ja ſogar ohne eine Neigung zu dieſem
Gebiet ſeine Laufbahn als junger Gymnaſiallehrer in
Schwein=
furt und München begonnen hat. Neben einer gründlichen
mathe=
matiſch=naturwiſſenſchaftlichen Schulung brachte er eine ſtarke,
tiefinnerliche Liebe zur Jugend mit, die ihn über ſeine bloße
Unterrichtstätigkeit hinaus ſich unermüdlich ſeinen Schülern
wid=
men ließ. In dieſer ſozialen Einſtellung, in dieſem echten
päda=
gogiſchen Trieb hat er auch ſpäter ſtets die „Seele des Erziehers”
geſehen, die eine ungelehrte Peſtalozzinatur in der ärmſten
Dorf=
ſchule ſegensreicher wirken laſſe, als einen wohlpatentierten Dr.
phil. in einer „glänzend ausgerüſteten” Großſtadtſchule!
Den damals 41=Jährigen berief im Jahre 1895 das Vertrauen
ſeiner Vaterſtadt München an die Spitze ihrer Schulverwaltung.
Geleitet von der tiefſten Einſicht in das Weſen wirklicher Bildung
und mit einer glänzenden praktiſchen Geſtaltungskraft, brachte
Kerſchenſteiner als Stadtſchulrat während, ſeiner
jahrzehntelau=
gen Tätigkeit das Münchener Schulweſen auf eine im
Deutſch=
land der Vorkriegszeit muſtergültige Höhe; mit ſeinen
Kinder=
gärten, Volks= und Fortbildungsſchulen, die in einem bis dahin
Vom Tage.
Die deutſche Regierung hat der amerikaniſchen Regierung
mit=
geteilt, daß ſie an den Bemühungen der übrigen Mächte, eine
fried=
liche Beilegung des chineſiſch=rufſiſchen Streitfalles zu erlangen,
rück=
haltlos teilzunehmen bereit ſei.
Der preußiſche Innenminiſter Grzeſinſki iſt aus
Anlaß ſeines 50. Geburtstages am 28. Juli bereits am
Samstag Gegenſtand ſehr zahlreicher
Glückwunſch=
deputationen und Adreſſen geweſen.
Nach den endgültigen Berichten der Landesarbeitsämter hat der
Arbeitsmarkt in der erſten Julihälfte keine
nennenswerte Entlaſtung mehr erfahren.
Im Ouai dOrſayiſt eine Note der Vereinigten
Staa=
ten über die Zolltarife und über die Kontrolle der
franzöſiſchen Exportfirmen eingegangen.
Der chineſiſche Geſandte in Waſhington teilte dem
Staatsdeparte=
ment im Auftrage ſeiner Regierung mit, daß China und
Ruß=
lanb übereingekommen feien, die Verhandlungen
über die Regelung der Streitigkeiten in Berlin
ſtattfinden zulaſſen.
Der neue amerikaniſche Botſchafter für Paris.
Aus Waſhington kommt die Meldung, daß Präſident Hoover
zum Nachfolger des verſtorbenen Botſchafte:s Herrick auf dem
Pariſer Poſten den republikaniſchen Senator von New Jerſey,
Edge, ernannt hat, der Hoovers beſonderes Vertrauen genießt.
Seine Laufbahn bietet viel Aehnlichkeit mit der Myron Herricks.
Beide ſtammen aus ärmlichen Verhältniſſen und mußten ſich
frühzeitig auf ihre eigene Kraft verlaſſen. Senator Edge wurde
am 20. 11. 1873 in Philadelphia geboren. Kurz danach zogen
ſeine Eltern nach Pleaſantville, einem Städtchen in New Jerſey,
etwa zehn Kilometer von Atlantic City entfernt. Der künftige
Senator beſuchte dort die Volksſchule. Die Notwendigkeit, ſein
Brot ſelbſt zu verdienen, geſtattete ihm nicht, in das Gymnaſium
zu gehen. Er begann dann in der „Atlantic Review”, der großen
Tageszeitung von Atlantic City, als Setzerlehrling. Später trat
Walter Evans Edge.
er in die „Dobland Advertiſing Agency” ein. Sein ſcharfer Blick
für die Belange dieſer Art Tätigkeit regte ihn zur Gründung
einer Auskunftei an, die ihre Informationsnetze bald über die
Vereinigten Staaten und Europa erſtreckte. Später wurde er
Journaliſt, Beſitzer der „Atlantic City Daily Preß” und der
„Atlantic City Evening Union” Tageszeitungen, die ſtets ihren
Nang unter den anderen Blättern behaupteten. Aber der
Jour=
naliſt intereſſierte ſich immer mehr für das öffentliche und
finan=
zielle Leben ſeines Landes und trat in die politiſche Laufbahn
über. Im Laufe dieſer Zeit diente er während des
ſpaniſch=
amerikaniſchen Krieges als Leutnant in einem Infanterie=
Regi=
ment und erhielt ſpäter den Grad eines Oberſten der
National=
garde. Im Jahre 1904 wurde er als Präſidentenwähler im
poli=
tiſchen Leben der Vereinigten Staaten bekannt, bis er 1917
Gou=
verneur und 1919 Senator für den Staat New Jerſey wurde.
Edge übernahm oft die Führung längerer Auseinanderſetzungen
im Nationalkongreß, wo er ſich beſonders beim Kampf für den
Nicaragua=Kanal auszeichnete. Seine unbeſtreitbaren
Fähig=
keiten machten ihn zu einem der blendendſten konſervativen
Füh=
rer. Edge dürfte ſeinen Poſten erſt nach Beendigung der
außer=
ordentlichen Kongreßtagung antreten.
Das Einladungsverfahren. — Teilnahme der
Ameri=
kaner an der Konferenz.
Nachdem die belgiſche Regierung ihre Zuſtimmung gegeben
hat, daß der Haag als Konferenzort gewählt werde, iſt nur noch
die Frage des Konferenzbeginns offen. Nach einer
Reutermel=
dung ſoll der Beginn der Verhandlungen endgültig auf den
5. Anguſt feſtgeſetzt worden ſein, während ſich die „Times” aus
Paris melden läßt, daß als wahrſcheinlichſtes Datum der 16.
Auguſt angeſehen würde.
* Ueber den Konferenzort iſt man ſich alſo nach endloſem,
ermüdendem Streit endlich doch noch einig geworden. Dagegen
ſiehr es jetzt plötzlich ſo aus, als ob nun wieder das Datum in
Frage geſtellt werden ſoll. Verſchiedene Hinderniſſe, die
ſich dem Konferenzbeginnam 5. Auguſtinden Weg
zu ſtellen ſcheinen, tauchen bereits auf. Da iſt zunächſt
das Einladungsverfahren, über das man ſich noch
nicht ſchlüſſig geworden iſt, und das unter Umſtänden wieder zu
einem Zankapfel werden kann. Nach der einen Verſion ſoll es
Aufgabe der niederländiſchen Regierung ſein, die formelle
Ein=
ladung hinauszuſchicken, nach der anderen aber ſoll es den
Bot=
ſchaftern in Paris vorbehalten bleiben, ſich kurz und bündig
dar=
über ſchlüſſig zu werden, daß man am 5. Auguſt an die
Repara=
tionsmaterie herangehen will. Aber kein Menſch weiß, ob die
eine oder andere Regierung nicht plötzlich wieder mit
Quertrei=
bereien kommt und irgendein Verfahren zur Anwendung
ge=
bracht wiſſen will, das dann zum Gegenſtand von zeitraubenden
Botſchaftergeſdrächen oder einem Notenaustauſch gemacht wird.
Ein anderes Hemmnis kann die Einladung eines
ameri=
kaniſchen Beobachters werden. In der „Times” wird
bereits offen ausgeſprochen, daß vor Mitte Auguſt an einen
Zu=
ſammentritt der Reparationskonferenz nicht zu denken ſei, weil
man noch ſolange warten müſſe, bis der Amerikaner im Haag
eingetroffen iſt. Wir meinen, daß die Vereinigten Staaten
ge=
troſt einen ihrer diplomatiſchen Vertreter in Europa, am beſten
vielleicht ihren Geſandten im Haag, beauftragen könnten, an der
Reparationskonferenz teilzunehmen. Schließlich noch eine
Ver=
zögerungsmöglichkeit: Poincaré iſt zurückgetreten, und mit ihm
das Kabinett. Man muß alſo in Paris wieder eine aktionsfähige
Regierung bilden, was vielleicht nicht ganz einfach iſt.
Verlan=
gen die Franzoſen, daß auf ſie Rückſicht genommen wird, und
daß man nicht eher anfängt zu verhandeln, bis das neue
Kabi=
nett auf feſten Füßen ſteht, dann kann es zu einer
Terminver=
ſchiebung kommen. Deutſchland hat bisher angenommen, daß an
dem 5. Auguſt nicht gerüttelt wird. Es würde es außerordentlich
unangenehm empfinden, wenn ſich nun um den Termin ein neuer
Streit erheben oder, Schwierigkeiten auftauchen würden, die zu
einer Verzögerung und Verſchiebung des Konferenzbeginns
füh=
ren müßten.
Unklare Haltung Henderſons. — Skeuern die
Eng=
länder eine andere Berkeilung des
Reparakions=
ſchlüſſels an?
Inzwiſchen iſt im engliſchen Unterhaus durch die Regierung
eine neue Erklärung vom Stapel gelaſſen worden, die ſich auf die
Reparationskonferenz bezieht. Es handelt ſich um die
Feſtſtel=
lungen des Schatzkanzlers Snowden, von denen man nicht weiß,
ob ſie die wahren Anſichten des Londoner Kabinetts
wider=
ſpiegeln, oder oo ſie nur beſtimmt ſind, eine der Regierung
Mac=
donald unangenehme Kritik zu dämpfen und ihr den Boden zu
entziehen. Will England tatſächlich im Haag auf eine andere
Verteilung des Reparationsſchlüſſels
hinarbei=
ten, dann kann das zu recht ernſten Situationen führen, weil es
im Youngplan ausdrücklich heißt, daß er nur als Ganzes
ange=
nommen werden kann. Herr Poincaré, der von jetzt ab nicht
mehr mit der Verantwortung belaſtet iſt, deſſen Anſichten aber
nach wie vor von maßgebender Bedeutung bleiben werden, kann
ſehr leicht ſeine neue Poſition benutzen, um in die Konferenz
hin=
einzufunken, beſonders dann, wenn das engliſche Verhalten ihm
dazu einen äußeren Anlaß geben ſollte. Vorläufig iſt es aber
noch verfrüht, mit irgendwelchen Mutmaßungen über einen guten
oder ſchlechten Verlauf der Konferenz zu kommen. Man muß
abwarten, was die nächſten Wochen bringen, und ob vor allem
die Engländer die Verantwortung übernehmen wollen, durch
Nichtakzeptierung des Verteilungsſchlüſſels die Annahme des
Youngplan für die anderen Gläubiger unmöglich zu machen.
unbekannten Maße ausgeſtattet wurden, mit Schulküchen und
Gärten, Laboratorien für Chemie und Phyſik, Räumen für den
Werkunterricht und Lehrwerkſtätten, mit einem Lehrplan, der
endlich einmal Ernſt machte mit der Selbſttätigkeit der Kinder in
allen praktiſchen Fächern und die einſeitige Buchſchule überwand;
war hier die „Schule der Zukunft” in einem Grade Wirklichkeit
geworden, wie es uns heute noch als Sehnſuchtsziel vorſchwebt.
Beheimrat Prof. Dr. Kerſchenſteiner=München.
In ſeiner Tätigkeit als Lehrer und vor allem als Leiter
eines großen ſtädtiſchen Schulweſens hatten ſich in Kerſchenſteiner
Gedanken entwickelt, die eine allgemeinere Bedeutung
beanſpruch=
ten und den praktiſchen Schulmann zum führenden und die
ganze pädagogiſche Erneuerungsbewegung aufs ſtärkſte
beſtim=
menden pädagogiſchen Schriftſteller machten. Dabei
verarbeitete er außer ſeiner eigenen reichen Erfahrung auch ſeine
eingehende Kenntnis des engliſchen und amerikaniſchen
Schul=
weſens, auf deren Vorzüge für eine wirkliche
Charaktererzieh=
uing er aufmerkſam machte, als an die heute üblichen
pädagogi=
ſchen Studienreiſen nach England und Amerika in dem auf ſeine
Schulen ſo ſtolzen Vorkriegsdeutſchland noch kein Menſch dachte.
Seine Stellung als theoretiſcher Pädagoge hat
Kerſchenſtei=
ner wohl begründet mit der von der „Kgl. Akademie der gemein=
nützigen Wiſſenſchaften zu Erfurt” 1901 gekrönten Preisſchrift
über die „Staatsbürgerliche Erziehung der deutſchen Jugend”
die heute in 8. Auflage vorliegt. In ſeinen ſpäteren Arbeiten
„Begriff der ſtaatsbürgerlichen Erziehung” (1929 in 6. Aufl. bei
Teubner), „Die Seele des Erziehers und das Problem der
Lehrerbildung” (ebenda, 1921), „Der Begriff der Arbeitsſchule‟,
(ebenda, 1928 in 7. Aufl.), um die bekannteſten zu nennen, und
vor allem in ſeinem umfangreichen und gehaltvollen
philoſo=
phiſch=pädagogiſchen Werk über die „Theorie der Bildung”
(ebenda, 1926) hat Kerſchenſteiner ſeine Pädagogik weiter
entwickelt.
Alle Erziehung iſt für Kerſchenſteiner ſittliche,
ſtaatsbürger=
liche und berufliche Bildung in einem unlöslichen
Zuſammen=
hang. Staatsbürger bilden, heißt aber nicht, den einzelnen
abrichten für den Staat, wie er iſt, und ihm beſtimmte einſeitige
Staatsauffaſſungen einimpfen, ſondern einen Menſchen erziehen,
der in ſeinem Beruf an der ſtändigen Weiterbildung des Stotes
als eines ſittlichen Gemeinweſens verantwortlich mitarbeitet.
Durch dieſe im echten Goetheſchen Sinne beſchränkte
Be=
rufsbildung überwindet Kerſchenſteiner die „
Narren=
poſſen” unſerer früheren Allgemeinbildung, die dem Phantom
des Allwiſſens hoffnungslos nachjagte. Nicht auf das Kennen,
ſondern auf das Können kommt es im Leben an. Deshalb darf
die „Schule der Zukunft” nicht bloße Buch= und Lernſchule ſein,
ſondern ſie ſoll auch als „Arbeitsſchule” die im Kinde
lie=
genden ſelbſttätigen Kräfte nützen und ihm eine Stätte froher
Schaffensfreude und kameradſchaftlicher Zuſammenarbeit werden.
Die Arbeitsgemeinſchaft in der Schulküche, im Laboratorium und
in der Lehrwerkſtatt kann ſo die beſte Vorſchule für den
künf=
tigen Staatsbürger werden, dem der „Sinn des Lebens nicht
Herrſchen, ſondern Dienen” iſt.
In der Hochflut und dem Richtungstaumel des heutigen
pädagogiſchen Schrifttums ſind manche Gedanken Kerſchenſteiners
bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Staatsbürgerliche Erziehung
wird parteipolitiſch gefärbt, und der Begriff der Arbeitsſchule
flackert wie ein Irrlicht in dem Phraſennebel der pädagogiſchen
Propheten. Mit der deutlichen Feſtſtellung: „Arbeitsſchule heißt
nicht wachſen laſſen, wie es eben wächſt, ſondern den Willen
be=
dingungslos dem Geſetz der Sache unterwerfen” hat
Kerſchen=
ſteiner ſein Werk gegen gewiſſe Erziehungsbolſchewiſten und
Scharlatane verteidigt. Manche ſich kühn „Verſuche” nennenden
Spielereien der Gegenwart und das die graue Wirklichkeit roſig
verhüllende Gewölk des pädagogiſchen Geſchwätzes kann nicht
darüber hinwegtäuſchen, daß Kerſchenſteiners „Schule der
Zu=
kunft” noch nicht Gegenwart iſt, ſie iſt eine Aufgabe, an deren
Erfüllung zu arbeiten der ſchönſte Dank bedeutet, den wir Gg.
Kerſchenſteiner an ſeinem Lebensabend erweiſen können.
Nummet 207
Sonntag, den 28. Zuli 1929
Geite 3
DieBerfgfſangsfeiet vei Dermer Amderſnat
Das ſchwerſte Berfafſungsproblem
des Deutſchen Reiches.
Die Welt, die uns umgibt. — Die Rheinlandräumung
darf nicht durch neue deutſche Zugeſkändniſſe
etkauft werden.
Berlin, 27. Juli.
Zur Begehung des Gedenktages aus Anlaß des zehnjährigen
Beſtehens der Weimarer Verfaſſung veranſtaltete die Friedrich=
Wilhelm=Univerſität in Berlin heute eine Feier, an der u. a.
auch der preußiſche Kultusminiſter Dr. Becker teilnahm. Die
Feſtrede hielt Geheimer Hofrat Prof. Dr. Hermann Oncken, der
u. a. ausführte:
Als die Reichsverfaſſung vor 10 Jahren in der ſchwerſten
Stunde unſerer nationalen Geſchichte ins Leben trat, da mochte
ſie vielen nur als Notdach erſcheinen, unter dem man dem
Zer=
ſtörungswillen unſerer Feinde und den tobenden Orkan des
Zu=
ſanimenbruches begegne. Zunächſt nur der äußere Rahmen und
der innere Rechtsgrund unſeres erſchütterten Staatslebens,
wurde ſie mehr und mehr zum ſchirmenden Wall unſerer ganzen
Exiſtenz nach innen und außen. Es iſt die hiſtoriſche Miſſion der
Männer von Weimar geweſen, auf der einen Seite den Stoß des
Bolſchewismus aufzufangen, deſſen Gefahren unberechenbar
er=
ſchienen, auf der anderen Seite aber dem Stoß ins Herz der
deutſchen Einheit zu begegnen, den unſere Feinde im Weſten
da=
mals planten. Daß beides gelang, war ein Ereignis nicht nur
von nationaler, ſondern von europäiſcher Tragweite.
Eine neue Staatsform,
die gewaltſam die geſchichtliche Tradition wie die rechtliche
Kon=
tinuität einer Volksgeſchichte durchbricht, wird immer einer
dop=
delten Sanktion bedürfen: einer förmlichen Legalität, die ſie durch
die allgemeine Anerkennung ihres Daſeins in der erſten Generation
erwirbt, und einer im hehren Sinne geſchichtlichen Legitimation,
die nur allmählich im Ablauf der Generationen erworben werden
kann. Die Legalität der deutſchen Reichsverfaſſung wird auch
von der überwiegenden Mehrzahl derer, die ihr noch mit innerer
Abneigung gegenüberſtehen, durch ihr tatſächliches Verhalten
zu=
geſtanden, und wer ſie verändern möchte, will ſie nicht anders
als auf verfaſſungsmäßigem Wege verändern. Dagegen iſt der
zweite Prozeß, die Legitimation der Verfaſſung in einem höheren
geſchichtlichen Sinne, noch nicht abgeſchloſſen. In unſerem Volke
meſſen die einen die geltende Reichsverfaſſung an dem Maßſtabe
der Vergangenheit, ihrer Größe und ihrer unveräußerlichen
Werte. Das iſt menſchlich begreiflich. Die andern meſſen ſie vor
allem an dem Maßſtab der Gegenwartsaufgaben, die ſie zu
er=
füllen hat, und der Zukunftsziele, die ihr geſetzt ſind; das iſt das
politiſche Gebot der Stunde.
Wer den erſten Maßſtab ausſucht, empfindet unſagbar ſchmerzlich
die Tiefe des Bruches. Denn das Reich von 1871 war im
Ab=
lauf unſerer Geſchichte die große Erfüllung, nicht nur die ſeit
Jahrhunderten ſtärkſte Machtverkörperung nach außen, ſondern
auch im Innern ein autonomer Schauplatz lebensvollen und
reichen Fortſchritts, wie wir ihn niemals beſeſſen hatten. Einſt
im Jahre 1848, als wir zum erſten Male um die Schöpfung eines
Nationalſtaates rangen, erſchienen dem damaligen Geſchlechte die
Kaiſerkrone und das Parlament nebeneinander als die beiden
ſich ergänzenden Symbole der neuen Einheit. Heute iſt in einer
Tragödie, die viele von uns nie überwinden, das eine Symbol
zerbrochen, und das andere Symbol, das noch unſeren
Groß=
vätern als das Ideal ſchlechthin erſchien, allein als Klammer
der Einheit übrig geblieben.
Jede Verfaſſung eines Staates bedarf, um wahrhaft
leben=
dig zu ſein, vor allem eines geſicherten äußeren
Lebens=
raumes,
in dem ſie Luft und Licht hat und ſich jedes Eingriffes von außen
in ihrem autonomen Bereich erwehren kann. Von hier aus
ge=
ſehen, hat die Reichsverfaſſung von 1919 in dem Jahrzehnt ihres
Beſtehens, um die primitivſten Vorausſetzungen in ihrer Geltung
kämpfen müſſen. Wir kennen heute die Unbedingtheit der
feind=
lichen Abſichten zu gut, als daß wir glauben könnten, irgendeine
andere Verfaſſungsform alter oder neuer Prüfung hätten mit
mehr Ausſicht auf Erfolg widerſtehen können. Das ſchwerſte der
Verfaſſungsprobleme des Deutſchen Reiches liegt auch heute
noch draußen: liegt in der Welt, die uns umgibt. Für alle Zei= tung in neues Geſetz und eine neue Faſſung zu geben. Im Oktober 1924
ten iſt es dem deutſchen Empfinden in dieſen Jahren eingehäm= Statut, nach denen 5 Jahre gearbeitet worden iſt.
mert worden, an welcher Stelle die gefährlichſten Einbrüche in
die politiſche Selbſtbeſtimmung zu befürchten ſind. Die fremden
Beſatzungsarmeen am Rhein, deren Abzug heute nicht um einen
einzigen Tag mehr hinausgeſchoben werden ſollte, ſind ja nur
das äußerlich demütigendſte Symbol der fremden
Gewaltherr=
ſchaft und unſere eigenen Unſouveränität geweſen. Von Anfang
Prof. Dr. Hermann Oncken,
Dozent für neue Geſchichte an der Univerſität Berlin, der bei der
heutigen Verfaſſungsfeier der Berliner Hochſchulen die Feſtrede
hielt.
des deutſchen Verfaſſungsrechtes verkörperten die Interalliierte
Rheinlandkommiſſion und die Saarregierungskommiſſion die
eigentlichen Eingriffe in das Recht unſerer Selbſtbeſtimmung.
Darum erſcheint die heutige Verfaſſungsfeier als
die gegebene Stunde, feierlichſt zu erklären, daß die
bevor=
ſtehende Räumung rheiniſchen Bodens und das zu
erwar=
tende Ausſcheiden der Rheinlandkommiſſion nicht etwa
durch Zulaſſung neuer Kontrollinſtanzen erkauft werden
darf,
auch wenn ſie unter dem unſcheinbaren Namen einer
Feſtſtel=
lungs= und Verſöhnungskommiſſion auftreten. Denn was hier
feſtzuſtellen wäre, iſt durch internationale Verträge und
Völker=
bundsorgane längſt mehr als genug geſichert, und zum
Verſöh=
nen ließe ſich kein ungeeigneteres Mittel erſinnen. Es handelt
ſich in dieſen Forderungen um nichts geringeres, als eine
unbe=
grenzte völkerrechtliche Hypothek auf unſer Reich, auf dem
älte=
ſten Teil unſeres Reichsgebäudes und unſeres nationalen
Kultur=
bodens. Es gibt für eine deutſche Verfaſſungsfeier keine
ſelbſt=
verſtändlichere Forderung als dieſe eine, daß für alle Deutſchen,
ohne Einſchränkung, der Vollgenuß des gleichen
Verfaſſungsrech=
tes gewährleiſtet ſein muß, damit die deutſchen Fahnen — wie
klein erſcheint in dieſem Zuſammenhang der Streit um die
Far=
ben des Flaggentuches — vor allem wieder über einem freien
und unteilbaren deutſchen Lande wehen. Wir wiſſen, daß
es vor allem darauf ankommt, welcher Geiſt die äußeren
Formen und Ordnungen erfüllt, und wir haben in ſchwerſten
Zeiten erfahren, daß jene höchſten Güter immer wieder von
neuem erworben werden müſſen; erworben durch die
Geſamt=
heit aller ſittlichen und geiſtigen Kräfte der Nation. Dieſe Kräfte,
ſoweit es an uns liegt, in dem deutſchen Vaterlande zu wecken,
iſt die Tradition unſerer akademiſchen Körperſchaften. Sie mit
ganzer Hingebung und Treue in den Dienſt des Staates und
ſei=
ner Verfaſſung zu ſtellen, iſt das Gelöbnis dieſer Stunde.
Die Veranſtaltung ging mit dem Abſingen des
Deutſchland=
liedes zu Ende.
Die Reichsbahn und der Young=Plan.
Die augenblickliche finanzielle Lage der Reichsbahn.
Von der Deutſchen Reichsbahn=Geſellſchaft, Reichsbahndirektion
Mainz, wird uns geſchrieben:
Der Young=Plan hat auch die Reichsbahnfragen wieder in
Er=
örterung geſtellt; handel: es ſich doch darum, der
Reichsbahnverwal=
eutſtand in Auswirkung des Dawes=Planes das Reichsbahngeſetz und
Nach dem Young=Plan verſchwindet der fremde franzöſiſche
Eiſen=
bahnkonzſſar und damit die unmittelbare ausländiſche Kontrolle, die
durch dieſen Komniſſar geſetzlich ausgeübt werden konnte. Es
ver=
ſchvinden weiter der Engländer, Belgier, Franzoſe und Italiener, die
im Verwaltungsrat der Reichsbahn ſaßen, und es gibt auch nicht mehr
einen belgiſchen Treuhänder für die Eiſenbahnobligationen, der bisher
die Hälfte der Verwaltungsratsmitglieder ernennen durfte. 3
auslän=
diſche Kontrollinſtanzen kommen alſo in Wegfall — fürwahr ein
ehren=
des Vertrauen in die bishe=ie Geſchiftsführung der Reichsbahn —,
und damit erhält die Reichsbahn auch nach außen hin wieder einen
rein deutſchen Anſtrich. Während der 5 Jahre unter dem Dawes=Geſetz
iſt es allerdings nicht dahin gekommen, daß die Neichsbahn burch
aus=
landiſche Einfluſſe regiert wurde. Der Generaldirektor der Deutſchen
Reichsbahn=Geſellſchaft, Dr. Dorpmüller, und alle Beamte der
Reichs=
bahn ſind Deutſthe und der Verwaltungsrat hatte ja eine 34 deutiche
Majorität. Es muß auch lohalerweiſe zugegeben werden, daß während
der ganzen Zeit niemals die in die Reichsbahn hineingeſetzten
Aus=
länder, ſei es der Eiſenbahmkonmiſſar oder die ausländiſchen
Mit=
glieder des Verwaltungsrats, die Intereſſen ihrer Länder vor die
In=
tereſſen des Unternehmens Reichsbahn geſtellt haben. Man muß
un=
uunulinden anerkennen, daß all ihr Raten auf das Gedeihen der
Reichs=
bahn ging, das ja letzten Endes auch den Zielen ihrer Negierung
zu=
gute kam.
Eine ſeitere Aenderung durh den Young=Plan beſteht darin, daß
die Aeparationszahlungen als ſolche (die bisher 660
Millio=
nen RM. jährlich betrugen) verſchwinden, d. h. der Schuldſchein beim
Treuhänder wegfällt. Dafür tritt ein neuer Schuldſchein, der von der
Reichsbahn bei der neuen Bank für den internationalen
Zahlungs=
ausgleich zu hinterlegen iſt. Nach wie vor ſind 660 Millionen Mark
jährlich jetzt über die R=:hsbank als beſondere Stener an die
inter=
nationale Bank abzuführen. Hies tritt ſeider keine Zahlungsentlaſtung
ein. Wie ſteht es nun mit der Befürderungsſteuer, die ja vom Reich
im Jahre 1917 den deutſchen Eiſenbahnen auferlegt worden iſt und
die durch den Daues=Plan als Reprrationszahlung in Höhe von 230
Millionen RM. jährlich verpfändet wurde?. Das Reich kann, dieſe
Steuer uötigenfalls nal eigenem Frmeſſen mitbenutzen als Zahlungen
für die neuen Jahresannuitäten. Das Reich iſt ganz jrei in der
Be=
meſſung der Höhe dieſer Beförderungsſteuer, und hat es ganz in der
Hand, ob es auch weiterhin von Fahrkarten und Frachtpreiſen die
Be=
fürderungsſtener in derſelben Höhe wie bisher erheben will. Hier
liegt alſo fur die Neichsregierung eine Möglichkeit, die Reichsbahn von
ihrer Belaſtung zu entlaſten. Na=ungemäß wird das von der
finan=
ziellen Lage des Reiches abhängig ſein.
Nach dem Young=Plan ſoll das Unternehmen Deutſche Reichsbahn=
Geſellichaft nach wie dor ſelbſtändig bleiben in ſeiner
Wirtſchaftsfüh=
rung, und zwar erſtreckt ſich dieſe Selbſtändigkeit auf die allgemeine
Wirtſchaft, auf die Finanzwirſchaft und auf das Perſonal. Das iſt
keine Aenderung an dem bisherigen Zuſtande, der ſich, wie man wohl
zugeben muß, im Laufe der 5 Jahre unter dem Reſchsbahngeſetz dahin
ausgewirkt hat, daß die Reichsbahn wieder ein finanziell durchaus
geſundes Unternehmen geivorden iſt, und daß ſie ſich techniſch ſo
entwickelt hat, daß das Ausland heute wieder mit Reid auf die
Reuhs=
bahn blickt.
Was der Reihsbahn für die Zukunft nottut, iſt aus einer
Betrach=
tung der augenblicklichen finanziellen Lage erſichtlich. Zuletzt hat die
Reichsbahn im Februnr 1928 Kavital von außen erhalten, und zwar
auf dem durch das Reichsbahngeſetz vorgeſchriebenen Wege durch,
Her=
gabe von 7prozentigen Vorzugsaktien. Es ſind nun 1½ Jahre her,
obune daß die Reichsbahn die Möglichkeit beſaß, neues Geld
hereinzu=
bekommen. Die Gründe dafür ſind bekannt, ſie liegen zum großen
Teil auf reparationspolitiſchem Gebiet. Die Folge war, daß während
dieſer Zeit die Vetriebsrechnung, da die
Vermögens=
rechnung keine Entlaſtung erfuhr, ſehr ſtark augeſpannt wverden
muſſte. Es beſteht wohl bei de= Reichsbahn Einſicht darin, daß
Aus=
geben, die auf Kapitalrechnung zu nehmen ſind, niemals aus den
Bo=
triebseinnahmen beſtritten werden dürfen, und doch mußte von Zeit zu
Zeit die Reichsbahn von dieſem Grundſatz im Intereſſe einer geſicherten
Betriebsführung abweichen, um die notwendigen Erneuerungen
vorzu=
nehmen. Die Betriebsausgaben ſind während der letzten
Jahre außerordentlich ſtank vermehri worden dadurch, daß immer
wie=
der Lohnerhöhungen durh Schiedsſprüche des
Reichsarbeitsmini=
ſteriums nötig wurden.. Auch die neue Beamtenbeſoldung har zu einer
ſehr ſtarken Vermehrung de Perſonalausgaben geführt. Die
Perſonal=
ausgaben wulſſen von 264 Mill. RM. im Kalenderjahr 1925 auf
2445 Mill. RM. im Geſchäftsjahr 1928 an, und werden im
Geſchäfts=
jahr 1929 vorausſichtlich auf rund 9490 Mill. RM. anſteigen.
Dieſes alles brachte 23 mit ſich, daß am Ende des Jahres 1928 eine
Tariferhöhung nötig wurde, die von den Sachverſtändigen des
Reichs=
bahngerichts in einer Höhe von 250 Mill. RM. anerkannt wurde.
Im Grunde war man ſich darüber klar, daß für die Reichsbahn eine
Mehreinnahme von jährlich 500 Mill. RM. erforderlich wäre, um auf
eine geſunde finanzielle Baſis zu gelangen. Mit dieſer Tariferhöhung
ging die Reichsbahn in das Jahr 1929. Die ungünſtigen erſten drei
Betriebsmonate, die von einer ſeit Jahrzehnten nicht dageweſenen
Kältewelle beeinfrußt wurden, brachten nicht die veranſchlagten Ein=
* Der erſte Lehrſtuhl für
Verbrecher=
wiſſenſchaft.
(Eine Neueinrichtung an der Berliner Univerſität. —
Kriminal=
anthropologie und Kriminalpſychologie. — Die Bedeutung dieſes
Lehrſtuhles für das Recht.)
Auf Anregung der juriſtiſchen Fakultät iſt an der
Univerſi=
tät Berlin der erſte Lehrſtuhl für Verbrecherwiſſenſchaft errichtet
worden, d. h. für Erforſchung aller derjenigen Fragen, die in
anthropologiſcher, pſychologiſcher und ſozialer Hinſicht für die
Entſtehung der Verbrechen Bedeutung haben. Dieſen neuartigen
Lehrauftrag hat der bekannte Nervenarzt Profeſſor. Dr. Karl
Birnbaum erhalten, der ſich beſonders mit der Pſychopathologie
des Verbrechens befaßt hat und in praktiſchen und theoretiſchen
Forſchungen aller Art dieſem bedeutſamen Problem
näherzu=
kommen verſucht hat. Damit iſt ein wichtiger Schritt auf dem
Wege zur Findung des Rechts getan worden, denn es bricht
ſich immer mehr die Anſchauung Bahn, daß in vielen Fällen
nur ein Zuſammenwirken von Richter und Nervenarzt die
wah=
ren Hintergründe des Verbrechens aufzudecken imſtande ſein
kann. Schon jetzt ſpielt der mediziniſche Sachverſtändige beim
Prozeß eine erhebliche Rolle, und auch das Geſetz kennt
Straf=
milderungs= und Strafausſchließungsgründe, die ſich aus der
ſee=
liſchen und geiſtigen Verfaſſung des Verbrechers ergeben. Die
Bedeutung des neuen Lehrſtuhls beſteht aber in erſter Linie
da=
rin, die wiſſenſchaftlichen Grundlagen der modernen
Kriminal=
pſychopathologie zu erweitern und zu vertiefen, denn auch die
Wiſſenſchaft befindet ſich erſt in den Anfangsgründen dieſer
For=
ſchung. Die Abgründe der Verbrecherſeele ſind noch in großes
Dunkel gehüllt. Das Ziel beſteht darin, die körperlich=ſeeliſche
Beſchaffenheit eines Menſchen kennenzulernen, der zu
Verbre=
chen neigt und die Entwicklung dieſer Eigenſchaften aus
Ver=
erbung, Krankheiten uſw. zu erkennen. Die Lehre von der
Kriminalanthropologie, d. h. von der körperlichen und geiſtigen
Eigenart der Verbrecher, iſt ſchon uralt. Wir ſinden ihre
An=
faugsgründe bereits bei den alten griechiſchen Philoſophen. Bis
zur modernen Zeit ſtützte ſie ſich auf unkontrollierbare
Anſchau=
ungen, und erſt die moderne Anthropologie, insbeſondere die
Schädellehre, ermöglichte exalte wiſſenſchaftliche Forſchungen.
Sie fanden ihren Niederſchlag in der Schule des italieniſchen
Nerbenarztes Lombroſo, der auf Grund von Meſſungen der
Schädelbildungen und Gehirnentwicklung zu der Aufſtellung
eines ſogenannten Verbrechertypus kam. Nach Lombroſos
An=
ſchauung hat der Verbrecher ſchon rein äußerlich in Figur=
Ge=
ſichts= und Schädelbildung beſonders ausgeprägte Merkmale,
die leicht zu erkennen ſind. Dieſe Lehre war viele Jahre hindurch
ſehr erfolgreich, bis ſie allmählich von hervorragenden
Wiſſen=
ſchaftlern widerlegt und jetzt völlig aufgegeben iſt. Erſt in
jüng=
ſter Zeit hat das verbreitete Wort: „Sieht ſo ein Verbrecher
aus?” aufs neue bewieſen, daß jemand ein ſchwerer Verbrecher
ſein und wie ein harmloſer anſtändiger Menſch ausſehen kann.
Trotzdem aber ſind die Forſchungen Lombroſos nicht ohne
Be=
deutung für die Entwicklung der modernen Kriminalpſychologie
Prof. Dr. Carl Birnbaum.
geweſen, denn Lombroſo war der erſte, der auf die vererbte
Entartung des Verbrechers und auf den Einfluß der ſozialen
Verhältniſſe hinwies. Die Erfahrung hat gelehrt, daß ein
gro=
ßer Teil der Verbrecher ſich aus Pſychopathen zuſammenſetzt,
deren Erforſchung ſehr wichtiges Material für die wiſſenſchaftliche
Beurteilung des Verbrechens lieferte. Es iſt zu erwarten, daß
mit der Errichtung eines Lehrſtuhles für Kriminalpſychologie,
durch den ein Mittelpunkt für dieſes große Wiſſensgebiet
ge=
ſchaffen wird, auch der Entwicklung der Rechtswiſſenſchaft
ge=
dient wird, da es für die Nichter oft von Bedeutung ſein wird,
die einzelnen ihrer Beurteilung unterliegenden Fälle aus
der ſeeliſch=körperlichen Beſchaffenheit der Verbrecher erklären
zu können. Dadurch wird das Recht auf die höchſte Warte
ge=
hoben, denn es wird nicht mehr das Verbrechen unabhängig von
ſeinen Urſachen abgeurteilt, ſondern der Verbrecher.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Heidelberg: Geheimrat Prof. Dr. Jakob Wille, der langjährige
Direktor der Univerſitäts=Bibliothek, iſt im Alter von 76 Jahren
ge=
ſtorben.
Tübingen: Dem Amtsrichter Dr. jur. Karl Schmid iſt die
Lehr=
berechtigung für Völkerrecht und internationales Privatrecht an der
rechts= und wirtſchaftswiſſenſchaftlichen Fakultät der Univerſität erteilt
worden.
Berlin: Prof. Dr. med. Robert Rößler in Baſel hat den an ihn
ergangenen Ruf auf den Lehrſtuhl der Pathologie an der hieſigen
Uni=
verſität als Nachfolger von Prof. O. Lubarſch zum 1. Oktober d. J.
angenommen. — Dem a. o. Profeſſor an der Berliner Philoſophiſchen
Fakultät Dr. Alfred Kloſe iſt ein Lehrauftrag zur Vertretung der
theoretiſchen Aſtronomie erteilt worden.
Leipzig: Die Privatdozenten in der Mediziniſchen Fakultät Dr.
med. Siegfried Roſenbaum und Dr. med. Rudolf Schoen, ſind
zu nichtplanmäßigen a. o. Profeſſoren in dieſer Fakultät ernannt
wor=
den. — Der Privatdozent in der mediziniſchen Fakultät Dr. med.
Hein=
rich Küſtner, iſt zum nichtplanmäßigen a. o. Profeſſor in dieſer
Fakultät ernannt worden. — Der a o. Profeſſor der engliſchen
Philo=
logie und Direktor des Engliſchen Seminars und Proſeminars an der
deutſchen Univerſität in Prag, Dr. phil. Leo von Hibler, hat einen
Nuf auf das neugegründete Ordinariat für Wirtſchaftsſprache und
Wirtſchaftskunde des britiſch=amerikaniſchen Sprachgebietes an der
hieſigen Handels=Hochſchule erhalten und zum kommenden
Winter=
ſemeſter angenommen.
Königeberg: Der durch das Ableben des Profeſſors W. Völtz
er=
ledigte Lehrſtuhl der Tierzuchtlehre iſt dem ordentlichen Profeſſor Dr.
Jonas Schmidt in Göttingen angeboten worden.
* Das Adreßbuch des alfen Pompeii.
g. Rom. Wieder werden einige Familien befriedigt
auf=
atmen, wenn ſie aus dem nunmehr vollendeten altpompejaniſchen
Adreßbuch feſtſtellen, daß ihr Geſchlecht noch um einige tauſend
Jahre weiter zurückgeht, als ſie urſprünglich angenommen
hat=
ten. Der italieniſche Altertumsforſcher, Profeſſor Matteo della
Gorte, der die Ausgrabung auf dem Trümmerfelde Pompejis
leitet, hat jetzt den 15. Band ſeines Adreßbuches fertiggeſtellt.
Zu dieſem eigenartigen Werk, bediente ſich der Forſcher der
Mauerinſchriften, die nach Freilegung der Stadtmauern leicht
entziffert werden konnten. Dieſe Mauerinſchriften ſind deshalb
ſo zahlreich vorhanden, weil unmittelbar vor dem kataſtrophalen
Ausbruch des Veſuvs Wahlen ſtattfanden, die wahrſcheinlich mit
großem Aufwand an Propaganda vor ſich gingen. Alle Parteien
haben die Namen ihrer Kandidaten in die Mauern eingekratzt,
was Profeſſor Gorte bei ſeinen Forſchungen ſehr zugute kam.
Für faſt 600 Einwohner hat er ein genaues Perſonenregiſter
an=
gelegt und oſt nicht nur den Namen, ſondern auch Stand und
Wohnung mit angegeben.
Seſe 4
Sonntag, den 28. Juli 1929
Nummer 202
nahmen. Der Froſt ließ das geſamte Wirtſchaftsleben esſtarren, und
das wirkte ſich, wie ja zur Genüge bekannt iſt, unmittelbar
verhängnis=
voll auf den Verkehr aus. Das zweite Quartal des Jahres 1920 brachte
darin eine kleine Beſſerung. Doch glichen die Einnahmen des zweiten
Vierteljahres die Verluſte aus dem erſten Quartal nicht aus. So hatte
die Reichsbahn am 1. Juli d. J. eine Mindereinnahme gegenüber dem
Voranſchlag von 10,6 Mill. RM.
Dazu belaſtet noch der im Mai 1929 gefällte
Schieds=
ſpruch im Lohnſtreit mit der Reichsbahn=
Arbei=
terſchaft die Ausgabewirtſchaft mit einem Betrag von etwa
55 Mill. RM. jährlich. Bei dieſer Situation blieb der Reichsbahn
nichts anderes übrig, um im finanziellen Gleichgewicht zu bleiben, als
der Antrag auf Tariferhöhung, um alle dieſe Ausfälle decken zu können,
als den Antrag zu ſrellen, durch vermehrte Tarifeinnahmen die
entſtan=
denen Mehrausgaben zu decken. Im Tarifantrag wurde ausdrücklih
darauf hingewieſen, daß jede andere Regelung ſeitens der
Neichsregie=
rung, die Reichsbahn finanziell zu entlaſten, erwünſchter ſei. Mitte
September, wenn auch die Youma=Plan=Frage klarer iſt, ſoll die
endgül=
tige Eutſcheidung fallen.
Man könnte auf den Gedanken kommen, die künftig infolge
Er=
reichung der geſetzlichen Grenze (500 Mill. GM.) nicht mehr
notwen=
digen Zahlungen für die Ausgleichsrücklage, — wie ſie im
Reichsbahn=
geſetz vorgeſehen iſt zur Sicherung der Zinszahlungen der
Eiſenbohn=
obligationen —, zur Deckung der geſtiegenen Perſonalausgaben zu
ver=
wenden. Wer ſo denkt, begchtet nicht, wie ſtark die Betriebsrechnung
zugunſten der Vermögensrechnung, wie oben bereits ausgeführt, in den
letzten zwei Jahren in Anſpruch genommen werden mußte, und daß
eben die Sachausgaben bis an die Grenze des Zuläiſſgen gedroſſelt
wur=
den. Wenn endlich dieſe Summe frei werden ſollte — jährlich etwa
100 Mill. RM. —, ſo komrmt ſie nur dafür in Frage, die Droſſelung
der Betriebsausgaben zu entſpannen und die betriebsnotwendigen
ſäch=
lichen Ausgaben zu erhöhen. Dementſprechend rechnete die
Reichsbahn=
verwaltung bereits für den 1. Januar 1880 mit dieſem Betrage, um
damit die ſächlichen Ausgabem in der notwendigen Form zur Erhaltung
der Erneuerung der Anlagen durchführen zu können.
Ueberblickt man dieſe Lage, ſo kann nicht genug im Intereſſe der
deutſchen Wirtſchaft und einer geſunden Reichsbahnwirtſchaft der
Ge=
danke verfolgt werden: der Reichsbahn finanziell zu helfen, um
ihr die Möglichkeit zu geben, ihre Betriebsausgaben zu leiſten,
den Kapitalmarkt der Reichsbahn zu erſchließen, damit ſie den ihr
obliegenden Aufgaben im Bau und in der Beſchaffung gerecht werden
kann.
Neue Sparmaßnahmen der Reichsbahn.
Berlin, 26. Juli.
Die Reichsbahn hat ſich wegen des hohen Standes der
per=
ſönlichen Ausgaben veranlaßt geſehen, ſich mit der Frage weiterer
Nationaliſierung auf dem Perſonalgebiet zu beſchäftigen, und
zwar hat man für dieſe Rationaliſierung vor allem die
Neben=
bahnſtationen mit geringem Verkehr auserſehen, auf denen
viel=
fach mehrere Arbeitskräfte vorhanden ſind, deren Arbeit ſich ohne
weiteres von einer Perſon verrichten läßt. Infolgedeſſen hat man
in den Reichsbahndirektionen Königsberg, Stettin und auf den
Nebenbahnen Verſuche mit einem vereinfachten Betrieb gemacht,
hat von den kleinen Zwiſchenſtationen die örtlichen
Fahrdienſt=
leiter zurückgezogen und deren Geſchäfte den Zugführern der
Ner uerthrelden Auge Berfrger. Die Deregsrſcheneit und
vom nächſten größeren Bahnhof, der ſogenannten Zugleitſtation,
aus kontrolliert, von der aus auch den ſich telephoniſch von den
Zwiſchenſtationen meldenden Zugführern die Abfahrtzeiten
er=
teilt werden. Für den Verkauf von Fahrkarten, für die Gepäck=
und Frachtdienſtabfertigung können Arbeitskräfte nach Belieben,
eventuell auch Angehörige freier Berufe und gegebenenfalls deren
Hausangehörige verwandt werden, wie dies die Reichsbahn
be=
reits in großem Umfange tut. Bei den bisherigen Verſuchen hat
ſich ergeben, daß die Betriebsſicherheit bei dieſem vereinfachten
Nebenbahnbetrieb durchaus voll gewährleiſtet werden kann. Die
durch dieſe Maßnahmen erzielten Erſparniſſe ſollen nach den
bisherigen Berichten recht erheblich ſein. Das freiwerdende
Eiſen=
bahnperſonal ſoll nicht entlaſſen, ſondern an anderen Stellen
ver=
wandt werden, wo durch natürlichen Abgang Lücken entſtehen.
Reform der Arbeitsloſenverſicherung.
Berlin, 27. Juli.
Die Sachverſtändigenkommiſſion zur Begutachtung von Fragen
der Arbeitsloſenverſicherung, die im Reichsarbeitsminiſterium ſeit
dem 2. Juli tagt, erörterte in ihrem 4. Tagungsabſchnitt die
finan=
ziellen Fragen in ihrer Geſamtbeit und beendete heute nach einer
zweiten Leſung ihre Arbeiten. Die Kommiſſion einigte ſich dahin,
daß die Saiſonarbeiter auch weiterhin die Verſicherung zu
be=
treuen habe. Die Frage ob eine Sonderregelung für die
Saiſon=
arbeiter eintreten oder eine Geſamtregelung gefunden werden ſoll,
bei der das Saiſonriſiko entſprechend berückſichtigt iſt, wurde von
der Mehrheit dahin entſchieden, daß beiden Geſichtspunkten
Rech=
nung getragen werden ſoll. Die Höhe der
Arbeitsloſenunter=
ſtützung ſoll in Zukunft allgemein zu der Dauer der
vorausgegan=
genen Beſchäftigung in Beziehung gebracht werden. Daneben
ſollen die Saiſonarbeiter nur die Unterſtützungsſätze der
Kriſen=
fürſorge erhalten, und zwar nach einer Wartezeit von 2 Wochen.
Von den anderen Verhandlungsergebniſſen iſt hervorzuheben,
daß der Begriff der Arbeitsloſigkeit im Geſetz beſtimmt und damit
mit einer Reihe von Unzuträglichkeiten aufgeräumt werden ſoll.
Weiter ſchlägt die Kommiſſion in ihrer Mehrheit vor, die
Warte=
zeit für alleinſtehende Arbeitsloſe allgemein auf zwei Wochen zu
verlängern, für Arbeitsloſe mit großer Familie die Wartezeit auf
drei Tage abzukürzen. Ferner ſind eine große Reihe von
Be=
ſchlüſſen gefaßt worden, durch die die Verwaltung und das
Ver=
fahren vereinfacht werden ſollen.
Soweit die bisher erwähnten Maßnahmen in ihrer
finan=
ziellen Auswirkung überſehen werden können, kann die Erſparnis
auf rund 160 Millionen Reichsmark im Jahre geſchätzt werden.
Das würde aber nach Auffaſſung der Kommiſſion nicht genügen,
um auf die Dauer die Einnahmen und Ausgaben der
Reichs=
anſtalt in Einklang zu bringen. Die Kommiſſion ſchlug deshalb,
da Reichszuſchüſſe nicht in Frage kommen, eine befriſtete
Bei=
tragserhöhung um ½ Prozent vor. Endlich ſoll die
Reichsregie=
rung erſucht werden, die Darlehen, die bisher der Reichsanſtalt
gegeben wurden, bis zum 1. April 1935 zu ſtunden.
Das Reichsarbeitsminiſterium wird nunmehr nach
Fühlung=
nahme mit den Landesregierungen eine Geſetzesvorlage
vorberei=
ten, die nach dem Beſchluß des Reichstages in der erſten Hälfte
des Auguſt dem Reichsrat und dem Reichstag zugehen wird.
Zur Reſorm des Schlichtungsweſens.
Vom Deutſchen Induſtrieſchutzverband wird uns geſchrieben:
Die Verbindlichkeitserklärung des zweiten Schiedsſpruches für
die ſchleſiſche Textilinduſtrie durch den Reichsarbeitsminiſter trotz
der geradezu troſtloſen Wirtſchaftslage dieſer Induſtrie zeigt
er=
neut, wie dringend unſer Schlichtungsweſen einer grundlegenden
Reform bedarf. Die ſeit Jahren betriebene Lohnpolitik, durch die
bei Ablauf jedes Tarifvertrages die Löhne ohne Rückſicht auf die
Lage der Wirtſchaft erhöht werden, iſt auf die Dauer unhaltbar,
denn ſie führt zu einer derartigen Verteuerung der deutſchen
Pro=
duktion, daß dieſer die Abſatzmöglichkeiten immer mehr verloren
gehen, die Arbeitsloſigkeit infolgedeſſen immer ſchlimmeren
Um=
fang annimmt, ſo daß als Ende dieſer Entwicklung der
Zu=
ſammenbruch unſerer Wirtſchaft ſich mit Sicherheit vorausſehen
läßt. Durch die Ueberhöhung unſerer Produktionskoſten verlieren
wir aber nicht nur die Konkurrenzfähigkeit im Ausland, ſondern
würden auch der Erhaltung wenigſtens des Inlandsabſatzes
we=
gen auch zu einer ausgeſprochen protektioniſtiſchen Zollpolitik
ge=
zwungen, ſo daß damit ſchließlich unſere ganze Wirtſchaftspolitik
in Abhängigkeit von den Entſcheidungen des
Reichsarbeitsmini=
ſteriums gerät. Eine derartige protektioniſtiſche Wirtſchaftspolitik,
wie ſie Amerika dank ſeiner Rohſtoffbaſis, ſeiner rieſigen Inlands=
Abſatzmöglichkeiten und ſeines Kapitalreichtums ſich erlaubt, kann
ſich das auf Auslandsabſatz (denn wovon ſollen ſonſt die
Repara=
tionslaſten gedeckt werden?) und Rohſtoff= wie
Nahrungsmittel=
bezug aus dem Auslande angewieſene Deutſchland nicht leiſten,
nicht, ohne ſich auch damit einfach dem wirtſchaftlichen
Zuſammen=
bruch auszuſetzen.
Die Neugeſtaltung des deutſchen Schlichtungsweſens wird für
die zukünftige Entwicklung der deutſchen Wirtſchaft von ausſchlag=
gebender Bedeutung ſein. Die Grundlage der Refo
ſchaffen ſein, daß damit die Vorausſetzungen zu einer ehrlichen
Gemeinſchaftsarbeit zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ge=
ſchaffen werden. Der innere Sinn des Schlichtungsweſens iſt, wie
im § 3 der Schlichtungsverordnung feſtgelegt iſt, zum Abſchluß
von Geſamtvereinbarungen „Hilfe zu leiſten”, nicht aber, wie es
gegenwärtig faſt ausnahmslos gehandhabt wird, die Parteien
zum Abſchluß von Geſamtvereinbarungen zu zwingen. Der
Zwang, die Verbindlichkeitserklärung, ſchaltet gerade in den
wich=
tigſten Fällen das einzige Druckmittel für die Einigung, das
Kampfriſiko der Parteien, aus und nimmt damit den Paxteien
jede Verantwortung ab. Würde dagegen nicht hinter jeder Tarif=
und Lohnverhandlung die Möglichkeit der
Verbindlichkeitserklä=
rung ſtehen, ſo werden die Parteien weit eher bereit ſein, auf
wirtſchaftlicher Grundlage ſelbſt eine Verſtändigung zu ſuchen.
Die einzige, der wirtſchaftlichen Vernunft voll Rechnung tragende
Löſung wäre die gänzliche Beſeitigung des Schlichtungsweſens,
wovon ſich aber trotz allem die ausſchlaggebenden Stellen
offen=
bar noch immer nicht zu überzeugen vermocht haben, oder durch
Parteigebundenheit daran gehindert werden, der beſſeren
Ueber=
zeugung entſprechend zu handeln.
Bei der Neuordnung des Schlichtungsweſens iſt daher
min=
deſtens zu fordern, daß das Eingreifen des Staates auf die Fälle
beſchränkt bleibt, in denen wirklich dringende Staatsintereſſen als
Rechtfertigung dafür geltend gemacht werden können. Dabei dürfte
es aber nicht den beim Schlichtungsverfahren tätig werdenden
Inſtanzen überlaſſen ſein, darüber zu beſtimmen, was als „
wirk=
lich dringende Staatsintereſſen” anzuſehen ſein ſoll, ſondern das
Geſetz ſelbſt müßte darüber ganz eindeutig Beſtimmungen treffen.
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Nummer 207.
Sonntag, den 28. Juli 1929
Seite 8
Aus der Landeshaaptftadt.
Darmſtadt, 28 Juli.
Ehrung der Gefallenen.
Heſſiſches Dragoner=Denkmal.
Am Sonntag, den 28. Juli, 9,15 Uhr abends, wird die Feuerſchale
des Denkmals der beiden ehem. Großherzöglich Heſſiſchen Dragoner=
Regimenter Nr. 23 und 24 zum ehrenden Andenken an den Gefechtstag
von Gielbany und die tapferen Dragoner, die dort auf ruſſiſchem Boden
ihr Leben für uns hingaben, entzündet
In ſtillem Gedenken ſei hier wieder gedacht der Zeit vor 14 Jahren,
als große Taten durch mutiges Einſetzen des Lebens im Geiſte treuer
Pflichterfüllung von einzelnen vollbracht wurden, Taten, die heute
ſcheinbar nutzlos uns dünken, die aber nicht vergeſſen werden dürfen,
denn ſie führen uns wieder vor Augen, wie damals einzelne alle
mit=
riſſen, ſich zu opfern — nicht nutzlos — denn deutſcher Boden blieb
bewahrt vor unſagbarem Elend des Krieges — nicht nutzlos — weil
wir daraus lernen können — wenn wir lernen wollen — daß noch
immer in der Geſchichte ein Volk groß dadaſtand, wenn alle, von
gleichem Geiſt beſeelt, ſich einſetzen für Einen und
Einer für Alle.
Ernannt wurde am 23. Juli: der Baupraktikant Wilhelm Röhrig
aus Darmſtadt zum Oberbauſekretär bei der Brandverſicherungskammer,
mit Wirkung vom 1. Auguſt 1929 an.
Aus dem Staatsdienſt entlaffen wurde: am 18. Juli 1929: der
Ver=
waltungsinſpektor Wilhelm Schäfer in Gießen auf ſein Nachſuchen,
m.t Wirkung vom 1. Auguſt 1929 an.
L.U. Von der Landesuniverſität Gießen. Dem Hilfsaſſiſtenten bei
dem Juriſtiſchen Seminar unſerer Landesuniverſität Dr. Erich
Sachers wurde die venia legendi für das Fach des römiſchen Rechts,
der antiken Rechtsgeſchichte und des vergleichenden bürgerlichen Rechts
erteilt.
— Preisgekrönter Entwurf. Bei dem Wettbewerb für einen
Schul=
hausneubau für Krefeld, enthaltend 28 Klaſſenzimmer, Turnſaal,
Feſt=
ſaal, Bäder, Direktorwohnung uſw., erhielt Architekt Pinand=
Darmſtadt den zweiten Preis.
— Höchſte Auszeichnung. Herr J. Oßwald, Schuhmaßgeſchäft
hier, Nieder=Ramſtädterſtraße 71, I. erhielt auf der Deutſchen
Schuh=
macher=Fachausſtellung in Eſſen die Goldene Medaille.
* Beamtenjubiläum. Der Lokomotivführer der Deutſchen
Reichs=
bahn, Albert Braun, in Kranichſtein, Kreisſtraße, begeht am
1. Auguſt d. J. ſein 25jähriges Beamtenjubiläum.
— Geſchäftsjubiläum. Am 1. Auguſt begeht Frau Marie Geil
Witwe da 40jährige Geſchäftsjubiläum. Das früher unter dem Namen
Griiner Baum” bekannte Reſtaurant wurde am 1. Auguſt 1889 von
den Eheleuten Philipp Geil übernommen und ging mit dem Ableben
des Ehemanns im Jahre 1906 auf die jetzige Inhaberin über. In der
Nachkriegszeit wurde es als Weinlokal — Mascotte — umgebaut und
befindet ſich noch heute unter der Führung der bereits im 70.
Lebens=
jahre ſtehenden Beſitzerin. Obwohl der Krieg und ſeine Folgen nicht
ohne Spur an ihr vorübergegangen ſind, iſt das geſundheitliche
Be=
finden ohne Mangel und die in der Geſchäftsführung aufzubringende
Energie noch ungebrochen.
— Ihren 70. Gebartstag begeht am 30. Juli im Kreiſe ihrer
An=
gehörigen, Kinder, Enkelkind und Urenkelkind Frau Emma Stützel
hier, Beſſungerſtraße 109.
Hallo! Wer da? Der Fernſprecher dient dem Verkehr; er
erfor=
dert daher von denen, die ſich ſeiner bedienen, Eile und vor allem in
Frage und Antwort größte Kürze. Dieſer Forderung entſprechen auch
im Vermittelungsdienſt die Meldungen der Beamtinnen, die zwar kurz,
aber klar und eindeutig gefaßt ſind. Leider läßt ein gewiſſer Teil der
Teilnehmer oft dieſe Grundforderung eines ſchnellen und ſicheren
Be=
triebes außer acht. Ein häufig vorkommender, den Betrieb
erſchweren=
den Fall ſei hier beſonders erwähnt: A. ruft B. an. Der Angerufene
meldet ſich falſch mit: „Hallo! Wer da?‟ A. fragt daher: „Iſt dort
Schilling, Berliner Straße?” vder: „Iſt dort Norden 2346?‟ Darauf
kommt die Frage wieder zurück: Wer iſt da?” So geht es noch eine Weile
hin und her, bis A. ſchließlich erfährt, daß er mit Norden 2347, alſo falſch
verbunden iſt. — Koſtbare Arbeitszeit und ein unnötiger Aufwand an
Nervenkraft ſind nutzlos vergeudet, nur weil der angerufene Teilnehmer
ſich nicht ſofort richtig gemeldet hat. Warum beantwortete er den
Anruf nicht mit „Hier Schilling” oder, wenn er ſeinen Namen nicht
nennen wollte, Hier Norden 2347” Mit einem „Falſch verbunden”
wäre die Sache ſchnell erledigt geweſen. Der Angerufene hat mit
ſei=
nem unſachgemäßen „Hallo! Wer da?” nicht nur den Teilnehmer A.
geſchädigt, ſondern in der Zeit des Hin= und Hers iſt vielleicht auch ihm
ein Geſchäft entgangen, weil ſein Anſchluß in dieſer Zeit u. U.
wieder=
holt beſetzt gefunden wurde. Alſo nochmals, bitte nicht: „Hallo? Wer
da?” ſondern „Hier Schilling” oder „Hier Norden 23 47‟
— Opuntien. Man ſchreibt uns: Den wenigſten Garten= und
Kakteenliebhabern dürfte es bekannt ſein, daß wir außer den feinen
Sorten der Kakteen, die nur im Zimmer oder Gewächshaus zu
kulti=
vieren ſind, über ein prachtvolles Sortiment winterharter
Freiland=
kakteen verfügen, deren Anpflanzung in lockerem, etwas ſteinigen Boden
an ſonnigen Stellen zu empfehlen iſt. „Ich hatte vor kurzem
Gelegen=
heit, bei einem Beſuch der bekannten Staudenzüchterei Kayſer u. Seibert
in Roßdorf, dieſe Kakteen (Opuntien), zu bewundern und muß
ge=
ſtehen, daß ich angenehm überraſcht war. Trotz des ſtrengen Winters
iſt faſt nichts eingegangen und einzelne Exemplare haben Blüten ſchon
angeſetzt, bzw. gebracht. Wenn auch nicht die von den feineren Sorten
her gekannte Verſchiedenheit zu verzeichnen iſt, gibt es dem
Kakteen=
freund doch Spaß, auch im freien Garten oder auf dem Balkon ſeine
Lieblinge zu kultivieren. Die genannten Sorten verlangen faſt noch
lveniger Pflege wie Zimmerkakteen. Wie ſchon eingangs geſagt, iſt
jedoch leichter, mit Steinen oder etwas Kies durchſetzter Boden, alſo
trockener Grund Bedingung. Eine leichte Decke mit Tannenreiſig
ge=
nügt für den Winter. Der Anfchaffungspreis iſt im Hinblick auf die
vielfältige Verwendungsweiſe äußerſt niedrig zu nennen.
— Die Wiener Deutſchmeiſter=Kapelle, unter Leitung von Edi
Kugler, hat für die hieſ gen Gaſtſpielkonzerte ein außerordentlich
hörenswertes, wieneriſches Programm vorgeſehen. Wiener Walzer,
Wiener Lieder, Wiener Operetten, Wiener Märſche und Wiener
Pot=
pourris. Der überall einſetzende herzliche ſtarke Beifall erzwingt ſich
immer wieder neue Zugaben, ſo daß jedes Konzert nahezu doppelt ſo
viele Konzertſtücke bringt, als im Programm verzeichnet ſind. Es
wird, ein echter Wiener=Prater=Abend voll Laune, Stimmung und
Humor. — Die Konzerte beginnen jeweils um 8 Uhr im Garten des
Städt. Saalbaues am Mitttvoch, den 31. Juli, und Donnerstag, den
1 Auguſt 1929. Karten bei Konzert=Arnold, Eliſabethenſtraße 28
(Telephon 2560), und an der Abendkaſſe.
Vorder= und Rückſeite
der Münze.
Anläßlich des 10. Jahrestages
der Verfaſſung von Weimar am
11. Auguſt läßt die
Reichsregie=
rung Dreimarkſtücke prägen, die
auf der Vorderſeite den Kopf
des Reichspräſidenten, auf der
Rückſeite eine Schwurhand mit
der Umſchrift „Treu der
Ver=
faſſung” zeigen.
Neuer Reichsbahnkarif für Sammelguf.
Ausflugsfahrten mit Poſtkraftwagen.
WB. Mit Gültigkeit vom Tage der Veröffentlichung im „Tarif=
und Verkehrsanzeiger für den Güter= und Tierverkehr” wird von der
Reichsbahn widerruflich ein zunächſt auf ein Jahr befriſteter K=Tarif
für Sammelgut herausgegeben werden, deſſen Einführung der
Reichs=
eiſenbahnrat in ſeiner letzten Sitzung befürwortet hat. Der Tarif, der
von und nach allen Bahnhöfen der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft
und im Verkehr mit den ihm etwa beitretenden Privatbahnen auf
Ent=
fernungen von 100 bis 400 Kilometer anwendbar iſt und die
Fracht=
ſätze der Klaſſe C, C 10, C 5 gewährt, ſoll der weiteren Abwanderung
hochwertiger Güter auf den Kraftwagen ſteuern und die bisherigen
K=Tarife ergänzen. Als Sammelgut dürfen Ladungen aufgegeben
wer=
den, die aus Teilſendnngen zuſanmengeſetzt ſind, die von mindeſtens
fünf Verkehrtreibenden dem Abſender zur einheitlichen Beförderung
übergeben worden ſind und vom Empfänger an mindeſtens fünf
End=
empfänger verteilt werden ſollen. Anſpruch auf den neuen
Ausnahme=
tarif haben alle Verfra=ter, die ſich vertraglich verpflichten, mindeſtens
40 To monatlich Sammelgur in derſelben Verkehrsverbindung und
Verkehrsrichtung aufzugeben.
Meine Preise sagen alles!
Während des Saison-Ausverkaufes
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Schulstr. 6 Wilh. Conrad
Spezialgeschäft für Herren- und Damenstoffe
Wiedereröffnung der Stadtbücherei. Nach Beendigung der
Re=
viſionsarbeiten nimmt die Stadtbücherei ab Montag, 5. Auguſt,
in vollem Umfange ihren öffentlichen Dienſt wieder auf. Die Ausleihe
iſt — und zwar unentgeltlich — für jedermann zugänglich: Montags
und Donnerstag von 11—12.30 Uhr und von 17—20 Uhr; Dienstags
und Freitags durchgehend von 11—18 Uhr. Mittwochs und Samstags
von 11—12.30 Uhr. Die Zeitungs= und Zeitſchriftenleſeräume (mit
über 200 führenden Zeitungen und Zeitſchriften) ſind unentgeltlich
je=
den Tag von 10—21 Uhr ununterbrochen geöffnet.
Heſſen weiter frei von Maul= und Klauenſeuche. Dank der ſtreng
durchgeführten veterinär= und ſeuchenpolizeilichen Vorſichtsmaßregeln iſt
der Volksſtaat Heſſen gemäß der amtlichen Nachweiſung bis zum 15. Juli
völlig frei von Maul= und Klauenſeuche geblieben.
Kh
—Roße
Re
9183a)
fördern
Ihr Wohlbefinden.
Liſteratur C 133 kostenlos!
„Ehgeaffa; Schuhges. m. b. H.
Darmstadt, Rheinstr. 6 neben dem U. I.
Frankfurt/MMain, Steinweg 8
— Wochenmarkt zu Darmſtadt. Kleinhandels=
Tages=
preiſe per Pfund bzw. Stück in Pfennig. 1. Gemüſe:
Erd=
kohlraben 5—7, Gelbe Rüben 5—7, Rote Rüben 8—10, Spinat 30—35,
Römiſchkohl 15—20, Rotkraut 35—40, Weißkraut 20—25, Wirſing 25
bis 30, Stangenbohnen 30—35, Buſchbohnen 20—25, Wachsbohnen 20
bis 25, Erbſen 30, Zwiebeln 15, Knoblauch 80, Tomaten 30—50
Endivien=
ſalat 12 — 15, Kopfſalat 12 — 15, Salatgurken 30 — 50,
Einmach=
gurken 2—4, Blumenkohl 40—130, Rettich 20—30, Meerettich 120.
Radies=
chen 7—10. — 2. Kartoffeln: Frühkartoffeln 7—8, Spätkartoffeln
5—7. — 3. Obſt: Pfirſiche 60—70, Aprikoſen 50—60, Kirſchen 40—45,
Johannisbeeren 25—28, Stachelbeeren 20—35, Heidelbeeren 40—45,
Tafeläpfel 25—40, Wirtſchaftsäpfel 20—25, Falläpfel 15, Tafelbirnen
25—35, Wirtſchaftsbirnen 15—20, Pflaumen 50, Trauben 60, Zitronen
10—20, Bananen 50—60. — 4. Eßwaren: Süßrahmbutter 210—220,
Landbutter 190—210 Weichkäſe 35, Handkäſe 5—15, Eier, friſche 14—15.
— 6. Wild und Geflügel: Hühner 140—180, Tauben 80—90. —
7. Fleiſch= und Wurſtwaren: Rindfleiſch, friſch 90—110,
Kalb=
fleiſch 120, Schweinefleiſch 110—126, Dörrfleiſch 160, Wurſt 70—160,
Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 110.
Für die nächſten 14 Tage ſind folgende Ausflugsfahrten der
Deut=
ſchen Reichspoſt vorgeſehen:
Am Mittwoch, den 31. Juli, eine Nachmittagsfahrt nach dem
hin=
teren Odenwald über König, Vielbrunn, Eulbach, Erbach, Michelſtadt,
Spreng, Vierſtöck, durch das Gerſprenztal und den Rohrbacher Wald
nach Darmſtadt zurück. Köſtliche Schönheiten eindrucksvoller
Landſchafts=
bilder werden uns da erſchloſſen.
Am Sonntag, den 4. Auguſt, die reizvolle Fahrt nach Wimpfen, die
auf der Hinfahrt die Bergſtraße und den Neckar entlang führt, dann
Sinsheim berührt und auf der Heimfahrt den Weg über Neckar=Elz,
Eberbach, Beerfelden, Michelſtadt, Spreng nach Darmſtadt nimmt. Die
Fahrt, die bei der letzten Ausführung den Beifall ſämtlicher Teilnehmer
gefunden hat, verſpricht diesmal noch größeren Genuß, weil Gelegenheit
geboten iſt, gegen eine geringe Vergütung das Salzbergwerk in
Kochen=
dorf zu beſichtigen.
Am Mittwoch, den 7. Auguſt folgt die Nachmittagsfahrt durch das
liebliche Tal der Modau nach dem immer gern beſuchten Lindenfels,
weiter über Weſchnitz, Waldmichelbach, Gorxheimer Tal, Weinheim,
die Bergſtraße entlang nach Darmſtadt zurück.
Am Sonntag, den 11. Auguſt, eine Tagesfahrt nach dem
locken=
den Ausflugsgebiet des Taunus über Kronberg. Königſtein, durch das
Weiltal nach Weilburg, das Tal der Lahn nach Limburg, über den
Goldenen Grund nach Idſtein, dann weiter über Wiesbaden, Mainz
zurück nach Darmſtadt.
Wie immer, ſind die Fahrten ſorgfältig zuſammengeſtellt; die
Wagenführung liegt in ſicheren Händen. Wir können die Teilnahme ſehr
empfehlen. Näheres geht aus der Anzeige hervor.,
— Alt=Darmſtadt, Vereinigung für Ortsgeſchichte und Seimatkunde.
Nächſte Veranſtaltung Donnerstag, abends 8.30 Uhr, im Eintrachtſaal.
Zuſammenkunft zu einem zwangloſen Familienabend nach Alt=
Darmſtädter Weiſe. Nur für Mitglieder und deren Angehörige und
Alt=Darmſtadtfreunde.
— Die Ziehungsliſte der Wohlfahrts=Lotterie vom Reichsbund der
Kriegsbeſchädigten und =Hinterbliebenen liegt auf dem Gaubüro,
Neckar=
ſtraße 3, zur Einſichtnahwe offen.
Lokale Veranſtallungen.
— Deutſchorden. Montag, den 29. Juk:, Kapitelrat in
Trautenau.
— Das am Sonntag, den 21. Juli, ſtattgefundene Garten=
Konzert in der Befſunger Turphalle war, ſo überaus
ſtark beſucht, und hat, wie der Beifall bewieſen, ſolchen Anklang
gefun=
den, daß ſich der Wirt, Herr Rau, entſchloſſen hat, dasſelbe am nächſten
Sonntag, den 28. Juli, nochmals zu wiederholen. Herr
Obermuſik=
meiſter a. D. Rühlemann (Verein ehm. Militärmuſiker) ſorgt für
ver=
gnügte Stunden. (Siehe Inſerat.)
— Heute Sonntag abend findet im Hotel Prinz Heinrich
Konzert mit Tanz ſtatt. Der Beſuch wird beſtens empfohlen.
Herrngarten=Kaffee. Heute nachm. 4 Uhr findet ein
Künſtler=Konzert bei freiem Eintritt im Herrngarten=Kaffee ſtatt. Abends
8 Uhr: Großes Konzert unter Leitung des Kapellmeiſters W. Schlupp
bei kleinen Eintrittspreiſen.
Orangeriehaus. Heute abend 8 Uhr findet wieder ein
Künſtlerkonzert, ausgeführt von einem Enſemble des Stadt=Orcheſters
bei freiem Eintritt ſtatt. (Siehe Anzeige.)
— Promenaden=Konzert im Herrngarten (Pergola).
Sonntag, den 28. Juli, 11—12 Uhr, konzertiert das Stadtorcheſter unter
Leitung ſeines Kapellmeiſters W. Schlupp im Herrngarten (Pergola)
nach folgendem Programm: Graf von Spee, Marſch von Kramer;
Ouvertüre zur Oper Roſamunde von Schubert: Am Wörther See,
Walzer von Koſchat; Toreador und Andalouſe von Rubinſtein;
Fan=
taſie aus der Oper Carmen; Einig und ſtark, Marſch von Friedmann.
Briefkaſten.
Ider Anfrege it dir ſetzte Bezugögulttung beizufügen. Anentme Anfragen werden
nicht Feantwertet. Die Beantwortung erfolgt ehne Rechieverbindlſchkeit.
K. Z. in O.=R. Wenden Sie ſich an die Wohlfahrtsämter der
Städte.
Tageskalender für Sonntag, den 28. Juli 1929.
Konzerte: Schloßkaffee, Hotel Schmitz, Kaffee Oper, Sportplatz=
Reſtourant. Alte Poſt, Kaffee Ganßmann, Bismarckeck, Hotel Prinz
Heinrich, Waldſchlößchen, Bockshaut, Neckartor, Hotel zur Poſt.
Wie=
ner Kronenbräukeller, Roſengarten, Herrngartenkaffee. — Städt.
Saalbau, nachm. 15½ Uhr: Feier des 80jähr Beſtehens der
Frei=
willigen Feuerwehr. — Wiener Kronenbräukeller, nachm.
16 Uhr: Konzert — Brauerei Schul, 20 Uhr: Konzert. —
Ludwigshöhe, 16 Uhr: Konzert. — Rummelbräu,
16 Uhr: Konzert. — Beſſunger Turnhalle 20 Uhr:
Kon=
zert. — Kinovorſtellungen: Helia, Palaſt=Lichtſpiele. —
Mathildenhöhe, 10 bis 18 Uhr: Ausſtellung „Der ſchöne
Menſch”.
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Nur 1 Eßlöffel 0 auf 10 Liter heißes Wasser
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gungsarbeit zu bewältigen! Es macht Freude,
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wurde, in Ihrer Küche sein.
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Seite 6
Nummer 207
Aus Heſſen.
Aus dem Dekanai Eberftask.
G. Der kürzlich erſchienene Jahresbericht aus 1927 weiſt auf die
ſchweren Kämpfe der evangeliſchen Kirche hin, vor die ſie die
Gegen=
wart ſtellt. In dieſem Kampfe bedarf ſie eines ſtarken Heeres von
Streitern, zu denen nicht nur die verhältnismäßig wenigen Geiſtlichen
gehören, denen die Not der Zeit 3 Aſſiſtenten nahm, ſondern „jedes
evangeliſche Gemeindeglied, das ſich ſeiner Verantwortung bewußt iſt”.
5 Kirchenviſitationen, zumeiſt mit der Prüfung des Religionsunterrichts
in der Schule verbunden, und 3 Pfarrbeſuche gaben den Gemeinden
be=
ſondere Anregungen. Kirchliche „Feſte” waren Höhepunkte im
kirch=
lichen Leben des Dekanats: An Exaudi trafen ſich die Kirchenchöre der
Oſthälfte in Nieder=Ramſtadt, die der Weſthälfte in Wolfskehlen. Der
Kirchenchor zu Nieder=Beerbach feierte im Verein, mit benachbarten
Chören ſein 25jähriges Beſtehen, in Seeheim kam man zum Dekanats=
Miſſionsfeſt zuſammen, in Crumſtadt zum Heidenmiſſionsfeſt der
Ge=
meinſchaft, in Pfungſtadt zum Verbandsfeſt des Jugendbundes E. C.
Außerdem belebten örtliche Feiern das kirchliche Leben: Seeheim konnte
auf das 50jährige Beſtehen der Klein=Kinderſchule zurückblicken, Ober=
Ramſtadt und Ober=Beerbach ſchenkten ihren Gotteshäuſern ein neues
Gewand, Wembach feierte, wie alljährlich, am 2. Pfingſttage ſein
Wald=
miſſionsfeſt, Crumſtadt berichtet von einem Blumentag des Frauen= und
Mädchenvereins. — Kindergottesdienſte fanden in 15 Gemeinden ſtatt,
die teils von den Geiſtlichen ſelbſt, teils von Schweſtern und Helferinnen
erteilt wurden. Nieder=Beerbach weiſt mit 80 Prozent die höchſte
Be=
ſuchsziffer auf. Auch die Chriſtenlehre erfreut ſich durchweg fleißigen
Beſuchs der heranwachſenden Jugend: Hier ſteht Seeheim mit 71,8
Pro=
zent der männlichen und 94,5 Prozent der weiblichen Jugend obenan.
In den meiſten Gemeinden iſt dieſer Unterricht dreijährig, doch gibt es
auch zwei= und einjährige Lehrgänge. Paſſionsandachten wurden in 11,
Adventsandachten in 6 Gemeinden gehalten; 8 Gemeinden haben
regel=
mäßige Bibelſtunden, auch von Evangeliſationswochen und Vorträgen
der Zeltmiſſion wird berichtet. In mehreren Gemeinden haben die 50=
und 60=Jährigen, ſich zu gottesdienſtlichen Feiern zuſammengefunden,
ebenſo fanden vielerorts Vortrags= und Familienabende ſtatt. — Das
kirchliche Vereinsleben blüht überall: 12 Kirchen=, 4 Frauen= 7
Poſaunen=
chöre, 17 Frauen=, 2 Männervereine, 7. Zweigvereine des Evangeliſchen
Bundes, 7 Vereine für die männliche, 12 für die weibliche Jugend. Keine
Gemeinde iſt ohne irgendeinen kirchlichen Verein, doch weiſt der Bericht mit
Recht darauf hin, daß nicht die Vereine, ſondern die Gemeinde das letzte
Ziel dieſer Arbeit ſein muß. — 15 Gemeinden nehmen ſich mit 19
Schwe=
ſtern, von denen 8 dem Eliſabethenſtift angehören, der Krankenpflege an,
ebenſo liegt die Betreuung der Kleinen im vorſchulpflichtigen Alter in
kirchlichen Händen. — Bemerkenswvert iſt das Bild des Kirchenbeſuchs:
Die kleinſten Gemeinden Frankenhauſen und Malchen ſtehen mit 31,8
Prozent und 270 Prozent an der Spitze, die größten und mitten im
Verkehr gelegenen Gemeinden bilden mit 5,2 Prozent den Schluß. Der
Abendmahlsbeſuch erfreut ſich regerer Beteiligung. Wiederum zeigen
die Odenwalddörfer mit 95,5 Prozent die höchſten Zahlen, die niedrigſte
iſt 24,2 Prozent. — Lehrreich ſind die Zahlen, die den kirchlichen
Fami=
lienſtand betreffen: Die Zahl der Eheſchließungen betrug 378, davon
waren rein ebangeliſch 330 und 48 Miſchehen. 335 Ehen wurden kirchlich
getraut, davon 308 evangeliſch. Bei den 40 Miſchehen war der
nicht=
evangeliſche Teil katholiſch, 1 gr.=katholiſch, 2 jüdiſch, 5 diſſidentiſch. Die
7 letztgenannten wurden nicht kirchlich getraut. Geburten ſind 789 zu
ver=
zeichnen, Getaufte 791, d. h. die Zahl der Ungetauften wird aufgewogen
durch die auswärts Geborenen und im Dekanat Getauften. Die Zahl
der von ebang. Pfarrern getauften Kinder beträgt 62,5 Prozent. Von
8 Kindern, deren Väter aus der Kirche „ausgetreten”, wurden nur 3
evangeliſch getauft. Soweit Berichte über Miſchehen vorliegen, wurden
269 evangeliſch=katholiſche, 36 evangeliſchdiſſidentiſche, 2
ebangeliſch=
jüdiſche Ehen gezählt. 59,1 Prozent dieſer Ehen erfreuen ſich
eban=
geliſcher, 32,3 Prozent katholiſcher Kindererziehung, 8,6 Prozent ſind noch
kinderlos. Die meiſten Kinder ſolcher Ehen, bei denen der eine Teil,
zu=
meiſt der Mann, konfeſſionslos oder diſſidentiſch iſt, wurden getauft und
konfirmiert. Taufverweigerungen kamen im Dekanat nur 3 vor, und
zwar je 1 Kind baptiſtiſch geſinnter, evangeliſch=katholiſcher und
evan=
geliſch=diſſidentiſcher Eltern. Von den 871 konfirmierten Kindern
ſtamm=
ten 33 aus evangeliſch=katholiſchen, 4 aus ebangeliſch=diſſidentiſchen
Miſch=
ehen. Konfirmationsentziehungen und Verweigerungen der kirchlichen
Beerdigung kamen überhaupt nicht vor. Die Zahl der Kirchenaustritte
ging gegen das Vorjahr zurück, 40 gegen 78; von dieſen 40 traten 7 zu
Sekten über. 24 Uebertritte zur ebangeliſchen Kirche werden genannt,
und zwar 13 aus dem Lager der Konfeſſionsloſen, 11 aus der katholiſchen
Kirche. Uebertritte zur letzteren ſind nicht erfolgt. Die Zahl der
Frei=
denker im Dekanat beträgt 212. — Der Schluß des Berichtes iſt dem
Verhältnis der evangeliſchen Kirche zur landeskirchlichen Gemeinſchaft
gewidmet, das im allgemeinen gut iſt. Sie leitet vielfach den
Kinder=
gottesdienſt und die Bibelſtunden, unterſtützt aufs treueſte den Beſuch
der Gottesdienſte und iſt durchweg ein Schutz gegen das Vordringen der
Sekten. Von dieſen machen ſich die Bibelforſcher und Neuapoſtoliſchen
beſonders breit.
Aa. Eberſtadt, 27. Juli. Jungodenwaldklubtag. Der
Odenwaldklub hält ſeinen diesjährigen 6. Jugendtag am Sonntag, den
18. Auguſt, in Eberſtadt ab. Die Vorbereitungen ſeitens der hieſigen
Ortsgruppe ſind bereits in vollem Gange.
F. Eberſtadt, R. Juli. Anläßlich des Jubelfeſtes des
Geſang=
vereins „Sängerluſt” iſt geſtattet, daß am Sonntag (28. Juli) die
Laden=
geſchäfte bis 6 Uhr abends offengehalten werden dürfen. Ausgenommen
iſt die Zeit während des Gottesdienſtes. — Das Aufſtellen von
Verkaufsſtänden uſw. auf der Zufahrtsſtraße nach dem Feſtplatz iſt
am Sonntag (28. Juli) zur Vermeidung von Verkehrsſtörungen unterſagt.
J. Griesheim, R. Juli. Gemeinderatsbericht. Die
Or=
ganiſierung der Feier des diesjährigen Verfaſſungstages ſoll durch die
Gemeinde erfolgen. Es ſoll ein Umzug und anſchließend auf dem
Feſt=
platz der Gemeinde ein Volksfeſt, verbunden mit ſportlichen und
geſang=
lichen Darbietungen, Feſtrede uſw. ſtattfinden.— Die innerhalb des
Ortes quer über die Straße ziehenden Floßrinnen ſollen, ſo hergeſtellt
bzw. überdeckt werden, daß die derzeitige verkehrshindernde Wirkung
in Wegfall kommt. — Die aus der Zwangswirtſchaft herrührenden Akten
des früheren Kommunalverbands, ſoweit ſie die hieſige Gemeinde
be=
treffen, ſollen eingefordert und im Gemeindearchiv untergebracht werden.
— Die Gemeinde übernimmt für zwei an hieſige Einwohner gewährte
Baudarlehen der Bezirksſparkaſſe Groß=Gerau gegenüber die
Bürger=
ſchaft gegen Rückſicherung. — Der Heſſiſchen Landesbank in Darmſtadt
wurde für zwei an hieſige Einwohner verabfolgte Darlehen der Vorrang
vor den Hypotheken der Gemeinde eingeräumt. — Der Löſchung einer
Hypothek gegen Wilhelm Haun Eheleute wurde, nachdem
Kapitalrück=
zahlung erfolgt iſt, zugeſtimmt. — Dem Obſt= und Gartenbauverein
wurde für die demnächſtige Ausſtellung, verbunden mit Prämiierung, ein
Zuſchuß von 50 Mk. aus der Gemeindekaſſe bewilligt. — Das Haus des
Peter Schaffner 4. und Philipp Landau 8., hier, Pfungſtädterſtraße 44,
wird aus der Zwangsbewirtſchaftung freigegeben, da Baufälligkeit
vor=
liegt. — Däs Grundſtück Flur 16 Nr. 819 (200 Quadratmeter) wurde
dem Friedrich Knapp von hier zum jährlichen Pachtpreis von 3 Mk.
pachtweiſe überlaſſen. Im erſten Pachtjahr iſt derſelbe von der
Ent=
richtung des Pachtgeldes befreit, da ſich das Grundſtück in einem
ſchlech=
ten Kulturzuſtand befindet. — Der Antrag der Heag auf Ermäßigung
einer Anerkennungsgebühr wurde abgelehnt. — Dem Antrag der
Ge=
werbe= und Handwerker=Vereinigung und des Obſt= und
Gartenbau=
vereins auf Genehmigung zur Ausſchmückung des freien Platzes an der
Neuen Darmſtädterſtraße aus Anlaß des Jubiläumsfeſtes wurde
zuge=
ſtimmt. Als Zuſchuß für die Ausſchmückung wurden 50 Mk. aus der
Gemeindekaſſe zur Verfügung geſtellt. — Eine Verfügung des
Kreis=
amts Groß=Gerau vom 18. Juli ds. Js., betr. die Bürgermeiſterwahl,
wurde dem Gemeinderat zur Kenntnis gebracht.
Sonntag, den 28. Juli 1929
Ak. Nieder=Ramſtadt, 27. Juli. Gemeinderatsbericht. Die
Gemeinnützige Baugenoſſenſchaft „Wildnis” ſucht darum nach, ihr das
gemeindliche Gelände an der Gemeindeſandkaute käuflich abzutreten, da
ſie dieſes zur Befriedigung der Bauplatzbewerber dringend benötige.
Der Gemeinderat nimmt in dieſer Beziehung einen ablehnenden
Stand=
punkt ein, weil gerade dieſes Gelände für gemeindliche Zwecke
unent=
behrlich ſei. — Die Frage der Erbauung von Wohnungsflachbauten
nahm einen längeren Zeitraum der Verhandlungen in Anſpruch, ganz
beſonders aber gingen die Meinungen hinſichtlich der Platzfrage ſehr
auseinander. Der urſprünglich in Ausſicht genommene Platz bei der
Hochſtraße iſt ungeeignet, für denjenigen beim Gemeindehaus in der
Kirchſtraße iſt die Mehrzahl des Gemeinderats nicht zu haben, da ein
Flachbau an dieſer Hauptverkehrsſtraße das Geſamtortsbild
verunſchö=
nern würde. Man kam ſchließlich zu dem Entſchluß, die Flachbauten
überhaupt fallen zu laſſen und anſtatt deſſen zwei weitere Einzelhäuſer
mit je zwei Zweizimmerwohnungen zu errichten, die, gleich wie die
an=
deren, an die Hochſtraße zu ſtehen kommen. — Die
Arbeitsvergebungs=
angebote, betr. Ufermauererrichtung der Bachgaſſe entlang, wurden zur
Kenntnis genommen. Maurermeiſter Blum dahier iſt mit 3489 Mk.
Wenigſtverlangender und wird ihm dieſerhalb der Zuſchlag erteilt. —
Die Vorſtände der einzelnen Vereine haben zur Feier des
Verfaſſungs=
tages als Tag den Samstag, den 10. Auguſt, abends, in Vorſchlag
ge=
bracht. Dieſem Termin wird zugeſtimmt und als Lokal das Gaſthaus
Zur Poſt” (Breidert) beſtimmt. — Hierauf wurde die Sitzung
geſchloſ=
ſen, um noch an einer gemeinſamen Sitzung mit dem Gemeinderat in
Traiſa über die Waſſerverſorgung von Nieder=Namſtadt aus dem
dor=
tigen Werk teilzunehmen. — Zufolge der erhöhten Brandgefahr,
die mit der andauernden Trockenheit verbunden iſt, hat das Kreisamt
Darmſtadt mit ſofortiger Wirkung eine Polizeiverordnung dahingehend
erlaſſen, daß für die Zeit vom 25. Juli 1929 bis 30. Auguſt 1929 das
Nauchen im Walde und in deſſen Nähe im Umkreis von 20 Metern vom
Waldrande verboten iſt. Nach der gleichen Verordnung iſt auch das
Feueranzünden außerhalb von Gebäuden im Walde und im Umkreis
von 20 Metern vom Waldrande verboten; es gilt dies ganz beſonders
für das Abkochen durch Touriſten. Zuwiderhandlungen werden mit
Geld=
ſtrafen bis zu 150 Mark beſtraft.
In den Ferien
iſt Ovomaltine für Erwachſene und für Kinder das geeignete
Stärkungsmittel. Dieſe aus Malzektrakt, Milch und Eiern hergeſtellte
Kraftnahrung belaſtet die Verdauung nicht und ihre gute Wirkung
zeigt ſich ſchon nach wenigen Tagen in erhöhter Leiſtungsfähigkeit.
Ovomaltine iſt überall leicht zuzubereiten. — In Apotheken und
Drogerien vorrätig; 250 gr Büchſe RM. 2.70, 500 gr RM. 5.—,
Gratis=
proben und Druckſachen durch:
(I.6277
Dr. A .Wander G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen.
G. Ober=Ramſtadt, 27. Juli. Gemeinderatsſitzung. In
die Tagesordnung der vorgeſtrigen Gemeinderatsſitzung wurde ein
wei=
terer Punkt, die Waſſerbeſchaffung, aufgenommen. Der Bürgermeiſter
teilt hierzu mit, daß die letzthin beſchloſſene Bohrung eines Brunnens in
der Faulbach zur Behebung des Waſſermangels nicht ausreiche, da die
dortſelbſt geförderte Waſſermenge nicht den urſprünglichen Erwartungen
entſpreche. Demzufolge wird beſchloſſen, eine weitere Verſuchsbohrung
auf der gegenüberliegenden Seite der Nieder=Ramſtädterſtraße (
Ge=
meindewieſe) ausführen zu laſſen. Des weiteren ſoll in einer
Ge=
meinderatsſitzung mit dem Kulturbauamt und der Fa. Nohl eingehend
verhandelt werden. — Den Hauptgegenſtand der Tagesordnung bildete
die Vergebung der Innenarbeiten für den Rathausneubau. Hierzu war
Herr Architekt Herdt dahier eingeladen. Nach Bekanntgabe der
einzel=
nen Angebote und der hierzu ergangenen Kommiſſionsbeſchlüſſe wurde
beſchloſſen, die Glaſerarbeiten der Firma Georg Schröbel von hier als
Wenigſtfordernde zum Angebotspreiſe zu übertragen. Die Fenſter ſollen
in Pitſchpine mit Eichenholz=Wetterunterſchenkel und Kämpfer
aus=
geführt werden. Die verſchiedenen Loſe der Schreinerarbeiten ſollen wie
folgt vergeben werden: Los 1—3 der Firma Georg Schröbel von hier,
Los 4 dem Arthur Heinz von hier, Los 5 der Firma Georg Schröbel
von hier und Los 6 den vereinigten hieſigen Schreinermeiſtern zu den
Angebotspreiſen. Das Legen von Fußböden in Buchen=Fiſchgräten=
Parkett wird ebenfalls der Firma Georg Schröbel von hier als
Wenigſt=
fordernde zu den Angebotspreiſen zugeſchlagen. Bei der Beratung der
Vergebung der Schloſſerarbeiten verläßt Gemeinderat Ehrhardt den
Sitzungsſaal, da er an der Angelegenheit intereſſiert iſt. Die Angebote
der vereinigten Schloſſermeiſter werden bekanntgegeben und erſcheinen
nach genauer Prüfung als zu hoch. Es wird deshalb beſchloſſen, die
Schloſſerarbeiten erneut auch für auswärtige Intereſſenten öffentlich
auszuſchreiben.
* Roßdorf, 27. Juli. Zu einem vollen Erfolg für den Turnverein
Roßdorf wurde das am vergangenen Sonntag in Bensheim ſtattgehabte
Gauturnfeſt des Main=Rheingaues D. T. Konnten doch von den
ent=
ſandten 9 Wetturnern 8 den Eichenkranz des Siegers erringen. Es
errangen im Zehnkampf Oberſtufe Fritz Felger den 15. Sieg, im
Zwölf=
kampf Mittelſtufe Fritz Ewald den 4., Georg Treupel den 8., Heinrich
Nicolatz den 9. und Erich Lange den 17. Sieg, in der Unterſtufe
Zwölf=
kampf Hermann Emig den 2. Sieg; im Turnen der Jungen in der erſten
Jugendklaſſe Philipp Kaffenberger den 8. und im Turnen der Alten
1. Stufe der Turner Johannes Becker den 9. Sieg. Dieſer Erfolg iſt
ein guter Beweis dafür, daß im Turnverein Roßdorf in aller Stille
eifrig gearbeitet wird, um ſo mehr, als auch ein guter
Muſterriegen=
preis über die Geſamtausbildung der Turner ein gutes Zeugnis abgab.
a. Nieder=Klingen (Odenwald), 25. Juli. Ein Gedenktag.
Etwas verſpätet erfährt man, daß unſer Ort ſchon im vergangenen
Jahre des 150. Erinnerungstages eines wieder eingegangenen
Er=
werbszweiges hätte gedenken können. Aus dem Jahre 1778 geben uns
nämlich Gemeinderechnungen die erſte Kunde, daß in unſerer
Gemar=
kung einſt weiße Maulbeerbäume, die in ihren Blättern das beſte
Futter für Seidenraupen liefern, gepflanzt wurden. In den Jahren
1778 bis 1789 wurden im ganzen 311 Bäumchen zu je 12 Kreuzer von
der Kurpfälziſchen Seidenbau=Geſellſchaft bezogen und durch den
beſtell=
ten Empfänger (Gemeinderechner) bezahlt. (Nieder=Klingen gehörte
damals zur Kurpfalz.) Ein Maulbeerohmann hatte im Jahre 1786
gar 329 im Wachstum befindliche Maulbeerbäume zu betreuen; ein
Beweis, daß noch mehr Bäumchen gemeinſam bezogen wurden, als
man heute urkundlich nachweiſen kann. Noch heute befinden ſich in
hieſigen Gärten zwei Maulbeerbäume, die an die Zeit erinnern, in
der hier die Zucht des Maulbeerbaums und wohl auch der
Seiden=
raupe in Blüte ſtand.
Bs. Beedenkirchen, 27. Juli. Die Urgeſchichte weiß nur von Adam
und Eva zu berichten. Hier in Beedenkirchen berichtet die Dorfſprache
von Adams Mutter, ja ſogar von „Adams ihrer Großmutter”. Adams
Großmutter lebt nämlich in dem Haus, das einſt — vor beinahe
hun=
dert Jahren — einem Adam Emig gehörte, und das iſt wohl der Mann,
von dem die Familie ihren Dorfnamen hat. Frau Eliſabethe Emig aber
verknüpft die Vergangenheit mit der Gegenwart, iſt ſie doch ſchon im
Jahre 1842 geboren und wird am 28. Juli 87 Jahre alt. Sie iſt die
Mutter von zehn Kindern, die teils in der Nähe, teils in der Ferne
wohnen. Selbſtverſtändlich iſt ſie auch längſt Großmutter und
Urgroß=
mutter und hat nicht weniger als 35 Enkel und 16 Urenkel. Hoffentlich
darf ſie noch weiter ſo rüſtig bleiben wie bisher und auch noch den
90. Geburtstag erleben!
a. Aus Starkenburg, 25. Juli, wird uns geſchrieben: Im Herbſt
finden in unſerem Lande die Gemeinde=, die Provinzial= und
die Kreistagswahlen ſtatt. Preußen, in dem ebenfalls
Ge=
meindewahlen vorzunehmen ſind, hat als Wahltag bereits Sonntag,
den 17. November, beſtimmt. Der nächſtfolgende Sonntag iſt der
Toten=
ſonntag, und dann folgt die Adventszeit. Es wird deshalb auch für
Heſſen nur der 17. November als Wahltag in Frage kommen, und
die Parteien werden gut tun, ſich ſchon jetzt auf ihn ein uſtellen.
Parakyphus in Oberheſſen.
Zu den Meldungen über das Auftreten von Paratyphus in
Ober=
heſſen wird von unterrichteter Stelle mitgeteilt: Schon in den letzten
Jahren, ſeit 1923, zeigten ſich immer wieder vereinzelte Fälle, z. B. in
Lauterbach, in Wickenrot und in Schlechterwegen. Sie ſtiegen von 1927
an langſam, betrugen aber monatlich höchſtens zwei bis drei Fälle. Ein
ſtärkeres Anwachſen zeigte ſich im Januar und Juni 1928 auf ſechs
Fälle, im Oktober gar auf 28 Fälle in verſchiedenen Ortſchaften. In
dieſem Jahr ſind zu verzeichnen u. a. im Februar 12, März 6, April
26 Fälle, davon allein 10 in Lauterbach, im Mai 33 Fälle, davon in
Lauterbach 14, im Juni 10 Fälle in acht Ortſchaften. In Schlitz kamen
in letzter Zeit 42 Fälle vor, in den benachbarten Orten Sandlos 12 und
Hutzdorf 3. Die Zahl der für Juli bisher in Betracht kommenden Fälle
wird alsbald feſtgeſtellt werden. Abgeſehen von einzelnen Fällen, bei
denen Krankheitserreger in Wurſt und Fleiſch vermutet wurden, iſt
feſt=
zuſtellen, daß die meiſten ſonſtigen Erkrankungen auf den Genuß von
Milch= und Molkereiprodukte der Molkerei Raab in Schlitz
zurückzu=
führen ſind. Die Milch war auch ſonſt häufig nicht paſteuriſiert.
Ueber=
haupt ſcheint eine ſtarke Nachläſſigkeit bei der Herſtellung von
Molkerei=
produkten geherrſcht zu haben. Am 13. Juli fand eine Beſprechung
zwiſchen den heſſiſchen und preußiſchen Geſundheitsſtellen ſtatt, bei der
die Mißſtände in ernſte Beratungen gezogen und ſtrenge
Kontrollmaß=
nahmen eingeleitet wurden.
Ag. Lindenfels, 27. Juli. Unglücksfall. Geſtern abend hat
ſich hier auf der Provinzialſtraße Fürth—Reichelsheim, unterhalb des
Gumpener Kreuzes, ein Unglück ereignet, dem leider ein junges,
blühen=
des Menſchenleben zum Opfer gefallen iſt. Der Laſtkraftwagen der
Un=
ternehmerfirma J. Kochhafen von Reichelsheim kam mit Ladung von
Fürth und wollte nach Reichelsheim, dem Beſtimmungsort der Ladung.
Dem Motorwagen war ein Anhänger beigegeben, auf deſſen
Bremſer=
häuschen der 16jährige einzige Sohn des Unternehmers Platz
genom=
men hatte. Der junge Menſch hatte ſchon oft an derartigen Fahrten
teilgenommen, ſo daß kein Grund zu irgendwelchen Befürchtungen für
ſeine Sicherheit beſtand. Jedenfalls durch Uebermüdung — die Fahrt
begann am frühen Morgen und dauerte bis in den Abend hinein —
verfiel der junge Mann in Schlaf und ſtürzte dabei aller
Wahrſcheinlich=
keit nach durch die Tür des Bremſerhäuschens auf die Straße. Möglich
iſt aber auch, daß ſich der junge Mann an dem Dache des Anhängers
zu ſchaffen machte, durch eine ſtarke Erſchütterung dom Wagen
herunter=
geſchleudert wurde und hierbei den Tod fand. Merkwürdig bleibt, daß
Begleitmannſchaften von Langholzfuhrwerken an der Unglücksſtätte
vor=
beikamen, den überfahrenen Kochhafen, doch ſehr wahrſcheinlich liegen
ſahen, ſich aber weder um den kurze Zeit vorher Getöteten kümmerten,
noch Meldung erſtatteten. Der Laſtkraftwagen erreichte ſeinen
Beſtim=
mungsort, wurde dort entladen und erſt nach einiger Zeit vermißten
der Vater und der Wagenführer, die beide im Kraftwagen
zuſammen=
geſeſſen hatten, den jungen Menſchen. Inzwiſchen war durch
Vorüber=
gehende die Polizei in Fürth, Lindenfels und Reichelsheim
benachrich=
tigt worden; die Polizei übermittelte auch die Meldung des Unfalls
an die Familie Kochhafen, die entſetzt davon Kenntnis nahm. Die
Fa=
milie Kochhafen, hat ſchon viele Unglücksmeldungen entgegennehmen
müſſen und hat bisher die Tragik all dieſer Fälle mit bewundernswerter
Stärke getragen. Alle Bewohner des Gerſprenztales nehmen Anteil an
dem neuen ſchweren Schickſalsſchlage, der die bisher ſchon ſo hart
ge=
prüfte Familie getroffen hat.
. Neckarſteinach, 27. Juli. Bei der Ausführung von
Schweiß=
arbeiten, die der hieſige Schmiedemeiſter Matthäus Behringer mit ſeinen
beiden Söhnen an der neuen Schönauer Bahnbrücke über die Steinach
übernommen hatte, explodierte geſtern in der zehnten Morgenſtunde aus
bis jetzt nicht geklärten Gründen der Karbidſchweißapparat. Ein
Spreng=
ſtück riß dem Sohne Fritz Behringer die eine Geſichtshälfte fort, wodurch
der Tod augenblicklich eintrat. Dem Vater brachen Sprengſtücke den
rechten Arm zweimal und öffneten ihm Bruſt und Leib. Die ſofort von
Heidelberg mit dem Auto eingetroffene Sanitätskolonne verbrachte den
Vater, deſſen Zuſtand ſchlimmſten Befürchtungen Raum gibt, in die
Heidelberger Klinik. Der zweite Sohn kam anſcheinend mit dem
Schrecken davon; er überbrachte der Mutter die Schreckensnachricht. Der
ſchwer heimgeſuchten Familie, die nicht ſehr lange den älteſten Sohn
durch eine tückiſche Kopfgrippe verlor und die hier allgemein geachtet
und beliebt iſt, wendet ſich herzliche Teilnahme zu.
— Hirſchhorn, 27. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
26. Juli 0,68 Meter, am 27. Jult 0,72 Meter.
— Gernsheim, 27. Juli. Waſſerſtand des Rheins am
26. Juli 0,02. Meter, am 27. Juli 0,906 Meter.
4a, Heuſenſtamm bei. Offenbach, 27. Juli. Tödlicher Unfall.
In einem hieſigen Sägewerk wurde der 21 Jahre alte Arbeiter Jakob
Mayer durch Zuſammenrutſchen aufgeſtapelter Holzvorräte ſo
unglück=
lich verletzt, daß er trotz ſofortiger Ueberführung in ein Krankenhaus
bald nach dem Unfall ſtarb.
4a. Langen, 97. Juli. Raffinierte
Einbruchsdieb=
ſtähle. In einer der letzten Nächte wurde hier in der Bahnhofſtraße
nicht weniger als dreimal eingebrochen. Die Diebe, die mit größter
Frechheit und Raffinement vorgegangen ſein müſſen, erbeuteten außer
barem Geld und Wertpavieren Lebensmittel aller Art, Sparkaſſenbücher,
Uhren und zwei Fahrräder. Man ſchätzt die von ihnen gemachte Beute
einſchließlich des baren Geldes auf über 2500 Mark Wert. Die Polizei
verfolgt beſtimmte Spuren.
Rheinheſſen.
Ober=Ingelheim, 2. Juli. Ein Flugzeug der
Beſatzungs=
armee abgeſtürzt; der Pilot getötet. In den geſtrigen
Nachmittagsſtunden kam ein Flugzeug der Beſatzungsarmee in
beträcht=
licher Höhe über Ober=Ingelheime ins Trudeln. Plötzlich ſah man, wie
einer der Inſaſſen ſich aus dem Flugzeug ſchwang und ſich mit einem
Fallſchirm zu retten verſuchte. Der Pilot des Flugzeuges, der alle
An=
ſtrengungen machte, die Maſchine wieder ins Gleichgewicht zu bringen,
konnte den Abſturz nicht verhindern. Mit größter Geſchwindigkeit ſauſte
das Flugzeug zur Erde, wo es durch den heftigen Aufprall vollſtändig
zertrümmert wurde. Der Pilot konnte nur noch als Leiche geborgen
werden. Der zweite Inſaſſe, der mit dem Fallſchirm abgeſprungen war,
kam mit leichten Hautabſchürfungen davon.
U. Nieder=Ingelheim, 27. Juli. Eine ältere, ſchon längere Zeit
kränkliche Frau verſuchte durch einen Sprung in den Rhein ihrem
Leben ein Ende zu machen. Sie kam dabei aber nicht in das Waſſer,
ſondern in Uferſchlamm, wo ſie, bewußtlos geworden, liegen blieb.
Vorübergehende junge Leute gingen ihrem Stöhnen nach und brachten
die Lebensmüde ans Land. Trotz ihrer Bemühungen ſtellte ſich das
Bewußtſein nicht ein, ſo daß die Frau ins Krankenhaus gebracht werden
mußte. — Der 65jährige Landwirt Otto Ruppert ſtürzte bei Arbeiten
auf der Scheune ab. Die Verletzungen, die zuerſt nicht ernſthaft zu ſein
ſchienen, führten nach einigen Stunden zum Tode des Mannes. —
Wie amtlich mitgeteilt wird, wurde durch die Aufmerkſamkeit des
Per=
ſonals am Stellwerk unterhalb der Station Ingelheim ein
Eiſen=
bahnunglück verhütet. Zwei mit Backſteinen beladene Wagen
eines Bauunternehmers wurden durch einen Traktor über die Gleiſe
gezogen. Mitten auf den Schienen ſetzte der Motor aus, ſo daß der
Wagenzug nicht vorwärts konnte. Der kurze Zeit darauf fällige D=Zug
aus der Nichtung Mainz konnte im letzten Augenblicke, die Maſchine
ſtand bereits dicht vor dem Traktor, zum Halten gebracht werden. —
Vier junge Leute, die zum Baden an den Rhein gegangen waren, hatten
ihre Kleider im Gebüſch am Ufer niedergelegt. Während die Leute im
Rhein waren, nahm ein vorübergehender „Wanderer” die Gelegenheit
wahr, aus den Kleiderbündeln ſeine etwas defekte Garderobe zu
ver=
vollſtändigen. Zum Glück kamen die Badenden zurück, als der Fremde
ſich mit den bereits angezogenen Sachen entfernen wollte. Man kann
ſich denken, daß er nicht gerade zärtlich zur Wiederherausgabe der
ge=
ſtohlenen Kleider veranlaßt wurde.
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Nummer 207
Sonntag, den 28. Juli 1929
Seite 7
Publikums Landgerichtsdirektor Arndt heute früh folgendes
Ur=
klagte v. Waldow wegen gemeinſchaftlichen Betrugsverſuches zu
vier Monaten Gefängnis, wovon ſieben Wochen durch die erlittene
Unterſuchungshaft als verbüßt gelten; der Angeklagte Bela Groſz
wegen desſelben Vergehens zu vier Monaten Gefängnis, wovon
kaſſe, im übrigen den verurteilten Angeklagten zur Laſt. Die
— Die Angeklagten und das Publikum nahmen das Urteil
ruhig auf.
In der Begründung de bereits gemeldeten Urteils im Stinnes=
Prozeß verweiſt der Vorſitzende zunächſt auf die Fülle von
Rechts=
fragen, die in dieſem Prozeß zu erörtern geweſen ſeien, und
be=
tont, daß er bei dieſer Sachlage naturgemäß nur auf die weſent= prominenter Engländer. — Politiſche Einflüſſe der ruſſiſchen
lichſten Teile eingehen könne. Eine Reihe von Schwierigkeiten, ſo Emigranten. — Weiterbeſtehen der ehemaligen zariſchen Botſchaft.
heißt es weiter, hätten in dieſem Prozeß der Erforſchung der
Wahrheit entgegengeſtanden. Nicht nur, daß die Angaben der
Angeklagten miteinander in Widerſpruch geſtanden hätten, die
Angeklagten hätten auch teilweiſe in ihren Angaben im Laufe
des Prozeſſes mehrfach gewechſelt. Einige wichtige, im Ausland
wohnende Zeugen, die unter Umſtänden vielleicht auch unter die
Angeklagten gehört hätten, ſeien ausgeblieben. Es könne daher
im Stinnes=Prozeß.
macht, indem er zwiſchen v. Waldow und Schrandt und zwiſchen
Nothmann und Bela Groſz vermittelte. Die Beihilfe ſei zwar im
Auslande geleiſtet und empfangen worden, das Gericht habe ſich
aber hier der Stellungnahme des Reichsgerichtes angeſchloſſen,
wonach die Verurteilung erfolgen müſſe. Dem Angeklagten Leo
friſt.
Hirſch ſei nicht mit Sicherheit nachzuweiſen, daß er im fraglichen
Berlin, 27, Juli. Zeitpunkt bösgläubig war oder das Geſchäft gefördert habe. Auch
Im Stinnes=Prozeß verkündete unter lebhaftem Andrang des der Angeklagte Schneid mußte trotz des erheblichen Verdachtes
einer ſtrafbaren Handlung freigeſprochen werden.
Nachdem der Vorſitzende ſodann die Strafbemeſſung
begrün=
teil: Die Angeklagten Stinnes. Nothmann, Leo Hirſch und det und den Angeklagten v. Waldow, der als einziger der verur=
Schneid werden freigeſprochen. Es werden verurteilt: Der Ange= teilten Angeklagten, anweſend war, über das Rechtsmittel der
Berufung unterrichtet hatte, ſchloß er die Verhandlung.
Berufung gegen das Skinnes-Urkeil.
Die ganze umfangreiche Prozeßmaterie wird nun nochmals
eine Woche durch die Unterſuchungshaft als verbüßt gilt; der An= vor der Großen Strafkammer verhandelt werden müſſen. Jedoch
kann die Berufungsverhandlung erſt in ſpäterer Zeit ſtattfinden.
geklagte Eugen Hirſch wegen Beihilfe und verſuchten Betruges / Zunächſt muß das umfangreiche Urteil erſter Inſtanz, das mehrere
zu 3000 Mark Geldſtrafe bzw. einen Monat Gefängnis. Die Koſten hundert Seiten umfaſſen wird, ſchriftlich abgefaßt werden. Es iſt
des Verfahrens fallen, ſoweit Freiſprechung erfolgt iſt, der Staats= anzunehmen, daß zu dieſem Zwecke der Vorſitzende
Landgerichts=
direktor Arndt von allen anderen Arbeiten für etwa 14 Tage
ent=
bunden wird. Das Urteil wird dann ſämtlichen Angeſchuldigten
Haftbefehle gegen Stinnes, Nothmann und Leo Hirſch werden, zugeſtellt und hierauf die Berufungsſchrift der Staatsanwaltſchaft,
aufgehoben. v. Waldow erhält Bewährungsfriſt von drei Jahren, die ja erſt nach Vorliegen des ſchriftlichen Urteils hergeſtellt
wer=
den kann.
Uie Wweiſchlderf gepiſe Sicen Aueiſe 1und dif Lerſtende
des Gerichts trotz aller Sorgfalt nur Stückwerk ſein könne. Bei
der Darſtellung des Sachverhalts bedauert der Vorſitzende, daß
weder der Angeklagte Eugen Hirſch noch Nothmann und Stinnes
in Paris den Weg zum deutſchen Sonderkommiſſar gefunden
hät=
ten, denn ſie würden ſonſt die Auskunft erhalten haben, daß der
angebliche Staatsvertrag, der es Ausländern geſtatten ſollte,
An=
leihen auch dann als Altbeſitz anzumelden, wenn ſie vor dem
1. Juli 1920 zwar im Beſitz geweſen, inzwiſchen aber verkauft und
dann doch angeſchafft worden ſeien, überhaupt nicht beſtand. Sie
würden dann auch zweifellos durchſchaut haben, daß es ſich nicht
den nicht angereten, und ebenſo habe Singes unterlaſſen.
v. Waldow zu fragen, ob er ſich an maßgeblicher Stelle nach dem
Staatsvertrag erkundigt habe. Der Angeklagte hätte zumindeſtens
bei Empfang der Amſterdamer ſogenannten Urkunde merken
müſſen, daß nicht alles in Ordnung ſein müſſe. Auch ſpäterhin
ſei dem Angeklagten v. Waldow in unzweideutiger Weiſe
vorge=
halten worden, daß es ſich hier um inhaltlich unrichtige Urkunden,
um ſchriftliche Lügen, handele.
In der Begründung des Urteils im Stinnes=Prozeß beſpricht
der Vorſitzende ſodann die Rechtsfrage und kommt zu dem Schluß:
Es unterliegt keinem Zweifek, daß objektiv Betrug vorliegt. Die
Abſicht des Betruges wurde durch Handlungen betätigt, die den
Anfang der Ausführung des Betruges darſtellen, indem unrichtige
Belege eingereicht wurden. Wenn es zu einer Vollendung des
Be=
truges nicht gekommen iſt, ſo iſt das darauf zurückzuführen, daß
in den franzöſiſchen Fällen der Betrug verraten worden iſt, in den
rumäniſchen Fällen die deutſche Behörde ihn entdeckt hat, ehe er
zur Vollendung kommen konnte.
Die Begründung beſchäftigt ſich dann ſehr ausführlich mit
der Beteiligung des Angeklagten Stinnes: Bei Stinnes beſteht
ſeine objektive Beteiligung darin, daß er ſowohl für die
rumä=
niſchen wie für die franzöſiſchen Anmeldungen das Geld gegeben
hat, daß er den Angeklagten v. Waldow zur Durchführung der
franzöſiſchen Anmeldungen nach Paris geſchickt und veranlaßt hat.
daß Nothmann in Rumänien tätig wurde. Es iſt geradezu grob
fahrläſſig, daß der Angeklagte Stinnes ſich nicht von vornherein
darüber klar war, daß, wenn ein Staatsvertrag, der die
Aus=
länder berechtigte. Anleiheſtücke zurückzukaufen, die ſie gar nicht
mehr hatten, wirklich beſtand, ein ſolcher Vertrag für die
Aus=
länder den Unterſchied von Alt= und Neubeſitz vollſtändig
beſei=
tigte. Es iſt eine unverzeihliche Fahrläſſigkeit, daß er ſich nicht,
bevor er ſich überhaupt grundſätzlich bereit erklärte, ſich auf dieſes
Geſchäft einzulaſſen, an autoritativer Stelle erkundigte, eine
Fahrläſſigkeit, die um ſo ſchwerer wiegt, als er nach ſeiner eigenen
Darſtellung hier mit Geld arbeitete, das ihm von befreundeter
Seite anvertraut war, mit dem alſo ein ehrſamer Kaufmann
beſonders vorſichtig umgeht. Andererſeits iſt aber Betrug ein
Vorſatzdelikt, und wir müſſen den Angeklagten nachweiſen, daß
ſie nicht nur fahrläſſig gehandelt haben, ſondern bei Stinnes z. B.,
daß er wußte, daß ein ſolcher Staatsvertrag nicht beſteht. Und
dieſe Feſtſtellung kann mit Sicherheit nicht gemacht werden. Der
Angeklagte v. Waldow hat in der Vorunterſuchung den
Ange=
klagten Stinnes nicht unerheblich belaſtet. Er will ihm nämlich
ſchon im Jahre 1926 davon erzählt haben, daß die Urkunden
ge=
fälſcht waren. Das Gericht glaubte dieſe Belaſtung nicht in vollem
Umfange verwenden zu können. v. Waldow hat mit ſeinen
An=
gaben zu oft gewechſelt, als daß ſie derartig glaubwürdig ſein
könnten, um als Beweismaterial gegen einen anderen Angeklagten
in Frage zu kommen. Nun hat aber Stinnes in ſeiner erſten
Vernehmung gleichfalls angegeben, daß er zu dieſem Zeitpunkt
von der Anfertigung der falſchen Urkunden Kenntnis erlangt
habe. Stinnes will dieſe Angaben nach ſeiner Unterredung mit
Direktor Heinzmann gemacht haben, um der Unterſuchungshaft
zu entgehen und von ſeiner Firma und ſeiner Familie Unheil
ab=
zuwenden. Pſychologiſch iſt das Geſtändnis nur zu erklären, wenn
Stinnes lediglich an den Augenblick dachte und nicht an die
Fol=
gen eines etwa zu Unrecht abgelegten Geſtändniſſes. Aber
immer=
hin muß berückſichtigt werden, daß Stinnes bei dieſer Vernehmung
unter einem nicht unerheblichen inneren Zwang ſtand. Es muß
ferner berückſichtigt werden, daß er dem Rechtsanwalt Hoeck ſofort
nachher unter vier Augen geſtanden hat, daß er bei der
Verneh=
mung die Unwahrheit geſagt habe, und es muß berückſichtigt
wer=
den, daß er bei ſeiner nächſten Vernehmung am 6. September 1928
ſeine Erklärung weſentlich eingeſchränkt hat. Bei dieſer Sachlage
kann es nicht als mit Sicherheit feſtgeſtellt gelten, daß Stinnes
ſchon im Dezember 1926 von der Verwendung gefälſchter Belege
erfahren hat. Deshalb kann nur als feſtgeſtellt gelten, daß Stinnes
Bedenken erſt bekam, als v. Waldow nach ſeiner letzten
Amſter=
damer Reiſe zu ihm zurückkehrte und äußerte, hier ſei
möglicher=
weiſe mit den Belegen etwas nicht in Ordnung. Nach
Ueberzeu=
gung des Gerichtes iſt der Angeklagte in dieſem Moment
bös=
gläubig geworden. Er müßte alſo, wenn er ſich in dieſem Moment
aktiv an dem verſuchten Betrug beteiligt hätte, beſtraft werden,
Ein ſtrafbares Verſchulden aber kann man ihm nach Anſicht des
Gerichtes nur dann nachweiſen, wenn er ſich an dem Geſchäft
ſel=
ber aktiv beteiligte oder es durch ſeinen Angeſtellten v. Waldow
fördern ließ. Wenn er Waldow nach Paris ſchickt mit der
Wei=
ſung, „ich will aus dem Geſchäft heraus”, ſo iſt darin nicht der
Auftrag zu ſehen, das Geſchäft aktiv zu fördern. Wenn v. Waldow
das dennoch getan hat, ſo iſt Stinnes nicht mit voller Sicherheit
nachzuweiſen, daß er dieſe Tätigkeit des Angeklagten v. Waldow
gewollt hat. Bei dieſer Sachlage mußte der Angeklagte Stinnes
als nicht überführt freigeſprochen werden. Der Angeklagte von
Waldow hat die Urkunden geſehen, die für die Glaubhaftmachung
des Altbeſitzes eingereicht wurden. Von dieſem Augenblick an iſt
er nach der Ueberzeugung des Gerichtes bösgläubig geweſen.
v. Waldow hat nach erlangter Bösgläubigkeit das betrügeriſche
Geſchäft in jeder Weiſe gefördert und ſich damit des
gemeinſchaft=
lichen Betruges ſchuldig gemacht. Auch gegen den Angeklagten
Nothmann, ſo heißt es weiter, ſpreche ein erheblicher Verdacht.
Eine Kenntnis von den Einzelheiten des Geſchäftes habe ihm
jedoch nicht nachgewieſen werden können, ſo daß er als nicht
über=
führt freigeſprochen werden müſſe. An der ſtrafrechtlichen
Ver=
gntwortung des Angeklagten Bela Groſz könne kein Zweifel ſein.
Der Angeklagte Eugen Hirſch habe ſich der Beihilfe ſchuldig ge=
Die Schweſter des Zaren in Windſor. — Ruſſiſche Gattinnen
Von
George Popoff.
London, 21. Juli.
Nicht von den Sowjetruſſen ſoll hier die Rede ſein, ſondern
von den in London ſtändig anſäſſigen Ruſſen — ihrem Leben,
ihren Beſchäftigungen und ihren Einflüſſen auf das ſie
beher=
bergende England. Wie jede andere europäiſche Großſtadt, hat
heute natürlich auch London ſeine Kolonie ruſſiſcher Emigranten.
Doch man kann dieſe keineswegs mit derjenigen von Berlin oder
Paris vergleichen. Die in London lebenden Ruſſen ſind: erſtens
— geringer an Zahl, zweitens — kulturell im Durchſchnitt
weſent=
lich beſſer ſituiert und drittens — kulturell und politiſch doch
um eine Nuance einflußreicher als ihre Berliner und Pariſer
Stammesgenoſſen. Wobei beſonders der politiſche Einfluß, der
von den in London anſäſſigen Ruſſen ausgeht, dieſer Ueberſicht
im gegebenen Augenblick, da in England die Wiederaufnahme der
Beziehungen zur Sowjetmacht bevorſteht, eine erhöhte Aktuglität
verleihen dürfte.
Wie völlig verſchieden das Leben der Londoner Ruſſen von
dem der in Berlin und Paris Anſäſſigen iſt, dürfte vielleicht am
beſten die Tatſache veranſchaulichen, daß es in London — keine
ruſſiſchen Reſtaurants, keine ruſſiſchen Tingeltangel, keine
ruſſi=
ſchen Gigolos, mit einem Wort nichts von all dem „Echtruſſiſchen”
gibt, das man heutzutage in Berlin, Paris und in ſo mancher
anderen europäiſchen Stadt bereits als typiſch zu betrachten
ge=
wohnt iſt. Ja, während es in Paris beiſpielsweiſe buchſtäblich
Hunderte von ruſſiſchen Chauffeuren gibt, beträgt die Zahl der
von Ruſſen gelenkten „Taxies” in London genau — acht! Die
engliſche „Reſpektabilität” wirkt anſteckend. Von einer „ruſſiſchen
Boheme” kanm in London nicht im entfernteſten die Rede ſein.
Die meiſten Ruſſen füllen hier höchſt ſolide und bürgerliche
Be=
ruſe aus und ſind oft von waſchechten Briten kaum zu
unter=
ſcheiden. Viele haben recht hohe Stellungen errungen und ſo
manche ſchöne Ruſſin hat hier durch eine „gute Partie” ihren
Namen den Liſten der britiſchen Peerage einverleibt . .."
Bei Aufzählen prominenter, in England lebender Nuſſen
hätte man mit der Schweſter des letzten Zaren, der Großfürſtin
Xenia Alexandrowna, zu beginnen. Sie iſt eine Kuſine König
Georgs von England, und dieſer hat ihr in nächſter Nähe ſeiner
eigenen Reſidenz Wohnung angewieſen — das im Park von
Windſor gelegene Schlößchen „Frogmore Cottage”, wo ihr vom
königlichen Haushalt auch Bedienung, Verpflegung, Autos uſw.
geſtellt werden. Sie führt ein recht zurückgezogenes Daſein.
Anders — ihr Neffe, Fürſt Georg von Rußland (ein Sohn des
Dichter=Großfürſten Konſtantin Konſtantinowitſch), der eine der
populärſten Erſcheinungen der Londoner Geſellſchaft iſt; dieſes
hindert ihn indeſſen durchaus nicht, tagsüber brov in einem
Ge=
ſchäft für Innenarchitektur zu arbeiten und ſich ſelbſt ſeinen
Un=
terhalt zu verdienen. Auch der durch ſeine Teilnahme an der
Ermordung Raſputins bekannte Großfürſt Dwitri Pawlowitſch
verbringt viele Monate des Jahres in London. Er iſt mit einer
reichen Anglo=Amerikanerin, einer Miß Emery, verheiratet, der
vom Großfürſten Kyrill (dem derzeitigen Haupt des Hauſes
Romanoff) der Titel einer Fürſtin Iljinſki verliehen worden iſt.
In früheren Jahren war der Großfürſt Michail Michailowitſch
(ein Onkel des letzten Zaren) das hervorragendſte Mitglied der
Londoner ruſſiſchen Kolonie. Der Großfürſt hatte wegen ſeiner
unebenbürtigen Ehe mit der Gräfin Torby Rußland für immer
verlaſſen müſſen und lebte ſtändig in England. Er ſtarb vor etwa
Jahresfriſt. Doch ſeine beiden Töchter haben jede überaus reiche
und hochgeſtellte engliſche Ariſtokraten geheiratet. Als Lady Zia
Wernher und Lady Milford Haven ſpielen ſie, nicht zuletzt durch
ihre außerordentliche Schönheit, eine hervorragende
geſellſchaft=
liche Rolle, ſtehen dem Hofe nahe und können als in vieler
Hin=
ſicht einflußreich bezeichnet werden. Sie eröffnen den Reigen
jener zahlreichen Ruſſinnen, die bedeutende Engländer geheiratet
haben, und hier, im engliſchen Exil, quaſi mit den Waffen des
Ewisweiblichen für ihr darniederliegendes Vaterland kämpfen. ..
Der Prinzeſſin Alexandra Lieven muß beſondere Erwähnung
getan werden; ſie iſt eine Tochter des Fürſten Lieven, des letzten
Oberzeremonienmeiſters am Hofe von St. Petersburg; doch die
Stellung, welche die ehemalige Prinzeſſin Lieven heute in
Eng=
land einnimmt, iſt nicht viel ſchlechter, als ihre einſtige im alten
Rußland; ſie iſt heute nichts Geringeres als Londons
Bürger=
meiſterin, die Gattin des derzeitigen Lord Mayors Sir Kynaſton
Studd: im altehrwürdigen Manſion Houſe gibt ſie wie es ihre
Repräſentationspflicht vorſchreibt, oft glänzende Empfänge; ſie
erweiſt dabei ihren ruſſiſchen Landsleuten, die großmöglichſte
Gaſtfreundſchaft und iſt bei dieſen allgemein beliebt und
ver=
ehrt Eine andere bemerkenswerte Erſcheinung iſt Lady
Deterding, geborene Kandayaroff, Tochter eines ruſſiſchen
Gene=
rals, nun vermählt mit dem belannten Oel=Gewaltigen Sir
Henry Deterding, deſſen antiſowjetiſtiſche Petroleum=Manöver
bekanntlich oft von höchſt politiſchen Auswirkungen begleitet
werden. Die Weltruf genießende ruſſiſche Tänzerin Tamara
Karſſavina iſt mit einem engliſchen Diplomaten, dem ehemaligen
britiſchen Miniſter in Sofia, Mr. Heury Bruce, verheiratet. Eine
andere große ruſſiſche Künſtlerin, Lydia Lopolhova, hat den durch
ſein Buch über die wirtſchaftlichen Folgen des Verſailler
Ver=
trages berühmt gewordenen Ockonomiſten John Maynard
Key=
ves zum Gatten erhalten. Und der langj hrige (erſt kürzlich
ver=
ſtorbene) außenpolitiſche Redakteur der „Times‟, Dr. Harold
Williams, war mit der ruſſiſchen Schriftſtellerin Ariadna
Tur=
kowa, der Bioargphin Puſchkius, vermählt, einer höchſt
geiſt=
vollen, faſzinierenden Frau deren Saus noch ſetzt als einer der
intereſſanteſten politiſchen Ealous Londons genannt werden kann.
Nicht minder glänzend dürfte eine Revue der mit reichen
Engläuderinnen vermählten, Ruſſen ausfallen. Da hätte man
zunächſt den Fürſten Sergei Obolenſki zu nennen, der mit der
bekannten anglo=amerikaniſchen Multimillionärin Miß Aſtor
verheiratet iſt und von allen minder Glücklichen darob nicht wenig
beneidet wird. Ein Londoner Börſenkönig, Sir John Mullens,
hat eine ſeiner Töchter einem Fürſten Imeretinſky zur Frau
ge=
geben. Während eine der drei Töchter Mr. Gordon Selfridges,
des Beſitzers des größten Warenhauſes Englands, einen (mit
ſeiner Familie allerdings in Fehde liegenden) Fürſten Wjaſemfki
geheiratet hat. Andere ruſſiſche Fürſten haben allerdings keine
reichen Engländerinnen geheiratet, dafür aber mit ſehr viel Erfolg
hier allerhand geſchäftliche Unternehmungen geſtartet. So iſt ein
Fürſt Galitzin Inhaber eines der beſten Antiquitätengeſchäfte
Londons und ein Fürſt Trubetzkoi — Beſitzer eines höchſt
exklu=
ſiven Modeſalons im Weſtend.
Manchen Ruſſen iſt es in England gar geglückt, zu einem
An=
ſehen zu gelangen, das dem im alten Rußland innegehabten
gleichkommt oder es faſt überſteigt. Da iſt beiſpielsweiſe Exzellenz
Peter Bark, einſt Finanzminiſter des Ruſſiſchen Kaiſerreiches
heute jedoch in keiner geringeren Stelle als derjenigen eines
Generaldirektors der Anglo=International Bank — ein Tauſch,
der nicht unbedingt als ein unvorteilhafter bezeichnet werden
kann. Exzellenz Bark, der zu den Finanzgewaltigen aller Länder,
vor allem der Familie Rothſchild, die beſten Beziehungen
unter=
hält, hat nach dem Zuſammenbruch des Zarenreiches die
Finanz=
geſchäfte vieler Mitglieder des Hauſes Romanoff beſorgt. Unter
anderem brachte er es zuwege, daß die Kaiſerin=Witwe Maria
Feodorowna, die letzten Jahre ihres kummerreichen Lebens
wenigſtens in materieller Sorgloſigkeit verbringen konnte. In
Anerkennung dieſer Dienſte empfing König Georg (der ja ein
Neffe der alten Kaiſerin von Rußland war) nach ſeiner Geneſung
Herrn Bark als einen der erſten Beſucher und zeichnete ihn durch
Verleihung eines der höchſten Orden Englands aus.
In der Welt der engliſchen Intellektnellen und Gelehrten gibt
es gleichfalls einige Ruſſen, die viel von ſich reden machen. Ein
Prominenter iſt Baron Alexander Meyendorff, einſt
Vizepräſi=
dent des ruſſiſchen Parlaments, der Reichsduma, heute —
Pro=
feſſor an der Londoner School of Economies, und, durch ſeine
glänzenden Vorträge, einer der Hauptinformatoren der engliſchen
Oeffentlichkeit über den gegenwärtigen unerfreulichen Zuſtand
der ruſſiſchen Wirtſchaft. Ein anderer iſt Herr Vladimir
Polja=
koff — vielleicht die beachtenswerteſte Perſönlichkeit unter allen,
in England lebenden Ruſſen, in und außerhalb Englands, unter
dem Pſeudonym „Augur” bekannt; einer bekannten Petersburger
Familie entſtammend, iſt er erſt nach Kriegsende nach England
gekommen, doch als naturaliſierter Engländer bald in erſtaunlich
raſcher Weiſe zu Sſtellung und Anſehen heraufgerückt; den
Poſten eines der außenpolitiſchen Redakteure der „Times” und
Leiters der „Fortnightly Review” ausfüllend und enge
Bezieh=
ungen zum Foreign Office unterhaltend, übt er heute einen nicht
zu mißachtenden politiſchen Einfluß aus; vor allem in Oſteuropa
und Rußland betreffenden Dingen gilt ſeine Anſicht als ſo
kompetent und maßgebend, daß an leitenden Stellen ſelten
ge=
zögert wird, ihnen weitgehendſte Beachtung zu ſchenken ... ."
Der geſellſchaftliche Mittelpunkt, um den ſich die meiſten
der in London lebenden Ruſſen ſcharen, iſt heute das Heim des
letzten zariſchen (ſtellvertretenden) Botſchafters, Eugen Sablin.
In ſeinem, in Kenſington gelegenen Hauſe, dem ſogenannten
„Ruſſian Houſe” verſammelt ſich von Zeit zu Zeit das ganze
„ruſſiſche London‟. Dieſes Haus vertritt heute die Stelle der
alten zariſchen Botſchaft am Cheſham Place, das 1924 den
Sow=
jetruſſen überlaſſen werden mußte. Doch vieles von der alten
Einrichtung, das perſönliches Eigentum des Botſchafters war, iſt
nach dem neuen Heim übergeführt worden. Hier, im Veſtibül
ſieht man nun die alte zariſche Fahne, das broncene Türſchild
mit der Aufſchrift „Kaiſerlich=Ruſſiſche Botſchaft”, altertümliche
Porträts der Zaren und Zarinnen, ſchöne, Alt=Moskau und Alt=
Petersburg darſtellende Stiche und andere Zeichen der
Vergan=
genheit mehr. Das iſt aber auch alles, was hier an Alt=Rußland
erinnert und eventuell zu melancholiſchen Betrachtungen Anlaß
geben könnte. Die in ähnlichen Berliner oder Pariſer „ruſſiſchen
Häuſern” herrſchende Aermlichkeit, Depreſſion und Wehmut fehlt
hier ganz. Der Ex=Botſchafter und ſeine junge und ſchöne
Gat=
tin ſind ſehr liebenswürdige Gaſtgeber, die viel Beſuch
empfan=
gen. Bei ihnen trifft ſich aber nicht nur das hier anſäſſige „alte
Rußland”, ſondern gleicherweiſe auch „ganz London” —
Englän=
der aus den verſchiedenſten und intereſſanteſten Kreiſen. Zu ihnen
allen iſt es den in London anſäſſigen Ruſſen gelungen, intime
Beziehungen zu knüpfen, gegenſeitige Verſtändigung zu ſchaffen,
und wertvolle Freundſchaften zu ſchließen, die ſich ſchon recht oft
als politiſch bedeutſam erwieſen haben ..."
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Gleichbleibendes Werktagsprogramm. 6.30: Gymnaſtik, Wetter,
Zeit. o 12: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsm., Waſſerſtand. 12.55:
Nauener Zeit. O 15, 15.35: Zeit, Wirtſchaftsm. o 16.10: Ind.,
Handelsk. (Dr. u. Fr.). o 16.25: Gießener Wetter, Wirtſchaftsm.,
Währ. d. Nachm.=Konz.: Vereinsnachr. O 18.05, 19.15 oder 19.30:
Wirtſchaftsm.
Sonntag, 28. Juli. 7: Hamburg: Hafenkonzert. O 8.15:
Kathol. Morgenfeier. 0 Anſchl.: Glockengeläute von der St.
Peters=
kirche, o 10.30: Jugendbewegung: Dr. Roßmann: Oeſtliche
Ju=
genden. o 11: Köln: Motorſportveranſtaltung auf dem
Nürburg=
ring: Großer Preis von Deutſchland (für Motorräder). o 11.30:
Elternſtunde: Mittelſchulrektor Krupp: Schwierigkeiten der
Selbſt=
beherrſchung. O 12: Kaſſel: Konzert. O 13: Landwirtſchaftskammer
Wiesbaden: Abbauerſcheinungen im Kartoffelbau. — Die
Laub=
arbeiten an den Reben. — Die Düngung der Obſtbäume, O 13.15:
Köln: „Motorſportveranſtaltung auf dem Nürburgring: Während
des Rennens. o 14: Jugendſtunde: Märchen: Hanna Lüngen:
Aus. Gullivers Reiſen”. — „Die Reiſe nach Liliput‟ o 15:
Kon=
zert des Deutſchen Sängerbundes Guſtavsburg. o 16: „Laienſpiel
guf dem Dorf”: Eine Anregung von Pfarrer Wilhelm Reuter in
Bremthal, mit Szenen aus dem „Schinnerhannes” von Wilhelm
Reuter. (Spreler von Vockenhauſen). o 17: Vom Nürnberg aus
dem Stadion: Endſpiel um die Deutſche Fußballmeiſterſchaft. o 19:
Unv.=Lektor Roedemeyer: Thunerſee und Wannſee: zwei Sinnbilder
im Leben und Werk Heinrich von Kleiſts — eine unphilologiſche
Deu=
tung. 20: Sportnachr, u. a.: Die Ergebniſſe des
Nürburg=
renne ls. O 20.40: Konzert des Funkorch, Bojeldieu: Ouv. „Der
Kalt, von Bagdad‟. — Mozart: Konzert für Violine und Orch.
in Adur. — Cherubini: Ouv. zu Anakreon”. — Intermezo:
„Vera‟, Erzählung von Villers d’Isle=Adam. — Haydn: Sinfonie
Nr. 7o in Dedur (Die Jagd). — Verſchiedene kleine Stücke für
Violine u. Klavier. — Mendelsſohn: Aus d. Muſik z. Shakeſpeares
„Sommernachtstraum”, Muſikal. Leitung: Merten. Mitw.: Stefan
Frenkel (Violine), Drich J. Kahn (Klavier). o Anſchl.: Berlin:
Tamzmuſik.
Königswuſierhauſen.
Deutſche Welle. Cieisbreiß ndes Weritags=Programm. 5.50;
Wetter für den Landwirt. o 6: Gymnaſtik. O 12.25: Wetter für
den Landwirt (So 12.50). O 12.55: Nauener Zeit. 15.30: Wetter,
Börſe. 6 19,55: Wetter für den Landwirt.
Deutſche Welle, Sonntag, 28. Juli. 6: Gymnaſtik. O 6.30:
Frühkonzert des Berliner Fanfaren=Bläſerlorps. 0 8.55: Glockenſpiel
der Potsdamer Garniſonlirche. O 9: Morgenſeier. Anſprache: Pfarrer
Kroppenſtedt, Siemensſtadt. O Anſchl.: Geläut des Berliner Doms,
O 10: Wetter. 0 11: Praktiſche Winke für den Landwirt. 0 11.15:
Marltlage 6 11.30: Dr. Spannagel: Was muß der Landwirt bei
der Grünfutterkonſervierung beachten? o 12: Unterhaltungsmuſik.
Kapelle Emil Rooßz. 6 14: Unterhaltungsmuſik auf der Wurlitzer
Orgel. Francis Schotter. O 14.30: Landsknechte. Herm. Munk
Lieder zur Laute), Leo Reuß (Rezitationen). O 15.30: Märchen. 6 16:
Konzert des Lunapark=Orcheſters, Berlin. 18.30: Der Herr der
Kammer. (Jean Jaurés) von Th. Herzl. Sprecher: Fr. Fiſcher,
o 18,55: Vom Lande Utopia. Einf.: Dr. Hermanns. Rezitation:
Gerd Fricke. Plato „Der Staat”. — Thomas Morus „Utopia‟. —
Fr. Bacon „Neu=Atlantis”. — Campanella „Der Sonnenſtaat”,
O 19.35: E. Graeſer: Wie ſich die Berliner vor 50 Jahren
ver=
gnügten. 20: Orcheſterkonzert. Vexander Michael Szenkar mit
ſeinem Orcheſter. Mitw.: Anatol Knorre (Violine). o Danach:
Tanz=
muſik, Kapelle Daios Bela. 0 Pauſe: Bildfunk.
Ceite 8
Sonntag, den 28. Juli 1979.
Nummer 207
Aenne Müller
Ludwig Scheiper
Verlobte
Darmstadt, 28. Juli 1922.
Jakob Maithes
Lina Matthes
geb. Gruber
Vermählte
Darmſtadt Frankfurt a. M.
28. Juli 1929.
Unſer lieber Sohn und Bruder
Herr
Dr. med. Robert Hoffmann
iſt an den Folgen eines im
ärzt=
lichen Berufe zugezogenen
länge=
ren Leidens ſanft entſchlafen.
Die Beerdigung fand, in der
Stille ſtatt.
Sanitätsrat
Dr. F. W. Hoffmann
und Familie
Darmſtiadt, den 27. Juli 1929.
Hochſtraße 62
Todes=Anzeige.
Freitag Abend ging unſer heißgeliebtes, ſonniges Kind, meine geliebte Braut
Annelies Schäfer
stud. phil.
nach wochenlangem, qualvollem Leiden im 21. Lebensjahre heim.
In tiefem Schmerz:
Amimann Georg Friedr. Schäfer und Frau
Anna, geb. Wiesner
Eduard Poriner, cand. rer. pol.
Darmſtadt, den 27. Juli 1929.
Inſelſtraße 15 III.
Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Juli, nachmittags 2:/, Uhr, vom
Por=
tale des Friedhofs an der Nieder=Ramſtädterſtraße aus ſtatt.
Es wird gebeten, von Beileidsbeſuchen abzuſehen.
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Von der Reiſe
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Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme
und für die vielen Blumen= und Kranzſpenden beim
Heimgange unſerer lieben Entſchlafenen
Frau Greta Roß
ſagen wir auf dieſem Wege innigſten Dank.
Be=
ſonders aber danken wir Herrn Pfarrer Hoſmann
für die troſtreichen Worte am Grabe.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Otto Roß
Heinrich Stüber Wwe.
Gg. Ludwig Stüber.
Dr. Hugo Berger
verreist
Vertreter die Herren:
Dr. Grode, Roßdörferstr. 20 (ab 5. 8.)
San. Rat. Dr. Gutenberg. Waldstr. 1
Dr. Hofmann, Lautenschlägerstr. 16
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Nieder=Beerbach, den 26. Juli 1929.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Tei nahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter,
Großmutter, Schweſter und Schwägerin, den
Schweſiern der Petrusgemeinde für ihre
liebe=
volle Pflege, ſowie Herrn Pfarr=Aſſiſient zur
Nieden für ſeine troſtreichen Worte am Grabe
jagen wir Allen unſern tiefgefühlten und
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richtigen Dank.
Im Namen der Hinterbliebenen:
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 207
Sonntag, den 28. Juli 1929
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DIE GROSSE FUHRENDE HANDELS-U. WIRTSCHAFTS-
ZEITUNG FUR DEN DEUTSCHEN NORDOSTEN- AlS
WERBEMITTEL IN DIESEM GEBIET UNENTBEHRLICH
Nummer 207
Sonntag, den 28. Juli
* Der deutſche Schiffsverkehr
in ven Beintandien.
Von
Eduard Butzmann=Berlin.
ſein Wachſen und Gedeihen mit der Entwicklung unſeres Auslands= bank von 56,1 auf 57,1 verbeſſert.
handels wie der geſamten deutſchen Volkswirtſchaft in engem
Zuſam=
menhange ſteht. Das Statiſtiſche Reichsamt vermittelt uns in
gewiſ=
ſen Zeitabſchnitten eine gute Ueberſicht über die Entwicklung des
See=
verkehrs, aus welchem jedoch an dieſer Stelle nur ein Teilabſchnitt
behandelt werden ſoll, der den deutſchen Anteil an dem Schiffsver=
Panama=Kanal in Frage.
Der Verkehr durch den Suezkanal hat ſeit dem letzten
Vor=
kriegsjahre eine bemerkenswerte Zunahme erfahren. Nicht allein die
Zahl der dieſen Kanal benutzenden Schiffe iſt erheblich geſtiegen,
ſon=
wettgemacht werden konnte. Wohl aber dürfen wir die Feſtſtellung
machen, daß ſeit dem Jahre 1924 der deutſche Anteil am Schiffsverkehr
durch den Suezkanal ununterbrochen im Steigen begriffen iſt. War
nalverkehr beteiligt, ſo ſtieg ſein Anteil in den folgenden Jahren auf
doch die berechtigte Erwartung, daß ſchon im laufenden Kalenderjahre
wird. Im Vergleich zu dem Geſamtverkehr kann dieſes Ergebnis
aller=
den Suezkanal noch mit einem Sechſtel beteiligt, während der Anteil
für 193 nur mehr nicht ganz ein Zehntel ausmacht. Als Troſt für 17 Millionen.
dieſe Tatſache darf vielleicht erwähnt werden, daß auch der engliſche
Anteil am Verkehr des Suezkanal erheblich geringer geworden iſt, als
er in der Vorkriegszeit war. Dagegen dürfen wir uns der fortgeſetzten
Steigerung von Jahr zu Jahr freuen, während der engliſche Seeverkehr
durch den Suezkanal langſam immer mehr abbröckelt.
Der Seeverkehr durch den Nordoſtfeekanal hat der Zahl
der Schiffe nach den Vorkriegsſtand bisher nicht zu erreichen vermocht.
Dagegen iſt dem Raumgehalt nach ungefähr eine Verdoppelung
einge=
treten. Im Jahre 1913 baſſierten 54 628 Schiffe mit 102 Millionen
Reg=To. netto den Nordoſtſeekanal, während 1928 nur 54 102 Schiffe
mit 20,2 Mill. Reg.To, netto ihn durchlaufen haben. Abweichend
hiervon iſt die deutſche Beteiligung am Verkehr durch dieſen Kanal
etwas zurückgeblieben. Dies ergibt ſich zuerſt einmal daraus, daß der
Raumgehalt des deutſchen Schiffsverkehrs 1913 etwa 5,8 Mill. Reg.=To.
netto hetrug, 1928 aber nur auf bis zu 9 Mill. Reg.=To. netto geſtiegent iſt.
Relatib war die Entwicklung aber noch viel ungüinſtiger denn
Deutſch=
land war 1913 noch mit 57,1 Prozent am Verkehr des Nordoſtſeekanals
beteiligt, im Jahre 1928 aber nur noch mit 44,8 Prozent. Das hat
ſeine Urſache in der höheren Beteiligung engliſcher Schiffe an dem
Kanalverkehr, dann aber auch an der ſtetigen Zunahme der Zahl der
Schiffe aus den nordiſchen Staaten.
Was den Verkehr durch den Panamakanal anlangt, ſo iſt
derſelbe in Anbetracht der Kürze ſeines Beſtehens zu einer ganz
er=
ſtaunliche Größe angewachſen. Zieht man die Zahl der Schiffe in
Betracht, die 19B8 den amerikaniſchen Kanal durchliefen, ſo übertrifft
dieſelbe bereits die gleiche bezüglich des Suezkanals. Dagegen haben
dem Naumgehalt nach im Jahre 1928 den Suezkanal 24,9 Mill. Reg=
To. netto durchfahren, den Panamakanal aber nur B,5 Mill. Reg=
To. netto. Der deutſche Anteil hieran belief ſich nur auf 797 000 Reg=
To. netto, machte alſo nur 3,4 vom Geſamtverkehr aus. Dieſe recht
klein erſcheinenden Zahlen können dennoch als erfreulich bezeichnet
wer=
den, weil in ihnen eine fortgeſetzte Steigerung der Beteiligung der
beſtreiten natürlich neben den Vereinigten Staaten von Nordamerika, nicht in verhängnisvoller Weſe fördern will.
die britiſchen Inſeln. Berückſichtigt man jedoch, daß die Zahlen des
Verkehrs durch den Panamakanal den Warenverkehr nach der
Weſt=
küſte des amerikaniſchen Kontinents erkennen laſſen, ſo muß daraus der
Schluß gezogen werden, daß der deutſche Außenhandel hier noch ein
außerordentlich großes Betätigungsfeld vor ſich hat.
Zuſammenfaſſend gelangt man zu einem außerordentlich erfreu=
Entwicklung des engliſchen oder amerikaniſchen Seeverkehrs vergleichen.
Dominierte erſterer ſchon immer auf allen Weltmeeren, ſo wurde der
muß aber mit Hilfe der gewiß nennenswerten, aber doch nur einen
Teilerſatz für die erlittenen Verluſte darſtellenden Entſchädigung
voll=
den anderen ſefahrenden Staaten gar nicht beſtanden.
gleich der Bilanzziffern mit denjenigen des Vormonats unberückſichtigt
bleiben kann.
Monaksbilanzen deutſcher Kreditbanken.
Die Entſpannung der Reichsbank und damit das Aufhören der
Reſtriktionen kommt in den Bilanzziffern per Ende Juni deutlich zum
Ausdruck. Die fremden Gelder weiſen zum erſten Mal ſeit drei
Mo=
naten wieder einen Zuwachs auf. Dieſer Zuwachs kommt aber
ledig=
lich den Berliner Großbanken zugute. Während ſich die Kreditoren
bei letzteren um rund 250 Millionen vermehrt haben, beträgt der
Zu=
wachs bei allen deutſchen Kreditbanken nur 280 Millionen. Auch bei
den Staats= und Landesbanken und den Girozentralen iſt noch kein
Zuwachs zu verzeichnen, im Gegenteil, bei letzteren gingen die fremden
Gelder noch um 70 Millionen zurück. Bei den Berliner Großbanken
entfällt der Zuwachs faſt einzig und allein auf die „Sonſtigen
Kredi=
toren”, während die Bank=Kreditoren ſogar noch von 983 auf 908
Mil=
lionen zurückgegangen ſind. In bezug auf die Fälligkeit weiſen die
ganz kurzfriſtigen (innerhalb ſieben Tagen) fälligen Kreditoren den
größten Zuwachs auf; ſie ſtiegen von 3,43 auf 3,59 Millarden,
wäh=
rend die bis zu drei Monaten fälligen Kreditoren nur von 0,50 auf 054
Milliarden ſtiegen. Entſprechend der Kurzfriſtigkeit des Neuzuwachſes
hat dieſer auch lediglich in kurzfriſtigen Anlagen Verwendung
gefun=
den, und es ſind ſogar darüber hinaus Kontokorrentrückflüſſe kurzfriſtig
angelegt worden, denn im Gegenſatz zu dem Zuwachs an fremden
Gel=
dern weiſen die Debitoren in laufender Rechnung wiederum einen
Rückgang auf, der bei den Berliner Großbanken rund 80 Millionen
beträgt, bei ſämtlichen Kreditbanken allerdings geringer iſt; er beträgt
hier nur 57 Millionen. Sämtliche kurzfriſtigen Anlagen weiſen
Stei=
gerungen auf, eine verhältnismäßig ſtarke die Kaſſenbeſtände, die um
etwa 40 Millionen geſtiegen ſind. Einen gleichen Zuwachs hatten die
Noſtroguthaben: der Hauptteil der neuen fremden Gelder fand jedoch
Anlage in Wechſeln, die von 1,86 auf 2,02 Milliarden ſtiegen und in
Schatzanweiſungen und Schatzwechſeln mit einem Zuwachs von 268 auf
345 Millionen. In dieſen ganzen Bewegungen kommt die vorſichtige
Beurteilung der Wirtſchaftslage durch die Großbanken recht deutlich
zum Ausdruck. Die übrigen Anlagen weiſen gegenüber dem Vormonat
nur ganz geringfügige Aenderungen auf. Reports und Lombards
gin=
gen um wenige 4 Millionen zurück, Reports allein um etwa 3
Mil=
lionen. In einem kleinen Rückgang der Vorſchüſſe auf verfrachtete
oder eingelagerte Waren um 5 Millionen kommt die derzeitige, wohl
ſaiſonmäßig bedingte Stagnation des Exportgeſchäftes zum Ausdruck.
Rembourskredite allein blieben faſt unverändert. Bei den ſonſtigen
Aktivpoſten ſind keine weſentlichen Verſchiebungen eingetreten. Die
Aval= und Bürgſchaftsverpflichtungen weiſen einen Zuwachs vrn 517
auf 552 Millioner auf. Dagegen ſind die Indoſſementsverbindlichkeiten
— da augenſcheinlich die Geldlage der Banken keinen Anlaß zu
Redis=
kontierungen gab — von 1357 auf 1229 Millionen zurückgegangen. In
den kaum veränderten langfriſtigen Ausleihungen und Anleihen der
Girozentralen kommt die Stagnierung am Kapitalmarkt deutlich zum
Ausdruck.
Entſprechend der kurzfriſtigen Mehranlage hat ſich das Liquiditäts= heftigen Schwankungen nach oben und unten. Abhängig von
verſchie=
verhältnis faſt an allen Großbanken verbeſſert, nur bei der Commerz= denen Witterungsnachrichten und auch Ernteſchätzungen machten ſich zu
Der Seeverkehr deutſcher Schiffe hat ſeit langen Jahrzehnten ſchon ſchlechtert, und zwar von 55,9 auf 55,5 Prozent. Bei der Deutſchen Maßgebend für die Haltung der überſeeiſchen Getreidebörſen waren
ſtets die Aufmerkſamkeit weiteſter Bevölkerungskreiſe gefunden. Er Bank iſt es von 51,9 auf 53,7, bei der Disconto=Geſellſchaft von 610 neben dom uatürlichen Ausgleich überzogener Kursſteigerungen bzwv.
verdient dies auch in beſonderem Maße in unſerer heutigen Zeit, wpeil, auf 63,9, bei der Dresdner Bank von 560 auf 578 und bei der Danat= Rückſchläge die wechſelnden Auſſaſſungen über die zu erwartenden Ernte=
Wirtſchaftsmelancholie.
kehr durch die Weltkanäle erkennen läßt. Es kommen hier neben dem ſchaftslage zu einem Zeitpunkt vorherrſchen, in dem Deutſchlands Alter Iulandsweizen iſt nur in kleinen Mengen angebeten, während
Suezlanal nur der Nordoſtſee= und der zuletzt in Betrieb genommene Schickſalsfrage zur Enlſcheidung ſteht: den verlorenen Krieg auch neuerntiger Inlandsweizen auf ſpätere Lieſerung vorläuſig bei den
dern auch die durchſchnittliche Größe der durchlaufenden Schiffe iſt, ſchon deshalb nicht, weil eine allzu breit ausgeſponnene und übermäßig tracht kommenden Noggenmühlen nur nach Maßgabe des derzeit
mög=
ſtark gewachſen. Die Beteiligung Deutſchlands an dieſem Verkehr hat betonte Darſtellung der Schwächen unter Umſtänden höchſt unerwünſchte lichen geringen Mehlabſatzes zu. Die Preiſe der oberrheiniſchen
Kon=
durch den Krieg und die erſten Nachkriegsjahre eine Beeinträchtigung pſychologiſche Rückwirkungen auf die Schaffensfreude und den Tatwillen, bentionsmühlen richteten ſich in der großen Mühle nie nach den
jewei=
erfahren, die aus naheliegenden Gründen bis heute noch nicht wieder des deutſchen Volkes haben kann. Ein gewiſſer melancholiſcher Unter= ligen Auslandsweizenforderungen und wechſelten demnach
verſehiedent=
eingeſchlichen, dem nicht immer ſachliche Berechtigung innewohnt.
Deutſchland 1934 noch mit nur 12 Mill. Reg=To netto an dieſem Ka= deutſchen Wirtſchaftskörpers (Kapitalarmut, Folgen der Kriegstribute, wurde durch die zweite Hand erledigt, deren Preiſe bis zu 3 NM. unter
13 bzw. 16 bzw. 2,1 Mill. Reg.=To, netto, um ſchließlich für das Jahr die auf eine leichte Beſſerung hindeuten. Zunächſt die Arbeits= da ſich die Preiſe hierfür in den letzten Tagen erheblich ſenkten und man
1928 2 477000 Reg=To. netto zu erreichen. Bleibt dieſes Ergebnis marktlage; ein Nückgana der Konjunktur im Winter 1928/99 und auf noch billigere Preiſe hofft. Die Preisſpanne zwiſchen Weizen= und
nun auch gegenüber 1913 mit 2,6 Mill. Reg=To netto zurück, ſo beſteht die lange Dauer des harten Winters hatten die Arbeitsloſigkeit auf eine Nuggenmehl iſt zur Zeit ſehr groß und läßt in nächſter Zukunft
lebhaf=
der Vorkriegsſtand mindeſtens erreicht, wenn nicht überſchritten werden ſtützte Vollerwerbsloſe; dazu kamen noch 161,5 Tauſend Kriſenunter= 2825—28,50, Roggen ausl. 25,75—26, inl 22,75—23,00, Weizenmehl
dings nicht befriedigen, denn 1913 war Deutſchlands am Verkehr durch erwerbsloſe einſchließlich der Kriſenunterſtützten gezählt; das bedeutet nach wie vor ruhig geblieben. Dagegen lagen an der Mannzeimer
forſchung (Juli 1924 bis Juni 1926 ſind bei ihm gleich 100 geſetzt)
be=
trug im Durchſchnitt des guten Konjunktuvjahres 1927: 123,7, erreichte
ſenkte ſich im 2. Viertelighr 1998 auf 121,6. im 3. Vierteljahr auf 1178, Schwankungen und iſt in den letzten Tagen nach ſehr feſter Tendenz
im 4. auf 1089. Im Durchſchnitt des 1. Vierteljahrs 1929 hat ſich der
in dem fünf Monaten Januar bis Mai 1939 mit 1093,7 Millionen NM.
im Durchſchnitt höher als in den gleichen Monaten des Vorjahres Preiſe verſtehen ſich für promtte Ware, Weizenmehl 1050—19.50. Wei=
(982,4 Millionen RM.).
ſteigende Richtung der deutſchen Ausfuhr wird deutlicher, wenn man 15,50, Tvockenſchnitzel 13,00 RM.
die Entwicklung des ganzen letzten Jahrfünfts ins Auge faßt: die
Aus=
fuhr im reinen Warenverkehr (ohne Reparationslieferungen) betrug:
im Jahre 1925: 8,9 Milliarden
1996: 99
e „ 1977: 104
„ „ 198: 11,8
drücken darf, eine ſaiſonmäßige Reaktion auf den kolten Winter. Sie Mais B. Malzkeime mit Sack 18,50, Biertreber 18,50—19,25, Erdnuß=
Fall ſollte man oßiektiverweiſe neben den Shmptomen organiſcher danz: Luſtlos.
Wirtſchaftsſchwäche auch die Fortſchritte der deutſchen
Wirt=
ſchaft nicht unerwähnt laſſen, wenn man die ohnehin vorhandene
Ver=
deutſchen Schiffe zum Ausdruck gelangt. Den Hauptanteil am Verkehr anlagung im deutſchen Volk zur melancholiſchen Betrachtung der Dinge markt bewegten ſich die Preiſe bei ruhigem Geſchäft auf unveränderter
Wirfſchaftliche Rundſchau.
deutſchen Zigarreninduſtrie ſteht, der Landesfinanzamtsbe=irk war reichlich; der Abſatz aber nicht nennenswert groß. Es notierten
lichen Aufſchwung des deutſchen Schffsverkelrs durch die Weltkanäle. Dermſtadt, Heſſen, nach den neueſten Nachweiſungen des Statiſtiſchen Auslandseier unberzolt ab Grenzſtation, Inlandserier ch Station:
Bul=
denn der Anteil Deutſchlands an den drei Kanälen hat ſich von 85 Reichsamts über das deutſche Tabakgewerbe im Rechnungsjahr 1927/28
Mill. Neg=To auf 133 Mll Neg=To, neto von 1913 bs 1938 ge= an dritthöchſter Stelle der deutſchen Landesfinanz= polniſche 850—3, ruſſche 10—Ik, diniſche 11—13 belgiſche 1050-fl.
hoben. Dieſe Entwicklung läßt ſich nach keiner Nichtung hin mit der amtsbezirke. Nund ein Fünfzehntel der geſamten deutſchen Zi= baheriſche 10,75—1, norddeutſche 11—12, rumäniſche 950—975, ales
garrenherſtellung fällt im letzten Rechnungs=bzw. Berichtsjahr auf Heſſen, in Pfennige pro Stück.
nämlich 411,5 Millionen Stück Zigarren, von einer Geſamterzeugung
amerikaniſche Seeberkehr mit Hilfe ungeheuerer Staatsſubbentionen von 6958,5 Millionen Stück Zigarren im ganzen Deutſchen Neich, meldungen von den überſeeiſchen Terminmärkten und die ſchwächeren
künſtlich und treibhausartig entwickelt. Der deutſche Schiffsverkehr Heſſen, der Landesfinanzamtsbezirk Darmſtadt, hat unter den deutſchen Notierungen Liverpools gaben der Wochenſchlußbörſe ein ſehr ruhiges
amtsbezirken Münſter i. W. mit 14683 Millionen Stück Zigarren und weizen entwickelte ſich kein Geſchäft. Auch für Inlandsbrotgetreide neuer
kommen neu aufbauen und dazu noch Hinderniſſe überwinden, die in Magdeburg mit 381,1 Millionen Stück Zigarren. Weiter an der Spitze Ernte, das vereinzelt auch zu etwa 1 Mk. billigeren Preiſen ausreichend
aller Landesfinanzamtsbezirke finden wir Karlsruhe (Baden) mit einer angeboten wurde, zeigte ſich nur geringe Kaufluſt. Am Lieferungsmarkt
Gegenüber dem Vormonat hat ſich die Zahl der Monatsbilanzen Jahreserzeugung von 204/3 Millionen Stück Zigarren. Auf alle üb= ſetzte Weizen in den Herbſtſichten 1½—3½ RM. ſchwächer ein. Noggen
veröffentlichenden deutſchen Banken um eine vermehrt. Es handelt ſich rigen deutſche Landesfinanzamtsbezirke fällt jeweils weniger als ein war dagegen im Preiſe gehalten, da die bisher vorliegenden
Druſch=
aber um ein kleines Bankinſtitut, die Wendiſche Volksbank in Bautzen, Zwanzigſtel der deutſchen Zigarrenproduktion. Die Zigarrenfabrikation ergebniſſe enttäuſchend ſind. Mehl hatte geſtern nachmittag zu
unver=
mit 250 000 RM. Aktienkapital, ſo daß dieſer Zuwachs bei einem Ver= des ganzen Deutſchen Reiches iſt vom vorletzten Berichtsjahr 1926/27 änderten Preiſen kleines Konſumgeſchäft, heute war der Markt noch
zum neuſten Berichtsjahr 1927/28 um etwa ein Siebentel geſtiegen. An wenig entwickelt. Hafer hatte bei ausreichendem Angebot ſchleppendes
dieſer allgemeinen Vermehrung der Produktion hat der Landesfinanz= Geſchäft. Neue Wintergerſte trotz ermäßigter Forderungen ſchwer
ver=
amtsbezirk Darmſtadt einen im Verhältnis zu ſeiner Zigarren=Herſtel= käuflich.
lungsmenge erheblichen Anteil. Da die Zigarrenherſtellung in Heſſen
ſich im vorletzten Berichtsjahr auf 374,6 Millionen Stück Zigarren be= ſichtigem Gelot im Grunde feſte Tendenz. Die Preiſe des Vormonats
lief, haben wir für Heſſen im neueſten Berichtsjahr eine Produktions= uurden zum Teil etzwas überſchritten, beſonders für Schaffelle, wogegen
zunahme von rund 37 Millionen Stück Zigarren, oder um etwa ein Kalbfelle eher etnas ſchwächer lagen und die Preiſe hierfür bis zu
Zehntel der Erzeugung. Faſſen wir den Anteil der Zigarrenproduktion 5 Prozeut nachgaben. Auf der Frankfurter Häuteauktion wurden erzielt
in Heſſen von der deutſchen Geſamtpyoduktion ns Auge, ſo betrug die= für leichte Farrenhäute o. K. 70., für, ſchwere 56, 5 bis 52,95, für
im vorletzten Rechnungsjahr 1926/27, dagegen nur mehr 5,9 Gundert= 78, ſchwere 74,5 Pfennig pro Pfund. Leichte ſchwarze Kalbfelle galten
teile im neueſten Berichtsjahr 1927/28. Der Anteil des Landesfinanz= 112 bis 115, ſchwere 106 %5 bis 113,5o.
amtsbezirks Darmſtadt iſt aber, trotz der ſtarken abſoluten Zunahme der
Erzeugung geſunken, weil wir in anderen Bezirken wie Karlsruhe und
Münſter i. W. eine über den Reichsdurchſchnitt hinausgehende Zunahme
der Zigarrenherſtellung haben.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
deckungen in Erſch=inung. Das Angebot blieb klein, da der Regen= Bedarf der eiſenverarbeitenden Induſtrie hat angehalten.
mangel in Weſt=Texas angehalten hat und nur im Oſten des
Anbau=
gebietes Regenſchauer gefallen ſind. Im Verlaufe kam es vieder zu fabrik Haus Neuerburg in eine Aktiengeſellſchaft „nunmehr endgültig
Glattſtelluingen im Zuſaumenhang mit der günſtigen Wettervorherſage fallen gelaſſen worden. Man beabſichtigt, die bisherige o. H. G. in
für die Landesteile im Weſten.
Zucker und Kaffee geſchloſſen.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 27. Juli:
Mais: Juli 104, Sept. 10638 Dez. 1008: Hafer: Juli 4938, Sept. ſo daß es immerhin fraglich erſcheint, ob der für den laufenden Monat
50½, Dez. 54½4; Roggen: Juli 107½, Sept. 111½, Dez. 117½, erhoffte Mehrabſatz (gegenüber Juli 1928 mit 1 026 800 Dz.) erreicht
Schmalz: Juli 12,20, Sept. 12,35, Okt. 12,50, Dez. 12,57½ wird.
Fleiſch. Rippen: Juli 1325, Sept. 13,62½ Speck, loko
13.25: leichte Schweine 11.10 bis 12,30, ſchwere Schweine 10,75 Zementabſatz im Juni und Full nicht unerheblich zurückgegangen. Die
bis 11,65: Schweinezufuhren: Chicago 5000, im Weſten 25000. Baumarkt iſt der Abſatz in alleu Werken ſchlecht.
Baumwolle: Oktober 1868.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 27. Juli: Neichsamtes über den Zuckerrübeuanbau für die Zuckerfabriken des
Getreide. Weizen: Rotwinter 156½, Hartwinter 155½ Deutſchen Reiches beträgt die Zahl der vorausſichtlich in Bekrieb kom=
Mais, neu angek. Ernte 1188: Mehli ſpring wheat elears 700 menden Fabriken mit Rübenverarbeſtung im Betriebsjahre 1999/30
bis 760; Fracht: nach England 1,6 bis 20 Schilling, nach dem 242 gegenüber 248, die im Jahre 198/9 in Betrieb waren. Für dieſe
Kontinent 8 bis 9 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,95; Talg, extra, loſe 7½, flüche iſt gegenüber 1938 nur um ein Geringes, und zuar um 01. b. H.
Die Kakaobörſe war heute geſchloſſen.
Vom ſüddeutſchen Produkkenmarkk.
Nach den ſtürmiſchen Aufwärtsbewegungen der Vorwoche unten
lagen die internationalen Getreidemärkte im Verlaufe dieſer Woche
und Privatbank, die im Gegenſatz zu den anderen Banken eine Ver= Anfang dieſer Woche ſtarke Nückſchläge bemerkbar, die jedech beſenders
ringerung der fremden Gelder aufweiſt, hat es ſich geringfügig ver= gegen Cude dieſer Woche wiederum feſterer Tendenz weichen mußten.
ergebniſſe in u S.A. und Kanada. Die europäiſchen Zuſchußländer
ver=
hielten ſich im allgemeinen der welſſelnden Tendenz gegenüber paſſiv.
An den ſüddeutſchen Produktenbörſen verfolgte man die Vorgäuge
am Weltzu=izenmarkt mit Intereſſe, allerdings auch mit Zurückhaltung.
Die Mühlen beobachteten mehr die Preisbildung des Inlandweizens,
Es iſt begreiflich, daß trübe Betrachtungen der deutſchen Wirt= der durch den Vermahlungszwang ſtark in den Vordergrund getreten iſt.
finanziell zu liquidieren. Aber man ſoll dabei nicht in Uebertreſbungen hohen Forderungen nur wenig Käufer hatte. Auch das Angebot in
verfallen. Die Schwächen und Unzulänglichkeiten der deutſchen Wirt= neuem Inlandsroggen hat, bereits eingeſetzt, doch zeigte ſich für dieſes
ſchaftsentwicklung liegen klar zutage. Nur ſoll man darüber nicht die Produkt rüchgängige Tendenz, obwohl die Qualität, ſpeziell des Pfälzer
Symptome überſehen, die auf eine allmähliche Beſſerung hindeuten — Noggens, von guter Beſchaffenheit ſein ſell, greifen vorerſt die in
Be=
ton hat ſich bei der Beurteilung von Wirtſchaftsvorgängen und tatſachen lich. Nach Ermäßigung auf 40,50 RM. notierte Weizenmehl Spe= 0
uach zweimaliger Erhöhung am Berichlstage wvieder 41,75 NM. Der
Denn neben den bekannten Erſcheinungen organiſcher Schwäche des Abſatz der Mühlen war, gleich Null. Geringer, auſtretender Bedarf
Agrarkriſe, Aubeitsloſigkeit uſwp.) können wir auch Symptome feſtſtellen, den Mühlenforderungen liegen. Roggenmehl hatte ruhiges Geſchäft,
Rekordhöhe getrieben. Anfang März 1929 gab es 2,46 Millionen unter= teres Intereſſe für Roggenmehl erwarten. Weizen ausl. B,25, inl.
ſtützte. Und heute? Mitte Juni wurden rund 950 000 unterſtützte Voll= Spez. 0. 41,75 RM. Am Braugerſtenmarkt iſt die Geſchäftstätigkeit
gegenüber dem Höchſtſtand vom März d. J. einen Nückgang von rund Vörſe zum erſten Male Muſter von diesjähriger Ernte rheinheſiſcher
uud pfälziſcher Herkunft ver, deren Qualität gut beurteilt wurde,
Auf dem Geſiete der Produktion iſt ebenfalls eine Beſſerung Läufer ſind jedoch noch keine aufgetreten, ſodaß von einer Prolisbilduig
zu verzeichnen. Dor Produktionsindex des Inſtituts für Konjunktur= noch nicht die Nede ſein kann. Auch neue Wintergerſte war am Markte
und hatte weuig Inter=ſſenten. In Hafer konnte ſich nur ruhiges
Ge=
ſchäft bei teilweiſe ungeränderten, teilweiſſe leicht weichenden Preiſen
ſeinen höchſten Stand im 1. Quartal 1938 mit durchſchnittlich 1384, eutwickeln. Mais unterlag den Auslendsmärkten entſerechend harten
anfangs der Woche preislich erheblich zurückgegangen. Futtergerſte
Produktionsinder wieder auf 1206 erhöht und erreichte im April etwa 21—2, Hafer inl. 250—94, ausl. B—24. Mais m. S. gelb 22.50 bis
127,9. Das bedeutet einen Aufſtieg über den Jahresdurchſchnitt von 1997. 22,75. Am Futtermittelmarkt blieb die Tendenz für faſt alle
Futter=
ſorten auf Lieferung in den Herbſt= und Wintermonaten feſt. Ins=
Und ſchließlich die Endwicklung der Ausfuhr. Auch ſie hat ſich beſondere wurden die Forderungen für Trockenſchnitzel, Malikeima und
in den letzten Monaten zufriedenſtellend entwickelt, und zwar iſt ſie Viertreber erhöht. Die Nachfrage für promtte Futermittel, war
da=
gegen ſchwach, insbeſondere für Mühlennachprodukte. Die nachfolgenden
zenfuttermehl 12—12,50, Weizenkleie fein 10,75—1100, grob 11,25 bis
Ein Vergleich dieſer beiden Ziffern iſt allerdings wegen der ver= 11,75, Roggenkleie 12,50—13, Erdnußkuchen 21,75—22, Nadskuchen 19.25
ſchiedenartigen Konjunkturwerhältniſſe nicht ganz eindeutig. Die auf= bis 19,50, Sohaſchrot 21,25, Biertreber 18,50—19,00, Malzkeime 16 bis
Produktenberichke.
Mainzer Produktenbörſe e. V. Großhandelseinſtandspreiſe per
100 Kilo loko Mainz am Freitag. den 26. Juli 1929; Roggen 22,25
bis 22,50, Hafer 22,50—B3, Süidd. Weizenmehl Spez. 0. 38,50, Mühlen=
Die Beſſerungsſymptome der letzten Monate ſind allerdings zum furderung 42,15. Noggeymehl 01. 32,50, Weizenkleie fein 11,50, Weizen=
Teil eine Folge der günſtigeren Jahreszeit; ſind, wenn man (8 ſo aus=, kleie grob 2,50, Noggenkleie 13,50— 14,50, Weizenfuttermchl 13,
Plata=
ſind auch, wie die Steigerung der Ausfuhr, eine Folge von Zuſammen= kuchen 22,85— 33,50, Kokoskuchen 21—96. Palmkuchen 9— 21.
Naps=
hängen, die außerhalb der deutſchen Wirtſchaft liegen, z. B. von dem kuchen 20,25—20,50, Kleeheu lofe 10—11, Kleeheu geb. 10,50—11,50,
Aufſtieg der Konjunktur in großen Teilen des Auslandes. Auf jeden Wieſenhent 9,50—10, Maſchinenſtroh 5,25, Drahtpreſſtroh 5,50. Den=
Frankfurter Buttermarkt vom 27. Juli. Am Frankfurter Butter=
Baſis. Angebot war zur Genüge vorhanden. Es notierten:
Hollän=
diſche Butter 1 Faß (50 Kg.) 186 RM., einhalb Faß 188 RM., in
Halb=
pfundſtücken 190 RM. und deutſche Butter 1 Faß 176 RM.
Frankfurter Eiernotierungen vom 27. Juli. Die Tendenz war ſtetig;
Die Bigarreninduſtrie Heſſens 1927/98 und 193e/97. In der das Geſchäft ließ zu wünſchen übrig. Das Angebot von allen Ländern
gariſche 9.75—10 25, holländiſche 10.80—13, jugoſlawiſche 9,75—10,25,
Berliner Produktenbericht vom 27. Juli. Die enttäuſchenden Schluß=
Zigarren=Produktionsgebieten eine Stellung zwiſchen den Landesfinanz= Gepräge. Auf Baſis der wenig veränderten Cifofferten für Auslands=
Vom Rohhäutemarkt. An den Rohhäutemärkten herrſchte bei
vor=
ſer Anteil 69 Hundertteile der geſamten deutſchen Zigarrenherſtellung leichte Rindshäute 79 bis 87, ſchwere 78,75, für leichte Kuhhäute 70 bis
Kleine Wirkſchaftsnachrichten.
Die im allgemeinen befriedigende Entwicklung, die das Geſchäft am
ſüddeutſchen Eiſenmarkk in den letzten Wochen genommen hat, hielt auch
in der Verichtswoche an. Die Werke konnten ihre Lisferfriſten etwas
herabſetzen, da die Exportpreiſe augenblicklich keinen Nutzen haben und
Baumwolle: Am Baumſtiollmarkte traten anfänglich Wochenſchluß= daher wieder größeren Wert auf Inlandslieferungen legt. Der flotte
Wie wir erfahren, iſt das Projekt der Umgründung Ler
Zigaretten=
eine G. m. b. H. einzubringen, jedoch werden ſich die Verhandlungen
aus ſteuertechniſchen Grunden noch einige Zeit Zinziehen.
Nach dem Wochenbericht der Gebr. Dammaun Bank bleibt der
Auf=
tragseingang bein Kaliſyndikat zwar gut, doch ſoll die Erledigung der
Getreide. Weizen: Juli 144½, Sept. 1473, Dez. 154181 Aufträge merklich unter dem Verſagen der Schiffahrtsſtraßen leiden,
Gegenüber den erſten Monaten der diesjährigen Bauſaiſon iſt der
Läger ſind überfüllt. Infolge der ungünſtigen Verhältniſſe auf dem
Nach den vorläufigen Ergebniſſen der Erhebungen des Statiſtiſchen
Fabriken wunden iusgeſaut 427 263 Hektar mit Rühen angehaut
gegen=
uler einer Erntefläche von 426 902 Hektar im Jahre 1928. Die
Andau=
geſtiegen
Nummer 202
Zonntag, den 28. Jult 1929
Seite 11
din Senrin dar Nagt.
64)
Roman von Max Brand.
Deutſche Rechte bei Th. Knaur Nachf., Berlin W. 50.
(Nachdruck verboten.)
„Bart!” ſagte ſie leiſe und ſtreckte die Hand aus.
Ein bösartiges Knurren ließ ſie einhalten, und das Blitzen
der weißen Fangzähne trieb ſie in ihren Seſſel zurück. Der alte
Joe Cumberland kämpfte ſich mit entſetzlicher Mühe hoch, bis er
aufrecht auf ſeinem Lager ſaß. Das Licht fiel jetzt voll auf ſein
bleiches Geſicht und mit ſeinem weißen Haar und ſeinem langen
weißen Bart wirkte er wie ein Geiſt.
Jetzt fiel draußen die Außentür krachend ins Schloß. Leichte,
ſchnelle Schritte kamen die Diele entlang, wieder ſprang die Tür
weit auf und Dan ſtand vor ihnen. Die ſcharfe, friſche Luft von
draußen ſchien mit ihm ins Zimmer zu wirbeln, und als die
Tür auffuhr, zuckte die Flamme der Lampe, ſchoß in ihrem
Zylinder hoch und ſank dann langſam und trüb wieder zuſammen.
In dieſem vorübergehenden Lichtblick ſahen ſie, daß der Hut auf
ſeinem Kopf nur noch eine ſchlappe, formloſe Maſſe war, ſein
Halstuch war weggeriſſen und ließ die Kehle frei, der Mantel
war nur noch ein Bündel zerriſſener Lumpen, dicke Schmutzſpritzer
ſaßen an ſeinen Stiefeln, ja ſogar auf der ſchlaff herabhängenden
Krempe ſeines Huts, und ein dunklerer Fleck klebte an ſeiner
Wange. Zu pfeifen hatte er zwar aufgehört, aber er ſummte vor
ſich hin, als er einen Augenblick an der Tür ſtehenblieb und ſich
im Zimmer umſah. Dann ging er geradewegs auf Kate
Cumber=
land zu, packte ihre beiden Hände und zog ſie von ihrem Stuhl
in die Höhe.
Dann ſagte er, und es war ein Klang in ſeiner Stimme, der
alle drei erſchreckt zuſammenfahren ließ: „Draußen iſt heute nacht
etwas, dem ich nachreiten muß. Ich weiß nicht, was es iſt, es
kommt vom Wind und der Berührung der Luft und dem Geruch,
der aus dem Boden ſteigt. Und ich muß jetzt reiten! Ich ſag‟
euch allen für ine Weile Lebewohl, Kate.”
„Dan!” rief ſie, „was iſt geſchehen? Was haſt du da im
Geſicht?”
„Die Spuren der Nacht”, antwortete er. „Ich wüßte nicht,
was es ſonſt ſein könnte. Willſt du mit mir kommen, Kate?”
„Für wie lange Zeit? Wo gehſt du hin, Dan?”
„Ich weiß nicht, wohin und wie lange ich geh’. Nur das eine
weiß ich, ich muß gehen. Komm ans Fenſter, ſpür’ den Wind
auf deinem Geſicht. Dann wirſt du verſtehen!“
Er zog ſie mit ſich und riß das Fenſter auf.
„Spürſt du’s nicht im Wind?!” rief er ihr zu. Sein Geſicht
war wie verklärt. „Hörſt du es?”
Sie konnte nicht ſprechen. Sie ſtand zitternd da und blickte
hinaus.
„Sieh mich an!” befahl er und zwang ſie mit rauhem Griff,
ſich nach ihm hin zu drehen. Er beugte ſich über ſie, das gelbe
Licht tanzte und flackerte und glühte wieder in ſeinen Augen.
Während er ſie ſo anſtarrte, hatte er ihre beiden Hände
feſt=
gehalten. Nun ließ er ſie mit einem ärgerlichen Ausruf fallen.
„Kein Zeichen,” ſagte er bitter, „du haſt nichts geſehen und
nichts gehört."
Er drehte ſich auf dem Abſatz herum.
„Bart!” rief er und ſchritt aus dem Zimmer. Sie hörten
ſeinen gedämpften Schritt in der Diele und dann auf der Veranda
und dann nichts mehr.
Black Bart ſchlich zur Tür und in die Diele hinaus, aber gleich
darauf kam er wieder zurück und ſpähte mit ſeinen geſpenſtigen
Augen in das von Schatten behangene Zimmer zurück.
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Draußen erklang ein ſcharfer Pfiff. Black Bart fuhr
zuſam=
men. Trotzdem glitt er weiter ins Zimmer hinein, bis er vor
Kate ſtand. Dann machte er kehrt und ging langſam wieder zur
Tür, immer dabei ſich nach ihr umſehend. Sie rührte ſich nicht.
Knurrend fuhr der Halbwolf herum und trabte zu ihrem Stuhl
zurück. Diesmal packte er eine Rockfalte mit den Zähnen und
zerrte daran. Und jetzt ſtand ſie auf und machte einen Schritt.
„Kate!” rief Joe Cumberland. „Biſt du wahnſinnig, Mädel,
daß du dir einfallen läßt, in einer ſolchen Nacht hinauszugehen?”
„Ich geh’ ja nicht”, antwortete ſie haſtig. „Ich habe Angſt
und ich will dich nicht verlaſſen, Dad.”
Sie war ſtehengeblieben, aber Black Bart zog unter
drohen=
dem Knuren an ihrem Rock und zwang ſie, noch einen Schritt
vorwärts zu tun.
„Buck!” ſchrie der alte Cumberland, zog ſich mühſam in die
Höhe und ſtand wankend aufrecht. „Schieß den verdammten Wolf
über den Hauſen! — um aller Heiligen willen — um
meinet=
willen!“
Langſam und ſtetig zog der Wolfshund das Mädchen der
Tür zu.
„Kate!” rief ihr Vater und die Verzweiflung verjüngte ſeine
Stimme, daß ſie hallend das Zimmer erfüllte: „Willſt du hinaus
und zwiſchen Himmel und Hölle wandern — in einer ſolchen
Nacht?”
„Ich gehe ja nicht,” antwortete ſie, „ich will dich ja nicht
ver=
laſſen, aber ach, Dad ...!"
Er öffnete die Lippen, um ſie noch einmal zurückzurufen, aber
da trug der Wind den Chor der Wildgänſe durch das offen
ſtehende Fenſter, laut und klar und metälliſch wie ein fernes
Glockenſpiel, deſſen Glocken verſtimmt ſind. Und Kate
Cumber=
land ſchlug die Hände vors Geſicht und wankte blindlings aus
dem Zimmer und durch die Diele — und dann hörten ſie
drau=
ßen ein wildes Wiehern.
„Buck!” befahl Joe Cumberland. „Er ſtiehlt mein Mädel
— meine Kate —, ſpring” hinaus, ruf' die Leute wach — ſie
ſollen nicht zulaſſen, daß Dan für Kate ein Pferd ſattelt.”
„Wartet! Horcht!” unterbrach ihn Buck Daniels „Hört Ihrs?”
Sie hörten den praſſelnden Galopp eines Pferdes auf dem
feuchten Boden vor dem Hauſe und gleichzeitig ein wildes
Pfei=
fen, das ſüß und durchdringend hoch über ihnen dahinfuhr und
raſch in der Ferne verhallte.
„Er hat ſie mit auf ſein eigenes Pferd genommen”, ftöhnte
Joe Cumberland. Er verſuchte einen Schritt zu tun, aber er
wankte. „Buck, weck die Leute. Selbſt Satan kann meinen
Pferden nicht davonlaufen, wenn er doppeltes Gewicht zu
tra=
gen hat — weck: die Leute — und wenn du ſie zurückbringſt .. .
Seine Stimme erſtickte. Er wankte und wäre in die Knie
gebrochen, wenn nicht Buck Daniels ihn in ſeinen Armen
aufge=
fangen und auf ſein Lager zurückgetragen hätte.
„Was da geſchieht, kann kein Menſch ändern”, ſagte Buck
heiſer. „Ob der Himmel ’8 will oder der Teufel — ich weiß es
nicht, aber eines weiß ich, daß ſich keiner zwiſchen Dan und Kate
ſtellen kann.”
„Mach’ doch Licht!” befahl Joe Cumberland ſcharf. „Ich muß
was ſehen, ich muß nachdenken können, hörſt du denn nicht?”
Buck Daniels lief zu der großen Lampe hinüber und ſchraubte
den Docht hoch. Mit einem Male war jeder Winkel des Raums
von hellem Licht überſchwemmt.
„Kannſt du denn die Lampe nicht in Ordnung bringen?”
fragte der Alte zornig. „Iſt denn kein Oel mehr drinnen? Du
lieber Gott, Buck, s iſt noch nicht mal genug Licht, daß ich dein
Geſicht erkennen kann. Aber ’s muß auch ſo gehn! Buck, werden
ſie weit reiten? Kate iſt ein gutes Mädel! Jung, ſie wird mich
doch nicht allein laſſen?!“
„Gewiß nicht,” ſtimmte Buck Daniels zu. „Hat grade mal
Luſt auf inen kleinen Ritt mit Dan gehabt.”
„Der Teufel iſt heute nacht wieder in ſeine Augen
zurück=
gekehrt”, ſtammelte der Alte. „Weiß der Himmel, wo er
hin=
ſteuert. Buck, ich hab’ ihn aus den Bergen mit nach Haus
ge=
bracht und hab’ ihn in mein Herz geſchloſſen und jetzt iſt er
da=
von und hat alles mitgenommen, woran mein Herz hing. Buck,
warum iſt er bloß weg?”
„Er wird zurückkommen”, ſagte der rieſige Cowboy ſanft.
Schluß folgt.
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Serie III
AB 50
24 [ ← ][ ][ → ]
Die Suche nach dem vermißten Land=
Friedrichshafen erwarket Beſuch.
W9½cuf sspeiin"!
Berlin. Die Nachforſchungen nach dem
ver=
mißten Landgerichtsdirektor Dr. Bombe ſind
Sams=
tag früh in der Umgegend von Neu Globſow erneut
aufgenommen worden, ohne bisher zur Auffindung
irgendeiner Spur des Vermißten geführt zu haben.
Die Ermittlungen werden noch immer von den
zu=
ſtändigen Landjägern geführt. Berliner Polizei war
bis heute noch nicht angefordert worden. Nachdem
man in den letzten Tagen vergeblich die Wälder um
Neu=Globſow abgeſucht hatte, wurde geſtern früh mit
ben Nachforſchungen auf dem Stöcklinſee begonnen,
und zwar mit einer planmäßigen Suche mittels
Schlef;s Bo:: mehreren Fiſcherkähnen aus. Da
Dr. Bombe ſeit dem Morgen des 20. Juli
verſchwun=
den iſt, müßte ſeine Leiche, wenn er den Tod im See
gefunden hat, etwa nach ſieben Tagen wieder an die
Oberfläche kommen, ſo daß erſt vom heutigen Tage an
Landgerichtsdirektor Max Bombe.
(Originalzeichnung während einer
Gerichtsverhand=
lung von Schleifer.)
die Suche auf dem See Ausſicht auf Erfolg haben
könne. Es dürfte die Beobachtung eines Hotelgaſtes,
daß der Landgerichtsdirektor vor ſeinem Fortgang am
letzten Morgen einen blitzenden Gegenſtand, der einer
Schußwaffe ähnelte, in der Hand gehabt habe,
mög=
licherweiſe am zutreffendſten ſein. Dr. Bombe beſaß
nach den Bekundungen ſeiner Wirtſchafterin einen
Revolver, doch iſt die Waffe weder in ſeiner Berliner
Wohnung, noch in ſeinem Gepäck gefunden worden.
Er muß ſie alſo am Morgen des 20. Juli
mitgenom=
men haben, ein Umſtand, der den Verdacht eines
Selbſtmordes noch mehr gerechtfertigt erſcheinen läßt.
Die Auffaſfung, daß der Landgerichtsdirektor
frei=
willig aus dem Leben gefchieden iſt, wird jetzt auch
von ſeinen Freunden vertreten. Als Grund ſoll nach
Anſicht dieſer Kreiſe einzig und allein ſeine Erregung
über die anläßlich der von ihm geleiteten
Femepro=
zeſſe gegen ihn gerichteten Angriffe in Frage
kom=
men. Bei ſeiner übergroßen Empfindlichkeſt ſei er
ſchließlich außerordentlich mißtrauiſch geworden und
habe ſich eingebildet, daß man ihn, weil er damals in
einem Femeprozeß die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen
habe, auf irgendeinen Poſten habe abſchieben wollen.
Infolgedeſſen glauben ſeine Freunde, daß Dr. Bombe
in dieſer Gemütsverfaſſung infolge einer gewiſſen
Nervenüberreizung Hand an ſich ſelbſt gelegt hat.
Von ſeiner Behörde wird betont, daß
Landgerichts=
direktor Bombe ſich bei ſeinen vorgeſetzten Stellen
eines außerordentlichen Anſehens erfreute, wofür ja
auch die Tatſache ein Beweis iſt, daß gerade er jetzt
den Präſidenten des Landgerichts vertreten ſollte.
Bundestagung des Reichsbundes der Schleſier
in Breslau vom 1. bis 3. Auguſt 1929.
Zum erſten Male kommen aus allen deutſchen
Landesteilen die Schleſier nach Breslau, um in einer
eindrucksvollen Kundgebung das geſamte deutſche
Va=
terland darauf aufmerkſam zu machen, daß die
ſchle=
ſiſche Frage eine Angelegenheit des ganzen deutſchen
Volkes iſt. Die Tagung des Reichsbundes der
Schle=
ſier erhält dadurch eine beſondere Bedeutung, daß der
Dichter Hermann Stehr über die Weltgeltung der
ſchleſiſchen Kultur ſprechen wird und Landesrat von
Sutterheim die Wirtſchaftslage Schleſiens in der
Ge=
genwart beleuchten wird, die für die deutſche
Wirt=
ſchaft von unermeſſener Bedeutung iſt. Der
Reichs=
bund der Schleſier, der über den Rahmen der reinen
landsmannſchaftlichen Geſelligkeit hinaus ſich für die
Erhaltung der deutſchen Kultur in Schleſien einſetzt,
hat in allen deutſchen Ländern bereits Orksgruppen.
Der vom 1. bis 3. Auguſt in Breslan ſtattfindenden
Bundestagung des Reichsbundes der Schleſier bringt
die geſamte Oeffentlichkeit größtes Intereſſe entgegen.
Alle Heimatbehörden, alle großen Verbände werden
ſich an der Bundestagung beteiligen. In einem großen
Schleſierabend, der von der Schleſiſchen Funkſtunde
übertragen wird, ſoll alte ſchleſiſche Kultur in ihren
Sitten und Gebräuchen zum Ausdruck kommen. Die
Vertreter der Schleſiervereine im Reich, die Gäſte der
Stadt Breslau ſind, werden in einer eindrucksvollen
Kundgebung ſich auch dafür einſetzen, daß die Welt auf
das Unrecht aufmerkſam wird, das durch die
Zerſtücke=
lung und Zerreißung Schleſiens begangen worden iſt.
Dem Reichsbund der Schleſier iſt nun auch der Bund
der Schleſier in Oſt= und Weſtpreußen beigetreten
mit einer großen Anzahl von Orisgruppen. Es wird
mit einer großen Beteiligung in Breslau gerechnet.
Die deutſchen Landkreiſe in Baden=Baden.
Die Hauptverſammlung des Deutſchen
Landkreis=
tages findet am Montag, den 16. September, in
Baden=Baden ſtatt. Als
Hauptverhandlungsgegen=
ſtände ſind gewählt: Wohlfahrtspflege und ländliche
Wirtſchaft. Berichterſtatter iſt der Landrat Dr. Dr.
Kracht=Heide, Mitberichterſtatter
Oberregierungs=
rat Dr. Schühly im Badiſchen Miniſterium des
Innern. Die Vertreter der Behörden und der
Par=
lamente haben bereits zahlreich ihre Teilnahme
zu=
geſagt.
Tödlich verbrüht.
Kaſſel. Hier verbrühte ſich ein zwei Monate
altes Kind dadurch, daß an einem gefüllten
Wärme=
krug, der Lem Kind zur Erwärmung in den
Kinder=
wagen gelegt worden war, der Boden abſprang. An
den erlittenen Brandwunden iſt das Kind geſtorben.
Die erſte Probefahrk nach der
Wieder=
herſtellung gut verlaufen.
Friedrichshafen, 97. Juli.
Volle zwei Monate ſind verſtrichen, ſeit die
Zep=
pelinhalle die letzten Paſſagiere — es waren die
un=
verrichteter Dinge zurückgekommenen
Amerikareiſen=
den — geſehen hat. Langwieriger und gründlicher
Verſuche hat es während dieſer Zeit bedurft, die
Ma=
ſchinenanlage des „Graf Zeppelin” wieder
aktions=
fähig zu geſtalten. Heute, in den frühen
Morgen=
ſtunden, war es nui ſo weit, daß das Schiff
vor=
erſt zu einem kleinen Probeflug die Halle wieder
verlaſſen konnte. Um 5.40 Uhr früh iſt das Sciff
mit einer Reihe von Fahrgäſten unter dem
Kom=
mando von Dr. Eckener zu einer Probefahrt
aufge=
ſtiegen. Das Luftſchiff iſt um 8.50 Uhr wieder
ge=
landet. Die Landung geſtaltete ſich ziemlich ſchwierig,
da ſtarke Luftböen auftraten. Man war gezwungen,
ſämtlichen Waſſerbalaſt abzuwerfen. Während der
Fahrt war das Wetter ſehr regneriſch und das
Luft=
ſchiff dadurch ſtark belaſtet worden. Die Motoren
waren während der ganzen Fahrt ſtets auf
Hoch=
leiſtung eingeſtellt und arbeiteten vorzüglich, ohne
irgendeinen Zwiſchenfall. Dr. Eckener äußerte ſich
nach Beendigung der Fahrt dahin, es ſei möglich, daß
bereits morgen früh, zwiſchen 7 und 8 Uhr, die nächſte
Probefahrt, die etwa 12 Stunden dauern ſoll,
ange=
treten werde.
Der Meuſch in der Wirtſchaft.
In der Zeit vom 25. Auguſt bis 14. September
wird die Deutſche Vereinigung für
ſtaatswiſſenſchaft=
liche Fortbildung unter dem Vorſitz von
Staats=
miniſter a. D. Dr. Saemiſch und der Studienleitung
von Prof. Dr. Harms=Kiel einen Lehrgang für
höhere Juſtiz= und Verwaltungsbeamte in Bad
Elſter in Sachſen abhalten. Die leitende Idee der
Geſamtveranſtaltung, die Vorleſungen, Vorträge,
Be=
ſprechungen und Beſichtigungen umfaßt, iſt „Der
Menſch in der Wirtſchaft‟. Der Lehrgang wird am
Sonntag, den 25. Auguſt, im Kurtheater des Bades
Elſter mit einem Vortrag von Prof. Dr. Wolters=Kiel
über „Geſtaltwandel in der Idealiſierung des
Wirt=
ſchaftsmenſchen” eröffnet werden. Der endgültige
Studienplan und das Beſichtigungsprogramm ſind
ſoeben erſchienen. Nähere Auskunft erteilt die
Ge=
ſchäftsſtelle, Berlin W 56, Schinkelplatz 6.
Fiſcherſtechen.
Vor längerer Zeit wurde alle fünf Jahre in
Starnberg das hiſtoriſche Fiſcherſtechen mit ſeinen
Wettkämpfen um den von Prinzregent Luitpold
geſtif=
teten Wanderpreis abgehalten. Seit 17 Jahren iſt
das Spiel nicht mehr abgehalten worden, jetzt, im
Rahmen der „Starnbergerſee=Woche”, lebt der alte
Brauch wieder auf. Am Sonntag, den 4. Auguſt,
fin=
der das Fiſcherſtechen in Starnberg ſtatt. Neben den
ernſthaften Wettkämpfen den Flachbootrennen uſw.
wird ſich auch der luſtige Teil des Lanzenſtechens
und des Baumlaufens abſpielen. Schon immer
ſtan=
den dieſe Veranſtaltungen im Mittelpunkt des
Inter=
eſſes und boten beluſtigende Bilder, wenn die
Teil=
nehmer im Kampf um die ehrenvollen Trophäen
in das hoch aufſpritzende Waſſer fielen. Man rechnet
auch in dieſem Jahre wieder mit einem zahlreichen
Beſuche des berühmten Volksſpieles.
Das Ende einer Kirchenrevolution.
Breslau. Wie aus Gleiwitz gemeldet wird, iſt
durch den Machtſpruch des Papſtes jetzt die
Kirchen=
revolution in dem Orte Oſtroppa beigelegt worden.
Der katholiſche, von den Gläubigen verehrte Pfarrer
des Dorfes war beim Breslauer Kardinal denunziert
worden, ein ſträfliches Verhältnis zu einem jungen
Mädchen des Ortes zu unterhalten. Der Erzbiſchof
verfügte die vorläufige Amtsſuspendierung des
Pfarrers. Damit aber waren die Einwohner von
Oſtroppa nicht einverſtanden, und ſie gebrauchten
ſchließlich, als ſie mit ihren Verſtellungen kein
Ge=
hör fanden, Gewalt. Sie ſtürzten das Auto, das den
Pfarrer abholen ſollte, in den Straßengraben. Der
Pfarrer, der der erregten Menge gut zuredete, erreichte
auch nichts. Er wurde wochenlang im Pfarrhaus
be=
wacht. Nur der Gang zur Kirche war ihm erlaubt,
doch wurde er auch hierbei ſtreng überwacht.
Schließ=
lich konnte die Kirchenbehörde durch eine Liſt den
Pfarver in ſein vorläufiges Exil im Kloſter Pilchowitz
bringen, von wo aber die Dorfbewohner von Oſtroppa
den Pfarrer wieder entführten. Nunmehr verfügte
der Papſt die Amtsentſetzung des Pfarvers, doch
wird vorläufig keine Neubeſetzung der Pfarrei
er=
folgen. Unter Geleit von 80 Schupobeamten hat der
Pfarrer Oſtroppa verlaſſen.
Erdbeben in Eeuador.
Sechzig Tote.
New York. Nach einer Meldung der „
Aſſo=
ciated Preß” aus Quito (Ecuador), zerſtörte ein
Erd=
beben Freitag früh die Stadt Moyurgo faſt völlig.
Unter den Bewohnern, von denen nach den bisher
vorliegenden Nachrichten 60 den Tod fanden, iſt eine
allgemeine Panik ausgebrochen. Auf den Hauptſtoß
folgten noch weitere leichtere Stöße, die den Schrecken
der Einwohner, die ſich hatten retten, können, nur
noch erhöhten. Auch in den Ortſchaften Tambello,
Machachi und Latacunga wurde durch das Erdbeben
beträchtlichen Schaden angerichtet. Aerzte und Rote=
Kreuz=Mitglieder waren zur Hilfeleiſtung für die
Verletzten und Obdachloſen aus Quito herbeigeeilt.
Die Erdſtöße dauerten bis zum Abend fort. Im
Zentrum des Bebens öffeten ſich abgrundtiefe
Spal=
ten, die zum Teil 4½ Meter breit waren. Sämtliche
betroffenen Ortſchaften liegen in einem engen
Berg=
tal, das ſich ſüdlich von Quito erſtreckt, in der Nähe
des Vulkans Cotopaxi. Latacunga zählt 17 000
Ein=
wohner. Die anderen Orte ſind kleiner.
Erdbeben in Tokio.
Tokio. Der Bezirk von Tokio iſt von einem
heftigen Erdbeben erſchüttert worden. Das Zentrum
des Bebens, das in Tokio und Yokohama deutlich zu
ſpüren war und unter der Einwohnerſchaft eine
Panik hervorrief, lag etwa 45 Kilometer ſüdweſtlich
von Tokio. Das Erdbeben war eines der ſchwerſten
ſeit 1923 und erreichte ſeine größte Stärke in der
Ortſchaft Kamakura; aber da kein Brand entſtand,
blieb der angerichtete Schaden gering. Der
Eiſen=
bahnverkehr in der Umgebung von Tokio und
Yoko=
hama mußte zeitweiſe eingeſtellt werden
Der wiederhergeſtellte Zeppelin=Brunnen in Friedrichshafen.
Für die kommenden Starts des „Graf Zeppelin” zur zweiten Amerikafahrt und zur Weltreiſe
erwartet Friedrichshafen großen ausländiſchen Beſuch. Die Stadt hat dem Rechnung getragen und
den Zeppelin=Brunnen, der ein Wahrzeichen der Heimat aller Zeppeline iſt, wiederherſtellen
laſſen.
Die „Europa” im Trockendock.
Die Europa” das Schweſterſchiff der Bremen”, iſt nach dem Rieſenbrand, durch den ſie Ende
April ſchwer beſchädigt wurde, gänzlich überholt worden und befindet ſich nun zur Fertigſtellung
(Photo Ufa.)
in Deutſchlands größtem Trockendock in Hamburg.
Blick auf die Brandſtätte.
Die „Bremen” auf der Nückfahrt nach Europa.
NewYork. Der Lloyddampfer, Bremen” trat
Samstag, morgen um 1 Uhr ſeine Rückfahrt nach
Europa an. Auf dem Lloyddock in Brooklyn hatte
ſich eine gewaltige Menſchenmenge eingefunden, die
die „Wacht am Rhein” ſang, während das
Nieſen=
ſchiff, das bis auf den letzten Platz beſetzt war, aus
dem Dock hinausfuhr. Der Dampfer war hell
er=
leuchket. Seine Flaggen wuurden von Scheinwerfern
beſtrahlt: Die „Bremen” paſſierte um 2.18 Uhr
Sandy Hook.
Spen Hedin kehrt nach Europa zurück.
Der bekannte ſchwediſche Aſienforſcher Soen
Hedin kehrt mit dem Hapagdampfer „Albert Ballin”,
der am Dienstag, den 30. Juli, in Hamburg=
Cuxhaven eintrifft, aus den Vereinigten Staaten
nach Europa zurück. Außer Sven Hedin befindet ſich
noch eine größere Anzahl namhafter Perſönlichkeiten
an Bord des Schiffes, darunter der Breslauer
Me=
diziner Prof. Dr. Jadasſohn, die bekannte Sängerin
Frau Schumaun=Heink, und der Leiter des New
Yor=
ker Informationsbüros der Deutſchen Reichsbahn,
Seite 14
Sonntag, den 28. Zuli1929
Nummer 207
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(12096
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wurde heute bei der Firma Abraham
Morgenſtern in Reinheim eingetragen:
Geſchäft famt Firma, iſt auf Kaufmann
Paul Morgenſtern in Reinheim über=
(12073
gegangen.
Reinheim, am 15. Juli 1929.
Heſſiſches Amtsgericht.
In unſer Handelsregiſter, Abt. 4,
wurde heute bei der Firma G. H.
Stüh=
linger in Reinheim eingetragen:
Ge=
ſchäft ſamt Firma iſt auf Kaufmann
Karl Wörner in Reinheim übergegangen.
Karl Wörner Ehefrau, Marie, geb.
Ber=
nius in Reinheim, iſt zur Prokuriſtin
beſtellt.
(12072
Reinheim, am 17. Juli 1929.
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Nummer 202
Sonntag, den 28. Juli 1929
Zeite 15
Von unſerem A. K.=Sonderberichterſtatter.
Fliegerlager Waſſerkuppe, 26. Juli 1929.
Wafſerkuppe und Segelflug. — Einſt und jeßt!
Abermals hüllt dichter, undurchdringlicher Nebel das Fliegerlager
ein, die Flieger wiederum zu einem unfreiwilligen Ruhetag
verurtei=
lend. Die ausgehängte Wetterkarte iſt dicht umlagert und leider wird
dabei feſtgeſtellt, daß vorläufig noch keine Beſſerung der Wetterlage
zu erwarten iſt. Ab und zu kommt an einem Fenſter der Wohngebäude
ein Kopf zum Vorſchein, um feſtzuſtellen, ob nicht doch noch die
Mög=
lichkeit zum Fliegen beſteht. Es iſt ausſichtslos. Die überaus warme
Witterung der letzten Tage iſt einer fühlbaren Abkühlung gewichen, die
wiederum warme Kleidung zur Bedingung macht. So ſitzt man in den
Räumen, ſpielt Karten oder unterhält ſich, träumt von der Waſſerkuppe
vergangener Zeiten. Langſam und monoton rieſelt draußen der Regen.
Der Beſucher des 10. Rhön=Segelflug=Wettbewerbes, der nach einer
Reihe von Jahren die Waſſerkuppe wiederſieht, wird ein erſtauntes
Geſicht machen, wenn er heute in das Fliegerlager kommt. Große
ge=
räumige Bauten ſind den alten Baracken gewichen, Dampfheizung,
Waſſerleitung und ſonſtige Einrichtungen der Neuzeit haben ihren
Ein=
zug auch hier oben gehalten. — Während der Blick draußen an der
grauen Wand einen Halt ſucht, ſchweifen die Gedanken zurück in die
Vergangenheit, Vergleiche ziehend zwiſchen damals und heute. Die
Waſſerkuppe vergangener Jahre iſt doch trotz allen Mangels an
Be=
haglichkeit, trotz der Entbehrungen, die der Aufenthalt hier mit ſich
brachte, von anderem Reiz geweſen. Wenn es auch kleine, baufällige
Baracken waren, die Unterſchlupf gegen Wind und Wetter gewähren
mußten, ſo war es doch die gänzliche Abgeſchiedenheit von aller Welt,
das Fehlen aller luxuriöſen Gebrauchsgegenſtände, der Ueberfluß an
Sonne, Wind, an Natur, der das Leben auf der Waſſerkuppe
lebens=
wert machte. Damals erlebte man Rhön — heute wohnt man
Flieger=
lager Waſſerkuppe, Poſt Gersfeld/Rhön. Eine ſaubere, gut gepflegte
Straße gibt der großen Welt den Zutritt zu der ſchönen Einſamkeit
frei, wo früher kaum gangbare Feldwege hinführten. Selten verirrte
ſich damals ein Wanderer herauf und wenn, ſo zog er bald wieder
kopf=
ſchüttelnd ab, wenn ſer die unraſierten Geſichter ſah und die Kleidung
betrachtete, die zum Teil recht primitiv war, derer, die ihm auf dem
höchſten Verg der Rhön begegneten. Früher lief man im
Morgen=
grauen herunter zur Quelle und wuſch ſich dort — heute geht man ins
Badezimmer und macht Toilette, immerhin ein weſentlicher Fortſchritt,
wenn auch noch nicht der Gipfel der Kultur. Abends ſaß man am
Feuer des wärmenden Unterſtandsöfchens, ſtreckte die Beine behäglich
der wohltuenden Glut entgegen, ſpielte Skat, arbeitete, zeichnete,
ge=
rade, wie es die Stimmung ermöglichte, oder ſchoß Ratten, die in großer
Anzahl auch heute noch die Waſſerkuppe bevölkern. — Die alten Baracken
enthalten noch ein gut Teil Entwicklungsgeſchichte des Segelflugs,
er=
zählen von Eſvenlaub, dem fle ßigen Württemberger, von Martens,
Stamer, Lippiſch, ſie erinnern an Max Kegel, den ſpäteren „
Gewitter=
maxe”, der ſich aus Langeweile mit der Kombinationszange die Zähne
zog, und vielen anderen, die manche Jahre gemeinſam trotz Wind und
Wetter, trotz Sonnenglut und Winterkälte zugebracht haben. Es waren
die Zeiten, wo noch der „Rhöngeiſt” herrſchte, wo „Budenzauber” und
alle möglichen anderen Streiche verübt wurden, wenn das fröhliche
Völk=
lein der Segelflieger infolge des ſchlechten Wetters keine andere
Be=
ſchäftigung hatte. — Heute dagegen tritt man abends vor den Spiegel,
wirft einen prüfenden Blick auf die Kleidung und begibt ſich dann ins
Hotel, ins Cafe oder auf die Baude. Ueberall herrſcht Betrieb. Autos
ſtehen bis ſpät in die Nacht dort, Kurgäſte wählen die Waſſerkuppe zum
Sommeraufenthalt. Leben und Treiben überall. Die Waſſerkuppe iſt
eine kleine Stadt geworden. Sogar ſtändige regelmäßige
Poſtverbin=
dung iſt vorhanden. — — Gern lauſcht man den alten Getreuen des
Segelfluges, wenn ſie davon erzählen, wie ſie vor 9—10 Jahren ihr
Leben hier oben gefriſtet haben. Tagsüber fliegend oder ſchulend,
abends Natten ſchießend. Wenn bei dieſer Gelegenheit einmal ein
Schuß durch die Decke fuhr, ſo wurde ein Marmelade=Eimer darunter
gehängt, um gegen den Regen Schutz zu gewähren, und wenn dann ſo
ein „Rhön=Indianer” ſein Lager darunter aufgeſchlagen hatte, paſſierte
es wohl mitunter, daß ein harmloſes unſchuldiges Kügelchen ſich gerade
in den aufgehängten Eimer verirrte und ſeinen Inhalt zum
Aus=
laufen brachte und ſomit wieder einmal dem Sprichwort Recht gab: „Wer
den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu ſorgen”. Ja, es geht
nicht gerade ſehr kultiviert her auf der Waſſerkuppe.
Und doch wurde auch damals gearbeitet, wurden auch zu dieſer Zeit
Weltrekorde aufgeſtellt, die bejubelt und gefeiert wurden. 10 Jahre
iſt es her, daß ein Flug von 1½ Minuten Dauer beſtaunt wurde, eine und har dazu ein reichhaltiges Programm zuſammengeſtellt. Vormittags
verhältnismäßig kurze Zeit und doch in der Entwicklung des Flug= um 8 Uhr beginnen bereits die leichtathletiſchen Wettkämpfe (nur für
weſens eine Epoche von großer Bedeutung. Ein Jahr nach dem anderen
brachte eine Steigerung der Höchſtleiſtungen, Stundenflüge wurden
durchgeführt, viele Kilometer im Segelflug überwältigt. Namen wie
Martens, Hetzen, Kegel, Schulz, Nehring und andere ſind auf das engſte Schüiler, ſowie ein Mehrkampf für alte Herren.
mit der Geſchichte des Segelflugs verknüpft. Sie haben ſich für die
Fortentwicklung des Segelflugs eingeſetzt, haben Leiſtungen vollbracht, Aufſtellung am Vereinslokal. Der Abmarſch nach dem Sportplatz
er=
die für die heranwachſende junge Fliegergeneration vorbildlich geweſen folgt um 2.15 Uhr unter Vorantritt einer Muſikkapelle. Nach Eintreffen
ſind. Bei allem Frohſinn und allem Humor, der auf der Waſſerkuppe
herrſchte, ließ man das große Ziel nicht aus den Augen, dem am Boden
liegenden deutſchen Flugweſen zum Aufſtieg zu verhelfen. Die Kunde / F.Cl. 03 Egelsbach 2. Mannſchaft — Griesheim 2. Mannſchaft (2 mal 30
von Martens: Stundenflug ging im Nu durch die ganze Welt, der
darin, wie die Begeiſterung ſich kund gibt, etwas, von dem man
be=
kommen mußten. Es iſt nicht der Jubel, der bei einer gänzlich
uner=
warteten Leiſtung herrſcht. Es bringt eben ſo die ſprunghafte Steige= Sp.V. 98 Darmſtadt, Damen — F. Sp. V. 95 Mainz, Damen (
Werbe=
rung auf dem Gebiete des Segelfluges mit ſich, daß man ſelbſt den vor
noch drei Jahren für unmöglich gehaltenen Dauer=, Höhen= und Strecken= Anſchließend Abmarſch mit Muſik nach dem Vereinslokal, dortſelbſt ab
flügen nicht völlig überraſcht gegenüberſteht. Die Entwicklung ſchreitet 9 Uhr Tanz und Pressverteilung.
ſtetig vorwärts. Vor Jahren blieb man am Hang, führre
Stunden=
flüge aus oder wagte kleine Flüge hinaus ins Tal, dann kam die in
der Hauptſache von Nehring geübte und bei ihm auch hochentwickelte ſich in Anſpruch nehmen können. Sp. V. 98 Darmſtadt und F. Sb. V. 65
Kunſt des Streckenfluges von Hang zu Hang, den gerade herrſchenden
Aufwind ausnützend und nunmehr der ebenfalls von Nehring zuerſt handballſport zu werben. Ihnen gilt ganz beſonders unſer Dank für
geübte Wolkenſegelflug. Langſam wurde ſo der Segelflug aus einem
reinen Sport zu einer Wiſſenſchaft. Anfang kannte man jede kleinſte Griesheim bald einen weiteren Gegner auf dem Spielfeld begrüßen
Ccke der Waſſerkuppe, die bei der oder jener Windrichtung Aufwind können. Auch die anderen Spiele verſprechen ſehr intereſſant zu
wer=
brachte und Dauerflüge ermöglichte, — heute fliegt man mit Fallſchirm den, zumal ſämtliche Maunſchaften der Viktoria die in den Vorſpielen
und Landkarte, um für alle Möglichkeiten vorbereitet zu ſein. Zufrie= erlittenen Niederlagen wett zu machen haben.
denheit und Stolz leuchtet auf allen Geſichtern, wenn der vergangenen
10 Jahre gedacht wird, die jungen Flieger an ihr hohes, ſchönes Ziel (
1
denken, getreu dem Wahlſpruch „Per Aſpera ad Aſtra”.
mpf. — Leicht=
Unter Beteiligung von 2500 Wettkämpfern nahm das 9. Bundesfeſt
des Akademiſchen Turn=Bundes in Klagenfurth ſeinen Anfang mit dem
Turnen und den Ruderwettkämpfen, die auf dem Wörther See zum
Austrag kamen. Im Geräte=Zehnkampf ſiegte der Wiener Klima knapp
vor dem Kölner Winter=Wagner. In der Regatta ſchnitt der ATV.
Berlin am beſten ab, indem er in 4 Nennen, darunter dem Gefallenen=
Gedächtnis=Achter und der ATB=Meiſterſchaft im Vierer, gewann.
Am 2. Tage wurden neben den Vorkämpfen der Leichtathletik in
der Hauptſache Schwimmwettkämpfe abgewickelt. Auch hier war der
ATV. Berlin bei den von vielen Zuſchauern beſuchten ſpannenden
Wettkämpfen ſehr erfolgreich.
Ergebniſſe:
Geräte=Zehnkampf (Oberſtufe): 1. Klima=Wiener ATV. 176 Punkte,
2. Winter=Wagner, Markomannia Köln 171 P.; 3. Windling=Rugia
München 162 P. — (Unterſtufe): 1. Reinhardt=Tuiskonia Frankfurt
a. M. 168 P.; 2. Franke=ATV. Breslau 164 P.; 3. und 4. Münzer=
Aidania Dresden, und Münnich=ATV. Berlin, je 160 P.
Regatta: Offener Vierer: 1. ATV. Berlin 7:38,4; 2. RV. Albatros
Berlin 7:45; 2. Vierer: 1. ATV. Berlin 7:47; 2. ATV. Kurmark
Berlin 7:59; 3. ATV. Arminia Verlin 8:23; Einer: 1. Kuyel, ATV.
Kurmark Berlin 8:35,4; 2. Heckmann, ATV. Berlin 8:42,6; 1. Vierer
um die ATB.=Meiſterſchaft: 1. ATV. Berlin 8:05; 2. Markomannia
Köln 8:17; Gigvierer: 1. Edmaria Kiel 4:41,2; Gefallenen=Gedächtnis=
Achter: 1. ATV. Berlin 6:51; 2. RV. Villach 7:05; 3. ATV. Frankonia
7:20,4.
Schwimmen: 4 mal 50 Meter Freiſtil: 1.ATV. Berlin 2:15,9;
4 mal 100 Meter Bruſt: 1. ATV. Berlin 6:06,3; 3 mal 100 Meter Lagen:
1. ATV. Berlin 4:19.5; 100 Meter Bruſt: (Oberſtufe): 1. Scheu, ATV.
Berlin 1:25,3; 100 Meter Rücken: 1. Scheu, ATV. Berlin 1:32; 100
Meter Freiſtil: 1. Bahnſen, ATV. Berlin 1:12,2; 2. Fränzel, ATV.
Gheberlinia Darmſtadt 1:20, 3. Reinicke, ATV. Cheruſſia Burgund
Freiburg 1:20,8; Springen: 1. Klima. ATV. Wien 152,10 P.;
Waſſer=
ball (Endſpiel); ATV. Graz—ATV. Gothania Jena 5:1 (3:1).
Turnen.
Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875.
Am heutigen Sonntag finden in Frankfurt a. M. „im Stadion”
die Kreismeiſterſchaften des 9. Kreiſes der D. T. ſtatt. Im Volksturnen
und im Schwimmen werden hier die beſten Vertreter der Vereine des
Mittelrheinkreiſes um den erſten Platz ringen. Die Turngeſellſchaft
Darmſtadt hat zu den beiden Veranſtaltungen ebenfalls ihre Meldungen
abgegeben, ſo ſtartet die 3 mal 1000=Meter=Staffel, die dieſes Jahr die
Gaumeiſterſchaft erringen konnte, und im Einzelrennen ſehen wir
Hein=
rich Fornoff bei der 5000=Meter=Strecke. Wie Fornoff hier abſchneidet,
läßt ſich ſchwer ſagen, jedoch nach ſeiner Zeit in den Uebungsläufen
ge=
rechnet, dürfte er ein ernſtes Wort bei der Kreismeiſterſchaft mitreden.
— Im Schwimmen hat die Abteilung im Einzelrennen als auch in den
Staffelwettkämpfen Meldungen abgegeben. Lohrer beſtreitet wieder die
100 Meter Rücken und Weiß ſchwimmt die 1000 Meter beliebig, Federlin
iſt für 100 Meter Seitenſchwimmen gemeldet. In den Staffelwettkämpfen
ſehen wir die Mannſchaften der Turngeſellſchaft bei der 4 mal 100 Meter
beliebig, 4 mal 100 Meter Lagen und ferner bei der Mittelrheinſtaffel,
bei der zwei Schwimmer und zwei Läufer den Kampf beſtreiten. Wie
hier die Siegesausſichten ſtehen, läßt ſich ſchlecht ſagen, doch rechnet man
auch bei den Schwimmern mit guten Plätzen ſowohl im Einzelrennen
als auch bei den Staffeln. — Im Turnhaus ſind am Sonntag abend
die Ergebniſſe der Kreismeiſterſchaften zu erfahren.
Die Amerikaner gewinnen das Doppelſpiel.
Die Führung des Davispokal=Endſpiels bleibt 2:1 bei Frankreich.
Auch am Samstag kamen wieder 10 000 Zuſchauer zum Tennis=
Stadion von „Roland Garros” bei Paris. Dieſe Maſſen mußten eine
Ueberraſchung erleben, denn ſtatt eines weiteren Sieges der Franzoſen
gab es im Doppelſpiel des Tages einen ziemlich glatten Sieg der jungen
Amerikaner Alliſſonſvan Ryn über die franzöſiſche Kombination Cochet/
Borotra. Innerhalb von 61 Minuten hatten die Amerikaner mit 6:1,
8:6, 6:4 den Kampf und damit den erſten Punkt für die Staaten
ge=
wonnen. Trotzdem wird der Davispokal in Frankreich bleiben, denn es
iſt kaum anzunehmen, daß am letzten Tage der Herausforderungsrunde
die Franzoſen beide Punkte verlieren. Es iſt angeſichts der ſchlechten
Form, die Borotra am Samstag zeigte, möglich, daß Tilden noch einen
zweiten Punkt für Amerika herausholt, den entſcheidenden Punkt dürfte
dann aber Cochet im Spiel gegen Lott ziemlich ſicher buchen. Beim
Doppel am Samstag zeigten ſich die Amerikaner, die ein wuchtiges
Spiel pflegten, ſehr gut eingeſpielt; bei den Franzoſen war dagegen
Cochet ganz ausgezeichnet, Borotra aber ſo ſchwach, daß Cochet faſt die
ganze Arbeit allein zu leiſten hatte. Innerhalb von 14 Minuten fiel
der erſte Satz 6:1 an die Amerikaner. Im zweiten Satz führten die
Yankees bereits 5:1, die Franzoſen holten jedoch auf und konnten
vor=
übergehend ſogar 6:5 in Führung gehen. Dann waren ſie aber
er=
ſchöpft und in insgeſamt 28 Minuten konnten Alliſſonſpan Rhyn 8:6
auch den zweiten Satz gewinnen. Im letzten Satz hatten die Frauzoſen
bis 4:3 die Führung, in drei ungemein ſpannenden Spielen holten die
Amerikaner dann hintereinander drei Punkte und damit den Sieg.
Rennen zu Grunewald.
1. Matchbox=Rennen: 3000 Mk., 1800 Meter: 1. Frau J. v. Opels
Eiſenhagel (Andrie), 2. Tramontana, 3. Octavia. F.: Maurus, Severus.
Tot.: 21, Pl.: 16, 29:10. 5—1 Lg.
2. Heuchelei=Rennen: 4100 Mark, 1600 Meter: 1. E. G. Butzkes Fürſt
Emmo (Grabſch), 2. Pronto, 3. Adiantum. F.: Conkurrent, Palmieri,
Caprivi, Sendbote, Malateſta, Ina, Radames. Tot.: 119, Pl.: 34, 22,
54:10. Kopf—3 Lg.
3. Hyeres=Rennen: 5500 Mark, 1200 Meter: 1. A. u. C. v. Weinbergs
Merian (O. Schmidt), 2. Vergangenheit, 3. Elpi. Tot.: 14:10. 1—1½, Lg.
4. Engelbert=Fürſtenberg=Rennen: 13 500 Mark, 3000 Meter: 1. R.
Eichbergs Avee Dieux (D. Schm dt), 2. Hauptgeſt. Altefelds Melkart
(Janek), 3. Fürſtenbrauch. F.: Botafogo. Tot.: 40, Pl.: 18, 18:10.
Kopf—8 Lg.
5. Preis von Puchhof: 3500 Mark, 1000 Meter: 1. Stall Hönwalts
Mellitus (Grabſch), 2. Mißgriff, 3. Sturmhaube. F.: Oliva, Nelke,
Rot=
buche. Tot.: 14, Pl.: 11, 12:10. 6—1 Lg.
6. Hutſchachtel=Rennen: 3000 Mark, 1400 Meter: 1. Graf Seidlitz=
Sandr. Praxedis (Viſek), 2. Tarnhelm, 3. Landluſt. F.: Mumm,
Grimm, Lilienfee, Norjana. Tot.: 44, Pl.: 18, 99, 23:10. 2—½ Lg.
7. Herrenmeiſter=Rennen: 3500 Mark, 2000 Meter: 1. „R. Dierigs
Gebelaune (Blume), 1. +R. Ledermanns Png Pong (Zehmiſch) 3.
Smaragd. F.: Ledon, Ferne. Attika, Beluga, Lucrezia, Malus. Tot.:
27/25, Pl.: 19, 16, 22:10. tot. R.—6 Lg.
Wie erleichtere ich mir das Aufwaſchen des
Küchengeſchirrs? Eßgeſchirre und Beſtecke zu reinigen, eine
tägliche Arbeit der im Haushalt beſchäftigten Frau, iſt durchaus keine
angenehme Sache. Ein ungenügendes Spülen, vielfach aus Furcht vor
dem heißen Waſſer, hinterläßt aber Fettanſätze und Schmutz. Das
Eß=
geſchirr wird dadurch nicht allein unanſehnlich es iſt auch in
gefund=
heitlicher Hinſicht zu beanſtanden. Appetitliches Eßgeſchirr aber iſt die
erſte Bedingung der Küche. Durch einen Zufall aber lernte ich nun ein
neues, eigens für das Spülen des Geſchirres hergeſtelltes Mittel kennen,
das unter dem Namen imi heute überall erhältlich iſt. Ich nehme
1 Eßlöffel davon auf 10 Liter Waſſer und habe ohne beſondere
Ar=
beit ein abſolut reines Geſchirr, ohne Fett= und Schmutzrückſtände. Das
Geſchirr iſt nach Gebrauch gänzlich geruchlos und zeigt einen
wunder=
ſchönen Glanz. Der überaus ſparſame Gebrauch empfiehlt das neue
Mittel noch ganz beſonders.
Sportwerbetag am 28. Juli 1929.
Vom Sp.Cl. Viktoria Griesheim wird uns verſpätet geſchrieben:
Am Sonntag veranſtaltet der Sp.Cl. Viktoria einen Sportwerbetag
Vereinsmitglieder) und kommen folgende Konkurrenzen zum Austrag.
Siebenkampf für Aktive, Fünfkampf für Jugendliche, Dreikampf für
Nachmittags 2 Uhr nehmen ſämtliche Teilnehmer in Sportkleidung
auf dem Sportplatz beginnen die Fuß= und Handballſpiele in
nach=
ſtehender Reihenfolge:
Min.) Fußball.
neueſte Rekord Kronfelds wird beſtaunt, gefeiert und doch liegt ſchon Alemannia Worms, Ligamannſchaft — Griesheim, 1. Mannſchaft (2 mal
25 Min.) Handball.
haupten kann, es ſei ein Ahnen, ein Wiſſen, daß ſolche Leiſtungen F. Cl. 03 Egelsbach, 1. Mannſchaft — Griesheim, 1. Mannſchaft. (Um
die Kreismeiſterſchaft). Fußball.
ſpiel). Handball.
Von allen Spielen wird wohl das Damenhandballſpiel das größte
Intereſſe, beſonders bei der Griesheimer ſportliebenden Damenwelt, für
Mainz gaben ihre freundliche Zuſage, in Griesheim für den
Damen=
die Zuſage und hoffen wir, daß d.e Damen beider Vereine, in Viktoria
Währed der Spiele iſt Platzkonzert, für Sitzgelegenheit iſt reichlich
Sorge getragen. Hoffen wir nun noch auf ſchönes Wetter und gutes
Gelingen.
NSU./Wanderer. Die Arbeitsgemeinſchaft dieſer heiden
Werke im Motorradgeſchäft wirkt ſich, wie aus deren Veröffentlichungen
hervorgeht, bereits in zum Teil ſehr ſtarken Preisverbilligungen aus.
Jnbeſondere bei den Wanderer=Modellen ſind die Reduktionen ſehr
er=
hebliche, wohl deshalb, weil durch das gänzliche Wegfallen des
geſam=
ten Vertriebs=Apparates, einſchließlich der Propaganda, auf der
Wan=
derer=Seite ganz erhebliche Einſparungen möglich ſind. Auch die NSU=
Preiſe profitieren, wenn auch nicht im ſelben Ausmaß, wie bei
Wan=
derer, von den getroffenen Maßnahmen. Der Zweck des
Zuſammn=
ſchluſſes iſt alſo, ſoweit die Preisbildung in Frage kommt, bereits
glän=
gend erfüllt, und man darf geſpannt ſein, wie ſich in Zukunft die
Zu=
ſammenarbeit in techniſcher Hinſicht auswirkt.
Das gewaltige Baugerüſt an dem bekamnten
Herrenbeklei=
dungshaus Heß, am Schillerplatz, dient dazu, der geſamten Front des
Hauſes einen neuen Anſtrich zu geben. Täglich ſehen Sie dort den
Schweißapparat ſeine hellen Funken ſprühen, um die großen eiſernen
Fenſterumrahmungen loszulöſen. Der durch dieſen großen Umbau
ver=
anſtaltete Ausverkauf iſt ſeinen enormen Preisreduzierung wegen in
allen Abteilungen ſehr beſucht. Man erhält dort in Anbetracht der
all=
gomeinen Saiſonausverkäufe auf reguläre Waren einen Mindeſt=
Rabatt von 15 Prozent und mehr.
Weiterbericht.
Ausſichten für Sonntag, den 28. Juli 1929: Teils heiter, teils leicht
wolkig, tagsüber Erwärmung, meiſt trocken.
Ausſichten für Montag, den 29. Juli 1929: Meiſt heiteres, wärmeres
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28. Juli 1929
Nummer 30
anun
Inann
Hannnnnn
HIny
Afrika einſt und jetzt.
Von H. A. Aſchenborn.
Afrika gilt ſo vielen noch als der dunkle Erdteil. Aber
Afrika, das alte ſchöne Afrika iſt nicht mehr. —
Mit der letzten Poſtkutſche war es auch in Deutſchland
vor=
bei mit der alten Poeſie. Jetzt ſingt man ein anderes Lied,
das Lied der Technik, das Lied der ſauſenden haſtenden Seit,
der Seit der Automobile, der Flugzeuge. Auch dieſes Lied
hat ſeine Poeſie, ſeinen eigenen Neiz.
Das Poſthorn klingt nicht mehr über Wald und Heide,
Berg und Cäler. Schrillende Autohupen, das Surren der
Motore iſt die neue Melodie.
Die Poſtkutſche vertrat in vielen Ceilen Afrikas, im
ganzen ſüdlichen Ceile von Weſt nach Oſt bis auf der
Oſt=
ſeite, faſt an den Aequator heran — der Ochſenwagen.
Sicher, eine ganze Seit noch wird ſich dies
Fortbewegungs=
mittel erhalten (in Berlin gibt’s ja auch noch Droſchken) —
aber die Autos (in der Hauptſache amerikaniſche) drängen
unſeren guten braven romantiſchen Ochſenwagen langſam
aber ſicher zur Seite.
Und im übrigen: Afrika? Der alte, ſchöne, klangvolle
Ruf: „Heia ſafari” klingt ſchon ſeltener über das weite
Land. Auch die Seit der großen Crägerkolonnen, der
Kara=
wanen, die die Waren von und zur Küſte ſchleppten — auch
ſie ſind vorbei. Autos überall! Kleinere Expeditionen und
Jagdſafaris trifft man noch in den entlegenſten Ceilen im
tiefen Urwald, in weiter Steppe. Sonſt aber beherrſcht das
Auto, wie geſagt, Afrika. Breite Autoſtraßen ziehen ſich
kreuz und quer durch den Kontinent, teils ſchlechtere, teils
beſſere, die aber mit jedem Jahr in der Qualität und auch
Quantität zunehmen. Strategiſche Straßen und
Handels=
ſtraßen.
Wie gefräßige Ungeheuer nagen ſich die Bahnen immer
tiefer in das dunkle Afrika. Von den Stationen aus führen
die Autowege zu fernen kleinen Ortſchaften, zu
Militär=
ſtationen, Farmen und Pflanzungen.
Der ſchwere, den Boden zerfahrende Ochſenwagen iſt
der Seind der Automobile geworden, und ſo finden wir
auch an faſt allen neuen Ueberlandſtraßen bei jeder Kreuzung
Cafeln und Schilder mit den Worten: Motors only!”
Glaubt man nun irgendwo in der Wildnis mit ſich und
der Einſamkeit allein zu ſein, jagt Löwen oder Elefanten,
freut ſich, der Swiliſation entronnen zu ſein, folgt den
Spuren des flüchtigen Wildes, dann ſteht man auf einmal
vor ſolch einem Schild, dem wir Alten mit eiem dreifachen
Fluch aus dem Wege gehen. Es wirkt wie ein Schlag ins
Geſicht, dieſes „Motors only!”
Die Sambeſifälle erreicht man bequem mit dem
Luxus=
zug. Die vor Jahr und Cag weltenferne Nilquelle auf
glat=
ten Autoſtraßen; Orte, die unſeren Eltern noch als weiße
Slecken auf der Landkarte entgegentraten.
Die endloſe flimmernde Weite der Steppe, die dichten
Urwälder, zerklüftete Gebirgspäſſe, unabſehbare Wüſten,
alles durchfliegt das Auto in wenigen Stunden.
Vier bis fünf Kilometer macht der Ochſenwagen in der
Stunde, ſeine 30 bis 40 Kilometer am Cage — und mit
neunzig Kilometer Stundentempo ſauſt das Auto durch
Afrika — Cime is money! Wenn wir doch erſt mal fühlten,
was wir verloren, durch das, was wir gewonnen haben!
Erklärlicherweiſe ſind hauptſächlich amerikaniſche
Auto=
mobile die „Kulturträger”.
Und die Eingeborenen in ihren ſchönen, ſtolzen Crachten,
ſie reihen ſich täglich mehr ein in den Miſchmaſch der
Küſten=
neger. Die Thieſen verloren den Sopf. Die Japaner ihre
ſchöne Kleidung, der Cürke den Sez und die Eingeborenen
Afrikas ihre Natürlichkeit.
Noch ſehen wir die ſchlanken, ſehnigen ſchwarzen und
braunen Geſtalten, die ſich mit einer Grazie bewegen, die
uns Kleidermenſchen ſchon lange abhanden gekommen iſt.
Bald aber gibts überall europäiſche Fetzen und Lappen,
Hemden, Jacken, Höſen und Hüte, die die ſchönen Geſtalten
vermummen und zu ſchmutzigen Vogelſcheuchen machen.
Wie lange dauerts noch, und die kriegeriſchen Maſſai,
die edlen, rieſengroßen, ſtolzen Watuſſi laufen auch in
ge=
flickten Khakihoſen und ſchmierigen Hemden!!
In Uganda haben wir ſchon das Schauſpiel der
fett=
geſalbten, ohrringgeſchmückken Farbigen, die Autos lenken,
die Autos ihrer farbigen Herren, der Beſitzer rieſiger
Baumwollhändlereien. —
Vor dem Kriege hatten wir in ganz Südweſt=Afrika
zwei ſchwere, große Automobile der Negierung als einzige
Bertreter ihrer Art, die, nebenbei geſagt, für das
Land abſolut unbrauchbar waren. Heute hat faſt
jeder kleinſte Farmer ſein Automobil. Genau wie
in Füdafrika, wie in Oſtafrika. Im alten deutſchen
Moſchi am Kilimandſcharo mit ſeinen zehn
Häu=
ſern gab’s früher ein Automobil, und jetzt ſind dort
und in der Nachbarſchaft weit über hundert. In
Nairobi, der Hauptſtadt Britiſch=Oſtafrikas, in
der etwa zweitauſend Weiße leben, haben wir an
viertauſend Automobile. An der Hauptſtraße des
Ortes finden wir eine Neparaturwerkſtätte neben
der anderen, einen Benzintank neben dem anderen.
Sonntagsausflüge macht man von dort an idylliſche
Je
Plätze, die noch vor wenigen Jahren nur unter
Pra=
Strapazen in wochenlangen Märſchen mit der
Sa=
farie zu erreichen waren. Durch die Wildnis, durch
feindliche Stämme, durch Siebergegenden und
waſſerloſe Steppen mußte man ſich hindurchſchlagen, und
heute iſt dasſelbe ein Ausflug am Wochenende.
„Der getreue Reiſgefert..."
Von Curt Corrinth.
Vor mir liegt ein uraltes Büchlein, aus einer Seit, da
noch niemand an D=Sug, Schlafwagenabteil, Flugzeug,
Luxusdampfer dachte. Es ſtammt aus dem Jahre 1651, heißt
„Fidus Achates oder getreuer Neiſ gefert” und wurde
ver=
faßt von Martin Seiller.
Reiſen vor 275 Jahren — längſt entſchwundene
No=
mantik — noch einmal blüht ſie auf, als ſei ſie gegenwärtig
— ſo treuherzig und rührend plaudern dieſe vergilbten
Blätter.
Wer darf — um die Mitte des 17. Jahrhunderts —
reiſen? Nur wer „„eines guten, ſtarken Leibes ſich erfreut!”
Er darf auch „nicht zu alt, noch zu jung ſein”. Will er, bei
ſolchen Vorbedingungen, eine Neiſe antreten, ſo übe er ſich
vorerſt fleißig im Laufen, damit er ſpäter „nicht auf dem
Wege erliege, oder Blaſen an den Füßen bekomme‟. Ferner
erlerne er vorher Schwimmen und — Kochen. Das „
Fahr=
niß”, das Gepäck, beſtehe aus folgendem: einem Gebet= und
Geſangbuch, einem Schreibtäflein, einem Kalender, einem
luſtigen Craktätlein, Sedern, Streuſand, Cintenfaß,
Feuer=
zeug, Faden, Nadeln, einigen wenigen, aber guten Kleidern,
Cüchern, Strümpfen, Bettſack, Schafpelz, Waffen. Nicht zu
entbehren ſind: „ein Derſpektiv oder Fernglas, item
Augen=
brillen wider den Staub, ein Spiegel, Kreide, Naucher= und
Wachskerze oder Stöcklein, ein Petſchaft (ſo aber wohl zu
verwahren), ein Meſſer ſamt einem Gäbelein, ein Kamm oder
Strehl, ein Eßlöffel, Ohrlöfflein, Sahnſtörer, Kompaß,
Sonnenweiſer, Seig= (aber kein Schlag=) und Sandührlein,
ſo in Möß (Meſſing) eingefaßt, auch ein Quadrant. Item
etwas von Gewürz, eingemachte Sachen, Oel, Hirſchenunſchlitt
Wachs, gemeiner Sucker, Noſenzucker. Dillen und etliche
andere Arzneien wider das Schweißen aus der Naſen,
Durchfluß und Stopfung des Leibes, Harnwindeln, den Sod,
den Wolf vom Neiten, Blaſen an den Füßen, Erbrechung
auf dem Meere,, die Peſt, Gift, böſe Lüſte, Kopfweh.
Bräune, Schlangen und Skorpionen und wütenden
Hunds=
biß, die Mäuſe, Schrunden an den Lefzen und andere
Um=
ſtände mehr.”
Der „Sehrpfennig ſoll aus Gold beſtehen, das man „im
Beutel, Büchlein, Wachs, Stück Brodts, ausgehöhltem
Stecken, in den Schuhen, Hoſen, Wamms oder ſonſt”
ver=
wahrt.
Vor der Reiſe verſöhne man ſich mit Gott, beſtelle ſein”
Sach’, mache ſein Ceſtament, ſegne noch einmal alle ſeine
Angehörigen. Dann auf den Weg — wobei man Pſalmen
leſe, bete, ſinge. Alle Nachtreiſen ſind zu vermeiden, der
„Irrwiſch oder Nachtlichtlei” wegen, ebenſo die Wälder,
denn dort gibt es „wilde Ciere, Näuber und Geſpenſter”
Begegnet man einem Bären, ſo „lege man ſich auf die Erde
und halke den Atem an ſich, als ob man tot wäre”. Man
lebe mäßig! An Feiertagen liege man ſüill! Stets ſoll man
„bei ſich der göttlichen Sachen eingedenk ſein, mit ſeiner
Geſellſchaft davon reden, auch, ſofern es die Gelegenheit zu=
läßt, andächtig ſingen, wiewohl es nicht allwegen ſein kann”.
Kommt man in eine Stadt und hat Scherereien wegen
des Einlaſſens mit der Wache, ſo verſuche man es ruhig
mit einer Beſtechung! Dann erhält man wohl gar obendrein
noch ein ehrliches Wirtshaus nachgewieſen. Gegen Wirt,
Wirtin und Cöchter erzeige man ſich dann „gebührend”,
ver=
wahre im Gaſthaus alle Abend ſeine Sachen, ſei beim Eſſen
„ſchamhaft” vergeſſe nie des Gebetes, verriegele ſeine Cür
wohl, lege während des Schlafens ſeinen Degen neben ſich
— im übrigen erkundige man ſich beſcheidentlich nach allen
Sehenswürdigkeiten des Ortes als da ſind: Cürme, Klöſter,
Sauerbrunnen, Geſundbrunnen, anweſende Künſtler wie
Canz= und Fechtmeiſter und „Noßbereiter”. All dieſes und
dieſe ſuche man auf. Auch vergeſſe man nicht, nach der
geographiſchen Länge und Breite und nach dem himmliſchen
Heichen zu fragen, unter dem der Ort gelegen iſt...
So kam man damals durch die Welt — in eigenem
Ge=
fährt oder in einer Mietskutſche, oft auch mit Poſtvorſpann,
auf dem Bock der „Schwager”, von deſſen Hörnerweiſen
Lenau und Sichendorff zu ſingen und zu ſagen wußten. Selbſt
zu Pferde unternahm man weite Neiſen, oder, wenn es der
Geldbeutel gar micht anders mittat, in Gottes Namen zu
Suß. Man hatte ja, ach, ſoviel Seit mehr als wir in unſeren
gehetzten Cagen. —
Was wohl Herr Martin Seiller ſagen würde, kömte er,
auferſtanden, heute noch einmal eine Neiſe tun —
HHHAHHHHIBAAHAHAAAnAIAEInEnaEpnnnnnnnnnng
HNEAABAHBABHRHAHAHEBHHABI
Antwerpen.
Von Rudolf Gläſer.
Auf Haltung und Gebaren der großen Straßen Antwerpens
liegt noch das Letzte von dem Abglanz gebreitet, den Paris nach
Norden wirft. Mehr wohl kaum, denn die Stadt lebt auch ſchon
lange, lebt beweglich, wirkt weit hinaus, holt viel herein, hat
vor allem viel Selbſt. Wie in den Straßen aller großen Städte,
ſo ſchweifen auch in der Avenue de Keuſer und ihrer
Fort=
führung glühende Schriften elektriſcher Birnen, glänzen über die
Unterbrechung durch den kühn geſpannten Bogen von
baum=
beſetzten Avenuen hinüber, welche die Stelle der alten Wälle
ein=
nehmen, mit denen ſich die Stadt an die Schulde klammerte. Zu
beiden Seiten des Fluſſes drohten Baſtionen. Die neuen Wälle
ziehen in weiterem Bogen um die geſamte Stadt, aber was die
Linie der alten heute umfaßt hält, das iſt ihr Herz.
Vor dieſen Mauern, die nicht mehr ſind, ſtand von
fünfzehn=
hundertvierundachtzig Alexander von Parma 14 Monate lang in
mühſeliger Belagerung. Es war eines der geiſtvollſten Spiele aus
der Kriegsgeſchichte, und beiderſeits wurde mit ausgeſuchten
techniſchen Mitteln und bewundernswerten Ueberlegungen
ge=
kämpft, was ja geniale Köpfe erſt zur Beteiligung an den
Schlächtereien der Menſchheit verleiten kann. Einmal hatte
Parma die Schelde mit einer Schiffsbrücke geſperrt, aber St.
Aldegonde in Antwerpen hatte Gianibelli, der ein Minenſchift
gegen die Brücke trieb. Es barſt und zerriß ſie, ſpaltete den Sluß
bis auf den Grund wie ein Blitz und rollte zwei furchtbare
Wellen über die Dämme, die fünfhundert Menſchen verſchlangen
und die Werke in Waſſer ſetzten. Am Ende mußte die Stadt ſich
übergeben, was für eine Seit ihre Blüte brach.
Es iſt großartig, wie ſich die Stadt an der Schelde aufreiht,
wenn man ſich im Boot über dn Fluß ſchaukeln läßt. Vorn
Schiffe, dahinter die helle Stirn von Häuſern, links die wirr
aufgebaute Pilotage, mitten der ſchwere, graue Steen, über die
Häuſer aufgeſteckt die Kirchtürme. Die Kathedrale, rund und
ein wie geſchmiedet, zierlich gekrönt; dann die Jeſuitenkirche, eine
kalt prunkende Prahlerei zu Ehren Gottes an dem kleinen
Conscienceplatz, der eigentlich ein ſtilles Cal iſt mit blauen
Schatten, zerſchnitten von gelbem Sonnenlicht, alles flutend wie
ein Aquarell. St. Paul iſt rund gehelmt. Den Curm geht halb
hinauf ein Kalvarienberg in einem kleinen Hof, die geſchwärzten
Heiligen ſind barock lebendig. Unten ſchaut man durch einen Spalt
in die Gruft, wo der Heiland aufgebahrt liegt, von mildem
Ker=
zenlicht überflackert. Der nahe Beguinenhof umſchließt mit
wehrenden Mauern eine verträumte Stille. Innen ſcharen ſich die
rötlichen Häuschen der Beguinen um eine verſchlafene
Garten=
wildnis von Sträuchern und Bäumen.
Im Steen, der alten Burg an der Schelde, ſteht noch ein
Stuhl des Inquiſitors. Neben den Eiſen zur Brandmarkung
werden zwei Gigantenhäupter aus Pappe gezeigt, die Köpfe des
Nieſen Antigonus und ſeiner Frau, die, wie ich mir ſagen ließ,
im früheren Karneval zuſammen mit der häßlichen Puppe Op
Signorken herumgetragen wurden. Für den Nieſen gibt es eine
kindliche, heldiſche Sage nach der er allen, die auf der Schelde
an ihm vorbeifahren wollten, die Hand abſchnitt und in den Fluß
warf. Bis der Nitter Salvius Brabo, Abkomme Caeſars,
aus=
zog und ihm desgleichen tat. Brabo hat ſein Denkmal vor dem
Nathaus, ſchöner noch auf dem anmutigen Eiſengeranke des
Metſusbrunnens an der Kathedrale. Dieſe Sage will den Namen
Antwerpen” herleiten von „Hand=werpen” die Forſchung
über=
ſetzt: „Am Werft”.
Ehemals ließ ſich die Stadt von der Schelde mit Kanälen
durchdringen, nach denen heute die Straßen genannt ſind, die ſie
erſetzen. Ein viertauſend Meter langer Kai mit Hafenbahn,
Kranen und einem Sug gleichartiger Lagerſchuppen dehnt ſich
neben der Schelde her. Im Süden ſind noch drei Hafenbecken
zwiſchen die Straßen der Stadt eingebaut, und im Norden, bevor
man von der See her an die Stadt gelangt, geht es in die großen
Hafenbaſſins, mit denen Napoleon den Anfang gemacht hat.
Indem man ſich vom Wind die unerläßliche Schicht Staub und
Ruß über das Geſicht pudern läßt, ſtolpert man unterhaltſam
zwiſchen Kiſten und Fäſſern und gewaltigen Eiſenketten herum,
über Schleuſen und Drehbrücken. Man iſt in eine Plantage
kurzer, ſpitzer Maſten verſetzt, die ſtändig wechſelt und von den
meiſten ſeefahrenden Nationen beliefert wird. Denn Antwerpen
iſt das Cor, durch welches das reiche und emſige Land hinter ihm
in die Welt geht, und die Schelde mündet da ins Meer, wo ſich
große Straßen der Welt kreuzen und von der See auf das Land
überwechſeln.
Darum iſt dieſe Stadt unüberwindlich, obwohl man in faſt
allen weſteuropäiſchen Kriegen hineinſchoß, obwohl ſie dauernd
zwiſchen den Nationen hin und her geriſſen wurde. Im ſechzehnten
Jahrhundert warfen ſpaniſche Söldner, nach Löhnung ſchreiend,
Slammen in ſechshundert Häuſer und ermordeten zehntauſend
Bürger. Die Sperrung der Schelde vom Weſtfäliſchen Frieden
bis zur franzöſiſchen Nevolution war die größte Gefahr für jenen
reichen Platz, der unter Karl V täglich vierhundert
Fracht=
wagen ankommen ſah und fünfhundert Schiffe, der nach Arabien,
Perſien, Indien flandriſches Sut verkaufte, Genua die Herrſchaft
im Schwarzen Meer ſtreitig machte, engliſche, deutſche, italieniſche
und andere, ſogar türkiſche Kaufleute mit Niederlaſſungen in
ſeinen Mauern atte. In der Börſe ſchloſſen die Fürſten des
Geldes aus aller Welt ihre Abmachungen. Die von heute iſt
hinter der alten Faſſade ein hallender Naum in Gotik des
neun=
zehnten Jahrhunderts mit kleinen hölzernen Kaufmannskontoren
ringsum wie Beichtſtühle.
Die Stadt, die ſich der Schelde verdankt, huldigt ihr von zwei
Cerraſſen aus, die am Kaj über den Dächern der Lagerſchuppen
hingebaut ſind. Da ſtehen Bänke, Antwerpen ergeht ſich und
beſchaut die Regſamkeit des Hafens. Dieſe Cerraſſen ſind
Meiſterwerke einer überlegenden Genießerei. Man ſitzt dort in
Kaffeehäuſern, freut ſich einer Sigarette, und unten treibt die
Schelde braune Wogen von fließendem Glas vorbei, denen ſich
der Seewind entgegenwirft, ſo daß ſie das Sonnenlicht zitternd
heraufblitzen. Silberne Möwen vollführen die graziöſeſte Aviatik,
die es gibt. Mächtige Seeſchiffe liegen am Kai und nehmen auf,
was die vielen Krane heranreichen, die der Cerraſſe den Nücken
zukehren und unter ſich, zwiſchen Schuppen und Waſſer; den
Schienenſtrang der kleinen Bahn hindurchlaſſen.” An den Maſten
hocken Matroſen und ſtreichen das Holz, am Schiffsrumpf kratzen
ſie Noſt. Breite Boote mit braunen Segeln ſchieben langſam eine
ſchäumende Welle vor dem Bug her, Motorboote huſchen über
das glitzernde Waſſer, durch einen Schleier von Nauch und Dunſt,
und kleine Schlepper ziehen ſchwere Schiffe nach dem Meer.
In den Hafenkneipen trommeln elektriſche Klaviere unter
Mittag, ſie trommeln in den ärmſten Straßen um die düſter
laſtenden Mauern des alten Vleeſchhuis, trommeln wirbelnde
Konzerte von einem unbeugſamen Cakt. Sinnenfroh ſind die
Menſchen hier, nicht ohne Genie zum Leben, denn ſie hatten
im=
mer Seemänner und Kaufleute von Bedeutung, haben, wie
be=
hauptet wird, Caſchen= und Sonnenuhr erfunden und den
Kom=
paß erſt brauchbar gemacht; ſie ſind nicht ohne Vertiefung, denn
aus ihrer Mitte kam ein Quinten Metſus und ein Rubens, der
ihre Kirchen herrlich und einzig machte, und ſie pflegten mit
Liebe, was der Austauſch des Geiſtes von fernher brachte,
be=
ſonders von Italien. Dieſe Bürger, die Häuſer errichteten, in
denen Könige wohnen durften, die durch die Emſigkeit friedlicher
Seiten alles gewonnen hatten, wurden aber fürchterlich, wenn
man ſie zum Kriege drängte, der ihnen nur nehmen konnte.
Antwerpen iſt eine Stadt der Arbeit, aber ſeine Luft iſt von
einer unbeſchreiblichen Heiterkeit erfüllt. Die Geſchäftigkeit
dieſer Hafenſtadt, wo ſich zwei Völker durchdringen und
un=
zählige zu Gaſt ſind, konnte ihre gelaſſene Heiterkeit nicht
zer=
reiben. Die halbe Welt ſchickt ihre Schiffe hierher, und die
Stadt nimmt ſie lächelnd in Empfang.
Caſanovas
gefährlichſtes Intermezzo
Von Hermann Linden.
An jenem Nachmittag, als der Chevalier de Seingalt, vor
drei Stunden den Bleikammern entſprungen, geſucht und gehetzt
von Häſchern, in äußerſter Not und Bedrängnis war, ſah er die
Cochter des Schuhmachers Scherer. Gefaßt von der Liebe zu
ſeiner Vaterſtadt, wollte er noch einmal vor dem Verlaſſen einen
Blick auf das noch immer karnevalstolle Venedig werfen, und
war daher aus der Ciefe des Schiffes, in das ihn der Koch, ein
guter Freund, verſteckt hatte, raſch nach oben geklettert. Da ging
ſie vorbei, Gloria Scherer, hutlos, einen kleinen Korb im Arm
und die ſüße Fröhlichkeit ihres Angeſichts und die gazellenhafte
Leichtigkeit ihres Ganges ergriffen ihn ſo, daß er Gefahr und
Polizei vollkommen vergaß, über das Landungsbrett ſprang und
hinter dem Mädchen einherlief, obwohl ſeder Schritt des flaſters
Codesgefahr für ihn war, denn er war ein der ſchwarzen Kunſt
angeklagter Mann.
Die Cenöre der Gondoliers ſchwangen ſich in weichen Arien
über die Paläſte und Lagunen. Der geflügelte Löwe auf dem
Marktplatz funkelte in der Sonne wie brennendes Gold. Das
Nokoko hatte ſich in ſeiner ganzen eleganten ſpitzenreichen
Schön=
beit öffentlich ausgeſtellt, durch die Schlitze der Larven glitten die
Augen ineinander, ohne daß man wußte, wem ſie gehörten.
Un=
beſchwerte Seligkeit trieb blühenden Unſinn, deſſen Entſchuldigung
ſeine Grazie war.
Haſtig ging der Chevalier, der als Fiſcher verkleidet war.
ſich im Gehen eine froſchgrüne Larve vor das Geſicht bindend.
hinter dem Mädchen her und erreichte es gerade in dem Augen=
blick, als ein langer Sug ſingender junger Stutzer es in ihre
Mitte nahm, um einen Canz um es herum aufzuführen. Das
Mädchen ſchien aber dazu keine Luſt zu haben, wohl nur weil es
keine Seit hatte und verſuchte den jungen Männern zu
ent=
kommen, was ihm aber nicht gelang. Caſanovas Stern hatte es
gut mit ihm gemeint, er hatte den Anlaß, den er ſich wünſchte.
Der Sprung, mit dem er in die Gruppe hineinſchnellte, war von
ſolcher enormen Wucht, daß drei der Dandies zu Boden flogen
und die übrigen in einer Seitengaſſe verſchwanden. Der
Che=
valier zog einen Suß nach hinten, machte eine feine Verbeugung,
als hätte er eine Dame von Welt vor ſich und bot dem Mädchen
ſeine Unterſtützung und Begleitung an. Gloria nahm ſie lachend
an. Nachdem ſie einige Minuten ſchweigend gegangen waren, die
der Chevalier benutzte, um einen tiefen, prüfenden Blick in die
großen, grauen Augen an ſeiner Seite zu tun, blieb das Mädchen
vor einem Palazzo ſtehen. „Warten Sie einige Minuten, Signor”
— flüſterte es, ein leiſes, zuckendes Lächeln um die Mundwinkel
— „ich will nur ſchnell dem Marcheſe Gonzaga ſeine Schuhe
bringen, dann können wir noch ein bißchen ſpäzieren gehen!”
Caſanova nickte und ſetzte ſich auf die eiſerne Stange des
La=
gunengeländes. Die Minuten zerrannen, mehr als er gedacht
hatte. Da ſaß er nun, der dreißigjährige leichte Vogel, angeklagt
der Alchimie und anderer finſterer Künſte und vieler
Betrüge=
reien, der Cod war bereits auf ſeinen Schatten getreten, aber er
hatte ihm einen Stoß zu geben verſtanden, daß er wieder ins
Unſichtbare verſank. Er betrachtete ſeine Hände, ſie waren hart
und hager geworden in der Hitze der Bleikammern. Seit drei
Stunden war er aus ihnen entkommen. Ueberall ſtreiften die
Häſcher umher, um ihn zu ſuchen. Ein Preis war auf ſeinen
Kopf ausgeſetzt. Gut verſteckt, hatte er in der Ciefe des Schiffes
geſeſſen, der böſe Seiſt hatte ihn wieder nach oben gelockt. Und
da war dieſes Mädchen vorbeigegangen, dieſes ſchöne, große,
ſchlanke, fremdländiſche Mädchen mit dem fröhlichen Geſicht und
den grauen, geheimnisvollen Augen, das Weſen Weib hatte
wie=
der wie immer mit Blitzesſchnelle Macht über ihn gewonnen.
Was bedeutete das Leben, der Cod, die Bleikammern, die
Häſcher, die Sefahr gegenüber dem Verſäumnis, ein ſolches
Mädchen ungekannt davongehen zu laſſen. Crotz dieſer Gedanken
unterließ er nicht, in dieſem Augenblick ſich das Halstuch vors
Geſicht zu ſchlagen, denn es kamen ſchwarze Polizeiſoldaten in
die Gaſſe hereingeſchwenkt, die jeden Hehenden und Sitzenden
argwöhniſch muſterten. An ihm, einem ſimplen Siſcher, gingen
ſie mit einem kurzen Blick vorüber. Ein Menſch, der in ſo
ſchlechter Haltung auf dem Geländer hockte wie er, konnte der
Geſuchte nicht ſein. Caſanova galt als eine brillante
Denkmals=
figur, nur vergaßen die Häſcher, daß er der Sohn einer
Schau=
ſpielerin war, wenn auch einer ſchlechten. Jedenfalls gingen ſie
vorüber, und der Chevalier reckte ſich wieder gerade und nahm
das Luch vom Geſicht. Gloria Scherer kam aus dem Haus, eilig,
beſtürzt, ein wenig zerzauſt. Der Marcheſe ſcheint mehr als ſeine
Schuhe gewollt zu haben, dachte Caſanova. Sie gingen wieder
den Weg zurück und ſtanden bald auf der kleinen Piazetta am
Dogenpalaſt. Caſanova warf einen verſtohlenen Blick auf die
Säulenreihe des Baues, an den zwei dunklen Säulen, zwiſchen
denen die Codesurteile verleſen wurden, blieben die Augen mit
einem höhniſchen Ausdruck haften. Sie ſetzten ſich auf eine
Creppe. Er nahm die Larve ab.
„Müſſen Sie nicht wieder zurück auf Ihr Schiff?” flüſterte
Gloria, mit der Hand auf den Schoner weiſend, an dem oben
die letzten Segel hochgebunden wurden. Der Chevalier war
er=
ſtaunt.
„Woher wiſſen Sie denn, daß ich von dieſem Schiff kam?”
frug er, einen Finger drohend erhoben.
. „Ach, man hat doch=Augen im Kopf”, lächelte Gloria zurück,
Nagt last
Eine amerikaniſche Kinderbühne, die der Nachahmung wert iſt. — Von Dr. W. Keller.
Die New Yorker „Schule für Malerei und Schauſpiel”, die
Kinder vom fünften Lebensjahr an aufnimmt, iſt eine ſehr
wert=
volle Einrichtung. Sinn und Sweck der Schule iſt, den Kindern
die Möglichkeit zu ſchöpferiſchen Eigenſchaften zu geben, und
zwar in einem Alter, in dem ihre Phantaſie und Einbildungskraft
noch völlig friſch und unberührt, der Geiſt noch nicht durch
ver=
ſtandesgemäße Eindrücke überlaſtet iſt und poſitives, objektives
Wiſſen noch nicht die ſubiektwe Vorſtellungskraft und
Phantaſie=
freude verdrängt hat. Die Schule gibt den Kindern die
Mög=
lichkeit, ihr Schönheitsgefühl frei zu entfalten. Sie zeichnen und
ämmer von neuem in veränderter Form wiederholen, bis ſich in
gemeinſamer Arbeit die beſte, künſtleriſch reifſte Möglichkeit
ge=
funden hat und in Sprache, Gebärde, Darſtellung und äußerem
Nahmen der Vorſtellung der kindlichen Phantaſie und ihrem
ehr=
furchtsvollen Wunſch einer möglichſt wahrheitsgetreuen
Wieder=
gabe des Shakeſpeare’ſchen Gedankens entſpricht. Sogar der
techniſche Apparat liegt in Händen der Kinder, die in
mühe=
vollen Arbeitsſtunden den ganzen Bühnonraum mit Vorhang,
Kuliſſen, Beleuchtungskörpern, Verwandlungen, Verſenkungen
und dem techniſchen Inventar geſchaffen haben.
malen nach eigenen Entwürfen, ſie arbeiten in primitiver Form
architektoniſch und plaſtiſch, ſie üben ſich in Rhythmus durch
Canz= und Muſikſtudien, und bei alledem wird das Hauptgewicht
darauf gelegt, daß jedes Kind ſeine perſönlichen künſtleriſchen
Anlagen und ſeine Originalität entwickelt. Um die Kinder vor
den Eindrücken der künſtleriſchen Cradition zu bewahren,
er=
halten ſie ſo wenig Anleitung wie möglich. Eine Anzahl
nam=
hafter Künſtler hilft den Schülern bei der Ausführung ihrer
Ge=
danken; die Lehrer beſprechen mit den Kindern die künſtleriſchen
Möglichkeiten und geben zuweilen techniſche Anweiſungen und
Natſchläge.
Die umfaſſende Bedeutung des Shakeſpeare’ſchen Genius
ſowohlrauf künſtleriſchem als auf menſchlichem Gebiet, die Größe
ſeiner Ideen in bezug auf die Ethik der Darſtellung ſeiner
Cha=
raktere, die Philoſophie des Inhalts ſeiner Dramen, die Art der
Geſtaltung und der Rhythmus ſeiner Sprache haben die Leiter
des Inſtituts darauf hingewieſen, daß die Shakeſpeare’ſche
Ge=
danken= und Kunſtwelt ganz beſonders geeignet ſei zur
Entwick=
lung und Erziehung junger Menſchen zu ſelbſtſchöpferiſchem
Können. Was hätte wohl Shakeſpeare geſagt, wenn man ihm
erzählt hätte, daß 300 Jahre nach ſeinem Code einige fünfzig
Knaben und Mädchen in einer rieſengroßen fernen Stadt, New
York, eifrig daran arbeiten, ſeinen „Sturm” zu einer nach eigenen
Entwürfen geſchaffenen Aufführung zu bringen? Er hat wohl
kaum daran gedacht, daß ſein „Caliban” und ſein „Ariel”
einmal einer ſpäteren Generation außerhalb der Bühne zu den
erſten, ſchöpferiſch anregenden Eindrücken werden würden.
Schon im Frühjahr des vorigen Jahres wurde mit den
Vor=
bereitungen zu der Aufführung begonnen. Sunächſt erzählte man
den Kindern den Inhalt des Dramas und verſuchte ihnen den
Gedanken der Cragödie nahe zu bringen. Ihre Vorſtellungskraft
beſchäftigte ſich lange Seit mit den Vorgängen, und die Phantaſie
malte ihnen das Heulen des Sturms, den ſtrömenden Regen, das
Gewitter und das ſtrandende Schiff in den lebhafteſten Farben
aus. Die Kinder lebten ganz der Geſchichte und plauderten
untereinander darüber, immer neue Einzelheiten grſinnend.
Bald begannen ſie, nach eigenen Eindrücken den
Schiffs-
untergang in bunten Farben zu malen. Dann lernten ſie
allmäh=
lich die Paſſagiere des Schiffes kennen, ſie kamen mit ihnen zur
Seeninſel und lernten die handelnden Perſonen nach ihren ver=
ſchiedenartigen Charakteranlagen unterſcheiden und begannen,
ihre Gedanken über dieſe Charaktere zu entwickeln. Die Kinder
gerieten oft untereinander in ernſthafte Streitigkeiten über die
Eigenſchaften der Perſonen und ihre Beziehungen zueinander,
eine Anregung mehr, um gründlich darüber nachzudenken.
Nachdem ſie ganz in den Geiſt und die Gedankenwelt der
Handlung eingedrungen waren, begannen die Kinder die Handlung
mit Shakeſpeare’ſchen Worten auszudrücken und lernten dabei
den Wortlaut der Szenen „ſpielend” obgleich für den Kopf eines
ſieben- oder achtjährigen Kindes die klaſſiſche Sprache gewiß nicht
einfach iſt. Andererſeits kommt den Kindern durch die ſchwere,
bildreiche Sprache die Muſtik und Phantaſtik des märchenhaften
Spiels beſonders ſtark zum Bewußtſein, und der Rhythmus der
Sprache begeiſtert ſie zu tänzeriſcher Darſtellung und zu einer
muſikaliſchen Umtermlaung des Cextes.
Dann beginnt das Entwerfen und Seichnen der Koſtüme, bei
dem zunächſt auch Meinungsverſchiedenheiten geſchlichtet werden
müſſen, bis alle Mitwirkenden reſtlos durch die Erſcheinung des
„Caliban” oder „Ariel” befriedigt ſind. Die Koſtüme werden
dann genäht und gleich von ihrem Darſteller getragen. Dieſe eine
Sigur verlangt dann gebieteriſch einen paſſenden Hintergrund,
einen dazu abgeſtimmten Mitſpieler in ähnlich oder gegenſätzlich
getöntem Koſtüm und ſo fort. So entwickelt ſich langſam eine
vollſtändige Szene, es werden Kuliſſen gebaut und bemalt, einer
der älteren Knaben iſt Negiſſeur und läßt die einzelnen Szenen
Die erſte öffentliche Aufführung, die immerhin als literariſches
Ereignis anzuſehen iſt, und fünfmal wiederholt werden wird, ſoll
im Laufe dieſes Jahres ſtattfinden und wird ſowohl für den
Fachmann, den Schauſpieler und den Künſtler Intereſſantes
bieten, da ja das Geſamtwerk bis in die kleinſte Einzelheit von
den Kindern ſelbſt geſchaffen worden iſt.
Die Schule ſelbſt, die in einer Vorſtadt von New York liegt,
fällt jedem Beſchauer durch ihre eigenartige, ſchöne Architektur
auf. Es iſt ein Flachdach=Gebäude mit großen Fenſtern und
Reliefornamenten. Im den oberen Stockwerken liegen die
An=
kleideräume, Studienſäle für Muſik, Seichenunterricht, ſtatiſchen
Anſchauungsunterricht und die Leſeräume. Im unterſten
Stock=
werk befinden ſich die geräumigen Säle für den
Gemeinſchafts=
unterricht, Proben, techniſche Verſuche, Canz=, Muſik= und
Szenenſtudium, und große Flügeltüren mühren unmittelbar in den
großen Park mit ſeinen ſchönen Naſenflächen.
Die hier wiedergegebenen Bilder ſind Originalentwürfe von ſieben= dis neunjährigen Kindern
zu einer Auführung von Shakeſpeares „Stum”.
Die theologiſch gebildete Srau
im Dienſte der Kirche.
Von D. Dr. M. Schian.
Was für eine raſche Entwicklung! Vor knapp hundert Jahren
ſtand Amalie Sieveking in Hamburg, als ſie in der Cholerazeit
Kranke zu pflegen unternahm, ſchweren Vorurteilen gegenüber.
Dann begann der Siegeslauf der Diakoniſſenmutterhäuſer.
All=
mählich wurden Diakoniſſen als Gemeindeſchweſtern
vielfach im Dienſt der Kirchengemeinde angeſtellt: die Sahl der
ſo unmittelbar im Dienſt der Kirche ſtehenden Diakoniſſen iſt
dauernd im Wachſen. Neben die Gemeindeſchweſter trat in vielen
Stadt- und Induſtriegemeinden etwa ſeit Beginn des 20.
Jahr=
hunderts die Gemeindehelferin. Auch ſie ſteht im Dienſt
der Kirchengemeinde; ſie arbeitet in der Pflege der weiblichen
Jugend, hilft in Frauenvereinen, tut wohl auch Bürodienſt. Die
Anſprüche an ihre Ausbildung ſind nicht einheitlich geordnet; ja,
umfaſſendere Maßnahmen zur Organiſation dieſer Ausbildung
ſind erſt neuerdings in die Wege geleitet worden.
„Kennen Sie nicht Frauen genug?”
„Für mich ſind Sie in dieſem Augenblick die Frau!”
„a, aber nr für dieſen Augenblick!”
„Er wird ſich wiederholen, Gloria, ich werde wiederkommen!”
Er ſtand neben ihr, ſie hatten ſich beide erhoben, er legte
ſeinen Arm um ihre ſchlanke Hüfte, ſie wehrte ſich nicht, ſie
ſpürte einen Geruch von Roſenöl, der von ſeiner Haut ausging,
und ein ſüßer Neiz ſtieg ihr ins Blut. Sie vergaß die Polizei
und das Schiff. Sie wurde von einem Manne umarmt, um
deſſen Geſellſchaft die Könige Europas buhlten, und dem noch
keine Frau ſich verſagt hatte, auch wenn ſie von vornehmſtem
Geblüt war. Es war ein großer und herrlicher Augenblick. Sie
koſtete ihn aus, aber auch er koſtete ihn aus. Da hatte er nun
dieſes große, ſchlanke, ſchöne deutſche Mädchen im Arm, er ſab
die grauen, rätſelhaften Augen zärtlich auf ſich geheftet, er küßte
ſie auf den Mund, noch einmal, vielmals, er trank den pikanten
Genuß des gefährlichen Glückes lange und leidenſchaftlich, aber
er vergaß in den Minuten des ſeligen Caumels keineswegs,
der=
jenige zu bleiben, der er war, ſein umſichtiger Verſtand ging ihm
niemals durch. Ueber die Schulter des Mädchens hinweg
beob=
achtete er genau das Schiff, es hatte ſich ſchon einige Meter vom
Kai entfernt. Da wachte das Mädchen uas der ſüßen
Um=
klammerung und ſchrie laut auf: „Das Schiff, das Schiff,
Che=
valier, Ihr Schiff fährt weg, wie furchtbar!”
„Aber nein,” ſagte der Abenteurer, „was iſt denn ſchon dabei,
nur keine Aufregung, mein Kind!” Und mit einigen Schritten
war er am Ufer, wie ein Hecht ſchoß der Körper in das blaug
Waſſer hinein. Sie ſah ihm nach, wie er das Schiff erkletterte,
ſie ſah ſeiner winkenden Hand nach, bis ſie im Horizont
unter=
gegangen war. Er war fort. Mit langſamen Schritten ging ſie
nach Hauſe. Einige der ſchwarzen Polizeiſoldaten rannten an ihr
vorüber. Sie lächelte. Villeicht kam er wirklich eines Cages.
„Und die hat ein Gott mit eigener Hand eingeſetzt”, ſagte der
Chevalier galant.
Schweigen. Einige verirrte graue Cauben flogen vorbei. Die
Luft dröhnte von den tauſend Liedern, die überall geſungen
wurden.
Gloria Scherer ſah den Mann an ihrer Seite einmal
auf=
merkſam an. Eigentlich war das ein recht ſonderbarer Siſcher,
dachte ſie, ſo einen hatte ſie noch nie geſehen. Wohl hatte er
jene ſtarke, ſehnige Geſtalt, die zu ſeinem ſchweren Beruf
er=
forderlich war, auch hatten ſeine Hände etwas Hartes und
Ver=
branntes, als hätten ſie viel in heißer Sonne gearbeitet, dennoch
hatten die Hände etwas Herrenhaftes. Aber der Kopf, der
Kopf, was hatte der Mann für einen intereſſanten Kopf!. Er
ſtieg aus dem gelben Hemd heraus, kühn und ſcharf wie der
Kopf eines Adlers; das Geſicht war braun wie eine
Bronze=
plakette, das Mächtigſte in dieſem Geſicht aber waren die
Augen, ſie ſaßen wie ſchwarze glühende Diamanten unter den
Lidern; wenn ſie ſich öffneten, ſtrömte eine Glut heraus, die faſt
ſchmerzlich war. Da ſagte das Mädchen auf einmal ſchnell: „Sie
ſind auch kein richtiger Fiſcher, Signor!”
Ueberraſcht antwortete der Chevalier: „Was denn, mein
ſchönes Kind?‟
„Nun, vielleicht ſind Sie am Ende ſogar der Kapitän!”
Da lachte der Abenteurer, und Gloria wurde rot vor
Ver=
legenheit.
„Neden wir lieber von Ihnen, mein ſchönes Kind,” ſagte er,
„ich kann nun die Frage herumdrehen: Sie ſind auch keine
Ita=
lienerin, nicht wahr?”
„Mein Vater iſt ein eingewanderter Deutſcher aus
Augs=
burg. Aber meine Mutter iſt eine Venezianerin, er hat ſie in
Augsburg kennengelernt. Sie war an einem Wandertheater, aber
ſie hat nicht viel gekonnt, und da war ſie froh, daß ſie einen
Mann gefunden hatte, der ihr verſprochen hatte, mit ihr nach
Venedig zurückzureiſen.”
„Ihr Vater iſt Schuhmacher?” fragte der Chevalier in
langſamem Con.
„Ja, wir haben ſehr gute Kundſchaft hier”, erwiderte Gloria
leiſe.
Wieder lachte der Chevalier ſo laut, prächtig und ſeltſam
wie vorhin."
„Nun, dann ſind wir ſa in der Branche verwandt,” rief er,
„nur haben meine Vorfahren etwas früher damit aufgehört, für
die anderen Schuhe zu nähen. Mein Großvater war der letzte
der Caſanovas, der ſo etwas tat!”
Da legte die ſchöne Gloria erregt ihre Hand auf den Arm
des Chevaliers und rief: „Was für einen Namen haben Sie da
genannt, Signor?‟
„Den Namen meiner Familie”, ſagte Caſanova einfach.
„Unſeliger,” hauchte ſie, „ſind Sie der Chevalier de Seingalt,
der ſeit Jahren das Tagesgeſpräch unſerer Stadt iſt, der vor drei
Stunden, wie man ſagt, aus den Bleikammern entſprungen iſt,
den die ſchwarzen Häſcher überall ſuchen, ſehen Sie, ſehen Sie,
da kommen ſchon wieder einige!”
Caſanova band ſich ſchnell ſeine grüne Larpe vor das Geſicht
und flüſterte zu ſeiner Begleiterin hinüber, ohne Anſtalten zu
machen, ſich flüchtend zu entfernen: „Ein Chevalier de Seingalt
hat keinen Anlaß, ſich zu verleugnen, Signora, wie heißen Sie
übrigens?"
„Gloria Scherer”, erwiderte das Mädchen ganz ſtill. Der
Chevalier erhob ſeine Hand und ſtreichelte ihr rotbraunes Haar.
„Weshalb haben Sie denn das Schiff verlaſſen?” kam es aus
ihrem Munde.
„Weil ich nicht verſäumen wollte, Ihre ſcharmante
Bekannt=
ſchaft zu machen”, lächelte er.
Weder Gemeindeſchweſtern noch Gemeindehelferinnen haben
theologiſche Bildung. Mit der Cheologie befaßten ſich
Frauen — ſeit ſie überhaupt Sugang zur Univerſität hatten —
zunächſt unter dem Geſichtspunkt des Neligionsunterrichts. Sie
nahmen „Religion” als ein Prüfungsfach und erwarben ſo die
Befähigung zur Erteilung von Neligionsunterricht an den
höheren Schulen. Auch an der Univerſität Gießen haben in
mehreren Fällen Frauen dieſe Befähigung erworben; die
tatſäch-
liche Ausübung dieſer Befähigung iſt in Heſſen durch die
be=
ſondere Orgamiſation des Neligionsunterrichts an höheren
Schulen in enge Grenzen gewieſen. In anderen Staaten ſind
weibliche Studienräte mit Neligionsfakultas viel häufiger.
Erſt nach dem Kriege begannen Frauen auch eine andere
Be=
tätigung theologiſcher Art, eine Betätigung im Dienſt der Kirche,
zu erſtreben. Wer kann genau feſtſtellen, welche Betätigung
dabei den erſten „Volltheologinnen” vorgeſchwebt hat? Dachten
ſie an das Pfarramt ſelbſt? Dachten ſie an eine theologiſche
Betätigung, die ſich vom Pfarramt unterſchied? Wahrſcheinlich
waren die Sielſetzungen verſchieden, manchmal auch nicht von
An=
fang an klar. Jedenfalls gab es nun „Cheologinnen” an den
Uni=
verſitäten. Und als ſie ausſtudiert hatten, wollten ſie in den
Dienſt der Kirche treten. Dazu mußten ſie Prüfungen machen.
Su den kirchlichen Prüfungen ließ man ſie zumeiſt nicht zu; dieſe
waren nur für Männer beſtimmt. Aber Fakultäten fanden ſich
bereit, ſie zu prüfen und ihnen ſozuſagen eine Art Reifezeugnis
auszuſtellen. Dieſes Seugnis gab kein Recht auf kirchliche
An=
ſtellung, belebte aber den Wunſch auf Anſtellung.
Dieſem Wunſch auf Anſtellung ſind nun eine Anzahl
evan=
geliſcher Landeskirchen entgegengekommen. Baden, Chüringen
und Hamburg haben Cheologinnen im kirchlichen Dienſt
be=
ſchäftigt; ſoeben hat ſich auch i Württemberg für eine Cheologin
die Cür aufgetan. Allerdings handelt es ſich bisher nur um ganz
wenige Fälle. Alles in allem iſt es noch kein Dutzend theologiſch
gebildeter Frauen, die einen theologiſch gearteten Dienſt in
der Kirche innehaben. Aber die Sahl der Volltheologinnen an
den Univerſitäten iſt im Wachſen. Und ſo haben mehrere
evan=
geliſche Landeskirchen es für richtig gehalten, den zu erwartenden
Suſtrom von Cheologinnen alsba!” in die richtigen Wege zu leiten.
Sie haben teils förmliche Kirchengeſetze, teils — auf dem
Ver=
ordnungswege — „Nichtlinien” geſchaffen, die ein theologiſches
Frauenamt mit Vorbildung, Nechten und Pflichten feſt regeln.
Es handelt ſich dabei um die größte evangeliſche Kirche
Deutſch=
lands, die altpreußiſche, die evangeliſch=lutheriſche Kirche von
Hannover, die Chüringer evangeliſche Kirche, die
evangeliſch=
lutheriſche Kirche in Hmaburg, neueſtens auch die
evangeliſch=
lutheriſche Kirche in Mecklenburg=Schwerin. Dazu wäre noch
die badiſche Kirche zu nennen, in der die Verwendung von
Cheo=
loginnen praktiſch begonnen iſt.
Welcher Art iſt das ſo geſchaffene theologiſche Frauenamt?
Die Beſtimmungen ſind im einzelnen verſchieden, aber in den
Grundlinien einander doch ſehr ähnlich. Das Weſentliche iſt, daß
nirgends bisher der Frau das Pfarramt
ge=
öffnet worden iſt. Es iſt das Amt einer Pfarrhelferin
(Chüringen) oder Vikarin (Preußen) neu gebildet worden, das
der beſonderen Eignung der Frau Rechnung zu tragen ſucht.
Ausgeſchloſſen iſt dieſes Amt von der Abhaltung des
Gemeinde=
gottesdienſtes und der kirchlichen Handlungen wie Konfirmation,
Crauung, Beeridgung. Ausgeſchloſſen iſt es im allgemeinen auch
vom Vollzug der Sakramente, Caufe und Abendmahl; doch laſſen
einige der neuen Ordnungen hier für beſondere Fälle Ausnahmen
zu. Es bleibt der Cheologin in der Hauptſache die Seelſorge an
Frauen und Mädchen, der Religionsunterricht, die Jugendpflege
zumal für Mädchen, der Kindergottesdienſt, die Bibelſtunde,
Bibelbeſprechung uſw. Eines ihrer wichtigſten Arbeitsfelder
ſollen die Anſtalten mit weiblichen Inſaſſen ſein: Krankenhäuſer,
Altershoime, Strafanſtalten. Das ſind faſt überall die dem neuen
Amt zugewieſenen Aufgaben. Selbſtverſtändlich kommt ſoziale
Fürſorgearbeit gleichfalls ſtark in Frage.
Nu ſcheint es neuerdings, als wollte ein Ceil der
Cheologin=
nen ſich mit dieſer Regelung der Frage nicht zufrieden geben.
Sie glauben, daß die neugeſchaffenen kirchlichen Ordnungen ſie in
der Arbeit hemmen; ſie erheben wohl ſogar die Forderung, nach
dem „vollen” Pfarramt. Catſächlich muten ihnen die neuen
Kirchengeſetze eine nicht unerhebliche Selbſtverleugnung zu. Sie
ſollen die gleiche umfangreiche theologiſche Vorbildung erwerben
wie die Pfarrer, kommen aber nachher nicht ins Pfarramt,
ſon=
dern werden Pfarrhelferinnen oder Vikarinnen. Der Vikar wird !
einmal Pfarrer, die Vikarin bleibt Vikarin ihr Leben lang. Sie
hat auch nicht die gleiche Nechtsſtellung wie der Pfarrer, ſondern
iſt dem Kirchenvorſtand unterſtellt. Ihr Gehalt bleibt unter dem
des Pfarrers. Heiratet ſie, muß ſie ihr Amt aufgeben; zuweilen
iſt ihr dann an Stelle der Penſion eine Abſtandszahlung zugebilligt.
Man wird, wenn man ſachlich urteilen will, anerkennen müſſen,
daß in dieſen Verhältniſſen für die Cheologinnen innere
Schwie=
rigkeiten begründet liegen können. Dennoch wäre es aufs äußerſte
zu bedauern, wenn die Cheologinnen oder auch nur ein Ceil von
ihnen jetzt die Sorderung nach dem „vollen Pfarramt” erheben
wollten. Sie würden damit zeigen, daß ſie die ganze Situation
nicht überſehen, nicht richtig verſtehen. Das theologiſche
Frauen=
amt iſt nicht ohne Widerſpruch geſchaffen worden; es komte nur ſo
geſchaffen werden, wie es geſchehen iſt; ſonſt wären die
Wider=
ſtände unüberwindlich geweſen. Auch dieſem Amt verſchließen
ſich noch wichtige Landeskirchen; die baueriſchen, die heſſiſche
Kirche haben es noch nicht. Gegen das „volle Pfarramt” einer
Frau beſteht ſoviel Abneigung, daß dieſe Forderung in weitaus
den meiſten Gebieten völlig undurchſetzbar iſt. Wenn dieſes volle
Pfarramt jetzt von den Cheologinnen gefordert würde, noch
be=
vor das Amt der Vikarin ſich praktiſch eingelebt hat, ſo würde
die Folge ſein, daß auch dieſem Amt neue Gegner erwüchſen. Und
dieſe Gegner könnten mit Necht darauf hinweiſen, daß eine
Vikarin, die durchaus das Pfarramt begehrt, wahrſcheinlich
nicht geneigt ſein würde, ſich in ihre Grenzen zu finden. Welche
Gemeinde aber wird eine Vikarinnenſtelle gründen, wenn ſie
fürchten muß, dadurch ein Element der Unzufriedenheit zu
ſchaf=
fen? Nein, jetzt müſſen die jungen Cheologinnen unbedingt zeigen,
was ſie als Vikarinnen leiſten können und wollen. Jetzt müſſen
ſie zeigen, daß die Stimmung, die ſich auch gegen dieſes Amt
noch recht ſtark regt, ſachlich nicht begründet iſt. Sie müſſen
be=
weiſen, daß ſie imſtande ſind, ſich in geſetzliche Ordnungen zu
fügen und in ihrem Nahmen fröhlich zu arbeiten. Sie müſſen
beweiſen, daß ſie nicht bloß zu fordern verſtehen, ſondern ſich auch
in den komplizierten Organismus einer ſtädtiſchen
Kirchenge=
meinde einzupaſſen bereit ſind. Davon wird alles weitere
ab=
hängen.
Wir dürfen darauf geſpannt ſein, wie ſich die Dinge in der
nächſten Seit entwickeln werden. Die Entwicklung läuft bisher
günſtig für ein theologiſches Frauenamt, das kein
Pfarr=
amtiſt. Nun dürfen die Cheologinnen ſelber dieſe Entwicklung
nicht ungünſtig beeinfluſſen!
Bitte, ſprechen Sie Recht!
Klagen über die Volksfremdheit des Nechts kann man
täg=
lich hören. Es war ein Verdienſt des früheren
Reichsjuſtiz=
miniſters Schiffer, daß er auch einmal auf die Nechtsfremdheit
des Volkes hingewieſen hat.
Wir bringen einige Nechtsfälle. Der Leſer ſoll ſich überlegen,
wie er als Nichter urteilen würde. Die Entſcheidungen folgen in
der nächſten Nummer.
Wir ſind uns dabei bewußt, daß der geſchulte Juriſt zu den
einzelnen Löſungen Anmerkungen geben könnte. Wir bitten aber
zu bedenken, daß wir hier niemand auf das Aſſeſſorexamen
vorbereiten wollen; uns iſt darum zu tun, den Laien die
Ein=
fühlung in das Denken der Gerichte zu ermöglichen und zu zeigen,
wie notwendig es oft iſt, ſich in Streitfällen des Beiſtandes eines
rechtskundigen Beraters zu bedienen ..."
Das Ceſtament des Selbſtmörders.
Am 20. April dieſes Jahres iſt ein Mann tot in den
Mün=
chener Jſaranlagen aufgefunden worden. Nach amtsärztlicher
Feſtſtellung hat er ſich durch einen Schuß in die Bruſt ſelbſt ge=,
tötet. In der Brieftaſche des Selbſtmörders fand man ein
Ceſta=
ment, dem zu entnehmen war, er wolle aus Liebeskummer ſeinem
Leben ein Ende machen. Das Ceſtament war unter Angabe des
Ortes und des Cages eigenhändig geſchrieben und unterſchrieben.
Es war datiert: „München, am 19. April, 7 Uhr 50 Minuten
abends.”
Iſt das Ceſtament gültig oder nicht?
*
Die Braut und das Schlafzimmer.
Fritz und Paula haben ſich im letzten Faſching verlobf. Im
Oktober wollen ſie heiraken. Paula hat eine Ausſteuer zu
er=
warten, denn ihr Vater iſt, wie das Geſetz ſich ausdrückt, bei
Berückſichtigung ſeiner ſonſtigen Verpflichtungen ohne
Gefähr=
dung ſeines ſtandesmäßigen Unterhalts zur Ausſteuerleiſtung im-.
ſtande. Im April verlangt Paula von ihrem Vater 1500 Mark,
um für ihr künftiges Heim das Schlafzimmer anzuſchaffen.
Iſt der Vater rechtlich verpflichtet, ſeiner Cochter das Geld
zu geben?
Frauen als Geſchworene.
Ein Hilfsarbeiter ſtand vor dem Schwurgericht, weil er ſeine
Geliebte ungebracht hatte. Als am Nichtertiſch unter den
Ge=
ſchworenen drei Frauen ſaßen, hat er die drei Nichterinnen wegen
Befangenheit abgelehnt. Er meinte, die Frauen würden von ihrem
Standpunkt aus ſeine Cat ſtrenger beurteilen als Mämer. Die
weiblichen Geſchworenen haben erklärt, ſie fühlen ſich nicht
befangen.
Wie muß das Gericht entſcheiden?
Der Lausbub.
Emil, der zehnjährige Sohn unſeres Hausmeiſters, balgt ſich
unter lautem Geſchrei mit anderen Jungen vor den Fenſtern der
Parterrewohnung. Der Herr vom Parterre ruft ihm zu: Wirſt
du bald Nuhe geben, frecher Lausbub!‟ Das hört der Vater, der
Herr Hausmeiſter. Nach 14 Cagen bekommt jener Herr vom
Parterre eine Ladung zum Sühnetermin, weil er durch die
ehren-
kränkende Kundgebung „frecher Lausbub” den zehnjährigen Emil
beleidigt habe. Vor dem Vermittlungsrichter verlangt der Vater
eine Buße von 20 Mark, dann wolle er die Sache auf ſich
be=
ruhen laſſen. Sahle der Beleidiger nicht, ſo will der Vater die
Sache weitergehen laſſen und Priatklage wegen Beleidigung
ſtellen.
Soll der „Lausbub‟=Rufer zahlen oder nicht?
Die kranke Kuh.
Die Brüder Alois und Bernhard Mager ſitzen auf einem
Hof. Sie haben eine kranke Kuh im Stall, die ſie gern an den
Mann bringen möchten. Sie treiben die Kuh zuſammen auf den
Viehmarkt und verhandeln beide mit dem Viehhändler Huber,
der Luſt zeigt, den Kauf abzuſchließen. Der Händler fragt den
Alois Mayer, ob die Kuh auch wirklich geſund ſei. Da Alois
Mayer das hoch und teuer verſichert, kommt der Kauf zum
Ab=
ſchluß. Bernhard Mayer hat bei der falſchen Verſicherung
ſeines Bruders geſchwiegen. Huber zeigt die Brüder wegen
Betrugs an.
Iſt auch Bernhard Mayer ſtrafrechtlich zu faſſen?
Schach
II
II1
Rätſel
Nummer 321.
Aufgabe 462.
Kreuzworträtſel.
gebildet werden können. Die auf die fettgedruckden Punkte fallenden
Buchſtaben nennen ein Lied von Franz Schubert.
bar be bl cht dfi en gol he her ill ing ing kar kre lam
le ma ot pf pre ſai ſch ſch ſpr te te.
Carl Deubel.
Ein Teil des Sommers.
J. Scheel in Slemdal.
(1. und 2. Preis geteilr, „Caſopis”, 1916.)
Die Zahlen ſamt den dabeiſtehenden Buchſtaben ſind ſo zu ordnen,
daß 1. die wagrechten, ſenkrechten und diagonalen Reihen als Summe
je 333 ergeben, und 2. die 3 wagrechten Reihen abgeleſen einen Teil
des Sommers nennen. Die Zahl 111 ſamt dem Buchſtaben S
behaup=
ten ihren Platz.
Carl Deubel.
Prüfſtellung: Weiß: Ka6 Del Tc5 8b7 (4)
Schwarz: Kd4 BcG eß e7 (4): 3½
Aufgabe 463.
A. J. Fink in San Franzisko.
(2. Preis, Good Companion, 1914.)
Beiß: Kb3 Da1 Th4 Le3 h5 Bb4 c5 d2 f4 h2 00)
Schwarz: Kg2 Lh1 Bb5 d3 12 f5 (6)
Matt in zwei Zügen.
Die Wörter bedeuten von links nach rechts: 1 Durchgang, 5 Tonſtück,
6 Wild, 8 Philoſoph, 12 Partikel, 14 Tonſtufe, 16 Deutſche Stadt,
17 Körperglied, 18 Fluß in Thüringen, 19 Getränk, 21 Abſchiedsgruß,
22 Männlicher Vorname, 23 Inneres Organ, 24 Himmelsrichtung, 25
Gewäſſer, 27 Sinnesorgan, 28 Weiblicher Vorname, 30 Verbalform von
„ſein”, 31 Fluß in der Steiermark, 33 Unbeſtimmter Artikel, 35 Ruf
einer Perſon, 39 Maler, 40 Schwediſche Münze, 41 Gewebtes Zeug.
Von oben nach unten: 1 Drehpunkt, 2 Verbalform von „ſein”, 3
Vor=
fahre, 4 Mineral, 5 Form des Artikels, 7 Raubfiſch, 9 Göttin der
Morgenröte. 10 Tanzvergnügen, 11 Weiblicher Vorname, 12 Amtliche
Bekleidung, 13 Griechiſche Göttin, 14 Kriegerin, 15 Gereinigter Talg,
19 Zeitpartikel, 20 Lebensgemeinſchaft, 26 Stadt in Holland, 29 Gottheit,
30 Gutſchein, 32 Nachtvogel, 34 Perſönliches Fürwort, 35 Fluß in
Frankreich und Belgien, 36 Zeitmeſſer, 37 Stadt an der Donau, 38 Fluß
in Rußland.
Ein Aquarium.
An Stelle der Punkte ſetze man Buchſtaben, ſo daß 10 Fiſche
ent=
ſtehen, die aus den untenſtehenden Buchſtabenpaaren uwd =Drillingen
Magiſches Quadrat mit „Frag mich was!”
1. 2. 3. 4. 5. BEBBB EBFRG 3. 1 1 JL I. L. L L00 5. RS SVV —
Druck. Verlag u. Kliſchee
D
Vorantwortl für die Redaktion: Dr. H Nette. Darmſtadt.
Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß die wagerechten und
ſenk=
rechten Reihen gleichlautend folgende Fragen beantworten: 1. Wie
heißen viele Männer? 2. Welche Frucht gedeiht im Süden? 3. Wie nennt
man eine ſtenographiſche Abkürzung? 4. Welcher weibliche Koſename
kommt auf dem Lande häufig vor? 5. Was für ein Kleid tragen viele
Tiere? (Mehrzahl.)
Carl Deubel.
Auflöſung der Rätfel aus Nummer 29.
Baulichkeiten.
Palaſt, Rathaus, Scheune, Pferdeſtall, Fabrik. Muſeum, Theater,
Garage, Hütte, Landhaus.
„Sandburgen”
Arithmogriph.
Dohle Adele Stall Halle. Otto Taſſe Elſa Lethe.
„Das Hotel”
Gedenk=Rätſel.
1. Othello, 2. Dizian, 3. Ton, 4. Oskar, 5. Hammer, 6. Gli, 7. Ida,
8. Nebel, 9. Reiher, 10. Jve, 11. Cid, 12. Holbein. „Otto Heinrich”.
Fernſpr. 1. 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.
[ ← ][ ][ → ] Zwar ’s hott ſich jo bereits widder allerhand abgekiehlt,
un es is ſchun ſo, der Ooſe=Summer fellt vom aane Exdrem
ins anner, un es geht mitm Wädder wie mit allem in
in Deitſchland, wo de goldene Mittelwähk bekanntlich
lengſt en iwwerwundener Standpunkt is. Ich will jo gewiß
net räſſeniern, dann im Summer ſoll’s, därf’s und muß’s zimfdich
warm ſei, däß geheert ſozuſage dezu un mer hott nix degääche
eizuwenne. Awwer was mer jetzt widder ſo in de letzte Zeit
an Wärm iwwer uns ergeh loſſe mußte, däß geht ſchun iwwer
e Bruta’ſtalt, un mer kimmt ſich vor, wie in Zentralaffriga, bloß
daß mer aſtandshalwer net ganz ſo erumlaaſe därf, wie die
Kongoneger, die wo vun de Zeheſpitze bis zu de Naſeſpitze im
große ganze ſo zimmlich barfießich ſin, obgleich ich mer ſage hab
loſſe, daß ſe am voriche Sunndag uff de „Liewesinſel” äwenfalls
am liebſte die Haut aach noch ausgezoge hette . .
No dem ſei, wiem will, jedenfalls ſälbſt de Ziddrohne is die
Hitz in die Kron geſtieje, dann während mer die Zeit her drei
Stick for fimfunzwanzig Fennich noochgeſchmiſſe hott krickt,
ver=
lange ſe jetzt bletzlich un unvermiddelt for’s Stick fuffzeh; was
meeche die erſt dort koſte, wo ſe waxe, indem’s doch dort noch
hääßer ſei muß, wie bei uns .
Dauern dhut mich bloß unſer Waſſerwärk, däß hott ſozuſage
Fäddgage geſchwitzt, damit’s Waſſer langt. In de Not hawwe
ſe ſchleunigſt die Gießwäje, un die Springbrunne uff Wardegeld
geſetzt; un die umliechende Ortſchafte, die wo äwenfalls vun
unſerm gude Waſſer naſche, die brauche uns Darmſtädter net
gleich vorzuſchmeiße, mir gingte ſo verſchwenderich mit dem
Waſſer um, daß for ſie kaan’s iwwrich bleiwe dhet.
Indräſſiern dhet mich’s jetzt bloß emol, was unſer
Waſſer=
fachmann, de Herr Berndt, die Woch for Aage gemacht hott, wie
anſtatts die „brau Brieh” uff amol — gorkaa Waſſer
eraus=
kumme is?! — Ja, ich glaab, do ism gange, wie dem, der wo
geſagt hott: „Beſſer e Platt, als wie gorkoo Hoor ..
Ich kann’s nadierlich unner de obwaldende Umſtend unſere
Stadträd net verdenke, wann ſe Schluß gemacht hawwe, und
hawwe ſich in die wohlverdiente Summerferie verflichdicht; wann
ich aach net leichne kann, daß mer drotzdem noch hie un do als
der aane, odder der annere, in ſeine ganze Größ im Währ
erum=
dabbt; vermudlich, weil er ſich aach emol in de „gude
Geſell=
ſchaft” beweeche will ..
Ja, es is ſchun ſo, mer hott Urlaab, die ganz Wäld ſteht aam
offe, wann — mer Geld hott. Awwer es ergibt ſich des
Erſtaun=
liche, daß mer ſich bletzlich in die ſehr gude Geſellſchaft verſetzt
ſieht, die wo ſich dodorch kennzeichne dhut, daß ſe kaa Geld hott.
Un was dhut mer in dem Dilemma? — Sehr eiffach, — mer bleibt
dehaam".
Wer ſich ſchenniert, den wahre Grund azügäwwe, no, der
kann jo ſage, de Dockter hettm ’s Eiſebah’ fahrn verbodde, odder
kanm großmogeliſch uff ſemtliche faſſionabele un kummfordawele
Badeblätz ſchimbfe — wann er aach noch net eichehendich dort war
— un kann ſage, däß kenntin net mehr reitze, er hett die Welt
geſähe, un die Nas voll, un die hochnäſiche Wäldbäder mechte ſich
geſund mache, an wem ſe wollte, awwer net an ihm.
Schließlich kann mer awwer aach, um ſein Kredidd un ſei
Aſähe zu hewe, nooch de Stroß alle Fenſterläde bickelfeſt
zu=
mache, un kann dhu, als weer mer dadſächlich verraaſt. Awwer
uff die Art de nowele Schei' zu wahrn, däß is doch e bische zu
umſtendlich, weil mer ſich dann zur nachtſchlofender Zeit wien
Dieb aus em Haus ſtähle, un uff de Zeheſpitze widder
haam=
ſchleiche muß — Naa, do is es ſchun beſſer, mer nimmt ſei Kreiz
uff ſich, un dhut ſo, als ob mer gornet die Abſicht gehatt hett,
fortzumache, ſundern daß mer mit Fleiß dehaambleiwe dhet,
weil’s halt dehaam immer noch am ſchenſte weer.
No un, Darmſtadt als Ferjeuffenthalt zu wehle, däß is noch
lang net des Schlechſte. For alle Dinge hott mer hier emol
ganz koſtenlos all däß, was mer annerwärts ſo ſchmerzlich
ver=
miſſe muß, nemlich ſei haislich Bequemlichkeid, indem daß mer
ſich’s bekanntlich dehgam ganz mache kann, wie mer will, un
Der zeitgemäße Haushalt.
Pilzflecke zuentfernen. Beim Sammeln von Pilzen
nicht ſelten an der Sommerkleidung entſtehend, ſind leicht mit
verdünntem Fleckwaſſer (Eau de Javelle) zu entfernen, das man
zu dieſem Zwecke aus einem Teelöffel Fleckwaſſer und 6—10
Teelöffeln Waſſer herſtellt. Man betupfe die Flecken mit einem
ſpitzen Hölzchen, das man mit Watteflöckchen umhüllt und
da=
mit anfeuchtet. Sobald ſie entfernt ſind, ſpüle man die Stelle
in einer Löſung von unterſchwefligſaurem Natron, (1 geſtrichenen
Teelöffel in 8 Eßlöffel kaltem Waſſer) durch welche jede
Gewebe=
ſchädigung durch das Fleckwaſſer aufgehoben wird und ſpüle mit
reinem Waſſer nach.
E.
Mattgewordenes Schildpatt neuen Glanz zu
verleihen. Man nehme die ſtumpfgewordenen
Schildpatt=
ſtücke auf einen wollenen Lappen, reibe ſie damit recht warm,
überſtreiche ſie in dieſem Zuſtande mit Bohnerwachs und reibe
ſie nach dem Erkalten blank. Nach mehrmaligen Wiederholungen
hat das Schildpatt wieder den früheren Glanz erhalten. H.
Fleckige Hände von Obſt= und Gemüſeputzen.
In einer Büchſe ſollte man zu dieſem Zwecke Weinſteinſäure
be=
reithalten und davon ½ Teelöffel voll auf den Händen verreiben.
Dieſes Pulver löſt ſich ſofort auf und iſt der Haut nicht ſchädlich.
Neue würzige Tomatengerichte für den
Mit=
tagstiſch. „Mal etwas anderes!” könnte man als Deviſe
auch auf den ſommerlichen Speiſezettel übertragen, wenn Klagen
über mangelnden Appetit an warmen Sommertagen laut werden.
Man iſt des reichlichen Fleiſchgenuſſes, der den Blutdruck und
dadurch die Körpertemperatur erhöht, überdrüſſig und verlanat
nach „leichten” und doch dabei appetitanregenden Speiſen, die
neben der Befriedigung des Magens, auch eine ſolche der
Ge=
ſchmacksnerven herbeiführen. Wir laſſen eine Auswahl wenig
bekannter, leichtverdaulicher und pikanter Gerichte von Tomaten
folgen:
Gebackener Tomaten=Auflauf. 1—1½ Pfund reife,
feſtfleiſchige Tomaten in Scheiben geſchnitten, ſchichte man
ab=
wechſelnd mit feingewiegtem Kalbsbraten oder gekochtem
Schin=
ken, mit Pfeffer und Salz beſtreut, in eine gefettete Auflaufform.
Dann übergieße man das Ganze mit 3, in 1 Taſſe Milch
ver=
quirlten Eiern, belege die Oberfläche mit Butterflöckchen und
backe die Speiſe 3 Stunde. Mit geriebenem Schweizerkäſe über=
Areut, reiche man dazu Bratkartoffeln oder Kartoffelmus.
brauch ſich net an die iwwerrickſe Kurvorſchrifte zu halte, die wo
aam ſtrickte, un vun owwe runer verordne, daß mer ſich ſeiner
Geſundheit zulieb, des Dags iwwer e Stickerers ſex= odder
ſiwwemol annerſter aziehe muß. Dann wann mer mit ſeine
Geſundheit ſo weit hunne is, daß mer ſich vorſchreiwe loſſe muß,
was mer zum Eſſe a ziehe därf, dann ſoll mer ſich liewer
gleich begrawe loſſe ..
De zwaddgreeßte Vordaal vun=eme Kuruffenthalt in
Darm=
ſtadt, däß is es Wädder, indem aam däß ganz egal ſei kann, im
große ganze. Is es ſchläächt, bleibt mer dehaam, kramt emol in
ſeine Schubblade un alte Briefſchafte erum un macht do allerhand
märkwärdiche Endeckunge. Erinnerunge ſteige in aam uff an
allerhand frohe Stunne; un ſin aach „annern” dezwiſche, ſo ſchadd
däß abſelud nix, aach die Erinnerunge an wenicher ſcheene Stunne
hawwe ihr Gudes, indem die aam zeiche, daß alles
vergeng=
lich is im Läwe, nor de Kuhſchwanz is lenglich. Mer brauch,
wann’s Wädder net denooch is, awwer net bloß in ſeim eichene,
ſozuſage Brifad=Muſeum erum zu ſtöwern, ſundern mer kann
ſich aach emol unſer öffentliche Muſeume bedrachte, dann die
ſin ner bloß for die Fremde do, ſundern aach for die
Einhei=
miſche. Hand uff’s Herz, wer war ſchun emol in unſerm
Schloß=
muſeum, däß wo fraglos einzich in ſeiner Art is; vum Landes=,
Gewärwe=, Borzellan=, Stadt= un Jagdmuſeum uff em
Kranich=
ſtaa ganz abgeſähe. All däß kann mer in ſeim Urlaab ruhich
un gemiedlich for wenich Geld genieße, ohne umſtendliche
Raaſe=
vorbereidunge.
Is dohärngääche des Wädder einichermaße, dann zieht mer
uff greeßere odder klennere Wander= un Endeckungsfahrte aus,
ringsdicherum um Darmſtadt. Un däß is unſer Fors:
Darm=
ſtadt is die Stadt der dauſend Ausflugsgeläächenheide im die
nechſte Neeh. Wo mer hiemache will, noch Norde, Siede, Oſte
odder Weſte — immer wärd mer was Neies ſinne, immer wärd
mer an ſcheene Blätz kumme, wo mer noch net war. Der ſcheene
Relljäffblau vum Verkehrsverein, der zeicht aam eichendlich erſt
emol richdich, was for e herrlich un gradezu beneidenswärt ſchee
Lag unſer Darmſtadt hott, midde zwiſche Rhei, Mag un Näcker.
Un wie weit des Aag gucke kann: Wald, Wald, un noch emol
Wold. . . Un do freecht mich aach noch neilich aaner ganz dumm,
was eichendlich de alde Graf vun Katzeelleboge ſeiner Zeit uff
die Idee gebracht hett, ſich hier haislich nieder zu loſſe, un
Darm=
ſtadt zu ſeine Haubt= un Reſſedenzſtadt zu mache — — — als
wann’s do en Zweifel gebt.
Wer naß odder drucke Licht= un Luftbade will, odder will gor
als Nacktwandler ſeine Geſundheit fröhne, damit er in=e paar
Dag ausſieht, als wer er ſex Woche lang um die Pirramiede
erum gelaafe, un hett als Gaſt bei ſo=eme aldfrenkiſche Pfarao in
Luxor odder Theben gelebt — der find hier äwenfalls, was er
ſich winſcht, endwädder an de „Daibcheshöhl”, odder uff de
„Lichtwiß”; däß haaßt, endwädder mit odder ohne was
defor ..."
Un der Uffendhalt in de friehe Morjendſtunde an unſerm
geliebte Woog, der is iwwerhaubt in Worde gornet zu
be=
ſchreiwe. Aſchließend dann en Gang dorch de Wald mit=eme
Picknick un ſo — —. Dobei mecht ich ſage, ich verflicht mich, de
ganze Dag um Darmſtadt im Wald erum zu geh, ohne aus’m
Weichbild eraus zu kumme, un ohne daß mer jemand begäjend..
Nemlich ’s gibt noch mehr Waldwähk, als wie den viel beriehmte
un oft beſungene Schlambelwähk, der wo eichendlich
Schnambel=
wähk haaße dhut. Wer die Brob uff’s Exembel mache will, der
ſoll emol de „D”=Mackierung noochgeh, die wo ſehr verdienſtlicher
Weis e paar Odewaldklibbler a gebinzelt hawwe, er kimmt dann
um Darmſtadt erum in Gäjende, do hott=er kaa blaß Ahnung
devo gehatt.
Gebackene Tomatenſcheiben. Dazu wähle man
große, kernloſe Tomaten, ſchneide ſie in fingerdicke Scheiben,
be=
ſtreue ſie mit Salz und Pfeffer und beträufle ſie mit
Zitronen=
ſaft. In Ei und geriebener Semmel gewendet, brate man ſie
vorſichtig in Butter von beiden Seiten goldgelb, und ſerviere ſie
als „falſche Schnitzel” zu Kartoffelſalat oder dicken Rreis.
Tomaten mit Pfifferlingen gefüllt.
Ausge=
höhlte große Tomaten fülle man mit in Butter gedünſteten und
mit Peterſilie, Pfeffer und Salz abgewürzten Pfifferlingen, die
man mit zerlaſſener =Butter übergoſſen, in einem Tiegel
neben=
einandergeſtellt 15 Minuten dünſtet. Paſſend zu dickem Reis
oder ausgequollenen Spaghetti mit Käſe.
V. . Ta.
Eine Reisſpeiſe mit Aprikoſen ergibt ebenfalls
einen köſtlichen Nachtiſch, zu dem man in Milch ausgequollenen,
noch warmen Reis mit Zucher oder billiger mit Süßſtofflöſung,
wenig Salz, der abgeriebenen Schale einer halben Zitrone und
Arrak abſchmeckt und lagenweiſe mit Aprikoſenſcheiben in eine
gefällige Form ſchichtet. Nach dem Erkalten geſtürzt mit
Apri=
koſenhälften umkränzen und mit einer Vanilleſoße reichen.
Eben=
falls köſtlich iſt ein Aprikoſen flanc, vom durchgeſtrichenen
Aprikoſenmark mit Gelatine bereitet, gut geſüßt und gewürzt.
Kleine Törtchen von Mürbteig mit Aprikoſenauflage, mit
Schlagſahne beſpritzt, gereichen dem Gäſtekaffeetiſch zu beſonderer
Ehre. Für Liebhaber kulinariſcher Genüſſe ſei eine Aprikoſen=
Charlotte verraten: Dazu ſetze man 1 Pfd. entſteinte
Apri=
koſen mit knapp Waſſer zum Kochen auf, ſtreiche ſie durch ein
Haarſieb und verrühre das Fruchtmus mit 50 Gramm Butter,
Zucker nach Bedarf und 5 Eigelb ſchaumig, worauf man den
ſteifen Eiſchnee darunterzieht. Lege den Boden einer
eingefet=
teten, hochwandigen Form mit Biskuits aus, fülle etwas Maſſe
darauf, bedecke wieder mit Biskuits und wechsle miteinander
ab. Dann im Waſſerbad gekocht und geſtürzt, ſerviert man
V.
dieſe mit Chadeauxſoße.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Heidelbeerſuppe, Paprika=Kalbsgulaſch in
Reis=
rand, geſchmorte Kirſchen. — Montag: Tomaten=
Pfannen=
gemüſe zu dickem Reis. — Dienstag: Junges Miſchgemüſe
mit gebratener Kalbsleber. — Mittwoch: Geſpickter
Klops=
braten mit Gurken=Tomatenſalat. — Donnerstag:
Dampf=
nudeln mit geſchmorten Heidelbeeren. — Freitag: Fiſch in
der Form gebacken mit Tomatenſoße. — Samstag: Gefüllte
Kohlrabi mit Röſtkartoffeln.
Wer dohärngääche vun ſeim Urlaub kaan richdiche Genuß
hott, wann er net emol Bahn gefahrn is, hott e paarmol
um=
ſteiche miſſe, meechlichſt falſch, hott de Aſchluß verbaßt un ſich mit
de Konnduckdeer erum geſtridde, alſo wer do ſein Spaß dro hott,
kann ſich däß Vergnieche äwenfalls hier leiſte, ohne große Umſtend.
Beiſpielsmeßich er geht nooch Beſſunge, fehrt mit de Dreier an’s
Verkehrshaische, alsdann mit Einſer in’s Dindevärdel, ſpringt
dort uff de Autobuß, fehrt in die Heidelbärjerſtroß, ſteicht dort
widder in die Achter, erreicht an de Vereinigte Geſellſchaft en
Wage nooch’m Bahnhof, leßt ſich am Billjäddſchalder raſch e
Wäldraas zuſammeſtelle, mit ſemtliche Aſchliß, Speiſewage,
Ver=
pflegung un Hotelle, fehrt dann mit de Zweier an die
Wendel=
ſtadtſtroß, ſteicht dort um in die Fimfer bis zu de
Heinheimer=
ſtroß, ſpringt dort widder in en Audobuß, fehrt bis an die
Ode=
waldbrick, ſteicht dort widder um in die Siwwener, fehrt zum
Verkehrshaische, ſteicht dort in die Fimfer, ſpringt am
Oſtbahn=
hof in en Audobuß un fehrt widder nooch Beſſunge. Wer ganz
raffiniert is, ſchlebbt nadierlich aach ſei ſämtliche Raaſekoffer mit
ſich erum, däß erheeht de Eenuß beim Umſteiche. Un wer Glick
hott, verwiſcht hie un do aach aan vun dene neie
hochherrſchaft=
liche Polſterklaſſwage, un kann ſich mit einicher Fandaſie ei bilde,
er dhet im „Rheingoldzug” ſitze, dann viel bequemer kann’s
do=
drinm aach net ſei, als wie in de neie Heagwage. Valleicht kann
die Heag for ausgeſprochene Genießer noch kommblizierdere
Rundraaſe dorch Darmſtadt erausknowele, un ſo kann ſich aaner
mit aller Raffinäſſe un for ganz wenich Geld allerhand
Raaſe=
uffreechunge, un Raaſefiewer leiſte, un kann ſich ei bilde,
viel ſchwiericher un verworſchtelter un kommblizierter kennt e
Raas nooch Boxdehude, Dribbsdrill odder Kackafuia aach net
ſei. No un grad di Ei bildung, däß is doch die Haubtſach
vum ganze Urlaab, un vun de ſogenannte Erhohlichung . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Ich därf mer die Sach agucke, wie
ich will, awwer mir macht’s ganz ſo de Ei druck, als wann
rings=
dicherum, die ganz Umgäächend vum Schloß ehnder mit de
Nei=
rennofierung färdich weer, als wie des Schloß ſälwert; ich glaab,
do ziehe die Geriſtſtange langſam Worzel, un eines Dag’s ſieht
mer for lauter Beem de Wald net mehr. Jedenfalls dhut mich’s
heit ſchuin indräſſiern, was des Schloß im nechſte Johr, bei unſerm
Stadtjuwiläum, for=e Bohnem mache dhut . . . Dohärngääche
muß mer fage, daß ſich jetzt aach däß aldhiſtoriſche un beriehmte
„Faixe=Eck” bereits in neier Uffmächung bräſſendiert,
in=
dem’s die Faſſad verennert hott krickt, ohne daß es am „
Karrack=
ter” was verlorn hett. Mer muß nemlich wiſſe, daß unner
man=
chen, mehr odder wenicher wertvollem, aach des eltehrwirdiche
„Faixe=Eck” unnerm Denkmalſchutz ſteht. Un zwar mit Recht,
dann zu „unſerer” Zeit, do war des Faixe=Eck ſozuſage, der Nabel
der Welt, do hot ſich alles drum gedreht. Gott, wie manchen vun
meine Verehrer hab ich damals — lang, lang iſt’s her — an’s
Faixe=Eck beſtellt, dann do is es am wenichſte uffgefalle ..
Wie geſagt, däß „Faixe=Eck” war zu meiner Zeit —
Darm=
ſtadt; ſpeeder kam dann noch’s „Diefenbach=Römers=Eck” dezu.
Un jetzt ſtehn ſe an alle Ecke un worde uffenanner . . . Mer
mag’s Gefiehlsduſelei nenne, awwer an ſo aldehrwirdiche, un
hiſtoriſche „Ecke”, do henkt e Stick Jugend . . . Un däßhalb
freit’s mich, daß mer ’s „Faixe=Eck”, drotz de Konnfäſſion an die
Neizeit, im Karrackter geloſſe hott, wie’s war. Dann ſchließlich,
s gibt doch bloß aa” „Faixe=Eck” in de Wäld — wann’s aach die
Jugend vun heit „die Drehſcheib” nennt. Däß muß mer halt mit
in Kaaf nemme, im Zeitalder der „Tächniſierung‟ . . ..
Verkäufer: Mann, Sie ſtehen nun ſchon eine Stunde vor
meinem Schirmgeſchäft und vertreiben mir alle Kunden.
Paſſant: Aber es regnet doch ſo ſtark.
(Nach „London Opinion.)
Auch eine Kritik. Als die beſte Londoner Theater=Aneldote, die jetzt
erzählt wird, bezeichner ein Plauderer ein Geſpräch, das ſich wirtlich
genau ſo zugetragen hat. In Lonkon wird gegenwärtig ein Kriegsſtück
aufgeführt, das den Titel „Der Reiſe Ende” hat und im einem
Unter=
ſtand ſpielt. An einem Abend wandte ſich eine Dame aus dem Publikum
während des Zwiſchenaktes zu ihrer Freundin und ſagte: „Die
Bühnen=
ausſtattung iſt doch ſchrecklich häßlich und ſchmutzig. Da hätte man ſich
doch auch etwas mehr anſtrengen können! Warum läßt man nicht
wenigſtens das Stück in einem geräumigen und ſauberen Zelt ſpielen?”
Der Dreh. Eine Streichhölzerfabrik hatte eine neuartige
Propa=
gandaidee. Sie beauftragte ihre Reiſenden, jedem, den ſie mit einer
Schachtel ihrer Streichhölzer in der Hand fänden, einen 20=Markſchein
auszuhändigen. Ein ſolcher Reiſender traf einen Schotten, den er um
ein Streichholz bat, und als dieſer eine Schachtel der Firma hervorzog,
ſchenkte er ihm mit großer Geſte einen 20=Markſchein und erklärte ihm
die Sache. Dann nahm er die Schachtel und wollte ſich befriedigt
ent=
fernen. Da lief ihm der Schotte nach: „Hören Sie mal! Das geht aber
micht! Ich wußte ja, daß ein Dreh bei der Sache iſt; nun mehmen Sie
mir meine Streichhölzer weg!”
Der elegante Hut.
Die Hutmode iſt von allen Modezweigen
eigentlich die unberechenbarſte, denn ſie nimmt
auf die jeweilige Saiſon keinerlei Rückſicht,
ſon=
dern bringt ihre Schaffungen mit einer geradezu
verblüffenden Willkür.
Es gibt ſchl—hterdings überhaupt keine
eigen=
willigere Mode, denn — wie man weiß — kommt
der Strohhut ſchon im Februar, während der
Filzhut an heißen Sommertagen getragen wird,
weil er den Strohhut (der — ſobald die großen
Rennen gelaufen ſind — vollkommen unaktuell
geworden iſt) abzulöſen hat.
Der Gedanke an eine Filzhutmode läßt
übri=
gens immer wieder die Befürchtung laut
wer=
den, daß es ſich neuerdings um eine
ſchablonen=
hafte Linie, alſo um die viel gefürchtete „
Uni=
formierung” handle. Dies iſt aber heuer ganz
entſchieden nicht der Fall, denn die neueſten
Schaffungen ſind — ob ſie nun für
Trotteur=
zwecke für den Nachmittag, oder ſogar für den
Abenb gedacht ſeien, von einem ganz
außerordent=
lichen Ideenreichtum und einer Mannigfaltigkeit,
die jeder Dame etwas durchaus Individuelles zu
bieten vermögen wird.
Die Großzügigkeit der Hutmode geht ſo weit,
daß ſie nicht einmal, was die Größe der Formen
anbelangt, an beſtimmten Grundregeln feſthält,
ſondern ſowohl die enganliegenden Faſſon als auch
den halbbreiten Hut, daneben aber auch ganz
breit=
krempige Formen, die an die ehemaligen „
Floren=
tiner” gemahnen, bringt. Abgeſehen davon aber
ſieht man auch wieder die kleinen Turbans, die
das Geſicht eng umſchließen und für die
abend=
liche Mode richtunggebend ſind.
Die Farbe des Hutes iſt jener des Kleides
angepaßt (wohlgemerkt: nicht angeglichen!)
denn es gilt heuer als durchaus unelegant, Hut
und Kleidungsſtück vollkommen in
Uebereinſtim=
mung zu bringen. Ganz im Gegenteil wird
ver=
ſucht (und dieſe Tendenz dürſte auch für den
Herbſt durchdringen) in die Garderobe durch zarte
Abſchattierungen eine intereſſante koloriſtiſche Note zu bringen.
Natürlich muß hier mit ſubtilſtem Geſchmacke zu Werke gegangen
werden, um wirklich den Abſichten der Mode gerecht zu werden.
Die Farbabſtimmung, von der eben die Rede war, wirkt
ſich beiſpielsweiſe derart aus, daß man zu einem braunen
Sport=
koſtüm weder einen gleichfarbigen noch auch einen hell=beige Hut
wählt, ſondern irgendeine entſprechende Schwebung der betref=
fenden Stoff=Farbe, die ſich dann in einem anderen Toiletten=
Detail wiederholt, womit man die Abſichtlichkeit dieſer Farb=
Ungleichmäßigkeiten motivieren will. So bringt man etwa Hut,
Schuhe und Händtaſche oder Hut, Schäl und Händſchuhe, auch
Hut und Krawatte (bei ſportlicher Aufmachung) in
Ueberein=
ſtimmung. Die neue Mode folgt nur inſoferne einem gewiſſen
Prinzip, als ſie „Einfachheit für Trotteur= und Sportzwecke” und
„aparte Linienführung für Nachmittag und
Abend” vorſchreibt. Um dieſe Tendenzen zu
illuſtrieren, verweiſen wir auf die Sckizzenblätter
unſers Bildes.
Dem größten Intereſſe begegnet immer ein
Hut, der ſowohl für einfache Promenadezwecke
als auch für ſportliche Gelegenheiten in Frage
kommt, denn man kann ihn ſo oft verwenden,
daß er wirklich reſtlos gut kleiden muß, wenn man
ſeiner nicht müde werden will.
Um aber einer ſolchen Form jene
Allgemein=
gültigkeit zu geben, die hier notwendig iſt, läßt
man ſie ganz ungarniert, ſo daß nur die Faſſon
für ſich ſpricht. Trotzdem alſo das Fehlen
jeg=
lichen Aufputzes bei einem Trotteurhut eine
Grundregel iſt, verſieht man ihn doch hin und
wieder mit einer Nadel, einem Emblem oder
dergleichen, um ihn dem entſprechenden
Ver=
wendungszwecke anzupaſſen.
So zum Beiſpiel zeigt unſere Mittelſkizze
einen Filzhut mit weichem, welligem Rande.
Für Autofahrten wird er mit einem metalliſchen
Autoſportemblem garniert, das ſich auch auf den
Revers des Raglans wiederholt.
Einen „Südweſter” vorne aufgebogen,
rück=
wärts tief in den Nacken reichend, bringen wir
als originellen Regenhut zum hochgeſchloſſenen
waſſerdichten Wettermantel, als letztes Bild.
Der Nachmittags=Hut iſt in der Regel
breitrandig, aus hellem Filz verfertigt und zu
einer der Farben des Imprimskleides abgeſtimmt.
Er kann zwar ganz ungarniert ſein, doch gibt
man ihm gerne durch bunte Applikationen aus
dem be reffenden gemuſterten Seidenmateriale
des Kleides eine aparte Note.
Die Abendmode ſteht ganz im Zeichen
des Turbans. Er kann aus Filz verfertigt
ſein, wird aber ebenſogerne aus Seide und Filz
kombiniert, oft aber auch ganz aus Seide
her=
geſtellt. Seine Eigenart beſteht darin, daß er ſchief.
aufgeſetzt wird und die Stirne möglichſt frei läßt,
wodurch ſich der charakteriſtiſche Eindruck
ausge=
zeichnet zur Geltung bringen läßt. Eine
intereſ=
ſante Neuheit der Abendmode iſt der
Geſichts=
ſchleier. Er iſt in der Regel aus ganz dünnem Tüll
ge=
dacht und nur am Rande mit feinen Fäden in einem leichten
Ornamente durchzogen, ſo daß er die Linie des Geſichtes nicht
ſtört, wie die grobgemuſterten Schleier, die man ſeinerzeit zu
ſehen gewohnt war (Bild).
Willy Ungar.
Die „Flaggen=Gala
iſt eine ſehr originelle Garnierungsidee für einen Jumper, den
man zum Waſſerſport, alſo für Schiffs=, Boots= und Segelfahrten
verwenden will.
Die kleinen Fähnchen werden in bunten Farben
wiederge=
geben, und zwar geſtickt oder gemalt (auf Seidengrund), doch
be=
dienen ſich beſonders die neuen Strickmodelle dieſer Anregung mit
Vorliebe. Ein ſolcher Jumper, der durch ſeine „grob=geſtickte‟,
Machart faſt wie ein handgearbeitetes Modell wirkt, erhält durch
die vielfarbigen Fahnen eine unübertrefflich=flotte Wirkung. Der
Faltenrock, der in der Regel in Strickpliſſé=Manier gearbeitet
wird, iſt in den meiſten Fällen marineblau, doch ſieht man
ge=
legentlich auch ein Röckchen in der unter den vielen Fahnen
do=
minierenden Farbe.
R. H.
Rund um die Mode.
Die Eleganz einer Frau beſteht eigentlich
nie=
mals in ihrem Kleidungsſtücke, ſondern in der
Art der ganzen Aufmachung. Und dazu gehören
vor allen Dingen jene vielen Kleinigkeiten, die
man ſaſt überſieht, wenn ſie da ſind, aber arg
vermißt, wenn ſie in einer Zuſammenſtellung
fehlen oder in einer Garderobe vernachläſſigt
werden.
Man hat ja nur allzu oft Gelegenheit
wahr=
zunehmen, daß häufig aus einem Bande, aus
einer Blume, aus einem Halsſchmucke viel mehr
Wirkung zu holen ſei, als aus dem ſchönſten
Kleide, wie oft wieder auch ein Schuh, der
beſon=
ders intereſſant iſt, der ganzen Erſcheinung das
aparte Gepräge geben kann.
Wie bedeutungsvoll im Grunde genommen
die vielen kleinen Dinge ſind, erkennt man nicht
nur bei der eleganten abendlichen Aufmachung,
ſondern auch bei der Trotteur= und Reiſekleidung,
ja ſogar bei den ſchlichteſten Sportſachen.
Wir wollen darum heute verſuchen, einige
je=
ner kleinen Dinge zu beſprechen, die die elegante
Frau braucht und an die ſie beſonders zur
Reiſe=
zeit nicht vergeſſen darf, um ſie während der
Ferien nicht zu ſehr zu vermiſſen.
Und wenn wir ein wenig ſnobiſtiſch ſein
wollen, ſo beginnen wir mit einem
Luxusgegen=
ſtande, der aber für die Sommerfriſche ebenſo
aktuell wie wichtig iſt: das Grammophon. Es iſt
der ſtändige Reiſebegleiter geworden, ſtellt an
regneriſchen Tagen eine angenehme Zerſtreuung
dar, erſetzt des Abends die Tanzmuſik und
berei=
tet im Freien, auf der Wieſe, in den Bergen und
am Strande viel Vergnügen. Natürlich darf
die Sprechmaſchine nicht zu umfangreich ſein,
da=
mit ihr Transport nicht zur Qual wird, ſondern
ganz mühelos vonſtatten geht; amn liebſten
ent=
ſcheidet man ſich für die handliche, kleine
Reiſe=
kaſſette, die natürlich in der Farbe mit jener des
übrigen Gepäcks übereingeſtimmt werden muß,
denn man will nicht zeigen: „ich führe ein Grammophon mit auf
Reiſen” ſondern will es unauffällig dem übrigen Gepäck
anglei=
chen, wie überhaupt die Eleganz einer Frau auch in der
tadel=
loſen Uebereinſtimmung der verſchiedenen Gepäckſtücke zum
Aus=
drucke kommt.
Ja, das Gepäck! Es bereitet oft ſchwere Sorgen, denn
ſeine Anſchaffung iſt koſtſpieliger denn je; und dennoch ſoll man
die Reiſeaufmachung auch in dieſer Beziehung nicht
vernach=
läfſigen, lieber auf anderes verzichten, denn gutes Gepäck if
eine Kulturfrage und letzten Endes auch ein Beſitz, der viele
Jahre hindurch auszuwerten iſt. In der Regel braucht die
reiſende Dame vier Gepäckſtücke: den Coupé=Koffer, der
in letzter Zeit faſt immer wie ein kleiner Schrankkoffer gebaut
iſt und in jeder Hinſicht die günſtigſte Raumeinteilung bietet
(VI), den kleinen Hutkoffer, der neben den Hüten auch
Hand=
ſchuhen, kleinen Wäſcheſtücken und Strümpfen Raum bietet (TX),
die Plaid=Rolle (/III) weil eine Reiſedecke während der
Ferien immer gute Dienſte leiſtet, ob man nun in den Kurort,
an die See oder ins Gebirge geht, und vor allen Dingen ein
gut eingerichtetes Neceſſaire mit allen Toilettebehelfen.
Außerdem aber iſt auch die große Zipp=Taſche, die ein
Mittelding zwiſchen Neceſſaire und Handtaſche darſtellt, ſehr
be=
liebt (FII), weil ſie für Tagesausflüge ganz unvergleichlich
beſſer wirkt, als jede andere Taſche. Im Gepäck pflegt man auch
ein ganz kleines Neceſſaire mit zwei Flakons zu
haben, von denen das eine für Parfüm, das
an=
dere für Toilette=Waſſer gebraucht wird (TV).
Für den Allwetter= und Badeſchirm, ſowie für
den Bergſtock (wenn man auch einen Teil des
Ur=
laubs im Gebirge verbringt) iſt eine ſchmale
Schirmhülle ſehr empfehlenswert.
Der Badeſchirm kann mit lichtechtem
Waſchſtoffe oder mit Olpapier überzogen ſein,
hat die flache, vielteilige Form (V) und wird in
ſeiner Muſterung in der Regel mit der übrigen
Aufmachung, vor allen Dingen aber mit dem
Bademantel in Übereinſtimmung gebracht.
An Stelle des Bademantels gebraucht man
aber heuer vielfach das kurze Bade=
Jäck=
chen (I), denn es iſt bedeutend flotter und
jugendlicher in ſeiner Wirkung und nimmt auch
im Reiſegepäck viel weniger Raum ein, ein
Fak=
tor, der natürlich ſehr in die Wagſchale fällt.
Unter dem Badejäckchen trägt man den
Tricotſchwimmanzug, der aus Hoſe und
langer Kaſak beſteht, die mit in
Intarſientech=
nik wiedergegebenen Diagonalſtreifen garniert zu
ſein pflegt (T).
Für den Strand iſt aber auch ein Bade=,
tuch notwendig, das aus Frottierſtoff beſteht und
mit einer Badetaſche aus dem gleichen Materiale
vereinigt wird, in der die notwendigſten
Gegen=
ſtände für das Bad Platz finden ſollen: ein
Fläſchchen mit Toilettewaſſer, eine Hautereme,
Taſchentuch, Schlüſſel, Toilettezeug,
Sonnen=
brille uſw. (III).
Zur Promenadekleidung braucht man
im=
mer einen ſchicken Schal oder ein kleines
Hals=
tuch und nimmt davon in der Regel mehrere
Stücke auf Reiſen mit, um entſprechend variieren
zu können. Bild XIV führt einige Typen vor
Augen: das gemuſterte Imprimé=Tüchlein, eines
aus Georgette mit Spitzenkante und ein anderes
mit einem geſtickten Rande. Ein großer Schal
für abendliche Zwecke in Form eines reich
ge=
rafften Schultertuches iſt ſehr mondän und
be=
liebt (XI). Der elegante Handſchuh iſt die notwendige
Ergän=
zung jeder Aufmachung. Stulpenformen treten in letzter Zeit
wieder in den Vordergrund, darunter für ſportliche
Gelegen=
heiten die mit einer Spange verſehenen, für den Nachmittag
aber die mit Petit=Point oder Gobelin=Arbeit garnierten
Modelle.
Für regneriſche Tage im Gebirge darf man die „
Froſch=
haut” nicht vergeſſen, jene durchſichtige, capeartige Umhülle aus
vollkommen waſſerdichtem, durchſcheinenden Materiale, die die
Sportkleidung ſchützt und dabei federleicht iſt (XIII).
Wiltz Urg
Nummer 207
Sonntag, den 28. Zuli 1929
Seite 23
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Inſzenierungen im Schloßhof: Guſtav Hartung.
Inizenierung im Bandhaus: Rudolf Rittner.
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