Einzelnummer 15 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nummer 155
Sonntag, den 5. Juni 1927.
190. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr Streil nſw erliſcht
ſede Verpſiſchtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beltrelbung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankkonto: Deutſche Bank und
Daren=
ſtädter und Nationalbani.
MiitſtelsTehehnung i avensaden.
Streſemanns Zuſammentreffen
mit Tſchitſcherin.
* Berlin, 4. Juni. (Priv.=Tel.)
Nachdem die deutſche und insbeſondere die ausländiſche
Preſſe lange Zeit über das bevorſtehende Zuſammentreffen
Dr. Streſemanns mit Tſchitſcherin in Berlin herumorakelt hatte,
erfolgte geſtern nachmittag die Mitteilung, daß der
Reichsaußen=
miniſter zum Beſuch ſeiner Gattin in Baden=Baden eingetroffen
iſt, und kurze Zeit darauf kam die überraſchende Nachricht, daß
der in Frankfurt a. M. zur Kur weilende Außenkommiſſar der
Sowjetunion beabſichtigt, ſich demnächſt gleichſalls nach Baden=
Baden zu begeben, wo er vorausſichtlich eine Unterredung mit
Streſemann haben wird. Die Anregung dazu iſt, wie verlautet,
von Tſchitſcherin ausgegangen. Das Zuſammentreffen iſt für den
Pfingſtmontag in Ausſicht genommen. Tſchitſcherin wird dann
nach Berlin kommen, und hier wird er vorausſichtlich zugleich
mit Streſemann an dem Bankett teilnehmen, das der ruſſiſche
Botſchafter geben will. Wie verlautet, hat die Nachricht über ein
Zuſammentreffen Dr. Streſemanns mit dem ruſſiſchen
Außen=
kommiſſar in Baden=Baden in hieſigen politiſchen und
diploma=
tiſchen Kreiſen ziemliche Beachtung gefunden. Es ſind Gerüchte
aufgetaucht, die den Zweck dieſer Zuſammenkunft dahin deuten,
daß Tſchitſcherin bei Dr. Streſemann um neue Kredite für
Ruß=
land nachſuchen will. Dieſe Gerüchte entbehren jedoch jeder
Be=
gründung, da Deutſchland ſchon aus finanziellen Gründen
gegen=
wärtig nicht in der Lage iſt, ſolche Kreditverhandlungen mit
Rußland zu führen. Auch was den außenpolitiſchen Kurs
be=
trifft, wird der deutſche Reichsaußenminiſter Tſchitſcherin
gegen=
über erneut die unbedingte Neutralität Deutſchlands betonen.
* Herr Tſchitſcherin hat die Sehnſucht nach einer Ausſprache
mit dem Reichsaußenminiſter bis zur Mitte der nächſten Woche
nicht zurückhalten können. Er hat die Abſicht zu erkennen
ge=
geben, dem deutſchen Außenminiſter nach Baden=Baden
nachzu=
fahren und ihn dort am Montag aufzuſuchen. Auch hier wieder
das offenſichtliche Beſtreben, aus der Ausſprache ein regelrechtes
Entrevue zu machen, um die deutſch=ruſſiſchen Beziehungen in die
bengaliſche Beleuchtung einer mehr öſtlichen Beſtrahlung zu
rücken. Den Gefallen wird allerdings Dr. Streſemann ſeinem
ruſſiſchen Kollegen nicht tun. Er wird auch bei dieſer
Gelegen=
heit mit allem Nachdruck darauf hinweiſen, daß für
Deutſch=
land Zurückhaltung und Neutralität die ſelbſtverſtändliche
Hal=
utng im engliſch=ruſſiſchen Konflikt iſt. Er wird ſich damit wohl
nicht zufrieden geben, ſondern Herrn Tſchitſcherin, wie ſchon bei
früheren Gelegenheiten, zu verſtehen geben, daß es mit dem
guten Willen Deutſchlands zur Aufrechterhaltung
freundſchaft=
licher Beziehungen zu Rußland weſentlich günſtiger ſtehen würde,
wenn die politiſche Brunnenvergiftung, die von ſeiten der
Mos=
kauer Komintern gegen Deutſchland betrieben wird, aufhört, und
er wird Herrn Tſchitſcherin dringend nahelegen, dafür Sorge zu
tragen, daß der Komintern von ſeiten der Moskauer Regierung
ein guter Maulkorb umgehängt wird. Wie notwendig es iſt,
zeigt das Trommelfeuer, das vom Weſten her gegen Deutſchland
wegen ſeiner angeblich doppelſinnigen Politik eingeleitet iſt. Es
bedeutet, ſchon allerhand, wenn das amtliche deutſche
Tele=
graphenbüro mobil gemacht wird, um der Stimmungsmache der
Havasagentur entgegenzutreten. Dieſe Havasmitteilung kann
damit als erledigt gelten; eine Nuance muß aber doch etwas
herausgearbeitet werden. In dieſer von Havas vorſichtshalber
aus London datierten Meldung wird behauptet, man werde ſich
in London und Paris immer klarer, daß Deutſchland zwei Arten
von Politik treibe: eine mit den Nationaliſten und der
Reichs=
wehr an der Oſtgrenze, eine andere mit den Locarnoverträgen
an der Weſtgrenze. Das iſt denn doch eine Verbiegung der
Tatſachen, die aus Unwiſſenheit kaum zu erklären iſt. Der Sinn
der deutſchen Außenpolitik iſt in den letzten Jahren immer der
geweſen, uns im Oſten freie Hand zu ſichern und uns deswegen
im Weſten den Rücken zu decken. Mit vollem Bewußtſein hat die
deutſche Regierung den Locarnoverträgen den Berliner Vertrag
gegenübergeſtellt, um zu zeigen, daß wir nicht daran denken, uns
in das Schlepptau einer Mächtegruppierung nehmen zu laſſen,
ſondern daß wir als einziger entwaffneter Staat Europas unſere
Aufgabe darin ſehen, abſeits aller Konflikte zu bleiben.
Vor der Wiederaufnahme der deutſch=
franzö=
ſiſchen Handelsvertragsverhandlungen.
* Berlin, 4. Juni. (Priv.=Tel.)
Wie jetzt bereits feſtſteht, wird die deutſche Handelsdelegation
unmittelbar nach dem Pfingſtfeſt nach Paris fahren. Zwiſchen
der deutſchen und franzöſiſchen Regierung iſt ein Einvernehmen
darüber zuſtande gekommen, die Verhandlungen in Paris weiter
zu führen. Ueber Zollfragen wird man ſich noch nicht
unter=
halten können, da der Zolltarif von der Kammer noch gar nicht
angenommen iſt. Er hat auch noch keine endgültige Form
er=
halten, um wenigſtens die Möglichkeit unverbindlich
vorberei=
tender Beſprechungen zu geben. Man wird ſich alſo mit
allge=
meinen Fragen zu beſchäftigen haben. Dabei rückt die Frage,
was mit dem am 1. Juli ablaufenden Handeisproviſorium
ge=
ſchehen ſoll, wieder in den Vordergrund. Da wir wiederholt
betont haben, wie großes Gewicht wir auf das Zuſtandekommen
eines endgültigen Vertrages legen, werden von unſerer Seite
wohl keine Schwierigkeiten einer Verlängerung in den Weg
ge=
legt werden. Immerhin wird man es uns nicht übel nehmen
können, daß wir auch darauf drängen, daß das alte Proviſorium
in weſentlichen Punkten einen Ausgleich erfährt.
Frankreichs Ruſſenpolitik.
Die Taktik der franzöſiſchen Linken.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 4. Juni.
Die Lage in China ſcheint wieder ernſter zu werden. Es iſt
zwar der engliſchen Diplomatie gelungen — ſo ſagt man hier —
ſich auch mit Amerika über China zu verſtändigen, aber in China
ſelbſt erzielen die Ruſſen wieder Erfolge. Man behauptet hier,
daß die Sowjets entſchloſſen ſind, in China auch vor den größten
Opfern nicht zurückzuſchrecken; die Erfolge des ruſſiſchen
Gene=
rals Galen, der die Hankau=Armee organiſiert, ſcheinen dies zu
beſtätigen.
Moskau über die Kriegsgefahr.
Volkskommiſſar Rykow ſpricht.
Namens der Sowjetregierung hielt Rykow im Plenum des
Moskauer Sowjets eine Rede, in der er der Vermutung
Aus=
druck gibt, daß England auf dem begonnenen Wege weitergehen
werde, da die Beziehungen zweier Großſtaaten wie England und
Rußland nicht lange unentſchieden bleiben können. Rykow
er=
blickt in der von England hervorgerufenen Spannung in der
Weltpolitik eine ernſte Kriegsgefahr, die Sowjetrußland zur
An=
ſpannung aller ſeiner Kräfte zwingt.
Manche wollen auch in den ägyptiſchen Unruhen einen
Schachzug der Sowjets erblicken. Allerdings geht die
nationa=
liſtiſche Bewegung in Aegypten auf viel ältere Zeiten zurück, als
daß man ſie einfach auf ruſſiſche Agitation zurückführen könnte.
Ueber die Bedeutung der ägyptiſchen Schwierigkeiten Englands
gehen die Meinungen in der Preſſe auseinander. In Pariſer
diplomatiſchen Kreiſen iſt man aber überzeugt, daß die Bewegung
der ägyptiſchen Nationaliſten im allgemeinen ſtark überſchätzt
wird.
Die linksſtehende, oppoſitionelle Preſſe verſucht jetzt bei jeder
Gelegenheit die Frage, wie weit die franzöſiſche Außenpolitik mit
der engliſchen ſich über Rußland verſtändigt hat, zu klären. Die
Betonung der Selbſtändigkeit und Handelnsfreiheit der
franzö=
ſiſchen Politik in dieſer Frage von offiziöſer Seite hat ſcheinbar
wenig Eindruck gemacht. Man zerbricht ſich den Kopf über die
Abſichten Poincarés, der ſich aber hütet, etwas Entgültiges
ver=
lauten zu laſſen. In ſonſt gut informierten Kreiſen hält man
den Bruch mit Rußland unter den gegenwärtigen Umſtänden für
unwahrſcheinlich.
In ihrem innenpolitiſchen Kampf gegen die Kommuniſten hat
die Regierung eine neue Niederlage erlitten. Die Kommiſſion
der Kammer hat die Herausgabe der kommuniſtiſchen
Abgeord=
neten verweigert. Viele Anhänger der Regierung faſſen dies
allerdings nicht ſo tragiſch auf, wie es die ganze bürgerliche Preſſe
tut, denn man hofft, daß in der Frage des Zündholzmonopols
die Oppoſition ſich wieder nachgiebiger zeigen wird. Das ſind
aber nur Vermutungen. Denn in Wirklichkeit beginnt ſich die
Oppo=
ſition immer energiſcher auszuwirken. Sie ſchreckt vorläufig noch
davor zurück, die Regierung zu ſtürzen, aber ſie zwingt ſie zu
einer Zickzackpolitik und zu wenig anſehnlichen Kompromiſſen.
Auch wenn die Zündholzmonopolreform votiert ſein wird, wird
dieſe Lage nicht aufhören. Die Kammer ſoll ſich nachher mit der
Erhöhung der Ruhegehälter befaſſen, und dieſe Frage iſt für die
Regierung noch gefährlicher als die des Zündholzmonopols.
Ueber die Taktik der franzöſiſchen Linken ließe ſich viel
ſtrei=
ten. Sie hat es bereits fertiggebracht, die Macht der Regierung
zu ſchwächen, andererſeits zieht ſie es aber nicht in Betracht, daß
die Volksſtimmung ſich immer offener gegen die Kammer wendet.
Die Stellungnahme für die Kommuniſten war ein Fehlgriff,
wo=
mit aber noch nicht geſagt ſein ſoll, daß dieſer Fehlgriff zu
ver=
meiden geweſen wäre.
Die Woche.
Während in friedlichen Zeiten die politiſche Bewegung zu
Pfingſten langſam abzuflauen pflegt, die Sommerſonne
Wochen=
endausflüge anziehender erſcheinen läßt als Verſammlungslokale,
und die Parlamente in die Ferien gehen, haben wir dieſes Jahr
politiſche Hochſpannung, deren Gewitterſchwüle drückend auf der
Erde laſtet. Ueber die großen Zuſammenhänge, über die
Ur=
ſachen der gegenwärtigen weltpolitiſchen Entwicklung iſt an
dieſer Stelle ſchon mehrfach ausführlich geſprochen worden. Die
neuerliche deutſch=franzöſiſche Auseinanderſetzung über die
Kon=
trolle der Oſtfeſtungen iſt eine der vielen Folgen, die uns
be=
ſonders nahe berühren, ein Symptom für die gegenwärtige
poli=
tiſche Lage. Worum handelt es ſich denn eigentlich? Die
interalliierte Militärkontrolle, eine der vielen
Unerträglich=
keiten des Verſailler Diktats, hat mit dem 1. Februar d. J. ihr
Ende gefunden, die Entwaffnung war endgültig als durchgeführt
anerkannt, und das Deutſche Reich hatte lediglich bei den
da=
maligen Verhandlungen die Verpflichtung übernommen, einige
Befeſtigungen an unſerer Oſtgrenze noch zu zerſtören. Die
Uebernahme dieſer Verpflichtungen ſtellte damals ein
außer=
ordentliches Enigegenkommen dar, da ſelbſt das Verſailler Diktat
die Erhaltung dieſer Feſtungen zugeſtanden hatte. Dieſen frei=
Uebernahme dieſer Verpflichtung ſtellte damals ein
außer=
nachgekommen, die Oſtfeſtungen ſind in dem gewünſchten
Um=
fange zerſtört, und ſomit ſollte die ganze Angelegenheit
eigent=
lich erledigt ſein. Das iſt aber durchaus nicht der Fall. Die
Franzoſen haben ſchon zu Locarno eine weſentliche Verringerung
ihrer Beſatzungstruppen im Rheinland zugeſagt, die
Herab=
ſetzung auf den „normalen Stand”, d. h. die Truppenzahl, die
das Deutſche Reich vor dem Kriege im Rheinland ſtehen hatte.
Eine klare Zuſage, an der nicht herumgedeutelt werden kann.
Die Erfüllung dieſer Zuſage aber, in Anbetracht des
Wider=
ſtandes der franzöſiſchen Militärs und der franzöſiſchen Rechten
von vornherein ſchon eine nicht ganz einfache Angelegenheit, iſt
für den franzöſiſchen Außenminiſter eine immer peinlichere
An=
gelegenheit geworden, je mehr ſich die innerpolitiſchen
Verhält=
niſſe in Frankreich gewandelt haben. Dazu kommt, daß
deutſcher=
ſeits mit Recht die Forderung auf Räumung der beſetzten Gebiete
überhaupt erhoben wird, nachdem durch Dawes=Abkommen,
Locarno und den Eintritt des Deutſchen Reiches in den
Völker=
bund die im Verſailler Diktat präziſierten Vorausſetzungen
ge=
geben ſind. Schon ſeit einiger Zeit ſuchte man in Paris nach
einem plauſiblen Vorwand. Endlich glaubt man ihn jetzt
gefun=
den zu haben. Von den alliierten Mächten, d. h. in dieſem Falle
von Frankreich, iſt verlangt worden, daß den Militärattachés
das Recht eingeräumt werde, die Durchführung der Zerſtörungen
in den Oſtbefeſtigungen zu kontrollieren, und dieſe durch
nichts berechtigte Forderung iſt von Berlin aus ſelbſtverſtändlich
abgelehnt worden. Denn ganz gewiß handelt es ſich hierbei
keineswegs um eine bloße Preſtigefrage, was gerade die bisher
geführten Verhandlungen zur Evidenz beweiſen, insbeſondere die
Ablehnung des deutſchen Vorſchlages, die Oſtbefeſtigungen durch
einen neutralen Offizier beſichtigen zu laſſen. Es kommt eben
den Franzoſen nicht darauf an, ſich über die tatſächlichen
Zer=
ſtörungen der Oſtbefeſtigungen irgendwie zu vergewiſſern. Daß
ſie zerſtört ſind und in welcher Art, weiß man in Paris
natür=
lich ſchon längſt ſehr genau, es müßte denn ſein, daß der
fran=
zöſiſche Nachrichtenapparat, um nicht zu ſagen das ausgedehnte
franzöſiſche Spionageſyſtem, in dieſem Falle ganz außerordentlich
verſagt hat. Mit vollem Recht ſieht man in Berlin in dem
fran=
zöſiſchen Vorgehen einen deutlichen Verſuch, das Kontrollſyſtem
in praxi wieder aufleben zu laſſen und iſt bemüht, hier von
vornherein einen feſten Riegel vorzuſchieben. Dabei ſind die
Verſuche der Franzoſen, dieſe Tatſache nach Möglichkeit zu
ver=
wiſchen, faſt amüſant. Dieſer Tage veröffentlichte die amtliche
franzöſiſche Agence Havas eine Auslaſſung über dieſe
Ange=
legenheit, in der ausgeführt wurde, daß man eigentlich über den
ſchwierigen Punkt ſchon hinweggekommen wäre. „Infolge von
Beſprechungen zwiſchen Major Durand und Oberſt Goſſet ſowie
den übrigen alliierten Offizieren und General v. Pawelſz erklärte
letzterer ſich damit einverſtanden, perſönlich die erſteren
aufzu=
fordern, die Durchführung der Verpflichtungen durch Deutſchland
feſtſtellen zu laſſen. Aber als General v. Pawelſz
dieſe Formel Dr. Streſemann unterbreitete
lehnte dieſer ſie ab.‟ Daraus wird dann die Folgerung
gezogen, „daß die Deutſchen, wie das oft bei ihnen der Fall iſt,
zwei Arten von Politik haben: eine mit den Nationaliſten und
der Reichswehr an der Oſtgrenze, eine andere an der Weſtgrenze
mit dem Vertrag von Locarno” uſw. In der Tat eine famoſe
Idee! Der General v. Pawelſz verhandelt in Paris
ſelbſtver=
ſtändlich ohne jede Inſtruktion, durch den deutſchen
Außen=
miniſter, und als der friedliche General einen ganz harmloſen
Vermittlungsvorſchlag macht, lehnt ihn der Nationaliſtenknecht
Streſemann brutal ab. Faſt möchte man ſagen, daß das
als=
baldige deutſche Dementi überflüſſig war.
Daß in dieſer rein tatſächlich ja gegenſtandsloſen Frage noch
irgendein Ausgleich gefunden wird, ſollte man eigentlich
anneh=
men dürfen. Seine eigentliche Bedeutung aber erhält der Fall
dadurch, daß er ſymptomatiſch iſt für die ganze Situation, die
ſich ſeit Locarno grundlegend verändert hat. Daß ſich die Dinge
dergeſtalt entwickelt haben, iſt wahrlich nicht unſere Schuld, und
es iſt vielleicht nicht überflüſſig, gerade in dieſem Augenblick
wieder einmal feſtzuſtellen, daß jene Politik, die ja einen
deutſch=
franzöſiſchen Ausgleich anſtrebte, nicht nur richtig, ſondern ſogar
die einzig mögliche war. Nützlich vielleicht auch, ſich darüber
klar zu werden, daß trotz der gegenwärtigen rückläufigen
Ent=
wicklung in Frankreich ein ſolcher Ausgleich eine Notwendigkeit
bleibt, wenn die Völker Europas, und zwar Frankreich mit in
erſter Linie, nicht in abſehbarer Zeit unter die Räder kommen
wollen. Mit den Tatſachen aber muß man rechnen, und eine
Tatſache iſt es, daß wenigſtens zurzeit der Leiter der franzöſiſchen
Politik nicht Briand, ſondern Poincaré heißt, und es hat wemg
Wert, immer wieder die Aeußerungen der Führer der
franzo=
iſchen Linken zu zitieren, die an der gegenwärtigen
innerpoli=
tiſchen Entwicklung in Frankreich naturgemäß keine reine Freuds
haben. Gerade wenn man in Deutſchland feſthalten will an
Mumer d1 5
Seite 2
Sonntag, den 5. Jani 4527
einer Politik der Verſtändigung, einer Politik der europäiſchen
Befriedung, muß man um ſo ſchärfer jede Konzeſſion an den
franzöſiſchen Chauvinismus ablehnen, und es wäre gut, wenn
man in Deutſchland bei der Erörterung dieſer Fragen alle
inner=
politiſchen Beweggründe grundſätzlich ausſchalten wollte.
So=
weit aber ſind wir ſcheinbar noch lange nicht. Die Parteipolitik
iſt es, die bei uns wie in keinem anderen großen Lande der Welt
das Feld beherrſcht.
Sonderbare Blüten zeitigt ſie von Zeit zu Zeit. Diffieile est
sattram non seribere. Herr Dr. Wirth, eine zeitlang des
Deut=
ſchen Reiches Kanzler, reiſt als Wanderredner in den deutſchen
Landen umher, um überall ſein Evangelium, daß der Feind
rechts ſtehe, zu predigen. Das wäre an ſich gewiß nicht von
be=
ſonderer Bedeutung, wenn nicht letzthin bei einer großen
Reichs=
bannerparade einige Redewendungen dem Gehege ſeiner Zähne
entſchlüpft wären, die nicht gerade wie Muſik in die Ohren ſeiner
Parteifreunde klangen. Denn wenigſtens vorläufig iſt Herr Dr.
Wirth immerhin noch Zentrumsmann, und ſo mußte es doch
ſonderbar anmuten, wenn er gegen die gegenwärtige
Reichs=
regierung alle Regiſter ſeiner Polemik ziehend, ſeine
diesbezüg=
lichen Ausführungen mit dem Wunſche ſchloß, daß ſie möglichſt
bald beſeitigt werde. An der Spitze dieſer Reichsregierung aber
ſteht bekanntlich Herr Dr. Marx, der Führer der deutſchen
Zen=
trumspartei. Bei aller chriſtlichen Milde, die man gerade Herrn
Wirth gegenüber bisher immer an den Tag gelegt hat, das war
der Parteileitung denn doch etwas zu viel, und Herr Dr. Wirth
wurde vor ein hochnotpeinliches Parteigericht zitiert, nachdem er
vorher noch ſchnell den vorhergegangenen Briefwechſel mit ſeinem
Parteifreund Marx in die Oeffentlichkeit gebracht hatte, was
auch wiederum verſtändlicherweiſe dem Zentrum nicht beſonders
angenehm war. Das Parteigericht trat zuſammen und ſprach
Herrn Dr. Wirth ſeine Mißbilligung aus! Auch dieſer Fall, an
ſich belanglos, erhält ſeine Bedeutung dadurch, daß er
ſympto=
matiſch iſt in mehr wie einer Beziehung. Gewiß, keine Partei
ſchließt gern ein Mitglied aus, wenn es eine ſo ſtarke
Anhänger=
ſchaft beſitzt wie angeblich Herr Dr. Wirth. Ein Parteiführer
muß ſchließlich die Wahl=Arithmetik beherrſchen. Im Fall Wirth
aber zeigen ſich beſonders klar die zwei Seelen, die in des
Zen=
trums Bruſt wohnen, und es iſt eine Jronie des Schickſals, daß
ausgerechnet Herr Dr. Marx, der doch wahrlich kein „Reaktionär”
iſt, gezwungen wurde, gegen den unentwegten Republik=Schützer
vorzugehen. Auch in Baden, deſſen Zentrumskreiſe bisher Herrn
Dr. Wirth in den Reichstag zu wählen pflegten, hat man ſich
jetzt außerordentlich ſcharf gegen ihn gewandt. Der mißbilligte
Wirth aber wird nicht aus der Zentrumspartei austreten, wird
weiterhin vom Zentrum in den Reichstag entſandt werden,
da=
mit er auch in Zukunft ſeine ſegensreiche Tätigkeit zum Wohle
der Partei auszuüben in der Lage iſt. Wunderbar ſind die Wege
der Parteipolitik.
M.
Die däniſche Preſſe zu Hindenburgs Nordmarkreiſe.
Kopenhagen, 4. Juni.
Die däniſche Hauptſtadtpreſſe hat dem Beſuch des
Reichs=
präſidenten v. Hindenburg in Schleswig=Holſtein eine auffallend
große Beachtung geſchenkt. Jede große Zeitung hatte, ihren
eigenen Vertreter entſandt, der ſein Blatt mit ſpaltenlangen
telegraphiſchen und illuſtrierten Berichten verſah. Die
Kommen=
tare der Redaktionen ſind im allgemeinen ruhig und
befriedi=
gend, da die — vielleicht mit Spannung erwarteten ——
Senſa=
tionen in Form von „Taktloſigkeiten” aus dem Munde des
Reichspräſidenten völlig ausblieben. Wenn ſich die nationale
Preſſe auch vorübergehend an dem Satz über einen losgeriſſenen
Teil der Nation geſtoßen hat, es überwiegt doch erheblich der
Eindruck der beſonnenen und lohalen Haltung Hindenburgs,
die auch auf die Vertreter der däniſchen Minderheit
reſpekt=
heiſchend und ehrfurchtgebietend wirkte. „National=Titende‟
möchte allerdings aus den Beobachtungen des
Reichspräſidenten=
beſuches einen Gegenſatz zwiſchen den Deutſchen nördlich und
ſüdlich der Elbe konſtruieren, und glaubt, feſtſtellen zu können,
daß die öffentliche Meinung des großen Deutſchland ſeit 1914
eine glückliche Wendung zum vernünftigen Betrachten gemacht
habe. Weiter meint das Blatt, daß die wenigſtens fremden
Deutſchen wüßten, eine wie große Bedeutung es habe, wenn jetzt
ein Todſen oder ein Kürbis zum kulturellen Wettkampf einladen
und erklären, daß Deutſchland den Dänen ſüdlich der Grenze
die Pflege ihrer eigenen Nationalität als gutes Recht einräume.
Wenn auch dieſer Verſprechung „in der Praxis noch nicht Folge
geleiſtet werde”, ſo biete doch die Anerkennung des Prinzips
den Dänen einen Anhaltspunkt gegenüber der öffentlichen
Mei=
nung Deutſchlands.
Vom Tage.
Der Reichspräſident hat auf Vorſchlag des Reichskanzlers den
Miniſterialdirektor in der Reichskanzlei Dr.
Offer=
mann in den einſtweiligen Ruheſtand verſetzt und den
Miniſterialrat im Reichsfinanzminiſterium Dr. v. Hagenow zum
Mini=
ſterialdirektor ernannt. Miniſterialdirektor Dr. Offermann wird zunächſt
eine mehrere Monate dauernde Studienreiſe in das Ausland antreten.
Nach ſeine Rückkehr wird er in der Reichsarbeitsverwaltung in
leiten=
der Stellung Verwendung finden.
Reichsfinanzminiſter Dr. Köhler wird über Pfingſten
eine zehntägige Studienfahrt nach den ſchwediſchen
Kraftwerken antreten.
Reichspräſident von Hindenburg hat anläßlich des Beſuches
einer Abordnung von Vertretern aus dem von dem
Wirbel=
ſturm beſonders betroffenen Kreis Lingen dieſen ſein
Mitgefühl ausgeſprochen und 220 000 Mark für die Geſchädigten
ge=
ſtiftet.
Die Ernennung des Engländers Sir Ernſt Wilton
zum Vorſitzenden der Saarregierung wird auch mit
Zu=
ſtimmung Deutſchlands erfolgen. Sämtliche Ratsmächte haben ſich für
dieſe Kandidatur eingeſetzt. Die Einſpruchsfriſt läuft zwar
normaler=
weiſe erſt am 8. Juni ab. Es iſt aber kaum damit zu rechnen, daß von
einer der Ratsmächte noch Einſpruch erfolgt, ſo daß die Ernennung als
ſicher gelten kann.
Zum belgiſchen Botſchafter in Waſhington iſt,
wie aus Brüſſel berichtet wird, Prince de Ligne ernannt
worden, der einem Hauſe entſtammt, das mit der belgiſchen
Königs=
familie verwandt iſt.
Die Arbeitskonferenz hat das Mandat des
Vor=
ſitzenden der Fasciſtiſchen Gewerkſchaften Roſſoni,
als italieniſcher Arbeiterdelegierter mit 82 gegen 32 Stimmen bei 29
Stimmenenthaltungen beſtätigt.
Der Vater der entente cordiale Lord Lansbowns iſt jetzt im
Alter von 83 Jahren geſtorben. Er war bekanntlich von 1900 bis
1905 Außenminiſter Eduards, in welcher Eigenſchaft er 1904 mit
Frank=
reich den Bündnisvertrag abſchloß.
Wie Reuter mitteilt, wird ſich der engliſche
Staatsſekre=
tär für Auswärtige Angelegenheiten, Chamberlain zunächſt zu
einem vierzehntägigen Erholungsurlaub nach Aix=les=Bains und
von dort nach Genf begeben.
Aus Moskau wird gemeldet, daß das Präſidium des
all=
ruſſiſchen Zentralvollzugskomitees amtlich den
Boy=
kott gegen die Schweiz aufgegeben und die Wiederaufnahme
der diplomatiſchen Beziehungen zu der Schweiz in die Wege geleitet habe
Die memelländiſche
Beſchwerde in Genf.
Litauen beantragt Vertagung der Memelfrage.
Streſemann erfucht um ſofortige Behandlung
der memelländiſchen Beſchwerde.
Der Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann hat in einem ſehr
energiſchen Telegramm an das Generalſekretariat des
Völkerbun=
des die Verſuche der litauiſehen Regierung zurückgewieſen, die
darauf hinauslaufen, die Beſchwerden der Memelländer vor der
am 13. Juni beginnenden Ratstagung nicht zur Verhandlung
zu bringen, weil ihr angeblich nicht genügend Zeit zur
Nach=
prüfung der Beſchwerden zur Verfügung ſtehe. Das Telegramm
iſchen Regierung ſtellt feſt, daß die deutſche Regierung
ſich ſelbſtverſtändlich über die Tatfachen, die in der
Beſchwerde=
ſchrift niedergelegt ſind, vorher vergewiſſert und ihre
Zuver=
läſſigkeit in allen weſentlichen Punkten feſtgeſtellt habe, worauf
ſich die deutſche Regierung dieſe zu eigen gemacht habe. Wenn
alſo für die Aufnahme der Beſchwerden auf die Tagesordnung
der Ratsſitzung irgendwelche Friſten in Frage kommen, ſo ſei
dieſen durch den am 24. Mai geſtellten Antrag genügt.
Außer=
dem biete aber auch Artikel 2 der Geſchäftsordnung des Rates
die Möglichkeit, jederzeit wichtige Fragen auf die Tagesordnung
zu ſetzen. Zudem habe die litauiſche Regierung die Beſchwerden
am 25. Mai durch ihren Beſandten in Berlin und am 27. Mai
durch den deutſchen Geſandten in Kowno erhalten. Sie brauche
zudem keine Beſorgnis zu haben, daß ſie ſich für die am 13. Juni
beginnende Tagung nicht mehr vorbereiten könne, da es ſich
lediglich um Klagen handele, über die bereits ſeit Monaten
ver=
handelt werde. Man wird abwarten müſſen, wie weit es Litauen
gelingt, für ſeinen Sabotageverſuch Freunde zu gewinnen. Daß
die Angelegenheit ſachlich keine Vertagung verträgt, ſteht für
Deutſchland feſt, ſchon weil die Memeler Landtagswahlen nicht
ins Unendliche verſchoben werden können. Andererſeits
ſpeku=
liert Litauen darauf, daß es gegenwärtig Liebkind bei den
Eng=
ländern iſt, daß infolgedeſſen wohl auch Frankreich und Polen
für die Vertagung ſtimmen werden. Einſtimmigkeit iſt zu einer
ſolchen Vertagung nicht erforderlich. Jedenfalls aber wird
Deutſchland alles aufbieten, um eine Ausſprache zu erzwingen
*Die Stille.
Eine Pfingſtandacht
Von Johannes Schlaf.
Mal Entlaſtung zu finden von der ſchweren Not der
Zeit=
läufte treibt’s einen wohl aus der ſchwirrenden, wie in einem
allgemeinen Zuſammenſturz immer wirrer durcheinander
knat=
ternden und explodierenden Unraſt hinaus in die Stille der freien
Natur. Und wahrlich, wer ſo recht erleben will, was die
Aus=
gießung des Geiſtes iſt, der gehe ins Feld, ſo weit wie möglich
und lege ſich an einen Rain ins grüne Gras. Weitab vom
durch=
einandergewürfelten toſenden Gefiedel, dort draußen, wo heut’,
am erſten Feiertag, nicht mal mehr die letzten, verlorenſten
Klänge des Feſtgeläutes herüberfinden.
Oben über einem die klare Himmelstiefe; im Zenith ein
un=
beſchreiblich leuchtendes Azurblau, gegen den Horizont leiſe von
Licht durchwirkten Dünſten verſchleiert, die eine feſtliche
Feier=
lichkeit haben.
Die Stille leben, allein zu ſein mit dieſer großen Stille! Und
mit dem einſamen, ſeinen jährlichen Hochſtand zuſtrebenden
Ge=
ſtirn. Aber wahrlich, du ſühlſt nicht; ungeheurer elektriſcher
Stoffball mit Protuberanzen, dunklen Fleckenlöchern und
un=
unterbrochen in grauſig erhabener Einſamkeit rund herum
raſen=
den, über alles Maß gigantiſchen Glutorkanen, biſt weit ab von
aſtrophyſikalichen Daten; und wenn du empfindeſt: Kraftquell
und allumfaſſende Ausgießung von Kraft, ſo hat das in dieſem
Augenblick mit „mechaniſchem Naturgeſetz” nichts zu tun. Wie
leiſe, in ſich ruhig dies über alles wunderſame, übergewaltige
Wirken von Licht und Wärme, rings um dich her in alle Weite
hinein! Es iſt das, was man zu leben nicht ſatt bekommt: ſich
erfaſſend, in einer großen Ruhe, zweckentbunden ſich ſelbſt
wiſſen=
den ernſtſeligen Gefühls ganz nur Sein ſchlechthin. Das
rhyth=
miſche Flirren der durchglühten, nicht vom leiſeſten Windeshauch
bewegten Luft übers Gefild hin. Es iſt wohl das Wellenſpiel
eines kerngewaltigen, knapp präziſen geiſtigen Brauſens von da
oben, dem vor Urgrundkraft weißglühend in ſich zuckenden Rund
hernieder durch Weltallraum und Atmoſphäre; und doch ſo
ohrenraunend ſtill in ſeiner Uebermacht.
Dieſe große, myſtiſche Stille und ihr Beben! — Da ſie
bei=
ſammen waren in jenem jerufalemitiſchen Haus, ſteht geſchrieben,
us noch nicht überwundener Menſchenfurcht hinter verſchloſſenen
Türen, geſchah plötzlich, als vom Himmel her ein gewaltiges
Brauſen, daß die Urgemeinde, von der alsdann über Erdball
und Menſchheit hin die mächtige Kraft auswirkte, erfüllte, alſe
daß Feuerflammen auf ihren Häuptern ſtanden und aus ihrem
Mund hervorbrachen, und ſie, aller Menſchenfurcht entbunden,
Tür und Tor öffneten und hervortraten und in Zungen vor
allem Volke die großen Taten Gottes kündeten. Doch iſt kein
Zweifel: Bevor dieſe Auswirkung geſchah, da war ſie große
Stille geweſen, Eingehen ganz und Einigung.
So hält ſich auch jetzt hin und ſtrebt ſtill, was Winter= und
Frühjahrsſtürme und allen Wechſel von Jahreszeit überdauert,
geweckt vom groß gleichförmigen Geſtirnpendelgang des Jahres,
in einer großen Seligkeit ſtaunend hinein ins mächtig verſchloſſene
Gefühl ſeines unvergänglichen Seins und ewigen Lenzes, ſeiner
durch nichts zu erſchütternden Urgrundruhe gewahr zu ſein. Und
ſprießt und ſprüht und blüht und leuchtet und prangt, und macht
doch nicht viel Lärms und Weſens, iſt große Einheit und Stille,
Nicht mal ein leiſeſter Windhauch in der mächtigen,
glaſten=
den Feldweite. Etwa, aus blauer, feierlich, in ſich ſelbſt
ſtarren=
der Tiefe, man weiß nicht woher, das feine Getön einer Hummel
ſich erhebend, nahend, einen Augenblick anſchwellend, dann wieder
verebbend, man weiß nicht wohin und wohinein, weiß kaum,
was es war; es iſt einem: wohl mehr und etwas anders als
eine Hummel, etwas zum Staunen, ein plötzlich, kaum vorhanden
ſchon wieder entſchwundener, ins große, ſelige, ſonnige Eine
ein=
geglichener myſtiſcher Akkord.
In ferner Weite der Goldſchimmer eines in voller Blüte
ſtehenden Rapsfeldes. Lange, dunkelgrün gekrauſte Kleeflächen,
ganz von gelbem Löwenzahn überſprenkelt, aber ſtill, eingeglichen
in die große Einheit. Die fernen, grauweiß und leis
zimmet=
rötlich, alſo ſehr diskret wirkenden, blühenden Obſtbaumreihen
eines Feldweges. Im geballten Junggrün ihrer Gartenbäume
die roten Dächer eines Dorfes. Die endlos ſchnurgeraden Reihen
noch winziger, ſehr friſchgrüner Hälmchen. Anderes Getreide
ſchon höher in den Halmen, ein weites, weißliches Glaſtweben
drüberhin, das ſie auszuſprühen ſcheinen. Ein einſamer Buſch
am Weg mit zahlloſem, leisglaſtenden Reflexen. Das ſtille
Ge=
brömſel und Kluckern eines gleißend dahinzuckenden Wäſſerleins.
Die Würze von all dem friſch erregt ausſtrebenden Chlorophyll
in der Luft, aus dem dichten Gras zu einem auf, deſſen köſtliche
Kühle deine Hände fühlen.
(Aber was iſt’s, was man fühlt?) Ein Hümpelchen weißer
und roter Gänſeblümchen. In der Ferne groß mit lieblicher
Linie hingezogene, freie Hügelchen, Feldbänder dran
hernieder=
gehend, leis irisfarben wie ein draufgelegter Regenbogen. Die
Laubmaſſen eines Waldhügelzuges, licht graugrün wolkig
ge=
kräuſelt in ihrer Ferne, ganz in Lichtglaſt getaucht, mit
drein=
gelegten, ſehr lichtblauen Schatten. Nirgends eine aufdringlich
ſchmetternd grell hervorſtechende Pracht wie in einem Garten:
nur hier und da ſtill eingeglichene Flecken blauer, weißer, roter
Blumen. Einſam, monumental, fern mitten im Gelände, mit
dunkelgrünem, glänzigem Junglaub eine Pappel.
Alles ſo ſtill, in alle ſonnige Weite hinein, ſo groß und
feierlich, hingegeben einem Unausſprechlichen, ruhend in einer
Die Naseitzanderſetzungen
im Zentrum.
Das Ende des Falles Wirth.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichsparteivorſtand des Zentrums hat, wie zu erwarten
war, zu dem Fall Wirth eine Entſchließung gefaßt, die den Riß
innerhalb der Partei überkleiſtern ſoll. Herr Wirth hat das
be=
kommen, was man in Studentenkreiſen einen „protokollierten
Rüffel” nennt, und damit ſind die Akten über den Fall Wirth
wenigſtens vorläufig geſchloſſen. Ueberraſchend iſt höchſtens
daß die Entſchließung gegen Wirth in ſehr beſtimmter Form
ausgeſprochen worden iſt, allerdings — und das iſt ſachlich das
Entſcheidende — nicht wegen der Königsberger Rede, die
eigent=
lich der Ausgangspunkt des ganzen Streites und der politiſche
Kernpunkt war, ſondern nur wegen des Briefwechſels, den er
mit dem Reichskanzler gehabt hat. Der ſachliche Kampf iſt alſo
auf das Gebiet der Parteidiſziplin hinübergeſpielt worden. Es
fragt ſich nun, wie dieſer Verweis auf Dr. Wirth einwirkt. Die
Parteileitung ſelbſt hat ihren Einfluß auf die Parteiblätter
gel=
tend gemacht, um durchzuſetzen, daß die Auseinanderſetzungen
nicht von neuem anfangen. Tatſächlich ſcheint innerhalb des
Parteivorſtandes Herr Wirth ziemlich allein geſtanden zu haben.
Auch ſeine engeren Freunde, die ihm politiſch nahe ſtehen, ſind
von ihm abgerückt, weil ſie ſich wohl mit Recht ſagten, daß die
brüskierende Art, in der Herr Wirth vorgegangen iſt, die
Förde=
rung der ſachlichen Ziele außerordentlich erſchwert.
Die Reichseinnahmen und =Ausgaben
für 1924—27.
Berlin, 4. Juni.
Das Reichsfinanzminiſterium hat dem Reichstag ſoeben eine
Ueberſicht über die Geſtaltung der Reichseinnahmen und =
aus=
gaben in den Rechnungsjahren 1924 bis 1926 vorgelegt.
Die Ueberſicht iſt inſofern von beſonderem Intereſſe, als in
ihr bereits das Rechnungsergebnis des Jahres 1926, für das die
Bücher am 31. Mai 1927 abgeſchloſſen worden ſind, verarbeitet
iſt, ſo daß nunmehr das Rechnungsergebnis für die drei Jahre
1924 bis 1926 vorliegt.
Im einzelnen bemerkt das Reichsfinanzminiſterium folgendes:
A. Ordentlicher Haushalt. Im Rechnungjahr 1926
betrugen die Einnahmen 8451,1 Mill. RM., die bisher geleiſteten
Ausgaben 7903,1 Mill. Von dem rechnungsmäßigen
Unterſchieds=
betrag von 548 Mill. RM. ſind zur Deckung der erwähnten
Reſt=
aufgaben abzüglich der Reſteinnahmen 348,5 Mill. RM.
erforder=
lich, ſo daß ſich ein Reinüberſchuß von 199,5 Mill. RM. ergibt.
Dieſer Betrag deckt ſich ungefähr mit den Schätzungen, die vor
Abſchluß der Rechnung angeſtellt worden ſind, insbeſondere
rechtfertigt es ſich danach, daß bei der Verabſchiedung des
Haus=
haltsentwurfes für 1927 in den Haushalt für 1927 ein Betrag
von 200 Mill. RM. als Ueberſchuß aus dem Jahre 1926
einge=
ſtellt worden iſt. Wie ſich die Einnahmen und Ausgaben zu
den Haushaltsanſätzen, im einzelnen verhalten, wird in der
Reichshaushaltsrechnung dargetan. Im Endergebnis ſind die
Einnahmen höher, die Ausgaben, abgeſehen von den
Steuerüber=
weiſungen, niedriger geweſen, als die Haushaltsanſätze.
B. Außerordentlicher Haushalt. Beim
außer=
ordentlichen Haushalt ſind für 1926 ausgegeben: 599,6 Mill. RM.,
eingenommen 309,6 Mill. RM. Mithin ſind mehr ausgegeben:
290 Mill. RM., die vorläufig aus Kaſſenmitteln (noch nicht
voll=
zogene Reſtausgaben ſowie die Mittel des Betriebsfonds)
be=
ſtritten ſind.
An Ausgabenreſten ſtehen hier noch offen 281,6 Mill. RM.
Dieſe Mehrausgaben von insgeſamt 571,6 Mill. RM. werden
zum größten Teil aus Anleihen gedeckt. Die im Jahre 1926
auf=
gelegte Anleihe hat einen Erlös von 452,5 Mill. RM. erbracht.
Hiervon ſind vereinnahmt im Jahre 1926 329,4 Mill. RM., im
Jahre 1927 123,1 Mill. RM. Der Geſamterlös einſchließlich des
für 1927 vereinnahmten Reſtes hat alſo nicht ausgereicht, um
die Iſt=Ausgabe des Jahres 1926, die 599,6 Mill. RM. betragen
hat, zu decken. Es wäre, auch wenn der Geſamterlös für 1926
vereinnahmt worden wäre, noch ein Reſt von 147,1 Mill. RM.
zu decken übrig geblieben.
Auf Grund des Abſälußergebniſſes für 1926 konnten von den
bisherigen Anleihcermächtigungen 38,8 Mill. RM. abgeſchrieben
werden. Die offenen Anleiheermächtigungen betrugen am Schluß
des Rechnungsjahres 1926 noch 571,5 Mill. RM., wovon
in=
zwiſchen 123,1 Mill. RM. durch den reſtlichen Anleiheerlös erfüllt
ſind, ſo daß zurzeit noch 448,4 Mill. RM. offen ſind, wozu noch
die Anleiheermächtigungen für 1927 mit 466,4 Mill. RM. treten.
Die Geſamtanleiheermächtigung beträgt daher zurzeit noch 914,8
Mill. RM.
höheren Dimenſion, die ſich aufgetan, eingeniſtet, ganz Geiſt
ge=
worden. Das feine Getön der Inſekten wie nicht endende, ſelige
Jubelchöre, ſern aus einer noch tieferen Tiefe.
Und du weißt: Ausgießung des Geiſtes iſt Gewahrwerden,
daß du in dir eine große Gottiefe von Stille und ewigem Leben,
Rhythmus einer unerſchütterlich ihrer ſelbſt gewiſſen Stille und
Kraft. Und wenn du dich ganz von dieſem Gefühl durchdrungen
fühlſt, dann kommt der Augenblick, wo es übergewaltig wird und
dich in die Höhe reißt und ſich in dir offenbart als gewaltiges
Brauſen und Austrieb wird unüberwindbarer Kraft. Und du
verſtehſt auch das dunkle Erbrauſen der dich heute umgebenden
Welt, weißt, daß auch dies, was dir in deinem Alltag ſo zuſetzte,
übergewaltige Ausgießung und Vollbringung des Geiſtes und
Anrufung auswirkender Kraft.
Die erregten kosmiſchen Vorgänge, die unaufhörlichen
Erd=
beben, Feuersbrünſte, Vulkanausbrüche, vernichtungsvolle
Wir=
belſtürme, Regengüſſe, Ueberſchwemmungen, Kataſtrophen,
Un=
glücksfälle, das Raſen äußerlicher Genußwut, verruchter
Macchia=
vellismus der Zeitläufte, die Wirrung, das Aufdenkopfgeſtelltſein
der politiſchen und ſozialen Vorgänge, die gehäuften Verbrechen,
das Kataklysma der morſch gewordenen Einrichtungen und
An=
ſchauungen, die bedrohliche Erhebung der gewaltigen, exotiſchen
Fremdvölker, denen ihre Unterdrücker und Ausnutzer ſeit einem
halben Jahrtauſend die ziviliſatoriſchen und techniſchen Mittel
zu ihrer endlichen Befreiung ſelber gegeben haben, deren ſie nun
Herr zu werden begannen, daß es iſt wie das ungeheuer ſich
zu=
ſammenziehende Dunkelgewölk einer ſehr großen Gefahr, die
Europa bedroht: das alles kann die Gewißheit, die dir geworden,
nicht erſchüttern.
Du weißt: all dieſe Unraſt kann nicht aus dem großen
Rhythmus fallen, der dich erfüllt, weißt: auch dies alles ſchwingt
nicht außr ihm. Und ſo iſt es wohl eine große, ſich bereitende
Erfüllung, Vollendungsgang eines hohen Werkes. Vollendung
der Menſchheit. Steht geſchrieben: Es wird eine Herde und ein
Hirte ſein? Europas Ziviliſation zur allgemeinen
Weltzivili=
ſation, Menſchheitsbindung werdend. Die Befreiung, das
end=
liche Gleichgewicht aller Völker, ſich vollendendes Prinzip der
Gerechtigkeit. Die äußere Gewaltpolitik zur einigenden, den
Austrieb der Kraft nach innen, ins Seeliſch=Geiſtige wendenden
Kulturpolitik werdend. Durch was auch immer hindurch iſt dieſer
Tag im Nahen. Am Tage aber eines letzten großen
Menſchheits=
pfingſtens dereinſt, nach vollbrachter äußerer Zuſammenfaſſung
Ausgießung der letzten, höchſten Offenbarung erſt ganz
ber=
bindenden Gottgeiſtes, und das weitgeöffnete Tor einer letzten
Freude allen Menſchen.
So nimm’s, ſo ſtell dich ein, ſo fährſt du gut, ſo biſt du des
rechten Geiſtes.
Nummer 133
Sonntag, den 5 Juni 1927
Geite 3
Oie chineſiſchen Strategen.
Von unſerem (O=Korreſpondenten.
London, 4. Juni.
Während es vielleicht noch zu früh iſt, über die Beſtimmung
Der Truppen zu prophezeien, die Japan in Tſingtau gelandet
hat, haben die weiter nördlich eingeleiteten militäriſchen Vor=
Tichtsmaßregeln Englands, Amerikas, Fvankreichs und Italiens
an Peking, Tientſin und an der dazwiſchenliegenden Eiſenbahn
ſchwerlich den Zweck, Tſchang Tſo=lin vor der Vertreibung aus
Weking zu retten. Ebenſo unwahrſcheinlich iſt, daß ſie für den
Sall einer Belagerung Pekings oder überhaupt einer militäriſchen
Kraftprobe zwiſchen Tſchang Tſo=lin und ſeinen heranrückenden
Gegnern zuſammengezogen werden. Ungeachtet ſeiner gegentei=
Tigen Erklärungen rechnet man vielmehr zuverſichtlich damit, daß
Dder „Kriegsherr des Nordens” einfach wieder in der Mongolei
werſchwinden, und daß China, d. h. das China des Bürgerkrieges,
ihn für geraume Zeit los ſein wird. Die Frage iſt, wie ſich die
übrigen Marſchälle auseimanderſetzen werden, wenn das
gemein=
ſame militäriſche Ziel, Peking, ſie nicht mehr zuſammenhält. Die
kmappe Beſchreibung der Lage, die der Schanghaier
Berichterſtat=
ter des „Daily Telegraph” liefert, iſt ſo plaſtiſch, daß ſie verdient,
wiedergegeben zu werden, ſelbſt wenn ſie vielleicht den ruſſiſchen
Einfluß übertreibt und die Prophezeiung am Schluß ſoviel wert
iſt wie alle Prophezeiungen über China: „Die gegenwwärtige
Si=
tuation ſteht einzig in der Geſchichte da. Zwei Armeen ſind
zeit=
weilig gegen einen gemeinſamen Feind geeint. Ihre Regierungen
(Wanking und Hankau) ſind geſchwvorene Feinde. Aber die
bei=
derſeitigen Streitächte rücken über parallele Eiſenbahnlinien
auf ein gemeinſcmes Ziel los under einem gemeinſamen
Ober=
befehlshaber, General Galens (dem bekannten ruſſiſchen
militäri=
ſchen Ratgeber der Nationaliſten). Die Lage ähnelt derjenigen
zweier Schmellzüge, die wit hochgradigen Exploſionsſtoffen
be=
frachtet, nebeneinander fahren auf Gleiſen, die lange pavallel
lau=
fen, aber ſchließlich in eine eingleiſige Strecke übergehen. Das
Ergebnis wird wahrſcheinlich eine fürchterliche Exploſion ſein,
ſchlimmer als China ſie je zuvor kennen gelernt hat.”
Die Regierungen in Nanking einerſeits und Hankau
anderer=
ſeits liegen in der Tat, während ihre Armeen auf Peking
mar=
ſchieren, immer noch im Streit über die Vorzüge oder Nachteile
des Kommunismus für China. Mit Rückſicht auf die Wirbungen,
die das bei der Ankuft der verbündeten Heere in Peking haben
kann, bleibt wohl guuch der engliſche Geſandte, Sir Miles
Lamp=
ſon, immer noch auf ſeinem Beobachtungspoſten in Schanghai.
Vorläufig wird nicht damit gerechnet, daß der kommniſtiſche
und der konſervatibe Flügel der Kuomintang ſich gutillig in
den Beſitz von Peking teilen werden. Wenn es nicht zu
militäri=
ſchen Zuſammenſtößen zwiſchen ihnen kommen ſollte, ſo beſtehen
bis jetzt doch zum mindeſten keine Garantien gegen eine weue
politiſche Kriſe wit den bebannten Begleiterſcheinungen.
Allerdings iſt, wie bekannt, auch mit Fengjuſiang zu
rech=
nen, der mit den Nationaliſten zuſammen nach Peking
unter=
wegs iſt. Es heißt, daß er von ſeinen letzten angeblichen Siegen
die Nankinger Regierung ebenſo prompt benachrichtigt habe wie
die Hankauer, obwohl er der letzteren zuneigen ſoll. Dieſes „
pari=
tätiſche” Verhalten würde darauf ſchließen laſſen, daß der „
chriſt=
liche General” auuch politiſch weiter ſieht als bis zur Vertreibung
Tſchang Tſo=lins. Im übrigen wird der beſchleuwigte Rückzug
Tſchang Tſo=lins nicht ſo ſehr auf den Vorſtoß Fengjuſiangs als
vielmehr auf das Eingreifen eines meuen Akteurs, des „Muſter=
Tuchun” von Schenſi, zurückgeführt. Nach dem bereits
erwähn=
ten Berichterſtatter des „Daily Telegraph” würde dieſer neueſte
Verbündete der Nationaliſten ſich nicht damit begnügen, Tſchang
Tſo=lin durch Flankewangriffe zu ſchwächen. Da ſeine Provinz
ſich nördlich bis unweit Peking erſtreckt, ſollen die Hankquer
Nationaliſten ihn als Platzhalter gewonnen haben, der ſich
ſchleu=
nigſt der Hauptſtadt zu bemächtigen hätte, falls die Nankinger
Natiowaliſten unter Tſchiang Koi=ſchek Miene machen ſollten,
ihren Rivolen zuvorzukommen.
Die militäriſche Lage in China.
EP. London, 4. Juni.
Nachdem die Nordtruppen Tſchengtſchau geräumt haben,
haben nunmehr die Südtruppen die Stadt beſetzt. Die Truppen
Tſchang Tſchung=tſchangs haben ſich hinter den Großen Kanal
zurückgezogen. Ein Telegramm aus Peking beſagt, daß ſich die
mandſchuriſchen Truppen nunmehr ſämtlich nördlich des Gelben
Fluſſes befinden. In Peking ſollen Verhandlungen ſtattfinden,
wonach die Nordtruppen China bis zur Großen Mauer aufgeben
und Peking mit den nördlichen Provinzen den Südtruppen
widerſtandslos überlaſſen ſollen. — Die „Times” bezeichnet dieſe
Gerüchte als charakteriſtiſch für die Lage.
Nach einer Meldung aus Peking haben die Südtruppen die
Stadt Sutſchau=fu in der Provinz Schantung eingenommen.
Frankreich auf der Secabrüſiungs=Konferenz.
EP. Paris, 4. Jumi.
Nach einer Mitteilung des „Matin” wird Frankreich ſich auf
der Flottenabrüſtngskonferenz Amerikas, Englands und Japans
in Genf nicht durch einen Beobachter, ſondern nur durch einen
Informator vertreten laſſen. Dazu iſt wahrſcheinlich der ſtändige
Vertreter Frankreichs im Völkerbund, Graf Clauzel, auserſehen.
dem Kapitän de Leuge zur Seite ſteht. Auch Italien habe es
ab=
gelehnt, ſich durch einen Beobachter vertreten zu laſſen und werde
lediglich einige Sachverſtändige dorthin ſchicken.
Die amerikaniſche Delegation zu der
Drei=
mächte=Abrüſtungskonferenz iſt von
Waſhing=
ton abgereiſt; Staatsſekretär Kellogg nimmt daran nicht
teil.
7ckolgen
Seutn
Ai
nkau‟
(0
„Conton
Alengbong.
Ueberſichtskarte von China.
Die ägyptiſche Antwort an England.
London 4. Juni.
Nach einer Meldung aus Kairo iſt die Antwortnote der
ägyptiſchen Regierung auf die britiſche Note nunmehr
fertig=
geſtellt und ſtellt ein umfangreiches Dokument dar. Wie man in
unterrichteten Kreiſen annimmt, ſei man den Forderungen
Eng=
lands insbeſondere bezüglich der Stellung des Sirdar ſowie der
Ernennung eines britiſchen Offiziers zum zweiten Befehlshaber
nachgekommen. Was jedoch die anderen Fovderungen anlange,
wünſche die ägyptiſche Regierung eine ausführliche Erörterung
über die Reichweite der urſprünglichen ſtrittigen Fragen.
Nach Uebergabe der ägyptiſchen Note hatte der ägyptiſche
Premierminiſter eine Unterredung von 40 Minuten mit Lord
Lloyd, um gewiſſe Sätze der Note näher zu erläutern. Das
Schriftſtück ſoll ſehr lang und kompliziert ſein. Der ägyptiſchen
Preſſe zufolge ſoll der volle Text der engliſchen und ägyptiſchem
Note gleichzeitig veröffentlicht werden. Weitere Meldungen
be=
ſagen, daß die ägyptiſche Note in ſehr verbindlichem Tone
gehal=
ten ſei und in einer Reihe von Fragen den Rahmen weiter
ge=
ſteckt habe, als es in der engliſchen Note der Fall geweſen wäre.
Dies bezöge ſich insbeſondere auf die ägyptiſchen Wünſche
hin=
ſichtlich der Verwaltung des Sudans.
In der engliſchen Bevölkerung Aegyptens hat eine Rede des
ſcheidenden amerikaniſchen Geſandten ziemliches Aufſehen erregt,
der erklärte, er ſpreche hiermit ſeinen Dank für die freundliche
Aufnahme aus, die er ſtets in Aegypten genoſſen habe. Er weiſe
die Auffaſſung entſchieden zurück, daß die Aegypter irgendwelche
fremdenfeindliche Gefühle hegten oder jemals die ausländiſchen
Intereſſen hätten ſchädigen wollen. Er ſprach ſich ſehr lobend
über die Zuſammenſetzung und das Verhalten des ägyptiſchen
Parlaments aus und bezeichnete Zaglul Paſcha als einen großen
Staatsmann. — Die Engländer erblicken in dieſen Worten des
Amerikaners eine Oppoſition gegenüber den Erklärungen
Cham=
berlains im Parlament. — Anläßlich des Geburtstags des
Kö=
nigs wurde der engliſche Genevalinſpekteur in Aegypten, Spinks,
geadelt.
Die rumäniſche Kriſe.
Kampfanſage Bratianus an Averescu.
EP. Bukareſt, 4. Juni.
Miniſterpräſident General Aberescu hatte für geſtern abend
6 Uhr eine Konferenz aller Parteiführer einberufen, in der die
Frage der Bildung einer Konzentrationsregierung verhandelt
werden ſollte. Die Führer der beiden größten
Oppoſitionspar=
teien, der liberale Parteichef Bratianu und der Führer der
natio=
malen Bauernpartei, Maniu, kamen jedoch nicht zur Konferenz,
ſondern entſchuldigten ſich in einem an Averescu gerichteten
Schreiben, in dem ſie feſtſtellen, daß Avereseu dem Gedanken
einer nationalen Einheit von allem Anfang an feindlich
gegen=
übergeſtanden ſei, ſo daß ſeine Bemühungen um das
Zuſtande=
komen einer ſolchen Regierung nicht ernſt genommen werden
könnten. — Nach dem Fehlſchlag dieſer Konſerenz trat ein
Kabi=
nettsrat zuſamen. Die Mehrheit der Miniſter ſprach ſich für
den Rücktritt des Geſamtkabinetts aus. Averescu wird demnach
dem König ſeine Demiſſion überreichen.
Die Libevale Partei hielt unter dem Vorſitz Bratianus eine
Konferenz ab, in der beſchloſſen wurde, jede Verbindung zur
Partei Avevescus abzubrechen. Averescu iſt ſowit vollſtändig
iſoliert. Der rumäniſche Geſandte in London, Titulescu, traf
heute aurf Einladung Bratianus in Bukareſt ein. Dem Geſandten
iſt ein Portefeuille im zukünftigen Kabinett zugedacht. Das
rumäniſche Parlament dürfte bald nach der Bildung der neuen
Regierung aufgelöſt werden. Die Neuwahlen würden 30 Tage
ſpäter durchgeführt werden.
Rücktrittsabſichten König Ferdinands?
In gut unterrichteten politiſchen Kreiſen Rumäniens war
heute das Gerücht verbreitet, daß König Ferdiwand ſich mit der
Abſicht trage, abzudanken. Der Zweck dieſes Thronverzichts wäre,
daß der König noch bei Lebzeiten auf die Bildung des
Regent=
ſchaftsrates Einfluß nehmen könnte, damit jede Möglichkeit einer
Aenderung der am 4. Januar 1926 beſchloſſenen Regelung der
Thronfolgefrage ausgeſchloſſen ſei. In dieſem Geſetz wurde
be=
banntlich Kronprinz Karol von der Thronfolge ausgeſchloſſen.
Die politiſche Lage in Rumänien wird von der franzöſiſchen
Preſſe verſchieden beurteilt. — Der „Matin” glaubt, daß der
frühere Generalſtabschef, Geneval Preſchen, neuer
Miniſterpräſi=
dent werde. — Auch der „Petit Pariſien” führt dieſen Namen an,
bezeichnet aber die Ernennung des rumäniſchen Geſandten in
London als wahrſcheinlicher. Außerdem käme der frühere
Außen=
winiſter Duca in Frage. — Das „Petit Joural” würde vor
allem die Ernennung Tituleseus begrüßen, da dieſer
anerkannter=
maßen ein Freund Frankreichs ſei. Die Zeitung glaubt, daß
Averescu nicht endgültig auf ſein früheres Projekt, eine
Militär=
diktatur einzuſetzen, verzichtet habe und offenbar mit
Hinter=
gedanken in die Oppoſition getreten ſei. — Die übrigen Blätter
ſind der Meinung, daß durch den Regierungswechſel die Frage
der Dywaſtie nicht aurfgeworſen werde.
Averescu muß demiſſionieren.
Prinz Prarbu Stirbey wurde mit der Bildung der
Regie=
rung der Nationalen Einigung betraut. Die Ernennung erfolgte
unter dramatiſchen Umſtänden. Der Miniſterrat beriet unter
dem „Vorſitz Avereseus ſeit 7 Uhr die Lage, als plötzlich gegen
8 Uhr der Miniſter am königlichen Hof in das Beratungszimmer
trat und Averescu mitteilte, daß der König den Prinzen
Stirbey mit der Regierungsbildung
beauf=
tragt habe und Averescu zur ſofortigen
Demiſ=
ſion aufforderte. Hierauf zog ſich Averescu zurück, ſchrieb
ſofort ſeine Demiſſion und überreichte das Schriftſtück dem
Miniſter am königlichen Hof. Erſt jetzt ſtellte ſich heraus, daß
Averescu nicht, wie vereinbart war, die Demiſſion der Regierung
überreichte, ſondern um die Verlängerung der Friſt für die
Demiſſion um drei Tage erſucht hat. Als Antwort auf dieſes
Erſuchen hat ihn der König zum ſofortigen Rücktritt auffordern
laſſen. Prinz Stirbey zählt zu den Anhängern Bratianus,
deſſen Einfluß er wahrſcheinlich auch ſeine Ernennung zu
ver=
danken hat. Dem neuen Kabinett wird die Partei Avereseus
nicht angehören. Die Regierungsmehrheit wird ſich vielmehr
aus der Nationalen Bauernpartei, der Partei des Prof. Yorga
und der Partei des Dr. Lupu zuſammenſetzen.
Eröffnung der Ausſtellung
auf der Mathildenhöhe.
Neue Kunſt.
Berlin — Darmſtadt — ünchen
1927.
Nach einjähriger Unterbrechung wurde geſtern wieder eine
Kunſtausſtellung im Olbrichbau der Mathildenhöhe eröffnet, die
von der Neuen Heſſiſchen Arbeitsgemeinſchaft für bildende Kunſt
vorbereitet und durchgeführt worden iſt. Es war nur ein kleiner
Kreis geladen und erſchienen: der Staatspräſident, die Miniſter,
die Spitzen der Behörden, der Oberbürgermeiſter und Spitzen
der Stadtverwaltung, die Perſonen, die am Zuſtandekommen
der Ausſtellung unmittelbar beteiligt waren, die Preſſe und die
ausſtellenden Künſtler.
Der Vorſitzende der Arbeitsgemeinſchaft und des
Ausſtel=
lungsausſchuſſes, Oberregierungsrat Emmerling, begrüßte
die Erſchienenen mit folgender Rede:
Wieder einmal ſtehen wir heute auf dem durch die Kunſt
geweihten Boden der Mathildenhöhe. War es doch die
Mathil=
denhöhe, die mit ihrer großen Ausſtellung 1901, aus der die
Namen Peter Behrens und Joſeph Olbrich hell hervorleuchten,
Darmſtadt in die Zahl der führenden deutſchen Kunſtſtädte
ein=
rücken ließ. Erſt neulich hat dies ja wieder der Reichskunſtwart
hier bei uns beſtätigt und dabei an die dann folgenden
vorbild=
lichen Ausſtellungen der Darmſtädter Künſtlerkolonie erinnert.
Nach dem Umſturz trat an die Stelle des früheren Großherzogs,
dem auch dieſe Kunſtſtätte ihre Entſtehung verdankt und der ſich
um das Kunſtleben unſerer Stadt hohe Verdienſte erworben hat,
der am 1. 1. 1918 gegründete Ständige Rat zur Pflege der Kunſt
in Heſſen, dem die weitere Leitung des Ausſtellungsweſens
ob=
lag und der dann auch eine Reihe erfolgreicher Ausſtellungen auf
der Mathildenhöhe brachte: „Die Kunſt des Jahres 1919‟, „Der
deutſche Expreſſionismus 1920” und „Die kirchlichen
Wand=
gemälde in Heſſen 1921‟
Da der Ständige Rat ſatzungsgemäß aus Nichtkünſtlern
be=
ſteht, regte ſich dann die Künſtlerſchaft, um bei der Veranſtaltung
von Ausſtellungen auch ein entſcheidendes Wort mitzureden, ſo
daß es im Herbſt 1921 zur Bildung der Heſſiſchen Arbeitsgemein=
ſchaft für bildende Kunſt führte. Sie ſetzte ſich zuſammen aus
den Mitgliedern des Ständigen Rats und beauftragten
Ver=
tretern ſämtlicher heſſiſchen Kunſtverbände. Auch ſie brachte
dann wieder Ausſtellungen hier auf der Mathildenhöhe: „Die
deutſche Kunſt 1922‟, „Die deutſche Kunſt 1923” und „Die
ſüd=
weſtdeutſche Kunſt 1924”, bis dieſe Arbeitsgemeinſchaft durch
ein=
ſeitigen Beſchluß der Künſtlerſchaft geſprengt wurde. In den
nun kommenden führerloſen Jahren 1925 und 1926 wurden von
den ſeither berufenen Stellen Ausſtellungen hier oben nicht
ver=
anſtaltet. Erſt im letzten Sommer fanden ſich die im heſſiſchen
Künſtlerkartell vereinigten Künſtler und der Ständige Rat in
der Neuen Arbeitsgemeinſchaft für bildende Kunſt wieder
zu=
ſammen, deren erſte größere künſtleriſche Tat wir heute eröffnen
wollen. Ich darf wohl ſagen, daß dieſe Tat geglückt iſt, was um
ſo erfreulicher iſt, weil es unſere vornehmſte Aufgabe iſt, eine
uns auf dem Gebiet des Ausſtellungsweſens überkommene hohe
Tradition aufrecht zu erhalten.
Ich erlaube mir zunächſt, alle die herzlich willkommen zu
heißen, die auf unſere Einladung zur Eröffnungsfeier heute hier
erſchienen ſind. Ich begrüße in erſter Linie die Herren der
heſ=
ſiſchen Regierung, an ihrer Spitze Herrn Staatspräſident Ulrich,
als Repräſentanten der Stadt Darmſtadt Herrn
Oberbürger=
meiſter Dr. Gläſſing, die Vertreter des Landtags und der
Stadt=
verordnetenverſammlung, die Vertreter der Preſſe, die hier
er=
ſchienenen Galeriedirektoren, die Ausſteller und vor allem die
Beauftragten der Berliner Sezeſſion und der Münchener Neuen
Sezeſſion, die wir hier bei uns ſehen. Ihnen allen ſage ich für
ihr Kommen heute namens des Ausſtellungsausſchuſſes unſeren
beſten Dank.
Nun noch ein paar Worte über die Ausſtellung „Neue Kunſt
1927‟ Während die in dieſen Tagen zu eröffnende Ausſtellung
im Landesmuſeum, die ganz Hervorragendes bringen wird, alte
Kunſt bedeutet, wollen wir als intereſſante Ergänzung neue
Kunſt zeigen, wie ja die Mathildenhöhe von jeher der Schauplatz
und das Symbol für die lebende Kunſt der Gegenwart geweſen
iſt. Ich darf wohl dankbar anerkennen, daß uns auf dieſem
unſerem Wege die beiden bedeutendſten Künſtlergruppen in
Berlin und München, die auf dem Gebiet der freien Kunſt
rich=
tunggebend ſind, ihre wertvolle Unterſtützung geliehen haben:
die Berliner Sezeſſion und die Münchener Neue Sezeſſion.
Und wenn ſich die heſſiſche Künſtlerſchaft mit ausgewählten
Werken hinzugeſellt, ſo iſt damit Nord, Süd und Mitte deutſcher
Gegenwartskunſt in, wie uns ſcheint, glücklicher Weiſe vereinigt.
Was wir hier bringen, iſt eine Ausleſe der Erprobten, die ſich
die künſtleriſche Reife bereits erkämpft haben, wodurch das
Ge=
ſicht der Ausſtellung ſehr ausgeglichen wird und in ſeiner
Geſamtwirkung große Ausdruckskraft gewinnt.
Sehr deutlich heben ſich die geiſtigen und künſtleriſchen
Unterſchiede der drei Gruppen voneinander ab, eine jede auf
ihren eigenen Wegen denſelben Zielen zuſtrebend, in der
Gedan=
kenwelt und beſonders im Temperament ſehr verſchieden.
Der Ueberblick über alle zeigt, daß der Expreſſionismus mit
wenigen Ausnahmen überwunden iſt, ebenſo auch ſchon die
ſoge=
nannte neue Sachlichkeit. Das Streben nach rein maleriſcher
Wirkung, ohne Tendenz, ohne Belaſtung mit Gedanken, mit
Programmen, Literatur uſw. tritt klar hervor. Eine große
Aus=
beute der erſt in letzter Zeit wieder aufgenommenen
Studien=
reiſen ins Ausland, namentlich Paris und Italien, wird
ausge=
breitet, und es zeigt ſich hier gerade die völlig neue Einſtellung
zu denſelben Problemen und Vorwürfen, die eine vergangene
Zeit der Romantik anders gelöſt hat. Eine Anzahl
farbenfreu=
diger Aquarelle, eine gedankenreiche Graphik und ausdrucksvolle
Plaſtik ergänzen den großen Eindruck der Gemälde.
Das allgemeine Bild der Ausſtellung iſt ſehr harmoniſch,
ernſt und vielſeitig, außerordentlich lehrreich für Kunftfreunde
und Künſtler und erfreulich für jeden Beſchauer.
Es bedarf wohl keiner weiteren Ausführungen darüber, daß
die ganze Lage am Kunſtmarkt eben eine ſehr traurige iſt und
daß unter dieſer bedauerlichen Erſcheinung unſere Künſtler
un=
gemein ſchwer leiden. Hoffen wir, daß unſere jetzige Ausſtellung
hiervon eine rühmliche Ausnahme bringt und daß von den
aus=
geſtellten Arbeiten recht viele ihre Käufer finden.
Mit dieſem aufrichtigen Wunſche darf ich mir erlauben, die
Ausſtellung für eröffnet zu erklären.
Sodann ſprachen die Herren Prof. Eugen Spiro und Prof.
Hans Reinhold Lichtenberger als Vertreter der Berliner
Sezeſſion und der Münchener Neuen Sezeſſion, beide in warmen
Worten ihren Dank für die Einladung zur Beteiligung und für
die in kollegialſter Weiſe empfangene Gaſtfreundſchaft aus.
Die Ausſtellung, als Ganzes betrachtet, entſpricht in der
Tat der in der Rede gegebenen Charakteriſierung. Sie iſt
über=
ſichtlich geordnet, ſehr geſchmackvoll gehängt und aufgeſtellt und
darf als eine der beſten angeſehen werden, die in Darmſtadt ſeit
langem gezeigt worden iſt. Sie ſcheint würdig und geeignet, den
Ruf unſerer Stadt neu zu beleben.
Eingehende Beſprechungen werden folgen. Einſtweilen ſei
ſie einem regen Beſuch, der geſtern nachmittag bereits ſtark
ein=
geſetzt hat, warm empfohlen.
v. H.
Seite 4
Sonntag, den 5. Juni 1927
Nammer 135
Die Wirtſchaftsbeziehungen
Deutſchlands zu Polen und der
Tſchechoflowakei.
Berlin, 3. Juni.
Im Rahmen einer Sondernummer für den Oſten gab
Reichs=
außenminiſter Dr. Streſemann der „Schleſiſchen
Volkszei=
tung” folgenden Beitrag: Deutſchland ſteht zurzeit in
Handels=
vertragsverhandlungen mit denjenigen ſeiner Nachbarſtaaten,
mit denen es die längſten Grenzen gemeinſam hat: Frankreich,
Polen und der Tſchechoflowakei. Die allgemeine Entwicklung der
volkswirtſchaftlichen Tendenzen in Europa, die von der
Welt=
wirtſchaftskonferenz in Genf ſehr eingehend charakteriſiert
wor=
den iſt, bereitet dem Abſchluß von Handelsverträgen manche
Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite läßt es die
Notwendig=
keit des noch längſt nicht vollendeten wirtſchaftlichen
Wiederauf=
baues in Europa als dringend erwünſcht erſcheinen, daß der
wirtſchaftliche Wechſelverkehr zwiſchen den einzelnen Staaten
Europas durch die vertragliche Regelung der Handelsbeziehungen
erleichtert und geſteigert wird.
Die Verhandlungen zwiſchen Deutſchland und Polen über
den Abſchluß eines Handelsvertrages gehen bereits ins dritte
Jahr. Entſprechend dem Typus der deutſchen Nachkriegs=
Han=
delsverträge, ſoll der deutſch=polniſche Handelsvertrag
Beſtim=
mungen über das beiderſeitige Niederlaſſungsrecht und über die
Zolltarife enthalten. Vor kurzem erſt hat Brentano in einem
gänzlich unpolitiſchen Artikel der „Europäiſchen
Wirtſchafts=
zeitung” ausgeführt, daß die Ausfuhr von Fertigfabrikaten
un=
bedingt die Freiheit der Einreiſe und der Niederlaſſung zur
Vor=
ausſetzung hat, und gerade um ſolche Ausfuhr handelt es ſich für
Deutſchland. Gelegentlich in der polniſchen Preſſe aufgetauchte
Befürchtungen einer Ueberſchwemmung Polens mit deutſchen
Einwanderern ſind völlig unbegründet. Aber auch abgeſehen von
ſolchen leicht widerlegbaren Ideen, bereitet das Beſtreben
Polens, einen einheimiſchen Arbeitsmarkt zu ſchützen, einer
Ver=
ſtändigung in der Niederlaſſungsfrage bisher erhebliche
Schwie=
rigkeiten.
Der naturgemäße wirtſchaftliche Austauſch zwiſchen
Deutſch=
land und Polen läßt ſich im großen und ganzen auf die Formel
bringen, daß Polen agrariſche Rohprodukte, Deutſchland dagegen
Fertigfabrikate ausführt. Trotzdem iſt eine vertragliche Einigung
über die Bedingungen dieſes Austauſches nicht leicht, denn die
Einfuhr von agrariſchen Erzeugniſſen aus Polen bildet eine
Be=
laſtung der deutſchen Landwirtſchaft, während man in Polen von
der Einfuhr deutſcher Induſtrieerzeugniſſe eine Gefährdung der
holniſchen Handelsbilanz befürchtet, die auf die polniſche
Wäh=
rung zurückſchlagen könnte. Infolge dieſer rein ſachlichen
Schwie=
rigkeiten haben die langwierigen bisherigen Verhandlungen trotz
des guten Willens zu einer Verſtändigung, und trotz der
erheb=
lichen hierbei geleiſteten Einzelarbeit noch wenig poſitive
Ergeb=
niſſe gehabt. Um ſo mehr muß auf beiden Seiten alles getan
werden, um zu einem Ausgleich der Intereſſen zwiſchen den
bei=
den Verhandlungspartnern zu gelangen. Denn es liegt auf der
Hand, daß es ein abnormer und beide Seiten ſchädigender
Zu=
ſtand iſt, wenn zwei Nachbarſtaaten mit ſo ſtarken wirtſchaftlichen
Verbindungen wie Deutſchland und Polen keinen
Handelsver=
trag miteinander beſitzen. Politiſche Momente haben bei den
Verhandlungen bisher keine unmittelbare Rolle geſpielt.
Natür=
lich wirkt die allgemeine politiſche Atmoſphäre zwiſchen beiden
Staaten auch auf die wirtſchaftlichen Verhandlungen zurück, und
es iſtdaher nur zu wünſchen, daß das bei der letzten Tagung des
Völkerbundsrats von beiden Seiten bekundete Beſtreben nach
einer Beſſerung der deutſch=polniſchen Beziehungen nicht durch
Zwiſchenfälle, wie ſie zu Klagen der deutſchen Miderheit geführt
haben, geſtört wird.
Weſentlich verſchieden von der Lage der deutſch=polniſchen iſt
die der Handelsvertragsverhandlungen, die wir gleichzeitig mit
der Tſchechoſlowakei führen. Der Handelsverkehr zwiſchen beiden
Ländern iſt zurzeit durch das im Jahre 1920 abgeſchloſſene
Wirt=
ſchaftsabkommen geregelt. Die Grundlage dieſes Abkommens iſt
die gegenſeitige Meiſtbegünſtigung. Der Mangel an
Sonderver=
einbarungen auf dem Gebiete des beiderſeitigen Zolltarifs macht
ſich jedoch bei der fortſchreitenden Konſolidierung der
Wirt=
ſchaftsverhältniſſe beider Staaten immer ſtörender für den
Warenaustauſch bemerkbar. Es werden daher ſeit längerer Zeit
von Vertretern beider Staaten Verhandlungen mit dem Ziele
geführt, das Meiſtbegünſtigungsabkommen durch einen
Handels=
vertrag mit umfaſſender Zolltarifabrede zu erſetzen.
Die Verhandlungen ſind fchon weit fortgeſchritten und
wer=
den in den nächſten Tagen nach einer kurzen Unterbrechung, die
aus techniſchen Gründen eintreten mußte, wieder aufgenommen
werden. Bei den regen Wirtſchaftsbeziehungen zwiſchen den
bei=
den Ländern und den vielgeſtaltigen Konkurrenzintereſſen iſt es
ſelbſtverſtändlich, daß die Verhandlungen, zumal es ſich dabei
um die Gewinnung einer erſten Grundlage für die definitive
Regelung der beiderſeitigen Wirtſchaftsbeziehungen handelt
ziemlich langwierig und nicht immer einfach ſind. Es iſt auch
natürlich, daß beide Parteien mit zäher Ausdauer jede Poſition
ihrer Stellung verteidigen und möglichſt viele Vorteile für ihr
eigenes Land zu erreichen ſuchen. Die bisherigen Verhandlungen
haben aber gezeigt, daß keine Gegenſätze beſtehen, die nicht bei
dem auf beiden Seiten vorhandenen guten Willen ausgeglichen
werden könnten. Es kann mit Genugtuung feſtgeſtellt werden,
daß die Verhandlungen von freundlichſtem Geiſte getragen und
von dem Beſtreben beherrſcht werden, einen Ausgleich der
Inter=
eſſen zu finden und ein Ergebnis herbeizuführen, das beide Teile
befriedigt. Deshalb können wir auch den Schlußverhandlungen
mit Vertrauen und der Hoffnung entgegenſehen, daß ſie bald
durch den Abſchluß eines den beiderſeitigen Intereſſen gerecht
werdenden Vertrages gekrönt werden.
Die vorbereitenden Gebührenerhöhungen
der Reichspoſi.
Berlin, 4. Juni.
Der Arbeitsausſchuß des Verwaltungsrates der Deutſchen
Reichspoſt führte vom 1. bis 4. Juni die Beratungen über die
Gebührenerhöhung zu Ende. Er nahm eine Reihe von
Herab=
ſetungen gegenüber dem Verwaltungsendwarf vor, die einen
Ausfall von rund 45 Millionen RM. zur Folge haben, und
be=
ſchloß, der Vollverſammlung des Verwaltungsrates u. a. folgende
wichtigere Gebühren vorzuſchlagen:
Ortsbriefe (bis 20 Gr.) 8 Pf., Fernbriefe bis 20 Gr.) 15 Pf.,
Ortspoſtkarten 5 Pf., Fernpoſtkarten 8 Pf., Druckſachen (bis 50
Gr.) 5 Pf., Geſchäftspapier und Warenproben (bis 250 Gr.) 15
Pf., Päckchen 40 Pf., Poſtanweiſungen bis 10 RM. 20 Pf., über
10 bis 25 RM. 30 Pf. uſw.; Poſtſcheckverkehr: Einzahlungen bis
10 RM. 10 Pf., über 10 bis 25 RM. 15 Pf., Ueberweiſungen
5 Pf., Beförderung der Poſtſchedbriefe in beſonderen Umſchlägen
5 Pf.; Telegrahenverkehr: Wortgebühr der Ortstelegramme 8 Pf.,
für Ferntelegramme 15 Pf.
Die Aenderung der Paket= und Zeitungsgebühren iſt
zurück=
geſtelli worden. Die Gebühren der Auslandsſendungen bleiben
unverändert. Die endgültige Beratung der Gebührenvorlage im
Plenum des Verwaltungsrats der Deutſchen Reichspoft findet
am 17. Juni ſtatt.
Püngiigeit und Rheinanobeſetzung.
Von
Carl Schmid (Düſſeldorf), M. d. L.,
Staatsſekretär im Reichsminiſterium für die beſetzten Gebiete.
Was ich als Mitbetreuer des beſetzten Rheinlandes und
rheiniſcher Abgeordneter an Pfingſtwünſchen auf dem Herzen
habe, läßt ſich in aller Kürze darlegen. Ich bitte, von mir keinen
langen Auffatz zu erwarten. Es gibt Zeiten, in denen die zur
praktiſchen politiſchen Arbeit Berufenen lieber zehn Worte zu
wenig als eines zu viel ſagen ſollen. Ich wünſche möglichſt
raſche Fortſchritte in der Richtung auf das erſehnte Endziel;
Befreiung des rheiniſchen Bodens von dem immer noch
fort=
dauernden ſchweren Druck fremder Truppenmacht.
Gerade im Zuſammenhang mit Pfingſtgedanken ſcheint mir
eine Betrachtung des Beſetzungsproblems am Platze. Von alters
her wird Pfingſten als das Feſt der Erneuerung am Geiſte
ge=
feiert. Deutſches Weſen verknüpft mit dieſem Feſt einen
beſon=
ders glaubensſtarken, hoffenden Zug. Wenn heute noch mehr
als vier Millionen Deutſcher im Weſten unter fremder Gewalt
ſtehen mit aller Bedrückung und mit allem ſeeliſchen Leid, die
nun einmal unvermeidliche Begleiterſcheinungen ſolchen
Zuſtan=
des ſind, ſo iſt das der klarſte Beweis dafür, wie ſehr noch
ein=
ſeitige Machtideen und quälender Argwohn die Beziehungen der
Völker beherrſchen. Möge daher wahrer Pfingſtgeiſt ſich nun
endlich ſiegreiche Bahn brechen und die raſche Löſung des
Beſatzungsproblems ermöglichen, das, wie ſelten eines, ſich
immer wieder als friedensſtörend erweiſt, als eine künſtlich offen
gehaltene Wunde am Leibe Europas. Erſt die Befreiung des
Rheinlandes und des Saargebietes wird jene Periode
allge=
meiner Befriedung und wirklicher Annäherung der Völker
ein=
leiten, die für den Wiederaufſtieg aller europäiſchen Staaten von
ſo entſcheidender Bedeutung ſind.
Haben wir Ausſichten, daß wir in abſehbarer Zeit dem Ziele
der Rheinlandbefreiung näherkommen? Zweifellos droht heute
in weiten Kreiſen des deutſchen Volkes ein Gefühl lebhafter
Ungeduld einzuziehen. Aber die hiſtoriſche Erfahrung lehrt, daß
die geſchichtliche Entwicklung ſich nun einmal in
Wellenbewegun=
gen vollzieht. Man kann in der großen Weltpolitik keine
Termin=
geſchäfte machen. Die Erkenntnis, daß die Rheinlandbeſetzung
durch Locarno, und durch unſeren Völkerbundseintritt ihren
Sinn, ihre moraliſche Grundlage verloren hat, wird ſich, wenn
auch unter Rückſchlägen, durchſetzen, weil ſie ſich eben vermöge
der Schwerkraft der geſamten politiſchen Entwicklung durchſetzen
muß. Und ſo wollen wir nicht in den deutſchen Erbfehler des
Parteiſtreites und der Kritikſucht an der Staatsleitung verfallen,
weil es nicht immer ſo raſch geht, wie wir erwartet haben.
Viel=
mehr wollen wir aus der chriſtlichen Pfingſtlehre die
glaubens=
ſtarke und frohe Hoffnung ſchöpfen, daß die Stunde der
Befrei=
ung unſerer Volksgenoſſen an Rhein und Saar in nicht zu ferner
Zeit ſchlagen werde. Richten wir im unbeſetzten Deutſchland
uns an dem Vorbilde des Rheinlandes ſelbſt auf, das auch in
den Zeiten höchſter Gefahr in unerſchütterbarer Reichstreue
ſeinen traditionellen Optimismus immer raſch wiedergefunden
hat, das mit ganzer rheiniſcher Sehnſucht um ſeine Freiheit
ringt, aber lieber noch einige Zeit die bisherigen Ketten
weiter=
tragen als eine Scheinfreiheit mit neuen Opfern, mit neuen
gefahrvollen Bindungen für ganz Deutſchland eintauſchen möchte.
So wollen wir in der Hoffnung auf eine baldige Einkehr
wahren Friedensgeiſtes, im ſtarken Glauben an des Rheinlandes
und Deutſchlands= Befreiung rheiniſche Pfingſten 1927 begehen,
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Nummer 135
Sonntag, den 5. Juni 1927
Seite 5
Aus der Landeshauptſiadt.
Darmſtadt, 5. Juni.
*Pfingſten.
Es iſt in jedem Jahre dasſelbe, und in jedem Jahre begrüßt man
das Feſtkleid, mit dem ſich die Natur ſchmückt, mit Freude. Freilich —
auch darin ſind Wandlungen eingetreten. Die poeſievolle Verträumtheit
eines Eichendorff iſt ein Fremdes in unſerer Zeit, wenn man nicht in
ge=
wiſſen Beſtrebungen der heutigen Jugend etwas Verwandtes, eine
Ro=
mantik erblicken will, die eine Abkehr von dem poeſieloſen
Gegenwarts=
geiſt bedeutet, in der heute Millionen von Menſchen gefangen ſind.
Man gibt ſich zwar auch heute den Anſchein, als ob Poeſie in unſerem
Leben wäre, man ſpricht von einer Muſik der Eiſenhämmer und des
Näderwerks gigantiſcher Werke der Technik. Aber iſt das nicht eine
Täuſchung, ein Erſatz, zu dem man ſich gezwungen ſieht und deſſen
Voll=
wert man ſich einredet, weil ſonſt unſer Daſein unendlich arm wäre trotz
der Fülle von Ereigniſſen, die täglich ud ſtündlich auf uns einwirtt.
Wena wirklich das alles Poeſie wäre, wenn es befriedigen könnte,
wes=
halb dann das Drängen nach Stille? Weshalb ſucht man ſtille Täler auf,
wenn man Erholung von der aufreibenden Haſt des ganzen Jahres
ge=
winnen will, weshalb läßt man am Strande das grandioſe Wellenſpiel
der See auf die Sinne und in die Seele wirken, weshalb ſtrebt man mit
aller Macht fort aus dem Bereich der Maſchine? Naturnähe fordern wir
alle, und die am ſtärkſten, die ſich am weiteſten von ihr entfernt haben.
Oft genug kann man leider erſtaunen, ob der Gefühlsarmut, ob der
Oberflächlichkeit, mit der man der Natur gegenübertritt. Es iſt nichts
damit getan, wenn man ausruft: Wie ſchön, und ſchon ſeinen Schritt
weiterwendet, weil man es verlernt hat, ſtill zu ſtehen in tieſinnerlicher
Betrachtung.
Wald und Feld grünen und blühen jetzt.. Das Hochzeitskleid hat die
Natur übergeſorfen, ein Feſtgewand, und wir alle werden in
Feſtklei=
dern zu ihr pilgern, uns an ihr freuen. Werden wir aber auch
pfingſt=
liche Menſchen ſein? Werden wir es vermögen, all den Staub, den uns
der Alltag übergeworfen hat, von uns zu ſchütteln, frohe, innerlich freie
Menſchen zu ſein, die ſich am Augenblick freuen und doch auch der
Zu=
kunft klaren Blick ſchenken? Denn das ſoll der Sinn des Feſtes ſein, daß
wir nus auf unſere höheren Aufgaben beſinnen. Zu eindringlicher
Er=
kenntnis ſoll es werden, daß ſich das Leben nicht erſchöpft im Haſten nach
Erfolg und Glück, ſondern daß uns als Menſchen Aufgaben zufallen,
die über den grauen Tag hinausweiſen. Freude, ja ſogar Jubel ſchließt
ernſte Beſinnung nicht aus, ſie geben ihr nur Tiefe und Gehalt. Und
das zu ſuchen, unbekümmert zu ſuchen und zu glauben, daß uns das
Rechte zufällt, wenn wir nur im rechten Geiſte darum werben, das ſollte
dem Pfingſtfeſt ſeinen Charakter geben.
— Heſſiſche Verwaltungsakademie, Abteilung Darmſtadt. Die Hörer
und Freunde der Anſtalt ſeien nochmals darauf hingewieſen, daß am
Mittwoch, den 8. Juni, abends 7.45 Uhr, im Hörſaal 330 der Techniſchen
Hochſchule Geheimrat Prof. Dr. Mittermaier aus Gießen über
„Das neue Geſetz zur Bekämpfung der Geſchlechtskrankheiten” ſpricht.
Der Beſuch iſt frei.
— Heſſiſches Landestheater. In der heutigen Aufführung von
Wagners „Parſifal” ſingt Guſtav Deharde die Titelpartie.
Muſi=
kaliſche Leitung: Max Hüsgen. Am Pfingſtmontag gelangt im Großen
Haus Leſſings ſeit 1919 nicht mehr gegebenes dramatiſches Gedicht
„Nathan der Weiſe” zur Aufführung. Arthur Kraußneck vom
Berliner Staatstheater, der Senior der deutſchen Schauſpieler, gaſtiert
in dieſer Aufſüihrung als Nathan, als der er nach allgemeinem Urteil
das künſtleriſche Erbe des einſt in dieſer Rolle ſo berühmt geweſenen
Adolf Sonnenthal angetreten hat. Neben ihm ſtehen in den übrigen
Rollen die Damen: Foerder (Recha), Meißner (Sittah), Carlſen (Daja),
und die Herren: Baumeiſter (Sultan), Wittgen (Tempelherr), Büttmner
(Derwiſch) und Nemetz (Patriarch). In der Nolle des Kloſterbruders,
die er ſchon mit Arthur Kraußneck am Berliner Staatstheater geſpielt
hat, wird Generalintendant Ernſt Legal zum letzten Male in
Darm=
ſtadt auftreten. Das Werk iſt von Oberregiſſeur Edgar Klitſch in
Szene geſetzt, der bekanntlich zum Intendanten des Mainzer
Stadt=
theaters berufen wurde und ſich mit dieſer Inſzenierung ebenfalls
ver=
abſchiedet. Entwürfe des Bühnenbildes: Arthur Pohl. Die
Auf=
feihrung iſt der Miete I. zugeteilt und beginnt um 7½ Uhr.
— Ultraphon=Konzert. Das kürzlich im Mathildenhöhſaale von der
Firma Heinrich Arnold, Wilhelminenſtraße 9, veranſtaltete
Ultra=
phon=Konzert hatte einen außerordentlich zahlreichen Beſuch aufzuweiſen.
Zur Einleitung des Abends ſetzte der Vertreter der Deutſchen Ultraphon
A.G. (Berlin) in einem allgemein verſtändlichen Vortrage auseinander,
welche Gedankengänge den Erfinder des neuen Apparates, Heinrich 2
Küchenmeiſter=Berlin, bewogen haben, an die Konſtruktion dieſer „
plaſti=
ſchen Sprechmaſchine” heranzugehen, und auf welche Weiſe er dies
Pro=
blem techniſch gelöſt hat. Dann folgte ein regelrechtes Konzert, welches
durch die Darbietung von großen Chören, von Orcheſte aufnahmen,
Sologeſängen und Inſtrumentalmuſik den Zuhörern ein Bild davon gab,
welche Bedeutung dem Ultraphon auf dem Gebiete der Tonerzeugung
und der hinſtlichen Wiedergabe von Tönen — ſei es in inſtrumentaler
oder vokaler Art — hat. Der allgemeine Eindruck war ausgezeichnet.
Die Größe und Fülle des Tones, die ſelbſt in dem zirka 600 Menſchen
faſſenden Saale, der bis auf den letzten Platz gefüllt war, voll zu=
Gel=
tung kam, wurde beſonders anerkannt. Das Konzert war ein Genuß für
alle Zuhörer.
— Städt. Akademie für Tonkunſt. Saxophonunterricht. Es wird
von Intereſſe ſein, daß in der Städt. Akademie für Tonkunſt
Saxophon=
unterricht, durch eine bewährte Lehrkraft erteilt wird. Gerade die
Muſikentwickelung in der letzten Zeit hat dieſes Inſtrument in den
Vordergrund gebracht. Das Saxophon findet nicht nur bei der
Jazz=
band Verwendung, ſondern hat ſchon ſeit längerer Zeit durch Richard
Strauß auch in Orcheſtern Eingang gefunden, ſo daß eine bedeutende
Nachfrage nach guten Saxophonbläſern beſteht. Jede nähere Auskunft
erteilt das Sekretariat der Städt. Akademie für Tonkunſt,
Eliſa=
bethenſtraße 36.
— Jubiläum des Vereins Freundinnen junger Mädchen. Wie aus
der Anzeige hervorgeht, feiert der deutſche Nationalverein der
Freun=
dinnen junger Mädchen vom 8. bis 11. Juni hier ſein 50 jähriges
Jubiläum, zu dem ſich über 300 Mitglieder aus allen Teilen Deutſchlands
angemeldet haben. Die Unterbringung derſelben in unſerer Stadt war
nicht leicht, umſo weniger, als wegen Zuſammenfallens mehrer
Tagun=
gen faſt keine Hotelzimmer zu haben ſind. Nach einem öffentlichen
Vortrag von Fr. Warlich=Caſſel mit dem Thema: „Bewahren iſt beſſer
als retten”, wird die Feier am Mittwoch, den 8. Juni, eröffnet durch
einen Begrüßungsabend im Städt. Saalbau (Großer Saal), zu dem nur
Mitglieder mit gelben Karten Zutritt haben. Die öffentliche
Sitzung am Donnerstag wird durch eine Anſprache der Frau
National=
vorſitzenden eingeleitet. An die Begrüßung durch Vertreter der Behörden
und Vereine ſchließen ſich Jahresbericht der Nationalſchriftführerin mit
kurzer Geſchichte des Vereins und der Kaſſenbericht des Schatzmeiſters
an. Um 1½ Uhr iſt im Saalbau gemeinſchaftliches Mittageſſen nur
für Mitglieder. Um 3 Uhr findet eine Autofahrt nach Lindenfels und
Schönberg ſtatt, wvo an den Gräbern der heimgegangenen
Nationalvor=
ſitzenden Kränze niedergelegt werden. Vorausſichtlich können nur die
Delegierten der Landes= und Provinzialvereine (ſiehe 8 16 der
Satzun=
gen) an der Fahrt teilnehmen. Für die übrigen Mitglieder erfolgt
Führung daurch Darmſtadt. Am Freitag, den 10. Juni, findet nach der
um 9 Uhr beginnenden geſchloſſenen Mitgliederverſammlung eine
öffentliche Verſammlung mit mehreren Vorträgen ſtatt. Von 8½
Uhr ab iſt nur für Mitglieder ein Zuſammenſein im Neuen Palais.
Vorläufiges Ergebnis der Wohnungszählung
in der Siadt Darmſiadt.
hat, wurden in der Stadt Darmſtadt 6340 Grundſtücksliſten
und 24074 Wohnungskarten abgegeben. Die Grundſtücksliſten
Wohnung vom Hauseigentümer gemietet hat und die Miete unmittelbar zur rhythmiſchen Organiſation der Bildfläche, zum ſyntaktiſchen
an dieſen oder deſſen Vertwter zahlt. Auch der Hauseigentümer ſelbſt. Aufbau in einer weiſen Beſchränkung auf die gerade beim Paſtell
hatte für ſeine eigene Wohnung eine Wohnungskarte abzugeben, ebenſo
die Inhaber von Hausverwalter=, Dienſt= oder Freiwohnungen.
Die abgegebenen Zählpapiere verteilen ſich auf die einzelnen
Polizei=
bezirke wie folgt:
a)Grundſtücksliſten: 1. Bezirk: 635, 2. Bezirk 845, 3.
Be=
zirk: R1 4. Bezirk 861, 5. Bezirk 1104, 6. Bezirk 1134 und 7. Bezirk 790.
b)Wohnungskarten: 1. Bezirk: 2389 2. Bezirk 3506, 3.
Be=
zirk: 3754, 4., Bezirk 3258, 5. Bezirk: 3751, 6 Bezirk 3901, 7. Bezirk 3516.
mehr als eine ſelbſtändige Haushaltung in einer Wohnung wirtſchaftet. „Achenſee” und „Lauterſee” iſt die Hochgebirgswelt ausgebreitet
die Durchprüfung der rund 30 000 Zählpapiere, die z. Zt. im Stadthaus
vorgenommen wird, vollendet iſt. Es dürfte noch intereſſieren, daß die
Stadt zur Durchführung der Zählung in 441 Zählbezirke eingeteilt war,
in denen zuſammen 324 Zähler arbeiteten.
Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters
Großes Haus.
Pfingftſonntag, 5. Juni. D 22. Anfang 5 Uhr, Ende 10 Uhr:
„Parſifal” ein Bühnenweihefeſtſpiel von Richard
Wag=
ner. Preiſe 1,20 bis 12 Mk.
Pfingſtmontag, 6. Juni. T 24. Anfang 7½, Ende nach 10 Uhr: ſich immer und immer wieder junge Leute, die den Beruf in ſich fühlen.
Einmaliges Gaſtſpiel Arthur Kraußneck vom Staatstheater
Preiſe 1 bis 10 Mk.
Preiſe 1 bis 10 Mk.
Mittwoch, 8. Juni. B 23; Mozartzyklus 5. (letzte) Vorſtellung.
von Mozart. Preiſe 1 bis 10 Mk.
Donnerstag, 9. Juni. C 22. Anfang 7½ Uhr, Ende nach 10 Uhr:
1 bis 10 Mk.
Freitag, 10. Juni. D 23. Anfang 7 Uhr, Ende 10½ Uhr: „Der
1 bis 10 Mk.
Samstag, 11. Juni. K 17 (Bühnenvolksbund). Anfang 7½ Uhr,
Ende nach 10 Uhr: „Nathan der Weiſe” ein
drama=
tiſches Gedicht von Leſſing. Preiſe 1 bis 10 Mk.
„Aïda”, Oper von Verdi. Preiſe 1 bis 10 Mk.
Kleines Haus: Keine Vorſtellungen.
Lrreichtarte mobelanscnatang:
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Art ohne Anzahlung gegen Ratenzahlungen
bis zu 18 Monaten. Mützen Sie die günstige
Hedrärlscherfinekandersk.te
Zirkus Lorch. An den beiden Feiertagen finden je zwei große
Vorſtellungen ſtatt, und zwar jeweils nachmittags 3.30 Uhr und abends
8.15 Uhr. Es wird auf die aus dem Anzeigenteil erſichtliche günſtige
Zugerverbindung aufmerkſam gemacht, ſowie auf den Omnibusverkehr.
— Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte
und Heimatkunde. Donnerstag abend 8 Uhr, Vortragsabend
im Eintrachtſaal, Eliſabehtenſtraße 18. Vortrag von Herrn
Oberſchul=
rat Ritſert über „Darmſtädter Straßennamen und ihre Geſchichte‟.
— Die Vereinigung Darmſtädter Soliſtinnen (Leiter Bernd Zeh)
ſänger Hölzlin (Baß) und Organiſt Niebergall (Orgel), in der
Johannes=
kirche eine Brahmsgedächtnisfeier. Zur Aufführung gelangen die
4s=Moll=Fuge und 2 Choralvorſpiele für Orgel, 2 der „vier ernſten
Ge=
ſänge” für Baß, 3 geiſtliche Frauenchöre a/ Capp., „Ave Maria” und de
13. Pſalm für Frauenchor mit Orgel.
— Kriegerverein Darmſtadt. Bei dem Ehren=Abend am 1. Runi
wurden dem 1. Vorſitzenden, General v. Hartmann, dem 2. Vorſitzenden,
Bauinſpektor Hummel, ſowie dem Zeugwart Werkmeiſter Müller das
Haſſia=Ehrenkreuz verliehen für ihre Verdienſte im
Kriegervereins=
weſen.
— Verſammlung des Penſionärvereins. Es wird uns geſchrieben:
Wir wollen nicht unterlaſſen, nochmals auf die für Donnerstag, den
9. Juni, nachmittags 3 Uhr, im Fürſtenſaal, anberaumte Verſammlung
des Penſionärvereins hinzuweiſen. Da, Zeitungsnachrichten zufolge, die
Reichsregierung bei der neuen Beſoldungsreform eine Herabſetzung der
Ruhegehälter plant, ſo gilt es, gegen dieſe Abſicht rechtzeitig und
nach=
drücklich Stellung zu nehmen. Alle Ruheſtandsbeamten und
Hinter=
bliebenen ſind eingeladen. (Vgl. Anz.)
— Photowettbewerb des Zoologiſchen Gartens Frankfurt a. M. Die
Proſpekte zu dem vor einigen Wochen angekündigten Zoo=
Photo=
veranſtaltet wird, ſind ab 1. Juni in allen Photohandlungen gratis zu
erhalten. Zugelaſſen ſind nur Liebhaberphotogrgphen, denen durch dieſen
Wettbewerb Gelegenheit geboten wird, wertvolle Preiſe zu erringen.
5283a
Ausſiellung von Paſtellmalereien und Graphik
des Fräulein A. von Bellersbeim
Bei der Wohnungszählung, die am 16. Mai Ifd. Js. ſtattgefunden vom 4.—11. Juni im Erdgeſchoß des Hauſes Wilhelminenſtr. 42.
Es werden faſt durchweg Arbeiten der letzten Zeit gezeigt:
ſind bekanntlich von allen Grundſtückseigenuimern, auf deren Grundſtücke vorwiegend Reiſeeindrücke aus Florenz und den Dolomiten. Die
ſich Gebäude befinden, nach dem Stand vom 16. Mai Ifd. J3. auszu= Paſtelle des Florentiner Aufenthaltes verraten eine
unverkenn=
füllen geweſen. Die Wohnungskarte war von jedem abzugeben, der eine bare Steigerung über eine feine optiſche Empfindſamkeit hinaus
ſo leicht zu einer Uebertechniſierung verführenden zeichneriſchen
Mittel. Das Paſtell „Bergabhang der Südſeite der Florentiner
Höhenzüge” iſt erfüllt von der legendären Stimmung
quattro=
centiſtiſcher Bildhintergründe. Die Paſtelle aus den Dolomiten
ſind noch in weichen muſikaliſchen Farbenharmonien gegeben,
auf die optiſche Erſcheinungsform hin geſehen: der „Roſen=
Die Anzahl der Wohnungskarten deckt ſich ſelbſtverſtändlich nicht garten” in der Verklärung der Abendſonne, der „Roſengarten”
mit der Anzahl der tatſächlich vorhandenen Haushaltungen, da vielfach hinter zarten, dunſtigen Nebelſchleiern. Auf den Holzſchnitten
Das mitgeteilte Ergebnis iſt nur als ein vorläufiges zu be= in graphiſcher Flächenhaftigkeit bei lockerer, farbiger Anlage.
trachten. Das endgeiltige Ergebnis kann erſt mitgeteilt werden, wenn Schwarz=Weiß=Holzſchnitte bereichern die Ausſtellung auch nach
der rein menſchlichen Seite hin. Auf den Blättern eines
bib=
liſchen Zyklus wird beſonders in der „Bergpredigt” jene Stufe
ſchlichter deutſcher Weſenskunſt erſtrebt wie auf den primitiven
Holzſchnitten des ausgehenden Mittelalters, doch ohne gewollte
Primitivität; es ſind innere Geſichte, unbelaſtet in der
graphi=
ſchen Niederſchrift mit akademiſcher Konvention. Treffſicherheit
im Porträt bezeugen einige Radierungen. — Die Ausſtellung iſt
jeden Tag vom 4. bis 11. Juni zwiſchen 11 und 1 Uhr bei freiem
Eintritt zugänglich.
CZ.
Ausbildung zum Seemannsberuf. Vom Staatsminiſterium wird
uns geſchrieben: Trotz verſchiedener Warnungen in der Preſſe melden
ſich als Seemann ausbilden zu laſſen, lediglich auf Annoncen in den
in Berlin. Neu einſtudiert und inſzeniert: „Nathan der Zeitungen hin oder auf Proſpekte, die ihnen zugeſandt werden, ohne
Weiſe”, ein dramatiſches Gedicht von G. E. Leſſing, ſich vorher zu vergewiſſern, ob die Angebote ernſter Natur ſind und ob
ſich daraufhin auch die erhoffte Ausbildung in Wirklichkeit durchführen
läßt. So verſandte erſt in neueſter Zeit wieder eine in Hamburg an=
Dienstag, 7. Juni. A 22. Anfang 7½9 Uhr, Ende nach 10 Uhr: ſäſſige Firma einen gedruckten Proſpert, in dem ſie ſich bereit erklärte,
„Der Zigeunerbaron”, Operette von Johann Strauß. junge Leute auf erſtklaſſigen Seglern, welche ihrer Reederei gehören,
als Steuermann=Aſpiranten einzuſtellen. Eine einjährige praktiſche
Lehrzeit ſollte Mk. 1500,— pränumerando zahlbar, koſten, wo=
Anfang 7 Uhr, Ende 10 Uhr: „Don Giovanni”, Oper gegen vollſtändige Bekleidung und Ausrüſtung, freie Station und ein
monatliches Taſchengeld von Mk. 15— gewährt würden. Auf jedem
Schiff ſollten nur 2—4 Aſpiranten gefahren werden, die eigene
Unter=
kunftsräume hätten und getrennt von der nicht chargierten Mannſchaft
„Robert und Bertram”, Poſſe von G. Raeder. Preiſe gehalten würden. Es kann nicht dringend genug vor einem Eingehen
auf ſolche oder ähnliche Offerten zur Ausbildung für den
Seemanns=
beruf gewarnt werden. Meiſtens iſt von einer richtigen Ausbildung
Roſenkavalier”, Oper von Richard Strauß. Preiſe überhaupt nicht die Rede und die pränumerando gezahlten Mk. 1500,
ſind verloren. Es kann deshalb allen jungen Leuten, die die
Schiffs=
offizierslaufbahn einſchlagen wollen, nicht dringend genug empfohlen
werden, ſich mit den maßgebenden und von den Behörden anerkannten
Stellen in Verbindung zu ſetzen, insbeſondere alſo mit dem Deutſchen
Schulſchiff=Verein, Bremen, Herrlichkeit 5, dem Verband Deutſcher
Sonntag, 12. Juni. E 25. =Anfang 6½ Uhr, Ende 10 Uhr: Reeder e. V., Hamburg, dem Verein Hamburger Reeder, Hamburg und
dem Bremer Reeder=Verein, Bremen.
— Ehaze Einheitspreishandelsgeſellſchaft. Mit dem geſtrigen Tage
eröffnete die Ehape Einheitspreishandelsgeſellſchaft m. b. H., Zentrale
Köln, in Darmſtadt, Grafenſtraße B½, ihre 19. Filiale. Der für
Deutſchland ganz neue Vertrieb der kleinen, wichtigen und manchmal
un=
beachteten Artikel des täglichen Bedarfs zu den populären
Einheits=
preiſen von 2 und 50 Pf., zu denen Erſtaunliches geboten wird, hat, wie
der Andrang geſtern bewies, auf der ganzen Linie beim Publikum
ſtärkſten Widerhall gefunden. Die Ehape baut ihre Organiſation auf dem
Prinzip auf, ſtändig Artikel des täglichen Bedarfs zu den beiden
Preiſen von 25 und 50 Pf. in beſonderen Lokalitäten nach ihrem
ur=
eigenſten Syſtem zu verkaufen. Die ea. 4000 Artikel der Ehape ſind in
17 Abteilungen zu finden. Neben reichhaltig ſortierten Textilabteilungen
Gelegenheit, ehe die Preise weiter anziehen (8780a ſind beſonders hervorzuheben die Abteilungen Haushalt, Glas,
Por=
zellan, Leder= und Biſouteriewaren, Herren= und Damenartikel,
Spiel=
waren und Geſchenkartikel und eine leiſtungsfähige Lebensmittelabteilung.
Sämtliche Artikel liegen überſichtlich angeordnet auf den Tiſchen des
Lokals. Vollkommen neuartig iſt auch das Verkaufsſyſtem der Ehape.
An befonderen Kaſſen löſt der Kunde das Reichsgeld gegen Ehape=
Münzen ein. Zu viel eingewechſelte Ehape=Münzen können jederzeit
wieder verwendet oder in Reichsgeld umgetauſcht werden. Der Kunde
ſucht ſich den gewünſchten Gegenſtand aus, die Verkäuferin packt das
Gekaufte ſofort in eine Tüte, überreicht ſie dem Kunden und bekommt
dafür eine Ehape=Münze. Wie oben bereits geſtreift, war das für
Darm=
ſtadt neuartige Unternehmen bereits geſtern, am Eröffnungstage, das
Ziel zahlreicher Darmſtädter Intereſſenten und Käufer. An dem
Um=
bau waren nachſtehende Darmſtädter Firmen hervorragendermaßen
be=
teiligt: Bauleitung: Dipl.=Ing. Hinkel, Baugeſchäft, Maurer=, Betono
Zimmerarbeiten: derſelbe. Schloſſerarbeiten: J. u. E. Jakobi. Elektri
veranſtaltet kommenden Freitag, unter Mitwirkung der Herren Opern= ſche Anlagen: Sallwey u Co. Spengler= und Inſtallationsarbeiten:
Karl Zahrt. Maler= und Weißbinder=Arbeiten: Wilhelm Klein.
Glaſer=
arbeiten: Bau= und Kunſtglaſerei B. Felmer. Plattenbelag: Dipl.=Ing.
Hinkel, Baugeſchäft. Linoleum: Leonh. Menger.
* Die Pulsader durchſchnitten. Geſtern vormittag wollte ein in der
Karlſtraße wohnendes älteres Fräulein ein Huhn tranchieren. Dabei
fuhr ihr das Meſſer aus und durchſchnitt die Schlagader an der linten
Hand. Ein im Hauſe wohnender Sanitäter drückte die Pulsader ab
bis die Städtiſche Rettungswache eintraf. Nach Anlegung eines
Not=
verbandes wurde die Verletzte nach dem Krankenhaus verbracht.
* Einen Selbſtmordverſuch vewibte geſtern nachmittag ein in der
Viktoriaſtraße wohnender Lokomotivführer i. R., indem er die drei
Hähne des Gasherdes aufdrehte. In bedenklichem Zuſtand wurde er
durch die Städtiſche Rettungswache nach dem Stadtkrankenhaus
ver=
bracht. Sofort angeſtellte Wiederbelebungsverſuche hatten zwar Erfolg,
doch iſt der Zuſtand des Mannes noch bedenklich.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notlzen ſind ansſchließlich als Hinwelſe auf Amgeigen zu beiradhten
in keinem Falle irgendwie alt Beſbrechung oder Kriſt.
Im Hotel Prinz Heinrich (Bleichſtraße, am Alten
Bahn=
wettbewerb, der von der Verwaltung des Zoologiſchen Gartens hof), ſchönſter, ſchattiger, ſtaubfreier Garten Darmſtadts, findet an
bei=
den Pfingſtfeiertagen großes Gartenkonzert ſtatt. Der Beſuch wird ganz
beſonders empfohlen. (Siehe Anzeige.)
Gottesdienſt der iſraelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße),
Wochenfeſt.
Sonntag, den 5. Juni: Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Montag, den 6. Juni: Morgen ottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Pre=
digt und Konfirmationsfeier 9 Uhr 15 Min. —
Abendgottes=
dienſt 7 Uhr 30 Min.
Dienstag, den 7. Juni: Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Fe tez uusgang 9 Uhr 30 Min.
Die S Pfg.-Zigarette
der derdelnnett
I.Nch. 5747
Perusa-Zigarettenfabrik
deorg Metkasf G. m. b. H.
München
Seite 6
Seg, de 5 m 1927
* Große Strafkammer:
Eine Tat, die nach verlebter Karnebalsnacht (27. Februar) in
Nau=
häim begangen wurde, legt die Anklage dem Schloſſer Joſef
Genthner, geboren in Erbenheim, wohnhaft in Nauheim, zur
Laſt. Das Bezirksſchöffengericht hat auf Grund eines umfangreichen
Indizienbeweiſes — wir haben gelegentlich der Verhandlung vom
22. April d. J. ausführlich berichtet — den Angeklagten für überführt
erachtet, am fraglichen Morgen in der Frühe einen Einbruchsdiebſtahl
in einem Hauſe, in dem er früher gewohnt hat, ausgeführt zu haben.
Gegen das auf 9 Monat Gefängnis lautende Urteil hat Angeklagter,
und vorſorglich auch die Staatsanwaltſchaft, Berufung verfolgt. Die
Beweisaufnahme wird wiederholt, auch der kriminalpolizeiliche
Sach=
verſtändige ausführlich gehört.
Als neues Moment tritt zutage daß ſchon früher, während
Genthners Eltern noch im genannten Hauſe wohnten, auch einmal ein
Einbruch ſtattgefunden hatte, bezüglich deſſen eine andere Perſon als
Täter in Verdacht kam; ein im Abweſenheit der übrigen Zeugen
ver=
nommener Zeuge bekundet, daß auch dieſe Perſon vielleicht als Täter
hier in Betracht kommen könne. Der Angeklagte erklärt auch in dieſer
Inſtanz, er ſei nicht der Täter. Der Vertreter der Staatsanwaltſchift
hält auch in dieſer Inſtanz den Angeklagten durch das geſamte
Be=
weismaterial für überführt, überzeugend erſcheint auch der Fußabdruck,
den der Sachverſtändige in Gips genommen hat.
Das Urteil verwirft die Berufug des Angeklagten, auf die
Be=
rufung der Staatsanwaltſchaft wird die Strafe auf 1 Jahr
Ge=
fängnis erhöht. Der Verſuch des Alibibeweiſes ſei mißlungen.
— Volkshochſchule. Am Donnerstag, den 9. Juni, wird Herr Dr.
M. Wauer, Hamburg, im Saal 138 der Techniſchen Hochſchule
über Fritz von unruh ſprechen. Von ſeinen Werken wird
haupt=
ſächlich „Bonaparte” behandelt. Einige Teile daraus wird Herr
Dr. Wauer leſen. Wir möchten unſeren Mitgliedern und Freunden den
Beſuch des Abends beſtens empfehlen. Karten zum Preiſe von 50 Pf.
für unſere Mitglieder und zu 75 Pf. für Nichtmitglieder ſind in der
Ge=
ſchäftsſtelle der Volkshochſchule, Mathildenplatz 17, zu haben.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künffier oder fünftleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſſehenden drwchrm
geſchſeht, behdit ſich die Redattion ihr Urtil voe
— Refidenz=Theater am Weißen Turm. „Der Kampf im
Pulverturm” mit Tom Mix und ſeinem Wunderpferd Tony, der neueſte
Film des ſo beliebten Künſtlers, bringt auch wieder unglaubliche
Sen=
ſationen. Auch das reizende Luſtſpiel „Die Höschen des Fräulein
Annette” zeigt an Spiel und Handlung viel gutes, eine ſehr intereſſante
Nevue und elegante Toiletten verleihen dem Film einen beſonderen
Reiz. Das Programm iſt noch am 1 und 2. Feiertag auf dem Spielplan.
Ab Dienstag der Großfilm der Emelka „Die Geheimniſſe einer Nonne‟.
—union=Theater. Wer noch nicht Luciano Alberhni in
ſeinem neueſten Senſationsfilm von Paul Roſenhayn geſehen, beeile
ſich, das intereſſante Doppelprogramm iſt noch an dem 1. und 2.
Feier=
tag auf dem Spielplan, und in beiden Films können große ſportliche
Leiſtungen bewundert werden. „Rinaldo — Rinaldin”” bietet auch
tech=
niſch ſowie landſchaftlich viel gutes.
— Palaſt=Lichtſpiele. „Die Frauengaſſe von Algier”, ein
bedeutender Film in 7 Akten, der in erſchüitternden Bildern das Treiben
in den Laſterhöhlen Afrikas ſchildert, in denen tragiſche
Menſchenſchick=
ſale behandelt werden, läuft zurzeit in den Palaſt=Lichtſpielen. Ueber
verkommene Charaktere, die das Elend anderer ausnutzen, ſiegt
Mutter=
liebe und Freundestreue. Die Regie dieſes Films hatte Dr. Wolfgang
Hoffmann=Starniſch. Unter den Darſtellern ſind neben den anderen
charakteriſtiſchen Figuren beſonders die bildſchöne Maria Jacobini als
Mutter und Camilla Horn als Tochter hervorzuheben. Neben dieſem
Großfilm werden in „Nicht ſo ſtürmiſch” ſieben fabelhafte Akte eines
geriebenen Jungen abgerollt.
Parlamentariſches.
Der Bauernbund hat im Landtag folgende Anfrage eingebracht:
Im Anſchluß an die Erörterungen im baheriſchen Landtag über im
Staatsvoranſchlag nicht ausgewieſene Reichszuwendungen an Bahern
fragen wir an:
1. Welche Reichszuwendungen — nach Art und Höhe — hat die heſſ.
Regierung a) im Rechnungsjahr 1926, b) in den Rechnurgsjahren
1924 und 1925 für ſoziale, wirtſchaftliche, kulturelle, politiſche vder
ſonſtige Bwecke erhalten?
2. Sind dieſe Zuwendungen in den Staatsvoranſchlägen oder in
ſonſti=
gen Regierungsdarlegungen dem Landtag mitgeteilt und zur
Ge=
nehmigung unterbreitet worden, hat überhaupt eine öffentliche
Rech=
nungslegung der vorgenannten Reichszuwendungen ſtattgefunden?
3. Zu welchen Zwecken ſind die Reichszuwendungen im einzelnen
ver=
wandt und welchen Stellen ſind ſie zugeſührt worden?
4. Iſt die Regierung bereit und in der Lage, für verausgabte
Reichs=
mittel nachträglich die Genehmigung des Landtages einzuholen?
Aus den Parteien.
Die „Politiſche Freizeit” für Frauen der Deutſchen Volkspartei.
Von dem Gedanken ausgehend, daß die Frauen erſt dann wertvolle
Mitarbeiterimmen im Dienſte des Vaterlandes ſein können, wenn ſie
Zuſammenhänge in der Politik klar zu erkennen vermögen, veranſtaltete
die D. V. P. für ihre Frauen eine „politiſche Freizeit”, welche vom
15. bis 21. Mai im ſchönen Harzburg ſtattfand. Dem Rufe des
Reichs=
frnuenausſchuſſes waren über 50 Teilnehmerinnen aus allen Teilen
Deutſchlands gefolgt. Ein Vortrag von Frl. Regierungsrat Dr. Anna
Mayer beſchäftigte ſich mit dem „Staat”, Landtagsabgeordneter
v. Eynern „Grundfragen der Kommunalpolitik”. Die Landtagsabg.
Frau v. Kuleſza ſprach über das Thema „Unſere Stellung zu den
Schulfragen der Gegenwart und dem Konkordat” Ueber „Wirtſchaft
und Preisbildung” ſprach Reichstagsabgeordneter Dr Kulenkampff.
Bwvei weitere Referate behandelten „Eheſcheidungsreform und
Ehegüter=
recht” und „Gegenwartsfragen der Jugendhygiene‟ Eine beſondere
Freude wurde den Teilnehmerinnen der „Freizeit” noch dadurch bereitet,
daß ihnen die Ortsgruppe Harzburg der D. V. P. einen Deutſchen
Abend” veranſtaltete, in deſſen Mittelpunkt ein Vortrag der
Reichstags=
abgeordneten Frau Dr. Matz über „Deutſche Kulturwerte, ihre
Ge=
fährdung und ihre Erhaltung”, und ein anderer von Studienrat Dr.
Pfeffer über „Hölderlin und das Heimliche Deutſchland” ſtand.
Tageskalender für Sonntag, den 5. Juni. — 1. Pfingſtfeiertag.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 5 Uhr, Ende
10 Uhr: „Parſifal.” — Kleines Haus: Geſchloſſen. — Orpheum:
Geſchloſſen. — Drangeriegarten: Wiener Muſik. —
Zir=
kus Lorch, nachm. 3½ Uhr und abends 8½ Uhr: Vorſtellung. —
Konzerte uſv.: Ludwigshöhe, Herrngartenkaffee, Sportplatz=
Reſtaurant, Schloßkaffee, Hotel=Reſt. Schmitz, Café=Reſt. Waldesruhe,
Reſt. Rummelbräu, Neues Schießhaus, Reſt. Waldſchlößchen
Gries=
heim, Frankf. Hof, Hauptbahnhof=Reſt., Reſt. z. Fürſtenſaal, Reſt. zur
Waldkolonie, AnkerBrauerei=Ausſchank Bismarckſtr., Reſt. Stadt
Coburg, Reſt. z. Reichskrone Zentral=botel, „Stadt Heidelberg”
Eberſtadt, Hotel Krone Auerbach, Kurhaus=Kaffee=Reſt. Bad König im
Odenwald. Wieners Waldmühle Auerbach. —
Schützengeſell=
ſchaft Weidmannsheil Roßdorf: Preisſchießen. — Theater=
Varieté=Saal Perkeo, Alexanderſtr., abends 8 Uhr: Heitere
Bur=
lesten. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele.
Tageskalender für Montag, den 6. Juni. — 2. Pfingſtfeiertag.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 7½ Uhr, Ende
10 Uhr: „Nathan der Weiſe.” — Kleines Haus: Geſchloſſen.
Orpheum: Geſchloſſen. — Zirkus Lorch, nachm. 3½ Uhr
und abends 8½ Uhr: Vorſtellung. — Konzerte: Ludwigshöhe,
Herrngartenkaffee, Hauptbahnhof=Reſtaurant, Café=Reſt. Waldesruhe,
Schloßkaffee, Hotel=Reſt. Schmitz, Reſt. z. Reichskrone, Reſt. Stadt
Coburg, Ankerbrauerei=Ausſchank Bismarckſtr., Stadt. Heidelberg
Eberſtadt, Hotel Krone Auerbach, Bismarck=Eck, Beſſunger Turnhalle.
—Tanz: Neues Schießhaus, Waldſchlößchen Griesheim, Reſt z.
Fürſtenſaal, Rummelbräu, Arheilger Mühlchen, Kurhaus=Kaffee=Reſt.
Bad König i. D. — Theater=Varieté=Saal Perkeo, abends 8 Uhr:
Heitere Burlesken. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=
Theater, Palaſt=Lichtſpiele.
Aus Heſſen.
Starkenburg.
* Griesheim, 4. Juni. Die Wohnungszählung hat in hieſiger
Ge=
meinde folgendes Ergebnis gehabt: Wohnhäuſer 1280, ſelbſtändige
Haus=
haltungen 1695. Die Zahl der Wohnungsſuchenden betrug 41.
Statiſtiſches. Das hieſige Standesamt regiſtrierte im Monat
Mai 13 Geburten, 8 Eheſchließungen und 1 Sterbefall. In der
Für=
ſorge ſtehen folgende Perſonen: Erwerbsloſe 156 Perſonen,
Kriſen=
fürſorgeempfänger 71. Notſtandsarbeiter 17.
* Weiterſtadt, 4. Juni. Nur noch wenige Stunden trennen uns
von unſerem an Pfingſten ſtattſindenden großen Sportfeſt. Auch den
verwöhnteſten Anſprüchen der Sportler wird unſer neuer Sportplatz
genügen. Das Feſt wurde am Samstag abend durch einen Kommers
mit vorangehendem Fackelzug eingeleitet. Sämtl. hieſigen Vereine trugen
zur Verherrlichung des Abends bei. Geſangvereine, Turn= und
Rad=
fahrervereine. Den Höhepunkt des Abends bildete ein großes
Brillant=
feuerwerk von der Firma Otto Günther, Darmſtadt. Am 1. Feiertag,
an dem ein ſtattlicher Feſtzug ſich durch die Straßen des Dorfes bewegt,
werden eimige Ballſpiele ausgetragen, die wohl eine große Zahl
frem=
der Sportler gnlocken werden. Der neugegründete Reit= und
Fahr=
verein beteiligt ſich ebenfalls an dem Feſtzug. Abends finder in 3 Lokalen
Ball ſtatt. Am 2. Tag iſt ausgeſprochenes Volksfeſt, bei dem auch
be=
ſonders die Schuljugend zu ihrem Recht kommen foll. An Vergnügungen
auf dem Feſtplatz wird es ebenfalls nicht fehlen, denn es ſind da:
Karuſſells, Schiffſchaubel, Schießbuden u. a. m..
* Eberſtadt, 3. Juni. Kirſchenernte=Verſteigerung.
Am kommenden Dienstag wird die Kirſchenernte an der Provinzialſtraße
zwiſchen Eberſtadt und Seeheim verſteigert werden. Die Kirſchenernte
aus dem Beerbacher Tal kommt am Samstag, den 11. Juni, zur
Ver=
ſteigerung.
H. Eberſtadt, 4. Juni. 70. Geburtstag. Am Montag, den
6. Jum, feiert Schriftſetzer Friedrich Böhme ſeinem 70, Geburstag.
Als Senior des Gemeinderatskollegiums, dem er ſeit 1919 angehört, iſt
Böhme eine bekannte Perſönlichkeit geworden. Durch ſeine ruhige und
ſachliche Mitarbeit im Dienſte der Gemeinde hat er ſich Achtung und
Anerkenwung erworben, in dem gleichen Maße, wie er ſich durch ſein
freundliches und zuvorkommendes Weſen die Wertſchätzung der geſomten
Bevölkerung errungen hat. Körperlich und geiſtig erfreut ſich Böhme
beſter Geſundheit. Möge dieſe ihm noch recht viele Jahre vergönnt ſein.
* Pfungſtadt, 4. Jumi. Gasligferungsvertrag
Pfung=
ſtadts mit Darmſtadt. Der Gemeinderat von Pfungſtadt hat
nach längerer Beratung und Pyüfung den Gaslieferungsvertrag zwiſchen
der kommunglen Gasverſorgungsgeſellſchaft Darmſtadt und Pfungſtadt
einſtimmig angenommen. — Die Erhebung einer Bierſteuer wurde
abgelehnt.
* Pfungſtadt, 4. Juni. Die Gemeinderatsſitzung
beſchäf=
tigte ſich hauptſächlich mit der Durchberatung des
Gaslieferungsver=
trages zwiſchen der Gasverſorgungsgeſellſchaft Darmſtadt und der
Ge=
meinde Pfugſtadt. Trotzdem der Vertrag von verſchiedenen Stellen
überprüft wurde, entſtanden bei den einzelnen Paragraphen
leb=
hafte Debatten. Es wurden einige Punkte näher erörtert und
Abän=
derungen empfohlen. Beſonders wurde beſchloſſen, den Vertrag
dahin=
gehend zu ändern, daß das Setzen der Gasmeſſer jeweils auf Koſten der
Gasgeſellſchaft zu erfolgen hat. Auch über die Höhe des Gaspreiſes,
der jeweils um 2 Pf. teurer iſt als in Darmſtadt, muß eine Abänderung
erſtrebt werden. Am Schluß der Beratung wurde der Vertrag unter
Berückſichtigung dieſer Punkte einſtimmig angenommen. — Die
Einfüh=
rung einer örtlichen Bierſteuer wurde ohne Debatte einſtimmig
abge=
lehnt. — Dem Kaninchenzuchtverein „Einigkeit” wurde auf Antrag
an=
läßlich ſeiner Zuchtausſtellung ein Zuſchuß von RM. 50— gewährt. —
Dem Geſuch des Herrn Philipp Stahl um Ueberlaſſung eines
Bau=
platzes in der Hillebergſtraße (zur Zeit Seilerei Gräf) wurde im Prinzip
zugeſtimmt, doch ſoll die Preisfrage und die Aufteilung des übrigen
Hillebergſtraßengeländes einer ſpäteren Sitzung überlaſſen bleiben.
Das Geſuch der Frau Adelberger, wohnhaft Gemeindehaus, Mainſtr. 6,
zur Eröffnung einer Flaſchenbierhandlung wird abgelehnt. — Dem
Waldausſchuß wurde die Vorberatung über den Waldwirtſchaftsplan
ſür das Rj. 1928 übertragen.
* Traifa, 4. Juni. Schwimmertreffen. Am 2.
Pfingſt=
feiertag (6. Juni) um 3 Uhr nachm., kommen die verſchiedenen
Schwimm=
abteilungen der Deutſchen Turnerſchaft von Darmſtadt, Eberſtadt,
Pfung=
ſtadt, in den Räumen „Heſſiſcher Hof” (Ph. Walter) zum erſtenmal für
1997 zum gemütlichen Beiſammenſein zuſammen. Alle Vorbereitungen
laſſen auf einige genußreiche Stunden ſchließen. Hoffentlich trägt dieſe
Zuſammenkunft weſentlich dazu bei, das ſchwimmſportliche Intereſſe im
deu hieſigen Gemeinde zu wecken.
* Nieder=Ramſtadt, 4. Juni. Gemeinderatsbericht. Das
Kreisamt Darmſtadt hat den Voranſchlag für 1927 hinſichtlich der
Ein=
ſtellung der Beträge für teilweiſe Kommunaliſierung des
Beerdigungs=
weſens beanſtandet und der Gemeinde empfohlen die Beträge zu
ſtreichen im Hinblick darauf, daß die Gemeinde Griesheim im
Ber=
waltungsſtreitverfahren dahingehend verurteilt worden ſei. Der
Ge=
meinderat ſtimmt dem nicht zu, weil gegen die Einſtellung der beſagten
Beträge von ſeiten der Ortsbürger kein Einſpruch erhoben worden ſei
und im Uebrigen die Verhältniſſe in hieſiger Gemeinde auch ganz anders
gelagert ſeien als in Griesheim. — Die Heſſiſche Landeshypothekenbank
verlangt Aufwertung bereits zurückgezahlter Markanleihen der Ge= digungen ließ nur auf einen Racheakt ſchließen. Der Täter, der
ge=
meinde. Die Verwaltung gibt Kenntnis von dem bisher gepflogenen
billigt. — Auf Beanſtandung der Körkommiſſion hin wird beſchloſſen,
den jüngeren Faſelbullen abzuſchaffen und an Stelle dieſes einen anderen
anzukaufen. — Der Zugangsweg zum Bahnhof ſoll hergeſtellt werden.
Bei dieſer Gelegenheit wurde auch beſchloſſen, an die
Reichsbahnverwal=
tung heranzutreten mit dem Erſuchen, den Bahnhofspfad ſelbſt etwas zu
ſchleifen und den Zugang bequemer zu geſtalten. — Die Kanaliſierung
der Ober=Ramſtädter Straße von der Kilianſtraße bis zum Ortsausgang
wird beſchloſſen. Die Baukommiſſion wird zu nochmaligen Beſichtigung
an Ort und Stelle veranlaßt. — Die eingelaufenen Angebote über die
Vergebung der Wandplattenarbeiten in der Gemeindebadeanſtalt werden
zur Kenntnis genommen und die Baukommiſſion ermächtigt, nach
Ueber=
prüfung der einzelnen Angebote den Zuſchlag dem Wenigſtfordernden
zu erteilen. — Unter Vorbehalt der Nachprüfung der nachträglich
ein=
gelaufenen Angebote wird beſchloſſen, die Arbeiten zur Errichtung einer
Waſſerpumpanlage den Wenigſtfordernden zuzuſchlagen. — Die dies=
Die Verwaltung ſtellt daher zur Erwägung anheim, ob aus dieſem
Grunde die Rirchweihe nicht zu verlegen ſei. Der Gemeinderat ſteht
jedoch auf dem Standpunkt, daß eine Verlegung mit Rückſicht auf die
gängig ſei. — Hinſichtlich der Verwertung der Zündholzfabrik gibt die
Verwaltung Kenntnis von dem Stand der Verhandlungen. — W.
Wagner und Gen, ſuchen darum nach, aus dem Mühlgrabenſchacht des
Gemeinde=Elektrizitäts=Werkes Waſſer zum Begießen ihrer Hausgärten
holen zu dürfen. Dem Geſuch wird ſtattgegeben unter der
Voraus=
ſetzung, daß die Gemeinde jede Verantwortung ſür einen etwa dabei
ent=
ſtehenden Schaden ablehnt, und daß die Geſuchſteller die Koſten für die ein friedlicher Lebensabend beſchieden ſein!
Schaffung des Zuganges übernehmen. Dem Stenographenverein „
Ein=
heit” hier wird zu Uebungszwecken der Schulſaal im alten Rathaus tung. Das Programm für die Rathausbeleuchtung an Pfingſten 1927
unter den üblichen Bedingungen zur Verfügung geſtellt. — A. Müller 4.
und Gen. zu Waſchenbach ſuchen darum nach, den Waldweg im
Ge=
meindewald nach dem Kloßberg zu, ſür ihren Fuhrbetrieb mitbenutzen
zu dürfen. Dem Geſuch wird ſtattgegeben gegen Zahlung einer
jähr=
lichen Anerkennungsgebühr von 5 Mark und Tragung der laufenden
Unterhaltungskoſten — Der Inhaber einer Dienſtwohnung, Lehrer Ott,
dahier, beantragt Uebernahme der Mehrkoſten für einen beſchafften Zuſchauer ſelbſt dunch gemeinſame Geſänge vorgeſehen. Der Beſuch wird
ſchieden. — Die Heilſtätte „Haus Burgwald” ſucht um Erlaß der
Sonder=
ſteuer vom bebauten Grundbeſitz nach. Der Gemeinderat ſteht dem
An=
ſinnen ablehnend gegenüber, weil der Ausfall an Steuern für die vielen
Anſtalten, die ſich am hieſigen Platze befinden, für die Gemeinde nicht
tragbar iſt. Verſchiedene kleinere Anfragen und Wohlfahrtsſachen
bilden Schluß der Sitzung.
Vesbandstage der heſſiſchen Schloſſer= und
Schmiede=Innungen in Offenbach a. M.
Wir wir ſchon kurz berichteten, hielt der Heſſiſche Schloffer
meiſter=Verband und der Verband Heſſiſcher Schmiede=
Innungen in Offenbach ſeine
Verbandshaupt=
verſammlung ab. Beide Verbände hatten ihre Mitglieder zu
einem gemeinſamen Begrüßungsabend in den Stadtgarten geladen, der
einen glänzenden Verlauf nahm und einen würdigen Vorakt für die
ernſten Beratungen des kommenden Tages bildete. Obermeiſter Henkel
(Offenbach) begrüßte namens des Heſſiſchen Schloſſermeiſterverbandes
und des Verbandes Heſſiſcher Schmiede=Innungen die Erſchienenen und
hieß insbeſondere die Vertreter der Stadt und der örtlichen
Handwerks=
vertretungen willkommen. Geſangliche und ſonſtige muſikaliſche
Dar=
bietungen in wochſelnder Reihenfolge unterhielten die Anweſenden auf
das beſte, was die Beifallsfreudigkeit bewies. Dem Begrüßungsabend
ging bei beiden Verbänden eine Sitzung des Hauptvorſtandes, dem die
Durchberatung des eigentlichen Verbandstags oblag, voraus,
Der Verbandstag des Heſſiſchen Schloſſermeiſter=Verbandes
fand im Evangel. Vereinshaus ſtatt. Die Tagung eröffnete der erſte
Vorſitzende Herr Heinzerling=Darmſtadt mit einer
Begrüßungs=
anſprache, der die Reden der eingeladenen Gäſte folgten. Zunächſt ſprach
Miniſterialrat Wagner als Vertreter des Miniſteriums der Finanzen,
Abteilung ſür Bauweſen, für die Stadt Offenbach Bürgermeiſter Rech,
in Vertretung der Handwerkskammer Dr. Lindemann, für die
Hand=
werkskammer=Nebenſtelle Dr. Kirmayer und für das Offenbacher
Handwerk Prof. Brockmann. Sämtliche Anſprachen waren von dem
Gedanken beſeelt, daß die Tagung den erhofften Erfolg zeigen möge.
Alsdann wurde in die Tagesordnung eingetreten. Den Jahresbericht
erſtattete Geſchäftsführer Schwerer, dem ein kurzer Rückblick über
die wirtſchaftliche Lage des Gewerbes vorausging. — Ueber das
Berufs=
ausbildungsgeſetz referierte Dr. Lindemann. Den Ausführungen
war die Verſammlung mit größtem Intereſſe gefolgt. Anſchließend
ſprach Obermeiſter, „Heinzerlin= Darmſtadt über die Eifen= und
Stahlberufsgenoſſenſchaft, deren Bedeutung, Zuſammenſetzung und
Lei=
ſtungen. Auch wies er auf die Notwendigkeit der Ergreifung von
Maß=
nahmen zur Verhütung von Unglücksfällen in den Werkſtätten hin, was
nicht zuletzt allein im Intereſſe des Arbeitnehmers geſchehen müſſe,
ſon=
dern auch von Vorteil für den Betriebsinhaber ſei. Den Kaſſenbericht
erſtattete der Rechnungsführer Geyer. Der für das neue Geſchäftsjahr
aufgeſtellte Voranſchlag wurde angenommen und dem Rechner ſowie
dem Vorſtand nach Prüfung der Rechnung Entlaſtung erteilt. Einige
eingelaufene Anträge fanden raſche Erledigung. — Als Tagungsort für
den nächſtjährigen Verbandstag wurde Mainz beſtimmt. Mit
Dankes=
worten an die freie Schloſſermeiſter=Vereinigung Offenbach für die gute
Vorbereitung des Verbandstags und mit einem Hoch auf den Heſſiſchen
Schloſſermeiſter=Verband war die Tagung um 2 Uhr nachmittags
be=
endet, dem ein gemeinſames Mittageſſen mit dem Heſſiſchen
Schmiede=
meiſterverband im Stadtgarten folgte.
Die Hauptverſammlung des Verbandes Heſſ. Schmiede=Innungen
fand im Stadtgarten ſtatt. Der Vorſitzende E. Mohrmann hielt
die Eröffnungsrede. Sein Willkommengruß galt beſonders den
Ver=
tretern der verſchiedenen Behörden und ſonſtigen Körperſchaften, ſowie
den Vertretern der Nachbarverbände. Die Reihe der Gegenreden
eröff=
nete Beigeordneter Eißnert als Vertreter der Stadt Offenbach. Ihm
folgte Dr. Kirmayer als Vertreter der Heſſiſchen Handwerkskammer
und der Handwerkskammer=Nebenſtelle Offenbach. Namens ſämtlicher
anweſenden Verbandsvertreter ſprach Gewerberat Ehmig=
Kaiſers=
lautern. Prof. Brockmann way für das Offenbacher Handwerk
er=
ſchienen. — Hierauf kam der Jahresbericht des Vorſtandes durch Baitz=
Offenbach zur Verleſung. Den Rechenſchaftsbericht erſtattete Heß=
Gießen. Bei der Neuwahl des Vorſtandes wurden die ſeitherigen
Mit=
glieder wiedergewählt. Der Haushaltsplan für 1927 wurde genehmigt.
Hiernach ſprach Dr. Uebel=Frankfurt über Ausbildung der Lehrlinge
und Geſellen. Die Ausführungen fanden allſeitige Zuſtimmung.
Ge=
werberat Ehmig referierte über die Schmiede=Berufsgenoſſenſchaft.
Nachmittags gab Rektor Lindemann=Alzey Erklärungen und
Er=
läuterungen über die Sterbe= und Unterſtützungskaſſe. Im letzten
Re=
ferat kam Stilger=Dietesheim über Steuereinſchätzung zu Wort. Die
eingelaufenen Anträge kamen zur Verleſung. Ein Antrag der
Darm=
ſtädter Innung betreffend Regiebetriebe wurde durch die
Hauptverſamm=
lung einſtimmig angenommen. Mit herzlichem Dank an die
Verſamm=
lungsteilnehmer für das ſo lange Aushalten ſchloß der Vorſitzende um
5 Uhr die Verſammlung
Die Ausſtellung,
die im Gartenſaal des Stadtgartens von den Lieferfirmen der Mitglieder
der beiden Verbände arrangiert war, konnte ſich eines regen Beſuches
erfreuen, war doch dem Intereſſentenkreis die Leiſtungsfähigkeit der
Firmen in hervorragender Weiſe vor Augen geführt.
* Ober=Ramſtadt, 4. Juni. Unfer Polizeihund
aus=
wärts. Im Sägewerk von L. K. beim Bahnhof Fränkiſch=Crumbach
wurden in letzter Zeit mehrfach des Nachts Maſchinenteile in ſimnloſer
Weiſe demoliert und Treibriemen zerſchnitten. Die Art dieſer
Beſchä=
waltſam in den Raum eingedrungen war, konnte trotz eifriger Be=
Schriftwechſel, der ablehnende Standpuntt der Verwaltung wird ge= uühungen der Gendarmerie nicht dingfeſt gemacht werden. Als nun
in der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni erneut ein Treibriemen
zer=
ſchnitten und nach Annahme geſtohlen worden war, wurde diesmal
Gen=
darmeriewachtmeiſter Steinmann von hier mit ſeinem Bodo” zwecks
Ermittlung zum Tatort beſtellt. Auf der dort zurückgelaſſenen Fußſpur
wurde der Hund angeſetzt und verfolgte die Spur nach dem
nahe=
gelegenen Ort Nieder=Kainsbach bis in die Wohnung des E. Der
nun=
mehr als Täter in Frage kommende war auswärts beſchäftigt und konnte
erſt gegen Abend zu Verhör gezogen werden. In der Zwiſchenzeit wurde
durch den Hund der Treibriemen in einem Sägmehlhaufen im
Säge=
werk ermittelt, woſelbſt ihn der Täter begraben hatte. Trotz eingangs
hartnäckigen Leugnens geſtand E. zum Schluſſe der Vernehmung die
Tat und gleichzeitig auch alle früher daſelbſt vorgekommenen Fälle ein.
* Roßdorf, 4. Juni. Schießfport. Bereits ſeit 19. Mai und
die folgenden Sonntage bis einſchl. 19. Juni ds. Js., bietet ſich
an=
läßlich des ſtattfindenden Werbe= und Preisſchießens, verbunden mit
jährige Kirchweihe fällt mit tem Kreisturnfeſt in Darmſtadt zuſammen. Jubiläumsſchießen, auf dem muſtergültig angelegten Schießſtand der
Schützengeſellſchaft „Weidmannsheil” Roßdorf, bei welchem Stand keine
Deckungsmannſchaft erforderlich iſt, für jeden Schützen und Schießſportler
Gelegenheit, ſich dem Schießſport zu widmen und die Schießſtandanlage
ebtl. bereits getroffenen Vorbereitungen und Abmachungen, nicht an= in Augenſchein zu nehmen. Die Preiſe, die bei der Veranſtaltung zum
Austrag kommen, ſind bei der Firma Robert Hühner, Darmſtadt, Ernſt=
Ludwigſtr. 11, ausgeſtellt. — Alles Nähere iſt aus der Anzeige erſichtlich.
(Vgl. auch beſ. Anzeige in geſtriger Nummer).
* Lichtenberg, 4. Juni. Dem Altersgeſetz zufolge mußte Forſter
Kraft am 1. Juni in den Ruheſtand treten. Nur ungern ſieht man
den allzeit pflichttreuen und gewiſſenhaften Beamten ſcheiden. Möge ihm
* Michelſtadt, 4. Inni. Programmder
Rathausbeleuch=
ſieht die Mitwirkung der Geſangvereine Liederkronz, Eintracht und
Sängerluſt, ſowie des Kirchengeſangvereins von Michelſtadt vor. Reden
werden von Bürgermeiſter Ritzel und Oberpfarrer Herber gehalten. Die
Nathausbeleuchtung erfolgt abwechſelnd mittels Scheinwerfer und in
der Hauptſache durch ca. 200 Lampen, die zuſammen etwa 15000 Kerzen
bedeuten. Wie alljährlich ſo iſt auch dieſes Jahr die Mitwirkung der
Küchenherd auf die Gemeindekaſie. Der Antrag wird abſchlägig be= vorausſichtlich ein ſtarker ſein. Rückfahrmöglichkeiten nach Darmſtadt und
Frankfurt a. M. ſind durch Extrazug ab Michelſtadt 22,58 Uhr gegeben.
Gleichzeitig mit der Rathausbeleuchtung findet das Brunnenfeſt ſtatt,
das, einem alten Brauch folgend, in der ſinnigen Schmückung der alten
Brunnen beſteht. —
* Lindenfels, 3. Juni. Burgfeſt. Wie alljährlich, findet auch
dieſes Jahr das weit über die heſſiſchen Grenzen hinaus bekannte
Lin=
denfelſer Burgfeſt wieder ſtatt, das der Pflege und Erhaltung
Oden=
wälder Trachten, Sitten und Gebräuche dienen will. Es iſt zu begrüßen,
daß der Feſtausſchuß ſich dazu entſchloſſen hat, die Feſtage auf den 2.
3. und 4. Juli feſtzulegen. Da um dieſe Zeit die Hauptſaiſon des ſtark
beſuchten Kurortes, der Perle des Odenwaldes, noch nicht begonnen hat,
ſt den auswärtigen Feſtgäſten reichlich Gelegenheit gegeben, gute
Unter=
kunft zu finden.
Nummer 155
*Organiſation der Arbeitsgerichte in Heſſen.
Aufbewahren!
Ausſchneiden!
Arbeitsgerichte ſind ab 1. Juli 1927 eingerichtet: Provinz
Star=
kenburg in: Bensheim für die Amtsgerichtsſprengel Bensheim,
Fürth. Lorſch, Waldmichelbach und Zwingenberg. Darmſtadt für
I. und II., Dieburg Gernsheim, Groß=Umſtadt. Reichelsheim und
Rein=
heim. Michelſtadt für Beerfelden, Hirſchhorn, Höchſt und
Michel=
ſtadt. Offenbach für Langen, Seligenſtadt und Offenbach a. M.
Provinz Oberheſſen in: Friedberg für Bad=Nauheim,
Butzbach, Friedberg und Vilbel. Gießen für Gießen Grünberg,
Laubach, Lich. Lauterbach für Alsfeld, Herbſtein. Homberg,
Lauter=
bach, Schlitz, Ulrichſtein. Nidda für Altenſtadt, Büdingen, Hungen,
Nidda, Ortenberg, Schotten.
Provinz Rheinheſſen in: Bingen für Alzeh, Bingen,
Oberingelheim und Wöllſtein. Mainz für Groß=Gerau, Mainz.
Nieder=
olm, Oppenheim und Wörrſtadt. Worms für Lampertheim.
Pfedders=
heim. Oſthofen und Worms.
Bei jedem Arbeitsgericht wird je eine Kammer für Streitigkeiten
der Arbeiter, der Angeſtellten und des Handwerks gebildet. In Mainz
eine Fachkammer für Streitigkeiten zwiſchen der Reichsbahngefellſchaft
und ihren Arbeitnehmern.
Ein Landesarbeitsgericht mit einer Kammer wird beim Landgericht
in Darmſtadt gebildet. Bei jedem Arbeitsgericht und dem
Landesar=
beitsgericht wird ein Beiſitzerausſchuß mit je 3 Beiſitzern der Arbeitgeber
und Arbeitnehmer gebildet. Die Wahl erfolgt unter Leitung des
Ge=
richtsvorſitzenden in geheimer ſchriftlicher Abſtimmung. Kein
Stimm=
zettel darf mehr als drei Namen enthalten. Die drei Beiſitzer, die die
meiſten Stimmen erhalten haben, ſind gewählt. Bei Stimmengleichheit
entſcheidet das Los.
Zur Erleichterung des Geſchäftsverkehrs mit den
Arbeitsgerichtsbe=
hörden ſind Beſtimmungen getroffen: Geſuche. Anträge und Erklärungen
können ſtatt zur Niederſchrift bei der Geſchäftsſtelle des zuſtändigen
Arbeitsgerichts an den Orten, wo kein Arbeitsgericht beſteht, bei dem
Gerichtsſchreiber des Amtsgerichts angebracht werden. Auch bei der
Ge=
ſchäftsſtelle eines unzuſtändigen heſſiſchen Arbeitsgerichts ſind ſolche
Geſuche, Erklärungen und Anträge entgegenzunehmen.
Birkenau, 4. Mai. Geſtern nachmittag wurde die älteſte
Ein=
wohnerin unſerer Gemeinde. Frau Anna Eliſabeth Schäfer, geb.
Scheuermann, unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Die
ehrenwerte Greiſin war nahezu 90 Jahre alt. — Eine chriſtliche
Volksverſammlung ſoll am zweiten Pfingſtfeiertag im hieſigen
Pfarrwalde ſtattfinden. Der gemeinſame Abmarſch von der Kirche
er=
folgt vormittags um 9 Uhr. Auf eine zahlreiche Beteiligung von ſeiten
der evang. Kirchengemeinde iſt ſicher zu hoffen.
* Birkenau, 4. Juni. Waſſermangel. Die Bewohner der
höher gelegenen Ortsteile klagen ſeit einigen Tagen über Waſſermangel.
Wenn dies jetzt ſchon der Fall iſt, wie ſoll es da erſt im Hochſommer
werden! Jedenfalls wäre es unter dieſen Umſtänden geboten, das
Be=
ſpritzen der Straßen und Gärten aus der Waſſerleitung ſo lange zu
unterlaſſen, bis alle Kranen der Waſſerleitung an den Hausanſchlüſſen eine Aenderung erfahren. Die neuen Fahrzeiten dürften weſentlich zur
wieder laufen. Auch wäre es zu empfehlen, daß die Bewohner und
be=
ſonders die Hausfrauen mit dem Waſſerverbrauch bis zur Behebung
der Waſſernot recht ſparſam umgingen.
— Hirſchhorn, 4. Juni. Waſſerſtand des Neckars am
3. Juni 0,95 Meter, am 4. Juni 0,92 Meter.
* Ober=Abtſteinach, 4. Juni. Laſtwagenunfall. Der
Be=
gleiter eines mit Backſteinen ſchwer beladenen Laſtkraftwagens aus
Birkenau wollte, als der Wagen eine ziemlich ſteile Anhöhe
empor=
fuhr und hierbei der Motor die Laſt nicht mehr weiterbrachte einen
Stein unter das Hinterrad legen, geriet aber dabei mit ſeinem rechten Fuß
unter dasſelbe, ſodaß er ſtarke Quetſchungen erlitt.
* Neckarſteinach, 4. Juni. Geſangliches. Ueber die
Pfingſt=
feiertage kommt der Männergeſangverein „Liederkranz” von Mainz=
Koſtheim als Gaſt zum Beſuche des hieſigen Geſangvereins „Sängerbund”
hierher und wird am erſten Feiertage einen Liederabend im Gaſthaus
man ſicher rechnen.
* Bensheim, 4. Juni. Ein Wohnungsbauprogramm auf
weite Sicht wurde in der letzten Sitzung der
Stadtverordnetenverſamm=
lung beſchloſſen. Unter Zugrundelegung der ab 1927 erfolgenden
jähr=
lichen Ueberweiſung des Wohnungsbauanteils an der ſtaatlichen
Sonder=
ſteuer ſollen in den Jahren 1927 1998 und 1929 zuſammen 80
Woh=
nungen erſtellt werden. Für 1927 kommt die Erbauung von 35
Woh=
nungen in Betracht. Es wurde dabei an dem ſchon mehrere Jahre hier
eingeführten und bewährten Prinzip der Förderung des Privatbaues
feſtgehalten unter vertragsmäßiger Sicherung der Zurverfügungſtellung
der Altwohnungen und der in den Neubauten einzurichtenden
Miet=
wohnungen. An ſtadteigenen Bauten kommt nur die Erſtellumg von
Flachbauten in Frage. Die für die Privatbauten bewilligten Darlehen
belaufen ſich für 1927 auf 120 000 RM. Die Bauplätze werden in den
meiſten Fällen verbilligt aus ſtädtiſchem Beſitz abgegeben. Hier
be=
währt ſich wieder die in der Vorkriegszeit ſchon verfolgte ſtädtiſche
Boden=
politik, die, ſoweit möglich, das in abſehbarer Zeit als Baugelände in
Frage kommende Terrain in die öffentliche Hand, brachte und nun den
Einwohnern die Möglichkeit zum Erwerb billiger Bauplätze gibt:
in=
ſoweit das Baugelände für Kleinwohnungsbau in Frage kam, wurde es,
namentlich im ehemal. Jäger’ſchen Baumſchulviertel, im letzten Jahre
zum Preiſe von 1— RM. pro qm bereitgeſtellt, während der Preis für
das neue Viertel nunmehr 2.— RM. beträgt. Außer den mit Mitteln der
Stadt zu fördernden Bauten werden ohne Inanſpruchnahme öffentlicher wvar. — Thphus. Im benachbarten Hamm iſt der Typhus aus=
Mittel noch 10 Wohnhäuſer durch Private, hauptſächlich im Villenviertel,
errichtet, ferner kommt im laufenden Jahre noch die Errichtung von
mindeſtens 5 Häuſern durch Mitglieder der Bau= und Siedlungsge= Mutter wieder geſund gepflegt. Kaum war er wiederhergeſtellt, da
er=
meinſchaft in Betracht. Auch die gemeinnützige Baugenoſſeuſchaft ſcheint
ihre Kriſe überwunden zu haben; ſie will ebenfalls 3 Häuſer mit 6
Wohnungen erbauen. — So hat die Bautätigkeit äußerſt lebhaft einge= Krankenhauſes verbracht wurden — Vortrag Frau Dr. Matz.
ſetzt und gibt dem einheimiſchen Handwerk und den beteiligten
Arbeiter=
kreiſen auf lange Zeit Arbeits= und Verdienſtmöglichkeit.
* Bensheim, 4. Juni. Die Stadt rüſtet für die vom 3.—6. Sept.
beabſichtigte Werbewoche. Wenn auch Benshein als Mittelpunkt
der heſſiſchen Bergſtraße züber Mangel an Verkehr nicht zu klagen hat,
haben die beteiligten Kreiſe doch geglaubt, in einer zielſeitigen
Werbe=
woche die Leiſtungsfähigkeit der Stadt und ihrer B=/Lohner erneut vor
Augen führen zu ſollen. Beabſichtigt ſind während der Werbewoche
land=
wirtſchaftliche und gewerbliche Ausſtellungen, eine Kunſtausſtellung der
Bergſtraße, ein Feſtzug mit entſprechend geſchmückten Wagen der
ver=
ſchiedenen Gewerbezweige, der Landwirte, Winzer uſw. Die Einzelheiten
ſind doch in der Entwicklung begriffen. — Ideenwettbewerh für, tariats allerdings die 480 Angeſtellten des Völkerbundes ſich je zur Hälfte
die Ritterplatzregulierung. Der insbeſondere allen Auto=
Bensheim-Lindenfels am Nordausgang der Stadt ſoll nunmehr — nach beſchränken! Nur einige wenige Frauen ſeien in den leitenden Stellen
einem Ausſchreiben des Bürgermeiſters — ſeine endgültige Geſtalt er= beſchäftigt, und doch müßten die Frauen in einer ganzen Reihe
wichti=
halten. Die gegenwärtig befahrbaren Außenſeiten dieſes Verkehrsbrenn.
fläche des Platzes noch des Ausbaues. Die Stadtverwaltung hat daher denen ſich ein Schlußwort des Geſchäftsführers der D.V.P. Herrn von
unter den in der Provinz Starkenburg anſäſſigen Architekten einen Wahlert anſchloß.
Ideenwettbewerb ausgeſchrieben, um Unterlagen zu erhalten für einen
rung der derzeitigen, den Platz von drei Seiten umgrenzenden Straßen
Rückſicht zu nehmen iſt, in Anbetracht des Umſtandes, daß der fragliche
Platz Kreuzungspunkt von Hauptverkehrsſtraßen iſt und der überaus
ſtarke Verkehr an dieſer Stelle eine Verbeſſerung der Verhältniſſe für
Kraftfahrzeuge. Fuhrwerke uſw. und den Perſonenverkehr dringend
er=
forderlich macht.
* Heppenheim a. d. B., 4. Juni. Konzert. Wie in jedem Jahr,
ſo findet auch in dieſem Jahre im „Hotel Halber Mond” am 2. Pfingſt= direktion, der heſſ. Regierung, des Kreiſes und der Stadt Worms, der
feiertag ein großes Kavalleriekonzert ſtatt, welches ein vorzüglich zu=
Odenwald=Verkehrs=A. G. Rundfahrten zu ſehr ermäßigten Preiſen nach
Miltenberg, Klingenberg, Amorbach uſw. Abfahrt Heppenheim 9.50 Uhr
vorm. Von Erbach aus erfolgt die Fahrt dann in einem Sonderwagen
unmittelbar nach dem Main. Der Wagen kehrt gegen 7 Uhr abends
zurück und erreicht in Erbach einen Anſchluß nach Heppenheim. Bei den Giegenpiäge!
Benutzungen der Kurswagen wird eine Ermäßigung von 50 Prozent
auf die tarifmäßigen Fahrpreiſe gewährt. Nähere Auskunft erteilt die
Geſchäftsſtelle in Erbach i. Odw.
Sonntag, den 5. Juni 1927
Ergebnis der Hauptkörung 1927 im Dienſtbezirk des Kreis=Vet=Amts Wagen, der nach einſtündiger Fahrt in Oberflörsheim hielt, wo eine
Zuchttiere beſter Abſtammung erworben wurden und auch in anderer Niederflörsheim. Pfeddersheim und Pfiffligheim in etwas mehr als
einer mit mangelhaft und alle übrigen mit genügend bezeichnet werden, hof zu einem kleinen Imbiß, bei dem Präſident Lochte, Regiorungsrat
und alle übrigen die Note genügend. Bei 30 Ebern war das Ergebnis Worms im Namen der Handelskammer, und Herr Rechtsanwalt Dr.
ähnlich.
4. Juni. vormittags 6 Uhr, 1.30 Meter.
rückblicken.
Ehrengäſte, die an der Beſichtigung des Erholungsheimes
„Zur Poſt” in Jugenheim a. d. B. teilnahmen.
(Vergl. unſeren Artikel in Nr. 149.)
* Groß=Gerau, 4. Juni. Neuer Autobusfahrplan. Der
Fahrplan der Autobuslinie Groß=Gerau-Wallerſtädten—Geinsheim hat
Hebung des Verkehrs beitragen.
des Munitionsdepots in Wohnungen umzubauen. Die Koſten von
41 000 RM. wurden eimſtimmig bewilligt. Der Staat gibt hierzu 50
Prozent Zuſchuß, der mit 2 Prozent zu verzinſen iſt.
* Offenbach, 4. Juni. In der letzten Stadtverordnetenſitzung wurde
Bürgermeiſter Rech (Zentrum), der bereits 18 Jahre in ſtädtiſchen meiſter des Heſſenlandes iſt der jetzt aus dem Amt ſcheidende
Dienſten ſteht, mit 33 von 47 Stimmen auf weitere 12 Jahre gewählt. — Bürgermeiſter Dr. Kayſer, der rund 25 Jahre die Geſchicke unſeres
Für die Erbauung eines begehbaren Kanals zur Unterbringung neuer
Mark bewilligt. — Die Kraftpoſtlinie Offenbach-Vilbel wird von der
Stadt nur noch bis Ende Juni unterſtützt. — Die Gebühren für das
den Aufſichtsrat der Frankfurter Gasgeſellſchaft, die in abſehbarer Zeit
die Verſorgung Offenbachs mit Gas übernimmt, ſchlägt die Stadt Ober=
„Zum Schwanen” veranſtalten. Auf einige gemütliche Stunden kann bürgermeiſter Granzin, Bürgermeiſter Weil und die Stadtverordneten Fortbildungslehrgang über Arhythmien des Herzenz wurde
Heyne und Käppel vor. Die Vorgeſchlagenen bedürfen der Wahl durch
die Generalverſammlung der Gasgeſellſchaft, die am 15. Juni
zuſammen=
treten wird.
Rheinheſſen.
— Worms, 4. Juni. 40jähriges Geſchäftsiubiläum
konnte die bekannte Firma Chriſtian Herbſt am Lutherblatz begehen.
Das Geſchäft, das ſich aus kleinſten Anfängen mit Poſtkartenvertrieb
entwickelt hat, gehört heute durch ſeine Verlagstätigkeit zu den größeren
Betrieben der Stadt, und ſein Inhaber hat ſich namhafte Verdienſte um
den Fremdenverkehr erworben, was ihm durch die Ernennung zum
Ehrenmitglied des Verkehrsvereins gedankt wurde. — Tödlicher
Unfall. Abends gegen 6 Uhr wurde ein ſechsjähriger Junge von der
Städt. Straßenkehr= und Sprengmaſchine erfaßt und überfahren,
wo=
durch der ſofortige Tod des Kindes eintrat. Der Junge hatte in der
Gauſtraße — in der Nähe der Eiſenbahnunterſührung — geſpielt und
war neben dem Kehrauto hergelaufen, wie dies eben eine ganze Reihe zu beſeitigen, fehlen doch in Oberheſſen 60 ebangeliſche Geiſtliche, ſo daß
beim Abprall unmittelbar unter das Auto, ohne daß der auf dem
erhöh=
ten Sitz befindliche Lenker es merkte. Erſt durch Paſſanten wurde er
darauf aufmerkſam gemacht und hielt ſofort an. Die Räder des Autos
waren dem Jungen über den Kopf gefahren, ſodaß das Kind ſofort tot
gebrochen. Ein junger Mann aus dieſem Orte, der als Rheinſchiffer
beſchäftigt iſt, war krank nach Hauſe gekommen und wurde von ſeiuer
ordnung des Kreisgeſundheitsamtes in eine Iſolierbaracke des Wormſer
Auf Veranlaſſung der Frauenortsgruppe der Deutſchen Volkspartei fand
Vorſitzende der D.V.P., Herr Rechtsanwalt Luley, über den Völker= wird zurzeit von Beigeordneten Rompf verwaltet.
bund und die Erwartungen, die man im beſetzten Gebiete an ſeine
bund”, in der ſie ſehr intereſſante Einzelheiten über die Theorie und
miſſionen, ſo Abwüſtungs=, Mandats= und Minderheitenkommiſſion und laufventile geöffnet, ſo daß das Waſſer der Quellen anſtatt in die
Völkerbunde zu und ſtellte feſt, daß nach der offiziellen Liſte des Sekre= nahezu ler waren und vielfach über Waſſermangel in der Stadt
ge=
aus Männern und Frauen zuſammenſetzen, daß aber die von Frauen Einrichtungen der Waſſerleitung vertrauter Menſch verübt haben kann.
fahrern bekannte Kreuzungspunkt der Straße Darmſtadt—Heidelberg und beſetzten Stellen ſich nur auf die Stenotypiſtinnen und die Scheuerfrauen
ger Fragen ſich mitbetätigen, weil ihre Mitarbeit einfach eine Notwen= willigte die Stadtvertretung 7 Ehrenpreiſe. Die Kreistierſchau findet
punktes ſind zwar mit Kleinpflaſter verſehen, doch bedarf die Innen= digkeit ſei. Stürmiſcher Beifall dankte den lehrrreichen Ausführungen,
* Worms, 4. Juni. Die erſte Reichseiſenbahnkraft=
Ausbau der Platzinnenfläche, wobei jedoch auf eine angemeſſene Verbreite= wagenlinie iſt hier eröfnet worden. Es handelt ſich um die Auto= nanzamtes in der Bleichſtraße bzw. Goetheſtraße erichtet werden. Die
bahnverwaltung mit eigenen noch größeren Autoomnibuſſen
übernom=
men hat. Die Linie führt von Worms=Hauptbahnhof über Pfiffligheim, eignete ſich ein ſchweres Unglück. Landwirt Möller ſtürzte, als er ein
Leiſelheim, Pfeddersheim, Mörſtadt, Gundheim, Bermersheim, Gun= Motorrad überholen wollte, vom Wagen und wurde überfahren.
derheim, Hangen=Weisheim, und Flomborn nach Oberflörsheim. Am
1. Juni fand eine Prebefahrt ſtatt, zu der Vertreter der Reichsbahn=
Landgemeinden, des Wormſer Verkehrsvereins und der Preſſe erſchienen Seemen iſt bereits ſchon ſoweit gediehen, daß von ſeiten der Stadt
ſammengeſtelltes Programm aufweiſt. Dem Konzert wird ſich, wie üblich, waren. Reichsbahnpräſident LochteMlainz, Oberregierungsrat Stieger Büdingen 2500 Mk. Aktien, von einem intereſſierten Unternehmen
abends ein Tanz anſchließen. — Odenwald=Kraftwagen=Ver= von der Reichsbahn, Regierungsrat Krebs vom heſſ. Miniſterium des 100 000 Mk. und von der Standesherrſchaft in Büdingen das Gelände
kehrs=A.,G. Während der beiden Pfingſtfeiertage veranſtalt die Innern, Regierungsrat Bonhard vom Kreisant Worms. Bürgermeiſter, bereitgeſtellt wurden. Die zweite Bahnlinie ſol von Wächtersbach
dann nur
Fliegenfänger S
„Schwapp”.
nehmen.
Zu haben in allen einſchlägigen Geſchäften
Geite 7
FIf den Derife Aurnfen 1 2mf. e ie md Re Aitgerrifr der Laundgentiten Feifen er Srst
Heppenheim lieferte den Beweis, daß die Faſeltierhaltung auch in dieſem Beſichtigung des Deutſch=Ordenshauſes und ein Willkommtrunk bei Bür=
Jahre wieder erfreuliche Fortſchritte gemacht hat, zumal verſchiedentlich germeiſter Kratz ſtattfand. Die Rückfahrt erfolgte über Dalsheim.
Beziehung auf die Verbeſſerung der Nachzucht großer Wert gelegt wurde, einer halben Stunde. Auf Einladung der Reichsbahndirektion ver=
Bei 76 Bullen konnten in Haltung 31 mit ſehr gut und gut, und nur einigten ſich dann die ſämtlichen Teilnehmer im Wormſer Hauptbahn=
Bei 80 Böcken erhielten 13 die Note ſehr gut, nur einer mangelhaft, Krebs, Regierungsrat Bonhard, Bürgermeiſter Schulte. Herr Gallinger
Goldſchmidt für den Verkehrsverein Anſprachem hielten. Es wurde
— Gernsheim, 4. Juni. Waſſerſtand des Rheins am wiederholt darauf hingewieſen, daß es ſich hier um die erſte
Kraftwagen=
linie handelt, die die deutſche Eiſenbahnverwaltung fahren läßt, nachdem
* Biebesheim, 4. Juni. Dienſtjubiläum. Lehrer Graffert die Rentabilität dunch die Vorarbeiten des Verkehrsvereins
nachge=
kann in dieſen Tagen auf eine Bjährige Tätigkeit in Biebesheim zu= wieſen wurde. Es ſind zwei Wagen in Dienſt geſtellt worden, die ie
zweimal täglich die Strecke befahren und dabei jedesmal bis zu 50/60
Perſonen befördern können.
bg. Ober=Ingelheim, 4. Juni. Da für die nächſten Jahre eine
weſentliche Zunahme der Zahl der Volksſchüler zu erwarten iſt umd dann
die vorhandenen Schulſäle nicht mehr ausreichen, hat der Schulvorſtand
ſich wegen Erweiterung der Schulgebäude an den Gemeinderat gewandt.
Dieſer ſtimmte im Prinziv den Vorſchlägen zu und beauftragte die
zu=
ſtändigen Kommiſſionen, ſich mit Fachleuten in Verbindung zu ſetzen und
über die Art der Ausführung Pläne einzufordern. Auch die Zahl der
in die Natalienſchule (Kleinkinderſchule) aufzunehmenden Kinder wird
immer größer. Es ſoll deshalb der Lehrerin eine Hilfskraft beigegeben
werden, die an den Nachmittagen die Beaufſichtigung der Kinder
über=
nehmen ſoll. — Ein Antrag auf Herabſetzung der Mieten in den von
der Gemeinde errichteten Häuſern wird mit Stimmenmehrheit
abge=
lehnt, da eine ſolche ohnehin bereits geſchehen iſt. — Das Geſuch eines
Feldſchützen um Einſtufung in Gruppe 4 genehmigte der Gemeinderat
mit Stimmenmehrheit.
bg. Nieder=Ingelheim, 4. Juni. Die Vorbereitungen zum
Gauturn=
feſt, das in den Tagen vom 9. bis 11. Juli hier gefeiert werden ſoll,
ſind jetzt auf ihrem Höhepunkt angelangt. Mit dem Bau der großen
Feſthalle wird in den nächſten Tagen begonnen werden. Eine zweite
Halle (Bierhalle) wird etwas ſpäter errichtet. Auch das Feſtbuch iſt
fertiggeſtellt. — Zu den Ausſchußwahlen der hieſigen Beſonderen
Orts=
krankenkaſſe iſt nur ein Wahlvorſchlag eingegangen. Die darauf
ver=
zeicheten Perſonen gelten demnach als gewählt.
g. Dienheim, 4. Juni. Das Feſt der Goldenen Hochzeit
feiern am zweiten Pflingſttage in Dienheim Herr Georg Köhl 1.
und Frau Apollonia geb. Ratgeber. — Am Eingange der Schuſtergaſſe
wurde bei Drainagearbeiten in der Tiefe von 2 Meter ein Grab
ge=
funden, das wahrſcheinlich aus der Römerzeit ſtammt. Außer einigen
Knochenreſten konnte der hintere Teil einer Truhe geborgen werden.
bg. Aus Rheinheſſen, 4. Juni. Durch die Uebernahme der
Kreis=
ſtraßen in die Verwaltung der Provinz war der Provinzialtag in ſeiner
letzten Sitzung genötigt, die Provinzumlagen entſprechend zu erhöhen.
Man gab ſich damals der Hoffnung hin, daß ein Ausgleich dafür durch
eine Senkung der Kreisumlagen herbeigeführt werde. Für den Kreis
Alzeh iſt dieſe Hoffnung zuſchanden geworden. Denn obwohl der Kreis
durch die Abgabe der Straßenverwaltung jetzt 100 000 Mark ſpart,
konnte, wie in der Sitzung des Kreistages mitgeteilt wurde, eine
Sen=
kung der Umlagen in dieſer Höhe nicht vorgenommen werden. Es mußte
* Kelſterbach, 4. Juni. Umbau des Depotgebäudes. Der im Gegenteil noch eine Erhöhung um 15 000 Mark auf 215 000 Mark
Gemeinderat von Kelſterbach hat beſchloſſen, die ehemalige Werkſtätte vorgeſchlagen werden. Der Kreistag gab auch ſeine Genehmigung dazu.
Oberheſſen.
* Bad=Nauheim 4. Juni. Ein verdienſtvoller Bürger=
Städtchens in hervorragender Weiſe leitete und an dem Auſblühen un=
Dampf=, Waſſer= und ſonſtiger Leitungen im Schlachthofe wurden 210 000 ſeres Weltbades große Verdienſte hat. Nun nahm er von den Beamten
der Stadt Abſchied. Baurat Nöder ſprach namens der Beamten dem
allzeit pflichttreuen und arbeitsfrohen Bürgermeiſter Dank und Anerken=
Beſtattungsweſen wurden gegen 16 Stimmen zeitgemäß erhöht. In nung aus. Die Bürgerſchaft plant zu Ehren des Scheidenden eine
Abſchiedsfeier.
* Bad=Nauheim, 4. Jumi. Der 5. Bad=
NauheimerAerzte=
geſtern im Kurhausſaale eröffnet. Aus allen Teilen Deutſchlands und
auch aus Oeſterreich waren zahlreiche Aerzte eingetroffen. Die
Be=
grüßungsanſprache hielt Sanitätsrat Dr. Hahn namens der Vereinigung
der hieſigen Aerzteſchaft. Der Leiter des Mediziniſchdiagnoſtiſchen
In=
ſtituts, Profeſſor Dr. Weber, ſprach für die Bade= und Kurverwaltung.
Anſchließend fanden die wiſſenſchaftlichen Vorträge ſtatt. Abends folgte
zu Ehren der Gäſte eine Feſtover. Heute vormittag wurden wiederum
wiſſenſchaftliche Vorträge gehalten. Nachmittags ſind eine Auto=Tour in
den Taunus und abends ein Sinfoniekonzert des Kurorcheſters
vorge=
ſehen.
* Gießen, 4. Juni. An der Landesuniverſität iſt die Zahl
der Studierenden in erfreulicher Weiſe gegen das Sommerſemeſter 1986
geſtiegen; ſie beträgt für das Sommerſemeſter 1927: 1476, gegem 1388
in 1926. Am größten iſt der Zudrang zur Rechtswiſſenſchaft mit 330
Studierenden gegen 290 im vorigen Semeſter. Erheblich geſtiegen iſt die
Zahl der Studierenden der Theologie, „nämlich auf 60 gegen 41 im
vorigen Semeſter. Das genügt aber lauge nicht, um den Pfarrermangel
von Kindern tun. Er rannte dabei gegen einen Laternenpfoſten und fiel die Kirchenbehörde bereits die Pfarramtskandidaten des
Predigerſemi=
nars Friedberg in Dienſt geſtellt hat. — Ein erfreuliches Ergebnis hat
die Sammlung für das Deutſchtum im Ausland, auch
in unſerer Gegend gezeitigt. Es ſammeltem Wieſeck 130 Mk.
Watzen=
born=Steinberg 69 Mk., Langgöns 95,50 Mk., Holzheim 85 Mk.
Großen=
linden 100 Mk., Kleinlinden 76 Mk., Heuchelheim 22 Mk. Grüningen
40 Mk., Allendorf 20 Mk., Hauſen 18,50 Mk., Rodheim 18 Mk.
* Langgöus, 4. Juni. Eine neue Bürgermeiſterwahl findet
krankte ſeine Mutter ſo ſchwer, daß ſie ſowie der Sohn jetzt auf An= in Kürze hier ſtatt. Der ſeitherige Bürgermeiſter Müller, der erſt vor
etwa vier Monaten gewählt wurde, iſt wegen Veruntreuung im Amte
mit Gefängnis beſtaft und für die Dauer von drei Jahren zur
Beklei=
dung eines öffentlichen Amtes ausgeſchloſſen worden. Es iſt alſo
wie=
im Linkolnſaal eine öffentliche Verſammlung ſtatt, in der zunächſt der derum eine Bürgermeiſterwahl erforderlich. Das Bürgermeiſteramt
WSN. Lich (Oberheſſen 4. Juni. Verbrecheriſcher An=
Tätgkeit ſtellt, ſprach. Dann erhielt Frau Reichstagsabgeordnete Dr. ſchlag gegen eine Waſſerleitung. In den letzten Tagen iſt
Matz das Wort zu ihrem Vortrage über. Die Frau und der Völker= ein verbrecheriſcher Anſchlag gegen die hieſige ſtädtiſche Waſſerleitung
ausgeführt worden. Der Täter hat einen in der Feldmark gelegenen
Praxis im Völkerbunde wiedergab. Sie ſprach über die einzelnen Kom= Schacht der Zuleitungsrohre gewaltſam erbrochen und dort die
Leer=
die Beſatzungsfrage. Dann wandte ſie ſich der Betätigug der Frau im Waſſerbehälter in den Ablaufkanal ging. „Erſt als die Waſſerbehälter
klagt wurde, kam man hinter den Schurkenſtreich, den nur ein mit den
Es wird angenommen, daß es ſich um einen Racheakt handelt.
* Lauterbach, 4. Juni. Zur Abhaltung der
Kreistier=
ſchau für Klauenvieh (Ninder, Ziegen, Schafe und Schweine)
be=
am 14. Juni ſtatt. — Die Vogelsbergſtraße ſoll laut Beſchluß des
Provinzialtages mit Kleinpflaſterung verſehen werden. Die Stadt hat
ſüir ihre Gemarkung die Durchführung des Feldbereinigungsverfahrens
beſchloſſen. Es ſollen vier Beamtenwohnungen für Beamte des
Fi=
ommibuslinie, die der Wormſer Verkehrsverein bisher durch die Darm= Stadtverwaltung ſpricht den Wunſch aus, daß der Heſſiſche Staat bald
ſtädter Firma Matthias Fiſcher betreiben ließ und die jetzt die Eiſen= ein neues Amtsgericht erbauen möge, da die Stadt ſämtliche Näume des
Rathauſes für eigene Zwecke benötige. — Bei Nieder=Joſſa er=
* Vom Vogelsberg, 4. Juni. Zwei neue Bahnproiekte
im öſtlichen Vogelsberg werden zur. Zeit lebhaft erörtert. Die
Er=
richtung der Seemenbachtal=Bahn von Büdingen nach
Nieder=
üiber Birſtein nach Hartmannshain oder
Bermuts=
hain führen. Das Kreisamt Lauterbach will die Linie bei
Bermuts=
hain endigen laſſen, wodurch die Orte Ober=Moos und Bermutshain
an=
geſchloſſen würden. Auch würde dadurch die Baſaltſtein= und
Holz=
induſtrie in Bermutshain eine beſſere Abſatzmöglichkeit finden. Für
den Fremdenverkehr nach dem Hoherodskopf und der Jugendherberge
auf der Herchenhainerhöhe würde die Durchführung der Bahnſtrecke nach
Bermutshain von größtem Nutzen ſein.
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Seite 8
Sonntag, den 3. Juni 1927
Nummer 155
Familiennachrichten
Maria Roſalia Grünwald
Franz Göckel
Verlobte
pfingſten 1927
Arheilgen (9299) Darmſtadt
Mariechen Krebs
Martin Selzer
Verlobte
Pfingſien 1927
Kleeſiadt
(9293)
Lina Müller
Seorg Kopp
Verlobte
Pfingsten 1927
(*15026
Marie Fischer
Georg Göbel, ing.
Verlobte (eusoos
Pfingsten 1927
Arhellgerstr. 92 Hoffmannstr. 10
Glisabeth deidel
Frans DDinter
Oerlobte (14997
Darmstadt
Slatz
Dfingsten 1927.
Statt Karten.
Lisel Kraft
Ludwig Schneider
Verlobte e14991
Darmstadt Pfingsten 1927
Roſel Gröninger
Heinrich Pfeffer
Verlobte (14835
Pfingſten 1927.
Stat Karten
Gretel Krämer
Willy Keller
Verlobte.
Frankenhauſen i Odw.
Pfingſten 1927.
Auguſte Stuckert
Georg Lein
Verlobte.
Hilde Leinmüller
Georg Werner Hess
Verlobte
Newark-N.-Versy
Nord-Amerika
Pforzheim
Pfingsten 1927.
Eberstadt
Heldelbergerstrasse
(*15065
Darmstadt
Statt Karten.
Johanna Geiss
Paul Zöbelein
Verlobte
*
Pfingsten 1927.
Viernheim
(”14780
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen:
Elisabeth Huss
Eduard Heiss
Darmstadt
Gross-Gerau
Pfingsten 1927.
(14945
Maria Schüssler
Ferdinand Böcher
Verlobte
Darmstadt
Pfingsten 1927
(*15057
Ihre Verlobung beehren ſich anzuzeigen:
Karoline Diefenbach
Jakob Lautenſchläger
Pfingſien 1927
(15000
Pankratiusſtr. 13
Kranichſieinerſtr. 13
Ernst Krause
Lilli Krause, geb. Dittmann
VERMAHLTE
Pfingsten 1927
Kerlsruhe
(214846)
Ober-Ramstadt
Baustr. 92
Wir geben unsere Vermählung am
6. Juni in Grünhoff, Ostpreussen,
be-
kannt.
Pfarrer R. Goethe u. Frau
Frede
geb. Gräfin Bülow von Dennewitz.
(9263)
Darmſtadt, 5. Juni 1927.
Grube Meſſel
Roßdörferſtr. 16
z. Zt. Hermannſtr. 14.
(*15043
Ihre Verlobung beehren ſich
anzuzeigen:
Greta Wienold
Heinrich Metzler
Weiterſiadt
Pfingſten 4927
254)
Statt Karten.
Ihre Vermählung zeigen an
Dipl. Ing. Willi Quenzlein
Poſtreferendar
und Frau Maria
geb. Mechler
Darmſtadt Rückertſir. 19
Pfingſten 1927 14645
Statt Karten.
Emmy Loers
Dipl.-Jug. Lorenn Frann Schmitt
zeigen ihre Verlobung ergebenst an
Pfingsten 1927 (14988
Darmstadt
Schaidt (Pfalz)
Landskronstr., 55, I.
Ihre Vermählung geben bekannt
Emil Wollbrett u. Frau
Barbara Eliſabeth
verw. Schäfer, geb. Schäfer
Darmſiadt, 4. Juni 1927.
Landwehrſtr. 6
z Zt Stuttgart. (1491s
Dr. Ing. Hch. Bohn
Lieſel Bohn
geb. Schönell
Vermählte,
Genthin, Bez. Magdeburg, Juni 1927.
B 3
Am Dienstag, den 2. d. Mts,
begehen die Eheleute Konrad
Kriechbaum und Frau, hier,
Gaſiwirtſchaft, Schwanenſiraße
Nr. 49, das Feſi der
Silbernen Hochzeit.
Bi 3
Allen denen, die uns anläßlich
unſerer Silbernen Hochzeit mit
Geſchenken und Gratulationen
beehrten, ſagen wir unſeren
herz=
lichſten Dank
Georg Doll und Fran
15039) Dina, geb. Haub.
Dankſagung.
Herzlichen Dank ſagen wir
allen, die uns in ſchwerem
Teid beim Heimgang unſerer
lieben, unvergeßlichen
Ent=
ſchlafenen ihre wohltuende
Teilnahme in ſo überaus
rei=
chem Maße bewieſen haben.
Oberrechnungsrat Koch
und Tochter Thea.
51006
Dankſagung.
Für die uns beim Heimgang
unſerer lieben, unvergeßlichen
Mutter in ſo großem Maße
er=
wieſene Teilnahme ſagen wir
allen auf dieſem Wege herzlichen
Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familien Volz,
Lehr und Wieſenthal.
Darmſtadt, den 3. Juni 1927.
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Die trauernden Hinterbliebenen:
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Guſtav Nietzſch und Familie
Hugo Nietzſch und Familie
Hans Hartmann und Familie
Guſtav Buſch und Familie
Richard Nietzſch und Familie
Wilh. Schmunk und Familie
Frank Nietzſch und Familie
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Darmſtadt, Ernſt=Ludwigsplatz 4, Rio de Janeiro,
Bad Nauheim, San Remo, Petropolis (Braſil.),
den 4. Juni 1927.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 7. Juni,
nachmittags 4 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Unſere über alles geliebte, gute Mutter,
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ſanft entſchlafen.
In tiefer Trauer:
Studienrat A. Knoll und Frau
Beria, geb. Vogel
Elſe Vogel
Familien Bock und Ritzert.
Groß=Umſtadt, 4. Juni 1927. (15t17
Die Beerdigung ſindet Dienstag, den 2. Juni,
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vormals Venuleth & Ellenberger und Göhrig & Leuchs, Darmstadt.
Wir beehren uns hiermit, unsere nach § 28 der
Satzungen berechtigte Herren Aktionäre zu der am
Freitag, den 15. Juli 1927, nachm. 3½ Uhr
Im den Geschäftsräumen unserer
Gesellschaft, Darmstadt, Landwehrstr. 75
stattündenden 38. ordentlichen Generalversammlung
einzuladen.
Tagesordnung=
1. Vorlegung der Bilanz per 14. Februar 1927 nebst Gewinn-
und Verlustrechnung, sowie Bericht des Vorstandes
und Aufsichtsrates.
2. Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrates.
3. Beschlußfassung über die Verteilung des Reingewinnes.
4. Nenwahlen zum Aufsichtsrat.
Der Bericht über das Geschäftsjahr 1926/27 steht
vom 8. Juli ds. Jahres ab zur Verfügung der Herren
Aktionäre.
Zur Teilnahme an der Generalversammlung sind
diejenigen Aktionäre It. § 28 der Satzungen berechtigt,
welche spätestens am dritten Werktage vor der
an-
beraumten Generalversammlung bis 6 Uhr abends
bei der Gesellschaftskasse, oder
bei der Darmstädter- und Nationalbank,
Kommanditgesellschaft auf Aktien
Darmstadt, oder deren Zweigniederlassungen,
Bankgeschäft J. L. Fink. Frankfurt a. H. und
Bankgeschäft J. Ph. Keßler, Frankfurt a. H.
a) ein Nummerverzeichnis der zur Teilnahme
bestimmten Aktien einreichen,
b) ihre Aktien oder die darüber lautenden
Hinterlegungsscheine der Reichsbank oder
eines Notars hinterlegen.
Darmstadt, den 3. Juni 1927.
Der Aufsichtsrat:
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Sonntag, den 5 Juni 1927.
Nummer 155
Schwere Folgen der Wirbelſturmkataſtrophe. — Das verwüſtete Lingen.
Die Bilder veranſchaulichen die furchtbaren Zerſtörungen der Windhoſe in Lingen.
Der aus der holländiſchen Provinz Geldern kommende Wirbelſturm hat in Lingen an der Ems große Verwüſtungen angerichtet. Der Sturm zerſtörte in wenigen Minuten ganze Häuſerreihen
und mehrere einzelne Häuſer. Dreizehn Häuſer, darunter eine Likörfabrik, ſind vollſtändig zertrümmert worden.
Chamberlains Ozean=Flug
New=York-Berlin.
Der Start nach dem europäiſchen Kontinent. — Chamberlains
Reiſe=
begleſter. — Die Weiterlage über dem Mer.
Reich und Ausland.
60. Geburtstag eines berühmien
Kunſſoeſchers.
Max J. Friedländer,
(Originalzeichnung von Dolbin)
der verdienſtvolle Leiter des Berliner
Kupferſtich=
kabinets, ein Kunſtforſcher und Kunſtkenner von
Weltruf, begeht am 5. Juni die Feier ſeines
60. Geburtstages. Den Gipfelpunkt ſeiner reichen
wiſſenſchaftlichen Tätigkeit bilden ſeine Forſchungen
um die altniederländiſche Kunſt. Nicht geringer ſind
ſeine Verdienſte um das Muſeums= und
Sammel=
weſen, dem er ſich nunmehr ſeit drei Jahrzehnten
widmet.
Frankfurter Chronik.
Am 10. Juni d. J. feiert der hier lebende Dichter
Adolf Stoltze ſeinen 8. Geburtstag. Es ſind für
dieſen Tag eine Reihe feſtlicher Veranſtaltungen
vor=
geſehen, die Zeugnis ablegen werden, welch hoher
Verehrung das Geburtstagskind in allen Kreiſen der
Frankfurter Bürgerſchaft ſich erfreut. U. a. wird in
dieſen Tagen des Dichters urwüchſiger Lokalſchwank
„Alt=Frankfurt” zum etwa 200. Male aufgeführt.
Stoltzes Dialektwerke gtmen echten, die Frankfurter
Eigenart trefflich zeichnenden Humor. Die
Situg=
tionen ſind ungeſucht und von unwiderſtehlicher
Komik, dabei die Charaktere ſcharf gezeichnet. — Die
Hauptverwaltung der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft
ließ am Todestage ihres früheren Generaldirektors
Dr. Oeſer an ſeinem Grabe durch drei Vertreter der
Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. einen Kranz
niederlegen. — Nach der Neuregelung der
Fern=
ſprechgebühren, gehören von jetzt ab die Aemter
Bergen (Kreis Hanau), Höchſt a. M., Neu=Iſenburg,
Schwanheim a. M. und Vilbel (Main—Weſerbahn)
zur 1. Zone des Frankfurter Fernſprechamts. Ein
Geſpräch nach dieſen Orten, oder umgekehrt, koſtet
alſo nur noch 10 Pfennige. — Die Stimmung des
Feiertags findet ihren ſchönſten Ausdruck im
Glocken=
geläut. Ob es nun vom Kirchlein im kleinen Dorfe
oder vom hohen Domturm in der großen Stadt
aus=
geht, immer wird es zum Herzen und zum Gemüt
ſprechen, hier erfreuend, dort mahnend, aber nirgends
anſtoßend. Den vielen Freunden eines ſchönen
Glockengeläutes bereitet der Nundfunk nun ab und zu
die Freude, das Geläut bekannter, für die meiſten
fernliegender Glockenſpiele auf die Sender zu
über=
tragen. So hat der Frankfurter Sender ſchon eine
ganze Reihe ſolcher gelungenen Uebertragungen zu
verzeichnen. Zu Pfingſten wird er dieſe Reihe
fort=
ſetzen, indem er das Glockengeläut vom
Schloß in Darmſtadt durch den Frankfurter
Sender für die Nundfunkhörer ertönen laſſen
wird. — Ausſtellungslotterie der
In=
ternationalen Ausſtellung „Muſik im
Lebender Völker”. Zu den vielen
Veranſtal=
tungen der Muſik=Ausſtellung, die die weitere
Def=
fentlichkeit in beſonderem Maße intereſſieren, kommt
— wie wir ſoeben hören — als weitere die
Ausſpie=
lung einer Lotterie hinzu. Die Ausſtellungslotterie
der Muſikausſtellung, welche mit einem Spielkapital
von 300 000 RM. genehmigt iſt, wird für Frankfurt
am Main inſofern etwas Neues darſtellen, als jedes
Los durch einen entſprechenden Aufdruck den
ſofor=
tigen Gewinnentſcheid bringt. Die Muſikausſtellung
verloſt in zehn gleichen Serien insgeſamt 32 000
Ge=
winne, darunter 10 Hauptgewinne von je 2000 RM.
w. New York, 4. Juni.
Die dem New Yorker Flugplatz Curtiß=Field
heute um Mitternacht übermittelten
Wetter=
berichte beſagen, daß an der Küſte des
Atlan=
tiſchen Ozeans über Neuſchottland und
Neu=
fundland günſtiges Flugwetter herrſcht.
Der Nebelbank, die nordöſtlich von Neufundland
lagert, kann Chamberlain dadurch entgehen, daß
er inr Bogen etwas nach Süden ausweicht.
Chamberlain iſt geſtern abend um 11.20 Uhr
aus New York auf dem Flugplatz eingetroffen.
An Lebensmitteln für den Flug führt er ſechs
Apfelſinen und zehn belegte Brötchen mit. Um
1.30 Uhr begab ſich Chamberlain in ein Hotel,
wo er Auftrag gegeben hatte, ihn bis 3.30 Uhr
nicht zu ſtören. Er wurde, nachdem das
Flug=
zeug aus dem Schuppen gezogen war,
benach=
richtigt, daß alles bereit ſei. Nach Prüfung der
Wetterberichte erklärte Chamberlain, daß er um
4 uhr früh (10 Uhr vormittags
mitteleuro=
päiſcher Zeit) zum Fluge nach Europa
auf=
ſteigen werde. Um 3.55 Uhr früh iſt das
Flug=
zeug „Columbia”, mit dem Chamberlain ſeinen
Flug nach Europa unternehmen will, zum
Auf=
ſtieg bereit gemacht worden.
Heute früh 6.04 Uhr Rew Yorker Zeit iſt
Chamberlain, nachdem von anderer Seite
bereits ſein Abflug fälſchlicherweiſe gemeldet
war, erſt zum Fluge nach Europa
aufge=
ſtiegen. Levie, der Generaldirektor der
Geſellſchaft, die die „Columbia” gebaut hat,
begleitet Chamberlain auf ſeinem Fluge nach
Europa. Chamberlain hat vor ſeiner Abreiſe
ein beſtimmtes Flugziel nicht genannt. Er
er=
klärte lediglich, er würde nach Europa fliegen,
ſpfern ſein Benzinvorrat ausreichte. Die Frage,
ob er, für den Fall, daß er ſich der ſpaniſchen
Küſte nähere, ſeinen Flug bis nach Nom
aus=
dehnen würde, beantwortete er bejahend. Er
werde ſich bemühen, mit der „Columbia” die
Küſte von Irland zu erreichen, um, wenn
mög=
lich, nach Berlin weiterzufliegen, um dadurch
den Flug Lindberghs nach Paris zu überbieten.
Der Start des Flugzeuges, in dem Chamberlain
und Levine, letzterer im gewöhnlichen Straßenanzug,
Platz genommen haben, gelang erſt beim zweiten
Verſuch. Beim erſtenmal legte das Flugzeug einige
hundert Meter auf der Erde zurück, konnte jedoch
nicht aufteigen. Der mitgenommene Brennſtoffvorrat
von etwa 200 Litern wird von Sachverſtändigen für
4000 Meilen als ausreichend bezeichnet.
* Noch ſind die Feſtlichkeiten, die zu Ehren des
B5jährigen Fliegerhauptmanns und Ozeanbezwingers
Lindbergh in Paris und London veranſtaltet werden,
nicht verrauſcht, da treffen aus New York Nachrichten
ein, wonach der amerikaniſche Flieger Chamberlain
einen neuen Ozeanflug unternommen hat. Man weiß
bereits, daß Chamberlain ſchon vor Nungeſſer und
Lindbergh einen Flug über den Atlantiſchen Ozean
geplant hat. Das erſte Mal wurde er von den beiden
Franzoſen überrumpelt; nach dem Scheitern dieſes
Ozeanfluges hatte Chamberlain aber ſowohl ſeeliſche
Hemmungen, als auch finanzielle Schwierigkeiten mit
ſeinen Geldgebern, ſo daß der urſprünglich in
Aus=
ſicht genommene Abflugtermin nicht eingehalten
wer=
den konnte. Dann traf ihn eines Tages genau ſo
un=
erwartet die Nachricht von dem Unternehmen
Lind=
berghs. Der Chamberlain=Flug ſchien nunmehr
auf=
gegeben, weil der Flieger anſcheinend den Ehrgeiz
hatte, als erſter der vielen amerikaniſchen
Konkur=
renten in Euroba zu landen. Der Entſchluß Cham=
Schwerer Gemäldediebſtahl.
Karlsruhe. Aus der hieſigen
Gemäldeaus=
ſtellung ſind durch Einbruch zwölf wertvolle Gemälde
und Nadierungen, darunter drei ſehr bekannte
Zeich=
nungen von Hans Thoma und eine von Prof.
Trüb=
ner, ferner zwei werwolle Tiſchdecken geſtohlen
wor=
den. Es wird angenommen, daß die Diebe die
Bil=
der in anderen Großſtädten an den Mann bringen
wollen. Vor Ankauf wird gewarnt.
40. Deutſcher landwirtſchaftlicher
Genoſſen=
ſchaftstag.
Kaſſel. Am 23. und 24. Juni findet hier in
der Stadthalle der 40. Deutſche landwirtſchaftliche
Genoſſenſchaftstag ſtatt. Die Tagesordnung ſieht zwei
öffentliche Hauptverſammlungen vor, in denen neben
berlains, jetzt dennoch zu ſtarten, iſt alſo ziemlich
überraſchend gekommen. Er hat Berlin als
Lan=
dungsort deswegen gewählt, weil er den Rekord
Lind=
berghs durch den Weiterflug über Frankreich und
Deutſchland bis Berlin ſchlagen will. Nach allem,
was bisher über Chamberlains Vorbereitungen
be=
kannt geworden iſt, ſcheinen dieſe ſehr ſorgfältig
ge=
wählt zu ſein. Da er ein leiſtungsfähigeres
Flug=
zeug als das Lindberghs beſitzt, wollte er auch mehr
Brennſtoff mitnehmen und vor allem ſich mit einem
Radioapparat verſehen. Chamberlain will ſüdlich der
Lindbergh=Strecke fliegen, alſo über den
vielbefah=
renen Teil des Atlantik. Ueber die Zeit des Abflugs
Chamberlains hatte man ſtrengſtes Stillſchweigen
ge=
wahrt, weil er anſcheinend befürchtete, daß ein
an=
derer ihm noch zuvorkommen könnte. Chamberlain
hat im April dieſes Jahres einen ununterbrochenen
Flug von 51 Stunden unternommen. Auf ſeinem
Ozeanflug wird er eine Strecke von etwa 6700
Kilo=
metern zurückzulegen haben. Es iſt erinnerlich, daß
Lindbergh das gute Gelingen ſeines Fluges nicht
zu=
letzt dem Umſtand zuzuſchreiben hat, daß er die
erſte Hälfte der Strecke mit einem günſtigen
Rücken=
wind zurücklegen konnte. Wenn Chamberlain
Gegen=
wind haben ſollte, womit er unbedingt rechnen muß.
ſo wird er für ſeinen. Flug von New York nach
Berlin 50 bis 55 Stunden brauchen.
Die Empfangsvorbereitungen
für Chamberlain.
Wie der Berliner Polizeivizepräſident Dr.
Weiß der Preſſe mitteilt, wird auf dem Flugplatz
Tempelhof der Polizeiaufſichtsdienſt in
beſon=
derem Maße verſtärkt werden, damit die
Lan=
dung des Fliegers ohne Zwiſchenfälle vonſtatten
geht. Es ſind genügend Polizeikräfte zur
Ver=
fügung. Es wird vor allem Wert darauf zu
legen ſein, daß der Flugplatz bei Ankunft des
Fliegers nur von Perſonen betreten wird, die
ein dienſtliches Intereſſe wahrzunehmen haben.
Die Lufthanſa erklärt: Wir werden unſeren
ganzen Apparat zur Verfügung ſtellen, um den
Flieger zu empfangen. Alle Vorbereitungen, die
dem Flieger ſeinen Weg erleichtern können,
werden von uns getroffen werden. Von der
Grenze Deutſchlands, ja ſchon von Amſterdam
her, werden wir den Flieger von unſeren
eigenen Maſchinen begleiten laſſen. Von
Amſter=
dam werden wir ein umfangreiches
Nachrichten=
netz für die Preſſe ausbauen, ſo daß der Flieger
bei ſeiner Ankunft auf dem Kontinent ſofort
gemeldet und auf ſeinen einzelnen Etappen
ver=
folgt werden kann.
Sollte Chamberlain nach Berlin kommen, ſo iſt
ſeine Ankunft nicht vor Mitternacht zum
Pfingſtmontag zu erwarten. Sämtliche zur
Verfügung ſtehenden Scheinwerfer des Tempelhofer
Flughafens werden in Tätigkeit ſein. Ferner
wer=
den alle nord= und weſtdeutſchen Flughäfen
angewie=
ſen, für die Beleuchtung der Flughäfen Sorge zu
tragen, um ihm gegebenenfalls den Weg zu weiſen.
Die deutſchen Schiffahrtsgeſellſchaften werden im
Laufe des heutigen Tages an ihre im Atlantik
be=
findlichen Schiffe die Weiſung ergehen laſſen, nach
dem Flugzeug Umſchau zu halten und die
Schiffs=
ſcheinwerfer in Tätigkeit zu ſetzen. Chamberlain
wird bei ſeiner Landung von Vertretern der
Reichs=
regierung, vom Oberbürgermeiſter für die Stadt
Ber=
lin und vom amerikaniſchen Botſchafter offiziell
emb=
fangen werden. Ueber die dann folgenden Empfänge
wird zurzeit beraten.
der Erledigung der geſchäftlichen Angelegenheiten
eine Reihe fachwiſſenſchaftlicher Referate erſtattet
wird.
Wolkenbruch in Dresden.
Dresden. Freitag abend ging über Dresden
ein außerordentlich heftiges Gewitter nieder, das
von wolkenbruchartigem Regen und Hagelſchlag
be=
gleitet war. In zahlreichen Fällen trat das Waſſer in
tiefer gelegene Wohnungen ein. Vier bis ſechs Meter
ſteht das Waſſer in den Kellerräumen. Im
Fern=
ſprechverkehr traten zahlreiche Störungen ein. In
der Nacht ſetzte lang anhaltender Dauerregen ein,
der bis zum nächſten Vormittag ohne Unterbrechung
anhielt. In Ober=cäßlichs wurde ein Arbeiter vom
Blitz erſchlagen. Auch in der Lauſitz ſind ſchwere
Unwetter mit Hagelſchlag niedergegangen.
Verwegener Raubüberfall auf einen
Straßen=
bahnſchaffner.
Jena. In der Nacht zum Samstag überfielen
an der Endſtation Zwätzen der Jenger Straßenbahn
drei unbekannte Männer einen Schaffner, der damit
beſchäftigt war, den vollbeſetzten Straßenbahnwagen
umzuleiten. Sie entriſſen dem Schaffner die
Geld=
taſche, ſtreckten ihn durch Revolverſchüſſe nieder und
flohen in der Richtung nach Kunitz, wo ſie durch die
Saale ſchwammen und entkamen. Der Schaffner
wurde lebensgefährlich verletzt.
Die Wirbelſturmkataſtrophe in Südoldenburg.
Oldenburg. Nach genauen Feſtſtellungen ſind
bei der Wirbelſturmkataſtrophe in Südoldenburg
75 Wohnhäuſer und Nebengebäude in den
Ort=
ſchaften Auen, Bolthauſen und Lienerloh teils ganz
vernichtet, teils ſchwer beſchädigt. Neun
Per=
ſonen, ſind ſchwer verletzt. Das Oldenburgiſche
Staatsminiſterium hat als erſte Hilfe 20 000 Mark
zur Verfügung geſtellt.
Fliegerunglück in Prag.
EP. Prag. Freitag vormittag ereignete ſich in
der Nähe von Olmütz ein ſchweres Flugzeugunglück,
dem drei Militärflieger zum Opfer fielen. Zwei
Flugzeuge des zweiten Fliegerregiments ſtießen bei
einem Uebungsflug in beträchtlicher Höhe
zuſam=
men. Ein Flugzeug wurde ſchwer beſchädigt und
ſtürzte ſofort ab, wobei der Pilot auf der Stelle tot
war. Das zweite Flugzeug hielt ſich noch einige Zeit
in der Luft. Der Pilot machte den Verſuch, im
Fall=
ſchirm abzuſpringen, dieter zerriß jedoch, und der
Pilot ſtürzte ab. Der Beobachter dieſes Flugzeugs,
ein Leutnant, der im Flugzeug angegurtet war,
konnte keinen Fallſchirm benutzen und fand beim
Ab=
ſturz des Flugzeugs ebenfalls den Tod.
Bombenanſchlag auf einen Eiſenbahnzug.
Belgrad. Am Freitag morgen bemerkte der
Lokomotipführer eines Schnellzugs unweit der
Sta=
tion Piſchinia in Süd=Serbien auf dem Gleiſe eine
Bombe. Er brachte den Zug noch rechtzeitig zum
Stehen, ſo daß nur die Lokomotive auf die Bombe
fuhr und ihre Exploſion verurſachte. Die
Eiſen=
bahnwagen wurden durch die Exploſion nicht
be=
ſchädigt, das Gleis wurde jedoch in einer Länge von
50 Metern zerſtört. Auch die Lokomotive hat
Scha=
den dovongetragen. Eine aus Uesküb, an die
Un=
fallſtelle entſandte Kommiſſion ſtellte feſt, daß es ſich
um ein Attentat einer Räuberbande handelt,
die den Zug durch die Exploſion der Bombe zum
Eut=
gleiſen bringen und während der Panik die
Reiſen=
den ausplündern wollte. Die Verfolgung der
Räu=
ber wurde aufgenommen.
Das tragiſche Ende eines Krankentransports
in Flugzeugen.
Paris. Einen tragiſchen Tod in Ausübung
ſeiner Berufspflicht fand der Anatomieprofeſſor der
mediziniſchen Fakultät von Bordeaux, gleichzeitig
Chefarzt des Militärlazarets von Taleneg, Prof.
Picque. Zu der Frau eines Fliegeroffiziers in
Ca=
zaux gerufen, ordnete er ſchleunigſte Operation und
Ueberführung der Kranken mittels Flugzeugs an.
Dieſe wurde in einem Sanitätsflugzeug untergebracht,
während in je einem weiteren Apparat der Arzt und
der Gatte ſie begleiteten. Die Flugzeuge gerieten
unterwegs in ein Gewitter, und das Flugzeug mit dem
Arzt an Bord ſtand plötzlich in Flammen. Der
Flug=
zeugführer verſuchte zu landen und ging nieder,
während ſich der Arzt, halb von Rauch erſtickt, in
ſeinem Sitz loszuſchnallen verſuchte. Hierbei verlor
er das Gleichgewicht und ſtürzte aus einer Höhe von
100 Metern ab. Die Kranke war vom anderen
Flug=
zeug aus Zeuge des Dramas. In der Meinung, es
handle ſich um ihren Gatten, wollte ſie in der
Ver=
zweiflung aus ihrem Flugzeug ſpringen, konnte aber
von dem Flieger mit der einen Hand feſtgehalten
werden, während er den Apparat mit der anderen
Hand ſteuerte und glücklich landete.
Drei ſchwere Flugzeugunfälle in Frankreich.
EP. Paris. Am Freitag ereigneten ſich drei
ſchwere Flugzeugunfälle. In der Nähe von
Ver=
ſailles ſtürzte ein Militärflugzeug ab und fing Feuer,
als es auf den Boden aufſchlug. Die beiden Inſaſſen
verbrannten volſtändig. Es handelt ſich um zwei
Flieger, die in nächſter Zeit einen Non=ſtop=Flug nach
Beirut unternehmen wollten. — In der Nähe von
Bordeaux ſtürzte ein Flugzeug ab, das für
Erſt=
lingsflüge verwendet wurde. Der Pilot und der
In=
ſaſſe, ein Militärarzt, wurden getötet. Eine
beſon=
dere Tragik dieſes Unfalls liegt darin, daß die
Mut=
ter des Paſſagiers, die von dieſem eingeladen
war=
ſeinem erſten Flug beizuwohnen, dem tödlichen
Ab=
ſturz ihres Sohnes zuſehen mußte. — Schließlich
wurden in der Nähe von Diion der Pilot und eim
Paſſagier eines Militärflugzeugs ſchwer verletzt, als
das Flugzeug bei dem Verſuch zu landen, auf eine
Pappel ſtieß und abſtürzte.
Nummer 155
Sonntag, den 3. Juni 1927
Geite 11
Sport, Spiel und Turnen.
Handball.
FC. Union 1913.
Am erſten Feiertag bleibt die 1. Mannſchaft ſpielfrei, dafür tritt
die 2. Mannſchaft der gleichen vom Sportklub „Hakoah” Wiesbaden um
10.30 Uhr auf der Rennbahn gegenüber. Wiesbadens Mannſchaft beſitzt
in ihren Reihen recht gute Kräfte, welche der neu zuſammengeſtellten
Mannſchaft der Beſſunger, eine recht gute Partie liefern wird. Am
2. Feiertag empfängt die erſte Mannſchaft die gleiche vom Poſtſportverein
Frankfurt zu einem Freundſchaftsſpiel. Die Gäſte, welche nachmittags
3 Uhr auf dem Sporwlatz an der Heidelbeuger Straße antreten,
ver=
fügen über eine gut durchgebildete Elf mit ſehr talentiertem Zuſpiel.
Ihre beſte Kraft iſt der linke Verteidiger, an welchem nur ſehr ſchwer
vorbeizukommen iſt. Zu wünſchen iſt den beiden Mannſchaften, daß ſie
die beiden Spiele ehrenvoll beenden, um die ſchweren Spiele am 12. Juni
gegen Alemannia Worms, Pokalmeiſter der Ligaklaſſe ihres Verbandes,
und gegen die Ligamannſchaft des Sportvereins Wiesbaden am 26. Juni
in Wiesbaden mit friſcher Kraft beſtreiten zu können.
8.
Fußball.
Germania Pfungſtadt komb.—Gintracht Darmſtadt 6:2 (1:2).
Zu einem Samstagabendſpiel in Darmſtadt ſtellte der R. Sp.V.
Ger=
mania Pfungſtadt eine komb. Mannſchaft, die ihrem Gegner in jeder
Beziehung überlegen war und auch in dieſer Höhe verdient gewann.
Ein=
tracht kann von Glück ſagen, daß der Pfungſtädter Innenſturm ein
unglaubliches Schußpech hatte. Pfoſten und Querlatte waren mehrmals
die Retter i höchſter Not. Die beiden Erfolge der Eintracht reſultieren
aus einem Eigentor und einem Elfmeter, während Pfungſtadts Tore
Früchte ſchönen Zuſammenſpiels und prächtiger Einzelarbeit des aus
der Ligamannſchaft entnommenen Rechtsaußen Steinmetz waren. Herv
Aldori war dem Spiel ein gerechter Leiter. Seine
Elfmeterentſcheidun=
gen waren durchaus korrekt.
Kegeln.
Klubwettkämpfe unter Nichtverbandsklubs.
Der Darmſtädter Keglerverband hatte die nicht dem Verband
an=
geſchloſſenen Klubs eingeladen, ſich an Klubwettkämpfen zu beteiligen.
Er verfolgte damit den Zweck, auch den fernſtehenden Kegelbrüdern
Ge=
legenheit zu geben, ſich im Kegelſport auch anders als beim
Geſellſchafts=
abend zu betätigem und die neue Bahnanlage im Bürgerverein zu
er=
proben. Fünfzehn Klubs beteiligten ſich an dieſem Kegeln. Recht gute
Kräfte befinden ſich unter ihnem. Beachtliche Reſultate wurden erzielt.
Einige Klubs ſchloſſen ſich dem Verbande an, andere haben ihren
Bei=
tritt in Ausſicht geſtellt. Für die drei Höchſtleiſtungen waren Preiſe
aus=
geſetzt. Jeder Klub ſtellte eine Riege von 5 Mann, die je 20 Kugeln
abgeworſen haben. Die erzielten Reſultate ſind folgende: 1. Klub „
Mun=
tere Dinger” 1. Rg. 492 Geſ.=Holz; 2. Klub „Gut Holz” Eberſtadt 490
Geſ.=Holz; 3. Klub „Vorſicht” 476 Geſ.=Holz; 4. Klub „Er hott’n” 468
Geſ.=Holz; 5. Klub „Schuſter” 1. Rg. 467 Geſ.=Holz; 6. Klub „Nix
ver=
dorwe‟ 465 Geſ.=Holz; 7. Klub „Samstagsklub Linde” Beſſungen 458
Geſ.=Holz; 8. Klub Gaſtwirte bei Sitte 450 Geſ.=Holz; 9. Klub „Wumta‟
449 Geſ.=Holz: 10. Klub „Finanzkugel” 447 Geſ.=Holz: 11. Klub „
Mun=
tere Dinger” 2. Rg. 439 Geſ.=Holz; 12. Klub „Er wackelt noch” 421
Geſ.=Holz; 13. Klub „Schwalbenneſt” 421 Geſ.=Holz: 14. Klub „K.Cl.
Montag” bei Sitte 404 Geſ.=Holz.
Olympiſche Spiele 1928.
Frankreich und wir. — Eine Richtigſtellung über die Olympia=
Aufwendungen.
Acht Millionen Reichsmark habe die deutſche Regierung der
Vor=
bereitung für die Teilnahme deutſcher Athleten an den olympiſchen
Spielen in Amſterdam gewidmet. So ſteht zu leſen in der Druckſache
Nr. 4308 der franzöſiſchen Deputiertenkammer, mit der für die
Beteili=
gung Frankreichs an den olympiſchen Spielen 1928 ein Kredit von zwei
Millionen Fr. gefordert wird., Mit welchen Gefühlen müſſen die 610
—Deputierten und die 314 Senatoren die amtliche Erklärung ihrer
Regie=
rung betrachten, daß Deutſchland acht Millionen Mark, alſo rd. 48
Mil=
lionen Fr., das 24fache des franzöſiſchen Kredits, für die Voxbereitung
bewilligt hat. So reich iſt dieſes Deutſchland, ſo verſchwenderiſch geht
es mit den Millionen um! „In Wahrheit liegt die Sache ganz anders.
Die deutſche Regierung hat bisher 150 000 Mark bewilligt und für die
Durchfführung der Spiele im Jahre 1928 300.000 Mark vorgeſehen, das
iſt alſo nur der 18. Teil von dem, was die amtliche franzöſiſche
Druck=
ſache behauptet. Wie ſtehen nun die deutſchen und franzöſiſchen
Auf=
wendungen zueinander? Vergleicht man ſie, ſo muß man die Kopfzahl
beider Länder zugrunde legen. Frankreich hat 40 Millionen Einwohner,
bewilligt auf den Kopf der Bevölkerung 5 Centimes. Würde Deutſchland
den gleichen Betrag bei 63 Millionen Einwohnern zugrunde legen, ſo
müßte es 3 150 000 Fr. oder 522 000 Mk. bereitſtellen, alſo 72000 Mark
mehr, als wirklich vorgeſeoen ſind.
Boxen.
Mannſchaftsboxen der Amateure in Mainz.
1. Mainzer Box=Klub ſchlägt DSC. Düſſeldorf 9:5.
Der Mannſchaftskampf zwiſchen dem 1. Mainzer Box=Club und dem
DSC. Düſſeldorf fand nur ſehr geringes Intereſſe in Mamz, obwohl
die Veranſtaltung ſportlich durchaus auf der Höhe ſtand. Die
Düſſel=
dorfer waren flinker als die Mainzer und bevorzugten den Nahkampf,
ohne ſich aber bei den körperlich kräftigeren Mainzer durchſetzen zu
können. Die Einheimiſchen ſiegten mit 9:5 Punkten. Die Ergebniſſe:
Einlagekampf: Erler=Bockenheim (110) ſchlägt, Imhof=Mainz (107) nach
Punkten. Fliegengewicht: Herrmannſen=Mainz ſchlägt Rottweiler=
Düſſel=
dorf nach Punkten. Bantamgewicht: Nitzel=M. ſchlägt Streib II,
Düſſel=
dorf nach Pkt. Federgewicht: Blotz=M. gegen Prahl=D. unentſchieden.
Leichtgewicht: Streib I, D., ſchlägt Werner=M. nach Pkt. Weltergewicht:
Eckert=M. gegen Kronenberger=D. unentſchieden. Mittelgewicht: Krimmel=
M. gegen Ruſtemayer=D. unentſchieden. Halbſchwer: Rodenich=M. ſchlägt
Holzapfel=D. nach Punkten.
Große Kämpfe in Sicht.
Nach Monaten faſt völliger Stagnation eröffnet ſich den deutſchen
Berufsboxern in der Zeit nach Pfingſten ein großes Betätigungsfeld.
Zwei große Veranſtaltungen ſtehen am 12. Juni auf der Tageskarte.
Da iſt zunächſt der Hamburger Punching=Tag zu erwähnen, der
i einer großen Freiluftarena vor ſich geht. Breitenſträter und
Diener, die in ihrer langjährigen Boxerlaufbahn niemals zuſammen
den Ringi betreten haben, ſtehen im Mittelpunkt der Veranſtaltung.
Veide haben bereits ein ſcharfes Training für den Kampf aufgenommen.
— Ludwig Haymann wird nicht mit dem engliſchen Meiſter Phil.
Scott, ſondern mit deſſen Landsmann Bob. Spiller, der kürzlich in
Vondon den Berliner H. Sievert in der 6. Runde zur Aufgabe zwang,
durch die Seile klettern. — Der langjährige frühere Europameiſter Piet
Hobin=Belgien boxt mit Eugen Kündig=Hambura, der frühere
belgiſche Neger Joe Ralph wurde mit dem Hamburger Karl Sahm
zum Revanchekampf gepaart. Die am gleichen Tage in Hamborn
borgeſehenen Kämpfe weiſen folgende Paarungen auf: Rudi Wagener—
Marcell Nilles, Gohres—Saſſe (Ausſcheidung), H. Linke—Willarny=
Belgien, Eugene Klonzo=Frankreich-Paul Steffgen, Tomkowiak-
Briſ=
ſet (Frankreich). — Eine Woche ſpäter, am 19. Juni, ſteigt in der
Dort=
munder Weſtfalenhalle das Treffen zwiſchen Fernand Delarge=
Bel=
gien und Max Schmeling um die Europameiſterſchaft im
Halbſchwergewicht. Weiter ſind ſür dieſen Tag bereits Harry Stein
und der Belgier Verbiſt verpflichtet worden. Auch Ludwig Haymann
fehlt nicht auf dem Programm. Ebenfalls am 19. Juni iſt in einer
großen Freiluftarena in Hann over ein internationaler Kampftag
borgemerkt. Röſemann und der Holländer De Beſt ſind für den
Haupt=
kampf in Ausſicht genommen; Domgörgen und Enſel ſollen gleichfalls
ausländiſche Gegner als Kampfpartner erhalten.
Leichtathletik.
Anerkannte Leichtathletik=Rekorde.
Durch den Leichtathletik=Ausſchuß der Deutſchen Sportbehörde
wur=
den der am 10. April in Berlin mit 2:05,12,8 Stunden von Siewert
(Verlin) aufgeſtellte, inzwiſchen aber am 29. Mai von Hähnel (Erfurt)
ſchon wieder unterbotene deutſche Nekord im 25 Klm.=Gehen und der
am 1. Mai in Hannover von Petri (Hamburg) im 7500 Meter=Laufen
mt B:42,8 Minuten aufgeſtellte Rekord als neue deutſche
Höchſtleiſtuun=
gen anerkannt=
Darmſtädter Sportkalender.
Tennis.
Darmſtadt — Stuttgart.
Schießſport.
Meiſterſchaften von Darmſtadt 1927.
Fußball.
10.30 Uhr: Eintracht — Hofheim (1. Feiertag, Finangamt).
Handball.
15.00 Uhr: Union — Poſt=Sp.=V. Frankfurt (2. Feiertag).
Sportliche Tagesſchau.
Lewanow iſt von ſeiner in Leipzig erlittenen Verletzung wieder
ſoweit hergeſtellt, daß er an den Start gehen kann.
Boruſſia Neunkirchen
Saarbrücken mit 4:3 (2:1) Toren.
ſchlug in Neukirchen den F.V
Joe Dundee holte ſich durch einen Punktſieg über Pete Latzo
die Weltmeiſterſchaft im Weltergewichtsboxen.
Henri Cochet wurde bei den franzöſiſchen Tennismeiſterſchaften
von Tilden in drei Sätzen geſchlagen. Das Endſpiel bei den Herren
beſtreiten nunmehr Tilden und Lacoſte, bei den Damen Frl. Boumann
und Miß Peacock.
Ein neuer Junkers=Weltrekord. Der Junkers=Pilot Ryticz ſtellte
mit einem Waſſerflugzeug Junbers W. 34 einen neuen Weltvekord auf,
indem er mit 1000 Kilo Nutzlaſt über eine Strecke von 1000 Klm. einen
Stundendurchſchnitt von 196,080 Klm. erzielte.
Meldungen zur 42. Mainzer Regatta
am 11. und 12. Juni 1927.
Samstag, den 11. Juni 1927.
1. Rhein=Achter (Start 4 Uhr): Start 1: Ruder=Club Rhenania,
Kob=
lenz; 2: Mamzer Ruder=Verein.
2. Erſter Vierer ohne Steuermann (Start 4,15 Uhr); Start 1:
Ludwigs=
hafener Ruder=Verein; 2: Frankfurter Ruder=Verein 1865; 3:
Main=
zer Ruder=Verein.
3. Junior=Achter (Start 4,30 Uhr): Start 1: Kaſteler Ruder=Geſellſchaft;
2: Mannheimer Ruder=Verein „Amicitia”; 3: Mainzer Ruder=
Verein; 4: Ruder=Geſellſchaft Trier; 5: Frankfurter Ruder=Verein
1865; 6: Mainzer R. G. 02; 7: Kölner C. f. Waſſexſport.
4. Zweiter Vierer (Start 4,45 Uhr): Start 1: Wormer Ruder=Verein;
2: Mainzer Ruder=Verein; 3: Ruder=Geſellſchaft Trier; 4: Ruder=
Club „Rhenania”, Koblenz; 5: Binger Ruder=Geſellſchaft; 6: Kölner
C. f. Waſſerſport; 7: Kölner R.V. 1877; 8: Kaſteler Ruder=
Geſell=
ſchaft.
5. Rheinmeiſterſchaft (Start 5 Uhr): Start 1: Ruder=Club „Rhenania”,
Kohlenz (Roth); 2: Ruder=Geſellſchaft Worms (Lerch); 3: Ruder=
Geſellſchaft Worms (Wolf); 4: Frankfurter R. G. Oberrad (Paul);
5: Gießener R.G. 1877 (Georgf); 6: Ruder=Club „Naſſovia” Höchſt
(Weil); 7: Waſſerſport=Verein Godesberg (Engels); 8: Hanauer
Ruder=Club „Haſſia” (Trumpfheller).
6. Dritter Vierer (Start 5,15 Uhr): Start 1: Limburger Ruder=Verein;
2: Mainzer Ruder=Verein; 3: Frankfurter R. C. 1884: 4: Mainzer
Ruder=Geſellſchaft: 5: R. C. „Rhenania” Koblenz; 6: Binger Ruder=
Geſellſchaft; 7: Frankfurter Ruder=Verein 1865; 8: Karlsruher
Ruder=Verein.
7. Gaſt=Vierer (Start 5,30 Uhr): Start 1: Mannheimer Ruder=Verein
Amicitia”; 2: Ludwigshafener Ruder=Verein; 3: Kölner Clurb für
Waſſerſport.
8. Erſter Jungmann=Vierer (Start 5,45 Uhr): Start 1: Mainzer Ruder=
Verein; 2: Mannheimer Ruder=Verein „Amieitia”; 3: Kölner Club
für Waſſerſporr; 4: Mainzer Ruder=Geſellſchaft.
9. Zweiter Jungmann=Vierer (Start 6 Uhr); Start 1: Kaſteler Ruder=
Geſellſchaft; 2: Ruder=Club „Rhenanja” Koblenz; 3: Fxankfurter
R.V. 1865; 4: Kölner Club für Waſſerſport; 5: R.C. Trier.
10. B=Jungmann=Vierer (Start 6,15 Uhr): Start 1: R.=V. Schierſtein;
2: R.V. Bad=Ems.
11. Doppel=Zweier (Start 6,30 Uhr): Start 1: Waſſerſport=Verein
Go=
desberg; 2: R.G. Worms.
12. Zweiter Achter (Start 6,45 Uhr): Start 1: R.C. „Rhoania”
Kob=
lenz; 2: Kölner R.V. 1877; 3: Kaſteler Ruder=Geſellſchaft; 4: R.V.
Koſtheim=Guſtavsburg; 5: Binger Ruder=Geſellſchaft; 6: R. G. Trier;
7: Wormſer Ruder=Verein;
13. Erſter Achter (Start 7 Uhr): Start 1: Kölner C. f. Waſſerſport;
2: Frankfurter R.V. 1865; 3: Mainzer Ruder=Verein.
Sonntag, den 12. Juni 1927.
14. Jungmann=Achter (Start 2,30 Uhr): Start 1: R. G. Trier; 2:
Main=
zer R. G. 02; 3: Kaſteler Ruder=Geſellſchaft; 4: Kölner C. f.
Waſſer=
ſport; 5: Frankfurter R.V. 1865; 6: Mainzer Ruder=Verein.
15. Zweier ohne Steuermann (Start 2,45 Uhr): Start 1: Ludwigshafener
Ruder=Verein; 2: Frankfurter R. C. 1884; 3: Kölner C. f.
Waſſer=
ſport; 4: Maizer Ruder=Verein.
16. Jungmann=Einer (Start 3 Uhr): Start 1: Kölner C. f. Waſſerſport
(Wingenfeld); 2: Maizer R. G. 02 (Holler); 3: Mannheimer R.V.
„Amicitia” (Maier); 4: R.G. Worms (Marſchang); 5: Kaſteler
R. G. (Schandua); 6: Frankfurter R.G. Oberrad (Paul); 7:
Main=
zer Ruder=Verein (Petry).
17. B=Vierer Start 3,15 Uhr): Start 1: R.V. Koſtheim=Guſtavsburg;
2: R.V. Bad=Ems.
18. Hochſchul=Vierer (Start 3,45 Uhr): Start 1: Karlsruher Ruder=
Verein 1879; 2: Heidelberger R.C. 1872.
19. Zweiter Vierer ohne Steuermann (Start 4 Uhr): Start 1: Kölner
R.V. 1877; 2: Mainzer Ruder=Verein; 3: Kölner C. f. Waſſerſport;
4: R.G. Trier.
20. Zweiter Einer (Start 4,15 Uhr): Start 1: Karlsruher R.V. (Moder);
2: Mainzer R.G. 02 (Holler); 3: Frankfurter R. G. Oberrad
(Paul); 4: Kölner C. f. Waſſerſport (Wingenfeld); 5: Ruder=
Geſell=
ſchaft Worms (Lerch); 6: Kaſteler R.G. 1880 (Schandua); 7: R.C.
„Naſſovia” Höchſt (Keil); 8: Hanauer R. C. „Haſſia” (Trumpfheller);
9: R. C. „Rhenania” Koblenz (Roth).
21. Großherzogsvierer (Start 4,30 Uhr): Start 1: Kölner C. f.
Waſſer=
ſport; 2: Mainzer Ruder=Verein; 3: Ludwigshafener Ruder=Verein.
22. Junior=Vierer (Start 5 Uhr): Start 1: Mainzer Ruder=
Geſell=
ſchaft; 2: Mannheimer R.V. „Amicitia”; 3: Kölner C. f.
Waſſer=
ſport; 4: Frankfurter R.V. 1875; 5: R. C. „Rhenania” Koblenz;
6: Mainzer Ruder=Verein; 7: Binger Ruder=Geſellſchaft.
23. Leichter Vierer (Start 5,15 Uhr); Start 1: R. G. Worms; 2: R.V.
Koſtheim=Guſtavsburg; 3: R. C. „Rhenania”, Koblenz; 4: Kaſteler
R.G. 1880; 5: R. G. Trier; 6: Mainzer Ruder=Verein.
24. Erſter Einer (Start 5,30 Uhr): Start 1: R.G. Worms (Wolf)
2: Waſſerſport=Verein Godesberg (Engels); 3: Frankfurter R.V.
1865 (Flintſch); 4: Gießener R. G. 1877 (Georgi);
25. B=Achter: Start 1: Ruder=Verein Koſtheim=Guſtavsburg fällt aus!
26. Dritter Achter (Start 5,45 Uhr): Start 1: Frankfurter R.V. 1865;
2: R. C. „Rhenania” Koblenz; 3: Kölner C. f. Waſſerſport; 4: Kaſteler
R.C. 1880; 5: R.G. Trier; 6: Wormſer Ruder=Verein; 7: Mainzer
Ruder=Geſellſchaft; 8: Mainzer Ruder=Verein (Rieffel); 9: Binger
Ruder=Geſellſchaft: 10: Mainzer Ruder=Verein (Fiedler).
27. Achter (Start 6 Uhr): Start 1: Kaſteler Ruder=Geſellſchaft; 2:
Köl=
ner C. f. Waſſerfport; 3: Kölner R.V. 1877; 4: Mannheimer R.V.
„Amicitia”; 5: Frankfurter R.V. 1865; 6: Mainzer Ruder=Verein.
Wetterbericht.
Witterungsausſichten für Pfingſtmontag, den 6. Juni 1927.
(Nach der Wetterlage vom 4. Juni 1927.)
Teils heiter, teils wolkig, Temperaturen ſchwankend und vorwiegend
trocken, vereinzelt leichte Gewitterſtörung.
Heſſiſche Werterdienſtſtelle.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heiſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den
Inſeratenteil: Willy Kuhle; Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkipte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Geſchäftliches.
Als Helferin beim Großreinemachen iſt Wichsmädel=
Bohnerwachs von der Hausfrau ſehr geſchätzt. Es trägt ſich ja ſo leicht
auf, man reicht damit ſo weit und freut ſich dann ſo lange über den
hauerhaften, prächtigen Hochglanz! Verlangen Sie aber ausdrücklich
eine Doſe Wichsmädel und laſſen Sie ſich nichts anderes als ebenſo gut
aufreden: ebenſo gut iſt nicht ſo gut!
„Das. Seifenhaus am Schillerplatz veranſtaltet zurzeit
einen Sonderverkauf unter der Bezeichnung „Billige Bürſtenwoche” und
läßt auch dieſe beſondere Vergünſtigung durch eine Lichtreklame der
Firma Geil=Ranzow zur Geltung kommen. Die Betätigung dieſer
Reklame=Beleuchtung geſchieht durch einen Lichtreklameſchalter, der nicht
nur allein für dieſen Zweck gebaut wurde, und die Möglichkeit gibt,
jede andere elektriſche Moment=Beleuchtung hervorzurufen. Es dürfte
ſich alſo ein Gang nach dem Schillerplatz auch in den Abendſtunden
lohnen und wird jedermann Gelegenheit geboten ſein, ſich ebenſo von der
günſtigen Einkaufsgelegenheit, wie auch von dem tadelloſen Arbeiten
der Beleuchtung zu überzeugen.
Briefkaſien.
Vogelſchutz „Gegen Katzen durch Stacheldrahtringe an den Bäumen
oder Schreckſchüſſe uſw. Erſchießen wildernder Katzen iſt u. W. mir
efugten Amtsperſonen geſtattet.
Rund=Funk=Progromme.
Frankfurt.
Sonntag, 5. Juni. 8: von Kaſſel: Morgenfeier. Mitw.:
Oberk=
neuſtädter Kirchenchor. Konzertſängerm Fräulem Schäfer; Auguſt
Keim, Cello; Flügel: Frau M. Keim. O 11.30: Elternſtunde. Dr.
Schiefer: Familiengemeinſchaft als Erziehungsmittel. O 12: Uebertr.
des Glockenſpiels aus dem Darmſtädter Schloß. o 14.30: Stunde
der Jugend. Kaſperltante. Die Kaſperleinladung. — Peringel. —
Schluß. Für Kinder vom 4. Jahre ab. O 15.30: Die Oper der
Woche. Wagner: „Tannhäuſer”, Ouv. — R. Strauß: „Elektra‟
Fant. — Verdi: „Rigoletto” Arie der Gilda: „Teurer Name‟,
— d’Albert: „Tiefland”, Intermezzo. — Puccini: „Turandot”
Arien der Liu. — Beethoven: „Fidelio”, Fant. Mitw.: Elſe
Hiller=
mann (Sopran). O 16.30: Vorl, aus eig. Werken des Dichters
Ernſt Toller. Das Schwalbenbuch. — Unveröffentlichtes. O 18:
„Das Spiel vom Antichriſt” mittelalterliches Myſterienſpiel. Vorl.
mit Einf. von Dr. Kranz. O 20.30: Alte Kammermuſik. Arioſti:
Sonate in Es=Dur. — Scarlatti: Cantate „Solitudine avvenne
apriche” f. Sopran. — Händel: Chaconne in G=Dur für Cembalo,
— Stamitz: Sonate in Es=Dur. Altfranz. Klavierſtücke: Rameau:
LEgyptienne‟, Gavotte in C=Moll, — Balbaſtre: Romanze. —
Darprin: „Le Coucou”. — Rameau: „Tambourin”. — Gretpy:
Rez u. Arie „Aimable Aurore‟. — Scarlatti: Drei Sonaten in
C=Dur, E=Moll und E=Dur. — Biber: Partita für zwei Violas
d'amour und Cembalo. Ausf. Elſe Liebhold (Sopran), Emma
Lüh=
becke=Job (Cembalo), W. Caſpar (Violine und Viola d’amour),
P. Hindemith (Viola d'amour), P. Naumann (Flöte),
Montag, 6. Juni. 8: Morgenfeier. O 12: Uebertr. des
Glockenſpiels aus dem Darmſtädter Schloß. O 16.30: Hausorch,
O 17.45: Leſeſtunde: Aus der Sammlung „Deutſches Leſebuch”, von
Hofmannsthal. O 18.15: Vortragsſtunde auf dem Schiedmayer=
Meiſter=Harmonium. Ausf. Reinhold Merten. O 20.30: Bunter
Abend. Anſchl. bis 0.30: aus der Tanzklauſe Groß=Frankfurt:
Tanzprogramm.
Stuttgart.
Sonntag, 5. Juni. 12: Promenadenkonzert vom Schloßplatz,
Stuttgart, ausgeführt vom 18. Reiter=Regiment. O 13.10: Konzert.
O 15: Dr. Elwenſpoek: Charlotte von Mexiko, Lebens= und
Leidensweg einer Kaiſerin. 15.30: Uebertr, der Märchenſtunde,
Funkheinzelmam von der Norag, Hamburg. — Anſchl.: „Ein
Pfingſtausflug ins Grüne‟. Heitere Sendeimproviſation von Struve,
O 18.15: K. Figdor: Kreuz und quer durch Aſien: Götter und
Tiere. O 18.45: Anni Geiger=Gog lieſt aus eig. Werken: Im
Lande des Heiligen Kreuzes (Franziskuslegenden aus Braſilien),
O 19.40: H. Bühler: Der Sternenhimmel im Monat Juni.
O 20: Sinfoniekonzert. Haydn: Oxford=Sinfonie. Sinfonie D=dur,
La Reine. O 21.30: Uebertr, aus Freiburg: Schlager aus der
Operette „Die Zirkusprinzeſſin” von Kalman. Mitw.: Meta
Lieber=
mann und Hans Sylveſter Bunſel (vom Stadtth. Freiburg),
Thereſe von Lemheny (Koloraturſängerin). Eilagen: Strauß:
Czardas aus Fledermaus. Frühlingsſtimmen. — Niolai: Arie der
Frau Fluth, Nun eilt herbei, Witz, heitere Laune, aus Die luſtigen
Weiber von Windſor. O 23: Letzte Nachrichten.
Montag, 6. Juni. 11.30: Morgenfeier. Mitw.: Margarete
Kuron (Sopran), Walter Kuron (Harmonium), o 13.10: Konzert,
D 15: E. Franzſeph: Das Briefmarkenſammeln der Jugend vom
Standpunkt der Schule und der Erziehung. O 15.30: Kinderlieder
u. Märchen=Kaſperltheater: „Das Glück iſt blind” oder: Kaſperl im
Schuldturm. Zauberſpiel mit Geſang. O 18.15: Dr. Löwenberg:
Maſſenregie in Bühne und Film. o 18.45: A. Soboczik: Der
große Luftverkehr ſeine Entwicklung, Bedeutung und Zukunft.
O 19.15: Prof. Verweyen: Pfingſtzeit. O 19.40: Auguſti erzählt:
Wovon Stuttgart ſpricht. O 20.15: Bunter Abend. Mitw.: Gerda
Hanſi, Käte Mann, Hilde Gerber, H. Hanus, v. Wiſtinghauſen,
W. Laukiſch, E. Stockinger, M. Heye, Funkorch. Gounod: Ouv.
Margarethe. Ständchen des Mephiſto. Schmuckarie aus Margarethe,
— Marſchner: Fant, und Arie aus Hans Heiling. — Strauß;
Aus der Celloſonate op. 6. — Barikof: Andante. — Thomas:
Kennſt du das Land. — Fall: Brüderlein fein, Walzer. — Arnold:
Wenn dich die Menſchen auch kränken, Wienerlied. — Goetze: Ein
Jüngling, der nicht tanzen kann. — Surto: Es war em Traum
nur. — Lederer: Puppenſpiele. — „Der erſte Krach.” Hör=Luſtſpiel
in 1 Akt von Max Heye. Perſ.: Er: H. Hanus; Sie: Käte
Mann; der Freund: M. Heye; die Zofe: Gerda Hanſi, u. a. m.
Berlin.
Die heutige Nummer hat 22 Geiten.
Sonntag, 5. Juni. 6.30: Frühkonzert d. Blasorch. Leit.:
Obermuſikm. Becker. 9: Morgenfeier. Mitw.: Fr. Ohrmann
(Harmonium), W. Geßner (Cello), H. Bachmann (Anſprache: Der
Heilige Geiſt in der Dichtung). 11.30: Dominator=Orcheſter,
Leit.: Fritz Wenneis. O 15.30: Märchen von Anderſen, Storm und
Bechſtein, geleſen von Gertrud Nube. o 16: Hans Teßmer,
Dresden: Die Kriſis des Operntheaters. o 17: Kapelle Gebr.
Steiner. Mendelsſohn: Ouv. Heimkehr aus der Fremde. — Lehar:
Eva=Walzer. — Schumann: Fahrende Muſikanten. — Dvorak:
Indian Canzonetta. — Loewen: Glocken von Sansſouci. — Ralf:
1001=Nacht, Suite. — Myddleton: Negers Traum. — Gilbert:
Tanze Tango, Sennora. — Strauß: Potp. Fledermaus. —
Offenbach: Ouv. Orpheus in der Unterwelt. 19.15: Einf. zu
Hanneles, Himmelfahrt. 19.45: Perſonenverzeichnis zur Uebertr.
O 20: Aus der Oper Charlottenburg: „Hanneles Himmelfahrt”.
Oper in 2 Akten von P. Graener, Text nach der Dichtung von
Gerhart Hauptmann. Haupt=Perſ.: Hannele: Marguerite Perras;
Gottwald, Lehrer: K. A. Oeſtvig; Schweſter Martha, Diakoniſſin:
Ruth Berglund; Tulpe, Hedwig, Pleſchke, Hanke, Armenhäusler.
22.30: Tanzmuſik Kapelle Hoffmann.
Stettin. 9: Morgenfeier. Vom Geiſt der Pfingſten. Bach:
O heil’ger Geiſt (Hornſextett des Jungmännerverems Zum guten
Hirten). Gott Vater, ſende deinen Geiſt (Schloßkirchenchor). Mein
gläubiges Herze (Hildegard Droß, Alt). — Paſtor Langkutſch: Die
Pfingſtgeſchichte nach der heiligen Schrift. — Franck: Komm,
Gnadentau, befeuchte mich. — Friedemamn Bach: Kem Hälmlein
wächſt auf Erden. — Paſtor Langkutſch: Pfingſten. — Kommt,
Seelen! Dieſer Tag muß heilig ſein beſungen. Aus dem
Sche=
melliſchen Geſangbuch. (Schloßkirchenchor). — Anſprache des Paſtors
Langkutſch. — O heilger Geiſt, o heilger Gott (Hornſertett.
Montag, 6. Juni. 6.30: Frühkonzert des Wolffſchen Konzert=
Orcheſters. 9: Morgenfeier. Mitw.: Chor der Bismarck=Realſchule,
Ino von Freeden (Orgel), Karl Haas (Rezit.) Laſowski=Quartett
der Staatsoper, o 11.30: Mandolinenklub Sonate und Irene
Ambrus (Sopran), Th. Mackeben (Flügel). o 14.30: Major v.
Rudolphi: Wirtſchaftl. und politiſche Urſachen zur Ausgabe neuer
Briefmarken. O 15: Dipl.=Ing. Dörffel: Die Normung landw.
Maſchinen und Geräte. o 16.45: Unionrennen in Hoppegarten,
Die letzte klaſſiſche Vorprüfung für das Deutſche Derby (Uebertr.
von der Rennbahn). Am Mikrophon: Chefredakteur Lüdecke und
Alfred Braun. O 17.30: Kapelle Gerhard Hoffmann. o 19.05:
Dr. Berger: Das Geheimnis der Wünſchelrute. 19.30:
Polar=
forſcher Leden (Norwegen): Ueber Kiwatins Eisfelder. Drei Jahre
unter kanadiſchen Eskimos. O 19.55: Prof. Heck, Dir, des Zoo;
Tierkunſt (Wilhelm Kuhnert als Afrikamaler). O 20.30: Schwänke,
Lieder und Tänze aus alter Zeit. Schein: Padouana. Courente. —
s freft ein wilder Waſſermann. — Der Fahrende vor der Himmels=
(Toni Jaeckel (Lieder zur Laute). — Der Tänzer unſerer lieben
(Dr. Drach, Rezit.). — All mein Gedanken. — Ich fahr
dahin. — Eines Maienmorgens früh (altes Liebeslied, 1290).
Bach: Gavotte, Bourree. Gigue, u. a. m. O 22.30: Tamzmulik.
Nummer 153
Sonntag, den 5. Juni
Vom ſüddeutſchen Produktenmarkt.
Die von den überſeeiſchen Märkten gemeldete Hochbewegung der
Weizenpreiſe ging diesmal an unſeren ſüddeutſchen Märkten ziemlich
eindruckslos vorüber; im Gegenteil, es hat die ſtarke Preisſteigerung zu
noch größerer Zurückhaltung geführt und Unternehmungsluſt und
Um=
ſätze auf ein Mindeſtmaß beſchränkt. Die europäiſchen
Saatenſtands=
berichte lagen bisher allgemein günſtig. Die Vorräte in deutſchem
Weizen und Roggen alter Ernte gelten als erſchöpft und auch die Lager
in ausländiſcher Ware ſind nicht belangreich; ein Preisdruck von dieſer
Seite wird ſomit nicht erwartet. Bemerkenswerter Weiſe wurden in
der Berichtszeit vielfach vorverkaufte frühere Kontrakte in Hard
Winter II, Juli und Juli/Auguſt und Manitoba I und II, Oktober und
Oktober/Dezember gehandelt. Ruſſiſcher Weizen wurde kaum angeboten
und man rechnet von dieſem Lande auch auf keine größeren Zufuhren
mehr, weil beſonders die politiſche Lage der Ausfuhr eine gewiſſe
Zu=
rückhaltumg auferlegen wird. Gegenüber den zwei Vorwochen ſind die
Forderungen durchweg um 1—1,50 RM. die 100 Kg. erhöht. Auch
Rog=
gen lag ſehr feſt, ohne daß es zu erheblichen Umſätzen kam, weil den
Käufern das Wagnis zu groß erſcheint. Während von deutſchem
Wei=
zen noch ein kleiner Poſten, waggonfrei, zu 32 RM. die 100 Kg.
gehan=
delt wurde, fehlte in inländiſchem Roggem jedes Angebot;
Auslands=
roggen ſtieg von RM. 28,75—29 auf RM. 29,50—29,75. Braugerſte lag
feſt: Inlandsware wurde nicht angeboten, abgeſehen von etwas
hell=
farbiger Sommergerſte zu RM. 29,50—30. Ausländiſche Braugerſte
ſtien von 30,25—33,75 auf RMM. 31—34. Das Angebot in greifbarer
Ware iſt auch darin knapper geworden. Futtergerſte konnte ſich im
Wag=
gongeſchäft gleichfalls um RM. 1 befeſtigen. Plata=Gerſte, 65 Kg., koſtete
Fl. 12.90 die 100 Kg. eif Seehafen, Malting Barley Fl. 12—12,40 und
Canada Weſtern Nr. III, tough, erſte Hälfte Juni, Fl. 12,25 cif
Rotter=
dam. Auch Hafer lag befeſtigt, doch brachten die höheren Preiſe etwas
mehr Angebot heraus. Die Steigerung gegenüber dem letzten Bericht
beträgt RM. 0,25 bis 0,75 die 100 Kg., bei Plata=Mais RM. 0,25 bis
0,50. Auch dieſer Artikel verzeichnete feſte Haltung.
Im Mehlgeſchäft ſind neue Abſchlüſſe ſelten geworden. Im
Einklang mit den Weizenpreiſen wurden die Forderungen der
ſüddeut=
ſchen Mühlen erhöht, für Weizenmehl. Spezial Null, auf RMM. 42 bis
42,50 (vorher RM. 41,25), Weizenbrotmehl RM. 34 bis 34,50 (33,25);
ſüddeutſches Roggenmehl 39 bis 40 (38 bis 39,50) die 100 Kg. mit Sack.
Futterartikel blieben weiter gefragt; Preiſe, je 100 Kg., in RM.:
Weizenkleie 13 Juni/Juli, 12,75 Juli/Dezember, Futtermehl 16,75,
Nachmehl 22,50, Maisſchrot 21, Biertreber 16 bis 17, Malzkeime 16,25
bis 16,75, Trockenſchnitzel 13 bis 13,50, Wieſenheu 9,25 bis 10, Kleeheu
11,50 bis 12.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt. Nachdem vorher das kühle Wetter
die Auspflanzung der neuen Tabake verzögert hatte, iſt ſie nunmehr
in vollem Gange. Man bezahlte für pikierte Setzlinge zunächſt RM. 7
und darüber pro 100 Stück. Die hohen Tabakpreiſe des Vorjahres
ver=
anlaßten die Produzenten, wie jetzt erkenntlich iſt, zur Vergrößerung
des Anbaues; die genaue Anbaufläche ſteht erſt in einigen Wochen feſt.
Am Rohtabakmarkt hat die zuverſichtliche Grundſtimmng bei knappem
Angebot angehalten. Als Hauptkäufer traten die Rauchtabakfabriken
auf; eine größere deutſche Tabakfabrik hat beim Handel zirka 2500 Ztr.
1921er Tabake zu RM. 83 bis 85 je Zentner gekauft. Für
fertigfermen=
tierte 1926er Pfälzer Rohtabake nannte man zuletzt RM. 125 bis 155
RM. pro Zentner je nach Qualität. Tabakrippen, überſeeiſche, ſind zu
bisherigem Preiſe gekauft worden.
Die Oeutſche Reichsbahn im Jahre 1926.
Die Deutſche Reichsbahngeſellſchaft veröffentlicht ihren
Geſchäfts=
bericht über das zweite Geſchäftsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember
1926. Das Geſamtergebnis des Geſchäftsjahres bezeichnet die
Reichs=
bahngeſellſchaft unter den gegebenem Umſtänden als zufriedenſtellend.
Die Einnahmen der Betriebsrechnung betrugen rund 4540,8 Millionen
RM., die Ausgaben für Betrieb, Unterhaltung und Erneuerung
belie=
fen ſich auf 3680,6 Mill. RM. Der Betriebsüberſchuß von 860,2 Mill.
RM. wurde verwendet für den Dienſt der
Reparationsſchuldverſchreibun=
gen mit 574,3 Mill. RM., der neuen Schuldverſchreibungen und
An=
leihen mit 0,2 Mill. RM., für die Zuweiſungen zur geſetzlichen
Aus=
gleichsrücklage mit 19,8 Mill. RM., und ſür die erforderlichen
Rück=
ſtellungen mit 140 Millionen RM. Der Gewinn aus dem Geſchäftsjahr
1926 mit rund 55 Mill. RM. und der Vortrag aus 1925 mit rund 153,1
Mill. RM., insgeſamt alſo 208,1 Mill. RM., ſind beſtimmt zur
Zah=
lung der 7prozentigen Vorzugsdividende auf die bereits ausgegebenen
Vorzugsaktien mit 40,4 Mill. RM. Der Reſt von 167,7 Mill. RM. wird
auf neue Rechnung vorgetragen. Die Zahlungen aus der
Reparations=
belaſtung, die das Reichsbahngeſetz für das zweite Reparationsjahr auf
595 Mill. Goldmark und für das am 1. September 1926 begonnene
dritte Reparationsjahr auf 550 Mill. Goldmark feſtgeſetzt hat, wurden
entſprechend der im Vorjahre mit dem Generalagenten ſür die
Repara=
tionszahlungen getroffenen Abmachung in Monatsbeträgen unter
Dis=
kontabzug geleiſtet.
Die Betriebsvorräte, d. h. der Beſtand an Betriebsſtoffen, Oberbau=
und Bauſtoffen, Werkſtoffen und Erſatzſtücken war für 1925 mit 485,3
Mill. RM. eingeſetzt. Die Verbeſſerung der Bewirtſchaftung ermöglichte
es, dieſe Beſtände um 46,3 Mill, RM. zu vermindern, ſo daß der Wert
Ende 1926 439 Mill. RM. betrug. Als Kaſſe= und Bankguthaben waren
in der Bilanz ſür 1925 ausgewieſen 488,7 Mill. RM. Dieſe Poſten
er=
ſcheinen um rund 52 Mill. höher, alſo mit 540,7 Mill. RM. Es ergibt
ſich alſo eine Zunahme der flüſſigen Mittel. Das Reinvermögen des
Unternehmens Deutſche Reichsbahn iſt am 1. Oktober 1926 auf die
Ge=
ſellſchaft in Höhe von 756 Mill. RM. übergegangen. Dieſer Poſten iſt
in der Eröffnungsbilanz als Betriebsrücklage bezeichner und wurde, wie
im Vorjahre, unverändert übernommen. Um die Abſchreibung des
Be=
triebsvechtes am übernommenen Reichseiſenbahnvermögen und des
Be=
triebsrechts am Anlagezuwachs vorzubereiten, und um bei der
Unſicher=
heit der wirtſchaftlichen Verhältniſſe mögliche Verluſte ausgleichen zu
können, wurde 1926 eine beſondere Rüchſtellung für
Betriebsvechts=
abſchreibungen und Verluſtgefahren von 150 Mill. RM. vorgenommen.
Dieſe Rüickſtellung iſt 1926 um 70 Mill. RM. auf 220 Mill. erhöht worden.
Für die Durchführung des Arbeitsbeſchaffungsplanes waren 70 Mill.
RM. vorgeſehen.
Das Deutſche Handwerk im Mai.
Dem Bericht des Reichsverbands des Deutſchen Handwerks ül
die wirtſchaftliche Lage des deutſchen Handwerks im Mai 1927 entnehn
wir Folgendes: Nach den Berichten der deutſchen Handwerks= und (
werbekammer hat die Belebung des Geſchäftsganges im Handwerk w
tend des Monats Mai keinen beſonderen Aufſchwung erfahren. Die
haftere Tätigkeit im Bauhauptgewerbe wirkte ſich zwar auf die Be
nebengewerbe und die mit dieſen zuſammenhängenden Handwerkszwe
aus. Auch das Bekleidungshandwerk hatte eine weitere Belebung
Geſchäftslage zu verzeichnen. In den übrigen Handwerkszweigen
gegen hielt ſich die Beſſerung in viel engeren Grenzen, ein Zeichen, 1
von einer direkten Konfunkturbelebung im Handwerk noch nicht geſp
chen werden kann. Die Tatſache, daß wohl die Neubautätigkeit, ni
aber die Reparaturtätigkeit zugenommen hat, zeigt nach Auffaſſung 1
Reichsverbandes auch eindeutig auf den Urſprung der Baubelebung hr
nämlich auf die Finanzierung durch öffentliche Mittel.
Da die Landwirtſchaft immer noch mit den notwendigen Aufträg
zurückhält, iſt die Lage des Handwerks auf dem Lande bedeutend 1
günſtiger, als in den größeren Städten. Im übrigen iſt nach dem
richt des Reichsverbandes zu beachten, daß ein Vergleich des augenbl
lichen Geſchäftsganges mit dem der Vorkriegszeit zu Ungunſten
Gegenwart ausfallen würde. Hieraus erklärt ſich auch, daß die Prei
wirtſchaft noch viel zu wünſchen übrig läßt. Sowohl bei Submiſſion
als auch bei freihändiger Vergebung von Arbeiten ſind die Preiſe
das außerſte gedrückt. Erſchwerend macht ſich unter dieſen Umſtänd
das Anſteigen der Löhne ſowie der Rohſtoff= und Materialpreiſe bem
bar, da dieſe geſteigerten Unkoſten nur im geringen Maße auf die Kr
ſchaft abgewälzt werden können. Mit beſonderer Sorge wird den V
handlungen im Verwaltungsrat der Reichspoſt wegen der Gebühr
erhöhung entgegengeſehen, da hierdurch die Geſchäftsunkoſten der Har
werker direkt und indirekt wiederum nicht unerheblich vergrößert werde
Der Geldeingang hat ſich nur in den Gegenden, in denen die
werbsloſigkeit nachgelaſſen hat, etwas gebeſſert; ſonſt läßt die Zahlun
weiſe immer noch zu wünſchen übrig. Zur Befriedigung eines verſte
ten Kreditbedürfniſſes reichen die vorhandenen Kreditquellen nicht e
Ous der beabſichtigten Verteuerung des Poſtſcheckverkehrs werden
n=
wierigkeiten in der Zahlungsweiſe befürchtet.
Die deutſche Konjunktur Ende Mai.
Das Inſtitut für Konfunkturforſchung berichtet über die deutſche
Konfunktur Ende Mai: Ende Februar ergab ſich das Konfunkturbild
eines zögernd fortſchreitenden Aufſchwunges. Die Aufwärtsbewegung
hat ſich inzwiſchen in beſchleumigtem Tempo fortgeſetzt. Die
wirtſchaft=
liche Aktivität hat Ende Mai einen Grad erreicht, der ſchon zu gewiſſen
Reibungs= und Spannungserſcheinungen geführt hat, wie ſie für eine
der Hochſpannung ſich nähernde Aufſchwungsphaſe kennzeichnend ſind.
Dies zeigt ſich mit aller Deutlichkeit ſowohl auf der Geldſeite wie auf
den Güterſeite der Wirtſchaft. Der Zahlungsverkehr hat ſich erweitert.
Drei Märkte befinden ſich nach ihrer Konſtellation in dem zweiten
Ab=
ſchnitt eines Aufſchwungs: Der Warenmarkt dehnt ſich aus, der
Effek=
tenmarkt hat zunächſt einen Rückſchlag erlitten und der Geldmarkt iſt
angeſpannt. Leichte Spannungserſcheinungen beſtehen auch auf der
Güterſeite. Die Produktion und die Umſätze ſind in den letzten
Mona=
ten zwar ſtändig gewachſen. Dabei hat aber die produktive
Gütererzeu=
gung, die von Oktober 1926 bis Februar 1927 zunächſt ſtärkere
Fort=
ſchritte gemacht hatte, die Führung nunmehr an die Verbrauchsgüter=
Induſtrien abgegeben. Ueberdies ſcheint die volkswirtſchaftliche
Vorrats=
bildung einen Charakter anzunehmen, der auf eine zunehmende
Sätti=
gung des Binnenmarktes hindeutet. Durch die Zahlen des Außenhandels
wird das inſofern beſtätigt, als eine Mehreinfuhr an Rohſtoffen und
Halbwaren letzthin leicht abgenommen hat. Wann die Wirtſchaft in
eine Phaſe der Hochſpannung eintreten wird, läßt ſich nicht mit
Be=
ſtimmtheit angeben, zumal die Dauer der einzelnen Phaſen ſich bis auf
weiteres nicht berechnen läßt. Es könnte ſich ſogar zunächſt wieder eine
Entſpannung ergeben. So viel kann aber geſagt werden, daß die
Auf=
faſſung nicht zutreffend iſt, der Umſchwung an der Börſe ſei ſchon ein
Signal für den bald zu erwartenden Rückgang im ſonſtigen
Geſchäfts=
leben. Die Abſchwächung der Effektenkurſe dürfte vielmehr mit eine
Folge gerade der ſtärkeren Kräfteanſpannung im Bereiche der
Produk=
tion und des Warenhandels ſein.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 1. Juni 1927. Die auf den
Stichtag 1. Juni 1927 berechnete amtliche Großhandelsindexziffer weiſt
mit 137,6 gegenüber der Vorwoche keine Veränderung auf. Von den
Hauptgruppen iſt die Indexziffer der Agrarſtoffe um 0,6 v. H. auf 139,3
(140,2) zurückgegangen. Dagegen ſind die Judexziffern für Kolonialwaren
um 10 v. H. auf 128,7 (127,4) für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren
um 0,4 v. H. auf 131,9 (131,4), füir induſtrielle Fertigwaren um 0,5
v. H. auf 145,5 (144,8) geſtiegen.
Die Beamtenbank Darmſtadt e. G. m. b. H. hielt in den Räiumen
ihres eigenen Bankgebäudes ihre Generalverſammlung als erſte
Ver=
treterverſamlung ab. Der Vorſitzende des Aufſichtsrats, Herr
Ober=
zollinſpektor Lange, nahm Gelegenheit, alle erſchienenen Vertreter
und ſonſtigen Mitglieden herzlich zu begrüßen und zu bitten, künftig ein
lebendiges Bindeglied zwiſchen den Verwaltungsorganen der Bank und
der auch im verfloſſenen Jahre wieder erfreulich gewachſenen
Mitglieder=
ſchaft zu ſein. Darauf erſtattete Herr Direktor Burger den
aus=
führlichen Bericht des Vorſtandes, aus dem nachſtehendes hervorgehoben
ſei: Der Jahresumſatz iſt auf 36½ Millionen, die Bilanzſumme auf 11
Millionen geſtiegen. Die Umſatzvergrößerung kommt faſt gleichmäßig
auf allen Konten zum Ausdruck, jedoch iſt bezüglich der bei Banken
ge=
haltenen flüſſigen Mittel zu berückſichtigen, daß dieſe ſich um die
Auf=
wendung für den Ankauf des Bankgebäudes und um die Kapitalanlage
in Goldpfandbriefen wieder gemindert haben; entſprechende neue
Ver=
mögenskonten werden in der vorliegenden Bilanz zum erſten Male
aus=
gewieſen. Die beſondere Zweckbeſtimmung der Bank ſpiegelt ſich wider
in der Ausgabe von über 2000 Darlehen in einer Höhe von faſt 1
Mil=
lion, eine Summe, die ein beredtes Zeugnis ablegt von der Notlage
der Beamtenſchaft und der Leiſtungsfähigkeit der Bank. Die vorjährige
Erhöhung des Geſchäftsanteils hat ſich infolge des ratenweiſen Einzugs
bis Jahresſchluß nur zum Teil ausgewirkt, bedeutet aber immerhin
ſchon eine anſehnliche Stärkung der eigenen Mittel der Bank, die in
Hausbeſitz und Inventar eine ſichere und wertvolle Anlage gefunden
haben. Der Zufluß an Spareinlagen war weiter günſtig und ein
Be=
weis dafür, daß innerhalb des Mitgliederkreiſes die für die
Riſikovertei=
lung richtige und geſunde Miſchung wirtſchaftlich ſchwächerer und
ſtär=
kerer Genoſſen vorhanden iſt. Das Verhältnis der flüſſigen Mittel
erſten Ranges zu den Verbindlichkeiten iſt mit etwas über 64 Prozent
als liquid und günſtig zu bezeichnen. Zins= und Proviſionserträgniſſe
laſſen die nicht unweſentlichen Ermäßigungen dieſer Sätze im
Berichts=
jahre erkennen, werfen aber trotzdem ein befriedigendes Erträgnis ab.
Der ſich nach Abſchreibungen ergebende Reingewinn von 5136,44 Mk.
wird auf die Rücklage verteilt. Der Bericht wurde mit großem
Inter=
eſſe und lebhaftem Beifall entgegengenommen und durch den des
Auf=
ſichtsrats, der ſich in erſter Linie mit der geleiſteten Verwaltungsarbeit
befaßte, ergänzt. Die anſchließende Ausſprache ergab dankbare
Aner=
kennung des Geleiſteten und daraufhin einſtimmige Genehmigung der
Jahresrechnung und der Gewinnverteilung, ſowie Entlaſtung des
Vor=
ſtandes. Die Wahlen zum Aufſichtsrat ergaben die Wiederwahl des
Horrn Steueramtmanns Krug und Neunvahl der Herren
Landgerichts=
rat Haußmann, Bauinſpektor Schmidt und Poſtinſpektor Scholz. Den
infolge anderweitiger Inanſpruchnahme ausgeſchiedenen
Aufſichtsrats=
mitgliedern wurde der Dank der Verſammlung zum Ausdruck gebracht.
Die beiden turnusgemäß ausſcheidenden Vorſtandsmitglieder, Herr
Di=
rektor Burger und Herr Schäfer, wurden auf 3 Jahre wiedergewählt.
Die Aenderung der Satzung fand in der vorgeſchlagenen Form
An=
nahme, als wichtigſte davon die Aenderung der Firma in „Heſſiſche
Beamtenbank e. G. m. b. H. zu Darmſtadt” um dem
Wir=
kungskreis der Bank deutlicheren Ausdruck zu verleihen. Den Abſchluß
bildete eine ſehr ausgiebige allgemeine Ausſprache, die bewies, daß die
Herren Vertreter ſich der Bedeutung ihrer Mitwirkung bewußt waren.
In der 5. Nachmittagsſtunde konnte der Vorſitzende des Aufſichtsrats
die in jeder Beziehung angeregt verlaufene, nur durch das gemeinſame
Mittageſſen und eine kurze Beſichtigung der Bankräume unterbrochene
Verſammlung mit Dank an alle Beteiligten ſchließen.
Die Landwirtſchaftsbank, Aktiengeſellſchaft, Mainz, die dem Verband
der Heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften in Darmſtadt
ange=
ſchloſſen iſt und eine Tochtergeſellſchaft der Landesgenoſſenſchaftsbank
e. G. m. b. H., Darmſtadt, darſtellt, htelt m Mainz ihre ordentliche
Generalverſammlung für das dritte Geſchäftsjahr ab. Die Bank, deren
beſondere Aufgabe es iſt, kreditgenoſſenſchaftlich nicht organiſierte Kreiſe
der Landwirtſchaft ud deren verwandten Berufe in bankgeſchäftlicher
Hinſicht zu bedienen, kann nach dem vorliegenden Geſchäftsbericht auf
eine befriedigende Entwicklung zurüchglicken. Bei einem Umſatz von
RM. 40 384 300,26 (i. V. 29 646 578,79) beträgt die Geſamtaktivſumme
am 31. Dezember 1926 RM. 1 584 416,60 (i. V. RM. 1546 853,57). Die
Giroverbindlichkeiten betrugen am 31. Dezember 1926: RMM. 812 552,26.
(i. V. 732 019,80), der Reingewinn RM. 14 898,47 (i. V. 2 953,06). Der
Reingewinn wurde zur Bildung von Reſerven verwandt. Die Bank
unterhält eine Filiale in Darmſtadt und Geſchäftsſtellen in Alzey,
Wöll=
ſtein und Worms. Nach den vorgenommenen Neuwahlen ſetzt ſich der
Vorſtand zuſammen aus den Herren Bankdirektoren Mager,
Hahne=
mann und Ginow von der Landesgenoſſenſchaftsbank. Darmſtadt. Der
Aufſichtsrat beſteht aus den Herren: Becker, Rechtsanwalt in Worms;
Berg, Verbandsdivektor, Darmſtadt; Feldmann, Bürgermeiſter,
Arms=
heim; Göttmann. Kaufmann, Höchſt i. O.; Keim, Bürgermeiſter,
Wons=
heim; Raiß, Direktor, Groß=Gerau; Sauer, Gutsbeſitzer. Heßloch;
Schmidt, Molkereibeſitzer, Echzell; Schütz, Direktor, Gonſenheim; Wolf,
Gutsbeſitzer, Albig.
A.=G. Schmuckwarenfabrik Steinheuer u. Co., Hanau. Die Aktien=
Geſellſchaft Schmuckwarenfabrik Steinheuer u. Co. in Hanau verhandelt
mit ihren Gläubigern über einen außergerichtlichen Vergleich. Es ſind in
der letzten Gläubigerverſammlung 25 Prozent geboten worden. Die
Zahlung ſollte in Waren erfolgen. Der Status wird wie folgt
an=
gegeben: Paſſiven 640 000 Mk., Aktiven 240000 Mk. Man hofft, daß
ſich die Aktiven noch etwas höher geſtalten werden. Es iſt ein
Be=
wertungsausſchuß gebildet worden, der die ſtattgefundenen
Ueber=
eignungen zu prüfen hat.
fm. Süddeutſche Edelmetallnotierungen. Pforzheim. Edelmetalle
notierten folgende Großhandelspreiſe: Barrengold das Gramm 2,795
RM. (Geld), 2,815 RM. (Brief); Platin, handelsübliche Ware, das
Gramm 7.40 RM. (Geld), 8.40 RM. (Brief); Feinſilber das Kilogramm
78,50 RM. (Geld), 79,50 RM. (Brief). Tendenz: ruhig. Stuttgart.
Edelmetalle notierten folgende Großhandelspreiſe: Feingold das Gramm
2,809 RM. (Geld), 2,819 RM. (Brief); Platin, handelsübliche Ware,
das Gramm 7,50 RM. (Geld), 8,70 RM. (Brief); Feinkornſilber das
Kilogramm 78,50 RM. (Geld), 79,50 RM. (Brief). Tendenz: ruhig,
Franzöſiſcher Wirtſchaftsbrief.
Von unſerem A=
Korreſpondenten.
Paris, 3. Juni 1927.
Die Spannung in der franzöſiſchen Innenpolitik und die
außen=
politiſche Situation in Europa ſcheinen die franzöſiſche Wirtſchaft kaum
zu beeinfluſſen. Der bedeutende Erfolg der Konſolidierungsanleihe
deutet auf die Befeſtigung der ganzen Finanzpolitik hin. Von der neuen
Zollpolitik erwartet man günſtige Wirkungen. Die Depreſſion der
Effek=
tenbörſe wird ausſchließlich auf die Haltung der ausländiſchen Plätze
zutückgeführt. Es herrſcht große Geldflüſſigkeit. Nach der allgemeinen
Auffaſſung wäre eine Hauſſebewegung aus verſchiedenen Urſachen
leicht=
möglich.
Die Lage der Schwerinduſtrie iſt günſtig. Die Preiſe ſind zwar
ziemlich ſtark zurückgegangen, aber es gibt viele neue Beſtellungen, ſo
daß die meiſten Unternehmungen mit vollem Betrieb arbeiten. Die
Preiſe der verſchiedenen Eiſenſorten wurden herabgeſetzt, und zwar
20 Fr. pro Tonne für Hämatiteiſen und 40 Fr. für Phosphoreiſen. Die
Ausſichten des Marktes werden im allgemeinen optimiſtiſch beurteilt.
An der Effektenbörſe waren faſt ſämtliche metallurgiſche Werte ſchwach,
was ausſchließlich nur durch die allgemeinen Verhältniſſe an der Börſe
zu erklären iſt. Der Kohlenmarkt lag ruhig. Man klagt, daß das
Er=
trägnis der franzöſiſchen Minen geringer iſt als das der deutſchen oder
engliſchen. In einigen Bergwerken ſind ſchon große Vorräte
aufgeſam=
melt. Es ſollen bald Maßnahmen zum Schutze gegen die ausländiſche
Konkurrenz getroffen werden. Die Kohlenwerte waren faſt
ausnahms=
los ſchwach.
Der Metallmarkt hat ſich nach einer ſtarken und größtenteils
unbe=
gründeten Baiſſe etwas erholt. Am ſchwerſten ſtürzte den Kupferpreis,
obwohl die Produktion hürzlich ziemlich ſtark zurückgegangen iſt. So
ſoll die ganze Weltproduktion für den Monat April 137 900 To. betragen
gegenüber 140 000 To. im März und 147 000 To. im Januar. Die
Ein=
ſchränkung der Produktion wird alſo ſcheinbar durchgeführt. Der
ameri=
kaniſche Markt war beſonders verſtimmt, während man in London eine
ſtarke Verminderung der Vorräte konſtatiert. In Frankreich werden die
Vorräte bald erſchöpft ſein infolge der großen Aktioität der
Elektrizitäts=
induſtrie.
Die Zinnpreiſe waren ebenfalls ſchwach, angeblich nur infolge der
ſpekulativen Manöver. Die Stabiliſierung der Preiſe erwies ſich ebenſo
wie bei dem Kupfer undurchführbar.
Der Preis des Bleies iſt trotz ſeiner neuerlichen Erholung noch
immer ſehr niedrig. Der Sturz der Preiſe ging von Amerika aus, da.,
die Bedingungen am hieſigen Markt recht vorteilhaft ſind. Die
Begün=
ſtigungen, welche die Bleiinduſtrie don der ſpaniſchen Regierung erhielt,
werden eine vorteilhafte Wirkung ausüben. Man ſpricht viel von einem
Einſchränkung der Produktion, die um ſo wahrſcheinlicher erſcheint,
als=
ſür die kleineren Unternehmungen der Betrieb nicht mehr lohnend iſt—
Die Marktlage des Zinn war ſchwach, was teilweiſe damit erklärt wird.
daß die japaniſchen Käufe infolge der dortigen Finanzkriſe eine
Zeit=
lang ausblieben. Anderſeits ſollen die Ueberſchwemmungen in
Amerike-
die dortigen Käufe nachteilig beeinflußt haben. Der hieſige Markt war
jedenfalls lebhaft; aber das genügte nicht, um auf die Preiſe günſtig.
einzuwirken.
Die Werte der Metallminen lagen alle ſchwach, insbeſondere die des
Kupfers und des Zinn.
Die Lage am Petroleummarkt wird zur Zeit nur durch die
amerika=
niſchen Geſchäftsverhältniſſe beſtimmt, die außerordentlich kompliziert.
und konfus erſcheinen. Man ſpricht viel von der Konferenz der
Petro=
leumproduzenten, auf der über die vielerwähnte Einſchränkung der
Pro=
duktion verhandelt werden ſoll. Man glaubt allerdings nicht, daß ſie
zu greifbaren Ergebniſſen führen wird. Die nordamerikaniſche
Ueber=
produktion dauert weiter an; nach den Statiſtiken ſoll die dortige
Pro=
duktion in dieſem Jahre um mehr als 25 Prozent höher ſein als im
Vorjahre, während der Verbrauch kaum geſtiegen iſt. In der neueſten
Zeit ſind wieder zahlreiche Bohrungen vorgenommen worden.
Man erwartet ein Eingreifen des amerikaniſchen Staates, das ebenſc
wie in Mexiko die Verſchwendung der Naturſchätze verhindern ſoll. Nach
der Meinung der hieſigen Wirtſchaftskreiſe wird die ſtaatliche
Ein=
miſchung allerdings erfolglos bleiben. Das rumäniſche Petroleum hat
die amerikaniſche Konkurrenz beſonders ſtark gefühlt. Auch ſonſt läßt
die Lage dieſer Geſellſchaften viel zu wünſchen übrig. Die Zolltarife
und die verſchiedenen Steuerlaſten ſind übertrieben hoch. Andererſeits
behauptet man allerdings, daß die rumäniſchen Unternehmungen in der
letzten Zeit große techniſche Fortſchritte erreicht haben. Außer den
gali=
ziſchen Werten, die eine ſtarke und anhaltende Hauſſe durchmachten
waren die übrigen Petroleumwerte ziemlich vernachläſſigt. Die ruſſiſcher:
Werte ſind auf die ungünſtigen politiſchen Nachrichten hin ſtark gefallen
Der Preis des Kautſchufs iſt geſtiegen. Eine Tatſache, die übrigens
leicht vorauszuſehen war. Aller Wahrſcheinlichkeit nach werden die
Kurſe noch weiter in die Höhe gehen; für den ſchlimmſten Fall ſieht mau
eine gewiſſe Stabiliſierung der jetzigen Preiſe vor. Der Stevenſon=Plar,
ſetzt ſich immer ſtärker durch trotz der erhöhten Konkurrenz der holländi
ſchen Kolonien. Die Vorräte in London haben ſich ſtark verringert Die
Kautſchukwerte hatten eine Hauſſe zu verzeichnen und die Vernachläſſi
gung der kolonialen Werte, welche ganz unbegründeterweiſe ziemlich
lange anhielt, ſcheint vollſtändig aufgehört zu haben.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnunger
wurden in der Zeit vom 22. bis 28. Mai im Ruhrgebiet in 5 Arbeits
tagen 1 906 710 To. Kohle gefördert gegen 2 260 851 To. in der
vorher=
gehenden Woche in 6 Arbeitstagen. Die Kofserzeugung ſtellte ſich in der
7 Tagen der Berichtswoche (in den Kokereien wird auch Sonntags ge
arbeitet) auf 512 652 To. gegen 506 410 To, in der vorhergehenden Woche
die Preßkohlenherſtellung auf 54 862 To. gegen 60 472 To, in 5 bzw
6 Arbeitstagen. Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zei
vom 22. bis 28. Mai 381 342 To. gegen 376 809 To. in der vorhergehen
den Woche, die tägliche Kokserzeugung ſtellte ſich auf 73 236 To. (72344,
die arbeitstägliche Preßkohlenherſtellung auf 10 972 To. (10079 To.
Die Zahl der wegen Abſatzmangel eingelegten Feierſchichten ſtellte ſich
auf 23 346 (arbeitstäglich 4669) gegen 32 343 (5391) in der vorhergehen
den Woche.
Fuſion in der Fa=beninduſtrie. Uebergang der Karaus=Geſellſchaff
an Heyl=Beringer. Beziehungen zu J.=G. Farben. Wie wir erfahrer!
macht die Rationaliſierung in der chemiſchen Farbeninduſtrie weiter?
Fortſchritte. Die Karaus=Farben= und Oelwerke A.=G. mit Fabrikations
ſtellen in Düiſſeldorf und Andernach berufen eine ao. H.=V. zum B. C
ein, zur Genehmigung eines Fuſionsvertrages mit der Hehl=Beringer
Farbenfabrik A.=G. in Charlottenburg, der den Uebergang der Werk
unter Ausſchluß der Liquidation als Ganzes auf die genannte Gefell
ſchaft zum Zweck hat. Die Heyl=Beringer Farbenfabrik A.=G. wir)
ihrerſeits demnächſt eine Kapitalerhöhung vornehmen, um noch weiter”
Fuſionen in der Branche durchzuführen und die Betriebsmittel den er
freulicherweiſe wieder ſteigenden Umſätzen wieder anzubaſſen. Bekann:
lich ſind im Auguſt 1926 die Fabriken Heyl u. Co und Beringer ver
ſchmolzen worden. Die Umſtellung iſt noch nicht beendet. Es iſt aber
bereits feſtgeſtellt, daß ſich die Fuſion günſtig auswirkt. Durch di
Uebernahme der Werke im Rheinland ſollen die Beziehungen zuu
rheiniſch=weſtfäliſchen Kundſchaft noch inniger geſtaltet werden, ab
geſehen von den zu erzielenden erheblichen Erſparniſſen, wodurch du
Leiſtungsfähigkeit auch für den Export für den geſamten Konzern ev
heblich erhöht wird. Das mit der J.=G. Farbeninduſtrie A.=G. ge
troffene Abkommen hinſichtlich Cadmiumfarben bewährt ſich.
Zur endgültigen Liquidierung der Mologa. Die aus Vertretern des
Finanzkommiſſariats, der Staatsbank, des Oberſten
Volkswirtſchafk=
rates, der ſtaatlichen ruſſiſchen Holzgeſellſchaft des Nordweſtgebietes, des
Hauptkonzeſſionskomitees und dem Vertreter der Aktionäre der Molog”,
Staatsſekretär Hemmer, beſtehende gemiſchte Liquidationskommiſſior
hat in Leningrad die Arbeiten für die endgültige Auflöſung der Moloor
aufgenommen. Die Kommiſſion muß in einem Zeitraum von 6
Woche=
die endoiltige Bilanz zwecks Abrechnung aufſtellen.
Von der Rheinſchiffahrt. In der Rheinſchiffahrt blieb der
Waſſe‟=
ſtand günſtig, ſo daß mit voller Abladetiefe bis Karlsruhe, Straßbur!
Kehl gefahren werden kann. Die Beſchäftigung blieb flau. Der
Schleb=
lohn wurde von Dortrecht nach der Ruhr zum 27.5 Cents=Tarif pro Lel
von 2000 Kg. berechnet. Vorübergehend war er bis auf 35 Cents Ge
ſtiegen, ging aber raſch wieder auf den alten Satz zurück. Von
Ruh=
ort nach Mannheim beträgt der Schlepplohn pro Tonne RM. 1, brn
Mannheim nach Karlsruhe 0,35 RM., von Mannheim nach Kehl=Strar,
burg 0,70 RM. Der Talſchlepplohn wird unverändert nach dem
No=
maltarif berechnet. Die Schiffsmiete ſtellt ſich in Mannheim pro Tonw.
und Tag unverändert auf 3 bis 3—4 Pfg. für Rheinſchiffe und a.
3.5 Pfg. für Kanalſchiffe, in Rotterdam auf 2 Cents.
Rummer 155
Sonntag, den 5. Jumi 1927
Geite 13
Aus dem pfälziſchen Weinbaugebiet.
Das freihändige Weingeſchäft bewegte ſich weiterhin in ſehr engen
Grenzen, da ſowohl Käufer wie Verkäufer eine ſtarke Zurückhaltung
be=
pbachteten. Auch wird vielfach über die Höhe der Kleinperkaufspreiſe
für die Schankweine geklagt, die ſich konſumhemmend auszuwirken
drohen. Die letzten Weinverſteigerungen nahmen für die Verſteigerer
einen äußerſt ungünſtigen Verlauf. Die Verſteigerungen des
Winzer=
vereins Ungſtein, ſowie auch der Winzer=ereinigung Wachenheim
mußten bereits nach der erſten Hälfte des Angebots abgebrochen werden,
doch konnten größere Mengen, die auf dem Verſteigerungsweg nicht
abgegeben werden konnten, ſpäter freihändig abgeſetzt werden. Hier ſind
die Preiſe, die bereits ſeit längerer Zeit wickläufige Tendenz aufweiſen
und ſür Konſumweine etwa 10—15 Prozent niedriger liegen, auch
weiter=
hin ſehr gedrückt. Da mittlere und beſſere Sachen nur noch in geringen
Beſtänden beim Erzeuger liegen, wird ein weiterer Preisrückgang
vor=
erſt nicht mehr gefürchtet.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 4. Juni. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt eröffnete in ziemlich feſter Haltung, da aus
Kanada ungünſtige Berichte eintrafen und die Kommiſſionsfirmen große
Käufe tätigten. Später trat jedoch eine ſchwächere Haltung hervor, weil
jetzt Liquidationen erfolgten und die Exportnachfrage hinter den
Er=
wartungen zurückblieb. Die Termine ſchließen leicht abgeſchwächt.
Mais: Baiſſedeckungen riefen zunächſt eine Erholung hervor auf
un=
günſtige Niederſchläge. Im weiteren Verlauf wurden Abgaben
vor=
genommen, ſo daß eine Abſchwächung eintrat. Die Termine ſchließen
leicht über geſtern.
Hafer: Der Markt verlief in ziemlich feſter Haltung bei leichten
Kursaufbeſſerungen.
Baumwolle: Der heutige Markt verkehrte in feſter Haltung auf
Käufe des Auslandes und Meldungen von zu großer Hitze im
Süd=
weſten. Später wurden Verkäufe der Lokofirmen und Liquidationen
beobachtet, ſo daß die Termine 10 Pkt. niedriger ſchließen.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 4. Junik
Getreide. Weizen: Juli 143‟/, Sept. 142½, Dez. —; Mais:
Juli 102½, Sept. 105¾, Dez. —; Hafer: Juli 50/=, Sept. 49½,
Dez. —; Roggen: Juli 111, Sept. 103½, Dez. —
Schmalz: Juli 12,65, Sept. 12,80.
Fleiſch. Rippen: Juli 13,60, Sept. 12,70; Speck 12,62;
Schweine: ſchwer 8,70—9,25, leicht 9.05—9,55; Schweinezufuhr:
Chicago 7000, Weſten 53 000; Talg Ohio 77/s.
Es notierten nach Meldung aus New York am 4. Juni:
Getreide. Weizen Nr. 2: rot 1562ſe, hart 1637/e: Mais Nr. 2:
114; Hafer Nr. 3: 617/s; Roggen exp.: 125; Mehl: Spring
Patent 6,90; Getreidefracht: nach England 2 Schilling, nach dem
Kontinent 12 Cents.
Schmalz: Mittel, Weſten 13,30.
Schweinefleiſch: Family 34.
Viehmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am 4. Juni waren
zugeführt 436 Schweine. Milchſchweine wurden verkauft das Stüick von
13 bis 18 Mark; Läufer das Stück von 16 bis 33 Mark.
Kleine Wiriſchafts=Nachrichten.
Der dritte und letzte Tag der Mucrena=Auktion verſammelte eine
große Anzahl von Käufern vom hieſigen Platz und auch aus dem
Aus=
lande, die ſtarkes Intereſſe für die angebotenen rohen Waren hatten.
Die Lage in der Eiſen= und Stahlwareninduſtrie hat ſich im
Solinger Bezirk gegenüber dem Vormonat kaum verändert. Der
Auf=
ragseingang kann im allgemeinen als befriedigend bezeichnet werden,
wenn auch die Preiſe nach wie vor gedrückt ſind.
Die oſtoberſchleſiſchen Hütten waren dank größerer
Regierungs=
aufträge in der letzten Zeit gut beſchäftigt, und auch der Inlandsbedarf
iſt in anſehnlichem Steigen begriffen.
Die Vereinigung der öſterreichiſchen Samt= und Plüſch=Induſtriallen
hat die Preiſe für Samte umd Plüſche, bei deren Erzeugung
Baumwoll=
garne und Kunſtſeidengarne Verwendung finden, um ungefähr 5 Proz.
erhöht.
Die luxemburgiſche Schwer= und Mittelinduſtrie hat in mehreyen
Sitzungen die franzöſiſche Zolltarifnovelle einer ſcharfen Kritik
unter=
zogen, und das Ergebnis dieſer Beratungen an die zuſtändigen Behörden
weitergeleitet.
An der Pariſer Börſe hat ſich das Gerücht verbreitet, daß die
Re=
gierung binnen kurzem eine neue Konſolidierungsanleihe auflegen
werde. Dieſe werde die bisher nur vorläufigen Rückzahlungen der
Vor=
ſchriſſe der Bank von Frankreich durch langfriſtige Anleihen in endgültige
Rückzahlungen umwandeln.
In der letzten Nummer des polniſchen Geſetzblattes befindet ſich eine
Verordnung der zuſtändigen polniſchen Miniſterien, durch die die
Ver=
ordnung über die Ausfuhrzölle für Getreide und Geteideerzeugniſſe bis
zum 1. September verlängert wird.
Aus Moskau wird gemeldet, daß in Verfolg des ruſſiſch=britiſchen
Konfliktes die Sowjetregierung ihre Verträge mit der deutſchen
chemi=
ſchen Induſtrie zu erweitern beabſichtige. Die Einfuhr deutſcher
chemi=
ſcher Waren nach Rußland ſoll auf 85 Prozent geſteigert werden.
Die Verhandlungen zwiſchen der Sowjetregierung und einer Bremer
Schiffsbauwerft über den Ankauf vier neuer Schiffe für die ruſſiſche
Handelsflotte nähern ſich ihrem Abſchluß. Die Schiffe ſollen für den
Verkehr zwiſchen Deutſchland und Leningrad beſtimmt ſein.
Die Beſchäftigung der tſchechoſlowakiſchen Kunſtſeideninduſtrie iſt
in der letzten Zeit bedeutend geſtiegen, ſo daß alle Fabriken mit voller
Ausnutzung ihrer Kapazität arbeiten. Vielfach liegen Beſtellungen
ſo=
wohl für das Inland wie für das Ausland bis ins neue Jahr vor.
Die Vorräte von Zinn in Europa und Amerika erhöhten ſich im
Monat Mai um 1287 To. von 13 239 To. auf 14 526 To. Die Monats=
Ergänzungen aller Sorten zeigen eine Zunahme auf 10 761 To.
gegen=
über 8 222 To. im Vormonat, die Lieferungen dagegen gingen von 10 012
auf 9 474 To. zurüick.
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Ab=
teilung 4: Am 28. Mai 1927
hinſicht=
lich der Firma: Friedrich Delp,
Darm=
ſtadt: Geſchäft ſamt Firma iſt auf Georg
Delp, Ziegeleibeſitzer in Darmſtadt,
über=
gegangen. Die Prokura des Georg Delp
iſt erloſchen. Am 1. Juni 1927
hinſicht=
lich der Firma: Iſrael Feldhuhn,
Darmſtadt: Geſchäft ſamt Firma iſt auf
Peſſia, geborene Waſſermann, Witwe des
Kaufmanns Iſrael Feldhuhn in
Darm=
ſtadt, übergegangen. Die Prokura der
Iſrael Feldhuhn Ehefrau iſt erloſchen.
Neueinträge: 1. Am 28. Mai 1927
Firma: Leonhard Reeg, Darmſtadt.
Inhaber: Leonhard Reeg, Kaufmann in
Darmſtadt. Angegebener Geſchäftszweig:
Handel mit Textilwaren, 2. Am 31. Ma
1927: Firma: Heſſiſche
Treuhandge=
ſellſchaft, Felix Graetz & Dr. jur.
Michel. Offene Handelsgeſellſchaft. Sitz
Darmſtadt. Geſellſchafter: Kaufmann
Felis Graetz und Dr. jur. Wilhelm Michel,
beide in Darmſtadt. Die Geſellſchaft hat
am 10. Mai 1927 begonnen. Zur
Ver=
tretung der Geſellſchaft ſind entweder
beide Geſellſchafter in Gemeinſchaft oder
jeder von ihnen in Gemeinſchaft mit
einem Prokuriſten ermächtigt. Das
Ge=
ſchäftslokal befindet ſich Georgenſtraße 9.
Am 1. Juni 1927: Firma:
Kunſtge=
werbliche Polſtermöbel=
Werkſtät=
ten Weiß & Co. Offene
Handelsge=
ſellſchaft. Sitz: Darmſtadt.
Geſellfchaf=
ter: Georg Ottomar Felis Voigt,
Kauf=
mann, Julius Weiß, Polſterer und
Deko=
rateur und Heinrich Kayſer, Polſterer
und Dekorateur, alle in Darmſtadt. Die
Geſellſchaft hat am 1. Januar 1923
be=
gonnen. Zur Vertretung der
Geſell=
ſchaft ſind alle Geſellſchafter ermächtig
mit der Maßgabe, daß je zwei
Geſell=
ſchafter nur in Gemeinſchaft die
Vertre=
tung ausüben können. — Abteilung B:
Am 30. Mai 1927 hinſichtlich der Firma:
Kammfabriken C. Winther 8 Co.,
Aktiengeſellſchaft, Darmſtadt: Die
Prokuren des Georg Kunold und des
Fritz Senft ſind erloſchen. Durch
Gene=
ralverſammlungsbeſchluß vom 5. Mai
1927 iſt die Geſellſchaft aufgelöſt.
Buch=
halter Heinrich Müller in Darmſtadt iſt
zum Liquidator beſtellt.
Darmſtadt, den 3. Juni 1927.
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Direktion der ſtädtiſchen Betriebe.
Zwangsverſteigerung.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen
des Händlers Peter Neu in Heubach im Odenwald im
Grundbuch eingetragen waren, ſollen
Dienstag, den 14. Juni 1927, nachmittags 31, Uhr
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer
Nr. 219 verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 24. Auguſt 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneter
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diefenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
(6051
Darmſtadt, den 1. April 1927.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band XX, Blatt 1010
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380 Hofreite Nr. 7 Sackgaſſe
2. T 381 Hofreite Nr. 7½,
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Sette 14
Chriſtine Berthold.
Roman von Emma Nuß.
(Nachdruck berboten.)
6)
Es war ein altes Geſchäftshaus, deſſen Hauptfront nach dem
leicht anſteigenden Marktplatz zu lag. Im Erdgeſchoß befand ſich
der Laden, in deſſen beiden großen Schaufenſtern die Erzeugniſſe
der Wäſchefabrik von Karl Weißhaupt hübſch dekoriert ausgeſtellt
waren. Darüber ſprang das erſte Stockwerk mit den ſechs
Fen=
ſtern Front etwas vor, und im Giebel des aus Fachwerk
errich=
teten, gelb geſtrichenen Hauſes befanden ſich noch zwei kleine
Fenſter. Die grünen Fenſterläden leuchteten friſch gewaſchen
über den Marktplatz, und die eingeſchnittenen Herzen darin
er=
ſchienen Chriſtine wie freundlich winkende Augen.
Baghaft überſchritt ſie hinter Schweſter Marianne die Schwelle.
Eine alte Frau führte ſie in die behagliche Wohnſtube. Dort ſaß
Frau Minna Weißhaupt auf einem erhöhten Platz am Fenſter.
Sie hatte in dem „Spion”, worin ſich die vorübergehenden
Paſ=
ſanten ſpiegelten, auch die beiden ſchon ankommen ſehen. Die
alte rundliche Dame rutſchte von ihrem Platz herab und blickte
mit freundlichen Augen über die Brille hinweg auf die
Ein=
tretenden.
„Ach, da kommt ja unſere junge Stütze!” ſagte ſie munter,
auf Chriſtine blickend.
Dann nötigte ſie Schweſter Marianne ehrerbietig zum
Sitzen, reichte dem jungen Mädchen die Hand und meinte: „Na,
wollen mal ſehen, wie ſie ſich anſtellen wird. Wir ſind ja alles
alte Leute im Haus und haben ſo unſere Gewohnheiten. Die
alte Thereſe wird Ihnen bald alles beigebracht haben. Sie wird
mit Ihnen raufgehen in Ihre Kammer,” ſchloß ſie, nach der
Dienerin rufend.
Chriſtine reichte nun Schweſter Marianne mit wehmütigem
Ernft die Hand und flüſterte: „Ich danke Ihnen auch noch
viel=
mals.‟ Dann folgte ſie Thereſe in die kleine Manſardenſtube
im oberen Stockwerk. Sie räumte ſogleich ihre bereits
einge=
troffenen Habſeligkeiten in die kleine Kommode, und in den
Schrank.
Die Hausmutter hatte dafür geſorgt, daß eine richtige kleine
Ausſteuer fertig dalag, wenn die Zöglinge konfirmiert waren
und ihre erſte Stelle antraten.
Thereſe beſah ſich die Schürzen, nahm prüfend den Stoff
zwiſchen Daumen und Zeigefinger und nickte, befriedigt von
der Qualität des Stoffes.
„Und die Strümpfe haſt du alle ſelbſt geſtrickt?” fragte ſie
lobenden Tones und ſah mit Staunen auf die Wäſche aus dem
derben, ſoliden Stoff, die alle handgenäht, weiß und geordnet
dalag. Sie erinnerte ſich, daß ſie weit armſeliger, unordentlicher
ihre erſte Dienſtelle damals angetreten hatte, und ſpürte faſt ein
Gefühl der Hochachtung vor dieſem Kinde, das ganz allein ſtand
Sonntag, den 3. Juni 1927
Nummer 135
in der Welt und doch in Weſen und Benehmen faſt die Art eines
jungen Mädchens aus guter Familie verriet.
„Verſtehſt du denn aber auch etwas von Hausarbeit?” fragte
ſie daber etwas zweifelnd.
Chriſtine ſchlug ihre braunen Augen voll auf und lächelte
wie befreit: „Ja, wir mußten viel in der Küche helfen und alles
lernen.
Da klopfte ihr Thereſe gutmütig auf den Rücken und meinte:
„Nun, da bin ich ja fein heraus. Dann kann ich mich ja mit
meinen ſechzig Jahren wohl bald zur Ruhe ſetzen. — So, nun
binde dir mal dieſe ſchöne, große Schürze hier um, dann können
wir mal unſer Heil mit dir verſuchen.”
Chriſtine war glücklich, daß die alte Frau „du” zu ihr ſagte.
Sie war ihr dadurch menſchlich gleich ſoviel näher gerückt. Und
ſie faßte die beſten Vorſätze, wie ſie Thereſe allmählich alle Arl eit
abnehmen wollte.
Schon nach wenigen Tagen hatte ſie ſich in ihre Pflichten
gefunden und fühlie ſich nicht mehr fremd bei den drei a ten
Leuten. Ja, ſie wurde von Tag zu Tag heiterer, und oft er lang
ihr luſtiges Lachen aus der Küche, wenn ſie der alten Thereſe
erzählte, was Herr Weißhaupt wieder zu ihr geſagt hatte.
Der alte Herr neckte ſie, wo er ſie traf. Brachte ſie
früh=
morgens den Kaffee in die Stube, ſo begann er ſchon mit ſeinen
harmloſen Späßchen: „Na, Marjellchen, haſt du ſchon meine
Reitſtiefel bereitgeſtellt?”
Dann ſah Chriſtine den kleinen, korpulenten Mann mit den
kurzen Beinchen ganz erſtaunt an und ſagte: „Ich wußte nicht,
Herr Weißhaupt”.
„Daß ich reite? Na, dann ſoll dir mal Thereſe helfen, den
Gaul zu ſatteln.”
In der Küche drückte ihr aber Thereſe ein Paar derber
Stie=
fel in die Hand: „Reiten — na ja — hier auf Schuſters Rappen.”
Frau Weißhaupt ſchält dann manchmal und nannte ihn
einen närriſchen Mann, der trotz ſeiner fünfundſechzig Jahre
noch nicht geſcheit geworden ſei. Aber ſie lachte auch mit und
empfand Chriſtinens Jugend in ihrer faſt vermoderten
Häus=
lichkeit äußerſt wohltuend. Als ihr Gatte hörte, daß ſie Chriſtine
mit „Sie' anredete, rief er: „Ach warum nicht gar „Sie” zu dem
Kind ſagen? Was, Jungfer? Wir ſind doch noch ein grüner
„Kiek in die Welt, zu dem das ja noch gar nicht paßt.”
Da errötete ſie voller Freude, und ihre Augen flogen dankbar
zu dem alten Manne. Nun erſt war ſie hier ganz zu Hauſe. —
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Eines Tages kam der alte Weißhaupt recht verärgert zum
Mittag herauf: „Jetzt iſt doch die Drewitz, die alte Zimperlieſe,
ſchon wieder krank!” fing er an. „Minna, du mußt heute ſchon
ſo gut ſein, mir unten im Kontor etwas zu helfen. Die
Heim=
arbeiterinnen ſollen die Tropenwäſche abliefern, die morgen zur
Poſt muß, damit ſie den Dampfer noch pünktlich erreicht.
Viel=
leicht iſt Chriſtine ſo anſtellig, daß ſie dir bei der Verrechnung
mit den Frauen und beim Nachzählen behilflich ſein kann.”
Als Chriſtine das Eſſen hereinbrachte, ſagte ihr Frau
Weiß=
haupt gleich, daß ſie nach Tiſch unten im Geſchäft mithelfen
müſſe.
„Du kannſt vielleicht vorher nochmal das große und kleine
Einmaleins im Kopfe durchgehen, damit du dich nicht etwa zu
meinem Schaden bei den Frauen verzählſt”, riet ihr ſcherzend
Herr Weißhaupt.
„Ach, das kann ich auch ſo noch, Herr Weißhaupt,” rief ſie
beglückt über die Ausſicht, im Geſchäft mithelfen zu dürfen.
„Na, dann mal ſchnell — wieviel iſt vierzehn mal ſiebzehn?”
fragte er mit verſchmitztem Geſicht, daß er ſie nun reinlegen
würde.
Aber prompt kam die Antwort: „
Zweihundertachtund=
dreißig.”
„Sapperlot nochmal!‟ Der alte Herr nickte ihr anerkennend
zu, und ſeine Frau meinte: „Ja, die Chriſtine war ein fleißiges
Mädchen auf der Schule. Das hat mir ſchon Schweſter Marianne
geſagt.”
Ein dunkles Rot ſtieg in Chriſtinens Wangen, und ſie
ver=
ſchwand eiligſt mit dem Tablett.
Nach Tiſch konnte ſie kaum erwarten, bis das Ehepaar ſein
Mittagsſchläfchen beendet hatte. — Dann ſaß ſie wirklich im
Kontor und notierte alles fein ſäuberlich mit erklärenden
Be=
merkungen auf einen Zettel.
Als der Chef nun auch ihre klare, ſchöne Schrift ſah, da
nahm er die Brille von der Naſe und ſagte: „Nun guck mal einer
den Tauſendſaſſa an. Ja, wo haſt du denn das gelernt?”
„In der Schule, Herr Weißhaupt,” lachte das junge
Mäd=
chen vergnügt über ſeine Anerkennung.
„Na, dann kann die Jungfer Weisheit morgen auch beim
Expedieren helfen, falls Fräulein Drewitz noch krank ſein ſollte,”
wandte er ſich an ſeine Frau
„Aber immerzu, Karl, wenn du ſie brauchen kannſt.”
Und das Fräulein Drewitz war auch am nächſten Tage noch
krank. Chriſtine half packen und füllte darauf die nötigen
Zoll=
deklarationen aus, wie es ihr der alte Herr gezeigt hatte. Alles
machte ihr große Freude; das Packen der Wäſche, die äußere
17mhüllung mit Oelpapier, damit die Sendung nicht auf dem
Schiff der Feuchtigkeit ausgeſetzt ſei, und ſchließlich — die
Adreſſen! — Sie hätte die Arme nach beiden Seiten weit
aus=
breiten mögen, ſo eng erſchien ihr die Stube, wenn ſie das
Be=
ſtimmngsland mit „Kamerun” oder „Deutſch=Südweſt=Afrika”
ausgefüllt hatte.
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Oeffentliche Sitzung in der Otto=Berndt=Halle, 1½ Uhr:
Gemeinſames Mittageſſen im Saalbau. 3 Uhr: Autofahrt der
Oelegierten nach Lindenfels und Schönberg.
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11½—1 Uhr: Oeffentliche Mitgliederverſammlung mit
Vor=
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Dekan Schmitthenner=Wiesloch, c) Freundinnenarbeit in
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bei ihrer Ankunft im Bahnhofzimmer, Warteſaal III. Kl. ausgehändigt.
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toffeln, Wiener-Schnitzel mit
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mit gemischtem Gurken-Salat und
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mit gemischtem Gurken-Salat
und Kartoffeln
Gemischtes Eis mit Waffeln.
Zu 2.75 Mk.
Mocturtle-Suppe, Barbueschnitten
nach Cardinal mit neuen Kartoffeln,
Kalbssteak Toska mit gemischtem
Gurken-Salat und Kartoffeln
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Pfingſt=Sonntag, den 5. Juni 1927
nachmittags 5 Uhr
Parſifal
Ein Bühnenweihfeſtſpi l in 3 Aufzügen
von Richard Wagner
Muſikaliſ her Leiter: Max Hüsgen
In der Inſzenierung von Charles Moor
Spielleitung: Hans=Esdras Mutzenbecher
Perſonen:
.. . . Leo Barczinski
Amfortas.
. . . . Alfred Karen
Titurel . ."
. . Joh. Biſchoff
Gurnemanz
.. Guſtav Deharde
Parſifal.
.. Heinrich Kuhn
Klingſor.
Kundry
Ch. Maſſenburg
Erſter Gralsritter . . . . Karl Ebert
Zweiter Gralsritter . . . Oscar Grauert
Erſter Knappe . . . . Sitta Müller=Wiſchin
Grete Penſe
Zweiter Knappe.
Dritter Knappe
Eugen Vogt
Vierter Knappe
. . Rudolf Strzeletz
Joh Buchheim
Müller=Wiſchin
Klingſors
Annelies Roerig
Zaubermädchen".
Mag. Albrecht
Paula Kapper
Grete Penſe
Die Brüderſchaft der Gralsritter, Jünglinge
und Knaben Klingſors Zaubermädchen
Chöre: Berthold Sander
Spielwart: Fritz Wilde
Die Chöre der Blumenmädchen ſind
ver=
ſtärkt durch Mitglieder des Muſikvereins,
die der mitt eren und oberen Chöre durch
Mitglieder des Quartettvereins 1920
Darmſtadt und durch den Samper’ſchen
Knabenchor,
Preiſe der Plätze: 1.20 bis 12.00 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraun
nur gegen Vorzeigung der Mietkaxte zuläſſie
Nach dem erſten und zweiten Alt je 30
Minuten Pauſe. — Beginn des 2. Aktes.
7 Uhr 20 Minuten, — Begiundes3. Aktes:
8 Uhr 55 Minuten.
Bühnenbild: Arthur Pohl
Anfang 5 Uhr Ende 10 Uhr
T24 Großes Haus L 24
Pfingſt=Montag, den 6. Juni 1927
abends 7½ Uhr
Gaflſpiel Arthur Kraußneck
vom Staatstheater Berlin
Neu einſtudiert und neu inſzeniert
Nathan der Weiſe
Dramatiſches Gedicht in 5 Alten
von G. E. Leſſing
In Szene geſetzt von Edgar Klitſch
Bühnenbild: Arthur Pohl
Perſonen:
Sultan Saladin . . . . . HansBaumeiſter
Sittah, deſſen Schweſter . Käthe Meißner
Nathan, ein reicher Jude
in Jeruſalem . . . Arthur Kraußneck a C.
Recha, deſſen angenommene
Tochter . .
Kaete Foeder
Daja, eine Chriſtin,
Geſell=
ſchafterin der Recha . . Marg. Carlſen
Ein junger Tempelherr. Rudolf WLittgeri
Ein Derwiſch . . .
Joachim Büttne=
Der Patriarch von Jeruſalem . Max Neme5
Ein Kloſterbruder . . . . Ernſt Legal
Ein Diener Saladin’s . . Adolf Schmidt
Gefolge des Patriarchen, Mameluken
des Saladin, — Szene: Jeruſalem.
Spielwart: Adolf Schmidt
Preiſe der Plätzei 1 bis 10 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerrau u
nur gegen Vorzeigung derMietkarte zuläſfe
Nach dem 6. Bild (Ringerzählung)
findet eine längere Pauſe ſtatt.
Anfang 7½ Uhr Ende nach 10ubr
Dienstag, 7. Juni. A 22. Der Zigenner
baron. Anfang 7½ Uhr. Preiſe 1-10 M7.
Mittwoch, 8 Juni. B 23. Mozart=Zyllus
5 letzte) Vorſtellung. Don Giovann”,
Anfang 7 Uhr. Preiſe 1—10 Mk.
Kleines Haus: Geſchloſſen-
Nummer 23z
Mannn
Innnnnnn
Aad
Geiſt und Freude/Ein Pfingſtgedanke.
Die Ausgießung des Heiligen Geiſtes.
Nach einem Holzſchnitt von Albrecht Dürer.
Als das liebliche Seſt, als das Feſt der Freude,
wandert Pfingſten von jeher durch deutſche
Dichtung und durch die deutſchen Herzen. Das
chriſtliche Volk aber feiert in den Cagen des
ſchönſten, freudigſten Blühens in der Natur die
Ausgießung des Heiligen Geiſtes. Chriſten=Feier
des Geiſtes iſt zeitlich nahe zuſammengerückt mit
dem Heiden=Feſte der Daſeinsfreude, der
Jahreshöhe, mit der Sommerſonnenwende; beide
Feſte aber haben einander durchdrungen, wie
Maibaum und Pfingſtfeuer an allen Wegen
ver=
künden. Dem Nachdenklichen jedoch erſchließt
ſich ein tieferer Zuſammenhang zwiſchen
chriſt=
licher Ausgießung des Geiſtes und heidniſcher
Naturfeier, ein Suſammenhang, der heißt:
geiſtige Wiedergeburt aus der Freude. Die
Freude am wiedererblühten Leben — das
Oſtern doch nur als Verheißung und Hoffnung
verkündet — die Bejahung der Natur, die
Be=
fahung des Daſeins, des Menſchſeins, die in
der ſchönſten Seit des europäiſchen Jahres den
Menſchen überwältigt, dieſe Freude iſt
gleich=
zeitig die große Gebärerin neuen Geiſtes, neuer
ſeeliſcher Kraft und Fülle, neuer Streitkraft für
den inneren Glauben und das ſeeliſche
Bekennt=
nis. Es gibt ein Wort der deutſchen Sprache,
das dieſen tiefgründigen Zuſammenhang
zwi=
ſchen der Freude und der geiſtigen Erneuerung
offenbart: das Wort Begeiſterung. Wer es
ausſpricht, ſchlägt für heutiges Sprachgefühl vor
allem die Saite des freudigen Erlebens an, aber
in dieſem Worte ſteht deutlich geſchrieben auch
das Aufflammen neuen geiſtigen Erlebens, des
geiſtigen Gewinnes, neuen Sich=Entfaltens. Das
große innere Jaſagen verbindet das Erlebnis
der Freude mit dem des geiſtigen Werdens.
Wir vergeſſen heute wohl zu oft — da wir
allzu viel oberflächliche Vergnügungen ſehen —
daß gerade doch Freude die große innere
Schöpferkraft iſt; wir meſſen gern dem Leid,
der Entſagung, der Beharrlichkeit
Schöpfer=
kräfte zu, die doch denen der Freude ſich nicht vergleichen
laſſen. Auch der Menſch ſelber entſteht ja letzten Endes aus
einer Freude, und wenn Goethe in ſeinem großen Gedichte
das Lebendige preiſt, „das nach Slammentod ſich ſehne‟,
jenem Cod, der doch das große „Stirb und werde” bedeutet,
ſo verhüllt und verkündet ſich darin nicht ebenſo jener große
Suſammenhang. Flammentod bedeutet das Aufgehen und
Vergehen in Beſeligung, Beſeſſenheit, in einer Freude, die
dann eben den Gewinner, den Cräger oder Verkünder neuen
Geiſtes entſtehen läßt, ſo wie in der alten Sage der Vogel
Phönix ſich ſelbſt verbrannte, um verjüngt aus eigener Aſche
aufzuerſtehen.
Schilt oder verdächtigt man in Deutſchland heut ſo oft
die Freude, da man ſie mit Oberflächlichkeit und
Genuß=
ſucht verwechſelt, ſo ſchilt und verdächtigt man auch nicht
weniger die geiſtige Wandlung, die geiſtige Neugeburt des
Menſchen, die doch, wie wir ſagen, ſein ſchönſtes Vorrecht
bleibt. Ein Wort des Spottes oder des Schimpfes
ver=
urteilt heute allzu oft den Menſchen, der ſich in ſeiner
geiſtigen Geſtalt, in ſeiner inneren Ueberzeugung wandelte.
Das Wort, das Conrad Ferdinand Meyers „Ullrich von
Hutten” ſpricht: „Ich bin kein ausgeklügeltes Buch, ich
bin ein Menſch mit ſeinem Widerſpruch”, heißt uns in dieſem
Suſammenhange noch weitergehen und weiterverſtehen bis
zu jenem anderen Dichterworte, das ausſpricht:
„Herr iſt der Sukunft, der ſich wandeln
kann.”
Solches Gefühl läßt auch Pfingſten
ge=
wiſſermaßen in politiſchem Sinne erleben oder
feiern: Befahung des neuen Werdens und
Wachſens, ja Blühens, das Deutſchland nach
allem und trotz allem jetzt wieder erfährt, und
das immer wieder den Ausländer, oder auch
den Deutſchen ſelber, der dieſes Land in
län=
geren Seitabſtänden wiederſieht, neu zum
Staunen, zum Bewundern, zum neuen Glauben
zwingt. Verſetzen wir uns nur einmal in die
Wolkendüſternis der Pfingſtzeit von 1925
zu=
rück, als die Franzoſen die Nuhr beſetzt hielten,
das Geld, die Sukunft, die Exiſtenz, Brot und
Kleidung uns wegſackten in namenloſen
Ab=
grund. Dieſe Dunkelheit, gehalten gegen den
vielfältigen Farbenſchimmer unſeres heutigen
kulturellen Lebens, läßt, ganz gleich wie man
politiſch eingeſtellt iſt, wohl in jedem Herzen
die Freude, die Bejahung, einen neuen
Glau=
ben aufblühen. Solche Freude aber macht
reicher an Erkenntnis, an Einſicht, an neuem
Willen und ſeeliſchem Gute, ſie iſt eben in einem
anderen als dem üblichen, tieferen Wortſinn
„Begeiſterung”.
Es wäre noch nicht ſo weit? Wir ſollten
erſt abwarten? Es gäbe Gewitter in der
Po=
litik wie in jedem irdiſchen Sommer? Gewiß,
zehnmal das zugegeben und doch einmal
be=
tont: ein weiſes Geſetz will, daß der Menſch
ſich freue, in der Freude ſich wieder gewinne,
ſich wiedergebäre und ſammle, auch mitten in
der Arbeit, daß er nicht den endgültigen
Freu=
denſeufzer erſt ausſtoße zuſammen mit dem
letzten Befriedigungsſeufzer auf dem
Coten-
bette.
Das chriſtliche Volk feiert
Pfing=
ſten als das Feſt des Geiſtes, der
Freude vor neuer Arbeit des Werbens und
Verkündens; das Naturkind, der Landmann feiern
Pfing=
ſten als große Freude am Sieg des Frühlings — allen
mög=
lichen Sommergewittern zum Crotz. Eine tiefe, letzte
Be=
deutung des Feſtes aber ſollte auch dem heutigen gehetzten
Menſchen des modernen Lebens in der Nuhe und Feierzeit
der Pfingſttage aufgehen; dieſe Bedeutung des Seſtes wird
eine Erkenntnis und wird, darüber hinaus, zu einer
For=
derung, einem Mahnruf, der lautet:
Geiſtige Wiedergeburt aus der Freude!
Dr. Elſe Reicke.
Pfingſtkantate.
Von Richard Gerlach.
Die Knoſpen waren aufgeſprungen, auf einmal hatten
ſich alle Blätter voll entfaltet und ſtanden in friſchem Grün.
Der Flieder blühte, ſüßer Duft hing über den Gärten.
Lieb=
reich goß die Sonne ihr Gold in die Kelche der Lilien, die
Hummeln ſummten über den Staubgefäßen der gelben
Königskerzen, hundertfältig erröteten die Noſen.
Ange=
zündet von dunklem Klee waren rings die Wieſen, und das
Himmelslicht floß gnädig hernieder in die Herzen.
Ein Menſch rief: „Zuviel Flammen rauſchen in meiner
Seele. Soll ich ſchlaftrunken, mit dumpfen Sinnen zu Boden
taumeln? Soll ich mich hinwerfen und mein Angeſicht
ver=
bergen? Ausgeſchüttet vor mir iſt das Wunder: Keime und
Dolden, Aehren und Riſpen. Heißt es nicht Gott recht
er=
kennen, zu lieben, was er geſchaffen hat?”
Die Vögel ſangen: „Hinaus! Ueber uns ſelber hinaus
treibt uns das Herz. Schön iſt der Cag. Süß iſt die Sonne
zu fühlen. Wonne des Daſeins! Die Allmacht hebt uns
empor, ihr Lied klingt aus uns. Wir ſchweben über Luſt
und Leid. Gewiß, da lauern Schlingen und Dornen, plötzlich
kann alles aus ſein, ſtumm, leer und kahl der Wald, nie
kommt Vergangenes wieder, nie. Aber heute ſtürmt unſer
Herz wie je, ſtürmt ſchneller, raſender, berauſchter. Wir
ſchwingen uns. in die Lüfte, aufwärts, hinaus. O
Selig=
keit! Liebel Frieden!”
Die Blumen ſtimmten ein: „Aufgetan ſind wir. Waren
geſtern noch verſchloſſen und kühl, heute iſt jede Sprödigkeit
weit fort. Wir haben uns geöffnet, ſanft küßten uns am
Morgen die Sonnenſtrahlen, ſchon werden ſie wilder, toller,
da es auf Mittag geht. Nun zittern wir, daß etwas ſich in
uns erfüllt. Wir werden Früchte tragen, müſſen welken.
Aber noch leuchtet Schönheit über uns. Laſſet uns ſchwärmen,
uns umfangen. Wir blühen! Blühen!”
Die Sonnenſtrahlen jauchzten: „Wucht aus unſerm
Glanze bricht in Welten ein. Wir baden in Meeren und
ſchmelzen die Gletſcher. Wo unſer Atem weht, birſt die Erde
von Schößlingen. Wir müſſen Wärme ſpenden und Leben
erwecken.”
Der Menſch ſtand und hörte den Vögeln zu, ſah mit
lieb=
koſenden Blicken über die Blumen und ließ ſeine Wangen
von den Sonnenſtrahlen ſtreicheln. Er ſprach:
„Alle Cage vollzieht ſich das Wunder vor unſeren Augen.
Aber wir merken es nicht. Kindchen mit tappenden Händen
liegen in ihrer Mutter Arm. Aber wir lächeln ihnen nicht
zu. In den Amſelneſtern picken ſich die jungen Schnäbel durch
die Eierſchalen. Aber wir ſtaunen nicht. O tägliches Wunder
im Kleinen, im Kleinſten. Baum und Biene und alle
Ge=
ſchöpfe, Ihr meine Brüder und Schweſtern!”
Die Wipfel der Eichen brauſten im Wind, der Sluß
ſtrömte ruhig durch ſein Cal. Das Land lächelte wie eine
Braut im Arme des Bräutigams.
IHAHHAIATNAA
[ ← ][ ][ → ]Huerta=Hütten bei Valenria
Der Garten des Paradieſes.
Eine Pfingftfahrt durch die ſpaniſche Huerka.
Von Arnim C. Wegner.
Hinter der Küſte ein grüner Streifen, ſo hell, ſo überquellend,
daß er faſt die Sarbe des Meeres verlöſcht. Von Carragona
hinab bis Valencia zieht er ſich, eine ſchmale duftende Schleppe.
Dies iſt die Huerta, der „Garten Spaniens‟. Er enthält alles,
was die Phantaſie des Nordländers ſich ſo gern unter dem
Paradieſe vorzuſtellen pflegt: Blumen, Früchte und einen ewig
heiteren Himmel. Saſt alle Früchte der Erde bringt dieſe Ebene
verſchwenderiſch an das Licht. Uind dieſer Garten iſt kein
Natur=
garten, er iſt künſtlich; bei allen Gaben, die die Schöpfung
über=
reich dieſer Erde verlieh, gab doch erſt die menſchliche Kunſt ihren
letzten Sauber dieſer Natur, die uns überall dort am ſtärkſten
anſpricht, wo ſie die ordnende Hand des Menſchen formte. Dies
iſt das Geheimnis von Granada, der ſpringenden Brunnen, der
blühenden Cerraſſen, es iſt die verborgene Wirkung der
menſch=
lichen Behauſung in der Landſchaft, die erſt durch ihn ihre
architektoniſchen Sormen gewann, und die in gegenſeitig
geheim=
nisvollem Wechſel in der Serne fort zu ſchwingen ſcheint in den
Linien der Berge.
Hoch oben an den Hängen hat man das Waſſer der Bäche
aufgefangen. Ganze Slüſſe hat man aus ihren Betten geleitet.
Es iſt eines der größten Meiſterwerke der Bewäſſerungskunſt
und die höchſte Schöpfung der Bodenkultur, mit dem kein
an=
deres künſtlich bewäſſertes Gelände in Europa ſich meſſen kann.
In breiten Gräben fällt die Slut die Hügel hinab, ſtrömt durch
die Schleuſen, ſich in tauſend ſchmale Ninnſale über Ebenen von
vielen Quadratkilometern verzweigend, wie in ein Netz von
(Adern, durch die das kriſtallene Blut in das blühende Fleiſch der
Erde dringt. Die „Neal Acquia del Jucar” allein bewäſſert in
Sahlen 14000 Hektar. Wo kein fließendes Waſſer hinkommt,
hat man Siſternen in die Erde gegraben.
Swiſchen den hellen Streifen der Kanäle aber, von grünen
buſchigen Naupen von Naſen eingefaßt, dehnt ſich die fruchtbare
kupferne Scholle, Mandeln, Granatäpfel, Voſinen, Weizen,
Gerſte, Mais, Luzerne, Baumwolle, Hanf, Melonen,
Sucker=
rohr, Naps, Mohn und Erdnüſſe reifen unter der heißen Sonne
und Orangen, Orangen, Orangen. Meilenweit ziehen ſich dieſe
Wälder mit Apfelſinenbäumen, viele ſind noch ſetzt im Mai mit
Früchten behängt, die man durch Sackleinen vor der Sonne
ge=
ſchützt, künſtlich dis tief in den Frühling an den Aeſten erhalten
hat. Ueber und über mit Früchten beladen, ſcheint es, als wären
dieſe Paradiesbäume mit zahlloſen runden Lampions behängt,
die feurig aus der Dämmerung der Blätter leuchten. Unter
an=
derem, die man ſoeben abgeerntet hat, türmen ſich die
gold=
gelben Bälle zu hohen Pyramiden. Die meiſten aber ſtehen in
Blüte, oder ſind ſchon am Verblühen; ja an einigen, die an
einem Ceil ihrer Sweige noch Früchte, an den anderen ſchon
Blüten tragen, kann man den Sauber von Frühling und Herbſt
am gleichen Baume bewundern. Der ſtarke anregende
Wohl=
geruch der kleinen ſeidigweichen Blüten iſt dem Jasmin nicht
unähnlich, betäubend und klingend ſteht er wie Muſik über
dem Land.
Mitten in dieſem blühenden Garten liegt Valenria, von den
Arabern Medina=bü=Carab, die Stadt der Freuden,
genannt. Mit ihren hellen, baum= und brunnenbeſtandenen
Plätzen, beſonders dem Plaza de la Marcado, dieſem
phan=
taſtiſch=merkwürdigen drepckigen Platz, deſſen Marktleben ein
wenig an Verona erinnert, ſcheint mir Valencia eine der
heiterſten Städte der Welt und der ſchönſte Platz, um
Pfing=
ſten, das hellſte Seſt des Jahres, zu feiern. Ständig wirft der
duftende Garten der Ebene ſeine Früchte dis in die Straßen der
Stadt. Die Verkaufstiſche unter den hellen Sonnendächern
biegen ſich von Artiſchocken und gewaltigen Blumenkohlköpfen,
die die Größe eines Kürbis erreichen. Blumenmärkte,
Vogel=
märkte, Siſchhallen. Ueberall brechen Jarben wie Schlangen
hervor. Die Straße von St. Vincente iſt eine tobende Schlange
von Menſchen, die im Begriff ſind, ihre Einkäufe für die
Feſt=
tage zu machen. In den hellen Schaufenſtern blitzt es von
Käm=
men, Fächern, koſtbaren ſeidenen Cüchern. Die vielen ſchmalen
Seitengaſſen ertönen wie die Saiten einer Mandoline, auf der
die Freude, die Arbeit, der Handel, die grundloſe und darum
tiefſte menſchliche Luſt, die Lebensfreude, ihr heiteres Spiel
ſpielen.
Blickt man von dem achteckigen Curm der Kathedrale, dem
Miguelete, auf die Stadt, ſo ſieht man zahlreiche
Azulechos=
kuppeln aus den Dächern aufſteigen, die mit ihrer
länglich=
runden, nach oben zugeſpitzten Form, der ſtrahlenden Glaſur ihrer
blauen Kacheln, wie hängende Glockenblumen in der Luft
ſchwe=
ben. Die kleinen Glocken, die unter ihnen zu ſchlagen beginnen,
drehen ſich in wildem Saltomortale um ihre hölzerne Achſe. Nur
die große Glocke dicht über uns ſchweigt. Ihr Klöppel iſt
feſt=
gebunden. Es iſt die Waſſerglocke von Valencia. An ihrem
Nande befindet ſich ein ſchwerer eiſerner Hammer. Aber nur
zweimal bewegt er ſich: um 9 Uhr abends und um 4 Uhr
morgens gibt er den Bauern draußen in den Gärten das Seichen,
wann jeder aus ſeinen Gräben das Waſſer an ſeinen Nachbarn
abzulaſſen hat. Dicht neben der Kathedrale iſt vor dem
Apoſtel=
tor eine Cribüne aufgeſchlagen. Hier tagt an jedem Donnerstag
das „Cribunal de Aguas”, das Waſſergericht. Es iſt
eines der merkwürdigſten und älteſten Gerichtsverfahren der
Welt, das über die gerechte Verteilung des Waſſers wacht. Die
Mitglieder des Gerichts ſind Bauern, das Verfahren iſt
münd=
lich und koſtenfrei. Fügt ſich der Verurteilte nicht, wird ihm
zur Strafe das Waſſer entzogen.
Mitten durch die Stadt windet ſich der Guadalviar, der
weiße Fluß. Aber ſein Bett iſt ausgetrocknet. Sieht man
ſeinen ſtaubigen, mit Steinen erfüllten Grund, ſo begreift man
doppelt die lebensſchöpfende Kraft der Flut, um die man ihn
beraubt hat. Aus ſeinem trockenen Boden hat man einen großen
Kampfplatz für Sußballſpiele und ein Kinotheater für nächtliche
freie Luftaufführungen eingerichtet, die am Pfingſtſonntag ihre
beſondere Anziehungskraft auf die Menge ausüben. In dieſer
immer amerikaniſcher werdenden Welt beginnen die
Fußball=
kämpfe ſelbſt in Spanien allmählich die Stiergefechte zu
ver=
drängen, die freilich während des Pfingſtfeſtes noch immer das
Hauptvergnügen bilden.
Weit draußen vor Sagunt aber liegt ein ſchwarzer tintiger
Sleck in der Landſchaft; es ſind die Eiſenfabriken, die ſelbſt an
dieſen Feſttagen nicht aufhören, wie ein finſterer ſchwach
rauchen=
der Vulkan aus der grünen Ebene zu dampfen. Denn auch dieſer
heiteren Stadt hat die Arbeit ihren ſchwarzen Ruß auf die
Albufera=Hütten bei Valencia
Katarin a.
Von Wilhelm Schmidtbonn.
Die Erſcheinnng.
Ueber die kurzgraſigen Heidehügel läuft ſie, kirchturmhoch
über dem Meer. So leicht, gleich wird ſie von Hügel zu Hügel
andrer als ſie liegt? Auf dieſer Inſel, wo niemand je etwas ohne
Gang hat, läuft ſie, als hätte ſie ein Uhrwerk beſonderer Art in
ſich, fremden Puls. Was tut ſie hier oben, wo niemals jemand
andrer als ſie liegt? Auf dieſr Inſel, wo niemand je etwas ohne
Sweck tut? Hat ſie über das Meer geſehn? Nach einem Schiff?
Iſt ſemand auf irgend einem Schiff, nach dem ihre Sehnſucht
ſingt? War ſie beim Leuchturmwächter, deſſen Geſicht ſo
zer=
furcht iſt wie ſein Curm? Hat ſie ihm das Mittageſſen gebracht
oder genagelte Schuhe? Wer iſt ſie? Geträumt? Wird ſie
ver=
ſchwunden ſein, wenn ich jetzt die Augen wahrhaft aufmache?
Was lockt an ihr? Das Licht um ſie, das Unnennbare. Ich
ſtürze den Hügel hinunter, auf der Meerſeite, reiße Steine mit,
werde vor ihr unten ſein, die auf der Landſeite hinabſpringt. Ich
werde ſie erwarten, unten, gleichgültig im Gras liegend und wie
überraſcht den Kopf hebend, um ihr Geſicht zu ſehen.
Sie kommt, Sonne vergoldet ſie, die weißen Flügel ihrer
Haube tanzen, kleine Segel, die nötig ſcheinen, um den Schritt
dieſer Nieſin ſo leicht von der Erde zu löſen. Denn eine Nieſin
iſt ſie: als ſie hinter dem Strohdach des erſten Hauſes hergeht,
ſehen die Haubenflügel darüber weg. (Allerdings ſind die Häuſer
auf dieſer Märcheninſel eher Swergenhäuſer.) Ich ſchaue aufs
Meer, ich höre ihren Schritt hinter mir ſilbern im Gras. Ich
wage nicht, den Kopf umzudrehn, die Luft iſt voll von ihr, voll
von einer lichten Süße, ich habe nicht Platz mehr, zu atmen. Ich
vermag nicht einmal den Kopf zu heben, um in die undekannte
Landſchaft ihres Geſichts zu ſehen, jetzt, wo ſie dicht an mir
vorübergeht. Wird ſie ihr Geſicht zu mir herunterſenken? Nein,
ſie geht vorbei, als wäre ich geträumt und läge nicht wirklich
da, ſie ſieht mich nicht, ſie hält den Kopf gerade, iſt vorüber, viel
Naum nehmen ihre Schritte zwiſchen ſich, ihr geſtärkter Nock
knattert wie ein Großſegel, das Gras richtet ſich hinter ihren
Schritten wieder auf, ſie iſt vorbei und es wird dunkel, als ob
eine Mittagwolke vor die Sonne gekommen ſei. Eine Nieſin iſt
ſie. Kinder, die dahergehn und die ſie überholt, reichen ihr mit
den blonden Schöpfen kaum ans Knie. Aber ſie ſieht auch die
Kinder nicht. Eine Nieſin iſt ſie: als andre Rieſen der Inſel
daherkommen, Mämer mit Nudern und Segelſtangen, die kein
Menſch vom Feſtland auf der Schulter zu tragen vermöchte,
wächſt ſie über alle hinaus. Und ſieht auch die Männer nicht.
Nicht einmal zu einem Gruß bewegt ſie das Haupt. Hindurch
geht ſie durch alles Menſchliche, was ſieht ſie, daß ſie nichts ſieht,
was nah iſt? Wo iſt das Siel ihres Blickes?
Ihr nach! Um das Haus zu ſehn, in deſſen niederer Cür ſie
verſchwindet. Um doch noch das Geſchenk ihres Geſichts vom
Himmel zu empfangen.
Nein, warten, bis das Schickſal, das über allen Dingen dieſer
Inſel tätig iſt, ſie wieder in Wind und Weg bringt. Hier darf
man nichts zwingen wollen, klein iſt aller Menſchenwille hier,
hier hat alles ſein Geſetz, geheim, gelenkt von den unſichtbaren
Kräften, die man in der Luft ſpürt und im Waſſerhauch, der vom
Meer weht.
Nur die Kinder fragen nach ihrem Namen. Katarina —
er=
ſtaunt ſind die Kinder, daß jemand auf der Welt iſt, der dieſen
Namen nicht weiß. Alſo iſt ſie den Kindern bekannt, alſo haben
die Kinder ſie geſehen, alſo iſt ſie wirklich, nicht geträumt.
Wie ſchwarz der Name Katarina iſt! Man riecht das Haar
der Nömerin. Aber wie hell und blond er von nun an klirrt!
Ich rühre mit der Hand das Gras an, über das ihr Schuh
gegangen iſt, und helfe einem Halm, der noch liegt, ſich aufrichten.
Verwandelt iſt das Gras, blond iſt das Gras, blond das Meer,
und alles riecht nach der Stärke ihres Nockes. Ich gehe an den
Hafen, um ein Segel wie ihren Nock knattern zu hören.
Katarina zeigt ihr Geſicht.
Wir ſitzen auf Felſenſteinen am Meer, die Schuhe vom
an=
ſpringenden Geſchäum benetzt. Die Haare wehen uns auf den
hutloſen Köpfen wie Fahnen nach.
Katarina kommt, mit einer Freundin. Sierlich iſt die
Freun=
din, reicht der Großen nur bis zur Schulter. Der Wind bläſt die
Slügelhauben auf, zwei große Schmetterlinge ſcheinen miteinander
zu ſpielen.
Dicht an unſern Schuhen muß Katarina vorüber. Ja, das
Waſſer iſt ſo nahe, daß ſie über unſre Schuhe hindwegſteigen muß.
Sie muß uns anſehn, nun gibt es kein Ausweichen mehr.
End=
lich werden wir ihr Geſicht ſehn, und da wir hoch ſitzen, wird 4s
ſo nah ſein, daß wir den Hauch aus ihrem Mund einatmen
kön=
nen. Wir werden uns nicht fürchten diesmal, vor der Erregung,
allzu großen Erlebniſſes. Ich habe Freunde bei mir, die mich au
der Erde zurückhalten.
Katarina kommt. Aber die Kleine geht voran, wie ein Kin?
vor der Mutter geht. Gefahr ahnend und wenigſtens im Nückeln
geſchützt. Pfirſichfarben und von dem geheimnisvollen Opal einer,
Muſchelſchale iſt das erſte Geſicht, es lacht zu uns hin, färbt ſich
ein wenig. Nun wird hinter der voranwehenden Haube das
zweite Geſicht aufſteigen, hoch, ernſt, ſtreng. Aber das zweite)
Katarinas Geſicht — klein, noch pfirſichzarter leuchtet es untgeer
dem verklärten Licht des Haubendachs. Das Geſicht könnte der n
zierlichen Körper der Freundin aufgeſetzt ſein. Nund ſpitzt ſeich
Wange zu Kinn, dicht vor meinen Augen. Stark trägt dieſſes
erfahren der
der
jeht man
o begreift man
die man ihn
einen großen
für nächtliche
onntag ihrt
In dieſer
die
Sußball=
fechte zu ver=
Stirne gezeichnet. Die breite Straße, die nach Grao, dem
Hafenplatz Valencias, hinausführt, iſt ſo häßlich und traurig.
wie jede Fabrikſtraße in Europa, wenn ſich auch heute hier eine
Menge buntgekleideter Menſchen drängt. Hier liegen die großen
Exportfirmen. Das Sortieren und Verpacken der Orangen, das
Einmachen und Einſalzen der Siſche hält eine Menge von
Ar=
beitern in Atem. Wie Waſſer fließt aus den Leitungen in die
Fäſſer das Oel, das aus Erdnüſſen gepreßt wird, die man in der
Huerta anbaut. Eine der größten Exportfirmen gehört einem
Deutſchen, ein Ceil des ſehr beträchtlichen Weinhandels liegt in
Schweizer Händen.
Verläßt man Valencia, erſtreckt ſich an der Küſte entlang
der Albuferaſee, das kleine Meer der Araber, ein 5
Kilo=
meter langes, durch eine Nehrung vom Mittelmeer
abgeſchnit=
tenes, ſüßwaſſerhaltiges Haff. Es iſt reich an Siſchen und
Waſſervögeln und liefert Madrid ſeine Enten. Aber wichtiger
iſt ſeine Bedeutung für die Veiskultur. Während an kaum einer
anderen Stelle Europas der Reisbau überhaupt möglich iſt, iſt
der Neis hier zu einem Hauptprodukt des Landes geworden, das
nicht nur nach den übrigen Provinzen Spaniens, ſondern auch
nach England und Frankreich ausgeführt wird. Man hat die
Felder der flachen ſumpfigen Ebene mit kleinen fußhohen
Däm=
men von Lehmerde eingerahmt, die ſich mit Waſſer füllen. Die
Erde iſt ſo fruchtbar, daß man viele dieſer Felder zweimal im
Jahre, erſt mit Weizen und dann mit Neis bebaut. Wie helle,
glitzernde Spiegel ſtehen dieſe Becken in der grünen feſtlichen
Landſchaft, in ſchmalen Spitzen ſchießen die Halme aus der
flachen Flut. Ueberall an den Wegen ſtehen buntgekleidete
fröh=
liche Menſchen umher.
Mitten über die Felder aber ziehen ſich als Seichen der
Neuzeit die großen elektriſchen Ueberlandzentralen hin. Auf
allen PPlätzen, ſelbſt in den Dörfern, gibt es Benzinſtationen für
Automobile, die wie losgelaſſene Hunde bellend über die
Land=
ſtraßen jagen. Daneben ſieht man in merkwürdigem Gegenſatz
die Neſte einer veralteten primitiven Kultur, große
backſtein=
gepflaſterte Cennen, auf denen das Getreide noch heute wie im
innerſten Meſopotamien mit dem hölzernen Schlitten gedroſchen
wird. Im Augenblick freilich liegen ſie ſtill und verlaſſen. In
dem ſorgſam gepflegten Lande glänzen die weiß gekalkten Häuſer
wie die friſch gewaſchene Schürze einer Bäuerin. Weizen-
Ge=
müſefelder folgen ſich, Alleen von Maulbeerbäumen, denn die
Seidenkultur iſt nicht weniger bedeutend. Mit ſeiner friſch
ge=
pflügten Erde leuchtet das quadratiſch eingeteilte Land wie ein
bunter ſchottiſcher Kattun.
Als der Sug zwei Cage nach Pfingſten uns in der
Abend=
dämmerung davonträgt, beginnt das Waſſer der Reisfelder
unter dem Nachtwind in kleinen Wellen zu wogen. Nun tönt
die Waſſerglocke von der Höhe des Curmes. Langſam hallen die
Schläge viele Stunden weit über das nachtſtille Land. Jetzt
ſchießt das Waſſer durch die Schleuſen. Man fühlt, wie die Erde
trinkt. Wilder dringt der betäubende Duft aus den Pflanzen,
während in der Serne Valencia verſinkt. Valencia, deſſen Name
ſo weich klingt, wie Muſik, ein Wort, das uns auf den Lippen
zergeht, wie das ſüße Sleiſch der Orangen.
Mannertupen der Gegenwart.
Von Caſimir Edſchmid.
Jede Epoche glänzt mit derjenigen Phantaſtik, die ihr zuſteht,
und zwiſchen dem Panzerwagen des Achilleus und dem
Lancia=
auto des Herzogs von York iſt kein Unterſchied als der heroiſche.
Die ungeheure Sachlichkeit der letzten Jahrzehnte, die uns den
Sport, das Auto und das Flugzeug brachten, hat für Heroismus
keinen Sinn mehr, es ſei denn, daß er ſich in großartigen
Leiſtungen auf den Gebieten der Erfindungen ausdrückt. Der
eeliſche Heldenmut iſt in die Nomane und die Cragödien der
Cheater abgewandert. Er bildet in keiner Weiſe mehr jenes
flammende Signal, um das die Griechen ihr Ideal des „ſchönen
und gebildeten” Gentleman aufrichteten oder die Nitter der
Kreuzzugszeit jenen Edelzuſtand des Weltmannes erfanden, der
tapfer und gläubig und inbrünſtig ſein mußte. Was heute den
Mann von Welt auszeichnet, iſt lediglich ſeine Haltung. In
dieſem Punkt berühren ſich zehn Jahre nach dem Krieg die
her=
vorragendſten Männer aller Nationen der Welt. Man hat ſich
auf eine ſchlichte, ſachgemäße Diskretion im Auftreten geeinigt.
Die Macht und den Wert des Mannes, den immer nur die
großen Kenner verſtehen, zeigen äußerlich lediglich ſeine
Be=
wegungen, welche nichts anderes als das Chermometer ſeiner
Naſſe ſind.
Es iſt wahr, man erkannte früher den Angehörigen einer
Nation an ſeiner Kleidung, welche in phantaſtiſchem Maß
ver=
ſchieden war. Das iſt vollkommen verſchieden geworden. Für
den ſchwarzen, ſlawiſchen oder romaniſchen Menſchen ſind die
Blonden gänzlich undurchſichtig, wenn er ſie auf ſeine
Nationali=
tät taxieren ſoll. Die Schwarzhaarigen ſind aber für die
Ger=
manen wie die Neger gleich. Wer Europa kennt, weiß, wie
ſchwer es iſt, an internationalen Orten Italiener und Cürken,
Numänen und Ungarn zu unterſcheiden. Die Kleidung der
Män=
ner hat eine uniforme Gleichheit vollkommen erreicht. Der
Eng=
länder, den vor fünfzig Jahren jeder Gaſſenjunge in Neapel und
San Sebaſtian erkannte, unterſcheidet ſich nur in geringen
Nu=
ancen von einem reiſenden Dänen oder Deut— von Klaſſe. Die
kleinen Differenzen ſind es überhaupt, welche auch nur die Spur
Henry Ford
Unterſcheidung ermöglichen. Je weiter man in Europa nach
Weſten kommt, um ſo mehr bevorzugen die Männer den
ſchwar=
zen Anzug, was in Liſſabon und Marſaille kein Vergnügen iſt.
Die Oeſterreicher ſchneiden ihren Anzug gern ein wenig knapp
und bevorzugen Linien, die rund ſind. Die Italiener haben
weit=
aus mehr Sinn für Buntheit, wenn es ſich auch nur um die gelb
und weiß geteilten Schuhe der Gondolieri und die hellen Hoſen
der Lebemänner handelt. Der Kurfürſtendamm hat eine
abſcheu=
liche Schnittart des Männeranzugs geliefert, eine Art, die prall,
ſchneidig und überlegen ſein ſoll, aber gewöhnlich nur eine
furcht=
bare Konfektion und overdreſſed iſt. Die Holländer ſind faſt
immer charakterlos und unauffällig angezogen, was auch von den
Schweizern gilt. Im übrigen gibt es gewiſſe Vorſchriften, die
eingehalten werden, und gewiſſe Selbſtverſtändlichkeiten, wo
ſeder=
mann macht, was er will. Der gebildete Japaner iſt, von der
Seite geſehen, ein franzöſiſcher Marquis, und der bedeutende
Inder ſieht aus wie ein Pole. Wenn er den Curban trägt, iſt
es aus rituellem Empfinden. Selbſt die exotiſchſten Völker
haben das Dogma Europas anerkannt, denn es iſt klar und
praktiſch, ſo ſcheußlich es iſt. Denn im Grunde heißt dies, daß
es nur noch Maſſen gibt und keine Perſönlichkeiten, keine Hel=
den mehr, ſondern nur noch Diskrekion. Der letzte
Modebeein=
fluſſer war der engliſche ſiebente Eduard, der den Hoſen ſeines
Nennanzuges ſtatt zwei plötzlich vier Bügelfalten angedeihen ließ,
was ſie in einen Schornſtein verwandelte. Das waren die
Leiden-
ſchaften eines Jongleurs. Ein Triumph=Kriegsſchiff oder eine
ähnliche Maſchine des Nuhmes, die ihn unter dem Jubel der
Nation wie Alexander in Suſa nach Erdroſſelung der Buren
in London hätte einziehen laſſen können, hat er nicht erfunden.
Seine viereckigen Hoſen hätten ihn kaum dazu privilegiert. In
der Cat, mit dem ſchwindenden Heroismus und unter der
Herr=
ſchaft der Schiffsgeſchütze haben die Männer ſich unerhört
anein=
ander angeglichen. Swiſchen einem Portier bei Nitz und einem
König von England gibt es überhaupt keinen Unterſchied mehr im
Privatleben.
Infolgedeſſen ſind die Porträtiſten, denen wir mehr als den
Dichtern die Pſychologie ihrer Seitgenoſſen verdanken, über die
Epoche unſerer Gegenwart in furchtbarer Verlegenheit. Weder
die Sachlichkeit Liebermanns noch die Leichtigkeit Nenoirs, noch
die Männlichkeit Crübners und Herkomers vermögen, abgeſehen
von den Militärs, einen wirklichen Seittyp darzuſtellen. Denn
weder ein Herr im Smoking, der im Klubſeſſel liegt und Kurſe
Coudenhove=Kalergi,
der Gründer der paneuropäiſchen Bewegung.
Prinz von Wales
ſtudiert und dabei eine Havanna raucht, noch ein Porträt von
Picaſſo, das aus zerlegten Prismen und Vierecken beſteht, noch
ein Neiterbild Cuaillons von Wilhelm II. geben tatſächlich
das-
jenige, was einen Menſchen unſerer Epoche auszeichnet.
Catſäch=
lich gibt es nur zwei Möglichkeiten, ſich einen heutigen Menſchen
vorzuſtellen, das iſt in einem Arbeitspyama am Celefon wie
Ediſon oder in den breiteſten Knickerbockers wie den Prinzen
von Wales. Das erſte Porträt würde das Cempo und die Arbeit
der Seit, das zweite den Sport und die Phantaſtik darſtellen.
Seltſamerweiſe iſt in dieſen Kleidungen der heutige Mann
auch ziemlich gleich. Der Pelzmantel, den Slevogt malt, iſt etwas
anders gemalt wie derjenige des Schweden Sorn. Aber die
Autos, in denen die Beſitzer fahren, ſind faſt dieſelben, die
Sei=
tungen, die ſie leſen, ſind faſt die nämlichen, die Geſchäfte ſind die
gleichen und die Haar= und Barttrachten auch. Was man
übrigens den ſogenannten „charakteriſtiſchen” Vertreter einer
Naſſe nenut, ſind ja die Ausnahmen. Auch die Griechen waren
nicht alle Apolls, ſondern in der Mehrzahl häßlich wie Sokrates.
Den Amerikanern allerdings ſieht man an, daß in ihnen eine neue
Naſſe wirklich begründet wurde. Dieſe flachen, harten,
undurch-
dringlichen Geſichter zeigen an, daß in dieſem Lande keine Dome
ſtehen, aber Ninder zu Suppenwürfeln zerquetſcht werden. Die
Engländer ſchweigen natürlich, wo die Ungarn ſich ſchon balgen.
Die Italiener ſind ſo klein, daß ſie laut Militärreglement Käppis
tragen müſſen, die ſo hoch ſind wie die Sulinder, in denen früher
die Bürovorſtände in Paris ins Geſchäft fuhren und die man nur
noch in der City trägt, weil ſie den engliſchen Geſichtern gut ſtehen.
Das alles heißt: die Männer der gebildeten Welt
unter=
ſcheiden ſich nur noch in den Eigentümlichkeiten, welche ihr Klima
und ihre Naſſe unbedingt in ihre Figur hineingezeichnet haben.
Sie haben die gleichen Manieren, dieſelben Anzüge, die nämlichen
Gewohnheiten und die gleichen harten und diſziplinierten
Ge=
ſichter. Das untere Volk iſt natürlich phantaſtiſch. Ein Markt
in Iſtrien oder eine Kirmes in Holland ſind ſo toll wie farbig und
ebenſo verſchieden wie die Planeten. Die gebildeten Schichten
der Welt unterſcheiden ſich nur durch ihre Charaktere und die
Jarbe ihrer Haut und die Augen, wobei bemerkt ſei, daß die
Reinraſſigkeit beſonders hier höchſt ſelten zu werden ſcheint.
Kinn die geſchwungene Lebenskraft des Mundes. Wir brennen
unſre Augen in das fremde Land dieſes Geſichts, wollen die
frem=
den Sterne dieſer Augen zwingen, einmal ihre Strahlung mit der
unſrer Augen zu vereinen. Dieſe fremden Augen — zwar ſehen
ſie nicht auf die vielen Schuhe herab, über die die Füße ſchreiten
müſſen, die ſicheren Füße finden den Weg blind — aber ſie
ſehen auch kein Geſicht von uns an, ſie ſehen dahin, wo ſie
vor=
her hinſahen, geradeaus in Wind und Schaum. Sehen dieſe
Augen nicht die Menſchen, die hier auf Steinen ſitzen? Wollen
ſie nicht ſehen? Geben ſie ſich den Anſchein, nicht zu ſehen? Nicht
zu entſcheiden. Stolz, ohne Sehnſucht nach fremder Welt,
einge-
ſchloſſen in ihrer Welt, geht die Königin der Inſel vorüber, die
Schönheit, die Kraft, das Leben, unbeachtet ſitzen wir da, wir
Ausgeſchloſſenen. Alle haben wir die Augen an dieſes flüchtig
vorbeiwehende Geſicht gehängt, allen ſteht uns der Atem ſtill,
alle ſind wir ſtumm — nach Cagen erſt wird einer oder der andre
anfangen, von dieſem Geſicht zu ſprechen. Am ſtummſten aber
ſind die Frauen unter uns geworden. Sie werden nie von dieſem
Geſicht ſprechen, aber mit heimlicher Särtlichkeit beginnen ſie
baſd um uns zu werben.
Nicht weit gehen Katarina und ihre Freundin. Als wenn uns
die erſte wirklich nicht geſehen und die andre uns ſchon vergeſſen
hätte, beginnen ſie, auf dieſer freien Inſel der Oſtſee, zwiſchen
Jelſen ſich zu entkleiden. Kindlich ordnend legen ſie ihre Kleider
über die Dornſträuche. Unbekümmert um irgendwelche andre
Zu=
ſchauer, die der Weg vorbeiführen könnte, ſtehen ſie nackt und
weiß vor dem Meer, klein wie durch ein umgekehrtes Glas
ge=
ſehen. Mit drei Sprüngen ſind ſie in den Wellen, ſelbſt. Wellen
geworden. Weit vorauf ſchwimmt die Große. Wir wiſſen, fern
über dem anſteigenden Meer iſt ihr Bräutigam, auf irgendeinem
Ochiff, in irgendeinem Hafen in Schottland, Spanien, Amerika.
Oleichviel es iſt dasſelbe Waſſer, hier und dort, wo er immer iſt.
Das Waſſer vereinigt. Weit greift Katarina mit den Armen
aus, um dem Sernen ein paar Atemzüge näher zu ſein.
Kakarina erwartet den Bränkigam.
Cäglich geht Katarina ans Schiff. Wenn ſie aus dem Fenſter
ihres Häuschens den erſten fernen Nauch ſieht, verſorgt ſie noch
Hühner und Kühe, ſetzt ohne Eile die Sonntagshaube aufs Haar,
verabſchiedet ſich von der Mutter und geht am Ufer entlang,
im=
mer in gleicher Höhe mit dem Schiff, das noch zu weit iſt, um
Menſchen darauf erkennen zu können. Darum winkt ſie auch
nicht vorſchnell. Sie hält auch den Kopf nicht zum Schiff gerichtet.
Die Abendſonne auf dem Geſicht, die Haubenflügel in immer
loſen Wind, geht ſie ſchnell und leicht dahin, dicht an den Wellen
vorbei. So wenig wie je ſieht ſie Menſchen an, die ihr
entgegen-
kommen. Ihre Augen ſehen in ſich hinein.
Aber wenn das Schiff näher kommt, fangen die Augen an,
friſches Leben zu bekommen. Sie ſuchen das Schiff ab, ſie ſehen
aus nach einer geſchwungenen Mütze. Eine Woche lang macht
ſie jeden Abend dieſen Weg zum Schiff; am erſten Abend ſteht ſie
dicht an der Landungsbrücke, am zweiten ein wenig zurück im
Gras, die nächſten Abende macht ſie ſchon am Gartenzaun des
letzten Hauſes Halt, den Kopf vorgeſtreckt, auf die Sehen
ge=
ſtellt. Sie fürchtet nicht den Spott der Menſchen, aber ſie will
nicht jeden, der in ihr Geſicht blickt, die Enttäuſchung ſehen
laſſen. Aber ſie iſt nicht einmal enttäuſcht. Schnell und leicht
geht ſie jeden Abend zur Mutter zurück, von ferne könnte man
glauben, ſie ſinge. Er muß kommen, ſein Schiff iſt in Hamburg
eingelaufen, es war in der Seitung zu leſen. Ob er nun heute
oder morgen kommt — was machen ein paar Cage mehr oder
weniger aus, wenn einer ein Jahr fort war und ein ganzes Leben
vor zwei Menſchen liegt?
Am fünften Abend kommt der Kamerad, der auf dem gleichen
Schiff fuhr. Nun weiß ſie beſtimmt, daß der Bräutigam nah
iſt. Sie fragt nicht nach dem Grund, warum er noch ausbleibt:
es wird ſchon ein Grund ſein. Sie fragt auch ſonſt nichts, nach
gar nichts. Sie wird alles von ihm ſelbſt hören.
Am ſiebenten Abend winkt ihr der Poſtbote. Sie geht hin,
ohne Surcht vor den Leuten, ohne Furcht vor dem Brief, den der
Poſtbote in der Hand hält und den er ihr vor der allgemeinen
Austeilung ſchon jetzt übergibt. Schnell und leicht geht ſie am
Ufer entlang nach Haus, ohne den Brief aufzumachen. Sie
ſpart ſich die Freude auf, die er enthalten wird, bis ſie zu Haus
am Fenſter ſteht und die rotgeſäumte Gardine zurückſchiebt, um
beſſer zu ſehen.
Am nächſten Cag fährt das Schiff ein, unbegleitet am Ufer
von den Flügeln der weißen Haube. Unbegleitet muß es nun jeden
Cag einfahren. Morgen nicht, nächſte Woche nicht, nächſtes Jahr
vielleicht wird es den bringen, nach deſſen geſchwungener Mütze
Katarina ausſah. Er iſt aufs neue aufs Meer.
Katarina fliegt nicht mehr im Schwung über die kurzgraſigen
Hügel, ſie wirft ſich nicht mehr mit einem Luſtſchrei ins Meer. Ob
ſie noch wartet? Ob ſie im nächſten Jahr zum Schiff gehen wird,
den abzuholen, der nah war und nicht kam, um ſie zu ſehen?
Sie verſorgt im Stall die Kühe, ruft die Hühner zum Futter
mit einem ſilbern nachahmenden Gurren, ſie ſitzt neben der Mutter
(wenn ich nicht neben der Alten ſitze, die ebenſo klein und
ge=
ſprächig iſt wie die Cochter hoch und ſtumm) auf der Bank vor
der Cüre oder abends am Ciſch bei der Lampe. Aber ſie ſpricht
auch zu der Mutter nicht. Niemand weiß, wie es in ihr ausſieht.
Sie geht leicht dahin, wenn ſie Sonntags zur Kirche durch das
Gras ſtrebt. Sie ſieht niemand an, ſo daß man auch ihren Augen
nichts abraten kann. Ein Blick nur in ihr Geſicht genügt, um
feſtzuſtellen, daß keine Spur einer Cräne in dieſen Augen irgend
ein Nacht vorher war. Nuhig und groß wie das Meer iſt das
Herz Katarinas. Und ebenſo verſchwiegen.
Pfingſten in Eis und Schnee.
Ein wahres Erlebnis an der feuerländiſchen Küſte.
Von John Freeman.
Eine Woche vor Pfingſten ging ich an Bord des Cramp
Joſſifoghu. Es war in Buenos Aires. Solch ein Cramp, ein
kleiner Frachtdampfer, der, ohne eine beſtimmte
Schiffahrts=
route zu haben, auf wilde Fahrten geht, wohin gerade die
Fracht=
gelegenheit ihn führt, ſolch ein Cramp, ſage ich, iſt ein
gott=
verlaſſenes Fahrzeug. Der Kapitän ein junger Abenteurer, in
Smyrna zu Hauſe, ein waſchechter Levantiner. Dieſe halben
Griechen, im übrigen Cürken und Armenier, haben den Ceufel
im Leibe. Sie haben das Seug dazu, Piraten zu werden. Die
übrige Mannſchaft war dementſprechend, roh, ungebildet,
ſtreit=
ſüchtig. Eine tolle Geſellſchaft von Lacedämoniern, Inſelgriechen
— im Keſſelraum — weſtindiſche Miſchblüter. Sie würfelten und
ſpielten Karten um hohes Geld, verſpielten dabei im Voraus
ihren Lohn für die nächſten ſechs Monate, fluchten, kauten
ge=
trocknete Oliven und tranken einen fluchwürdigen Schnaps, der
Maſtica hieß.
Wir ſteuerten bei bewegter See an der Küſte Patagoniens
dahin, an Bahia Blanca vorüber, dann kam des Leuchtfeuer des
Cabo de las Virgenes in Sicht, denn es war Nacht. Der Winter
hatte ſeinen Einzug gehalten, nachdem der herbſtliche April
vor=
über war. Der Mai brachte heftige Schneegeſtöber, die
Cem=
peratur ſank, je mehr wir uns der Südſpitze des Kontinents
näherten. Die Griechen hockten tagsüber, ſobald ſie die Hände
frei hatten, in der Schiffsküche, ſich die klammen Pfoten über
dem rotglühenden Herd wärmer”, indes der Koch, ein zierlich
gebauter, gutmütiger Mann von der Inſel Chios, Hammelköpfe
in einem keſſelartigen Nieſentopf kochte. Von Seit zu Seit
ſchöpfte er den ſchmutzigen Schaum von dem brodelnden Waſſer.
Da kamen die Selſen an der Einfahrt zur Maghellanſtraße in
Sicht, denn das erneut eingeſetzte Schneegeſtöber hatte
nachge=
laſſen. Su unſerer Linken, alſo an der Backbordſeite, zeigte ſich
nun im Cageslicht die flache Küſte Seuerlands. Eis und Schnee,
ſo weit das Auge reichte. Am anderen Cage war Pfingſten!
Mein Gott! Und wie anders hatte ich dieſes Blütenfeſt bisher
begangen! Ausflug in die neu erwachte Natur, Vögel ſingen,
Obſtbäume ſtehen blütenbedeckt, frohe Menſchen ziehen vergnügt
plaudernd ins Freie, hinaus in die Berge, oder wenigſtens in
die umliegenden Dörfer.
Hier nun ſaß ich bei bitterſter Kälte unter Griechen, deren
Kalender zu dieſer Seit des Jahres kein Pfingſtfeſt nennt, unter
Schiffsknechten, deren heiſere Slüche in allen Sprachen Europas
und Vorderaſiens mich nicht gerade in Entzücken verſetzten.
Doch ich ſchluckte meinen Mißmut darüber ebenſo herunter, wie
die ſeltſamen Speiſen dieſer Mittelmeervölker, nämlich
Cinten=
fiſchfangarme in Olivenöl, Stockfiſch und andere Gerichte. Eis
und Schnee ringsum! Je weiter wir in die wildromantiſche,
felſenſtarrende Meerenge hineinfuhren, um ſo mehr nahm die
kalte Pracht der Natur zu. Gletſcher leuchteten grün, und die
gewaltigen erſtarrten Maſſen zogen ſich bis tief hinab in die See,
die ungleich dem azurnen Ozean, ſmaragdgrün leuchtete.
Alba=
troſſe flogen mit ungeheurer Flügelſpannweite vorüber, ſchreiende
Seelöwen ſteckten herdenweiſe die ſchwarzen Kugelköpfe aus der
Flut hervor.
Dann war das Pfingſtfeſt da. Unter der Mannſchaft
herrſchte ſeit Wochen Unzufriedenheit, und dieſer verhaltene
In=
gramm kam gerade an dieſem mir ſo lieben Feſt zum offenen
Ausbruch. Es war eine regelrechte Meuterei; Kapitän und
Offiziere gegen Matroſen, eHizer, Simmermann. Die wildeſten
unter den Matroſen ſtürzten ſich, mit dolchartigen Meſſern
be=
waffnet, auf die Gegenpartei des Achterdecks. Die Offiziere
drohten mit dem Nevolver, voran der Kapitän. Aber, Gott ſei
Dank, zum Schießen kam es nicht. Ein Nieſe von Cenedos,
namens Anjulopulos, überwältigte den zweiten Offizier und
richtete ihn mit ſeinem Meſſer ſo übel zu, daß der Mann dem
Code nahe war. Das Ende vom Liede war, daß die Offiziere
mitſamt ihrem Kapitän in deſſen Kafüte eingeſchloſſen blieben,
nachdem der Suſtand des arg zugerichteten zweiten Offiziers
ihnen den Mut genommen. Es war eine feige Geſellſchaft. Der
Grund für dieſe Meuterei war die Herabſetzung der Löhne,
welche der Kapitän willkürlich vorgenommen, nachdem er
ver=
geblich in Noſario drei Monate auf Fracht gewartet hatte.
Wir waren noch nicht bis Punta Arenas gekommen, und
auf einmal liefen wir feſt. Nirgends auf Erden laufen ſo viele
Schiffe auf verborgene Niffe, wie in dieſer gefährlichen
Meer=
enge. Das Schiff hatte ein ſchweres Leck. Land war nahe. Wir
erbaten telegraphiſch, auf drahtloſem Wege, Hilfe von dem
nicht allzu fernen Punta Arenas. Dann — im Augenblick der
Gefahr kam die Ausſöhnung raſch zuſtande — wurden die
Ein=
geſchloſſenen befreit, die Boote herabgelaſſen, alles ſtieg ein.
Ein ſchönes Pfingſtfeſt! Ohne Swiſchenfall landeten wir an der
Küſte Feuerlands, welche hier in der Meerenge drei Meilen
entfernt war. Klugerweiſe hatte einer von den Leuten genügend
Proviant eingeladen, über jenen eiſernen Beſtand hinaus, der
ſtets in den Nettungsbooten bereit liegt und von Seit zu Seit
erneut wird: Hartbrot und Waſſer, das letztere in einem
Fäß=
chen. Auch ich ſtieg ein. An der allgemeinen Keilerei hatte ich
mich nicht beteiligt, denn ich hatte genug derlei erlebt.
Swei Cage verbrachten wir unter aſt unaufhörlichem
Schnee=
geſtöber auf den Eisfelſen Feuerlands, unmittelbar an der Küſte
verharrend. Wir zerſchlugen eins der Boote, ſteckten das ſo
gewonnene Holz an und hielten uns an dem Seuer wach. Dann
folgten die anderen beiden Boote, ſo daß eins für alle Fälle blieb.
Hilfe konnte nicht ausbleiben. Es war ein wundervoller
An=
blick, wie bei eintretender Dunkelheit die lodernden Flammen ſich
in den nahen Gletſchermaſſen ſpiegelten, von denen der eiſige
ſturmartige Südwind den kurz zuvor gefallenen Schnee fortgefegt
hatte. Einige Stunden lang blieb das Wetter ſternenklar.
Schneekriſtalle glitzerten, weiße, gewaltige Maſſen ragten auf.
Dann verhüllte der neu einſetzende Wirbelſturm die Landſchaft.
Ich ſchlief in meinem Mantel, nicht weit von mir lagerte der
kleine ſchwarze Schiffshund zwiſchen den rauhen Geſtalten der
Schiffsleute.
Dann kam Hilfe. Ein kleiner Dampfer durchſchnitt die Flut,
bog in kurzer Wendung ab und näherte ſich vorſichtig dem
Felſenufer. Die beiden Pfingſttage neigten ſich gerade zu Ende.
In meiner Erinnerung werden ſie fortleben!
Pfingſtmorgen.
Von Anna Maria Darboven.
Eiligen Schrittes laſſe ich die letzten Häuſer hinter mir zurück.
Der grüngoldene Wald nimmt mich auf in ſeinen Schatten.
Ein üppiges Sproſſen und Grünen, wohin auch das Auge blickt
und über mir, hoch in dem Geäſt ein endloſes Jubilieren.
Ich komme an einen Wegweiſer: Eckhöfen=Kapelle ſteht dort
geſchrieben. Sehr ſteil beginnt der Weg und ich zögere.
Pfingſten, das lichteſte Feſt im Jahr!
Dieſer Gedanke ſchwingt und lockt unwiderſtehlich in die
Höhe. Die Schritte federn und bald liegt der Wald hinter mir.
Ich ſteige einen kahlen Rücken hinauf durch prangends
Wieſen. Ein vielfältiges Summen und Sirpen ſchwebt wie eine
tönende. Wolke über dem bunten Wieſenteppich, getragen von
dem würzigen Duft.
Immer ſteiler windet ſich im Sonnenflimmern des tauigen
Morgen der Pfad vor mir hinauf. Abgeriſſene Cöne eines
Liedes werden mir vom Winde zugeweht. Eine helle
Frauen=
ſtimme jubelt es aus der Freudigkeit des Herzens hinaus in die
Welt. Die Klänge ſchlingen ſich als Melodie in das
tauſend=
fältige, heiße drängende Leben und Surren, das wie ein trächtiger
Brodem über der fruchtgeſtaltenden Erde lagert.
Ein Jubeln iſt in allen Geſchöpfen Gottes!
Mehr und mehr gewinnt die liebliche Mädchenſtimme die
Führung über das ſummende Naunen. Keuſch iſt ihr ſilberner
Klang, der aus geheimnisvollen Höhen die kleine Kapelle dort
oben umſchwebt und auch mich einhüllt, ſo daß die Seele fein und
ſtill im ſchweigenden Lauſchen verharrt.
Alle Quellen des Lebens ſind offen und es fluten ſüße Kräfte
aus dem ewigen Born.
Oh, über die allumfaſſende Liebe, die flutet, die die Seele wiegt
und befreit von aller Erdenſchwere!
Alle Kräfte ſtrömen in der Liebe zuſammen, ſind von der Liebe
geleitet, alles iſt zu Liebe geworden, wie nur Gott allein die
voll-
kommenſte Liebe iſt!
Die Sormen verſinken, alles iſt Seele, ohne Feſſeln, frei
be=
ſchwingt. Es iſt wie ein Stehen im Licht, ganz geſättigt von
Wahrheit!
Ein ſüßer Hauch, ein geheimnisvolles Wehen umhüllt das
kleine Gotteshaus vor mir, das ſein ſpitzes Cürmlein wie einen
Finger in die Bläue des Himmels reckt. Ach nein, ein zartes
Kinderhändchen ſcheint es zu ſein, das dort oben emporwächſt und
das hinweiſt zu dem ſtrahlenden Geleucht des Himmels.
Auf dieſem beſonnten Hügel unſerer Erde wohnſt du Maria,
Bild der Keuſchheit, der reinen Empfängnis. Und alle deine
lichten Gedanken ſtrahlen befruchtend voll tiefſter Schönheit in
die Welt der empfangenden Herzen!
Mit ſachten Füßen gehe ich andächtig näher. Meine Augen
werden emporgezogen und meine Lippen wiederholen leiſe die
mahnenden Worte:
Geh nicht vorbei, ſchau über dich.
Mit einem Ave grüße mich!
Dann will ich bei dem Sohne mein
Fürſprecherin für dich, Armer, ſein.
Ich trete ein in das ſtille Haus und in meiner Seele hebt ein
feines Klingen an, das ein geheimnisvolles Ahnen tiefſter weiteſter
Seligkeit in’s Herz ſenkt.
Durch die Mauern dringt verhalten das unaufhaltſame
Jubeln, das ſich von ſorgloſen Mädchenlippen löſt. Es iſt das
Lied des Lebens, das ſich hinaufſchwingt in die Lüfte und dann
weithin verklingend in’s Cal hinabrollt. Nur Klänge höre ich,
keine Worte. Lerchenhaft hinausgejubelt zum Preiſe der
Schützerin einer zarten betenden Liebe.
Jungfrau, Mutter Gottes mein!
Laß’ mich ganz dein eigen ſein.
Jungfrau, Mutter Gottes mein,
Sei Schutz und Hort der Liebe mein!
Weit entrückt iſt mir die Seit und mit ihr Vergangenheit und
Sukunft. Ich bin nicht mehr ich ſelbſt, ich bin ein einziges Lieben
und Fühlen mit dem jungen Menſchenkind da draußen. Eins mit
allen Geſchöpfen der fruchttragenden Erde, eins mit dem
fluten=
den Licht, eins mit der Allmutter!
Alles iſt in Eins, in den großen Quell des Lebens
einge-
ſunken!
Leiſe trete ich wieder in das Sonnenlicht hinaus und luge
vorſichtig um die Ecke der Kapelle: Lang hingeſtreckt im Graſe
ruht ein junges Mädchen. Den Kopf auf den Nuckſack gebettet.
Unter dem blauen Mützchen ſehen eigenwillig die braunen Locken
hervor. Die leuchtenden Augen ſchauen ſelig in den unendlichen
Aether. Die Wangen glühen und der lachende Mund ſendet
unbekümmert Lied um Lied hinaus in die Schönheit der Welt.
Su ihren Füßen hingekauert, ein Jüngling, die Guitarre im Arm,
andächtig wie vor der Gottesmutter. Das grüne Hütchen tief
in den Nacken geſchoben, die blonden Haare quellen hervor und
zwiſchen den Lippen baumelt ein langer Grashalm. Sehr
ernſt=
haft und ganz Aufmerkſamkeit hat er alle Mühe, der führeden
Mädchenſtimme nachzukommen.
Unbemerkt gehe ich davon. Das liebliche Bild in der Seele
und begleitet von den ſchimmernden Klängen, die beim
Nieder=
ſteigen mählich verwehen, fühle ich mich unermeßlich reich
be=
ſchenkt. Ich folge dem Pfad hinunter in’s Cal durch die
gold=
durchſtickten Wieſen und trage verborgen im Herzen ein ſtilles
Glück.
Pfingſterlebnis, ein Lichtſtrahl des Himmels, der Gottesnähe
fühlbar macht!
Nummer 210.
Partie 38.
(Geſpielt im Turnier zu Lake Hopatcony 1926.)
Damenbauerſpiel.
A—nd
Weiß: Eduard Lasker Schwarz: Capablanca 17.
Hübſch geſpielt!
Sg8—t6.
1. d2—d4
18. Db5—t5
F—e6
2. Sg1—f3
G7—o5
Falls 18. Db7:, ſo Bc5 19. Db4
3. g2—g3
o5Xd4
(auf 19. Da7 folgt Toa8 uſw.) Sco4:
4. 62—841
20. Db3 Bo3: 21. bo: Se4 uſw. und
5. Sf3Xd4
d7—d5
e6—e5
Schwarz gewinnt den o- Bauer.
6. Lf1—g2
Der Weltmeiſter ergreift die erſte Ge= 18.
To8—o5
Tc5—o4
legenheit, das Spiel in ein offenes zu ver= 19. DF5—f4
Le7—e5
20. Lcl— e3
wandeln.
e5—e4
7. Sd4—f3
A. Sf3—42
To4bt
8. Sf3—d2
d5ko4
Schwarz läßt nicht locker; jeder Zug
9. Dd1—a4+ Lo8—d7
von ihm iſt ein direkter Angriff.
Dä8—e7
Viel beſſer als 9. . . . . 9o6
22. b2—b3
10. Da4R04
e4—e3!
23. a 2—a3
Lo5xe3
Ausgezeichnet! Der ſchwarze
Königs=
bauer war zwar nicht zu decken, aber das
alles hatte der Weltmeiſter
vorausberech=
net und durch den Textzug bringt er die
weiße Aufſtellung in Unordnung
11. f2Xe3
Auf 11. Lb7: könnte ſolgen 11.
rückzugeben.
TbLb8
24. DF4ke3
25. Ta1—d1
Tbé—e6
Tf8—o8
26. b 3—b4
Peß—d6!
R. De3—d4
28. Bo3—d5
Weiß entſchließt ſich, den Bauer zu=
of2:+ 12. Kd11 Lb3 13. Ke2 Sbd7
mit Gewinnſtellung für Schwarz.
1d7—o6
19. 6—0
L.o6Kg2
13. Kglkg2
Lr8—
14. Sb1—e8
a-
15. 9d2—73
Sbg-
16. 63—e4 Zur Befreiung des Lol ſehr energiſch.
16.
Ta8—c
17. Do4—b5
Etwas beſſer war 17 Dd3. Weiß 35. Df2—b6
hoffte ein Tempo zu gewinnen, es kam 36. Sb3—o5
aber umgekehrt.
Sf6Xd5
28.
Deske2r
29. 64Xd5
30, Kg2—g1
8d7—r6
Nun fälly auch der zweite Bauer.
31. 9d2—b3
Td6xd5
32. Dd4—f2
De2xd1
Der Weltmeiſter beendet die Partie
33. Dklkau
Td5xd1-
31. Kg1—g2
Sfé—g4
h7—h5
To8—e8
Weiß gab auf, da Matt oder
Damen=
verluſt ſolgt.
Der Großmeiſter Maroczy hält dies für die „beſte und ſchönſte
Partie des Turniers”,
(Aus Kagans „Neueſte Schachnachrichten”
Stern=Rätſel.
a, a, a. a. a. c, e. e, h. i. i. n. n. r. r. ſ. t. t, z. z-
Obige 20 Buchſtaben ſchreibe man auf die 20 Punkte, ſo daß fünf
Wörter von folgender Bedeutung entſtehen: 1—2 Halbedelſtein, 2—3
europäiſcher Gebirgsſtock, 3—4 Theater im Freien, 4—5 Erdteil, 5—1
Stadt in Frankreich. Die 5 Mittelbuchſtaben, richtig abgeleſen, nennen
eine Sommererſcheinung.
Magiſches Quadrat.
Amtstracht
Elektriſcher Pol
Stoff
Frauenname
Lat. Name für
Kaſtenrätſel.
A A. 8 B E EEIE E E E EE G 6 . 2 M N N O P R R R R R 5 T T TIUf Uf U D Dieſe Buchſtaben ſind ſo zu ordnen, daß die Senkrechten von links
nach rechts folgendes bedeuten: 1: Hoher Bau. 2. Italieniſche Inſel.
3. Tſchechiſche Stadt. 4. Ritterſitz. 5. Stadt in Weſtfalen. 6.
Stein=
kohlenprodukt. 7. Indianerſprache. 8. Hirſchart. 9. Blume.
Die oberſte und unterſte Wagerechte bezeichnen je ein Speiſefett.
Gitterrätſel.
Die Wagerechten bedeuten von oben nach
unten:
1. Griechiſche Sagengeſtalt,
2. Deutſcher Kurort,
3. Werk von Klopſtock.
Die Senkrechten bedeuten von links nach
rechts.
1. Pflanze,
2. Seemann,
3. Männername.
Auflöſungen der Rätfel aus Nr. 22.
Es iſt ein rechtes Kreuz!
1. Erika, 2. Iglau, 3. Nemeſis, 4. Kuckuck, 5. Otto, 6. Muſeu
7. Megatherium, 8. Eliſe, 9. Nibelungen. — „Einkommen, Auskommet
Viſitenkartenrätſel.
Wachtmeiſter.
Baumeiſter.
Verſteckrätſel.
Ver—smaß, Kla—bun—d, Hun—den—ame, Gold—wer—t, Lin—d
—baum, T—auc—herglocke, Ma—hdi, Eber—eſc—he, Hoc—hwa—ſſe
Ze—che—r, Lüge —nma—ul, L—ech—feld, Fer—tig—keit: Verbund
werden auch die Schwachen mächtig.
Druck u. Verlag: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei. Rheinſtr. 33.—Verantwortlich f. d. Redaktion: Dr. 6. Nette. Fernſpr. 1.
le Rechte vorbehalten. Nachdruck verb. — Kliſchees: F. Haußmann,alle in Darmſtadt
die Seie viel
von der Liehe
alein die voll=
Seſen, te
der
hnſt du Marig.
Und alle deine
Schönheit in
Seele hebt ein
tieſſter weiteſter
unaufhaltſame
löſt. Es iſt das
Lüfte und dann
ge höre ich,
ſe der
ergangenheit und
n einziges Lieben
außen. Eins mit
em fluten=
Lebens einge=
eſtreckt
Alſo: s Heſſelendchel ..
No for mich gibt’s do gornix
* is halt doch des ſchennſte
was unſerm Herrgott ſeinerzeit ei gefalle is . . .
Was? . . . wie?
odder valleicht net?
ja do ſchlag doch gleich en lahmer Eſel inei! ...
Noja, meintwääche — s Paradies war aach ſchee‟ . . ..
awwver ’s war doch bloß for Leit,
wo nix ſchaffe wollte.
un wo dann, aus purer Langweil,
uff allerhand dumme Gedanke kumme ſin
un ſo ..
Naa, kaa Paradies is es net,
unſer Heſſelendche . . .
Gottſeidank! .
awwer wer ſchaffe will,
ganerlaa, was un wo,
an de Werkbank, uffm Acker, am Schreibdiſch,
der find bei uns, was er brauch
un kann ſich großordich ammeſſiern.
un der rheiniſche Frohſinn! .. die rheiniſche Mädcher! ..
ja .. . Kinner! . . . Kinner!!!
gibt’s dann noch was uff de Welt
wo domit ſich meſſe kann?! . . .
Naa — mir wolle net ſtolz ſei ...
gornet ſtolz ..."
awwer ſo drei Brofinze! . .
die ſoll erſt emol aaner uffweiſe,
wann=er kann . .
Un erſt die Gäächende! . ..
un die Umgäächendel . . .
beiſpielsmeßich der Odewald,
der ſagenumwowene,
mit ſeine Bickel un Hiwwel . . .
wo de Siegfried gejagd hott,
un vum Hagen erſchlage is worrn . ss
wo der Eginhardt hott gewohnt,
der Schreiwer vum Kall de Große,
wo däß Dechtelmechtel hatt mit dem ſeine Dochter,
ſie hott Emma gehaaße
un wo de Rodenſteiner hauſt
mit ſeim wilde Heer
un die Fraa vun Benſem,ätzäddra pepe unſoweider.
Un wem’s drotzdem net gefellt . . .
in Goddesnamel . . . als juck! . . .
mir halte’n net
fahre wohl un fladdſchere! ...
Naa, kaa Paradies is es net,
unſer Heſſelendche!
aach kaa Schlaraffeland! —
un die Dauwe, wo hier erumflieje,
ſin leider net gebrode ...
Unner uns geſagt . .
*8 geht aach ohne Dauwel ...
ich bin ſo alt jetzt.
un es is mer noch kaa ins Maul gefloge .. mit Wiſſe net!.
Awwer nixdeſtodrotz! . . .
gibt es in Stackenborch net die dickſte Kadoffel?
wann ſe gerade.
lfohrn muß
ſo dick, daß mer ſe aansling uffm Langhozwage
haam=
un muß ſe mit de Drummſähk verſchneide",
un gibt’s net aach Quetſche, ſo groß wie e Hinkelsei..
un Weißkraut, ſo dick wie en Simmer .
un Riewe, ſo groß wie en Kärchtorm . . ."
un Handkees mit Quaſte un Franze? . . , Stackenborch leßt kaan verhungern,
wenneer net ſchneuwich is ..
un Owwerheſſeſ . .. was? wie?
wechſt do e Frucht net, die wo ihresgleichen ſucht? . . .
ganz abgeſähe vun de Stumb röck
un de dicke Baa".
Herrgott! . . . ſo e Owwerheſſer Schenkamm,
die leecht ſex an die Bruſt
wann’s bäſſiert
Ja, un dann die Bärckſtroß.
die deitſch Riwijeral.
Kinner, was maant=er, wann die in Berlin lieje dhet
im Diergadde . . . odder im Grunewald
odder ſo wo do erum . .
ich glaab, die Berliner,
die brechte des Maul netmehr z’ſamme
was=en iwwrichens ſo ſchun ſchwer fellt . .
naa ... die Bärkſtroß . . . in Berlin?! .
8 weer ſchad drum! . . .
No, un de Vogelsbärch?! : noch was gewaldicheres? . .
Gott . . . ja . . . die Alwe ſin heecher . . ſteiler . . . meintswääche!
mir is de Vogelsbärch hoch genug ..
un de Vogelsbärcher aach . . .
die mechtien gornet heecher ...
Awwer de Vogelsbärcher Wald . ..
un des Vogelsbärcher Rindvieh . .
un bie Vogelsbärcher Leine .. .
un die Vogelsbärcher Dibbe . . de Vogelsbärcher „Korn”
un die Vogelsbärcher Särrwelal z= des Vogelsbärcher Härzl ..=
„Krautſoalad un Sällerich,
Liebche drick dich wäarra mich!‟ ..
alſo wer gout uffgehowe ſei will,
der giht in de Vogelsbärch . . .
mehr ſahn eich net ...
HUr ESBRN
(1—
No un dann Rheiheſſel. Rheiheſſel,
un ſein Weil..
Un fließe dorch Heſſe net die ſchennſte Fliß?
de Rhei' de Maa' de Neckar"
meintswääche aach die Lahn
ſpiegele ſich dodrei’ net die ſchennſte Schlöſſer un
un Dichter hawwe ſe beſunge ſeit alders, (Borche?
un hawwe Vers druff gemacht nooch alle neu Neede
No, ich will mich net in Begeiſterung redde,
ſunſt glaabt valleicht ganer
ich kreecht’s bezahlt.
awwer mei Heſſelendche! . . ."
uff däß loß ich nix kumme.
1s is halt doch des ſchennſte
was ſeinerzeit unſerm Herrgott ei gefalle is! . . .
Bloß . die Leit wiſſe’s noch net all
s hott ſich noch net iweral erumgebabbelt.
un däßwääche hott de „Heſſiſche Verkehrsverband”
äxdra e Buch erausgäwwe,
e Prachtwärk!
for drei Mack in jeder Buchhandlung!
mit ſcheene Uffätz vun de bedeidenſte Menner,
un s Vorwort vum Herr von Brentano di Tremezzo,
der wo drotz ſeine altidalljeniſche Abkumft
aach ſein Gefalle hott an unſere drei Brofinze,
die wo ſo ſchee zu enanner beſſe
Aach Bilder ſin drin, in dem Buch
ganz brächdiche Bilder! ..
kaa „Köbb” wie ſunſt als,
wo ſich kaa Menſch was Vernimfdiches drunner vorſtelle
naa, richdiche Bilder, damit mer im Bild is (kann,
un ſieht, wie’s ausſieht im Heſſeland".
korzum:
s is e Prachtwerk vun eminender Bedeidung".
un de „Verkehrsverband” kann ſich was ei bilde
(druff ...
Däß haaßt . . aach die Reichsbahn, Sitz Mainz,
reißt ſich äwe e Baa aus
un dreibt brackdiſche Heimatkunde . .
neierdings".
un net bloß mit Sonderziech
dorch die heſſiſche Gefilde,
wo mer for billich Geld
Land un Leit kenne lernt ..
Naa, aach ſie, die Reichsbahn,
is jingſt uffm Blahn erſchiene
mit=eme Bilderbuch vum „Rheinland”
un leichtfaßliche Uffſätz drin
alſo do wärd de Rheil beſchriwwe
vun Meenz bis Koblenz
un alles was drum erum liggt . .
beſchriwwe? ſag ich, naa ... verherrlichtl:
ja — „Rheiheſſe” wärd gradezu nei entdecktl .,, ſo e Buch hett ich=ere Reichsbahn
im ganze Läwe net zugedraut! . . .
s is e Kuldurdokumendl . . .
un — koſt bloß e Mack ..
8 is alſo ſo gut wie geſchenkt! ...
So Bicher ſtärke de Heimatſinn,
hewwe de Verkehr
un bringe Geld ins Land! . .:
un wann mer drinn bläddert,
do fiehlt mer erſt..
des Heſſelendche is doch des ſchennſte
was unſerm Herrgott ſeinerzeit ei gefalle is! . .
Wer alſo ſoe Buch dehaam hott . . .
un ſetzt ſich uff’s Sofa ..
un bedracht ſich’s
der nimmt Daal an allem, was ſich Heimat nennt ...
Freilich: wer’s mit de Bahn, mitm Schiff, mitm Audo
odder gor per pedes apoſtolorum dorchzieht
mit offene Aage un freehlichem Sinn".
der ſoll Gott danke uff all ſeine Knie!".
kaa Wunſch bleibt’em verſagt,
dann wie geſagt:
es Heſſelendche..
däß is halt doch des ſchennſte,
was unſerm Herrgott ſeinerzeit ei gefalle is! . . =
Un ſo zieht hie in alle Welt.
lobpreiſt un ſingt
des Hohelied vun de heſſiſche Heimat".
ich winſch eich in dem Sinn:
„Frehliche Pfingſte!”
allerſeits .. .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Wann ich mich ſunſt, als immer
poſtſchkribbdimmlicherweis mit allerhand u’agenehme Sache
erumbeiße muß, ſo ſteht mer doch heit emol ausnahmsweis was
Agenehmes bevor. Nemlich: ’s Herr Lorche zu begrieße,
ſo=
zuſage im Namie vun de geſamte altei geſäſſene Darmſtädter
Bärjerſchaft. — Es ſin zwar gebirdiche Eſchollbricker, die Lorche,
awwer ſie hawwe ſeit alders Eiſſitz in Darmſtadt; mir zehle ſe
zu de unſere. — Mir denkts noch ganz gut, wie ſe als im
„Schkädding Ring” imwerwindert hawwe, for=e Stickerers
värr=
zich Johr. Un wie ſe beim erſte Darmſtädter Karnevalszug
mit=
gemacht hawwe mit ihrm geſamte zwag= un vierbaaniche
Perſo=
nal. Domals hawwe die alte Lorche noch gelebt, die Gebrüder. —
Jetzt befummele die junge Lorche däß Kreemche. Un ich muß
ſage: alle bunnehr! Sie wiſſe, was ſe dem Name „Lorch”
ſchul=
dig ſin. s is en richdiggehender Zärrguß, kaan
ameriga=
niſcher Bluff. — Beſunners muß mer lowend erwehne die „
Fa=
milie Lorch”, die ikariſche Menſche: zehe Leit, zwaa Ponnies un
aan Eſel, zuſamme dreizeh Perſone; ich glaab, dene ihr Ribbe
ſin aus Fiſchbaa odder aus Zelleloid No un dann die
The=
reſe Renz, em alte Nenz ſei Dochter, die reit „Kunſt” alſo ſowas
hott mer noch net geſähe. Un die Dräſſurakte, die Schinneeſer, die
Tſchärkeſſe, Schonkleer, Kraft= und Saft=Menſche unſoweider. Vor
allem awwer der prächdiſche Maſchdall voll lauter „
Vollblut=
klohn”. — Alſo mer lacht ſich en Bruch! —
No, die alt Ahenglichkeit, die wo mit dem Name Lorch
ver=
bunne is, hott ſich erwieſe, un wann ſe net wiſſe, wo ſe
iwwer=
windern ſolle — ich offerier=en unſer Feſthall; ſie ſin bei uns
immer gut uffgehowe. In dieſem Sinn: Härzlich willkumme in
Darmſtadt!
For die Sparbix: R. St.: 3 Mack;
ſchee!
Max: 10 Mack. Danke
Der zeitgemäße Haushalt.
Verregnete Herrenanzüge und =Ueberzieher
zu behandeln. Wenn ein unerwarteter Regenſchauer dieſe
Kleidungsſtücke durchnäßte, dann müſſen ſie ſofort nach der
Heim=
kehr wie folgt behandelt werden: Rock, Jackett oder Ueberzieher
auf den Bügel gehängt, dann müſſen ſie ſofort im Innern mit
einem weichen, großen Sofakiſſen ausgeſtopft und der oberſte
Knopf geſchloſſen werden, um es in dieſer Lage zu erhalten, muß
das Kiſſen im Innern mit Sicherheitsnadeln feſtgeſteckt werden.
Nun wird der naſſe Stoff wieder faltenlos gezogen, die Aermel
ausgedehnt und im Notfall zur Verhütung von Falten mit
Tüchern ausgeſtopft und der Rock dann freihängend zum
Trocknen aufgehängt. In gleicher Weiſe iſt auch die naſſe Weſte
zu behandeln. Das naſſe Beinkleid befreie man durch
Ueber=
bürſten mit keltem Waſſer von den etwa vorhandenen
Schmutz=
flecken, lege zwiſchen die Beinlängen ein reines Tuch und
klam=
mere das Beinkleid, die Brüche und Bügelfalten ſcharf aufein=
andergelegt und in Form gezogen, in einen Hoſenſtrecker, mit
dem Bunde nach unten. Es wird dann, nach dem Trocknen frei
aufgehängt, auch ohne Bügeln wieder wie neu ausſehen. Etwa
krausgezogene Säume am Rock und Ueberzieher müſſen freilich
unter aufgelegtem feuchtem Leinentuch mit mittelheißem Eiſen
wieder glattgebügelt werden, doch darf dabei das Tuch nicht völlig
austrocknen damit der Stoff keine Glanzſtellen erhält.
Das Roſten des Schirmgeſtells zu verhüten.
Nach jedem Gebrauch des Regenſchirms ſollte dieſer nur halb
aufgeſpannt zum Trocknen aufgeſtellt werden, damit der Bezug
nicht durch die allzu ſtraffe Spannung während des Trocknens
leidet. Weiter ſollte aber auch nach jeder Durchnäſſung das
Schirmgeſtell an den Verbindungsſtäben mit weichem Pinſel oder
Federkiel und etwas Salatöl recht mager eingeölt werden, um das
Roſten und allzufrühe Schadhaftwerden desſelben zu verhüten.
Pilze im Reisrand. Die im eigenen Saft
weich=
gedünſteten Pilze, gleichviel welcher Art, werden mit einer braun
gebratenen Zwiebel, etwas gewiegter Peterſilie, Salz und Pfeffer
noch 5 Minuten ziehen gelaſſen, 1 Taſſe Buttermilch mit 1
Eß=
löffel Mehl verquirlt dazu gegeben, darauf das dickliche Pilz=
gemüſe mit Suppenwürze gekräftigt und in einen Reisrand
ge=
füllt, den man auf flacher Schüſſel aus dick in Fleiſchbrühe
aus=
gequollenem Reis aufſchichtet.
Bitteren Salatgurken den oft unangenehm
auffallenden bitteren Geſchmack zu nehmen.
hoble man ſie auf dem Eiſen nach dem Schälen fein und laſſe
die Scheiben in einer Schüſſel mit Waſſer eine Viertel= bis eine
halbe Stunde ſtehen. Dann gießt man das Waſſer ab, drückt die
Gurkenſcheiben aus und richtet ſie mit Eſſig, Salz. Pfeffer und
Zwiebeln in gewohnter Weiſe an. Das Waſſer hat dann den
meiſten Bitterſtoff ausgezogen und die Gurke iſt wieder genießbar.
Speiſezettel.
Sonntag: Windſorſuppe. Spargelgemüſe mit
Rump=
ſteaks. Waldmeiſterſpeiſe. — Montag: Eierkuchen mit
ge=
ſchmortem Rhabarber. — Dienstag: Grünkernſuppe.
Kraut=
wickel mit Bechamelſoße. — Mittwoch; Brennſuppe. Gefülltes
Rinderherz mit Kartoffelmus. — Donnerstag: Spinat mit
Rührei und Röſtkartoffeln. — Freitag: Heringskartoffeln mit
grünem Salat. — Samstag: Saure Kalbslunge mit
Kar=
toffelſtückchen.
Das geſkrickte Complet eine beliebte Modeneuheit.
Es hat eigentlich verhältnismäßig lange
ge=
braucht, bis die Strickmobe ſich jenen Platz ſicherte,
der ihr gebührt; denn es gab unendlich viele
Schwierigkeiten, die vorerſt bekämpft werden
muß=
ten. Da es ſich hier bekanntlich um eine Induſtrie
handelt, die aus ganz kleinen, faſt möchte man
ſagen: primitiven Anfängen entſtanden iſt, haftete
ihr — allerdings ohne die geringſte Berechtigung
ein gewiſſes Odium der Uneleganz an.
Lange Zeit konnten oder wollten die Frauen
nicht verſtehen, daß die Strickmode im Verlaufe
der letzten Jahre wirklich zu einer ſehr
maß=
gebenden und beachtenswerten Induſtrie geworden
war, denn ſie vergaßen, daß auf dieſem Gebiete ſehr
einſchneidende Veränderungen zu vermerken waren,
die die Strickmode eben endlich doch an führende
Stelle brachten.
Wenn man ehemals von der Strickmode ſprach,
dachte man etwa an Touriſtenſchals, Wollweſten
und Strick=Handſchuhe, alſo an praktiſche, teils auch
ganz ſportliche, volkstümliche Toilette=Behelfe,
nie=
mals aber an eine Mode, die ſich der Salon=Arbeit
mit vollſtem Rechte an die Seite ſtellen ließ.
Schon während der letzten Jahre aber wurde
man durch die Eigenart und Schönheit der Strick=
Sachen auf dieſe Induſtrie oft aufmerkſam gemacht,
um ſo mehr, als ſich die Strickmode immer neue,
modiſche Gebiete erſchloß.
Waren es urſprünglich — wie früher erwähnt
— nur kleine Stücke, die von dieſem
Induſtrie=
zweige erzeugt wurden, ſo bekam man nach und
nach immer beachtenswertere Sachen zu ſehen.
Zu=
erſt die geſtrickten Weſten und Bluſen in Form von
Pullovers und Jumpern, ſpäter auch die dazu
paſ=
ſenden Röcke, bald darauf ganze Koſtüme und
end=
lich auch ſehr ſchöne Mäntel.
Heute iſt man ſo weit, daß man auch ganze
Complets ſtrickt, die ganz ausgezeichnet wirken;
und zwar keineswegs nur ſportliche Modelle (die
natürlich ganz außerordentlich empfehlenswert und
beliebt ſind), ſondern auch ausgeſucht elegante
Complets, die für nachmittägliche Gelegenheiten
gedacht ſind.
Die neuen Strick=Arten, denen ganz beſondere.
Aufmerkſamkeit gewidmet wird und die eine geradezu
ver=
blüffende Vielſeitigkeit aufzuweiſen haben, laſſen die elegante
Wirkung der neuen Complets und ihre ſehr bedeutenden Erfolge
begreiflich erſcheinen. Zeigt man doch heute jene überraſchend
phantaſiereichen Muſter, die jedem Modeſtoffe an die Seite zu
ſtellen ſind und ihn oft ſogar an Originalität und Farbwirkung
bei weitem übertreffen.
Die Strick=Induſtrie bringt ausſchließlich licht=, waſch= und
farbechtes Material, miſcht außerdem auch Woll= und Seiden=
Fäden und vereinigt ſie zu einem gemuſterten, brokatartig
wir=
kenden Gewebe, das ſich als der ſogenannte „Strick=Shetland” in
ſehr kurzer Zeit unzählige Anhängerinnen erworben hat. Dieſes
broſchierte Material wirkt ſo luftig und duftig, daß es gerade für
elegante hochſommerliche Gelegenheiten viel zu ſehen ſein wird.
Mit Vorliebe kombiniert man die modernen Strick=Modelle
auch mit Seidenſtoffen, die dann als Blenden, Randungen uſw.
Verwendung finden. Daraus ergibt ſich ein ſehr vornehmer
Kontraſt=Effekt, der die ſorgfältige Ausarbeitung der neuen Strick=
Sachen in ein noch günſtigeres Licht zu rüchen vermag.
Es gibt heute wohl keine Moderichtung mehr, die von der
Strickinduſtrie überſehen werden würde. Jede noch ſo belanglos
erſcheinende Neuheit wird raſch und ſicher aufgegriffen und mit
viel Geſchmack und Kultur verwertet.
So zum Beiſpiel ſieht man ſchon ſeit einiger Zeit die aparteſten
Koſtüm=Complets (Kleid mit kurzer Jacke), trotzdem ſie
erſt vor kurzem in Mode kamen. Auch die geſtrickten Mantel=
Complets (Kleid und lange Umhülle) verraten große
Eigen=
art und — was nicht unweſentlich iſt — einen ausgezeichneten
Schnitt.
Die Vorteile der geſtrickten Modelle ſind allgemein bekannt,
denn jede Frau weiß es zu ſchätzen, daß ſie in einem ſolchen
Stücke immer nett ausſieht, weil es niemals zerknüllt iſt, ſo daß
es beſonders für die Sommerreiſe gute Dienſte
leiſtet, während man ſonſt mit dem Bügeln der
Kleider nur Unannehmlichkeiten und Aerger erlebt.
Außerdem bietet die Strickmode auch einen ganz
beſonderen Farbenreichtum, der durch kein
ein=
ziges Modegewebe wiederzugeben oder zu erreichen
iſt, ganz abgeſehen davon, daß die geſtrickten Sachen
bedeutend wohlfeiler ſind als alle anderen.
Wie gut die neuen geſtrickten Complets zur
Geltung kommen, lehrt ein Blick auf die Bilder
unſerer Gruppe:
Bild 1 und 2 ſtellen ein flottes Jumperkleid mit
dazupaſſendem geraden Mantel dar, die natürlich
auch unabhängis, von einander zu tragen ſind. Man
ſieht ſolche Complets in weiß mit bunter Bordüre,
aber auch vielfach Ton=in=Ton ſchattiert, wie auch
in den zarten beigefarbenen Grund=Tönen, von
denen ſich farbige Bordüren ganz unvergleichlich
ſchön abheben.
Ganz anderer Art iſt das Koſtüm=Complet, das
wir in Bild 3 und 4 feſtgehalten haben. Das Kleid
iſt aus dem früher erwähnten Strick=Shetland
ge=
dacht, der in ſeiner brokatartigen Muſterung und
infolge der Miſchung von Wolle und Seide eine
ganz beſonders eigenartige und überaus vornehme
Wirkung hat. Um einen feinen Kontraſt zu
ſchaffen, ſind Jumperpaſſe, Manſchetten und
Buben=
kragen glatt geſtrickt und unbroſchiert. In der
gleichen Art gearbeitet iſt auch die kurze Jacke, die
man mit Seiden=Streifen randet und einfüttert
und mit einem Seidenbandgürtel zuſammenhält.
Die Zuſammenſtellung eines in ſich gemuſterten
Kleides mit einem glatten Jäckchen verſpricht ſehr
viel Beachtung zu finden.
Wie ſehr die Strichmode mit den neueſten Linien
Schritt zu halten vermag, beweiſt das Complet, das
wir als Skizze 5 und 6 vor Augen führen. Man
hat es ſich in dem modernen VelounTrikot
vorzu=
ſtellen, ein Strick=Erzeugnis, das etwa wie ein
ſeidig=glänzender Frottéſtoff oder ein weicher,
feiner Velourſchiffon wirkt. Da das Material an
ſich ſchon ſehr effektvoll und in den anziehendſten
Modefarben zu ſehen iſt, bedarf es ſicherlich keiner
komplizierten Formen mehr, um gute Wirkungen
zu erreichen. Man wird auch hier für das Kleid gerne die
Jum=
per=Faſſon wählen, die ſich in Verbindung mit einem geknoteten
Schalkragen und einer Seidenblende als unterem Abſchluß ſehr
gut ausnimmt. Sehr apart und beachtenswert iſt der Mantel in
Raglan=Schnitt der letzten Neuheit der ſommerlichen
Nach=
mittags=Mode. Hier eben zeigt es ſich am deutlichſten, wie
aus=
gezeichnet die Strickinduſtrie an die Tagesmode Anſchluß findet,
da ſie eine ſolche Umhülle mit originellen, unterhalb des Kragens
in der Rückenbahn beginnenden und ſich nach vorne zu
verbrei=
ternden Seiden=Blenden verſieht und den Mantel mit
demſelben Materiale einfüttert, aber auch die trompetenförmig
verbreiterten Aermel damit ausſchlägt.
Alle dieſe Modelle zeigen, daß die Strickmode heute ſehr
elegante Schaffungen bietet und nicht mehr ausſchließlich an
Ge=
brauchskleidungsſtücken feſthält, ſich alſo auch keineswegs mit
der ſportlichen Note begnügt.
Schöne Rinderkleider.
Die gute Wirkung des Kinderkleides liegt immer
in ſeiner Einfachheit, wie auch in der Schlichtheit
des zur Verarbeitung gelangenden Materials.
Nie=
mals kann ein Modell, das kompliziert geſchnitten
iſt, gefallen, weil es ja der Art des Kindes in
jedem Falle widerſprechen müßte; ebenſo wirkt ein
Kleidchen, das aus einem allzu phantaſiereichen
Materiale verfertigt iſt, geradezu abſtoßend, weil
man ja einzig und allein darauf bedacht ſein ſoll,
daß die Kinderkleidung immer appetitlich, alſo
leicht waſchbar ſei, was ja bei Phantaſiegeweben
niemals der Fall ſein kann. Oft iſt man verſucht,
einen Reſt Materials, den man gerade im Hauſe
hat, für ein Kinderkleid zu verarbeiten und geht
dabei bisweilen ziemlich wenig wähleriſch zu
Werke, aus der Erwägung heraus, daß das
Kleid=
chen ohnedies derart ſtrapaziert wird, daß es nur
kurze Zeit zu gebrauchen iſt. Dieſer Standpunkt
wäre allenfalls noch zu billigen, wenn es ſich um
ein Winterkleidchen handelt, da es ja nicht ſo oft
gereinigt werden muß, wie das ſommerliche
Klei=
dungsſtück des Kindes. — Man ſoll ſich demnach
zum Prinzip machen, für den Sommer nur ſolche
Materialien heranzuziehen, von denen man genau
weiß, daß ſie ſehr gut waſchbar und auch möglichſt
lichtecht ſind, um nicht etwa gleich am erſten Tage
auszublaſſen.
Damit ſind natürlich nicht nur Waſchſtoffe,
ſon=
dern auch leicht zu reinigende Wollſtoffe gemeint.
Da und dort wird ja auch vom Sommerkleide der
Mutter ein Reſtchen abfallen und für ein
Kinder=
kleid zur Gänze oder teilweiſe verwendbar ſein.
Die netteſten Modelle ſind immer aus Leinen,
Roh=
ſeide und leichten Sommer=Wollſtoffen herzuſtellen,
die in ſehr ſchönen Mode=Paſtellfarben zu haben
ſind. In der Regel wird man dem modernen
Kinderkleide eine ganz einfache, meiſt kittelartige
Form geben, die immer am beſten wirkt, weil ſie
ungezwungen und flott iſt.
Natürlich muß man einen großen Unterſchied
zwiſchen der Alltags= und der eleganten Garderobe
machen. Iſt die Gebrauchskleidung des Kindes ganz auf ihren
praktiſchen Verwendungszweck eingeſtellt, ſo gibt man den
Kleid=
chen, in denen die Kleinen Staat machen ſollen, oftmals und gerne
eine flottere Note. Vornehmlich die kleinen Mädchen ſehen
be=
ranntlich in Kleidern, die den Einfluß der Tagesmode verraten,
ganz allerliebſt aus, und alle werden ſie ſicher auf ſolche Mode=
Neuheiten ungenein ſtolz ſein, weil ſie ſich ebenſo ngroß und
er=
wachſen” fühlen werden, wie ihre Mütter.
Im allgemeinen tut man auch gut daran, der Eigenart des
Kindes inſofern Rechnung zu tragen, als man es die Richtlinien
ſeiner Garderobe ſelbſt beſtimmen läßt. Man wird auf dieſe Weiſe
beizeiten künſtleriſche Veranlagung wecken können und es wäre
unbedingt ganz verfehlt, den altmodiſchen Standpunkt
einzuneh=
men, daß man die Kinder zur Putzſucht verleite, wenn man ihr
Schönheitsgefühl in dieſer Richtung beeinflußt.
Sogar die kleinen Knaben ſind oft ſehr auf die Wahl ihrer
Anzüge bedacht und man wird nicht ſelten feſtſtellen
können, daß ſie der Garderobe oft mehr Intereſſe
widmen als die kleinen Mädchen. — Unbedingt iſt
darauf zu ſehen, die Kinder niemals in indifferente,
unausgeſprochene Farben zu kleiden; es wäre dies
zum mindeſten der gleiche Fehler, als wenn man
überladene Kleidungsſtücke herſtellen wollte. Das
Kind ſoll ja an ſeinem neuen Kleidchen Freude
er=
leben und darum muß man auch dem Farben=
Sinne der Kleinen, der in den meiſten Fällen ſchon
ſehr ausgeſprochen iſt, Rechnung zu tragen
ver=
ſuchen. Buntheit der Kindergarderobe kann darum
niemals ein Fehler ſein!
Die neueſten Modelle bringen wir in unſerem
Bilde. In wie reichem Maße die Garderobe des
Kindes von der Tagesmode beeinflußt wird, zeigt
das in den erſten beiden Skizzen veranſchaulichte
Complet. Ganz reizend in ſeiner Einfachheit
wirkt das Kleidchen (Bild 2). Ein leicht bluſiger
Oberteil, mit ſpitzengerandetem Bubenkragen und
dazu paſſenden Manſchetten garniert und in der
Mitte durchgeknöpft, wird unten durch einen
Lack=
ledergürtel abgeſchloſſen. Das kurze, ganz pliſſierte
Nöckchen wirkt ſehr anmutig. Dazu trägt das Kind
ein ärmelloſes Jäckchen, und zwar pflegt man
Jäckchen, Gürtel, Hut und Knöpfe in der Farbe
übereinzuſtimmen. Man denke alſo etwa an ein
weißes Kleidchen mit brandrotem Jäckchen, Hut
und Gürtel oder an eine Zuſammenſtellung von
weiß mit kornblumenblau, weiß mit dunkelblau
oder altroſa mit hellblau uſw. (Bild 1.)
Für die kleinen Knaben wird man — da ſie ja
die Kleider noch mehr abnützen als die Mädchen —
insbeſondere bei der ſommerlichen Garderobe
kei=
nen weſentlichen Unterſchied zwiſchen Alltags= und
eleganter Kleidung machen. — Am beſten wirkt
immer ein Kittel=Anzug (Bild 4), der evtl.
aus zweierlei Material hergeſtellt ſein kann, in
Verbindung mit einem Raglan=Mantel aus dem
gleichen Stoffe (Bild 3). Die Schildkappe kann auch
aus dem gleichen Materiale verfertigt werden.
Eine ſolche Zuſamenſtellung wird für die Schule
und auch für den Sommeraufenthalt gut zu
ge=
brauchen ſein.
Ein reizendes Gebrauchskleidchen in hemdartiger Form trägt
das kleine Mädchen auf der Schaukel. (Bild 5.) Der viereckig
ausgeſchnittene, kurze Oberteil iſt mit Wolle= oder Garnſtickerei
verſehen.
Faſt unentbehrlich für Klein=Kinder iſt das Spiel=Schürzchen
mit der großen Taſche, wie es unſer letzten Bild zeigt. (6.) Dieſe
Taſche iſt in der Regel mit einem Tier= oder Blumen=Motiv in
Stickerei oder Applikationsarbeit verſehen.