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Franfurt a. M. 1394.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentiche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 209
Sonntag, den 29. Juli 1928.
191. Jahrgang
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Gewali, wie Krleg, Aufruhr, Streit uſw., erlſcht
ſede Verpſchtung auf Erfüſlung der
Amzelgen=
aufträge und =Teſtung von Schadenerſatz. Bei
Konfurs oder gerſchtiſcher Beſtreibung fällt ſeder
Nabatt weg. Banſlonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Das neue China und die Mächte.
Wer Sieg des nationalen
chine=
ſiſchen Gedankens.
nkings Forderung auf Gleichberechtigung
nſd auf Reviſion der entwürdigenden
Ver=
age. — Japans Kampf um die Mandſchurei.
* Berlin, 28. Juli. (Priv.=Tel.)
Nach dem Sieg des nationalen chineſiſchen Gedankens über
vu reaktionären Norden, der vom Süden ſeinen Ausgang
ge=
wumen hat, beginnt die Regierung von Nanking, die
ſtrebt iſt, auch nach außen hin, die chineſiſche Einheit zu
ver=
rtg ern, mit der Stabiliſierung ihrer Macht und der
bnt ſolidierung der durch den Siegeszug der Kuomintang
ent=
zcdenen Lage. Ihre erſten Taten haben aber ſchon bewieſen,
ß” es vielleicht noch ſchwieriger ſein wird, die Machtfülle zu
hraupten, die ſie anſtrebt und tatſächlich bereits beſitzt, als es Am 25. Juli wurde, wie jetzt erſt bekannt wird, ein
Ver=
eBBeſiegung des Nordens geweſen iſt.
Es handelt ſich für Nanking nunmehr darum, das
Ver=
ih tnis des neuen China gegenüber den
Mäch=
n. klarzuſtellen und feſtzulegen. Bisher genoſſen die
Kon=
ſnonsmächte, unter ihnen in erſter Linie England, Japan,
merika, Frankreich und Italien, eine Vormachtſtellung auf
chine=
chem Boden, die das Rieſenreich der Mitte tatſächlich auf die
uffe einer Wirtſchaftskolonie herabdrückte. Dies kam in den
ernträgen zum Ausdruck, die von den Konzeſſionsmächten ſeiner=
1u der Pekinger Regierung aufgezwungen worden waren und
ſöenen der vorherrſchende Einfluß der ausländiſchen
Wirt=
aft in China unbekümmert um die chineſiſchen
Sou=
ſtänitätsrechte zum Ausdruck kom. Nanking
er=
het aber jetzt im Vollbewußtſein ſeiner Macht die
Forde=
rug auf Gleichberechtigung und auf Revifion
u entwürdigenden Verträge. Eine der erſten
Hand=
uen der Nankinger Regierung nach der Beendigung der
anpfhandlungen war infolgedeſſen die offizielle Kündigung der
enträge mit den Konzeſſionsmächten. Dieſer Akt zwingt die
achte zur Stellungnahme. Von dieſer wird mehr als von
an=
rirn Vorgängen die Zukunft der chineſiſchen Einheit abhängen.
Betrachtet man die Haltung der Mächte in den
ein=
wen Abſchnitten der Entwicklung im chineſiſchen Bürgerkrieg,
urgibt ſich klar, daß, unabhängig von der offiziellen Haltung
ur jeden Macht gegenüber Nanking, ganz allgemein die Anſicht
iuer mehr durchdringt, daß gegenüber dem heutigen China ein
en halten, wie es noch vor kurzem Regel war, nicht mehr
mög=
yniſt. Das beſte Zeichen dafür iſt die amerikaniſche Note an die
rikinger Regierung, die klipp und klar zu erkennen gibt, daß
0 ſhington mit ſeinen bisherigen Methoden endgültig
auf=
unnen und nicht nur in eine Durchſicht des alten Vertrages
rtwilligen, ſondern auch die Anerkennung der Nankinger
Regie=
ug folgen laſſen will. Dieſe Stellungnahme Amerikas war an
z zu erwarten, da Wafhington im Vergleich zu den anderen
äuchten ſtets eine loyalere Politik in China betrieben hat. Der
hrritt Amerikas iſt aber auch für die anderen Großmächte von
en größter Bedeutung. Es wird ſich jetzt auch für dieſe darum
moeln, ſich entweder dem Beiſpiel Amerikas anzuſchließen und
rel Neuordnung ihrer Beziehungen zu dem neuen China
vor=
ngehmen oder Japan zu folgen und jede Aenderung der
Ver=
igd abzulehnen. In dieſer Wahl hat jede der Mächte
be=
mmten Richtlinien zu folgen, die im der neuen Lage begründet
3. Es iſt anzunehmen, daß England ſich früheroder
ülter offen dem Vorgehen Amerikas
anſchlie=
u. wird. Der größte Rivale Englands auf dem chineſiſchen
zliche Haltung gegenüber China recht unliebſame Früchte
rugt, ſteigt die Verſtändigungsbereitſchaft Londons. England
tges ſtets verſtanden, aus der Rivalität der Mächte in ihrem
euchalten zu den verſchiedenen Machthabern in Nord= und
Süd=
ua ſeine Vorteile zu ziehen. Ein Verſuch, noch vor
Ame=
au mit Nanking zu einem Uebereinkommen zu gelangen, iſt
werzeit allerdings geſcheitert; die Londoner Regierung hat aber
twbekundet, daß ſie bereit ſein werde, mit einer neuen
Regie=
mgüber deren Anerkennung zu verhandeln und neue Verträge
f dem Fuße der Gleichberechtigung zu ſchließen, wenn eine
äze Regierung, die nach außen hin in der Lage wäre, gauz
ch. mit England zu einem bindenden Abkommen zu gelangen.
n) ſolches neues Abkommen würde ohne Zweifel beiden Teilen
utgen bringen, da China heute ebenſowenig Englands Handel
mriſſen, wie England auf den chineſiſchen Markt verzichten
mi.
ließlich auch Frankreich, Italien und die übrigen Mächte
an=
ließen werden, ſo nimmt Japan eine beſondere Stel=
N.g ein. Das japaniſche Verhalten zu Südchina wird nicht
nich Erwägungen beſtimmt, die für die anderen Mächte
maß=
bund ſind; Japan orientiert ſich vielmehr nach der
gig e in der Mandſchurei. Dort herrſcht gegenwärtig der
un Tſchangtſolins, der ebenſo wie ſein Vater zunächſt Japan
uc gehorchen muß. Verhandlungen, die zwiſchen ihm und
u king über einen Anſchluß der Mandſchurei an Südching
ein=
leuitet wurden, mußten auf Geheiß Japans abgebrochen wer=
I. Die Forderung Nankings auf Abſchluß eines neuen Ver=
Aes hat Tokio unbeantwortet gelaſſen und erklärt, daß für
wuan eine Rebiſion nicht in Frage käme. Nanking hat darauf
n einem allgemeinen Boykott javaniſcher Waren gegntwortet,
7I in der Folge für den Handel Japans kataſtrophal werden
minte. — Es ſcheint aber, daß die Entſcheidung über
918 Verhältnis zwiſchen Nanking und Fapan in
ei: Mandſchurei fallen wird. Dieſe Provinz iſt durch
zähe japaniſche Arbeit zu einer Wirtſchaftskolonie Tokios
ge=
worden. Auf ſeine Vormachtſtellung in der Mandſchurei wird
Japan nicht verzichten. Dies hat es zur Genüge damit gezeigt,
in der Mandſchurei völlig unbeantwortet ließ. Fapan weiß,
daß keine Macht wegen der Mandſchurei gegenwärtig einen
Krieg führen wird. Es ſetzt alſo ſeinen Feldzug der
Durch=
dringung Nordchinas ruhig fort. Wenn die Mächte ſich
aber vielleicht nur mit Proteſten begnügen, ſo ſteht doch das
geeinte China im Hintergrund, und mit dieſem Faktor muß
auch Japan rechnen, wenn es ſein Verhältnis zu dem Reich der
Mitte und ſeine Stellung auf dem chineſiſchen Markt nicht
ris=
kieren will.
Anerkennung der Nanking=Regierung durch
Ameriſta.— Neuer Vertrag zwiſchen Ameriſta
und China.
EP. London, 28. Juli.
trag zwiſchen den Vereinigten Staaten und
China in Peking unterzeichnet, der in ſeinem erſten
Artikel die früheren Vertragsabmachungen über die
Zollbehandlung aufhebt und ſtatt deſſen den
Grund=
ſatz vollſtändiger Zollautonomie für China
unter der Bedingung annimmt, daß die
Ameri=
kaner die gleichen Nechte wie andere Staaten
haben ſollen. Der zweite Artikel enthält die nötigen
Be=
ſtimmungen für die Ratifizierung und erklärt, daß der engliſche
Text des Vertrages maßgebend ſein ſoll. — Die Verhandlungen
über den neuen Vertrag fanden im Geheimen ſtatt. Der
Finanz=
miniſter der Nanking=Regierung hatte tatſächlich ſchon vor ſeiner
Abreiſe aus Nanking die Vollmachten zur Unterzeichnung
erhal=
ten. Für die Vereinigten Staaten unterzeichnete der Pekinger
Gefandte Murray. Amerika erkennt alſo damit die
Nanking=Regierung de kacto an. In China herrſcht
höchſte Befriedigung über dieſe Haltung der Vereinigten Staaten.
Die diplomatiſchen Kreiſe in Peking ſind überraſcht. Die
ameri=
kanifche Note, in der von der Bereitwilligkeit geſprochen wird, in
Zollverhandlungen einzutreten, iſt im Londoner Foreign Office
eingetroffen.
kräfte in China.
Wie die Agentur Indo Pacifique aus Schanghai meldet,
ſollen die amerikaniſchen Streitkräfte in Nordchina um 1350
Mann herabgeſetzt werden. Sie werden demnächſt Tientſin ver=
Amerika zurückgebracht werden.
Ueberraſchung in England.
Leicen 2a Sailt.
Die Meldung von dem neuen amerikaniſchen Tarifvertrag
mit China bildet eine Ueberraſchung für die diplomatiſche Welt.
neuen nationaliſtiſchen Regierung Tarifautonomie gewährt, kann land ernſtlich an einen Rachekrieg gegen Frankreich denken, wenn
gakt iſt Japan. In dem gleichen Maße wie Japans unver= weitreichende Folgen im Fernen Oſten haben. Die Politik der
Vereinigten Staaten ſteht in unmittelbarem Widerſpruch zur
Politik Japans. „Daily Telegraph” berichtet aus Schanghai, in
chineſiſchen amtlichen Kreiſen werde bedauert, daß die
amerika=
niſche Note nichts, über die Exterritorialität oder die
Zurück=
ziehung der Truppen und der Kriegsſchiffe aus den chineſiſchen
Binnengewäſſern enthalte. Man ſei der Anſicht, daß dieſe Punkte beſſeren Beweis für die Richtigkeit dieſer Auffaſſung als den
könnten. Dem diplomatiſchen Korreſpondenten des „Daily
Tele=
graph” zufolge werde die britiſche Regierung zweifellos mit
Waſhington und den anderen in Betracht kommenden
Haupt=
zuna zu vertreten, vorhanden ſein werde. Es wird alſo nur ſtädten über die Möglichkeit der in der amerikaniſchen Note ange= ſchweren Diebſtahls! Wir kennen die franzöſiſchen Militärgerichte
Manking liegen, ſeine Macht zu erhalten und auszubauen, um deuteten gemeinſamen Politik beraten. Der diplomatiſche Korre= zur Genüge und regen uns kaum noch über derartige
ungeheuer=
ſpondent der „Morning Poſt” ſchreibt: Soweit Großbritannien
Geſtalt der neuen Regierung beſchloſſen und Beamte ernannt hat.
WWenn der amerikaniſche Schrit alſo wahrſcheinlich für Eng= Die „Times” ſchreibt: Die Vereinigten Staaten wollten die
9. Richtung gebend ſein wird und wenn ſich dieſem Beiſpiel Erſten ſein, die die nationaliſtiſche Regierung anerkennen, und
haben durch die Unterzeichnung dieſes Vertrages einen Erfolg
davongetragen, während andere Mächte den Unwillen der 400
Millionen Einwohner Chinas erregt haben, weil ſie wegen ihrer
bedrohten Vorrechte Einſpruch erhoben.
Japan widerſetzt ſich China.
Der japaniſche Miniſterpräſident hat den japaniſchen
Konſu=
laten Anweiſung gegeben, ſich der Anwendung der neuen
natio=
aſehe und daß es keine Verhandlungen wegen Rebiſion des
Vertrages aufnehmen werde, ſo lange die nationaliſtiſche
Regie=
rung nicht durch Anerkennung der Gültigkeit des Vertrages für
weitere zehn Jahre wieder zur Vernunft gebracht worden ſei.
Es ſind Inſtruktionen ergangen, durch die die Japoner in China
gegen die nationaliſtiſchen Maßnahmen geſchützt werden follen.
Die Woche.
Das 10. deutſche Sängerbundesfeſt in Wien iſt vorüber. Wie
einſt vor über hundert Jahren das Wartburg=Feſt, wird man es
dereinſt als einen Markſtein deutſcher Geſchichte anſehen. Eine
gänzlich unpolitiſche private Veranſtaltung wurde zum politiſchen
Ereignis erſter Ordnung, da ſo eindrucksvoll wie wohl kaum je
daß es die engliſche Erklärung gegen eine Feſtſetzung Japans bei dieſer Gelegenheit der Wille eines ganzen Volkes zum
Aus=
druck kam. „Wir wiſſen wohl, daß Tauſende von Bedenken der
Verwirklichung des großdeutſchen Gedankens entgegenſtehen, aber
wir deutſchen Sänger fühlen es zu tiefſt, daß es nationale
Pflich=
ten gibt, die über allen Bedenken ſtehen, die ein Volk nicht
auf=
geben darf, ohne ſich ſelbſt aufzugeben und wider den Geiſt ſeiner
Geſchichte und ſeiner Beſtimmung zu handeln. Unſere Seelen
dürſten nach dieſem Groß=Deutſchland, aber unſer Selbſt ſagt
uns, daß wir es nicht erzwingen, daß wir nur vorbereitende
Arbeit leiſten können. Dieſer Arbeit werden wir uns unterziehen
mit der Kraft und Begeiſterung, die aus dem deutſchen Liede
fließt.‟ Durch alle Reden, die gehalten wurden, zieht ſich dieſer
eine Gedanke. An der Donau und am Rhein, in den Bergen
Tirols und am Strand der Oſtſee, iſt man ſich ſeiner völkiſchen
Verbundenheit bewußt geworden und drängt mit der
elemen=
taren Wucht, die nur tief innerlich emfundenen Volksbewegungen
eigen iſt, zur Verwirklichung der erſehnten ſtaatlichen
Vereini=
gung. Nicht Preußen, Bayern, Heſſen oder Oeſterreicher gab es
in Wien in dieſen Julitagen, ſondern nur Deutſche. Wer”, ſo
ſchreibt uns ein Feſtteilnehmer, „an der Gedenkfeier für die im
Weltkrieg gefallenen deutſchen Sänger teilnahm, der mußte, wie
immer er auch zu allen Dingen der täglichen Politik ſtand,
er=
griffen das Haupt entblößen und mit Stolz ſich als Deutſcher
fühlen. Warum es verheimlichen? Mir ſind wie tauſend Anderen
die Tränen über die Backen geronnen, als das Lied vom guten
Komeraden durch die rieſige dicht gefüllte Sängerhalle zog, erſt
pianissimo, wie von einem leiſen Windhauch getragen, dann
an=
wachſend brauſend, ein Gelöbnis. Hunderttauſend Stimmen
fielen ein, mehr noch, draußen auf der Feſtwieſe, wo faſt eine
Million Menſchen verſammelt waren, wurde ſpontan der Geſang
von den Zuhörern aufgenommen, und als ſich ſchließlich alles in
der Hymne „Deutſchland, Deutſchland über alles” vereinigte, da
wurde jedem bewußt: Dieſes 10. deutſche Sängerbundesfeſt war
über den Rahmen eines Bundesfeſtes weit hinausgewachſen, es
wurde zu einer Kundgebung des ganzen deutſchen Volkes.”
Die elektriſchen Wellen haben das deutſche Lied in alle Welt
hinausgetragen. Mißtönend hallt das Echo von der Seine zurück.
Für das Selbſtbeſtimmungsrecht der Völker haben die „allierten
und aſſoziierten Mächte” angeblich den Weltkrieg gegen das
Deutſche Reich geführt, im Zeichen des Selbſtbeſtimmungsrechts
der Völker diktierte man die Friedensverträge von Verſailles und
St. Germain, welche die unnatürliche Grenze zwiſchen dem
Deutſichen Reich und Deutſch=Oeſterreich zogen. Der Wille aller
Deutſchen, dieſe zwiſchen den deutſchen Stämmen errichteten
Schranken niederzulegen, bedroht nach franzöſiſchen Zeitungen
Verminderung der amerikaniſchen Streit= angeblich den europäiſchen Frieden. Die Einmütigkeit, mit der
die franzöſiſche Preſſe faſt aller Richtungen in das gleiche Horn
bläſt, zeigt deutlich die Inſpiration vom Quai d’Orſay. Iſt die
Anſchlußbewegung wirklich eine Bedrohung des europäiſchen
Friedens?. Wäre die Angelegenheit nicht ſo überaus ernſt, wäre
man vielleicht verſucht, über die franzöſiſche Naivität herzlich zu
laſſen und zum Teil nach Manila und zum anderen Teil nach lachen, die auch heute noch die franzöſiſche Hegemonieſtellung in
Europa mit dem europäiſchen Frieden verwechſelt.
Noch immer beherrſcht weite franzöſiſche Kreiſe ſcheinbar die
Angſt vor der „Rekanche”, die jeden Zuwachs des deutſchen
Volkes, jeden Schritt in Richtung auf eine Wiedergewinnung
deutſcher Weltgeltung mit äußerſtem Mißtrauen verfolgt, weil
man eben den deutſchen Volkscharakter nach dem eigenen
beur=
teilt. Man verſteht in Paris ſcheinbar nicht, daß wir
tatſäch=
lich ein friedliches Volk ſind, das nichts weiter verlangt, als daß
Die Tatſache, daß ein Vertrag unterzeichnet worden iſt, der der man ihm ſeine Lebensmöglichkeiten läßt. Wer würde in
Deutſch=
wir der tauſend Feſſeln des Verſailler Diktats ledig wären? Wir
erſtreben ehrlich den euroräiſchen Frieden, aber gerade weil wir
das tun, dringen wir auf eine Reviſion der unſeligen
Friedens=
ſchlüſſe von 1919, da ihre drückenden Beſtimmungen den Funken
unter der Aſche ſtändig glimmend erhalten.
Weil wir eine deutſch=franzöſiſche Verſtändigung ehrlich
anſtreben, verlangen wir die Rheinland=Räumung. Gibt es einen
nach der Regelung der Tariffrage in Angriff genommen werden neueſten ſchweren Konflikt? Einige junge Leute ſollen angeblich
die franzöſiſche Fahne vom Landauer Offizierskaſino
herunter=
geholt, zerſchnitten und beſeitigt haben. Das franzöſiſche
Militär=
gericht hat die ins unbeſetzte Gebiet Geflüchteten im Contumacial=
Verfahren zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt — wegen
liche Urteile auf. Jetzt aber verlangt die franzöſiſche Regierung
in Betracht kommt, iſt keine Veränderung des status guo in die Auslieferung der „Schwerverbrecher”, da wir vertraglich zur
China wahrſcheinlich, bis die Nationalkonferenz im Herbſt die Auslieferung wegen gemeiner Vergehen Beſtrafter verpflichtet
ſind. Neun Jahre nach Friedensſchluß! Glaubt man in
Frank=
reich ernſtlich an die Möglichkeit, daß deutſche Gendarmen die
Delinquenten im franzöſiſchen Zuchthaus abliefern werden, weil
ſie törichter Weiſe eine franzöſiſche Fahne heruntergeriſſen haben?
Will man die deutſch=franzöſiſche Verſtändigung, will man den
europäiſchen Frieden dadurch fördern, daß man im beſetzten
Ge=
biet die Methoden des Ruhrkampfes wieder aufleben läßt? Am
27. Auguſt ſoll zu Paris der Kellogg=Pakt unterzeichnet werden,
und in Waſhington und London hofft man auf die verſönliche
Anweſenheit Dr. Streſemanns. In der Tat würde der erſte
amt=
liche Beſuch eines deutſchen Außenminiſters in Paris ſeit dem
Jahre 1871 eine deutſch=franzöſiſche Annäherung treffend
ſymbo=
liſieren. Die Vorausſetzung aber iſt doch jedenfalls, daß dieſe
naliſtiſchen Vorſchriſten zu widerſetzen. Er erklärte, daß Japan deutſch=franzöſiſche Annäherung nicht nur in Worten beſteht,
ſon=
es formell ablehne, ein Verfahren zuzulaſſen, das es als illegal dern daß bis dahin zum mindeſten die Gewißheit beſteht, daß
den Worten franzöſiſcherſeits nun auch endlich die Taten folgen
werden.
Es iſt überhaupt ein merkwürdiges Verhängnis, daß ſich
aus=
gerechnet ſeitdem die Zuſtimmung der Mächte zum
Kriegs=
ächtungspakt feſtſteht, der europäiſche Horizont an mehr wie einer
Stelle derdüſtert. Auf die Bedenklichkeit des polniſch=litauiſchen
Hailkt64
Zwiſtes für den europäiſchen Frieden haben wir ſchon ſeit vielen
Wochen immer wieder hingewieſen. Jetzt iſt er zu einer ſchtwberen
unmittelbaren Gefahr geworden. In einer ſehr ernſten Note hat
ſich Woldemaras an den Generalſekretär des Völkerbundes
ge=
wandt und auf die „Gefahr eines ernſten Zwiſchenfalles”
hin=
gewieſen, die durch die polniſcherſeits geplanten Manöver an der
litauiſchen Grenze heraufbeſchworen würde. Daß man in
Eng=
land auf polniſcher Seite ſteht, da man die Polen gegen
Ruß=
land braucht, geht aus den letzten Ausführungen Chamberlains
im engliſchen Unterhauſe wiederum klar hervor. Wer kann aber
den Litauern, die durch ähnliche „Manöver” ſchon Wilna
ver=
loren haben, ihre Beſorgniſſe verdenken? Wer kann ihnen
ver=
denken, daß ſie nun auch ihrerſeits „Manöver” anſetzen? Die
ruſſiſche rote Armee wird jetzt ihre großen Herbſtmanöver im
Süden an der polniſch=rumäniſchen Grenze abhalten, und die
deutſche Regierung hat die geplanten Reichswehrmanöver in
Oſtpreußen aus „Sparſamkeitsgründen” abgeblaſen. Von Tag zu
Tag faſt hat ſich die Lage zugeſpitzt, und ſie iſt deswegen ſo
beſon=
ders ernſt, weil es ſich nicht um Augenblicksdifferenzen handelt.
Am 27. Auguſt aber wird man zu Paris den Kriegsächtungspakt
M.
unterzeichnen.
Die Tatigkeit des Solkerbundes
Ein Jahres=Rüdblick auf die Verträge, das
Abrüſiungs=Problem, den ungariſch=
rumä=
niſchen Optantenſtreit und den polniſch=
litau=
iſchen Konflikt.
Der Jahresbericht des Generalſekretärs des Völkerbunds
über die Tätigkeit des Völkerbundes ſeit der letzten
Völkerbundsverſammlung iſt heute veröffentlicht worden. Der
Bericht gibt auf 120 Folioſeiten einen Ueberblick über die
Ar=
beiten der verſchiedenen Völkerbundsorgane.
In dem Kapitel über die konſtitutionellen Fragen wird daran
er=
innert, daß auf die feierliche Kundgebung des Völkerbundsrates
vom letzten März die ſpaniſche Regierung mitgeteilt hat,
daß ſie ihre Mitgliedſchaft im Völkerbund, die nach Ablauf der
zweijährigen Kündigungsfriſt im Sommer dieſes Jahres
er=
loſchen wäre, beibehält, während Braſilien ſeinen
Rücktritt endgültig beſtätigte und Coſta Rica bis
heute keine Antwort erteilt hat. Eingehend wird der
derzei=
tige Stand der unter den Auſpizien des Völkerbundes
abge=
ſchloſſenen internationalen Uebereinkommen ſowie
der beim Völkerbund regiſtrierten Verträge gewürdigt und
auf die grundſätzliche Bedeutung einer ſchnellen Ratifizierung
und Inkraftſetzung dieſer Verträge im Sine der vom
Völker=
bund gepflegten internationalen Zuſcmenarbeit hingewieſen.
Bis jetzt ſind vom Völkerbundsſekretariat 68 Bände mit rund
1600 Verträgen veröffentlicht worden.
Einen breiten Raum nimmt die Berichterſtattung über die
Vorarbeiten für die Abrüſtungskonferenz und
die von den verſchiedenen Ausſchüſſen, vor allem vom
Sicherheits=
komitee und vorbereitenden Abrüſtungsausſchuß
durchgearbeite=
ten Berichte und Vorſchläge, darunter über Schiedsverträge,
Vergleichsverträge, Nichtangriffspakte und über einen
Kollektiv=
vertrag zur Verſtärkung der kriegsverhütenden Maßnahmen ein.
Der Bericht betont, daß alle dieſe Arbeiten ſich auf die
verſchie=
denen politiſchen Seiten des Abrüſtungsproblems beziehen und
daß die nächſte Völkerbundsverſcmmlung darüber zu entſcheiden
haben wird, in welchem Ausmaße dieſen Vorſchlägen Folge
ge=
geben werden kann. Die Bundesverſammlung werde das
Ab=
rüſtungsproblem ſelbſt im Lichte der Ergebniſſe der Ausſprache
über die Berichte zu prüfen haben. In dieſem Zuſammenhang
wird im Anſchluß an die Arbeiten des vorbereitenden
Ab=
rüſtungsausſchuſſes noch daran erinnert, daß dieſer den
ſowjet=
ruſſiſchen Vorſchlag zur vollſtändigen Abrüſtung ablehnt und
einen neuen Vorſchlag Sowjetrußlands über eine ſehr ſtarke
Herabſetzung der Rüſtungen auf die Tagesordnung ſeiner
näch=
ſten Seſſion geſetzt hat. Dieſe Tagung ſei bis zu dem Zeitpunkt
verſchoben werden, in dem der Vorſitzende des Ausſchuſſes die
Möglichkeit einer Verſtändigung über einen Konventionsentwurf,
der der erſten Abrüſtungskonferenz als Grundloge dienen
ſoll, für ausreichend halte.
Nach einer ausführlichen Schilderung der Entwicklung des
ungariſch=rumäniſchen Optantenſtreites und des
polniſchelitau=
iſchem Konfliktes werden die Arbeiten der wirtſchaftlichen und
finanziellen Organiſationen des Völkerbundes mit beſonderer
Betonung der auf handelspolitiſchem Gebiet zum Zwecke der
Zollſenkung unternommenen Arbeiten dargelegt. Schließlich
wird mitgeteilt, daß der Voranſchlag des Budgets des
Völker=
bundes einſchließlich des Internationalem Arbeitsamtes und des
Ständigen Internationalen Gerichtshofes ſich auf 26,8 Millionen
Goldfranken, d. h. rund 1,5 Millionen höher ſtellt, als im
ab=
laufenden Rechnungsjahr.
Die Ozeanflieger trafen in einem Junkers=Flugzeug auf
dem Deſſauer Flugplatz ein und wurden von einer nach
vie=
len Tcuſenden zählenden Menſchenmenge, darunter die
Geſamtbeleg=
ſchaft der Werke, aus denen die „Bremen” hervorgegangen iſt, ſtürmiſch
begrüßt.
Die Tcucher des Eisbrechers „Kraſſin” haben das Leck des
„Monte Cervantes” gedichtet und einen Fuß tief das
Waſſer aus dem Schiffsraum ausgepumpt.
Der öſterreichiſche Bundespräſident hat den aus
dem Verſicherungsbetrugsprozeß bekannten Ingenieur, Emil
Marek nach Verbüßung des größeren Teiles ſeiner ſiebenmonatigen
Kerkerſtrafe begnadigt.
Wie aus Moskau gemeldet wird, wird der Volkskommiſſar
für das Bildungsweſen, Lunartſcharſki, ſich dieſer
Tage nach Wiesbaden zur Kurzwecken begeben. Ende
Sep=
tember ſoll der Volkskommiſſar für eine Woche nach Sowjetrußland
zurückkehren, um an den Tolſtoi=Feiern teilzunehmen. Darauf wird er
ſeine Kur im Auslande fortſetzen.
Die Zuſammenſetzung des neuen ſüdſlawiſchen
Kabinetts hat in England nicht vollauf befriedigt
da man nicht glaubt, daß es ihm möglich ſein werde, die kroatiſchen
Probleme zu löſen.
Die ſüdflawiſche Skupſchtina dürfte anfangs
Auguſt zu einer kurzen Seſſion einberufen werden,
um die dringendſten Geſetzesvorlagen zu erledigen. Unter dieſen
Vor=
lagen befindet ſich die Ratifizierung der Konventionen von Nettuno
und die Geſetzentwürfe, die zur Stabiliſierung des Dinar und zum
Abſchluß der Auslandsanleihe notwendig ſind.
Die rumäniſche Kammer ſtimmte den beiden
Geſetzent=
würfen über die Vorbereitung der Stabiliſierung und
die Anleihe zu.
An. der bulgariſch=griechiſchen Grenze kam es zu
einer Schießerei zriſchen den beiderſeitigen Grenzwachten,
an=
geblich, weil bulgariſche Soldaten in griechiſches Gebiet eindrangen.
Auf beiden Seiten wurden zwei Soldaten getötet und ſieben verletzt.
In einer Kabinettſitzung trat Marineminiſter Arghropulos für eine
Verſtärkung der griechiſchen Flotte ein. Das Kabinett
beſchloß darauf den Bau von vier leichten Torpedobooten und bewilligte
dafür einen erſten Kredit von 72 Millionen Drachmen.
Gualtiert, Präſident des Oberſten Militärgerſhts, iſt zum
Chef des Generalſtabs der italieniſchen Armee
er=
nannt worden.
Der ehemalige engliſche Botſchafter Lord Crewe hat
vorgeſtern in Begleitung ſeiner Gemahlin Paris verlaſſen.
Vo=
ſeiner Rückkehr nach England wird er ſich noch einige Tage in den
Pyrenäen aufhalten. Briand ließ Lady Crewe einen prachtvollen
Blumenſtvauß überreichen.
Eine internationale Konferenz über die
Hedſchasbahn iſt am 26. Juli in Haifa evöffnet worden. Die
britiſchen und die franzöſiſchen Vertreter im Hedſchas nehmen an der
Konferenz teil.
Der britiſche Oberkommiſſar in Aegypten, Lord
Lloyd, iſhnach Londonabgefahren, wo er an Beſprechungen
mit dem äghptiſchen Miniſter für öffentliche Arbeiten, Ibrahmm Beu
Fahmi, und dem Generalgouverneur des Sudans, Sir John Maffey,
über ägyptiſche Bewäſſerungsprojekte und die Regelung des
Nilwaſſer=
problems teilnehmen wird.
Staatsſekretär Kellogg hat ein bewaffnetes
Einſchrei=
ten Amerikas in Panama angedroht, falls es vor Beendigung
der bevorſtehenden Präſidentenwahlen zu Unruhen in Panama dommen
ſollte.
Die belgiſche Oelegation für Genf.
EP. Brüſſel, 28. Juli.
Die belgiſche Regierung hat die Delegation für die nächſte
Völkerbundsſitzung beftimmt. Sie wird vom Außenminiſter
Hymans geführt werden, der beabſichtigt, in Genf mit den
Außenminiſtern verſchiedener Länder zuſammenzutreffen und
dann nach Brüſſel zurückzukehren. Nach ſeiner Abreiſe wird
Juſtizminiſter Janſon die Leitung der Delegation übernehmen,
der ferner die ehemaligen Premierminiſter Poullet und Carton de
Wiart ſowie die beiden Delegierten im Abrüſtungskomitee, Rolin
Jacquemine und Moncheur, angehören. Zum erſten Male ſeit
neun Jahren beſteht die Delegation nicht aus Vertretern der
drei Hauptparteien Belgiens, ſondern nur aus Liberalen und
Katholiken, während die ſozialiſtiſche Partei nicht vertreten iſt.
Polniſch=litauiſche Konferenz in Königsberg.
Warſchau, 28. Juli.
Das Regierungsblatt „Epoka” beſtätigt, daß von Litauen an
die polniſche Regierung ein Vorſchlag ergangen iſt, zwiſchen dem
15. und 20. Auguſt die polniſch=litquiſche Vollkonferenz, die ſich
wit den Ergebniſſen der in Warſchau, Berlin und Kowno
abge=
haltenen polniſch=litquiſchen Kommiſſionsarbeiten beſchäftigen
ſoll, nach Königsberg einzuberufen. Wie erinnerlich, hatten in
Warſcha und Kowno die Ausſchutßarbeiten zu keinem poſitiven
Ergebnis geführt.
Ein deutſcher Schritt in Pard
in der Auslieferungs=Affäre.
Ausſprache des Botſchafters von Hoeſch mt
Berthelot.
Paris, 28. Juliſ
Der deutſche Botſchafter v. Hoeſch hatte heute früh in ag
weſenheit des Außenminiſters Briand mit dem
Generalſekret=
im franzöſiſchen Außenminiſterium, Berthelot, eine
Ausſprag=
über den Zweibrücker Flaggenzwiſchenfall und ſeine Folgen. Zu
Unterhaltung ergab, daß auf beiden Seiten der aufrichtige Wunnt
und der gute Wille beſteht, die Angelegenheit im Geiſte gegon
ſeitigen Verſtändniſſes zu behandeln.
* Die zugunſten der vom Landauer Kriegsgericht verfolgtty
Pfälzer eingeleitete diplomatiſche Aktion iſt nicht ganz
ergebnin=
los verlaufen. Unſerem Botſchafter von Hoeſch, der am Samstt.
im Quai d’Orfay vorſprach, iſt dort erklärt worden, daß
Fraum=
reich die durch das Auslieferungsbegehren in Deutſchland herbou=,
gerufene Empörung außerordentlich peinlich empfinde und A9
dauere. Gleichzeitig wurde ihm zu erkennen gegeben, daß auf
franzöſiſcher Seite der gute Wille beſtehe, die ganze Angelegeze
heit mit dem Verſtändnis zu behandeln, das wir von Frankreis
verlangt haben. Man darf daraus ſchließen, daß die Pariſi,
Regierung aus den deutſchen Proteſten die entſprechende Konin
quenz gezogen und der Rheinlandkommiſſion nahegelegt hat, am
eine Befolgung des Auslieferungsbegehrens zu verzichten. Fram
reich wäre uns alſo damit entgegengekommen. Doch vermiſſo
wir leider Erklärungen darüber, daß die franzöſiſchen
Beſatzungy=
behörden im Rheinland ſich in Zukunft einer ſtändigen Zurüſcſ
haltung befleißigen und alles unterlaſſen werden, was geeignn
iſt, unnötigerweiſe Spannungen herbeizuführen. Leider hat
mou=
ſich in Paris nur auf das Auslieferungsbegehren ſelbſt beſchränm
und eine Erklärung abgegeben, aus der wir herausleſen könne
daß für die Franzoſen die Streitfrage erledigt iſt. Nachde:
Frankreich den Rückzug angetreten hat, ſteht einer Reiſe den
Reichsaußenminiſters nach Paris natürlich nichts mehr im Wegue
Wir hoffen, daß Dr. Streſemann in der franzöſiſchen Hauptztala
Gelegenheit finden wird, nicht nur mit ſeinem Kollegen Brianin
ſondern auch einmal mit Herrn Poincaré ſelbſt eine Unter
haltung über das geſamte Beſatzungsproblem zu führen. Es gi0ü
noch mancherlei, was im Rheinland der Erledigung harrt. Wich
denken an die berüchtigten Ordonnanzen, deren Verringerunm
uns im Jahre 1925 in Ausſicht geſtellt worden iſt. Ihre Zahl
iſt zwar zuſammengeſchrumpft, aber die neuen Ordonnanze
haben ſämtliche Beſtimmungen und Verfügungen, die in deu
alten enthalten waren, übernommen. Aber ganz abgeſehen dan
von ſteht zurzeit die Räumung des Rheinlande
ſelbſt zur Debatte. Man darf Herrn Dr. Streſemann zun
trauen, daß, wenn in Paris ſich die Möglichkeit ergibt, er dieſest
Thema ſofort anſchneiden wird. Nach der Unterzeichnung dess
Kellogg=Paktes, der für Frankreich eine neue Sicherung darſtellth
dürſte es den Franzoſen doch recht ſchwer werden, ſich
unſeren=
berechtigten Forderungen nach einer Räumung des Rheinlandesn
gegenüber auch weiterhin ablehnend zu verhalten, zumal vom
unſerer Seite der, Verſciller Vertrag in allen ſeinen Punktenn
durchgeführt worden iſt.
Paris und die Reiſe Streſemanns.
EP. Paris, 28. Juli.
Das „Echo de Paris” ſchreibt zu der Nachricht, daß
Streſe=
mann zur Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes nach Paris‟
kommen werde: „Zum erſten Male wird ein Reichsminiſter offfen
ziell in Paris empfangen werden. Was ſeit Abſchluß des Frank=3
furter Friedens nicht vorgekommen iſt, ereignet ſich neun Jahren
nach Unterzeichnung des Verſailler Vertrages. Heute hat dasl
republikaniſche Deutſchland aus eigenem Willen unſere wieder?
hergeſtellte Grenze garantiert und nimmt an der feierlichen Ver=n
dammung des Krieges durch den Kellogg=Pakt teil.‟ Das Blan
führt dann weiter aus, daß man bei der Annäherungsbewegunce
Frankreich und Deutſchland ein verſchiedenes Reſultat vor Augenn
hätte. Die Deutſchen rechneten darauf, daß die Franzofen,
überzeugt von ihrem aufrichtigen Friedenswillen, ihnen freien
Hand laſſen würden, um die politiſchen Probleme nach ihrer Annn
zu löſen. Die Franzoſen rechneten damit, daß die Deutſchen ſchl
den gegenwärtigen politiſchen Bebingungen anpaſſen und auſe
hören würden, deren Aenderung zu fordern.
Ein Frühſchoppen bei Bismarck.
Erinnerung eines alten Parlamentariers.
Von A. Kutſchbach.
„Der Reichskanzler Fürſt von Bismarck bittet Herrn
Kutzſch=
bach, ihn am Freitag, den 20. Juni, vormittags ½11 Uhr, zu
einer vertraulichen Beſprechung beim Frühſchoppen mit ſeinem
Beſuche beehren zu wollen.” So lautete die Einladung, die ich
an einem Junitage 1884 mit vielen Reichstagskollegen erhielt, und
pünktlich fanden wir uns zu der angegebenen Zeit im
Kanzler=
palais ein. Im Kongreßſaal, wohin wir von der Dienerſchaft
ge=
leitet wurden, ſtand in der Nähe der Dür Fürſt Bismarch, in der
Uniform ſeines Halberſtädter Küraſſier=Regiments, mit der Mütze
in der Hand, um jedem Ankommenden mit freundlichem Gruß die
Hand zu reichen. Die Honneurs machte die Fürſtin, eine hohe,
noch ſchlanke Geſtalt mit tiefdunklen Augen. Sie bewegte ſich
noch ziemlich jugendlich, ſchien aber ewas zu hinken. In ihren
Nepräſentationspflichten wurde ſie von ihrer Tochter, der Gräfin
Rantzau, unterſtützt, einer außerordentlich ſympathiſchen Dame
mit regelmäßigen Geſichtszügen.
Die Miniſter waren faſt ſämtlich mit ihren Gattinnen
erſchienen, ſo daß auch ein verhältnismäßig reicher Damenflor, im
Gegenſatz zu den früheren parlamentariſchen Soireen des Fürſten,
vertreten war. Ebenſo waren auch nahezu alle Bevollmächtigte
zum Bundesrat anweſend.
Leider machte ein unfreundliches Wetter das geplante
Garten=
feſt unmöglich, und ſo mußte man ſich auf die Räume des Palais
beſchränken. Die Muſik welche von der Kapelle des zweiten Garde=
Infanterie=Regiments ausgeführt wurde, ſpielte zwar zunächſt
im Garten, da man von ihr aber nur die große Pauke hörte,
wurde ſie heraufbeordert, um in einem an den Konzgreßſaal
anſtoßenden Zimmer weiter zu konzertieren. Im Saal war eine
lange Tafel aufgeſtellt, auf welcher ſich kalte Küche, insbeſondere
mächtige Bärenſchinken, befanden. Die zahlreiche Dienerſchaft
ſervierte zunächſt Münchener Hofbräu, ſpäter Holſtein=Bock,
Markgräfler und Champagner.
Der Reichskanzler, welcher ungemein wohl ausſah, ging von
Gruppe zu Gruppe und richtete an dieſen und jenen ein
freund=
liches Wort. Schließlich ließ er ſich an einem Tiſche nieder, an
dem u. a. Dietze=Pomßen und ich ſaßen. Dietze, ein Bruder des
ſpeziellen Bismarckfreundes Dietze=Barby, beſaß das Rittergut
Pomßen bei Grimma. In meiner Schulzeit hatte ich häufig einen
Teil meiner Ferien in der Pfarrerfamilie Schmid in Pomßen
zugebracht, und da dieſe näheren Verkehr mit der Ritterguts=
familie pflegte, war ich Dietze ſchon als Knabe bekannt geworden.
Jetzt im Reichstag nahm er ſich meiner gewiſſermaßen väterlich
an. Er gehörte ſchon in einer früheren Legislaturperiode
dem=
ſelben an, während ich einer der jüngſten Abgeordneten war, und
ſo machte er mich auf manches aufmerkſam, was zu wiſſen mir
vorteilhaft war. Das hinderte auch der Umſtand nicht, daß Dietze
under den Konſervativen ſaß, während ich meinen Platz unter den
Liberalen hatte. Bismarck kam, nachdem er Platz, genommen
zienulich unvermittelt auf den Deutſch=Franzöſiſchen Krieg, eins
ſeiner Lieblingsthemen, zu ſprechen und gab in heiterer Laune
das Folgende zum beſten.
Als Paris kapituliert hatte, erzählte er, ſei Thiers zu ihm
nach Verſailles gekommen, um wegen der Friedenspräliminarien
zu verhandeln. Nach mehrſtündiger Verhandlung habe er Thiers
die Treppe hinab zum Wagen begleiten wollen, als auf den
oberen Stfen Thiers plötzlich zu ihm ſagte: „Noch eins,
Exzel=
lenz (Bismarck war damals noch nicht Fürſt und Durchlaucht),
wie gedenken Sie es wit den Zahlungsbedingungen der Stadt
Paris zu halten?‟ Da ſei ihm erſt eingefallen, daß Paris doch
auch eine Kriegskontribution zahlen müſſe. Aber, ohne ſeine
Ueberraſchung merken zu laſſen, habe er ohne zu zögern ſofort
und mit aller Entſchiedenheit geantwortet: „Wir fordern von
Paris eine Milliarde. Von einer Stadt von dieſer Größe und
dieſem Anſehen können wir nicht weniger fordern; es wäre dies
für Paris eine Beleidigung.‟ Der kleine Thiers, ob dieſer hohen
Forderung aufs äußerſte erſchrocken, habe ſich nun auf das
Feil=
ſchen gelegt, und da er, Bismarck, ſich nicht hartherzig zeigen
wollte, ſei man, noch ehe die unterſte Treppenſtuſe erreicht war,
auf 200 Millionen Franken handelseinig geworden. Nach dem
Weggange Thiers ſei er ſofort zum Kaiſer geeilt und habe dieſem
den Vorſchlag gemacht, die auf ſo unerwartete Weiſe demnächſt
zur Zahlung kommenden 200 Millionen denjenigen deutſchen
Staaten zu überweiſen, welche im Jahre 1866 gegen Preußen
ge=
fochten und damals beträchtliche Kriegsentſchädigungen an dieſes
hatten zahlen müſſen. Die 200 Millionen Franken hätten alſo eine
Rückgabe dieſer Kriegszahlungen bedeuten ſollen. Der Kaiſer ſei
mit dem Vorſchlage ſehr einverſtanden geweſen. Da aber die
Pariſer Kriegskontribution Sache des Militärkabinetts, alſo keine
Zivilſache geweſen ſei, ſo habe er, Bismarck, die betreffende Order
nicht gegenzeichnen können und ſich daher zur Erreichung ſeines
Wunſches mit dem Militärkabinett in Verbindung ſetzen müſſen.
Dieſes habe mit ihm lange verhandelt, ſchließlich aber wären die
200 Millionen für militäriſche Zwecke verſchwunden geweſen.
Beim Servieren des Holſtein=Bock erzählte Fürſt Bismarck
noch folgende Reminiſzenz: Graf Holſtein — ein bayeriſcher
Kammerherr, nebenbei auch Brauereibeſitzer — habe während des
Krieges 1870/71 ihm, Bismarck, einen weſentlichen Dienſt geleiſtel.!
Die Verſailler Verträge ſeien dem Abſchluſſe nahe geweſen, ſiee
eine Differenz zwiſchen dem König von Preußeſi.
und dem König von Bayern entſtanden ſei. Um dieſelnen
auszugleichen*) habe er einen eigenhändigen Brief an den Konſch
von Bayern geſchrieben, und zwar habe er darin ſich nicht age
Kanzler, ſondern als ein Bismarck eingeführt, deſſen Famülſe.?
urſprünglich aus Bayern ſtamme und der daher noch eine Man
Abhängigkeit und Untertanenſchaft dem König von Bayern geßele
über empfinde. Nun habe er weiter auseinandergeſetzt, daß N.‟
König von Preußen auch als Deutſcher Kaiſer nicht in die Hoheilee
rechte des Königs von Bayern eingreifen werde, daß er aber Ne”
König von Preußen und Nachbar des bayeriſchen Königs dieſſe
ben Rechte in ſeinem Lande in Anſpruch nehmen müſſe, wie Ne.”
König von Bahern in dem ſeinigen, und daß es nur auf die A0e
erkennung dieſer Rechte, die doch ſelbſtverſtändlich ſeien, We ”
komme. Mit der Ueberbringung dieſes Briefes ſei nun Giaſe
Holſtein betraut worden, der auch ſofort aus dem Hauptquakl.
in Verſailles nach München abgereiſt ſei. Wider Erwarten Aie
zum freudigen Erſtaunen aller ſei nun Holſtein bereits nach ſieh.
Tagen wieder in Verſailles eingetroffen, und zwar mit Eill..
befriedigenden Antwort des Königs von Bayern — eine Leſſtüſhes
die bei den vielen Verkehrshinderniſſen, die während des Kriedee
unvermeidlich waren, ſowie bei der bekannten Neigung des ha.
riſchen Königs, ſich tagelang von jedem Verkehr abzuſchliebe”
eine außerordentliche genannt werden mußte.
Der Holſtein=Bock war dem Kanzler als mediziniſches
Biec=
von ſeinem Leibarzte Dr. Schwenninger empfohlen worden. 2
ſelbe war beim Frühſchoppen ebenfalls mit anweſend; er he
damals ein noch junger Mann mit ſchwarzem Haar und Volog.
und ſcharf markierten Geſichtszügen. Bismarck ſtand, als er ſe
Erzählung beendet, auf und unterhielt ſich darauf recht laluec
mit dem nahe dem Tiſche ſtehenden Dr. Windthorſt, wobei e. Le
„Frühſchoppen” mit dem Hinweiſe verteidigte, daß man Mite.
2) Bismarck war hier, wohl mit Nückſicht auf den damals noch lehe
den König Ludwig II. von Bayern, nicht genügend ausführlich: SR
belte ſich bei der Angelegenheit darum, dem König von Bayern ſic
zulegen, daß ihm als Herrſcher des zweitgrößten deutſchen Bunhe
ſtaates die Aufgabe zufalle, namens der übrigen deutſchen Füpſich. ..
König von Preußen zu erſuchen, die deutſche Kaiſerwürde anzumechid.
Bismarck gab Holſtein gleich den Enzwurf eines Briefes mit den T.
König von Bayern an den König von Preußen richten ſole,
Ludwig II. ſchrieb denſelben auch wörtlich ab und händigte dieien Dic
dem Grafen Holſtein zur Ueberbringung an Bismarck Ein.
Der Verfaſſer.
ſpoz ſie mit Rich
um Bau größere
Lolomotivenn
(des Oberbaus zur
Feil der Ernelel
mer Als die gro
ſtellte ſich bald he
doch ſah man d
wurde. Die Lolke
die Brücken, Uebe
verſtärkt hatte.
ohne daß ſie zur
* alſo der Inſtan
( die recht wenig
bi der Reichsbe
vollte jede Abte
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nahme des Obe
ſtummer 209
Sonntag, den 29. Juli 1928
Seſſe 3
Ne Deitleosſſcherhen der keichgelfenbahn
e Anſicht des Lokomotibführers.
Unterſuchungsausſchuß im Intereſſe des Betriebes
not=
wendig.”
kürter dieſer Ueberſchrift wird uns von der Gewerkſchaft deutſcher
Pnlotivführer geſchrieben:
dar Vorſchlag des „Berliner Tageblattes”, für die Prüfung der
Ehaahnunfälle einen Unterſuchungsausſchuß einzuſetzen, iſt auch dem
9/8uotipführer ſympathiſch. Der Führer und die Heizer ſind
die=
zlzehs, über die bei allen Anläſſen dieſer Art am meiſten geſprochen,
1 dcner am wenigſten gehört werden. Doch ſoll zunächſt noch beſprochen
i beis, ob die wahrſcheinlichen Urſachen der Unfälle nicht tiefer liegen
pü- folgendem geſucht werden müſſen:
2ae Deutſche Reichsbahn hat — und das iſt für die Beurteilung der
grſwhärtigen Unfallperiode wichtig — das Beſtreben, vor allen Dingen
feune ſchnelle und rationelle Beförderung der Perſonen und Güter
lpnggen.
ins dieſem Grund ſetzten ſchon im Anfang des Jahres 1926
Be=
my gen ein, die Geſchwindigkeit der Schnell= und Perſonenzüge ſowie
aner Güterzüge zu erhöhen. Daran iſt in erſter Linie die
Verkehrs=
ſallung der Reichsbahn intereſſiert; ſie geht hierbei von dem Gedanken
di üricht nur den Bedürfniſſen des reiſenden Publikums zu dienen,
ſſemm auch in eine gewiſſe Konkurrenz mit ausländiſchen Eiſenbahn=
Pſchaften einzutreten. Ein ſolches Vorgehen iſt verſtändlich und
ent=
ſ. der größer gewordenen Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit
ſtümternehmens. Dobei werden jedoch Zuſtände überſehen, die ſich
UIn ges beſten Willens nicht beſeitigen laſſen und die als gegeben mit
mtckhnung geſtellt werden müſſen.
2a.e Reichsbahngeſellſchaft weiß ſehr gut, daß ſich zum Beiſpiel
MNSſcberbau in einer ſchlechten Verfaſſung befindet und die
Erneue=
asiapbeiten im Rüchſtand ſind. Trotzdem tat ſie zunächſt dasjenige,
n hre mit Rückſicht auf dieſe Behinderung nicht tun dürfte ſie ging
WBau größerer und ſchwerer Lokomotiven über. Das Tempo des
2ngotivenneubaus wurde geſteigert, während die Wiederinſtandſetzung
N2Serbaus zurückblieb. Man tat noch mehr!. Man gab einen großen
4 her Erneuerungsarbeiten in die Hände betriebsfremder Unterneh=
Un Els die großen und ſchweren Lokomotiven zur Anlieferung kamen,
ſteiſtſich bald heraus, daß der Oberbau dieſe nicht zu tragen vermochte,
5 ſtah man dies erſt dann ein, als die Probe aufs Exempel gemacht
Und. Die Lokomotiven mußten warten, ſie blieben ſtehen, bis man
d8:rücken, Ueberführungen und vor allen Dingen die Gleiſe notdürftig
räll-kt hatte. Monatelang ſtanden neue Lokomotiven betriebsfertig da,
e woaß ſie zur Verwendung kommen konnten. Der Lokomotivbau war
eer Inſtandſetzung des Oberbaues vorausgeeilt, eine Maßnahme,
erdcht wenig verſtändlich erſchien und vor allen Dingen zeigte, daß
ner Reichsbahn ſelbſt die Abteilungen konkurrierten. Scheinbar
ste jede Abteilung für ſich am leiſtungsfähigſten erſcheinen
Aller=
ts/ war die Einführung größerer und ſchwererer Lokomotwen ſehr
totkend, denn hiermit konnten längere Züge gefahren und eine
be=
tſmme Erſparnis an Lokomotioperſonal erzielt werden.
Auachdem man die Rationaliſierung des Lokomotiodienſtes auf dieſe
Iſ” vorgetrieben hatte, folgten unmittelbar darauf die Anregungen
z Grhöhung der Geſchwindigkeiten. Dieſe Geſchwindigkeitserhöhungen
ſehr hoch und bedingen neben erheblich höherem Verbrauch an
Be=
böül toffen, vor allem an Kohle, wiederum eine ſtärkere
Inanſpruch=
ru: des Oberbaues. Gleichzeitig ſetzte auch eine ſtärkere Kontrolle des
pyrotipperſonals ein, um die in Anſatz gebrachten erhöhten
Geſchwin=
leuren auf Koſten der Betriebsmittel zu forcieren. Und in welchem
Bü ltnis ſteht der Erfolg der höheren Geſchwindigkeiten zu der höhe=
Ananſpruchnahme der Betriebsmittel?
(es gilt als ſelbſtverſtändlich, daß die Lokomotivführer den Zuſtand
SStrecken und Gleiſe kannten und es nicht unterließen, auf die
dachen Stellen im Betrieb hinzuweiſen. Es iſt aber in den Kreiſen
Asokomotivperſonals eine altbekannte Tatſache, daß die Meldungen
ſcdie Unregelmäßigkeiten nicht ihrer Bedeutung entſprechend
gewür=
wwerden. Hat doch am Tage vor dem Unglück in Siegelsdorf ein
wmrotivführer eine ſchriftliche Meldung übere den Mangel des Gleiſes
egteben, ohne daß man dieſe Meldung ſofort nachgeprüft hat und die
lei tände ſofort abſtellte. Man wollte vielfach den ſchlechten Zuſtand
G=leiſe nicht ſehen, oder zumindeſt nicht wahr haben. Es fehlten, wie
B eichsbahn ſelbſt ſagt, auch die Mittel, um dem Bedürfnis
nachzu=
tnen. Hierzu kam aber noch ein weiteres. Bisher war es dem
Loko=
nitfführer möglich, auf Grund ſeiner eingehenden Streckenkenntnis die
efährlich erſcheinenden Gleisſtellen mit einer Geſchwindigkeit zu
be=
kan, die ihm unbedenklich erſchien, er ſelbſt teilte ſich die Fahrzeit des
e8 ein und ſorgte für pünktliche Ankunft in den Haltſtationen. Dieſe
ſg=ichkeit ſchied mit dem Augenblick aus, als die außergewöhnlich
E erhöhten Geſchwindigkeiten dazu drängten, ſich über die bisher
G.2 Vorſicht hinweg zu ſetzen und den ſtrikten Anweiſungen zur
An=
hung der kürzeren Fahrzeiten zu folgen. Es machte ſich in den
äiſen der Lokomotivführer eine gewiſſe Unſicherheit bemerkbar, weil
nütſich damit über die von den Lokomotipführern ſelbſt geübten
Vor=
zumaßnahmen hinwegſetzte.
48leiben wir zunächſt bei dem Unglück von Siegelsdorf. Die Kurve,
hum der Schnellzug zur Entgleiſung kam, darf mit 80 Kilometer
be=
rum werden. Hat der Lokomotivführer genügend Fahrzeit vor ſich
p'ann er innerhalb der Geſamtfahrzeit zwiſchen zwei Stationen
per=
lich disponieren, ſo wird er rein gefühlsmäßig eine ſolche Kurve ſehr
ſſuhtig und mit weniger als 80 Kilometer befahren; wird er aber
ſch. die kürzere Fahrzeit getrieben und veranlaßt, an allen zu
befah=
durn Stellen das Höchſtmaß der Geſchwindigkeit anzuſetzen, ſo beſteht
AGefahr in weit größerem Maße als früher, daß er über die vor=
geſchriebene Grenze hinaus geht. Es iſt dabei zu berüchſichtigen, daß
jeder Lokomotivführer ſich für einen Fahvverluſt verandworten muß,
und wenn der Fahrverluſt an der Grenze zweier Direktionen eintritt, ſo
muß er ſich doppelt verantworten. Jeder Fahrverluſt zeitigt eine
ſchrift=
liche Vernehmung, die als außerdienſtlich angeſehen und von dem
Perſo=
nal in der dienſtfreien Zeit erledigt werden muß. Der Vorſchlag, einen
Unterſuchungsausſchuß für die Reichsbahn zu bilden, liegt im Intereſſe
des Betriebes. Es wäre zweckmäßig, wenn die Reichsbahn, bevor ſie
höhere Geſchwindigkeiten einführt, auch ihre Lokomotioführer mit
heran=
zöge, dann würde ſie ein auf die Praxis geſtütztes Urteil bekommen. Im
Hinblick auf die angedeuteten bedenklichen Umſtände dürfte das Urteil
der Lokomotibführer, nicht auf weiter geſteigerte Fahrgeſchwindigkeit
hinauslaufen; die Lokomotipführer ſind vielmehr der Meinung, daß in
dieſem Tempo vorgetriebene erhöhte Geſchwindigkeiten große Gefahren
in ſich bergen und für deren Anwendung erſt die Wiederhevſtellung des
Oberbaues eine unbedingte Vorausſetzung iſt. Bis dahin hätte man ſich
mit den vorhandenen Fahrzeiten begnügen müſſen. Die Deutſche
Reichs=
bahngeſellſchaft hat keine Veranlaſſung, mit Betriebsleiſtungen zu
renom=
mieren, die ſie nicht ohne Bedenken durchführen kann.
Eines hat allerdings die Erhöhung der Geſchwindigkeiten mit
Sicher=
heit gebracht, und zwar eine weitere Erſparnis an Perſonal. Das
Loko=
motibperſonal, welches zum Beiſpiel bisher in 10 Stunden 300
Kilo=
meter durchfuhr, muß nun in der gleichen Zeit 400 Kilometer fahren.
Dementſprechend iſt auch ſeine Beanſpruchung intenſiver und ſo ſtark
geworden, daß das geſamte Perſonal der Meinung iſt, die aufgetragene
dienſtliche Belaſtung nicht mehr tragen zu können. Man ſtelle ſich den
Lokomotivführer und Heizer vor, die bei dieſer Hitzeperiode bei einer
Temperatur von 60 bis 70 Grad vier bis viereinhalb Stunden
unaus=
geſetzt und ohne das Auge nur einen Augenblick von der Strecke
abwen=
den zu können bei dieſen aufregenden Geſchwindigkeiten fahren müſſen.
Die phyſiſche Inanſpruchnahme des Lokomotipperſonals iſt gerade in dieſer
ſer Zeit ſo eminent hoch, daß eine abſolute Sicherheit der Beobachtung und
die Zuverläſſigkeit der richtigen Handlungsweiſe geſchwächt werden muß.
Mit jeder Steigerung der Lokomotibleiſtungen ſteigert ſich auch die
In=
anſpruchnahme des Perſonals und der bisher ſchon kaum erträgliche
Druck auf die dienſtliche Belaſtung nimmt durch die oben geſchilderten
Umſtände noch weiter zu. Hier bleibt die Aufgabe der Verwaltung,
ihrem Perſonal nur das Menſchenmögliche zuzumuten, im Verzug. Alle
Bemühungen des Lokomotioperſonals, ihre dienſtliche Tätigkeit den
veränderten Betriebsverhältniſſen anzupaſſen, ſcheiterten an dem
Wider=
ſtand der Verwaltung. Daß das nicht dazu beitragen kann, das Gefühl
der Sicherheit zu erhöhen, iſt ſehr erklärlich.
Wir glauben unbedingt im Intereſſe der Betriebsſicherheit und zur
Vermeidung von Unfällen zu handeln, wenn wir dafür eintreten, daß
man der fachlichen Tätigkeit und der perſönlichen Einſtellung des
Loko=
movtivführers einen weiteren Spielraum läßt; die überaus günſtigen
Unfallſtatiſtiken der ebemals preußiſch=heſſiſchen Eiſenbahnen haben das
bewieſen. Die Eiſenbahnſtrecke iſt in ihrer Lage und in ihrem Zuſtand
durch Witterungseinflüſſe und dergleichen ſo vielen Veränderungen
unterworfen, daß es auf die perſönliche Umſicht und dauernde, durch
kein Uebermaß dienſtlicher Leiſtungen geſchwächte Aufmertſamkeit des
Lokomotiwpführers im weſentlichen ankommt. Es gibt — und das wird
jeder Lokomotivfühver zum Ausdruck bringen — kleinere
Strecken=
abſchnitte, die aus dem perſönlichen Gefühl heraus nicht mit der
höchſt=
zuläſſigen Fahrgeſchwindigkeit gefahren werden, weil man die Schwächen
ſolcher Stellen und die Möglichkeit einer Gefahr aus der jahrelangen
Praxis kennen lernte. Hierin liegt ein weſentlicher, von der
Reichsbahn=
geſellſchaft kaum beachteter Faktor, daß ein gut ausgebildetes und ſeiner
Verantwortung bewußtes Perſonal ſehr, ſehr viel zur Vermeidung von
Unglücksfällen beitragen kann. Daran wird auch alle Mechaniſierung des
Betriebes nichts ändern. Das Leben und die Geſundheit des reiſenden
Publikums iſt ein ſo koſtbares Gut, daß man alles an ſeine Erhaltung
ſetzen muß.
Vor der Einberufung des Reichsbahngerichts.
Zwiſchen der Reichsbahn und dem Reichsverkehrsminiſterium
werden zurzeit Verhandlungen über die
Zuſammen=
ſetzung des Reichsbahngerichts geführt. Wie
erinner=
lich, ſetzt es ſich aus einem Vorſitzenden und zwei Beiſitzern
zu=
ſammen. Der Vorſitz iſt bereits in den Händen des
Senats=
präſidenten Maier. Die Beiſitzer werden von den Parteien
vor=
geſchlagen und dann vom Reichsgerichtspräſidenten ernannt. Eine
Einigung dürfte unmittelbar bevorſtehen, ſo daß die
Konſti=
tuierung des Gerichts nur noch eine Frage kurzer Zeit iſt.
Un=
mittelbar nach der Ernennung der Beiſitzer wird die Reichsbahn
dieſes Gericht anrufen und ihm die Forderung nach
Er=
höhung der Tarife im Ausmaß von rund 250 Millionen
Mark unterbreiten.
Inzwiſchen iſt vom Reichsverkehrsminiſter dem
Verkehrs=
referenten der Reichstagsfraktionen die Bitte übermittelt worden,
ſich zu einer gemeinſamen Sitzung am 1. Auguſt in Berlin
ein=
zufinden. Der Reichsverkehrsminiſter will ſich mit den
Fraktions=
vertretern über die Betriebsſicherheit bei der Reichsbahn
unter=
halten und ihnen Mitteilung über ſeine Beſprechung mit dem
Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, machen. Dieſer
Konferenz kommt keine beſondere Bedeutung zu. Sie iſt lediglich
als Behelfsmaßnahme für die Zeit der Reichstagsferien gedacht,
um die Verbindung zwiſchen Reichsverkehrsminiſter und
Parla=
went während dieſer Zeit nicht abbrechen zu laſſen.
Anſichere Lage in Belgrad.
Pribitſchewitſch ſeines Lebens nicht mehr ſicher.
EP. Belgrad, 28. Juli.
Pribitſchewitſch verließ heute mit dem Abgeordneten Wilder
Belgrad, um ſich nach Agram zu begeben. Von morgen an wird
ſich alſo kein Abgeordneter der bäuerlich=demokratiſchen Koalition
in Belgrad aufhalten. — Vor ſeiner Abreiſe erklärte
Pribitſche=
witſch, die gegenwärtige Regierung ſtelle die feindſeligſte Löſung
der Kriſe dar, die man überhaupt finden konnte. Ueber die
zu=
künftige Haltung der Koalition äußerte ſich Pribitſchewitſch nicht,
da hierüber erſt in Agram beſchloſſen werden müſſe, doch erklärte
er mit Nachdruck, daß die zu erwartenden Beſchlüſſe genau von
dem diſziplinierten kroatiſchen Volke ausgeführt werden würden.
Die Koalition werde nicht mehr in die Skupſchtina zurückkehren,
wenn ihre Intereſſen nicht von einer neutralen Regierung
wahr=
genommen würden. Schließlich ſagte Pribitſchewitſch, er fühle
ſich ſeines Lebens in Belgrad nicht ſicher, da er täglich Dutzende
von Drohbriefen erhalte.
Nachklänge zum Belgrader Attentat.
Der Präſident der Skupſchtina kam heute auf das
Aus=
lieferungsbegehren gegen die radikalen Abgeordneten Toma
Popowitſch und den Abgeordneten der Demokraten Jowanowitſch=
Lung zurück. In der Begründung führt der Unterſuchungsrichter
in der Mordaffäre Punica Raſchitſch eine Reihe von Ausſagen
an, die als Zeugen vernommene oppoſitionelle Abgeordnete
ab=
gegeben haben. Eine dieſer Ausſagen enthält die Behauptung,
daß Toma Popowitſch in der Sitzung vom 19. Juni, alſo einen
Tag vor dem Attentat, ausgerufen habe: „Hier wird Blut fließen,
hier wird das Haupt Stephan Raditſchs fallen‟. Der
Abgeord=
nete Jowanowitſch=Luna wird beſchuldigt, im Augenblick, bevor
Raſchitſch zu ſchießen begann, dem Abgeordneten Pernar, der
ſpäter von Raſchitſch getroffen wurde, zugerufen zu haben: „Wenn
dich Raſchitſch nicht tötet, ſo werde ich dich töten”. Auch habe
Jowanowitſch=Luna nach dem Attentat auf Paul Raditſch
ge=
rufen: „So mußte es geſchehen, ſo reinigt ein Montenegriner
ſeine befleckte Ehre.”
Kelloggs Reiſe nach Paris.
EP. Waſhington, 28. Juli.
Staatsſekretär Kellogg gab geſtern bebannt, daß er die
Ein=
ladung der franzöſiſchen Regierung, am 27. und 28. Auguſt zur
Unterzeichnung des Antikriegspaktes nach Paris zu kommen,
erhalten und angenommen habe unter der Bedingung, daß die
übrigen Signatarmächte durch ihre Außenminiſter vertreten
wür=
den. Wahrſcheinlich wird Frau Kellogg ihren Gatten nach Paris
begleiten. Staatsſekretär Kellogg hat bereits beſchloſſen, mit dem
erſten nach der Unterzeichnung des Vertrages verfügbaren
Dampfer nach Amerika zurückzureiſen. Der Staatsſekretär
beab=
ſichtigt nicht ſeine Europareiſe zu informellen Beſprechungen
mit den verſchiedenen Miniſtern des Aeußern über die Amerika
angehenden Fragen auszunutzen. Vom Staatsdepartement
wurde erklärt, der einzige Zweck der Reiſe Kelloggs ſei die
Un=
terzeichnung des Antikriegspaktes, Kellogg gedenke nicht, von
die=
ſem Programm abzuweichen und an irgendwelchen
Unterre=
dungen teilzunehmen, die über beiläufige Beſprechungen
inter=
nationaler Fragen hinausgehen, die naturgemäß bei einer
Zu=
ſammenbunft von Außenminiſtern ſo vieler wichtiger Länder in
einer Stadt ſtattfinden werden. Ausdrüchlich wurde im
Staats=
departement erklärt, Kellogg werde in Paris nicht die
Schulden=
frage erörtern. Meldungen aus europäiſchen Hayptſtädten hätten
angedeutet, einige der Außenminiſter, beſonders Dr. Streſemann,
dürften eine Erweiterung der Unterzeichnungszeremonie zu einer
allgemeinen informellen Erörterung von Fragen, wie der
Repa=
rationsfrage und der Frage der Zurückziehung der Truppen aus
dem Rheinlande, erſtreben. Staatsſekretär Kellogg beabſichtige
jedoch nicht, an derartigen Erörterungen teilzunehmen.
Frankreich und Amerika.
EP. Paris, 28. Juli.
Laut „Paris Soir” hatte der geſtern aus Waſhington
zurück=
gekehrte amerikaniſche Botſchafter Claudel eine lange
Unter=
redung mit Außenminiſter Briand, in der er über die
gegenwär=
tige politiſche Stimmung in Waſhington Bericht erſtattete, vor
allem ſoweit die zwiſchen den Vereinigten Staaten und
Frank=
reich ſchwebenden Probleme in Frage kommen. Die Beſprechung
habe ſich vor allem auf den Kellogg=Pakt und auf die Frage der
Kriegsſchuldenliquidierung bezogen.
Claudel wird wahrſcheinlich noch von Poincaré im
Finanz=
miniſterium empfangen werden.
tirmmt ſei, wenn man ſeine Leiblichkeit befriedigt habe.
Des=
ihr wäre es vielleicht angebracht, wenn die Abſtimmungen nicht
witt nach der Debatte ſtattfänden, wo die Abgeordneten mit
arigem Magen daſäßen, ſondern wenn ſie auf den nächſten
ge verlegt würden.
hAußer Speiſen und Getränken wurden auch Zigarren
herum=
feöcht, gute Importen, und die dazu erforderlichen Streichhölzer.
Dieſe Streichhölzer waren für Biswarck beſonders
ange=
tigt; es waren wahre Ungetüme, faſt ſo groß wie die hölzernen
bibuſſe der guten alten Zeit. Es war eben alles gigantiſch bei
m eifernen Kanzler: ſeine Geſtalt, ſein Genie, ſein Glück, ſein
ſen und Trinken, ſeine Bleiſtifte und nun auch ſeine Streich=
Iper.
Machdem ſich Bismarck aus unſerem Kreiſe entfernt hatte,
: Dietze=Pomßen auf mich zu, ſchob ſeinen Arm unter den
eiſigen und forderte mich auf, mit ihm trotz des noch
andauern=
nRegens in den Garten hinabzugehen. Ich mochte dem alten
imn keinen abſchlägigen Beſcheid geben und folgte ihm daher.
äl rend wir nach dem Garten gingen, deſſen Tür uns der zweite
hm Bismarcks, Graf Wilhelm, aufſchloß, ſagte Dietze: „Haben
e gehört, was Bismarck erzählte? Es iſt doch ein herrlicher,
neinziger Mann”. Auch in dem Garten ſetzte Dietze ſeine
Lob=
rünche auf den Kanzler fort, während wir wohl mehr als ein
(hges Dutzend mal die lange Allee auf= und niederwandelten.
Schließlich empfanden wir aber doch den auf unſer
unbe=
ciyes Haupt unabläſſig herabrieſelnden Regen al.s ſehr läſtig,
d) da auch die Zeit heranrückte, wo im Reichstag die
Plenar=
umg beginnen ſollte, ſo begaben wir uns wieder nach oben.
ſi, ſehr erſchraken wir aber, als wir die Räume bereits völlig
u. den Gäſten geleert ſahen, obgleich die Muſik noch immer
jellete. Scheu wollten wir uns durch den Kongreßſaal ſchleichen,
poeſſen eine Ecke um einen Tiſch Bismarck mit Frau und
zagter, ſowie der Frau v. Spitzenberg, einer Freundin ſeines
auf=ſes, und dem Miniſter v. Bötticher und den Abgeordneten
raff. Dr. Gneiſt und Schläger ſaßen. „Hallo!” rief er zu uns
inüber, „wo kommen Sie denn her? Und ſo naß? Nein, ſo kann
SSie nicht fortlaſſen, ich bin haftpflichtig für Sie. Bitte kommen
ie! her und leiſten Sie uns Geſellſchaft, bis Sie trocken ſind.”
yſkamen wir denn unverhofft noch zu einem Plauderſtündchen
itf dem Fürſten, worüber ich ebenfalls noch Aufzeichnungen be=
*. Es war ſchon ſpät, als wir endlich aufbrachen und in
Be=
enftung Bismarcks, gefolgt von einer großen Menſchenmenge,
n4: zu Fuß — der Regen hatte inzwiſchen aufgehört — in das
teſdchstagsgebäude in der Leipziger Straße begaben, wo die
ſtgung längft ihren Anfang genommen hatte.
4Operetten=Spielzeit Sommer 1928.
Kleines Haus. — Samstag, den 28. Juli 1928.
Zum erſten Male.
Die gold’ne Meiſterin.
Dieſe Operette von der ſchönen Wiener Goldſchmiedswitwe,
drei Akte von Julius Brammer und Alfred. Grünwald, zu der
Edmund Evsler eine ganz entzückende Muſik geſchrieben hat, iſt
eine bezaubernd ſchöne, launige Sache. Die beiden geſchickten
Librettiſten haben eine an ſich harmloſe Idee, die weder ganz
neu, noch ganz ſelten, aber immer hübſch und wirkſam iſt, ſehr
gut zu einer geſchloſſenen Handlung verarbeitet. Die Geſchichte
nämlich von der reichen, ſchönen Goldſchmiedsmeiſterin, die gerne
Gräfin werden will, aber von dem armen Goldſchmiedsgeſellen
geliebt wird und dieſen ſchließlich, auch bekommt. Sie „kriegen”
ſich ja immer in den Operetten. Was die Textdichtung aber
wertvoll macht, iſt die reizvolle Milieuſchilderung, die echte
Wie=
ner Laune und Luft atmet und in die eine Fülle köſtlicher
Lie=
der, Duette, Terzette und Enſemblegeſänge hineingearbeitet ſind.
So gut, daß ſie eine ausgezeichnete Laune verbreiten, die ſich
nicht nur den Zuhörern, ſondern faſzinierend auch den
Dar=
ſtellern übermittelt, die mit einer Spielfreudigkeit am Werke
waren, daß der geſtrige Premierenabend einen Erfolg zu
ver=
zeichnen hatte, wie er ſehr lange nicht erlebt wurde.
Edmund Eyslers Muſik zu dieſer goldenen Meiſterin iſt
ganz entzückend. Vielleicht hat der Strauß der Sträuße zu dem
einen oder anderen der Wiener Walzer Pate geſtanden. Das
Ganze aber wirkt originell, obwohl es echte Wiener
Stimmungs=
muſik iſt, leicht, flüſſig und einſchmeichelnd, im ganzen aber reich
an melodiſchen Schätzen und die Handlung gut illuſtrierend. —
In der Regie von Emil Aman und im Rahmen der
wunder=
hübſchen Bühnenbilder, die Georg Pfeiffer geſchaffen hat,
war die Aufführung, wie ſchon geſagt, von köſtlicher Laune
ge=
tragen, die geradezu faſzinierte. Die Beſetzung der tragenden
Rollen und Partien war durchweg ausgezeichnet. In erſter Linie
Kurt Schütt als Chriſtian, der in geſanglicher Hinſicht alle
übertraf und auch im Spiel alle mitriß. Der junge Künſtler
ver=
fügt über ausgezeichnetes Stimmaterial, das er verſchwenderiſch
entfaltet. Eine ganz reizende, bildhübſche „goldene Meiſterin”
war Maja Najic, die eine Fülle ſchönſter Koſtüme trug und
ihrer Aufgabe nicht das geringſte ſchuldig blieb. In der kleineren
Rolle der Contezza bewährte ſich wieder beſonders elegant
Clau=
die Rainold.
Ein paar wundervolle, komiſche Rittertypen ſtellten Fritz
Daurer und Fritz Geiger auf die Bühne. Eine Falſtaff=
und eine Don Quichote=Figur von überwältigender Komik. Als
Dritte im Bunde fungierte gleich erfolgreich Mieze Neidhart
als Portſchunkula. Gretl Delys war ein ſehr friſcher,
tempe=
ramentvoller Lehrbub; die Herren Emil Aman, Rudi
Cou=
pette und Heinz Mölling gaben ein prachtvolles Patertrio.
*
Ein Sonderlob gebührt dem Chorperſonal.
— Die Tochter Arthur Schnitzlers geſtorben.
Nach einer Meldung aus Venedig iſt die einzige Tochter des
Dichters Arthur Schnitzler, die 19jährige Lyli, die mit dem
italie=
niſchen Hauptmann Arnaldo Cappelini ſeit kurzer Zeit verheiratet
war, einem Reiſeunfall zum Opfer gefallen. Arthur Schnitzler
be=
gab ſich ſofort nach Bekanntwerden des Unfalles mit dem
Flug=
zeug nach Venedig, doch traf er ſeine Tochter nicht mehr lebend
an. Lyli Cappelini war das jüngſte der beiden Kinder des
Dich=
ters. Sein Sohn Heinrich Schnitzler iſt in Berlin als
Schau=
ſpieler und Regiſſeur tätig. — Zum Tode der Tochter Arthur
Schnitzlers meldet der „Tag” aus Venedig, daß der Tod Lyli
Cappelinis nicht auf einen Reiſeunfall zurückzuführen ſei, ſondern
ſie habe unter dem Einfluß einer ſeeliſchen Depreſſion Selbſtmord
begangen.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Marburg: Zum Rektor der Univerſität iſt für das kommende
Univerſitätsjahr der Profeſſor für öffentliches Recht, Miniſterialrat a. D.
Dr. jur., Dr. phil. h. c. Felix Genzmer gewählt worden.
Berlin: In Berlin=Südende iſt der langjährige Chefarzt der inneren
Abteilung des St. Hedwig=Krankenhauſes in Berlin, Geh.
Sanitäts=
rat Dr. Eduard Wirſing am 20. Juli im Alter von 65 Jahren nach
längerer Krankheit geſtorben.
Breslau: Zum Rektor für das Studienjahr 1928/29 iſt Prof. Dr.
Ehrenberg gewählt worden.
Dortmund: Am 20. Juli verſchied der Oberarzt der inneren Klinik
der Städtiſchen Krankenanſtalten, Profeſſor Dr. med. Walter
Rind=
fleiſch im 56. Lebensjahr.
München: Zum Abteilungsdirektor an der Bayriſchen
Staatsbiblio=
thek iſt der Oberbibliothekar Dr. phil. Karl Schottenloher ernannt
worden.
Deutſche Gelehrte als Mitglieder der Boſtoner Akademie. Die
ameri=
kaniſche Akademie der Kunſt und Wiſſenſchaften in Boſton ernannte
fol=
gende deutſche Gelehrten zu auswärtigen Mitgliedern: den Präſidenten
der Phyſikaliſch=Tcchmiſchen Reichsanſtalt, Paſchen, den Pſychologen
Wolfgang Köhler (Berlin), Edmund Huſſerl (Freiburg) und den
Indologen Hamns Dertel (ünchen).
Elisabeth Wegler
Dr.-Ing. Peter Rauch
beehren sich, ihre Verlobung
hierdurch bekanntzugeben
Bayreuth u. Darmstadt, 29. Juli 1928
z. Zt. Bayreuth, Brandenburger Str. 19
Kd4
Die glückliche Geburt
eines geſunden Töchterchens
2 zeigen hocherfreut an
Dr. Ganß und Frau
Ellen, geb. Hartz.
Brandau i. O., 27. Juli 1928.
19666)
Statt Karten.
Karl Oberndorf
Roſel Oberndorf
geb. Mannheimer
Vermählte
Naumburg
Darmſtadt
(Saale)
Am Herrenacker 15
27. Juli 1928.
( 19648
Für die zahlreichen
Glück=
wünsche und erwiesenen
Auf=
merksamkeiten anläßlich
un=
serer dilbernen Kochseit
(12283
danken herslichst
J. cchroth und Frau
Rheinstraße 41
Am 26. d8. Mts. verſchied nach kurzem
Krank=
ſein meine liebe Frau, unſere gute, immer treu=
(12293
ſorgende Mutter und Großmutter
Frau
Elnavety Beingarten
geb. Wild
Im Namen der Hinterbliebenen:
Auguſt Weingarten
Darmſtadt, den 29. Juli 1928.
Die Beerdigung hat in der Stille ſtattgefunden.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir abzuſehen.
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Anläßlich meines 40 jährigen
Geſchäftsſrbiläum=
ſind mir von allen Seiten derartig viels Glück,
wünſche und Blumenſpenden übermittelt worden.
daß es mir unmöglich iſt, jedem Einzelnen
ver=
fönlich meinen Dank auszuſprechen und ich bitte.
dies auf dieſem Wege tun zu dürfen.
Karl Jäger
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Verreist
Prof. Lande
Elisabethenstift.
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Herr Oberarzt
Dr. Spamer.
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Von der Reiſe
zurück
Dr. Hepp Jun.
Zahnarzt.
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Dr. Noellner
iſt verreiſt, die
Ver=
tretung haben gütigſt
übernom. die Herren:
Dr. Böning, Dr.
Draudt, Dr. Otto
Gros Geheimr. Dr.
Iabicht, Dr Hof ab
. Aug.), Sanitätsr.
Dr. Nebelthau
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Verwandte und Bekannte benachrichtigen
wir hierdurch von dem am 23. Juli ds. Js.
erfolgten Ableben unſeres lieben Vaters
Herrn Rechtsanwalt
Zeirmandereigein
im Krankenhaus in Darmſtadt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Hermann Eberwein.
Die Beerdigung fand in aller Stille ſiatt.
12242)
Heute Nachmittag um 5 Uhr entſchlief
ſanft infolge eines Herzſchlages im 76.
Lebens=
jahr meine gute Mutter, unſere liebe
Groß=
mutter, Urgroßmutter und Tante
Frau
geb. Schmidt.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
J. Stoll Wwe.
Groß=Bieberau, den 28. Juli 1928.
Dſe Beerdſgung ſindet Montag um 4:/. Uhr
nach=
mittags ſtatt.
(12296
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe wohltuender Anteilnahme
während der Krankheit und beim Hinſcheiden unſeres
treubeſorgten, lieben Entſchlafenen, des
Herry Bäckermeiſters
Peter Müller
insbeſondere für die vielen Kranz= und Blumenſpenden.
für die zu Herzen gehenden Worte, die Herr Pfarrer
zur Nieden am Grabe des Entſchlafenen fand, ferner
für den ehrenden Nachruf und die Kranzniederlegung
der Bäcker=Innung Darmſtadt ſprechen wir unſeren
herzlichſten und aufrichtigſten Dank aus.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Emilie Müller Wwe.
geb. Weyland.
Darmſtadt, den 29. Juli 1928.
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Heidelbe=
fremder Har
fahrers erfa
den konnte,
war in da
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ſeiner ſchr=
Leiche gel
brem
Mammer 209
Sonntag den 29. Juli 1928
Seite’5
Mus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 29. Juli.
ues Miſcheinfuhrgebiet der Stadt Darmſtadt.
(:3 wird nicht nur den Verbraucher, ſondern auch den Erzeuger
Eiſſieren, genaue Angaben über das Milcheinfuhrgebiet der Stadt
ari ſtadt, alſo über das Gebiet, aus dem Darmſtadt mit Milch
ver=
ſtl wird, zu erfahren. Amtliche Erhebungen durch die Stadt Darm=
Wienen als Unterlage.
an Darmſtadt werden täglich zirka 30 000 Liter Milch veroraucht,
ſoro Kopf der Bevölkerung ein Drittel Liter. Dieſe Milchmenge
eyut teils mit Fuhrwerk (20 Prozent), oder Kraftfahrzeugen (10
Pro=
teils mit der Eiſenbahn (70 Prozent) nach der Landeshauptſtadt.
ior Anlieferung mit Fuhrwerk bzw. Auto beteiligt ſich hauptſächlich
inlrhere Umgebung, und zwar bis zu einer Entfernung von 15 Klm.
Aie Milcy, die mit der Eiſenbahn verfrachtet wird, kommt zum
zurn Teil aus einer Entfernung von 10—30 Klm. Aus größerer
ſernung gelangen zirka 3 Prozent nach Darmſtadt zum Verſand.
4Arnlieferung mit der Eiſenbahn verteilt ſich auf die einzenen
Stadt=
bäöfe wie folgt: Oſtbahnhof 70 Prozent, Hauptbahnhof 26 Prozent,
So=ahnhof 4 Prozent. Aus der Tatſache, daß bei weitem der größte
9 wer Milch am Oſtbahnhof ankommt, iſt ſchon zu erſehen, daß das
teo anlieferungsgebiet öſtlich und ſüdöſtlich von Darmſtadt gelegen iſt.
2. ebiet weſtlich von Darmſtadt (Ried) beteiligt ſich mit 25 Prozent,
ſortliche Teil (Odenwald) mit 75 Prozent an der Milchverſorgung
r MOarmſtadt. Das Milcheinzugsgebiet bilden zirka 45 Lieferorte —
(Srrozent der Milchmenge, zirka 20 einzelne Güter — 25 Prozent,
Sie Genoſſenſchaftsmolkereien Groß=Umſtadt, Babenhauſen und
SaFheim mit 10 Prozent. Von den größten Gütern verteilen ſechs
dMTilch ſelbſt an die Lieferanten. Das Quantum beträgt ungefähr
2 „Liter. Die übrigen 27500 Liter werden in der Hauptſache in
klei=
nn Mengen, von 1 Liter angefangen, in den einzelnen Lieferorten
chu einen oder mehrere Sammler geſammelt, in kleinerem Umfange
v PProduzenten ſelbſt direkt an den Handel geliefert. In den
Liefer=
pürnden, die für die Milchverſorgung von Darmſtadt vor allen
Din=
gür Frage kommen, haben ſich die Landwirte zu
Milchabſatzgenoſſen=
ſitnn zuſammengeſchlſſen.
Zaveck der Organiſation iſt, ſowohl die Milchproduktion als auch
tAbſatz zu regeln, eine gleichmäßige Belieferung von Darmſtadt
ent=
ſthend der Nachfrage zu erreichen und damit ſtabilere
Preisverhält=
ffür die Produzenten wie Verbraucher zu ſchaffen. Ferner ſoll
ſiane Verarbeitung der überſchüſſigen Milch geſorgt und
entſpre=
tdl den wachſenden Anſprüchen der Qualität der Milch größte
Be=
rin g geſchenkt werden.
* Verhängnisvolle Autounfälle.
Weſtern mittag ſtieß neuerdings an der Ecke Kaſinoſtraße—
anz archſtraße ein Motorradfahrer mit einem Auto zuſammen.
2 MNotorradfahrer wurde mit ſchweren Kopf= und inneren
Ver=
ſun gen von der Freiw. Sanitätshauptwache ins Krankenhaus
grätcht. Das Motorrad wurde beſchädigt. Die Schuldfrage iſt noch
ntggeklärt. — Ein zweiter Zuſammenſtoß ereignete ſich
gemn mittag um 1 Uhr an der Straßenkreuzung
Elifabethen=
ſiß-—Wilhelminenſtraße. Hier wurde ein Metzger, der mit
ſienn Rabe die Straße kreuzte, von einem Motorradfahrer
an=
ſahren und vom Rad geſchleudert. Er wurde mit ſchweren
Lrd chenkelverletzungen von der Städtiſchen Rettungswache in
Stadtkrankenhaus gebracht. — Ein tödlicher
Auto=
ufall ereignete ſich geſtern in den ſpäten Abendſtunden auf
a ſHeidelbergerſtraße. Unterhalb der Kiesgrube wurde ein
fier Handwerksburſche von dem Auto eines Berliner Herren=
Fers erfaßt und, ehe das Auto zum Stillſtand gebracht
wer=
hronnte, eine Strecke Wegs mitgeſchleift. Der Ueberfahrene
nin das Vorderteil des Wagens geraten. Die Feuerwehr
te alarmiert und der Wagen gehoben werden, um ihn aus
ſei ſchrecklichen Lage zu befreien. Er konnte nur noch als
h= geborgen werden. Die Leiche wies ſchwere
Gehirnver=
kurngen auf. Das Geſicht war bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt.
üe die Schuldfrage iſt noch nichts bekannt. Die
Kriminal=
mziri weilt augenblicklich (12 Uhr nachts) zur Aufnahme des
abtz=ſtandes an der Unfallſtätte.
Zur Warnung! Geſtern früh wollte bei Sprendlingen ein
Rad=
ſeu”, vor einem Auto die Straßenſeite wechſeln, als der
Privatkraft=
gel ſchon in knapper Nihe des Radlers war. Der Wagenführer
miit e ſtark und fuhr beim Ausweichen hart gegen einen Baum, ſo
2 was Auto ſtark demoliert wurde und abgeſchleppt werden mußte.
skadfahrer wurde vom Rad geſchleudert und erlitt einen Armbruch.
Eſiy erlitten Perſonen glücklicherweiſe keinen Schaden. Der Vorfall
Envieder, daß für alle Fahrer Achtſamkeit und Einhalten der
Fahrt=
ſumg oberſte Pflicht ſein ſoll. — Zu dem geſtern gemeldeten
Auto=
rl. wird ergänzend berichtet, daß das mit 4 Perſonen beſetzte
Ber=
be=kAuto auf der engen Bickenbacher Chauſſee über den Rand der
arb ahn kam. dann ins Schleudern geriet und die Böſchung hinab=
Ft Das Automobil, jas ſehr ſchwer beſchädigt iſt, mußte geſtern
imfittag von der Firma Gräb u. Schwab abgeſchleppt werden. Der
ſenwerletzte Schwager des Autobeſitzers wurde, wie bereits gemeldet,
ides Städtiſche Krankenhaus verbracht. Die übrigen Mitfahrer
ker, mit leichteren Verletzungen und dem Schrecken davon. Auch
eri ſchwere Unfall berechtigt zu der Warnung: Fahrt vorſichtig,
ins=
nwhere auch auf engen Straßen!
—: Sommerſpielzeit im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters
2mſtadt. Leitung: Direktor Adalbert Steffter. Heute Sonntag
mäglih abends 8 Uhr gelangt die Operettenmeuheit „Die gold’ne
Aſnerin” von Edmund Eysler zur Aufführung. — Als nächſte
Ope=
wvird „Katja, die Tänzerin” von Gilbert vorbereitet. — Es ſei
mntals darauf hingewieſen, daß die 2. Abonnementsrate
einzu=
mFiſt.
— Ein Siebzigjähriger. Am 27. Juli feierte
Miniſterialkanz=
i! R. Richard Finne in voller geiſtige= und körperlicher
Rüſtig=
ſa inen 70. Geburtstag. Aus dieſem Anlaß wurde ihm von einer
gersen Abordnung von Mitgliedern des Unteroffizier=Vereins Heſſ.
en. Leih=Drag.=Regts. Nr. 24 ein großer Blumenkorb überreicht.
ſnei gehört ſeit langer Zeit dem Unteroffizier=Verein als treues Mit=
D man und hat ſich als ſolches im Verein verdient gemacht.
— Turngemeinde 1846. An die Schüiler und Schülerinnen ergeht
Arufruf: Am Dienstag abend findet die Akholung unſerer
Köln=
ſter ſtatt. Zu dieſem Zwecke verſammeln wir uns um 61 Uhr auf
Woogzplatz. Der Anzug für Shüler iſt wie immer weißes Turn=
01 mit Vereinsabzeichen, kurze weiße Hoſe und Turnſchuhe. Die
eiſa=rinnen im ſchwarzen Turnanzug. Vom Woogsplatz aus geht es
Muſik zum Bahnhof. Um in ſtattlicher Anzahl zuſammen zu kom=
0, ronüſſen alle, die ihre Ferien noch; in Darmſtadt verbringen,
er=
ſpan. Nach der Rückehr vom Bahnhof findet in unſerem großen
Ele ein gemütliches Zuſammenſein ſtatt, wozu auch die Eltern
herz=
gringeladen ſind.
— Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875. Veſuch auswärtiger
irmer in Darmſtadt. Nach dem Deutſchen Turnfeſt in Köln,
hei. Tagen vom 1. bis 4. Auguſt, weilen in Darmſtadt 65 Mitzglieder
Turnvereins Pinneberg in Holſtein. Die Turnerinnen und
Tur=
wrachen anſchließend an das Dzutſche Turnfeſt eine
Rheinwande=
in, eine Fahrr an die Nahe nach Bad Kreuznach, und kommen dann
M.ittwoch, dem 1. Auguſt, von Mainz nach Darmſtadt. Die
Turn=
füſs haft Darmſtadt 1875, Dieburge= Straße 26, hat für dieſe Turner=
Qunrtiere in ihrm Vereinshaus bereitgeſtellt. Neben der
Be=
barmng der Statt iſt noh eine Wanderung nach Heidelberg
vorge=
mn wo auch übernachtet wird. Am Samskag vormittag werden die
Enchmer eine kleine Wanderung an die Bergſtraße unternehmen,
mn Abend des 4. Auguſt findet dann der Feſt= und
Ab=
löwabeno im Ve=einsbaus der Turngeſellſchaft Darmſtadt ſtait. Ein
kreis Programm mit turneriſchen Vorführungen beider Vereine,
Ge=
nund eine gute Muſik von der Kapelle chemaliger Militärmuſiker
r2Math. Wekers Leitung wrd keine Langsveile aufkommen laſſen.
Sonntag vormittag iſt dann die Abjahrt der Pinneberger
Turne=
ſen und Turner in ihre Heimat. Zu dieſem Feſtabend ſind Freunde
Auurnſache und Mitgliedes herzlich eingeladen. Der Eintritt iſt frei.
Alt=Darmſtadt, Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
ſſuer Vereinsabend Donnerstag abend 8.30 Uhr im Eintracht=
Ksliſabethenſtr. 18), Berichtsabend über: „Allerlei Darmſtädtiſches”
Eberichten die Herren Profeſſor Adelf Beher, Rudolf Anton und
Sn ieſi der Aeltere. Im Anſchluß gemütliches Zuſammenſein im
ſtun.
—: Ausflugsſonderzug nach Königswinter a. Rh. am Sonntag,
ſlunguſt. Im Lloyd=Reiſebureau, Rheinſtraße 17 hier, ſind
5nahrkarten für den am Sonntag, 5. Auguſt, nach Königswinter
uhnrenden Sonderzug zum Preiſe von 8, 60 R. M. für Hii= und
liülhrt erhältlich. Das Reiſebureau iſt ununterbrochen geöffnet von
M. 8 Uhr bis nachm. 7 Uhr.
Das Städtiſche Waſſerwerk.
Eine Beſichtigung der Pump=Anlage bei Eſchollbrücken. — Die Urſache des trüben
Trink=
waſſers — Geplante Neu=Anlagen.
* Die Direktion der Städtiſchen Betriebe hat ſich
liebenswürdiger=
weiſe bereit erklärt, in den laufenden Wochen den Vertretern der
Preſſe eine Beſichtigung der ſtädtiſchen Betriebe unter ſachgemäßer und
fachmänniſcher Führung zu ermöglichen, um dadurch der
Allgemein=
heit einen Einblick in die Tätigkeit dieſer Betriebe zu gewähren. Bei der
Beſichtigung des Waſſerwerkes der Stadt Darmſtadt waren die Herren
Direktor Nuß, Direktor Kreiter, Baurat Schilling und
Ober=
inſpektor Hofmann zugegen, die weitgehende Erklärungen und
Zahlenmaterial gaben. Direktor Nuß erläuterte zunächſt in einem
theoretiſchen Vortrag die Einrichtung der
Pumpſtation bei Eſchollbrücken,
durch deren Arbeit Darmſtadt mit Waſſer verſorgt wird. Früher wurde
das Waſſer aus 100 Brunnen, die eine Tiefe von 20—60 Metern
hat=
ten, nach Darmſtadt weitergeleitet. Dieſe Brunnen, die dem erhöhten
Waſſerbedarf nicht mehr geuachſen waren — die ganze Anlage
über=
haupt durch Verſandung unbrauchbar wurde — wurden im letzten
Jahre durch ſeals neue Großpumpen erſetzt, die dieſelbe Leiſtung wie
die alten 100 Pumpen ausführen. Drei weitere Pumpen befinden ſich
im Bau, wobei hei der techniſchen Ausführung alle Fortſchritte der
Neuzeit berückſichtigt ſind. Zwei weitere Großpunpen ſollen im
näch=
ſten Jahre gebaut werden. Durch dieſe erwveiterte Anlage und
durch=
die Durcharbeitung der beſtehenden Waſſeuanlagen, deren
Inſind=
haltung während der Kriegsjahre natürlich geliuten hatte, iſt eine
Waſſerknappheit für Darmſtadt vollſtändig
aus=
geſchloſſen. Im Jahre 1926 wurden 4 436 000 Kubikmeter Waſſer,
1927 aber ſchon 5 037 000 Kubikmeter gefördert, und zwar wurde eine
Spitzenabgabe von 21 400 Kubikmetern an einem Tag feſtgeſtellt. Die
geringſte Tageswaſſerabgabe betrug 8500 Kubikmeter, die
Durchſchnitts=
leiſtung, alſo die mittlere Tagesabgabe, 13 400 Kubikmeter. Im Jahre
1928 iſt infolge der Hitze bereits eine Spitzenwaſſerabgabe von 26000
Kubikmetern erreicht worden.
Die Wafſerförderung
geſchieht vermittels der Pumpen, die in dam Eichwäldchen bei
Eſcholl=
brüicken liegen und die das Waſſer an eine Sammelleitung abgeben.
Die Anlage dieſer Großpumpen, die ja zum Teil noch im Bau
befind=
lich ſind, geſchieht durch große Rohre, die tief (bis 60 Meter) in das
Erdreich eingebohrt werden, wobei dunch Rohrbaggermaſchinen die
Erd=
maſſen herausgeſchafft werden. In dieſe ſo ausgeſchachteten Röhren
werden dann Filtrierrohre und eigentliche Brunnenrohre mit
Sieb=
durchlöchevung eingelaſſen und dieſe Röhren denn in Kies verſchiedener
Körnung gebettet. Der Grundwaſſerſtand iſt in etwa 3,50—4 Metern
erreicht, während die Rohrtiefe etwa 50—60 Meter beträgt. Die nach
neuen tehniſchen Erfahrungen hergeſtellten Nohrleitungen fördern heute
40 Sekundenliter Waſſer bei einer Abſenkung von nur 1,70 Metern
gegen eine ſolche von 10 Sckundenlitern bei, einer Abſenkung von
3 Metern der früheren Anlage. Die Brunnenſchonung iſt heute viel
leichter möglich, man rechnet mit einer vollen Betriebsfähigkeit von
50 Jahren, während die alten Brunnen bersits nach 10 Jahren zu
ver=
ſanden begannen und nach 30 Jahren für einen einuandfreien Betrieb
unbrauchbar waren. Durch „Abloten” kann jeweils der Grad einer
Verſandung nachgeprüft werden. Das Waſſer gelangt von hier durch
Hebeleitung in Sammelbrunnen und von da in die Pumpſtation. Die
Maſchinen der Pumpſtation werden mit Dampf betrieben; die Lage iſt
für das Darmſtädter Waſſerwerk inſofern ungünſtig, als kein
Gleis=
anſchluß für den Antransport der benötigten Kohlenmengen beſteht,
ſondern die Kohlen mit Laſtnutos angefahren werden. Daher erwägt
man eine Umſtellung auf elektriſchen Betrieb. Bekanntlich iſt das
Waſſer bei Darmſtadt ſtark eiſenhaltig, ſo daß ſich Eiſenpartikel an die
beiden Rohrleitungen, die nach Darmſtadt führen, anſetzen. Zur
Rei=
uigung werden öfters, Rohrſpulungen” vorgenommen, die ſo geſchehen,
daf größere Waſſermaſſen durch die Rohre geleitet werben. Die
abge=
lagerten Eiſenpartikel löſen ſich, ſo daß dann das Waſſer während der
Neinigung eine trübe Färbung annimmt. Duuch die während der
Hitzeperiode notwendige größere Waſſerzuleitung zur Stadt wird
natür=
lich auch in ge iſſem Umfange ein Loslöſen der angeſetzten
Eiſen=
partikelchen und des Eiſenſchlamms in den Röhren bewirkt, ſo daß
daraus gine vorübergehende Trübung zu erklären iſt. Irgendwelche
geſundheitlihe Nachteile können aber durch Genuß dieſes Waſſers nicht
eintreten. Auh die notwendige Waſſermenge kann durch die zwei
be=
ſtehenden Nöhren in die Stadt geleitet werden. Man plamt den Bau
einer dritten Leitung nur deswegen, um eine Reſerveleitung zu haben,
falls ein Defekt an einer der beiden beſtehenden Leitungen eintreten
ſollte. Seit 1893 wurde keine weitere Rohranlage gelegt. Die
Direk=
tion plant nun ſowohl einen Erſatz beſtehender, aber nicht mehr
aus=
reichender Anlagen, ferner eine Enteiſungsanlage. Man hat zunächſt
die Koſten auf 2½ Millionen Mark berechnet. Da es ſich in erſter Linie
um Sicherhaitsmaßnahmen handelt, nicht um rein wirtſchaftliche,
beab=
ſichtigt die Direktion des Städtiſchen Waſſerwerks, die Koſten, wenn
möglich, aus Rücklagen zu decken, um nicht durch Aufnahme von
zins=
pflichtigem Geld die Rentabilität zu gefährden, denn erfreuli berweiſe
arbeitet das Städtiſche Waſſerwerk vollkoymmen ſchulden= und zuſchußfrei.
Die Wafſerverteilung
in Darmſtadt erfolgt durch ein beſonderes Zwiſchenpumpwerk in der
Nieder=Ramſtädter Straße, ein Waſſerr=ſervoir befindet ſich für die
untere Scadt auf der Mathildenhöhe, ein zweites für die obere Stadt
auf dem Dachsberg.
Nach dieſen Erläuterungen erfolgte die Beſichtigung des
Waſſer=
werks. Im Keſſelhaus ſteht ein gewaltiger Ofen unter 12 Atmoſphären
Druck, durch den die Maſchinen der Pumpanlage angetrieben werden.
Die 250=P8Maſchnen leiſten pro Umdrehung 125 Sekundenliter
wäh=
rend die beiden kleineren je 56 Sekundenliter fördern. Anſchließend
nunden der Sammelbrunnen und daun ein im Bau befindlicher neuer
Brunnen, der von der Firma Nohl ausgeführt wird, beſichtigt. Man
hatte bereits eine Bohrtiefe von 42 Metern erreicht. Intereſſant iſt,
daß ein ſolch neuer B=unnen 15 000 Mart koſtet und 5000 Kubikmeter
pro Tag leiſtet, während die alte Anlage der hundert Brunnen in
Friedenszeiten 20 030 Mark koſtete und genau dieſelbe Leiſtung (5000
Kubikmeter pro Tag) aufwies. Gelegentlich der Bohrungen wird eine
Sammlung der geförderten Erdmaſſen der verſchiedenen Tiefen
vor=
genommen, die für w.ſſenſchaftliche Zwecke ſehr gut auswertbar iſt.
Die Beſichtigung des Waſſerwerks hat gezeigt, daß dank der Umſicht der
leitenden Stellen eine genügende und durchaus hygieniſche
Waſſerver=
ſorgung für Darmſtadt gewährleiſtet iſt. — Im Laufe der nächſten
Wochen iſt eine Beſichtigung weiterer ſtädtiſcher Betriebe, des
Gas=
werks, des Schlachthofs, des Städriſchen Oallenſchwimmbads uſw.,
geblant.
— Wichtig für Kriegereltern. Das Verſorgungsamt
Darm=
ſtadt teilt mit: Elternrente wird bewilligt, wenn der im Krieg
gefallene oder an den Folgen einer Dienſtbeſchädigung verſtorbene
Sohn der Ernährer ſeiner Eltern geweſen iſt oder nach dem
Ausſchei=
den aus dem Militärdienſt geworden wäre. Die Elternrente wird nur
für die Dauer der Bedürftigkeit gewährt. Ein Sohn iſt der Ernährer
ſeiner Eltern, wenn er ſie dadurch, daß er zu ihrem angemeſſenen
Lebensunterhalt regelmäßig und in erheblichem Maße beiſteuert, vor
Not ſchützt. Es genügt alſo nicht, wenn der Verſtorbene einen nur
geringen, wenn auch regelmäßigen Zuſchuß zum Lebensunterhalt ſeiner
Eltern geleiſtet hat. Seine Leiſtungen müſſen vielmehr längere Zeit
hindurch fortgeſetzt ſein und einen erheblichen Teil des Unterhalts
ge=
deckt haben. Leiſtungen, zu denen der verſtorbene Sohn vertragsmäßig
— z. B. infolge eines Uebergabevertrages — verpflichtet war, begründen
nicht die Ernährereigenſchaft. Daß der Verſtorbene der überwiegende
Ernährer der Eltern geworden wäre, kann nicht ſchon dann
angenom=
men werden, wenn die Eltern jetzt in nicht ausreichenden
wirtſchaft=
lichen Verhältniſſen leben. Die Eltern müſſen vielmehr berückſichtigen,
daß ſie den gleichen Unterhaltsanſpruch an ihre noch lebenden Kinder
haben und daß der Verſtorbene in der Regel in nicht anderen
wirt=
ſchaftlichen Verhältniſſen leben würde, wie ſeine lebenden Geſchwiſter.
Wenn dieſe aus wirtſchaftlichen oder anderen Gründen zur Zeit nicht
für die Eltern ausreichend ſorgen können, ſo wäre der Gefallene in
der Regel dazu auch nicht in der Lage. Sind erwachſene unverheiratete
Kinder, beſonders Söhne, vorhanden und berufstätig — eine br)
über=
gehende Erwerbsloſigkeit wird nicht berückſichtigt, denn dieſe hätte
ver=
mutlich auch den Gefallenen betroffen —, ſo iſt die Wahrſcheinlichkeit
nicht groß, daß der Gefallene der überwiegende Ernährer geworden
wäre.
— Großflugtag in Darmſtadt. Am 5. Auguſt, nachmittags 4 Uhr,
findet auf dem Darmſtädter Flugplatz der diesjährige Großflugtag ſtatt.
Unter anderem werden die beiden beſten deutſchen Kunſtflieger,
Fie=
ſeler und Stör ſtarten. Von Fieſeler brachte gerade in dieſen Tagen
die Berliner Illuſtrierte einen ſpannenden Artikel. Das Intereſſe an
der Veranſtaltung iſt ſchon jetzt ſehr groß, ſo daß mit einem
Rekord=
beſuch gerechnet wird. Zugangsſtraße zum 2. Platz: Friedhofsallee und
verlängerte Inſelſtraße; zu den anderen Plätzen: Nieder=Ramſtädter
Straße. (Vgl. auch die Anzeige.)
— Ein originelles Vogel=Strauß=Geſpann tauchte geſtern in
Darm=
ſtadt auf. Der Beſitzer Meloni=Cogliani in Sardeyera (Italien) bereiſt
zurzeit mit einem gezähmten Vogel Strauß Deutſchland. Bekanntlich ſind
die Strauße in Amerika als Renner ſehr geſchätzt, es war aber ſeither
nur ſelten gelungen, dieſe Vögel ſo abzurichten, daß ſie für Fahrten
in belebten Städten verwendbar waren. Der Beſitzer lenkt in einem
Trabrennwagen das gezähmte und gutmütige Tier. In den Städten
führt der Wagen jeweils ein Reklameſchild für eine Firma mit ſich.
Für Darmſtadt hat die Firma Tietz dieſen originellen Reklamewagen
anläßlich ihres Texrilſonderverkaufs verpflichtet. Der Straußwagen wird
heute im Laufe des Tages durch verſchiedene Straßen und Bezirke
Darmſtadts fahren und von hier aus ſeine Reiſe nach Mainz und Köln
fortſetzen.
— Promenadenkonzert (Orangeriegarten). Heute Sonntag, den
29. Juli, ſpielt das Stadtorcheſter, unter Leitung ſeines Kapellureiſters
W. Schlupp vormittags von 11—12 Uhr ſeine allwöchentliche
Platz=
muſik im Orangeriegarten nach folgendem Programm: „Hohenzollern=
Nuhm”, Marſch von Unrath; Duvertüre z. Op. „Fra Diavolo” von
Auber; „Goldregen”, Walzer von Waldteufel; Phantaſie aus der Op.
„La Bohéme” von Puceini; „Solveygs Lied” von Grieg; „Hoch
Darm=
ſt,dt”, Marſch von Schlupp.
— Hauptkörung des Faſelviehes im Kreiſe Tarmſtadt. Bei der
Hauptkörung erhielten die beiden hieſigen Faſellvärter Heinrich Schmidt.
Auheilger Straße, und Georn Klug, Veſſunger Straße, die ausgeſetzte
Prämie für gute Pflege der Faſeltiere und Reinlichkeit in den
Stallun=
gen und der Hofreiten, und zwar einen anſehnlichen Geldbetrag,
zu=
erkannt.
— Der nächſte Abendvortrag im Heaghaus findet am Freitag, dem
3. Auguſt, in der Luiſenſtraße 16 ſtatt, und zwar wird wieder Frau
Dr. Jakob die gerade jetzt im Sommer ſo zweckmäßigen elektriſchen
Kochgerüte in Tätigkeit vorführen. Gegenüber anderen
Beheizungs=
arten bietet die elektriſche Beheizung ſehr große Annehmlichkeiten für
die Hausfrau, und die ſtets wohlgelungenen Kuchen und Braten, welche
im Elektro=Oekonom, der eleltriſchen Stromkiche und der Brat= und
Backröhre während des Vortrages hera=ſtellt werden, zelgen den
Vorteil dieſer dauernd gleichmäßigen Beheizung und regen ordentlich
zum — Appetit an. Heißes Waſſer wird im Haushalt zum Kochen,
Srülen, Putzen und zum Baden ſtets benötigt; wie bequem iſt die
dauernde Bereithaltung des heißen Waſſers im elcktiſchen
Heißwaſſer=
ſpeicher. Die einfoche Handhabung dieſes Speichers ohne irgendwelche
Bedienung oder Wartung wird ſtets die Freade und die
Zufrieden=
heit der Hausfrau erwecken. Die Aufbewahrung der Speiſen und
Ge=
tränke, ſowie leicht verderblicher Lebensmittel macht auch im Sommer
keine Schwierigkoiten, Fenn ein elektriſcher Kühlſchrank benutzt wird,
der durch ſeine automatiſche Requlierung für eine ausreichende tiefe
Temperatur ſorgt. Sämtliche Apparate werden im Vetrieb vorgeführt.
Da genade jetzt im Sommer das elektriſche Kochen immer mehr Anklang
findet und das Intereſſe hierfür groß iſt, empfiehlt ſich unbedingt ein
Beſuch. (Siehe auch heutige Anzeige.)
— Ausflugsfahrten der Deutſchen Reichspoſt in den Odenwald.
Vielfach geäußerten Wünſchen entſprechend, ſetzt die Deutſche
Reichs=
poſt auch in dieſer Woche ihre Ausflugsfahrten fort. Die nächſte Fahrt
ſindet am Mittwoch, dem 1. Auguſt, ſtatt. Sie führt die Teilnehmer
über Ober=Ramſtadt nach König, Vielbrunn, Eulbach, Michelſtadt von
da über Spreng, Vierſtöck, Brensbach nach Darm=ſtadt zurück. Die Fahrt
am 3. Auguſt geht über die Bergſtraße nach Heppenheim, und dann
über Fürth, Lindenfels, Neunkirchen nach Darmſtadt zurück. Auch
diesmal wieder eine köſtlihe Ausleſe der ſchönſten Landſchaftsbilder.
Die Fahrt am Samstag nackmittug bietet den Teilnehmern
Gelegen=
leit, ſich einige Stunden in dem herrlich gelegenen Lichtenberg zu
er=
holen, das noch immer zu den lieblichſten Gegenden unſeres ſchönen
Odenwaldes zählt. Der Karteverkauf liegt in den Händen des
Mittel=
europäiſchen Reiſebüros, Rheinſtraße 17, Fernſprecher 776. Näheres geht
aus der Anzeige hervor.
Lokale Veranſtaltungen.
Ois diemnter erfcheintnden Rotthyen Ind mtſchlrtlc als Hinweiſe auf Anzdienn mw ickrachten.
im leinem Falle irgendwie d Veſbrechung oder Felitk.
— Wanderklub „Falke 1916‟ Darmſtadt. Am
kom=
menden Sonntag unternimmt der Falke eine Familien=Wanderung
ge=
meinſam mit der Ortsgruppe Kreuznach=Bad Münſter des Pfälzerwald=
Vereins zum Donnersberg. Unter bewährter Führung ſoll die
Wande=
rung von Steinbach aus über Dannenfels zum Donnersberg und durch
das Falkenſteiner Tal nach Winnweiler führen. Da wohl unſeren
meiſten Mitgliedern das Gebiet noch unbekannt iſt und außerdem die
Damen mitwandern dürfen, hoffen wir auf zahlreiche Beteiligung. —
Alles Nähere ſiehe Anzeige und am Klubabend.
— Städtiſcher Saalbau. Die Tagesreſtauration im Städt.
Saalbau iſt nach wie vor ununterbrochen geöffnet. Preiswerter Mittags=
und Abendtiſch, helle Spezialbiere, offene Ausſchankweine und
Flaſchen=
weine, nur vom Guten das Beſte. Alles weitere ſiehe heutige Anzeige.
— „Zur Kanone”, Heidelberger Straße 38 findet heute
Sonn=
tag abend ein Gartenkonzert der ehemaligen Militärmuſiker ſtatt.
(Siehe Anzeige.)
— Gartenkonzert mit Tanz. Im Hotel Prinz Heinrich
findet heute Sonntag abend Gartenkonzert mit Tanz bei freiem
Ein=
tritt ſtatt. (Vgl. Anz.)
— Im Perkeo=Saal findet am Sonntag großes
Unterhal=
tungskonzert mit Tanz=Einlagen ſtatt. Der Beſuch iſt zu empfehlen,
(Siehe Anzeige.)
— Herrngarten=Café. Heute Sonntag, den 29. Juli,
finden nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr Künſtlerkonzerte ſtatt.
— Orangeriegarten Heute Sonntag, den 22. Juli,
abends 8 Uhr, veranſtaltet das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines
Kapellmeiſters W. Schlupp im Orangeriehaus ein volkstümliches
Konzert.
— Ludwigshöhe. Heute nachmittag 4 Uhr konzerdiert das
Stadtorcheſter unter Leitung ſeines Kapellmeiſters W. Schlupp in großer
Teſetzung (Blasmuſik).
Tageskalender für Sonntag, den 29. Juli 1928.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus, abends 20 Uhr, Sommerſpielzeit: „Die goldene Meiſterin”.
Orpheum: Geſchloſſen — Konzerte Schloßkaffee Kaffee
Rheingold, Hotel Schmitz, Weinhaus Maxim, Waldſchlößchen,
Chauſſee=
haus, Zur Waldkolonie, Hotel Prinz Heinrich, Brauerei Fay (
Alexan=
derſtraße), Reichshof. — Ludwigshöhe, nachm. 16 Uhr: Konzert.
—Wiener Kronenbräukeller, von 4 bis 11 Uhr: Großes
Volksfeſt. — Herrngartenkaffee, nachm 4 Uhr und abends
8 Uhr: Künſtler=Konzerte. — Drangeriegarten, abends 8 Uhr:
Vollstümliches Konzert. — Männerquartett „Loreletz”
nachm. 16 Uhr, im Rummelbräu: Sommerfeſt. — Fußballklub
Union” abends 20 Uhr, in der Beſſunger Turnhalle: Großer
Jubiläumsball. — Kinoporſtellungeg: Helia, Palaſt=
Licht=
ſpiele, Reſidenz=Theater.
Seite 6
Sonntag, den 29. Juſi 1928
Nummer 209
Aus Heſſen.
Heſſiſcher Straßenbericht
für die Woche vom 29. Juli bis 4. Anguſt 1928.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.)
Hauptdurchgangsſtraßen in Hefſen.
Darmſtadt—Mainz (zwiſchen Darmſtadt und Groß=Gerau, Km. 7,2
bis 9,0) vom 25. 6. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung; Griesheim
—Wolfskehlen.
Darmſtadt — Roßderf — Gundernhauſen — Dieburg (Ortsdurchfahrt
Roßdorf, Klm. 8,9—9,6) vom 28. Juni bis 8. Auguſt geſperrt.
Um=
leitung: Einſiedel—Dieburg oder Roßdorf-Tannenbaum—
Gundern=
hauſen.
Reinheim-Lindenfels (zwiſchen Groß=Bieberau und Brensbach,
Klm. 19,2—24,0) vom 12. 7. bis 18. 8. geſperrt. Umleitung: Reinheim—
Nieder=Klingen—Hummetroth—Brensbach.
Eberbach-Miltenberg (zwiſchen Landesgrenze und Keilbach-
Dreh=
platzbrücke) vom 23. 7. bis 8. 8. geſperrt. Umleitung: Gaimühle—
Strümpfenbrunn—Oberſcheidental—Mudqu oder Gaimühle—Hebſtahl—
Beerfelden.
Offenbach-Hanau (Ortsdurchfahrt Mühlheim) vom 25. 7. bis 11. 8.
geſperrt. Umleitung: Lämmerſpiel—Tannenmühle.
Darmſtadt—Frankfurt a. M. In der Ortsdurchfahrt Arheilgen bei
Darmſtadt dürfen gemäß Polizeiverordnung vom 30. 6. ab 1. Auguſt
Fahrzeuge aller Art die Darmſtädter Straße zwiſchen Dieburger und
Mühlſtraße nur in der Richtung Darmſtadt—Frankfurt a. M. und die
Reitbahn zwiſchen Etteſter= und Dieburger Straße nur in der
Rich=
tung Frankfurt a. M.—Darmſtadt benutzen.
Frankfurt a. M.—Groß=Gerau-Bürſtadt—Mannheim (zwiſchen
Gernsheim und Groß=Rohrheim, Klm. 24,41—25,1) vom 26. 7. bis 2. 8.
geſperrt. Umleitung: Hähnlein-Jägersburg.
Oſthofen—Weſthofen vom 11. 7. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Abenheim oder Bechtheim.
Mainz—Worms (zw. Abzweigung nach Bechtheim und Abzweigung
nach Oſthofen, Klm. 37,6—38,69) vom 30. 7. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Oſthofen.
Frankfurt a. M.—Gießen iſt an folgenden Stellen geſperrt:
1. Zwiſchen Kloppenheim und Vilbel, Klm. 47,053—48.300 vom 11. 4.
bis auf weiteres. Umleitung: Für den Durchgangsverkehr: Bad=
Homburg—Friedberg. Für den übrigen Verkehr: Ober=Erlenbach.
2. Zwiſchen Kloppenheim und Okarben, bis zum Petterweiler
Ab=
zweig. Umleitung für den Durchgangsverkehr: Bad=Homburg—
Friedberg. Für den übrigen Verkehr: Selzer Brunnen-Bahnhof
Groß=Karben.
Nidda-Büdingen (zwiſchen Nidda und Ranſtadt, Km. 43,0—45,6)
vom 14. 6. bis auf weiteres geſperrt. Umleitug: Wallernhauſen,
Bobenhauſen I und Bellmuth.
Gießen—Gelnhauſen (zwiſchen Büches und Büdingen) vom 16. 7.
bis auf weitzeres geſperrt. Umleitug: Orleshauſen-Düdelsheim.
Sonſtige Straßen in Heſſen.
Heuſenſtamm-Obertshauſen, Klm. 8,0—10,75 vom 26. 7. bis 18. 8.
geſperrt. Umleitung: Hainhauſen—Weiskirchen.
Genſingen-Kreuznach (Km. 8,2—13,2) vom 23. 4. bis auf weiteres
geſperrt. Umleitug: Genſingen, Nahebrücke, Langenlonsheim bzw.
Boſenheim, Hackenheim.
Monsheim-Landesgrenze vom 9. 7. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Wachenheim bzw. Hohen=Sülzen.
Ortsdurchfahrt Siefersheim vom 4. 7. bis 4. 8. geſperrt.
Umlei=
tung: Eckelsheim.
Ortsdurchfahrt Rodheim v. d. H. im Zuge der Straßen Rodheim—
Köppern und Rodheim-Holzhauſen vom 19. Januar bis auf weiteres
geſperrt. Umleitung: Ober=Erlenbach reſp. Kloppenheim-Petterweil oder
Ober=Roßbach-Nieder=Roßbach.
Gonterskirchen-Laubach—Schotten (Ortsdurchfahrt Einartshauſen)
vom 1. 3. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Laubach oder Ulfa=
Eichelsdorf.
Ober=Roßbach-Nieder=Roßbach einſchl. Ortsdunchfahrt Nieder=
Noß=
bach vom 29. 3. bis auf weiteres geſperri. Umleitung: Nieder=
Wöll=
ſtadt—Rodheim v. d. H.
Ober=Florſtadt—Staden vom 21. 5. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Stammheim.
Friedberg—Oſſenheim ſtwiſchen Abzweigung nach Bruchenbrüchen
und Oſſenheim) vom 5. 6. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Bru=
chenbrücken—Aſſenheim.
Södel—Melbach vom 2. 6. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Echzell reſp. Oppershofen.
Ruppertenrod—Ulrichſtein (Ohmſtraße) vom 26. 6. bis auf weiteres
geſperrt. Umleitung: Stumpertenrod—Unter=Seibertenrod oder Groß=
Eichen-Bobenhauſen 2.
Gießen—Krofdorf vom 28. Juni bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Abendſtern—Krofderf.
Nieder=Wöllſtadt—Aſſenheim ab Chauſſeehaus vom 5. 7. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: Bruchenbrücken.
Nidda—Salzhauſen (zwiſchen Abzweigung nach Glaubzahl — Km.
36,0) vom 4. 7. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Geiß=Nidda.
Nieder=Mörlen-Ziegenberg vom 9. 7. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Nieder=Weiſel—Oſtheim—Fauerbach-Langenhain.
Fauerbach v. d. H.—Bodenrod (Ortsdurchfahrt Münſter) vom 12. 7.
bis auf weiteres geſperrt.
Melbach—Dorheim vom 13. 7. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Echzell—Reichelsheim—Oſſenheim—Fauerboch.
— Arheilgen, 28. Juli. Hohes Alter. Oberpoſtſchaffner i. R.
Georg Lücker, Frankfurter Straße, Veteran von 1870/71, begeht am
1. Auguſt in körxerlicher und geiſtiger Friſche ſeinen 84. Geburtstag.
Aa. Eberſtadt, 28. Juli. Neue Verkehrsordnung. Für
die Gemeinde Eberſtadt iſt im Hinblick auf die als Durchgangsſtraßen
der Bergſtraße Darmſtadt—Heidelberg wichtigen Neuen
Darmſtäd=
terſtraße, Heidelberger= und Seeheimerſtraße eine
neue Polizeiverordnung zur Regelung des Verkehrs Ende der Woche in
Kraft getreten. Die Polizeiverordnung gilt für die Durchgangslinie
von der Schwanenſtraße (Haltepunkt der Straßenbahn) bis zum
Fried=
hof. Nach der neuen Polizeiverordnung iſt das Aufſtellen von
Fahr=
zeugen jeglicher Art (Kraftfahrzeuge, Fahrrädern und Handwagen),
von Tieren und ſonſtigen, den Verkehr hindernden Gegenſtänden in
dem genannten Straßenzug verboten. Kurzes Halten der Fahrzeuge
(zum ſofortigen Einſteigen oder Ausſteigen uſw.) iſt geſtattet, ſofern
dadurch keine nennenswerte Hemmung des Fahrverkehrs eintritt. Unter
allen Umſtänden müſſen die Lenker ihre Fahrzeuge dauernd unter
Auf=
ſicht halten und jederzeit bereit ſein, den Straßenbahnwagen Platz zu
machen oder auszuweichen. Das Ueberholen der Kraftfahrzeuge ſowie
der elektriſchen Straßenbahn in dem genannten Straßenzug iſt
ver=
boten. Fußgänger, die nicht ein beſtimmtes einzelnes Haus der
ge=
nannten Straßenecke beſuchen wollen, haben während der Zeit des
Betriebes der Straßenbahn ſtets den in der Fahrtrichtung rechts
ge=
legenen Fußſteig zu benutzen. Das unnütze Stehenbleiben von
Fuß=
gängern auf den Fußſteigen oder der Fahrbahn, insbeſondere an den
Straßenecken der Durchgangsſtraßen, iſt verboten. Zuwiderhandlungen
gegen dieſe Beſtimmungen werden, ſoweit nicht höhere Strafe
ver=
wirkt iſt, mit Geldſtrafe bis zu 150 RM., im Uneinbringlichkeitsfalle
mit Haft beſtraft.
P. Eberſtadt, 28. Juli. Von der Feuerwehr. Die hieſige
Freiwillige Feuerwehr wurde geſtern in ſpäter Abendſtunde zu einer
nächtlichen Uebung alarmiert. Vorgeſehen war ein Brandangriff auf
das Faſelſtallgebäude in der Schloßſtraße. Die Feuerwehr war binnen
15 Minuten angriffsbereit und ging von beiden Seiten mit mehreren
Schlauchleitungen gegen den gekennzeichneten Brandherd vor. Die
Uebung ging glatt von ſtatten und legte erneut Zeugnis von der
Schlag=
fertigkeit uenſerer hieſigen Wehr ab. Die Arbeiter=Samariter
be=
mutzten die Gelegenheit und hielten an dem gleichen Platze eine kleine
Uebung im Hilfs= und Rettungsdienſt ab.
4a. Pfungſtadt, 28. Juli. Der Muſikverein Pfungſtadt
veranſtaltet am Sonntag, den 29. Juli, anläßlich ſeines zweijährigen
Be=
ſtehens drei größere Konzerte. Zunächſt ſoll gegen mittag am Rathaus
ein Platzkonzert abgehalten werden. Dann iſt für nachmittags im
Garten des „Hotel Strauß” ein Konzert vorgeſehen, abends findet
wie=
derum im „Hotle Strauß” ein Gartenkonzert ſtatt. Daneben aber iſt
im Gartenſaal Tanzvergnügen in Ausſicht genommen. Feuerwerk,
Fackel=
polongiſe uſw. ſollen Abwechflung bringen. Bei ungünſtiger Witterung
will der Verein die Veranſtaltungen auf acht Tage ſpäter verſchieben.
Ohne Zweifel hat der noch verhältnismäßig junge Muſikverein
Pfung=
ſtadt unter Leitung ſeines rührigen Kapellmeiſters Lutz in der letzten
Zeit anerkennenswerte Fortſchritte gemacht. — Stiftungsfeſt des
Nadfahrervereins. Das 30. Stiftungsfeſt des Radfahrervereins
1838 Pfungſtadt wurde am Samstag abend mit einem Kommers
einge=
teſter. Der Haupttag iſt der Feſtſonntag, an dem nachmittags nach
einem Feſtzug und Korſofahren Begrüßungsreigen, Feſtreden,
radſport=
iche, geſangliche und turneriſche Darbietungen auf dem Feſtplatz
ſtatt=
finden ſollen. Am Mondag ſoll ein allgemeines Volksfeſt abgehalten
werden. Als Jubilare wurden anläßlich des Feſtes Ludwia Schuißler,
Karl Dickler, Johannes Haſſenzahl, Valentin Frick, Karl Nies, Wilhelm
Schüßler, Heinrich Voos, Peter Böttiger, Ludwig Kiſſel und Georg
Fink beſonders ausgezeichnet.
Aa. Eſchollbrücken, B. Juli. Autobusverbindung. Der
„Auwbetrieb Bergſtraße” läßt vom Montag, den 30. Juli, ab vormittags
um 7.40 Uhr einen Ommibus nach Davmſtadt verkehren. Der Wagen
geht über Eich (7,45 Uhr), Hahn (7,55 Uhr vorm.), Pfungſtadt (8,00
Uhr) und Eberſtadt. Die übrigen Fahrzeiten bleiben unverändert.
Ak. Nieder=Ramſtadt, B. Juli. Eine glänzende Leiſtung
von Brieftauben. Die Teilnehmer des Geſangvereins „Eintracht”
am Wiener Sängerfeſt unterzogen ſich der Aufgabe, 3 Brieftauben
mit=
zunehmen und dieſe von beſtimmten öſterreichiſchen Stationen aus
ab=
fliegen zu laſſen. Zwei Tauben des Weißbinders Gg. Reitz 3., dahier,
ſind wohlbehalten wieder hier amgekommen. Eine davom wurde in Wels
(Oeſterreich) und die andere in St. Valentin (Oeſterreich) am 19. Juli,
vormittags zwiſchen 6 und 9 Uhr abgelaſſen. Die gewaute Ankuftszeit
in der Heimat ſteht nicht einwandfrei feſt. Immerhin kann man
an=
nehmen, daß die beiden Tauben die große Reiſe inwerhalb 8 Tagen
zurückgelegt haben. Dieſe Leiſtmg der Tauben iſt um ſo
bewunderns=
werter, als dieſe überhaupt noch nicht geflogen waren. Die dritte, erſt
einen Tag ſpäter in Wien ſelbſt abgelaſſene Brieftaube des Friſeurs
Oehlſchläger, dahier, iſt bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. Es iſt aber
anzunehmen, daß auch ſie den Weg zur Heimat zurückfindet, umfomehr
als gerade dieſe Taube ſchom mehrere Flüge mitgemacht hat. — Brand
eines Möbelwagens. Das mit Möbel beladene Laſtauto des
Fuhvunternehmers Gg. Hofmamn aus Darmſtadt geriet geſtern gegen
abend in Brand, als es im Begriffe war, den Möbeltransport des von
hier noch Mühlhauſen (Thüringen) verziehenden Hermann Nels
aus=
zuführen. Die ganze Ladung nebſt Auto wurde ein Raub der Flammen.
Es war nicht möglich geweſen, Löſchverſuche vornehmen zu können, da das
Auto bei dem weitab vom Ort gelegenen „Odenwaldhaus” ſtand und
bereits ausgebvannt war, als die erſte Hilfe eintraf. Wie das Feuer
entſtand, iſt eine Frage, die ſich ohne weiteres nicht ſo leicht aufklären
läßt. Die eingetroffenen Hilfsmannſchaften konnten ſich lediglich auf
Ein=
dämmungsarbeiten beſchränken, damit die angrenzenden Getreidefelder
nicht in Brand gerieten. Wie ma hört, ſoll der Autobeſitzer gegen
Brand nicht verſichert ſein, dagegen aber der Eigentümer des Möbels.
— Gewitter. Geſtern gegen Abend ging über die hieſige Gegend
ein heftiges Gewitter nieder, das endlich auch den ſchon lange erſehnten
Regen brachte, allendings in etwas überreichem Maße. Das Gewitter
war von einem heftigen Sturme begleitet, der wehrere Bäume
endwur=
zelte und auch ſonſt allerlei Schaden anrichtete.
Ak. Nieder=Ramſtadt, N. Juli. Mietunterſtützungen. Zur
Information der Beteiligten ſei mirgeteilt, daß es in dieſem Jahre für
alle diejenigen eines beſonderen Antrages nicht bedarf, die bereits im
abgelaufenen Jahre eine Mietunterſtitzung bezogen haben und bei denen
ſich in den Verhältniſſen gegewüüber dem Vorjahre nichts geändert hat.
Inſoweit Intereſſentem glaubem, zur Neuantragſtellung berechtigt zu
ſeim, muß dies jetzt bei der Bürgermeiſterei geſchehen. Dabei iſt der
Steuerzettel für 1928 mit in Vorlage zu bringen.
G. Ober=Ramſtadt, 28. Juli. Turnhalleneimweihung. Die
Eimweihung der neuerbauten Turnhalle der Turngeſellſchaft Ober=
Ram=
ſtadt (D.T.) findet am 11. und 12. Auguſt ds. Js. ſtatt. Die
Vorbe=
reitungem hierzu ſind voll im Gange und die einzelnen Ausſchüſſe geben
ſich alle Mühe die Einweihungsfeierlichkeiten ſo zu geſtalten, daß ſie ſich
frühven Feſtveranſtaltungen des Vereins würdig anreihen.
Schweres Gewitter. Der beſonders für die Hackfrüchte lange
erſehnte Regen kam geſtern abend gegen 7 Uhr überraſchend ſchnell. Um
dieſe Zeit ging über der hieſigen Gegend ein ſchweres, wolkenbruchartiges
Gewitter nieder. Es war von Hagelſchlag und miwutenlang auch von
ſtarkem Sturm begleitet. Die gelbgrauen Hagelſchloßen verdunkelten
ſtark und nur grelle Blitze erhellten auf Sekunden. Einſchläge und
Sturm verurſachtem hie und da Schaden an Hausdächern, Toren,
Ein=
friedigungen und Bäumen. So ſchlug der Sturm beiſpielsweiſe auf dem
Friedhof, in der Bahnhofſtraße, an mehreren ſonſtigen Stellen und im
Feld an alten Bäumen ſtarke Aeſte ab. Das Dach einer Fabrik in der
Bahwhofſtraße wurde teilweiſe weggeriſſen. Die Straßen, beſonders die
tiefergelegenen, wuden durch Schutt und Geröll aus angrenzenden
Feld=
wegen uſw. teilweiſe ſtark verureinigt. Auch in den Gärten und im Feld
wurde durch das Unwetter weſentlicher Schaden angerichtet.
Alatgg
EÜSSspupEL
Le. Groß=Umſtadt, 28. Juli. Unwetter. Geſtern abend gegen
7 Uhr zog von Südweſten her nach langer Trockenheit und einer faſt
tropiſchen Hitze ein ſchweres Wetter auf. Der blaßgelbe Schein des
Ge=
wölfs ließ ſchon gleich nichts gutes ahnen. Blitz folgte auf Blitz und
Schlag auf Schlag. Ein Feuerſtrahl fuhr durch das Dach einer Scheune,
zum Glück ohne zu zünden. Gleich darauf erhob ſich ein orkamartiger
Sturm, der zahlreiche Bäume wie Strohhalme rnickte oder entwurzelte,
Licht= und Fernſprechleitungen zerſtörte, eine Reihe von Häuſern und
Feldſcheunen abdeckte und geladene Erntewagen wie Kartenhäuſer
um=
warf. Auf den Straßew konnte ſich niemand zeigem, denn Ziegel und
Dachſchiefer flogen nur ſo umher. Die Gewalt des Stuymes war ſo
groß, daß er in der Gemarkung „Heubacher Feld” Getreidegarben oft
hundert Meter weit wegtrug, ſodaß die Beſitzer nicht mehr wiſſen, was
mein und dein iſt. Auch der geringe Obſtanſatz wurde zum großen
Teil herntergeriſſem. So grauſam die Naturgewalten gehauſt hatten,
ſo lachte doch heute morgen Allmutter Sonne wieder ſo freundlich, als
ob nichts geſchehen wäre. — Unglücksfall. Geſtern vormitt
tag geriet das Pferd des Peter Weber Witwe beim Abmähen des
Ge=
treides ſo unglücklich in die Mähmaſchine, daß demſelben das Bein
abgemäht wurde. Das arme Tier wurde ſogleich zum S hlachten
ab=
transportiert.
M. Hainſtadt, 27. Juli. Gendarmerie=Verſammlung.
Die in Reichelsheim abgehaltene Gendarmerie=
Kreisgruppenverſamm=
lung der Gendarmeriebeamten des Kreiſes Erbach verlief in ſchönſter
Weiſe. Bei herrlichem Somnnerwetter fuhr der Wagen der Okowa von
Mihelſtadt nach Reichelsheim, wo er die Beamten der einzelnen
Stationen an den beſtimrmten Haltepunkten aufnahm, und in flotter
Fahrt ging es dem landſchaftlich herrlichen Reichelsheim zu. Als
Ver=
treter des Kreisamts Erbach war Herr Regierungsrat Eibach erſchienen,
der damit aufs neue bekundete, mit welchem Intereſſe er die Velange
der Gendarmerie=Beamten vertritt. In Reichelsheim wurden die
Be=
amten von Herrn Bürgermeiſter Heiſt empſangen und nach dem
Ver=
ſammlungslokal geleitet. Auch die Nachbarſtationen, wie Reinheim,
Lindenfels, Fürth und Lichtenberg waren der Einladung gefolgt. Mit
ciner herzlichen Begrüßungsanſprache eröffnete Bürgermeiſter Heiſt die
Tagung und betonte ſeine Freude darüber, daß die Tagung in den
Mauern Reichelsheim ſtattfimdet. Ganz beſonders hob er das herzliche
Einvernehmen innerhalb der Beamtenſchaft und ihres vorzüglichen
Führers hervor und ſprach den Wunſch aus, noch öfters die Beamten
in Reichelsheim begrüßen zu dürfen. Nach Erledigung der dienſtlichen
Angelegenhit hielt Herr Regierungsrat Eiboch einen intereſſanten
Vortrag über das Fürſorgeweſen, das mit zum Teil auch in den
Auf=
gabekreis der Beamten fällt. Hieran ſchloß ſich eine lebhafte
Aus=
ſprache, ein Beweis dafür, welches Intereſſe der Vortrag bei den
Be=
amten hervorgerufen hatte. Anſchließend erfolgte ein Vortrag über
die Gewerbeordnung durch Herrn Inſpektor Jöſt, der dieſes Gebiet
meiſterhaft beherrſcht und gerade in der Gewerbeordnung von den
Be=
amten viel verlangt wird. Dieſe Vortvagsweiſe wird zur
Weiterbil=
dung der Beamten bei den nächſten Verſammlungen fortgeſetzt.
Als=
dann erfolgre die Beſichtigung des Reichelsheimer Schwimmbades, deſſen
Entſtehunr durch den Bürgermeiſter eingehend den Beamten
vorgetra=
gen wurde. Und nun ging es zur Beſichtigung des Reichenberges.
Nachdem nun die Beamten ueit all den Sehenswürdigkeiten
Reichels=
heims bekannt gemacht waren, ging es zurück in das
Verſammlungs=
lokal, Café Treuſch, wo bei einem gemütlichen Beiſammenſein die
frohen Stunden nur all zu ſchnell dahingingen. Mit herzlichen Worten
dankte Herr Inſpekter Jöſt dem Bürgermeiſter für ſein liebevolles
Entgegenkommen, und gegen 8 Uhr brachte der Wagen der Okowa die
Bcamten zurück in ihre Dienſtbezirke, denen ihre Tagung in
Reichels=
heim ſicher in ſchöner Erinnerung bleiben wird.
b. Erbach i. O., 28. Juli. Die Eulbacher=Markt=Geld=
Lotterie. Wie in den Vorjahren, ſo hat auch in dieſem Jahre das
Eulbacher Markt=Komitee eine Lotterie veranſtaltet, die aber im
Gegen=
ſatz zu den früheren vielfachen Wünſchen entſprechend, eine Geld=Lotterie
iſt. Die Ziehung erfolgt beſtimmt am 7. Auguſt ds. Js. im Rathaus zu
Eibach, iſt öffentlich unter obrigkeitlicher Kontrolle. Die Bekanntgabe der
gezogenen Nummern geſchieht durch beſondere amtliche Gewinnliſten, die
bei den Loſeverkäufern zu haben ſind. Es werden im Ganzen nur 10 000
Loſe a 1 RM. ausgegeben, auf die 616 Geldgewinne, bei einem
Höchſſt=
gewinn von 1000 RM., fallen. Dieſe Loſe ſind in dieſem Jahre auch
in Darmſtadt in der bekannten Lotterie=Einnahme Külp, Hügelſtraße 2,
Ecke Karlsſtraße, zu haben. Der Abſatz der Loſe iſt ſehr flott, was wohl
darauf zurückzuführen iſt, das das Vertrauen des Publikums für dieſe
Lotterie ſeh: groß iſt.
*Gewitterſchäden in Rheinheſſen.
* Bei den heftigen Gewittern, die ſich vorgeſtern in den
Abend=
ſtunden hier entluden, wurde beſonders in Rheinheſſen ſchwerer
Scha=
den angerichtet. Zwiſchen Nieder=Olm und Eſſenheim ſchlug der Blitz
in einen Kornhaufen, der in Brand geriet. In Nierſtein ſchlug der
Blitz in das Poſtgebäude ein und zündete. Durch tatkräftiges
Ein=
greifen der Feuerwehr wurde der Brand bald gelöſcht. Ein kalter
Schlag traf, ohne Schaden anzurichten, das Wohnhaus von J. Schmitt
Durch das Unwetter wurden ſtellenweiſe die Telegraphendrähte abge,
riſſen, in Gimbsheim auf den Feldern Väume entwurzelk, Dacher von
Scheunen und Häuſern abgedeckt und von auf freien Plätzen ſtehenden.
Lindenbäumen die Aeſte abgeſchlagen. Die Frucht auf dem Felde
er=
litt erheblichen Schaden. Auch in Guntersblum richtete der Sturm
großen Schaden an. Durch eine Windhoſe wurde eine am Bahnbof
ſtehende Güterhalle vollkommen umgeſtürzt und auf die Straße
gewor=
fen. Es blieben nur die Mauern ſtehen. Bahnarbeiter arbeiteten die
ganze Nacht an der Aufräumung. Die Telephondrähte wurden auch
hier zerriſſei. Ein Landwirt, der gerade Frucht vom Felde
beim=
bringen wollte, wurde mit dem Wagen umgeworfen, und die Frucht fiel
ins Regenwaſſer.
Ay. Bensheim (Bergſtr.), 7. Juli. Auflöſung und
Ver=
kauf des Bensheimer kath. Vereinshauſes. Ein
Unternehmen, dem kaum ein einjähriges Daſein beſchieden ſein ſollte.
das Bensheimer katholiſche Vereinshaus, findet nunmehr ein frühzeitiges
Ende. Zum 1. Juli des vergangenen Jahres war bekanntlich die frühere
Weingroßhandlung Franz Feigel, G. m. b. H., und damit zugleich deren
großes Verwaltungsgebäude, in den Beſitz des Katholiſchem Kirchenfonds
Bensheim — zum Preiſe von 90000 RM. — übergegangen. Das
repräſentative Gebäude war alsdam zum Vereinshaus der katholiſchen
Gemeinde Bensheim eingerichtet wonden. Nummehr ſah man ſich jedoch
genötigt, das Vereinshaus wieder eingehen zu laſſen und das geſamte
Anweſen an das unmittelbar angrenzende Bensheimer Hoſpital zu
ver=
kaufen. — Ein’frecher Gaunertrick. Einem unverſchämten
Gaunertrick fiel am letzten Sonntag der Inhaber einer Straßen=
Benzin=
tankſtelle in Bensheim zum Opfer. Es war ſchon lange nach
Mitter=
nacht, als ein Motorrad an der Tankſtelle amhielt und durch ſtarkes
Hupen zu erkennen gab, daß es dringend neuen Brennſtoff benötigte,
um die nächtliche Nachhauſefahrt fortſetzen zu können. Der Inhaber der
Dankſtelle machte ſich aus den Federn, um den — ihm fremden —
Motor=
radmann zufrieden zu ſtellen. Wunſchgemäß füllte er das geſorderte
Maß Benzin aus der Straßenpumpe in das Motorrad ein. Alsdonn
wünſchte der Motorradmann auch noch einem Liter Oel mitzunehmen,
wohl wiſſend, daß der Inhaber der Tankſtelle das gewünſchte Oel erſt
aus dem Hauſe herbeiholen müſſe. Das vorübergehende Sichentfernen
des Tankmannes benutzte num der Motorvadfahrer, um mit Vollgas ſich
aus dem Staube zu machen und in dem nächtlichem Dunkel zu entfliehen.
Der Inhaber der Tanlſtelle aber merkte erſt, als es zu ſpät war, daß
er einem unverſchämten Gaunertrick zum Opfer gefallen war. — Die
Straße Bensheim—Lindenfels wieder für den
Auto=
verkehr geöffnet. Nach Beendigung der
Straßenerneuerungs=
arbeiten im Schönberger Tal konnte am geſtrigen Nachmittag die bishen
geſſperrte Straße Bensheim—Reichenbach-Lindenfels wieder für den
Fahrzeugverkehr geöffnet werden. Die Straße iſt nummehr vom
Orts=
ausgang Wilhelmshauſen bis unmittelbar vor Bensheim neu mit /ſleinſchlag
belegt und eingewalzt wordem. Eine Teerung hat bis jetzt nicht
ſtattge=
funden, wird allerdings unumgänglich notwendig ſein, weil bei der
über=
aus ſtarken Beanſpruchung gerade dieſer Straße eine beſondere
Befeſti=
gung der Straßendecke zwingend geboten erſcheint. — Mit der
Fertig=
ſtellung dieſer Arbeiten iſt nunmehr die Lautertalſtraße wewigſtens vom
Schönhof Bensheim ab in einen guten baulichen Zuſtand gebracht
worden.
— Hirſchhorn, B8. Juli. Waſferſtand des Neckars am
27. Juli 0,53 Meter, am 2. Juli 0,57 Meter.
— Gernsheim a. Rh., W8. Juli. Waſſerſtand des Rheins
am 2. Juli 0,10 Meter, am 28. Juli 0,05 Meter.
* Stockſtadt a. Rh., 2. Juli. Strandbad. Das neueröffnete
Strandbad bei Stockſtadt a. Rh., etwa 200 Meter oberhalb der Führe
gelegen, erfreut ſich eines ſehr zahlreichem Beſuches. Am letzten
Sonn=
tag dürften etwa 400 Perſonen dort ihrem Vergnügen nachgegangen ſein.
Die Badegäſte ſind voll des Lobes über das ſchöne Bad. Die Grenzen
ſind jetzt genau abgeſteckt, und ſomit iſt das Bad auch für die kleinſten
Kinder vollends ungefährlich benutzbar. Eine
Kleideraufbewahrungs=
ſtelle, Aus= und Ankleideräume, ſind fertiggeſtellt und ſomit ſteht das
Strandbad als wirklich ſchöne Erholungsſtätte jedermann gegen ein
ge=
ringes Entgelt zur Verfügumg. — Auch das Rheinbad wird gut beſucht.
Autos und Fahrräder können bis in unmittelbare Nähe der Badeanſtalt
fahren und hier abgeſtellt werden.
Ad. Oppenheim, 2. Juli. Exkurſion. Zur Beſichtigung der
ſtaatlichen Rebveredlungsanlage in Darſtadt und des
Rebmutter=
gartens in Heppenheim unternimmt die Vereinigung ehemaliger Wein=
und Obſtbauſchüler nach dieſen Städten per Auuo=Omnibus eine
Exkurſion.
h. Bad=Nauheim, 28. Juli. Große Vorbereitungen für
den Auguſt treffen Stadt= und Kurverwaltung. Zahlreiche
Veranſtal=
tungen, die geeignet ſind, ein großes Publikum nach unſerem Weltbad
zu führen, werden vorbereitet. Das große Reit= und Fahrturnier iſt
auf den 4. und 5. Auguſt feſtgelegt; ein Tennisturnier ſoll ſich
an=
ſchließen. Außerdem kommen die Deutſchen Meiſterfeſtſpiele, die am
9. Auguſt mit „Salome” beginnen, am 12. Auguſt folgt Beethovens
„Neunte Sinfonie”, am 16. „Triſtan und Jſolde” von R. Wagger. —
* Gießen, 28. Juli. Ein großes Krebsſterben wird in der
Lahn beobachtet, und zwar handelt es ſich um den Unterlauf des
Fluſ=
ſes. Die Unterſuchung iſt im Gange, ob die Todesurſache auf ſchädliche
Fabrikabwäſſer oder auf eine Seuche zurückzuführen iſt. Sollte letzteres
der Fall ſein, ſo iſt für den geſamten Lauf der Lahn die Vernichtung
des Krebſes zu befürchten.
— Rodheim a. d. Horloff, 26. Juli. Beim
Getreideeinfah=
ren verunglückt. Hier ereignete ſich geſtern vormittag beim
Einfahren von Getreide ein ſchwerer Unglücksfall. Die Pferde des
Landwirts Kroll wurden ſcheu und ſtießen mit dem hochbeladenen
Erntewagen gegen eine Telegraphenſtange. Dabei wurde die Mjährige
Pauline Mühl vom Wagen geſchleudert und erlitt ſchwere
Kopfver=
letzungen ſowie einen Bruch des linken Fußes. Die Verunglückte wurde
in die Chirurgiſche Klinik in Gießen verbracht, wo ſie ſich heute außer
Lebensgefahr befindet.
Wetterbericht.
Gießen, 28. Juli.
Ein Tiefdruckgebiet liegt wit ſeinem Kern heute morgen über
Süd=
ſkandinavien und Dänemark. Die an ſeiner Rückſeite bei uns
ein=
ſtrömende Kaltluft wird noch vorübergehend Bewöllung herbeifühnn
und vereinzelt Regenſchauer aufkommen laſſen.
Ausſichten für Sonntag, den 29. Juli:
Teils wolkig, teils heiter, Tempergturen etwas zurückgehend,
der=
einzelt Regenſchauer, weſtl. bis nordweſtl. Winde.
Ausſichten für Montag, den 30. Juli.
Vorwiegend heiter und meiſt trocken.
in Ce Wind: Nieder=
ſchlag
in mm Schnee=
decke
in om Gießen: wolkig 9 U 20 Aachen: bedeckt 18 SSWg Hamburg: bedeckt 16 SSW, Berlin: heiter 22 WSN. München: heiter 22 WSW. 0,6 Königsberg: wolkig 15 O, 10 Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationer * Feldberg:
Taunus wolkig 14 SW Waſſerkuppe wolkig 14 SW. 0,2 Feldberg:
(Schwarzw.) Nebel 11 SW. 0,1 Zugſpitze: heiter SW. Kahler Aſten: wolkig 14 SSW 10 Fichtelberg: wolkig 14 WSN.
Hauptichriftleitu.ig. Rudoll Maup=
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudelf Maupe; für Feullleten, Meig D
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhimenk
für den Handel: Dr. C. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Baute !‟ N
„Die Gegenwart”:, Dr. Herbert Nettei ſür den Inſeratentel: Wiliv Kuble: Dnd”
und Verlag: L. C. Wittſch — lämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückiendung nich: übernemiet
Die heutige Nummer hat 22 Geiten.
Nummer 209
Sonntag, den 29. Juli 1928
Seite 7
der leue
Todo deuat
1.
Ein Luxuswagen zum
volkstümlichen Preis
In schnittiger Linie fließend
ge=
formt — durch harmonische
Far=
ben reizvoll gesteigert, zeigt die
wunderbardurchgearbeitete
Ka=
rosserie des neuen Fordor Sedan
einen bishernur bei
Einzelanfer=
tigungen anzutreftenden Bau.
Schwer vernickelter Kühler,
Scheinwerter, Türgrifte bilden
Merkmale des neuen Fordor
40 Brems=PS 3285 ccm Zylinderinhalt
Unter 10 Liter Brennstoff auf 100 km
Ganzstahlkarosserie
Splittersichere Triplex-Windschutzscheibe
Wierrad=Innenbackenbremse
Houdaille hydraulische Stoßdämpfer
DreiGängevorwärts,einRückwärtsgang
Elektrisches Licht und elektrischer
Anlasser
Lichtschalterhebel am Steuerrad
Pyroxilinlack-Uberzug
Vier Farben nach Wahl
Hanc= und Fußaccelerator
Automatisches Stop=Licht
Benzinuhr
Olstandmesser
Elektrisches Sicherheitsschloß
Chassisschmierung durch Fettpistole
Fünf Drahtspeichenräder mit Ballonreifen
Geschwindigkeitsmesser
Amperemeter
Spritzbrettlampe
Elektrischer Windscheibenwischer
Rückspiegel
Kompletter Werkzeugkasten
blinkende Kontraste zu seinen
Farben.
Wier breite Türen erhöhen des
Wagens rassiges Aussehen —
sie ermöglichen müheloses und
sehr bequemes Ein= und
Aus=
steigen. Weite Fenster gestatten
ungehinderten Blick in die
Na=
tur: Eine Fahrt im Luxuszug
kann nicht schöner sein!
Zur reichen Innenausstattung
mit allen Vorzügen eines Reise=
und Stadtwagens
gehören auch
kom=
fortable Sitze.
Das angenehme
Fahren
unterstüt=
zen die sonst nur
für teuerste
Luxus=
wagen
verwende=
ten,
dop=
pelt
wir=
kenden
FORD MOTOR COMPANF A. G.
BERLIN-WESTHAFEN
hydraulischen Stoßdämpfer
Fa=
brikat „Houdaille” in
Verbin=
dung mit einer Neuordnung
der Querfedern. Durch diese
Querfederung besitzt der neue
Fordor einen niedrigen
Schwer=
punkt, dessen
Annehmlich=
keiten sich im günstigen
Verhältnis des ungetederten
Gewichtes zum gefederten
Ge=
wicht auswirken.
Längste Touren werden Sie
nie=
mals ermüden, auf schlechtesten
Straßen liegt dieser
Luxus=
wagen auch bei höchster
Ge=
schwindigkeit ruhig und santt.
Machen Sie eine Probefahrt, und
Sie werden bestätigt finden: Der
neue Fordor Sedan ist kein
be=
liebiges, neues Modell, sondern
das vollkommenste
Erzeugnis moderner
Ingenieurkunst.
WW. 1310
[ ← ][ ][ → ]Seite 8
HDfene Steilen
Männlich
Sonntag, den 29. Juſi 1928
Kaen
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SCHlLLERRLATZ 4. 6. 8 AN DER HAUPTWACHE
[ ← ][ ][ → ]Nummer 209
128
Sonnteg den 29 Jul
Geite 10
Reich und Ausland.
Kleine Frankfurter Rundſchau.
Frankfurt a. M. Unter dem Namen eines
Geiſtlichen oder eines höheren Gerichtsbeamten ruft
in letzter Zeit ein alter Betrüger hieſige vermögende
Leute telephoniſch an. Er bittet für einen in Not
geratenen Menſchen um Geldbeträge, beſonders
Reiſegeld. Sagen die Angerufenen zu, ſo erſcheint
nach kurzer Zeit der Täter und erhebt den Betrag.
Das Geld iſt natürlich für ihn ſelbſt beſtimmt. —
Auf der Kegelbahn verſtarb ein hieſiger Kaufmann
an einem Herzſchlag. — Auf der Offenbacher
Land=
ſtraße wurde ein Fuhrmann von einem
Straßen=
bahnzug, der ihn überholte, erfaßt und zu Boden
geworfen, wobei er ſich zwei klaffende Wunden am
Hinterkopf zuzog. Er wurde in das Krankenhaus
überführt. — Von einigen Jahren wurde vom
Frankfurter Hochbauamt ein Programm zur
Sanie=
rung der Frankfurter Altſtadt aufgeſtellt. Das
Pro=
gramm wollte innerhalb weniger Jahre die baulich
gefährdeten Teile der Altſtadt entvölkern und
nie=
derreißen. Bis heute war es nicht möglich, das
Programm auch nur annähernd zu verwirklichen.
Niedergelegt iſt bis heute nur das hiſtoriſch bekannte
Köppler Höfchen und ein Gebäudekomplex in der
Seckbächer Gaſſe. Am 1. Oktober d. J. ſoll dagegen
mit der Niederlegung eines großen
Gebäudekom=
vlexes um den Dom und das Hiſtoriſche Muſeum
begonnen werden. Es handelt ſich um die
Schlacht=
haus= und Fiſcher=Gaſſe. Die Einwohner der in
Frage kommenden Häuſer ſind bereits anderweitig
untergebracht. Was an die Stelle der
niederzu=
legenden Häuſer kommen wird, ſteht noch nicht feſt.
Großer Juwelendiebſtahl auf einem Weingut.
Wiesbaden. In der Nacht vom 17. auf den
18. Juli wurde auf einem Weingut in der Nähe von
Wiesbaden ein großer Juwelen=Diebſtahl
ausge=
führt. Geſtohlen wurden u. a.: eine aus 27 Perlen
beſtehende Kette von roſa Färbung, deren Schloß
mit einem gelben Ametiſt und kleinen Diamanten
be=
ſetzt iſt; eine lange, mit Diamanten beſetzte Kette
aus Silbergeflecht; eine Platinkette mit Anhänger,
beſtehend aus einer großen, länglichen Perle mit
einem größeren Diamanten uſw. Den Tätern iſt
man auf der Spur. Es iſt eine Belohnung von
500 Mark ausgeſetzt worden.
Der Poliziſtentöter vor dem Schwurgericht.
15 Jahre Zuchthaus.
Heidelberg. Vor dem hieſigen
Schwur=
gericht ſpielte ſich am Freitag der letzte Akt der
be=
kannten Angelegenheit der Tötung eines
Schutz=
mannes durch einen Einbrecher ab. Zu verandworten
hatte ſich der 24jährige Arbeiter Franz Ried aus
Heidelberg, der am frühen Morgen des 3. Mai einen
Einbruch in ein etwas abſeits gelegenes Haus der
Bergſtraße verübt hatte und auf dem Rüchweg von
zwei Schutzleuten überraſcht wurde. Ried hatte
da=
bei mehrere Schüſſe auf die ihn verfolgenden
Beam=
ten abgegeben und durch den einen Schuß den
Wachtmeiſter Kern getötet, durch den zweiten den
Rottenmeiſter Metzger ſchwer verletzt. Der Verletzte
war nur dadurch nicht getötet worden, weil er ſich
im Augenblick des Schuſſes herumdrehte. Das
Ge=
richt kam nach kurzer Beratung zu folgendem Urteil:
15 Jahre Zuchthaus für den Fall Kern, weitere
fünf Jahre Zuchthaus für die Verletzung des
zwei=
ten Beamten und den Einbruch, zuſammengezogen
auf eine Strafe von insgeſamt 15 Jahren Zuchthaus.
In der Begründung wird erklärt, daß man die
un=
verkennbare Degeneration des Angeklagten ſowie
ſeine bisherige Unbeſtraftheit als ſtrafmildernd
be=
rückſichtigt habe.
Verſtopfung der Strecke Pforzheim—Erlangen.
Nürnberg. Kurz nach der Ausfahrt eines
Perſonenzuges aus der Station Kersdach (Strecke
Pforzheim—Erlangen) merkte der Lokomotipführer
am Freitag nachmittag, daß ein Schaden an der
Maſchine entſtanden war. Er brachte den Zug zum
Halten und ſtellte feſt, daß an der linken Seite der
Lokomotive das Rahmengeſtell, in dem das Lager der
Zugſtangen ruht, geſprungen und die Hälfte des
Lagers verloren gegangen war. Der Heizer ging die
Strecke zurück und fand die fehlenden Lagerteile bei
der Station Kersdach. Infolge der Sperrung der
Strecke war der Bahnhof Pforzheim mit Güterzügen
verſtopft. Der bei Kersdach liegen gebliebene Zug
wurde nach reichlich einer Stunde in den Bahnhof
Pforzheim zurückgeſchleppt. Der um 6.05 Uhr von
Bamburg abgelaſſene Schnellzug und ſein Nachläufer
wurden vor der Einfahrt in die Station Pforzheim
geſtoppt. Die Schnellzüge erlitten faſt einſtündige,
die Perſonen= und Güterzüge noch größere
Verſpä=
tungen. Die Reiſenden des bei Kersdach liegen
ge=
bliebenen Zuges benutzten zum großen Teil die
Schnellzüge zur Weiterfahrt.
Deckeneinſiurz im Weimarer
Telephonamt.
Der Telephonſaal nach dem Einſturz.
Eine 50 Meter lange Gipsdecke ſtürzte in den Saal
des Weimarer Telephonamtes. Ein Sekretär wurde
getötet. Aber die 25 anweſenden Telephoniſtinnen
blieben wie durch ein Wunder unverletzt.
Köln übernimmt das Bundesbanner der Deutſchen
Turnerſchaft.
Oberbürgermeiſter Dr. Adenauer=Köln (vor dem Mikrophon ſtehend)
hat das Bundesbanner der Deutſchen Turnerſchaft im Namen der Stadt Köln mit einer feſtlichen
Anſprache in Empfang genommen.
Ein ſenkrecht ſtartendes Flugzeug?
Das ſenkrecht ſtartende Flugzeugmodell mit ſeinem Erfinder Profeſſor Zaſchke.
Profeſſor Zaſchke hat das Modell eines Flugzeuges fertiggeſtellt, das längſt erſehnte Möglichkeiten
für die Luftfahrt eröffnen dürfte. Die Maſchine — ein ſogenanntes Rotationsflugzeug oder
Hub=
ſchrauber — ſoll nämlich einen ſenkrechten Start und Landung ermöglichen. Es wären Start
und Landung ſelbſt auf Hausdächern möglich, ſowie auch ein Stillſtehen in der Luft.
Valliers neuer Raketenwagen.
Der Erfinder Vallier (rechts) mit Frau und dem Inhaber der Eisfelder pyrotechniſchen Fabrik
Meiret.
Vallier hat nach ſeiner Trennung von Opel einen neuen Raketenwagen, und zwar ohne Flügel
und mit einer geringeren Raketenladung konſtruiert. Nach zwei gelungenen Verſuchen auf der
Bahnſtrecke Nordhauſen—Gernrode, wobei Geſchwindigkeiten von 250 Stundenkilometern erzielt
wurden, ſprang der nur 50 Kilogramm ſchwere, 2,80 Meter lange und 1 Meter breite, ganz aus
Holz gebaute Wagen vor Schluß des dritten Verſuches aus den Schienen. Der billige kleine
Ver=
ſuchswagen wurde völlig zerſtört. Vallier ſetzt jedoch ſeine Verſuche mit einem ſtabileren
Leicht=
metallwagen in zwei Wochen fort.
Ein Laſtkraftwagen mit Marktfrauen ſtürzt eine
Böſchung hinunter.
Dahn (Pfalz). Ein ſchweres
Kraftwagen=
unglück ereignete ſich Samstag früh um 4 Uhr in
einer Kurve der Straße zwiſchen Dahn und
Buſen=
berg. Durch Bruch eines Hebels verſagte die
Steue=
rung des Laſtkrafwwagens der Molkerei Roſenbaum
in Schaidt, der täglich Marktfrauen beförderte und
geſtern ſolche von Steinfeld nach Pirmaſens bringen
wollte. Der Wagen ſtürzte mit den 25 Frauen in
voller Fahrt die acht Meter hohe Böſchung hinab,
wobei er ſich mehrmals überſchlug. Die
Krieger=
witwe Lina Frey aus Steinfeld wurde getötet.
Mehrere andere Frauen wurden ſchwer oder leichter
verletzt. Die Gendarmerie von Pirmaſens und Dahn
war ſofort zur Stelle. Die Schwerverletzten wurden
nach Dahn gebracht, mehrere Leichtverletzte nach
Pirmaſens.
Die Unglückskurve.
Oberurſel. An der durch zahlreiche Unfälle
bekannten Kurve am Oberurſeler Friedhof ſtießen
ein Kraftwagen und ein Motorrad zuſammen. Der
Motorradfahrer kam mit leichteren Verletzungen
da=
von, während ſeine Soziusfahrerin auf einen Zaun
geſchleudert wurde und ſich neben anderen
Ver=
letzungen eine Zerreißung der Pulsader zuzog.
Schießerei in Eſſen.
Eſſen. Freitag abend um 11 Uhr kam es in
Eſſen, ein der Steelerſtraße, zu einer größeren
Schie=
ßerei zwiſchen Hitlerleuten und Kommuniſten,
wo=
bei etwa 20 Schüſſe gewechſelt wurden. Vier
Per=
ſonen wurden durch Bauch=, Bein= und Armſchüſſe
verletzt und mußten ins Krankenhaus übergeführt
werden. Auch Paſſanten erlitten durch Steinwürfe
Verletzungen. Einige der Täter ſind bekannt. Die
Ermittlungen wurden ſofort aufgenommen.
Brände.
Großfeuer in Berlin=O.
Berlin. Im Markus=Hof, dem großen Im
duſtriekomplex in der Markusſtraße, entſtand abendö
kurz nach 6 Uhr ein ausgedehnter Dachſtuhlbrand
der ſieben Löſchzüge der Feuerwehr beſchäftigte. Der
Feuerwehr gelang es unter Einſetzung aller techch
niſchen Mittel, den Brand auf ſeinen Herd zu beoe
ſchränken. Das Dachgeſchoß des 60 Meter langen=
und 20 Meter breiten vierſtöckigen Fabrikgebäudeis
brannte völlig nieder. Die Furnierholz=Lager vohl
zwei Möbelfabriken wurden vernichtet.
Exploſion von Benzinfäſſern.
Düſſeldorf. Freitag abend erfolgte aug
dem Lagergrundſtück der Vineta G. m. b. H., RoſNi
ſchutz=, Farben= und Walzfettfabrikation, eine großß
Benzinexploſion. Etwa 12 Benzinfäſſer, die geradö
gelagert worden waren, flogen in die Luft. Diuſi
Flammen hüllten ein benachbartes dreiſtöckiges=
Grundſtück ein und zerſtörten den größten Teil der
Wphnungen. Eine Frau, die in der Badewannu
ſaß, konnte ſich nur mit Mühe vor den hereintz
ſchießenden Flammen retten. Ein Angeſtellter der=
Firma wurde ſchwer verletzt, ebenſo ein
Hausbe=
wohner, dem ein Schrank auf den Bruſtkorb fieln
Beide mußten dem Krankenhaus zugeführt werdenn
Waldbrand im Schwarzwald.
Trieberg. Freitag mittag brach oberhalb vome
Trieberg, wahrſcheinlich infolge Funkenfluges vom
einer Lokomotive, ein Waldbrand aus, der infolgen
der großen Trockenheit raſch um ſich griff. Vier bisi
fünf Hektar Hochwald wurden von den Flammem
ergriffen.
Brandpanik in einer amerikaniſchen Irrenanſtalzu
Naſhville (Tenneſſee). In der Nacht zumm
Freitag wurden die zwei oberen Stockwerke des Zeusb
tral=Staatshoſpitals für Geiſteskranke durch Feuern
zerſtört. Der 1272 Patienten bemächtigte ſich eineu
gewaltige Aufregung. 300 Irrſinnige, darunten eimen
größere Anzahl gefährlicher geiſteskranker
Ver=
brecher, entflohen, von Panik ergriffen, in die Uw
gebung der Stadt und irrten auf den Landſtraßen, /
den Feldern und längs der Bahndämme umher,. Dri/
Stunden nach der Löſchung des Brandes war die
Mehrzahl der Entflohenen in die Anſtalt zurückge
bracht worden. Mit Hilfe der Polizei organiſierteny
die Beamten der Anſtalt eine ſyſtematiſche Suche nach 0
den noch vermißten Irrſinnigen. Soweit bekannt,ſit 1
bei dem Brande niemand umgekommen oder verletzt
worden.
Mehr als 1000 Quadratkilometer Ackerland
durch Feuer verwüſtet.
Walla Walla (Staat Waſhington). In dem n
fruchtbaren Getreidegebiet der Eureka=Flats, 50 Kile= 1
meter von hier, zerſtörte ein zwölfſtündiges Feuer
13 Farmerhäuſer und mehrere tauſend Aeres Ge
treideland und Weiden. Der Brand verwüſtete ein 1
Gebiet von etwa 50 Kilometern Länge und 25
Kilo=
metern Breite. Wie gemeldet wird, brach das Feuer
in der Nähe der Eiſenbahnſtation Attalia aus. Hun
derte von Farmern waren während der ganzen Nacht †
auf den Beinen, um den Brand zu bekämpfen. Die
Getreideſpeicher bei der Eiſenbahnſtation Abkins
konnten durch Aufwerfen von Dämmen gerettet
wer=
den. Der Wert des vernichteten Weizens allein wird
auf mehr als 100 000 Dollar geſchätzt.
Der Betrug mit Kriegsanleihe.
Die Skandalaffäre mit dem betrügeriſchen
Um=
tauſch von Kriegsanleihe=Neubeſitz in Altbeſitz nimmt
immer größeren Umfang an. Wie wir erfahren, ſt
nicht nur die Vorunterſuchung gegen Kuhnert und
von Waldow eingeleitet worden, ſondern es ſchweben
noch weitergehende Ermittlungen bei der Staas
anwaltſchaft I Berlin gegen eine beträchtliche Anzahl
ſehr bekannter Perſönlichkeiten der Berliner Finanz=
und Bandwelt, die in ähnlicher Weiſe wie Waldov
und Kuhnert Anleihe=Neubeſitz als Altbeſitz ange
meldet haben. Die Vernehmungen in dieſer
Angele=
genheit ſind zurzeit in vollem Gange; über ihr
Er=
gebnis, ebenſo wie über die Perſönlichkeit der
Ver=
dächtigen, wird ſtrengſtes Stillſchweigen gewahrt. Die
Finanzbehörden, die die Anleiheſchiebungen aufge
deckt haben, haben eine annähernde Schätzung des
Schadens vorgenommen, der dem Reich durch die Be
trügereien zugefügt werden ſollte. Es ſoll ſich un
eine Summe zwiſchen 25 und 30 Millionen Mall
handeln. Ob irgendeine Schätzung des Reiches be
reits eingetreten iſt, oder ob es gelungen iſt, alle
Schiebungen noch vor ihrer Abwicklung aufzudecken
konnte bisher noch nicht feſtgeſtellt werden. Eine
gründliche Nachprüfung aller Umtauſchanträge und
aller bereits durchgeführten Transaktionen iſt einge
leitet worden.
Nobiles Reiſe nach Italien.
Kopenhagen. Geſtern nachmittag wurde
beſtimmt, daß der hieſige italieniſche Geſandte, Gial
Viola di Campalto, ſowie der Preſſeattaché Silveſit!
um 7 Uhr nach Malmö abreiſen, um dort Noble
und ſeine Begleiter zu empfangen. Die frühere Be
ſtimmung, daß Nobile die Reiſe abends iſ.
einem Sonderzug von Kopenhagen über Gjedſer nag
Deutſchland fortſetzen ſollte, wurde geändert. A
General wird in Kopenhagen übernachten. Ob Ae
Weiterreiſe Sonntag vormittag oder Sonntag abel
erfolgen wird, iſt noch nicht beſtimmt. Man ſiehr e
jedoch auf der Geſandtſchaft als das Wahrſcheinlichſte.
an, daß Nobile erſt am Sonntag abend Kobenhab."
wieder verläßt.
Ausbruch des Vulkans Mayon.
Manila. Freitag früh ereignete ſich ein neile.
Ausbruch des Vulkans Mayon. Glühende Skeil
wurden bis zu einer Höhe von 100 Metern empl”
geſchleudert. Heftige Erdſtöße hatten kurz vorher 9 Land beunruhigt. Ein neuer Krater. .e
dete ſich ungefähr 180 Meter unterhalb des alten
die ſich daraus ergießende Lava fließt in der Richl
tung des Bahnhofs Libong. Die Einwohner diel"
Stadt haben die Flucht ergriffen. Der gegenwartige
Ausbruch des Vulkans iſt der ſchlimmſte, den il
ſeit 1900 erlebt hat.
Gaskrieg im Frieden.
London. Bei Armeemanövern auf einel
Heide weſtlich von London wurde ein Tränengas .”
wandt, das ſehr heftig auf die Augen winkt. Als 9e
Wind ſich plötzlich drehte, vergaſte die Gaswolke ei
Gaſtwirtſchaft und ein Stück Landſtraße, auf der Ne
zahlreiche Fußgänger und einige Autos befand.”,
Erſt nach einigen Stunden hatten ſich die betroſſen‟”
Ziviliſten wieder erholt.
piter amf .
unital, Lane.
Meei. i ir Hoiche
gſichn De De.
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Inzwiſchen hat
Auf der b.
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ſich der Stro
berltehrt erfolgt 1
Truhige, phlegmatiſch
bsſten, die Organiſch
mm ein ganz gehö
gegen 14 1hr
Fletzten Platz gefüll
KOrganiſatoriſch iſt
lappt wie am Sch
vielgeläſterte Lauf
Obwohl vom Rege=
Nationen keine Sp=
Bei den 9000
Taes Prinzgemahls
Ehrenloge, auch die
Anzahl hohgeſtellte.
FAxel von Dänema=
TBourbon Parma
Palampur, Diplome
man die beiden pre=
Hirthſiefer und Hö
Primz Heinrich,
hat Platz genomme
weiten Rund des
begleitet von 2 9
hymne „Wilhelm
Ahleten ſichtbar.
Man vermißt Chi
der bauptſpiele n
non verwundert,
Es iſt eine klein
piſchen Spiele ſe
bich 1
Eonite er
ſer Entſch
Han Auf=
Grie
Deutſchlar
Maſſen 4
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Grutne
*falgt Ext
ſchließt ſi
Mummer 209
Sonntag, den 29. Jufi 1926
Seite 17
Der Weg zum Stadion.
Gsewitter am Freitag, Regen in der Nacht, Regen am Samstag
mt ttag. Amſterdam in ſeiner wahren Geſtalt: was für London der
ſel— iſt für Hollands Hauptſtadt der Regen. Die Ausſichten ſcheinen
bgb eichen wie vor zehn Wochen beim Hockeyturnier. Aber der
Him=
pat ein Einſehen, und am Samstag mittag klärt ſich das Wetter
7 Die Sonne bricht durch, der Himmel iſt blau und klar. Ein
ns. Omen für die Ereigniſſe der drei nächſten Wochen.
anzwiſchen hat längſt der Marſch zum Olympiſchen Stadion
ein=
gtz— Auf der breiten Zufahrtsſtraße erſcheint eine unendliche Linie
Elutomobilen, Straßenbahnen, Motorrädern, Fahrrädern und
da=
fnu, die endloſe Schar der Fußgänger. Ruhig und gleichmäßig
er=
gt ſich der Strom der Maſſen ins Stadion. Die Abwicklung des
Kkſchrs erfolgt mit einer verblüffenden Selbſtverſtändlichkeit. Der
pas, phlegmatiſche Holländer liebt keine Aufregungen und nervöſes
tem, die Organiſatien iſt erfüllt mit einer Sicherheit, als ob es ſich
nan ganz gewöhnliches Ereignis handelte.
aSegen 14 Uhr iſt das Stadion von 40 000 Menſchen bis auf den
tei: Platz gefüllt. Die Anlage präſentiert ſich in beſter Verfaſſung.
amiſatoriſch iſt den Holländern kein Vorwurf zu machen. Alles
x: wie am Schnürchen, nichts fehlt, nichts iſt zu viel. Selbſt die
tailläſterte Laufbahn mit ihrem roten Belag ſieht glänzend aus.
ſoa hl vom Regen durchweicht, zeigt ſie ſpäter beim Umzug der
Rimen keine Spuren — ſie ſcheint beſſer zu ſein als ihr Ruf.
Brei den 40 000 wird eine Bewegung bemerkbar. Der Galawagen
gerinzgemahls erſcheint vierſpännig. Der Prinz begibt ſich in die
teirloge, auch die Ehrengäſte ſind alle verſammelt. Man ſieht eine
Kalol hochgeſtellter Perſönlickkeiten, die Prinzen Olaf von Norwegen,
A von Dänemark, Peter von Griechenland, Prinz und Prinzeſſin
aucon Parma (Italien), die Maharadſchahs von Kaſchmir und
Lampur, Diplomaten, Geſandte, Miniſter. Aus Deutſchland bemerkt
m Gie beiden preußiſchen Miniſter für Volkswohlfahrt und Finanzen,
ſtwſiefer und Höpker=Aſchoff.
Auftakt.
zrinz Heinrich, der die Königin Wilhelmine von Holland vertritt,
W8latz genommen. Es iſt 14 Uhr. Feierliche Stille herrſcht im
men Rund des Stadions. Und plötzlich erklingt von 1200 Sängern,
bentet von 2 Muſikkapellen, die holländiſche
National=
hmne „Wilhelmus von Naſſau”. Am Marathontor werden die erſten
Aasen ſichtbar. Die griechiſche Flagge erſcheint an der Spitze
die Nationen halten ihren Einzug.
mi vermißt China, Malta und Uruguah, die von einer Beſchickung
wöauptſpiele nun doch Abſtand genommen haben. Dann aber iſt
awerwundert, daß die Trikolore nicht erſcheint.
Frankreich fehlt.
ſül, eine kleine Verſtimmung eingetreten, die zwar nicht die Olym=
Hun Spiele ſelbſt berährt, aber doch unangenehm iſt. Der
fran=
izeahe Beneralkonſul wollte am Freitag der Generalprobe des
Ein=
nſoses beiwohnen und wurde von einem Beamten des Stadions
un=
ßiüe behandelt und nicht eingelaſſen. Das Holländiſche Olympiſche
eiuree entſchuldigte ſich ſofort, aber die Franzoſen gaben ſich mit
die=
ſGhmtſchuldigung nicht zufrieden und verzichteten auf eine Teilnahme
aAufmarſch der Nationen.
Griechenland marſchiert an der Spitze gefolgt von Argentinien.
4tſthland kommt an elfter Stelle hinter Dänemark. Der Beifall der
Bium wird immer größer und ſtärker und erreicht ſeinen Höhepunkt,
tas gaſtgebende Holland am Schluß erſcheint. In der deutſchen
twe hält der lange Paulus aus Wetzlar die deutſche Fahne, ihm
ſt Exz. Lewald vom Reichsausſchuß mit den Offiziellen. An ſie
feftt ſich die Gruppe der aktiven Teilnehmer, und den Beſchluß
Hurr die Abgeſandten der Hochſchule für Leibesübungen. Die ſtärkſte
em macht ſtellt natürlich Holland, die nächſtſtärkſten Länder ſind die
kmnigten Staaten, Deutſchland und England. Die Deutſchen ſehen
ihver Kleidung, die einer Uniform ähnelt, ſehr gut aus. Maleriſcher
kan beſonders die Schweizer in ihren roten Jacken, und bei den
geuhen bemerkt man beſonders die Offiziere der Sokols mit roten
ausn und Waffenrock.
4: Nationen ſind einmarſchiert von 47, die man erwartete. Der
4euraum der Kampfbahn iſt ausgefüllt. Der greiſe Prof. Viſſer,
gäliger holländiſcher Miniſter, tritt vor und hält die Weiherede. Er
ſdart die Schwierigkeiten, die Holland mit der Durchführung der
aut ſtaltung hatte, er betent, daß Holland dieſe Schwierigkeiten alle
g ſüberwunden hat, da es ſich um das ſchöne Werk handelte, den
Asmpiſchen Spielen Glanz zu verleihen. Prof. Viſſer gibt einen
eublick über die Bedeutung der Olympiſchen Spiele bei den Hellenen,
uwürft ein Bild des idealen olympiſchen Gedankens und ſchließt ſeine
ühmrede mit den Worten: „So möge denn dieſe tiefe religiöſe Leiden=
(t in Ihrer Seele hoch aufflammen, die allein die Tradition
hoch=
geu und die Olympiſchen Ideale verwirklichen kann”.
2aas Niederländiſche Dankgebet brauſt durch das Stadion. Die
Rnage ſind verhallt, und nun erſcheint Baron Schimmelvenninck van
awhe, um im Namen des Holländiſchen Olympiſchen Comitees, der
anctaltenden Organiſation, die Eröffnungsrede zu halten. Der
Kor führt aus:
Di Anſicht, daß die geiſtige und körperliche Entwicklung des Menſchen
hmn Schritt halten muß, wenn ein harmoniſches Ganzes erlangt
wer ſoll, gewinnt täglich mehr Boden. Die überall angewandten
Auche um die körperlichen Fähigkeiten nach den richtigen Stufen
qurühren, beweiſen das Beſtreben, die Ausübung des Sportes in
anl lich geregelte Bahnen zu lenken. Natürlich treten bei der
allge=
merr ſportlichen Ausübung durch die Nationen beſonders begabte
Ein=
fgntren hewvor, die infolge ihrer größeren Willenskraft über ihre
lmenſchen hinausragen. Die Wettkämpfe, in denen dieſe Athleten ſich
beie, ſind als Verwirklichung obenſtehender Gedanken von größtem
t. Die Olympiſchen Spiele nehmen unter all dieſen Wettkämpfen
im hervorragenden Platz ein, und wäre es nur wegen ihrer
Vielſei=
ſeil- Die Hoffnung dürfte wohl ausgeſprochen werden, daß die Spiele
. Olympiade in keiner Weiſe denen der vorigen Spiele
nach=
en. Wir berrachten es als einen Beweis größten Vertrauens, daß
Rnternationale Olympiſche Komitee Holland mit der Organiſation
dr. Spiele betraut hat, und wir haben getrachtet, uns dieſes
Ver=
tess würdig zu zeigen. Wir heißen alle Athleten herzlich
willkom=
mnd wünſchen ihnen einen ſchönen, ehrenvollen Kampf. Wir
dür=
ſdan Wunſch hegen, daß die Spiele ihrem Zweck entſprechen, und wir
Beu= uns ganz beſonders auf unſere eigenen Landsleute verlaſſen,
A 8s bei uns Holländern außerdem um die Landesehre geht. Namens
wolländiſchen Olympiſchen Komitees beehre ich mich, Seine König=
8 Foheit den Prinzen der Niederlande zu bitten, die Spiele im Na=
Uhrer Majeſtät der Königin eröffnen zu wollen.
Der feierliche Akt.
Diie Rede des Barons Schimmelpenninck iſt geſchloſſen. 40 000
Men=
murichten ihre Blicke nach der königlichen Loge, in der ſich Prinz
qmich erhebt und
die Olympiſchen Spiele 1928 für eröffnet erklärt.
ſanmmen mit drei Flugzeugen, die ſchon ſeit einiger Zeit in der Luft
hmn, werden jetzt Brieftauben abgelaſſen, die das Stadidn
um=
ſag. Unter den Klängen der Fanfaren krachen einige Schüſſe zum
chan der Eröffnung und am Maſt ſteigt
die Olympiſche Flagge
b. Auf dem Marathonturm erſcheint die Flamme. Das holländiſche
kuenlied erſchallt. Die Fahnenträger der Nasionen treten vor der
Niederlande in Vertretung der Königin Wilhelmine im Amſter= löſt ſich Hollands Erwählter Harry Denis, der populärſte Fuß=
18 Nationen marſchieren ein. — Harrp Denis leiſiet den Olympiſchen Schwur.
Flamme auf dem Marathonturm brennt.
Um 28. Juli 1928, mittags um 14 Uhr, übergab Prinz Heinrich / Haupttribüne zuſammen und bilden einen Halbkreis. Aus ihrer Mitte
be— neuen Stadion die 9. Olympiſchen Spiele ihrer Beſtimmung. Die ballſpieler des Landes, tritt einige Schritte vor und leiſtet den
ttoeter der Nationen ſtanden im Rund des Stadions, als der Prinz
iner Loge hervortrat und den Beginn der Spiele erklärte. Unter
achmetternden Klängen der Fanfaren ſtieg die Olympiſche Flagge
*inf Ringen am Maſt hoch, ein Chor von 1200 Sängern ſang das mit folgenden Worten:
ürdiſche Flaggenlied. Die Fahnenträger der Nationen traten im
„Wir ſchwören, daß wir als aufrechte Wettkämpfer an den
Olym=
tbrreis vor der Haupttribüne zuſammen, aus ihrer Mitte löſte ſich piſchen Spielen erſcheinen und ihre Beſtimmungen in ritterlichem
olländiſche Fußballſpieler Harry Denis und leiſtete den Olym= Geiſte achten werden, zur Ehre unſerer Länder und zum Ruhme des
imm Schwur. „Hollands Gloriole” ertönte — der letzte Akt der Sportes.”
kinrdamer Olympiſchen Spiele hatte begonnen, und als Wahrzeichen
Denis tritt zurück. Wieder treten die Sänger in Aktion. Die
wun=
chien über dem Marothonturm die lodernde Flamme, die erſt er= devvolle Kantate „Hollands Glorie” ſteigt auf und brauſt über die weite
heri wird, wenn die Spiele ihr Ende erreicht haben und am 12.
Fläche. Die Athleten der Nationen verlaſſen in geſchloſſener Linie das
hrſt ſich der Vorhang über die Ereigniſſe von Amſterdam ſenken Stadion, das ſich allmählich lert. Die Olympiſchen Spiele 19B8 haben
mit ihrem Hauptteil begonnen, die Feierlichkeiten ſind beendet. Und
Olympiſchen Schwur
man bedauert nur, daß der geiſtige Schöpfer der modernen Olympiſchen
Spiele Baron Pierre de Coubertin, der Mann, deſſen Name mit den
Olympiſchen Spielen unzertrennbar verknüpft iſt, infolge Krankheit dem
würdigen Auftakt dieſer Veranſtaltung nicht beiwohnen konnte.
Begrüßung durch den deutſchen Geſandten.
Im Grandhotel fand am Samstag morgen ein Empfang der
deut=
ſchen Olympia=Expedition durch den deutſchen Geſandten Graf Zech, der
in Begleitung des Geſandtſchaftsrates vom Haag gekommen war, ſtatt.
Dem Empfang wohnten die deutſchen Mitglieder des Olympiſchen
Ko=
mitees, alle Aktiven und Offiziellen ſowie zahlreiche in Zandvoort
ver=
ſammelte Schlachtenbummler bei. Graf Zech begrüßte die vollzählig
erſchienene Mannſchaft, die in ihrer kleidſamen Tracht einen
präch=
tigen Eindruck machte. Er begrüßte ſie als Kämpfer für den Sport,
aber auch als Kollegen, denn die deutſchen Olympigkämpfer ſeien in
dieſem Augenblick genau ſo gut Ausgeſandte des deutſchen Volkes, wie
die Diplomaten. Er wünſchte, daß ihnen eine würdige Vertretung des
Vaterlandes und ein gutes Abſchneiden in den Kämpfen gelingen möge.
— Exz. Lewald dankte dem Geſandten für ſeine Begrüßung und ſchloß
ſich den Glückwünſchen des Grafen an. Er gob weiter der Ueberzeugung
Ausdruck, daß ſich ein ähnlicher unglücklicher Zwiſchenfall wie beim
Fuß=
ballturnier nicht ereignen, daß die Mannſchaft durch ihre Leiſtungen
und durch ihr Verhalten dem Vaterlande Ehre machen werde.
30 Jahre Arbeit
für die Idee des Sportes.
Das Jubiläum
des Sportvereins Darmſtadt 1898.
Um den Pokal des „Darmſtädter Tagblatts”.
In dieſen Tagen ſteht der Sportverein Darmſtadt 1898 am Ende einer
dreißigjährigen Enwwicklung. Mag auch dem ſportlichen Laien ein
Zeit=
raum von 3 Dezennien ſeit der Gründung des Vereins nicht lang
er=
ſcheinen, ſo weiß der ſportlich Eingeweihte umſo beſſer, daß ein
Raſenſport treibender Verein, deſſen Gründungsjahr auf das Jahr 1898
entfällt, zu den älteſten Pionieren unſerer Sportbewegung gerechnet
werden muß, hat doch erſt zu Beginn der Wer Jahre der Sport in
Deutſchland Eingang gefunden.
Wenn der Sportverein Darmſtadt 1888 baher dem=
wird, ſo daer er de Dsſienß Slrmnderen der 4.0. g dem 7ch
der Pflege des Sportes zu einer Zeit gewidmet hat, als der Sport noch
von der weitaus größten Zahl unſerer Volksgenoſſen abgelehnt wurde
und die Sportjünger dem Fluch der Lächerlichkeit ausgeſetzt waren. Die
feſtliche Begehung des Gründungstages iſt aber auch in hervorragender
Weiſe um deswillen gerechtfertigt, weil die Wegbereiter des
Sport=
vereins 98, Olympia und Sportelub, es verſtanden, in den langen und
ſchweren Jahren, in denen der Sport um ſeine Anerkennung kämpfen
mußte, die Grandlage zu ſchaffen, auf der ſich ein
mo=
derner Sportverein aufbauen konnte.
Der Sportverein Darmſtadt 1898 darf heute ohne Ueberhebung von
ſich ſagen, daß er die erſten 30 Jahre ſeiner Geſchichte
voll zum Ausbau ausgenutzt hat. Die Feſtigkeit eines
gro=
ßen Vereinsgefüges iſt geſichert; eine ſtarke innere Kraft hält den
Ver=
ein zuſammen, ſo daß auch ſchwere, unverſchuldete Schickſalsſchläge, die
im Laufe der vom Glück wohl kaum bedachten Enwicklung den
Sport=
verein getroffen haben, den Ausbau und die Ausgeſtaltung nicht
hem=
men konnten.
Wenn der Sporwerein 1898 ein Lob für ſich in Anſpruch nehmen
darf, ſo iſt es die Tatſache, daß tatſächlich das bei der Fuſion im Jahre
1919 gefaßte Vorhaben, das neue Gefüge zu einem wahren
Sport=
verein zu geſtalten, geglückt iſt. Neben der Urzelle des Vereins, dem
Fußball, haben ſich ſtarke Zellen angegliedert. Aus dem
reinen Fußballverein iſt ſo der Sportverein
ge=
worden, in dem nunmehr auch die Leichtathletik, der Handballſport
und das Boxen, zum feſten Arbeitsprogramm gehören, in dem die
moderne Erkenntnis über den Frauenſport verwertet iſt und in dem
insbeſondere in zahlreichen Jugendabteilungen die Pflege des
Jugend=
ſportes die größte Aufmerkſamkeit erfährt. Es nimmt daher kein
Wun=
der, daß die Zahl der ſich aktiv im Sport Betätigenden dauernd bei den
98ern im Steigen begriffen iſt.
Daß neben dieſer Verbreiterung ſeiner ſportlichen
Bafis es dem Sporwerein 1898 geglückt iſt, große äußere
Er=
folge zu erzielen, iſt bekannt. Mag auch bei einem beträchtlichen Teil
der Vereinsmitglieder der Gedanke noch zu ſehr verankert ſein, daß der
Grad der Wertſchätzung eines Vereins in erſter Linie von ſeiner
Fuß=
ballmannſchaft abhängig iſt und mag daher vielleicht mancher der
Sporwereinsanhänger doppelt ſchmerzlich empfinden, daß die Fußballer
der 9er gerade im Jubiläumsjahr den Abſtieg in die zweite Klaſſe
an=
treten müſſen, ſo wird dieſer mißliche Umſtand wohl ohne weiteres
durch die großen Erfolge der anderen Abteilungen mehr als wett
ge=
macht. Die mehrfache Erringung der ſüddeutſchen
Mei=
ſterſchaft durch die Handballigamannſchaft der 98er,
die großen Erfolge auf leichtathletiſchem Gebiete, die durch den Namen
Gngelhard und durch die Waldläufer verkörpert ſind, die Zahl
und Soielſtärke der Jugendmannſchaften auf den von
den 98ern betriebenen Sportgebieten, die äußerſt raſche
Aufwärtsent=
wicklung der Boxobteilung uſw. haben es zuwege gebracht, daß der gute
Ruf des Sportvereins, der ſich in früheren Jahren faſt ausſchließlich
auf die fußballſportliche Betätigung gründete, gerade in den letzten
Jahren trotz einer gewiſſen Stagnation der Urzelle des Vereins weit
über die engeren Landesgrenzen Beachtung gefunden hat.
Es würde zu weit führen, die Einzelheiten der Enwwicklung an
dieſer Stelle aufzuzeichnen. Um jedoch endlich einmal in Wort und
Bild feſtzuhalten, welche große Arbeit für die Idee des Sportes in den
vergangenen 30 Jahren im Sportverein 1898 geleiſtet worden iſt, wird
in den nächſten Tagen eine ausführliche Jubiläumsfeſtſchrift
erſcheinen. Aus dieſem Büchlein wird neben der bisher geleiſteten
Auf=
bautätigkeit hauptſächlich noch zu erkennen ſein, wie ſich die Führer des
Sporwvereins 1898 die weitere Entwicklung denken. Gerade die
Ein=
ſtellung zu dem Fragenkomplex, der heute der Sportbewegung ſich
auf=
drängt, dürfte einen beſonders intereſſanten Einblick in das Weſen und
die Vielgeſtaltigkeit des Sportvereins verſchaffen.
Als Hauptfubiläumstag iſt der 12. Auguſt 1988 beſtimmt. Die
geſamte Aktiwitas des Vereins iſt dazu auserſehen, an der Ausgeſtaltung
dieſes Tages mitzuwirken, gilt es doch, den Außenſtehenden einen
Ein=
druck in die wahre Größe des Sportvereins 1898 zu verſchaffen.
Zwi=
ſchen den beiden Spielen (Handball und Fußball) wird durch einen
Auf=
marſch ſämtlicher Abteilungen demonſtriert werden, wie die 98er dem
Sportgedanken huldigen. Die Spiele ſelbſt, die wie bekannt, gegen die
Spielvereinigung Fürth zum Austrag gelangen, bringen
zum erſten Male die Fußballer der Mannſchaft, die in Deutſchland wohl
als die populärſte bezeichnet werden darf, nach Darmſtadt. Die
Hand=
baller des Süddeutſchen Altmeiſters ſind ja von jeher gern geſehene
Gäſte in Darmſtadt. Für den Verein, der in den beiden Spielen am
erfolgreichſten abſchneidet, hat das Darmſtädter Tagblatt einen
Pokal geſtiftet. Zweifellos dürfte dadurch ein weiterer ſtarker Anrerz
geſchaffen ſein, an dieſem Feſttage der 98er wirklich ſportliche
Höchſt=
leiſtungen zu bieten.
Flugſport.
Zum 9. Rhön=Segelflug=Wettbewerb.
Noch wenige Tage, und das klaſſiſche Gelände der vor 15 Jahren
noch als rauh verſchrieenen Rhön wird wiederum für einige Wochen im
Mittelpunkt des ſegelfliegeriſchen Sportintereſſes nicht wur unſeres
Heimatlandes, ſondern weit über Deutſchlands Grenzen hinaus ſtehen.
Der diesjährige Rhön=Segelflugwettbewerb, der zum 9. Male auf dem
Hängen und benachbarten Höhen der Waſſerkuppe veranſtaltet wird,
findet in der Zeit vom 1. bis 15. Auguſt ſtatt. Der Veranſtalter,
die Rhön=Roſitten=Geſellſchaft, bringt erfreulicherweiſe auch dieſen
Wett=
bewerb auf internationaler Grudlage zum Austvag. Die
ſport=
liche Führung liegt wiederum in den Händen der Südweſtgruppe des
Deutſchen Luftfahrtyerbandes und des Deutſchen Modell= und Segelflug=
Verbandes.
Die Ausſchreibung, die die Förderung des Segelflugſports und
Er=
forſchung der Segeflugmöglichkeiten bezweckt, ſieht drei von einander
un=
abhängige Veranſtaltungen vor, und zwar einen
Schulungswett=
bewerb für Gleitflieger (Ausweis 4 und B) einen
Uebungswett=
bewerb für Segelflieger (Ausweis C nach dem 1. Januar 1926) und
einen Leiſtungswettbewerb (Segelfliegerausweis C). An
Prei=
ſen ſtehen insgeſamt zirka 10 500 Mark zur Verfügung. Während bei
unſerem Nachwuchs u. a. die größte Geſamtflugdauer innerhalb des
Wettbewerbs und die beſte Durchſchnittszahl bei einer Reihe von
Ziel=
flügen gewertet werden, können ſich unſere fortgeſchrittenen Segelflieger
um den Dauerpreis und mehrere Sonderpreiſe bewerben. Im
Leiſtungs=
wettbewerb, der die ſchwierigſte Prüfung darſtellt, iſt für eine
wiſſen=
ſchaftlich=fliegeriſche Leiſtung ein Ehrenpreis ausgeſetzt. Zur Erlangumg
des Fernſegelflugpreiſes von 3000 Mark wird ein Flug von mindeſtens
50 Kilometer Strecke gefordert, ferner können unſere „Kanonen” um den
Fernzielflug= und Strechenforſchugspreis ſtarten. Die Dreiteillumg der
„Rhön 1928” muß nach den vorjährigen Erfahrungen als beſonders
glücklich bezeichnet werden, die Beſetzung läßt einen intereſſanten
Ver=
lauf auch dieſer Veronſtaltung erwarten. Unter den 57 Bewerbern
mit 105 Maſchinen gegenüber einigen 70 Flugzeugen im Vorjahre,
befinden ſich mehrere Gruppen, die erſtmalig in den Wettbewerb treten.
Die gkademiſchen Fliegergruppen der Hochſchulen dürften wieder
voll=
zählig vertreten ſein. Von unſeren bekannten Segelfliegern haben
zuge=
ſagt: Schulz Mavienburg, Nehring=Darmſtadt, Kegel=Kaſſel,
Magerſuppe=Kaſſel, W. Hirth=Stuttgart und Thönes =
Mün=
chen. Unſere Junioren beteiligen ſich diesmal allein mit etwa 70 Gleit=
und Schulflugzeugen. Aus Frankreich hat außer dem bereits im
ver=
gangenen Jahre auf der Waſſerkuppe geflogenen Auger=Neuilly, noch
GuilbaudMarſeille gemeldet, während aus der Schweiz
Solden=
hoff=Zürich und aus Oeſterreich Kronfeld=Wien kommen. Wir
hof=
fen alſo, daß die „Rhön 1928” umſere Segelflugforſchung einem guten
Schritt vorwärts bringen wird, damit dieſe rein deutſche
Segelflug=
bewegung ſich zu einem wirklichen Sport, zu einem Volksſport
ge=
ſtalten möge, deſſen Ausübung von Arm und Reich, Alt und Jung zu
Nutz und Frommen des immer noch ſtauk bedrängten deutſchem
Flug=
ſports möglich iſt.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 29. Juli. 8: Morgenfeier der Freireligiöſen Gemeinde
Offenbach a. M. Dem Gedächtnis Franz Schuberts. o 11:
Mittel=
ſchullehrer Peter Krupp: Das Muſterkind. o 12: Feierſtunde der
modernen Arbeiterbewegung: Sprechchöre. o 13:
Landwirtſchafts=
kammer Wiesbaden. 15: Hamburg: Funkheinzelmann=Singſtunde
unter Leitung von Prof. Jöde. o 16: Konzert des Funkorch.
Ge=
dächtnis des Todestages von R. Schumann. Ouv. Byrons
„Manfr. 4 — Schumann: Mondnacht: Der Nußbaum:
Marien=
würmchen. Märchenerzählungen, vier Stücke für Klarinette, Bratſche
und Klavier. Scherzo aus der „Rheiniſchen Sinfonie‟. —
Mendels=
ſohn: Ouv. Meeresſtille und glückliche Fahrt‟. — Schumann:
Lotosblume; Schneeglöckchen; Volksliedchen. — Brahms:
Liebes=
liedet=Walzer. — Bruckner: Scherzo aus der „Erſten Sinfonie in
C=Moll”, Muſikal. Leitung: Kapellmeiſter Merten. Mitw.: Eliſabeth
Marc (Sopran), H. Korte (Klarinette). W. Caſpar (Bratſche), R.
Merten (Klavier). o 17.30: Kölner Stadion: Schlußfeier des 14.
deutſchen Turnfeſtes. Frejübungen der Turnerinnen und Turner;
Siegerehrung: „Schlußrede. o Anſchl.: Altona: Endſpiel um die
deutſche Fußball=Meiſterſchaft. 20.30: Bad Nauheim: Konzert
des Männergeſangvereins „Mozart=Siegen”. O 21.30: Von einem
Privathaus: Alte Kammermuſik. Händel: Chaconne G=dur für
Cembalo. — dHervelois: Suite für Viola da Gamba und Cembalo.
— Ruhland: Präludien und Fugen für Cembalo. — Händel: Sonate
C=dur für Viola da Gamba und Cembalo. — Marcello: Sonate
F=dur für Violoncello und Cembalv. Ausführende: Alwine
Mös=
linger (Cembalo), R. Hindemith (Viola da Gamba und Cello).
6 Anſchl.: Sportnachrichten. O Darauf: Berlin: Tanzmuſik. Kapelle
Gerbard Hoffmann.
Stuttgart.
Sountag, 29. Juli. 8.45: Köln: 14. Deutſches Turnfeſt in
Köln 1928. Teilausſchnitte aus dem Feſtzug. O 11: Katholiſche
Morgenfeier. Mitw.: Maria Hepp (Violine! Hedwig Weinwurm=
Egner (Sopran), E. Grimm (Bariton), Eliſabeth Hepp (Flügel),
Anſprache: Studienaſſeſſor Weikmann. O 12: Stuttgart: Vorträge
auf der Oscalit=Orgel. o Anſchl.: Schallplatten. o 14:
Gold=
töchterchen. Märchenſpiel mit Muſik in drei Bildern von Elſe
Pfeiffer=Bonhöffer. Mitw.: Funkorch. und Märchenſpiel=Enſemble,
6 15.30: Unterhaltungskonzert. Leitung: C. Struve. Mitw.: Käte
Mann, Emma Eichenbrenner=Teſter, A. Kiſtenmacher, Geſangverein
„Eintracht”, Pfullingen. Funkorch. o 17: Uebertr, des
Fußball=
meiſterſchaftsſpieles in Altona. 0 20: Stadtgarten Pforzheim:
Groß=
ruſſiſches National=Orcheſter WHB. Leitung: Alex. Michailowſki und
Alexü Dubatoff. Balalaika=Orcheſter und Männerchöre. Eluchen:
Ruſſiſche Fantaſie. — Rubinſtein: Melodie. — Michailowſki=
Ukrainiſche Skizzen. — Ippolitoff=Jwanoff: Im Aul (
Tſcherkeſſen=
dorf) aus der „Kaukaſiſchen Suite‟. — Motive aus
Zentral=
rußland. — Pogoreloff: Orientaliſche Fantaſie. Valſe caprice. —
Kolotilin: Signalmarſch. — Woloſchin: Warux iſt’s mir ſo ſchwer?
— Solo Tſchub: Die zwölf. Räuber. — Ehi, uchniem!
Wolga=
barkenſchlepperlied. — Von dem Berge. 0 Während der Pauſen:
Ruſſiſche Romanzen und Volkslieder geſungen von Herm. Simberg.
Anſchl.: Süddeutſcher Abend. Leitung: K. Köſtlin. Tiroler,
bayriſche, ſteyriſche, ſchwäbiſche Schwänke, Schnurren, Lieder und
Gſtanzeln. Mitw.: Elſa Pfeiffer, Hildegard v. Zedtwitz, Artur
Anwander, Th. Brandt, K. Karner, H. Mönch (Zither). — „Die
Brautſchau”, Bauernſchwank in einem Akt von Ludw. Thoma.
Anſchl.: Nachrichten= und Sportfunkdienſt,
Berlin.
Sonntag, 29. Juli. 6.30: Frühkonzert. Orcheſter Otto Rermbach.
O Gegen 7: Gymnaſtik. o 9: Uebertr. des Stundenglockenſpiels
der Potsdamer Garniſonkirche. 0 9.05: Morgenfeier.
Gotteskind=
ſchaft” Liturg Joh. Schulzke. Heinz G. Schneider (Orgel und
Flügel), Cilly Kurth=Steiner (Sopran), M. Koller (Rezit.)
An=
ſprache des Pfarrers Pfeiffer, Berlin=Tempelhof. O Anſchl.:
Glocken=
geläut des Doms. o 11.30: Platzmuſik des Kosleckſchen Bläſer=
Bundes. Leitung: Obermuſikmeiſter i. R. Gleue. O 14:
Funkheinzel=
manns Singſtunde. o 15.30: Mitteilungen und praktiſche Winke
für den Landwirt. O 15.55: Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. Appel:
Krankheiten der Futterpflanzen. o 16.30: Uebertragung des
End=
ſpiels um die deutſche Fußballmeiſterſchaft. 0 Anſchl.:
Unterhaltungs=
muſik. Kapelle Gebr. Steiner. o 19: Chefredakteur Dr. Buhla:
Die Zeitung als Spiegel der Weltanſchauung. O 19.30: Dr. Poritzky:
Paneuropa in der Weltliteratur. (Märchenmotive.) o 20: Paul
Zſchorlich: Was bedeutet uns Bayreuth? O 20.30: Kabarett. Mitw.:
Kitty Aſchenbach, Elli Gläßner, Henry Berg, H. Fiſcher=Köppe. Max
Grünberg. O Anſchl.: Tagesnachrichten. O 22.30: Tanzmuſik. Kapelle
Gerhard Hoffmann.
Deutſche Welle. Sonntag, 29. Juli. 6.30: Frühkonzert. Kapelle
Otto Kermbach. o Gegen 7: Gymnaſtik. 2 92 Uebertr. des
Stunden=
glockengeläuts der Potsdamer Garniſonkirche. o 9.05: Morgen eier.
Anſprache des Pfarrers, Pfeiffer, Berlin=Tempelhof. O. Anſchl.:
Glockengeläut des Berliner Doms. O 11.30: Platzmuſik des
Kosleck=
ſchen Bläſerbundes. Leitung: Obermuſikmeiſter i. R. Gleue. o 14:
Funkheinzelmanns Singſtunde. o 15: Jens Lützen: Wie
ent=
wickelt man ſeine Negative ſelbſt in der Sommerfriſche ohne
Dunkel=
kammer. 15.30: Mitteilungen und praktiſche Winke für den
Landwirt. 0 15.55: Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. Appel: Krankheiten
der Futterpflanzen. 0 Ca. 16.30: Uebertragung des Endſpiels um
die deutſche Fußballmeiſterſchaft. O Anſchl.: Unterhaltungsmuſik.
Kapelle Gebr. Steiner. 0 18.30: Emy von Vogelſang: Von Frauen
und Müttern großer Männer. 0 19: Albert Bockelmann: Der
Deutſche und ſein Wild. O 20.10: Langenberg: Der alte Papa
konzert mit Klavier. Sinfonie in Ddur. 0 22: Berlmn: Preſot
nachrichten. O 22.39 Tanmuſik, Kapelle Gerhard X fimam.
Nummer 209
Sonntag, den 29. Ju
Vom juvbeutſchen Provurtenitartt.
Angeſichts überreichlicher Vorräte aus Weizen alter Ernte in den
überſeeiſchen Ländern und der allgemein günſtigen Ausſichtem für die
neue Ernte ſetzte ſich in der Berichtszeit der ſeit Mai zu beobachtende
Preisrückgang für Weizen in vevſtärktem Ausmaße fort. Der Anfang
der laufenden Woche brachte eine Ermäßigung der Forderungen der
freien nordamerikaniſchen Ablader um rund einen halben Gulden für die
100 Kg. und ſelbſt der bisher ſtets zurückhaltende kanadiſche Weizenpool
vermochte ſich dieſer Abwärtsbewegung nicht mehr entgegen zu ſtemmen.
Da man Weizen ſchon vor einiger Zeit als billig anſah und
ver=
ſchiedentlich kaufte, kommen jetzt meiſt nur Käufe zuſtande, die der
Er=
zielung eines billigeren Durchſchnittspreiſes oder wärklichem
Dechungs=
bedürfnis entſprechen. Geſchäft vollzog ſich faſt vur in Manitoba I,
Oktober=November, zu 13,50 hfl., (1 holl. Gulden — 1,6840 RM.);
des=
gleichen II., Oktober=November, zu 13,15 hfl., und in III., Auguſt=
Ab=
ladung, zu 12.20 hfl., die 100 Kg. eif Seehafen; andere Weizenſorten
wurden kaum gehandelt. Muſter inländiſchen Weizens neuer Ernte aus
der Vorderpfalz zeigen ſehr ſchöne, aber noch nicht mahlfähige Ware, die
erſt aurszutrocknen hat. Auch die bis jetzt bemuſterten neuen
Rog=
gen wus der Pfalz und Rheinheſſen zeigen hohe Naturalgewichte und
laſſen glänzenden Ausfall erwarten. Man hofft darauf, daß in Mittel=
und Norddeutſchland ähnliche Beſchaffenheiten erzielt und hereingebracht
werden können ud daß danm eine ſtärkere Exportbewegung einſetzt.
Dies würde den ſüddeutſchen Roggenwarkt und damit indirekt auch den
Weizenwarkt entlaſten, denn die bisher gebotenen Preiſe von 24,50—25,00
Reichsmark für den Doppelzentner neuen Weizen oder Roggen erſcheinen
den Landwirten als unmöglich; nach einer Index=Berechnung würde
ihnen dabei keinerlei Nutzen bleiben. Es iſt aber feſtzuſtellen, daß ſich
ein Verkaufsgeſchäft noch nicht entzwickelt hat. Für Mehl wurden die
Forderungen ermäßigt, ſo daß heute ſüddeutſches Weizenmehl, Spezial
Null, 34,75—35,00 RM. (Vorwoche 35,75—36,00), ſüddeutſches
Roggen=
mehl 35,75—36,75 (36,75—38,00) RM., die 100 Kg., mit Sack, ab Mühle,
koſtet. Obwohl der Umſatz des Handels an die Verbraucher ſehr klein
blieb, ſſcheint die Handelskundſchaft nach den Beobachtungen der Mühlen
ihre Engagements „nach unten” jetzt doch großenteils gelöſt zu haben.
Im Verhältnis zur jetzigen Jahreszeit bezeichnen die Mühlen den Abruf
als leidlich. Nach den vorgelegten Muſtern von Gerſte neuer Ernte,
die ſehr ſchöne Farbe zeigen, haben Abſchlüſſe noch immer nicht
ſtattge=
funden. Die zwiſchen 25 und 26 RM. liegenden Anfangspreiſe, erſte
Koſten ab Produzentem, können nicht als maßgebend angeſehen werden.
Hafer etwas ſchwächer, aber ohne drängendes Angebot. Für die
wei=
tere Entwicklung dieſer viel Feuchtigkeit benötigenden Frucht, wird bei
Forkdauer der Hitze gefürchtet. Die Trockenheit in den Donauländern
wirkte befeſtigend am Maismarkt. Verlangt wurden für in
Mann=
heim disponiblen Plata=Mais, gegen Bezugsſchein, 24,75 RM.,
waggonfrei Mannheim; lieferbar in 14 Tagem, 24,50 RM.; für im
Seehafen angekommene Ware 12,10 hfl., eif (fracht= und
verſicherungs=
frei) Mannheim. — Am Futtermittelmarkt erhielt ſich wegen
der Befürchtungen, für verſchiedene Beifutterarten, bei Fortdauer der
Hitze, Feſtigkeit. Frankreich hat bereits aus der Schweiz und Italien
größere Poſten Futtermittel auf Lieferung abgeſchloſſen, neuerdings
kamen aber auch aus Norditalien Meldungen über Umvetterſchäden und
große Diirre, weshalb die Verkäufer Zurückhaltung beobachten.
Oel=
haltige Futtermittel und Trockenſchwitzel aus neuer Campagne ſind im
Preiſe geſtiegen, prompte Trockenſchnitzel nicht angeboten; für kleine
Neſtpartien werden 20 RM., die 100 Kg. ohne Sack, verlangt, während
neue italieniſche Trockenſchnitzel, mit Sack, 19 RM., deutſche
Trocken=
ſhnitzel aus kommender Campagne 13,50—14,00; Biertreber und
Malz=
keime 18,00—12,50 RM., die 100 Kg., koſteten. Je nach Qualität ſtellten
ſich Weizennachmehl auf 19,75—22,00 RM., Futtermehl auf 16.50—17,25
RM. und mittelgrobe Kleie, prompt, auf 14,00 bis 14,20 RM., die
100 Kilogramm.
*
Vom füddeutſchen Tabakmarkt. Von den Niederſchlägen der letzten
Woche haben die neuem Tabake Nutzen zu ziehem vermocht, es wäre jetzt
aber weiterer Regen ſehr erwünſcht. In einigen heſſiſchen Orten
zeigten ſich kranke Pflanzen. In der Pfalz ſind in dieſem Jahre für
die Röhrentrocknung Anlagen in Neuhofen, Waldſee, Jggelheim,
Haß=
loch, Hanhofen, Harthauſen, Schwegenheim, Geinsheim ud Erlenbach
in Ausſicht genommen. In Mittelfranken werden wegen einer
ſolchen Anlage noch Unterhandlungen gepflogen. Es iſt beabſichtigt, den
Tabak für die Röhrentrocknung grün zu verkaufen. Nach Schätzung von
maßgebender Fachſeite rechnet man mit einer um ein Drittel größeren
Tabakanbaufläche von 12000 Hektar gegen 9000 Hektar im Vorjahre.
Falls die Felder von Hagelſchlag verſchont bleiben, nimmt man das
Ergebnis mit etwa 450 000—480 000 Zentner und den Wert mit etwa
20 000 000 RM. im Ausſicht. Die Umſätze in vorjährigem Tabak und in
ſolchem älterer Jahrgänge blieben belanglos, zumal die Ia Schneidegut=
Tabake faſt vollſtändig verkauft ſind. Rippen zu bisherigen Preiſen
geſucht.
Berliner Produktenbericht vom 23. Juli. Das Getreidegeſchäft am
hieſigen Platze war bei Wochenſchluß; ziemlich ruhig, da auch das Aus
land nur wenig Anregung hot. Infolgedeſſen zeigten auch die Preiſe
für Weizen nur wenig Veränderung, nur Julilieſerung mußte im
Kurſe 1 Mark n=chgeben. Für Roggen war durch die augenblickliche
Unſicherheit des Werters das Angebot aus den Provinzen
zurlickhal=
tender. Nach der Küſte kam manches zum Umſatz, während die Gebote
der Mühlen meiſt nicht akzeptiert wurden. Im Zeitgeſchäft ſtellte ſich
vordeve Lieferung etwa 0,50 Mk. feſter. Von Gerſte war vermehrtes
Angebot in Wintergerſte zu nachgiebigeren Preiſen bei, ſchwierigem
Geſchäft am Markt. In Scmmergerſte ſind trotz der guten Oualitäten
noch ni ln viel Umſätze getätigt worden. Hafer ruhig, die Preiſe wenig
verändert. Mehl ruhig.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Berliner Liquidationskurſe per ultimo Juli 1928. Die Berline
Börſe ſtand auch noch in den letzten Wochen vollkommen im Zeiche
einer ausgeſprochenen Geſchäftsſtille, die eine weitere Abfchwächung de
Kursniveaus zur Folge hatte. Ein Vergleich der Ultimo=Juli=Liqui
dationskurſe mit denen per medio Juli zeigt, daß ſich dns Kursniveg
im allgemeinen um 5 bis 6 Prozent erniedrigt hat. Teilweiſe betruger
die Kursrückgänge ſogar bis 9 Prozent und darüber. Die größte Ab
ſchwächung erfuhren Polyphon=Aktien auf Grund widerſprechendſte
Nachrichten über das kommende Bezugsrecht, die um 73 Prozent zurüg
gegangen ſind. Verein. Glanzſtoff verloren 30 Prozent im Zuſammer
hang mit der Rüchwärtsbewegung der Loewenſteinwerte an den an
ländiſchen Börſen. Auch Tietz waren 20 Prozent niedriger
Es folgen dann Weſteregeln, die einen Kursverluſt von 16 Prozen
aufweiſen. Nur wewige Werte konnten eine Kursbeſſerung
erzielen, ſo Gesfürel und Oberkoks, die auf angebliche Aus
landskäufe 3 bzw. Prozent gewinnen konnten. Im einzelnen ſtelle
ſich die Liquidationskurſe wie folgt: „Allgeneine Deutſche Kredit 1
(138), Barmer Bank 142 (144), Bayeriſihe Hypothekenbank 161 (162.
Berliner Handelsgeſ. 277 (280), Commerz= und Pmvatbank 181 (185
Danat 262 (271), Deutſche Bank 162 (164), Disconto 157 (161
Dresdnerbank 163 (165), Mitteldeutſche 200 (204), A.G. für Verkehrs
weſen 184 (131), Deutſche Reichsbahn 95 (95), Hapag 162 (164),
Ha=
burger Hochbahn 78 (79), Hamburg Sud 194 (201), Hanſa Dampf 19
(203), Nordland 153 (155), A.E.G. 170 (172). Bergmann 191 (197
Bl. M. Scwartzk. 116 (122), Buderns 80 (83), Charl. Waſſer 127 (127)
Comp. Hiſp. 565 (585), Cont Caoutch, 138 (140), Daimler Benz 10
(107), Dt. Cont. Ga3 190 (198), Dt. Erdöl 132 (137), Dt. Linoleum 3'
(390), Dt. Maſchinen 54 (57), Dynamit Nobel 122 (123), Elektr. Li
ferungen 163 (168), El. Licht u. Kraft 213 (213), Eſſenev Steinkohl
117 (121), Farbeninb. 257 (259), Feldmühle 243 (261), Felten u. Gni
130 (129), Gelſenk. 131 (136), Gesfürel 254 (251), Goldſchmidt 92 (961
Hamburg Elektrik. 155 (158), Harpener 145 (150), Höſch 126 (131),
Ho=
uann 138 (145), Ilſe 240 (244), Kali Aſchersleben 245 (253), Karſta
216 (224), Klöckner 118 (123), Köln Neueſſen 123 (128), Loewe 227 (231)
Mannesmann 129 (131), Mansfeld 108 (110), Metallbank 143 (140)
HAG. 78 (86), Nordd. Wolle 208 (214), Oberbedarf 101 (105), Oberkok
117 (113), Orenſtein 120 (121), Oſtwerke 301 (306), Phönix 89 (90)
Polyphon 490 (563), Rhein. Braunkohlen 166 (284), Rhein. Elektr. 14
(150), Rheinſtahl 136 (147), Riebeck Montan 150 (153), Rüttgers 9
(97), Salzdetfurt 426 (445), Schleſ. Elektr. B. B36 (245), Schubert u
Salz. 347 (366), Schuckert 192 (199), Schultheiß 336 (345), Siemens 35
(863), Thür. Gas 160 (168), Tietz 245 (265), Transradio 148 (150), Ver
Olanzſt. 587 (617), Ver. Stahlw. 92 (95), Weſteregeln 245 (261), Zelt
ſtoff Waldh. 240 (301), Otavi 47 (51); Dividendenabſchläge ſeitz der letz
ten Liquidation: „Rhein. Braunk. 9 Prozent (am 26. 7.) Rheinſtah
5,4 Proz. (am 16. 7.), Otavi gB Mark (am B. 7.).
Die neuen Stickſioffpreiſe.
Das Stickſtoffſyndikat hat kürzlich die für das neue Düngejahr
gel=
tenden Preiſe bekanntgegeben. Dieſe Preiſe beziehen ſich auf je 1 Kg.
Reinſtickſtoff in den einzelnen Düngemitteln und ſind ſo geſtaffelt, daß
ein Anreiz zu möglichſt frühzeitigem Bezug gegeben werden ſoll. Für
den Bezug im Sommer und im Herbſt liegen die langſam anſteigenden
Preiſe weſentlich niedriger als für das nächſte Frühjahr.
Zu unterſcheiden ſind mehrere Gruppen: Schwefelſaures Ammonink,
gleichwertig mit Leunaſalpeter, Kaliammonſalpeter und Harnſtoff, ferner
Kalkammon und Kalkſtickſtoff. Der Preis für ſalzſaures Ammon
ver=
läuft faſt genau ſo wie der von Kalkſtichſtoff.
Für Natronſalpeter und Kalkſalpeter ſind die Preiſe zunächſt nur
„bis auf weiteres” angegeben, und zwar wit 1,B bztv. 1,13 Mk. für das
Kilogramm Reinſtickſtoff. Ebenſo ſind für die verſchiedenen Nitrophoska=
Sorten die Preiſe mit 21,50 bis 26,00 Mk. für 100 Kg. Ware nur bis
auf weiteres gültig.
Sämtliche Preiſe verſtehen ſich bei Bezug ganzer Wagenladungen
frei Bahnſtation des Verbrauchers.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 25. Juli 1928. Die auf
den Stichtag des 25. Juli berechnete Großhandelsindexziffer des
Stati=
ſtiſchen Reichsamts iſt gegenüber der Vorivoche von 141,0 auf 141,4 oder
um 0,5 v. H. geſtegen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer
für Agra=ſtoffe infolge geſtiegener Preiſe für Vieh und Vieherzeugniſſe
um 1,6 v. H. auf 137,5 (135,3) angezogen. Die Indexziffer für
Kolo=
nialwaren iſt um 1,1 v. H. auf 134,0 (137,4) zurückgegangen. Die
Indexziffern für induſtrielle Rohſtoffe und Halbfabrikate und für
indu=
ſtrielle Fertgwaren weiſen mit 134,7 (134,8) und mit 159,5 (159,6) einen
leichten Rückgang auf.
Kohlenproduktion des Deutſchen Reiches im Monat Juni 1928.
Nach der offiziellen Statiſtik iſt im Monat Juni die
Steinkohlenerzeu=
gung gegenüber dem Mai zurückgegangen, dagegen hat ſich die ſonſtige
Kohlenproduktion etwas erhöht. Es wurden prodnziert an Steinkohlen
11833 441 (11931 733) To., Braunkohlen 13 241 08 (12963509) To.,
Koks 2745 864 (2738 216) To., Preßkohlen aus Steinkohlen 390 633
(375 062) To., Preßkohlen aus Braunkohlen 3 488 293 (3 186 965) To.
In den Monaten Januar bis Juni 1928 iſt die Steinkohlenproduktion
im Vergleich zum Vorjahre annäheend gleich geblieben, dagegen konnte
die Braunkohlenproduktion um faſt 8 Millionen Tonnen geſteigert
werden.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 15. bis 21. Juſi im Nuhrgebiet in ſechs
Ar=
beitstagen 2145 852 To. Kohle gefördert gegen 2 189 656 To. in der
vorhergehenden Woche bei ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die
Koks=
erzeugung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche auf 554 922
Tomen gegen 562679 To. in der Vorwohe, die Preßkohlenherſtellung
auf 64912 To. gegen 59 794 To. n ſechs Arbeitstagen. Die
arbeits=
tägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 15. bis 21. Juli
375 642 To. gegen 364 943 To. in der vorhergehenden Woche. Die
täg=
liche Kokserzeugung ſtellte ſich auf 79 275 (80 383) To., die
arbeitstäg=
iche Preßkohlenherſtellung auf 10 819 (9866) To. Wegen
Abſatz=
mangels wurden in der Berichtswoche 74 226 (arbeitstägbich 12 371)
Feierſchichten eingelegt gegen 50 222 (8370) in der Vorwoche.
Neue Fahrpreisermäßigung auf ausländiſchen Eiſenbahn= und
Schiffahrtsſtrecken für Leipziger Meßbeſucher. Zu den bereits
bekannt=
gegebenen ausländiſchen Eiſenbahnen, cif denen den Beſuchern der
Leipziger Herbſtmeſſe 1928 Fahrpreisermäßigungen bewilligt wurden,
ſind jetzt noch die rumäniſchen, litauiſchen, türkiſchen und griechiſchen
Eiſenbahnſtrecken getreten. Ferner wird den Leipziger Meßbeſuchern
eine Fahrpreisermäßigung auf den Schiffahrtslinien Reval—Stettin
und Mohgcs—Wien gewährt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, B8. Jubi. (Prib.=Tel.)
Baumwolle: Am Baumwollmarkt bewegte ſich das Geſchäft in
ruhi=
gen Bahnen. Anfänglich war die Tenden; ſchwach, da Nachrichten aus
Liverpool verſtimmten und angekündigte Ausſperrungen in den
Baum=
wollſpinnereien von Lancaſhire auf das Preiswibeau drückten. Ein
weiteres Baiſſemoment war die Ausſicht auf günſtiges Wetter im Oſten
des Landes. Im Verlaufe trat dann auf Wochenſchlußdeckungen und
Käufe New Orleanſer Firmen wieder eine Erholung ein, zumal, da ſich
das Angebot in engen Grenzen hielt. Im wittleren Teile des
Anbau=
gebietes ſind Regenfälle niedergegangen, während für den öſtlichen
Teil des Baumwollgürtels Regenſchauer vorhergeſagt werden.
Fettwaren: Der Fettwarenmarkt verkehrte in überwiegend
ſchiva=
cher Haltung, da die niedrigeren Meldungen aus Liverpool und die
vermehrten kontraktmäßigen Andienungen per Juli auf das Kursniveau
drückten.
Weizen: Nach der geſtrigen Abſchwächung erfolgte am heutige
Weizenmarkt zum Wochenſchluß wieder eine Erholung. Anfängli
zogen die Preiſe wieder etwas an, da die Wetterwarte für den Stac
Süddakota Regen in Ausſicht ſtellt und ſich in den Golfhäfen eini
Exportnackffrage für Hartwinterweizen bemerkbar marhte. Sodan
kam es vorübergehend zu einem leichten Rückgang der Preiſe, da er
hebliche Bahnzufuhren ron Wintewweizen erfolgten, doch griff ſpät
erneut eine feſtere Stimmung Platz, da die ſtetigere Verſaſſung der nord
weſtlichen Markte eine Anregung bot.
Mais: Der Maismarkt ſetzte auch zum Wochenſchluß ſeine Auf
wärtsbewegung weiter fort. Häuſe: an der Seeküſte tätigten Käuf
per September und Dezember. Ferner ſtimulierten die Meldunger
aus Enropa, nach welchen ſich der Ernteſtand in Südeuropa in ſchnellen
Moße verſchleclitere. Auch die Erhöhung der Offerten für ausländi
ſchen Mais in Lirerpool um 1½ Cents verfehlte ihren Eindruck nicht
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 28. Juli
Getreide. Weizen: Juli 120½, Sept. 12234, Dez. 127½
Mais: Juli 112½, Sept. 98½, Dez. 79½; Hafer: Juli 45½
Sept. 3934, Dez. 4278: Roggen: Juli 102, Sept. 104½, Dezem
ber 106½.
Schmalz: Juli 12,30, Sept. 12,45, Okt. 12,62½, Dez. 12,65.
Fleiſch. Rippen: Juli und Sept. 14,12½, Okt. 13,85; Speck
loko 14,37½; leichte Schweine 9,85—11,35, ſchwere Schweine 10,3,
bis 11,25; Schweinezufuhren: Chicago 5000, im Weſten 25 00
Baumwolle: Oktober 20,/44, Dezember 20,42.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 28. Juli=
Getreide. Weizen: Rotwinter 152½, Hartwinter 132½; Mais,
neu ank. Ernte 118½; Mehl, ſpring wheat clears 6,00—6,50
Fracht: nach England 1,3—20 Schilling, nach dem Kontinent 7
bis 8 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 13,05; Talg, extra, loſe 8½
Kakav. Die Kakgohörſe war heute geſchloſſen.
Der Kommunal=Giroverkehr im Mai 1928
Die ſtatiſtiſche Erfaſſung des Kommunalgiroverkehrs, d. i. dö.
Giroverkehr der im Deutſchen Sparkaſſen= und Giroverband zuſamme=s,
geſchloſſenen Spar=, Girokaſſen, Kommunalbanken, Girozentralen un
Landesbanken, wird durch die große Menge der kontenführenden Ste=t
len (zirka 3400) beſonders erſchwert; bisher iſt darum nur der
int=
lokale Giroverkehr, d. h. der Verkehr, der zwiſchen verſchiedens,
Orten durch Vermittelung der Girozentralen ſtattfindet, ſtatiſtiſch e
mittelt worden. Die Ergebniſſe ſind für den Monat Mai die fwo
genden:
Monatsziffern Tagesdurchſchnittsziffenn
Stück Betrag
Stiick Betrag:
(in Tſd.) (Mill. RM.) (in Tſd.) (Mill. RM0
I. Reiner interlokaler Kom=
munalgiroverkehr
Gem. komm. Giroverkehr
a) Eingang der Rbk. und 1 126,8 45,1 47,5 ſonſt. Abre hnungsſtell. 33,7
Ausganz d. Rbk. und 982,8 14 42,3 ſonſt. Abrechnungsſtell. 116,9 357,0 b) Eingang durch Poſticheck 51,9 111,2 Ausgang durch Poſtſcheck 66,4 46,5 2 insgeſamt 1 335,3 26243 G.
Der ſehr erhebliche Ueberweiſungsverkehr am Platze der einzer
nen Giroſtellen (Sparkaſſen, Girokaſſen, Kommunalbanken) iſt in dieſen
Ziffern alſo nicht enthalten. Im gemiſcht=kommungle
Giroverkehr werden diejenigen Ueberweiſungen erfaßt, die bei den
Girozentralen über Reichsbank (Abrechnungsſtellen) oder Poſin
ſcheck ein= und ausgehen. Die verhältnismäßig hohen Beträge dieſei
Ueberweiſungen erklären ſich vor allem aus dem Geldgeſchäft deu
Girozentralen, das faſt in allen Fällen über den Reichsbankgiroverkehl
abgewickelt wird.
Die Entwicklung des Kommunalgiroverkehrs ſeit 1925 geht aus ders
folgenden Ziffern hervor, wobei der Beurteilung beſſer die Stück=
al=
die Betragszahlen zugrunde gelegt werden:
Stück
Betrag
(in Tauſend) (in Mill. RM.)
Jahr
„ 8 761
17 260
1925
9205
22 144
1926
13 080
26 641
1927
Beachtenswert iſt im übrigen die ziemlich konſtante Durchſchnittz,”
höhe einer Ueberweiſung im reinen Kommunalgiroverkehr, d. h. einenr
Ueberweiſung, die je einem Kommunalgirokonto gut= oder laſtgeſchrieben
wird. Der Durcſcnittsbetrag belief ſich auf:
. . NM. 1 120
925
1170
1926
„ 1010
1927
Schätzung der landwirtſchaftlichen Produktiom
des Jahres 1928 in den Vereinigten Staaten.
Nach einem Bericht der amerikaniſchen Regierung an das Interap
nationale Landwirtſchaftsinſtitut in Rom über die neuen Schätzungenn
für Winterweizen und Roggen ſowie die Ernteausſichten für die ande==t
ren landwirtſchaftlichen Produkte während des laufenden Jahres er=n
wartet man mit Ausnahme des Hafers und der Kartoffeln für dieſes8
Jahr niedrigere Quantitäten als im vorigen Jahre. Die neue 7
Schätzung der Winterweizenernte iſt beſſer im Vergleich zu der Enden
Juni vorgenommenen Schätzung; ſie beträgt jetzt 148 Millionen
Dob=
pelzentner, bleibt aber um 1,5 Prozent unter den Zahlen vom letztenn
Jahre. Die Schätzung des Frühlingsweizen zeigt eine ſehr geringe 3
Produktion von 69 715 000 Doppelzentner, d. h. 20 Prozent unter der 7
Ernteziffer des vergangenen Jahres. Die Verminderung der
Produk=
tion iſt noch bedenklicher, wenn man die Erweiterung um etwa 5
Pro=
zent der Anbaufläche in Betracht zieht.
Die neue Schätzung der Roggenernte beträgt 9 980 000
Doppel=
zentner, d. h. etwas mehr als bei der Schätzung im vorigen Monat,
aber weniger als die Ernte im vergangenen Jahre, von der ſie nur 7
67 Prozent darſtellt.
Der Hafer iſt auf 191 610 000 Doppelzentner geſtiegen, gut 10 Pro5
zent mehr als im vergangenen Jahre. Dieſe Vermehrung iſt deſto be
merkenswerter, als die Anbaufläche praktiſch die gleiche geblieben iſt,
als im Jahre 1927.
Die Maisernte wird auf 694 874 000 Doppelzentner geſchätzt, d. h.
2 Prozent weniger als im vergangenen Jahre. Der Reis wird auf
7 235 000 Doppelzentner geſchätzt, alſo 12 Prozent weniger als im vers
gangenen Jahre.
Die Kartoffeln weiſen eine Vermehrung um 10 Prozent auf, die /
Produktion wird auf 120 471000 Doppelzentner geſchätzt. Die
Er=
höhung der Produktion ſteht im genauen Verhältnis zur Erweiterung 1
der Anbaufläche.
Die Zuckerrüben ſind mit 61 308 000 Doppelzentner um 13 Prozen 1
zurückgegangen. Die Tabakproduktion wird auf 5 950 000 Doppelzentner
geſchätzt, d. h. 6 Prozent mehr als im Jahre 1927.
Die Hopfenernte bleibt mit 134 000 Doppelzentner derjenigen des
vergangenen Jahres gleich.
Der Leinſamen ſteht um 19 Prozent ſchlechter als im Jahre 1920.
Seine Produktion wird auf 5 451000 Doppelzentner geſchätzt. Me
Anbaufläche war um 3 Prozent geringer.
Metallnotierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin am 28. Juli ſtellten ſich für
100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt. Elektrolytkupſek
notiz) auf 139,75. RM.
Viehmärkte.
— Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am Samstaſ.
dem 28. d. M., wurden 351 Stück Schweine zugeführt. Verkauft wur.
den 978 Stück. Milchſchweine wurden verkauft von 7—14 Mark oe
Stück, Läufer von 12—45 Mark.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
In der Schokoladeninduſtrie ſind Beſtrebungen im Gange, die rſ
10 in einer Markenkonvention zuſammengeſchloſſenen führenden i.
men zu einer allgemeinen Preiskonvention zu verbinden. Es fon si
geſtrebt werden, die durch Ueberproduktion gedrückten Preiſe
Schokoladenwaren dem gegenwärtigen Preisniveau anzupaſſen. S
Verhandlungen geſtalten ſich jedoch infolge der großen Uebenehn
der Induſtrie ſehr ſchlvierig.
Die Eſſigſäureſteuer beträgt vom 1. Auguſt 1828 ab: 1. Für
Anrechnung auf das Betriebsrecht oder Hilfsberriebsrecht abgeferhn”
Eſſigſäure 49,40 RM., 2. für andere Eiſigſäur=, ſowie für Eſichlat.
und Eſſig, die aus dem Ausland eingeführt werden, 74,10 RM. für Le
Doppelzentner waſſerfreier Säure.
In Großburſchla (Thür.) ſoll demnächſt von einem Induſtrieio”
ſortium, deſſen Teilnehmer unbekannt ſind, eine neue Zementfaml."
richtet werden. Die Verhandlungen über den Ankauf von Grundſtu..
auf denen man geeignete Kalklager gefunden hat, ſind bereits ſede
ſchloſſen.
Die nach dem Tilgungsplan am 1. November 1928 zur Beiſe
zahlung gelangenden Stücke der 6prozentigen Mannheimer Kohlenw.
anleihe vom Jahre 1923 ſind von der Stadt freiwillig erworben "
den. Eine Verloſung findet demnach in dieſem Jahre nicht ſtal.
Der Indet der tſchechiſchen Großhandelspreiſe für den 1. Juli we.
i=
nach den amtlichen Erhebungen ein Sinken des Großhandelsple”
niveaus um 0,6 Prozent auf. Ein Sinken iſt hauptſächlich bei. L
Nahrungs= und Genußmitteln zu verzeichnen.
Eine Gruppe belgiſcher Kohleninduſtrieller hat im Gebien De”
Mons etwa 120 Hektar Terrain erworben, auf dem Werke zur dee
grbeitung der Kohlennebenprodukte errichtet werden ſellen.
Die britiſche Kohlenförderung ſtellte ſich i der am 14. Juli LS
beendeten Woche auf 4 309 700 To gegen 4 471 100 To. in der vorge‟
gehenden Woche. Die Zahl der Arbeiter ging gleichfalls von 944D
auf 907 000 zurück, während ſie in der am 23. Juli 1928 abgejgauſe.
Woche des Vorjahres noch 335 100 betrug.
Hrummer 209
Sonntag den 29. Jult 1928
SGeite 13
Mein Freund Harrt
Harr9 Liedtke’s beſier Film mit Maria Paudler
Band, aiu Tochter des Koräfenrins
Spenska=Reiſefilm von den Fidſchi=Inſeln.
Beginn der ersten Vorstellung um 3 Uhr, der ſetzten um 8½ Uhr
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Nummer 209
Sonntag, den 29. Juli 1928
Seite 15
Nas Spiel mit dem Tode.
Roman von Hans Schulze.
Nachdruck verboten.
Akls ſie gegen fünf Uhr in einem betont einfachen ſchwarzen
dnnkleide im Pfarrgarten erſchien, war ſie wieder ganz
Her=
inerer ſelbſt, verriet kein Zug ihres beherrſchten Geſichts etwas
poen ſeeliſchen Stürmen der letzten Nacht.
MMit gewinnender Liebenswürdigkeit begrüßte ſie die kleine
faegeſellſchaft, hatte für jedermann ein herzliches Wort, einen
mölichen Blick und ſaß dann in ihrer ganzen fremdartigen,
tu ken Schönheit neben der breiten Behäbigkeit des
Geburts=
ihndes an der Spitze der Tafel.
4Vährend ſie mit gutbemäntelter Zerſtreutheit einem
lehr=
dmm Vortrage des als Obſtzüchter berühmten Paſtors Gürtler
r: die Lebensgewohnheiten der Apfelſtecher lauſchte, gingen
Llugen unabläſſig ſuchend zum anderen Ende des Tiſches,
ſdch die Jugend in ſtillſchweigendem Einverſtändnis bereits
prrſchiedenen Gruppen formiert hatte.
Rennchen und Hannchen Warkentin teilten ſich geſchwiſterlich
2 Huldigungen der beiden Studenten, die mit blutrünſtigen
Serungen ihrer letzten Menſuren gleichermaßen ſchauerndes
hittzen wie ſcheue Bewunderung erregten.
Nöhnen gegenüber thronte der „Kugelblitz”, mit Fräulein
twe, in der weltentrückten Wortkargheit heimlicher Liebesleute,
eu: ſelbſt die vollendeten Leiſtungen Walter Ralffs als
Tier=
tmen= und Grammophonimitator kaum ein leiſes
Beifalls=
beum abzugewinnen vermochten.
Urm ſo unbekümmerter ſchwang dafür das luſtige Lachen Eva
zuffffs immer wieder über dem heiteren Geplauder der „ſüßen
” wie Walter Ralff ſeine nähere Umgebung ſofort getauft
ke.
Mit ſtrategiſchem Weitblick hatte er die Knauffſchen Mädchen
1A2laus und Lore um ſich zuſammengezogen und ihre Stellung
th. geſchickt verteilte Blumenſträuße und Kuchenteller gegen
feſ iche Beobachtungen von der Honoratiorenſeite nach Kräften
thert.
Mönfolgedeſſen war es auch Sibylle nur ſelten möglich, einen
X von Klaus, eine Linie ſeines Geſichts zu erhaſchen, und
denwenigen Blicke glitten ſo fremd und kühl an ihr vorbei, daß
ian der geheimen Qual ihrer verzweifelten Wünſche faſt zu
gochen meinte.
Xluf einmal war das ganze leidenſchaftliche Glücksbegehren
1s1 Herzens wieder in ihr wach geworden.
SSie hörte kaum, was Frau Paſtor Gürtler zu ihr ſprach, ſie
mmortete ſo ruhig und freundlich, aber ſo völlig mechaniſch, daß
zuweilen ſelbſt ganz erſtaunt auf den Klang ihrer eigenen
kire lauſchte.
hlnd ſie dachte immer wieder nur das eine, daß der Mann,
4 zäe liebte, kaum zehn Schritte von ihr getrennt und doch ſo
weltenſern mit jener anderen ſaß, die ihr all das genommen
hatte, wonach die fiebernde Sehnſucht ihres Blutes verlangte. —
Die Jugend litt es nicht lange in der beſchaulichen Muße
des Kaffeetiſches.
Die „ſüße Ecke” baute zuerſt ab und zerſtreute ſich in die
hin=
teren Teile des Gartens.
Dann lieferten auch Annchen und Hannchen Warkentin der
mißtrauiſchen Mutter ein geſchicktes Rückzugsgefecht und wählten
mit ihren Studenten die Richtung des Hühnerhofes, um angeblich
die beſcheidenen Merhwürdigkeiten der kleinen Landwirtſchaft des
Paſtorenhauſes in Augenſchein zu nehmen.
So kam es, daß ſich das angehende Brautpaar an der
verein=
ſamten Tafel bald ganz allein überlaſſen ſah und von Frau Paſtor
Gürtler freundlich gebeten wurde, mit den älteren Damen ein
wenig gemütlicher zuſammenzurücken.
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Die Herren hatten ſich bereits bei Rotwein und Zigarren
um den großen Steintiſch der Pfeifenkrautlaube zum Skat
ver=
ſammelt, während die treffliche Auguſte mit Mürbekuchen und
ihrem kulinariſchen Hauptſtück „Mohrchen im Hemd”, einem
Schokoladecreme mit Vanillenſoße, neue Verpflegungstruppen in
die Schlacht führte.
Frau Paſtor Warkentin kramte ihre unvermeidliche
Madeira=
ſtickerei heraus, zum Zeichen, daß nach den materiellen Genüſſen
nun weder die ſittliche Pflicht zur Arbeit in ihr Recht träte, und
erging ſich in belehrenden Ausführungen über die
wohlorgani=
ſierte, militäriſche Pünkulichkeit ihres Familienlebens.
Auch Frau Adminiſtrator Böbel, eine ſehr ſtille,
migräne=
leidende Dame mit einem Geſicht voll traurigen Lächelns,
glaubte hinter dem betonten Selbſtlob der Hauptrednerin nicht
zurückſtehen zu dürfen und ſteuerte allerlei Intereſſantes über die
Verbilligung der Kükenaufzucht und die Einkochzeiten von
Quittengelee bei, indes ſie ihrem ſchneeweißen Gebiß geradezu
erſtaunliche Mengen der ausgezeichneten Creme einverleibte.
So plätſcherte die Unterhaltung unter den Blutbuchen in
dem breiten Strom wirtſchaftlicher Alltäglichkeit denn bald
be=
haglich einſchläfernd dahin, während Sibylle mit dem Gefühl
eines in einer Falle gefangenen Tieres auf ihrem Ehrenplatz ſaß
und in kaum zu bemeiſternder Nervoſität die Finger immer
wie=
der ſchmerzhaft ineinander verkrampfte.
Der Pfarrgarten von Neudietersdorf war aus einem alten
Kloſtergarten hervorgegangen, der ſich mit vielen
Beeren=
ſträuchern und rieſigen Obſtbäumen in anſehnlicher Breite zu
dem ſanft anſteigenden Kirchberg hinaufzog und am Ende durch
die wehrhaften Baſtionen einer mannshohen Mauer
abgeſchloſ=
ſen wurde.
Von hier aus führte eine lleine Pforte ſogleich in blühendes
Wieſenland und reifende Roggenfelder.
Ferne Waldgehänge ſtanden dunkel geheimnisvoll in der
ſpäten Nachmittagsſonne.
Und dahinter grüßten die blauen Berge des Märchens,
hin=
ter denen die weite Welt liegt und die Wunder und Abenteuer
der Sehnſucht beginnen.
Klaus war mit Lore ein Weilchen an der Kirchhofsmauer
entlang gegangen, in deren locker gefügtem Geröllgeſchiebe ein
paar alte Holunderbäume ihre zähen Wurzeln tief hineingeſenkt
hatten, und wandte ſich dann mit ihr in das offene Land hinaus.
Allmählich verklangen das Geräuſch des Pfarrhofes und das
Lachen der Knauffſchen Mädchen, die ſich mit Walter Ralff um
einen mächtigen Findlingsblock am Abhang des Kirchberges
ge=
lagert hatten.
Nur ein paar Schwalben, die den verwitterten Turm des
kleinen Gotteshauſes unabläſſig umſchwankten, gaben ihnen mit
luſtigem Gezwitſcher noch ein Stück Weges das Geleit.
Und endlich waren ſie ganz allein und nichts um ſie her als
die große ſtumme Sommerpracht, über die die ſinkende Sonne
einen zitternden Schleier breitete.
Zur Rechten an dem Neudietersdorfer Wildgatter äſte mit
ſchaufelſchweren Köpfen ein Rudel Damwild; ein gewaltiger
Rot=
hirſch ragte drohend daneben, regungslos ſtarr aufgerichtet, in
königlicher Herrlichkeit.
Dann gingen ſie durch ein Birkenwäldchen, in dem die hellen
Stämme in ſchönen hohen Schlägen ſtanden, anmutig und ſchlank
wie blonde, junge Nordlandsmädchen.
Zuweilen flog ein Leuchten durch die zitternden Wipfel in
weißem Aufblitzen fernhin gleißender Waſſerbahnen.
Wie ein ſilberner Schild ſchimmerte der See durch das
Unter=
holz herüber in den wundervollen Schwingungen ſeiner Ufer,
von den Linien des duncklen Forſtes meilenweit umzogen.
Wie lange die beiden jungen Menſchen ſo welt= und
zeit=
entrückt dahingewandert waren, ſie wußten es nicht.
Es war ihnen wie ein verzaubertes Land, ſo voll Hoffnung,
voll Sehnſucht, voll Glück.
Sie gingen allmählich immer langſamer, und zuletzt ſprach
nur noch Lore, damit der Mann an ihrer Seite den ſtürmiſchen
Schlag ihres Herzens nicht hörte, das ihr zuweilen bis in den
Hals hinein zu klopfen ſchien.
Und dann verſtummte auch ſie, als ſcheue ſie ſich, die köſtliche
Stille dieſer heimlichen Stunde durch ein lautes Wort zu
ent=
weihen.
Ringsum der große Feierfrieden des Tages.
Immer tiefer ſpann ſich die Welt in Traum und Dämmerung.
Aus den Wäldern ſtieg der Abend langſam hernieder und
blieb noch einmal wie ſinmend am Ufer ſtehen.
Da hemmte Klaus endlich ſeinen Schritt und nahm das heiße
Geſicht des Mädchens in ſeine beiden Hände.
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Nummer 31
Jedem anderen Menſchen hätte ſein Volk, hätte die
ganze Welt verloren gegeben, wenn er für lange Wochen
im engeren Sichtkreis des ziviliſierten Kontinents verſchollen
wäre. Nur ein Noald Amundſen kann nicht ſang= und
klanglos verſchwinden. Kein Menſch kann ſterben wie ein
— Sterblicher, wenn er in der Gefühlswelt des Volkes zum
Begriff geworden iſt. Und Noald Amundſen iſt ein Begriff.
Wie war das beim Staufenkaiſer
Barba=
roſſa? Er ertrank doch elendiglich in den
hoch=
gehenden Wogen eines erbärmlichen
kleingſia=
tiſchen Fluſſes, vor vielen hundert Augen ſeiner
Getreuen. Aber gerade das ſchien dem Volke
unmöglich zu ſein. Ein Barbaroſſa ſollte
er=
trinken, ganz profaiſch ertrinken wie irgendein
beliebiger namenloſer Landſtreicher?
Unmög=
lich! Die Chroniſten verzeichnen wohl ſeinen
Cod. Das war alles!. Das Volk ließ ihn
wei=
terleben —
Wir leben nicht im Mittelalter und Noald
Amundſen iſt kein Barbaroſſa. Aber die
ge=
fühlsmäßige Einſtellung der großen Maſſe zu
einer überragenden Perſönlichkeit iſt die gleiche
geblieben. Sie braucht ſich nicht ins Neich des
Muthos zu verlieren. Sie zieht aus bekannten
Catſachen nur ihre Folgerungen auf die
unbe=
kannten. Sie iſt in ihren Gedankengängen
eigentlich abſolut nüchtern. Es iſt ja nicht ein
x=beliebiger Menſch, ein „unbeſchriebenes
Blatt”, an deſſen Ausgelöſchtſein ſie nicht
glauben will. Es iſt ja wirklich ein Mann, der
mehr als einmal beweiſen konnte, daß man mit
ſeiner Energie und ſeiner Sähigkeit wirklich als
mit gegebenen Größen zu rechnen hat.
Amundſen iſt aus einem Holz geſchnitzt, das
ſeine Unverwüſtbarkeit an ganzen Geſchlechtern
bewieſen hat. Ein Volk, deſſen ganzes
geſchicht=
liches Daſein ein einziger zäher Kampf gegen
die Elemente iſt, vererbte ihm die
charakte=
riſtiſchſten Merkmale ſeiner Naſſe: das glühende
Cemperament, das nicht — wie beim „ſüdlichen
Feuer” — bei geringſten Anläſſen ziſchend
ver=
pufft, ſondern nur dann zum Ausbruch kommt,
wenn es bei wirklichen Caten als Antrieb
wirken darf. Als Amundſen, der 1872 in Borje
geboren wurde, noch ein Knabe war, hatten
ſchon norwegiſche Landsleute, wie der große
Srithjof Nanſen, den neuen Begriff des
Hel=
dentums im Kampf wider die Gewalten der
Polarregionen geprägt, es gab ſchon für den
heißblütigen Jungen keine andere Sehnſucht als
die, es einem Nanſen gleichzutun, und von
ſol=
chen erſten träumeriſchen Gedanken und
Hoff=
nungen führte ein gerader, niemals beirrter
Weg zur erſten Cat und in weiterer Folge zum
erſten Forſcherruhm, bis der Name des nun
greiſen Necken ein Begriff, ſeine Geſtalt ein
National=
heiligtum der Norweger wurde.
Der alte Nanſen, deſſen überragende Bedeutung als
Forſcher unbeſtritten iſt, ſtand immer in einſamer Höhe über
den Sympathien der Maſſe, von ſeiner zähen, kühlen
Wiſſenſchaft führen nur wenige Brücken zu den primitiven
Inſtinkten, aus denen heraus die Popularität ſeiner
Er=
ſcheinung entſteht. Amundſen iſt beweglicher, munterer, man
möchte ſagen: menſchlicher. Er hat ſeine Fehler, die
menſch=
lich verſtändlich ſind, ſeinen glühenden Ehrgeiz, ſeine
ſport=
liche Freude an der Leiſtung, ſeine Launen. Gerade das
hat ihn zum Liebling Aller gemacht. Mit ſeinen Schwächen deckung des Pols. Damit war Amundſens Nuhm begründet.
ankert er im Volke, über ſeine Schwächen geht das Ver= Seit jener Seit iſt dies kühngeſchnittene Antlitz mit den
ſtändnis der großen Maſſen zu ſenen großen Caten, die durch glühenden Augen unter buſchigen Brauen Allgemeingut des
die Aktiva ſeines Charakters bedingt ſind.
ßen Sportmannes noch unbekannt war, bereits den Su= rungszug ausgehen. Mit Nanſens alter „Fram” ſollte der
kunftstyp dieſer kommenden Menſchengattung dar, und das
Volk bewies, indem es ihm zujubelte, einen ſicheren Inſtinkt.
Er war zweifellos zuerſt Sportsmann, dann erſt Forſcher,
beides aber mit einer ſchlechthin unüberbietbaren
Voll=
kommenheit.
Als Fünfundzwanzigjähriger nahm er an der belgiſchen
Südpolexpedition teil, nachdem er ſchon durch verſchiedene
Caten im engeren Gebiet der Heimat ſeinen Ruf als
glän=
zenden Skifahrer und zähen Eiswanderer begründet hatte.
Aber ſein Ehrgeiz erlaubte es ihm nicht, unter der Leitung
anderer zu ſtehen. Er wollte es einem Nanſen gleichtun,
nein, er wollte höher hinaus: der Name Amundſens ſollte
für ewige Seiten mit der Entdeckung des Nordpols
ver=
bunden ſein. Der erſte Stoß verfehlte ſein Siel. Von 1903
bis 1905 kreuzte ſein kleiner Kutter, die „Gföa”, im
Eis=
meer. Den Pol erreichte ſie nicht, aber ſie erzwang zum
erſten Male die Nordweſt=Paſſage — wahrlich ein Erfolg,
der wiſſenſchaftlich höher zu bewerten war als die
Ent=
norwegiſchen Volkes. Nach zwei Jahren ſchon konnte er
Amundſen ſtellte zu einer Seit, da der Begriff des gro= mit ſtaatlicher Unterſtützung an einen neuen großen Erobe=
Pol erreicht werden. In die Vorbereitungen platzte die
Nachricht, daß der amerikaniſche Admiral Peary den
Nordpol entdeckt hatte. Jetzt zeigte ſich bei den
Polar=
kämpen der Sportgeiſt: er warf den ganzen Expeditionsplan
über den Haufen und zog aus, den Südpol zu erreichen.
Hier konnte er noch Erſter werden! Am 14. Dezember 1911
pflanzte er mit eigener Hand die norwegiſche Flagge auf
dem ſüdlichſten Punkt des Erdballs auf. Der
Krieg unterbrach die Forſchungsarbeit. Hier
ſchiebt ſich jene Epiſode ein, die man ihm in
Deutſchland nicht ſo raſch vergeſſen konnte: er
ſandte alle deutſchen Orden, die er erhalten
hatte, zurück. Später hat er das tief bereut.
Sein Cemperament war mit ihm durchgegangen.
Nirgends auf der Welt, außer in ſeiner
en=
geren Heimat, hat man ſeinem Werk und ſeiem
Charakter mehr Verſtändnis entgegengebracht
wie gerade in Deutſchland.
Die Jahre 1919 und 1922 ſehen ihn
wiede-
rum im Nordpolbecken, diesmal auf einem
eigenen Schiff — der „Maud”. Beide Male
verſuchte er vergeblich, zum Pol vorzudringen.
Da mag er ſich entſchloſſen haben, die
Hinder=
niſſe auf dem Luftweg zu bezwingen. Mit einem
Unternehmungsgeiſt, der bei dem alternden
Mann überraſchen mußte, unternahm er ſchon
1925 den erſten Flugverſuch von Alaska aus.
Die Maſchine überſchlug ſich ſchon beim Start.
Er ſelbſt geriet in finanzielle Bedrängnis, eine
Flut von kleinlichen Sorgen ſchlug über ihm
zu-
ſammen. Aber: ſchon im Mai 1925 ſtartete er
wiederum, diesmal von Kingsbay aus, mit zei
Dornier=Walen, zum Pol, neuerdings von
Mißgeſchick verfolgt. Wegen Motordefekts an
einer Maſchine mußte er 80 Kilometer vor dem
Siel niedergehen. Jaſt einen Monat lang blieb
er verſchollen, die Welt gab ihn auf, nur die
Heimat hoffte. Und mit Necht! Die eine
Ma=
ſchine kehrte mit voller Mannſchaft wieder
zurück. Sofort ging er mit ſeinem Freunde, dem
Amerikaner Lincoln Ellsworth, an die nächſte
Expedition heran.
Sie kauften das italieniſche Luftſchiff N. 1.
das den Namen „Norge” erhielt, engagierten
den Oberſten Nobile als Piloten und flogen im
Mai 1926 von Kingsbau über den Pol nach
Celler auf Alaska. Es kam zu ſchweren
Zer=
würfniſſen mit dem arroganten, unfähigen
Ita=
liener, und dieſer, über einen beſſeren
Propa=
gandaapparat verfügend, überſchüttete
Amund-
ſen vor aller Welt mit einer Flut von
Schmä=
hungen. Der alte Forſcher mußte den bitteren
Kelch bis auf die Neige auskoſten. Sogar die
eigenen Landsleute wandten ſich von ihm ab.
Er wartete ſtill und verbittert auf das Ende
ſeiner Cage.
Und da kam der Augenblick, da er aufs neue ausziehen
konnte.
Auf einem franzöſiſchen Flugboot der Cupe „Latham”
flog er aus, den Feind und Verleumder Nobile, der die
von Amundſen behauptete Unfähigkeit wahrlich auf
grauen=
volle Art bewieſen hatte, zu retten.
Er hat gehandelt, wie es die von ihm erwartet haben,
die immer an ihn glaubten.
Die gleichen Menſchen, die heute noch felſenfeſt überzeugt
ſind, daß er zurückkehren wird.
Amundſens Unſterblichkeit hat ſchon zu ſeinen Lebzeiten
begonnen. Er wird in den Herzen ſeiner Landsleute weiter
leben, mit der gleichen Intenſität, ob er nun eines Cages
wiederkehrt — oder nicht.
IaHEaEnnnnnnrannnnvnnnnnnnnnnngnnnnnnnnnnnnnnn
[ ← ][ ][ → ] Das Matterhorn
der König der Alpen.
Sreilich: Die Seiten, da das Matterhorn als unüberwindlich
galt, jene Seiten, in denen die Cyndall, Whymper, Mummery,
Carrel, Maguignaz, Giordanos und auch Guido Neu noch um
den königlichen Gipfel rangen, ſich überwachten, ſich überliſteten
und ſich überboten, um endlich den Sieg an ihre Fahnen heften zu
können, die damals vorwiegend italieniſche und
engliſche Farben trugen — die Seiten ſind heute
endgültig vorbei, und der Sieg iſt erſtritten! Aber
es iſt ein Sieg, auf deſſen Wegen die in Eisgrüften
und Schründen ruhenden Coten immer wieder
be=
zeugen müſſen, daß ſelbſt der Beſiegte eine
unbe=
dingt königliche Würde zu wahren weiß.
Dieſes Königtum und dieſe tiefe menſchliche
Sehnſucht iſt es auch, die uns drei, den
Schrift=
ſteller, den Seichner und den ſtillen Gelehrten, der
ſonſt in metaphyſiſche Negionen ſich zu verlieren
weiß, beſtimmte, vor einigen Jahren als
Matter=
horn=Beſiegte vor dem Furggenſoch zu
lagern, die uns dann in die Vajolett=Cürme preßte,
die uns im Vorjahr die Watzmann-Oſtwand
machen ließ, etliche Wochen ſpäter die Crettach,
das Wildmännle, dan wieder das Breithorn und
die Miſchabelhörner! Und die — für den
Unein=
geweihten lächerlich zu hören: Uns ein ganzes Jahr
lang ſparen, mit Geldgelüſten der Hausfrau
kra=
kelen, zu ihrem Entſetzen am Wohnungsreck
Auf=
züge und Klimmzüge üben ließ! — Die uns
be=
ſtimmte, dieſe Klimmzüge ſerienweiſe zu machen
oder oftmals ein vom Dachfirſt geleitetes Seil zum
Hofraum hinab und hinaufzuturnen, ſo daß die
einzelnen Etagenbewohner ſich entrüſteten, weil
jemand unverſehens in ihre Kammer ſchaute! Und
einmal ſprach die Polizei vor, weil es grober
Un=
fug ſeil ... Was aber weiß die vom Matterhorn,
und wie das brennt und quältl . . . Und wie man
ernſthaft beten kann: Lieber Gott, laß es doch
gelingenl.. . Und wie man ſich ſelbſt tauſendmal
vorſagt — es muß, es mußl — Sie weiß wirklich
nichts davon, und man braucht ſich nur vorzuſtellen,
daß ſie irgendwo an einer Matterhornwand poſtiert
M und mit ſauber behandſchuhter Nechter
Ver=
kehrszeichen” gibt, um dieſe Gedanken ins
Gro=
teske zu ſtürzen. Uns aber iſt es mit alledem ebenſo
ernſt geworden, wie mit dem Studium der
geſam-
ten Karten, Noutenzeichnungen, Beſchreibungen
uſw. Dazu kommt aufmerkſamſte Beobachtung der
Wetterkarten, des Baro= und Hygrometers. Und
vrogeſtern iſt der Führer P. zu einer kleinen
Ex=
plorationstour weit hinauf, um kritiſch das
Ge=
ſtein zu prüfen, ſich aus erheblicher Höhe
noch=
mals die Noute zu überlegen, dann mit uns den
Feldzugsplan genau durchzuſprechen.
Wir ſind übereingekommen, daß grade Surggengrat=
Furggen=
ſchulter auch heute noch immer ſo eminent ernſt ſind, daß es
kaum gelingt, ſie in Eins zu machen; Bedeutendere als wir
mußten oberhalb des geheimnisvollen Kamins über der Schulter
Seilleitern benutzen, die von der Gipfelſeite her durch Führer
gelegt wurden; größere als wir traverſierten, weils nicht mehr
anders ging, die letzte Steilwand, um zum Sermatter Grat und
damit auf die bekanntere und gänglichere Noute zu ſtoßen! Wird
es uns gelingen, wenigſtens den letzten und ſchwierigſten Ceil
ohne den Leiterbehelf zu vollbringen? Freiſchwebend am
Knotenſeil? — Hin und hergeriſſen, wie ein armſeliges Nichts
und doch Sieger? Hin und her wie das vorausgeſehene Nichts
pendelt die Anſicht, da wir in Giomein ſitzen. . . Der eigentliche
Führer will natürlich keine Crennung von uns. Da gibt der
Metaphyſiſche den Ausſchlag: Der Führer geht einen Cag zuvor
heißen. So ſtill ſingt dieſe Nacht, daß wir ſchweigen müſſen, T.
Laternen ſchneiden kleine Kegel in den ſchmaler und ſteiler wae
denden Pfad. Aber der Weg iſt nicht ſchwer. Der Atem gau
ruhig und gleichmäßig wie der Schritt. Immer höher ſchwirn
der Weg ins Dunkle und verliert erſt ſein Geheimnisvolles. /
nach kurzer Wendung Eis und Schnee des Surggenjoches a
ſchwimmendes Leuchten ſpenden. Auf dem Joch legen ſich zm=
Steinbarrieren vor den eigentlichen Surggengrat=Einſtieg, m
letzte Warnungen. Wir umgehen ſie und kauern direkt unt
der Wand auf den Schnee, eſſen ein wenig. Fünf Stunden Nachl,
marſch ſchaffen Hunger. Und jetzt gehts noch. Wär
weiß, wann wir wieder zu einer Mahlzeit komma
und ob überhaupt?!. . . Denn nun enthüllt erſtitl
Morgenſchimmer die Nacht der Wand. Alſo wor,
ter. Gewinnt erſt die Sonne auch nur einige Krod
vor unſerem öſtlichen Grat, dann wandelt ſich dö=
Angriff des Menſchen in einen Ueberfall durch dian
Berg! Dem wollen wir entgehen. Freilich ſtep
unſerer ſorgenden Eile die koloſſal ſchwierige
erl=
große Stufe entgegen, als verſehe ſie die Waru
nungen der Vorbarrieren mit vielfachem Ausrurt,
zeichen! Hier iſt die harte Angelſtelle, an der ſa
viele nicht ganz Sichere bereits ſcheitern. Wo
kennen ſie ſeit unſeren erſten Beſuchen vor driu
Jahren, ſind ernſt, aber nicht ängſtlich, und ſchaig
fen es in kürzerer Seit, als vorgeſehen. Nun ſirt
wir auf dem Kamm. Stehen im Licht, das d0
Gipfel des Nunds in Not vergoldet und das C. Violett abſtuft. Aber nun kommt doch dent
Ueberfall. — Die Sonne leckt am Kopf der rieſem
haften Wand, die zum Grat giebelt, die vorhen
ſchneeverfrorenen Steine feſt. . . Fauſtgroß ſumnm
es umher, flirrt, pfeift, brummtl . . . Unſichtbar 1
der Schnelligkeit!. . . Wie Geſchoſſe im Kriegel...
Und auch ſo unheimlich, und doch beruhigend, weme
mans gehört hatl. . . Eine Viertelſtunde feuert dan
Matterhorn aus ſeinem Artilleriedreieck auf unen
die wir geduckt unter einer Selskappe ſtehen, win
zu Eins verwachſen .. . Pulverdunſt ſchwelt nocht
als wir uns weiter emporſchwingen, ziehen, ſteigenn
Der Aufſtieg von hier aus iſt ſteil, ſehr ſteil, liegV
bis zu 70 Grad, hat durchſchnittlich 40—50 Gradd
aber er iſt keine allzuſchwere Kletterei. Nur kraft-/
anſtrengend, weil die Steighöhe über 900
Meten=
mißt! Dafür winkt oben die Plattform.
Es iſt bislang nur ein Ceilſieg. Das weiteren
auß noch kommen. Das Schwerſte beginnt...
Wir ſind ganz ſtraff, daß unſer
Verbindungs-
ſeil wie ein zitternder Celephondraht wirkt, odenr
wie eine gemeinſame Aorta, durch die unſer allenr
Blut ſchlägt, miteinander verbunden. Das iſtſ
gut und tröſtlich. Denn wir ſehen in der
zer-
riſſenen Enge des Kamins nichts voneinander,/
als hier und da mal die Nagelſohlen über uns, undd
verſtändigende Worte ſind vor Anſtrengung
ver=
lallend. Obenan iſt der Metaphyſiſche, der Maler in der Mitte, /
ich ſelbſt hänge zum Schluß. Wir drei ſind auf Cod und Gedeihenn
verbunden. Läßt bei einem die Kraft aus, verſagt eines Hand,
Fuß, zur Not auch Gebiß: Dann ade Matterhorn, ade ſchöne
Welt!. . . Der Kamin iſt ſo eng, daß das „Leiteſeil” des Führers 4/
am Ende nur äußerſter Notbehelf ſein kann! Jeder für ſich 4
muß Stemmarbeit machen! Nechteckig körpergewinkelt zur 7
Wand! . . . Die Füße treten ſich ein, wo’s eben gehtl. .. Derx
arme Buckel gibt Gegenſtützel . . . Das Seil zwiſchen uns Dreienn
bebt, zittert, klopft jeden Herzſchlag mit! Nichts zu ſehenl....
Höchſtens die hintere Nundung deſſen, der über mir genau ſo/
ſtrapaziert iſt! Gleichmäßiges Stemmen iſt vorgenommen und d
gleichmäßiger Klimmzug! . . . Aber das Kommando erſtirbil...
Wenn doch einer etwas rufen, ſchreien wollte! Wenn die V
Kaminwand doch brächel . . . Wenn doch nur etwas geſchähe,
die bekanntere Schweizer Noute. Mit guten 200 Meter
Knoten=
ſeil. Klammern und Haken. Unter uns dreien aber übernimmt
der Gelehrte, der im Horn ſo gut Beſcheid weiß wie in der
Crinitätslehre Gottes, die Führung „führerlos”. Freilich, das
ſieht der Führer nicht gern. Der Ehre wegen, und auch etwas
der „Konkurrenz” wegen. Er hat ein ſteifes Geſicht und ein
wenig ſchräge Augen. Aber ſo ſachlich die Beſprechung des
Unternehmens iſt, ſo ſachlich iſt das Geld!. Alſo fügt er ſich. Er
wird vom leichteren Weg aus über den Matterhornkopf etliche
50 Meter uns entgegenſteigen, das Seil verankern, es von der
kleinen Plattform aus in den Kamin hängen laſſen. Er wird
weſentlich zu warten haben! Darin liegt aber auch neben
an=
derem die Sorge, wie es uns ohne ihm ergehen wird! Nicht nur
Geld und nur Konkurrenz beſtimmt, und die Laſt der
Verant=
wortung für drei Menſchenleben kann ihm ja doch keiner nehmen!
Er wird lange, bange Stunden im Ungewiſſen ſein, wie wir wohl
der drei Cürme des Grates Herr werden, wie der Kamin über
der Schulter uns verſchlingt, wie wir aus dem Kamin das
Ueber=
hangende nehmen, wie es mit unſeren Kräften ſteht, wenn wir
von dort aus die letzte Strecke zum Gipfel anbrechen! Wir
können ihm und uns nicht helfen. Wie geſagt, ſolls verſucht
werdenl..."
Alſo rücken wir ab. Es iſt frühe Nacht. Die Sterne ſind ſo
klar und nahe, wie nur in Bergnächten, die ſchönen Cag ver=
un 2
Au e
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autiſch un 1üchelt
HR e ne
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gaiſſert ſeinl.
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Lenl .. Aber einm
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z aus dem In
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regelrechten
das ſtarrende un
her, auf das wir
ſeinsl... Und
nähe die belang!
Armbe
dem
Fernen
Die Morgenſtimmung.
Skizze von E. Nabe.
Es war in einem jener Badeorte, die morgens, nachmittags
und abends ihre Gäſte um die Kurmuſik verſammeln, damit nach
den vorſchriftsmäßigen Bädern und Spaziergängen die übrige
Seit ausgefüllt werde.
Dr. Sehling, der hier ſeine angegriffenen Nerven pflegte,
hatte ſich dem von Neuralgie geplagten Carlſen angeſchloſſen.
Während die Kapelle einen alten Wiener Walzer ſpielte und
ſelbſt die rheumatiſchen Beine der älteſten Herren in einen
leich=
teren Gang fielen, kam eine ſehr ſchlanke, elegant gekleidete
Dame den beiden entgegen. Sie wurde von allen Seiten
inter=
eſſiert betrachtet, und zum Erſtaunen des jungen Carlſen nickte
ſie herablaſſend herüber, denn Fehling, der plötzlich einen halben
Schritt zurückgeblieben war, hatte ſie gegrüßt.
Carlſen holte eine verlegene, eilige Verbeugung nach und
fragte flüſternd, angeregt:
„Sie kennen die Dame?‟
„Ja”, erwiderte Fehling kurz und zeigte keine Luſt, weitere
Erklärungen abzugeben. Sein Geſicht hatte ſich merklich
ver=
finſtert, und obgleich die Muſik nun den Nadetzkymarſch
ſchmet=
terte, waren ſeine Schritte müde und ohne Cakt.
„Sie ſoll die Frau eines bekannten Großinduſtriellen ſein”
ſagte der junge Carlſen, in der Abſicht, durch dieſe blinde
Her=
ausforderung etwas mehr in Erfahrung zu bringen.
„So —, dann ſind Sie beſſer orientiert als ich und kennen
vielleicht ſogar ihren Namen. Ich weiß nur, daß ſie vor zehn
Jahren meine Frau war und —
Er brach ſeine wenig höflichen Erklärungen plötzlich ab,
ver=
abſchiedete ſich, angeblich weil die laute Muſik ihm auf die
Ner=
ven falle und hetzte an den neugierig aufblickenden Kurgäſten
vorbei, deren gemächlichen Verdauungsſpaziergang ſeine eiligen
Schritte ſtörten. Am äußerſten Ende der Anlagen ſetzte er ſich
endlich auf eine verlaſſene Bank.
Alle Bänke waren in dieſem Park ſo aufgeſtellt, daß hinter
grünen Lichtungen, in reizendem Farbenkontraſt, ſich die blau
ſchimmernden Kurven der fernen Gebirgskette erhoben.
„Immer ins Grüne blicken”, pflegte der alte Badearzt und
Hofrat ſeinen nervöſen Patienten zu raten. Fehling aber ſtarrte
in die ferne Bläue, er vernahm die verwehten Klänge der
Kur=
muſik und wurde von einer wenig kurgemäßen Melancholie erfüllt.
Er begann zum erſtenmal darüber nachzudenken, ob die
auf=
reibende Arbeit in der Großſtadt allein am Zuſammenbruch ſeiner
Lerven ſchuld war. Er dachte an die ſcheinbar vergeſſene kurze
„The=Epiſode” wie er ſcherzend im Freundeskreis das
auf=
regends Jahr mit Vilma bezeichnete, und an die vielen lockeren
Beziehungen zu denen, die ihm ſpäter nur Zerſtreuung boten.
Niemals wieder hatte er nach einer Frau, die man heiratet,
ge=
ſucht, weil er in der Vergangenheit ein „memento” ſah, das er
in einem faſt knabenhaften und gedankenloſen Crotz durch keine
deſſere Erfahrung ausgelöſcht ſehen wollte.
Ja, er hatte die Schattenſeiten jener allzu jung geſchloſſenen
Ehe ſo einſeitig, zur Warnung vor den Frauen hervorgehoben,
daß er alle Freuden ihrer ſtürmiſchen und raſch vom Alltag
zer=
ſtörten Liebe vergaß. Erſt in dieſem Augenblick, nachdem er zum
erſtenmal Vilmas gereifteres und noch ſchöneres Geſicht
wieder=
ſah, fielen ihm wieder die Stunden ein, die ſie damals im
Ueber=
eifer „groß, einmalig, unvergeßlich” genannt hatten.
Die Muſik ſchickte einige Fetzen elegiſcher Melodien herüber.
Fehling preßte die kühlen Finger gegen die ſchmerzenden Schläfen
und betrog ſich ſelbſt, indem er wiederum alle Schuld an ſeiner
Verſtimmung der „blöden ſentimentalen Muſik” gab.
Er verließ noch verſtimmter als zuvor die unfehlbare Medizin
des Hofrats: das heilende Grün des Parkes, eilte in ſein
Sim=
mer, das von der Mittagsglut noch erſtickend angefüllt war, und
verſuchte, nach Einnahme mehrerer Aſpirintabletten, ſeine
ange-
griffenen Nerven in Schlaf zu verſenken.
Am nächſten Morgen fühlte er ſich außerſtande, die
vorge=
ſchriebenen Spaziergänge zu machen. Er unterließ ſogar den
Weg zum Badehaus und zur Crinkhalle und verharrte, wie ein
Schwerkranker, im Stubenarreſt, um einer gewiſſen Frau zur
Schonung ſeiner Nerven, nicht zu begegnen.
Als ihm das Frühſtück gebracht wurde — dieſes ewiggleiche
Hoteltablett mit den unperſönlichen Caſſen, mit der genau
einge=
teilten Portion —, ſeit zehn Jahren immer nur von bezahlten
Händen für ihn hingeſtellt, dacht er verbittert an die ſchönen
Morgenſtunden in der erſten Seit ſeiner Ehe, als noch nicht die
ſpäter feſtgeſtellten „unüberbrückbaren Meinungsverſchiedenheiten
und Charaktergegenſätze” ſtörend dazwiſchen traten.
Am Nachmittag plötzlich machte er, entgegen allen guten
Vorſätzen, ſorgfältig Coilette und begab ſich zur Kurmuſik. Er
ſetzte ſich an einen der gedeckten Ciſche gegenüber dem
Muſik=
pavillon, beſtellte den ärztlich verbotenen echten Mokka und
be=
obachtete mit geheuchelter Intereſſeloſigkeit die Promenaden.
Dabei hatte er überſehen, daß an einem ſeitlich wenig
ent=
fernten Ciſch die ſchlanke, elegante Dame in Begleitung einer
Bonne und zweier Kinder Platz genommen hatte. Sie war aus
dem im Hintergrund des Gartens liegenden Kurhaus gekommen
und wäre auf die gleiche Weiſe, ohne von ihm bemerkt zu werden,
wieder verſchwunden, wenn nicht eins der Kinder bei einem
Pianiſſimo der Kapelle ſeiner ungebrochenen Lebensfreude durch
ein lautes Kreiſchen Ausdruck gegeben und damit Fehlings
hef=
tigen Unwillen erregt hätte.
Er wandte ſein ärgerlich verkniffenes Geſicht zur Seite und 4
blickte ganz unerwartet direkt in Frau Vilmas große ernſte 9
Augen, die in ihrer Verlegenheit das Kind zurechtwies, den n
Kellner rief und abrechnete, damit der Kunſtgenuß anderer Kure.?
gäſte nicht länger geſtört werde. Noch ehe Dr. Fehling zur
Be=
ſinnung kam, befand ſie ſich mit ihrer Begleitung auf der breiten
Freitreppe des Kurhauſes. Er ſah, wie ſie mit einer zartmüttere
lichen Gebärde die Fingerſpitzen auf die Schultern der beiden M
kleinen Mädchen legte, die in kindlicher Haſt zum Cüreingang 9
drängten, dann ſchien es ihm, als ſei das Bild dieſer ſchonen M
Mutter mit den beiden ihr ähnlichen Cöchtern eine Biſol 0
geweſen.
Um dieſen überraſchenden Eindruck in der Einſamkeit zu ver”
arbeiten, verließ er ſofort Mokka und Muſik, die ſeine Erregung 9
ſteigerten, und war gezwungen, während vieler Stunden an de 9
Geſichter der beiden Kleinen zu denken. Sie ſchienen etwa viet
und ſechs Jahre alt, und hatten offenſichtlich die aſchblonden
Haare mit dem flirrenden goldfarbenen Con in den aufwarlse."
ſtrebenden Löckchen von Frau Vilma geerbt; auch ihre großen, !
Augen, die er, nach dem neuen Eindruck, nun nicht mehr veie*
dunkelt vom Aerger über ihre „ewigen Meinungsverſchiedele
heiten” ſah, ſondern ſtrahlend und mütterlich ſanft.
So wie er die Schatten der Vergangenheit bisher gepſe9!
und verzerrt hatte, ſo betrachtete er nun allein ihre Lichter. L.
kam zu der Ueberzeugung, daß ſie beide damals zu jung und Mice 2
beſonnen waren als ſie heirateten und zu voreilig, als ſie 1i9 2
ſcheiden ließen. Wären ſie nun — zehn Jahre ſperr — 100
erſtenmal einander begegnet, beide als freie und gereifte Aucl.
ſchen, ſie hätten ſicherlich in den Charaktergegenſätzen einen O0
zug geſehen und die abweichende Meinung des anderen als Alle.
druck einer ſelbſtändigen Perſönlichkeit reſpektiert, anſtatt ſe*
zu haſſen.
Er malte ſich dieſe neue Ehe ſo harmoniſch und beſeligend.”
aus, daß er von ſeinem eigenen Unglück erſchüttert war, dls Ml
plötzlich Frau Vilmas zweiter Mann einfiel, der Vater der Nei
den reizenden Kinder, jener unbekannte Großinduſtrielle, P."
ſeine Familie allein ins Bad ſchickte; der ſeine Srau vielleig."
gar vernachläſſigte, die Kinder nicht herzlich genug liebie.
Und am Schluß einer Kette zahlreicher Kombinationen 20cle
er, daß dieſer verhaßte Mann vielleicht gar nicht mehr lebte. 2e42
Vilma, deren neuen Namen er nicht einmal wußte, vielleit.
Witwe war, die Kinder Halbwaiſen, die einen liebevollen ?e
duldigen Vater nötig hätten.
Den Morgen, der viel zu langſam zu ſtrahlen begann, V
grüßte er zu ungewohnt früher Stunde. In einer angene9lt
Vorahnung eilte er, elaſtiſch, erwartungsvoll, zum Srühßolt”.
ſetzte ſich an den Ciſch, den Frau Vilma geſtern ſo r0/9.P"
laſſen hatte, und ließ ſeine Blicke unverhüllt aufmerkſam z090-.
Hiſtögeſe furchtbare Marter zerſtampfter Füße, zerſchundener
Aſen beenden möchtel . . . Das iſt die Stimmung äußerſter
Kßthergabel . . . Draußen huſcht der Schmalſchatten eines
Flfültchlags!... Wie ein Blitz fällt er aus dem Bewußten ins
U/hrrußte zurück!... Merkwürdig: Plötzlich ſteht eine
Me=
n)urgelodie aus der Ariadne im Hirn, kreiſt, ſingt, plärrt, wird
ehſt laber iſt dal . . . Ueber mir Vordermann=Nundung! . . . Der
Lſe ſöſt einen Steinl. . . Der ſchlägt mir das Knie blutig!...
OMcn nnte ich ihn doch nur irgendwohin tretenl .. . Die
Me=
nyunslodie dazwiſchen!.. Einmal höre ich den Metaphyſiſchen
ſaM daß Keuſerlings Oekumene ein Attentat auf die Crinität
f9H. Aber es iſt ja nicht wahrl. . . Nur der Nücken ſchmerzt
ſo,5mtet auch wohl. . . Ich weiß es nicht. . . Dann iſt einmal
d9ſeimnde Kopf meines Jungen vor mirl. . . Fortl. . . Stapfen,
lu hn, ſtemmenl . . . Endlos dieſer Kaminl . . . Aug und Ohr
19½ nund hören nichts, und gleichen ſich doch aus zu einer
ein=
zi iu läunktion des Inſtinkts! . . . Halluzinationen glühen,
ver=
d0ſürn!. . . Nur der iſt da, der Inſtinkt der pugmäenhaft
wſyiynn Kreatur, die in Bergesſchacht eingezwängt leben will,
leſe . .. Herrgott!. .."
haa, alſo im Herrgott ein Anklammern! — Sonderbar, daß
ddſmer wieder wie aus Urfernen auftaucht, wenns ganz mies
bdut iſt um Menſchwille und Witz! — Aber dann wieder da
duhzar im Licht des Spalts ein Flügelſchlag eines Naben, der
mſug= an Unheil denken läßt! . . . Und wieder fort!. .. Und
wſhür/ Stemmarbeitl . . . Aber dann iſts mit einem Male
leich=
teiel. Die Spannung des Seils läßt nachl . . . Es muß was
pdKr ſeinl .. . Aufblicken, ſtaunen, dem Weinen nahe ſein:
DMMetaphyſiſche iſt aus dem Kamin ins Freiel... Nun der
Aſrsmann! . . . Nun ich ſelbſt!. . . Wie verteufelt ſteif die
AAſr ſſind! . . . Wie Eichenpfähle, die ſich nicht krümmen
wol=
leſſn. Aber einmal müſſen ſie noch, zweimal, dreimal . . . Dann
hdblſiſch der Kopf aus dem Kamin zur Wand, an eine
vorſprin=
gob ENaſe, an der man einen Herzſchlag wie ein Cropfen
hdß! .. . Und dann ein letzter Aufzugl ... Wie?.. . Egal iſt
ddw ... Aber eine Plattform iſt wieder da, auf der man ſtehen
mſſe, während man darauf liegt! . Das Herz ſpringt längſt
auuen Nippen, die ja gar nicht mehr da ſind!. . . Der Kopf?..."
WR4. .. Nur ein erblindetes Staunen ins Licht, und dann ein
E lma en, ein Wachwerden, wie aus einem Grabe, in das man
ſid ſareits beerdigt hattel . . . Aha, die Ceraſſel... Eis im
Vſrg:, Schnee auf der Plattel . .. Schlafen, ſchlafen, ſchlafen!..
ſauun iſt über uns eine Stimme. Eine wahrhaft himmliſche
Siſtme. Und trotzdem ſie aus dem Munde eines Menſchen
kobat, den wir noch nicht ſehen, der aber, wie wir wiſſen,
ebkoüüber unſere Dispoſitionen vergrollt iſt, wie er. im Grunde
ſeiſt SHerzens vor Sorgen zitterte, iſt es darin wie ein leiſer
Jihalu ut, und auch wie etwas Väterliches: Gott ſei Dank, daß
ih ſrall lich da ſeid! — Weil wir dieſe im Warten und in
ein=
ſalm Harren ausgeruhte Stimme hören, ſind wir wieder mit
dakigranz ſinnlich wahrnehmbaren Leben verbunden. Und das
gilſikeune Art von Elanl. . . Wohl: Steif ſind die Arme wie
Wſhivölzer, die Beine haben ein eckiges Gefühl in ſich, der
Sſſoel wackelt oft wie in einem Kugelgelenk, in den Händen
iſährmnehr das Bewußtſein des Hochgreifens und Seſthaltens!..
20M Alles iſt doch einigermaßen gut beiſammen, noch nicht ganz
ſoſp al-tionell im Bewußtſein verbunden, wie bei den Menſchen
au em Straßenaſphalt, aber es iſt dal . . . Und dirigiert uns
gobaus dem Inſtinkt der letzten 50 Meter, die gegen alles
Bſeey gehende wieder relativ leicht ſind!. . . Dann ſind wir auf
dokregelrechten Gipfel und ſind wie in einer Mondlandſchaft ſo
wiſeinern abgeſchieden: So unendlich einſam, unfaßbar, ewig iſt
ddElarrende und ach wie ſehr gefühlsbelebte Bergrund
rings=
hexaſtf das wir blicken in engſter Gemeinſchaft des
Einſam=
ſeſſu —. Und es tritt der Fall ein, daß man in größter
Gott=
ndſ hiäe belangloſeſten Einfachheiten ſagt. Mit einer kleinen
Alcevegung: Da nördlich liegt Deutſchland! . . . Und es iſt in
delhsrhönen das Schönſte, daß in dieſer Einfachheit ſich das
Hlſideer Fernen auf dem Matterhorn ohne Seit und Naum, wie
uniißt, der Heimat verbindet, der lieben deutſchen Heimat . . .
Paul Köllen.
Klkruus und Promenade ſchweifen, damit ihm diesmal nichts
eriſt t.
„u. als Frau Vilma, nach einer halben Stunde bereits, allein
—lEue Bonne, ohne Kinder, ohne Großinduſtriellen — auf der
Syfryope erſchien, war er ſo glücklich, daß er ihr entgegeneilte
urfniel herzlich begrüßte, als wären nicht ein Gerichtstermin und
zeiſtJahre Crennung zwiſchen ihnen aufgerichtet.
iei errötete bei der Begrüßung, ſchien aber nicht überraſcht
oAkzun Abwehr geneigt; ſie folgte ihm ohne Sögern zu ſeinem
Cif) —md bemerkte lächelnd, daß dies „ihr Ciſch” ſei. Damit
hart ſſie etwas Gemeinſames, das eine Verbindung zwiſchen
ihſſ werſtellte. Sie ließen ſich daran nieder und fanden noch
einſl in vollkommener Uebereinſtimmung, daß ſie beide dieſen
Eilllebten.
abzei brauchten ſie die alte vertraute Anrede; es wäre doch
au ulänherlich geweſen, wenn er etwa „gnädige Frau” zu ihr
geieſ ſoätte, da er ſelbſt ſeinerzeit mit ſeinem Namen dieſe
An=
reisverſchafft hatte. Unwillkürlich mußte er in einer
Ideenver=
biſſr, an den anderen Mann denken, an den Vater der Kinder.
Soſhrend er nach einem geſchickten Uebergang ſuchte, um bald
Glhezſeit zu erlangen, fiel ihm plötzlich auf, daß ſie in ganz
dilſhiar Andeutung Crauer trug; jedenfalls waren die Kleider
delmelden vorigen Cage, die ihm trotz den flüchtigen
Begeg=
nu un noch gut in Erinnerung waren, gleichfalls ſchwarz=weiß
geſſen.
fragte nach der Urſache und erwartete mit ſoviel
Be=
ſtilmheeit eine Beſtätigung ſeiner ſchon geſtern aufgetauchten
Hiſung, daß ihre Antwort ihn vollkommen niederſchmetterte.
ie erzählte, daß ihre ältere Schweſter, die inzwiſchen auch
ghyſtatnet hatte, vor einigen Monaten geſtorben ſei.
Offenſicht=
lic yrnoartete ſie einige Worte des Beileids, zumal die
Ver=
ſtclum, ihm bekannt war, da ſie doch einſtmals auch zu ſeiner
nämen Verwandtſchaft gehörte. Aber die Enttäuſchung und
dil ſein noch größere Ungewißheit verwirrten ihn dermaßen, daß
ert Aine das Schickſal der Schweſter zu erwähnen oder weitere
A Mſtungen darüber zu erbitten, feſtſtellte, daß ſie ſelbſt wohl
au Mod ld wieder geheiratet hätte, da ſie ſchon zwei ſo „große‟
CiGer habe.
ſe Erwähnung der zweiten Ehe und der Kinder ſchien ſie
zu Uinwirren. Sie wurde rot und ſchwieg einen Augenblick.
D”nragte ſie, ob der Verluſt ihrer Schweſter, die ſo jung
19 A ſoamilie entriſſen wurde, ihn gar nicht berühre.
Dwch”, ſagte er ungeduldig. „Ich finde es ſehr traurig.
A. wiel mehr intereſſiert mich im Augenblicke das Schickſal der
Ld -Ndnrn, zum=Beiſpiel, ob du in deiner neuen Ehe glücklich
ge-
wieen biſt. Ich jedenfalls habe dich nicht ſo ſchnell vergeſſen;
uhannnicht imſtande geweſen, eine andere Frau zu heiraten.”
Epglaubte in dieſem Augenblick ſelbſt, daß die Erinnerung
Wochenendvorbereitungen der
Hausfrau.
Von Margret Halm.
Allemal, wenn wir am Sonntag abend von einem Ausflug
heimkehren und trotz einer gewiſſen Abſpannung wohlig empfinden,
wie gut uns dieſer Cag im Freien einmal wieder getan, dann
nehmen wir uns feſt vor, es möglichſt jeden Sonntag zu
wieder=
holen. Wer zum Wochenende fortgeweſen, ſpürt
ſelbſtverſtänd=
lich die Erholung in weit größerem Maße. Und tatſächlich iſt es
nicht abzuſtreiten, daß dieſe vollkommene Ausſpannung nach allen
Anſtrengungen der Woche das Gleichgewicht in erſtaunlicher
Weiſe wieder herzuſtellen vermag. Der Einfluß auf die Nerven
iſt ganz überraſchend, zumal wenn man bedenkt, wie kurz die
Seit im Verhältnis zu den Anſtrengungen und Mühen iſt, die die
Woche uns gebracht. Natürlich muß man auch verſtehen,
tat=
ſächlich den Werktagsmenſchen völlig auszuſchalten.
Die Hausfrau allerdings ſeufzt manchmal abgrundtief, wenn
ſie am Freitag nachmittag oder Samstag morgen zu aller übrigen
Arbeit nun noch die Vorbereitungen zum Wochenende treffen
muß. Nicht, daß ſie die Arbeti ſcheut; doch es will alles ſehr
wohl überlegt ſein, denn ſchon eine kleine Vergeßlichkeit oder
nicht ganz zweckmäßige Dispoſition ſtört unterwegs dann
oft=
mals gleich ſo ſehr, daß eben das Weſentliche — die Erholung —
davon beeinträchtigt wird.
Der Hausfrau zur Erleichterung, der Samilie zum Nutzen,
wollen wir ihnen gerne hier das Wichtigſte zuſammenſtellen, was
für ein rechtes Wochenende erforderlich iſt.
Wer nicht mit dem Nuckſack fährt, der nimmt am beſten
einen oder je nach Sahl der Köpfe zwei oder mehrere kleine
Handköfferchen mit, ſo daß lieber jeder eine kleine Laſt zu tragen
hat, die man kaum oder überhaupt nicht ſpürt, ſtatt eines
größeren Koffers, der reihum geht und vor dem ſich jeder ſchon
im geheimen fürchtet. Einrichtungskoffer ſind nur dann zu
empfehlen, wenn ihn der Motor eines kleinen Wagens
trans=
portiert. Sonſt nimmt man beſſer die Coilettengegenſtände nur in
kleinſten Mengen mit. Reiſeſeife oder auch nur für jeden ein
Blöckchen Seifenpapier, Mundwaſſer, Kölniſch Waſſer, vielleicht
Haarwaſſer oder was man ſonſt nicht gerne entbehrt, in kleinſten
Packungen, oder aber man füllt ein wenig in kleine Fläſchchen
an die Freuden und nicht an die Schrecken ihrer Ehe ihn davor
bewahrt hatte. Seine Stimme klang dabei ſo hoffnungslos
wer=
bend, ſeine Augen waren von ſoviel Melancholie erfüllt, daß ſie
ihm noch einmal eine Antwort ſchuldig blieb.
Sie lehnte ſich in ihrem Stuhl zurück und blickte verträumt
in den Sommermorgen hinein, als gedenke ſie gleichfalls in
ver=
klärender Sehnſucht der ſchönen Vergangenheit. Die Kurkapelle
beendete eine Pauſe und begünſtigte mit getragenen Cönen ihre
gmeinſame Stimmung.
„Liebſt du noch immer ſo die Muſik?” fragte ſie leiſe,
wäh=
rend ſie die Hand auf den Ciſch legte, als wolle ſie ihm damit
näher ſein.
„Sie iſt mir unentbehrlich”, ſagte er. „Und iſt es nicht
wunderbar, daß die ſchöne Stunde, daß dieſer Morgen, an dem
wir uns wiedertrafen, durch Griegs Morgenſtimmung verklärt
wird, die wir auch damals in
„Ja, ich weiß,” unterbrach ſie ihn lächelnd, „es war in
Men=
tone auf unſerer Hochzeitsreiſe. Und du hatteſt ſchon damals
geglaubt, daß es die Morgenſtimmung von Grieg ſei. Entſinnſt
du dich, daß wir deswegen ſtritten, weil es die Muſik aus
„Egmont” iſt?‟
„Vielleicht iſt es damals Beethoven geweſen”, ſagte er
ein=
lenkend, obgleich er beſtimmt wußte, daß es Grieg war. „Dies
iſt aber die Morgenſtimmung aus Peer Gynt.”
Er lächelte gleichfalls bei dieſen Worten und blickte in ihre
ſchönen Augen, die ſich wieder verdunkelten, weil ſie ſich über
ſeine aufreizende Beſtimmtheit ärgerte. Obgleich er ihr geſtehen
wollte, daß die zehn Jahre ſie gar nicht älter, ſondern noch
reiz=
voller gemacht hätten, ſagte er, nur um das unleidliche Chema
abzuſchließen:
Wir werden uns doch die ſchöne Morgenſtimmung nicht
durch Debatten verderben. Denn ſchließlich iſt es ja gleichgültig,
ob dieſe herrliche Muſik von Grieg oder von Beethoven iſt.”
„Gewiß, das finde ich auch. Und gerade darum wäre es
überflüſſig geweſen, gleichzeitig weiter zu behaupten, daß es die
Morgenſtimmung ſei.”
„Aber das habe ich doch gar nicht getan”, rechtfertigte er
ſich. „Ich meinte doch nicht die Muſik, ſondern die ſchöne
Mor=
genſtimmung, in der wir uns befinden.”
„Eine ſchöne Morgenſtimmung!” bemerkte ſie ſpöttiſch. Und
dann erwachte der alte Groll. „Aber du haſt uns ſchon damals
die Morgenſtimmung durch deinen Eigenſinn zerſtört und damit
den ganzen Cag verdorben”, ſagte ſie nun vorwurfsvoll, während
ihre Augen, wie in alten Cagen, unruhig und finſter wurden.
„Wenn das nicht geweſen wäre, dieſe Mißſtimmung am
Mor=
gen —” Sie kann plötzlich vor Bewegung nicht weiterſprechen.
„Ich wünſchte, die Muſik würde endlich aufhören, obgleich
ich Grieg über alles liebe, nur weil ſte uns zu einer überflüſſigen
ab, für die es in den Apotheken ſehr praktiſche undurchläſſige
Holzhüllen gibt. Einen Bubikamm hat ohnehin jeder in der
Caſche. Zahnbürſten, Schwämme und Naſierzeug in
Gummi=
ſäckchen unterzubringen bedeutet dann keine Schwierigkeit mebr.
An Kleidung nimmt man ſelbſtverſtändlich mur das
Aller=
nötigſte mit.
Wer unterwegs abkochen möchte, nimmt heute nur
Alu=
miniumgeſchirr und Hartſpiritus. Man bringt da alles in den
praktiſchen Formen zum Ineinanderlegen und Zuſammenklappen,
ſo daß das geſamte Geſchirr geſchloſſen kaum als eine Laſt zu
bezeichnen iſt.
Das Abkochen im Freien wird nicht als Arbeit angeſehen.
Da iſt jeder hilfreich mit dabei und allen macht es Spaß, ihre
Kochkunſt ein wenig zu erproben. Zumal an heißen Cagen nimmt
man ſelbſtverſtändlich möglichſt erfriſchende doch umerderbliche
Nahrungsmittel mit. Wer ſich mit belegten Broten begnügt,
nimmt am beſten Hartwurſt oder Gutgeräuchertes zum Belag.
Ein paar Scheibchen Gurke oder Rettich, den man zuvor
ge=
ſalzen und gut abgetropft dazwiſchen gelegt, ſind ſehr erfriſchend.
Vielleicht noch beſſer iſt es, einen ganzen Nettich mitzunehmen,
dazu in einem kleinen Büchschen etwas Salz, mit dem man ſich
den Rettich unterwegs dann friſch bereiten kann. Eierbrote
ſchmecken beſonders gut, wenn man ſie leicht mit Anchovis= oder
Sardellenpaſte beſtreicht. Um das Brot am andern Cage noch
friſch zu haben, iſt’s natürlich beſſer, die harten Eier noch im
ganzen, Butter in einem Döschen, die Daſte in der Cube und
das Brot in einem Stück geſondert mitzunehmen. Auch
Sar=
dinenbüchſen oder Fleiſchkonſerven werden gern zur kalten
Mahl=
zeit mitgenommen, während man zum Abkochen heute neben den
beliebten Würſtchen ſehr ſchöne fertig zubereitete Gerichte in
Konſerven erhält, die man unterwegs dann nur anzuwärmen
braucht. Wie herrlich ſchmeckt dazu ein Gurkenſalat, zu welchem
man die rohe Gurke und in einem Fläſchchen die bereits zu Hauſe
angemachte Salatbrühe mitnimmt. Wer ſich gerne unterwegs ein
Schnitzel oder Kotelett braten, vielleicht auch ein paar
Kar=
toffeln röſten will, wäſcht alles ſchon zu Hauſe ſauber ab, klopft
das Fleiſch und bereitet alles ſo weit vor, daß es dann im Wald
gleich in die Pfanne kommen kann. Ein Celler Suppe aus dem
Würfelpäckchen ſchmeckt nirgends ſo gut wie im Grünen.
Hat man in der Chermosflaſche dann noch einen guten Kaffee
oder Cee mitgenommen, ſo fehlt uns nichts mehr zu unſerem
Glück als die Hängematte und das Luftkiſſen zu einem
erguicken=
den Mittagsſchlaf.
Dieſe Aufſtellungen ſind wohl durchdacht und gut erprobt.
Sie können ruhig aufgeſchrieben werden. Doch überlegen Sie
genau dabei, was für Ihren beſonderen Bedarf überflüſſig ſein
und was fehlen könnte.
Debatte angeregt hat”, ſagte er, aufrichtig erbittert über die
melodiſchen, ſchwebenden Confolgen der Kapelle.
„Du dehaupteſt immer noch, daß es Grieg ſei.” Sie erhob
ſich brüsk, wie ſie es ſchon vor zehn Jahren getan hatte, wenn
ſie in einer unangenehmen Auseinanderſetzung nichts mehr zu
ſagen wußte.
Der Gartenſtuhl klappte dei dieſer Bewegung knarrend ein
und hielt ihr Kleid feſt. Er ſprang herzu, um ſie zu befreien.
Als er die weiche Seide in den Händen hielt und die Wärme,
den Duft ihres Körpers ſpürte, glaubte er endgültig ſein
Lebens=
glück zu verlieren, wenn er nicht noch einen letzten Verſuch wagte.
Er bat ſie, zu bleiben, er wolle ſofort alles ausgleichen und
ihr in allem recht geben.
„Ich bin jetzt ſogar auch der Anſicht, daß es Beethoven iſt”
ſagte er gegen ſeine Ueberzeugung. Und dann ſteuerte er direkt
auf ſein Siel zu.
„Dein zweiter Mann iſt ſicherlich muſikaliſcher”, meinte er
mit einem hoffnungsvollen Blick auf das ſchwarz=weiße Kleid.
„Er kann wohl beſſer als ich Grieg von Beethoven
unter=
ſcheiden?"
„Im Gegenteil,” erwiderte ſie trotzig, „die Muſik intereſſiert
ihn gar nicht, und darum haben wir auch keine überflüſſigen
Debatten.”
„Und nun wird es beſſer ſein,” fügte ſie, ſich erhebend, nach
einigem Sögern hinzu, weil er keine Anſtalten machte,
einzu=
lenken, ſondern ſich mit finſterem Geſicht abwandte, „daß ich zu
den Kindern gehe, die gerade angekleidet werden. Ihr ſorgloſes
Plaudern gibt mir jetzt meine Morgenſtimmung, die mir
nie=
mand zerſtört.”
„Nein, das ſoll auch fernerhin nicht geſchehen”, ſagte er, ſich
höflich zum Abſchied verneigend. Er ſah ihr nicht einmal nach,
als ſie ſich mit betont leichten und wiegenden Schritten, die für
den Beobachter beſtimmt waren, auf dem knirſchenden Kiesweg
entfernte.
Er begab ſich noch am gleichen Cage zum Bahnhof und
ver=
ließ dieſen Kurort, der ſeine Nerven nicht heilte, ſondern vollends
zu ruinieren geeignet war.
Frau Vilma dagegen erſchien noch mehrere Cage zu jedem
Vor= Nachmittags= und Abendkonzert an „unſerem” Ciſch und
hielt immer nervöſer Umſchau nach allen Seiten.
Schließlich gab ſie die heimliche Hoffnung auf eine
Wieder=
verſöhnung mit dem, deſſen Muſikverſtändnis ſie ſich jetzt blind
unter rfen wollte, auf und beſchloß reſignierend, nun doch den
Mann ihrer verſtorbenen Schweſter, der ſich am Morgen nur für
den Börſenbericht intereſſiert, zu heiraten, damit ſowohl ſeine
deiden kleinen Cöchter, die er ihr für die Badeſaiſon anvertraute,
als auch ſie ſelbſt in gute Hut kämen.
Lebendigſein
iſt nicht mehr modern.
So ſieht alſo der neueſte Neklametrick aus: Auf der Straße
m einer dichtbelebten Verkehrsgegend kommt dir ein ſeltſames
Etwas entgegen. Eine Maſchine mit blitzblankem Geſtänge, einer
Antenne auf dem kopfartigen höchſten Ceil, Kurbeln, Seigern,
Drähten.. . Kurz — ein Automat. Man erinnert ſich: Die
Amerikaner haben das kürzlich erfunden — den
Maſchinen=
menſchen. Hier geht er offenbar. Mit vielen anderen hafteſt du
dich an ſeine eiſernen Ferſen. Er hält vor einem großen
Aus=
ſtattungsgeſchäft, oder einer Grammophonniederlage; oder eimer
Kaffeegroßröſterei. Dann ertönt der Lautſprecher, den er auf
der Bruſt trägt. Und preiſend mit viel ſchönen Neden rühmt er
die Vorzüge der hier ausgeſtellten Waren..
Bitte es nicht weiter zu ſagen: Dieſer Maſchmenmenſch iſt
gar kein Automat. Es iſt ein verkleideter Menſch von Fleiſch
und Blut. Aber der kluge Veklameagent, der ihn bezahlt, weiß
ſehr gut, daß lebendes Fleiſch heute nicht mehr hoch im Kurs iſt.
Die Welt harrt nur noch auf den Maſchinenmenſchen, um
end=
gültig beglückt zu ſein —
Oer Sohn.
Von Kurt Glaſer.
Wenn ich in folgendem über den Sohn ſpreche, ſo iſt damit
keineswegs eine juriſtiſche Abhandlung über die Stellung des
Sohnes im Erbrecht oder dergleichen geplant.
Etwas ganz harmloſes ohne Ausſicht auf Nechtshändel will
ich behandeln, nämlich das Vorkommen des „Sohn” in den
Samiliennamen. —
Bei deren Schaffung war es das Nächſtliegende, daß der
Nufname als vererbbare Bezeichnung für das Familienoberhaupt
angenommen wurde; bei uns beiſpielsweiſe Abrecht, Arnold. Es
gab aber noch eine weitere Löſung, nämlich die, daß der den
Namen wählende, an den ſeines Vaters anknüpfend, ihm ein
„Sohn” vorſetzte oder anhing.
Das war ſchon ſo im Altertum und ward Gebrauch, als ſich
die Germanen zur Schaffung von Sippennamen entſchloſſen.
Aus dem alten Ceſtament lernen wir, daß Salomo eigentlich
Ben Melech, der Sohn des Melech hieß; wir finden Abſalom
ben David und im Mittelalter begegnen uns noch Manaſſe ben
Iſrael, der Seitgenoſſe Nembrandts und der allbekannte Nabbi
ben Akiba; ſa in der Neuzeit wurden die beiden Wörter ſogar
zuſammengeſchrieben, wie die Namen des Orientaliſten Benäry
(Löwenſohn) und des Mathematikers und Philoſophen Bendavid
beweiſen.
Das ſyriſche Wort für Sohn lautet Bar. So entſtanden
Bartholomäus, Sohn des Colmai, Barnabas, Sohn des Croſtes,
Bar=Kochba, Sternenſohn. Bei den heutigen Judennamen findet
ſich das angehängte Sohn ſehr häufig. Neben Lewyſohn,
Jakob=
lohn und anderen, ſehen wir den großen Moles Mendelsſohn,
den Sohn des Lehrers Mendel.
Auch nicht ſehr wohlklingende Verunſtaltungen liefen mit
unter; ſo wurden aus Mofesfohn Moſcheles, aus Psſohn
Pin=
keles und aus dem Sohn einer Henriette (Jettel) ein Jeitteles.
Im Arabiſchen heißt der Sohn Ibn (woraus die Juden im
Orient oft Abn gemacht haben): Ibn Sina war der eigentliche
Name des berühmten arabiſchen Arztes und Philoſophen
Avicenna.
In der Ilias haben wir zei Aja: Ajas, der Sohn des
Celamon und Ajas der des Oileus.
In Deutſchland finden wir die älteſten Seugniſſe von
Vor=
ſtufen dieſer Namenbildung im Hildebrandsliede (etwa 800
n. Chr.), wo von Hildebrand, dem Sohn des Heribrand berichtet
wird; im Nibelungenlied (Ende des 12. Jahrhunderts) begegnen
uns Hagen, Adrianes Kind und Siegfried, Sigmunds Sohn.
(Stark führt übrigens in ſeinem Werke über die Koſenamen der
alten Germanen ſchon unter dem Jahre 752 einen Sigifridus
filius Sigimundus an.)
Heute iſt im germaniſchen Sprachgebiet der angehängte Sohn
am häufigſten in Skandinavien. Aber auch in Deutſchland
be=
gegnet uns die volle Form, wie in Matthiſon, dem Sohn eines
Matthias; meiſt iſt aber Sohn zu — len abgeſchwächt, wie in
Janſen (Johannesſohn), Mertenſen (Martinſohn), Frenſſen
(Franzſohn), Claſſen (Klausſohn). Nur da, wo der Name von
einem Orte abgeleitet iſt, wie in Ottenſen, Benigſen kommt er
von — huſen — hauſen.
In England ſind die — ſon zahlreich, wie Johnſon,
Nachard=
ſon uſw.
In Schweden finden wir Corſtenſorn, in Norwegen Björnſon.
— Am verwirrendſten aber iſt es in Dänemark. Da lauten in
einzelnen Kreiſen neunzehntel der ſämtlichen Namen am Schluſſe
auf — ſen. Allein von der Kopenhagener Einwohnerſchaft
endigt die Hälfte der Namen ebenſo, ſogar ein Sehntel aller
Kopenhagener heißt Janſen. Um dieſe Quelle unendlicher
Ver=
wechſlungen zu untergraben, gab die Regierung ein Leitbuch
heraus, 1600 gute däniſche Namen enthaltend, die, je nach der
Zahlkraft der „Käufer” teuer oder billig abgegeben werden
ſollen.
In den Niederlanden herrſcht der — zoon, in Jugollawien
— witſch (in verſchiedenen Schreibarten), in Bulgarien — ow.
Eigenartig iſt im Oriſchen das O, wie in O'Connel, O Brien,
O'Gordon, dem in Schottland das gleichbedeutende Mac (auch
oft nur M‟ geſchrieben) zur Seite ſteht in Namen wie
Mac=
donald, Macduff. Mar Svor, Mac Kinley, Mac Mahon.
Alles Sohn=Formen.
Auch aus dem Normannenland iſt ein Filius nach
Groß=
britannien hinübergekommen, der vorgeſetzte Fitz in Fitzgerald,
Sitzjames, Fitzmaurice. Dieſes Fitz galt eine Zeitlang in England
al sbeſonders „fürnehm” und wurde viel mißbraucht. Engliſche
Poſſendichter haben ſich denn auch über dieſe Schrulle weidlich
luſtig gemacht.
In Spanien hat das Anhängſel — ez die Bedeutung von
Sohn; in
Numänien das ſehr häufige — escu.
Im heutigen Griechenland wimmelt es von — opoulos.
(Auf den Inſeln — akis und — idis.) — Der Namensruf
einer Kompagnie griechiſcher Soldaten hört ſich köſtlich an.
Su=
dem kommt hier nicht nur der Name des Vaters in Betracht,
londern auch oft deſſen Herkunft (Nuſſopulos, Frangopulos) oder
ſein Stand (Pappadopoulos, Sohn eines Pappas, niedrigen
Klerikers). Man ging ſogar manchmal noch weiter. Das
Sonn=
tagskind hieß Kyriakopoulos (von Kyriaki, Sonntag), ja, ich
kannte in Athen einen Herrn namens Pappakyriakopoulos. Der
erſte Cräger dieſes Namens war eben der Sohn eines Pappa
und dazu noch am Sonntag geboren.
Cürkiſch heißt Sohn — oglu. Ein an den Namen einer
Sache eingehängtes — tſchi bedeutet „dazu gehörig”. Alfo
dolmatſchi Kürbishändler, kawatſchi Kaffeeſieder. Daher erklärt
ſich der ſeltſame Name eines meiner Imurniotiſchen Freunde:
Peſtemaſchoglu. Peſtema iſt Badetuch, Peſtematſchi
Badetuch=
händler und Peſtematſchioglu, das in Peſtamaſchoglu
zuſammen=
gezogen iſt und „Peſtemazoglou” geſchrieben wird, damit
Grie=
chen (die ja kein ſch herausbringen) und Franzoſen, denen das
Schluß — u mundgerecht gemacht werden muß, es ausſprechen
können, heißt der Sohn des Badetuchhändlers.
Schließlich möchte ich noch die armeniſchen — jan anführen.
Das hat natürlich nichts mit Jan, Johann zu tun, eine Anſicht,
der ich ſchon öfters begegnete. Es heißt eben auch nur Sohn,
wie in Bagdalian, Alekian uſw. Der Con liegt immer auf — jan.
Wir erſehen aus Geſagten, daß Namengebungen dieſer Art
ſehr ſchön und ſinnreich ſein können, daß aber auch hier, wie
eben in allem Uebermaß und Mangel an Vielſeitigkeit wie in der nächſten Station wortlos das Abteil.
Dänemark zur Plage werden.
ren Sufehen kohmte man Bohrnchmen, daß die Sache nern
lo blutrünſtig war: es handelte ſich zwar um Piſtolen, adernd
nur um ſolche, bei denen vorne eine Sigarette herauskam.
Dieſe Piſtolen kamen natürlich auch nach Chicago, der 491
der Naubüberfälle. Der Abſatz war über alle Erwartungen.
Jedes Sigarrengeſchäft handelte mit dieſen angenehmen Syil
waffen. Und in gleichem Maße ſtiegen die Naudüberfälle
Jugendliche. So ein jugendlicher Verbrecher kommt nicht
zu einer richtigen Piſtole. Aber eine Sigarettenpiſtole kany
ſich leiſten. Und der Ueberfallene läßt es gewöhnlich nicht auu
Der Polizeichef Hughes richtete daher eine Eingade au
Regierung und erbat die Konfiskation dieſer Ware mda
Verbot, ſie herzuſtellen und abzufetzen. Aber die Vegierung ml
ihm leider einen abſchlägigen Beſcheid geben. Das Geſetz ermz
licht das Verkaufsverbot von „Spielfeuerwaffen, in denen
exploſive Subſtanz vorwendet wird”, aber man kann dem 2y
rettentabaß ſchwer als exploſve Subſtanz auſprechen.
Der treue Hund.
Schießen Sie auf ihre Freunde..
auf angenehme Weiſe!
Mit dieſem, wenig menſchenfreundlich klingenden Satz
pro=
pagierte eine amerikaniſche Firma ihre Erzeugniſſe. Beim nähe=
Borgen Sie mir Ihren Mautel und Sie werden
war ein anderer Mann ſkeptiſcher geſinnt und behauptete, A
ſogenannte Hundetreue ſei nichts weiter als eine Angelegenhel
des Niechorgans.
Die Oebatte wurde immer hitziger.
Der Hundebeſitzer wollte ein Vermögen wetten, ader 90
andere verzichtete lächelnd.
„Ich könnte es Ihnen beweiſen, daß ich recht habe”, ſo9d
er. „Ein Hund hängt nicht an leinem Herrn, er hängt vielmeäl
am Geruch ſeiner Kleider, die dem Herrn gehören. Borgen 63
mir Ihren Mantel und Sie ſollen es ſehen.”
Der Herr war damit einverſtanden. Er gab dem Mann ſeinau
Mantek und befreite den Hund.
Der Mann zog den Mantel umſtändlich an und verließ ?0
Der Hund folgte ihm ohne Sögern.
Man wartete vergebens. Weder der Mann noch der Hund
kehrten zurück.
Und als einer der Mitreiſenden nach einem Päckchen greiſell
wollte, in dem lich Schinkenſemmeln befanden, war auch dieſel
verſchwunden.
Der Hund war weder dem Mann, noch dem Mantel, ſondens
dem Schinken gefolgt. —
R
Aufgabe 398.
P. Graf und V. Henneberger.
(Schweiz Schachzeitung 1904.)
d
H
Briffellung: Beißt: T94 71z res es 8bs 41 Bbs e5 42 47
Schwarz: Keß Ta5 1d8 g2 8c7 e1 Ba4 b7 d6 e7 g4 (11); 3
Aufgabe 394.
G. E. Carpenter, Tarrytovn, N.=9.
K. ehr. Erw. im 4. Meredith=Turnier, 1917.)
Beiß: Xbs b43 8bl(3);
Schwarz: kd1 Lel Sas g1 B42(5).
Matt in zwei Zügen.
(10
3 *.
Kätſel
La
B.eo.
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Eooo. T..
S.o....."
Po.... Vo.
.. K.....
Fo.
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1..."
.. F..."
woo..
An Stelle der Punkte ſind Buchſtaben zu ſetzen, ſo daß 22 Bäume
entſtehen, die aus den untenſtehenden Silben gebildet werden können.
Die auf die fettgedruckten Punkte fallenden Buchſtaben nennen die
erſte Zeile eines Liedes von Franz Schubert.
a — a — baum — baum — bir — birn — bu — che — che — che —de
de — der — e —e —e — ei — en — es — fer — fich — föh
go — horn — ka — ke — kie — lär — lin — me — me — ne — ni
ni — pal — pap — de — pel — pi — rü — re — ſa — ſche — ſta
ſter — tan — te — ul — wei — ze — zi. Carl Deubel.
Magiſche Zahlenquadrate.
Zahlen zwiſchen 19 und 27.
Im Quadrat III die Summe 54 unter einmaliger Verwendung 120
Zahlen zwiſchen 14 und 22.
Im Quadrat II die Summe 135 unter einmaliger Verwendung ſech
Zahlen zwiſchen 41 und 49.
Frag mich was!
Die Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß die wagerechten ud ſehn
rechten Reihen gleichlautend folgende Fragen beantworten: 1. Beſched
Tier liefert einen begehrten Pelz2 2. Wann ſtreichen die Schnebfent
3. Welches Volk ſtand vor Jahren im Vordergrund des Intereſek=
4. Was iſt bejammernswerte, 5. Welchen Baum hat Franz Schuden
Carl Deubel.
beſungen?
1. 2. 3. 4. 5.
—,
BR
KII
N. N. N.
Ruu
Die leeren Felder eines jeden Quadrats ſind ſo mit Zahlen
aus=
zufüllen, daß die wagerechten und ſenkrechten Reihen, ſowie die beiden
Diagonalen die gleichen Summen ergeben, und zwar.
Im Quadrat I die Summe 93 unter einmaliger Verwendung der
Zahlen zwiſchen 27 und 35.
Auflöfung der Rätſel aus Nr. 30:
Aus Franz Schuberts Werken.
1 Sehnſucht, 2 Am Strom 3 Erlafſee, 4 Allmacht, 5 Das
Fiſche=
mädchen, 6 Ave Maria. 7 Die Laube, 8 Der Entfernten, 2 Roſchl
munde, 10 Die Winterreiſe, 11 Heidenröslein, 12 Erlkönig, 1 222
Wanderer, 14 Die Forelle, 15 Waldesngeht, 16 Nachtviolen, 17 De
Weinen, 18 Am Meere, 19 Schäfers Klagelied. 2 Meeresſtichel
21 Nachthelle, 22 Sei mir gegrüßt, 2 Die Zauberharfe, 24 Geſlt
der Kele. 3 De ſchene Millei. 3 Antertlend, 7 Bachle
„Horch auf die Lerch’ im Atherblau”.
Au!
Kabel, Aachen, Tafel, Zapfen, Kaffee, Nagel, jagen, Aalen, Moge.
Mauer, Kammee, Raſen — „Katzenjammer=
Frag mich was!
1—2 Agram, 2—3 Mebeg, 3—4 Agnes, 4—5 Speer, 5—1 Rieſt”
„reden”.
Druck u. Verlag: 9. C. Witichſche Hofhuchtuckersi. Peinſtr. B. — Verant wortlich f. d. Redattion: Dr. 6. Nete. Fernſpr. 1.384— 254. All Nechte vorbehalten. Nackdruck verb. — Kliſches: F. baußmann, dle in Dernite.
Verſuch ankommen, ob aus der Piſtole eine Sigarette oder
leicht auch eine Kugel hervorkommen wird.
In einem Abteil zweiter Klaſſe des Schnellzuges Budap,4
Kaſchau ſaß ein vornehmer Herr, der einen koſtbaren lelg
haarigen Hund bei ſich hatte.
Er geriet mit den Mitreiſenden ins Geſpräch und es entful
ſich eine Auseinanderſetzung über das vielſeitige Gebiet:
Hundetreue. Während der Beſitzer des Hundes auf die Can
aller Hunde und insbeſondere auf die des eigenen ſchwören vol
A Sre
ſene uichde.
enfag ich Sit
ſteichärrch
h is volltend !
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„Gäſtert
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Erholungurlat
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auf dem Bahn
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fand fand zu (
rin im Naske
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Elektriſch ſerſpen
ſogt: „Sehr neit
ich habs präſſant,
Wie geſogt, d
zich die wo wen!
vm mei Zwangs
ſchied genumme,
ſche brab ſei, un
modente mache, M
ſe uſbaſſe kennt
Auberfaß inde
noch ärchender
haber beim Abf
ir Gewiſſe zu
Ich habs
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ſont, ich ol geft
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Undem düß Drot
Reiunichungswäſe
Tuff mei eichene
borz un gut, 8
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Ined berſtaut 9u
Ufgst, ich dreh m
ard nch wie n
borch zu.
Wie ich mich
nich wer iwb
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Ganf
de Mt 9ch
Ferabeitet ber
nen de ſch y
ſie mit
So, da weern mer alſo widder. — Un wann valleicht aans
ſſ ne Unſchuld glaabt, es hett beim Abſchied, odder beim
ceifang ſich ärchend jemand vun de Stadt odder ſo, uffm
hirſteichpärroh ei gefunne, do is er ſchief bandaſchiert. Die
ſch is vollſtendich inoffiziäll vor ſich gange. Iwrichens bin
aſach net for ſo Sach=, wo ſcheihalwer ſo’n Schmuß
drum=
en. gemacht ward, un es weer mer peinlich gewäſe, wann am
geren Dag großſpurich an de Spitz vum Lokahle geſtanne hett:
„Gäſtert iſt mit dem Orient=Expräßzug —
Brüſſel=
ieborch — Ihre Korbulenz, Frailein Dipl. flick. Sabina
mmmbernell wohlbehalten aus ihrem dißjährichen Sommer=
(yGolungsurlaub zuridgekehrt. Die hoche Dome ſieht
ver=
ſ echt und munder aus. Zu ihrem Empſang hatten ſich u. a.
u. dem Bahnſteichpärroh eingefunden die Herren
Ehrenſena=
uuen Oberbirchermeiſter Dr. Wilhelm Gläſſing und
Iber=
inthermeiſter Auguſt Buxbaum. Anſchließend an den
Emp=
and fand zu Ehren der geſchätzten und beriehmtem
Mitbirche=
iI, im Ratskeller ein kleiner Immbiß ſtatt —” un ſo... ."
Wie geſagt, ich bin net for ſo Sache, wo mer ſchei halwer
rb5räſſendadiern muß; däß liggt mer pet. Un wann ſälbſt die
he. Heag kumme weer un hett mich in=ere feſtlich geflaggte
Ekrriſch ſexſpennich de Rheinſtroß enuff ziehe loſſe, ich hett
ge=
ſt: „Sehr nett, Herr Bohnebärcher, awwer ich geh per Fuß,
ihmbs präſſant.”
Wie geſogt, die Härrn hawwe mich alldem enthowe. Die gan=
Kdie wo wenichſtens bei de Abfahrt am Bahnhof war, däß
rmnei Zwangswiedern. Vun däre hab ich alſo riehrende
Ab=
ſe) genumme, un hab=er noch emal ans Härz geleggt, ſie ſoll
ſesbrav ſei, un kaa a ziechliche Redensarte fiehrn un laa
Fiſſe=
wunte mache, wo ich jetzt e paar Dag net bei ihr ſei, un uff
ſunffbaſſe kennt. Dann die muß mer bekanntlich hiete wie e
Awerfaß, indem daß ſe alle Aaageblick losgeht, un meiſtens
ra ärchend=ere Seit enaus, wo baa Menſch dra denkt. Alſo ich
ur beim Abſchied noch emal uff die Seel gebunne, ſie ſoll
Bewiſſe zuſammenemme, daß mer kaa Klage kemte.
döch habs alſo nor gut mit=er gemagnt. Awwer nadierlich, ſie,
dſte ſo is, hott gleich widder Gift un Gall geſpuckt, un hott
ge=
t,uich ſoll gefellichſt vor meine eichene Dier kehrn; wodruff ich
jenöggäche gehälte hab, daß ich däß dorchaus net needich ſett,
ienn däß Drottwah vor meine Dier, vum effentliche ſtädtiſche
Zud chungswäſe ſauwer gehalte dhet wärrn, neierdings ſogar
um ei eichene Unkoſte, wann=mer aach nix devo märke dhet. No,
hmin gut, es hott noch emol zum Abſchied a Wort des annere
whoe, bis ich’s dick war un hab ihr oſtendadief mei ausdrucks=
Rehrſeit gewiſſe, um in mei Kubbee enei zu ſteiche, wo ich
Eeiſt-8 mei ſiwwe gebackene Biern zimmlich profittlich im
Gepäck=
y uerſtaut hatt, daß ſich niemand uff mein Blatz ſetzt; wie ge=
F,iich dreh mich oſtendadief uffm Abſatz erum — do ſeh ich
Dmoch, wie mein Zug em Bahnhof enaus maht, uff Aſchaffen=
451 zu. ...
Wie ich mich vun meim erſte Erſtaune erholt hatt, hab ich
Hwwwer äwe ſo oſtendadief widder uffm Dobbch erumgedreht,
*
un hab meine Zwangsmiedern a uffs Dubbee gäwwe, weil die
dra ſchuld war, daß mer mein Zug hinnericks vor de Nas
ewäck=
gefahrn is. — — Wer beſchreibt awwer jetzt mei Erſtaune, wie
ich ſtatts die ſon lange, därre Giegack gedroffe hab,
während=
dem mei Zwangsmiedern bereits owwe uff de Dräbb geſtanne
hott un hott mer e Fratz geſchnidde . . . E‟ Glick, daß der därre
Spinnegigges uff die Ohrfeich aach net grad gefaßt gewäſe ſei
muß, dann der hott äwenfalls e Weil gebraucht, bis er ſich vun
ſeim Erſtaune erholt hatt. Mittlerweil hatt ich mei
Geiſtesgeje=
wadd widder un hab zu=em geſagt: „Scheeme Se ſich; ſo jung,
un ſchun ſo verdorwe . . . . ." — un hab’n ſteh loſſe. — Er hott
nadierlich net gewagt, was druff zu ſage — ſie hawwe jo immer
e ſchlecht Gewiſſe, die Mannsleit! — un bis er die Siddewatzion
richdich erfaßt hatt, war ich äwenfalls de Dräbb drowwe.
Nadierlich hab ich jetzt wääche meim Gepäck, däß wo uff eiche
Fauſt in die Sumerfriſch gefahrn is, emol de ganze Bahnhof
räwwälliſch gemacht, un hab ſchleumigſt nooch Bawwehauſe
dele=
grafiern loſſe, ſie mechte dort, aus dem Kubbee, wo die Dam
ſitze dhet, die wo verſehentlich in Darmſtadt net ei geſtieje weer,
die ſemtliche Gepäckſticker erausnemme; die bedräffende. Dam
kemt mitm nechſte Zug nooch. Un bin alſo mitm nechſte Zug
nvoch Bawwehauſe gegondelt, wo ich richdich mei Gepäckſticker
widder krickt hab. ’s hott net a Stick devo gefehlt; im
Gäüche=
daal, es war ſogar aans mehr, nemlich e Blächbix voll
Räje=
wärm, die wo ſcheinbar eme Angler geheert hott. Den hett ich
ſchenne heern meeche. — No was e richdicher Angler is, hott aach
meines Wiſſens ſei Wärm net in=ere Blechbix, ſundern näwe im
Backe, do wärrn ſem aach net geklaut.
Es wärd wodierlich die Menſchheit aach indräſſiern, welchen
Weltplatz ich mit meine eichenhendiche Awäſenheit beglickt hab.
Jano, do es Richdiche erauszufinne, is net ganz ſo afach. Ich
hatt mer däßhalb gach vun allerhand Reiſebieros un Badeſtädt
Broſpäckte ſchicke loſſe, un hab vier Woche lang eifrich ſtudiert,
daß mer de Kobb geraacht hott, bis ich dann aach was gefunne
hatt, däß wo meine beſcheidene Aſprich: gut, billich, un net ſo
weit weg, gebaßt hott. Un do bin ich dann gach glicklich geland.
Un wanns vun mir aach net, wie beim Streeſewann, odder bei
ſo aam, im Kurbericht gehaaße hott: „Hocher Beſuch. Hier
ange=
kommen, un do un do abgeſtieche is Frailein Dipl. flick. Sabina
Bimmbernell aus Dammſtadt” ſo war däß aach weiders gornet
needich un do leg ich iwwerhaubt kaan Wert druff. Ich bin froh,
wann ſe mich in de Summerfriſch mit däre Dipl.=Flickerei
un=
geſchorn loſſe. Vun mir aus kenne amnern, die wo dehaam nix
gälte und nix ſin, ſich in de Summerfriſch uffſpiele, als weern
ſe ſchun emol vun=eme Merzedes iwwerfahrn worrn, odder als
weer=en ſchon emol en Dachziejel von=ere Fuffzeh=Zimmer=Villa
uff de Kobb gefalle, do gäb ich nis druff, un wann ſe ihr ſemtliche
Tiddel un Vornamme uffs Särwijädde=Awlobb ſchreiwe. Ich
halts in dem Fall mit=em Fauſt um ſag mir: „Hier bin ich
Menſch, hier darf ichs ſein!“
Jodenfalls, ſoviel is ſicher: es is jo ſchee drauß, un es is
ſogar oft ſehr ſchee, beſunners wann=mer es neediche Klaageld
hott un net imer haamlich ins Portmannee eneiblinzele muß,
un muß noochrächne un noochkalkulieren, obs cam langt, un ob
mer gach auskimmt mit dem wo mer hott. Awwer ſchließlich,
wann mer ſo e Wochener zwaa, odder drei fortgewäſe is, do
kimmt doch langſam der Umſchwung. Un wanns aam alfangs
noch ſo gut gefalle hott, un wann mer gornet hott färdich wärrn
kenne mit lauder Lowe, wieviel beſſer un ſcheener alles weer, als
dehaam, uff camol, wann mer ſich e bische eigeläbt hott, do guckt
mer alles e bische mit annern Aage a” mer guckt genauer hie,
un do märkt mer man hes, was mer in de erſte Begeiſterung
iwwerſehe hott, un dann gefellt aam däß net un ſäll net, mer wärd
kriddiſch un griddelich, mer waaß net was mer will, un was
gam fehlt, bis aam uff gamol e Erleichdung kimmt, ſo daß mer
ſich ſeecht: „Noja, drauß in de Fremd is 8 jo ganz ſchee, awwer
nix däſtodrotz — dehacm is es doch immer widder am ſcheenſte.
Un wann mer ſoweit is, dann bezahlt mer ſei Rächnung, was
gam de Abſchied vun däre ſcheene Gäächend zimmlich erleichtern
dhut, un fehrt haamſärts un is glicklich, wann mer in ſeine
vier Wend dehoam is, un märkt daß alles noch an ſeim alte
Blatz ſteht, un daß alles noch beim Alde gebliwwe is, wie mers
ſeither gewehnt war, mit Auswahm vun de Reklameuhrn un de
Bollezei, indem die ſich zu ihrm Vordaal verennert hawwe.
Lang hotts jo wie gewehnlich gedauert, un wääche dene
ordi=
näre Reklameuhrn hab ich mer faſt die Finger bludich
ge=
ſchriwwe un Franze ans Maul geſchwatzt; endlich hawwe ſe
wid=
der mol en lichte Momend gehatt.
Un die Bollezei? — do hott de Herr Miniſter des
Inner=
lichen, wie er bloß noch gewehnlicher Landdagsabgeordneter war,
ſich immer defor ei geſetzt, daß die e Summeruniform
krickt. Awwer was de Landagsabgeordnete Leuſchner
ver=
langt hott, däß hott de Miniſter Leuſchner leider net
ge=
währt. Dann erſtensmal is däß ſoviel wie gornix, und
zweidens=
mal kimmt der Uhkaß reichlich zu ſpeed. Mer ſieht alſo aach do
widdermol, daß mer als Landdagsabgeordneter leicht babbele
hott; awwer dann, als Miniſter, do hott alles ſei zwaa Seite,
wie e Klaaderbärſcht — e hoorich un e gladd . . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Dißmol hatte ſe’s ausnahmsweis
vum Waſſer, drowwe uffim Rothaus, un de Herr Geheimderat
Otto Berndt hott de Fachmann erausgehenkt un hott unſer
„Eſchollbrücker Kreenche” ſchlecht gemacht. Jetzt, was mich bedrifft,
ſo kann ich em do net recht gäwwe. Im Gäächedaal, ich hab mer
uff unſer Waſſer die Zeit her ſehr viel eigebild, un wann’s mol
unner dene Umſtende, wo nochemol ſoviel verbraucht wärd
als gewehnlich, e bißche driewer laaft, Gott was will däß
be=
deide. — 8 Bier is bei dem erheehte Konnſum äwe aach net
mehr däß. Ich maan, mir ſollte froh ſei, daß der Krane
iwwer=
haubt noch leeft: annerwärts krieje ſe’s Waſſer ratzioniert. Un
wann de Herr Geheimderat Otto Berndt die Gudmiedichkeit vun
de Darmſtädter Bärjerſchaft bewunnert, die wo mit dem
zeit=
weis driewe Waſſer zufridde is — du liewer Strohſack, däß
„Waſſer”, wo uffm Rothaus verzabbt wärd, is waaß Gott aach
net viel „klarer”, un „genießbar” is es oft als gornet. Do kennt
mer ſich eher iwwer die Gudmiedichkeit vun de Bärjerſchaft
wun=
nern. Wie geſagt, wann de Herr Geheimderat Otto Berndt nix
zu moniern find als unſer Waſſer, do hott’s gude Wähk. Die
aanzich richdich Antwort uff die Waſſerredd, die hott’m unſer Bux
gäwwe, indem der ſich ſofart en Schobbe „Eſchollbrücker Kreenche‟
hott gäwwe loſſe un hott’s mit Todesverachdung enunner
ge=
ſtärzt. Do hott=er mer widdermol mit ſeine Schlagfärdichkeit
Spaß gemacht, de Auguſt.
Un weil mer grad vum Waſſer redde: — do is neilich aach
widdermol iwwer des Waſſer in unſerm große Woog geſpeddelt
worrn, vermudlich vun=eme Rächenkinſtler, der wo ſälbſt net
enei=
geht, ſunſt weer er im Bild. Jedenfalls, ſoviel is ſicher, vun dene
zehedauſend Perſone, die wo Sunndags die „Liewesinſel”
ge=
nannt „Fleiſchmarkt” bevölkern, ſin die meiſte bloß
Fleiſch=
beſchauer, in’s Waſſer gehn die wenichſte. Eweſowenich
wie die, die wo den Woog nei’zeitlich umbaue. Des Damebad
mit ſeim Zementboddem is en großer Unfug, ditto däßgleichen
der Zementſtääch, uff dem ſich im ausgezogene Zuſtand kaa
Menſch uffhalte kann. E öffentlich Badea’ſtalt geheert ſich aus
Holz gebaut; zumindeſt de Boddem, däß waaß e klaaner Bub.
18 Flugblatzreſterant hette ſe dohärngääche aus Zement mache
kenne.
Ich hab mer ſage loſſe, daß ſe jetzt die „Weiße Haischer”
aus=
baue wollte. Valleicht dhut do der Herr Profeſſer Friedrich
Kalb=
fleiſch als aanzicher „Fachmann” gleich ſein Eiwand geldend
mache, eh er ſich widder als de „Iwwergangene” bedrachte muß.
Iwwrichens, wann de Herr Profäſſer Friedrich Kalbfleiſch noch
net wagß, daß die „Kommiſſione” un „Ausſchiß” bloß defor do
ſin, daß ſe iwwergange wärrn, do kann er mer laad dhu . . .
Schließlich un endlich hott ſich in de letzte Stadtratsſitzung
aach noch de Säbbel Hittſch uffgereecht, weil die Eiweihung vum
nei gebaute Liewichs=Geburtshaus unner Ausſchluß der
Effent=
lichkeit ſtattgefunne hott. Was e Geſchwätz, ſie hawwe’s jo aach
unner Ausſchluß der Effentlichkeit abgerobbt. Eweſo hawwe ſe,
unner Ausſchluß der Effentlichkeit, dem Niewergall den getragene
Grabſtaa uff däß gebrauchte Erbbegräbnis geſetzt. Däß mache
die all.
Gerleichtertes Einmachen. Da dieſes Jahr die
Ern=
arr Beerenfrüchten, Obſt und Gemüſen ſehr ſpät erfolgen, ſo
ſt nauch die Hauptkampagne des häuslichen Einmachens und
eri iſierens auf ein ziemlich ſpätes Datum. Damit dann alles
ſtwonſtatten geht, ſollte die Hausfrau beizeiten vorbereitende
Beitt leiſten. Zu dieſer gehört vor allem das Inſpizieren der
ſſäſervorräte und Ergänzen eventuell entſtandener Lücken.
ſihnar müſſen die Gummiringe auf ihre Brauchbarkeit geprüft
ſaönn, ſowie die Deckel ergänzt werden. Schadhafte, abgeſtoßene
geſprungene müſſen außer Dienſt geſetzt werden, da ſie bei
Tdarverwendung die Haltbarkeit des Einmachgutes in Frage
ſten, können. Auch die Spannfedern ſind auf ihre
Elaſtizi=
nund Spannkraft zu unterſuchen. Endlich müſſen ſämtliche
Sſex, Gummiringe, Saftbeutel, Saftflaſchen uſw. gründlich
ge=
ſitigtt und nochmals keimfrei gemacht werden.
G:eleeſpeiſen für die Sommermonate. Iſt ſchon
ᛋMsinter die Verwertung von kleinen Speiſereſten für die
5sFrau nicht gerade angenehm, ſo bedeuten ſie im Sommer oft
ct eine Gefahr für die Geſundheit, wenn ſie nicht am gleichen
Ter Verwendung finden. Das gilt nicht nur von friſchem und
ſturhertem Fiſch, ſondern auch von Wurſt= und Fleiſchſorten
utk lAArt. Nicht jedes dieſer Lebensmittel kann nun zu Salat
erboeitet werden, wie zum Beiſpiel verſchiedene weiche
Wurſt=
utn, die ſich nicht in Streifchen ſchneiden laſſen. Aber alleſamt
ſti ſre mit leicht ſaurem Gelee zu umhüllen und unter
Mitver=
dmng von allerlei pikanten Zutaten wie Senf=, X feffer= und
ſte Gurken, Tomaten, Perlzwiebeln, Kapern, hartgekochten
En. Möhren, verſchiedene Gemüſe uſw. zu ſehr anſehnlichen
anich wohlſchmeckenden Schüſſeln zu geſtalten. Werden alle
dr ſſauren Gelees und Aſpiks mit oder ohne Remolade oder
Donaiſe, kalter Senf= Tomaten= oder Meerrettichſoße zu
ge=
men oder gebratenen Kartoffeln oder Brot gereicht, ſo bilden
ſeinae immer willkommene Zukoſt zu dieſen und verraten in
beer: Weiſe, daß ihr Hauptbeſtandteil Reſte ſind. Von der ſtets
bränt ig gehaltenen weißen oder roten Gelatine verwendet man
mSwmmer auf einen halben Liter Flüſſigkeit 6 bis 8 Blatt.
mſcharf ſie niemals aufkochen laſſen, da ſie ſonſt ihren „Stand”
eitst. An heißen Tagen ſollte auch jede Geleeſpeiſe erſt am
emen Tage genoſſen werden, um ſie leicht ſtürzen zu können.
rdfings müſſen ſie im Sommer reſtlos aufgegeſſen werden,
iie ſich beſonders leicht zerſetzen und damit zu ſchweren
Darm=
ſſungen und =erkrankungen Anlaß geben können.
F einer Stachelbeerſchaum von reifen Beeren.
find reife Stachelbeeren, von Stiel und Blüte befreit, kocht
mnapp mit Waſſer bedeckt weich, ſtreicht ſie durch ein
Haar=
mührt 125 Gramm Zucker, 2 Eigelb und 6 Blatt aufgelöſte
9Belatine dazu und läßt die Maſſe erkalten. Wenn ſie ſtei
barührt man den geſchlagenen Eisſchnee darunter und ſchlägt
dier Schneerute ſo lange, bis ſie recht ſchaumig ſich als Berg
häuufen läßt. Man reicht Eiswaffeln oder Makronen dazu.
Speiſezettel.
Sonntag: Stachelbeerkaltſchale; Kalbsnierenbraten gefüllt;
Mokkacreme. — Montag: Pilzeierkuchen mit Salat. —
Diens=
tag: Gurkengemüſe mit gebratener Leber. — Mittwoch:
Ge=
füllte Kohlrabi. — Donnerstag: Dampfnudeln mit
Heidel=
beeren. — Freitag: Gefüllter, geſpickter Schellfiſch mit
Toma=
tenſoße, — Samstag: Pfifferlinggemüſe mit Bratkartoffeln.
„Mürbegebäck.”
Von Hertha Ludwig.
Obſtkuchen.
Wasbrauchtman? ½ Pfund Mehl, ¼ Pfund Butter,
¼ Pfund Zucker, 1 Gelbei, 1½ Pfund gedünſtetes Obſt. — Wie
macht man es? Mehl, Butter, Zucker und Gelbei werden
zu einem Teig verarbeitet, meſſerrückendünn ausgerollt, auf ein
Backblech gegeben, mit den Früchten belegt und im mäßig
ge=
heizten Gasbratofen während 10 Minuten gebacken. Dieſer
Blechkuchen wird mit gitterartig übereinandergelegten Teigſtreifen
oder auch mit einem Zuckerguß verziert.
Erdbeercharlotte von Mürbeteig.
Wasbrauchtman? ½ Pfund Mehl, ½ Pfund Butter,
Zucker, 2 Gelbeier, 1½ Pfund gutgezuckerte Erdbeeren, 1 Pfund
Biskuit, 2 Glaß ſüßen Wein. — Wiemacht man es? Mehl,
Butter, Zucker, Gelbeier werden zu einem Teig verarbeitet, der
Boden einer Dunſtform und auch die Seitenwände gitterartig
mit Teigſtreifen ausgelegt; eine Schicht in Wein gelegte Biskuit
werden obenauf gegeben und abwechſelnd mit Erdbeeren wird
die Form in dieſer Reihenfolge gefüllt. An Stelle der letzten
Schicht Biskuit gibt man einen Deckel von Mürbeteig auf die
Charlotte und bäckt ſie in mäßig geheiztem Gasofen langſam gar.
Tortelettes.
Wasbrauchtman? ½ Pfund Butter, ¼ Pfund Zucker,
½ Pfund Mehl, 2 Eidotter, einige Scheiben Ananas. — Wie
macht man es?, Butter, Zucker und Mehl werden zu einem
ziemlich feſten Teig verarbeitet, ausgerollt und mit einem
Wein=
glas Plätzchen ausgeſtochen. Von dem Reſt des Teiges walkt
man runde ſchmale Ränder, ſetzt dieſe auf die Plätzchen und gibt
das Gebäck in den mittelheißen Gasofen. Man füllt die
Torte=
lettes mit Ananasſcheiben, welche ſo groß ſind, daß ſie den
Hohl=
raum zwiſchen den Rändern des Gebäcks ausfüllen, und verziert
die Kuchen mit Schlagſahne.
Kirſchtorte.
Wasbrauchtman? Den von ½ Pfund Butter, ¼ Pfund
Zucker, 2 Eidottern und ½ Pfund Mehl bereiteten Mürbeteig,
1½ Pfund Kirſchen, 1 Taſſenkopf Zucker und 1 Teelöffel
Kar=
toffelmehl. — Wie macht man es?. Eine Springform wird
nit dem Teig gleichmäßig ausgelegt, im Gasofen gebacken und
mit den Kirſchen gefüllt, die man folgendermaßen zubereitet:
Das Obſt wird entſteint, ohne Waſſer mit dem Zucker aufgekocht
und der ſich bildende Saft mit dem Kartoffelmehl gebunden.
Das Bilderrätſel. Der Präſident der britiſchen Akademie der Künſte,
Sir Frank Dickſee, erzählt die folgende Geſchichte über die ſaltſamen
Wirkungen der modernen Kunſt. Eine Dame, die jeder neuen Mode
nachläuft, betrachtete die Bilder im Hauſe einer Bekannten. In der
Ecke hing eine Zeichnung, die ihre beſondere Aufmerkſamkeit erregte,
„Dieſes Bildnis ihres Mannes iſt aber ganz entzückend”, bemerkte ſie
zu der Wirtin. — „Das iſt doch gar kein Bild meines Mannes,” erwideret
dieſe erſtaunt, „das iſt der Plan für die Waſſerleitung.”
Sein Merkmal. „Habe ich Sie vielleicht auf den Fuß getreten?”
fragte der dicke Herr im Theater, als er von der Pauſe zurückkehrte. —
Jawohl, mein Herr”, ſagte der andere mit ſchmerzlichem Lächeln.
„Dann ſind wir hier richtig,” wandte ſich der Dicke zu ſeiner Frau,
„das iſt unſer Platz.”
Aparte Sommerkleider.
Die elegante Frau hat ſicher zwiſchen all' den
Kleidern, die ſie ſich für den Sommer anſchaffte,
auch eins oder gar mehrere in der modernen,
aſym=
metriſchen Schnittform arbeiten laſſen. Sie wirken
ſehr originell, dieſe Kleider, an denen nichts
regel=
mäßig iſt, weder die Schnittform noch die
Anord=
nung der Garnierungen. Betont werden dieſe
un=
gleichen Formen noch durch einen Unterſchied in
den Farben; unſer eines Modell (b) zeigt nicht nur
eine ſehr originelle Form, ſondern auch eine
effekt=
volle Kombination von weißem und roſtrotem
Crepe de Chine; letzterer bildet die ſchräge Paſſe
und die diagonal verlaufenden Blenden, die dem
Kleid das Aparte, ſo ganz aus dem Rahmen des
Alltäglichen Fallende geben. Auch andere
Farb=
kombinationen, die in früheren Zeiten als zu
ge=
wagt abgelehnt worden wären, bringt uns die
Sommermode, die nun einmal eine ſtarke Vorliebe
für alles Bunte an den Tag legt. Aber ſo wie die
Farben und Stoffe heute zuſammengebracht wer=
Der moderne Schal.
ſoll in den leicht etwas monoton wirkenden Straßenanzug unſerer
Damen Abwechſlung und Belebung bringen. Sind Mantel und
Hut einfarbig — etwa grau oder beige —, ſo kann der Schal mit
den verſchiedenſten bunten Farben bedruckt ſein. Ein beſonders
feſches Muſter zeigt der Schal auf unſerer kleinen Skizze; aber
außer der vielbunten Muſterung bildet die Art, den Schal zu
knoten, ſeine eleganteſte Wirkung!
Sportliche Kleinigkeiten.
Zu ihnen zählen die feſche Weſte aus einem buntgeſtreiften,
molligen Trikotſtoff, ein wärmender, zartfarbiger, gemuſterter
Kaſha=Schal und ein einfaches, praktiſches Baskenmützchen, der
— als Neueſtes — ein großes Monogramm eingeſtickt iſt. Es iſt
nun einmal eine luſtige Laune der Mode, überall ein flott
aus=
geführtes Monogramm anzubringen.
Die Mode von heute.
Farbige Spitzenkleider im Sommer tonangebend.
Das große Intereſſe, das die duftigen Spitzenkleider in der
verfloſſenen Geſellſchaftsſaiſon bei unſerer Frauenwelt gefunden
hat, wird im Sommer neue Belebung erfahren. Sie wird mit
einer derartigen reichen Auswahl farbiger Spitzenkleider
über=
raſcht werden, daß es ihr ſicher ſchwer fallen wird, darunter das
für ſie paſſende Gewand zu finden, wenn ſie nicht gleich mehrere
davon erſtehen kann. Es ſcheint heute jedenfalls ſo, daß alle
Farb=
töne darunter vertreten ſind, vom ſchneeigen Weiß über alle
Far=
ben des Regenbogens mit ihren Schattierungen bis zum Schwarz.
Ergänzt werden dieſe farbig leuchtenden Spitzenwunder durch
mehr oder weniger kontraſtierende Unterkleider, eine ebenſo
effekt=
volle wie praktiſche Neuheit.
So konnten wir kürzlich in einem führenden Modehaus zwei
Typen dieſer Sommerneuheit in außerordentlich zahlreichen
Ver=
wandlungen bewundern. Das eine Modell war aus beige, das
andere aus ſilbergrauem Spitzenſtoff gefertigt. Beide Kleider
wieſen Volants in ſchräger Anordnung mit Zipfeln an den
Sei=
ten auf und ausgeſchnittene Leibchen. Sie wurden abwechſelnd
mit ſmaragdgrünen, ſaphir= und azurblauen, roſa und lachsroten,
rika ud lila Unterkleidern in verſchiedenen Farbſtufen vorgeführt
und jedesmal in der Ausſtattung verändert. Einmal ergänzte
eine der ſo raſch beliebt gewordenen breiten Schärpen mit
Schmet=
terlingsſchleife die Kleider um die Hüften. Das andere Mal
wurde ihnen ein ſteinbeſetzter oder ſchmaler Ripsbandgürtel mit
blitzender Straßſchnalle umgelegt. Weiter dienten Spitzenjabots
und Bolerojäckchen von Taft, in der Farbe des Unterkleides,
lange Schals und Stoffenden im gleichen Ton der Spitze und
Abſeite in der Farbe des Unterkleides, als ſchmückende
Ergän=
zung. Ganz entzückend aber zeigten ſich dieſe aparten,
vorneh=
men Toiletten mit einer Ergänzung durch weite, dreiviertel= und
ganz lange Capes aus Seidenſamt im Farbton der Spitze, nur
einige Schattierungen dunkler gehalten mit einer zum Unterkleide
paſſenden, reich gepufften, gereihten oder ſtreifenweiſe glatt und
pliſſiert gehaltenen Abſeite verſehen, der hohe Wulſt oder
Roll=
kragen mit ſchmalem Pelzſtreifen ausgeſtattet. Kurzum, mit
einem Kleide dieſer Art und mehreren der angebenen
Ergän=
zungen kann auch eine verwöhnte Frau ſich allen feſtlichen
Gelegenheiten aufs beſte anpaſſen.
Aber die Mode ſchuf nicht nur dieſe zweifarbigen lichten
Spitzenkleider, ſondern auch ſehr, ſehr kräftig getönte, mit
Unter=
kleid im gleichen Farbton, vorwiegend durch ſchwarze Gürtel
oder Schärpen geſchmückt. Was ſie in leuchtend roten, grünen,
altgoldenen und azurblauen Gewändern dieſer Art herſtellte,
ſtraft das vielgebrauchte Wort Ben Akibas „Alles ſchon
dagewe=
ſen” Lügen — ſo will es wenigſtens uns erſcheinen, denn die vor
mehr denn zehn Jahren modern geweſenen eingefärbten
Spitzen=
einſätze und =anſätze ſind mit dieſen bizarren Schöpfungen einer
phantaſievollen Mode auch nicht annähernd zu vergleichen. Für
jene, die ſich des glücklichen Beſitzes hellfarbiger, lichter
Spitzen=
röcke vom Winter her erfreuen, bietet dieſe Neuheit die große
Annehmlichkeit, durch Hausfärberei ſich aus ihnen ein
hochmoder=
nes, farbig leuchtendes Spitzenkleid zu ſchaffen, denn auch
Zuſam=
menſtellungen von Spitze und Crepe de Chine im gleichen
Farb=
ton und mit andersfarbigem Unterkleide getragen, erfreuen ſich
der Gunſt ihrer Schöpferin, die auch dieſe Vereinigungen in
reichem Maße vorſah.
Leder — ein beliebtes Material.
Man kann heute
vie=
lerlei Sachen aus
wei=
chem ſchmiegſamen
Le=
der arbeiten: den
prak=
tiſchen, unverwüſtlichen
Regenhut, an dem die
flott gebogene und
ge=
niffte Form und
ge=
ſchickte Steppereien den
ſchönſten Schmuck
bil=
den, — den ſportlichen
Gürtel mit großem,
verſtellbarem Schloß,
und die vielen
hüb=
ſchen Taſchen in den
tauſend verſchiedenen
Formen. Unſer Täſch=
chen zeigt wieder einmal etwas wirklich Neues: den an einem
feinen Kettchen befeſtigten ſilbernen Bleiſtift, der in einem
Ein=
ſchnitt im Leder der Taſchen gehalten wird.
den, wirken ſie weder gewagt noch irgendwie uu.
ſchön — nur originell und ſehr modern.
Zu den beliebteſten Sommerſeiden gehört du
Foulard, vor allem der getupfte; unſer aus blaue=v
weiß gepunktetem Foulard gearbeitetes Model 00/
zeigt auch etpas Apartes in der Verarbeitung: 8d
weißen Georgette=Aermel, mit denen die breiß
ſeitlich gebundene Schärpe harmoniert und dion
Beſatz von Spitze, die natürlich, da der Stoff
ſeln=
gemuſtert iſt, in ihrer Muſterung möglichſt ruhch
und gleichmäßig ſein muß. Gegen allzuviele u.)
ruhe und allzuviel Muſter verwahrt ſich ſeln)
unſere augenblickliche Mode.
Unſer drittes, wunderhübſches Crepe de Chiny
Modell (c) iſt beſonders für unſere ganz ſchlankah
Frauen ſehr kleidſam; die abſtechend gepaſpelters
dicht übereinanderfallenden Volants am Rock unm
an den ſchicken, unten erweiterten Aermeln würdee
für weniger ſchlanke Frauen immerhin eine Gefaklu
bedeuten. Zu den unentbehrlichſten
Kleinigkeiten=
die den Anzug erſt zu einem geſchloſſenen Ganzeu
vervollſtändigen, gehört außer dem feſchen Huu
den ſchönen, kompliziert verarbeiteten Schuhen min
den glänzenden hellen Seidenſtrümpfen in dieſem
Sommer auch der Sonnenſchirm, den die Modch
wieder bringt. Es gibt entzückende Sonnenſchirmn
aus glatter Seide, mit ſchönen Blumen oder
geome=
triſchen Figuren bemalt, in einfacher, ziemlich flau
cher Form, ſowie ganz phantaſtiſche Gebilde aus gey
rüſchter, gepuffter und gereihter Seide; die Farben
der Schirme müſſen natürlich zu Kleid und Hutu
gut paſſen. — Zu allen Modellen ſind Lyon=n
Schnitte erhältlich.
Der Sonnenſchirm.
Wer ein gemuſtertes Kleid trägt, kann natürlich nur einen
einfachen, glatten Sonnenſchirm mit ſich führen; zum einfarbigen
Kleid dagegen kommen die Schirme aus phantaſievoll gemuſtertes
bunter Seide in Frage. Unſer Modell ſieht beſonders hübſch aus,
weil man es mit einem farbigen, zur Muſterung paſſenden Volan
geſchmückt hat.
Aus zweierlei Material.
Nicht nur die Kleider und die Hüte ſehen beſonders feſch aus,
wenn ſie aus zweierlei Material gebildet ſind — auch alle Oie
Dinge, die aus Leder hergeſtellt werden, wirken ſehr
elegan=
wenn ſie aus einem glatten und einem gemuſterten, eventuell ſe.
gar aus zweierlei gemuſterten Materialien gearbeitet ſind. Se”
apart iſt beides, was wir auf unſerer kleinen Skizze zeigen:
große, aus verſchiedenen Lederarten kombinierte Taſche ſowie de
ſchmale Grütel, an dem der vorn eingeſetzte Spiralteil, der ſe
in der Weite vollkommen der Figur anpaßt, etwas mitu
Neues iſt.
Modiſche Oetails.
und immer wieder gibt es bei all den vielen modlche
Details Kleinigkeiten, die wirklich neu und apart ſind. An. L"
Handſchuhen iſt es der ſehr praktiſche Doppelknopf=Verſchinb."
dem Schal das vielfarbige, geſchmackvoll zuſammengeſtellte Mt
mit der hellen, einfarbigen Kante, an dem ſchönen Lederhit.”
die originelle, mehrfarbige Galalithſchnalle; ſolch ein geſchſe.
voller Gürtel ſieht zu einer einfachen Bluſe ſowie zu eineſl, be
nierten, eleganten Kleide gleich ſchön aus.
ihr kannte
den Kreis
durch Zeit
das dunkle
Mit allem,
So feiert
Nur halb
So bleibt er
Schon drei
Wir haben
Die Welt
Schon längf
Das Eigen
Er glänzt
Unen
ſonken in allen
klingt. Der Se
Zum Mythos
geworden. Ee
die Erinnerung
ehrer
leze
Erobert
Ohnmnacht hat
Feinden. Je
rend ſich di
deutſchen
ein Bilt
Air Lennen
ine