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Nummer 164
Mittwoch, den 15. Juni 1927.
190. Jahrgang
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ſede
und Dasne
Nabatt weg. Banklonto: Dei
ſche Banf
dier und Na
albanf.
Die Miniſterbeſprechungen in Genf
tallgtione
Genf und die weltpolitiſche Lage.
Keine Vermittlung Deutſchlands im
engliſch=
ruſſiſchen Konflikt.
ſten der
Wie vorauszuſehen war, liegt die politiſche Bedeutung der
Sehende i bvesjährigen Genfer Ratstagung nicht in der Erledigung der
anf der offiziellen Tagesordnung ſtehenden Fragen. So wichtig
eme Reihe von dieſen Fragen auch ſein mag, ſo ſind ſie doch
von untergeordneter Bedeutung angeſichts der großen weltpoli=
Swſtſchen Spannungen, in deren Zeichen die Sommertagung des
Yölkerbundsrates eröffnet, worden iſt. In einem offiziöſen
HEiN) Cwmmuniqué, das die deutſche Delegation in Genf zur
Unter=
rahtung der deutſchen Preſſe herausgegeben hat, wird
ausdrück=
lIh betont, daß in den erſten Beſprechungen, die der deutſche
Yerhandlungsführer Dr. Streſemann ſowohl mit Briand wie
hilalſoh mit Chamberlain hatte, Probleme, die „weit über das Gebiet
Gasjahn der für Deutſchland akuten Einzelfragen” hinausreichen, „
aus=
zulich ge 9 ebig” behandelt worden ſind.
Die Berichte amtlicher Sonderkorreſpondenzen des In= und
Beilegen
Auslandes ſtimmen darin überein, daß in erſter Linie die
rage der engliſch=ruſſiſchen Beziehungen im
SGAS, h2 ordergrund der Genfer politiſchen Verhand=
TSMERK lungen ſtehen. Nach unſeren Informationen iſt auch gerade
dreſes Problem Gegenſtand ausgedehnter Erörterungen zwiſchen
C treſemann und Chamberlain geweſen. Wenn aber nunmehr
dieser Be Ahon getiſſen franzöſiſchen und engliſchen Zeitungen aus dieſer
die durehe Datſache der Schluß gezogen wird, daß Deutſchland geneigt
gehlang una ſcheine, ſich mit den übrigen Nationen über die Möglichkeit
ge=
meiſſer gemeinſamer Schutzmaßnahmen gegen Rußland zu
ver=
einen durche
ſüäindigen, ſo muß hervorgehoben werden, daß irgendwelche
Tat=
akennungeh ſachen, aus denen derartige deutſche Auffaſſungen hergeleitet
weerden können, nicht vorliegen. Tatſache iſt, daß in ganz Europa
unsehlag oder muigenblicklich eine Mißſtimmung gegenüber Moskau beſteht, und
m kostenlos, 4— atſache iſt auch, daß das Wirken der dritten Internationale,
insbeſondere die verhängnisvolle Propagandatätigkeit der
Ko=
lelbers Sate) wrintern, ſchuld iſt an dieſer Erregung, die ſich über ganz Europa
d2 Bleehue1 verbreitet. Es iſt ſeinerzeit bei der Zuſammenkunft Streſemanns
die Ausgabe del
zerwuwwer, ſ44 umd Tſchitſcherins in Baden=Baden von deutſcher Seite nicht
neiderſprochen worden, als in der deutſchen Preſſe die Anſicht
geäußert wurde, Streſemann habe Tſchitſcherin auf die
verhäng=
nſisvollen Folgen der Verquickung von Außenpolitik mit
innen=
holitiſcher Propaganda hingewicſen, wie ſie in Rußland tat=
Huſine
ſiächlich praktiziert wird. Der Terror, der ſeit einer Woche in
Rußland herrſcht, hat ein Uebriges dazu getan, die antibolſche=
Sechtzylinder!
Jahr gefahren, 9 noiſtiſche Welle in der ganzen Welt noch zu verſtärken. Trotz
ſig abzugeben, /9620id (llledem iſt es ſicher nicht die Aufgabe und das Ziel der in Genf
Rheine weilenden Staatsmänner, einen Kreuzzug gegen Rußland zu
G Ober ſaße ? miſzenieren. Es iſt in dieſen Tagen davon geſprochen worden,
Deutſchland wolle in dem engliſch=ruſſiſchen Konflikt die Rolle
des Vermittlers übernehmen. Davon kann keine Rede ſein, denn
ehBüftel 2s beſtünde die Gefahr, daß die deutſche Politik im Verlauf einer
und repariert 9 ſwolchen Vermittlungsaktion ſehr leicht böſen Verdächtigungen
ueim, Barmsl” Ausgeſetzt ſein könnte. Deutſchland wird nach wie vor in dieſem
ſgerſtr. 53, Telepho 2 Ronflikt zwiſchen England und Rußland eine Politik der
ſtreng=
ſten Neutralität einhalten. An einem antiruſſiſchen Block kann
ſich Deutſchland nicht beteiligen. In Moskau darf man ſich aber
ruch keiner Täuſchung darüber hingeben, daß der Berliner Ver=
HIBMTAF” grag Deutſchland keinesfalls verpflichtet, die Politik reſtlos zu
ſoilligen, die man ſeit geraumer Zeit in Moskau verfolgt.
kaufen geſuchte
H e
Ueber den Inhalt der Genfer Miniſterbeſprechungen, die
Geute nachmittag und in den folgenden Tagen fortgeſetzt werden,
eimanl KeL,N erfahren wir, daß dieſe Beſprechungen ſich durchaus nicht nur
„ Gſchtalſraße ”b um die relativ nicht ſo bedeutenden Einzelfragen der deutſchen
„g9i3t. ! Abrüſtungsverpflichtungen und der Rheinlandbeſetzung drehen,
ondern vor cem die großen weltpolitiſchen Probleme zum
egenſtand haben. Darunter nimmt der engliſch=ruſſiſche Streit
eiegtib — ſeinen großen Raum ein. Es handelt ſich darum, die
internatio=
malen Beziehungen im Sinne des Völkerbundes und des
Welt=
friedens zu verbeſſern. Dieſem Beſtreben gelten die hieſigen
gell Beſprechungen, die heute nachmittag fortgeführt werden und an
wenen wahrſcheinlich auch im weiteren Verlauf andere Mächte
agel ſich beteiligen dürften. Wie wir hören, kommt beſonders die
Beteiligung des italieniſchen Ratsdelegierten Scialoja an den
ausmil BBeſprechungen in Frage. Dem ruſſiſchen und dem albaniſchen
„ſ99 Problem gegenüber, das die Miniſter ebenfalls beſchäftigt,
ver=
llieren die Einzelfragen an Bedeutung, ſo wichtig ſie auch an
ſich ſein mögen.
Die Sechſer=Konferenz.
N
Die heutigen Nachmittagsbeſprechungen der fünf Locarno=
„hinen rmächte, zu denen noch der japaniſche Ratsdelegierte zugezogen
war, dauerten bis kurz nach 7 Uhr. Nach Beendigung der Sitzung
Wr
oce
twurde eine Erklärung ausgegeben, die beſagt: „Die Vertreter
„nato”, von England, Frankreich, Italien, Japan, Deutſchland und
Bel=
gien ſind zuſammengekommen, um einen Gedankenaustauſch über
each die politiſche Lage und die ſie betreffenden Fragen vorzunehmen.
Die Beratungen werden morgen fortgeſetzt.” — Von gut unter=
„99Wyichteter deutſcher Seite wird dazu betont, daß dieſe
Zuſammen=
kunft keine Senſation darſtellt, denn die Vertreter der gleichen
Mächte haben ſchon im Dezember vorigen Jahres ähnliche Be=
Af Hrdrnnsn Hs Aie Hrlrse Hrdrge Hrte Ke
Wahrſcheinlichkeit nach der allgemeinen politiſchen Lage gegolten,
und es iſt anzunehmen, daß in den folgenden Beſprechungen auch
die Fragen beraten werden, die die Botſchafterkonferenz und
Deutſchland beſonders angehen. Die nächſte Beratung findet
morgen nachmittag 5 Uhr ſtatt. Einzelheiten über die
Beſpre=
chungen zu geben, iſt zurzeit unmöglich, und es darf nur
demen=
tiert werden, daß nach den hier verbreiteten Gerüchten Briand
und Chamberlain eine angebliche deuſche Forderung nach einem
deutſchen Sitz in der Mandatskommiſſion abgelehnt hätten.
Die Memelfrage auf Mittwoch vertagt.
Die öffentliche Ratstagung, die um 11 Uhr begann, war
11.20 Uhr bereits beendet. Zu erwähnen iſt, daß das Datum
der Diplomatenkonferenz für die Aufhebung der Einfuhr= und
Ausfuhrbeſchränkungen auf den 17. Oktober 1927 verlegt worden
iſt. Zu der Konferenz ſoll auch die Internationale
Handelskam=
mer eingeladen werden, eine Delegation mit beratender Stimme
zu entſenden. Die Empfehlungen der internationalen
Wirtſchafts=
konferenz werden der genannten Konferenz überwieſen, ſoweit
ſie ſich auf die Ein= und Ausfuhrbeſchränrungen beziehen. Auf
Antrag des kolumbiſchen Delegierten Uruda ſollen zu der am
23. Auguſt in Genf beginnenden 3. Internationalen
Verkehrs=
konferenz diejenigen Nichtmitgliederſtaaten des Völlerbundes
eingeladen werden, die an der 2. Konferenz teilgenommen haben,
ferner die Regierungen von Aegypten, Coſtarica und Sudan. In
der folgenden geheimen Sitzung wurde auf Antrag Streſemanns
beſchloſſen, die Memelfrage bis auf morgen zu vertagen, da die
Ausſicht beſteht, daß zwiſchen dem deutſchen Antragſteller und
der litquiſchen Regierung eine Einigung erfolgt, die eine
Be=
handlung der Frage vor dem Rat exübrigt. Um 11.45 Uhr war
auch die geheime Sitzung des Rates zu Ende.
*
Wie nachträglich bekannt wird, hat der litauiſche
Miniſter=
präſident Woldemaras in der heutigen geheimen Sitzung des
Völkerbundsrates eine Eiklärung über die Memelfrage
abgege=
ben. Woldemaras betonte, er ſei bereit, ſeinen Widerſtand gegen
die Behandlung der Memelfrage im Völkerbundsrat aufzugeben
und eine Erklärung in der öffentlichen Sitzung des
Völkerbunds=
rates über gewiſſe Schritte abzugeben, die Litauen zu der
Memel=
frage ergreifen werde. Von ſeiten der deutſchen Delegation wird
hierzu mitgeteilt, daß der litauiſche Miniſterpräſident
Wolde=
maras in der heutigen Vormittagsbeſprechung mit Dr.
Streſe=
mann dieſem die Formulierung ſeiner Erklärung, die er im Rat
abzugeben beabſichtigt, übergeben hat. Hierbei hat Dr.
Streſe=
wann die Frage gerichtet, ob ſich eine weitere Diskuſſion über
die Memelfrage nach Abgabe dieſer Erklärung erübrigen ließe.
Die Entſcheidung über die Haltung der deutſchen Delegation
iſt bisher noch nicht getroffen worden, da die Erklärung
gegen=
wärtig von den Sachverſtändigen der Delegation noch geprüft
wird. Der Inhalt der heute der deutſchen Delegation
übermit=
telten Erklärung des litauiſchen Miniſterpräſidenten wird
vor=
läufig noch nicht bekannt gegeben, bevor nicht eine abſchließende
Prüfung der Erklärung erfolgt iſt. Es wird hierbei darauf
hin=
gewieſen, daß die Erblärung eine offizielle Bindung der litauiſchen
Regierung in den Hauptfragen der Beſchwerde des
Memelgebie=
tes enthält. Es wird ferner darauf hingewieſen, daß es ſich
hierbei nicht um eine Angelegenheit, zwiſchen Deutſchland und
Litauen, ſondern ausſchließlich um eine ſolche des Völkerbundes
zur Wahrung ſeiner Autorität handelt, da die litauiſche Regierung
die von ihr unterzeichnete Memeltonvention gebrochen hat und
die Einhaltung der Memelkonvention bekanntlich unter dem
be=
ſonderen Schutz des Völkerbundes ſteht.
Die deutſche Haltung in Genf.
Die Spannung, die zwiſchen den Locarnomächten in bezug
auf die Regelung einiger beſtimmter Fragen vor Beginn der
ge=
genwärtigen Genfer Tagung in einem Teil der in= und
aus=
ländiſchen Preſſe unterſtellt worden war, und für die man
aller=
hand äußere Anzeichen zu erblicken glaubte, iſt, wenn ſie
über=
haupt vorhanden war, durch die beiden geſtrigen Beſprechungen
ſicherlich gemildert worden. Denn es hat ſich hierbei ſchon rein
ſtimmungsmäßig ergeben, daß die Differenzpunkte, die in den
öffentlichen Erörterungen in den Vordergrund getreten waren,
an Bedeutung einbüßen, ſobald ſie in den Geſamtkomplex der
großen europäiſchen und Weltfragen eingereiht werden, auf die
ſich dieſe Unterhaltungen der drei Außenminiſter in der
Haupt=
ſache erſtreckten. Das gilt für die einzige Rechtsfrage der mehr
als 100 urſprünglichen Abrüſtungsforderungen: die Beſeitigung
der Unterſtände im Oſten und ihre ſog. Verifikation, ebenſo
wie für die Frage einer Herabminderung der Beſatzungsſtärken
— zwei Fragen, auf deren nichtkonnexen Charakter Gewicht
ge=
legt werden muß.
Deutſcherſeits war man gegenüber einem wirklichen oder
ver=
meintlichen Bedürfnis nach Verifizierung der nunmehr
über=
reichten Erklärung über die Erledigung dieſer Verpflichtung von
vornherein nicht etwa negativ eingeſtellt. Man wünſche ſich
in=
deſſen die Wahl des Weges vorzubehalten und iſt mit einer
erſten dahingehenden Anregung auf der Gegenſeite
mißverſtan=
den worden. Auf der anderen Seite kann man dem guten
Wil=
len, den Deutſchland in dieſer Frage bekundet hat, ſchwerlich
einen Mangel franzöſiſchen guten Willens in bezug auf die
berech=
tigten Erwartungen des deutſchen Volkes entgegenſetzen, die ſich
auf die Erleichterung der Verhältniſſe im Rheinland beziehen.
Wenn über die Modalitäten, unter denen ſich eine
Beſtä=
tigung ſolcher beiderſeitigen Abſichten vollziehen könnte, heute
Konkretes noch nicht feſtzuſtellen iſt, ſo ſcheint doch die
Atmo=
ſphäre dahin gereinigt, daß man die Notwendigkeit erkennt, der
Weltöffentlichkeit die Veranlaſſung zu dem Vorwurf eines
Herumdrückens um feierlich gegebene Verſprechungen zu nehmen,
und dafür Verſtändnis für die Hauptaufgabe zu wecken.
Zu dieſer Aufgabe, zu deren Löſung ſich die Mächte im
Völkerbund verbunden haben, gehört aber als eine entſcheidende
beſonders auch die, über Statuten zu wachen, die dem
Völker=
bund gewiſſermaßen zu treuen Händen anvertraut ſind, und
dar=
aus wird eine eventuelle Erledigung der Memelbeſchwerde durch
eine Erklärung des litauiſchen Miniſterpräſidenten ihre
Bedeu=
rung ziehen, mit welcher dieſer de kacto ſeinen Widerſpruch
gegen die Erörterung dieſer Frage vor dem Völkerbundsrat,
unter gleichzeitiger Abgabe von Zuſicherungen zurückhielt, deren
Erfüllung der memelländiſchen Bevölkerung Befriedigung ihrer
gerechten Anſprüche gewährleiſten würde.
* Danzigs Kampf um die Weſterplatte.
Von
Dr. Otto Loening,
früherer Vizepräſident des Danziger Volkstages.
Danzig iſt eine der ſchönſten deutſchen Städte, was Lage
und Stadtbild anbelangt. In unmittelbarer Nähe zieht ſich
längs der Oſtſeeküſte ein Kranz ſchöner Badeorte. Einer davon,
der von der ärmeren Bevölkerung am meiſten aufgeſucht wurde,
die ſogenannte Weſterplatte, iſt der Politik zum Opfer gefallen.
Hier mußte auf Beſchluß des Völkerbundsrates der herrliche
Waldbeſtand geſchlagen und an deſſen Stelle ein
Munitions=
lagerplatz für Polen angelegt werden. Ausgerechnet hier an der
Mündung der Weichſel, unmittelbar am Eingang des Danziger
Hafens, gegenüber dem Freibezirk und nur ganz wenig entfernt
von Neufahrwaſſer, der Danziger Hafenſtadt. Der Proteſt
Dan=
zigs half ihm nichts, es mußte ſogar noch die Hälfte der Koſten
aufbringen, da Polen anſcheinend dafür zu arm war, während
Danzig auch nichts hat und die Millionen beſſer hätte gebrauchen
können.
Mit dieſem Munitionslagerplatz iſt es ein eigen Ding. Mit
vielen Millionen hat Polen ſich nahe bei der Danziger Grenze
ſelber einen Handels= und Kriegshafen, Gdingen, gebaut. Es
ſoll ein Konkurrenzhafen gegenüber dem Danzigs ſein, falls
dieſes ſich gegen Poloniſierungsbeſtrebungen widerſpenſtig zeigt.
Oft genug droht Polen Danzig mit Gdingen. Hier ſind auch
die modernſten Hafcneinrichtunen geſchaffen, die Eiſenbahntarife
begünſtigen Gdingen ganz beſonders. Für notwendige Koſten
für den Danziger Hafen iſt in Polen nie Geld vorhanden.
Gdingen iſt ein ganz kleiner Ort, bisher ein armſeliges
Fiſcher=
dörfchen, jetzt im Vergleich zu Danzig noch winzig. Aber die
polniſchen Munitionstransporte — ca. 1000 Tonnen im Jahre
1926 — müſſen ausgerechnet über Danzig. Sie werden auch
nicht, wie ſonſt üblich, auf offener See geleichtert, nein,
ausge=
rechnet im Danziger Hafen.
Vor kurzem hat der Danziger Heimatdienſt eine ſehr
beach=
tenswerte Denkſchrift an die im Völkerbund vertretenen
Regie=
rungen überſandt. In ihr wird an Hand der großen Exploſionen
der letzten Jahre gezeigt, welche Verheerungen eine Exploſion
auf der Weſterplatte in Danzig anrichten würde. Halb Danzig
mit ſeinen alten ehrwürdigen Baudenkmälern würde in
Trüm=
mer gelegt werden. Die große Exploſionskataſtrophe in Krakau
aus den letzten Tagen wird in der Denkſchrift noch nicht erwähnt.
In Krakau iſt der Bevölkerung ſofort von offizieller Seite
mit=
geteilt worden, daß das dortige Munitionslager aus der
gefähr=
lichen Nähe von Krakau verſchwinden würde. In Danzig hat
man den Lagerplatz ausgerechnet in die unmittelbare Nähe
be=
wohnter Gegenden gelegt. Der Völkerbund hat mit erhabener
Geſte Polen für jeden Schaden verantwortlich erklärt, der durch
das Munitionslager entſtehen wird. Er hat damit ſeine
Ver=
antwortung auf Polen abwälzen wollen. Die finanzielle trägt
zwar Polen, die moraliſche jedenfalls aber der Völkerbundsrat.
Schon zweimal haben Danziger Arbeiter ihr Leben aufs Spiel
ſetzen müſſen, um die durch Polen herbeigeführte Gefahr einer
Cxploſion der polniſchen Munition zu verhindern. Danzig warnt
ſtändig, es muß das Weltgewiſſen aufrütteln, ehe es zu ſpät
iſt. Im Namen der Menſchheit muß der Völkerbundsrat ſeinen
Beſchluß über das polniſche Munitionslager aufheben, den er
im Namen von Polen gefaßt hat.
Die Exploſionsgefahr iſt für Danzig groß. Noch größer faſt
die Gefahr, durch das Munitionslager in Konflikte hereingezogen
zu werden. Dank dem Verſailler Vertrag iſt der Oſten Europas
ein Vulkan, der jeden Moment ausbrechen kann. Die
frevel=
hafte Ermordung des ruſſiſchen Geſandten in Warſchau kann
zu Konflikten zwiſchen Rußland und Polen führen. Noch iſt
die Gefahr nicht gebannt. Danzigs Bevölkerung braucht Ruhe
und Frieden. Die Verbindung mit Polen hat Danzig ſchon jetzt
faſt an den Abgrund gebracht. Während eines Jahrhunderts
hatte Danzig eine aufwärtsgerichtete Entwicklung, die früheren
dauernden kriegeriſchen Verwicklungen, in die es durch Polen
hineingezogen war, waren in deutſcher Zeit beſeitigt. Jetzt nach
der Abtrennung vom Deutſchen Reich und der Begründung der
Freien Stadt iſt Danzig wieder der Gefahr ausgeſetzt, unſchuldig
und gegen ſeinen Willen in öſtliche Streitigkeiten mit
hinein=
gezogen zu werden. Kein Feind Polens würde in einem Krieg
den polniſchen Munitionsplatz in Danzig unbehelligt laſſen. Bei
den heutigen Kriegsmitteln würde das das Ende der herrlichen
Stadt bedeuten. Und das alles eines Phantoms wegen. Denn
Polen braucht an ſich den Munitionslagerplatz in Danzig nicht,
es hat ja Gdingen.
Der Völkerbundsrat hat den Munitionslagerplatz Polen
ge=
währt, um deſſen Necht, Waren aller Art durch Danzig zu
führen, zu ſichern. Polen hat ihn verlangt, um einen ſicheren
Punkt in Danzig für ſeine dortigen Poloniſierungsbeſtrebungen
zu haben. Zunächſt verſuchte es im Munitionslager Militär zu
ſtationieren. Der Völkerbundsrat geſtattete ihm 88 Mann, die
aber außerhalb weder Uniform noch Waffen tragen dürfen; heute
nach einem Jahr ſind es 175 Mann. Ein Proteſt Danzigs
hier=
gegen ſcheiterte zunächſt an dem polenfreundlichen
Völkerbunds=
kommiſſar van Hamel. Jetzt geht Polen noch weiter. Es
ver=
langt, daß das Munitionslager exterritorial ſei, obwohl der
Völkerbundsrat dies ausdrücklich abgelehnt hat. Es verlangt,
daß Danziger Beamte die Weſterplatte nicht ohne polniſche
Ein=
willigung betreten dürfen, daß Polen allein die
Sicherheitsmaß=
regeln nachprüfen und kontrollieren dürfe, daß Danzig auf der
Weſterplatte den Zolldienſt nicht verrichten dürfe, daß die
Muni=
tionstransporte durch das Danziger Gebiet und von polniſchem
Militär in Uniform und Waffen begleitet ſein ſollen und daß
ſchließlich unter Kriegsmaterial, das in Danzig lagern könne,
alles verſtanden würde, was Polens Heer und Marine bedürfe.
Und der Herr van Hamel, der unparteiiſche
Völkerbundskommiſ=
ſar? Er hat in faſt allen Punkten Polen Recht gegeben.
Aller=
dings, wie er ſagt, nur vorläufig, was ihn aber nicht hinbert,
dem Völkerbundsrat ſeine vorläufige Entſcheidung als eine
defi=
nitibe zu empfehlen. Jetzt liegt die Entſcheidung in Genf. Ob
ſie noch im Juni ergehen wird, ſteht dahin. Werden die jetzigen
Forderungen Polens erfüllt, ſo werden bald neue folgen. Es
Mittwoch, den 15. Juni 1927
Nummer 164
Seite 2
wird ſich aber auch in Genf jetzt zeigen, ob man wirklich gewillt
iſt, die Freiheit Danzigs zu ſchützen. Denn tatſächlich bedeutem
die jetzigen Anſprüche Polens nichts anderes, als den Beſchluß
über die Nichtexterritorialität der Weſterplatte tatſächlich ins
Gegenteil zu verwandeln. So ergibt ſich eines aus dem anderen.
Erſt Munitionslager, dann Wachtmannſchaften, dann
Exterri=
torialität. Der Schluß der Kette iſt die völlige Poloniſierung
des deutſchen Danzigs. Im Oſten iſt eine ſchwüle Atmoſphäre,
Auch in Danzig. Wir Deutſchen mögen wachſam ſein. Jeder
helfe Danzig, wo und wie er kann. Es ſind unſere Brüder.
Schwierige Lage des Ruhrkohlenbergbaus.
Der Reichskohlenrat wird ſich am Mittwoch mit dem Antrag
des Ruhrkohlenſyndikates zu beſchäftigen haben, die
Kohlen=
preiſe um 7½ Prozent zu erhöhen. Es handelt ſich hierbei um
den gleichen Antrag, der im vorigen Monat vom Kohlenrat
ab=
gelehnt worden iſt. Ob er diesmal wieder zu einer negatiden
Entſcheidung kommen wird, bleibt abzuwarten. Soweit wir
orientiert ſind, iſt man an zuſtändiger Stelle der Anſicht, daß
ſich in den letzten vier Wochen die Lage des
Ruhr=
kohlenbergbaueß weſentlich verſchlechtert hat,
ſo daß es außerordentlich ſchwer fallen dürfte, eine
Kohlen=
preiserhöhung zu verweigern. Schon aus Anlaß des erſten
Vor=
ſtoßes des Bergbaues wurde feſtgeſtellt, daß die Situation
un=
ſeres Bergbaues alles andere als roſig iſt. Man wollte aber mit
Rückſicht darauf, daß eine Kohlenpreiserhöhung eine allgemeine
Preiserhöhung auslöſen könnte, dem Antrag des Bergbaues
nicht zuſtimmen, obwohl die angeſtellten Unterſuchungen eine
Preiserhöhung durchaus gerechtfertigt hätten. Denn natürlich
handelt es ſich bei der beabſichtigten Erhöhung der Preiſe um
eine Folgeerſcheinung der amtlichen Lohnpolitik. Obgleich in
letzter Zeit vom Bergbau immer wieder darauf hingewieſen
wor=
den iſt, daß ein Lohndiktat ſchwerſte Schäden auslöſen muß, ſah
ſich der Reichsarbeitsminiſter auch bei den jüngſten
Lohnver=
handlungen veranlaßt, den Schiedsſpruch für verbindlich zu
erklären. Die ſich daraus ergebenden Mehraufwendungen für
Löhne und die entſprechend ſteigenden ſonſtigen ſozialen
Aus=
gaben ließen die Gewinnſpanne im Bergbau derart
zuſammen=
ſchrumpfen, daß man ſich die Frage vorlegen mußte, ob es denn
überhaupt noch möglich ſei, an der bisher geübten Preispolitik
feſtzuhalten, zumal die zu niedrigſten Preiſen angebotene
eng=
liſche Kohle in den umſtrittenen Gebieten ebenfalls erhebliche
Preisabſchläge der deutſchen Kohle notwendig machte. Man kam
daher überein, eine Preiserhöhung zu beantragen, die jedoch
ab=
gelehnt wurde, hat aber dieſen Antrag jetzt erneuert, weil ſich
keinerlei Möglichkeiten mehr ergaben, die Mehraufwendungen
für Löhne uſw. an anderer Stelle einzuſparen. Es ließe ſich
natürlich auch der Weg beſchreiten, auf das verluſtbringende
Auslandsgeſchäft zu verzichten. Das würde aber wiederum auf
Koſten der Arbeitnehmer geſchehen. Der Ruhrbergbau befindet
ſich heute in der glücklichen Lage, trotz der tatſächlichen
Kohlen=
kriſe nur wenige Erwerbsloſe zu zählen. Dieſer Zuſtand muß
erhalten bleiben. Aber es muß dann auch die Vorausſetzung
dafür geſchaffen werden. Dieſe liegt darin, daß der Bergbau
die finanzielle Kraft behält, um das mengenmäßig recht
umfang=
reiche Auslandsgeſchäft beſonders auf den umſtrittenen Plätzen
aufrecht erhalten zu können. Wird die Kohlenpreiserhöhung
wiederum abgelehnt, dann beſteht die Gefahr, daß die engliſche
Kohle auf breiter Front in die deutſchen Abſatzgebiete eindringt.
Es iſt ihr eben erſt der größte Teil des franzöſiſchen Marktes
verſchloſſen worden, ſo daß man in England infolgedeſſen mit
Stillegungen und Arbeiterentlaſſungen bis 40 000 Mann rechnet.
Die Engländer werden aber unzweifelhaft verſuchen, dieſen
Ausfall von Deutſchland tragen zu laſſen. Sie werden ihr
An=
gebot noch weiter herunterſetzen. Wir wollen gerne zugeben,
daß der Reichskohlenrat und der Reichswirtſchaftsminiſter vor
einer ſchweren Entſcheidung ſtehen, eben weil der Bergbau in
ſeiner Aktionsfreiheit nicht beengt werden darf, weil aber auch
neue Preiserhöhungen in anderen wirtſchaftlichen Zweigen nicht
ausgelöſt werden dürfen.
Beilegung der engliſch=ägyptiſchen Spannung.
EP. London, 14. Juni.
Die ägyptiſche Regierung übergab heute, Dienstag, morgen
dem engliſchen Oberkommiſſar eine Note, in der die
Aufklärun=
gen gegeben werden, die ſeitens der engliſchen Regierung
ver=
langt worden waren. Der Text der Note iſt in London noch
nicht eingetroffen, jedoch hat Lord Lloyd die ägyptiſche
Regie=
rung wiſſen laſſen, daß er die jetzigen Erklärungen als ziemlich
zufriedenſtellend erachte. Die engliſchen Linienſchiffe ſollen in
Kürze aus Aegypten zurückgezogen werden. Der Zwiſchenfall
kann ſomit als vorläufig geregelt angeſehen werden.
Die Rieſen=Orang=Atan=Familie
im Frantfurter 300.
Eine der größten Senſationen, die der Welttierhandel jemals
brachte, bewegt zurzeit die Gemüter der Fachleute. Junge und
mittelwüchſige Orang=Utans kamen von jeher nicht allzu ſelten
auf den Markt. Die wahre Vorſtellung von dieſer gewaltigen
Menſchenaffenart aber gewähren erſt die voll erwachſenen Stücke
insbeſondere die rieſigen Männchen. Dieſe wahren
Urwald=
ungetüme gehören zu den groteskeſten Bildungen, die die Natur
hervongebracht hat. Die langwvallende, rotzottige Behaarung, die
durch mehr oder minder ſtarke Backenwülſte (Fettpolſter)
verbrei=
terten Geſichter, die leuchtend hellroten Vollbärte, geben dieſen
Geſchöpfen ein derart abenteuerliches Ausſehen, daß durch die
Wirklichkeit die kühnſte Phantaſie übertroffen wird. Solche
Rieſen kamen bisher nur als größte Seltenheiten in den Handel.
So in den Jahren 1894 und 1895 im ganzen 4 Exemplare, die
ſchauſtellungsmäßig von Stadt zu Stadt durch Europa geſchleift
wurden und bald eingingen. Ein ſolcher Rieſe kam im Vorjahre
nach Deutſchland, desgleichen ein faſt erwachſenes Paar.
Durch die Rührigkeit der bekannten Alfelder
Großtierhand=
lung, L. Ruhe, iſt es nun gelungen, einen Import ſumatraniſcher
Orang=Utans nach Deutſchland zu bringen, der nicht weniger als
21 Exemplare in allen Größen umfaßt. Das Senſationellſte aber
iſt, daß es überhaupt zum erſtenmal gelang, 4 geſchloſſene
Fami=
lien=Verbände, — Vater, Mutter und Säugling —, einzuführen
Eine kleine Gemeinde deutſcher Tiergärtner harrte in beinahe
andüchtiger Erwartung am Dienstag, den 17. Mai, frühmorgens
in dem kleinen hannöverſchen Städtchen Alfeld=Leine, der
kom=
menden Ereigniſſe, während ſchwere Laſtautos die mächtigen
Transportkiſten anrollten. Eines der vielen Ruheſchen
Tier=
häuſer war beſonders für die Neu=Ankömmlinge hergerichtet
wor=
den. Der erſten Kiſte entſtieg ein impoſanter, dunkelrothaariger
Burſche mit hellrotem Vollbart — leider ein Junggeſelle oder
Witwer. Die zweite Kiſte brachte das älteſte und deshalb
ſchwerſte Paar ans Tageslicht mit einem rieſigen Männchen,
von dem mit breiten Backenwülſten verſehenen Typ. Wäre dieſes
Paar mit einem Sprößling geſegnet geweſen, ſo hätte die Wahl
nicht ſchwer fallen können, ſo aber hieß es, nach reiflichen
tier=
gärtneriſchen Erwägunge
bei dem
zwei=
fellos beträchtlichen Alter der Tiere Zuchtgarantien nicht mehr
gegeben waren. Nun folgten für den Tiergärtner unvergeßliche
Stunden, als die 4 Familien ihren Käſten entſtiegen. Aus ſolcher
Rähe wohl noch nie von Menſchenaugen vorher geſehene Bilder
Vom Tage.
Die Bemihungen der deutſchnationalen Landtagsfraktion, eine
rein bürgerliche Regierung in Mecklenburg=
Schwe=
rin zu bilden, ſind an dem Widerſtande der Gruppe für
Volks=
wohlfahrt geſcheitert.
Chamberlin und Levine werden ſich am Freitag nach ihrem
Aufenthalt in Baden=Baden zur Begrüßung ihrer Gattinen nac
Bremen begeben.
Die demokratiſche Reichstagsfraktion beſchloß, einen
Antrag auf Verlängerung des Speurgeſetzes über
die Fürſtenabfindung zu ſtellen.
Das bayeriſche Geſamtminiſterium hat beſchloſſen,
den Staatsrat im Finanzminiſterium, Dr. Dreybeck, mit der
Führung des Finanzminiſteriums zu betrauen.
Die Ozeanflieger Chamberlin und Levine haben die
Einladung der ungariſchen Regierung zu einem Beſuch in
Buda=
peſt angenommen.
Rußland wird eine dritte Note nach Warſchau
ſenden, in der die Sowfetregierung erklären wird, daß ſie auf
Erfüllung ihrer Forderungen beſtehen wird.
In Warſchau erklärt man, daß Polen keine weiteren
Zu=
geſtändniſſe an die Sowjetregierung machen könne, als was
in der erſten polniſchen Note zugeſtanden ſei.
Die Internationale Arbeitskonſerenz hat den
Fragebogen über die Koalitionsfreiheit mit 54 gegen
42 Stimmen abgelehnt. Die Ablehnung war nur dadurch möglich,
daß ſämtliche Arbeiter=Delegierte geſchloſſen gegen deu Fragebogen
ſtimmten.
Die franzöſiſche Regierung ſoll beabſichtigen, Léon
Dandet am franzöſiſchen Nationalfeiertag zu begnadigen.
Das „Journal officiell” veröffentlicht nunmehr die Verordnung,
durch die der franzöſiſche Staat ermächtigt wird, eine
neue Obligationsanleihe zu 6 Prozent, rückzahlbar in 15 Jahren,
auf=
zunehmen. Die Anleihe iſt bekanntlich dazu beſtimmt, die Vorſchüſſe der
Bank von Frankreich an den Staat herabzuſetzen.
Der Sekretär de: engliſchen Grubenarbeiter=Föderation Cook
hielt eine Rede, in der er erklärte, es würde jetzt überall auf einen Krieg
mit Rußland gedvängt, die Regierung müſſe aber wiſſen, daß,
wenn ſie Rußland den Krieg erkläre, die Gruben=
Polniſche Spionage in Danzig.
Danzig, 14. Juni.
Zu dem angeblichen Einbruchsverſuch in das deutſche
Gene=
ralkonſulat in Danzig wird amtlicherſeits folgende Mitteilung
verbreitet: Die beiden unter dem Verdacht des Diebſtahls
Feſt=
genommenen ſind wieder entlaſſen worden. Die Täter haben be
ihrer Vernehmung erklärt, daß ſie nicht einen Diebſtahl
beab=
ſichtigten, ſondern durch Schmiergelder einen Angeſtellten des
deutſchen Generalkonſilätes dazu beſtimmen wollten, ihnen
amt=
liche Aktenſtücke zu überlaſſen bzw. zur Anfertigung von
photo=
graphiſchen Aufnahmen zu überlaſſen. Es handelt ſich um den
polniſchen Staatsangehörigen und ehemaligen Offizier im
pol=
niſchen Heer Jan Plochiewiecz, wohnhaft in Oliva, und um den
Danziger Staatsangehörigen Landwirt Wilhelm Pohl,
wohn=
haft in Oliva. Plochiewiecz hat als ſeinen Auftraggeber den
Kapitän Birkenmeyer von der militäriſchen Abteilung der
pol=
niſchen diplomatiſchen Vertretung in Danzig und den polniſchen
Oberſtleutnant Podolſki bezeichnet. Plochiewieez iſt ausgewieſen
worden.
Dieſer unerhörte Spionageverſuch dürfte nicht ohne
diplo=
matiſches Nachſpiel bleiben. Nach den Ausfagen der
Angeſchul=
digten ſollte der Spionageverſuch direkt auf Veranlaſſung eines
Beamten der polniſchen diplomatiſchen Vertretung in Danzig
unternommen werden. Das Vorgehen der polniſchen Behörde
beſtätigt deutlich, die ſchon oft ausgeſprochene Vermutung, daß
die polniſche diplomatiſche Vertretung in Danzig einen
unerlaub=
ten militäriſchen Charakter trägt. Man wird in
Völkerbunds=
kreiſen gut tun, ſich mit dieſer Frage ebenfalls etwas
eingehen=
der zu beſchäftigen.
Die Kriſe im Oſien.
Abwartende Haltung Polens. — Ein
Ultimatum Moskaus an Polen.
Warſchau, 14. Juni.
Nach hieſigen Meldungen ſoll die polniſche Antwort auf die
zweite ruſſiſche Note erſt in etwa zehn Tagen übergeben werden.
Offiziell wird dieſe Verzögerung mit der gegenwärtigen Ab= des polniſchen Außenminiſters, der bekanntlich in Genf
weilt, begründet. Auch werde die in der ruſſiſchen Note
aufge=
worfene Rechtsfrage erſt in den nächſten Tagen von den pol= Gerichten geklärt werden.
Die polniſche Regierung gibt ſich alle Mühe, jeden
Anſchein=
einer ruſſenfeindlichen Einſtellung zu vermeiden. So hat ſie ess
beiſpielsweiſe unterlaſſen, einige aus Gdingen in Warſchau
ein=
getroffene engliſche Seeoffiziere offiziell zu begrüßen. Das
pol=
niſche Parlament ſoll zum 20. d. M. einberufen werden.
*
Wie aus Moskau gemeldet wird, ſoll die Sowjetvegierungg
beſchloſſen haben, die polniſche Antwort auf die zweite ruſſiſchs
Note nicht erſt abzuwarten, ſondern eine dritte Note zu
über=
mitteln. Die Note, die angeblich bereits morgen übermitteln,
werden ſoll, ſoll in die Form eines Ultimatums gekleidet ſei
und eine Antwort der polniſchen Regierung dahin fordern, d
innerhalb einer beſtimmten Friſt alle ruſſiſchen Emigranten,
gegen die Sowjetunion auf polniſchem Boden arbeiten, ausge=
Ze=
wieſen werden. Im polniſchen Außenminiſterium war eine 2
ſtätigung dieſer Meldung noch nicht zu erlangen. Die
Abend=
blätter, die dieſe Meldung bereits bringen, ſind bisher nich
dementiert worden. Entgegen ihrer urſprünglichen
Stellung=
nahme wird die polniſche Regierung doch noch eine Antwort
die zweite ruſſiſche Note geben, wird aber, wie ver
lautet, noch den Ausgang des Prozeſſes gegen den Mörder
Kowerda abwarten. Vermutlich werde dieſer zum Tode
verur=
teilt, und die polniſche Antwort werde in vermittelndem Geiſt ge
gehalten ſein. Marſchall Pilſudſki hat heute den Seim zunn
20. Juni einberufen.
Der Prozeß gegen Kowerda.
Der Entſchluß der Staatsanwaltſchaft, den Mörder des ruſſiſche=
Geſandten Wojkow, Kowerda, vor ein Standgericht zu ſtellen, iſt, w
derlautet, auf Druck des Außenminiſteriums hin erfolgt und ſoll dar
begründet werden, daß Kowerda ſich nicht nur des Mordes, ſonder
auch der Gefährdung der Landesſicherheit ſchuldig gemacht habe. Dfi
Mutter Kowerdas hat ſich an den Wilnaer Rechtsanwalt Andrejew m
der Bitte gewandt, die Verteidigung ihres Sohnes zu übernehmen.
Rechtsanwalt ſagte zu und lehnte die Entgegennahme eines
Hono=
ab. In den Kreiſen der Wilnger und Warſchauer ruſſiſchen Emigrante
wird der Plan erwogen, noch einen zweiten Verteidiger hinzuzuzieher
und zwar den in Paris lebenden ruſſiſchen Rechtsanwalt Kaſarinon
Weitere Verurteilungen in Rußland.
Moskau, 14. Juni.
Der Odeſſagerichtshof hat 16 Angeklagte wegen Spionage zugunſte
Rumäniens abgeurteilt. 11 wurden zum Lode und 3 zu 10 Jahren E
fängnis verurteilt, 2 wurden freigeſprochen. Die Verurteilten ſolle
geheime Informationen an Rumänien geliefert und von den Sowf
behörden geſuchte Perſonen über die Grenze geſchmuggelt haben. .
größte Teil der Angeklagten ſoll geſtändig ſein. Die Todesurteile ſim
bis jetzt noch nicht vollſtreckt worden.
St refemanns Bericht über die Weltwirtſchaftskonferen
Zaſauzmenſkluß
der beiden großen Poſibeamtenorganiſationen.
Die beiden großen Poſtbeamtenorganiſationen, der Neichsverband
deutſcher Poſt= und Telegraphenbeamter, Sitz Verlin, und die Deutſche
Poſtgewerkſchaft, Sitz München, vereinigten ſich am Samstag zu der
vorbereitenden Kundgebung zum Zuſammenſchluß der beiden
genann=
ten Verhände. Der Vorſitzende des Reichsverbandes, Poſtſekretär
Kug=
ler=Berlin, betonte in ſeiner Begrüßungsanſprache, daß der
Reuhsver=
band ſtaatsbejahend und beſtrebt ſei, die deutſche Republik zu
befeſti=
gen und zu kräftigen. Er verwies darauf, daß der Reicheverband nach
der Verſihmelzung über 150 000 Mitglieder zähle und ſomit die größte
Poſtbeamtenorganiſation der Welt ſei. Nach einer Anſprache des
Vor=
ſitzenden der Deutſchen Poſtgewerkſchaft wurde der Zuſammenſchluß
bei=
der Organiſationen durch Unterſchrift eines Vertrages ſeitens der bei.
den Vorſitzenden feierlich beſiegelt. Von der Verſammlung wurde der
Zuſammenſchluß mit lebhaftem Beifall begrüßt.
Wie wir erfahren, ſtellen die Berichte über die Weltwir
ſchaftskonferenz und über die vorbereitende Abrüſtungskonſeren.
von denen der erſte durch Dr. Streſemann, der zweite durch D
Beneſch erſtattet wird, im Nahmen der diesmaligen Ratstagum
vorausſichtlich diejenigen Geſchäftsordnungspunkte dar, die an
wenigſten formelle Erledigung geſtatten. Da auf deutſcher Sein
die Abſicht beſteht, den außerordentlich bedeutungsvollen Charau
ter der Ergebniſſe der Weltwirtſchaftskonferenz durch die
Eit=
kleidung in beſtimmte Empfehlungen und Vorſchläge zu unte
ſtreichen, werden ſicherlich die Vertreter anderer Mächte zu de
großen Fragen der künfiigen Führung der Weltwirtſchaft un
der Wirtſchaftspolitik Stellung nehmen. Ebenſo wird die Kriti
die in Deutſchland, aber nicht nur in Deutſchland, an den
Vo=
arbeiten für die Rüſtungsbeſchränkung bereits öffentlich geük
wordem iſt, in den Diskuſſionen am Ratstiſch ihren Niederſchla
finden.
von hohem Reiz und großem wiſſenſchaftlichen Intereſſe entrollten
ſich vor unſeren Augen. Ein Paar mit beſonders kräftigem,
männ=
lichem Säugling fiel beſonders auf, nicht nur durch die Größe
und Schönheit des Vaters, der dem mit geringeren
Backen=
wülſten gezierten, dafür aber langbärtigeren —, im ganzen
menſchlicher wirkenden Typ angehört, ſondern auch durch die
ſtärkſte der vier Mütter, die — im Gegenſatz zu ihren 3
Schickſals=
genoſſinnen — trotz ihrer Ausmaße den weiblichſten Ausdruck
zeigt, — zweifellos der am ausgeſprochenſten echt mütterliche
Typ des ganzen Imports. Mit einem letzten Blick auf den
kinderloſen, backenwülſtigen Rieſen wurde nach ſchwerer und
ver=
anwortungsvoller Wahl dieſes herrliche Paar für Frankfurt
ge=
ſichert. Für die Eiwerbung dieſer Familie ſtanden dem Garten
Mittel nicht zur Verfügung, da der Import als eine den Tier
gärten ſeitens der Firma Ruhe zugedachte Ueberraſchung erfolgte.
So wäre es nötig geweſen, ſchweren Herzens zu verzichten, wenn
nicht der ſo oft ſchon treu bewährte Gönner des Inſtituts, Herr
Geheimrat Dr. Arthur v. Weinberg, die Mittel für den Ankauf
der Tiere zur Verfügung geſtellt hätte. So hochherzigen Bürger.
ſinns wird die Stadt in beſonderer Dankbarkeit gedenken
Möchte es gelingen, dieſe Kinder des dichteſten Urwaldes
denen in aller Eile ein neu hergerichtetes Heim im bisherigen
Inſektenhaus erſtellt wurde, an unſer Klima zu gewöhnen.
Schwer, ohne Zweifet ſehr ſchwer, iſt der Eingriff in das Leben
den die Gefangenſchaft gerade für den Orang=Utan bedeutet, viel
ſchwerer, als für den Schimpanſen und den Gorilla. Während
letzterer vorwiegend Bodentier iſt, und der Schimpanſe die
mitt=
leren Baumregionen bevorzugt, von wo er zeitweiſe den Boden
aufſucht, verläßt der Orang, der typiſche Bewohner hoher
Baum=
kronen, die luftigen Regionen faſt nie und wandert auf der
Nahrungsſuche hangelnd von Aſt zu Aſt, von Baum zu Baum.
Erſtaunlich wie raſch die noch vor wenigen Monaten unter ihren
tropiſchen Blätterdächern lebende Geſchöpfe ſich mit der
Gefangen=
ſchaft abgefunden haben. Nicht eigentlich zahm, haben ſie doch
jede Scheu vor dem futterſpendenden Menſchen abgelegt, der
ihnen zwar die Freiheit nahm — wozu er ſich ein Recht im In
tereſſe der Wiſſenſchaft und der Volksbildung herleitet —, der
ſie aber für immer dem ſo unendlich grauſamen Kampf ums
Daſein in der Natur entzog. Keine Spur mehr von Angriffsluſt
zeigen dieſe wehrhaften Rieſen, ruhig und geſetzt tragen ſie ihr
man möchte faſt ſagen — würdevolles Weſen zur Schau.
Ein kraſſer Gegenſatz zu den jappeligen Schimpanfen, zu den
zumeiſt ſchwermütig hinbrütenden gefangenen Gorillas.
Nach dem Bericht des Fängers ſetzen ſich die Eingeborenen
des nördlichen Sumatra dadurch in den Beſitz dieſer großen
Antyropromorphen, daß ſie den derzeitigen Wohnbaum dadurch
iſolieren, daß ſie die Bäume der Umgebung fällen, ſodaß de
Orangs ein Entweichen in das Geäſt der Nachbarbäume unmög
lich wird. Nun wird in mittlerer Höhe ein Netzwerk durch da
Geäſt geſpannt und endlich am Boden ein Feuer entzündet, da
mit Hilfe eines von den Eingeborenen geheim gehaltenen Mittel
Dämpfe entwickelt, die eine leichte betäubende Wirkung auf d
Tiere ausüben. Taumelnd hangeln ſie nun von Aſt zu Aſt, falle
ſchließlich ins Netz und werden nun mit leichter Mühe in di
bereit geſtellten Bambuskäfige verbracht, wo ſie ſich bald wiede
völlig erholen.
Dr. K. Priemel.
*Kunſt in Wiesbaden.
Im Naſſauiſchen Kunſtverein. ſind zwei Privat
ſammlungen ausgeſtellt: eine Wiesbadener und eine Frankfurte
Die erſtere umfaßt perſiſche und indoperſiſche Miniaturen, vo
wiegend aus dem 16. Jahrhundert. Was das heißen will, eine
Saal mit derartigen Stücken zu füllen, weiß nur der Kenno
zu beurteilen. Orientaliſche Miniaturen aus ſo früher Zeit ur?“
in ſolcher Qualität wie der vorliegenden ſind Seltenheiten, d.
ihresgleichen ſuchen. Geliebte Kinder eines zärtlichen Liebhaber=
Man ſteht vor Wundern der Schönheit, leuchtenden
Farben=
moſaiken, wie ſie ſich im Abendland nur in den märchenhaftel
„Lines dheures” der burgundiſchen Gotik finden. Mit dc
Eotik klingt hier vieles überein. Die ritterliche Poeſie, de
Myftik der Farben und ſeltſamerweiſe auch etwas von de
Tempo. Nicht weniger als der Uebereinſtimmungen ſind abe
auch der Unterſchiede: die ſeltene Verwendung von Gold, hir
gegen vielem Gelb; die ganz andere Auffaſſung der Perſpektiv‟
endlich die uns weit überlegene Einbeziehung der Schrift in de
Bildgedanken. Die perſpektiviſchen Probleme, mit denen 199
der Norden ſo leidenſchaftlich beſchäftigte, fehlen. Man ſtel
die Figuren einfach anſteigend hintereinander, ohne ſich mit de
Zahlenmyſtik des Raumes zu befaſſen. Die pythagoräiſchen
Ideen, die durch die Bauhütten nach dem Norden wanderten
ſcheinen nach Aſien hin nicht gewirkt zu haben.
Bewunderung=
würdig iſt die Harmonie von Bild, Ornament und Schrift. O
maleriſche Schönheit der Schrift kommt hier freilich zu Hulſ”
Man kann ſich an dieſen ausnehmend ſchönen Blättern lang
vergnügen, ohne ihrer müde zu werden.
Die andere Sammlung enthält chineſiſche und japaniſch
Holzſchnitte des 18. und 19. Jahrhunderts. Unter den Japanen
ſteht an erſter Stelle Utamaro, wenig, aber ſehr qualitätvoll be
treten. Die ruhige Eleganz ſeines Stils iſt vorbildlich urd
überzeugend. Große Delikateſſen finden ſich unter den chin?
ſiſchen Arbeiten. Gaben reifſter Kultur. In Weniges eine Fuls
10
Nummer 164
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Mittwoch, den 15 Juni 1927
Seite 3
Abzug der franzöſiſchen
Truppen aus dem Saargebiet.
Das Saargebiet geräumt. — Der Bahnſchutz bleibt.
Saarbrücken, 14. Juni.
In Ausführung des Beſchluſſes des Völkerbundsrats vom
*2. März d. J., der für den Abzug der franzöſiſchen Truppen
a=us dem Saargebiet und die Aufſtellung einer Bahnſchutztruppe
non höchſtens 800 Mann eine Friſt von drei Monaten ſtellte, iſt
das Saargebiet am 10. Juni, alſo terminmäßig,
ge=
äumt worden. Im Saargebiet befinden ſich jetzt nur noch
900 Mann Bahnſchutztruppen, vorläufig noch ausſchließlich
Franzoſen. Noch im Laufe dieſes Monats werden aber 200 Fran=
„oſen zurückgezogen und durch 120 Engländer und 80 Belgier
rrſetzt werden, ſo daß auch der internationale Charakter der
Zahnſchutztruppe gewahrt iſt.
Eine ſozialdemokratiſche Interpellation
über die Außenpolitik.
* Berlin, 14. Juni. (Priv.=Tel.)
Die Sozialdemokraten kündigen bereits jetzt im „Vorwärts”
an, daß ſie nach dem Ablauf der Genfer Tagung im Reichstag
Ene Interpellation über die Außenpolitik einbringen werden.
Das iſt nichts Außergewöhnliches. Wir nehmen an, daß nicht
rur die Regierungsparteien, ſondern auch der
Reichsaußen=
iiniſter dann den Wunſch haben werden, ſich über die geſamte
etropäiſche Lage vor der Oeffentlichkeit zu unterhalten.
Bedenk=
lich iſt nur, daß die Sozialdemokraten ſich gleichzeitig darauf
ein=
ellen, die außenpolitiſche Spannung für ſich innenpolitiſch
aus=
ruwerten. Jedenfalls muß man dies ſo auffaſſen, wenn der
„*Vorwärts” ſich aus Paris in Fettdruck melden läßt, daß es
ui der Ausſprache zwiſchen Briand und Streſemann zu lebhaften
Auseinanderſetzungen gekommen ſei. Dr. Streſemann habe ſich
ſiitter darüber beklagt, daß die in Locarno verſprochenen
Rück=
wirbungen ausgeblieben ſeien. Briand habe geantwortet, daß
Deutſchland, zahlreiche politiſche und pſychologiſche Fehler
ge=
niacht habe, die das Mißtrauen zwiſchen den beiden Völkern
wachgehalten und die Durchführung einer Politik der
Zugeſtänd=
riſſe unmöglich gemacht haben, insbeſondere ſei die Anweſenheit
on drei deutſchnationalen Miniſtern im Kabinett, die als
unbe=
ſeingte Gegner der Locarnopolitik anzuſprechen ſeien, die ſchwerſte
Belaſtung für eine Fortſetzung der Verſöhnung zwiſchen
Deutſch=
and und Frankreich. Der Eintritt der Deutſchnationalen ſoll
lſo verantwortlich ſein für die außenpolitiſche Stagnation. Es
mag ſein, daß Herr Briand etwas ähnliches geſagt hat, in dieſer
Form kaum, denn eine ſolche Einmiſchung würde ſich der Reichs=
Lußenminiſter vermutlich kaum haben gefallen laſſen, ebenſo wie
un umgekehrten Fall. Wie wir unſere Regierung
zuſammen=
eetzen, kann den Franzoſen doch auch ſehr viel gleichgültiger ſein,
wenn wir nur zu unſeren Verſprechungen ſtehen, und da die
Deutſchnationalen ſich bei ihrem Eintritt in die Regierung zur
Fortſetzung der bisherigen Politik verpflichtet haben, könnte es
er Gegenſeite nur angenehm ſein, wenn der Locarnowechſel
nun auch von den Deutſchnationalen unterſchrieben iſt.
Der Reichspräſident in Oeſſau.
Deſſau, 14. Juni.
Reichspräſident v. Hindenburg iſt am Dienstag vormittag
ſ.um Beſuch der anhaltiſchen Regierung hier eingetroffen.
In ſeiner Begleitung befand ſich ſein Sohn, Major
g. Hindenburg, Staatsſekretär Meißner und der anhaltiſche
Ge=
ſandte in Berlin, Boden. Zum Empfang des Reichspräſidenten
waren Miniſterpräſident Deiſt, der Büngermeiſter Heſſe, der
Lan=
gesfinanzamtspräſident Reichsminiſter a. D. v. Schlieben und
ſoie ſonſtigen Vertreter der militäriſchen und zivilen Behörden
rſchienen. Der Reichspräſident ſchritt nach Veulaſſen des
Bahn=
gofes die Front der von dem Reichswehrregiment Nr. 12
geſtell=
en Ehrenkompagnie ab. Dann begab er ſich im Auto durch die
eſtlich geſchmückten Straßen zum Regierungsgebäude. Die
Häu=
er der Stadt hatten reichen Flaggenſchmuck angelegt, Schulkinder
wildeten Spalier und ein Flugzeuggeſchwader kreiſte über der
Stadt. Ueberall wurde der Reichspräſident wit nicht
enden=
rvollendem Jubel begrüßt. Im Rathaus veranſtaltete die
Stadt=
wewwaltung einen Empfang. Um die Mittagsſtunde begab ſich
er Reichspräſident auf den Ehrenfriedhof der im Weltkrieg Ge=
Fallenen, wo er am Grabe des Kampffliegers Boelcke einen Kranz
iiederlegte.
Pariſer Unbehagen.
Peſſimiſtiſche Beurteilung der ruſſiſchen Frage.
Im Zeichen der kommenden Wahlen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 14. Juni.
Die ruſſiſchen Drohungen Polen gegenüber haben in Paris
einige Nervoſität ausgelöſt. Die franzöſiſche Preſſe betont zwar,
daß Rußland nicht genügend ausgerüſtet ſei, um einen
euro=
päiſchen Krieg zu führen, aber dennoch erfüllt die Lage Polens
die franzöſiſche Oeffentlichkeit mit Beunruhigung. Die
anti=
ruſſiſche Stimmung wird jeden Tag ſtärker.
Ueber Genf hört man auffallend wenig. Und wenn ſchon,
dann drückt man ſich mit nichtsſagenden Erklärungen herum.
Man gibt indeſſen zu, daß, wenn auch nicht das Programm des
Völkerbundes, ſo doch die einzelnen Beſprechungen zwiſchen den
Staatsmännern große Wichtigkeit beſitzen werden.
Man glaubt, daß Briand ſich ſehr reſerviert und
zurück=
haltend in allen Fragen der großen Politik zeigen wird, dagegen
erwartet man nach franzöſiſcher Auffaſſung von Streſemann
einen Vermittlungsverſuch zwiſchen England und Rußland (2),
Er ſoll angeblich gewiſſen Gerüchten zufolge beſtimmte
Vor=
ſchläge Tſchitſcherins an Chamberlain übermitteln. Das alles
ändert aber nichts daran, daß man die engliſch=ruſſiſche Spannung
ziemlich peſſimiſtiſch beurteilt. In der Beurteilung der
Einzel=
fragen, welche das deutſch=franzöſiſche Verhältnis betreffen uno
in Genf zur Beſprechung kommen werden, neigt man einer
opti=
miſtiſchen Auffaſſung zu. Der deutſch=litauiſche Streit ſoll
da=
gegen noch zu vielen Schwierigkeiten in Genf Anlaß geben.
Die imere Entwicklung Rußlands beſchäftigt ſehr lebhaft
die Pariſer Phantaſien. Jede Stunde kommen neue
Schreckens=
nachrichten über Hinrichtungen, Unruhen und Attentate aus
Rußland. So muß der Eindruck entſtehen, daß dort die Dinge
ins Rollen gekommen ſind. Es gibt hier viele, die von einer
vollſtändigen Auflöſung Rußlands in viele ganz ſelbſtändige
Sowjetrepubliken ſprechen, welche bevorſtehen ſoll.
In der Innenpolitik verzeichnet die Rechte jetzt einen
Er=
folg, welcher bedeutſam für die Zukunft iſt. Die Kommuniſten
haben bei den Wahlen in Aube eine Niederlage erlitten, ebenſo
hat der erſte Wahlgang in einem Pariſer Bezirk den Kommuniſten
eine große Enttäuſchung gebracht.
Die Regierung fühlt ſich indeſſen ziemlich unbehaglich,
ob=
zwar, wie verlautet, in der Kammer überhaupt keine ernſt zu
nehmende Gruppe beſtehen ſoll, welche das Kabinett im jetzigen
Augenblick ſtürzen möchte. Die Mitglieder der Regierung
be=
reiſen das Land, und manche ihrer Reden ſtehen ſchon ganz im
Zeichen der kommenden Wahlen.
Dr. Krausneck †
Dr. Krausneck,
bayeriſcher Finanzminiſter, der in München beim Einſteigen in
die Straßenbahn 1ödlich verunglückt iſt. Dr. Krausneck, der im
Alter von 52 Jahren ſtand, war ſeit 1919 im bayeriſchen
Finanz=
miniſterium tätig, wurde 1920 zum Staatsſekretär und noch im
gleichen Jahre zum Finanzminiſter ernannt. Er gehörte der
Bayeriſchen Volkspartei an.
Probleme der Kriegsſchuldforſchung.
Von
Profeſſor Dr. W. Schüßler.
Jedermann in Deutſchland kennt das Wort Lloyd Georges,
daß die geſamten Leiſtungen Deutſchlands und der ganze
Frie=
densvertrag von Verſailles auf dem Schuldbekenntnis
Deutſch=
lands beruhen und daß alles das hinfällig wird, wenn das
auf der Folter erpreßte — Schuldgeſtändnis Deutſchlands ſich
als offenbar hinfällig erweiſt.
Seit dem Ende des Krieges hat die deutſche Regierung und
mehr noch die deutſche Wiſſenſchaft den fortgeſetzten Kampf gegen
die Schuldlüge von Verſailles geführt. Eine Unzahl deutſcher
Forſcher hat in jahrelanger, unendlich mühſamer Arbeit das
rieſenhafte Werk vollbracht, das jetzt in 39 zum Teil
Doppel=
bänden vorliegt: die „Große Politik der europäiſchen Kabinette
von 1871 bis 1914‟ Es ſind die ausgewählten Akten des
Aus=
wärtigen Amtes, die der ganzen Welt beweiſen ſollen, daß die
Behauptung von Deutſchlands Alleinſchuld falſch iſt, daß auch
die anderen Mächte, vor allem Frankreich und Rußland, „
ſchul=
dig”, ja mehr ſchuldig ſind
Wie wichtig es iſt, daß andere Mächte dem deutſchen Beiſpiel
folgen, hat der erſte Band der engliſchen Aktenveröffentlichung
ſchlagend bewieſen; wiſſen wir doch erſt daraus unwiderleglich,
daß Grey und vor allem ſeine Mitarbeiter Crowe und Nicolſon
ganz außerordentlich belaſtet ſind durch den Rat an Rußland,
jene verhängnisvolle Mobiliſierung vorzunehmen.
Hatte die bisherige Forſchung ſich vornehmlich auf die Schuld
einzelner führender Perſönlichkeiten, wie Poincaré, Jcwolſki
uſw. beſchränkt und auch die deutſche Vorkriegspolitik zum Teil
in ihrer Fehlerhaftigkeit über Gebühr belaſtet, ſo wirft jetzt
Friedrich Thimme, der hochverdiente Herausgeber des großem
Aktenwerkes, im neueſten Heft der Monatsſchrift „Die
Kriegs=
ſchuldfrage” die berechtigte Frage auf, welche Probleme denn jetzt,
nach Erſcheinen der letzten, die Jahre vor Kriegsausbruch
behan=
delnden Aktenbände, im Vordergrunde der Forſchung ſtehen
ſollten. Da weiſt er mit Recht auf einen Fragenkomplex hin,
der bisher viel zu wenig behandelt iſt, der aber gerade die
ſpe=
zielle „Schuld’frage in einem für Deutſchland günſtigen Sinne
klären kann: es iſt die Frage nach dem Syſtem des
Mächtegleich=
gewichts zwiſchen den beiden feindlichen Bündnisgruppen, aus
dem ja zweifellos, wie auch Grey in ſeinen Memoiren zugibt,
der Weltkrieg hervorging. Es iſt klar, daß angeſichts der
furcht=
baren Gefährlichkeit der Zerreißung Europas in zwei feindliche
Lager diejenige Macht als wahrhaft friedlich erſcheinen muß, die
auf eine Auflockerung des erſtarrten Staatenſyſtems und der
Mächtegruppen hinarbeitete! Weiter muß ſich die Forſchung auf
die Frage richten, welche der beiden Mächtegruppen das
ur=
ſprünglich erſtrebte Gleichgewicht verändern wollte zugunſten des
Uebergewichts der eigenen Gruppe in wirtſchaftlicher,
poli=
tiſcher und militäriſcher Beziehung? Und welche wirklich ehrlich
die Ausgleichung der beſtehenden Gegenſätze erſtrebt hat?
Für die Beantwortung dieſer Fragen bieten nun gerade die
letzten Aktenbände des Auswärtigen Amtes das erwünſchte
Ma=
tierial. Thimime kann mit Recht darauf hinweiſen, daß gerade
auch im Auslande den ſtärkſten Eindruck dieſer letzten Bände die
Tatſache gemacht hat, daß unwiderleglich klar wird, wie
Deutſch=
land gerade diejenige Macht war, die bis zum äußerſten an der
Entſpannung, an der Auflockerung der erſtarrten
Bündnis=
ſyſteme arbeitete. Und was für die Kriegsſchuldfrage von
be=
ſonderer Wichtigkeit iſt; dieſe Auflockerungsverſuche
Deutſch=
lands ſind von der Gegenſeite (Poincaré, Jswolſki, Grey!) nicht
nur nicht unterſtützt, ſondern ſogar fortwährend durchkreuzt
wor=
den! Das iſt eine Schuld, die niemand wegleugnen kann! So
iſt die Wahrheit auf dem Marſch und wird zur Befreiung des
deutſchen Volkes beitragen!
Völliger Abbruch der jugoſlawiſch=albaniſchen
Beziehungen.
w. Belgrad, 14. Juni.
Der albaniſche Geſandte in Jugoſlawien, Tſena Bei, hat
heute ſeine Päſſe erhalten. Er wird Belgrad morgen abend
ver=
laſſen. Die jugoſlawiſchen Konſuln in Valona, Skutari und
Kotſcha haben Anweiſung erhalten, das albaniſche Gebiet zu
ver=
laſſen. Der Abbruch der diplomatiſchen
Beziehun=
gen zwiſchen Jugoſlawien und Albanien iſt damit endgültig
vollzogen.
heiſe
70
Rae
gedrängt. Stilleben von entzückender Einfachheit, ein, zwei
Gegenſtände; aber wie ſie hingeſtellt ſind — ein Ereignis. Und
ſann die typiſchen Pflanzenmotive: ein wenig Schilf, ein
Blüten=
zweig, eine Ranke, ein paar Riſpen, ein Stein. Es iſt immer
was Ereignis, die Gnade der Stunde, die dieſen Dingen
plötz=
ſ ich etwas Außerordentliches verleiht. Hinter jedem Grashalm
Fteht Erkenntnis. Man fühlt das religiöſe Verhältnis dieſer
Sunſt zur Natur. Und auch hier wieder entzückt die
Einbe=
ſßiehung der Schrift in die Bildſeite. Ueberall iſt die Schrift
Runſtwerk, untrennbar mit der Bildkompoſition verbunden. Die
lAusſtellung zeigt davon beſonders vorbildliche Beiſpiele. Auf
einem Blatt tropft die Schrift wie Goldregenblüte hevab. Wenn
man dagegen unſere illuſtrierten Bücher betrachtet! Dieſes ſtarre
Mebeneinander von Bild und herzloſer Druckſchrift! Das
Japa=
miſieren iſt bei uns von Zeit zu Zeit Mode. Völlig zwecklos.
Sber wir könnten von Oſtaſien unendlich viel lernen .. . ."
M. E.
Großes Haus. — Dienstag, den 14. Juni.
Tiefland.
Muſikdrama von Eugen d’Albert.
Als Sebaſtiano verabſchiedete ſich heute abend Herr Imre
HAldori von unſerer Bühne. Wir ſcheiden ungern von der
Prachtvollen Stimme, die der Künſtler beſitzt, und bedauern, ſie
micht öfter gehört zu haben, als nach dem ſtarken Eindruck ſeines
derſten Auftretens vor drei Jahren gewünſcht und gehofft wurde.
Eine Anzahl verſchiedenartiger Verhinderungen und
Hemmun=
gen ſind die Urſache geweſen, daß die ſtarke Perſönlichkeit des
begabten Künſtlers während ihrer hieſigen Wirkſamkeit nicht ſo
zur Geltung kam, als ſie es verdient hätte. Seine
hervorragen=
den Leiſtungen als Tonio, Escamillo, Amonasro, Wolfram und
heute Sebaſtiano — um nur einige Rollen zu nennen — werden
v. H.
unvergeſſen bleiben.
Kunſi, Wiſſenſchaft und Leben.
— Für fünfzig Jahre. In der Frage der Schutzfriſt
iſt die Anſicht verbreitet worden, der Buchhandel trete
einheit=
lich für die 30jährige Schutzfriſt ein. Die Abſtimmung bei der
buchhändleriſchen Kantate=Verſammlung, die eine nicht zu
über=
ſehende Minderheit für die 50jährige Schutzfriſt ergab, berichtigte
das Bild. Die großen Schriftſteller= und Künſtlerverbände
ſchloſſen ſich bereits vor Monaten mit den Verlegern von
Origi=
nalwerken der Litratur und Muſik zu einem Aktionsausſchuß
zuſammen, deſſen Gruppe Originalverleger ſoeben dem
Reichs=
jüſtizminiſterium eine ausführliche Begründung der
Notwendig=
keit der Einführung der 50jährigen Schutzfriſt vorlegte. Dieſe
Eingabe iſt von der ſehr beachtlichen Anzahl von 220 Buch= und
Muſikalienverlegern unterzeichnet, unter denen ſich die
führen=
den ſchönwiſſenſchaftlichen Verlage befinden. In einem weiteren
Rundſchreiben an die Handelskammern wird vom
Aktionsaus=
ſchuß begründet, warum der Schutzfriſtkampf ſich auf das
Er=
ſtreben der vorbehaltloſen Verlängerung der Schutzfriſt zuſpitzen
muß, wogegen die vom Reichswirtſchaftsrat angeſtrebte
Zwangs=
lizenz zurückzutreten habe. In dieſe letzte Frage beginnt
nun=
mehr der Kampf auszulaufen.
Bücherkriſe?
Die Klage darüber, daß in Deutſchland nicht mehr geleſen werde,
angeſtimmt in der Hauptſache vom deutſchen Buchhändler, iſt
gerade=
zu zu einem Schlagwort mit unheilvoller Suggeſtionskraft geworden.
Derlei Schlagworte tauchen quartalsweiſe auf, aber niemand nimmt ſich
eigentlich die Mühe, ſie auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Daß der
Deutſche verlernt habe, zu leſen, iſt in Wahrheit ein Irrtum. Nicht
zu leugnen iſt allerdings, daß in allerletzter Zeit wohl weniger Bücher
gekauft worden ſind, als in den Inflationsjahren. Auf allen Gebieten,
auch beim Buchhandel, brachten die Inflationsjahre eine ungeheure
Ab=
ſatzſteigerung. Dieſe Abſatzſteigerung, durch die Entwertung der Mark
beſtändig angetrieben, hat bei vielen Produzenten zu einer gewiſſen
Trägheit und Bequemlichkeit geführt: Im Gegenſatz zu früher war der
Produzent nicht mehr gehalten, ſich Gedanken über Abſatzmöglichkeiten
zu machen. Am unerfreulichſten waren die Verhältniſſe vielleicht doch
auf dem Gebiete des Buchhandels, weil durch den ausgebrochenen
Kauf=
wahn das Buch als — Leſe= — Buch ſeinen Sinn vollkommen einbüßte,
Die Aufmerkſamkeit des Publikums ſchien der Bücherproduktion
über=
haupt keine Grenzen mehr zu ſtellen. Namentlich wurde das teure
Buch, der Luxusdruck, der Einband, ein Anlagewert, das Buch fiel
un=
ter die berühmte Kategorie der „Sachwerte” nach denen damals alles
jagte, und ſchließlich wurde eine Angelegenheit der Dichtung zu einer
Angelegenheit der „Kapitalsanlage‟. Es folgte die Stabiliſierung der
Mark. Es folgte der natürliche Rückſchlag: Das Buch verlor als
Kapi=
talsanlage zu allererſt ſeine Bedeutung. Die maſſenhaften, von
Kon=
junkturverlegern dem Publikum angehängten Luxusſüßigkeiten hatten
den Käufern den Magen gründlich verdorben, einem Publikum, das
überdies erkennen mußte, daß weder Maroquin noch Pergament wie
Schiffahrtsaktien wertbeſtändig notieren. Das Schlimmſte war, daß,
als die Stabiliſierung über Nacht da war, die Luxusbücherfontäne nock
eine ganze Weile luſtig weiterſprudelte, weil vor Monaten begonnene
Werke fertig wurden, als das Buch als „Kaditalsanlage” längſt
ent=
larvt war. Der deutſche Verlagsbuchhandel befand ſich zunächſt ziem=
lich ratlos vor der Tatſache, daß große Kreiſe dem Buche geradezu
feindlich gegenüberſtanden. Pſychologiſch eine vollkommen klare Sache.
Drei Jahre Inflation hatten den Charakter des Buches ſo total
ver=
ündert, zum Teil durch Schuld der Verleger, daß der deutſche Leſer in
der Tat das Leſen ſelbſt nahezu verlernt hatte. Er hatte ſeine Bücher
jahrelang nicht mehr zum Leſen, ſondern als Sachwert, als
Kapitals=
anlage gekauft.
Es hat lange gebraucht, bis der deutſche Verlagsbuchhandel zur
Einſicht kam und umlernte. Erſt ganz allmählich erfolgte in letzter Zeit
die Umſtellung zum billigen Buch, zum wirklichen Leſe=Buch. Es muß
geſagt werden, daß neben anderen der Verlag Georg Müller in
Mün=
chen es zweifellos gut verſtanden hat, aus der wirtſchaftlichen Lage
und aus der Pſychologie der Leſewelt heraus die richtige Folge zu
zie=
hen, indem er ſeinen Typus des „Georg Müller Zwei=Mark Buches
erfand und ſchuf, einen Buchtypus, der als glückliches Endergebnis aller
der vielfältigen buchkünſtleriſchen und bibliophilen Experimente der
In=
flationsjahre geprieſen werden kann.
Von den Zweimark=Büchern des Verlages Georg Müller liegen
be=
reits 60 Bände vor. 30 neue Bände ſind ſoeben erſchienen. Man muß
zugeben, daß die Auswahl, weder banal noch exkluſiv geſchickt getroffen
worden iſt. Die Sammlung enthält Namen wie Frank Wedekind,
Wil=
helm Schäfer, Otto Julius Bierbaum und Benno Rüttenauer. Hans
Fr. Blunck und Franz Blei, Claude Farrére und Wilhelm Weigand,
um nur einige der zeitgenöſſiſchen Autoren zu nennen. Aber das
Pro=
gramm, das die Sammlung ſich zu ſtellen ſcheint, greift noch viel weiter
aus. Wir finden vertreten: Stevenſon mit 5 Bänden, Stifter, Arndt,
E. Th. A. Hoffmann, Storm, Otto Ludwig und den amüſanten
Hof=
hiſtoriker Ed. Vehſe, vertreten ſind von den Ruſſen Tolſtoi,
Doſto=
jewski, Ließkow, Turgenieff, Puſchkin, Garſchin, Kuprin; von den
Fran=
en die amüſanten Briefe der Pompadour, ein Bändchen Villiers
tendhal mit einer vorzüglichen Auswahl, Boutet. Pierre Loti, Pierre
ille, Alfred de Muſſet, überſetzt von Alfred Neumann, Balzac,
Baude=
laire; Chineſiſche Novellen werden geboten wie Klaſſiſches der Longus
und Apuleius, Liebesnovellen der italieniſchen Renaiſſance und
„Deutſche Volksbücher” (Triſtan und Meluſina.)
Kurz, es iſt eigentlich alles da. Mit großem Geſchick iſt die bei
ſolchen Sammlungen ſonſt übliche Wiederholung von Nachdrucken
un=
geſchützter Autoren vermieden. Geboten wird wirklich Originales, und
zwar zu einem Preiſe, der etwas unwahrſcheinliches hat, wenn man die
materielle Qualität der wirklich reizenden Bändchen zum ideellen Wert
der gebotenen Literatur addiert.
Indeſſen, hier ſcheint endlich ein vernünftiges kaufmänniſches
Prin=
zip Geſtalt gewonnen zu haben: Großer Umſatz muß bei kleinem Nutzen
das Unternehmen rentabel machen. Der große Umſatz iſt ihm von
Herzen zu wünſchen
Dem Sortimentsbuchhändler aber, dem, der die Klage über den
büchermüden Deutſchen erhebt, darf man mit dem Hinweis auf Georg
Müllers Zwei=Mark=Bücher tröſten. Gelingt es den Bücherbünden ohne
buchhändleriſche Organiſation, ohne die wichtige Kritik der Preſſe, ohne
„Schaufenſter” Millionen Leſer zu gewinnen, ſo möchte es wohl auch
dem Buchhändler jetzt nicht mehr ſchwer fallen, von dieſer Sammlung
aus, ſich eine Gemeinde von leſenden Bücherfreunden in ſeinen Laden
zu ziehen.
Seite 4
Mittwoch, den 15. Juni 1927
Nummer 164
*
Die Sommertagung des Reichstags.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichstag hat am Dienstag ſeine Beratungen wieder
aufgenommen, hat ſich aber eigentlich damit begnügt, ſeine
Viſitenkarte vor der Oeffentlichkeit abzugeben, indem er das
Ge=
ſetz über den Verkehr mit Lebensmitteln in zweiter und dritter
Leſung erledigte. Das Geſetz will bekanntlich die vielen
ver=
ſchiedenen Verordnungen und Beſtimmungen einheitlich
zu=
ſammenfaſſen. Was aber nun weiter in der Sommertagung
werden ſoll, darüber gehen die Meinungen noch recht weit
aus=
einander. Der Reichskanzler hat dem Aelteſtenrat eine Liſte
überreicht, worin die Regierung alle Vorlagen aufgeſchrieben hat,
was ſie noch vor den Sommerferien gerne verabſchiedet ſehen
möchte. Sie unterſcheidet dringende Vorlagen und ſolche, deren
Erledigung geboten iſt. Unter den dringenden Vorlagen ſind
einige, die dem Reichstag bereits vorliegen, ſo das
Kriegs=
gerätegeſetz, das Strafgeſetzbuch und die
Arbeitsloſenverſiche=
rung, ferner acht dringende Vorlagen, die dem nun wieder
tagenden Reichstag noch zugehen werden, darunter die
Zollvorlage, das Reichsmietengeſetz, das Mieterſchutzgeſetz,
das Waſhingtoner Abkommen und das Reichsſchulgeſetz.
Dann kommen noch die Vorlagen, deren Erledigung die
Regie=
rung für wünſchenswert hält. Es ſind auch noch einmal zehn
Vorlagen. Es iſt unſchwer einzuſehen, daß ein ſolches
Pro=
gramm mindeſtens zwei Monate in Anſpruch nimmt, daß aber
der Reichstag ſo lange nicht zuſammenzuhalten iſt. Dabei hat
die Reichsregierung das Rahmengeſetz für die
Steuervereinheit=
lichung ſchon von ſich aus preisgegeben und auf den Herbſt
ver=
tagt. Sie wird noch weitere weſentliche Abſtriche machen müſſen
um die dringlichſten Vorlagen unter Dach zu bekommen, zumal
da ſie durch ihre langſame Arbeit ſelbſt einen großen Teil der
Schuld an der unerquicklichen Arbeitslaſt trägt. Am Mittwoch
vormittag werden die Parteiführer ſich mit der Regierung über
dieſes Programm unterhalten. Es wird dabei vermutlich zu
ſehr ſcharfen Zuſammenſtößen innerhalb der Regierungsparteien
kommen, da jede Partei, ihre beſonderen Wünſche hat. Die
Deutſche Volkspartei verlangt, daß die Beamtenbeſoldung noch
vor den Sommerferien in Ordnung gebracht wird und beruft
ſich darauf, daß ihr das vor den Oſterferien verſprochen worden
iſt. Das Zentrum dringt in erſter Linie auf das
Reichsſchul=
geſetz. Innenminiſter Keudell hat erklärt, daß er den Entwurf
noch nicht fertig habe, daß er aber in acht Tagen ſo weit ſei.
Er würde dann den Geſetzentwurf ſofort an den Reichsrat
weiterleiten, der etwa drei Wochen zur Beratung brauchen würde,
ſo daß früheſtens in vier Wochen das Geſetz vor den Reichstag
kommen könne. Herr von Gusrard hat bereits am Dienstag im
interfraktionellen Ausſchuß bemerkt, daß das Zentrum eine
Hinauszögerung der erſten Leſung des Schulgeſetzes im
Reichs=
tag über die Sommertagung hinaus nicht für tragbar halte. Wie
man bei dieſen verſchiedenen Wünſchen und der zeitlichen
Mög=
lichkeiten eine Verſtändigung ſchaffen will, darüber wird man ſich
am Mittwoch zum erſten Male, aber noch nicht zum letzten Male
unterhalten.
Sitzungsbericht.
* Berlin, 14. Juni. (Eig. Bericht.)
Der Reichstag nahm heute nachmittag 3 Uhr ſeine
Beratun=
gen nach der Pfingſtpauſe wieder auf. Der Präſident eröffnete
die Sitzung mit geſchäftlichen Mitteilungen, und zwar teilte er
mit, daß der im Falle Grütte-Lehder der Anſtiftung zum
Feme=
mord angeſchuldigte völkiſche Abgeordnete Kube mangels
tat=
ſächlichen Beweiſes außer Verfolgung geſetzt worden ſei.
Nachdem ein kommuniſtiſcher Antrag, zunächſt die Anträge
gegen die Poſtgebührenerhöhung zu behandeln, am Widerſpruch
des Hauſes geſcheitert war, begann das Haus die zweite Leſung
des neuen Lebensmittelgeſetzes. Durch das Geſetz ſollen in
Ver=
bindung mit ſeinen Nebengeſetzen, dem Fleiſchbeſchau=,
Marga=
rine= und Weingeſetz, die geſamten bisher in zahlloſen
Einzel=
beſtimmungen zerſplitterten Verordnungen auf dem Gebiete der
Ueberwachung des Verkehrs mit Lebensmitteln zuſammengefaßt
werden. Auch Tabakerzeugniſſe ſind den Lebensmitteln
gleich=
geſtellt.
In der Ausſprache forderte die Abg. Frau Wurm (Soz.)
Verſchärfung derjenigen Beſtimmungen, die gegen die
Verfäl=
ſchung von Lebensmitteln gerichtet ſind. — Abg. Sparr (Dem.)
wandte ſich gegen die ſozialdenrokratiſchen Anträge und nahm
die bisherige Nahrungsmittelkontrolle, die ſich durchaus bewährt
habe, in Schutz. — Der Abg. Borrmann (Wirtſchaftspartei)
ſprach gegen die Schikanierung der Gewerbetreibenden bei den
behördlichen Lebensmittelunterſuchungen. — Von
Regierungs=
ſeite nahm niemand das Wort. In der Abſtimmung wurde die
Vorlage in allen drei Leſungen angenommen, dazu einige
Ent=
ſchließungen, in denen größerer Schutz für die Imkerei verlangt
wird.
Es folgte eine längere Geſchäftsordnungsdebatte, über die
Tagesordnung der morgigen Sitzung. Ein völkiſch=
kommuni=
ſtiſcher Antrag, morgen die Anträge gegen die Portoerhöhung zu
beraten, wurde mit 140 gegen 130 Stimmen angenommen, da die
Nächſte
Regierungsparteien ſehr ſchwach vertreten waren.
Sitzung morgen 3½ Uhr nachmittags.
* Die zweite Leſung des
Sondergebändeſteuergeſetz=
entwurfes im Finanzausſchuß.
Der Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtages nahm am Dienstag
die Beratungen über das Sondergebäudeſteuergeſetz bei Artikel 12
wieder auf. Anträge der Abg. Dingeldey, Heinſtadt und Kindt, die ſich
mit der Feſtſetzung der Hilfsbedürftigkeit beſchäftigen, wurden der
Re=
gievung als Material überwieſen. Der Artikel wurde angenommen.
Es wurde ein neuer Artikel 12a eingefügt, worin der Finanzminiſter
ermächtigt wird, anzuordnen, daß die nach dieſem Geſetz zu entrichtende
Sondergebäudeſteuer auf den Betrag herabgeſetzt wird, der nach dem
Steuervorauszahlungsgeſetz für das Rechnungsjahr 1927 zu zahlen iſt,
Der Ausſchuß ſtimmte zu. Artikel 13 wurde angenommen, doch wurde
der Steuerſatz von 70 Pf. der Vorlage in 77 Pf. geändert; auch wurde
ein neuer Abſatz (3) eingefügt mit nachſtehendem Wortlaut: „Im Falle
des Artikels 10 Abſ. 1 Satz 2 und 4 dürfen die Steuerſätze für die
Ge=
meinden und Gemeindeverbände zuſammen den Betrag von 70 Pf. nicht
überſteigen." Artikel 14 wurde mit einem Antrag Kindt angenommen,
daß Ermäßigungen zu Gunſten des Hauseigentümers nicht zu einer
Kürzung der Beträge zum Nachteil hilfsbedürftiger Mieter führen dürfe.
Artikel 15 fand Zuſtimmung. Artikel 16 wurde angenommen, unter
Ab=
lehnung anderer Anträge, mit einem Antrag Lux, der im weſentlichen
dahin geht, daß auf baldiges Verſchwinden des Sondergebäudeſteuer=
geſetzes hingearbeitet werden ſoll. Schließlich wurde das Geſetz im
ganzen angenommen. Der Finanzausſchuß nahm ferner einen Antrag
Angermeier an auf Abſtellung der Mißſtande im Bahnhof Darmſtadt=
Oſt (Zugang, Warteraum und Toiletten). Ein Antrag Dr. Dehlingen
will, daß die von den Räumungsverbänden im Schwarzbach=Gebiet
(Ried) aufzubringenden Koſten vom Staate vorgelegt werden, bis der
Generalkulturplan fertiggeſtellt iſt. Die Regierung ſagte zu, daß noch
in dieſem Jahre der Plan vorgelegt wird. Einer Eingabe der
Kriminal=
kommiſſare auf Hebung ihrer Stellung wurde zugeſtimmt. Ein Antrag
Dr. Werner zum Reichsſteuerbeamtenplan, der mehr Steuerperſonal
ſtür Heſſen verlangt, fand ebenfalls Zuſtimmung. Die
Regierungs=
vorlage über die Koſten des Volksentſcheids (41 500 Mk.) wurde
an=
genommen. Ein Antrag Kindt wegen der Beſoldung der Sekretäre beim
Staatsarchiv wurde der Regierung als Material für die neue
Beſoldungsordnung überwieſen. Ein Antrag der Abg. Frl. Birnbaum.
Frau Balſer, Frau Hattemer und Frau Heraus wegen Rückzahlung von
Sterbequartalen wurde durch die Regierungsantwort für erledigt
er=
klärt. Eine Eingabe des Heſſiſchen Landeslehrervereins und des
Katho=
liſchen Lehrervereins zur Einſtufung und Beſoldung der hauptamtlich
beſchäftigten Fortbildungsſchullehrer wurde der Regierung als Material
überwieſen. Für die Zellenſtrafanſtalt Butzbach wurde einer Vorlage
zugeſtimmt, in der Koſten in Höhe von 18000 Mk. für eine
Drehſtrom=
anlage verlangt werden. Auch wurden die Koſten für die
Verbeſſe=
rung der Wohnverhältniſſe im Landeszuchthaus Marienſchloß im
Be=
trage von 174 000 Mk. genehmigt. Der Ausſchuß ſtimmte einer
Regie=
rungsvorlage zu, wonach die Satzungen der Heſſiſchen Landesbank
ge=
e Regelung der Beſoldung
ändert werden. Der Paragraph 9 lautet: *
Zum Schluß wurde noch
bedarf der Zuſtimmung des Finanzausſchuſſes
ein Geſetzentwurf zur Uebernahme von Bürgſchaften zur Förderung des
Wohnungsbaues angenommen.
Der Geſetzgebungsausſchuß
tagte Dienstag nachmittag. Er nahm einen Antrag Dr. Werner an, daß
die Landtagsperioden künftig ſtatt drei, vier Jahre dauern ſollen;
ein Antrag Dr. Werners auf Liſtenverbindung wurde abgelehnt. Ein
Antrag der Abg. Schreiber und Gen., auf Einführung von
Einzelwahl=
kreiſen wurde abgelehnt, dagegen die Forderung auf Herabſetzung der
Zahl der Landtagsmandgte angenommen; ebenſo ſtimmte man der in
dieſem Antrag verlangten Verlängerung der Wahlperioden von drei auf
vier Jahre zu. Der Geſetzentwurf über die Gewährung von Beihil
bei der anſteckenden Blutarmut der Einhufer wunde angenommen, de
hat er bezüglich der Entſchädigung rückwirkende Kraft bis 1. April 1994
erhalten. Eine Eingabe des Vereins heſſiſcher Juſtizamtmänne
in
Darmſtadt auf Einführung heſſiſcher Gerichtskaſſen, fand Zuſtimt
ebenſo ein Antrag der Abg. Dr. Werner und Gen. auf Wiederverleihung
der Rettungsmedaille in Heſſen. Die noch nicht erledigten Punkte der
Tagesordnung werden in einer am Montag ſtattfindenen Sitzung
er=
ledigt.
Deutſcher Vorſitz in der Staatenkonferenz zur
Schaffung eines Weltnothilfeverbandes.
Am 4. Juli tritt in Genf eine internationale
Staatenkonferenz zuſammen, um über die Errichtung
eines Weltnothilfeverbandes zu beſchließen. Der
Verband hat den Zweck, bei Kataſtrophen wie Erdbeben, großen
Ueberſchwemmungen uſw. die Hilfeleiſtng international zu
or=
ganiſieren. Vom Völkerbundsrat iſt Deutſchland gebeten
wor=
den, den Vorſitz der Konferenz zu übernehmen. Auf Vorſchlag der
deutſchen Reichsregierung iſt der frühere Reichsimnmenmimiſter
Dr. Külz vom Völkerbundsrat zum Präſidenten der Konſerenz
ernannt wovden. Dr. Külz hat die Annahme dieſes Amtes erklärt.
Familiennachrichten
Statt Karten.
eIhre Vermählung beehren
sich anzuzeigen:
PeterKrug und Frau
Gertrud, geb. Eysenbach.
Eberstadt, im Juni 1927.
Die Trauung findet statt am
Donners-
tag, den 16- Juni, nachmittags 2 Uhr,
in der evang. Kirche zu Eberstadt.
(9682)
Todes=Anzeige.
Am 10. Juni verſchied
plötz=
lich und unerwartet meine liebe
Frau, unſere gute Mutter
Frau
Margarethe Lorenz
geb. Betz.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Georg Lorenz
Bahnwärter i. R.
Die Beerdigung fand in aller Stille
(*15897
ſtat=
Todes=Anzeige.
(Statt Karten.)
Geſtern früh 7¾ Uhr wurde mir mein innigſigeliebter Mann,
unſer guter Vater
Willy Bickerle
Metzgermeiſter
nach kurzem aber ſchwerem Leiden im Alter von nicht 32 Jahren
entriſſen.
In tiefer Trauer:
Aennh Bickerle und Kinder.
Darmſiadt, den 14. Juni 1927.
(9726
Waldſtraße 11.
Die Beiſetzung findet Donnerstag nachmittag 3½ Uhr von der Kapelle
des Waldfriedhofs aus ſtatt.
RunderBiedermeier=
Tiſch f. 65 ℳ zu
ver=
kaufen
Alexander=
ſtraße 3, part. (15841
Elektr. Staubſauger
220 Volt, Rekord 60.½,
ſehr gut erhalten, zu
verkaufen
Alexander=
ſtraße 3, pt. (*15840
Nachruf.
Durch den plötzlichen Tod unſeres lieben Kollegen
Kammermuſiker
Oskar Scheidhauer
ſind wir erneut wieder in tiefe Trauer verſetzt worden.
Der Verſtorbene gehörte dem Heſſiſchen
Landes=
theater=Orcheſter 12 Jahre an und hat ſich in dieſer Zeit
als ein beſonders dienſteifriges und gewiſſenhaftes
Mit=
glied und als ein hervorragender Künſiler ausgezeichnet.
Von ſeinen Vorgeſetzten und ſeinen Kollegen
be=
ſonders geſchätzt, reißt der Heimgang dieſes ſehr
begab=
ten, lieben Kollegen eine fühlbare Lücke in unſere Kor=
Poration.
Möge er ſanft ruhen.
Die Mitglieder
des Heſſ. Landestheater=Orcheſters.
In deren Namen:
Friedrich Brückmann.
(15845
Am Körper
gearb. Maßſchnitte
garant, tadell Sitz
ſelbſtangef. Kleidung
Auf Wunſch Einricht.
v. Stoff z. Anprobe
Adele Bachrach
Vendelſtadtſtr. 47
Geſchäftszeit b. 5 Uhr.
(8154a)
V
auf 2 Wochen
Dr. Koch
15874
prakt. Arzt.
Menene
Kin d
geſund., ſchön.
Mäd=
chen als eigen
abzu=
geben. Angeb. unt.
K 190 Geſchſt. (*15892
Hübſche
Heirat: 22i. Guts=
und
Mühlenbeſitzers=
tocht. m. 300 000,4bar,
gr. Mühle u. 600Morg.
Land, wünſcht ſich mit
Hrn., a, ohne Verm.
zu verheir, d.
Adam=
kiewiez, Berlin W 8.,
Mohrenſtr. 26. IV. 9719
Unſere liebe Mutter, Großmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Helene Hangen
geb. von Bechtold
iſt am 11. Juni 1927 ſanft entſchlafen.
(9740
Tilla Blaeß, geb. Hangen
Prof. D.=Ing. Viktor Blaeß
Marie Plagge, geb. von Bechtold
und zwei Enkelkinder.
Darmſtadt, den 14. Juni 1927.
Die Beerdigung hat in der Stille ſtattgefunden.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abſehen zu wollen.
Baum. Strümpfe w.
angeſtrickt. Paar 70,5.
Roßdörferſtr. 23, I.
(*15865)
Unterricht im Zuſchneiden
Maßnehmen eigener Garderobe
Anprobieren unter perſönlich. Leitung
Anfertigen, Ausbild. im Schnittzeichn.
Moderniſieren uſw. uſw.
Der Unterricht findet in 2 Abteilungen ſtatt:
Vormittags von 9—12 Uhr, nachm. von 3—6 Uhr
Toni Hanau, Meisterin, Rheinslk
Anmeldung vormittags erbeten. (15893
Lannnn
Oeruudengfeeswantett
Was ist„„Mährbier”? Unter „Nährbier”
ver-
steht man im Verkehr einen nach einem bestimmten
Brauverfahren hergestellten Biertyp der
Kctiengesell-
schaft Hackerbräu, München. Das nach dem
Sonderver-
fahren hergestellte „Nährbier” zeichnet sich aus durch
hohen Gehalt an Extraktstoffen des Malzes, geringen
Alkoholgehalt, Wohlgeschmack und Bekömmlichkeit.
Alleinige Herstellerin: A.-G. Hackerbräu München
Generalvertretung für Darmstadt und Umgebung:
Wilhelm Desch, Biergroßhandlung
Darmstadt, Ernst-Lndwigstraße 1 — Fernruf 1410
Für die Reise
eichte, elegante
Handarbeiten
W. Weygandt
Kunstgewerbliche Handarbeiten
Wilhelminenstr. 9 (86s1
Können Sie denken?
Dann wird es für Sie ein leichtes sein, den Sinn der obigen
Darstellung berausznänden. Kreisrande Scheiben mit einem
harten Kern in der Mitte! Können Sie sich erinnern, diese
Merkmale an sich selbst entdeckt zu haben? Etwa an Ihren
Füßen? Sie sitzen festverwachsen an Ihren Zehen, bereiten
Ihnen böse Schmerzen und behindern Sie im Gehen. Warum
haben Sie sich noch nicht befreit von diesen Dingern, genannt
Hühneraugen? Wissen Sie nicht, daß es ein Radikalmittel
dagegen gibt, das schnell und schmerzlos wirkt? Denken
Sie an „Lebewohlk‟!
*Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene
Hühneraugen-Lebewohlfür die Zehen und Lebewohl-Ballenscheiben
für die Fußsohle, Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf., Lebewohi-Fußbad
gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf.,
erhältlich in Apotbeken und Drogerien. Sicher zu haben bei,
ag Liebig & Co., Drogerie, Luisenstr. 4, Fr. Schaefer,
Ludwigs-
platz7, Engel-Drog. H Schaub, Kurlstr. 28, Gebr. Vierheller, Drog
Schustergasse 14, in Groß-Umstadti Adler-Drogerie, (II,Dro0le
Nummer 164
Mittwoch, den 15 Juni 1927
Seite 3
Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 15. Juni.
— Erledigte Stellen. Erledigt ſind: 1. die Stelle des Förſters der
Förſterei Oberlais des Forſtamts Nidda; 2. die Stelle des Förſters
der Förſterei Lichtenberg des Forſtamts Groß=Bieberau. Schluß
des Meldetermins: 29. Juni 1927 beim Miniſterium der Finanzen, Abt.
für Forſt= und Kameralverwaltung.
— Heſſiſches Landestheater. Verdis „Falſtaff” wird am
kommen=
den Freitag in neuer Einſtudierung im Großen Haus gegeben. Die
Inſzenierung leitet Oskar Fritz Schuh. Die muſikaliſche Leitung hat
Generalmuſikdirektor Joſeph Roſenſtock.
Schillers „Tell” gelangt am Samstag, den 18. Juni, in der
In=
ſzenierung von Edgar Klitſch als Schüler= und Volksvorſtellung zu
Ein=
heitspreiſen (50 Pf. bis 2 Mk.) zum letzten Male zur Aufführung.
— Städtiſche Akademie für Tonkunſt. Die Städtiſch= Akademie für
Tonkunſt veranſtaltet mit dem Lehrerkollegium, den Studierenden der
Ausbildungsklaſſen, des Seminars und der Opernſchule am Montag,
den 27. Juni, eine Exkurſion zur internationalen Ausſtellung:
„Die Muſik im Leben der Völker” nach Frankfurt a M.
unter Führung des ſtädtiſchen Muſikdirektors W. Schmitt. An dieſer
Exkurſion können außerden teilnehmen die Mitglieder des Inſtrumental
Vereins, der Madrigalvereinigung, der Vereinigung Darmſtädter
Soliſtinnen und des Städtiſchen Orcheſters. Weiterhin wurden zur
Teil=
nahme aufgefordert die Mitglieder der Ortsgruppe Darmſtadt des
Reichsverbandes Deutſcher Tonkünſtler und Muſiklehrer mit ihren Aus
bildungsſchülern. Die Leitung der Städtiſchen Akademie will durch dieſe
Veranſtaltung den an Muſik beſonders intereſſierten Kreiſen die
Mög=
lichkeit geben, ohne große Koſten die bis jetzt einzig daſtehende
muſika=
liſche Weltausſtellung zu beſuchen und hofft auf recht zahlreice
Ve=
teiligung. Füir ſachgemäße Führung durch die einzelnen Abteilungen
wird geſorgt. Näheres wird durch das Sekretariat der Städtiſchen
Aka=
demie mittels eines Rundſchreibens bekannt gegeben. Anfragen ſind
an das Sekretariat der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt zu richten.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird
die Pallaswieſenſtraße zwiſchen Kirſchenallee und Weiterſtädterſtraße
vom 14. bis 25. Juni 1327 für den Fuhrwerks=, Auto= und
Radfahr=
verkehr geſperrt.
— Orpheum. Teatro dei Piccoli. Zu dem morgen Donnerstag
abends 8 Uhr beginnenden Gaſtſpiel des italieniſchen „Theaters
künſt=
licher Menſchen, nachfolgend einige Preſſe=Urteile: London: „Das
Wunder in Miniatur des T. d. P. bringt eine Vollkommenheit von
muſikaliſcher Bühnen= und Spielkunſt, die von keinem Theater in
Lon=
don übertroffen wurde.” „Sunday Pitorial” — „Das fröhliche Lachen,
wie es die luſtigen Marionetten des T. d. P. hervorriefen, wurde ſelten
in Londoner Theatern gehört.” „Morning Poſt”. — „Das T d. P. iſt
das Delirium der Stadt. Wir waren auf die komiſchen Möglichkeiten
der Marionetten gefaßt, die großartigſte Enthüillung war jedoch ihre
ernſte Seite.” „Mancheſter Guardian” — New York: „Indem ich
bei=
nahe hypnotiſiert im Laufe der Vorſtellung den Bewegungen jener
Larven menſchlicher Geſtalten folgte, fragte ich mich, warum wohl Herr
Podrecca und ſeine Marionettiſten, ſtatt mit ſo viel liebevollem
Ver=
ſtändnis ſo viel Sorgfalt an unbelebten Weſen zu weihen, ſie nicht lieber
an Weſen aus Fleiſch und Blut wendeten. Der Wahrheit gemäß
be=
haupte ich, daß es Dutzende von Schauſpielern gibt, die jenem Direktor
danken würden, wenn er ihnen beizubringen wüßte, die Hände und die
Füße mit ſolcher Grazie zu bewegen, und ihrer Geſtalt jene runde
Beredſamkeit, jene edle Haltung zu geben, die ich bei dieſen Marionetten
bewundere.” „Alan Dale‟. New York, Amerika. — Mexiko: „Das war
ein theatraliſches Ereignis für Mexiko. Wir irren uns nicht, wenn wir
behaupten, daß das Enſemble Podrecca einen glänzenden und vollen
Erfolg hatte, über den man viel ſchreiben könnte. Es iſt ein Schauſpiel,
welchem alle mit wahrer Begeiſterung beiwohnten.” „El Democrata”,
Berlin: „Lokalanzeiger‟: Das T. d. P. bedeutet letzte und höchſte
Steige=
rung, eine unwiderſtehliche Suggeſtion! Die Berliner bedankten ſich bei
— „
Börſen=
den Italienern, die freilich eine Gipfelleiſtung bieten
kurier”: „Das Publikum wälzt ſich vor Vergnügen. Wir haben ſolche
Vollendung noch nie geſehen, ſolchen Witz, Spiegelung des Lebens und
exzentriſche Philoſophie.” (Oskar Bie.) uſw. Der Kartenverkauf bei
de Waal, Rheinſtraße 14, und im Verkehrsküiro hat begonnen. Preiſe
1—3 Mark. (Siehe heutige Anzeige.)
— Heſſiſcher Penſionärverein. Die Verſammlung der hieſigen
Orts=
gruppe des Penſionärvereins war ſehr zahlreich beſucht. Nach
Be=
grüßung der Mitglieder und Gäſte hielt der Vorſitzende Oberreallehrer
Kahl, einen Vortrag über „Die Lage der Ruheſtandsbeamten und
Hinter=
bliebenen‟. Das Beſoldungsgeſetz vom Jahre 1920 hatte eine
grund=
ſätzliche Verbeſſerung inſofern gebracht, als es den penſionierten Beamten
das Recht einräumte, an den Gehaltsaufbeſſerungen der aktiven Beamten
teilzunehmen. Dieſes Recht muß ihnen auch in der neuen
Beſoldungs=
reform gewahrt werden. Aber nicht geringe Kräfte ſind am Werk, den
ihnen verhaßten Begriff der Beamtenpenſion entweder ganz zu ſtürzer
oder wenigſtens ſo zu kürzen, daß nicht mehr viel davon übrig bleib
Wiederholt iſt ſeit der Inflationszeit an den Beamtenrechten gerüttelt
worden, aber die Beamten wollen und müſſen endlich einmal Ruhe
haben vor den fortgeſetzten Angriffen. Auch das Intereſſe des Staates
erfordert einen Beamtenſtand, der von ſeinem Arbeitgeber, dem Staat,
in wirtſchaftlicher Beziehung unabhängig geſtellt iſt. Daß der
Reichs=
verband für Ruheſtandsbeamte und Hinterbliebene in dieſer Frage für
uns auf dem Kampffeld ſteht, iſt ſelbſtverſtändlich. In dieſem Kampfe
vermag der Einzelne nichts; hier kann nur eins helfen: der
Zuſammen=
ſchluß aller, die in ihren Rechten bedroht ſind. Tauſende und
Hundert=
tauſende müſſen ſich in Geſchloſſenheit zu dem Rufe vereinigen: „Hände
weg von den wohlerworbenen Rechten der alten Beamten, die in
ſchwerer Zeit treue Diener des Staates waren und heute eine
fürſorg=
s diejenige, die ihnen in der
ichere Behandlung berdient häten. Nach dieſen Ausführungen gibt
Kürzung ihrer Penſionsbezüge droh
der Redner einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der
Süd=
deutſchen Arbeitsgemeinſchaft und des Reichsverbandes für
Ruheſtands=
beamte und Hinterbliebene. Der Vortrag wurde mit großem Beifall
aufgenommen, ebenſo der Bericht des zweiten Vorſitzenden, Heurn
Häuſer über die Delegiertenverſammlungen der Süddeutſchen
Arbeits=
gemeinſchaft in Stuttgart und Karlsruhe. Nach Entgegennahme der
Rechnungsführung durch Herrn Thüre und Wiederwahl des Vorſtandes,
dem das Recht ſeiner Ergänzung durch Zuwahl eingeräumt wird, wurde
die Verſammlung nach anderthalbſtündiger Dauer geſchloſſen.
— Der Ehrenbund der Verdun= und Argonnenkämpfer, Ortsgruppe
Darmſtadt und Umgebung, bittet alle Kameraden, Offiziere wie
Mann=
ſchaften, die während des Krieges an den beiden Frontabſchnitten ſtanden,
dem Bunde, der nur ideale Zwecke verfolgt, beizutreten. Ihre Adreſſe
wollen die intereſſierten Kameraden unter Beifügung von 25 Pf. für
Porto, Satzungen uſw. an den Bundesbevollmächtigten für Heſſen:
Kameraden Hch. Schuchmann, Darmſtadt, Dornheimer Weg 68, einſenden,
und wird denſelben ſodann alles Nähere mitgeteilt werden.
Gegen die Portoerhöhung.
Der Verkehrsausſchuß des Zentralverbandes Deutſcher
Handelsvertreter=Vereine (Berlin NW. 7) hat auf einer
beſonderen Sitzung in Hamburg in eingehender Weiſe zu den geplanten
Portoerhöhungen Stellung genommen und folgenden Beſchluß gefa=
„Es iſt unmöglich, der ſchon ohnehin überbürdeten Wirtſchaft neue
Laſten aufzuerlegen. Die wirtſchaftliche Beruhigung, zu der wir
langt ſind, iſt gefährdet, wenn durch eine Erhöhung des Brieſportos
die im Preiſe der Waren abgewälzt werden müßte, der Preisſtand erhöht
wird.
Ganz beſonders ſchädigend aber iſt die Verwirklichung der Abſicht
des Reichspoſtminiſters für den Beruf der Handelsvertreter. Der
Handelsvertreter iſt ſteuerlich überlaſtet, weil ſich der Geſetzgeber bisher
nicht die Mühe genommen hat, auf die beſondere Eigenart des
Handels=
vertreterberufes die erforderliche Rückſicht zu nehmen. Das erhöhte Porto
würde der Handelsvertreter als neue Laſt aus ſeiner eigenen
Taſ=
zahlen müſſen; kein Weg ſteht ihm offen, einen Ausgleich durch E
höhung der Einnahmen zu ſchaffen. Die vertraglich vereinbarten und
handelsüblich feſiſtehenden Proviſionsſätze unterbinden von vornherein
jeden Verſuch einer Abwälzung. Andererſeits iſt der Handelsvertret
auch nicht in der Lage, ſeinen Schriftwechſel einzuſchränken, weil die
ſtändige briefliche Verbindung mit den vertretenen Firmen und den Al
nehmern eine der grundlegenden Notwendigkeiten für die erfolgreiche
Ausübung ſeines Berufes iſt.
Die deutſchen Handelsvertreter wenden ſich einmütig gegen die
Portoerhöhung mit Rückſicht auf die Lebensnotwendigkeiten des
Handelsvertreterberufes und der Geſamtwirtſchaft.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Der
Bund Deutſcher Architekten (B.D.A.), Ortsgruppe Darmſtadt, und
ver=
wandte Verbände, veranſtalten am Freitag, den 17. Juni 1927, abends
8 Uhr, in der Aula der Höheren Landesbauſchule, Neckarſtraße 3, einen
Lichtbildervortrag von Herrn Dr. Fritz Rupp, Frankfurt
am Main, über „Zeitſtil und Anarchie in der Baukunſt”, zu dem unſere
Mitglieder freundlichſt eingeladen ſind. Der Eintritt iſt frei. Es wird
gebeten, der Einladung zu dieſem intereffanten Vortrag möglichſt
zahl=
reich zu entſprechen.
Gebt nächsten Sonntag
dem Aotkreuztag
ein Schertlein für die
(9685a
Invaliden u. Veteranen von 66 u. 20/77
— Stadtbücherei. Wegen Prüfung der Bücherbeſtände wird mit dem
Einziehen der Bücher begonnen. Alle aus der Stadtbücherei
entliehenen Bicher ſind am jeweiligen Fälligkeitstermin zurückzugeben
Schulgeldmahnung. Das Schulgeld der hieſigen höheren Schulen
iſt bis zum 1. Juli I. Js. an die Stadtkaſſe (Grafenſtraße 28) zu
zahlen. (Vgl. Bekanntmachung im Anzeigenteil des Blattes.
— Oeffentliche Impfung. Auf die heute nachmittag im Schulhauſe
in der Rundeturmſtraße ſtattfindenden öffentlichen Impfungen wird
nochmals hingewieſen. Dieſer Impftermin iſt insbeſondere nur für die
bis Ende 1925 geborenen und bis jetzt noch nicht geimpften Kinder
be=
ſtimmt. Für die im Jahre 1926 geborenen Kinder beginnen die
Impf=
termine erſt am Mittwoch, den 22. Juni.
Die Straßenbahn vom Schloßgartenplatz bis zur Ecke der
Hein=
heimerſtraße. Nach der Konzeſſionsurkunde iſt die neue Bahnſtrecke bis
ſpäteſtens 1. Juli 1928 in Betrieb zu nehmen.
— Bund A. H. der Höheren Landesbauſchule Darmſtadt. Der Bund
A. H. der Höheren Landesbauſchule Darmſtadt, Ortsgruppe
Darm=
ſtadt, hatte ſeine Mitglieder am vergangenen Sonntag zu einem
Familienausflug nach dem an den Ausläufern des Odenwaldes
ge=
legenen Richen bei Groß=Umſtadt eingeladen. Trotz des
voraus=
gegangenen regneriſchen Samstagwetters geſtaltete ſich die Teilnahme
durchaus befriedigend. Zu Fuß, zu Rad, per Bahn und Auto trafen ſich
die Bundesbrüder mit ihren Angehörigen bei ſchönſtem Wetter gegen
1 Uhr zum gemeinſchaftlichen Mittagsmahl in dem altrenommierten
Gaſt=
haus „Zur Sonne‟, Beſitzer Wörner, Nachf. W. Gunkel. Allgemeine
Bewunderung löſten der neuzeitlich eingerichtete Saalneubau des
Be=
ſitzers, ſowie das aus Küche und Keller Dargebotene aus. Ebenſo
über=
raſchend geſtaltete ſich die vor der Kaffeetafel vorgenommene Beſichtigung
des neuerbauten Hofgutes Eidmann=Leinert, bei der Herr
Altbürger=
meiſter Eidmann in der ihm eigenen Gaſtfreundſchaft bereitwilligſt die
Führung durch das in unverfälſchtem Schweizerſtil erbaute, höchſt
intereſſante Wohnhaus und die muſtergültigen Stalleinrichtungen nebſt
der neuzeitlich eingerichteten Milchhüche mit Kühlanlage übernahm.
Allzuraſch ſchwanden die anſchließenden Stunden bei flotter muſikaliſcher
Unterhaltung in den hübſchen Räumen des Gaſthauſes Gunkel, in
denen natürlich auch dem Tanzvergnügen Rechnung getragen wurde,
dehin. Hochbefriedigt ſchieden unter den Klängen des Deutſchmeiſter=
Marſches der inzwiſchen angekommenen Kapelle der Richener
Feuer=
wehr die Teilnehmer von der idhlliſchen Stätte, in der Ueberzeugung
einige wirklich genußreiche und harmoniſch verlaufene Stunden in der
Richener „Sonne” verbracht zu haben.
— Verband evangel. Männervereinigungen in Darmſtadt=Beffungen,
E. V. Unſere diesjährige Hauptverſammlung findet am
Don=
nerstag, den 16. Juni, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus Kiesſtraße 17,
Saal 2, ſtatt. Um zahlreiches Erſcheinen wird gebeten.
— Geflügelzuchtverein Darmſtadt. Die
Monatsverſamm=
lung wurde durch den erſten Vorſitzenden eröffnet, der dem
verſtor=
benen langjährigen Mitglied L. Schneider einen herzlichen Nachruf wi
mete. Bei dem Punkt „Mitteilungen” wurde beſonders auf den am B.
und 24. Juli d. Js in Worms ſtattfindenden Züchtertag hingewieſen,
mit dem ein Dampferausflug nach Oppenheim verbunden iſt. Da der
Verein in Worms bis zum 20. d. M. über die Teilnehmerzahl an der
Rheinfahrt unterrichtet ſein will, ſollen die Mitglieder ihre Beteili
gungsziffer mittelſt Poſtkarte an die Geſchäftsſtelle des Vereins —
Klap=
pacherſtraße 88 — im Laufe dieſer Woche melden. Viel Intereſſe
er=
weckten die ausgeſtellten Minorkas und die von Mitgliedern zu dieſer
Naſſe gegebenen Erläuterungen. Eine allgemeine Ausſprache über
Zuchtergebniſſe uſw. uſw. gab ſowohl den Hühner= wie Enten= und
Taubenzüchtern viel Anregendes mit auf den Weg. Mit der üblichen
reichhaltigen Verloſung wurde die Verſammlung geſchloſſen.
Tauten Hauftstter
Ablehnung der Gemeindebierſieuer.
Man ſchreibt uns: Erfreulicherweiſe wird die Gemeindebierſteuer in
richtiger Würdigung der Auswirkung derſelben, daß nämlich durch ſie
hauptſächlich die werktätige Bevölkerung und das Kleinbürgertum mit
einer neuen Steuer belaſtet wird, in vielen Gemeinden abgelehnt.
So erfahren wir aus der Umgebung Darmſtadts, daß der
Ge=
meinderat von Auerbach a. d. B. die Auffaſſung vertrat, daß durch
Einführung einer ſolchen Steuer das gegenüber dem Friedenspreis
ver=
teuerte Bier durch die Erhebung einer örtlichen Bierſteuer weder
verbil=
ligt noch verbeſſert würde, die Steuer auch lediglich die werktätige
Be=
völkerung träfe, und lehnte infolgedeſſen die Erhebung der geplanten
Steuer ab.
odann hat in Mainz ſowohl der Finanzausſchuß als auch die
Stadtverordnetenverſammlung bei Beratung des Etats die Einführung
einer Gemeindebierſteuer aus gleichen Gründen abgelehn
Ferner haben die Gemeinderäte in Eberſtadt, Pfungſtadt, Griesheim
ei Darmſtadt und Wolfskehlen beſchloſſen, ihre Mitbürger von dieſer
Steuer zu verſchonen und ſie abgelehnt.
luch der Stadtrat von Koburg hat in ſeiner letzten Sitzung die
vor=
geſchlagene Steuer auf den örtlichen Vierverbrauch abgelehnt, da davon
hauptſächlich die minderbemittelten Kreiſe betroffen würden. Für die
Stadt bedeutet die Ablehnung einen Ausfall von 90 000 Mark.
Ferner haben die Stadtverordneten von Solingen die Weiter= der Bierſteuer einſtimmig abgelehnt.
ie Gemeindebierſteuer iſt außerdem in folgenden Gemeinden
ab=
gelehnt worden: Andernach, Anklam, Dülmen i. Weſtfalen, Emsdetten,
Hamborn, Köthen, Nordhauſen, Stargart
Schneidemühl und
Weißen=
fels, ebenſo in den ſächſiſchen Amtshauptt
nnſchaften Pirna und Borna,
Auch in Arnsberg, Burgſteinfurt, Celle und Jüterbog wurde dieſe
Steuer, zum Teil mit großer Stimmenmehrheit, zu Fall gebracht.
In Plauen im Freiſtaat Sachſen wurde die Einführung der
frag=
lichen Steuer glatt abgelehnt, trotzdem dieſelbe eine Einnahmequelle von
rund ¼ Million Mark bedeutet hätte. Hieraus iſt zu erſehen, daß
das dortige Stadtverordnetenkollegium mit der Zeit ſchreitet und zu
einer Zeit des Preisabbaues keine Veranlaſſung zur Erhöhung der
Bierpreiſe geben will.
Daß die Stadtverordneten in Darmſtadt die Einführung fraglicher
Steuer beſchloſſen haben, konnte wohl nur dadurch geſchehen, daß die
Beſchließenden nicht darüber unterrichtet waren, aus welchem Taſchem
die Stadt dieſe Steuer zieht. Nachdem in vielen Orten die Steuer nicht
eingeführt wird und in Darmſtadt die Einführung dieſer Steuer nicht
auf der Tagesordnung der fraglichen Sitzung ſtand, wonach den
Stadt=
verordneten keine Gelegenheit gegeben war, ſich auf die Beſprechung und
Abſtimmung des Punktes vorzubereiten, ſo dürfte ſchon aus formellen
Gründen eine nochmalige Beſprechung der Sache und erneute
Abſtim=
mung notwendig erſcheinen. Wir glauben, daß die meiſten
Stadtverord=
neten nicht die Abſicht haben, dem kleinen Mann ſeinen Erholungs= und
Erfriſchungstrunk zu verteuern, ſo daß eine nochmalige Abſtimmung ſich
gegen die Einführung dieſer Steuer ergäbe.
Oskar Scheidhauer †. Das Landestheaterorcheſter hat abermals
den Verluſt eines ſeiner Mitglieder zu beklagen. Am 12. Juni verſchied
plötzlich infolge eines Schlaganfalls der ſtellvertretende Konzertmeiſter
Oskar Scheidhauer. Er war in Bonn Konzertmeiſter, als er in das
hieſige Orcheſter 1915 eintrat. Sch. war ein ganz ausgezeichneter Geiger,
von deſſen Qualität wenige zu finden ſind. Und wenn die Leiſtungen
des Landestheaterorcheſters von erſten mſikaliſchen Größen wiederholt
züihmlichſt anerkannt wurden, ſo zum letzten Male durch Richard Strauß,
ſo dürfte dies wohl berechtigt ſein, wenn ein Orcheſter Künſtler, wie
Scheidhauer zu ſeinen Mitgliedern zählen durfte. Sch. war auch
Mit=
begründer des Drummſchen Streichquartetts, und war dieſem eine
Stütze bis zu ſeinem Tode. Schwerlich dürfte hier, ebenſo wie im
Orcheſter ſich ein Erſatz für Sch. finden laſſen. Als Geſangsvereinsdirigent
ſtand er im höchſten Anſehen, und bei Wettſtreiten war er ein gefürchteter
Konkurrent. Viele Jahre war Sch. Dirigent der „Konkordia”, und hat
hervorragende Leiſtungen mit dieſem Verein vollbracht. Seiner
Viel=
ſeitigkeit verdankte er es, daß er im Kriege in das Hauptquartier berufen
wurde, und dort lange Zeit wirkte. Obwohl Sch. ſich ſeit langem
krank fühlte, verſah er ſeit geraumer Zeit den Dienſt des erkrankten
Konzertmeiſters, und dieſer nun für ihn allzugroßen, aufreibenden
Tätig=
keit iſt er ein Opfer geworden. Im Scheidhauer verkörperte ſich der
große Künſtler mit dem prächtigen Menſchen in wunderbarer Harmonie.
* Aufwertung der Sparguthaben der Bezirksſparkaffen Lorſch und
„Mathildenſtift” in Friedberg. Die Sparguthaben ſind über den Satz
von 12½ Prozent des Goldmarkbetrages hinaus zu einem Satz von
mindeſtens 15 Prozent des Goldmarkbetrages aufzuwerten. Endgiltige
Feſtſetzung der Höhe des Satzes iſt vorbehalten.
Zur zweiten Wanderung im laufenden Wanderjahr ladet die
Wanderabteilung der Turngemeinde 1846 auf Sonntag,
den 19. Juni, ein. Die Wanderung führt von König am Hainhaus
vor=
bei durch den Eulbacher Park, Michelſtadt nach Erbach. Im Hainhaus iſt
Frühſtücksraſt vorgeſehen und am Schluß der Wanderung halten wir in
Erbach nochmals Einkehr. Um ¼8 Uhr iſt Zuſammenkunft am
Oſt=
bahnhof und verſpricht die Wanderung, wie ſchon aus obigen Punkten
zu erſehen iſt, eine recht genußreiche zu werden. Für Jugendlichel liegt
die Einzeichnungsliſte beim Hausmeiſter offen.
* Hinausſchiebung der Bindung einzelner Länder und Gemeinden
an die nach dem Reichsbewertungsgeſetze feſtgeſtellten Einheitswerte
Durch Reichsverordnung vom 1. ds. Mts. iſt für das Kalenderjahr 1997
oder ein in dieſem Jahre beginnendes Rechnungsjahr das Land
Heſſen ſeinen nach dem Merkmal des Wertes bemeſſenen Grund=
und Gebäudeſteuern ſowie Gewerbeſteuern, die nach dem
Reichs=
bewertungsgeſetze feſtgeſtellten Einheitswerte zugrunde zu legen, nicht
verpflichtet.
— 25jähriges Jubiläum. Am heutigen Tage feiert Frl. Marie
Stolze im Hauſe der Firma Ernſt Olitzſch, hier, ihr 25jähriges
Dienſt=
jubiläum als Verkäuferin und Lageriſtin. Möge der Jubilarin noch
eine recht lange und ſegensreiche Tätigkeit vergönnt ſein.
Tageskalender für Mittwoch, den 15. Juni 1927.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 7 Uhr; Ende nach
10 Uhr: „Nathan der Weiſe.” — Kleines Haus: Geſchloſſen.
Orpheum: Geſchloſſen
— Konzerte: Schloßkaffee, Hotel=
Reſt. Schmitz, Kaffee=Reſt. Waldesruhe, Oberwaldhaus. — Koch=
Kurſus, im Saale der „Eintracht”, Eliſabethenſtr. 12, von Frl.
Frieda
Ma=
old aus Herrliberg=Zürich.
Theater=Varieté=Saal
„Perkeo”, Alexanderſtr. 12, abends 8 Uhr: Heitere Burlesken.
Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſp.
W
Mützen
Gürtel
chuhes
preiswert u. in bekannt.
Güte bei Parfümerie=
Müller, Rheinſtraße 6,
(9730)
Seite 6
* Fahrt ins Neckartal.
„Wenn Engel reiſen, lacht der Himmel”, meinte Bürgermeiſter
Sailer von Wimpfen in ſeiner Begrüßungsanfprache an die
Sonderzüg=
ler vom Rhein und vom Woog, und er hatte nicht ſo unrecht — weniger
der Engel als des Himmels wegen. Die Bergſtraße hatte zwar
Sonn=
tag morgen noch eine verregnete Schlafhaube auf dem Kopf. Doch ſchon
nach der Fahrt durch Heidelberg den Neckar aufwärts wurde es immer
heller, lichter und freundlicher. Taufriſch reckten ſich bewaldete
Höhen=
züge in den wachen Tag. Bunte Wieſen — wachgeküßt vom Strahl der
neuen Sonne — ſchmiegten ſich in zärtlicher Hingabe zwiſchen Fluß
und Berg. In den Niederungen zwängten ſich — ihren Platz
behaup=
tend — menſchliche Wohnſtätten und auf den Höhen türmten hoch und
ſteil Burgen und Ruinen, träumend von verſunkener Macht und Pracht.
So ſah ſich ich ihn, den Neckar und das Land ringsum, und darüber
einen hochgeſpannten Himmel mit weißlich=grauen Daunenwolken, ab
und zu von Blau durchbrochen.
Da tauchte in der Ferne Wimpfen auf — wie ein großer
Scheren=
ſchnitt auf Berges Höhe — mit ſeinen Türmen in den Himmel ragend.
Darunter hin entführte uns die Bahn den Neckar aufwärts bis nach
Kochendorf. Das Bergwerk mit ſeinem ungeheueren Steinſalzlager war
das Ziel. Unaufhörlich ging der Förderkorb in die Tiefe und warf die
Menſchen in die Stollen, wo ſie ſich truppweiſe aus den Augen
ver=
loren. Im Schein elektriſcher Birnen leuchteten Wände von Salz,
waren die Decken aus Salz, ging man auf Salz. Wohin man auch
ſchaute, überall nur Salz — Salz — Salz. Das knirſchte unter den
Füßen, quoll aus den Stollen, wuchs in die Höhe zu rieſenhaften
Hallen, wölbte ſich zu einer Kuppel von wuchtigen Dimenſionen,
märchen=
haft beleuchtet. Aus dunklen Schächten ſprang Finſternis uns an.
Neizende Niſchen luden zu längerem Verweilen. Rutſchbahnen
aus ſchwindelnder Höhe ging es in raſchem Gleiten nieder —
ſorgten für Kurzweil und Lachen. Es war eine köſtliche
Wan=
derung im Leib der Erde — im Reich des Berggeiſtes — ein Weg voller
Staunen durch das Arbeitsgebiet des Bergmannes, von deſſen
mühe=
voller Tätigkeit wir nur eine ſchwache Ahnung haben. Im Förderkorb
ging es wieder hinauf zum Licht. Licht! Luft! In tiefem Zügen atmete
die Bruſt.
Wimpfen! Um drei Uhr kam der Zug dort an. Eine Kapelle
ſpielte zu Ehren der Gäſte. In geſchloſſenem Zuge ging es den Buckel
hinauf. Durchs Stadttor ſtvebten wir dem Stadtinnern zu, an Mauern,
Türmen, Toren, an plätſchernden Brunnen, maleriſchen Höfen und
Häuſergruppen, verborgenen Winkeln und reizvollen Durchblicken,
vor=
über zum Rathaus wo uns Bürgermeiſter Sailer herzlich willkommen
hieß. Nach einer kurzen Einführung von fachmänniſcher Seite in die
geſchichtliche Entwicklung Wimpfens wurde in Trupps unter
ſach=
kundiger Führung die Stadt beſichtigt. Es war ein Schwelgen im
Zauber einer längſt entſchwundenen Zeit, ein Verſinken in die Reize
einer mittelalterlichen Stadt, wie ich es ähnlich nur in Heidelberg,
Büdingen und Rothenburg erlebte. Ob ich mich in reizenden
Häuſer=
winkeln ſonnte, ob ich dem Plätſchern der Brunnen lauſchte, ob ich die
Türme der Stadtkirche bewunderte oder von der Terraſſe des
Mathilden=
bodes den Blick ins Tal ſchweifen ließ und ein unvergleichliches
Pano=
rama genoß, immer war es der Hauch der deutſchen Heimat, die mich
in ihrer ganzen Lieblichkeit umfing. Nur ungern ſchied ich von dem
Ort, wo Mauern und Türme, Kirchen und Höfe, Brunnen und Tors
als ſtille Denkmäler, ſtumme Zeugen beivegter deutſcher Vergangenheit
ſich erhalten haben bis in unſere heutige ſchickſalsſchwere Zeit —
Wahr=
zeichen deutſcher Art und Sitte.
Die Heimfahrt verlief programmäßig, ſoweit die Bahn in Frage
kam, unprogrammäßig, ſoweit das Wetter maßgebend war. Plötzlich
fing es an zu regnen. In die Täler fiel Nebel ein. Aus den Wäldern
ſtiegen Waſſerdünſte auf. Wolken ballten ſich zuſammen und legten ſich
ſchwer auf die Berggipfel. Drohend ſtanden Burgtürme und Ruinen
gegen die Schatten der Nacht. Ueber Berg und Tal lagerte ſich
undurch=
dringliche Finſternis, zuweilen zerriſſen durch das Licht der
Signal=
lampen. Während der Regen an die Wagenfenſter ſchlug, fuhren wir
ſichen der Heimat zu.
* Große Strafkammer.
1. Berufung hat der wegen Zuhälterei mit 1 Jahr 6 Monaten
Gefängnis und Ueberweiſung an die Landespolizeibehörde abzüglich
4 Wochen Unterſuchungshaft beſtrafte Schloſſer Joh. Hartung in
Gries=
heim eingelegt. Er hat, wie wir gelegentlich der Verhandlung vor dem
Bezirksſchöffengericht ausgeführt haben, ſeine Ehefrau — die
Proſti=
tuierte war — den Marokkanern, die auf dem Uebungsplatz lagen,
zu=
geführt. Das Urteil verwirft die Berufung, es bleibt
mithin bei der erkannten Strafe und den auf 5 Jahre aberkannten
bürgerlichen Ehrenrechten.
2. Wegen fahrläſſiger Tötung wird im zweiten Rechtszuge gegen
1. Bauunternehmer Ph. Lahres I. in Viernheim, 2. den
Vor=
arbeiter Gg. Kempf in Mannheim=Käfertal verhandelt.
Be=
rufung haben die Staatsanwaltſchaft und der Angeklagte Lahres
ver=
folgt. Das Urteil des Bezirksſchöffengerichts hat Kempf freigeſprochen,
Lahres zu 200 Mk. Geldſtrafe wegen fahrläſſiger Körperverletzung
verurteilt. Bei Herſtellung von Waſſerableitungsgräben, wobei die
Verſchalung nicht ordnungsmäßig ausgeführt wurde, iſt Michael Sander
von Viernheim am 3. November 1926 verunglückt und am 8. November
im Mannheimer Krankenhauſe verſchieden.
Der Sachverſtändige ſieht die direkte Verurſachung der Verletzung
in der Verſchüttung. Die unmittelbare Todesurſache waren Delirien,
die urämiſcher Natur oder Erſchöpfungsdelirien ſein konnten. Die
Schmerzen im Oberſchenkel waren durch Prellung entſtanden.
Der Staatsanwalt hält die Anklage für erwieſen, ein konkurrierendes
Verſchulden des Michael Sander ſcheide aus. Auf das erſte Rieſeln
des Sandes ſei die Erdmaſſe raſch heruntergeſtürzt. Zur Rettung ſei
es zu ſpät geweſen. Der Kauſalzuſammenhang ſei einwandfrei geklärt,
Angeſichts der Nichtbeobachtung der Unfallverhütungsvorſchriften ſei der
Erfolg vorausſehbar geweſen, zumal ſür einen Bauunternehmer mit
34jähriger Berufserfahrung. Bei Grabeneinſtürzen ſei nach der
Lebens=
erfahrung immer mit der Möglichkeit des Todes zu rechnen. Bezüglich
Kempf ſei zweifelhaft, ob für ihn eine Rechtspflicht beſtanden habe, den
Unternehmer zu vertreten. Seine Freiſppechung ſei wohl zu Recht
er=
folgt. Vezüglich des groben Verſchuldens des Lahres könne nur eine
Freiheitsſtrafe eine angemeſſene Sühne bilden. Der Verteidiger beſtreitet
den Kauſalzuſammenhang und ein Verſchulden, habe der
Kauſalzuſam=
menhang beſtanden, ſo ſei er durch die freie Willensbeſtimmung des
Getöteten unterbrochen worden. Sander habe auf dem Rohr geſtanden,
da ſei eine Verletzung der Harnröhre bei ihrer geſchüitzten Lage nicht zu
erklären. Nicht zu beſtreiten ſei die Frage der Kauſalität hinſichtlich
einer eingetretenen Körperverletzung. Das Urteil gibt der
Be=
rufung der Staatsanwaltſchaft ſtatt und erkennt gegen Lahves wegen
fahrläſſiger Tötung auf 3 Monate Gefängnis. Die Berufung
des Lahres wird verworfen. Die Verufung der Staatsanwaltſchaft
gegen Kempf wird verworfen.
— Das Schauſpiel im nächſten Jahr. Der neue Intendant des
Heſſiſchem Landestheaters Carl Ebert plant für das nächſte Jahr folgende
Aufführungen im Schauſpiel: Für die erſten Monate ſind
vor=
geſehen: „Timon von Athen” von Shakeſpeare „Egmont” von Goethe,
„Pentheſilea” vom Kleiſt (zu des Dichters 150. Geburtstag), „Ein
Traum=
ſpiel” von Strindberg, „Der Impreſario von Smyrna” von Goldoni,
und als Uraufführung „Der erniedrigte Vater” von Claudel und „Im
Dickicht der Städte” von Brecht. Außer dieſen Stücken ſollen zur
Auf=
führung kommen: „Die Soldaten” von Lenz, „Wohzek” von Büchner,
Herodes und Mariamne” von Hebbel, „Der Marquis von Keith” von
Wedekind. „Die Sündflut” von Ernſt Barlach, „Wie es Euch gefällt”
von Shakeſpeare, „Tartuffe” von Moliere, „Dame Kobold” von
Calde=
ron, „Der Reviſor” von Gogol, „Gräfin Cathleen” von Yeats (
Urauf=
führung). „Der große Gott Brown” von ONeill (Uraufführung) und
Stücke von Hauptmann, Rolland, Georg Kaiſer, Molnar, Guitry, ſowie
der Autoren Hans Henny Jahmn, Friedrich Wolf, F. M. Gauter, Carl
Zuckmayer und Walter Haſenclever, mit denen wegen ihrer neuen
Werke verhandelt wird.
Die Einweihung des Mathildenbads in Wimpfen.
Wohl eines der idhlliſchſten Fleckchen Erde, wo der Menſch Stun= / grüßungsanſprache die Ehrengäſte, insbeſondere als Vertreter der
Re=
gierung Herrn Kreisdirektor Pfeifer, die Herren des Aufſichtsrats, die
den beſchaulichen Genießens und Träumens verbringen kann, iſt die
herrlich gelegene heſſiſche Exklave Wimpfen. Hoch über dem Neckar
ge=
legen, ragt die frühere freie Reichsſtadt mit ihren alten Türmen als
Wahrzeichen großer Vergangenheit weit über die Berge des
Hinter=
grundes. Nach den mannigfaltigſten unruhigen Zeiten früherer
Jahr=
hunderte wurde das maleriſch gelegene Städtchen allmählich ruhiger,
man fand, daß hier ein Ort war, ſo rechnt geſchaffen, der Ruhe zu
pfle=
gen und ſich zu erholen. Seit etwa hundert Jahren, ſeitdem man die
heilkräftige Sole der Saline Ludwigshalle im Mathildenbad Wimpfen
erkannt hatte, wurde die Stadt ein immer ſtärkerer Anziehungspunkt
für Erholungsbedürftige. Wimpfen wurde immer bekannter als
Sol=
bad und Luſtkurort und iſt heute mit ſeinen modern eingerichteten
Auf=
enthaltsgelegenheiten wohl einer der beliebteſten Kurorte am Neckar.
In Anbetracht dieſer Bedeutug hat die Kurverwaltung des Bades
das dortige Kurhaus Mathildenbad einer großzügigen Renovierung
unterworfen. Die Arbeiten wurden den Architekten Moſſinger und
Beil (Heilbronn) übertragen, die dieſe in der glücklichſten Weiſe ge=
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Die Terrasse und das Kurhaus des Mathildenbades.
löſt haben. Anläßlich der Einweihungsfeierlichkeit, die geſtern unter
Beteiligung einer großen Anzahl geladener Gäſte ſtattfand, wurde
zu=
nächſt das Kurhaus einer eingehenden Beſichtigung unterzogen. Von
der Gartenſeite eintretend, gelangt man zunächſt in ein Hotelveſtibül,
von dem aus ein Gang längs durch das ganze Kurhaus führt. Auf
dieſem Gang münden die einzelnen zum Aufenthalt und zur
Bequem=
lichkeit der Kurgäſte dienenden Räumlichkeiten, hübſche Konferenzzimmer,
ſowie der große neue Speiſeſaal mit verſchiedenen Nebenräumlichkeiten.
Der geräumige neuerbaute Saal wirkt durch ſeine vornehme Ausführung,
die harmoniſche Farbenzuſammenſtellung, ſowie durch die originelle
Deckenbeleuchtung auf den Gaſt durchaus wohltuend und läßt dabei die
zur Erholung unbedingt notwendige Gemütlichkeit nicht vermiſſen. Von
dieſem Speiſeſal, ſowie den anſtoßenden Nebenräumlichkeiten aus
ge=
langt man auf die großen Terraſſen des Kurhauſes, die einen
geradezu unbeſchreiblich ſchönen Blick auf das Neckartal ermöglicht. Das
anmutige, das Auge nie ermüdende panoramaartige Bild bietet ſich
meilenweit dar. Man ſieht am Fuße des nahen Berges Wimpfen im
Tal, man ſieht an der Jagſt hinauf Duttenberg und Schloß Heuchlingen,
Jagſtfeld und Kochendorf, und in der Ferne das Weinsberger Tal,
Schloß Ehrenberg, das alte Deutſchherrnſchloß Hornegg und die graue
Ruine Hornberg, den alten Ritterſitz des Götz von Berlichingen. Der
Anblick iſt ſo unbeſchreiblich ſchön, daß nicht Minuten und nicht
Stun=
den genügen, ihn ganz in ſich aufzunehmen, man kann hier Tage und
Wochen verbringen, und entdeckt immer neue, unbekannte
Naturſchön=
heiten. Dieſen herrlichen Ausblick, den man von der Terraſſe hat,
ge=
nießt man auch von der neuerbauten Liegehalle, die geräumig genug
iſt, allen Kurgäſten gleichzeitig angenehmen Aufenthalt zu bieten. Au.h
von den einzelnen freundlichen und luftigen Gäſtezimmern iſt die
Aus=
ſicht ins romantiſche, burgenreiche Neckartal gegeben.
Der weitere Beſichtigungsgang führte durch die modern
eingerich=
teten Bäder= und Inhalationsräume, die ſich im Hauſe befinden, ſowie
auch durch die allen Erforderniſſen eines modernen Kurbetriebs gerecht
werdende Küchenanlage. In der Nähe des Kurhauſes hat man durch
Schaffung eimes eigenen Tennisplatzes, ſowie eines ſchattig gelegenen
Kinderſpielplatzes Sorge getragen, daß die Kurgäſte ſich, ob jung oder
alt, ob klein oder groß, auf jede Art vergnügen können. Natürlich
wurden auch, den Erforderniſſen der modernen Zeit entſprechend,
meh=
rere Garagen in der Nähe des Kurhauſes erbaut.
Nach der Beſichtigung des Kurhauſes Mathildenbad verſammelten
ſich die Gäſte im neuen Feſtſaal zu einem gemeinſamen Mittageſſen.
Herr Bürgermeiſter Sailer bewillkommnete in einer herzlichen Be=
Damen, Herrn Direktor Dr. Holzberg als älteſten Kurgaſt des Bade
ſowie die erſchienenen Preſſevertreter. Er wies auf die Bedeutung
Wimpfens und des Kurhauſes hin, und dankte allen denen, die gcholfen
hatten, das Werk zu fürdern. Herr Kreisdirektor Pfeiffer dankte
für die Einladung, der er um ſo lieber gefolgt ſei, als er bei dieſer
Gelegenheit ſeiner Freude Ausdruck geben wolle, daß trotz der ſchwieri
gen Lage mit eigener Energie die durchgreifende Aenderung des
Kur=
hauſes vorgenommen worden ſei. Gerade für Wimpfen gelte beſonders
der Spruch: „Stillſtand iſt Rückſchritt‟. Dieſen Spruch habe ſich auch
die Direktion des Kurhauſes zu eigen gemacht, und der Erfolg werde
durch ſtarken Beſuch ſicher das Werk lohnen. Seinen herzlichen Glü
wunſch verband er mit einem dreifachen Hoch auf die Stadt Wimpfen.
Zwei Vertreter der Preſſe wieſen auf die Bedeutung Wimpfens als
Kurort hin und ſicherten den Beſtrebungen der Kurverwaltung
weit=
gehendſte Unterſtützung zu. Weiter nahm Herr Dr. Engel, der
Kur=
arzt des Bades, Gelegenheit, auf die Eignung des Vades Wimpefn zur
Heilung der verſchiedenartigſten
Krank=
heiten hinzuweiſen. Unter den
All=
gemeinerkrankungen, für deren
Hei=
lung ſich eine Kur in Wimpfen
be=
ſonders eignet, nannte er insbeſondere
Blutarmut und Bleichſucht, Skrophr
loſe, Fettſucht, Zuckerkrankheit, Gr
und Rheumatismus. Ferner eignet
ſich der Aufenthalt in dem Sol
HAR
und Luftkurort, Wimpfen beſonders
zur Beſeitigunn der Störungen im
Blutlauf, der Störungen der
Verdau=
ungs= und Unterleibsorgane, zur
Hei=
lung der Erkrankungen des Nerve
ſyſtems und der chroniſchen Erkran=
B3l5 28E kungen der Haut.
Erholungsbedürf=
ie
tige ſowie Rekonvaleſzenten finden
er=
folgreiche Behandlung, die durch
Natur an ſich ſchon unterſtützt wirt
Der Redner wünſchte dem Bad auch
in Zukunft einen weiteren Aufſchwu
AR.
—Herr Bürgermeiſter Sailerdank
And Hm
allen Vorrednein für ihre warn
und aufrichtigen Wünſche, insbeſon=
Rf
dere gab er ſeiner Freude Autsdruf
daß Heſſen und die heſſiſche
Regie=
rung ſich der Exklave Wimpfen gerne
Am
erinnerten und ſie weitgehendſt unter
ſtützten. Seinen aufrichtigen. Dant
A
—.
ſprach er den Herren Architekten Mo
ſinger und Beil ſowie dem Direl
des Kurhotels, C. Dathe, für ihr
Leiſtungen bzw. die glänzende F
rung des Kurhauſes aus. In ſeinen weiteren Ausführungen kam
auf die Entwicklung Wimpfens als Badeort zu ſprechen und hob
die Verdienſte des Herrn Albrecht hervor. Er glaube, daß in Zukun
das Bad auf Grund ſeiner hervorragenden Eignung als Heilbad
und Luſtkurort weiter aufblühen und vielen Erholungsbedürfäigen
Wiedererlangung ihrer Geſundheit verhelfen werde. Zum Schluſſe fa
er noch im allgemeinen auf die wirtſchaftliche Lage in Deutſchland zu
ſprechen und ſchloß ſeine Ausführungen mit einem begeiſtert aufgenom= Hoch auf das deutſche Vaterland
Nach dem Mittageſſen hatten die Gäſte Gelegenheit, dio Umgebung
des Kurhauſes zu beſichtigen. Das Mathildenbad, das 200 Meter üb
dem Neckar gelegen iſt, iſt rings weithin umgeben von ſchattigen
An=
lagen und Gehölz. Ueberall ſind wohlgepflegte Spazierwege, auf denen
Ruhebänke aufgeſtellt ſind. Allenthalben ſind die reizendſten Ausſicht
punkte, von denen aus der Blick auf das lachende Neckartal mit den
Schlangenwindungen des Fluſſes, auf die offenen Auen, die fernei
Berge und Burgen und die wundervollen Waldungen des
Odenwaldes=
ſchweift. Nur ungern trennte man ſich von all dieſen Herrlichkeiten.
um noch einige gemüitliche Stunden in dem gaſtlichen Kurhaus beri
frohem Meinungsaustauſch und Unterhaltung zu verbringen. Bei
die=
ſer Gelegenheit wurde dem älteſten Kurgaſt noch eine befondere
Ueber=
raſchung zuteil. Herr Direktor Dr. Holzbexg, der Vorſitzende 93
Verkehrsvereins Heidelberg, beſucht alljährlich dieſen herrlichen
Kut=
ort Wimpfen und ſucht in der wirklich reinen Höhenluft Erholung
und Ruhe von der alltäglichen Arbeit und den Sorgen. Es wurde ihm
von Herrn Bürgermeiſter Sailer ein künſtleriſch ausgearbeitetes, im
Leder gebundenes Diplom überreicht, durch das er zum Ehrenku
Wimpfens ernant wurde. Mit bewegten Worten dankte der alſo
Ge=
ehrte und verſicherte, daß er auch in zukünftigen Jahren ſein geliebtes
Wimpfen nicht vergeſſen werde, und daß er hoffe, auch recht viele der
anweſenden Gäſte gelegentlich eines ſpäteren längeren Aufenthalts
be=
grüßen zu können.
Nur zu ſchnell waren die kurzen Stunden des ſchönen Aufenthalts
in Wimpfen verfloſſen. Noch ein letzter Blick von den Terraſſen des
Kurhotels in das wundervolle Neckartal, und dann trennte man ſich mis
der Verſicherung, daß man die Schönheiten dieſes Kurorts nach Kräften
auch den übrigen Mitmenſchen zugänglich machen werde dadurch, daß
man ihnen die Eindrücke, die man dort empfangen hat, übermittelt und
ſie veranlaßt, bei nächſter Gelegenheit Wimpfen zu beſuchen. Und ſe
möchten wir nicht verſäumen, all denen, die ſich den Sinn für die
Shön=
heit der Natur bewahrt haben, den Nat zu geben, dieſen einzig ſchöner
Winkel unſeres Heſſenlandes zu beſuchen.
Enthüllung des Heſſiſchen Artilleriedenkmals
in Darmſiadt.
Ueberaus zahlreich gehen bereits aus ganz Heſſen und weit darüber
hinaus die Anſagen ein; es kann heute bereits mit einem Beſuch von
5—6000 gerechnet werden. Der Ausſchuß bittet nochmals alle
Kame=
raden, die den Wunſch haben, eine Einladung zu erhalten, ihre Adreſſe
anzugeben.
Die Stadt Darmſtadt hat für das Denkmal einen bevorzugten Platz
im Prinz Emil=Garten an der Heidelbergerſtraße zur Verfügung
ge=
ſtellt. Der Garten wird ſpäter neu hergerichtet, ſo daß das Denkmal
in ſchönſter Umgebung dicht an der einſtigen Wirkugsſtätte der Heſſiſchen
Artillerie ſtehen wird.
Die Enthüllungsfeierlichkeiten beginnen am 2. Juli abends;
Haupt=
feſtag iſt der 3. Juli.
Kameraden! Kommt alle nach Darmſtadt! Die Feier iſt frei von
feder Politik, gilt nur der Heldenehrung und Kameradſchaft. Wer noch
keine Einladung erhielt, wolle ſie ſofort anfordern.
Anfragen an Hauptmann a. D. Bickel, Darmſtadt, Karlsſtr 90.
Spenden an die gemeinſame Denkmalskaſſe „Felda.=Rgt. 25,
Poſtſcheck=
konto Frankfurt a. M., Nr. 20444‟.
Lokale Veranſialtungen.
Die dierunter urſcheinenden Noilyen ſind aneſchlleßlich als Hinweiſe auf Hnzeigen zu betractn.
in keinem Falle irgendwie ale Beſprechung oder Keitt.
— Deutſchorden. Der Stahlhelm hat zu einem Vortrag auf
Mittwoch, 15. Juni, abends, in den Saal des Hanſahotels (Rheinſtr.)
eingeladen. Vortrag hält Otto Hühner über „Deutſchland und ſeine
Kolonien‟. Die Ordensbrüder werden zum Beſuch aufgefordert.
— Deutſchnationaler Arbeiterbund, Ortsgr.
Darm=
ſtadt. Der Stahlhelm, Bund der Fronſoldaten, hat zu ſeinem heute
abend im Hanſa=Hotel, Rheinſtraße, ſtattfindenden Gäſteabend eingeladen.
Herr Otto Hübner wird ſprechen über „Deutſchland und ſeine Kolonien”.
Wir bitten unſere Mitglieder, ſich möglichſt zahlreich an dieſer
Ver=
anſtaltung des uns befreundeten Verbandes zu beteiligen.
— Im Oberwaldhaus findet Mittwoch, den 15. Juni, abends
8 Uhr, das erſte Gartenkonzert ſtatt. (Siehe Anzeige.)
— Es wird nochmals darauf hingewieſen, daß heute, Mittwoch,
Donnerstag und Freitag, 8 Uhr abends, im Saale der Eintracht,
Eliſa=
bethenſtr. 12, ein Kochkurſusüber vitaminreiche,
fleiſch=
loſeErnährung mit Koſtprobenverabreichung ſtattfindet. (Näheres
ſiehe Anzeige.)
Kunſinotizen.
Ueber Werte, Künfier oder Hünftleriſche Veranftaltungen, deren im Nachſſehenden Grwchnune.
geſchiebt, behält ſch die Redacfion ihr Urtell voe
— Union=Theater. „Ein Mädel von Klaſſe” mit Corime
Griffith. Dolly iſt Telephoniſtin in der Inſexatenabteilung einer großen
Zeitung. Das hübſche Mädel möchte auch gern Luxusautos und ſchöne
Kleider haben, deren ſich ihre in der Auswahl der Eltern vorſichtiger
geweſenen Geſchlechtsgenoſſen erfreuen. Chancen werden ihr genug
ge=
boten, und insbeſondere der Millionär Spencer Clark bewirbt ſich um
ihre Gunſt. Als Dolly aber ſieht, worauf es dem jungen Lebemann
wirklich ankommt, zieht ſie es, nach mancherlei luſtigen Verwicklungen
vor, einem Freunde ihres Elternhauſes die Hand zur Ehe zu reichen,
der zwar weniger mit Glücksgütern geſegnet iſt, dafür aber eben „ernſte
Abſichten” hat. In den an luſtigen Einzelheiten beſonders reichen Film!
gibt es eine Reihe ungemein gelungener Geſellſchafts=, Tanz= und
Mode=
ſzenen. — „Die Geſunkenen”, der große Simmel=Film, iſt eine große
ſchauſpieleriſche Leiſtung, und wurden zu dieſem Film nur die beſten
Kräfte verpflichtet, Aſta Nielſen iſt hier dem Film endgültig
wieder=
gegeben.
— Reſidenz=Theater am Weißen Turm. „Der Menſch unb
die Liebe”, ſieben Akte nach dem bekannten Roman Sſanin, behandel.
die freie Liebe. Der Roman Sſanin hatte bei ſeinem Erſcheinen
be=
rechtigtes Aufſehen erregt; er behandelt ein Thema, über das ſich noch
viel ſtreiten läßt. In dem verfilmten Roman wirken ſehr gute Kräfte
mit, dadurch der Film großes Intereſſe erweckt.
— Palaſt=Lichtſpiele. „Finale der Liebe‟. Das Schickſa!
der ſchönen Gräfin Elena ſchildert der ergreifende Film. Die Gräfir
Keroual hat in ihrer Jugend den Oberleutnant Chaſſard geheiratet, der
mit der Zeit ein Hochſtaplerleben begann und ſich ſeine Einkünfte durd
die Freunde ſeiner ſchönen Frau verſchaffte. Ein Mord an einem der
ſelben bringt Chaſſard und Elena ins Gefängnis, wo die Unterſuchung
von einem Richter geführt wird, der ſelbſt an der ſchönen Elena ſein
Herz verloren hat und den Elena auch liebt. Der Widerſtreit des Pflicht
gefühls zu ſeiner Liebe, die Flucht der Gräfin aus dem Gefängnis
bilden die dramatiſchen Höhepunkte des Films. Um den Richter durch
eine Verbindung mit ihr nicht zugrunde zu richten, entſagt Elena ihrer
Liebe und wirft ſich in den Strudel ihres früheren Lebens. Außer einer
glänzenden Darſtellung durch Lucie Doraine führt uns der Film in die
ſchönſten Gegenden Italiens. Wir ſehen hier Bilder von San Rema
Rapolla, Venedig von ſeltener maleriſcher Pracht und landſchaftliche
Schönheit. Im Beiprogramm ein Luſtſpielſchlager „Hilfe, ich bir
Millionär” mit dem urkomiſchen „Nikolai Kohn”, der ſeine
zwerchfell=
erſchütternde Wirkung nicht verfehlt.
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Nummer 164
Mittwoch, den 15 Juni 1927
Seite 7
Fünfte Jahresſitzung
der Heſſiſchen Induſtrie= und
Handels=
ſammer Darmſtadt am 10. Juni 1927.
Vor Eintritt in die Tagesordnung wies der Vorſitzende darauf
hrn, daß die Kammer einen ſchweren Verluſt durch das Hinſcheiden
res langjährigen Mitgliedes Fabrikanten Jakob Lutz in Darmſtadt
litten hat. Der Verſtorbene hatte die Arbeiten der Kammer mit
be=
ſanders reger Anteilnahme verfolgt und ſein ganzes Können in ihren
Tiienſt geſtellt. Darüber hinaus war er infolge ſeiner vortrefflichen
Ferſönlichen Eigenſchaften den Mitgliedern der Kammer zum Freund
worden. Die Vecſammelten erhoben ſich im Gedenken an den
Heim=
gegangenen von ihren Sitzen.
Der ausführliche Geſchäftsführungsbericht, der der Verſammlung
vor=
legt wurde, gab ſodann Gelegenheit zu einer eingehenden Ausſprache über
tre Frage der Lehrlingsausbildung. Den Ausgangspunkt der
(rörterungen bildete ein Vortrag des Oberingenieurs Arnhold in
üſſeldorf, des bekannten Führers auf dem Gebiete der induſtriellen
enſchenführung. Die Verſammlung war übereinſtimmend der
Auf=
uſſung, daß die unter Führung des „Dinta” des Deutſchen Inſtituts
fir techniſche Arbeitsſchulung in Düſſeldorf, ins Leben gerufenen
Be=
ſtrebungen einer beſſeren Ausbildung der induſtriellen Lehrlinge auch
irn Kammerbezirk tätige Förderung verdienen. Zweckmäßig werden die
m Frage kommenden Firmen des Bezirks, die übrigens zum Teil ſchon
neuzeitliche Einrichtungen zum Zwecke einer beſſeren Ausbildung ihrer
ehrlinge getroffen haben, ſich mit dieſer wichtigen Frage eingehender
efaſſen.
Der Verſammlung wurde mitgeteilt, daß am Samstag, den 18.
Suni 1927, in Mainz die diesjährige Haupttagung des
Heſſi=
hen Induſtrie= und Handelskammertages ſtattfindet.
Oieſer Tagung ſchließt ſich die Haupttagung des Deutſchen
„Enduſtrie= und Handelstages in Hamburg am Mittwoch,
en 22. d. M., an. Auf der Sitzung der Internationalen
Handelskammer am 2. d. M. in Stockholm wird der
Heſ=
ſtſche Induſtrie= und Handelskammertag durch den Verſitzenden der
In=
ruſtrie= und Handelskammer Darmſtadt, Fabrikanten E. Schenck,
ver=
reten ſein.
Zur Durchführung der Wirtſchaftsenguéte werden im
Kammerbezirk beſondere Erhebungen veranſtaltet, deren Ergebnis an
en Deutſchen Induſtrie= und Handelstag zwecks weiterer Vevwertung
übermittelt wird. Dieſe Erhebungen ſind um deswillen von
allgemei=
mer Bedeutung, weil ſie ein erwünſchtes Bild über die Auswirkungen
er Kriegs= und Nachkriegszeit und des Friedensvertrages, ſowie des
Dawes=Abkommens geben.
Bei der Eröffnung der Ausſtellung des
Haus=
rauenbundes Darmſtadt war die Kammer durch ihren
ſtell=
ertretenden Vorſitzenden W. Kalbfuß vertreten. Auf einer gemein=
Thaftlichen Tagung der Heſſiſchen und der Heſſen=Naſſauiſchen
Indu=
rrie= und Handelskammern in Frankfurt a. M. hatte man ſich mit der
Frage der Reichsrahmengeſetzgebung der Realſteuern
ingehend befaßt. Die Vorarbeiten ſind ſoweit gediehen, daß zurzeit die
äinzelnen Reichsrahmengeſetzentwürfe für die Realſteuern zur
Erörte=
rung ſtehen. Aufgabe der heſſiſchen Wirtſchaftsvertretungen wird es
in, auf eine ausreichende Berüickſichtigung der beſonderen heſſiſchen
Intereſſen bei dieſer Geſetzgebung bedacht zu ſein.
Der
Verſamm=
ung wurde bekannt gegeben, in welchem Sinne die Frage der
Er=
ichtung von Arbeitsgerichten in Heſſen gelöſt ſei. Den
Wünſchen der Wirtſchaft iſt mit der durch die maßgebenden Miniſterien
getroffenen Negelung weitgehend Rechnung getragen worden. Die
Ar=
weitsgerichte werden vorausſichtlich am 1. Juli ihre Tätigkeit aufnehmen,
wis zu welchem Termin die Beiſitzer beſtimmt ſein müſſen. — Am
6. Mai hat in Darmſtadt auf Einladung der Kammer unter
dem
Vorſitz des ſtellvertretenden Vorſitzenden der Kammer K. Kahlert eine
ingehende Ausſprache einer größeren Anzahl ſüdlveſtdeutſcher und
heiniſch=weſtfäliſcher Handelskammern in Verkehrsfragen
ſtatt=
gefunden. Das Beſtreben der Kammer geht dahin, weitere
grund=
egende Verkehrsverbeſſerungen, namentlich in der Richtung der
Füh=
ung durchgehender Züge nach Rheinland=Weſtfalen, zu erreichen.
Gegen die geplante Erhöhung der Poſtgebühren hatte
die Kammer im Einvernehmen mit den anderen Heſſiſchen Induſtrie=
und Handelskammern nachdrücklichſt Verwahrung eingelegt. In letzter
Stunde waren auch noch telegraphiſche Vorſtellungen an maßgebender
Stelle erhoben worden. — Die Frage der beſonderen Notlage
des beſetzten Gebietes war im Kreiſe der Heſſiſchen Induſtrie=
und Handelskammertags erörtert worden. Es wurde für
wüinſchens=
wert erachtet, wenn allſeiti
ei Erteilung von Aufträgen auch in
Heſſen auf eine ſtärkere
Be=
kſichtigung des beſetzten Gebietes und des
dieſem benachbarten Ausſtrahlungsgebietes geſehen würde. Hierdurch
wird es möglich ſein, den dieſen Gebieten entſtandenen ſchweren
Scha=
den mit der Zeit wenigſtens teilweiſe wieder auszugleichen.
Die Lehrpläne für die Berufsſchulen in Heſſen
über welche bereits eingehend mit dem Landesamt für das
Bildungs=
weſen verhandelt worden war, liegen nunmehr vor. Leider muß
feſt=
geſtellt werden, daß die berechtigten und wohlbegründeten Wünſche de
Wirtſchaft bei der Aufſtellung dieſer Lehrpläne durch das Landesamt
für das Bildungsweſen nicht gebührende Berückſichtigung gefunden
haben. Mit Rückſicht auf den engen Zuſammenhang zwiſchen de
chul=
mäßigen Fortbildung und der praktiſchen Ausbildung der wer
gen
Jugend iſt dieſe Tatſache ſehr zu bedauern. Zu befürchten ſteht, daß
ſich dieſe mit den Erforderniffen des praktiſchen Lebens in Widerſpruch
ſtehende wenig glückliche Regelung in ungünſtiger Weiſe auf die
Lei=
ſtungsfähigkeit der heſſiſchen Wirtſchaft auswirken wird. Eine baldige
Reviſion der Lehrpläne erſcheint unbedingt geboten.
Die Kommiſſion für Geſetzgebung, Steuer= und Zollweſen der
Kam=
mer hatte die Beſchlüſſe der Stadtverordneten=Verſammlung zu
Darm=
ſtadt auf Einführung der Filialſteuer und einer
Müll=
abfuhrgebühr einer eingehenden Prüfung unterzogen. In
mund=
lichen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung wurden die Wünſche
der hieſigen Wirtſchaftskreiſe zur Kenntnis gebracht. Im beſonderen
wurde darauf hingewieſen, daß der Kreis der filialſteuerpflichtigen
Be=
triebe ſich lediglich auf die im Gemeindenmlagengeſetz von 1911
bezeich=
neten beſchränken müſſe. Hinſichtlich der Gebühr für die Müllabfuhr
wird als felbſtverſtändlich erwartet, daß dieſe Abgabe nach dem
Grund=
ſatz von Leiſtung und Gegenleiſtung erhoben wird, ſo daß
wirtſchaft=
liche Betriebe, die von dieſer Einrichtung keinen Gebrauch machen, von
der Abgabe frei bleiben. Jedenfalls darf dieſe nicht nach Art einer
Grundſteuer durchgeführt werden, andernfalls ſie bei der Höhe der
Ge=
ſamtſteuerbelaſtung nur als unberechtigt und unerträglich empfunden
werden kann.
Die Wirtſchaftskreiſe des öſtlichen Odenwaldes beklagen es, daß die
Juſtizverwaltung den Wünſchen nach Errichtung eines
Nota=
riats in Michelſtadt noch immer nicht Folge gegeben hat. Der
derzeitige Zuſtand, wonach für Beurkundungen uſw ein auZwärtiger
Notar zugezogen werden muß, iſt unhaltbar und entſprichſt keineswegs
der wirtſchaftlichen Bedeutung des genannten Gebietes.
Als Beiſitzer für die Durchſicht des Handels= und
Genoſſenſchafts=Regiſters bei dem Amtsgericht I
Darm=
ſtadt wurden die Mitglieder Friedrich May und Moritz Adler,
ſo=
wie das frühere Mitglied Fritz Becker gewählt.
Am 24. April 1927 hat eine
Geſchäftsſtenographenprü=
fung ſtattgefunden. An dieſer nahmen 12 Prüflinge teil, wovon
die Prüfung beſtanden haben. Für die beſte Leiſtung wurde hierbei
Herr Alex Bernhard in Darmſtadt durch Zuteilung eines
beſon=
deren wertvollen Preiſes ausgezeichnet.
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* 39. Haupiverſammlung der freiwilligen
Sanitätskolonne vom Roten Kreuz.
Am Sonntag nachmittag fand im Perkeoſaale die 39.
Haupter=
ſammkung der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ſtatt.
Der Führer und Leiter, Hauptmann Lotheißen, erſtattete den
Be=
richt über das abgelaufene Dienſtjahr. Die Rechnungsablage
1926/27 erſtattete Ehrenzugführer Fiſcher. Die Kolonnenkaſſe
weiſt in Einnahme 2064,76 Mk., in Ausgabe 1865,24 Mk., die
Sanitäts=
wache 22 806,94 Mk. in Einnahme und 22 491,33 Mk. in Ausgabe, die
Verleihanſtalt 1806,59 Mk. in Einnahme und 177907 Mk. in Ausgabs
auf. Die Rechnungsprüfung ergab keinerlei Anlaß zur Beanſtandung.
Ehrenzugführer Fiſcher wird mit Dank für ſeine Arbeit Entlaſtung
er=
teilt. Ueber den Voranſchlag 1927 28 berichtete Geſchäftsführer
Werner. Er bewegt ſich wie im Vorjahre auf der Höhe von 22 526,90
Nark für die Sanitätswache, für die Verleihanſtalt mit 1668,02 Mk.
er Voranſchlag fand Genehmigung, ebenſo der von Ehrenzugführer
riesheimer erſtattete Inventurbericht und der Bericht über die
Verleilanſtalt.
Den Bericht über die Sanitätswache erſtattete
Ko=
lonnenſtellvertreter Reeg. Die Sanitätswache fand ihre Gründung
durch den Vorſitzenden, Kolonnenführer Hauptmann Lotheißen. Große
Verdienſte um die Wache haben die Ehrenzugführer Griesheimer und
Fiſcher. Die Wache iſt Tag und Nacht beſetzt. Klagen über das
Ver=
halten der Mannſchaft waren nicht gegeben. Man mußte zwar zu
Er=
ſparniſſen greifen, doch litt glücklicherweiſe der techniſche Betvieb nicht.
Von April 1926 bis April 1927 wurden 2061 Transporte ausgeführt,
ein Beweis für die Notwendigkeit der Wache. Die tägliche
Durchſchnitts=
zahl iſt 6—7 Transporte. Es ſteht zu wünſchen, daß die Wache noch
weiter ausgebaut werden kann. An der Unterſtützung der Behörden
und insbeſondere des Noten Kreuzes fehlt es nicht, es fehlt die
Unter=
ſtützung der geſamten Bevölkerung. Hauptmann Lotheißen weiſt au
jie Gefahren hin, die die Beförderung Kranker in Privatautos mitz
ſich bringt.
Ueber die Unterſtützungs= und
Gräberſchmückungs=
kaſſe berichtete Gruppenführer Weber. Die Unterſtützungskaſſe
wurde 1902 gegründet. Die Einführung hat ſich als ſegensreich
er=
wieſen. Von 1913 ab wurden für die Kinder aktiver Mitglieder
Konfir=
mationsgeſchenke gegeben. Später wurde die Kaſſe erneut erweitert.
Im letzten Jahre wurden 125 Unterſtützungen gezahlt. Gegenwärtig
beträgt der Kaſſenbeſtand 103,21 Mk. Die Kaſſe wurde zu einer
Gräber=
ſchmückungskaſſe erweitert. Der Kaſſenbeſtand beträgt 141,88 Mk.
All=
jährlich am Roten=Kreuz=Sonntag werden die Gräber der verſtorbenen
Mitglieder geſchmückt. Hauptmann Lotheißen gedenkt der verſtorbenen
Mitglieder, die Verſammlung erhebt ſich von den Plätzen. Einige
An=
träge zu der Unterſtützungs= und Gräberſchmückungskaſſe, die teilweiſe
Satzungsänderungen betreffen, finden einſtimmige Annahme. Die
Vor=
ſtandsmitgliedr der Unterſtützungskaſſe werden wiedergewählt.
Ehren=
kolonnenführer Fiſcher berichtete über die Sterbekaſſe. Scit 1.
Ja=
nuar gehören 160 Mitglieder der Kaſſe an. Seit 1. April iſt die
Ko=
lonne Mitglied des Verſicherungsvereins vom Roten Kreuz.
Ueber die Mannſchaftsbücherei berichtete Zugführerſtellv.
Ruff. Die Büicherei umfaßt 7—800 Bände. Es ſind Neueingänge zu
verzeichnen; ein Neuaufbau ſoll erfolgen.
Kolonnenführerſtellv. Herborn berichtete über die Zweigkolonne
E. Merck, die 1926 gegründet wurde. Die Kolonne macht raſche
Fortſchritte, ſo daß eine Erweiterung der Unterrichtsſtunden uſw.
ein=
treten mußte; der Beſuch iſt 64 Mann durchſchnittlich. Einſchließlich der
Feuerwehr beſteht die Zweigkolonne aus 81 Mann. Der Firma E. Merck
wird Dank ausgeſprochen für die rege Unterftützung. Ein Antvag der
Zweigkolonne um Aufnahme zur Gräberſchmückungskaſſe wird
einſtim=
mig angenommen. Für mindeſtens 10jährige Mitgliedſchaft gelangen
Auszeichnungen zur Verteilung, eine Einrichtung, die auf dem
Ko=
lonnentag in Bensheim beſchloſſen wurde.
Ehrenzugführer Fiſcher gedenkt der 25jährigen zielbewußten
Lei=
tung durch Hauptmann Lotheißen. Die Verſamlung bringt dem
Ju=
bilar ein dreifaches Hoch aus. Um 7,15 Uhr ſchließt Hauptmann
Lot=
heißen die Hauptverſammlung und gibt dem Wunſche Ausdruck, daß
die Kolonne weiter aufſtreben möge.
Am Sonntag vormittag fand, wie alljährlich, auf den Friedhöfen
die Schmückung der Gräbev der gefallenem und verſtorbenen Kameraden
der Kolonne ſtatt, wozu die Angehörigen eingeladen und erſchienen
waren.
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Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
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radem modernem Stock. 1 braunes
Beutel=
handtäſchchen mit Bügel und
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naie mit über 7 Mk., Taſchentuch, Schlüſſel
uſw. (in einer Autodroſchke vom 3. au
4. Juni liegen geblieben). 1 braun.
Damen=
ſchirm mit gelbem geradem Stock (
eben=
falls in einer Autodroſchke liegen
geblie=
den) — Zugelaufen: 1 dunkelgrauer jung.
Wolfshund.
Kanalbauarbeiten.
Die Herſtellung von 420 m
Steinzeug=
rohrkanal ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Bedingun=
gen liegen bei dem Tiefbauamt, Zimmer
Nr. 6, während der Dienſtſtunden zur
Einſicht offen. Auch werden dort die
An=
gebotsſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis Mittwoch, den
22. Juni Ifd. Js., vorm. 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 13. Juni 1927.
(st9704
Tiefbauamt.
400 Mk. ſofort geg.
gelbverkehrg lhohe Zinſen, gute
Sicherheit u. Bürger
500 Mk. auf. 6 Mo= von Selbſtgeber auf
nate von Hausbeſitzer kurze Zeit geſ. Ang.
geg. gute Sicherheitſunter K 181 an die
bei Rückgabe v. 600 ℳ Geſchäftsſtelle (*15878
geſucht. Angeb. unt.
Schulgeld=Mahnung.
Das Schulgeld der hieſigen höheren
Schulen für die Monate April und
Mai 1927 iſt bei Meidung der
Bei=
treibungbis zum 1. Juli Ifd. Js. hier=
(st9705
her zu zahlen.
Darmſtadt, den 13. Juni 1927.
Stadtkaſſe Darmſtadt.
Am Donnerstag, den 16. Juni
1927, nachmittags 3 Uhr, verſteigere
ich Luiſenſtraße 32 zwangsweiſe meiſt=
(9741
bietend gegen Barzahlung:
1 Damenarmbanduhr, 1 Teewagen,
1 Holl. Teegarnitur mit
Kupfertee=
maſchine, eine Garnitur Korbmöbel
mehrere Kleiderſchränke, Schreibtiſche,
Fahrräder, Büfett, Vitrine, 1
Ruhe=
bett, 1 Kommode, 2 Standuhren, zwei
Truhen, 2 Schreibmaſchinen, 1
Kaſſen=
ſchrank, 1 Grammophon, 1 Rapidwage,
1 Bild und anderes mehr.
Darmſtadt, den 15. Juni 1927.
Weinheimer
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
154Sim)
auf 1 Jahr.
Zar=Darlehen
G. Ebert, Darmſt.,
Hügelſtraße 75.
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gegelt ore Uinfahlang einee Kadtiſchen Dietſteutt.
Es iſt durch § 15 des vorläufigen Gemeindeausgleichgeſetzes den Gemeinden
die Möglichkeit gegeben, eine ſtädtiſche Bierſteuer einzuführen, wenn im gleichen
Umfange die Realſteuern geſenkt werden. Das iſt in Darmſtadt nicht geſchehen.
Bei der Beratung des ſtädiſchen Haushalts für 1927 wurde einfach prinzipiell die
Einführung einer Bierſteuer in Darmſtadt beſchloſſen, nicht aber gleichzeitig die
Senkung der Realſteuern um den für das Aufkommen aus der Bierſteuer
einge=
ſetzten Betrag vorgenommen.
Da die Gemeindebierſteuer, die geſetzlich vom Herſteller, alſo den Brauereien,
erhoben werden ſoll, von dieſen auf die Abnehmer (die Gaſtwirte) und von den
durch Steuerdruck ſchon heute überlaſteten Gaſtwirten auf die Biertrinßer
ab=
gewälzt werden wird, ſo bedeutet dieſe Gemeindebierſteuer eine ungerechte
Ver=
teuerung des Volksgetränks, des Bieres. Es iſt ungerecht und unſozial, von einer
Beſteuerung von Sekt, Likör uſw., dem Getränk der Wohlhabenden, Abſtand zu
nehmen und ausſchließlich das Getränk der größeren Volksgemeinſchaft mit einer
Steuer zu belaſten.
Wir proteſtieren gegen die Verteuerung des Bieres in Darmſtadt und fordern,
daß in der nächſten Stadtverordneten=Sitzung die Vertreter der Darmſtädter
Bürgerſchaft den Beſchluß zur Einführung einer Gemeindebierſteuer einer Reviſion
nach der Richtung unterziehen, daß von der Einführung dieſer Steuer in
Darm=
ſtadt Abſtand genommen wird.
Sparſamkeit da, wo ſie dringeud angebracht wäre würde mehr den ſtädtiſchen
Finanzen von Nutzen ſein, als eine kommunale Bierſteuer.
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iſt heute unter Nr. 18 die Geſellſchaft in
Firma „Geſlügel=Import,Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung mit dem
Sitze in Groß=Zimmern, Heſſen”
eingetragen worden. Gegenſtand des
Unternehmen iſt der Handel mit In= und
Auslandsgeflügel, Eiern,
Landesproduk=
ten, ſowohl kommiſſionsweiſe, wie auch
auf feſte Rechnung, und der Betrieb von
Landwirtſchaft, ſoweit er dem
erwähn=
ten Handel dienlich iſt. Die Geſellſchaft
kann Zweigniederlaſſungen errichten und
ſich auch an anderen Unternehmungen
beteiligen. Die Geſellſchaft iſt an keine
beſtimmte Zeitdauer gebunden. Das
Stammkapital beträgt 45 000 RM.
Ge=
ſchäftsführer ſind: 1. Geflügelhändler
Martin Krauß in Groß=Zimmern, 2.
Kauf=
mann Dr. jur. O8kar Goldmann in
Frank=
furt am Main, 3. Kaufmann Heinrich
Vogt II. in Butzbach, Geſellſchaft mit
be=
ſchränkter Haftung. Geſellſchaftsvertrag
vom 12. November 1926 mit Nachtrag
vom 18. Januar 1927. Die Geſellſchaft
wird durch einen oder mehrere
Geſchäfts=
führer vertreten. Jeder Geſellſchafter iſt
dergeſtalt zum Geſchäftsführer beſtellt,
daß zwei Geſellſchafter die Firma
rechts=
gültig vertreten und für ſie zeichnen
können. Die Bekanntmachungen der
Ge=
ſellſchaft erfolgen in dem Deutſchen
Reichsanzeiger. Der Geſellſchafter
Mar=
tin Krauß bringt als Stammeinlage ein
im Werte ſeines bisherigen Betriebes
(Geflügelhandlung, Geflügelmäſterei und
Landwirtſchaft), wie ſie in der Bilanz
per 8. November 1926 aufgeführt ſind.
Im Einzelnen bringt Geſellſchafter
Krauß ein:
1. folgende Aktiven:
a) die im Grundbuch der Gemarkung
Groß=Zimmern, Band X, Blatt 730,
Band X/II, Blatt 1329, und Dies
burg, Band IV, Blatt 351,
verzeich=
neten Grundſtücke mit Ausnahma
des Grundſtücks der Gemarkung
Groß=Zimmern, Flur I, Nummer
42 „ooo Hofreite, die vorderſte Beine
675¾, gm im
Geſamt=
wert von
22 450.— RM.
b) Betriebswerte im
Be=
trag von
30 201.— „
c) Debitoren im Betrag
von . . . . . . 1293.30
Ländliches Anweſen,
Darmſtadt, über 2000
m Fläche, 2 Fam.=
Wohnh., gr. Scheuer
Ställe für 17000 ℳ zu
verk. Ang. u. K 161
an die Gſchſt. /*15836
folgende Paſſiven:
Kreditoren im Betrag
53 944.30 RM.
46 474 55
verbleiben 7 469.759
ſodaß Krauß in bar in
die Geſellſchaft
einzu=
bringen hat
7530.25
Die vorſtehenden Aktiven und Paſſ
des Geſellſchafters Krauß ſind von
Geſellſchaft übernommen.
(9
Dieburg, den 30. Mai 1927.
Heſſiſches Amtsgericht.
Seite 8
Mittwoch, den 15. Juni 1927
Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Arheilgen, 13. Juni. Impftermin. Der öffentliche
Impf=
termin für die im Jahre 1926 geborenen Kinder iſt auf Donnerstag,
den 16. ds. Mts., und der entſprechende Reviſionstermin auf
Donners=
tag, den 13. ds. Mts., feſtgeſetzt. Die Impfung der aus früheren Jahren
rückſtändigen Kinder und der aus 1927 von Januar bis Juni geborenen
Kinder findet um 2 Uhr, die der übrigen um 2½ Uhr ſtatt.
Impf=
lokal iſt die Schulturnhalle.
— Am Dienstag, den 21. ds. Mts.,
nach=
mittags 3 Uhr, findet im hieſigen Rathausſaale eine Beratungsſtunde
— Nächſten Sonntag findet hier der Rote
der Säuglingsfürſorge ſtatt
Kreuz=Tag ſtatt. Zweck des Roten Kreuzes iſt, wie bekannt, Hilfe allen
denen zu gewähren, die in Nor ſind, ſeine Hauptaufgabe: Erſte Hilfe
und Krankentransport. Hoffentlich finden die Sammler auch hier
aller=
orts eine offene Hand und ſeien alle Freunde ſchon jetzt auf dieſen
Sam=
meltag hingewieſen.
Griesheim, 13. Juni. Am Gemarkungsrundgang nahm
erfreulicherweiſe eine größere Anzahl Landwirte teil, befonders war das
füngere Element ſtark vertreten. Der Beſuch galt vor allem den vor
der Landwirtſchaftskammer angelegten Verſuchsfeldern auf der „
Gäns=
wieſe”, wo auf einem Herrn Beigeordneten Feldmann gehörigen Grund
ſtück verſchiedene Sorten Frühkartoffeln neueſter Züchtung angebaut ſind,
um dieſe auf ihren Ertragsreichtum zu prüfen. Auch ſind daſelbſt einige
Anbauverſuche mit Gurken und Bohnen gemacht. Herr Direktor Seeger
vom Landwirtſchaftsamt in Darmſtadt wachte dabei recht intereſſante
Ausführungen über die Anwendung von Düngemitteln,
Schädlings=
bekämpfung uſw. Im Anſchluß an den Rundgang fand im Gaſthaus
„Zum grünen Laub” eine Beſprechung ſtatt, wobei Herr Direktor Seeger
beſonders, auf die fünf Faktoren hiwwies, die für das Wachstum und
Gedeihen aller Pflanzen unbedingt erforderlich ſind: Licht, Luft, Waſſer,
Bodenbearbeitung und Schädlingsbekämpfung. In der Diskuſſion kam
man aber bald von dieſem Thema ab und kam auf den Gemüſebau und
die Abſatzſchwierigkeiten, durch die auswärtige Einfuhr, Glashausbau,
Zollſchutz, einiges andere und die immer noch der Gründung harrenden
Gemüſe=Abſatzgenoſſenſchaft, hier, zu ſprechen. Mit Recht wies Her=
Seeger auf die vorgebrachtem Beſchwerden darauf hin, daß man von der
Regierung doch nicht alles Heil erwarten, ſondern ſelbſtändig handeln
ſolle, und wie die Regierung fa auch gar nicht die Macht habe, Abhilfe
zu ſchaffen. Herr Beigeordneter Feldmann dankte Herrn Direktor
See=
ger für ſeine belehrenden Ausführungem, womit die Beſprechung ſchloß.
Welches Reſultat ſie haben wird und ob die wahnenden Worte die
ge=
bührende Beachtung finden werden, wird ſich wohl in nächſter Zeit
zeigen. — In der Nacht zum Sonntag wurde von jungen Burſchen
aller=
hand Unfug verübt, Türen und Läden ausgehängt und fortgeſchleppt.
und was dergleichen Dummerjungenſtreiche noch mehr waren. Wenn es
der Polizei gelingt, ihre Perſowalien feſtzuſtellen, ſo wird ihnen ein
an=
gemeſſener Strafzettel über das Unzuläſſige ihres Tuns die nötige Be=
lehrung erteilen.
Griesheim, 14. Juni. Am Donnerstag, den 16. Juni, vormittags
9 Uhr, findet auf dem Rathaus die öffentliche Impfung der im
Jahre 1926 geborenen Kinder ſtatt. — In der laufendem Woche finden
auf dem hieſigen Truppenübungsplatz täglich vormittags von 5—12 Uhr
Scharfſchießübungen ſtatt.
Pfungſtadt, 14. Juni. Muſikabteilung der
Feuer=
wehr. Die Freſwillige Feuerwehr Pfungſtadt hat ein eigenes Spiel
mannskorps (Trommler und Pfeifer) ins Leben gerufen. Die
In=
ſtrumente ſind von privater Seite beſchafft worden.
* Ober=Ramſtadt, 14. Juni. Sechzigfährigen=
Geburts=
tagsfeier. Einer langjährigen ſchönen Sitte folgend, begingew die
im Jahre 1867 Geborenen hier gemeinſam ihren 60. Geburtstag. Faſt
ohne Ausnahme hatten die ehemaligen Schulkameradinnem und =
kame=
raden der Einladung des Leiters der Veranſtaltung, Herrn Bäckermeiſter
B. Finger, Darmſtadt, Folge geleiſtet. Gegen 9 Uhr vormittags traſen
ſich die Teilnehmer vollzählig zum gemeinſamem Kirchgang, und mit
war=
mem Händerdruck begrüßten ſich alle. Herr Pfarraſſiſtent Lenz hielt im
Vormittagsgottesdienſt eine der Weihe des Tages angepaßte, zu Herzen
gehende Predigt. Frau Irene Bertſch=Würtenberger, die Tochter des
Kameraden J. Würtenberger, ſang im Gottesdienſt unter Begleitung
des Herrn Lehrer Adelberger am Harmomum „Largo” von Händel.
Anſchließend daran wurden die Gräber der inzwiſchen verſtorbenen
Kameradinnen und Kameraden beſucht und unter ehrenden Worten
Kränze niedergelegt. Dabei ſprach Herr Würtenberger einen ſinnvollen
Nekrolog. Nachmittags 3 Uhr fanden ſich die Teilnehmer im Saale
„Zum Löwen” (Schneider) wieder zuſammen. Kamerad Finger,
Darm=
ſtadt, begrüßte alle Erſchienenen aufs hewzlichſte, und Bürgermeiſter
Rückert entbot den Willkommengruß der Gemeinde. Bei
An=
ſprachen. Darbietungen der verſchiedenſten Art entſchwandem die
wirklich ſchönen, von echt kameradſchaftlichem Geiſte getragenen Stunden
nur allzu ſchnell.
* Groß=Umſtadt, 13. Juni. Die Wiederſehensfeier der
1881er Abiturienten der hieſigen jetzigem Oberrealſchule nahm
bei günſtiger Witterung einen erhebenden Verlauf. Von den
erſchie=
nenen 16 Abiturienten und Schulkameraden hatten ſich die meiſten ſeit
länger als 46 Jahren nicht wiedergeſehen, ſo daß das gegenſeitige
Wie=
dererkennen oft nicht leicht war und zu ſpannenden Szenem Anlaß gab
Am Vormittage beſichtigtem die ehemaligen Schüler auf die
liebens=
würdige Einladung des Herrn Oberſtudiendirektors Pfersdorf
die Oberrealſchule nebſt ihrem reichhaltigem wiſſenſchaftlichen Unter
richtsmaterial und den indereſſanten Sammlungen. Daran ſchloß ſich
ein Gang durch die Stadt mit ihrem hübſchem Nathaus und den allen
Gäſten noch vertrauten alten Straßem und Gäßchen, womit auch eine
freilich mur äußere Beſichtigung des alten Realſchulgebäudes verbunden
wurde, in deſſen Räumen die Gäſte ſchon vor über 50 Jahren
gemein=
ſam Freud und Leid der Schule gekoſtet haben. Sodann begab man ſich
ins Gaſthaus „Zum Lamm” zum gemeinſamen Mittagsmahle, woſelbſt
te
ſich im Austauſch alter gemeinſamer Schulerinnerungen bald e
äußerſt angeregte Stimmung entwickelte. Herr Oberjuſtizinſpektor
Hummel hielt die Begrüßungsanſprache, wobei er mit Worten
hoher Verehrung der ehemaligen Lehrer und der verſtorbenen 6
Abi=
turienten gedachte, zu deren Gedächtnis die Anweſenden ſich von den
Sitzen erhoben. Sein Hoch galt der Realſchule. Herr
Oberſtudiendirek=
tor Pfersdorff dankte für die einmütige Ehrung der Schule und
gab ſeiner Freude Ausdruck, daß die Angehörigen einer der älteſten
Klaſſen der Realſchule in noch ſo ſtattlicher Zahl erſcheinem konnten
Sein Glas weihte er dem ferneren Wohlergehen der Gäſte. Nun war
die Zeit ſoweit vorgeſchritten, daß der geplante Gang in die hübſche
Umgebung der Stadt ausgeführt werden konnte, wobei ein Bild der
Teilnehmer auf der photographiſchen Platte feſtgehalten wurde. Nur
zu früh ſchlug die Abſchiedsſtunde. In bewegter Stimmung ging man
aiseinander mit dem einſtimmigen Wunſche, in kurzer Zeit wieder
ein=
mal zuſammenzukommen. Allen Teilnehmern dürfte dieſe
Wieder=
ſehensfeier nach einer ſo langen Trennungszeit in angenehmſter
Er=
innerung bleiben.
* Vielbrunn, 12. Juni. Nach monatelanger Krankheit unſeres
ver=
ehrten Herrn Pfarrers Stroh, während der er zur Geneſung im
Eliſabethenſtift=Darmſtadt und dann in Wiesbaden weilte —
infolge=
deſſen die evangeliſchen Männer= und Frauenabende ſowie die
Bibel=
ſtunden hier ausfallen mußten und die Gottesdienſte abwechſelnd vor
auswärtigen Geiſtlichen gehalten wurden —, hatten wir am Pfingſtfeſt
die Freude, zum erſtenmal wieder ſeinen packenden Predigten lauſchen
zu durfen. Auch konnte er uns verkünden, daß demnächſt mit der
äuße=
ren Renovierung unſerer Kirche begonnen wird. Es wird durch dieſe
weitere Herſtellung unſeres Gotteshauſes ſeine Mühe, die im vorigen
Jahre von ihm bewerkſtelligte künſtleriſche Ausgeſtaltung des
Kirchen=
innenn, gekrönt. Als hervorragender Beweis ſeiner allſeitigen Be
liebtheit und ſeines erfolgreichen Wirkens kann verbucht werden, daf
es ihm gelungen iſt, in dieſer bedrängten Zeit die hierzu erforderlichen,
wohnhauſes. Laut Ausſchreiben des Heſſiſchen Hochbauamtes
Dieburg, Zweigſtelle Erbach, ſoll noch in dieſem Jahre hier ein Gebäude
für Beamtenmieterwohnungen errichtet werden. Bauherr iſt der
Volksſtaat Heſſen. Das zu erbauende Haus ſoll, nahdem die Gemeinde
einen ſchönen Bauplatz zur Verfügung geſtellt hat, den beiden hier
ſtationierten Wachtmeiſtern als Wohnung dienen. Die Rohbauarbeiten
(Erd=, Maurer=, Schloſſer=, Zimmer=, Dachdecker und Spenglerarbeiten)
wverden auf dem Wege des öffentlichen Wettbewerbs vergeben. Die
Zeichnungen und Verdingungsunterlagen ſind für die Handwerker auf
dem Bauamt erhältlich, und der Termin für die Einreichung der Ang
bote iſt der 28. ds. Mts., Durch Ausführung dieſer Arbeiten wird
ben einheimiſchen Bauhandwerkern und Lieferanten ein äußerſt
will=
kommener Verdienſt ermöglicht.
Das Provinzialtreffen des Heſſen=Bundes
in Erbach im Odenwald.
Am Sonntag, den 12. Juni, feierte der Erbacher Jünglingsverein
ſein 25jähriges Gründungsfeſt. Aus dieſem Grunde hatte der Heſſenbund
die geſamte evangeliſche Mannesjugend der Provinz Starkenburg nach
dort zuſammengerufen. Schon am Samstag abend herrſchte reges
Jugendtreiben in den Straßen der ſchönen Odenwaldſtadt. Kleine und
größere Trupps unſerer munteren Heſſenjungen zogen, ſingend um ihr
Fähnlein geſchart, hin und her durch die Straßen, um ihre Quartiere
belegen und ſich an den Kochſtellen zu ſtärken. Es ſei gleich vorausgeſchickt
daß das Feſt dank der rührigen Arbeit des Vereins Erbach und ſeines
Vorſitzenden, Herrn Stadtpfarrer von der Au, dank der fveundlichen
Gaſt=
freiheit vieler angeſehener Bürger der Stadt gänzend verlaufen iſt, und
ſchon dadurch ein Stück liebe Erinnerung für viele unſerer Jungen
blei=
ben wird. Wenn der Himmel auch kein freundliches Geſicht zeigte, und
kurz vor Aufſtellung des Fackelzuges heftiger Regen niederrauſchte, ſo
konnte das die Feſtfreude unſerer Jugend nicht beeinträchtigen, die den
Kampf mit jedem Wetter auf ihren Fahrten gewöhnt iſt. Aber auch die
ſchauluſtige Menge ließ ſich nicht abhalten, denn die Bürgerſteige waren
dicht beſetzt, als der Fackelzug wie ein endloſes Feuerband dem
Markt=
platz zumarſchierte.
Die Kundgebung war ein lauter Ruf deutſcher chriſtlicher Jugenl
in die Nacht und Nor des Vaterlandes, ein Ruf der Erinnerung an
glor=
reiche Vergangenheit, ein Ruf der Mahnung an neu aufzubauende
Zu=
kunft. Der wolkenverhangene Nachthimmel, wie auch der leiſe rieſelnde
Regen konnten den Eindruck dieſes Rufes und den Eindruck der
An=
ſprachen nur verſtärken. Herr Dr. Krämer, aus Darmſtadt, ſprach von
Fenſter des Rathauſes aus unter dem Stichwort: „Fackeln in der Nacht
zu der tauſendköpfigen Verſammlung auf dem Marktplatz. Des weiteren
ſprach Herr Landesjugendpfarrer von der Au, und beide Reden wurden
gar mächtig von der Jugend aufgenommen, das fühlte man ihrer Ant
wort ab: einem brauſenden „Heil”, das über den Marktplatz hallte
wie auch ihrem Bundesſang „Es rauſcht durch deutſche Wälder, es
raunt durch Rohr und Ried, es klingt durch Städt” und Felder ein
zukunftmächtig Lied; es klopft an jede Pforte, in Schloß und niederm
Haus, mit zauberſtarkem Worte: „Deutſche Jugend, heraus!”
Da leuchtete es hoch auf am Kirchturm droben, und an der
mäch=
tigen Schloßfront ſchießen Lichtgarben entlang, grün und rot
durch=
brechen ſie das Dunkel und wandeln in einem Augenblick das Bild
ein farbenfreudiges Märchen. Hoch auf ziſchen die Raketen und ſtreuen
ihren leuchtenden Regen aus Wolken und rieſelnden Tropfen über den
Platz. Dann zog die feſtfeiernde Schar mit klingendem Spiel in ihr
Quartier. Die Nachtwachen waren eingeteilt, die der verſpäteten An
kömmlinge harrten und die über Ruhe und Ordnung wachten.
Auch der Sonntag ließ die Wolken nicht weichen. Aber unſere
ge=
ſunden Heſſenjungen ließen ſich dadurch nicht in ihrer Feſtfreude ſtören.
Das Choralblaſen vom Turm der Stadtkirche brauchte ſie nicht erſt zu
wecken. Es ging ſchon lange munter her bei ihnen, bevor ſie ſich zur
feſtgeſetzten Zeit, um 7 Uhr, auf dem Marktplatz zur Morgenwache zu
ſammeln hatten. Auf den Schöllenberg zogen wir hinaus. Der
feſt=
feiernde Verein hielt ſeine Morgenwache am Kriegerdenkmal im
Ehren=
hain. Er legte dert einen Kranz nieder, beſonders derjenigen aus
ſeiner Bjährigen Geſchichte denkend, die aus Feindesland nicht
wieder=
kehrten. Wie fernes Glockenläuten aus begeiſterten Tagen, da wir noch
eine Jugend hatten, die ſich opfern konnte, wie eine ſtille, klagende
Mahnung an die Zukunft klang der Gruß an die gefallenen Brüder in
den Herzen aller derer wach, die ſich in kleinen Trupps um ihre Führer
verſammelt hatten, um zu beten. — „Ich hatt’ einen Kameraden.”
Dann kam der Kirchgang. Feierlich das Herz erhebend ſangen
Gemeinde und die Jugend die Feſtliturgie. Herr Pfarrer Rohrbach aus
Frankfurt a. M. hielt die Feſtpredigt über Johannis 3. Vers 7 und 8,
und ſetzte der Jugend in eindringlicher Weiſe mit oft wahrhaft poe
tiſcher Sprache auseinander, daß es eine conditio sine gua non evange
liſcher Jugendbewegung gibt: „Ihr müßt von neuem geboren werden!“
Viele, ſehr viele von unſeren Jungen werden den Eindruck dieſer
Pre=
digt, ein gutes Samenkorn in gutem Land, mitgenommen haben.
Nachmittags kam die Fröhlichkeit der Jugend zu ihrem vollen Recht,
bei munterem Treiben unter den Linden. Der Feſtzug nach dort war
wieder eine gewaltige Kundgebung Qiſerer evangeliſchen Mannesjugend
an die zuſchauende Menge. Denn unterdeſſen waren auch die letzten
Nachzügler gekommen, ſo daß ihrer wohl 800 in gleichem Schritt und
Tritt, unter Poſounenklängen zu dem Feſtplatz marſchierten, ungeachtet
der tauſendköpfigen, den Zug begleitenden Menge. Herr Stadtpfarrer
von der Au, der Voyſitzende des Vereins Erbach, eröffnete den Reigen
der Anſprachen, die den Verein wie die ganze Jugend grüßten. Er
ge=
dachte auch des Begründers der Arbeit in Erbach, des Herrn
Stadtpfarrer Sell, der zu aller Freude gegenwärtig ſein konnte. Dann
ſchloſſen ſich Herr Landesjugendpfarrer von der Au im Namen des
Landeskirchenamts, Herr Schulrat Haſſinger im Namen des Amts für
Volksbildung, Herr Bürgermeiſter Dengler im Namen der Stadt Erbac
und Herr Pfarrer Müller=Birkenau, als 2. Vorſitzender des Heſſenbun
des, im Namen desſelben. Das beherzigenswerteſte Wort des
Nachmit=
tags rief Herr Schulrat Haſſinger unſerer Jugend zu: „Was ich einſt
der katholiſchen Jugend geſagt habe, werdet ganze Katholiken, das rufe
ich euch heute zu: werdet ganze evangeliſche Männer! Was wir ſind,
wir wollen es ganz ſein!“
Den Mittelpunkt des Nachmittags bildete ein Feſtſpiel, das die
Jungen des Vereins Petrusgemeinde Beſſungen aufführten. Sie haben
gutes geleiſtet, und das ganze mittelalterliche Spiel „Der verlorene
Sohn”, von Burkhard Waldis, hat ſeinen tiefen Eindruck nicht verfehlt
Wie überall auf unſern Feſten, iſt viel geſungen und geſprungen
worden, und unſere guten Jungen von Rüſſelsheim haben ihrem
evwor=
benen Singwimpel auch in Erbach alle Ehre gemacht. Was aber wohl
allen, die ſie ſingen hörten — ich möchte betonen, die ſie ſingen ſahen —
ihren Sang ins Herz geſenkt hat, das waren ihre leuchtenden Augen.
Gegen 5 Uhr war unſer Feſt zu Ende. Herzliche Dankbarkeit lag
in dem gegenſeitigen warmen Händedruck beim Abſchied, und manche
Freundſchaft iſt nicht nur für den Tag, ſondern für Jahre geſchloſſen
worden. In der Arbeit des Heſſenbundes aber und in der Arbeit des
Vereins Erbach möge dieſes Provinzialtreffen ein leuchtender Mark
ſtein ſein.
H. J.
k. Ober=Sensbach, 14. Juni. Dem hieſigen Männergeſangverein
„Sängerluſt” war es vergönnt, vorgeſtern bei großer Gunſt des eber
unbeſtändigen Wetters das Feſt ſeiner Fahnenweihe aufs ſchönſte
be=
gehen zu können. Nach einer Vorfeier am Samstag abend und einer
Feier am Kriegerdenkmal am Sonntag morgen bewegte ſich mittags
ein 20 Vereine umfaſſender Feſtzug durch das langgeſtreckte Dorf nach
dem ſchön hergerichteten Feſtplatz. Nach einem einleitenden Chor des
feſtgebenden Vereins entbot der Vorſitzende desſelben, Herr Förſter
Lippert, der ganzen Feſtverſammlung den Gruß des Vereins und der
Gemeinde. Rückblickend zeigte er, wie der Verein im Jahre 1911 ge
a=
gründet wurde, dabei gedachte er der beſonderen Verdienſte des
maligen Dirigenten des Herrn Lehrers Bopp. Schon 1914 wollte der
Verein eine Fahne beſchaffen, da riß der Krieg die Mitglieder
aus=
einander. Nunmehr, 16 Jahre nach der Gründung, iſt es dem Verein
beſchert, ſeine Fahne weihen zu können. Die Beſchaffung der Fahne
war möglich durch die Hilfe der Gemeinde, der Herrn Grafen zu
Er=
bach=Fürſtenau und des Jagdpächters, des Herrn Reinhardt van
Gül=
pen=Vernes.
— Nun überreichte nach Vortrag eines ſchönen Gedichtes
Fräulein Ella Ihrig dem Fahnenträger, Herrn Körber, das entfaltete
Banner, das dieſer mit Worten des Gelöbniſſes entgegennahm und
durch Handſchlag dem Vorſitzenden des Vereins ſein Verſprechen bekräf
tigte. Fräulein Sophie Kaufmann überreichte unter entſprechenden
Ausführungen eine von den Feſtjungfrauen geſtiftete ſchöne
Fahnen=
ſchleife. Jetzt feierte Herr Oberpfarrer Colin=Beerfelden in gewohnter
Meiſterſchaft das deutſche Lied, anknüpfend an die dem Bauner
aufge=
ſtickten Worte: In Freud und Leid zum Lied bereit
— Nach Schluß
des Feſtaktes ſangen dann die Geſangtereine ihre Chöre, leider gin
in dem Feſttreiben viel davon verloren. Am Sonntag und Montag
abend waren Bälle und Nachfeiern. Alle Teilnehmer waren von dem
Verlauf des Feſtes hochbefriedigt.
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Ueber 100 Familienmitglieder, die größtenteils von, auswärts kamen,
waren verſammelt. Nach einem ſinnigen Vorſpruch von Walter Hol
(Werms) wurde die Feier durch den Senior Lehrer Hotz (Offenbach)
eröffnet, der herzliche Worte der Begrüßung an die
Familienmitglie=
der richtete. Bauinſpektor Philipp Hotz (Worms) hielt alsdann einen
Vorträg über Sitten und Gebräuche im Züricher Oberland, dem Lande
der Vorfahren. Derſelbe gab auch Erläuterungen über das
Familien=
wappen ab. Hierauf traten drei Hotzenkinder (Marianne, Elſa und
Kätchen Hotz) in ſchmucker Handwerkertracht, allegoriſch die drei Linien
die Küfer=, die Scneider= und die Schreiner=Hotz darſtellend, auf. Ihre
in herziger Weiſe vorgetragenen Verſe, welche einen Einblick in die
ganze Familiengeſchichte gaben, wurden mit Begeiſkerung und Rührung
aufgenommen. Herr Pfarrer Meiſinger, der als Gaſt anweſend war,
hielt eine zu Herzen gehende Anſprache. Großen Beifall fanden auch
die längeren ſchriftlichen Ausführungen des Freiherrn von Gemmingen.
der leider nicht anweſend ſein konnte. Die ſonſtigen Darbietungen kön
nen als fehr gut bezeichnet werden. Mit Begeiſterung wurde das neue
Wappenlied geſungen. Erwähnt ſeien noch die von 6 Mädchen
auf=
geführten und von Fran Eliſe Hotz und Fräulein Dudeh (Fränkiſch
Crumbach) einſtudierten Reigen, die ſchönen Gefangsvorträge der Frau
Manl (Fränkiſch=Crumbach) und der Frau Weitzel (Eberſtadt) ſowie de
Herrn M. Ober (Pfungſtadt), die humaoriſtiſchen Beiträge des Herin
Karl Hotz (Offenbach), P. Hotz (Darmſtadt) und Ga. Hotz (Fränkiſch
Crumbach) und vieles andere. Auch der Familienkapelle Otto Hotz
und der Bewirtung durch den Kronenwirt Leonh. Hotz (Fränkiſch=
Crum=
bach) ſei gedacht. Nur zu ſchnell vergingen die ſchönen Feiertage und
allen wurde der Abſchied ſchzer.
Lichtenberg i. Odw., 14. Juni. Es ſind jetzt 25 Jahre, ſeitden
Herr Lehrer Fritz Lautenſchläger an der hieſigen Schule tätig iſt. Der
Fubilar erfreut ſich durch ſein einnehmendes Weſen allgemein großer
Beli=btheit und hat ſchon manchen ſeiner Anvertrauten durch umſichtige
Förderung auch nach zurückgelegter Schulzeit den Lebensweg geebnet.
Auch in Kreiſen ſeiner Kollegen hat er ſich auf ſprachlichen und
natur=
wiſſenſchaftlichen Gebieten durch ſeine Beleſenheit als gewiſſenhafter
Berater gezeigt, der jedem den reichen Schatz ſeiner Erfahrung gerne
zur Verfügung ſtellt. Dem allſeits Geehrten, der ein großer Natur=
und Kunſtfreund iſt, wurden von der Gemeinde Lichtenberg und der Leh
rerſchaft der Umgebung ſowie von Privaten wertvolle Geſchenke
über=
reicht.
— Hirſchhorn, 14. Juni. Waſſerſtand des Neckars am
13. Jum 103 Meter, am 14. Juni 1,46 Meter.
Heppenheim, 14. Juni. Das hieſige Landwirtſchaftsamt veranſtaltet
gemeinſam mit dem landwirtſchaftlichen Bezirksverein für den Kreis
Heppenheim und der landwirtſchaftlichen Zentralgenoſſenſchaft Darmſtadt
Vorführungen neuzeitlicher Mähmaſchinen, und
zwar von ſolchen für Pferde und Kuhbeſpannungen. Die Vorführungen
finden ſtatt in Affolterbach am Mittwoch, den 15. Juni, vormittags
9½ Uhr, in Mörlenbach am Freitag, den 17. Juni, vormittags 9 Uhr
Treffpunkt jeweils Bürgermeiſterei. Hierzu ſind alle Landwirte der
genannten Orte und Umgebung freundlichſt eingeladen.
Viernheim, 14. Juni. Bei der Grasverſteigerung
wur=
den außerordentlich hohe Preiſe erzielt, die bei vielen Intereſſenten
manches Kopfſchütteln hervorriefen. So erfreulich das finanzielle
Er=
gebnis für die Gemeinde bzw. die Großallmendierten iſt, umſo
unan=
genehmer iſt dies aber für den Steigerer, wenn im Nodember die
An=
forderungs= und Mahnzettel für die Martinigefälle ins Haus kommen.
Ein guter Morgen (3750 Quadratmeter) kam durchſchnittlich auf 70 Mk.
zwei Stücke am Hauptzuleitungsgraben ſogar auf 121 und 112 Mk.
(Letztere vor dem Kriege auf höchſtens 30 Mk.) Bei der ſchlechten
finan=
ziellen Lage unſerer Landwirte erſcheinen dieſe Heupreiſe bedenklich,
zumal in vielen Fällen einesteils aus Zorn über ein nicht zugeſchlagenes
Los, andererſeits aus einem gewiſſen Reichſeinſcheinewvollen ſinnlos
hineingeboten wird. Ein ähnlicher Zuſtand war auch bei der Früh
kirſchenverſteigerung zu bemerken. Das Spitzenlos mit 2 Bäumen,
ge=
ſchätzt auf 1,70 Zentner, kam auf 75.— Mk.
— Gernsheim, 14. Juni. Waſſerſtand des Rheins am
14. Juni 2,28 Meter.
* Gernsheim, 14. Juni. Der 13. Kreisfeuerwehrtag des
Verbandes der Freiwilligen Feuerwehren des Kreiſes Groß=Gerau,
ver=
bunden mit einem Führerkurſus, tagt am Samstag, den 18., und Sonn
tag, den 19. Juni, in Gernsheims Mauern. Die Vorbereitungen hierzu
ſind eifrig im Gange. Am Samstag, den 18. ds. Mts., nachmittags um
2½ Uhr, findet der Führerkurſus im Saalbau Haas ſtatt, an dem ſich
die Führer der Freiwilligen und Pflichtfeuerwehren des Kreiſes
betei=
ligen. Die Zahl der Teilnehmer ſchätzt man auf zirka 100. Abends um
8½ Uhr findet im gleichen Saale unter Mitwirkung der
Feuerwehr=
kapelle ein Konzert ſtatt. Im Verlauf desſelbem hält Herr Kreisfeuer
wehrinſpektor Kölſch=Mainz einen Lichtbildervortrag über Brände allen
Art. Am Sonntag, in der Zeit von 6½ bis 8 Uhr, üben die
Kurſus=
teilnehmer praktiſch an den Geräten nach den Vorſchriften des heſſiſchen
Feuerwehrhandbuches auf dem Schöfferplatz. Um 9½ Uhr beginnt der
eigentliche Vertretertag der Verbandsabgeordneten. Um 2½ Uhr ver
anſtaltet die Freiwillige Feuerwehr Gernsheim auf dem Alarmplatz
(Schöfferplatz) eine größere Schulübung mit anſchließendem
Brand=
angriff auf das Fabrikgebäude der Rhein=Farbwerke.
Groß=Gerau, 14. Juni. Beſichtigung Nauheims. Unter
Führung des Bürgermeiſters Dr. Lüdecke ſtatteten mehrere offizielle
Perſönlichkeiten der Kreisſtadt dieſer Tage der Nachbargemeinde
Nau=
heim einen Beſuch ab. Man beſichtigte den neuen Friedhof, die
Schwimmbadanlage und die neuen Sportplätze.
Oberheſſen.
I. Friedberg, 13. Juni. Bei Weißbinderarbeiten ſtürzte der un
gefähr 50jährige Dieter aus Ober=Rosbach vom Gerüſt und erlitt einen
Schädelbruch. Die raſch herbeigeeilte freiwillige Sanitätskolonne vom
Roten Kreuz überbrachte ihn in das hieſige Bürgerhoſpital. Es iſt jedoch
zu beſüirchten, daß der Verunglückte ſich nicht von der ſchweren Verletzung
erholen wird.
b. Friedberg, 14. Juni. Im Ratskeller hielt der
Ortsgewerbe=
verein ſeine diesjährige Hauptverſammlung ab. Der Vorſitzende,
Herr W. A. Heß, begrüßte die Erſchienenen, darunter beſonders den
Kommerzienrat Langsdorf, als Vertreter der Stadt Friedberg, den
Rek=
tor der Gewerbeſchule, Herrn Neubquer, ſowie den Syndikus der
hie=
ſigen Handwerkskammernebenſtelle, Herrn Dr. Reif. Er machte der
Ver=
ſammlung die erfreuliche Mitteilung, daß die neue
Reichsverdingungs=
ordnung wahrſcheinlich am 1. Juli in Kraft trete. Herr Rektor
Neu=
bauer verlieſt den Bericht der letzten Hauptverſammlung und gibt der
Kaſſenbericht, der mit knapp über 2000 Mk. abſchließt. Die Einnahm
beſtehen in der Hauptſache aus 550 Mk. an Beiträgen und 1300 M1
an Miete, während der größte Ausgabepoſten eine ausgeliehene Summe
von 1150 Mk. iſt, die als Baufonds gedeckt iſt. Der Voranſchlag für das
kommende Geſchäftsjahr ſchließt ſich genau an das Vorjahr an. Nachden
einige ausſcheidende Vorſtandsmitglieder durch Zuruf wiedergewählt
worden waren, gibt Herr Morſchel ein Referat über den Reichstari
für Lehrlingslöhne. Im Gegenſatz zu früher forderten die
Gewerkſchaf=
ten heute tarifmäßige Bezahlung der Lehrlinge. Im neuen Tarif des
Bauhandwerks ſei dieſe ſogar recht hoch. Wenn der Tarif für allgemein
verbindlich erklärt würde, ſeien alle Verträge hinfällig. Das Handwerk
müſſe ſich deshalb auf das Geſetz berufen, das in der Gewerbeordnung
gegeben ſei: Die Lehrlingsfrage ſei eben eine Erziehungsfrage, keine
Lohnfrage. Eine Reſolution der Handwerkskammern hat gegen den
neuen Tarif bereits Stellung genommen. An dieſe Ausführengen ſchloß
ſich eine ſehr ausgedehnte und lebhafte Ausſprache, die ſich noch forvetzt
nachdem Beigeordneter Langsdorf bei ſeiner Begrüßung namens der
Stadt die unangenehme Mitteilung macht, daß die Gewerbeſteuer eine
Erhöhung erfahren werde, daß die Stadt wahrſcheinlich eine Bierſteuer
einführen müſſe, und daß die Provinz ihre Steuern um mindeſtens da=
2½fache erhöhen werde, um ihr Straßenbauprogramm durchführen zu
können.
Herbſtein, 14. Juni. Die Silberfuchsfarm des
Jagd=
pächters Kübel hat bedeutenden Familienzuwachs erhalten, ſo daß die
Farm für Beſucher geſperrt iſt. Die ſechs Paar Füchſe haben — ſoweit
es ſich bis jetzt überſehen läßt — 20 junge Füchſe zur Welt gebracht.
Die=
iſt ein Zeichen, daß ſich die aus Alaska ſtammenden Tiere im
Vogels=
berg gut akklimatiſiert haben.
Alsfeld, 13. Juni. Der Truthahn als Kückenmutter
Auf der Schwälmer Geflügelfarm im benachbarten Dorfe Schrecksbach
waren die ſieben Truthühner eifrig mit dem Brüten beſchäftigt. Da
wurde der ſonſt ſo brave Hahn derartig biſſig, daß niemand auf den
Hof gehen konnte. Kurz entſchloſſen legte ihm eine Magd 20 Hühnereier
zum Ausbrüten unter, und es war eine Luſt, zu ſehen, wie der ſtolze
Truthahn getreulich und mit Erfolg ſeine 21 Tage brütete. Eine Anzahl
Kücken erblickten das Licht der Welt und werden heute treulich von
ihm geführt und gehütet.
Nummer 164
Mittwoch den 15 Juni 1927
Seite 9
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sahen wir voraus, daß eine große
Anzahl von Chevrolet=Personenwagen
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würde, sobald Chevrolet genügend
bekannt geworden wäre und man seine
hervorragenden Eigenschaften voll
ge=
würdigt hätte. Nicht voraussehen
je=
doch konnten wir die Schnelligkeit
und die Begeisterung, mit der der
deutsche Wagenkäufer den Chevrolet
willkommen geheißen hat, und die
einsetzende Flut von Aufträgen, die
solchen Umfang annahm, daß ste unsere
gegenwärtigen großen
Produktionsein=
richtungen weit überstieg.
Innerhalb zehn Tage nach der
ersten Ankündigung des Chevrolet in
Deutschland erhielten wir Aufträge für
sofortige Lieferung von nicht weniger
als 1500 Chevrolets, und die
Gesamt=
zahl der von den Chevrolet=Händlern
während des Monats Mai
eingelaufe=
nen Orders betrug 2072. Die Juni=
Aufträge betragen bereits über 2000!
Wir sind dem deutschen Publikun
und den Chevrolet=Händlern aufrichtig
dankbar für diese schnelle, überwäl=
Über aller
Erwarten!
tigende Aufnahme des Chevrolet und
für dieses große Vertrauen, das damit
für Chevrolet und General Motors
G. m. b. H. bewiesen wird. Wir
be=
dauern außerordentlich, daß es für uns
physisch rein unmöglich gewesen ist,
unsere Händler so zu beliefern, daß
diese ihrerseits ihren Kunden prompt
mit Chevrolet=Personen= und
Lastwa=
gen dienen konnten.
Jede denkbare Anstrengung und
jede Maßnahme, die sich ermöglichen
läßt, wird von unserer Seite
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nommen, um genug Chevrolet-Wagen
zur Deckung der Nachfrage
herzu=
stellen, und wir hoffen, daß in einem
weiteren Monat unsere Händler in der
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Seite
Mittwoch, den 15. Juni 1927
Nummer 164
Zum internationalen Muſikfeſt in Frankfurt a. M.
Reichsminiſter Streſemann Kultusminiſter Herriot
(Frankreich)
bei der Eröffnung der Internationalen Muſik=
Ausſtellung in Frankfurt a. M.
Reich und Ausland.
Erſte Große Ausſtellung für Hotel= und
Gaſt=
wirtsfach, Kochkunſt uſw., in Heidelberg,
vom 18. bis 26. Juni 1927.
Der geſchäftsführende Ausſchuß beſchäftigte ſich
in letzter Sitzung mit der Zuſammenſetzung des
Preisgerichts. Es ſind dreißig hervorragende
Sach=
verſtändige aller einſchlägigen Branchen gewählt
worden. Im großen Saal der Stadthalle ſoll die
Ausſtellung am Samstag, den 18. Juni, vormittags
11 Uhr, eröffnet werden. Hieran wird ſich ein
Nund=
gang durch die Ausſtellungsräume Stadthalle und
Neubauten und durch die Ausſtellungsräume
Har=
monie und Neubauten anſchließen. Zur Eröffnung
ſind eingeladen: Abordnungen des
Staatsminiſte=
riums, des Stadtrats, der Handels= und
Gewerbe=
kammer, ſämtliche Ehrenmitglieder, die Vertreter der
Preſſe uſw. Etwa 300 Firmen ſind auf der
Aus=
ſtellung mit ihren beſten Erzeugniſſen vertreten. Die
zahlreichen, dekorativ ausgeſtatteten Standaufbauten
werden eine beſondere Anziehungskraft auf die
Be=
ſucher ausüben, und des weiteren die an vielen
Ständen koſtenlos verausgabten Koſtproben. Der
Eintrittspreis iſt, außer an einigen Elitetagen,,
1.— RM., und zwar für alle Ausſtellungsräume der
Harmonie und auch der Stadthalle, was bei der
Aus=
dehnung der Veranſtaltung und den Darbietungen
außerordentlich niedrig zu bezeichnen iſt. Es iſt nach
Vorſtehendem mit einem Maſſenbeſuch der
Veran=
ſtaltung zu rechnen.
Schwere Unwetter in Baden.
fm. Karlsruhe. In Mittelboden gingen
während der beiden letzten Tage ſchwere Unwetter
nieder, die von wolkenbruchartigen Regengüſſen
be=
gleitet waren. In der Bühler Gegend richtete das
Unwetter größeren Schaden an. Die Waſſermaſſen
überfluteten den öſtlichen Bühler Stadtteil und
füll=
ten die Keller, ſo daß die Feuerwehr helfend
ein=
greifen mußte. In der Pforzheimer Nordſtadt
wur=
den durch die ein ſchweres Gewitter begleitenden
Regenmengen die Straßen in reißende Bäche
verwan=
delt, die der Straßenbahn ſtellenweiſe bis an die
Radachſe reichten. In den Gärten und Obſtanlagen
hat das Unwetter verhältnismäßig geringen Schaden
angerichtet. Zwiſchen Schwetzingen und Hockenheim
ſchlug der Blitz in ein Schrankenwärterhaus,
wo=
durch die darin wohnende Familie zum Teil betäubt
wurde. Die Betäubten wurden durch
Sanitätsmann=
ſchaften in ärztliche Behandlung gebracht. Der
Schrankenwärter und ein Kind erlitten bei dem
kal=
ten Schlag einen Nervenſchock. Der Sachſchaden iſt
indeſſen unerheblich. Auch in Eppingen und
Stutt=
gart hatten die Wolkenbrüche Ueberſchwemmungen
von Kellern und Straßen zur Folge.
Der Baden=Badener Gemäldedieb verhaftet.
fm. Baden=Baden. In ſeiner hieſigen
Woh=
nung wurde ein Mann namens Himmelmann,
der vor Pfingſten eine große Anzahl Gemälde aus
einer Baden=Badener Bildergalerie ſtahl,
ver=
haftet. Die Bilder konnten ſämtlich wieder
bei=
gebracht werden.
Neuer Präſident der Goethe=Geſellſchaft.
Blick auf das Ausſtellungsgelände.
Prof. Dr. Julius Peterſen,
hervorragende Berliner Literaturhiſtoriker, iſt als
chfolger des verſtorbenen Prof. Guſtav, Roethe
Bräſidenten der Goethe=Geſellſchaft in Weimar
gewählt worden.
Jubiläums=Feſiſpiele im
Lauchſtädter Goethe=Theater.
Der Ruhm Lauchſtädts gründet ſich auf ſeinen
weltbekannten Mineral=Brunnen, der ſchon ſeit mehr
als 200 Jahren der leidenden Menſchheit Heilung=
und Geneſung bringt. Eine ſinnvolle Fügung will
es, daß an der Urſprungsſtätte des altberühmten
Lauchſtädter Quells auch ein Hort feinſter
Geiſtes=
kultur zu finden iſt. Die einzige erhaltene
Schau=
bühne, an der Goethe perſönlich wirkte: das in
Lin=
dengrün gebettete Lauchſtädter Theater, wurde vor
125 Jahren in Anweſenheit des Dichters feierlich
er=
öffnet. Wenn man die wichtige Stellung betrachtet,
die dieſer Muſentempel in der Geſchichte der
deut=
ſchen dramatiſchen Kunſt einnimmt, wenn man ſich
ſeinen Rang als Kulturmittelpunkt vergegenwärtigt,
dann wird der Eifer verſtändlich, mit dem jetzt eine
würdige Jubelfeier in dem hochberühmten Rokoko=
Bade vorbereitet wird. Wir brauchen unſere Leſer
kaum daran zu erinnern, welche unverlöſchlich
großen Erinnerungen ſich an Lauchſtädt knüpfen: daß
Gleim und Gottſched, Schiller und Eichendorff, ſpäter
auch Richard Wagner, hier bedeutungsvolle Tage
verlebten. Goethe vollbrachte zweifellos eine
rühm=
liche Tat, als er unter Uebewwindung erheblicher
Schwierigkeiten Anno 1802 den lange vorbereiteten
Neubau des Theaters vollendete. Zur Eröffnung
ſchrieb er das ſymboliſch=allegoriſche Vorſpiel „Was
wir bringen”, dem nach einer rauſchenden Ovation
für den Dichter eine Aufführung von Mozarts
„Titus” folgte. Dieſe Prunkoper, zur Krönung
Kaiſer Leopolds des Zweiten für Prag geſchrieben,
ſollte nun jetzt zum Jubiläum erneut Leben gewinnen,
Die ausführenden Bühnenkünſtler waren ebenfalls, wie
im Jahre 1802, Mitglieder des Weimarer Theaters.
Die muſikaliſche Leitung der Feſtſpiele lag in den
bewährten Händen des Prof. Dr. A. Rahlwes, Halle.
Beginn des Prozeſſes gegen die Kindesmörderin
Käthe Hagedorn.
Duisburg. Vor dem hieſigen Schwurgericht
begann der Prozeß gegen die des Mordes an den
beiden fünf= und ſechsjährigen Kindern Käthe
Gels=
leichter und Friedrich Schäffen angeklagte 19jährige
Pianiſtin Käthe Hagedorn. Die Verhandlungen, die
unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit geführt wurden,
werden drei Tage in Anſpruch nehmen. Die
Ange=
klagte gab zunächſt eine Schilderung von ihrem
Fa=
milienleben und von dem Verhältnis zu ihren Eltern,
das ſie als gut bezeichnete, das aber dennoch nach
ihrer Anſicht die erforderliche Herzlichkeit vermiſſen
ließ. Zu der Tat, über deren Einzelheiten ſie keine
genauen Schilderungen mehr zu geben weiß, äußert
ſich die Angeklagte u. a.: Am 24. Juni 1926, einem
überaus heißen Sommertage, hatte ſie beſchloſſen,
baden zu gehen. Unterwegs traf ſie die beiden
un=
glücklichen Kinder. Ihr gemeinſam fortgeſetzter Weg
führte ſie dann in einen nahegelegenen Buchenwald,
Dort machte ſie den Vorſchlag, dem Vater des
Mäd=
chens, der an dem gleichen Tage ſeinen Namenstag
feierte, einen Blumenſtrauß zu winden. Nachdem ſie
einige Waldblumen, zu deren Schnitt ſie ſich des
Mordwerkzeuges, einer vernickelten Nagelſchere,
be=
diente, gepflückt hatten, beging ſie an dem Mädchen
unſittliche Handlungen und ſtopfte dem ſich
wehren=
den Kinde Erde und Gras in den Mund, um es am
Schreien zu verhindern. Ueber die weiteren am
Kinde vorgenommenen Gewalttaten, wobei ſie mit
der Schere das Kind an der Halsſchlagader und an
der Pulsader verletzte, erklärte die Angeklagte, keine
Schilderungen geben zu können. Im Anſchluß daran
kam unvermittelt der Knabe hinzu, den ſie zu Boden
warf und dem ſie dann die tödlichen Wunden mit der
Schere beibrachte. Als ſie das aus der ſtarken Wunde
hervorquellende Blut bemerkte, verſuchte ſie, den
Blutſtrom mit Gras und Kleidungsſtücken zu ſtillen,
was ihr aber nicht gelang. Von einer wahnſinnigen
Angſt gepeinigt, verließ ſie den Ort und begann nach
ſtundenlangem, planloſen Umherirren ihre Flucht,
die mit ihrer Feſtnahme in Cleve endete.
Schwere Unwetterſchäden.
Schwäbiſch=Hall. Durch ein Unwetter
wurden in dem Orte Kröffelbach ſechs
Wohn=
häuſer und Scheunen ſchwer beſchädigt. Ein
Schaf=
ſtall wurde von den Fluten unterſpült, ſtürzte ein
und begrub 100 Schafe unter ſich, von denen 70 Stück
erdrückt wurden oder ertrunken ſind. Auch zwei
weitere benachbarte Ortſchaften haben ſchweren
Scha=
den an Feldern und Fluren erlitten.
Im Streit erſchlagen.
Hamburg. In Ochtmannsbruch bei Harburg
gerieten junge Burſchen während einer Kneiperei in
Streit, der zu einer wüſten Schlägerei ausartete. Dem
einen wurde mit einem Knüppel derartig über den
Kopf geſchlagen, daß er einen Schädelbruch erlitt, an
deſſen Folgen er nach kurzer Zeit geſtorben iſt. Der
Täter wurde feſtgenommen.
Feuerkampf mit einem Verbrecher.
Warſchau. Auf dem Warſchauer
Hauptbahn=
hof wurde ein Polizeiagent in dem Augenblick, als er
in Begleitung zweier Polizeifunktionäre einen
be=
rufsmäßigen Eiſenbahndieb verhaften wollte,
von letzterem niedergeſchoſſen. Der
Ver=
brecher richtete dann den Revolver gegen ſich ſelbſt
und gab zwei Schüſſe auf ſich ab. Der Zuſtand der
beiden Schwerverletzten iſt hoffnungslos.
Entſetzliche Rohheitstat in Braſilien.
Porto Alegre (Braſilien). Ein Offizier,
dem der Zutritt zu einem Tanzſaal verweigert
wor=
den war, gab ſeinen Soldaten Befehl, in den
Saal zu ſchießen. Dabei wurden elf
Per=
ſonen getötet und 27 verwundet. Die
Soldaten wurden feſtgenommen.
Sic transit giolia mundi.
EP. Vor einigen Tagen verſtarb in Los Angeles
eine Berühmtheit der vorigen Generation, der
Mu=
ſiker Francis Grierſon. Er wurde tot vor
ſeinem Piano gefunden, das ſeit einigen Jahren ſein
einzigſter Troſt in bitterſter Armut war, und ſeine
Finger lagen noch im Tode auf den Taſten des
In=
ſtruments. Grierſon, der einſt als philoſophiſcher
Schriftſteller und Kunſt= und Literaturkritiker einen
Ruf beſaß, war ein intimer Freund von Dumas
Wagner, Hugo und Flaubert. Da er weniger auf
ſein materielles, als auf ſein geiſtiges Wohl bedacht
war, geriet er in größte Not und war ſchließlich
ge=
zwungen, die Unterſtützung von
Wohltätigkeitsver=
einen in Anſpruch zu nehmen, denen er in früheren
Zeiten ſeine Kunſt zur Verfügung geſtellt hatte. Noch
wenige Tage vor ſeinem Tode war er gezwungen,
eine Uhr, die ihm ſeinerzeit König Eduard VII. von
England zum Geſchenk gemacht hatte, zu verſetzen,
um nicht hungern zu müſſen.
Lynchjuſtiz an zwei Negern.
Louisville. Zwei Neger, die unter der
Be=
ſchuldigung, den Aufſeher einer Sägemühle ermordet
zu haben, verhaftet worden waren, wurden dem
eskortierenden Polizeibeamten von einer
tauſend=
köpfigen Menge entriſſen. Die Neger wurden durch
die Straßen geſchleift und auf einem
Schei=
terhaufen verbrannt.
Schweres Bauunglück in Neapel.
Rom. Die Blätter berichten, daß bei Bauarbeiten
in Neapel die Fundamente eines Neubaues
zuſam=
menſtürzten, und ſieben dabei beſchäftigte Arbeiter
begruben. Drei von ihnen wurden als Leichen
ge=
borgen. Die anderen ſind zum Teil lebensgefährlich
verletzt.
19. Hauptverſammlung des Allgemeinen
Oeutſchen Lehrerinnenvereins in Stettin.
Meuterei im Gefängnis von Grodziſk.
Warſchau. Im Gefängnis von Grodziſk brach
gelegentlich der Einlieferung eines mehrfach
vorbe=
ſtraften Verbrechers eine Meuterei aus. Einzelne
Gefängnisinſaſſen lärmten und demolierten die
Zel=
leneinrichtungen. Gleichzeitig rotteten ſich vor dem
Gefängnis verdächtige Elemente zuſammen. Die
Po=
lizei ſtellte die Ruhe im Gefängnis wieder her. Acht
Perſonen wurden verhaftet.
Die erſte Vorſitzende des A. D.L.V., Frau
Stu=
dienrat Emmy Beckmann, Hamburg, eröffnete die
erſte Mitgliederverſammlung mit der Begrüßung der
Vertreterinnen der auslandsdeutſchen Lehrerinnen,
ſowie der dem A. D.L.V. neu angeſchloſſenen
Fach=
verbände. Als erſter begrüßt der Vertreter der
Lei=
tung des Deutſchen Beamtenbundes den A. D. L.V. mit
dem Hinweis auf die enge Zuſammenarbeit beider
Organiſationen. In ihrem Geſchäftsbericht berührt
die Vorſitzende alle großen Schulfragen der
Gegen=
wart. Es folgen drei Referate zur ſozialen
Jugend=
geſetzgebung. Frau Nathe=Dortmund berichtet über
den vorliegenden Geſetzentwurf zum Schutze des
un=
ehelichen Kindes; Frau Wilhelmine Lohmann ſieht
im Alkohol die größte Gefahr einer geſunden
Jugenderziehung. Frau Schönewald=Berlin nimmt
Stellung zur Betreuung der Arbeitsloſen. Die erſte
öffentliche Verſammlung des A. D.L.V. findet im
überfüllten Saale des Konzerthauſes ſtatt. Die
Vor=
ſitzende grüßt mit Worten herzlicher Verehrung die
hochbetagte Führerin der deutſchen Lehrerinnen, die
auch in dieſem Jahre wieder in ihrer Mitte weilt:
Dr. h. e. Helene Lange. Eine nicht endenwollende
Reihe von Begrüßungsanſprachen der Vertreter des
Reiches, der Länder und Städte, der
Provinzialſchul=
kollegien uſw. zeigt, welche Bedeutung die Tagungen
des A. D. L. V. erlangt haben. Brauſender Beifall
er=
füllt den Saal, als der Vertreter der Hamburger
Oberſchulbehörde der Vorſitzenden die
Ernennungs=
urkunde zur Oberſchulrätin in Hamburg überreicht.
Nach den Begrüßungen erhält Miniſterialrat Dr.
Gertrud Bäumer das Wort zu ihrem Vortrag „
Er=
ziehung zur Ausdruckskultur”. Ihm ſchließen ſich
Teilreferate an, zuſammengefaßt unter dem Titel:
Aufgaben der Erziehung zur Ausdruckskultur im
Unterricht. Frau Schultze=Kiel zeigt an Beiſpielen
aus der Deutſchkunde, wie Kinder ihr
Verbunden=
ſein mit Geſtalten der Dichtung zum Ausdruck
bringen. Frau A. Krüger=Deſſau behandelt das
Thema „Zeichnen‟. Der dritte Vortrag, von Frau
Trautwein=Berlin, bringt das Thema „Erziehung
zur Ausdruckskultur im Muſikunterricht”, eine
Be=
handlung der „Ausdruckskultur im
Gymnaſtikunter=
richt” durch Frau Ferber=Berlin bildete den
Be=
ſchluß. Die zweite öffentliche Hauptverſammlung
ſtellt das Thema: „Die Berufserziehung durch die
Schule” in den Mittelpunkt der Verhandlungen.
Frau Dr. Kempf=Frankfurt gibt die prinzipielle
Ein=
führung. Das erſte Teilreferat zu dieſem Thema;
„Berufserziehung in der Volksſchule”, erſtattet Frau
Haun=Berlin. „Berufserziehung in der
Mittel=
ſchule” lautet das Thema von Frau Oechler=
Frank=
furt a. M. Dr. Olga Eſſig=Hamburg berichtet über
das, was die Berufsſchule an Berufserziehung zu
leiſten hat. Frau Dr. Hähnle, Schw.=Gemünd,
er=
zählt aus eigener Erziehungspraxis in der höheren
Schule. Die 1. öffentliche Abendverſammlung bringt
den Vortrag einer Frau und Mutter. Frau Drechſler=
Hannover ſpricht über das Thema: „Die Mutter und
die Schule.” In den folgenden Verhandlungen
kommen eine große Anzahl von Anträgen und
Ent=
ſchließungen zur Annahme. Sie betreffen die
Jung=
lehrernot, die verheiratete Lehrerin, die Lage der
Privatſchulen (Preußen), reichsgeſetzliche Regelung
der Lehrerbildung u. a. m. Tage voller Arbeit, aber
vor allem voll reichſter Anregung liegen hinter den
etwa 1300 Teilnehmerinnen der 19.
Hauptverſamm=
lung des A.D.L.V. Ein Begrüßungsabend der
Stet=
tiner Ortsgruppe und ein von der Stadt Stettin
ge=
botener Empfangsabend brachten die Gäſte aus nah=/
und fern zwangslos einander näher. Eine
Dampfer=
fahrt, die die Teilnehmer bis nach Heringsdorf führte.
bot Erholung und Genuß nach anſtrengender Arbeit—
Rieſenbrand in einem ſpaniſchen Harzlager.
Avila. In der Nacht zum Montag ſind die
Gebäude der zur Großen ſpaniſchen
Harzverwer=
tungsgeſellſchaft gehörigen Fabrik in der Gemeinde
Lasnavas vollſtändig durch einen Brand zerſtört
worden. Da das Feuer die großen Terpentinlager z—
ergreifen drohte, wurden die größten Anſtrengunger
gemacht, um einer derartigen Kataſtrophe vorzu;
beugen. Ueber 2000 Perſonen beteiligten ſich an der
Löſchungsarbeiten. Der Flammenſchein des Brandes
war auf mehrere Kilometer im Umkreis ſichtbar
Mehrere hundert Arbeiter ſind arbeitslos geworder
und haben kein Obdach. Der angerichtete Schaden iſ
außerordentlich groß. Todesopfer ſind bisher kein
zu verzeichnen.
Ein amerikaniſches Militärflugzeug abgeſtürzu
New port News (Virginia). Montag vor
mittag ſtürzte ein amerikaniſches Militärflugzeug a2
und geriet in Brand. Die beiden darin befinO
lichen Offiziere fanden den Tod.
Francke=Gedächinisfeier in Halle. Afrika=Flieger Mittelholzer in Berlin.
Mit großen Feierlichkeiten begingen dieſer Tage die
Franckeſchen Stiftungen in Halle a. d. S. —
Deutſch=
lands größtes und älteſtes Waiſenhaus — den
zwei=
hundertjährigen Todestag ihres Gründers Auguſt
Hermann Francke. — Unſer Bild zeigt die
Kranz=
niederlegung am Denkmal Franckes.
Walter Mittelholzer,
der hervorragende deutſch=ſchweizer Flieger, iſt an
Montag, mit einem Flugzeug aus Zürich kommer)“
in Berlin eingetroffen, um der Erſtaufführung ſein!
Afrika=Films in der Reichshauptſtadt beizuwohnel
Nummer 164
Mittwoch, den 15. Juni 1927
Geite 11
P
Der Ozeanflug New Jork=
Dern.
ſchauermenge möglichſt fern zu halten. Schon glauben wir, die
*Dieerſie Rachruber deinOzean Sache ſei wieder mal ſchief gegangen, da bemerkten wir, daß
Von
Clarence Chamberlin and Charles A. Levine.
World Copyright by „New York Times” and „Acht=Uhr=
Abend=
blatt” Verlin.)
(Nachdruck, auch auszugsweiſe, verboten.)
II.
Nun ſcheint er ſchon ſolange zurückzuliegen, unſer Abſchied
im New York am vergangenen Freitag, daß es ſchwer iſt, darüber
z reden. Kaum können wir uns noch entſinnen, was wirklich
i dem Trubel und der Aufregung des Fortkommens vor ſich
(äng. Levine in die Maſchine hineinzukriegen, bevor noch
irgend jemand merkte, daß er mitfuhr, und zu gleicher Zeit den
„Suſchauermaſſen, die ſich auf der einen Seite der Startbahn
grufgeſtellt hatten, auszuweichen, das war ein ziemlich ſchweres
Stück Arbeit. Eigentlich war es gerade genug, die Maſchine zu
manövrieren, ohne noch auf eine rieſige Volksmenge aufpaſſen
zuu müſſen. Unmittelbar nach dem Start begann unſer Flugzeug
ris Schwanken zu geraten wegen der Ueberlaſtung im hinteren
Teil der Kabine. Die Gefahr beſtand, längs der Startbahn die
Sontrolle über die Maſchine zu verlieren und in die Menge
ineinzufahren. Deshalb droſſelte Chamberlin den Motor und
d rehte zu einem neuen Start bei. Im ſelben Augenblick glaubte
ie Menge, der Maſchine wäre etwas paſſiert, und ſo ſtrömten
ie Maſſen von allen Seiten des Flugzeuges auf uns zu. Wir
ußten alſo zu einem neuen Start die ganze Rollbahn
herunter=
itſchieren. Da ſah es aus, als ob der Teufel los geweſen wäre.
„Lir waren im Nu von Tauſenden von Menſchen umringt und
wonnten uns nicht rühren. In dieſem Augenblick wurde uns
ruch klar, daß Frau Levine nun Beſcheid wußte, was in der
Zuft hing. Für den Schwindel, den wir an ihr begangen haben,
offen wir eines Tages auf ihre Verzeihung. Juſt in dieſem
Augenblick ſtürzte John Cariſi, unſer erſter Mechaniker, dicht
un das Flugzeug heran und ſchrie uns zu: „Herr Levine, was
machen Sie für Geſchichten, Ihre Frau iſt eben in Ohnmacht
ge=
hallen! Sie glaubt ſteif und feſt, daß Sie mit der Maſchine nach
Europa losdampfen!“
Nun iſt John ein Mann, deſſen Redefluß ſobald nicht mehr
nufhört, wenn er erſt einmal im Zuge iſt. Dagegen gab es nur
in Mittel: die Luftklappe der Maſchine zu ſchließen und es
wem Verſtande des guten John zu überlaſſen, wie er ſich aus
gieſem Dilemma herausziehen wollte. John gebrauchte ſeinen
Verſtand. Erſt hatte er gedacht, er könne ein Flugzeug mit
Worten zum Stoppen bringen, jetzt plötzlich änderte er ſeine
Anſicht.
Als wir nun zum zweiten Male losfuhren, richteten wir
inſere beſondere Aufmerkſamkeit darauf, genaue Richtung längs
Der Startbahn innezuhalten. Nichtsdeſtoweniger fuhren wir
Stwas zu weit nach links in dem Beſtreben, uns von. der Zu=
wir ſchnurſtracks auf einen der drei Fuß hohen Pfähle
losſegel=
ten, die als Markierungszeichen an der Startbahn ſtehen. Die
Geſchichte ſah ganz danach aus, als ob unſer Propeller mit
töt=
licher Sicherheit gegen den Markierungspfahl ſchlagen wollte.
Dann ade, Ozeanflug. Aber zum Glück kamen wir irgendwie
an dem gefährlichen Hindernis vorbei. Wenige Sekunden ſpäter,
und wir waren in der Luft, kletterten raſch empor, und alles
war in ſchönſter Ordnung.
Chamberlin begann unmittelbar darauf den Motor auf
un=
gefähr fünfzig Touren in der Minute herunterzuſchalten, ſo daß
er nicht mit voller Kraft arbeitete. Dadurch wurde die Gefahr,
daß irgend etwas vorkommen konnte, nicht unweſentlich
abge=
ſchwächt. Wir richteten uns nun auf unſere Fahrt ein. Uns
war bekannt, daß die Route uns über New London und Cap
Cod führen mußte. Irgendwo aber in der Gegend von New
London fiel uns auf, daß wir fünf Meilen vom richtigen Kurs
abgekommen waren. Das erregte in uns den Verdacht, irgend
etwas müſſe da nicht in Ordnung ſein. Bei Newport waren
wir ſogar noch weiter ab von dem planmäßigen Kurs.
Hier war es, daß wir die Entdeckung machten, unſer
Erd=
induktionskompaß, von dem wir faſt gänzlich abhingen, ſtimme
nicht mit unſerem alten magnetiſchen Kompaß überein. Als
wir gerade über Cap Cod dahinſchwebten, war der
Erdinduk=
tionskompaß endlich außer Rand und Band. Das war nun
freilich eine ſchlimme Geſchichte. Jetzt kam der erſte „Hops” über
eine Waſſerfläche von nicht vorausſehbarer Ausdehnung. Wir
ſchätzten etwa 250 Meilen, und wir waren uns nicht eine Minute
lang im Zweifel darüber, daß, wenn wir unſeren Kurs nicht
mit Hilfe des zweiten Kompaſſes allein innezuhalten vermochten,
dies ſoviel hieße, als auf das Meer hinauszutreiben und über
der Waſſerwüſte rings herumzufahren, bis uns der Betriebsſtoff
ausgegangen war. Das hieß weiter, unſere treue Maſchine
ver=
laſſen und ohne Ruder auf dem kleinen, mit Luft
aufzublaſen=
den Schwimmboot umhertreiben zu müſſen, das wir mitführten.
Dann hätten wir entweder abwarten müſſen, daß man uns fand
— und dafür beſtanden verteufelt wenig Ausſichten! — oder daß
wir elendiglich umkamen.
Wir fühlten in uns eine große Verſuchung, umzudrehen
und unſeren Kompaß wieder inſtand ſetzen zu laſſen. Sicherlich
wäre dies bei weitem das Geſcheiteſte geweſen. Wir zwei
be=
ſtrachen die Lage gründlich. „Alles andere mag kommen, nur
nicht umdrehen!” entſchieden wir uns. Man muß nämlich
wiſſen, daß uns von beſtimmten Kreiſen vorgeworfen worden
war, wir ſeien ja nur Schwätzer. Deshalb konnte unſere
Ent=
ſcheidung nicht anders ausfallen, um jenen, die ſo dachten, den
Beweis zu liefern, daß ſie ſich in uns geirrt hatten. Wir
be=
ſchloſſen alſo, den Sprung über die erſte Waſſerfläche zu wagen
und darauf zu vertrauen, daß wir Neu=Schottland erreichten.
Sobald wir weiterfuhren, wurde der Vorderwind, gegen den
wir anzukämpfen hatten, ſteifer. Wir fürchteten, wenn die Sonne
heraufkam, würde der Wind noch ſtärker werden, aber doch hegten
wir immer noch eine ganz leiſe Hoffnung, es würde nur eine
ſanfte Briſe wehen, wenn wir das offene Meer zu überfliegen
begannen. Leider war uns Fortung nicht hold. Wir hätten
planmäßig den erſten Sprung über das Waſſer erledigen müſſen.
Aber nach Verlauf von dreieinhalb Stunden waren wir immer
noch über dem Waſſer und von Neu=Schottland noch nichts zu
ſehen. Wir fingen an, unruhig zu werden.
Mehrere Male glaubten wir Land zu erkennen, mußten aber
bald einſehen, was uns zu ſolchen Illuſionen verführt hatte.
Wenn nämlich zwei Wolkenſchichten vorhanden ſind, deren untere
aus einer einzigen beſteht, dann liegt die letztere im Schatten
der oberen Wolken, wodurch ihr ein ſo dunkles und kräftiges
Ausſehen gegeben wird, daß man meint, es ſei Land. Zu
alle=
dem, wenn Leute ſo ſehnſüchtig darauf aus ſind, Land zu ſichten,
wie wir es waren, dann verfallen ſie noch leichter dem
trüge=
riſchen Schein. Mit unſeren Navigationskünſten, ſo deuchte es
uns juſt in dieſem Augenblick, ſchien es nicht allzu weit her zu
ſein, da plötzlich tauchte Neu=Schottland vor uns auf. Wie die
Flieger ſagen: Wie ſtießen gerade mit der Naſe darauf. Wir
be=
fanden uns über Yarmouth. Ein Seufzer der Erleichterung
ent=
rang ſich uns, und neues Vertrauen erfüllte unſere Herzen. Als
wir über Halifax dahinflogen, waren wir ſo guter Laune, daß
wir beſchloſſen, eine Botſchaft herabzuwerfen. Es ſtellte ſich
her=
aus, daß wir ohne das kleinſte Stückchen Papier losgefahren
waren.
Noch ſchwellte uns der Stolz darüber, daß wir doch nicht ſo
untüchtige Navigatoren waren, als die wir uns eben noch
ein=
geſchätzt hatten, da verſteifte ſich der Wind plötzlich und wurde
bald ſo heftig, daß wir ernſtlich in Sorge gerieten. Uns war
klar: hielt dieſe Windſtärke an, ſo würden wir niemals die
andere Seite des Ozeans erreichen. Denn ſchon waren wir um
zwei und eine halbe Stunde hinter unſerem Programm. Für
die erſten ſechshrndert Meilen zurück — und
dreitauſendacht=
hundert hatten wir noch zu überwältigen.
Jedoch bald, nachdem wir Halifax paſſiert hatten, ſprang
der Wind um, und wir beganuen ein wenig mit der Zeit
auf=
zuholen. Nun fühlten wir uns ſchon ein bißchen wohler und
beruhigter. Uebrigens war dieſer Teil unſerer Spritztour von
traumhafter Schönheit. Unter uns nichts als die herrlich
dunkel=
grüne Waſſerfläche, dazu eine ſo klare Sicht, daß wir fünfzig bis
hundert Meilen in der Runde ungetrübt ſchauen konnten.
Die Fahrt von Neu=Schottland nach Neu=Fundland war der
zweite Waſſerſprung über eine Fläche von mehreren Hundert
Meilen offenen Meeres. Hier hielten wir ſcharfen Kurs,
trotz=
dem wir uns ausſchließlich auf unſeren magnetiſchen Kompaß
verlaſſen mußten, und ſteuerten auch richtig Cap Race an, an der
Südſpitze von Neu=Fundland.
Den Vorteil ſo ausgezeichneter Sicht auf dieſer Strecke
unſerer Fahrt wellten wir nicht ungenutzt laſſen, und ſo hielten
wir ſcharfe Ausſchau in der Hoffnung, irgend eine Spur von
Nungeſſer und Coli zu finden. Bei Cap Race warfen unſere
Augen den letzten Blick auf den heimatlichen amerikaniſchen
Kontinent. Dann ſagten wir uns: „Nun iſt’s vorbei, nun kommt
nichts weiter” und fuhren geradeaus darauflos über den großen
Teich und nächſte Station „Europa‟! Das war kurz vor
Sonnen=
untergang. Bald danach hüllte die Nacht uns ein. Nun war
nur noch Himmel über uns und rollende Wogen unter uns.
Nun wußten wir, daß unſer großes Abenteuer erbarmungslos
vom Stapel gegangen war.
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Nummer 164
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Sort Sier und Tarnen.
Handball.
Aus der Deutſchen Turnerſchaft.
Griesheim — Worms 4:5; hartes, unſchönes Spiel, Worms war
beſſer. Bickenbach — Eberſtadt 5:2!! Roth als Mittelläufer fehlte
bei Eberſtadt, und deshalb fiel die Mannſchaft auseinander. Richtiger
wäre geweſen, mit 4 Mann zu ſtürmen, denn Bickenbach war wohl
erfatzgeſchwächt, aber ſehr eifrig bei fleißiger Flügelbedienung und daher
oft im Angriff. Eberſtadt hatte in der Abwehr harte Arbeit zu leiſten
und kann von Glück ſagen, daß ſich Bickenbachs Innenſtürmer mehrmals
in fruchtloſen Einzelgängen verſuchten. Sonſt fielen noch mehr Tore.
Auch Eberſtadts Stürmer wählten nicht die richtige Taktik. Wenn man
ſchon mit vier Mann ſtürmt, dann nicht mit kurzem Innenſpiel auf
Tor zu. Faſt regelmäßig blieben ſie förmlich ſtecken. Doch das eine
darf man ſagen, wenn auch der Sieg vollkommen verdient war: bei
voll=
zähliger und eifriger Elf hätte Eberſtadt niemals 5:2 verloren.
God=
delau 1. — Langen 2. 12:10; Langen techniſch beſſer, aber zu weich
Eberſtadt, Jgd. 3:2.
Goddelau verſteht zu ſiegen. Seeheim, Jgd. —
Trotz des Sieges der Seeheimer war Eberſtadt beſſer. Der rechte
Ver=
teidiger verſchuldete als Neuling zwei Tore und verhalf den
See=
heimern dadurch zu einem billigen Erfolg.
Pol. Darmſtadt, 1. — Rot=Weiß Darmſtadt, 1.
Pol. Darmſtadt, 2. — Sportverein 98, 2.
Mit einem ſchönen Werktagabend=Programm wartet die
Handball=
abteilung des Heſſiſchen Polizei=Sportvereins, Ortsgruppe Darmſtadt,
auf. Heute abend 5.45 Uhr tritt die 2. Mannſchaft im fälligen
Ver=
bandsſpiel der gleichen von Sportverein 98 gegenüber. Das Spiel ſollte
urſprünglich am 12. ausgetragen werden, wurde aber mit dem
Einver=
ſtändnis des Pol.=Sp.=V. verſchoben, weil ein Teil der Sportvereinself
am letzten Sonntag die Ligaman chaft verſtärkte zu den Spielen in
Düſſeldorf und Köln.
Anſchließend an dieſes Spiel ſteigt ein Freundſchaftsfpiel zwiſchen
der ſympathiſchen erſten Elf von Rot=Weiß und der Ligamannſchaft
des Pol.=Sp.=V. Ueber die Spielſtärke ſämtlicher Mannſchaften etwas
zu ſchreiben erübrigt ſich, denn ſie ſind ja hinlänglich bekannt. Hat der
Wettergott Einſicht und ſind gute Schiedsrichter zur Stelle, dann
ver=
ſprechen die Spiele einen angenehmen, fairen Verlauf, und jeder
Be=
ſucher wird befriedigt den Platz verlaſſen. Beide Spiele finden auf
dem Polizei=Sportplatz ſtatt. Beginn der Spiele iſt 5.45 Uhr abends.
Kraftſport.
„Vorwärts” Groß=Zimmern ſiegt bei einem Städtekampf über den Verein
für Raſenſpiele Mannheim mit 22:6 Punkten.
Wie alljährlich, ſo wurde auch in dieſem Jahre die Kreismeiſterſchaft
des 2. Kreiſes vom Deutſchen Athletikſportverband zu Pfingſten aus=. Das Feſt wurde bei dem Kreisdelegiertentag in Darmſtadt
dem Kraftſportverein Biſchofsheim übertragen. Wenn es auch an das
vorjährige Groß=Zimmerner 24. Kreisfeſt nicht heranragen konnte, ſo
war es dem Verein doch trotz der ſchlechten Witterung gelungen, die
Kämpfe glatt von ſtatten gehen zu laſſen, an welchem auch ein guter Teil
Lobes der Kreisleitung zukommt.
Auch der Athletenverein „Vorwärts” beteiligte ſich mit ſeiner
Ak=
tivität an dem Feſt und konnte ganz beſonders gut abſchneiden Mit
zwei Meiſterſchaften, einem zweiten, dritten und verſchiedenen anderen
Preiſen konnten ſie in ihre Heimat zurückkehren, wo ihnen eine
gebüh=
vende Ehrung zuteil wurde. Daß Joh. Ohl im Federgewicht die
Meiſter=
ſchaft an ſich nehmen würde, ſtand ja faſt außer allem Zweifel, wenn
aber auch Fröhlich im Schwermittelgewicht Meiſter wurde, iſt es ſchon
wegen ſeines Alters um ſo anerkennenswerter. Selbſt der Altmeiſter
Baruch=Kreuznach mußte ſich in einer Ringzeit von einer Minute von
ihm ſchlagen laſſen. Wenn der vorfährige Meiſter des Federgewichts,
Weidner, bei dieſem Feſt nicht wit in die Spitze kommen konnte, ſo iſt
dies einer Verletzung zuzuſchreiben, und aus dieſem Grund hat er auch
bei nachſtehendem Ste
kampf nicht mitgerungen. Zu erwähnen iſt noch,
daß ſich auch Geier und Schönig im Federgewicht den 2. und 3. Platz
erkämpfen konnten, und Gegner wie Wehren=Mainz, Helm=Oberſtein,
Vahl=Frankfurt und Siegriſt=Darmſtadt hinter ſich laſſen konnten.
Auf Grund dieſer Erfolge erwarteten die Groß=Zimmerner von ihrer
Meiſterſieben einen ehrenvollen Sieg bei dem Städtekampf. Und dieſer
blieb trotz Stellen von zwei Erſatzleuten im Leicht= und
Schwermittel=
gewicht nicht aus. Daß der Verein durch derartige Kämpfe den richtigen
Weg eingeſchlagen hat, bewies das vollbeſetzte Haus, und wird das auch
die Vereinsleitung eingeſehen haben. Kampfrichter waren wiederum
Stein=Aſchaffenburg, Unterleiter=Groß=Zimmern und der
Mannſchafts=
führer der Mannheimer Gäſte. — Um 9 Uhr eröffnet das Fliegengewicht
Poth=Groß=Zimmern und Eſchelbach=Mannheim den Kampf. Es
m.
dickelt ſich ein ſehr lebhafter Standkampf, in welchem Poth=Groß=
Zimmern etwas voraus hat, und der ihm nach 15 Min. den Sieg
ein=
bringt. Auch im Rückkampf iſt er überlegen, und obwohl ſein
Gegn=
ſehr gut iſt, muß er ihm doch nach 11 Minuten die Punkte überlaſſen.
Er dürfte der beſte Fliegengewichtler von denem, welche die Mannſchaft
die letzten zwei Jahre vertreten hatten, ſein. Im Bantamgewicht ſteht
Schönig=Groß=Zimmern dem Mannheimer Johnas I gegenüber. Auch
er muß dem Groß=Zimmerner zweimal die Punkte überlaſſen, nachdem ſie
zwei wechſelvolle Kämpfe geführt hatten. Joh. Ohl und Johnas II.
ſtehen ſich im Federgewicht gegenüber. Beide Ringer geben dem Kampf
ein ſehr ſcharfes Tempo, welchem aber der Mannheimer nicht
ſtand=
halten kann, und zweimal nach 5 Minuten muß er ſich dem techniſch
beſſeren Ohl beugen. Im Leichtgewicht ſteht der Erſatzmann Reitzel=
Groß=Zimmern Lehmann=Mannheim gegenüber. Reitzel war auch
wirk=
lich Erſatz und iſt lange noch nicht ligareif, und dann war er auch für
den Kampf nicht vorbereitet. Sein Gegner hatte nicht viel Mühe mit
ihm; je nach 22 Sekunden und 7 Minuten hatte er ihn nach überlegenem
Ihl.
Kampfe beſiegt, und rettet ſo 4 Punkte für ſeinem Verein. Karl
pf nach 4 Minuten über
Bie=
wird im Leichtmittelgewicht im erſten Ke
dermann=Mannheim Sieger. Nachdem im zweiten Kampf der Mann=
* Bühne gefallen war, ſchenkte er Ohl den Sieg. Jr
heimer von
Schwermittelgewicht war Juſtus Kraus für Fröhlich eingetreten, da
Letzterer für Bernhardt im Schwergewicht ringen mußte, und zeigt
Traus als Erſatzmann wahre Glanzleiſtungen. Er beſiegte zweimal den
ſehr guten Weber=Mannheim. Obwohl ja der Mannheimer im erſt
Kampf anfänglich weit überlegen war, mußte er ſich doch in der 10.
Mi=
nute einem von Kraus angeſetzten Armzug am Boden beugen. Im
zweiten Kampf hatte er nun gar nichts zu beſtellen, und mußte ſchon
nach einer Minute dem Groß=Zimmerner die Punkte überlaſſen. Sollte
Kraus immer dieſe Form behalten, ſo dürfte er kaum von einem
Ver=
einskollegen erſetzt werden können. Im Schwergewicht verteidigt
Fröh=
lich ſeinen Kreismeiſtertitel glänzend und kann ſehr gut imponieren.
Trotz einer Verletzung holte er ſich im erſten Kampf einen Schulterſieg.
Den zweiten Kampf ſchenkte er dem Mannheimer, ſo daß das Reſultat
mit 22:6 Punkten für Groß=Zimmern endete.
Sportliche Tagesſchau.
Das Sportfeſt des II. Gauverbandes findet nicht in Erbach, ſondern
auf dem Turnplatze der Tgde. Beſſungen, Heidelberger Straße (
Renn=
bahn) am Sonntag, den 19. Juni 1927, ſtatt. Ausführlicher Bericht folgt.
Der Hamburger S.V. in Süddeutſchland. Bei dem am 19. Juni im
Frankfurter Stadion ſtattfindenden Freundſchaftsſpiel Nord= gegen
Süd=
deutſchland um den Goldpokal des Frankfurter Stadions läßt ſich
Nord=
deutſchland, wie bereits gemeldet, durch die komplette Mannſchaft des
Hamburger S. V. vertreten — Am Tage darauf trägt der H.S.V. dann
noch ein Spiel gegen den S.V. Wiesbaden aus.
Erfolge des 1. Mainzer Schwimmvereins von 1901. Bei dem am
11. und 12. Juni ſtattgefundenen Bezirksſchwimmfeſt des Be
zirks Rhein im Schierſteiner Hafen errang der 1. M. S.V.
1901 fünf erſte, fünf zweite und einen vierten Sieg. Georg Watrin
und Erich Martin ſchwammen die beſte Zeit des Tages. Herren=Jugend=
Freiſtil 100 Meter: 1. Sieger Erich Martin, Mainz; Senior beliebig
100 Meter: 1. Sieger Georg Watrin; Herren=Jugend=Bruſt 100
Me=
ter: 1. Sieger Erich Martin; Junioren lange Strecke: 1. Sieger
Frich Martin; Junioren lange Strecke: 1. Sieger Erich Schwarz;
Senioren Seite: 1. Sieger Georg Watrin.
Oleander aus dem Derby geſtrichen. Einer der berufenſten Anwärter
auf den Sieg im Deutſchen Derby, der Oppenheimerſche Oleander,
am Sonntag nachmittag 5.15 Uhr aus der Liſte der Derbykandidate
und des Jubiläums=Hanſapreiſes geſtrichen worden. Oleander hatte in
der Arbeit nachgegeben, wahrſcheinlich noch eine Folge ſeines
vorjäh=
digen Unfalls.
W. Scheling=Mainz Gewinner des Wanderpreiſes der Pfalz.
Motor=
ſportwoche in Neuſtadt a. d. H. Bei der Pfälziſchen
Zuverläſſigkeits=
fahrt mit Flachrennen, letztere über 3 Kil. gehend, ervang das Mitglied
des Mainzer Automobilklubs, Herr W. Scheling, au
ſeinem 10/70 PS Lancia=Wagen in der Klaſſe D (2000—3000 ccm) ſowohl
bei der Zuverläſſigkeitsfahrt wie bei dem Flachrennen den erſten Preis
ſeiner Klaſſe. Da der ſchneidige Mainzer Fahrer auch die ſchnellſte Zeit
aller Wagen f.
fiel ihm auch der Wanderpreis der Veranſtaltung für
Wagen zu. Der Mainzer Automobiltlub errang weiter einen
Klubpreis für gute Beteiligung.
Radfahren.
25jähriges Stiftungsfeſt des Radfahrervereins 1902 Michelſtadt,
Mitglied des B. D.R. Gau 70 (Heſſen=Darmſtadt).
Als am Samstag nachmittag die gemeldeten Rennfahrer der
ein=
zelnen Vereine des Gaues 70 des B.D.R. bei anhaltendem Regenwetter
hier eintrafen, um an dem Gau=Vereinsrennen über 75 Kilometer, das
in Verbindung mit dem 25jährigen Stiftungsfeſte des Radfahrervereins
1902 ſtattfinden ſollte, teilzunehmen, glaubte man nicht, daß dieſelben
beim Start am Sonntag vormittag die geeignete Witterung zur
Aus=
tragung des Nennfahrens haben würden. Einen unbewölkten klaren
Himmel, deſſen milde Luft die Straßen inzwiſchen getrocknet hatte,
fan=
den die um 6 Uhr vormittags zum Start angetretenen 25 Rennfahrer
vor, welche um die Siegespalme des Gau=Vereinsrennens, das von
Michelſtadt nach Eulbach—Amorbach—Ernſtthal-Kailbach über den
Kräh=
berg zurück nach Michelſtadt führte, kämpften. Die Fahrt ging auf den
muſtergültig markierten und in gutem Zuſtande befindlichen Straßen
flott von ſtatten, und konnten die begleitenden Autos feſtſtellen, daß bei
der Talfahrt nach Amorbach die Spitze der Rennfahrer, Renſchler und
Franke=V. C. Darmſtadt, eine Geſchwindigkeit bis zu 60 Km. erreichten,
eine wirklich ſtaunenswerte Leiſtung. Renſchler war ſtets in Führung
und verließ den ihm folgenden Franke in der Steigung von Ernſtthal,
ſo daß er als Erſter das Ziel paſſierte, nachdem er Franke mit einem
Vorſprung von 4 Minuten geſchlagen und die 75=Km.=Strecke in der
faſt unglaublichen Zeit von 2 Stunden und 12 Minuten zurücklegte
Verſchiedene Fahrer mußten infolge Reifendefektes ausſcheiden, im
üb=
rigen verlief das Rennen ohne beſondere Zwiſchenfälle.
Vormittags 9½ Uhr begannen die Vorwettbewerbe im Städt.
Saal=
bau, die den Beſuchern Gelegenheit gaben, äußerſt intereſſante
Radball=
ſpiele erſter Mannſchaften zu ſehen, ſowie gut gefahrene Damen=, Kunſt=
und Jugendreigen bewundern zu können. Das Saalſportfeſt, welches
tachmittags um 3 Uhr ſeinen Anfang nahm, war ſehr gut beſucht, und
wohnten demſelben auch der ſeit drei Jahrzehnten dem Bund Deutſcher
Radfahrer angehörende Graf zu Erbach=Fürſtenau Erl, ſowie Ihre
Durchlaucht die Gräfin zu Erbach=Fürſtenau bei. Auch hier wurden
wieder ſehr intereſſante Radballſpiele ausgetragen, die insbeſondere den
Nadfahrerverein „Wanderluſt” Frankfurt auf der Höhe ſahen, der im
Der=Jugendradball ſämtliche drei Preiſe und in der A= und Meiſterklaf
den 1. Preis erringen konnte. Der Radfahrerverein 1895 Oberrad zeigte
ebenfalls, vorzügliches Können und belegte den 1. Platz im 2er=Radball
Klaſſe B. In formvollendeter Weiſe führte die Mannſchaft des V. C.
Darmſtadt ihren Kunſtreigen vor, der als eine beſondere Leiſtung
werten iſt, und bei dem Publikum großen Beifall auslöſte. Auf dem
leichen Gebiete leiſtete auch der Radfahrerverein „Germania” Bieber
Vorzügliches, was beſonderer Erwähnung bedarf. Es würde zu weit
führen, wollte man über die einzelnen Darbietungen der verſchiedenen
Vereine noch ausführlich berichten, haben doch die Leiſtungen auf allen
Gebieten des Saalſports durchweg auf einer beachtenswerten Höhe
ge=
ſtanden, wovon auch die untenſtehenden Ergebniſſe Zeugnis ablegen.
ich wertvolle Ehrenpreiſe, welche durch Stiftungen dem Verein zur
Dur
Verfügung ſtanden, konnten die Teilnehmer an den einzelnen
Konkur=
renzen beſonders geehrt werden.
Am Abend fand ebenfalls im Städt. Saalbau die Jubiläumsfeier
mit Feſtball ſtatt, in
meiſter Ritzel ſtand.. Ait d . brAir
er Redner gab in längeren Ausführungen einen
Rückblick auf die Entwickelung des Vereins und ſchilderte die Ziele und
Zwecke des Vereins, hierbei den techniſchen Fortſchritt auf dem Gebiete
des Fahrradweſens ſtreifend, wobei er intereſſante Mitteilungen über
die Produktion und Ausfuhr derſelben in Deutſchland machte. Leider
ſteht hier nicht der Raum zur Verfügung, den Inhalt der Rede
wieder=
zugeben, die das Publikum mit großem Beifall aufgenommen hat.
Nach=
dem noch die Ernennung der Herren Fr. Schneider, L. Striffler und
Fr. Klein zu Ehrenmitgliedern vorgenommen war, konnten alt und jung
bei den Klängen einer erſtklaſſigen Tanzkapelle ihren Tanzgelüſten
Be=
friedigung geben. — So haben die Veranſtaltungen des Radfahrervereins
1902 einen der Bedeutung des Tages entſprechenden würdigen Verlauf
genommen, die ihn jederzeit mit Stolz auf denſelben zurückblicken laſſen.
Ergebniſſe:
2er=Jugendradball. 1. Preis: Radfahrerverein „Wanderluſt”
Frank=
furt, 2. Mannſchaft;
Preis: Radfahrerv. „Wanderluſt”, Frankfurt.
1. Mannſchaft; 3. Preis: Radfahrerv. „Wanderluſt” Frankfurt, 3.
Mann=
ſchaft.
Ler=Rabball, Klaſſe B. 1. Preis: Radfahrerklub 1895 Oberrad=
2. Preis: Radfahrerverein 1902 Michelſtadt, 1. Mannſchaft; 3. Preis:
„Wanderluſt” Frankfurt.
2er Radball, A= und Meiſterklafſe. 1. Preis: Radfahrerv. „Wanderluſt”
Frankfurt; 2. Preis: Radfahrerklub 1895 Oberrad.
Ger=Jugendreigen. 1. „Germania” Bieber 8,202 Punkte: 2.
Bichcle=
klub Darmſtadt 8,105 Punkte; 3. Velocipedklub Darmſtadt 8,083 Punkte.
6er=Damenreigen. 1. Bichcleklub Darmſtadt 8,032 Punkte; 2.
Rad=
fahrerv. „Wanderluſt”, Frankfurt 7,950 Punkte; 3. Radfahrerklub 1835
Oberrad 7.483 Punkte.
Ger=Kunſtreigen. 1. Velocipedklub Darmſtadt 11,532 Punkte; 2. „
Ger=
mania” Bieber 10,250 Punkte.
Besucht das deutsche
Nordseebad Borkum
Sportwoche vom 11. bis 17. Juli,
Geſchäftliches.
10 000 Markkönnen für 1 Mark in der garantiert nächſten
Woche, 24. Juni, ſtattfindenden Stuttgarter Geldlotterie gewonnen
wer=
den. Dieſe Lotterie mit 3592 Geldgewinnen bietet die beſte Ausſicht, bei
der jetzigen Geldknappheit einen erheblichen Geldgewinn zu erhalten, der
jetzt wohl jedem willkommen ſein dürfte. Alle Gewinne ſind bar, ohne
Abzug zahlbar. Loſe zu 1 Mark ſind noch in allen durch Plakate
kennt=
lichen Verkaufsſtellen, ſowie durch den Generalvertrieb A.
Dinkel=
mann, Worms (Poſtſcheckkonto 15 194 Frankfurt a. M.), zu beziehen.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Mittwoch, 15. Juni. 12: Uebertr. d. Glockenſp. a. d.
Darm=
ſtädter Schloß. e 15.30: Stunde der Jugend. „Wie eine deutſche
Kaiſerwahl vor ſich ging
Für Kinder vom 10. Jahre ab.
2 16.30: Nordiſche Muſik. Gade: Ouverture. — Järnefelt: Zwei
Stücke. — Grieg: Franz. Serenade. Drei Lieder. „Letzter
Früh=
ling
Der Jäger. Vom Monte Pincio. Gebet und Tempeltanz,
Sibelius: Liebesſzene. Valſe triſte. — Svendſen: Norweg. Rhap
ſodie. S 17.45: Bücherſtunde. 18.15: Uebertr. von Kaſſel:
„Stunde der Frau.‟ O 18.30: Stunde des Südweſtd. Radio=Clubs,
19: Schach. e 19.30: Stenograph. Fortbildungskurſus. o
20:
Privatdoz. Dr. Kräuſel: „Kakteen”. O 20.15: Bläſer=Kan
r=
muſikkonzert. O 21.15: Prof. Dohſe: „Der ſchleswig=holſteiniſche
Dichter Fritz Lau”.
Stuttgart.
Mittwoch, 15. Juni. Bis 14: Stuttgart und Freiburg: Konzert,
14.30: „Ernſt Herzog von Schwaben”, Trauerſpiel von Uhland.
Die Handlung fällt in das Jahr 1030. O 16.15: Konzert. Gade:
Ouv. — Grieg: Erotik. Ich liebe dich. An den Frühling. Lyriſche
Stücke. Peer Gynt=Suite. Norweg. Brautzug. Holberg=Suite.
Hoch=
zeitszug. S 18.15: Dr. Georgi: Schweden. S 18.45: Vortr.
Obſtbau. O 19.15: Aus Mannheim. Muſeumsdir. Walter:
Kur=
pfälziſche Hofmuſik des 18. Jahrh. o 20: Einf. in die ſpan. Sprache.
O 20.30: Uebertr. aus Mannheim: Kurpfälziſche Hofmuſik des
18. Jahrh. aus dem Ritterſaal des Mannheimer Schloſſes. Mitw.:
Ria Ginſter (Sopran), Fr. Seefried (Baß), Kergl=Streichquartett,
Nannheim. Max Fühler (Flöte), K. Klaus (Klavier). 22.15:
Stuttgart und Freiburg: Dialekt=Abend der elſäſſiſch=lothring. Chor=
und Theatervereinig. Severin Wagner: Sonniges, wonniges Elſaf
d (Chor). — Gedichte von Stoßkopf in Straßb. Mundart.
Ia
Erb: Gavotte. — „Cherchez la femme”, Kleine Szene von Hanc.
Perſ.: Bermele (67 Jahre), Raſimus (61 Jahre), Madam Müller
48 Jahre), ein junges Mädchen, ein Burſche. — Erb: 2 Stücke für
Klavier. — Gedichte von Stoßkopf in Straßburger Mundart.
Berlin.
Mittwoch, 15. Juni. 13.30: Glockenſpiel von der
Parochial=
kirche. S 15.30: Dr. Ilſe Reicke: Die mod. Frauenbewegung.
0 16: Dr. Levinthal: Die Bekämpfung der Tuberkuloſe. 17:
Für unſere Kinder. Manfred: Kinderlieder=Potp. — Reinecke: Wer
hat die ſchönſten Schäfchen. Schneewittchen. — Hey: Weißt
du=
wieviel
Sternlein ſtehen. — Humperdinck: Hänſel und Gretel
CCäcilie Spieß (Sopran). — Theimer: Kinderfeſt. — Die
Funk=
prinzeſſin erzählt u. a. m. O 18: Dr. Becces Kammerorch.
18.45: Einf. zu der Uebertr. aus der Staatsoper am 16. Juni.
O 19.10: Gartendir. Leſſer: Zwiegeſpräch mit einer Blumenfreundin”
(Die Pflege der Zimmerpflanzen im Sommer). o 19.35: Reg.=
Präſ. Pauli: Wert und Ziele des Rennruderſports (Einf, zur
Uebertr. der Gr. Regatta am 19. Juni. O 20: A. T. Wegner
Die Abenteuer des Auges. Erlebniſſe in der deutſchen Landſchaft
(Die Zauberburg der Induſtrie). 20.30: Ernſt Lubitſch:
Holly=
wood, das Filmland. O 21: Orch.=Konzert. Dir.: Selmar
Meyrowitz von der Staatsoper. Sinigaglia: Zwei Stücke. — Buſoni:”
Indianiſche Fant. (Th. Demetriescu).
Verdi: O, wie ſo
trügeriſch, aus Rigoletto. Nun, ach für immer fahr wohl, aus
Othello (Joſe Riavis, Tenor).
Mascagni: Intermezzo.
Puccini: Wie eiskalt iſt dies Händchen, aus La Boheme. Laßt
nur immer ſie glauben, aus Das Mädchen aus dem goldenen
Weſten. — Donizetti: Ouv. Don Pasquale. 22.30: Nachtmuſik.
Mitw.: Kapelle Hoffmann, Sepp Summer (Lieder zur Laute).
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Donnerstag, den 16. Juni 1927.
(Nach der Wetterlage vom Dienstag, den 14. Juni 1927.)
Wechſelnd bewölkt, mit zeitweiſer Aufheiterung; verhältnismäßig
warm, und noch vereinzelt Niederſchläge wahrſcheinlich.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
erantwortlich für Poliiik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhimann
ir den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den
ſeratenteil: J. V.: Adam Fleiſchmann: Druck und Verlag: L. C. Wittich
ſämtlich in Darmſiadt.
Für unverlangte Mannſkripte wird Garantie der Rückſendung n ich / übernommen.
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900 ℳ.
Donges &Wiest- (S94ia) [ ← ][ ][ → ]
Mittwoch, den 15. Juni
Vom ſüddeutſchen Bau= und Bauſioffmarkt.
In der letzten Maiwoche blieb die Bautätigkeit verhältnismäßig ſehr
lebhaft, wenn auch eine einheitliche Tendenz nicht mehr aufzuweiſen iſt.
In Südweſtdeutſchland, wo eine ausgedehnte induſtrielle Bautätigkeit
die Wohnungsbautätigkeit ergänzt, hielt die Nachfrage nach gelernten
Arbeitskräften, beſonders nach Maurern, Zimmevern, Dachdeckern und
Anſtreichern flott an, ſo daß ſpezielle Wünſche der Arbeitgeber bezüglich
der Zuteilung von Arbeitskräften (in der Hauptzſache Zuweiſung von
füngeren Facharbeitern) kaum berückſichtigt werden konnten. Am
Bau=
ſtoffmarkt war das Geſchäft, weiter recht lebhaft. Allgemein wird über
eine empfindliche Verſchlechterung des Zahlungseingangs geklagt. Die
Ziegeleien, arbeiten faſt durchweg in Vollbetrieb. Sie ſind bis in den
Auguſt, zum Teil bis zum Oktober bereits ausverkauft. Das
Dachziegel=
geſchäft iſt ziemlich lebhaft. Es notierten Hintermauerſteine 38—45 Mk.,
im Rheinland 42—44 Mk. Von Dachziegeln Biberſchwänze 1. Sorte
120—125 Mk., 2. Sorte 98 Mk., alles je 1000 Stück. Der Zementabſatz
blieb befriedigend. Die Abrufe bei Baukalt ſind recht flott geweſen.
Am Bauholzmarkt war die Preistendenz weiter feſt. Mit einem
Nach=
geben der Preiſe wird wohl nicht mehr gerechnet werden können. Balken
bei geſteigerter Nachfrage notierten Baſis Berlin 78—82 Mk., Kantholz
nach Liſte 58—66 Mk., Schalbretter 45—55 Mk., Dachlatten 66—70 Mk.,
Treppenſtufenbohlen 83—84 Mk., Gerüfſtbretter 68—72 Mk. je Kbm. Am
Baueiſenmarkt war das Geſchäft weiter ziemlich lebhaft. Die
Vereini=
gung der Baubeſchlagfabriken hat durch Ermäßigung der bisherigen
Rabattſätze eine Preisermäßigung vorgenommen. Der Rabattſatz für
ir= und Fenſterfitſchen wurde von 30 auf 28 und der Rabattſatz für
Einlaßbecken von 27 auf 25 v. H. herabgeſetzt. Der Rabattſatz für
Tor=
bänder und Schranbfitſchen blieb unverändert. Für Großabnehmer wird
weiter eine Sondervergütung von 3 bis 5 v. H. gewährt. Der
Bau=
koſtenindex, der am 21. Mai auf 1,75 geſtiegem war, betrug am B. Mai
1,74.
Die Einnahmen an Kapital=Verkehrsſteuern.
Im Rechnungsjahr 1926 haben die Einnahmen aus
Kapitalverkehrs=
ſteuern, im Zuſammenhang mit der ſtark geſtiegenen Börſen= und
Emiſ=
ſionstätigkeit, eine erhebliche C
Forjahr
er=
höhung gegenüher dein, „o NM. im
jahren. Insgeſamt gingen 165 386 778 RM., gegen 102 4=
Vorjahre ein. Die Geſellſchaftsſteuer zeigt eine
Einnahmen=
ſteigerung von 39 147 411 RM. auf 58 286 503 RM. Von Aktien=
Geſell=
ſchaften und Kommanditgeſellſchaften auf Aktien gingen hierbei ein
46 518 739 (27 388 907) RM., von Geſellſchaften m. b. H. 9954 207
(10 579 325) RM., von bergrechtlichen Gewerkſchaften 350 486 (427 744)
RM., von anderen Kapitalgeſellſchaften 34 408 (96 323) RM. und von
anderen Erwerbsgeſellſchaften 1 428661 (1654 810) RM. Die relativ
ſtävkſten Mehreinnahmen weiſt die Wertpapierſteuer auf. Es
gingen 23 436 447 RM., gegen 9820 784 RM. im Vorjahre, ein.
Ver=
zinsliche Schuld= und Rentenverſchreibungen uſw. erbrachten 20 939 759
18381 684) RM., verzinsliche ausländiſche Schuld= und
Rentenverſchrei=
bungen uſw. 2335 686 (714 196) RM., ausländiſche Aktien uſw. 221 001
(124 904) RM. Den weitaus größten Betrag, und in der relativen
Stei=
gerung kaum hinter der Wertpapierſteuer zurückbleibend, erbrachte die
Börſenumſatzſteuer. Die Geſamteinnahmen beliefen ſich auf
82 866 658 (40 294 513) RM. Hierunter befinden ſich noch aufgekommene
Steuerbeträge für „Anſchaffungsgeſchäfte über ausländiſche
Zahlungs=
mittel” von nur 24 786 (11 659 969) RM und für Einräumung von
Bezugsrechten” von 23 761 (175 984) RM. An Aufſichtsratsſteuern
gingen noch 737 168 (13 759 583) RM. ein.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Hauptverſammlung des Heſſiſchen Weinbauverbands. Unter Leitung
des Verbandsvorſitzenden Sittmann fand am Montag die diesjährige
Hauptverſammlung des Heſſiſchen Weinbauverbandes ſtatt. Wie aus
dem Jahresbericht hervorging, hatte das Weinjahr 1927, ebenſo wie
1926, im Mai unter ſtarken Fröſten zu leiden. Die Zahl der Geſcheine
ſei gering. In einer Entſchließung verlangt der Heſſiſche
Weinbauver=
band von der Reichsregierung, daß die Intereſſen der ſämtlichen Winzer
aus Rheinheſſen und an der Bergſtraße in dem mit Frankreich
abzu=
ſchließenden Handelsvertrag unter keinen Umſtänden politiſchen
Erwä=
gungen geopfert werden dürften. Im Hinblick auf die Notlage des
Weinbaues, die ſich weiter zu verſchärfen drohe, wird von der
Reichs=
regierung erwartet, daß ſie den berechtigten Forderungen im Intereſſe
der Erhaltung des deutſchen Weinbaues Rechnung trägt.
Koſtheimer Celluloſe= und Papierfabrik. A.=G., in Mainz=Koſtheim.
Die H.=V. genehmigte den Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1926 und
be=
ſchloß, zur teilweiſen Deckung des Verluſtes von 464 080 RM. den
Re=
ſervefonds in Höhe von 100 000 RM. heranzuziehen. Um den alsdann
noch verbleibenden, im Verhältnis zum A.=K. (1,5 Mill. RM.) hohen
Verluſt von 304 080 RM. zu beſeitigen und im gegebenen Zeitpunkt an
die Aktionäre mit dem Vorſchlag einer neuen Kapitalserhöhung
heran=
treten zu können, wurden , die 960 000 RM. Stammaktien (daneben
540 000 RM. Vorzugsaktien) im Verhältnis von 2:1 zuſammengelegt.
Im Bericht wird das ungünſtige Ergebnis darauf zurückgeführt, da
nachdem die in der erſten Jahreshälfte durch den Stillſtand der
Be=
triebe aufgelaufenen Unkoſten bei Wiederaufnahme der Arbeit, ſelbſt bei
geſteigerter Produktion, nicht eingebracht werden konnten, ſogar
bedeu=
tende Aufwendungen für unvorhergeſehene Verbeſſerungen gemacht
wer=
den mußten. Der Gewinn aus Waren belief ſich im Geſchäftsjahr 192
auf 389 094 (0) RM. Andererſeits erforderten Reparatuven 102 094 RM.
und Handlungsunkoſten 244 597 RM. (i. V. beide Poſten zuſammen
93 008 RM.). Zinſen beanſpruchten 162 678 RM. (—) und
Abſchrei=
bungen 58 638 (63 453) RM. Unter Berückſichtigung des Verluſtvortrags
aus 1924/25 in Höhe von 285 167 RM., ergibt ſich der bereits erwähnte
Geſamtverluſt von 464 080 RM. Vom Vorſtand wurde noch mitgeteilt,
aß das neue Geſchäftsjahr ſich bis jetzt leidlich angelaſſen hat. Die
Betriebe ſeien normal beſchäftigt und es lägen genügend Aufträge vor.
Allerdings ſeien die Gewinnmöglichkeiten nicht allzu groß, da die Preiſe
auf dem Zelluloſemarkt gedrückt ſeien.
Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer A.=G., Frankfurt a. M. Die
Generalverſammlung, in der 17 Aktionäre 233 200 Stimmem Aktienkapital
vertraten, genehmigte den dividendeloſen Abſchluß. Von der Verwaltung
wurde mitgeteilt, daß das der Geſellſchaft naheſtehende
Bankenkonſor=
tium unter Führung der Darmſtädter und Nationalbank im laufenden
Jahr die ihm eingeräumte Option über nom. 2027 600 RM.
Vorrats=
aktien ausgeübt hat und der durch deren Höherbewertung entſtandene
Buchgewinn von 12 Mill. RM. der Reſerve überwieſen wurde. Neu in
den Aufſichtsrat gewählt wurde Direktor Alfred Schneider (Allg.
El=
ſäſſiſche Bankgeſ., Frankfurt a. M.). Ein Aktionär bemängelte die zu
ſpäte Veröffentlichung des Geſchäftsberichtes und Einberufung der
Gene=
valverſammlung, das ungünſtige Jahresergebnis und verſchiedene
Bi=
lanzpoſten, wozu die Verwaltung erklärte, daß die außerordentlich
ge=
ſunkenen Preiſe und die Umſtellung der Betriebe, die nicht ſo ſchn
vor ſich gehe, das Ergebnis beeinflußt habe. Doch ſei die Umſtellung
ſo weit fortgeſchritten, daß jetzt nach den zwei erſten Dritteln des
lau=
fenden Jahres bereits der Umſatz des geſamten Vorjahres erreicht ſei.
Chemiſch=Parmazeutiſche A.=G., Bad Homburg. Die Geſellſchaft
ſchließt nach 22 210,60 RM. (i. V. 28 853,25) Abſchreibungen, mit einem
Neingewinn von 22 383,55 RM. (6137,52). Hiervon ſollen 6 Prozent (0
Dividende ausgeſchüttet und 5000 RM. dem Reſervefonds zugefü
werden, der damit die geſetzliche Höhe erreicht, während 2 383,55 R9
137,52) zum Vortrag auf neue Rechnung verbleiben. Bei 250 000 RM
Aktienkapital und rund 80 000 RM. Kreditoren (200 000) betragen unter
380 000 RM. (487 500) Aktienvorräte 109 569 RM. und Debitoren
86 500 (143000) RM. Die Umſätze im neuen Jahr ſind, wie die
Ver=
waltung mitteilt, weiter nicht unweſentlich geſtiegen, ſo daß ein
zufrie=
denſtellendes Ergebnis auch im neuen Geſchäftsjahr erhofft wird (H.=V.:
15. Juni 1927.)
Erneuter Preiserhöhungsantrag des Rhein.=Weſtfäl.
Kohlenfyndi=
kats. Das Syndikat hat ſeinen kürzlich abgelehnten Antrag einer
Koh=
lenpreiserhöhung wiederum beim Reichskohlenrat eingereicht. Der
An=
trag bezieht ſich nur auf Kohle, für die eine Erhöhung um 7½
Prozen=
gefordert wird; für Koks iſt keine Erhöhung vorgeſehen. Wenn, wie
anzunehmen iſt, dem Antrag ſtattgegeben wird, wird die Preiserhöhung
vorausſichtlich am 1. Juli in Kraft treten.
Generalverſammlung der Th. Goldſchmidt A.=G., Eſſen. Die
heu=
tige Generalverſammlung der Th. Goldſchmidt A.=G. erledigte ohne
Widevſpruch die Regularien. Nach der Verſammlung machte der
Vor=
ſtand davon Mitteilung, daß die Fabrikbetriebe in Mannheim, Rheinau
und Gernsheim zwecks Rationaliſierung mit dem Betrieb der Chemiſchen
Fabrik Buckau in Ammendorf zuſammengefaßt werden ſollen gegen
Her=
gabe von 2500 000 RM. neuer Chemiſch=Buckau=Aktien. Im übrigen
wurden Ausführungen über die Geſchäftslage nicht gemacht
Ausfall der Berliner Samstagsbörſen im Juli und Auguſt. Der
Verliner Börſenvorſtand beſchloß, an den Samstagen in den Monaten
Juli und Auguſt die Börſe für jeden Verkehr geſchloſſen zu halten.
Dieſem. Beſchluß dürften ſich die Provinzen anſchließen.
Keine Herabſetzung der ſchweizeriſchen Eiſenbahntarife. Der
Präſi=
dent der Schweizer Bundesbahnen, die bekanntlich im Vorjahre mit
einem Defizit von 10 Mill. Schw. Fr. abſchloſſen, äußerte ſich in einer
Rede vor den Kreiseiſenbahnräten über die gegenwärtige finanzielle
Lage der Geſellſchaft. Hierbei teilte er mit, daß die
Geſchäftsentwick=
lung der Staatsbahnen nicht geſtatte, vorläufig an eine Herabſetzung der
Tarife zu denken.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 14. Juni.
Nachdem vorbörslich bei ganz kleinem Geſchäft die Kurſe eher
etwas zum Nachgeben neigten, eröffnete die Börſe ſelbſt freundlicher
und im Verlauf bildete ſich überraſchenderweiſe eine feſtere Tendenz
her=
tus. Die Poſitionen wurden als außerordentlich ſtark gelichtet
bezeich=
net, ſo daß zum Medio nicht mehr mit einem großen Angebot gerechnet
wird, im Gegenteil ſcheint, wie aus der heutigen Tendenz hervorgeht,
eher noch ein Decouvert zu beſtehen, denn Aufträge lagen zu Beginn
des Geſchäfts nicht vor. Das Publikum hält ſich dem Geſchäft weiter noch
vollkommen fern, ſo daß die Umſätze trotz der Kursbeſſerungen ſehr
klein blieben. Die Aufmerkſamkeit richtet ſich jetzt hauptſächlich auf die
Genfer Verhandlungen. Die Nachrichten von den Stockungen im
ame=
rikaniſchen Emiſſionsgeſchäft vermochten hier keinen nachteiligen
Ein=
druck hervorzurufen.
Die Kursbeſſerungen betrugen gegen die geſtrige Abendbörſe bis zu
3 Proz., wobei namentlich J.=G. Farben und Rheinſtahl bevorzugt
wurden. Auch die Schiffahrtswerte und die Elektroaktien traten etwas
hervor. Deutſche und ausländiſche Renten kaum verändert und ſtill.
Auch Pfandbriefe umſatzlos. Nach der Erledigung der Deckungen
ſchrumpfte die Umſatztätigkeit noch mehr zuſammen, die Tendenz blieb
aber im allgemeinen gut behauptet. Auch der Kaſſamarkt verkehrte in
feſterer Haltung. Tägliches Geld 5 Prozent. Auf dem Deviſenmarkt
ſind Dollar und Mailand etwas feſter. London—Mailand 87¾, London
Paris 124.—, Mark gegen Dollar 4.2202, Mark gegen Pfunde 20.499,
London—Madrid 28.10.
Infolge der heute abend wieder ſtark in die Augen ſpringenden
all=
gemeinem Luſtloſigkeit konnten ſich die hohen Schlußkurſe der Nachbörſe
nicht vollkommen behaupten. Die Kursrückgänge blieben aber ſehr klein,
da die Grundſtimmung angeſichts der leichterem Geldmarktverhältniſſe
weiter feſt bleibt. Die Elektrowerte, namentlich Schuckert, A.E.G. und
Siemens u. Halske, und außerdem einige Spezialitäten, darunter aud
Zellſtoff Waldhof, hatten Kursrückgänge von über 1 Prozent
aufzuwei=
en. Recht feſt verkehrte dagegen der Montanmarkt. Hier konnten
Mannesmann und Harpener ſogar noch eine Kleinigkeit anziehen,
Rheinſtahl dagegen ſehr ſtill. Auch J. G. Farben nur knapp behauptet,
Deutſche Anleihen waren eine Kleinigkeit feſter, Ausländer aber ohne
Heſchäft.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 14. Juni.
Ohne neue Anregungen zeigte der heutige Börſenverkehr
vollkom=
mene Geſchäftsſtille. Die kritiſchen Betrachtungen des
Reparations=
agenten, das Ergebnis der deutſch=engliſchen Beſprechungen, die
Geld=
ankäufe in Amerika, die politiſche Lage und die gemeldeten
polniſch=
ruſſiſchen Grenzzwiſchenfälle werden beſprochen und halten auch die
Spekulation von Neuengagements zurück. Schon geringes Angebot
ge=
nügt zu Kursrückgängen von 1 bis 2 Prozent, doch iſt die
Kursent=
wicklung ſehr uneinheitlich und vollkommen abhängig. Wirklich größere
Kursverluſte haben nur wenige Werte, wie Licht u. Kraft, Wicking,
Holzmann, Geſellſchaft für Elektr., zu verzeichnen, während einige
Koh=
enwerte, Julius Berger, Schubert u. Salzer, Glanzſtoff, und von
Schiffahrtsaktien Hamburg=Süd und Hanſa ſchon zu Beginn feſter
lagen und einiges Geſchäft aufweiſen konnten. Im Verlaufe wurde es
ganz allgemein etwas lebhafter, Deckungen im Publikum und kleine
Meinungskäufe hatten im Durchſchnitt Kurserholungen von 1 bis 3
Prozent zur Folge; bei Spezialwerten, wobei ſechs Kunſtſeideaktien
angeblich auf Preiserholung in den Vordergrund traten, konnten kleine
Gewine bis 15 Proz. feſtgeſtellt werden. Deſſauer Gasaktien konnten im
Verlaufe ihren heutigen Dividendenabſchlag faſt ganz einholen. Auch
Schiffahrtsaktien weiter lebhaft, unter Führung von Hamburg=Süd.
Man wies darauf hin, daß reichliche Geldangebote von Medio
vorhan=
den ſind, und daß Reportgeld teilweiſe nicht unterzubringen ſei. Auch
in Genf war eine Entſpannung zu beobachten, und auch Polen
ver=
meide vorſichtig jeden Anfang einer ruſſenfeindlichen Einſtellung. Der
Geldmarkt hat leichtes Tagesgeld (4½ bis 6½ Prozent) aufzuweiſen
während Monatsgeld mit 7½ bis 8½ Prozent weiter geſucht bleibt. Der
Satz für Reportgeld iſt mit 8¼ bis 8¾ Proz. unverändert. Die
Nach=
frage nach Privatdiskonten iſt weiter im Zunehmen begriffen, ſo daß
die Sätze eine Ermäßigung auf 5 Prozent für beide Sichten erfahren
konnten. Am Pfandbriefmarkt iſt die Tendenz bei kleinſtem Geſchäft
uneinheitlich. Roggenwerte beſchäftigt, dagegen Rentenbriefe mit
Prozent ſchwächer. Heimiſche Renten waren knapp behauptet,
Aus=
länder zu ſchwächer neigend. Am Deviſenmarkt war die Nachfrage
nach ausländiſchen Zahlungsmitteln etwas geringer, doch blieben die
Hauptdeviſen faſt unverändert.
An der Nachbörſe blieb die Stimmung freundlich, wenn auch die
Kurſe nach den ſtarken Steigerungen verſchiedentlich abbröckelten. Die
Spekulation nahm vor allem die raſch fortſchreitende Erleichterung
des Geldmarktes günſtig auf. Nach Privatdiskonten beſtand ſo ſtarke
Nachfrage, daß die Notiz für beide Sichten um ½s Prozent auf 5 Proz.
ermäßigt werden konnte. Tägliches Geld wurde von 6 auf 5 Proz.
herabgeſetzt, ebenfalls ein Zeichen für die Verflüſſigung des Marktes
Man nannte an der Nachbörſe u. a. von Schiffahrtsaktien Hapag 1:
Nordd. Lloyd 1381 Hamburg=Süd 226, von Elektrowerten A. E. G. 176,
Siemens 257, von Montanwerten Rheinſtahl 195½, Rhein. Braunkohlen
260, Phönix 127, Köln=Neueſſen 17234, Mannesmann 178½,
Gelſen=
kirchen 171½, von ſonſtigen Werten. Daimler 113, Charlottenburger
Waſſer auf Gerüchte über eine bevorſtehende Kapitalserhöhung geſucht
158½, J.=G. Farben 278, Schultheiß 393, Oſtwerke 354, Ver.
Glanz=
ſtoff 610 nach 580, Neubeſitzanleihe 1734.
Aſchaffb. Zellſtoff..
1gsb. Nürnb. Maſch.
Bamag=Meguin ...
erlin el. W. ....."
erlin. Karlsruhe Jr
raunkohl.=Briketts
remer Vulkan. . . . ."
remer Wolle... .."
mutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen.
Deutſch. Nied. Tel..
Deutſche Erdöl ....
Deutſche Petroleum.
Dt. Kaliwerke . ...
Donnersmarckhütte .
Lynami „Nobel. .. . .
Flektr. Lieferung. . . .
J. G. Farben ......
R. Friſter.
Lorz ....
Gaggenau
Belſenk. Eußſtahl ..
G. f. elektr. Untern. .
Halle Maſchinen .. ..
Han. Maſch. Egeſt. . . .
Hanſa=Dampfſchf. . .
Deviſenmarkt.
Amſterdam =R
uenos-Aires
üfſel=Antw.
Lslo .......
Kopenhagen.
Stockholm. . .
Helſingfors ...
Italien .....".
London....."
New=York. ..
Paris ...."
Schweiz ...."
Spanien.....
789 Prag.... .... 2. 489 12.509 58.5 58. 68
.56 Budapeſt, Pengö 73.47 73.61 8.9 109 09.09 109.30 pan . . . . . 158 1.9621 71 112.9: 12.71/112.93 Rio de Janeiro, 4965 .91 113. 12.93/113.15 Sofia ........ 3.054 3.058 0.612 .632 B1i/10 631 ſlavien .. . 7.413 7.42 3.26 32 33/ 23. 37 tantinopel 208 2.212 20.47 0.477 20.5171 Liſſabon .. ...." 0.79 20.821 4.216 42 4.216/ 4.223 nöig ....... 81. 54 21 6 505/16.* „505 16.5 ℳ....... 5.694 5. 81.09 8:.25 81.09, 81.25 Kanada .. ....." 1.215 4.2. 72.611 72.75 72.781 72.92 üruguag ..... .! 4.216 4.224
14. 6
Geld /Brie
9.305 59.42
12.49
3.47
958
1.49851).4965
3.047
412
12
3.
962
1. 4985
3.05
7.4,
Vom ſüddeutſchen Eiſenmarkt.
Die Lage am ſüddeutſchen Eiſenmarkt war in der abgelaufenen
Berichtszeit kaum verändert. Die Nachfrage ſeitens der Bauinduſtrie
nach Form= und Stabeiſen iſt weiter recht lebhaft, auch die eiſen
verarbeitende Induſtvie bekundete größeren Bedarf in Träger ung
Moniereiſen. Wie in der Vorwoche wurden auch diesmal die Saarwerke
bevorzugt, da hier die Lieferfriſten bedeutend kleiner ſind als am
reichs=
deutſchen Markt. Die Preiſe für Form= und Stabeiſen, ebenſo für
Band=
eiſen haben ſich nicht geändert. Bei Werksbezug frachtfrei Neunkirchen=
Saar nannte man 130 RM. per Tonne für Formeiſen, 133 RM. für
Stabeiſen, ſofern die Lieferung an Händler und Großverbrauch
er=
folgte. Bei Lagerbezug gelten die nach wie vor unveränderten Preiſen,
Bandeiſen 158 RM., Baſis Homburg=Saar. In Grobblefen war das
Geſchäft befriedigend. Der Großhandelspreis ſtellte ſich für gewöhnliche
* 128.: 127. 140. .
Rathgeber W.
n 106 75 100.75 16. 75 G. Rombacher Hütten .. 2 oſitzer Zucker. .. .. 92.— 92.5 Rüt
zwverke .. . . . .
Sachſen 92. — 278 z.75 werk .. . . . ." 117.— 116.— 95.5 jächſ. Gußſtahl. . . . S5.— 63.5 Siemens Gla= 170. 171.— Zer
Lauſitzer Glas.. 48.7 148.— 20.2: Volkſtedter Porzell.. 55.— 55.— 15. 73.— Langendreer 2.5 20.- V
rGußſtahl.. 60.5 60.5 207.75 209.— Wanderer=Werke. . . . 240.— A
203/ 2.207
78
36 81.5
5.694/ 5. 708
1.2151 1.22
4.2161 4.224
am ſüddeutſchen Schrottmarkt iſt nach wie vor ſtill.
Produktenberichte.
Frankfurter Produktenmarkt vom 14. Juni. Die erhöhten
Aus=
landspreiſe wirkten ſich noch nicht an der Frankfurter Börſe aus. Die
amtlichen Notierungen blieben die gleichen wie am geſtrigen Tage, doch
zeigte es ſich, daß Roggenmehl ſehr ſtark geſucht iſt und auch für ſpätere
Termine, bei allerdings weſentlich ermäßigten Preiſen (34 bis 35 MM.),
Geſchäfte getätigt werden. Ganz überraſchend iſt die Nachfrage des
Auslandes nach deutſcher Weizenkleie, während Roggenkleie kaum
vor=
handen iſt. Auch Mais, der bisher ſehr ruhig lag, wird zurzeit mehr
geſucht. Weizen 31.25—31.50 nom., Roggen 29.25—29.50 nom., Hafer,
inl. 26.—, ausl. 24.25—26.50, Mais 19.00—19.25, Weizenmehl 42.00—
42.50, Roggenmehl 39.25—40.00, Weizenkleie 13.00—13.25, Roggenkleie
15.75—16.00 RM.
Berliner Produktenbericht vom 14. Juni. Die feſteren
Auslands=
preiſe ſtützten hier die Tendenz von Brotgetreide. Weizen wurde 1 bis
2 Mark höher bezahlt. Roggen befeſtigte ſich durchweg um etwa ½ Mk.
Im Mehlhandel hat ſich die ruhige Geſchäftslage der Vortage auch
heute nicht geändert. Hafer vereinzelt mehr angeboten und im Ppeiſe
nicht ganz behauptet.
Ainerikaniſche Kabelnachrichten.
New York, 14. Juni. (Priv.=Tdl.)
Weizen: Der Markt begann ziemlich feſt auf ungünſtige Berichte
aus dem Frühjahrsweizengürtel. Dann wurde die Haltung ſchwach aud
ermäßigte ausländiſche Notierungen und ſchleppende Exportnachfrage.
Die Termine zeigen Rückgänge bis 1 C.
Mais: Der Markt begann in abgeſchwächter Haltung auf nur
ſchleppende heimiſche Lokonachfrage. Dann trat eine Befeſtigung ein
auf Baiſſedeckungen und ungünſtige Saatenſtandsberichte. Die Termine
ſchließen bis ½ C. niedriger,
Hafer: Der Markt nahm einen ſtetigen Verlauf bei Kursgewinnem
bis zu ½ C
Baumwolle: Der Markt lag überwiegend feſt auf ungünſtige
Witte=
rungsberichte und den Regierungsbericht. Dann trat eine Abſchwächung
ein auf günſtige Temperaturberichte. Die Termine ſchließen noch 30 Pkt.
höher.
Kaffee: Der Markt nahm einen feſten Verlauf, beſonders für nahe
Termine, auf erhöhte braſilianiſche Forderungen und Berichte üben
Froſtſchäden in Rio. Die Termine geſvannen bis 30 Pkt.
Zucker: Der Markt nahm einen überwiegend ſtetigen Verlauf auf
erhöhte inländiſche Notierungen und europäiſche Käufe. Der Schluß
war ſchwach auf Liquidationen.
Kakao: Der Anfangsverkehr war ſchwach auf niedrigere ausländiſche
Notierungen und Verkäufe des Auslandes. Dann wurde die Haltung
feſter auf Käufe des lokalen Handels.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 14. Juni:
Getreide: Weizen, Juli 144½, Weizen, September, 143,
Mais, Juli 97/e, Mais, September 10234, Hafer, Juli 4734,
Hafer, September 47½, Roggen, Juli 116½, Roggen, September
1041/s.
Schmalz: Schmalz, Juli 12,75, Schmalz, September 12,97.
Fleiſch: Rippen, Juli 12,75, Rippen, September 12,47, Speck
12,25, Schweine, ſchwer 8,60—9,05, Schweine, leicht 8,50—9,25,
Schweinezufuhr Chicago 24 600, Schweinezufuhr Weſten 90000,
Talg Ohio 7ls.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 14. Juni:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 157, Weizen Nr. 2 hart 162½,
Mais Nr. 2 108/, Hafer Nr. 3 57½, Roggen exp. 129½, Mehl
Spring Patent 6,90, Getreidefracht nach England 2 sh.
Getreide=
fracht nach dem Kontinent 10 d.
Schmalz: Schmalz Mittel, Weſten 13,40.
Schweinefleiſch: Schweinefleiſch Family 34.
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Die Friſt für die Anmeldung der Reichsanleihen neuen Beſitzes zum
Umtauſch in die Anleiheablöſungsſchuld läuft am 30. Juni d. J. ab.
Markanleihen des Reiches, die nicht zum Umtauſch angemeldet werden,
ſind nach Ablauf der Anmeldefriſt wertlos. Die Anmeldung iſt bei einer
Bank, Sparkaſſe oder Genoſſenſchaft vorzunehmen.
Die Kreditanſtalt Sächſiſcher Gemeinden erhielt die Genehmigung,
20 Mill. RM. Kreditbriefe, die zu 6 Prozent verzinslich ſind, nach
Maßgabe der Ausleihebedingungen auszugeben.
Die Spareinlagen bei der Sparkaſſe der Stadt Berlin ſind im Mai
von 154,72 auf 159,91 Mill. RM. geſtiegen, die Giro=, Scheck=,
Konto=
korrent= und Giroeinlagen betrugen am Ende des Monats Maß
557 051 Mark.
Nachdem die Zulaſſungsſtelle ihre Zulaſſungsbeſchlüſſe zurückgezogen
hat, wird die Notierung der Vorzugsaktien und Stammaktien der Fuchs=
Waggon=A.=G. und der Stammaktien der Gelſenkirchener Gußſtahl= und
Eiſenwerke A.=G. und der Rheiniſch=Weſtfäliſchen Stahl= und
Walz=
werke A.=G. mit Wirkung vom 15. Jun: 1927 ab eingeſtellt.
Im Mai betrug die Zuckerproduktion in der Tſchechoſlowakei 1259
Dz., womit die Geſamtproduktion der achtmonatigen Zuckerkampagne
10,4 Mill. Dz. gegemiber 15 Mill. Dz. in der gleichen Zeit des
Vor=
ahres beträgt. Somit beträgt der Produktionsausfall 30,9 Prazent,
Auch der Abſatz weiſt einen weiteren Rückgang auf. Die Ausfuhr im
Mai iſt von 926 191 Dz. im Vorjahre auf 487 639 Dz. oder um 47,4
Prozent zurückgegangen.
Nachdem die Bank Polſki kürzlich erſt 50=, dann 5= und 20=Bloty=
Scheine in den Verkehr gebracht hat, ſollen Ende Juni neue 10=Zloty=
Noten in Umlauf geſetzt werden. Von den neuen 20=Zloty=Noten hat
die Bank Polfki bisher 2 660 000 Stück in Verkehr gebracht.
Die polniſche Kleieausfuhr hat ſich im vergangenem Jahre nach
ſtatiſtiſchen Abgaben gegen den Export im Jahre 1924 faſt vervierfacht.
Im Jahre 1925 wurden 419300 Dz. ausgeführt. Dieſe Menge ſtieg im
Jahre 1926 auf 1 776 000 Dz. Zurzeit werden 3½ bis 3½ Dollar per
100 Kilo franko Landesgrenze bezahlt.
Nach übereinſtimmenden Meldungen der belgiſchen Finanzpreſſe
ſoll die Leitung der belgiſchen Nationalbank beabſichtigen, den
Diskont=
atz angeſichts der fortbeſtehenden Geldflüſſigkeit bis um 1 Pcozent
her=
abzuſetzen (auf 4½ ſtatt 5½ Prozent). Wenigſtens glaubt man, daß eine
Ermäßigung von ½ Prozent abſolut ſicher iſt.
Die franzöſiſche Heittengeſellſchaft Micheville beabſichtigt, ihr Werk
in Villierupt (bei Deutſch=Oth) ſtillzulegen, da ſie weitere
Preiskonzeſ=
ſionen nicht zu machen gewillt iſt und mit den ſinkenden Preiſen nicht
auskommt.
Der amerikaniſche Import an Kohlenteerfarben betrug 349000 Pfd.
gegen 402000 Pfd. im April und 393 000 Pfd. im Mai 1926. Die im
Mai importierten Farbſtoffe werden mit 265 000 Dollax bewertet gegen
323 000 Dollar im April und 343000 Dollar im Mai des Vorjahres.
An dem Mai=Import waren Deutſchland mit 72 Prozent (Vormonat
64 Prozent) und die Schweiz mit 13 Prozent (Vormonat 18 Prozent)
beteiligt.
Seite 14
Mittwoch, den 15 Juni 1927
Nummer 164
Manne
a) Deutſche
D. Reichsanl.
Ablöf=
chuld einſchl.)
Ausloſ.=Sch. 1. Teill
TI. Teil
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld ohne
Aus=
loſungsſcheine ..
6½% Reichsp. Sch.
h. 1. 10. 30...
79Baher. Staats=
Sch. v. 1. 4.
6½% H. V. Sch.
v. 1. 4. 29...
6½% Pr. St.=Sch.
1. 3. 29 ...
6½% Pr. St.=Sch.
1. 10. 30 ....
79 Sächſ.Freiſtat
Schatz. v. 1. 7. 29
% Sächſ Freiſtaatl
Schatz. o. 1. 7.30
2Württ. Freiſt.
Schatz. v. 1. 3. 29
b) Ausländiſche
5% Bos. E. B. 1914
5% „ L.Inv. 1914
4½% 1898 ...
4½% „1902 ...
4½ „....."
5% Bulg. Tabak 02/
Oſt. Staatsr.
47
13, gdb. 1918
4½%Oſt. Schatz. 14
4½% Oſt. Silberr.
Goldr. ..
4% „einh. R. Ckon)
33 Port,/(Spz,) II
52 Rum. am. R.03.
4½% Gold. 18 ..
%o „ am konv.
4% „ am. 05...
301.*
11302
42
A. Z
10.62
7.5
18.25
6.2
6.3
47Türk. (Adm./03/
„ (Bagd.)
*
„ (Bagd.) I
4% „ unif. 1903
4% „ 1911 Zoll.
4½% Ung. St. 1913
t. 1914
4½% „
Goldr..
42 „ St. 10
Kronr. .
42
3% „ Eiſ.Tor...
Außereuro=
päiſche
%Mex. am. in. abg.
5% „ äuß. 99 ..
„ Gold O4ſtf.,
ſo „ konſ. inn. n
4½%0 „ Frrigat.,
5¾Tamaulipas I.
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10%Berl. 6.=Bk. G.
6% Berl. St.=Gold
St.=G.
½ Darmſt. S
2 D. *
Bank
Meining. Goldpf.
8% Frk.=Hyp.=B.=
Golbpfdbr..
7% Frkf. H.=B.=G
8% Frkf. Pfbr.=Bl
lopfbr
78 Pfbr.=Bk.„Pfdbr.=Bk.
2i
dpfbr.. . ..
8% H. Lds.=Bk. Gld./1
10% R. Elektr.Warkl
Hagen) Goldob
9. Landesbank
Darmſt., Reihe I
Reihe T1/100.5
7% M.=KraftHöchſt
Riee
17.25
13.6
24.5
25.5
2321,
1.85
22.5
41.5
12.75
37
101
Mrte
97.5
101.9
101.5
10
101
100.5
„Gold/101.5
102.6
101
93
8% Mannh. St.G.
Naſſ. Lbb. Goldl!
82 Nbg. St. Gldal.
*0
Hyp.Bk.
dbr
70
Fforzh. St.=G.
89 Pr. Centr.=Bd.=
Cr.=Bk. Gldpfbr.
8% Pr.Centr.=St.=Goldpfpr.
8½ Rh. Hyp.=Bank
Gold. Pfdbr... .
7½%Rh. St. W.325/1
10% Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk. Goldpf..
8½ Südd. B.=Cr.B.
Goldpfdbr.. . . . !!
tahlw. Dü
Re
ſeldorfHyp.=Gld.
Option
Stahlw. Düſ=
Fo
fHhp.=Gd.:
obl. ohne Option
½a LoigtckHäffner
oldobl.. .
Württbg. Syp.=
Bank Goldpfbr.
72
Ohne
Zins=
berechnung
M.
Kohl. 2‟
6% Heſ.Brk.=Rg. 23
5% „ Roggen
23
Pr. Kaliw. ..
V=
Pr. Rogge
52 Südd. Feſt=B.6
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bahr. Vereinsb.
Bahr. Handelsb..
99.75
103
1100.25
100.5
99
101.75
105
103
99.25
101
145
104.5
98.5
Bahr. Hyp.u. Wech
Berliner Hyp.=B
Ff. Hyp.=Bk.
f. Pfandbr.=Bk.
B66
amb. Hyp.=Bl
b. Hhp.=zu. W
Meining. Hhp.?
tordd. Gr.=Cr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bk. .
Preuß. Bod.=Cr.=”
Pr. Cent.=B.=Er. B.
Breuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B..
Rr
.=Wſtf. B.=Cr.=B.
Südd. Bodenkr. ..
Württ. Hyp.=Bk..
Staatl. od. prov.
garantiert
Heſſ. L.=Hhp.=B...
Landeskr. Caſſel ..
Naſſau. Ldsb. . ..
Obligationen v.
Transportanſt.
4½ Eliſ.=Bahn ſtfr.
4% Galiz. Carl=
Lud.=T
Sſt. Sb. (2.)ſtf
ſte „ „
88
* .
% Oſt.=u
*
„Oſt. Staatsb.
%Oſt. „ 1.b.8.E.
%Oſt. „ 9. E..
%Oſt. „ 1885
8%Oſt
g. Net
S.
3% Ra
43 Rud. Silber
4½Rud. (Salzk=
4½% Anat., S. I
4½%Angt.
3.I
4½%A
Salon.
onaſt.
58 Tehuantepee.
„.!
4½%
165s
12
13.75
13.1
13.05
14.9
4.5
16.85
24.4
Bank=Aktien
Allg. D.=Krebit.. . .
Bad. B
...
.f. B
d....
Barmer Bank.
Bay. Hyp.=Wchſ
erl. Hand
Commu. Prit
armſt u.Nat.=Bk.
deutſche Bank.
.!"
D. Eff.u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
d. Vereins=Bk. ..
Disk.=Geſellſch. ...
Dresdener Bk. ...
Fr
ankf. Bk.
z
Frkf. Hyp.=Bk...
Frkf. Pfdbr.=B
r.Bk.
Gotha. Grun
intem. Bank.
„I
Neta
....
allbe
Rettt
..
Ffälz, Hyp.
Pr. Bd.,0
Aet
k=Ant. . .
Re
k....!"
ein=Hyp.=Bk.
Aasente.
Süd.3
deſ...11
Ditan=
Re
Wiener Banwerein
Bergwerks=Akt.
Bochum. Bergb. ..
Buderu
......
urg . ..
48
Bergw... ..
Gelſenkirch Bgw.
Bergb.
Flſe Bergb. St..
Zenußſchein.
Aſchersleb. ..
Lali. Salzdetfurth..
terregln.
öcknerwerke ....!.
tannesm.=Röhr. 1
Mansfelder .....
1146
15.
200.5
1451,
25
162.75
59.5
137.5
129.75
112.5
72.75
195
131
169.5
170
177.75
Oberbedarf ......
tavi=Min.=Ant..
hönir=Bergb. . ..
hein.Braunk. . ..
Rhein. Stahlw...
Riebeck Mon
an
Rombach. Hütte
SalzwerkHeilbronn
Tellus Bgb. .
Ver. Laurahütte ..
Ver. Stahlwerke. /1
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum(Mannh.)/271
denninger ...."
zules, Heſſiſche: 147
Löwenbr.=München),
Mainz. Aktienbr.
8.
38.5
Schöfferhaf(Bind.
Schwarz=Storchen
r. Nürnberg.
Verger ..:...181
35
125.5
178
18
73.5
139.75
Akkum. Berlin. . .
Adler & Oppenh..
Ablerw. Gv. Kleher)
GE. A. G. Vzg. A.
5%A. E. G. Vzg. B..
A. E. G. Stamm..
Anglo=Cont. Guano
Bad. Maſch. Durl.
Bad. Uhren, Furtw.
Bamag=Meguin ..
Baſt Nürnberg ...
Bahr. Spiegel .."
enkel ...."
in El.. ...
derg:
tall.
rem.=Beſigl
ürſtenfbr. Erlang.
Cement. Heidelb. .
ement. Karlſtadt 1
ement. Lothr.. . .
Chem. Albert . . . . .
Chem. Brockh. ...
Chem. Milch .....
145
3.
175
54.5
5
27.5
70.25
148
185
135
90.5
66.5
Juni 103
Granrfarter Karddericht Boür 14. Sutr Tect.
*.
Daimler=Benz A. G.
Dt. Eiſenhandel. . .
Deutſche Erdöl ...
D. G.u. Silb. Scheil
Dingler, Zweibrück.
Dresd, Schnellpr.
Dürrkopp. . . . ..
Dürr. Rattingen ..
Dyckerhof & B. ..
Eiſenw. Kaiſersl..
El. Licht u. Kraft
I. Lieferung ..."
lſ. Bad. Wolle ..
Email. Ulrich ....
Enzinger Werke ..
Eßlinger. Maſch...
Ettlinger Spinn.
Faber Bleiſtift.
Faber & Schleicher
Fahr, Pirmaſens.
Farbenind. J. G.
Felten & Guilleau. 1
ch. (Jetter)
Fein=
Feiſt, Sekt.
..
Frankfurter Gas ..
Frankfurter Hof
Frkf.=M. Pok. u. W.
Geiling & Cie. ..."
Germania Linol.. .
Gelſenk. Gußſt. . .
Goldſchmidt, Th...
Gotha Waggon ...
Gritzner, Maſch...
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft. /1
Hammerſen .....
Hanfw. Füſſen ...
Hanſa=Llohzd, Br.
artm. & Braun..
Hehligenſtaedt. . ..
ilpert. Armatur.
Hindrichs=Aufferm
Hirſch, Kupfer ...!1
Hoch=Tief Eſſen ..
Holzmann
.
Holzverk. Ind
Hydrom. Breslau
Inag ...........!
111.25
141
2201
32
Ks
88
108
6.25
170
127
*
138
131.75
„5
11
123
138.5
181
7 NJunghans St...
Kammg. Kaiſersl.
Karlruher Maſch.
Karſtadt, R.
..!
9.
Klein Sch. &
enorr, Heilbronn
Konſerv. Braun ..
Krw. Alt=Württbg.
Krauß, Lokom. . ..
Lahmeher ...... . 1
Lech, Augsburg...
Lederw. Rothe ...
Spicharz.
Lingel Schuhw..
Löhnberg. Mühle".
udwigsh. Walzm.
Lüdenſcheid Metall
Lux, Induſtrie ..
Rainkraft Höchſt.
Mars=W. Nürnbere
Netallgeſ. Frkf. ..
jag, Mühlenb. .
toenus, Stamm.
torenf. Deutz.
Motorenf. Oberurſ.
Münch. Lichtſpielk.
Neckarſ. Fahrz. . .
Neckarw. Eßlingen
Beters Union ...
Pfälz. Näh. Kahſer
Philipps. . ...
ſorzellan Weſſel
Rein. Gebb. &Schal
Rhein.Elektr.
henania, Kunheim
Rütgerswerke ..."
Schneid. & Hanau.
Schnellpr. Frank. .
Schramm Lackf. ..
chriftg. Stemp.. 1
Schuckert, Elektr. .
hf. Weſſel .."
Schuhf. Herz
hultz, Grünlack
ilind. Wolff ...
mens Glas".
Siemens & Halske /2
171.5
35.75
128
108
1129.9
136
167
60.2
92
68
104
39.75
126.25
174.5
74
73.25
Südd. Immob. .
Südd. Zucker=A.=G. /135.5
Thür., elektr. Lief. 1121
nhren Furtwängl.
Unterfr. Kr.=Gl.=B./107
Beithwerke ......
Ver. f. Chem Ind.:
02.5
Ver. d. Olfbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſel.
hummi. Bln.=Frkf.
Pinſel=Nürnberg..
Ultramarin .. ....
off Berl.. ..
Vogtl. Maſch.
Voigt & Haeffner
Volthom, Seil..
Wahß & Frehtag
Begelin Rußfbr. . I
Zellſt. Aſchaffenbg.
Zellſt. Waldhof
Zuckerf. Rheingau:
Transport= und
Berſicherungs=Akt.
Dt. Reichsb.=Vorzg.
A. Dt. Eiſenbahn ..
A. Lokalb. u. Kraftw.
Dt. Eiſenb.=Geſ..
Schantung E.B.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Hapag
.....
Nordd. Llohzd. . . .. !1
78.5
190
37.5
138
Frkft. Allg. Ver). 1154
Frankona Rüch...
Darmſt. Berte
Bahnbedarf....."
Dampfk. Rodberg
delbetia Konſ.. . ..
Zebr. Lutz ....."
Motorf. Darmſt.
Gebr. Roeder ...
VenulethcEllenb. .
75
144.75
Fa
In den schönsten Gegenden Ikallens, in einem ungewöhnlich
interessänten und spannenden Gesellschaftsmilien spielt
Luey Boraine
die gefeierte Filmschönheit, die Hauptrolle in dem großen Filmwerk
Das Finale der Liebe
Weitere Hauptdarsteller: Lla Eibenschüfz, Lina Lossen,
Leopold von Ledebour, Lnigi Serventi, Albert Panlig,
Niels Aster u. a.
In San Remo und Rapollo, in Venedig und Rom sind die
Auf-
nahmen zu diesem spannenden Filmwerk gemacht worden, das
landschaftliche Bilder von besonderer Schönheit bietet. Die
Villen Falconiere und Ariadne wurden als Motive benutzt. —
Leo Birinski, der Verfasser des spannenden Mannskripts, hat
das Manon Lescaut-Motiv ins Kriminalistische übersetzt und
den schweren Konflikt eines jungen Richters zwischen Liebe
und Pflicht bineinverwoben.
Tel.
Ludwigshöhe ;
Heute Nachmittag 4 Uhr (9690
Kurkonzert
Städt. Orcheſter
Leitung: Kapellmeiſter Naumann
10er=Karten haben Gültigkeit.
Für Nichtkonzertbeſucher Nebengarten.
Bei ungünſtiger Witterung Saalkonzert.
Ferner der große Lustspiel-Schlager:
Hilfe, ich bin Millionär
7 Akte grotesker Komik mit dem unvergleichlichen
Nicolai Kolin
9669
Neueste Wochenschau
Anfang 31/, Uhr
Mittwoch, Donnerstag u. Freitag
jeweils 8 Uhr abends, im Saale der
Eintracht, Eliſabethenſtraße 12
Kochkursus
über vitaminreiche, fleiſchloſe
Er=
nährung, mit Koſtproben.
Un=
koſtenbeitrag pro Abend Mk. 1.30,
3 Abende zuſamm. Mk. 3.50. (9729
Ua
Nur kurze Zeit der große Paul Simmel-Film
R
Mol0 deballshen
Sittenroman in 8 Akten.
Hauptdarsteller: Asta Mlelsen, Olga Tschechowa, Ofko
Gebühr, Erich Kalser-Tletz usw.
(
En Hadel voll masst
AbanAnHanndnde BabAAAAAAAEHEHAANAAANAA
Vee
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Eßzimmer preisw. zu
verkf. Rhönring 26,
1. St., links. (15831
1 Gasherd m.
Brat=
ofen f. 6.ℳ6, 3,20 m
Anzugſtoff f. 6 ℳ zu
verk. Nd.=
Ramſtädter=
ſtr. 34, pt. (*15900
Roman in 6 Akten.
Hauptdarstellerin:
Anfang 3½ Uhr.
Corinne Güffith.
(*15933
Beſondere
Gelegenheit
faſt neues
äußerſt preiswert
auch auf Teilzahlung
zu verkaufen.
Klavier=Arnold
Eliſabethenſtr 28
Rhein-
str. 2 Bellloh-Gdle str. 2
Rhein-
Täglich nachmittags 4—7, abends 8—11.30 Uhr
Künstler-Konzerte
Leitung: Kapellmeister Curt Fischer.
Mittwoch, 15. Juni 1927, nachm. 4 Uhr
Extra-Konzert
Abends 8 Uhr: Gesellschafts-Abend
Elgene Konditorel — — Eisspezlalltäten
HnnunnnnnEnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnannn
Einladung
zu dem öffentlichen
am Freitag, den 17. Juni, abends
8 Uhr, in der „Aula der höheren
Landesbauſchule”, Neckarſtraße 3,
über
„Beitſtil oder Anarchie in der
Baukunſt
von Dr. phil. Fritz Rupp
aus Frankfurt am Main
Eintritt frei Eintritt frei
Die einladenden Verbände:
Ortsgruppe Darmſtadt des Bundes
deutſcher Architekten
Mittelrhein. Archit.=u. Ingenieurverein
Verband deutfcher Diplomingenieure
(96831
Mo Mggf
Geſem
Abendessen •Spezialplatten
Erdbeeren zu Bowle
Fürstenberg-Bier (9720a
Residenz-Theater
am weißen Turm
Vorletzter Tag!
Der Mensch und die Liebe
nach dem Roman
Ssanin
OAPHLORT
7 hochinteressante Akte
(*15934
Bräute des Studenten
Roman in 6 Akten. Anfang 3‟/, Uhr.
Freitag, 17. Juni,
abends 8½ Uhr,
im Vereinszimmer
(Reſtauration Sitte)
Vortrag
des Herrn Dr. Nau
über (9710
Bergſteigen
(Alpine Technik und
Ausrüſtung).
Die Mitglieder der
Sektion ſowie der
Sektion Starkenburg
ſind willkommen.
Billige
Regenſchirme
(ſolid).
(324a
Johanna Techel
Schillerpl. 3, i
Uhren=
haus. Kein Laden
Reparaturwerkſt.
Woog, 14. Juni 1927.
Waſſerhöhe . 3,38 m
Luftwärme . 19 C.
Waſſerwärme vorm.
7 Uhr 180 C.
Woogs=Polizei= Wache.
af
Oberwaldhaus
Mittwoch, 15. Juni 1927, abends 8 Uhr
.Gartenkonzert
Ausgeführt vom Städt. Orchester bei voller
Besetzung
Leitung: Kapellmeister Naumann.
Verstärkter Verkehr der elektr. Straßenbahn nach
Bedarf bis 12 Uhr nachts. — Eintrittspreis 30 Pfg.
15855)
A
SN. S5
„ad.
Morgen Donnerstag
16. Juni, abends 8 Uhr, und folgende Tage:
Lastspiel des Welthekannten
T
Hounone Poot
(Theater künstl. Menschen)
Leitung: Dr. Wittorio Podrecca von der
Musikakademie Sta. Cäcilia, Rom.
Repertoire:
Opern, Operetten, Musikal. Märchen, gr. Ballett,
Sketches, Possen, 24 Varieté-Nummern.
500 Marionetten mit 1000 Kostümen, 10
Marionet-
tisten, ca. 20 Sänger und Sängerinnen.
Hauptmitwirkende:
Italienisches Opern-Stagione
Guiseppe Costa (Tenor)
Mailand
M. Serangeli (Bariton)
Theatro Constanzi, Rom
L. Podrecca (Kol.-Sängerin)
v. Oovent-Garden, London
El. Bomman (Alt)
Theatro Constannzi, Rom
Rosina Zotti (Sopran)
v. d. Scale, Mailand
Emilio Cabello (Bariton)
v. Theater Realo of Madrid
Nino Quaglia (Tenor)
v. Theatro Chiarelli, Turin
Musikal. Leit.: Renzo Massarini, Rom.
D Bisher über 8000
Aufführungen in Amerika und Europa!
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Hamstag / 18. Juni 4 Uhr nachm.
Sonntag / 19. Juni 3 Uhr nachm.
Hohe Geldpreiſe. — Ehrenpreiſe des Herrn Reichspräſidenten und hoher Regierungsſiellen.
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104
Nummer 164
Chriſtine Berthold.
Roman von Emma Nuß.
23)
(Nachdruck verboten!
Eines Vormittags trat bei Herrn Krütz ein großer,
weiß=
haariger Herr mit friſchem roten Geſicht ein, bei deſſen Anblick
Thriſtine ſich ſogleich tief über ihre Arbeit beugte.
Er war laut und fröhlich hereingekommen und hatte dem
KChef vertraulich auf die Schulter geklopft: „Halloh, Friedrich,
lter Knabe — leg mal die Schreiberei jetzt beiſeite und komm”
mit zu Pfordte. Ich habe da ein paar Kanadier ſitzen, mit
Ddenen du ins Geſchäft kommen mußt. — Das Auto ſteht unten,
wir fahren gleich hin.”
„Wird ja was Rechtes ſein,” brummte Krüß, erhob ſich aber
Tdoch ſogleich, um für ſeine Abweſenheit einige Anordnungen zu
ttreffen.
Währenddeſſen wanderte Ernſt Stoewing, den Chriſtine
auf den erſten Blick wiedererkannt hatte, mit leiſem Summen
im Zimmer auf und ab. Im Vorüberſchreiten traf ſeine Auge
auch einmal die emſig arbeitende Chriſtine, und er hatte die
REmpfindung, daß er dies Geſicht ſchon einmal irgendwo
ge=
ſehen haben müſſe. Auch als er ſchon neben Krüß die Treppe
hinunterſtieg, plagte ihn noch immer die Erfolgloſigkeit ſeiner
=Bemühungen, Chriſtinens Geſicht irgendwo in ſeiner
Erinne=
rung unterzubringen.
Kurz vor Beginn der Börſe erſchienen die beiden Herren
tin Begleitung zweier Fremder wieder im Kontor, und
Chri=
ſtine bemerkte an ihrem Chef eine Lebhaftigkeit und frohe
Laune, wie ſie ſie bisher noch nie bei ihm gefehen hatte. Da
mag wohl ein gutes Geſchäft gemacht worden ſein, dachte ſie.
„Herr Berger,” rief der Chef jetzt in den Nebenraum, „
brin=
gen Sie doch mal unſere Auſtralien=Kontrakte.” Und zu
Chri=
ſtine in faſt mildem Tone: „Sie bearbeiten, bitte, ſogleich zwei
Kontrakte in franzöſiſher und engliſcher Sprache mit den
nöti=
gen Aenderungen, die Ihnen Herr Stoewing” — er machte
ſogar eine vorſtellende Bewegung nach dem alten Herrn —
„freundlich diktieren wird. Herr Berger wird inzwiſchen den
Herren die gewünſchten Informationen geben. Ich muß leider
runbedingt heute zur Börſe, meine Herren, und fehe Sie ja
dann am Abend bei mir wieder,” wandte er ſich in fließendem
Engliſch an die beiden Kanadier
„Oh. please, Sir, bussiness is bussiness,” lachte der eine
über das ganze friſche Geſicht, und beide ſchüttelten Krüß
herz=
haft die Rechte. Breit und behaglich ließen ſie ſich dann neben
dem Prokuriſten in den Klubſeſſeln nieder, ihn mit harmloſen
Geſichtern ſchlau und vorſichtig aushorchend.
Mittwoch, den 15. Juni 1927
Drüben am Fenſter ſtand Ernſt Stoewing und blickte auf
Chriſtinens braunen Scheitel herab. Sie ſchrieb unter ſeinem
forſchenden Blick mit großem Eifer, ohne einmal aufzuſehen,
und merkte nicht, wie es auf einmal ſonnig in den Zügen des
Mannes aufleuchtete. Jetzt beugte er ſich zu ihr herab und
ſagte: „Bitte, wollen Sie dieſe letzte Bemerkung ändern,
Fräu=
lein . . .?"
„Berthold,” kam es ruhig von Chriſtinens Lippen.
„Na ſehen Sie, warum haben Sie mir das nun nicht
gleich geſagt, anſtatt mir altem Manne ſoviel Kopfzerbrechen
zu machen?“
Dann ſtreckte er ihr mit einer gütigen, herzlichen
Bewegung die Hand hin und ſagte:
„Da wird ſich aber Suſi freuen, mal wieder mit jemandem
von ihrer Kindheit plaudern zu können. Sie müſſen bald zu
uns kommen, liebes Fräulein.”
„Sehr gütig, Herr Stoewing,” erwiderte Chriſtine ernſt.
Wohlgefällig blickte der alte Herr auf das ſchlanke, ihm
ſchon damals ſo ſympathiſch erſchienene junge Mädchen.
„Nun, Sie ſcheinen ja keine allzugroße Freude über ein
Wiederſehen mit Suſi zu empfinden,” drohte Stoewing lächelnd
mit dem Finger.
Da ſchlug Chriſtine die großen Augen ſo warm zu ihm
auf, und ihre Stimme klang um vieles weicher, als ſie ſagte:
„Ich würde mich unendlich freuen, die kleine Suſi
wiederzu=
ſehen, die ich liebte wie eine Schweſter. Aber ich weiß nicht,
wie das Fräulein Peters jetzt über ſolch ein Wiederſehen denken
mag, Herr Stoewing.”
„Nicht anders als ihr alter Onkel, mein liebes Kind. Sie
haben ſozuſagen aus einer Milchflaſche zuſammen getrunken und
wiſſen nun nicht, welche Freude das dem Mädel machen wird,
Sie wiederzuſehen.” — Und in ernſterem Tone: „Ich hoffe
ſogar, Sie werden Suſi eine recht gute Freundin ſein,
Fräu=
lein Berthold. Es ſchwirren da eine Menge Dämchen um ſie
herum; junge, verwöhnte Dinger, die mir die kleine ganz
ver=
dreht machen. Alſo” — er hielt ihr ſeine Hand hin — „Sie
kommen, ſobald es Ihnen Ihre Zeit erlaubt
Zögernd erſt ſchlug Chriſtine ein. Aber dann breitete ſich
eine große Freude über ihr Geſicht und ergoß ſich in ihre
ſtrah=
lenden Augen, als ſie ſagte: „Ja, ich werde Suſi bald beſuchen.”
11. Kapitel.
Umgeben von hohen, ſchattigen Bäumen und ſchön
ge=
pflegten Raſenplätzen ſtand auf einer kleinen Anhöhe das Haus,
das Suſi Peters damals mit dem Waiſenhaus vertauſcht hatte,
und in dem ſie nun wie eine kleine, verwöhnte Prinzeſſin
regierte.
Es war eine ungeheure Ueberraſchung für ſie geweſen, als
ſie das erſtemal die breite Elbchauſſee im offenen Wagen
her=
untergefahren kamen und plötzlich vor dem wundervollen Park
Geite 15
Halt machten. Ein Gärtner hielt das breite Einfahrtstor
ge=
öffnet, und dann hatte ſie mit dem Onkel den eleganten Wagen
verlaſſen. — Ein Hausmädchen im ſchwarzen Kleid und lang
herabwallenden weißen Haubenbändern war eilfertig
herbei=
gekommen, das Handgepäck abzunehmen, und hatte ſie dann
reſpektvoll durch die ſäulengetragene Vorhalle in die
blumen=
geſchmückte Diele geführt.
Da hatte Suſi ganz ſtill geſtanden und kaum zu atmen
ge=
wagt, als ſie, ſich umblickend, all die Pracht geſpahrte.
Eine breite, teppichbelegte Treppe führte in das
Oberge=
ſchoß, und helles Tageslicht leuchtete durch die Glaskuppel vom
Dache her über den herrlichen Bildern und Farben alter
Mei=
ſter, drang in alle Ecken und Niſchen über die koſtbaren Teppiche
und die geſchmackvollen Möbel, die einladend um den Kamin
ſtanden — behägliche, möllige Winterabende verheißend.
Schmunzelnd hatte der Onkel ſie ein Weilchen betrachtet.
Dann nahm er ſie wieder ganz ſachte an der kleinen Hand und
meinte liebevoll: „Es iſt wohl beſſer, ich zeige dir gleich alles
auf einmal, damit du die ganze Erſchütterung in einem
Auf=
wvaſch erledigſt, kleine Deern.”
Und er führte das gänzlich verſchüchterte, faſſungsloſe Kind
in die unteren Geſellſchaftsräume und trat dann mit ihr aus
dem Eßzimmer auf die Terraſſe, die einen wundervollen
Aus=
blick nach der ſtolzen, ſilberglänzenden Elbe bot. Helle
Korb=
möbel und ein rieſengroßer roter Schirm ſtanden darauf. Der
Onkel ſagte: „Da kannſt du hübſch mit deinen Puppen ſpielen.”
Er hatte das ganz im Ernſt gemeint, und Suſi mußte nun
zum erſten Male richtig lachen: „Ich ſpiele doch nicht mehr mit
Puppen, Onkel Ernſt. Das durften wir nur bis zum neunten
Jabre.”
„Hier darfſt du aber alles, was dir Spaß macht;” und er
fragte ſie, in übergroßer Freude, das junge Mädchen nun immer
um ſich haben zu können, nach allen Wünſchen und Intereſſen.
Dabei kamen ſie in den Muſikſalon, darin ein prächtiger Flügel
ſtand.
Auf ſeine Bitte griff Suſi in die Taſten und ſah den Onkel
glücklich lächelnd an, als ſie die herrlichen Töne vernahm, die
aus dem Inſtrument durch den hohen Raum klangen.
Dann folgte ſie ihm weiter, als wandle ſie durch ein
Zauber=
reich, aus dem ſie ein jähes Erwachen wieder verjagen müßte.
(Fortſetzung folgt.)
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Bühnenbild: Arthur Pohl
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Sultan Saladin . . . . . HansBaumeiſter
Sittah, deſſen Schweſter . Käthe Meißner
Nathan, ein reicher Jude
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Recha, deſſen angenommene
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Tochter . . .
Daja, eine Chriſtin, Geſeil
ſchafterin der Recha . Marg. Carlſen
Ein junger Tempelherr. Rudolf eittgen
JoachimBüttner
Ein Derwiſch .
Der Patriarch von Jeruſalem . Max Nemetz
Ein Kloſterbruder . . . . Richard Jürgas
Ein Diener Saladin’s . . Adolf Schmidt
Gefolge des Patriarchen, Mameluken
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