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Nummer 104
Donnerstag, den 14. April 1927. 190. Jahrgang
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Kt
oder Genfer Konferen;
Die bisherigen Ergebniſſe der
Abrüſtungsverhandlungen.
Lauter Gegenfätze. — Der deutſche Standpunkt.
* Berlin, 13. April. (Priv.=Tel.)
Mit ſeltener Einmütigkeit hat die deutſche Oeffentlichkeit
dar=
auf hingewieſen, daß das bisherige Ergebnis der vorbereitenden
Abrüſtungskonferenz in Genf unbefriedigend ausgefallen iſt.
An=
geſichts der großen Bedeutung, die den Abrüſtungsverhandlungen
zuzumeſſen iſt, iſt es angebracht, ſich noch einmal die Entwicklung
zu vergegenwärtigen, ſowie die Gründe, die im einzelnen zu den
Schwierigkeiten geführt haben. Zunächſt iſt feſtzuſtellen, daß auch
die Vorbereitung der „vorbereitenden” Abrüſtungskonferenz
nichts anderes ergeben hatte, als nunmehr auch die eingehende
Beratung in der vorbereitenden Abrüſtungskonferenz, nämlich —
lauter Gegenſätze. Keiner der intereſſierten Staaten hat
Vorſchläge gemacht, die allgemeine Billigung gefunden hätten,
und es iſt daher nicht unwahrſcheinlich, daß man bei der nächſten
Beratung genau ſo einſach über die bisherigen
Beratungsergeb=
niſſe hinweg gehen wird. Mit anderen Worten, um ein
Schei=
tern der Abrüſtungsverhandlungen zu vermeiden, wird man die
bisherigen Erklärungen möglicher Weiſe einfach kaſſieren und den
ganzen Komplex noch einmal aufrollen. Die bisherigen
Er=
klärungen dürften aber durch ein ſolches taktiſch zu wertendes
Verfahren kaum weſentlich abgeändert werden, da die großen
Linien der Genfer Beſprechungen durch die Beſtimmungen der
Waſhingtoner Abrüſtungskonferenz und die derzeitigen
franzö=
ſiſchen Aufrüſtungsgeſetze feſtgelegt ſind. So iſt es wenig
wahr=
ſcheinlich, daß ſich die Gegenſätze zwiſchen England und
Frank=
reich, wie ſie ſich z. B. in der Beſchränkung des Landheeres
her=
ausgeſtellt haben, bis zur nächſten Tagung in Genf beigelegt ſein
werden. Frankreich wird nach wie vor verſuchen, ausſchließlich
die „Friedenspräſenzſtärke” der Armeen zur Grundlage der
Ab=
rüſtung zu machen, während England bemüht bleiben wird, die
mobilen Reſerven, d. h. alle Jahrgänge, die mit dem Tage der
Mobilmachung einberufen werden können, in die Abrüſtung
einzu=
beziehen. In dieſer Frage iſt übrigens in Genf ſchon
außer=
ordentlich viel erreicht worden, da Frankreich den Begriff des
„Potentiel de guerre” bei den letzten Verhandlungen bereits hat
fallen laſſen und auf die Diskuſſion der konkreten Einzelfragen
eingehen mußte, weil der Begriff des „Potentiel de guerre”
all=
gemein abgelehnt wurde. Trotzdem wird Frankreich natürlich
weiter hartnäckig um die Frage der mobilen Reſerven ſtreiten, da
von ihr ſehr weſentlich das neue franzöſiſche Militärprojekt
mit=
beſtimmt wird.
Der Gegenſatz zwiſchen England und Frankreich in der Frage
der Beſchränkung des Kriegsmaterials iſt nicht weſentlich geklärt
worden, da Frankreich ſeinen Standpunkt auch weiterhin auf dem
Wege über die Beſchränkung der Wehretats durchzuführen hofft,
während England, wenn überhaupt, nur auf direktem Wege eine
Einſchränkung des Kriegsmaterials herbeizuführen wünſcht. Doch
wird in dieſer Frage der Gegenſatz zwiſchen den Mächten nicht
ſobald aufgegeben werden, da allgemein die Stimmung gegen
eine Einſchränkung des Kriegsmaterials iſt und eigentlich nur
Deutſchland ſich für dieſe Frage ernſthaft einſetzt. Gleichwohl
wird Deutſchland in ſeinen Beſtrebungen nicht nachlaſſen, da die
für Deutſchland geltenden Beſtimmungen über die Ausfuhr und
Fabrikation von Kriegsmaterial Deutſchland in der Frage der
Verſorgung mit Kriegsmaterial für den Fall eines Krieges
be=
ſonders ungünſtig ſtellt.
Auch die Fragen, die ſich um die Beſchränkung der
Seeſtreit=
kräfte und die Beſchränkung der Luftrüſtung gruppieren laſſen,
ſind nicht weiter gefördert worden, da England zwar mit großer
Energie die amerikaniſchen Forderungen auf Beſchränkung auch
der vierten Klaſſe der Schiffsgattungen, nämlich der kleinſten
Kreuzer, Zerſtörer und Unterſeeboote vertreten hat, Frankreich
aber gerade in dieſer Frage beſonders hartnäckig iſt. Die
Tradi=
tion der franzöſiſchen Marine, wonach in einem möglichen Kriege
mit England, Frankreich nur mit Hilfe der ſogenannten
Hilfs=
waffen zu ſiegen vermag, hat über die politiſchen Erwägungen,
die Frankreich an ſich zu einer Annäherung an Amerika zwingen,
vorläufig triumphiert. Die Beſchränkung der Zahl der aktiven
Marinemannſchaften, die auf der letzten Konferenz neu in die
Debatte geworfen wurde und die als Kompromiß zwiſchen dem
engliſchen und dem franzöſiſchen Standpunkt gedacht war, wird
daher gleichfalls von Deutſchland energiſch weiter verfochten
wer=
den müſſen, um die Frage der Abrüſtung der Seeſtreitkräfte
wei=
ter zu bringen. Weniger ſchwierig dürfte es hingegen ſein, den
deutſchen Standpunkt in der Frage der Luftſtreitkräfte
durchzu=
ſetzen, da wenigſtens hier alle Mächte mit Ausnahme Frankreichs
darin einig ſind, daß nur eine Beſchränkung der militäriſchen
Flugzeuge und des militäriſchen Flugperſonals, nicht aber eine
ſolche der zivilen Luftfahrt erfolgen darf.
Das Suchen nach einem poſitiven Ergebnis, das man als
das charakteriſtiſche Merkmal der bisherigen Sitzungen
bezeich=
nen kann, wird demnach auch in Zukunft für das Verhalten der
deutſchen Delegation maßgebend bleiben. Deutſchland, das von
dem Grafen Bernſtorff in Genf ſehr wirkungsvoll vertreten
wurde, wird ſich ſelbſtverſtändlich nach wie vor unparteiiſch
ver=
halten und ſich im Intereſſe der allgemeinen Abrüſtung weder
auf die franzöſiſche, noch auf die anglo=amerikaniſche Seite ſtellen.
Deutſchland muß vielmehr durch ſeine Objektivität zu verhindern
ſuchen, daß leere Formeln, hinter denen kein praktiſches
Ergeb=
nis ſteht, angenommen werden und daß gar durch die „
Ab=
rüſtungs”=Beſchlüſſe eine Stabiliſierung des gegenwärtigen,
Deutſchland auf immer benachteiligenden Zuſtandes erfolgt.
Deutſchland wird, ſoviel darf feſtſtehen, im Intereſſe des
Frie=
dens kein Abkommen unterzeichnen, das keinerlei wirkliche
Ab=
rüſtung zu bewirken imſtande iſt. Kann Deutſchland doch im
Gegenſatz zu den anderen Staaten mit Recht darauf hinweiſen,
daß Deuiſchland nur deshalb abgerüſtet worden iſt, damit auch
die anderen Staaten abrüſten können. Auch für den Völkerbund
iſt wahre und ehrliche Abrüſtung eine Exiſtenzfrage. Deshalb
darf man es beſonders begrüßen, daß es Graf Bernſtorff
gelun=
gen iſt, den Franzoſen Paul=Boncour zu der Erklärung zu
nöti=
gen, daß Deutſchland ein moraliſches Anrecht auf die Abrüſtung
der anderen Staaten hat. Die Abrüſtung auch der anderen Mächte
wird das Ziel ſein, das die deutſche Regierung trotz aller
Schwie=
rigkeiten weiterhin mit Energie verfolgen wird.
Die franzöſiſche Taktik in Genf.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 13. April.
Aus Genf kommen Nachrichten, die vielleicht niemanden
überraſchen, aber dennoch eine Verſtimmung in ganz Europa
auslöſen. Allerdings ſind die Urſachen dieſer Verſtimmung nicht
überall die gleichen.
Wohl niemand hat in der letzten Zeit an einen Erfolg der
vorbereitenden Abrüſtungskonferenz in Genf geglaubt, um ſo
mehr nicht, als der Zeitpunkt beſonders unglücklich gewählt ſchien,
da man während der Abrüſtungskonferenz nichts als
Kriegs=
geraſſel hörte. Und die Mächte, die ſich in Genf vertreten ließen
— das bereits abgerüſtete Deutſchland ſelbſtverſtändlich
aus=
genommen —, ſchienen darin einig zu ſein, daß ſie nicht abrüſten
wollten. Wenn alſo kein Wunder geſchieht, kann die
Abrüſtungs=
aktion des Völkerbundes als geſcheitert betrachtet werden.
Noch iſt es möglich, daß es dem Völkerbund gelingt, den
Schein nachträglich irgendwie zu retten: an den Tatſachen ändert
dies aber nichts mehr. Frankreich und England ſtehen als
un=
verſöhnliche Gegner einander gegenüber. Daran iſt die
Konfe=
renz geſcheitert. Aber darüber hinaus war es gerade der
engliſch=
franzöſiſche Gegenſatz, welcher den Genfer Verhandlungen ein
wirkliches Intereſſe lieh.
Die Situation nach Genf iſt für die europäiſche Diplomatie
unangenehm, am unangenehmſten zweifellos für Frankreich.
Man iſt zwar mit dem eigenen Verhalten nicht unzufrieden,
wenn man auch einige diplomatiſche Fehler zugibt, aber im
gan=
zen billigt man in Paris die aktuelle franzöſiſche
Abrüſtungs=
politik, was auch die Haltung der geſamten franzöſiſchen Preſſe
beweiſt. Auch glaubt man, daß das Ausland eher den
franzöſi=
ſchen als den engliſchen Standpunkt billigen wird. Aber die
Ein=
ladung Coolidges für die Waſhingtoner Abrüſtungskonferenz
wurde mit dem Hinweis auf die Genfer Arbeiten abgelehnt. Und
das jämmerliche Fiasko der Genfer Konferenz muß dieſer
Ab=
lehnung einen ſonderbaren Beigeſchmack geben. Deshalb
ver=
ſucht man ja auch ſo krampfhaft, den Schein zu retten. Der
Bericht der vorbereitenden Abrüſtungskommiſſion wird, ja dem
Völkerbund unterbreitet, und das bedeutet theoretiſch die
Mög=
lichkeit einer Vermittlung des Völkerbundes, praktiſch eine
Gnadenfriſt. Dieſer Umſtand iſt keineswegs zu unterſchätzen, denn
wenn es gelingt, die Abrüſtungskonferenz in Ehren zu vertagen,
ſo iſt für Frankreich das Beſte erreicht, was es erhoffen konnte.
Amerika gegen die Schaffung eines
inter=
nationalen Kontrollſpſiems.
EP. Genf, 13. April.
In der Vorbereitenden Kommiſſion für die
Abrüſtungs=
konferenz wurde heute vormittag ein rumäniſcher Antrag mit
einer amerikaniſchen Einſchränkung angenommen, wonach von
jedem Staat jährlich eine Aufſtellung der Apparate der
Zivil=
luftfahrt einzureichen wäre, für die bereits Flugſcheine ausgeſtellt
ſind. Dazu wurden die üblichen Vorbehalte gemacht, beſonders
von dem deutſchen Delegierten Grafen Bernſtorff, der den
mili=
täriſchen Wert der zivilen Aviatik beſtritt, wenigſtens ſolange
nicht zunächſt einmal die militäriſchen Reſerven auch bei der
Luft=
rüſtung voll erfaßt ſind. Die belgiſchen Anträge auf
Unter=
ſcheidung zwiſchen Zivil= und Militärluftfahrt wurden ohne
grö=
ßere Debatte angenommen.
In der ſodann beginnenden Debatte über die
Kontrollbe=
ſtimmungen des franzöſiſchen Entwurfes lehnte der
ameri=
kaniſche Delegierte Gibſon jede Kontrolle ab, weil ſie nur
Miß=
trauen ſchaffe und doch in Wirklichkeit undurchführbar ſei.
Ent=
ſprechend ſeiner Andeutung über die Möglichkeit der Einführung
einer Kontrolle nur für die Mitgliederſtaaten des Völkerbundes
erklärte dann Paul=Boncour, daß man wohl dieſen Weg werde
beſchreiten müſſen, wenn man wirklich zu einer praktiſch
brauch=
baren Konvention kommen wolle.
Die heutige Nachmittagsſitzung der Abrüſtungskommiſſion
brachte eine ausgiebige Fortſetzung der Debatte über die
Kon=
trollfrage, in deren Verlauf ſich die Delegierten von Chile und
beſonders von Italien ſehr energiſch gegen jede Kontrolle
er=
klärten, während Lord Robert Ceeil und der japaniſche
Dele=
gierte mehr eine vermittelnde Haltung gegenüber der
Kontroll=
forderung des franzöſiſchen Entwurfs einnahmen. Der
argen=
tiniſche Delegierte hat ſeine Stellungnahme zugunſten des
fran=
zöſiſchen Entwurfs geändert; Polen und Rumänien ließen ebenſo
wie Jugoſlawien erklären, daß ſie mit dem Grundſatz einer
Kontrolle für die Durchführung der Konvention einverſtanden
ſeien, aber ſich die Modalitäten vorbehalten, bis genau
feſt=
ſtände, was in der Konvention enthalten ſein werde.
Paul=Boncour, der Vater des franzöſiſchen Entwurfs,
er=
klärte, eine Fortſetzung der Debatte ſcheine ihm in dieſem
Augen=
blick überflüſſig, ſo lange nicht die Möglichkeit zu einer
grund=
ſätzlichen Einigung gegeben ſei. Sodann ſetzte Lord Robert Cecil
unter Hinweis auf eine Reihe von Punkten, über die Einigkeit
beſtehe, die Fortſetzung der Debatte durch, für die morgen der
belgiſche Senator de Brouckere einige Vorſchläge machen wird.
— Die Verhandlungen dürften morgen mittag unterbrochen
wer=
den, um Donnerstag nach Oſtern wieder aufgenommen zu
werden.
* Die deutſch=tſchechoſlowakiſchen
Handelsvertragsverhandlungen.
Bei einem Vortrag in der böhmiſchen volkswirtſchaftlichen
Geſellſchaft, der ſich mit der europäiſchen Bereitſchaft auf
wirt=
ſchaftlichem Gebiete befaßte, betonte der Referent, daß
wirtſchaft=
licher und politiſcher Pazifismus und die Annäherung der
Nach=
folgeſtaaten unterſtützt werden müßten. In der Handelspolitik
würden noch immer Fehler begangen, die nur zum geringſten
Teil im Laufe der Zeit korrigiert werden können. In der ſich
an=
ſchließenden intereſſanten Debatte wurde auf die Notwendigkeit
einer Ausgeſtaltung der Handelsverträge der Tſchechoſlowakei
mit den für den Staat wichtigſten Ländern hingewieſen, dabei
aber vermieden, auf das Thema von der Aufhebung der
ſtören=
den tſchechiſchen Ein= und Ausfuhrverbote einzugehen, von deren
Beſeitigung die Realiſierung erſprießlicher
Handelsvertrags=
verhältniſſe mit den für den Warenverkehr der Tſchechoſlowakei
ausſchlaggebenden Ländern in erſter Linie abhängig iſt. Es iſt
bekannt, daß die bisherigen Handelsvertragsverhandlungen
Prags mit Deutſchland, Oeſterreich, Ungarn und der Schweiz
nur deshalb ſo laugſam fortgeſchritten ſind, weil in Prag nicht
nur in politiſchen Angelegenheiten, ſondern auch hinſichtlich der
von der Regierung eingeſchlagenen Wege der Handelspolitik eine
auffällige Orientierung nach Weſten in Erſcheinung tritt. So iſt
es zwar ſchon lange zum Abſchluß eines umfangreichen und
detaillierten Tarifvertrages mit Frankreich gekommen, während
der Hauptkonſument des tſchechoſlowakiſchen Exports, das
Nach=
barreich Deutſchland, ſich mit einem Meiſtbegünſtigungstarif
be=
gnügen ſollte, der die geſamten handelspolitiſchen Intereſſen der
beiden Staaten nicht völlig berückſichtigt und deshalb dringend
eine Vervollkommnung unter Berückſichtigung der intenſiven
Wirtſchaftsbeziehungen erfordert. Für einen ſchnellen Abſchluß
der ſchwebenden Handelsvertragsverhandlungen bildet ein
weſentliches Hindernis die in Prag beobachtete Gelegenheit,
immer nach mehreren Seiten hin gleichzeitig zu verhandeln. So
dauern die Verhandlungen mit dem Deutſchen Reich nunmehr
ſchon länger als zwei Jahre an, und die im März d. J. von der
deutſchen Delegation vertretenen Forderungen über die Regelung
der Kriegsanleihe= und der Paßfrage — bei welch letzterer
Deutſchland auf dem Grundſatz der Bewegungsfreiheit für die
Kategorie der höheren Angeſtellten ſteht, ohne dieſe Begünſtigung
auch für die Arbeiter bewilligen zu wollen — (die
Tſchechoſlowa=
keit hat wieder ein beſonderes Intereſſe an der niedrigen
An=
geſtelltenkategorie, da ihre Arbeiter in den weſtfäliſchen und
niederrheiniſchen Wirtſchaftsgebieten beſchäftigt ſind) haben den
Fortſchritt der Verhandlungen neuerlich gehemmt, um ſo mehr,
als auch die Frage der Eiſenbahntarife hinſichtlich der
Zuerken=
nung der Meiſtbegünſtigung ohne Prohibitivklauſel noch nicht
geklärt werden konnte.
Nach Informationen, die der tſchechiſche Handelsminiſter
über den derzeitigen Stand der Verhandlungen mit
Deutſch=
land erteilte, ſchreiten die Beratungen normal vorwärts; freilich
ſei der Komplex der noch zu regelnden Fragen ein ſo großer,
daß noch einige Zeit bis zur Unterfertigung des Vertrages
ver=
gehen würde, insbeſondere deswegen, weil den Konferenzen auch
Vertreter der hauptſächlich intereſſierten Induſtriegruppen
zuge=
zogen werden müßten. Das Bewilligungsregime ſoll mit der
Verwirklichung des neuen deutſch=tſchechiſchen Zollvertrages auf
ein Mindeſtmaß reduziert werden, ſo daß nur eine ganz geringe
Anzahl von Ausnahmen davon betroffen bleiben; darüber werde
gegenwärtig in Deutſchland verhandelt.
Das Wirtſchaftsleben der Tſchechoſlowakei hat an einem
raſchen Abſchluß der ſchwebenden Verhandlungen ein um ſo
größeres Intereſſe, als durch die ungeklärte Situation die
Exportinduſtrie ſchwere Einbußen erlitten hat und die allgemeine
Kriſe durch die Erſchwerung der Ausfuhr nach dem Deutſchen
Reich, dem in handelspolitiſcher Beziehung mit der
Tſchecho=
ſlowakei am engſten verbundenen Land, ſo kraß geworden iſt, daß,
da ſich auch die Regelung des Verhältniſſes mit Oeſterreich ſehr
ſchleppend geſtaltet, die dringende Notwendigkeit einer baldigen
Verſtändigung zwiſchen den beiden Vertragspartnern von ſelbſt
gegeben erſcheint. Für die Tſchechoſlowakei ergibt ſich allerdings
vor allem die Notwendigkeit einer Abkehr, von dem Brauch,
Konzeſſionen, an denen gleichzeitig mehrere Vertragspartner
intereſſiert ſind, nur dann zuzugeſtehen, wenn ihr dafür von den
einzelnen Ländern beſondere Zugeſtändniſſe gemacht werden. Erſt
dann wird der zur Schau getragene Optimismus berechtigt ſein,
der vorläufig immer noch in einigem Gegenſatz zu der langen
Dauer ſteht, welche die Handelsvertragsverhandlungen bisher für
ſich in Anſpruch genommen haben.
Eine deutſche Präambel zur
Abrüſiungs=
konvention.
EP. Genf, 13. April.
Der deutſche Delegierte Graf Bernſtorff hat heute einen neuen
Entwurf zu einer Präambel für die Konvention eingebracht,
worin feſtgeſtellt wird, daß die Rüſtungslaſten die größte
Frie=
densgefahr darſtellen, daß Artikel 8 des Paktes eine allgemeine
Herabſetzung der Rüſtungen fordere und daß die Konkention als
ein erſter Schritt auf dem Weg zur Abrüſtung angeſehen werden
ſoll, dem weitere größere Schritte folgen müßten.
Seite 2
Donnerstag, den 14. April 1927
Nummer 104
Die Perſonalpolitik
im Reichsinnenminiſterium.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der in den letzten Tagen im Reichsinnenminiſterium
vor=
genommene Beamtenwechſel wird vermutlich noch längere Zeit
von einem Rauſchen im deutſchen Blätterwalde begleitet ſein,
ſchon aus dem einen Grund, weil während der Stille der
Oſter=
tage hier ein dankbares Thema für Leitartikel und Gloſſen zu
finden iſt. Dabei kann wohl der Fall Schulz ohne weiteres
aus=
ſcheiden. Herr Schulz iſt nicht Beamter von Haus aus. Er iſt
als Abgeordneter, und zwar als ſozialdemokratiſcher
Abgeord=
neter, in ſeine Stellung hineingekommen. Er hat ſich zudem ſo
ſtark um ſein Mandat gekümmert, daß für ſeine amtliche
Betäti=
gung kaum noch ein Raum blieb. Wenn der deutſchnationale
Innenminiſter von Keudell an ſeiner Stelle einen Beamten
haben wollte, dann mit Recht. Vielleicht hätte man allerdings
eine andere Form dafür finden können. Alle dieſe Gründe fallen
aber bei dem Abbau des Miniſterialdirektors Brecht weg, der
Berufsbeamter iſt und gegen deſſen fachliche Qualifikation ſich
kaum etwas äußern läßt. Es iſt deshalb begreiflich, wenn in
Beamtenkreiſen gerade dieſe Veränderung eine gewiſſe
Beunruhi=
gung hervorgerufen hat, weil ſich die parlamentariſche
Umgrup=
pierung bei Miniſterwechſel nun auch bis in die Beamtenſtellen
hinein ausdehnt. Dagegen ſich zu wehren, haben diejenigen ein
Recht und Intereſſe, die den Beamtenkörper von jeder
Politiſie=
rung freihalten wollen. Gewiß muß ſich der Beamte, wenigſtens
der politiſche Beamte, gefallen laſſen, daß er unter Umſtänden
an eine andere Stelle verſetzt wird. Es wäre auch ſehr wohl der
Fall denkbar geweſen, daß Herr Brecht ſelbſt um eine
ander=
weitige Verwendung gebeten hätte, nachdem ſich aber vorher
herausgeſtellt haben mußte, daß er mit dem neuen Miniſter nicht
auskommen konnte. Aber das hätte abgewartet werden müſſen;
denn ſchließlich ſind die Reichsbeamten ja nicht dazu da, daß ſie
Politik machen, ſondern daß ſie fachliche und ſachliche Arbeit
liefern. Die „Germania” fühlt ſich berufen, eine Verteidigung
des erzwungenen Rücktrittes des Herrn Brecht vorzunehmen,
wo=
bei ſie den Sozialk emokraten vorhält, daß ſie keinen Grund
hät=
ten, ſich über die ganze Entwicklung zu beſchweren, ſie hätten ja
die Möglichkeit in der Hand gehabt, in die Regierung einzutreten,
aber davon keinen Gebrauch gemacht. Das iſt gewiß richtig, trifft
aber doch nicht den Kern. Wir können uns auch keineswegs die
Gründe der Sozialdemokraten zu eigen machen. Wir wehren uns
nur gegen das Prinzip, das hier aufgeſtellt wird. Die „
Germa=
nia” formuliert hier den Satz, daß der Miniſter die für die
poli=
tiſche Arbeit wichtigſten Beamtenpoſten mit eigenen
Vertrauens=
leuten oder zum mindeſten nicht mit Vertrauensleuten der
Oppo=
ſition beſetzt zu ſehen wünſche; das ſei innerhalb eines Staates
mit parlamentariſchem Regime eine politiſche
Selbſtverſtändlich=
keit. Das iſt es unſeres Erachtens gar nicht. Ein Miniſter ſoll
ſich ſeine Beamten nicht darauf anſehen, welcher Partei ſie
an=
gehören, ſondern ſie nur noch dem beurteilen, was ſie leiſten,
und zwar für „ſeinen” Staat leiſten. Soweit wir wiſſen, wird
Herr Dr. Brecht in kürzeſter Friſt von der preußiſchen Regierung
übernommen und eine gleichwertige Stellung erhalten. Damit
wird zwar dem Fall ſeine aktuelle Bedeutung genommen, die
grundſätzlichen Bedenken gegen eine ſolche Art von
Perſonal=
politik bleiben doch beſtehen.
4 Diplomatenſchub.
In unterrichteten Kreiſen ſpricht man ſchon längere Zeit
da=
von, daß ein großer Diplomatenſchub bei unſeren ausländiſchen
Vertretungen bevorſteht. Der eigentliche Ausgangspunkt dieſer
Diskuſſion war die allgemeine Unzufriedenheit mit der Tätigkeit
des deutſchen Geſandten in Riga, des früheren Miniſters Köſter,
deſſen Abbau eigentlich ſchon ſo gut wie ſicher war, der aber im
letzten Augenblick durch voreilige Preſſeangriffe wieder gehalten
worden iſt. Auch Herr Rauſcher in Warſchau iſt wohl die längſte
Zeit auf ſeinem Poſten geweſen. Er wird den Fortgang der
Niederlaſſungsverhandlungen und vielleicht auch den
Handels=
vertrag noch abwarten, dann aber einem anderen Diplomaten den
Platz räumen, der heute in Paris tätig iſt, weil das Zentrum
darauf hingewieſen hat, daß bei dem ganzen Milieu in Warſchau
ein katholiſcher Diplomat vielleicht beſſer am Platze iſt. Es wird
auch noch eine ganze Reihe anderer Geſandter abbaureif ſein.
Vermutlich wird auch das Thema London erneut aufgerollt
wer=
den. Herr Sthamer hat die Erwartungen, die bei ſeiner
Ent=
ſendung in ihn geſetzt wurden, nur zum Teil erfüllt. Er wäre
ſchon vor zwei Jahren abberufen worden, wenn damals nicht der
engliſche König darum gebeten hätte, Herrn Sthamer doch noch
in London zu belaſſen. Inzwiſchen hat der Botſchafter aber die
Altersgrenze erreicht und wird in abſehbarer Zeit ſich
zurück=
ziehen. Auf ſeine Nachfolge ambitioniert der Staatsſekretär im
Auswärtigen Amt v. Schubert.
Vom Tage.
Der Reichsrat nahm geſtern den Reichshaushaltsplan 1927, ſowie
die Beſchlüſſe des Reichstags über die Abgeordnetendiäten und das
Ar=
beitszeitnotgeſetz zur Kenntnis, ohne Einſpruch zu erheben.
Während die Eiſenbahnerorganiſationen dem
Schieds=
ſpruch vom 8. April zugeſtimmt haben, hat ihn die
Hauptver=
waltung, der Reichsbahn abgelehnt.
Das in der jugoſlawiſchen Kammer am 31. März
beſchloſ=
ſene, aber erſt jetzt bekannt gegebene Geſetz über die Ausländer
in Dalmatien hat in Italien große Erregung hervorgerufen.
Im Befinden des Königs Ferdinand von
Rumä=
nien hat ſich in den letzten Tagen Beſſerung gezeigt.
Die ruſſiſche Regierung hat gegenüber Japan
er=
klären laſſen, daß ſie keine territorialen Gewinne in China verfolge.
Wie aus Moskau gemeldet wird, iſt der japaniſchen Botſchaft
in Moskau über eine Mobiliſierung der japaniſchen
Truppen nichts bekannt.
Tſchangtſolin hat ſämtliche chineſiſchen Konſul aus
der Sowjetunion abberufen.
Nach einer Meldung aus Peking iſt das britiſche Konſulat
in Kiukiang, das allein bisher von Plünderungen verſchont
ge=
blieben war, jetzt geplündert worden.
Das engliſche Kabinett hat ſich dafür entſchieden
das Wahlrecht auf Frauen im Alter von 21—30 Jahren
aus=
zudehnen.
Die liberalen Truppen in Nicaragua ſind in einer
großen Schlacht entſcheidend geſchlagen worden.
Neuer engliſcher Militärattaché für Berlin.
Oberſt Sandilands,
der vor kurzem zum Militärattaché der engliſchen Botſchaft in
Berlin ernannt worden iſt, hat ſoeben ſeinen Poſten angetreten.
Der Reichspoſiminiſter für eine ſtaatliche Poft.
Berlin, 13. April
Reichspoſtminiſter Schätzel wandte ſich in einer
Unter=
redung mit einem Korreſpondenten des „Berl. Lokalanzeigers”
gegen die Gerüchte, wonach die Reichspoſt zur Ermöglichung der
Dawesabgaben in ein Privatunternehmen umgewandelt werden
ſolle. Er erklärte, daß weder an ihn noch an die Reichsregierung
ein ſolches Angebot auch nur andeutungsweiſe herangetragen
worden ſei. Die Poſt habe Kulturgüter von weiteſttragender
ſtaatspolitiſcher und wirtſchaftlicher Bedeutung zu ſchützen, ſo
das Brief=, Telegramm= und Fernſprechgeheimnis. Sie würden
durch eine private Geſellſchaft niemals geſchützt werden, weil ihr
das jetzige eidlich verpflichtete Berufsbeamtentum fehlen würde.
Der Miniſter fragte, ob wir den ſtarken und ungeheueren
Fort=
ſchritt, den wir durch Stephan getan haben, wieder zurücktun
wollten? Er wies darauf hin, daß in keinem Land der Welt die
Poſt nicht in der Hand des Staates ſei. Eine deutſche Poſt=A. G.
müßte ſich notgedrungen auf den Verkehr der Großſtädte und
ſonſtiger rentabler Gebiete beſchränken. Die deutſche Reichspoſt
dagegen ſehe eine ihrer vornehmſten Aufgaben in der
Pionier=
arbeit der Kulturförderung durch Aufſchließung des offenen
Landes, durch beſte Verbindungen und Schaffung von
Poſt=
einrichtungen, auch wenn ſie nicht unmittelbar einen Gewinn
ab=
werfen. Ein privates Poſtunternehmen würde nach Anſicht des
Miniſters zum Beiſpiel auch die Verpflichtung, jede Zeitung nach
jedem noch ſo entfernt gelegenen Ort im Deutſchen Reich zu
bringen, nicht aufrecht erhalten können.
Polniſche Kriegsvorbereitungen
Pilſudſkis Stoßtruppe.
* Warſchau, 13. April. (Priv.=Tel.)
Nach wie vor wird in der polniſchen Preſſe, wie überhaupt
in Veröffentlichungen aller Art die Möglichkeit, ja ſogar die
Notwendigkeit einer kriegeriſchen
Ausein=
anderſetzung mit Polens Nachbarn erörtert.
Nach=
dem Pilſudſki im vorigen Jahr das Heerweſen vollſtändig
reorga=
niſiert und dabei auch vor allem die militäriſche
Aus=
bildung der Jugend ſyſtematiſch durchgeführt hat, werden
ſeit längerer Zeit im Geheimen ausgedehnte
Vorkeh=
rungen zur Vorbereitung des Gaskrieges
getrof=
fen. Wie verlautet, wird in verſchiedenen Laboratorien intenſiv
gearbeitet. Die augeſtellten Verſuche ſollen bereits beträchtliche
Fortſchritte gemacht haben. Dieſer Tage fand in Warſchau eine
Delegiertenkonferenz des polniſchen Schützenverbandes ſtatt, einer
von Pilſudſki ins Leben gerufenen Jugendorganiſation, an der
der Staatspräſident und mehrere Miniſter ſowie zahlreiche
Gene=
rale und Stabsoffiziere teilnahmen. Der Generalinſpekteur der
Armee hielt einen längeren Vortrag über den kommenden Krieg,
den Polen werde führen müſſen. Er erklärte, dieſer werde ein
Polen aufgezwungener Krieg ſein und es würde dann um das
Daſein des polniſchen Staates gehen. Polen müſſe ſich für dieſen
Krieg bereithalten. Der Schützenverband ſei
ſolida=
riſch mit der Armee. Er ſtelle eine Stoßtruppe Pilſudfkis
dar. Zu ihm gehören die Verbände der oberſchleſiſchen
Aufſtän=
diſchen, die ehemaligen Legionäre, der Verband der
Volksſchul=
lehrer, die landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften, der Verband der
Militärkoloniſten, die Wyzwolenie=Partei und die Arbeitspartei.
Gegenwärtig beſtehe der Schützenverband aus 2700 Gruppen mit
insgeſamt 162 000 Mitliedern. Die Konferenz beſchloß, die
Werbe=
tätigkeit weſentlich zu verſtärken und die bisherige Wochenſchrift
„Strzelec” in eines Tageszeitung umzuwandeln.
Eine überflüfſige polniſche Beſchwerde.
* Berlin, 13. April. (Priv.=Tel.)
Die polniſche Regierung hat tatſächlich die Naivität gehabt, wegen
des Oberſchleſien=Films „Land unterm Kreuz” Proteſt in Berlin
ein=
reichen zu laſſen. Daß ſie damit irgend welchen Erfolg haben wird, iſt
natürlich ausgeſchloſſen. Der Film hat ſchon bei uns mehr Staub
auf=
gewirbelt als notwendig war, da er höchſt überflüſſigerweiſe zuerſt
ver=
boten wurde. Er iſt aber von der Oberpyifſtelle freigegeben worden und
läuft weiter. Wenn er eine antipolniſche Tendenz haben ſollte, ſo liegt
das nicht an dem Film, ſondern an den Polen. Der Film ſelbſt iſt
durchaus ſachlich und wahrheitsgetreu gehalten und weiß ſich von jeder
Hetzpropaganda fern. Es iſt alſo anzunehmen, daß die deutſche
Regie=
rung in kürzeſter Friſt nach Warſchau eine ablehnende Antwort abgehen
laſſen wird. Nützlich wäre es freilich, wenn wir uns damit nicht
be=
gnügten, ſondern gleichzeitig darauf hinweiſen ließen, daß in Polen eine
geradezu gemeingefährliche Deutſchenhetze betriebon wird. Es gibt wohl
in der Welt kaum einen Film mit antideutſcher Tendenz, der nicht in
den polniſchen Kinos läuft, von den „Apokalyptiſchen Reitern” bis zu
den böſeſten Leiſtungen Chaplins. Hier wäre eine Abhilfe gründlich am
Platze. Ehe die Polen eine Beſchwerde bei uns gegen den Oberſchleſien=
Film einreichen, ſollten ſie erſt einmal in ihrem eigenen Lande nach dem
Rechten ſehen.
Rumäniſche Oppoſition gegen die
italieniſch=
rumäniſche Freundſchaft.
EP. Bukareſt, 13. April.
In der heutigen Sitzung der rumäniſchen Kammer
beant=
wortete Außenminiſter Mitilenu eine Interpellation des
oppo=
ſitionellen Abgeordneten Dapilu über den italieniſch=ungariſchen
Vertrag. Der Miniſter verlas im Namen der Regierung eine
Erklärung, in der er vor allem als Außenminiſter dagegen
pro=
teſtiert, daß der gute Wille einer befreundeten Nation und deren
Führer angezweifelt werde, beſonders nachdem die italieniſche
Anerkennung Beſſarabiens große Kundgebungen der
Dankbar=
keit und der Verbrüderung hervorgerufen hätte. Rumänien, ſo
fährt der Miniſter fort, habe immer dieſelbe Politik ohne jede
Aen=
derung verfolgt. Sie verfolge ſtändig den Frieden und die
Auf=
rechterhaltung des status quo, wie er durch die Friedensverträge
feſtgelegt ſei. Rumänien ſtehe zu ſeinen Verbündeten und werde
nicht geſtatten, daß die Lage der Staaten der Kleinen Entente
irgendwie berührt werde. Die Anerkennung der Annexion
Beſſarabiens ſeitens Italiens trage ebenfalls zur
Aufrechterhal=
tung des status quo bei und garantiere die Integrität des
rumäniſchen Territoriums.
Der Abgeordnete der nationalen Bauernpartei Davilu
er=
klärte, die Lage Rumäniens ſei durch den italieniſch=ungariſchen
Vertrag beunruhigt. Es ſei der erſte Fall, daß ein Siegerſtaat
mit imperialiſtiſchen Tendenzen ein Bündnis mit einem beſiegten
Staat ſchließe, deſſen Land voll Aſpirationen gegen den
gegen=
wärtig beſtehenden, durch die Friedensverträge geſchaffenen
Zu=
ſtand ſei.
* Frühling am Neckar.
Lieber Freund, was ſind die Beſchwerden des Lebens gegen
die Heiterkeit eines ſolchen Frühlingsſonntags! Freitagswetter,
Sonntagswetter; das alte Sprichwort hat wieder einmal Recht
behalten. Auch wenn Sonntag früh Eberbach und Umgegend
noch in tiefem Nebel lag, um 8 Uhr hatte er ſich ſchon ſo
ge=
lockert, daß man auf einen ſchönen Tag hoffen durfte. Wer aber
hätte gedacht, daß der Frühling, der die ganzen letzten Tage ſehr
vorſichtig angeklodft hatte, ſo jubelnd, ſo mit einem Mal in
wunder=warmer Sonnenpracht kommen würde? Wer es nicht
ſah, wie er die Blüten, weiße, blaue, gelbe, zwiſchen den Gräſern
aufſchloß, der hat das Schönſte von jenem Tag verpaßt.
Vorbei an der alten Kirche, zu der die Gemeinde wirklich
ſttömte, geht’s auf taubeglänztem Weg ſteil hinauf zu den
Ruinen der Burg Eberbach. Neben und über mir
Vogel=
ſtimmen im Wettgeſang mit den Glocken, die von unten
herauf=
läuten. Oben bin ich ganz allein, keine Menſchenſtimme weit
und breit. Die Sonne ſchiebt ſich für Augenblicke vor dicke
Wolkenballen. Nahe der Burg pflücke ich die erſten Anemonen.
Auf langſam anſteigendem Wege geht’s weiter hinauf zur
Bergeshöhe zum Katzenbuckel. An den Wieſenhängen haben ſie
Buſchwerk umgehauen und neues Ackerland erobert. Still iſt es
auch da oben, und der Blick ſchweift über Berge und Täler des
Odenwaldes; ringsum, bis weit in die Ferne, ziehen ſich
Ketten grau=blauer Berge.
½12 iſt’s, und über mir klettern Lerchen jubelnd in die Luft.
Von irgend woher kommen Erinnerungen an Lenauſche Verſe
herauf:
„An ihren bunten Liedern klettert
die Lerche ſelig in die Luft;
ein Jubelchor von Sängern ſchmettert
im Walde, voller Blüt” und Duft.
Da ſind, ſoweit die Blicke gleiten,
Altäre feſtlich aufgebaut,
und all die tauſend Herzen läuten
zur Liebesfeier dringend laut.
Der Lenz hat Roſen angezündet
an Leuchtern von Smaragd im Dom
und jede Seele ſchwillt und mündet
hinüber in den Opferſtrom.”
Man muß an Vergangenes denken. Nichts ſchenkt die
Welt uns ganz; überall tritt die Wehmut über das Geſchick
lieber Menſchen dazwiſchen. Warum ward es ihnen verſagt,
die Früchte plänereicher, zukunftsfroher Arbeit zu pflücken? Auch
wenn wir Blumen auf Gräber ſtreu’n, der Schatten wird immer
neben uns ſchreiten auf Wegen, die wir im Leben zuſammen
gingen. Ob man es immer ganz fühlt, wenn einer im Leben
ſein Leid ſtill trägt. Was wiſſen wir von uns ſelbſt, was von
den Andern, die um uns ſind, deren Blut einen Tropfen gleichen
Seins und Müſſens treibt?
„Ich wandle irr dem Himmel nach,
der rauſchend auf mich wiederbrach .
Die Sonne glüht, die Wolken ſind nur noch wie zerſprengte
Flocken, verjagt, verflüchtigt und über mir das tiefſte Blau.
„O Frühling! trunken bin ich dein,
o Frühling! ewig biſt du mein.”
Kinder tollen auf den Wegen, an den Straßen und jagen
ſich mit Ball und Hund. Mädchen ſchreiten hinunter zur Stadt
im leichten, kurzen Kleid; Dorfkultur, wohin biſt du
entſchwun=
den? Wirklich? Ich habe Glück; der Himmel läßt nur ſchöne
Beine vor mir ſein. Junge und alte Menſchen ſind froh und
wünſchen guten Tag. Ein alter Mann mit ſeinem Enkelkind an
der Hand muß mir’s ſagen, daß die Sonne endlich wieder ſcheint;
ſo wärmt auch ihm der Frühlingstag das Herz.
Bald gehts zwiſchen Buchen und Tannen herab zum
Stein=
tiſch an der Bildeiche auf den Weg nach Zwingenberg am
Neckar, am Eingang zur Wolfsſchlucht. Ausgehöhlt, morſch
der Stamm; man möchte ihn faſt umſtoßen können, aber über dem
Muttergottesbild ſchließt ſich der Stamm und wächſt mit ſeinen
Aeſten in den blauen Himmel.
Hinunter gehts den Weg durch die Wolfsſchlucht. Da taucht
der erſte Falter auf, ein Zitronenfalter; aber ſchon lohnt es nicht
mehr, zu zählen, Dutzende und Dutzende, und braune dazwiſchen,
Brombeerfalter, oder wie nannten wir ſie als Kind, tanzen und
jagen einander. Um blühende weiße Büſche ſummen emſige
Bie=
nen und Hummeln.
Links hoch Burg Zwingenberg, verſteckt hinter
hoch=
ragenden Fichten und Tannen; drunten der Neckar, drüben
wie=
der Berge und überall glühende Sonne. Am Waldrand lagern
Wandervögel, ſie kamen von Wimpfen herauf und erzählten
von der alten heſſiſchen Stadt und ihren herrlichen Bauten.
Noch einen Abſchiedsgruß der Burg und weiter gehts
neckar=
abwärts auf weichem Raſenweg, hoch über der Landſtraße, neben
und dann wieder über der Eiſenbahn am Berghang her. So
wandert ſich’s herrlich auf halber Höhe durch’s tiefe Neckar=
tal zurück nach Eberbach. Scharf am Straßenrand halten
Autos; Hauszelte mit luſtigen Wimpeln ſind auf den
Neckar=
wieſen aufgeſchlagen; Faltboote und Nachen waſchen den
Win=
terſtaub im lieben Fluß, und überall tummeln ſich frohe, lachende
Menſchen.
Angenehm ſitzt ſich’s auf der Terraſſe der Krone in
Eber=
bach. Hier macht der Neckar einen breiten nach Weſten offenen
Bogen; die Berge gegenüber treten zurück, ſo daß wir uns noch
lange nach 5 Uhr von der Sonne wärmen laſſen. Am Nebentiſch
Heidelberger Studenten mit Mädels wild und
madon=
nenhaft; mit frechem Bubikopf und griechiſchem Knoten. Sie
lachen und ſchwatzen und ulken. Rote Wangen, helle Augen,
kurze Röckchen, nette Beine! Wie iſt die Welt ſo ſchön! Im
Saale bei der Terraſſe alte Dragoner bei einem Vereinstag.
Ein 60jähriger, leicht=liebenswürdig angeheitert, tappt zum
Nebentiſch, wirft ſich in die Bruſt, als wolle er eine Rede halten,
und ſagt dann ganz unvermittelt: Wir ſind alle Menſchen. Es
iſt ganz ſtill geworden; die Jungen ulken nicht mehr und
lang=
ſam pendelt der Alte wieder in den Saal zurück.
Auf dem Weg zum Bahnhof am Marktplatz vorbei. Der
iſt mit Autos aus Heſſen, Frankfurt und Baden voll gepfropft.
Da dienert der Herr Apotheker aus ſeinem Fenſter heraus gerade
einer älteren würdigen Dame zu; vielleicht iſt es die Frau
Bür=
germeiſterin, vielleicht auch eine Frau Geheimerat. „Grad, als
wenn Pfingſten wär!” meint ſie zu ihm mit dem deutlich=leiſen
Tonfall, der ein Privileg der ſterbenden guten Geſellſchaft war.
Am Bahnhof noch freundliche Liebelei mit Blicken und zum
Zug winkt ein rotſeidenes Tüchelchen. Noch lang wink ich
zu=
rück . . . Dann Hirſchhorn, Neckarſteinach mit ſeinen
drei Burgen, der Dilsberg, der immer wieder grüßt,
Neckar=
gemünd, Ziegelhauſen, Stift Neuburg, hinein nach
Heidel=
berg! Was iſt all’ der Aerger der Woche, der Gedanke an
widerſpenſtige Arbeit gegen dich, herrlich=liebes Neckartal!
Auf dem Bahnhof in Heidelberg ein Trupp
Men=
ſchen um einen jungen Reiſenden ,dem ſie’s Köfferchen zum
Fenſter hineinreichen und den ſie mit tiefer Anteilnahme
ver=
ſtauen. Da, der Zug zieht an, da erklingt das Lied: „Nun ade,
du mein lieb Heimatland”. Andere drängen ſich zu den
Fen=
ſtern, und bei denen, die draußen zurückbleiben, werden Augen
feucht; einige laufen ein Stück mit dem Zug, ein letzter
Hände=
druck, Tücherwinken.
Da zieht ein junger Deutſcher hinaus in die Welt, hinaus
für Deutſchland in die Fremde! „Lieb Heimatland, ade!”
Glaub’s wohl, Frühling; es muß auch Frühling werden für
Deutſchland in der weiten Welt.
Nummer 104
Donnerstag, den 14. April 1927
Geite 3
Militäriſche Mißerfolge
der Kantoneſen.
Die Nordarmee auf dem Vormarſch. / Nanking
bedroht / Schangbai gefährdet.
Eigener Drahtbericht des „D. T."
* Schanghai, 13. April.
Die mit überraſchender Schnelligleit durchgeführte
Gegen=
offenſive der Nordtruppen hat im Laufe des heutigen Tages zu
einer unmittelbaren Bedrohung der Stadt Nanking geführt.
Nachdem bereits am Vormittag Pukau nach vorheriger
Be=
ſchießung durch Flugzeuge eingenommen worden und damit
Nan=
king in den Bereich der feindlichen Flugzeuge gerückt war, haben
die Nordtruppen in der Nähe von Kiangyin, halbwegs zwiſchen
Nanking und Schanghai, den Jangtſe überſchritten. Der
kanto=
neſiſche General Tſchang Tſchuan=li, deſſen Truppen über den
Jangtſe zurückgetrieben wurden, iſt nach Schanghai geflohen.
Mit der Ueberſchreitung des Jangtſe bei Kiangyin iſt nicht nur
Nanking, auch vom Südoſten aus bedroht, ſondern auch die
Ver=
bindung mit Schanghai iſt gefährdet. Es hat den
Anſchein, als ob die Kantoneſen die Räumung des geſamten
unteren Jangtſetales vorbereiten. So iſt in der wichtigen
Han=
delsſtadt Tſchingkiang, an der Mündung des Kaiſerkanals in den
Jangtſe, die Kantonflagge eingeholt worden und die
kantoneſi=
ſchen und nationaliſtiſchen Beamten haben zum größten Teil die
Stadt verlaſſen.
Angeſichts der militäriſchen Mißerfolge der Kantoneſen
fin=
det die Kollektivnote der Protokollarmächte in der hieſigen
chine=
ſiſchen Oeffentlichkeit nur geringes. Intereſſe. Die chineſiſche
Preſſe erkennt die Berechtigung der Sühneforderung grundſätzlich
an, tritt jedoch geſchloſſen dafür ein, daß die Feſtſtellung der
Schuldigen und die Verhängung von Strafen nur nach
gründ=
licher Unterſuchung erfolgen dürfe. Die Unſicherheit der
politi=
ſchen Verhältniſſe wird dadurch beleuchtet, daß die Note der
Mächte nicht nur von Tſchen, ſondern auch von General Tſchang
Kai=ſcheck beantwortet wird.
Streik in Schangbai.
Eigener Drahtbericht des „D. T.”
* Schanghai, 13. April.
Das britiſche Kanouenboot „Woodcock” wurde auf der Fahrt
von Hankau flußabwärts von Chineſen beſchoſſen. Es erwiderte
mit Maſchinengewehren und Sechspfündern das Feuer. An
Bord des Kanonenbootes gab es keine Verluſte. Der Streik iſ
in der ausländiſchen Niederlaſſung nur teilweiſe zur
Durchfüh=
rung gekommen. Die Straßenbahnen ſind nur ſchwach in Mit
leidenſchaft gezogen. Einige Baumwoll= und Tabakfabriken ſin)
ſtärker beſtreikt. Der Omnibus= und Rickſchaverkehr iſt normal.
Der Streik richtet ſich nicht gegen die Ausländer, ſondern iſt von
den Kommuniſten und Radikalen gegen Tſchang Kai=ſcheck
ge=
dacht. — Um 3 Uhr früh kam es heute zwiſchen Italienern und
Chineſen an der Urgaſtraße, an der Grenze der Niederlaſſung, zu
einem Zuſammenſtoß. Die Italiener feuerten über die Köpfe der
Chineſen, worauf ſich dieſe zerſtreuten.
Der von der Allgemeinen Arbeiterunion angeordnete
Generalſtreik iſt in der ganzen internationalen
Niederlaſſung und im Eingeborenenviertel
im Gange. Er begann geſtern ſpät abends. Nach Mitteilung
der Arbeiterführer ſind bereits mehr als 50 000 Arbeiter
aus=
ſtändig. Man erwartet, daß ſich die Zahl der Streikenden heute
beträchtlich erhöhen wird, rechnet aber nicht mit einer langen
Dauer des Streikes.
Das vorſichtige Japan.
Aus Tokio wird gemeldet, daß der ruſſiſche Botſchafter heute
eine lange Unterredung mit dem japaniſchen Außenminiſter
hatte, dem er erklärte, Rußland beabſichtige nicht, irgendwelche
militäriſchen Operationen in der Mandſchurei. Aehnliches
er=
klärte der ruſſiſche Botſchafter auch Preſſevertretern. Das hat
aber nicht gehindert, daß das japaniſche Marinedepartement den
Beſchluß faßte, vier Zerſtörerboote nach Port Arthur zu ſenden.
Die Staatskriſe in Litauen.
Rücktritt der Regierung.
* Königsberg, 13. April. (Priv.=Tel.)
Mit der Annahme des Mißtrauensvotums gegen die
Regie=
rung Woldemaras durch den litauiſchen Seim und mit der
Auf=
löſung des Parlamentes durch die Regierung iſt in Litauen offen
die Staatskriſe zum Ausbruch gekommen. Die ſeit dem Dezember= feingeſchliffenen Reden, mit Tränen der Rührung, mit einem
Be=
umſturz völlig ungeklärte Lage in Litauen ſcheint damit einer
neuen Entwicklung zuzutreiben, von der heute aber noch nicht ge= ſchaft iſt, unter den kriegeriſchen Klängen der Marſeillaiſe der ſeit
ſagt werden kann, in welcher Richtung ſie gehen wird. Den
An=
ſtoß zu der Kriſe hat die Verhaftung des volksſozialiſtiſchen
Seim=Abgeordneten Dr. Pajaujis gegeben. Die Verhaftung iſt,
wie erinnerlich, ohne Befragung des Seims erfolgt. In
parla=
mentariſchen Kreiſen hat weit über die Kreiſe der
Parteiangehöri=
gen des Verhafteten hinaus große Aufregung geherrſcht. Die Ver= erfüllt bätte.
haftung wurde vorgenommen, weil Pajaujis zuſammen mit
an=
deren Angeklagten für die Auflehnung gegen die beſtehende
Ne=
gierungsgewalt propagiert und einen Umſturz vorbereitet haben
ſoll. Bisher iſt dem Verhafteten dies aber nicht nachgewieſen
worden, es wurden auch noch keine Anſtalten zu einer gericht=
Linkskreiſen behauptet, daß die Nationaliſten im Verein mit ge= des durch ſeinen Kampf für die Erhaltung der elſäſſiſchen Rechte
wiſſen militäriſchen Kreiſen offen zur Militärdiktatur
vorberei=
ten. Der Staatspräſident Smetong und der Miniſterpräſident zu entledigen. Und ſo erlebte man bei der Zeugenvernehmung
Woldemaras ſollen ein gefügiges Werkzeug in den Händen dieſer Las Schauſpiel, daß der franzöſiſche General Bourgeois, auf
militäriſchen Kreiſe ſein, ſie werden als zu ſchwach bezeichnet, um deſſen Wort das Gericht mehr Wert legte als auf die
wider=
den Ambitionen dieſer Ultrarechtskreiſe Widerſtand entgegenſetzen ſprechenden Ausſagen eines halben Dutzend anderer Zeugen,
zu können.
Aus all dieſen Gründen iſt die Atmoſphäre in Litauen ſeit
Lage darin beſteht, daß den Linksparteien von rechts Sympa hie
für Moskau und Vorbereitung eines kommuniſtiſchen Umſturzes
vorgeworfen wird, während im Gegenteil von den Linksparteien
ſtand die Situation, die zur Staatskriſe führte. Die Lage iſt macht werden ſolle. Auch dieſes Ziel ſcheint, ſoweit man das
gegenwärtig ungeheuer geſpannt, ſie iſt aber auch noch völlig
un=
geklärt. In Kownoer Linkskreiſen wird mit neuen politiſchen
men wird, zu einer Militärdiktatur konmt, ſo würde die
un=
günſtige Auswirkung einer derartigen Entwicklung, insbeſondere tatſächlich vorhanden ſein ſollte, iſt ſie bei den Verhandlungen
In dieſem Zuſammenhang muß die Entwicklung in Litauen mit
beſonderer Aufmerkfamfeit verfolgt werden.
Miniſterpräſident Voldemaras hat nach der
Auflöſung des litauiſchen Seims beim Staatspreſi enten das
Wie verlautet, wird der bisherige Wehrminiſter, Oberſt dem einen gemäßigten Regionalismus verfechtenden Pfarrer
Merkys, eine rein nationaliſtiſche Regierung Haegy nicht beſaß.
bilden, ohne Beteiligung des chriſtlich=demokratiſchen Blocks.
Man rechnet damit, daß die Regierung Merkys ohne
Parla=
ment diktatoriſch regieren will.
Leitlands neuer Präſident.
Guſtav Semgals,
der neue Staatspräſident von Lettland. Semgals war früher
Oberbürgermeiſter von Riga, Vizepräſident des lettiſchen
Volks=
rates und ſpäter Mitglied der verfaſſunggebenden Verſammlung.
Nach dem Kolmarer Prozeß.
Der Anſchlag gegen die elſäſſiſche
Autonomie=
bewegung mißglückt.
Kolmar, 13. April.
Mit einem Theatercoup im wahren Sinne des Wortes, mit
geiſterungstaumel des Gerichts, der Parteien und der
Zuhörer=
vier Tagen vor dem Schwurgericht in der Judengaſſe hin und
herwogende, politiſche Kampf, der den bekannten
Katholiken=
führer des Elſaß, den früheren Reichstagsabgeordneten Pfarrer
Haegy, dem Pariſer „Journal” und deſſen Berichterſtatter Helſey
gegenüberſtellte, zu Ende gegangen, ohne daß er ſeinen Zweck
Die Verhandlungen haben als — allerdings uneingeſtandenes
— Hauptziel die politiſche Diskreditierung Hgegys und damit
ſeine Beſeitigung aus dem öffentlichen Leben erkennen laſſen.
Offenbar hielt man bei der konſervativen Rechten der
National=
lichen Verfolgung gemacht. Von der anderen Seite wird in republikaniſchen Volkspartei den Augenblick für gekommen, ſich
und Eigenart unbequemen Oberhauptes des linken Parteiflügels
den Mann antinationaler Geſinnung beſchuldigte, dem er ſeine
kürzliche Wahl in den franzöſiſchen Senat zu verdanken hat. Die
überraſchende Wendung am Schluſſe des Prozeſſes hat die
Draht=
langem außerordentlich geſpannt, wobei das Charakteriſtiſche der zieher dieſes Manövers um den Preis ihrer Bemühungen geprellt.
Kurz vor Beginn der Kolmarer Verhandlung kündigte das
„Journal” an, daß in dem bevorſtehenden Keſſeltreiben dem
den Rechtskreiſen Diktaturpropaganda nachgeſagt wird. So ent= elſäſſiſchen Autonomismus und Separauismus der Garaus
ge=
gegenwärtig überblicken kann, nicht erreicht worden zu ſein.
Zu=
nächſt hat der Prozeß wirkliche Beweiſe für die Exiſtenz einer auf
Verhaftungen gerechnet. Wenn es, wie in Linkskreiſen angenom= die Abtrennung Elſaß=Lothringens von Frankreich hinzielenden
Separatiſtenbewegung nicht erbracht; falls eine ſolche Bewegung
für das ſchwer geprüfte Memelland, offen auf der Hand liegen, jedenfalls nicht in die Erſcheinung getreten. Leute vom „
Heimat=
vund” und von der „Zukunft”, die an der Zeugenſchranke
er=
ſchienen, wehrten ſich entſchieden dagegen, daß man den von ihnen
vertretenen Autonomismus mit Separatismus identifiziere, und
alle redneriſchen Künſte der Verteidigung vermochten nicht,
dar=
über hinwegzutäuſchen, daß ſie einen Beweis für die von ihr
Rücktrittsgeſuch ſeiner Regierung eingereicht. behaupteten Zuſammenhänge zwiſchen dem „Heimatbund” und
Wenn die Verteidigung Helſeys im Laufe der
Zeugenver=
nehmungen immer und immer wieder feſtſtellen zu müſſen
glaubte, daß in dieſem Prozeß die elſäſſiſche Frage ein für
alle=
mal entſchieden werden ſolle, ſo iſt dem, mag man zu dem
Pro=
blem an ſich ſtehen wie man will, entgegenzuhalten, daß ein
Schwurgericht kaum das zur Entſcheidung einer derartigen
poli=
tiſchen Frage geeignete Gremium ſein dürfte. Zwar iſt die
vier=
tägige Verhandlung mit einer begeiſterten Verbrüderung zwiſchen
den im Saale anweſenden Franzoſen und Elſäſſern abgeſchloſſen
worden; es fragt ſich nur, inwieweit eben dieſe im Saale
an=
weſenden Elſäſſer zur Vertretung ihrer geſamten Volksgenoſſen
berufen waren. Unter den gegenwärtigen Umſtänden kann man
nicht umhin, ſich die Frage vorzulegen, ob der im Kolmarer
Schwurgerichtsſaal ausgebrochene Begeiſterungstqumel ſtark und
anhaltend genug iſt, um die Elſäſſer zum dauernden Verzicht auf
ihre Sonderwünſche im Intereſſe der franzöſiſchen Einheit und
Einigkeit zu bewegen.
Es bliebe zum Schluß noch feſtzuſtellen, daß die
Verhand=
lung für die vom „Journal” aufgeſtellte Behauptung, die
auto=
nomiſtiſche und angeblich ſeparatiſtiſche Bewegung im Elſaß werde
aus deutſchen Propagandafonds geſpeiſt, keinerlei greifbare
Un=
terlagen ergeben hat. Was in dieſer Beziehung von Zeugen, wie
General Bourgeois oder dem Chefredakteur der „Action
Fran=
caiſe”, Maurice Pujo, und von den Verteidigern Helſeys
vor=
gebracht wurde, war wenig ſtichhaltig. Uebrig blieb ſchließlich nur
die Tatſache, daß das berühmte Bankkonto Agnes Eggemann bei
einer Straßburger Bank tatſächlich beſtanden hat, ohne daß aber
auch nur der geringſte Anhaltspunkt für die Herkunft des auf
dieſes Konto eingezahlten Betrages von 240000 Franken aus
deutſchen Quellen hätte geliefert werden können. So endete der
ſenſationell aufgezogene Prozeß mit einem Ergebnis, das zu den
aufgewandten Mitteln — mehrere berühmte Anwälte aus Paris,
110 Zeugen und Betätigung eines umfangreichen
Gerichts=
apparates — in keinem Verhältnis ſteht.
*Oreihundert Jahre deutſche Oper.
Von Emil Metzkes=Naunhof.
Es war am 13. April des Jahres 1627, als im Tafelſaale des
Schloſſes Hartenfels bei Torgau zu den Hochzeitsfeierlichkeiten
der Tochter des ſächſiſchen Kurfürſten Johann Georg I., der
Prin=
zeſſin Sophie von Sachſen, mit dem Landgrafen Georg II. von
Heſſen=Darmſtadt die erſte deutſche Oper erklang. Zwar kannte
man auch in Deutſchland ſchon ſeit dem Mittelalter von den
geiſt=
lichen Schauſpielen her das Theaterſpiel mit Zwiſchenmuſik und
eingelegten Chören, aber eine Oper in unſerem Sinne hatte es
bisher in Deutſchland nicht gegeben. Gerade 30 Jahre vorher,
im Jahre 1597, war in Italien im Palaſt des florentiniſchen
Grafen Corſi überhaupt die erſte Oper zur Aufführung
gekom=
men. Ottavio Rinuccini hatte nach Ovids Metamorphoſen den
Text zu dieſer Oper — „Daphne” — geſchrieben und Jacopo Peri
ſie in Muſik geſetzt.
Text und Muſik dieſer Oper erbat ſich auf den Rat ſeines
Hofkapellmeiſters Johann Georg von dem ihm befreundeten Hofe
der Florentiner. Sein Hofkapellmeiſter, den er ſich 1613 vom
heſſiſchen Landgrafen Moritz aus Kaſſel verſchrieben hatte, war
Heinrich Schütz — Bachs Vorläufer als Komponiſt der
Paſſio=
nen —, der in den Jahren 1609—1612 Schüler Gabrielis in
Venedig geweſen war und hier nicht nur die doppelchörige
Kom=
poſition ſeines Meiſters erlernt, ſondern auch das erſte Werden
der italieniſchen Oper miterlebt hatte. Keinem Geringeren als
Martin Opitz aus der ſchleſiſchen Dichterſchule, der mit Schütz
befreundet und damals Sekretär beim Burggrafen und
Kammer=
präſidenten Karl Hannibal zu Dohna war, wurde die
Bearbei=
tung und dichteriſche Geſtaltung des Textes für die deutſche
Sprache übertragen. Wenn Opitz ſich auch nach Möglichkeit an
Rinuccinis Text bei ſeiner Uebertragung gehalten hat, ſo war
doch die deutſche Dichtung der „Daphne”, jener von Apollo
gelieb=
ten und verfolgten Jungfrau, die von Zeus in einen
Lorbeer=
baum verwandelt wird, ſo anders geworden, daß ſich dem
deut=
ſchen Text Peris Muſik nicht mehr anpeſſen ließ. Heinrich Schütz
ſchrieb dann zu dem Opitzſchen Text eine vollkommen neue Muſik.
So wurde die erſte deutſche Oper, den Text nach einer
altklaſſi=
ſchen Mythe von einem deutſchen Dichter geſchrieben, und von
dem bedeutendſten Komponiſten des damaligen Deutſchland
ver=
tont, an einem deutſchen Fürſtenhofe, der mit der Entwicklung
der deutſchen Oper immer aufs engſte verbunden blieb, zur erſten
Aufführung gebracht. Mit ein paar lakoniſchen Worten nimmt
das ſächſiſch=kurfürſtliche Hofdiarium von dieſem Anfang der
deutſchen Oper Notiz: „Den 13. (April) agierten die Muſikanten
muſicaliter eine Paſtoral Tragikomödie von der Daphne.”
Während die Textdichtung Opitz’, die er in ſeinen Werken
mit der Widmung: „An die Hoch=Fürſtlichen Braut und
Bräuti=
gam, bei deren Beylager daher durch Heinrich Schützen im 1627.
Jahre muſicaliſch auf den Schauplatz gebracht worden iſt”
ein=
leitet, erhalten geblieben iſt, iſt die Kompoſition von Heinrich
Schütz wahrſcheinlich bei einem Brande vernichtet worden. Dem
Bräutigam, dem kunſtſinnigen und gelehrten Landgrafen Georg
von Heſſen=Darmſtadt, ſcheint Schützens Arbeit gut gefallen zu
haben, ſchon buld darauf kaufte er von ihm eine „Symphonia
sacra” und errichtete 1629 eine Hofkapelle in Darmſtadt nach dem
Dresdener Muſter.
Nicht ſobald fand Schütz einen Nachfolger in der deutſchen
Opernkompoſition, und auch er ſelbſt betätigte ſich nicht weiter
auf dieſem Gebiete. Erſt im Jahre 1644 ſchrieb Stade in
Nürn=
berg zu Harsdörffers Frauenzimmergeſprächſpiel. Seelewig”.
einem geiſtlichen Waldgedicht und Freudenſpiel, eine Opernmuſik,
die uns als erſte deutſche Oper in Dichtung und Muſik erhalten
geblieben iſt, und in den achtziger Jahren des vorigen
Jahr=
hunderts aus muſitwiſſenſchaftlichem Intereſſe ſogar eine
Neu=
auflage erlebt hat. Der alle Teile Deutſchlands zerrüttende
Dreißigjährige Krieg hemmte die Entwicklung dieſes neuen
Zwei=
ges der Muſik in Deutſchland. Ein halbes Jahrhundert nach der
Aufführung der erſten deutſchen Oper auf Schloß Hartenfels
erhielt Deutſchland im Jahre 1678 durch den Operſinn Hamburger
Bürger ſeine erſte ſtändige deutſche Opernbühne in Hamburg,
nachdem bereits in den Jahren vorher in verſchiedenen deutſchen
Städten wie Wien, München, Dresden, Stuttgart, Berlin,
Braun=
ſchweig uſw. ſtändige Opernaufführungen durch italieniſche
Operntruppen eingerichtet worden waren. Komponiſten von
Namen mit gutem Klang, wie Theile, Franck und als größter
unter ihnen Händel, haben ihre Werke für die deutſche Oper in
Hamburg geſchrieben. Fünfzig Jahre lang iſt Hamburg für die
deutſche Oper die führende Bühne geblieben.
Mit Gluck ſetzte dann der große Aufſchwung der deutſchen
Oper ein, der über Mozart, Beethoven, Weber, Wagner, Strauß
zu unſeren Modernſten führt und die deutſche Oper zum
Kultur=
gut der ganzen Menſchheit gemacht hat.
— Ein reizendes Oſterbilderbuch mit dem Titel „Märchenoſtern”
ein frühlingsfrohes Oſtermärchen, erzählt von M. Dingler, illuſtriert
von der mihmlichſt bekannten Elſe Wenz=Viétor, iſt in Gerhard
Stallings Bilderbücherverlag (Nr. 55, Halbleinen 3,80 Mk.) erſchienen.
— Oſtara, die Oſtergöttin, erwacht, ſchreitet über die Felder und ruft
alles zum Leben. Und dann wird die wichtigſte Arbeit vorgenommen,
die Schaffung der Oſtereier. Natürlich hilft Familie Haſe mit, und auch
zehntauſend Wichte ſind dabei, voller Eifer und ganz kribbelig! Luſtig
und dabei doch mit der Tiefe eines altüberlieferten Märchens iſt alles
erzählt und ganz genau geſchildert. Und wo das Wort nicht mehr
aus=
reichte, da kam Elſe Wenz Victor mit ihrem Pinſel und ſchuf köſtliche
Bilder. Entzückend ſchon der Einband, auf dem ein kleiner Zwerg mit
roter Mütze auf dem lachenden Oſterhaſen reitet.
— „Geopolitik”, Aprilheft. Kurt Vowinckel Verlag. 2,50 RM.
Nac Donald leitet das Aprilheft der „Geopolitik” mit der ſehr
mperamentvoll ausgeſprochenen Frage ein: „Wohin treibt Muſſolini?”
ſhm verurſacht die italieniſche Außenpolitik ausgeſprochenes Unbehagen.
er ſpaniſche Finanzminiſter Don Sotelo, gibt einen günſtigen
eberblick über die ſpaniſche Finanzlage und über ſeine finanzpolitiſchen
läne. Der weltwirtſchaftliche Bericht umreißt den Zuſammenſchluß
der Kunſtſeideninduſtrie, beleuchtet die Tätigkeit des Zündholztruſts
nd zeigt die wirtſchaftlichen Hintergründe des Konflikts Mexiko—U. S.A.
In dasſelbe Gebiet führt auch der erſte Teil des Reiſeberichts von Prof.
Sapper, des beſten deutſchen Mittel= und Südamerikakenners. Prof.
ſchüler beleuchtet die ſtarke Stellung, die die Sſüdpartei in China
er=
lick auf die Anſchluß=
irkungen nach, die der engliſche Bergarbeiterſtreik auf die
Kohlenpro=
ktion der Welt, von Polen bis Japan, nach ſich zog.
EP. Vom Straßenhändler zum Kunſtſammler. Der Kaufmann
Jacob Epſtein in Baltimore, der erſt vor einigen Wochen durch
Ankauf des van Dykſchen Gemäldes „Rinaldo und Armida”
be=
rühmt geworden iſt, hat ſeiner Sammlung jetzt einen Raffael,
das „Porträt der Emilia Pia de Montefeltro” einverleibt, für
den er den Kaufpreis von 250 000 Dollar erlegte. Der Raffael,
deſſen Echtheit von italieniſchen Autoritäten beglaubigt iſt, wird
als eines der beſten Werke des Meiſters bezeichnet und ſoll um
1504 gemalt worden ſein. Das Bild wurde in Wien entdeckt
und fand dann ſeinen Weg über eine Verſteigerung in Zürich
nach der New Yorker Kunſtgalerie Kleinberger. Sein glücklicher
gegenwärtiger Beſitzer Epſtein begann ſeine Laufbahn als
Straßenhändler.
Filme in der Karwoche. In der geſtrigen Filmbeſprechung
unter dieſer Ueberſchrift ſind einige ſinnentſtellende Fehler
unter=
laufen. In der zweiten Spalte muß es im Schlußſatz des erſten
Abſatzes ſtatt „mit Sinnen” heißen: mit ſeinen uſw. Im
nächſten Abſatz iſt ſtatt „Beſtiefigur”, was unſere Leſer wohl
ſchon ſelbſt berichtigt haben werden, zu leſen: „ſtellte er die
beſte Figur des Films”.
Seite 6
*Kleine Strafkammer.
1. Der Eiſendreher Cornelius Schöll von Groß=
Wall=
ſtadt (Bahern) iſt wegen Bettelns vom Amtsgericht Gernsheim
ver=
urteilt, auch iſt auf Ueberweiſung an die Landespolizeibehörde erkannt
worden. Schöll gibt an, er ſei als Eiſendreher 1924 entlaſſen worden
und könne als alterer Mann nur ſchwer Arbeit finden; er gibt auch
an, Kriegsbeſchädigter zu ſein. Seine Berufung bezweckt die
Beſei=
tigung der Ueberweiſung an die Landespolizeibehörde, die nach § 362
StGB. nur dann zuläſſig iſt, wenn der Verurteilte in den letzten drei
Jahren wegen Bettelns mehrmals rechtskräftig verurteilt wurde. Der
Staatsanwalt ſtellt die Entſcheidung in das Ermeſſen des Gerichts.
Das Gericht verwirft die Berufung. Gerade durch die
der Behörde gewährte Befugnis, die verurteilte Perſon bis zu zwei
Jahren entweder in ein Arbeitshaus unterzubringen oder zu
gemein=
nützigen Arbeiten zu verwenden, ſei der Angeklagte nun dazu gedrängt,
ſich ernſtlich um Arbeitsgelegenheit zu bemühen, die jetzt gerade in der
Landwirtſchaft reichlich geboten iſt.
2. Ein betrügeriſcher Vorfall, der ſich nach der Anklage
am 5. Auguſt 1926 (Donnerstag) auf dem hieſigen
Wochen=
markt ereignet haben ſoll, beſchäftigt das Berufungsgericht. Am
ge=
nannten Tage trat eine hier wohnende Frau an einen Marktſtand heran,
auf dem von einem Händlerehepaar aus dem Odenwald Gemüſe, Obſt
und Eier feilgeboten wurden. Sie kaufte Marktwaren im Geſamtbetrag
von zuſammen 10.70 Mark, und will hier einen 50=Markſchein, den ihr
Ehemann kurz vorher von der Poſt in Zahlung erhalten habe,
hinge=
geben haben, worauf ihr 39.30 Mark herausgegeben wurden. Die
Angeklagte, die vom Amtsgericht I am 15. November 1926 wegen
Be=
trugs mit 2 Wochen Gefängnis beſtraft iſt und Berufung verfolgt hat,
bleibt dabei, daß ſie der Ehefrau einen 50=Markſchein gegeben habe
und, wenn dieſe dies beſtreite, ſie ſich irren müſſe. Die Käuferin
er=
klärte ſich alsbald bereit, den dem Händlerehepaar erwachſenen Schaden
nach und nach zu vergüten, tat dies jedoch nicht, nachdem inzwiſchen
bei der Polizei Anzeige erfolgt war. Die Angeklagte gibt auf Vorhalt
noch an, daß zur Zeit ihres Wareneinkaufs noch viele Leute an dem
fraglichen Stande ſich befunden hätten. Als die Händlersfrau am
gleichen Abend zu Hauſe Abrechnung hielt, fand ſie, daß ihr Geld nicht
ſtimmte. Eine beim Ankauf am Stand anweſende Zeugin vermag nicht
zu beſtätigen, daß in ihrer Gegenwart ein 50=Markſchein hingegeben
wurde. — Der Verteidiger, Rechtsanwalt Kalbhenn, hält einen Irrtum
bei der Händlersehefrau immerhin für möglich, wie das im täglichen
Leben vorkomme, er exemplifiziert dabei auf einen Vorfall der ihm
ſelbſt im Jahre 1903 paſſiert iſt; ein Beweis ſei unter dieſen Umſtänden
nicht geführt, das Geldwechſelgeſchäft gehe zudem gerode auf dem
Wochenmarkt von Hand zu Hand. — Auch der Staatsanwalt hält eine
reſtloſe Aufklärung des Falles für ſchwierig. Mit der Möglichkeit, daß
der Schein der Händlersehefrau, im Gedränge in die Hand gedrückt,
entwendet worden ſei, ſei immerhin zu rechnen. Auffallend ſei
aller=
dings, daß ſich die Angeklagte nicht mehr am Stande habe ſehen laſſen.
In der Bereiterklärung, den Schaden auszugleichen, ſei allein ein
Schuldmoment nicht zu finden. Der Staatsanwalt ſtellt am Schluſſe
ſeiner Ausführungen die Verurteilung in das Ermeſſen des Gerichts.
Das Urteil verwirft die Berufung. Das Gericht hält nach
Prüfung aller Verhältniſſe ein raffiniertes Betrugsmanöver, das ſchon
einmal mit einem 20=Markſchein verſucht worden war, für erwieſen.
* Bezirksſchöffengericht. Im 9. Abſchnitt des Deutſchen
Strafgeſetz=
buches wird vom Meineid gehandelt, und zwar vom falſchen Parteieid
und dem falſchen Eid des Sachverſtändigen. § 163 StGB. ahndet den
hier nicht wiſſentlich, wohl aber aus Fahrläſſigkeit begangenen
Falſch=
eid mit Gefängnisſtrafe bis zu einem Jahre. Auf der Anklagebank
ſitzen drei jugendliche Perſonen: 1. die ledige Fabrikarbeiterin Eliſe
Günderoth, in Lampertheim geboren im Jahre 1907; 2. die
ledige Zigarrenarbeiterin Emma Haslauer, in
Lampert=
heim gleichfalls 1907 geboren; 3. Dienſtknecht Ph. Hauck in
Mannheim, 1908 geboren, alle drei unter der Anklage des fahrläſſig
falſchen Eides. Den beim Amtsgericht Lampertheim abgegebenen
Zeugenausſagen, die in verſchiedenen (3) Privatklagſachen im Februar
1926 abgegeben wurden, liegt ein Vorfall zu Grunde, der ſich in
Lam=
pertheim gelegentlich der Kirchweihe Anfang September 1925 im
„Darmſtädter Hof” zugetragen hat. Es war nachts 1 Uhr und es wurde
getanzt. Ein gewiſſer Schmitt wollte da an einem Tiſche, an dem eine
Frau Wehand ſaß (die ärztlicherſeits als geiſteskrank begutachtet iſt),
zwei Stühle wegnehmen. Auf die Bemerkung der Frau W., die Stühle
ſeien beſetzt, ſoll Schmitt zu ihr geſagt haben: „Halt dein Maul”, Frau
Weyand hat darauf erwidert: „Wenn ich mein Maul halten ſoll, bin
ich ein dreckiger (oder dummer) Lausbub.‟ Der Streit dreht ſich in der
Hauptſache darum, ob die Worte „Halt dein Maul” gefallen ſind oder
nicht. Der letztgenannte Angeklagte gibt an, er habe damals (1926)
Donnerstag, den 14. April 1927
Rummer 104
zum erſten Male vor Gericht geſtanden und nicht gewußt, was alles zum
Inhalt einer Zeugenausſage gehört. Streit beſtand auch darüber, ob
das polizeiliche Protokoll dem Zeugen Hauck nach der Vernehmung
vor=
geleſen worden iſt oder nicht. Angeklagter Hauck gibt in dieſer
Ver=
handlung, wie vor dem Unterſuchungsrichter, zu, daß ihm das
polizei=
liche Protokoll vorgeleſen wurde, dies wird auch von Polizeiwachtmeiſter
von Coulon beſtätzgt. Anſcheinend hat die geiſteskranke Frau Wehand
des öfteren mit den Angeklagten über die Angelegenheit geſprochen.
Die Frau Weyand leidet nach ärztlichem Gurachten an maniſchem,
depreſſivem Irreſein. Der Staatsanwalt betont mildernd, daß die
An=
geklagten dem Einfluß dieſer Frau Wehand erlegen ſind, daß ſie
jugendlich und geſtändig ſind. Es werden Gefängnisſtrafen von je
ſechs bzw. acht Monaten beantragt. Als geſetzlicher Vertreter des Hauck
bittet deſſen Vater um Gnade. Das Urteil erkennt gegen die
Gün=
deroth wegen Falſcheids in einem Falle auf zwei Monate
Gefängnis, gegen die Haslauer wegen ſolchen in zwei Fällen
auf drei Monate Gefängnis, Hauck erhält vier
Mo=
nate Gefängnis. Hauck erhält bedingten Strafaufſchub
für die Dauer von fünf Jahren. Ein Geſuch um Strafaufſchub der
beiden anderen Angeklagten beim Miniſterium wird das Gericht
befürworten.
* Der Fall des Oberamtsrichters Dr. Puſch in Ortenberg. In
Er=
gänzung der Notiz in Nr. 95 vom 5. April bemerken wir, daß die
Freiſprechung auf Antrag der Staatsanwaltſchaft erfolgt iſt; ſie ſtützt
ſich auf die Gutachten der Heil= und Pflegeanſtalt in Heppenheim und
der Nerbenklinik in Gießen, die beide erhebliche Zweifel hinſichtlich der
Zuvechnungsfähigkeit zur Zeit der Begehung der Tat geltend gemacht
haben. Das aufgehobene Urteil iſt am 31. Mai 1923 ergangen.
Für Hundebeſitzer. Wir nehmen Veranlaſſung, alle Hundebeſitzer
auf die Polizeiverordnung, die Beaufſichtigung der Hunde betreffend,
vom 24. März 1909 nachdrücklichſt hinzuweiſen. Hiernach ſind biſſige
und kranke Hunde und läufige Hündinnen auf der Straße und an Orten,
wo Menſchen zu verbehren pflegen, ſtets an einer Leine zu führen.
Mit anſteckender Krankheit, insbeſondere Houtkrankheiten, behaftete
Hunde müſſen zu Hauſe eingehalten werden. Es iſt verboten, zur
Nacht=
zeit, d. h. in der Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, Hunde
ohne Aufſicht auf der Straße frei umherlaufen zu laſſen. Das
Mit=
bringen von Hunden auf Friedhöfe, den Wochenmarkt und die Meſſe,
ſowie in öffentliche Dienſtgebäude, in Badehäuſer oder an die
Bade=
plätze des Woogs, zu öffentlichen Feierlichkeiten und in die Räume, in
denen Nahrungs= und Genußmittel feilgeboten werden, iſt verboten.
Die Beſitzer und Begleiter von Hunden haben die erfovderlichen
Maß=
regeln zu treffen, damit die Ruhe nicht durch andauerndes Gebell oder
Geheul ihrer Hunde geſtört wird und insbeſondere das Anbellen von
Perſonen, Zug= und Reittieren durch ihre Hunde zu verhindern.
Zuwiderhandlungen werden unnachſichtlich zur Anzeige gebracht.
Warnung. Die hauptſächlich unter der Schuljugend verbreitete
Unſitte, Gebäude Einfriedigungen uſw., namentlich ſolche mit
friſchem Anſtrich, durch Beſchmierung mit Kreiſe, Schmutz uſw. zu
ver=
unreinigen hat in letzter Zeit wieder überhand genommen. Das
Polizeiamt ſieht ſich veranlaßt, vor ſolchen Ausſchreitungen erneut
eindringlich zu warnen, ſowie an Lehrer, Eltern, Vormünder uſw. das
dringende Erſuchen zu richten, die ihrer Obhut unterſtellten Kinder mit
allen ihnen zu Gebote ſtehenden Mitteln von derartigem Unfug
abzu=
halten. Gegen Zuwiderhandelnde wird das Polizeiamt unnachſichtlich
mit Strafanzeige vorgehen.
Das Abbrennen von Hecken und Buſchwerk iſt nach der
Polizei=
verordnung vom 31. März 1913 verboten; ebenſo das
Beſchnei=
den von Hecken und Buſchwerk in der Zeit vom 1. März bis 1. Oktober
jeden Jahres. Zuwiderhandlungen werden beſtraft.
Tageskalender für Donnerstag, den 14. April 1927.
Landestheater Großes Haus, abends 7 Uhr: Hauptprobe
zum Konzert des Muſikvereins. — Kleines Haus; Keine
Vor=
ſtellung. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele. — Konzerte uſw.: Schloß=Café; Perkeo;
Taunusburg; Café Rheingold. — Gartenbauverein, 8 Uhr
abends, Fürſtenſaal: Monatsverſammlung. — Mozartſaal,
abends 8 Uhr: 10. Schallplatten=Dreſſola=Konzert.
Parlamentariſches.
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„Kloro””
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genauer Anweiſung in allen Chlorodont=Verkaufsſtellen zu haben.
Der Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags
erledigte in ſeiner geſtrigen letzten Sitzung vor Oſtern eine große
An=
zahl von wichtigen Anträgen. Die Beratungen des Staatsvoranſchlags
wurden bei Kapitel 61 (Gymnaſien, Realgymnaſien, Oberrealſchulen und
Realſchulen, ſowie Pädagogiſches Inſtitut) aufgenommen. Ein Antrag
Dr. Werner über die kriegsbeſchädigten Anwärter im höheren
Schul=
dienſt, wonach die von ihnen wahrgenommenen Stellen in definitive
übergeführt werden ſollen, wurde durch die in der Sitzung vom 11. April
angenommenen (nicht wie mitgeteilt abgelehnten) Anträge von Dr.
Werner und Widmann über kriegsbeſchädigte Anwärter für erledigt
er=
klärt. Ein Antrag Dr. Keller, 80 neue Studienratsſtellen zu ſchaffen
und mit Aſſeſſoren zu beſetzen, wurde abgelehnt. Von einem Antrag
Dr. Werner wurde die 1. Poſition, die eine Zehntelung bei der
Anſtel=
lung der Studienaſſeſſoren und die Beachtung der einſchlägigen
Beſtim=
mungen der Reichsbeſoldungsordnung und deren Uebernahme wünſcht,
der Negierung als Material bei der demnächſtigen Beſoldungsordnung
überwieſen. Ueber die andere Poſition dieſes Antrags, wonach die
Be=
ſtimmung, daß jede zweite freiwerdende Lehrerſtelle an höheren Schulen
nicht beſetzt wird, aufgehoben werden ſoll, wurde die Abſtimmung
aus=
geſetzt. Die weiteren Poſitionen des Antrags wurden abgelehnt. Ein
Antrag Dr. Keller=Dingeldey, die Vergüitungen für die Rechner an den
höheren Schulen zu erhöhen, wurde der Regierung als Material
über=
wieſen. Ein Antrag Reiber, die Zeichenlehrer an höheren Schulen der
Gehaltsgruppe 10 einzureihen, wurde für erledigt erklärt, ebenſo eine
Eingabe des Theologenverbandes, und dann das Kapitel angenommen.
Die Kapitel 59 (Taubſtummenanſtalt) und 60 (Blindenanſtalt zu
Fried=
berg) wurde genehmigt. Zu Kapitel 61a (Aufbauſchulen) lag ein Antrag
Dr. Leuchtgens vor, die Aufbauſchulen in Lehrerbildungsanſtalten
um=
zuwandeln. Der Antrag wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Ein
Antrag Storck=Kaul, den Betrag zur Unterſtützung von Schülern und
Schüilerinnen zu verdoppeln und die Zahl der Freiſtellen zu erhöhen,
wurde gegen vier Stimmen angenommen. Auch das Kapitel wurde
an=
genommen. Zu Kapitel 62 (Höhere Bürgerſchulen und Höhere
Mädchen=
ſchulen) beantragen die weiblichen Abgeordneten, daß beim Freiwerden
einer mit einer ſeminariſtiſch gebildeten Lehrerin beſetzten Stelle an
höheren Mädchenſchulen dieſe Stelle tunlichſt in eine akademiſche
umge=
wandelt und mit einer Akademikerin beſetzt wird. Der Antrag wurde
mit 8 Stimmen gegen 6 Stimmen angenommen. Der zweite Satz dieſes
Antrags, nach dem das Anſtellungsverhältnis der männlichen und
weib=
lichen Lehrkräfte an den Studienanſtalten nach Möglichkeit von 1:1 zu
regeln ſei, wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Storck=
Kaul, die für die Höheren Bürgerſchulen eingeſtellten Beträge ſind zu
ſtreichen, wurde mit 7 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Das Kapitel ſelbſt
wurde angenommen; ebenſo wurde Kapitel 63 (Fortbildung der Lehrer
an Volks= und Höheren Schulen) genehmigt. Zu Kapitel 64 (
Jugend=
pflege) lag ein Antrag Storck=Kaul vor, die hierfür angeſetzten Beträge
ſind um 100 Prozent zu erhöhen. Der Antrag wurde gegen drei
Stim=
men, bei zwei Stimmenthaltungen, angenommen, ebenſo das Kapitel.
Bei Kapitel 65 (Volksbildung) beantragen die Abgeordneten Storck und
Kaul, den Betrag von 18000 Mk. auf 30 000 Mk. zu erhöhen; der
An=
trag wurde mit 7 gegen 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen
und das Kapitel genehmigt. Zu Kapitel 66 (Förderung der Kunſt) lag
ein Antrag Birnbaum vor, für das Gießener Stadttheater einen
Zu=
ſchuß von 10 000 Mk. zu bewilligen. Der Antrag wurde gegen 4
Stim=
men bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die Abſtimmung über das
Kapitel wurde ausgeſetzt. Zu Kapitel 69 (Landesbibliothek) wird in
einem Antrag Dr. Keller=Birnbaum gewüiſcht, daß die Bibliothekare
in den wiſſenſchaftlichen Bibliotheken den Studienväten in den
Anſtel=
lungsverhältniſſen gleichgeſtellt werden. Der Antrag wurde der
Begie=
rung als Material überwieſen. Die zweite Poſition des gleichen
An=
trags, wonach die im Etat vorgeſehene Kürzung von 10 Prozent der
ſachlichen Ausgaben bei den Bibliotheken aufgehoben werden ſoll, wurde
angenommen. Ein Antrag, daß die Amtsobergehilfen und die
Amts=
gehilfen ſtatt nach den Gruppen 2 und 3 nach den Gruppen 3 und 4 zu
beſolden ſind, wurde als Antrag abgelehnt, aber der Negierung als
Material überwieſen. Ein Antrag Dr. Keller=Birnbaum, eine durch den
Abbau erledigte Aſſeſſorenſtelle der Landesbibliothek für wiſſenſchaftliche
Hilfsarbeit zu überweiſen, wurde angenommen und das Kapitel
geneh=
migt, ebenſo Kapitel 71 (Förderung der Landesgeſchichte). Ein von dem
Abg. Dingeldey zu Kapitel 74 (Denkmalpflege) geſtellter Antrag, die
vorgeſehene Summe von 9500 Mk. auf 20000 Mk. zu erhöhen, wurde
abgelehnt. Dagegen wurde ein Antrag Weckler=Blank, die Regierung
zu erſuchen, eine zeitgemäße Umarbeitung des Denkmalſchutzgeſetzes dem
Landtag vorzulegen, angenommen und das Kapitel genehmigt. —
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Donnerstag, den 14 April 1927
Geite 7
Aus Heſſen.
4 Palmſonntagsſtimmung in Groß=Sachſen.
Jubelnd zogen wir hinein in den Palmſonntag. Der Regengott
drohte, aber wir jubelten doch. Das Ziel Groß=Sachſen mit der
weit=
hin ſtrahlenden „Krone” ließ uns die Wolken vergeſſen.
Kein Sterblicher vermochte die Oſterſtimmung in ſo unſterbliche
Worte zu kleiden wie Altmeiſter Goethe
„Im Tale grünet Hoffnungsglück”.
Hoffnungsglück allüberall wo wir hinſchauen in der Natur, in den
laut=
ſchlagenden Herzen, in den ſtrahlenden Augen fröhlicher Menſchen.
Der Vorfrühling hat die Bergſtraße beſonders ſüdlich Weinheim,
in ein buntes Blütenkleid gehüllt. Aprikoſe und Kirſche, Mandel und
Pfirſich entzücken in farbiger Mannigfaltigkeit unſer Auge. Aber nicht
nur das künſtleriſch äſthetiſche Empfinden des Naturſchwärmers, auch
der mit beiden Füßen feſt auf dem Boden der Wirklichkeit ſtehende
Nealpolitiker jubelt laut auf. Von den Höhen und Feldern grüßen
Nebſtock, Tabak und Hopfen. Die im Sommer blätterumrankten
hoch=
ragenden Stützen des „Gambrinus” wecken — peinlich ausgerichtet in
Neih und Glied und ſtramm auf Vordermann geſtellt — in unſerer
Phantaſie die Erinnerung an die Zeiten des ſeligen „Parademarſches”
und der „zuſammengeſetzten Gewehre‟. Es war doch auch nicht ſo übel.
Demokratiſch in des Wortes eigentlicher Bedeutung, volkserziehend und
geſund zugleich. Eine Manöverübung erſetzte reichlich 2 Badekuren.
Ein edles Dreigeſtirn: „Wein, Tabak und Hopfen!” das ſo
man=
chem von uns Stunden ſeligen Vergeſſeus ſchuf; das muß auch ſein!
Oft habe ich in früheren Tagen von der Ausſichtswarte am
Hunds=
kopf öſtlich Groß=Sachſens hinuntergeſchaut auf die in dieſer üppigen
Fruchtbarkeit eingebetteten freundlichen Siedlungen, und oft habe ich
mit Wohlgefallen mein Auge geweidet an der vielgeſtaltigen,
behag=
lichen Bergwelt unſeres Odenwaldes; einen wohltuenden Ruhepunkt aber
findet hier das Auge in der ſchmucken Pfarrkirche von Heiligkreuz, die
aus der grünen Umrahmung freundlich zu uns heraufgrüßt, in dem tief
eingeſchnittenen Waſſerlauf, der aus dem Dunkel der Berge ſilbern zu
„Tal eilt. In den ſanften, ausgeglichenen Höhenzug der Bergſtraße
bringt — in ihn ſelbſt eingekeilt — das wuchtige Steinmaſſiv des
Oel=
bergs einen wunderbaren Kontraſt. Steigen wir von dem Marktflecken
Schriesheim über den ſteilen, bewaldeten Sockel, vorbei an der alten
Nitterburg der Höhe entgegen, ſo umrauſcht uns machtvoll der Zauber
deutſcher Romantik, der edle Wetter vom Strahl, Kätchen von
Heil=
bronn „unter dem ſüß duftenden Holunderſtrauch‟. Heinrich von Kleiſt!
Das ſind die Gedanken, die uns zum Gipfel begleiten, der durch ſeinen
kühnen Aufbau dem Bild einen ſtarken, kräftigen Abſchluß verleiht;
und doch gibt er ihm auch ein warmes, ſüdliches Kolorit, dann nämlich,
wenn beim Neigegang des Tages die bunte, den Gipfel tragende
Fels=
mauer die tagsüber eingeſogene Sonnenglut behaglich wieder
aus=
ſtrömt.
Welch ein Gegenſatz! Mitten in dem in der Natur ſtark
treiben=
den Leben eine ruhige Stätte weihevollen Gedenkens. Unweit der
Stelle, an welcher das kleine, aus dem Odenwald kommende Tal in
das Vorgelände einmündet, hat der pietätvolle Sinn unſerer Groß=
Sachſener Freunde im Rahmen des Landſchaftsbildes ihren im
Welt=
krieg gefallenen Söhnen und Brüdern ein Ehrenmal errichtet. Einfach
und ernſt, würdig dem Zwveck, ein köſtlicher Naturausſchitt, in welchem
wir ſo ungeſtört träumen von denen, die uns lieb und teuer waren,
von dem, was uns heilig iſt, von der Heimat.
Doch nun zurück über die gaſtliche Schwelle der „Krone”, zum
Freund Ernſt. Der warme, ſonnige Hauch, der hier die Landſchaft ſo
mild verklärt, duftet und ſtrömt uns entgegen aus dem purpur und
golden funkelnden Pokal. In vollen Zügen ſchlürfen wir aus ihm
heitere Lebensfreude und Zuverſicht!
„Im Tale grünet Hoffnungsglück”.
R. Wünzer.
* Meſſel 13. April. In der vergangenen Woche waren 40 Jahre
verfloſſen, ſeit Herr Ludwig Volk 1. in die Fabrik Grube=Meſſel
ein=
trat. Aus dieſem Anlaß ſprach ihm die Direktion für ſeine treue Arbeit
ihre Anerkennung aus und überreichte ihm ein Geldgeſchenk. Auch von
dem Herrn Reichspräſidenten von Hindenburg erhielt der Jubilar ein
Glückwunſchſchreiben.
* Arheilgen, 12. April. Kirchenkonzert. Nachdem uns die
Karwoche des vorigen Jahres die Johannespaſſion von Heinrich Schütz
brachte, wurde uns am Montag abend durch den Kirchenchor der
Stadt=
kirche zu Darmſtadt unter der kümſtleriſchen Leitung von Herrn
Studien=
rat W. Borngäſſer die Lukaspaſſion, in der Bearbeitung von Profeſſor
D. Arnold Mendelsſohn, geboten. Dieſes an Kraft und Schönheit ſo
reiche Werk wurde unter Mitwirkung der Herren Biſchoff (Feſus) vom
Landestheater, Dr Stiefenhofer (Evangeliſt) und Dr. Kreickemeier
(Pilatus) in einer Vollendung zur Aufführung gebracht, die ihresgleichen
ſucht. Sehr würdig wurde dieſe „Hiſtoria des Leidens und Sterbens
unſeres Herrn und Heilands Jeſu Chriſti” durch ein ſchlichtes
Prä=
ludium eingeleitet, worauf der Chor ſehr ſtimmungsvoll einſetzte. Die
Solopartien wurden ſicher und künſtleriſch durchgeführt, und wieder
ſchloß ein Chor die würrdige Feier. Alle Beſucher waren von dem
Ge=
hörten tief ergriffen. Es war ein Erleben. — Das von Mitgliedern
des hieſigen evangeliſchen Jünglingsvereins am Samstag zur
Auffüh=
rung gebrachte alte Kölner Spiel von „Jedermann” erfreute ſich eines
ganz außerordentlichen Beſuches, ſo daß beabſichtigt iſt, dasſelbe noch
einmal am 2 Oſterfeiertag aufzuführen. — Die Aufführung des
roman=
tiſchen Schauſpiels „Prezioſa” von Pius Alexander Wolff, mit der Muſik
von Karl Maria von Weber, findet am 1. Oſterfeiertag, abends ½9 Uhr,
im Gaſthauſe „Zum weißen Schwanen” durch Mitglieder des
Geſang=
vereins „Liederzweig” ſtatt. — Am Karfreitag, nachmittags 3 Uhr,
(Todesſtunde Jeſu) findet im hieſigen Gotteshauſe eine liturgiſche Feier
ſtatt. In dieſer Feierſtunde wird Frau Dr. Röſener=Darmſtadt einige
Lieder ſingen. — Die freireligiöſe Gemeinde hält auch in dieſem Jahre
eine Jugendweihe ab, an der vier Kinder, zwei Knaben und zwei
Mädchen, teilnehmen. Die Feier findet wiederum im Phyſikſaale der
hieſigen Gemeindeſchule ſtatt, und zwar am erſten Oſterfeiertage,
vor=
mittags 10 Uhr. — Am Karfreitag und den Oſterfeiertagen haben die
verſchiedenen hieſigen Vereine Ausflüge in die nähere und weitere
Umgebung, beſonders in den nahen Park und die Bergſtraße, in
Aus=
ſicht genommen. Meiſt ſoll mit Ruckſackverpflegung gewandert werden.
Hoffentlich iſt hierzu günſtige Witterung beſchieden.
* Griesheim, 12. April. In mehrfachen Beſprechungen zwiſchen
dem Reichskommiſſariat und der Interallierten, Rheinlandkommiſſion
haben dieſe und die Armeeleitung zugeſichert, die Schießübungen im
Allgemeinen auf ein Mindeſtmaß einzuſchränken, damit perſönliche und
wirtſchaftliche Schäden (Gefährdung der Frühjahrsbeſtellung uſw.) nach
Möglichkeit vermieden werden. — In der Darmſtädterſtraße zu
Wolfs=
kehlen wurden in einer der letzten Nächte in zwei verſchiedenen Häuſern
Einbrüche verübt. Es wurde in einer Gaſtwirtſchaft die Kaſſe mit
3 Mark Inhalt und etliche Zigaretten geſtohlen. In dem anderen Hauſe
vermißte man 6 Hühner. Die polizeilichen Ermittelungen zeitigten bis
jetzt noch keine Ergebniſſe, die auf die Spur des oder der Täter
hin=
weiſen.
* Wolfskehlen bei Griesheim, 13. April. Verbrüht. Das fünf
Jahre alte Söhnchen eines hieſigen Landwirts verbrühte ſich an heißem
Waſſer ſo ſehr, daß es in das Darmſtädter Krankenhaus überführt
werden mußte.
* Eberſtadt 13 April. Bekämpfungder Herbſtzeitloſe.
Die Bürgermeiſterei weiſt darauf hin, daß jetzt im Frühjahr die
Herbſt=
zeitloſe auf den Wieſen unbedingt bekämpft werden muß. Die
Wieſen=
beſitzer ſind angewieſen, eine weitere Verbreitung der Herbſtzeitloſe zu
verhindern. — Rentenauszahlung. Die Klein= und
Sozialrent=
ner=Unterſtützung ſowie die Zuſatzrente für Kriegsbeſchädigte und
Kriegs=
hinterbliebene für den laufenden Monat wird am Donnerstag vormittag
auf der Gemeindekaſſe zur Auszahlung gebracht. Die Modau
führt, infolge der vielen Regengüſſe der letzten Tage, ſchlammiges
Hoch=
waſſer mit ſich.
* Eberſtadt, 12. April. Konfirmation. Die Konfirmation
der diesjährigen Konfirmanden findet am zweiten Oſtertag im
Vormit=
tagsgottesdienſt ſtatt. Die Konfirmandinnen, die am zweiten Feiertag,
nachmittags, vorgeſtellt werden, werden erſt am Sonntag nach Oſtern
konfirmiert.
* Pfungſtadt, 13. April. Drittes Liederkonzert. Der
hieſige Geſangverein „Sängerluſt”, der unter der Leitung des
Muſik=
direktors A. Simmermacher aus Darmſtadt ſteht, hält am erſten
Oſter=
feiertage abends im Saalbau Vögler ſein 3. Liederkonzert, unter
Mit=
wirkung eines Klaviertrios aus Darmſtadt, ab. —
Hauptverſamm=
lung. Der Geſangverein „Harmonie” hält am Karfreitag nachmittag
in ſeinem Vereinslokal bei Koch eine Hauptverſammlung ab.
*Gattenmord im Odenwald.
In Rimbach im Odenwald hat, wie wir ſoeben erfahren,
ein Arbeiter ſeine Frau ermordet. Er ſelbſt iſt ſchwer verletzt
aufgefunden worden. Vermutlich hat der Mörder nach der Tat
einen Selbſtmordverſuch begangen. Der Erkennungsdienſt der
Darmſtädter Kriminalpolizei begibt ſich morgen früh an den
Tatort.
* Ober=Ramſtadt 12. April. Am erſten Oſterfeiertag (17. April),
abends 8 Uhr, veranſtaltet die Ortsgruppe Ober=Ramſtadt des
Reichs=
bundes der Kriegsbeſchädigten und Hinterbliebenen im Saale „Zur
ſchönen Ausſicht” (Georg Peter Schröbel) einen Theaterabend,
bei dem das Volksſtück „O, Heimatſonne, Heimaterde” zur Aufführung
kommt. Die einzelnen Rollen liegen in guten Händen und dürfte ſicher
jeder Beſucher ganz auf ſeine Rechnung kommen. — Zur
Schulent=
laſſung kommen hier 37 Knaben und 56 Mädchen. — Die 4. Rate
Handwerkskammerbeitrag 1926 iſt innerhalb 8 Tagen an die
Gemeinde=
kaſſe zu zahlen.
* Groß=Umſtadt, 12. April. Polizeiverordnung. Einer
neuen Polizeiverordnung entſprechend müſſen von jetzt ab die
Orts=
ſtraßen wöchentlich zweimal, und zwar Mittwochs und Samstags,
gerei=
nigt werden. Vor dem jedesmaligen Reinigen und auch zu trockenen
Jahreszeiten hat zur Bekämpfung der Staubplage ein Begießen der
Straßen und Plätze zu erfolgen. Insbeſondere iſt darauf zu achten, daß
keine unreinen Flüſſigkeiten, wie Jauche und dergleichen, auf die Straßen
fließen. Hoffentlich hat die Ortspolizei ein wachſames Auge darauf, daß kaun man jedoch noch auf andere Weiſe zur Neunkircher Höhe
die getroffenen Beſtimmungen im Intereſſe der öffentlichen
Geſund=
heitspflege ſtrengſtens beachtet werden. — Die Hausſchlachtungen von
Schweinen ſind zurzeit im Zunehmen begriffen. Es iſt dies wohl eine
Folge von den niederen Preiſen, die der Erzeuger erhält. Man hört
von 58 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht und dem hohen Verkaufspreis
von 1,20 Mk. pro Pfund. Ein niederer Verkaufspreis ſeitens der
Metz=
ger würde den Hausſchlachtungen ein baldiges Ende bereiten.
r. Babenhauſen, 13. April. Die geſtrige
Gemeinderats=
ſitzung leitete in Vertretung des Herrn Bürgermeiſters Herr
Bei=
geordneter Hauff. Nach Beratung verſchiedener interner
Angelegen=
heiten beſchließt der Gemeinderat den Ankauf von 50 Loſen der heſſ.
Krüppelheim=Lotterie. Die Geſuche der Bauherren Fr. Fiſcher und Chr.
Ihrig, die Stadt möge zwecks Beſchleunigung ihrer Bauvorhaben eine
hypothekariſche Sicherheit auf eine gewiſſe Zeit übernehmen, werden
genehmigt. Die Ausführungsarbeiten von Tiſchen und Schemeln für
die Fortbildungsſchule werden dem Schreinermeiſter L. Beck dahier
übertragen, da er das Mindeſtangebot eingereicht hatte.
* Michelſtadt, 13. April. 55. Generalverſammlung der
Volksbank Michelſtadt e. G. m. b. H. Die diesjährige
Gene=
ralverſammlung fand im Saale der Brauerei Dörr, hier, ſtatt. Der
Vorſitzende, Herr L. Rexroth, begrüßte die Anweſenden und ganz
be=
ſonders den erſchienenen Verbandsreviſor, Herrn, Wagner=Darmſtadt,
und erteilte nach Erledigung der üblichen Formalitäten dem
Geſchäfts=
führer, Herrn W. Keller, das Wort zur Berichterſtattung über das
ab=
gelaufene Geſchäftsjahr. Derſelbe berichtete in ausführlicher Weiſe über
den Verlauf desſelben und wies beſonders darauf hin, daß die
Spar=
tätigkeit noch bedeutend belebt werden müſſe, damit die Bank wie früher
mit eigenen Mitteln arbeiten und damit eine weſentliche Verbilligung
der Kredite herbeiführen könne. In ſeinen weiteren Ausführungen
wies Herr Keller noch auf die Tatſache hin, daß heute nicht die Zeit
großer Gewinne ſei, ſondern daß es eine Hauptaufgabe iſt, den
Mit=
gliedern durch kulante Bedienung eine wirtſchaftliche Stütze in der
ſchweren Zeit zu ſein. Die Bank ſei jederzeit für den Kunden da,
vor=
ausgeſetzt, daß es ſich um ehrliche, ſtrebſame Kunden handelt. Auf
Kun=
den, die in unreeller Abſicht die Bank ſich nutzbar zu machen verſuchen,
würde gerne verzichtet. Nur durch umſichtige und korrekte
Geſchäfts=
führung kann ſich eine Genoſſenſchaft Achtung und Vertrauen erringen.
Anſchließend gab der Aufſichtsrat Mitteilung über die ſtattgefundene
ge=
ſetzliche Reviſion, die zu Beanſtandungen einen Anlaß nicht gegeben hat.
Herr Strauß berichtete über die mit zwei Herren des Aufſichtsrates
vor=
genommene Bilanzprüfung, welche gleichfalls unbeanſtandet verlief,
Daraufhin wurde die Bilanz von der Generalverſammlung genehmigt
und dem Vorſtand und Aufſichtsrat Entlaſtung erteilt. Der Reingewinn
wurde wie vorgeſchlagen verteilt. Bei der Wahl des Direktors erfolgte
die Wiederwahl des Herrn Th. Strauß, ferner erfolgte Wiederwahl der
ausſcheidenden Aufſichtsratsmitglieder. Neu hinzugewählt wurden die
Herren Rechtsanwalt Dr. Süß, Prokuriſt Hofmann, beide von
Michel=
ſtadt, und Herr Pappenfahrikant Fr. Ihrig von Zell i. O. Im nächſten
Punkt werden die neuen, für bankmäßig geleitete Genoſſenſchaften
ge=
bräuchlichen Statuten durch die Generalverſammlung beſtätigt. Hierauf
wird einſtimmiger Beſchluß gefaßt, das erworbene Bankhaus in der
Bahnhofſtraße (ſogenannte Staedtlerſche Anweſen) unter allen
Umſtän=
den baldmöglichſt zu beziehen, und wurde die Durchführung dieſer
Auf=
gabe einer Kommiſſion übertragen.
* Erbach, 13. April. Seit Jahren ſchon erfreut uns der hieſige
evangeliſche Kirchengeſangverein nicht nur durch ſeine
gediegenen Darbietungen in den Gottesdienſten, ſondern auch durch ſeine
ſtets wohlgelungenen Konzertaufführungen. Gute Muſik bei ſehr
mäßi=
gen Eintrittspreiſen dem Volke zu bieten, ſind dabei ſeine Grundſätze.
Dieſes Jahr ſtellte er ſich nun eine ganz beſondere Aufgabe. Am
Kar=
freitag, nachmittags 4 Uhr, ſoll in der hieſigen Stadtkirche
Erwin Degens volkstümliches Paſſions=Oratorium: „Siehe!
Das iſt Gottes Lamm! zur Aufführung kommen.
t. Beerfelden, 12. April. Daß in früheren Jahren oft am
verkehr=
ten Platz geſpart wurde, das zeigen die gegenwärtigen Arbeiten an der
hieſigen Waſſerleitung. Da am Güttersbacher Weg einige Neubauten
erſtehen, läßt die Gemeinde die Waſſerleitung verlängern, dabei ſah
man, daß am Ende ſeinerzeit dünnes Rohr verwendet wurde,
ſogenann=
tes Waſſerleitungsrohr, wie man es für Hausleitungen verwendet. Bei
den Fortführungsarbeiten muß dieſe geringwertige Leitug beſeitigt
werden, wodurch die doppelte Grabarbeit und Neuanlage entſteht. —
Ein weiterer Mangel in der Anlage beſteht in dem faſt vollſtändigen
Mangel an ſogenannten Schiebern zwecks Abſtellung des Waſſers bei
Reparaturen. Dieſen Fehler darf man vielleicht auf dem Konto der
damaligen beaufſichtigenden Stelle ſuchen; die Gemeindevertretung ſelbſt
kannte die techniſchen Notwendigkeiten der Anlage nicht. In den erſten
Jahren empfand man den Fehler nicht, bei den ſich häufenden
Repara=
turen müſſen aber zuweilen ganze Ortsteile trochen gelegt werden, darum
iſt die jetzige Gemeindevertretung bemüht, in lobenswerter Weiſe dem
Mangel abzuhelfen.
n. Vom ſüdlichen Odenwald, 12. April. Am Dienstag herrſchte auf
den Höhen lebhaftes Schneetreiben. Einige Zeit prangten die
Höhen in weißer Decke, doch kurzer Sonnenſchein und Wind beſeitigten
ſie wieder bald. Montag waren des öfteren Gewitter zu beobachten,
ſo präſentiert der April in kurzem Zeitraum die Wetterkarte des ganzen
Jahres, doch nicht zum Ergötzen der Wanderluſtigen, die infolge der
be=
gonnenen Oſterferien den Winterſtaub im Frühlingswehen auslüften
möchten.
Hirſchhorn, 13. April. Waſſerſtand des Neckars. Am
12. April: 1.90 Meter; am 13. April: 1,85 Meter.
Tabletten
werden häufg nachgemacht. Seien
Sie vorsichtig und kaufen Sie die
Aspirin-Tabletten nur in der
Original-Packung „Bogel” mit /
der violetten Banderole.
In allen Apotheken
erhältlich.
Kraſtpoſt nach Neunkirchen.
Das Kreisamt Dieburg teilt mit:
Nach Mitteilung der Oberpoſtdirektion Darmſtadt verkehrt
die Kraftpoſt durch das Modautal vom Palmſonntag, 10. April,
ab wieder bis Neunkirchen. Man kann daher von
Darm=
ſtadt oder von Ober=Ramſtadt durch das Modautal über
Bran=
dau nach Neunkirchen fahren. Dies iſt die beſte Verbindung für
Ausflüge auf die Neunkircher Höhe und nach Neunkirchen und
Lützelbuch. Vorläufig ſind drei Fahrten täglich nach
jeder Richtung von Brandau über Lützelbach nach Neunkirchen
vorgeſehen. Man kann auf dieſe Weiſe vormittags 9,50 oder
nachmittags 3,20 oder abends 9,30 in Neunkirchen ſein. Von
Neunkirchen zurück fährt die Poſt morgens 5.40, mittags 12.22
und abends 5.25. Für den Sommer wird wahrſcheinlich noch
eine zweite Abendfahrt eingelegt werden können. — Die
Durch=
führung der Kraftpoſt über Neunkirchen nach Lindenfels
wird mit Einführung des Sommerfahrplans erfolgen. Bei
günſtiger Witterung werden dieſe Fahrten
jedoch ſchon von Karfreitag bis Oſtermontag
für den Oſterverkehr ausgedehnt werden. Nach
Be=
darf werden auch von Darmſtadt die Poſtwagen vorausſichtlich
doppelt fahren. Station Ober=Ramſtadt iſt auch mit der
Rod=
gau=Bahn über Dieburg—Reinheim zu erreichen, doch ſind die
Anſchlüſſe vormittags in Reinheim ſehr ſchlecht. Von Reinheim
gelangen. Man fährt von Reinheim mit der Nebenbahn der
Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft nach Groß=Bieberau. Dort
iſt Anſchluß an die Kraftpoſtlinie Groß=Bieberau—Steinau, die
von Oſtern ab bis Lützelbach durchgeführt werden ſoll. Auf
dieſer Strecke iſt jedoch gleichfalls vormittags ſehr ſchlechter
An=
ſchluß, während der Anſchluß mittags um 2.15 ab
Reinheim vorhanden iſt. Der Luftkurort Lichtenberg
mit Schloß Lichtenberg iſt über Reinheim am beſten gleichfalls
mit der Kraftpoſtlinie Fiſchbachtal von Groß=Bieberau nach
Niedernhauſen zu erreichen. Das gleiche gilt für die
Sommer=
friſche Nonrod. Eine beſondere
Kraftwagen=
linie nach Lichtenberg von Ober=Ramſtadt aus
iſt vorgeſehen und wird jedenfalls bis
Pfing=
ſten in Betrieb ſein.
* Von der Bergſtraße, 12. April. Geſchäftsbericht. Die
Vereinsbank Weinheim, eines der größten ländlichen Geldinſtitute
Süd=
deutſchlands, hatte in 1926 einen Geſamtumſatz von über 50 Millionen
Mark mit einem Reingewinn von 41 630 Mark. Es können 10 Prozeut
Dividende verteilt werden. Die Geſchäftsanteile ſind auf 249 217 Mark
angewachſen. Die Einlagen ſind von 479 483 Mark auf 734 785 Mark,
die Spareinlagen von 87 202 Mark auf 131 731 Mark geſtiegen. Die
alten Spareinlagen werden vorläufig mit 5 Prozent als erſte Rate
auf=
gewertet. — Spargelfeſt. Das diesjährige Spargelfeſt in
Schwetzingen findet von 11. bis 13. Juni ds. Js. ſtatt mit beſonderer
Aufmachung dem letztjährigen gegenüber. Sportliche Wettkämpfe,
Kon=
zerte, eine italieniſche Nacht und die Aufführung von Hans Sachs=
Spielen werden das Feſtprogramm bereichern. Die Hauptveranſtaltung
mit großem hiſtoriſchem Feſtzug findet am Sonntag, den 12. Juni, ſtatt.
— Die elektriſche Straßenbahn Heidelberg—Schwetzingen
wurde am verfloſſenen Sonntag mit entſprechender Feierlichkeit eröffnet
— Eine 24 Jahre alte Frauensperſon von Weinheim beging infolge
Schwermuts Selbſtmord.
* Auerbach, 12. April. Neuer Arzt. Hier hat ſich ein vierter
praktiſcher Arzt, Dr. med. Friedrich Schweitzer, niedergelaſſen.
* Heppenheim a. d. B., 12. April. Arbeitsmarktlage. Am
1. April 1927 waren in der Stadt Heppenheim 110 männliche und 43
weibliche, zuſammen 153 Erwerbsloſenunterſtützungsempfänger, an
Zu=
ſchlagsempfängern (Frauen und Kinder) waren es 216, ſowie 164
Not=
ſtandsarbeiter. Im Kreiſe Heppenheim waren um 1. April 776
Er=
werbsloſenunterſtützungsempfänger, 760 männliche und 16 weibliche, ſowie
1421 Zuſchlagsempfänger (Frauen und Kinder) und 131
Notſtandsarbei=
ter. Bei den zuletzt genannten Zahlen im Kreiſe iſt die Stadt
Heppen=
heim nicht mitberückſichtigt . — Kriegerv. Heppenheim. Der
Kriegerverein hatte vergangene Woche ſeine Mitglieder zu einer
vor=
geſtern ſtattgefundenen Hauptverſammlung im Gaſthaus „Zum goldenen
Anker” eingeladen, welche wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ſehr
beſucht war. Neben verſchiedenem anderen wurden Beſchlüſſe über die
Sterbekaſſe, das Verſicherungsweſen, über das Ehrenmal, über
Mützen=
frage, über Kleinkaliberſchießen uſw. gefaßt. — Gemeinnützige
Baugenoſſenſchaft Heppenheim. Genannte Vereinigung
macht darauf aufmerkſam, daß ſchriftliche Kaufangebote auf ihre beiden
Häuſer an Herrn Profeſſor Rupp zu richten wären (Zimmer 11 des
Rathauſes). Es iſt anzugeben, wie das Haus finanziert werden ſoll,
insbeſondere wieviel Eigenkapital zur Verfügung ſteht. — Bau= und
Siedlungsgenofſenſchaft. Vorgeſtern tagte die
Orts=
gruppe Heppenheim der Siedlungsgenoſſenſchaft im Saalbau Karchner.
Im Mittelpunkte der Tagesordnung ſtand die Berichterſtattung des
Herrn Rechtsanwaltes Dr. Fetſch aus Heppenheim über die
General=
verſammlung in Darmſtadt, welche den größten Teil des Abends' in
Anſpruch nahm. Bei der auch ſtattgefundenen Vorſtandswahl wurde
der alte Vorſtand wiedergewählt. — Ende des
Steinarbei=
terſtreiks. Der Steinarbeiterſtreik im Odenwald fand durch einen
rechtsverbindlichen Schiedsſpruch des Landesſchlichters ſeinen Abſchluß.
Der Streik hatte drei Wochen gedauert. — Arbeitsmarkt. Der
Arbeitsnachweis ſucht 10—15 Maſchinenformer, evtl. auch Handformer,
die nachweislich ſchon als Maſchinenformer gearbeitet haben. Zeugniſſe
ſind vorzulegen.
* Lorſch, 13. April. Der wegen Giftmordes vom
Schwur=
gericht zum Tode verurteilte Eberle von hier iſt vom
Geſamt=
miniſterium zu lebenslänglichem Zuchthaus
be=
gnadigt worden.
* Groß=Gerau, 12. April. Ferkelmarkt. Der nächſte Groß=
Gerauer Ferkelmarkt findet am 20. April ſtatt.
* Rüſſelsheim, 13. April. Einbruch. In einem am
Sommer=
damm gelegenen Haus wurde im =oberſten Stockwerk eingebrochen. Der
Dieb konnte auf friſcher Tat beobachtet werden, floh jedoch trotz eifriger
Verfolgung.
* Gießen, 13. April. Der große Kreditbetrugs= und
Warenverſchiebungsprozeß. Bereits ſeit fünf Tagen wird
unter dem Vorſitz des Landgerichtsrats Strack in der Sache verhandelt,
und fortgeſetzt iſt der Zuſchauerraum mit Intereſſenten und Neugierigen
gefüllt. Die Vernehmung der noch ſehr jugendlichen Gebrüder Siegfried
und Iſidor Katz aus Lich ergibt, daß beſonders Siegfried über Stehling
gute Auskünfte gab, obwohl er wußte, daß dieſer nicht bezahlen konnte.
Es wurden Kaufleute und Handelsagenten aus Frankfurt a. M. ſowie
eine Kontoriſtin von dort vernommen. Sonderbar klingt es, daß
Frank=
furter Agenten nur über ein Schreibzimmer und Sprechzimmer
verfüg=
ten, aber keinerlei Lager hatten. Der Vater der Gebrüder Katz, Juda
Katz aus Lich, wird ebenfalls vernommen. Drei Gerichtsvollzieher,
welche bei den Angeklagten Stehling, Zugehör, Gernand und Römer
Pfändungen vornahmen, erklärten, daß dabei nichts herausgekommen
ſei. Es wurden ferner wieder auswärtige Firmen verleſen. Auf
Steh=
ling allein entfallen etwa 80 Fälle des Kreditbetrugs. Es iſt ſehr
zwei=
felhaft, ob die Verhandlungen vor den Feiertagen ihren Abſchluß finden
werden, da ſich bei der Zeugenvernehmung fortgeſetzt neue Fälle von
Kreditbetrug, Täuſchungen uſw. feſtſtellen laſſen.
* Lollar, 13. April. Nach dem Oſterfeſt verläßt uns der zweite
Pfarrer ünſeres Kiuchſpiels. Pfarraſſiſtent Karl Hartmann wurde
von der Kirchenbehörde zum Pfarrer der Pfarrei Schlierbach im
Oden=
wald ernannt. Das Scheiden des Pfarrers Hartmaun erweckt allſeitig
großes Bodauern, da uns mit demſelben ein Pfarrer verläßt, der ſich
bei allen Schichten der Bevölkerung der größten Beliebtheit erfreute.
In allen Dörfern unſeres Kirchſpiels erfreuten ſich ſeine tiefgründigen
und recht volkstümlich gehaltenen Predigten, dank ſeiner packenden
Red=
nergabe, eines großen Zuſpruchs. Dazu kam, daß Pfarrer Hartmann
durch ſein leutſeliges Weſen jedermann aufs freundlichſte entgegenkam.
Beſonders war er tätig auf dem Gebiet der evangeliſch=kirchlichen
Frauenvereine. Manch ſchöner Vortrag wird uns lange in guter
Er=
innerung bleiben. Die beſten Wünſche aller Kirchſpielsgemeinden
be=
gleiten den ſcheidenden Pfarrer an die Stätte ſeiner neuen Wirkſamkeit.
Seite 8
Donnerstag, den 14 April 1927
Nummer 104
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt.
Geſtorben: Am 6. 4.: Haus, Marie, Thereſia, geb. Frühwein,
Ehe=
frau des Landwirts und Bürgermeiſters in Münſter, Kr. Dieburg, hier,
Lagerhausſtr. 24. Freifrau von Wilkau, geb. Scherz, Doris, Witwe des
Generalleutnants, 72 J., Heinrichſtr. 16. Roß, Gg., III., Fabrikarbeiter.
aus Eberſtadt, 59 J., Erbacherſtr. 25. Am 7. 4.: Tilge, Joſef, Schreiner,
54 J., aus Nieder=Ramſtadt, hier, Erbacherſtraße 25. Am 5. 4.: Jayme
Peter, Strafanſtalts=Oberwachtmeiſter, 55 Jahre, Liebfrauenſtraße 101.
Am 7. 4.: Vollrath, Johannes, Friſeur, 49 Jahre, Mathildenplatz 1.
Büdinger, Johann Jakob, Schloſſer, aus Zwingenberg a. d. B., 24 J.
hier, Grafenſtraße 9. Funk, Nikolaus Wilhelm Daniel, Prokuriſt, 64 J.
Wenckſtraße 22. Ruf, Margarete, aus Wiesbaden, 2 J., Erbacherſtr. 25
Herbert, Adam, Metzger aus Gernsheim, 61 J., hier, Erbacherſtraße 25.
Am 8. 4.: Axt, Marie, geb. Speckhardt, 54 J., Ehefrau des Poſtagenten
in Ernſthofen, hier Erbacherſtraße 25. Aßmus, Katharina, geb. Rudolph,
57 J., Ehefrau des Taglöhners, Arheilgerſtraße 14. Am 9. 4. Roß, Eva
Sophie, geb. Berſch, 55 J., Ehefrau des Wagnermeiſters in Bickenbach,
hier, Dieburgerſtraße 21.
Am 10. 4.: Aßmus, Eliſabeth Katharina, geb. Hill, 32 J., Ehefrau
des Keſſelſchmieds, Riedeſelſtr. 52. Schaper, Anna Adelheid, Privatin,
ledig, in Seeheim, 49 J., hier Grafenſtraße 9. Weber, Margarete, geb.
Kolb, 68 J., Witwe des Schreiners, in Eberſtadt, hier, Grafenſtraße 9.
Am 9. 4.: Kuhn, Gerhard, 1 Monat, Beſſungerſtraße 8½.
Gottesdienſtlich= Anzeigen.
Gründonnerstag (14. April 1927).
Stadtkirche. Nachm. 5 Uhr: Abendmahlsgottesdienſt mit Einzelkelch.
Pfarrer Lautenſchläger
Stadtkapelle. Abends 6 Uhr: Abendmahlsgottesdienſt. Pfarrer Heß.
Martinskirche. Abends 8 Uhr: Abendmahlsgottesdienſt. Pfarrer
D. Waitz. Anmeldung von 7½ Uhr in der Sakriſtei.
Johanneskirche. Abends 8 Uhr: Abendmahlsgottesdienſt. Pfarrer
Marx.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Abends
8 Uhr: Vorbereitungsgottesdienſt für das Karfreitagsabendmahl.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). Abends 8 Uhr:
Abendmahls=
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lic. zur Nieden. Anmeldung von ½8 Uhr
an in der Sakriſtei.
Pauluskirche. Abends 6 Uhr: Abendmahlsgvttesdienſt mit
Einzel=
kelch. Pfarrer Rückert. Anmeldung von ½6 Uhr an in der Sakriſtei.
Stiftskirche. Nachm. 3 Uhr: Paſſionsandacht mit Beichte. — Abends
7½ Uhr: Beichte. — Abends 8 Uhr: Hauptgottesdienſt mit hl.
Abend=
mahl. Pfarrer Waldeck.
Karfreitag (15. April 1927).
Stadtkirche Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des hl.
Abendmahls. Pfarrer Lautenſchläger. — Der Kindergottesdienſt findet
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, ſtatt. — Nachm. 5 Uhr:
Predigt=
gottesdienſt wit Feier des heilgen Abendmahls. Pfarrer Wagner. (Vor=
und Nachmittags Kollekte für die Kleinkinderſchule der Lukasgemeinde.)
Stadtkapelle. Vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre für die Kaplaneigemeinde.
Pfarrer Heß — Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Saal.
(Kollekte für die Kleinkinderſchule der Kaplaneigemeinde.) — Vorm.
11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Kleberger.
Schloßkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des hl.
Abendmahls. Pfarrer Zimmermann. (Kollekte für die Kleinkinderſchule
der Schloßgemeinde.) — Nachm. 3 Uhr: Vereinigung zur Abhaltung
lutheriſcher Gottesdienſte: Letzte Paſſionsandacht. Pfarrer
Lauten=
ſchläger.
Martinskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des hl.
Abendmahls. Pfarrer Beringer. Anmeldung von 9¼ Uhr an in der
Sakriſtei (Kollekte für die Gemeindeſchweſternſtationen.) — Nachmittags
2 Uhr: Kindergottesdienſt ſür den Oſtbezirk. Pfarrer Beringer.
Nachm. 4½ Uhr: Kirchenmuſikaliſche Feier: Aufführung der Schützſchen
Lukaspaſſion (Kollekte beim Ausgang.) — Abends 8 Uhr:
Paſſions=
gottesdienſt mit Abendmahlsfeier. Pfarraſſiſtent Lein. Anmeldung von
7½ Uhr an in der Sakriſtei. (Kollekte für die
Gemeindeſchweſtern=
ſtationen.)
Altersheim. Vormittags 10 Uhr: Gottesdienſt mit Abendmahlsfeier.
Pfarraſſiſtent Lein.
Johanneskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Marx
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung. — Vorm. 11½ Uhr:
Kinder=
gottesdienſt. — Nachm. 5 Uhr: Abendmahlsgottesdienſt. Pfarrer Goethe.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonic). Vormittags
10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des heiligen Abendmahls.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). Vorm. 10 Uhr:
Hauptgottes=
dienſt mit anſchließender Feier des heiligen Abendmahls. (Mitwirkung
des Kirchenchors.) Pfarrvikar Schäfer. Anmeldung von ½10 Uhr an in
der Sakriſtei. — Nachm. 2 Uhr: Kidergottesdienſt. — Nachm. 5 Uhr:
Liturgiſcher Karfreitagsgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lie. zur Nieden.
(Mitwirkung des Kirchenchors und einer Soliſtin.) (In allen
Gottes=
dienſten Kollekte für das Syriſche Waiſenhaus in Jeruſalem.)
Pauluskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung. Anmeldung von ½10
Uhr an in der Sakriſtei. — Nachm. 4 Uhr: Liturgiſche Karfreitagsfeier
unter Mitwirkung des Kirchenchores.
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des hl.
Abendmahls. Pfarrer Hickel. — Nachm. 3 Uhr Paſſionsandacht.
Evangeliſche Kirche zu Eberſtadt. Karfreitag, vormittags 9½ Uhr:
Gottesdienſt mit hl. Abendmahl. Pfarraſſiſtent Wolf. Gefang des
Kiuchengeſangvereins, Kollekte für das Shyriſche Waiſenhaus. 5½ Uhr:
zweiter Gottesdienſt. Pfarrer Paul. — In der Prov.=Pflege=Anſtalt:
Gottesdienſt 2 Uhr. Pfarrer Paul.
Nieder=Remſtadt. Karfreitag, vormittags ½10 Uhr:
Hauptgottes=
dienſt. Mitwirkung des Kirchenchors, hl. Abendmahl. Abends 8 Uhr:
lithurgiſche Karfreitagsfeier, Mitwirkung der Herren Crößmann und
Fritz Thöt, des Poſaunenchors und des Chors des Jungmädchen=Vereins.
Evangeliſche Gemeinde Roßdorf. Gründonnerstag, abends
8 Uhr, Paſſionsgöttesdienſt, Feier des heil. Abendmahls. —
Karfrei=
tag, vorm. 10 Uhr, Hauptgottesdienſt unter Mitwirkung des
Jung=
frauenchors. Feier des heil. Abendmahls. Nachm. 2 Uhr: Liturgiſche
Karfreitagsfeier. Mitwirkung des Jungfrauenchors. —
Oſterſonn=
tag, vorm. 10 Uhr, Hauptgottesdienſt unter Mitwirkung des
Kirchen=
geſangvereins und des Poſaunenchors. Feier des heil. Abendmahls. —
Nachmittags 2 Uhr: Beichte zur Konfirmation. — Oſtermontag,
vorm. 9½ Uhr, Konfirmationsfeier unter Mitwirkung des
Jungfrauen=
chors. Feier des heil. Abendmahls Kollekte ſſüir die deutſch=evangeliſchen
Kirchen im Ausland. Nachm. 2 Uhr: Konfirmationsnachfeier.
Austei=
lung der Konfirmationsſcheine.
Chriſtlicher Verein Junger Männer, Alexanderſtraße 22, Inf.=Kaſ.
Karfreitag, f1üh 9 Uhr: Treffen im Heim zum gemeinſamen Kirchgang.
Abends 8 Uhr: Karfeitag=Abend=Muſik.
Sonſtige Gemeinſchaften.
Chriftliche Gemeinſchaft Darmſtadt, Mollerſtraße 40. Karfreitag, den
15. April, morgens ½10 Uhr und abends 8½ Uhr: Paſſionsandacht.
Jedermann herzlich willkommen.
Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten), Mauerſtraße 17.
Donnerstag, den 14. April, abends 8½ Uhr: Paſſionsvortrag: „Das
Kreuz zur Linken Jeſu” — Freitag, den 15. April, vorm. 10 Uhr:
Paſſionsvortrag: „Das Kreuz Chriſti ein Geheimis” — In Nieder=
Ramſtadt bei Raſt, Alte Darmſtädter Straße 30, nachmittags 4 Uhr:
Chriſtliche Verſammlung. Dazu ladet freundlichſt ein Prediger Conrad.
Evangeliſche Gemeinſchaft, Eliſabethenſtraße 44. Kaufreitag,
vor=
mittags 10 Uhr: Predigt. Abends 8 Uhr: Predigt.
Die Chriſtengemeinſchaft. Karfreitag, 15. April, vorm. 10½
Uhr, in der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt (Eliſabethenſtraße)
Men=
ſchenweihehandlung nebſt Predigt.
Oſtermontag, 17. April,
vor=
mittags um 11½ Uhr (nicht 10.30 Uhr), in der Städtiſchen Akademie für
Tonkunſt: Menſchenweihehandlung mit Predigt.
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Die Verlobung unſerer Tochter
Hildegard mit Herrn Dipl.=Ing.
Hans Steinert beehren wir uns
anzuzeigen
Landgerichtsdirektor Adolf Mäller
und Frau Leni, geb. Guntrum
Darmſtadt
Schießhausſtraße 76
Meine Verlobung mit Fräulein
Hildegard Müller beehre ich
mich anzuzeigen
Dipl.=Ing. Haus Steinert
Oſtern 1927.
Berlin NW 87
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Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen:
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Die glückliche Geburt
eines geſunden Töchterchens
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Dipl.=Ing. 8. Hanpt u. Frau
Dorle, geb. Ritſert.
Mannheim, am 12. April 1927.
Richard Wagner=Str. 28. ( 10075
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unſeren
lieben Vater, Schwiegervater und Großvater
Beitn T. Kaus
im nichtvollendeten 82. Lebensjahre zu ſich in die
Ewig=
keit abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſiadt, Kiesſtr. 13, Eiſen.
(*10099
Die Beerdigung findet Samstag, den 16. April, vormittags 11 Uhr,
auf dem alten Friedhot ſtatt.
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Am 11. April, vormittags 4½ Uhr, verſchied
nach längerem ſchweren Leiden meine liebe Frau,
unſere unvergeßliche Mutter und Großmutter
Dankſagung.
Für die anläßlich des Todes und
Begräbniſſes meiner lieben Schweſter
Frau Luiſe Klump
Linu Machengautt
verwitweie Neuß, geb. Strauß
im 73. Lebensjahre.
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Karl Klump.
Darmſtadt, den 13. April 1927.
(10124
Heinrichsſtraße 158, II.
Auf beſonderen Wunſch der Verſtorbenen erfolgte die
Einäſcherung in der Stille
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen
lieben Mann, unſeren guten Vater, Bruder,
Schwa=
ger und Onkel
eint Tenhenn Seiß
Landwirt
(:10095
wohlverſehen mit den hl. Sterbeſakramenten, im
Alter von 60 Jahren, zu ſich, in die Ewigkeit
ab=
zurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Marg. Geiß, geb. Bormuth.
Groß=Zimmern, Klein=Zimmern, Flörsheim a. Main,
Dieburg, Viernheim a. d. Bgſtr., den 13. April 1927
Die Beerdigung findet Freitag, den 15. April,
mittags 12 Uhr, in Groß=Zimmern ſtatt.
erwieſenenAufmerkſamkeiten von
Be=
kannten, Freunden und Verwandten
aus Nah und Fern ſpreche ich auf
dieſem Wege meinen allerherzlichſten
Dank aus.
Anna Machenhauer.
Mühlhäuſer=Hammer, 10. Aprik 1927.
(6405)
Todes-Anzeige.
Nach kurzem, schwerem Leiden entschl ef, versehen
mit den Tröstungen unserer heil. Kirche, heute meine
liebe Mutter, Schwiegermutter, unsere Großmutter,
Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Anton Fischer Hw.
Christine, geb. Müller
im 67. Lebensjahre.
Alma Schulte, geb. Fischer
Heinrich Schulte
und 3 Enkelkinder: Edith. Hildegard und Alois.
Darmstadt, den 12. April 1927.
Die Beerdigung fndet Samstag, den 16. April 1927, 11.30 Uhr
vormittags, aaf dem Friedhof Nieder-Ramstädterstraße statt
10.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter
Teilnahme bei Heimgang meiner
treuen Frau, unſerer lieben, tapferen
A Mutter
Marie Axt
geb. Speckbardt
innigen Dank. Insbeondere danken
wir Herrn Pfarrer Becker für ſeine
troſtreichen Worte und Herrn Po;
* meiſter Weber=Oberramſtadt für den
ſo ehrenden Nachruf.
Ph. Axt II.
Elſe Axt
Fami ie Ph. Axt III.
Familie Arnold Weis,
Darmſtadt.
Ernſthofen, den 12. April 1927 (6471
Dr. Mod. Hallmer
verreist
vom 14. April bis 8. Mal
Vertreter: die Herren Dr. Dr.
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der Banderolen=Schieber.
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DD. Berlin. Die große
Banderolenſchieber=
affäre Saré und Genoſſen zieht immer weitere Kreiſe
und hat vor allem in Berlin zu neuen Verhaftungen
über die bereits am Montag mitgeteilten hinaus
ge=
führt. Außer dem Inhaber der früheren
Zigaretten=
fabrik Dota, Krakauer, iſt auch deſſen
Geſchäfts=
führerin, Fräulein Moſes, in Haft genommen, die
den Verkehr zwiſchen Bing in Hamburg und
Kra=
kauer in Berlin vermittelt haben ſoll. Angeblich hat
ſie große Mengen von gefälſchten Banderolen nach
Hamburg gebracht, wo ſie dann von Bing zum Teil
ſelbſt verwandt, zum Teil an ihm naheſtehende Kreiſe,
wie z. B. an die Zigarettenfabrik Gerdani,
weiter=
gegeben wurden. Fräulein Moſes hat ſich in Berlin
als Helferin ihres Chefs inſofern betätigt, als ſie
bei einer unerwarteten Kontrolle des Krakauerſchen
Betriebes, der Zigarettenfabrik Dilia in der Neuen
Schönhauſerſtraße, eine Aktenmappe mit gefälſchten
Banderolen, die ihr Krakauer aus dem Fenſter
zu=
geworfen hatte, beiſeitegeſchafft hatte. Ferner wurde
eine ganze Reihe von Geſchäftsleuten vernommen,
von denen auf Grund der beſchlagnahmten Bücher
und Korreſpondenzen feſtgeſtellt worden war, daß ſie
mit Krakauer in Verbindung geſtanden hatten, und
zwar ein Tabakhändler Lübeck aus der Kaiſerſtraße,
ferner ein Fabrikant Benno Band, der inzwiſchen
wieder auf freien Fuß geſetzt worden iſt, und
ſchließ=
lich vier Brüder Winiſki, die in einem kleinen
Be=
trieb in der Münzſtraße Zigaretten fabrizierten und
mit gefälſchten Banderolen in den Verkehr gebracht
haben ſollen. Auf die Spur dieſer Brüder W. war
man auch ſchon bei den Ermittlungen in Hamburg
gekommen, da ſie wahrſcheinlich mit Bing in
Ver=
bindung geſtanden haben. Schließlich iſt noch im
Rheinland, und zwar in Düſſeldorf, ein Kaufmann
Kohn aus Berlin verhaftet worden, bei dem man
eine ganze Kofferladung gefälſchter Banderolen fand,
die wahrſcheinlich ebenfalls aus der Berliner
Ver=
teilungszentrale, alſo wahrſcheinlich von Krakauer,
ſtammten. Von hier hat ſich auch, wie ziemlich ſicher
feſtſteht, der zuſammen mit ſeinem Helfershelfer
Peter Brüll flüchtige Kölner Fabrikant Willy Katzki
die falſchen Banderolen regelmäßig abgeholt. Das
Verfahren gegen Katzki wird jetzt, weil es in
eng=
ſtem Zuſammenhang mit den in Berlin in dieſer
Affäre verübten Straftaten ſteht, von Köln an den
Unterſuchungsrichter, Landgerichtsrat Krüger in
Ber=
lin, abgegeben worden, da nach den bisherigen
Feſt=
ſtellungen der Hauptſitz dieſer Vertriebsorganiſation
für gefälſchte Banderolen Berlin war und
infolge=
deſſen auch die Unterſuchung in erſter Linie auch von
hier aus geführt werden muß. Daneben läuft noch
eine Vorunterſuchung in Hamburg gegen die dortigen
Banderolenſchieber, die aber in kurzer Zeit bereits
abgeſchloſſen ſein dürfte. Die ins Ausland
geflüch=
veten Fabrikanten Brüll, Bing und Katzki können
übrigens, ſolange ſie außerhalb der deutſchen
Gren=
zen bleiben, nicht verfolgt werden.
Berlin. Die gleichzeitig in Berlin und Köln
begonnenen Ermittlungen betreffend die Betrügereien
und Fälſchungen auf dem Gebiete der
Zigaretten=
fabrikation haben einen ſolchen Umfang angenommen,
daß beim Landgericht I in Berlin ein Sonderdezernat
eingerichtet wurde. Es handelt ſich um Fälſchungen
von Warenzeichen bekannter Zigarettenmarken ſowie
von Zigarettenbanderolen. Von den in Berlin
ver=
hafteten Perſonen ſind einige wieder aus der
Unter=
ſuchungshaft entlaſſen worden. Arthur Krakauer,
der Inhaber der Fabrik Dilia, der noch
in Unterſuchungshaft ſitzt, ſtand durch die
Gebrü=
der Wilſa in Berlin mit Hamburg in regſter
Verbindung. Dieſe drei und verſchiedene andere
wurden in Hamburg feſtgenommen. Schließlich fehlen
noch ein gewiſſer Küttner und
Tabakgroß=
händler Karl Bing aus Hamburg, die Hand
in Hand arbeiteten und ſich zurzeit in Kowno
be=
finden. Die Fabrik, in der die Banderolen gefälſcht
wurden, iſt noch nicht entdeckt. — Zu den Fälſchungen
von Zigarettenmarken und Zigarettenbanderolen
wird noch bekannt, daß außer dem Inhaber der
früheren Zigarettenfabrik Tota, Krakauer, jetzt auch
deſſen Geſchäftsführerin, ein Fräulein Moſes,
verhaftet wurde, die den Verkehr zwiſchen Hamburg
und Krakauer vermittelte und angeblich große
Men=
gen von gefälſchten Banderolen nach Hamburg
ge=
bracht haben ſoll. Ferner wurde eine Reihe von
Geſchäftsleuten feſtgenommen, die mit Krakauer in
Verbindung ſtanden. In Düſſeldorf wurde ein
Kaufmann Kohn aus Berlin verhaftet, bei
dem man eine ganze Kofferladung gefälſchter
Ban=
derolen fand. Die ins Ausland geflüchteten
Fabri=
kanten Bing, Brüll und Katzki können,
ſo=
lange ſie außerhalb der deutſchen Grenzen bleiben,
nicht verfolgt werden, da auf Grund von
Zollver=
gehen eine Auslieferung nicht erfolgen kann. Wegen
unrechtmäßigen Herſtellens bekannter
Zigaretten=
marken erfolgten zahlreiche Verhaftungen, und zwar
hauptſächlich in Berlin.
Zuſammenhänge im Banderolenbetrug.
Im Verlaufe der weiteren Ermittlungen des
derdezernates beim Landgericht I und der
Zoll=
dungsbehörden zur Aufklärung des
Millionen=
derolenbetruges ſcheinen ſich neue bisher noch
ig unbekannte Zuſammenhänge zu ergeben. Wie
„Voſſ. Ztg.” hört, iſt der in den
Banderolen=
ug verwickelte Kaufmann Lübeck der Bruder
Hehlers Emil Lübeck, der ſeinerzeit einen großen
der bei dem Banderoleneinbruch in das
Reichs=
nzzöllamt in Berlin=Dahlem erbeuteten
Ban=
len aufgekauft hatte.
Aus 300 Meter Höhe aus dem Flugzeug
geſtürzt.
fm. Germersheim. Ein über der Stadt
reiſendes franzöſiſches Militärflugzeug erhielt
plötz=
ich Vergaſerbrand. Jedenfalls aus Verwirrung
arüber ſprang der ſich im Begleiterſitz befindliche
Flugſchüler in einer Höhe von 300 Metern aus dem
Apparat und blieb zerſchmettert auf dem Gelände
s Gimbelrheins liegen. Der Flugzeugführer, ein
vergeant des Fliegererſatzbataillons 22 aus Lachen,
innte im Gleitflug niedergehen und landete zwiſchen
Vörth und Sondernheim auf den Neuwieſen im
Spiegelbach. Ein zufällig anweſender Einwohner
ſon Bellheim konnte den Bewußtloſen, aber ſonſt
nverſehrten Flugzeugführer unter dem völlig
zer=
rümmerten Apparat hervorziehen.
Das herzögliche Palais (links) in der Kavalierſtraße in Deſſau.
Eines der ſchönſten Gebäude der Stadt Deſſau, der maſſive Prachtbau des im Jahre 1887
errich=
teten herzöglichen Palais, das die Stadt für den Preis von 1 Million Mark an ſich gebracht hat,
ſoll niedergeriſſen und an ſeiner Stelle ein Raſenplatz geſchaffen werden. Die Bürgerſchaft will
gegen dieſe Maßnahme in einer großen Proteſtkundgebung Verwahrung einlegen.
Mord aus Rache.
TU. Hattingen. Am Montag abend erſchien
ein Mann in den Gummiwerken und bat um
Ur=
laub für ein dort beſchäftigtes Mädchen, der auch
von dieſem nachgeſucht wurde. Als beide die Fabrik
verlaſſen hatten, zog der Mann plötzlich einen Dolch
und bohrte ihn der Arbeiterin in den Rücken. Das
Mädchen brach tot zuſammen. Der Täter ſchnitt ſich
dann ſelbſt den Hals durch. Er wurde
lebensgefähr=
lich verletzt dem Krankenhaus zugeführt. Die Tat
iſt aus Rache begangen worden, weil das Mädchen
die Beziehungen gelöſt hatte.
Selbſtmord des früheren Bürgermeiſters
von Parma.
EP. Mailand. Graf Luſignani, der frühere
Bürgermeiſter von Parma, hat in der Klinik von
Reggio Emilia, wo er in Erwartung des Prozeſſes
über den Bankkrach von Parma in Haft ſaß, einen
dritten Selbſtmordverſuch begangen. Diesmal iſt
er einer Veronalvergiftung erlegen. — Luſignani war
Profeſſor der Univerſität von Parma ſowie
Prä=
ſident des Verwaltungsrates der mit einem Defizit
von über 10 Millionen verkrachten Banca Agricola
von Parma. Er hat ſich auch rege politiſch betätigt.
Die Brünner Eiſenbahnkataſtrophe.
DD.Prag. Aus den weiteren Berichten über
dieſes Unglück geht hervor, daß die Kataſtrophe in
Wirklichkeit noch größere Formen annimmt, als wie
man zuerſt glaubt. Die Rettungsmannſchaften, die
ſogleich an die Unglücksſtelle entſandt wurden, haben
ſchon in den erſten Vormittagsſtunden weit über
120 Verletzte eingebracht. 40 davon ſind ſehr ſchwer
verletzt, zwei davon ſtarben ſofort nach Einlieferung
ins Krankenhaus, 2 mußten öperiert werden und bei
11 anderen Perſonen iſt der Zuſtand ſo ernſt, daß an
Rettung wohl ſchwerlich zu denken iſt. Die Spitäler
waren dem Andrang der großen Zahl der Verletzten
nicht gewachſen. Operationsſäle und Röntgenſäle
waren völlig überfüllt, zahlreiche der Verletzten
mußten auf den Gängen warten, viele wurden
ohn=
mächtig. Meiſtenteils beſtehen die Verletzungen aus
Quetſchungen von Gliedmaßen, doch ſind auch
zahl=
reiche innere Verletzungen, deren Schwere in der
Eile nicht zu kontrollieren war, feſtgeſtellt worden.
— Das Unglück hätte noch größere Formen
ange=
nommen, wenn nicht der erſte Waggon des zur
Ent=
gleiſung gebrachten Zuges gegen einen Steinpfeiler
gekippt wäre. Nur dadurch wurde verhindert, daß
die vier erſten Waggons die fünf Meter tiefe
Eiſen=
bahnböſchung zur Straße abſtürzten. Die
Unglücks=
ſtelle iſt ein Trümmerhaufen. Sechs Wagen ſind
teils völlig zertrümmert, teils anßerordentlich ſtark
beſchädigt. Die Identität der Toten und Verletzten
konnte bisher nicht feſtgeſtellt werden, meiſtenteils
handelt es ſich um Arbeiter und Angeſtellte, die mit
den Frühzügen zu ihrer Arbeitsſtätte nach Brünn
fuhren.
Unterſuchung des Brünner Eiſenbahnunglücks.
Zwei Verhaftungen.
TU. Brünn. Am Dienstag nachmittag wurden
der Zugführer Karl Hudeezek und der Heizer
Kaleſchek, die bereits am Vormittag in
Verwahrungs=
haft vernommen worden waren, in die ordentliche
Haft des Straflandgerichtes eingeliefert, weil man
bei den Verhören zu der Anſicht gekommen iſt, daß
dieſe beiden Beamten das Eiſenbahnunglück durch
Vernachläſſigung verſchuldet haben.
Aller=
dings wird auch auf die wiederholt gerügte
Unzu=
länglichkeit der Anlagen des Brünner
Hauptbahn=
hofes hingewieſen.
Rieſenhotelbrand in New Jork.
TU. New York. Im Neubau des Niederland=
Hotels in der 5. Avenue im feudalſten
Wolken=
kratzerviertel brach am Dienstag abend im 34.
Stock=
werk Feuer aus. Da die umliegenden Wolkenkratzer
nicht hoch genug waren, um von dort aus an den
Herd des Feuers heranzukommen, kann die
Feuer=
wehr erſt eingreifen, wenn das Feuer die 25. Etage
erreicht hat. Das Hotel zählt insgeſamt 38
Stock=
werke. Das Gebäude gleicht einer Rieſenfackel, die
weithin ſichtbar iſt. Rieſenmaſſen umlagern das
Ge=
bäude und bevölkern den nahegelegenen Zentralpark.
Tauſende von Poliziſten haben die größte Mühe,
um die Menſchenmaſſen einigermaßen von dem
ge=
fährlichen Brandort zurückzuhalten. Brennende
Bal=
ken, Türen und Fenſter fallen andauernd auf die
Straßen und umliegenden Dächer, wodurch die
Ar=
beit der Feuerwehr aufs äußerſte gefährdet wird.
Der geſamte Verkehr mußte umgeleitet werden. Das
Feuer war bis zu den äußerſten Vororten von Long
Island ſichtbar.
Schwerer Tornado in Texas.
Zweihundert Tote.
TU. New York. Nach einer Meldung des
„Univerſal Service” iſt Texas von einem ſchweren
Tornado heimgeſucht worden. Bisher wurden 200
Tote und zahlreiche Verwundete gemeldet. Die
Ort=
ſchaft Rock Springs iſt völlig zerſtört. Nur drei
Häuſer blieben unbeſchädigt. Der Tornado kam vom
Süden her, wo er gleichfalls Tod und Zerſtörung
verbreitete. Ein Hilfszug des Roten Kreuzes iſt
unterwegs. Die Bergung der Toten und
Verwun=
deten macht außerordentliche Schwierigkeiten, da die
meiſten unter den Trümmern begraben ſind.
Eine ſchwere Kataſtrophe verhindert.
DD. Stockholm. Ein von Trelleborg
kom=
mender Zug führte zehn Wagen mit 30000 Kilo
Pulver mit. Bei der Station Hallsberg entdeckte ein
Eiſenbahnbeamter, daß einer dieſer Wagen brannte.
Es gelang, das Feuer zu löſchen, ehe es noch die
Pulverladung erreichte, wodurch eine furchtbare
Kataſtrophe verhütet wurde.
Neue Ausſichten für den deutſchen Film.
Engliſch=deutſche Zuſammenarbeit.
E. A. Dupont,
der bekannte deutſche Filmregiſſeur, der ein großes
deutſch=engliſches Finanzkonſortium zuſammengebracht
hat, das unter vorwiegend deutſcher Leitung jährlich
ein Anzahl von Großfilmen produzieren will, von
denen jeder mit einer Million Mark veranſchlagt iſt.
Der Verleih für England und die Dominions wird
von einer engliſchen Firma beſorgt, die dafür
50 Prozent der Produktionskoſten garantiert. Da der
deutſche Film ſich in England großer Beliebtheit
er=
freut, rechnet man mit einer für beide Teile günſtigen
Entwicklung der Zuſammenarbeit.
Zur Eröffnung des größten Flughafens der Welt.
Der neue Luftbahnhof auf dem Tempelhofer Feld bei Verlin,
der gleichzeitig mit der Inbetriebnahme des Sommerluftverkehrs am Oſtermontag eröffnet wird.
Der Sommerflugplan der Deutſchen Lufthanſa zeigt eine weitere Zunahme des deutſchen
Flug=
dienſtes. Die Geſamtlänge des Streckennetzes, d h. die tägliche Leiſtung der Flugzeuge in beiden
Richtungen, beträgt 57 000 Kilometer, alſo etwa 50 Prozent mehr als im Vorjahre. Der Grund
für dieſe erhebliche Erweiterung liegt vor allem in der geplanten Zuſammenarbeit mit den
tſchecho=
flowakiſchen, italieniſchen und ſpaniſchen Luftverkehrs=Geſellſchaften. Am Eröffnungstage des
Sommerluftverkehrs werden etwa 70 Prozent aller Linien in Betrieb genommen.
Wilhelm Buſch.
(Zeichnung nach dem berühmten Gemälde von Lenbach mit Namenszug des Meiſters.)
Am 15. April ſind es 95 Jahre her, daß der große deutſche Dichterhumoriſt Wilhelm Buſch zu
Wiedenſahl in Hannover geboren wurde. — Die Randzeichnungen auf unſerem Bilde ſind dem
kleinen Wilhelm=Buſch=Album entnommen. (Verlagsanſtalt Hermann Klemm, Berlin=Grunewald.)
Das Reſidenzſchloß in Oeſſau gefährdet.
95. Geburtstag Wilhelm Buſch’s.
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*
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Numnter 104
Geite 12
* Iſt es nötig, deutſchſprachige Druckſachen
mit Rückſicht auf das Ausland lateiniſch
zu drucken?
Von Berthold Walter,
Schriftwart des „Deutſchen Sprach= und Schriftvereins”
Man kann öfters von Geſchäftsleuten die Anſicht hören, daß
deutſchſprachige Druckſachen, die auch im Ausland geleſen
werden ſollen, in lateiniſcher Schrift gedruckt werden
müß=
ten, die Ausländer könnten ſie ſonſt nicht leſen.
Zur Beurteilung dieſer Anſicht möge folgende einfache Frage
dienen: Kann ein Teutſcher, der engliſch, franzöſiſch oder
unga=
riſch nicht gelernt hat, vielleicht engliſch, franzöſiſch oder
ungariſch leſen, weil er die lateiniſche Schrift kennt? — Nein!
Er kann es weder verſtehen, noch leſen im eigentlichen Sinne.
Er lieſt z. B. „J am”, es heißt aber „ei äm” oder er lieſt: „je
ſuis”, es heißt aber „ſche ſwi”, oder er lieſt: „magyarul”, es heißt
aber „modjorul”.
Genau ſo geht es dem Ausländer. Wer kein deutſch gelernt
hat, kann auch kein deutſch leſen, geſchweige verſtehn. Wer es aber
lernt, lernt es im ganzen Ausland mit deutſchen
Buchſtaben. Es gibt in der ganzen Welt keine Grammatik
für die deutſche Sprache, die das Deutſch anders brächte, als mit
deutſchen Buchſtaben. Hierdurch prägt ſich der Ausländer die
deutſchen Worte mit deutſchen Buchſtaben in deutſchen
Wort=
bildern ein, und er muß erſt wieder umlernen, wenn er das
Deutſch in lateiniſchen Buchſtaben vor ſich ſieht. Bismarck,
der bekauntlich ſtets deutſche Bücher in Lateindruck ablehnte, ſagte
hierüber (Niederſchrift Poſchingers vom 26. November 1891): „Der
Engländer und Franzoſe wird dann ſtets verſucht ſein, die
deut=
ſchen Worte, die im Gewande ſeiner eigenen Sprache vor ihn
treten, engliſch oder franzöſiſch auszuſprechen, und wird dann mit
Aerger empfinden, daß er deutſche Worte vor ſich hat. Schrift
und Sprache ſtehen in Wechſelwirkung
mitein=
ander.”
Die Erſchwerung durch Lateindruck iſt um ſo größer, je
häu=
figer es vorkommt, daß Worte in der fremden und der deutſchen
Sprache gleich geſchrieben werden, aber ganz andere
Bedeu=
tung haben. Man denke an die engliſchen Worte: am, an,
bad, faſt, firſt, haſt, hat, kind, liſt, miſt, ſee, die im Deutſchen
etwas ganz anderes bedeuten. Ganz ähnliche Gleichheiten
fin=
den ſich in den romaniſchen und ſlawiſchen Sprachen, Aber ſelbſt
für die Slawen, die das ruſſiſche ABC benutzen, iſt der
Lateindruck deutſcher Worte eine Erſchwerung. Das ruſſiſche
ABC hat einige lateiniſche Buchſtabenformen, nämlich: B,
c, II, v. X, y, die aber ganz andere Laute bedeuten, nämlich:
„w. ſſ. n. r. ch. u‟. Alſo auch beim Ruſſen, Serben, Bulgaren
uſw. führt der Lateindruck deutſcher Druckſachen zur Verwirrung.
Jeder lateinkundige Auskänder kennt aber an und für ſich
ſchon die deutſche Schrift, auch wenn er kein deutſch gelernt hat.
Von vornherein iſt hier darauf hinzuweiſen, daß die
nor=
diſchen Völker und die uns benachbarten Slawen früher
ſelbſt die Frakturſchrift für ihre eigene Sprache benutzt
haben. Die Norweger änderten ihre Schrift erſt 1910. Noch 1911
zeigte das Verzeichnis der „Britiſchen und Ausländiſchen
Bibel=
geſellſchaft” nur in Frakturſchrift gedruckte Bibeln in
ſlowa=
kiſcher und wendiſcher, lettiſcher und litauiſcher,
eſthniſcher, livländiſcher und lappländiſcher
Sprache, in Fraktur und in Lateinſchrift gedruckte, aber in
polniſcher und tſchechiſcher Sprache.
Abgeſehen hiervon kennt das lateinſchriftige Ausland die
deutſche Schrift aus ihrem Gebrauch als Zierſchrift.
Alle lateindruckenden Völker, und darüber hinaus auch andere,
machen ſich den Schmuckwert der deutſchen Schrift zunutze.
1im eine Zeitung, Beſuchs= und Glückwunſchkarten, Briefköpfe,
Geſchäftsſchreiben, Papiergeld, Firmenſchilder beſonders zu
Donnerstag, den 14. April 1927
ſchmücken, ſie ſchön und in die Augen fallend zu geſtalten, findet
man in der ganzen Welt deutſche Schrift verwandt. Und nicht
nur Ueberſchriften, ganze Abhandlungen, ganze Kataloge werden
mit deutſchen Buchſtaben gedruckt. Der Verlagsbuchhändler
Guſtav Ruprecht bringt in ſeinem Buche „Das Kleid
der deutſchen Sprache”, Göttingen 1912, das Titelblatt
eines Mitgliederverzeichniſſes des „Archaeological Inſtitute of
Baltimore Society” im Urbild, das von vorn bis hinten deutſche
Buchſtaben zeigt.
Ebenſo hat Adolf Reinecke in ſeinem Werk „Die
deutſche Buchſtabenſchrift” Leipzig 1910,
Photo=
graphien von 25 ausländiſchen Zeitungsköpfen und vielen
ande=
ren Druckſachen, ſogar Münzen, auf denen zum Schmuck die
deutſche Schrift Verwendung gefunden hat. Es ſeien nur
ge=
nannt: Le Matin, Paris Journal, Les Sports, LAAuto, The
Paris Times, Daily Mail, The Times, Standard, Morning Poſt,
Daily Chronicle, Daily Telegraph, The Mancheſter Guardian
Weerly, Aftenpoſten, Morgenbladet, Eſpana Nueva, La Voz de
la Igleſia, El Norto de Caſtilla, Diario Popular, El Ferrocarril,
Buenos Aires Herald, Hongkong Weekly Preß, The Egyptian
Gazette uſw.
Die deutſche Schrift findet ſich auch auf türkiſchen
und braſilianiſchen Poſtkarten, auf nord= und
ſüd=
amerikaniſchen Geldſcheinen, Lotterieloſen,
Schatzanwei=
ſungen, Scheckſcheinen (z. B. der „American Bankers
Aſſo=
ciation”), auf franzöſiſchen und italieniſchen
Theater=
zetteln und Eintrittskarten, auf Grabſteinen in Italien und
England uſw. In Italien wurde beſonders viel in
„Hupps Liturgiſch” gedruckt.
Die engliſchen „Florins” aus der Zeit der Königin Viktoria
ſind ganz mit deutſchen Buchſtaben geprägt und jeder
ame=
rikaniſcher Silberdollar trägt die Zeile „In God we truſt”
(wir vertrauen auf Gott) in deutſcher Schrift. Ebenſo zeigen
die Mützenbänder der holländiſchen Kriegsmarine
deutſche Schrift. Ich beſitze einen ſolchen Dollar und ein ſolches
Mützenband.
Wer in England war, weiß, wie oft dort bei Buchtiteln
und Noten, ſogar bei Bilderbüchern für Kinder, deutſche Schrift
als Zier Anwendung findet. Mit Vorliebe wird alles, was ſich
auf „Chriſtmas” (Weihnachten) bezieht oder ſonſt
kirch=
lichen Anſtrich hat, mit deutſchen Lettern gedruckt. Ich ſelbſt
beſitze ein engliſches Leſebüchlein für Kinder. Darin finden ſich
unter der Ueberſchrift „German Alphabet” (deutſches ABC)
die großen und kleinen deutſchen Buchſtaben und darunter „The
Lord’s Prayer” (das Gebet des Herrn) vollſtändig in
deutſchen Buchſtaben ohne lateiniſchen Beidruck.
Einen glänzenden Beweis für das Bekanntſein des
Aus=
länders mit der deutſchen Schrift lieferte die Ausſtellung
des „Bundes für deutſche Schrift” Berlin W 30,
No=
vember 1926 in der Berliner Staatsbibliothek. Beſonders die
Abteilungen des „Deutſchen Inſtituts für
Zeitungs=
kunde” und des „Vereins für das Deutſchtum im
Ausland” zeigten die Weltgeltung der deutſchen
Schrift.
Zum Teil beruht dieſe Verwendung der deutſchen Schrift im
Ausland auch auf ihrem höheren Leſewert.
Zeitungs=
köpfe z. B. werden in deutſcher Schrift viel weiter und ſicherer
erkannt als in lateiniſcher. Man lieſt nicht Einzelbuchſtaben,
ſondern Wortbilder. „Wortſilhouetten” ſagen die
Fachleute. Und dieſe ſind bei deutſcher Schrift wegen ihrer
vielen Zacken, Härchen, Eckchen viel charakteriſtiſcher als
bei lateiniſcher. Gerade ſo, wie man auch einen gefurchten
Charakterkopf aus Tauſenden herausfinden kann, ohne ſich
Rechenſchaft geben zu können, welche Fältchen und Einzelheiten
hierbei mitwirken. Ein „klares” Kleinkindergeſicht aber
ver=
wechſelt man ſchon bei dreien.
Nach den Forſchungen über die Lesbarkeit der beiden
Schrift=
arten von den Profeſſoren Kirſchmann, Leipoldt,
Schackwitz, Wick, Lobſien und anderen ſpart man bei
deutſcher Schrift im Verhältnis zur lateiniſchen ein Viertel
an Augenarbeit. Dasſelbe Ergebnis erzielte man auch (zu ihrem
igenen Erſtaunen) bei Verſuchen mit Ausländeru, die von
Jugend auf lateiniſche Schrift gewohut waren. Hieran ſind
be=
ſonders auch die verſchiedenen ſ, s, ß, ſch, ſt ſchuld, die die
Lateinſchrift nicht hat. Sie ſind der Grund, veshalb die deutſche
Schrift bezeichnendere Wortbilder ergibt, überhaupt erſt manche
deutſchen Wörter verſtändlich macht: „In Massen” genoſſen, iſt
der Branntwein bekömmlich. Maſſen oder Maßen? Wachstube
der Wachſtube? Läuſchen und Rimels oder Läuschen und
Rimels (Reuter)? Frühjahrspelz oder Frühjahrſpelz? Kreiſchen
oder Kreischen? Auslandspaß oder Auslandſpaß?
Jahrmarkt=
ſtand oder Jahrmarktstand? Verſendung oder Versendung? Die
gerade im Deutſchen ſo zahlreichen zuſammengeſetzten
Wörter, die in den fremden Wörterbüchern nicht aufgeführt ſind,
werden tatſächlich erſt durch die verſchiedenen ſ und 8 für den
Wort aufhört und das andere anfängt.
So bildet die deutſche Schrift gerade für den Ausländer
eine große Erleichterung. Die deutſche Spracheiſtſehr
ſchwer. Man darf ſich deshalb nicht wundern, wenn
Aus=
länder ſich auch für ihr Verſagen die bequeme Ausrede machen,
die deutſche Schrift ſei ſchuld. In dieſer Hinſicht teilt der
Verleger Ruprecht in dem oben genannten Buche „Das Kleid
der deutſchen Sprache” lehrreiche Verſiche mit. Er hat
fremd=
ſprachige Texte mit deutſchen Buchſtaben drucken laſſen und
ſie an ausländiſche Gelehrte der ganzen lateindruckenden Welt
verſandt mit der Bitte, die Texte von Leuten aus dem Volke leſen
zu laſſen. Hierbei fand ſich nicht der geringſte Anſtand. Alle
laſen ſie glatt herunter, ſelbſt Kinder, Dienſtmädchen und
Jn=
dianer. „Die meiſten ſchienen gar nicht zu bemerken,
daß es nicht ihre gewohnte Druckſchrift war,” ſchrieben die
be=
treffenden Gelehrten.
In den Berlitzſchulen Berlins wird beim Unterricht
„Deutſch für Ausländer” deshalb auch die deutſche Schrift
ſtets als bekannt vorausgeſetzt.
Wer ſich eingehend über unſere Frage unterrichten will, dem
ſei Ruprechts neueſte Schrift empfohlen: „Fordert die
Ver=
breitung des deutſchen Buchs im Ausland
latei=
niſchen Druck?” (Verlag Vandenhoeck und Ruprecht,
Göt=
tingen 1926, 50 Pf.) Man ſieht, welch ungeheure Torheit in jeder
Hinſicht der Lateindruck bei deutſcher Sprache iſt. Die Ausländer
wünſchen deutſche Bücher auch in deutſchem Druck zu ſehen.
Aus den oben angegebenen Gründen iſt dies ja leicht begreiflich.
Deutſche Schriftſteller, wie Wieland. Wilhelm Jordan
u. a. hatten erſt in Amerika Erfolg, als ſie ihre abſichtlich
latei=
niſch gedruckten Auflagen durch deutſch gedruckte erſetzten.
In der führenden engliſchen Kunſtzeitſchrift „The
Bur=
lington Magazine” vom September 1924 heißt es in der
Beſprechung eines Bandes der in Leipzig erſcheinenden „Meiſter
der Graphik”: „Es iſt bedauerlich, daß dieſes Buch der
verabſcheuungswürdigen Uebung. Deutſches
in Lateinſchrift zu drucken, folgt.”
Noch ein anderer Punkt, auf den Ruprecht hinweiſt, ſoll hier
Erwähnung finden: Es iſt die durch deutſchen Druck erzielte
Koſtenerſparnis. Schon an ſich iſt der deutſche
Buch=
druck nach dem Druckereitarif rund fünf Prozent billiger
als der Lateindruck. Dazu kommen noch andere Vorzüge der
deutſchen Schrift, wie ſchmalerer Schnitt und gleiche Lesbarkeit
bei kleinerem Schriftgrad, ſo daß bei deutſchem „Buchdruck” eine
Erſparnis bis 25 Prozent, ja 33 Prozent eintreten kann.
Dies kann ſich auch bei „Akzidenzdruck”, größeren geſchäftlichen
Druckſachen, bemerkbar machen.
Aber für die deutſche Geſchäftswelt ſpielen noch
ganz beſondere Gründe mit, ihre Druckſachen deutſch zu
drucken: Es iſt der hohe Wert, den die Erhaltung der deutſchen
Schrift für die Erhaltung des Deutſchtums im
Aus=
land hat und ferner der hohe Wert, den die Erhaltung des
Deutſchtums im Ausland für die deutſche Ausfuhr, für
die deutſche Geſchäftswelt ſelbſt beſitzt.
Hierüber möchten beſondere Ausführungen am Platze ſein.
Berichtigung!
In den letzten Nummern des Darmſtädter Tagblatt
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Elektrifizierung der
Vollbahnen.
Von
Dipl. Ing. Otto Müller.
Die Elektrifizierung der Bahnen iſt eine Aufgabe, die bei
der Erwähnung der nachſten Ziele des Fortſchritles techniſcher
Entwialung immer mit an erſter Stelle genannt werden wird,
und wer je einmal, in der Schweiz, in Niederſchleſien oder in
Bayern elektriſche Vollbahnen benutzt hat, wird deren
Annehm=
lichleiten genügend zu rühmen wiſſen. Er wird ſich
wahrſchein=
lich wundern, warum der Ausbau neuer Linien nur
verhälinis=
maßig langſam vor ſich geht, denn normaler Weiſe wird er nicht
alle die Punkte kennen, die bei der Entſcheidung Dampf oder
Elektrizität zu beachten ſind, und deren gegenſeitige Abwägung
nur ſehr ſchwierig durchzuführen iſt.
Benutzen wir die Begriffe, die von der Organiſation der
Fabrikbetriebe her geläufig ſind, ſo handelt es ſich bei der Frage
der Elektrifizierung um die Entſcheidung: Zentraliſation oder
Dezentraliſation der Energieerzeugung. Die dezentraliſierte
Er=
zeugung iſt dabei die Arbeitsweiſe des Dampfbetriebes, wo jeder
Zug ſeine eigene Krafterzeugungsanlage in der Lokomotive mit
ſich führt. Die zentrale Erzeugung iſt die Arbeitsweiſe der
elek=
triſchen Bahn, bei der die Umformung der Kohle in die benötigte
Energieform, die Elektrizität, im Werk geſchieht und die
Loko=
motive nur die Motoren enthält, die die elektriſche Energie in
Zugkraft verwandeln.
Gerade von dieſer Auffaſſung des Unterſchiedes zwiſchen den
beiden Syſtemen her hat die Einführung des elektriſchen
Betrie=
bes ihren ſtärkſten Antrieb empfangen, denn die zentrale
Energie=
erzeugung kann um ein Vielfaches beſſer durchgeführt werden
als die vereinzelte in den doch immerhin kleinen
Lokomotiv=
keſſeln. Weiterhin iſt bei der zentralen Erzeugung der Zuſtand
ausgeſchloſſen, daß der Keſſel beheizt wird, ohne daß die
Ma=
ſchine arbeitet, wie das bei der ſtehenden oder fahrbereit
gemach=
ten Lokomotive oft und lange Zeiten hindurch der Fall iſt.
Weg=
fall der Leerzeiten und günſtigerer Wirkungsgrad der großen
Anlagen; das ſind die Punkte, die den weſentlichen Vorteil des
elektriſchen Betriebes gegenüber dem Dampfbetrieb bedeuten.
Zu ihnen kommt die Tatſache, daß bei Talfahrten die
Dampf=
lokomotive die Geſchwindigkeit des Zuges verringern muß durch
Anlegen der Bremsklötze, ſo daß die Geſchwindigkeitsenergie des
Zuges in vollkommen nutzlofer und ſogar die Radkränze ſtark
ab=
nutzender Weiſe vernichtet wird, während die elettriſche Maſchine
die Bremsenergie wieder rückwärts in elektriſche umwandeln
kann, wodurch Energie gewonnen wird, und außerdem die
Rad=
reifen außerordentlich geſchont werden.
Umgekehrt macht ſich im praktiſchen Betrieb ein Fehler
un=
ſerer bisherigen Ueberlegungen ſehr bald bemerkbar, der darin
beſteht, daß wir annahmen, der Zug bedürfe nur der
Kraftzu=
fuhr. Dies iſt im Winter, wo ſämtliche Wagen geheizt werden
müſſen, beſtimmt nicht richtig, und da die Wärmeerzeugung aus
„der Elektrizität ſehr koſtſpielig iſt, bedeutet dieſes Argument einen
Vorteil des Dampfbetriebes, bei dem die Heizwärme eine nur
unweſentliche Mehrbelaſtung des Keſſels ergibt, während der
„Heizſtrom der Elektriſchen Maſchinen den Nutzſtrom vereinzelt
um ein Vielfaches überſteigt.
Der Verſuch, die ſo erkannten Vorteile einer zentralen
Kraſterzeugung zu erlangen, ergibt jedoch ſeinerſeits eine Reihe
von Schwierigkeiten, die durch die Art der Energieübertragung
vom Werk auf den Zug entſtehen und die den nach dem vorigen
zu erwartenden Gewinn wieder verkleinern teils dadurch, daß
auch die Uebertragung der Energie nicht verluſtfrei erfolgt, teils
„dadurch, daß die Motoren in der Beweglichkeit und Einfachheit
Den Dampfmaſchinen nicht gleichkommen und endlich dadurch,
Daß andere ſtörende Erſcheinungen ſich ausbilden, deren
Beſeiti=
gung neue Koſten und Schwierigkeiten entſtehen läßt.
Die erſte dieſer Schwierigkeiten, die En ſtehung von Ueber=
„ragungsverluſten, vermindert zwar die Energieerſparnis wie=
„der etwas, doch kann durch Wahl genügend ſtarker Querſchnitte
der Leitung der Verluſt in erträglichen Grenzen gehalten werden.
WWichtiger iſt, daß durch den Bau der Oberleitung ein ganz neues
ſGlied zu der normalen Schienenſtrecke hinzugefügt wird, deſſen
EErſtellung und Wartung erhebliche Koſten verurſacht, denn die
Deitung muß dauernd auf gute Iſolation geprüft werden und
nnuß auch, da der Durchhang der Oberleitungsdrähte von der
Temperatur abhängig iſt, und nur ein ganz beſtimmter kleiner
Durchhang für die Bügel der Lolomotiven zuläſſig iſt, bezüglich
Ddes Durchhanges nachgeprüft und geſtellt werden.
Die zweite der Fragen, die auf das engſte mit der vorigen
werbunden iſt, iſt die Frage der inneren Ausrüſtung der
Ma=
iſchine, d. i. die Frage der verwandten Stromart und Motore. Die
werſchiedenen in Anwendung gekommenen Syſteme ſetzen als
Haupterfordernis an: Gute und bequeme Regelbarkeit der
Dreh=
zahl, hohe Arbeitsſpannung, einfache Apparatur, gute Zuführung
Des Stromes. Sie ſind gegeneinander dem Werte nach nur
ſſchwer abzuwägen und werden alle nebeneinander noch benutzt
Neue Löſungen der Frage der Stromart ſind die Umformer=
Tokomotiven, bei der durch eine beſondere Maſchine der
zuge=
führte Wechſelſtrom erfſt in Gleichſtrom umgeformt werden muß
und dann den Gleichſtrommotoren zugeführt wird, und ein ganz
meuer Motor der Krupp=Werke, der unter Mitarbeit des Herrn
Profeſſor Punga von der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt
ent=
ſtanden iſt. Dieſer Motor erlaubt die Verwendung eines
Stro=
unes, der ohne große Schwierigkeiten aus dem meiſt verwendeten
Drehſtrom erhalten werden kann (Einphaſenſtrom der Frequenz
50), ſo daß die beſondere Errichtung von Bahnkraftwerken nicht
mehr notwendig iſt und eine einheitliche Stromerzeugung über
das ganze Reich ermöglicht wird.
Neben dieſen wichtigen Punkten ergibt, die Einführung des
elektriſchen Betriebes noch eine Reihe von Aenderungen, die teils
als Vorteile, teils als Nachteile gebucht werden müſſen. Die
un=
angenehmſten Begleiterſcheinungen ſind die, die durch die
Rück=
leitung des Stromes durch die Schienen entſtehen.
Die in die Schiene eingeleiteten Ströme ziehen nämlich in
großen Bogen durch das ganze Erdreich nach dem Werk zurück.
Bei Verwendung von Gleichſtrom frißt nun die dauernd
gleich=
gerichtete Strömung durch elektrolytiſche Wirkung alle im Wege
liegenden Metallteile an (hauptſächlich in der Nähe verlegte
Rohrleitungen) und zerſtört ſie. Bei Verwendung von
Wechſel=
ſtrom beeinfluſſen die Stromlinien die in ihrem Bereich
liegen=
den Fernmeldeleitungen und rufen empfindliche Störungen
her=
vor, ſo daß beide Arten auf das ſchärfſte bekämpft werden müſſen.
Als Norteile ſind endlich noch zu nennen das ſchnellere und
weichere Anfahren der elektriſchen Maſchinen und die Sauberkeit
und Rauchfreiheit des Betriebes, die, wie das letzte
Tunnel=
unglück in der Schweiz zeigt, nicht nur eine Frage der
Annehm=
lichkeit, ſondern auch eine der Betriebsſicherheit bedeutet. Die
Summe aller Ueberlegungen wird in den meiſten Fällen einen
beutlichen, wenn auch nicht allzu erheblichen Ausſchlag zugunſten
der elektriſchen Bahnen zeigen.
Schlafende Strahlen der Sonne
Der bergenden Erde entnommen
Im bauchigen Keſſel aus Stahl
Erweckt ſie zum Leben der Menſch.
Wenn ſie nun freudig erwachen,
Dankbar dem klugen Erwecker
Drehn ſie ihm raſtlos das Rad,
Spenden ihm Sonne und Brot.
Heinrich Dräger (1847 — 1917)
Ein neuzeitliches
Hebegerät.
Von
Ing. K. Becker, Darmstadt.
Wirklich brauchbare Hebegeräte, die vom Ort der Arbeit
voll=
ſtändig unabhängig ſind, gab es zum Be= und Entladen ſchwerer
Stückgüter bisher nicht. Man behalf ſich mit der aus zwei
Lang=
bäumen beſtehenden Schrotleiter, die jedoch ihren Zweck nur
unvollkommen erfüllte und außerdem eine Quelle für Unfälle
bildete. Außerdem laſſen ſich Schrotleitern auf Fuhrwerken nur
Bild 1. Mechanische Schrotleiter in Arbeitsstellung.
ſchwer mitführen, ein Umſtand, der beſonders für Kraftfahrzeuge
uns Gewicht fällt. Letztere erfordern ein Gerät, das leicht
mit=
geführt werden kann, wenig Raum beanſprucht, Sicherheit gegen
Unfälle bietet, ſchnell verwendbar iſt und ſich nach Benutzung
wieder ſchnell beſeitigen läßt.
Dieſe Eigenſchaften vereinigt in ſich die zerlegbare Doppel=
Schrotleiter, Bauart der Maſchinenfabrik Dalheim in
Frankfurt a. M. Das Hebezeug iſt ſowohl zum Mitnehmen auf
Kraft=Laſtwagen, als auch zur Be= und Entladung ſchwerer
Stückgüter geeignet. Es läßt ſich ebenſogut an den Langſeiten,
wie auch an der Rückſeite der Wagen verwenden.
Bild 2. Mechanische Schrotleiter zum Transport zerlegt.
Bild 1 zeigt das Gerät im Gebrauch beim Entladen einer
ſchweren Kiſte. Für andere Güter, z. B. für Fäſſer, kann der
Vorderteil bei Bedarf heruntergeklappt werden.
Will man die Vorrichtung auf dem Wagen mitführen, ſo
wird ſie mit zwei Handgriffen, unter Verwendung der
zuge=
hörigen Werkzeuge, innerhalb einiger Minuten in drei Teile, die
Laufbahn, den Fahrkorb und die Winde, zerlegt. Die Laufbahn
und der Fahrkorb laſſen ſich ſeitlich am Fahrzeug aufhängen, die
verhältnismäßig kleine Winde wird unter den Fahrerſitz gelegt,
ſo daß ein Raumverluſt im Wagen nicht eintritt. (Bild 2.)
Ebenſo ſchnell und einfach läßt ſich das Gerät wieder gebrauchs
fertig zuſammenſetzen.
Außer für Stückgut eignet ſich die Einrichtung auch für
Schwergüter, z. B. für das Verladen von Baumſtämmen,
ſchwveren Balken und Eiſenbahnſchienen.
Man wird hierbei zweckmäßig zwei Doppel=Schrotleitern
ver=
wenden. Für die Hubarbeit zum Aufladen einer 15 Meter langen
und 2000 Kilogramm ſchweren Schiene genügen dann zwei
Mann, die gleichzeitig und gleichartig kurbeln, wobei geringe
Unterſchiede in der Kurbelbewegung ohne Einfluß auf die
Betriebsſicherheit der Arbeit ſind.
Haustechnik.
Einiges zur Frankfurter Ausstellung-
Von
Dipl-Ing. Kreh, Mainz.
Zweifellos gibt es kaum einen Zweig menſchlicher
Tätig=
keit, bei dem in ſteter Wiederholung Tag für Tag und in
Hunderttauſenden von Fällen immer wieder derſelbe Vorgang
abläuſt, dieſelbe Arbeit geleiſtet wird, wie in der Führung des
bürgerlichen Haushalts. Auf die Befriedigung der einfachſten
menſchlichen Bedürfniſſe eingeſtellt, muß er der Ernährung, dem
Ruhebedürfnis und der Inſtandhaltung der Kleidung dienen.
Dieſe drei Grundbedürfniſſe erfordern aber eine Unſumme
täg=
licher Kleinarbeit, die bei falſcher Arbeitsweiſe im Laufe eines
langen Lebens einen ungeheuren Vorrat an Krafterſparniſſen
oder =verſchwendung bieten. Zwar iſt der Urſprung aller
Tech=
nik ohne Zweifel in der vereinfachten und müheloſen
Befriedi=
gung dieſer Bedürfniſſe zu ſuchen, und doch ſind wir heute
wei=
ter von unſerem Ziele entfernt, als unſere Altvordern, die ſich
allerdings das ihre näher ſteckten. Hente iſt das Stichwort:
Ein=
fach und dadurch praktiſch und billig. Die Erſparnis an
Arbeits=
aufwand bei der Anſchaffung und im Betrieb des
Haushalts=
geräts iſt erſte Forderung, das Bedürfnis nach Schönheit tritt
daneben zurück, ohne außer acht gelaſſen zu werden.
Von der Normung bautechniſcher Einzelheiten, die bald
nach dem Kriege einſetzte und beſonders durch die Normung von
Türen und Fenſtern bekannt wurde, iſt man zum Typen= oder
Reihenhaus, ſagen wir zur genormten Wohnung, übergegangen.
Die Fränkfurter Ausſtellung brachte hiervon nicht nur in
Zeich=
nungen vielfach Beiſpiele, ſondern auch in der Wirklichkeit
auf=
gebauter Häuſer und Wohnungen ein Anſchauungsmaterial von
größter Eindringlichkeit. Es will uns ſcheinen, daß man auf
dieſem Wege die Wohnungsnot noch am raſcheſten überivinden
kann. Wenn erſt einmal der Deutſche eingeſehen hat, daß er
mit ſeinen tauſend Sonderwünſchen nicht weiterkommt, dann
wird er auch ſehr bald erfahren, daß in einer genormten
Sied=
lung doch weit beſſer hauſen iſt, als in den langen Zeilen
der Mietskaſernen, die abwechſlungsreich aber teuer ſind. Der
Normenausſchuß der deutſchen Induſtrie hat nun in
Verbin=
dung mit beteiligten Organiſationen das Wagnis unternommen,
auch Einheitsmaße für Möbel auszuarbeiten, und zunächſt mit
den Küchenmöbeln begonnen. Dieſes Vorgehen iſt durchaus
gerechtfertigt, wenn man bei den in Frankfurt gezeigten
Bau=
weiſen die Freizügigkeit erhalten will. Eine Ausſtattung der
neuen Wohnung mit den allgemein üblichen
Einrichtungsgegen=
ſtänden der Vorkriegszeit iſt einfach ein Ding der
Unmöglich=
keit. Will man nicht an allen Ecken und Schnörkeln anſtoßen, dann
muß der Schreiner mit der Säge nachhelfen. Deshalb wird die
neue Wohnung zunächſt auch vorzugsweiſe für neu zu gründende
Haushalte in Frage kommen.
An hauswirtſchaftlichen Geräten und Kleinmaſchinen bot
die Ausſtellung viel Neues, von dem eine kleine Auswahl im
Nachſtehenden kritiſch betrachtet werden ſoll.
Das „Odarra”=Einheitsſchloß ſtellt eine weſentliche
Verein=
fachung der in vielfacher Ausführungsform ſonſt notwendigen
Schlöſſer dar. Links wie rechts, nach auswärts und einwärts
ſchließend, anwendbar als Kammer= Tür= und Korridorſchloß,
hat es eine bisher unerreichte Vielſeitigkeit. Die große
Ver=
einfachung wird dadurch erreicht, daß der Schlüſſel in der Achſe
der Klinke angebracht iſt und daß beide Bewegungsorgane auf
einem Verſchlußkörper arbeiten. Der Fallriegel und der
Schloß=
riegel ſind vereint.
Der Kühlſchrank „Nordlicht” benutzt das aus dem
Zapf=
ventil entnommene Waſſer zur Kühlung eines kleinen
Vorrats=
raumes für Speiſen. Freilich muß entweder viel Waſſer durch
den Kühlmantel fließen, was zu Waſſerverſchwendungen führen
kann, oder die Kühlwirkung iſt nur gering. Das Waſſer wird
außerdem bei warmer Witterung immer „gut angewärmt” ſein
Die Vorhangſchiene „Reform” iſt für die neuzeitliche
Auf=
hängung der Vorhänge das lang geſuchte Ideal. In einer
vier=
kantigen Hohlſchiene iſt ein Bodenſchlitz ausgeſpart, in dem
be=
ſonders konſtruierte Knöpfe mit Oefen zum Annähen der
Vor=
hänge laufen. Die Zugſchnüre liegen im Innern, ſo daß man die
häßlichen Stangen, Ringe und die innen hängenden Zugſchnüre
nicht mehr ſieht. Ein Uebervorhang iſt entbehrlich.
Der elektriſch angetriebene Bohnerapparat „Hobby”
erleich=
tert der Hausfrau das mühſame Bohnken der ſonſt ſehr
ange=
nehmen gewachſten Fußböden. Das Hin= und Herfahren iſt
leicht, zwei rotierende Bürſten beſorgen das eigentliche
Blank=
reiben des Bodens.
Ein Staubfauger iſt wohl in den meiſten modernen
Haus=
haltungen vorhanden, wenigſtens ſuchen die vertreibenden
Fir=
men dies mit allen Mitteln der erlaubten Werbetätigkeit zu
er=
reichen. Oft iſt die reinliche Hausfrau aber nicht mit dem
Er=
folg zufrieden. Sie merkt, daß es ganz ohne Klopfen doch nicht
geht. Die „Hoover”=Teppichklopfmaſchine vereinigt deswegen
einen Vibrator” mit dem Staubſauger. Der Teppich wird mit
ſchnellſchlagenden (aber durchaus ſchonend arbeitenden)
Stahl=
ſtäben und weichen Bürſten behandelt, wodurch der Staub
ge=
löſt wird, ſo daß er von der Saugluft gefaßt und abgeführt
wer=
den kann.
Die „Savage”=Waſchmaſchine will die Arbeit des Waſchens
wirklich zu einem Feſt geſtalten. Sie vereinigt eine Waſch=,
Spül= und Schlendermaſchine in ſich. Die Wäſche braucht aber
bei all dieſen Vorzügen nicht herausgenommen zu werden. Für
den Kleinhaushalt iſt dieſe Maſchine leider nur etwas zu teuer
in der Anſchaffung.
Die Vitamine ſind ein Schlagwort unſerer Zeit geworden.
Der „Saxonia”=Obſt=Friſchhalter will deswegen die
Konſerven=
gläſer nach kurzer Kochzeit mit einer Luftpumpe leerpumpen
und ſo verſchließen. Mit den denkbar einfachſten Mitteln wird
dies erreicht. Man „wecke” demnach nicht mehr, ſondern man
„ſaxe” nur noch ein.
Die elektriſche Kaffeemaſchine hat uns durch ihr gemütliches
Brodeln wieder etwas Gemütlichkeit ins Heim und der
Haus=
frau Ruhe in ihre ununterbrochene Tätigkeit gebracht. Leider
ſind nun meiſtens die Anſchaffungskoſten reiht hoch. Verzichtet
man auf das ſpieleriſche Vergnügen des Kränchens, dann wird
man in der „Wuco”=Kaffeemaſchine einen wohlfeilen Erſatz
ſinden.
Betrieb neu eingeführte
ſt noch ſich durchſetzen,
Donnerstag, 14. April 1927.
Technik der Gegenuart
Nummer 5.
Großstationen
oder Kurzwellensender?
Von
Dr. Helmut Thomasius.
Herkules am Scheidewege! In bezug auf die zukünftige
Geſtaltung des drahtloſen Verkehrs ſteht die Technik vor
ſchwe=
ren Entſchlüſſen. Rieſen oder Zwerge? — das iſt die Frage,
um die es ſich handelt. Die Wage der Entſcheidung ſcheint ſich
augenblicklich zugunſten der Zwerge zu neigen.
Zur Zeit der erſten Anfänge, in den Kindertagen der
draht=
loſen Technik war es, als ein Grundſatz gefunden wurde,
der bis in die neueſte Zeit hinein unbedingte Geltung hatte.
Dieſer Grundſatz, dieſes Naturgeſetz, dieſes Axiom lautete: die
elektriſchen Wellen pflanzen ſich um ſo weiter fort, mit je
grö=
ßerer Energie ſie ausgeſandt werden, je höher der Sendedraht
ausgeſpannt iſt und je länger ſie ſind. Wollte man alſo weite
Entfernungen überbrücken, ſo waren drei Dinge nötig: Zunächſt
einmal die große elektriſche Energie, geliefert durch ſtarke
Ma=
ſchinen. Dann der beträchtlich hoch über dem Erdboden
aus=
geſpannte Sendedraht, und ſchließlich eine ſehr lange Welle. Um
dieſen Anforderungen gerecht zu werden, mußte man Stationen
von gewaltiger Leiſtung bauen. Es entſtanden rieſige Paläſte,
die die Maſchinen bergen. Es entſtanden ferner Maſté aus
Eiſengitterwerk von mehreren hundert Meter Höhe, über deren
Spitzen hinweg die Antenne gelegt wurde. In zahlreicher Menge
umgaben dieſe Maſten die Stationen, die ſich nicht ſelten auf
weithin durch einen Wald derartiger Träger kennzeichneten.
End=
lich aber ſandte man vom hochgelegenen Draht aus Wellen in
die Weite, deren Länge ſich je nach den Umſtänden auf zehn, auf
zwölf und vielleicht auch noch mehr Kilometer belief. Nach einer
beſtimmten, empiriſch gefundenen Formel berechnete man die ſtets
ſehr erheblichen Längen dieſer Wellen.
Auf dieſe Weiſe erſtand die moderne Großſtativn. Ihre
Einrichtungen reichten meiſt aus, um Botſchaften um die ganze
Erde oder doch um einen erheblichen Teil des Erdballs
herum=
zuſenden. Es gibt bereits eine ganze Anzahl derartiger
Groß=
ſtationen, die ſich über die Kontinente verteilen und die Träger
des heutigen drahtloſen Weltverkehrs darſtellen. Sie verkehren
untereinander über die Ozeane hinweg. Jede von ihnen ſendet
die Nachrichten, die ſie ſelbſt erhält, an kleinere Stationen weiter,
die dazu dienen, ſie im Lande zu verbreiten. Ein Netz von
drahtloſen Linien ſpannt ſich um die Welt, deſſen weiterer
Aus=
bau in dem eben gekennzeichneten Sinne vorhergeſehen war. Es
bedarf wohl keiner beſonderen Ausführungen, daß der Bau, die
Einrichtung und der Betrieb dieſer Großſtationen beträchtliche
Koſten verurſachen.
Nun hat neuerdings die drahtloſe Telegraphie Erfolge
er=
zielt, die es zweifelhaft erſcheinen laſſen, ob man auch in
Zu=
kunft Großſtationen errichten und ob man die bereits
beſtehen=
den in abſehbarer Zeit noch benutzen wird. Bei den allererſten
Verſuchen, die man auf drahtloſem Gebiet anſtellte, wurden
kurze Wellen verwendet. Da man aber damals mit ihnen keine
befriedigenden Ergebniſſe erzielte und da man den oben
erwähn=
ten Grundſatz von der Energie, von der Höhe des Sendedrahtes
und der Länge fand, ſo arbeitete man mit langen Wellen weiter.
Die kurze Welle verſchwand. Als ſie in neuerer Zeit Marconi
wieder aufnahm, zeigte es ſich, daß man damit erſtaunlich große
Entfernungen überbrücken konnte. Das war eine Ueberraſchung.
Man maß ihr aber deshalb zunächſt nicht allzu viel Bedeutung
zu, weil die kurze Welle nicht geeignet erſchien, als Grundlage
eines zuverläſſigen Verkehrs zu dienen. Sie wurde durch die
Sonnenſtrahlung ſehr beeinflußt. Das Sonnenlicht ſchlen ſie zu
verſchlucken. Sie verſchwand. Auch für die lange Welle iſt die
Beſtrahlung nicht günſtig. Aber immerhin erwies ſie ſich als
widerſtandsfähiger wie die kurze. Dann pflanzte ſich die kurze
nicht regelmäßig fort. Um den Sender herum bildeten ſich
Zonen: in der einen konnte man ſie empfangen, in der anderen
wieder nicht. In einer weit entfernten Zone hingegen war ſie
plötzlich wieder wahrzunehmen. Alſo unzuverläſſig in jeder
Hin=
ſicht! Die Annahme, daß nur die lange Welle und damit die
Großſtation Trägerin des Verkehrs ſein könne, erfuhr eine neue
Beſtätigung.
Die Verſuche mit der kurzen Welle wurden jedoch fortgeſetzt.
Es entſtanden immer neue Stationen, die teilweiſe Erprobungen
auf telegraphiſchem Gebiet dienten, teilweiſe von Rundfunk=
Amateuren betrieben wurden. Je mehr man ſich mit ihr
beſchäf=
tigte, deſto mehr änderte ſich das Bild, das man von der kurzen
Welle erhielt. Es zeigte ſich, daß man unter gewiſſen
Voraus=
ſetzungen auch einen regelmäßigen Verkehr aufrecht erhalten
konnte. Die erſten Kurzwellenſtationen entſtanden. Von Nauen
aus telegraphierte man nach Südamerika. Der Verkehr geſtaltete
ſich regelmäßig, ja, er ließ ſich ſogar zu Stunden durchführen,
während deren jenſeits des Ozeans heller Tag war. England
beſchloß, von einer großen, im Mutterlande befindlichen Station
aus drahtloſe Linien nach ſeinen Kolonien und Dominions
ein=
zurichten, die, wenn es ſich als möglich erwies, ausſchließlich
unter Verwendung kurzer Wellen betrieben werden ſollte. Vor
kurzem hat man von England aus an ſieben aufeinander
folgen=
den Tagen täglich achtzehn Stunden lang mit Kanada kurzwellig
verkehrt. Dabei wurden Geſchwindigkeiten bis zu 250 Worten
in der Minute erreicht. Es iſt keine Störung eingetreten. In
der Station 2 NZ, die ſich inmitten der Stadt Neſv York
befin=
det, hat man ſeit Beginn des Jahres 1926 geradezu
ſtaunens=
werte Erfolg mit Kurzwellenſendern erzielt. Es fand ein
un=
unterbrochener Verkehr mit Südafrika, Auſtralien, Argentinien,
Spanien, Aliska, Malta, England, Norwegen und Italien ſtatt.
Man erreichte die gegen den Nordpol vordringende
Polarexpe=
dition Byrds. Man rief bald da, bald dort an. Stets erhielt
man richtige Antvort. Bei allen dieſen Verſuchen benutzte man
eine Welle von nur 38 Meter Länge. Die Verſuche mit der
Nordpolexpedition wurden mit einer noch kürzeren Welle von
nur 20 Meter ausgeführt.
Aber das iſt nicht alles! Seit Beginn des Jahres 1926
bemerkt man ſowohl im drahtloſen Telegraphieverkehr wie beim
Rundfunk, ja man bemerkt ſogar im Kabelverkehr mancherlei
Störungen. Es hat ſich gezeigt, daß ſie von ſtatiſchen Ladungen
und erdmagnetiſchen Strömungen herrühren, die durch die
Sonnenfleckentätigkeit ausgelöſt werden. Der Einfluß der
Son=
nenflecken auf unſere erdmagnetiſchen Verhältniſſe iſt ja ſchon
längſt feſtgeſtellt und genau unterſucht worden. Die großen
Flecken, die ſich jetzt auf der Sonne zeigen, geben ſich auch
dies=
mal wieder zu erkennen, und vor allem iſt es die Telegraphie
ſowohl im Draht wie auf elektriſcher Welle, die in
Mitleiden=
ſchaft gezogen wird. Wir ſtehen mitten in dieſen Ereigniſſen.
Ihre Endergebniſſe ſind noch nicht vollſtändig bekannt. Es iſt
noch nicht möglich, ſich ein abſchließendes Urteil zu bilden.
So=
weit ſich aber die Sachlage beurteilen läßt, ſcheinen die kurzen
Wellen durch die von der Sonne zu uns gelangenden
elektro=
magnetiſchen Strahlungen, die als die Urſache der eben
gekenn=
zeichneten Störungen angeſehen werden müſſen, bedeutend
weni=
ger beeinflußt zu werden als die langen. Es ſcheint ſich alſo
auch hier wieder ein Vorteil für den Kurzwellenverkehr zu
er=
geben, ſcheint dieſer doch zu Zeiten erhöhter
Sonnenfleckentätig=
keit beſſer zu arbeiten als der Verkehr auf langer Welle.
Herkules am Scheindevege! Soll man nun in Zukunft
weiter=
hin Großſtationen bauen, oder ſoll man vollkommen zur kurzen
Welle übergehen? Auch vom wirtſchaftlichen Standpunkte aus
bietet die kurze Welle günſtigere Ausſichten. Hier die alte
Groß=
ſtation mit ihren rieſigen Gebäuden, ihren gewaltigen Maſchinen
und ihren Antennenanlagen, die ſich kilometerweit ausdehnen.
Der Kurzwellenſender hingegen iſt ein kleiner Apparat, der auf
einem Tiſche in einem Zimmer untergebracht werden kann. Die
Antenne der Station 2 NZ in New York, mit der die oben
er=
wähnten Erfolge erzielt wurden, war in einer Höhe von nur
15 Metern über dem Erdboden ausgeſpannt und hatte eine Länge
von nur 16 Metern. Die Verbindung mit dem Sender wurde
durch einen Zuleitungsdraht von 17 Meter Länge hergeſtellt.
Anſtelle der Erdung wurde ein „Gegengewicht” benutzt, d. h. es
wurden drei Drähte von je 33 Meter Länge fächerförmig über
dem Erdboden angebracht. Der Sender, der mit nur einer Röhre
betrieben wurde, ſtand während der ganzen Verſuchsdauer,
wäh=
rend deren man mit 21 Ländern und der Byrd=Expedition
ver=
kehrte, auf der oberen Platte eines kleinen Tiſches. Daß ein
eigenes Stationsgebäude nicht nötig war, bedarf wohl keiner
weiteren Ausführungen.
Noch iſt die Frage nicht endgültig entſchieden, ob man bei
der Großſtation bleiben, oder ob man allgemein zur
Kurzwellen=
ſtation übergehen wird. Wenn aber nicht alles täuſcht, hat auch
auf drahtloſem Gebiet heute bereits David den Goliath beſiegt.
Das Telegraphon.
Von
Dipl. Ing. Mangold, Duisburg.
Die praktiſche Ausführung einer Verbindung zwiſchen
Fern=
ſprecher und Phonograph machte ſeither immer noch
Schwierig=
keiten, bis es gelang, in dem Telegraphon einen Apparat
zu konſtruieren, der die Frage einer direkten Niederſchrift des
Geſprochenen einer befriedigenden Löſung entgegenführte.
Des=
halb haben auch das Reichspoſtminiſterium in Berlin und viele
ausländiſchen Poſtbehörden die Genehmigung zum Anſchluß des
Telegraphons an das öffentliche Fernſprechnetz aufgrund
ein=
gehender Unterſuchungen erteilt.
Der Telegraphon=Beſitzer, der ſich dieſer Errungenſchaft
be=
dienen will, kann ſeinen bisherigen Apparat weiter benußen.
Das neben dem Fernſprecher (vgl. Bild 1) oder auch in einem
anderen Raum aufgeſtellte Telegraphon beſteht aus einem
Holzkaſten, der das Geſtell mit dem Träger für die Wachswalze
und den verſchiebbaren Schlitten trägt, an dem ſich der Schreib=
und Abhörmechanismus befindet. Sein Oberteil iſt durch eine
verchließbare Haube gegen Staub und unbefugte Benutzung
geſchützt. An der Stirnwand befindet ſich ein Schalthebel zur
Bedienung des Apparates, aus verſchiedenen Aufſchriften iſt
ſeine Beſtimmung ohne weiteres erſichtlich. Der Anſchluß an
den vorhandenen Fernſprecher geſchieht mittels einer
zwei=
adrigen Leitungsſchnur und iſt in wenigen Minuten zu
bewerk=
ſtelligen.
Bild 1: Telegraphon.
Die von dem Hörer des Fernſprechers aus in das
Telegra=
phon gelangten Sprechſtröme werden durch eine beſondere
Cin=
richtung verſtärkt und in den Schreiber geleitet. Dieſer
verwan=
delt die verſtärkten Schwingungen in mechaniſche und überträgt
ſie durch einen beſonderen Mechanismus auf die Wachswalze.
Dieſe Energieumſetzung, die ohne Verzerrung der Sprechwellen
vor ſich gehen muß, bildete lange Zeit eine der ſchwierigſten
Auf=
gaben des Telegraphen=Problems. Sie iſt hauptſächlich durch
die eigenartige Durchbildung des Schreibers gelöſt worden,
deſſen Konſtruktion patentiert iſt. Eine Leitungsſchnur
verbin=
det den in dem Holzkaſten befindlichen kleinen Antriebsmotor,
deſſen Stromverbrauch nicht größer iſt, als der einer
gewöhn=
lichen Glühbirne, mit der elektriſchen Lichtleitung. Die
Be=
nutzung des Telegraphons beim Aufzeichnen eines Geſpräches
iſt folgende: Auf „Schreiben” eingeſtellt, ſetzt der Schalthebel die
Walze in Gang. Auf „Aus” kommt ſie zum Stillſtand; das
Telegraphon iſt dann vom Fernſprechapparat getrennt. Anfang
und Ende eines Geſpräches werden durch zwei Bleiſtiftſtriche
auf einem Papierblock, über den der Zeiger des Schlittens
gleitet, bezeichnet. In den Zwiſchenräumen ſchreibt man die
Zeit und den Namen des Teilnehmers auf, mit dem man
ver=
handelt hat.
Wünfcht man ein aufgenommenes Geſpräch wieder
abzu=
hören, ſo ſchiebt man den Schlitten auf den Anfangsſtrich des
Geſpräches, ſtellt den Schalthebel auf „Hören” und kann mit
Hilfe der durch einen Abhörſchlauch mit dem Telegraphon
ver=
bundenen Hörmuſcheln das vorher aufgenommene Geſpräch
wieder abhören.
Telegraphon mit Fernſteuerung (vgl. Bild 2) dar.
Dieſe ermöglicht, daß ein bei der Fernſprechzentrale oder im
Vor=
zimmer der Direktion aufgeſtelltes Telegraphon von mehreren,
im allgemeinen bis zu fünf Stellen beſprochen werden kann.
Die Betätigung eines Druckknopfes oder eines Schalters ſetzt
bei der Zentrale den Apparat in Gang. Ein Schauzeichen
unterrichtet, wenn das Telephon anderweitig beſetzt iſt. Durch
ſinnreiche Relaisſchaltung wird verhindert, daß gleichzeitig zwvei
Geſpräche aufgenommen werden können, was ein wirres
Durch=
einander ergeben würde. In der Zentrale vermag die
Be=
dienung an einem Schauzeichen zu erkennen, welche Sprechſtelle
das Telegraphon gerade benutzte. Das iſt zur Markierung der
Geſpräche auf dem Merkblock nötig. Der große Fortſchritt des
Telegraphons beſteht darin, daß das Telegraphongeſpräch
ur=
kundlich feſtgelegt iſt. Irgend ein Zweifel über eine Abmachung
oder eine gemachte Beſtellung, über einen Abſchlußpreis iſt nicht
möglich. Durch Kammergerichtsurteil iſt die Beweiskraft des
Telegraphons bereits anerkannt worden. Der bedeutungsvolle
Vorteil der phonographiſchen Aufzeichnung gegenüber jeglichem
Schriftſtück beruht in der außerordentlichen Zeiterſparnis, denn
in demſelben Augenblick, in dem ein Gedanke ausgeſprochen
wird, iſt er auch ſchon auf der Wachswalze feſtgehalten. Das
Telegraphongeſpräch iſt auch dem Telegramm nicht nur durch
die Geſchtindigkeit der Vermittlung überlegen, ſondern auch
dadurch, daß jede menſchliche Vermittlung einer Nachricht, wie
ſie bei einem Telegramm heute noch die Regel bildet, fortfällt.
Der Gebrauch des Telegraphons, welcher nach dem oben
Aus=
geführten entweder zur urkundlichen Aufzeichnung von
Fern=
geſprächen oder als Diktiermaſchine erfolgen kann, kommt mehr
oder weniger für alle Zweige unſeres Wirtſchaftslebens in
Frage.
KURZE MITTEILUNGEN
* 50 Jahre Blohm u. Voß. Am 5. April 1877 gründeten die beiden
Ingenieure Hermann Blohm und Ernſt Voß in Hamburg auf der
Elb=
inſel Steinwärder zuſammen eine Werft. Nach anfänglich ſehr großen
wirtſchaftlichen Schwierigkeiten hat ſich das Unternehmen zu einer der
größten deutſchen Schiffsbauunternehmen entwickelt. Urſpünglich auf
15 000 Quadratmeter Gelände und mit 250 Meter Waſſerfront begonnen,
hat ſich die Werft ausgedehnt zu einem Flächenbeſtand von rund 60
Hektar und 3 Kilometer Waſſerfront. Der Höchſtbeſtand an Arbeitern
und Angeſtellten hat bis zu 14000 betragen. Auf der Werft ſind außer
den größten Fahrzeugen der deutſchen Handelsflotte „Vaterland” und
Bismarck”, die neueſten Fahrzeuge der Hapag „Albert Ballin”, „
Ham=
burg”, und als neueſtes Schiff die „New York” entſtanden. Im ganzen
hat die Werft in den 50 Jahren ihrer Tätigkeit 230 Handelsfahrzeuge
mit 1,1 Mill. Br.=R.=T. und 735 000 PS Maſchinenleiſtung gebaut;
außerdem 200 Kriegsſchiffe mit 370000 Br.=R.=T. und 1,6 Mill P8
ſowie 43 Dockſtationen mit 280 000 To Hubfähigkeit. Hermann Blohm
hat die Freude, das 50jährige Beſtehen ſeines Werkes mitfeiern zu
können erlebt, ſein Teilhaber Ernſt Voß iſt am 1. Auguſt 1920 geſtorben.
* Die 66. Hauptverſammlung des Vereins deutſcher Ingenieure findet
in dieſem Jahre in unſerer unmittelbaren Nähe in Mannheim=Heidelberg
vom 28. bis 30. Mai ſtatt. Für uns von beſonderem Intereſſe iſt es,
daß vier Profeſſoren der Darmſtädter Techn. Hochſchule an den
Vor=
trägen beteiligt ſind, Dr.=Ing. Bramersfeld, Dr.=Ing. Eberle, Dr.=Ing.
Heidebroek und Dr. Thum werden ſprechen. Neben vielen intereſſanten
Vorträgen werden geſchäftliche Verhandlungen, feſtliche Tagungen und
eine Reihe von Beſichtigungen die drei Tage reichlich ausfüllen. Von
den zur Beſichtigung vorgeſehenen Werken ſeien genannt: Benz u. Co.,
Bopp u. Reuther, Brown. Boveri u. Co., J. G. Farbeninduſtrie, Werk
Oppau, H. Lanz A.=G., Gebr. Sulzer, Joſeph Vögele A.=G., ſämtlich
in Mannheim Klein, Schanzlin u. Becker und Schnellpreſſenfabrik
Frankenthal A. G., beide in Frankenthal. Weiter werden das
Groß=
kraftwerk Mannheim A. G., die Ludwigshafener Walzenmühle und der
Neckarkanal Stauſtufe Freudenheim beſichtigt. Für die teilnehmenden
Damen iſt eine Beſichtigung des Schwetzinger Schloßgartens, der Stadt
Mannheim und des Schloßmuſeums ſowie ein gemeinſamer Kaffee auf
der Molkenkur vorgeſehen. Ein großes Kellerfeſt auf dem Heidelberger
Schloß bildet den Ausklang der Tagung.
* Von ber deutſchen Reichspoſt wurden folgende beachtenswerte
Zahlen bekannt: Von der Ausdehnung dieſer Art Aemter ſind heute
nun wenige unterrichtet. Im vergangenen Jahr ſind allein über 220
Selbſtanſchlußämter neu in Betrieb genommen worden. Ende 1926 gab
es in Deutſchland etwa 26 Millionen Fernſprechanſchlüſſe, während nur
etwa halb ſoviel (1376 564) Teilnehmer am Rundfunk angeſchloſſen
waren. Ihre Zahl wächſt allerdings immer noch ſehr ſtark. Allein im
Januar 1977 wurden 90 000 neue Anmeldungen vollzogen. Die deutſche
Reichspoſt iſt der größte Krafrfahrzeughalter Deutſchlands. Sie beſitzt
über 7800 Wagen, die täglich 120 000 Kilometer zurücklegen und dabei
105 000 Fahrgäſte befördern.
* Die Ueberſättigung Amerikas mit Kraftwagen macht ſich immer
ſtörender beim Verkauf bemerkbar. Es muß ſchon beinahe bei jedem
Verkauf eines neuen Wagens ein gebrauchter in Zahlung genommen
werden. Die Chevrolet Motor Co, zahlt aus dieſem Grunde jedem
Händler 50 Dollar, der nachweiſt, daß er einen alten Wagen ihres
Fa=
brikats ſo vollkommen zerſtört hat, daß auch Teile davon nicht mehr
verwendet werden können. Dieſes Schrotgeld wird dadurch aufgebracht,
daß von jedem neuen verkauften Wagen 5 Dollar zurückgelegt werden.
Dieſe Firma hat aber im vergangenen Jahr allein über eine Million
neue Wagen verkauft, ſo daß ſie mit der Rücklage hunderttauſend alte
Wagen aus dem Verkehr ziehen konnte. Eine andere Firma erklärte,
daß ſie nur deswegen im Vorjahre 200 000 Wagen mehr verkaufen
konnte, weil ihre Händler die gleiche Anzahl alte Wagen unterbringen
konnte.
NEUE BÜCHER UND ZEITSCHRIETEN
Bild 2: Tischmikrophon und Fernsteuerung zum Telegraphon.
Das Telegraphon kann durch Verwendung eines
Tiſch=
diktier nikrophons auch als Diktiermaſchine verwendet
werden. Eine beſondere Annehmlichkeit bietet das Telegraphon
beim Diktieren dadurch, daß kein Sprechtrichter zur Verwendung
kommt und daß es ſelbſt nicht in dem Arbeitsraum des
Spre=
chenden zu ſtehen braucht. In akuſtiſch günſtigen Räumen kann
man mit einem oder je nach Bedarf mehreren
Diktiermikropho=
nen auf dieſe Weiſe auch mündliche Verhandlungen ohne
Zeugen=
gegenwart verbindlich feſthalten. Telephongeſpräche. Diktate
und Beſprechungen können ſofort nach Beendigung von der
Walze wieder abgehört werden, und zwar auf dem Telegraphon
ſelbſt oder auf einer beſonderen Abhörmaſchine. Das
Aus=
wechſeln einer Walze bietet keine Schwierigkeiten. Der
Papier=
ſtreifen, der zum Bezeichnen der Geſpräche diente, wird dabei
von ſeinem Block abgeriſſen und mit der Wachsmalze in einer
Papphülle aufbewahrt. Die Wachswalzen ſind ſo bemeſſen, daß
Geſpräche von etwa halbſtündiger Dauer, und wenn man den
Apparat bei unweſentlichen Geſprächsſtellen auswechſelt, auch
er=
heblich längere Unterhaltungen aufgenommen werden können.
Sind die aufgenommenen Geſpräche von Wichtigkeit, ſo
wird man die entſprechenden Walzen der Regiſtratur übergeben.
Im anderen Falle ſchleift man ſie zur geeigneten Zeit auf einer
elektriſch betriebenen Abſchleifmaſchine ab. Dieſe Walze iſt dann
zu einer neuen Aufnähme bereit und kann auf dieſe Weiſe über
50 mal benutzt werden. Eine fernere Erweiterung ſtellt das
leinen 9.— RM.
Den beiden Ford=Büchern hat der Verlag zu Ediſons 80.
Geburts=
tag eine autoriſierte deutſche Ausgabe der beſten Ediſon=Biographie
von Bryan folgen laſſen. Die Arbeit Bryans brachte in Amerika einen
großen Erfolg. In Deutſchland wird er nicht geringer ſein, da es das
zweite Buch über Ediſon in Deutſchland überhaupt iſt. Daß Ediſon
Amerikaner und ein ſtarker Kämpfer gegen Deutſchland zur Zeit des
uneingeſchränkten U=Boot=Krieges war, dürfen wir nicht vergeſſen, wir
dürfen aber auch nicht außer acht laſſen, daß Gdiſon ein Erfinder und
Menſch von ganz ungewöhnlichem Ausmaß iſt, der der Menſchheit ſo
große Kulturgüter geſchenkt hat, daß er uns, im ganzen genommen,
auch reichlichen Nutzen gebracht hat. Mit der Einführung der elektriſchen
Beleuchtung und der Glühlampe wurde er tatſächlich der Prometheus
der modernen Menſchheit. Wer würde nicht mit größtem Genuß eine
Biographie eines ſo ſeltenen Menſchen leſen? Tauſend Kleinigkeiten
von großem Intereſſe enthält das Buch. Das Werden und das Arbeiten
des Urbiides der Erfinder rollt vor unſerem geiſtigen Auge ab. — Die
äußere Ausſtattung des Buches und der Druck ſind vorzüglich, dagegen
ſtechen die Abbildungen ſehr unvorteilhaft ab. Der Verlag ſollte dieſe
bei einer Neuauflage durch andere, beſſere erſetzen.
DERSONLICHES AUS DER TECHNIK
Otto Dieck, dem Mitinhaber der bekannten Feilenfabrik in
Eß=
lingen, wurde von der Techn. Hochſchule Stuttgart der Grad eines
Dr. Ing. ehrenhalber verliehen.
In Zürich verſtarb Ing. W. Zuppinger im Alter von 77 Jahren.
Zuppinger hat ſich beſonders auf dem Gebiet der Waſſerkraftmaſchine
einen Namen gemacht.
Carl von Bach wurde anläßlich ſeines 80. Geburtstages von der
Techn. Hochſchuie Stuttgart zum Dr.=Ing. e. h. ernannt. Weiter
voll=
zogen Ehrenpromotionen die Univerſität Tübingen und die Techn.
Hoch=
ſchmile Wien. Die Stadt Stuttgart ernannte ihn zum Ehrenbüirger, der
Allgemeine Verband deutſcher Dampfkeſſel=Ueberwachungsvereine zum
Ehrenpräſidenten.
Die Inhaberin der Schichau=Werke in Elbing, Frau Hildegard
Carlſen, iſt geſtorben.
Kommerzienrat Dr.=Ing. e, h. Carl Flohr iſt im Alter von 77
Jahren in Berlin geſtorben.
Nummer 104
Donnerstag, den 14. April 1927
Seite 15
Sporn Spier und Larnen.
Der Sport des Karfreitags.
Die Oſtertage ſind bekannr dafür, daß ſie das reichhaltigſte
Sport=
programm des ganzen Jahres bringen. Dieſe Erſcheinung iſt natürlich,
da gerade Oſtern ungefähr auf einer Grenze liegt, die ſowohl die
Winter=
ſaiſon wie die beginnende Sommerſaiſon zuſammenfaßt. Dadurch
häu=
fen ſich die Veranſtaltungen, begünſtigt auch durch die Zahl der Feiertage
die mit dem Freitag beginnend, erſt am Montag aufhört, ſo daß auch
meiſt der Samstag noch zur Verfügung ſteht.
Der Karfreitag iſt erklärlicher Weiſe noch nicht ſo belebt wie die
Oſtertage ſelbſt, zumal einzelne Veranſtaltungen für dieſen Tag ſogar
behördlich verboten wurden. Immerhin gibt der Karfreitag ſchon einen
kleinen Vorgeſchmack auf das Oſterprogramm. — Im
Fußball
ſteht das Entſcheidungsſpiel um den dritten Platz der ſüddeutſchen
End=
ſpiele im Vordergrund. In Frankfurt a. M. ſpielen FSV.
Frank=
furt und V.f.L. Neckarau um dieſe wichtige Poſition. Das Spiel
wurde auf den Karfreitag vorverlegt, um eventuelle Kolliſionen mit den
Sonntagsſpielen zu vermeiden. So kann der FSV. Frankfurt mit einer
Nieſenzuſchauermenge rechnen. Der Rheinbezirksmeiſter ſteht um einen
Punkt beſſer als die Frankfurter, braucht alſo nur unentſchieden zu
ſpie=
len, während Frankfurt unbedingt gewinnen muß. Wäre das Spiel an
einem neutralen Ort, ſo könnte man über den Ausgang im Zweifel ſein.
Die Endſpiele haben aber deutlich genug gezeigt, wie wichtig der
Vor=
teil des eigenen Platzes und die Unterſtützung der Zuſchauer iſt und
deshalb ſcheint ein Sieg der Frankfurter als wahrſcheinlich. Wir halten
es kaum für möglich, daß Neckarau aus Frankfurt auch nur einen Punkt
mitbringt. Frankfurt wäre mit einem Siege zum dritten Male
Süd=
deutſcher Dritter, müßte aber erſt noch mit München 1860, dem Sieger
der Runde der Zweiten, ein Entſcheidungsſpiel um die Vertretung
Süd=
deutſchlands bei den Spielen um die deutſche Meiſterſchaft austragen. —
Die Zahl der Geſellſchaftsſpiele iſt am Freitag recht
umfang=
reich. Von den wichtigſten Spielen ſind zu nennen der Beſuch des
ſchwvei=
zeriſchen Klubs FC. Winterthur bei Pfalz Ludwigshafen. Der FV.
Speher hat den FC. Mühlburg zu Gaſt und Saar 05 Saarbrücken
emp=
fängt den SV. Mannheim=Waldhof. Rot=Weiß Frankfurt ſpielt in Trier
bei Eintracht, der V.f.R. Heilbronn iſt bei ſeinem Namensvetter in
Kaiſerslautern eingeladen und der FV. Frankenthal empfängt den V.f.B.
Karlsruhe. — Eine Reihe ſüddeutſcher Vereine befindet ſich nach alter
Gewohnheit auf Reiſen. Der 1. FC. Nürnberg beſucht ſeine — man
kann bald ſagen: zweite Heimat — Weſtdeutſchland und ſpielt am
Kar=
freitag gegen Sp.Vg. Oberhauſen=Styrum in Duisburg. Eintracht
Frankfurt weilt beim BV. Solingen=Gräfrath und der SC. Stuttgart
begibt ſich in die Schweiz, wo ihn das erſte Spiel mit Urania Genf
zu=
ſammenführt.
Handball.
Von beſonderem Intereſſe iſt am Freitag das Spiel des deutſchen
Handballmeiſters Polizei SV. Berlin gegen die guten Kaſſeler Kurheſſen.
Rabfahren.
Der Gau 71 (Frankfurt) des BDR. beabſichtigte, am Karfreitag ſeine
50 Km. Bezirksmeiſterſchaft auszufahren, mußte dieſe aber auf den
Oſter=
montag verſchieben, da die Veranſtaltung behördlicherſeits keine
Er=
laubnis fand.
Waſſerſport.
Für die deutſchen Skuller findet in der Zeit vom 15. bis 30. April
ein Lehrgang in Berlin ſtatt, der die Ausbildung der Skuller im Hinblick
auf die Olymbiſchen Spiele bezweckt und nach Art der leichtathletiſchen
und Fußball=Kurſe neben theoretiſchen Erläuterungen auch praktiſche
Uebungen bringt.
Tagungen.
Während die deutſchen Amateurboxmeiſterſchaften am Samstag in
München beginnen, hat der Deutſche Reichsverband für Amateurboxen
für den Karfreitag eine große Tagung nach München angeſetzt.
Gleich=
falls in München hält der Deutſche Eislaufverband ſeinen Verbandstag
ab. In Stuttgart findet eine Turnpreſſe=Tagung ſtatt.
Tennis.
Drei deutſche Tennisſpieler, Dr. Kleinſchroth, Miſhu, Dr. Kupſch,
nehmen an dem in Nom ſtattfindenden internationalen Turnier teil. Die
deutſche Saiſon auf offenen Plätzen hat noch nicht begonnen.
Fußball.
Verein für Raſenſpiele Darmſtadt e. V. 1912.
Das Oſterprogramm des V.f.R. Darmſtadt iſt folgendes: Am erſten
Feiertag ſpielt die Mannſchaft gegen den 1. FC. ,Bavaria
Ge=
münden a. M. und gaſtiert am zweiten Feiertag zu einem
Propa=
gandaſpiel in Hammelburg gegen den 1. FC.
Hammel=
burg. Der erſtere Verein ſteht in der A=Klaſſe des Gaues Würzburg
hinter dem Spitzenreiter Bayern” Kitzingen, vertritt alſo gute
bage=
riſche A=Klaſſe. Der 1. FC. Hammelburg 1913 iſt B=Klaſſenkandidat,
und hier ſoll ja auch der V.f.N. mit ſeiner angenehmen Spielweiſe nur
werbend für den Fußballſport wirken. V.f.R. Darmſtadt ſteht ſomit
vor einer ſchönen Aufgabe und wird hoffentlich den Gau Bergſtraße in
ſpieleriſcher ſowohl wie geſellſchaftlicher Hinſicht gut vertreten. — Die
zweite Mannſchaft ſpielt am erſten Feiertag gegen die erſte Mannſchaft
von „Germania‟ Dieburg, welche in der B=Klaſſe an erſter Stelle ſteht,
hat ſomit eine ſchwere Aufgabe zu löſen. Am zweiten Feiertag
emp=
fängt ſie Gäſte aus dem benachbarten Griesheim, und zwar die
Liag=
erſatzmannſchaft von „Viktoria” Griesheim. Das
Spiel findet nachmittags auf dem Rot=Weiß=Platz ſtatt und iſt
jeder=
mann zu empfehlen, ſich dieſes Spiel anzuſehen. — Die
Junioren=
mannſchaft V.f.R. ſpielt am erſten Feiertag gegen die erſte
Mann=
ſchaft von Höchſt i. O. in Höchſt, und am zweiten Feiertag hier gegen
die Ligaerſatz mannſchaft von „Germania”
Pfung=
ſtadt um halb 3 Uhr ebenfalls auf dem Rot=Weiß=Platze. Die erſte
Jugend ſpielt am zweiten Feiertag gegen die erſte Jugend von
Spiel=
vereinigung Arheilgen.
FC. „Union” e. V. 1913.
Sonntag, den 17. April (1. Oſterfeiertag) tritt Union erſtmalig nach
den Verbandsſpielen zu einem Freundſchaftstreffen gegen die ſehr
ſpiel=
ſtarke Liga=Elf des Sportvereins 1919 Worms=Hochheim hier an. Union
ſelbſt tritt mit etwas verjüngter Mannſchaft, zum Teil umgeſtellt, auf
den Plan.
Erſte Süddeutſche Hauptpokalrunde.
Für die am 1. Mai ſtattfindende erſte Süddeutſche Hauptpokalrunde
ſind in den einzelnen Bezirken noch die folgenden Mannſchaften
teil=
nahmeberechtigt: Bezirk Bayern: 1. FC. Nürnberg, Sp.Vg. Fürth,
München 1860. Bayern München, ASV. Nürnberg; Bezirk
Würt=
temberg=Baden: V.f.B. Stuttgart, Karlsruher FV., SC.
Stutt=
gart, FC. Freiburg; Rheinbezirk: V.f.L. Neckarau, V.f.R.
Mann=
heim, SV. 98 Darmſtadt, FC. 03 Pirmaſens; Mainbezirk: FSV.
Frankfurt, Eintracht Frankfurt, Not=Weiß=Frankfurt, FC. 93 Hanau;
Bezirk Rheinheſſen=Saar: FSV. 05 Mainz, FV.
Saarbriik=
ken, Saar 05 Saarbrüchen, 1. FC. Idar.
Handball.
V.f. L. Stuttgart—Turngemeinde Darmſtadt 1846.
V.f.L. Stuttgart-Turnverein Eberſtadt 1876.
Am erſten Oſterfeiertag empfängt die erſte Mannſchaft der
Turn=
gemeinde Darmſtadt 1846 die gleiche Mannſchaft des V.f.L. Stuttgart
(D. T.) zu einem Freundſchaftsſpiel. V.f.L. verfügt über eine äußerſt
flinke und ſpielſtarke Mannſchaft, die im 11. Turnkreiſe der Deutſchen
Turnerſchaft „Schwaben” mit an führender Stelle ſteht. Da die
Darm=
ſtädter alles aufbieten werden, um in dem Kampf auf eigenem Platz
Sieger zu bleiben, und die ſtets anſtändige Spielweiſe beider Gegner
bekannt iſt, ſo dürfte das um 3 Uhr nachmittags auf dem Platz am
Finanzamt ſtattfindende Spiel ſich in jeder Hinſicht einwandfrei und
vorbildlich abwickeln. — Am 2. Oſterfeiertag wir der V.f.L. Stuttgart
dem Turnverein Eberſtadt 1876 gegenüberſtehen. Eberſtadts Mannſchaft
ſpielt im Main=Rhein=Gau D.T. in der Meiſterklaſſe und wird aller
Vorausſicht nach den Stuttgartern den Sieg nicht ſo leicht überlaſſen.
Nach der Spielſtärke beider Gegner wird es auch in dieſem Spiel zu
einem wohl harten, aber doch einwandfreien Kampf kommen. Das Spiel
gegen Eberſtadt findet am 2. Feiertag, nachmittags zweieinhalb Uhr, auf
dem Platz des Eberſtädter Turnvereins 1876 ſtatt. — Der Beſuch der
beiden Spiele kann jedem Freund des Handballſpieles auf das Beſte
empfohlen werden.
Motorſport.
Turnen.
Tagung der Kreisturnwarte der D. T.
Die Stadt Hannover ſteht augenblicklich im Zeichen der Deutſchen
Turnerſchaft, die hier eine Reihe wichtiger Sitzungen abhält. Am
Mon=
tag und Dienstag traten die Kreisturnwarte in einer Sitzung zuſammen,
bei der über 150 techniſche Führer aller Fachgebiete zugegen waren. Nach
einer Reihe von Vorträgen begannen die Beratungen. Zuerſt wurde
beſchloſſen, als Vorbereitung für die Olympiſchen Spiele je drei
Lehr=
gänge im Laufen, Werfen und Springen abzuhalten, um damit eine
gründliche Durchbildung der Olympigkandidaten zu gewährleiſten. Die
Ausgeſtaltung der Fachgebiete, Wettkampf= und Ausbildungsfragen,
wurde eingehend beſprochen. In der Frage des Anſchluſſes von
Werk=
vereinen wurde der Beſchluß des Hauptausſchuſſes vom Freitag beſtätigt,
wonach Werkvereine aufgenommen werden können, auch wenn eine
Ab=
teilung des Vereins einem anderen Verbande angehört. Die
Werkver=
eine gelten als ſelbſtändige Vereine der D. T. mit allen Nechten und
Pflichten und ſind allen Beſtimmungen über die reinliche Scheidung
unterworfen. Den Abſchluß der Tagung bildete eine Vollverſammlung
ſämtlicher Fachausſchüſſe am Dienstag nachmittag. Ueber den
Vereins=
betrieb und die neuzeitliche Betriebsweiſe der Frauenübungen wurden
beſondere Nichtlinien aufgeſtellt. Oberturnwart Schwarze=Dresden ſprach
über Ausbildungsarbeit in der D. T. Beſonders wichtig war die
An=
nahme der Vorſchläge zur Durchführung des Deutſchen Turnfeſtes 1928
in Köln. Damit iſt die Grundlage gegeben für die großen Arbeiten,
die zur Bewältigung des Feſtes, an dem über 100 000 Menſchen
teilneh=
men werden, notwendig ſind.
Pferdeſport.
Frankfurter April=Rennen.
Für die drei Frankfurter Renntage, deren erſter am Oſtermontag
anſteht, zeigt ſich bei den in Betracht kommenden Nennſtällen das größte
Intereſſe. In der Hauptſache werden wieder die ſüddeutſchen Ställe mit
einem außerordentlich ſtarken Aufgebot in die Ereigniſſe eingreifen.
Außer den bereits am Platz anweſenden zahlreichen Inſaſſen der beiden
Frankfurter Trainieranſtalten, ſind bereits von München nahezu fünfzig
Pferde abgegangen, die dort ſchon Gelegenheit hatten, ihr Können zu
er=
proben. Herr v. Moßner entſendet 6 Pferde, darunter die Münchener
Sieger Paulus 2 und Le Parodien, ſowie den bekannten bei ihm jetzt im
Training befindlichen Contrahent. Trainer Görgenhuber kommt mit
3 Pferden, von denen die erfolgreiche Dreijährige Guſcha zu erwähnen iſt.
Trainer Paul Seiffert wird 4 Kämpen entſenden. Trainer Eichhorn
3, unter ihnen den in vorzüglicher Form befindlichen Dollar. Trainer
Wagner hat 6 Pferde disponiert, von denen bereits Eochen und Sigurs
ſich auszeichnen konnten. Trainer Frick vom Stall Friediger erſcheint
mit 5 Inſaſſen, unter ihnen Imperator, der im Vorjahre auf Berliner
Bahnen eine große Rolle ſpielte; außerdem die Münchner Sieger
Far=
mer und Dojan. Aus dem Stall des Trainers F. Reith ſind 6 Pferde
zu erwarten, von denen der ſchnelle Franzoſe Mon Béquin 2. und
Dul=
einea beſonders zu erwähnen ſind. Schließlich iſt noch Trainer Hecker
mit 5 Pferden angemeldet, dabei der alte Jahn, das populäre
Hindernis=
pferd, das am Sonntag mit einer Rieſenüberraſchung ſein neues
Renn=
jahr einleitete. Es ſei beſonders bemerkt, daß der Rennkluh wiederum
dazu übergegangen iſt, Dauerkarten für die drei Tage auszugeben, welche
Niedenau 47 als an den Kaſſen erhältlich ſind.
Wie bereits mitgeteilt, ſollte am vergangenen Sonntag die Anfahrt
des Heſſiſchen Motorſportklubs ſtattfinden. Durch die recht ungünſtige
Witterung mußte jedoch dieſe Fahrt verſchoben werden, wenn ſich auch
eine kleine, der Witterung trotzende Schar am Start eingefunden hatte.
Die Sportleitung des Klubs hat jetzt beſchloſſen, die geplante Anfahrt
auf Freitag, den 15. April, feſtzulegen und zwar kann diesmal, ſelbſt
bei ungünſtiger Witterung eine nochmalige Verſchiebung nicht
vorgenom=
men werden, da die nachfolgenden Sonntage bereits für andere
Veran=
ſtaltungen vorgeſehen ſind. Die Fahrt beginnt am Startplatz (Café
Oper) um 2 Uhr mittags, führt in die nähere Umgebung von
Darm=
ſtadt und endet in Nieder=Ramſtadt bei Gaſtwirt Breidert. Das
End=
ziel Nieder=Ramſtadt wurde gewählt, damit auch den
nichtmotorfahren=
den Mitgliedern Gelegenheit gegeben iſt, das Ziel per Bahn zu erreichen.
(Näheres ſiehe Inſerat.)
24=Stundenrennen auf der Opelbahn. — Teilnahme Darmſtädter Fahrer.
Wie ſchon bereits an dieſer Stelle mitgeteilt, findet am 30. April
und 1. Mai auf der Opelbahn erſtmalig ein 24=Stundenrennen für
Motorräder ſtatt. Welchen großen Anklang dieſes Rennen in Induſtrie=
und Sportkreiſen findet, beweiſen die von namhaften Fahrern
abgegebe=
nen Meldungen. So finden wir u. a. mehrere Mannſchaften der B.M.W.
mit dem Rekordmann Bauhofer und, was die Opelbahn noch nie ſah,
zwei Damen, wer anders als die bekannte Automobilrennfahrerin Frau
Ines Folville und vorausſichtlich als Partnerin die bekannte Suſanne
Körner. Was es heißt, 24 Stunden, bzw. 12 Stunden (ie 2 Fahrer löſen
ſich gegenſeitig innerhalb 24 Stunden nach Belieben ab) auf einem
Motorrad auch bei Nacht, bei einem Tempo von 90 bis 100 Kilometer,
auf der Opelbahn zu kreiſen, darüber wird ſich überhaupt niemand ein
Bild machen können. Ferner haben bereits die NSU.= und Derad=
Werke ſowie D.K.W., erſtmalig mit der neuen Zwei=Zylinder=Maſchine,
Meldungen für mehrere Mannſchaften abgegeben. Vom Ausland liegen
Meldungen aus England, Frankreich und Belgien vor. Daß auch unſere
Darmſtädter Motorrennfahrer großen Sportgeiſt beſitzen und ſich vor
den ganz großen Kanonen nicht fürchten, beweiſt, daß die Herren Georg
Hahn, Karl Engel und Geo Wieſt ebenfalls ihre Meldungen abgegeben
haben und in anbetracht ihres guten Maſchinenmaterials größte
Aus=
ſicht auf einen Erfolg haben.
Kegeln.
Sport= und Werbewoche der „Zwölfer” Tade. 46.
Höchſtleiſtungen vom 12. April 1927.
Induſtriebahn: Becher=Bürgerverein 30; Kleiß=K. K. 1911 28.
Werbebahn: Thümmel=K. K. 1911 28: Schäfer 27.
Damenbahn: Frau Sauter 19; Frau Remhardt=Rollendes
Glück 18.
Riegenkegeln: Kegelgeſellſchaft Gaſtwirt b. Sitte 499 (außer
Konkurrenz); Lokälchen 448.
Die deutſche Automobilausſtellung 1927. Die diesjährige deutſche
Automobilausſtellung wird in der Zeit vom 24. November bis 4.
De=
zember in Berlin ſtattfinden. Als Ausſtellungsräume kommen
höchſt=
wahrſcheinlich die Autohallen am Kaiſerdamm in Frage. Nach langen
zu einem ermäßigten Preiſe von Mk. 14 ſowohl bei dem Sekretariat Jahren nationaler Beſchränkung wird die Ausſtellung in dieſem Jahre
endlich wieder einmal internationale Beteiligung aufweiſen.
Briefkaſien.
Jeder Anfrage iſt die letzte Dezugsqulttung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nſcht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlichkelt.
K. H. Wenn der Kaufvertrag beiderſeits völlig erfüllt wurde, kaum
zurzeit eine Aufwertung nicht in Frage kommen. Vielleicht hilft eine
Aenderung der Aufwertungsgeſetzgebung, noch hier ab, zumal viele
in gleicher Lage wie Sie ſind.
„Invalidenverſicherungsbeiträge.” Sobald die Aenderungen ind
„Reichsgeſetzblatt” bekanntgegeben ſind, werden wir die
Au=
gelegenheit im redaktionellen Teil behandeln.
K. H. hier. 1. Wir miſſen Sie hier auf die Reichsbeſtimmungen
über Erwerbsloſenfürſorge vom 16. Februar 1924 (Reichsgeſetzbl. Teil I
S 19) und weiter auf die Beſtimmungen über öffentliche
Notſtands=
arbeiten vom 30. April 1925 (Reichsgeſetzbl. Teil I Nr. 18 vom 8. Maf
1925 S 53) verweiſen. Die betreffenden Nummern können Sie auf der
Landesbibliothek hier nachleſen. 2. Darüber wird Näheres nur aus dem
ſtädtiſchen Voranſchlag für 1927 zu erſehen ſein, der uns noch nicht
vor=
liegt. 3. Darüber werden Sie in der ſtädtiſchen Leſe= und Büicherhalle
Schriften namhaft gemacht bekommen. 4. Ja. 5. Dieſe Frage wird wohll
bei Beratung des ſtädtiſchen Voranſchlags, die bevorſteht, zur
Be=
ſprechung gelangen.
Geſchäftliches.
Achten Sie bitte
auf den der heutigen Nummer beiliegenden Proſpekt der Fahrradfabrik
Auguſt Stukenbrok, Einbeck. Fordern ſie die koſtenloſe Zuſendung der
illuſtrierten Preisliſte, dieſelbe enthält eine große Auswahl an
Fahr=
rädern, Nähmaſchinen, Pneumatiks, Fahrradzubehör, Sportartikeln alley
Art, Leder=, Kurz= und Stahlwaren, Bedarfsartikeln für Haus und Reiſe,
optiſchen und elektriſchen Artikeln, Uhren, Gold= und Silberwaren,
Photoartikeln, Muſikwaren, ſpeziell Sprechmaſchinen und Schallplatten,
Waffen und Munition, Spielwaren uſw. Die Preiſe ſind vorteilhaft
geſtellt und für prompte, zuverläſſige Bedienung bürgt der Weltruf des
Hauſes.
(6420
Goethe und das Köſtritzer Schwarzbier.
Einem der Allgemeinheit wohl unbekannten Briefe von Humboldt
an ſeine Gattin Karoline (geb. Wilhelm v. Dacheröden), datiert:
Wei=
mar, den 17. November 18B3, entnehmen wir die folgenden, in mehr
denn einer Hinſicht intereſſanten Zeilen:
„Ach Gott, liebes Kind, Goethe hat auf nichts Appetit, nicht auf
Bouillon, Fleiſch, Gemüſe. Er lebt von Bier und Semmel, trinkt
große Gläſer am Morgen aus, beratſchlagt mit ſeinem Bedienten,
ob er dunkel= oder hellbraunes Köſtritzer Bier ... trinken ſoll.”
Neben der ſchönen Beſorgnis um den Freund, die dieſe Briefſtelle
des großen Forſchers verrät, zeigt ſie, daß auch Deutſchlands größten
Dichter der Wert der Köſtritzer Biere vertraut war und und daß auch
er, gleich’ ſo vielen Geiſtesheroen vor und nach ihm — man denke nur
an Bismarck, der den Köſtritzer Bieren zu vielen Malen ſeine beſondere
Wertſchätzung zollte — das altehrwürdige Köſtritzer Schwarzbier gerade
in den Zeiten körperlicher Depreſſion bevorzugte.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Donnerstag, 14. April. 1.30: von Kaſſel: Konzert. Wagner:
aus „Parſifal”. — Mozart: Ave verum. — Tſchaikowsky: Andante
cantabile. — Sibelius: Valſe triſte — Liſzt: Orpheus. O 3.30:
Stunde der Jugend. Fr. Voigt: Der Schiffbruch der „Polaris”.
Für Kinder vom 13. Jahre ab. O 4.30: Hausorch, Barcarolen.
Mendelsſohn: Venetianiſches Gondellied. — Sullivan: Barcarole a.
„Masquerade du Marchand de Veniſe‟. — Joh. Strauß: Ouv.
Eine Nacht in Venedig”. — Schumann: „Leis rudern hier, mein,
Gondolier”. „Wenn durch die Piazetta”. — Arensky: Narcarole,
— Tſchaikowsky: Barcarole. — Boito: „Sieh, wie der Mond
ſo klar”, aus „Mephiſtopheles”. — Verdi: Barcarole a. „
Siziliani=
ſche Veſper. — Catalani: „In Gondola”. — Rich. Strauß: „Um
der fallenden Ruder Spitzen”. — Brahms: „O. Fiſcher auf den
Fluten‟. — Delibes: Barcarole aus „Sylvia”. — Offenbach:
Schöne Nacht du Liebesnacht”, a. „Hoffmanns Erzählungen”. —
Hanna Ringenwald (Sopran). Lieſel Richartz=Scholl (Alt). O. 7:
aus dem Saalbau, Miſſa ſolemnis” von Beethoven. O 10: von
Kaſſel: Max Jungnickel lieſt aus eigenen Werken.
Stuttgart.
Donnerstag, 14. April. 3.50: Aus dem Küchenreich. O 4.15:
Aus Freiburg i. Br. Orgel=Konzert. O. 6.15: Dramaturgiſche,
Funkſtunde. 6 6.45: Aus Freiburg i. Br.* Nervöſe Leiden und
Wege zur Befreiung. O 7.15: Schach. O 8: „Die Renaiſſance‟.
Szenen von Gobineau. Julius II.: E. Stockinger; Michelangelo:
C. Elwenſpoek: Urbino, ſein Diener: Fr. Höger; Mini, ein Schüler:
C. Struve; Macchiavelli: Th. Brandt; Bramante: L. Puſchacher;
Cellini: M. Heye; Vittoria Colonna: Hildegard v. Zedtwitz; ein
Edelmann: K. Abel; ein Biſchof: H. Schmidt. O 9.30: Aus
Karlsruhe: Ruſſiſcher Abend. Mitw.: Dr. Brückner (Violine),
Vokalquartettvereinigung Karlsruhe, Polizeikapelle. Hans Blum
(Rez.). Tſchaikowsky: Violinkonzert D=dur — An der Wolga
(Männerchor). — Violinkonzert D=dur. — Finale.
Berlin.
Doonnerstag, 14. April. 12.30: Hannover (alle Noragſender):
O 4: Gartenarchitekt Rimann: Vorgärten in der Großſtadt. O 4.30:
Paſſion”, Rezitationen von Alfred Braun. O 5: Konzert. Händel:
Komm, ſüße Freiheit, Arie aus Judas Maccabäus. Rezitativ und
Arie der Kleopatra aus Julius Cäſar. (Irmgard Preiß, Sopran)
Chaconne F=dur (Bertha Taubmann, Klavier). — Brahms: Drei
Romanzen aus den Magelone=Geſängen (H. Spohn, Tenor). —
Schumann: Zwei Fantaſieſtücke (Bertha Taubmann) u. a. m. Am
Flügel: Th. Mackeben. O 6.30: Generalmuſikdir. v. Schillings:
Einf. zu dem Sendeſpiel am 15. April. O 7.05: Spaniſch. O 7.30:
Geh. Bergrat, Rektor der Techn. Hochſchule Prof. Stavenhagen: Die
Verhütung von Schlagwetter=Exploſionen. O. 8: Felix Hollgender=
Einl. Worte zu dem nachf Sendeſpiel. O 8.30: „Oſtern”. Feſtſpiel
von Aug. Strindberg. Perſ.: Frau Heyſt: Ilka Grüning: Elis,
Sohn: E. Karchow; Eleonore, Tochter: Grete Jacobſen; Chriſtine,
Elis Verlobte: Johanna Hofer; Benjamin, Gymnaſiaſt: U. Krammer;
Lindkviſt: A. Florath.
Königswuſterhauſen. Donnerstag, 14. April. 2.30:
Hausfrauen=
wünſche zum Wohnungsbau: Die Geſtaltung der Räume. O. 4: Dir.
Knoff: Berufsberatung: Was iſt beim Abſchluß eines Lehrvertrages
zu beachten? O 4.30: Lehrer Konetzky: Lehrgänge für
Muſeums=
ausführungen. O 5: Müller=Jabuſch: Weltpolitiſche Stunde. 6 5.30:
Japan, ſein Volkstum und ſeine Kultur. O 6: Prof. Dr. Dahmen:
Schweinerotlauf und Schweinepeſt. O 6.30: G. van Eyſeren, C. M.
Alfieri: Spauiſch für Fortgeſchrittene. O 6.55: Dr. Fechter:
Sprech=
kunſt der Gegenwart: „Gogol zum 75. Todestage.” Rez.: W.
Buſchoff.
Wetterbericht.
Wettervorausſage für Freitag, den 15. April 1927,
(nach der Wetterlage vom 13. April 1927).
Durch Herannahen neuer atlantiſcher Tiefdruckgebilde wird
mari=
time Warmluft in den Kontinent hereingeführt, ſodaß unſere Witterung
bei langſam ſteigenden Temperaturen ihren unbeſtändigen Charakter
Die Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
behält.
Hauptſchriftleitung • Rudol/ Maupe
Verantwortlich für Politit und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feulleion Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; ſür Sport: Dr. Eugen Buhimann
für den Handel: Dr. C. 6. Quetſch, für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer, ſür den ?
Juſeratenteil. Wills Kuhle: Oruck und Verlag: C. C. Wiltſch — ſämtlich in Darmſtadtf
Für unverlangte Mannſtripte wird Garantie der Rüchiendung n ich ” übernommen.
—
Die heutige Nummer hat 20 Seiten
V
Zucker, Gallensteine, Magen, Ihermen Deutschlands
Darm, Leber, Nieren,
Blasen-
leiden, Gicht u. Hatarrhen / Mr dder 25, Hauslüut ohne berufsstcrun
Bade u. Hauskunschriften
durch Kurdirektion Bad lieuenahe / Frledr, Schaeter, Dro.
(Rheinland.)
einsigen alkalischen
(rein natürliche Füllung)
Zur Varkur einer Tinkzu Badekur in diel
AupEMIEdEFläge:
[ ← ][ ][ → ] Die Betriebsverhältniſſe der Reichsbahn
im letzten Vierteljahr 1926.
Der Perſonenverkehr ließ der Jahreszeit entſprechend nach;
der ſonntägliche Ausflugsverkehr war infolge der ungünſtigen Witterung
im Oktober und November ſchwach, im Dezember geſtaltete er ſich etwas
belebter.
Im Güterverkehr hielt die ſtarke Inanſpruchnahme des
Be=
triebsapparates, bedingt durch den Kohlenverkehr und die hinzutretende,
wie alljährlich ſich in dieſer Jahreszeit hebende Beförderung von
land=
wirtſchaftlichen Erzeugniſſen, Lebensmitteln und allgemeinen
Bedarfs=
artikeln des Wirtſchaftslebens im Oktober und November an, während
im Laufe des Dezembers ein ſtarkes Abflauen eintrat.
Die Kohlenausfuhr über deutſche Eiſenbahnſtrecken und Häfen blieb
im Oktober gegen den Vormonat zurück. — Sowohl in den See= wie in
den Ruhrhäfen kamen ſelbſt nach dem Wegfall der Störungen durch
Witterung und Streik die Umſchlagleiſtungen der Bahnzufuhr
nicht nach; ferner waren die belgiſchen Uebergangsbahnhöfe dem ihnen
zugebrachten Verkehr nicht gewachſen. Infolgedeſſen mußte wiederholt
der Zulauf zu den fraglichen Gebieten durch Sperren, geregelt
wer=
den. — Im November war die Kohlenausfuhr über die
Trocken=
grenze und Häfen ſehr lebhaft. Der Transport nach Belgien mußte
auch im November infolge mangelnder Aufnahmefähigkeit der belgiſchen
Bahnen zeitweiſe geſperrt werden. Auch ſperrten die belgiſchen
Staats=
bahnen vorübergehend die Annahme von Kohle ſür Antwerpen. Infolge
Schiffsraummangels und Störungen im Schiffs= und Umſchlagverkehr
durch ſtarken Nebel traten in den Seehäfen mehrfach Stauungen ein, die
zu einer zeitweiſen Droſſelung des Kohlenzulaufs führten. Dazu kam
ſtarker Kohlenverſand auf dem Bahnwege ſowohl an deutſche
Verbrau=
cher — Induſtrie und Hausbrand —, als auch in der Aus= und
Durch=
fuhr nach der Schweiz (75 Züge), Dänemark und Italien. Hierzu ſtellten
wegen des deutſchen Eigenbedarfs an Reichsbahnwagen die ausländiſchen
Verwaltungen zum Teil ſelbſt Wagenraum zur Verfügung. — Im
De=
zember, ging die Kohlenausfuhr über deutſche Strecken und Häfen
auf etwa 45 Prozent des Vormonats zuvück. Vor allem flaute der
Ver=
ſand von der Ruhr nach den deutſchen holländiſchen und belgiſchen
Nord=
ſeehäfen infolge der geräumten Halden und der nicht nachkommenden
Förderung ab.
Die Ausfuhr von Kohle aus Oberſchleſien über die Seehäfen
ließ infolge der Beendigung des engliſchen Kohlenarbeiterſtreiks ſo
er=
heblich nach, daß dieſer Ausfall durch den Mehrverſand nach dem
In=
land nicht wettgemacht werden konnte. — Das mitteldentſche
Braunkohlengebiet hatte im Oktober und November ſtarken
Abſatz ſowohl nach dem Inlande als auch nach dem Auslande beſonders
nach England. Auch dieſe Ausfuhr mußte, ſoweit ſie über Hamburger
Häfen geleitet wurde, zeitweiſe gedroſſelt werden. Im Dezember machte
ſich infolge Beendigung des engliſchen Bergarbeiterſtreiks fortfallende
Ausfuhr ſowie auch der zurückgehende Bezug durch die Zuckerfabriken
erheblich bemerkbar. — Neben der allgemein belebenden Wirkung des
Herbſtverkehrs, der in vielen Bezirken zu Höchſtleiſtungen im Betriebe
führte, wie ſie in der Nachkriegszeit noch nicht erreicht waren, ſind
be=
ſonders bemerkenswert größere Transporte ſchwediſchen Erzes von
Stettin nach der Tſchechoſlowakei, vermehrte Erzeinfuhr von Lothringen.
Im allgemeinen wickelte ſich der Betrieb ohne nennenswerte
Stö=
rung ab. Zur Beſchleunigung der Leerwagenbeförderung” wurde im
Oktober an drei Sonntagen, im November an allen Sonntagen und am
Bußtage die Sonntagsruhe im Güterzugsverkehr teilweiſe aufgehoben;
die dadurch entſtandenen Koſten mußten angeſichts der recht knappen
Wagenbeſtände in Kauf genommen werden. — Folgende
neuerbau=
ten Eiſenbahnſtrecken, wurden in Betrieb genommen: Huſum=
Flensburg, Dubeningken—Blindgallen, Oppenau-Bad Peterstal,
Titi=
ſee—Seebrugg, Michendorf—Großbeeren, Haiger—Rabenſcheid.
Der Güterverkehr entwickelte ſich im Oktober weiter in aufwärts
ſteigender Richtung und erreichte im November ſeinen Höhepunkt.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 13. April.
Der außerordentlich ſtarke Rückgang der Arbeitsloſenziffer im März,
die nach jetzt veröffentlichten Zahlen über 500 000 Mann beträgt, hat
an der Börſe einen ausgezeichneten Eindruck gemacht, ſodaß die vor einer
mehrtägigen Unterbrechung des Börſengeſchäfts eintretende
Zurückhal=
tung heute kaum wahrgenommen werden konnte. Im Gegenteil
betei=
ligten ſich faſt alle Börſenkreiſe recht lebhaft am Geſchäft; das
Publi=
kum war mit Kaufaufträgen vertreten und auch Konſortialkäufe
wur=
den feſtgeſtellt. Elektrowerte waren auch heute wieder begehrt, daneben
die Bankaktien, für die großes Intereſſe beſtand bei durchgängigen
Kurs=
beſſerungen von 2 Prozent und mehr. Die Elektrowerte ſtiegen bis zu
3 Prozent. Ferner konnten die ſchon geſtern bevorzugten Montanwerte
und die Bauaktien weitere Kursbeſſerungen erzielen. Auf dem
Chemie=
markt lagen dagegen nur J.G. Farbeninduſtrie höher, Scheideanſtalt
und Holzverkohlung dagegen etwas ſchwächer. Deutſche Anleihen
blie=
ben weiter vernachläſſigt, auch die ausländiſchen Nenten ſetzten ihre
geſtrige Steigerung nicht fort. Die Umſatztätigkeit blieb auch ſpäter recht
lebhaft. A. E.G., Schuckert, Mannesmann und Harpener blieben ſtändig
in ſtarker Nachfrage und zogen noch weiter an. Tägliches Geld 6 Proz.
Die Abendbörſe verlief noch ziemlich lebhaft. Elektrowerte,
mit Ausnahme von Siemens u. Halske und Schuckert, nach den erſten
Kurſen eher etwas ſchwächer. Auch die Farbenaktie im Verlaufe
ver=
machläſſigt. Dagegen ſchoben ſich Harpener, Mansfeld und Rürgerswerke
ſtärker vor. Die übrigen Aktienmärkte ruhig und teilweiſe in
Nealiſa=
tion; Anleihen, ſowie deutſche und fremde Renten unbeachtet. Im
ein=
zelnen nannte man: Mansfeld 174, Stahlverein 155, Phönix 144,5,
Rheinſtahl 249, Mannesmann 235. Harpener 275, Kali Aſchersleben 219,
Bergmann 219,5, Schuckert 220, Siemens u. Halske 331,5, A. E. G. 189,5,
Lahmeyer 189,5, Deutſche Bank 200, Metallbank 167, Kommerzbank 225,5,
Holzmann 223, Zement Heidelberg 189,25, Zellſtoff Waldhof 283,5,
Nord=
deutſcher Lloyd 148,75, Farbeninduſtrie 336,75 Scheideanſtalt 240,
Holz=
verkohlung 91,75, Metallgeſellſchaft 199,25, Rütgers 150, Goldſchmidt
153. — Im Abenddeviſenverkehr nannte man Mailand weiter
feſt. London gegen Paris 124, gegen Mailand 97,95, gegen Holland
12,14:/,, gegen Madrid 27,45 gegen Zürich 25,2475, gegen Oslo 18,84,
gegen New York 4,8565, Pfunde gegen Mark 2),49,, Dollar gegen
Mark 4,22.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 13. April.
Die Oſterhauſſe iſt heute in etwas ruhigere Bahnen gekommen, indem
das Geſchäft nach den ſtürmiſchen Umſätzen der Vortage ſichtbar
nach=
gelaſſen hat. Die Tendenz der Aktienmärkte, in erſter Linie der
Termin=
märkte, war aber weiter unverändert feſt, weil das Publikum neue
Kauf=
aufträge erteilte und damit die ſtellenweiſen Gewinnlöſungen ohne
Ein=
fluß auf die Haltung blieben. Die Spekulation zeigte ebenfalls
über=
wiegend Kaufintereſſe, wozu ſich hauptſächlich durch die günſtige
Ge=
ſtaltung der Geldmarktlage und die erfreulichen Mitteilungen über den
Arbeitsmarkt, daneben nicht zuletzt, durch die in verſchiedenen
Aktien=
werten ſich vollziehenden Intereſſenkämpfe angeregt wird. Im
Vorder=
grunde ſtanden Farbenaktien, Bauaktien, Elektro= und Montanpapiere.
Auch Bankaktien lebhafter. Die Geldſätze lagen gegen geſtern
unver=
ändert und ſtellten ſich auf 4—6 Prozent für Tagesgeld, 6½ bis 7½
Prozent für Monatsgeld und 43/ Prozent für Warenwechſel mit
Groß=
bankgiro. Im Deviſenverkehr überſchritt die Lira ihren bisher höchſten
Kurs abermals weſentlich. Das engliſche Pfund gab gegen Mailand auf
98,50 nach. Oslo befeſtigte ſich auf 18,82, während Madrid mit 27,8
eher ſchwächer notierte. Der Dollar lag in Berlin mit 4,2196
ziem=
lich feſt,
Unter den einzelnen Märkten traten zunächſt Elektrowerte
be=
ſonders hervor. Der Kaufandrang war für dieſe Papiere trotz der gegen
den Vortag feſtzuſtellenden Verringerung immer noch am lebhafteſten,
wobei abermals die Papiere des Siemenskonzern im Vordergrunde
ſtanden. Am Schiffahrtsaktienmarkt war die Aufmerkſamkeit wiederum
auf Hamburg=Süd und Hanſa konzentriert. In der Mitte der zweiten
Stunde beeinträchtigten Gewinnrealiſationen die Tendenz. An den
Nebenmärkten konnten Textilwerte, Warenhauswerte und Bauwerte
günſtige Norierungen erzielen, Berger Tiefbau ſtellten ſich nach
anfäng=
licher Vernachläfſigung 5 Prozent höher. Am Einheitsmarkt fanden
be=
trächtliche Anſchaffungen ſtatt, durch die die Kaſſawerte anziehen
konn=
ten. Infolge des großen Intereſſes für Montanaktien erfuhren die
Bons der Harpener eine 16prozentige Steigerung auf 253 Prozent.
Privatdiskont kurze Sicht 4½, lange Sicht 42/s. An der Nachbörſe
betätigte ſich die Spekulation faſt ausſchließlich in Elektrizitätsaktien, die
bereits ſehr hohe Schlußkurſe hatten und dieſe abermals erhöhen
konn=
ten. Dagegen lagen Montanaktien luſtlos und angeboten. Leonhard
Tietz wurden mit 153 und Rütgerswerke mit 148½ geſucht.
Aſchaffb. Zellſtoff.
Augsb.=Nürnb. Maſe
Bamag=Meguin
Bank el W..
Berlin. KarlsruheFr
Braunkohl.=Briket
Bremer Vulkan.
Bremer Wolle.
Deutſch.=Atlant.
Deutſche Maſchin
Deutſch.=Nied. Te
Deutſche Erdöl
Deutſche Petrole
Ot. Kaliwerke
Donnersmarckhüte
Lynamit Nobel.
Elektr. Lieferung.
F. G. Farben
R. Friſter.
Gaggenau Vorz
Gelſenk Gußſtahl.
E. f. elefrr. Untern..
Halle Maſchinen.
Han. Maſch.Egeſt..
Hanſa Dampfſchf..
Amſterdam=R.
Buenos=Aires.
Brüſſel=Antw
Eslo
Aopenhagen
Stodholm
Selſingſors
Italien
London ..
Paris .."
Schneiz
epanien
12 4.
189.—
148.—
65.—
213.—
108.—
229.5
14o.
209.75
118.
124.
13.125
180.—
82.
158.5
148.
164.5
205.375
335.—
105.—
67.5
18.—
275.—
200.
141.25
235.—
13 4.
130.
147.75
64.—
220 75
108.5
230.—
140.5
210.—
122.—
127.—
13.25 Niederlauſitzer Kohle
Nordd. Gummi.
188.625
143 —
335.—
105.—
68.—
18.—
280.5
212.—
139.—
235.—
noor Zement.
Hirſch aupfer
Höſch Eiſen
öohenlohe We
Kahla Vorzellat
Lindes Eisma
Lingel Schuh
Linke u. Hofman
L. Loewe u.
C. Lorenz
Orenſtein.
159.75 Rathgeber Wagge
Rombacher Hütten.
162.5 Roſitzer Zucker.
205.— Rütgerswverke
Sachſenwerl
Sächſ. Gu
Siemens Gla
Ver. Lauſitzer &
Volkſtedter Porzell.
Weſtf. E. Langendree
Wittener Gußſtahl.
Wanderer=Werke
12. 4.
264.—
1118.—
229.75
28.8
114175
190 —
93.—
1165.
378.—
151.5
12125
Ia2.
H110.—
96.—
1144.—
138.—
1165.—
1192.5
153.75
62.5
66.25
91.—
1279.—
13. 4.
262.5
118.—
229.5
28.8
141.—
192.25
95.—
98.5
376.—
151.75
214.—
144.875
112.75
96.—
147.—
139.5
165.—
192.—
155.—
68.—
66.25
90.
285.75
Deviſenmarkt.
12. 4. 13. 4. 12. 4. Geld Brieſ Eeld /Brieſ Geld Brie 168.56 168.9 16s. 59 169.01 Wien D.=Oſt.abg 59.26 59.40 1.783 1.787 1.7841 1.788 Prag. .. 12.4471 1 2.510 58.60 58.74 58.60 58.74 Budapeſt( Pengö 73.52 73.74 os.56 108.84 108.7: 109.01 Fapan. 2.058 2.063 Hie 42ſtt2.70 112.43 12.71 Rio de Faneiro ).4975 3.4935 112-9 113.1. 112.88 113.16 Sofia.. 3.045 3.055 o. 60 1110.641 10.60 10.64 Zugoſlavien... 1.403 T.423 20.5020.56 20.81 20.87 Konſtantinopel / 2.102/ 2-172/ 2.155/ 2.-165 120.48120.5131 20.465 /20.5171 Liſſabon .. 21.485/21.535121 495/2:.545 Nen=York. . 4.214/ 4.220 4.214 4.224 Danzig ... 16 50/ 16.50 16.505/16.545lAthen ... 81.05/ 81.251 81.05 81.25 Kanada. . . 73.36/ 3.5d 74.31/ 74.49/Uruguan. 13. 4.
Gelo /Brief
53.271 59.41
2.473/12.5 13
13.521 73.70
2.059 2.063
1 4975 1.4995
3.045/ 3.055
7.405/ 7.425
31.62/ 31.821 81.62/ 81.82
5.701 5.76 5.711 5.73
4.215/ 4.225/ 4.215/ 4.225
4.285/ 4.2951 4.285/ 1.295
Umſatzſteuernmrechnungsſätze für den Monat März. Die
Umſatz=
ſteuerumrechnungsſätze auf Reichsmark für die nicht an der Berliner
Börſe notierten ausländiſchen Zahlungsmittel waren für den
Monat März 1927 wie folgt feſtgeſetzt: Eſtland 100 eſtn. Mk.: 1,12 RM.,
Lettland 100 Lat: 81,08, (100 lit. Rubel: 1,62), Litauen 100 Litas: 41,57,
Luxemburg 500 Fr.: 58,61, Polen 100 Bloty: 47,02, Rußland 1
Tſcher=
vonez: 21,73. Brit.=Oſtindien 100 Rupin: 153,24, Britiſh Straits
Sett=
lements 100 Dollar: 236,81, Britiſch=Hongkong 100 Dollar: 204,88, China=
Schanghai 100 Tael (Silber): 255,42, Argentinien 100 Goldpeſo: 405,25,
Chile 100 Peſo: 51,47, Mexiko 100 Peſo: 198,41, Peru 1 peruaniſches
Pfund: 15,63, Uruguay 1 Peſo: 4,24 RM.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Bank für Innen= und Außenhandel A.=G., Berlin. In der H.=V.
wurde der Abſchluß für 1926 debattelos genehmigt. Zuſammen mit dem
Gewinnvortrag aus 1925 in Höhe von 8137 RM. (9043 RM.) hat die
Geſellſchaft 374 355 RM. (242 558) vereinnahmt. Unkoſten einſchließlich
Gehälter und Steuern beanſpruchten 248 173 (179 920) RM., ſo daß ſich
ein Reingewinn von 126 182 (62 637) RM. ergibt. Hieraus werden u. a.
6 Prozent (6 Prozent) Dividende an die Aktionäre verteilt und 14 182
RM. vorgetragen. Von der Verwaltung wurde mitgeteilt, daß die erſten
drei Monate des laufenden Geſchäftsjahres ſich befriedigend entwickeit
haben, ſo daß man unter üblichem Vorbehalt wieder mit einem günſtigen
Abſchluß werde rechnen können.
fm. Die Konjunktur in der deutſchen Schmuckwarenmetropole. Die
Geſamtwirtſchaftslage des Wirtſchaftsbezirks Pforzheim im März hat ſich
bei weiterer Abſchwächung des Geſchäftsgangs in der Edelmetall= und
Schmuckwareninduſtrie gegen den Vormonat gebeſſert. Die
Kurzarbeiter=
zahl blieb zwar im weſentlichen unverändert, die Erwerbsloſenziffer
dagegen iſt erfreulicherweiſe um über 25 Prozent von 6074 auf 4425
ge=
ſunken. Die Edelmetall= und Schmuckwareninduſtrie zeigt als
Saiſoninduſtrie in Geſchäftsgang und Beſchäftigungsgrad die um dieſe
Jahreszeit gewohnte Abſchwächung in allen ihren Zweigen bei nur
teil=
weiſe ſchwacher Belebung durch das Oſtergeſchäft, das auf dem
Inlands=
markt einige Nachfrage in Doublé= Silber= und Kleinſilberwaren brachte,
DasExportgeſchäft liegt nach wie vor ſehr ruhig. Fein verſilberte
Metallwaren vermochten bei namentlich aus dem Auslande
nachlaſſen=
dem Eingang von Beſtellungen noch voll zu arbeiten. Schwer verſilberte
Tafelgeräte und Beſtecke haben befriedigenden Eingang von Aufträgen.
Ludwigshafener Walzmühle A. G. Aus dem nach 224 328 Mk.
Ab=
ſchreibungen verbleibenden Reingewinn von 485 377 Mk. wird auf die
4 Millionen Mk. betragenden Stammaktien eine Devidende von 8 Proz.
(im Vorjahre 4 Proz.), auf die Vorzugsaktien eine ſolche von 6 Proz.
verteilt. 25 000 Mk. werden der Reſerve zugewieſen und 21 387 Mk.
vorgetragen. In der Bilanz fällt das ſtarke Anwachſen der
Warenvor=
räte von 2,2 auf 6 Mill. Mk. auf. Der Bericht des Vorſtandes gibt
einen Ueberblick über die Lage der Mühleninduſtrie, wobei beſonders die
Mehlzölle einer Kritik underzogen werden. Ausländiſche Mühlen übten,
ein Dumping aus. Die Politik der Reichsbahn ermöglicht es auch
nord=
deutſchen Mäihlen, in Süddeutſchland zu konkurrieren.
Aufſichtsratsſitzung der Glanzſtoff=Fabrik Mannheim=Waldhof. Die
in der heutigen Aufſichtsratsſitzung vorgelegte Bilanz für 1926 ergibt
einſchließlich Vortrag einen Gewinn von 6 260 756 RM. (im Vorjahre
4 839 232) zu folgender Verwendung: Abſchreibungen 2 660 030 (2 481 129),
Zuweiſung an die Invaliden=, Alters= und Hinterbliebenen=
Unter=
ſtützungskaſſen 100 000 RM, 6 Prozent der Genußrechte 36 486 RMM.;
Vortrag 297 539 RM.. Auf das für 1926 dividendeberechtigte
Stamm=
aktienkapital von 25 150 000 RM. wird eine Dividende von 12
Pro=
zent vorgeſchlagen, die Vorzugsaktien erhalten ihre ſatzungsmäßige
Dividende. Die Generalverſammlung findet am 20. Mai ſtatt.
Süddeutſche Diskontogeſellſchaft A. G., Mannheim. Die Anträge der
Verwaltung der Süddeutſchen Diskontogeſellſchaft A. G., Mannheim,
wurden in der letzten Generalverſammlung einſtimmig genehmigt. Aus
dem Neingewinn von 2048 401 RM. wurde auf das 15 Millionen RM.
betragende Aktienkapital eine Dividende von 8 Prozent verteilt. Dem
Beamtenfonds werden 132 489 RM. zugewieſen, 135 000 RM. werden
für Abſchreibungen verwandt und 580 911 RM. auf neue Rechnung
vor=
getragen. Die formalen Satzungsänderungen wurden genehmigt. Neu
in den Aufſichtsrat wurde Dr. Benno Weil, langjähriges
Vorſtandsmit=
glied der Geſellſchaft, gewählt.
Beendigung des Lohnkonfliktes in der Hanauer Edelmetallinduſtrie.
Nachdem die von dem Schlichtungsausſchuß gefällten Schiedsſprüche über
Lohnvertrag und Urlaubszeit in der Hanauer Edelmetallinduſtrie von
der organiſierten Arbeiterſchaft abgelehnt worden ſind, aber gleichzeitig
beſchloſſen wurde, die Verhandlungen nicht abzubrechen, hat der
Arbeit=
geberverband der Edelmetallinduſtrie in ſeiner Geſamtſitzung beſchloſſen,
der geforderten Lohnerhöhung auf 7 Pfg. pro Stunde zuzuſtimmen.
Hinſichtlich der Urlaubszeit wurde beſchloſſen, der Verbandsleitung der
Arbeitnehmer einen Vorſchlag im Sinne des Schiedsſpruchs zu
unter=
breiten. Die Lohnerhöhung kommt nur unter der Vorausſetzung in
Frage, daß dieſer Lohn bis 31. 3. 28 unkündbar iſt. Wegen der zu
ge=
währenden Leiſtungszulage verbleibt es bei der bisherigen
Gepflogen=
heit, wonach die Regelung dieſer Zulage Angelegenheit der einzelnen
Betriebe iſt.
Frankfurter Armaturen A.G., Frankfurt a. M. Die o. G.V.
er=
ledigte die Regularien und beſchloß den bekannten Sanierungsplan zur
Tilgung des Verluſtes von 200 990 RM. Das Grundkapital wird von
543 000 RM. auf 120000 RM. herabgeſetzt in der Art, daß 400 RM.
alte Aktien zu einer neuen Aktie zu 100 RM. zuſammengelegt, 60 000
RM. Vorratsaktien eingezogen und die 5000 RM. Vorzugsaktien mit
2000 RM. in bar zuwickgezahlt werden. Sodann wird das Kapital um
280 000 RM. auf 400 020 RM. erhöht durch Ausgabe von 280 ab 1. 1.
1927 dividendenberechtigten Inhaberaktien über je 1000 RM. Ein
Kon=
ſortium übernimmt die neuen Aktien zu 108 Prozent und bietet ſie
ſämtlich im Verhältnis 3: 7 zu 105 Prozent den alten Aktionären an.
Neu in den Aufſichtsrat gewählt wurde Dr. Wilhelm Auerbach (
Bank=
haus Baß u. Hertz).
Mainkraftwerke A. G., Höchſt a. M. Die geſtrige
Generalverſamm=
lung der dem Lahmeyer=Konzern angehörenden Geſellſchaft, in der von
dem 22 400 000 Mark betragenden Aktienkapital, durch 12 Aktionäre
19 837 160 Mk. vertreten waren, genehmigte die bekannten Regularien.
Danach kommen auf die Vorzugsaktien 6 Prozent und auf die
Stamm=
aktien 8 Prozent Dividende zur Ausſchüttung. Außerdem werden 4
Pro=
zeit auf 299 152 RM. Genußrechte zum Anleihe=Altbeſitz verteilt. Auch
dem Antrag auf Einziehung der Vorzugsaktien wurde zugeſtimmt und
die ſich daraus ergebenden Aenderungen der Satzungen genehmigt. Die
Vorzugsaktien ſollen aus dem Gewinn, für 1927 beglichen werden.
Staatopapiere
)Deutſche
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld einſchl.
Ausloſ.=Sch. I. Teill319.25
1I. Teill319.80
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld ohne
Aus=
loſungsſcheine ... 23.5
6‟/-% Reichsp. Sch.
p. 1. 10. 30 97.75
79 Bayer.
Staats=
ſch. p. 1. 4. 291 98.75
6‟I,% H. B. Sch.
p. 1. 4. 29
6‟,% Pr. St.=Sch.
p. 1. 3. 29
98
6‟,%0 Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 80 98
7% Sächſ. Freiſtaat
Schatz. p. 1. 7. 291 99.5
22% Sächſ. Freiſtaat
Schatz. p. 1. 7. 30/ 99.5
6½%Württ. Freiſt.
— Schatz. p. 1. 8. 29
-Ausländ tiche
51½ Bos. E.B 1914/ 47
6% L. Inv. 1914/ 45.5
4½% 1898
4½% „1902 .../ 4.25
47
97.75
4%5Türk. Adm.)0‟ 15 (Bagd.) 26.25 42„ (Bagd.)II 21- 420 Türk. unif. 1903 42 „ 1911 Zoll. 18ſi 4½%Ung. St. 1918 4½% „St. 1914
Goldr. 24.
„ St. 10
„ Kronr. ..
„Eiſ. Tor..
Außereuro=
päiſche
5% Mex.am. in abg
5% s äuß. 99
47 „ Goldo4ſtf.,
3% „ konſ. inn. „
4½% Frigat.,
5% Tamaulipas II,
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10%Berl. 6.=B1. G.
5% Bulg. Taba 102
4½% Oſt. Staator.
v. 1918, Kdb. 1918
4½%Oſt. Schatz. 14
4½2 Oſt. Silberr.
% „ Goldr.
4% „einh. R. (kon)
8% Port, (Spz.) III
5% Rum.am. R. 03.
4½% Gold. 18
488 „ au. konv.
4s8 „ am 05
2.5
103
4.25
27I.
12.95
10.5
21.75
8.2
6% Berl. St.=Goldl 96.25
8% Darmſt. St..G./101
80 D. Hyp.=Bank
Meining. Goldpf.
8% Frk.=Hhp.=B.,
Goldpfdbr.
uos
% Frkf. H.-B. Gld. /103
8% Frki. Pfbr.=Bk
Goldpfdbr.
% Pfbr. Bk.=Gld. /103
5% Frki. Pfdbr.=Bk.
Goldpfdbr.
89
8% b. Lbs.-Bk. Gld. 1102.5
10% S. Gentr.Märk
(Hagen) Goldobl. 104.5
8% K. Landesbank!
Darmſt Reihe 1 1101.9
Reihe 17/101.6
72M.,Krft. Höchſt
102.75
%0 Mannh. St.=G.)
88 Naſſ. Ldb. Gold
8% Nbg. St.=Gldal.
82 Pfälz. Hhp.=Bk.
Gold=Pfbbr.
8%0 Pforzh. St.=G.
8% Pr. Centr.=Bd.=
Cr.=Bk. Gldpfbr.
80 Pr. Centr.=St.=Goldpfbr. /
8% Rh. Hhp.=Bank!
Gold=Pfdbr.
7½%Nh. St.=W.25)
10% Rh.=Weſtf.=B.
Cr.=Bk. Goldpf.
2 Südd. B. Cr.=B.
Goldpfdhr. 1
72% V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorfHhp.=Gld.=.
obl. mit Option
7 25 V. Stahlw.
Düſ=
ſeldorföyp.=Gld.. ohne Option
8% Voigt &Häffner
Goldobl.
8% Württbg. Shp.
Bank Goldpfbr.
Ohne
Bins=
berechnung
5% Bdw. Kohl 23
68 Großkr.Mannh.
Kohl. 28
6% beſ. Brk.=Rg. 23
Roggen 23l
5% Pr. Kaliw.
5% Pr. Roggenw.
5% Südd. Feſt=B. 6
Borkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bahr. Vereinsb..
Bahr. Handelsb.,
104
102
105
103
181
997I.
102‟1.
101.5
98
13.35
22.4
Bahr. Hyp.u. Wechſ
B rliner Hyp.=Bk.
Frrf./ hp.=Bk.
Frif. 9 andbr.=Bk.
Hamb. Hyp.=Bk.
Mecklb Hop. zu Wb.
Meining. Chp. Bi.
Nordd. Gr.=Fr.B
Pfälz. Hyp.=Bk.
Preuß. Bod.=Cr.=B.
Pr. Cent.=B.=Cr.=B.
Preuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B..
Rh.Wſtf.=B.=Cr.=B.
Südd. Bodenkr.
Württ. Hyp.=Bk.
Staatl. od. prov.
garantiert.
Heſſ. L.=Hyp.=B..
Landeskr. Caſſel
Naſſau Odsb.
Obligationen v.
Transportanſt.)
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
42 Galiz. Carl.
Lud.=B.
abg.
5% O. Sb. /Lb. )ſtfr.
2,6% Alte
2.6% Neue..
5%6 Oſt.-Ung. 73774
42 Oſt. Staatsb. 88
8%Oſt. 1.b.8.E.
3%Oſt. 9. E.
8%Oſt. 1885
8% Oſt. „ Erg. Netz
8% Raab Oedbg. 83
g1
35
97
42 Rud Silber
4 Rud Salzkg.)
4½% Anat. S.I.
4½% Anat S II
4½% Angt S. III
32 Salon. Monaſt.
2 Tehuantepee.
2½½
Ift auf Akkien, Darmſtadt. Frankfurter Aursbericht vom 12. Apri 1921.
16.6
17.05
17.4
13.55
9.7
13.4
16.8
14.5
15.15
13.4
16.3
16.6
14.25
14.25
12.10
34
30.5
28.5
6.2
31.75
29.25
26.5
A
Vank=Aktien
Allg. D.=Kredit..
Bab. Bk.
Bk. f. Brauind. . ..
Barmer Banw. .
Bah. Hyp.=Wchſ.
Berl. Handelsgeſ.
Comm.u. Privatb. 1225
Darmſt. u. Nat.=Bk. 282.5
Deutſche Bani
D. Eff.u. Wchſ.=Bk.
D. Hyp.=Bk. Mein.
D. Vereins=Bk.
Disk.=Geſellſch
Dresdener Bk.
Frankf. Bk.
Frif. Hyp.=Bk.
Frrf. Pfdbr.=Bk. 1188
Gotha. Grundkr. B!
Lur Intern Bank
Metallbank.
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Pr. Bd.=Creditbank
Hyp=Akt.=Be
Reichsbonk=Ant.
Rhein. Creditbk. 150
Rhein=Hyp.=Bk.
Südd B.= Creditbk.
Südd Disc.=Geſ.
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Banwerein
Bergwerks=Akt.
Bochum. Bergb.
Buderus........"
Dt. Luxemburg 210
Eſchw Bergw..
Gelſentirch. Bgw
Harp Bergb.
Flſe Bergb. St.
Genußſchein
Kali=Aſchersleb 218
Kali. Salzdetfurt.
Kali. Weſterregln
Klöcknerwerke.
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder ......
180
165
246
186
199
165
173
123.5
188. 25
190.5
157.5
219.75
11.5
165.5
Ran
230
170
178
220.9
166
131.5
211
274
331.5
189
258
220.75
195
171
Oberbedarf
Otavi=Min.=Ant..
Phönix=Bergb. ...
Rhein.Braunk.
Rhein. Stahlw..
A. Riebeck Monta=
Rombach. Hütte
Salzwerk Heilbr.
Tellus Bgb..
Ver. Laurahütte
Ver. Stahlwerke ..
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum (Mannh.
Henninger
Hereules Heſſiſche
Löwenbr.=München!;
Mainz. Aktienbr.
Schöfferhof(Bind.
Schwarz Storchen=
Tucher. Nürnberg
Werger
Artum. Berlin.
Adler & Oppenh.
Adlerw. (v. Kleyer)!
6%A. E. G. Vzg. A.
5% A. E. G. Vza.B
A. E. G. Stamm
Anglo=Cont Guano
Bad. Maſch Durl.
Bad. Uhren. Furtw.
Bamag=Meguin
Baſt Nürnberg ..!
Bahr Spiegel
Beck & Henkel
Bergmann El.
Bing Metall.
Brem.=Beſigh=Ol.
Bürſtenfhr Erlang:
Cement=Heidelb.
Cement Karlſtad
Cement, Lothr.
Chem Albert. ....
Chem. Broch.
Chem. Milch.
129
144.9
334.5
249
186.5
178
124.5
95.8
153‟
250
206
169
351
257
376
180
199.5
182
174
Daimler=Benz A. 6
Dt. Eiſenhandel
Deutſche Erdöl
D. G u. Silb. Scheid.
Dingler, Zweibrück.
Dresd Schnellpr
Dürtopp
Dürr Rattingen
Oyckerhoff E V.
Eiſenw. Kaiſersl.
El. Licht= u. Kraft
E. Lieferung
Elſ Bad. Wolle
Email Ulrich
Enzinger Werke
Eßlinger Maſch.
Ettlinger Spinn.
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher
Fahr. Pirmaſens
Farbenind. J G
Felten & Guilleau.
Feinmech. (Jetter)
Feiſt. Sekt
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf.=M Pok. u. W
Geiling & Cie
Germanig Linol.
Gelſen:. Gußſt
Goldſchmidt Th.
Gotha Waggon
Gritzner Maſch.
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frrft
Hammerſen
Hanfw. Füſſen ...
Hanſa=Lloyd Br.
Hartm & Braun
Heyligenſtaedt
Hilvert Armatur
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch. Kupfer
Hoch=Tief Eſſen
Holzmann.
Holzverk. Ind.
Sydrom. Breslau
Jnag.
126.5
191.75
240
162.5
3.
214.75
205.75
41.5
53
95.5
101.5
212
126
125
36
334.71
168.5
192,5
115
85
305
18
150.2
136
220
148
160
134
61
167.25
30
96.5
156
223
90
84
Funghans St. 1121.9
Kammg. Kaiſersl. 1205
Karlsruher Maſch
Karſtadt. R.
179.5
Klein Sch. & Becker/137
gnorr, Heilbronn /201.2
Konſerv. Braun
77.5
Krw. Alt• Württbg.
Krauß Lokom
87
Lahmeyer
Lech. Augsburg. .141
Lederw Rothe / 36
Spicharz. / 20
Linge Schuhw.
Löhnberg Mühle
Ludwigsh. Walzm. /145
Lüdenſcheid Metall
Lux Induſtrie
Maintraft Höchſt 142.25
Mars=W. Nürnberg/150
Metallge) Frri.
198
Miag Mühlenb 165.5
Moenus. Stamm 78.75
Motoren! Deutz
Motorenf. Oberur).
Münch Lichtſpielk. 1132
Neckar” Fahrz 133.75
Neckarw Eßlingen 1155.5
130
Peters Union
Pfälz Näh Kayſer/ 63
Philipps..
65
Porzellan Weſſel 61
Rein Gebb. &Schall131.5
Rhein.Elektr
191
Rhenania, Kunheim! 66
Rütgerswerke 147.55
Schneid / Hanau / 72.5
Schnellpr Fran: 105
Schramm Lackf 1115
Schrift Stemp. 134.5
Schuckert Elektr 1209.5
73.75
Schuhf Weſſel
Schuhf. Herz
Schultz Grünlack
93
Seilind Bolff.
Siemens Glas 185
Siemens & Halske /319
Südd Immob
Südd. Zucker=A.=G./146.9
Thür eleftr Liet 1136
Uhren Furtwäng
36
unterfr. Kr =El., V./118.75
Beithwerke
68.25
Ver. 1. Chem. Ind. 129.5
Ver.vd. Olfbr. Mann.
Ver Faßl Caſſel
Gummi. Bln.=Frrf. 1107.75
Pinſel=Nürnberg
Ultramarin.
162
ZeulſtoffBerl.
157.5
Bogtl Maſch.
108
Voigt & Haeffner 1161.5
Volthom. Eei
*K
Banß, & Frentag 1199.5
Wegelin Rußfbr. 141
Zellſt Aſchaffenbg. 188
Zelſt. Waldhof 287
Zuckeri Rheingau
Trans pori= und
Berſicherungs-Akt.
Dt. Reichsb.=Vorzg.
A. Dt. Eiſenbahn.
A. Lokalb. u. Kraftw. 211
Dt Eiſenb.=Ge/ 1127.5
Schantung E.B.
Süidd. Eiſenb.=Geſ./160
151:1,
Hapag
148.5
Nordd Llotzd=
Frtft. Allg. Ber). 168
Frankona Rückv
Darmſt Werie
Bahnbedar,
Dampff Rodberg
Helvetia Konſ.
Gebr. Lutz
Motorf. Darmſt
Gebr. Roeder
Benuleth & Ellenb.
69.75
146
Nummer 104
Donnerstag, den 14 April 1927
Seite 17
Die ruſſiſche Induſirie.
Der Vorſitzende des allruſſiſchen Volkswirtſchaftsrats Lobow, der
dieſen Poſten ſeit dem Kampf gegen die Oppoſition in Leningrad
be=
kleidet, verlas auf dem Sowjetkongreß einen Bericht über die Lage der
Induſtrie. Der Kampf um die Herabſetzung der Selbſtkoſten ſei
ſchwie=
rig, da die Induſtriellen ihre hohen Produktionskoſten gegenüber dem
Staat verteidigen und keine Rationaliſierung wagen. Die
Staatsindu=
ſtrie baue neue induſtrielle Anlagen und habe zu dieſem Zwecke 150
Mil=
lionen Goldrubel erhalten. Da die autonomen Republiken die
gleich=
mäßige Verteilung der Inveſtitionen auf die einzelnen Gebiete fordern,
erklärte Lobow, daß induſtrielle Anlagen ohne Rückſicht auf die
politi=
ſchen Verhältniſſe nur nach Maßgabe der wirtſchaftlichen Notwendigkeiten
zerrichtet werden könnten.
Produktenberichte.
Fraukfurter Produktenmarkt vom 13. April. Das Geſchäft am
hie=
eſigen Produktenmarkt war ſehr ruhig. Die bevorſtehenden Feiertage be=
„einflußten den Markt ſo ſtark, daß nur wenige Beſucher am Markte
waren und Umſätze in nur ſehr geringem Umfange getätigt wurden.
DDie Preiſe konnten ſich behaupten und blieben bis zum Schluß des
MMarktes unverändert. Es notierten: Weizen 29, Roggen M—27,25,
Sommergerſte 26—28, Hafer inl. 22,75—23, Mais 18, Weizenmehl 39,50
is 40, Noggenmehl 36,75—37, Weizenkleie 14, Roggenkleie 14,50—14,75.
Berliner Produktenbericht vom 13. April. Heute verhinderten die
Bevorſtehenden Ruhetage eine Belebung der an und für ſich ſehr ge=
—ingen Unternehmungsluſt. Hinzu kommen faſt unveränderte über=
Jeeiſche Preisdepeſchen. Weizen war heute bei Beginn ohne Umſatz.
Für Roggen wurde die Tendenz mit Ausnahme des Mai feſter, da das
leine Inlandsangebot meiſt von den Provinzmühlen aufgenommen
wird und für den hieſigen Bedarf aber nur wenige Gebote zur
Ver=
fügung ſtehen. Futtergetreide wird in den Forderungen unnachgiebig
gehalten und hatte geringe Nachfrage. Mehl= und Futterſtoffe ruhig.
Viehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 13. April. Aufgetrieben waren 138
Rälber, 9 Schafe und 3 Ziegen. Der Preis betrug für Kälber 75—86
WPfg., für Schafe 45—50 Pfg. pro Pfund. Für Ziegen war der Preis
micht notiert. Marktverlauf: ſchleppend, geräumt.
Frankfurter Viehmarkt vom 13. April. Der Auftrieb des heutigen
Mebenmarktes beſtand aus 16 Rindern, 1318 Kälbern, 191 Schafen und
S66 Schweinen. Bezahlt wurde für den Zentner Lebendgewicht: Kälber
) 74—82, b) 66—73, c) 60—65, Schafe a1) 48—54, b) 40—47, c) 35—39,
KSchweine b) 55—57, c) 56—58, d) 56—58, e) 55—57. Marktverlauf:
Rälber und Schafe werden bei regem Geſchäft ausverkauft. In
Schwei=
men gedrückter Handel und Ueberſtand. Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſen=
Fleiſch 1. 98—105, 2. 90—95, Bullenfleiſch 85—90, Kuhfleiſch 1. 70—85,
2. 60—70, 3. 40—50 Kalbfleiſch 2. 100—115, Schaffleiſch 70—80, Schweine=
Fleiſch 1. 75—78, Gefrierfleiſch, Vorderviertel 50, Hinterviertel 58. Der
mächſte Viehmarkt findet am Dienstag, den 19. April, ſtatt.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 13. April. (Priv.=Tel.)
Weizen: Die Eröffnung geſtaltete ſich ſchwach beſonders für nahe
Termine auf die Schwäche am Maismarkt. Später trat eine Befeſtigung
ein auf beſſere Exportnachfrage. Die Termine ſind faſt unverändert.
Mais: Umfangreiche Liquidationen verurſachten Anfangs eine
ſchwache Haltung. Später hatten Meldungen von übermäßigen
Nieder=
ſchlägen Baiſſedeckungen zur Folge. Die Termine zeigen geringe
Auf=
beſſerungen.
Hafer: Der Markt nahm einen ziemlich ſtetigen Verlauf bei
un=
weſentlichen Kursveränderungen.
Baumwolle: Der Markt nahm einen ziemlich feſten Verlauf auf
Käufe der Wallſtreet und Meldungen vom ſtärkeren Auftreten des
Baumwollwurmes in den atlantiſchen Staaten. Im Schlußverkehr
üiberwogen Glattſtellungen vor den Feiertagen.
Kaffee: Nach ſtetigem Beginn trat eine Abſchwächung ein auf
niedri=
geres und drängendeves braſil. Angebot und in Erwartung größerer
Liefernotizen gegen Termine.
Zucker: Der Markt begann abgeſchwächt auf niedrigere ausländiſche
Käufe, konnte ſich jedoch ſpäter befeſtigen auf ſpekulative Käufe und
Zu=
rückhaltung Kubas.
Kakao: Der Markt begann in abgeſchwächter Haltung auf niedrigere
ausländiſche Notierungen. Dann trat eine Befeſtigung ein auf beſſere
Kaufluſt der Fabriken und Glattſtellungen der Baiſſeverpflichtungen.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. April:
Getreide: Weizen, Mai 132½, Weizen, Juli 128, Weizen,
Sep=
tember 126½, Mais, Mai 702/, Mais, Juli 75¾, Mais,
Sep=
tember 792/, Hafer, Mai 43½/, Hafer, Juli 43½, Hafer, Sept 43½4,
Roggen, Mai 100, Roggen, Juli 99, Roggen, Sept. 942/s.
Schmalz: Schmalz. Mai 12,17, Schmalz, Juli 12,40.
Fleiſch: Rippen, Mai 14,10, Rippen, Juli 13,60, Speck 15,
Schweine, ſchwer 10,35—10,85, Schweine, leicht 10,85—11,50,
Schweinezufuhr Chicago 21 000, Schweinezufuhr Weſten 78000,
Talg Ohio 7½.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 13. April:
Getreide: Weizen Nr. 2 rot 142½, Weizen Nr. 2 hart 14834,
Mais Nr. 2 792, Hafer Nr. 3, 53 %s, Roggen exp. 1137/s, Mehl
Spring Patent 6,65, Getreidefr. n. Engl. 2 sh., Getreidefr. n.
Kont 15 Cent.
Schmalz: Schmalz Mittel, Weſten 12,87.
Schweinefleiſch: Schweinefleiſch Family 37.
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Die Reichsbank hat mit der Notenbank von Finnland, der Finlands
Bank, Helſingfors, ein Abkommen getroffen, durch das der
Auslands=
giroverkehr vom 19. d. M. ab auf Finnland ausgedehnt wird.
Die Deutſchen Linoleumwerke A.=G. haben beſchloſſen, bei den
gro=
ßen Bauvorhaben, bei denen die Verwendung von Linoleum in Mengen
von über 10 000 Quadratmeter in Frage kommt, einen weiteren
Preis=
abbau von 5 Prozent eintreten zu laſſen.
Wie bekannt, war der am 31. März d. J. abgelaufene Vertrag des
oberſchleſiſchen Steinkohlenſyndikates durch Verordnung des
Reichswirt=
ſchaftsminiſteriums auf Grund des Kohlenwirtſchaftsgeſetzes zunächſt für
einen Monat verlängert worden. Nunmehr iſt ein einſtimmiger Beſchluß
zuſtande gekommen, durch den der bisherige Vertrag bis zum 31. März
1930 verlängert worden iſt.
Die Zahl der Arbeitsloſen in Oſtoberſchleſien nimmt infolge der
Entlaſſungen des Steinkohlenbergbaues raſch zu. Sie iſt in einer Woche
um faſt 2000 auf 51 165 geſtiegen. Darunter befinden ſich über 17 500
Bergarbeiter und über 4700 Hüttenarbeiter.
Der Senat der Techniſchen Hochſchule Karlsruhe hat auf
einſtimmi=
gen Antrag der Abteilungen für Mathematik und bildende Fächer und
für Maſchinenweſen Generaldirektor Dr.=Ing. Albert Vögler in
Dort=
mund die Würde eines Ehrenſenators verliehen.
An der diesjährigen Brüſſeler Muſtermeſſe haben ſich in ſtärkerem
Ausmaß als bisher deutſche Firmen beteiligt. Insgeſamt ſtellten 87
deutſche Unternehmungen aus. Damit ſteht Deutſchland nach Belgien
und Frankreich an dritter Stelle.
Wie berichtet wird, ſind trotz der ſchwachen Marktlage die Preiſe
der franzöſiſchen Hütten für Mai in Gießerei, Noheiſen und Haematit
gehalten worden.
In Amſterdam wurde die Banque de Crédite de France et des
Pays Pas mit einem Geſellſchaftskapital von 3,1 Mill. Gulden
gegrün=
det. Aufgabe des Unternehmens iſt der An= und Verkauf von
Immo=
bilien= und Hypothekenkrediten in den Niederlanden, Frankreich und in
den übrigen europäiſchen Ländern.
Die Bank von England kaufte Barrengold im Werte von 811000
Pfund Sterling.
Die A.=G. „Ferrum” in Kattowitz hat von japaniſcher Seite für
Korea einen bedeutenden Auftrag zur Lieferung von Eiſenröhren
erhal=
ten, die einen hohen Druck aushalten können. Der Wert des Auftrages
beläuft ſich auf 800 000 Dollar.
Geſtern fand eine Plenarſitzung der tſchechiſchen Zuckerraffinierien
ſtatt, in der der Präſident Mandelik über den Verlauf der
Verhandlun=
gen zur Bildung eines mehrjährigen Kartells der Zuckerinduſtrie
be=
richtete. Er glaubte, daß die noch vorhandenen Schwierigkeiten zu
über=
winden ſeien. Allerdings würden die Beſprechungen längere Zeit
be=
anſpruchen.
Das rumäniſche Finanzminiſterium hat dieſer Tage eine
Verord=
nung an die Grenzzollämter erlaſſen, in der dieſe aufgefordert werden,
auf das ſtrengſte darüber zu wachen, daß die nach dem Ausland
Reiſen=
den keine Noten der Nationalbank bei ſich haben.
Aus Madrid wird gemeldet, daß der Handelsvertrag mit England
abgeſchloſſen worden iſt, der eine gegenſeitige Meiſtbegünſtigung ſichert.
In dem Handelsabkommen werden die Stahlſorten neu eingeteilt, und
die Kohlenanfuhren nach Spanien beſchränkt geſtattet, wogegen England
auf Sonderrabatte verzichtet hat.
Die New Yorker Bankfirmen Kean, Tahlor u. Co., ſowie Baker,
Kellog u. Co. haben einen neuen Inveſtment=Truſt unter der Firma
„Allied International Inveſting Co.” gegründet. Das neue
Unterneh=
men beabſichtigt Anleihen in Nordamerika, Südamerika, Großbritannien
und auf dem europäiſchen Kontinent vorzunehmen.
Junge, noch n. geflog.
Brief= u. Lerchetaub.
ſowie einige Zentn.
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[ ← ][ ][ → ]Geite 18
Donnerstag, den 14 April 1927
Nummer 104
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Nummer 104
Donnerstag, den 14. April 1927
Seite 19
Maximum.
Roman von Hans Schulze.
(Nachdruck verboten.)
Verwundert ſah Achim in das ſeltſam erregte, rotglühende
Geſicht ſeines Beſuchers, dem der Schweiß in großen Tropfen
auf der Stirn p.rlte.
„IIch weiß eigentlich nicht recht, warum Sie gerade mich, der
ich Ihuen doch vollſtändig fremd bin, zum Vertrauten dieſer
geheimſten Herzens:rgießungen machen!"
Der Ametikaner erhob beſchwörend die Hand.
„Ich bitte nur noch ein paar Augenblicke Geduld, Herr
Baron! Si. werden es begreiflich finden, wenn ich aus der
ganzen Situation jetzt auch die letzten Konſequenzen ziehen und
jene Frau heiraten möchte. Denn die Zahl der Jahre, die mir
vom Schickſal noch zügedacht ſind, iſt ſicherlich nicht mehr groß.
Dieſer Abſicht nun ſetzt meine Gattin einen unbeugſamen
Wider=
ſtand entgegen. In peinvollen Verhandlungen habe ich ihr die
Einwilligung zu ciner Trennung unſerer Ehe abzuringen
ver=
ſucht. Ich habe ihr eine fürſtliche Abfindungsſumme geboten, ich
habe ihr jedes erdintliche Zugeſtändnis gemacht, daß ich
ſelbſt=
verſtändlich die ganze Schuld dieſer Scheidung auf mich nehmen
würde. Es iſt alles vergebens geweſen!“
Achim wiegte nachdenklich den Kopf.
„Was Sie mir da vorgetragen haben, Herr Brown, iſt
pſh=
chologiſch gewiß ſehr intereſſant. Ich fürchte aber, Sie vergeuden
damit nur unnütz Ihre und meine Zeit. Sie ſollten ſich mit
dieſen ganzen Fragen lieber an einen tüchtigen Anwalt wenden!“
Dec Amerikauei wehrte lebhaft ab.
„Das iſt ja alles ſchon längſt geſchehen, allein mein Anwalt
hat eben verſagt, wie ich ſelbſt!“
Ein fanatiſcher Ausdruck trat auf einmal in ſein
leidenſchaft=
lich geſpanntes Geſicht.
„Ich will aber meinen Willen durchſetzen” brach er dann
mit unerwarteter Heftigkeit aus, „und ich werde ihn durchſetzen.
Auch wenn ich die letzte Rückſicht fallen laſſen und meine Gattin
mit der alleinigen Schuld belaſten muß. Mit juriſtiſchen
Para=
graphen iſt mir in meinem Falle nicht mehr gedient. Mir kann
nur der Menſch helfen, die Perſönlichkeit, deshalb bin ich heute
zu Ihnen gekommen, Herr Baron! Ich kenne Ihren Ruf aus
tauſend Affären. Ich brauche Sie nur anzuſehen, um zu
begrei=
fen, welche ſuggeſtive Macht Sie auf Frauen ausüben müſſen.
Und darum möchte ich Sie fragen, ſo ſeltſam ein ſolches
Anlie=
gen im Munde eines Ehemanns auch klingen mag, ob Sie den
Verſuch machen wollen, mir auf dem Wege über meine Gattin
den notwendigen und allein durchſchlagenden Grund für eine
Scheidung meiner Ehe beizubringen?”
Achim richtete ſich höher auf.
Eine Röte langſamen Verſtehens ſtieg ihm drohend in die
Schläfen.
„Ich halte dieſe Frage lediglich Ihrem wohl etwas
überreiz=
ten Nervenzuſtand zugute, Herrn Brown!” ſagte er mit
müh=
ſamer Beherrſchung. „Sonſt müßte ich Ihre prophetiſche
Ver=
mutung wahrmachen und Sie ebenſo höflich wie dringend zum
ſofortigen Verlaſſen meiner Wohnung auffordern!“
Minutenlang herrſchte ein feindliches Schweigen; breitmaſſig
und ſchwer lehnte der Anerikaner in ſeinem Seſſel.
„Herr Baron”, ſagte er dann, „halten Sie mich meinetwegen
für nicht zurechnungsfähig, aber ſchenken Sie mir jedenfalls,
wie ich gleich zu Anfang unſerer Unterredung bat, bis zu Ende
Gehör. Es hat mich gewiß eine große Ueberwindung gekoſtet,
ehe ich mich zu dieſem Beſuch entſchloſſen habe. Aber nun bin
ich einmal hier, und es iſt nicht meine Gewohnheit, auf halbem
Wege umzukehren. Darum laſſen Sie mich den Tatbeſtand noch
einmal kurz und objektiv, ohne ſentimentale Vorurteile
durch=
gehen. Ich bin, wie Ihnen vielleicht bekannt, ein ſehr reicher
Mann. Und doch iſt mein ganzer Reichtum für mich wertlos,
ſwenn ich aus meiner jetzigen Ehe nicht die Tür ins Freie finden
kann. Den Schlüſſel zu dieſer Tür beſitzt meine Gattin, und ich
bin bereit, für ſeine Herausgabe ein Vermögen zu opfern. Meine
Frau ſieht es heute vielleicht noch nicht ein, daß ich ſie
gewiſſer=
maßen zu ihrem eigenen Glück zwingen will. Ich bin aber
über=
zeugt, daß der Tag dieſer Erkenntnis nicht mehr fern iſt. Denn
in unſerem ehelichen Verhältnis klafft ſeit letzter Zeit ein un=
überbrückbarer Riß. Uund ich beſitze Selbſtkritik genug, um es
überhaupt nicht für einen beſonderen Vorzug zu halten, mit mir
verheiratet zu ſein.
Sie, Herr Baron, belaſten alſo Ihr Gewiſſen in keiner Weiſe
und tun im Grunde auch niemand Unrecht, wenn Sie auf
meinen, im erſten Augenblick zweifellos befremdeten Vorſchlag
eingehen. Dann aber möchte ich Ihnen noch etwas anderes zu
bedenken geben. Ich kenne Ihre Verhältniſſe zufällig ſehr genau,
und ich habe den heutigen Tag noch ganz beſonders dazu benützt,
mir das Bild Ihrer finanziellen Lage zu vervollſtändigen. Ich
glaube, ich trete Ihnen nicht zu nahe und ſage Ihnen auch nichts
Neues, wenn ich Sie als geradezu kataſtrophal bezeichne. Ihr
Leben hat ſich von jeher in ſeltſamen Kurven bewegt. Sie
be=
ſaßen einmal ein großes Vermögen, heute ſind Sie wieder ganz
unten angelangt und müſſen vollſtändig von vorn anfangen,
vorausgeſetzt, daß Sie nicht ſchon vorher von der Flut Ihrer
Schulden verſchlungen werden. Ueber dieſen toten Punkt nun
möchte ich Ihnen hinweghelfen, wenn Sie mir ſelbſt helfen
wollen. Ihre Verbindlichkeiten belaufen ſich nach meinen
Feſt=
ſtellungen auf etwa zweimalhunderttauſend Mark, die Ihnen
gegebenenfalls noch heute abend zur Verfügung ſtehen, weitere
dreihunderttauſend Mark würden Ihnen nach Durchführung der
ganzen Aktion ſofort bei meinem Bankhaus angewieſen werden.
Ich glaube, dieſe halbe Million iſt ein rundes, glattes Gebot,
das Sie nach Ueberwindung einiger moraliſcher Bedenken ruhig
annehmen können!“ —
Achim war an das Fenſter getreten und ſah in den
dun=
ſtigen Regenabend hinaus.
Durch die Bellevueſtraße brandete das erwachende Leben der
Großſtadtnacht
Wie rieſige, vorweltliche Raupen krochen die Automobile
mit ihren glatt lackierten, matt ſchimmernden Verdecks über die
Auffahrt des Hotels, die der ſilberne Kranz der Bogenlampen
mit einem weißen Rundfeuer überſtreute.
Eine halbe Million!
Wie der Ton einer dunklen Glocke hallten die Worte durch
ſein ſchmerzendes Hirn.
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Mainz. Heinr. Hölzlin vom Hess. Landestheater.
Franz Müller, Konzertsänger in Darmstadt.
Wil-
helm Borngässer Stadtorganist in Darmstadt.
Das Orchester des Hess. Landestheaters.
Frauen-
chor. Männerchor des Mozart-Vereins.
Uraufführungen:
„ Louis Kelterborn
1. Der Wettstreit.
2. Die Seele des Wassers und der Jüngling
Louis Kelterborn
Z u m ersten Male:
3. Der Sonnen-Hymnus des heiligen
Fran-
ziskus von Assissi. . . Franz Liszt
4. Verklärung . . . . . Arnold Mendelssohn
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