Einzelnummer 1.5 Pfennige
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Nummer 193
Sonntag, den 14. Juli 1929.
192. Jahrgang
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Rabatt weg. Banſkonto Deutſche Banl und Darme
ſtädter und Natlonalbank.
Die Rheinlandräumung ein längſt überreifes Problem. — der Gedanke einer „Feſtſtellungs= und
Verſöh=
nungskommiſſion” ein bedenkliches Ueberbleibſel einer überhollken polikiſchen Epoche. — Durch Locarno iſt
die Sicherheitsfrage gelöſt.
Der deutſche Reichsaußenminiſter
Dr. Skreſemann begründel die
ableh=
nende Halkung Deutſchlands.
Frankfurt a. M., 14. Juli.
Die „Frankfurter Zeitung” veröffentlicht eine Unterredung
mit dem Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann über die Frage
des ſogenannten Feſtſtellungs= und Verſöhnungsausſchuſſes. Der
Miniſter äußert ſich wie folgt:
Bei den Regierungen, die an den politiſchen
Beratungen der bevorſtehenden Konferenz
be=
teiligt ſein werden, beſteht — wie ich wohl feſtſtellen
kann — keine Meinungsverſchiedenheit mehr
dar=
über, daß die ſeit langem erhobenen deutſchen Forderungen
nach Befreiung des Rheinlandes von fremder
Beſetzung nun endlich Erfüllung finden ſollen. Von engliſcher
Seite hat die Oeffentlichkeit einen beſtimmten Hinweis durch die
Erklärungen erhalten, die von autoritativer Seite vor einigen
Tagen im Unterhaus über die Räumungsfrage abgegeben
wor=
den ſind.
Wenn heute in dieſe erfreuliche Ausſicht auf baldige Löſung
eines wirklich längſt überreifen Problems noch ein Schatten
fällt, ſo rührt er von einer Idee her, die neuerdings wieder mit
beſonderem Nachdruck in einem Teil der franzöſiſchen Blätter
verfochten wird, d. h. die Idee der Einrichtung eines beſonderen
Kontrollorganes, um den dafür erfundenen ſchönen Namen zu
gebrauchen, einer Feſtſtellungs= und Verſöhnungs=
Kommiſſion für die Rheinlande. Dieſe Idee, das
muß ich offen ſagen, iſt nichts anderes, als ein
bedenkli=
ches Ueberbleibſel aus einer politiſchen Epoche, die
längſtüberholt iſt, und ich kann mir nicht denken, daß dieſe
bei unvoreingenommener Beurteilung der Sache von irgendeiner
Seite verlangt werden könnte.
Als die deutſche Initiative uns im Herbſt 1925 noch Locarno
führte, geſchah dies in dem Beſtreben, mit deutſcher Mitwirkung
ein Problem zur Löſung zu bringen, das, wie ſich nach der
Londoner Dawes=Konferenz immer ſtärker herausſtellte, der
Her=
beiführung einer politiſchen Befriedung Europas als ſchwerſtes
Hindernis ſich in den Weg ſtellte. Dieſes Hindernis ergab ſich
aus dem Komplex der Fragen, die von franzöſiſcher Seite ſeit
Verſailles mit dem Ausdruck der Sicherheitsfrage bezeichnet
wurden. Es gelang nun, in den Verträgen von Locarno
eine Löſung der Sicherheitsfrage zu finden, die nicht
nur von den unmittelbar beteiligten Ländern, ſondern nahezu
von der ganzen Welt als ein Wendepunkt in der politiſchen
Ent=
wicklung angeſehen wird. Wenn der Name Locarno in den
fol=
genden Jahren hier und da manches von ſeinem urſprünglichen
Glanz verloren hat, wenn nicht alle Blütenträume gereift ſind,
ja, wenn es ſogar vielfach zu bitteren Diskuſſionen über den
Geiſt von Locarno gekommen iſt, ſo iſt dabei eine ſtets
unan=
getaſtet geblieben, nämlich der Standpunkt, daß
von einer Sicherheitsfrage zwiſchen Deutſchland und ſeinen
Nachbarn nicht geſprochen werden kann.
Es iſt richtis, daß von einzelnen franzöſiſchen Politikern auch
noch in den Jahren nach Locarno gelegentlich Gedanken
vertre=
ten worden ſind, die ſich in ähnlicher Richtung, wie der
Ge=
danke der Feſtſtellungs= und Verſöhnungskommiſſion bewegen.
Die deutſche Außenpolitik konnte indes nicht annehmen, daß
derartige Gedanken Beſtandteil der amtlichen franzöſiſchen Politik
wären. Dem ſtanden jedenfalls gewiſſe Erklärungen franzöſiſcher
Staatsmänner gegenüber. Es war deshalb eine
unlieb=
ſame Ueberraſchung, als während der Beſprechungen, die
während der letzten Völkerbundsverſammlung in Genf über die
Näumungsfrage, ſtattfanden, dem deutſchen Reichskanzler von
franzöſiſcher Seite plötzlich wieder der Plan der Einrichtung
eines Sonderorganes für die Behebung derjenigen
Meinungs=
verſchiedenheiten nahegebracht wurde, die zwiſchen Deutſchland
und Frankreich aus den Beſtimmungen des Verſailler Vertrags
über die entmilitariſierte Zone entſtehen könnten. Der Plan ging
dahin, daß in dieſem Falle die Verträge von Locarno einer
Ergänzung bedürften, und daß dieſe Ergänzung geſchaffen
wer=
den müſſe. Als ſich zeigte, daß damit an die Einrichtung eines
zeitlich unbeſchränkten Sonderorganes für
das Rheinland und die angrenzende 50=
Kilo=
meter=Zone gedacht war, hat der Reichskanzler
das als unannehmbar bezeichnet und ſich lediglich
zur Diskuſſion über eine bis zum Jahre 1935 dauernde
Einrich=
tung dieſer Art bereit erklärt.
Alle politiſchen Parteien in Deutſchland, wie ſich
noch während der letzten Reichstagsdebatte gezeigt hat, haben ſich
geſchlöſſen hinter dieſe Auffaſſung geſtellt, und es lann kein
Zweifel darüber beſtehen, daß dieſe Stellungnahme als
eine end gültige angeſehen werden muß.
Laſſen Sie mich den Sachverhalt, um den es ſich bei der
ganzen Frage handelt, noch einmal in ſeinen weſentlichen Punk=
ten auseinanderſetzen, da es nur dann möglich iſt, zu verſtehen,
daß es in dieſem Punkt für Deutſchland keine Möglichkeit einer
Aenderung ſeines Standpunktes gibt. Der franzöſiſche Plan geht,
wie Ihnen bekannt, von der Behauptung aus, daß bei einer
etwaigen Ergänzung der Beſtimmungen des Vertrages von
Ver=
ſailles über die demilitariſierte Zone nach dem jetzt geltenden
Vertragsregime allein die unmittelbare Anrufung des
Völker=
bundsrats in Betracht komme, wie ſie für ſolche Fälle im
Rhein=
pakt von Locarno vorgeſehen iſt. Die franzöſiſche Regierung
möchte vor der Anrufung des Völkerbundsrates ein beſonderes
Unterſuchungsverfahren einſchalten, weil dies ihrer Anſicht nach
beſſer geeignet wäre, Fälle von geringerer Bedeutung ohne
gro=
ßes Aufſehen auf gütlichem Wege zu erledigen.
Dieſer ganze Ausgangspunkt der franzöſiſchen Konſtruktion
iſt verkehrt. Wenn Frankreich eine Verletzung der
Demilitari=
ſierungsbeſtimmungen behauptet, ſo iſt es keineswegs notwendig,
ſofort den Völkerbundsrat zu befaſſen. Zunächſt kommt die
Er=
ledigung der Frage auf diplomatiſchem Wege in Frage. Wozu
unterhalten wir die Diplomatie, wenn ſie ausgeſchaltet werden
ſoll, ſobald ernſtere Fragen auftauchen. Sollte das diplomatiſche
Verfahren wirklich nicht zum Ziele führen, ſo kann die
Angele=
genheit vor eine Inſtanz gebracht werden, die an anderer Stelle
der Locarnoverträge vorgeſehen iſt, nämlich vor die
Vergleichs=
kommiſſion des deutſch=franzöſiſchen Schiedsvertrages. Dieſe
Ver=
gleichskommiſſion, deren 5 Mitglieder alsbald nach dem
In=
krafttreten der Locarnoverträge ernannt worden ſind, ſteht jeden
Augenblick zur Verfügung und kann jeden Tag in Funktion
treten
Von einer Lücke in den Locarnoverträgen kann alſo nicht
die Rede ſein. Die Schaffung einer neuen Kommiſſion iſt aber
nicht nur angeſichts dieſer Möglichkeiten überflüſſig, ſondern ſie
iſt auch politiſch gefährlich. Auch bei politiſchen Abſichten der
gegenwärtigen ſranzöſiſchen Außenpolitik, an deren Loyalität ich
nicht zweifle, kaun niemand wiſſen, zu welchen Zwecken ein
einmal vorhandenes Inſtrument für das Rheinland in der
Zu=
kunft gebraucht werden könnte. Bei Einrichtungen, die für
un=
beſchränkte Zeit geſchaffen werden ſollen, muß man mit allen
Eventualitäten, auch den ſchlimmſten, rechnen. Und man darf es
uns nicht verübeln, wenn wir daran denken, daß die
Sonderkom=
miſſion einmal für alle möglichen Zwecke z. B. gegenüber dem
berechtigten Ausdehnungsdrang der Induſtrie in dieſem Gebiet
gebraucht werden könnte.
Es iſt auch nicht richtig, daß im konkreten Fall die Einleitung
eines ſolchen beſonderen Kommiſſionsverfahrens im Rheinland
weniger Aufſehen erregen und weniger leicht zu einer
poli=
tiſchen Spannung, führen könnte, als ein Verfahren vor dem
Völkerbundsrat. Viel eher würde das Gegenteil der Fall ſein.
Wenn es ſich wirklich um Fälle von geringerer Bedeutung
han=
delt, können ſie unbedenklich auf den diplomatiſchen Weg
ver=
wieſen werden. Gelingt auf dieſem Wege eine Erledigung nicht,
wird der Fall auch nicht vor die Locarno=Kommiſſion gebracht
und iſt er nach franzöſiſcher Auffaſſung von ſchwerwiegender
Be=
deutung, ſo bleibt es Frankreich unbenommen, ſich an den
Völ=
kerbundsrat zu wenden.
Man ſucht uns den franzöüiſchen Vorſchlag mit der
Behaup=
tung ſchmackhaft zu machen, daß er auf dem Grundſatz der
Rezi=
prozität aufgebaut iſt. Dieſe angebliche Reziprozität iſt aber illu=
„ſoriſch, einfach aus dem Grunde, weil auf franzöſiſcher Seite
ein einmal zu kontrollierendes Objekt fehlt. Wenn die
Rezi=
prozität darin beſtehen ſoll, daß Deutſchland bei einer Verletzung
der demilitariſierten Zone durch eine andere Macht gleichfalls die
Möglichkeit der Anrufung des beſonderen Kommiſſionsverfahrens
haben würde, ſo iſt auch das gegenſtandslos. Eine ſolche
Ver=
letzung der demilitariſierten Zone durch eine andere Macht wäre
doch nur durch den Einmarſch franzöſiſcher oder belgiſcher
mili=
täriſcher Streitkräfte in das Rheinland denkbar. Es verſteht ſich
von ſelbſt, daß in einem ſolchen Fall ein Kommiſſionsverfahren
keinen Zweck mehr hätte.
So iſt es durchaus erklärlich, daß nach dem ganzen Verlauf
der öffentlichen Diskuſſion über dieſes Thema die Einrichtung
einer neuen Kommiſſion in der deutſchen Oeffentlichkeit als ein
neuer Verſuch aufgefaßt wird, dem Rheinland ein
in=
ternationales Sonderſtatut aufzuerlegen. Man
fragt ſich in Deutſchland vergeblich, wer denn ein begründetes
Intereſſe an dieſer Einrichtung haben könnte. Welche
militäri=
ſchen Maßnahmen im Rheinland hat denn Frankreich zu
fürch=
ten? Iſt es denkbar, daß in dieſem verkehrsreichen, offen vor den
Augen von ganz Europa liegenden Gebiet, heimlich militriſche
Vorbereitungen getroffen werden könnten, die eine für
Frank=
reich dringende Gefahr darſtellen würden? Eine heimliche
mili=
täriſche Vorbereitung im Rheinland iſt ſo abſurd, als wenn
je=
mand heimlich auf dem Potsdamer Platz in Berlin ein Gebäude
errichten wollte! Wenn wirklich einmal ein Streit darüber
ent=
ſteht, ob eine Eiſenbahnrampe oder eine ähnliche Anlage mit den
Beſtimmungen des Verſailler Vertrages nicht im Einklang ſteht,
bedarf es da einer Inſtanz, die man über die Locarno=Verträge
hinaus mit beſonderen Kompetenzen ausſtatten müßte?
Vergegenwärtigt man ſich alles dies, ſo ſollte das Ausland
verſtehen, daß es genug iſt, wenn Deutſchland für ſeine weſtlichen
Grenzgebiete ohne zeitliche Beſchränkung die einſeitige
Verpflich=
tung zur dauernden Entmilitariſierung auf ſich nehmen muß,
und daß dieſe Verpflichtung in Locarno unter die Garantie
Eng=
lands und Italiens geſtellt worden iſt. Was darüber als
dau=
ernde Einrichtung hinausgeht, iſt für Deutſchland untragbar!
Die Woche.
Noch immer nicht iſt die Entſcheidung in der großen,
außen=
politiſchen Auseinanderſetzung gefallen, die gegenwärtig Europa
in Atem hält, noch immer nicht hat man ſich über den Ort der
kommenden europäiſchen Konferenz einigen können, und erſt recht
nicht hat man ſich bisher einigen können über das Verhandlungs=
Programm. Mit ſeltſamer Hartnäckigkeit lehnt Poincaré nach wie
vor die engliſche Hauptſtadt als Konferenzort ab, während auf
der anderen Seite der Young=Plan in England immer ſchärfere
Kritiker findet. Wenn man vielleicht auch deswegen der
kom=
menden Konferenz nicht ſchon ohne weiteres eine allzu
peſſi=
miſtiſche Prognoſe zu ſtellen braucht, ſo muß doch feſtgeſtellt
wer=
den, daß ſich der europäiſche Horizont während der letzten acht
Tage nicht gerade aufgehellt hat. Gewiß, bei der Vorbereitung
umfaſſender Auseinanderſetzungen ergeben ſich ſtets
Schwierig=
keiten, und die derzeitigen Verhandlungen zwiſchen Paris,
Lon=
don und Berlin unterſcheiden ſich inſofern vielleicht nicht allzuſehr
von ähnlichen Verhandlungen früherer Jahre. Aber das iſt nur
ein ſchwacher Troſt, denn von der kommenden Konferenz erhoffte
man ja nicht nur in Deutſchland eine endgültige Liquidation
des Weltkrieges, und zwar nicht nur in tatſächlicher Hinſicht,
ſon=
dern insbeſondere auch ſtimmungsmäßig. Wenn man aber die
Dinge von dieſer Seite aus anſieht, iſt es mehr wie bedauerlich,
daß ſchon durch die Vorverhandlungen auf die politiſche
At=
moſphäre ſo ſtark gedrückt wird. Es iſt unter dieſen Umſtänden
ſehr nützlich, daß deutſcherſeits während der letzten Tage
mehr=
fach offiziell und offiziös mit unmißverſtändlicher Deutlichkeit
feſt=
geſtellt wurde, daß eine Inkraftſetzung des Young=Planes für
uns nur in Frage kommen könne bei gleichzeitiger Befreiung von
den drückendſten Feſſeln des Verſailler Vertrages, d. h.
insbe=
ſondere bei gleichzeitiger Räumung der beſetzten rheiniſchen
Gebiete.
Es iſt eine merkwürdige und verhängnisvolle Erſcheinung,
daß ſich jedesmal, wenn wir vor großen, außenpolitiſchen
Ent=
ſcheidungen ſtehen, unſere ohnehin höchſt unerfreulichen
innen=
politiſchen Verhältniſſe zuſpitzen. Auch in anderen Ländern
können wir gelegentlich zwar die gleiche Erſcheinung beobachten,
aber dann handelt es ſich immer darum, daß ſchwerwiegende
Meinungsverſchiedenheiten in Fragen der Außenpolitik auf die
Innenpolitik zurückwirken. Das iſt aber bei uns durchaus nicht
in dem Maße der Fall, ſondern über die Richtlinien unſerer
Außenpolitik iſt ſich ja die große Mehrheit des deutſchen Volkes
durchaus einig. Die innenpolitiſche Kriſis iſt bei uns vielmehr zum
Dauerzuſtand geworden, und weder unſere politiſchen Führer
noch unſere Parteien beſitzen das nötige Maß von Selbſtdiſziplin,
um die innenpolitiſchen Meinungsverſchiedenheiten
zurückzu=
ſtellen, ſolange es ſich um außenpolitiſche Lebensfragen unſeres
Volkes handelt. Man braucht nicht nur an die Verhältniſſe in
Preußen zu denken, wo man jetzt nach der Konkordatſchlacht
bemüht iſt, das Schlachtfeld von den Trümmern zu ſäubern. Auch
im Reich treiben wir ganz offenſichtlich einer neuen, ſchweren
innenpolitiſchen Kriſis zu. Das liegt einmal an der völligen
Ver=
kalkung unſeres Parteiſyſtems und zum andern an dem
gänz=
lichen Mangel jeglichen Führerwillens. Seit über einem Jahr
iſt nunmehr die derzeitige Reichsregierung im Amt, ſeit über
einem Jahr beweiſt der an ſich gewiß nicht unſympathiſche Herr
Müller, den die Sozialdemokratiſche Partei als Reichskanzler
ge=
ſtellt hat, jeden Tag, daß er nicht über das Maß robuſter
Wil=
lenskraft verfügt, das ein Kanzler des deutſchen Reiches nun
ein=
mal unbedingt braucht. Alle Welt weiß — auch ohne den letzten
Parteitag — daß die Sozialdemokratiſche Partei ſchon längſt
kein homogenes Gebilde mehr iſt, und gegen die ſich daraus
er=
gebenden Widerſtände vermag ſich Hermann Müller keineswegs
durchzuſetzen, geſchweige denn gegen die Widerſtände, die ſich bei
einer ſo vielfarbigen Koalitions=Regierung naturnotwendig
er=
geben. Wir haben in Deutſchland allmählich ganz vergeſſen, daß
die Perſönlichkeit den Führer macht, und daß die
Mit=
glieder der Reichsregierung ganz gewiß nicht nur Beauftragte
ihrer Partei ſein dürfen. In der deutſchen Hochſchule für Politik
in Berlin hat dieſer Tage im Rahmen einer Vortragsreihe der
bekannte Wirtſchaftspolititer Dr. Rüſtow aus der
Geſchäfts=
führung des Vereins deutſcher Maſchinenbau=Anſtalten über
Diktatur in der Demokratie geſprochen und dabei ſehr zutreffende
Kritik an unſerm heutigen parlamentariſchen Syſtem geübt, um
dann am Schluſſe einen praktiſchen Vorſchlag zu machen, der auf
eine Stärkung der Stellung des Reichskanzlers hinauslief, der
anders als heute „wirklich führen und nicht nur Monteur einer
roſtigen Koalitionsmaſchine und Brieſträger eines Kollektivums”
ſein ſollte. Man wendet vielfach ein, daß die Vielköpfigkeit und
Zerriſſenheit unſeres Partei=Syſtems die Demokratie nicht zum
ſchöpferiſchen Funktionieren kommen laſſe. Das iſt leider bis zu
einem gewiſſen Grade ſehr richtig und bedeutet letzten Endes das
Grundübel, an dem wir leiden. Daß ſich aber eine ſtarke
Perſön=
lichkeit trotzdem durchzuſetzen vermag, beweiſt am beſten das
Beiſpiel des franzöſiſchen Miniſter=Präſidenten, der ſeit Jahren
die Macht feſt in der Hand hat, ohne eigentlich in der
franzö=
ſiſchen Kammer über eine ſichere Mehrheit in unſerem Sinne zu
verfügen.
Schlimmer vielleicht noch als die Zerriſſenheit unſeres
Partei=
ſyſtems — auch die Franzoſen haben ja eine ganze Reihe von
Parteien oder politiſchen Gruppen — iſt unſere politiſche
Ver=
kalkung, die dazu führt, daß Neuwahlen bei uns nur in den
ſeltenſten Fällen irgendeine weſentliche Aenderung bringen. Der
Durchſchnittsdeutſche iſt eingeſchworen auf eine beſtimmte Partei,
die er ſein Leben lang wählt, ohne ſich auch nur im geringſten
darum zu kümmern, was „ſeine” Partei in der politiſchen
Praxis tut. Oder glaubt vielleicht irgend jemand, daß die
Demo=
kratiſche Partei in Preußen bei der nächſten Landtagswahl ihre
evangeliſchen Stimmen verlieren wird, nachdem ſie in getreuer
Gefolgſchaft Herrn Brauns dem Konkordat zur Annahme
ver=
holfen hat? Auch die Unfähigkeit der ſozialdemokratiſchen
Füh=
rung wird der Sozialdemokratiſchen Partei bei etwa kommenden
Neuwahlen ganz gewiß nicht die Hälfte ihrer Stimmen koſten.
Das iſt bei uns leider anders als in England, wo Parteien und
Regierung nach ihren Taten beurteilt werden, und wo die
Neuwahlen jedesmal eine Art Volksurteil darſtellen über die
Seite 2
Sonntag, den 14. Juli 1929
Nummer 193
Ergebniſſe der letzten Legislatur=Periode. Das iſt aber der
eigentliche Sinn des demokratiſchen Syſtems, der nur bei uns in
ſein Gegenteil verkehrt iſt.
Ueber allem ſteht die Partei und nicht das Vaterland, das
Wohl der Geſamtheit. Nicht das iſt das Weſentliche und
Ent=
ſcheidende, was uns alle eint, ſondern das, was uns im
ein=
zelnen trennt, und dies Trennende wird bewußt in den
Vor=
dergrund geſchoben bei jeder paſſenden und unpaſſenden
Gelegen=
heit. Wir haben parteipolitiſche Sportvereine, parteipolitiſche
Geſangvereine, konfeſſionelle Sportvereine und konfeſſionelle
Ge=
ſangvereine, ohne uns überhaupt bewußt zu werden, wie
lächer=
lich wir uns damit machen. Aber dieſes Hervorheben des
Tren=
nenden hat auch leider ſeine überaus ernſten Seiten. Wir kennen
alle die verhängnisvollen Folgen unſeres unſeligen
Flaggen=
ſtreites. Jahrelang hat es gedauert, bis die Wogen der
Er=
regung allmählich Gott ſei Dank etwas abgeebbt ſind. War es
unter dieſen Umſtänden notwendig, daß der heſſiſche
Innen=
miniſter ausgerechnet jetzt mit einem Erlaß herauskam, der ganz
geeignet iſt, den alten Streit aufs neue wieder aufzurühren,
inſofern er den heſſiſchen Beamten die Teilnahme an jeglicher
— alſo auch jeder privaten — Feſtlichkeit verbieten will, bei der
nicht die ſchwarz=rot=goldene Flagge „an hervorragender Stelle‟
gezeigt wird. „Das war kein Heldenſtück Octavio”,
Wenn aber dergleichen ſchon am grünen Holz geſchieht, wie
ſoll es dann am dürren werden? Auf dieſe Frage hat uns erſt
kürzlich der preußiſche Innenminiſter Grzeſinſki in ſeiner
berüch=
tigten Frankfurter Laternenpfahlrede eine unmißverſtändliche
Antwort gegeben. Wir haben uns zwar ſchon an manches
ge=
wöhnt, aber trotzdem bedeutet es immerhin doch noch ein Novum,
wenn ein verantwortlicher Miniſter die gewaltſame Beſeitigung
der Demokratie und die Diktatur der Gewerkſchaften und des
Reichsbanners ankündigt!
Wir ſind ſtets dafür eingetreten, daß auch grundſätzliche
Meinungsverſchiedenheiten eine politiſche Zuſammenarbeit nicht
ausſchließen können und dürfen, und wir haben die große
Kog=
lition begrüßt, weil wir von einer Zuſammenarbeit dir
bürger=
lichen Mitte mit der Sozialdemokratie in mehr wie einer
Hin=
ſicht erfreuliche Wirkungen erwarteten. Dieſe Erwartungen haben
ſich bisher nicht erfüllt, und die Einſtellung der
Sozialdemokra=
tiſchen Partei zu den großen Wirtſchafts= und Verwaltungs=
Problemen, die wir im Herbſt zu löſen haben, läßt auch für die
nächſte Zukunft jeglichen Optimismus unangebracht erſcheinen.
M.
50 Jahre Reichsfinanzminiſterium.
Berlin, 13. Juli.
Am 14. Juli kann die oberſte Finanzbehörde des Reiches auf
ein fünfzigjähriges Beſtehen zurückblicken. Noch 1871 konnte man
ſich anfänglich ohne eigene Finanzbehörde helfen; die
Reichs=
finanzen wurden vom Reichskanzleramt verwaltet. Erſt 1877
wurde innerhalb des Amtes eine eigene Abteilung dafür
einge=
richtet. Zwei Jahre ſpäter kam dann die behördliche
Verſelbſtän=
digung. Der Kaiſerliche Erlaß vom 14. Juli 1879 beſtimmt, „daß
die bisher mit dem Reichskanzleramt verbundene
Finanzverwal=
tung des Reiches fortan von einer beſonderen, dem Reichskanzler
unmittelbar unterſtellten Zentralbehörde unter der Bezeichnung
Reichsſchatzamt zu führen iſt.” Für eine lebenswichtige
Funktion des Reiches war damit das eigene Organ geſchaffen.
Mit der Aenderung der Verfaſſungszuſtände wurde aus dem
von einem Staatsſekretär als Stellvertreter des Reichskanzlers
geleiteten Reichsamt ein Reichsminiſterium, das durch Erlaß des
Reichspräſidenten vom 21. März 1919 den Namen
Reichs=
finanzminiſterium erhielt. Der Erlaß vom 14. Juli 1879
iſt die Gründungsurkunde ſowohl des ehemaligen
Reichsſchatz=
amtes, wie des heutigen Reichsminiſteriums.
Das Miniſterium wird ſein 50jähriges Beſtehen nach dem
Brauch anderer Miniſterien durch eine Feier begehen, die aber
im Hinblick auf die dringenden Anforderungen der
gegenwär=
tigen politiſchen Lage bis zum Herbſt vertagt werden ſoll.
* Unkerſuchung über die Skellenvermitklung.
Ueber die gewerbsmäßige Stellenvermittlung, die eigentlich
auch von der Reichsanſtalt für Arbeitsormittlung in ihren
Auf=
gabenkreis gerechnet wird, iſt eine Unterſuchung eingeleitet
wor=
den. Es ſoll vor allem der Umfang der gewerbsmäßigen
Stel=
lenvermittlung geprüft und unterſucht werden, welche Berufe
auf die gewerbsmäßige Stellenvermittlung zurückgreifen.
Offen=
bar ſoll das Ergebnis der Enquete dazu dienen, die private
Stel=
lenvermittlung gänzlich abzuwürgen, arbeiten doch die
Sozial=
demokraten ſchon ſeit langem darauf hin, die Arbeitsvermittlung
unter die Kontrolle des Staates, alſo ihre eigene Kontrolle zu
bringen, ſo daß jeder Arbeitſuchende nur dann Ausſicht hat, eine
Stellung zu bekommen, wenn er ſich politiſch mit der
Sozial=
demokratie deckt.
Vom Tage.
Der Reichspräſident empfing am Samstag den neuernannten
deutſchen Geſandten in Tirana, Hey.
Am Samstag vormittag wurde im Inſtidtsgebäude der Univerſität
Köln das Forſchungsinſtitut für internativnales
Preſſe=
weſen ſeiner Beſtimmung übergeben.
In der mit großer Spannung erwarteten zahlreich beſuchten
Voll=
verſammlung der Internationalen Handelskammer wurde die bereits
gemeldete Entſchließung über den Youngplan mit ihrer
Einleitung einſtimmig angenommen.
Der ſchweizeriſche Bundesrat hat, der deutſchen
Geſandt=
ſchaft fü: den Ehrenpreis des Herrn Reichspräſidenten zum
ſchweizer=
iſchen Bundesſchießen ſeinen Dank ausgeſprochen. Die Stiftung iſt an
das Gabenkomitee des Eidgenöſſiſchen Schützenfeſtes weitergeleitet
worden.
Der kanadiſche Geſandte in Waſhington hat im
Auf=
trag ſeiner Regierung dem Staatsſekretär Stimſon einen Beſuch
abge=
ſtattet. Er überreichte eine Note in der für den Fall, daß die
ame=
rikaniſchen Zollſätze auf verſchiedene Kanada intereſſierenden
Waren erhöht werden ſollten, Repreſſalien angedroht werden.
China beſchlagnahmt die mandſchuriſche
Oſtbahn.
Ausweiſung der ruſſiſchen Beamken.
TU. Peking, 12. Juli.
Die Beziehungen zwiſchen China und der Sowjetunion haben
ſich durch ein neues Eingreifen der chineſiſchen Regierung in die
Verwaltung der chineſiſchen Oſtbahn aufs neue verſchärft. Der
Vorſitzende des Rates der chineſiſchen Oſtbahn, Lin=Iſchun=Hua,
hat Jemſchanow, der als ſowjetruſſiſcher Ingenieur die chineſiſche
Oſtbahn leitet, veranlaßt, die ruſſiſche Verwaltung der chineſiſchen
Oſtbahn niederzulegen. Lin=Tſchun=Hua verlangte, daß
Jem=
ſchanow die Amtsgeſchäfte der chineſiſchen Oſtbahn ſofort dem
chineſiſchen Ingenieur Li Kui übergebe, da er von der chineſiſchen
Regierung zum Hauptverwalter der chineſiſchen Oſtbahn ernannt
worden ſei. Jemſchanow hat dieſes Anſinnen abgelehnt. Die
Nankingregierung hat beſchloſſen, Jemſchanow und andere
ruſ=
ſiſche Ingenieure aus China auszuweiſen.
* Die Mukdener Regierung hat den geſamten Telephon= und
Telegraphendienſt an der oſtchineſſchen Eiſenbahn vom Militär
ſperren laſſen und hat mehrere höhere ruſſiſche Offiziere und
Be=
amte, die im Dienſt der Bahn ſtanden, verhaftet. Ferner richtete
ſie in Form eines Ultimatums, das auf den 20. Juli befriſtet iſt,
an Moskau die Forderung, das Telephon= und Telegraphennetz
der Bahn China entſchädigungslos zu überlaſſen, unter dem
Vor=
wande, daß es von den Ruſſen für kommuniſtiſche Propaganda
mißbraucht worden ſei. Die ruſſiſchen Beamten wurden ſofort
durch chineſiſche erſetzt, und die Ruſſen, ſoweit ſie nicht in
Gefäng=
niſſe eingeſchloſſen wurden, wurden aus der Mandſchurei
ausge=
wieſen. Um allen Möglichkeiten zu begegnen, wurden die beſten
chineſiſchen Diviſionen an der ſibiriſchen Grenze zuſammengezogen.
China hat Rußland aufs ſchroffſte herausgefordert. In früheren
Jahrzehnten wäre der ſofortige Abbruch der diplomatiſchen
Be=
ziehungen und eine Kriegserklärung unvermeidlich geweſen. Heute
iſt man vorſichtiger geworden, das Schwert zu ziehen. Es bleibt
auch die Frage offen, ob der ruſſiſche Säbel wirklich ſo ſcharf iſt,
wie man es in Moskau behauptet. Schon einmal. 1904 und 1905,
hat der ruſſiſche Bär ſeine Klauen in der Mandſchurei verloren,
und man wird ſich in Moskau lange beſinnen, ehe man den
hin=
geworfenen Fehdehandſchuh aufhebt.
Die oſtchineſiſche Bahn wurde vom Zaren Alexander III. und
Graf Witte geplant und gebaut. Sie ſollte politiſchen und
wirt=
ſchaftlichen Zielen dienen und Petersburg und Moskau in gerader
Linie mit Wladiwoſtock verbinden. Dieſe Bahn führt aber in
einer Strecke von etwa 1500 Kilometer durch fremdes
mandſchu=
riſches Gebiet, das damals dünn bevölkert war und das Peking
für wertlos erachtete. Die Petersburger Machtträume und
Macht=
pläne im Fernen Oſten zerrannen. Am 5. September 1905 mußte
Rußland den Frieden von Portsmouth unterzeichnen, der den
ruſſiſch=japaniſchen Krieg beendete. Der ſüdliche Teil der Bahn,
die ſüdmandſchuriſche Bahn, wurde an Japan abgetreten. Der
Weltkrieg und der Zuſammenbruch der ruſſiſchen Macht befreiten
China von der ruſſiſchen Gefahr, aber erſt 1920 fand Peking den
Mut, durch einſeitigen Akt die vertragliche Vorzugsſtellung der
Ruſſen zu beſeitigen, deren freiwillige Aufgabe übrigens Karachan
ſchon 1919 von Moskau aus in Ausſicht geſtellt hatte. Dies
Ver=
ſprechen reute aber das Kommiſſariat des Aeußeren, und ſchon
19
2 erklärte Joffe als Vertreter der Sowjetregierung, daß die
oſtchineſiſche Bahn einen integrierenden Beſtandteil der ſibiriſchen
Bahn bilde und verlangte die Ernennung eines
Vertrauens=
mannes der Sowjets zum Direktor der Bahn mit Sitz in Charbin.
Die Selbſtändigkeitserklärung der Mandſchurei geſtaltete die an
*
Innenminiſterkonferenz bei Severing.
Im Reichsminiſterium des Innern haben Ende der Woche
under dem Vorſitz des Reichsminiſters Severing Beſprechungen
mit den Länderminiſtern und ihren Staatsſekretären
ſtattgefun=
den, die ſich im weſentlichen mit der innenpolitiſchen Situation
nach der Nichtverlängerung des Republikſchutzgeſetzes
beſchäftig=
ten. Herr Severing hat zum Ausdruck gebracht, daß ihm ſehr viel
an perſönlicher Fühlungnahme mit den Länderinnenminiſterien
liege, weshalb er des öfteren ſolche Konferenzen abhalten will.
Er ging dabei von der Tatſache aus, daß ab 1. Juli das
Staats=
kommiſſariat für die öffentliche Ordnung nicht mehr beſteht.
Auf=
gabe dieſer Behörde war es, durch einen beſonderen
Nachrichten=
dienſt die Feinde des Staates überwachen und Anſchläge auf
Staat und ſtaatliche Einrichtungen unmöglich zu machen.
Wäh=
rend das Reich alſo bisher über eine eigene
Sicherheitskommiſ=
ſion verfügte, muß es jetzt in verſtärktem Maße wit den
Polizei=
behörden der Länder zuſammenarbeiten, die in Zukunft die
Auf=
gaben des Staatskommiſſariats für öffentliche Ordnung zu
über=
nehmen haben werden.
ſich ſchon ſchwierige Eiſenbahnfrage noch ſchwieriger Zwiſchen
Tſchangtſolin und Moskau wurde ein vorläufiger Vertrag
ge=
ſchloſſen über die gemeinſame Verwaltung des Bahnkörpers. Die
oſtchineſiſche Bahn erhielt eine Flagge, die in der oberen Hälfte
die fünf Streifen der chineſiſchen Republik und unten die ruſſiſchen
Hoheitszeichen aufwies. Immer mehr und mehr verſuchte aber
China, die Ruſſen aus ihrer Stellung in der Mandſchurei zu
ver=
drängen. Es wehrte ſich hauptſächlich gegen die rote Propaganda,
die in der Mandſchurei von den ruſſiſchen Beamten betrieben
wurde. Es folgte der Abbruch der Beziehungen mit Nanking, und
dieſe Tatſache mußte ſich natürlich auch in der politiſchen
Stel=
lung der ruſſiſchen Beamten der Mandſchurei auswirken.
Einen beſonderen ſtrategiſchen Wert hat die oſtchineſiſche Bahn
heute nicht mehr für Rußland. Wohl aber bedeutet die
Vertrei=
bung der Ruſſen aus der Mandſchurei einen ungeheuren
Preſtige=
verluſt, der ſicherlich Rückwirkungen auf Sibirien und auch auf den
europäiſchen Teil Rußlands haben wird. Die Einnahmen aus der
Bahn gehen verloren. Eine große Anzahl von Beamten= und
An=
geſtelltenpoſten müſſen eingezogen werden. Es iſt ferner behauptet
worden, daß Moskau aus Mitteln der oſtchineſiſchen Bahn eine
rote Miliz von etwa 22 000 Mann unterhielt. Eine ruſſiſche
Proteſtnote iſt bisher noch nicht in Nanking und in Mukden
ein=
getroffen. Auch der chineſiſche Geſandte hat ſeinen Poſten in
Mos=
kau noch nicht verlaſſen. Er pflegt aber ſchon ſeit einiger Zeit
keinen offiziellen Verkehr mehr mit den Sowjetbehörden. Iſt erſt
der ruſſiſche Einfluß in der Mandſchurei vernichtet, ſo iſt es ſehr
leicht möglich, daß ein zweiter Schlag gegen die Mongolei erfolgt.
Die innere Mongolei ſteht als halber Sowjetſtaat vollkommen
unter ruſſiſchem Einfluß. Aber die mongoliſchen Fürſten und ihr
Anhang haben wiederholt ſchon verſucht, die roten Feſſeln
abzu=
ſtreifen. Auch hat China niemals offiziell auf ſeine Souveränität
auf die Mongolei verzichtet. Für die Verhältniſſe im Fernen
Oſten hat der Schlag Chinas gegen die Sowjetregierung eine
folgenſchwere Bedeutung.
Die Rote Armee hälk ihre Reſerviſten zurück.
TU. Kowno, 13. Juli.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der Kriegs= und
Re=
volutionsrat der Sowjetunion eine aufſeheneregende Mitteilung
veröffentlicht. Die militäriſchen Jahrgänge von Heer und Flotte
1927, 1926 und 1925 werden nicht in die Reſerve entlaſſen, wie
bisher üblich, ſondern nur in langfriſtigen Urlaub übergeführt.
Während die Infanterie, Kavallerie und Flottentruppenteile noch
in dieſem Sommer zu verſchiedenen Friſten beurlaubt werden,
werden die Truppenteile der Ogpu (die Truppen der politiſchen
Verwaltung der früheren Tſcheka), die ſchon in dieſem Jahre
aus=
gedient haben, erſt im nächſten Kalenderjahr beurlaubt.
Japaniſche Schukmaßnahmen in der Südmandſchurei
TU. Tokio, 13. Juli.
Der japaniſche Außenminiſter Schidehara hat den japaniſchen
Generalkonſul in Charbin telegraphiſch aufgefordert, dem
ja=
paniſchen Außenminiſterium einen Bericht über die politiſchen
Vorgänge in der Nordmandſchurei zu erſtatten. Das japaniſche
Außenminiſterium erklärt, daß ſich in den letzten 48 Stunden die
politiſche Lage in der Nordmandſchurei ſo ſtark zugeſpitzt habe,
daß die japaniſche Regierung zu Vorbereitungsmaßnahmen zum
Schutze des japaniſchen Eigentums in der Nordmandſchurei
grei=
fen müſſe. Die Verwaltung der japaniſchen ſüdmandſchuriſchen
Bahn hat amtlich mitgeteilt, daß zwei Bataillone japaniſcher
Infanterie aus Bairen in Mukden eingetroffen ſeien,
deren Aufgabe es ſein ſoll, das japaniſche Eiſenbahnnetz der
Süd=
mandſchurei zu ſchützen.
Wetterwolken im Fernen Oſten.
Zaire Fahrk.
Von Kaſimir Edſchmid.
Vor ein paar Jahren kam ich abends in Cadix an und fuhr
am nächſten Tag an die Stelle, wo der große Autocar nach
Gibral=
tar abfuhr. Er ſtellte die einzige Möglichkeit dar, an der Küſte
entlang auf die engliſche Halbinſel zu kommen. Man hätte mit
der Bahn wieder tief ins Land zurückfahren müſſen und faſt
zwanzig Stunden gebraucht, während der Omnibus nur etwa
zehn brauchte. Er fuhr quer durch Südſpanien, Hielt hin und
wieder an Blockhäuſern, man aß weißen Ziegenkäſe und weißes
Brot. Sonſt gab es nur Reiter, aber keine Privatwagen. Die
Strecke iſt reizend. Der große Car war reichlich altmodiſch, aber
er hielt ſich wacker. Der hintere Teil war für die andaluſiſche
Bevölkerung, die ihn in Mantilla und Shawl beſetzte, der
vor=
dere Teil hieß Berlina und war allein von mir frequentiert.
Ich fuhr nachher von Gibraltar nach Marokko, ſah die
Del=
phine um das Poſtſchiff nach Ceuta ſpielen, erlebte in Tetuan die
Gefangennahme Abd el Krims, fuhr auch in Autos im Land
herum, kam wieder nach Gibraltar, und, in der Erinnerung, wie
amüſant die Fahrt mit dem Autocar, der eigentlich nur für die
Bevölkerung gedacht iſt, war, wieviel drollige Szenen und reizende
Situationen man auf dieſer Fahrt ſah, nahm ich wieder einen
Platz im Autocar von Gibraltar nach Malaga. Dieſe Angabe
ſtimmt nicht ganz, denn der Startplatz war La Linea, Gibraltar
heißt nur der große Fels mit dem heroiſchen Plateau, welcher
den vorderen Teil der einen Seite der Algeciras=Bucht abſchließt.
Das Hinterland iſt ſpaniſch. Morgens um ſechs Uhr öffnen ſich
große Gittertore hinter der ſchönen engliſchen Chauſſee, und
man fährt durch dieſe ſymboliſchen Wächter auf einen Boden, der
mit einem Mal La Linea heißt. Es iſt eine Stadt wie Gibraltar,
ja es iſt dieſelbe Stadt. Aber im Kriegsfalle ſprengen die
Eng=
länder das Tor in die Luft und das Meer ſtrömt zwiſchen La
Linea und Gibraltar herein, die tolle Steinfeſtung zu einer
In=
ſel erhebend. Kurz ich beſtieg in La Linea den Vorderſitz des
großen gelben Motorwagens, der nur noch von einer Dame
ge=
teilt wurde. Dieſer Motorcar war noch älter, noch primitiver,
noch unglaublicher als der andere, unſere An= und Abfahrt ähnelte
etwas den andaluſiſchen Poſtkutſchen, die mit zwölf Maultieren
im Gebirge gefahren werden, es war in der Tat eine Art
Pferde=
wagen, den ein Motor trieb.
Der Motor trieb auch ganz anſtändig, er entwickelte
furcht=
bare Dämpfe und ſchreckliche Hitze, aber er fuhr. Dagegen bekam
der Wagen plötzlich einen Ruck, als wolle er ſich überſchlagen, er
neigte ſich nach der vechten Seite, dann, da der Chauffeur das
Steuer herumriß, nach der linken, ich ſah an meiner rechten Seite
neben mir unſer rechtes großes Hinterrad vorbeiraſen. Wir ſelbſt
aber ſaßen feſt, der Wagen hatte ſich an der Stelle, wo einmal
ſein rechtes Hinterrad ſaß, in die Straße gebohrt.
Es war ein Glück, daß wir ſaßen, denn dieſe Straße war
nichts anderes wie ein Feldweg, der auf der rechten Seite oft
zwanzig, noch öfter aber hundert Meter über dem Meer führte.
Es war ein Glück, daß er ſaß, denn, wenn das Vorderrad ſtatt
des Hinterrades ſich davon gemacht hätte, würde die gelbe Beſtie
ſich ohne Zweifel überſchlagen haben. Wir waren gerade zwar
zufällig auf einem großen Weideterrain und nicht an der Küſte,
dafür aber waren wir drei Stunden entfernt von dem nächſten
Telephon=Apparat, rückwärts wie vorwärts. Wir ſaßen in einer
Gegend feſt, auf der nur Reiter mit ihren Mädchen hinter ſich auf
dem Sattel vorbeitrabten. Wir waren mitten in der andaluſiſchen
Steppe und hatten nichts als kleine aus einer Straßenlinie
be=
ſtehenden Fiſcherdörfer vor uns, deren Boote am Strand wie
Walfiſche lagen, zwiſchen kärglichen Palmen und viel höher als
die niederen weißen Fiſcherhäuſer, die alle kein Gegenüber hatten
außer dem Meer.
Das Rad hatte ſich, wie man ſah, herausgeleiert. Wenn wir
es wieder anbrachten, fehlte uns ein Metallſtück, ſo dick wie ein
viertel Finger, um es auf dieſer ausgefranſten Achſe zu halten.
Selbſt dann fuhr man noch mit teufliſcher Vermeſſenheit, aber
man wäre gefahren. Es gab in dieſer Steppe aber kein
Metall=
ſtück und ſo machten ſich alle guten Leute in Mantilla und in
Shawl auf, den Feldweg hinauf, in toller Sonne, das Metallſtück
zu ſuchen. Vier Stunden arbeiteten wir mit einem
vorſintfluti=
gen Heber, bauten kleine Pyramiden aus Steinen, die
kilometer=
weit geſucht werden mußten, wir bekamen das ausgerückte Rad
wieder an den gelben Wagen, aber wir hatten noch keinen
Me=
tallſtift.
Dieſe Strecke iſt im Gegenſatz zu der Strecke von Cadix nach
Gibraltar ſtark von Herrenfahrern und Privatwagen befahren.
Man gab ein paar Autos, die vorbeikamen, (und zur Sicherheit
einem halben Dutzend), die Telephonnummer des Unternehmens
in Malaga mit und bat ſie, von der nächſten Telephonnummer aus
anzurufen (einer hat es, wie es ſich herausſtellte, auch getan), aber
bei allem Optimismus war nichts anderes auszurechnen, als
daß wir in früheſtens acht bis zehn Stunden Erſatzteile erhalten
würden, vorausgeſetzt, daß ſie geſchickt würden. Man iſt in dieſer
Beziehung in Spanien noch fataliſtiſcher als im Orient. Der
Chauffeur ſchien wenig Vertrauen in dieſe Sache zu haben und
gab ſchließlich eine fürchterliche Loſung aus, nämlich einen Nagel
zu ſuchen, einen Nagel, der das notdürftig angeſchraubte Rad
halten ſollte. In Ländern, wo ſolcher Optimismus Allgemeingut
der Bevölkerung iſt, halten in ſolchen Fällen auch ſolche Nägel,
ja es funktionieren noch viel erſtaunlichere Dinge. In England
hätte man einen Chauffeur, der einen ſolchen Vorſchlag gemacht
hätte gelyncht, die Andaluſier aber waren es zufrieden. Aber
der Nagel fand ſich nicht ſo leicht. Wir hatten reichlich Muße,
auf die vielleicht innerhalb acht Stunden aus Malaga
eintreffen=
den Erſatzteile zu warten.
„In ſolchen Fällen”, ſagte die Dame, die ihre romantiſche
Abſicht in der gelben Beſtie zu fahren, nur halb bereute, „iſt es
immer ein Troſt, daß es wenigſtens nicht regnet.”
Sie war aber reichlich unglücklich. Ich wäre auch den Abend
gern in Malaga geweſen.
Um ſie zu tröſten, erzählte ich ihr erſtaunliche Sachen von
Autopannen. Die Sache hier ſah im Grund ja noch luſtig aus.
Ich glaube auch noch nicht an den Nagel und es wäre doch eine
lächerliche Angelegenheit, wenn es auf einer befahrenen Strecke
nicht möglich ſein ſollte, eine Gelegenheit aufzutun, um Malaga
zu erreichen.
„Es bleibt uns immer noch die Möglichkeit, wenn auch ohne
Gepäck, in eines der Privatautos zu ſpringen”, ſagte ich, „die
vorbeifahren.” Und wir ſahen den Fortſchritten der Reparatur zu.
„Zwiſchen Wadi Natron und Alexandria ſind wir in der
Wüſte zuſammengebrochen”, erzählte ich ihr, „und ſind zwei
Stunden ſpäter in einen kleinen Ford gerettet worden, den der
Bruder der Frau des Beduinenkönigs fuhr.”
Wir lachten. Ich erzählte ihr eine Menge ziemlich
aben=
teuerlicher Sachen mit Automobilen aus dem Orient, aber es half
nicht arg viel, weil wir ja in einem kultivierten Land waren, das
andere Geſetze und andere Vorausſetzungen hatte. Aber wir
ſahen beide am Ende dieſer Geſchichten immer, wie die Könige
und die Knechte, die Weißen, die Braunen und die Schwarzen
ſich halfen, und die Quinteſſenz war immer, daß der Menſch, der
ſich den Motoren anvertraute, ſich weiter hilft, der eine dem
an=
deren, und zwar in Situationen, die tragiſch waren, während
un=
ſere nur komiſch war.
Ich erzählte ihr von dem Auto, das ſich auf der Strecke nach
Bagdad verirrte, weil es den Convoi verlor und das von einem
Flieger geſichtet und von dem Kamel=Korps gerettet wurde, als
die Inſaſſen ſchon den Kopf in den Sand geſteckt hatten und
wahnſinnig geworden waren. Ich erzählte von dem Ralls
Rohce, der in der ſyriſchen Wüſte niedergebrochen war
und dadurch geretet wurde, daß der Sucher nach oben gerichtet
weiter brannte, und, auf ſechzig Kilometer, als Feuerſäule von
Nummer 193
Sonntag, den 14. Juli 1929
Seite 3
Mark-Abkommens.
mittag in Brüſſel unterzeichnet worden.
kommen unter Vorbehalt de
beiderſeitigen
grundſätzlichenAuf=
faſſung unterzeichnet worden iſt
der Geſamtregelung der aus dem
Kriege herrührenden
finanziel=
len Fragen auch diejenigen
Fra=
gen zu erledigen, die bisher
zwi=
ſchen Belgien und Deutſchland
wegen der im Zuſammenhang
mit der Beſetzung Belgiens
ent=
ſtandenen, beſonderen
wirtſchaft=
lichen Schäden noch ſchwebten.
Deutſchland wird an Belgien
während. 37 Jahren folgende
Jahreszahlungen leiſten:
im 1. Jahre 16,.2 Mill. RM.
im 2.
3. und 4. Jahre je 21,5
Millionen RM.:
vom 5. bis 12. Jahre je 26
Millionen RM.:
vom 13. bis 20. Jahre je 20,1
Millionen RM.:
vom 21. bis 37. Jahre je 9,3
Millionen RM.
Die Geſamtſumme beträgt
da=
nach 607,6 Millionen RM. Die
Jahreszahlungen werden in der
gleichen Form gezahlt werden,
wie in dem Young=Plan vom
Juli 1929 für die allgemeinen
Reparationszahlungenvorgeſehen
iſt. Die Zahlungen werden durch
die Bank für internationalen
Zahlungsausgleich mitverwaltet
werden. Falls Deutſchland von
dem in dem
Sachverſtändigen=
plan vorgeſehenen
Zahlungsauf=
ſchub Gebrauch macht, werden
die Jahreszahlungen in Form
von Sachlieferungen entrichtet.
Für den Fall von
Meinungsver=
ſchiedenheiten iſt ein Schiedsge=
Abkommen tritt erſt nach Rati= Connor, Oberſtleutnant Reichner vom Reichswehrminiſterium und der Adjutant General Connors,
tig mit der Ratifizierung der
Staatsverträge über den
Sach=
verſtändigenplan erfolgen ſoll.
Der Inhalt des deutſch belgiſchen
* Die Zenkrumsakkion.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Briefwechſel zwiſchen dem Vorſitzenden der Zentrums=
Berlin, 13. Juli.
partei, Prälat Kaas, und dem Miniſter für die beſetzten Gebiete,
Amtlich wird mitgeteilt: Die Verhandlungen zwiſchen den Dr. Joſef Wirth, hat in allen Parteilagern inſofern einen gün=
Bevollmächtigten der deutſchen und der belgiſchen Regierung ſind, ſtigen Eindruck erweckt, weil dieſer Schriftwechſel für unſere
Un=
heute zum Abſchluß gekommen. Das Abkommen iſt heute vor= terhändler auf der bevorſtehenden Reparationskonferenz eine
Der weſentliche Inhalt des Abkommens iſt folgender: In der ausgezeichnete Rückenſtärkung darſtellt. Das Zentrum hat ſich da=
Einleitung des Abkommens kommt zum Ausdruck, daß das Ab= mit hundertprozentig gegen jede künftige neue Rheinlandkon=
und den Zweck hat, im Rahmen. der Kommandeur der amerikaniſchen Kriegsſchulen ſtudierk unſere Reichswehr.
Ankunft General Connors in Berlin.
richtsverfahren vorgeſehen. Das Von links nach rechts: Der amerikaniſche Militärattaché in Berlin, Oberſt Carpenter, General
fizierung in Kraft die gleichzei= Deſſez. — An den Reichswehrübungen in Döberitz und Jüterbog wird als Gaſt der Kommandeur
der amerikaniſchen Heereskriegsſchulen. General Connor, teilnehmen.
Das deutſch=belgiſche Mark=Abkommen
unkerzeichnek.
* Die Verhandlungen über die Löſung des deutſch=belgiſchen
Markproblems haben einen flotteren Verlauf genommen, als die
Pariſer Sachverſtändigenberatungen. Die Bevollmächtigten der
Regierungen, die teils in Brüſſel, teils in Berlin ihre
Bera=
tungen abgehalten haben, ſind in knapp 12 Sitzungen zu dieſer
Einigung gekommen. Das Ergebnis ihrer Arbeiten ſchließt ſich
an den Zahlungsplan der Pariſer Sachverſtändigen an.
Deutſch=
land wird, ſobald diefer Vertrag in Kraft tritt, 37 Jahre lang
beſtimmte Raten zahlen, deren erſte 16,2 Millionen beträgt; als
höchſte Jahresleiſtung kommt ein Betrag von 26 Millionen in
Frage, der ſich allerdings allmählich wieder verringert, ſo daß in
den letzten Jahren nur noch 9,3 Millionen zu zahlen ſind.
Ins=
geſamt hat Deutſchland einen Sondertribut von über 600
Mil=
lionen Mark zu leiſten, während von Belgien zuletzt 925
Mil=
lionen gefordert worden waren. Für den Fall, daß für den
Youngplan ein Zahlungsaufſchub gewährt wird, werden die
Jahresbeträge durch Sachlieferungen abgedeckt. Bedauerlich iſt,
daß wir die Auslieferung der Markbeſtände nicht haben
durch=
ſetzen können. Eine Prüfung dieſer Beſtände wäre ſehr
inter=
eſſant geweſen, und es hätte ſich auch ergeben, ob Belgien
tat=
ſächlich im Beſitz von 6 Milliarden Papiermark iſt.
Selbſtver=
ſtändlich hat Deutſchland ſeinen Standpunkt aufrecht erhalten, daß
die belgiſchen Markforderungen durch die allgemeinen
Repara=
tionsverpflichtungen abzugelten wären. Es hat ſich lediglich mit
Rückſicht auf den Youngplan beſtimmen laſſen, den Belgiern
ent=
gegenzukommen. Rumänien kann jedenfalls aus dieſer
Verein=
barung keine Handhabe ableiten, nun auch von uns die
Ein=
löſung der Banka=Generala=Noten zu verlangen.
trolle ausgeſprochen. In außenpolitiſcher Hinſicht bedeutet das
eine ſehr wirkungsvolle Demonſtration.
Das Zentrum hatte aber auch ein innenpolitiſches Ziel im
Auge, es wollte alle denjenigen Innenpolitikern, die nur zu dem
Zwecke nach Paris reiſen, um dort auf eigene Fauſt
Außen=
politik zu machen, von vornherein das Handwerk legen. Im
„Deutſchen”, der ja dem Zentrum naheſteht, wird auch
unver=
blümt auf dieſe Privatpolitik angeſpielt. Die Sozialdemokraten,
die durch dieſen Briefwechſel gleichfalls getroffen werden ſollten,
haben auch unverzüglich reagiert. Herr Breitſcheid, der offenbar
noch vor der Veröffentlichung des Briefwechſels von ſeiner
Bedeutung für die Sozialdemokratiſche Partei Kenntnis erhalten
haben dürfte, hat am Samstag vormittag im „Vorwärts” einen
Artikel veröffentlicht, in dem er ausdrücklich feſtſtellt, daß im
Reichstag eine Mehrheit für die Ratifizierung des Pariſer
Berichts unter keinen Umſtänden vorhanden ſein wird, wenn
nicht zum mindeſten eine völlige Sicherheit für die unmittelbar
bevorſtehende Räumung des Rheinlandes von fremden Truppen
gegeben wird. Er ſagt zwar nichts gegen die
Kontrollkommiſ=
ſion, ſtellt aber in einem anderen Zuſammenhang und an
an=
derer Stelle feſt, daß nur unter beſtimmten Vorausſetzungen die
Sozialdemokraten für die Ratifizierung des Youngplanes zu
haben ſeien. Dann hat er aber auf ſeine Privatpolitik nicht
ver=
zichten können und hat auch in dieſem Artikel wieder
Bemer=
kungen über die deutſchen Sachverſtändigen von Paris vom
Sta=
pel gelaſſen, die nicht geeignet ſein können, unſere Situation
auf der Reparationskonferenz zu verbeſſern. Wenn ſich auch Dr.
Breitſcheid redliche Mühe gibt, den Zentrumsvorſtoß, mit ſeiner
für den aufmerkſamen Beobachter ſichtbaren Spitze, abzubiegen,
ſo iſt ihm das doch nicht gelungen, weil er doch wieder
unver=
ſehens auf die Methode außenpolitiſcher Kritik zurückgreift, für
die der Reichsbankpräſident in ſeiner Münchener Rede bereits
ſcharfe Worte der Verurteilung gefunden hatte.
Fremdenlegionären geſehen wurde, die drei Tage an eine
aſtro=
nomiſche Erſcheinung dachten, das es Automobile in dieſem Teil
der Wüſte ſo wenig gab wie Warenhäuſer!
Immer da erſchienen reizende Menſchen, die tagelang
Stra=
pazen nicht ſcheuten, um ſchiffbrüchigen Automobilen zu helfen.
Was waren das für mörderiſche Situationen gegen die
Kleinig=
keit vier Stunden vor Malaga in der Steppe zu ſitzen ohne
Knochenbruch und ſo weiter.
Ich erzählte ihr luſtige Sachen, denn die Sonne ſchien faſt
zu amüſant und wir hatten ja zu eſſen und zu trinken. Ich
er=
zählte ihr von dem Rugby=Wagen, den ich zwiſchen Sarajewo
und Raguſa ſchließlich ſelber durch die Karſtſerpentinen fahren
mußte, weil der Chauffeur nicht nur den Weg, ſondern auch die
Nerven verloren hatte . . . ich erzählte von der Stearinkerze, mit
der ich von San Marino in einer dunklen Nacht nach Riccione
herunter gefahren war.
„Glücklicherweiſe haben wir Vollmond,” ſagte die Dame,
„aber es wäre beſſer, wir hätten das fragliche Metallſtück.”
Darüber war ich anderer Anſicht. Denn ich dachte im Traum
nicht daran, in dem Autocar mit einem Nagel als Verſchluß
zu fahren.
„Kennen Sie Euler?,” fragte ich, „den deutſchen Bleriot, der
alle deutſchen Flieger anfangs ausgebildet hat, und die Geſchichte,
wie er ein großes Autorennen vor dem Krieg mitfuhr? Sie
ken=
nen das nicht”, ſagte ich, und ich erzählte ihr eine ſehr komiſche
Geſchichte von dem Rennen, in dem Euler, der Staatsſekretär und
Ernſt Sachs, der ſpätere Kugellagermann, ſtarten wollten, und
Euler in Angſt, daß ſein Freund Sachs ihm in ſeinen
Benzin=
tank fahre, ſich ſchon wochenlang vorher einen Reſervebenzintank
einbaute. Ich erzählte ihr dieſe komiſche Geſchichte, die komiſch
war, weil Sachs tatſächlich die Startnummer hinter Euler bekam
und ihm tatſächlich, ſeine Ahnung erfüllend, ſeinen Benzintank
entzwei fuhr, ich erzählte ihr die Fortſetzung dieſer komiſchen
Geſchichte, die deshalb ſo komiſch ſchloß, weil Euler zwei Tage
ſpäter bei dieſer großen Konkurrenz ein kleines Haus irgendwo
in einer Kurve ſah, in das ſich das Auto von Sachs zur Hälfte
hineinbegeben hatte, während es zur anderen Hälfte noch vor der
Mauer ſtand. Und ich erzählte den Schluß dieſer komiſchen
Ge=
ſchichte, die eigentlich eine anſtändige Geſchichte war, weil Euler
ausgeſtiegen und Sachs bei der Reparatur dann geholfen hatte.
Dabei hatte ich aber ſchon ein wenig aus Tendenz und
Wohl=
wollen phantaſiert, denn es gab auch eine Verſion, nach der Euler
nicht ausgeſtiegen war. Aber Euler war ſicher ausgeſtiegen und
hatte Sachs geholfen, und da war wieder ein anſtändiger Menſch
und ein anſtändiger Grund zu hoffen, ohne das Metallſtück die
andaluſiſche Grande Corniche entlang, hundert Meter ſteil über
der Küſte nach Malaga zu kommen.
Zum 70. Geburkstag des bekannken Muſikpädagogen
Willy Heß.
Prof. Willy Heß,
der bekannte Violinvirtuoſe und Muſikpädagoge, feiert am 14. Juli
ſeinen 70. Geburtstag. Prof. Heß hat ſchon in ſeiner früheſten
Jugend, die er in Amerika verlebte, mit dem Geigenſpiel
be=
gonnen. Mit 10 Jahren trat er zum erſten Male in einem
öffent=
lichen Konzert auf. 1872 verließ er Amerika, um ausgedehnte
Konzertreiſen durch Europa zu unternehmen. In Berlin
vervoll=
kommnete er ſein Spiel als Schüler Joachims. Nach längerem
Aufenthalt in England wurde er 1910 Profeſſor an der Hochſchule
für Muſik in Berlin, wo er ſich beſonders als Muſikpädagoge
betätigte.
Als ich mir aber den Stand der Reparatur nun betrachtete,
ſchien es mir hohe Zeit, falls wir nicht von Fiſchen und Möwen
aufgefreſſen werden wollten, Schritte zu tun, ſolche anſtändigen
Menſchen zu finden, die uns auf gentlemanlike Weiſe oder gegen
bare Börſe nach Malaga brächten.
Die Herren Dr. Wirth und Kags ſcheinen aber noch etwas
anderes im Schilde gehabt zu haben. Das geht aus einem
Ver=
gleich des Wortlautes des Briefwechſels hervor, wie er in der
„Germania” abgedruckt wird, und mit dem Wortlaut, der der
Preſſe übergeben wurde. Während es im amtlichen Wortlaut des
Kaas=Briefes lediglich heißt: „Ich ſetze in die politiſche Umſicht
der Reichsregierung und in Ihre Energie das Vertrauen, daß
jedem Verſuch entgegengetreten wird, die Souveränität des Reichs
in der entmilitariſierten Zone noch weiter zu ſchmälern” lautet
der entſprechende Paſſus in der „Germania” folgendermaßen:
„Ich ſetze in Ihre politiſche Umſicht und in Ihre Energie das
rückhaltloſe Vertrauen, daß im Benehmen mit den anderen,
un=
ſerer Partei angehörenden Miniſter in der heutigen
Neichsregie=
rung jedem Verſuch entgegengetreten wird uſw. . . ." Dieſer
Paſ=
ſus muß bei den Zentrumswählern den Eindruck entſtehen
laſſen, als ob ſich ausſchließlich die Zentrumsminiſter unter
Füh=
rung von Herrn Dr. Wirth für die reſtloſe Befreiung des
Rhein=
landes einſetzen. Wir glauben, daß der Außenminiſter über
die=
ſen Paſſus ſehr wewig entzückt ſein wird zumal das Zentrum
offenbar darauf aus iſt, ſich ſchon heute für zukünftig eine
gün=
ſtige Poſition zu ſchaffen, ganz gleichgültig, was die Zukunft
bringt. Wer aber die Tätigkeit des Reichsaußenminiſters Dr.
Streſemann ſeit ſeinem Amtsantritt beobachtet hat, der weiß,
daß das deutſche Volk auch zu ihm „rückhaltsloſes Vertrauen”
haben kann, und daß auch er die notwendige „Energie und
Um=
ſicht” aufbringen wird, um den franzöſiſchen Verſuchen
eut=
gegenzutreten. In ſeiner Reichstagsrede vom 24. Juni hat er
ja ausdrücklich erklärt, daß bei allen Beſprechungen und
Ver=
handlungen über die Rheinlandräumung Verhandlungen über
eine „Verſöhnungskommiſſion” für das Deutſche Reich außerhalb
jeder Diskuſſion ſtehen. Wir haben nicht die Abſicht, die
Bedeu=
tung des Locarnovertrages herabzumindern und ſind gewillt, an
dieſer Frage die ganzen Verhandlungen ſcheitern zu laſſen, wenn
man verſucht, noch einmal eine ſtändige Kontrollkommiſſion im
Rheinland einzuſetzen.”
Enkſchließungen
der Inkernakionalen Handelskammer.
Handelspolikik und Handelshemmniſſe.
Amſterdam, 13. Juli.
Die Internationale Handelskammer nahm in ihrer
Vollver=
ſammlung eine Anzahl Entſchließungen zu den Fragen der
Han=
delspolitik und der Handelshemmniſſe an, die z. T. den
Vor=
ſchlägen der Ausſchüſſe entſprechen, z. T. dieſe in wichtigen
Ein=
zelheiten ergänzen. Mit beſonderem Nachdruck weiſt die
Inter=
nationale Handelskammer erneut die Regierungen auf die
Not=
wendigkeit hin, das internationale Uebereinkommen über die
Abſchaffung der Ein= und Ausfuhrverbote möglichſt bald zu
rati=
fizieren. Weitere Entſchließungen befaſſen ſich mit der
gegen=
wärtigen Handhabung der Meiſtbegünſtigungsklauſel, wobei u. a.
kritiſch hervorgehoben wird, daß die Klauſel bis jetzt auf den
Ver=
kehr mit den Kolonien, Protektoraten und Mandatsgebieten
meiſtens keine Anwendung zu finden pflegt. Weiter wird auf
den Widerſpruch in den ſogenannten Antidumping= und
Aus=
gleichsabgaben und dem Sinn der Meiſtbegünſtigungsklauſel
hingewieſen und die Notwendigkeit betont, dieſen Widerſpruch
zu beſeitigen. Eine andere Entſchließung gibt der Hoffnung
Aus=
druck, daß die am 5. November d. J. in Genf zuſammentretende
diplomatiſche Konferenz zur Neuregelung des Fremdenrechtes
den Abſchluß eines internationalen Uebereinkommens zur Folge
haben wird. Dazu ſtellt die Internationale Handelskammer
noch feſt, daß es ein großer Fehler ſein würde, wenn die Genfer
Konferenz den Wortlaut der Beſtimmungen des vorliegenden
Entwurfs zu dem Uebereinkommen abſchwächen würde, um auf
dieſe Weiſe den Beitritt aller an der Konferenz teilnehmenden
Staaten zu erreichen. Dem ſogenannten indirekten
Protektionis=
mus gilt eine weitere Entſchließung der Kammer, die u. a.
darauf hinweiſt, daß Abſperrungsmaßnahmen gegen die
Ein=
fuhr in allen möglichen Formen in beunruhigendem Maße
zu=
genommen haben, vor allem die ſeuchen= und
geſundheitspolizei=
lichen Maßnahmen, bei denen die Grenzen des Erforderlichen
überſchritten würden. Weiter empfiehlt die Kammer, die
An=
wendung der Warenwerte für die Berechnung der Wertzölle
ebenſo wie die in anderen Ländern in Kraft befindliche Methode
der Anwendung von Klaſſifizierungen ſpezifiſcher Zölle zum
Ge=
genſtand einer kritiſchen Unterſuchung zu machen. Weiterhin gibt
die Kammer dem Wunſche und der Hoffnung Ausdruck, daß die
Staaten in Zukunft davon abſehen, allgemeine Handelsverträge
nur zu dem Zwecke zu kündigen, um ihre Zolltarife in Punkten
von geringfügiger Bedeutung abzuändern. Die Internationale
Handelskammer iſt weiter der Anſicht, daß eine einfache, genaue
und klare Zollnomenklatur geeignet iſt, ſowohl die Erhebung der
Zölle billiger und leichter zu geſtalten, als auch die Aufſtellung
internationaler Statiſtiken zu vereinfachen.
Innerhalb von zwei Stunden, in denen der Nagel geſucht
wurde, fuhren über zehn ſchöne prächtige Privatwagen vorbei.
In manchem ſaß ein Mann, in manchem ſaßen zwei. Hin und
wieder auch eine Frau mit mit einem Mann. Sie ſahen alle,
daß ein Malheur paſſiert war, und ſie überſahen ſeine Tragweite.
Sie ſahen, daß eine Dame auf ihrem reizenden Gepäck ſaß und
gerne nach Malaga gekommen wäre. Und ich ſagte es ihnen
allen, auf deutſch, auf ſpaniſch, auf franzöſiſch.
Wenn in Deutſchland eine Dame bei der Prüfung gefragt
wird, was ſie tut, wenn ſie Vergaſerbrand hat, ſo kann es ſein,
daß ſie ſagt: „Ich warte, bis ein Herr vorbeifährt, der mir hilft.”
In Deutſchland hat man gemeinhin nicht ſolange zu einem
Tele=
phon zu fahren wie in Andaluſien. Ich habe auch reizende
Spanier kennen gelernt, ſehr liebenswürdige, da und dort, aber
es waren Leute, die ich kannte oder die mich kannten, die alſo
wußten, wo ich hin zu placieren war oder was ich von ihnen
erwarten würde.
Von den zehn Wagen, die ich anſprach, ſagten alle, ſie wollen
lieber allein fahren. Sie zogen es vor, „lieber mit ihcer Frau”
oder lieber „mit ihrem Freund” zu fahren. Sie wieſen auf ihre
Handtaſche und meinten, ſie hätten ſoviel Gepäck. Aber alle gaben
ſofort Gas. Ich habe dieſe Sache nie begriffen und werde ſie
nie begreifen, aber kein Menſch war bereit, eine diſtinguierte Dame
mit nach Malaga zu nehmen.
Wo waren die edlen Beduinen, die angenehmen ſyriſchen
Chauffeure, die noblen felachiſchen Fahrer, wo waren alle die
anſtändigen Kavaliere, die ich ein paar Stunden lang
hervorgezau=
bert hatte. Ich wurde vergrämt. Ich verſtand die Welt nicht
mehr. Den unter den paar Geſetzen, an welche die Menſchen noch
glauben, ſchien mir eines der ungeſchriebenen das ſicherſte zu ſein,
das Kameraderie im ſportlichen Unglück hieß. Ich begreife dieſes
Rätſel heute noch nicht.
Ich war ſchließlich froh, als wir den Nagel fanden. Ich ſchlief
im Fahren vor Wut zwei Stunden lang, während wir, vom
Ab=
ſturz nur durch den Nagel geſchützt, die Fiſcherdörfer, die Palmen,
die Küſte entlang fuhren. Wir kamen zwar nicht nach Malaga,
aber wir verunglückten auch nicht.
„Sehen Sie, nun haben Sie auch Mondſchein”, ſagte die junge
Dame, als wir in einem ſchönen Privatwagen, der uns von
Malaga entgegengeſandt worden war, über dem Meer hinfuhren.
Es war wirklich ſehr ſchön und hübſcher als eine glatt verlaufene
Fahrt, ohne Zweifel.
Wenn ich nicht eine tiefe Erfahrung an dieſem Tag gemacht
hätte, hätte ich ebenſo zufrieden ſein können wie meine Partnerin,
die ſich auf ein altes Metallſtück ſtatt auf Nobleſſe verlaſſen hatte.
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13. Juli 1929
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Nach langem ſchweren Leiden iſt heute
meine liebe Frau, unſere gute Mutter,
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geb. Germann
ſanft und friedlich im Herrn entſchlafen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Johs. Gorr, Karlſtr. 10.
Darmſtadt, den 11. Juli 1929. 1487
Die Beerdigung findet Montag, den 15. Juli,
nach=
mittags ½3 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſiatt.
Todes=Anzeige.
Gott der Allmächtige hat unſere iiebe Mutter,
Großmutter, Schwiegermutter, Schweſter,
Schwä=
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Magdalene Groß
geb. Krapp
von ihrem ſchweren Leiden durch einen ſanften
Tod erlöſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Miniſterialrat A. Krapp und Frau,
geb. Groß. Darmſtadt
Dipl.=Ing. Walter Otto und Frau,
geb. Krapp
Stud, med. Hermann Krapp
Bürgermeiſter A. Krapp u. Familie,
Sickenhofen.
Darmſtadt, Kabel, Gießen, Sickenhofen, 13. Juli 1929.
Einem Wunſche der Entſchlafenen entſprechend findet
die Beerdigung in Sickenhofen Montag nachmittag
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Nummei 193
Gonntag, den 14. Juli 1929
Seite 5
Sänger und Sonne iſt untrennbarer Begriff. Wer ſingt, hat Sonne
im Herzen. Und wenn 20000 Sänger die Sonne ihrer Herzen
ausſtrah=
len laſſen auf die vervielfachten Tauſende, der Zuhörer, dann muß auch
in Wirklichkeit die Sonne ſcheinen, und ſie ſcheint und wärmt in
ergie=
bigſtem Ausmaße. Wenn die Mainzer behaupten, der Herrgott ſei
ein Mainzer, weil er all ihre Feſte mit Sonnenſchein vergoldet, ſo
können wir Darmſtädter zum mindeſten für uns in Anſpruch nehmen
daß er es auch mit uns ſehr gut meint. Vor wenigen Tagen noch
war es kalt und unfreundlich, und die bedeutende wirtſchaftliche Seite
des Feſtes der Maſſen ſchien ſehr in Frage geſtellt. Mit Beginn des
Feſtes aber ſetzte herrlichſtes Wetter ein, das aller Vorausſicht nach
auch durchhält.
herrſchte ſchon am erſten Tage, mehr noch am Abend, reges Leben und
Treiben. Der Geſamtaufbau des Feſtplatzes entſpricht, in dem was
geboten wird, dem Feſte der Maſſen. Gewiß iſt es kein Wiener Prater,
aber unſer Feſtplatz iſt doch ein gar nicht beſcheidener Prater=Erſatz.
Es iſt alles da. Rundkaruſſells und Rieſenrad, Flugkaruſſell und Berg=
und Talbahn, ruſſiſche Schaukel und Automobilrennbahn zum
Selbſt=
fahren, Hippodrom und alle möglichen Schaubuden. Sogar das Leben
einer mondänen Frau wird in geheimnisvoller Bude gezeigt. Dazu
kommt eine unerſchöpfliche Zahl von Ständen und Buden, in denen
Süßigkeiten und Erfriſchungen aller Art feilgeboten werden. Endlich
aber ſind als wichtiger Faktor in der Beköſtigung der vielen Tauſenden
von Beſuchern die Rieſen=Neſtaurationszelte, Kaffees und Bars.
Ueber=
all iſt Muſik und mehrfach auch Tanzgelegenheit. Beſondere Stimmung,
die alles mitreißt, machen wie immer die Bayern. Das große echte
baheriſche Bierzelt mit Tiroler Muſikkapelle und Tiroler Bedienung
mit Ochſenbraterei und Bratwurſtröſterei, mit Nadi und allen ſonſtigen
Genüſſen, die zum Biervertilgen gehören, haben ſchon am erſten
Feſt=
tag durch einen originellen Feſtzug für ſich geworben. Es iſt jeden
Abend überfüllt, und die Bayern ſorgen, wie geſagt, dafür, daß die
Stimmung ſich dauernd auf dem Kulminationspunkt hält. Auch das
Rummelbräuzelt, in dem die Kapelle Hammelbacher konzertiert und
ſchuhplattelt, iſt ſtändig beſetzt. Für Alkoholgegner hat Herr Vierling
eine Milchhalle aufgeſtellt, die ebenfalls ſtarken Zuſpruch findet. Kurz,
überall herrſcht reges Leben und Treiben und überall frohe
Feſt=
ſtimmung.
Die Dekorationen vieler Straßen und Häuſer iſt inzwiſchen
erheb=
lich bereichert worden, ſo daß man heute wohl ſagen kann, ganz
Darm=
ſtadt hat Feſtſchmuck angelegt. Es ſei bei dieſer Gelegenheit darauf
aufmerkſam gemacht, daß die Anlage der Beleuchtung der
Ludwigs=
ſäule und des Luiſenplatzes, ebenſo wie die geſamte Beleuchtung auf
dem Feſtplatz von der Fa. Guſtav Geil, Elektroinſtallation, Nieder=
Ramſtädter Straße 21, erſtellt wurde.
Der zweite Tag war am Vormittag ernſter Arbeit gewidmet.
großen Saal der Vereinigten Geſellſchaft fand um 11 Uhr
Im
die Feſtſihung des Bundesvorftandes und Muſik=
ſtatt. Unter Leitung der Herren Miniſterialrat Dr. Siegert und des
Gauvorſitzenden Roth wurden ernſte Fragen des Heſſiſchen
Sänger=
bundes erſchöpfend behandelt, dazu eine Anzahl von wertvollen
Nefe=
raten erſtattet. Unter anderem berichtete Herr Staatsrat Balſer
über Gemiſchte Ehöre und
deren Aufnahme in den
Hefſiſchen Sängerbund”. In unſerer Sondernummer hat
Prof. Dr. Noack ſich in bedeutſamer Weiſe darüber bereits geäußert.
Staatsrat Balſer wies zunächſt auf die wirtſchaftlichen und ſozialen
Nöte hin, die immer noch das deutſche Volk bedrängen, aus denen
her=
aus aber immer mehr das Beſtreben nach einigendem Zuſammenſchluß
zur Erhaltung und Förderung unſeres Kulturlebens fühlbar wird. Er
widmete dann der Kulturarbeit des Deutſchen und Heſſiſchen
Sänger=
bundes im Intereſſe von Heimat und Vaterland anerkennende und
dan=
kende Worte. Er hob beſonders die Pflege des deutſchen Chorgeſangs
mit Einſchluß der gemiſchten Chöre hervor und verbreitete ſich dann
eingehender über die Notwendigkeit geſchulter Chöre von Männer= und
Frauenſtimmen, nun die wertvollen Chorgeſangskompoſitionen
beſon=
ders zu pflegen. Der Redner betonte die Notwendigkeit des
Zuſammen=
ſchluſſes der gemiſchten Chöre mit den Männergeſangsbünden, und zwar
ohne Preisgabe der eigenen Ziele, alſo in wertvollem Mit= und
Neben=
einanderarbeiten. Er konnte mitteilen, daß eine Anzahl der zum Teil
ſehr alten heſſiſchen gemiſchten Chorvereinigungen bereit iſt, ſich
zu=
ſammenzuſchließen mit Zweck und Abſicht der gemiſchten
Chorvereinigun=
gen, dem Heſſiſchen Sängerbund beizutreten. Es ſind dies der
Muſik=
verein Darmſtadt, der Sängerverein Offenbach, der Konzertverein
Gie=
ßen, der Gemiſchte Chorverein Bingen und die Madrigalvereinigung in
Darmſtadt. Die formellen Grundlagen des Zuſammenſchluſſes
aus=
zuarbeiten, wird die Aufgabe der nächſten Wochen ſein.
Kapellmeiſter Naumann=Alzey erſtattete ein intereſſantes
Refe=
rat über die „Aufgaben der modernen Muſik und deren
Pflege‟
Herr Rosbaud, Leiter der Mainzer Hochſchule, referierte über
„Kurſe für Chordirigenten‟. Der Redner teilte u a. mit,
daß berechtigten Wünſchen entſprechend ſich die Leitung der
Muſikhoch=
ſchule und des Konſervatoriums der Stadt Mainz ſich entſchloſſen habe,
ſtändige Fortbildungskurſe für Chordirigenten
Der Bundesvorſitzende konnte hierzu mitteilen
einzurichten. —
daß auch die Städtiſche Akademie Darmſtadt den gleichen
Beſchluß gefaßt habe.
Ueber die Frage „Sollen wir Knabenchöre bilden
referierte eingehend, Herr Muſiklehrer Samper, der folgende
Leit=
ſätze für ſeine Forderungen aufſtellte:
I. Durch beharrliche Arbeit beim Kultusminiſterium folgende Ziele
zu erreichen:
1. Erteilung des Geſangsunterrichts an allen Schulen nach den
Grundſätzen einer der bewährten: neueren Methoden zur
Ver=
drängung des mechaniſchen Vorſpielens und Nachſingens
a)durch weitere methodiſche Ausbildung geeigneter Lehrer, aber
auch der Aufſichtsbeamten, in Kurſen und amtlichen
Konferenz=
lehrproben;
b)gegebenenfalls durch Anſtellung von Fachberatern nach
preußi=
ſchem Vorbild;
)durch hinreichende muſikaliſche und methodiſche Ausbildung der
künftigen Volksſchullehre
4)durch Anſtellung geprüfter oder ſonſt beſonders geeigneter
Leh=
rer als Geſangslehrer an den großen Volksſchulen;
e)durch eine ihrer volkserzieheriſchen und kulturellen Bedeutung
entſprechende Stellung der Muſik im Lehrplan und in den
Prü=
fungsbeſtimmungen, der höheren Schulen, dies wieder nach
preußiſchem Vorbild.
2. Durch Einführung geſangstechniſcher Lehr= und Lernmittel ar
allen Schulen, ſowie durch Einführung von Liederbüchern der
neuen Nichtung an allen Schulen und deren unentgeltliche
Ab=
gabe an bedürftige Schüler.
II. Erwünſcht iſt jetzt ſchon unter günſtigen Umſtänden die
Anglie=
derung von Knabenchören an unſere Vereine, dazu die Ausdehnung des
Lehrſtoffs der Dirigentenkurſe auf die Leitung und geſangstechniſche
Ausbildung ſolcher Chöre.
III. Empfehlenswert iſt die Stiftung von Schulprämien (
Lieder=
büchern, Lebensbeſchreibungen berühmter Komponiſten, beſonders
Män=
nerchorkomponiſten, oder deren Porträts) durch die örtlichen
Geſang=
vereine, gegebenenfalls nach beſtimmtem Schlüſſel, an die beſten Sänger
unter den abgehenden Schülern unter Mitwirkung der Schule.
TV. Erwünſcht iſt die unentgeltliche Kartenabgabe an Volks= und
Schulen zu unſeren Nachmittags= und Frühabendkonzerten.
ander
V Empfehlenswert ſind Singen guter Männerchöre an paſſenden
öffentlichen Plätzen.
Im Anſchluß an die Tagung fand
Ree
fſ=
Prenſe-Empfang
ſtatt. Neben den Vertretern der Darmſtädter Tagespreſſe und
Muſik=
kritiker hatte ſich eine erhebliche Anzahl auswärtiger Preſſevertreter
und Kritiker dazu eingefunden, die von dem Bundesvorſitzenden,
Mini=
ſterialrat Dr. Siegert, herzlichſt begrüßt wurden. Der Redner führte
dann aus, daß bei dem zweiten Heſſiſchen Sängerbundesfeſt beſonders
wichtig ſind die Leitmotive und Gedanken, die dem Aufbau des Feſtes
zugrunde liegen. Das iſt in erſter Linie der Dienſt an der Kunſt und
der Dienſt am Vaterland. Weiter führte er aus: In künſtleriſcher
Be=
ziehung iſt folgendes zu ſagen: „Wir haben geſtern das Feſt durch ein
Maſſenkonzert der Darmſtädter Sänger eröffnet und den erſten Teil
des Programms dem Komponiſten Arnold Mendelsſohn gewidmet.
Der
Heſſiſche Sängerbund hat ſchon vor ſeinem erſten Bundesfeſt den
Be=
ſchluß gefaßt, bei ſolchen Anläſſen auch der Komponiſten zu gedenken,
denen die deutſchen Sänger zu größter Dankbarkeit und Verehrung
verpflichtet ſind. Bei dem 1. Bundesfeſt war es Karl Maria von Weber,
dem wir anläßlich des 100. Todestages eine beſondere Huldigung
dar=
brachten. Dieſesmal wandte ſich unſer Intereſſe einem noch lebenden
Komponiſten unſerem Arnold Mendelsſohn aus Darmſtadt, zu.
Heute, Samstag, darf ich beſonders auf unſere Sonderkonzerte
auf=
merkſam machen. Die Vortragsfolgen ſind nicht willkürlich gewählt.
Sie ſind einheitlich in den einzelnen Konzerten gehalten und ſtehen auch
miteinander inſofern in Verbindung, als ſie alle miteinander
zuſammen=
genommen ein Bild des geſamten Männerchor=Schaffens geben. Neben
den Sonderkonzerten der Vereine und Vereinsgruppen haben wir auch
Konzerte, in denen wir viele Hundert, ja bis zu tauſend Sänger und
darüber auf die Bühne bringen, das ſind die Gaukonzerte I und II.
Hier werden die Gaue miteinander im Maſſengeſang in Wettbewer
treten. Die Programme der Gaukonzerte ſind mehr volkstümlich
ge=
halten.
Neben der künſtleriſchen Betätigung darf die vaterländiſche Aufgabe
der deutſchen Sänger nicht in den Hintergrund treten. Der
Männer=
geſang überbrückt die Gegenſätze des Lebens. Hier gibt es keine
Unterſchiede des Standes, der Religion oder Politik, oder was ſonſt die
Meuſchen trennt, wir pflegen nur das, was ſie zuſammenführt. Der
Männergeſang iſt deshalb geeignet, den Einigkeitsgedanken in unſer
Volk hineinzutragen und die ungeheuere Zerſplitterung zu bekämpfen.
Wir haben deshalb in den Mittelpunkt unſeres ganzen Feſtes die große
vaterländiſche Kundgebung im Orangeriegarten geſtellt, einen Platz,
wie wir ihn ſchöner für eine derartige Veranſtaltung nicht wünſchen
könnten. Daneben finden aber auch Kundgebungen einzelner Gaue auf
öffentlichen Plätzen der Stadt am Samstag abend um 7 Uhr ſtatt. Wir
wollen bei unſerem Feſt nicht nur denen etwas bieten, die in der Lage
ſind, Eintrittspreiſe zu zahlen und Säle zu füllen, ſondern auch denen,
die dazu nicht in der Lage ſind und die doch ein ſchönes deutſches Lied
gerne hören. Die Anſprachen, die hierbei gehalten werden, laſſen
eben=
ſo wie die von uns gewählten Chöre den Vaterlandsgedanken in den
Vordergrund treten.
Bei dem gemeinſamen Mittageſſen nahm der zweite Präſident des
Sängerbundes, Rechtsanwalt Dr. Hans Reen=Mainz, Gelegenheit,
der Bundesleitung, inſonderheit dem Präſidenten, herzliche Worte des
Dankes und der Anerkennung zu widmen für die vorbildliche Leitung
des Heſſiſchen Sängerbundes. Tatkräftig unterſtützt werde der
Bundes=
vorſitzende durch die Herren Schatzmeiſter Bitter und Geſchäftsführer
Roth, die beſonders auch um das Zuſtandekommen des Feſtes ſich
un=
ſchätzbare Verdienſte erworben haben. — Miniſterialrat Dr. Siegert
dankte für die Anerkennung und dehnte dieſen Dank auf ſeine Mit= trag brachte, dem der Gau Mümling „Das Ringlein” von Nagel
arbeiter im Bundesvorſtand aus, vor allem auf den allverehrten
Schul=
rat Haſſinger, dem ſtillen und tätigen Förderer des Heſſiſchen
Sängerbundes. Beſonderen Dank ſprach er den Herren vom Gau
Darmſtadt aus, die das Feſt in vorbildlicher Weiſe vorbereitet haben.
treter den Dank für den Empfang und vor allem dem Preſſeausſchuß,
in erſter Linie deſſen Vorſitzenden Herrn Profeſſor Dr. Köfer,
An=
erkennung dafür aus, daß die Berichterſtattung über das Feſt ebenſo
vorbildlich organiſiert und erleichtert iſt, wie es die propagandiſtiſche
Vorarbeit geweſen.
Der Einzug der Fahnen.
Am Nachmittag kurz nach 4 Uhr nahmen die Fahnenabordnungen
der Darmſtädter Geſangvereine am Paradeplatz Aufſtellung und
mar=
ſchierten in impoſantem Zuge mit Muſikbegleitung zum Bahnhof zum
Empfang der auswärtigen Vereine, die zwiſchen 4—6 Uhr in vielen
Sonderzügen aus Oſt und Weſt und Nord und Süd nach Darmſtadt
kamen. Der Platz vor dem ehemaligen Fürſtenbahnhof war abgeſperrt.
Hier nahmen die Fahnenabordnungen in wirkungsvollem Geſamtbild
Aufſtellung, und hier begrüßte im Auftrage des Gaues und der
Feſt=
leitung Herr Prof. Dr. Köſer die ankommenden Vereine, die vielfach Marſchner) ſo ausgezeichnet und geſchmackvoll einſtudiert, daß ſie
eigene Muſikkapellen mitbrachten. Beſonders herzlich und kernhaft galt
ſein Willkomm den Sangesbrüdern aus dem beſetzten Gebiet,
druck ſeine Betonung des Zuſammengehörens trotz aller Not und Be= trag der „Lorelei” eine ausgezeichnete künſtleriſche Leiſtung.
drängnis, ſein Unterſtreichen der Tatſache, daß das Feſt den Brüdern
vom beſetzten Rhein Gelegenheit geben ſoll, auf freiem deutſchen
Bo=
den das deutſche Lied ertönen zu laſſen. Die Herzen der Darmſtädter
ſchlagen warm und ehrlich den Gäſten entgegen, der friedlichen Heer= der Uebergabe des Bundesbanners leitete eine Feſtanſprache des Herrn
ſchau deutſcher Männer, geeint in der Liebe zum Lied, zum Geſang.
Gegen 6 Uhr waren die Sonderzüge eingelaufen. Die Vereine ſoweit
ſie nicht vorher ihre Quartiere aufgeſucht hatten, ordneten ſich zum
Feſtzuge, der die Fahnenabordnungen — nunmehr an 600 Fahnen —
begleitete. Eindruckstief und impoſant dann das Bild des Fahnenauf= Euch, lieben Brüder, aus dem beſetzten Gebiet, Euch, denen dieſer
feſt=
marſches. Dieſer Parade der äußeren ſtolzen Zeichen bündiſcher Zu= liche Abend in beſonderer Weiſe ein Ehrenabend ſein ſoll. Ausſprechen
Streben.
deber 600 Jahnen und Standarken
ordneten ſich mit ihren Begleitkommandos zu farbenfrohem Zug. In
Autos fuhren dem Zuge voraus die Zugordnung und der
Bundesvor=
ſtand. Dann folgte als Spitze das Bundesbanner und die Fahnen und
Standarten der Vereine aus den beſetzten Gebieten. Die übrigen
ſchloſ=
ſen ſich an. Alte ehrwürdige Veteranen, zerſchliſſen und verwaſchen,
aber vielfach mit Sieges= und Ehrenzeichen geſchmückt, und neue denen
man anſah, daß ſie nur zu feſtlichen Gelegenheiten der
ſchützen=
den Hülle entnommen werden. Der buntfarbene und
imponie=
rende Fahnenfeſtzug, in muſterhafter Ordnung geleitet, bewegte ſich
durch die Rheinſtraße, Wilhelminenſtraße, Hügelſtraße, Karlſtraße zur
Norneweg=Schule in der Hermannſtraße, wo ſämtliche Fahnen vom
Gau Darmſtadt in Verwahrung genommen wurden. Der feſtliche Zug
hatte eine ungeahnte Menſchenmenge auf die Beine gebracht, die die
Straßen umſäumte und den Zug begleitete. Wie denn überhaupt an
den beiden Nachmittagen in den Straßen der Stadt frohbewegtes Leben
herrſchte und frohe Feſtesfreude aller Augen erglänzen ließ.
Heinrich=Keidel=Ehrung
Im erſten Sonderkonzert, das vom „Liederkranz” Michelſtadt i. Odw.
im Konkordiaſaal nachmittags gegeben wurde — kritiſche Beſprechung
ſiehe weiter unten — nahm der Bundesvorſitzende Dr. Siegert Ge
legenheit, das Andenken des verſtorbenen Lehrers Heinrich Keidel in
folgender Anſprache zu ehren:
„In dem Augenblick, da unſer „Liederkranz” Michelſtadt ein Werk
ſeines 1924 verſtorbenen Dirigenten Heinrich Keidel auf unſerem
Bun=
desfeſt zu Ehren bringt, drängt es mich, auch meinerſeits das
Gedächt=
nis des um die Muſikpflege im Odenwald ſo hoch verdienten Mannes
zu feiern. Durch und durch muſikaliſch, verſtand er lange Jahre das
Muſikleben dort in einer Weiſe zu befruchten, die ihm und ſeinem
Verein einen ausgezeichneten Ruf eintrug. Er beherrſchte in ſteter
Fortbildung die neueſten Methoden des geſanglichen Unterrichts und
hat dem Verein eine vorzügliche Schulung zuteil werden laſſen. Keidel
war mit Leib und Seele deutſcher Sänger aus Liebe zur Sangeskunſt,
aber auch aus tiefem vaterländiſchem Empfinden heraus. Bei der
Gründung des Odenwald=Sängerbundes im Jahre 1912 wurde er mir
ein treuer Mitarbeiter und Berater — und noch mehr als das — ein
Freund. Viele ſchöne Erfolge haben wir miteinander errungen, manche
herrlichen Stunden, die ich nicht miſſen möchte, im Zeichen des deutſchen
Liedes in prächtigen Odenwaldſtädtchen und Dörfern verlebt. Unſer
Hauptziel aber — die Sammlung aller heſſiſchen Geſangvereine als
Glied der großen deutſchen Sängerfamilie wurde durch die Kriegs=
und Nachkriegsjahre verzögert und erſchwert — an dieſen Arbeiten
konnte er ſich infolge der angegriffenen Geſundheit nicht mehr
betei=
ligen, aber er war mit dem Herzen dabei und hat die Verwirklichung
unſerer Gedanken — vielleicht als das letzte freudige Ereignis, in ſeinem
Leben — noch miterlebt. Heinrich Keidel war kein Freund vieler Worte,
ja er war mitunter ſogar auffallend wortkarg. Nur das Aufleuchten
ſeiner Augen hat uns dann verraten, daß er mit ſich und den Leiſtungen
ſeines Vereins zufrieden war — daß er glücklich war, ein Scherflein
beigetragen zu haben zu Ehren der Kunſt, die den Inhalt ſeines
Le=
bens ausmachte. So ſtelle ich ihn mir vor, wenn er heute Zeuge der
Aufführung ſeines Werkes hätte ſein dürfen. So wollen wir ihn auch
im Gedächtnis behalten
den treudeutſchen Sänger und Komponiſten
Heinrich Keidel.”
Kundgebungen auf öffenklichen Plähen der Skadk.
In anerkennenswertem Beſchluß, auch denen, die nicht in der Lage
ſind, die Konzerte oder die Feſthalle zu beſuchen, teilnehmen zu laſſen
an den herrlichen Darbietungen des heſſiſchen Männergeſangs, fanden
auf mehreren öffentlichen Plätzen Kundgebungen mit Geſangsvorträgen
ſtatt in Form von Gaukonzerten. In Anſprachen wurde darauf
hinge=
wieſen, daß dieſe Kundgebungen Heimat, Volk und Vaterland gewidmet
ſeien. Der Gau Bergſtraße ſang unter Leitung des
Gauchormei=
ſters Michael Döbert=Bensheim auf dem Schloßhof vor dem
Glocken=
turm, die Anſprache hielt der Gauvorſitzende Lehrer Beltz=Seeheim. —
Der Gau Neckartal ſang unter Leitung des Gauchormeiſters Peter
Heberer=Hirſchhorn auf dem Riegerplatz. Hier wurde die Anſprache
von dem Gauvorſitzenden J. Merſcher=Neckarſteinach gehalten.
Auf dem Schulhof der Beſſunger Mädchenſchule ſang unter Leitung des
Gauchormeiſters Simon Zimmermann=Bodenheim der Gau
Oppenheim, deſſen Vorſitzender Lehrer Weber die Anſprache
hielt. — Der Gau Wetterau unter ſeinem Chormeiſter Lehrer
Hachenberger=Dorheim ſang auf dem Kapellplatz, die Anſprache
hielt der Gauvorſitzende Lehrer Schenck=Mehlbach. — Im
Herrn=
garten ſang der Gau Lahn unter Leitung ſeines Chormeiſters
Muſik=
direktor Kaſten=Gießen. Die Anſprache wurde hier gehalten von
dem Gauvorſitzenden Emil Koch=Gießen.
Die Geſangsprogramme dieſer Gaukonzerte waren wohl
volkstüm=
lich gehalten, ſie bewegten ſich aber durchweg auf anerkennenswerter
künſtleriſcher Höhe. Es war ein edler Wettſtreit, für den viele Tauſende
Herzen danken.
Das Gaukonzerk 1 und der Feſtakk.
Abends um 9 Uhr fand in der Feſthalle das erſte große Gaukonzert
ſtatt mit einem Maſſenaufgebot von Sängern. In Verbindung damit
ſtand der Feſtakt der feierlichen Uebergabe des
Bundesban=
ners durch den Gau Mainz an den Gau Darmſtadt.
Der Abend wurde eingeleitet, mit Geſangsvorträgen des
Müm=
ling= und Gerſprenzgaues. Der Geſamtchor der beiden Gaue
ſang unter der temperamentvoll=jugendfriſchen Leitung des Gauchor
meiſters Rektor Göbel=Beerfelden C. Mangolds herrliche, klangſtarke
Hymne an die Kunſt (mit Blasmuſikbegleitung). Das gab einen
macht=
vollen Auftakt für den geſanglichen Teil des Abends, der ſeine feine,
künſtleriſche Fortſetzung fand in den Geſängen des Gaues
Ger=
ſprenz, der Tſchirſchs zart=melodiöſes „Frühlingsglaube” und
Sil=
chers „Klage unter Gauchormeiſter K. Grims Leitung zum Vor=
und „Das deutſche Lied”, von Kern (Leitung Göbel) folgen ließ
Grims eindringliches „Heimat, ich liebe dich”, vom Geſamtchor der
beiden Gaue unter Leitung des Komponiſten geſungen, beſchloß den
erſten Teil des Programms. Schule und Stimmaterial der beiden
— Redakteur Streeſe ſprach im Namen der anweſenden Preſſever= Chöre waren ausgezeichnet und bewieſen den Eifer gerade der
länd=
lichen Gaue, ihre Geſangsleiſtungen zu künſtleriſcher Höhe zu bringen.
Der Gau Worms, unter der Leitung ſeines Chormeiſters Lehrer
Wagner, ein gut diſziplinierter Chor mit gepflegtem Stimmater
und von ausgezeichneter Schulung, ſang „Schwing’ dich auf mein Lied
von Führmann, „Nur die Hoffnung feſtgehalten” von Sürläuly und
„Süßlieb im Maine” von Silcher. Daß dem jubelnden „Schwinge di
auf” erſt das zarte. Süßlieb” folgte, war eine dankenswerte
Programm=
änderung, zumal „Nur die Hoffnung” ein ſchwieriges, aber wirkſam
vertontes Gemiſch von temperamentvollem Bekennen und zarte
Hof=
fen darſtellt. Die geſchickte Wahl dieſer drei Lieder ließ eine erſchöpfende
Kritik der Geſamtleiſtung des Gaues zu, der enthuſiaſtiſchen Beifall
ernten durfte.
Ganz volkstümlich hatten die Mainz=Stadt und Mainz=
Land ihr Programm gewählt. Aber der Leiter, Kapellmeiſter Alfred
Stauffer=Mainz, hatte die populären Lieder Im Krug zum
grünen Kranze”, „Lorelei” und „Liedesfreiheit” (Zöllner, Silcher,
ſtarke perſönliche Note verrieten und in ihrer Schlichtheit und
Schön=
die mit über 50 Fahnen und Standarten erſchienen. Von tiefem Ein= heit ganz friſch und „neu” klangen. Jedenfalls war beſonders der Vor=
den Feſtakt
Schulrat Haſſinger ein:
Liebe Sänger und Sangesfreunde!
Gruß Ihnen allen, deutſche Männer und Frauen, Gruß vor allem
ſammengehörigkeit, brüderlichen Geeintſeins zu gemeinſamem hohem wollen wir, was bleibend in unſeren Seelen und Herzen lebt: das
Ge=
fühl untrennbarer Zuſammengehörigkeit von Rhein und Reich, das
Dankesgefühl für Euch, die Ihr Träger ſeid eines immer noch
bedräng=
ten, aber nimmer zu erſchütternden Volkstums, die Ihr Glieder eines
Volksteiles ſeid, der in allen ſeinen Schichten für Heimat und Staat zu
jedem Opfer bereit ſich erwies, die ihr Bürgen ſeid für die Einheit des
Vaterlandes von unbezweifelbarer Sicherheit. Des beſetzten Gebietes
Wille zu Volk und Reich, er hat erſt die Grundlage gebegt für die
Ar=
beit der Staatsleiter, von der wir alle erſehnen, daß ſie bald zu
völli=
ger Freiheit und Frieden führen möge.
Stürme ſind über unſer Volk dahingegangen, Stürme, unter deuen
die deutſiche Eiche ſich bog und wand, daß wir manchmal meinen mußten,
ihr Geäſt könnte dem Orkan von Weſt und Oſt nicht ſtandhalten. Und
dennoch; unerſchütterlich ſteht der deutſche Lebensbaum. Kein Toben
wird ihm auch fürder etwvns anhaben können, wenn er weiterhin in der
Wurzel geſund bleibt und ſeime Kräfte holt aus dem Boden unſezes
Volkstums. Dieſen Boden zu beſtellen, das iſt unſer aller Arbeit.
Ge=
meinſame Arbeit ſchafft Arbeitskameradſchaft, und Arbeitskameradfchaft
verlangt gegenſeitige Achtung und ein Wiſſen um Ausgangspunkt und
Ziel. Wer ſolches Wiſſen in ſich trägt, der hat der Schlange des
Bruder=
haders den Giftzahn ausgebrolen. Arbeitskameraden wollen wir ſein am
Boden unſeres Volkstums. G3 iſt ein uralt heiliger Boden, der
Ehr=
ſunht fordert für ſeine G=ſchichte, und dieſe Geſchichte gibt nach Goethes
Wort uns als ihr Beſtes „den Euthuſiasmus, den ſie erregt‟ Wir rufen
dieſen Enthuſiasmus, dieſe Begciſterung in unſeren Tag hinein.
Arbeitskameraden wollen wir ſein am Boden unſeres Volkstums.
Es iſt ein jungfräulich heiliger Boden. Denn erig wie die
Vergangen=
heit, ewig iſt auch ſeine Zukunft und ſeine Bereitſchaft, Saat zu
empfan=
gen und Ernt= zu ſpenden.
Die Verpflichtung am Werdenden ſteht zwingend vor uns. Wir
wüirden uns verſündigen, wenn wir den Boden unſeres Volkstums broch
werden ließen, der ſeine Gaben uns zu ſchenken immer bereit iſt. So
wie heute alle Kräfte de3 Verſtandes angeſpannt werden, um aus dem
deutſchen Ackerboden das jägliche Brot für unſer Volk zu ſichern, ſo
wollen auch die Kräfte des Geuzütes intenſiv gemacht werden.
Arbeits=
kameraden zu dieſem Ziel, das ſeid auch Ihr, deutſche Sänger. Das
deutſche Lied, es ſtärkt Euch dieſen Willen. Es macht Euch fröhlich in
der Arbeit. Denn gottlob, wir haben auch einen Grund, frohgemut zu
ſein. Gefihl und Wille, ein einig Volk zu ſein, ſind ſtärker geblieben
als Sturm und Gefahr. Das waren falſche Propheten, die meinten,
das deutſche Nationalgefühl ſei an gewiſſe üußere Bedingungen geknüpft,
ſei in ſchweren Zeiten leicht von außen zu zerſchlagen. Zehn Jahre
Beſatzungsnot waren ein zehnjähriger Beleis dafür, daß es ein
deut=
ſches Volk gibt und einen deutſchen Staat geben muß. Dieſem
Ge=
fühl wollen wir die begeiſternde Nahrung dieſer feſtlichen Abendſtunden
leihen. Es iſt das große Einigende, das alle Parteigrenzen und ſozialen
Schranken überſpringt. Es iſt das gemeinſame, frohgemute Bekenntnis
zum deutſchen Geſchick. Es iſt aber auch ein Unterpfand für unſer
Hoffnung, für unſeren heißeſten Wunſch, daß bald für unſere Brüder
an Rhein und S=ar die Freiheitsglocken läuten mögen. Ein jeder
Deutſcher weiß es, und die Welt ſollte es wiſſen, daß es in der
Forderung auf Rheinlandbefreiung keinen Unterſchied der Parteimeinung
gibt. Einheitlich lebt das Freiheitsgefühl im deutſchen und rheiniſchen
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Nummer 193
Menſchen, welche Parteieinſtellung er auch habe. Cinheitlich wollen wir
ander helfen in echter ſozialer Geſinnung und brüderlicher
Verbunden=
heit. Brüder aus dem beſetzten Gebiet, ich freue mich von Herzen, Euch
das auch in dieſer Stunde wieder ausſprechen zu können. Ich hoffe,
daß die Tage, die Ihr mit uns im unbeſetzten Heſſenlande verbringen
werdet, Euch Tage der inneren Stärkung und Kräftigung ſein mögen,
und daß Ihr etwas von dem empfinden möget, was an Dantbarkeit ſchieden, die im Saalbau den Darbietungen der unter Wilhelm Etzolds
in uns lebt.
Heil!
Unter ſchmetternden Fanfarenklängen (Stadtorcheſter, Leitung Willy
Schlupp) wurde das Bundesbanner dann in feierlichem Zuge in die
Halle gebracht, von ſtürmiſchen Heilrufen der Menge begrüßt, die ſich
ſpontan von den Sitzen erhob.
Der Gauvorſitzende Alfred Fuchs=Mainz übergab das Banner
des Bundes an den Vorſitzenden des Gaues Darmſtadt, Herrn G. F.
Roth, mit einer längeren Anſprache, in der er nach ſchwungvoller
Einleitung einen Abriß aus der Geſchichte des Sängerbundes gab und
beſonders dankbar der Verdienſte der Herren Dr. Siegert,
Haſ=
ſinger und Bitter gedachte, welch letzterer bekanntlich das
künſt=
leriſche Banner geſchaffen hat. Er ſchloß mit dem begeiſtert
gedankten Wunſch, daß das Banner, bald wehen möge am freien
Rhein, auf freiem deutſchen Boden.
Herr G. F. Roth übernahm das Banner mit folgenden Worten:
Liebwvecte Sangesbrüder!
Mir großer Freude übeunimmt die Darmſtädter Sängerſchaft das
Bundesbanner aus den Händen der Mainzer Sängerſchaft. Wir
ge=
loben, allezeit ein treuer Hüter zu ſein, und knüpfen daran den Wunſch,
daß uns das Banner nur gute und ſchöne Tage bringen möge zum
Heile des geſamten Pundes und zum Heile unſeres ſchönen deutſchen Mitte liegen. Ebenſo herb, aber dunchaus kräftig in ſeiner Steigerung,
Liedes.
Ihnen, liebe Sangesbrüder, übergebe ich hiermit das Banner zu
treuen Händen, als die von der Darmſtädter Sängerſchaft erwählten
Hiter und Begleiter. Tragen Sie unſer Banner ſtets in Ghren, als
ehte deutſche Sänger, dies ſei unſer Wunſch.
Das walte Gott!
In gleich feierlichem Zuge wurde das Banner wieder aus der Halle
geleitet, dann beſchloß H. Heinrichs „Wo gen Himmel Eichen ragen”.
geſungen von allen anweſenden Sängern unter Leitung des Herrn
Naumann=Mainz, machtvoll erbrauſend, den Feſtakt und den Abend.
Die Sonderkonzerke der Vereine
I0.
und Bereillsgrapper and Jamstug.
Der geſtrige Abend des Heſſiſchen Sängerbundsfeſtes war in der
Hauptſache den Sonderkonzerten gewidget. In der Zeit von 16,30 bis
22 Uhr fanden im Kleinen Haus, Saalbau, Otto Berndt=Halle
Concor=
diaſaal, Nummelbräu=Saal, Turnhalle am Woogsplatz und
Mathilden=
höhſaal nicht weniger wie 14 Sonderkonzerte ſtatt, deren Dauer je
un=
gefähr 1 Stunde in Anſpruch nahm. Bei dieſer Ueberfülle von
Dar=
bietungen ſt es ein Ding der Unmöglichkeit, alle Leiſtungen kritiſch ſo zu
würdigen, wie es die einzelnen Vereine wohl wünſchen und verdienen.
Schließlich iſt aber ein Sängerbundsfeſt kein Wertungsſingen; ſoviel darf
mit Freude geſagt werden, daß alle Darbietungen, mochte die Wirkung
nach Maßgabe des Könnens und jeweiliger Stärke auch veſchieden ſein,
auf durchweg hoher Stufe ſtanden. Alle Vereine haben ihr Beſtes
her=
gegeben; ſie ſangen mit vollſter Hingabe, mit zündender Begeiſterung
und mit reſtloſem Verantwortungsgefühl, das künſtleriſcher Darbietung
erſt Vollwert gibt.
14 Konzerte waren es, die ein umfaſſendes Bild über alte und neue
Chorliteratur gaben; es waren 14 Konzerte, aus denen aller Kitſch, alles
Seichte und alle üble Sentimentalität verbannr war. Das iſt ein
un=
geheurer Fortſchritt gegen früher, und gibt den Worten recht, die
Staats=
präſident Dr. Adelung in ſeinen Begrüßungsworten im Feſtbuche geſagt
hat: „Das Streben und Wirken des Heſſiſchen S.ngerbundes iſt eine
bedeutende Stärkung im Kampf gegen Oberflächlichkeit und Verflachung
des muſikaliſchen Leben.‟ Das Sängerbundesfeſt, das darf jetzt ſchon
ge=
troſt geſagt werden, wird Früchte rragen, die dem deutſchen Liede und
dem deutſchen Volke zu gute kommen.
Sonderkonzert 1: Liederkranz Michelſtadt i. Odw.
Den Reigen der Sonderkonzerte eröffnete im Concordiaſaal der
Liederkranz=Michelſtadt i. O. (90 Sänger). Leitung:
Chor=
meiſter Georg Greilich, Darmſtadt. Tenor=Solo Chriſtian Streib Helden=
Tenor der Wiesbadener Staatsoper unter Mitwirkung des Orcheſters
des Beamtenvereins ehem. Militärmuſiker in Darmſtadt.
Drigent hervorragend; Chorleiſtung daher ebenſo; beſte Leiſtung:
„Die beiden Särge” von Hegar, und Ballade „Das Grab im Buſento”,
komponiert vom verdienten früheren Vereinsleiter Keidel, deſſen
An=
denken während des Konzertes Miniſterialrat Siegert mit herzlichen
Worten ehrte. Als Soliſt glänzte der Wiesbadener Heldentenor Chr.
Streib durch den ſtrahlenden Wohlklang ſeiner Stimme.
Beſonderen Beifall fand die ſtrophiſche Ballade „Der Nöck”, die der
Darmſtädter Komponiſt und bekannte Chorleiter Karl Grim in ein
dankbares und wirkungsſicheres Gewand zu kleiden verſtand.
Sonderkonzert 2: „Heterkeit” Gießen.
Ein zweites Sonderkonzert fand im Rummelbräu ſtatt. „
Heiter=
keit” Gießen (80 Sänger), Leitung: Chormeiſter Wilhelm Schättler,
Gießen, deren Leiſtungen durch die Schönheit der Tenöre beſonders
ge=
fielen und die ihren Höhepunkt erreichten im feinabgetönten Vortrag
von „Die Toten der Heide” von Neumann.
Sonderkonzert 3: Sängerbund Neckarſteinach.
Trotz der Nähe des Feſtplatzes hatte leider die Veranſtalltung des
Sängenbundes Neckar=Steinach, under der Leitung von Chormeiſter
Ziegler=Heidelberg, im Rummelbräuſaal, nur verhältnismäßig wenig
Zuhörer gefunden. Hatte die im Feſtbuch enthaltene Vortragsfolge der
Haupiſache mach Geſonders beliebte Mämnerchöre enthalten, wie man ſie
auf Wertungsſingen und Wettſtreiten oft hört, ſo hatte ſich der Verein
nur in zwei Stücken an dieſes Programm gehalten. Er ſang das
aus=
drucksvolle Lied „Vergißmeinnicht” von L. Baumam und die feine
Volksliedſbearbeitung von M. Neumann „Die gebundene Nachtigall‟. Des
weiteren ſſangen die Necharſteimacher noch einen volkstümlichen, ſehr
an=
ſprechenden Mänmerchor „Leiſe rauſcht die Quelle”, danm trat ein
Frauenchor auf, der das Schlummerlied „Schlafglöckchen” m recht
an=
ſppechendem Vordrag, aber mit etwas zu ſcharfer Stimmgebung im
Soppan vortrug. Männerchor und Frauenchor vereinigten ſich zum
Schluß zum Vortrag der recht ſchwierigen Chorbearbeitung des
Strauß=
ſchen Donauwalzers wir Klovierbegleitung. Fiel auch die Vortragsfolge
etwas auch dem Rachmen der übrigen Gonzerte, ſo muß doch die
ge=
fällige und wivkungsvolle Art hervongehoben werden, mit der die
aus=
gewählten Geſänge zu Gehör kamen. Der ſchlechte Beſuch des Konzerts
mag auch anfangs etwas auf dem Verein gewirkt haben, denn die
Ton=
gebung wwar im Anfang nicht ſo abgerundet wie ſpäter, wo man ſich
ſo in Stimmung geſungen hatte, daß der letzte Teil des Straußſchen
Walzers wiederholt werden mußte.
Sonderkonzert 4: Männerchor und Frauenchor der Städtiſchen
Muſikhochſchule Mainz.
Auf beſonders hoher Stufe ſtand die Darbietung der Städt.
Muſik=
hochſchule Mainz, die unter Leitung von Direktor Hans Rosbaud eine
hochintereſſante Vortragsfolge bot. Ausführende waren Männer= und
Frauenchor der Städt. Muſikhochſchule Mainz und das dortige Orcheſter.
das Sopran=Solo in der konzertierenden Motette „Der Herr iſt meine
Stärke” für Sopran, 2 Violinen und Begleitinſtrumente aus der
Symphonia ſaera von Heinrich Schütz ſang Olga Renate Kreiß.
Außer=
dieſer Motette ſtand auf dem Programm „O ſacrum conviviam”,
vier=
ſtimmiger geiſtlicher Männerchor von Viadana, „Cantate Domino” von
Haßler, vierſtimmig, Jungfrau, dein ſchön Geſtalt” von Haßler, Hans
und Grete” von Eccard, „Wach auf, du deutſches Land” von Walther.
In der zweiten Abteilung klangen Frauenchöre von Robert Schumann,
die der ihm geiſtesverwandte Hans Pfitzner mit Inſtrumental=Begleitung
verſehen und zu einem Ganzen verbunden hat. Es iſt ein Cyklus von
8 Chören, voll von romantiſchem Stimmungszauber, der in der
pracht=
voll abgetönten Wiedergabe durch den Frauenchor der Muſikhochſchule
Mainz ſeine gauze Wirkung tun konnte.
Beſonders geſpannt waren wir dann auf die Werke von Paul
Hindemith in „Jäger aus Kurpfalz” Spielmuſik für Streicher und
Bläſer, Opus 45, 3, und „Frau Muſica”, Muſk zum Singen und
Spielen auf Inſtru
enten, nach einem Text nach Martin Luther, Opus
45, 1:, die virtuos gearbeiteten, ganz modernen, und von Anfang bis
zum Ende feſſelnden Stücke erfuhren eine glänzende Wiedergabe. Das
uur aus Zöglingen der Muſikhochſchule beſtehende Orcheſter ſtand ebe
iſo
wie der Chor auf voller Höhe, und Nosbaud leitete das Ganze mit der
Ueberlegenheit des reifen Künſtlers; das Konzert bildete einen
Höhe=
punkt der geſtrigen Veranſtaltungen.
Sonntag, den 14. Juli1929
zuſomenſtehen, als Arbeitskameraden, die gemeinſam tragen, die ein= Sonderkonzert 5: Vereinigte Männerchöre: Liederzweig
Darm=
ſtadt, Germania Crumſtadt, Sängerbund Griesheim,
Männer=
geſangverein Groß=Zimmern, Männergeſangverein Reinheim im
Odenw., Sängerluſt Spachbrücken.
Einer der ſtärkſten Eindrücke des ganzen Feſtes war wohl denen be=
Leitung vereinigten Männerchöre zuhörten. Ein ſtattlicher Chor von
etwa 500 Sängern ſtand auf dem Podium, einheitlich geſchult von einem
unſerer beſten Männerchorſpezialiſten, deſſen Dirigentenvorzüge ſelten
in ſo hervorragendem Lichte ſtanden, wie am heutigen Abend. Denn
manches, was bei einem kleineren Einzelverein wie eine Uebertreibung
wirkt, die große Freiheit im Rhythmus, das ſtarke Anſchwellen und
Ab=
nehmen, erwies ſich hier als künſtleriſche Notwendigkeit. Wenn der
Saalbau bei dieſem letzten Konzert bis auf den letzten Platz beſetzt war,
ſo galt das Intereſſe der Erſchienenen, unter denen ſich auch der
Staais=
präſident befand, großenteils der intereſſanten Vortragsfolge, die eine
große Anzahl von Uraufführungen von Männerchören von Paul
Otten=
heimer enthielt. Etzold begann mit „Der Wagen rollt”, der ebenſo
ſchwie=
rigen wie wirkungsſiheren und farbenreichen Kompoſition von K.
Kämpf, die in außerordentlich gelungener Schattierung und vorzüglich
klangſchön geſungen wurde.
Von den ſechs Ottenheimerſchen Chören, die dann folgten, ſtach
einer immer geredezu den anderen aus, und ſelten iſt einem Komponiſten
bei der Uraufführung zahlreicher Werke ein ſo lebhafter und
wohlver=
dienter Erfolg beſchieden. Jedes der Lieder iſt in ſeinem
Stimmrngs=
gehalt feſt umriſſen, jedes ein Meiſterſtück. Das ſ hon vom Mozaut=
Verein im leiten Winter uraufgeführte „Landsknechtsgebet” iſt überaus
herb und kraftvoll in ſeiner kirchentonartlichen Haltung. Friedrich
Reh=
bock interpretierte es damals ſchlichter und liedhafter, Ctzold dramatiſcher,
balladenartiger. Vielleicht dürfte die ideale Art der Wiedergabe in der
ſchließlich faſt totentanzartig gefävbt, iſt der „Landsknechtstanz”. Hier
forcierte in der 3. Strophe der Tenor etwas. Ueberaus tiefen Eindruck
hinterließ das „Dichtergrab”, eine feine, faſt kammermuſikartige
Kom=
poſition, deren S hl.ß außergewöhnliche harmoniſche Sichwierigkeiten
bietet. Sie wurde wiederholt, wie auch das ungemein ſchlichte und doch
ticfe „Ich bin dein” auf den herrlichen altdeutſchen Text. Es folgten
noch zwei humorvolle Lieder, „Leichtſinn”, ein Stücklein, das die
Männerchöre für Familienfeſtlichkeiten wohl bald ſtark bevorzugen
wer=
den, das ſich aber beſſer für kleincre Beſetzung als für einen
Maſſen=
chor eignet, und „Die Muſik kommt” auf den bekannten Liliencronſchen
Text, ein Sclager im beſten Sinne des Wovtes, der ebenfalls
wieder=
holt wurde und den min am liebſten dreimal gehört hätte. Der ganz
außergewöhnliche Erfolg der Chöre beſtätigte das Urteil, das man ſchon
aus der Partitur gewinnen konnte, daß Ottenheimer hier Werke
ge=
ſchoffen hat, die es wert ſind, häufig geſungen zu werden. An dem
un=
geheuren Beifall nahm Wilhelm Etzold gleichberechtigten Anteil, denn
ſeiner Geſtaltungskraft und ſorgfätigſten Vorbereitung war es zu
dan=
ken, daß das Weſen der neuen Chöre charaktervoll hervortrat.
Sonderkonzert 6: Madrigal=Vereinigung Darmſtadt.
Im Kleinen Haus konzertierte die „Madrigalvereinigung Darmſtadt”
unter Leitung des Herrn Prof, Dr. Fr. Noack. Die Vortragsf lge
brachte Volksliedbearbeitung des 16. Jahrh. (Originalſätze), Kunſtlieder
des 16. und 17. Jahrh., und Kunſtlieder der Gegenwart. Die „
Madri=
galvereinigung” iſt eine Schöpfung Prof. Noacks, und dieſer energiſche,
auf dem Gebiete der Muſik in Theorie und Praxis ſo unerhört
viel=
ſeitig begabte Mann, deſſen Wirken weit über die Grenzen Heſiens
hinaus Bedeutung hat, hat es verſtanden, die „Madrigalvereinigung” n
einem köſtlichen Kammerorcheſter” zu erziehen. Dem Zuſammenklang
dieſer ausgeſucht ſchönen Stimmen zu lauſchen, iſt ein außer cuöhnliher
Genuß. Waren ſchon die alten Lieder in Ernſt und Scherz in der
Wiedergabe wahre Kabinettſtückchen der feinſten Vortragskun”, ſo wuchs
die Leiſtung des Chors und ſeines Leiters zu imponierender Größe i.
*6
der Wiedergabe einer Kompoſition des Darmſtädter Komponiſten A
Peterſen, für deſſen „Urworte‟ (Goethe) ſich die Madrigalvereinigung
mit glänzendem Gelingen einſetzte. Dieſe wundervollen Klänge, die
in genialer Satzkunſt ſich zu ſymphoniſcher Wirkung aufbauen, und den
geiſtigen Gehalt der Dichtung in einer Ueberfülle gehaltvollſter Muſik
und reichſter Harmonienpracht wiedergeben, brachte die
Madrigalver=
einigung in techniſch und muſikaliſch ſo überlegener Weiſe, daß man
ſich der horrenden Schwierigkeiten gar nicht bewußt wurde, und daß
das tief ſchürfende Werk das volle Verſtändnis der gebannten Hörer
fin=
den konnte. Die Wirkung war ganz außerordentlich. Komponiſt und
Ausführende wurden herzlich gefeiert, und wir wollen nur wünſchen,
daß das bedeutſame Werk überall, wo es eine „Madrigalvereinigung
Darmſtadt” gibt, zum Ruhme ſeines Schöpfers erklingt.
O.
Sonderkonzert 7: Lehrergeſangverein Mainz=Wiesbaden.
Unter der Leitung des Bundeschormeiſters des Heſſiſchen
Sänger=
bundes ſang um 8 Uhr imn Kleinen Haus des Landestheaters der
ſtatt=
liche Lehrergeſangverein Mainz=Wiesbaden. Er hatte ſich eine ſchwere.
aber für die neuen Ziele des Männergeſangs um ſo wichtigere und
dank=
barere Aufgab= geſtellt, den lingaren Satz, das heißt, Werke mit ganz
ſelbſtändiger melediſcher Führung der einzelnen Slimmen aus alter
und neuer Z=it zu Gehör zu bringen. Orlando di Laſſo, deſſen
Liebes=
beteuerung ſchon die Madrigal=Vereinigung vorgetragen hatte, kam mit
drei Werken zu Gehör. Zivei lateiniſche Motetten „Domine Deus”
und „Benedictus” boten wundervolle Beiſpiele 2= und 3ſtimmigen Satzes,
wie er trotz größter Schlichntheit durch die koytrapumktiſche Stimmt
führung doch aufs höchſte intereſſiert. Das erſtere gelangte zum
Vor=
trag in einer Einrichtung von Max Wiedemann, das andere von
Hein=
rich Werlé. Die wundervolle 4ſtimnnge Motette nach dem 3. Pſalm
gab Naumann Gelegenheit, fein abzutönen und im einem tempo rubato
ſingen zu laſſen, das für die ältere Geſangskunſt eine Lebensbedingung
iſt. Die zahlreichen modernen kontrapunktiſchen Sätze von Armin Qnab
und Walter Rein zeigten nun, wie unſere Zeitgenoſſen bewußt ſich vom
16. Jahrhundert anregen laſſend, ähnliche Stimmführungstechnik mit
modylateriſchen Klangfarben, wie ſie die Romantik entwickelt hat,
ver=
binden. Einſtweilen liegt der Stil unſeren Sängern noch reichlich fern,
ſo daß kleine Unreinheiten, wie etwa im pp. der letzten Strophe von
Armin Knabs „O Lied”, kaum zu vermeiden ſind. Banz beſonders ſprach
an Knabs „Der Wagen der Zeit” in ſeinem raſch dahineilenden
charaf=
tervollen Rhythmus und das verträumte Lied „Die ſtille Stadt”
Wal=
ter Rein verbindet mit reizvoller Stimmführung häufig aine
Farben=
gebung von beſonderem Charakter und eigenartigem Zwielicht. Seine
„Septembernacht” beginnt in faſt homophonem Satz und hebt daun erſt
an, mit häufigen Texwiederholungen die Stimmen zu verzweigen. Von
den anderen Kompoſitionen ſeien beſonders „O Bauernknecht” mit
ſei=
uem herben Ausdruck und ſeiner ſtraffen Form, das friſche „Der Lenz
iſt angekommen” und das famoſe „Tummel dich, guts Weinlein”
her=
vorgehoben, bei welchem zweifel’os die Art Johann Hermann Scheins
Pate geſtanden hat. Herr Kapellmeiſter Naumann halte das Programm
mit äußerſter Sorgfylt vorbereitet und beherrſchte ſeine Sänger durch
ſeine ruhige und überlegene Stabführung und beeinflußte ſie zu
deut=
licher, klarer Sprache und hervorragend rhythmiſchen Geſang.
Anderer=
ſeits iſt die ſtimmliche Qualität des Vereins dadurch etwas ungleich, daß
in einzelnen Stimmen Einzelſänger merklich hervortreten, was
beſon=
ders im zweiten Tenor aufiel, und daß der Stimmklang der Tenöre
nicſt ſo weich und mobulationsfähig iſt, wvie man es gerade für ſo
wert=
volle Werke wünſchen möchte. Davon abgeſehen, war die künſtleriſche
Leiſtung des Dirigenten wie des Chors hervorregend, und zweifellos
gehörte die Veranſtaltung zu den wertvollſten und intereſſanteſten des
Feſtes. Die zahlreichen Hörer bekundeten auſs lebhafteſte ihren Dank
für die ausgezeichneren Darbietungen.
Sonderkonzert 8: Orth’ſcher Männerchor Darmſtadt.
Eine ſehr klangſchöne Chorleiſtung bot auch der Orthſche Männer=
Gor Darmſradt, der das britte Konzert im Kleinen Haus des
Landes=
theaters b=ſtritt. Unter der kundigen Hand ſeines Leiters Karl
Diether=Offenbach hat er ſich die bedeutenden klanglichen Qualitäten
er=
halten, die ihn von jeher auszeichneten, kleine Unreinheiten waren auf
das Konto der ſchvierigen modernen Werke zu ſetzen, aber als Ganzes
war das Lonzert ein großer und bedeutſamer Erfolg. Zuerſt erklangen
zuei Geſänge von Hugo Naun, die beide an den Chor größte
Anforde=
tungen ſtellen. Ein wundervolles Werk, viel zu ſelten geſungen, iſt „Eine
Kompagnie Soldaten”, in frohem Marſchrhyihmus beginnend und
tief=
ernſt ſcließend, dabei aber doch den liedhaſten Charakter bewahrend.
Bei dem frohen Lied „Hab Sonne im Herzen” ergaben ſich nicht
genü=
gend Steigerungen für eine gauz geſchloſſene Wirkung. Es folgte ein
Zyklus von 5 Geſängen von W. Rinkens, die ſchlicht liedhaft geſtaltet
ſind, dabei aber durh modern=romantiſche Harmonik ſehr große
Anfor=
derungen an die Ausführenden ſtellen. So verdient es allergrößte
An=
verkennung, wie ausgezeihnet „Sonnenuntergang” wiedergegeben
wurde. Jedes Lied iſt ein abgeſchloſſenes Stimmungsgemälde, am
ſtärkſten wirkte „Auf ferner Wacht‟. Noch ein beſonders reizvolles Werk
von Rinkens kam zum Schluß zu Gehör, in dem alle Regiſter fröhlichſten
Humors und draſtiſche Charaiteriſtik gezogen ſind, ſo daß Lie begeiſtert
Beifall ſpendenden Zuhörer eine Wiederholung erzuangen. Der Verein
umrahmte ſeine Darbie=ungen mit den Sängerſprüchen des Deutſchen
und des Heſſiſchen Sängerbundes. Auch in dieſem Konzert durfte man
mit dem Beſuch zufuieden ſein.
A
In der Otto=Berndt=Halle ſang der „Frohſinn” Neu=Iſenburg (80
Sänger) unter Leitung des Chormeiſters Georg Caeſar, Frankfurt a.M.
Das ganze Konzert war Friedrich Silcher gewidmet, dem großen Meiſter
auf dem Gebiete des Volksliedes. 10 ernſte und heitere Volksweiſen
wurden in Dialektform zu Gehör gebracht. Un ſie drangen in ihrer
gewillten Herzlichkeit und Anmut, welche die Wiedergabe in erquickendſter
Weiſe zum Klingen zu bringen verſtand, in die Herzen der dankbaren
Zuhöver.
Sonderkonzert 10: Bauerſcher Geſangverein E. V. Gießen.
Unter Leitung von Chormeiſter Otto Görlach=Gießen gab der
Bauerſche Geſangverein Gießen in der Otto=Bernd=Halle ein Konzert,
in dem das Volkslied in neueren Bearbeitungen zum Teil
kontrapunk=
tiſcher Art zu Gehör kam. Der Verein zeichnet ſich durch vorzügliche
Stimmbildung, ein wundervolles piano und feine dynamiſche
Schattie=
rung ſeines Geſanges aus, die vorbildliche Ausſprache ermöglicht es,
dem Text auch ohne Programm zu folgen, und der Klang iſt in
hervor=
ragender Weiſe abgerundet. Mehr herkömmlicher Art war die erſte
Gruppe von Bearbeitungen durch Marſchner—Laugs, Ph. Wofrum und
F. Hannemann, die in ſchlichter Harmonie, aber reiche Klangfarben
aufweiſendem Satz gehalten ſind. Die ausdrucksvolle Farbengebung des
Chorbaſſes veranlaßte, daß „Hab” mein Wagen vollgeladen” wiederholt
werden mußte. Als beſonders ſtimmungsvoll ſeien dann
hervorge=
hoben die Volksliedbearbeitungen von Georg Wohlgemuth, denen ſich
Meiſter Auguſt Othegraven mit ſeinem feinen Gefühl für rhythmiſche
Pikanterie und virtuoſe Deklamation anſchloß. „Geſtern bei
Monden=
ſchein” und „Zwiſchen Berg und tiefem Tal” erwieſen ganz beſonders
die glänzende Schulung des Vereins, das letztere mußte wiederholt
wer=
den. Größten Jubel erregte naturgemäß der „Jäger aus Kurpfalz”,
deſſen Bearbeitung durch Othegraven geradezu klaſſiſch genannt werden
kann und mit eine neue Art der Volksliedbearbeitung ins Leben rief.
Zuletzt trug der Chor in gleicher Vollendung zwei Bearbeitungen von
W. Moldenhauer, vor, die zwar beide verhältnismäßig ſchlicht gehalten
ſind, aber doch in vielen Einzelheiten den Meiſter der
Volksliedvaritio=
nen erkennen laſſen. Dem überaus ſtarken Beifall, den die Geſänge
fanden, dankte der Verein durch eine Zugabe.
Sonderkonzert 11: Union=Club Wetzlar.
Das letzte Konzert in der Otto=Berndt=Halle wurde von dem
vor=
züglichen Unionklub Wetzlar unter Herrn Lehrer Hugo Lotz
veranſtal=
tet. Schubert, Schumann und Mendelsſohn waren die Meiſter, deren
unvergleichliche Kunſt zu einem zahlreichen Publikum ſprach. Iſt auch
der Stil dieſer frühen Romantiker unſeren Sängern vertraut, ſo
ge=
hören trotzdem manche ihrer Kompoſitionen zu den ſchwierigſten
Auf=
gaben, die man einem Chor ſtellen kann. So hörten wir außer der
herrlichen „Nacht” das ſeltener geſungene wundervolle Grab und
Mond”, in dem Schubert überaus kühne Modulationen und
enharmo=
niſche Verwechſlungen anwendet. Um ſo ſtärker iſt hervorzuheben, daß
dies Lied in Technik, Klang und Vortrag meiſterhaft geſungen wurde.
Mit Klavierbegleitung — von einem ungenannten Spieler in
ausge=
zeichneter Anpaſſung ausgeführt — folgte ſodann Schuberts „Dörfchen”
und der herrliche „Nachtgeſang im Walde‟. Hier wirkte das ſtarke
An=
ſchwellen der gehaltenen Akkorde gegen Schluß um ein Weniges
über=
trieben. Von Schumann hörten wir dann „Der träumende See” in
hervorragender Ausführung, darauf das ſchwierige fünfſtimmige
Ritor=
nell „Die Roſe ſtand im Tau” welches nach Schumanns Vorſchrift in
verſchiedener dynamiſcher Schattierung dreimal zu Gehör gebracht
wurde. Sodann mit Klavierbegleitung der friſche Waldchor aus „Der
Roſe Pilgerfahrt” und das unverwüſtliche „Zigeunerleben”, eines der
populärſten Werke des Meiſters. Beſonders hervorzuheben war hier
die vorzügliche Ausſprache und der packende Rhythmus, mit dem die
Ballade wiedergegeben wurde, der in der Begleitung noch durch Triangel
und Trommel unterſtützt wird. Wenn frühromantiſche Meiſter geboten
wurden, darf Mendelsſohn=Bartholdy nicht fehlen, der Meiſter des
Chorklangs im Männerchorſtil, der wohl von allen Romantikern die
größte Wirkung auf die ihm folgende Komponiſtengeneration gehabt
hat. Ein überaus charaktervolles Werk iſt ſein „Türkiſches
Schenken=
lied”, das beſonders fein vorgetragen wurde, während. Liebe und
Wein” nicht zu den hervorſtechenſten Kompoſitionen des Meiſters
ge=
hört. Auch machten ſich hier gewiſſe Ermüdungserſcheinungen bei den
Sängern geltend. Alle Darbietungen des ausgezeichneten Vereins
wur=
den mit lebhafteſtem Beifall bedacht.
Sonderkonzert 13: Liederkranz Darmſtadt.
Als zweites Konzert hörten wir in der Turnhalle am
Woogs=
platz die Darbietungen des Liederkranz‟ Darmſtadt unter
Kapell=
meiſter Friedel Fiſcher Er hatte ſich Werke moderner Art
aus=
gewählt, die jedoch nicht außerhalb der Bahnen der ſeitherigen
Entwicklung ſtanden, ſondern durch reichere Stimmführung die
romantiſche Harmonik intereſſanter zu geſtalten ſuchen. Zuerſt
hörten wir zwei Chöre von Walter Schultheß, beide mit Orcheſter,
ondichtungen über Eichendorff’ſche Texte, die in ſinnig feiner
Weiſe die Dichtung ausdeuten. Dann kam der leider viel zu früh
verſtorbene W. Moldenhauer mit zwei ſeiner Volkslied=
Varia=
tionen zu Gehör, einer Form, die der Komponiſt vielfach mit
größ=
tem Erfolg für ſeine Kompoſitionen gewählt hat. Er übergibt
von Strophe zu Strophe einer Stimme die Volksliedmelodie und
läßt die anderen Stimmen ſich kontrapunktiſch darum ranken,
wo=
bei ſie den Inhalt der Strophen in geradezu genialer Weiſe malen.
Auf dieſe Weiſe gelingen Moldenhauer Steigerungen
erſtaun=
lichſter Art, und wir ſtehen nicht an, ſowohl „Barbaroſſa” als
auch den „unerbittlichen Hauptmann” zu den beſten und
originell=
ſten Männerchor=Kompoſitionen zu zählen, welche die letzte Zeit
hervorgebracht hat. Sie ſind unbegleitet, wie auch die
Kompo=
ſitionen von O. Siegel. Intereſſiert. Ich hab ein dunkles ſeidenes
Band” durch eigenartige Harmonik bei verhältnismäßig ſchlichtem
Satz, ſo wird der feine Humor von „Der Mond ſteht ſchief” auch
zum Teil durch Rhythmik und Kontrapunktik hervorgebracht. „Die
Sonne ſchlägt die Nacht in Scherben” iſt vollſtändig polyphon
ge=
halten, ſteigert ſtark dadurch, daß das „in Scherben ſchlagen” breit
ausgeführt iſt und ſchließt endlich ganz harmoniſch.
Be
ſonders ſtarken Eindruck hinterließ das letzte Werk,
Mor=
genlied” von Eichendorff in der Vertonung von Friedel Fiſcher
für Männerchor und Orcheſter. Es erſcheint faſt wie ein kühnes
Unterfangen, den von Julius Rietz ſo klaſſiſch komponierten Text
nochmals zu vertonen, aber Kapellmeiſter Fiſcher iſt ſein Werk
ausgezeichnet gelungen. Schlicht liedhaft beginnt die erſte Strophe,
der ſich die anderen dann in ſtets neuer, poetiſcher Art anſchließen,
wobei es zu mächtigen Steigerungen kommt, deren Höhepunkt die
prächtig klingende Stelle „will ich, Herr Gott dich loben hier
bildet. Die letzte Strophe beginnt melodiſch wie die erſte, bringt
dann nochmals eine wirkungsvolle, friſchklingende Steigerung und
klingt ſehr fein in einigen Takten Orcheſternachſpiel aus. Chor
wie Orcheſter ſind virtuos vom Komponiſten behandelt und haben
überaus dankbare Aufgaben. Iſt das Werk auch nicht
ausgeſpro=
chen modern in ſeinem Stil, ſo iſt es doch ſo ſtarker Wirkung
ſicher, daß man es leiſtungsfähigen Vereinen, die mit Orcheſter
ſingen, empfehlen kann. Der „Liederkranz” machte dem
vorzüg=
lichen Ruf, den er als einer der erſten der Darmſtädter Vereine
beſitzt, alle Ehre und ſang mit größter Sicherheit und
Klang=
ſchönheit. Wenn bei den ſchwierigen Variationen kleine
Trübun=
gen vorkamen, ſo zeigte es ſich hier wie auch in allen anderen
Konzerten, in denen Modernes geboten wurde, daß unſere Sänger
ſich nur allmählich an den neuen Stil gewöhnen. Jedoch bewies
das hervorragende Gelingen gerade dieſes Konzertes, daß der
„Liederkranz” in dieſer Richtung ſchon die entſcheidendſte Arbeit
getan hat. Daß Friedel Fiſcher das Landestheater=Orcheſter zur
Verfügung hatte, ſicherte natürlich den Kompoſitionen mit
Beglei=
tung von vornherein ſtärkſten Erfolg, denn die Künſtler des
Orche=
ſters bewährten ſich hervorragend.
Sonderkonzert 14: Vereinigte Männergeſangvereine: „Eintracht”,
„Frohſinn”, „Melomanen”, Darmſtadt und „Liederkranz”
Her=
gershauſen.
Im Mathildenhöhſaal vereinigte der Ehrenchormeiſter Guſtav
Adam, Darmſtadt, die Männergeſangvereine=
„Eintracht”, „Frohſinn”,
„Melomanen‟ Darmſtadt, und „Liederkranz” Hergershauſen (160
Sän=
ger) zu einer Vortragsfolge, die zwei Wiener Meiſtern des Chorgeſangs
gewidmet war: F. W. Niemeher und Richard Heuberger. Adam iſt
ein Muſiker von anerkannter Qualität; er war bis vor kurzem Tuba=
Bläſer im Landestheater=Orcheſter und als ſolcher einer der erſten
Vir=
tuoſen ſeines Faches. Kein Wunder, daß unter ſolcher Leitung das
Kon=
zert (beſonders gefreut haben wir uns über die ausgezeichnete
Wieder=
gabe des „Nachtwandlers” und „Der fahrende Muſikant” von Heuberger)
den Ausführenden und den Komponiſten vollen Erfolg brachte.
Sonderkonzert 15: Sängerluſt Dieburg.
Anſchließend an dieſes Konzert folgte im Mathildenhöhſaal eine
Darbietung der „Sängerluſt‟ Dieburg (100 Sänger) unter Leitung des
Chrenchormeiſters Muſikdirektors A. Simmermacher, Darmſtadt.
Dieſer temperamentvolle Dirigent hat den Großen Zug; Balladen”
gelingen ihm vorzüglich; „Kaiſer Karl” von Hegar namentlich und
ebenſo
„Hermanns Freiheitskampf” von Schudt waren famos;
aber die leichten Volksliedervorträge, „Fuhrmannslied” „Lützolvs wilds
verwegene Jagd” von K. M. Weber.
Nummer 193
Sonntag, den 14. Juli 1929
Aus der Landeshauptſtadt.
S
Darmſiadt, 14 Juli.
Die neuen Skraßenbahnwagen.
beſchafft und zum Teil ſchon in Betrieb genommen. Mit dieſer
In=
betriebnahme wird hoffentlich auch eine Verkehrsverbeſſerung im
Straßenbahnbetrieb nicht mehr lange auf ſich warten laſſen.
Die neuen Wagen ſind in ihrer Form und Ausſtattung ſehr elegant
und vorteilhaft. Sie bieten Raum für 22 Sitzplätze, die in der Mitte
der Wagen als Querſitze angeordnet ſind, und einer größeren Awzahl
Stehplätze auf den Plattformen, um dem ſtarken Verkehr, weliher zu
gewiſſen Tageszeiten auſtritt, gerecht werden zu können.
Die innere Ausſtattung der Wagen beſteht aus Mahagoni, die der
Plattformen aus Teakholz, das, ſauber poliert, einen ſehr ſchönen und
vornehmen Eindruck macht. Die Sitze ſind als Lederpolſterſitze
aus=
geführt. Jeder Fahrgaſt fühlt ſich in den neuen Wagen wohl, es darf
deshalb auch die Bitte eingeflochten werden, die Wageneinrichtung im
Intereſſe aller möglichſt zu ſchonen. Man laſſe die Kinder ſich nicht
auf die Sitzplätze ſtellen, man ſtelle feuchte (Obſt=/Tüten nicht auf die
Plätze und halte überhaupt die „Polſterklaſſe” rein, damit die
Be=
ſehmutzung der Kleider anderer Fahrgäſte vermieden wird.
Nun noch einige3 über die Einrichtung der neuen Wagen: Außen
ſind in Abweichung zu den alten Elektriſchen ſogenannte „
Filmſtrecken=
ſchilder” eingebaut, die für alle Richtungen eingeſtellt und abends
be=
lejſchtet werder können. Die Wagen ſind mit Spiegelſcheiben verſehen,
faſſen bedeutend mehr Fahrgäſte als die älterer Konſtruktion und ſind
beſſer gelüftet. Auch moderne elektriſche Heizung für den
Winter=
betrieb iſt eingebaut. Weiter ſind bedeutende techniſche Fortſchritte
feſt=
zuſtellen, die ganze eler riſche Einrichtung der Wagen entſpricht , dem
neueſten Stande der Technik. Um dem heute herrſchenden ſtarken
Straßenbahnverkehr gereiht zu werden, ſind die Wagen mit elektriſchen
Sehienenbremſer ausgerüſtet, die in Gefahrfällen den Bremsweg des
Wagens bedeutend verkürzen. In beſenderen Notfällen kann die
„Sandſtreu” in Tätigkeit treien. Bei nötigem plützlichen Anhalten
er=
tönt bei Auslöſung der „Notbreurſe
— das ſind dier ſchtvere Brentst
klötze, die der Fahrer durch einen Handgriff löſen kann — ein
Klingel=
ſignal. Die Innenbeleuchtung der Wagen iſt vorteilhaft ſeitlich
an=
gebracht. Ein ſicheres und bequemes Fahren in den neuen Wagen iſt
durchaus gewährleiſtet.
Geliefert wurden dieſe Wagen von der Firma Vereinigte. Weſt
deutſche Waggonfabriken Gebr. Gaſtell in Mainz=Mombach (6 Wagen)
und von der Firma Maſchinenfabrik Augsburg=Nürnberg in Nürnberg
(ebenfalls 6 Wagen). Die Preßteile für die Laufgeſtelle zu den Wagen
wurden von der Maſchſinenfabrik Augsburg=Nürnberg, Werk
Guſtads=
burg, geliefert. Die elektriſche Ausrüſtung der Wagen erfolgte durch die
Firma Siemens=Schuckert=Werke in Berlin=Siemensſtadt.
— Erledigte Stellen. An der Volksſchule in Mainz ſind folgende
Stellen endgüiltig zu beſetzen: 6 Schulſtellen für katholiſche Lehrer,
4 Schulſtellen für katholiſche Lehrerinnen, 4 Schulſtellen für evangeliſche
Lebrer, 1 Shulſtelle für eine evangeliſche Lehrerin, 2 Schulſtellen für
freirel. Lehrer, 1 Schulſtelle für einen iſraelit. Lehrer. Wohnungen
werden von der Stadt Mainz beſchafft.
Der Verband der Kriegsbeſchädigten und Kriegerhinterbliebenen
der Kriegerkameradſchaft „Haſſia — Ortsgruppe Darmſtadt — hatte die
einzelnen Obmänner der Vereine und die Vereinsvorſitzenden eingela
den, um die Ortsgruppe auf eine breitere und geeignetere Grundlage zu
ſtellen. Einſtimmig wurde folgender Vorſtand gebildet: Kamerad Dipl.=
Lehrer Dr. Baſſelli, Volkswirt, Rhönring 48, erſter Vorſitzender;
Kamerad Nungeſſer, Eſchollbrücker Straße 44, zweiter
Vorſitzen=
der; als Beiſitzer die Kameraden: Kaufmann Laudel, Saalbauſtr. 48,
Soſtſekretär Ihrig, Schwanenſtr., Kriegsblinder Hoffmeiſter,
Valdkolonie, ſowie Eiſenbahnbeamter Momm, Wendelſtadtſtraße.
Weitere Kameraden und Hinterbliebenen der einzelnen Vereine werder
in den Vorſtand aufgenommen. Das weitere wird der erſte Vorſitzende
mit den Vereinen regeln. Kamerad Dr. Baſſelli dankte für das
Ver=
trauen und gab den Arbeitsplan für das zweite Halbjahr bekannt. Aus
den Ausführungen iſt zu erſehen, daß der neue Vorſitzende eine rege
Tätigkeit entfalten wird. Er wird bei ſtädtiſchen und ſtaatlichen
Be=
hörden ſowie bei den Verſorgungsbehörden alle Maßnahmen ergreifen,
um die Lage der Kriegsopfer, Unfall= und Sozialrentner und der übri=
W
* Sieuer= und Wirkſchaftskalender
Ausſchneiden
Aufbewahren!
für die Zeit vom 16. bis zum 31. Juli 1929.
15. Juli: Ablauf der Schonfriſt für die am 10. Juli 1929 fällig geweſene
Umſatzſteuer=Voranmeldung und Vorauszahlung.
15. Jul:: Zweite Halbjahresrate der Aufbringungszinſen für 1929.
15. Juli: Ablauf der Schon= und Mahnfriſt für das 1. gemeindliche
Ziel der Gemeinde=, Kreis= und Provinzialumlagen für da
Rechrungsjahr 1929 in der Stadt Darmſtadt (grauer
Steuer=
beſcheid),
20. Juli: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom 1. bis 15.
Juli 1929 erfolgten Lohnzahlungen im Markenverfahren und
im Ueberweiſungsverfahren; im letzteren jedoch nur dann,
wenn die in der erſten Hälfte des Kalendermonats
einbehal=
tenen Lohnſteuerbeträge für ſämtliche in einem Betrieb
be=
ſchäftigten Arbeitnehmer den Betrag von 200 RM. überſtiegen
haben. (Keine Schonfriſt.)
25. Juli: 2. (gemeindliches) Ziel der Gemeinde=, Kreis= und
Provinzial=
umlagen für das Rechnungsjahr 1929. Grauer Steuerbeſcheid.
Schonfriſt bis 5. Auguſt 1929.
25. Juli: Zahlung der Müllabfuhr=, Straßenreinigungs= und
Kanal=
benutzungsgebühr in der Stadt Darmſtadt, 2. Ziel laut
Ge=
bührenbeſcheid. Schonfriſt bis 5. Auguſt 1929.
Endgültige Gewerbeſteuer für 1928, gemeindlicher Anteil;
1. Ziel der Filialſteuer in Darmſtadt für 1929; Beiträge zur
Handwerkskammer für 1929, 1. Ziel.
Bezüglich der vorgenannten Steuern und Abgaben wird auf den
nächſten Steuerkalender verwieſen.
Nächſter Steuerkalender. Der nächſte Steuerkalender wird an dieſer
Stelle erſt am 6. Auguſt erſcheinen können.
H. W. Wohmann.
Seite 7
45
Santn4
9183 a)
dienen der Gesundheit
Literatur C 133 kostenlos!
„Chaoaffa: Schuhges. m. b. H.
Darmstadt, (rheinstr. 6 neben dem U. I.
Frankfurt/Main, Steinweg 8
gen Oilfsbedurftigen zu beſſern. Die Namen der Vorſtandsmitglieder
und der Vorſitzenden bürgen für ſegensreiche Arbeit. Die ſachliche
Be=
ratung und beſonders die Vertretung vor den Verſorgungsgerichten
wird der Geſchäftsführer der Landesgruppe, Kam. A.
Krömmel=
bein. Darmſtadt, Ahaſtraße 5, übernehmen, und zwar gänzlich
unent=
geltlich. Alle Mitglieder aus Darmſtadt wenden ſich daher von nun
an in Vertretungs= und Beratungsfällen an die Geſchäftsſtelle,
Darm=
ſtadt, Ahaſtraße 5. Der ſelbſtändige kameradſchaftliche Verband der
Kriegsbeſchädigten und Kriegerhinterbliebenen bleibt als ſelbſtändiger
Kriegsopferverein beſtehen unter Führung des ſeitherigen Rechners,
Poſtſekretär Ihrig, Darmſtadt, Schwanenſtraße. Ihm ſtehen die Kam
Dr. Baſſeli und Nungeſſer helfend zur Seite. iDe genannten
Kamera=
den ſind bereit, Neuanmeldungen entgegenzunehmen.
— Das Geſicht iſt der Spiegel der Seele. — Geſicht und Charakter
Wie rriemtiert man ſich ſchnell und ſicher über den Grundcharakter und
die Berufsbegabung eines Menſchen? Ueber dieſes Thema wird am
Dienstag, denr 15. Juli, 20 Uhr, in der Aula des Nealgymnaſiums.
Kirchſtraße 22, der Pſycho=Phyzſiognomiker Richard Glaſer einen
Vor=
trag mit Erkſärungen an Zechnungen und freiwillig ſich meldenden
Perſonen abhalten. Die Geſſchtsausdruckskunde iſt in den letzten Jahren
zu einer methodiſchen, lehrfähigen Wiſſeuſchaft geworden. Wie man
im Geſiht die Willenskraft, Weltanſchauung, Feingefühl, Neigungen
Geſundheit, ſpezielle Begabungen, Widerſtandsfähigkeit, Wohlvollen
nſw. erkennen kann, wird der Referent nach den theoretiſchen Ansfüh
rungen erklären. (Näh. ſ. Anz.
— Orpheun. Sommerſpielzeit Direktor Adalbert Steffter. Heute
Sonntag iſt die letzte Vorſtellung der diesjährigen Spielzeit unter
Lei=
tung von Direktor Adalbe=t Steffter und wird die Operette „Die Frau
ohne Kuß” gegeben, in der Titelrolle mit Nia Urban. Teilnehmer des
Sängerfeſtes haben Preisermäßigung. Der Sonntagskartenverkauf iſt
im Verkehrsbüro von 10—12 Uhr, ferner im Zeitungskiosk gegenuber
dem Verkehrsbüiro von 12—½2 Uhr, bei de Waal, Rheinſtraße, bis
6 Uhr. (Siehe Anzeige.)
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärzt=
liche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen. Wenn
dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 14. Juli 1929
folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr. med. Hein=
Hermann=
ſtraße 25, Tel. 281; Dr. med. Hofmann=Lauteſchlägerſtraße 1e
Tel. 3069; Dr. med. Nebelthau, San.=Rat, Heidelbergerſtraße 7,
Tel. 3061.
Sammeltätigkeit des Inſpektors Seelig in Remſcheid. Nach
Mitteilungen hat ein Inſpektor Seelig in Remſcheid, Lindenſtraße, im
Jahre 1928 ein Unternehmen mit der B zeichnung „Bergiſches
Diako=
niſſenhaus Elim”, Remſcheid, gegründet, deſſen Finanzierung durch
mild=
tätige Gaben erfolgi und das ſich angeblich die koſtenloſe Kranken=
Armen= und Jugendpflege zun: Ziel geſetzt hat. Behördliche
Ermit=
telungen haben ergeben, daß es ſich um ein Schwindelunternehmen
han=
delt. Wohlfahrts= und Krankenpflege wird nicht betrieben. Die von
Seelig angeſtellten fünf Schweſtern befaſſen ſich mit dem Vertrieb der
von ihm herausgegebenen religiöſen Schriften und ſind wegen
unbefug=
ten Sammelns wiederholt beſtraft worden. Sammelliſten werden nicht
geführt, müthin beſteht keinerlei Kontrolle. Falls die
Sammelſchwind=
ler auch hier auftreten ſollten, wird um Benahrichtigung der
Kriminal=
polizei gebeten.
Aus dem Frankfurter Zoo. Von Prinzeſſin zu Solms=
Braun=
fels (Nieder=Ingelheim) wurde dem Frankfurter Zoo als wertvolles
Geſchenk ein nordafrikaniſcher Raubadler überwieſen, der
nachweislich im Alter von 32 Jahren ſteht und eine bemerkenswerte
Lebensgeſchichte hat. Er ſtammt noch von der tuneſiſchen Forſchungs
reiſe des 1904 allzu früh dahingegangenen hochbegabten Zoologen und
Afrikareiſenden Carlo von Erlanger. Im Juni 1897 wurde der Adler
als ſchon ziemlich herangewachſener Neſtvogel in Tuneſien von einem
Beduinenjungen dem auf einem der höchſten Bäume eines
Aleppokiefern=
waldes ſtehenden Horſt entnommen und dem Freiherrn von Erlanger
überbracht, der ihn mit in die Heimat nach Nieder=Ingelheim nahm,
wo der Vogel ſeitdem ſo viele Jahre hindurch gelebt hat. Im Zoo
be=
wohnt dieſer ſchöne Adler, dem man ſein hohes Alter keineswegs
an=
ſieht, einen Käfig gemeinſam mit einem tropiſch=afrikaniſchen Exemplar
derg leichen Art, von dem er ſich durch die viel hellere braune Färbung
ſeines Gefieders leicht unterſcheiden läßt.
Ein Mokorradfahrer beim Einſiedel ködlich verunglückt
In der Nähe des Einſiedel iſt geſtern abend der 21jährige
Schleifer Joſeph Leonhardt aus Langen, der mit einen
Motorrad in der Richtung nach Dieburg fuhr, mit einem
Laſt=
auto zuſammengeſtoßen. Er erlitt einen doppelten Schädelbruch
und ſchwere Beinverletzungen. Die Städtiſche Rettungswache (Tel.
Nr. 600) war alsbald zur Stelle. Er iſt auf dem Transport zum
Städtiſchen Krankenhaus Darmſtadt verſchieden.
— Alt=Darmſtadt, Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Nächſter Vortragsabend Donnerstag, abends 8.30 Uhr, im Ein
trachtsſaal. Vortrag von Herrn Georg Röder über „Bilder aus
der chemiſchen Induſtrie in Vergangenheit und Gegenwart‟. Der
Vor=
trag wird durch Lichtbilder erläutert.
p. Deutſche Geſellſchaft zur Bekämpfung der Geſchlechtskrankheiten
Die 27. Jahresverſammlung findet am 11. und 12. Oktober
in Bad Köſen ſtatt. In derſelben werden zwei Referate erſtattet: „
Pro=
ſtitution und Rechtſprechung” von Geh. Reg.=Rat Miniſterialrat Dr. L.
Schäfer und „Proſtitution und Polizei” von Polizeipräſident Malcher=
Eſſen.
Bp. Ein Unglück verhütet. Das Srielen der Kinder auf der Straße
hat ſchon ſo manches Unglück verurſacht, und die Mahnungen, die faſt
täaligl an die Adreſie der Eſtern gerichtet werden. v
illen in den
meiſten Fällen oyne jede Bechtung. In der Eliſabethenſtraße
ſpiei=
ten Knaben miteinander. Der eine lief auf die Fahrſtraße, den
Auto=
verkehr nieht achtend, neckend nach ſeinem Kameraden ſehend. Da —
im letzten Moment riß ein junger Mann den Jungen zur Seite, der auf
das fortgeſetzte Hupen eines Antos überhaupt nicht achtete, und
be=
wahrte ihr ſo ror ſchwerem Unheil. Eltern und Lehrer ſollten die
Be=
lehrung der Kinder ſehr intenſiv vornehmen, denn die Unachtſamkeit
der Kinder rächt ſich of: bitter.
Nef
Ta de Haise
O
Wanderungen und das Wochenende unerläßlich Chlorodont=
Zahn=
paſte und die dazugehörige Chlorodont=Zahnbürſte mit gezahntem
Borſtenſchnitt zur Beſeirigung fauliger, übelriechender Speiſereſte in den
Zahnzwiſchenräumen und zum We Sputzen der Zähne. Die geſ. geſch
Chlorockont-Zuhnbüirste von beſter Qualität, für Erwachſene
1.25 Mk., für Kinder 70 Pf., iſt in blau=weiß=grüner Original=
Chlorodontpackung in allen Chlorodoat=Verkaufsſtellen erhältlich.
(TV.1015)
Kunſknokizen.
Ueber Werke, Künſkier oder künſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Erwähnung
geſchiebt, bebält ſich die Redaſtion ihr Urieil vor
— Geſicht und Charakter. Wie orientiert man ſich ſchnell
und ſicher übes den Grundcharakter und die Berufsbegabung eines
Men=
ſchen? „Qualitätsleiſtung” iſt die Loſung unſerer Zeit; was
ſoll aus der Kultur des Abeidlandes werden, wenn nicht bald Ernſt
gemacht wird mit den Eignungs= und Prüfungsmethoden? Wir
be=
haupten daß uns das Geſicht, ſowie Kopf=, Körperbau, Gliederbildung
Schrift uſw. uſw. den Qualitätscharakter und den Qualitätsarbeiter
ver=
rät, und wir ſind bereit, denjenigen zu überzeugen, der normale
Auf=
faſſungs= und Beobachtungsfähigkeit beſitzt. Was nützt alles Können
ohne Charakterbildung, und was nützt alle Charakterſchulung ohne
Stei=
gerung der Leiſt ingen, d. h. ohne Qualitätsleiſtung. Jeder ſtrebſame
Menſch ſucht ſich ein ideales Vorbild, eine markante Perſönlichkeit aus
der Vergangenheit oder Gegenwart. Wer will beſtreiten, daß zwiſchen
den Geſichtsformen und der Kopfbildung einerſeits und der Leiſtung,
der Willenskraft, dem ſchöpferiſchen Denken, der Herzensgüte und ſon
ſtiger Eigenſchaften dieſer Perſönlichkeiten ein Zuſammenhang beſteht:
Allerdings iſt dieſer Zuſammenhang bei gewiſſen verſchwommenen Cha
rakteren für den Laien in der Geſichtsausdruckskunde ſchwerer zu
er=
kennen. Aber gerade dort iſt klare Selbſterkenntnis nötig, ebenſo aud
gute Orientierung übr die Menſchen der Umgebung. Wer den Wert
dieſer Erkenntniſſe zu ſchätzen weiß, beſuche den Vortrag des Pſycho=
Phyſiognomikers Richard Glaſer, Frankfurt a. M.=Luzern, am
Dienstag, den 16. Juli, 20 Uhr, im Realgymnaſium (Aula), Kirchſtr. 2
Der Referent wird an Zeichnungen und an freiwillig ſich meldenden
Perſonen aus dem Hörerkreiſe die theoretiſchen Ausführungen erläutern.
Tageskalender für Sonntag, den 14. Juli 1929.
Orpheum, 8.15 Uhr abends: „Die Frau ohne Kuß” —
Kino=
vorſtellungen: Helia= und Palgſt=Lichtſpiele. — 2.
Heſſi=
ſches Sängerbundesfeſt: 7.30 Uhr: KundgeEung des
Bun=
des auf dem Parad platz. / 9.30 Uhr: Vaterländ’iſche Kundgcſbung des
Bunds im Orangeriegarten; 20000 Sänger. 13.30 Uhr: Feſtzug und
Heldenehvung. 18.30 u. 20.00 Uhr: Konzerte in der Fcſühalle."
Feſtplatz: Konzerte: Wiener Kronenbräu=Zelt, Kapelle Weber
(Feſtelatz); Bayer. Bierzelt Rrüß: Konzert (Feſtplatz). —
Lud=
wigshöhe, macm. 4 Uhr: Konzert. — Konzerte: Schloßlaffee
Holel Schmitz, Oberwaldhaus, Wiener Kronenbräuckeller, Reſt. zum
Schiefeiſtein, Spamiſche Bodcc, Rummellbräu, Hotel Prinz Heinrich,
Hotel Poſt, Bismarckeck, Wolkſchlößchen, Zum Schvcnen, Zum
Roſen=
garton.
Aus Heſſen.
Gemüſebau=Kurſusi im Muſter= und Verſuchsguf
der Landwirtſchaftskammer in Groß=Umſtadk.
Vom Dienstag, den 23. Juli bis Donnerstag, den 25. Juli 19.
findet auf dem Muſter= und Verſuchhsgut für Obſt=, Gemüſe= und Wer
bau in Groß=Umſtadt ein dreitägiger Gemüſebaukurſus ſtatt. D
Honorar beträgt für Heſſen 5 Mark, fidr Nichtheſſen 10 Mark. Anme
dungen ſind zu richten an die Landwiltſchaftskammer in Darmſtad
Rheinſtraße 62, bis ſpäteſtens 18. Juli. 1Intereſſierte Landwirte und
Gärtner ſeien hiermit auf dieſen Kurſus höngewieſen, der Gelegenheit
bietet, ſich über die wichtigſten Kulturmaßnahynen im Gemüſebau, über
Schädlingsbekämpfung, Sortierung und Verpadkung uſw. gründlichſt zu
unterrichten.
An. Arheilgen, 11. Juli. Ernte. Bei der beevorſtehenden
Obſt=
ernte wird auch in dieſem Jahre wieder darauf hinlgewieſen, daß bei
Bäumen, welche in unmittelbarer Nähe von elektriſchen Peitungen ſtehen
mit größter Vorſicht in bezug auf das Berühren der Lektung verfahre
werden muß; denn jede Berührung, beſonders der Hochſpadinungsleitut
gen kann einen Unfall, eventuell mit tödlichem Ausgang, zur Folge
haben. Sollte das Ernten des Obſtes nicht ohne Gefahr vordgenommer
werden können, ſo iſt der Direktion der Heſſiſchen Eiſenbahn=Artien=Ge
ſellſchaft Mitteilung zu machen, damit gegebenenfalls eine Ausſchaltun
der Leitung erfolgt. — Am 7. September d. J. beabſichtigen die
Mier=
zigjährigen eine Geburtstagsfeier im Gaſthaus „Zur Sonne” zu
begehen. Zu dieſer gemeinſamen Feier ſind nicht nur die hier Gebö)
re=
nen, ſondern auch auswärts geborene, hier wohnende Altersgenoſſ!*
herzlich eingeladen.
F. Eberſtadt, 13. Juli. Ans dem Gemeinderat. An Stell
des verſtorbenen Gemeinderats Peter Kaltwaſſer 3. rückt von den
Wehlvorfihlag der Sozialdemokratiſchen Partci der Weißbinder Jako
Schmidt, der nach dem Kriege ſchon einmal dem Kollegium an
gebörte, noch. — Beigeordneter Flick beurlanbt. Beigeord
neter Peter Flick iſt zurzeit beurlaubt und hält ſich zur Durchführung
einer Kur, die zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit erforderlich iſt,
in Bad=Nauheim auf. — Odenwaldklub. Die hieſige Ortsgruppe
des Odenwaldklubs unternimmt am niichſten Sonntag (14. Juli) ihre
diesjährige 9. Wanderung, welche die Teilnehmer nach Oppenheim führt.
Abmarſch vormittags 7 Uhr Outsausgang Pfungſtädter Straße.
F. Eberſtadt, 13. Juli. Der letzte Gang. Heute nachm
tag wurden zwei Männer zur letzten Ruhe gebeitet, deren Leben
Tod ein allzu raſches und unewvarietes Ende bereitete. Um 3 U
wurde Chemiker Kcrl Vüchner auf kem alten Friedhof aur 1
Nießer=Ramſtädterſtraße in Darmſtadt beigeſetzt. Neben den engſten
Angehörigen hatte ſi.h eine zahlreiche Trauergemeinde in der
Fried=
hofskapelle eingefunden, um von dem toten Freunde Abſchied zu
neh=
men. Unſerem Ortsgeiſtlihen, Pfarser Paul, war es vorbehalten,
des Gobäichtnis Vüchners in rahten Worten zu feiern und der hart
betroffenen Witwe und den übrigen Hinterbliebenen Worte des Troſtes
zu ſpenden. Nachdem die ſterblichen Reſte im Grabe ruhten, beſchloß der
Geifrliche mit Gebet und dem üblichen Segen die ernſte Jeier. — Einige
Stunden ſpäter fand die Beſtattunn des Gemeinderats Peter
Kalt=
wvaſſer 3. auf dem hieſigen Friedhofe ſtatt. Eine große
Trauerver=
ſammlung hatte ſich eingefunden und folge: dem Sarge, voran
mar=
ſchierten derſchiedene Korporatiowen mit ihren Fahnen. Auch hier hielt
Pfarrer Paul die Grabrede. Der Bürgermeiſter legte einen prachte
vollen Kranz namens der Gemeinde nieder und widmete dem Ver
ſtorbenen einen warmen Nachruf. Gemeimderat Gärtner ſprach
namens der ſozialdemokratiſcſen Gemefunderatsfraktion und bedauerte
in dem Dahingeſchiedenen den treuen Weggenoſſen. Auch er legte einen
Kranz nieder. Weitere Spenden wurden dem Toten gewidmet von
Ge=
meinderat Knodt für das Gewerkſchaftskartell, von Fritz Dächert
fir die Sozialdemokratiſhe Partei, von Gemeinderat Hindermeyer
für den Baugewerksbund, und Pöhlmann für den Geſangverein
Laſſallia”, der ſhm auch das Abſchiedslied ſang, und gleichzeitig auch
für die Bau= und Siedlungsgeneinſchaft, der Kaltwaſſer ſeit
Grün=
dung und als Vorſtandsmitglied angehörte.
Cp. Pfungſtadt, 13. Juli. Rheinfahrt. Die hieſigen Schulen
unternahmen”am Freitag eine Rheinfahrt. An der Fahrt nahmen rund
—500, Linder teil Die Fahrt war vom Metter begüinſtigt. und
er=
reute die Kinder um ſo mehr, da der Muſikverein Pfungſtadt den
flug mitmachte. Die Fahrt ging bis Boppard. — Der Gemein.
rat genehmigte in ſeiner letzten Sitzung den Voranſchlag des ſtädtiſchen
Elektrizitätswerks, der in Einnahmen und Ausgaben mit 140 835,76 Mk.
abſchließt. Außerdem wurde der Voranſchlag des ſtädtiſchen Waſſer
werks mit 33 835,44 Mk. einſtimmig genehmigt. Beide Einrichtungen
ſind für die Gemeinde rentabel. — Altvetranentod. Dieſer Tage
iſt hier und im benachbarten Eſchollbrücken je ein Altveteran geſtorben.
In Pfungſtadt ſtarb Maurermeiſter Georg Crößmann 11. im Alter von
80 Jahren. Der Krieger= und Militärverein gab ihm in der üblichen
Weiſe das letzte Geleit. In Eſchollbrücken ſtarb Altveteran Daniel
Schöcker im Alter von 87 Jahren.
Cp. Pfungſtadt, 11. Juli. Kaufmannsheim. Die hieſige
Orts=
gruppe des D.H.V. (Deutſchnationalen Handlungsgehilfenverbandes) hat
ſeit kurzem in einem Anweſen der Eberſtädterſtraße ein eigenes Heim.
Das Heim iſt äußerſt zweckmäßig und praktiſch eingerichtet. Die
Pfung=
ſtädter Ortsgruppe zählt über 80 Mitglieder.
G. Ober=Ramſtadt, 13. Juli. Klein= und
Sozialrentner=
fürſorge. Die Bezüge der Klein= und Sozialrentner für Monat
Juli werden am Montag, den 15. Juli, vormittags von 8—12 Uhr, bei
Ausflug der
der Gemeindekaſſe Ober=Ramſtadt ausgezahlt.
Schulen. Die in Ausſicht genommene Rheinfahrt der hieſigen
Schul=
klaſſen findet nun beſtimmt am Dienstag, den 16. Juli, ſtatt. Nebel
den Kindern haben ſich auch Erwachſene in großer Zahl als Teilnehmer
gemeldet. Die Abfahrt erfolgt vom hieſigen Bahnhof mit dem
fahr=
planmäßigen Zug 4.51 Uhr vormittags, da das Schiff ſchon um 7 Uhr
in Mainz zur Aufnahme bereit ſteht. Um Gelegenheit zum Beſuche der
Burg Rheinfels zu bieten, wird auf der Talfahrt in St. Goar angelegt.
Nun herrliches Sommerwetter, und man wird beſonders den Kindern
eine Freude bereiten, deren ſie ſich noch in ſpäteren Jahren gerne
erin=
nern werden. — Der urſprünglich für Sonntag, den 14. Juli,
vorge=
ſehene Ausflug des Ortsgewerbevereins nach Neunkirchen, Winterkaſten,
Lindenfels mußte beſonderer Umſtände halber verlegt werden und findet
nun am Sonntag, den 21. Juli, ſtatt. — Wie die Württemberger,
beab=
ſichtigen nun auch die hier zahlreich wohnenden Badener einen
Heimat=
verein zu gründen. Zu dieſem Zweck hielten ſie am letzten Freitag
Bahnhofskaffee (Dorn) eine Verſammlung ab. — Am Sonntag, den 28.
Juli, hält die Turngeſellſchaft e. V. Ober=Ramſtadt in ihrer Turnhalle
bzw. auf dem Turnplatz an der Roßdörferſtraße ihr diesjähriges
Som=
merfeſt ab. Die Vorbereitungen hierfür ſind in vollem Gange und
laſſen auf eine jedermann befriedigende Veranſtaltung ſchließen.
Nachdem die Kirchenſteuerbeſcheide für 1929 in dieſen Tagen den
Pflich=
tigen zugeſtellt worden ſind, können Anträge um Ermäßigung der
Steuer, in Fällen beſonderer Notlage von Dienstag, den 16., bis
ein=
ſchließlich Freitag, den 19. Juli, jeweils nachmittags von 2—5 Uhr, im
Pfarrhauſe vorgebracht werden. Beſchwerden wegen etwaiger falſcher
Berechnung der Steuer ſind nur an das Finanzamt Darmſtadt=Land
zu richten.
Bk. Groß=Zimmern, 13. Juli. Bürgermeiſterwahl am
4. Auguſt und Kandidaten. Wie man vernimmt, ſind bis jetzt
folgende Kandidaten zur Bürgermeiſterwahl aufgeſtellt: Der
Landtags=
abgeordnete Hein=ich Angermeier 5., Landwirt; der
Bürgermeiſterober=
ſekretär Kapp von der Evangeliſchen Volksgemeinſchaft, der Fabrikant
Michell von der Demokratiſchen Partei, der Bauunternehmer Georg
Reitzel 9. von der Sozialdemokratiſchen Partei. Nach Beſchluß des
Ge=
meinderats der Gemeinde Groß=Zimmern vom 28. Juni 1929 findet am
Sonntag den 4. Auguſt, von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr,
die Bürgermeiſterwahl ſtatt. Die Abſtimmung erfolgt in den bekannten
durch die Axe der Mittelſtraße getrennten beiden Wahlbezirken, Nr. 1
im Nathausſaal und für den Wahlbezirk Nr. 2 im oberen Saal der
Schule Angelſtraße 18. Endtermin der Einreichung von
Wahlvorſchlä=
gen iſt Montag, der 22. Juli, nachmittags 5 Uhr, bei dem
Wahlkom=
miſſar. Stimmberechtigt iſt, wer am Wahltage 20 Jahre alt iſt und
ſechs Monate in Groß=Zimmern ununterbrochen wohnt. Wählbar iſt
jeder Stimmberechtigte, der am Wahltage das 25. Lebensjahr vollendet
hat und nicht von der Stimmberechtigung ausgeſchloſſen iſt. — Der Tag
einer eventuell ſtattfindenden Stichwahl, die u. E. beſtimmt ſtattfindet,
iſt der 18. Auguſt d. Js.
Cnemellausonschaff zanteweile lände
und einen jugendtelschen veinenſeint.
(I. 2642
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Menſchen, weiſch.—Seite 4
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leſtäges Tioßes Fenerwerk (54 Nummern) bildet den Schluß
Lbt.
Jeßchnntag, den A. Juli: Wekruf, Nirchgang, Konzert
Seit.
Atüßyzug, Gedenkfeier am Keiegerdenkmal. Auf dem Feſt=
Vabepsgen, Feſtrede, gehalten von Herrn Pfarrer Becker=
*
und Chorlieder der Gefangvereine.
Eu,
nd fand unter dem
Nee e ehe
Heile ahl des Denkmalblatzes. Nachdem infolge verſchiedener Sch rig=
Liedi der beſtgeeignete Platz in den neu zu ſchaffenden Bahnhofsau nen
Wegfall kam, wurden von dem Denkmalausſchuß der Schloßplatz nd
tus Gelände gegenüber der Einfahrt zum Krauß=Hofmannſchen H. aſe
vorgeſchlagen. Der Gemeinderat ſtimmte nach Ausſprache dem letzten
Proiekt zu, da in der Tat eine ganz geringe Auswahl an geeigneten
Plätzen vorhanden iſt. Ein Geſuch des Hch. L. Schäfer aus
Schaaf=
heim, der um Konzeſſion eines Wirtſchaftsbetriebes in der
Aſchaffen=
burger Straße gegenüber der Kaſerne bittet, wird genehmigt. Die
Be=
dürfnisfrage wird bejaht, da dort ſchon über 30 Jahre eine
Gaſtwirt=
ſchaft beſtand. — Der tragiſche Unglucksfall, der den Faſelwärter A.
Geißler als Todesopfer forderte, macht die Neubeſetzung dieſer
Stelle alsbald notwendig: 16 Bewerber haben ſich gemeldet. Nach
Ab=
ſtimmung wurde Wilh. Gräf proviſoriſch zum Faſelwärter gewählt.
Die ſeitherige jährliche Beſoldung von 1800 Mart ſoll bei einem
Be=
ſchäftigungsgrad ron 75 Prozent und freier Wohnung beſtehen bleiben.
Die Wohnung im Gemeindehaus ſoll dem Gewählten möglichſt bald
zur Verfügung geſtellt werden. Dem Ankauf eines Kiefernackers ſoll
nach Abſchätzung durch das hieſige Forſtamt nähergetreten werden. Nach
Verleſung eines Schreibens betr. Vogelſchutz auf Friedhöfen, beſchließt
die Gemeindevertretung, die Weißbinderarbeiten zur äußeren Herſtellung
des Schlachthauſes und der Höheren Bürgerſchule erſt nach Rückſprache
mit dem Hochbauamt Dieburg zu vergeben.
Cd. Michelſtadt, 13. Juli. Vom Kurtheater. Seit längerer
Zeit wirkt hier ſchon ein Kur= und Waldtheater, deſſen künſtleriſches
Streben volle Anerkennung verdient. Unter Leitung des Direktors K.
Süßenguth wurden ſchon ganz hervorragende künſtleriſche Leiſtungen
geboten, und wäre es zu wünſchen, wenn der Beſuch der Veranſtaltun= ziert und geſchmückt, die Wäſche vielfach mehrfarben. An Deckchen,
Kiſ=
gen, deren Bedeutung man für Michelſtadt als Luftkurort doch nicht ſen, Kleidern, Zeitungshaltern uſw., konnte man die verſchiedenſten Ar=
—Verkehrsverbeſſerung. Die Bürgermeiſterei Michelſtadt rerin, Frl. Bergmann, unterrichtet ſeit Frühjahr, und die Verwaltung
andere Orte im Odenwald wichtig ſein dürfte. Die Bekantmachung hat daß ſie in der Wahl derſelben eine ſo glückliche Hand hatte.
Wefſeln. i. I. . 1o29h,
Epangeliſchen Bundes. Unſer Städtchen iſt für heuer
aus=
erſehen, vom 10—12. Auguſt die Jahresverſammlung des Evangeliſchen
Bundes für Heſſen zu beherbergen, und nach einer kürzlich ſtattgehabten
Vorbeſprechung tagte vorgeſtern die hieſige Ortsgruppe, erweitert durch
die Vertreter der Vereine, im Kaffee Sattler zwecks Beſprechung des
Nötigen. Für die in Betracht kommenden Gebiete wurden
Kommiſſio=
nen gebildet, und hauptſächlich der Quartierausſchuß ſoll alsbald mit
ſeiner Tätigkeit beginnen. Die Tagung wird eine glanzvolle werden,
die hieſigen und die Vereine des ganzen Kirchſpiels werden ſich an dem
für den Feſtfonntag geplanten Zug durch unſere Straßen beteiligen.
Das Programm ſteht in ſeinen großen Umriſſen feſt, es liegt nun an
dem Ausſchuß, es in all ſeinen Teilen durchzudenken und auszuarbeiten
daß dann alles klappt. Da der zweite Vorſitzende der Ortsgruppe durch
Wegzug ausgeſchieden iſt, wurde Neuwahl vorgenommen, dieſelbe fiel
auf Herrn W. H. Breimer 2., der ſich zur Annahme bereit erklärte.
Seidenbuch, auf der das 200 Einwohner zählende Dorf liegt, hat kaum
30 Morgen Grundfläche. Es fällt der Gemeinde deshalb ſchwer, die
Ausgaben für Verwaltung, Schule, Ortsſtraßen uſw. durch Steuern
auf=
zubringen, da die Einwohner meiſt Steinhauer Taglöhner und
Minder=
bemittelte ſind. Die Förſterei liegt auf der Gemarkung Wald” zählt
aber zur Gemeinde. Hier ſind Recht= und Pflichtverhältniſſe nicht
im=
mer klar zu trennen, weshalb es kommunalpolitiſch und
verwaltungs=
techniſch zu begrüßen wäre, wenn dem Antrag von Regierungsſeite aus
ſtattgegeben würde. Der Wald bleibt ſelbſtverſtändlich, entgegen anders
lautenden und verbreiteten Gerüchten, ſtaatlicher Beſitz. Der
Kreisaus=
ſchuß hat in ſeiner letzten Sitzung den Antrag befürwortet. Seither
mußte der Kreis immer der Gemeinde einen Zuſchuß gewähren, der
dann vielleicht nicht mehr nötig iſt.
Auf der Reiſe,
auf der Wanderung, in der Sommerfriſche wollen Sie Ihren
Körper kräftigen. Die Sommermonate ſollen Ihnen eine Reſerve
an Kraſt für das ganze Jahr geben. Sie wollen ſich ausruhen
und geſund und munter wieder in die Heimat und an die Arbeit
zurückkehren. Dazu hilft Ihnen die konzentrierte Kraftnahrung
ovomaltine, die Sie jederzeit bei ſich führen und leicht
zubereiten können.
In Apotheken und Drogerien vorrätig: 250 gr Büchſe RM. 2,70, 500 gr
(I.6277
RM. 5.—, Gratisproben und Druckſachen durch:
Dr. A. Wander G. m. b. H., Oſthofen=Rheinheſſen
m. Beerfelden, 13. Juli. Verſchiedenes. Gelegentlich des
Marktes hatte die hieſige Handarbeits= und Nähſchule in ihrem
Arbeits=
ſaal in der Gewerbeſchule eine Ausſtellung veranſtaltet, die viele
In=
tereſſenten, vornehmlich weibliche, anzog. Das Ganze bot, geſchmackvoll
angeordnet und mit Blumen und Grün vervollſtändigt, einen ſehr
hüb=
ſchen und anziehenden Anblick. Auf Tiſchen ausgebreitet lagen Deckchen,
Kiſſen, Wäſche aller Art, in den verſchiedenen moderen Stickarten ver=
de Perderennen in Erhach i. Len.
am 28. Juli.
b. Erbach i. O., 13. Juli. Große Ereigniſſe werfen ihre Schatten
voraus, und da nimmt es nicht wunder, wenn man allgemein den
Er=
bacher Rennen am 28. Juli mit größter Spannung und Erwartung
ent=
gegenſieht, ſind es doch die erſten öffentlichen Rennen in Heſſen mit
Totaliſatorbetrieb, die von der oberſten Behörde mit Vollblutzucht und
Rennen in Berlin genehmigt ſind. Ein langer Weg iſt es, den der
Odenwälder Neiterverein bis dahin zurückgelegt hat, aber die
inten=
ſiven Bemühungen der Veranſtalter ſind nicht vergeblich geweſen, und
nunmehr ſind die öffentlichen Rennen in Erbach zur Tatſache geworden.
Auf dem tadellofen, durch den langen Regen elaſtiſch gewordenen
Ge=
läuf der Rennbahn werden ſich ſpannende Kämpfe abſpielen, da mit
einer vorzüglichen Beſetzung der Rennen zu rechnen iſt. Der rührige
Verein hat in Verbindung mit der Stadtverwaltung Erbach die
Nennbahn in einen ausgezeichneten Zuſtand verſetzt und verſchiedene
zweckdienliche Neuerungen der Anlagen geſchaffen. Den
Tribüinen=
beſuchern iſt zum erſten Male hier Gelegenheit gegeben, in
unmittel=
barer Nähe der Tribünen an der Oſtſeite in einem neu erbauten,
ſchmucken Totaliſatorhäuschen ihre Wetten auf die einzelnen Pferde zu
tätigen. Das vorzüglich geſchulte Perſonal des Frankfurter Nennklubs
wird den techniſchen Betrieb des Totaliſators übernehmen, ſo daß eine
volle Gewähr für eine glatte und einwandfreie Durchführung des
Wett=
betriebs vorausgeſagt werden kann. Sattelplatz, Waage und Führring
ſchließen ſich unmittelbar an, wodurch eine beſonders zweckmäßige und
überſichtliche Anordnung des geſamten Rennbetriebs getroffen wurde.
Eine Anzahl großer Nummern bzw. Startertafeln künden dem
Publikum die jeweils ſtartenden Pferde an, ebenfalls zeigen große
Tafeln die Ergebniſſe des Rennens bzw. die Totaliſatorquoten an. Es
iſt ſomit dem Publikum Gelegenheit geboten, ſich aufs beſte über die
Vorgänge beim Rennen unterrichten zu laſſen.
Als bedeutende Neuerung auf der Erbacher Rennbahn iſt die
Schaf=
fung einer Jagdrennbahn zu bezeichnen. Dieſelbe iſt für die zu
erwar=
tenden Jagdrennen geſchaffen und mit feſt eingebauten natürlichen
Hin=
derniſſen verſehen.
Das Programm des 28. Juli umfaßt ſechs Rennen, von denen zwei
für Vollblut und drei für Halbblut vorbehalten ſind. Das einleitende
Flachrennen „Preis vom Mümlintal” iſt nicht öffentlich, und den
Ver=
tretern unſerer einheimiſchen Pferdezucht, den Oldenburgern,
vorbehal=
ten. Mit dem „Odenwald=Flachrennen” beginnen die öffentlichen Rennen
mit Totaliſatorbetrieb. Es folgen das „Eulbacher Markt=
Hürdenren=
nen” (für Vollblut), das „Ehrenpreis=Flachrennen”, der „Preis der
Stadt Erbach” (Jagdrennen für Vollblut) und das „Graf Eberhard=
Erinnerungs=Jagdrennen”, das dem Andenken des im Kriege gefallenen
Grafen Eberhard zu Erbach gewidmet iſt und mit Ehrenpreiſen des
Grafenhauſes dotiert iſt.
Der Nennungsſchluß für die Halbblutrennen hat ein
ausgezeich=
netes Ergebnis gezeitigt, der Nennungsſchluß für die Vollblutrennen
iſt noch nicht bekannt geworden, da dieſe Nennungen hierfür in Berlin
beim Unionklub direkt abgegeben werden mußten. Eine ganze Anzahl
ausgezeichneter Halbblutrennpferde ſind für die Erbacher Rennen in=
folgenden Wortlaut: „Wir machen die Bevölkerung darauf aufmerkſam,
daß es ſich bei Reiſen nach Darmſtadt und Frankfurt empfiehlt, die neue
Verkehrsverbeſſerung zu benutzen, die es ermöglicht, in Darmſtadt um nimmt in bezug auf die Menge einen ſehr befriedigenden Fortgang; die
und im Anſchluß an einen bis Höchſt durchgeführten Triebwagen Ge= wicklung der Beeren ſehr vorteilhaft. Die reiche Ernte hat aber ein
legenheit bietet, mit Kraftwagen von Höchſt ab noch bis Michelſtadt und
wenn er um 2005 Uhr in Frankfurt abfährt, umgekehrt iſt es jetzt weiteren Rückgang auf 17 Pfa. Damit wird bald die Grenze erreicht
nach Höchſt den Anſchluß an den Triebwagen in Höchſt z.
Dorf in ſeinem ſtillen Waldtälchen an dieſem Tage bot, iſt anderen lichen Behang.
Orten als muſtergültig gegenüber zu ſtellen, nicht übertrieben. Einfach
dort die Hauptſache. Solche Orte ſind in der heutigen Zeit wahrhaft ſitzende der landv. Kommiſſion erſtattete Bericht über den Holzertrag
beneidenswert.
b. Erbach i. Odw, 13. Juli. Eulbacher Markt. Die
Stadt=
verwaltung rüſtet wiedee zu dem bekannten, größten Volksfeſt des
Odenſvaldes, dem Eulbache Markr. Seit nahezu 130 Jahren beſtehr
Lieſer Markt und erfceut ſich nich= nur beim Odenwälder Publikum,
ſondern auch weit über deſſen Grenzen hinaus ſtets wachſender
Beliebt=
heit. Die Marktverwpaltumg hat bisher ſtets an den alten
Ueberliefer=
ungen feſtgehalten und den Markt jeweils an den beiden letzten
Sonn=
tagen des Monats Juli veranſtaltet. Der Charakter des Volksfeſtes hat
ſich bis zum heutigen Tage erhalten. Die Stadtverwaltung verſuchte
bisher, nur das Volksfeſt in Verbindung mit anderen Veranſtaltungen
durchzuführen, um Sdamit den Markt zu fregventieren. Dieſe
Ver=
ſince reigen bis zum Jahre 1910 zurück. Der Gedanke, am zweiten
Markttag ein Pferderenner abzuhalten, fand überall Anklang.
Durch=
geführt vom Odenwälder Reiterverein, konnten ſich dieſe Pferderennen
bis zum heutigen Tage erhalten. Veſonders in der Nachkriegszeit
terſtand es die Stadtverwaltung, untes Führung ihres Bürgermeiſters
Dengler nicht nur die Pierderennen kedeutend auszubauen und zu
ver=
beſſern, ſondern auch den Martt zu vergrößern und die Beſucherzahl
weſentlich zu erhöhen. Au 3. Markttag fand in den letzten Jahren ſtets
eine beſondere Veranſtaltung (Flugiport, Faſchirmabſprunge uſw.) ſtatt.
in dieſem Jahre erfahrar die Veranſtaltungen des Odenwälder
Neiter=
vereins eine kedeutende Erweiterung. Die Stadt Erbach kät bekanntlach
im Jahre 1937 inihrem 80 000 Quadratmeter großen Sport= und
Er=
helungspark eine 1000 Mster lange Pferderennbahn geſchaffen, die
als einzige in Teſſen von der oberſten Reunbehörde in Berlin fur große
Pferderennen zugelaſſen worden iſt. Abweichend von der bisherigen
Gepflogenheit, die Pferderennen nur am zweiten Markttage zu
veran=
ſtalten unternimmt der Odenwälder Reiterverein erſtmals den Verſuch,
am 28. Juli große Pferderennen (öffentliche Rennen) durchzuführen.
Das bekannte hiſtoriſche Volksfeſt findet am 21., 29. und 98. Juli ſtatt,
Am 22. Juli veranſtaltet der Odenwälder Reiterverein Schaufahren,
ländliche Pferdekonkurrenzen und Halbblüterrennen. Als
Hauptanzieh=
ungspunkt dürfen aber die großen Pferderennen am dritten Markttage
angeſehen werden. Dieſe Veranſtaltung bildet ein Ereignis für ganz
Heſſen, werden doch erſtmals in Heſſen Pferderennen nach den
Beſtim=
mungen der oberſten Rennbehörde zur Durchführung gebracht. Neben
Vollblutrennen finden am 3. Markttag auch Halbblutrennen ſtatt. Für
den größten Teil der Marktbeſucher dürfte auch die Einrichtung des
Totaliſators eine Seltenheit darſtellen. Die bis jetzt vorliegenden
Nen=
nungen laſſen auf intereſſante reitſportliche Ereigniſſe ſchließen. Am 28.
Juli findet vormittags auf dem Hauptkampffeld des Sport= und
Er=
holungsparks das Entſcheidungsſpiel um die ſüddeutſche
Pokalmeiſter=
ſchaft im Handball zwiſchen dem Sportverein 1898 Darmſtadt und dem
1. FC. Nürnberg ſtatt. Den Sportfreunden des Odenwaldes wird damit
die ſeltene Gelegenheit geboten, einem äußerſt intereſſanten und
ſpannen=
den Spiele beizuwohnen. Den Beſuchern des Eulbacher Marktes
er=
warten daneben aber auch frohe und genußreiche Stunden in dem alt=
E=Lannten Kreisſtädtchen Erbach mit ſeinen weltberühmten Sammlungen
im gräflichen Schloß. Jahraus jahrein wird die Stadt Erbach
anläß=
lich des Eulbacher Marktes von Tauſenden beſucht. Die diesjährigen
Veranſtaltungen werden ſicherlich dazu beitragen, die Zahl der Beſucher
weiterhin zu vermehren.
4. Seidenbuch, 13. Juli. Gemarkungsvereinigung. Die
hieſige Gemeinde hat ſich veranlaßt geſehen, einen Antrag zu ſtellen, daß
die Gemarkung „Seidenbucher Wald” mit der Gemarkung „Seidenbucher
Gemeinde” vereinigt wird. Ehemals waren beide wohl eine Gemarkung, ſind beigetreten 32, dagegen insgeſamt ausgeſchieden 38, ſo daß am
Code des 18. Jahrhunderts wurde am Fuße des damals pfälziſchen
Ges eine Glasbrennerei eingerichtet, die zur Gründung des Dorfes
„enbuch, im Volksmund noch immer die „Glashütte” genannt, führte.
urch Beſitzerwechſel wurde das Gebiet 1994 heſſiſch. Der Wald ging
als eigene Gemarkung in fiskaliſchen Beſitz über. Die Gemarkung
unterſchätzen ſollte, etwas beſſer würde. Auch die vorgeſtrige Auf= ten der Zierde durch Malereien bewundern, ferner Häckel= und
Strick=
führung „Der Weibsteufel” von Dr. Schönherr kann ſich den voran= arbeiten in Seide und Wolle; ſehr mannigfaltig war auch die Auswahl
gegangenen würdig zur Seite ſtellen. Gerade dieſes Stück, daß die in bezug auf gleider für Erwachſene und Kinder. Natürlich kann hier
Verhältniſſe zwiſchen Schmuggler und Grenzüägern behandelt, ſtellt an nicht eine fachmänniſche Beſprechung Platz finden, wohl aber ſoll die
die Nerven der Darſteller ungeheure Anforderungen, und wurden die Reichhaltigkeit und Schönheit des Ausgeſtellten angedeutet und damit
Darſteller für ihr lebenswahrees Spiel durch lebhaften Befall belohnt, die Leiſtungsfähigkeit der Schule charakteriſiert ſein. Die neue
Leh=
erließ in den letzten Tagen eine Bekanntmachung, die auch joch für der Handardbeits= und Nähſchule kann Befriedigung darob empfinden,
m. Vom ſüdlichen Obenwald, 13. Juli. Die Heidelbeerernte
21.16 Uhr ab Hauptbahnhof, um 21.33 Uhr ab Oſtbahnhof abzufahren, vereinzelten Negengüſſe am Sonntag und Montag wirkten auf die Ent=
Nachlaſſen der Preiſe im Gefolge, von 30 Pfg. pro Pfund in voriger
Erbach zu fahren. Wer vonFrankfurt kommt, erreicht dieſeVerbindung noch. Woche brachten die letzten Tage einen Sturz auf 20 Pfg. und einen
möglich, unter Benutzung der Kraftpoſt um 21.42 Uhr ab Micheltadr ſein, denn wenn einmal das Pflücken ſich durch Verkauf gar nicht mehr
reichen, der rentieren will, dann machen die Pflückenden Wein oder kochen ſelbſt die
Früchte ein.
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den. Durch den ausgiebigen Regen der letzten Tage haben ſich die Feld= Bensheim, bereitete den Gäſten einen herzlichen Empfang in Form einer
— Micheltadt i. D., 13. Juli. Aus dem Bezirke, der ſrüchte gut entwickelt und man darf mit einer ewiebigen Ernte rechmnen, leinen Feier im „Kaiſerhof. „Herr Kreisvorſitzender DingesBob=
„Haflig” Michelſtadt=Erbach. Der Kriegerverein Kimbach Im Gegenſatz zu anderen Gebieten iſt unſere Gegend zum Glick bis ſtadt, begrüßte in einer Anſprache die Gäſte, wie auch Herr
Grtzgrub=
hielt am Sonntag unter Beteiligung des Bezirksvorſtandes, der Nach= jetzt von ſchweren Wettern verſchont geblieben. Der Anſatz der Aepfel, penvorſitzender Wegerle denſelben für den freundlichen Beſuch herzlich
bar=Vereine Momart, Vielbrunn und König und ſeiner eigenen anderen iſt ſtellenwpaiſe gut, bleibt aber weit hinter den Erwartungen zurück, dankte. Frl. Bopp. Leiterin des Frauenvereins, hielt einen längeren
Vereine eine ſchlichte aber würdige Gefallenen=Gedenkfeier, verbunden Biunen ſind weniger günſtig, doch verſpricht das Steinohſt einen fehr Vortrag, dabei Zweck und Ziele des Junglandbundes behandelnd, und
mit Dekorierung alter, verdienter Mitglieder ab. Was dieſes einfache guten Ertrag, insbeſondere zeigen die Zwetſchenbäume einen reich= darauf hinweiſend, daß auch Bauer und Bäuerin ſtets lernen müſſen,
W. Heppenheim a. b., B., 13. Juli, Stadtverordneten= nung: Heraus aus den Ställen zu Sport und Spiel, zur Ertüchtigung
und ſchlicht, aber herzlich und voll Einigkeit verlief die Feier. Vom ſitzung. Unter dem Vorſitz des Herrn Birgermeiſterz und in An= von Körper und Geiſt. Schritt halten mit der Neuzeit und ihren Er=
Arbeiter bis zum Bauern beteiligten ſich die Bewohner in dem einen wueſenheit ſämtlicher Beigeordneten und 20 Stadträten fand eine öffent= rungenſchaften, ſchloß ſie ihre Nede, die mit ſtarkem Beifall
aufgenom=
großen Gedanken der Kameradſchaft, und dem hohen Ziele der Haſſia, liche Sitzung des Stadtrats ſtatt. In die Tagesordnung eingetreten, men wurde. Herr Dinges ſprach der Leiterin Dank und Anerkennung
der Vollsgemeinſchaft. Nicht die Politik ſteht da im Mittelpunkte des erſtattete der Vorſitzende zunächſt den Venualtungsbericht für 1933. So= für ihre treflichen Worte aus, und bei Muſik, Gedicht= und Geſangs=
Intereſſes, ſondern der Friede und die Einigkeit der Bevölkerung iſt dann wurde der Waldwirtſchaftsplan für 1930 beſprochen. Der Vor=
zwiſchen genannt worden, aus denen wir einige der beachtenswerteſten
herausgreifen; ſo Oberſtleutnant von Vignaus „Landgraf” und
Auguſte‟, Gallos „Heimlich” CTrakehnen). Feutners „Harri” Graditz),
Erbgraf zu Erbach=Erbachs Trakehner „Jenny Lind” und „Erlkönig”,
Erbgräfin zu Erbach=Erbachs Trakehner „Oberin”, Stall Buchmüller
mit den Trakehnern „Hellfeher” und „Hildburg”, aus dem Saargebiet
der Stall Ranker mit „Delicieur” und „de Masnuy”, der Stall Münch
mit „Ehrentraut” und Bergfink” (Trakehnen). Paul Heils „Frechdachs”
(Hannober) und „Martell”, Oberleutnant Schäffers „Bella” und andere
mehr.
So ſtehen denn intereſſante ſportliche Kämpfe in Ausſicht, und nach
den umfangreichen Vorbereitungen, des Odenwälder Reitervereins zu
ſchließen, wird — ſchönes Wetter vorausgeſetzt — am 28. Juli mit einer
ſportlichen Veranſtaltung, wie ſie Heſſen noch nicht erlebt hat, zu
rechnen ſein.
Bm. Hofheim (Nied), 13. Juli. Landw. Beſuch. Der zurzeit
auf einer Durchwanderung durchs Heſſenland befindliche
Hausfrauenver=
ein Main=Kinzigtal (Geſchäftsſtelle Hanau), traf vorgeſtern hier zu
einem kurzen Beſuch ein. Dieſe modernen Landwirtstöchter aus ver
ſchiedenen Orten ihrer Heimatgegend, durchwandern unſer Heſſenland,
gend, wie überhaupt die
Bauer
im abgelaufenen Jahre und im 10jährigen Wirtſchaſtsplan. Es wurde
feſtgeſtellt, daß in den letzten Jahren zu viel Holz gefällt worden iſt,
ſo daß nun in den nächſten 2 Jahren je 180 Feſtmeter eingeſpart werden
zuiſſen Außerdem müſſen in fünf Wäutſchaftsjahren 760 Feſtweter
Windfallholz eingeſpart werden. Unter Streichung verſchiedener Punkte
für Waldwegneubau und herſtellung wird der Waldwirtſchaftsplan
gut=
geheißen — Der Voranſchlag für 1929 wird nach eingehender
Verg=
tung mit 13 gegen 11 Stimmen abgelehnt.
1. Von der Bergſtraße, 12. Juli. Auf einer vom Heſſiſchen
Kultus=
miniſterium veranſtalteten Lehrwanderung beſuchten über 100
Naturwiſſenſchaftler, darunter Forſtleute, Botaniker, Meteorologen,
Zoologen und Mitglieder der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde den
fremdländiſchen Wald des Grafen von Berckheim bei Weinheim. Unter
Führung des Forſtrates Fabrie ius vom Forſtamt Weinheim
wur=
den die prachtvollen Beſtände von kaliforniſchen Flußzedern,
Kolorado=
tannen und Mammutbäumen, ſowie anderen ſeltenen Koniferen in
Augenſchein genommen. Forſtrat Fabrieius gab über die Vorgeſechichte
und wirtſchaftliche Bedeutung des Exotenwaldes erſchöpfenden Aufſchluß
und erwarb ſich dadurch den Dank der Gäſte, in deren Namen Profeſſor
Kallenbach aus Darmſtadt ihm herzlichen Dank ſagte. Am Schluß
ſtattete man dem Schloßpark des Grafen Berckheim einen Beſuch ab
und beſichtigte mit großem Intereſſe die dort ſtehende uralte
Libanon=
zeder, deren Gipfel vor einigen Jahrzehnten durch Blitz abgeſchlagen
worden war.
Von der Bergſtraße, 13. Jukäi.
Gen Sc unr 1 e eſäf e in Santſthingetie
Hiermit iſt eine ſeit faſt 100 Jahren beſtehende Fabrik und zugleich
eine der älteſten deutſgen Aktiengsſellſchaften aufgelöſt. Zu
Linuida=
toren wurden beſtimut: Gemneralkonful Reiſer=Eeidelberg und
Fabrik=
direktor Oldenbürger=Mannheim.
— Hirſchhorn, 13. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
12. Juli 0,84 Meter, am 13. Juli 0,82 Meter, morgens 5 Uhr.
— Gernsheim, 13. Juli. Waſſerſtand des Rheins am
12. Juli 104 Meter, am 13. Juli 0,91 Meter, morgens 5 Uhr.
Gernsheim a. Rh.. 13. Juli. Im erſten Rechnungsvierteljahr
1929, d. i. vom 1. April bis Ende Juni 1929, wurden in hieſiger
Her=
berge insgeſamt 651 Wanderer verpflegt. Die Zahl verteilt ſich auf
562 Wanderer über 20 Jahre und 89 Wanderer unter 20 Jahre —
An=
läßlich der Ausſtellung kirchlicher Kunſtgegenſtände in Amſterdam hat
der hieſige Bildhauer Adam Winter große Erfolge erzielt. Selbſt ein
führendes Amſterdamer Blatt erwähnt in einem Zeitungsartikel die
Kunſt und Geſchicklichkeit des Herrn Bildhauers Winter. Wir freuen
uns über den ehrenden Erfolg des noch verhältnismäßig jungen
Künſtlers.
Ca Lorſch, 13. Juli. Aus der Bilanz der Volksbank Lorſch e. G.
m. b. H. in Lorſch für 1928 intereſſieren folgende Zahlen:
Geſchäftsgut=
haben der Mitglieder 34 973 23 RM. Bankſchulden und eigene Akzepte
74 9689,76 RM. Spareinlagen 47 592,49 RM., Geſamtabſchluß 219 970,88
RM. Stand der Mitglieder anfangs 1928 398, im Laufe des Jahres
1. Januar 1929 verblieben: 323 Mitglieder. Die Höhe des
Geſchäfts=
anteils beträgt 300 RM. die Anzahl der gerichtlich übernommenen
Ge=
ſchäftsanteile 350; die Höhe der Haftſumme 500 RM. für jeden
Ge=
ſchäftsanteil, was einen Geſamtbetrag von 175 000 RM. ergibt, für den
die Genoſſen haften.
R
R
um wirtſchaftlich der heutigen Zeit gewachſen zu ſein. Mit der
Mah=
vorträgen und einem Tänzchen verlief die Feier fehr angenehm. Ueber
den hieſigen Empfang ſprachen ſich die Gäſte ſehr befriedigt aus.
Bm. Hofheim (Ried), 13. Juli. AusdemGemeinderat Aus
der letzten Gemeinderatsſitzung wäre zu berichten: Vor Gintritt in die
Tagesordnung wurden die neuen Gemeinderäte Geora Krebs 2. (Lobd.)
und Philipp Gberts (D.V.P.) eingeführt und verpflichtet. Zwecks
end=
gültiger Regelung der Feldſchützenfrage war Herr Chriſt vom
Kreis=
amt Bensheim erſchienen, welcher eingehende Erläuterungen gab über
diesbezigliche geſetzliche Beſtimmungen, wonach derartige Stellen vor
allem durch einen Verſorgungsanwärter Ghier Hahl) zu beſetzen ſind.
Nach dieſer Klarlegung zogen ſich Zentrum, Bauernbund und
Volks=
partei zur Beratung zuuück und ſtellten alsdann den Antrag: Die beiden
Hilfsfeldſchützen ſollen bis 31. Dezomber d. J. im Dienſte bleiben. Hahl
ſoll dunch das Kreisgeſundhetsamt unterſucht und eotl, eingeſtellt
wer=
den. Gegen dieſen Antrag wurde Einſpruch erboben, da 3 Feldſchützen
in punkto Bezahlung für die Gemeinde zu viel ſind. Darauf ſtellte
Ge=
meindergt Braun den Antrag, die beiden Stellen als Beamtenſtellen
zu ſtreichen, da die dritte Stelle ausgeſchrieben werden müſſe. Herr
Chriſt erklärte darauf, daß Hahl auch hierbei in Frage käme, da das
Fürſorgaumt eingreifen würde. Der Antrag Braun wurde mit 8:3
Stimmen angenonumen und läuft die Sache weiter. — Betreffs Ankaufs
von Straßengelände in der Hindenbungſtraße beſchloß der Gemeinderat,
die Steffanſtraße zu vermeſſen. — Die Vergütung der Nathaus=
Putz=
frau wurde von 10 auf 15 Mk. erhöht. — Unterſtützungen uſwv. wurden
in gehimer Sitzung erledigt. Jugendlicher Selbſtmörder
Im nahen Vürſtadt erhängte ſich der 14jährige Willi Wedel im Hauſe
ſeiner Eltern an einem Bettſtollen. Was den Jungen veranlaßt hat,
freiwillig aus dem Leben zu ſcheiden, ſt nicht näher bekannt.
Br. Egelsbach, 13. Juli. Der für heute geblante Schulausflug an
den Rhein mußte bis nach den Ferien verlegt werden, da das Schiff,
das dazu benutzt werden ſoll, zurzeit in Reparatur iſt. Die Ferien
be=
ginnen heute und dauern vier Wochen.
By. Langen, 13. Juli. Herr Karl Traſer verunglückte mit ſeinem
Motorrad in Frankfurt an der Ecke Kaiſerſtraße und Neue Mainzer
Straße, indem ihn ein Auto, das von der Elektriſchen erfaßt worden
war, zur Seite ſchleuderte und überfuhr. Mit ſchweren inneren
Ver=
letzungen wurde er ins Krankenhaus gebracht. — Die Ferien an der
hieſigen Real= und Volksſchule haben heute begonnen. An erſterer dauern
ſie vier Wochen, an letzterer drei Wochen.
Kt
Oberheſſen.
h. Friedberg, 12. Juli. Die Renobierung der Kirche
im benachbarten Gettenau ſoll nunmehr in Kürze begonnen
Kirche im benachbarten Gettenau ſoll nunmehr in Kürze begonnen
werden. Zu den Arbeiten an dem altehrwürdigen Gotteshaus, das im
Jahre 1486 erbaut wurde, hat die Gemeinde einen Zuſchuß von 8000
Mark bewilligt.
h. Gießen, 13. Juli. Eine Kreislehrerverſammlung
findet am nächſten Mittwoch im Kaffee Leib ſtatt. Es handelt ſich
da=
bei um die Wahl des erſten und zweiten Kreisvorſitzenden und die
Wahl des Vertreters der Junglehrer. — 2 Monate Gefängnis
wegen fahrläſſiger Tötung erhielt vom hieſigen
Schöffen=
gericht ein Autoführer aus Rodheim v. d. H., der in Dorn=Aſſenheim
im letzten Februar einen 85 Jahre alten Mann zu Boden rannte und
ſo ſchwer verletzte, daß er eines qualvollen Todes ſtarb. — Zur
Beſich=
tigung des Tierzuchtinſtitutes auf dem Oberen Hardthof trafen
vorgeſtern 35 Mitglieder des Reichelsheimer Pferdezuchtvereins ein. Sie
waren über das, was ihnen auf dem Gebiete der Tierzucht geboten
wurde, außerordentlich befriedigt.
h. Alsfeld, 13. Juli. Sein goldenes Arbeitsjubiläum
konnte geſtern der Werkmeiſter Georg Bindewald begehen. Der Jubilar
iſt ſeit 50 Jahren in der Hornwarenfabrik Raab tätig.
½
[ ← ][ ][ → ]Nummer 193
Sonntag, den 14. Juli 1929
Gt. 2
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C-das neue Spül=
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gungsmittelder Henkelwerke
zum Spülen, Aufwaschen und
Reinigen!
*
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Wan=
nen, Mops, Aufspiil-, Putz- und
TR
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angeschmutzten, wertetteten oder
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verschmierten Cegenstände und.
Küchengeräte, auch Stein= und Fliesenböden
reinigt Ogründich undrasch. 1EßlöffelGauf
10 Liter —1Eimer Wasser — das ist das rich=
(ist zugleich ein ideales Reinigungsmittel für alle
stark beschmutzten und verschmierten Cegenstände
aus Glas, Porzellan, Metall, Stein, Pliesen, Marmor,
Holz usw Für Aluminium besonders geeignet.
Ihr zeitsparender Flelter sei
Seite 8
Sonntag, den 14. Juli 1929
Numnter 193
eiten. Das Kreisamt
Cp. Dieburg, 13. Juli Ausverkaufszgge Inventur= und
Saiſon=
at für den Kreis Dieburg angeordnet, daß di uern, in Babenhauſen vom
usverkäufe in Groß=Umſtadt bis 19. Juli daich und die übrigen Orte des
9. Juli bis 10. Auguſt und für Dieburg,sf”
ur zirkskriegerfeſt. Am
Kreiſes vom 25. Juli bis 7. Auguſt.
Le. Groß=Umſtadt, 13. Juli. BKärunſeres Städtchens das Bezirks=
9. und 21. Juli findet in den Mauernart—Babenhauſen ſtatt. Mit
dem=
riegerfeſt des Bezirks Groß=Umſtade en hieſigen Vereine, die dem
Haſſia=
iben ſind die Jubelfeiern der beide Es feiert nämlich der Kriegerverein
ges und der Militärverein ſein
erband angehören, verbunden.
zroß=Umſtadt ſein 55jährieffeſt. Die meiſten Groß=Umſtädter
0jähriges Stiftungsbekungen der verſchiedenſten Art das Feſt
Vereine werden durs Darbieäiſt” zu geſtalten ſuchen. Nach den bis jetzt
zu einem „Umſtädter Volksfg ſi iſt mit einer recht ſtarken Beteiligung der
eingegangenen Anmeldungsde echnen. Die Feſtfolge ſieht für Samstag, den
ausärtigen Vereine zu P Apfenſtreich, Feſtzug nach dem herrlich gelegenen
1 Juli vor: Großer Bp Tal. Darbietungen des Athletenklubs, des
Feſtplatz im RaibachF9 beiden Nadfahrervereine und Chorlieder dreier
Turnvereins und Leöar großes Feuerwerk (54 Nummern) bildet den Schluß
Geſangvereine. Ein FSonntag, den 21. Juli: Wekruf, Kirchgang, Konzert
Groß=Umſtadt nhauſen, 13. Juli. Am Donnerstag abend fand unter dem
r. Baben5 Herrn Bürgermeiſters Rühl eine Dringlichkeits=
Vorſitz des des Gemeinderats ſtatt. Man beſchäftigte ſich zunächſt ſchuß hat in ſeiner letzten Sitzung den Antrag befürwortet. Seither
ſitzung erleſung eines Schreibens vom Artillerieverein ehem. 6ler mit
nach Ve' ahl des Denkmalplatzes. Nachdem infolge verſchiedener Schwierig= dann vielleicht nicht mehr nötig iſt.
der Wii der beſtgeeignete Platz in den neu zu ſchaffenden Bahnhofsaulagen
keite/ WWegfall kam, wurden von dem Denkmalausſchuß der Schloßplatz und
in / „s Gelände gegenüber der Einfahrt zum Krauß=Hofmannſchen Hauſe
d7 vorgeſchlagen. Der Gemeinderat ſtimmte nach Ausſprache dem letzten
Projekt zu, da in der Tat eine ganz geringe Auswahl an geeigneten
Plätzen vorhanden iſt. Ein Geſuch des Hch. L. Schäfer aus
Schaaf=
heim, der um Konzeſſion eines Wirtſchaftsbetriebes in der
Aſchaffen=
burger Straße gegenüber der Kaſerne bittet, wird genehmigt. Die Be=
Geißler als Todesopfer forderte, macht die Neubeſetzung dieſer
Stelle alsbald notwendig; 16 Bewerber haben ſich gemeldet. Nach
Ab=
immung wurde Wilh. Gräf proviſoriſch zum Faſelwärter gewählt.
Die ſeitherige jährliche Beſoldung von 1800 Mark ſoll bei einem
Be=
ſchäftigungsgrad ron 75 Prozent und freier Wohnung beſtehen bleiben.
Die Wohnung im Gemeindehaus ſoll dem Gewählten möglichſt bald
zur Verfügung geſtellt werden. Dem Ankauf eines Liefernackers ſoll Dr. A. Wander G. m. b H., „hofen=Rheinheſſen
nach Abſchätzung durch das hieſige Forſtamt nähergetreten werden. Nach
Verleſung eines Schreibens betr. Vogelſchutz auf Friedhöfen, beſchließt
die Gemeindevertretung, die Weißbinderarbeiten zur äußeren Herſtellung
des Schlachthauſes und der Höheren Bürgerſchule erſt nach Rückſprache
mit dem Hochbauamt Dieburg zu vergeben.
Cd. Michelſtadt, 13. Juli. Vom Kurtheater. Seit längerer
Zeit wirkt hier ſchon ein Kur= und Waldtheater, deſſen künſtleriſches
Streben volle Anerkennung verdient. Unter Leitung des Direktors K.
Süßenguth wurden ſchon ganz hervorragende künſtleriſche Leiſtungen
eboten, und wäre es zu wünſchen, wenn der Beſuch der
Veranſtaltun=
den, deren Bedeutung man für Michelſtadt als Luftkurort doch nicht
unterſchätzen ſollte, etwas beſſer würde. Auch die vorgeſtrige
Auf=
führung „Der Weibsteufel” von Dr. Schönherr kann ſich den
voran=
gegangenen würdig zur Seite ſtellen. Gerade dieſes Stück, daß die
Verhältniſſe zwiſchen Schmuggler und Grenzjägern behandelt, ſtellt an
die Nerven der Darſteller ungeheure Anforderungen, und wurden die
Darſteller für ihr lebenswahrees Spiel durch lebhaften Beifall belohnt.
Verkehrsverbefſerung. Die Bürgermeiſterei Michelſtadt
erließ in den letzten Tagen eine Bekanntmachung, die auch nroch für
andere Orte im Odenwald wichtig ſein dürfte. Die Bekantmachung hat
folgenden Wortlaut: „Wir machen die Bevölkerung darauf aufmerkſam,
daß es ſich bei Reiſen nach Darmſtadt und Frankfurt empfiehlt, die neue
Verkehrsverbeſſerung zu benutzen, die es ermöglicht, in Darmſtadt um
21.16 Uhr ab Hauptbahnhof, um 21.32 Uhr ab Oſtbahnhof abzufahren,
und im Anſchluß an einen bis Höchſt durchgeführten Triebwagen
Ge=
legenheit bietet, mit Kraftwagen von Höchſt ab noch bis Michelſtadt und
Erbach zu fahren. Wer vonFrankfurt kommt, erreicht dieſeVerbindung noch,
wenn er um 20.05 Uhr in Frankfurt abfährt. Umgekehrt iſt es jetzt
möglich, unter Benutzung der Kraftpoſt um 21.42 Uhr ab Michelſtadr
nach Höchſt den Anſchluß an den Triebwagen in Höchſt zu erreichen, der
(0
in
adt=Oſt um 23.27 Uhr, in Darmſtadt=Ghle,uim.
Ze.*8
auch
zu machen.
Michelſtadt i. O., 13. Juli. Aus dem Bezirke der
„Haſſia” Michelſtadt=Erbach. Der Kriegerverein Kimbach
hielt am Sonntag unter Beteiligung des Bezirksvorſtandes, der
Nach=
bar=Vereine Momart, Vielbrunn und König und ſeiner eigenen anderen
Vereine eine ſchlichte aber würdige Gefallenen=Gedenkfeier, verbunden
mit Dekorierung alter, verdienter Mitglieder ab. Was dieſes einfache
Dorf in ſeinem ſtillen Waldtälchen an dieſem Tage bot, iſt anderen
Orten als muſtergültig gegenüber zu ſtellen, nicht übertrieben. Einfach
und ſchlicht, aber herzlich und voll Einigkeit verlief die Feier. Vom
Arbeiter bis zum Bauern beteiligten ſich die Bewohner in dem einen
großen Gedanken der Kameradſchaft, und dem hohen Ziele der Haſſia,
der Volksgemeinſchaft. Nicht die Politik ſteht da im Mittelpunkte des
Intereſſes, ſondern der Friede und die Einigkeit der Bevölkerung iſt damn wurde der Waldwirtſchaftsplan für 1930 beſprochen. Der
Vor=
dort die Hauptſache. Solche Orte ſind in der heutigen Zeit wahrhaft ſitzende der landv Kommiſſion erſtattete Bericht über den Holzertrag
beneidenswert.
m. Beerfelden, 13. Juli. Jahresverſammlung des
Evangeliſchen Bundes. Unſer Städtchen iſt für heuer
aus=
erſehen, vom 10.—12. Auguſt die Jahresverſammlung des Evangeliſchen
Bundes für Heſſen zu beherbergen, und nach einer kürzlich ſtattgehabten
Vorbeſprechung tagte vorgeſtern die hieſige Ortsgruppe, erweitert durch
die Vertreter der Vereine, im Kaffee Sattler zwecks Beſprechung des
Nötigen. Für die in Betracht kommenden Gebiete wurden
Kommiſſio=
nen gebildet, und hauptſächlich der Quartierausſchuß ſoll alsbald mit
ſeiner Tätigkeit beginnen. Die Tagung wird eine glanzvolle werden,
die hieſigen und die Vereine des ganzen Kirchſpiels werden ſich an dem
für den Feſtfonntag geplanten Zug durch unſere Straßen beteiligen.
Das Programm ſteht in ſeinen großen Umriſſen feſt, es liegt nun an
dem Ausſchuß, es in all ſeinen Teilen durchzudenken und auszuarbeiten,
daß dann alles klappt. Da der zweite Vorſitzende der Ortsgruppe durch
Wegzug ausgeſchieden iſt, wurde Neuwahl vorgenommen, dieſelbe fiel
auf Herrn W. H. Breimer 2. der ſich zur Annahme bereit erklärte.
Seidenbuch, auf der das 200 Einwohner zählende Dorf liegt, hat kaum
30 Morgen Grundfläche. Es fällt der Gemeinde deshalb ſchwer, die
Ausgaben für Verwaltung, Schule, Ortsſtraßen uſw. durch Steuern
auf=
zubringen, da die Einwohner meiſt Steinhauer, Taglöhner und
Minder=
bemittelte ſind. Die Förſterei liegt auf der Gemarkung „Wald”, zählt
aber zur Gemeinde. Hier ſind Recht= und Pflichtverhältniſſe nicht
im=
mer klar zu trennen, weshalb es kommunalpolitiſch und
verwaltungs=
techniſch zu begrüßen wäre, wenn dem Antrag von Regierungsſeite aus
ſtattgegeben würde. Der Wald bleibt ſelbſtverſtändlich, entgegen anders
lautenden und verbreiteten Gerüchten, ſtaatlicher Beſitz. Der
Kreisaus=
mußte der Kreis immer der Gemeinde einen Zuſchuß gewähren, der
Auf der Reiſe,
auf der Wanderung, in der Sommerfriſche wollen Sie Ihren
Körper kräftigen. Die Sommermonate ſollen Ihnen eine Reſerve
an Kraſt für das ganze Jahr geben. Sie wollen ſich ausruhen
dürfnisfrage wird bejaht, da dort ſchon über 30 Jahre eine Gaſtwirt= und geſund und munter wieder in die Heimat und an die Arbeit
ſchaft beſtand. — Der tragiſche Unglucksfall, der den Faſelwärter A. zurückkehren. Dazu hilft Ihnen die konzentrierte Kraftnahrung
Ovomaitine, die Sie jederzeit bei ſich führen und leicht
zubereiten können.
In Apotheken und Drogerien vr. ätig; 250 gr Büchſe RM. 2,70, 500 gr
(I.6277
RM, 5.—. Gratisproben und D. hen durch:
ungen feſtgehalten und den Markt jeweils an den beiden letzten Sonn= tung mit 13 gegen 11 Stimmen abgelehnt.
tagen des Monats Juli veranſtaltet. Der Charakter des Volksfeſtes hat
ſich bis zum heutigen Tage erhalten. Die Stadtverwaltung verſuchte miniſterium veranſtalteten Lehrwanderung beſuchten über 100
durchzuführen, um edamit den Markt zu freqventieren. Dieſe Ver= Zoologen und Mitglieder der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde den
ſache reisen b’s zum Jahre 1910 zurück. Der Gedanke, am zweiten fremdländiſchen Wald des Grafen von Berckheim bei Weinheim. Unter
geführt vom Odenwälder Reiterverein, konnten ſich dieſe Pferderennen, den die prachtvollen Beſtände von kaliforniſchen Flußzedern,
Kolorado=
terſtand es die Stadtverwaltung, untes Führung ihres Bürgermeiſters Augenſchein genommen. Forſtrat Fabricius gab über die Vorgeſchichte
eine beſondere Veranſtaltung (Flugſport, Fa,ſchirmabſprünge uſw.) ſtatt, ſtattete man dem Schloßpark des Grafen Berckheim einen Beſuch ab
in dieſem Jahre erfahron die Veranſtaltungen des Odenwälder Neiter= und beſichtigte mit großem Intereſſe die dort ſtehende uralte
Libanon=
im Jahre 1927 inihrem 80 000 Quadratmeter großen Sport= und Er= worden war.
helungspark eine 1000 Mster lange Pferderennbahn geſchaffen, die
j.
als einzige in eſſen von der oberſten Reunbehörde in Berlin fur große die 3
Pferderennen zugelaſſen worden iſt. Abweichend von der bisherigen ſchine
Gepflogenheit, die Pferderennen nur am zweiten Markttage zu veran= A.=G.,
ſtalten unternimmt der Odenwälder Reiterverein erſtmals den Verſuch, ſtatt.
am 28. Juli große Pferderennen (öffentliche Rennen) durchzuführen, treten. Auf Grund des vorungenangenen Gläubigervergleiches ftimmte
Das bekannte hiſtoriſche Volksfeſt findet am 21. 22. und 28. Juli ſtatt, die Generalverſammlung der Auflöſung bzw. Liquidation der Geſell=
Am 22. Juli veranſtaltet der Odenwälder Reiterverein Schaufahren, ſchaft mit 16 258 gegen 1775 Stimmen, bei 600 Stimmenthaltungen, zu.
ländliche Pferdekonkurrenzen und Halbblüterrennen. Als Hauptanzieh= Hiermit iſt eine ſeit faſt 100 Juhren beſtehende Fabrik und zuglei=ch
ungspunkt dürfen aber die großen Pferderennen am dritten Markttage
angeſehen werden. Dieſe Veranſtaltung bildet ein Ereignis für ganz toren wurden beſtimmt: Gmeralkonſul Reiſer=Eeidelberg und Fabrik=
Heſſen, werden doch erſtmals in Heſſen Pferderennen nach den Beſtim= direktor Oldenbürger=Manuheim.
mungen der oberſten Rennbehörde zur Durchführung gebracht. Neben
Bollblutrennen finden am 3. Markttag auch Halbblutrennen ſtatt. Für 12. Juli 0,84 Meter, am 13. Juli 0,82 Meter, morgens 5 Uhr.
den größten Teil der Marktbeſucher dürfte auch die Einrichtung des
Totaliſators eine Seltenheit darſtellen. Die bis jetzt vorliegenden
Nen=
nungen laſſen auf intereſſante reitſportliche Ereigniſſe ſchließen. Am 28. 12. Juli 104 Meter, am 13. Juli 0,91 Meter, morgens 5 Uhr.
Juli findet vormittags auf dem Hauptkampffeld des Sport= und
Er=
holungsparks das Entſcheidungsſpiel um die ſüddeutſche Pokalmeiſter= 1929, d. i. vom 1. April bis Ende Juni 1929, wurden in hieſiger
Her=
ſchaft im Handball zwiſchen dem Sportverein 1898 Darmſtadt und dem berge insgeſamt 651 Wanderer verpflegt. Die Zahl verteilt ſich auf
1. FC. Nürnberg ſtatt. Den Sportfreunden des Odenwaldes wird damit 562 Wanderer über 20 Jahre und 89 Wanderer unter 20 Jahre. —
An=
die ſeltene Gelegenheit geboten, einem äußerſt intereſſanten und ſpannen= läßlich der Ausſtellung kirchlicher Kunſtgegenſtände in Amſterdam hat
den Spiele beizuwohnen. Den Beſuchern des Eulbacher Marktes er= der hieſige Bildhauer Adam Winter große Erfolge erzielt. Selbſt ein
rten daneben aber auch frohe und genußreiche Stunden in dem alt= führendes Amſterdamer Blatt erwähnt in einem Zeitungsartikel die
Lannten Kreisſtädtchen Erbach mit ſeinen weltberühmten Sammlungen Kunſt und Geſchicklichkeit des Herrn Bildhauers Winter. Wir freuen
im gräflichen Schloß. Jahraus jahrein wird die Stadt Erbach anläß= uns über den ehrenden Erfolg des noch verhältnismäßig jungen
lich des Eulbacher Marktes von Tauſenden beſucht. Die diesjährigen Künſtlers.
Veranſtaltungen werden ſicherlich dazu beitragen, die Zahl der Beſucher
weiterhin zu vermehren.
A. Seidenbuch, 13. Juli. Gemarkungsvereinigung. Die
hieſige Gemeinde hat ſich veranlaßt geſehen, einen Antrag zu ſtellen, daß
die 9e
markung „Seidenbucher Wald” mit der Gemarkung „Seidenbucher
Ge
vereinigt wird. Ehemals waren beide wohl eine Gemarkung.
End.
18. Jahrhunderts wurde am Fuße des damals pfälziſchen
Walde= ine Glasbrennerei eingerichtet, die zur Gründung des Dorfes
Seidenbuch, im Volksmund noch immer die „Glashütte” genannt, führte.
Durch Beſitzerwechſel wurde das Gebiet 1804 heſſiſch. Der Wald ging
als eigene Gemarkung in fiskaliſchen Beſitz über. Die Gemarkung
m. Beerfelden, 13. Juli. Verſchiedenes. Gelegentlich des Grafenhauſes dotiert iſt.
Marktes hatte die hieſige Handarbeits= und Nähſchule in ihrem
Arbeits=
ſaal in der Gewerbeſchule eine Ausſtellung veranſtaltet, die viele
In=
tereſſenten, vornehmlich weibliche, anzog. Das Ganze bot, geſchmackvoll
angeordnet und mit Blumen und Grün vervollſtändigt, einen ſehr
hüb=
ſchen und anziehenden Anblick. Auf Tiſchen ausgebreitet lagen Deckchen,
Niſſen, Wäſche aller Art, in den verſchiedenen moderen Stickarten
ver=
ziert und geſchmückt, die Wäſche vielfach mehrfarben. An Deckchen,
Kiſ=
ſen, Kleidern, Zeitungshaltern uſw., konnte man die verſchiedenſten
Ar=
ten der Zierde durch Malereien bewundern, ferner Häckel= und
Strick=
arbeiten in Seide und Wolle; ſehr mannigfaltig war auch die Auswahl
in bezug auf Kleider für Erwachſene und Kinder. Natürlich kann hier
nicht eine fachmänniſche Beſprechung Platz finden, wohl aber ſoll die
Neichhaltigkeit und Schönheit des Ausgeſtellten angedeutet und damit
die Leiſtungsfähigkeit der Schule charakteriſiert ſein. Die neue
Leh=
rerin, Frl. Bergmann, unterrichtet ſeit Frühjahr, und die Verwaltung
der Handardbeits= und Nähſchule kann Befriedigung darob empfinden,
daß ſie in der Wahl derſelben eine ſo glückliche Hand hatte.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 13. Juli. Die Heidelbeerernte
nimmt in bezug auf die Menge einen ſehr befriedigenden Fortgang: die
vereinzelten Regengüſſe am Sonntag und Montag wirkten auf die
Ent=
wicklung der Beeren ſehr vorteilhaft. Die reiche Ernte hat aber ein
Nachlaſſen der Preiſe im Gefolge, von 30 Pfg. pro Pfund in voriger
Woche brachten die letzten Tage einen Sturz auf 20 Pfg. und einen
weiteren Rückgang auf 17 Pfg. Damit wird bald die Grenze erreicht
ſein, denn wenn einmal das Pflücken ſich durch Verkauf gar nicht mehr
rentieren will, dann machen die Pflückenden Wein oder kochen ſelbſt die
üchte ein.
—— —rwm e Trigrrn -m vorderen
Weſchnitztal können im allgemeinen als zufriedenſtellend bezeichnet
wer=
den. Durch den ausgiebigen Regen der letzten Tage haben ſich die
Feld=
früchte gut entwickelt und man darf mit einer evgiebigen Ernte rechnen, kleinen Feier im „Kaiſerhof”. Herr Kreisvorſitzender Dinges=
Bob=
jetzt von ſchweren Wettern verſchont geblieben. Der Anſatz der Aepfel
iſt ſtellenveiſe gut, bleibt aber weit hinter den Erwartungen zurück.
Binen ſind weniger günſtig, doch verſpricht das Steinobſt einen ſehr
guiten Ertrag, insbeſondere zeigen die Zwetſchenbäume einen
reich=
lichen Behang.
W. Heppenheim a. b., B., 13. Juli.
Stadtverordneten=
ſitzung. Unter dem Vorſitz des Herrn Büirgermeiſters und in
An=
zeſenheit ſämtlicher Beigeordneten und 20 Stadträten fand eine
öffent=
liche Sitzung des Stadtrats ſtatt. In die Tagesordnung eingetreten,
erſtattete der Vorſitzende zunächſt den Verualtungsbericht für 1928.
So=
im abgelaufenen Jahre und im 10jährigen Wirtſchaftsplan. Es wurde
b. Erbach i. Oöw, 13. Juli. Eulbacher Markt. Die Stadt= feſtgeſtellt, daß in den letzten Jahren zu viel Holz gefällt worden iſt,
verwaltung rüſtet wiedee zu dem bekannten, größten Volksfeſt des ſo daß nun in den nächſten 2 Jahren je 180 Feſtmeter eingeſpart
werd=
en
Odenwvaldes, dem Eulbache: Markr. Seit nahezu 130 Jahren beſtehr uuiſſen Außerdem müſſen in fünf Wäutſchaftsjahren 760 Feſtweter
dieſer Markt und erfceut ſich nich, nur beim Odenwälder Publikum, Windfallholz eingeſpart werden. Unter Streichung verſchiedener Punkte
ſondern auch weit über deſſen Grenzen hinaus ſtets wachſender Beliebt= für Waldwegneubau und =herſtellung wird der Waldwirtſchaftsplan
gut=
heit. Die Marktverwaltung hat bisher ſtets an den alten Ueberliefer= geheißen — Der Voranſchlag für 1929 wird nach eingehender Verg=
Von der Bergſtraße, 12. Juli. Auf einer vom Heſſiſchen
Kultus=
bisher, nur das Volksfeſt in Verbindung mit anderen Veranſtaltungen Naturwiſſenſchaftler, darunter Forſtleute, Botaniker, Meteorologen,
Markttag ein Pferderenner abzuhalten, fand überall Anklang. Durch= Führung des Forſtrates Fabrieius vom Forſtamt Weinheim
wur=
bis zum heutigen Tage erhalten. Beſonders in der Nachkriegszeit tannen und Mammutbäumen, ſowie anderen ſeltenen Koniferen in
Dengler nicht nur die Perderennen bedentend auszubauen und zu ver= und wirtſchaftliche Bedeutung des Exotenwaldes erſchöpfenden Aufſchluß
beſſern, ſondern auch den Martt zu vergrößern und die Beſucherzahl und erwarb ſich dadurch den Dank der Gäſte, in deren Namen Profeſſor
weſentlich zu erhöhen. Au 3. Markttag fand in den letzten Jahren ſtets, Kallenbach aus Darmſtadt ihm herzlichen Dank ſagte. Am Schluß
ve eins eine bedeutende Erweiterung. Die Stadt Erbach kat bekanntlach zeder, deren Gipfel vor einigen Jahrzehnten durch Blitz abgeſchlagen
eine der älteſten deutf en Ak ieng=ſellſchaften aufgelöſt. Zu Liquida=
— Hirſchhorn, 13. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
— Gernsheim, 13. Juli. Waſſerſtand des Rheins am
g. Gernsheim a. Rh., 13. Juli. Im erſten Rechnungsvierteljahr
Ca. Lorſch, 13. Juli. Aus der Bilanz der Volksbank Lorſch e. G.
m. b. H. in Lorſch für 1928 intereſſieren folgende Zahlen:
Geſchäftsgut=
haben der Mitglieder 34 973,23 RM., Bankſchulden und eigene Akzepte
74 969,76 RM., Spareinlagen 47 592,49 RM., Geſamtabſchluß 219 970,88
RM. Stand der Mitglieder anfangs 1928 328, im Laufe des Jahres
ſind beigetreten 32, dagegen insgeſamt ausgeſchieden 38, ſo daß am
1. Januar 1929 verblieben: 322 Mitglieder. Die Höhe des
Geſchäfts=
anteils beträgt 300 RM., die Anzahl der gerichtlich übernommenen
Ge=
ſchäftsanteile 350; die Höhe der Haftfumme 500 RM. für jeden
Ge=
ſchäftsanteil, was einen Geſamtbetrag von 175 000 RM. ergibt, für den
die Genoſſen haften.
Die Pferderennen in Erbach i. 9dw.
am 28. Juli.
b. Erbach i. O., 13. Juli. Große Ereigniſſe werfen ihre Schatten
voraus, und da nimmt es nicht wunder, wenn man allgemein den
Er=
bacher Rennen am 28. Juli mit größter Spannung und Erwartung
ent=
gegenſieht, ſind es doch die erſten öffentlichen Rennen in Heſſen mit
Totaliſatorbetrieb, die von der oberſten Behörde mit Vollblutzucht und
Rennen in Berlin genehmigt ſind. Ein langer Weg iſt es, den der
Odenwälder Neiterverein bis dahin zurückgelegt hat, aber die
inten=
ſiven Bemühungen der Veranſtalter ſind nicht vergeblich geweſen, und
nunmehr ſind die öffentlichen Rennen in Erbach zur Tatſache geworden.
Auf dem tadellofen, durch den langen Regen elaſtiſch gewordenen
Ge=
läuf der Rennbahn werden ſich ſpannende Kämpfe abſpielen, da mit
einer vorzüglichen Beſetzung der Rennen zu rechnen iſt. Der rührige
Verein hat in Verbindung mit der Stadtverwaltung Erbach die
Nennbahn in einen ausgezeichneten Zuſtand verſetzt und verſchiedene
zweckdienliche Neuerungen der Anlagen geſchaffen. Den
Tribünen=
beſuchern iſt zum erſten Male hier Gelegenheit gegeben, in
unmittel=
barer Nähe der Tribünen an der Oſtſeite in einem neu erbauten,
ſchmucken Totaliſatorhäuschen ihre Wetten auf die einzelnen Pferde zu
tätigen. Das vorzüglich geſchulte Perſonal des Frankfurter Rennklubs
wird den techniſchen Betrieb des Totaliſators übernehmen, ſo daß eine
volle Gewähr für eine glatte und einwandfreie Durchführung des
Wett=
betriebs vorausgeſagt werden kann. Sattelplatz, Waage und Führring
ſchließen ſich unmittelbar an, wodurch eine beſonders zweckmäßige und
überſichtliche Anordnung des geſamten Rennbetriebs getroffen wurde.
Eine Anzahl großer Nummern bzw. Startertafeln künden dem
Publikum die jeweils ſtartenden Pferde an, ebenfalls zeigen große
Tafeln die Ergebniſſe des Rennens bzw. die Totaliſatorquoten an. Es
iſt ſomit dem Publikum Gelegenheit geboten, ſich aufs beſte über die
Vorgänge beim Rennen unterrichten zu laſſen.
Als bedeutende Neuerung auf der Erbacher Rennbahn iſt die
Schaf=
fung einer Jagdrennbahn zu bezeichnen. Dieſelbe iſt für die zu
erwar=
tenden Jagdrennen geſchaffen und mit feſt eingebauten natürlichen
Hin=
derniſſen verſehen.
Das Programm des 28. Juli umfaßt ſechs Rennen, von denen zwei
für Vollblut und drei für Halbblut vorbehalten ſind. Das einleitende
Flachrennen „Preis vom Mümlintal” iſt nicht öffentlich, und den
Ver=
tretern unſerer einheimiſchen Pferdezucht, den Oldenburgern
vorbehal=
ten. Mit dem „Odenwald=Flachrennen” beginnen die öffentlichen Rennen
mit Totaliſatorbetrieb. Es folgen das „Eulbacher Markt=
Hürdenren=
nen” (für Vollblut) das „Ehrenpreis=Flachrennen”, der „Preis der
Stadt Erbach” (Jagdrennen für Vollblut) und das „Graf Eberhard=
Erinnerungs=Jagdrennen”, das dem Andenken des im Kriege gefallenen
Grafen Eberhard zu Erbach gewidmet iſt und mit Ehrenpreiſen des
Der Nennungsſchluß für die Halbblutrennen hat ein
ausgezeich=
netes Ergebnis gezeitigt, der Nennungsſchluß für die Vollblutrennen
iſt noch nicht bekannt geworden, da dieſe Nennungen hierfür in Berlin
beim Unionklub direkt abgegeben werden mußten. Eine ganze Anzahl
ausgezeichneter Halbblutrennpferde ſind für die Erbacher Rennen
in=
zwiſchen genannt worden, aus denen wir einige der beachtenswerteſten
herausgreifen: ſo Oberſtleutnant von Vignaus „Landgraf” und
Auguſte” Gallos „Heimlich” (Trakehnen) Feutners „Harri” (Graditz),
Erbgraf zu Erbach=Erbachs Trakehner „Jenny Lind” und „Erlkönig”,
Erbgräfin zu Erbach=Erbachs Trakehner „Oberin”, Stall Buchmüller
mit den Trakehnern „Hellſeher” und „Hildburg”, aus dem Saargebiet
der Stall Ranker mit „Délicieux” und „de Masnuy”, der Stall Münch
mit „Ehrentraut” und „Bergfink” (Trakehnen), Paul Heils „Frechdachs”
(Hannover) und „Martell”, Oberleutnant Schäffers „Bella” und andere
mehr.
So ſtehen denn intereſſante ſportliche Kämpfe in Ausſicht, und nach
den umfangreichen Vorbereitungen, des Odenwälder Reitervereins zu
ſchließen, wird — ſchönes Wetter vorausgeſetzt — am 28. Juli mit einer
ſportlichen Veranſtaltung, wie ſie Heſſen noch nicht erlebt hat, zu
rechnen ſein.
Bm. Hofheim (Ried), 13. Juli. Landw. Beſuch. Der zurzeit
auf einer Durchwanderung durchs Heſſenland befindliche
Hausfrauenver=
ein Main=Kinzigtal (Geſchäftsſtelle Hanau), traf vorgeſtern hier zu
einem kurzen Beſuch ein. Dieſe modernen Landwirtstöchter aus
ver=
ſchiedenen Orten ihrer Heimatgegend, durchwandern unſer Heſſenland,
um die gegenwärtige Einſtellung der Bauernjugend, wie überhaupt
Barse Rice
„htuiotkchisfitſikichene Berhfarriliſe AereL DiEy TEeiiNen*
hieſige Ortsgruppe des Junglandbundes Starkenburg, Kreisvereinigung
Bensheim, bereitete den Gäſten einen herzlichen Empfang in Form einer
Im Gegenſatz zu anderen Gebieten iſt unſere Gegend zum Glück bis ſtadt, begrüßte in einer Anſprache die Gäſte, wie auch Herr
Ortsgrup=
penvorſitzender Wegerle denſelben für den freundlichen Beſuch herzlich
dankte. Frl. Bopp, Leiterin des Frauenvereins, hielt einen längeren
Vortrag, dabei Zweck und Ziele des Junglandbundes behandelnd, und
darauf hinweiſend, daß auch Bauer und Bäuerin ſtets lernen müſſen,
um wirtſchaftlich der heutigen Zeit gewachſen zu ſein. Mit der
Mah=
nung: Heraus aus den Ställen zu Sport und Spiel, zur Ertüchtigung
von Körper und Geiſt, Schritt halten mit der Neuzeit und ihren
Er=
rungenſchaften, ſchloß ſie ihre Rede, die mit ſtarkem Beifall
aufgenom=
men wurde. Herr Dinges ſprach der Leiterin Dank und Anerkennung
für ihre trefflichen Worte aus, und bei Muſik, Gedicht= und
Geſangs=
vorträgen und einem Tänzchen verlief die Feier fehr angenehm. Ueber
den hieſigen Empfang ſprachen ſich die Gäſte ſehr befriedigt aus.
Bm. Hofheim (Ried), 13. Juli. Ausdem Gemeinderat. Aus
der letzten Gemeinderatsſitzung wäre zu berichten: Vor Eintritt in die
Tagesordnung wurden die neuen Gemeinderäte Georg Krebs 2. (Ldbd.)
und Philipp Eberts (D.V.P.) eingeführt und verpflichtet. Zwecks
end=
gültiger Regelung der Feldſchitzenfrage war Herr Chriſt vom
Kreis=
amt Vensheim erſchienen, welcher eingehende Erläuterungen gab über
diesbezügliche geſetzliche Beſtimmungen, wonach derartige Stellen vor
allem durch einen Verſorgungsanwärter Ghier Hahl) zu beſetzen ſind.
Nach dieſer Klarlegung zogen ſich Zentrum, Bauernbund und Volks=
Partei zur Beratung zurück und ſtellten alsdann den Antrag: Die beiden
Hilfsfeldſchützen ſollen bis 31. Dezomber d. J. im Dienſte bleiben. Hahl
ſoll durch das Kreisgeſundheitsamt unterſucht und eotl. eingeſtellt
wer=
den. Gegen dieſen Antrag wurde Einſpruch erhoben, da 3 Feldſchüitzen
in punkto Bezahlung für die Gemeinde zu viel ſind. Darauf ſtellte
Ge=
meinderat Braun den Antrag, die beiden Stellen als Beamtenſtellen
zu ſtreichen, da die dritte Stelle ausgeſchrieben werden müſſe. Herr
Chriſt erklärte darauf, daß Hahl auch hierbei in Frage käme, da das
Fürſorgaumt eingreifen würde. Der Antrag Braun wurde mit 8:3
Stimmen angenonumen und läuft die Sache weiter. — Betreffs Ankaufs
von Straßengeländ= in der Hindenburgſtraße beſchloß der Gemeinderat,
die Steffanſtraße zu vermeſſen. — Die Vergütung der Nathaus=
Putz=
frau wurde von 10 auf 15 Mk. erhöht. — Unterſtützungen uſtv. wurden
in gehimer Sitzung erledigt. — Jugendlicher Selbſtmörder.
Im nahen Vürſtadt erhängte ſich der 14jährige Willi Wedel im Hauſe
ſeiner Eltern an einem Bettſtollen. Was den Jungen veranlaßt hat,
freiwillig aus dem Leben zu ſcheiden, iſt nicht näher bekaunt.
Br. Egelsbach, 13. Juli. Der für heute geplante Schulausflug an
den Rhein mußte bis nach den Ferien verlegt werden, da das Schiff,
das dazu benutzt werden ſoll, zurzeit in Reparatur iſt. Die Ferien
be=
ginnen heute und dauern vier Wochen.
By. Langen, 13. Juli. Herr Karl Traſer verunglückte mit ſeinem
Motorrad in Frankfurt an der Ecke Kaiſerſtraße und Neue Mainzer
Straße, indem ihn ein Auto, das von der Elektriſchen erfaßt worden
war, zur Seite ſchleuderte und überfuhr. Mit ſchweren inneren
Ver=
letzungen wurde er ins Krankenhaus gebracht. — Die Ferien an der
hieſigen Real= und Volksſchule haben heute begonnen. An erſterer dauern
ſie vier Wochen, an letzterer drei Wochen.
h. Friedberg, 12. Juli. Die Renovierung der Kirche
im benachbarten Gettenau ſoll nunmehr in Kürze begonnen
Kirche im benachbarten Gettenau ſoll nunmehr in Kürze begonnen
wverden. Zu den Arbeiten an dem altehrwürdigen Gotteshaus, das im
Jahre 1486 erbaut wurde, hat die Gemeinde einen Zuſchuß von 8000
Mark bewilligt.
h. Gießen, 13. Juli. Eine Kreislehrerverſammlung
findet am nächſten Mittwoch im Kaffee Leib ſtatt. Es handelt ſich
da=
bei um die Wahl des erſten und zweiten Kreisvorſitzenden und die
Wahl des Vertreters der Junglehrer. — 2 Monate Gefängnis
wegen fahrläſſiger Tötung erhielt vom hieſigen
Schöffen=
gericht ein Autoführer aus Rodheim v. d. H., der in Dorn=Aſſenheim
im letzten Februar einen 85 Jahre alten Mann zu Boden rannte und
ſo ſchwer verletzte, daß er eines qualvollen Todes ſtarb. — Zur
Beſich=
tigung des Tierzuchtinſtitutes auf dem Oberen Hardthof trafen
vorgeſtern 35 Mitglieder des Reichelsheimer Pferdezuchtvereins ein. Sie
waren über das, was ihnen auf dem Gebiete der Tierzucht geboten
wurde, außerordentlich befriedigt.
h. Alsfeld, 13. Juli. Sein goldenes Arbeitsjubiläum
konnte geſtern der Werkmeiſter Georg Bindewald begehen. Der Jubilax
iſt ſeit 50 Jahnen in der Hornwarenfabrik Raab tätig.
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[ ← ][ ][ → ]Sonntag, den 14. Juli 1929
Nummer 193
Seite 10
Ein Rekord=Betrüger., der in der
n, 14 Darlehens=
Mannheim. Ein Angeklagtälle, 13 Fälle von
erſten Anblage 24 Logisbetrügereiſgen, 3
Urbundenfäl=
ſchwindeleien, 8 ſonſtige Betrugsklage 7 Betrügereien,
Betrugsverſuch, 4 Unterſchlaguge Delibte auf dem
Kerb=
ſchungen, in der zweiten Af einem abwegigen Gebiet,
15 Betrugsfälle und 85 ſonſter erſt 39 Jahre alte, aber
holz hat. Dieſer, leider arafen belaſtete Elektrotechmiker
ſehr flcißige Mann iſt Rüppurr bei Karlsruhe. In
doch ſchon mit 19 Vorſihn neun Anklagefälle auf dem
Wilhelm Biſchoff au— Der Staatsanwvalt beantragte
Bielefeld erwartenlagten eine Gefängnisſtrafe von drei
gleichen Gebiet. Gericht bemaß die Strafe auf zwei
gegen den Anggnis ab zwei Monate Unterſuchungshaft.
Jahren. Das
Jahre Gefäri Häuſer durch Feuer vernichtet.
fenburg (Baden). In der vorvergangenen
5 ſind in der Ortſchaft Tiefenbach (Gemeinde
Orwolfach), einer ganz abbgelegenen Gegend des
Mach darzwaldes, zwei Wohnhäuſer durch Feuer voll=
Oſdandig vernichtet worden. Die Feuerwehr war dem
(wütenden Element gegenüber machtlos. Der
Ge=
ſamtſchaden wird ſehr hoch geſchätzt. Man vermutet
Brandſtiftung. Gin Lichtmeiſter wurde bei den
Löſch=
avbeiten durch elektriſchen Strom ſo ſchwer verletzt,
daß er ins Kronkenhaus gebracht werden mußte.
Unfall eines Militärautos.
Gotha. Im Kollerſtädter Grund iſt ein
Mili=
tärauto, das vom Truppemübungsplatz Ohrdruf in
Richtung Gotha fuhr, verunglückt. Der vollbeſetzte
Kraftwagen ſtieß wit aller Gewalt gegen einen
Baum. Sechs Mann wurden beim Herausſpringen
bzw. durch den Zuſammenſtoß leichter verletzt; ſie
mußten nach dem Lazarett des Truppenübungsplatzes
befördert werden. Zwei der Verunglückten konnten
alsbald wieder entlaſſen werden.
Verurteilung von Warenkreditſchwindlern.
Berlin. Nach ſiebentägiger Verhandlung
wurde geſtern in dem Rieſenbetrugsprozeß gegen
Haenler und Genoſſen das Urteil gefällt. Es
han=
delte ſich bei dieſem Progeß um umfangreiche
Waren=
kreditſchwindeleien eines Betrügerkonſortiums, das
1925 unter dem Namen „Mitteldeutſche
Einkaufs=
gentrale für Beamte” ohne Mittel eine Firma
eröff=
net hatte. Auf dem Briefbogen waren Filialen
auf=
geführt, die gar nicht exiſterten. Das „Geſchäftshaus”,
beſtand aus einigen kleinen Räumen, das Warenlager
war in der Küche. Mit Hillfe von falſchen
Auskünf=
ten wurde eingekauft, was zu erlangen war. Die
Waren wurden ſofort verſchleudert, und die
Gläu=
biger hatten das Nachſehen. Die Angeklagten
Haen=
ler und Ladewig erhielten ein Jahr vier Monate,
der Angeklagte Warſchawſki unter Einbeziehung einer
älteren Reſtſtrafe insgeſamt drei Jahre, die übrigen
Angeklagten drei bis elf Monate Gefängnis.
Bewäh=
rungsfriſt wurde bei ſämtlichen Angeklagten
abge=
lehnt. Die Strafe Haenlers iſt durch die
Unter=
ſuchungshaft verbüßt.
Folgenſchwerer Zuſammenſtoß zwiſchen Auto
und Motyrrad
Erſtes Originalbild vom engliſchen U=Book=Unglück.
Je ein polniſches und franzöſiſches
Flugzeug zum Ozeanflug geſtarkel.
Das ſchwerbeſchädigte U=Boot „T. 12” wird abgeſchleppt.
Bei
das
von
dem Unterſeeboot=Zuſammenſtoß an der engliſchen Weſtküſte erlitt auch das Boot
U=Boot „H 47” rammte und in Grund bohrte, ſo ſchwere Beſchädigungen, daß es in
Portland abgeſchleppt werden mußte. Auf unſerem Bild iſt der eingedrückte Bug deutlich zu
erkennen.
. 12” das
den Hafen
Berlin. Auf der Straße Unter den Eichen in
Beulin=Lichterfelde ſtieß vorgeſtern nacht ein aus
Ber=
lin kommender Privatkraftwagen mit eiwem aus
Potsdom kommenden Motorrad zuſammen, als das
Auto dem im Zichzackburs fahrenden Motorrad
aus=
weichen wollte. Der Führer des Wagens und eine
neben ihm ſitzende Frau waren ſofort tot. Zwei
wei=
dere Inſaſſen kamen mit leichteren Verletzungen
da=
von. Der Führer des Motorrades erlitt ſchwere
Ver=
letzungen.
Der Konkurs über Glashütte eröffnet.
Glashütte. Der Konkurs über die Stadt
Glashütte in Sachſen, der ſchon vor einiger Zeit
an=
gekündigt wurde, aber noch der Genehmigung des
Miniſteriums des Innern bedurfte, iſt nunmehr vom
Amtsgericht Lauenſtein in Sachſen eröffnet wonden.
Das Miniſterium hat alſo inzwiſchen die
Genehmi=
gung erteilt. Zum Konkursverwalter iſt der frühere
Oberbürgermeiſter Dr. Ay=Meißen erannt worden.
Die Männer kämpfen für ihre Rechte.
Vorbereitung zur Tagung des „Weltbundes für
Männerrechte” in Wien. Im Kreis: Der
Vor=
ſitzende Sigurd Hörberth.
In der letzten Septemberwoche w
d in Wien
der „Weltbund für Männerrechte”, zu ſeiner
erſten Tagung zuſammentreten. Der Bund, der
ſchon einige Tauſend Mitglieder zählt, iſt durch
Sigurd Hörberth ins Leben gerufen worden und
kämpft gegen die zunehmende „Entrechtung” der
Männer. Wien iſt geſpannt. die Männer kennen
zu lernen, die ihre Rechte durch Kongreſſe
wah=
ren müſſen
In der Morgenfriſche des Samstag ſind zwei
Fliegerpaare in Le Bounget zum Fluge nach Amerika
geſtartet, und zwar Idzikowfki und Kubals auf ihrem
„Marſchall Pilſudſki” und die bekannten
franzöſi=
ſchen Flieger Coſtes und Bellonte auf ihrem „
Aus=
rufungszeichen‟. Die Polen verließen um 4.45 Uhr
den Pariſer Flugplatz, Coſtes und Bellonte ſtarteten
um 5.30 Uhr. Das Ziel ihres Fluges haben ſie bis
zur letzten Minute geheimgehaltem und noch bei dem
Start erklärten ſie, daß ſie einen Langſtreckenflug
nach Tokio beabſichtigen.
Die erſten Nachrichten über den Verlauf des
Amerikafluges der franzöſiſchen Flieger Coſtes und
Bellonte berichten: Das Flugzeug „
Ausrufungs=
zeichen” hat bisher eine durchſchnittliche
Geſchwin=
digkeit von etwa 200 Kilometern. Um 7.24 Uhr
ſich=
tete, einer von der Funkſtation Bordeaux
aufge=
fangenen Meldung zufolge, der Dampfer „Mouette‟
das Flugzeug nördlich von Cap Ferret. — Während
man mit dem Flugzeug der Franzoſen in ſtändiger
drahtloſer Verbindung iſt, hat wan bis jetzt noch
keine Nachrichten von „Marſchall Pilſudſki”, der mit
einem ähnlich ſtarken Funkapparat wie das „
Aus=
rufungszeichen” verſehen iſt. Das franzöſiſche
Flug=
zeug funkt in den erſten 10 Minuten jeder Stunde
auf einer Wellenlänge von 600 Metem mit dem
Stich=
wort ERAHS, das polniſche Flugzeug ebenfalls aurf
600 Metern mit dem Stichwort SPAPO.
Landung der „Angelanv”.
Culver City. Das Fluggeug „Angelano”
landete, wie bereits kurz gemeldet, Freitag
nachmit=
tag, nachdem es über 246 Stunden in der Luft
ge=
weſen war, glatt auf dem hieſigen Flugplatz. Die
Flieger ſahen ſich wur deshalb zum Abbruch ihres
Dauerrekordfluges genötigt, weil es am Freitag nicht
gelang, die Verbindung zwiſchen der „Angelano”
und dem Flugzeug, das die „Angelano” mit neuem
Brennſtoff verſorgen ſollte, herzuſtellen. Dem
Flug=
zeug wurde insgeſomt 37mal Benzin zugeführt. Die
Flieger, die vollbowmen übermüdet ſind, wunden ins
Kvonkenhaus geſchafft.
ehen
Eine Fähre mit 220 Perſonen geſunken.
Moskau. In Irktſk iſt eine Fähre mit 220
Perſonen geſunken. Bisher wurden 11 Leichen
ge=
borgen; etwa 40 Perſonen werden noch vermißt.
400 Menſchen bei den Ueberſchwemmungen
in der Türkei ums Leben gekommen.
Konſtantinopel. Infolge der großen
Ueberſchwemmungen, die durch die ſintflutartigen
Regenfälle in den letzten Dagen hervorgerufen
wur=
den, hoben in dem Pazardzik und Surmenediſtrikt
400 Menſchen ihr Leben verloren. Tauſende
verſuch=
teen, ſich durch die Flucht vor den hereinbrechenden
Fluten zu retten. Sämtliche Flüſſe ſind über die
Ufer getreten.
Schwere Unwetter über Perſien.
Teheran. Am 11. d. M. ging über Täbris
ein furchtbares Unwetter nieder, das große
Ueber=
ſchwemmungen verurſachte. Es ſollen auch Menſchen
ums Leben gekommem ſein. Wie es heißt, ſei wäh=
Charles Ulm und Kingsforth Smith bei ihrer Ankunft in Croydon, London.
Die Piloten Charles Ulm und Kingsforth Smith haben ihren Etappenflug Sidney—London in der
Rekordzeit von 13 Tagen zurückgelegt und damit die Zeit ihres Vorgängers Berd Hinkley um zwei
Tage unterboten. Die zurückgelegte Luftſtrecke beträgt rund 20 000 Kilometer. Den beiden
Ozean=
fliegern wurde bei ihrer Ankunft in London ein begeiſterter Empfang bereitet.
Tragiſcher Tod eines zehnjährigen Mädchens.
Ein tragiſcher Unglücksfall ereignete ſich in der
Kolonie Irrgarten in Wölershof. Dort ſpielten
mehrere Kinder in einer Kiesgrube. Plötzlich löſte ſich
eine größere Kiesſchicht, ſtürzte in die Tiefe und
be=
grub die zehnjährige Schüllerin Hildegard Wolf, deren
Eltern in der Kolowie wohren, unter ſich. Das
Un=
glück wurde ſofort bemerkt, und die Glienicker
Feuer=
wehr ſowie Laubemkoloniſten eilten herbei, konnten
aber das Kind nur noch als Leiche bergen.
Feuergefecht mit einer Räuberbande.
Bukareſt. Am Freitag wurde eine
ſechzig=
köpfige Räuberbande unter Führung des berüchtigten
Banditen Cocos, die im Röhricht des Sumpfgebiets
bei Conſtanza ihr Lager aufgeſchlagen hatte, von
Gendavmen angegriffen. Hierbei kam es zu einem
regelrechten Gefecht. Den erſten Angriff der
Gen=
davmen wehrten die Banditen mit Gewehrfeuer und
Handgvanaten ab, ſo daß ſich die Gendavmen
zurück=
ziehen und Verſtärkung herbeiholen mußten. Es
ge=
lang ihnen jedoch auch beim zweiten Angriff nicht,
die Bamditen feſtzunehmen, da ſie ſich geſchloſſen
unter Feuerdechung zurückziehen konmten. Auf ſeiten
der Gendarmen gab es eimen Toten und einen
Ver=
wundeten. Ein Gendarm wird bevmißt. Man nimmt
an, daß er von den Räubern gefangen genommen
worden iſt. In dem verlaſſenen Räuberlager fand
man große Mewgen Munition und Waffen ſowie
mehrere Tote.
Schiffsbrand auf hoher See.
Durban. Der 5000=Tonnen=Dampfer „Kina
Cadjallon”, der ſich wit einer Kohlepladung auf dem
Wege nach Auſtvalien befand, mußte 500 Meilen
ſüd=
öſtlich von Durban von der Beſatzung verlaſſen
wer=
den, da ein Feuer an Bord ausgebrochen war,
wel=
ches nicht gelöſcht werden konnte. Der Dampfer
„Ardenhall” nahm die Beſatzung auf.
Eve Lavalliere geſtorben.
Paris. In einem kleimen Ort der Vogeſen, in
Thuilliéres bei Vittel, iſt Eve Lavalliere im Alter
von 61 Jahren geſtorben, die Schauſpielerin, die vor
20 und 30 Jahren die Beſucher der Pariſer Theater
und Varietés zu Beifallsſtürmen hinriß. Eve
Lawal=
liere, einſt der vergötterte Liebling des Pariſer
Pu=
blikums, war im Alter von 25 Jahren zum Theater
gekommen, nachdem ſie zunächſt in Kaffee=Konzerten
der Provinz aufgetreten war. Sie hat während
20 Jahren ichre Triumphe in zahlreichen Komödien
von Mfred Capus, Robert de Flers u. a. im
Dhéätre du boulevard Monwmarte, im Athenée, im
Théätre Antoine uſw. in Varieté=Revuen gefeiert.
Der Krieg bewirkte eine völlige Abkehr der einſt ſo
lebensluſtigen und durch Eſprit ausgezeichneten
Kümſtlerin von der Welt des Theaters und des
Varietés. Eve Lovalliére zog ſich in ein kleines
Landhaus in den Vogeſen zurück, um ein Leben
religiöſer Zurückgezogenheit und myſtiſcher
Verſum=
kenheit zu führen. In den letzten Jahren war ſie das
Opfer eines qualvollen Leidens.
Schwere Exploſionskataſtrophe in Südchina.
Tauſend Verletzte.
Hongkong. In Yünnan=fu in Südchina
er=
eignete ſich eine ſchwere Exploſionskataſtrophe in
einer Munitionsfabrik. Nach dem gewannten Batt
ſollen durch die Exploſion 1000 Perſonen verletzt
worden ſein. Ausländer ſollen nicht getötet worden
ſein, jedoch ſoll der britiſche Konſul leicht verletzt
ſein. Das britiſche Konſulgt und die franzöſiſchen
Miſſionen hoben ebenfalls Beſchädigungen erlitten.
Man nümmt an, daß Aufſtändiſche die Exploſion
ver=
urſacht haben.
gangen.
Eine unverantwortliche Schönheitsoperation.
Chicago. Fräulein Sadie Holland in Chicage
hat von dem Inhaber eines koswetiſchen Salons in
New York und Chicago, Henry Schireſon, eine
Ent=
ſchädigung von 40 000 Dollar zugebilligt erhalten,
nachdem ſie durch eine von Chireſon durchgeführte
Operation ihre beiden Beine verloren hat. Schireſon
überredete Fräulein Holland, ſich einer Operation zu
unterziehen, durch die die Beine ſeiner Paviewtin
ſchlonker gemacht werden ſollten, obwohl dazu, wie
von ärztlicher Seite wachträglich feſtgeſtellt worden
iſt, keinerlei dringende Veranlaſſung beſtand.
Schive=
ſon machte, wie es in einem Bericht über dieſe
merk=
würdige Operation heißt, tiefe Schnitte in die Beine
der Patientin oberhalb der Knöchel und legte die
Beine dann in einen Gipsverband. Die Wunden
wurden brandig, und das Lebon der Patiemtin konnte
nur durch die Amputation beider Beine gerettet
wer=
den, die oberhalb der Knie abgenomwen wurden.
Frl. Holland hat alſo ihr Schönheitsverlangen teuer
bezahlt und die ihr zugebilligte Entſchädigung von
40 000 Dollar wird ihr kaum über den Verluſt ihrer
Beine hinweghelfen.
Beim Dauerflugverſuch abgeſtürzk.
Das verunglückte Flugzeug bei New York.
Bei einem Verſuch, einen neuen Dauerrekord
aufzuſtellen, geriet die amerikaniſche Pilotin
Viola Gentry und ihr Begleiter Jack Aſhcraſt
zu nahe an eine Baumkrone. Das Flugzeug
überſchlug ſich und ſtürzte ſenkrecht auf den
Boden. Aſhcraft wurde getötet. Miß Gentry/
ſchwer verletzt.
Nummer 193
Sonntag, den 14. Zuli 1929
Seite 11
Sport, Spiel und Turnen.
Fußball.
Sporkverein Darmſtadk 1898 — Germania
Frank=
furk 3:7 11:3).
Vor ihrem Entſcheidungskampf um ben Aufſtieg in die Bezirksliga
holten ſich die Darmſtädter noch eine außerordentlich hohe Niederlage
Allerdings bildet der Ausgang des Spiels in keiner Weiſe einen
Maß=
ſtab für das Können der 98er im Verhälrnis zu dem Gegner. Man
hatte im Lager der Einheimiſchen das Spiel als Trainingsſpiel auf
gefaßt und wollte im Hinblick auf kommende Ereigniſſe auf jeden Fall
einen harten Kampf und damit etwaige Verletzungen vermeiden. So
ſchonte man ſich im Kampf um den Ball offenſichtlich. Die Frankfurter
Gäſte beſtritten den Kampf dagegen wie ein Verbandsſpiel. So errangen
ſie ſich eine faſt dauernde Feldüberlegenheit, zumal ſie eifrig ſpielten
und oft auch ſehr nettes Flachſpiel zeigten.
Da man alſo auf ſeiten der Darmſtädter Mannſchaft nicht auf
Kampf eingeſtellt war und ſich auch im Verlaufe des Spiels nicht auf
Kampf einſrellen wollte — meiſt mit Recht — kam es nie zu
einheit=
lichen Leiſtungen. Ohne Kratz, Frey und Eßlinger gelang es der
Mann=
ſchaft nur ganz ſelten, Fluß ins Spiel zu bringen. Merkwürdige
Schiedsrichterentſcheidungen — nahezu reſtlos zum unverdienten Nach,
teil für die Einheimiſchen — bewirkten ei Uebriges. Vergeſſen wir
dieſes blamable Spiel und erwarten wir ein vollſtändiges
Zuſammen=
raffen aller Kräfte für den 21. Juli.
Einkracht — Liga-Erſahmannſch. Sporko. 98 1:6 (1:1)
Am vergangenen Freitag trafen ſich obengenannte Mannſchaften
einem Freundſchaftsſpiel auf dem Stadion. Mit einigen Ausnahmen
ein faires und ſchönes Spiel, nur war der Shiedsrichter zeitweiſe etwas
ſchwach, aber ſonſt nicht ſchlecht.
Kreisliga Südheſſen.
Da das „große” Spiel gegen Sportverein 98 Darmſtadt amläßlich des
Sängerfeſtes auf den 21. Juli verlegt wurde, ſoh ſich die Leitung des
Wormſer Vereins gezivungen, um die Mannſchaft weiter im Traiwing
zu halten, erneut eim Freundſchaftsſpiel einzulegen. Mit den übrigen
Begegnungen ſind bis zur Stunde ſſechs Privatſpiele gemelder; man
zießt alſo die Ruhe immer noch allem anderen vor. Es treffen ſich:
Olympia Worms — VfL. Lampertheim, Olympig Lampertheim — 7
Weinheim in Viernheim zum Jubiläumsſpiel, FV. 1919 Biblis
Herosheim. Normanwia Pfiffligheim — Starkenburgia Heppenheim,
SV. Friedberg — SV. Horchheim, FC. Bretzenheim — FV. Hofheim.
Das Triningsſpiel der Kleeblätter im Worms wird natürlich eine zahme
Sache werden, und vorausſichtlich. werden die VL=Leute in fairem
Spiele dem Meiſter ihres Kreiſes Gelegenheit gebew, die Mannſchaft
nochmals grüfndlich auf evül. Fehler zu unterſuchen. Das
Jubiläums=
ſpiel der Lampertheimer Olympialeute gegen FV. Weinheim wird erſt
nach hartem Ringem von dem Vertreter unſeres Kreiſes gewonnen
wer=
den können; natürlich müiſſen die Leiſtungen der erſten Mannſchaft beſſer
ein als in letzter Zeit. Die Bibliſſer werden mit Herrnsheim ſchon zu
ihren Gunſten fertig werden, jedoch das „Wie” ſteht offen. Pfiffligheim
und Heppenheim haben ſich ſchon imer fehr gut vertragen, aber
trotz=
dem auf dem Spielfelde ſtets hart um den Sieg gerungen. Auch
dies=
mal wird es wieder ähnlich werden. Horchheim trägt ein Rüchſpiel in
Friedberg aus und dürfte dort wenig Ausſicht auf Gewinm haben,
da=
gegen wird der Liganeuling in Bretzenheim mit komplletter Mannſchaft
ſchon ge winnen können.
Neue Endſpiel=Verlegung?
Aus Nürnberg wird uns gemeldet, daß eine abermalige Verlegung
des nach Nürnberg angeſetzten Endſpiels um die Deutſche
Fuß=
ball=Meiſtarſſchaft vom 28. Juli auf den 4. Auguſt möglich
iſt. Am 28. Juli hält die Nadrennbahn am Reichelsdorfer Keller ihre
bereits ſeit langem angeſetzten internatiomalen Jubſiläumsremmen ab.
Dieſe Vevwuſtaltumg wüirde notürlich eim Fiasko erleiden, wenn
gleich=
zeitig die Fußball=MMeiſterſchaft zur Durchführung käme. Man erwägt
daher eime Verlegung des Spieles um acht Tage.
v.
Lulnen.
Die größten Turnvereine des Mittelrheinkreiſes.
Nach dem Stand vom 1. Januar 1929 klaſſifizieren ſich die Vereme
des
Nitztelrheinkreiſes in nachſtehender Reihenfolge: 1. WV. Oberſtein
mit 1324 Mitgliederm, 2. TW. Fronkfurt 1860 mit 1263, 3. Tgd. Worms
mnit 1226, 4. DV. Saarbrückem mit 1202, 5. TV. Offenbach mit 1129,
Tgb. Darmſtadt 1108, 7. TV. Mainz 1817 1020, 8. St. Joh. Tſchft.
Saarbrücken 1088, 9. TV. Aſchaffenburg 1001 Mitgliedern. Dann folger
SV. Bad Kreuznach 995, Tgd. Bockenheim 977, MTV. Saarbrücken 977,
V. Völßlingen 929, Tgd. Wiesbadem 903, TV. Saarbrücken=Malſtatt
830, Tgd. Hamat 817, TV. Wiesbaden=Biebrich 801 und Tgſ. Offenbach
800 Mitglieder.
Deutſche Flugrekorde anerkannk.
Der Internationale Luuftfahrtvepband in Paris hat wieſder einige
von deutſchen Fliegern aufgeſtellte Beſtleiſtungen als offizäelle
Welt=
rekorde anerkannt. Der Heinckel=Pilot Rolf Starke erzielte am 10. Juni
in Warnemnde mit einem 500=Kilogramm=Nutzlaſt tragenden 600=PS=
Heinckel=Waſſerflugzeug über 1000 Kilometer eine mittlere
Stunden=
geſſchwindigkeit von 222,277 Kilomererm, die gleichzeitig auch einen neuen
Rekord für dieſelbe Kategorie ohne Zuladung darſtellt. Die beiden
an=
deren Beſtleiſtungen ſind Segelflugrekorde, die nach den Beſchlüſſen des
Kopenhagener Kongreſſes jetzt auch international wieder averbannt
wer=
den. Der neue Weltrekondmann iſt der Darmſtädter Segelflieger Hans
Nehring, der im Apvil im der Rhön 1 Spunde 51 Mimuten in der Luft
Gläeb und fevner mit 1209 Metern die bisher größte Höhe erreichte.
Davispokal=Schlußrunde gegen England
Die Engländer holen einen Punkk auf.
Die erwartete deutſche Niederlage im Doppel des Davispokalſpiels.
Da3 Doppelſpiel im Dabispokalkampf Deutſchland—England am
Samstag bewies, wie notwendig die 2:0=Führung Deutſchlands am
Freitag war, um Deutſchland eine Chance auf den Sieg im
Europa=
zonen=Final zu geben. Das Doppel ging erwartungsgemäß glatt
ver=
loren, unſere Vertreter in den Einzelſpielen müſſen noch einen Punkt
ſichern, um den Eintritt in das Interzonen=Endſpiel zu erzwingen. Die
Engländer Dr. Gregory/Collins, einer der beſten Herren=Vierer der
Welt, brauchten nicht einmal ihr Beſtes zu geben, um die deutſche
Ver=
tretung Dr. Kleinſchroth/Dr. Landmann glatt in drei Sätzen 6:4, 6:2,
6:0 zu ſchiagen. Der Widerſtand des deutſchen Doppels erlahmte mit
der Dauer des Kampfes zuſehends, die beſſere Placierungskunſt und die
ehyſiſche Ueberlegenheit der Engländer triumphierten ſicher. Die Sieger
zeigten zwar kein übermäßig gutes Spiel, waren aber, an den
Leiſtun=
gen ihrer Gegner gemeſſen, doch recht gut.
Der Beſuch des Kampfes war noch ſtärker als der am Freitag
Nahezu 5000 Perſonen kamen, um die Feinheiten und beſonderem Reize
eines hochklaſſigen Doppelſpiels zu ſehen. Die Zuſchauer wurden
aller=
dings enttäuſcht, denn dank der großen Ueberlegenheit der Engländer
kam es nur in wenigen Spielphaſen zu einem wirklichen Kampf. Der
erſte Satz ſah die Engländer ſchon nach 8 Mmuten 3:0 in Führung.
Im vierten Spiel kamen die Deutſchen zum erſten Male durch einen
erſtaunlichen Rückhandſchlag Dr. Landmanns auf Einſtand und wenig
ſpäter durch einen ſchönen Paſſierball Dr. Landmanns ſogar zum
Spiel=
gewinn. Das ſiebte Spiel brachte ſehr ſpannende Flugballduelle, die
jedesmal mit Erfolgen der Deutſchen endeten. Dann aber prallten an
dem engliſchen Ballwerk alle Triebſchläge ab, und mit 6:4 fiel der erſte
Satz an Gregory/Collins. Im zweiten Satz übernahmen die Briten
erneut die Führung. Hart umkämpft war das vierte Spiel, das die
Deutſchen durch ausgeſchlagene Bälle der Gegner gewannen.
Quer=
ſchüſſe Dr. Landmanns konnten noch einmal den Satzverluſt aufhalten
dann aber war der Widerſtand der Deutſchen erlahmt, mit 6:2 fiel auch
dieſer Satz an die Engländer. Im dritten Satz verſchlug Dr.
Land=
mann viel, aber auch Dr. Kleinſchroth war nicht gut und hatte
oben=
drein noch Pech. Nur im dritten und fünfden Spiel kamen die
Deut=
ſchen einmal auf Einſtand, und ſchließlich blieben die Briten 6:0 in
Front.
Damen=Klubkampf bei dem Darmſtädter Fechk=Klub.
Vor den Ferien vevanſtaltete der D.F. C. als Abſchluß des Trainings
für ſeine Fechterinnen am vongeſtrigen Abend woch einen Klubkampf,
der nach dem internatzionalen Fechtregeln ausgetragem wurde und der
Zeugnis von dem Erfolg des jungen Klubmeiſters Angeli und des
fechteriſchen Eifers der Fechterinnen und deren Stärke vor den Fechtern
und einem größeren Mitgliederkreis gebben ſollte Zur Entſcheidung um
die Rangfolge draten 8 Fechterinnen am, die ſämtlich ſchon im Worjahre
wit guten Leiſtungen auuſwarteten und auch jetzt Lob von dem
Kampf=
gericht uund Beifall von den Zuuſchauern ernteten. Wie ſchon bei dem
letzten Verbands= uund Klubfechten, ſſowvie dem Ausſcheidungskämpfem umd
dem Mannſchaftsfechten gegen die Damem des Frankfurter und des
Main=
zer Fecht=Club im Frühjahr trat wiederum eine Werſchiebung in den
drei erſten Plätzen ei, als Beweis, daß die eifrigen und gut vevanlagten
Fechterinnen des D.F. C. ziemlich gleich ſtark ſind und der Rang meiſt
nur von dem wechſelndem Geſchick beſtimmt wird. Bei dem letzten
Ver=
bandsturnier i Rüüdesheim ſchnitt Frl. Brüchner, bei den Deutſchen
Meiſterſchaften in Stuttgart Frl. Jordan als Beſte ob. Am vorgeſtrigen
Abend errang wieder Frl. Marie Niebel mit 7 Siegen bei nur 10
er=
haltenen Trefferm einem ſchönem erſten Sieg, dank ihrev ſcharfen,
ener=
giſch durchgeführtem Angriffe und ſicheren Pavaden. Zweite und Dritte
wurden Frl. Tilde Brüchner und Frl. Käte Jordam mit je 5 Siegen und
18 bzw. 21 erhaltenen Treffern bei ebenfalls guter Technik und ſchöner
Haltumg, ebenſo wie die Vierte Frl. V. Engel mit 4 Siege
2
erhal=
tenen Treffern. Es folgen 5. Frl. Elſe Grimm, 6. Frl. Rläre?
warth
7. Frl. Liſelotte Melcher und 8. Frl. Elsbeth Hein. An die Fechtbämpfe
ſchloß ſich im Klubheim eine kleine Nachfeier an, die Fechterinmen,
Fech=
ter und ältere inaktive Mitzglieder in froher Tgfelrunde vereinte.
Schmelings nächſter Gegner bleibt Sharken.
Artur Bülow wieder ausgeſchaltet.
Nach einem Funhſpruch aus New York hat Carey, der Präſident von
Madiſon Square Garden, um eine Woche Aufſchub gebeten, wm den
Gegner für Sharkey zum Weltmeiſterſchaftskampf nennem zu. können
Buckley, der Präſidenr von Boſtow Garden und Vertvagsbevollmächtigte
von Sharbey, iſt bereit, bis zum 22. Juli zu warten, falls Schmeling oder
Jack Dempſey für den Weltmeiſterſchaftsendbampf benannt werden. Für
Bülow bedeuter dieſe meue Wenduung eine glatte Albfſuhr. Seine
Kampf=
projekte mit Phil Scott und O’Kelly werdem wohl wie verwirklicht
wer=
den. — Weſentlich für die ganze Angelegenheit iſt, daß der Staat New
York aus ſteuerlichen Gründen nicht die Abſicht hat, ſich ein
zweites Mal einem Weltmeiſterſchaft skampf entgehen zu laſſen.
Bekannt=
lich wurde der Welltmeiſterſchaftskampf Dempſey — Tuneh wegen der
vielen Schwierigkeiten, die von der Athletißbommiſſiom des Staates New
York gemacht wurden, kurzerhand nach Chicago verlegt, wodurch dem
Staat New York eim Ausfall von 100 000 Dollar an Steuern entſtand. —
Die Entſcheidumg über die Frage, ob Schmeling zum
Weltmeiſter=
ſchaftskampf antritt, muß nun am 22. Juli fallen, denm an dieſem Tage
hat Madiſon Square Garden an Sharkey die genauen Mitreilungen
über den Gegner, die Nundenzahl und den Kampftermin zu machen. —
Max Schmeling kann jetzt alſo im Ruhe die Entwicklung der Dinge
ab=
warten. Der Deutſche, deſſen Populawität im den Staaten übrigens noch
fortgeſetzt ſteigt, hat inzwiſchen die Rundreiſe burch die
Staa=
tenbereits angetreren und wird ſein Trazmng erſt wieder
auf=
mehmen, wenn die Entſcheidung über den Weltmeiſterſchaftskampf
ge=
fallen iſt.
33. Preußiſch=Süddeutſche Klaſſen=Lokkerie.
1. Tag 4. Klaſſe. In der Vormittags=Ziehung des
12. Juli fielen zwei Gewinne zu 100 000 Mark auf Nr. 162 834, zwei
Gewinne zu 3000 Mark auf Nr. 4768, zwei Gewinne zu 2000 Mark auf
Nr. 64 526, acht Gewinne zu 1000 Mark auf Nr. 49 224 173 016 219 799
333 791, 10 Gewinne zu 800 Mark auf Nr. 99 016 195 589 259 862 361 586
376 582, 34 Gewinne zu 500 Mark auf Nr. 8100 13 940 56 072 572
57 589. 60 207 91 179 115 597 118099 176950 179 319 182 446 197 404
215 057 318 930 351844 393 282. Ferner 102 Gewinne zu 400 Mark und
252 Gewinne zu 300 Mark. Die in der heutigen Vormittags=Ziehung
gewvonenen beiden Hauptgewinne von je 100 000 Mk. fielen auf Nummer
162 834 in Abt. 1 nach Schwerin in Mecklenburg und in Abt. 2 nach
Magdeburg. — In der Nachmittag=Ziehung fielen zwei Gewinne
zu 5000 Mark auf Nr. 2844, zwei Gewinne zu 3000 Mark auf Nr. 72 033,
vier Gewinne zu 1000 Mark auf Nr. 301 538 368 146, ſechs Gewinne zu
800 Mark auf Nr. 105 293 235 833 353 433, 14 Gewinne zu 500 Mark
auf Nr. 134 190 176 003 190 511 211 902 274 230 326 968 376 816; ferner
100 Gewinne zu 400 Mark und 228 Gewinne zu 300 Mark.
Geſchäftliches.
Glas, Porgellan und Kriſtall reinigt man auf einfachſte
Art mit dem meuen Spülmittel imi. Man gübt dem heißem Spüülwaſſer
auf 10 Liter einem Eßlöffel imi bei. Alles iſt faſt ohme Arbeit nach
kurzem Spüllen rein und glänzt wie neu. Gerade für Kriſtall habe ich
dieſes Mitztel vorzüügllich gefunden, und es dürfte zu dieſſem Zweck kein
beſſeres geben. Zum Machſpürlen ſetze man dem Waſſer ebenfalls etwas
imi zu. Das Mittel iſt durchaus unſchädlich und auch bazillentötend,
und vor allem ſehr vielſeitig im Gebrauch. Ich möchte es im Haushalte
nicht wehr miſſen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 14. Juli. 7: Hamburg: Hafenkonzert. O 8:
Morgen=
feier der Evangel. Landeskirche. O Anſchl.: Glockengeläut von der
St. Peterskirche. O 11.30: Mittelſchullehrer Mohnike: Das Geld, ein
Segen oder em Fluch für unſere Kinder?. o 12: Kaſſel:
Unterhat=
tungskonzert. O 13: Stunde der Landwirtſchaftskammer Wiesbadens
Stickſtoff= und Kalimangelerſcheinungen unſerer Kulturpflanzen.
Die Sommerarbeiten in der Rebſchule mit veredelten Reben.
Die Bekämpfung der Erdflöhe. o 14: Konzert des Geſangvereis
Sängerkranz‟, Dietzenbach b. Offenbach. O 15: Kaſperlſtunde;
Frau Simon: Kaſperl auf Reiſen, ein Märchen von Leonie
Meyer=
hof=Hildeck. O 16: Konzert des Funkorch. A. ſikal. Leitung:
Kapell=
meiſter Merten. O 18.45: Stunde des Lan s. o 19.45: Stunde des
Rhein=Mamiſchen Verbandes für Volksh ung.
des Funkorch. O Anſchl.: Tanzmuſik.
20.30: Konzert
Königswuſter! „uſen.
Deutſche Welle. Sonntag, 17. Ju.i 6: Berlin: Funkgymnaſtik.
6.30: Frühkonzert. Neues Tonkünſtlerorch. O 8.55: Uebertr. des
Stundenglockenſpiels der Potsdamer Garniſonkirche. 9:
Morgen=
feier. Anſpr.: Peter Wolfgang Weſſoly O. Pr. Berlin. O Anſchl.:
Glockengeläut des Berliner Doms. O 10: Wettervorherſage. o 1.
Mitteil. u. prakt. Winke f. d. Landwirt. 11.30: Königsberg
Uebertr. der Eröffnungsfeier der Ausſtellung „Bauten und Techni
m Danzig. O 12: Leipzig: Uebertr. des Mandolinen=Konzerts des
Deutſchen Arbeiter=Mandolinen=Bundes m der Alberthalle in Leip=
13: Berlin: Konzert. (Marek. Weber). e 15: Sonaten.
Albrecht Luer (Klavier). o 15.30: Märchen, erzählt von Johanna
Meyer. O 16: Kammermuſik. (Bruinier=Quartett). O 17: Uebertr.
2.
Nachmittagsmuſik aus dem Zoologiſchen Garten. o 18.30:
b.=Reg.=Rat Dr. Peiſer: Was führte zum Sturm auf die Baſtille?
19: Otto Brues: Berlm und die Provinz. O 20: Berlin: Konzert.
Kammerorcheſter. Dirigent: Szenkar. O Danach: Tanzmuſik. Kapelle
Gerh. Hoffmann. — Pauſe: Bildfunk.
Weikerbericht.
Die herrſchende Druckverteilung
— tiefer Druck im Norden und
Oſten, hoher Druck im Weſten — hat in Deutſchland eine Zufuhr kühler
Luft herbeigeführt. Sie verurſacht bei ihrem Aufgleiten auf die
kon=
tinentale Warmluft allenthalben Bewölkung. Auch wird Neigung zu
Gewitterſtörungen dabei beſtehen. Die Temperaturen erfahren einen
geringen Rückgang. Das weſtliche Hoch greift jedoch immer mehr nach
dem Feſtland über und wird ſpäter wieder mehr Aufheiterung bringen.
Ausſichten für Sonntag, den 14. Juli 1929: Zunächſt noch wolkiges
Wetter, ſpäter wieder mehr aufheiternd, vorübergehend leichte
Ab=
kühlung, Neigung zu Gewitterſtörungen.
Ausſichten für Montag, den 15. Juli 1929: Meiſt heiteres, warmes
und meiſt trockenes Wetter.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Veranwwortlich für Poiliſk und Wirtſchaft: Rudolf M
e; für Feuiſleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Stre
üir
r. Eugen Buhlmann;
ußdienſt: J. V.: Dr. Eugen Buhlmann
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den E
für „Die Gegenwart
den Inſeratenteil: Willp Kuhle,
Dr. Herbert Nette;
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripie wird Garantie der Rückſendung nich t übernommen.
Die heutige Nummer hat 22 Geiten.
Gegen Schwaben
Tod und Zeufel
Schwabenpulver „Martial” vertilgt
Schwaben ſamt Brut reſtlos. Wirkung
verheerend. Spritzdoſe Mk. 0.70,
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Sonntag, den 14. Juli
Skarke Senkung der Mais=Einfuhr.
Seit Mitte des Jahres 1927 iſt die Mais=Einfuhr unter
be=
ſtimmten, durch die Jahreszeit bedingten Schwankungen ſtändig
zurückgegangen.
In den erſten fünf Monaten des laufenden
Jahres war die Mais=Einfuhr, die zum größten Teil aus
Ueber=
ſee, und zwar über Hamburg, erfolgt, ganz beſonders niedrig.
Der Rückgang der Mais=Einfuhr hat ſich in der Weiſe ergeben,
daß einmal größere Futtermengen aus eigener Ernte zur
Ver=
fügung ſtehen und daß außerdem der Futtermittelbedarf infolge
der geringeren Schweinehaltung vermindert iſt.
Vom ſüddeukſchen Produkkenmarkk.
Mannheim, 12. Juli.
Die Preisbewegungen auf dem Weltmarkte blieben auf den hieſigen
Markt im allgemeinen ohne Einfluß. Unſere Mühlen nahmen größere
Weizenmengen, die vor dem 10. Juli die Zollgrenze überſchritten hatten,
aus dem Merkt und verhalten ſich nunmehr abwartend. Für
Inlands=
weizen verlangte man für einzelne Waggons ſüddeutſche Waare 27 bis
27,50 RM. pro 100 Kilo franko Mannheim; für mitteldeutſchen Weizen,
geſunde trockene Durchſchnittsqualität, per Auguſt—September lieferbar,
Bahnverladung 28 RM. franko Mannheim, und per Waſſerladung 27,50
RM. eif Mannheim. Für hier greifbaren Auslandsweizen ſtellten ſich
die heutigen Preiſe je nach Herkunft und Qualität auf 27,50—30 RM.
waggonfrei Mannheim. Roggen war den gleichen Einflüſſen
unter=
worfen wie Weizen. Hierländiſcher Roggen war zu 24—24,25 RM.,
Auslandsroggen zu 25,25 RM. ab Mannheim angeboten. Hafer lag
gut behauptet bei kleinen Umſätzen, da ſich die Käufer zu den erhöhten
Preiſen Zurückhaltung auferlegten. Hierländiſcher Hafer wurde mit 23,25
bis 24,00 und Auslandshafer mit 22,50—23,25 RM. waggonfrei
Mann=
heim offeriert. In Gerſte lag Braugerſte weiter ruhig. Futtergerſte
hatte behaupteten Markt; doch auch für dieſen Artikel beſtand nur
Nach=
frage zur Deckung des notwendigſten Bedarfs. Die Preiſe für
Futter=
gerſte ſtellten ſich auf 20,50—21 RM. waggonfrei Mannheim. — Mais
konnte ſeinen Preisſtand in Uebereinſtimmung mit den feſteren
Aus=
lansmärkten gut behaupten und blieb heute mit 22,75 RM. einſchließl.
Säcken zu unveränderten Preiſen gegenüber der letzten Notiz vom
Mon=
tag käuflich.
Futtermittel hatten ſtetigen Markt. Die Preiſe konnten ſich
im allgemeinen gut behaupten, doch hat die Kaufluſt in der letzten
Woche etwas nachgelaſſen. Man forderte heute per 100 Kilogramm
waggonfrei Mannheim folgende Preiſe: Weizenfuttermehl, ſofort
liefer=
bar, 12,50, per September—Dezember 14,50, feine Weizenkleie prompt
12,00, September—Dezember 12,50, grobe Weizenkleie prompt 12,50,
Sep=
tember—Dezember 13,50 und für mittelgrobe Weizenkleie prompt 12,25,
für ſpätere Lieferung 13 RM.* Dieſe Forderungen der Mühlen werden
aber dann von der zweiten Hand um 0,25—0,50 RM. unterboten
Bier=
treber 17,50—18,75, Sohaſchrot 2,50—21, Malzkeime 16—17,50,
Trocken=
ſchnitzel 13,50—14, Erdnußkuchen 21—21,50, Rapskuchen 18,25—18,75 und
Melaſſefutter 11—11,75 RMM. waggonfrei Mannheim.
Mehl. Auch in dieſer Woche war der Abruf in Mehl aus
frühe=
ren Kontrakten recht lebhaft, während neue Abſchlüſſe, ſoweit uns
be=
kannt, nicht getätigt wurden. Die Mühlen haben ihre Preiſe ſeit
unſe=
rem letzten Bericht für Weizenmehl um 1 Mark pro 100 Kilo erhöht und
verlangen heute für ſüddeutſches Weizenmehl Spezial Null 38,50,
Aus=
zugsmehl 42,50, Weizenbrotmehl 30,50 und für ſüddeutſches Roggenmehl
70—65prozentige Ausmahlung 32,50—35 RM, waggonfrei Mühle.
Tabak. Die Marktlage iſt vollkommen unverändert. Abgeſehen
von einigen Schadenmeldungen durch Hagelſchlag macht die Entwicklung gation gehören die Vorſtände der Produktenbörſe von Oeſterreich,
Un=
der Tabakpflanzen weiter gute Fortſchritte.
Hopfen. Aus einigen Gegenden liegen Gerüchte vor über Schäden
durch das in dieſer Woche niedergegangene Unwetter. Auf die
Markt=
lage blieben dieſe Meldungen aber bis jetzt ohne Einfluß. Für prima
Markt= und Gebirgshopfen zahlte man zuletzt in Nürnberg 75—85 und
für Hallerauer Hopfen 110—120 RM. pro Zentner.
*
Mainzer Produktenbericht vom 13. Juli.
Großhandelseinſtands=
preiſe per 100 Kilo loko Mainz am Freitag, dem 12. Juli 1929: Weizen gewiſſen Geſichts= und Qualitätsmerkmalen im Auge behalten.
26—27, Roggen 23,25—B,50, Hafer 23,50—24, Futtergerſte 19,50—20,
Weizenmehl, Spezial 0, 38,90 niederrhein. Weizenmehl, Spezial 0,
ſüidd.
Roggenmehl 01 33—33,50, Weizenkleie, fein 11,75—12, grob 12.75
38,90
18,50, Erdnußkuchen 22—22,50, Kokoskuchen 20,25—25,25, Palmkuchen
19—20, Rapskuchen 19,50—19,75, Kleeheu, loſe 10—11, geb. 10,50—11,50,
Wieſenheu 9,50—10, Maſchinenſtroh 5,25, Drahtpreßſtroh 5,50, weiße
Bohnen 36,75. Tendenz; ruhiger.
Berliner Produktenbericht vom 15. Juli. Bei ruhigem Geſchäft
ſeigte die Produbtenbörſe am Wochenſchluß einen ſehr feſten Unterton.
die Preisſteigerungen an den überſeeiſchen Terminmärkten, denen auch
Liverpool folgte, blieben nicht ohne Einfluß auf die Tendenzgeſtaltung.
Die Cifofferten für Weizen waren von Nordamerika ſtärker erhöht als
von Südamerika. Abfchlüſſe kamen auf dem erhöhten Preisnivenn
käum zuſtande. Vom Juland war Weizen alter Ernte für
Waggon=
verladung nur ſpärlich angeboten, für Weizen neuer Ernte lauten die
Forderungen beträchtlich höher als geſtern. Es waren jedoch auch 3
bis 4 Mk. höhere Preiſe durchzuholen. Roggen ſteht ausreichend zur
Verfügung. Im Einklang mit der Tendenz des Weizenmarktes wurden
Mark höhere Forderungen bewilligt. Im
Liefevungs=
auch hier 1—
markt ſetzte Juliweizen 6 Mark, die ſpäteren Sichten 3½ Mk. höher
ein. Rogen vermochte ſich, namentlich in den ſpäteren Sichten, um bis
½½ Mk. zu befeſtigen. Mehl hat bei wenig veränderten Preiſen kleines
Heſchäft. Hafer und Gerſte ruhig.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
* Chicago, 13. Juli (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Auch heute herrſchte am Baumvollmarkt luſtloſe
Stim=
mung. Die Preiſe gaben etzugs nach, da die Meldungen aus Liverpool
verſtimmten und allgemein gutes Wetter berichtet wird. Der Handel
jahm ſpäter auf dem geſuntenen Preisniveau einige Käufe vor.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. Juli:
Getreide. Weizen: Juli 129, Sept. 1341 Dez. 140; Mais:
Fuli 95½, Sept, 98½, Dez. 93); Hafer: Juli 468, Sept. 47½,
Dez. 50½; Roggen: Juli 1007 Sept 105, Dez. 110.
Schmalz: Juli 12,30, Sept. 12,57½, Okt. 12,70, Dez. 12,80.
Fleiſch. Rippen: Juli 13,25, Sept. 13,65; Speck, loko 13,50;
leichte Schweine 11,75—12,30, ſchwere Schweine 11,25—12,00;
Schweinezufuhren: Chicago 7000, im Weſten 35 000.
Baumwolle: Oktober 18,26.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 13. Juli:
Getreide. Weizen: Rotwinter 156½, Hartwinter 144; Mais,
neu angek. Ernte 106½; Mehl, ſpring wheat clears 5,70—6,10;
Fracht: nach England 1,6—2,0 Schilling, nach dem Kontinent
—9 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 13,05; Talg, extra, loſe 7½.
Die deutſche Eiſenwirtſchaft.
Nach dem großen Produktionsausfall durch die Ausſperrung
im November des vorigen Jahres hat ſich die Eiſengewinnung
zunächſt naturgemäß etwas über den vorhergehenden Stand
er=
hoben, um dann etwa auf das gleiche Maß wie vor der Störung
herabzupendeln. Die kräftige Steigerung, die die deutſche
Eiſen=
gewinnung in allen ihren drei großen Gruppen ſeit Anfang 1926
bis Ende 1927 aufwies, iſt ja leider einem ſchrittweiſen Rückgang
im Laufe des Jahres 1928 gewichen, und auch eine an ſich nicht
verkennbare Beſſerung der Konjunkturlage in den letzten Monaten
hat dieſen Rückgang noch keineswegs wieder ausgleichen können.
Auch bei der Ausfuhr von Eiſen und Eiſenwaren war die
günſtige Entwicklung der Jahre 1925 und 1926 ziemlich plötzlich
unterbrochen worden, und zwar trat hier der Rückſchlag bereits
früher als in der Eiſenproduktion ein, nämlich ſchon mit Anfang
1927. Einem kräftigen Aufholen der Ausfuhr in der erſten Hälfte
des vorigen Jahres folgte im Herbſt ein neuer Rückgang, der in
den erſten Monaten dieſes Jahres weitere und ſtärkere Formen
annahm. Der April hat indeſſen einen plötzlichen, ſehr ſtarken und
recht erfreulichen Aufſchwung der Eiſenausfuhr gezeitigt.
Die Einfuhr an Eiſen und Eiſenwaren erreichte einen
Höhepunkt im Herbſt 1927, ſeither geht ſie ziemlich ſtetig zurück.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 10. Juli 1929. Die auf
den Stichtag des 10. Juli berechnete Großhandelsindexziffer des
Stati=
ſtiſchen Reichsamts iſt mit 137,/4 gegenüber der Vorwoche (137,5) nahezu
unverändert. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für
Agrar=
ſtoffe um 0,3 Proznt auf 131,2 (131,6) nachgegeben. Die Indexziffer für
Kolonialwaren iſt um 1,2 Prozent auf 127,3 (125,8) geſtiegen. Die
Indexziffer für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren ſtellte ſich auf
231,5 (131,3) und diejenige für induſtrielle Fertigwaren auf 157,2 (157,3).
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 30. Jun: bis 6. Juli im Ruhrgebiet in ſechs
Arbeitstagen 2379 426 To. Kohle gefördert gegen 2344 941. To. in der
vorhergehenden Woche bei ebenfalls 5¾ Arbeitstagen. Die
Kokserzeu=
gung ſtellte ſich in den ſieben Arbeitstagen der Berichtswoche (in den
Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 642 781 To. gegen 634 931
To. in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung auf 70 453
To. gegen 66 545 To. in 5¾ Arbeitstagen. Die arbeitstägliche
Kohlen=
förderung betrug in der Zeit vom 30. Juni bis 6. Juli 396 571 To. gegen
407 816 To. in der vorhergehenden Woche. Die tägliche Kokserzeug ing
ſtellte ſich auf 91 826 To. (90 703 To.), die arbeitstägliche
Preßkohlenher=
ſtellung auf 11 742 To. (11573 To.).
Internationale Tagung der Getreidebörſen. Wie man hört, wird
die ſüdoſteuropäiſche Delegation im Herbſt dieſes Jahres eine Tagung
in München abhalten, um über eine Anzahl von Fragen des
internatio=
ualen Getreidehandels und der Wirtſchaftspolitik zu beraten. Der
Dele=
garn, der Tſchechoſlowakei, von Jugoſlawien, Numänien und Bulgarien
an, ſowie als einzige deutſche Börſe die Münchener, und zwar im
Hin=
blick auf ihre Bedeutung für den Getreidehandel mit Südoſteuropa. Auf
der diesjährigen Tagung beabſichtigt man unter anderem über die
Durchführung des Donaukontraktes für Getreide und Mais zu beraten,
ſerner über die einheitliche Durchführung der ſchiedsrichterlichen
Ak=
tionen, weiter über die Frage der Muſterzeichnungen wie überhaupt
über die Vereinheitlichung der Uſancen. Für ſpäter wird die Frage
der Standardiſierung, d. h. der Klaſſifizierung des Brotgetreides nach
Mehlhanbel und Mühleninduſtrie. Nachdem im Juni zwiſchen den
weſtdeutſchen Mühlen eine Konvention zuſtande gekommen iſt, die in
Nöln zur Gründung eines beſonderen geſchäftsführenden Organs in
Form einer G. m. b. H. führte, hat auch der Mehlhandel die
Ver=
handlungen aufgenommen, um durch feſte Abmachungen mit der
Müh=
leninduſtrie eine Verbeſſerung ſeiner eigenen Lage zu erreichen. Die
Verhandlungen haben jetzt zu einer Verſtändigung dahin geführt, daß
den Mehlhändlern entſprechend den Umſätzen, die ſie bei einer der
Kon=
vention angeſchloſſenen Mühle tätigen eine Rückvergütung gewährt
werden ſoll, die nach beſtimmten Staffelungen geſchieht. Dagegen ſind
über die zu treffenden Vereinbarungen, wonach den Mehlhändlern eine
gewiſſe Nettoverdienſtſpanne in jedem Falle ermöglicht werden ſoll, noch
uicht abgeſchloſſen.
Zur Aufteilung der Hamburger Vulkanwerft. Im Zuſammenhang
mit der Aufteilung der Hamburger Vulkanwerft, über die bereits
be=
richtet wurde, erfahren wir von zuſtändiger Stelle, daß ſich die Frage
der Entſchädigung der Deſchimag durch den Hamburger Staat ſehr
ſchwierig geſtaltet. Die Forderung der Deſchimag für die vorzeitige
Näumung des Pachtgeländes übertrifft noch weſentlich das Angebot des
Hamburgiſchen Staates. Da keine Ginigung in dieſer Angelegenheit
erzielt werden konnte, mußten die Verhandlungen vorerſt abgebrochen
werden. Man rechnet jedoch mit der baldigen Fortführung. Die
Ver=
handlungen, die zwiſchen der Deſchimag und der Deputation für
Han=
del, Schiffahrt und Gewerbe über die Liegeplätze der Docks geführt
wer=
den, gehen dagegen ausſichtsreich weiter.
20prozentiger Rückgung des Schweinebeſtandes in Deutſchland. Das
Statiſtiſche Reichsamt veröffentlicht, ſoeben die vorläufigen Ergebniſſo
der Schwveinezwiſchenzählung vom 1. Juni 1929. Hiernach iſt
gegen=
über dem Vorjahr ein ſtarker Nückgang der Schweinehaltung
eingetre=
ten, und zwar ging die Beſamtzahl der Schweine von 20 186 842 Stück
am 1. Juni 1998 auf 16 752 152 am 1. Juni 1929 zurück. An der
Ver=
uingerung des Schweinebeſtandes ſind alle Gattungen faſt gleichwäßig
beteiligt. So haben Ferkel unter 8 Wochen alt einen Rückgang von
Jahr
4 936 736 auf 4 155 030, Jungſchweine, 8 Wochen bis noch nicht 1
alt, von 9556 834 auf 3073 541, Schweine, 1 bis noch nicht 1 Jahr
alt, ven 4 194 072 auf 3 952 132, ein Jahr alte und ältere Schweine von
1545 200 auf 1 471 255 Stück zu verzeichnen.
Die Landwirtſchaft in Innerrußland (RSFSR). Wie gemeldet
wurde in einer Vollſitzung des Rates der Volkskommiſſare der
wird
NSFSR. der Bericht über die Ausmaße der diesjährigen
Frühjahrs=
ausſaat erſtattet. Danach war planmäßig eine Steigerung der
Ausſaaat=
fläche um 9,3 v. H. vorgeſehen. Nunmehr hat ſich jedoch herausgeſtellt,
daß in dieſem Frühjahr eine Steigerung von 6 v.H. erreicht worden iſt.
Dagegen iſt die auf Grund des Planes vorgeſehene Erweiverung der
Ausſaatfläche der landwirtſchaftlichen Kollektivwirtſchaften in einem
großen Maße überſchritten worden. Danach beträgt die diesjährige
Ausſaatfläche dieſer Wirtſchaften 16 Millionen Hektar gegen 3,3 Mill.
Hektar im Vorjahr. In den Frühjahrsmonaten ſind insgeſamt 13600
neue landwirtſchaftliche Kollektivwirtſchaften geſchaffen worden. Am
Juni betrug die Zahl der Kollektivwirtſchaften 33 000 und die der
kleinen Bauernwirtſchaften 85 000.
*
Die inkernakionalen Diskonkſähe.
Einen Ueberblick über den Stand und die Entwicklung der
Diskontſätze in Deutſchland und im Vergleich dazu in den
Län=
dern, die als Geldgeber für Deutſchland in Frage kommen, gibt
das folgende Schaubild. Seit dem 30. 6. 1926, dem letzten in dem
Schaubild berückſichtigten Stichtag, ſind keinerlei Veränderungen
der aufgeführten Diskontſätze zu verzeichnen geweſen.
Beſonders niedrig — und außerdem gleich hoch — ſind und
waren die Diskontſätze in der Schweiz und in Frankreich. Höher
aber auch wieder gleich hoch — waren ſie in Großbritannien
und den Niederlanden. Der deutſche Diskontſatz überſteigt zurzeit
den nächſthöchſten, nämlich den der Bank von England und der
Niederländiſchen Bank. um volle 2 Prozent.
Schiffs= und Maſchinenbau A.=G., Mannheim. Die Geſellſchaft weiſt
1928 einen Verluſt von 64 264 RM. aus, der ſich zuzüglich desjenigen
von 1927 in Höhe von 48 852 auf insgeſamt 113 116 RM. beläuft. Der
Fabrikationsrohertrag beträgt 439 791, die Betriebsunkoſten erforderten
249 491, Handlungsunkoſten 193 588 RM. Die wirtſchaftliche
Aufwärts=
bewegung, die zum Teil im Jahre 1327 beobachtet werden konnte, kam
bei Jahresanfang 1923 zum Stilſtand, der ſchließlich in eine
Rückwärts=
bewegung, der Konjunktur ausartete. Die einzelnen Preiſe konnten
nicht befriedigen, da der äußerſt ſcharfe Wettbewerb beſonders derjenige
durch holländiſche Werften noch fortbeſteht. Die G.V. genehmigte den
Abſchluß und beſchloß, den Verluſt auf neue Rechnung vorzutragen.
Die Bilanz weiſt aus: Grundſtücke 291 894, Gebäude 91985. Werft
102 031, Betriebsmaſchinen 10 650, Werkzeugmaſchinen 71 039, Vorräte
und unvollendete Arbeiten 185 794, Kaſſe und Effekten 9 760, und
Debi=
toren 373 283, denen auf der anderen Seite bei einem A.=8 von 500 000
AM. Stamm= und 100 000 RM. V.A. 637 000 RMM., K ttoren
gegen=
überſtehen.
Kapitalerhöhung bei dem Großkraft=Werk M. „heim A.G. Die
Geſellſchaft ſchlägt Kapitalerhöhung um 2 auf 6 ill. RM. vor, wobei
die neuen Aktien von den Großaktionären, Badenwerk, Stadt
Mann=
heim, Kohlenkontor uſw., feſt übernommen werden.
Zur internationalen Zinnkonferenz in London. In London hat
endlich die lang angekündigte Konferenz der Zinnproduzenten der Welt
ſtaattgefunden. 167 Geſellſchaften hatten ſich vertreten laſſen, die
zu=
ſammen eine Erzeugung von 100 000 To, darſtellen oder rd, 65 Prozent
der Weltherſtellung. Die Gründung eines Kartells wurde einſtimmig
beſchloſſen. Es wurde ein Komitee eingeſetzt, das ſich mit der
Ausarbei=
tung eines Statuts zu beſchäftigen hat, das in Kürze einer neuen
Kon=
ferenz zur Genehmigung vorgelegt werden ſoll. Dem Komitee gehören
u. a. an: für die Tronoh=Gruppe Sir Erneſt Birth und Attenborogh,
für die Jpoh=Gruppe. Sir Mair Howeſon, für die Anglo Oriental=
Gruppe Sir Butler und Sir Heinrich Rogers ſowie John Wyme. In
den endgültigen Verwaltungsrat des Kartells werden die malaiſchen
Inſeln 14 Vertreter, Nigeria 2, Birma 2, Siam 2, Cornwallis 2 und
Auſtralien 1 Vertreter entſenden. Die Zinnerzeuger des belgiſchen
Kongos werden über ihren Beitritt, zum Kartell erſt noch Beſchluß
faſſen.
Die Lage in der engliſchen Baumwollinduſtrie. Vorgeſtern fand in
Mancheſter eine Sitzung des Lohnausſchuſſes der Spinnereibeſitzer ſtatt,
wo das Ergebnis der Abſrimmung über den Vorſchlag, die Löhne der
Arbeiter um 12,82 Prozent herabzuſetzen, entgegengenommen wurde.
Es wurde mitgeteilt, daß die Firmen, die über 92 Prozent der
Spin=
deln und Webſtuhle im Verbande beſitzen, für eine Lohnherabſetzung
geſtimmt haben. In einem abends an die Mitglieder des Veubandes
geſandten Schreiben wird mitgeteilt, daß Plakate angeſchlagen werden,
auf denen derkundet wivd, daß die Fabriken am Montag, dem 29. Juli,
wieder geöffnet werden, und zwar nur zu den herabgeſetzten Löhnen.
Faſt eine halbe Million Arbeſter wird von der Herabſetzung betroffen.
Alle in Betracht kommenden Verbiude haben den Vorſchlag der
Arbeit=
geber verwvorfen. E3 wird erwartet, daß in den dazwiſchen liegenden
zwei Wocken die Negierung die Initiative ergreifen und die
der=
ſprochene Unterſüchung der Lage der Baumwollinduſtrie beſchleunigen
wird.
Biehmärkke.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am 13. d. M. waren
260 Schweine zugeführt. Verkauft wurden 206 Stück, und zwar
Milch=
ſchweine das Stück von 39—43 Mk., Läufer von 50—65 Mk.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Der Reichsarbeitsminiſter hat am Samstag mittag den Schiedsſpruch
für die ſchleſiſche Textilinduſtrie für verbindlich erklärt.
Wie von gewerkſchaftlicher Seite mitgeteilt wird, haben die
Ange=
ſtelltenorganiſationen beſchloſſen, den Schiedsſpruch für die
kaufmänni=
ſchen Angeſtellten und Werkmeiſter der Seeſchiffswerften anzunehmen.
Auch die Arbeitgeber haben dem Spruch zugeſtimmt.
Die Stadtverordnetenverſammlung in Frankfurt a. M. ſtimmte dem
Ausſchußbeſchluß zu, der forderte, keine allgemeinen Meſſen mehr
abzu=
halten. Damit iſt das Ende der Frantfurter internarionalen Meſſen
beſchloſſen.
Wie wir erfahren, hat der Proteſt, der in der o. G.V. der Badenia=
Weinheim von zwei Aktionären zu Protokoll gegeben wurde, auf den
Abſchluß des Zwangsvergleichs keinerlei Einfluß. Das Amtsyrricht
wird vielmehr den Vergleich, der im Termin vom 9. Juli mit
überwäl=
tigender Mehrheit angenommen wurde, beſtätigen.
In der Saargrube Reisweiler wird der Betrieb am 1. Auguſt d. J.
durch eine holländiſche Geſellſchaft wieder aufgenommer, die die
Aus=
beutung vom franzöſiſchen Saarbergfiskus, dem derzeitigen Eigentümer
des geſamten Saarkohlenvorkommens, gepachtet hat. Die Grube lag
ſeit längerer Zeit ſtill.
Wir wir hören, wird die Wahl des neuen Präſidenten der
Inter=
nationalen Handelskammer, der für die Dauer von zwei Jahren
er=
nannt wird, vorausſichtlich auf den belgiſchen Miniſter George Theunis
fallen. Als Tagungsort des nächſten Kongreſſes, um den ſich zahlreiche
Länder bemühen, wird möglicherweiſe Wien gewählt werden.
In der Oſtender Sitzung des Internationalen Walzdrahtverbandes
wurden die Preiſe mit Ausnahme der für China und Japan, die den
dortigen Frachten angepaßt werden unverändert gelaſſen. Die
Pro=
duktionstonnage wurde um 25 000 To. auf 47500 To. herabgeſetzt, da
eine leichte Konjunkturabſchwächung feſtzuſtellen ſei.
Die „D.A. 3.” berichtet aus London: Die engliſche Baumwollinduſtrie
hat mit Wirkung ab B. Juli die Geſamtausſperrung von ca. 500 000
Arbeitern beſchloſſen.
Mit Genehmigung der polniſchen Regierung wurden ſoeben, wie
bereits angekündigt, die Inlandszuckerpreiſe in Polen für
Kriſtall=
zucker von 146 Zl. für je 100 Kg. loko Lager Warſchau auf 155,50 Bl
erhöht. Der Zweck der Erhöhung iſt ein Ausgleich der beim Export
entſtehenden Verluſte.
Die bulgariſche Nationalbank hat den Druck neuer Vanknoten im
Geſamtbetrage von 8 Milliarden Lewa in Auftrag gegeben. Die
Bank=
noten werden in England gedruckt. Nach Ausgabe der neuen
Bank=
noten werden alle bisher im Umlauf befindlichen Banknoten bis zu
100 Lewa aus dem Verkehr gezogen.
Infolge der ſchweren Abſatzkriſe in der tſchechoſlowakiſchen
Textil=
induſtrie ſieht ſich die Firma Preidl in Warnsdorf gezwungen, ihre
Betriebe in Oberkamnitz und in Rabſtein bei Böhmiſch=Kamnitz
voll=
ſtändig ſtill zu legen. Der Zweigb= rieb der Firma in Rumburg iam
ſchon Ende 1928 zum vollſtändigen Stillſtand.
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gu
Seite 14
Sonntag, den 14. Juli 1929
Nummer 193
4
A
Wilhelminen-
straße 9
Des Festzuges wegen beginnen unsere Vorstellungen heute erst um 4 Uhr
Wir zeigen heute und morgen noch:
Das deutsche Lied
den unter dem Protektorat des Deutschen Sängerbundes hergestellt.
ersten Großtilm, der ausschließlich die Ptlege des Liedes zur
Auf-
gabe hat. — Dazu singt das Solo-Quartett des Hessischen
Landestheaters.
Außerdem bringen wir den Film vom
Deutschen Sängerbundesfest 1928 in Wien
mit seinen 200 000 Teilnehmern.
Unser Kriminal-Sensationstilm:
Die Dame mit dem Tigerfell
Hauptrollen: Ellen Richter, Bruno Kastner, Georg Alexander, Evi
Eva — ist von der gesamten Darmstädter Kritik gehr güngtig
aufgenommen; versäumen Sie ihn nicht, er läutt nur noch einige
Vorher:
Tage. —
Der falsche Sheriff
mit Big Boy Williams
(TV.11502
See -Jugen - Bensheim
Bick — Als — und Auerbach
Kinder ſchmiert die Stiefel und du Mutter mach!
Heraus aus dem Steinhaufen der alltäglichen Stadt
Nach unſrer prächt’gen Bergſtraß”, die man ſo nahe hat,
Die Wochendkart nach Bensheim, die koſtet ja nicht viel,
Der ſchönſte Punkt der Bergſtraß”, der Kirchberg, ſei das Ziel.
Dort trinkt man gute Schoppen vom Bergſträßer und Rhein.
Schmauſt Kaffee, Eis u. Torten und ſchaut nach Worms hinein.
Man ſieht der Bergſtraß’Städtlein, Berg”, Türm’ in weiter Rund.
Es iſt der mannigfaltigſt und ſchönſte Ausſichtspunkt!
Drum’ auf nach See= Jugen=Bensheim ete ete.
(Kann nicht oft genug wiederholt werden, denn keine
Berg=
ſtraß= und Odenwald=Wanderung ohne Kirchberghaus, dem
ſchönſten Ausſichtspunkt der Bergſtraße.) (11265b
Zum Schwanen
1.
Georgenſtr. 1½
Georgenſtr. 1½
Freitag, Samstag und Sonntag
Stimmungs-Konzert
I0.
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K
Zum Tropfstein
Ecke Kasino- u. Friedrichstr.
Weinklause u. Bierlollal
Rheinische Bedlenung.
(8571a)
C
Zum Roſengarten
Frankfurter Straße 79
Heute Sonntag
Orop. Dartentdnzetl
mit Tanzeinlagen
Muſikkapelle Wingentradt
Es ladet ein Peter Roßmann
Darmſtadt.
Sonntag, 21. Juli:
8. Wanderung
Jugenheim—
Lindenfels.
Meldeſchluß für
Auto=
fahrt bis Montag,
den 15. Juli, abends
Uhr, verlängert.
(Siehe Aushang.)
(11482)
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für Paddelfahrten
ſucht geb. Herr
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u. ſportlieb. Spät.
Heirat nicht
ausge=
ſchloſſ. Ang. nur m
Bild u. V. 99 Gſch.*
20. Juli bis 14. Auguſi 41929
Künſtleriſche Leitung: Guſtav Hartung
(röffnungsakt 20. Juli, nachm. /,5 Uhr
Feſtanſprache: Thomas Mann
Muſikaliſche Leitung: Arthur Bodanzky
Nachtaufführungen im Schloßhof und Bandhaus:
Shakeſpeare:
„Sommernachtstraum”, „Troilus” u. „Greſſida
Gerhart Hauptmann: Florian Geher
Inſzenierungen im Schloßhof: Guſtav Hartung
Inſzenierungen im Bandhaus: Rudolf Rittner
Auskunft und Vorverkauf: Bücherſtube Afred Bodenheimer,
Rheinſtr. 24, Vertretungen des mitteleuropäiſch. Reiſebüros
TV11088
OREHEUHT
Heute Sonntag, den 14. Juli, abends 8.10 Uhr (11501
Abschieds-Vorstellung
der 5. Sommerspielzeit Dir. Adalbert Steffters.
D Anläßlich des Sängerfestes letzte Festspiel-Vorstellung: D7
Musik von
Die Frau ohne Kuß Wal. Kollo
Num. Plätzre von 1.50 Mk. an. — Bestteilnehmer haben Preisermäbigung.
Karten: de Waal bis 6 Uhr, Kiock bis ½2 Uhr Verkehrs-Büro bis 12 Uhr
2. Heſſiſches
R
Sn
Sängerbundesfeſt
7.
Montag, den 15. Juli 1929
Der Tag
der Freude
8.30—12 Uhr: Beſichtigung des Schloßmuſeums und
Landes=
muſeums.
13.30 Uhr: Sängerfahrt nach Seeheim und Jugenheim
18.30 Uhr: Feſivorſtellung der Opernſchule der Städt.
Akademie für Tonkunſt: „Baſtien u. Baſtienne‟
von W. A. Mozart im Kleinen Haus des
Landestheaters.
15.00 Uhr: Kinderfeſit in der Feſthalle.
20.00 Uhr: Konzert auf dem Feſtplatz. Tanz in der Feſthalle.
22.00 Uhr: Großes Brillantfeuerwerk
Eintritt auf den Feſtplatz 30 Pfg. — Inhaber der Sängerfeſikarte haben treien
(11480
Eintritt zur Feſſvorſtellung.
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Schlußzeiten für den Fahrkartenverkauf
bei den Nachmittagsfahrten 12 Uhr bei
den Tagesfahrten am Vortage 18 Uhr.
Mittwoch, den 17. Juli: Abfahrt 13.15
nach Lichtenberg (1 Std.),
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Sonntag, den 21. Juli: Darmſtadt (7.00),
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bach, Beexfelden. Michelſtadt (½Std.),
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Mittwoch, 24. Juli: Darmſtadt (13.15)
Neunkirch., Lindenfels (1 Std.), Fürth
Odw.), Stallenkandel, Weinheim (½
Std.), Bergſtraße. Darmſtadt (20.00).
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Sonntag, den 28. Juli: Darmſtadt (8.00),
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Std.), Münſter
St. (2 Std.),
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gen (Rhein) (1 Std.), Mainz,
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Nummer 193
Conntag, den 14. Juli 1929
Seite 15
din sent in der Naut.
51)
Roman von Max Brand.
Deutſche Rechte bei Th. Knaur Nachf., Berlin W. 50.
(Nachdruck verboten.)
„Ich habe dieſen Mann ſorgfältig beobachtet,” ſagte der
Doktor, Dan Barry iſt ein Meuſch, der die Wildnis braucht,
weil er für die Wildnis geſchaffen iſt. Er iſt den Geſchöpfen
dort näher als den Menſchen. Er fühlt ſich einſam unter
Men=
ſchen — das haben Sie ſelbſt geſagt — aber allein mit ſeinem
Gaul und Hund in der Einſamkeit der Berge, da iſt er zu Hauſe.”
„Doc, das iſt alles ganz ſchön geſagt,” unterbrach Joe
Cum=
berland, „aber wenn Sie meinen, er iſt kein richtiger Menſch,
warum haben ihn die Menſchen ſo gern?. Warum bedeutet er
ſoviel für mich und für Kate?”
„Ganz einfach, weil er ſich von anderen Menſchen
unter=
ſcheidet. Er gibt Ihnen etwas, was Ihnen kein anderer Menſch
auf der Welt geben könnte — anſcheinend — und dabei entgeht
Ihnen, daß der Kerl ſich in Wirklichkeit ſeinem Wolfshund
bluts=
verwandter fühlt als jedem Menſchen.”
„Und wenn ich Ihnen ſchon zugebe, daß Sie recht haben,”
murmelte der Alte mit gerunzelter Stirn, „wie wollen Sie es
exklären, daß er andere Leute gern hat?. Wenn’s nach Ihnen
ginge, dann ſind die Wildnis und die Berge und die Tiere
das einzige, wonach er Sehnſucht hat. Dann ſagen Sie mir doch,
woher es kommt, daß er ſich um mich gekümmert hat, ſeitdem
er zurückgekommen iſt? Wie kommt’s, daß er Kate ſo gut leiden
kann, daß er ſogar eine Blutfährte kalt werden läßt, um bei
ihr zu bleiben?"
„Es iſt leicht zu erklären, daß das Mädchen ihn anzieht”,
ſagte der Doktor. „Alle Tiere wollen ſich paaren. Miſter
Cum=
berland. Und in Dan Barry iſt jetzt ein uralter Inſtinkt am
Werk. Aber wenn es auch zutrifft, daß er an Ihnen und an
Kate in gewiſſem Grad Gefallen findet, unentbehrlich ſind Sie
beide für ihn durchaus nicht. Er hat Sie ſchon einmal verlaſſen
und hat ſich draußen in der Einöde reſtlos glücklich gefühlt. Und
ich ſage Ihnen heute, Miſter Cumberland, daß er Sie wieder
verlaſſen wird. Sie können nicht zähmen wollen, was
unbezähm=
bar iſt. Dieſer Mann wird in ſeinem Tun und Laſſen nicht von
Gewohnheiten regiert, ſondern von Inſtinkten, die Millionen
Jahre alt ſind. Der einzige Ruf, dem er gehorcht, iſt der Ruf
der Wildnis, und er wird Vater und Mutter. Weib und Kind
verlaſſen, um mit ſeinem Pferd und ſeinem Hund in der Ferne
herumzuſchweifen.”
Der Alte lag bewegungslos da und ſtarrte die Decke an. —
„Ich möchte Ihnen nicht glauben,” ſagte er langſam, „aber
bei Gott, ich glaube, Sie haben recht. Oh, Junge, warum mußte
es mir beſchieden ſein. Ich ſehe keinen Ausweg. Und Kate —
was wird Kate tun?”
Der Doktor zitterte vor Erregung.
„Laſſen Sie den Mann nur in Kates Nähe bleiben. Die
Zeit wird kommen, wo ſie Dan Barrys wahre rohe Natur ent=
deckt. Und von dieſem Augenblick an wird er für ſie aufgehört
haben zu exiſtieren.”
„Roh, Doc? 8 gibt keinen, der ſo ſanft iſt wie Dan.”
„Bis zu dem Augenblick, wo er Blut geleckt hat, kann man
einen Löwen genau ſo bei ſich aufziehen, wie einen Haushund”,
antwortete der Doktor.
„Alſo ſoll ſie ihn nicht heiraten? Ach ja, mir war’s manchmal
auch ſo zumute — ich hab' geſpürt, daß Sie dieſen Gedanken
Worte verliehen haben. Es iſt der Tod für Kate, wenn ſie ihn
heiratet. Heute hat ſie ihn hier zurückhalten können. Morgen
läuft ihm vielleicht irgend etwas über den Weg, und weg iſt er.
Einer ſchlägt ihn oder er hört den Schrei der Wildgänſe, der
Himmel weiß, was der Grund ſein wird, um auszubrechen und
uns alle zu vergeſſen — genau wie ein Kind ſeine Eltern.”
Beide zuckten zuſammen. Von fern her kam ein Ruf:
„Dan! Dan Barry!”
Kinderwagen aller Art, nur im Spezialgeschäft 5
1. Donges & Wlest, Elisabethenstraße 25½
Vierunddreißigſtes Kapitel.
Die Scheidewaſſerprobe.
Und ebenſo hörten Kate Cumberland und Dan unten im
Wohnzimmer dieſen Ruf. Den ganzen Tag über hatte ſie am
Feuer geſeſſen, das von Zeit zu Zeit von Wung Lu erneuert
wurde und luſtig flackerte. Sie hatte eine Näharbeit zur Hand
genommen, an der ſie ruhig und ſtetig arbeitete. Einen Teil
dieſer Zeit war auch Dan Barry im Zimmer. Er konnte lange
unbeweglich ſitzen und ſie mit luchsäugiger Aufmerkſamkeit
beob=
achten. Sehr ſelten nur ſprach er ein Wort — faſt nie — und die
Finger ihrer Hände hätten ausgereicht, um die wenigen Worte
zu zählen — jawohl, und ſie wäre fähig geweſen, ſie Wort für
Wort zu wiederholen. Hier und da ſtand er auf und ging
hin=
aus. Jedesmal folgte ihm der Wolfshund. Aber ſchließlich blieb
Black Bart lieber im Zimmer, zuſammengerollt zu Kates Füßen,
behaglich ins Feuer blinzelnd, als wiſſe er, daß ſein Herr doch an
dieſes Feuer zurückkehren werde. Warum ſollte man ſich dann
von der angenehmen Wärme trennen, während es draußen kalt
und grau war? Ruhig blieb er an ſeinem Platz und regte
ſich kaum. Gelegentlich hob er die Pfote und ſtrich ſich damit
ungeſchickt über die Augen, eine Bewegung, die drollig
menſchen=
ähnlich wirkte. Und ein oder zweimal hob er ſeinen mächtigen
narbenbedeckten Kopf legte ihn Kate in den Schoß, blickte
ge=
ſpannt von ihren geſchäftigen Händen zu ihrem Geſicht hinauf
und von ihrem Geſicht wiederum auf ihre Hände, bis er
ſchließ=
lich, anſcheinend beruhigt, den Kopf ſinken ließ und wieder in
ſeine frühere Unbeweglichkeit verfiel.
Als Stunde um Stunde ſo verrann, ſtieg ein überwältigendes
ſingendes Glücksgefühl in Kate Cumberlands Kehle auf.
Unge=
fähr zur ſelben Zeit hörte ſie einen ſchwachen, kaum
vernehm=
baren Ton von der anderen Seite des Zimmers, wo Barry ſaß.
Dan pfiff vor ſich hin. Die Melodie war dünn, ein
Geſpenſter=
laut, als ſpiele der abgeſchiedene Geiſt eines Paganini der Wild=
nis auf einer ſordinierten Violine. Es war keine Melodie, die
man behalten und wiederholen konnte, und wie immer, wenn ſie
dieſe ſeltſamen Weiſen hörte, ſah Kate ein Traumbild vor ſich
aufſteigen. Es tanzte in der goldenen Glut des Feuers, und
ſchließlich ſchlug es ſie ſo in ſeinen Bann, daß nichts anderes
mehr exiſtierte.
Glücklich? Und wie glücklich! Und er teilte ihre Seligkeit.
Er blickte nicht einmal aus dem Fenſter, während die Melodie
ſich leiſe fortſpann, ſeine Augen ruhten ſtetig, voller
Konzen=
tration auf ihrem Geſicht.
Das war der Augenblick, wo ſie es draußen rufen hörten:
„Dan!. Dan Barry!. Kemm raus!”
Ein heiſerer gellender Schrei, wie in den Sturm
hinaus=
gebrüllt. „Dan! Dan Barry! Komm raus!”
und ſchon ſtand Dan Barry auf den Füßen, ſchon glitt er zu
der Wand hinüber, wo der Gürtel mit ſeinen Revolvern an
einem Nagel hing, und raſch ſchnallte er ihn um. Kate rannte
ans Fenſter, knurrend lief der Wolfshund mit, und ſie erblickte
vor dem Haus, ohne Hut, mit wüſtem Haar, Buck Daniels, einen
Revolver in jeder Hand. Hinter ihm ſtand ſein Pferd, ſchnaubend
und ſchweißbedeckt von dem langen wilden Ritt.
Hinter ihr kratzte etwas. Der Hund richtete ſich auf und
ver=
ſuchte die Tür zu öffnen. Wenn es ihm gelang, dann wußte ſie,
ſaß er im nächſten Augenblick dem Mann da draußen an der
Kehle. Und nicht nur er! Dan Barry glitt eben mit ſeinem
ſeltſamen katzenhaften Schritt durch das Zimmer. Er hatte keinen
Blick für ſie. Er lächelte vor ſich hin, ſie hätte lieber erlebt, ihn
in wilder Wut fluchen zu hören, als dieſes Lächeln auf ſeinem
Geſicht ſehen zu müſſen. Die Angſt packte ſie mit eiſernem Griff.
Ihre ausgeſtreckte Hand ſuchte einen Halt, und ſie taumelte gegen
die Wand. Was konnte ſie tun? Wenn ſie zwiſchen ihn und den
da draußen trat, ſo wiſchte ſie Dan mit einer Handbewegung aus
dem Weg — und für immer aus ſeinem Leben. Aber ebenſo war
er für ſie verloren, wenn ſie ihn ſeiner Rache nachgehen ließ.
Denn dann wurde er zum Flüchtling vor der Vergeltung des
Geſetzes.
Schon lag ſeine Hand auf der Türklinke, da fiel ihr ein, wie
ſich Black Barts Zähne über ihrem Arm geſchloſſen hatten, ohne
ſie zu verletzten. Im nächſten Augenblick war ſie mit ausgeſtreckten
Armen zwiſchen Dan und die Tür geglitten. Er wich um ein
paar Zoll zurück, dann aber trat er auf ſie zu und ſchob ſie
lang=
ſam und ſanft mit einer Kraft, gegen die es keinen Widerſtand gab,
zur Seite. Sie hatte ihm in die Augen ſehen müſſen — ſie konnte
nicht anders — und hatte die gelbe Flamme wieder darin lodern
ſehen, dieſen Hunger nach Gewalt, der nicht zu ſättigen war. Da
wußte ſie — bittere Erkenntnis —, daß ſie unterlegen war. Den
Halbwolf hatte ſie ſich unterwerfen können, aber ſein Herr entzog
ſich ihrem Einfluß. Wenn ihr noch ein wenig Zeit vergönnt,
weſen wäre, ſo hätte ſie den großen Kampf gewinnen kör en.
Jetzt hatte derſelbe Buck Daniels, der einſt ihr Verbünde e
ge=
weſen war, alles mit einem Schlag zerſtört. und Buck aniels
rüttelte bereits hinter ihr am Türſchloß. Verzweifelt drehte ſie
ſich um, um der neuen Gefahr die Stirn zu bieten.
(Fortſetzung folgt.)
u
zu
Sommer-Preisen!
Pelze sind im Sormer billig. Wir kauften deshalb gerneinsam mit Mitgliedern unseres Einkaufs-
Konzerns geschlossen größere Mengen Pelzmäntel verschledener Art, zu außerordentlich
günstigen Preisen. Das Fell-Material wurde durch anerkannte Spezlalisten fachgernäß geprüft.
Wir stellen alle Mäntel zu nachstehend ungewöhnlich billigen Preisen zum Verkauf.
Einige Beispiele:
P
mäntel
Suslickl, Skunkskanin, echt Fohlen,
echt Walaby, Seal, Electrik U. a.
Mk.
125
Mk.
Mß.
19BM. 275). 350
Mk:
Wir bitten um zwanglose Besichtigung unserer Ausstellung sowle unserer Läger.
(11479
Nochdrck von Wort und Bld verboten!
Bei
Af
R
Jede Trägerin, Agentur und die
Geschäfts-
stelle, Rheinstraße 23, nimmt ihren Auttrag
zur Nachlieferung des Darmstädter Tagblatt
entgegen. Es liegt jedoch im Interesse
unserer verehrl. Bezieher, Anweisung zur
Nachlieferung schon vor Antritt der Reise
zu geben, damit pünktliches Eintreffen
der Zeitung gewährleistet werden kann.
2
2e.
Morgen Montag und folgende Tage, vormittags
11 Uhr, nachmittags 4 Uhr, bei Schaaf, Ernst-Ludwigstr. 20
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Wenn wir ſchlafen...
Eine Viſion der nächtlichen Stadt.
Von Erich Boyer.
Wir ſchlafen . . . wir —: die Allgemeinheit, die Maſſe,
die Mehrzahl. Wir ſchlafen bei Nacht, aus uralter
Ueber=
lieferung, aus einem uralten Swang, der heute nur noch
zum Ceil Geltung hat. Es gab eine Seit, da die Nacht
wirklich Nacht, eine pechſchwarze Nacht war, ein
undurch=
dringliches Geheimnis, das jeden Augenblick Gefahren und
Schreckniſſe gebären konnte; ein ſchwarzer Schleier, der den
Menſchen blind und wehrlos machte; ein fürchterlicher
Dämon, vor dem der Menſch, das Cier, alles, was leben
wollte und die Sonne liebte, flüchten mußte —
in den
Schlaf flüchtete: dem der Schlaf iſt Vergeſſen...
Der Schlaf iſt Vergeſſen. Wir ſchlafen und wir
ver=
geſſen. Wir ſchlafen vom Abend bis zum Morgen, obwohl
der Dämon Nacht ſein fürchterliches Antlitz verloren hat,
obwohl ihm die „Siviliſation” die Krallen beſchnitten hat.
Und wir vergeſſen, obwohl wir wicht mehr den Swang
verſpüren, uns in dieſes Vergeſſen flüchten zu müſſen. Wir
vergeſſen auch, daß wir nur darum ſo ruhig ſchlafen
kön=
nen, weil die Vollkommenheit unſerer Siviliſation durch die
Aufopferung unſerer Mitmenſchen erkauft wird. Wir
ver=
geſſen, daß ungezählte Menſchen die Nacht zum Cage machen
müſſen, damit wir unſere Bequemlichkeit haben, damit
wir ſchlafen können ..."
Aus dem Dunſtkreis unſerer ſtiſtoriſchen Erinnerung ſteigt
das Bild des Nachtwächters, der die Stunden verkündet, den
roten Hahn argwöhniſch betreut, das lichtſcheue
Diebes=
geſindel im Saume hält . . . er iſt der Urvater jener
unſicht=
baren Garde, die die Nacht opfert, um uns den Cag
ge=
nießen zu laſſen. Er iſt, wenn man ſo ſagen darf, der Stein,
den die Siviliſation in den ſchwarzen Waſſerſpiegel der
Nacht warf und der nun ſeine Kreiſe zieht.
Wachenundarbeiten iſt der Leitſpruch der
nächt=
lichen Armee. Der Nachtwächter mit Horn und Hellebarde
iſt nicht verſchwunden, er hat ſich nur vervielfältigt:
ſpeziali=
ſiert. Er erſcheint hier als Poliziſt, als Schupo, deſſen
Schritte in der phantaſtiſch großen Akuſtik der nächtlichen
Straße widerhallen, er erſcheint als Beamter der Wach=
und Schließgeſellſchaften, die Geſchäftslokale, Fabriken, ein=
ſame Villen betreuen, er iſt auch der Ahne der
Seuerwehr=
männer, die auf ihren Wachſtuben ſtets bereit ſind, ſich in
den Kampf mit dem Feuer zu ſtürzen, er ſtand auch Pate bei
den Nettungsgeſellſchaften . . .
Aus dem einſamen Lanzenträger, dem Sinnbild einer
ge=
ruhſamen Seit, iſt ein Organismus mit hundert Armen und
tauſend Ohren geworden. Ein ſchriller Pfiff auf der Straße
und aus den Schatten der Nacht tauchen Männer auf, die
bereit ſind, das Leben und Eigentum der ſchlafenden Bürger
mit dem eigenen Leibe zu ſchützen. Dein Leben und
Eigen=
tum! Ein Fauſtſchlag in eine dünne Glasſcheibe, ein Griff
am Feuermelder — und nach wenigen Minuten raſen die
Löſchzüge der Wehr durch die Stadt. Wir hören es und
drehen uns nach der anderen Seite. Und wiſſen doch, daß
ihre Hilfeleiſtung eines Cages auch uns zuteil werden kann.
Aber das iſt ja alles längſt ſo ſelbſtverſtändlich geworden...
Wir leſen beim Frühſtück unſere Seitung. Sie iſt noch
feucht und warm vom Druck und ſie enthält Berichte von
Geſchehniſſen, die ſich im Laufe der Nacht ereigneten.
Wäh=
rend wir ſchliefen, haben andere nicht geſchlafen. In den
Redaktionen ſaßen die Stenographen mit dem Hörer am
Kopf und ſchrieben und ſchrieben ſich die Finger krumm und
andere warten auf jeden Bogen, der unter ihren Händen
frei ward, die Schreibmaſchimen klapperten, die Apparate
ſchrillten, in den Druckereiräumen raſen unter hellen
Glüh=
birnen die Maſchinen, die ſchweren Druckplatten werden
umhergetragen, der Korrektor beugt ſich mit kurzſichtigen
konjunktur, bei anderen deshalb, weil der unerbittliche Götze
„Maſchine” keine Nuhe, keine Naſt kennt: In den
Elektri=
zitätswerken raſen Cag und Nacht die Curbinen, ſummen
Cag und Nacht die Dynamos, müſſen die Schalter betreut,
die Leitungen kontrolliert werden, in den Gaswerken freſſen
die Verbrennungsöfen Cag und Nacht ihren Cribut an
ſchwarzer Kohle, die Hochöfen in den Induſtrierevieren
dür=
fen niemals ausgehen, die Lokomotiven müſſen fahren, ſogar
die Flugzeuge müſſen fliegen..."
Sogar die Flugzeuge . . . Das iſt ein Symbol: geſtern
konnte ſie noch nicht bei Nacht fliegen, heute müſſen ſie es.
Die Siviliſation iſt in ihren Konſequenzen unerbittlich. Die
Kreiſe werden immer größer. Es gibt keinen Beruf ohne
Nachtarbeit, es gibt keinen Gegenſtand, keine Verrichtung
des Alltags, deren Vorhandenſein und Möglichkeit nicht nur
durch die Nachtarbeit anderer bedingt ſein würde. Es gibt
nicht einmal ein Vergnügen, das uns andere nicht durch die
Opferung ihres Nachtſchlafes erkaufen müſſen. Haben Sie
ſchon um drei Uhr morgens einen Kellner geſehen, der gerade
beſchäftigungslos an ſeinem Pult lehnt? Kein Menſch kann
müder ſein als er. Haben Sie geſehen, wie ihn ein Nuf des
Gaſtes aus dem Dämmerſchlaf erweckt, aus einem Craum
m die fürchterliche Wirklichkeit zurückruft . . . ? Sie werden
mir entgegnen: „Der Man ſchläft ja des Cags, es iſt
gleich=
gültig, ob man ſich nachts oder des Cags der Nuhe
hin=
gibt.” Aber das iſt ein leichtſinniges Wort. Ich weiß nicht,
ob der Volksglaube richtig iſt, der den Schlaf vor Mitter=
Augen über feuchte Blätter, in der Expedition warten die
Boten auf die Beförderung der fertigen Blätter, die Uhr
rückt unerbittlich vor, Süge müſſen auf die Minute genau
erreicht werden. Cempo, Hetzjagd Nacht für Nacht.
Es iſt ja alles ſelbſtverſtändlich. Nicht nur die Seitung
beim Frühſtück, auch die warmen Brötchen und die friſche
Milch und tauſend andere Dige. Wer denkt ſchon daran,
daß die Bäckereien in der Nacht für den hungrigen Magen
der Städte arbeiten, wer denkt daran, daß die Milch Nacht
für Nacht viele, viele Kilometer vom Verbraucher entfernt
erzeugt, in die Stadt transportiert, gereinigt, verarbeitet,
abgefüllt, verteilt, vertrieben werden muß, wer denkt ſchon
daran, wie rieſenhaft die Organiſation ſein muß, die dieſe
Arbeit zuwege bringt, wer denkt denn daran, daß der
Milch=
wagen, der in der grauen Dämmerung über das nächtliche
Pflaſter holpert, erſt die vörletzte Etappe einer einzigartigen
Organiſations= und Arbeitsleiſtung darſtellt? Wer denkt
ſchon daran, daß alle friſchen Lebensmittel in den
Markt=
hallen und Läden im Laufe der Nacht auf den Bahnhöfen
entladen, in Sentralen überführt, an Verkäufer verteilt, von
dieſen oder Mittelsperſonen nach den Verkaufsſtänden
transportiert werden müſſen, wer ermißt ſchon die tägliche,
nein nächtliche Arbeitsleiſtung, die in all dieſen „
Selbſt=
verſtändlichkeiten” ſteckt?
Ein Stück Nomantik ſcheint ſchon in dieſer nächtlichen
Arbeit zu ſtecken, uns, die ſie von ferne ſehen, wird ſie
offenbar. Den anderen, die ſie leiſten — wicht. Der ſpäte
Bummler nimmt den phantaſtiſchen Anblick nächtlicher
Schweißarbeiter an den Straßenbahnſchienen als
willkom-
menen Abſchluß eines angenehm verbrachten Abends hi.
Die Männer, die hinter ſchwarzen Schutzbrillen auf ihre
ſchwierige und nicht ungefährliche Arbeit blicken, deren
Ge=
ſicht unter der Hitze erglüht, deren Füße in Kälte erſtarren,
ſehnen ſich nach einem Celler warmer Suppe und nach ihrem
Bett. Schlafen, ach ſchlafen . . . Sie pfeifen auf die
Noman=
tik! Aber der neugierige Bummler, der ſich an dieſer
No=
mantik weidet, darf nicht der Gefahr ausgeſetzt werden, die
einer geborſteten Straßenbahnſchiene innewohnt, und er
würde obendrein höchſt ungehalten ſein, wenn er bei Cage
umſteigen müßte, weil an der betreffenden Stelle gearbeitet
wird: „Man hätte das nachts machen können!” würde er
ſagen..."
In ungezählten Betrieben wird nachts gearbeitet, muß
nachts gearbeitet werden. Bei einigen in Seiten der Hoch=
nacht den beſten nennt; aber nehmen wir ruhig an, die
bio=
logiſche Sunktion des Schlafens würde ſich in einem
ver=
dunkelten Simmer ebenſo vollziehen laſſen, wie unter dem
Schutz der natürlichen Dunkelheit: Glauben Sie dan, daß
die übrigen, ich möchte ſagen „ziwiliſatoriſchen”
Vorbedin=
gungen des Schlafs am Cage die gleichen ſind wie m der
Nacht?
Ihre Nachtruhe ſchützen Beſtimmungen des Geſetzes, mit
Ihnen gleichzeitig ſchlafen die Millionen, die tagsüber unter,
über und neben Ihnen Lärm machen, die ſprechen, lachen
oder weinen, muſizieren, hämmern, ſägen, ſchlürfen. Sie alle
aber, dieſe ganze Lärmmaſchine der Stadt, wird auf den
Armen losgelaſſen, der den Cag zur Nacht machen ſollte.
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ere
von
etz.
Das Märchen vom Porzellan
und ſeiner Seele.
Von Adalbert Söllner.
Mühelos reich zu werden, iſt nicht nur in unſeren Cagen,
ſondern war zu allen Seiten ſeit dem Sündenfall das Siel
menſch=
licher Cräume. Beſonders die Fürſten des Abſolutismus wünſch=
M
Irminger lieferte die Modelle, die — zum Ceil in Gold und
Silber gefaßt — der Fürſt zu Geſchenken verwendete. Als die
Werkſtatt in der Albrechtsburg bei Meißen verlegt wurde und
der zum König von Polen erwählte deutſche Kurfürſt die
könig-
liche Porzellanmanufaktur dort eröffnete, hatte Böttger bereits
die echte Porzellanmaſſe mit Kaolin gefunden, die er in den
Jahren 1713 und 1715 noch verbeſſerte.
Jetzt floß ein Goldſtrom in die Caſchen des ſtets bedürftigen
Königs, und die anderen kleinen Potentaten Deutſchlands
ſuch=
ten gleich ihm ſich des Arkanums zu bemächtigen.
Meißen wurde die Wiege der europäiſchen Porzellankunſt.
Aus Erde und Stein wurden die koſtbarſten Gebilde geſchaffen,
und der „Stein der Weiſen” war Wirklichkeit geworden.
Johann Georg Böttger hat nur den Anfang geſehen, aber
in ſeinem Genie die Entwicklung geahnt, als er ſein bewegtes
Leben 1719 beſchloß. Wenn Catenmenſchen ſchaffen, erreichen
ſie ihr Siel, und jeder Umweg wird ihnen zum Weg. Das
eigent=
lich iſt das Geheimnis des „Steins der Weiſen”, wie es uns das
Porzellan lehrt.
Als beim Erkalten der Erdrinde aus der Erde Kern der
Granit emporquoll, das Urgeſtein vieler Gebirge, da drangen
mit ihm zwei Grundſtoffe des Porzellans zum Licht: Feldſpat
und Quarz. Heiß war der Kampf damals in und um die Erde,
und Glut und Gaſe verwandelten den Feldſpat zuweilen in den
dritten Grundſtoff des Porzellans, in das Kaolin. Auf daß
dieſer reine, weiße Stoff wurde, mußten noch Waſſer und Sonne
mitbinden helfen, die ihm in der Verwitterung die endgültige
Geſtalt gaben. Alle dieſe Stoffe, Steine und Erde ſind nur in
beſter Wahl zur Porzellanherſtellung verwendbar. Jede
Ver=
mengung mit irgendwie geringwertigem Material macht ſie zur
Seugung des Porzellans unbrauchbar. Wo eiſenhaltiges Waſſer
die Porzellanerde verunreinigt hat, iſt fremdes Blut
ein=
gedrungen, und nie kann das Edelvolk des Porzellans als
Nach=
kommenſchaft entſtehen. Wo Feldſpat und Quarz mit ſchillernden
Erzen liebäugelten und nicht ihre Neinheit bewahrten, ſind ſie
untauglich zu Vätern reiner, weißer Porzellankinder. So hohe
Forderungen ſtellt an die zeugenden Kräfte ſchon vor dem
Wer=
den die Seele des Porzellans.
Nur wenige Stätten gibt es auf der Erde wo das Material
des Porzellans in der geforderten jungfräulichen Neinheit liegt.
Dort aber wird es von menſchlicher Hand gehütet, ſorgſam der
Erde entnommen und bis zur Verwendung von jeglicher Unrein=.
heit geſchützt. Wohl hat man verſucht, mit der Kunſt menſchlicber
Cechnik bei minderem Material durch Neinigungsmittel aller
Art, wie Waſſer, Licht, Elektrizität, Unreines vom Neinen zu
cheiden, doch der menſchlichen Kraft gelang es nie, was das Spiel
der Naturkräfte in ſeiner Neinheit hervorbringt.
Die drei Grundſtoffe der Porzellanmaſſe bedürfen zum
Wer=
den des Porzellans des göttlichen Sunkens, des Lichts. Nur
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ODer. OFdu dor-Fopolkan
ten zur Ausführung ihrer reichen Baupläne, zur Erfüllung der
Verſchwendungsſucht ihrer Höfe ein unerſchöpfliches Mittel. So
hielt man ſich Alchimiſten. Jeder von ihnen wollte das
Geheim=
nis ſuchen oder kennen, aus wertloſem Material Gold zu machen.
Noch heute zeigt man uns in alten Schlöſſern ihre Laboratorien
voll ſeltſomen Geheimkrames, noch heute erinnern Namen wie
„Goldmachergäßchen” auf dem Hradſchi i Prag an die nicht
immer ſaubere Cätigkeit dieſer Diener menſchlicher Leidenſchaft.
Das Wichtigſte für die Goldmacherzunft war das Finden des
Arkanums, des „Steins der Weiſen”. Mit ſeiner Entdeckung
ſollte man die Schlüſſel zur Goldkammer der Erde in Händen
halten.
Einen ſolchen Kenner der geheimen Künſte glaubte der
Kur=
fürſt von Sachſen, Auguſt der Starke, in dem nach Wittenberg
geflohenen Apethekerlehrling aus Berlin, Johann Georg
Bött=
ger, in ſeine Macht bekommen zu haben. So war der Schutz des
Fürſten mehr eine Haft als eine Sicherheit.
Sum Schmelzen der Metalle bedurfte dieſer Jünger der
ſchwarzen Magie beſonderer Gefäße und Ciegel, die allem Feuer
widerſtanden. Der bedeutende Mathematiker und Phyſiker
Ehrenfried Walter v. Cſchirnhauſen, ein Gönner des jungen
Böttger, wies ihn auf chineſiſche Porzellangefäße hin, und ſo
gelang es ihm 1707, jene erſten roten und braunen Gefäße zu
erfinden, die man mit „Böttgerſteinzeug” — irrtümlich „
Böttger=
porzellan” — bezeichnet, eine Maſſe, in der Suſammenſetzung dem
aus dem Oſten kommenden Bukaro verwandt. Der kluge Fürſt
erkannte, daß in dieſer Maſſe eine Kraft läge, Gold zu
gewin=
nen, wenn man es auch nicht ſelbſt machen könne, und errichtete
1708 m Dresden die erſte Sauencefabrik. Der Hofgoldſchmied
2ra4
Drerrm Imt IIIIIEIITBTTTTTT
W10-
Mtnd
2
Ne
Swiſchenſptel.
Skizze von Erich K. Schmidt.
Crügt ihn ſeine Brille nicht? Der junge Mann ſieht, wie
das Mädchen, dem er nun ſchon ſeit einer Stunde über ſchattige
WWaldwege folgt, plötzlich ſtehen bleibt und ſich wendet, den Arm
in die Hüfte geſtützt — ein weißes Wolljäckchen hängt in der
Kurve. Das Herz rattert vernehmlich in ſeiner Bruſt, ſoll er
ausweichen, ſich zwiſchen den Bäumen ſpurlos verlieren oder
tapfer auf das ſo lang erſehnte Siel losmarſchieren?
Eine unbeſtimmbare Kraft treibt ihn vorwärts, der Abſtand
verringert ſich, ſchon erkennt er des Mädchens ſtrenge, abweiſende
ſAugen, und nun hört er auch zum erſten Male die Stimme, deren
Klang er ſich in vielen Cräumereien vorſtellte, dunkel und ſchön
klingen ihm die Worte entgegen:
„Wollen Sie nicht lieber an meine Seite kommen, anſtatt mich
immer wieder zu verfolgen?”
Man darf ſich nicht wundern, daß Nobert verwirrte Silben
ſtammelt, indes er eilig näherkommt; wenn man Entrüſtung und
Schelte erwartet, muß eine derartige Einladung doppelt
über=
raſchend wirken.
„Ich wollte Sie, erlauben Sie, in der Cat, ich gedachte Sie
nicht zu behelligen, ein Sufall —
— Ein Zufall, der nun ſchon ſeit Wochen ſich wiederholt, ſo
oft ich Ihnen begegne!”
Nobert nennt ſeinen Namen, deſſen Preisgabe kaum beachtet
wird, er zieht das Caſchentuch und putzt verlegen ſeine
Brillen=
gläſer, es iſt auch gut, ſolche unbeirrbaren Augen in dieſen
Sekunden nicht deutlich zu ſehen.
Das Mädchen, es heißt Orene, alſo Irene denkt: „Es hat
ſchon ſein Gutes, wenn ein Mann noch rot werden kann, er ſieht
auch ohne die Brille viel beſſer aus!” Und die Vereitlung des
lange durchgeführten Vorſatzes, dieſen Urlaub vollkommen iſoliert
zu verbringen, ſchmerzt ſie nicht mehr ſo ſehr. Man mag ſich noch
jo heftig gegen Bekanntſchaften wehren — erſcheint ſelbſt dem
energiſchſten Mädchen ein einigermaßen würdiger Gegenſpieler,
ſo fallen die beſten Vorſätze in ſich zuſammen. Und — insgeheim
Zei es geſagt — auch Orene begann die ſelbſtgewählte Einſamkeit
allmählich langweilig zu werden, ſo ſehr die ſommerliche Pracht
der Berge ſie entzückte.
Schwer iſt es, mit einem ganz fremden Menſchen den Kontakt
zu finden. Nobert ſucht krampfhaft nach intelligenten
Bemer=
kungen und ſtößt immer von neuem auf den widrigen Gedanken,
wie gut die Frauen es haben, weil ſie ſchweigen und abwarten
dürfen. Ein ſchönes Vorrecht der Damen.
Da hilft ihm das Mädchen ſelbſt — nicht ganz ſo, wie Nobert
es ſich wünſcht, aber das Schweigen wird doch wenigſtens
ge=
brochen, ehe es ſich gar zu peinlich dehnt:
„Finden Sie es nicht auch ſchrecklich, ein Mädchen, das den
Wunſch, allein zu bleiben, ziemlich unverhohlen zeigt, immer ſo
nun, ſagen wir, unbeirrbar zu verfolgen?”
Eine neue Brandwelle auf Noberts Geſicht. Ohne zu
ſchwan=
ken, ſehen ihm die Pupillen, dunkelgrau umrahmt, von der Seite
entgegen. Er ſelbſt findet es ſehr verſtändlich, einem Mädchen
wie dieſem wochenlang zu folgen, und ſein Blick ſtolpert über Arm
und Hüfte zu den zierlichen Schuhſpitzen des Mädchens hinab.
Aber er ſagt:
„Nein, ſehr ſchön finde ich es gleichfalls nicht. Aber Sie
dür=
fen mir glauben, daß ich nicht jedem Mädchen ſo ausdauernd
nachlaufe.”
Unumſchränkte Bewunderung zeigt ſich in ſeinen Augen und
nun iſt es an Orene, ein wenig rot zu werden und den Blick
planlos in die Schattenbezirke des Waldes zu lenken.
Die hohen Cannen ſummen, die Stämme glühen in der
Nach=
mittagsſonne, der Weg geht ſteil in die Höhe, ſie tupfen die
Caſchentücher immer wieder auf die feuchten Stirnen.
Ein aufgeſtörtr Haſe hoppelt langſam ins Dickicht. Schonzeit,
er iſt ohne Furcht und bleibt bald wieder ſtehen, die Ohren ſteil
aufgerichtet. Das entzückt nun Orene ſehr, ſie winkt dem
Wald=
bewohner zu, ſie lockt ihn mit zärtlichen Cönen, obwohl er bald
weiter hoppelt, und Nobert ſieht zum erſten Male ein kindlich
rohes Mädchengeſicht.
Ah, nun iſt die Bergkuppe erreicht, viele Gipfel rundum, die
Flanken von Wäldern bedeckt, wie dunkles Moos überziehen ſie
die fernen Höhen. Ein erfriſchender Wind kühlt die Stirnen, das
Mädchen hebt die Arme, wirft Hut und Jacke auf einen
Fels=
block, und ihre blonden Pagenhaare wehen rückwärts, genau ſo
wie der weiße Wollrock, der ſich hinter ihren Kniekehlen bauſcht.
„— Sehen Sie, wie klein ſind nun die Häuſer in der Ciefe,
und unſer Hotel — ein Klötzchen aus einem Kinderbaukaſten!”
Nobert hat Mühe, die ſchöne Umwelt mit der gleichen
Be=
geiſterung zu betrachten, denn ſtärker noch feſſelt ihn die elaſtiſche
Geſtalt Orenens, der braune Arm mit dem goldenen Neif, der
Schimmer in den Augen und der Glanz auf dem Scheitel
Nun, da ſie ſich niederlaſſen, um zu ruhen, zeigt es ſich, daß
Irene ihr natürliches Mißtrauen gegen die Männer begräbt,
ſo=
viel weiß ſie längſt, daß ihr Begleiter alles andere als ein
bös-
artiger, brutaler Menſch ſei. Nur Pedanterie ſcheint ſeine
Schwäche zu ſein, das erkennt ſie daran, wie er ſeine Beinkleider
hochzieht, um ja die Bügelfalten auf den Knien nicht zu
zer=
drücken. Wie er die Brille umſtändlich putzt und wie er jetzt eine
Cüte öffnet, um ihr erfriſchende Bonbons anzubieten. Sogar
einen Parfümzerſtäuber zieht er aus der Caſche und ſpritzt ein
paar Cropfen ſorgfältig auf ihre Hand.
Angenehm iſt es auch, daß er nur wenig ſpricht, mit ſparſamen
Worten erzählt er von ſeinen Fahrten über die Oſtſee nach
Nor=
wegen und zu winddurchwehten Inſeln vor der frieſiſchen Küſte.
Orene iſt immer nur in dieſes ſchnell erreichbare Gebirge
ge=
fahren. Wie wäre es, in Sukunft einmal an ſeiner Seite zu
fer=
neren unbekannten Zielen vorzuſtoßen? Cörichter Gedanke,
Ge=
burt des Windes und eines Sommertags auf hoher Bergeskuppel
Aber nun beginnt ſich hinter ihnen der Himmel zu verdunkeln,
Orene ſpringt empor und ruft:
„Ich glaube, ein Gewitter zieht herauf. Wenn es uns noch im
Walde überraſchtel
Im Sturmſchritt hinab. Daß Frauen doch auf ihren hohen
Abſätzen ſo ſchnell ins Cal zu marſchieren vermögen. Aber auch
Nobert erfaßt der ängſtliche Gedanke, ob ſie das nächſte Gaſthaus
noch trocken erreichen werden.
Nun lichtet ſich der Wald, und in der Ferne zeigen ſich weiße
Mauern, indes ſchon über ihren Häupten die Wolkenmaſſe dunkel
drohend vorwärts dringt. Es beginnt zu tropfen, von allen Seiten
aufen Bergwanderer dem Hotel entgegen, das ſich auf ſteilem
Selſen hoch über der gewaltigen Ciefebene erhebt. Die Cropfen
ſind ſo dick, daß ſie Orenens Schulter beinahe Schmerz bereiten;
ſie legt das wollene Jäckchen darüber und rennt vor Nobert her
wie ihr Nockrand fliegt!
In der geſchloſſenen Veranda drängen ſich die Menſchen
zu=
ſammen, es ſcheint, als ſolle das Glasdach unter der Sturzflut
erbrechen. Nebel erfüllt die Weite des Cals, man muß, weil die
Wolken jähe Dunkelheit bewirken, das elektriſche Licht
ein=
ſchalten, und gewaltige Blitze zerſchneiden wie glühender Stahl
kreuzweis die ſchwarze Wolkenbrut.
„— Wie kommen wir näch Hauſe?” fragt Irene lächelnd, doch
man ſpürt, daß ſie den weiten Heimweg fürchtet. Sle fürchtet
wohl auch für die ſilbergrauen, weit ausgeſchnittenen Schuhe, die
— Sandalen ähnlich — ja in der Cat keine richtigen Bergſtiefel
ſind.
Nobert weiß es ebenſo wenig, und wenn er gleichfalls im
Herzen ein wenig Furcht empfindet vor den Begebniſſen der
nächſten Stunden, ſo tröſtet er doch, mit forſcher Suverſicht,
Orene, die nun froh iſt, in ihm einen Schutz und Führer zu haben.
„Ein ſolches Gewitter geht raſch vorbei”, ſagt Nobert
über-
zeugungsvoll und blickt dabei micht ganz ſo unbeſorgt durch die
triefenden Scheiben
Aber ſtärkeren Kummer bereitet ihm der Gedanke, daß er
nun, ſogleich beim erſten Suſammenſein, die Koſten für das
hochwertige Steinkohle, die auf kleinſtem Naum größte Kraft
aufgeſpeichert hat, kann zur hellen Fackel bei der Vereinigung
der Grundſtoffe zum Porzellan leuchten. Nicht ſamtrote Wärme.
nicht rotglühende Liebe, nicht gelbe heiße Flammen reichen aus.
nur lodernde Weißglut allein kann die zähen Materialien zur
Vereinigung zwingen, aus der das Wunderkind der Seuertechnik,
das ſchneeweiße Porzellan, entſteht. In der höchſten weißen
Glut ſpringt die Seele ins vollendete Werk.
Wie geſchieht nun dieſe Vereinigung? Hat der Menſchengeiſt
dieſes muſtiſche Seugen und Werden ergründen können?
In allerfeinſter Verteilung muß das Kaolin — die
Dorzellan=
erde — mit Feldſpat und Quarz gemiſcht werden. Die Korngröße
der drei Urſtoffe muß ſo fein ſein, daß im Gemenge der kleinſten
Ceile ſich Feldſpat und Quarz mit der Porzellanerde innigſt
be=
rühren, von ihr überall umhüllt werden, ſo daß beim
Schmelz=
vorgang im Feuer eine gleichmäßige Verbindung auf der
ge=
ſamten Ausdehnung der geformten Maſſe entſtehen kann. Um
dieſe Feinheit der Maſſeteilchen zu erreichen, müſſen die Geſteine
in unbarmherzigem Vorgange in ihren Gefügen gelockert und
zerkleinert werden.
Suerſt greifen rohe Eiſen unter Hauen und Stoßen an die
Maſſen. Die ſo zerkleierten Steine kommen unter ſchwere
Mühlſteinwalzen, ſchließlich in große, eiſerne Crommeln, die, mit
runden, harten, glatten Kieſelſteien gefüllt, ſich dauernd im
Kreiſe drehen. Und während des Vorganges des Serreißens,
Serfetzens und Serdrückens fließt reines, helles Waſſer, wohltätie
mildernd, über die Maſſe. Dieſes flüſſige Gemenge wird über
alkerfeinfte Siebe geleitet, die die letzten Unreinheiten zurückhalten.
Es wird über Magnete geführt, die mit geheimnisvoller Macht
die kleinſten Eiſenteilchen aus ihm herausreißen. Hierauf wird
die Maſſe unter hohem Druck i Preſſen gepumpt und von dem
größten Ceil ihrer Feuchtigkeit befreit. In flachgedrückten
Kuchen wandert die Porzellanmaſſe aus der Preſſe in den Keller.
Hier entſteht in längerem Lagern ein gleichmäßiges, homogenes
Gebilde, reif zur Verarbeitung. Doch bevor dieſe Porzellanmaſſe
aus dem Keller in die formgebende Hand gelangt, wird ſie noch
einmal unter grauſame Maſſeſchlagmaſchinen gebracht. In ihnen
wird mit Drücken und Preſſen, unter wechſelndem, aber
fort=
laufendem Drucke verſucht, die letzte kleine Luftblaſe aus der
Maſſe zu entfernen, die im Brande dem gebildeten Gegenſtand
leicht gefährlich werden könnte.
Jetzt erſt iſt die Porzellanmaſſe reif. Sie kann dieſer ſowohl
in plaſtiſchtoniger oder in flüſſiger Form, als auch in trockener.
pulveriſierter Geſtalt zugeführt werden. Dieſe drei Wandlungen
der Maſſe fordert den Sweck des Künſtlers, der die Geſtalt der
Gegenſtände beſtimmt.
Die Fama erzählt eine niedliche Anekdote. Einſt wollte der
Chemiker eines großen Werkes das unzerbrechliche Porzellan
erkunden haben. Als er ſeine Erfindung dem Chef des Hauſes
vorführte, ſah dieſer ihn entgeiſtert an: „Verbrennen Sie Ihre
Erfindung und die Nezepte dazu, damit Ihnen niemand wieder
eine ſolche Corheit zutraut. Wie kamn ein kluger Kopf ſo
un=
produktiv erfinden?” Und der Erfinder ging hin, tat, wie ihm
geſagt.
Die Seele des Porzellans iſt Neinheit und Licht.
Neinheit, die ſchon in den Nohſtoffen in höchſtem Ausmaß
vorhanden ſein muß, und Neinlichkeit, die das Porzellon auf
ſeinem großen Werdegang begleitet. Wenn ſorgliche Hände den
Werkſtoff und den Erzeugungsvorgang mit Verſtändnis
behan=
deln, dann wird der Geiſt der Neinheit das fertige Stück zieren.
Wo der kleinſte Flecken erſcheint, iſt die Neinheit zerſtört durch
einen Makel, der auf der Seele wie Sünde haftet. Mit der
Neinheit verbunden iſt Glanz, höchſter Hochglanz, Härte,
ſtahl=
harte Härte, Unangreifbarkeit gegen alle böſen Feinde des
Materials, gegen die ſchnellfreſſenden Säuren und das langſam
tötende Waſſer. Die untadelige Neinheit ſchützt das Porzellan.
Die Seele des Porzellans iſt Licht. Die Slamme, die es
er=
zeugt, iſt von ihm aufgeſogen worden. In tauſend Neflexen
ſpiegelt es das Licht zurück, wenn Licht von draußen mit ihm
ſpielt. Licht und Neinheit dem geformten und verzierten
Por=
zellan zu erhalten, iſt Aufgabe des Künſtlers, der Form und Farbe
dieſen Eigenſchaften anzupaſſen hat.
Das Weſen des Porzellans iſt feminin, es iſt zerbrechlich imn
ungeſchickter Hand — wie die Seele der Frau.
Magie des Buches.
Von Dorothea Hollatz.
Ich ſitze im D=Sug; es ſind außer mir noch fünf Menſchen
im Abteil. Es iſt alſo ziemlich eng, aber ich habe einen
Fenſter=
platz, habe mein Buch vor mir auf dem Ciſch liegen und bin
zufrieden. Ich habe ſchon zu lange hinausgeſchaut, ſchon zu
lange geleſen; nun ſehe ich mir meine Mitmenſchen an. Was
tun ſie? Die Frau ſchläft, der Mamn lieſt im Abendblatt, und
zwar ſrundenlang mit bewundernswerter Ausdauer, als wäre
dieſe Seitung das A und O ſeines Lebens. Das blaſſe Mädchen
wirft dem Himmel elegiſche Blicke entgegen. Der alte Mann
hat die Augen zwar auf, aber er ſchläft dennoch, oder er tut ſo
etwas ähnliche wie ſchlafen. Erdöſt. Und der Mann an der Ecke
am Gang denkt. Man ſieht es ſeinem Geſicht an, daß er über
etwas nachdenkt, daß er nicht nur ſo daſitzt.
Und dieſer Denkende zieht langſam ein Buch hervor und
lieſt. — Was lieſt er?
Es iſt der alte Neiz, die peinigende Neugier, zu wiſſen, was
der andere lieſt. Er ſoll ja auch gern erfahren, was ich leſe —
wenn ich nur wüßte, was er lieſt, und daraus erſehe, ob er ein
Menſch iſt, mit dem ich mich zu unterhalten wüßte. Aber ich
kann es nicht erkennen, weil er in der anderen Ecke ſitzt und
ſich vorbeugt.
Plötzlich gähnt er und hält ſich mit dem Buch den Mund zu.
Nicht aus Langeweile gähnt er, ſondern aus Eiſenbahnmüdig=
keit. Dann lieſt er weiter. Ich aber weiß, was ich wiſſen
wollte: Er lieſt „Die Weiſe von Liebe und Cod” von Nilke.
Und er hat meinen Blick geſehen und weiß nun, daß ich weiß
was er lieſt. Und noch mehr: Daß ich erkenne, was er lieſt. Mein
Blick muß es ihm geſagt haben.
Und nun geſchieht das Seltſame: Es entſteht eine Fluidum,
ein Wirbel ſtrömender Empfindungen, der die anderen
Allen=
ſchen unberührt läßt. Es iſt plötzlich zwiſchen zwei ſich ganz
fremden Menſchen eine ſeeliſche Gemeinſchaft entſtanden, ein
Sich=verwandt=Fühlen. Eine Brücke iſt da.
Ich freue mich, daß der da in der Ecke vom Cornet
Chri=
ſtoph Nilke lieſt. Und er fühlt, daß ich in Gedanken mitleſe.
Ein geiſtiges Band verbindet uns, das empfindſame Geflecht
der Nerven verſtrickt ſich. Ich kenne den Menſchen micht. Ich
weiß nichts von ihm, er. weiß nichts von mir. Aber er lieſt
Nilke, wie auch ich ihn geleſen habe. Er könnte auch Sederer,
Huch, Colſtoi oder Nolland geleſen haben.
In zwanzig Minuten iſt er fertig, legt das Buch beiſeite
und denkt. Dabei verſucht er den Citel meines Buches zu
ent=
ziffern, das vor mir auf dem Ciſch liegt.
Es iſt Strindbergs „Inferno”. Hat er es erkannt? Ein
kurzer erſtaunter Blick auf mich. Wie ſeltſam: Er nimmt aus
ſeier Caſche ein anderes Buch und lieſt ſo, daß der breite
ſchwarze Citel „Björnſon, Ueber unſere Kraft” mir ins Auge
fallen muß. Will er mir etwas ſagen? Die Spannung zwiſchen
uns wächſt.
Die anderen ſind nicht mehr da für uns. Nur unſere Bücher
ſind da. Sie reden in ſtummer Sprache miteinander, und wir
ſind wie Eltern, deren Kinder Freundſchaft geſchloſſen haben.
Das geht zei Stunden ſo, und man wird nicht müde. Man
iſt ja nicht einſam, auch wenn man kein Wort mit dem anderen
wechſelt. Wunderſame Swieſprache! Seltſames Hin und Her
unausgeſprochener Gedanken!
An der nächſten Station ſteigt er aus. Er klappt das Buch
zu und verbeugt ſich zu mir herüber. Es iſt, als hätten wir uns
lange und gut unterhalten.
Und nun, da er fort iſt, bin ich vereinſamt. Statt ſeiner
ſitzt eine Frau da, die ißt. Ich ſchließe mich alſo ganz feſt an
mein Buch an, verkapſele mich mit ihm und denke darüber nach,
wie eigenardg das immer iſt: Dieſer faſt unbeſcheidene Drang,
zu wiſſen, was ein anderer, der mich doch gar nichts angeht,
lieſt — und dann dieſes Strömen hinüber und herüber, wenn er
gute Literatur lieſt, ob ich ſie num kene oder nicht.
Das iſt ein iternationales Geheimmis, das um das gute
Buch ſchwebt, das ſind die magnetiſchen Strahlen der
Drucker=
ſchwärze, die magiſchen Kreiſe, die ſich um das Erleben guter
Literatur bewegen — das iſt die ſtille Zuſammengehörigkeit
irgendwelcher Menſchen, die ſich dadurch nahe ſind, daß ſie leſen.
Nur dadurch.
Abendbrot übernehmen muß. Das Schickſal ſtellt ihn auf die
PProbe.
Es zeigt ſich, daß Irene, hier unter den vielen Menſchen,
weſentlich ſchüchterner wirkt als draußen in der Natur; ſie mag
auch gar nichts eſſen, und Nobert muß ſchon ſelbſt ein kleines
Souper zuſammenſtellen. Er tut es, indem ſein Auge gewiſſenhaft
die Preisſpalte prüft. Irene, die ſeine Sorgen ahnt, dauert das
Unternehmen ein wenig zu lange, das Stimmengewirr macht ſie
nervös, ſie ſieht auch, daß die Augen ihres Begleiters unſicher
werden, er ſcheint wie ein Jüngling, der ſeine Freundin zum erſter
Male in ein Neſtaurant führt.
Sie erwägt ſchon den Gedanken, wie ſie ihm ſeine Lage
er=
leichtern könne, ſie iſt es ſeit je gewohnt, ihre Ausgaben ſelbſt
zu beſtreiten, aber ſie möchte nun eine banale Wendung ihres
Beiſammenſeins gerne vermeiden — da erſchüttert ein
zuklopen=
hafter Krach das Fundament des Hauſes, die Damen ſchreien auf,
man ſieht verzerrte Geſichter wie bei photographiſchen
Aufnah=
men unter Magneſiumbeleuchtung. Im gleichen AAugenblick
ver=
ſagt das elektriſche Licht.
Scherzworte beherzter Herren durchfliegen die Dunkelheit, die
wieder ein lodernder Blitz um ſo ſtärker erhellt. Die Kellner
ſtellen Kerzen auf die Ciſche.
Wäre ich nicht längſt zu Hauſe, beginnt Irene zu erwägen,
wenn mich niemand angeſprochen hätte? Sie vermag kaum etwas
zu eſſen und fängt an, Nobert ein wenig zu grollen.
Das Gewitter zieht allmählich übers Cal hinweg, aber in
umerminderter Heftigkeit ſchüttet der Negen herab und weicht
alle Wege unerbittlich auf.
„Wir werden hier noch übernachten müſſen,” ſagt ſie, „aber
es iſt fraglich, ob wir noch Simmer bekommen. Sprechen Sie
doch eiminal mit dem Wirt.”
Eine neue peinliche Wendung für Nobert. Er kann ſich nicht
recht entſchließen, die Frage zu ſtellen, die wieder unvermittelt
Anforderungen an ſein Budget ſtellt, das nur für ſeine eigenen,
nicht immer beſcheidenen Anſprüche berechnet iſt.
„Ich hoffe, wir kommen noch ganz gut nach Hauſe. Der
Negen wird bereits ſchwächer.”
„Aber es iſt alles aufgeweicht, und kennen Sie überhaupt den
Weg — jetzt in der Dunkelheit?” fragt Orene, nicht ohne
heim=
lichen Mißmut.
Nobert muß zugeben, daß ihm der Nückweg durchaus fremd
iſt, aber es widerſpricht ganz und gar ſeiner Artung, hier zwei
Simmer zu bezahlen, während jenes in ſeinem Hotel eine Nacht
unbenutzt bleibt, und ſo ſagt er, als hätte er ſeit langem für ſie
beide zu entſcheiden, reſolut zum Wirt, der eben mit der beſchei=
Hmfmmfafſkafarfrckräcff
Hmmmffnmffſf
denen Frage naht, ob die Herrſchaften hier zu übernachten
ge=
dächten: „Keineswegs, wir brechen ſehr bald auf!” ohne den
heimlichen Proteſt zu beachten, der, trotz des Kerzenlichtes, in
Orenens Augen kaum zu überſehen iſt. Sie ſchweigt, weil es ihr
peinlich ſcheint, einzugeſtehen, daß ſie eigentlich gar nicht
zu=
ſammengehören, und im nächſten Augenblick vernimmt ſie auch
ſchon, wie der Wirt ſeine letzten beiden Simmer an andere Leute
vergibt.
Sie trinken wortlos ihre Gläſer aus, und Nobert, der froh
iſt, einer Gefahr entronnen zu ſein, wird ſehr lebendig, rennt vor
die Cür und ruft ſeine Entdeckung laut in das eben wieder
ent=
flammende elektriſche Licht hinein:
„Es hat beinahe aufgehört zu regnen, es tröpfelt kaum noch.
Gehen wir!”
Irene ſpürt deutlich die erſtaunten Blicke vieler Leute rings
umher; alle wiſſen genau, daß der Heimweg — auf dunklen,
ſchrägen, triefenden Waldpfaden — eine gute Stunde währt, ſie
hört auch einige Bemerkungen darüber, ſieht etliche ſpöttiſch=
Geſichter und ahnt, daß zum wenigſten ihre neuen Schuhe der
Vernichtung preisgegeben ſind; außerdem hat ſich die
Cem=
peratur empfindlich abgekühlt.
Aber ſchon reicht ihr Nobert das wollene Jäckchen zum
An=
ziehen hin, ſie fühlt ſich unbehaglich, vor all dieſen Augen,
un=
fähig zu rebellieren und hat auch in der Cat nur noch den einen
Wunſch: draußen zu ſein!
Noch immer fällt ein dünner, aber durchdringender Negen
herab, ſo recht geeignet, ſich von einem leichten Wollkoſtüm ganz
und gar aufſaugen zu laſſen, ſie ſtolpert hinter Nobert einher, de
ſiegesſicher eine falſche Nichtung einſchlägt. Sie landen vor einer
durchdrängten Wadlwieſe, deren Feuchte ſie erſt ſpüren, als das
Waſſer längſt ihre Schuhe gefüllt hat. Sie müſſen zurück, und
nun weiß Nobert mit einem Male ganz genau, daß der linke
Seitenweg der richtige war, und nur aus einem plötzlichen
Ver=
ſagen des Ortsſinns heraus hatte, er ſie auf den rechten geführt
„Setzt iſt kein Irrtum mehr möglich, wenn wir tüchtig
mar=
chieren, ſind wir in einer Stunde zu Hauſe. Fühlen Sie ſich
unbehaglich?” fragte Nobert burſchikos, um ſeine eigene
Un=
ſicherheit zu verdecken.
„Ich fühle mich hervorragend!” meinte Irene voll herber
Oronie, aber Nobert, vorwärtsſtapfend, daß die Cropfen aus den
Pfützen ſpritzen, hört ihre Worte kaum. Irene auf ihren hohen
Abſätzen vermag nur ſchwer zu folgen, der Abſtand vergrößert
ſich immer mehr, und erſt, wenn Nobert beinahe ihren Blicken
entſchwindet, ruf ſie ihn an:
„Hallo! Wollen Sie mich hier einfach zurücklaſſen?”
Dann dreht Nobert, ohne Entſchuldigung wegen des zu
ſchnellen Schreitens, ſich ärgerlich um, ſieht Orene wie ein weißes,
ſich in Feuchte auflöſendes Geſpenſt herannahen, aber die eigene
Angſt, ſein Siel zu verfehlen, unterdrückt raſch in ihm alle
Nüh=
rungsgefühle. Außerdem können auch Wegelagerer hinter allen
Stämmen ſtehen!
Orene gerät in das Stadium, da einem einfach alles
einerlei wird, ſie ſtolpert, ſie hebt den ſchwer gewordenen
Nock=
rand hoch über die Knie, ſie fühlt, daß an ihren Schuhen und
Strümpfen ach, am ganzen Körper überhaupt, kaum noch ein
trockenes Fleckchen ſpürbar iſt. Sie verwünſcht ihren Begleiter
und ſich ſelbſt, weil ſie auf jenem anderen, beſonnten Waldwege
ſtehen blieb, anſtatt ſo ſchnell wie möglich dem Verfolger zu
ent=
rinnen oder ihm gar energiſche Worte entgegenzuwerfen. Sie
weiß ganz genau, welche Motive Nobert zu dieſem feuchten
Aben=
teuer bewogen, aber ſie iſt dieſem Gewitter beinahe dankbar,
weil es ſie ſo ſchnell vor einem drohenden Irrtum bewahrte. Sie
befidet ſich kaum noch in der Gefahr, ihre Freiheit zu
ver=
lieren.
Und ſchon iſt ſie über den tiefſten Stand ihres Mißmutes
hinaus, ſie ſieht, wie Nobert an einem Kreuzweg ſtehen bleibt,
um, magiſch beleuchtet von ſchnell verflackernden Streichhölzern,
auf den ſechs ſehr hoch angebrachten Cafeln eines Kreuzweges
den Namen ihres derzeitigen Heimatortes zu entziffern.
„Ja, zum Ceufel,” flucht Nobert, „wie kann man Wegweiſer
ſo unſinnig befeſtigen, überdies iſt die Schrift kaum noch
leſer=
lich!” Und er wiſcht ſich ratlos den Schweiß von der Brille, bis
Orene herankommt, ſie läßt den Nockrand fallen, damit er, bei
einem neuen Aufflammen ſeiner Luxusbeleuchtung, nicht etwa gar
ihre feuchten Kniee ſähe, und ſchließlich geben ihre beſſeren Augen
den Ausſchlag, daß ſie überhaupt noch den richtigen Weg finden.
Endlich hört das Dunkel des Waldes ebenſo wie der Negen
auf, ſie ſehen, noch fern genug, vereizelte Lichter i ihrem
Bergbad ſchimmern, Irene vernimmt, daß Nobert erlöſt
auf=
atmet, ſie ſelbſt aber hat keine Beziehungen mehr zu ihm, geht
ſchweigend einher und ſagt, vor der Hoteltür, ſehr kühl „
Gute=
nacht”. Auch Nobert wird deutlich bewußt, daß er alle
Hoff=
mungen auf eine Fortſetzung ihrer jungen Bekanntſchaft endgültig
begraben muß. —
Als Orene ſich umgezogen und ganz und gar gewaſchen hat,
tritt ſie mit dem Gefühl der Befreiung auf ihren Balkon; es
wetterleuchtet fern über dem Cale, Widerſchein des Gewitters,
das ihre Nettung war, und wie ein Menſch, der glücklich einer
ſchweren Gefahr entrann, legt Orene ſich zu Bett, um ſofort in
einen traumloſen Schlaf zu verſinken.
Die Inflation.
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1etz,
9.
Von Hans Niebau.
Brom raucht zu viel. Viel zu viel.
„Sie ſollten das laſſen”, ſagte der ältere Herr den Brom
in der Eiſenbahn kennengelernt hat. „Ich habe früher auch ſo
viel geraucht. Sehn Sigarren pro Cag. Das Stück zu 20 Pfg.
Das waren zwei Mark. Seit meinem dreißigſten Jahr aber
habe ich Schluß gemacht und von da ab jeden Cag zwei Mark
auf die Sparkaſſe gebracht.”
„Donnerwetter!” ſtaunt Brom.
„Jawohl,” fährt der andere fort, „was glauben Sie wohl,
was das gebracht hat! Als ich fünfzig jahre alt war, hatte ich
mit Sins und Sinſeszins über 20 000 Mark auf der Sparkaſſe.
Eine feine Sache!”
„Das iſt allerdings eine feine Sache”, ſagte Brom. „Wäre
es Ihnen übrigens möglich, mir auf ein halbes Jahr 300 Mark
zu —
„Nein”, unterbricht der ältere Herr. „Dann kam nämlich
die Inflation. Können Sie mir vielleicht mit einer Sigarre
aushelfen?”
Schreibtiſche.
Von Anita.
(Copyright by Ernſt Angel Verlag, Berlin=Charlottenburg 9.)
„Große Diplomaten . . ."
Er hat natürlich nicht das geringſte mit einem Diplomaten
zu tun. (Diplomaten ſchreiben überhaupt nicht, ſonſt ſind ſie
keine Diplomaten.) Er findet ſich zumeiſt bei Kommerzienräten,
Direktoren und anderen Menſchen mit gefeſtigter
Lebens=
anſchauung. Er iſt ſehr groß, ſehr vornehm und ſehr
ordent=
lich. Ein Cintenfaß von ungeheurer Größe nimmt die Mitte
ein. Das Bild einer Frau mit zurückgeworfenem Kopf,
Abend=
mantel und langer Perlenkette ſteht in einem ſilbermontierten
Cujarahmen. Die Nieſenledermappe iſt mit einem
verſchlunge=
nen Monogramm geſchmückt. Das Celephon ſteht zur linken
IIn
—
4—ü und im Ankleideiimmer.
Auf einem einfachen Ciſch viele kleine Nahmen mit
halb=
verwiſchten Amateuraufnahmen. Quer über einem Bild, das
einen Mann im Cennisdreß darſtellt, die Aufſchrift: „Dem
Handikap=Schnupſi von ihrem Pupſi zur Erinnerung an g. I.
m. . . . Haut=Sauternes 3. Glas!”
Of
Hand, ein Aſchbecher aus Kriſtall mit fingerdickem Silberrand
wird nach jeder Havanna entleert.
Unter den Diplomatenſchreibtiſch iſt immer ein lautloler
Ceppich gebreitet.
Der Gelehrtenſchreibtiſch.
Unter einem Gebirge von Papieren wird ſtellenweiſe eine
freie Holzſtelle ſichtbar, die auf Ciſchplatte ſchließen läßt. Am
Boden und auf dem Stuhl liegen Bücher in ſchwarzen
Kaliko=
einbänden. Der Veklamekalender einer Seidenfirma hängt mit
dem Blatt des vonigen Monats an einem Nagel. Swei
korken=
loſe Slaſchen deutſcher Neichstinte ſtehen in eimer Ecke. Der
Papierkorb neben dem Schreibtiſch läuft über.
Der Damenſchreibtiſch für den Salon ..."
Ein Louis-XTV.—XV.=Sekretär, ganz ſchmal und auf
ganz dünnen Beinen. Obenauf dicht aneinandergereihte
Maro=
quinbände franzöſiſcher Enzuklopädiſten, die aber nur Attrappen
ſind. Kein Cintenfaß, jedoch viele kleine Nippes, Glücksbringſel
und eine Glocke mit Emailleverzierung. Fünf Miniaturen in
vergoldeten Nahmen ſtellen Lockenköpfe aus der Zeit dar.
Dazwiſchen ein Buddha aus grünlichem Speckſtein. Eine
Bie=
dermeiormappe mit Petit=point=Stickerei. Ein Stammbuch von
1840 und ein Bändchen Liebesgedichte von Elizabeth Barret=
Brawning in grünem Wildleder.
Ein antiker Stuhl ſteht ſchräg neben dem Schreibtiſch, davor
eine Porzellankatze auf weißem Jell.
Unter einem Briefbeſchwerer mit Aufſchrift „erledigt”, ein
Stoß unbezahlter Nechnungen. Ueber den Ciſch verſtreut
Ein=
ladungen zur Modenſchau, zum Bridge, zum Abendeſſen mit
Canz, zur Vorbeſichtigung ägyptiſcher Urnen, zur Eröffnung
eines neuen Wäſcheſalons, zum Vortrag über „die
Komplex=
erſcheinungen der Kameradſchaftsehe‟. Adreſſen von Maſſeuſen,
von Pelzumarbeitern, von Horoſkopdeutern, von
Seiden=
ſtrümpfen en gros. Eine offene Schachtel mit Mandeldragees.
Auf dem Kalender viele Bleiſtiftnotizen. Not unterſtrichen:
Ondulieren 3 Uhr, M. 5 Uhr.
Im Papierkorb ganz klein zerriſſene Briefe, ein
Spitzen=
taſchentuch und ein kleiner ſilberner Bleiſtift.
Der Schreibtiſch des Dichters.
(Waſchtiſch, Marmorplatte, Fenſterbrett, Ciergartenbank.
Die Reiſevorbereitungen der
Hausfrau.
Von Margret Halm.
Sicher gibt es Leute, die ſich von einem auf den anderen Cag
zu einer größeren Neiſe entſchließen und deren Sachen immer ſo
in Ordnung ſind, daß ſie das Nötige mr in den Koffer zu legen
brauchen, um loszufahren. Die größere Mehrzahl der Menſchen
allerdings wird zumal die Sommerreiſe ſchon etwas länger
vor=
bereiten. Wie lange allerdings — dafür iſt kaum eine Norm zu
letzen. Die einen denſten orſt daran, wenn lich nach einem
an=
ſtrengenden Winter im Frühjahr eine gewiſſe Müdigkeit und
Erſchlaffung des Körpers fühlbar macht. Andere wieder
ſchmie=
den ſchon bei Eis und Schnee ihre Sommerpläne. Es ſoll auch
Leute geben, die mit dem Neſtbetrag, den ſie von einer
Sommer=
reiſe mitgebracht, die neue Neiſekaſſe fürs kommende Jahr
an=
legen.
Mit einer Berechnung der Koſten wird man wohl die
Vor=
bereitungen für eine Sommerreiſe zunächſt beginnen, denn immer
wird die Neiſekaſſe unſere Pläne beeinfluſſen. Wir laſſen uns
nun entweder von einem Neiſebüro vorgedruckte Proſpekte
geben, die man ja von allen erdenklichen Gegenden und Plätzen
bekommen kann. Haben wir aber einen beſtimmten Platz ins
Auge gefaßt, ſo ſchreiben wir dort an das Verkehrsbüro und
laſſen uns die verſchiedenen Hotels nachweiſen. Wieder wird man
uns vorgedruckte Proſpekte zugehen laſſen, in welchen die Namen
der Hotels mit Bettenzahl und Preiſen angegeben ſind, ſo daß
wir nun die engere Wahl zwiſchen denjenigen Hotels treffen
können, die uns in der Preislage entſprechen. Dabei müſſen wir
ſelbſtverſtändlich im Auge haben, daß immer noch ein gut Ceil
Nebenkoſten entſtehen. Abgeſehen von der Neiſe und dem Gepäck
gehen Getränke, Nachmittagskaffee und Ausflüge natürlich
extra. Auch für Unvorhergeſehenes muß eine gewiſſe Summe
zur Verfügung ſtehen.
Erſt wenn unſer Reiſeziel feſtſteht, können wir dann an die
Vorbereitung unſerer Garderobe gehen, denn es iſt natürlich ein
Unterſchied, ob wir ins Gebirge oder an die See, in ein elegantes
Bad oder nach einem ſtillen Winkel fahren, in dem man keinen
Smoking und keinerlei Abendkleider braucht.
Angenehmer iſt’s matürlich, hat man für ſeie Neſſevorbes
reitung genügend Seit und Nuhe — und auch ſchon eine Weile
vorher manch eine Mark auf die Seite gelegt. Hür den, der in
ſeiner Neiſekaſſe nun nicht gerade mit dem Schöpflöffel rühren
kamn, iſt es nicht ſehr zweckmäßig, Kleidungsſtücke zu kaufen, die
man ausſchließlich auf Neiſen tragen kann. Beſſer wählt man
ſo, daß man möglichſt jedes Stück dam auch zu Hauſe
weiter=
tragen kann.
Schließt man nun während ſeiner Abweſenheit die Wohnung
vollkommen zu, ſo wird man ſchon ein bis zwei Cage, bevor man
mit dem Kofferpacken beginnt, diejenigen Zimmer fertig machen,
die man nicht mehr gebraucht. Da werden die Ceppiche zunächſt
mit Seitungspapier belegt und mit Mottenpulver boſtreut ſo
auf=
grollt, daß Papier und Pulver ſich mit in die Volle wickeln.
Lampen und Lüſter werden verhängt, Polſtermöbel mit Cüchern
bedeckt, am beſten allerdings mit Hüllen überzogen, die man ſich /
einmal aus billigem Neſſelſtoff für jedes Möbel paſſend
anfer=
tigen kann. Auch hier wird man immer etwas Mottenpulver,
beſſer noch Mottenkugeln, dazwiſchen legen. Gute Decken nimmt
man von allen Ciſchen und Ciſchchen weg, legt ſie zuſammen und
verſtaut ſie im Schrank und bedeckt die Ciſche mit Papieren oder
Cüchern. Am letzten Cag kurz vor der Abreiſe ſtellt man zuletzt
in allen Simmern möglichſt flache Schüſſeln mit Waſſer auf, um
im Simmer etwas feuchte Luft zu halten. Das Wohnzimmer
wird man nicht früher als am Abend der Neiſe fertigmachen
können, während man Schlafzimmer und Küche erſt als
aller=
letztes ſchließen kann. Die Betten läßt man am beſten
über=
zogen, denn die Wäſche iſt während der Abweſenheit dem
Bett=
zeug ein Schutz. Es wäre allerdings ſehr wenig geſchmackvol,
ſelbſt wenn man noch ſo früh am Morgen abfährt, die Betten
ungemacht zu verlaſſen und ſie vier Wochen lang in dieſem
Zu=
ſtand liegen zu laſſen. Nach der Nückkehr werden ſie dann friſch
überzogen. Vielleicht die größte Schwierigkeit bedeutet das
Schließen der Küche. Schon einige Cage vor der Neiſe ſieht man
zu, daß man ſämtliche Vorräte, abgeſehen von Konſerven,
voll=
ſtändig aufbraucht. Auch Unverderbliches wie Reis und Grieß,
Hülſenfrüchte, Sucker und Mehl ſollte man während längerer
Abweſenheit möglichſt nicht im Hauſe halten, um zu vermeiden,
daß man Ungeziefer damit anzieht.
Um ſich das Kofferpacken zu erleichtern, bereitet man am beſtend!)
ſo die Arbeit vor, daß man alles auf dem Bett zurechtlegt, und
zwar in der Weiſe getremt, daß immer die Habſeligkeiten einer
Perſon auf ihrem eigenen Bette liegen. So hat man die beſte
Ueberſicht und kann an Hand des Neiſebüchleins am leichteſten
kontrollieren, ob man nichts vergeſſen hat. Erſt wenn ſo alles
beieinander liegt, holt mann die Koffer herbei, die vorher nur
im Wege geſtanden hätten, wilcht ſie von außen und innen gut
ab und legt ſie mit weißen Seidenpapieren aus. Dann aber iſt
das Packon nur noch eine Kleinigkeit.
Gerade weil man in der letzten Stunde vor der Neiſe noch
mit den Schlafzimmern und der Küche beſchäftigt iſt — das
Früh=
ſtücksgeſchirr wird noch weggeſpült und im Schrank verſtaut —,
iſt es beſſer, das Gepäck am Abend zuvor fertig zu machen, daß
morgens nur noch das Coilettezeug untergebracht werden muß.
muß.
Wohnt man im zweiten oder dritten Stock, ſo kamn man alle
Läden ſchließen. Im erſten Stock iſt es beſſer, in einem möglichſt
nicht nach Süden liegenden Simmer den Laden offen zu laſſen oder
vielleicht zwei Läden, wenn dies geht, herauszuſtellen, um nicht ſo
deutlich nach außen zu zeigen, daß niemand in der Wohnung iſt.
Im Erdgeſchoß dagegen iſt’s ſchon am beſten, wenn man mit einer
vertrauenswürdigen Perſon vereinbart, daß morgens die Läden
geöffnet und abends gut geſchloſſen werden.
Als letzten Griff, ehe ſie die Wohnung verläßt, ſchließt die
Hausfrau die Haupthähne von Gas= und Waſſerleitung.
Ueee
Aufgabe 458.
Dr. Emil Palkoska in Prag.
(Ungariſche Schachwelt 1917.)
b
Weiß zieht und ſetzt in dre: Zügen matt.
Prüftellung: Weiß: Kes Dd7 Ta4 Be5 14 G);
Schwarz: Ka6 Dk1 Bt5 (2);9½.
Aufgabe 459.
R. C. Macbride in Portavogia.
(Hampſhire Poſt, 1920.)
Beiß: Kg7 De8 Ta4 La 2 Bg2 G):
Schwarz: Kt5 Se2 h2 Bb6 43 17 (6.
Matt in zwei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 449—452.
449. J. Gartong. 2. Pr. im internat. Dreizüger=Turn. Kecskenet 1927. (Kg6 Ld7
18 Sa5 k7 Be3 43 e613; Kd5 Th4 Lg8 Sh1hs Be5 T6g5 h6; 3) 1. Bf3—
k41 8: k. +2. Kf5; 1.. .. B:f4 2. K: 16; 1.:..l: k4 2. Jo4; 1...
D: 14 2. Ja5;1. .. . T anders 2. Uog P. Die 4fache Schnittpunktshäufung
bei t leichten Figuren von Weiß iſt meiſterhaft ausgeführt.
450. A. M. Sparke, 2. Pr., Good Companion, 1919. (Kf2 De1 Te1 46 Li8
Scte2 Bb6e6; Ke5 Db5 Lg8 Sa6 Ba4 b3, 66: 24.) 1. Se2—k41 Die ſchönſte
Variante mit Selbſtblock und Freigabe zweier Fluchtfelder beſteht in 1.... D:04
2. Daßtht.
451 I. Knotek. 2. Pr. 1. Problemtum. d. Weltſchachbundes 1927/28. (Kb8 De8
Te2 Lf6 g8 Se8. Ke5 Dh3 Ih5 Sa1 17 Bb4 b7 g3 g4; 3c.) 1. Se8—d6!
droht 2. Db5+ 3. Le7: 1. .. . K: d6 2. Te5 S: e5 3. Le7; 1.... Dh4
2. Td2 8: 46 3. Id4F: 1. . . . 8:r6 2. 1044 3. De3ck. Ein ausgezeichnetes
Stück der böhmiſchen Schule, das nach echoartigen Wendungen zu drei reinen
Matt=
bidern führt.
452. A. Munck. Tidſkrift for Skak, 1901. (Ka4 Td4 La1 Se8t8 Bf2f7; Ke5
Da5 B:5; 24k.) Fluchtfeldeinräumung durch Opferſtein iſt bei Bweiern ein
belieb=
tes Thema. Die vorliegende Aufgabe gehört zum beſten dieſer Art und zeichnet beſonders
durch ihre Einfacheit aus 1. Jot—k8!
Löſerliſte: Franz Buchty in Mainz (alle, auch 445—448); Georg Peter (446,
447, 450, 452); A. v. S. (47).
ID
Rätſel
Frag mich was!
1. 2. 3. 4. 5. 1. Te * 2. e e e e 3. k 1 1 1 1 4. 1 n n n r 5. r t u u Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß die wagerechten und
ſenk=
rechten Reihen gleichlautend folgende Fragen beantworten: 1. Was
werden alle Menſchen und Dinge? 2. Was ſei ſtets froh und heiter?
3. Was gehört zum Braten? 4. Welchen Verwandten hat nicht Jeder?
Carl Deubel.
5. Wie ſei der Kaufmann?
Auflöſung der Rätſel aus Nummer 27.
Drei dazu!
enrstit.
FI 9 M. E w2EII FI. K. * F Au W. A Fer
35) 18 uf. 77 18I L. E. Hanff ( UIKE 4uM Iu= 2 1Ef41 41 181 IE 7 191. Ar 4e 1 4 2. 6 7IS 17 M Ef Iof 7R E/t 9A NI. 2 1210 70 In e BE T7. Rf Hand IS7 N FEll Au. a RI IE 81 2 * 191 1e5 M. 1EI Pr * 341 Has Ie 191. 10 0I 101 Feiuf of. 0I 14 11 1a1 91 FI 9. (EI.
— 10) DE — I INf. 7A FTIe OI ME 4 16. Eie GI EF 1AI. ET U
Silben=Vorſetz=Rätſel.
Naſe Ilſe Meiſe Meter Reiter Alter Diegel Vogel Orgel neunzig
acht zig Leipzig Lama Emma Norma Ausſtand Beiſtand Einſtand Raut
Schärpe Puppe Achſel Rüſſel Deichſel Erda Ida Nedda Urne Mmnne
Tanne Eiland Inland Lipland.
„Nimm Nat von allen, aber ſpar dein Urteil.”
Magiſche Quadrate.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. H. Nette. Darmſtadt, Fernſpr. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.
[ ← ][ ][ → ] Ich hab’s zwar ſchun ſo oft geſagt, un ich ſag’s als widder,
indem daß mer die Wohrheit gornet oft genuch ſage kann,
ſundern, indem mer däß, was mer emol als richdiche un
dadſäch=
liche Wohrheit endeckt hott, immer widder ſage ſoll; ſage ſoll
ſälbſt uff die Gefahr hie, iw die greeßte U’a nehmlichkeide zu
kumme; ſage ſoll, un wann’s aam de Kobb koſt; ſage ſoll, un
wann mer ſich mit de ganze Wäld iwwerwärfe dhut; ſage ſoll, un
wann aam die hoche Olwelrichkeid daßwääche am Kandhocke krickt,
un dhut aam rädern, vierdaale, in Eel ſiede un köbbe, odder
brummt gam ſogar wit rickwirkender Kraft e
Eikummensſteier=
noochzahlung uff, daß aam die Luft ausgeht; — alſo däß is mir
jetzt alles tut mem worſcht, ich ſag’s immer widder, nemlich däß
daß die Wäld im Grund genumme doch eichendlich nix annerſter
is, als e Na nnhaus, indem jeder meh’ odder wenicher ver
dreht, verrickt iwwergeſchnabbt, greeßenwahnſinnich odder
ſunſt=
wie in ſeim Härnkäſtche vernagelt is. Der aane ſo, der annere
ſo, awwer en Spann hott jeder. Un däß is ſchließlich jo noch
e Glick, dann ſunſt kennt mer’s ſällwer gornet aushalte, un kennt
den Haufe Dickkebbichkeid un Wichdichduerei ohne ernſtliche
Bläſ=
ſurn un Leibſchade bräßdiern, ſundern mer mißt glattwäck uff=ere
feieriche Sau aus de Haut fahrn, wobei’s aam owwerdrei noch
baſſiern kennt, daß aam däß bische Haut mittlererweil
z’ſamme=
ſchrummbelt, un mer baßt ſchließlich hinnenooch net=mehr nei.
Manchmal kimmt mer ſich vor, wie im Addeljee vun=eme
Fodegraf wo aaner mit=ere Stang dauernd die blaugraue Vor=
Wie geſagt, wir hawwe allmitnanner mindeftens en klagne
Spa’nn, dann e bische en Spa’nn hott jeder, aach de Armſte,
un Tiddel= und Middelloſeſte, un infolchedem kenne mir vie
mehr Unſinn verhältnismeßich geſund un munder verdrage
al=
mer denke ſollt. Un wann’s aam ſchließlich zu dumm wärd, do
kann mer ſich degääche wehrn, indem daß mer e Verſommlung
konnſtruwiert, un Eiſſpruch erhebt, un e Endſchließung verfaßt,
un dhut ſe aſtimmich a’nemme, un dann in Babierkorb ſchmeiße
indem jo weiders doch nix debei erauskimmt. Awwer ’s dhut
aam gut, un erleichdert aam, un mer is widder for=e Weil
zu=
fridde, indem mer ſein Krobbſch geleert hott, wann aach bloß in
Babierkorb enei ..."
Weil mer awwer all an dem gleiche Strang ziehe, un in
deſälwe Gäächend krank ſin, do ſollte mer uns eichendlich viel
beſſer verſteh, als wie däß dadſächlich der Fall is, dann mir
wiſſe doch, was jedem fehlt, nemlich e Rädche in ſeim Kobb, un
was jeder zuviel hott, nemlich en Spa’nn. Awwer grad am
„Verſtehſtemich” fehlts uns, un ſo gehts zum Beiſpiel bei mir,
indem ich dorchaus net verſteh kann, wie mer iwwerhaubt ſich for
äbbes annere verindräſſiern; iwwer äbbes annere uffreeche,
wääche äbbes annerm ſich bucklich ärfern, un vun äbbes annerm
ſchwätze kann als vun dem, wo uns allmitnanner, ohne
Unner=
ſchied der Baddeie, Rang un Stand, gleicherweis a geht, un wo
uns all, ohne Unnerſchied, driwweliert, un wo for uns all vun
greeßter Imbodenz, uff deitſch: Wichdichkeit, iſt. Nemlich, ich
maan den dißjähriche Summer.
Alſo do frog ich jeden uff Ehr un Gewiſſe: war däß
iwwer=
haubt en Summer, den wo ſe uns ſeither verbaßt hawwe? —
Nag, däß war im heechſte Fall en Erſatzſummer, un zwar en ganz
ärmlicher Erſatz in Folio, un uffs Hoor genau, wie der iwwelſte
Erſatz aus der denkwärdiche Erſatzzeit bauchgrimmichſten
Age=
denkens. Un was bann aam ſo en Summer dhu? — Laad kann
er am dhu, ſag ich, dann end odder wädder hott’s geräjend, end odder
wädder gekiwwelt, end odder wädder gehagelt un geſtärmt, un
hott’s aam de morjend gefrorn wien Schneider beim Nehe, ſo
hott mer de Middag geſchwitzt wie’n Weisbinner beim Friehſticke;
bald muß mer ei heize, bald ſcheint die Sunn Hautlabbe runner;
un im iwwriche hott mer Däg gehatt mit ere gedrengte
Johres=
äwwerſicht vun allem meechliche Wädder — un däß ſchreibt ſich
„Summer” . . . ich danke.
Der zeitgemäße Haushalt.
Moderne farbige Nachthemden ohne
Neuan=
ſchaffung zu erhalten. Die auf Reiſen ſo beliebten
zart=
farbigen Nachthemden für Damen finden immer mehr Liebhaber
Da ihre Anſchaffung aber neue Geldausgaben bedingt, ſo nehmen
viele Frauen davon Abſtand, weil ſie eine Attacke auf ihren
Geldbeutel fürchten, der ſie aus dem Wege gehen wollen. Sie
vergeſſen dabei, daß ſie doch nur aus vorhandenen Beſtänden zu
wählen brauchen. Verwenden ſie von den vorrätigen
Nachthem=
den möglichſt ſolche von feinfädigem, alſo leichtem Stoff, wie
Batiſt, Opal, dünnes Leinen uſw., ſo haben ſie die Gewähr für
gutes Gelingen ihrer Moderniſierungsarbeit. Die Nachthemden
werden zuvor nochmals in klarem Waſſer ausgewunden, dann
in einem farbigen Spülbad von Citocol gut durchgedrückt,
noch=
mals in klarem Waſſer geſpült und zum Trocknen aufgehängt.
Man kann auf dieſe Weiſe jede zarte Paſtellfarbe erzielen.
Bunte Kinderkleider und =bluſen leicht und
elaſtiſch zu ſtärken. Da bekanntlich eine leichte Appretur
dieſe viel gebrauchte Kleidung länger ſauber erhält, ſo ſollte die
Hausfrau ſtatt Stärke, die den Stoffen leicht einen ſpröden Griff
verleiht, dünnflüſſigen Tiſchlerleim verwenden. Dieſer 48
Stun=
den zuvor eingeweicht, darf im Waſſerbad nur bis zum Kochen
gebracht werden, ehe er dem Spülwaſſer in kleinſten Mengen zu=
LI.
geſetzt wird.
Friſche Wurſt im Sommer vor dem Säuern zu
bewahren. Wenn man im allgemeinen friſche Wurſt auch
nur für den Tagesbedarf einkauft, bleiben doch öfter Reſte übrig,
die bis zum nächſten Tag leicht ſauer werden. Sie bleiben jedock
tadellos friſch, wenn man ſie aus der Haut löſt und gut verrührt
feſt in enge Büchſen drückt, die man obenauf dünn mit Salz be
ſtreut. Die Wurſtmaſſe bleibt unter ſeinem Schutze ſchmackhaft
L.
und unverändert friſch.
Köſtliche Rhabarbermarmelade. Den geputzten,
mehrmals gewaſchenen kleingeſchnittenen Rhabarber bringe man
ohne Waſſer auf ſchwaches Feuer, damit er zunächſt erſt eigenen
Saft ziehen kann. Iſt er weich, dann gebe man auf jedes Pfund
Frucht 34 Pfund Zucker, laſſe ihn damit ſolange kochen, bis e
wie dicker Brei vom Löffel fällt. Nun fülle man die Marmelade
in kleine, ausgeſchwefelte, oder mit reinem Weingeiſt ausgeſpülte
Gläſer und verbinde dieſe nach völligem Erkalten mit naßgemach=
H.
tem und wieder abgetrocknetem Pergamentpapier.
heng, in dem Fall alſo die Wolge, vor de Sunn hie= un
her=
ſchiebt. Un wann ich nor vun de Färn en ſtädtiſche
Gießwag=
ſäh, do leeft mers eiskald iwwern Buckel, weil nemlich der
Gieß=
wage es beſtimmtſte Azeiche defor is, daß ſich de Himmel im
neechſte Aggeblick zu=eme Wolgebruch uffheidern dhut
s is nor gud, daß der Summer annerwärts aach kaa beſſer
Fiſchur macht. Dann nemlich es gibt beesordiche Menſche, die
behaubte, ſie dhet ſo e verſchrowe Wädder net Wunner nemme,
indem mer jo ſchun lang wißt, daß s ſo weer, wann die
Darm=
ſtädter was vera’ſtalde wollte — däß geht ſcheints uff’s
Sänger=
bundesfeſtl — awwer die beesordiche Menſche, die wo uns
Darmſtädter immer aans ahenke wolle, ſin dißmol im Unrecht,
dann wie geſagt, s is aach annerwärts net beſſer, ſundern ganz im
Gäjedaal, in de ſchwäwiche un bayriſche Ordnungszelle ſoll’g
ſogar aſch bees ausſähe; un ich hab ſchun Aſichtskadde aus d
Summerfriſche krickt, wo mer’s ſogar dem Geſchribbſel amerkt
daß es in ſäller Gäjend mehr „Friſche” wie „Summer” is, mer
ſpierts orndlich, wie’n die Nas in aam fort gedrebbelt hout.
Uniww=
richens mecht ich bemärke, daß es e beeswillich Verleimdung is,
zu behaubte, bei uns in Darmſtadt weer immer e Sauwädder
wann was los weer, mir hawwe im Gäjedaal aach ſchun
Feſtivi=
dhäte gehatt, wo’s ſchee war, zum Beiſpiel — no’s fellt mer jetzt
grad nix baſſendes ei”, awwer däßhalb ſtimmts doch, un ich kann
manchen ſcheene Summer an de Finger herzehle, wo’s ſchee
Wäd=
der war, ob awwer dann grad e Sengerbundsfeſt war, däß kann
ich nadierlich im Aageblick net ſage.
Freilich ’s derft ſich valleicht doch empfähle, wann mer uff den
Feſtblatz, außer dene Wei’= Bier=, Eis= un Kaffeezälte
vorſichts=
halwer aach noch e Kammilleteezelt uffſchleecht, noochher is mer
for alle Fäll gedeckt. Un ob mer ſoen Awend in dem
Kammille=
teezält nooch „rheiniſcher” odder „münchner” odder „darmſtädter
Art” uffziehe will, däß wärd äwenfalls gehubbt ſei wie gedubbt.
indem ich noch nie ſo recht begriffe hab, was die „Münchner”
odder die „Rheinlender” vor de „Darmſtädter” voraus haww
ſolle, noch dezu wann Kammilletee gedrunke wärd.
No, mir wolle drotzdem, in Bezugnahm bedräffs vum
Feſt=
wädder es Beſte hoffe, indem jo a zunemme is, daß bei=eme
Heſ=
ſiſche Sengerbundsfeſt, wo ſogar der große Herr
Bundesbräſen=
dend in heechſteichner Perfon aach noch näweamtlich Refferend
for’s heſſiſche Bollezeiwäſe im Miſterium for’s Innerliche is, daf
der doch kraft ſeines Amts in de Lag is, dorch e klaa Erläßche
defor zu ſorje, daß bollezeilicherſeits alles geſchieht, daß e
ord=
nungsgemäß Wädder herrſche dhut.
Mir bleibt allerdings nix zu dhu iwwrich, als die Daume zu
halte un Vers zu mache; un dodra ſoll’s net fehle. Alſo:
Feſt=Himmnuß.
Stachelbeer==Schaum. 1 Pfund grüne Stachelbeeren
von Stiel und Blüte befreit, ſetze man, zur Hälfte mit Waſſer
deckt, zum Kochen auf. Durch ein Haarſieb geſtrichen, verrühre
man das erkaltete Fruchtmus mit 6—8 Blatt aufgelöſter Gelatine
(auf je ½ Liter gerechnet), 5 Eßlöffel Zucker oder 2 Eßlöffel
Süß=
ſtofflöſung, 1 Päckchen Vanillezucker und ½ Liter ſteifer
Schlag=
ſahne. In gefällige Glasſchüſſelchen gefüllt, ſerviere man den
Stachelbeerſchaum am nächſten Tage mit Eiswaffeln beſteckt.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Tomatenſuppe, Rindslende mit
Kohlrabi=
gemüſe, Stachelbeerſchaum. — Montag: Fleiſch=Eierkuchen mit
Gurkenſalat. — Dienstagt Gefüllte Kohlrabi. — Mittwoch:
Hefeklöße mit Heidelbeeren. — Donnerstag: Pfifferlinge mit
Reis. — Freitag: Grießbrennſuppe, Gefüllter Schellfiſch mit
Dillſoße. — Samstag: Gurkengemüſe mit Bratwurſt.
Sommervergnügen für Daheimgebliebene.
Addaſchio — Piu andande — Alläckro non drobbo ma kon brieo.
(Nichtgewünſchtes bitte durchzuſtreiche.)
Eins — zwei — drei:
Heil dir, heil! Deutſches Lied!
Das uns blieht, im Gemied,
Und uns auf zum Heecheren zieht!
Dir ſei heit, voller Freid,
Dieſer Feſtgeſang geweiht,
Denn wie nie, eint uns die
Scheene Harmonie!
Heil dir, heil! Deutſcher Sang!
Voller Klang! — Ohne Zwang
Weihn wir unſer Läben lang!
Dir, nur dir, dir nur dir,
Läben und auch ſtärben wir!
Tag und Nacht, uns endfacht,
Nur der Töne Macht!
Heil dir, heil! Sängerſchar!
Dreu und wahr, immerdar,
Waxe weider, Jahr um Jahr!
Voller Luſt, unbewußt,
Quelle ewich aus der Bruſt,
Dir der Ton, immer ſchon
Als der ſcheenſte Lohn!
Heil dir, heil! Sängerbund!
Dich zur Stund, in der Rund
Grießen wir mit Härz und Mund!
Einichkeid, jederzeit,
Schweren wir dir alle heit!
Ewich blieh, wie noch nie,
Deine Melodie!
Heil, ja Heil, Heil ja, Heil,
Dreimal Heil, dreimal Heil!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Iwwrichens, alles was recht
is, der Summer, der wo ſich in de letzte Woche gradezu
hundsmiſſerabel uffgefiehrt hott, der hott ſich alſo in de
letzte zwaa, drei Dag doch noch raſch eines Beſſeren beſunne,
wenichſtens, es is e bische hääßer worrn, un mei
Be=
färchdung, unſer liewe Senger mißte äffenduwäll ihrn
wäld=
beriehmde Sengerdorſcht mit Kammilletee leſche, ſcheint net ei
zu=
dräffe. Jetzt halt ich bloß noch de Adam, daß es unſere liewe
Senger beim Singe net in de Hals räfend, odder daß gor der
Feſtzug . . . na, däß weer net auszudenke. Wie geſagt, ’s hett
nix zu ſage gehatt, wann de Herr Dockter Siegert, ſowohl als
Schutzbaddron vum heſſiſche Sengerbund, wie gach als ſolcher vun
de heſſiſche Bollezei, e endſprächend Ukäßche losgeloſſe hett: „Das
Laſſen von Rächnen iſt während des Sengerfeſtes verboten,
wid=
richenfalls un ſo . . es wärd ſich ſchun e Parragräfche finne,
uff däß mer ſich beruffe kann.
Was mich bedrifft, ſo habb ich mei Meechlichſtes gedha, indem
ich brofilackdiſch uffs Wädder geſcholle hab un hab’s dem
Nixnutzer vun Summer emol geſteckt. Dann mer waaß jo, es
Schälle hilft meiſtens, wann aach net immer un net iwwerall
Beiſpielsmeßich uffm Rodhaus hilft’s meiſtens nix, un däß kimmt
doher, weil ſe net brofilackdiſch, ſundern immer erſt
hinne=
nooch kumme, mit ihrm Geſchenn. So hawwe ſe am verwichene
Dunnersdag widder mol hinnenooch uff die ſtädtiſche Miede
ge=
ſcholle, vermudlich ſin ſe do erſt druff uffmärkſam worrn, weil ich
am voriche mol die Pira= mit unſere Hausmiede vergliche hab.
Awwer ſie mußte ſich ſage loſſe, daß die neie ſtädtiſche Wohnunge
abgeh, wie die Weck uffm Lade, un daß die hoche Miede „gärn
bezahlt wärrn. „Gärn” is jo in dem Fall e bische zuviel geſagt,
die meiſte bezahle ſe doch wohl der Nod gehorſchend, nicht dem
eichenen Driewe.
Näwebei hawwe ſe aach widder emol däß bewußte
Niewer=
gall=Denkmal geſtriffe. Es is alſo zu hoffe, daß die Sach endlich
Hand un Fuß kricky, ſo daß mer äffenduwell des Niewergall=
Denkmal, un die Stadt=Orjel im Saalbau, benebſt dem
neirenno=
fierte Ballegadde zuſamme eiweihe kann".
. . . „Mir erläwe ’s net awwer ſie werrn ſähe, daß ich recht
hab”, ſeecht de Dummbach. —
Der Bettler.
D
2
1. Grundleine. 2. Sonnenbad. 3. Kopfſprung. 4. Waldſpaziergang.
C„Haſper”.)
5. Jagd. 6. Hochholen eines 10=Kilo=Hechtes.
„Warum arbeiten Sie nicht, wenn Sie ſolchen Hunger haben?”
„Das habe ich ja verſucht, aber dann bekomme ich noch mehr
C,L’Intranſigeant”.)
Hunger!
Sein erſter Gedanke. „Sie habben eilnem Doppelgänger;; er ſieſht
Ihmem zum Werwechſelln ähmnllich.” — „Um Himmelswillen! Hoffenulich
haben Sie dem michtr die 20 MMark gezahlltb, die Sie mir ſſchnuldig ſind.
Die Auskunft. „Iſt es moch lweit bis zuur mächſten Stadt?” fragt
der Madfahrer. — „Ach nein”, erwidert der Eimheimiſche. „Es ſſcheint
wrr viel tveiter zu ſſeiim, als es wirklich iſt.”
deher kauft ſich in der Feimboſthlamdlung „Geflüi=
Halb und halb.
gelwurſt” die ihm vortrefflich mundet. Mit ſſeiner ſieimen Zuunge ſchöpf.
er aber Werdacht uund fragt, als ar wwüielder Fauft, ob ſan wwohl auch
andenes Fleiſch dazu verwendet.” — „Ja, wir ſetzen uch etwas Pferde=
Heiſch gu.” — „Numn, das macht ja michts,” msint Meyer, „und wieviel?
„So hallb urnd halb.” — „Was heißt dem das?‟ — „Ganz einfach:
immer ein Huhn uund — ein Pferk
Die Entſcheidung. Paſtor Harcmeher war ein großer Kanzelredner,
und ſſeine Eleine Gemeinde war ſehr ſtvolz auf ſihm. Aber das Gehalt
war ebenſo wüngſig, uund alls ſich ſein Muuhm werbreitette, erhfellt er eimnem
Geſſerem Poſten angetragen. Seime wreuen Alwhänger waren dadurch
ſehr=
beuruhigt, uund eilner gimg ins Pffarrhaus, um hevauszubekommen, wie
ſich der Seelehſirt entſcheſidem werde. Er trifft den Sohn des Paſtors
und fragt ihn: „Ich weiß nicht,” gibt diefer Auskunft, „Vater äſt in
ſeilnem Studierzimmer und betet uum Erleſuchturng.” — „Und die Mama?‟
„Die iſt oben ſumd packt die Koffer.”
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letz
Die Mode am Lido.
Venedig iſt im Sommer ein ſehr bedeutendes Zentrum des
Fremdenverkehrs und darum ſieht man hier auch zur Hochſaiſon
die beſtangezogenen Menſchen und in dieſer Hinſicht übertrifft die
Lagunenſtadt zweifellos Deauville, San Sebaſtian, Nizza und
(
2
1
Biarritz. Der Luxus iſt ein ſchier unfaßbarer und was man hier an
Toiletten, Schmuck, allerhand modiſchen Kleinigkeiten uſw. ſehen
kann, grenzt ans Märchenhafte und ſcheint oft wie ein Kapitel aus
„Tauſendundeinenacht”
Das Intereſſante iſt, daß Venedig modiſch keineswegs
ein=
ſeitig orientiert iſt, ſondern jeden Modezweig erfaßt. Man kann
alſo morgens auf der „Piazza San Marco” den entzückendſten
Trotteurs begegnen, findet untertags am Lido wahre
Offen=
barungen an Strandkoſtümen aller Art, an Umhängen, an
Bade=
komplets und =Pyjamas.
Nachmittags zum Tee dann findet man ſich in den neueſten
Nachmittagskleidern ein und was eine Welt an Apartem ſchafft,
iſt hier vereinigt. Mitteleuropäiſche Note und weſtliche Mode=
Hochkultur, dazu die eigenartigen Schaffungen der
Amerika=
nerinnen ergeben ein Ganzes von feſſelndſter Eigenart.
Daß die abendlichen Veranſtaltungen der großen Strandhotels
und die vielen Privatfeſte nicht enttäuſchen, iſt leicht begreiflich,
wenn man die internationale Einſtellung Venedigs in Erwägung
zieht.
Der Lido bringt übrigens nicht nur das Aktuelle, ſondern
vielfach auch Vorläufer der Linie, ſodaß man zur Hochſaiſon oft
Schaffungen begegnen kann, die Schlüſſe auf die herbſtliche Linie
ziehen laſſen. Darum dürften auch einige Skizzen, die flüchtig
feſtgehalten wurden, aber für die neue Mode bezeichnend ſind,
ſicherlich intereſſieren.
Vormittags ſcheint ſich das Koſtüm unbedingt durchzuſetzen:
ſt es doch in all” ſeinen vielfachen Varianten, die oft beſprochen
wurden, zu ſehen. Das kurze Jäckchen iſt natürlich am
beliebte=
ſten, doch gefällt auch der halblange Paletot, der der
Koſtümwir=
kung einen ganz neuen Akzent zu geben vermag. Natürlich arbeitet
man dieſe kleinen Dinge aus den verſchiedenſten Materialien: ganz
beſonders elegant iſt das weiße Koſtüm aus einem kreppartigen
Wollſtoffe, aber auch paſtell=getönte Enſembles nehmen ſich ſehr
gut aus, wobei ein zartes Gelb, ein feines Gobelinblau und
Heu=
grün im Vordergrunde ſtehen. Auch ausgeſprochenes Roſa, das
lange Zeit in Ungnade gefallen war, ſcheint wieder zu
intereſ=
ſieren. Den Vogel ſchießen aber entſchieden die bunten Koſtüm=
Komplets ab, denn ſie ſehen am jugendlichſten aus und ſind
dar=
um in jeder vollkommenen Garderobe zu finden. Man begegnet
bunten Jumperkleidern mit den dazugehörigen Jäckchen, aber
auch vielen farbig=ornamentierten Seidenjumberkleidern, die durch
eine einfarbige Jacke zu einem flotten Komplet vervollſtändigt
werden. Dieſe Jacke kann nun ebenſogut aus Wollſtoff (in
die=
ſem Falle ergäbe ſie mit einem weißen, pliſſierten Rocke eine
neu=
erliche flotte Kombination) wie aus Shantung, eventuell ſogar
aus farbigem Rohleinen gearbeitet ſein, das ſehr elegant
aus=
ſieht und heuer ſehr gefällt, da ja die neue Mode überhaupt
Waſch=
gewebe aller Art bevorzugt (ſo zum Beiſpiel ſind vielfach ganz
primitive Organdy= und Piqué=Garnituren auf den eleganteſten
nachmittäglichen Kleidern zu ſehen). Eines der entzückendſten
Koſtüme zeigen wir im erſten Bilde der unteren Reihe: es iſt
dies ein Enſemble wie man es vormittags am „Corſo” trägt; das
Jumperkleid in ſeiner einfachſten Form mit in breite Falten
ge=
legtem Rocke aus einem flotten Imprimé Chinakrepp. Dazu das
Leinenjäckchen in der Hauptfarbe der gemuſterten Seide des
Kleides.
Beim 5=Uhr=Tee und beim Konzert auf der „Piazza” gibt
es eine große Anzahl einfarbiger Georgettekleider, die der bunten
Mode heftige Konkurrenz zu machen ſcheinen und damit ſchon
einen Fingerzeig für die Neuſchaffungen des Herbſtes geben. Sehr
oft wiederholt ſich ein loſe geburdener Schalkragen, aber auch die
breite Gürtelpaſſe, die übrigens ſehr ſchick iſt. — Die Rockpartien
ſind entweder ſtark glockig oder in Zipfel und Wimpel aufgelöſt,
unterſcheiden ſich alſo weſentlich von der Trotteurmode. (Bild 2
oben.) Der breitrandige Hut iſt letzter Schick und man muß ſagen,
daß man ſich raſch an ihn gewöhnt hat, weil er ſeine Trägerin in
der Regel außerordentlich gut kleidet. — Die Abendmode ſteht
im Zeichen des Gaze=Kleides, die Mouſſeline ſind denn auch in
den verſchiedenſten Arten zu ſehen; einfarbig und bunt, ſtark
ge=
kreppt und glatt. Bemerkenswert iſt aber, daß die bunten Seiden
immer ſehr groß geblumt ſind und verſchwimmende Ornamente
in ſubtilſten Farben bringen, alſo einen äußerſt kultivierten Ge=
1.
Das tragt man fur den
Sommerabend?
Die Aufmachung für den Abend macht vielen
ganz zu Unrecht ſchwere Sorgen, denn noch niemals
konnte man einer Mode ſo leicht folgen wie eben
jetzt, denn die Wirkungen eines abendlichen
Klei=
des werden faſt ausſchließlich aus dem
Mate=
riale geholt, ſodaß ein ſchönes, intereſſantes
Gewebe in aparter Linie verarbeitet genügt, um
die allerbeſten Wirkungen zu ſichern.
Die Vorſchriften für die abendliche Mode des
Sommers ſind inſofern ganz verſchiedenartige,
als man neben den vielen Schleierſtoffen, die
frag=
los dominieren, auch wieder die ſchweren,
ſatin=
artigen Seiden zu ſehen bekommt, die in ihren
Wicklungen und Drapierungen ganz vortreffliche
Möglichkeiten bieten.
Natürlich iſt ein leichtes Mouſſelinematerial
geradezu der Inbegriff ſommerlicher Eleganz,
während man den Satin=Seiden vielleicht nicht auf
den erſten Blick Beifall zollen wird, denn ſie ſind
zwar ſehr ſchön und apart, aber in gewiſſem Sinne
unſommerlich, da ſie für heiße Abende
gerade=
zu paradox erſcheinen; wann aber hat die Mode
jemals auf ſolche Bedenken Rückſicht genommen?
Sie wünſcht, daß man ihren Anregungen
blind=
lings und kritiklos folgt und damit baſta!
Wens man aber davon abſieht, daß ein
Mouſſe=
linekleid während des Hochſommers ein
ange=
nehmeres Tragen darſtellt, ſo wird man dem
Satinkleide ſicherlich viele ſchöne Seiten
abgewin=
nen können, denn außer ſeinem ſtilvollen Effekt
ſtellt es auch noch ein ausgezeichnetes Modell für
den kommenden Herbſt dar, während nämlich alle
leichten Gazekleider längſt erledigt ſein werden,
dürfte das Satin=Modell, das jetzt noch als
Einzel=
fall daſteht, im Mittelpunkte des Intereſſes ſein.
Die Verarbeitung der neuen Abendkleider iſt
denn auch angeſichts der ganz verſchiedenartigen
Gewebe die in Frage kommen eine ſehr mannig=
faltige, immer wieder fällt die ganz beſonders reiche Phantaſie
auf, denn man ſieht gewickelte und geraffte Formen, Drapierungen
aller Art, daneben aber auch Volants, Zipfel und Glocken.
Als Umhüllen, die gerne mit dem abendlichen Kleide
ver=
einigt werden, kommen kurze Jäckchen, Capes, halblange
Pale=
tots und auch Mäntel in Frage, teils aus dem Materiale des
Kleides geſchnitten, teils auch aus einem abſtechenden, aber in
der Farbe mit dem Abendkleide harmonierenden Gewebe.
Einen breiten Raum in der abendlichen Mode nehmen die
buntgemuſterten Seiden ein, denn ihr jugendlicher Eindruck wird
von der eleganten Frau nicht nur nicht überſehen, ſondern ſogar
beifällig begrüßt.
Daneben aber gibt es ſehr viele einfarbige Gaze=Seiden in
entzückenden Paſtellfarben: maisgelb, hell=türkiſch, lind,
gobelin=
blau uſw.
Effektvoll und elegant, wenn auch in der Wirkung nicht ſo
jugendlich wie die dünnen Schleierſtoffe ſind Spitzen, die ſich
zur Herſtellung von eleganten Complets in ganz hervorragendem
Maße eignen. Nach wie vor ſind es die ſchweren, matten Sorten,
die am beſten gefallen, während die dünnen, glänzenden Spitzen
ſchmack verraten (letztes Blatt). Neben vielen prächtigen
Abend=
umhüllen gibt es eine große Anzahl venetianer Schultertücher,
die die Frage des Abendmantels für den Hochſommer am beſten
zu löſen ſcheinen.
Robert Hohenberg.
ganz entſchieden im Hintergrunde bleiben. Mit
unſerer Bildgruppe verſuchen wir einen Ueberblick
über die abendliche Mode zu geben, die ſicherlich
von herkömmlicher Alltäglichkeit weit entfernt iſt
und für eine rege, künſtleriſche Phantaſie ſpricht,
ſodaß die Abendveranſtaltungen des Hochſommers
ſicherlich ein bunbewegtes Bild bieten werden.
Die erſte Skizze gibt einen Anhaltspunkt für
die große Originalität der bunden Mouſſeline; man
verwendet hier nur die ganz groß ornamentierten
Gewebe, da die kleinen Muſter eigentlich nur für
den Nachmittag in Frage kommen, für den Abend
aber ganz entſchieden fehlangebracht wären. Die
Eigentümlichkeit dieſer großen Ornamente beſteht
darin, daß ſie niemals verſtreut ſind, ſondern
inein=
ander verlaufen, wodurch ihr Effekt gemildert wird
und ſelbſt die größten Muſter abſolut elegant
aus=
ſehen. Das Kleid, von dem wir ſprechen wollen, iſt
ſchon durch ſeine Rockpartie beachtenswert. Sie iſt in
drei in der Rückenmitte verlängerte, glockige
Vo=
lants geteilt, die ſehr maleriſch ausſehen. Die
breite Paſſe iſt eine Neuheit der Saiſon, kommt
aber nur für große, ſchlanke Geſtalten in Frage.
Der Rückenausſchnitt wird durch eine Blende des
gleichen Matcrials abgekantet, die zu einer Maſche
verknotet iſt und in zwei Bandenden herabfällt.
Bei den Spitzen=Komplets für den
Abend kommt es niemals auf Detail=Arbeit, ſondern
auf den Geſamteindruck, alſo lediglich auf die aparte
Linie und auf ſchönes Material an. Unſer Bild 3
zeigt ein vorne kurzes, rückwärts ſtark verlängertes
Prinzeßkleid in Verbindung mit einem geraden
Paletot, der anſtatt eines Kragens einen
ange=
ſchnittenen Schal bringt oder auch mit Fell
ver=
brämt ſein kann.
Das Satinkleid das man nicht nur für den
Sommer, ſondern auch für den Herbſt gebrauchen
will, ſoll ganz auf Linie geſtellt ſein; man
verwen=
det ein ſchweres, atlasartiges Material, das ſehr
leuchtend iſt und die Raffungen wundervoll zur
Geltung bringt. Die letzte Zeichnung macht mit
einem der neuen Modelle vertraut, deſſen Oberteil
überkreuzt und mit einem breiten, ſeitlich gebun=
denen Gürtel verſehen iſt, während die Rockpartie in eigenartigſter
Weiſe gerafft erſcheint.
Die Wirkung des Gaze=Kleides ſoll hauptſächlich auf den
Reich=
tum an Material aufgebaut ſein, denn dieſes Gewebe kommt nur
dann gut zur Geltung, wenn es nicht dürftig wirkt. Unſer zweites
Bild führt ein ausgezeichnetes Modell in heugrünem Mouſſeline
vor Augen, das durch einen breiten Seidenbandgürtel in der
glei=
chen Farbe einen flotten Akzent erhält. Ungemein apart iſt das
kurze Bolero=Jäckchen aus dem gleichen Materiale, das neuartig
wirkt und außerordentlich kleidſam iſt. Robert Hohenberg.