Einzelnummer 15 Pfenige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
7
Morgenzeitung ver Lanveshauptſtavt
Wöchentliche illuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 100
Sonntag, den 10. April 1927.
190. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streit uſw., erliſcht
ſede Verpſichtung auf Erfüſlung der
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aufträge und Teiſtiung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beltreſbung fält ſed
Nabatt weg. Bankonto: Deutſche Banl und
Darm=
ſtädter und Natlonalbant.
Graf Bernſtorff begründet den
deutſchen Standpunkt.
Für und gegen den deutſchen Antrag.
EP. Genf, 9. April.
Die Ausſprache über die direkte Beſchränkung des
ſriegsmaterials, die auf der Grundlage des
in zlich gemeldeten deutſchen Antrages heute begann,
ürde von dem deutſchen Delegierten Grafen
zſernſtorff mit einer langen Rede eingeleitet, deren
wich=
eiſſte Argumente hier wiedergegeben ſeien. Für Deutſchland iſt
ei der Frage der Begrenzung des Kriegsmaterials der
Land=
ryppen von entſcheidender Bedeutung, daß dieſes Material im
emtigen Kriege die Hauptrolle ſpiele. Von der Maſſe der zur
Farfügung ſtehenden Materialien iſt auch die Zahl der Menſchen
bihängig, die ein Staat einſetzen kann. Gegenüber der indirekten
Niaterialbeſchränkung durch die Budgetausgaben habe die direkte
Zufſchränkung auch den Vorteil, daß ſie gleichzeitig die aus dem
ften Kriege herſtammenden ungeheuren Materiallager treffe.
Mre Fortſchritte der Technik haben den Krieg
ur Menſchen zu einem Krieg der Maſchinen
ge=
incht; um ſo zwingender iſt die Notwendigkeit
imer direkten Beſchränkung des
Kriegsmate=
imls, die techniſch mindeſtens ebenſo leicht iſt wie die
Be=
hiränkung der Mannſchaftsbeſtände, der Flugzeuge oder gar der
serdeſtärken der Flugzeugmotoren. Der Einwand, daß die
ihekte Beſchränkung nur auf Grund ſtrenger Kontrolle möglich
iſt ebenſo falſch, wie der Einwand, daß die Begrenzung des
ſuaterials wegen des Mobilmachungsgeheimniſſes nicht möglich
däre. Wie überall, ſo iſt auch hier der Wille zu
ehr=
icher Vertragserfüllung bei allen Staaten
iſſſte Vorausſetzung, ebenſo bei der Beſchränkung der
iunnſchaftsbeftände oder gar der Heeresausgaben. Das
ouchtigſte an der Konvention iſt, über welche
eü äfte an Menſchen und Material ein Land nach
r Abrüſtung verfügt. Ohne dieſe Kenntnis iſt die
m.wendige Ausgleichung der Rüſtungen nicht möglich. Gerade
Verhinderung eines plötzlichen Angriffes würde die direkte
ſchränkung des Kriegsmaterials ſehr billig ſein, denn der
Zuſtand des Kriegsmaterials, beſonders an Munition, iſt gerade
gür entſcheidend. Die deutſche Delegation hat
des=
alb einen formellen Antrag eingebracht, nach
wel=
uem alle Staaten verpflichtet werden, ihre
Be=
uende in den Hauptgattungen des
Kriegs=
niäterials auf Grund einer Liſte unter Nennung
ur für die einzelnen Waffen verfügbaren
Muunitionsmengen anzugeben. Der Beſorgnis
ein=
ehner Staaten wegen ihrer militäriſchen Sicherheit kann daher
ehur wohl Rechnung getragen werden. Ich muß formell
er=
larren, ſo ſchloß Graf Bernſtorff, daß eine Abrüſtungskonvention,
iü= die weſentlichſten Arten des Materials nicht wenigſtens in
e= einfachen Form, wie ich ſie vorſchlage, oder in ähnlicher
Meiſe begrenzt, nicht als eine befriedigende Löſung des
Pro=
onems angeſehen werden kann.
Der amerikaniſche Delegierte Gibſon erklärte
ine grundſätzlich mit dem deutſchen Antrag
ein=
vierſtanden, ebenſo der ſchwediſche Delegierte
öiennings, der nur vorſchlug, man ſolle ſich auf eine
ge=
iaruer detaillierte Liſte einigen, als es die des Grafen Bernſtorff
e.. Dagegen war der japaniſche Delegierte Sato mit dem
deuitſchen Antrag gar nicht einverſtanden.
FFranzöſiſch=engliſch=italieniſches Schweigen.
Der deutſche Antrag abgelehnt.
Auch der Delegierte Rumäniens, Comnene, und
dſer ſüdſlawiſche Delegierte, Yovanowitſch, erklärten
ſüch gegen die deutſchen Anträge, während der
hwolländiſche Delegierte, Rutger, und der
fin=
nliſche Delegierte, Erich, dafür eintraten.
Am Schluſſe der Debatte ergriff der deutſche Delegierte,
Guraf Bernſtorff nochmals das Wort und ſtellte feſt, daß
eiune Einſtimmigkeit über ſeinen Antrag leider nicht zu erzielen
gaweſen ſei. Er erklärte, daß er ſich vorbehalte, in der zweiten
L=ſung oder ſpäter bei der Abrüſtungs=Konferenz auf die
An=
thäige zurückzukommen. Die deutſchen Anträge
be=
rſhen auf dem gleichen Grundſatz des Artikels 8 des
Völker=
huundspaktes und auf dem Grundſatz von Treu und
Gllauben. Eine ſo weitgehende Kontrolle, daß ſie alle
Einzel=
hüeiten des Rüſtungsmaterials treffen könne, würde niemals
mäöglich ſein.
Frankreich und die Begrenzung der Kriegsflotten.
Die Anträge Graf Bernſtorffs ſind alſo alle
im erſter Leſung abgelehnt. Die von Lord Robert
Grcil beantragte Einleitung zu dem Kapitel über die
Rüſtungs=
gutsgaben, in der die Wünſchbarkeit einer Begrenzung der
Aus=
glaben feſtgeſtellt wird, wurde auf die zweite Leſung verſchoben.
Am Montag beginnen die Beratungen über den franzöſiſchen
Mntrag zur Frage der Seeriſtungen, der in neuer Faſſung auf
Girund der Beſprechungen zwiſchen Lord Robert Cecil und
Waul=Boncour eingereicht wurde. Der Antrag will, wie der
unſprüngliche franzöſiſche Entwurf, die Flotten nach der
Geſamt=
wonnage begrenzen, aber mit der Unter=Einteilung in vier
ver=
ſcchiedene Kategorien: 1. Linienſchiffe, 2. Flugzeugmutterſchiffe,
die Schiffe von unter 10 000 Tonnen, 4. Unterſeeboote.
Ver=
ſöchiebungen innerhalb der vier Kategorien ſollen zuläſſig ſein,
mnüſſen aber dem Völkerbunds=Sekretariat ſofort mitgeteilt
poerden.
In der Kommiſſion iſt allgemein aufgefallen, daß weder
der franzöſiſche, noch der engliſche, noch der
italieniſche Delegierte zu dem Antrag des
Grafen Bernſtorff das Wort ergriffen haben.
Der Kolmarer Autonomiſten=Prozeß.
Die Urſache der Mißſtimmung im Elſaß.
Unangenehme Wahrheiten für Frankreich.
EP. Kolmar, 9. April.
Vor dem Schwurgericht in Kolmar begann geſtern der Prozeß
gegen das Pariſer „Journal” und ſeinen Mitarbeiter Helſey,
das im Januar d. J. eine Artikelſerie über die im Elſaß
herr=
ſchende Mißſtimmung veröffentlicht hatte, in der u. a. dem Abbé
Haegy, der eine führende Stellung in Politik und Preſſe im
Elſaß einnimmt, angebliche Beziehungen zu deutſchen Politikern
und die Förderung der ſogenannten autonomiſtiſchen Bewegung
vorgeworfen worden war. Abbé Haegy ſtrengte eine
Verleum=
dungsklage an. Das „Journal” entſandte zu dem Prozeß nicht
weniger als fünf Rechtsanwälte, darunter den ehemaligen
Miniſter Léon Berard. Von beiden Seiten wurden über hundert
Zeugen geladen, von denen die meiſten, ſo auch Graf Weſtarp
und der Induſtrielle Röchling, zu der heutigen Verhandlung
nicht erſchienen waren. Gleich die Vernehmung der beiden erſten
vom Kläger geſtellten Zeugen führte mitten in die politiſche
Materie. Senator Abbé Müller und der ehemalige preußiſche
Landtagsabgeordnete Brogly erklärten es übereinſtimmend für
ausgeſchloſſen, daß zwiſchen Haegy und deutſchen
Staats=
männern, wie etwa Marx und Stegerwald, irgendwelche
Verbin=
dungen zum Zwecke der Loslöſung Elſaß=Lothringens von
Frankreich beſtanden. Im übrigen ſagte Abbé Müller bei dieſer
Gelegenheit aus, daß ſelbſt an verantwortlicher Stelle
in Paris die Aufrechterhaltung, der aus
frü=
heren Zeiten beſtehenden Verbindungen
zwi=
ſchen elſäffiſchen und deutſchen Politikern
ge=
wünſcht werde, weil man daraus eine Förderung der
deutſch=franzöſiſchen Annäherung erhoffe. Beide Zeugen ſähen
die Urſachen für die im Elſaß beſtehende
Miß=
ſtimmung keineswegs in der deutſchen
Propa=
ganda, ſondern in der von Frankreich
bewie=
ſenen Verſtändnisloſigkeit für elſäſſiſche
Eigenart auf verwaltungstechniſchem, ſprachlichem und
kul=
turellem Gebiet, ſowie in der von Paris aus
betrie=
benen überſtürzten Aſſimilierungspolitik.
Haegy habe immer nur den Regionalismus, d. h. die Forderung
nach Verwaltungsdezentraliſation, vertreten, die weitergehende
Forderung der Autonomiſten auf politiſche Selbſtändigkeit
inner=
halb des franzöſiſchen Staates aber abgelehnt. Die Exiſtenz
eines elſäſſiſchen Separatismus wurde von den Zeugen
be=
ſtritten. Insbeſondere wies Abbé Müller energiſch das bequeme
Mittel zurück, daß man in Paris hinter allen unliebſamen
Vor=
gängen im Elſaß die Hand Deutſchlands ſehen müſſe. — Die
Verhandlung wurde am Nachmittag fortgeſetzt.
In dem Prozeß des Abbé Haegy gegen das Pariſer
„Journal” wurden am Samstag vormittag eine Reihe weiterer
Zeugen vernommen, die im weſentlichen der nationalen
Geſin=
nung des Abbé Haegy das beſte Zeugnis ausſtellen und für
die im Elſaß herrſchende Mißſtimmung die
Sprachenfrage und die
Beſoldungsverhält=
niſſe der Lehrer und Beamtenſchaft verantwortlich
machten. An der Gründung des Heimatbundes ſei Haegy nicht
beteiligt, vielmehr ſei dieſe eher gegen ihn gerichtet geweſen.
Als erſter Zeuge wurde Profeſſor Herzog aus Straßburg
vernommen, der das Vorgehen in der Frage der
Unterrichts=
ſprache in den Schulen nach dem Kriege kritiſierte. Der Zeuge
zog ſich bei dieſen Ausführungen eine Rüge des Vorſitzenden zu,
der ihn ermahnte, keine beleidigenden Aeußerungen gegen
Frank=
reich zu tun. Im Anſchluß daran gab Herzog Auskunft über
ſeine Beteiligung an der Druckerei Erwinia in Straßburg. Er
erklärte, ſeine Beteiligung vor drei oder vier Tagen zurüchkgezogen
zu haben. Als nächſter Zeuge ſtellt Abbé Gage dem Abbé Haegy
das Zeugnis eines guten Franzoſen aus und erklärt, die
Beſtre=
bungen des elſäſſiſchen Klerus zielten lediglich auf Erfüllung
ihrer Forderungen auf dem religiöſen und Schulgebiet hin.
Pro=
feſſor Lang=Mülheim erklärte dann als nächſter Zeuge, die
elſäſſi=
ſchen Beamten befänden ſich in dem Gewiſſenskonflikt, als
Katho=
liken, die franzöſiſchen Laiengeſetze bekämpfen, und als Franzoſen
dieſe Geſetze als Grundgeſetze achten zu müſſen. Zeuge Kaeſtl,
Chefredakteur der Straßburger Zeitung „Der Elſäſſer” erklärte,
ſeine Zeitung ſei von Haegy unabhängig. Der Zeuge berichtet
dann von einem Vorfall in der Kriegszeit, wo angeblich der
deutſche Reichskanzler von Bethmann Hollweg die Entfernung
des damaligen Reichstagsabgeordneten Haegy aus dem
Finanz=
zusſchuß des Reichstages derlingt haben ſoll, da er ein
Landes=
verräter ſei. Einem ſolchen Manne könne man nicht den
Vor=
wurf machen, daß er deutſchfreundlich ſei. Zeuge Oberſteg
er=
klärt, die Aeußerungen Haegys: „Ich liebe das atheiſtiſche
Frank=
reich nicht,” nicht gehört zu haben. Der Generalſekretär beim
Bürgermeiſteramt, Käppi, erklärt, der Heimatbund ſei zum Teil
eine Gründung gegen Haegy geweſen, weil deſſen Preſſe nicht
ſcharf genug vorgegangen ſei. Haegys Einfluß ſei mäßig geweſen.
Die Nachmittagsſitzung brachte die Vernehmung der
elſäſſi=
ſchen Abgeordneten Dr. Oberkirch, Brohm und Michel.
Ober=
kirch erklärte, die Mißſtimmung im Elſaß ſei nicht erſt durch die
publiziſtiſche Tätigkeit des Klägers hervorgerufen worden. Die
Urſache der Mißſtimmung liege in dem Unterſchied zwiſchen der
franzöſiſchen Staatsorganiſation mit ihrer
Verwaltungszentrali=
ſierung und der im Elſaß überaus ſtark entwickelten Idee vom
föderaliſtiſchen oder regionaliſtiſchen Staatsweſen. Eine weitere
Urſach ſei die lange hindurch drohende Einführung der
Laien=
geſetzgebung im Elſaß geweſen.
Die Woche.
Immer deutlicher hebt ſich vom Hintergrund des politiſchen
Geſchehens der engliſch=ruſſiſche Gegenſatz ab. Der alte
Gegen=
ſatz zwiſchen Walfiſch und Bär, der nur vorübergehend zu
Be=
ginn dieſes Jahrhunderts bis in den Weltkrieg hinein überbrückt
wurde, beſtimmt heute mehr oder weniger ausſchlaggebend den
Lauf der Dinge. Die Gkünde hierfür ſind mannigfacher Art, wie
wir an dieſer Stelle ſchon vor faſt einem Jahr einmal
ein=
gehend erörtert haben, und die Wirkungen verſpüren wir
un=
mittelbar nicht nur in China, ſondern auch im Nahen Orient,
auf dem Balkan, in Warſchau und Kowno. Wir verſpürten ſie
auch mittelbar in Locarno und Genf.
Als im Jahre 1917 Lord Lansdowne in England zum
Frie=
den riet, zum „Frieden ohne Sieger und Beſiegte”, war er der
Verfechter jener weiſen engliſchen Politik, die, Jahrhunderte
hin=
durch grundſätzlich verfolgt, England zur Größe emporgeführt
hatte. Lord Lansdowne wurde von der durch eine beiſpielloſe
Propaganda entfeſſelten Kriegspſychoſe des engliſchen Volkes
beſiegt, das Lloyd George zujubelte, als er ſeine berühmte
Knock=out=Rede hielt. Der hiſtoriſche Augenblick war verpaßt,
und nach dem Zuſammenbruch der Mittelmächte konnte auch
ver=
ſpätete Einſicht und die ganze taktiſche Gewandtheit Lloyd
Georges kaum noch etwas retten, und eine falſche Einſchätzung
der ruſſiſchen Kräfte beeinflußte noch dazu verhängnisvoll die
Entſcheidungen. Mit engliſcher Zuſtimmung wurden auf zum
größten Teil bis dahin ruſſiſchen Gebieten der neue polniſche
Staat und jene Randſtaaten im Norden gegründet, die
Ruß=
land endgültig den Weg noch Weſten verſperren ſollten, und es
ſcheint faſt ſo, als ob man ſich damals in London kaum darüber
klar geworden wäre, daß man damit ſelbſt den ruſſiſchen Koloß
dazu zwang, die Front wieder nach Oſten zu drehen, wo er
not=
wendigerweiſe zunächſt auf engliſche Intereſſen ſtoßen mußte. Die
politiſchen Ziele der Völker bleiben oft unter dem Druck der
dira necessitas jahrhundertelang die gleichen, nur die Methoden
des politiſchen Kampfes wechſeln. In Indien und China
arbei=
ten heute unermüdlich die bolſchewiſtiſchen Emiſſäre an der
Unterhöhlung engliſcher Macht. Nicht um wirtſchaftliche
Inter=
eſſen oder um Preſtigefragen handelt es ſich jetzt für das
eng=
liſche Weltreich, ſondern um die Exiſtenz, und weil man das
in der Downing=Street durchaus richtig erkennt, werden mit der
ſyſtematiſchen Folgerichtigkeit, welche die engliſche Politik von
jeher ausgezeichnet, alle anderen Fragen der einen großen und
entſcheidenden Frage untergeordnet.
Nachdem durch den Abſchluß des Locarno=Vertrages und
den Eintritt des Deutſchen Reiches in den Völkerbund die
un=
mittelbare Gefahr einer franzöſiſchen Hegemonie in Europa
ge=
bannt erſcheint, verliert der engliſch=franzöſiſche Gegenſatz
zu=
nächſt mehr und mehr an Schärfe. Man unterſtützt nicht nur
wohlwollend die Bewühungen Poincarés um die Stabiliſierung
des franzöſiſchen Franken, ſondern bei jeder Gelegenheit wird
von der Regierung Baldwin zunächſt die engliſch=franzöſiſche
Freundſchaft betont. Während noch Lloyd George den polniſchen
Freunden Frankreichs manche Unliebenswürdigkeit ſagte,
unterſtützt nunmehr die engliſche Regierung die polniſche
Sehn=
ſucht nach einem ſtändigen oder wenigſtens halbſtändigen
Rats=
ſitz im Genfer Völkerbund, nachdem ſie vorher ſchon während
der Locarnoverhandlungen die Beſtrebungen unterſtützte, die auſ
einen, wenn auch nur notdürftigen Ausgleich des polniſch=
litau=
iſchen Gegenſatzes abzielten. Wer A ſagt, muß auch B ſagen.
Nachdem man durch die Gründung des polniſchen Staates den
Konflikt mit Rußland früher oder ſpäter heraufbeſchworen hat,
braucht man jetzt eben dieſen polniſchen Staat für die
Aus=
tragung des Konfliktes.
Aber es iſt ein kompliziertes Spiel, das die engliſche Politik
gezwungen iſt durchzuführen. Während man auf der einen Seite
ein gutes Verhältnis zu Frankreich wünſcht, muß man ſehr bald
erkennen, daß die franzöſiſchen Intereſſen im Nahen und
Fernen Oſten durchaus nicht mit den engliſchen parallel laufen,
und wiederum zögert man in London nicht, die Konſequenzen
zu ziehen. Man kennt das recht mißlich gewordene
franzöſiſch=
italieniſche Verhältnis ſehr gut, und man kennt auch die
Aſpira=
tionen Muſſolinis auf dem Balkan. Mit dem Rückhalt des
eng=
liſchen Pfunds zeigt die italieniſche Lira eine faſt erſtaunliche
Feſtigkeit. Der Vertrag von Tirana, der den Italienern die
„friedliche Durchdringung” Albaniens ermöglichen ſoll, wird mit
wohlwollender Unterſtützung Englands abgeſchloſſen, und auch
ſonſt findet die italieniſche Außenpolitik bei allen ihren
Beſtre=
bungen wohlwollende Unterſtützung, die darauf abzielen, auf
dem Balkan die franzöſiſche Vormachtſtellung durch eine
italie=
niſche zu erſetzen. Syſtematiſch und mit Erfolg wird die Kleine
Entente, bis dahin das ſichere Inſtrument in der Hand
Frank=
reichs, zerſtört, und die Quittung dafür iſt die Ratifikation des
ſogen. beſſarabiſchen Vertrages durch Italien, jenes Vertrages,
der bekanntlich die Annexion dieſer früher ruſſiſchen Provinz
durch Rumänien ſanktioniert. Es liegt auf der Hand, daß man
dieſen Verlauf der Dinge in Paris nicht gerade freudigen
Her=
zens verfolgte, und es waren ganz gewiß nicht nur wirtſchaftliche
Gründe, die erſt dieſer Tage zum Abſchluß eines
franzöſiſch=
ruſſiſchen Schuldenabkommens geführt haben. Während die
Ruſſen bekanntlich ſich bisher ſtets geweigert haben, die „
kapi=
taliſtiſchen” Schulden des zariſtiſchen Vorkriegsrußlands
anzu=
erkennen, haben ſich jetzt die Sowjets zu einer Zahlung von
70 Millionen Goldfranken alljährlich bereit erklärt, allerdings
nur gegen die Gewährung weiterer Kredite, die jedoch wiederum
durch den Franzoſen höchſt erwünſchte Petroleum=Konzeſſionen
ausgeglichen werden ſollen. Daß Herr Tſchitſcherin nicht gewillt
iſt, der engliſchen Politik tatenlos zuzuſehen, hat er im übrigen
ſchon im Oktober 1926 bewieſen, als er im ruſſiſch=litauiſchen
Vertrag die Zugehörigkeit des von den Polen geraubten Wilna
zu Litauen feierlich anerkannte.
Mit dem franzöſiſchen Mißvergnügen über die Unterſtützung
der italieniſchen Balkanpolitik durch England hat man aber in
London offenbar ſchon von vornherein gerechnet und deswegen
die franzöſiſche Politik gleichzeitig auch noch an einer anderen
ſehr empfindlichen Stelle feſtgelegt. Als vor mehr wie
Jahres=
friſt Spanien den Anſpruch auf Einverleibung Tangers in die
ſpaniſche Marokkozone erhob, haben ſowohl England wie Frank=
Sonntag, den 10. April 1927
Nummer 200
Seite 2
reich dieſe Forderung energiſch abgelehnt. Spanien zog ſie
daraufhin zurück, erhob aber gleichzeitig die Forderung auf eine
Reviſion des Tanger=Statuts mit dem Ziel, Spanien bei der
Verwaltung der Tanger=Zone eine vorherrſchende Rolle zu
ſichern. Während aber nun die Franzoſen grundſätzlich bereit
waren, bis zu einem gewiſſen Grade nachzugeben — gegen
Ge=
währung wirtſchaftlicher Vorteile —, haben ſich die Engländer
nachdrücklichſt dagegen gewehrt und, da ja zu einer Reviſion
des Tanger=Statuts die Zuſtimmung Englands unerläßlich iſt,
eine endgültige Löſung des Marokkoproblems auf dieſe Weiſe
verhindert. Jetzt drohen die Spanier mit einer Räumung ihrer
ganzen für ſie, ſo wie die Dinge heute liegen, ziemlich wertloſen
Marokko=Zone, was für die Franzoſen ganz außerordentlich
be=
denklich ſein würde. Würden ſie nämlich in dieſem Falle die
Dinge einfach laufen laſſen, ſo würde ſtändig die Gefahr
be=
ſtehen, daß aus dem dann freien Rifgebiet der Funke des
Auf=
ruhrs auf das franzöſiſche Gebiet überſpringt. Die Beſetzung
der bis jetzt ſpaniſchen Zone aber würde für die Franzoſen ein
neues, ſehr koſtſpieliges und unabſehbares Marokko=Abenteuer
bedeuten. Es iſt unter dieſen Umſtänden nicht ganz
unverſtänd=
lich, wenn ſelbſt in Zeitungen wie dem „Temps”, die ſonſt ſtets
die Freundſchaft mit England propagiert haben, recht
unfreund=
liche Bemerkungen über den Alliierten von 1914 zu leſen ſind.
Es iſt ſicherlich für uns Deutſche recht zweckmäßig, ſich
ge=
rade jetzt über dieſe recht verſchlungenen Pfade der engliſchen
Politik genaueſtens klar zu werden, um daraus die
entſprechen=
den Folgerungen zu ziehen, d. h. in der Hauptſache eine
Folge=
rung, nämlich die, daß es für uns mehr wie Torheit wäre, wenn
wir uns in die gegenwärtigen Wirrniſſe, die uns ja alle
erfreu=
licherweiſe unmittelbar nichts angehen, hineinverſtricken ließen.
Wir brauchen uns weder bei jugoſlawiſchen
Kontrollkommiſ=
ſionen die Fingen verbrennen, noch ſollten wir uns durch den
antichineſiſchen Propagandafeldzug der engliſchen
Nachrichten=
büros in unſerer Einſtellung irgendwie beeinfluſſen laſſen
„Wait and see!” iſt ein alter engliſcher Spruch, in der Praxis
oft genug angewandt zum Vorteil der engliſchen Politik.
Ab=
warten und den Gang der Dinge ſorgfältig verfolgen, das ſollte
im Augenblick auch der Leitſatz für unſere Außenpolitik ſein!
MI.
Die internationale
Albanien=
kommiſſion.
Die Richtlinien ihrer Tätigkeit.
Die Verhandlungen über die Bildung der albaniſchen
Befriedungskommiſſion ſind zum Abſchluß gebracht, nachdem
auch eine Verſtändigung über die Richtlinien ihrer
Tätigkeit erzielt worden iſt. Beſonders befriedigend iſt
dieſe Regelung für Deutſchland nicht, da von England und
Frankreich Militärattachés delegiert wurden, während für
Deutſchland der älteſte Legationsſekretär an der Belgrader
Bot=
ſchaft einſpringt. Das iſt eine Imparität, die etwas peinlich
wirkt. Immerhin kann man annehmen, daß die ganze
Kom=
miſſion überhaupt nicht in Tätigkeit treten wird. Sie ſoll erſt
eingreifen, wenn die Geſandten Englands, Frankreichs und
Deutſchlands das beſchloſſen haben, die ihrerſeits wieder erſt eine
Entſcheidung ihrer Regierung herbeiführen müſſen. Dadurch
kann nur zu leicht paſſieren — was wir verhindern wollten
daß wir der Puffer zwiſchen den franzöſiſchen und engliſchen
Intereſſen werden und eine Vermittlung übernehmen müſſen,
die uns von beiden Seiten keine Freundſchaft einbringt. Die
deutſche Diplomatie hat aber dieſen Nachteil in Kauf nehmen
zu müſſen geglaubt, um uns überhaupt wieder in den
internatio=
nalen Apparat einzuſchalten. Gerade England iſt es geweſen,
das uns darauf aufmerkſam machte, wir hätten in den letzten
Jahren immer darüber geklagt, daß wir lediglich Objekt der
europäiſchen Politik geweſen wären, hier hätten wir nun einmal
Gelegenheit, auch Subjekt zu ſein. Das klingt ganz ſchön, nur
wäre es ſachlich nützlicher geweſen, wenn die Engländer dieſen
Beweis für die Anerkennung der Großmachtſtellung
Deutſch=
lands bei einer anderen Gelegenheit erbracht hätten. Vorläufig
liegt aber der Drehpunkt der ganzen Spannung
in den unmittelbaren Verhandlungen zwiſchen
Belgrad und Rom. Kommt es zu einer Verſtändigung,
dann wird die Belgrader Kommiſſion nur ein Scheinleben
führen.
Vom Tage.
Die Verkündungdes Urteils im Prozeß Dr.
Streſe=
mann gegen Dr. Mäller iſt für Montag nachmittag, 3 Uhr,
angeſetzt worden.
Am 8. und 9. April hielt der Verwaltungsrat der Deutſchen
Reichs=
poſt eine Sitzung ab, in der der Reichspoſtminiſter u. a. einen
Ueber=
blick über die Wirtſchaftslage der Deutſchen
Reichs=
poſt im abgelaufenen Rechnungsjahre gab, das zwar ohne
Fehl=
betrag abſchließt und die Abführung eines Betrages von 70
Millionen an das Reich geſtattet, im übrigen aber als äußerſt geſpannt
zu bezeichnen iſt.
Im Auswärtigen Amt hat der Austauſch der
Ratifika=
tionsurkunden zum deutſch=däniſchen
Schieds=
gerichtsvertrag vom 2. Juli 1926 ſtattgefunden.
Der ungariſche Miniſterpräſident Graf Bethlen
ſtattete dem deutſchen Botſchafter in Rom, Freiherrn von
Neurath, einen längeren Beſuch ab.
Die politiſche Lage in Rumänien hat in der vergangenen
Woche eine weſentliche Klärung erfahren, ſo daß nunmehr bei einem
etwaigen Ableben des Königs kaum von irgend einer Seite
Ueber=
raſchungen zu befürchten ſind. Alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung
von Ruhe und Ordnung ſind getroffen.
In Athen iſt wegen der Demiſſion einiger Miniſter eine
Regie=
rungskriſe ausgebrochen.
Jugoſlawien ſoll zum Abſchluß eines Vertrages
mit Albanien bereit ſein, der dem Pakt von Tirana
ähnlich iſt.
Der konſervative „Czas”, das Organ der nationalen Rechten, meldet,
daß die Fasciſten in Polen eine rege Tätigkeit
ent=
falten.
Der frühere Gouverneurder Bank von Frankreich,
Georges Robineau, iſt im Alter von 67 Jahren an einer
Herz=
krankheit geſtorben.
In Paris iſt ein Komitee gebildet worden, das die Gründung
einer internationalen diplomatiſchen Akademie
vorbereiten ſoll. Die Prüfung einer jeden Frage ſoll vom theoretiſchen
und praktiſchen Standpunkt aus vorgenommen werden, jedoch keine
Einmiſchung irgendwelcher politiſcher Art ſtattfinden.
Nach einer Meldung aus Santiago hat die chileniſche
Re=
gierung ihren Geſandten in London, Belgran,
zurück=
berufen, weil er ohne Erlaubnis während dieier Monate ſich von
ſeinem Poſten entfernt hat.
Amerika dementiert erneut die Nachrichten von einem
ge=
meinſamen Vorgehen mit anderen Mächten in China.
Das kommuniſtiſche politiſche Büro in Schanghai
iſt von dem Oberbefehlshaber Tſchang=Kai=Scheck beſetzt
worden.
Nach einer Mitteilung der Agentur Indo Pacific aus Tokio ſei
Japan entſchloſſen, vorläufig jede militäriſche
Aktion in China zu vermeiden, obwohl gewiſſe Mächte
dringend die Mobiliſierung forderten.
Karte mit Fiume.
Der zwiſchen Italien und Ungarn ſoeben abgeſchloſſene
Freund=
ſchaftsvertrag räumt den Ungarn eine Freihafenzone in Fiume
ein. Dieſe für den ungariſchen Einfuhr= und Ausfuhrhandel
ſ=
wichtige Beſtimmung ſetzt voraus, daß Jugoſlawien den
Tranſit=
verkehr zwiſchen Ungarn und Fiume nicht erſchweren wird. Der
direkte Weg von Budapeſt nach dem neuen Freihafen führt, wie
unſere Karte zeigt, über jugoſlawiſches Gebiet.
* Oſterbilanz.
Das erſte Kapitel der neuen Regierungskoalition zum
Abſchluß gebracht. — Kommende Aufgaben.
Der Reichstag iſt bis anfangs Mai in die Ferien gegangen
und hat damit das erſte Kapitel der neuen
Regie=
rungskoalition zum Abſchluß gebracht. Uns will
ſcheinen, als wenn das Kabinett allen Anlaß hat, mit dem
bis=
her erzielten Ergebnis zufrieden zu ſein. Es iſt zwar nicht
ge=
lungen, den Etat rechtzeitig unter Dach zu bringen, aber das
läßt ſich ſchließlich damit entſchuldigen, daß durch die endloſe
Dauer der Kabinettskriſe die ſachlichen Beratungen im Plenum
zu ſpät begannen. Immerhin hätte es gelingen müſſen, mit
etwas ſtärkeren Zuchtmitteln die übermäßige Redeluſt
einzu=
ſchränken und trotz der Verſäumniſſe rechtzeitig fertig zu werden.
Nicht ſo ſehr wegen der acht Tage, als des Prinzips halber,
denn zu einem geordneten Staatsweſen muß nun einmal der
Grundſatz gehören, daß auch der Etat pünktlich verabſchiedet,
und nicht mit Proviſorien gearbeitet wird. Schließlich iſt das
aber nur ein Schönheitsfehler, der gegenüber den anderen
Er=
folgen nicht zu Buche ſteht. Wenn man nur das Wichtigſte
her=
ausgreift, dann hat der Reichstag außer dem Etar den
vor=
läufigen Finanzausgleich, das
Arbeitszeitnot=
geſetz und das Handelsproviſorium mit
Frank=
reich verabſchieden können. Das einzige, was von dem
Pro=
gramm liegen blieb, iſt das Zündholzmonopol, das aber doch
nur von mehr untergeordneter Bedeutung iſt. Eine
Preſtige=
frage war es dagegen, das Arbeitszeitnotgeſetz und den Finanz
ausgleich zu bewältigen, und daß das gelungen iſt, trotz einer
Oppoſition, die mehr als einmal in Obſtruktion hineinzugleiten
ſchien, iſt ein Befähigungsnachweis für die Tragbarkeit der
neuen Regierungsmehrheit, der nicht hoch genug eingeſchätzt
wer=
den kann, zumal, da jeweils, auch nachdem das Kompromiß
zu=
ſtande gekommen war, bei einzelnen Parteimitgliedern
Hem=
mungen geblieben waren, die es manchem Abgeordneten ſchwer
machen mochten, den Vorlagen zuzuſtimmen. Die Difziplin,
durch die der Ausbruch von größeren oder kleineren Gruppen
aus der Regierungsmehrheit verhindert wurde, verdient
Aner=
kennung. Bei dem Finanzausgleich zeigte es ſich ja, wie
not=
wendig jede einzelne Stimme war, zeigte ſich freilich auch
gleich=
zeitig, daß die gegenwärtige Koalition ſtark genug iſt, um, wenn
ſie zuſammenhält, gegen jede Nachbarkombination ſich
durchzu=
ſetzen, denn beim Arbeitszeitnotgeſetz ſtimmte — wenn auch aus
anderen Gründen — die Wirtſchaftspartei mit der
Linksoppo=
ſition. Trotzdem aber konnte ſich das Kabinett durchſetzen.
Was bisher geleiſtet wurde, bleibt aber, im ganzen geſehen,
nur ein Anfang. Indeſſen war gerade diesmal der Anfang
be=
ſonders ſchwer. Zwiſchen den Deutſchnationalen und den
an=
deren Regierungsparteien, am ſchärfſten ausgedrückt zum
Zen=
trum, beſtand doch noch ein Reſt von Mißtrauen, der erſt
über=
wunden werden mußte und ſehr leicht gerade in den erſten
Wochen zu einem Konflikt hätte führen können. Die Parteien
haben ſich kennengelernt, ſie wiſſen, daß ſie miteinander arbeiten
können, ſie wiſſen auch, daß die Räubergeſchichten, die über ſie
erzählt werden, zu 99 Prozent der Schadenfreude der Oppoſition
ihre Entſtehung verdanken, daß es jedenfalls in allen Fragen
möglich iſt, zu einer Verſtändigung zu kommen, wenn ſie ſich nur
gemeinſam an einen Tiſch ſetzen. Dieſe Erfahrungen werden ſich
vermehren, je länger die gemeinſame Arbeit dauert. An
Auf=
gaben, die in den nächſten Jahren bewältigt werden müſſen,
fehlt es nicht. Da iſt die Strafrechtsreform, das
Schul=
geſetz, der Zolltarif, die endgültige Regelung der
inanziellen Beziehungen zwiſchen Reich und
Ländern, die vorderhand nur in einem Proviſorium gelöſt
ſind, da iſt die Fürſorge für die Beamten und
Kriegsbeſchädigten, kurz, es iſt noch mehr als
hinrei=
chend zu tun, ehe die innere Kriſe in ihren politiſchen,
wirt=
ſchaftlichen, finanziellen und ſozialen Untergründen überwunden
iſt. Dazu kommen noch die Schwierigkeiten, die uns von
außen her immer wieder gemacht werden: die Reviſion
des Dawesplanes muß langſam eingeleitet
wer=
den; die Rheinlandräumung, wenigſtens ſoweit eine
ſtarke Verminderung der Beſatzungstruppen in Frage kommt,
iſt und bleibt akut, und es iſt ja bekannt, daß nicht ſo ſehr
über die Endziele, als die anzuwendenden Methoden die
Mei=
nungen der Parteien verſchieden ſind.
Vorausſetzung zu einer befriedigenden Zuſammenarbeit iſt
aber der gute Wille, und der iſt, das darf ohne weiteres
an=
genommen werden, auf allen Seiten vorhanden, mögen auch
gelegentlich die Geiſter noch ſtark auf einander platzen, mogen auch
ſelbſt im Kabinett wegen der Ueberſpannung einzelner
perſo=
neller Fragen Konflikte entſtehen, das ändert noch immer nicht
den Geſamteindruck, daß wir trotz der ungünſtigen Auſpizien,
mit denen die Regierung gebildet wurde, jetzt zum erſtenmal
die Hoffnung auf eine Dauer des Kabinetts beſteht, die von den
bisherigen Zeitmaßen weit abweicht.
* Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. — Samstag, den 9. April.
Die Geſchöpfe des Prometheus.
Tanzſpiel von L. v. Beethoven,
Neubearbeitung von F. Lodewig.
Ueber dieſes ungewöhnliche Ballett muß noch einiges geſagt
werden. Beethoven hat uns außer der bekannten Ouvertüre
16 Tänze ſehr verſchiedenen Stimmungsgehaltes und von
außer=
ordentlicher Vielgeſtaltigkeit hinterlaſſen. Zu welcher Handlung
ſie gehörten, wiſſen wir nicht mehr. Denn Textbuch und
Szena=
rium ſind, wie von den meiſten früheren Balletten, verloren
gegangen. Aus der Ueberſchrift „Die Geſchöpfe des Prometheus”
und beſonders dem Untertitel: „Die Macht des Tanzes und der
Muſik” iſt der Stoff zu ahnen.
Es iſt das verdienſtliche Werk F. Lodewigs, dem Ballett
durch eine ſelbſt erfundene, dem Charakter der Muſik angepaßte,
ſzeniſch gegliederte Handlung eine neue brauchbare Unterlage
geſchaffen zu haben. Die zweite Aufgabe beſtand darin, dieſe
genau vorgeſchriebene Handlung in Tanzformen auszudeuten,
die dem Sinn der Muſik entſprechen und ſie regietechniſch ſo au
die Bühne zu ſetzen, daß ſie überzeugend wirken. Denn auch
hierfür war nichts überliefert und mußte alles neu erfunden
wverden. Manda v. Kreibig und H. E. Mutzenbecher
haben für beides Löſungen gegeben, die hohen Anſprüchen
ge=
nügen. Vor allem darf Herr Lodewig unſerer Ballettmeiſterin
dankbar ſein für die feinfühlige Art, wie ſie die richtigen Formen
fand und ſie mit dem Einſatz gut gewählter Perſonen zur
Durch=
führung brachte. Von dieſen iſt heute noch als Solo=Darſtellerin
der Hephäſtos von Lene Berdolt, deren Begabung ſich
be=
wundernswert entwickelt hat, anerkennend zu nennen. Auch
wird nachgetragen, daß unſer ho=tgeſchätzter Schenck v. Trapp
die herrlichen Bühnenbilder geſchaffen hat.
Da das Ballett in dieſer textlichen und tänzeriſchen
Bearbei=
tung zum erſten Male auf der Bühne erſcheint, kann füglich
von einer Uraufführung geſprochen werden, deren Erfolg auch
heute groß und tief war.
v. H.
Kleines Haus. — Samstag, den 9. April.
Frau Warrens Gewerve.
Ein Drama von Bernard Shaw.
Während des Krieges und in der Folgezeit, als die
Schrift=
ſteller der feindlichen Staaten von der deutſchen Bühne aus=
geſchloſſen waren, wurde Bernard Shaw, der Ire,
gewiſſer=
maßen als neutral betrachtet. Das deutſche Theater war
man=
gels anderer Werke von Shaw überſchwemmt. Es litt geradezu
unter einem Shawismus. In den letzten Jahren ſchloß ſich
der ſtarke Erſolg der „Heiligen Johanna” an, und ſo kommt es
daß man von Shaw geſättigt, wenn nicht ſchon überſättigt iſt.
Zum mindeſten fragt es ſich, ob es notwendig war, nach dem
von Jakob Geis ausgezeichnet inſzenierten „Haus
Herzens=
tod” nun noch einen zweiten Shaw in derſelben Spielzeit folgen
zu laſſen.
„Frau Warrens Gewerbe” iſt zudem ein recht alter
Shaw. Er ſteht noch unter Ibſens Einfluß. Eine konſtruierte
Handlung wird mit dem Plüſch Shawſcher Jronie und
Shaw=
ſcher Skepſis behängt. „Frau Warren”, die einige öffentliche
Häuſer mit finanziellem Erfolge betreibt, hat ihre Tochter fern
von London in kindlicher Unſchuld aufziehen laſſen. Zur Mutter
zurückgekehrt, erfährt Vivie den Sachverhalt. Zunächſt bringt
ſie dem Werdegang der Mutter Verſtändnis entgegen. Als ſie
jedoch von dem Ertrag der Häuſer leben ſoll und den Schmutz
durchſchaut, trennt ſie ſich von der Mutter, — nicht eigentlich,
weil ſie das Treiben der Mutter verachtet, ſondern weil — recht
konſtruiert — die Mutter ein anderes Leben führe, als an das
ſie glaube. Die Mutter verflucht die undankbare Tochter!
Tragödie der Tochter oder Tragödie der Mutter? Keines
von beiden! Shaw ſteht viel zu kühl ſeinen Geſtalten
gegen=
über, als daß er innere Teilnahme für ſie erwecken könnte. Sie
ſind ihm nur der Vorwurf zur Entwicklung ſeiner Ideen, zur
Bekämpfung von Prüderie und Heuchelei, zur Erſchütterung
aller konventionellen Begriffe, zur Entgötterung der Welt. Am
ſchlimmſten kommt die Kirche dabei weg, deren Vertreter „Paſtor
Gardner” ein Ausbund aller Laſter iſt: ſo arg, daß es ſchon
nicht mehr wahr iſt und daß die Karikatur ihre Wirkung verliert.
„Frau Warrens Gewerbe” wurde vor zwanzig Jahren im
Saalbau=Theater des Direktors W. Römheld zum erſten Male
in Darmſtadt gegeben. Daß man es jetzt wieder hervorgeholt
hat, iſt vielleicht durch das Gaſtſpiel von Roſa Bertens=
Berlin verurſacht. Frau Bertens ſtand ſeinerzeit im Kampfe
für Ibſen und Strindberg darſtelleriſch in vorderer Linie. Sie
hat ſich aus der Zeit ihrer früheren Größe eine ſtarke
Könner=
ſchaft bewahrt. Dank dieſer techniſchen Könnerſchaft macht ſie
viel: ſie macht die Liebe zu ihrer Tochter, ſie macht den eigenen
Glauben an die Tüchtigkeit ihres Geſchäftes, ſie macht die
Ent=
rüſtung über die Undankbarkeit der Tochter. Sie macht dies
alles mit geſchickter Maske, mit vielen Nuancen. Aber ſie macht
es nur! Sie erlebt es nicht, und ſie erſchüttert uns darum nicht.
So iſt ſie der rechte Gegenſatz zu Käthe Dorſch, die zu
er=
leben wir vor kurzem das Glück hatten.
Die Aufführung, die unter Robert Klupps Leitung ſtand,
ſchien mit nicht allzu vielen Proben vorbereitet zu ſein. Der
lebendige Eindruck einer zuſammengeſchloſſenen und abgetönten
Diskuſſion blieb manchesmal aus. Am überzeugendſten wirkte
Max Nemetz als „Sir Crofts” in der brutalen
Rückſichts=
loſigkeit ſeiner breiten Schultern, ſeines Bulldoggengeſichtes und
ſeines typiſchen Ganges der rechte Zuhälter und Geſchäftsfreund
von „Frau Warren”
Die Tochter „Vivie” gab Beſſie Hoffart: ſehr ſchlank,
ſehr kühl und — vielleicht abſichtlich — ohne ausgeſponnene
Innere Erſchütterung. Als „Paſtor Gardner” ſah Paul
Ma=
letzki ſo unerſchütterlich verſchmitzt=dumm aus, wie er — nach
Shaws Worten — zu ſein ſeiner Gemeinde vorſpiegeln muß.
Robert Klupp, ein junger Nichtstuer, und Kurt
Weſter=
mann, ein alter Hausfreund, vervollſtändigten die ſympathiſche
Geſellſchaft in Frau Warrens Landhaus
L.
— Die Oſternummer der „Eleganten Welt”, die ſoeben erſchiene
iſt, beſchäftigt ſich mit den modiſchen Erforderniſſen der Oſterreiſe un
des Reiſetrouſſeaus, für deſſen ideale Beſchaffenheit ſie manch wiſſens
werten Ratſchlag erteilt. Neuheiten auf dem Gebiet der Frühjahrs
mode für Damen
d Herren werden in Bild und Wort beſprochen
Ein intereſſanter Beitrag zur Entwicklung der modernen Hausmuſ
wird allen Miſikfreunden, ein anderer „Hunde wollen verſtanden ſein”
allen Hundeliebhabern willkommen ſein.
Temperaturgrenzen des Lebens. Manche Lebeweſen könne
erſtaunlich niedere und hohe Temperaturen ertragen. So gil
es nach einer Zuſammenſtellung in der Leipziger Illuſtrirte
Zeitung Urtiere, die nur aus einer einzigen Zelle beſtehen un
im Polareis erſtarren, ohne ihre Lebensfähigkeit einzubüßen
dabei kühlt ſich das Polareis auf 40 Grad unter Null ab. Die
tiefſte Temperatur, die bei einem lebenden Menſchen gemeſſer
wurde, beträgt 23 Grad Celſius. Bakterien konnten in flüſſige
Luft (192 Grad Kälte, flüſſigem Waſſerſtoff (253 Grad Kälte
und flüſſigem Helium (269 Grad Kälte) noch am Leben bleiben
Die Sporen von Schimmelpilzen und Kieſelalgen vertragen ein
Abkühlung auf 200 Grad Kälte. Hunde und Kaninchen ſterben
wenn ihre Körperwärme auf 19 Grad ſinkt. Die Sporen de
Heubazillus leben bei einer Erhitzung auf 130 Grad Ceſius noc
eine Stunde; auch Sonnenblumenſamen verträgt längere Zei
eine ſolche Hitze. In tropiſchen Gegenden entwickelt ſich Same
bei einer Bodentemperatur bis zu 85 Grad. Die warmblütige
Tiere ſind an enge Temperaturgrenzen gebunden. So
ſchwan=
die Körperwärme der Säugetiere zwiſchen 34 und 41 Grad, di
der Vögel zwiſchen 40 und 44 Grad. Die Schnee=Eule behält ihr
Körperwärme von über 40 Grad in einer Kälte bis 40 Grad
und Kaiſerpinguine wurden bei einer Kälte bis zu 61 Gra
brütend angetroffen.
Nummer 100
Sonntag, den 10 April 1927
Geite 3
Ruſſiſche Kriegspläne im Fernen Oſten?
Straßenkämpfe in Schanghai.
Die Spannung
zwiſchen Moskau und Peking.
Abbruch der ruſſiſch=nordchineſiſchen Beziehungen?
London, 9. April.
Die engliſchen Nachrichtenagenturen veröffentlichen heute
vormittag mit Vorbehalt aufzunehmende Meldungen über große
ruſſiſche Rüſtungen in der Mongolei und an der transſibiriſchen
Bahn, die darauf berechnet ſeien, in einem überraſchenden
Vor=
ſtoß zu Lande und auf den oſtſibiriſchen Flüßen Charbin zu
be=
ſetzen und nötigenfalls nach Peking vorzuſtoßen. Vier
Infan=
teriediviſionen und drei Kavalleriebrigaden ſeien bereits ſeit
einiger Zeit auf dem Abmarſch noch Oſtſibirien. Außerdem
über=
ſchritten bereits 40000 Mann mongoliſcher Kavallerietruppen
unter dem Befehl ruſſiſcher Offiziere die chineſiſche Grenze.
Große Depots von Kanonen, Flugmaſchinen, Automobilen und
Munition ſeien in Irkutſk und Tſchita vorhanden.
Wenn dieſe Meldungen möglicherweiſe auch nur die
Grund=
lage abgeben ſollen, um weitere britiſche Truppenſendungen
nach China gerechtfertigt erſcheinen zu laſſen, ſo kann doch
feſt=
geſtellt werden, daß die Spannung zwiſchen Sowjetrußland und
der Pekinger Regierung in den letzten Tagen ſich außerordentlich
verſchärft hat. Die Note des ruſſiſchen Geſchäftsträgers in
Peking wegen Durchſuchung der ruſſiſchen Gebäude iſt in
ſchar=
fem Tone gehalten und läßt weitere Maßnahmen der
Sowjet=
regierung durchaus offen.
Die Sowjetkonſulate noch immer unter Bewachung.
Eigener Drahtbericht des „D. T.‟.
E
F
* Schanghai, 9. April.
Heute ſind 1300 japaniſche Staatsangehörige, meiſt Frauen
und Kinder, aus Hankau eingetroffen, wo noch 800 Japaner,
meiſt Männer, zurückgeblieben ſind. In bezug auf das
Sowjet=
konſulat iſt die Lage noch ungeklärt. Das Gebäude iſt noch
immer polizeilich umſtellt und Ein= und Ausgehende werden
genau kontrolliert. Die Beſchwerde des ruſſiſchen Generalkonſuls
iſt dem Stadtrat der internationalen Niederlaſſung übermittelt
worden. — Aus Peking wird gemeldet, daß die Beſetzung der
durchſuchten ruſſiſchen Gebäude in Peking durch die Polizei
immer noch aufrecht erhalten wird. Den auswärtigen Militär=
Attachés in Peking ſoll das im Sowjetgebäude vorgefundene
Material vorgelegt worden ſein. U. a. habe man eine Reihe von
Siegeln für eine neue kommuniſtiſche Regierung gefunden,
zahl=
reiche Flugſchriften mit antiengliſcher und antiimperialiſtiſcher
Tendenz, zwei Maſchinengewehre, ein ſtarkes Luftabwehrgeſchütz
deutſchen Urſprungs, verſchiedene alte Gewehre, 20 Revolver
und viel Munition. 35 Kommuniſten befänden ſich in Haft.
Die Vorgänge in Peking eine Herausforderung Rußlands
* Riga, 9. April. (Priv.=Tel.)
Wie aus Moskau gemeldet wird, bezeichnet die „Prawda‟
in einem Artikel die Vorgänge in Peking als eine
Herausforde=
rung der Sowjetregierung. Es heißt darin: Tſchangtſolin
ver=
folge den Zweck, die Sowjetregierung vor den ausländiſchen
Mächten bloßzuſtellen. Das Beſtreben Tſchangtſolins, zuſammen
mit der Londoner Diplomatie einen Antiſowjetblock zu ſchaffen,
ſei mißlungen. Immerhin ſeien die Hauptſchuldigen in London
zu ſuchen. Tſchangtſolin habe ſeit jeher jede Gelegenheit benutzt,
um mit der Sowjetregierung Konflikte herbeizuführen. Die
Sowjetregierung werde jedoch nicht auf die Provokationen
ein=
gehen. Die Rache werde aus Kanton kommen. „Isweſtija”
ver=
weiſt auf die Proteſtnote des Doyen des diplomatiſchen Korps
Oudendifk an das Pekinger Außenminiſterium anläßlich der
Hausſuchungen und erklärt, jetzt könne kaum bezweifelt
werden, daß die Behörden Tſchang Tſo=lins die
Unantaſtbarkeit der Sowjetbotſchaft ſelbſt
ver=
letzthätten. Das Blatt ſagt weiter: Oer Doyen des
diploma=
tiſchen Korps macht jetzt den Verſuch, ſich von der Tat loszuſagen,
zu der er beigetragen und ſelbſt mit Hand angelegt hat. Unter
Hinweis darauf, daß auch der amerikaniſche Geſandte in China
ſeiner Regierung erklärt habe, daß „die Chineſen ihre
Vollmach=
ten überſchritten”, hebt das Blatt das Schweigen der engliſchen
Regierung zu den Pekinger Ereigniſſen hervor.
* London, 9. April. (Priv.=Tel.)
China ſtand auch geſtern völlig im Zeichen des Vorgehens
Tſchang Tſo=lins gegen die Ruſſen. Während der Tag in
Pe=
king verhältnismäßig ruhig verlief, kam es infolge dieſes
Vor=
gehens zu neuen blutigen Ausſchreitungen in Schanghai, die
er=
neut beweiſen, daß die Lage ſich von Tag zu Tag
zu=
ſpitzt und daß die Trennung: Hie Ausländer, hie Chineſen,
immer gefahrdrohender wird. Es ſcheint nach wie vor, daß der
eigentliche Haß der Bevölkerung ſich in erſter Linie gegen die
Engländer und die Japaner richtet. Die Anweſenheit des
fremden Militärs aufchineſiſchem Boden wirkt
provozierend auf die Bevölkerung, die jetzt ſchon
dazu übergeht, jeden auch noch ſo belangloſen Zwiſchenfall zum
Anlaß zu nehmen, um blutige Schießereien hervorzurufen. Der
Kampf japaniſcher Truppen mit chineſiſchem Militär in den
Straßen der internationalen Niederlaſſung in Schanghai iſt an
ſich ein Zwiſchenfall, der in der überhitzten Atmoſphäre jeden
Tag hervorgerufen werden kann, er bildet aber eine neue
Illu=
ſtration für die ungeheure Gefahr, in der ſich China befindet.
Den bedrohten Japanern ſind im Laufe des Gefechts britiſche
Truppen zu Hilfe gekommen, und es entwickelte ſich ein lebhaftes
Maſchinengewehrfeuer, bis ein britiſcher Panzerwagen eingeſetzt
werden mußte, um dem Kampf durch die Flucht der Chineſen
ein Ende zu machen. Später iſt es zu neuen Angriffen auf die
Japaner gekommen.
Rücktritt Wellington Koos.
Ueberall zieht die Aktion Tſchang Tſo=lins gegen die Nuſſen
ihre Kreiſe. Wie verlautet, ſteht auch der Rücktritt des
bisherigen chineſiſchen Miniſterpräſidenten,
des hervorragenden Staatsmannes Wellington Koo, mit
dieſer Aktion im Zuſammenhang. Dieſer Rücktritt hat in
aus=
ländiſchen Kreiſen in China und auch in London Senſation
er=
regt. Es ſoll zwiſchen Tſchang Tſo=lin und ihm
wegen der Durchſuchung des
Geſandtſchafts=
viertels in Peking zu lebhaften
Meinungsver=
ſchiedenheiten gekommen ſein, die ſich allerdings
we=
niger auf die Tatſache des Vorgehens an ſich, das auch Koo für
notwendig gehalten haben ſoll, bezogen haben; den Streitpunkt
bildete vielmehr die Abſicht Tſchang Tſo=lins, alle Verhafteten
hart abzuurteilen. Koo befürwortete vielmehr mit Rückſicht auf
die außenpolitiſche Lage ein milderes Vorgehen. Als es
zwi=
ſchen beiden zu keinem Einvernehmen kommen konnte, erklärte
Koo den Rücktritt.
Vorſiellungen der Mächte wegen der
Vorgänge in Nanking.
EP. Paris, 9. April.
Der „Temps” teilt mit, daß Amerika, Frankreich England,
Italien und Japan ſich jetzt auf eine gemeinſame Formel
ge=
einigt haben, um für die Zwiſchenfälle in Nanking
Schaden=
erſatz zu fordern. Die Geſandten dieſer Mächte in Peking
hät=
ten gleichlautende Inſtruktionen in dieſem Sinne erhalten. Die
geplanten Vorſtellungen würden gleichzeitig in
Peking, Schanghai und Hankau erhoben werden,
Man rechnet damit, daß die Uebergabe der Noten bereits
in den nächſten Tagen erfolgt, daß aber die Veröffentlichung erſt
ſtattfinden wird, wenn ſich die Noten in der Hand der Behörden
von Kanton befinden. In den Noten werden drei Forderungen
aufgeſtellt: 1. Bezahlung von Reparationen an die Geſchädigten
oder deren Hinterbliebenen; 2. Beſtrafung der Schuldigen;
3 offizielle Entſchuldigung. Die Frage der Sanktionen ſteht, wie
weiter verlautet, mit der Uebergabe der Noten in keinem
Zuſam=
menhang.
Keine Beläſtigung Deutſcher durch Chineſen.
Berlin, 9. April.
Nach den aus China vorliegenden amtlichen deutſchen
Nach=
richten treffen die von engliſcher Seite verbreiteten Mitteilungen,
wonach die deutſchen Kaufleute aus der Stadt Tſchang=Cha durch
die Kantoneſen ausgewieſen und ihre Läden geſchloſſen worden
ſeien, nicht zu. Bisher liegen keinerlei Nachrichten darüber vor,
daß deutſchen Kaufleuten, von chineſiſcher Seite ingendwelche
Schwierigkeiten gemacht worden ſind.
Der Aufmarſch zum Wahlkampf in Oeſterreich
EP. Wien, 9. April.
Der Aufmarſch der Parteien zum Wahlkampf am 24. April
iſt in vollem Gange. Nicht weniger als zehn Parteien treten
mit eigenen Kandidatenliſten in die Wahlen zum Nationalrat
und zum Wiener Gemeinderat ein, und zwar die
Sozialdemo=
kratiſche Partei, die Parteien der Einheitsliſte, alſo Chriſtlich=
Soziale, Großdeutſche und Mittelſtändiſche Volkspartei, die
Demokraten, die Kommuniſtiſche Partei, die Völkiſche
Einheits=
partei, die Jüdiſche Partei, der Landbund für Oeſterreich, der
Völkiſch=Soziale Block, der Bund der parteiloſen Staatsbürger
und ſchließlich die Steiriſche Reformpartei des Grazer Theologie=
Profeſſors Dr. Ude. Von allen dieſen Parteien haben bei dem
in Oeſterreich herrſchenden Zwei=Parteien=Syſtem eigentlich nur
die ſozialdemokratiſche Liſte und die bürgerliche Einheitsliſte
und daneben vielleicht noch der Landbund und die Ude=Partei
ernſtliche Ausſichten, einige Mandate im Nationalrat zu
erlan=
gen. Die übrigen Kandidatenliſten ſind vollkommen
ausſichts=
los. Immerhin dürfte es dieſes mal infolge der außerordentlich
zahlreichen Parteiliſten zu einem äußerſt lebhaften Wahlkampf
am 24. April kommen.
Marſchall Tſchangtſolin,
Peking, die alte Kaiſerſtadt. — Das berühmte Chien=Men=Tor.
der Machthaber in Peking u. Nordchina.
*Paſſions=Aufführung in der Stadtkirche.
Der Kirchengeſangverein der Stadtkirche hat ſeit Jahren
ſich um die Aufführung Schützſcher Paſſionen ein beſonderes
Verdienſt erworben und dieſe ſchlichten, noch ſtark am
Litur=
giſchen feſthaltenden, trotzdem aber überaus genialen,
dramati=
ſchen und volkstümlichen Werke geradezu hier in Darmſtadt
eingeführt. Bisher waren es die Matthäus= und die Johannes=
Paſſion, die von Arnold Mendelsſohn ſchon vor Jahren, für den
modernen Gebrauch eingerichtet worden waren, und die als
Gegenſtück zu den Paſſionen Bachs ſich vielerorts einbürgerten,
weil ſie ſich für kirchliche Feiern durch ihre Anſpruchsloſigkeit
ſo gut eignen. Nun ließ Mendelsſohn auch das der Zeit nach
früheſte Paſſionswerk des Altmeiſters Schütz, die Lukaspaſſion,
folgen, und gab dadurch Gelegenheit, Schütz als
Charakteriſie=
rungskünſtler ganz beſonders zu bewundern. Denn ſo, wie das
Evangelium des Lukas den mildeſten und am wenigſten kraſſen
Bericht von dem Leiden des Herrn gibt, ſo taucht auch Schütz
ſeine Muſik in weit freundlichere Farben, als in den beiden
an=
deren Werken, gewinnt aber trotzdem innerhalb der Chöre
Gegenſätze ſchärfſter Art.
Bei Schütz iſt die Paſſion nur für Singſtimmen ohne jede
Inſtrumentalbegleitung geſchrieben, die Soliſten ſingen alſo
völ=
lig unbegleitet, und zwar ſo, daß nach alter Paſſionsſitte ſich
Pfarrer und Diakon, am Altar ſtehend, in die Worte des
Evange=
liſten und Jeſus teilen, der Chor im Chorraum aufgeſtellt iſt
und aus ſeiner Mitte die übrigen Soloſtimmen erklingen. Im
allgemeinen iſt dieſe Art des Vortrages für Soliſten und Chöre
heute ſehr ungewohnt, und darum hat Meiſter Mendelsſohn zu
den Soloteilen eine freie, oft tonmalend charakteriſierende
Orgelbegleitung erfunden. Sie erleichtert die Aufführungen
be=
deutend, dehnt aber auch den Vortrag der Rezitative und gibt
dieſen dadurch noch mehr Uebergewicht, als es im Original ſchon
der Fall iſt. Dadurch wird das Werk aber ſicherlich vielen
Ver=
einen zugänglicher. Wer Aufführungen Schützſcher Paſſionen
ohne Orgel gehört hat, und Borngäſſer hat dies ja ſchon mit
ſeinem Chor geleiſtet, der wird ſich ſchwer an die Begleitung
gewöhnen können, denn bei aller genialer Einfühlung
Mendels=
ſohns, ſpürt man doch einen gewiſſen ſtiliſtiſchen Zwieſpalt
zwiſchen Original und Bearbeitung. Denn die Geſänge des
Evangeliſten ſind ſo ſchlicht — für das Ohr des an Bach
ge=
ſchulten Muſikers faſt ärmlich —, daß ſie nur vom Standpunkt
des alten liturgiſchen Altargeſanges, wie ihn Luther von der
katholiſchen Kirche übernahm, verſtanden werden können, und
daß ſie ſich gegen akkordiſch harmoniſche Begleitung faſt zu
ſträu=
ben ſcheinen.
Sehr würdig und ſchlicht iſt das kleine Präludium, das
Mendelsſohn zur Einleitung komponiert hat — der Meiſter ſpielte
ſelbſt die Orgel —; es leitet in die Haupttonart ein und
er=
möglicht dem Chor den ſtimmungsvollen Einſatz des Introitus.
Alle Chöre, von Wilhelm Borngäſſer einſtudiert, glückten
vor=
züglich, obwohl ſie zum Teil recht ſchwer in ihren Einſätzen ſind.
Ihre Realiſtik, die Schärfe der Charakteriſierung, die Borngäſſer
in ſeinem einleitenden Aufſatz ja eingehend gewürdigt hat, kam
hervorragend zum Ausdruck. Die Solopartien hatten in Herrn
Dr. Stiefenhofer (Evangeliſt), Johannes Biſchoff (Jeſus) und
Herrn Dr. Kreickemeier (Pilatus) ſichere, geſangskundige und
künſtleriſch hervorragende Vertreter gefunden.
N.
Bühnenchronik.
* „Der Mann im Dunkel”, Komödie von Friedrich Wolf.
Uraufführung am Eſſener Stadttheater.
Der dramatiſche Neuling Friedrich Wolf beſtätigte erneut
den Eindruck, daß ein zwiſchen Literatur und Dichtung
pendeln=
der, aber gleichwohl konſequent arbeitender junger Dramatiker
ſich ehrlich um die Auseinanderſetzung mit ſeiner Zeit bemüht.
Neben der Betrachtungsweiſe hiſtoriſcher Geſchehniſſe liebt es der
Autor von heute ja, durch Sinn und Unſinn der heutigen Welt
hindurchzuleuchten, um auf die Weſenheit eines Zeitthemas zu
kommen. Dieſes heißt bei Wolf: Zurück zur Natur, zur
Beſin=
nung und zum echten Gefühl! Der Dichter des viel aufgeführten
„Armen Konrad” tut das mit Mitteln, die ihm ſprachlich der
Expreſſionismus an die Hand gibt und in der Darſtellungsart
die ſatiriſche Groteske als durchaus aktuellen Stil bevorzugt.
Dadurch entſtehen wohl hier und da Ueberzeichnungen, und ſeine
Stücke geraten oft in die Gefahr, ins Schwankhafte abzugleiten.
Aber Wolf behüten die Kraft ſeiner Sprache und die Ehrlichkeit
der Geſinnung davor, platt zu werden und das Niveau eines
anſpruchsvollen Bühnenſtückes zu verlieren. So geriet die Anti=
Ziviliſationskomödie „Der Mann im Dunkel”, welche die
ein=
gebildete und nur in der Theorie behauptete Diſtanz dreier vor
dem Mann auf ein fernes Eiland geflüchteter heldiſcher Mädchen
köſtlich ad absurdum führt, zu einem alle Teile befriedigenden
achtbaren Erfolg, an welchem neben dem Spielleiter Dr.
Baum=
gard und dem einfallsſtarken Bühnenmaler Härtlein das
gut aufeinander eingeſpielte Amazonen=Trio der Damen
Ca=
banis, Marenbach und Fränzel ſowie der Herren
Naabe (in vorzüglicher Leiſtung), Uepach und Paul auch
der anweſende Autor teilnehmen konnten.
Durch den plötzlichen Tod des ſeit über 13 Jahren bei den
Eſſener Städt. Bühnen tätig geweſenen Ausſtattungsarchitekten
Carl Wild hat, ebenſo wie durch das kürzliche Hinſcheiden des
Schauſpiel=Oberleiters Hanns Weitag, das Eſſener Theater
einen ſchweren Verluſt erlitten. Steht doch eine Reihe
bedeut=
ſamer Opern= und Schauſpiel=Erſtaufführungen für den April
und Mai bevor. Im Muſikleben der Stadt wird der Mai eine
weſentliche Rolle ſpielen. Neben einem mehrtägigen
Beet=
hoven=Feſt am Ende dieſes Monats wird ein Konzert
Wil=
lem Mengelbergs mit dem Orcheſter des Amſterdamer
Concertgebouw und ein ſinfoniſcher Abend Wilhelm
Furt=
wänglers mit den Berliner Philharmonikern hier ſtattfinden.
Außerdem wird das Wiener Roſé=Quartett in mehreren
Abenden ſämtliche Streichquartette Beethovens zum Vortrag
bringen.
—nn.
Leben und Gedankenwelt großer Naturforſcher. Von Geh.
Medizinal=
rat Prof. Dr. F. Gumprecht. (Wiſſenſchaft und Bildung, Band
252.) Gebunden 1.80 RM. Verlag von Quelle & Meher in Leipzig,
Das vorliegende Buch iſt aus Vorleſungen, die der Verfaſſer in den
letzten Jahren an der Univerſität Jena gehalten hat, entſtanden. Es
wurden für dieſe Lebensbeſchreibungen nur führende Perſönlichkeiten des
19. Jahrhunderts gewählt, die über ihr engeres Fach hinaus eine
Bedeu=
tung für die geſamte Kulturwelt haben, nämlich Alexander von
Hum=
boldt (1769—1856), Hermann Helmholtz (1821—1894), Robert Mayer
(1834—1878), Charles Darwin (1809—1852) und Ernſt Häckel (1834—1919).
Die Lebensbilder großer Männer haben neben ihrem wiſſenſchaftlichen
einen hervorragend erzieheriſchen Wert. Da Perſönlichkeit und Werk
unlösbar mit einander verknüpft ſind, ſo ſind auch die zwiſchen beiden
beſtehenden Wechſelbeziehungen klargelegt. Für die ſachliche Beſchreibung
ſagt der Verfaſſer, iſt Offenheit die erſte Vorausſetzung, der
erziehe=
riſche Wert eines Lebensbildes ſteigt nicht dadurch, daß alle Schwächen
und Unvollkommenheiten überſehen und unterdrückt werden, ſondern
gerade, weil wir in den großen Männern auch Menſchen mit all ihrer
Bedingtheit erkennen erſcheint ihre Größe uns erreichbar und wird
uns ein lebendiges Vorbild. In den hier behandelten Lebensbildern
ſind daher auch die etwaigen Schwächen des Geiſtes und Chrakters und
wiſſenſchaftliche Irrungen frei und offen zugeſtanden. Die Lebensbilder
ſind friſch und anſchaulich geſchrieben, und der Werdegang der berühmten
Männer, die den ſtolzen Bau der Biologie errichtet haben, ihre
wiſſen=
ſchaftliche Bedeutung, Perſönlichkeit und Charakter werden in feſſelnder,
von aller trockenen Gelehrſamkeit ſich fern haltender Darſtellung
geſchil=
dert, ſo daß der Leſer hier Belehrung im Rahmen ſpannender
Erzäh=
lungen empfängt.
W.
Zoege von Manteuffel, Peter, Könige der Scholle. Ein baltiſcher
Ro=
man. 1. u. 2. Auflage. Geheftet 6 Mk., in Ganzleinen gebunden 8Mk.
Das Buch iſt den Ueberlebenden aus „ſturmgepeitſchter baltiſcher
Vergangenheit” dargebracht und erzählt in ruhiger, leidenſchaftsloſer
Weiſe faſt in Form einer Chronik den Kampf und den Tod des
Deutſch=
tums im Baltikum. Wegen dieſer großen Sachlichkeit und weil es auf
eigenem Erleben des Verfaſſers beruht, wirkt es ſo ergreifend,
insbeſon=
dere auch, wenn man bedenkt, wie wenige, der deutſchen Adligen die
bolſchewiſtiſche Sturmflut überlebt haben und wie wenige der Könige
noch auf eigener, altererbter Scholle ſitzen.
Seite 4
Sonntag den 10. April 1927
Rummer 100
Zu Kapitel 61 und 62 des hefſiſchen
Staatsvoranſchlags für 1927.
In den nächſten Tagen wird ſich der heſſiſche Landtag mit
den Kapiteln des Staatsvoranſchlages beſchäftigen, die das
höhere Schulweſen betreffen. Im Intereſſe der Erziehung
unſerer Jugend iſt zu wünſchen, daß ſich der Landtag dabei von
dem Gefühl für die Schwere der Verantwortung leiten läßt, die
der Staat und ſeine Organe in der zukunftswichtigen Frage der
Heranbildung des kommenden Geſchlechtes zu tragen haben.
Dann wird die Beratung dieſer Kapitel in dieſem Jahr unter
günſtigeren Auſpizien erfolgen als im vergangenen Jahr.
Da=
mals unterzog am 27. März 1926, jenem Tag, den die Geſchichte
des heſſiſchen Bildungsweſens einſt als einen ſchwarzen Tag
verzeichnen wird, der Landtag, nachdem er am Kapitel der
Volksſchulen ſtarke Abſtriche gemacht hatte, auch die höheren
Schulen einſchneidenden Sparmaßnahmen, die das
Erziehungs=
werb der Schulen ſchwer erſchütterten.
Die neue Beratung des höheren Schulweſens muß zur
Wiedergulmachung der Schaden führen, die die Behandlung der
Bildungsangelegenheiten bei der Erörterung des letztjährigen
Etats zur Folge hatte; der Landtag ſollte, ferner ernſthafte
Schritte unternehmen, um andere ſchädigende Uebelſtände zu
be=
ſeitigen, deren Wurzeln weiter zurückreichen.
Da ſteht obenan die im vorigen Jahre getroffene
Beſtim=
mung, daß jede zweite freiwerdende Lehrerſtelle
unbeſetzt bleiben ſolle. Dieſe Beſtimmung kennzeichnet
deut=
lich den Geiſt, der den Landtag im März 1926 beherrſchte.
„Sparen” war der einzige Grundſatz, von dem man ſich leiten
ließ. Die ſachliche Rückſichtnahme auf die ſo mechaniſchen
Spar=
maßnahmen widerſtrebende Wichtigkeit und Eigenart der
Bildungsinſtitute trat dagegen zurück.
Die Auswirkung dieſes verhängnisvollen Beſchluſſes laſtete
während ſeiner jetzt einjährigen Wirkſamkeit ſchwer auf dem
Unterrichtsbetrieb unſerer höheren Lehranſtalten. Die
Vertei=
lung des Unterrichts des ausgeſchiedenen Lehrers auf die
übri=
gen Lehrkräfte der Anſtalt iſt unmöglich, weil die heſſiſchen
Philologen ſchon bis zur Ueberbürdung belaſtet ſind. Da aber
die Stelle nicht neu beſetzt werden durfte, kam nur ihre
Verwal=
tung durch einen Anwärter, einen Studienaſſeſſor, in Betracht.
Die finanzielle Erſparnis beſtand alſo nur in der Differenz
wiſchen dem Gehalt eines Studienrats und der Vergütung eines
Studienaſſeſſors. Lohnt es nun dieſe im Zuſammenhang der
Staatswirtſchaft ganz geringfügige Erſparnis, die
Bildungs=
garbeit unſerer höheren Schulen ſchweren Störungen zu
unter=
werfen? Solche Störungen müßten aber die unausbleibliche
Folge ſein, weil oft mit der Einſtellung eines jüngeren
Anwär=
ters eine Verſchiebung der Unterrichtsverteilung in mehreren
Klaſſen einer Anſtalt nötig war, unter der natürlich der
erſprieß=
liche Fortgang des Unterrichts in den betroffenen Klaſſen leiden
mußte.
Die Verwaltung der Stelle des ausgeſchiedenen Studienrats
durch einen Anwärter vermehrt dazu die Schar der Anwärter
denen man die Anſtellung vorenthält, und vergrößert das
Anwärterelend. Da der Finanzausſchuß des Landtags
eine für alle Beamtengruppen gültige allgemeine Regelung des
Zahlenverhältniſſes zwiſchen Feſtangeſtellten und Anwärtern
ab=
gelehnt hat, wird nun einzeln bei den verſchiedenen Kapiteln
des Staatsvoranſchlags dieſes Verhältnis zu prüfen ſein. Dabei
ergibt ſich die beſonders troſtloſe Lage der heſſiſchen
Studienaſſeſſoren auf den erſten Blick. Der
Voran=
ſchlag für 1927 führt in Kap. 61, 61a, 62 670 planmäßige und
174 Aſſeſſorenſtellen auf. Es entfällt alſo auf noch nicht 4 (ge=
nau 3,85) Studienräte ein Aſſeſſor, oder mit anderen Worten:
mehr als ein Fünftel aller benötigten Stellen an ſeinen höheren
Schulen läßt Heſſen durch Anwärter verwalten! Das hat zur
Folge, daß Männer, die nach Lebensalter und Dienſtzeit ſchon
längſt angeſtellt ſein müßten, ſich noch in der unſicheren Stellung
des Anwärters befinden. Um dieſem Unrecht zu ſteuern und
die Verhältniſſe in Heſſen denen in den übrigen deutſchen
Län=
dern anzugleichen, hat vor einiger Zeit der Abgeordnete Dr.
Keller den Antrag auf Ueberführung von 80
Studienaſſeſſoren=
in Studienratsſtellen geſtellt. Da nun aber im Verlaufe des
Rechnungsjahres 1926/27 auf unerklärliche Weiſe nur eine
ein=
zige Anſtellung zum Studienrat erfolgt iſt (neun am 27. 5. 1926
erfolgte Anſtellungen waren die Nachholung verſäumter
Anſtel=
lungen aus dem Rechnungsjahr 1925/26), muß heute aus billigen
Gründen die Vermehrung der Studienratsſtellen um ungefähr
90 gefordert werden. Damit wird erreicht, daß die
Studien=
aſſeſſoren der beiden älteſten Jahrgänge, die bis auf eine einzige
Ausnahme 35 Jahre und älter ſind, dem Staat ſchon über ein
Jahrzehnt Dienſte leiſten und zum größten Teil
Kriegsteil=
nehmer und Fanailienväter ſind, endlich zur Anſtellung kommen.
Wie beſcheiden und deshalb unausweichlich die Forderung auf
Umwandlung von ungeführ 90 Aſſeſſorenſtellen in
Studienrats=
ſtellen iſt", wird klar, wenn man das Datum des
Hochſchul=
examens der heſſiſchen Anwärter, die bei Bewilligung der
For=
derung in Heſſen zur Anſtellung kämen, mit dem Jahrgang des
Hochſchulexamens vergleicht, bei dem die Studienaſſeſſoren
an=
derer deutſcher Länder zurzeit ſchon angeſtellt werden: In Heſſen
wird die Anſtellung der Jahrgänge 1914 und 1915 erſtrebt und
erſt durch 90 neue Stellen erreicht; es ſtellen dagegen zurzeit an
Mecklenburg den Jahrgang 1922, Sachſen 1920/21, Hamburg
1918/19, Baden und Thüringen 1918, Preußen 1917/18, Bayern
1916. So würde Heſſen ſelbſt nach der Vermehrung der Stellen
um 90 noch am Ende der deutſchen Länder marſchieren! Werden
etwa 90 Aſſeſſorenſtellen in Studienratsſtellen umgewandelt,
dann hat endlich auch der Philologenſtand eine Verhältniszahl
zwiſchen Angeſtellten und Anwärtern erreicht, die als
einiger=
maßen normal gelten kann und die nach Ausweis des Kapitels 57
des Staatsvoranſchlags die Volksſchullehrerſchaft ſchon beſitzt.
Die Anſtellung der älteren Studienaſſeſſoren iſt aber nicht
nur eine moraliſche Forderung, ſondern auch ein ſtaatspolitiſches
Gebot. Unter dem Anwärterelend leidet auf die Dauer der
Schulbetrieb und die Qualität der Bildung unſeres Nachwuchſes
Zur vollwertigen Ausübung des ſchweren Berufes des
Jugend=
erziehers gehört mehr als zu anderen Berufen eine innere
Sicher=
hei= und eine abgeklärte Ruhe. Schwer nur werden Männer,
die man in der größten äußeren Unſicherheit hält und die über
das ihnen ſchon jahrelang angetane Unrecht vergrämt ſein
müſſen, jene Eigenſchaften aufbringen. Wenn ſich die
angedeu=
teten Schäden einer verkehrten Anwärterpolitik bisher noch nicht
im Schulbetrieb deutlich zeigten, dann verdankt das der Staat
dem Heroismus, mit dem die Studienaſſeſſoren ihr Geſchick
trugen und in ihrer Dienſtausübung bis heute nichts von ihrer
inneren Verbitterung merken ließen. Eine
verantwortungs=
bewußte Politik ſollte aber den Bogen nicht überſpannen und
die Uebelſtände, die in kurzem zu einer ſchweren Gefährdung
des Erziehungswerkes führen müſſen, abſtellen, bevor die Schäden
offenkundig geworden ſind.
Damit ſind die beiden dringlichſten Forderungen auf dem
Gebiet des höheren Schulweſens umriſſen, gegen die andere
ebenfalls wohl berechtigte Forderungen, wie die der
Herab=
ſetzung der Klaſſenfrequenzen und Pflichtſtundenzahl auf ein die
Durchführung der Schulreform ermöglichendes Maß für heute
zurücktreten ſollen. Erſt wenn der verhängnisvolle
Beſchluß vom Freilaſſen jeder zweiten Stelle
der Vergangenheit angehört und die
Ueber=
alterung der Studienaſſeſſoren durch die Um=
zielſicheren Bildungsarbeit an unſerer Jugend
darſtellt.
Iimer wieder
Anteruchungs=
ausſchuß.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Unterſuchungsausſchuß des Reichstages für die
Unter=
ſuchung des Zuſammenbruches hat am Samstag nach langer Zeit
wieder einmal ein Lebenszeichen von ſich gegeben. Er hat den
Landgerichtsrat Dr. Dobring als Zeugen vernommen, der im
Jahre 1917 die kriegsgerichtliche Unterſuchung gegen die
Marine=
meuterer geführt hat und jetzt den Ueberlebenden, der damals
verurteilten Matroſen gegenübergeſtellt werden ſollte. Eine
merk=
würdige, aber intereſſante Konfrontation. Auf der einen Seite
der Juriſt, der mit nüchternem Verſtande an die Dinge
heranzu=
kommen ſucht, auf der anderen Seite die ehemaligen Matroſen,
die zum Teil zum Tode verurteilt, aber begnadigt wurden. Jr
ihren Köpfen malen ſich die Zuſammenhänge merkwürgig unklar.
Sie haben vielleicht auch in der Zwiſchenzeit die klare
Erinne=
rung verloren, vielleicht haben ſie heute ein Jutereſſe daran, die
Dinge ganz anders darzuſtellen als damals. Aber der
eigent=
liche Punkt, um den es ſich hier dreht, iſt doch nicht die Meuterei,
ſondern iſt die Frage, ob die Meuterer damals aus eigener
Ini=
tiative gehandelt haben oder Hintermänner hatten, die in der
Reichstagsfraktion der Unabhängigen Sozialdemokratie ſaßen
und aher für den Richter ungngreifbar waren. Der
mora=
liſche Angeklagte dieſer ganzen Dinge, iſt der Abg.
Dittmann, der damals der U. S.P.D. angehörte und wo
an=
ders, als in dieſem parlamentariſchen Unterſuchungsausſchuß,
wäre es undenlbar, daß er trotz ſeiner moraliſchen Belaſtung
gleichzeitig als Richter amtiert, daß er darüber hinaus auch noch
den damals meuternden Matroſen Hilfeſtellung gibt und die
Ausſagen des Unterſuchungsrichters zu entkräften ſucht. Dazu
ſind ihm alle Mittel recht. Er muß ſich in der Sitzung ſelbſt
nachweiſen laſſen, daß er aus einem Brief dieſes Richters bewußt
Sätze wesgelaſſen hat und dadurch den Zuſammenhang verdrehte!
Klarheit in juriſtiſchem Sinne iſt auch durch dieſe
ſechsſtün=
dige Zeugenvernehmung nicht geſchaffen, aber für den, der
nüch=
tern ſehen will, ſteht der Tatbeſtand im weſentlichen feſt. Die
Meuterer möchten heute gerne das, was ſie damals taten, als
Hungerrevolte erſcheinen laſſen, obwohl ſie zugeben müſſen, daß
ſie ſatt zu eſſen hatten, obwohl auch durch einen anderen Zeugen,
der bis 1916 im Schützei graben war und dann zur Flotte kam,
bezeugt wird, daß ihm das Leben und die Verpflegung auf der
Flotte gegenüber der Front wie ein Himmelreich erſchien. Die
Meuterer leugnen jede Verbindung mit der U. S.P.D, ſie
leug=
nen, daß ſie ein Programm gehabt haben. Die Protokolle
er=
gaben das Gegenteil. Ein Zeuge bekundet zudem, daß der
er=
ſchoſſene Reichpietſch ihm wörtlich erklärt habe: „Mir bann nichts
paſſieren, hinter mir ſtehen Abgeordnete!” Recht merkwürdig iſt
dazu noch, daß im Ausſchuß planmäßig verhindert wurde, neben
dem Unterſuchungsrichter Dobring ſeine beiden Protokollführei
als Zeugen heranzuziehen, die ſeine Darſtellung hätten befeſ.
können. Da aber ſeine Ausſagen jetzt gegenüber denen der ſ
Matroſen ſtanden, läßt ſich ermeſſen, wie ſtark die Kräfte im
Aus=
ſchuß ſind, die ein Intereſſe daran haben, die Enthüllung der
pbjektiven Wahrheit zu verhindern.
9t
Seilbeltes diatt
— Jedermann weiß, daß die moderne Lebensweise mit
Schwarztee, Kaffee, scharfen Gewürzen, Nikotin und
anderem, die das ganze Jahr hindurch tast tagtäglich
genommen werden, den Blutstrom und die Sätte mit
tet
giftigen Stoffen beladen. Nicht minder tragen auch
Abfallstoffe und Schlacken aus übermäßigem
Fleisch-
genuß, einseitiger Ernährung, Mangel an Bewegung
K in triseher Luft nährend der Wntermonate hiermu
bei. Alle Gifte, die sich im Körper angesammelt haben,
wachen meist plötzlich auf und erzeugen Krankheiten. Welche
Be-
deutung schlechte Säfte bei Krankheiten und Operationen haben,
ist genügend bekannt.
Es gibt Leute, die, ohne bettlägerig zu sein, doch fast immer unwohl
sind, sie haben keinen Appetit, sind verstopft, auf der Brust und im
Magen fühlen sie sich voll und beklemmt, und im Kopt ist Hitze und
Weh, der Schlaf ist unruhig und voller Träume. Eine ganze Reihe
Krank-
heiten, besonders Gicht, Rheumatismns, Zuckerkrankheit, Fettsucht,
Blutarmut und Bleichsucht, viele Hautkrankheiten, Hämorrhoiden,
Gallen- und Leberleiden, Blasen- und Nierenleiden, Stuhlverstopfung,
Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Arterienverkalkung, Herz- und
Nerven-
leiden und viele andere sind oft nur die Folge von schlechter Blut-
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Säfte entg ftet, entsäuert, reinigt, und auffischt und von kranken,
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hockten Stoffen befreit. Ganz be onders sei dies solchen empfohlen, die
an Verstopfung leiden Beginnen Sie jetzt die Kur, Sie werden den
Unterschied in einigen Tagen merken — Kraft, Lebensmut und
Frohsinn ziehen wieder in den Körper, und wie neugeboren geht
der gesamte Organismus aus der Kur hervor, einfach, weil das Blut
wieder rein und gesund, hell und klar durch die Adern tließt und alle
Organe mit gesundem, gereinigtem, lebenspendendem Lebenssaft ernähren
kann. Warten Sie aber mit dieser Kur nicht, bis Sie krank sind, sondern
trinken Sie diesen wohlschmeckenden Tee jetzt an Stelle sonstiger Morgen-
und Abendgetränke; er kostet Sie ja dann gar nichts Eine häusliche
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Nummer 100
Sonntag, den 10. April 1927
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 10. April.
— Ernannt wurden: am 19. März 1927: der Schulamtsanwarſer
Karl Hirchenhain aus Offenbach=Bürgel mit Wirkung vom 1. April
1927 ab zum Lehrer an der Volksſchule zu Rohrbach, Kr. Büdingen;
am 4. April 1977: der Lehrer Karl Moxter zu Gonterskirchen, Kreis
Schotten, zum Lehrer an der Volksſchule zu Dudenhofen, Kreis
Offen=
bach; der Lehrer Otto Opp zu Offenbach=Bürgel zum Lehrer an der
Volksſchule zu Neu=Fſenburg, Kreis Offenbach.
— Landesamt für das Bildungsweſen. Erledigt iſt eine Lehrerſtelle
für einen evangeliſchen Lehrer an der Volksſchule in Framersheim,
Kreis Alzey. Dienſtwohnung iſt vorhanden.
— Die Heſſiſche Lehr= und Verſuchsanſtalt für Wein= und Obſtbau
zu Oppenheim a. Rh. hat ihre diesjährige Nebveredlung in den
Treib=
häuſern des Orangeriegartens zu Beſſungen am vergangenen
Donners=
tag mit 85 Rebveredlern, meiſtenteils Schiler der Anſtalt, begonnen.
* Seinen 70 Geburtstag feiert am 11. April in voller Tätigkeit und
unermüdlicher Schaffensluſt der ſowohl in allen techniſch=chemiſchen
Fach=
kreiſen wie ganz beſonders auch bei den Mitgliedern des
Ortsgewerbe=
vereins und der Handwerkervereinigung in größtem Anſehen ſtehende
Darmſtädter Chemiker Profeſſor Dr. Wilhelm Sonne. Sein
Lebenswerk iſt auf das Engſte mit dem raſchen Aufblühen und dem
un=
gemein verdienſtvollen Wirken der in Darmſtadt (Heinrichſtraße 56)
befindlichen Chemiſchen Prüfungsſtation für die
Ge=
werbe verknüpft, in die er am 1. Januar 1886 als 1. Aſſiſtent
ein=
getreten war. Zuvor hatte er ſich durch fünfjähriges Studium in
Darm=
ſtadt und Würzburg (1874—1880), wo 1881 ſeine Doktor=Promotion er
folgte, und durch fünf praktiſche Ausbildungsjahre in Marburg a. d. 9
und Winkel a. Rh. die gründliche ſelbſtändige Beherrſchung des ſich
rapid entwickelnden und ſtändig komplizierter nerdenden Arbeitsfeldes,
das alle chemiſchtechniſchen Forſchungszweige umfaßte, erworben.
Als=
bald übernahm er als Direktor die Oberleitung der „
Prüfungs=
ſtation”, um vermöge ſeiner raſtloſen Energie und
Dispoſitions=
gewandtheit dies Inſtitut ſeiner jetzigen hohen Entwicklungsſtufe
ent=
gegenzuführen. Gleichzeitig war er ſchon ſeit 1891 als Privatdozent für
techniſche Chemie an der Techniſchen Hochſchule für ſeine Wiſſenſchaft
tätig. Durch die Ernennung zum Profeſſor ward er 1901 ausgezeichnet.
Auch als Fachſchriftſteller hat Prof. Dr. W. Sonne, der im Laufe
des Jahres 1924 in den wohlverdienten Nuhsſtand getreten iſt, ſich einen
hochgeachteten Namen gemacht. Die ſtattliche Zahl ſeiner
wiſſenſchaft=
lichen Publikationen hier aufzuſühren, verbietet der Raum doch ſei
daraus die 1926 erſchienene „Neue chemiſche Analy
der
Kaiſer=Friedrich=Quelle in Offenbach a. M.
hervor=
gehoben. Ohne Unterbrechung lag auch die Leitung des Vortragsweſens
im Ortsgewerbeverein und der
Handwerkervereini=
gung Darmſtadt in ſeiner bewährten Hand, wodurch er ſich, ebenſo
wie durch ſeine Tätigkeit im Vortrags= und Preſſeausſchuß des Heſſ.
Landesgewerbeverbandes uneingeſchränkte Anerkennung von
allen Seiten erwarb. Seine reifen Jahre hinderten ihn nicht im
min=
deſten im Jahre 1996 die von der Handwerkskammer ins Leben
ge=
rufenen Holz= und Beizkurſe zu organiſieren, die unter ſeiner
Mitleitung im Ernſt=Ludwigshaus auf der Künſtlerkolonie abgehalten
werden. Möge dem trotz ſeiner reichen Wirkſamkeit anſpruchslos
ge=
bliebenen, ideal denkenden Gelehrten noch eine lange Reihe von Jahren
freudefrohen Schaffens beſchieden ſein!
Hefſiſches Landestheater. Nachdem nunmehr „Rheingold” und
„Walküre” in neuer Inſzenierung gegeben wurden, wird am
Oſter=
ſonntag, ebenfalls in vollſtändig neuem ſzeniſchen Gewande, „
Sieg=
fried” im Spielplan erſcheinen. Die Aufführung, die unter der
muſika=
liſchen Leitung von Generalmuſikdirektor Joſeph Roſenſtock ſteht, wird
von Oberregiſſeur Hans Esdras Mutzenbecher in Szene geſetzt.
Vor=
ausſichtlich Anfang Mai wird ſich eine Neueinſtudierung der „
Götter=
dämmerung” anſchließen, ſo daß gegen Ende der Spielzeit an eine
zyk=
liſche Aufführung des „Ringes” gedacht werden kann. Im Schauſpiel
wird als nächſte Neuheit noch im Laufe des Monats April Grabbes
Luſtſpiel „Scherz, Satire, Fronie und tiefere
Bedeu=
tung” in der Inſzenierung von Jacob Geis herauskommen. Vorher
bringt die Heſſiſche Spielgemeinſchaft am Eude der kommenden Woche
eine Uraufführung, und zwar ein kürgerliches Schauſpiel aus der
Re=
formationszeit „Der verlorene Sohn aus Heſſen”
von
Bunkard Waldis in der von Dr. Ernſt Leopold Stahl beſorgten
Er=
neuerung.
—
Volksbühne. „Der Tod des Empedokles” Tragödie von
Hölder=
lin, in der tegtlichen Bearbeitung von W. Michel, wird den
Mitglie=
dern der Gemeinde „G” am 12. ds. Mts. und „Iphigenie”, Schauſtziel
von Goethe den Mitgliedern der Gemeinde P am 17. ds. Mts. gegeben.
Hierüber hält Herr Schriftſteller Wilhelm Michel einen
Einführungs=
vortrag am 11. April, abends 8 Uhr, im Mozartſaal, Schulſtraße 8.
Eintritt iſt frei. Gäſte ſind willkommen. — Weiter ſind in Ausſicht
genommen für die Mitglieder der Gemeinde „K” am 20. April „Haus
Herzenstod” und für die Mitglieder der Gemeinde „P” am 26. April
„Die Gezeichneten”. Oper von Franz Schreker. Im Monat Mai ſind
die „Meiſterſinger” für die Mitglieder der Gemeinde „B” vorgeſehen.
— Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft. Auf Veranlaſſung des
Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſtellervereins trägt Karl Kurt
Wagner, Gießen, am nächſten Dienstag, 8 Uhr, im Kaiſerſaal ſein
Drama „Der Spielmann Gottes” vor, deſſen Uraufführung
bevorſteht. Unſere Mitglieder ſind zu dieſer intereſanten Erprobung
eines jungen Talents wärmſtens eingeladen. Die Teilnahme iſt
un=
entgeltlich. Als eigene Veranſtaltungen bringt die Freie Literariſch=
Künſtleriſche Geſellſchaft am 22. April einen Nezitationsabend der
aus=
gezeichneten Vortragskünſtlerin Elſe Johannſan=Hamburg und am
2. April ein Gaſtſpiel von Labans Kammertanzbühne im
Kleinen Haus des Landestheaters.
Deutſcher Beamtenbund, Ortskartell Darmſtadt, ſchreibt uns:
Eine Geſellſchaft, die ſich „Bekleidungs=Geſellſchaft ſür deutſche Beamte
A.=G. Anſtalt des Deutſchen Beamten=Wirtſchaftsbundes, Berlin”
be=
zeichnet, veranſtaltet in der Zeit vom 11. bis 14. April 1997 in
Darm=
ſtadt im Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2. eine Warenausſtellung. Wir
legen Gewicht darauf, zu erklären, daß das Ortskartell Darmſtadt des
Deutſchen Beamtenbundes mit dieſer Veranſtaltung nichts zu tun hat.”
Die Darmſtädter Bankenvereinigung gibt bekannt,
daß ſie
zu=
folge des Reichstarifvertrages für das deutſche Bankgewerbe ihre
Ge=
ſchäftsräume am Samstag, den 16. April (Oſterſamstag),
ge=
ſchloſſen hält.
— Kirchengefangverein der Evangeliſchen Martinsgemeinde. Am
Dienstag, den 12. April. abends 8 Uhr, findet in der evangeliſchen
Martmskirche eine Wiederholung der im vorigen Jahre mit ſo
gro=
ßem Erfolg aufgeführten Johannes=Paſſion von Händel für Chor,
Orgel, Orcheſter und Solis ſtatt. Eintrittskarten ſiehe Anzeige.
— Heſſiſcher Automobil=Club Darmſtadt. Bericht über die
1. glubtour. Wenn auch der Wettergott gerade keinen
Sonnen=
ſchein beſchert hatte, ſo gab doch das richtige Aprilwetter der erſten
Klub=
tour des Heſſiſchen Autvmobil=Clubs einen eigenartigen Reiz. Ueber 50
Mitglieder mit 16 Wagen fanden ſich zu gemütlichem Zuſammenſein für
einige Stunden in Lichtenberg ein. Als die Dunkelheit hereingebrochen
war, brach man auf, um in geſchloſſener Fahrt wieder Darmſtadt zu
er=
reichen. Es war ein impoſanter Eindruck, die Wagenreihe mit ihren
Scheinwerfern ſich durch die Berge und Täler hinſchlängeln zu ſehen.
Im Korſo ging es durch die Rheinſtraße nach dem Klubheim, wo die
Teilnehmer mit noch anderen Klubkameraden, die ſich inzwiſchen
ein=
gefunden hatten, den Abend zum vergnügten Abſchluß brachten.
—Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Nächſter Vortragsabend Donnerstag, abends 8½ Uhr, im
Eintracht=
ſaal, Eliſabethenſtraße 12. Es ſpricht unſer Heimatdichter Herr Robert
Schneider, über „Ernſt Elias Niebergall” mit beſonderer Berickſichtigung
von deſſen beiden Lokalſtücken. Herr Schauſpieler Eduard Göbel wird
entſprechendes rezitieren.
Zum Beiſchreiben der 20%igen
Aufwertungs=
beträge sind bereits aufgerufen die
Sparbücher Nr. 1—140000
Für die Woche von Montag, den 11. April,
bis Donnerstag, den 14. April einſchließl.
(Oſierſamstag, den 16. April, iſt die Kaſſe
geſchloſſen), werden hiermit neu
aufge-
rufen die
Sparbücher Nr. 140001—150000
Kaſſeſiunden: Vormittags von 8 bis 1 Uhr
Nachmittags von 3 bis 4½½ Uhr.
(St. 6195
— Annahmeſielle im 1. Stock. —
Städtische Sparkasse Darmstadt
— Darmſtädter Juriſtiſche Geſellſchaft. Der zweite
Vortrags=
abend findst am Mittwoch, den 13. April. im Städtiſchen Saalbau
(Gartenſaal), diesmal bereits um 7.30 Uhr. ſtatt. Herr Senatspräſident
Dr. Derſch=Berlin wird über das Arbeitsgerichtsgeſetz ſprechen.
Unſe=
ren Mitgliedern und Intereſſenten geben wir davon Kenntnis mit dem
Anfügen, daß anläßlich des Vortrags Gelegenheit zum Erwerb der
Mit=
gliedſchaft geboten iſt.
— Alldeutſcher Verband. Wir machen unſere Mitglieder auf unſere
nächſte Monatsverſammlung am Dienstag, den 12. April, um
8 Uhr abends, im Weißen Saale bei Chriſt (Grafenſtraße 20) mit
Vor=
trag: „Bismarck und Streſemann” aufmerkſam. Freunde und
Gäſte ſind willkommen. (Siehe Anzeige.)
Coués Vermächtnis. Der durch ſeine intereſſanten Vorträge
be=
kannte Pſychologe Rud. Hagen aus Köln, z. Zt. Frankfurt a. M., wird
am Mittwoch, den 13. April, abends, im Fürſtenſaal, Grafenſtraße, einen
Lichtbilder=Vortrag über „Coué” halten, worin zum erſten Male
Coues Vermächtnis im Lichtbild gezeigt wird.
EISSCHRANKE
Ab Lager lieferbar. 16 verschiedene Ausführungen.
Mit Zink oder Glasplstten ausgelegt.
(6262
eintdrig Mk. 62,50 bis 180.—, zweitürig Mk. 175.— bis 280.—
PHILIPP SCHAAF, Ernst-Ludwigstr. 20
Fachgeschäft für gediegenen Hausrat, Küchen-Ausstattungen.
— Orpheum. Auf die heutige Abſchiedsvorſtellung, abends 8 Uhr
des Künſtlerpaares Marga Peter — Guſtav Bertram nebſt
Enſemble, ſei nochmals hingewieſen. Der Kartenverkauf findet ſtatt:
Verkehrsbüro von 9—12 Uhr ſowie Kaſſe des Orpheums ab 3 Uhr.
Tele=
phoniſche Beſtellungen unter Nummer 389. (Siehe heutige Anzeige.)
— Ein Balladenabend findet heute abend 8 Uhr bei freiem Eintritt
im Heim des Chriſtl. Vereins Junger Männer,
Alexander=
ſtraße 22, ſtatt. Sekretär Gedat rezitiert moderne, erzählende
Dich=
tungen. Jedermann, vor allem junge Männer, ſind willkommen.
— Stadtmiſſion. Das am Sonntag (Okuli) aufgeführte
Dekla=
matorium: „Die Chriſtengemeinde zu Laodizea” hat auf die ſehr
große Beſucherzahl einen ſo tiefen, nachhaltigen Eindruck gemacht, daf
den ſehr vielen Bitten um Wiederholung am Sonntag abend 8½4 Uhr
ſtattgegeben werden ſoll. Eintritt frei.
— Die Auszahlung der Sozialrentnerunterſtützung erfolgt mit
Rück=
ſicht auf die Oſterfeiertage bereits am Mittwoch, den 13. April,
vormittags bei der Stadtkaſſe, Grafenſtraße.
* Vortrag in der Buchandlung Schroth. Freitag abend hielt Herr
Dr. R. Plattenſteiner aus Wien eine Beethoben=Gedenktede in den
Räumen der Buchhandlung Schroth in der Rheinſtraße. Der Redner
führte hierin etwa aus: Die Haupt=Beethovenfeiern ſind verklungen;
wir wollen nun das Leben Beethovens vom Geſichtspunkt des deutſchen
Menſchen aus betrachten. Der Einfluß der Lebendmaske Beethobens
hat unſere Auffaſſung über den Meiſter weſentlich beeinflußt. Die
Zeit=
genoſſen haben vielfach Karikaturen Beethovens zur Hand genommen;
wir haben uns in den letzten Jahren angewöhnt, nur den titanenhaften
Menſchen Beethoven in uns aufzunehmen. Man ſollte aber den Humor
Beethovens nicht überſehen, ſein Lachen in Burlesken und vor allem
nicht das weltferne Lächeln. Lächeln in dieſer Weiſe kann nur ein
Ueber=
winder. Beethovens Schaffen iſt nicht ohne Zuſammenhängg mit der
Kunſt der Zeitgenoſſen und Vorläufer. Die F=Moll=Sonate Bachs iſt
eine Vorbedingung für Beethovens Kunſt, ebenſo die C=Moll=Sonate
Mozarts. Die Orcheſterbeſetzung hat Beethoven von Mozart
übernom=
men; wvo das Blasinſtrument in der Kammermuſik verwendet wird, hat
z. B. Beethoben Mozart nicht übertroffen. Er hat jedoch den Inhalt
der Muſik geſteigert durch ſeine Leidenſchaftlichkeit.
Entwicklungsgeſchicht=
lich kann man ſagen, daß ein Tonheld übernommene Formen mit nuuem
Inhalt erfüllte. Sein Charakter und die Ueberwindungskraft ſeiner
Seele ſind die Grundurſachen, daß Beethoven noch nach 100 Jahren
ſo gefeiert worden iſt. Seine Erziehung war bei aller Härte, die
ein=
ſeitige Grziehung des Genies; bei vielen Bildungsmängeln darf man ihn
aber nicht ungebildet nennen. Weſentlich für die Beurteilung Beethovens
iſt, daß er ein Gottſucher war. Im gewöhnlichen Sinne religiös war er
nicht, ſondern ſein Glaube war ein großzügiger Pantheismus. Das
Myſtiſche und die Erlöſungsidee waren außerordentlich mächtig in ihm.
Er war ein Ueberwinder und hat ſich unter großen Mühen am Wiener
Hof gegen dio italieniſche Muſik durchgeſetzt; er mußte alſo den
über=
nommenen Stil überwinden. Er hatte zu kämpfen, fortwährend geſtört
in ſeiner inneren Sammlung, für ſeine Verwandten, namentlich für
ſeinen Neffen Karl, der höchſt undankbar an ihm gehandelt hat. Seine
Ueberwinderkraft hat ihn zu einem Menſchen werden laſſen, der
Leid=
geprüften viel geben kann. Wir haben in der Gegenwart viel Leid erlebt,
darum ſtehen wir ihm wieder näher, und darum iſt er jetzt auch ehrlich
gefeiert worden. Er hat die tiefere religiöſe Kraft gehabt und hat ſein
Schickſal überwunden, während wir wohl verbittert wären. Er hat
„ſtrebend ſich bemüht” immer bewußt der Erlöſungsmöglichkeit. Was
kann Beethoven uns modernen Menſchen geben?. Die Antwort gibt
Grillparzer in ſeiner Grabrede auf Beethoven, in der das Ringen
Beet=
hobens um ſeine Ideale geſchildert wird. Wenn der deutſche Menſch
erlöſt werden ſoll, ſo gibt es einen Weg, wenn er die Menſchen
voran=
ſtellt, die den Charakter und die Tat uns vorgelebt haben. Sie können
uns die Volksgemeinſchaft bringen. In der Sprache der Tonkunſt können
wir uns einigen; Beethoven hat uns dieſen Weg gewieſen. Lernen wir
von ihm großen Zielen nachſtreben, des Erlöſungsweges bewußt. und
lernen wir von ihm die Weltüberwindung! Im Anſchluß an dieſen
gedankentiefen Vortrag rezitierte der Redner eine Reihe von Dichtungen
auf Beethoven; ſie ſollen, wie er angab, als Verſuche gewertet werden,
muſikaliſche Schöpfungen des Meiſters anzudeuten. In dieſer Weiſe
wurde die C=Moll=Symphonie, die Leonoren=Ouvertüre, die Paſtoral=
Symphonie, die 7. und 9. Symphonie ſowie die Fauſt=Symphonie oder
Stimmungen daraus gedeutet in dichteriſcher Verarbeitung. Dr.
Platten=
ſteiner, ein älterer Herr mit durchgeiſtigten Geſichtszügen, liebte es,
ſo=
wohl in ſeiner Rede, wie in den Rezitationen eimen pathetiſchen Ton
anzuſchlagen, der manchmal fehl am Platz war, vielfach, jedoch
außer=
ordentlich eindringlich auf die ſtattliche Zuhörerſchaft einwirkte, Ueber
die Deutungen kann man nicht mit dem Verfaſſer der Dichtungen
hym=
niſchen Charakters rechten, denn die Freiheit der Auffaſſung muß man
ihm zugeſtehen. Sie waren nicht immer ungezwungen, aber ſtets
eigen=
artig, gedankenreich und in wohllautende ſppachliche Form gefaßt. Der
Abend ſchloß mit lebhaſten Beifallstundgebungen des Publikums.
— „Totentanz=Aufführung” der Nerother. Die Spielſchar der
Nerother, unter Leitung von Robert Oelbermann, alte, liebe Bekannte
mit friſch=frohem Jungengeiſt, kehren am nächſten Dienstag, 12. April,
wieder einmal bei uns ein, diesmal nicht, um Kunde von ihren
um=
fangreichen Wanderfahrten zu geben, ſondern zur Aufführung des
„Totentanzes” von Alois Johann Lippl. Ein mittelalterliches
Myſterienſpiel, nach Holzſchnitten bearbeitet tiefgründig in ſeinem
Inhalt und packend in der Aufführung. Myſterienſpielen wohnt etwas
eigenantiges inne, ſind ſie doch Werke aus dem Volle und für das
Volk und darum vor allem hinterlaſſen ſie nachhaltige Wirkung auf die
Miterlebenden. Die Nerother Spielſchar, die auf ihrer Spielfahrr
durch Deutſchland, Schweiz und Oeſterreich in ihrer eigenen Art
be=
reits gute Erfolge erzielen konnte, wird auch hier nicht ſo leicht
ver=
geſſen werden. Wir verweiſen auf die heutige Anzeige.
— Sterbekaſſeverein „Einigkeit 1‟ Darmſtadt. Die 37.
General=
verſammlung des Sterbekaſſevereins „Einigkeit !” erfreute ſich guten
Beſuches und wurde von dem 1. Vorſitzenden. Herrn J. Storck geleitet.
Er gedachte zunächſt der im Laufe des verfloſſenen Jahres verſtorbenen
Mitglieder, deren Gedenken durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde.
Im Anſchluß hieran erſtattete der 1. Schriftführer den Tätigkeitsbericht.
Dem Rechenſchaftsbericht iſt zu entnehmen, daß eine rege Tätigkeit im
vergangenen Jahre ſtattgefunden hat. Der Mitgliederbeſtand betrug
am 1. Januar 1927 642, der Beitrag pro Sterbefall beträgt 50 Pf., die
ausbezahlte Sterberente 260 Mk. Es betrugen die Einnahmen: 5310
Mk., denen an Ausgaben 40B8 Mk. gegemüberſtehen. Dem Rechner, Herr
Fr. Kilian, wurde Entlaſtung erteilt und ihm für ſeine muſtergültige
Kaſſenführung der Dank abgeſtattet. Die Wahl des erſten Vorſitzenden
ſowie der übrigen Vorſtandsmitglieder brachte keine weſentlichen
Aen=
derungen, ein erfreuliches Zeichen des Dankes für die geleiſtete Arbeit.
Neu in den Vorſtand kam Herr W. Bauer als Beiſitzer. Am Ende der
Verſammlung dankte der Vorſitzende für den zahlreichen Beſuch und
ſchloß mit dem Wunſche, daß der Verein auch im neuen Jahre blühen
und gedeihen möge zum Segen der Mitglieder und zum Wohle des
Vereins. Intereſſenten, welche dem Verein beizutreten wünſchen, erhalten
koſtenlos Rat und Auskunft durch die Herren J. Storck, Techn.
Hoch=
ſchaule, Fahrradgeſchäft Ga. Hahn, Gr. Ochſengaſſe, ſowie durch den
Nechner Fr. Kilian, Feldbergſtraße 89.
Kirchliche Nachrichten. Stadtkapelle. Vormittags 8½ Uhr:
Morgen=
andacht. Pfarrer Vogel. — Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer=
Vogel. — Vorm. 11½4 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogel.
Oſterpaketverkehr. Die Deutſche Reichspoſt bittet, mit der
Ver=
ſendung der Oſterpakete möglichſt frühzeitig zu beginnen, damit
An=
häufungen in den letzten Tagen vor dem Feſt vermieden werden, die
Verzögerungen zur Folge haben. Es empfiehlt ſich, die Pakete gut zu
verpacken, die Aufſchriſt haltbar anzubringen und den Beſtimmungsort
unter näherer Bezeichnung der Lage beſonders deutlich niederzuſchreiben.
Ferner darf nicht unterlaſſen werden, auf dem Paket die volſtändige
Anſchrift des Abſenders, auch Hausnummer, Gebäud teil und
Stock=
werk, anzugeben und in das Paket obenauf ein Doppel der Aufſchrift
zu legen.
Ta
W
Aec
O
An
enhäuge Taaflelksändele!
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2
Of macht es uns Kopfschmerzen, was wir dem Freunde,
A
Odler der Dae dles Versens schenten sollen. Micht iumer
S-.,
sind kostspielige Haben angebracht.
Do man Verstängnis ſir eine liebevol gefetigte Fgart.
voraussetzen dart, wid eine Seschenkpackung SHassarp Kitter
mit dem rotseiclenen oder Massarv. Delf mir dem aporten
türkistarbenen Mlundstück als feinsinnige Überraschung-)
enpfunden werden
Urteilen Sie selbst
MassarvRitter
GOLD- u. SEIDENMUNDST.
(
Miersfars Lodck
B=
Massary-Ligarelien Fabrik Akien Gesellschaft Berin 842. Generalverkreler: Brieh Köppler, Frank turt a. M. Sanduen 447. Vernspr.: Caralus 47672.
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Sonntag, den 10. April 1922
Nummer 106
Diſte Johreſſung der Heſchen Induſie.
und Handelskammer Darmſiadt
am 5, April 1927.
Zunächſt wurde Bericht erſtattet über die zwiſchen den Heſſiſchen
und den Heſſen=Naſſauiſchen Induſtrie= und
Han=
delskammern zwecks gemeinſchaftlicher Zuſammenarbeit
voreinbar=
ten Nichtlinien. Die Kammer begrüßt durchaus eine zweckmäßige
Zu=
ſammenarbeit, die ſich zum großen Teil aus der Gemeinſchaftlichkeit der
Fragen für die beiderſeitigen Gebietsteile ergibt. Selbſtverſtändlich
weden die ſpeziellen Intereſſen der einzelnen Bezirke von den
zuſtän=
digen Kammern nach wie vor mit Nachdruck wahrgenommen werden.
Bezüglich der Mitteilungen der Heſſiſchen Induſtrie=
und Handelskammern, die zweimal monatlich erſcheinen, werden
Verhandlungen geführt mit dem Ziel, dieſe Zeitſchrift noch weiter als
bisher zu einem weiteſte Kreiſe intereſſierenden heſſiſchen
Wirtſchafts=
organ auszubauen.
Der Heſſiſche Induſtrie= und Handelskammertag hat beſchloſſen, daß
ſich in Zukunft der Tätigkeitsbereich der von den Kammern
be=
eidigten öffentlich angeſtellten Sachverſtändigen nicht mehr allein
auf den jeweiligen Kammerbezirk, vielmehr auf das ganze heſſiſche
Staatsgebiet erſtrecken ſoll. — Wegen der Einrichtung der
Arbeits=
gerichte in Heſſen hat die Kammer mit den übrigen Heſſiſchen
In=
duſtrie= und Handelskammern und den ſonſtigen Beteiligten eingehende
Beratungen gepflogen, die zu einem Antrag an die zuſtändigen
Mini=
ſterien bezüglich der Organiſation der für das ganze Land nach dem
Reichsarbeitsgerichtsgeſetz vom B. Dezember 1926 einzurichtenden
Ar=
beitsgerichte I. und II. Inſtanz geführt haben. Hiernach follen für den
Bezirk der Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt Arbeitsgerichte
in Darmſtadt, GroßGerau, Bensheim und Michelſtadt eingerichtet
werden.
Bei einer Sitzung des Südweſtdeutſchen Handelskammerausſchuſſes
für Hotelgewerbe und Fremdenverkehr in Frankfurt a. M. war dia
Kammer vertreten. Hier wurde gegen die alzu weitgehende
Aus=
breitung ſog. gemeinnütziger Heime Stellung genommen.
Ein zu dieſem Zweck gewählter Sonderausſchuß wird nähere Vorſchläge
ausarbeiten, die die beſtehende mitunter anfechtbare Konkurrenz mancher
Heime, die ſich in der Aufnahme von Gäſten nicht die eigentlich
ſelbſt=
verſtändliche Beſchränkung auferlegen, eindämmen ſoll. — Ein von der
Kammer eingebrachter Antrag betr. grundſätzliche Verbeſſerungen im
Schnellverkehrzwiſchen dem volkreichen Rheinland=
Weſtfalen einerſeits und den auf den
Fromdenver=
kehr beſonders angewieſenen ſüdweſtdeutſchen
Gebieten andererſeits fand einſtimmige Annahwe der
Ver=
ſammlung.
Im Steuerausſchuß der Heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammern
wurde der von dem Landtag mittlerweile zum Geſetz erhobene
Ent=
wurf eines Vorauszahlungsgeſetzes für das
Rech=
nungsjahr 1927 eingehend beraten. Die Stellungnahme der
Heſſiſchen Induſtrie= and Handelskammern iſt ſowohl den Fraktionen des
Landtags wie der heſſiſchen Regierung unterbreitet worden. In
Anbe=
tracht der Dringlichkeit wurde auch eine Veröffentlichung in der Preſſe
vorgenommen. Ziel der von den Kammern gemachten
Abänderungsvon=
ſchläge war es, die in dem Geſetz vorgeſehenen Beſtimmungen wegen
Ermäßigung der Vorauszahlungsbeträge für 1927 auf eine beſſere
Grund=
lage zu ſtellen ſowie zu erreichen, daß Ermäßigungen oder Stundungen
der ſtaatlichen Gewerbeſteuer ſich ohne weiteres auf die kommunalen
Gewerbeſteuern auswirken. Es wird weiter zu erwägen ſein, ob dieſes
Ziel nicht noch durch entſprechende Ausführungsbeſtimmungen des
Heſſi=
ſchen Finanzminiſteriums erneicht werden kann. — Die
Grundvoraus=
ſetzungen für eine reichsrahmengeſetzliche Regelung der Realſteuern
wurden näher unterſucht und die Wünſche des hieſigen Bezirks hierfür
feſtgelegt. — Behandelt wurde auch die Frage der Einführung
von freiwilligen kaufmänniſchen
Lehrlingsprü=
fungen. Man kam hier zu dem Ergebnis, daß eine Uebertragung
eines gleichſam zünftleriſchen Weſens auf kaufmänniſche Verhältniſſe
nicht angezeigt erſcheine, zumal durch notwendigerweiſe mehr oder minder
ſich auf techniſche Fächer beſchränkende Prüfungen die wahre Eignung
zum Kaufmann nicht feſtgeſtellt werden kann. —
Die häufig für Poſtbeförderung etwas zu kurzen
Aufent=
halte der Poſtzüge in Bensheim haben gewiſſe Mängel
hervorgerufen, um deren Abſtellung ſich die Kammer im Verein mit
der Poſt= und der Bahnverwaltung bemüht hat. — Des weiteren hat die
Kammer Schritte eingeleitet, um einen glatten Uebergang der
nord=
deutſchen Nachtpoſt in Hanau auf den Morgenpoſtzug der
Odenwaldbahn ſicherzuſtellen.
Die Errichtung eines Notariats in Michelſtaht
wurde dem Wunſch der dortigen Wirtſchaftskreiſe entſprechend
unter=
ſtützt. Es ſteht zu hoffen, daß die Juſtizverwaltung dieſem
wohlbegrün=
deten dringenden Wunſch in aller Bälde Rechnung trägt. — Bei der
Gemeinde Nauheim und dem Kreisamt Groß=Gerau waren Vorſtellungen
dagegen notwendig, daß bei dem geplanten Ausbau des
Nau=
heimer Obſt= und Gemüſemarktes die Gemeinde ſich über
den Rahmen der eigentlichen Gemeindeaufgaben hinaus beteiligt.
Ins=
beſondere muß die Anſchaffung gemeindeeigner Transportmittel als
bedenklich bezeichnet werden. Eine unmittelbare Anteilnahme der
Ge=
meinde beim Handel dunch eigenen Ankauf von Obſt und Gemüſen würde
über den Rahmen gemeindlicher Tätigkeit zweifellos ebenfalls
hinaus=
gehen. Gs darf erwartet werden, daß die zuſtändige Stellen auf die
Gemeinde im Sinne einer entſprechenden Beſchränkung auf ihre eigenen
Aufgaben einwirken. —
Ein aufſchlußreicher Bericht wurde über die letzte Sitzung des
Hauptausſchuſſes des Deutſchen Induſtrie; und
Handelstags erſtattet. Neben Beratungen über die endgültige
Geſtaltung des Reichswirtſchaftsrats ſtand namentlich
die Frage der Verwaltungsreform und die
Handwerker=
novellezurAbänderung der Reichsgewerbeordnung
zur Verhandlung. Die durch Zahlen aufs eingehendſte begründeten
Ausführungen bewieſen erneut, daß eine gründliche Nachprüfung aller
Sparten des öffentlichen Dienſtes im Intereſſe möglichſter Nationalie
ſierung unbedingt geboten iſt.
Ueber die wichtigen Verkehrsverbeſſerungen, die der
Sommerfahrplan für den Bezirk bringt, wurde Bericht erſtuttet und
hierbei darauf hingewieſen, daß die neuen guten Verbindungen,
nament=
lich die Fernſchnellzüge Baſel. Darmſtadt.—Berlin und der Nachtſchmell=
zug Italien—SchwveizDarmſtadt.Berlin und Hamburg—Skandinavien
* von und nach Darmſtadt ausreichend bewützt werden.
ueber den Abſchluß des abgelaufenen
Rechnungs=
jahres wurde ein vorläufiger Bericht erſtattet und ſodann in die
Beratungen des Voranſchlags für 1927/28 eingetreten. Der ſich auf
die notwendigſten Bedürfniſſe der Kammer beſchränkende Voranſchlat
wurde genehmigt. Beſchloſſen wurde in Ermangelung anderer geeisuet,
Unterlagen, für das erſte Halbjahr des neuen Rachnungsjahres
vor=
läufig nochmals 004 RM. auf 100 RM. Anlage= und Betriebskapital
zu erheben.
Als Termin für die nächſte
Geſchäftsſtenographen=
prüfung wurde der von dem Prüfungsausſchuß vorgeſchlagene
Sonn=
tag, 24. April 1927. gutgeheißen. Die Pyüfungen werden bereits nach
den neuen Prüfungsbedingungen abgenommen. Näheres bezüglich der
Anmeldung ſt in der Preſſe bekanntgegeben worden.
N. Botaniſcher Garten. Zur Ergänzung unſerer geſtrigen
Mit=
teilung ſei noch folgendes über die Agaven nachgetragen. Die Agave
wächſt im Hochland von Mexiko. Sie treibt erſt in einem Alter von
15 Jahren einen Blütenſchaft. Gibt ſich dies durch plötzliches Aufrichten
der äußeren Blätter zu erkennen, ſo wird das H.rz herausgeſchmitten
und die Wunde noch etwas vergrößert. In dieſe Höhlung ſtrömt nun
der zur Ernährung der Blüten beſtimmte ſüße Saft, von den
Mexi=
kanern wiel (— Honig) genannt, täglich etwa zwei Liter. Er wird
zu=
erſt in Ziegenſchläuche, dann in hölzerne Gefäße geſammelt und dann
vergären laſſen, dieſer Pulgue genannt, iſt das
National=
getränk der Mepikaner und wird ſelbſt, ſeiner erfriſchenden und
kühlenden Eigenſchaft wegen auch von Europäern gern getrunken. Bald nach
Eroberung von Mexiko durch Cortez wurde die Agave nach Spanien
und Unteritalien eingeführt und iſt dort eine beliebte Gartenpflanze,
auch wird ſie wegen der ſcharfen Zähne an den Blättern zu
Garten=
zäunen benutzt. Die 4gae sigalina wird beſonders in Yukatan wegen
der in den Blättern enthaltenen Geſpinſtfaſern angebaut. Aus dieſen
wird leichtes Tauwerk, Hängematten u. a. bereitet. Dieſe Faſer wird
auch Aloéhanf genannt. Im Volksmund wird die Agave auch Aloé
ge=
nannt, obgleich beide gar nichts mit einander zu tun haben, die Heimat
der Aloé iſt Afrika. Von letzterer kommt das Aloéharz, mit
myrrhen=
artigem Geruch, das als abführendes Arzneimittel im Gebrauch iſt.
Im botaniſchen Garten mußte die eine Glasſcheibe über dem
Blüten=
ſchaft ſchon herausgenommen und die Stelle erhöht werden, er wäckſt
aber immer noch weiter.
Aufwertung von Sparquthaben. Wie aus der Anzeige der
Städtiſchen Sparkaſſe in Darmſtadt in der heutigen Nummer erſich
lich, werden von Montag, den 11. April 1927, ab die Sparkaſſenbücher
mit den Nummern 140 001—150 000 zur Beiſchreibung der 2oprozentigen
Aufwertungsbeträge neu aufgerufen. Da von den bis jetzt aufgerufenen
Nummern (1—140 000) noch eine größere Anzahl Bücher nicht vorgelegt
worden iſt, werden die Einleger an dieſer Stelle gebeten, ſich genau
an die Reihenfolge der aufgerufenen Nummern zu halten, um ein
unerwünſchtes Zuſammendrängen bei dem Aufruf weiterer Nummern
zu verhindern. Die bis jetzt möglich geweſene glatte Abwicklung des
Eintragungsgeſch
es würde ſonſt zum Nachteil des Bublikums
er=
heblich erſchwert. Die Annahmeſtelle befindet ſich im 1. Stock, Eingang
Hügelſtraße.
— Geſetzliche Senkung hoher Hypothekenzinſen? Für langfriſtige
Hypotheken, die in den vergangenen Jahren aufgenommen worden
ſind, müſſen auch heute noch meiſt die gleichen hohen Zinſen, oft bis
12 Prozent, bezahlt werden, obwohl damals, als ſie vereinbart wurden,
ganz andere wirtſchaftliche Vorausſetzungen dafür zu verzeichnen waren.
Mit Rückſicht darauf, daß der Zinsfuß von 12 Prozent im allgemeinen
inzwiſchen um die Hälfte geſenkt worden iſt, wirft der
Reichstags=
abgeordnete Guſtav Schneider die Frage auf, ob es nicht notwendig
wäve, durch geſetzliche Beſtimmungen eine Senkung dieſer übermäßig
hohen Zinſen herbeizuführen, für den Fall, daß nicht auf freiwilligem
Wege ſchon eine Herabſetzung vorgenommen wurde. Der Hinweis, durch
Geſetz die Möglichkeit zu ſchaffen, ſolche Hypotheken zu kündigen, um
ſie durch billigere erſetzen zu können, verdient alle Aufmerkſamkeit;
ganz gleich, nach welcher Seite ſich der einzelne entſcheiden dürfte.
* Kleine Strafkammer. In der Berufungsinſtanz wird gegen den
Werkmeiſter i. R. Joſef Rudolph, geboren in Frankfurt a. M.,
wohnhaft in Darmſtadt wegen Beleidigung der Polizeibamten des
Polizeireviers verhandelt. Der Vorfall, der den Anlaß zur Tat gab,
hat ſich am 18. Auguſt 1926 hier in der Liebfrauenſtraße zugetragen.
Angeklagter iſt vom Amtsgericht I am 20. Dezember 1936 zu einer
Geldſtrafe von 85 Mark verurteilt worden. Zur heutigen Verhandlung
— das Rechtsmittel iſt von beiden Seiten eingelegt — hat der
Ange=
klagte eine Reihe von Zeugen unmittelbar laden laſſen, deren
gericht=
liche Ladung abgelehnt iſt. Der Staatsanwalt möchte ſich vorbehalten,
ſich zunächſt bezüglich dieſer direkt geladenen Zeugen zu erkundigen und
ſtellt für dieſen Fall nach 8 245 der Straßprozeßordnung Antrag auf
Ausſetzung der Verhandlung. Das Gericht lehnt die Vernehmung der
vom Angeklagten benannten Zeugen mit Ausnahme des
Polizeikom=
miſſars Lehmann und des Adolf Schulz ab. Darauf zieht der
Ange=
klagte die Berufung zurück, ebenſo die Staatsanwaltſchaft die von ihr
eingelegte Berufung. Im weiteren wurden nur Privatklagen
ver=
handelt.
Tageskalender für Somntag, den 10. April 197.
Heff. Landestheater, Großes Haus, I. 17, nachm. 5 Uhr,
Ende 10 Uhr: „Parſifal”.
— Kleines Haus: Geſchloſſen.
Orpheum, abends 8 Uhr: „Es war einmal in Heidelberg.”
Kinovorſtellungen: Union= Reſidenztheater, Palaſt=Lichtſp.
Waaann Jde
Rheuma,
Sicht,
Ischſas,
Kerven= und
Ropfſchmerzen,
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Nebenwirkungen. Fragene
nArze!sn allen Apothehen. Preis Mk. 1.40.
—M8llih 04sChtntm i4s deld gost zal a0 100 4mpt —
* Denkmäler in Elſaß=Lothringen. Vor einer zahlreichen
Zuhöxet=
ſchaft hielt im Kaiſerſaal der Mitarbeiter am Wiſſenſchaftlichen
In=
ſtitut der Elſaß=Lothringer im Reiche an der Univerſität Frankfurt a M.
A. Hirſchhoff einen Lichtbildervortrag über „Elfaß=lothringiſche
Denk=
mäler aus franzöſiſcher und deutſcher Zeit”. Ausgehend davon, daß
man ein Volk am beſten erkenne, wenn man ſehe, wie es die Toten
ehre, und nach einem ſehr kurzen geſchichtlichen Rückblick, der den
Niedergang der deutſchen Univerſität Straßburg unter den franzöſiſchen
Königen, die große Revolution uſw. erwähnte, mit allen ihren
Be=
ſtrebungen, die deutſche Kultur des Landes zu beſeitigen, wurden die
in den verſchiedenen Städten vor 1870 errichteten Denkmäler vorgeführt,
die ſelbſt während des Weltkrieges von deutſcher Seite ſämtlich
re=
ſpektiert wurden, obwohl ſich, hier im Operationsgebiete und bei der
Stimmung der deutſchen Soldaten, oft genug gewichtige Bedenken für
deren Beſeitigung in Anbetracht der franzöſiſchen Aufſchriften geltend
gemacht hatten. Nur eines, und zufällig das des deutſchen Dichters
Konrad Pfeffel (1736—1809) m Kolmar, fiel der Kupferanforderung
zum Opfer. Einem ganz beſonderen Intereſſe begegnete die Mitteilung,
daß in Straßburg ſowohl das Kleberdenkmal, als auch das
Deſaixdenk=
mal durch ein 1873 mit der franzöſiſchen Regierung getroffenes Ab=
kommen Eigentum der franzöſiſchen Rebublit wurden. Das erſtere der
beiden Monumente bot übrigens zu deutſcher Zeit der einheimiſchen
Studentenſchaft immer wieder Anlaß, durch mitternächtliche Umzüge
um dieſes, die ſogenannten „monowes”, ihren Sympathien für
Frank=
reich Ausdruck zu verleihen. Von den zu deutſcher Zeit erſtellten
deutſchen Denkmälern ſtehen heute keine mehr. Sie wurden, wie die
Franzoſen ſagen, „(agsirt” und zwar nicht etwa während der
Neuo=
lutionszeit, ſondern nach dem Einzuge der feindlichen Beſatzungsmächte.
Es waren aber nicht nur die Standbilder deutſcher Kaiſer und deutſcher
Heerführer, ſondern vor allem auch die Erinnerungszeichen an die auf
den elſaß=lothringiſchen Schlachtfeldern 1870 gefallenen deutſchen
Sol=
daten, an welche die Franzoſen Hand legten und ſie zum Teile fogar
ſprengten, natürlich unter gütiger Mitwirkung eines überall zu
finden=
den einheimiſchen Janhagels. Der Vortragende ſchloß, daß die Elſaß=
Lothringer in Deutſchland es nicht nötig hätten, dem franzöſiſchen
Bei=
ſpiele, das bald nach 1871 in Paris ein Straßburgdenkmal errichten
ſene ickland. 2 Wud ber Bugeſhaild enckrn i m de
Mt.
immerdar. Reicher Beifall, dem der Vorſitzende der Elſaß=Lothr
Vereinigung, Geheimrat Horſt, noch beſonderen Ausdruck verlieh,
dankte den temperamentvollen Ausführungen. Eine vom
Wiſſenſchaft=
lichen Inſtitut im Vorſaale veranſtaltete Ausſtellung ſeiner
Veröffent=
lichungen fand rege Teilnahme und reißenden Abſatz.
— Reichsbund der Zivildienſtberechtigten. Unſere Hauptverſammlung
findet am 11. April. abends 8½ Uhr, im Vereinslokal „Stadt Koburg”
ſtatt. Recht zahlreiche Beteiligung wird gewünſcht.
Im Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters in der
geſtrigen Nummer iſt ein Druckfehler enthalten. Die Vorſtellung
„Oberon” findet am Oſtermontag, den 18. April, ſtatt und fällt
dem Abonnement C 17 (nicht 2 19) zu. Beginn 7 Uhr, Ende
10 Uhr.
Kunſinotizen.
Ueber Werle, Künfiler oder fünſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Erwächnung
geſchieht bebält ſich die Redalfion ihr Urteil voc
— Palaſt=Lichtſpiele. Das Drama und der Film vom
„Wanderer” von Maurice V. Samuels. Als ich zum erſten Mal den
Film „Der Wanderer” bei ſeiner Uraufführung im Criterion=Thegter
fah, war ich von der Schönheit und Pracht dieſer Darbietung berückt
Ich hatte es nie erwartet, daß dieſe einfache Geſchichte aus ſich ſelbſt
heraus eine derartige Erweiterung vertragen würde, und die einzigartige
Regie Raoul Walſhs rief in mir die geſprochenen Worte meines
Bühnen=
ſtücks wach. Das galt nicht nur für die großen und Maſſenſzenen,
ſondern auch ſür die intimen Bilder der Spielhandlung, die ganz zart
und fein wiedergegeben ſind. Natürlich habe ich mich als
Bühnenſchrift=
ſteller hauptſächlich für die Handlung intereſſiert. Ich hatte den „
Wan=
derer” auf der Bühne mit einem Enſembel geſehen, in dem William
Elliot ſpielte, ſpäter Frederick Lewis und andere unferer berühmteſten
amerikaniſchen Bühnenlünſtler. Ich kann jedoch nicht ſagen daß
William Collier jr., dieſer ideale Jephta, und Greta Niſſen in irgend
einer Beziehung hinter den größten Künſtlern der Bühne zurückſtehen.
Dasſelbe gilt auch für die anderen Darſteller, die mit durchweg begeiſtert
haben: Das mir fremde Gebiet der Photographie betrat ich zuuächſt mit
einiger Skepſis; ich war jedoch begeiſtert von Victor Millners
wunder=
vollen Bildern, und ich danke ihm dafür, daß er mein Süück in ſo
un=
nachahmlicher Weiſe dem lebendigen Bilde erobert hat. Es war ſeung in
ihrer höchſten Vollendung. Und ich ſage auch aufrichtig, daß ich keinerlei
Eiferſucht gegenüber J. T. D Donohoe empfand, der das Drehbuch
ver=
faßt hat. Die Aenderungen, die er gemacht hat, ſind ſinnfällig, und ich
bin der Anſicht, daß er tief und gründlich in das Sujet eingedrungen
iſt. O Donohve hat ein Gewiſſen, und ich achte dieſes Gewiſſen.
—union=Theater. „Der Sohn der Hagar”, nach dem Roman
von Paul Keller, wurde in der Preſſevorſtellung in Berlin als einen
der beſten deutſchen Filme anerkannt. Die Regie führte Dr. Wendhauſen
und verdiente höchſtes Lob für die Auswahl der Darſteller. Er hat dem
Film neue Geſichter zugeführt, und alte, bekannte zu Rollen, die von
der bisherigen Schablone abweichen, herausgeſtellt. Fritz Falt, ein
fwiheres Mitglied des Heſſiſchen Landestheaters, iſt ein feiner
Charak=
teriſtiker mit ganz ſparſamen Geſten. Gertrud de Lalfky bewies, daß ſie
diel mehr kann, als man bisher dachte. Mady Chriſtans lernt man in
dieſer Rolle von einer neuen Seite kennen, als junge Dorfſchöne mit
ſtarken tragiſchen Akzenten ſpielt ſie zugleich Kind und Weib, helles
Naturgeſchöpf und gequältes Frauenweſen, ſie iſt herrlich wie kaum je
zuvor. Eine große Waſſerkataſtrophe, die durch den Bruch eines
Stau=
dammes verurſacht wird, bildet den Höhepunkt der ſenſationellen
Hand=
lung. Der Film wurde in allen Städten bisher mit dem größten Erfolg
vorgeführt und wird er auch das Intereſſe des Darmſtädter Publikums
wecken.
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(6254
Nummer 100
Sonntag, den 10. April 1927
Geite 7
Aus Heſſen.
* Griesheim, 7. April. Die Vorarbeiten zu dem Geſangswettſtreit
des Geſangvereins „Sängerbund” ſchreitet rüſtig voran. Die einzelnen
Ausſchüſſe ſind dauernd an der Arbeit und treffen alle Vorbereitungen)
um dem Feſt einen vollen Erfolg zu ſichern. Daß es hierorts an dem
nötigen Intereſſe für das Feſt nicht fehlt, beweiſt die Tatſache, daß der
Ehrenausſchuß etwa 165 Mitglieder zählt, die allen Kreiſen der hieſigen
Bewohnerſchaft angehören. Auch ſind dem Verein eine große Anzahl
von Ehrenpreiſen zugeſagt und teilweiſe ſchon überreicht.
H. Eberſtadt, 7. April. Im Saale des Gaſthauſes „Zum Bergſträßer
Hof” (Fiſcher) fand geſtern abend die 65. ordentl.
Generalver=
ſammlung der Vereinsbank Eberſtadt. e. G. m. b. H. ſtatt.
Die Verſammlung war gut beſucht und wurde von dem ſtellv.
Vor=
ſitzenden des Auſichtsrats Ludwig Bauer II., geleitet. Direktor Bickel
erſtattete zunächſt einen ausführlichen Rechenſchaftsbericht, aus dem zu
entnehmen iſt, daß ſich das Inſtitut im abgelaufenen Geſchäftsjahr
weiter günſtig entwickelt hat. Spareinlagen und Kontokorrentguthaben
haben einen Zuwachs von 250 000 Mark zu verzeichnen, die
Geſchäfts=
guthaben ſind in 1926 auf 84 000 Mark angewachſen. Die Bilanz ſchließt
mit einem Reingewinn von 13 650,22 Mark ab. Vorſtand und
Aufſichts=
rat ſchlugen vor, den Gewinn wie folgt zu verteilen: 10 Prozent
Divi=
dende auf die am 1. Januar 1926 vorhandenen Geſchäftsanteile:
5633,94 Mark, 10 Prozent Zinſen auf die im Jahre 1926 geleiſteten
Ein=
zahlungen auf Geſchäftsanteilkonto: 763,70 Mark, Ueberweiſung an den
Reſervefonds: 4848,56 Mark, Ueberweiſung an den Spezialreſervefonds:
2404,02 Mark. Dieſer Gewinnverwendung ſowie dem Bericht des
Auf=
ſichtsrats über die Prüfung der Jahresrechnung, dem Antrag auf
Ent=
laſtung der Verwaltungsorgane, und dem Bericht über die ſtattgefundene
geſetzliche Reviſion ſtimmte die Verſammlung einſtimmig zu. Zu
be=
merken iſt hierbei, daß ſich der Reviſionsbericht über Geſchäftsführung
und Entwicklung des Inſtituts äußerſt günſtig ausgeſprochen hat. Zu
der Aufwertungsregelung der Spareinlagen und Geſchäftsanteilguthaben
referierte Rechner Schäfer. Sein Antrag, die alten Spareinlagen und
Geſchäftsanteilguthaben mit 15 Prozent ihres Goldmarkwertes
aufzu=
werten und die aufgewerteten Spareinlagen vom 1. Januar 1927 ab zu
verzinſen, wurde von der Verſammlung unter Ablehnung eines aus
ihrer Mitte heraus geſtellten Antrags auf eine 20prozentige Aufwertung
gegen die Stimme dieſes Antragſtellers angenommen. Angenommen
wurde weiter ein Antrag Büttel, der die vorzeitige Auszahlung der
auf=
gewerteten Sparguthaben an Perſonen über 65 Jahre, die bedürftig ſind,
vorſieht. Dem verſtorbenen Aufſichtsratsvorſitzenden Franz Simon
widmete Direktor Bickel nochmals einen warmen Nachruf. Die
An=
weſenden erhoben ſich von den Sitzen und ehrten damit das Andenken
des Verſtorbenen. An ſeiner Stelle ſoll, wie von dem Aufſichtsrat in
Ausſicht genommen iſt, Weißbindermeiſter Georg Geißler berufen
werden. Geißler legte deshalb ſein Amt als Vorſtandsmitglied nieder,
für ihn rückte Kaufmann Adam Rettig nach. Von den aus dem
Auf=
ſichtsrat ausgeſchiedenen Mitgliedern wurden Ludwig Dächert V. und
Ludwig Kolb wieder=, ferner Fabrikant Auguſt Leining und
Zimmer=
meiſter Philipp Dächert IV. neugewählt. Nachdem Herr Georg Geißler
noch erklärt hatte, daß er auch im Aufſichtsrat ſeine ganze Kraft der
Genoſſenſchaft widmen wolle, ſchloß der Verſammlungsleiter die Sitzung.
Eberſtadt, 10. April. Ausflug. Die Turngeſellſchaft E. V.
Eberſtadt unternimmt heute, Sonntag nachmittag, bei günſtigem Wetter
ihre zweite Wanderung nach Waſchenbach.
— Spachbrücken, 9. April. Eine ſeltene Feier fand in unſerer
Ge=
meinde am 7. April ſtatt. Johannes Göckel 4., Vorarbeiter in der
chemiſchen Fabrik der Firma E. Merck, feierte ſein 40jähriges Dienſt
fübiläum. Ununterbrochen hat er in dieſer Fabrik und ſeit vielen
Jahren als Vorarbeiter gearbeitet. Die Firma ſchickte Vertreter zur
mündlichen Gratulation, welche im Auftrage der Firma ihr volles V
trauen und ihre Anerkennung ausſprachen. Auch von anderer Seite
gingen mündlich und ſchriftlich zahlreiche Glückwünſche ein.
Groß=Zimmern, 9. April. Der hieſige Männergeſangverein
ver=
anſtaltet am 17. April, abends 8 Uhr, in dem großen Saale „Zur
Har=
monie” (Beſitzer Gg. Reitzel 9.) ſein diesjähriges Frühjahrskonzert. Der
Ferein ſteht unter der Leitung des rühmlichſt bekannten Chormeiſters
Wilh. Etzold. Als Mitwirkende werden noch genannt Frl. Lieſel Boehm,
Sopran, Darmſtadt, Emil Böhm, Tenoriſt, Groß=Zimmern, und ein
Inſtrumentalküinſtler=Sextett aus Darmſtadt. Die Dekoration des Saales
hat in uneigennütziger Weiſe die Gärtnerei J. Brunner übernommen.
Babenhauſen, 8. April. Gemeinderatsbericht. Vor
Eintritt in die Tagesordnung gibt der Vorſitzende, Herr Bürgermeiſter
Rühl, eine Mitteilung des hieſigen Forſtamts bekannt. Sie bezieht
ſich auf eine Neubenennung der drei hieſigen Förſtereien. Folgende
Namen haben ſie erhalten: Förſterei 1 Oſt: Mathilden=Eiche, Förſterei 2
Weſt: Poſpenhain, Förſterei 3 Nord: Wolfsbaum. Punkt 1 der
Tages=
ordnung lautet: Schulhausbauplatzfrage. Seit Wochen ſteht
er im Brennpunkt des öffentlichen Intereſſes. Die Gemeinde hatte 1912
in der Harreshäuſer Allee bei der Gärtnerei Buchholz ein Gelände
er=
worben als Bauplatz für ein neu zu errichtendes Volksſchulgebäude.
Der Krieg verhinderte die Ausführung. Bauluſtige haben ſeit Wochen
um Abgabe dieſes Geländes für ihre Bauzwecke gebeten. Drei weitere
Bauplätze wurden von einer Seite des Gemeinderates als geeignete
Schulhausbauplätze in Vorſchlag gebracht. Am Montag weilten Herr
Baurat Gombel=Dieburg und Herr Schulrat Jaeger=Dieburg als
Bau= und Schulſachverſtändige zur Beſichtigung der fraglichen Plätze
hier. Ihr Gutachten ging übereinſtimmend dahin, den urſprünglich
vorgeſehenen Platz beizübehalten. Trotz des Vorſchlages in der Sitzung
von einer großen Debatte in Anbetracht der ſchon genügend erörterten
Frage abzuſehen, ſetzte ein ſehr lebhafter Meinungsaustauſch üüber Für
und Wider ein. Die ſchriftliche geheime Abſtimmung über die Frage,
ob der alte Platz als Schulhausbauplatz beibehalten werden ſoll, ergab
folgendes Reſultat: Mit Ja ſtimmten 9, mit Nein 5, 1 weiſer Zette
wurde abgegeben. Die Herren Beigeordn. Hauff und G.=R. Melk
ent=
hielten ſich als Verwandte der Baulüſtigen der Abſtimmung. — Punkt 2
betrifft den Bauplatzerwerb am Speſſartplatz. Weißbindermeiſter
L. Mohr hat um Abgabe von Baugelände gebeten, das einen Ankauf
mehrerer Grundſtücke durch die Gemeinde erforderlich macht. Bei der
ſchriftlichen Abſtimmung ſind 9 Stimmen für die Erwerbung des
Ge=
ländes durch die Gemeinde, 5 dagegen, ein weißer Zettel. Die Gemeinde
hat ſomit Aecker anzukauſen von W. Blümler 2., Fr. L. Willand.
Ehe=
frau K. Geißler, Fr. Rühl 1. und Hch. Rühl. Eine Kapitalaufnahme ſoll
zu dieſem Zwecke erfolgen. Verſchiedene Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuche
liegen vor; ſo von Wirt Umſonſt (früher Höreth) gegenüber der
Ka=
ſerne, von Ad. H. Emmerich, Darmſtädter Straße 17, von J. Krauß,
Fahrgaſſe 58, und von Fr. Looſe, Gaſtwirt zum Löwen. Die
Bedürfnis=
frage wurde bei allen Geſuchen bejaht und Genehmigung erteilt. D
Leiter der hieſigen Fortbildungsſchule bitten um Beſchaffung von 12
Tiſchen und etwa 30 Schemeln für die Fortbildungsſchule. Das Kapitel
wird genehmigt. Die hieſigen Schreiner ſollen zur Abgabe von
Ange=
boten aufgefordert werden. Bei Punkt 5 verlieſt der Vorſitzende einen
Vertrag der Oberpoſtdirektion in Darmſtadt betr Poſtkraftwagenlinie
Babenhauſen—Schaafheim. Den Bedingungen, die die Gemeinde
Schaaf=
heim in bezug auf Straßenherſtellung uſw. geſtellt hat, tritt der
Ge=
meinderat bei; eine Erhöhung der Garantieſumme über die ſeither
be=
willigten 16 Prozent wird abgelehnt. Es folgen noch eine eingehende
Beſprechung über die Unterhaltungsarbeiten in den Gemeindehäuſern
— die von der Baukommiſſion als dringlich bezeichneten Arbeiten ſollen
ausgeführt werden —, Unterſtützungs=, Wohnungs= und
Stundungsge=
ſuche werden erledigt und einem Geſuche der Dreſchhallengeſellſchaft um
Erweiterung der Dreſchhalle auf dem Gemeindegrundſtück zugeſtimmt.
Zum Schluſſe der Sitzung werden, wie ſchon öfters, lebhaft Beſchwerden
geführt über den äußerſt ſchlechten Zuſtand der Straßen beim
Bahn=
üübergang an der Dieburger Straße und Abhilfe durch die
Bahnverwal=
tung gefordert.
*Provinzialtag der Provinz
Starkenburg.
Der Provinzialtag der Provinz Starkenburg trat geſtern
vor=
mittag um 10 Uhr im Sitzungsſaale der Stadtverordneten zuſammen.
Provinzialdirektor Dr. Kranzbühler leitete die Berhandlungen. Durch
Namensaufruf wurde die Beſchlußfähigkeit des Hauſes feſtgeſtellt.
Provinzialdirektor Dr. Kranzbühler gab dann etwa die nachfolgenden
Erklärungen ab.
„Als wir uns im vergangenen Jahre zur Tagung zuſammenfanden,
beſchäftigten wir uns mit der Ferngasverſorgung, einer Frage, die heute
erledigt iſt. Die Ferngasverſorgung iſt von der allergrößten Bedeutung;
es war ein individueller Verſuch zur Löſung dieſer Frage, es war nicht die
einzige, es war aber eine Löſung ſo güünſtig, wie ſie nie wieder kommen
wird. Keine der Unternehmungen, wie die, die jetzt die Ferngasverſorgung
übernehmen will, kann gleich Günſtiges bieten. Frankfurt und Köln
haben ſich über den Ankauf von Kohlenfeldern geeinigt; die Städte ſtehen
im Gegenſatz zum Kohlenſyndikat. Auch wir wären in der Lage
ge=
weſen, unſere Selbſtändigkeit zu behaupten. Es hat jetzt keinen Zweck,
etwas Verlorenem nachzutrauern. Der Provinzialtag was bisher der
Reſonanzboden für die Pläne, mit denen wir noch nicht in die
Oeffent=
lichkeit getreten waren. Offenbach wird ſich in der Gasverſorgung
Frank=
furt anſchließen. Mannheim iſt in die Provinz bei Viernheim
einge=
brochen, was aber ſehr zu beklagen iſt. Mainz ſucht bis zu den
Ried=
gemeinden vorzudringen. Was bleibt dann noch für Starkenburg?! Die
Verſuche, eine Abwehrfront zu bilden, werden immer noch fortgeſetzt,
aber es iſt nichts mehr als eine kleine Lächerlichkeit von dem großen
urſprünglichen Projerk. Die Provinz und Darmſtadt verhandeln mit
den Kreiſen Dieburg, Erbach und Bensheim; mit dem letztgenannten
Kreiſe iſt noch keine Einigung erzielt. Ich glaube, es wird der Tag
kommen, an dem es in den Kreiſen der Gegner des urſprünglichen
Profektes dämmern wird; wenn dieſer Tag kommt, dann iſt wohl der
Zeitpunkt da, das Material der Oeffentlichkeit zu übergeben und zu
zeigen, wie ſich die Entſchlußloſigkeit ausgewirkt hat,
Das neue Straßengeſetz ändert die Verhältniſſe der
Provinzial=
verwaltung weſentlich; äußerlich zeigt dies das Anſchwellen der Ziffern
des Voranſchlages. Das Geſetz hat den Vorzug, daß die Straßen
groß=
zügiger angelegt werden können. Noch konnte wegen der Kürze der
Zeit kein Geſamtplan aufgeſtellt werden; Pläne für Neubauten und
Ausbeſſerungen für mehrere Jahre werden aufgeſtellt, dabei muß auch
die Frage der Ortsdurchfahrten geregelt werden. Mit der Neuregelung
Straßenbaues hat auch ein neuer Leiter das Amt übernommen.”
Der Vorſitzende ſtellte dann den neuen Leiter des Bauweſens der
Pro=
vinz, Oberbaurat Walz, vor, und dankte Miniſterialrat Knapp, der
bis=
her dieſes Amt verſah.
„Der größte Teil der Ausgaben entfällt auf die Provinzialanſtalten.
Die Raumnot in der Eberſtädter Pflegeanſtalt zwingt, entweder dem
Gedanken eines Neubaues näher zu treten oder den Kreis der Inſaſſen
einzuſchränken. Bisher iſt eine Grenze noch nicht gezogen worden; es
wurden Pfleglinge aufgenommen, die eigentlich in eine Irrenanſtalt
gehören."
Der Vorſitzende kam dann auf die Brückenbauten zu ſprechen, auf
die Bauten und die Pläne, die ſich auf Wimpfen, Flörsheim,
Rüſſels=
hein
Seligenſtadt und Oppenheim beziehen. Beſonders ſei darauf
auf=
merkſam zu machen, daß die Brücken nicht unter das Straßengeſetz fallen.
„Die wirtſchaftliche Lage der Provinz iſt zum Teil troſtlos;
Möglich=
keiten, ſie zu beheben, gibt es nur wenige. Von der
Zinsverbilligungs=
aktion haben wir keinen Gebrauch gemacht, weil uns ein Darlehen wenig
vorteilhaft erſchien, um der Arbeitsloſigkeit zu ſteuern. Die Provinz
war angegangen worden, eine Garantie für Steinlieferungen zu
über=
nehmen; es wäre dadurch 800 Arbeitern Vepdienſtmöglichkeiten gegeben,
aber die Sache hat ſich zerſchlagen. Sie erſchien auch von vornherein
ziemlich ausſichtslos.
Abg. Rech erſtattete Bericht über die Prüffung der Rechnung der
Provinzialkaſſe und der Provinzial=Pflegeanſtaltskaſſe für das
Rech=
nungsjahr 1925
Abg. Porth (Dntl.) legte Proteſt ein gegen die Bezeichnung Papier
mark, vermißte einen Nachweis über das Betriebskapital von 60 000
Mark und wandte ſich gegen die hohen Zinſen. Mehr als 4 Prozent
wäre Zinswucher.
Provinzialdivekktor Kranzbühler trat den Ausführungen entgegen;
die Zinsſätze wären international, und die Provinz könne für ſich dieſe
Frage nicht regeln. Ueber die 60 000 Mark wurde die Aufklärung
ge=
gegeben, daß es ſich um eine Angelegenheit der Buchhiihrungstechnik
handelt.
die Rechnung wurde genehmigt.
r nächſte Punkt der Tagesordnung lautete: Straßenneubau
Königſtädten—Rüſſelsheim und Trebur—Hof Schönau.
Provinzialdirek=
tor Dr. Kranzbühler machte darauf aufmerkſam, daß es ſich hier
ſcht um die Bevorzugung eines Kreiſes handelt, ſondern die beiden
n.
Projekte ſtänden im Zuſammenhang mit der Neuregelung des
Straßen=
weſens.
Die Abgg. Jacobi=Königſtädten und Feutner=Trebur
be=
fürworteten das Projekt. Abg. Rech hielt nur die erſte Straße für
notwendig. Abg. Karcher trat für beide Straßen ein, ebenſo
Kreis=
direktor Merck, Abgg. Fritſch und Porth.
Die Mehrheit entſchied ſich für den Neubau beider Straßen
Hierauf wurde der Voranſchlag der Provinz für das Rechnungsjahr
beraten. Die Hauptziffern dieſes Etats haben wir vor einigen
19.
Tagen mitgeteilt. Es lagen zu dem Voranſchlag etwa 20 Anträge vor.
Die Kommuniſten haben zahlreiche Anträge geſtellt. Von allgemeiner
Bedeutung war ein Antrag Fritſch (D.V.P.), der lautet: „Der
Provin=
zialtag wolle beſchließen, daß im Intereſſe eines geordneten
Straßen=
verkehrs und zur Schonung der Landſtraßen durch geeignete Maßnahmen
die Automobilraſerei und übermäßige Belaſtung von Laſtautos und
damit die übermäßige Beſchädigung der Landſtraßen unterbunden wird.”
Ferner lag eine Eingabe des Brückenvereins Seligenſtadt vor.
Provinzialdirektor Dr. Kranzbühler gab zu dem Voranſchlag
einige Erläuterungen. Der Voranſchlag wäre am meiſten beeinflußt
durch den geringen Rechnungsreſt aus dem Vorjahre, ſowie durch die
Uebernahme der Baubeamten auf die Provinz. In bezug auf den
Steuerausſchlag, der das 3,8fache des Vorjahres beträgt, verwies der
Vorſitzende auf eine Statiſtik, aus der hervorgeht, daß die beiden
ande=
en Provinzen an Grundſteuer und Gewerbeſteuer ſchon weit höhere
Sätze als Starkenburg erhoben haben.
Es folgt die Generaldebatte. Abg. Ritzel (Soz.) beſprach in
länge=
ren Ausführungen die Auswirkungen des neuen Straßengeſetzes.
Abg. Fritſch (D.V.P.) begründete ſeinen Antrag gegen die
Automobilraſerei.
Abg. Ankermann (Komm.) erklärte, daß ſeine Partei den
Vor=
anſchlag ablehnen werde.
Wacholder wirkt Wunder!
Ihr ,„Wacholder=Ertraßt” hak bei meinen rheumatiſchen Schmerzen Wunder gewirhk.
Ich fühle mich jetzt wie neu geboren. Ich kann laufen wie eine Biene.
Schmer=
zen in meinen Gelenken verſpüre ich überhaupt nicht medr. Da ich mich
nun als geheilk fühle uſw. Berlin, 14. 9. 26. A. W. So ſchreiben viele
über Reichel’s Wacholder=Exkrakt, der in Drogerien und Apotheßen erhältlich
iſt, der vielen Nachahmungen wegen achte man aber genau auf die „Marke
Medico” und Firma Otto Reichel, Berlin SO. 33, Eiſenbahnſtraße 4,
Beſtimmt zu haben bei: A. Fiſcher, Drog., Frankfurt rſtr; Ehr.
IV 5255
Schwinn; Gebr. Vierheller, Drog., Schuſtergaſſe
An der Debatte beteiligten ſich ferner die Abgg. Göckel=Langen,
Porth=Offenbach und andere Abgeordnete. — Eine Reihe von
An=
trägen, darunter auch der Antrag Fritſch, wurden angenommen.
Hierauf trat eine Mittagspauſe von ½ Stunde ein. Nach
Wiederauf=
nahme der Verhandlungen wurde die Spezialberatung des Voranſchlags
aufgenommen. Die einzelnen Rubriken wurden von dem Vorſitzenden
aufgeufen, bei denen dann die Sonderwüinſche vorgebracht wurden;
namentlich wurden viele Wünſche für das Straßenweſen, und zwar
ört=
liche Wünſche, geäußert.
Oberbaurat Walz beſproch die einzelnen Wünſche und ſagte für
einige von ihnen die Erfüllung zu.
Eine längere Debatte entſpann ſich über die im Voranſchlag
vorge=
ſehene Anſchaffung eines zweiten Autos. Es wurde ſchließlich ein
An=
trag Ritzel (Soz.) angenommen, das Auto noch nicht anzuſchaffen.
Mehrere kommniſtiſche Anträge wurden ebenfalls nach längerer
Ausſprache abgelehnt. Eine umfangreiche Debatte über die geplaute
Brücke in Seligenſtadt endete mit der Annahme eines Antrages, der
im weſentlichen beſagt, daß für die Förderung des Projektes eine
ange=
meſſene Summe zur Verfügung geſtellt werden ſoll. Von ſtark politiſch
gefärbten Dehatten waren die Erörterungen über die Aufwertungszinſenr
begleitet. Ein Antrag, eine freiwillige Aufwertung von 25 Prozent
dor=
zunehmen, wurde abgelehnt. Die Voranſchläge der Provinzialanſtalten
wurden im Rahmen des Geſamtvoranſchlags erledigt. Ein Beitrag von
1000 Mark für die Landwirtſchaftliche Haushaltungsſchule in Michelſtadt
wvurde mit 19 gegen 18 Stimmen abgelehnt; dagegen ſtimmten die
Sozialdemokraten, die Demokraten und die Kommuniſten. Mehrere
ſozialdemokratiſche Anträge auf Erhöhung von Beiträgen für ſoziale
Einrichtungen um mehrere tauſend Mark höher, als ſie im Voranſchlag
angeſetzt ſind), wurden gegen die Stimmen der Rechten angenommen.
n kommuniſtiſcher Antrag auf Streichung des Betrages für die
Seel=
orge in der Provinzialpflegeanſtalt wurde abgelehnt. Die
Sozialdemo=
kraten enthielten ſich der Abſtimmung.
Immer zahlreicher verließen die Abgeordneten den Saal; eine
Aus=
zählung ergab, daß das Haus gerade noch beſchlußfähig iſt. Der
Vor=
anſchlag wurde angenommen mit den beſchloſſenen Aenderungen; es
ſind noch 7500 Mark zu decken. Dafür ſollen die Einnahmen aus den
Reichsüberweiſungen erhöht werden. Auch die Vorſchläge über die
Steuern wurden angenommen. Es wird eine Grundſteuer für Gebäude
und Vauplätze von 3,8 Pf. und für land= und forſtwirtſchaftlich
genutz=
t
hrundbeſitz von 7,6 Pf. auf je 100 Mark Steuerkapital, ſowie eine
beſteuer auf das Anlage= und Betriebskapital von 5,7 Pf. und auf
den
trag des Aufkommens mit 8,2 Pf. auf je 100 Mark Steuerkapital
auf
ine Reichsmark des ſtaatlichen Gewerbeſteuer=Ertrags=Solls
von 19
Nach Erledigung einiger weiterer Punkte der Tagesordnung wurde
die Sitzung um ½7 Uhr geſchloſſen.
Dieburg, 7. April. Stand der Erwerbsloſigkeit
im Kreiſe Dieburg am 1. April: Erwerbsloſe männliche 1906,
weibliche 211, zuſammen 2117, ſomit eine Abnahme von 580;
Unter=
ſtützungsempfänger männliche 796, weibliche 159, zuſammen 955, ſomit
eine Abnahme von 806; Notſtandsarbeiter 835, ſomit eine Zunahme
von 54.
*
Habitzheim, 9. April. Die Teilnehmerinnen des Kochkurſes in
Habitzheim, der unter der Leitung einer Lehrerin aus Groß=Umſtadt
ſteht, konnten die Schlußfeier halten. Durchgreifende Reden einzelner
Herren, u. a. auch die des Herrn Oberkreisſchulrats zu Dieburg und die
des Herrn Bürgermeiſters aus Habitzheim gabon dem Feſte einen
feier=
lichen Glanz. Auch die Lehrerin hielt eine beherzigenswerte Rede und
wies beſonders auf die Zukunft und auf den richtigen Haushalt im
ſpäteren Leben hin.
— Reinheim, 9. April. Am 1. Mai werden es 25 Jahre, daß Herr
Georg Philipp Kopp 4. das Amt eines Beigeordneten in Reinheim
verſieht. Er hat während dieſer Zeit ſtets die Intereſſen der Gemeinde
zu fördern gewußt und iſt als hochgeachteter Ehrenmann auch weit über
die Grenzen ſeiner Heimat bekannt durch ſeine vielfache Tätigkeit in den
Organiſationen der Landwirtſchaft.
* Kirchbrombach, 8. April. Geſtern abend gaben die Herren
H. Weißgerber=Kirchbrombach (Violine) und G. Rhau=Thürigen (
Kla=
vier
im „Goldenen Stern” ein Konzert. Herr Weißgerber iſt im
Odenwald als vorzüglicher Violiniſt bereits bekannt. Seine geſtrigen
Leiſtungen ſtanden ganz auf der Höhe. G. Rhau am Klavier gab ihm
nichts nach. Sehr zu begrüßen iſt es, daß die beiden Herren unſere
Gr.
en der Muſik zu Gehör brachten und ernſte Kunſt den
Konzert=
beſuchern vermittelten. — Blitzſchlag. Am Mittwoch gegen
½5 Uhr ging über unſer Dorf ein Aprilſchauer, aus dem eine einzige
elektriſche Entladung erfolgte. Dieſer Blitz ſchlug in die Scheune des
Herzn J. Meiſinger, deckte am Dachfirſt ab, ſuchte ſich ſeinen Weg in
den Keller und verſchwand, ohne weiteren Schaden anzurichten. Es war
ein ſogenannter kalter Schlag.
Hüchſt i. O., 9. April. Gemeinderatsſitzung. Der erſte
Punkt war der Antrag des Kreisamtes betr. Stellungnahme zuv
Erbau=
ung eines Schlachthauſes, da in verſchiedenen Metzgereien bei einer
Kon=
trollvornahme durch die Polizeiorgane Beanſtandungen gemacht wurden.
Nach längerer Diskuſſion wird der Antrag wegen der damit verbundonen
hohen Koſten auf Antrag des Mitgliedes Vogt einſtimmig abgelehnt.
Wegen der Auffüllung des Friedhofs auf Antrag des Kirchenvorſtandes
ſoll erſt eine örtliche Augenſcheinnahme vorgenommen werden. Die
Vorrang=Einräumung des dem Heinrich Boländer und Joh. Münch von
ſeiten der Gemeinde gegebenen Baudarlehen zugunſten des heſſiſchen
Staates wird genehmigt. Eine Omnibusverbindung Erbach-Wiebelse
bach auch an einem Werktage wird wegen wahrſcheinlicher Unrentabilitätz
abgelehnt. Dem Antrag des Viktor Kowell auf Einbürgerung wird
ſtattgegeben. Zwecks Einführung einer Tierſchau in der Gemeinde Höchſt
oll erſt noch Rückſprache mit den betreffenden Vereinsvorſitzenden
ge=
nommen werden. Ein Antrag des Reit= und Fahrvereins Höchſt um
Ueberlaſſung des Sportplatzes anläßlich eines Feſtes am 15. Mai ds. Js.
wird durch die Linke abgelehnt, obwohl der Sportplatz
Gemeindeeigen=
tum iſt. Von einem Schreiben des Baugewerkbundes Frankfurt a. M.
betr. Tariflöhne bei Notſtandsarbeiten wird Kenntnis genommen.
Weiter wurde beſchloſſen, einen älteren Ziegenbock anzukaufen. Hierauf
wurden noch einige kleinere Anträge erledigt. Anſchließend geheime
Sitzung.
Mörlenbach i. O., 9. April. Der hieſige 38 Jahre alte
Fabrik=
arbeiter Rudolf Heckmann ſtürzte in der Gießereiabteilung der
Ma=
ſchinenfabrik „Badenia A.=G.” in Weinheim durch den Schacht eines
Aufzuges, an dem er eine Betriebsſtörung beſeitigen wollte. Er erlitt
dabei, ſchwere Verletzungen, denen er bald darauf erlag. Der
Ver=
unglückte hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern.
Hirſchhorn, 9. April. Waſſerſtand des Neckars am
8. April 2,84 Meter, am 9. April 2,46 Meter
*
Fürth, 9. April. Wertzuwachsſteuer. Der hieſige
Ge=
meinderat faßte den Beſchuß, daß künftighin ſowohl von der Gemeinde
Fürth als auch der Filialgemeinde Steinbach mit Genehmigung des
Miniſteriums eine Wertzuwachsſteuer erhoben wird.
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Seite 8
(Sonntag, den 10. April 1927
Nummer 100
Aus dem Birkenauer Tal, 8. April. Wieder ein
Zuſam=
menſtoß. Vorgeſtern mittag ſtieß umweit der Landesgrenze ein
Milch=
kraftwagen aus Mannheim mit einem in entgegengeſetzter Richtung
kommenden Einſpännerfuhrwerk aus Birkenau zuſammen, da letzteres
nicht genügend nach rochts auswich, ſo daß beide Fahrzeuge ſtark
be=
ſchädigt wurden.
Lampertheim, 7. April. Generalverſammlung der
Vereinsbank. Im Gaſthaus „Zur Krone” hiolt am Sonntag die
Vereinsbank ihre Generalverſammlung ab. Der Vorſitzende des
Aufſichts=
rates, Hermann Wegerle, begrüßte die Erſchienenen und erteilte gleich
dem 1. Direktor, Fabrikant Jakob Eberhard, das Wort zu einem
Ueber=
blick über das vergangene Geſchäftsjahr. Aus ſeinen Ausführungen war
zu entnehmen, daß unter der umſichtigen Leitung des 2. Direktors Fritz
Schmidt ſich das Inſtitut zu einem anſehnlichen entwickelt hat. Die Höhe
der eingelegten Spargelder beweiſt, daß der Sparſinn wieder eingekehrt
iſt und daß auch die Bank das Vertrauen der Genoſſen und ſonſtigen
Einleger in weitem Maße genießt. Der hierauf von Direktor Schmidt
vorgetragene Rechenſchaftsbericht zeigt ein erfreuliches Bild. Hiernach
belief ſich der Jahresumſatz auf 9 743 333,36 RM. An Spareinlagen
weiſt die Bilanz 209 323,63 RM., alſo das Dreifache des Vorjahres auf,
auch ſind in dieſer 50 000 RM. als Aufwertungsrücklage vorgeſehen, was
den guten Willen zeigt, den früheren Sparern doch wewigſtens atwas
ihres vevlorenen Geldes zu erſetzen. Mit einem Reingewinn von 10 594,12
RM. ſchließt die Jahresrechnung ab. Nach kurzer Beſprechung wird
die Bilanz genehmigt und dem Vorſtand Entlaſtung erteilt. Gleichzeitig
erklärt ſich die Generalverſammlung mit dem Ankauf des früher der
Rheiniſchen Kreditbandk gehörigen Hauſes in der Kaiſerſtraße, in das
die Geſchäftsräume verlegt werden ſollen, nachträglich einverſtanden. Die
Verteilung des Reingewinnes wird alsdann folgendermaßen vorgenom
men: 10 Prozent Dividende und 8538,50 RM. werden verteilt, 2000 R
kommen zum Delkredere=Konto, 339,86 RM. zur Effektenreſerve und
7400,41 RM. zum Neſervefonds. Am Schluſſe des Geſchäftsjahres zählte
die Genoſſenſchaft 834 Mitglieder mit einer Haftſumme von 417 000 RM.
Da der ſeitherige Kontrollenr Strauß vorgerückten Alters wegen ſein
Amt niedergelegt hat, wird für ihn das Aufſichtsratsmitglied,
Beigeord=
nieter Billau gewählt. Die ausſcheidenden Aufſichtsratswitglieder Geyer,
Griesheimer und Schmidt werden wiedergewählt und der Aufſichtsrat
dureh Zuwahl des Herrn Gg. Hofmann ergänzt. Der gebrachte Vorſchlag,
eine Höchſtgrenze für Spareinlagen auf 1000 000 RM. feſtzuſetzen, fand
keine Annahme, ſondern es werden hierfür keine Schranken geſetzt. —
Begräbnis. Unter ganz außerordentlicher Beteiligung wurde am
Sonntag Herr Leopold Oppenheimer im 80. Lebensjahre
zu Grabe getragen, ein Mann, hoch geehrten von ſeinen Glaubensgenoſſen,
aber auch von allen anderen Eiwwohnern. Hilfsbereit in
uneigennützig=
ſter Weiſe, offen gegen jedermann, bahnbrechend beim Ausbau des Ortes
und damit gar manchem zu einer Wohnſtätte verhelfend, ſo wird ſein
Name hier allezeit in Ehren genannt werden. Aus kleinen Verhältwiſſen
ſich emporarbeitend, war er ſtets beſcheiden und abhold jeder
Ueber=
ſchwänglichkeit. Seine Verdienſte um die Ausgeſtaltung des Ortes
wur=
den bereits zu ſeinen Lebzeiten ſeitens des Gemeinderates dadurch
ge=
würdigt, daß eine von ihm bebaute Straße nach ſeinem Vornamen
be=
nannt wurde und ihn auch die „gemeinnützige Baugenoſſenſchaft”,
nach=
dem er ihr infolge ſeines hohen Alters nicht mehr in dem Maße
vor=
ſtehen konnte, wie er es gern wünſchte, zu ihrem Ehrenvorſitzenden
er=
nannte. — Architekturbüro. An Stelle des mit Wirkung vom
1. April zum Stadtbaukontrolleur der Stadt Weinheim gewählten
Ar=
chitekten Jöſt hat Architekt Heinrich Franz von hier ein
Architektur=
büro eröffnet. Herrn Jöſt, der hier eine größere Anzahl ſchöner Bauten
ausgeführt hat, ſieht man nur ungern ſcheiden.
— Gernsheim, 9. April. Waſſerſtand des Rheins am
9. April +2,71.
a. Aus dem Kreis Groß=Gerau, 6. April. Auf Anregung der
Firma Fr. Diehl fand für die Groß=Gerauer Hausfrauen im
Sandböhlkino eine Filmorführung der Blaubandfabrik „Des
Wider=
ſpenſtigen Zähmung” ſtatt, in welcher in humoriſtiſcher Weiſe die
Her=
ſtellung der Margarine vorgeführt wurde. — Infolge der
fortwähren=
den Regengüſſe ſteht das Grundwaſſer in manchen Gartenländereien
der Gemeinde Mörfelden ſo hoch, daß die Ausſagt nicht ſtattfinden
kann. — Durch Gemeinderatsbeſchluß erhalten in Mörfelden die
Erwerbsloſen die zweite und dritte Rate Winterbeihilfe, die im Januar
und Februar 3 Wochen arbeitslos waren. — Aus der Volksſchule zu
Griesheim kamen wit Schluß des Schuljahres 152 Kinder zur
Ent=
laſſung, 75 Knaben und 77 Mädchen. Nach langjähriger Wirkſamkeit
an dieſer Schule trat mit Beginn der Oſterferien Herr Lehrer Boller
in den wohlverdienten Ruheſtand. — Ein Veteran von 1866 u. 1870/71,
Herr Valentin Knapp, wurde unter den üblichen Ehrenerweiſungen
zur letzten Nuhe geleitet. — In Gernsheim wurden die Arbeiten zur
Erbauung von zwei Vierfamilienwohnhäuſern in der Waſſerſcheide,
fowie zu einem Zweifamalienwohnhaus durch Submiiſſon vergeben.
2. Königſtädten, 9. April. Aus Anlaß ſeines Bjährigen
Dienſtiubi=
läums als Faſelwärter wurde Herrn P. Beckenhaupt ſeitens der
Ge=
meinde unter einer ehrenden Anſprache ein Regulator überreicht. Die
Gemeindeangeſtellten beſchenkten den Jubilar mit einem Ruheſeſſel.
* Goddelau, 8. April. Schon mehrfach hatte das Volkstheater
Darmſtadt‟, Direktion Gliſabeth Werner, den Kranken des „
Philipp=
hoſpitals” mit ſeinen ſchauſpieleriſchen Leiſtungen eine angenehme und
erwünſchte Abwechſlung in das an und für ſich ſtille Anſtaltsleben
ge=
bracht. Durch die Aufführung des Lindau’ſchen Luſtſpieles in der
Um=
arbeitung von Ferdinand „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren”
wurden den Zuhörern wiederum einige höchſt genußreiche und fröhliche
Stunden bereitet. Die wohlverdiente Anerkennung wurde nach jedem
Aufzug durch reichlichen und dankbaren Beifall bekundet.
a. Aus dem Kreis Groß=Gerau, 8. April. Auf Anregung der
den Regengüſſe in den letzten Tagen iſt der Rhein mit ſeinen
Neben=
flüſſen erheblich geſtiegen. Da, wie verlautet, der Rhein in ſeinem
Mit=
tellaufe noch ſtändig ſteigt, dürfte, wenn die Regengüſſe nicht bald
nach=
laſſen, mit Hochwaſſerſtand zu rechnen ſein. Der hohe Stand des
Rhein=
waſſers macht ſich auch allmählich in den tiefer gelegenen Stellen des
Rieds bemerkbar. Doch hier iſt dieſes Jahr leicht abgeholfen. Nun
be=
lohnen ſich die Arbeiten, die in den letzten drei Jahren in allen Teilen
des Rieds geleiſtet worden ſind. Das ſehr kunſtreich angelegte
Entwäſſe=
rungsſyſtem bewährt ſich über alle Maßen, und kann das Kulturbauamt
ſowie die einzelnen beteiligten Gemeinden mit Stolz auf ein Werk ſehen,
für das zu Anfang nicht gerade allzu große Sympathie herrſchte. Vor
allem die einzelnen Pumpſtationen leiſten Fabelhaftes; es ſei nur die
Pumpe bei Biblis erwähnt. Wo ſonſt um dieſe Zeit Hunderte von
Morgen Wieſen= und auch Ackerland unter Waſſer ſtanden, ſind heute
trotz des hohen Waſſerſtandes die ſumpfigſten Stellen trocken gelegt.
Wenn das geſamte Entwäſſerungsſyſtem alljährlich dieſelbe Behandlung
erhält wie im letzten Jahre, ſei es durch Ausſchachtungen ſowie
Aus=
putzen der Gräben und Bäche, ſo dürfte für das Ried eine
Hochwaſſer=
gefahr endgültig beſeitigt ſein, es müßte denn gerade der Rhein über
ſeine Dämme kommen.
Bnd=Nauheim, 9. April. Dem Vernehmen nach wird der
neu=
gewählte Bürgermeiſter Dr. Ahl ſein Amt nach Pfingſten
antreten.
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Neueröffnung des Opern= und Konzerthaus=
Saales in Bad Nauheim.
Der zirka 1400 Perſonen faſſende Opern= und Konzerthausſaal des
Kurhauſes in Bad=Nauheim iſt ſeit nunmehr 18 Jahren in ſeiner arch
tektoniſchen Eigenart und geſchmackvollen Aufmachung ein würdiger und
vielbeachteter Rahmen für die großen künſtleriſchen Darbietungen und
geſellſchaftlichen Veranſtaltungen des Baues. Wenn noch ein Erdenreſt
zu wünſchen übrig blieb, ſo war es der Gedanke, daß die Stimmung des
Saales entſprechend ſeiner zwiefachen Aufgabe noch wärmer und
feſt=
licher geſtaltet werden könnte. Dieſer Gedanke hat nun ſeine
Verwirk=
lichung gefunden. Der Opern= und Konzerthausſaal wurde im Laufe
der letzten Monate einer durchgreifenden Erneuerung unterzogen. Nach
Entwürfen von Profeſſor Linnemann=Frankfurt a. M. erfolgte eine
Ausmalung, bei der in der Hauptſache die Farben lila und altgold
Ver=
wendung fanden. Das in dem Raum reichlich verwendete Holzwerk, das
wohl mit die Urſache ſeiner vorzüglichen Akuſtik bildet, wurde im unteren
Teile des Saales dunkelbraun und in den Logengängen ſowie an den
Pfeilerverkleidungen ebenholzſchwarz gebeizt. Die Beleuchtung erfolgt
nach Beſeitigung der zahlreichen Einzelbeleuchtungskörper in den Logen
jetzt in der Hauptſache nur durch ſechs große Kronleuchter mit
Prismen=
behang und Kerzenkranz. Die Beleuchtung im unteren Teile des Saales,
die bisher als nicht genügend hell empfunden wurde, iſt durch in die
Kronleuchter eingebaute Tiefenſtrahler ganz erheblich verbeſſert worden.
Zur Wandbeſpannung in den Logengängen wurde violetter Samt
ver=
wendet, aus dem auch die Drapierungen zwiſchen den Logenpfeilern und
die Vorhänge ſämtlicher Fenſter beſtehen. Mahagonigebeizte Möbel, mit
altgoldenem Seidendamaſt überzogen, tragen zum Abſchluß des
Geſamt=
bildes harmoniſch bei. Die Ausführung der Arbeiten unterſtand dem
ſtaatlichen Hochbauamt Friedberg.
Zur Eröffnung des neu ausgeſtatteten Saales wurde am 7. April
eine Feſtvorſtellung in Anweſenheit des Finanzminiſters Henrich, der
Miniſterialräte Windiſch und Paul, einiger Mitglieder des
Finanzausſchuſſes des Landtages ſowie zahlreicher anderer geladener
Gäſte veranſtaltet. Die Eröffnung — man gab „Die Fledermaus” mit
erſter Frankfurter Beſetzung”— ſtand unter einem ſehr glücklichen Sten.
Die Neugeſtaltung des Saales ergab eine ſtarke künſtleriſche Wirkung,
die beſonders für die Kenner der früheren Verhältniſſe überraſchend
reiz=
voll war; beſonders die geſchmackvolle Ausmalung zeigte aufs neue, eine
wie große Bedeutung die Farbe für die Raumkunſt hat.
* Büdingen, 9. Appil. Das ſchönſte Gotteshaus imKreiſe
Büdingen dürfte die wiederhergeſtellte Kirche zu Hitzkirchen
ſein, die durch eine nach Amerika ausgewanderte Familie mit einem
Koſtenaufwand von 12000 Mark renoviert wurde. Die Arbeiten leitete
Denkmalpfleger Geheimer Baurat Walbe zu Darmſtadt und
Regierungs=
baurat Frey in Büdingen. Die Kirche iſt mit elektriſcher Heizung und
Beleuchtung verſehen worden. Die Einweihung nahm dieſer Tage
Superintendent Oberkirchenrat Dr. Wagner aus Gießen vor.
* Gießen, 9. März. Hochwaſſer, führen die Flüßchen
Ober=
heſſens infolge des jetzt tagelang anhaltenden Regenwetters Die Wieſeck
überſchwemmt ihr Tälchen zwiſchen Gießen und Wieſeck, die Lahn tritt
über ihre Ufer, Ohm und Wetter haben weite Wieſenflächen unter Waſſer
geſetzt und in der ſüdlichen Wetterau hat ſich der bekannte Vilbeler See
gebildet, der von Vilbel aufwärts bis Dortelweil, Gronau bis gegen
Kleinkarben reicht. Zum Glück ziehen die Waſſermaſſen dank der
Fluß=
regulierung raſcher ab als früher.
* Laubach, 9. März. Vogelflug vom Vogelsberg bis
nach Andaluſien in Spanien. Bei Kordoba wurde in den
Orangenhainen ein Star geſchoſſen, der einen Ring trug mit der
In=
ſchrift Gonterskirchen bei Laubach am 8. Mai 1926. Der Vogel
m
Mai 1926 in Gonterskirchen aus dem Ei geſchlüpft und von dem
Studen=
ten Nikolai beringt worden. Es iſt damit als ziemlich ſicher feſtgeſtellt,
daß die Stare das Rheintal aufwärts durch die Burgundiſche Pforte
nach Frankreich fliegen, von hier die Rhone abwärts gehen von
Süd=
frankreich eine kurze Streike über das Meer fliegen, um die Pyrenäen zu
umgehen. An den Küſten Spaniens zerſtreuen ſie ſich dann und fliegen
bis Andaluſien und zur Südküſte Spaniens. Etwa 2000 Kilometer
beträgt der zurückgelegte Weg.
* Grünberg, 9. April. Aufgetrieben zu dem vorgeſtrigen Viehmarkt
waren 497 Ferkel. Der Handel ſetzte gut ein, die Preiſe hielten ſich in
mäßigen Grenzen. Für 6—7 Wochen alte Ferkel wurden 26—28, von
7—8 Wochen 28—30, von 8—9 Wochen 32—35, von 9—10 Wochen 35 bis
40 bon 10—11 Wochen 40—44 und von 11—12 Wochen 48—50 Mark
ge=
zahlt. Geringer Ueberſtand verblieb. Der Zuſpruch auf dem
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dn.
Seite 10
Sonntag, den 10. April 1927
Nummer 100
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Dr.-Ing. Walter Brecht
Lisbet Brecht
geb. Volz
zeigen ihre Vermählung an.
9. April 1927
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Augsburg
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Nach langem ſchweren Kampf iſt heute
meine liebe Frau, unſere liebe, treuſorgende
Mutter zur Ruhe gekommen
In tiefſtem Schmerz:
Ph. Axt II.
Elſe Axt
Familie Ph. Axt III.
Familie Arnold Weiß,
Darmſiadt.
Ernſthofen, den 8. April 1927. (9813
Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3 Uhr
ſtatt.
Vereinigung
früherer
Leibgardiſten
Darmſtadt.
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Statt beſonderer Anzeige.
Am 6. April eniſchlief ſanft nach ſchwerem Leiden im 73.
Lebens=
jahr unſere geliebte Muiter und Großmutter
geb. Scherz.
In tiefer Trauer:
Vera von Oertzen, geb Freiin von Milkau
Freiin Elſy von Milkau, Johanniterſchweſter
Kena von Oertzen
Auf Wunſch der Entſchlafenen geben wir ihr Ableben erſt nach erfolgter
9732
Einäſcherung bekannt.
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Am 7. April 1927 verſchied unſer
treues Mitglied
Friedrich Funck
Prokuriſt i R. (6179
Die Einäſcherung findet
Mon=
tag, den 11. April 1927, vormittags
11 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Die Kameraden werden hiermit
aufgefordert, ſich zahlreich zu b
teiligen. Zuſammenkunft 1034 Uh.
vormitlags am Portale des
Wald=
friedhofes Der Vorſtand.
Dankſagung.
Für die troſtreichen Worte des Herrn
Pfarrer Gebhard, ſowie für die
freund=
liche Anteilnahme anläßlich des
Hin=
ſche dens unſeres lieben Großvaters,
Schwiegervaters
Herrn
Johann Petter III.
Schuhmacher
geſtatten wir uns, auf dieſem Wege
unſeren wärmſten Dank auszuſprechen.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Jakob Eckſiein.
Winterkaffen, den 9. April 1927. (6251
Für die vielen Gratulationen und
Geſchenke anläßlich unſerer Goldenen
Hochzeit ſagen wir allen Freunden und
Bekannten auf dieſem Wege unſern
herzlichſten Dank. Auch danken wir
Herrn Pfarrer Schilling für die
an=
genehm berührende Einſegnung am
Altar ganz beſonders und den beiden
Geſangvereinen Sängerbund und
Ger=
mania für Geſchenke und Ständchen
herdlich Eonrad Lotz III. u. Frau
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Herin Peter Jahme
ſagen wir Allen unſeren innigſien Dank Beſonders danken
wir Herrn Pfarraſſiſienten Tein; für die troſtreichen Worte,
Herrn Oberſiaatsanwalt Dapper für die erhebende Grabrede
und Kranzniederlegung, ſowie ſeinen Freunden, die ihm durch
einen Choral und Kranzipenden die letzte Ehre erwieſen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen
Unna Jayme, geb. Roth
und Kinder.
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Nummer 100
Sonntag, den 10. April 1927
Geite 11
Sport, Spiel und Turnen.
Frau Oberſtudiendirektor Dr. Matz (M. b. R.) über „Die Bedeutung
Turnen.
der Leibesübungen für die berufstätige Frau”, eine Vorführung der Be=
Das neue Sammelturngerät „Saturn”
Seine Vorführung in der Aufbauſchule zu Bensheim.
Vor zahlreich verſammelten Lehrern und Lehrerinnen aus
den Städten Worms, Bensheim, Darmſtadt und Groß=Gerau
und deren Umgebung, ſowie einer Anzahl Fachturnlehrer und
Fachturnlehrerinnen führte Herr Seminarturnlehrer Klenk=
Bensheim das von Hauptlehrer Lamparter=Abſtatt in
Württemberg erfundene Sammelturngerät „Saturn” vor.
Nach einer kurzen Erläuterung des Vorführenden ſtellten
die Schüler der Obertertia der Aufbauſchule zu Bensheim in
etwa 5 Minuten dieſes Gerät ohne Schwierigkeit vollſtändig auf.
Die beiden Leiterböcke, beſtehend aus je einem ſchrägen und
zwei ſenkrechten Stroſſenwänden, werden etwa 3½ Meter
von=
einander aufgeſchlagen und dienen zugleich als Lager für die
wwagrecht oder ſchräg geſtellten Leitern, Reckſtangen, Barrenholme,
Holzpferde, Schwebekanten, Sprungleine und Schwimmgurte,
alle ſehr leicht in Höhe und Breite verſtellbar. Das ganze
Ge=
nät iſt aus beſtem Holz gefertigt und nur die Verbindungen der
hinzelnen Sproſſenwände, die Steckbolzen, Schrauben und
der=
fleichen mehr ſind aus Eiſen.
Das Gerät iſt ſtandſicher. Sein bedeutender Vorzug beſteht
Garin, daß man an ihm eine größere Anzahl von Schülern
(16 bis 20) gleichzeitig beſchäftigen kann. Der Zeitaufwand zum
Auf= und Abſchlagen des Gerätes wird reichlich aufgewogen durch
die größere Uebungsgelegenheit. Aber auch die Vielſeitigkeit in
den verſchiedenſten Hang=, Stütz=, Sprung=, Kriech= und
Kletter=
übungen uſw. iſt eine außerordentliche Empfehlung für das
Sammelturngerät und macht es zu einem Lieblingsgerät der
turnfreudigen Jugend. Es ermöglicht die Ausführung der
her=
kömmlichen Geräteübungen, iſt aber auch wie geſchaffen zu dem
neuzeitlichen „natürlichen Turnen”, das von den bedeutendſten
Führern auf dem Gebiete des Jugendturnens mit Recht ſo
warm empfohlen wird.
Ganz beſonders für Schulen ohne Turnhallen, für Turn=,
Sport= und Spielvereine, die ſich die körperliche Ausbildung der
jüngeren und reiferen Jugend zur Aufgabe geſtellt haben, iſt das
Sammelturngerät „Saturn” das einzige gegenwärtig zu
empfeh=
lende. Durch einen mit vielen Abbildungen verſehenen Katalog
war der hohe Wert dieſes Turngerätes klar, doch die
Aus=
wahl der von Seminarlehrer Klenk dargebotenen Uebungen
machte einen geradezu überwältigenden Eindruck und ließ die
Vielgeſtaltigkeit in der Verwendbarkeit aufs beſte erkennen. Der
mäßig gehaltene Preis macht es Gemeinden und Vereinen
mög=
lich, ſich dieſes vorzügliche Gerät anzuſchaffen.
Tagung des Hauptausſchuſſes der O.T.
Im Haus der Deutſchen Turnerſchaft hielt am Freitag der
Haupt=
ausſchuß der D. T., beſtehend aus dem Vorſtand, den 18 Kreisvertretern
und den Fachwarten, ſeine fällige Jahresverſammlung ab. Im
Vorder=
grund der Tagung ſtand die Beratung über die zu gründende Turnſchule
der D. T. in Berlin, deren Bau in Anlehnung an das Sportforum
end=
gültig beſchloſſen wurde. Die Grundſteinlegung erfolgt am 21. Mai.
In Leipzig ſoll gleichfalls eine Turnſchule errichtet werden, die aber erſt
nach dem Berliner Bau in Angriff genommen werden ſoll. Die
Leip=
ziger Stadtverwaltung hat bereits Terrain zur Verfügung geſtellt, das
in Erbpacht genommen und vorerſt als Spielplatz verwandt wird. Für
den Bau iſt eine Summe von 160,000 Mark bereitgeſtellt. Die
Kaſſen=
berichte wurden genehmigt, Beitragserlaſſe in keinem Falle genehmigt.
Die Einrichtung einer Lotterie fand allgemeine Zuſtimmung. / Dann
wurde eine Vereinbarung mit den Volksturnſchulen angenommen. Dieſe
gliedern ſich in die D. T. ein und erkennen deren Grundgeſetze an. Die
Abteilungen von Werkvereinen können ohne Rüchſicht auf die
Zugehörig=
keit anderer Abteilungen zu anderen Verbänden in die D. T.
aufgenom=
men werden. Die Aushändigung einer Reihe von Ehrenurkunden an
verdiente Turner wurde genehmigt, ebenſo die Wahl von Direktor Toyka=
Dortmund als Beiſitzer in den Hauptausſchuß und von Konrektor Beyer=
Dichern in den Ausſchuß für Jahn=Stätten.
Die großen Turnertagungen in Hannover.
Einen gewaltigen Ausbau hat das deutſche Turnen nach dem Kriege
erfahren. Die Betriebsformen ſind vielſeitiger geworden, und allen
Zeit=
ſtrömungen auf dem Gebiete der Leibesübungen iſt in dem nur
mög=
ichen Maße Rechnung getragen worden. Volksturnen, Turn= und
Sport=
ſpiel und Schwimmen ſind in großzügiger Weiſe ausgeſtaltet worden
und haben einen machtvollen Aufſchwung genommen. Das Frauenturnen
iſt ebenfalls in neuzeitliche Bahnen gelenkt worden und hat heute einen
Umfang, wie er vor dem Kriege kaum geahnt wurde.
Die Leitung der Deutſchen Turnerſchaft iſt unabläſſig bemüht, allen
Anforderungen der Neuzeit gerecht zu werden und Neuerungen zu
erpro=
ben und zum Allgemeingut zu machen, und alle Anregungen zu
ver=
arbeiten, auszugeſtalten und weiter zu verbreiten. Dieſem Zweck dienen
in dieſem Jahre die turneriſchen Tagungen in der Oſterwoche zu
Han=
nober. Am 11. und 12. April finder die Kreiswartetagung ſtatt, am 13.
und 14. die zweite Tagung für deutſches Frauen= und Mädchenturnen.
Vährend die Kreiswartetagung mehr internen Charakter trägt, iſt die
Frauentagung öffentlich.
Auf der Kreiswartetagung treten die einzelnen Fachabteilungen für
Geräteturnen, Spiele, Volksturnen, Schwimmen, Fechten und
Frauen=
turnen am Montag geſondert zuſammen und regeln von ſich aus, zum
Teil nach Anhörung fachwiſſenſchaftlicher Vorträge, alles für ihr
Arbeits=
gebiet Notwendige. Am Nachmittag folgt dann eine gemeinſame Sitzung
der Kreisoberturnwarte mit dem Vorſtand des Turnausſchuſſes. Am
Dienstag vormittag wird die Arbeit in den Fachabteilungen fortgeſetzt.
Nachmittags 3 Uhr beginnt die gemeinſame Tagung aller Kreiswarte.
Hierbei wird vor allem die Ausbildungsarbeit in der D.T. behandelt
werden. Der Oberturwwart der Deutſchen Turnerſchaft. Studienrat Max
Schwarze=Dresden, hat den einleitenden Vortrag übernommen. Das
Deutſche Turnfeſt in Köln 1928 ſowie auch die Teilnahme der Deutſchen
Turnerſchaft an den olympiſchen Spielen 1928 wird weiterhin zu dem
Arbeitsplan der Sitzung gehöven.
Am Mittwoch beginnt die Tagung für deutſches Frauen= und
Mäd=
chenturnen im Kuppelſaal der Stadthalle zu Hannover. Der Vorſitzende
der D.T., Direktor Dr. Berger, wird die Eröffnung vornehmen. Dann
folgt eine Vorführung ſpieleriſcher Beweglichkeitsformen in den erſten
Schuljahren. Dieſe, wie auch alle anderen Vorführungen, ſtellt die
Han=
noverſche Muſterturnſchule unter ihrem Leiter Karl Loges. Es folgen
dann: ein Vortrag von Dr. Klinge=Berlin über „Die Aufgaben des
Fmauenturnens in der D.T.” eine Vorführung von Spannungs=,
Schwung= und Geräteübungen im Dienſte der Kräftigung des Rumpfes.
ein Vortrag von Dr. Sippel=Berlin über „Die Spielformen des
Tur=
neus und ihr Sinn für die Entwicklung des Kindes”, eine Vorführung
deu Leiſtungsform in der Bewegungsſchulung des Mädchenturnens, ein
Vortrag von Prof. Dr. Rautmann (Freiburg im Breisgau) über „
Aerzt=
liches über die körperliche Ausbildung der Frau im Turnen und Sport”.
Den Beſchluß macht eine Vorführung der Leibesübung der Frau zur
Er=
haltung der Beweglichkeit und Förderung der Funktion. Acht Uhr
abends findet dann ein Deurſcher Abend im Kuppelſgal der Stadthalle
ſtatt. Feſtvorführungen, Geſangs= und Sprechchöre werden zur
Dar=
ſtellung kommen.
Die Feſtfolge für Donnerstag, den 14. April, umfaßt: eine
Vor=
führung vielſeitigſter Bewegung durch Gang=, Lauf= und Sprungübungen.
einen Vortrag von Dr. Schnell (Halle) über „Die Wichtigkeit und
Not=
wendigkeit der Koordinationsübungen in den erſten Schuljahren”, eine
Vorführung des Gerätetu der jungen Turnerin, einen Vortrag von
wegungsſchule durch Schwung= und Spannungsformen, einen Vortrag
von Dr. med. Körting=Hannover über „Die Leiſtungsgrenze der Frau”.
Den Beſchluß macht dann eine Vorführung des Tanzes als Leibesübung
und Mittel zur Förderung der Geſtaltungskräfte in Schule und Verein.
Damit ſchließt das vielſeitige Tagungsprogramm, das ſicherlich in
hohem Maße dazu beitragen wird, dem Frauenturnen neue Wege zu
weiſen. Welchem allgemeinen Intereſſe gerade die Frauentagung unter
liegt, geht am beſten daraus hervor, daß ſchon jetzt über 1000
Teil=
nehmer aus allen Teilen Deutſchlands angemeldet ſind. Die
Frauen=
tagung ſtellt alſo die größte derartige Veranſtaltung dieſer Art
über=
haupt dar, die an Auswirkung und Bedeutung bisher von keiner
an=
deren auch nur annähernd erreicht wurde.
Handball.
Sportverein 98, Liga-Liggerſatz 8:3.
Wer geglaubt hatte, dieſes Spiel würde eine ſichere Sache des
Süd=
deutſchen Meiſters werden, ſah ſich beträchtlich getäuſcht. Die Liggerſatz
hielt vollkommen das, was ſie in den letzten Spielen verſprochen hat. Ihr
beſter Mannſchaftsteil, der Sturm, wurde insbeſondere in der 1.
Halb=
zeit dem Tor des größeren Gegners oft gefährlich. Mit Rieſeneifer und
unter Hergabe des ganzen Könnens gelang es der Liggerſatz, einen
Vor=
ſprung von 2 Toren, den die Ligiſten in den Anfangsminuten erzielt
hatten, aufzuholen. Sie ging daran anſchließend ſogar ſelbſt in Führung
und hielt bis in die Mitte der Halbzeit das Spiel vollſtändig offen. In
der letzten Viertelſtunde ſetzte ſich dann allerdings die gereiftere
Spiel=
weiſe der 1. Mannſchaft voll durch. In dieſer Zeit kam gerade der
Innenſturm in volle Fahrt und ſtellte den Sieg in einer Höhe, die nach
dem bisherigen Spielverlauf nicht ganz verdient war, ſicher. Alles in
allem: Ein anregendes Spiel, das zeigte, daß den Sportvereinlern um
den Nachwuchs nicht bange zu ſein braucht, daß aber auch die ſüddeutſche
Meiſtermannſchaft nichts von ihrem Können eingebüßt hat, und daher
mit dem netwendigen Selbſtvertvauen die Endſpiele aufnehmen darf.
Briefkaſien.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonsme Anfragen werden
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlichkeit.
P. K. 100. Im Entwurfe eines Geſetzes über die
Sondergebäude=
ſteuer für das Rechnungsjahr 1927 iſt diesbezüglich geſagt: Der Begriff
„Wohnfläche” ergibt ſich aus der Verordnung des Reichsarbeitsmriniſters
und des Reichsfinanzminiſters vom 24. Juli 1926. Danach gilt als
Wohnfläche die geſamte Grundfläche der abgeſchloſſenen Wohnung,
ab=
züglich der Wandſtärken, einſchließlich der Grundflähe von Raumen
zum dauernden Aufenthalt von Menſchen in Dach= und Untergeſchoſſen.
Bei Berechnung der Wohnflächen von Räumen iſt die Grundfläche der
Treppen nicht in Anſatz zu bringen, und zwar auch dann nicht, wenn
die Treppe in die Küche uſw. eingebaut iſt. In Einfamilienhäuſern, die
von kinderreichen Familien bewohnt werden, werden diejenigon Räume
über 70 Quadratmeter Wohnfläche hinaus auf Antrag nicht
mit=
gerechnet, die zur Unterbringung der 4 und folgenden Kinder
erforder=
lich ſind. Dies gilt niht, ſoweit es ſich um Kinder handelt, die über
16 Jahre alt und in der Lage ſind, ihren Lebensunterhalt ſelbſt zu
ver=
dienen. Hiernach dürften die Fragen beantwortet ſein.
Kegeln.
Sport= und Werbewoche der „Zwölfer” T. G.D. 46.
Höchſtleiſtungen vom 8. April.
Ehrenbahn (10 Kugeln): Kramer (L.L.) 58, Schönig (Kranz) 53.
Induſtriebahn (4 Kugeln): Pfeiffer (Zwölfer) 30, Wenner (L.L.) 27.
Werbebahn (4 Kugeln): Meyer (Kranz) 28, Grün (L. L.) 28.
Damenbahn (3 Kugeln): Frl. Bangert (Goldene Kugel) 23.
Es wird noch einmal beſonders darauf hingewieſen, daß am
Palm=
ſonntag nicht gekegelt werden darf. Mit Rückſicht hierauf iſt die
Sport=
woche bis 13. April einſchließlich verlängert worden. Kegelzeiten wie
ſeither von 3—11 Uhr. Schluß des Kegelns: Mittwoch, 13. April,
7 Uhr abends.
Riegenkegeln. Die bisher erzielten Ergebniſſe ſind: 1. Kegelklub
Keglerluſt 513, 2. Kegelkl. L. 8. 497, 3. Kegelkl. Batzer (1. Mannſch.) 486,
4. Kegelkl. K.K. 23 485, 5. Kegelkl. Chattia 472, 6. Kegelkl. Konkordia
(1. Mannſch.) 469, 7. Kegelkl. L.L. (2. Mannſch.) 469, 8. Kegelkl. Fall um
468, 9. Kegelkl. Kranz 462, 10. Kegelkl. Molly 444, 11. Kegelkl.
Sport=
kegler 438, 12. Kegelkl. Batzer (2. Mannſch.) 419, 13. Kegelkl. Konkordia
(2. Mannſch.) 414, 14. Kegelkl. L. L. (3. Mannſch.) 413. — Jede Riege
be=
ſteht aus 5 Mann, pro Mann ſind 20 Kugeln abzuwerfen.
Boxen.
Die Kreismeiſterſchaften des 2. Kreiſes im Boxen in Biſchofsheim.
Eine Veranſtaltung, die es verdient, der Oeffentlichkeit unterbreitet
zu werden, denn ſie war in ſportlicher und organiſatoriſcher Hinſicht
erſtklaſſig. Der gebotene Sport überragte ſämtliche ſeitherigen
Fauſt=
kampfveranſtaltungen des Kreiſes. Es dürfte vor allem intereſſieren,
daß in den acht Klaſſen ſich nur zwei Meiſter ihren Titel wiederholen
onnten. Ein=Beweis, daß die Jugend ſtark nachdrängt, ſehr zum
Vorteil des Boxſportes. Schon in den Vorkämpfen wurden Leiſtungen
gezeigt, wie man ſie bis jetzt eben noch nie ſah. Und erſt die
Zwiſchen=
runden und Entſcheidungskämpfe boten wirklichen Meiſterſport, der
allenthalben befriedigen konnte. Selbſt bei den ſchweren Klaſſen wurde
mit einer Schnelligkeit und Ausdauer durchgehalten, die einfach
groß=
artig waren. In Punkto Technik und Stil war ebenfalls ein großer
Fortſchritt zu verzeichnen, und dank dieſer Eigenſchaften ſah man dann
auch Meiſterkämpfe. Am beſten ſchnitten naturgemäß die reinen
Box=
ſportvereine ab, gegen welche die Abteilungen von Kraftſportvereinen
nur fehr ſchwer aufkommen konnten. Beſonders war hier Rüſſelsheim
und Wiesbaden hervorzuheben, die faſt alle Klaſſen beſetzt hatten und
auch das beſte Kämpfermaterial ſtellten. Auch die Kämpfer von
Darm=
ſtadt, Mainz, Iſenburg, Pfungſtadt, Kreuznach und Zeilsheim zeigten
ſehr gute Leiſtungen. Ueber vierzig Mann waren am Samstag abend
in dem gaſtfreundlichen Biſchofsheim zu den Vorkämpfen erſchienen.
Das Federgewicht hatte mit 12 Konkurrenten die ſtärkſte Beſetzung und
in dieſer Klaſſe waren auch die härteſten Kämpfe zu ſehen. Es gab vor
allem nicht mehr ſo viel Dreſche wie ſonſt, und doch ſah man ſehr harte
und ſchnelle Schlagwechſel. Das Kampfgericht hatte verhältnismäßig
ſehr leichte Arbeit. Höchſt ſelten gab es Verwarnungen, und nur
ein=
mal wurde von dem Rechte der Disqualifikation wegen Nierenſchlag
Ge=
brauch gemacht. Bliebe noch zu ſagen, daß der feſtgebende Verein keine
Mühe ſcheute, ſeinen Fauſtkämpfern den Aufenthalt in Biſchofsheim ſo
angenehm wie möglich zu machen. Im Fliegengewicht ſiegte Dietz=
Kreuznach nach härteſtem Kampfe durch Aufgabe des Gegners Kollmann=
Fulda. Im Bantamgewicht behauptete ſich Retzinger=Zeilsheim
gegen Wendel=Zeilsheim. Ebenfalls ein wirklich guter Kampf, bei dem
man auch keinen Moment ſah, daß Vereinskollegen kämpfen. Das
Fe=
dergewicht hatte in Götz=Zeilsheim ſeinen beſten Mann, der in der
Entſcheidung ſeinen Gegner Klein=Wiesbaden nach Punkten ſchlug. Der
beſte Entſcheidungskampf. Im Leichtgewicht ſtanden Prebohl=
Rüſſelsheim und Löſch=Neu=Iſenburg in der Entſcheidung. Erſterer war
wohl der beſte Mann am Platze, und er ſiegte verdient nach Punkten.
Hannemann=Rüſſelsheim hieß der Sieger im Weltergewicht, der
Weiland=Offenbach in der zweiten Runde zur Aufgabe zwang. Im
Mittelgewicht wurde Maier=Fulda kampflos Sieger, da ſein
Geg=
ner Krietenſtein=Wiesbaden wegen verbotenen Schlages disqualifziert
wurde. Im Halbſchwergewicht ſiegte Melſon=Wiesbaden nach
Punkten über Hans Weckbach=Darmſtadt. Ein umſtrittener Sieg, bei
dem der Sieger enttäuſchte und der Beſiegte angenehm überraſchte. Das
Schwergewicht machte die Gebrüder Schmitt=Mainz zu Gegnern.
Beide zeigten einen ſehr annehmbaren Kampf, den der ältere ſicher
ge=
wann. Nachſtehend die Reſultate:
Fliegengewicht: 1. Dietz=Kreuznach; 2.Kollmann=Fulda. —
Bantam=
gewicht: 1. Retzinger=Zeilsheim; 2. Wendel=Zeilsheim. — Federarwicht:
Götz=Zeilsheim; 2. Klein=Wiesbaden. — Leichtgewicht: 1. Prebohl=
Rüſſelsheim; 2. Löſch=Iſenburg. — Weltergewicht: 1. Hannemann=
Rüſ=
ſelsheim; 2. Weiland=Offenbach. — Mittelgewicht: 1. Maier=Fulda; 2.
Drott=Pfungſtadt. — Halbſchwergewicht: 1 Melſon=Wiesbaden; 2.
Weck=
bach=Darmſtadt. — Schwergewicht: 1. W. Schmitt=Mainz; 2. E. Schmitt=
Mainz.
Leichatthletik.
Deutſche Waldlaufmeiſterſchaft 1927. Anfänger=, Jugend= und Alte
Herren=Wettbewerbe.
Der mit der Durchführung der Deutſchen Waldlaufmeiſterſchaft
be=
auftragte Verein für Raſenſpiele 1896 e. V.; Heilbronn a. N., veranſtaltet
zur Umrahmung der Meiſterſchaft Einzel= und Mannſchaftswaldläufe
4 Mann) für Anfänger und Jugendliche der Klaſſe A (Jahrgang 09/10.
und B (Jahrgang 11/12) und Einzelläufe für Alte Herren der Klaſſen
A—E. Die Diſtanz beträgt für Anfänger 5000 Meter und für Alte
Herren und Jugend 2500 Meter. Die Einſätze betragen für die
Einzel=
wettbewerbe der Anfänger und Alten Herren 1,50 Mk.; für
Mannſchaf=
den 3 Mk. und für Jugend 0,50 Mk. bzw. 1 Mk., ſowie 0,30 Mk.
Melde=
gebühr an D.S.B. für jeden Teilnehmer. Anfrägen und Meldungen
ſind an G. Schneider, Heilbronn a, N., Sichererſtr. 82, zu richten.
Geſchäftliches.
Gin großer Dichter und Menſchenbenner prägte
einſt das Wort, deſſen Wahrheit wir alle erleben müſſen: „Das
Tragiſche iſt nicht, daß wir alt werden, ſondern daß wir jung bleiben!“
Aber liegt es nicht doch etwa in unſerer Macht, den Gegenſatz
zwiſchen dem allzu jungen Herzen und den Erſcheinungen des Alters
zu mildern und auszugleichen? — In dieſer Kunſt ſind den Männern
die Frauen von heute zweifellos überlegen. Die Mode geſtattet ihnen,
jung zu erſcheinen. Selbſt ein leichtes Ergrauen des Haares kann das
Anmutige und Jugendliche, das jedem Bubikopf eigen iſt, nicht ſtören,
verleiht ihm im Gegenteil oft erſt eine intereſſante Note. Die alternde
Frau wirkt immer noch ſchön und pikant durch eine reizvolle Linie
der Bubikopf=Friſur, die ihrer geſamten Erſcheinung entſpricht. Aber
zu dieſem Schritthalten mit der Jugend iſt es für die Alternden doppelt
nötig, ihrem Haar durch Pixavon die weiche Schmiegſamkeit zu
geben, die ein Bubikopf von wirklicher Eigenart dringend erfordert.
Pixavon gibt dem Haare die duftig=weiche Fülle der Jugend und den
ſchimmernden Glanz, der um Jahre verjüngt.
Die Bauſparkaſſe der Gemeinſchaft der Freunde,
gemeinnützige Geſellſchaft m. b. H., Wüſtenrot (Württemberg)
der ſeitens der württembergiſchen Regierung das Depot= und
Depo=
ſitenrecht verliehen iſt, ſtellte am 29. März 1927 für 22 Bauſparer
wiederum 3½ Millionen Reichsmark zum Bau von Eigenheimen zur
Verfügung. Die Geſamtſumme der in zwei Jahren durch organiſiertes
Zweckſparen von der G. d. F. dem Baumarkt zugeführten. Gelder
be=
trägt mehr als 20 Millionen Mark, die ſich auf 1233 Bauſparer
ver=
teilen. Bekanntlich ſind die Bauſparer in Bezug auf Bauausführung
und Ortswahl keinerlei Beſchränkungen unkerworfen. Unterrichtende
Druckſchriften ſind von der Hauptverwaltung in Wüſtenrot (
Württem=
berg) zu erhalten.
Drei ganz beſonders preiswerte Mittelmeer=
Reiſen, die erſte nach den Canariſchen Inſeln und Madeira, die
zweite durch den ganzen Orient und die dritte nach Algerien, Tuneſien
und Spanien, veranſtaltet das Mittelmeer=Reiſebüro in Berlin W 8,
Kronenſtraße 3, und Hamburg 36, Eſplanade 22, im kommenden
Sommer, während der Schul= und Gerichtsferien. — Die Fahrpläne
dieſer Reiſen ſind, ſo intereſſant gehalten, daß ſie nicht mehr
über=
roffen werden können. Alle drei Reiſen werden zu volkstümlichen
Preiſen mit dem 15 000 Tonnen großen Doppelſchrauben=
Schnellpoſt=
dampfer „Polonia”
der Baltic=America=Linie ausgeführt. Die
Beköſtigung iſt reichlich und qualitativ hervorragend, und ſchon für
395 Mark kann man eine derartige dreiwöchentliche Mittelmeer=Reiſe
ausführen. — Alles Nähere enthält der Spezial=Proſpekt Nr. 50, den
die genannten Büros an Intereſſenten koſtenfrei verſenden.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
s1a4
Sonntag, 10. April. 8: Morgenfeier. O 10.30: Stenographiſches
Wettſchreiben (Diktat von 80, 100, 120, 150, 158 und 200 Silben).
O 11.30: Elternſtunde. Rektor Wehrhan:
Nun ſinget und ſeid froh
mit euren Kindern, denn Freude iſt alles!” O 12: Alte und neue
geiſtige Chormuſik. O 3.30: Stunde der Jugend. Märchentante.
Hans Rotkehlchen. — Der Salbyer Rabe, Für Kinder vom
Jahre ab. O 4.30: Die Oper der Woche. Verdi: „Troubadour”,
Fant. — Joh. Strauß: „Wiener Blut”. — Bizet: „Carmen”, Arie.
Rich. Strauß: „Elektra”, Fant. — Weber: „Freiſchütz”, Szene
und Arie „Wie nahte mir der Schlummer”
Wagner: „
Par=
ſifal”
Fant.
Mitw.: Joſefine Kemp=Nettſtraeter (Sopran),
O 6: Rhein=Mainiſcher Verband für Volksbildung. O 8.30: Konzert
des Maerzſchen Madrigalchors. Paleſtrina; Miſſa Papae
Mar=
celli. — Schütz: Magnificat. Anſchl.: Robert Taube vom Frankf,
Schauſpielhaus.
Siuttgart.
Sonntag, 10. April. 11.30: Morgenfeier. O 2:
Schallplatten=
konzert. O 3: K. Vogt: Spielkunſt des Theaters. O 3.30:
Funk=
heinzelmann von Berlin. O 4: Kaſperltheater für kleine und große
Kinder. „Prinz Roſenrot und Prin
A. Dobsky: Der Palmſonntag in der Kunſt. O 6.45: Dichterſtunde.
O 8: Balladen. O 9: Bunter Abend. Bosc: Pierrot=Marſch.
„Die Nacht des Verhängniſſes”. Schwank von M. Heye. —
Muſik=
einlagen zwiſchen 1. und 2. Akt: Chapuis: Ke=Sa=Ko,; zwiſchen
2. und 3. Akt: Engel=Berger: Im Prater am Abend. — Fucik:
Florentiner Marſch.
Berlin.
Sonntag, 10. April. 9: Morgenfeier. Mitw.: O. Dunkelberg
(Orgel). St. Laurentius=Kirchenchor. Joh. Laſowski (Violine). Dr.
Ernſt Kamnitzer. Friedel Kamnitzer (Rezit.). O 11.30: Platzmuſik
des Muſikkorps des 9. (Pr.) Inf.=Regts. (Potsdam). O 1.10: Die
ztunde der Lebenden. „Claire Goll — Iwan Goll”. Einl. Worte:
Alfred Kerr. O 2.30: Die Stunde des Briefmarkenſammlers.
Lindenberg: Sondergebiete der Markenkunde. O 3: Dr. Röhler:
Die Fiſcherei als Nebenbetrieb der Landwirtſchaft. O 3.30: Märchen.
Belauſcht. Armut und Demut führen zum Himmel. Gel. von
Käthe Haack. O 4: Dr. Hoffmann=Harniſch: Die Frauen der
deutſchen Literatur (In der Romantik). O 4.30: Kapelle Gebr.
Steiner. O 7.05: Adolf Trotz: Filmerlebniſſe in Mexiko. O 7.30:
Chefredakteur Vetter: Das: Wochenende. O 8: Dr. Singer: Einf.
zu dem nachfolgenden Oratorium. O 8.15: „Johannes=Paſſion
für Soloſtimmen, Chor und Orch. von Joh. Seb. Bach. Dir.:
Selmar Meyrowitz. Sol.: Sopran: Käthe Philippbaar; Alt
Eleonore Schloßhauer; Tenor: M. Willimsky; Baß: L. v. d. Sande;
Bariton: C. Bronsgeeſt. O 10.30: Tanzkapelle Hoffmann.
Wetterbericht.
Wettervorherſage für Montag, den 11. April 1927.
(Nach der Wetterlage vom 9. April 1927.)
Wechſelnd bewölkt, etwas kühler und vielfach trocken.
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich ſür Polliik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feullleton, Reich unn
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Sireeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhimand
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch, für den Schlußdſenſt: Andreas Bauer; für den
fuſergtentei! Willy Kuhle: Druck und Verlag: L. C. Wiitich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Mannikripte wird Garantie der Rückſendung n ich / übernommen.
Die heutige Nummer hat 22 Geiten und Unterhaltungsblatt
VI6201
[ ← ][ ][ → ]Nummer 100
Sonntag, den 10. April
Jautt
Vom füddeutſchen Produktenmarkt.
Bei verhältnismäßig kleinen Beſtänden anhaltende kontinentale
Nachfrage, namentlich fur deutſche und belgiſche Rechnung und neue
Käufe Englands ſowie etwas geringere Verſchiffungsziffern haben am
amerikaniſchen Markt ſeit der Vorwoche eine Befeſtigung um 2
Dollar=
cent pro Buſhel aufkommen laſſen, obwohl die erſten vorliegenden
Schätzungen der amerikaniſchen Ernte recht günſtig auf einen Stand
von 87,1 Prozent bzw. 85,8 Prozent, entſprechend einem Ertrag von
585 bzw. 584 Millionen Buſhels lauteten und noch große Beſtände für
die Hinübernahme in das neue Erntejahr verbleiben dürften. Am
hie=
ſigen Markte hat ſich dieſe Haltung des Weltmarktes im Cifgeſchäft durch
eine Erhöhung der Forderungen um rund 20 Guldencents gegenüber
der Vorwoche ausgewirkt, ſo daß man zuletzt u. a. für die 100 Kilo in
Gulden eif Rotterdam verlangte: Manitoba I 15,95, II 15,55, III 14,70,
Kanſas II 14,90, Baruß 0,78 Kilo, 13,55, Roſa Fé, 78½ Kilo, 13,82½
Mai/Juni, Auſtralweizen ſchwimmend, 14,70 transbordé, April=
Abladung 14,85 transbordé, rheinſchwimmend 15,25 cif Mannheim. In
Inlandsweizen war zuletzt kein Angebot. Inlandroggen leicht
be=
eſtigt auf RM. 27,50—27,75 (Vorwoche RM. 27—27,25),
Auslands=
roggen RM. 27,50—28,00 (27,25). Inländiſche Braugerſte wurde nicht
angeboten, ausländiſche koſtete RM. 30,50—31,75; auch Futtergerſte war
um 0,25 RM. auf RM. 21,25—22,25 befeſtigt. Inländiſcher Hafer wurde
wenig angeboten und befeſtigte ſich um RM. 0,50—0,75 auf RM. 22,50
bis 23,50, ausländiſcher um RM. 0,25 auf RM. 21,50—22,00. Mais
neigte zur Schwäche. Das Mehlgeſchäft ließ ſtarken: Wettbewerb der
niederrheiniſchen Mühlen erkennen; die Verſtändigungsbeſtrebungen
zwiſchen Ober= und Niederrhein machen nur langſame Fortſchritte. Die
ebühren des Mehlhandels wurden am 1. April von RM. 0,40 auf
RM. 0,30 je Sack gegenüber 15 Pfg. in der Vorkriegszeit herabgeſetzt
Süddeutſches Weizenmaterial koſtete RM. 39,75. Weizenbrotmehl RM.
31,75, Roggenmehl RM. 36,50—38,50 (Vorwoche RM. 35,75—38,00),
Futtermittel in prompter Ware geſucht, auf Lieferung= vernachläſſigt,
Malzkeime und Biertreber ſtärker angeboten. Preiſe: Weizenkleie
prompt RM. 13,50—14,00, Mai/Juni/Juli RM. 12,75, Auguſt/Dezember
tM. 12,00, Futtermehl RM. 15,75, Nachmehl RM. 23,00, Maisſchrot
ſtM. 19,50—19,75, je 100 Kilo. Für Hopfen und Malz hat das ſeit
Aprilbeginn ungünſtige Wetter die Stimmung bei den Brauereien in
der Richtung beeinflußt, daß ſie mit Käufen abſolut zurückhalten.
Ins=
beſondere iſt das Geſchäft in Hopfen ſehr ruhig verlaufen, wovon nur
Qnalität I etwas geſucht war. Die Vorräte ſind bei den Spekulanten
ehr gering geworden und die Produzenten ſcheinen in großem
Um=
fang ausverkauft zu ſein. — In der Rheinſchiffahrt kann infolge der
Niederſchläge der letzten Zeit mit voller Abladetiefe gefahren werden.
Der Zuwachs des Waſſers an der Oberrheinſtrecke hat es ermöglicht,
daß am 5. d. M. auch die Schiffahrt nach Baſel wieder eröffnet werden
konnte. Die Schiffsmiete beträgt pro Tonne und Tag höchſtens drei
Pfennige, in Rotterdam 2½ Cents. Der Schlepplohn für die Strecke
ſtotterdam-Ruhrort wird nach dem 27½—30 Cents=Tarif berechnet, je
Laſt von 2000 Kilo; auf der Strecke von der Ruhr nach Mannheim
be=
trägt er pro Tonne RM. 1,00, Mannheim-Karlsruhe RM. 0,35,
Mann=
heim—Kehl—Straßburg RM. 0,75. An der oberrheiniſchen Strecke nach
Baſel wird er von Fall zu Fall berechnet; die Kohlenfracht beträgt von
ſtuhrort nach Mannheim per Tonne 70 Pfg. Für Exportkohlen von
der Ruhr nach Rotterdam 80 Pfennig pro Tonne inkl. Schleppen.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt wird berichtet: Im Zuſammenhang
mit der Ausſperrung ſind neue Umſätze nennenswerten Umfanges nicht
bekannt geworden. Da die 1926er Tabakernte zum weit größten Teil
bereits verkauft iſt, wird auch das Geſchäft in den nächſten Wochen nur
klein bleiben. Man beſchäftigt ſich in den Vergäverlagern
gegen=
wärtig mit dem Ausputzen der Tabake, wobei ſich zeigt, daß die 1926er
rnte meiſt in völlig geſundem Zuſtande geliefert worden iſt. Die
Rauchtabakherſteller haben bereits viel Sandblatt zur Verarbeitung
ab=
gerufen.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 9. April.
Der Wochenſchluß lag zwar außerordentlich ruhig, doch auf der
Fanzen Linie ſehr gut erholt. Die Auswirkungen von Mitteilungen
in den letzten Generalverſammlungen von Bank= und
Montanunter=
nehmungen, die günſtigen Abſatzziffern des Stahltruſts veranlaßten
zu einigen Meinungskäufen. Vorborslich wurden große Aufträge für
das Rheinland und Berlin ausgeführt. Hier erreichten Harpener
vor=
übergehend einen neuen Rekord, der faſt die heute abgegangene
Divi=
dende wieder eingeholt hatte. Außerordentlich feſt lag die Farbenaktie,
plus 9 Prozent. Daneben Rheinſtahl plus 2½, Niebeck plus 2.
Kohlen=
werte gut erholt, ſo Rheinbraun, um 4¾, Ilſe um 3 Prozent. Auch
Kaliaktien konnten ihre geſtrigen Verluſte wieder aufholen. Bankaktien
ſehr ruhig und durchweg 1 bis 1½ Prozent höher. Am Elektromarkt
ſchoben ſich wieder Siemens u. Halske mit einem Anfangsgewinn von
½ Prozent vor, daneben Schuckert um 2, Bergmann um 134 Prozent
freundlicher. Holzdeſtillationswerte zogen erneut an. Verein für
chemiſche Induſtrie um ½, Scheideanſtalt um 3 Prozent. Für Bau=
und Zementaktien beſtand auch weiterhin gute Meinung, zumal der
günſtige Abſchluß der Philipp Holzmann=A.=G. ſehr anregen konnte.
Holzmann ſelbſt um 3½, Wahß u. Frehtag 2 Proz. höher. Sehr ruhig
lag der Markt für Automobil=, Maſchinen= und Metallwerte, wo es
kaum zu Erſtnotierungen kam.
endenzmäßig war man auch hier
etwas freundlicher. Am Aktienn
kt blieb der weitere Verlauf ſehr
geſchäftsunluſtig, bei allerdings gehaltenen Kurſen. Der Anleihema
verzeichnete kaum Umſätze. Ablöſungsrente 23‟/8. Der Geldmarkt iſt
weiterhin leicht, Tagesgeld 4—4½ Proz., Monatsgeld 57/8—7½ Proz.,
Privatdiskont 47/—4½ Prozent, Warenwechſel 434 Prozent. Am
Deviſenmar
London gegen Paris 124.02, gegen Mailand 100.5.
egen New York 4.85, Pfunde gegen Mark 20.49½, Dollar gegen
Mark 4. 2187.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 9. April.
Die Samstagsbörſe eröffnete bei ruhigem Geſchäft ziemlich farblos
und uneinheitlich. Zunächſt überwogen allerdings Kursbefeſtigungen in
mäßigen Grenzen, die nur für einzelne Spezialpapiere des Elektro= und
Montanmarktes, für Vereinigte Glanzſtoff, Schubert und Salzer,
Lud=
wig Loewe, Berger Tiefbau mehr als 4 Prozent betruge:. Im Verlauf
der erſten Stunde kam es allgemein, auf Wochenſchlußrealiſationen zu einem
Rückgang des Kursniveaus, der für Harpener Bergbau 6 Prozent, für
Rheinſtahl 2,5 Prozent und für alle übrigen Montanaktien etwa 2
Pro=
zent betrug. Die bevorſtehende Medioliquidation, deren Stichtag der
ommende Montag iſt, dürfte hauptſächlich den Anlaß für dieſe
Glatt=
ſtellungen gegeben haben, an denen ſich hauptſächlich kleinere
Maklerfir=
men beteiligt hatten. Dieſe Firmen ſollen teilweiſe bei der
Prolon=
gation auf Schwierigkeiten ſtoßen, während ſonſt das Reportgeſchäft einen
reibungsloſen Verlauf nimmt. Reportgeld war mit 7½—7¾ im
all=
gemeinen in der gewünſchten Höhe erhältlich. Der Satz für Tagesgeld
blieb mit 4—6 Prozent unverändert. Monatsgeld 6¾—7 Prozeut
Kurzfriſtige Mittel waren in größeren Beträgen angeboten. Im
De=
viſenverkehr unterlagen die norwegiſche, italieniſche und ſpaniſche Valuta
einigen Schwankungen. London ſtellte ſich ſchließlich gegen Mailand auf
100,75, gegen Oslo auf 18,82 und gegen Madrid auf 27,59. Die übrigen
Valuten bewegten ſich im Uſancenhandel etwa auf ihrer bisherigen Baſis.
Unter den Sonderbewegungen, die bei Börſenbeginn noch vorlagen,
fielen insbeſondere Siemens durch einen Gewinn von 6,5 Prozent auf,
da angeblich größere ausländiſche Anſchaffungen in dieſem Papier
ſtatt=
fanden. Unter Montanaktien notierten zum erſten Kurs Eſſener
Stein=
ohlen, die ſich ſpäter relativ behaupteten, 3 Prozent, Harpener unter
Berückſichtigung des Dividendenabſchlages 4 Prozent, Rheiniſche
Braun=
kohlen 5 Prozent höher. Kaliaktien behauptet. Unter chemiſchen Werten
zogen J. G. Farbeninduſtrie nach ihrem geſtrigen Rückgang um 5
Pro=
zent an. Von den ſonſtigen Spezialpapieren ſtellten ſich Ludwig Löwe
faſt 5 Prozent höher. Berlin=Karlsruher Induſtrie auf gute
Beſchäf=
tigungsnachrichten plus 4 Prozent, Miag unter Einwirkung, der
Mit=
teilungen in der Hauptverſammlung plus 2,5. Bankaktien ruhig und
kaum verändert. Schiffahrtsaktien gut gehalten. Deutſche
Staats=
anleihen ſehr ſtill infolge der Mißſtimmung über die Kursgeſtaltung der
neuen 5proz. Reichsanleihe von 1927. Unter ausländiſchen Renten
wur=
den Mexikaner ſtark gefragt und teilweiſe bis 2 Prozent höher bewertet.
Wie in der zweiten Börſenſtunde ſetzte ſich die Baiſſebewegung am
Montanaktienmarkt fort. Man beobachtete in erſter Linie bedeutende
Abgaben in Harpener=Aktien von einer Seite, die bisher zu den
Groß=
käufern gehört hatte. Vereinzelt betrugen die Verluſte in den
Spitzen=
papieren ſpäterhin bis 10 Prozent. Das Geſchäft wurde hierdurch an
den übrigen Märkten ſtark eingeengt, zumal der Kurs der neuen
Reichs=
anleihe mit 90 Prozent abermals ein Viertelprozent niedriger lag. Eine
Ausnahme machte von dieſer Geſamttendenz die J.=G. Farbenaktie, die
auf günſtige Dividendenſchätzungen nochmals um 5 Prozent auf 325/30
anzogen. Die Bilanzſitzung iſt erſt Ende April.
Privatdiskont kurze Sicht 4½ Prozent, lange Sicht 42/s Prozent.
Die Börſe ſchloß ruhig und nach den vorangegangenen Kursverluſten
wieder erholt. Für J. G. Farbeninduſtrie zum höchſten Tageskurs von
Ultimo. An der Nachbörſe blieben außerdem Mon=
332 Medio und
tanaktien und Elektrowerte beach;t. Gegen 2,30 Uhr hörte man u.
Rheiniſche 2
nkohlen 333,5, Mannesmann 220 M., 221 U., Höſch 226.
Rheinſtahl 246, Harpener 267,5, Gelſenkirchen 199,75, Phönix 143,5,
Köln=Neueſſen 2:
„75, Hapag 151,5, Nordd. Lloyd 148,5, Hanſa 231,5,
Hamburg=Süd 234, Ablöſungsanleihe ohne Ausloſung 24.
ſchaffb. Zellſtoff.
gsb.=Nürnb. Maf
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Berlin KarlsruheIn
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werke .. . .." Sachſen
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Deviſenglarkt.
Amſterdam=R.
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Brüſſel=Antw
Csle
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Stodholn
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Italien ..
London.
Nen=York. .
Paris ..
Schneiz
2panien
8. 4
Geld /Brief
168.59/169.01
1.785/ 1.789
38.56 58.70
108.96/109.24
2.44/112.
12.86/1 13.14
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0.33 2 nſtantinopel 2.152/ 2.1 464/20.51 iſſabon .. . . . . 21 485 2:. 485 135/4.22 anzig .. . . . .." 81.65/ 81. zi. 505/ 16.545 R........ 5. st.of 8:.21 4.215 1. 1.2 74.46 4.64 Uru
1...... 4.285 1.295 4.2
Durmſtädter w.
Staatspapiere
a) Deutſche
D. Reichsanl. Ablöſ=
Schuld einſchl
Ausloſ.=Sch. I. Teil/319. 25
D Reichsanl. Abli
chuld ohne Aus=
Sſcheine
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p. 1. 10. 2
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p. 1. 4. 29
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Sächſ. Freiſtaat
Schatz.
—
Sächſ. 7
eiſtaat!
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Vürtt. Freiſt.
Schatz. p. 1. 3. 291 98.75
)Ausländ iſche
5% Bos.E. B 191
5%., 9. Inv. 19141
„ 1898
4½
4½½ 1902 ..
49
Tagung des Verbandes
Mitteldeutſcher Induſtrieller.
Die Mitgliederverſammlung des Verbandes Mitteldeutſcher
Indu=
ſtrieller, e. V., am Freitag, den 8. April, in Frankfurt a. M., wurde
durch den Vorſitzenden Dr. Braun eröffnet, der die zahlreichen Gäſte
9.
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6. —
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17.
3.7 2
21.5.
4.4
Geſchäftsführer Dr. Linſe den Geſchäftsbericht für das vergangen
Jahr. Er entwarf, entgegen den verſchiedenen Aeußerungen
führen=
der Wirtſchaftler, ein ziemlich peſſimiſtiſches Bild der deutſchen
Wirt=
ſchaftslage, da die Wirtſchaft außerordentlich unter den von Jahr zu
Jahr ſteigenden Laſten des Dawesplanes und den damit verbundenen
untragbaren Steuern und Abgaben zu leiden habe. Auf Grund der
beſſeren Liquidität der Wirtſchaft dürfe man nicht auch auf eine
Beſſerung der wirtſchaftlichen Lage ſchließen. Dann wandte ſich der
Redner den verſchiedenen Arbeitsgebieten des Verbandes zu.
Behan=
delt wurden beſonders Fragen der Handelspolitik, der Exportförderung,
Steuerfragen, Fragen der Verkehrspolitik und des Bank= und
Kredit=
veſen. Vor allem ſei eine Steuergeſetzgebung nötig, die Sinn für die
Bedürfniſſe der Wirtſchaft habe. Man hoffe vor allem, viel zu
er=
reichen durch die Zuſammenarbeit mit den anderen Verbänden,
be=
ſonders mit dem Reichsverband der deutſchen Induſtrie. Auch der
Reichswirtſchaftsrat ſei in dieſem Sinne eine begrüßenswerte
Ein=
eichtung. Nach Erledigung der Regularien ergriff der Vorſitzende
Dr. Braun noch einmal das Wort, wobei auch er betonte, daß es
erſte Bedingung ſei, keine Beunruhigung in die gefährdete Wirtſchaft
hineinzutragen. Als Hauptreferent der Tagung ſprach zum Schluß
Geheimrat Dr. Bücher, Berlin, über „Betrachtungen über die neuen
wirtſchaftlichen Organiſationen der Wirtſchaft” Ausgehend von dem
Beginn des Individualismus in der Wirtſchaft in der Mitte des
18. Jahrhunderts, ſprach der Redner über die Entſtehung des
Kollek=
tivgedankens beim Arbeiter, der ſeinen Niederſchlag in der
Gewerk=
ſchaft fand. Dieſem Gedanken ſtehe die Entwicklung des
Unter=
nehmertums gegenüber. Die Zahl der Arbeiter nimmt zu, die der
einzelnen Unternehmer ab. Während der Arbeiter kollektiviſchen
Ten=
denzen nachgeht, bleibt der Arbeitgeber individualiſtiſch eingeſtellt.
ſie Zukunft der Wirtſchaft hänge von der Uebertragung des
wiſſen=
ſchaftlichen Fortſchritts auf die praktiſche Wirtſchaft ab, von der
höch=
ſten Rationaliſierung und dem Verteilungsprozeß der Ware. Auch im
Untermehmertum müſſe ein Kollektiogedanke Platz greifen, und dieſem
Gedanken liege die Bildung der Kartelle und Syndikate zu Grunde
Auch der Konzern ſei eine Bildung in dieſem Sinne, nur daß dieſer
mehr aktiven Charakter trage. Von jedem Konzern verlangt der
Redner aber, die Ware zu billigſtem Preiſe und in beſter Qualität zu
liefern. Zum Schluſſe verwarf dann Geheimrat Bücher die Furcht vo
der Bürokratiſierung der Konzerne, da ſchließlich doch nur der
Ein=
zelne, der Führer, verantwortlich bleibt. Jeder müſſe an dem Poſten,
an dem er ſteht, das öffentliche Intereſſe vor das private ſtellen. D
feſſelnden Ausführungen des Redners wurden durch reichen Beifall.
pelohnt.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 6. April 1927. Die auf
den Stichtag des 6. April berechnete Großhandelsindexziffer des
ſtatiſti=
ſchen Reichsamtes war mit 134,9 gegenüber der Vorwoche (135) nahezu
unverändert. Von den Hauptgruppen haben die Agrarſtoffe um 0,4
Prozent auf 135,9 angezogen und die Kolonialwaren um 1,2 Prozent
auf 125,9 nachgegeben. Die Indexziffer der Induſtriellen=Rohſtoffe und
Halbwaren um 0,5 Prozent auf 130 zurückgegangen, während diejenige
der induſtriellen Fertigwaren leicht auf 142,4 angezogen hat
Vertrag zwiſchen der Stadt Offenbach und der Frankfurter
Gas=
gefellſchaft. Wegen des Gründonnerstags findet bereits am kommenden
Mittwoch eine Stadtverordnetenſitzung ſtatt, in der über den
Zuſammen=
ſchluß mit der Frankfurter Gasgeſellſchaft in der Erzeugung von Gas
und Elektrizität beraten werden ſoll. Die Ausſchußberatungen über den
Vertrag zwiſchen der Stadt Offenbach a. M. und der Frankfurter
Gas=
geſellſchaft haben einen derartigen Fortgang genommen, daß eine
Ver=
abſchiedung des Vertrages und der damit zuſammenhängenden Anträge
in der nächſten Stadtverordnetenſitzung erwartet werden kann. Die
Stadt Offenbach hat über die Frage der heſſiſchen Gasverſorgung und
*
den Zuſammenſchluß mit der Frankfurter Gasgeſellſchaft eine Denkſch.
im Umfange von 30 Seiten herausgegeben, in der auch mirgeteilt wird,
daß die Stadtverwaltung einmütig der Auffaſſung iſt, daß die aus dem
Vertragsabſchluß für die Stadt Offenbach ſich ergebenden Vorteile groß
ſind. Der Oberbürgermeiſter vertritt deshalb mit den Stadtverordneten
den Antrag auf Genehmigung des Abſchluſſes der vereinbarten
Ver=
träge in der beſten Ueberzeugung, damit den Nutzen der Stadt
pflicht=
gemäß zu wahren.
Philipp Holzmann A.=G., Frankfurt a. M. Der Aufſichtsrat
be=
ſchloß, für 1926 eine Dividende von 12 Prozent der H.=V. vorzuſchlagen,
worin die angekündigte Entſchädigung von 5 Prozent der Aktionäre
für den vorfährigen Dividendenausfall enthalten ſein ſoll.
Saarkohlenförderung im Februar. Die Saarbergwerke förderten in
Februar d. J. 1211312. Tonnen Kohle gegen 1 176 151 Tonnen im
Januar, obwohl im Februar Feierſchichten eingelegt werden mußten.
Die arbeitstägliche Kohlenförderung ſtieg von 724 Kilo auf 741 Kilo
pro Kopf. Auf die franzöſiſchen Staatsgruben entfallen 1 176 453 To.
und auf die verpachteten 34 861 To. Die Haldenbeſtände, die die Mehr
fövderung größtenteils aufnahmen, erhöhten ſich im Februar um 58 928
Tonnen auf 133 105 Tonnen. Die Kokserzeugung zeigte eine Abnahme
von 21 539 Tonnen im Januar auf 18 831 Tonnen im Februar.
Jagd.) 40
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211
125
52
148
115
70
[ ← ][ ][ → ]Nummer 100
Sonntag, den 10. April 1927
Seite 13
Derscegrsdichanl. 1 d. m Maint. In der Gch, unde Der
bekannte Abſchluß für 1926 mit 8 Prozent Dividende, ſowie die in
ihren Einzelheiten angekündigte Kapitalserhöhung um 145000 RM.
auf 20 000 RM. genehmigt.
Biebricher Bank e. G. m. b. H. In der am 28. März ſtattgefundenen
o. G.V. erſtattete Direktor Wöhrle den Geſchäftsbericht für das Jahr
1926, dem u. a. folgendes zu entnehmen iſt: Die Bilanzſumme der Bank
iſt von 1653 000 RM. am 1. Januar auf 2 142 000 RM. am 31.
Dezem=
ber 1926 geſtiegen und hat etwa 66 Prozent der letzten
Friedensbilan=
erreicht. Bei einem Zugang von 470 neuen Sparkonten ſind die
Spar=
einlagen von 386 000 auf 657 000 RM. angewachſen. Die Einlagen iu
laufender Rechnung ſind von 912 000 auf 1 090 000 RM. geſtiegen. Auf
Stammanteilkonto wurden im Berichtsjahre 51 000 RM. neu einbezahlt.
ſo daß der Beſtand am Jahresſchluß 34 000 RM. betrug. Der
Rein=
gewinn beträgt 44 478 RM. Hiervon ſollen 10 Prozent. Dididende
17498 RM. verteilt und der Reſt den geſetzlichen Reſerven, ſowie der
Aufwertungsrücklage zugeführt werden. Zu der Frage der Aufwvertung
der alten Spareinlagen erklärte Herr Direktor Wöhrle: Aufſichtsrat und
Vorſtand machen den Vorſchlag, die Spareinlagen und Schuldſcheine mit
10 Progent ihres Goldgehalts aufzuwerten mit der Maßgabe, daß eine
Verpflichtung zur Auszahlung der aufgewerteten Beträge vor dem
Januar 1933 nicht beſteht. Die aufgewerteten Beträge, werden ab
1. Januar 19R7 mit 3 Prozent verzinſt.
Die Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen
Berech=
nungen wurden in der Zeit vom A. März bis zum 2. April im
Ruhr=
gebiet in ſechs Arbeitstagen 2 R1 415 Tonnen Kohle gefördert gegen
2375 210 Tonnen in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls ſechs
Arbeitstagen. Die Kokserzeugung ſtellte ſich in den ſieben Tagen der
Berichtswoche auf 485 555 Tonnen gegen 498 086 Tonnen in der
vorher=
gehenden Woche, die Preßkohlenherſtellung auf 72284 Tonnen gegen
66 370 Tomen in ſechs Arbeitstagen. Die arbeitstägliche
Kohlenförde=
rung betrug in der Zeit vom V. März bis 2. April 378 569 Tonnen
gegen 395 868 Tonnen in der vorhergehenden Woche. Die tägliche
Koks=
erzeugung ſtellte ſich auf 69 365 Tonnen (71 155 Tonnen), die
arbeits=
tägliche Preßkohlenherſtellumg auf 12047 (11 062) Tonnen
Zu den Zuſammenſchlußbeſtrebungen der deutſchen Nickelinduſtrie.
Die Zuſammenſchlußbeſtrebungen der deutſchen Nickelinduſtrie werden in
intereſſierten Kreiſen teilweiſe ſehr ſkeptiſch beurteilt. Von großen
Wer=
ken wird ein direkter Produktionszuſammenſchluß völlig abgelehnt,
wäh=
rend die Möglichkeit, eine gemeinſame Verkaufsvereinigung, beſonders
für das Ausland, zu gründen, hoffnungsvoller beurteilt wird, obwohl
in ahſehbarer Zeit eine Einigung vorläufig nicht zu erwarten iſt.
Ravag=Rauchwarenverſteigerung in Leipzig. Auf der vom 11. bis
14. April ſtattfindenden Ravag=Auktion gelangen folgende Mengen zum
Angebot: 21 000 Füchſe, 21000 Atiſſe, 3300 Marder. 600 Otter,
9000 Wieſel, 83 000 Eichhörnchen, 535 000 Maulwürfe. 6000 Hamſter,
1600 Dachſe, 8000 Biſam, 96 000 Katzen, 522 000 Zahm=Kanin, 103000
Wild=Kanin, 51 000 Haſen, 44000 Zickel, 15 000 Schmarſchen= und
Lammfelle.
Der amerikaniſche Eiſen= und Stahlmarkt. Das Fachblatt Iron
Trade Review”, Clebeland (Ohio), kabelt: Die Roheiſenproduktion
betrug im März rund 3,5 Millionen Tomen. Die Zahl der im Feuer
ſtehenden Oefen hat um 5 zugenommen. Der Bergarbeiterſtreik übt
auf den Markt gar keinen Einfluß aus. Der Verſand in Connellsville=
Koks erfolgt ununterbrochen. Der Weißblechmarkt neigt zur Schwäche.
Starke Nachfrage ſeitens der Gießereien im öſtlichen Pennſylvanien
hat den Roheiſenmarkt etwas verſteift. Im erſten Vierteljahr wurden
nur 4630 Güterwagen beſtellt, die Hälfte der Geſamtmenge im März
1996. In Weißblech ſind nur verſchwindend wenig neue Auſträge
ein=
gegangen. Die Nachfrage nach Bauſtahl zur Lieſerung im zweiten
Vierteljahr hat ſich gebeſſert. Auf dem Halbzeugmarkt macht ſich
ſtärkerer Auſtragseingang in Platinen bemerkbar.
De lae bereſer und SalegrendiſſenRit.
Ueber die Lage in den Hauptbezirken der Eiſen= und
Stahlwaren=
iuduſtrie im Monat März liegt folgender Bericht vor:
In der Eiſenfertigwareninduſtrie des weſtfäliſch=märkiſchen Landes
t ſich der Beſchäftigungsgrad etwa ſeit Oktober vergangenen Jahres,
ogeſehen von den einzelnen Rückſchlägen, gebeſſert. Im Auslande wirkt
ſich u. a. die bisherige gute Beſchäftigung im Bergbau und in der Eiſen
erzeugenden Induſtrie günſtig aus. Auch gingen aus öffentlichen
Aus=
ſchreibungen einigen Werksgruppen erfreulicherweiſe Aufträge zu. Mit
dem beginnenden Frühjahr wurde in Saiſonartikeln für die
Landwirt=
ſchaft und auch hier und da für den Baumarkt eine Anregung der
Be=
ſchäftigung gegeben. Die Kundſchaft aus dem Handel und dem
Hand=
wverk beſchränkte ſich nach wie vor auf kleine Beſtellungen, die mit kurzen
Friſten geliefert werden ſollen. Die Kapitalknappheit zeigt ſich immer
noch ſtark, beſonders in der Ueberſchreitung der Ziele ſeitens der
Kund=
ſchaft. Ganz allgemein iſt ein außerordentliches Preisniveau für
Eiſen=
fertigwaren zu beobachten, weil die Erzeugungsmöglichkeit dem tatſächlich
auftretenden Bedarf nach wie vor weit überlegen iſt. Die ſo häufig
ge=
wvünſchte Neubelebung der Verbandstätigkeit konnte in einigen Fällen
auch auf dem Gebiete der Preisbeſſerung zum Erfolge führen. In der
Ausfuhr wird von einigen Induſtriezweigen das Aufhören der ruſſiſchen
Beſtellungen beklagt. Auf den europäiſchen Märkten iſt durch die
Selbſt=
herſtellung gerade von Eiſenfertigwaren in den anderen Ländern ein
großes Abſatzgebiet ausgefallen. Der faſt in allen Staaten zu
beob=
achtende überſpannte Zollprotektionismus liegt lähmend auf dem zur
Hebung der Geſamtlage ſo notwendigen Güteraustauſch von Land zu
Land. Mit Beſorgnis iſt die Induſtrie erfüllt gegenüber den
unüber=
ſehbaren Auswirkungen des Arbeitszeitnotgeſetzes und der im März
umfaſſend durchgeführten Erhöhung der Löhne und Gehälter. Wenn ſich
dieſe Maßnahmen in einer Preiserhöhung der Rohſtoffe und damit auch
der Fertigfabrikate auswirken ſollten, ſo wird ein Rückſchlag der
Eiſen=
fertigwareninduſtrie, die aus den letzten Monaten Mut zu einer
Beſſe=
rung geſchöpft hat, leider nicht zu vermeiden ſein. Der Verlauf der
Leib=
ziger Frühjahrsmeſſe konnte nur teilweiſe befriedigen. Zwar wurde
ſo=
wohl vom In= und Ausland einigermaßen zufriedenſtellend gekauft,
je=
doch faſt ausſchließlich zu gedrückten Preiſen. Erfreulicherweiſe kann
feſt=
geſtellt werden, daß der Zahlungseingang wenigſtens teilweiſe beſſer
ge=
worden iſt. Auch iſt die Zahl der Erwerbsloſen einſchließlich der
Kriſen=
fürſorgeempfänger im Monat März nicht unweſentlich zurückgegangen.
Zu begrüßen iſt, daß die Erkenntnis wächſt, nur Hochhaltung der
Quali=
tät kann der deutſchen Werkzeuginduſtrie helfen. Aus dieſer Einſicht
heraus iſt neuerdings eine Studiengeſellſchaft namhafter Werkzeugfirmen
gegründet worden, deren Ziel iſt, in Verbindung mit der beſtehenden
Verſuchsanſtalt der Werkzeuginduſtrie in Remſcheid durch Auswahl und
Prüfung des Materials und durch weitere Rationaliſierung der Betriebe
die Produktion zu heben.
Die Lage der ſüddeutſchen Eiſen= und Stahlwareninduſtrie hat ſich
gegenüber dem Vormonat wenig verändert. Das Inlandsgeſchäft iſt
etwas ruhiger geworden und das Auslandsgeſchäft iſt nach wie vor ſehr
erſchwert und von nicht ausſchlaggebender Bedeutung.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht. Bei gleichen Umſätzen, aber
aus=
reichenden Inlandsofferten, ſchloß die Produktenbörſe die Woche nur
wemia verändert. Die Zurückhaltung ſeitens des Konſums, wie auch
der Mühlen hält ſelbſt im Lieferungshandel an, ſo daß nur nahe Sicht
auf Deckungen, ſowohl für Weizen, wie für Roggen, erhältlich iſt.
Futtergetreide ruhig. Mehl vernachläſſigt. Sonſtige Artikel
aus=
nahmslos ſtill.
Viehmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am 9. April wunden
zugeführt: 545 Schweine Verkauft wurden 460 Stück. Milchſchweine
wurden verkauft das Stück von 12 bis 22 Mark, Läufer das Stück von B
bis 35 Mark.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
New York, 9. April. (Eig.=Tel.)
Weizen: Höhere Kabelmeldungen und der geſtrige
Regierungs=
bericht verurſachten einen feſten Beginn. Dann wurde die Haltung ſehr
ſchwach auf die Schwäche Winnivegs und günſtige Wetterberichte. Die
Termine ſchließen 1½ C. unter geſtern.
Mais: Nach feſtem Anfangsverkehr wurde auch hier die Haltung
ſehr ſchwach in Sympathzie mit Weizen und ſchleppende heimiſche
Loko=
nachfrage. Die Termine zeigen Rückgänge bis zu 144 C.
Hafer: Der Markt verkehrte in abgeſchwächter Haltung bei leichten
Kursrückgängen.
Baumwolle: Käufe der Walſtreet und Meldungen von
Ueber=
ſchwemmungen im Miſſiſſipital verurſachten eine feſte Eröffnung.
Schließ=
lich gaben Liquidationen dem Markt ein abgeſchwächtes Gepräge. Die
Termine ſchließen 3 Pkt. unter geſtern.
Kaffee: Der Markt nahm einen abgeſchwächten Verlauf auf niedrigere
ausländiſche Kabel, ermäßigte braſilianiſche Forderungen und
ſchlep=
penden heimiſchen Konſum. Die Termine verloren bis 7 Pkt.
Zucker: Die Aufwärtsbewegung machte heute weitere Fortſchritte
auf Käufe der Raffinerien und europäiſche Kaufaufträge. Die Termine
zeigen Aufbeſſerungen bis 5 Pkt.
Kakao: Der Markt verlief in ziemlich feſter Haltung auf Käufe
des Handels und des Auslandes und gebeſſerte Kaufluſt der Fabriken.
Die Termine zeigen Gewinne von 3—10 Pkt.
Kleine Wirtſchafts=Nachrichten.
Bei den vor einigen Wochen wieder aufgenommenen
Fuſions=
verhandlungen der ſechs deutſchen Uhrenfabriken hat man ſich
dahin=
gehend geeinigt, daß alle ſechs Fabriken in eine neu zu gwündende
Aktien=
geſellſchaft übergeführt werden ſollen. Ueber den Sitz der
Fuſionsgeſell=
ſchaft konnten Beſchlüſſe noch nicht zuſtandekommen, da verſchieden
ge=
richtete Vorſchläge vorliegen.
In Polen ſind im Februar insgeſamt 42 703 Tonnen Roheiſen
(Januar 42 314 Tonnen), 94 222 Tonnen Rohſtahl (Jauar 98 481 Ton.)
und 67 922 To. Walzwerksprodutte (Januar 63 349 To.) hergeſtellt
worden.
Die jetzt vorliegenden Zahlen der Kohlenförderung und des
Ab=
ſatzes für den Mongt März laſſen erkennen, daß die Kohlenkriſe in
PolniſchOberſchleſien in voller Stärke zum Ausdruck gekommen iſt. Die
Geſamtförderung zeigt einen Rückgang gegenüber dem um 4
Arbeits=
tage ſchwächeren Monat Februar um 77000 auf 694 000 Tonnen.
Zwiſchen den Vertretern der polniſchen Regierung und dem
Dele=
gierten des Bankerstruſt. New York wurde das Vorprotokoll über den
Abſchluß der 80 Mill. Dollar=Anleihe unterzeichnet.
Die franzöſiſchen Preiſe für Normal=Eiſenbahnſchienen werden auf
810 Fr. pro Tonne herabgeſetzt.
Nach einem Zenſus ſtellt ſich der Wert der amerikaniſchen
Induſtrie=
produkte für 1925 auf 62 705 714 000 Dollar. Man erwartet, daß trotz
dieſer Rekordziffer das Jahr 1928 einen noch höheren Betrag ausweiſen
wird. Unter den Induſtrieprodukten hatten Motorfahrzeuge mit
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Einträge in das Handelsregiſter Ab=/Ein Geſangverein in
teilung 4: Am 4. Apri 1927 hinſicht= der Nähe Darmſtadts
lich der Firmen: 1. Heinrich Arnold,/ Land) ſucht ſofort
Darmſtadt: Die Prokura des Ludwigltüchtig n.
Schultz, Kaufmann in Darmſtadt, iſt er= Dirigenten
loſchen. 2. Hotel=Reſtaurant Prinz/35—40 Sänger. An=
Heinrich, Fritz Walter, Darmſtadt: ge ote unter A 238
Das Geſchäft iſt auf Joſef Zimmermann, an die Geſchſt 6234
Reſtaurateur in Darmſtadt,
übergegan=
gen. Die Firma lautet jetzt: Hotel= HaDe zugeben:
Reſtaurant Prinz Heinrich, Joſefl1 Gaszuglampe ℳ 16
Zimmermann. Am 6. April 1927 hin= 1 Vadewänne ℳ 9,50
ſichtlich der Firma: Wilhelm Guten= ,Gaskocher,ofl.46.—
berg, Darmſtadt: Die offene Handels=/1 Lüſter, Sfl. ℳ0 45.—
geſellſchaft iſt aufgelöſt Geſchäft ſamt /1 Heißwaſſer=Appar
Firma iſt auf den bisherigen Geſell=/ 18,—, 1
Zimmer=
ſchafter Dr. phil. Beno Gutenberg in Springrunn. ℳ46,—
Darmſtadt als Einzelkaufmann überge=/ 1 Klublampe ℳ 47,50
gangen. Neueinträge: 1. Am 2. April/! Waſchbeck. m. Geſt
192/: Firma: Fritz Göchler ſen., /ℳ12,—, 1Schwanm=
Kamm= und Haarſchmuchfabrik, badewanne ℳ 11,50
Darmſtadt. Inhaber: Fritz Göckler ſen., / / Gußfußkloſett / 14,50
Fabrikant in Darmſtadt. Angegebener/,/s,50, 1 Kohlenbade=
Geſchäftszweig: Fabrikation und
Ver=
trieb von Kämmen und Haarſchmuck / Ludwig Kling
Die Geſchäftsräume befinden ſich
Heidel=
bergerſtraße 47. 2. Am 5. April 1927
Firma: Weber & Götz. Offene Handels= uiſen=Str. 2: C9798
geſellſchaft. Hauptniederlaſſung Wein= Dianino
heim, Zweigniederlaſſung Darmſtadt
Geſellſchafter: Auguſt Weber, Kaufmann) auch Teilzahlnng
in Darmſtadt, und Hermann Götz,
Kauf=
mann in Weinheim an der Beraſtraße,
Die Geſellſchaft hat am 1. September/ Zimmermann
1924 begonnen. — Abteilung B: Am
1. April 1927 hinſichtlich der Firmen:
1. Stoltenkamp, Dampfbrennerei/ Grafenstr. 21
und Likörfabrik, Geſellſchaft mit nächſt Rheinſtr.
beſchränkter Haftung, Darmſtadt:
Durch Beſchluß der
Geſellſchafterver=
ſammlung vom 7. Februar 1927 iſt die
Firma geändert in: Stoltenkamp, Meiühlnderarheien
Weinbrennerei und Likörfabrik, werden erſtklaſſ., bill
Geſellſchaft mit beſchränkter Haf=ſund gut ausgeführt,
tung. Durch gleichen Beſchluß iſt der will, komme zu mir=
Gegenſtand des Unternehmens wie folgt /Maler=u Wei
binder=
geändert: Herſtellung und Vertrieb von meiſterKarl Schmidt,
Likör, Weinbrand und Branntwein ſo= Schloßgartenplatz 2
wie von Schaumwein, der Handel mit
vorſtehenden Gegenſtänden ſowie mit
Wein ſowie mit Rohſtoffen, Halbfahrt= E Lerloren g
katen und Hilfsſtoffen der vorerwähnten! Weiße Crepe de
Gegenſtänden. Das Stammkapital iſtſchine-Sluſem.
Hohl=
auf Grund vorerwähnten Beſchluſſes um ſaum von Lehrmadch
5000 Reichsmark erhöht und beträgt jetzt perloren
20000 Reichsmark. Durch gleichen Be= von Landgr.=
Phillpp=
ſchluß iſt der Geſellſchaftsvertrag geän= Anlage bis Beichſtr
dert, er hat eine vollſtändige Neufaſſung /Abzug. geg. Bel. bei
rau Hentzler
erhalten. Kaufmann Curt Fendler in
Darmſtadt iſt zum weiteren Geſchäfts= Schneidermeiſterin
führer beſtellt. Die Geſellſchaft wird, / Landgraſ=Philipp=
Anlage 4. (*9744
durch einen oder mehrere Geſchäftsführe
vertreten, 2. Firma: J. Schönberg: KEntlaufengt
V.
Geſellſchaft mit beſchränkter Haf.
tung, Darmſtadt: Die Vertretungsbe Ein ſchw.w. Rätzche
auf d. N. „Schep
fugnis des Liquidators iſt beendet und h. entlaufen. (*
73
die Firma erloſchen.. Am 6. April 19271 Hermannſtr. 19.
hinſichtlich der Firmen: 1. Darmſtädter
Ke
Seifenfabrik und Großhandel in
Parfümerien u. Toiletienartikeln.
I
Geſellſchaft mit beſchränkter Haf=/3CNärl. Machhund
tung, Darm iadt: Die Vertretungsbe= zu kauf geſ.
Ange=
fugnis des Liquidators iſt beendet und bote unt A 219 an
die Firma erloſchen. 2. Heſſiſche Auto= die Geſchſt. (6188
mobil=Geſellſchaft,
Aktiengeſell=
ſchaft, Darmſtadt: Werner Leufgen,
Kaufmann in Darmſtadt, iſt Liquidator. Wir machen nochmals auf die bereits
Neueintrag: Am 5. April 1927. Firma: bekanntgegebene Stammholzverſteige=
Weſtdeutſche Wegebaugeſellſchaft rung am 12. April 1927, vormittage
mit beſchränkter Haftung, Zweig=/9 Uhr, zu Mörfelden bei Avemary auf
ni derlaſſung Darmſtadt Haupt= merkſam, bei der auch für
Gewerbetrei=
niederlaſſung Düſſeldorf, Zweignieder= bende (Wagner uſw.) geeignetes
Eichen=
laſſung Darmſtadt. Gegenſtand des Unter=/Eſchen=, Linden=, Kiefern=,
Lärchenſtamm=
nehmens: Die Herſtellung von Wegen holz zum Verkauf kommt.
und Straßen jeder Art einſchließlich der
Mörfelden, den 8 April 1927.
Vornahme aller hiermit unmittelbar oder Heſſiſches Forſtamt Mörfelden,
mittelbar in Zuſammenhang ſtehender
Geſchäfte und Unternehmungen, insbe=
Korſt
ſondere die Uebernahme von Bauaus=?
ſührungen jeder Art. Stammkapital;/Oelſtelgeran
500000 Reichsmark. Geſchäftsführer.
Generaldirektor Emil Ilſe in Düſſeldorf: mittags 3 Uhr, verſteigere ich in meinem
Dem Regierungsrat a. D. Oskar Laenge Verſteigerungslokale Luiſenſtraße 32
in Düſſeldorf iſt in der Weiſe Prokura zwangsweiſe meiſtbietend gegen
Bar=
erteilt, daß er in Gemeinſchaft mit einem zählung:
anderen Prokuriſten zur Vertretung der
einen großen Poſten
Geſellſchaft und zur Zeichnung deren
Firma befugt iſt. Der Geſellſchaftsver= Porzeuan=FFiauren
trag iſt am 15. Dezember 1924 errichtet
und am 12. April 1926 geändert. Die Schwarzburg Nymphenburg
Geſellſchaft wird durch einen oder mehrere
und Hutſchenreuther.
Geſchäftsführer vertreten. Sind mehrere
Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Geſchäftsführer vorhanden, ſo iſt jeder
für ſich allein zur Vertretung der Geſell=) Darmſtadt, den 10. April 1927.
ſchaft befugt. Die Bekanntmachungen
Weinheimer
der Geſellſchaft erfolgen ausſchließlich im
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
Deutſchen Reichs= u. Preußiſchen Staats=
(6214
anzeiger.
Darmſtadt, den 8. April 1927.
Amtsgericht I.
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Bekanntmachung.
(6181
Am Montag, den 11. April, nach=
(6224
Mittwoch, den 13. April 1927,
nachmittags 3‟, Uhr anfangend,
werden im Rathausſaale, zu Pfungſtadt
aus dem Pfungſtädter Stadtwald,
Di=
ſtrikt Malchertanne aus den Abtlg. 6, 12,
13, 16, 17, 18. 19, 23
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136 „ Knüppel,
86 „ Stock,
1870 Stück Kief.=Wellen
öffentlich verſteigert.
Gegen ſichere Bürgſchaft wird,
zins=
loſe Zahlungsfriſt bis Martini 1927
be=
willigt.
(6241
Pfungſtadt, den 9. April 1927.
Heſſ. Bürgermeiſterei.
Schwinn.
(etwa 16 loſe Matratzen)
findet am Mittwoch, den 13. d. Mts.
vorm. 10 Uhr, in der ehem. Artillerie=
Kaſerne 61 meiſtbietend gegen Bar=
(6239
zahlung ſtatt.
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(rebhf) billig
abzu=
geben
Beſſunger=
ſtraße 41, 1 Tr (B6215
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen
1. des Kaufmanns Julius Zang in Altenwald bei
Saar=
brücken, 2. deſſen Ehefrau Klara Wilhelmine, geb.
Conrad, zu je einhalb im Grundbuch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 10. Mai 1927, nachm. 3½, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht, an Gerichtsſtelle, Zimmer 219
verſteigert werden.
(4822a
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 25. Januar 1927 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auf=
forderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 9. März 1927.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band XXII, Blatt 1071
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann qm Betrag der
Schätzung
I 526 Hofreite Nr. 24 Hinkel=
1.
gaſſe
108 3000 RM.
Darmstädter und Nationalbank
Kommanditgesellschaft auf Aktien
Bilanz ver 31. Dezember 1926
„ 331 401 00 11— Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen . . . 200 436 528 32 Reports und Lombards gegen börsen- gängige Wertpapiere .. . . 159 070 82 921 Vorschüsse aut Waren und Waren- verschif ungen . . . . . . . . . 84 119 558 01 Eigene Wertpapiere . . . . . . 18 101 226 33 Konsortialbeteiligungen wi! 15 751623 99 Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen . . . 20 614 123 41 Debitoren in lanfender Rechnung! 580 167 206 90 Bankgebände—— 25 000 000 — Summe der Aktiva 1511 046 46‟ 3/56 Passiva RM. PI. Aktienkapital ...... .. 60 000 000 — Reserven . . . . . ...... 40 000 000 Kreditoren . . . . . . . . . . . /1 326 560 452 15
Akzepte. 57 950 895 26 Pensions-Fonds für Beamte . .." 2000 000 — Sonstige Passiva . . . . . . . .. 3 577 166 236 Gewinn- Soldo.
— 20 357 95 109 Suwme der Passiva 1 511 046 465/56 Gewinn- und Verlust-Konto pro 1926 Soll RM Pi. Verwaltungskosten . . . .
52 932 252/24 Steuern.
.. 5 846 499 18 Geninn-Salda .. .. . .... 20 957 952 09 79 736 703 51 Haben RM. PI. Provisionen . .. 35 545 849/ 87 Wechsel und Zinsen einschließlich des Gewinnes auf Kupons und Sorten 31 927 340/ z0 Effekten- und Konsortial-Gewinne 10 000 000 Gewinn Vortrag von 1925.. 2 263 512/4 44 TN6202) Wiefae
1, 2 Zwerghühner
*9774
abzugeben.
Klappacherſtr. 88.
Sekanntmachung
Schreinerarbeiten.
Die Ausführung der Schreinerarbeiten
in demVerwaltungsgebäude des ſtädtiſcher
Gaswerks ſoll vergeben werden. Die
Ver=
gebungsunterlagen liegen in den üblichen
Dienſtſtunden bei der unterzeichneten
Direktion, Frankfurterſtraße 69, Zimmer
22, zur Einſicht offen. Die Angebote ſind
bis Dienstag, den 19. April 1927,
vor=
mittags 10 Uhr, hierher einzureichen.
Direktion der ſtädtiſchen Betriebe.
St 242
Faſelochs=Verkauf.
Die Gemeinde Gräfenhauſen verkauft
einen zum Sprung untauglichen
Faſel=
ochſen. Angebote auf pro Pfund
Le=
bendgewicht ſind bis Dienztag, den
12. April ds. Js., vorm. 11 Uhr,
bei der unterzeichneten Stelle einzu=
(6182
reichen.
Gräfenhauſen, den 7. April 1927.
Gefüſche Bſrgermeiſterei Gräfenhauſen.
betreffend Papierlieferung 1927
vom 5. April 1927
Papierlieferung 1927.
Die Lieferung der nachſtehenden Papiermengen ſoll im
Wege des Angebots vergeben werden:
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„flachlieg.
20000 „
„liniert
90000 „ („
„ ) Konzeptpapier Normal 4b gefalzt
520000
mittelfein flachlieg.
60000 „
liniert
20000 „
Schreibmaſch.=Kanzleipapier
20000 „ („
lgefalzt
90000 Blatt (
) Schreibmaſch.=Durchſchlagpapier
150000 „
) Saugpapier
370000
160 Karton Kohlepapier
Die Lieferung hat ſracht= und verpackungsfrei an etwa
30 Amter zu erfolgen. Es bleibt vorbehalten, die Lieferung
nach Arten getrennt zu vergeben.
Angebote, denen nicht mehr als 3 Muſter jeder
Papier=
ſorte beizuſchließen ſind, ſind bis ſpäteſtens 20. April 1927
einzureichen.
Darmſtadt, den 5. April 1927
Der Miniſter des Innern
Snama.
(6236
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Seite 17
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Reich und Ausland.
Der Zündholzkönig der Welt.
Dr. V. Langsdorff,
ber durch zahlreiche Rekordflüge bekannt gewordene
deutſche Pilot hat kürzlich eine fliegeriſche Leiſtung
erſten Ranges vollbracht. Er hat auf einem 20=PS=
Klemm=Daimler=Leichtflugzeug einſitzig eine Höhe
von 6700 Metern erflogen und damit eine neue
Welthöchſtleiſtung für Flugzeuge unter 100 PS
auf=
geſtellt. V. Langsdorff hat dieſen Flug bei etwa
80 Grad Kälte und ohne Sauerſtoffapparat
durch=
geführt.
Der Bukareſter Königspalaft,
in dem König Ferdinand von Rumänien im Sterben liegt. Die Umgebung des Schloſſes iſt
dauernd von einer großen Menſchenmenge belagert, die auf Nachrichten über das Befinden des
Königs wartet.
Mit dem Staatspreis prämiiert.
Ein 17 Zentner ſchwerer Bulle, der auf der Kölner Schlacht= und Maſtvieh=Ausſtellung den
Staatsehrenpreis und eine Bronze=Medaille erhalten hat.
Exploſion eines Schweißapparates.
Dittersbach (Kreis Waldenburg). Bei
Schweißarbeiten ereignete ſich am Samstag früh auf
dem Melchior=Schacht eine Exploſion, durch die drei
Arbeiter beiſeite geſchleudert worden. Zwei von
ihnen erlitten ſchwere, einer leichtere Verletzungen.
Autvunfall der Filmſchauſpielerin Lya Mara.
Hamburg. Die Filmſchauſpielerin Lyg
Mara erlitt Freitag abend bei einem
Zuſammen=
ſtoß ihres Autos mit einem anderen Auto
erheb=
liche Kopfverletzungen und einen Schlüſſelbeinbruch.
Ein Taubſtummer zu lebenslänglicher
Zucht=
hausſtrafe verurteilt.
Stettin. Das hieſige Schwurgericht
verur=
teilte den 26 Jahre alten Taubſtummen Schuſter
Joſef Winder nach zweitägiger Verhandlung
wegen Totſchlags zu lebenslänglicher
Zucht=
hausſtrafe und wegen Totſchlagsverſuchs und
mehrerer Einbrüche außerdem zu neun Jahren
Zuchthaus. Der Verurteilte hatte im September
vorigen Jahres einen Kaffeehausbeſitzer in Ahlbeck
bei einem Einbruch durch drei Schüſſe getötet und
auf der Flucht einen Polizeibeamten durch einen
Lungenſchuß niedergeſtreckt.
Grauſame Lynchjuſtiz an einem Motorradfahrer
DD. Baſel. Wie aus Mailand gemeldet wird,
überfuhr in einem Dorfe in der Nähe von Mailand
ein Motorrad mit Beiwagen einen Paſſanten. Die
Bevölkerung des Dorfes rottete ſich zuſammen und
übte eine grauſame Lynchjuſtiz. Man ſchlug
ſolange mit Stöcken auf ihn ein, bis er mit
zer=
trümmertem Schädel liegen blieb. In ſterbendem
Zuſtande lieferte man den Motorradfahrer ins
Krankenhaus ein.
Weiterflug de Pinedos.
EP. New Yor k. De Pinedo iſt am Freitag
an Bord des ihm von der amerikaniſchen Regierung
geſchenkten Flugzeuges nach San Diego aufgeſtiegen,
begleitet von einer Eskorte von drei amerikaniſchen
Marinefliegern.
Schiffsuntergang.
EP. Waſhington. Man erfährt, daß der
amerikaniſche Dampfer „Elkton”, der ſeit längerer
Zeit mit 32 Mann Beſatzung verſchollen war, in
einem Taifun zwiſchen den Philippinen und der
Inſel Guam, wahrſcheinlich am 16. Februar, mit
der ganzen Beſatzung untergegangen.
Jwar Kreuger
ber Führer des ſchwediſchen Zündholztruſtes, der
im Zuſammenhang mit dem deutſchen
Zündholz=
monopol=Geſetz viel genannt wurde.
Die letzten Tage der Frankfurter Bauausſtellung
Die große Sonderausſtellung „Die neue
Woh=
mung und ihr Innenausbau”, mit der die
Haus=
frauen beſonders intereſſierenden Gruppe „Der
neu=
geitliche Haushalt”, hat in den Tagen ihres
Be=
ſtehens vom 27. März on einen außerordentlich
regen Beſuch aus Fach= und weiteſten Laienkreiſen
gehabt. Das iſt nicht erſtaunlich, denn hier in der
mächtigen Frankfurter Feſthalle war von den
Muſterbauten an bis zu den kleinſten
Interieur=
teilen alles zu ſehen, was ſich irgendwie mit dem
Problem des modernen Wohnens und Bauens
be=
faßt. So bietet dieſe Ausſtellung noch bis zum
10. April jedem die Möglichkeit, ſich durch eigene
Anſchauung über modernes Wohnen und moderne
Bauformen zu unterrichten. Eine beſonders
inter=
eſſante Abteilung iſt „Der neuzeitliche Haushalt”,
Die wirtſchaftlichen Hilfsmaſchinen aller Art,
elek=
triſch betriebene Küchen, elektriſche Eisſchränke, Hack=
und Waſchmaſchinen ſind hier größtenteils ſogar
im Betrieb zu ſehen und zu beurteilen. Samstag,
den 9. April, und Sonntag, den 10. April, bleibt
die Ausſtellung noch wie bisher bis abends 8 Uhr
geöffnet. Wer ſie noch nicht beſuchte, ſollte die
Schlußtage unbedingt dazu benutzen, ſich eine Schau
anzuſehen, die in ſolcher Vollſtändigkeit ſobald nicht
wieder zu ſehen ſein wird.
Das Urteil im Schultheis=Prozeß rechtskräftig.
WSN. Frankfurt a. M. Der
Fuhrunter=
mehmer Friedrich Schultheis, der am Freitag
wegen ſchweren Raubs und Totſchlags vom
Schwur=
gericht zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden
iſt und in dieſer Sitzung keine Erklärung darüber
abgegeben hat, ob er die Strafe annehme, hat am
Samstag morgen die Strafe angenommen.
Auch die Staatsanwaltſchaft hat auf Einlegung von
Reviſion verzichtet. Somit iſt das Urteil
rechts=
kräftig geworden.
Bei der Feſtnahme erſchoſſen.
fm. Karlsruhe. Freitag früh kamen zwei
Fahndungsbeamte auf die Spur des 30 Jahre alten,
ſteckbrieflich verfolgten Eiſenbahnſekretärs Joſef
Mutter aus Heilbronn, der nach Unterſchlagung
von 1800 Mark flüchtig gegangen und hier
aufge=
taucht war. Als ihn die Beamten feſtnehmen
woll=
ten, leiſtete der Flüchtige heftigen Widerſtand und
es kam zu einem Handgemenge, in deſſen Verlauf
Mutter eine Browningpiſtole zog und mehrere
Schüſſe abgab; hierbei wurde einer der Beamten
durch einen Streifſchuß im Nacken leicht verletzt. Der
andere machte in der Notwehr ebenfalls von ſeiner
Schußwaffe Gebrauch und traf Mutter in den Kopf,
ſo daß dieſer ſofort tot war.
Das Trompeterſchloß zu Säckingen unter dem
Hammer.
fm. Säckingen. Das hiſtoriſche
Trompeter=
ſchloß zu Säckingen, in dem einſt Joſef Viktor von
Scheffel auf Anregung des Weingutsbeſitzers Broglie
ſeinen „Trompeter” ſchuf, wird in der
Auslands=
preſſe zum Verkauf ausgeſchrieben.
Neuer deutſcher Höhenflugrekord.
Unſere Karte veranſchaulicht die in dieſem Jahre in Angriff genommenen oder noch vom
Vor=
jahr her im Bau befindlichen Kanalprojekte in Deutſchland. Durch die Errichtung der geplanten
neuen Waſſerwege wird eine beſſere Ausnützung der vorhandenen Binnenwaſſerſtraßen möglich
werden. Die Vermehrung der Waſſerſtraßen in Deutſchland, des billigſten Transportweges, iſt
von großer volkswirtſchaftlicher Bedeutung.
Wo König Ferdinand mit dem Tode kämpft.
Das Kanalbau=Programm für 1927.
Keri
4
TCMr 2
„Berlin
Fkustrio
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*
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—
S.=
Zum Prozeß in Plauen.
Generaldirektor Litt
(im Gerichtsſaal gezeichnete Skiz
Leiter der Evaporator=Geſellſchaft, einer der
Haupt=
zeugen im Plauener Prozeß, der wegen Beleidigung
des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann gegen den
Plauener Rechtsanwalt Dr. Müller geführt wird.
Von der Jungfernreiſe des Hapagdampfers
„New York.”
Nach der letzten Radiomeldung vom Dampfer
„New York” der Hamburg—Amerika=Linie befand
ſich das Schiff am Freitag etwa 1200 Seemeilen
vor New York. An Bord iſt alles wohl.
Das Gutachten über Mareks
Geiſtes=
zuſtand.
* Wien. In der Donnerstag=Sitzung des
Marek=Prozeſſes gab der Gerichtspſychiater Prof.
Dr. Stelzer ein Gutachten über den Geiſteszuſtand
Mareks ab. Er hat von ihm nicht den Eindruck
eines pathologiſchen Menſchen, ſondern eher den,
daß Marek kein Alltagsmenſch, ſondern von einer
gewiſſen Eigenart iſt. Marek war ein
ausgezeich=
neter Schüler, ſchwächlich, aber doch geſund, ſehr
fleißig, hatte aber keinen Freund und kümmerte ſich
um nichts, was ihn von ſeinem Ziele ablenken
konnte. Er iſt ein Erfinder und Theoretiker und
hat ſich auf ein Gebiet begeben, auf dem ihm die
nötigen Kenntniſſe und Geſchäftserfahrungen
fehl=
ten. Infolgedeſſen iſt ihm trotz all ſeiner
Streb=
ſamkeit alles ſchief gegangen. Seine Heirat hat er
gegen den Willen ſeiner Eltern abgeſchloſſen, und
deshalb ſind die Beziehungen zu den Eltern nur
noch flüchtig. Bei ſeinen Geſchäften, die außerhalb der
techniſchen Intereſſen lagen, war ſeine Frau nicht
der inſpirierende Teil. Keinesfalls kann man, ſo
äußerte ſich der Sachverſtändige weiter, die
Hand=
lung des Marek irgendwie als geiſtesſchwach oder
aus einer ſeeliſch anormalen Einſtellung erklären.
Bei Frau Marek liegen die Verhältniſſe anders. Sie
litt ſchon in früherer Zeit an anfallartigen
Zuſtän=
den. Auch im Laufe der Unterſuchung hatte ſie
mehrmals ſolche Anfälle. Es iſt aber fraglich, ob
nicht auch der Wille, ſich irgend einer unangenehmen
Situation zu entziehen, dabei eine Rolle geſpielt
haben mag. Frau Marek wurde durch die
Erleb=
niſſe in ihrer Jugend ſicher nervös gemacht. Wenn
man vom pſychiatiſchen Standpunkt die Eigenart
der Frau Marek zuſammenfaſſen ſoll, ſo muß mam
ſagen, daß Frau Marek frühzeitig, kaum daß ſie
halbwegs in das Alter der Geſchlechtsreife
gekom=
men war, Erlebniſſe ſexueller Natur hatte, die
ge=
eignet waren, ihr Nervenſyſtem zu irritieren und
dann weitere Folgen zu zeitigen. Es iſt allerdings
ſelbſtverſtändlich, daß ihre Anfälle keine
Geiſtes=
krankheit ſind.
Der neue amerikaniſche
General=
konſul in Berlin.
Hurſt,
der neu ernannte Generalkonſul der Vereinigten
Staaten für Berlin, der ſoeben in der
Reichshaupt=
ſtadt eingetroffen iſt, um ſeinen Poſten zu
über=
nehmen.
Seite 18
Nummer 100
Der Ehrentag
(Stammtuppe des Feldartillerie=Regiments 27. Oranien=Moinz.)
Das Herzotum Naſſau hat nur ſechzig Jahre beſtanden. Aber
ſeine winzige Armee, erwachſen aus 2 Kompagnien Infanterie
und einer kleinen Reiterabteilung der Fürſten von Naſſau=Uſingen,
2 Kompagnien der Fürſten von Naſſau=Weilburg und einem
Kur=
mainzer leichten Jägerkorps, hat in dieſer kurzen Zeit eine
un=
gewöhnlich reiche Geſchichte gehabt. Unter Napoleons Fahnen
hat ſie ſich im preußiſchen Feldzug 1806/07 und im ſpaniſchen
1808—1813 ausgezeichnet. Und als Naſſau am 16. November 1813
zu den Verbündeten übergegangen war, nahm ſie an der
Belage=
rung von Mainz 1814 teil. 1815 hat ſie dann bei Quatre=bras
und mit beſonderer Auszeichnung bei Waterloo gefochten. Die
heldenmütige Verteidigung von La Haye Sainte und Hougomont
in dieſer Schlacht iſt ihr ſchönſter Ruhmestitel. Sie hatten den
letzten Verzweiflungsangriff der Kaiſergarde auszuhalten, wobei
der Prinz von Oranien an der Spitze des 1. Herzoglichen
Regi=
ments, das er den Franzoſen perſönlich entgegenführte,
verwun=
bet wurde. Der Erbprinz ſelbſt war ebenfalls verwundet worden.
Waterloo aber gab den Anlaß zur Entſtehung der naſſauiſchen
Artillerie. Aus der Beute erhielt die Naſſauiſche Diviſion vier
Gpfünder Kanonen unb zwei 7pfünder Haubitzen. 1822 wurde
mit ihnen die Herzogliche Artillerie=Kompagnie errichtet. 1833
wurde ſie zu einer Artillerie=Diviſion erweitert, die aus zwei
Kompagnien beſtand und ſechs 6pfünder Kanonen und vier
Hau=
bitzen beſaß. Dieſes kleine Artilleriekorps iſt es, das durch
eine einzige Waffentat in der kurzen Zeit ſeines Beſtehens ſich
unvergänglichen Ruhm erworben hat.
Zuerſt rückte es im Badiſchen Feldzug 1848 aus, kam jedoch
nicht ins Gefecht. Im Auguſt aber wurde es nach Schleswig=
Holſtein entſandt, von wo es noch einmal auf den Badiſchen
Kriegsſchauplatz dirigiert wurde.
Mitte März 1849 aber rückte es zum zweitenmal unter
Haupt=
mann Müller gegen Dänemark aus und beſetzte am 25. März die
Stadt Schleswig. Es wurde der Brigade des Herzogs von
Sach=
ſen=Coburg=Gotha zugeteilt, die aus je einem Bataillon von
Scchſen=Coburg=Gotha, Sachſen=Meiningen und Reuß beſtand
und den Schutz der Häfen von Kiel und Eckernförde übernommen.
hatte. Und hier war es, wo die Naſſquiſche Artillerie ihre
Feuer=
taufe erhielt.
Eckernförde wunde durch zwei Strandbatterien und eine
In=
fanterieſchanze hinter der Südbatterie verteidigt. Dieſe war mit
vier ſchweren Geſchützen, jene mit ſechs ausgerüſtet, die von
Ab=
teilungen der 5. Schleswig=Holſteinſchen Feſtungskompagnie
under Hauptmann Jungmann bedient wurden. Die Schanze
hielt das 3. Schleswig=Holſteinſche Reſerve=Bataillon beſetzt.
Gegen dieſe ſchwachen Streitkräfte der jungen Schleswig=
Holſteinſchen Armee plante. Dänemark einen Hauptſchlag. In
der Abenddämmerung des 4. Aprils 1849 erſchien eine Däniſche
Flotille unter Kapitän Paludan vor dem tiefen Meerbuſen von
Eckernförde. Sie beſtand aus dem Linienſchiff Chriſtian VIII.
mit 84, der Fregatte Gefion mit 48 und den Dampfern Hebla
und Geyſir mit 16 meiſt ſchweren Geſchützen. Auf drei Yachten
folgte eine Kompagnie Lanbungstruppen. Man wollte Eckernförde
in Beſitz nehmen und es zur Baſis von Operationen gegen den
Nücken des in Jütland vorgedrungenen Heeres des deutſchen
Bundes machen. 148 meiſt ſchwere däniſche Geſchütze nebſt
eini=
gen Mörſern ſtanden gegen 10 ſchwere Kanonen der Schleswig=
Holſteiner.
Aber die däniſche Aktion war bereits dem Herzog von
Sach=
ſen=Cobung=Gotha gemeldet worden. Und noch ehe es Hlar
ge=
worden war, ob der Angriff Kiel oder Eckernförde gelten ſollte,
hatte dieſer richtig erkannt, daß er wohl eher dem ſchwachen Punkt
als dem feſten Hafen im Süden zugedacht war. Er warf daher
ſein eigenes Bataillon und die naſſauiſche Batterie nach
Eckern=
förde, ließ das Bataillon Reuß ebendahin abrücken und dirigierte
das Bataillon Meiningen nach Gettorf, von wo es auch nach Kiel
verwendet werden konnte.
Schon gegen vier Uhr in der Frühe des 5. April trafen das
Bataillon Coburg und die Naſſauer Batterie in dem
Schnell=
marker Holz ſüdöſtlich von Eckernförde ein. Als die Dänen noch
um ſechs Uhr ſtill vor Anker lagen, glaubte man deutſcherſeits
den günſtigſten Zeitpunkt der Landung von ihnen verpaßt. Daher
entſandte man nur zwei Geſchütze unter Oberleutnant Werren
nach Eckernförde und ließ die anderen Truppen in ihre
Kantonne=
ments abrücken. Sie waren kaum dreiviertel Stunden im Marſch,
als ſie von einer Anhöhe bemerkten, daß das däniſche Geſchwader
mit vollen Segeln in den Meerbuſen einlief. Sofort beſchloſſen
Major von Brandenſtein, der Kommandant der Coburger, und
Hauptmann Müller, derjenige der Naſſquer, die Rückkehr. Müller
eilte ſeiner im Trab folgenden Batterie voraus und erkundete das
Gelände. Bei der Ungunſt des Geländes entſchied er ſich dafür
an der nordweſtlichen Ecke des Schnellmarker Holzes aufzufahren.
Oberleutnant Werren erhielt von dem herbeigeeilten Herzog
ben Befehl, zur Unterſtützung der Nordbatterie abzurücken.
Inzwiſchen hatten die Dänen das Feuer eröffnet. Chriſtian
VIII. und Gefion gingen gegen die Schleswig=Holſteinſchen
Bat=
terien vor, die Dampfer fuhren längs der Südküſte außerhalb
des Feuerbereichs der Nordbatterien und bewarfen die
Süd=
batterie aus ihren Buggeſchützen mit Bomben.
Es war 7½ Uhr früh. Aber da fuhr die naſſauiſche
Feld=
batterie am Schnellmarker Holze auf und durchkreuzte damit den
däniſchen Angriffsplan bereits in ſeiner erſten Entwicklung. Sie
nahm den vorderen Dampfer Geyſir und danach den Gefion unter
Feuer, der jedoch 9½ Uhr weiter in den Hafen einlief und ſo aus
ihrem Schußbereich kam.
Aber die Nordbatterie war inzwiſchen von dem Feuer des
Linienſchiffs und des Dampfers Hekla zugedeckt worden. Von
ihren 6 Geſchützen, mit denen ſie gegen die 84 des Chriſtian VIII.
und die 8 der Hekla kämpfte, waren alsbald 2 demontiert, ein
drittes von der Geſchützbank geworfen, ein viertes konnte kaum
noch bedient werden. Tote und Verwundete häuften ſich in der
engen Verſchanzung. Und als die ſchwarz=rot=goldene Fahne der
48er Bewegung herabgeſchoſſen wurde, brachen die Dänen in ein
triumphierendes Hurrg aus. Aber Hauptmann Jungmann und
Leutnant Schneider pflanzten ſie eigenhändig wieder auf und
feuerten mit den zwei intakten Geſchützen ununterbrochen weiter.
Und nun kam die Hilfe. Oberleutnant Werren mit ſeinen
2 Geſchützen hatte infolge des ſchwierigen und unüberſichtlichen
Geländes erſt um 9 Uhr den Louiſenberg hinter der Nordbatterie
erreicht. Nun führte er im vollen feindlichen Feuer ſeine beiden
Geſchütze im Galoppp den Hang hinunter und nahm rechts
ſeit=
wärts von den Schleswig=Holſteinern Stellung hinter einem
Knick. Von hier aus eröffnete er das Feuer mit ſolchem
Nach=
druck, daß die Dänen zur Erwiderung gezwungen wurden.
Da=
durch erhielt die Nordbatterie Luft, und das umgeſtürzte Geſchütz
konnte wieder gefechtsfähig gemacht werden. Bald mußte der
Dampfer Hekla mit zerſchoſſenem Steuer aus dem Gefecht
aus=
ſcheiden. Die Dänen gaben nunmehr den Kampf gegen dieſe
Poſition auf und wandten ſich gegen die ſchwächere Südbatterie.
Inzwiſchen war die deutſche Infanterie in voller Stärke
ein=
getroffen. Gefions Takelage hatte ſchwer gelitten, der
aufſprin=
gende Oſtwind drohte das Verlaſſen der Bucht unmöglich zu
machen, und die Dampfer waren ſo mitgenommen, daß ſie kaum
noch für ein Herausbagſieren in Betracht kamen.
Da verlegte ſich der däniſche Kommandant Paludan aufs
Verhandeln. Er bot Einſtellung des Kampfes an gegen freien
Abzug, widrigenfalls würde er die bisher verſchonte Stadt
Eckern=
förde beſchießen. Darauf wurde ihm entgegnet: man ſehe ſich nicht
veranlaßt, die Schiffe ohne weiteres abziehen zu laſſen, wolle er
die offene Stadt beſchießen, ſo falle ihm die Verantwortung für
dieſen Vandalismus zu.
Die Waffenruhe hatten die Dänen zu dem Verſuch benützt,
die Schiffe hinauszuwarpen. Das mißlang aber, Chriſtian VIII.
wurde ſogar 4—500 Schritte von der Küſte auf Grund getrieben.
Auch in den Strandbatterien hatte man fieberhaft an der
Wieder=
herſtellung der Gefechtsfähigkeit gearbeitet.
Als nun das Feuer wieder begann und die Dänen mit aller
Kraft verſuchten, die Südbatterie niederzukämpfen, ging
Haupt=
mann Müller mit ſeinen vier Geſchützen in geſtrecktem Trab unter
den Kanonen der feindlichen Schiffe nach dem Sandkrug ſüdlich
der Südbatterie vor und dann durch die Höhe gedeckt nach der
Schanze. Da er dort keinen guten Standort fand, entſchloß er
ſich, an den Strand nördlich der Batterien heranzugehen und
knapp 300 Meter von Chriſtian /III. Stellung zunehmen. Dort
deckte er ſich hinter einem Knick aus loſem Sande und eröffnete
das Feuer aus nöchſter Nähe, wobei er das Schiff der Länge nach
beſtrich und infolge ſeiner tiefen Stellung es ſogar bis zum
Waſſerſpiegel treffen konnte.
Ein gegen vier Uhr unternommener Verſuch, die Schiffe durch
den einen Dampfer abbugſieren zu laſſen, wurde vereitelt. Und
nun begann der Endkampf, in dem die Nordbatterie mit vier
Ge=
ſchützen, unterſtützt von den naſſauiſchen Geſchützen des
Oberleut=
nants Werren, gegen den Gefion mit ſeinen 48 und den einen
Dampfer mit ſeinen 8 Geſchützen focht, während die Südbatterie
mit 2 Geſchützen und die 4 anderen Naſſauer Geſchütze unter
Hauptmann Müller gegen Chriſtian VIII. mit ſeinen 84 ſchweren
Kanonen kämpften. Alſo 12 deutſche Feuerſchlünde, wovon 6
Feldgeſchütze waren, gegen 148 ſchwere Schiffskanonen!
Gefion ſtellte bald den Kampf ein, aber im Süden tobte er
nun in voller Stärke. Die Südbatterie beſchoß den Rumpf des
Chriſtian III. mit glühenden Kugeln, die Naſſauer zerſchoſſen
ihm das Takelwerk mit Granaten und Kartätſchen ſo gründlich,
daß das Schiff binnen kurzem manöverierunfähig wurde.
Nun=
mehr verlegte Hauntmann Müller ſein Feuer auf die feindliche
Artilleriebedienung, ſo daß dieſe bald ihr regelmäßiges
Lagen=
feuer einſtellen mußte und nur noch ſtockend antwortete.
Nach einſtündigem Kampf geriet das Schiff in Brand.
Vorübergehend war es ſo in Rauch gehüllt, daß die Deutſchen ihr
Feuer einſtellten. Nach einer weiteren Stunde gab Chriftian
III. noch ein paar Schüſſe auf die Naſſauer ab, dann ſtrich er
den Danebrog um 6 Uhr abends.
6 Schleswig=Holſteiniſche und 6 Naſſauer Geſchütze hatten
den artilleriſtiſch faſt 25fach überlegenen Dänen bezwungen! 1257
Mann hatte er an Toten, Verwundeten und Gefangenen
ver=
loren. Die Naſſauer, obwohl nahezu ohne Deckung kämpfend,
hatten im Lauf des faſt den ganzen Frühlingstag währenden
Gefechtes keinen einzigen Mann verloren.
Der Tag endete trotzdem tragiſch. Um 8 Uhr am Abend flog
der Chriſtian VIII. in die Luft. Das Feuer hatte die
Pulver=
bammern erreicht. 2 Offiziere, 1 Arzt und 100 Mann büßten ſo
nach beendigtem Kompf noch ihr Leben ein.
Der Dag von Eckernförde iſt einer der ruhmvollſten des
Jah=
res 1849, ein Glanztag der deutſchen Artillerie überhaupt, und
den größten Anteil daran hatte das kleine Naſſauiſche
Artillerie=
korps, der Stammtruppenteil des Naſſauiſchen Feldartillerie=
Regiments Nr. 27 Oranien, das 1872 begründet wurde und
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IV 5816
[ ← ][ ][ → ]Nummer 100
Sonntag, den 10 April 1927
Seite 19
Kirchengeſangverein
der Evangel. Martinsgemeinde
Dienstag, den 12. April 1927, abends
8 Uhr, in der Martinskiiche
Aufführung der
Johannes=Paſſion
von Händel
für Chor, Orgel, Orcheſter und Solis
Eintrittskarten bei Konzert=Arnold, Ernſt=Ludwig=Straße
und abends im Martinsſtift
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vom 21. bis 24. Aprll 1927
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Mittwoch, 13. April 1927, 8½ Uhr, bei Sitte.
Der Vorstand.
6171)
Merother Wander-Hogel
Wir laden zu unſerer Aufführung des
Wnſterienſpiels
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von Alois Johann Lippl am Dienstag, den
12. April abends 8 Uhr, in der Aula des
Ludwig=Georg=Gynnaſium (Ein;. Karlſtr.)
Schüler u Jugendbewegung
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Darmstadt
Montag, den 11. April,
abends 81½, Uhr
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Tag esordnung: 1 Mitteilungen
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Tragödie von Hölderlin
in der Bearbeitung von W. Michel
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Seite 20
Sonntag, den 10. Aprit 1927
Nummer 100
Die Sünderin von Babvlon
Ein Monnmentalfilm in
9 Akten!
Eines der gemaltigsten Kunstwerke der Filmgesehichte!
Ein Prunkfilm von ungeahnter
Schönheit und Pracht!
Nach Ben-Hur der größte
Ausstattungsfilm!
Berliner Lokal-Anzeizer: „Ein Massenaufgebot
von Bauten und Menschen wird mobilisiert. Das
Gastmahl ist imponierend in der Gesamtwirkung,
reizvoll in vielen Einzelheiten. Unerhört stark die
Ankündigung vom Untergang der Sündenstadt.
Und überwältigend der Untergang gelbst.
Moch nie ist das Wäten der Elemente im Film so
veranschaulicht word. Man war derart beklommen,
daß man fast den reichlich verdienten Applans
vergessen hätte. Der Erfolg des Films dürtte
anhalten.”
8 Uhr Abendblatt: „Der Film ist von einer so
rührenden und zarten Schönheit, so ganz Gefühl
und Gestalt, so schwingend im Leisesten u. Tiefsten.
daß man ihn mit wirkl. Ergriffenheit betrachtet.”
Beiprogramm: „Verusalem”, die Stätte versunkener Pracht, — Wochenschau
ente Aufaus 23 Uhr.
Insenaltehe haben Antrlt.
letzte 4bendrorzteluns 8 Uhr.
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abends 8 Uhr
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Kasse d. Orpheums ab 3 Uhr ununterbroch.
Telephon. Kartenbestellungen Nr. 389.
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Am Montag, den 25. April 1927,
abends 8 Uhr, findet gemäß 85 16—31
der Satzungen die
Mitglieder=Berſammlung
mit folgender Tagesordnung ſtatt:
1. Bericht der Rechnungsprüfer über die
Rechnungenfürdas abgelaufeneJahr
2. Voranſchlag für das laufen e Jahr.
3. Wahl der Rechnungsprüfer für 1927.
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4. Verſchiedenes.
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nachmittags 5 Uhr
Einmaliges Gaſtſpiel
Profeſſor Max von Schillings
Parſifal
Ein Bühnenweihfeſtſpiel in 3 Aufzügen
von Richard Wagner
Muſikaliſcher Leiter:
Profeſſor Max von Schillings, a. G.
In der Inſzenierung von Charles Moor
Spielleitung: Hans=Esdras Mutzenbecher
Perſonen:
Amfortas . . . . . . . . Imre Aldori
Titurel ... . . . . . . Alfred Karen
Gurnemanz . . . . . . . Joh. Biſchoff
Parſifal . . . . . . . . . Gotthelf Piſtor
Klingſor . . . . . . . . . Heinrich Kuhn
Kundry.
.. . . Ch. Maſſenburg
Erſter Gralsritter . . . . Karl Ebert
Zweiter Gralsritter . . . Osear Grauert
Erſter Knappe . . . . Sitta Müller=Wiſchin
Zweiter Knappe . . . . . Grete Penſe
Dritter Knappe . . . . . Eugen Vogt
Vierter Knappe . . . . . Rudolf Strzeletz
Joh. Buchheim
Müller=Wiſchin
Klingſors
Annelies Roerig
Baubermädchen . .
Mag. Abrecht.
Paula Kapper
Grete Penſe
Die Brüderſchaft der Gralsritter, Jürglinge
und Knaben. Klngſors Bauberinädchen
Chöre: Berthold Sander
Spielwart: Fritz Wilde
Die Chöre der Blumenmädchen ſind
ver=
ſtärkt durch Mitglieder des Muſkvereins,
die der mittt eren und obe en Chöre durch
Mitglieder des Quartettverens 1920
Darmſtadt und durch den Samper’ſchen
Knabenchor,
Preiſe der Plätze 1.50—15 Mk.
Nach dem erſten und zweiten Alt je 35
Minuten Pauſe.—Beginn des 2. Aktes.
7 Uhr 25 Minuten. — Begiundes3. Aktes:
8 Uhr 55 Minuten.
Ende 10 Uhr
kommt in nachſter Zeit mit ſeinem
geſamten rieſigen Material nach
LAierg8
Del Oulas de4 uahriſchen Hauptſtadt 4 Die größte Schauſtellung Europgs Parniit
N
5
1o. April 1927
Nummer 18
zunnnnnnnnnnnnnnnnnnenennnnnnnnnnnnnrnnnnnnnnnnnnnnnnnnannnnnnrnnnnnnnnnnnnnnnnnunnnnnnnnnunnnnnnnnnrgtnnnstnnttenrengnddnt arag
Dremiere.
Von A. Kahane,
Dramaturg des Deutſchen Cheaters.
I.
Jahrelang hat einer mit ſeinem Gott, mit der Welt, mit
ſeinem Leben, mit ſeinem Sch gerungen und hat ein Werk
geboren. Er hat ſeiner Seele Ciefſtes, ſeines
Geiſtes Klarſtes, ſeines Weſens Beſtes, das
Neſultat einer Entwicklung hineingegoſſen,
hat die einzige ihm mögliche Form gefunden.
Wie ein Gott hat er Menſchen nach ſeinem
Ebenbilde geſchaffen und ihnen Leben von
ſeinem Leben gegeben, hat ſie in ſich
herum=
getragen, mit ihnen geſprochen, verkehrt,
gelebt, wie wenn ſie Fleiſch und Blut wären.
Und ſo iſt eine neue kleine Welt entſtanden,
ein neues Leben, gerade ſo rund und ganz
und gut wie irgend ein anderes. Wahrer
ſogar als das wirkliche: denn nicht der
Schein trügt, ſondern die Wirklichkeit; der
Schein hat recht.
Andere haben das Werk geleſen und
waren erfüllt davon. Ein zweiter Mann
hat es ſo tief in ſich aufgenommen, daß
es ſein Eigen wurde. Auch er hat Wochen
und Monate mit den Geſtalten des Werkes
gelebt, hat die Biſion des Werkes zu ſeiner
eigenen gemacht und hat ſie in Farben, in
Linien, in Cöne, in Bilder, in Stimmen und
Geſten, in vibrierende Menſchenſeelen, in
lebendiges Leben umgeſetzt. Auch er hat
aus ſeiner Schöpferſeele Fülle ſeines reichen
Menſchenlebens mit hinein verwebt, um die
Viſion des Künſtlers durch das vielfältige
Material des Cheaters auszudrücken. Hundert fleißige Hände
haben eine kleine Welt aufgebaut, Maler gemalt,
Schau=
ſpieler gelernt, ſtudiert, probiert und immer wieder probiert,
Wille wurde an Wille geſetzt, Energien rangen miteinander,
ein Sieber ſpannte die Nerven aller, vom erſten bis zum
letzten, aufs äußerſte, bis endlich eine Einheit, ein Neues,
Fertiges daſtand.
Das Publikum: Ueberwältigt.
Karikatur von G. Doré.
Und nun foll ein Abend, ſollen drei Stunden die
un=
ermüdliche, nervenanpeitſchende Arbeit von Wochen, von
Monaten krönen.
II.
Noch iſt der Vorhang unten, und ſchon ſitzen ſie da,
immer dieſelben, immer in derſelben Stimmung, kampfbereit,
zum Widerſtand gewappnet, bis an die Sähne gepanzert mit
Feindſeligkeit. Entſchloſſenheit lagert auf allen den
ver=
ſchiedenen Geſichtern, bricht unverkennbar durch die
müh=
ſame Maske einer geſpielten Gleichgültigkeit durch. Alle
kennen ſie einander: in der Art, in der ſie einander begrüßen,
in den kühlen Blicken, mit denen ſie ſich gegenſeitig meſſen,
liegt abgeſtumpfte, jahrelange Gewohnheit, liegt die
gering-
ſchätzige Gleichgültigkeit einer unfreiwilligen Gemeinſchaft,
wie bei Eheleuten, die ſich zu genau kennen und ſich nichts
mehr zu ſagen haben. Und doch, wie verſchieden ſie an
Bil=
dung, Niveau, Meinungen ſein mögen, in dieſem Augenblicke
eint ſie ein gemeinſamer Gedanke, ein unheimlich ſtarker
Wille, wie ein geheimes Gelübde die Mitglieder einer
Ver=
ſchwörung: mag kommen, was will, imponieren laſſen wir
uns auf keinen Fall!. Und auf keinen Fall ſoll es ihnen ohne
Kampf hingehen! Kampf, Kampf, Kampf um jeden Preisl
(Man greift ſich an den Kopf, fragt ſich immer wieder:
Warum Kampf? warum in aller Welt Kampf? gerade hier?
Die da oben wollen doch nichts als Gutes, wollen ihr Beſtes
geben, Schönheit zeigen, Freude verbreiten. Warum ſollen ſie
dafür durchaus beſtraft werden? Ihr Wille iſt doch der
friedfertigſte: wozu alſo euer Kampf? Ihr ſeid doch ſonſt
nicht ſol)
Erſte Plänkeleien beginnen. Suerſt auf neutralem
Ge=
biet. Heute iſt es hier zu kalt. (Su warm.) Seit zwölf Jahren
iſt es dem alten Herrn in jeder Premiere entweder zu kalt
oder zu warm. Daß ſie nie pünktlich ſein können!. Es iſt
gleich dreiviertel. Seit zwölf Jahren könnte er ſchon wiſſen,
daß jede Premiere genau um dreiviertel beginnt, weil man
abwartet, daß das Publikum auf den Plätzen ſitzt und die
Das Publikum: Hingeriſſen.
Karikatur von G. Doré.
erſten Szenen nicht durch die Unruhe der Suſpätkommenden
ſtören laſſen will. Man lieſt den Cheaterzettel und kritiſiert
die Beſetzung im vorhinein. Man hätte anders beſetzt. Man
kennt die Geheimgeſchichte. Man mag den Schauſpieler nicht,
der ſpielt, und zieht den vor, der nicht ſpielt. Es gibt
Schau=
ſpieler, die man ohrfeigen möchte, ſo oft man ſie ſieht;
natür=
lich werden die am beſten beſchäftigt. Man erzählt ſeiner
Frau, was man vom Inhalt des
Stückes bereits weiß. Man fragt,
warum ſpielt er das Stück
eigent=
lich? ſucht nach Motiven, natürlich
unſauberen, munkelt allerlei, irgend
ein Geheimnisvolles weiß jeder.
Man informiert ſich noch ſchnell,
holt ſich Catſachen von der
Ku=
liſſengeſchichte der Vorſtellung, läßt
lich Erinnerungen an Aufführungen
desſelben Werks, an Aufführungen
anderer Werke desſelben Dichters
beſtätigen. Man ſammelt Waffen!
Und nun ſitzt man da, im vollen
Gefühl ſeiner Gottähnlichkeit,
ein=
geſetzt zu urteilen und zu richten.
Sum Herrn beſtellt über Cod und
Leben, das Schickſal des Abends,
eines Dichters, eines Werkes, eines
Cheaters in den gewaltigen Händen,
bedeutend, groß. Den Ernſt der
Stunde und der Aufgabe im
Ge=
licht, wenn auch vielleicht innerlich
lächelnd, weil man ſeinen beſten
Pfeil vielleicht geſpitzt hat, ehe noch
der erſte Schwertſtreich gefallen iſt. Denn an dieſem Abend
fühlen ſich alle als Kritiker, auch die, denen noch keine
Seitung mit dem Amte den Verſtand verliehen hat.
Der Vorhang rauſcht in die Höhe, das erſte Wort tönt
in den Saal und ein leiſes, nicht alzu leiſes „Schon faul!”
des Entzückens entringt ſich geſprochen oder unausgeſprochen
fünfzig Lippen, hundert Seelen. „Hugh”, ſagt der
In=
dianer, wenn er auf den Kriegspfad geht. Der
Premieren=
beſucher, zumal der Berliner, ſagt „Schon faul”. In dieſer
wundervollen Einheit finden ſich die Herzen. Es deutet zart
die Stimmung an, zu der man bereit iſt. Ein Vorzeichen
ge=
wiſſermaßen, daß die Conart angibt, auf die man geſtimmt
iſt; die Stimmgabel ſchwingt den Grundakkord an. Mehr
Kriegsruf, als, bewahrel vorſchnelles Urteil. Und dann
ver=
ſinkt ein jeder in ſich ſelbſt. Wie indiſche Nabelanbeter
bemüht, die Welt zu vergeſſen, die ſich da draußen auf der
Bühne vor ihnen abſpielt, ſitzen ſie da, aufs Innigſte und
Särtlichſte mit ſich ſelbſt beſchäftigt, lehen nichts, hören
nichts, weil ſie Formeln finden, Worte prägen, Witze
ſchmie=
den und Eindrücke formulieren müſſen, die ſie gar nicht
haben. Alle arbeiten ſie an dem großen Kunſtwerk:
Zwiſchen=
akt, das einen Vorgeſchmack des Weltgerichts bedeuten ſoll.
Aller Glanz, alle Schönheit auf der Bühne iſt umſonſt, alles
Menſchliche, die ſtärkſte Leidenſchaft verpufft ins Leere,
Gedankengänge rauſchen ungehört an tauben Ohren vorüber:
nur hie und da, von Seit zu Zeit wirft einer einen verirrten
Blick auf die Bühne, um ſich von dem, was da vorgeht, von
neuem zu ſich ſelbſt entzünden zu laſſen. Manchmal erwachen
ſie aus der Ciefe ihres Innenlebens, recken ſich, gähnen,
ſehen auf die Uhr und verabreden mit dem Nachbar das
Reſtaurant für das Abendbrot. In der großen Pauſe des
Swiſchenaktes aber wird Gericht gehalten. Da entlädt ſich,
was ſich während der Akte an Gift, Galle und Witz in den
Gemütern aufgeſpeichert hat. Mit der Unerbittlichkeit
ſtrenger Lehrer werden die Fehler notiert, die Senſuren
erteilt: gut oder ſchlecht, ein drittes gibt es nicht; was falſch
iſt, wird angeſtrichen. Wehe dem Werk,
wenn die guten Köpfe bei einander ſtecken,
die ſchnellen Sungen wiſpern. Keine
Ingui=
ſition konnte je ſo unerbittlich ſein. In dem
Hochgeſpräch dieſes Swiſchenaktes gipfelt
der Abend: Hier iſt Sweck und Erfüllung
des Ganzen. Die kritiſche Diskuſſion lebt
davon, daß man mit Leuten derſelben
Mei=
nung verſchiedener Meinung iſt, und über
nichts läßt ſich ſo gut disputieren als über
Geſchmack, vorausgeſetzt, daß einer
vor=
handen iſt, und erſt recht, wenn keiner
vor=
handen iſt. Und ſo kehrt man befriedigt,
entladen, gehoben zum zweiten Ceil der
Vor=
ſtellung zurück. Das Urteil iſt gefällt, es
kann nichts mehr paſſieren. Und trägt
ge=
duldig bis zur vorletzten Szene; dann geht
man, denn die Garderobe iſt wichtiger als
der ſcharfſinnig ſchon längſt erratene Schluß.
Unterdeſſen haben da oben auf der Bühne
alle Künſte für ſie geſpielt, hat Einer, haben
Viele ihr Herzblut gegeben, ihr Innerſtes
enthüllt, das Beſte ihrer Kunſt entfaltet.
Vergeblich, ſie rühren keine Hand: da ſind
lie viel zu objektiv dazu.
III.
Das ſoll um Gotteswillen kein Proteſt,
kein Reformverſuch, keine Bitte um
Ab=
änderungsvorſchläge ſein. Es kann wohl nicht anders ſein
und wird wohl auch immer ſo bleiben. Nur ein kleiner
Bei=
trag zur Maſſenpluchologie. Im einzelnen lauter liebe Leute,
ich kenne ſie alle perſönlich, entzückende Leute: alle zuſammen
das Härteſte, Grauſamſte, Mordgierigſte. Man kann eine
Premiere nur mit dem Maturatraum, dem Hexengericht,
dem Inquiſitionstribunal vergleichen.
Und wenn man dieſen Eindruck in jahrzehntelanger
Er=
fahrung berufsmäßig immer wieder, ja von Premiere zu
Premiere immer ſtärker erlebt hat, verzeiht man ſich eines
Cages das Bedürfnis, ihn offen heraus zu ſagen.
Premire von Wagners „Meiſterſinger”
zum großen Mißfallen des Publikums.
Kladderadatſch 1870.
Adr442
Vor Oſtern.
Von
Dr. Richard von Schaukal.
Ich bin am Bach geweſen. Er iſt ſtumm.
Sonſt ging der Schnee in ſeinem Nieſeln um.
Die Bäume ſtehen noch ganz ſtarr und nackt;
Sie ächzen, wenn des Nachts der Sturm ſie packt.
Im Garten aber längs dem Gittertor
Strebt an der Hecke grüner Hauch hervor.
Und manchmal zwitſcherts ſo vom Hang ins Haus,
Als richteten ſie eine Botſchaft aus.
Und Primeln ſind ſchon da und Veilchen auch,
Es duftet leiſe nach beſcheidnem Brauch.
Die graue Luft iſt leicht und dürftig-rein,
Es kann nicht mehr ſo weit zum Frühling ſein.
V
Ve
V
HEAAIAAHHRHRAHHHAHHEIHAAIAATnnnAnnnagagennnnnnnnnnnnnänAg
äHAAAAnznanannnnnnnnnnnnnnnnannnnnnt
Swei Welten.
Von E. v. Ungern=Sternberg.
Swei verſchiedene Welten liegen nahe bei einander, aber
zwiſchen ihren Grenzen ragen gewaltige Selsmaſſen aus Granit
und trennen ſie nicht nur räumlich, ſondern auch im Geiſte.
Spanien und Frankreich, Madrid und Paris trennen nur
vier=
undzwanzig Stunden Bahnfahrt im Schnellzuge, aber wenn
Madrid mit ſeinem Großſtadttrubel, mit ſeinen prächtigen
Avenuen, mit der Calle Alcala und der Gran via ſich noch mit
anderen Luxusſtädten Europas vergleichen läßt, ſo braucht man
bloß den Madrider Nordbahnhof zu verlaſſen und nach einer
kurzen Stunde Fahrt öffnet ſich dann eine Welt, die
unvergleich=
lich iſt. Dort erheben ſich die gewaltigen Selsmaſſen des
Guadar=
rama. Zurückblickend liegt überdeckt von einem durchſichtigen
Nebelſchleier, aus dem das Königsſchloß hervorragt, Madrid.
Hier aus der ſtillen Bergwildnis erſcheint die Hauptſtadt
un=
wirklich wie eine Jata Morgana, die auf die leere Landſchaft
Kaſtiliens hingezaubert worden iſt. Bald ragt rechts in ſteinerner
Gewaltigkeit der Wunderbau des Escorial. Bis hinauf zur
Kuppel gewahrt das Auge nichts als Quaderſteine, die für die
Ewigkeit gebaut ſein ſollten. Philipp II. glaubte die Seit in
ihrem Fluge auſhalten zu können. Er ſtellte ſich mit
ausge=
breiteten Armen, wie ein lebendiges Kreuz dem Anſturm einer
anderen Gedankenwelt entgegen und wollte Gott dienen. Aber
um ſeine Demut ſchlug er den Kaiſermantel und ſchuf als äußeres
Wahrzeichen den Escorial. Dann krallen ſich weiter mit zackigen
Felſenfingern hohe Berge in den Himmel, bis bald auf ſteiniger
Hochebene eine Stadt aus Granit links vom Wege auftaucht:
Avila. Hinter grauen, ſchneeverwehten Mauern liegt die Stadt
der Heiligen Chereſe von Jeſus. Seit jenen Cagen des
XVI. Jahrhunderts, als die Heilige hier lebte und in das uferloſe
Meer der göttlichen Liebe unterzutauchen trachtete, hat ſich
wenig in Avila geändert. Die Seit hat geſtockt. Noch ſtehen
dieſelben Kirchen und Mauern, nur die Menſchen haben ſich
geändert und ſind in ihrem Glauben ſchwächer geworden.
In Avila erwacht auch die Erinnerung an Ferdinand und
Jſabel die Katholiſche, die Herrſcher des vereinten Kaſtilien, die
Förderer der Inquiſition, die Sönner Corquemadas, die im
Namen des Glaubens 8800 Männer und Frauen auf den Scheiter-
baufen de- KuemaTers verbrennen und
mehr als 90000 der Folter
unter-
werfen ließen. Kalter Nebel laſtet
über Avila. Die Stadt ſchlottert in
ihrem Mauergürtel, die mit ſeinen 86
Cürmen und Coren ihr viel zu weit
geworden iſt. Das wenige moderne
Leben hat ſich vor die Core Avilas
geflüchtet. Den Weg zum Bahnhof
faſſen freundliche Häuſer ein. In der
Einſamkeit des Guadarrama gibt es
Gehöfte, deren Bewohner noch wie
vor hundert Jahren leben, denen
moderner Fortſchritt ein
Märchen=
clang iſt, denen die Seiten der
Ingui=
ſition verſtändlicher als unſere Cage
ſind. Dort treiben noch Hexen und
Hauberer ihr Unweſen. Wenn die
Nacht ihre dunkelen Nunen auf die
Felſeneinſamkeit ſchreibt, ſingen dort
Geſpenſter ihr böſes Lied.
Die Expreßzüge kreuzen wie Boten
aus einer fremden Welt den
Guadar=
rama. Sie eilen zwiſchen den Städten
des Lichtes, Paris und Madrid, hin
und her. Wenn man mit
rückwärts=
ſchauenden Augen aus dem Fenſter
der Wagen hinausblickt, ſo kommt
Leben in all die unvergänglichen
—tttr 65 Denkmäler vergangener Epochen, die
vorbeigleiten. Jede Nuine, jede Säule
Kt ihit dre Geſchichte vol Bist, iel.
Pracht. Aus jeder Gruft, aus dem
R
Vk
Staube der Särge ſteigen Geſtalten
A
von Heiligen, von Königen, von
Kar=
dinälen und Inquiſitoren. Durch dieſe
verſchüttete Welt gleitet der
Schnell-
zug dahin, gleiten die Wellen der
S
drahtloſen Celegraphie. Hauberei der
To Neuzeit! Hexenwerk! Vor wenigen
R
hundert Jahren wäre jeder, der ſich
Za
L m mit ihnen befaßt hätte, in Kaſtilien
verbrannt worden. —
Venta de Banos, Medina del
Campo liegen auf gelb gedörrter
Hochebene, und dann hält der Sug in
Burgos. Burgos iſt durch ſeine
Ka=
thedrale berühmt, ein Meiſterwerk der
Spätgotik, das Hans von Köln erbaut
nie
hat. Das Fundament wurde im Jahre
400 gelegt, damals als die reine Linie
ſchon mit allerlei Schmuck und Stuck
verziert wurde. Meiſter Hans, der ſicherlich die Baupläne der
Kathedralen von Köln und Freiburg kannte, wollte den Spaniern
die allergotiſchſte Kathedrale erbauen, eine gewaltige Kirche,
deren Cürme aus feingeflochtenen Fäden in den Himmel greifen
und in die die Sonne durch rieſige, ſtrahlende Farbenfenſter
hin=
einflutet, ſo daß die Kathedrale den Andächtigen wie ein Haus
aus Licht erſcheinen ſollte, in dem die Orgel und die Choräle
lobſingen. Aber der Baumeiſter vergaß, daß Sonne und
Witte=
rung hier anders als in der rheiniſchen Heimat wirken. Durch
das Siligran der Cürme weht der eiſige Wind von den Pyrenäen,
kriecht die Gluthitze der kaſtiliſchen Wüſte, und beide nagen am
Netzwerk der Sundamente. Die Cürme haben ſich leicht geſenkt
und drohen mit dem Einſturz. In dem ſteinernen Bröckelwerk
hängen bronzene Glocken, von denen jede Hunderte von Sentnern
ſchwer ſein mag, und es ſcheint faſt, als ob die Glocken die
Cürme allzuſehr belaſten und den Einſturz beſchleunigen helfen.
Auf Veranlaſſung des Herzogs von Alba iſt ein
Unterſuchungs=
ausſchuß zuſammengetreten, um die Cürme auf ihre
Baufällig=
keit zu prüfen. Aus den Fenſtern des dahineilenden Suges
be=
merkt man an der Kathedrale ein Balkengerüſt, das gleichſam
als Ausguck dient, aber größere Neparaturarbeiten haben noch
nicht begonnen. Abgeſehen von der Kathedrale iſt Burgos eine
freundliche Kleinſtadt mit Kleinſtadtgebaren und Getue. Man
intereſſiert ſich dafür, mit wem der Herr General ſpäzieren geht
und wer das Café Candela beſucht. Wenn man als Ausländer
durch die Straßen geht, ſo hört der Barbier in ſeiner Arbeit auf
und ſchaut dem Fremden nach. Nicht weit von Burgos liegt das
Nonnenkloſter von Huelgas, in dem die Könige Alfonſo VII.
und VIII. begraben liegen. Um Alfonſo XTIII. ſpielt die
Ge=
ſchichte von der Jüdin von Coledo. Als er zu Beſuch beim
Maurenfürſten in Coledo weilte, verliebte er ſich in die ſchöne
Nahel. Die Geiſtlichkeit hielt dem König ſeine Sünde vor, ſich
mit einer Jüdin einzulaſſen und verurteilte ihn zu einer ſchweren
Buße. Der König begann nun ſeine Kaſteiung damit, daß er die
Jüdin und das von ihr geborene Kind auf dem Scheiterhaufen
verbrennen ließ und die engliſche Prinzeſſin Leonore heiratete.
Wenn man ihr Bild im Kloſter betrachtet, ſo glaubt man gerne,
daß die Buße des Königs wirklich mit der Hochzeit begonnen hat.
Von Burgos iſt der Weg bis zur Grenze nicht mehr weitz
Nach wenigen Stunden Fahrt hält der Sug in San=Sebaſtian,
der eleganten königlichen Sommerreſidenz. Dort in den Bergen
Frühling.
Eine Geſchichte von Ludwig Bäte.
Er wurde am Bahnhof der ſüddeutſchen Stadt abgeholt. Der
Negen wuſch den offenen Bahnſteig und ſchlug ſchräg gegen die
grauen Betonwände des Unterführungsſchachtes, in dem man
auf ihn wartete. Er war ſchnell durch ſeine Strophen und
Aovellenbücher bekannt geworden, da er den Mut beſeſſen hatte,
eine oft als ait und überlebt bezeichnete feine und herztiefe Kunſt
Undekummert um alle Einwände zu vertreten und weiter zu
ent=
wickeln, bis ſich mit einem Male die vom letzten Ismus
über=
attigte und enttäuſchte Aenge ihm voll zuwandte und er geleſen
und gekauft wurde, wie er es ſich kaum in Knabentagen geträumt
hatte. Beinahe täglich bekam er Beſprechungen ſeiner Bucher,
ausführliche Würdigungen ſeines Schaffens, und die Seitſchriften,
die vor Jahren ſeine Verſe und Geſchichten mehr oder minder
höflich zurückgeſandt hatten, bedankten ſich in wortreichen
Schreiben, wenn er ihnen heute dieſelben Schöpfungen zum
Ab=
druck überließ. Von allen Seiten wurde er um Vorleſungen
ge=
beten, und ſo ungern er ſich ſonſt auch auf dem Podium eines
menſchenvollen Saales ſtellte, ſo gab er doch immer nach, wenn
er das ehrliche Wollen des Beranſtalters ſpürte, ſeinem Kreis
mit dem Werk des Dichters etwas zu geben.
So auch hier. Eine Gruppe junger Aenſchen hatte ihn
ge=
beten, und da der Ort nicht allzuweit vom Wege lag, hatte er
zugeſtimmt.
Das Licht der Gasglühlampen flackerte unruhig über die
kleine Schar, die ihn faſt vollzählig abholte. Kaum hörte er im
wühlenden Wind, der ſcharf in den Gang pfiff und wütend gegen
die ſchwarzen Scheiben der Glasbedachung ſtieß, die Worte des
Leiters. Zudem ſuchte er einen Mädchenkopf wieder, der für
einen Augenblick ſich aus dem dunklen und feuchten Gewirr der
Negenmäntel und eingebogenen Hüte in einer Fülle
kraus=
blonden Haares gehoben und ihn mit eigentümlich feſtem und doch
unbeſtimmt verlorenen Blick angeſchaut hatte. Er war ſofort
durch die ungewöhnliche Anmut des Antlitzes gefeſſelt worden, in
dem ausgeſprochen Bodenſtändiges, Ländlich=Geſundes mit einem
raſſig=feinen Zug alter Patrizierkultur verſchmolz.
Am Ausgang fand er ſie wieder, und da ſie beide zu gleicher
Zeit draußen ankamen, machte es ſich von ſelbſt, daß ſie
zu=
ſammengingen.
Der Weg zu dem Saale des neuen ſtädtiſchen
Geſellſchafts-
hauſes, in dem er ſprechen ſollte, zog ſich lange hin, und der
Sturm, der ſie hier voll faßte, brachte ſie nur mühſam vorwärts.
Waſſerlachen blinkten im trüben, geſcheuchten Licht der Laternen
auf. Hier und da knallte eine Cür hart ins Schloß, zerrten die
Celegraphendrähte, kämpfte mühſam ein Menſch an ihnen
vor=
über, flog ein Wort von den ihnen folgenden Begleitern zu ihnen
her. Dann brauſte der Fluß auf. Die Sirene eines Schlepers
ſchrie ſchrill ins Geſtampf der empörten Waſſer, die gurgelnd an
den Holzpfſeilern der Notbrücke hochſchäumten, die man neben die
aufgeriſſene alte Brückce gelegt hatte. Er ſah, wie ſie leicht
zu=
ſammenſchreckte und unwillkürlich von dem vibrierenden
Ge=
länder zu ihm hinüberneigte.
liegt die Heimat des helligen Ignattus von Lopola, dort liegt das
Vaterland der Jeſuiten, deren mächtiger Orden über Spanien
wacht und deren Geiſt und Lehren ſo tiefe Wurzeln im Lande
ge=
ſchlagen haben. Nach einer halben Stunde iſt Hendaya, iſt
Frankreich, erreicht, und eine fremde Welt tut ſich auf. Der
Zug muß gewechſelt werden, da die Bahngleiſe in Spanien und
Frankreich nicht übereinſtimmen. Soll- und Paßreviſion,
fran=
zöſiſche Uniformen und franzöſiſche Laute, all das bunte Creiben
einer großen Bahnſtation! Das Land der Heiligen, der
Kathe=
dralen, der Sonne, der Hidalgos, der Wunder und der Liebe,
Spanien entſchwindet, und nach zwölfſtündiger Jahrt landet der
Eilzug der Neiſenden in der Stadt des Lichtes, in Paris.
Nacht im Montmartre! Die Nacht iſt voll von einem
ſelt=
amen Hauber, nicht daß die bunten Lichtreklamen, die langſam
dahinflutende Menge und der ſchwarze Strom der Autos etwas
beſonders Seſſelndes an ſich hätten, es iſt der gewönliche
Groß=
ſtadttrubel, vielleicht etwas lauter und bunter wie in Berlin oder
Madrid, nein, es iſt der Charme der Cradition, der über dem
Montmartre weilt, hier iſt der geweihte Pilgerort aller
Ver=
gnügungsſüchtigen der Welt, und die Einbildungskraft läßt uns
im Montmartre Dinge ahnen, die das Auge nicht zu ſehen
be=
kommt ,die aber die Sinne in fröhliches Prickeln verſetzen. Es
iſt der Hauber von Paris, der ſich nachts im Montmartre für
den Fremden verdichtet. Paris hat gewiß ſchönere Stadtteile,
reizvollere Vergnügungsorte, jeder Pariſer kennt ſie und beſucht
ſie, doch dem Fremden iſt das Feuerrad vor dem Moulin Nouge
eine Offenbarung. Selbſt um den Mund des eingefleiſchten
Phi=
liſters ſpielt ein wiſſendes Lächeln, wenn er am ſpäten Abend
durch den Montmartre ſtreift, und er, der abweiſend durch die
Friedrichſtraße geht, ſucht hier die banalſten Abenteuer. Selbſt
die Apachen, die in den dunkelen Eingängen zu kleinen
Neben=
ſtraßen lauern, ſcheinen ihm romantiſch, ein intereſſiertes Gruſeln
überkommt ihn bei ihrem Anblick.
Im Montmartre gibt es neben gewöhnlichen Schänken und
Bars, die ihre Anziehungen hinter dicht verſchloſſenen
Vor=
hängen verbergen ſehr elegante Vergnügungsſtätten, die weniger
von den Franzoſen ſelbſt als von den durch Paris
hindurch=
flutenden Ausländern beſucht werden. Der Betrieb in ihnen iſt
darauf eingerichtet, den Beſuchern das Geld aus der Caſche zu
jehen. Ueberall herrſcht Sektzwang, die Flaſche, je nach der
Marke, von 150 bis 240 Francs, aber von den findigen und
liebenswürdigen Kellnern wird nicht bloß der Wein, ſondern es
werden auch der latz, auf dem man ſitzt, Service und
mancher=
lei andere unverſtändliche Dinge mehr berechnet, und wenn man
ſich, ohne mit der Wimper zu zucken, neppen läßt, ſo wird man
als Fürſt behandelt, und kann, z. B. im „Palermo eine Nacht
volle Charme verbringen. Alles erſcheint weich und zart, ſchöne
Frauen tanzen auf buntbeleuchteter Glasdiele, bald verlöſchen die
elektriſchen Birnen zu einem roſa oder blauen Halbdunkel, dann
wieder flammen ſchrille Lichteffekte auf, bald johlt das Saxophon,
bald ſchmeichelt leiſe eine Geige, und alles tanzt, flirtet und liebt.
Im Montmartre dauert der Crubel die ganze Nacht. Es gibt
dort keine Polizeiſtunde. Das übrige Paris ſchläft ſchon lange,
nur wenige Sußgänger und Autos kreuzen die Boulevards im
Sentrum der Stadt, auf denen man ſich am Cage nur mit Mühe
durchdrängen kann. Vor dem Hotelfenſter breitet ſich das weite
Panorama von Paris aus. Es iſt ein überwältigender Anblick,
und tauſend Cräume von Glanz und Pracht, von Kultur und
Mode verbreiten ſich von
In der aufgehenden Sonne
Symbol der modernen
die Sukunft. Dieſelbe
des Eskorial aufgegangen,
Strahlen über zwei
ver=
ſo nah, und doch ſo fern
hier über die weite Welt.
glüht der Eifelturm, ein
Zeit, ein Wegweiſer für
Sonne iſt über der Kuppel
ie ſendet ihre goldenen
ſchiedene Welten, die ſich
ſind.
Der Dampfer war unterdeſſen nähergekommen und ächzte dem
mittleren Bogen zu, den ſie ſoeben verſaſſen hatten. Mit
un=
ruhigen Füßen traten ſie auf das Pflaſter der eigentlichen Stadt,
die ſich dunkel einen Hügel emporbaute. In einem flüchtig von
dem gegenüberliegenden Gaſthoffenſter beleuchteten Buchladen
ſah er ſein Bild und ſeine Bücher.
Sie blickte zu ihm hin: „Sie werden vor vielen Menſchen
ſprechen!
„Bei dem Wetter?”
Wir ſind nicht verwöhnt. Und kommt einmal einer”
ſie
hielt an, und als er lächelnd zur Seite ſchaute, vollendete ſie
ſchnell mit leiſe aufſteigender Nöte — „wie Sie, dann findet ſich
alles ein.”
Ein geräumiger Platz erſchloß ſich. Eine Doppelreihe von
Bäumen — wie es ſchien, Kaſtanien — umgrenzte ihn nach drei
Seiten. Sie gingen, da der Wind ruhiger geworden war, quer
über die Släche, an deren ſchmaler Seite der Saal lag.
Man hatte ihn ſpärlich erhellt und ſich mit Recht davon eine
gute Wirkung verſprochen. Vor ihm, ſchräg von dem grünlichen,
gedämpften Licht der Leſelampe überronnen, ſtand ein Büſchel
tiefblauer Krokus in einer ſchmalen, weißglaſierten Convaſe.
Dann begaun er.
Er ſprach zunächſt Gedichte, anfangs mit ein wenig
beklom=
meuer Stimme, über die er ſelbſt lächeln mußte, dann immer
wärmer und quellender. Er ſpürte, daß er gut vortrug, und wie
ihm das Herz der Hörer entgegenklopfte. Caſtend glitten ſeine
Augen an den Reihen entlang, bis ſie gerade vor der Orgelwand
des anſteigenden Naumes, den der anſcheinend wohlhabende Ort
Edvard Munch.
Von Arthur Kahane.
(Nachdruck verboten.)
In dieſen Cagen wurde im ehemaligen
Kronprinzen=
palais eine Ausſtellung von 250 Werken des Norwegers
Edoard Munch eröffnet.
Es kam nicht alle Cage vor, daß Harald Harfagr unter den
Direktionsmitgliedern und den Schauſpielern des Deutſchen
Cheaters auftauchte. „Skaal!” ſagte mein Kollege Felix
Hol=
laender, aber auch das genügte noch nicht, um alle Unterſchiede
völlig zu verwiſchen.
Unſer Wikingerkönig, Harald Harfagr gleich an Wuchs, an
Blitz des Auges, an kühnem Schnitt des Geſichts, an Weſen und
ſtolzer, einſamer Haltung, hieß eigentlich Edvard Munch. Und
wenn einſt der letzte Skalde von jenem ſagenhaften Norweger
nicht mehr zu ſingen und zu ſagen wiſſen wird, der Glanz des
Namens Edvard Munch wird den Nuhm ſeines Vaterlandes
über die Länder und durch die Jahrhunderte tragen.
Es gab damals ſchon einige unter uns, die wußten, welcher
König in unſerer Mitte wandelte. Aber es waren nur wenige.
Die anderen lächelten über ſein einſilbiges Sonderlingsgebaren
oder lachten gar, wenn ſie ſeine Bilder ſahen. Dieſe Bilder, die
ein ſo einzigartig zu ihm gehöriger Ausdruck ſeiner einzigartiger
Perſönlichkeit waren, daß ſie ſich in keiner der damals
herrſchen=
den Schulen und Kategorien unterbringen ließen.
Es iſt nicht zu ſchildern, welche unbegreifliche Wut dieſe
Bilder erregten. Ich möchte ein Beiſpiel für viele erzählen.
Da=
mals lebte noch, von allen geliebt, ein kleines, ſchlichtes und ſtilles
Männchen am Deutſchen Cheater, Guſtiv Knina mit Namen, ein
zartes und unſcheinbares Kerlchen, putzig anzuſchauen, aus tauſend
genialen und tauſend ſchnurrigen Sügen wunderlich gemiſcht, wie
aus einem C. Ch. A. Hoffmannſchen Märchen in dieſe aufgeregte
Cheatergegenwart hineingeweht, ein Cauſendkünſtler und
Sau=
berer, ein Baſtler und Cüftler, der alles probierte und alles
verſtand, mit Sauberfingern, die alles konnten, und des übrigen
eine Seele von Menſch, das reinſte, ſauberſte, harmloſeſte und
ſelbſtloſeſte Kindergemüt. Er war urſprünglich Elektrotechniker
geweſen, hatte ſich aber in alle Materien des theatertechniſchen
Betriebes hineingearbeitet und war ſchließlich ſo unentbehrlich
geworden, daß ohne ihn keine Bühne und kein Büro eingerichtet,
keine Dekoration und kein Interieur fertiggeſtellt wurde, wenn
auch ſein Name immer beſcheiden im Winkel der Anonymität
blieb. Er war voll von Einfällen und Erfindungen, die allerdinge
nie rechtzeitig fertig wurden, was ihn nur wenig genierte: der
einzige, der ruhig blieb, wenn’s noch ſo toll um ihn herging, ließ
er ſich vom raſenden Cheatertempo nicht anſtecken und nicht
mit-
reißen, ſondern ſchien es kühl und gelaſſen zu ignorieren, als wäre
er völlig gleichgültig und abgeſtumpft dagegen. Schließlich hat’s
ihn doch aufgefreſſen.
Und dieſer ſtille und nüchterne Menſch wurde förmlich rabiat,
wenn die Rede auf Munchs Bilder kam. Vor der elementaren
Kraft dieſer Kunſt verſagte der ſonſt ſo feine, ſichere, ja
untrüg-
liche Geſchmack, zu dem er ſich allmählich gebracht hatte. Er hielt
uns, die wir an Munch glaubten, für betrogene Selbſtbetrüger.
„Wenn das Kunſt ſein ſoll, dann bin ich auch ein Künſtler,
ſpottete er; „ſo viel kann ich auch!” Und dann kritzelte er ſchnell
etwas hin, was ja auch ganz nett war, aber Munch war es doch
nicht, darin täuſchte ſich unſer lieber Knina.
Der Sufall aber wollte, daß die beiden fortwährend
gemein=
ſam zu arbeiten hatten. Sie bildeten zuſammen ein drolliges
Geſpann, der nordiſche Nieſe und das faſt gnomenhaft kleine
Mannchen, und ſie vertrugen ſich auch in ihrer wortkargen
Sach-
lichkeit ganz gut miteinander, ohne daß einer eine Ahnung zu
haben brauchte, was in dem andern vorging. Ja, Munch ſchien
den unermüdlichen Helfer mit den lebhaften Aeuglein, dem
ſchweigſamen Mund und den geſchickten Händen geradezu
lieb=
gewonnen zu haben.
Mir ging es merkwürdig mit Munch. Es iſt eine alte
Ge=
wohnheit von mir, der ich immer wieder unterliege, daß ich bei
gewiſſen Malern, die ich liebe, unwillkürlich an gewiſſe Dichter,
die ich liebe, denken muß, und umgekehrt; und es kommt vor, daß
ſich beide Geſtalten in meinem Gefühl faſt bis zur Identität
miſchen, ſo unlösbar miteinander verbinden, daß ſie mir zu einer
werden. So kann ich mir nie van Gogh vorſtellen, ohne daß ſich
mir das Bild Verlaines aufdrängt: der arme Vincent, der arme
Lelian bedeuten mir eine Not und ein Schickſal, eine
Frömmig-
keit und eine Demut. So ging es mir auch mit Munch und Knut
Hamſun. Ich war mit den Büchern Hamluns, in dem ich den
größten Dichter unſerer Seit ſah und ſehe, ſeit lange vertraut
und darum wurde ich es ſofort mit den Bildern Munchs, war
ſofort in ſeinem Werke heimiſch. Die wunderbare
Seelenwande-
rung der gleichzeitig Lebenden, wie begriff ich ſie bei dieſen
beiden! War es nicht die gleiche leidenſchaftliche Durchdringung
der geliebten Wirklichkeit bis auf den letzten Grund ihrer Seele
und das gleiche ſie in Phantaſtik auflöſen mülſen durch den
gleichen Swang einer faſt ſchmerzlichen Schamhaftigkeit des
Ge=
fühls? Das ſich um Sotteswillen nicht in ſeiner Nacktheit
über-
raſchen laſſen konnte und für das die Slucht in ſeine notwendige
Form tiefſtes Gebot der Seele bedeutete. Wo gab es noch eine
Kunſt als bei dieſen beiden, die ſo lautlos perſönlichkeitnah und
zugleich in ihrer Sorm ſo ſelbſtverſtändlich, organiſch gewachſene
Notwendigkeit war.
Und natürlich ſah ich den ganzen Menſchen in ſeinem täglichen
Gehaben unwillkürlich genau ſo, wie ich ſeine Kunſt ſah.
Eigentlich hätte ich vorher erzählen müſſen, wie Munch zu
Neinhardt und ans Deutſche Cheater kam. Aber es iſt lange her
und ich kann mich nur noch an die Hauptſachen erinnern. Das
Haus der Kammerſpiele war eben fertiggeſtellt, in nächtelangen
Unterredungen die noch ſchwierigere Bildung des Namens endlich
vollzogen, dem damals noch kein Menſch vorausſagte, wie bald er
ſich dem Beſtande des deutſchen Sprachſchatzes einbürgern
würde, und man ſtand vor der feierlichen Eröffnung. Als
Er=
öffnungsſtück hatte man nach ſorgfältiger Ueberlegung Ibſens
„Geſpenſter”=Drama gewählt, das mit ſeiner pſuchiſchen
Kon=
zentration im Gegeneinander ſeiner fünf Figuren die beſte
Ge=
legenheit zu ſchauſpieleriſcher Kammermuſik, zu einem Quintett
fünf erleſener Inſtrumente bot. Die Beſetzung ſtand feſt: die
Sorma, Moiſſi, die Höflich, Neinhardt und Kayßler. Der Maler
fehlte: nach Neinhardts Prinzip, für jedes Stück nicht bloß den
beſten, ſondern den einzig möglichen zu finden, kam nur Edvard
Munch in Frage. Es war ſchwer, den Eigenſinnigen zu
gewin=
nen; es gelang ſchließlich durch die Möglichkeit, der kein
Maler=
gemüt widerſtehen könnte, ihm einen Naum in den
Kammer=
ſpielen, den Seſtſaal im erſten Stock, zur Ausmalung nach
Her=
fensluſt zu überlaſſen. So entſtand, als herrliches Nebenprodukt
jenes „Geſpenſter=”Auftrages, die Bilderreihe, die ſpäter unter
dem Namen „Neinhardt=Fries” berühmt wurde. Sür die „
Ge=
ſpenſter”-Aufführung machte er nicht, wie die anderen Maler,
Dekorationsentwürfe und Figurinen, ſondern malte zwei oder
drei Bilder, die Situationen des Stückes darſtellten. Aber ich habe
Reinhardt hundertmal verſichern hören, daß er von keinem
Maler ſo ſtarke und befruchtende Stimmungsanregungen
emp=
fangen habe, wie von dieſen Munchſchen Bildern. Und es
ge=
lang Neinhardt in jener denkwürdigen Aufführung lückenlos, die
unbeſchreiblich eindringliche Haltung und Stimmung der
Maler=
viſion in die Wirklichkeit der Bühne umzuſetzen.
So war alſo Edvard Munch täglich im Deutſchen Cheater
lebte mitten unter uns, arbeitete des Cags und trank des Nachte
und malte abwechſelnd an den „Geſpenſter”=Bildern und au
ſeinem Suklus. Manchmal ſaß er auch lange, lange ganz ſtill
und unbeweglich in meinem Büro dar, ganz ernſt, ſprach faſt
nichts mit niemandem, ſchien nichts zu ſehen und zu hören,
was um ihn geſchah, ſchien tief in ſich verſunken und nichts
rührte ſich in ſeinem Geſicht: was ging hinter dieſen ehernen
Sügen vor? Was arbeitete hinter dieſer ſeltſamen, ehernen
Stirn? Und dann genügte ein kleiner Anlaß und er wachte auf
und wurde ganz hell und lachte: ein einfaches, heiteres
Kinder=
lachen, mit den Augen, mit den Mundwinkeln übers ganze
Ge=
ſicht. Sein Weſen war immer gleichmäßig freundlich und doch
irgendwie zugeknöpft, nordiſch ſteif, verſchloſſen und
undurch-
ſichtig. Er blieb der fremde Mann, blieb uns das Nätſel. Er
hatte etwas vom Kinde und vom Wilden, eine faſt animaliſche
Primitivität; eine parſifalhafte Unſchuld. Und dann wieder dieſe
ungeheure Kompliziertheit, dieſes Wiſſen um tiefſte Geheimniſſe.
ſehr ſorgſam hatte anlegen laſſen, ihren Kopf erblickten, der ſich
lauſchend geneigt hatte.
Eine reine, geſammelte Andacht floß um den jungen feinen
Mund, und es war ihm, als ob die ſilbernen Pfeifen leiſe zu
tönen anhuben.
Immer wärmer, von ſchwingender Erregung durchbebt, wurde
eine Stimme, Landſchaften voll zauberhafter, elegiſcher Nuhe
breiteten ſich. Er warf die roten Noſenketten ſeiner glühendſten
Liebeslieder in den Saal, rief aus tiefen Brunnen verſchollene
Namen in die durchſonnten Gärten ſeiner novelliſtiſchen Kunſt
und ſchloß mit kräftig gezügelten Strophen an die Erde ſeiner
Heimat, mit der er verwurzelt und verſchwiſtert war, ohne je den
leeren Lärm der geprieſenen Heimatkunſt mitzumachen, wußte er
doch, daß echte Kunſt — und dazu durfte er ſeine Dichtung
rechnen — auch immer zugleich Heimatkunſt iſt.
Beifall brauſte auf. Er mußte ſich immer wieder verbeugen.
Der Vorſitzende ſchüttelte ihm herzlich die Hand, einige Damen
ließen ſich vorſtellen, er mußte ſich in Stammbücher einſchreiben,
man fragte nach ſeinem neuen, ſchon angekündigten Buche. Sie
ſtand hoch und ſch’ ank vor dem Proſpekt der Orgel, und der
blanke Glauz der Pfeifen lag wie ein Heiligenſchein um ihren
Kopf. Dann half ihm der Leiter in den Mantel, indeſſen der
Hauswart das Licht hinter ihnen ausſchaltete. Der große Naum
war faſt leer, als ſie draußen ankamen.
Mllan bat ihn zu einem kleinen Beiſammenſein in einer
nahe-
gelegenen Weinſtube. Er folgte ſogleich in eigentümlich erregter
Spannung, deren Löſnng er mit einem unbeſtimmten Gefühl von
Erwartung inid einer ge iſſen Sagheit entgegenſah.
Der Mond hing klar im Blau der Nacht und überhellte das
zitternde Licht gehäufter Sterne. Sie ging nahe vor ihm, ein
wenig abgeſondert von den andern. Warm atmete die Erde, und
aus den Vorgärten einiger neuer Häuſer wehte es manchmal
ſchon wie der Hauch früher Beilchen.
Er hatte den Mantel aufgeknöpft und gab nur ſchweigſam
Antwort, war auch nachher ruhiger, als es ſonſt ſeine Art war.
Man fand darin nichts und ſchob es auf die Anſtrengung von
Fahrt und Vortrag. Sie ſaß am Ende des Ciſches, ein wenig
blaſſer als zuvor, nachdem er ſie eine Seitlang nicht bemerkt
hatte, und durch das geordnete Haar ernſter und herber im
Ausdruck des Geſichts. Dann trennte man ſich, ohne daß er
Gelegenheit gefunden hätte, ſie näher kennen zu lexnen.
Die angebotene Begleitung zum Gaſthofe, den ſie ihm beim
Hinwege gezeigt hatte, lehnte er ab und ſchritt leicht ermüdet
und ein wenig verdroſſen durch eine Neihe köſtlich verſchrumpelter
Gaſſen, die ihn langſam wieder heiter ſtimmten.
Am Brunnen unterhalb des barocken Aufgangs zum
Kirch=
platz ließ er ſich das köſtlich kühlende Waſſer über beide Hände
gleiten, zündete ſich eine Sigarre an und trat dann in das
Gaſt=
haus ein. Er ging gleich auf ſein Zimmer. Mitten auf dem Ciſch
ſtand in einer ſchmalen, weißglaſierten Vaſe ein Büſchel
tief=
blauer Krokus. Es lag kein Brief, kein Settel dabei. Der
Knecht ſagte, die Blumen ſeien vor etwa zwei Stunden von einer
Dame gebracht worden, die ſie ſelbſt habe hinſtellen wollen.
Er ſetzte ſich in die Sofaecke. Vor ihm hob ſich die ſilberne
Wand der Orgel, und er ſpürte in Schmerz und Süße, wie ſeine
Seele leiſe ihr Lied um einen blonden, holden Kopf widertönte.
Man brauchte nur die Bilder z ſehen: wo gab es noch einen,
der ſo ganz Mann war, das Weib zu erleben und am Weibe zu
leiden? Er war manchmal von einem lächerlichen Eigenſinn,
ſchaute nicht, hörte nicht nach rechts und links, blieb ungerührt,
unbeirrt von Lob und Cadel; aber hinter dieſem Eigenſinn ſteckte
ein titaniſch eiſerner, ſich ſeines Weges ſomnambul bewußter
Wille. Und ein Wille zur Freiheit, der alle Grenzen der
Geſell=
ſchaft zu ſprengen ſchien, wie er nur in einer letzten wirklichen
Einſamkeit hatte geboren werden und wachſen können.
Dieſer Munch war ſchon ein ſeltſamer erratiſcher Block im
Strudel des Cheaterbetriebs.
Wir feierten den Criumph der „Geſpenſter”=Aufführung in
größerer Geſellſchaft bei Borchardt. I chſaß am unteren Ende
der Cafel zwiſchen Munch und Gordon Craig, dem engliſchen
Maler, Cheaterreformator und damals noch jungen Sohne der
Ellen Cerry. Auch er ein blonder, ſchlanker Hüne vom
Siegfriedtyp. Da Munch nicht engliſch ſprach oder ſprechen
wollte, Craig natürlich von Norwegiſch viel weniger Ahnung
hatte, vollzog ſich die ein wenig ſtotternde Unterhaltung auf dem
Nücken der geduldigen deutſchen Sprache. Es war ein köſtliches
Deutſch, das mir zu hören vergönnt war. Gordon Craig ließ
ſich aber durch die fremde Sprache nicht behindern, in ſeiuer immer
ein wenig aggreſſiven und britiſch weltbeherrſchenden Weiſe
zu bemerken: „Ich habe geſehen in Stockholm eine Ausſtellung
von ihre beſten Maler. Alle Bilder ,die ich habe geſehen von
ihre beſten Maler, waren ſehr ſchlecht. Die beſten Bilder von
dieſe ſchlechten Bilder waren von Strindberg.” Worauf Aunch
lakoniſch erwiderte: „Das freut mich. Denn wenn Strindberg
iſt unſer beſter Maler, dann werde ich ſein unſer beſter Dichter.”
Dann ſprach man von Oscar Wilde und ſeinen letzten
Lebenstagen in Paris. Plötzlich ſagte Munch: „Ich habe ihn
geſehen in Paris. „Um Gotteswillen, ſo erzählen Sie doch!”
ſchrie ich ganz aufgeregt. „Wie lebte er? Wie war er? Wie
ſah er aus?” Und Aunch antwortete: „So”, nahm einen Setzen
Papier und zeichnete mit zwei Bleiſtiftſtrichen einen Nücken
darauf, ſo beredt, ſo traurig, ſo troſtlos, ſo gebeugt und
be=
laden, als wäre der ganze Jammer der Menſchheit dieſem einen
Nücken aufgebürdet.
Er ſchenkte mir das Blättchen, und dieſer Papierfetzen, mit
dem Nücken Oscar Wildes, von Edvard Munch gezeichnet, iſt
heute noch mein ſtolzeſter Beſitz.
Stadtfrühling.
Von Bernh. Neutlin, München.
(Nachdruck verboten.)
Leuchtende Bläue ſchwingt ſich hoch und weit. Goldene
Sonne flutet in breiten, vollen Strömen Spieleriſcher Wind geht
um und taſtet mit neugierigen Fingern an pralle, glänzende
Knoſpen, über junge Gräſer hin, an zartes Grün, das ſich aus
feinen Runzeln der Winterpackung dehnt. Er bläſt gegen
Weidenkätzchen an, daß aus grauſilbernem Samt der gelbe Puder
weht; er drängt hinter dem Bache her, deſſen hüpfende Wellen
Himmelsbläue ſchaukeln; er rauht die blaublanken Spiegel der
kleinen Pfützen auf, die der laue Negen der Nacht zurückgelaſſen
hat.
Schulbuben kommen mit klappernden Nanzen und treibeu
ſich um mit viel Geſchrei. Kecke Worte und knuffende Säuſte
ſitzen loſe heute und die Beine müſſen zappeln und laufen. Da
haben ſie die Weidenbüſche entdeckt. Blütengold ſtäubt über
kletternde Näuber. Hat jeder ſein Büſchel errafft.
Auf dem Katheder im Trinkglas, das der Lehrer doch immer
gebrauchen muß, der chroniſchen Heiſerkeit wegen, ſtehen
ſtäu=
bende Weidenkätzchen, ein großer Strauß. Ueber des Bärtigen
fahles Geſicht geht heller Schein, wie er den Frühling da in der
Schuiſtube prangen ſieht, indeſſen er würdevoll vorwärts ſchreitet
auf goldenem Strahlenteppich, der ſich bis zur Cüre gebreitet hat=
Grinſende Bubengeſichter. Freundlichkeit oder — Bosheit?
Aber heute gibt es nur Helle. Das weiche Lächeln, vom
Ge=
ſtrüpp des Bartes verdeckt, wird ein wenig in knitternden
Augenfältchen ſichtbar. Er dankt, und weiſt den erſten in der
vorderen Bank an, den ſchönen Frühlingsſtrauß in die
Schwamm=
ſchüſſel zu geben. Somit kann das Crinkglas wieder in
gewohn=
ten Gebrauch genommen werden. Sügt auch kurze Ermahnung
bei: nicht zu viele der Kätzchen abzureißen, damit doch auch für
die emſigen Bienlein noch Sutter übrig bleibe. Immer wieder
geht des Lehrers Blick nach dem Blechſchüſſelungetüm, um das
ſich im Kranz goldener Puder verſtreut hat. Und er fühlt: Heute
abend wird das ſchwarze Wachstuchheft ein neues Gedicht
auf=
zunehmen haben. (Eines jener zahlloſen Frühlings= und
Liebes=
gedichte mit klingenden Reimen, in denen ſeine wirre und
hofſ=
nungsloſe Sehnſucht nach Natur, Schönheit und Glück in
ab=
genützten Bildern einherprangt — und die niemals ein fremdes
Auge zu ſehen bekommt.)
In den Anlagen, die von flaumigem Grün überflogen ſind,
rollen langſam helle Kinderwagen. Ein alter Herr wandelt ſteif
einher, die Hände im Nücken verſchränkt, und blinzelt in Sonne
und Bläue hinauf. Bedachtſam bietet er bald Geſicht, bald
Nücken dem warmen Streicheln der gleitenden Strahlen. An dem
Wägelchen, das vor der Säuglingsſchweſter ſteht, macht er Halt.
Aus weißen Kiſſen ſehen ihm eindringliche Blauaugen entgegen.
Unbeirrbar forſchende Augen, die ihn ſchließlich verlegen machen,
ſo daß er zu kleinen Scherzen ſeine Suflucht nimmt. Endlich
bricht der durchdringende Blick; gluckſendes Lachen ſpringt auf.
In der Schweſter klugem Geſichte knittern Fältchen mütterlichen
Lächelns und verraten im Beharren, daß des Mädchens Jugend
verüber iſt. Sie plaudert freundlich und ein wenig abweſend mit
dem alten Herrn, der ſich zu ihr geſetzt hat, über ihren Pflegling.
Leichtes Hüſteln behindert ſein Sprechen. „Ja”, nickt er nach
einigem Schweigen verſonnen, „da hätte man nun alſo noch
ein=
mal den lieben Frühling geſchenkt bekommen . . ." Der Schweſter
Blicke laſſen von der Amſel ab, die drüben im modrigen Laub
mit gelbem Schnabel nach Würmern ſtochert, und ſeltſam
raub=
tierhaft erſcheint, in ihrem äugenden Lauern und Sufahren. Das
Mädchen ſtreift mechaniſch ein lockiges Büſchel ergrauenden
Haares unter das Häubchen und ſagt ins Blaue hinein: „Ja, er
iſt immer wieder ein Geſchenk, ein wunderbares. . . Leiſe
Craurigkeit ſchwingt in ihrer Stimme.
Die Kleine iſt eingeſchlafen; leichter Atem zieht durch das
halbgeöffnete Saugmäulchen, aus dem ein paar Sahnperlen
blinken. Den hellen Flaum auf rundem Köpflein lupft leiſer
Hauch. Die geballten Händchen leuchten blutrot im prallen Licht
und zucken einmal, als ſich eine Fliege ſaugend darauf niederläßt.
Von der anderen Seite raſſelt leichtes Schnarchen: der alte Herr
chlummert mit offenem Munde. Spielender Wind weht die
ſpär=
lichen Flocken weißen Slaumes auf, über zerfurchtem Geſicht. Ohne
zu erwachen, hebt er, den Mücken wehrend, die grauweiße Hand.
Die Schweſter ſitzt ſtill und aufrecht zwiſchen den beiden
Schläfern, deren Geſichter denſelben Ausdruck ſorgloſer Hin=
gegebenheit zeigen. Das ſeſſe Weh wächſt in ihr. Sie fühlt das
neue Gären und junge Frühlingsdrängen auch in ihrem Blute,
und weiß doch in ſchmerzhafter Klarheit, daß Jugend und
Früh=
ling für ſie vorüber ſind. Und feine Scham brennt in ihr über
die unverkennbaren und unerbittlichen Seichen des Verblühens
auf ihrem Geſicht und Körper.
Sur Mittagszeit tritt ein Herr verärgerten Geſichtes aus
dem Bureau in die Sonne hinaus. Ein Nadfahrer ſauſt
vor=
über. Der rauhhaarige Soxl des Herrn raſt kläffend hinter ihm
her. Sorniger Suruf, empörte Pfiffe. . . Der Nadfahrer ſchwirrt
fernab in lichter Staubwolke dahin; der Hund, ein
ſchmutzig=
weißer, langgeſtreckter Wiſch, hinter ihm drein. Na warte,
Köter! —
Iſt das eine Sonne! Man könnte eigentlich den Hut
ab=
nehmen. Der Herr fährt ſich ein paarmal über das ſchon etwas
ſchüttere Haar des Hinterkopfes und atmet tief auf. Er weiß
nicht, daß er den Spazierſtock unternehmend ſchwingt. Eigentlich
erſtaunlich, wieviel hübſche Mädchen herumlaufen! Und wie einen
die jungen Dinger anſehen! Gehört man alſo doch wohl noch
nicht zu den „alten Knaben” — Vor einem kleinen Blumenladen
bleibt er, unbewußt lächelnd, ſtehen. Was denn? Ja ſo, das
Krokusſtöckchen. Su reizend, wie dieſe vier goldgelben leuchten-
den Kelche aus der ſchwarzen Erde ſtreben! Hat man jemals
ſolch tiefes Goldgelb geſehen, ſolch leuchtendes? Man könnte das
Stöckchen ſeiner Frau mitbringen. Wie lange iſt das eigentlich,
daß man ihr keine Blumen mehr geſchenkt hat? Schämen ſollte
man ſich! Aber vorerſt — wo iſt der Köter? Der kommt mit
hängender Zunge angezottelt, ſieht mit ſchiefem Köpfchen zum
Herrn auf und bewegt läſſig den Schwanzſtummel. Drohender
Singer erhebt ſich; der Hund zieht ſich ein wenig zurück. Aber
der Herr ſchmunzelt und verſchwindet im Blumenladen. Forl
be=
obachtet ſitzend durch die Slastüre, ſpringt einmal freundlich
am Wiederkehrenden hinauf und wendet ſich lebhaft neuen
Er=
lebniſſen zu. Mehr Beachtung kann kein Herr von ſeinem
be=
ſchäftigten Hund auf der Straße verlangen. Auch der Herr iſt
beſchäftigt. Es iſt nicht ſo einfach, in zwei Händen vier ſo
ver=
ſchiedene Dinge unterzubringen, als da ſind: Hut, Spazierſtock,
Aktenmappe und ein vorſichtig zu behandelnder, in Seitung
ge=
hüllter Blumentopf...
Funkelnetz der Sterne iſt über den dunklen Himmel
ausge=
worfen, darin der ſchmale Mond gefangen ſitzt. Lau ſteht die
Luft und müde; leichter Erdgeruch hebt ſich und herber Duft von
jungem Grün. Der Wind iſt ſchlafen gegangen in den dunklen
Wald.
Jüngling und Mädchen wandern im dämmernden Dunkel auf
ſchimmernden Anlagenwegen. Sie wandern Körper an Körper
faſt; aber ihre Hände halten ſich nicht. Nur hin und wieder
ein=
mal, wenn ihre Schritte ungleich und ſchwankend werden,
be=
rührten ſich ihre Körper eine kurze Sekunde. Dann nehmen ſie,
ein wenig verwirrt, größeren Abſtand. Sie ſprechen nicht viel.
Wie ſchlafwandelnd geht das Mädchen, die blickloſen Augen
geradeaus ins nächtliche Dunkel gerichtet. Er ſieht auf ihr helles
Geſicht nieder, während er halblaute Worte ſpricht, die ſchwer
ſind von tieferem Sinn, der auf ihrem Grunde ruht. Nach
längerem Schweigen, in dem Unruhe in ihnen aufquoll, greift er
in ſtiller Entſchloſſenheit ihre hängende Linke, und dieſe Hand.
die einen Augenblick zuckte, bleibt hingegeben in der ſeinen ruhen.
Laternenſchein, vordem vom Buſchwerk zerſtreut, ſammelt ſich
plötzlich voll auf ihren blaſſen Geſichtern. Und er ſieht, wie
blanke Cränen ſich langſam aus ihren Augen löſen. Da verhält
er den Schritt und ſteht vor ihr. „Biſt du nun glücklich, mein
Herz?” frägt er leiſe. „Ich weiß nicht. . .” erwidert ſie halblaut
und ihr Geſicht erſchimmert in weichem Lächeln. Uebergroß ſind
ihre Augen unter den quellenden Cropfen. Er beugt ſich, ſie zu
küſſen. Und abermals frägt er in ſanftem Drängen, dicht üben
ihrem Geſicht: „Biſt du nun glücklich? Warum weinſt du?
„Ich weiß nicht.. . ich weiß nicht. . ." wiederholt ſie in leiſer
Verwirrung; aber heller Klang ſchwingt in ihren Worten.
verfügte als Einbrecher über internationalen Ruf. Der Profeſſor
hatte den Lehrbetrieb hochſchulmäßig aufgezogen. In den
Vor=
leſungen vermittelte Mouſſet ſeinen Schülern Grundgedanker
und Leitſätze, die er im Laufe einer langjährigen „Berufstätig
keit” ſich für die erfolgreiche Durchführung von Einbrüchen
zurechtgelegt hatte. „Nicht das, was Ihr mitnehmt, ſondern
das, was Ihr zurücklaßt, bringt Euch ins Gefängnis”, war einer
ſeiner Leitſätze, durch den er ſeine Schüler auf die Wichtigkeit
hinwies; keine Sußſpuren, Fingerabdrücke oder ſonſtige
ver=
räteriſche „Andenken” für die Polizei zurückzulaſſen. „
Ehrlich=
keit iſt die beſte Politik”, ſchärfte er ſeinen Schülerinnen ein.
die dazu ausgebildet wurden, als Dienſtmädchen Wohnungspläne
und Schlüſſelabdrücke bei ihrer Herrſchaft anzufertigen, ſich im
übrigen aber durch Ehrlichkeit und Suverläſſigkeit während der
Dienſtzeit Vertrauen zu erwerben, um deſto ungeſtörter für die
Komplizen ſichere Einbruchsmöglichkeiten „auszubaldowern”.
„Nur nicht auffallen!” war auch ſeine Mahnung an die
männ=
lichen Schüler, denn „nur ehrlich ausſehende Menſchen werden
große Diebe‟.
Sur praktiſchen Anwendung des theoretiſchen Wiſſens
er=
zogen die Seminarübungen, die ihren Abſchluß durch einen zu
Lehrzwecken ausgeführten Einbruch in die Wohnung des „
Pro=
feſſors” fanden. Eine Schülerin mußte das Hausmädchen ſpielen
und unterſtützte die männlichen Söglinge, die ihre „Uebung”
ausführten. Mouſſet lag dann im Bett und beobachtete von
dort aus alles. Am nächſten Vormittag fand im Klaſſenzimmer
die Kritik ſtatt. Spuren, die Mouſſet gefunden, nachdem die
Schüler das Haus verlaſſen, Geräuſche, die er vom Bett
au=
gehört, kurz, der ganze Verlauf des Einbruchs wurde genau
beſprochen und auf praktiſche Nutzanwendung unterſucht.
Mit dem Erfolg ſeiner Lehrtätigkeit konnte der Profeſſor
zufrieden ſein. Vierzig nicht entdeckte Einbrüche ſind immerhin
eine beachtenswerte Leiſtung. Mouſſet beging allerdings den
Sehler, keine Sicherungen gegen etwaigen Verrat ſeiner Schüler
zu treffen. Da war ſchon Stefan Nader, genannt „Warjat, der
Verrückte” vorſichtiger. Dieſer Einbrecherprofeſſor betrieb in
Warſchau eine ähnliche „Lehranſtalt” wie die Mouſſets. Nur
wechſelte er, um vor Entdeckungen durch die Polizei ſicher zu
ſein, häufiger die Lehrräume und zog mit ſeiner Schule von einem
Verbrecherkeller zum andern. Crotzdem gelang es der
War=
ſchauer Polizei nach eingehenden, zunächſt ergebnisloſen
Nach=
forſchungen, die Anſtalt während des Unterrichts auszuheben
und zahlreiche Lehrmittel, wie Dietriche, Brechſtangen und
Blendlaternen, zu beſchlagnahmen.
Auch die engliſchen Verbrecherſchulen ſind ſeit den Cagen
Oliver Cwiſts noch nicht ausgeſtorben. Die engliſchen
Provinz=
ſtädte, zur Hauptſache aber London, verfügen über „
Lehr=
anſtalten”, die ihre Söglinge in einem drei Monate dauernden
Lehrgang durch „Fachlehrer” ausbilden laſſen. Der „
Schul=
beſuch” wird abgeſchloſſen durch eine „Prüfung”, das heißt durck
ein unter Aufſicht der Lehrer ausgeführtes Verbrechen aus den
Unterrichtsfach des Schülers. Die Ausbildung folgt nur dem
Suge der Seit, wenn ſie ſich ganz auf Spezialiſtentum einſtellt.
Man „lernt” dort entweder Hochſtapler oder Caſchendieb oder
Einbrecher. In der Einbrecherfakultät gibt es wieder
Sonder=
gebiete, wie zum Beiſpiel Hoteleinbrecher, Geldſchrankknacker
und Ladendiebe. Daß die Schulen ihren Söglingen beim
Ueber=
tritt in die Praxis Hilfe in Form von Geldunterſtützungen und
Nachweis von „Arbeitsgelegenheiten” angedeihen laſſen, iſt bei
den heute beſonders für Anfänger ſo ſchwierigen
Wirtſchafts=
verhältniſſen ſelbſtverſtändlich.
L—r.
und dunkler Brille den vor ihm ſitzenden
jungen Männern und Mädchen eine
Zeich=
nung an der Wandtafel erklärte. Die Polizei
war ſchon geneigt, die harmloſe Erklärung.
daß es ſich um einen privaten
Fortbildungs=
zirkel handle, zu glauben, als ein Beamter,
dem die Sache nicht geheuer vorkam, die
dunkle Brille von den Augen des Lehrers
hob. Da war des Rätſels Löſung gefunden:
Man ſtand vor Jacques Mouſſet, einem
be=
kannten Schwerverbrecher und jetzigen Leiter
der „Pariſer Einbrecherakademie‟
„Profeſſor” Mouſſet, wie ſeine
Schü=
ler ihn nannten, hatte ſich von einer langen
„arbeitsreichen” Cätigkeit zurückgezogen. Er
wollte urſprünglich ſeine Erinnerungen
ſchrei=
ben, gründete dann aber lieber eine Schule,
um ſeine Kenntniſſe und Erfahrungen nicht
durch Veröffentlichung in Buchform der
Polizei zugänglich zu machen. Mouſſets
Unterricht war ſehr begehrt, denn er
Nadierung zu Oliver Cwiſt von H. G. Lehmann
Schulen der Verbrecher.
Profeſſor Mouſſets Einbrecherakademie. — „Ehrlichkeit iſt die
beſte Politik.” — Die Warſchauer „Lehranſtalt”. — Londoner
Verbrecherſchulen.
In Dickens „Oliver Cwiſt” führt der Leidensweg des jungen
Oliver nach London zu dem „alten Herrn Jagin und deſſen
hoffnungsvollen Söglingen‟. Dort wurden unterhaltſame Spiele
getrieben: Während einer der Zöglinge den Meiſter „wie
zu=
fällig” anſtieß, entwendete der andere ihm Uhr, Caſchentuch oder
Bruſtnadel ſo geſchickt, „daß Oliver kaum ihren Bewegungen
zu folgen vermochte‟. — Eine Schule zur Ausbildung von jungen
Caſchendieben ſchildert Dickens hier, eine Verbrecherſchule im
kleinen, wie ſie damals nicht die einzige auf engliſchem Boden
geweſen iſt.
Daß auch heute noch das organiſierte Verbrechertum ſeinen
Nachwuchs planmäßig auf Schulen ausbildet, haben einige
Vor=
kommiſſe der letzten Seit erwieſen. Die Pariſer Polizei genießt
in Fachkreiſen den Nuf unbedingter Zuverläſſigkeit und
wiſſen=
ſchaftlicher Schulung. Man kann es ihrer Leitung nachfühlen,
daß ſie vor einigen Jahren durch 40 nicht aufzuklärende
Ein=
brüche, die kurz nacheinander ſtattfanden, erheblich beunruhigt
wurde. Seſtſtellen ließ ſich nur, daß alle 40 Fälle ſich nach genau
gleichem Muſter abgeſpielt hatten, daß alſo ſtets die gleichen
Cäter in Frage kommen mußten. Wer aber dieſe Cäter waren,
ließ ſich trotz anſtrengender Arbeit nicht ermitteln.
Vielleicht wäre eine Aufklärung niemals erfolgt, wenn nicht
ein der Polizei zugehendes anonymes Schreiben empfohlen hätte,
das Haus Montmartre 87 einer gründlichen Durchſuchung zu
unterziehen, da die dort zu machenden Feſtſtellungen
außeror=
dentlich lohnend ſeien. Das Haus wurde umſtellt und man
be=
gann mit der Durchſuchung der Kellerräume. Verfallene Creppen,
eine verlaſſene Schloſſerwerkſtätte, ſchließlich eine verſchloſſene
Cür, die aufgebrochen wurde. Sum größten Erſtaunen der
ein=
dringenden Beamten gelangten dieſe in ein regelrechtes
Klaſſen=
zimmer, in dem ein ehrwürdiger Greis mit ſchneeweißem Haar
Schach /IE
Nummer 202.
Aufgabe 304.
Franz Sackmann (Kaiſerslautern).
(Münchener Zeitung 1918.)
Weiß zieht und ſetzt in vier Bigen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kc7 Db7 Bb3 (3);
Schwarz: Ka5 Sd7 (2); 4+
Der weltberühmte Problemmeiſter Franz Sackmann iſt am 22. Febr.
im Alter von 38 Jahren den Folgen einer Grippeerkrankung erlegen.
Seine geiſtvollen und gedankentiefen Arbeiten auf dem Problem= un
Studiengebiete werden den Schachfveunden unvergeßlich ſein.
Aufgabe 305.
Franz Sackmann.
(Akademiſche Monatshefte 1908.)
Weiß: Kh2 De5 Tg4 Lc7 h3 Sc5 e8 (D)
Schwarz: Kc 8 Df6 Lf1 Sg8 Bc6 f4g6 (7).
Matt in zwei Zügen.
1 Rätſel
Ne
Rebus.
Me Mie Mie e Me i Mei e
wünſchen.
Carl Deubel.
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 14.
Buchſtabenrätſel.
Druck u Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei
Rheinſtr 23. Verant uo= tich f d Redaftion: Dr. H. Nette Fernſpr 1 2389—2332. Alle Re
Zahlenrätſel.
E 1 C H E 1A 1D. 10. RI F 1 N D F N * H N N W E F E E F E N D N 0 R N E 0 E C O D E R R O D N EEI D E IR F R E D R C A Dia AaV rätſel. I. 0 M R E S E R I. L E 5I 7 1 INI K 1 C E 4A 8 U N 5 N T E 5 IE E 8= EI E N 5 U SI N N 1D
orb halten. Nachdruck verb — Kl ſche
Daugmann alle in Darmſtadt.
[ ← ][ ][ → ] Daß ich net humoriſtiſch veralagt bin, däß waaß mer. Ich
nemm halt alles, des Läwe un die Welt, die Zeit un die Menſche,
korzum, alles un alles nemm ich vieler zu ſchwer un zu dragiſch.
Däß liggt halt ſo in meine ſeeliche Konnſtiduwierung; annern
ſin annerſt, mir is däß halt net gäwwe.
Awwer domit is net geſagt, daß ich kaan Spaß verſtind un
net vun Zeit zu Zeit aach emol for=en gude Witz embfenglich
weer. Oh, ganz im konndroleere Gäächedaal, mir macht nix en
greeßere Spaß als wie en gude Witz, beſunners wann net grad
ich die Bezogene bin, uff die ſich der gude Witz beziehe dhut.
Un weil mer nu' bekanntlich ſo um de erſte Abrill erum leicht
Gefahr laaft, ſo=eme Witz zum Obfer zu falle, do bin ich um die
Zeit beſunners vorſichdich un geh allem, was ſo=eme geſpäßiſche
Abrillſchärz ehnlich ſieht, vorfichdich aus=em Wähk. Dann es hott
ſich ſchun efter erausgeſtellt, daß däß, was mer in ſeine kindliche
Unſchuld for=en haimloſe Erſteabrillwitz gehalte hott, daß ſich däß
hinnenooch als biddere Wahrheit endpubbt hott. — Wie
beiſpiels=
meeßich däß großordiche un erſtklaſſiſche Drei=Millione=Gala=
Elide=Deffeſit in unſerm ſchmahlbriſtiche Stadtſäckel. Däß hab ich
aach affenglich for=e bische en verfriehte Abrillſchärz a geguckt,
un hab’s net geglaabt, un hab mich ſchun haamlich ausgelacht,
wie ich mer im Geiſt die verdutzte Geſichter vun meine geuhzte
Mitbärjer vorgeſtellt hab, die wo leichtglaiwich uff den Drei=
Millione=Abrillſchärz eneifalle dhun dhete . . .
Un jetzt kimmt de Peter Aßmuth her, un ſetzt am zwadde
Abrill en große Addickel in die Zeidunge, ſounſo un die Sach hett
ihr Richdichkeit, un däß mit dem millionsmeeßiſche Deffeſit weer
net bloß en Abrillſchärz, ſundern ſogar en echter, der wo ſich
ſähe loſſe kennt unner Brieder. Un weeris net geglaabt hott, den
dhut er in ſeine ſamfmiediche, milde un beruhichende Art eines
Beſſeren belehrn. — Jetzt ſin nadierlich die die Dumme, die wo
däß mit dene drei Millione net for bar Minz genumme hawwe.
Un zu dene Dumme zehl alſo aach ich. — No gut, ich kumm aach
dodriwwer wäck, un hab ich ſchun ſo oft iwwer die Dummheid
pun de annern gelocht, warum ſolle net aach die annern emol
wwer mei Dummheid lache därfe . . .
Freilich, es is jo manchmol aſch ſchwer, ſich ſeines Läwens
zu freie, indem mer ſich zu dem Zweck iwwer die Dummheide vun
ſeim liewe Nechſte ammeſiern dhut. Dann mir ſin jo jetzt
gei=
ſtiſch glicklich ſo weit erunner kume, daß mer uns net emol
mehr an unſere eichene Dummheide erfreie un ergetze kenne,
weil däß nemlich neierdings mit allerhand Unkoſte verknibft is.
Un awwer die Dummheide vun dene annern, iwwer die mer
ich als hott halb ſchäbb lache kenne, ach du liewer Gott, die ſin
derordich ei gebild un hochnäſig, daß aam s Lache vergeht, un
daß mer ſich am beſte in e Eck ſetze mecht un mecht ſich die Aage
aus em Kobb greine, und daß mer vor lauder Arjer grad verblatze
kennt. — Awwer ſchließlich, däß lohnt ſich aach net. — 8
Be=
driebliche an däre ganze Sach is bloß däß, daß unner dene
erſt=
klaſſiſche Dummheide net in erſter Linnje bloß die leide miſſe,
un zwar vun rechts wääche leide miſſe, die wo ſich ſo äbbes
leiſte kenne, ſundern daß mir an dene Dummheide allmitnanner
Daal hawwe, un mitbedroffe wärrn, un daß mir däß, bei unſere
zartfiehlende Kärberkonnſtruckzion ganz beſunners ſchwer un
ſchmerzlich embfinde.
Un was des ſchlimmſte is, nemlich die beſunners große
Dummheide, die ſin ſo embfindlich, ſo ſennſiebel, ſo
mimoſen=
haft un zimberlich, daß kaum en Hauch an ſe kume därf. Ja
mer därf noch net emol driwwer ſchimfe, ſunſt kann’s aam baſ=
ſiern, daß aaner uffſteiht, un ſeecht, ob mer valleicht kaan Gribbs
unner ſeim Kaboddhietche hett, un ob mer dadſächlich ſo borniert
weer, daß mer däß for=e Dummheid agucke dhet, was doch
gradezu e Monnumendalwerk vun rieſenhafter Geſcheidheit weer.
Un ſo kann’s aam baſſiern, daß mer ſich zu allem aach noch for
dumm un lächerlich verkaafe muß loſſe, weil mer mit ſeim
be=
ſchrenkte, awwer gottlob geſunde Menſcheverſtand, vor lauder
Beem de Wald net ſieht, un äbbes for ſaudumm halte dhut, was
im Gäächedaal die, wo devo ei genumme ſin, for ſaumeeßich
geſcheid un uniwwerdräfflich großordich apreiſe. — Kann ſei,
daß ſe vun ihrm Standpunkt aus recht hawwe, awwer domit is
uns net geholfe, un unſere Nachkummenſchaft erſt recht net. — —
Was ich jetzt alles do äwe mit de neediche Vorſicht un
ſo=
zuſage mehr geiſtweis vun mer gäwwe hab, däß ſieht ſo aus, als
wißt ich äbbes, un dhet mich bloß net gedraue mei Wiſſenſchaft
auszukrame, ſundern ich gingt haamlich un vorſichdich wie die
Katz um de haaße Brei. Däß ſtimmt freilich hoorgenau, un der
ganze Umſtand is der, ich will mer weder mei Maul noch mei
Finger verbrenne. Un ſo ſag ich mei Sach bloß adeidungsweis
un iwwerloß es jedem, der wo maant, er kennt e paar äffäff
brima erſtklaſſiſche Dummheide, die wo ſich baſſiert ſin, un die wo
mer zur Nod als Geſcheidheite ausgäwwe un ufftackele un friſiern
kennt, alſo der wo maant, er wißt ſo e par Geſchichte, dem bleibt’s
iwwerloſſe, dieſe keck beim Nome zu nenne. Ich jedenfalls kann
mich beherrſche und laß mei Finger devo un ſag gornix. Un däß
werr ich doch noch ſage därfe, ohne daß mer mir vorſchmeißt, ich
hett e unberechdicht Kridick, un e kuldurfeindlich Geſchimbf
ver=
aſtalt, un hett iwwerhaubt kaan blaſſe Dunſt vun=ere
groß=
ſtädtiſche Endwiggelungsbolledick.
Iwwrichens muß ich ſage, daß unſer Härrngadde ſich jetzt,
wo mer endlich emol ſieht, was hinne un vorne is, großordich
bräſſendiert. Er hott zwar ſein Karrakder verlorn, awwer däß
is grad des Zeitgemeße. Un daß mer uff dem Kunnzärt= un
Kinnerſpielblatz äwenfalls die Beem ewäck gemacht hott, un hott
die annern in de Seifzerallee buwikobbmeßich zurecht geſtutzt,
däß is ſehr vernimfdich un brackdich, indem doch die Sunnebäder
des mordärnſte ſin, wo man hatt, un ſälbſt wer Indräſſe hott
an=eme Sunneſtich, der kann do koſtenlos befriedicht wärrn.
Un wer hett gedenkt, daß fich aus däre alte Barrack gradezu e
Schmuckkäſtche vun=eme erſtklaſſiſche Muſterkaffeeche mache ließ.
Freilich, 1s hott affenglich gehaaße, es weer in de Haubtſach
allgehohlfrei, un bloß dene alte un gebrechliche Leit zulieb ei
ge=
richt worrn, die ſpo aus em Nord=Nordweſtvärdel zu weit hawwe
bis uff die Ludwigsheh, beziehungsweis uff’s Owwerwaldhaus.
— Nadierlich, jetzt wo däß Kaffee aus Verſähe un ganz ohne daß
mer’s gewollt hott, ſo hochnowel un vornehm ausgefalle is, jetzt
hott mer nadierlich was annerſter im Aag; Muſik un Danz un ſo.
Aach brauch mer kimfdich zum Schlankwärrn net mehr in die
Bäder zu fahrn, ſundern mer kann ſei Drinkkurn dehaam
ver=
aſtalte, indem mer die dißbeziechliche Wäſſercher, als da ſin:
Kallsbader, Homborfer, Mergentheimer, Kaiſer Friedrich,
Huniadi=Janoß un ſo, die kann mer all dort zu drinke krieje. —
Ei, wärd däß kimfdich e Gerenn un e Gelaaf gäwwe . . .
Hof=
fentlich hott mer aach for geniechende Sitzgeläächenheite geſorgt,
dann in’s „Kaffee Adamand” is doch e bische zu weit, wann’s
bräſſiert; außerdem geheert däß Loblied uff unſern herrliche
Härrngadde aach gornet do her, un baßt iwwerhaubt net in den
ganze Zuſammehang, was jo jedermann ſchun vun ſälbſt
uff=
gefalle is, dann däß weer grad ſo, als hett ich vum Radskeller,
vum Drauwe, vun de Feſthall, vum Brinz=Emils=Gadde, vun de
Sportblätz un derordiche Wohlfahrts= un Kulturei richdunge
ge=
chwätzt, was mir aach net im Draum ei gefalle is, dann ich hab
o ganz allgemein vun de Dummheide gebabbelt un net vun de
Schennieſtraach. Infolgedeſſe weſch ich mei Hend in Unſchuld
un iwwerloß alles weidere dene, deren Weisheit unerforſchlich
und deren Giede ohne Ende is. Amen.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Ja, mein liewer Annoniemerich,
des Räjewädder, däß macht die geſindſte Leit nerfees. Un erſt an
o=eme verräjende Sunndag, wie am Sunndag, do ärjert aam
die Mick an de Wand. Mir ſcheint, daß die verkorxt Stimmung
aach Dir die Schreibmaſchien in die Hand gedrickt hott. Odder
ſoll’s jemand annerſt gewäſe ſei . . .? — Drotzdem, ich dank Derr
for Dei riehrende Adeilnahm. Du magſt aach vun Deim
Stand=
punkt aus recht hawwe, dodriwwer will ich net mit Derr ſtreide,
dann es kimmt jo im Läwe net druff a, wer recht hott,
ſun=
dern wer recht behellt — un däß miſſe mer allebaad erſt
ab=
worde. — In aam hoſte awwer beſtimmt Unrecht, nemlich in
Bezugnahm uff die „Zechine” — ich maan, do mißte mich doch
beſſer kenne. — Un was de Niewergall bedrifft, den kenne als
„Vo 1sdichter” die meiſte aach bloß em Name nach wie ſein „
Dat=
terich”; hott mer doch erſt kerzlich aaner geſchriwwe, wääche was
mer dem abſelud e Denkmal ſetze wollt, der hett doch am wenigſte
aans verdient, weder als Menſch noch als Dichter, do weern
doch noch ganz annern Leit do, als aaner, der wo bloß en
ver=
bummelte Student un en fortgejagde Beamte zu Helde geſtembelt
hett. — Ja, ſiehſte, ſo gibt’s Leit. — Iwwrichens, daß
ausge=
rächent e „Auswärdicher” uff den Gedanke mit dem Niewergall=
Denkmal kumme is, nemlich unſer Scheneral=Indendand Legal,
däß mecht ich nor näwebei bemärke; der war’s aach, wo ſich
mit ſeine ganze kinſtleriſche Perſeenlichkeit richdich for ſei
Werke ei geſetzt hott. Sei Vorgenger hott’s ſogar ferdich gebracht,
daß die Vereinsuffiehrunge bollezeilich verbodde ſin worrn. Un
wie ſein Nachfolger, de Herr Ebert, driwwer denkt, däß wärd ſich
lehrn. — Alſo: „Volksdichter” zu ſei, däß is in Darmſtadt nor en
zweifelhafder Ruhm. — Awwer abbrebobbo, da wenichſtens Du
de Niewergall ſo hochſchätzt — hoſt Du dann ſchun was for ſei
Denkmal gäwwe? Ich wißt net! — —
— Drotzdem ſind mer die
Woch widder zugefloſſe: Vum Kall ſeine Mutter: 4 Mack;
vun=
eme Abſchied: 2,03 Mack; im Vabeigeh: 10 Mack; vum Th. K.:
5 Mack; vum R. M.: 5 Mack; vun=ere Silwerne Hochzeit:
5 Mack; vum Sprachverein: 110 Mack. — Un die Heſſiſch
Spiel=
gemeinſchaft hott aach ſchun e ſchee Simmche uff de Hochkant, —
alſo, es wärd doch, un ich denk, zu de Sexhunnertjahrfeier
ſteht’s. — Un vun dem Geld, wo iwwrich bleibt, ſetze mer
dem noche Denkmal, der wo bis 1930 defor geſorgt hott, daß die
Kunſt=, Gadde= un Fremde=Stadt Darmſtadt widder zu=eme
ver=
nimfdiche Adräßbuch kimmt, dann vermutlich ſoll däß
äwen=
falls e — Juwiläumsgab wärrn, wo erſt in drei Johr erſcheint.
Ja, ja, mit unſere Adräßbicher — ich glaab, do ruht en Fluch
druff!
„Wie ſiehſt du denn im Geſicht aus?” — „Thomas hat mir eine
Ohrfeige gegeben!” — „Und du gabſt ſie ihm natürlich wieder zurück!”
— „Nein, denn er hatte die meine ſchon!“
le Méle.)
— „Wann
„Warum trinken Sie vom Morgen bis zum Abend?
ſollte ich es denn ſonſt tun? Und ein bißchen Nachtruhe möchte ich doch
auch haben!
(Bulletin, Sidney.
Mutter: Meine Tochter kann ſingen und Harfe ſpielen. Sie hat
Botanik, Zoologie und Bakteriologie ſtudiert.
Sie ſpricht deutſch,
fran=
zöſiſch und ſpaniſch. Und was können Sie?
— Schwiegerſohn
in spe): „ — Ja — ich könnte z. B. aufwaſchen, wenn ſie keine Zeit
dazu hat .."
(Paſſing Show.)
Frauen von heute, Herr: „Wiſſen Sie vielleicht zufällig,
ver
das ſüße kleine Mädchen geweſen iſt, mit dem ich vorhin tanzte?‟
Die junge Dame: „Ja,, das war meine Mutter!” (The Humoriſt.
Es iſt Geſangsunterricht in der Klaſſe. Der Geſangslehrer prüft
die Stimmen der einzelnen Schüler, ſitzt am Klavier und fragt: „Iſt
einer unter euch, der ſpielen kann?” — Eine Junge erhebt die Hand.
„Was kannſt du ſpielen?” — „Fußball, Herr Lehrer!” war die Antwort.
(Kaſper.)
Für Haus und Küche hat jede modern denkende Hausfrau
erhöhtes Intereſſe, weil ſie bemüht iſt, ſo rationell wie möglich
zu wirtſchaften. Die immer zeitgemäße Frauen= und
Modenzeit=
ſchrift „Der Bazar” trägt dem Beſtreben der Hausfrauen
Rechnung. Sie bringt im hauswirtſchaftlichen Teil des neuen
Heftes allerhaud Wiſſenswertes über das zur jetzigen Jahreszeit
beſonders preiswerte Büchſengemüſe. Rohkoſt verdrängt mehr
und mehr die Konſerven, die immerhin unſchätzbare Werte für
die oft nicht zu vermeidende „Schnellküche” haben, wenn ſie gut
zubereitet werden. Was beim Einkauf von holländiſchem Käſe
zu beachten iſt, ſagt Dr. J. de Kruyff. Außerdem wird über die
Erfahrungen mit einem neuzeitlichen Koch= und Backapparat
be=
richtet, der leicht zu handhaben iſt und ſehr geringen Gasverbrauch
erfordert.
Aufwaſchſeife in Flaſchen. An Stelle des üblichen
Soda=Zufatzes zum Aufwaſchwaſſer ſollte die modern denkende
Hausfrau flüſſige Seife verwenden, die ſie ſich am beſten aus
auf=
gelöſter Schmierfeife herſtellt, von der man, in Flaſchen vorrätig
aufbewahrt, 1—2 Eßlöffel dem heißen Waſſer beifügt. Dieſer
Seifenzuſatz macht das Waſſer ebenfalls weich und „glatt”, wie
Soda, ohne wie dieſe die Magenwände anzugreifen, zumal
dann, wenn das Geſchirr in nicht genügend gewechſeltem friſchem
Spülwaſfer nachgeſpült wird.
Vorzügliche Beilage zu Kartoffelſalat. (
Sät=
tigende Abendmahlzeit.) Liter Milch, 4—5 Eßlöffel Mehl,
1 Priſe Muskatnuß, 1 Teclöffel Salz, ½ Teelöffel Paprika und
2 Eier werden ſcharſ ver=uirlt, dann 1—2 Eßlöffel
kleingeſchnit=
tene harte Knacktyurſt und 1 Meſſerſpitze voll kleingewiegte
Küm=
melkörner beigefügt und mit reichlich gelbgebratenem Speck und
Zwiebeln ein dicker Eierkuchen davon gebacken, der auf beiden
Seiten ſchön helibraun gebraten wird. Er wird in Streifen
ge=
ſchnitten und auf heißem Teller ferviert.
Hat der „Nachtiſch” auch an Wochentagen
Be=
rechtigung? Viele Hausfrauen betrachten einen Nachtiſch an
Wochentagen in Form von Flammerie, Creme, Kompott u. a. als
unnötige Verſchwendung und laſſen ihn nur als Sonntagsleckerei
gelten, die dem Tay einen feſtlichen Anſtrich verleihen ſoll.
Fort=
ſchrittlich, geſinnte Hausfrauen jedoch haben den Nachtiſch auch
auf die anderen Wochentage als „Magenabſchluß” übernommen,
da ſie aus Erfahrung wiſſen, daß er nicht nur die Bekömmlichkeit
der Mahlzeit erhöht, fondern auch ein zu knapp bemeſſenes
Hauptgericht trefflich ausgleicht. Die Auswah’ an „Nachtiſchen”
ſelbſt iſt ſehr reichhaltig, denn neben den zahilofen Flammeries
und Cremes bieten Aufläufe, Geleeſpeiſen genug Abwechſlung.
Die Zutaten ſelbſt ſind in j=der Küche vorrätig, und der von
manchen Hausfrauen gefürchtete Mehrverbrauch an Zucker kann
durch Verwendung von Süßſtoff, den man, heiß aufgelöſt,
ver=
korkt in Fläſchchen vorrätig halten kann, ausgeglichen und
redu=
ziert werden. Die geringfügige Arbeit der Zubereitung jedoch
welche Hausfrau unterzöge ſich dieſer nicht gern im Gedenken
ihrer damit beglückten, dankbaren Angehörigen?
Bereitet mehr, Frühlings=Kräuterſoßen!
Auch die Zunge ſtellt ſich im Frühjahr gern auf gewiſſe
Gaumen=
reize ein, die der Winter mit ſeinen fleiſch= und fettreichen
Spei=
ſen verdrängt. Zu dieſen willkommenen Gaumenreizen gehören
die verſchiedenen Kräuterſoßen, die ſowohl zu Fleiſch=, Fiſch=,
wie auch Eierſpeiſen, z. B. verlorenen, hartgekochten und
gefüll=
ten Eiern, eine wertvolle Ergänzung bilden, ganz abgeſehen
da=
von, daß die Frühlingskräuter mit ihren Säften blutauffriſchend
und =erneuernd wirken. Wir laſſen einige Rezepte folgen:
Feine Kerbelſoße. Von 1 Eßlöffel Margarine, Fett
und einer würfelig geſchnittenen Zwiebel, ſowie 1—½ Eßlöffel
Mehl bereitet man eine helle Einbrenne, in der man 1—2
Eß=
löffel ſauber verleſenen, gewaſchenen und feingewiesten Kerbel
mit durchdünſtet. Mit 2 Taſſen heißem Waſſer aufgefüllt, ſchmeckt
man die Soße nach 20 Minuten Ausquellens mit Salz und etwas
friſcher Butter ab.
Kalte grüne Soße. Dazu wiegt man Kerbel, jungen
Dill, Brunnenkreſſe, Schnittlauch, etwas Peterſilie zu gleichen
Teilen ganz fein und verrührt ſie mit 1—2 Taſſen Oel ſowie
Eßlöffel Mayonnaiſe zu dickſämiger Soße, ſchmeckt ſie mit
etwas Zitronenſaft, Salz und Pfeffer ab.
Verwendet keine Apfelſine und Zitrone
un=
geſchält! Die jetzige Apfelſinen=Saiſon mit ihrem öfteren
Ge=
nuß dieſer Südfrüchte ſollte von jeder Hausfrau dergeſtalt
aus=
genützt werden, daß ſie darauf achtet, jede Apfelſine vor dem
Ge=
nuß ſauber abzuwaſchen und dann dünn ohne Verletzung der
weißen Innenſchale abſchält. Die auf ſauberem Teller
geſammel=
ten Schalen ergeben dann, feingewiegt, mit Zucker vermiſcht und
in Gläſern verſchloſſen aufbewahrt, eine vorzügliche Backwürze.
Oder aber die ebenfalls grobgewiegte Apfelſinenſchale wird in
Flaſchen gefüllt, die mit 96prozentigem Weingeiſt 2—3 Wochen
feſt verkorkt in der Wärme zum Ausziehen ſtehen gelaſſen werden.
Mit Zuckerlöſung vermiſcht, ergibt dieſer Apfelſinen=Extrakt einen
vorzüglichen Apfelſinenlikör, der namentlich vom Hausherrn ſehr
jeliebt wird.
Sonntag: Rumfordſuppe. Kalbsfrikaſſee mit Curryreis.
Sahnenſpeiſe.
Montag: Grießſuppe. Spinat mit harten, halbierten Eiern.
Dienstag: Apfelreis mit brauner Butter, Zucker=Zimt und
gebr. Leber.
Mittwoch: Rindfleiſch mit Senffoße. Krautſalat.
Donnerstag: Gebackene Dampfnudeln mit Apfelmus oder
Preißelbeeren.
Freitag: Fiſch=Pichelſteiner von Schellfiſch. Apfelſalat.
Samstag: Cierkuchen mit Fleiſchfüllung.
Humor
„Sie ſollten nicht ſo viel ſitzen, mein Lieber, das iſt Ihnen nicht
zuträglich. Was ſind Sie denn von Beruf:
„Briefträger, Herr Doktor!”
(Prager Preſſe.)
Beim Schneider. „Der neue Anzug kleibet Sie großartig. Sie ſind
ein ganz anderer in ih.
— „Wollen Sie dann bitte auch die Rechnung
m=
an den anderen ſenden!“
(Péle Méle.)
Möbelhändler: „Was meinen Sie mit dieſem Lehnſtuhl als
Weihnachtsgeſchenk, meine Herrſchaften? Sitzt man erſt in ihm drin, ſo
ann man ſich gar nicht mehr von ihm trennen!“ — Heur (zu ſeiner
Frau): „Ich glaube, es iſt das beſte, wir ſchicken ihn dann deiner
Mutter.”
(London Opinion.)
Vater: „Für jedes neue Lied, das du lernſt, ſollſt du fünf Peſeten
haben.” — Tochter: „Das iſt zu wenig! Unſere Nachbarn geben
mir bedeutend mehr für jedes Lied, das ich nicht lerne!"
(Buen Humor, Madrid.
„Du prahlſt, daß du niemals müde ſeiſt, und nun liegſt du am
hellen Tage auf dem Sofa und ſchläfſt
— „Ja, wenn ich nicht ſo viel
ſchlafen würde, dann wäre ich ſicher müde!“
Pcie Mole.
„Wie biſt du mit deiner neuen Stellung zufrieden?‟ — Danke! Ich
„Mein Kontor liegt
habe viele Leute unter mir . . ." — „Bravo!”
nämlich im vierten Stod
California Pelican.)
: „Laſſen Sie mich, meine Mutter mag dieſe Küſſerei nicht
Sie
leiden!"
Er: „Ja, aber ich denke bei Gott nicht daran, Ihre Mutter
zu küſſen!“
(Life.)
Im Tegen.
Gerade im Regenwetter erweiſt es ſich am beſten, ob eine
Frau es verſteht, ſich wirklich gut anzuziehen. Bekanntlich iſt
nichts damit getan, wenn man ſich an Regentagen nach
Möglich=
keit einmummt, ganz im Gegenteil wirkt man dadurch nur plump
und ungraziös und würde außerdem im Frühjahre die ſchweren
Kleidungsſtücke unangenehm empfinden. Auch der Regenſchirm
hilft oft nicht über eine mangelhafte Garderobe für feuchtes
Wet=
ter hinweg, und man muß darum unbedingt ein oder das andere
Kleidungsſtück beſitzen, das für übles Wetter in Frage kommt.
Natürlich ſollen dies im Prinzip keine Modelle ſein, die man bei
gutem Wetter überhaupt nicht verwenden kann, ſondern
Garde=
robeſtücke, die für die vormittäglichen Zwecke in der Stadt oder
ſpäterhin für die Reiſe zu gebrauchen ſind. Falls man einen
Mantel als Regenumhülle wählt, wird er natürlich für all
dieſe Zwecke ausgezeichnet geeignet ſein, während ein Koſtüm
wieder den Vorteil hat, auch für ſportliche Gelegenheiten
heran=
gezogen werden zu können.
Man muß bei der Regenkleidung vor allen Dingen auf das
zur Verarbeitung gelangende Material großen Wert legen.
Gerade beim Stoff zu ſparen hätte hier wenig Sinn, da dieſe
Modelle gewiß größerer Strapazierung ausgeſetzt ſind als alle
anderen und darum an das betreffende Material beſonders große
Anforderungen geſtellt werden müſſen. Es iſt außerdem von
Vorteil, für die Regenkleidung nicht etwa ein Gewebe zu wählen,
das den Schwankungen der Tagesmode unterworfen ſondern
eines, das durchaus zeitlos iſt, damit man — ohne es
unange=
nehm zu empfinden — ein ſolches Stück auch mehrere Saiſons
hindurch tragen kann.
Es iſt gewiß vor allen Dingen auch weſentlich, daß das
ge=
wählte Material durchaus waſſerdicht ſei, denn dann iſt der
Schirm leicht entbehrlich, der viele Damen ſehr behindert und
im übrigen — wenn Mantel und Hut aus wetterfeſtem und
be=
ſonders widerſtandsfähigem Materiale verfertigt werden
durchaus erläßlich erſcheint. Uebrigens iſt es in letzter Zeit unter
Anwendung eines neuartigen Spezialverfahrens möglich
gewor=
den jeden nicht allzu poröſen Stoff zu imprägnieren und dadurch
waſſerdicht zu machen.
Im Grunde hält man ſich aber gerne an die bekannten
her=
kömmlichen Regenſtoffe, von denen Covercoat, waſſerdichte
Gabar=
dine und Burberry hervorzuheben wären. Gegenwärtig arbeitet
man allerdings auch vielfach Modelle aus waſſerundurchläſſigem
Fresko, dem eigentümlichen, homeſpunartigen Modegewebe
dieſes Frühjahrs.
Da die Waſſerflecken und das an warmen Tagen raſch
erfol=
gende Trocknen natürlich jeder empfindlichen Farbe unfehlbar
ſchaden würden, ſucht man bei der Regenkleidung immer nur
nach indifferenten Schattierungen. Mittelgrau, Olivgrün und
eine dunkle Sandfarbe haben ſich als ganz beſonders verwendbar
erwieſen. — Einfach wie die Stoffe und die Farben ſind auch die
Schnitte der Regenmäntel. Man kennt im Grunde genommen
nur zwei bevorzugte Typen: den geraden Paletot und den
Raglan. Während der gerade Mantel immer aus den früher
an=
geführten imprägnierten Stoffen gearbeitet wird, ſieht man die
Raglanformen meiſt in
waſſerdich=
ter Schirmſeide wiedergegeben.
Wir zeigen ein derartiges Modell
als erſtes Bild unſerer Gruppe. Ein
ſolcher Seiden=Raglan hat den
Vorteil, ſehr dünn und leicht zu ſein,
kann hoch geſchloſſen und bei den
7
Handgelenken eng
zuſammengenom=
men werden, ſo daß er in
Verbin=
dung mit einem
waſſerunempfind=
lichen glatten Filzhute (langhaarige
Filzhüte kommen für Regenwetter
niemals in Frage) einen abſoluten
Schutz gegen Näſſe bietet. Erwähnt
man noch die neuartigen hohen
Gummi=Ueberſchuhe mit „Reiß=
Ver=
ſchluß” (die nur den Abſatz des
Schu=
hes freilaſſen und den Vorteil
gro=
ßer Leichtigkeit und Schmiegſamkeit
haben und dabei nicht allzu
koſtſpie=
lich ſind — wir geben ſolche
Ueber=
ſchuhe gleichfalls in unſerer erſten
Skizze wieder —) ſo wäre damit eine
Regenkleidung zuſammengeſtellt, die
nicht für das Frühjahr allein,
ſon=
dern auch für den Sommer in
Be=
tracht kommt, da dieſer Seiden=
Raglan leicht zuſammenlegbar iſt
und in einem Täſchchen aus gleichem
Material, das nicht mehr als
Buch=
größe haben muß, transportiert
wer=
den kann, alſo vornehmlich für die
1
Sommerreiſe ausgezeichnete Dienſte
leiſten wird, um ſo mehr, als er auch
als Staubmantel zu gebrauchen iſt.
Ganz anderer Art ſind die waſſer=
1/
i
dichten Stoffmäntel aus den ſchon
*
füher angeführten Geweben. Sie Hs 3
ſind ſchlicht und gerade, meiſt knopf=
2
los und mit einem Gürtel
zuſam=
mengehalten. Als zweites und
drit=
tes Bild zeigen wir ein und
denſel=
ben Regenmantel in ſeiner Vorder=
und Rückanſicht. Sein einziger Aufputz beſteht in ſtreifenartigen,
hohl aufgenähte Blenden, die in je einer ſeitlichen Bahn den
Vorder= und Rückenteil zieren und mit dem Gürtel feſtgehalten
werden. In der Vorderbahn ſind auf dieſen aufgeſetzten Blenden
einige Knöpfe als einzige Garnierung dieſes flotten, mit einem
Sattel verſehenen Regenumhanges vorgeſehen.
Natürlich trägt man für regneriſches Wetter nicht nur gerade
Mäntel und Raglans, ſondern vielfach auch Koſtüme, die
allerdings ganz beſonders einfach und zweckentſprechend ſein
müſſen. Unſere letzte Skizze zeigt ein reizendes Modell, das ganz
gerade und knopflos iſt, einen Rock mit vorn eingelegter und
oben feſtgeſteppter Hohlfalte bringt und an den Herrenrevers mit
dem eigenartigen und modernen Kalbfell garniert iſt. Ein gleich=
R
artiger Pelzgürtel wirkt unbedingt dekorativ und iſt trotzdem ſehr
praktiſch. Mit Vorliebe trägt man zu einem ſolchen Koſtüm auch
eine Handtaſche aus Kalbfell.
Natürlich wird dem Schirm während der Regenzeit ganz
beſondere Aufmerkſamkeit gewidmet, und mit Freude kann man
feſtſtellen, daß das ſchwarze Regenſchirm=Ungetüm immer mehr
dem mittelfarbigen (braunen, beige arbenen oder grauen) „
All=
wetter=Schirm” das Feld zu räumen beginnt.
Für Regentage wähle immer nur ſehr einfache, niemals aber
allzu originelle Schuhe, da nur ſchlichte, womöglich mit einer
doppelten Leder= oder Chromlederſohle verſehene Formen
zweck=
entſprechend und darum wirklich elegant ſind. Der neuen
Schuh=
type mit niederen Abſätzen dürfte viel Beachtung geſchenkt werden.
Cennis und Promenade.
Eine der vielen Fragen, die die Frauen von heute
beſchäf=
tigen, iſt die: Wie werde ich ſchlank ohne gewaltſame
Abmage=
rungskuren, wie werde ich geſchmeidig ohne den Gebrauch
ſchäd=
licher Pillen, Mixturen und Arzneien, und wie bleibe ich jung,
ohne künſtliche Hilfsmittel zu verwenden?
Natürlich iſt der Sport letzten Endes immer der richtigſte
Ausweg. Schon im Winter hat man über den während des
Früh=
jahrs und Sommers zu pflegenden Sport beraten, und da das
Frühjahr die erſte Gelegenheit zum Tennisſpiel bietet, iſt es ganz
außer Zweifel, daß dieſer Sportzweig einen ganz gewaltigen
Aufſchwung nehmen dürfte.
Immer aber iſt es die gleiche Sache: Die Kleiderſorgen ſind
faſt für jeden Sport, ſei es nun Touriſtik, Segelſport uſw., ſehr
Ktge
quälende, da meiſt ſchon die Koſten des Sports an ſich nicht
un=
erheblich ſind und die dazu notwendige Kleidung in der Regel
die Brieftaſche ſehr empfindlich belaſtet.
Wenn wir alſo heute von der neuen Tenniskleidung ſprechen
wollen, ſo ſind wir von dem Standpunkte ausgegangen, daß für
dieſen Sport keine Spezialkleidung, die eben nur für die
betref=
fende Gelegenheit brauchbar wäre und ſonſt unverwendbar
er=
ſcheint, zu wählen iſt, ſondern ſolche Modelle, die man eben auch
außerhalb der ſportlichen Betätigung für die Promenade
ge=
brauchen kann, ſo daß ſich alſo eine doppelte Ausgabe als
un=
nötig erweiſt.
Natürlich gilt hier — um ſo mehr als die heurige
Frühjahrs=
mode im allgemeinen ſehr einfach iſt — unbedingte Schlichtheit
und Ungezwungenheit der Form als wichtigſtes Gebot. Kein
un=
nötiger Aufputz, keine phantaſtiſchen Stickereien, keine ſchwierie
zu arbeitenden Beſätze und vornehmlich keine Kleidungsſtücke, die
allzuviele Umſtände bei der
Reini=
gung machen. Das Sportkleid muß
im allgemeinen ſo leicht waſchbar
ſein wie ein Wäſcheſtück, um wirklich
ſeinem Zweck genügen zu können.
Die Farben, die für die
Tennis=
kleidung geſucht werden, ſind im
all=
gemeinen ziemlich hell: ein lichtes
Grau, ein feines Beige oder ein
zar=
tes Blau (ſei es nun ein Graublau
oder ein elegantes Lavendel) wirken
immer gut, natürlich auch die Roſa=
Töne (wie etwa Altroſa und das
heuer vielgenannte „Ibis”, eine
Schattierung, die eine Verſchmelzung
von Beige mit Cyclamen darſtellt).
Daß die Formen des
Tennis=
kleides die denkbar einfachſten ſind,
wurde ſchon früher erwähnt. Eine
ſehr glückliche Kombination hat man
in der Zuſammenſtellung der
jum=
perartigen Modelle mit den
letzt=
modernen Bluſenkleidern getroffen
und damit eine Modellart gefunden,
die ſicherlich ſehr beliebt werden
dürfte, um ſo mehr als die bluſigen
Formen mehr Bewegungsfreiheit
geſtatten als die ganz geraden
Jum=
per des Vorjahres.
Wir zeigen nebenſtehend eine
Reihe von Modellen, die für den
Tennisſport empfehlenswert ſind:
Links ein reizendes Kaſha=Kleid,
das aus einem bis auf Spannweite
niedergeſteppten Hohlfaltenrock (der
die notwendige
Bewegungsmöglich=
keit ſichert) und einer einfachen Bluſe
beſteht, deren Kragen und
Manſchet=
ten mit kornblumenblauen Blenden
gerandet ſind, die ſich auch auf dem
Gürtel wiederholen
Dazu könnte man einen einfachen Mantel, wie ihn unſere
letzte Skizze veranſchaulicht, tragen. Er hat einen abgeſteppten,
eingeſetzten Sattel und — von deſſen Spitze ausgehend — eine
weit niedergeſteppte Hohlfalte, die unten ganz auffpringt.
Zu=
ſammengehalten iſt dieſes Modell mit einem ſchlichten Gürtel aus
gleichem Materiale (Kaſha, Flauſch uſw.). Die Aermel ſind mit
Spangen geziert, wie ſie ſonſt bei Raglans üblich ſind. Die
Vor=
derbahn iſt mit großen aufgeſteppten Taſchen zu denken. Ein
ſolcher Mantel kommt natürlich nicht nur für den Tennisſport,
ſondern auch für die Promenade, für die Reiſe, den Strand uſw.
in Frage.
Eine zweite Zuſammenſtellung, die auch ſehr reizvoll wirkt
zeigen wir in unſerem zweiten und dritten Bilde. Das Kleid hat
den für den Tennisſport unerläßlichen weiten Rock (hier in feine
Pliſſees gelegt) und eine überfallende Bluſe, deren einziger
Schmuck aus einem ſchalartigen, vorne geknüpften Seidentuche
beſteht, in das (vorausgeſetzt, daß es — wie das Kleid ſelbſt —
die moderne helle Beigefarbe hat) ein Tennisſchläger=Emblem in
altroſa Seide eingeſtickt wird. Die Randung des ganzen Schals
wird ebenfalls in altroſa Seide beſoigt, die auch am Unterärmel
als Blende erſcheint. Auch der Rock bringt zwei ungleich breite
Blenden in dieſer Farbe.
Zu einem ſolchen Kieide nimmt ſich ein kurzes, gleichfarbiges
Jäckchen ſehr gut aus, deſſen Armelabſchluß, Halsleiſtchen und
geknöpfte Gürtelpaſſe den gleichen altroſa Farbton haben und das
Kleidchen zu einem ganz allerliebſten Koſtüm=Complet
er=
gänzen, das für Frühjahr und Sommer ſehr geeignet iſt und auch
für Sommerfriſche und Seebad noch vortreffliche Dienſte leiſten
wird.
Das Roſtüm=Complet
iſt das maßgebende Kleidungsſtüc
für das Frühjahr. Es hat ſozuſagen
das im Vorjahre ſehr erfolgreich ge
weſene Mantel=Complet abzulöſe=
und unterſcheidet ſich von ihm nur
dadurch, daß es nicht Kleid un
Mantel, ſondern Kleid mit kurzer
Jacke vereinigt, wobei natürlie
beide Stücke aus gleichfarbigem
Ge=
webe verfertigt ſind. Im Materig
ſelbſt wird häufig inſofern ein Un
terſchied gemacht, als das Kleid au
Seide, die Jacke aber aus Stoff (i
gleicher Farbe) gearbeitet wird. —
Daß alle modiſchen Neuerungen
und auch das beſonders bevorzugte
Pliſſee hier Verwendung finden, iſ
*
ſelbſtverſtändlich. Nebenſtehend ein
ſchlichtes Kleid, das feine Pliſſee
Wirkungen mit Säumchen=Effekten
vereinigt; dazu eine ſchlichte, gerad
Jacke, deren unterer Rand ebenfalls pliſſiert iſt, wie auch die
Aer=
mel die gleiche Verzierung zeigen. Für dieſe ſchlichten Koſtüm=
Compleis die für alle erdenklichen Gelegenheiten bar ſein
ſol=
len wähl: man das heuer ganz beſondeis geſchitzie Ma ineblau,