Einzelnummer 15 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſiattet.
Nummer 30
Sonntag, den 30. Januar 1927.
190. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg. Aufruhr Streil uſw erliſcht
iede Verpſſichtung au Erfüſlung der
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aufträge und Ceiſtung von Schadenerlatz. Bei
Konturs oder gerſchtlſcher Beltreibung ſäſt” ſeder
Rabatl weg. Bankonto‟ Deutiſche Bani und
Darm=
ſtädter und Natonalban”.
Der Unſiern
über der Kabinettsbildung.
Der Unſtern, der nun ſchon ſeit Tagen über der
ſendgültigen Kabinettsbildung leuchtet, will immer
roch nicht vom Horizont verſchwinden. Auch der Samstag hat
ſSie letzte Entſcheidung über die Zuſammenſetzung der künftigen
Fegierung nicht gebracht.
Das Bild hat ſich inſofern verſchoben, als nicht mehr die
DDeutſche Volkspartei der Stein des Anſtoßes iſt, ſondern die
SSchwierigkeiten jetzt auf einem anderen Gebiete liegen. Die
BVolkspartei hat den Kampf um das dritte Miniſterium zwar
mmit aller Zähigkeit durchgefochten, ſie mußte aber ihren Anſpruch
8urückziehen, als der Herr Reichspräſident an ihr ſtaatspolitiſches
Werantwortungsgefühl appelliert hatte. Sie rechnet
wahrſchein=
ſlich auch damit, daß der Reichswehrminiſter Dr. Geßler in
ab=
ſäehbarer Zeit doch aus ſeinem Amt ſcheiden will — er hat die
bFeſte Abſicht ausgeſprochen, zurückzutreten, ſobald das ohne
FePreſtigeverluſt geſchehen kann — und ihr im
Reichswehrminiſte=
fmium dann der dritte Sitz geſichert bleibt.
Inzwiſchen hat die Art, wie die Deutſchnationalen ihre
WMiniſter durch Stimmzettel in der Fraktion gewählt haben, eine
ſöſe Frucht getragen. Einmal kam der Widerſtand aus der
ſeigenen Partei heraus. Die junge Generation, die unter
Füh=
mung von Treviranus und Lindeiner=Wildau eigentlich die ganze
ſmſtellung ihrer Fraktion erzwungen hatte, fühlte ſich ſchwer
ſGbenachteiligt, weil nur die alte Garde für die Miniſterien
heraus=
ſgeſtellt wurde, die nach den bisherigen Erfahrungen doch viel=
Heicht zu viele innere Hemmungen hatte, um gerade bei der ſach=
„ichen Arbeit mit den anderen Parteien ein reibungsloſes
Neben=
ſeinander zu ſichern. Aus dieſen Kreiſen iſt denn auch auf Herrn
Hergt eingewirkt worden, daß er freiwillig verzichten und das
EMiniſterium des Innern beſtens dankend in die Hände ſeiner
FFraktion zurücklegen ſollte. Auf der anderen Seite aber kam
ſoher Widerſtand vom Reichskanzler her, der ſehr ſtarke
Bedenken gegen die Kandidaten von Hergt und
Wraef äußerte. Herrn Hergt hätte er zumindeſt gerne auf
(das mehr unpolitiſche Miniſterium der Juſtiz geſchoben, Herrn
NGraef aber eigentlich überhaupt nicht im Kabinett geſehen, weil
(dieſer als Vertreter des völkiſchen Flügels der Deutſchnationalen
ſtgilt und durch die Verweigerung des Antrittsbeſuches bei dem
ſverſtorbenen Reichsrräſidenten Ebert auch nach der menſchlichen
Seite einen Beweis ſtarker Intranſigenz gegeben hatte. Dieſen
FBedenken hat ſich auch Herr v. Hindenburg angeſchloſſen,
wenig=
ſtſtens ſoweit Herr Graef in Frage kommt. Herr Marx mußte
ſtſich alſo der ſauren Mühe unterziehen, den Deutſchnationalen
heine andere Wahl nahezulegen. Das war techniſch ſchwer zu
umachen, weil weder der Fraktionsvorſtand noch die Parteileitung
ſfſich über einen Fraktionsbeſchluß hinwegſetzen kann, alſo eine
nneue Sitzung der Fraktion anberaumt werden mußte, die vor
RMontag gar nicht ſtattfinden kann.
So blieb denn ſchließlich nichts anderes übrig, wollte man
Kdie Kriſe in ihrer Geſamtheit nicht in die neue Woche vertagen,
vals ein Verlegenheitsmittel, indem zunächſt der Torſo des
Kabi=
nnettes geſchaffen wurde. Der Herr Reichspräſident hat die
kMiniſter ernannt, ſoweit ſie nicht umſtritten ſind. Die
Mini=
fſterien der Juſtiz und des Innern ſind aber noch offen, um den
DDeutſchnationalen die Möglichkeit einer Aenderung ihres
Be=
ſſchluſſes zu geben. Die Fraktion wird darüber am Montag
nachmittag beraten, und ſie wird wohl klug genug ſein, ſich den
nnicht nur von Reichspräſident und Reichskanzler, ſondern auch
tvom Zentrum und der Deutſchen Volkspartei ausgeſprochenen
BBedenken zu fügen. Ein Miniſterium, das Herrn von Lindeiner=
BWildau im Innenminiſterium hat, könnte Herrn. Hergt im
5Juſtizminiſterium vielleicht ertragen. Jedenfalls wäre ſo ein
großer Teil überflüſſigen Ballaſtes beſeitigt. Auch Herr Wirth
wwürde ſich dann noch einmal überlegen, ob er auf der
Ableh=
nung des Vertrauensvotums, auf die er ſich bereits durch eine
Korreſpondenz feſtgelegt hat, beharrt. Eine ſolche Extratour
kann er ſich zur Not leiſten. Aber die Mehrheit, auf die ſich
das neue Kabinett ſtützt, iſt doch nicht groß genug, um ſtarke
PAbſplitterungen aus dem Zentrum heraus aushalten zu können,
ganz abgeſehen davon, daß das Miniſterium ja auch einigermaßen
neinheitlich zuſammengeſetzt ſein muß, wenn es erfolgreich
wirken will.
Das neue Reichskabinett. — Hergt und Graef
vom Reichspräſidenten noch nicht beſtätigt.
Berlin, 29. Januar.
Der Herr Reichspräſident hat den bisherigen Reichskanzler
Dr. Marr in ſeinem Amte als Reichskanzler beſtätigt, auf deſſen
Vorſchlag den Reichsminiſter des Auswärtigen Dr. Streſemann,
den Reichsarbeitsminiſter Dr. Brauns, den Reichswehrminiſter
Dr. Geßler, ſowvie den Reichswirtſchaftsminiſter Dr. Curtius in
ihren bisherigen Aemtern beſtätigt und den badiſchen
Staats=
präſidenten und Finanzminiſter Dr. h. c. Köhler zum
Reichs=
finanzminiſter, den Reichsminiſter a. D. Schiele, M. d. R., zum
Reichsminiſter für Ernährung und Landwirtſchaft, den
Ver=
bandsſekretär Dr. h. c. Koch, M. d. R., zum
Reichsverkehrsmini=
ſter und den Staatsſekretär Dr. Schätzl zum Reichspoſtminiſter
ernannt. Mit der Wahrung der Geſchäfte des Reichsminiſters
für die beſetzten Gebiete hat der Herr Reichspräſident den
Reichskanzler Dr. Marx beauftragt. Die Ernennung der
Reichs=
miniſter der Juſtiz und des Innern hat der Herr
Reichspräfi=
dent mit Rückſicht auf die noch nicht abgeſchloſſenen letzten
Ver=
handlungen bis Montag abend ausgeſetzt.
Wie wir erfahren, empfing Reichspräſident v.
Hin=
denburg heute nachmittag die deutſchnationalen Abgeordneten
Graf Weſtarp und Wallraf zu einer Beſprechung über
die perſonellen Schwierigkeiten, die ſich in der Zuſammenſetzung
des Kabinetts heute vormittag noch ergeben haben. Graf
Weſtarp hatte ſofort nach ſeiner Rückkehr vom Reichspräſidenten
eine Unterredung mit dem Abg. Graef=Thüringen. In
parla=
mentariſchen Kreiſen erwartet man, daß die Deutſchnationalen
zunächſt unter ſich die Schwierigkeiten beraten werden, die ſich
bei der perſonellen Zuſammenſetzung des Kabinetts ergeben
haben. In parlamentariſchen Kreiſen wird davon geſprochen,
daß Abg. Graef von ſeiner Kandidatur zurückgetreten
iſt und nunmehr der Abg. v. Lindeiner das Innenminiſterium
und Abg. Hergt das Juſtizminiſterium übernehmen wird. Jedoch
geben wir dieſe Nachricht noch als völlig unverbindlich.
Einberufung der deutſchnationalen
Reichstags=
frakiion auf Montag.
Berlin, 29. Januar.
Die deutſchnationale Reichstagsfraktion iſt für Montag
nach=
mittag 5 Uhr zu einer Sitzung zuſammenberufen worden, um
über die Beſetzung der den Deutſchnationalen zugeſtandenen
Poſten des Reichsminiſters des Innern und des
Reichsjuſtiz=
miniſters zu entſcheiden.
Die franzö ſiſche Preſſe zur deutſchen Kabinettzbi dung
E.P. Paris, 29. Januar.
Die Nachmittagspreſſe beſpricht das neue deutſche Kabinett
verhält=
nismäßig ruhig, wenn auch ſämtliche Blätter die Tatſache unterſtreichen,
daß es noch weiter nach rechts orientiert ſei als die Regierung Luther
vom Jahre 1925, und daß die Deutſchnationalen in der neuen
Kombina=
tion ein Uebergewicht zum Nachteil des Zentrums und vor allem der
Deutſchen Volkspartei erlangt hätten, nicht durch die Zahl der ihnen
zugefallenen Miniſterien, ſondern auch durch die in die Regierung
ent=
ſandten Perſönliclkeiten. Im übrigen macht ſich die Preſſe faſt
allge=
mein das Wort Briands zu eigen, das dieſer nach dem heutigen
Kabi=
nettsrat geſprochen hat, nämlich: „Keine Voxurteile, warten
wir die Handlungem der Reichänggierung.gb”.
So ſchreibt der „Intranſigeant”, man ſolle abwarten, welche
Inſtruktionen das neue Kabinett den Pariſer Unterhändlein geben
werde. Denn wenn Streſemann die Hände frei habe, ſo könne er ſeine
Zuſtimmung zu dem von den Sachverſtändigen ausgearbeiteten
Kompro=
miß geben. — Der „Temps” glaubt, daß der Einfluß der
Deutſch=
nativnalen in der neucn Regierung ſo ſtark ſei, daß Stref=mann auch
in der Außenpolitik mit ihnen werde rechnen müſſen, und deutet die
neue Kabinettsbildnung als eine ſchwere Niederlage des republikaniſchen
und demokratiſchen Deutſchlands. — Der linksſtehende „Soir” wundert
ſich, daß eine Rechtsregierung in Deutſchland möglich ſei, trotzdem die
Abſtimmung über die Füirſtenenteignung ſeinerzeit 16 Millionen
repu=
blikaniſche Stimmen ergeben habe. Das Blatt glaubt, daß die Linke,
wenn ſie einig ſei, und die Spaltung im Zentrum auszunutzen verſtehe,
den Sturz der neuen Regierung in Kürze werde herbeiführen können.
— Die „Liberté” ſchließlich kommt nach einigen heftigen Ausfällen
zu dem merkwürdigen Schluß, Deutſchland habe, um auf politiſchem,
induſtriellem und wirtſchaftlichem Gebiete wieder Reſpekt einzuflößen,
nur noch einer guten Regierung b=durft und dieſe jetzt gefunden.
Das „Iournal des Débats” glaubt, daß Streſemann im
Außen=
miniſterium und Marx als Miniſter für die beſetzten Gebiete einen
mäßigenden Einfluß ausüben werden. Beide würden ſicherlich über die
ſtrikte Durchführung der Locarno=Politik wachen, aber ſie faßten dieſe
Politik anders auf als Frankreich, und liefen Gefahr, von der Rechten
überwältigt zu werden. Da das neue Kabinett Marx die Abſicht habe,
eine neue Lage in Deutſchland zu ſchaffen, müſſe man zunächſt der
offi=
ziellen Erklärung und ſpäter die Handlungen der neuen Regierung
ab=
warten.
Um die deutſchen Oſifeſtungen.
Der Stand der Verhandlungen.
EP. Paris, 29. Januar.
Inden Verhandlungen zwiſchen den deutſchen
Sach=
verſtändigen und dem Interalliierten Militärkomitee iſt ein
gewiſſer Stillſtand eingetreten. Geheimrat Forſter
hat heute dem Sekretär der Botſchafterkonferenz, Maſſigli, einen
Beſuch abgeſtattet. Dagegen iſt das Militärkomitee nicht
zuſam=
mengetreten und wird vorausſichtlich auch vor morgen, Sonntag,
keine Sitzung abhalten. Der „Temps” gibt über den Stand
der Verhandlungen folgende Darſtellung: Während man
in allen weſentlichen Punkten und der zu zerſtörenden Anlagen
und der Auslegung des Artilels 180 des Verſailer Vertrages,
in dem von der Erhaltung der Feſtungsanlagen im
gegenwär=
tigen Zuſtande die Rede iſt, zu einer Einigung gelangt ſei,
be=
ſteht noch eine Meinungsverſchiedenheit über einen Teil der in
der Umgebung von Königsberg errichteten Befeſtigungen, deren
Zerſtörung das Foch=Komitee fordere, während die deutſche
Re=
gievung den Standpunkt vertrete, daß ſie für die
Landesvertei=
digung unerläßlich ſeien. — Die deutſchen Delegierten hätten die
in Berlin erbetenen neuen Inſtruktionen in dieſem Punkte bis
heute mittag nicht erhalten. Man nehme an, daß ſie durch einen
beſonderen Kurier überbracht würden, wahrſcheinlich durch
Clau=
dius, der dieſe Funktion, ſchon in den Kriegsmaterial=Fragen
verſehen habe. Sobald die deutſchen Delegierten im Beſitz der
Inſtruktionen ſein würden, werde das Interalliierte
Militär=
komitee zuſammenberuſen werden. Deſſen Beſchlüſſe würden
un=
verzüglich der Botſchafterkonferenz mitgeteilt werden, deren
Sitzung für Montag vorgeſehen ſei, und die darüber zu
entſchei=
den habe, ob Deutſchland ſeine Abrüſtungsverpflichtungen erfüllt
habe oder nicht. Falsdie Konferenz zudem Schluß
komme, daß die aus Artikel 180 des Verſailler
Vertrages ſich ergebenden Verpflichtungen von
Deutſchland nicht reſtlos erfüllt worden ſeien,
würde die Frage der deutſchen Oſtfeſtungen
auf Grund des Genfer Ablommens vom 12.
De=
zember 1926 dem Völkerbundsrat unterbreitet
werden,
Die Woche.
Reichlich ſechs Wochen hat diesmal die deutſche
Regierungs=
kriſis gedauert, d. h. ſechs Wochen lang hat das im Dezember
geſtürzte Kabinett Marx die Geſchäfte proviſoriſch weitergeführt,
bis endlich nach wochenlangem dramatiſchen Hin und Her ein
neues Kabinett Marx die am Boden ſchleifenden
Regierungs=
zügel aufgreifen konnte. Abermals ein Kabinett Marx, ein
Kabinett jedoch, das mit dem früheren kaum irgendwie
weſens=
verwandt iſt. Auch wenn man ſich nachgerade bei uns an
Regie=
rungskriſen geröhnt hat, wird man doch mancherorts erleichtert
aufatmen, da unſere Gewöhnung an dieſe Dinge ja nicht über
die Gefahren ſolchen Interregnums hinwegtäuſchen kann.
Habemus papam. Die neue Regierung der Rechten unter
Führung des Zentrums iſt da. Ob wirklicher Anlaß zur
Befrie=
digung vorhanden iſt, ſteht jedoch leider noch keineswegs fe..
Das Charakteriſtiſche der neuen Reichsregierung iſt, daß
Zen=
trum und Deutſchnationale die Lage vorerſt völlig zu beherrſchen
ſcheinen. Das Bedenkliche aber iſt, daß einige der neuen Miniſter
außerhalb ihrer eigenen Partei nicht allzu viel Freunde haben,
das Bedenklichſte, daß man es nicht verſtanden hat oder nicht
verſtehen wollte, eine ſo fähige Perſönlichkeit wie den bisherigen
Reichsfinanzminiſter Dr. Reinhold auf ſeinem Poſten zu erhalten.
Man braucht durchaus nicht mit allen Maßnahmen, die der
bis=
herige Reichsfinanzminiſter während ſeiner Amtsdauer getroffem
hat, einverſtanden zu ſein, um trotzdem feſtzuſtellen, daß wieder
einmal einer unſerer fähigſten Köpfe dem Parteiſchacher zum
Opfer gefallen iſt. Das aber iſt in dieſem Falle um ſo
bedenk=
licher, als über die entſcheidende Bedeutung, welche die Führung
unſerer Reichsfinanzpolitik gegenwärtig für das geſamte deutſche
Volk beſitzt, wohl kein Wort verloren zu werden braucht und
wir andererſeits mit neuen Männern auf dieſem Gebiet nicht
immer ſo gute Erfahrungen gemacht haben, wie gerade mit
Herrn Dr. Reinhold. Letzten Endes machen ja doch nicht die
Parteien, ſondern die verantwortlichen Miniſter die Politik —
wenigſtens ſollte es ſo ſein — und wenn man ſich auf die
Per=
ſönlichkeiten hin das neue Kabinett anſieht, ſo erſcheint ein allzu
ſtarker Optimismus leider kaum berechtigt, auch wenn, rein
parla=
mentariſch geſehen, die feſte Mehrheit, die hinter der neuen
Regierung ſteht, Ausſichten auf eine gewiſſe Stabilität unſerer
politiſchen Führung eröffnen körinte. Im übrigen haben ja alle
freundlichen oder unfreundlichen Kommentare im Augenblick nur
einen höchſt beſchränkten Wert, und ſo ſollte man mit ſeinem
Urteil über die neue Reichsregierung verſtändigerweiſe
zurück=
halten, bis ihre Taten eine Handhabe für eine wirklich
ſach=
liche Beurteilung bieten.
Daß die Leitung unſerer Außenpolitik auch weiterhin in den
bewährten Händen Dr. Streſemanns ruht, iſt erfreulich und
be=
ruhigend, und wenn hier und da Befürchtungen laut geworden
ſind, daß der Reichsaußenminiſter ſich bei der neuen
Zuſammen=
ſetzung des Kabinetts nicht in dem gleichen Maße wie bisher
werde durchſetzen können, ſo erſcheinen derartige Befürchtungen
doch wohl kaum gerechtfertigt. Auch wenn man auf dem
Stand=
punkt ſteht, daß papierene Programme nicht das Entſcheidende
ſind, ſo iſt doch die Linie unſerer Außenpolitik ſo feſtgelegt und
auch für die Zukunft klar vorgezeichnet, daß man kaum etwas
daran ändern könnte, ſelbſt wenn man das wollte. Schon dieſer
Wille aber iſt bei der großen Mehrheit der Deutſchnationalen ganz
ſicherlich nicht vorhanden, und es wäre nunmehr wahrlich an der
Zeit, daß die Linke ſich in ihren diesbezüglichen Behauptungem
im Intereſſe des Deutſchen Reiches etwas mehr Zurückhaltung
auferlegen würde. Es ſollte doch eigentlich unſeren
ſozialdemo=
kratiſchen Führern, die ja an einer Verſtändigung mit
Frank=
reich ſtets ein ganz beſonderes Intereſſe gezeigt haben, nicht
gleichgültig ſein, wenn ſie ſehen, wie die franzöſiſche Rechte die
Politik Briands zu ſabotieren verſucht durch die der deutſchen
Linkspreſſe entnommene Behauptung, daß die Deutſchnationalen
eine Verſtändigung mit Frankreich nicht wollten und daß daher
jetzt, nachdem die Deutſchnationalen in die Reichsregierung
ein=
getreten ſeien, eine Fortſetzung der Politik von Locarno, Genf
und Thoiry keinen Sinn mehr habe. Wir wiſſen, daß Herr
Briand und die hinter ihm ſtehenden franzöſiſchen Kreiſe keinen
leichten Stand haben, ihre Auffaſſung in der franzöſiſchen
Kammer durchzuſetzen. Wer wirklich einen deutſch=franzöſchen
Ausgleich wünſcht, wer nicht wünſcht, daß Briand eines Tages
von Poincaré ausgeſchifft wird, hat daher ganz gewiß keine
Ver=
anlaſſung, dem franzöſiſchen Chauvinismus neues „Material”
zu liefern, nur um damit dem innerpolitiſchen Gegner zu ſchaden.
Mit dem 31. Januar verſchwindet endlich jene berüchtigte
interalliierte Militärkontrollkommiſſion aus Deutſchland, und
der Gedanke an eine Räumung der noch immer von den
Fran=
zoſen beſetzten Gebiete, in abſehbarer Zeit, iſt keine abſolute
Utopie mehr. Nicht mehr ganz unbegründet iſt die Hoffnung,
daß auch auf der anderen Seite des Rheins ſich der Gedanke
durchſetzen wird, daß eine deutſih=franzöſiſche Verſtändigung, ein
wirklicher Ausgleich, in Gegenwart und Zukunft unbedingt im
Intereſſe beider Völker liegt. Dabei liegt es auf der Hand, daß
ein ſolcher wirklicher Ausgleich nur dann möglich ſein wird,
wenn unſererſeits ſtets nachdrücklich darauf hingewieſen wird,
daß die Vorausſetzung eines ſolchen Ausgleichs die unbedingte
Verückſichtigung auch unſerer deutſchen Intereſſen iſt. Eine
gewiſſe Unterſtützung erfahren alle diejenigen, die eine
deutſch=
franzöſiſche Verſtändigung anſtreben, möglicherweiſe auch
da=
durch, daß die Wetterzeichen am politiſchen Horizont vielleicht
auch gewiſſen franzöſiſchen Kreiſen eine Beſchleunigung des
bis=
herigen Tempos der Verhandlungen ratſam erſcheinen laſſen.
Die ſtarke Feſtlegung der engliſchen Politik durch die
Entwick=
lung der Dinge in China wirkt ſich auch in Europa aus, und
zwar nicht allein dadurch, daß in Oſtaſien ruſſiſche und engliſche
Intereſſen einander gegenüberſtehen. Erſt in dieſen Tagen haben
engliſche Vertreter in Rom Verhandlungen geführt, und es liegt
keineswegs außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten, daß der
Diktator Italiens eines Tages glaubt, die Feſtlegung der
Eng=
länder in Oſtaſien ſür ſeine Zwecke im Mittelmeer und
insbe=
ſendere im nahen Orient ausnutzen zu können. Schon wollen
Pefſimif en in der lebhaften Bewegung, die zurzeit am Balkan
herrſcht,
Sturmzeichen erblicken. Man braucht aber
Seite 2
Nummer 30
Sonntag, den 30. Januar 1927
durchaus kein berufsmäßiger Peſſimiſt zu ſein, um die
unabſeh=
baren Möglichkeiten zu erkennen, die ſich durch ein etwaiges
Eingreifen Rußlands unter Umſtänden eröffnen würden. Alles
das liegt gewiß noch im weiten Feld, und es liegt keine
Veran=
laſſung für uns vor, den Kopf hängen zu laſſen. Wenn während
des Weltkrieges mit Recht geſagt wurde, daß die Zeit gegen uns
arbeite, ſo darf man jetzt wohl mit dem gleichen Recht ſagen, daß
jetzt die Zeit für uns arbeitet — wenn wir ſelbſt auch für uns
arbeiten! Unſere Aufgabe iſt es, mit allen Mitteln an unſerer
inneren und äußeren Feſtigung zu arbeiten, damit nicht bei
kommenden Auseinanderſetzungen anderer Völker deutſche Inter=
M.
eſſen zum Tauſchobjekt der anderen werden.
Franzöſiſche Politik.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 29. Januar.
Das Expoſé Poincarés vor der Finanz=Kommiſſion der
Kammer wird im allgemeinen als ein Erfolg des
Miniſterprä=
ſidenten gewertet; denn es gelang ihm glänzend, den verborgenen
Angriffen der Oppoſition die Stirn zu bieten. In Wirklichkeit
iſt, wie aus den Kommentaren der Preſſe und den Anſichten der
politiſchen Kreiſe klar hervorgeht, aus dem Expoſé Poincarés
niemand klug geworden. Trotz ſeiner großen Sachlichkeit hat
er nichts von ſeinen Plänen verraten. Dasſelbe Warten auf
eine Ueberraſchung, auf Stabiliſierungsmaßnahmen, über die
niemand näheres weiß, charakteriſiert auch weiter die franzöſiſche
Innenpolitik.
Ein drückendes Problem iſt die Teuerung geworden. Handel
und Induſtrie können ſich nicht entſchließen, ihre Preiſe den
Weltmarktpreiſen und normalen franzöſiſchen Verhältniſſen
an=
zupaſſen. Ein Teil der Interpellationen und der
vorausſicht=
lichen Kammerdehatten wird ſich daher mit der Teuerung
be=
faſſen.
Die deutſchen Ereigniſſe beſchäftigen noch immer ſehr
ein=
gehend die franzöſiſche Oeffentlichkeit. Von allen parteiiſch
be=
dingten Einſtellungen abgeſehen, dringt aber die Meinung, und
nicht nur in den außenpolitiſch geſchulten Kreiſen, durch, daß auf
die deutſche Außenpolitik innenpolitiſche Verſchiebungen keinen
Einfluß ausüben werden. Dazu kommt auch noch, daß über die
Verhandlungen der Reſtpunkte ziemlich optimitiſche Nachrichten
verlauten. Mit einiger Beunruhigung beurteilt man aber jetzt
wieder die Fragen des deutſch,franzöſiſchen wirtſchaftlichen
Aus=
gleiches. In den letzten Tagen gingen ſogar Gerüchte um über
ein unvermeidliches Auseinanderfallen des Stahlkartells. Auch
über andere, länger verfolgte Pläne urteilt man jetzt etwas
peſſimiſtiſcher.
Für die franzöſiſche Außenpolitik wird die Abneigung gegen
die Sowjets immer charakteriſtiſcher. Nicht einmal die zwiſchen
Frankreich und Rußland beſtehenden wirtſchaftlichen und
finan=
ziellen Probleme können die kühle und ablehnende Haltung des
Quai d Orſay Rußland gegenüber verſtändlich machen. Die
fran=
zöſiſche Politik am Balkan, ebenſo wie die ruſſiſche Politik in
Aſien und in Afrika, birgt zwar mannigfachen Konfliktſtoff in
ſich, aber trotzdem kann man die Auffaſſung nicht unterdrücken,
daß in erſter Linie die ungeeignete perſönliche Politik der
Sow=
jets dieſen Zuſtand hervorruft, weil die franzöſiſche Rußland=
Politik noch lange nicht feſtgelegt iſt. Es gehört aber zu der
Eigenart der neuen ruſſiſchen Diplomatie, daß in ihr einzelne
politiſche Perſönlichkeiten an keinem Punkte einen entſcheidenden
Einfluß ausüben können, in Frankreich aber legt man auf die
perſönliche Politik von jeher großes Gewicht. Die Tatſache, daß
die Sowjets keine ſolchen Politiker beſitzen, die dazu geſchaffen
ſind, ſich mit den Franzoſen zu verſtändigen, übt unbedingt auf
das Verhältnis zwiſchen Paris und Moskau einen äußerſt
un=
günſtigen Einfluß aus. In den franzöſiſchen Wirtſchaftskreiſen
klagt man immer mehr, daß alle ſich auf Nußland beziehenden
Pläne auf ſchier unüberſindbare Hinderniſſe ſtoßen.
Zur Auſlöſung der J. M. K.
Berlin, 29. Januar.
Gemäß den in Genf getrofſenen Vereinbarungen wird die
Tätiyleit der Interalliierten Militärkontrollkommiſſion bis zum
31. Januar einzeſtellt und die Kommiſſion Berlin verlaſſen.
Wie wir erfahren, will die J.M.K. die Einſtellung ihrer
Tätig=
keit durch ein beſonderes Schreiben der Reichsregierung
mittei=
len. Die Erledigung etwaiger Reſtpunkte bleibt den
Militär=
attaches der alliierten und aſſoziierten Hauptmächte überlaſſen.
Dabei muß beſonders betont werden, daß es ſich nicht um ein
Gremium handelt, das beſtimmte Beſchlüſſe faſſen und der
deut=
ſchen Regierung übermitteln kann. Die Militärattachés, die den
Berliner diplomatiſchen Vertretungen zugeteilt ſind, können
lediglich ihren Regierungen Bericht erſtatten. Die
Verhand=
lungen haben auf dem üblichen diploma iſchen Wege
ſtattzufin=
den. Demgemäß tritt auch die Heeresfriedenskommiſſion am
1. Februar in Liquidation.
Vom Tage.
Das Berliner Zentrumsorgan „Die Germania” will wiſſen, daß
beabſichtigt ſei, in abſehbarer Zeit einen Wechſel auf dem
Poſten des Vertreters der Reichsregierung in
Mün=
chen eintreten zu laſſen. Wie wir von der Mäinchener Vertretung
des Reiches erfahren, iſt davon bisher nichts bekannt.
Der bisherige Reichsbanner=Vorſitzende des Gaues
Berlin=Brandenburg Krick iſt krankheitshalber zurückgetreten.
An ſeiner Stelle iſt Staatsminiſter a. D. Landrat Siering getreten,
Der bisherige Kaſſierer Ahrens iſt wegen Unregelmäßigkeiten
ſeines Poſtens enthoben worden.
Hofprediger Dr. Doehring hat ſein Amt als Präſident des
Evangeliſchen Bundes niedergelegt. Die Leitung übernimmt
vor=
läufig Vizepräſident Geh. Konſiſtorialrat Prof. Dr. Hermann Scholz
in Berlin.
Die Kattowitzer Zeitung, ſowie der ſozialdemokratiſche
Volkswille ſind von der Polizeidirekrion wegen eines Artikels über
die Angelegenheit Lukaſchek beſchlagnahmt worden.
Der Sofioter Korreſpondent der „Politica” meldet, der Präſident
des revolutionären mazedoniſchen Komitces, Genexal
Protoge=
roff, ſei ermordet worden.
Nach einer offiziellen Mitteilung wird die belgiſche
Feld=
eiſenbahn=Kontrollkommiſſion, die ihren Sitz in
Wies=
baden hat, am 31. März aufgelöſt werden.
Die Führer der Kantoneſer Regierung haben
beſchloſ=
len, die Beſtände des Kantoneſer Heeres auf 500 000
Mann zu erhöhen, da dies durch die große Ausdehnung der Front
notwendig geworden ſei.
Wie verlautet, ſoll der japaniſche Botſchafter in Parſis
Baron Ifhii demnächſt nach Japan zurückkehren. Als ſein
vorausſichtlicher Nachfolger gilt der Geſandte in Brüſſel Adatoi.
Ein ſeltſames Urteil.
Der Haager Gerichtshof verwirft die deutſche Theſe
über die Entſchädigungszahlungen an Auslandsdeutſche
Vor dem Haager Schiedsgericht hat vom 21. bis 26. Januar
eine Verhandlung ſtattgefunden, die einen Streit zwiſchen der
deutſchen Regierung und der Reparationskommiſſion über die
Auslegung des Dawesplanes entſcheiden ſollte. Sie hat bei uns
wegen der Regierungstriſe nur geringes Intereſſe gefunden,
ob=
vohl dieſe Frage für die Geſtaltung des deutſchen
Haushalis=
planes und das Schickſal unſerer Auslandsdeurſchen von
aus=
ſchlaggebender Bedeutung iſt. Der Tatbeſtand, über den wir
be=
reits wiederholt geſchrieben haben, iſt jurz der, ob die von Deu
ſch=
land zu leiſtenden Entſchadigungszahlungen an die durch die
Be=
ſchlagnahme ihres Eigentums in den ehemaligen
Feindbundlän=
dern geſchädigten Deutſchen in den jährlichen Daweszahlungen
enthalten ſeien oder von Deutſchland daneben her zu zahlen ſeien.
Die deutſche Regierung ſteht beianntlich auf dem Standpunkt,
daß dieſe Entſchädigungsſummen in den Daweszahlungen
ent=
halten ſeien, da dieſe die Geſamtſumme der von Deutſchland
jährlich zu leiſtenden Reparationen, Rückerſtattung aller Koſten
der Beſatzungstruppen, Zahlungen auf die Ausgleichstontos uſw.
umfaßten. Die Entſchädigungsſumme für dieſe Forderungen der
Auslandsdeutſchen beläuft ſich buchmäßig auf über 9 Milliarden
von denen bisher noch nicht 4 Prozent bezahlt ſind. Das Hagger
Schiersgericht hat nun am Samstag nachmittag, ſoweit wir das
aus einem kurzen Telegramm erſehen, gegen die deutſche
Auf=
faſſung entſchieden. Man wird aber erſt das ausführliche Urteil
mit Begründung abwarten müſſen, bevor ſich die Folgerungen
für unſeren Haushalt und für die Auslandsdeutſchen in vollem
Umfang überſehen laſſen.
Die Entſcheidung lautet wie ſolgt: Die nach dem
Sachder=
ſtändigenplan an den Generalagenten für Neparationszahlungen
geleiſteten Jahreszahlungen umfaſſen nicht die Entſchädigung,
die das Deutſche Reich an die Reichsangehörigen wegen der
Einbehaltungen, Liquidationen oder Uebertragungen der
deut=
ſchen Güter, Rechte und Intereſſen in Ausführung des
Ver=
ſailler Vertrages nach dem 1. September 1924 gezahlt hat oder
bezahlen wird.
DerBeginn des Wahlkampfes im Memelgebiet.
Memel, 29. Januar.
Die Zuſage des litquiſchem Miniſterpräſidenten,
Wolde=
maras, während des Wahlkampfes werde es der Preſſe erlaubt
ſein, zu ſchreiben, „wie es nötig ſei”, findet ſich in einem
Leit=
aufſatz des „Memeler Dampfbootes” eigenartig verwirtlicht. In
dieſem Aufſatz, der gewiſſermaßen als Auflakt des Wahlkampfes
angeſprochen werden kann, finden ſich nicht weniger als drei
er=
hebliche Zenſurlücken, die befehlsgemäß durch allerhand Anzeigen
ausgefüllt worden ſind. Trotz dieſer Lücken iſt aus dem Artikel
zu erſehen, daß das Memelland mit größter Zuverſicht in den
Kampf hineingeht, der ihm aufgezwungen worden iſt.
*Das Ende eines berühmten Londoner
Theaters.
A.B. London, 26. Januar.
Mii dem Hingang des Empire=Theaters, das geſtern ſeine
Pſorten ſchloß, um niedergeriſſen und als Luxuskino neu
auf=
gebaut zu werden, iſt ein Kapitel Londoner Theater= oder
viel=
mehr Sittengeſchichte zu Ende gekommen. Als Varieté
unter=
ſchied ſich das Empire nicht ſonderlich von anderen Londoner
„Muſical Halls”, von der Alhambra, dem Palace oder dem
eben=
falls inzwiſchen eingegangenen Oxford. Aber das Empire war
mehr als eim Varieté. Es war der anerkannte Jagdgrund der
inzernationalen Lebewelt, die zwiſchen 8 und 12 Uhr abends die
Gegend von Piccadilly Cireus, Leiceſter Square und
Shaftes=
bury Avenue zum Schauplatz ihrer Operationen macht. Der
Aus=
länder, der Provinzler, der nach London kam, mußte das Empire
geſehen haben, wie er die Weſtminſter=Abtei oder den Tower
geſehen haben mußte.
Wenn die jungen Ofſizier aus Alderſhot und Colcheſter und
die Studenten aus Oxford oder Cambridge nach London kamen,
9 gehörte ein Beſuch des Empire ganz ſelbſtverſtändlich zum
Pregramm. Dabei war es ſtrikter Komment, erſt dann in dem
uenrioſen Theater am Leiceſter Square zu erſcheinen, wenn die
Stimmung nach einem ſolennen Diner bereits ſtark
vorgeſchril=
ten ſwar. Die Herren benahmen ſich dann in ihren Logen
mog=
lichſt geräuſchvoll und griffen in die Vorgänge auf der Bühne
mit Zwiſchenrufen und zuweilen mit Zwiſchenwürfen aktib ein,
ohne indeſſen mit dieſen Manifeſtationen überſprudelnden
Le=
bensdrangs ſonderlich Anſtoß zu erregen. Die Aufrechterhaltung
eines lebhaften Koniakts zwiſchen Bühne und Zuſchauerraum
wurde im Empire nicht nur geduldet, ſondern ſogar erwartet.
Rur wenn der jugendliche Uebermut der Beſu
drei der berühmten „Janitſcharen”
des Emdire: Rieſen in himmelblauer Livree, mit ſchillerndem
Treſſenbeſatz, die mit ausgeſuchter Höflichkeit die
überſchäumen=
den Eeiſter nicht um Ruhe baten — bewahre! — aber doch um
eine gewiſſe Abdümpfung ihrer Knalleffekte. Erſt, wenn alle
ditlomatiſchen Ueberredungskünſte ſich als wirkungslos erwieſen
u7 die Voclſprüng: der jungen Vollbluthengſte gar zu wild
wurden, legien die Janitſcharen ſanft die Kandare an und
führ=
ten die Wideripenſtigen hinaus an die Abendluft. Die Galerie
nannte die muskelgewaltigen Türhüter des Empire denn auch
nicht Janitſcharen, ſondern mehr realiſtiſch Rausſchmeißer.
Das Empire hat eine bewegte Geſchichte hinter ſich. Es
be=
gann um die Mitte des vorigen Jahrhunderts als eine für die
damalige Zeit hochmoderne hauptſtädtiſche Rummelbude, in der
ſich vor einem verehrten Publiko dreſſierte Flöhe, Rieſendamen,
muſizierende Nigger, Kraftmenſchen, dumme Auguſte und kluge
Hunde produzierten. Zum Varietétheater im heutigen Sinne des
Wortes entwickelte ſich das Empire dann nach einem Brand und
teilweiſen Umbau um die Mitte der achtziger Jahre. Später
ver=
legte es ſich beſonders aufs Ballett und Ausſtattungsſtücke. Auf
der Höhe ſeines Ruhmes ſtand das Theater in den Jahren kurz
vor Kriegsausbruch. Seitdem war es allmählich in Verfall
ge=
raten, nicht als Gebäude, auch nicht als Schaubühne, aber als
Inſtitution und Verkörperung einer Tradition. In den letzten
Jahren war das Empire eine Revueſtätte wie viele andere.
Berüchtigt war die „Promenade” des Empire. Sie war das
anerkannte Stelldichein der Vollwelt und der Halbwelt, und für
viele der eigentliche Anziehungspunkt des Theaters, neben dem
die Vorſtellung auf der Bühne nur in zweiter Linie in Betracht
kam. Die Promenade wurde ſchließlich zum öffentlichen Skandal,
gegen den Puritaner und Sittenreformatoren Sturm liefen.
Im Jahre 1915 erſchien die Vorſitzende eines Sittlichleitsvereins,
Mrs. Ormiſton Chant, mit einem Gefolge ihrer Anhänger in der
Promenade und hielt eine flammende Anklagerede gegen die
ver=
ſammelten Sünder und Sünderinnen. Im Anſchluß daran
zer=
trümnerte ſie mit einem Hammer Spiegel, Champagnerflaſchen,
Gläſer, Blumenvaſen und alles, was ſich in Stücke ſchlagen ließ.
Das war das Ende der Promenade. Sie wurde polizeilich
ver=
boten. Freilich war der Sieg der Sittenreiniger nr ein
ſchein=
barer, denn dem Laſter kann man mit dem Hammer nicht
bei=
kommen. Es verlegte ſein Quartier.
Das Empire war die Stätte mancher Galavorſtellung zu
Chren ausländiſcher Herrſcher, zumal der mehr exotiſchen
Poten=
taten. Wenn der deutſche Kaiſer oder der König von Spanien
oder der Präſident von Frankreich nach London kam, ſo gab man
wohl als Feſtvorſtellung ein Drama in einem der Londoner
Schauſpielhäufer. Aber wenn der Schah von Perſien oder der
König von Baſutoland oder der Gäkwar von Baroda kam, ſo war
Las Empire die gegebene Bühme. Man erzählt ſich eine
ergötz=
liche Geſchichte von einem Beſuch des Schahs. Die Direktion des
mbire hate, einem Wink des Hofmarſchallamts folgend, ein
Programm aufgeſtellt, in dem vor allem der Humor auf ſeine
Rechnung kommen ſollte. Aber der hohe Herr ſaß in ſeiner Loge
Sie Thuringer Tanviagswagien.
Im Zeichen der Kriſe und Regierungsbildung im Reiche.
* Weimar, 29. Januar. (Priv.=Tel.)
Der heutige Sonntag, der 30. Januar 1927, bringt im Lande
Thüringen Wahlen zum Landtag. Dieſe Wahlen dürften im
ganzen Reiche inſofern von einiger Bedeutung ſein, weil ſie
zu=
nächſt zeitlich mit der Bildung der Regierung im Reich
zuſammen=
fallen und darüber hinaus insbeſondere deshalb, weil die
bis=
herige Thüringer Regierung in gewiſſem Sinne eine Art
Vor=
läufer derjenigen Kabinettskonſtellation darſtellt, wie ſie ſich jetzt
im Reich in Bildung befindet. Bei den letzten Wahlen zum
Thüringer Landtag konnte der ſogenannte Ordnungsblock,
be=
ſtehend, aus allen bürgerlichen Parteien einſchließlich
Demo=
kraten und Zentrum, Wirtſchaftspartei und Landbund, einen
großen Erfolg erzielen. Er zog mit 35 von 72 Sitzen in den
Landtag ein und ſtellte die Regierung. Der diesmalige
Wahl=
kampf geht um das Verbleiben dieſes Ordnungsblocks in der
Regierungsvormacht. Allerdings haben ſich Demokraten, Sparer
und insbeſondere die Wirtſchaftspartei diesmal vom Block
ge=
trennt und gehen mit eigenen Liſten in die Wahl; doch hat ja
der Reſtbeſtand der Einheitsliſte gerade dadurch eine erhöhte
Aehnlichkeit mit der Berliner Koalition der bürgerlichen
Mehr=
heit. Eine beſondere Rolle ſpielt allerdings im Thüringer
Ord=
nungsblock der Thüringiſche Landbund, der aber, nach
Reichs=
verhältnifſen gerechnet, in großen Teilen den Deutſchnationaien
beizurechnen iſt. Es ſtehen alſo die Einheitsliſte, die Liſte der
Wirtſchaftspartei, die beiden völkiſchen Liſten (Nationalſozialiſten
und Völkiſche gehen diesmal getrennt vor), ferner die
Demo=
kraten, die Sparer, die Sozialdemokraten und die beiden
kom=
muniſtiſchen Liſten (von der eigentlichen K. P. D. hat ſich ein
gemäßigterer Flügel unter dem Namen „Kommuniſtiſche
Arbeits=
gemeinſchaft” losgelöſt) vor der thüringiſchen Wählerſchaft.
Ein=
heitsliſte, Wirtſchaftspartei und die beiden völkiſchen Liſten haben
ſich gegenſeitig Liſtenverbindung geſichert, desgleichen
Demokra=
ten und Sparer. Die Reſtſtimmen dieſer beiden Gruppen können
alſo einige Bedeutung erlangen. Die Kommuniſtiſche
Arbeits=
gemeinſchaft wird wahrſcheinlich überhaupt nicht zur Geltung
kommen; ihre Unterzeichner wollten vorgeſtern die Liſte wieder
zurückziehen. Da dem nicht ſtattgegeben werden konnte, werden
alſo höchſtwahrſcheinlich die eventuellen Anhänger dieſer Liſte
ſich auf die Sozialdemokratie und teilweiſe auch auf die
Kommu=
niſten verteilen.
Im bisherigen Landtag hatte die Einheitsliſte 35 Mandate,
die Völkiſchen (vereinigt) 7, die Sozialdemokraten 17 und die
Kommuniſten 13 Sitze. Gewählt wurde zum letzten Male am
10. Februar 1924. Später hat es noch Reichstagswahlen
ge=
geben, und zwar im Mai und im Dezember 1924. Die
Abſtim=
mungen über Volksbegehren und Volksentſcheid ließen weniger
Vergleiche gegenüber den Reſultaten der Landtagswahlen zu.
Bei den Dezemberwahlen zum Deutſchen Reichstag erlangten die
Parteien der Einheitsliſte 368100 Stimmen gegenüber 422250
bei den Landtagswahlen; die Völkiſchen verloren gegenüber
ihrem Beſtand bei den Landtagswahlen von 81500 Stimmen
rund 37 000 Stimmen. Die Demokraten wieſen bei den
Reichs=
tagswahlen am 7. Dezember 1924 einen Stimeenbeſtand von
43000 aus. Die Sozialdemokraten hatten im Dezember 1924
gegenüber den im Februar erzielten 210 000 Stimmen einen
Zu=
wachs von 40000 Stimmen verzeichnen können, während die
Kommuniſten die Leidträger dieſes Mehr geweſen waren, da ſie
im Dezember bei den Reichstagswahlen von 162 000 Stimmen
im Februar nur 108 000 behielten.
Der Ausfall von drei Wählergruppen aus dem Block wird
nun einigermaßen dadurch abgeſchwächt, daß bis auf die
Demo=
kraten und Sparer andere Gruppen, nämlich Wirtſchaftspartei
und diesmal auch die Völkiſchen durch die oben erwähnte
Liſten=
verbindung in einer gewiſſen Fühlung mit dem Block bleiben.
Man wird annehmen dürfen, daß die noch verbleibenden
völki=
ſchen Abgeordneten im neuen thüringiſchen Landtag die
Block=
politik, falls ſie ſich erneut durchſetzen kann, unterſtützen werden,
ebenſo die Wirtſchaftspartei, die eventuell in größerem Umfange
an der Regierungsarbeit wird beteiligt werden müſſen. Es
könnte eventuell auf die Demokraten ankommen, wenn die
aus=
geſprochenen Linksparteien auf Grund der augenblicklichen
Wirt=
ſchaftslage geringe Erfolge erzielen ſollten. Da aber die
Kom=
muniſten für eine Regierungsbildung nicht in Frage kommen
und eine ausgeſprochene Mitte infolge der Blockbildung auf der
Nechten unter Einſchluß von Volkspartei und Zentrum nicht
beſteht, ſo muß eigentlich, mag die Wahl ausfallen, wie ſie will,
die Nachfolgerin der Blockregierung eine neue Blockregierung
fein, verſtärkt höchſtens durch Wittſchaftspartei und Demokraten.
und verfolgte die luſtigen Vorgänge auf der Bühne mit einem
Geſicht, wie es Napoleon nach der Schlacht von Waterloo gemacht
haben mag. Auch nicht die leiſeſte Andeutung eines Lächelns.
Eine tolle Nummer jagte die andere. Der Schah geruhte nicht,
auf ihren Humor zu reagieren. Die ganze unerforſchliche
Paſſi=
pität des Orients brütete auf ſeiner ſtarren Maske. Die Direktion
war verzweifelt. Die Vorſtellung drohte ein verheerendes Fiasko
zu werden. Sogar Dan Leno, der Fürſt der engliſchen Komiker,
verſagte völlig vor dieſem aſiatiſchen Rätſel. Vergeblich ließ ei
alle Regiſter ſeiner bewährten Kunſt ſpielen, den Marmorzügen
des Perſers ein Lächeln zu entlocken. Sie blieben kalt und
ab=
weiſend. Man gab die Hoffnung auf. Da trat in einer
Neben=
rolle der verhältnismäßig unbekannte Komiker Sam Elton auf.
Er mimte einen ungeſchickten Kellner und ließ als ſolcher einen
Teller klirrend zu Boden fallen. Und ſiehe, das kaum noch
Erwar=
tete trat ein. Der zerbrochene Teller war der Schüſſel zum
per=
ſiſchen Sinn ſür Humor. Der Schah lachte aus vollem Halſe. Die
Beklemmung wich. Das Haus atmete auf. Sam Elton
wieder=
holte den Trick. Er ließ einen Teller nach dem anderen fallen,
Der Schah wand ſich in Lachkrämpfen. Man ſchaffte aus den in
der Nähe gelegenen Hotels alles verfügbare Porzellangeſchirk
heran und ließ es von Sam Elton auf der Bühne in Stücke
ſchmeißen. Die unbändige Heiterkeit des Schahs wirkte anſteckend.
Durch das Theater raſten Lachſtürme, während ſich auf der Bühne
die Scherben zu Haufen türmten. Der Schah vergaß alle Majeſtal
und wälzte ſich vor Luſt. Nach dem Schluß der Vorſtellung ließ
er Sam Elton in ſeine Loge kommen und überreichte ihm den
perſiſchen Löwenorden mit Schwertern. Dan Leno ging leer aus.
De gustibus non est disputandum.
Die geſtrige Schlußvorſtellung im Empire verlief
traditions=
gemäß. Man gab die Revue „Lady, be good!” Aber die eigenl
liche Vorſtellung gaben nicht die Schauſpieler, ſondern die
Zu=
ſchauer. Der Prinz von Wales tanzte in ſeiner Loge mit ſeinem
Bruder, dem Prinzen Henry, den Charleſton. Aus einer anderen
Lege hielt eine Dame eine Anſprache, die niemand verſtand. Die
Janitſcharen drückten beide Augen zu und beteiligten ſich an
de=
allgemeinen Luſtigkeit. Nach Schluß der Vorſtellung gab es eine‟
Sturm auf Souvenire. Was nicht niet= und nagelfeſt war, wuroe
mitgenommen.
Badiſches Landestbeater Karlsruhe. Intendant Dr. Hans Waag
hat das neue Drama „Thomas Paine” von Hans Joſt zur Uratzn
führung für Monat März erworben.
und
ben ie
Nummer 30
Sonntag, den 30. Januar 1927
Geite 3
Griechiſche Schwierigkeiten.
Die Koalition des Kabinetts Zaimis vor dem
Auseinanderfallen.
EP. Athen, 29. Januar.
Die ſchwierige Lage des Kabinetts Zaimis hat ſich in den
letzten Tagen nicht günſtiger geſtaltet, und man rechnet ſtündlich
niit einem Ende der beſtehenden Regierungskoalition. Den
Brennpunkt der Schwierigkeiten ſtellt die Beſpitzelung aktiver
nionarchiſtiſcher Miniſter durch das Politiſche Bureau des
Armeekorps in Athen dar. Das Politiſche Bureau
miß=
hrauchte ſeine Eigenſchaft als militäriſche Iuformationsſtelle,
weshalb die Monarchiſten die Dienſtentſetzung des
Korpskom=
mandanten, des Leiters des Politiſchen Bureaus und des
Bureauchefs ultimativ fordern. Die Republikaner verweigern
diie Erfüllung dieſer Forderung, weshalb man mit dem baldigen
Rücktritt des Innenminiſters Tſaldaris, des
Wirtſchaftsmini=
i ers Merkuris und des Unterrichtsminiſters Arghyros rechnet.
wierdurch würde die ſchwer errungene Koalition zerſchlagen und
äne neue politiſche Kriſe eintreten, die angeſichts des
Gleich=
gewichtszuſtandes zwiſchen Nepublikanern und Monarchiſten
weittragende Folgen haben könnte.
Zum Siurz des jugoſlawiſchen Kabinet s.
* Belgrad, 29. Januar. (Eig. Meldung.)
Der Rücktritt des Kabinetts Uzunowitſch hat von neuem die
unhaltbaren innerpolitiſchen Verhältniſſe enthüllt, die in Jugo=
—awien in der letzten Zeit chroniſch geworden ſind. Die
Spannung zwiſchen der radikalen Partei und der kroatiſchen
Raditſch=Partei hat ſich immer mehr verſchärft, ſo daß bereits
ſeit langem eine neue Regierungskriſe befürchtet wurde. Der
Borgang, der zum Rücktritt des Kabinetts führte, hat ſich
fol=
gendermaßen abgeſpielt: Bei der Wahl für zwei zur Beſetzung
gelangende Stellen in der Direktion der Kriegsſchädenverwaltung
ſend die von der radikalen Partei aufgeſtellten Kandidaten
durch=
gefallen, weil eine Forderung der Raditſch=Partei, auch ein Mit=
Alied dieſer Partei zuzulaſſen, von den Radikalen abgelehnt
wor=
en war. Die Naditſch=Partei ſtimmte infolge dieſer Ablehnung
geſchloſſen gegen die Kandidaten der Radikalen. Da dieſe bei
h er Abſtimmung gleichfalls nicht einheitlich vorgegangen waren
nind ein Teil der Partei Stimmenthaltung übte, fielen ihre
Kan=
idaten durch, während die Kandidaten der Oppoſition gewählt
wurden. Hierauf beſchloß das Kabinett, dem König das Rück=
„nittsgeſuch zu überreichen. Dies war jedoch bloß der Vorwand,
drie Urſache liegt viel tiefer und hängt mit der Uneinigkeit der
breiden Regierungsparteien zuſammen.
Es iſt erinnerlich, daß die Radikalen bei der am letzten
Sonntag ſtattgefundenen Provinzialratswahl eine Niederlage
er=
hitten haben. Die kroatiſche Bauernpartei, die von Raditſch
ge=
ikührt wird, macht aus ihren großen Gegenſätzen gegen die
Radi=
nalen keinen Hehl und bekämpft ſie bei jeder Gelegenheit, obwohl
iie ſelbſt in der Regierung ſitzt. Nach der Wahl hat der
Partei=
nführer Raditſch eine verſtärkte Rede=Propaganda gegen die
Radi=
alen begonnen. Die Gegenſätze beziehen ſich in erſter Linie auf
ſoie Schulpolitik. Aber auch in der Frage der
Kriegsſchäden=
werwaltung, über die die Regierung geſtürzt iſt, ſind von Raditſch
ser Regierung ſeit langem dahingehende Vorwürfe gemacht
wor=
en, daß in dieſer Verwaltung große Korruption und
Protek=
uionswirtſchaft herrſche. Raditſch beabſichtigte deshalb, einen
WVertreter ſeiner Partei zur Kontrolle in die Direktion zu bringen.
Der König empfing heute vormittag den Führer der
Krog=
niſchen Bauernpartei Stephan Raditſch und den Führer der
Demokraten Davidowitſch, die ſich beide für die Bildung einer
Konzentrationsregierung und gegen eine Auflöſung der
Skup=
ſchina aus außenpolitiſchen und wirtſchaftlichen Gründen
aus=
prachen. Man rechnet in einzelnen politiſchen Kreiſen noch mit
wer heutigen Löſung der Regierungskriſe.
Sriedensverhandlungen in Nicaragua — Neue
Verhand=
ſlungen über die Abänderung des Panama=Vertrages.
New York, 29. Januar.
Admiral Latimer iſt in Managua eingetroffen und hatte eine
ange Unterredung mit dem amerikaniſchen Geſchäftsträger, über
Seren Inhalt aber nichts bekannt wurde. Dagegen teilt das
SStaatsdepartement mit, daß die
Friedensverhand=
ſungen zwiſchen Liberalen und Konſervativen
Im Gange ſeien, lehnte es aber ab, die Grundlagen dieſer
Ver=
ſchandlungen bekannt zu geben. Gleichzeitig beſtätigte das
Staats=
wepartement, daß neue Verhandlungen über die
Ab=
ſänderung des Panamavertrags, der durch das
Par=
llament von Panama ratifiziert wurde, im Gange ſeien. Die
leAlbänderungen beträfen aber angeblich nur Nebenſächlichkeiten.
*Heſſiſche Opern=Sorgen.
Es beſteht Gefahr, daß ſich die perſönliche Kriſe, unter der
ſoas Heſſiſche Landestheater leider immer noch ſteht, ſich
beſon=
ſoers fühlbar für die Oper auswirken kann.
Von jeher und unter beſonderer Fürſtengunſt war das
Darm=
tädter Theater eine Pflege= und Nuhmesſtätte der Oper. Her=
Sorragende Dirigenten mit immer vorzüglichen Orcheſtern haben
ſier gewirkt, bekannte Sängerinnen und Sänger nahmen von
ſSier aus ihren Aufſtieg zur Weltberühmtheit, Maſchinenmeiſter
ſund Regiſſeure von hier machten Schule, manche Meiſteroper Veranſtaltungen des Realgymnaſiums hielt Herr Studienrat
ſerhielt in Darmſtadt ihre Taufe oder ihre vorbildliche Geſtaltung.
EAuch das Publikum ſtand trotz Zeiten ausgezeichneter
Schau=
lipielleiſtungen immer wieder gern auf der Seite der Oper, die
lühr Liebling blieb. Der Stolz der Darmſtädter Oper war und
ſiſt ein gutes Enſemble unter beſter Leitung; keine Spitzenleiſtun= wird ſich klar darüber ſein, daß eine Kultur, die ſolche Blüten ge=
ſggen, ſondern vollendete Geſamtleiſtungen.
ſcurch den Weggang unſeres Generalmuſikdirektors. Die ſteile letzlichkeit ihres ſtofflichen Gebildes erklärt — verloren gegangen,
Entwicklung dieſes außergewöhnlich begabten Muſikers und
hin=
reißenden Dirigenten, die fähig war, faſt alle ſeine anfänglichen hierfür zwei Quellen: einmal die italieniſche Malerei, die, obwohl
GBegner zu entwaffnen, haben wir miterlebt und bedauern aufs
Ulebhafteſte, daß Joſef Roſenſtock uns verläßt, ſo ſehr wir uns
ſſeines weiteren Aufſtiegs freuen, den wir mit Intereſſe ver=
efolgen werden.
ſchnell zu finden, ſo wird der Beſtand einer guten Oper noch ihrer Darſtellung allen Gebieten antiken Lebens entlehnt, eine
ſſtärker in Frage geſtellt werden, wenn ein Intendantenwechſel
ſchinzukommen ſollte.
Ernſt Legal hat in der vorigen und beſonders in der
jetzi=
ſgen Spielzeit bewieſen, daß er der Oper das regſte Intereſſe
ſentgegenbringt. Er iſt ſelbſt eine muſikaliſche Natur; er hat ein
erz, ja eine beſondere Liebe für die Oper. Die Spielpläne
be=
eigen (s. Da ſind obenan die deutſchen Meiſter der Klaſſik des „Palaſtſtils”, ſo genannt nach den Fundſtätten in den
Pa=
uund Romantik: Gluck, Mozart, Beethoven, Weber, Marſchner,
SSſöner. Lon Fremden hauptſächlich Verdi, wie es ſich gebührt, die Eigenſchöpfung griechiſcher Kunſt, ſich in einem neuen
Deko=
mausgewählt. Dazwiſchen die beſten Operetten und neuerdings
ſimmer mehr Tanz und Ballett. So iſt’s richtig, vielſeitig und metriſchen Ornamentik des Vaſendekors jener Frühzeit herleitet,
rreich an Abwechſlung. Aber auch ſelbſttätig widmete ſich der
ſwaren immer die beſten: „Orpheus”, „Fidelio”, „Don Giovanni” derts zum „ſchwarzfigurigen Stil” auskriſtalliſiert. Dieſer,
un=
werdanken ihr künſtleriſches Gepräge außer Roſenſtock vorwiegend
Franzöſiſche Oefenſio=Maßnahmen.
Ein Milliarden=Projekt.
EP. Paris, 29. Januar.
Der der republikaniſch=demokratiſchen Union angehörende
Abgeordnete Miſſoffe hat ein Projekt über die Defenſiv=
Organi=
ſation der franzöſiſchen Grenzen ausgearbeitet, das er heute der
Armeekommiſſion der Kammer vorlegte. Dieſer Plan zerfällt in
drei Teile:
1. Allgemeine nichtmilitäriſche Ausrüſtung, beſtehend aus
Eiſenbahnlinien, Straßen, Telephon=Verbindungen, Kraftnetzen
und Flugplätzen, wofür mehrere Milliarden mit der Begründung
gefordert werden, daß es ſich um Arbeiten von allgemeinem
In=
tereſſe handele.
2. „Ausrüſtung der Schlachtfelder”, unter welcher
Bezeich=
nung der Entwurf die den taktiſchen Bedürfniſſen entſprechende
Vorbereitung des Geländes durch Schaffung von Stichbahnen,
Verladeanlagen, Schieß= und Lagerplätzen, Material= und
Muni=
tionsdepots zuſammenfaßt.
Der Berichterſtatter der franzöſiſchen Armee=Kommiſſion hat in
der Kammer einen Geſetzentwurf befürwortet, der für
Kriegs=
zeiten die Mobiliſierung aller Franzoſen, Männer
und Frauen jeden Alters, vorſieht — derſelbe Paul
Boneour, der gleichzeitig Sozialiſt und
Ver=
treter Frankreichs beim Völkerbund iſt.
3. Die eigentlichen Feſtungsanlagen, Einrichtung miteinander
in Verbindung ſtehender befeſtigter Punkte, wofür 5—6
Milliar=
den ausgeworfen werden ſollen.
Alle dieſe Arbeiten ſollen nach dem Wunſche des
Antrag=
ſtellers unverzüglich in Angriff genommen und auf etwa zehn
Jahre verteilt werden. Sie ſollen als dringlich erklärt werden,
damit bis 1935 — der Antrag erwähnt nicht, daß dies der nach
dem Verſailler Vertrag zur Räumung des Rheinlandes in Frage
kommende Zeitpunkt iſt — die Schwäche der Heeresbeſtände durch
die Defenſivorganiſation ausgeglichen werde.
Die Armee=Kommiſſion, vor allem ihr Berichterſtatter Paul
Boncour, billigte den Entwurf grundſätzlich, der nunmehr
wahrſcheinlich dem der Kommiſſion vorliegenden Geſetzentwurf
über die Heeres=Reorganiſation als neuer Artikel angegliedert
werden wird.
Der japaniſche Schutz für Schanghai.
Mit dem Eintreffen von vier weiteren japaniſchen Zerſtörern
iſt die Stärke der japaniſchen Marinetruppen auf tauſend Mann
gebracht worden, die, wie von japaniſcher Seite erklärt wird, zum
Schutze der Japaner in Schanghai genügen. Durch die Haltung
der Japaner, verbunden mit den Erklärungen, die Amerika über
ſeine Pobitik abgegeben hat, wird England in den Augen
der Chineſen als der Hauptangreifer
hinge=
ſtellt.
Vom Völkerbund.
Die 34. Tagung des Internationalen Arbeitsamtes.
EP. Genf, 29. Januar.
Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat
heute vormittag ſeine 34. Tagung begonnen. Auf der
Tages=
ordnung ſteht wiederum die Achtſtundentags=Debatte,
die ſich dieſes Mal an den Bericht des polniſchen
Regierungs=
delegierten Sokal über die Verhandlungen der beſonderen
Kom=
miſſion für die Frage der Arbeitszeit anſchließen wird. Ferner
ſind noch zwei Anträge des italieniſchen Delegierten
hervorzu=
heben, die intereſſante aktuelle Fragen behandeln. Zunächſt wird
eine von dem früheren franzöſiſchen Arbeitsminiſter Juſtin
Godard ſchon vor langem gegebene Anregung in die Form eines
Antrags gebracht, eine ſtändige Kommiſſion für die Fragen der
geiſtigen Arbeit beim Internationalen Arbeitsamt zu ſchaffen.
Der zweite Antrag bezieht ſich auf die Schaffung einer
beſonderen Abteilung beim Internationalen
Arbeitsamt für die internationale ſoziale
Be=
deutung des Filmweſens, und zwar ſoll ſich das Amt
mit der Zentraliſierung des ſozialen Filmweſens, mit dem
Aus=
tauſch und mit einem Informations= und Propagandadienſt
be=
faſſen. Der italieniſche Delegierte legt ſo großen Wert auf dieſe
Frage, daß er beantragt, eine nächſte Arbeitsamts=Konferenz ſoll
ſich mit beſonderen Transport= und Zollerleichterungen für den
internationalen Austauſch ſolcher Filme beſchäftigen. In der
Beſprechung über den Bericht des Direktors Albert Thomas
er=
hob der ſchweizeriſche Arbeitgeber=Delegierte Tzault Vorwürfe
darüber, daß der Bericht hinſichtlich der Ratifizierung der
Acht=
ſtundentags=Konvention in Deutſchland, England und
Frank=
reich zu optimiſtiſch ſei. Direktor Thomas rechtfertigte ſeinen
Vericht damit, daß er erklärte, ſich nur auf die ihm gewordenen
offiziellen Mitteilungen ſtützen zu können. Was Deutſchland
anlange, ſo verweiſe er aber auch darauf, daß in dem Programm
der neuen Regierung die Ratifizierung der Waſhingtoner
Kon=
vention enthalten ſei. — Auf der Tagesordnung ſteht auch noch
ein deutſcher Antrag auf Erweiterung des Rechtes der deutſchen
Sprache im Arbeitsamt, dem der Bericht des Direktors zuſtimmt,
der aber dennoch wahrſcheinlich zu Auseinanderſetzungen Anlaß
geben wird.
Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts hat
am Samstag vormittag entſprechend dem Vermittelungsvorſchlag
des Direktors Albert Thomas gegen eine ſtarke Minderheit
be=
ſchloſſen, die Frage der Arbeitszeit an Bord der Handelsſchiffe
proviſoriſch auf die Tagesordnung einer beſonderen
Seemanns=
konferenz im Jahre 1928 zu ſetzen. Sowohl der engliſche
Regie=
rungsdelegierte wie der engliſche Arbeitgeberdelegierte hatten
beantragt, die ganze Frage auf die April=Tagung des
Verwal=
twugsrats zu verſchieben, was indeſſen vom Verwaltungsrat,
ebenfalls gegen eine ſtarke Minderheit, abgelehnt wurde. — Auch
den ſchließlich angenommenen Vermittlungsvorſchlag des
Direk=
tors bekämpfte der engliſche Regierungsdelegierte mit der
Dro=
hung, daß der Verwaltungsrat ſich hüten ſolle, gegen die erſte
Seemacht der Welt, Großbritannien, die gemeinſam mit Indien
über drei Fünftel, der Welthandelsflotte beſitze, Beſchlüſſe zu
faſſen. Der franzöſiſche Regierungsdelegierte Fontaine, und
auch der belgiſche Delegierte erklärten, dieſe Begründung des
engliſchen Regierungsdelegierten nicht anerkennen zu können.
Der deutſche Regierungsdelegierte, Feig, erklärte ſich zwar nicht
gegen den engliſchen Standpunkt, ſtimmte aber auch für den
Ver=
mittelungsvorſchlag von Thomas. Dagegen verwahrte ſich aber
namens der Arbeitergruppe, Oudegeeſt, gegen die Drohung des
engliſchen Regierungsdelegierten. Ein endgültiger Beſchluß
wird aber erſt von der April=Tagung gefaßt werden.
Die polniſche Spitzelaffäre.
Warſchau, 29. Januar.
Eine ungeheure Senſation iſt die Enthüllung der
Spitzel=
tätigkeit in den volniſchen Oſtgebieten. Es iſt, wie der polniſche
Miniſterpräſident im Seim zugeben mußte, feſtgeſtellt worden,
daß die ganzen Vorgänge in den Oſtgebieten und die letzten
Ver=
haftungen von Weißruſſen auf die Arbeit eines
Provokations=
ſpitzels zurückzuführen ſind. Der Abgeordnete der Unabhängigen
Weißruſſiſchen Bauernpartei, Wojewodzki, war gleichzeitig der
bezahlte Spitzel der polniſchen Militärpartei. Er organiſierte
ſtaatsfeindliche Organiſationen, um ſie gleichzeitig gegen Geld
an die Polizei zu verraten. Wojewodzki ſpielt in der
weiß=
ruſſiſchen Bewegung eine führende Rolle. Es iſt feſtgeſtellt
wor=
den, daß die Verhaftungen der weißruſſiſchen Abgeordneten nur
auf ſeinen Einfluß hin vorgenommen wurden. Gleichzeitig hat
er aber ſelbſt das Belaſtungsmaterial geſchaffen. Es fragt ſich.
ob nach dieſen Enthüllungen der Juſtizminiſter die
Abgeord=
neten der Weißruſſen noch weiter in Haft behalten wird. Der
Abg. Wojewodzki wird vor ein Seimgericht geſtellt werden.
auch ihm. Damit iſt geſagt, was mit Ernſt Legal für unſere
Oper auf dem Spiele ſteht.
Wir hoffen herzlich, daß die Intendantenfrage in kürzeſter
Friſt keine mehr ſein wird.
*Griechiſche Malerei.
Veranſtaltung im Realgymnaſium.
In der Reihe der zu wohltätigen Zwecken ſtattfindenden
Dr. Karl Liſtmann einen Vortrag mit Lichtbildern über die
faſt nur in Fachkreiſen bekannte griechiſche Malerei. Wer das
Griechentum aus ſeinen Dichtungen, ſeinen philoſophiſchen
Schriften oder den Werken der Architektur und Plaſtik kennt,
trieben, auch eine bedeutende Malerei gezeitigt haben muß. Aber
Dieſes Ziel ſcheint nun zwiefach gefährdet zu ſein. Einmal die große Malerei der Griechen iſt uns — wie ſich aus der
Ver=
wir können ſie nur noch rekonſtruieren und haben im weſentlichen
zeitlich ſpäter entſtanden, dennoch eine Reflexwirkung der
grie=
chiſchen darſtellt, zum anderen aber das neben der großen Malerei
hergehende Kunſtgewerbe, die antiken Gefäße. Dieſe, meiſt über
und über mit Malereien bedeckt, folgen in ihrem Schmuck getreu
den ſtiliſtiſchen Wandlungen, die auch die große Malerei durch=
Wird es ſchon nicht leicht ſein, für ihn vollgültigen Erſatz laufen hat. Zudem iſt die griechiſche Vaſenmalerei, die die Stoffe
Fundgrube für kulturgeſchichtliche Erkenntnis. Daneben aber
haben die Vaſenbilder ſo viel Schönheit und ewig jungen Reiz,
daß ſie auch dem nicht hiſtoriſch eingeſtellten Beſchauer heute
noch zum äſthetiſchen Erlebnis werden können.
Ein Vorſpiel zur eigentlichen griechiſchen Vaſenmalerei gibt
die kretiſch mykeniſche Epoche in den feinen polychromen Vaſen
läſten zu Knoſſos und Pha ſtos. Etwa 1000 v. Chr. beginnt dann
nd die Meiſter der Spieloper. Die moderne Oper vorſichtig rationsprinzip der Vaſen, dem „geometriſchen Stil”, darzutun.
Aus dieſem geometriſchen Stil, der ſeinen Namen von der
geo=
entwickelt ſich unter dem Enfluß ägyptiſcher Kunſt der „orien=
(ntendant der Oper. Die Neuinſzenierungen, die er geſchaffen, taliſierende Stil”, der ſich ſchließlich zu An ang des 6.
Jahrhun=
gemein ſtreng in der Durchführung ſeiner Stilprinzipien, ſtellt die
figürliche Darſtellung in ſchlicht=feiner Silhouette auf den roten
Tongrund der Gefäßwände. Der klaſſiſchen Stufe der griechiſchen
Kunſt geht dann, etwa von 530 an, der „rotfigurige Stil” parallel,
der die Farbenwirkung umkehrt und aus nunmehr ſchwarz
ge=
decktem Grund die Figur ausſpart. Hiermit iſt die Möglichkeit
plaſtiſch=räumlicher Darſtellung gegeben und dem Ausdruck des
Empfindungslebens durch die Form keine Grenze mehr geſetzt.
So macht ſich in der Darſtellung des Mythos, wie auch des
realen Lebens ein immer ſtärkerer Naturalismus geltend.
Höhe=
punkte werden im ſogen, „polygnotiſchen” Vaſenſtil erreicht,
der ſich, wie ſein Name ſagt, ganz eng mit der großen, literariſch
überlieferten Kunſt Polygnots berührt.
Jedoch das vierte Jahrhundert, mit ſeinem immer maleriſcher
werdenden Sehen, bringt die Vaſenmalerei zu langſamem
Ver=
klingen. In prunkvollen unteritalieniſchen Glanzſtücken bannt
man zwar neue Buntfarbigkeit auf die Gefäßwände, eigentlich
ausleben jedoch kann ſich der illuſioniſtiſche Drang der
helleni=
ſtiſchen Kunſt nur im Gemälde ſelbſt. Dieſer Ablauf der
Vaſen=
malerei leitete den Vortragenden ſomit zur zweiten Quelle
un=
ſerer Kenntnis griechiſcher Malerei, der italieiſchen (
Hauptfund=
orte Pompeji und Herkulanum), über. Es war bei der Fülle des
nunmehr ſich aufdrängenden Stoffes nicht beabſichtigt, auch dieſen
noch zu erſchöpfen, wofür der Redner einen zweiten Vortrag in
Ausſicht ſtellte.
Warmer Beifall der Hörer, die den Feſtſaal bis auf den
letzten Platz füllten, lohnte die Ausführungen, die in Wort und
Bild neue Werte antiker Kunſt erſchloſſen.
* Das Adreßbuch der heſſiſchen Kraftwagenbeſitzer. Im Auftrage
des Miniſteriums herausgegeben von dem Heſſiſchen Verkehrsverband,
im Verlag der L. L. Wittichſchen Hofbuchdruck rei zu Darmſtadt. Zu
der Herausgabe dieſes Werkes wurde der Heſſiſche Verkehrsverband
ven=
anlaßt durch das erfolgreiche Beiſpiel anderer Staaten (Baden, Bayern,
Württemberg! Es wird damit einem wirklichen Bedürfnis entſprochen.
Sämtliche Beſitzer von Kraftfahrzeugen in Heſſen ſind in einer nach
Provinz und Kreiſen geordneten Nummern=Ueberſicht und
einem Namenverzeichnis auf Grund des amtlichen Materials
nach dem Stand vom Januar 1927 ſorgfältig zuſammengeſtellt. Bei
je=
dem Wagen iſt Type und PS angegeb.n. Außer Verkehrsvorſchriften
enthält das Adveßbuch ein Verzeichnis der Reparaturwerkſtätten und
Garagen im Freiſtaat Heſſen. Das Werk im Umfang von über 300
Seiten handlichen Formats (in 80) erſcheint in einer Auflage von 5000
Eremplaren zum Preiſe von 4,50 RM. für das gebundene Ex mplar.
Dieſer Vorzugspreis gilt nur ſür Vorbeſtellungen, die bis
zum 15 Februar 1927 eingehen. Nach dem 15. Februar 1927 gilt
der Ladenpreis von 6 RM.
Seite 4
Sonntag, den 30. Januar 1927
Nummer 30
Unsere
Heiße deche
Wir, als altbekanntes Qualltätshaus, bieten Ihnen große Vortelle.
Auf nicht zurückgesetzte Weiße Waren geben wir an dlesen Tagen 10 oHABdtZ
beginnt Montag, den B1. Januan 1927
Darmstadt
Ihre in Tokio vollzogene Vermählung
zeigen an
Dr. ing. Guſtav Viktor Lachmann
Evelyn Woatt Lachmann
geb. Gill, verw. Haigh. ( 2001
Zerren= Tag= und
Na tzthemde.
w. bill. angef
tadel=
los ſitz Näh.
Schul=
ſtraße 13, II. 725
HeylO lehn
Meiner Gemeinde, allen Freunden und Bekannten
teile ich mit, daß ich mich mit Gräfin Freda
Bülow v. Dennewitz aus Grünhoff in Oſipreußen
verlobt habe.
Ludwigstraße 6
Wanderer=Bag.
5/20, Vierſitz; wenig
gebraucht, billig
ab=
zugeben.
933a
Donges & Wieſt.
Rudolf Goeihe,
Pfarrer der Johanneskirche.
(2045
Hans Haas
Eleltromeiſſter
Eliſabeth Haas
geb. Bauer
Vermählte
(*2581
Klrchl. Trauung: Montag, 31. Januar,
nachm. 3 Uhr, in der St. Ludwigstirche.
Darmſtadi, Stiftſtraße 95.
Für die anläßlich unserer
Verlobung
erwiesenen
Aufmerksam-
keiten danken herzlichst
Sophie Schanz
Konrad Diehl
Oder-Ramstadt
Hiedernhaugen
(2033)
Für die zahlreichen Glückwünſche
anläßlich unſerer Verlobung
danken herzlichſt
Berta Breidenbach
Hans Schneider
Darmſtadt, Januar 1927.
Sst1o)
Heute morgen 4 Uhr entſchlief
ſanft nach kurzem, ſchwerem
Leiden unſerinnigſtgeliebter,
hoff=
nungsvoller Sohn, Bruder, Enkel
und Neffe
Karl Rambaud
im Alter von 24 Jahren. (2os1
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Georg Nambaud.
Ober=Ramſtadt, den 29. Jan. 1927.
Die Beerdigung ſindet Dienstag.
den 1. Februar, nachm. 3 Uhr
ſtatt.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen, unſere tnnt ſtgeliebte F
Mutter, Schwiegermutter u
Groß=
mutter
Frau
Chriſtiane Loos
geb. Haas
nach langem, ſchwerem, mit großer
Geduld ertragenen Leioen in die
Ewigkeit abzurufen. (B. 2079
Um ſtille Teilnahme bittet
Familie Auguſf Loos.
Darmſtadt, den 29. Januar 1927.
Die Beerdigung fand in der Stile
Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß heute
morgen ½7 Uhr unſere herzensgute
Frau und Mutter
Frau Frieda Schmidt
geb. Siegel
im Alter von 52 Jahren, nach
lan=
gem, ſehr ſchweren Leiden, ſanft
entſchlafen iſt.
In tiefer Trauer:
Ludwig Schmidt und Sohn Ernſt.
Darmſtadt, den 29. Januar 1927.
Forſtmeiſterſtr. 12.
(2047
Die Einäſcherung findet Dienstag,
den 1. Februar 1927, nachmittags
14 Uhr ſtatt.
Dankſagung.
(Statt Karten.)
Für die vielen Beweiſe aufrichtige:
Teilnahme bei dem Hinſcheiven meines
lieben Nannes, unſeres treuſorgenden
Vaters, Schwiegervaters, Großvaters.
urgroßvaters und Onkels ſagen nir
auf dieſem Wege allen Verwandten
und Bekannten unſeren herzlichſten
Dank, beſonders für die troſtreichen
Worte des Herrn Pfarrers v. d Au,
dem Geſangverein Eintracht für den
erhebenden Grabgeſang, ferner den
beiden Kriegervereinen, Ober=Modau
und Frankenhauſen, ſowie für die
liebevolle Anſprache des Herrn
Poſt=
meiſter Weber und die zahlreichen
Kranzſpenden von Nah und Fern.
In tiefer Trauer:
Frau Margarethe Keller, geb. Helfrich
und Angehörige.
Obermodau, den 27. Jan. 1927. f201t
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe liebevoller
Teilnahme bei dem Heimgange
unſe=
rer lieben, unvergeßlichen Mutter,
Großmutter und Schwiegermutter
Frau
Sliſgbeiha Tempel
geb. Steiauf
ſagen wir Allen herzlichen Dank.
Im Namen
der trauernden hinterbliebenen:
H. Tempel. (8048
Elmshauſen, den 28. Januar 1927.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme, ſowie für die zahlreichen
Kranz= und Blumenſpenden beim
Heimgang unſeres lieben Ent=
ſchlafenen
Herrn
Karl Schmitt
Kanzleirat i. R.
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren
herzlichſten Dank.
(B. 2078
Die tieftrauernden
Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 29. Januar 1927.
Strümpfe werden
an=
geſtrickt, Paar 80 Pf.
Roßdörferſtr. B. I.
G23is)
prompt
Strüm Pſeangefert
u augeſtrickt
Grafen=
ſtr. 27, Bh. I., I. (1626a
Einma, gebruuchte
Weißblechkaſten.
Plechtrommeln,
Holzkiſten 224 8
beſonders ſtark,
emp=
fiehlt bil jgſt.
Mas Fabian
Darmſt, Aliceſtr 18,
Todes=Anzeige.
(Statt Karten.)
Gott der Herr hat heute nachmittag 5? Uhr
meine innigſtgeliebte, treubeſorgte Gattin, die
aller=
beſte Mutter ihrer 3 Söhne, unſere liebe Schweſter,
Schwägerin und Taute
Frau Lena Kunkel
geb. Köhler
nach ſchwerem, mit größter Geduld ertragenem
Leiden im Alter von 44 Jahren zu ſich genommen.
In tiefſtem Schmerz:
Richard Kunkel
mit Söhnen Otto, Richard, Paul
Heinrich Köhler und Frau, geb. Müller
Sebaſtian Köhler
Herbert Georgy und Frau, geb. Köhler
nebſt Töchtern.
Darmſtadt, Große Ochſengaſſe 23, München,
(*2552
den 28. Januar 1927.
Die Beiſetzung findet ſtatt: Montag, den 81. d. Mts.;
vormittags 11 Uhr, auf dem Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße.
Es wird gebeten, von Beileidsbeſuchen abzuſehen.
ohne Operation, vollſtändigohne Berufsſtörung, keine
ſchmerzhafte Einſpritzung. In Behandlung kommen:
Leiſten=, Schenkel=, Hoden=, Nabel= und Bauchbrüche.
Ueber die Erfolge unſerer Methode ſchreibt:
Herr Dr. med. F L., approbierter Arzt: Mit Ihrer Bruchheilungs=
Methode und Ihren Hilfsmitteln iſt es mir gelungen, in oft
überraſchender Weiſe und überraſchend kurzer Zeit — nur
Wochen bzw. wenige Monate — ſelbſt veraltete und ſchon
troſtloſe Fälle von Brüchen gut und dauernd auszuheilen bei
Patienten jeden Alters und Geſchlechts. Ihre Heilmethode
iſt wirklich in Segen für viele und müßte von jedem beſorgten
Arzt beherrſcht und angewandt werden.
Herr Dr. med. S., approbierter Arzt: Teile hierdurch mit, daß ich
ſelbſt mit der orthopädiſchen operationsloſen Bruchbehandlung
gute und oft überraſchende Erfolge erzielt habe.
Herr Jak. Br, Schmiedemeiſter aus Sulzfeld (Baden) ſchreibt:
„ch teile Ihnen höflichſt mit, daß ich über die Behand ung
meines linksſeitigen ſtoppeigroßen Leiſten=Hodenbruches ſehr
zufrieden vin. „Ich arbeite als Schmiedemeiſter ſchon 6 Wochen
ohne jedes Band und kann jedem verſichern, daß keinerlei
Beſchwerden mehr vorhanden ſind. Selbſt ein hervorragender
Blinddarm= und Bruchoperateur äußerte ſich dahingehend:
Auf Bruch verſtehen ſich die Herren doch.
Sprechſtunde unſeres approbierten ſpeziell
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„Han
Wir warnen vor erfolgloſen und oft unreellen Nachahmungen
unſerer Heilmethode.
(So0di
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Für alle Beweise herzlicher
Teil-
nahme beim Ableben unserer
unvergeßlichen Mutter sagen
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richtigen Dank.
Viotoria Haas
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Nummer 30
(Sonntag, der 30. Januar 1927
Seite 5
i2 Beit
Darmſta
12. Februg
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 30. Januar.
— Ernannt wurden: am 8. Januar 1927 der Oberaſſiſtent bei dem
lmtsgerickt. Langen Heinrich Machleid, zum Juſtizſerretär: am
Januar der Kanzleigehilfe bei dem Landgericht Darmſtadt Friedr.
töhm zum Kanzliſten; am 24. Januar; die prov.
Handarbeitslehre=
iunen Margarete Heß. Julie Molthan, Anna Perry. Anna
8aa llenſt ein und Barbara Windecker zu Mainz zu.
Handarbeits=
erinnen an der Volksſchule daſelbſt.
— Verſetzung in den Ruheſtand: Auf Grund des 8 1 des Geſetzes
r die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 23. Dezbr.
223 in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Ottober 1925 (Regierungsblatt
249) tritt am 1. Februar 1927 in den Ruheſtand der Lehrer Wilhelm
iell an der Volksſchule zu Bornheim (Kreis Alzeh).
— Erledigt iſt eine Lehrerſtille für einen evangeliſchen Lehrer an der
Tksſchule in Arheilgen (Kreis Darmſtadt). Dienſtwohnung iſt nicht
ol handen: Mietwohnung ſchwer zu beſchaffen. Bewerbungen ſind an
g- Kreisſchulamt Groß Gerau zu richten.
— Landesfinanzamt Darmſtadt. Steueramtmann Bleger beim
jiranzamt Alzey wurde zum 1. Februar d. Js. als Vorſteher an das
üranzamt in Homberg verfetzt.
— Heſſiſches Landestheater. Morgen, Montag, beginnt der
Vor=
ekkauf der Einzelkarten zu dem abends 8 Uhr im Großen Haus ſtatt=
„wenden 1. Volkskonzert, in dem Werke von Bach, Händel und
ſndn zur Aufführung kommen. Zu Beginn wird das im erſten
dies=
rrigen Sinfoniekonzert, am 2. September 1926, mit großem Erfolg
eprachte 5. Brandenburger Konzert von Bach unter ſoliſtiſcher
Mit=
vrkung von Generalmuſikdirektor Joſeph Roſenſtock. Konzertmeiſter
—o Drumm und Kammermuſiker Martin Geißler geſpielt werden. Im
lFſchluß daran, ſingt Anna Baumeiſter=Facobs, die Alt Arie
HF exultanit spiritus meus” aus „Magnificat” von Bach. Händel
urd mit dem Konzert in D=Dur, Haydn mit der Sinfonie in G=Dur
— Uhr) erſcheinen. Die muſikaliſche Leitung des Abends liegt in den
zmden von Generalmuſikdirektor Joſeph Roſenſtock.
In der kommenden Woche beginnen die Proben zu der für Ende
Sruar in Ausſicht genommenen Erſtaufführung von Paul Hindemiths
iemeſtem Bühnenwerk, der Ober „Cardillac‟ Hindemith, ſchon
eitt einer der gnerkannteſten Führer der jungen deutſchen Muſik und
iv es ihrer ſtärkſten Profile, iſt außer einer Reihe von
Kammermuſik=
nmken und Liedergruppen auf der Bühne bisher mit den drei
Ein=
tgern. Mörder, Hoffnung der Frauen” (nach Kokoſchka), „Nuſch=Nuſchi”
uch „Sancta Suſanna” hervorgetreten und liefert mun in ſeinem zweiten
o ernwerk. „Cardillac”, deſſen Textbuch von Ferdinand Lion nach E.
C. A. Hoffmanns Nobelle „Das Fräulein von Seuderi” geſchrieben
vurrde, ſeine neueſte Auseinanderſetzung mit der gegenwärtigen Oper.
uncd hat ſich damit, wie der nachhaltige Erfolg der Dresdener
Urauffüh=
zurg und in verſtärktem Maße der der Wiesbadener Erſtauffüihung
engt, in der Muſikwelt aufs neue ſtärkſtes Intereſſe geſichert.
Die für Montag, den 31. Januar und Dienstag, den 1. Februax,
unmekündigten Wiederholungen des Kulturfilms „Das Paradies
uropas” können nicht ſtattfinden, ſondern müſſen auf einen
an=
usen Tag der Woche ſvorausſichtlich Freitag, den 4. Februar) verſchoben
wrden, da die erforderliche neue Kovie nicht rechtzeitig eintreffen kann.
— Fünfte Morgenfeier im Kleinen Haus des Heff. Landestheaters.
Lae fünfte Morgenfeier iſt für Sonntag, den 6. Februar, vormittags
unz Uhr im Kleinen Haus vorgeſehen. Margarete Albrecht, Anna
Amumeiſter=Jacobs. Rudolf Strzeletz und Oskar Grauert ſingen mit
Be=
züeitung von Erich Riede und Fritz Bohne am Flügel, ſpaniſche
Niebeslieder, für Sopron, Alt, Tenor und Baß von Robert
Ihchumann, von dem außerdem noch im erſten Teile einzelne Lieder
nſungen werden. Der Kartenverkauf beginnt an der Tageskaſſe des
ſeinen Hauſes und in der Muſikalienhandlung Schutter,
Gliſabethen=
tuaße, am Donnerstag, den 3. Februar, zu Preiſen von 50 und 80 Pfg.
— Darmſtädter Sezeſſion. Dem Privatdozenten Dr. phil. K. J.
Luenauer, Mitglied der Darmſtädter Sezeſſion, wurde von dem
Sächſi=
ſchen Mimiſterium ſüir Volksbildung ein Lehrauftrag an der Univerſität
Au ipzig für neuere deutſche Literatur=Geſchichte erteilt.
—Verein für das Deutſchtum im Ausland. Dr. Graßl aus
Bel=
anad, der am 3. Februar, hier im Saalbau ſpricht, hält in den größten
Sſädten Deutſchlands Vorträge „Ueber das Deutſchtum im Südſlaviſchen
Sragt. Als Röner und Parlamentarier gleichbedeutend, rafft er im
Atöſlabiſchen Parlament die deutſchen Kräfte zuſammen, um der
deut=
ſch en Minderheit die Möglichkeit kultunellen Eigenlebens zu erkämpfen.
Dren Vortrag dieſes ehemaligen Leiters des Schulweſens in Bosnien
umrahmen Darbietungen des Schülerorcheſters des Realaymnaſiums.
Narten zu 1 Mk. und 0,50 Mk. ſind zu haben am Verkehrsbüro und an
derr Abendkaſſe. Näheres beſagen die Anzeigen.
— Bahreuther Bund der deutſchen Jugend. Am Donnerstag, den
31 Februar, abends, findet im Singſaal der Ludwigs=Oberrealſchile am
Kiapellplatz (Eingang: Freitreppe unter der Uhr) ein Löns=Abend
ſurtt. Herr Dr. Kulz hält einen Vortrag über den Dichter und ſeinen
„WVehrwolf”, mit Lichtbildern. Frau Kuhn=Liebel, die beliebte Altiſtin
dies Heſſiſchen Landestheaters, ſingt Löns.=Gedichte in verſchiedenen
Ver=
tamungen. — Die Mitglieder des Bundes, die ihrer Beitragspflicht noch
ndcht genügt haben, werden gebeten, am Bundesabend bei der
Schatz=
meiſterin vorzuſprechen.
— uebertritt in die höhere Schule. Auf den Montag, 31. Januar,
agends 8 Uhr, in der Turnhalle der Liebigs=Oberrealſchule (Eingang
Lagerhausſtraße 3 durch den Hof) ſtattfindenden Elternabend für
die=
ſamigen Eltern, die ihre Söhne Oſtern 1927 in die höhere Schule ſchicken
zwllen, machen wir noch einmal aufmerkſam. Bei freier Ausſprache
füllen hier alle in Betracht kommenden Fragen erörtert werden.
FR. Turngemeinde Darmſtadt 1848. Unter dem Motto: Mir mache
as ſo weiter” trifft der Karnebalausſchuß die letzten Vorvereitungen muß. Geld für aus Inlandskohle erhaltbare Stoffe darf nicht mehr ins
fur die große Damen= und Herrenſitzung am 6. Februar in ſämtlichen
Wäumen unſeres Turnhauſes. Ueber die Fülle der Darbietungen kann
untürlich vorher nichts verraten werden, aber die Eigenart unſerer
zarnevalsveranſtaltung, der die Mitwirkung der Ausübenden eine ganz
Ueſondere Note gibt, bietet Gewähr für einen genußreichen Abend, der
ſith ſeinen Vorgängern nürdig anreihen wird. Büttredner, Liederdichter
wid andere „Künſtler”, werden Proben ihres Könnens ablegen und der
Yeranſtaltung den gewohnten vornehmen Anſtrich geben. Nach Schluß
duer Sitzung iſt alt und jung Gelegenheit gegeben, noch einige Stunden
urr kleinen Saal dem Tanz zu huldigen. Wir verweiſen nochmals auf
dye Anzeige in der Freitagsnummer und bitten alle Mitglieder und
Gäſte, ſich der darin bekanntgegeb=nen Tage zu bedienen und Karten
un Vorverkauf zu beſchaffen, da dieſe erfahrungsgemäß raſch vergriffen
fitnd. Für Intereſſenten haben wir eine Anzahl numerierter Plätze
vor=
gie ſehen, deren Anordnung für den Inhaber beſonders vorteilhaft iſt.
Umſer Maskenball findet am 12. Februar ſtatt und weiſen wir ſchon jetzt
aurf die demnächſt erſcheinende Anzeige hin.
— Neue Kurſe. Die Kaufmänniſche Stenoargphen=Geſellſchaft er=
Mifnet, wie aus dem Anzeigenteil unſeres Blattes erſichtlich, am
kommen=
gen Montag, den 31. Januar und am Donnerstag, den 3. Februar,
zaweils abends 7½ Uhr, in ihren eigenen Unterrichtsräumen, Ecke Wieſen=
und Schleiermacherſtraße 26 Ghinter dem Amtsgericht) neue Kurſe in
Preichskurzſchrift und Maſchinenſchreiben. Die Kurſe ſtehen unter Leitung
anes ſtaatlich geprüften Lehrers. Das Unterrichtsgeld kann, den
Zeit=
verhältniſſen entſprechend, in Naten beglichen werden. Die
Geſchäfts=
ſtelle der gen. Geſellſchaft dortſelbſt gibt auch während der Tagesſtunden z
bereitwilligſt Auskunft. Ausdrücklich ſei darauf hingewieſen, daß ſich die
Uenterrichtsräume obiger Geſellſchaft nicht in einem Schulhaufe, ſondern
ur der Schleiermacherſtraße, Ecke Wieſenſtraße, befinden.
* Nentnerfürſorge — Weihnachtsbeihilfe. Auf eine dem
Reichs=
asbei sminiſtr gemachte Mitteilung, daß einzelne
Bezirksfürſorgever=
hände die vom Reſichstag beſchloſſene Notmaßnahmebeträge für
Klein=
wentner auf die aus Mitteln des Bezirksfürſorgeverbandes bewilligten
Weihnachtsbeihilfen angerichnet hätten, hat der Miniſter die
eingelau=
ſnen Beſchwerden als berechtigt anerkannt; er hat ein Nundſchreiben
um die Miniſterien der Länder gerichtet, in dem zum Ausdruck gebracht t
ſtoricht. Der preußiſche Wohlfahrtsminiſter hat die Behörden
angewie=
ſan. in den Fällen, in denen Notmaßnahmebeträge infolge der
An=
wechnung auf Weihnachtsſpenden der Fürſorgeverbände nicht gezahlt
der gekürzt worden ſind, umgehend eine Nachzahlung zu veranlaſſen.
Aufforderung. Die Inhaber der ſtädtiſchen
Baukaſſen=
ſtcheine, ſoweit ſie den Holzbezug für 1927 wüinſchen und hierzu
herechtigt ſind, d. h. ſolche, die im Beſitze von mindeſtens 10 Scheinen
ſand, werden hiermit aufgefordert, ſpäteſtens bis 10. Februar
NDE7 ihre Rechfe unter Vorlage der Baukaſſenſcheine auf dem Stadthaus
ſZimmer 47) geltend zu machen. (Siehe Anzeige.)
* Fünf Jahre Verwaliungsreform.
In Nr. B vom 26. Januar 1922 veröffentlichten wir nachſtehende
amtliche Mitteilung: „Beim Miniſterium des Innern tritt eine von dem
Herrn Miniſter v.Brentano berufene Kommiſſion für Verwaltungsreform
in aller Kürze zuſammen, welche die Beratung dieſes wichtigen Werkes
alsbald in Angriff nehmen wird. Den Vorſitz in der Kommiſſion führt
der Herr Miniſter zum ſtellvertretenden Vorſitzenden wurde Herr
Provinzialdirektor Fry (der damals kurz vorher in den Ruheſtand
ge=
treten war. Anm. der Schriftl.) berufen. Der Kommiſſion werden
Mit=
glieder der Kreis= und Provinzialausſchüſſe, der Stadt= und
Land=
gemeindeverwaltungen, der Vereine der Kreis=Verwaltungsbeamten und
der Gemeindebeamten, ferner Vertreter der Gewerkſchaften und ſonſtiger
Berufsſtände angehören. Die Kommiſſion ſoll auch Vorſchläge wegen
Geſchäftsvereinfachung und Erzielung von Erſparniſſen in der
Ver=
waltung machen. Das umfangreiche, ſchwierige und verwickelte Werk der
Reform wird hierdurch auf der Grundlage der neuen Verfaſſung und
im neuzeitlichen Geiſte eine bedeutungsvolle Förderung erfahren.”
Die hier angekündigte große und umwälzende Reform iſt heute —
nach fünf Jahren — noch nicht zum Abſchluſſe gelangt. Und doch ſind
die Aufgaben — wir greifen nur die Geſchäftsv=reinfachung und
Er=
zielung von Erſparniſſen in der Verwaltung heraus — drängend. Wir
verweiſen auf Württemberg, wo z. B. wie erſt üingſt amtlich
nach=
gewieſen wurde, die Aufteilung des Oberamtsbezirks Weinsberg, dem
Staate nicht unwefentliche Erſparniſſe gebracht hat.
Die Oeffentlichkeit iſt bisher von dem Fortgange der Arbeiten nicht
fortlaufend unterrichtet worden. Schrieb doch z. B. das Landtagsmitglicd
Bürgermeiſter Dr. Niepoth=Schlitz in unſerer Nr. 22 vom 2. Okt.
1925: „Seit Jahren bemüht ſich ein engerer Ausſchuß für die
Verwal=
tungsreform” eine neue Gemeindeverwaltung für Heſſen zu ſchaffen.
Das Ziel iſt begrüßenswert. Mag man zu den durch die
Staats=
umwälzung geſchaffenen Verhältniſſe grundſätzlich ſtehen wie man will,
niemand wird beſtreiten können, daß eine Neufaſſung der ſeit ihrem
Beſtehen mehrfach und nicht nur in Nebenſächlichkeiten geänderten
Ver=
waltungsgeſetzen erfolgen muß. Dader Ausſchuß die
Oeffent=
lichkeit von dem Stand ſeiner Arbeiten nicht
unter=
richtet, weiß man auch nicht, wie weit das
bedeut=
ſame Werk gediehen iſt.”
Nachdcm aber nun ſeit Einſetzung der Kommiſſion fünf Jahre ins
Land gegangen ſind, iſt denn doch wohl die Frage an die heſſiſche
Regierung geſtattet: Wie weit iſt das Reformwerk nun gediehen und
bis zu welchem Zeitpunkt kann der endgiltige Abſchluß erwartet werden?
Zur Berufswahl.
Heute nachmittag 2‟/, Uhr und 4½/, Uhr
Anei Märchenfilme
Hase und Swinegel
Rübezahls Hochzeit
im Kleinen Haus des Heſſ. Landestheaters
Preiſe Mk. —.70 und 1.—.
Kinder Mk. —.35 und —.50
(2035)
e Bald ſteht Oſtern vor der Türe und damit auch die ſo wichtige Frage
der Berufswahl der zur Schulentlaſſung kommenden Söhne und Töchter
auf. Und gar ſchwer iſt es für die Eltern, das für Veranlagung und
Befähigung der Kinder Richtige zu treffen. Die heutigen wirtſchaftlich=u
Verhältniſſe fordern ſchr oſt nicht nur ein Unterkommen der Söhn=,
ſondern auch für die Töchter ſoll der paſſende Wirkungskreis gefunden
werden. Daß dies von Tag zu Tag ſchwieriger wird, zeigt die
Ueber=
füllung in faſt allen Berufszweigen. Es iſt daher gar wohl begreiflich,
wenn man heute auf einzelnen Arbeitsgebieten die weibliche Arbeit= wieder auszuſchalten verſucht zugunſten der männlichen, aber nichſt
etwa, weil die Frau ihren Poſten nicht auszufüllen vermöchte, ſondern
um in erſter Linie für den Mann als Träger der Familie Arbeits= und
Verdienſtmöglichkeit zu ſchaffen. Das ureigenſte Tätigkeitsfeld der Frau
iſt ja auch der Haushalt, die Familie und was damit zuſammenhängt.
Heute fehlt es aber gerade da an tüchtigen Kräften, und deshalb liegt
eine außerordentlich gute Erwerbsmöglichkeit für die Mädchen auf
die=
ſem Gebiete. Gibt es für ein junges Mädchen einen ſchöneren Beruf,
als den einer Erzieherin, Geſellſchafterin oder Stütze? Kann es doch
gerade bei ſolcher Tätigkeit die notwendige Erfahrung zur ſpäteren
Füh=
rung des elterlichen oder eigenen Haushaltes ſammeln! und dieſe
Be=
rufe werden im allgemeinen gut honoriert. Vovausſetzung iſt freilih
eine gediegene Allgemeinbildung und eine gründliche Ausbildung in
hauswirtſchaftlichen Fächern. In vielen Familien aber ſoll
die Tochter eine wertvolle Hilfe und Stütze im Haushalt der Mutter
werden. Zu einer theoretiſch und praktiſch gleich wertvollen Ausbildung
in hauswirtſchaftlicher Hinſicht, zur Unterweiſung im Nähen und
Hand=
arbeſten, Kochen uſw. fehlt es aber der Mutter erfahrungsgemäß ſehr
oft an der nötigen Zeit und nicht ſelten auch an der Geduld. Die
Hausfrau muß ja heute alles machen, alles können, alles wiſſen und
nebembei noch eim Finanzgenie ſein. In ihren Händen liegt zumeiſt
auch die Erziehung der Kinder. Solte da die Ausbildung der Tochter
weniger wichtig ſein, als die des Sohnes? Iſt es nicht geradezu Pflicht
der Eltern, ihr all das mitzugeben ins Leben, was ſie ſpäter befähigt,
eine gute wirtſchaftliche Hausfrau und echte deutſche Mutter zu
wer=
den, die imſtande iſt, in glücklicher und harmoniſcher Ehe ihrer
Frauen=
pflicht voll und ganz zu genügens
Die im Jahre 1873 gegründete Luiſenſchule des Badiſchen
Frauensvereins vom Roten Kreuz in Karlsruhe. Otto Sachs=Straße 5.
erfüllt alle die genannten Forderungen im beſten Maße. Die Schule
ſieht es als ihre Aufgabe an, den Beſucherinnen in hauswirtſchaftlicher
wie wiſſenſchaftlicher Hinſicht eime gründliche Ausbildung zuteil werden
zu laſſen. Sie iſt in ihrer Unterſtufe gleichzeitig ſtaatlich anerkannte
Fortbildungsſchule mit bedeutend erweitertem Lehrplan, in ihrer
Ober=
ſtufe Haushaltungsſchule und Anſtalt zur Vermittlung einer
Berufsbil=
dung (Erzieherin, Geſellſchafterin, Stütze uſw.).
Der gute Ruf, den die Anſtalt während der langen Zeit ihres
Be=
ſtehens genießt, verbürgt den Erfolg ihres Beſuches.
Nähere Auskunft erteilt die Leitung der Schule gern. Siehe Anz.)
* Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. In
der V. Winterverſammlung im Reſtaurant Sitte, Karlſtraße, welche leider
wenig zahlreich beſucht war, hielt Herr Dr. H. Stellwag den
ange=
kündigten Vortrag über „Kohlenveredlung und Brennſtoffausnutzung”.
wurde. Aus dene umfangreichen Inhalt des zweiſtündigen Vortrags ſei
Folgendes hervorgehoben: In der Einleitung wurde das Entſtehen der
ſen, daß die Kohlenvorräte der Welt durchaus nicht ſo unerſchöpflich ſind,
wie früher allgemein angenommen wurde. Bei ſteigender induſtrieller
Inanſpruchnahme dieſer Vorräte kommt einſt der Zeitpunkt, an dem
ſie ſich ihrem Ende nähern. Deshalb iſt es ſchon jetzt notwendig,
mög=
lichſt ſparſam und wirrſchaftlich mit der Kohle umzugehen. Sodann
wurde die neuzeitliche Aufbereitung der Kohle behandelt und gezeigt,
wie man möglichſt alle verwertbaren Kohleanteile zu gewinnen und
der Kohle bietet Gelegenheit, faſt alles Brennbare zu erfaſſen und zu
verwerten, obgleich z. Zt. noch nicht alle Aufgaben der
Brikettierungs=
technik reſtlos gelöſt ſind. Auf möglichſt ſparſam arbeitende induſtrielle
Feuerungsanlagen muß in Zukunft großer Vert gelegt werden;
ver=
wertbare Wärme darf nicht unausgenützt die Eſſe verlaſſen. Die
Kohlen=
ſtaubfeuerung bietet ein Mittel, in derſelben Heizanlage alle Arten von
Brennſtoffen zu verfeuern und in ganz kurzer Zeit Spitzenleiſtungen zu
erreichen. Für häusliche Feuerungen wird in Zukunft in dem bei der
Schwvelerei anfallenden Halbkoks ein wertvolles Heizmaterial zur
Ver=
fügung ſtehen. Die bei den Schiffen bereits ſohr bewährte Oelfeuerung
wird im Eiſenbahnweſen die Steinkohlenheizung vorläufig noch nicht
verdrängen könnenn. In Zukunft iſt vielleicht der Dieſelmotor dazu
be=
rufen, ſpäter die Kolbendampfmaſchine zu erſetzen. Verſuche hierüber
werden z. Zt. angeſtellt. Ferner wurde erläutert, daß das verluſtloſe
Er=
faſſen der bei der Leuchtgasfabrikation und Kokerei entſtehenden
wert=
vollen Nebenprodukte unbedingtes Erſtreben unſerer Kohleinduſtrie ſein
Ausland gehen. Dieſes Ziel kann durch den neu aufzubauenden
Schwel=
betrieb, für Braun= und Steinkohlen erreicht werden. Es wurde
ge=
zeigt, wie bei der Tieftemperatzurverkokung in dem ſog. Urteer ein höchſt
wertvolles Ausgangsprodukt für unſer Mineralöl= und chemiſche Induſtrie
erhalten wird. Nach einer kurzen Gegenüberſtellung von Urteer und
Hochtemperaturteer hinſichtlich der darin enthaltenen Rohſtoffe wurde
noch näher eingegangen auf die neueſten Verfahren auf dem Gebiete
der Kohlenvereolung, auf das Verfahren von Profeſſor Bergius und
auf die Metylaltoholfyntheſe von Profeſſor Haber. Das
Bergiusver=
fahren liefert uns Verbindungen, die den bei der Petroleumdeſtillation
erhaltenen gleichen, während der ſynthetiſche Methylalkohol alle
Eigen=
ſchaften des natürlichen beſitzt und ebenſo wie dieſer verarbeitet werden
kann. Zum Schluſſe wurde nochmals auf die Pflicht hingewieſen, ſo
wirt=
ſchaftlich wie möglich zu arbeiten, um die Kohlenvorräte zu ſchonen und
ihr endgültiges Zurneigegehen hinauszuſchieben. — Die Zuhörer folgten
den intereſſanten Ausführungen des Redners mit großer
Aufmerkſam=
keit, geſtützt auf ihren Beifall ſprach der Leiter der Verſammlung Prof.
Dr. W. Sonne, Herrn Dr. Stellwag den verbindlichſten Dank des
Orts=
gewerbevereins und der Handwerkervereinigung für ſeine lehrreichen
und wertvollen Darlegungen aus. Mit einem kurzen Hinweis auf den
11 Uhr geſchloſſen.
der dritte karnevaliſtiſche Kappenabend mit Tanz ſtatt.
Das in großer Beſetzung vom Stadtorcheſter geſtellte Konzert ſteht unter
mit ſeinem Otto Reutter=Programm wird für beſonders ſtimmungsvolle
Unterhaltung ſorgen. Ein vorzügliches Tanzparkett erwartet alle Tanz= haltendem Beifall begleitet.
freudigen. Eine Jazzbandkapelle (ebenfalls vom Städtiſchen Orcheſter
geſtellt) liefert zum Tanz die modernſten Schlager. Der gefamte Naum
uſw. bei den Saaldienern erhältlich. Anfang 8 Uhr, Einlaß 7 Uhr.
Siehe Anzeige)
die Städtiſche Berufsfeuerwehr Amal glarmiert, und zwar bei 3
Mit=
nſtird, daß ein ſolchrs Vorgehen dem Zweck der Notmaßnahme wider= telfeuern. 6 Kleinfeuern, 3 Kaminbränden und 15 ſonſtigen Hilfeleiſtun= über „Die neue Neicksregierung” ſprechen. Der Ncdner iſt in der Lage,
9 Fällen wurde auf der Wache (Kirchſtraße 13, Fernſprecher Stadtamt)
erſte Hilfe geleiſtet.
Aus den Parteien.
* Politiſcher Abend der Deutſchen Volkspartei. Am Freitag
ver=
anſtaltete die Ortsgrwppe Darmſtadt der Deutſchen Volkspartei einen
ſehr ſtark befuchten politiſchen Abend im Reſtaurant Sitte.
Landtags=
abgeordneter Dingeldey ſprach über „Die politiſche Lage mit beſonderer
Hinſicht auf die Entwicklung der Regierungskriſe im Reich”. Der Redner,
der durch einen Aufenthalt in Berlin unmittelbare Fühlung mit den
politiſchen Vorgängen im Zuſammenhang mit der Regierungskriſe hatte,
berichtete in außerordentlich feſſelnder Weiſe über die Verhandlungen,
die ſchließlich zur Neubildung des Reichskabinetts geführt haben. In
großen Zügen erklärte Abg. Dingeldey etwa folgendes: Die
Regierungs=
kriſe war Ende Dezember durch das Beſtreben der Flügepparteien
ent=
ſtanden, eine Mehrheitsregierung zu erzwingen. Die Deutſche
Volks=
partei hat immer betont, daß eine Mehrheitsvegierung einer
Minder=
der durch eine große Anzahl von Lichtbildern und Tabellen erläutert heitsregierung vorzuziehen iſt; das iſt eine logiſche Folgerung des
parla=
mentariſchen Syſtems. Anders ſt es in den demokratiſchen und republie
kaniſchen Amerika, wo die Regierung des Präſidenten nicht vom Parla=
Kohle erläutert und an Hand von ſtatiſtiſchen Tabellen darauf hingewie= ment abhängig iſt; es iſt auch bei uns wünſchenswert, daß die Stellung
des Reichspräſidenten dem Parlament gegemüber geſtärkt wird. Das
Streben bei der Regierungsbildung ging zunächſt nach links, der Wirth=
Flügel des Zentrums ſtrebte insbeſondere nach der großen Koalition;
dieſe ſcheiterte jedoch an dem Widerſtande der Sozialdemokratie, die
nicht auf ihre wenigen politiſchen Köpfe (darunter Dr. David) gehört
hat. Die ungeheuerliche Rede Scheidemanns hat es unmöglich gemacht,
daß die Deutſche Volkspartei in eine ſolche Koalition eintreten konnte;
der wirtſchaftlichen Verwendung zuzuführen ſucht. Die Brikettierung auch das Zentrum erklärte nun, daß mit der Sozialdemokratie nicht zu
vegieren ſei. Das Streben der Sozialdemokratie ging offenbar dahin,
die Rrichswehr, das letzte Machtmittel des Staates in ihre Hand zu
be=
kommen, das wihrt aber an den Lebensnerv des Deutſchen Reiches. Die
Deutſche Volkspartei war für eine Mehrheitsbildung der bürgerlichen
Parteien, wie ſie bereits einmal vor Locarno vorhanden war.
Reichs=
wirtſchaftsminiſter Dr. Curtius wurde vom Reichspräſidenten mit der
Regierungsbildung beguftragtz er hat ſich dieſer Aufgabe mit großem
Geſchick und ſtarker Energie unterzogen und er hat durch ſeine
Verhand=
lungen gute Vorarbeit für das Zuſtandekommen des Kabinetts geleiſtet.
Das Zentrum forderte einen Zentrumsreichskanzler und machte „ſchwere
innerpolitiſche und außenpolitiſche Bebenken” geltend. So erging denn
der Auftrag zur Kabinettsbildung an Marx über, der zunächſt eine
Re=
gierung der Mitte bilden wollte, wozu die Deutſche Volkspartei unter
Umſtänden bereit geweſen wäre, damit nicht die Verhandlungen mit der
Entente weiter ins Stocken gerieten. Dieſe Verhandlungen ſcheiterten
wieder. Nun griff der Reichspräſident ein und beauftragte Marx, eine
Regierung aus den bürgerlichen Parteien zu bilden. Der Vorwurf eines
Verfaſſungsbruches gegen den Reichspräſidenten iſt unberechtigt, denn
auch Ebert hat Wünſche zur Kabinettsbildung geäußert, überdies ſoll der
Reichspräſident ein Faktor des politiſchen Lebens ſein. Beim Zentrum
trat jetzt die Wendung zur bürgerlichen Regierung ein, die nun
zuſtande=
kommt. Wenn es gelungen iſt, nun auch die Deutſchnationalen für die
Außenpolitik zu gewinnen, ſo kann die Deutſche Volkspartei damit
zu=
frieden ſein. Vorausſichtlich iſt die neue Regierung von längerer Dauer,
denn in den großen Fragen der Innen= und Außenpolitik beſteht
nun=
mehr unter den Parteien eine Einigung: nur auf dem kulturellen
Ge=
biet ſind Meinungsverſchiedenheiten. Erſt ſollte man jedoch einmal die
dringenderen Aufgaben erledigen, wie die Angelegenheiten des beſetzten
Gebietes, der Reichswehr, der Sozialpolitik, der Verträge mit der
En=
tente, des Finanzausgleiches und andere. In einem Nüchblick auf die
heſſiſche Landespolitik beſprach der Redner die Vorgänge der letzten
Monate, insbeſondere den Abſtimmungskampf, und forderte, daß das
Bürgertum bei der Landtagswahl am Ende dieſes Jahres noch ganz
anders ſeine Pflicht tun müſſe als bisher. Zur Theaterfrage gab Abg.
Dingeldeh eine ausſührliche Schilderung, wie ſich dieſe im Laufe der
Zeit entwickelt hat, wie der Fehlbetrag immer größer geworden, und
nun eine Kriſe heraufbeſchworen iſt. Die Anträge der einzelnen
Par=
nächſten Vortrag am 18. Februar d8. Js, wurde die Verſammlung gegen teien im Finanzausſchuß wurden durchgeſprochen, von denen bis jetzt
nur der ſozialdemokratiſche Antrag auf Streichung von 50 000 Mk. bei
*Orpheum. „Luſtig München— fröhlich Wien” Unter den Ausgaben für das künſtleriſche Verſonal angenommen iſt. Die
Aus=
dieſem Motto findet, wie bereits mitgeteilt, heute Sonntag, 30. Januar, führungen des Vortragenden laſſen ſich turz etwa auf die Formel
bringen: Das Theater, ein wichtiger Kulturfaktor, muß erhalten bloiben.
Der Betrieb iſt zu vereinfachen. Der Spielplan muß ſo geſtaltet werden,
der Leitung von Herrn Hugo Hauske. Der Humoriſt Hans Benner, daß ſtärkere Einnahmen zu erzielen ſind. Die Ausführungen des
Red=
ners fanden lebhafte Zuſtimmung und waren am Schluß von lang an=
* Deutſche Volkspartei, Darmſtadt. Wir verweiſen
erhält feſtliche Beleuchtung und Ausſchmückung. Kappen, Luftſchlangen auf unſere heutige Anzeige, wonach am kommenden Dienstag, 1. Febr.,
abends 8 Uhr, im großen Saale der Loge (Sandſtraße 10) eine
Mit=
gliederverſammlung ſtattfindet. Unſer Reichstagsabgeordneter
—Von der Berufsfeuerwehr. Im Monat Dezember 1926 wurde Dr. Becker, der die Entwicklung der nunmehr abgeſchloſſenen
Regic=
rungskiſe im Reich in Berlin aus nächſter Nähe miterlebt hat, wird.
gen — Der Sanitätsdienſt erſtreckte ſich auf 127 Transporte. In über die jüngſten politiſchen Vorgänge und über die Ausſichten und die
Pläne der neuen Reichsregierung beſonders intereſſante Mitteilungen
zu machen. — Nur Parteimitglieder haben Zutritt. Da reine Karten
ausgegeben werden, dürfte ſich rechtzeitiges Erſcheinen empfehlen.
— Verſammlung der Demokratiſchen Partei,
Darmſtadt. Reichstagsabgeordneter Korell ſpricht am Dienstag,
den 1. Februar, abends 8 Uhr, im Städtiſchen Saalbau über „Die neue
Neichsregierung‟. Der Saal iſt geheizt, der Eintritt frei. Des aktuelle
Thema, das der Redner behandelt, wird über die Kreiſe der
republika=
niſchen Parteien hinaus ſtärkſtes Intereſſe finden.
Nummer 30
Geite 6
Sonntag, den 30. Januar 1922
Die Offenbacher Getränkeſteuer vor
dem Verwaltungsgerichtshof.
Als einzige Sache ſteht auf der Rolle: Klage des Gaſwirts W.
Bachmann u. Gen. in Offenbach gegen die Stadt
Offen=
bach wegen Heranziehung zur Getränkeſteuer.
Don Vorſitz führt in Vertretung des Präſidenten
Oberlandesgerichts=
rat Welcker. Beiſitzer ſind die Oberlandesgerichtsräte Simon, Dr.
Mau=
rer, Miniſterialräte Körnberger und Windiſch.
Als Vertreter der Kläger ſind erſchienen die Rechtsanwälte Dr.
Keß=
ler=Offenbach, Dr. Mattern=hier, für die Stadt Offenbach Beigeordneter
Dr. Aull=Offenbach, Dr. Lindt, Vorſtand des Steuer= und Statiſtiſchen
Amtes der Stadt Offenbach.
Als Vertreter des Staatsintereſſes iſt Reg.=Rat Dr. Ahl erſchienen.
Die Kläger haben gegen die Heranziehung zur Getränkeſteuer Klage
im Verwaltungsſtreitverfahren erhoben.
Sie haben die Klage damit begründet, daß die Offenbacher
Steuer=
ordnung, in Kraft geſetzt mit 1. Oktober 1923, rechtsungültig ſei, da die
Vorausſetzungen für das Zuſtandekommen einer Ortsſatzung nicht
er=
füllt worden ſeien.
Der Kreisausſchuß ſei nicht oder erſt nachträglich zu der
Angelegen=
heit gehört worden. Das Miniſterium habe die Genehmigung der
Steuerordnung erſt am 24. Oktober 1923 erteilt. Außerdem ſei die
Ge=
nehmigung unter der Bedingung gegeben worden, daß § 4 der Satzung,
der von Mitwirkung der Hauptzollämter bei Feſtſtellung der
Getränke=
ſteuer handele, geſtrichen werde. Eine Genehmigung unter einer
Be=
dingung ſei nicht zuläſſig. Der Oberbürgermeiſter habe auf die
Ver=
fgung des Miniſteriums hin § 4 einfach geſtrichen und über die
Strei=
chung die Stadtverordnetenverſammlung nicht mehr gehört, was
uner=
läßlich geweſen ſei. Der Nachtrag zur Steuerordnung vom 19. Januar
1924 enthalte keine Beſtimmung über den Tag des Inkrafttretens des
Nachtrags entgegen der zwingenden Vorſchrift des Art. 15 der
Städte=
ordnung. Ueber den Zeitpunkt des Inkrafttretens habe die
Stadtver=
ordnetenverſammlung zu beſchließen. Nach § 11
Reidhsfinanzausgleichs=
geſetzes dürfe eine Steuerordnung nur zu Beginn eines
Kalenderviertel=
jahres in Kraft geſetzt werden. Gleiches müſſe auch für die Aenderung
einer Steuerordnung gelten. Der Nachtrag enthalte auch eine
weſent=
liche Veränderung (Berechnung der Steuer durchweg nach dem
Klein=
handelspreiſe). Im September 1925 ſei erſt feſtgeſtellt worden, daß die
Anhörung des Kreisausſchuſſes überſehen worden ſei, erſt damals ſei
zuſtimmende Begutachtung durch den Kreisausſchuß veranlaßt worden.
Der Beſchluß im September 1925 ſei aber nicht mehr zuläſſig goweſen,
denn nach Art. III § 14a des Reichsfinanzausgleichsgeſetzes durften die
Gemeinden vom 1. September 1925 ab Getränkeſteuer nicht neu
ein=
führen. Eine Anhörung des Kreisausſchuſſes nach 1. September 1925
ſei rechtsungültig. Die Beklagte, Stadt Offenbach, bemängelte, daß eine
der (zur Verhandlung und Entſcheidung) verbundenen Klagen verſpätet
erhoben ſei.
Im übrigen wurde ausgeführt: Ortsſatzung ſamt Nachtrag ſeien
rechtsgültig erlaſſen. Die Gemeinden hätten das Rocht, Getränkeſteuern
einzuführen kraft Reichsrechts, mit Genehmigung der Landesregierung.
Auch das Innenminiſterium ſtehe (Ausſchreiben vom 30. Dezember 1925)
auf dieſem Standpunkte,
Die Steuerordnung ſei am 13. November 1923 erlaſſen, nach
An=
hörung des Kreisausſchuſſes, erfolgt am 29. Oktober 1923. Miniſterielle
Genehmigung habe vorgelegen, dieſe ſei ſchriftlich dem Kreisamt
gegen=
über am 24. Oktober 1923 ausgeſprochen worden. Die Streichung des
§ 4 habe das Miniſterium verfügt.
Die Beklagte betont, daß die Anforderungen von Getränkeſteuer
alle aus der Zeit nach 1. April 1924 ſtammten.
Der Provinzialausſchuß hat durch Urteil vom 5. Juni 1926 die
Klage abgewieſen. (Die Klage Geibel, weil verſpätet erhoben.) Die
Klä=
ger haben Berufung an den Verwaltungsgerichtshof verfolgt.
Aus den Ausführungen der Prozeßbeteiligten heben wir hervor,
daß Beigeordneter Dr. Aull u. a. betonte, daß es in den in Rede ſtehen:
den Prozeſſen ſich für die Stadt Offenbach um mehrere hunderttauſend
Mark handle, daß es für die Stadt Offenbach zu reiten gelte, was zu
retten ſei. Die Darlegungen der Parteivertreter berühren im übrigen
nur das verwaltungsrechtliche und ſtaatsrechtliche Gebiet.
Der Vertreter des Staatsintereſſes betont, im öffentlichen Recht
müſſe danach gefragt werden, was beabſichtigt war, und die Ortsſatzung
müſſe ſo ausgelegt werden, wie ſie vom Geſetzgeber gewollt ſei; er
ſteh=
im übrigen auf dem Standpunkt, eine Ortsſatzung ſei im Fragefalle
über=
haupt nicht notwendig geweſen.
Das Urteil, das nach über einſtündiger Beratung erging, weiſt
die Berufung des Klägers Geibel zurück und hebt im
üibrigen das angefochtene Urteil auf und erklärt die Steueranforderung
der Stadt Offenbach den übrigen Klägern gegenüber für unzuläſſig.
— Die Deutſche Bau= und Sieblungsgemeinſchaft Darmſtadt ſchreibt
uns: Wie aus der heutigen Anzeige der Ortsgruppe Darmſtadt
hervor=
geht, konnte die D.B.S. am 29. Januar 1927 wiederum 100 zinsloſe
Baudarlehen in der beantragten Höhe an ihre Mitglieder bergeben.
Durch ihr Wohnungsbauprogramm konnte die D.B. S. bis jetzt ſchon
vie=
len Hunderten Fawilien Arbeit, Wohnung und Brot geven und die
öffentliche Erwerbsloſenfürſorge um mehrere Millionen Mark entlaſten.
Berückſichtigt man noch, daß die Wohnungen, welche die bauenden
Mit=
glieder ſeither inne hatten, zugunſt n der Wohnungsſuchenden frei
wur=
den, ſo muß man unbedingt averkennen, daß die Deutſche Bau= und
Siedlungsgemeinſchaft dem geſamten deutſchen Volke dient. Von den
eingangs erwähnten 100 Darlehen ſind wieder einige auf die Ortsgruppe
Darmſtadt gefallen. Es iſt zu hoffen, daß die Stadtverwaltung im
In=
tereſſen der vielen Darmſtädder Wohnungsſuchenden und Arbeitsloſen
den Bauherren zur raſchen Durchführung ihrer Bauvorhaben
unter=
ſtützend zur Seite ſteht.
— Nächſte Dampfer Abfahrten der Hamburg=Amerika=Linie (Deutſch=
Auſtral= und Kosmos=Linien). Nach New York: D. Weſtphalia ab
Hamburg am 2. 2., D. Albert Ballin ab Hamburg am 10. 2., ab
Cux=
haven am 11. 2.: D. Thuringia ab Hamburg am 16. 2.: D.
Deutſch=
land ab Hamburg am 24. 2.; ab Cuxhven am 25. 2.: D. Cleveland
ab Hamburg am 2. 3.; ab Cuxhven am 3. 3. — Nach Philadelphia,
Baltimore, Norfolk: D. Montano am 15. 2. — Nach der Weſtküſte
Nord=
amerika: MS. Iſis am 9. 2., D. Montpelier am 26. 2. — Nach Cuba:
D. Kyphiſſia am 15. 2., D. Nauplia am 15. 3.: D. Danzig am 15. 4. —
Nach Mexiko: D. Nord=Schleswig am 3. 2., MS. Rio Panuco am 15.
2., D. Antiochia am 26. 2., D. Schleswig=Holſtein am 10. 3., MS. Rio
Bravo am 22. 3. — Nach Weſtindien: D. Adalia am 5. 2., D. Adolf
von Baeher am 16. 2.: D. Teutonia am 26. 2.: D. Sachſenwald am
9. 3. — Nach Jamaica, Haiti, San Domingo und Pto. Nico: D. Cuba
am 12. 2.: D. Troja am 5 3. — Nach der Oſtküſte Südamerika: D.
Niederwald am 9. 2.: D. Baden am 9. 2.: D. Frankenwald am 2. 3.;
D. Liguria am 5. 3.: D. Bayern am 9. 3. — Nach der Weſtküſte
Süd=
amerika: D. Emden am 2. 2.: D. Ludwigshafen am 11. 2. — Nach
Niederländiſch Indien: D. Altona am 16. 2.: D. Caſſel am 16. 3.
Nach Auſtralien: D. Elmshorn am 23. 2. — Nach Oſtaſien: D. City of
Wellington am 29. 1.: D. Idarwald am 2. 2.: D. Ludwigshafen am 5.
2.: D. Knight Companion am 12. 2.: D. Schleſien am 16. 2.: D.
Heſ=
ſen am 19. 2. — Nach Amerika (Rundreiſe): D. Uſaramo am 22. 2. —
Nach Süd=Afrika: D. Lüneburg am 19. 2. — Hamburg=Rhein=Linie:
Wöchentlich ein Dampfer. — Mitgeteilt von dem Vertreter Adolph
Nady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Lokale Veranſtaltungen.
Die blerunter erſcheinenden Notlzen ſind ansſchlleßlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Faſſe irgendwie als Beſprechung oder Kritit.
— Alt=Darmſtadt. Vereinigung für Ortsgeſchichte
und Heimatkunde. Hotel Prinz Karl. Nächſter Vereinsabend
Donnerstag, abends 8½ Uhr, „Silhouettenabend”.
Schattenbilder=
vorführung von Darmſtädter Originalen.
— Der Liederzweig=Maskenball findet am
Sams=
kag, den 26. Februar, (Faſtnachtſamstag) in ſämtlichen Räumen der
Turnhalle am Woggsplatz ſtatt. Näheres ſiehe Anzeigen.
Tageskalender für Sonntag, den 30. Januar 1927.
beſſ. Landestheater, Großes Haus, Sonntags=Fremdenmiete,
6. Vorſt., Anfang 7 Uhr, Ende gegen 10 Uhr: „Macbeth” — Kleines
Haus, nachm. 2½ u. 4½ Uhr: Märchenfilme. — Abends 7½ Uhr,
Ende 10 Uhr, außer Miete: „Der Vetter aus Dingsda.”
Orpheum, abends 8 Uhr: Faſchingsabend. —
Orangerie=
haus, abends 8 Uhr: Ball. — Baugewerkſchule abends
8 Uhr: Oeffentl. Votrag (Goethes „Fauſt”). — Konzerte:
Schloß=
kaffee, Perkeo, Ludwigshöhe, Hotel Schmitz, Haferkaſten, Heſſiſches
Haus, Eintracht, Frankfurter Hof, Café Egenrieder, Taunusburg,
Hotel, Prinz Heinrich, Café Rheingold, Weinhaus Weißer Turm,
Reichkshof. — Tanz: Weinhaus Weißer Turm, Café Rheingold,
Taunusburg, Reichshof. — Kinovorſtellungen: Union=,
Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele.
Verſteigerungskalender für Montag, den 31. Januar 1927.
Städt. Güterverwaltung
Turnha
Woogsplatz: Brennholzverſteigerung. — Heſſ Forſtamt
Mör=
felden, vorm. 9 Uhr, S albau in Mörfelden:
Brennholzver=
ſteigerung.
Aus Heſſen.
Griesheim, 29. Jan. Wie man hört, haben ſich die Krankheitsfälle
an Grippe im Laufe dieſer Woche auch in unſerer Gemeinde ſehr ſtark
vermehrt. Wohl in den meiſten Familien ſind Angehörige von der
Krankheit befallen, die aber bis jetzt noch keinen bösartigen Charakter
angenommen hat. Die Urſache der Kvankheit liegt zweifellos in der
un=
beſtändigen, meiſtens naßkalten Witterung. Darum gilt es vor allem,
ſich vor Erkältung zu bewahren. — Die von der „Rheinelektra” an die
hieſige Gemeinde gelieferte Feuerſirene wurde im Laufe des geſtrigen
Tages ausprobiert. Ihr heulender Ton iſt ſo ſtark, daß er ſicher weit
über unſere Gemarkungsgrenze hinaus vernommen wird. Hoffentlich
bietet ſich nicht allzu oft Gelegenheit, ſie in Tätigkeit zu ſetzen.
* Wixhauſen, 29. Jan. Wie aus einer im Anzeigenteil unſeres
heutigen Blattes befindlichen Erklärung hervorgeht, iſt die „Freie Turn=
und Sängervereinigung”, ohne ſich vorher mit dem Inhaber ihres
ſeit=
herigen Vereinslokals, Herrn Philipp Bitter II. (Gaſthaus „Zur
Traube”), zu verſtändigen, in ein anderes Lokal übergeſiedelt.
Der=
ſelbe ſtellt daher ſeine geräumigen Lokalitäten inkl. großem Soal den
geſchätzten Vereinen und Geſellſchaften am Platze zur Abhaltung aller
möglichen Feſtlichkeiten, welche dazu ſehr geeignet ſind, zur gefälligen
anderweitigen Verfügung.
* Pfungſtadt, 29. Jan. Die Hauptverſammlung des
hieſigen Turnvereins, die im „Hotel Strauß” ſtattfand,
er=
gab eine weitere Entwicklung des Vereins. Der Turnausſchuß konnte
berichten, daß der Turnſtundenbeſuch auch im vergangenen Jahre um
rund 60 Prozent ſich gebeſſert hat. Mit den Ergebniſſen der
einzel=
nen Abteilungen konnte man vollauf zufrieden ſein. Nur mit wenigen
Veränderungen wurde der ſeitherige Vorſtand wiedergewählt. — Alle
Viehbeſitzer werden von der Bürgermeiſterei darauf hingewieſen,
daß die Liſten der Beſitzer von Pferden und Rindvieh, die der
Er=
hebung der Beträge zu den Koſten der Entſchädigungen für
Viehver=
luſte im Jahre 1926 zu Grund gelegt werden, bis zum 3. Februar auf
der Bürgermeiſterei zur allgemeinen Einſichtnahme offen liegt.
Die Gasverſorgung Pfungſtadts. Der Gemeinderat hat
beſchloſſen, der neugegründeten Kommunalen Gasverſorgungsgeſellſchaft
beizutreten und dieſer die Gasverſorgung Pfungſtadts zu übertragen.
* Ober=Ramſtadt, 29. Jan. Die erſte Brennholzverſteigerung im
Gemeindewald findet nächſten Dienstag, den 1. Februar, vorm. 9 Uhr,
im Forſtort Eichelberg ſtatt. Es ſind hierzu jedoch nur Einwohner
von Ober=Ramſtadt zugelaſſen. — Nchdem die Drainagearbeiten in
der „Aue” beendet, wird nunmehr mit dieſen in der Pfingſtweide
be=
gonnen. Eine Anzahl Erwerbsloſer findet dadurch vorübergehend
Be=
ſchäftigung.
* Roßdorf, 29. Ja. Gemeinderatsſitzung. 1. Nachdem
durch Gemeinderatsbeſchluß vom 13. Dezember v. Js. die Uebernahme
des landeskirchlichen Fehlbetrages in Höhe von 1100 Mark auf die
bürgerliche Gemeinde übernommen worden iſt, haben die Gemeinderäte
der ſozialdemokratiſchen und kommuniſtiſchen Fraktion ſowie zwei
Ge=
meinderäte des Bauernbundes ſchriftlichen =Antrag auf Aufhebung des
vorgenannten Beſchluſſes geſtellt. Nach längerer Debatte erfolgt
Ab=
ſtimmung über den Antrag, der der Ablehnung verfällt. Es bleibt alſo
bei der Uebernahme des Betrags auf die bürgerliche Gemeinde. Der
Kredit iſt im Voranſchlag 1927 bereitzuſtellen. Hoffentlich beruhigen
ſich jetzt die erhitzten Gemüter über dieſen Punkt. 2. Die iſraelitiſche
Religionsgemeinde bittet um Bewilligung eines Zuſchuſſes von 500
Mark zur Renovierung der Synagoge; die Koſten der Erneuerung
werden auf etwa 1500 Mark angegeben. Der Antrag wird zunächſt
abgelehnt, jedoch ſoll bei Aufſtellung des diesjährigen Voranſchlags
eventuell ein Betrag vorgeſehen werden, der ſich allerdings viel geringer
als ewünſcht bemeſſen ſoll. 3. Johs. Breitwieſer IV beantragt die
Herabſetzung ſeines vorjährigen Pachtpreiſes für eine der Gemeinde
gehörigen Wieſe. Die Antrag wird abgelehnt. 4. Zur Anſchaffung einer
neuen Schreibmaſchine „Marke Odoma” wird der erforderliche Kredit
bewilligt. 5. Die Kinobeſitzer Rühl und Schollenberger bitten um
Hevab=
ſetzung der geſetzlichen Vergnügungsſteuer; der Gemeinderat lehnt dies
ab. 6. Zahlreiche Bewohner der Erbacher Straße führen Beſchwerde
über die Verunreinigungen der Erbacher Straße, die hauptſächlich
vor dem Anweſen des Ph. Heidelberger durch Herausſchütten von
Ab=
fallwaſſer und ſonſtigem Unrat ſtattfinden ſollen, auch laſſe die
Stra=
ßenreinigung an dem Garten der Heinrich Trinkaus Eheleute ſehr zu
wünſchen übrig. Der Bürgermeiſter bemerkt dazu, daß wiederholt
Strafanzeigen erſtattet worden ſeien und gibt bekannt, daß die Polizei
ihr Auge zukünftig noch mehr dieſen geſchilderten Zuſtänden, die
teil=
weiſe begründet ſeien, zulenken wird und ſcharfe Beſtrafungen gegen
die Schuldigen eintreten würde. 7. Auch in dieſem Jahre ſollen an zur
Schulentlaſſung kommende bedürftige Kinder Beihilfen gewährt werden.
Die Unterſtützung ſoll im Einzelfall durchſchnittlich 40 Mark betragen
und möglichſt in Sachen gewährt werden. Das Kreisamt will die
Unter=
ſtützungsmaßnahme durchführen, wenn die Gemeinde ſich verpflichtet,
die Hälfte der Aufwendungen zu erſetzen. Der Gemeinderat iſt
hier=
mit einverſtanden und überträgt die endgültige Regelung der
Ange=
legenheit der Fürſorgekommiſſion. Zum Schluß wurden verſchiedene
Rechnungen genehmigt, ferner verlieſt der Bürgermeiſter noch eine
Ein=
ladung des Obſt= und Gartenbauvereins Darmſtadt zu einer am 30.
Januar, nachmittags 3 Uhr, im Gaſthaus „Zum goldenen Stern”
(Ph. Barth), dahier ſtattfindenden Verſammlung, bei der einige
Darm=
ſtädter Herren kürzere Referate über die Bedeutung des deutſchen
Obſtbaues, Baumpflege, Förderung des Vereinslebens in den örtlichen
Obſt= und Gartenbauvereinen, erſtatten werden. Unter den anweſenden
Mitgliedern des hieſigen Vereins findet hierbei eine Verloſung von
Sämereien ſtatt.
Meſſel, 29. Jan. Hohes Alter, J. Domm, als älteſter Mann
in Meſſel, begeht in körperlicher Friſche am 1. Februar ſeinen 89.
Geburtstag.
r. Babenhauſen, 28. Jan. Seine diesjährige Generalverſammlung
hielt der Stenographenverein „Stolze Schrey” im Gaſthaus zum Löwen
ab. In ſeinem Tätigkeitsbericht über das verfloſſene Geſchäftsjahr
be=
tonte der erſte Vorſitzende Hch. A. Fendt, daß ſich der Verein ſehr gut
entwickelt habe und ſchöne Erfolge gerade im letzten Jahre erzielt habe.
So habe er in Gelnhauſen bei dem Bezirkswettſchreiben den zweiten
Bezirkswanderpreis unter ſehr ſtarker Konkurrenz errungen, den beiden
Schriftfreunden K. Sehnert und F. Mohhadt, ſei als Zeichen hoher
An=
erkennung vom Mittelweſtdeutſchen Stenographenbund das
Stenogra=
phen=Ehrenzeichen verliehen worden. Im vergangenen Jahre ſei auch
ein Anfängerlehrgang mit acht Teilnehmern abgehalten worden. Der
Vorſitzende ſchloß ſeinen Bericht mit der Mahnung zur Einigkeit und
zur feſten Arbeit für den bevorſtehenden Bundestag in Wiesbaden. Mit
Ausnahme des zweiten Vorſitzenden und des zweiten Schriftführers
wurde der Vorſtand wiedergewählt. Mit einem Hoch auf das altbewährte
Kurzſchriftſyſtem „Stolze=Schrey” fand die Verſammlung ihr Ende. —
Die hieſige Schützengeſellſchaft e. V. hält kommenden Samstag im
Saal=
bau „Deutſcher Hof” ihr diesjähriges Wintervergnügen ab.
* Michelſtadt, 29. Jan. Maskenball. Der Karnevalverein
Narrhalla beſchloß in ſeiner Generalverſammlung, einen Maskenball im
Vereinslokal „Drei Haſen” am 19. Februar, abzuhalten. —
Konfir=
mationsunterſtützungen: Der Beirat der Bezirksfürſorgeſtelle
hat beſchloſſen, den Kindern von Schwerkriegsbeſchädigten, den
Krieger=
wvaiſen, den Zivilwaiſen, den unehelichen und den von beiden Eltern
ge=
trennt lebenden Kindern, ſoweit ſie hilfsbedürftig ſind, zu den
Konfir=
mations Ausſtellungsgegenſtänden einen Gutſchein zu gewähren. —
Wanderung: Die erſte Wanderung des Turnvereins Michelſtadt
findet am Sonntag, den 30. Januar, ſtatt. Sie führt über
Gänſebrun=
nen, Spindlersbrunnen, Emilienhütte, drei Tannen und zurück.
Ab=
marſch 2 Uhr von der Villa Schaufried.
* Hähnlein, 30. Jan. In Heppenheim wurde geſtern der aus einer
angeſehenen Bauernfamilie ſtammende 46jährige Bäckermeiſter Peter
Rechel zur letzten Ruhe getragen. — Wie beliebt Herr Rechel trotz
langjähriger Abweſenheit in Berlin und zuletzt in Heppenheim in
ſeinem Heimatorte Hähnlein war, erhellt daraus, daß faſt ganz
Hähn=
lein in Heppenheim anweſend war, um dem Entſchlafenen die letzte
Ehre zu erweiſen. — Das unbeſtändige Wetter der letzten Wochen wirkte
koloſſal ungünſtig auf die Geſundheit der hieſigen Einwohner. Faſt in
jedem Hauſe hat man Patienten zu verzeichnen und wirkt dort die
Grippe ſo auffallend, daß in manchen Häuſern 4—5 Angehörige das
Bett hüten müſſen und der hilfebringende Arzt zu Rate gezogen
wer=
den muß.
— Hirſchhorn, 29. Jan. Waſſerſtand des Neckars am
28. Januar 1,06 Meter, am 29. Januar 104 Meter,
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u. a. Erkältungskrankheiten haben ſich Cogal=Cabletten hervorragend
bewährt. Im Anfangsſtadium genommen, verſchwinden die
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Straßenbericht
für die Woche vom 30. Januar bis 5. Februar 1927.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.)
1. Hauptdurchgangsſtraßen in Heſſen.
Mainz—Worms. Geſperrt: Rheinſtraße in der Gemarkung
Worms von Lützowſtraße bis Rheingewannfriedhof vom
3. Januar auf 12 Wochen für Fahrzeuge aller Art. Umleitung:
für ſchweres Fuhrwerk und Kraftwagen Rheindürkh. Fahrt—
Herrnsheim—Neuhauſen, leichtes Fuhrwerk Gerichtsſtraße—
Langer Rheingewannweg—Hafenſtraße. Verfügende Behörde:
Kreisamt Worms.
Darmſtadt—Frankfurt a. M. Geſperrt: Ortsdurchfahrt
Langen vom Km. 12,8 bis Km. 13,2 vom 24. Januar bis auf
weiteres für Fahrzeuge aller Art. Umleitung über Egelsbach
—Wolfsgarten-Langen. Verfügende Behörde: Kreisamt
Offenbach.
2. Hauptdurchgangsſtraßen in Württemberg.
Stuttgart—Heilbronn. Geſperrt zwiſchen
Pragwirts=
haus und Talſtraße Zuffenhauſen auf zirka 8 Wochen für
Fahrzeuge aller Art. Umleitung: über Feuerbach (
Cann=
ſtatter= und Talſtraße).
Zuffenhauſen-Vaihingen / Enz—Bretten.
Ge=
ſperrt wegen Umbau des ſog. Heckenſtichs bei
Schwieberdin=
gen vom 24. Januar bis 5. März für Fahrzeuge aller Art,
Umleitung: von Schwieberdingen über Nöglingen=
Ludwigs=
burg.
3. Hauptdurchgangsſtraßen in Bayern.
Würzburg—Aſchaffenburg—Hanau. Geſperrt die
Hanauer Straße in Aſchaffenburg von der Meßwerkzeugfabril
Sautter u. Meßmer auf ca 700 Meter Länge auf ca 8 Wochen
für Fahrzeuge aller Art für den Durchgangsverkehr.
Umlei=
tung: Aſchaffenburg—Stockſtadt—Seligenſtadt—Hanau.
Ver=
fügende Behörde: Straßen= und Waſſerbauamt Aſchaffenburg.
4. Heſſiſche Straßen.
Babenhauſen—Aſchaffenburg. Geſperrt wegen Umbau
der Straßenüberführung bis auf weiteres für Fahrzeuge aller
Art. Umleitung: Südl. Straße im Zuge der Straße
Baben=
hauſen—Dieburg. Verfügende Behörde: Kreisamt Dieburg.
Wimpfen a. Berg—Wimpfen i. Tal. Geſperrt
voraus=
ſichtlich bis 1. April für Fahrzeuge aller Art. Umleitung über
Biberach. Verfügende Behörde: Kreisamt Heppenheim.
Offenbacher Straße in Neu=Iſenburg. Geſperrt
vom 20. Dezember 1926 bis auf weiteres für Fahrzeuge aller
Art. Verfügende Behörde: Kreisamt Offenbach.
Offenbach-Mühlheim a. M. Geſperrt zwiſchen
Grenz=
ſtraße und Mühlheim a. M. vom 17. Januar bis auf weiteres
für Fahrzeuge aller Art. Verfügende Behörde: Kreisamt
Offenbach.
Ortsdurchfahrt Heubach i. Odw. Geſperrt vom 3.
Fe=
bruar bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art. Verfügende
Behörde: Kreisamt Dieburg
Ober=Eſchbach—Ober=Erlenbach. Geſperrt
Ortsdurch=
fahrt Ober=Eſchbach vom 10. Dezember 1926 bis auf weiteres
für Fahrzeuge aller Art. Umleitung über Ober=Erlenbach—
Nieder=Eſchbach. Verfügende Behörde: Kreisamt Friedberg.
Gießen—Mainzlar. Geſperrt Ortsdurchfahrt Daubringen
vom 9. Januar bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art,
Umleitung über Lollar. Verfügende Behörde: Kreisamt
Gießen.
* Erbach, B. Jan. Der Schützenvevein Erbach veranſtaltet am
Sonntag, den 30. ds. Mts., im Vereinslokal, Gaſthaus zur Stadt
Er=
bach, ſeinen diesjährigen Jahresball. — Im Einvernehmen mit dem
Kreisobſtbauverein veranſtaltet der Landwirtſchaftskammerausſchuß am
Dienstag, den 1. Februar d. J., nachmittags 2 Uhr, einen
Gemarkungs=
rundgang mit anſchließender Beſprechung in Kimbach. Gleiche
Veran=
ſtaltungen werden am Mittwoch, den 2. Februar, nachmittags 1 Uhr,
in der Gemarkung Güntherfürſt und Haiſterbach, ſowie am Freitag, den
4. Februar, nachmittags 1½ Uhr, in Hainſtadt abgehalten. — Vor der
Geſellſchaft für Kunſt und Wiſſenſchaft hielt geſtern abend im Anker zu
Stockheim Herr Profeſſor Dr. Soeder aus Kaſſel einen ſehr
intereſſan=
ten Lichtbildervortrag über „Pompefi” An Hand der ausgezeichneten
Lichtbilder führte der Vortragende die Zuhörer durch die Straßen und
Häuſe von Pompefi, ſchilderte und erläuterte Bauform, Art und
Ma=
terial und gab einen Ueberblick über die angewandte Kunſt. Es würde
zu weit führen, den intereſſanten Vortrag in allen Einzelheiten
wieder=
zugeben.
* Ginsheim=Guſtavsburg, 28. Jan. Letzten Sonntag fand die
Wiedereinweihung der renovierten Evangel. Kirche in Ginsheim ſtatt,
Die im Jahre 1746 erbaute Kirche war infolge nur mangelhaft
vorge=
nommener Reparaturen ſeit ihrer Erbauung ſo gefährdet, daß kein
Gottesdienſt mehr darin abgehalten werden konnte, und man im
Sep=
tember vergangenenen Jahres zur vollſtändigen Erneuerung ſchreiten
mußte, was erſt möglich war, nachdem die politiſche Gemeinde, der die
Baupflicht für die Kirche obliegt, wohlwollender Weiſe Mittel zur
Ver=
fügung ſtellte. Unter der ſachkundigen, vortrefflichen Leitung des Herrn
Architekten Dipl.=Ing. W. Pfühl, Darmſtadt, wurden in der kurzen
Zeit von 4 Monaten die Arbeiten vollendet, und iſt jetzt die Kirche ein
rechtes Schmuckkäſtlein, wie wir in hieſiger Umgebung nicht viele haben.
Der Darmſtädter Maler, Herr Kienzel, gab dem Gotteshauſe durch
ſeine Emporenbilder ein ſehr freundliches und ſehr gut wirkendes
In=
nere. Das wunderſchön am Rhein gelegene Gotteshaus konnte die Zahl
der Andächtigen haum faſſen. Der Bläſerchor der Evangel. Jugend
Guſtavsburg eröffnete den Gottesdienſt mit einer Motette, worauf nach
Gemeindelied und Gebet Herr Geheimrat Dr. Flöring die Kirche weihte,
Nun ließ die ausgezeichnete, 16 Regiſter ſtarke Orgel, erbaut durch die
Herren Orgelbaumeiſter Gebr. Link in Giengen (Br. Württemberg),
unter der kundigen Hand des Herrn Orgelrevidenten Studienrat
Born=
gäſſer, Darmſtadt, ihre feierliche Stimme ertönen. Nach der Feſtpredigt
des Ortsgeiſtlichen, Herrn Pfarrer Blum, mahnte Herr Prälat Dr.
D. Diehl, die Gemeinde mit ernſten Worten, nun auch getreu nach den
in lateiniſcher Schrift über der Kirchentür geſchriebenen Worten: „Des
Herren Wort bleibet in Ewigkeit” zu handeln. Ein Kinderchor, ſowie
ein Jugendchor, und der Kirchenchor Ginsheim halfen mit ihren Weiſen
die Feier verſchönern. — Zahlreiche Vertreter öffentlicher
Körper=
ſchaften — der Herr Staatspräſident hatte ſein Nichterſcheinen infolge
dienſtlicher Behinderung entſchuldigt —, ſo des Kreisamts Groß=Gernu,
durch Herrn Kreisdirektor Dr. Merck, die heſſiſche Kirchenregierung, außer
den vorher genannten Herren Prälat Dr. Diehl und Geheimerat Dr.
Flöring, noch durch Herrn Präſident D. Bernbeck und der geſamte
Ge=
meinderat, an der Spitze Herr Bürgermeiſter Laun, waren anweſend. Nicht
unerwähnt darf die Gabe des Herrn Reichspräſidenten von
Hinden=
burg bleiben, der der Kirchengemeinde eine wertvolle Altarbibel mit
eigenhändiger Widmung zum Geſchenk machte. So hat die Gemeinde
eine dauernde Erinnerung an Deutſchlands Führer in großer und
ſchwerer Zeit. — Nachmittags 4 Uhr fand im wiederum vollbeſetzten
Gotteshauſe ein Konzert ſtatt, zu dem ſich die Darmſtädter Künſtler,
Frau Pfuhl=Flöring (Violine), Frl. Thilde Walter (Geſang) und Herr
Orgelrevident Studienrat Borngäſſer (Orgel) zur Vefügung geſtellk
hatten. Dieſe Stunde gab der Gemeinde Gelegenheit, wirklich echte,
von großem künſtleriſchen Talent und Verſtändnis zeugende Muſik zu
hören. Es war eine Freude, Herrn Borngäſſers meiſterhaftem
Orgel=
ſpiel zuzuhören, durch das viele prächtige Klangmiſchungen der neuen
Orgel den Zuhörern übermittelt wurden, dem feinen und gediegenem
Spiel von Frau Pfuhl=Flöring zu lauſchen, und den von Frl. Thilde
Walter herrlich vorgetragenen Liedern zu folgen. Das Ganze war als
ein würdiger Abſchluß dieſes Feſttages zu werten.
H.N.
WSN. Dortelweil b. Vilbel, B8. Jan. Ein Auto verbrannt=
Geſtern vormittag geriet auf der Fahrt nach Gießen ein vollbeladenes
Möbeltransportauto kurz vor dem Ort infolge Exploſion des Benzile
tanks in Brand. Der Wagen brannte ſamt Inhalt bis auf das Chauſie
nieder, während der Anhängewagen noch rechtzeitig in Sicherheit ge
bracht werden konnte. Von dem Fahrperſonal wurde niemand verleßt.
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Leicht gesagt!! Wer kann so ruhig sein wie Mister Woker,
der in einem englischen Rennwagen mit Herrn Eselei
zusammen-
sitzt und diesen fragt: „Uetten uir, daß unser Wagen den deutschen
schlägt?", worauf Eselei erwidert: „lch wette nicht”.
„Uetten uir, daß diese Fahrt nicht gut abläuft”, fragte Woker
erneut. „Ich wette nicht”, sagte Eselei.
Plötzlich explodierte der Motor, beide fliegen in hohem Bogen
heraus. Da rief Woker noch im Fliegen dem Eselei zu: „Uollen uir
uetten, daß ich höher fliege als Sie?‟
Den Mann kann man seiner Ruhe uegen beneiden, nicht wahr?
Doch zurück zu unserm Münchner Kindl, dem Wahrzeichen
der alten, weltbekannten Zuban-Zigarettenfabrik, und Dr. Ali Nabi,
unserem Tabakdoktor.
In wohliger Ruhe spazieren die beiden im Parke auf und ab.
„Ein zweiter Dr. Ali Nabi existiert nicht”, erwidert der Alte
klar. „Ich bin der Letzte meines Geschlechts, dem die jahrhundertalten
Erſahrungen meiner Ahnen in der Tabakmischkunst zugänglich sind.
Wenn heute viele Zigarettenfabriken behaupten, den Stein der
Weisen zu besitzen, so glauben sie auch, ihn gefunden zu haben,
und doch haben sie ihn dann nicht. Mit Fug und Recht darfst Du
Dich rühmen, ihn zu besitzen, denn die
Zuban-Zigaretten
werben ob ihrer Güte durch sich selbst
von Tag zu Tag neue Freunde. Und nach all dem, was Du von mir
bisher gehört hast, wirst Du die Zuban-Raucher noch mehr in den
Bann Deiner Marke zwingen als bisher.‟..
Ubermorgen hören Sie mehr!
Die Geschmacksrichtungen der Raucher sind wandelbar wie
die Zeiten. Wir gehen mit! Die leichten, süffig süßen Mischungen
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serer Zigaretten sind Glanzstücke der heutigen Zigaretten-
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ſchicken Sie uns die Zeichnung mit
Ihrer genauen Adreſſe ein! Falls Ihr
Verſuch zu unſerer Zufriedenheit ausfällt,
ſo werden wir Ihnen koſtenios eine 32
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ten ſtarke, mehrfarbig illuſtrierte Druckſchrift
„Wege zur Kunſt”, zuſenden. die für Sie von
größtem Intereſſe ſein dürfte. Wir zeigen
da-
rin Möglichkeiten, wie man auf einfacher
Grund=
lage und ohne Aufgabe ſeines Berufes oder
Veränderung des Wohnſites in ſeinen
Muße=
ſtunden zu künſtleriſehen und
praktiſchenErfol=
gen gelangen kann. Wir wiſſen aus Erfahrung.
daß oft gerade da ein Talent ſchlummert, wo
es niemand ahnt Erfolg im Zeichnen und
Malen aber bedeutet für Viele eine
Ver=
beſſerung ihrer Lebenslage. Zögern Sie
des-
halb nicht, wo es ſich vielleicht um die
Erreichung eines großen Zieles für Sie
handelt und ſenden Sie uns Ihre SEizze
noch heute ein! Adreſſieren Sie Ihren Briet
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Sonntag, den 30. Januar 1922
Nummer 30
Diedelquelen aufden Fariſan=Inſeln
MAdlen Mrer.
In dem Aufſatz „Die engliſch=italieniſche Rivalität in
Arabien‟, Darmſtädter Tagblatt vom 10. Januar 1927, wird
geſagt, daß die Engländer ſofort nach Bekanntwerden des
italie=
niſchen Yemenvertrages verſucht hätten, den italieniſchen
Be=
mühungen eine Parole zu bieten, indem ſie „Oelkonzeſſionen”
auf den der Yemenküſte vorgelägerten Fariſan=Inſeln erwarben.
Es dürfte in weiten Kreiſen wohl kaum bekannt ſein, daß
auch die deutſche Regierung vor rund einem Vierteljahrhundert
für dieſe öden Iuſeln im Roten Meer eine zeitlang ein
beſon=
deres Intereſſe gehegt hatte und zwecks Ueberlaſſung dieſer
In=
ſeln zur Anlage einer Kohlenſtation mit der Türkei in
Verhand=
lungen getreten war. Die Türkei zeigte ſich damals auch bereit,
eine dieſer Inſeln gegen eine verhältnismäßig geringe Summe
an uns zu verpachten. Zur Unterſuchung der örtlichen
Verhält=
niſſe und Beurteilung des Wertes der Fariſan=Inſeln als
Stütz=
punkt für die deutſchen Kriegsſchiffe hatte S. M. D. „Condor”
Befehl erhalten, auf der Heimreiſe von Oſtafrika die Fariſan=
Inſeln anzulaufen und dort einen zehntägigen Aufenthalt zu
nehmen. Am 18. Januar 1901 traf „Condor” vor dieſen Inſeln
ein.
Bei meinen Erkundungen hatte ich gerüchtweiſe Einzelnes
über das Vorkommen von Petroleumquellen auf der Inſel Fariſan
vernommen. Ich entſchloß mich, mit einigen Offizieren S. M. S.
„Condor” eine Expedition zu unternehmen, um mir über dieſe
Frage, die unter Umſtänden von beſonderem Wert für die
wirt=
ſchaftliche Entwicklung der ſonſt ganz unproduktiven
Korallen=
inſel ſein konnte, Gewißheit zu verſchaffen. Mit einer geradezu
lächerlichen Aengſtlichkeit behüteten die Einwohner, beſonders die
oſfiziellen Perſönlichkeiten, die Fundorte als Geheimnis. Durch
das Verſprechen auf einen guten Backſchiſch hatte ich mir einen
Führer zu beſchaffen gewußt. Auf Pferden und Maultieren wurde
auf einem weiten Umweg über den Ort Fariſan, der der
Haupt=
inſel den Namen gegeben hat, nach 2½ſtündigem Ritt das
Fiſcher=
dorf Haſis am ſüdlichen Ende der von Norden tief
einſchneiden=
den Bucht erreicht und von hier aus mit einem arabiſchen
Segel=
fahrzeug nach dem gegenüberliegenden Ufer der Bucht geſegelt.
Dort zeigte man uns einen kleinen Salzſee, der an ſeinen
Rän=
dern Salz abgelagert hatte; aber erſt auf wiederholtes Drängen
wurden wir weitergeführt unter fortwährenden Ausflüchten und
dem Hinweis auf die weite Entfernung. In der Tat erreichten
wir erſt nach einſtündigem Fußmarſch auf dem heißen
Korallen=
ſteinboden, über dem die Luft flimmerte, die Stellen, wo aus dem
bei Niedrigwaſſer trocken fallenden grauen Mudd ſchwarzes
Erd=
öl mit ſchwachem Petroleumgeruch in einzelnen dicken Tropfen
hervorquoll. Eine kleine Probe dieſer Subſtanz ließ ich in ein
Fläſchchen füllen, das ſpäter nach Berlin geſchickt wurde. Größere
Quellen waren auf der weiten Fläche nicht erkennbar, ſondern
nur einzelne kleine Stellen, auf denen der ſonſt graue Mudd
braune Flecken zeigte. Nach Ausſage eines Fiſchers ſollte es
jedoch noch eine Stelle an einem anderen Teil der Inſel geben,
wo das Erdöl etwas reichlicher zutage tritt.
Bezeichnend war das Verhalten des oberſten Beamten der
Inſel, des Mudirs, eines verhältnismäßig noch jungen, dunklen
Arabers mit klugen, verſchmitzten Augen. Er hatte von unſerer
Expedition doch Wind bekommen und einen Boten nach Haſis
geſchickt mit dem Auftrage, auf den Mudir zu warten. Da ich
durch das Hinzutreten des Mudirs eine Durchkreuzung meiner
Abſichten befürchtete, ſegelte ich ab und ließ dem Mudir bedeuten,
nachzufolgen. Ein zweiter Bote erreichte uns unweit der
Oel=
fundſtellen, der für die uns als Führer begleitenden Fiſcher das
Verbot überbrachte, die Oelquellen den Fremden zu zeigen. Als
wir auf dem Rückweg begriffen waren, ſtieß ſchließlich auch der
Mudir zu uns und, vor der vollendeten Tatſache, gab er nur
ſeinem Bedauern Ausdruck, daß wir uns nicht an ihn gewandt
hätten; er würde ſelbſtverſtändlich alles gezeigt und alle unſere
Wünſche befriedigt haben.
Ueber die Fariſan=Inſeln war vom Schiffskommando ein
umfangreicher Bericht eingereicht worden, deſſen Schluß hier
ange=
führt werden ſoll: „Mag der Wert der Koralleninſel nun ſein,
wie er wolle und Fariſan als Kohlenſtation unſeren Anſprüchen
nicht voll genügen, ſo wird uns dies, in der Erwartung, etwas
Beſſeres zu finden, nicht abhalten dürfen, hier feſten Fuß zu
faſſen. Schon der Hinweis auf Schaffung einer Intereſſenſphäre
im Roten Meer mit dem freilich in weiter Ferne liegenden
Zu=
kunftsgedanken der kommerziellen Beherrſchung von Weſtarabien,
des „glücklichen Arabiens”, von den hierzu wie geſchaffenen
Fari=
ſan=Inſeln aus, ſollte uns den Mut geben, zuzugreifen, bevor es
zu ſpät iſt.”
Aus der Kohlenſtation war bedauerlicherweiſe nichts
gewor=
den; die Sache ſcheiterte an der leidigen Geldfrage. Jetzt ſtreiten
Italien und England um die Vorherrſchaft über Weſtarabien.
Felix Arabia!
Darmſtädter Sporikalender.
Handball:
2.30 Uhr: Stadion, Sp.=V. Darmſtadt 1898 — V. f. R.
Mann=
heim (Süddeutſche Handball=Meiſterſchaft).
3.00 Uhr: Rheinallee, Rot=Weiß 1922 Darmſtadt — Sp.=V.
Mann=
heim=Waldhof.
Fußball:
2.30 Uhr: Rheinallee, V. f. R. Darmſtadt — Sp.=V. Groß=Gerau.
3.00 Uhr: Ererzierplatz, Pol.=Sp.=V. — F.=V. 1911 Michelſtadt.
Schwimmen.
Klubzweikampf zwiſchen V.f.L. Rot=Weiß 1922 und S. Cl. Wiesbaden 1911.
Nachdem die Verhandlungen über das Progvamm eines
Klubwett=
kampfes zwiſchen den obengenannten Vereinen zu einem günſtigen
Ab=
ſchluß gekommen ſind und Wiesbaden definitiv zugeſagt hat, findet
der=
ſelbe beſtimmt am kommenden Sonntag, den 6. Februar d. J.,
nachmittags ½4 Uhr, im Städt. Hallenbade ſtatt. Wie werden auf
die=
ſen Zweikampf, der in den Darmſtädter Schwimmerkreiſen berechtigtes
Intereſſe findet, demnächſt näher zurückkommen.
Rugby.
Die Deutſche Hochſchule für Leibesübungen—S. C. 1880 Frankfurt
3:30 (9:3).
Auf ihrer Süddeutſchlandreiſe weilte die Rugby=Mannſchaft der
Deutſchen Hochſchule für Leibesübungen Berlin beim S. C. 1880
Frank=
furt und erlitt eine gründliche Abfuhr. Die Berliner begannen recht
vielverſprechend und erzielten auch einen Verſuch, der nicht erhöht wurde.
Als die Frankfurter ſich dann beſſer zuſammenfanden, fiel bald der
Aus=
gleich, und durch zwei weitere Verſuche, deren Erhöhungen jedesmal an
die Latte gingen, konnte Frankfurt bis zur Pauſe bereits 9:3 führen.
Die Einheimiſchen erwieſen ſich nach dem Wechſel als ſtändig überlegen
und brachten in regelmäßigen Abſtänden 5 Verſuche an, von denen drei
erhöht wurden. Bei dieſem Stande von 30:3 blieb es bis zum Schluß.
Die Frankfurter Mannſchaft befand ſich in blendender Verfaſſung, die
Gäſte dagegen enttäuſchten ſehr und zeigten noch viele techniſche Mängel.
Briefkaſien.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonymen Afragen werden
nicht beantwortet.
„Grunderwerbſteuer.‟ Die Reichsſteuer beträgt 3 Prozent des
ge=
meinen Wertes. Ob der Veräußerungspreis und der anzunehmende
ge=
meine Wert den gleichen Betrag darſtellen, das werden Sie erſt aus dem
Steuerbeſcheid erſehen können. Das Land 1 Prozent Zuſchlag, die
Ge=
meinde bis zu 1 Prozent. Die Reichsſteuer würde 144 Mark (für das
Ganzc) betragen. Sie dürfen auch nicht vergeſſen, daß Sie als Erwerber
mit dem anderen Vertragsteil geſamtſchuldneriſch für die Steuer haften.
Nach § 21 des Grunderwerbſteuergeſetzes ſind Kriegsbeſchädigte, die bei
Abfindung ihrer militäriſchen Bezüge auf Grund des
Kapitalabfindungs=
geſetzes Grundſtücke erweiben, nach näherer Beſtimmung des
Reichs=
rats von der Steuer befreit. Bei der Beteiligung dieſer Perſonen
er=
mäßigen ſich die Ste jerſätze im Verhältnis der Beteiligung. Dies gilt
auch hinſichtlich der Zuſchläge von den Ländern und Gemeinden. Denn
nach § 38 Abſ. 4 des Finanzausgleichgeſetzes ſind die Zuſchläge ſoweit
das Grunderwerbſteuergeſetz Ermäßigung vorſieht, im gleichen
Verhält=
uris zu ermäßigen. — Falls der Veräußerer das Eigentum in der Zeit
hom 1. Januar 1919 bis 31. Dezember 1924 erworben hatte, kann auch
noch eine Wertzuwachsſteuer in Anrechnung kommen. Die Veranlagung
der Steuer erfolgt durch das Finanzamt.
Abonnent B. Der Arbeits= und Dienſtlohn iſt bis zur Summe von
30 Goldmark für die Woche und, ſoweit er dieſen Betrag überſteigt,
zu ½ſs des Mehrbetrages der Pfändung nicht unterworfen.
Hat der Schuldner ſeinem Ehegatten, früheren Ehegatten,
Ver=
wandten oder einem unehelichen Kinde Unterhalt zu gewähren, ſo
er=
höht ſich der unpfändbare Teil des Mehrbetrages für jede Perſon, der
Unterhalt zu gewähren iſt, um ½/, höchſtens jedoch auf 2ſz des
Mehr=
betrags (Abſ. 2).
Ueberſteigt der Arbeits= und Dienſtlohn die Summe von 100
Gold=
mark für die Woche, ſo findet auf den Mehrbetrag die Vorſchrift des
Abſ. 2 keine Anwendung.
Geſchäftliches.
Was man gegen Grippe tun kann?. Der namhafte
Berliner Interniſt Profeſſor Dr. med. Zuelzer, der ſich auf reiche
praktiſche Erfahrungen ſtützen kann, empfiehlt bei der Bekämpfung
dieſer heimtückiſchen Krankheit beſonders die Verwendung einer
Miſchung von Chinin mit Salichlpräparaten. Dieſe Kombination
weiſen die Togal=Tableten auf, die ſich ſchon ſeit zwölf Jahren
her=
vorragend bewährten. Dieſelben enthalten außerdem noch andere
Be=
ſtandteile, deren Auswirkung auf den Organismus bisher wenig
be=
kannt war, welche aber, nach den Urteilen bekannter Aerzte, die ſonſt
bei Verwendung von Salichlaten auftretenden Herz= oder
Magen=
ſtörungen verhindern. Es iſt alſo im Intereſſe eines jeden ſelbſt
gelegen, mit dieſem Präparat einen Verſuch zu machen.
Betterbericht
Wettervorherſage für Montag, den 31. Januar 1927.
(Nach der Wetterlage vom 29. Januar 1927.)
Vom Weſten her breitet ſich ein Tiefdruckgebiet aus, deſſen
Rand=
törungen unſer Gebiet beeinfluſſen und uns erneute Eintrübung und
regneriſches Wetter bringen.
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Werbewoche für das Deutſchtum im Ausland vom 29. bis 5.
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Schnee=
mann. Mummelchen. Das gläſerne Krönlein. Für Kinder vom 4.
Jahre ab. O 5: Die Oper der Woche. Wagner: „Siegfried‟”
Waldweben. — Verdi: „Rigoletto””: — Bizet: „Carmen” Fant.
— Strauß: Salome” Fant. — Weber: aus Freiſchütz”. Mitw.;
Carl Brake (Bariton). O 6: Rhein=Mainiſcher Verband für
Volks=
bildung: „Der Staatsgedanke”” ein Znflus: 1. „Juſtus Möſer”
von Dr. Reindorf. O : Fried Stern erzählt. O 7.30: „Aus der
Geſchichte des Mainzer Theaters”, von Dr. Frank. O 8: „Fritz v.
v. Unruh” von F. Loew. O 8.30: „Der Barbier von Sevilla‟
Komiſche Oper von Roſſini. Perſ.: Graf Almavwa; Dr. Bartolo,
Arzt; Roſina, ſein Mündel; Baſilio, Muſikmeiſter; Marceline, m
Dienſten Bartolos; Figaro, Barbier; Fiorillo, des Grafen Diener,
Zeit: um 1750. — Darauf bis 12.30: Kaffee Sacher: Tanzmuſik,
Stuttgart.
Sonntag, 30. Jan. 11.30: Morgenfeier. Leit.: Stadtpfarter
Kopp. Mitw.: Frau Keefer=Bluthardt (Sopran), Prof. Keller
(Harm. und Klav.). „Das Vaterunſer” von Peter Cornelius. O 3:
Dr. Schneller: Das ſyriſche Waiſenhaus. O 3.30: „
Funkheinzel=
mann” von der Funkſtunde Berlin. — Anſchl.: Konzert. Leit.:
C. Struve. Mitw.: Eliſabeth May (Sopran), Heinr. Lohalm
(Tenorbuffo), Funkorch. 18 Darbietungen. O 6.15: Dr. Elwenſpoek:
Von großen Epen der Weltliteratur (mit Rezitationen). O 6.45:
Uebertr. aus Karlsruhe: Heinrich Vierordt lieſt aus eigenen Werken.
O 8: Bunter Abend. Mitw.: E. H. May, M. E. Wozak, Käte
Mann, Hilde Binder, R. Epple, H. Hanus, E. Stockinger, M.
Heye, Funkorch. Cherubini: Ouv. Der Waſſerträger. — Beethoven:
Adagio und Menuett. — Meyerbeer: Pagenarie aus Hugenotten.
— Wagner: Anſprache des Landgrafen aus Tannhäuſer und weitere
21 Darbietungen, u. a. „Beim Sechstagerennen.” Eine Berliner
Epiſode von Max Heye. Perſ.: Guſtav: M. Heye; Mieze:
Käte Mann; die alte Frau: Hilde Gerber; ein Herr: Hans Hanus;
ein Wachtmeiſter: E. Stockinger; ein Boy: Hilde Binder; ein
Ausrufer: H. Müller.
Berlin.
Sonntag, 30. Jan. 9: Mkorgen eier. Mitw.: J. Ahrens (Orgel),
Thea Freiin zu Putlitz (Geſang), Joh. Schulzfe (Rez.), Prof.
Porge (Cello), Pfarrer Pfeifer, Berlin=Tempelhof. O 11.30:
Platz=
muſik. Adolf=Becker=Orch. Leonhardt: Alexandermarſch. — Bayer:
Fant. Puppenfee. —
Dporat: Slawiſche Tänze Nr. 6 und 8.
— Großmann: Cſardas aus Geiſt des Woywoden. —
Radetzky=
marſch. O 12.20: Max und Paul, ein Opti= und ein Peiſſimiſt.
O 1.10: Stunde der Lebenden. Einl. Worte: Prof. Weißmann.
— Honegger: Pacific 231. — Prakofieff: Sarcasmen op. 17. —
Szymanowski: Zwei Masken op. 34. — Malipiero: Groitesco.
Funk=Orch., Th. Deietriescu (Klavier). O 2.30: von Rudolphi: Die
Brietmarken der Kriegs= und Nachkriegszeit. O 3: J. Eckl: Die
Kalkfrage unter Berückſichtigung der Bodenſäure. O 3.30:
Funk=
heinzelmann. O 4 Dr. Roſenfeld: Ei Tag im Filmatelier.
O 4.30: Kapelle Gebr. Steiner. Hiarſch der finnl. Reiterei. —
Mendelsſohn: Ouv. Sommernachtstraum. — Lanner: Die Werber,
Walzer. — Puccini: Fant. Tosca. — Ackermann: Extaſe poetique.
— Hildach: Der Lenz. — Wagner: Albumblatt. — Lehar: Wo
die Lerche ſingt, Potp. — Gillet: Loin du bal. — Smetana: Fant.
Verkaufte Braut. O 6.40: Der Sternenhimmel im Februar. O 7.05:
Th. Held: Die vierte Deutſche Jagdausſtellung und ihre Bedeutung
für die Hege. O 7.30: H. Eckhardt: Die geſchichtliche Entwicklung
des Preſſeweſens (3. T.). O 8: G. Hochſtetter: Vom Biedermeier
bis zum Charleſton. O 8.30: Orcheſterkonzert. Sinigaglia: Ouv.
Le baruffe chiozzotte. — Grieg: Lyriſche Suite. — Mendelsſohn:
Scherzo, Notturno und Hochzeitsmarſch a=s Sommernachtstraum.
— Schubert: Entr' act und Ballettmuſik aus „Roſamunde‟ —
Dvorak: Karneval=Ouy. Berliner Funk=Orcheſter. O 10.30: Tanz=
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Verantworilich für Politit und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den Iuſeratenteil: Willp Kuhle;
Druck und Verlag: 2. C. Wittich — lämtlich in Darmſtadt.
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Sonntag, den 30. Januar 1927
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Die Bluttat im Frankfurter Hauptbahnhof.
Mord oder Tötung auf Verlangen?
Der Täter mit zehn Jahren Zuchthaus beſtraft.
WSN. Frankfurt a. M. Im Juni vorigen
biores erſchoß in einem Seitengang des Frankfurter
uiptbahmhofs der 22jährige Graveur Kurt
Hanſch=
nn aus Leipzig ſeine Geliebte, das aus Kaſſel
Gelnhauſen ſtammende Dienſtmädchen Maria
geeſpies. Der Täter hatte ſich deswegen am
ſennerstag und Freitag vor dem hieſigen
Schwur=
inächt zu verantworten. Hanſchmann hatte mit dem
ungenkranken Mädchen, das er auch öfters in der
uungenheilſtätte in Ruppertshain beſucht hatte, ein
ſei hältnis angeknüpft. Die Beziehungen zwiſchen
rigen waren ſehr intim. Nach der Darſtellung des
uweklagten ſoll das Mädchen den Wunſch geäußert
Lazen, da es doch nicht geheilt werden könne, frei=
I—ig aus dem Leben zu ſcheiden. Er habe das
nü dchen lediglich deshalb getötet, um es von ſeinen
ewden zu befreien. Die Kleeſpies habe ihn inſtändig
rum gebeten, ſie zu töten. Das Zeugenverhör
ge=
amkete ſich nicht beſonders günſtig für den
Ange=
eigten. Eine Friſeuſe ſagte aus, die Kleeſpies habe
ſgeſagt, ſie wolle das Verhältnis löſen, weil ihr
j riſchmann zu jung ſei. Einmal habe die Getötete
eragt, ſie habe ſo ein Angſtgefühl, daß ſie nicht mehr
ieend nach Hauſe komme. Nach Vernehmung einiger
ſarzeugen ſagten die Wirtin des Angeklagten, ſein
eitgeber und zwei ſeiner Mitarbeiter aus, daß ſie
ſun nur das beſte Zeugnis ausſtellen könnten. In
ei letzten Zeit ſei er ſehr zerſtreut geweſen. Ein
ſirund des Angeklagten, der ihn vor der Tat beſucht
aute, ſagte aus, daß Hanſchmann viel geleſen habe
mo großes Intereſſe für Detektiv= und
Abenteurer=
vrnane gezeigt habe. Alsdann werden die
Sachver=
ſändigen vernommen. Sämtliche drei Sachverſtändige
egeichnen den Angeklagten in ihren Gutachten als
oII zurechnungsfähig. Gerichtsarzt Dr. Roth
be=
püt.t, daß ſich der Angeklagte bei der Sektion der
ſedche völlig kalt und gleichgültig benommen habe.
ßmuren von Abtreibung ſeien bei der Leiche nicht
nochr vorgefunden worden. Die Briefe des
Ange=
lagten an ſeine Mutter atmeten eine ungeahnte Kälte
mo Gefühlsroheit. Es könne kein Zweifel darüber
ettehen, daß die Kleeſpies nicht aus dem Leben
ſchei=
eis wollte und nicht an ihren Geliebten das
An=
ſurien ſtellte, ſie zu töten. Der nächſte
Sachverſtän=
ine erklärte, daß die vorgenommene experimentelle
Fnl telligenzprüfung ein einwandfreies Ergebnis
ge=
ſalöt habe. Der Angeklagte habe gut gegeſſen und
ge=
chy afen und an Gewicht zugenommen. Der
Sachver=
ſätidige glaubt, daß Hanſchmann die einzige Zeugin,
ſie ſich an ihm rächen konnte, da ſie von der
Ab=
rökbung wußte, beſeitigen wollte. Prof. Dr. Räcke
II. dritter Sachverſtändiger läßt ſich in ähnlichem
Sunne aus. — Staatsanwalt Dr. Bernſt beantragt
vugen Mordes Todesſtrafe und dauernden
Ehr=
eilluſt Es ſei von keinem einzigen Zeugen beſtätigt
pelrden, daß die Kleeſpies Selbſtmordabſichten hatte.
dim Angeklagte habe planmäßig und mit Ueberlegung
ſehrandelt. — Die Geſchworenen kamen nach
ri iſtündiger Beratung zu einem ſchuldig. — Das
bäricht verurteilte Hanſchmann darauf wegen
Eſatſchlags zu zehn Jahren Zuchthaus
m6 zehn Jahren Ehrverluſt. Die Waffe wurde
ein=
eſogen. — In der Urteilsbegründung heißt es, daß
ſie T dafür ſpreche, daß die Tat mit Ueberlegung
aus=
ſeiührt wurde, daß aber eine ſichere Feſtſtellung fehle.
röſtung auf Verlangen könne deshalb nicht vorliegen,
vel I der Angeklagte in ſeinen Angaben bewußt die
Im wahrheit geſagt habe. Es komme deshalb Totſchlag
nſſFrage. Bei dem Strafmaß war zu berückſichtigen,
als die Tat nahe an Mord grenzte; ſie mag ein
tra=
füſthes Verhängnis für ihn ſein, aber der Angeklagte
ſauwe ein junges Leben vernichtet.
enn Geliebten der Schwiegermutter erſchoſſen.
TU. Augsburg. In dem ſchwäbiſchen Orte
Zurgen erſchoß ein Gerichtsaſſiſtent den Geliebten
eiuner Schwiegermutter. Er ſoll in Notwehr
ge=
ſandelt haben. Der Täter ſtellte ſich der Polizei.
Ein Jubilar des deutſchen Glockenguſſes.
Das „B. T.” meldet aus Leipzig: Der Neſtor
acer der Glockengießerfirma G. A. Jauck in Leipzig, Rede, die auf ein Ausſcheiden der Stadt aus dem
ſenxing dieſer Tage ſeinen 80. Geburtstag. Aus ſeiner
Siteßerei ſind nahezu 400 große Kirchenglocken
hervor=
ſeul angen, darunter die in Bethlehem, in den Miſ= Kreis bereits durch gütliche Vereinbarung geregelt.
ionsgebieten Indiens, in Norwegen und auf der
frfſel Cypern. Jauck hat ſich auch auf dem Gebiete / aber dem Plan der Stadt ſeine Zuſtimmung verſagt.
e)t Feuerlöſchweſens durch die Herſtellung der erſten Somit bleibt die Stadt auch weiterhin im Kreis=
Dmmpfſpritze Verdienſte erworben.
Amſterdam—Bremen in 81 Minuten.
Hamburg. Der Hamburger Flieger
Ger=
ſankorn legte mit einer dreimotoriſchen
Junkers=
nafſchine D 950 die 300 Kilometer lange Strecke Am= Staatsgewalt und tätlicher Beleidigung eines
Be=
eir bisherigen Rekord um eine Minute.
Seheimrat Profeſſor Runge geſtorben.
Profeſſor Dr. Carl Runge,
a: ausgezeichnete Gelehrte und Forſcher auf dem
Sel biete der Phyſik und Mathematik, iſt plötzlich
hurch Herzſchlag geſtorben. Er war Profeſſor an
: Univerſität Göttingen und Ehrendoltor zweier
Hochſchulen.
Nenartige Schußzvorrichtung für Autos.
Das Ueberfahren ſoll unmöglich werden.
Der engliſche Ingenieur W. D. Ratcliff hat einen neuartigen Kotflügel für Autos erfunden, der
ein Ueberfahren von Perſonen ummöglich macht. Es handelt ſich um eine ſinnreiche
Klappvorrich=
tung, die am unteren Teil des Kotflügels angebracht wird. Bei einem Anſtoß gegen einen
Gegenſtand oder gefallenen Straßenpaſſanten klappt der Kotflügel nach vorn und das Hindernis
wird zur Seite geſchoben oder vorn mitgeſchleift, wenn ein ſeitliches Fortſtoßen nicht möglich iſt.
— Unſer Bild zeigt den nach vorn geklappten Kotflügel. Die davor liegende Perſon wird von
den Rädern überhaupt nicht berührt.
Generalmuſikdirektor Buſch dirigiert
die Wagner=Feſtſpiele in Paris.
Neuer Oamen=Weltrekord
im Schwimmen.
Generalmuſikdirektor Fritz Buſch.
Die für den Monat März vorgeſehenen
deutſch=
ſprachigen Wagwer=Feſtſpiele in Paris werden,
ent=
gegen der urſprünglichen Meldung, von
General=
muſikdirektor Fritz Buſch von der Dresdener Staats=
Oper dirigiert.
Marburg a. d. L. bleibt im Kreisverband.
Schon vor einigen Tagen war an dieſer Stelle
eil, deutſchen Glockengießer, Rudolf Jauck, der In= von Bemühungen der Stadt Marburg a. d. L. die
Kreisverband abzielten. Eine Reihe von Fragen, die
hierbei brennend geworden wären, hatten Stadt und
Nunmehr hat der Heſſen=Naſſauiſche Provinzialtag
verband.
Der eiferſüchtige Ehemann und der höfliche
Poliziſt.
* Berlin. Wegen Widerſtands gegen die
tell=dam—Bremen in 81 Minuten zurück und ſchlug ſo, amten hatte ſich der Kaufmann W. vor dem
Amts=
gericht Mitte zu verantworten. Mitangeklagt war
ſein Freund, der Kaufmann N., wegen verſuchter
Gefangenenbefreiung. Herr W. iſt der Gatte einer
bekannten Tennisſpielerin. Als dieſe im letzten
Som=
mer an einem Turnier in Swinemünde teilnahm,
kam dem Ehemann zu Ohren, daß ſeine Ehehälfte
ihm nicht ganz treu geblieben war. Voll Wut machte
er ſich auf, um die vermeintliche Treuloſe bei ihrer
Ankunft auf dem Stettiner Bahnhof zu empfangen.
Die Begrüßung ſpielte ſich in der Form ab, daß der
Eiferſüchtige ſeine Frau mit einer Tracht Prügel
auf dem Bahnſteig bewillkommnete. Dieſer Vorgang
erregte unter dem Publikum große Empörung, und
ein zufällig anweſender Polizeiwachtmeiſter, der
eben=
falls eine Dame abholen wollte, nahm ſich, eingedenk
des Erlaſſes, Damen vor Beläſtigungen von
Män=
nern zu ſchützen, ritterlich der verprügelten Dame zu.
Er hatte keine Kenntnis, daß es ſich um einen
Ehe=
zwiſt handelte. W. verbat ſich die Einmiſchung eines
Dritten in ſeine „Privatangelegenheiten” und
ver=
ſetzte dem Polizeibeamten, mit der Fauſt einen
Kinn=
haken und einen „Schwinger”. Der Wachtmeiſter
wandte nun aber den Polizeigriff an und ſchob W.,
indem er ihm den Arm nach hinten zog, vor ſich her
zur Wache. W. wehrte ſich heftig, und ſein Freund
N. verſuchte ihn unterwegs zu befreien. Die Folge
dieſes Vorfalles war die Anklage. Rechtsanwalt Dr.
Arthur Brandt hielt eine Beſtrafung der Angeklagten
aus Rechtsgründen nicht für möglich. Der Beamte
ſei, obwohl er in Uniform war, außerhalb des
Dien=
ſtes geweſen und habe ſich daher nicht in
recht=
mäßiger Ausübung ſeines Amtes befunden. Er ſei
vielmehr wie jede andere Privatperſon zu bewerten.
Das Gericht ſchloß ſich dieſer Rechtsauffaſſung des
Verteidigers an und kam zur Freiſprechung
der beiden Angeklagten.
Martha Norelius,
eine amerikaniſche Schwimmerin von ſchwediſcher
Abſtammung, die in Miami den von Gertrud Ederle
gehaltenen Weltrekord im Freiſtilſchwimmen über
440 Yards um 2 Sekunden ſchlug. Der neue Rekord
über dieſe Diſtanz beträgt 5:51,6 Minuten.
* Ein Maſſenmordprozeß in Böhmen.
b. Aus Eger in Böhmen wird uns berichtet:
Vor dem Militärgerichtshof in Pilſen begann dieſer
Tage der Prozeß gegen den ehemaligen Knecht Franz
Sandner, der im April 1926 in der kleinen
Eger=
länder Ortſchaft Rockendorf ein furchtbares
Ver=
brechen begangen hat. Sandner, der als Soldat einen
mehrtägigen Urlaub angetreten hatte, drang in der
Nacht zum 10. April in das Anweſen des Bauern
Rudorf Döllner, kroch in der Dunkelheit bis ans
Bett des Bauern und tötete ihn mit einem
Beil=
hieb in die rechte Schläfe. Danach verſetzte er der
Gattin des Ermordeten einen wuchtigen Schlag mit
der Hacke gegen die Stirn; die Frau iſt ſpäter ihrer
furchtbaren Verletzung erlegen. Auch das
Dienſt=
mädchen Anna Hoffmann tötete der Unmenſch durch
einen Beilhieb, ebenſo den neunjährigen Sohn
Theo=
dor des Ehepaares Döllner. Sandner entwedete
dann einen größeren Geldbetrag, wanderte bis zur
nächſten größeren Ortſchaft, wo er ſich einen ganzen
Vorrat an Semmeln einkaufte, und begab ſich ſodann
mit der Bahn in ſeinen Garniſonort nach der
Slo=
wakei zurück. Unter dem Verdacht der Mordtat waren
einige Leute verhaftet worden, deren Unſchuld ſich
jedoch herausſtellte, und ſchließlich gelang es der
Gen=
darmerie, in Sandner den Mörder feſtzuſtellen. Schon
im September 1926 ſollte Sandner deswegen von dem
Militärgerichtshof abgeurteilt werden; durch den
Be=
ſchluß des Gerichtshofes, den Mörder auf ſeinen
Gei=
ſteszuſtand unterſuchen zu laſſen, kam es zur
Ver=
tagung der Verhandlung, ſo daß die endgültige
Durch=
führung des Prozeſſes er jetzt, alſo faſt ein Jahr nach
der entſetzlichen Tat, möglich wurde. Das Gutachten
der Gerichtsärzte bezeichnet Sandner als einen zwar
unintelligenten, jedoch völlig normalen und geſunden
Menſchen. Der Mörder, ein etwa 25jähriger Burſche,
zeigt keinerlei Reue über ſeine Tat und gibt bei
ſeiner Vernehmung ohne weiteres zu, daß er in den
Hof des Döllner mit der Abſicht zu töten
einge=
drungen ſei. Wäre ihm jemand in den Weg
gekom=
men, ſo hätte er auch ihn „niedergemacht‟. Der
An=
drang des Publikums zum Prozeß iſt gewaltig, ſo
daß nur ein geringer Teil von Neugierigen Zutritt
in den Gerichtsſaal finden kann.
Marconis Eheſcheidung.
EP. Der Heilige Stuhl hat die Ehe des berühmten
Erfinders der drahtloſen Telegraphie, Senators
Mar=
coni, und ſeiner Frau Beatrice, Tochter des 14. Earl
of Inchiguin, für nichtig erklärt. Wie bekannt, iſt
nach der römiſchen Kirche eine Ehe unlösbar. Es gibt
nur einen einzigen Grund hierfür, und das iſt der,
wenn die beiden Eheſchließenden vorher
übereinge=
kommen ſind, ſie als lösbar zu betrachten. Dieſen Fall
hat die Kirche hier angenommen und ſie für nichtig
erklärt, nachdem ſie ſchon von der Diözeſe von
Weſt=
minſter und von den itglieniſchen Gerichten geſchieden
worden war.
Das Problem der Eherechtsreform
Geheimrat Profeſſor Dr. Kahl,
der bekannte Berliner Rechtsgelehrte, der im
Rechts=
ausſchuß des Reichstages in einer vielbeſprochenen
Red= die Gründe für die Zerrüttung von Ehen
erörterte und die Anſicht vertrat, daß eine
Erleich=
terung der Eheſcheidung unumgänglich ſei.
Sturmſchäden in England.
London. Der in der Nacht zum Freitag und
auch noch am Freitag wütende Sturm hat in
allen Teilen des Landes großen Schaden
an=
gerichtet, beſonders an Telegraphen= und
Telephon=
leitungen. Nach den vorliegenden Meldungen wurde
am ſchwerſten Glasgow heimgeſucht, wo
überhun=
dert Perſonenverwundet wurden und, wie
man befürchtet, acht Perſonen das Leben
einbüßten. Das ſchwerſte Unglück ereignete ſich
am Nachmittag, als ein Schornſtein
ein=
ſtürzte und die Trümmer durch vier Etagen
hin=
durchſchlugen. Poliziſten und Feuerwehrleute mußten
ſich durch das Fenſter Eingang verſchaffen, da die
Türen durch die Trümmer verſperrt waren. Frauen
und Kinder mußten aus dem Chaos herausgeholt
werden. Auf der Straße wurde ein zwölfjähriges
Mädchen durch einen herabfallenden Stein
ge=
tötet. Zwei Straßenbahnwagen und verſchiedene
ſchwere Fehrwerke wurden vom Winde
umgeſchleu=
dert. Die Geſchwindigkeit des Sturmes betrug
zwei=
undneunzig Meilen in der Stunde. Ein
Schnell=
zug wurde beim Verlaſſen einer Station durch die
Gewalt des Orkanes aufgehalten und konnte
während 40 Minuten nicht vorwärts kommen.
Abſturz eines engliſchen Bombenflugzeuges.
London. Freitag nachmittag ſtürzte in
Nor=
bury bei ſtarkem Orkan ein einſitziges
Bomben=
flugzeug ab. Der Fliegeroffizier fand den Tod.
Häuſer=Einſturz in Glasgow.
London. Bei einem heftigen Gewitter ſtürzte
in Glasgow eine Anzahl Häuſer ein. Vier
Per=
ſonen wurden getötet und etwa fünfzig verletzt.
Sechshundert Häuſer in einer japaniſchen Stadt
Flugzeug billiger als Eiſenbahn.
EP. Die „Wright=Geſellſchaft” in den Vereinigten
Staaten hat intereſſante Verſuche angeſtellt über die
Transportkoſten für Pgſſagiere mit dem Flugzeug.
Ein Flugzeug mit 16 Perſonen an Bord machte den
Weg hin und zurück zwiſchen New York und
Waſhing=
ton für 13 Dollar 88 Cents, was eine Erſparnis von
2 Dollar 40 Cents gegenüber dem Preis der
Eiſen=
bahn bedeutet. Der Apparat flog mit einer
Geſchwin=
digkeit von 185 Kilometern in der Stunde. Der
Er=
folg dieſes Verſuchs berechtigt zu der Annahme, daß
auch andere Luftlinien ebenſo erfolgreich arbeiten
werden.
verbrannt.
Tokio. In Kobahaſhi bei Mihazaki wurden
600 Häuſer, darunter der Bahnhof, mehrere
Banken und eine Polizeiwache, durch eine
Feuers=
brunſt eingeäſchert. Verluſte an Menſchenleben
ſind nicht zu beklagen.
Eine luftige Wohnung.
Dieſe auf einem Baum errichtete merkwürdige
Wohnung hat ſich ein Veteran des amerikaniſchen
Bürgerkrieges in der Nähe von Sawtelle in
Kali=
forſtien geb ut. Er bewohnt das luftige Haus nun
ſchon ſeit mehreren Jahren.
Nummer 30
Sonntag, den 30. Januar
latt
Vom füddeutſchen Produktenmarkt.
Der Getreidemarkt hat in dieſer Woche entgegen aller
Er=
wartung feſte Haltung betundet. Amerika hat ſeine Forderungen im
Wochenverlauf um über 3 Dollarcents je Buſhel erhöht, und auch
Ar=
gentinien iſt dieſer Bewegung, allerdings in nur mäßigem Umfange,
gefolgt. Begründet wird dieſe Bef ſtigung mit der zu der ſtatiſtiſchen
Lage in direktem Gegenſatz ſtehenden Behauptung, daß der
Ausfuhr=
überſchuß nicht ſo weſentlich ſei, als bisher angenommen wurde,
ins=
beſondere auch, daß große Mengen des kanadiſchen Weizens wegen
Min=
derwertigkeit ſich nicht zur Ausfuhr eignen. Gehandelt wurde
haupt=
ſächlich Baruſo (79 Kilo) Januar-Februar=Abladung zu 13,75 Fl.,
Februar—März zu 12,60 Fl. Manitoba wurde wenig umgeſetzt. Man
verlangte für Nr. 1 16.40, II 15,90, III 15,25 Gulden eif Rotterdam,
Rußweizen war, je nach Muſter, zu 14,20—14,60 angeboten.
Inlands=
weizen ging im Wochenverlauf um 2,50 RM. die Tonne zunick auf 295
bis 197,50 RM. Roggen hatte ſehr f.ſten Markt infolge kleiner
Zufuh=
ren. Auch verwies man auf den von Polen eingeführten Ausfuhrzoll.
Der Wochenverlauf brachte eine Preiserhöhung um 5 RM. je Tonne
auf 262,50—265 RM. für Inlands=, und auf 270 —275 RM. für
Aus=
landsroggen frei Mannheim. Am Gerſtenmarkt ſcheiterten Abſchlüſſe
mehrfach an zu hohen, auf geringes Angebot ſich ſtützenden
Forderun=
gen. Für pfälziſche Ge ſte wurden 300—315 RM., ſür badiſche 270—280
RM. (Vorwoche 255—265 RM.) je Tonne frei Mannheim verlangt.
Auslandsgerſte wurde mit 20—300 RM. angeboten. Futtergetreide
hatte feſten Markt. Die Aufnahmefähigkeit hat ſich ſowohl für
Futter=
gerſte als Hafer und Mais erhöht. Hafer zog um etwa 2 RM. auf 20
bis 210 RM., Mais um etwa 7—10 RM. auf 190—192,50 RM. die
Tonne an. — In Mehl erfolgten einige Abgaben, zum Teil infolge
von Unſtimmigkeiten in der ſüddeutſchen Mühlenkonvention, zum Teil
im Wettbewerb gegen die niedrrheiniſchen Mühlen zu vorübergehend
ermäßigten Preiſen. Zuletzt verlangte man für die 100 Kilo
Weizen=
mehl mit Sack Spezial Null, Januar—März=Lieferung, 40,25—40,75 M.,
Mai— Juni 40 RM., 70prozentiges Roggenmehl 37,25—37,50 RM.,
60prozentiges 38,75—39 RM. — Von Futterartikeln hatten
namentlich Mühlenfabrikate infolge geringen Angebots ſehr feſten Markt.
Es koſteten die 100 Kilo Kleie 12,50 RM., bei den Mühlen 14 RM.,
Weizenfuttermehl 15,50—16 RM., Roggen= und Weizennachmehl, je
nach Beſchaffenheit, 23—24 RM.; die Mühlen waren dafür nicht
Ab=
geber. Maisſchrot mit Sack je nach Qualität 20,50—21 RM.
Gerſten=
ſchrot 24—24,50 RM. Sonſt bedangen die 100 Kilo Malzkeime mit
Sack 17 RM., Biertreber mit Sack 16,50 RM., Trockenſchnitzel ab Fabrik
12 RM.; bei der zweiten Hand billiger angeboten. Erdnußkuchen
21,00 Reichsmark.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt wird berichtet: In Neckarbiſchofsheim
wurde der 1926er Tabak von einer Bvemer Firma zu 63—67 RM. je
Zentner erworben; in Mittelbaden wurden etwa 450 Zentner zu 63—65
NM. an badiſche Intereſſenten verkauft, aus dem Lahrer Bezirk eine
kleine Partie, deren Beſchaffenheit zu wümſchen übrig ließ, zu 60 RM.
Im badiſchen Oberland erfolgten Abſchlüſſe in 1926er Tabak zu 60—65
Reichsmark je Zentner. Es ſollen ſich dort immer noch kleine Partien
in den Händen der Pflanzer befinden. Einige Umſätze gingen auch in
der Rheinpfalz vor ſich zu 77 RM. mit Zuſchlägen von 2—17 Prozent
und in der Südpfalz zu 60—70 RM. mit Zuſchlägen. In Rippen hat
ſich das Geſchäft weiter etwas belebt.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 29. Januar.
Die heutige Samstagsbörſe zeigte wiederum nur Intereſſe für einige
Spezialpapiere, die allgemeine Tendenz war ziemlich ſtill und
zurück=
haltend. Die Grundſtimmung kann aber als etwas freundlicher
bezeich=
net werden, da nun in der Frage der Regierungsbildung endlich
Klar=
heit geſchaffen iſt und die Kabinettsbildung geſichert ſcheint. Begehrt
waren wieder Mannesmann mit plus 3 Prozent, auch alle anderen
Montanwerte feſter. Großes Intereſſe beſtand hier für Buderus, die
4 Prozent gewinnen konnten, ebenſo Rheinſtahl plus 234 Prozent.
Leb=
hafder gehandelt wurden heute auch die Chemiewerte. J.G. Farben
gewannen bis zur erſten Notiz 1½ Prozent und Scheideanſtalt 3½
Pro=
zent, Elektrowerte dagegen ſehr ruhig, im allgemeinen aber auch etwas
feſter. Im Gegenſatz dazu hält die Nachfrage nach Deutſche Erdöl
un=
vermindert an während Banken nur gut behauptet waren. Ebenſo
waren Zuckeraktien nach ihrer 5prozentigen Steigerung von geſtern abend
heute unverändert. Deutſche Anleihen verkehrten in ſehr ruhiger
Hal=
tung bei gut behaupteten Kurſen. Ausländiſche Renten ebenfalls faſt
völlig geſchäftslos. Im weiteren Verlaufe zeigte ſich dann zum
Wochen=
ſchluß größeres Deckungsbegehr. Montanwerte und Deutſche Erdöl
waren es immer noch in erſter Linie, auf die ſich das Intereſſe
konzen=
trierte. Aber auch für Banken wurde die Stimmung lebhafter,
nament=
lich für Diskontogeſellſchaft Deutſche Bank und Danatbank. Trotz
bevor=
ſtehendem Ultimo iſt der Geldmarkt nur mäßig angeſpannt. Tägliches
Geld 4 Prozent.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 29. Januar.
Die Wochenſchluß=Börſe rechnete mit Entlaſtungskäufen. Es iſt
bekannt, daß namentlich in J.G. Farbenaktien und in Kriegsanleihen
größere Prämienengagements ſchweben. Die Stimmung war jedoch
durchaus zuverſichtlich und die herausgekommene Ware fand durch die
waren zwar nicht ganz einheitlich, doch überwog die Zahl leichter
Stei=
gerungen. Beſondere Kursbewegungen traten in Spezialpapieren ein,
von denen Rheiniſche Elektr. Werke 6 Proz. Oſtwerke 10 Proz.
Deut=
ſche Erdöl 4 Proz. Feldmühle 5 Proz. Bamberg 6 Proz., Vogt u.
Häfner 3½ Proz, Hamburg— Süd 3½4 Proz, höher einſetzten. Auf der
anderen Seite verloren allerdings Ilſe Bergbau 3 Proz., Elektr.
Liefe=
rungen 3½ Proz., Hammerſen 5 Proz., Berger Tiefbau 4 Proz., Ludw.
Loewe 3 Proz. Am Geldmarkt war über die geſtrige Anſpannung
hin=
aus keine neue Veränderung der Situation feſtzuſtellen. Bei etwas
höheren Sätzen, die zum Ultimo immer verlangt werden, ſtand dem
Bedarf ein genügendes Angebot gegenüber. Die Sätze ſtellten ſich 4—6,
bis Montag auf 5½—7 Proz,, für Geld auf einige Tage feſt über den
Ultimo und auf 5½—6½ Proz. für Monatsgeld. Rekordgelder wurden
mit 634—7½4 Proz. gewährt. Am Deviſenmarkt trat nach der ſtarken
Befeſtigung des Dollarkurſes während der letzten Tage eine Neaktion
ein. Der Wechſelkurs New York-Berlin ging auf 4,2192 bis 4,2195
zurück. Auch gegen London lag der Dollarkurs mit 4,8510 niedriger.
Madrid behauptete die bedeutende Steigerung des Vortages mit 29,30
nicht voll. London-Paris wenig verändert, 123,10. Die Unſicherheit
der erſten Stunde war ſpäter vollkommen überwunden. Die
Kursver=
luſte, auch die ſtärkeren, konnten wieder eingeholt werden. Die Aktien
der Bank elektriſcher Werte zogen bei ſtarker Nachfrage um etwa 15
Prozent an. R.W.E. weitere 3 Prozent. Deutſche Erdöl weitere 3
Prozent. Hamburg—Süd noch 2,5 Prozent höher. Kkeinbahnwerte feſt.
Allgemeine Deutſche Eiſenbahn plus 5 Prozent. Verſicherungsaktien
ſteigend. Privatdiskont kurze Sicht 4,12 Proz, lange Sicht 4/s Proz.
Trotz der Erhöhung des Privatdiskontes um ein Achtel Prozent für
beide Sichten ſchloß die Börſe die Woche in einer bemerkenswert feſten
Haltung, die auch an der Nachbörſe anhielt. Sehr günſtige
Schluß=
notierungen und Spätkurſe erzielten vor allem Schiffahrtsaktien,
Bank=
aktien und Elektrowerte. Ferner gingen Glanzſtoff und Bamberg
ſprunghaft in die Höhe und überſchritten an der Nachbörſe mit 545
bzw. 340 die höchſten Tageskurſe. Deutſche Erdöl 214, Philipp
Holz=
mann 183, Ludwig Loewe 329. Unter Banken wurden Deutſche Bank
201, Mitteldeutſche mit 195 und Danatbank mit 290 in großen Beträgen
gehandelt. Am Elektromarkt hörte man A.E.G. mit 176, Siemens mit
215,25, Hamburger Elektrizitätswerke mit 184. Am
Schiffahrtsaktien=
markte Nordd. Lloyd mit 163, Hapag mit 176, Hanſa Dampf mit 2925
und Hamburg—Süd mit 238 5. Montanwerte ruhiger. Ver.
Stahl=
werke 159,5, Gelſenkirchen 197,25, Phönix 148,87, Rheinſtahl 225,25,
J.G. Farbeninduſtrie 327,25, Kriegsanleihe mit 0,890 aufgebeſſert.
Aſchaffb. Zellſtoff.
Augsb.=Nürnb. Maſch
Bamag=Meguin.
Berl. E. W. Stamm.
Berlin. KarlsruheInd
Braunkohl.=Briketts
Bremer Bulkan.
Bremer Wolle.
Teutſch.=Atlant. Tel.
Teutſche Maſchinen.
Teutſch.=Nied. Tel..
Teutſche Eroöl ...
Deutſche Petroleum.
Zlt. Ka iwerte.
Tonnersmarchüte ..
Tynamit Nobel. .
Rektr. L eferung. .
G. 0. Farben ...
2. Friſter.
Taggenau Vorz..
Eelſenk Kußi ſtahl.
G. f. elenr. Untern..
Salle Maſchinen.
Han. Maſch. Egeſt..
Hanſa Tampfſchf... .
Amſterdam=R.
Luenos=Aires.
Fruſſel=Antw
Cslo
Aopenhagen
Stocholm.
Kelſingſors
Italien.
London ..
Nen=York. .
Paris ..
Echneiz
epanien
29. 1.
236.5
122.
209.875
32.6
133—
203.75
90.—
97 —
323.
160 875
210.—
45.75
116.—
13.125
110.—
148.5
145.—
175 —
178.
158.75
69 875
65.875
65.
260.—
Deviſenmarkt.
28. . 1. celd Prief Geld Brief 168.43 168.85 168. 42 168.84 1.737 1.741 1.738 1.7a2 38.63 58.77 58.62 58.76 1108.48 jos.781 108.56 1oß-Bal 172.31 112.59 12 31/112.89 f112.451 112.73 12.43 zii2 71 10.5o5 10.637 10.597/10.637 1s.os 18.13 18 09 18-13) 120.44 20.496 3120. 442/20. 494 13.215 4.225 4.2145 N4.2245 W6.62 16.66 18 61 16.65 181.o8 81.28 81.08 8:. 28 70.05/ 70.231 69.73 69.36 Wien D.=Oſt.abg
Prag. .
Budapeſt( Pengöl
Japan.
Rio de Janeiro.
Sofia.
Jugoſlavien...
Konſtantinopel
Liſſabon ......"
Panzig ......
Athen .........
Kanada. . . . . . .
Uruguah. . ...
Die Zeichnung auf die 5prozentige Reichsanleihe. Am Donnerstag
nächſter Woche beginnt die Zeichnung auf die 5prozentige auslosbare
Reichsanleihe, von der 300 Millionen RM. von einem
Bankenkonſor=
tium feſt übernommen ſind und die zum Kurſe von 92 v. H. aufgelegt
werden. Für die reſtlichen 200 Millionen RM., die für den dauernden
Beſitz von Reichsſtellen vorgeſehen ſind, iſt, wie das W. T.B. erfährt,
eine Sperwerpflichtung von 9 Monaten übernommen worden, ſo daß
die zur öffentlichen Zeichnung kommenden 300 Millionen RM. den ganzen
zunächſt auf den Markt kommenden Betrag darſtellen. Mit der Ausgabe
einer weiteren Reichsanleihe auf Grund der Haushaltsgeſetze iſt im
lau=
fenden Kalenderjahr nicht zu rechnen. Die Stückelung, der nach 8 1807
des B.G. mündelſicheren Schuldverſchreibungen zeigt Stücke von 100, 200,
500, 1000, 2000, 5000, 10 000 und 20 000 RM.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 26. Januar 1927. Die auf
den Stichtag des 26. Januar berechnete Großhandelsindexziffer des
Sta=
tiſtiſchen Reichsamtes beträgt 135,9 und iſt gegenüber der Vorwoche um
auswärtigen Kaufauſträge glatte Unterkunft. Die erſten amtlichen Kurſe 0.1 Prozent zurückgegangen. Die Indexziffer der Agrarſtoffe hat bei
ge=
ſtiegenen Gerreidepreiſen und teilweiſe rückläufigen Viehpreiſen um
0,2 Prozent auf 139,9 nachgegeben. In der Indexziffer der induſtriellen
Rohſtoffe und Halbwaven glichen die Bewegungen der Einzelgruppen
ſich gegenſeitig aus, während die Indexziffer der induſtriellen
Fertig=
waren um 0.1 Prozent auf 1415 nachgegeben hat.
Die Wirtſchaftslage der Reichsbahn.
Ueber die erſte Sitzung des Verwaltungsrats der Deutſchen
Reichs=
bahn=Geſellſchaft wird ein Bericht ausgegeben, in dem es u. a. heißt:
Der vorläufige Ueberblick über die Einnahmen und Ausgaben des
Jah=
res 1926 läßt einen befriedigenden Abſchluß erhoffen, ſo daß ſich die
bisher für 1927 in Ausſicht genommenen Aufgaben aufrecht erhalten
laſſen. In Erwartung einer günſtigen Verkehrsentwickelung ſollen zur
Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit Aufträge, die eigentlich ſpäterer Zeit
zur Laſt fielen, vorweg genommen werden. Alle Aufträge, die geeignet
ſind, eine ſofortige Belebung des Arbeitsmarktes herbeizuführen, ſollen
baldigſt herausgegeben werden. Die neu zur Verfügung geſtellten
Mit=
tel ermöglichen die Beſtellung von weiteren 200 Lokomotiven, ziurka 1000
Perſonenwagen und 2000 Güterwagen. Der Verwaltungsrat gab ſeine
Ermächtigung, ſich an der neuen Reichsbahnanleihe zu beteiligen, und
zwar mit Mitteln, die nach dem Reichsbahngeſetz als Reſerve
zurück=
geſtellt werden müſſen. Weiter beſchäftigte ſich der Verwaltungsrat mit
der Anlage der Reichsbahngelder, wobei eine Löſung erſtrebt wird, die
den Bedürfniſſen der Deutſchen Reichsbahn=Geſellſchaft gerecht wird und
gleichzeitig der Finanzpolitik des Reihes und der Länder entſpricht. Der
Verwaltungsrat nahm davon Kenntnis, daß nach dem heutigen Stande
der Technik und der Organiſation eine Notwendigkeit nicht mehr beſtehe,
den Perſonalſtand der Reichsbahn allgemein weiter zu ſenken. In den
Werkſtätten wird jedoch entſprechend dem geringeren Arbeitsanfall noch
eine Verringerung der Arbeitskräfte im Jahre 1227 notwendig werden.
Vor dem 1. April 1927 ſoll indeſſen wegen der in der Winterszeit ev
ſchwerten Lebensbedingungen mit den Perſonaleinſchränkungen, nicht
be=
gonnen werden. Wegen der Unterbringung der frei werdenden Kräfte wird
die Verwaltung der Reichsbahn umfaſſende Maßnahmen mit den
Län=
dern und Gemeinden treffen.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Reichskreditbank. Die Aufſichtsratsſitzung der Reichskreditbank
ge=
nehmigte den Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1926 mit einem
Rein=
gewinn von 6257 295 RM. gegen 5460 357 RM. m 1925 und den
Diwidendenvorſchlag mit 8 Prozent gegen 6 Prozent im Vorjahre.
Be=
merkenswert iſt der Rückgang des Einfluſſes öffentlicher Gelder auf die
Geſchäftstätigkeit der Bank und die Zunahme der Konſortialgeſchäfte.
Der Geſamtumſatz beträgt 45,2 Milliarden gegen 28,6 Milliarden in
1925, die Liquidität 68,4 Prozent gegen 76½ Prozent. Es zeigt ſich
ferner eine Zunahme des Kontokorrentverkehrs.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt,
Mainz: Nachlaß des Kfms. Franz Dörhöfer, Inh. der Firma Chr. Holz,
Konkursverfahren geufgehoben; Fa. Ernſt Schäfer G.m.b. H.,
Konkurs=
verfahren aufgehoben.
Dampfkeſſelfabrik vorm. Arthur Rodberg, A.=G., Darmſtadt.
Der Aufſichtsrat der Geſellſchaft hat trotz der ungünſtigen Lage
der Dampfkeſſelinduſtrie die Sanierung des Unternehmens
be=
ſchloſſen. Es iſt beabſichtigt, das gegenwärtige Aktienkapital im
Verhältnis von 9:1 zuſammenzulegen und es alsdann um
RM. 200 000.— zu erhöhen, ſo daß das neue Aktienkapital dann
RM. 300 000.— betragen wird. Die Zuſammenlegung iſt ſo
ge=
dacht, daß je 15 alte Aktien zu RM. 60.— gegen eine neue Akne
zu RM. 100.— ugetauſcht werden. Die Kapitalserhöhung um
RM. 200 000.— iſt zur Schaffung neuer Betriebsm ttel beſtimmt,
die in der Weiſe aufgebracht werden, daß zunächſt auf je eine
umgetauſchte Aktie eine neue zu pari ausgegeben wird, während
die weiteren RM. 100 000.— bei einem Banken=Konſortium
unter=
gebracht werden ſollen.
Zuckerfabrik Rheingau A. G. in Worms. In der Bekanntmachung
betr. den Aktienumtauſch der in der Süddeutſchen Zucker=A.G. jetzt
ver=
einigten Geſellſchaften war gleichzeitig den Aktionären der Zuckerfabrik
Rheingau der freiwillige Umtauſch ihrer Aktien angeboten. Die für
dieſom Umtauſch geſtellte Friſt vom 25. Januar 1927 iſt endgültig, und
es können etwaige beſondere Anmeldungen von Rheingau=Aktien nicht
berückſichtigt werden.
Schaffner u. Albert A.G., Frankfurt a. M. Die Geſellſchaft teilt
mit, daß ſie in Gemeinſchaft mit der ſchon erwähnten ſüdamerikaniſchen
Gruppe das Ausbeutungsrecht eines zum Patent angemelbeten chemiſchen
Verfahrens zur Verwertung von Holzabfällen erworben hat. Dieſes
Verfahren der Verwendung „künſtlichen Holzes” ſei insbeſondere
wich=
tig für die Herſtellung von typiſierten Normenartikeln, wie Türen,
Fenſterrahmen, Fußböden, Möbeln uſw., und wetter=, feuer= und
fäulnis=
ſicher.
Zur 6prozentigen Mannheimer Stadtanleihe erfahren wir: Die
neue 6prozentige Mannheimer Stadtanleihe in Höhe von 10 Millionen
Reichsmark wurde einem Konſortium, beſtehend aus der Rheiniſchen
Kreditbank, der Süddeutſchen Diskonto=Geſellſchaft (beide Mannheim),
den Mannheimer Filialen der Mitteldeutſchen Kreditbank, der Badiſchen
Bank, der Badiſchen Girozentrale, der Kommerzbank, der Danatbank
und der Dresdener Bank, ſowie der Firma Marx u. Goldſchmidt
über=
tragen. Die Anleihe wird zwiſchen 96 und 97 Proz, aufgelegt werden.
Sie findet bekanntlich Verwendung zur Deckung des Bedarfs der Stadt
für ſtädtiſche Bauausgaben im Jahre 1927.
Badiſche Bank, Mannheim. Der auf den 21. Februar einberufenen
o. H.V. wird die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent (wie im
Vorjahr) vorgeſchlagen.
Bayeriſche Aktien=Bierbrauerei, Aſchaffenburg. In der in
Frank=
furt a. M. abgehaltenen o. HV. wurde der bekannte Abſchluß für
1925/26 mit 12 Prozent Dividende auf die Stammaktien und der
ſatzungsgemäßen Vorzugsaktiendividende genehmigt. Der Abſatz ſei im
laufenden Geſchäftsjahr, beſonders auch im Januar, gegenüber dem
Vorjahre nicht weſentlich verändert.
II.
II. Frankfurter Kursbericht vom 29. Sanuar 1981.
Staatspapiere
al Deutiche
8 ½%Reichsp.. Sch.
p. 1. 10. 30.
720 Bayer. Staats=
Sch. p. 1. 4. 29
6 „% H. V.. Sch.
p. 1 4 29
6‟,%0 Pr St.=Sch.
p. 1 3. 29
6‟ „%0 Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 30
720 Sächſ Fr.=Sch.
p. 1. 7 2)
7%0 Sächt Fr.=Sch.
p. 1 7. 30
6‟,%6Württ. F. Sch.
p. 1." s9
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich.
Ausloſungsſcheinen
Vorkriegsanleihen
5% D Neichsant
47 D Reichsan!
42 D. Schutzgb v
03—11 u.13
42 D. Schutzg v. 14
48 Preuß. Konſ.
4%0 Baden.
4½Boyern
42 beſſen
4% Württemberger
b) Ausländiſche
5% Bos. E.B 1914
5% 9.Inv. 1914
4½% 1898
4½% 1902
5% Bulg. Tabatos
4½% Oſt. Stuarsr.
v. 1913, Kdb. 1918
„ ON. Schatz 14
%aOſt. Silber.
Goldr
142 einh. R. (kon)
320 Port. /Spz U7 11.9
5% Rum am. R.03
4½% Gold 13 24.75
am.konv.
am. 05
48.7-
470Türk. Adm.108
4% Türk. Bagv. I
(Bagb.)II
1911 Zoll.
4 ½% Ung. St. 1913
St 1914
Goldr.
St 10
Kronr. .
Eiſ. Tor.6.
23 5
25.75
Außereuro
päiſche.
5% Mex.am. inn
äuß 99
42 Gold 04,ſtf.
lon) inn.
Frigat.
Tamaulivas 1
Sachweri=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10% Berl. 5.-Bt. G.
6% Berl St.=Gold.
820 Darmſt St.:G.
8% D. byp.=Bank
Meining. Goldpf.
20 Frif.=Hyp.=V=
Golopfdbr.
2o Frkſi. Pfbr.=Bk.
Golopfdbr.
5 %0 Frki. Pfbr.=Br.
Goldprdbr.
8%0 Komm.2db D.)
Goldſchuldver
82 Heſſt Ldb. Gold.
10% Komm Elektr.
Mark (Hag. / Gold
82 Mannh St:G.
820 Mainz St.=G.
820 Naſſ. Ldb. Gold.
Pfälzer H. B.
Goldpfandbr.
8%0 Pforzh. St.=G.
% Pr. C., B.-Cr.=B
Gotbpfandbr.
% Rh. Hhp.=B. G.
Rh. St.W. 25
10%o Rh.=Weſtf.B.=
Er.=Bk. Goldpf.
39 Südd. B. Cr.=B.
Goldpfandbr.
Ohne Zins:
verechnung.
5% Bow. Kohl 23
6%Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% beſt. Brk.=Rog.
%aNoggen 23
5% Pr. Kaliw.
5% Pr. Roggenw.
5 % Südd. Feſt=B. 6)
Vorkriegs=Hyp..B.
Pfandbriefe.
Bay Vereinsb.
Bayr Handelsb.
Baur. Hyp.u. Wechf
Berliner Oyp. Bk.
Frrf. Oyp.=Bt.
Frti, Pfandbr.=B
Hamb Hyp.=B.
Mecklb Hyp.=u. Wb
Meining. Hyp. B:!
Nordd Gr.=Cr.=Bk
Pfälz.byp.=Bi.
Preuß. Bod. Cr.=B.
Pr. Cent.=B.=Fr.=B.)
107
103
17.55
1776
10.30
14.57
14.95
1..56
Preuß Pfdhr.=B!
Rhein Syp.=B. 15.05
Rh. Wſtf. B. Cr.3
Sädd. Bodenkr.
17.85
Bürtt Hyp.=Bi.
Staatl. ob. prov.
garantirt.
Heſſ. L.=Hyp=B.
Landesrr. Caſſel
Naſſau Osb
Obligationen v.
Transportanſt.
42Dux. Bdb Em.91 20.25
„ 93
/420
42 Elif.=Bahn ſtfr.
425 Galiz. Carl=
Lud.=B.
49
abg.
42 Kaſchau=Oderb
42
„ abg.
5%0 Oſt. Nwſtb. 74 6.7
5% Oſt. Südb (L).
2,6% Alte
14.5
2,620 Neue,
14.5
15% Oſt.=Ung. 13/74
4%0 Oſt. Staatsb. 83 14.!
3%Oſt. 1.b.8.E.
3%Oſt. 9. E.
8% Oſt. 1885
3%Oſt. „ Erg. Netz
30 Raab Oedbg. 83/ 33.5
320
z1 28
f8%
97/ 28.0
1426 Rud. Silber
4 Rud. Salzig.)/ 7.2
4½% Anat., S.I
4½% Anat., S. 11/ 33
(½%0 Anat. S. 1II!
8% Salon. Monaſt.
6% Tehuantepee.
4½.%
Jank=Aktien
Allg. D.-Kredit: . . 180
Bad. Bk. . . . . . . . . 182
IBk. f. Brauind. ./242.6
Darmer Yankv.
Ban Hyp.=Wchl
Berl. Handelsge)
Comm.u. Privatb
Darmſt.u. Nat =Bi
Deutſche Ban
D Eff.u. Wchſ.=Bk. 1
D. Hyp.=Bi. Mein.
D. Vereins=Bk
Dist.=Geſellſch../1
Dresdener Bk.
Frankf. Bi.
Frrf. Hyp.=Bk. *
Frii Pfdbr.=Bk. .ſ9
Gotha. Grundtr. Bk.
Lur intern Bank
Metallban!
Mitteld. Creditb 1
Pfälz. Hyp.=Bk. 2
Reichsbanf=Ant 1
Rhein. Credttbk.
Rhein=Hyp.=Bi.
Süod Disc.-Geſ.
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Banwerein
Zergwerks=Aft
Bochum. Bergb. 1198
185.7.
2:2
129
187.5
150.5
24)
2:3
12.*
178
193
270
186.5
250
173
Salzwerk Heilbr
Tellus Bgb.
122
Ver Laurahütte 105
Ver Stahlwerke 11.8.5
Induſtrie=Ak:
rauereien
Eichbaum(Mannh. //185
Henninger
119.
Hereules, Heſiſche 148.28
Löwenbr.=Münch 1308
Mainz. Aktienbr. 255
Schöfferhof(Bind. //350
Schwarz=Storchen 1175
Tucher, Nürnberg
Zerger
178
Buderus.
Dr. Luxemburg ..
Eſchw. Bergw..
Gelientirch. Bgw.
Harp. Bergb..."
Flie Bergb. St..
Genußſchein
Kalt=Aſchersleb.
Nali. Salzdetfurt.
Kalt. Weſterregln
Klöcknerwerte..
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder
Oberbedarf .."
Ltavi=Min.=Ant.
Phönir=Bergb.
Rhein. Braunk. .
Rhein. Stahlwv.. .. .
A. Riebeck Montan
Rombach. Hütte
148
1193,5
137.75
212
170
181.75
2a6
189.5
247.7
1.3.5
12:.5
44
147.7.
2.8
224.87
13
Aktum. Berlin.
Adler & Oppenh.
Adlerw. (v. Rleher//124.5
6% E. A. G. Vz9.- A. 1101 5
520 A. E. G. Vz0.B 9 .75
A. E. G. Stamm 176.2:
Anglo=Cont. Guano!
Aichaff. Zellſtoff 183.75
Badenia /Weinh.)
Bad. Maſch- Durl. 135
Bad. Uhren, Furtw. 35.
Bamag=Neguin 66
Baſt Nürnberg
Buhr. Spiegel
Bec & benkel
190
Bergmann G.
189.25
Bing Metall.
Brem.=Beſigh=Ol. 88
Bürnenfbr Erlang.
Cement=Heidelb.
Cement, Narlſtadi 178
Cement, Lothr.
Chem. Albert . . . . . 197
Chem. Brockh. 16:
Chem. Mich
98
Daimler=Benz A. G. /105
Dt. Eiſenhandel 124
Deutſche Erdöl ./2 1.25
9. G.u. Silb. Scheid. 265
Ddingler, Bweibrück.!
52.3
Mei Kece
Dürrkopp..
Dürr. Ratingen
Lyckerhoff E V.
Eiſenw. Kaiſersl.
Et Licht= u. Kraft
El. Lieferung
Eli Bad. Wolle
Email. u. rich
Enzinger Werke
Eßlinger Maſch.
Ettlinger Spinn.
Faher Bleiſtift.
Faber & Schleicher
Fahr, Virmaſens
Farbenind J7. G
Felten & Guilleau
Feinme h. Jetter)
Feiſt, Seit. Frkf.
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf.=M. Bok.u. W.
Fuh Waggon St.
Zeiling & Cie..
Germanig Linol. =
Gelſenk. Gußſt.
Goldſchmidt. Th.
Gotha Baggon
Gritzner, Maſch..
Grün & Bilſinger.
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen
Hanfw Füſſen
Hanſa Lloyp, Vr.
Hartm. E Braun 11
Heyligenſtaedt.
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Au ferm.
Hirſch, Kupfer 1
Hoch=Tie/ Eſſen
Holzmann.
1
Hotzverk. Ind.. . .
Hydrom. Breslau
Fnag
Junghan St..
Kammg. Taiſersl.
Karlsruher Mach.
181
60
70
90
80S
210
140
111
327
120.2*
11.
172.2:
108.25
0.60
25
158
65
140.:
165.2:
76
175
48.5
148.5 1Karſtadt, R.
Klein Sch. & Becker 112.25
Knorr Heilbronn 1173.5
53.25 Konſerv. Braun ../80
Krauß. Lokom.
200.25 Lahmener
Lech Augsburg. 140.25
Lederw. Rothe ... 39
Spi harz.: 36
Lingel Schuhw.
Löhnberg. Mühle 62
Ludwigsh Walzm. /134.75
Lüdenſcheid Metall/130
Lux. Induſtrie
a9.75 Nainkraft Höchſt 139.5
Nars= 3 Nürnberg
Metallge). Frrf. 209.5
Niag. Mühlenb. 162.
Moenus, Stamm 78
Notoren! Deutz 63
Motoren). Oberurſ.
Nunh. Lichtſpielk. 107.*
Neckarf. Fahrz.
133.5
Neckarw. Eßlingen
Beters Union
u29
Bfälz. Näh. Fayſer 67
Pyilipps
62
Porzellan Weſiel
Brometh. Frikf. ...
Rein. Gebb. E Schal /145.75
Nyein.Elektr.
18."
Ryenanig, Nachen 73
Rutgerswerte
146.8
s heußner ......"
S hneid. E Hanau: / 73
S hnellpr Frank 10
Sthrumm Lackf
S.hrift, Stemp. 1 6.5
Schuckert, Eleitr 178
Schuhf. Weiel 85.5
S huhf herz ..../ 86
S hulz Grünlack / 63
Seillno. BSolff 192
Siemens Glas”.
Siemens & Halste a1s
Süod. Immob. „ /99.5
Thüring. Lief.-Geſ. /114.75
Uhren Furtwäng!
Beithwerke.
Ver ſ. Chem.Ind.
Ver. d. Oifbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſe!. 1
Gummi. Bin.=Frli
Binſel=Nürnberg
Ultramarin .... 1
Zeliſtoff Berl. ...
Vogtl. Maſch. ...
Voig & Haefiner
Volthom Seil."
Wayß. & Fren a
Wege lin Rußfbr.
Zellſt. Waldhof ...
Zucker!. Waghäuſel
Zucker), Frankenth
Zuckerſ Heilbronn 1
Zucker. Offſtein
Zuckerf Rheingau
Zuckerf. Stu ltgar:
ransport und
Veriicherungs-Alt.
A. Dt. Eiſenbahn
Dt Eiſenb.=Geſ 1
El Hochbahn=Ber!.
Schantung E.B.
Südd. Eitenb.=Gei.
Hapag..
Nordd Llohd.
Frtft. Allg. Ver!.
Frankong Rückv.
Darmſt. Werie
Bahnbedar)
Dampft Rodberg
Helvet a Kon..."
Bebr. Lutz .....
Motor „Darmſt
Gebr. Roeder ....
Venuleto & Ellenb.
38
1a6
101.25
104
1: 3
130
170
1.4
97
163
73
189.75
265
165
135
165
165
128
158
T6.5
1..75
Nummer 30
Sonntag, den 30. Januar 1927
Seite 13
Bayeriſche Aktienbierbrauerei Aſchaffenburg. In der in Frankfurt
a=Main abgehaltenen G. V. wurde der beſprochene Abſchluß für 1925 12 Progent Dividende auf die Stammaktien und der
ſatzungs=
nääßen V.A.=Dividende genehmigt. Der Abſatz ſei im laufenden Ge=
4Sjahr, beſonders auch im Januar, gegenüber dem Vorjahr nicht
ſitentlich verändert.
Zu den Transaktionen der Ufa. Die Verhandlungen über die
Neu=
taing des Ufa=Konſortiums dauern fort. Was die Reorganiſation der
anlangt, ſo dürfte man ſich zunächſt mit einer rein finanziellen
ſſiuang begnügen, alſo einer Zuzahlung auf die Aktien. Der Möglichkeit
ſmr Abtrennung der Theaterbetriebe däirfte aber erſt nach vollendeter
ſrranzſanierung nähergetreten werden. Das Ausmaß der zu
fordern=
m..Zuzahlung ſteht jedoch noch nicht endgültig feſt. Sollte die Ab=
ᛋfrung eines Teiles der wertvollen Ufa=Grundſtücke zu angemeſſenen
rixſen gelingen, ſo würde der finanzielle Status der Ufa eine
Erleich=
aang erfahren, die es als denkbar erſcheinen läßt, daß die Zuzahlung
— in dem bisher vorgeſehenen Umfange von 66¾/= Prozent (30 Mill.
erhsmark) vorgenommen zu werden braucht. Andererſeits ſcheinen
Sonderabſchreibungen in dieſer Höhe notwendig. Wenn daher
weni=
r als zwei Drittel Zuzahlung gefordert werden ſollen, ſo könnte, um
ſeie Abſchreibungen dennoch vornehwen zu können, eine
Kapitalherab=
ß ng in Höhe der Differenz zwiſchen der bisher geforderten und der
ſ6=ültigen Zuzahlung notwendig werden.
Engelhardt u. Co., Chaſalla=Schuhfabrik A.=G in Kaſſel. Die Ge=
Shaft erzielte für 1925/26 nach 99 683 RM. Abſchreibungen
einſchließ=
des Gewinnvortrages von 121 318 RM. einen Reingewinn von
282 RM., über deſſen Verwendung erſt die v. H.V. beſchließen ſoll.
* der Bilanz erſcheinen Debitoren mit 933 862 RM. (875 759 RM.),
ſe tpapiere und Beteiligungen mit 213 261 (271 407) RMM., Wechſel mit
—1 (17 621) RM., Vorräte mit 404 317 (480 454) RMM. An Kreditoren
Sen 79 883 RM. ausgewieſen. Verpflichtungen an Lieferanten,
ha verrücklagen betragen 214 000 (471 392) RM. Ueber das laufende
ſerhäftsjahr werden keine Angaben gemacht.
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach den vorläufigen
Berechnun=
m wurden in der Zeit vom 16.—22. Januar im Ruhrgebiet an ſechs
rpeitstagen 2510 417 To. Kohle gefördert gegen 2 516 238 To. in der
miwergehenden Woche bei ebenfalls ſechs Arbeitstagen. Die
Kokserzeu=
ma ſtellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche auf 504 651 To.
guen 501 282 To. in der Vorwoche; die Preßkohlenherſtellung auf 80 714
o. gegen 84 764 To. in ſechs Arbeitstagen. Die arbeitstägliche Kohlen=
Tyerung betrug in der Zeit vom 16.—22. Januar 418 403 To. gegen
2573 To. in der vorhergehenden Woche. Die tägliche Kokserzeugung
Icke ſich auf 72093 To. (71 612 To.), die arbeitstägliche
Preßkohlen=
iſtellung auf 13 452 To. (14 127 To.)
Neuregelung der Kohlenpreiſe. Im Reichsanzeiger wird eine
Be=
mntmachung der „Aktiengeſellſchaft Reichskohlenverband” veröffentlicht,
ohrach mit Wirkung vom 1. Februar 1927 gegenüber der im Reichs=
1zeiger Nr. 78 vom 3. April 1926 veröffentlichten Bekanntmachung die
lwenden Preiſe gelten: Rheiniſch=Weſtfäliſches Kohlenſyndikat:
Gas=
a). Gasflammkohlen: Nußgrus bis 30 Millimeter 11,93 RM., Nußgrus
de— 30 Millimeter 13,40 RM., Magerkohlen (öſterliches Revier): Gew.
u8 T 32,78 RM., gew. Nuß II 32,78 RM., gew. Nuß III 26,33 RMM.
Der Kohlenexport Oſtoberſchleſien. Von den 11,9 Mill. To.
oſtober=
höf=ſiſcher Steinkohlen, die im vorigen Jahre exportiert worden ſind,
Deutſch=Oeſterreich mit 2.3 Millionen den größten Anteil erhalten,
ſt ebenſo viel England mit 2,2 Millionen. An dritter Stelle ſteht
Cyrvoden mit 1,750 Millionen To. Im Monat Dezember gingen nach
eu-tſch=Oeſterreich 250 000 To., nach Italien 150 000 To., nach Schweden
770000 To., nach England knapp 100 000 To. und nach Dänemark 90 000
Im Januar hat ſich die Ausfuhr bisher ungefähr auf der gleichen
öye gehalten wie im Dezember, ſo daß mit 1 Million To. für den
Mo=
aiſ gerechnet werden kann.
In der G. V. der Schultheiß Patzenhofer erklärte die Verwaltung
auf eine Anfrage, betreffend die Kursbewegung der Schultheiß und
Oſt=
werke=Aktien, daß der Beſitz der Oſtwerke an Schultheiß=Aktien mit der
Schultheiß=Brauerei durch einen Poolvertrag gebunden wäre. Ohne
Einverſtändnis der Schultheiß=Brauerei könne keine Veränderung des
Verteilungsſchlüſſels innerhalb einer Intereſſengemeinſchaft oder Fuſion
erfolgen. Eine ſolche Abſicht beſtehe nicht und könne auch nie beſtehen.
An der jetzigen Realition der Quoten werde in vollem Umfange
feſtge=
halten werden.
Die wirtſchaftliche Lage des Saargebiets. Die Saarregierung
ver=
öffentlichte geſtern den fiblichen Bericht für das letzte Vierteljahr von
1926. Bei der Behandlung der wirtſchaftlichen Lage des Saargebietes
wird in dem Bericht darauf hingewieſen, daß trotz günſtiger ſtatiſtiſcher
Angaben über die Lage des Landes die Steigerung des franzöſiſchen
Franken auf den für das Saargebiet ſo außerordentlich wichtigen
Ex=
port ungünſtig rückgewirkt habe. Der Bericht weiſt ſodann auf das
deutſch=franzöſiſche Abkommen vom 10. November 1926 über die
Zoll=
regelungen ſür das Saargebiet hin. Der Abſchluß des Eiſenpaktes habe
die zollfreie Ausfuhr der Erzeugniſſe der Saarinduſtrie nach
Deutſch=
land weſentlich gefördert. Während der Berichtszeit haben ſieben Streiks
ſtattgefunden, die 1304 Arbeiter erfaßten. Die Zahl der Arbeitsloſen
beträgt nach dem Bericht 2237.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 29. Januar. Nachdem ſchon geſtern
nach Schluß des offiziellen Verkehrs höhere Preiſe für Weizen bezahlt
worden waren, erhielten dieſe ſich heute und vermochten ſich unter dem
Einfluß höherer Auslandsmeldungen noch zu ſteigern. In
Märzliefe=
rung waren Käufe hieſiger Mühlen zu beobachten. März und Mai
er=
öffneten daraufhin zwei Mark höher. Der Roggenmarkt trat heute
mehr in den Hintergrund. Das Ausland forderte unveränderte Preiſe,
die Grundtendenz iſt jedoch weiter feſt. Die Käufer bekunden gegenüber
dom hohen Preisniveau ziemlich ſtarke Vorſicht. Die Lieferungspreiſe
eröffneten eine halbe Mark höher. Mehl hat in beiden Arten kleines
Konſumgeſchäft bei unveränderten Preiſen. Für Hafer hielt die feſte
Stimmung an, während Gerſte ruhiges Geſchäft hatte.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 29. Januar. (Priv.=Tel.)
Weizen: Der Markt verlief zunächſt in ſchwächerer Haltung auf
er=
mäßigte ausländiſche Kabel. Dann trat eine Erholung ein, ſodaß die
Termine ziemlich unverändert ſchließen.
Mais: Der Markt verlief ebenfalls zunächſt abgeſchwächt auf
güin=
ſtige Wetterberichte und größere Farmbewegung. Dann konnte eine
Erholung ſich durchſetzen auf feſte Kaſſapreiſe.
Hafer: Der Markt verlief in ſtetiger Haltung bei ruhigem Geſchäft.
Baumwolle: Abgaben der Pflanzer ſowie Liquidationen
verurſach=
ten einen ſchwächeren Verlauf, wozu die Kaufreſerve der amerikaniſchen
Spinner noch beitrug. Die Termine gaben mehrere Punkte nach.
Kaffee: Käufe der Kommiſſionsfirmen und Zurückhaltung aus
Bra=
ſilien hatten einen ſtetigen Beginn zur Folge. Dann trat eine
Ab=
ſchwächung ein, mit der die anfänglichen Kursaufbeſſerungen verloren
gingen.
Zucker: Der Markt nahm einen ſtetigen Verlauf auf Deckungskäufe
der Raffinerien und zurückhaltendes kubaniſches Angebot.
Kakao: Der Markt nahm einen ziemlich ſtetigen Verlauf auf erhöhte
ausländiſche Kabel und Kaufluſt der Fabriken. Im Schlußverkehr
wur=
den jedoch Abgaben vorgenommen.
Pe
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Das Bezirkstarifamt der chemiſchen Induſtrie für Heſſen=Naſſau und
Haupttarifamt in Berlin beſchäftigen. Der Termi iſt noch nicht
feſt=
geſetzt.
Zeitungsmeldungen zufolge verhandelt die baheriſche Regierung
mit einer Bankengruppe über die Aufnahme einer bayeriſchen
Staats=
anleihe, die ſich auf 60 Mill. RM. belaufen ſoll. Der Abſchluß iſt in den
nächſten Tagen zu erwarten. Der Zinsfuß ſteht noch nicht feſt.
Gegenüber dem Ergebnis des Vorjahres weiſon die wier Pilſener
Prauereien eine Steigerung ihrer Erzeugung auf. Wie gemeldet wird,
wurden im Jahre 1926 insgeſamt 1036000 Hektoliter gegen 1028000
Hektoliter im Vorjahre abgeſetzt.
Unter zahlreicher Teilnahme aller öſterreichiſchen Kammern für
Handel, Gewerbe und Induſtrie iſt geſtern in Wien ein allgemeiner
öſterreichiſcher Handelskammertag zuſammengetreten, um zu der
Wirt=
ſchaftskriſe Stellung zu nehmen. An den Verhandlungen nehmen
ſämt=
liche Mitglieder der Regierung und die Vertreter der politiſchen
Par=
teien teil.
Die Anzahl der Arbeitsloſen in Belgien betrug im Monat Dezember
15 665 oder 2,7 Prozent der Geſamtzahl der Beſchäftigten gegen 1,4
Pro=
zent im Monat November.
Wie der Verkehrsdirektor der norwegiſchen Staatsbahnen mitteilt,
haben ſich die Fiſchtransporte nach Deutſchland im Jahre 1926
verdop=
pelt. Es wurden im vergangenen Jahre 33 000 Tonnen Fiſche in 3500
Eiſenbahnwaggons nach Deutſchland abgeſandt.
Die Stadtverwaltung von Reval hat das Angebot der belgiſchen
Firma Revaler Tramway A.G. über eine Anleihe abgelehnt. Die
Schienen der Revaler Straßenbahn ſollen bei deutſchen Firmen beſtellt
werden, weil die Preiſe der deutſchen Firmen billiger ſind als diejenigen
der belgiſchen.
Der Dollarkurs befindet ſich an der Warſchauer Börſe ſeit einigen
Tagen in einer rückläufigen Bewegung. Das Angebot von effektiven
Dollars und auf New York lautenden Deviſen am Markt iſt in
War=
ſchau neuerdings ſtärker geworden und überſchreitet den Bedarf.
Wie gemeldet wird, haben Verhandlungen zwiſchen dem ruſſiſchen
Botſchafter in Rom und dem italieniſchen Vertreter in Moskau zu
einem Abkommen geführt, das die Errichtang eines zentralen
Korn=
depots in Venedig für Italien, Oeſterreich, Bayern und Jugoſlawien
vorſieht. Als ruſſiſche Kornhäfen kommen Odeſſa, Nikolajew und
Novo=
mirſch in Betracht.
Wir erfahren aus Prag, daß nicht beabſichtigt iſt, die Zentralbank
der deutſchen und tſchechiſchen Sparkaſſen zu liquidieren und ein neues
Finanzinſtitut als Mittelpunkt aller Sparkaſſen zu bilden. Für die
Sanierung der Srarkaſſen wegen ihrer großen Kriegsanleiheverluſte
werden verſchiedene Projekte bearbeitet
Wie aus New York gekabelt wird, erwarten unterrichtete
Waſhing=
toner Senatskreiſe, daß bei den Eigentumsfreigabeverhandlungen im
Finanzausſchuß des Senats die für die Entſchädigung für
beſchlag=
nahmte Schife angeſetzte Summe von 100 Mill. Dollar um nahezu die
Hälfte geſtrichen werde.
Die Notierung für Pennſylvania=Keroſin wurde um ein Achtel=Cent
per Gallone ermäßigt.
Die National Sugar Refining Company hat die Warner Sugar
Refinery of New York käuflich erworben. Sie wird dadurch zum
zweit=
mächtigſten Zuckerkonzern nächſt der American Sugar Company.
Narmſtädter Frühjahrsmeſſe
1921.
FFür die vom 8. bis einſchließlich
7. Mai ds. Is, dauernde
Frühjahrs=
ſteſſſe werden Plätze für
Fahrge=
hläſte aller Art, Schau=,
Schieß=
n0 Photographeebuden ſowie fü
Bis ffelbä ereien und Zuckerbuden
uſ dem Wege des ſchriſtlichen
Ange=
oe.s vergeben. Angebote (mit Rückporto
n. dem Kennwort: „Angebote auf
Meß=
läche” verſehen) ſind bis ſpäteſtens
4/ Februar ds. Js. an die
unter=
ieSnete Stelle einzureichen. Genaue
e eichnung des Geſchäftsunkernehmens,
ei! Art und der Größenmaße iſt dabei
ſorderlich.
Die Angebote haben auf einen be
imamten in Reichsn ark ausgedrückten
erag zu lauten. Die
Vergnügungs=
ehrer wird in Form der Pauſchſteuer
chwben. Der Steuerbetrag errechnet
ch. aus einem Vielfachen des
Einzel=
riäſes.
Von der Zulaſſung ſind
ausge=
ukoſſen:
Wahrſagerei und Vorführungen, die
en guten Sitten zuwiederlaufen, oder
n.uf Hypnoſe, Telepathie vd. Suggeſtion
heruhen, fernerGlücksſpiele,
Verloſungs=
huden ſowie Schlaghämmer mit Schuß
morrichtungen und Drehorgelſpieler.
Die Plätze für die Berkaufsbuden
buwie für Geſchirr=, Glas= und
Por=
elkanwaren werden am Montag,
e 11. April ds. Js., vormi tags
0(Uhr, in der Turnhalle am
Wopgs=
lottz öffentlich meiſtbietend ver
eſigert.
BBedingungen und Meßplan liegen bei
eunt Marktmeiſter im Stadthaus,
Rhein=
ſrße 16—18 (Zimmer 26) zur Einſicht
fian. Zahlung des Platzgeldes hat
m. Voraus in voller Höhe zu
er=
ggen.
(st2008
Darmſtadt, den 7. Jan. 1927.
Der Oberbürgermeiſter.
ſſtutz= u. Brennholz=
Verſteigerung.
PDonnerstag, den 3. Febr. 1927,
ſoxmittags 9 Uhr anfangend, wer
en aus dem Nieder=Beerbacher
Ge=
wenindewald, Forſtort Aulſtatt und
Schöp=
ei berg, verſteigert:
initzholz: Stämme: Eiche IV. Kl. 1 St
— 0,57 fm. V. Kl. 3 St. — 1,04 tm,
NI. Kl. 4 St. — 0,72 tw. Eſche VI. Kl.
7. St. — 0,71 fm, Kiefern III. Kl. 1 St.
— 0,61 fm, Fichte III. Kl. 1 St. —
M:60 fm, V. Kl. 4 St. — 1,03 tm, Lärch
I. Kk. 1 St. — 0,09 fm.
zwennnholz: Scheiter: Buche 460rw,
ſiEiche 7 rm; Knüppel: Buche 25 rm
ſiEiche 12 rm, Birke 10 rm, Akazie 1 rm.
hriefer 14rm; Reiſig (Stammwellen);
Birke 100 St. Kiefer 200 St.: Aſt=
„wellen: Buche 5120 St., Birke 70 St.;
SStöcke: 32,4 rm Klobenholz.
Zuſammenkunft am Hof Breitenloh.
Nieder=Beerbach, den 28. Jan 1927.
wieſſ. Bürgermeifterei Nieder=Beerbach.
Pritſch.
(2044
Aufforderung.
Die Inhaber der ſtädt.
Baukaſſen=
ſcheine, ſoweit ſie den Holzbezug für
1927 wünſchen und hierzu berechtigt ſind,
d. h. ſolche, die im Beſitze von
minde=
ſtens 10 Scheinen ſind, werden hiermit
aufgefordert, ſpäteſtens bis 10.
Fe=
bruar 1927 ihre Rechte unter Vorlage
der Baukaſſenſcheine auf dem Stadthaus,
Zimmer 47, geltend zu machen.
0
Die übrigen Inhaber der
Baukaſſen=
ſcheine, die die Auszahlung der
Verzin=
ſungs= und Tilgungsbeträge wünſchen
und ſolche, die nicht im Beſitze von
min=
deſtens 10 Scheinen ſind, wollen ihre
Rechte auf Herauszahlung der
Verzin=
ſungs= und Tilgungsrate für 1927 zum
leichen Zeitpunkt, ebenfalls unter
Vor=
lage ihrer Baukaſſenſcheine, bei der Stadi=
(st2053
kaſſe geltend machen.
Darmſtadt, den 27. Jan. 1927.
Der Oberbürgermeiſter.
Hamstag, den 5. Februar 1927,
vorm. 9 Uhr, wird in Darmſtadt (
Wirt=
ſchaft Heiliges Kreuz) aus Diſtrikt Vl,
Lichtſchlag 22, nachſtehendes Holz
ver=
ſteigert:
Nutzſcheiter, rm: 4 Eiche I. (geſp.), 5,9
Hamnbuche II. (rund);
Scheiter, rm: 486 Buche, 18 Hainbuche,
31 Birke, 27 Eiche;
Knüppel, rm: 191 Buche, 35 Hainbuche,
16 Birke, 6 Eiche:
Reiſig, Wellen: 3180 Buche;
Stöcke, rm: 263 Buche, 4 Hainbuche
2 Birke, 79 Eiche.
Es wird gebeten, das Holz vor de
Verſteigerung einzuſehen. Blau
unter=
ſtriyhene Nummern kommen nicht zum
Ausgebot. Auskunft durch Herrn Fölſter
Vang (Meſſeler Falltorhaus).
Darmſtadt, den 27. Jan. 1927. (1944
Heſſ. Forſtamt Kranichſtein.
ernteigerang.
Brennholz=
Montag, den 7. Februar 1927,
von vormittags 9 Uhr ab, wird zu
Mörfelden im Gaſthaus zum Saalbau,
Bahnhofſtraße 5, das Brennholz der
Förſterei Schlichter, Diſtrikt Neuer
Schlich=
ter, Abteilung 8, Nr. 518—908,
verſtei=
gert, und zwar:
Scheiter, rm: Buche 290, Hainbuche 3,
Eſche 29 Eiche 106, Birke 4, Ulme 4,
Erle 7, Linde 9, davon 3 rund, Lärche
1 (rund);
Knüppel, rm: Buche 129, Hainbuche 3,
Eſche 14, Eiche 43, Birke 1, Ulme 3
Erle 1, Linde 11, Kiefer 1:
Reiſig, 100 Wellen: Buche 35,5, Eiche
7,3, Linde 3,1
Stöcke, rm: Buche 60, Eſche 10, Eiche
23, Ulme 2, Erle 2, Linde 5.
Auskunft erteilt Herr Staatsförſter
Vöglin zu Forſthaus Schlichter.
Blau unterſtrichene Nummern kom=
(2071
men nicht zum Ausgebot.
Mörfelden, den 28. Jan. 1927.
Heſſiſches Forſtamt Mörfeiden.
Die Anmeldung
ſchulpflichtiger Kinder zur
Auf=
nahme in die Stadtſchulen an
Oſtern 1927 hat Dienstag, den 1.
Fe=
brugr Ifd. Js. zu erfolgen.
Näheres in der Bekanntmachung in
den ſtädtiſchen Aushangkäſten und in
den Schulen.
(st1591
Darmſtadt, den 21. Jan. 1927.
der Vorſitzende des Schulvorſtandes
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.
Samstag, 5. Februar Ifd. Js.
nachmittags 1 Uhr beginnend,
wer=
den im Gemeindewald Harpertshauſen
Diſtr. Aue und Hißlache, verſteigert:
28 Eichen — 18,44 fm,
26 Eſchen — 13,73
46 Kiefern (I.—III. Kl.) — 59,01 fm.
Die Eichen, Eſchen und Kiefern ſind
größtenteils ſehr ſchöne Schnittſtämme
Zuſammenkunſt mittlere Auſchneiſe.
Harpertshauſen, den 27. Jan. 1927.
Bürgermeiſterei Harpertshauſen.
(2072
Funck.
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Verlag: Nürnberg, Kühnertsgaſſe 3.
Seite 14
Sonntag, den 30. Januar 1927
Nummer 30
Lichtspiele
P
Union-Theater
Die 2. Woche verlängert!
Anfang 2 Uhr. Letzte Abendvorstellung 8½½. Uhr. Jugendliche haben Zutritt!
Preise 1 Mk. bis 3 Mk.
Rff
Residenz-Theater
Heldentum und Untergang der „Emden”:
Die „Emden‟, ein kleiner Kreuzer, war, nachdem sie einen Hilfskreuzer
gekapert und nach Tsingtau gebracht hatte, unbemerkt nach einer
fünfwöchentlichen Reise in den Indischen Ozean eingedrungen und
hatte dort siebzehn Dampfer versenkt, sechs aus militärischen Gründen
entlassen, Madras beschossen, im Haten von Penang einen russischen
Kreuzer, ein französisches Torpedoboot vernichtet, auf den
Kokos-
inseln die Kabel und Funkstationen zerstört, fremde Kohlen verbrannt,
von fremdem Proviant gelebt und eine Strecke von rund 34000
Kilo-
metern zurückgelegt. Zu ihrer Vernichtung brauchte der Feind außer
den Kohlen für 2 Dutzend und mehr Schiffe, die sie ständig verfolgten,
540 Granaten und einen Torpedo.
Diese Vorgänge, die einst die ganze Welt in Spannung hielten und
auch den ehemaligen Feinden Hochachtung und Bewunderung
ab-
nötigten, sind verewigt in dem Großflm:
Die Tugendprinzessin?
Des großen Andrangs wegen bitten wir die Nachmittagsvorstellungen
zu besuchen.
Jugendliche haben Zutritt.
(2612
ORPHEUM
Heute Sonntag, 30. Januar
III. Lustiger Kanpen-Abend
mit Tanz
bei festlich beleuchtetem Hanse
Ausgeführt vom
Stadt-Orchester
(Gr. Konzertbesetzung. — Leitung: H. Haus ke)
Motto: Lustig‟ Münchene
* Fröhlichl Wien!
Antang 2 Uhr ununterbrochen. — Abendvorstellung 8 Uhr.
Behrens-Aufnagel • Traisa
Ludwigshöhe fM
Heute nachmittag 4 uhr sazl Heute 2b 3½a Uhr
Kondert ana Tanz
Extra=Konzert
Autoverkehr (2546
Anschließend:
Die große
Tanzgelegenheit
Städtiſches Orchefter
Leltung: Konzertmeiſter Mangelsdorf
Hllee-Restaurant „Rummelbräu”
Rheinſtr. 101 Inh. : K. Heidenreich Teleph. 2519
von
0.90 Mk. Hühner=Kraftbrühe mit Einlage
Maſt=Ochſenfleiſch, Merrettich=Kartoffeln
1.30 Mk. Kühner=Kraftbrühe mit Einlage
Rogſtbeef am s pieß gebraten
nach Gärtnerinnen Art
Deſſert
1.60 Mk. Dchſenſchwanz=Suppe
Huhn auf Reis, Se. Jupreme
Deſſert
2.00 Mk. Ochſenſchwanz=Zuppe
Cablian=Schnitte, Se. Rem., Hannob.
Kalbsrücken, Blumenkohl, Kartoffel
Deſſert
In den gemütlichen Reſtaurations=Räumen
f Abds. 8.11 Uhr
Nachm 4—7 Uhr
Eintritt frei! AONLeF1 Eintritt frei!
Im Feſtſaale: Tanz!
Karneval=Stimmung!
Anfang 7 Uhr! ( 2597) Eintritt 30 Pfg.
Restaurank
Frankfugter Hoflgegr. 4s70 Darmſtadt gegr. 4870
Ecke Frankfurter-Landwehrstr.
Telephon 3620
Heute abend 7 Uhr 17 (*2549
Grosser Kappenahend
mit karnevalistischem Konzert, am Sonntag, den 13 Februar 192‟, vorm
Café und Weinstaren
„Taunasburg‟
Heute Sonntag
AafKoränst kbcke
mit Tanz.
Konzert
10er=Karten haben Gültigkeit. zum Besten der Nothilfe der Lukasgemeinde
Für Nichtkonzertbeſucher oberer Saal /Fre tag, den 4. Februar, abends 8 uhr,
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17.
6 Mitwirkende: das Schnurrbuſch=Quartett,
Opernſängerin Fräulein Grete Penſe
vom Heſſ Landestheater und Herr Karl
Dietrich (Klavier),
von „Eintrittspre,s 1.— Mk. Kartenverkauf bei
12—2uhr Mittagstiſch 12—2uhr Nuſikalienhrndlung Schutter,
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Stlmmung — Jazz-Band — Mumor
Eintritt: Damen 1.00, Herren 1.50 (inkl. Tanz)
(Keinerlei Nachzahlungen)
Kartenvorverkauf: de Waal, Rheinstraße 14
und Verkehrsbüro,
(2056
W Anfang 8 Uhr —a
Einlaß 7 Uhr
Telephon-Bestellungen Nr. 389
Einladung zur
Generalverſammlung
10 Uhr im Mathildenhöhſaal, Dieburger
Str 26. Die Tagesordnung wird bei Beginn
der Verſammlung be annt gegeben. (2005
Etwa ge Anträge ſind bis 5. 2. 27 an den
Vorſitzenden, Liebigſtr 42, einzureichen
Um recht pünktliches Erſcheinen bittet:
Der Jorſtand.
„Ev. Stadtmifſion e. V., Darmſtadt
ühlſtraße 24
Generalverſamlung
Montag, den 28 Februar 1927, abends 8½ Uhr
Tagesordnung: 527 der Satzungeu.
Der Borſtand,
(*25
Die Tugendprinzessin?
Handels=Lehranſtalt
von Dr. Wilhelm Siedersleben
Diplomhandelsiehrer und Diplomkaufmann
Saalbauſtr. 73 Darmſiadt Fernruf 923
I. Einjährige höhere Handelsſchule mit fremdſprachlicher
Handelstorreſpondenz.
II. Ein= und zweijähr. pandelsſchule mit Fremdſprachen zur
Befreiung von der Fortbildungsſchule.
III. Salbjahrskurſe für ältere Schüler.
Neue Kurſe beginnen am 3. und 20. April.
Anmeldungen frühzeittg erbeten!
(1637a
Die Tugendprinzessin?
Mehrere
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TIavier-Arnole
Eliſabethenſtr. 28.
Maupf-
1ersänn
an 31. Januar 192,
ahends 8½½ Uhr.
Geflägelzuchiverein im Fürstensaal,
1958) Darmstadt
Grafenstrade 18
Tugendprinzessin?
Mitgliederverſammlung
am Dienstag den 1. Februar 1922, abends 8 Ubr,
im großen Saal der Loge (Gandſtraße 10)
Reichstagsabg. Dr. Becker
ſpricht
über: Die neue Keichsreglerung
Nur für Mitglieder der 9.3.p. Der Vorfiand.
Da keine Karten ausgegeben werden,
wird um rechtzeitiges Erſcheinen gebeten. (2041gi
Die Tugendprinzessin?
Re
empf. ſ. im An ertig
u. Umarbeit all
Gar=
deroben, a. Masken;
gehe halbe Tage ins
Haus, ganze auh. in
ein Geſchäft. Schild,
Moldenhauerweg 8
(22553
nnt
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Eingerichtet und in Szene geſetzt vonE. Klitſch
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Duncan, König von
Schottland . . . . . . KurtWeſtermam
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ſeine Söhne
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Donalbain
Macbeth. Anführer des
königlichen Heeres . . . Rudolf Wittgen
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der engliſchen Truppen. Johs Biſchoff
Der junge Siward, ſein Sohn . W. Scharff
Sehton, ein Offizier in
Macbeths Gefolge . . . Otto Wenke
Macduffs kleiner Sohn. Hellmut Fritz
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Ein verwundeter Krieger Hans Epekamp
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Lady Macbeth."
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Lady Macduff.
Kammerfrau der Lady
Käthe Meißner
Macbeth
Alice Treff
Erſte
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Zweite Hexe.
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Hugo Keßter
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Zweiter Mörder
Paul Maletzki
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Diener der Lady Macbeth. Otto Panning
Hugo Keßler
Bote
Lords. Edelleute, Anführer, Krieger,
Erſcheinungen. — Szene: Schottland
Die zur Handlung gehörende Muſik imit
Ausnahme der Schlachtſzenen) iſt von
Wilhelm Peterſen komponiert
Spielwart: Adolf Schmidt
Preiſe der Plätze: 1 bis 10 Mk.
Eintritt der Mieter in den Zuſchauerraum!
nur gegen Vorzeigung der Mietkarte zuläſſian
Pauſe nach dem 9. Bild (Pförtnerizenel
Ende 10 Uhrn
Anfang 7 Uhr
Montag, 31 Januar, Erſtes Volkskonzertet
Soliſtin: Anna Baumeiſter=Jacobe Ane
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Dienstag, 1. Februar A 11. Schülermiele
rot 6. Die Zauberflöte. Anfang 7 Uhrs
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Sonntag, den 30. Jauuar 1927
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Haſe und Swinegel
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Preiſe der Plätze 0.70 und 1.— Mk
(Kinder 35 und 50 Pfg.)
Abends 7½ Uhr
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Der Vetter aus Dingsda
Operette in 3 Akten von Hermann Hallen!
und Rideamus, nach einem Luſtſpiel vone
Kempner=Hochſtädt
Muſik von Eduard Künnecke
Muſikaliſcher Leiter: Berthold Tander:
In Szene geſetzt von Heinrich Kuhn.
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trabl
Tänze einſtudiert von Manda von Kreichnt
Preiſe der Plätze: 1 bis 4 Mk.
Montag, 31. Januar und Dienstag,1 Fecb
Filmvor führung: TasP aradies Enropc.
En Film vom Schweizer Volk und ſeie
Bergen. Anfang 6 und 8 Uhr, Prel=
0.70, 1, 1.50, 2 Mk.
Rummer 30
Der Ritt in die Sonne.
Roman von Paul Roſenhayn.
(Nachdruck verboten.)
„Da freut man ſich eben auf einen „Klaren”. Hieronimy
uite hinüber.
Die Budike war erfüllt von Lärm und von Geruch. Der
See=
nun ſchien hier nicht fremd zu ſein. Der Schnaps lief den
leven durch den Hals wie rinnendes Feuer.
„So,” ſagte Hieronimh. Seine einfache und energiſche Art
utve etwas Mitreißendes; der letzte Gang ſchien ihm eine
Hand=
nn der Diſziplin zu ſein wie jede andere.
Langſam gingen die drei quer über den Aſphalt in den
Tier=
ln en zurück. Hieronimy ſtapfte gleichmütig, ſichtlich von keinen
4/enken beſchwert, dem Ziel zu; aber die Schritte der beiden
iteren verloren ihre Zuverſichtlichkeit, und ihre Augen wichen
h aus.
Plötzlich blieb Fritz Jacobſen ſtehen. Er legte die Hände
Die Schläfen und ſagte laut und entſchloſſen;
„Nein!”
Eben glitt ein offenes Auto an den dreien vorüber. Darin
Fzrein Herr im Pelzmantel, an ſeiner Seite eine elegante Dame.
ie beiden ſchauten die drei Vagabunden mit der völlig verſtänd=
3 oſen Neugier an, mit der man etwa ein Tier im Käfig be=
Otet.
„Das könnt dir wohl ſo paſſen!‟ Der Seemann grinſte:
Auto und eine Villa. Und eine Freundin vom Ballett. Ich
ab’s ſchon!“
„Ich tu’s nicht.”
„Dann laß es bleiben. Daun gehen wir allein. Komm,
ners!“
„Ihr ſollt es auch nicht tun.”
„Was ſtierſt du bloß immer hinter dem Auto her? Biſt
wenn ein Kind, daß du meinſt: wenn ich ſo was ſehe, dann
uis ich’s haben? Mein lieber Junge, lüg dir doch nichts vor.
ſie Welt iſt ſchön für die Reichen. Die anderen können ſich
auf=
ſuggen. Oder in den Kanal gehen. Oder ſich totſchießen — die
aihl wird ihnen gnädig überlaſſen.”
„Was zum Teufel iſt denn für ein Unterſchied zwiſchen uns
denen? Das bißchen Kleidung? Du lieber Gott!”
„Wenn man null Pfennige in der Taſche hat,” ſagte Reimers,
aoin iſt der Unterſchied verdamt groß. Alſo komm!”
Paßt mal auf!” Jacobſen wies hinüber nach den Häuſern.
Eüht ihr die weiße Villa dort drüben?"
„Natürlich ſehen wir die. Wir ſind ja nicht blöd.”
„Dort wohnt ein reicher Millionär.”
„Millionäre ſind gewöhnlich reich.”
„Ein Millionär. Der iſt nicht bloß Millionär, ſondern auch
preiſt.”
„Willſt du etwa bei ihm einbrechen?”
„Das iſt nicht das richtige Wort. Nicht einen Pfennig Geld
ſönthte ich haben. Nicht einen Wertgegenſtand. Uebrigens ſind
I.. Zimmer dreifach verriegelt und verrammelt. Bloß im
Zim=
ſei: des Dieners hängen ein paar ganz gut erhaltene Anzüge.”
„Sag’ mal, woher weißt du denn das?"
Ein bißchen verlegen antwortete Jacobſen: „Ich kenne den
in ner.”
„So. So.”
„Er hat mir neulich mal erlaubt, eine Nacht in ſeiner
Kam=
eir zu ſchlafen. Jetzt iſt er mit ſeinem Herrn nach dem Süden
eſtahren. Ich will euch einen Vorſchlag machen. Ich werde.
maufgehen und Anzüge für uns holen. Was meint ihr dazu?”
„Das läßt ſich hören.”
Sonntag, den 30. Januar 1927
„Nur geliehen. Ich werde einen Zettel zurücklaſſen. Darin
verpflichten wir uns, die Anzüge innerhalb einer Woche
zurückzu=
bringen. Verſteht ihr wohl? Das iſt kein Scherz. Das iſt ein
Vertrag, den wir mit dem Mann ſchließen. Ein Ehrenwort, das
wir geben. In einer Woche müſſen wir es geſchafft haben.
Brin=
gen wir das nicht fertig, dann paſſen wir, nicht in die Welt,
dann ſind wir reif für den Kanal. Alſo hört ihr: Können wir
in einer Woche die Kleider nicht zurückgeben, ſo werden wir heute
über acht Tage das tun, was wir heute verſchoben haben: Wir
werden in den Kanal gehen.”
„Gott, ja,” ſagte Reimers. „Warum ſchließlich nicht?”
Hieronimy zuckte die Achſeln. „Er iſt ein Kind. Aber weiß
Gott, Kinder picken manchmal im Dunkel auf ein blindes Huhn”
„Du meinſt: ein blindes Huhn pickt manchmal ein . .
„Das iſt doch ganz egal, wer pickt. Mach’ ſchon und hol” die
Anzüge.”
Jacobſen ſtelzte, die Hände in den Hoſentaſchen, quer über
den blätterbedeckten Aſphalt. Die Dämmerung nahm ſeine
arm=
ſelige Geſtalt auf, und während er drüben in das graue Dickicht
hineintrabte, ſchien er völlig eins zu werden mit den troſtloſen
Konturen der herbſtlichen Bäume. Die beiden ſahen ihm
ſchwei=
gend nach. Nun hatte das dunkle Grau ihn vollends verſchluckt.
Ob er wohl wiederkommt?” ſagte Reimers nach einer
klei=
nen Weile.
„Der kommt wieder.” Hieronimy zwinkerte. In der Tiefe
ſeiner dunklen Augen ſchien ſtändig ein verſchleiertes Lächeln zu
glimmen. „Der kommt wieder.”
„Er iſt ein fixer Kerl,” nickte Reimers. „Ich trau ihm ſchon
zu, daß er was mitbringt."
„Hm. Bloß kein Geld. Das behält er allein.”
Reimers blickte an ſich nieder: ein einziger Knopf baumelte
an einem letzten Faden ſeines Jacketts, das zerbeult und bauchig
war von Regen, Wind und Sonne. „Das war mal Marengo,”
lachte er. „Ein güet Fraueli hat ihn mir geſchenkt; in Baſel.
Warſt du mal in Baſel? Und guck mal die Hoſen. Wenn die
richtig aufgebügelt werden und gewendet und die Knöpfe dran
kommen, und ein bißchen geflickt, dann kann man ſie im Dunkeln
immer noch ſehr gut tragen.”
„Wenn er das fertigbringt,” ſagte Hieronimy, „und mir
einen Anzug beſorgt, weißt du: dann kann ich direkt irgend etwas
unternehmen. Man geht zum Beiſpiel in ein Zigarrengeſchäft
und kauft ſich ſechs Zigarren und ſteckt ſich eine an. Dann
ent=
deckt man plötzlich, daß man ſein Portemonnaie vergeſſen hat.
Was will er machen? Dir die angeſabbelte Zigarre aus dem
Mund nehmen?”
„Er kann dich verhaften laſſen.”
„Mein lieber Junge, du denkſt als Vagabund; denk mal als
feiner Mann. Er macht einen Bückling: „Darf ich mir Ihren
werten Namen notieren? Nicht wahr, Sie bringen die
Kleinig=
keit gelegentlich mit vor?” Und wenn du Glück haſt, gibt er dir
die anderen fünf in der Tüte noch mit.”
„Wenn man anſtändig angezogen iſt,” ſagte Jonny Reimers
leiſe, „dann haben die Leute Vertrauen zu einem. Dann kann
man Arbeit finden. Sonſt denken ſie doch bloß, man lauert auf
eine Gelegenheit, mit dem Silberzeug davonzugehen.”
„Ein bißchen langweilig, das mit der Arbeit,” meinte der
Seemann. „Montag früh fängſt du an, und Samstag abend
Seite 15
machſt du glücklich fünfzehn Mark. Wovon willſt du von
Mon=
tag bis Samstag leben?”
„Es iſt natürlich ſchwer. Man muß die Zähne
zuſammen=
beißen.”
„Wenn man in Schale iſt,” ſagte Hieronimy ſinnend, „dann
kann man ſich mit heranſetzen, wenn ſie irgendwo Karten ſpielen.
Das läßt ſich ſchon machen; man hat eben kein Kleingeld bei ſich,
und die Hundertmarkſcheine will man doch nicht in den Pot
ſchmeißen. Verſtehſt du? Du ſpielſt alſo auf Krampf. Geht’s
gut, ſteckſt du deine zehn Mark freundlich lächelnd in die Taſche.
Geht’s ſchief, türmſt du."
„Irgendwo draußen,” ſagte Jonny Reimers und wiſchte ſich
den Regen aus dem Haar, „irgendwo draußen ein Häuschen.
Und eine liebe Frau. Und vielleicht zwei Kinder.”
„Warum nicht gar eine Geflügelfarm
„Wär’ auch nicht ſchlecht. Auf jeden Fall: ein paar Hunde,
ſo ein paar rechte, luſtige Halunken. Haſt du mal junge Hunde
geſehen? Das iſt ſchön, weißt du.”
„Die Hauptſache iſt eben, daß man auftreten kann. Ich wette
mit dir: in einer Woche habe ich tauſend Mark gemacht.”
Reimers tat einen Pfiff. „Gibt es denn eine Arbeit, die
tauſend Mark die Woche einbringt?”
Hieronimy wölbte den Mund, als ob er eine dicke Zigarre
rauche. „Paſſ” mal auf: ein paar Mark beſorgt man ſich ſchon.
Man verſpricht einer ältlichen Dame, daß man ihr Holz hacken
will. Oder: man markiert den Dußlichen, und ſie gibt einem
einen Taler mit und einen Einholkorb. Oder: man macht was
mit einem gut erhaltenen Paletot — ſo was gibt’s in den
Kaffee=
häuſern und vor den Kleidergeſchäften — alſo kurz und gut: du
gehſt auf die Zeitung und gibſt ein Inſerat auf: „Zehn Prozent
Zinſen pro Woche garantiere ich unternehmenden Kapitaliſten.
Am andern Morgen um acht reißen ſie dir die Klingelſchnur
kaputt. So was wie Klante=Konzern.”
„Und dann?” fragte Reimers kopfſchüttelnd. „Wie willſt du
denn zehn Prozent die Woche damit verdienen?”
„Ich mach’ ja nur Scherz.” Hieronimys Geſicht wurde
plötz=
lich geſpannt, und ſeine Augen hefteten ſich auf einen Punkt
jen=
ſeits der Straße. Reimers wandte ſich herum.
Dort kam Jacobſen, den Arm mit Kleidern bepackt.
„Es hat geklappt,” keuchte er halb lachend. „Hier iſt ein
blauer für dich. Hier iſt ein ſchöner Kötteweh. Hier ſind braune
Stiefel dazu. Und hier dieſer ſchwarz und weiß geſtreifte paßt
mir wie angegoſſen. Ich habe ihn gleich angezogen. Dann iſt
hier noch ein Ueberzieher; einer war bloß da. Den müſſen wir
abwechſelnd tragen.”
„Das iſt ja ein nagelneuer Raglan,” ſtaunte Hieronimy.
Jacobſen nickte. „Fragt ſich bloß; wer ſoll anfangen?”
„Das knobeln wir aus.”
„Unſinn. Reimers ſchob Hieronimy beiſeite. „Jacobſen hat
ihn gebracht: Jacobſen ſoll ihn tragen.”
„Geht mal ins Gebüſch und zieht euch um.”
Die beiden verloren ſich in der triefenden Dämmerung. Man
hörte ein luſtiges Pfeifen, und ihre Schritte ſchienen ſtraffer
ge=
worden zu ſein.
Jacobſen knöpfte wohlgefällig den dunklen Gürtelmantel zu.
Wahrhaftig: hier in der Taſche ſteckten Handſchuhe — und in
der kleinen Billettaſche klimperte es. Er faßte hinein; ſiebzig
Pfennige!
Hieronimy war der erſte, der zurückkam.
„Ein Gentleman,” ſagte Jacobſen lachend.
„Wie richtig du das ausſprichſt,” wunderte ſich der Seemann.
„Ich war zwei Jahre drüben."
„Hat dir nicht viel genützt, was?"
Schon kam Jonny Reimers. Er ſtopfte noch an den
Hoſen=
trägern; dann knöpfte er, vor Erregung zitternd, die Weſte um
einen Knopf ſchief zu.
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Nummer s
Vom Sinn der Maske.
(Rauſchmaske und Spielmaske. — Naturmaske. — „Seeliſche
Masken”.)
Von Dr. Walter Meckauer.
Masken? — Karneval und Theater tauchen bei dieſem Wort
vor aller Augen auf. Im Karneval lebt der alte Sinn der Maske
fort: Der Sinn der Rauſchmaske, der Maske des Symbols,
durch die der Maskenträger ein Teil deſſen wird, was die Maske
abbildet. Der Mythus aller Völker iſt von dieſer Masken=
Dämo=
nie voll. Von den auſiraliſchen Buſchmännern bis zu den
Kwaki=
utl=Indianern Nordweſi=Amerikas, von den N6=Masken der
Japaner bis zu den Holzmasken der oberbayriſchen Bergbewohner,
von der Südſee über den afrikaniſchen und aſiatiſchen Kontinent
hin iſt die Maske das Amulett und der magiſche Zauber des zur
Dämonenmacht Erhobenen. — Aber auch im Theater lebt ein
Masken von Naturvölkern
aus Südamerika und der Südſee
alter Sinn: Der Sinn der Spielmaske der Maske des Scheins,
aus der das Weſen des Maskenſpielers hervorſchimmert.
Rauſch=
maske und Spielmaske — ſind das die einzigen Formen der
Maskierung?
Die morderne Pſpchologie hat einen neuen Sinn der Maske
entdeckt: Die Maske als Erſcheinungsform der Seele. Kann man
von „ſeeliſchen Masken” prechen? — Man weiß, daß der
Heuch=
ler maskiert iſi, daß er ſich gern hinter einer „
Biedermanns=
maske” verſieckt, und das Gleichnis vom Wolf im Schafspelz iſt
altbekannt. Die jeeliſche Maske des Heuchlers iſt ſiets auf
Täu=
ſchung geſiellt: Sie ſiellt nicht dar, wie die Spielmaske des
Schau=
ſpielers und ſie nimmt nicht etwas in ſich auf, wie die Rauſchmaske,
— ſie verbirgt. Sie verbirgt Seeliſches, ſie ſpiegelt etwas vor, ſie
iſi eine Täuſchungsmaske. Man kann die Täuſchungsmaske in
tauſend Formen erkennen und feſiſiellen: in der
Geſellſchafts=
maske, der Geſchäftsmaske, der Maske des Erfolgsmenſchen, des
Dandy, des Helden, kurzum in allem, was an Stelle
außergewöhn=
licher ſeeliſcher Eigenſchaften das heuchleriſche „Als—Ob” vor=
Masken und Maskeraden.
Von K. G. Max Stein.
Wenn wir die heutige Vielgeſialtigkeit der Masken betrachten,
ſdie jedem Träger ein anderes Gepräge verleihen, und ihn unter
ſihrem Schutze ſelbſt für ſeine Freunde unkenntlich machen, dann
will es uns ganz undenkbar erſcheinen, daß die erſten ihrer Art
nnur in der Hand getragen und als ſolche nur im Theater, bei
Luſi=
tund Trauerſpielen verwendet wurden.
Kein Geringerer als Aeſchylos ſoll der Sage nach ihr Erfinder
ggeweſen ſein und es iſi deshalb erklärlich, daß ſie zuerſi auch nur in
NGriechenland eine wichtige Rolle ſpielten. Bald gehörte auch
Gei der Feier der Saturnalien n Rom die Maske unbedingt zu
idem großen Pomp, der dabei entfaltet wurde. Auch die
Karne=
walsfeſie der nachfolgenden Zeit, für die Venedig und Rom
ffortan den Ton angaben, waren ohne Masken kaum noch denk=
Bar. Später erhielten die großen Maskenumzüge durch die Städte
seinheitlichen Charakter, dem ſich alle Masken mit ihrer
Ver=
ckleidung ſireng fügen mußten.
In Deutſchland und Frankreich, wo die großen Masken= und
Marnevalsfeſte Italiens bald nachgeahmt wurden, verlegte man
ſſie aus mancherlei Gründen zumeiſi in den Tanzſaal. Aber auch
Dabei wurde zumeiſi die Einheitlichkeit des Feſies gewahrt und
keine Geringeren wie Hans Folz und Hans Sachs ſchrieben nur zu
Wieſem Zwecke ſogenannte Faſinachtsſpiele, die den Mittelpunkt
ſder Maskeraden bildeten. Trotzdem wurde immer wieder owohl
än Deutſchland, wie in Frankreich verſucht, in der Karnevalszeit
hauch das „Volk” durch große feſtliche Maskenumzüge zur
Teil=
mahme am allgemeinen „Mummenſchanz” anzuregen. Damit
wwurde aber zugleich auch dem Unfug in jeglicher Geſialt Tür
mund Tor geöffnet, ſo daß im Jahre r37o ein Verbot erging, „daß
Miemand ſein Angeſicht verdeckt zu Faſinacht‟. Der Erfolg war
ffreilich ſo gering, daß einige Jahrhunderte ſpäter, im Jahre T628,
gaukelt: ein Schema der Heldenhaftigkeit ſiatt des Heldentums
ſelbſi, eine beſirickende Höflichkeit ſiatt Herzensgüte, anmutige
Geſelligkeit an Stelle von Menſchenliebe.
Du gehſi zum Beiſpiel ins Theater. Du ſiehſi, wie auf der
Bühne ein junges Weib unter der Trunkenheit des Mannes
leidet. Dich ergreift fremdes Schickſal. Du glaubſi, die
Dar=
ſiellerin auf der Bühne leidet gleich dir. — Nein, ſie leidet nicht,
ſie ſpielt. Sie hat vielleicht einmal in ähnlicher Weiſe gelitten,
jetzt ſchafft ſie ihrem Leid von ehemals, das als Erlebnis in ihrer
Erinnerung blieb, Ausdruck durch ihr Spiel. Lügt die
Schein=
maske des Theaters? — Sie lügt, aber ſie heuchelt nicht. —
Dagegen deine Nachbarin, die ſcheinbar gerührt in ihr Taſchentuch
weint — die heucheit. Zwiſchen Schein und Heuchelei ſieht der
Zweck — ihr Zweck iſi es, das Herz ihres Begleiters zu erobern,
und deshalb trägt ſie die Maske der Empfindſamkeit.
Spielmaske und Täuſchungsmaske ſind alſo zweierlei. Und
ebenſo verhält es ſich mit der Rauſchmaske. Ein Zauberprieſier
der Batak auf Sumatra legt ſich die Maske einer Medizin=
Gott=
heit an, aber er iſi auf Betrug bedacht, er will dem Patienten, der
an Kopfſchmerzen leidet, Kieſelſieine aus der Kopthaut zaubern,
damit der Schmerz verſchwinde und er Gewinn einſireiche. Er
verbirgt die Kieſel vorher in ſeiner Hand und rechnet auf die
Autoſuggeſtion des Kranken. Das iſt nicht die echte Form des
Trägers einer Rauſchmaske. Auch hier haben wir es mit einer
Täuſchungsmaske zu tun.
Denn die Täuſchungsmaske iſi eine Zweckmaske. Wer ſich
in dieſem Sinne maskiert, verfolgt einen beſiimmten Zweck.
Seeliſche Masken ſind im eigentlichen Sinne
Zweckmäßigkeits=
masken. Das Seeliſche in dieſer Form erſcheint als ein Teil jener
Abart des allgemeinen Lebenswillens, die ſich in der Natur
all=
täglich unter dem beſonderen Formungseinfluß des Kampfes
ums Daſein ausprägt. So könnte man den erſien beiden Gruppen
der Spiel= und Rauſchmasken als geiſtigen Masken auch in
anderer Einteilung die Naturmasken gegenüberſtellen, von
denen die Seelenmaske nur eine Abart iſt.
Schau dich einmal um: Die Natur iſi voll von ſolchen Zweck=
und Nutzmasken. Von dem Sich=Totſiellen des Käferchens, das
durch ſein Totſcheinen dem Verfolger entgehen will, bis zur
chamäleonartigen Anpaſſung an die Umgebung gibt es unzählige
Formen und Variationen der Naturmaske. Das
Nachtpfauen=
auge, das in abſonderlicher Stellung ſeine Flügel ſpreizt, um zu
ſchrecken, handhabt ſeine Schreckmaske nicht weniger geſchickt,
wie das amerikaniſche Stinktier, das mit ſeinem weißen
Alarm=
ſtreifen ſeine Feinde vor der Berührung warnt; und eine andere
harmloſe Spezies, die gar nicht ſiinken kann, ahmt den weißen
Streifen nach und ſindet unter derſelben Warnung, die hier zu
einer raffinierten Deckmaske wird, Schutz vor nächtlichen
Raubeulen und anderem feindlichen Getier. So raffiniert ſind
dieſe Naturmasken oft, daß alle Formen dieſer ſogenannten
„Mimicry” erſi einen kleinen Teil des Triebes offenbaren, den das
Leben in der Natur nach Maskierung beſitzt. Nutz=, Schußz= und
Trutz=Masken wandeln in tauſendfältigen Abarten und
Er=
findungen den ewig gleichen Inſtinkt des Lebens ab.
Das Seelenleben, als innerer Spiegel der Welt, wiederholt
das Leben der Außenwelt noch einmal. Zunächſi vor und für die
Augen der Welt. Nach denſelben Geſetzen wie die Stab=Heuſchrecke
oder das wandelnde Blatt ſich ſeiner Umgebung einſchmeichelt,
daß man ſeine eigentliche Natur, ſein Tierſein, nicht mehr erkennt,
ſpinnt auch der Heuchler ſeine feine Maske, die er in ſeinen Ge=
ſichtszügen und Geſien, ſeinen Worten und Handlungen vor den
Augen der Welt zur Schau trägt. Zuerſi vor den Augen der
Welt — dann aber auch vor ſich ſelbſi. Wie auf die harmloſe Ratte
die Raubeule lauert, vor deren Zugriff ſie ſich durch eine Maskierung
ihrer eigentlichen inneren Geſialt zu retten ſucht, ſo lauert
inner=
halb des ſeeliſchen Lebens über den Trieben und Leidenſchaften
des Unterbewußten die Verſiandeskririk, das Bewußtſein welches
ſie ſchonungslos packen und gemäß ihren Motiven ihrer
eigent=
lichen Art nach beſiimmen und entſchleiern will. Deshalb
mas=
kieren ſich dunkle Triebe gerne vor dem Zugriff der Selbſikritik.
Thüringer Faſinachtsgeſtalken
Dies gilt vor allem von verbrecheriſchen Motiven, die der Kritik
des kontrollierenden Bewußtſeins gern eine beſchönigende Maske
entgegenſiellen.
Man braucht kein Freudianer und kein Adlerſchüler zu ſein,
um die Tauſendfältigkeit der Masken, die dauernd unſere Seelen
erfüllen, zu erkennen. Selbſibeſchönigung heißen ſie oder
Lebens=
lüge, pſychopathiſches Arrangement oder Selbſtſlucht. Das Tuch
über dieſes Thema, das die Pſpchologie angeht, ſoll noch
ge=
chrieben werden. Erſi wenn wir die „Masken vor uns ſelbſt”
durchſchauen, werden wir unſeren eigenen Charakter erkennen.
Aber nichts iſi ſchwieriger als dies.
Wer probiert es einmal?
„allerlei Mummerei und Faſinachtsluſk” durch die weltliche
Obrigkeit verboten wurde.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg loderte die ſo lange
nieder=
gehaltene Lebensluſi um ſo ſtärker auf und bald wetteiferten Köln.
Straßburg, München, Nürnberg und Koblenz miteinander, durch
große, feſtliche Maskenumzüge das Volk n der Ausgelaſſenheit
der Karnevalszeit weitgehend zu unterſtützen. Nur in Köln hat
Callotſche Karnevalsfiguren.
Jacques Callot aus Nancy (rsg2—r63s) ſchuf etwa 8oo Stiche voll
phantaſiiſchen Humors. Volksfeſte Zigeuner, Bettler, Kavaliere mit
ihren Damen nehmen in ſeinen Radierungen einen hervorragenden
Platz ein
ſich die alte Sitte der Straßen=Maskenumzüge bis in die Neuzeit
erhalten. Im übrigen Deutſchland finden um die Karnevalszeit
nur noch ſogenannte Maskenbälle ſiatt, die ſowohl öffentliche, wie
private Veranſialtungen ſind und zumeiſi, wenn es ſich nicht um
Phantaſiefeſie handelt, die jeder Maske den Zutritt erlauben, auch
wieder irgendeinen beſiimmten Charakter der Verkleidung
vor=
ſchreiben.
Die berühmteſten deutſchen Maskenfeſie dieſer Art ſind aber
wohl in enen „Bauernbällen” zu ſehen, die als ſogenannte
„Wirtſchaften” in den heutigen Trachtenbällen eine, wenn auch
minder glanzvolle, Wiederholung finden. Auguſi der Starke
namentlich fühlte, ſich in der Rolle eines bäuerlichen Wirtes
außerordentlich wohl und bediente Bauern, Schiffer, Leineweber
Kärrner und fahrendes Volk aller Art, das in ſeinem Wirtshaus
vorſprach (natürlich von ſeinem Hofſiaate dargeſiellt) mit
Aus=
dauer und Hingabe. Die Fürſiin von Teſchen ließ es ſich dabei
ſehr angelegen ſein, ihm höchſi eigenhändig beim Hinauswurf
„Betrunkener” tatkräftig zu helfen. Man tanzte bei dieſen Feſien
nach Dudelſack und Schalmei und jabte ſich an Speiſen und
Ge=
tränken, die au Bauernmanier äußerſt primitio ſerviert wurden.
Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm liebte ebenfalls dieſe
Bauernbälle und trat einmal auf einem ſolchen ſchon als Kronprinz
in der Maske eines ſehr geſchickten Taſchenſpielers auf. Nachdem
man der allzugroßen Naturtreue dieſer ländlichen Maskeraden
überdrüſſig geworden war, ging man bald zu venetianiſchen
Maskenfeſien über, die außerordentlich lange Vorbereitungen
koſieten, da ſelbſi echte Gondeln auf dem zu dieſem Zweck
geſchaffe=
nen „Kanal” die feſiliche Maskengeſellſchaft ſpazieren fuhren unter
die ſich unter dem Schutze der Maske auch das „Volk” zu michen
wußte, ſo daß ſpäter in Preußen zur Kennzeichnung der
Standes=
perſonen nur dem Adel rote Maskenanzüge zu tragen geſiattet
wurden.
Heute ſind öffentliche und private Maskenbälle wieder an der
„Tagesordnung”, ja ſie bilden vielfach den Höhepunkt aller
winterlichen Veranſialtungen, bei denen Geſchmack und Phantaſie
miteinander wetteifern jeder Maske ein möglichſi „ſiilechtes”
Gepräge zu verleihen, ſofern es ſich nicht um eine
Phantaſie=
maske handelt, die jede Trägerin nach Belieben ausſtatten kann.
Wintertag in Villars.
Von George Popoff.
Es iſi ſicher eine gute Sitte unſerer ſportluſiigen Zeit, den
winter=
lichen Alltag durch eine von Schnee und Sonne erfüllte Einſchaltung
im lichtloſen Arbeitseinerlei zu unterbrechen. Nach Thomas Mann:
„etwas Stegreifdaſein, Tagedieberei, Fernluft und Zufuhr neuen
Blutes”, die von Zeit zu Zeit jedem nur not= und wohltun können ...
So pries ich denn den glücklichen Zufall, der mich — als „Erſaßzmann
des Erſatzmannes” der Genfer Hockey=Mannſchaft — auf einige
Tage in die hohen Berge, nach Villars ſur Ollon führte, das ich noch
nicht kannte und das, nebenbei bemerkt, überhaupt viel zu wenig von
Deutſchen (oder ſagen wir von Kontinentaleuropcern überhaupt)
beſucht wird und vielleicht daher einen etwas zu ausgeſprochenen
angelſächſiſchen Anſirich hat . .
Von Rex beginnt die Zahnradbahn den Aufſiieg nach Villars. Es
iſt aber ſchon dunkel und, aus dem Fenſier in die froſtig=milde,
winterliche Bergluft gelehnt, gewahrt man nichts, als den
ſchweigend=
fernen Sternenhimmel über uns, rechts und links des Weges —
Tannen, Felsvorſprünge und Zäune, alle überreich mit puſchels
weichen Schneekappen gekrönt, und unter uns — aus dem Dunkel
der Nacht leuchtende, hie und da verſtreute Lichterdiademe, eines —
Montreux, ein anderes — Leyſin, ein drittes — Aigle und ſo weiter.
Es wäre faſi zu ſchön, würden einige mitreiſende, ältere engliſche
Damen nicht dadurch etwas dämpfend wirken, daß ſie in bekanntem,
ſeichten Tonfall, mit rundlich=zugeſpitzten Lippen ſtändig ſiereotype
Bemerkungen eines ſüßlichen Entzückens von ſich geben würden:
„What a nice weather to-day!Oh, it’s aglorious day! Oh yes, it’s
bviously s0 .. ..,
Im großen Hotelpalaſi des kleinen Dörfchens Villars langen wir
gegen Mitternacht an. Beim Betreten der Halle ſiutze ich. Hat die
ungewohnte Höhenluft meine Phantaſie derartig verwirrt: das iſt
ja keine Halle eines Schweizer Berghotels, das iſi — — das Tanzdeck
der S. S. „Maloſa” auf ihrer Fahrt durchs Rote Meer. Bilder
meiner vorjährigen Indienreiſe werden hier, inmitten der Alpenwelt,
in unerwartetſier Weiſe lebendig: Fancy=Dreß Ball, Maskenball
an Bord, die Koſiüme genau dieſelben —der Schotte mit dem
Frottier=
handtuch an Stelle des karierten Röckchens, der Mann im Dreſſing
Gown und Slippers, die Damen in Stubenmädchentracht und als
indiſcher Begums verkleidet und anderes Unkompliziertes mehr.
Uber allem — die wohlbekannte Wolke von Whiskydunſi und
Vir=
giniatabakrauch und alle und jedermann ſpricht engliſch, engliſch und
nochmals engliſch.
Doch Gottes herrliche Natur, der lieblichſſe Wintermorgen, der
ſich denken läßt, ſöhnt dann mit allem aus. Glöcklein klingen und
ſchwingen in der froſtig=blauen Bergluft. Iſi’s ein Kuhglöcklein, iſt’s
ein Schlittengeſpann oder kommt das Läuten gar von irgendeinem
Bergkirchlein her . . .! Heute iſi Sonntag . . . In zoo Zimmern des
Palace=Hotels wirft ſich alt und jung in Sportdreß und eilt zur
Eisbahn. Ich, der „Erſatzungsmann des Erſatzmannes” der glorz
Der Beſuch
Von Herman Stehr.
Wenn femand die Spule ſehen könnte, über die der Faden der
Tage und Jahre des Menſchenlebens abgeſponnen wird!
Dieſes Grübeln der ausſichtsloſen Sehnſucht beherrſchte die
letzten zehn, fünfzehn Jahre im Oaſein der Freifrau Maria von
Borowska. Und immer, wenn ſie dieſe Worte eines rätſelhaften
Ver=
langens ſann oder leiſe, ohne die Lippen zu bewegen, vor ſich
hin=
ſagte, fühlte ſie ſich dem Geheimnis ſo nahe, wie etwa jemand durch
eine dünne Holzwand hindurch den Herzſchlag eines Unbekannten
hört, zu dem er nicht hinkommen kann.
Von einem Waldſpaziergange an einem frühen Lenztage
zurück=
kehrend, überraſchte ſie als junge, glückliche Gattin des damaligen
Oberſileutnants Fritz von Borowski in dem Waldhäuschen ihren
Mann in den Armen der Gouvernante. Das traf ſie wie ein tödlicher
Degenhieb. Etwas in ihr ſtarb mit dem dünnen Schrei, mit dem ein
Singoogel tot aus der Luft fällt. Ohne einen Laut trat ſie von dem
Fenſier zurück, durch das ſie die Untreue ihres Mannes geſehen hatte,
und kehrte in das Schloß zurück. Sie ſah die glänzenden
Frühlings=
wolken am blauen Himmel zerreißen, als ob ſie auseinander
ge=
ſprengt würden. Es knackte, als ob in der ganzen Welt die jungen
Zweige gebrochen würden. Sie ſchrie nicht auf, klagte ihren Mann
nicht an, ſondern ging nach Hauſe, ließ ihren Koffer packen, krat an
das Bett ihres einzigen Söhnchens, küßte das ſchlafende Kind ein=,
zweimal leiſe, ſchüchtern auf den Mund und fuhr in derſelben Nacht
ohne Abſchied davon.
Auf der Fahrt nach dem Süden fing das Grübeln über den Sinn
des Lebens an. Zertreten, beſchmutzt, entwürdigt war nicht nur ihre
ſiebenjährige Ehe, ſondern auch alle Träume der Kindheit, alle
jung=
fräulichen Süchte und Verzückungen, die zu ihr geführt hatten.
„Nie mehr nach Deutſchland zurück! Nie mehr.‟ Das war der einzige
Gedanke auf der Flucht im D=Zuge. Und als im Gotthardtunnel das
Donnern der Tiefe begann und die Wagen bebten, als ſchlüge man
mit eiſernen Stangen gegen die Wände und Decken, ſchloß ſie die
Augen und betete inbrünſtig, die Felſen möchten über dem Zuge
zuſammenbrechen und ſie zermalmen und begraben.
Aber zwei Tage ſpäter fuhr ſie auf einem kleinen italieniſchen
Dampfer von Locarno nach Pallanza, den Lago maggiore hinab.
Der Zollbeamte trat an ſie heran und revidierte ihr Gepäck. Mit der
ausgeſuchteſien Artigkeit, unter vielen Entſchuldigungen, nur
oben=
hin, entledigte er ſich dieſes Geſchäfts und ſireifte dann und wann
huldigend die vornehme, ſchöne Dame mit dem blaſſen, ratloſen
Geſicht und den bebenden Händen. So viel dezente Teilnahme, ſo
reichen Genfer Hockeymannſchaft, bin nicht der Letzte. Durch die
Hotelhalle eilend, erhaſche ich ſo nebenbei noch dieſes Oftgehörte:
„Have vou been in churck this morning . . .?" Natürlich hat Villars
eine anglikaniſche Kirche und heute iſi Sonntag und an jedem
Sonn=
tag muß jeder Engländer uſw. . . .
Die Eisbahn des Palace=Hotels von Villars iſi eine
Sehens=
würdigkeit für ſich: ſo viel hübſche und ſmart=gekleidete Sportgirls,
Sportsmen und Sportchildren beieinander habe ich noch nie geſehen.
Reichtum und Schönheit präſentieren ſich auch hier wieder mal als
untrennbarer Einheitsbegriff. (Das iſi das Eine, an das ich hier
denke, und das Andere iſi — die Erkenntnis, daß beiſpielsweiſe — in
Sowjetrußland eine Eisbahn ganz anders ausſieht, als dieſe, und
daß heute dort überhaupt alles ganz anders iſi als hier . . ). All dieſe
„Bourgeois” erfreuen das Auge durch friſches unbefangenes Weſen,
geſunde, reizende Geſichter und durch köſilich — ungezwungen
getragene, durch die entzückendſien Sportkoſiüme der Welt. Dabei
jeder Pullover, jede Wollmütze, jeder Sportanzug, — vollkommen
individuell und ſo gemuſiert, als hätten ſo und ſo viele
heimiſch=
ſchottiſche Fabriken ſich gemeinſam bemüht, für Mr. Smith nur ja
einen Pullover zuſiande zu bringen, der in Farbe und Muſier unter
keinen Umſtänden demjenigen des Mr. Brown ähnlich ſein durfte.
Entzückend anzuſchauen ſind auch die kleinen Kinderchen. Nicht
puppenhaft gekleidet wie die franzöſiſchen Kleinen, ſondern mit
praktiſchſier Einfachheit, aber dennoch mit bewundernswertem
Geſchmack in jedem Oetail. Drei reizende Mädel im Alter von 8 bis
ro Jahren ſiehen beieinander und plaudern in ſüßem Gezwitſcher:
„What a nice weather to-day . . oh, it’s a glorious day .. . Oh
ges, it’s obviously so ..."
Die Hockey=Mannſchaft von Genf ſpielt gegen die Mannſchaft
von Bellerive, welches eine der beſien internationalen Internate der
Schweiz iſt. Die Bellerive=Mannſchaft beſieht faſt ausſchließlich aus
Kanadiern, die „Europens übertünchte Höflichkeit” inſofern ignosz
rieren, als daß ſie — wie die wohlerzogenen Genfer ſich ausdrücken —
„etwas zu brutal ſpielen”. Sie hauen nämlich ihren Geguern beim
Spielen ſo blitzſchnell und gewandt mit dem Hockeyſchläger auf die
Finger, daß ſelbſi der Unparteiiſche (mit dem ſie vorher und nachher
an der Hotelbar viel guten, kanadiſchen Whisky trinken, kaum etwas
davon zu merken wähnt. Im übrigen iſi Eishockey eine der ſchönſien
und eleganteſten Winterſportarten, und es hat mir großen Genuß
bereitet, dem anmutigen Spiel ſiundenlang zuzuſehen.
Dicht auf der Bahn daneben ſpielen die alten Ladies und
Gent=
lemen Curling: ſchwere Holzflaſchen werden auf dem Eiſe, faſi wie
auf einem Schachbrett, hin und her geſioßen und vom Wege, längs
welchem geſchoben werden ſoll, wird vorher vom Spieler mit einem
feſchen Luxusbeſen ſelbſi der zarteſſe Schneehauch fortgefegt: damit
die Curling=Flaſche nur ja hübſch glatt gleiten möge . . . Der Blick
ſchweift von einem Spielplatz zum anderen und ergötzt ſich an der
Gegenſätzlichkeit: Eishockey, geſpielt von dieſen flinken, geſchmeidigen
viel begeiſierte Hingabe ſprach aus dem Feuer ſeiner großen, ſchwars
zen Augen, daß ſie die Beherrſchung ihres Schmerzes verlor und ihn
fragte, ob er die Spule kenne, auf der die Tage und Jahre des
Men=
ſchenlebens abgeſponnen werden. Die Umſiehenden ſiarrten auf ſie
wie auf eine Irrſinnige, der junge Italiener machte ein erſchrecktes
Geſicht und verbeugte ſich verlegen. Sie ſank mit geſchloſſenen Augen
auf ihren Sitz und ſah dann unverwandt mit ſiarren, trockenen
Blicken über den glatten See. Aber nichts an ihr zitterte mehr als
Fluten verſunkenen Trümmern des mauriſchen Kaſiells vorüber.
Der Anblick dieſer, dem langſamen, aber ſicheren Verfall geweihten
Ruine beruhigte ſie.
Marie von Borowski blieb ihrem Vorſatz treu. Alle Briefe ihres
Mannes ſchickte ſie uneröffnet zurück, verlangte nie nach ihrem Sohne
und verhielt ſich auch ablehnend gegen alle Verſöhnungsverſuche
ihres Vaters. Endlich hörte dieſer auf, ſeine unglückliche, verſchüttete
Tochter von ihrer faſi unmenſchlichen Hartnäckigkeit abbringen zu
wollen und beſchränkte ſich darauf, ſie mit Geldmitteln reichlich zu
verſehen, weil ſie es leidenſchaftlich ablehnte, auch nur einen Pfennig
von ihrem Manne anzunehmen, von dem ſie ſich doch nicht ſcheiden
wollte, ſondern ihn wiſſen ließ, daß einmal ſicher die
Wiederver=
einigung ſiattfinden würde, wenn alles Eis um ihr Herz abgetaut ſei.
So, begraben und lebendig, tot und atmend, wohnte ſie an den
Ufern des Langen Sees, immer im Anblick der Iſolg bella, die ſie
aber nie betrat, im Winter in Pallanza, in der heißen Jahreszeit
auf dem gegenüberliegenden, kühlen Ufer in Streſa unter ihrem
Mädchennamen als Baronin von Trüppelt. Ihr Vater ſiarb, ſie
eilte nicht an ſein Grab. Die Mutter folgte ihrem dahingeſchiedenen
Gatten, ſie verharrte in dem freiwilligen Exil. Ihr Mann wurde
kommandierender General. Ihr Sohn Dagobert trat in die
Kadetten=
anſialt, wurde Leutnant bei den Dragonern. Alles ging ſpurlos an
ihr vorüber.
die Menſchen lachen und traurig ſein, den See glänzen und ſich
ver=
dunkeln. Städte ſpiegelten ſich im See, Dörfer lagen verträumt in
den Tälern. Sterne blitzten auf und erblichen. Jaherszeiten kamen
und gingen. Sie verſank unfühlend, bewußtlos in den Wirbel des
Daſeins, und ihr Herz fragte nur immer das eine: „Warum?
Warum alles? alles? Warum ich? Warum alle?"
In dieſem ratloſen Staunen, in dieſem abgründigen Verſinken
lebte ſie, wurde nicht ausgehöhlt, nicht zermergelt, nicht zerſtört. Die
Daſeinsverſchollenheit kam nur tiefer über ſie ohne Schmerz, ohne
kurzer von dem Zucken in ihr, über das ſie keine Gewalt hatte; die
Augen bertoren den Slanz. Schön und blaß, wie eine Schlaf=
Jünglingen, erinnert faſi an ein aufregendes Finiſh eines Raſſe=
Pferderennens, — das Curling=Spiel der alten Ladies und
Gent=
lemen dagegen an eine dde Bridgepartie.
An jedem Nachmittag iſt große Schlittenpartie. Alle Hotelgäſie
aus London, Hull, Mancheſier, Glasgow uſw. werden in zahlreiche
Schlitten verladen, einige Flaſchen Whisky dazu und zum Schluß
noch die Jazz=Band des Hotels — letztere von wegen der Stimmung.
Einige Qutſider, zu denen auch „Schreiber dieſes” gehörte, fahren
lieber Bob — in entgegengeſetzter Richtung. Unterwegs trifft man
die vernünftigſien Geſchöpfe auf den ſchmalen Pfaden des Skis und
genießt mit ihnen die majeſtätiſche Nuhe und Größe der verſchneiten
Alpenlandſchaft. Beim Heimweg zum Hotel dämmert es bereits, es
ſchneit leiſe und kaum ein Laut unterbricht die ſakrale Stille des
winterlichen Abends. Bloß als ein Schlitten an uns vorbeifährt, höre
ich deutlich einen der Inſaſſen zum anderen auf gut=berlineriſch
ſagen: „Menſch bei ihnen piept’s wohl . . ." Das war das einzige
deutſche Wort, das ich in Villars hörte, und es tat wohl..."
und Spielklub, Tanzpalais und Zeitungsredaktion, Friſeur und
Bar uſw. Zum Dinnerwirft ſich natürlich alles in Abendanzug und
wie überall, wo Engländer dominieren, beobachtet man auch hier
zweierlei; r. der einzige „farbige Gentleman” erhält einen ſeparaten
Tiſch und wird gemieden, und 2.,der Mann ohne Smoking” ſinkt —
da weißbehäutet — allerdings nicht ganz zur Tiefe des Farbigen
herab, wird aber auch „wie Luft” behandelt. Nach dem Dinner ſiehen
die jüngeren Herren an der Bar herum und reden, bei Whisky und
Soda, über allerlei Dinge; über Domela, den falſchen Hohenzollern
prinzen, über die Luftlinie London—Karachi, über den Davoſer Sieg /
der Berliner Hockeymannſchaft, die jetzt die beſite in Europa ſein ſol,
und beſchließen den Tag mit folgender Bemerkung: „Was a nice
weather to-day?A glorious day! Oh ves, it was obviouslyso.
Erſi bei der Heimkehr, auf dem Rückwege nach Genf, wird man
das Ohrenſummen dieſer Allerweltsgeſpräche und den Virginias
Zigaretten=Dunſt los, der ſich — neben der von Herz und Lunge eins
geſogenen Höhenluft — in Anzug und Wäſche eingefreſſen hat. Inn
frühem Morgen geht die Bahn bergab. Die ſchöne Schweiz zeigt ſiche
heute in noch vollerem Glanze, als am Abend vorher: ein überreichern
Schneefall hat Berg und Hügel, Baum und Hütte, feden Aſt undd
jeden Stein mit förmlichen Schneeballen geziert. Dazu blauer.
Himmel, Gottes Sonne, und Ordnung und Sauberkeit des
wohls=
gefügten Schweizer Staates. Es wird nichts geſiohlen, es ſchimpfch
niemand mit oder ohne Grund, es klappt alles und alles tut Einem
hier unſaglich wohl. Und ſo, nach reichlich genoſſenem „Stegreifs”
daſein, Tagedieberei, Fernluft und Zufuhr neuen Blutes”, fühla
man ſich trotz alledem köſilich geſtärkt und von einem förmlichem
Sehnen nach neuer Arbeit und neuem Schaffen erfaßt . . .
wandlerin, ſtreifte ſie ruhelos umher. Wie der geiſierhafte Mond amy
Tage über dem Wald im hellen Himmel ſieht, eine bleiche Erinnerung)
der Nacht, ſo ſiand ſie im Leben.
Der Weltkrieg vertrieb ſie aus Italien. Ihr Vaterland blieb ihrl
verſchloſſen von ihrem Herzen her, das zu rein, zu ſchrankenls
geliebt hatte und, enttäuſcht, nicht mehr ins Leben zurückfand.
In Luzern, wo ſie Wohnung genommen hatte, traf ſie nach vieler!
Umwegen die Nachricht von dem Tode ihres Mannes bei der Er
ihre Oberlippe. Gegen Abend fuhr das Schiff an den faſt in den ſtürmung von Lüttich, und einige Wochen ſpäter fiel ihr Sohn in der
Marneſchlacht.
Das zerriß die eiſernen Umklammerungen ihres Daſeins. Dih
erſten Tränen traten in ihre Augen und ſtrömten lautlos ſchwer über
ihr Geſicht. Sie wiſchte ſie nicht ab, ſondern ließ ſie fließen. Ohm
Nahrung ſaß ſie Tag und Nacht und rührte ſich nicht aus dem
Seſſel=
in den ſie geſunken war.
Endlich erhob ſie ſich und reiſie nach Deutſchland zurück, b0‟
der Grabesſtille noch benommen, in der ſie fünfzehn Jahre zuge
bracht hatte, aber zugleich auf eine unbegreifliche Weiſe beruhig!
ſo als ſei ihr endlich Genugtuung geworden für ein tödliches Unreche
Und eine unbeſiimmte Hoffnung ſchlich in ihr Herz, die ſie gleich eine!
dunklen, vieldeutigen Ahnung nie verlaſſen hatte. Nun war ſie mi
den beiden Toten von der Erde gleichſam ins Jenſeits entrüch
worden und grüßte ſie tröſtend von daher. Aber was ſie erhoffen ſoll
wußte ſie nicht. Jedoch ſchmolz unter dem Andringen dieſer weichet
gnadenvollen Sicherheit der jahrelange, jahretiefe Wüſiengürtel ihr
Einſamkeitsverbannung, und während ſie von den Unbilden, bch
grauſiger Unruhe und Menſchennot des mitleidlos, ſchier endloſe=
Weltkrieges durch die verſchiedenſien Gegenden Deutſchlands g
trieben wurde, ſiieg ihr ganzes frühere, ſcheinbar für immer be2
ſunkene Leben ſo blutvoll, ſo greifbar, ſo wirklich in ihr auf und wur. *
wieder ihr eigen, als ob ihre Stunden und Tage ſich nur in e
abſpielten. Der Novemberzuſammenbruch Deutſchlands rgr8 volle?
Sie ſah die Blumen blühen, die Schmetterlinge bunt gaukeln, dete dieſe rätſelhafte Verwandlung, die allen als ein Wahn erſche
und erſcheinen mußte.
Sie nannte ſich nun wieder Exzellenz von Borowska und richtes
ſich mit dem koſibaren Mobiliar aus der Wohnung ihres Manne
der Gut und Schloß längſi verkauft hatte, in dem kleinen ſchleſſch
Badeort Warmbrunn eine Fünfzimmerwohnung ein, nahm e—
Geſellſchafterin, eine Köchin und ein Stubenmädchen in Dienſt urd
begann auf großem Fuße, wie vor ihrer Kataſtrophe, zu leben ſren
ſetzte dieſen unſinnigen Aufwand troß der Teuerung und der Geß
entwertung eine Zeitlang fort, bis ſie endlich den größten Teil Me
Glück, ohne Bitterkeit, ohne Heiterkeit. Nur die Oberlippe wurde Vermögens aufgebracht hatte und eigentlich nur noch auf eine ne*
allzu große Rente und die Witwenpenſion angewieſen war. Sie e*
genötigt, alle Dienſtkoten ois auf ein Mädchen zu entlaſſen, bewälle"
Beſchuldigungen und
Beleidigungen.
Plauderei für Frauen, die drüber ſiehen.
Von Lili v. Baumgarten.
Leider, leider läßt es ſich nichtleugnen, daß neben den unzählbaren
ebeshymnen auf unſer Geſchlecht — Lobeshymnen, die wir als
eidienten Tribut gnädig entgegennehmen und uns als willkommene
77hrung lieblich eingehen laſſen, — auch allerlei an Nedewendungen
no Ausſprüchen mißgünſiiger Männer exiſiiert, was weniger
ei gnet iſi, unſer Wohlgefallen zu erwecken. Von jenen grauen Zeiten
m, da rauhes Vaterrecht unſerer altersgeheiligten Herrſchaft ein
ſiräde machte, haben die übermütigen Sieger immer etwas Neues an
uss auszuſetzen, das ſind wir nun nachgerade gewohnt. In anderen
ärndern iſi es nicht anders, aber wir wollen in Deutſchland bleiben.
Umverſchämtheit”, höre ich die Herren der Schöpfung ſich entrüſien;
hiat nicht ſchon Tacitus berichtet, die Deutſchen hielten ihre Frauen
ſoith wie tein anderes Volk? Hat nicht Schiller gedichtet „Ehret die
fuauen”, ganz abgeſehen vom göttlichen Goethe im Taſſo und in —."
Lyan ja, das iſi alles ganz ſchön und gut, aber wir wollen uns heute
w: Abwechſlung einmal mit dem Gegenteil beſchäftigen. Vielleicht
eſtzen wir ein, daß man uns allerhand zu Recht vorwirft, und beſſern
ind8.
Den gefühlvollen Grobianen in Niederſachſen, bei denen das
Sperichwort entſiand: „Eine tote Frau iſt ſo gut wie zweihundert
Eiler”, werden wir es ja wohl niemals recht machen können, und
ſi Geſchichte mit den langen Haaren und dem kurzen Verſiand, die
nmunheimlich vielen Varianten vorkommt, ebenſo wie die
Angelegen=
ſeilt mit den langen Kleidern und dem kurzen Mut, die nicht nur
duns Sachs verwendet, hat uns unſere liebe Freundin Frau Mode
ſlhcklich deproblematiſieren helfen, aber es iſi noch genug übrig.
luci bei Hans Sachs zu bleiben, ſchmeckt die ſchöne Stelle: „Ach, wer
ſa: euch der Sinn” beraubt, daß ihr den Frauenworten glaubt?”
ticht bedenklich nach der Weisheit des Sprengerſchen „
Hexen=
ſamnmers”, in dem wir leſen können, daß das Wort Femina von
els und minus kommt, alſo bedeutet: geringer als eine Katze?
Daß man Weſen, die geringer ſind als Katzen, auch das Recht
eis Mitſprechens nicht gerne zugeſieht, iſi begreiflich; eine Unmenge
Suerichwörter und Redensarten ſind denn auch Ausdruck der
Ent=
üliung über die Schwatzhaftigkeit der Frauen. „Iſi eine Frau auch
ſunnm, ſo iſt ſie niemals ſiumm.” „Der Frauen Mund ſchweigt
richt eine halbe Stund.” „Eine Frau, die nicht ſpricht, iſi ein ſelten
Bo richt” uſw. Selbſi der ritterlich frauenfreundlichen Romantik
Ohchter, oder ſolche, die es zu ſein glaubten, ließen in dieſer Hinſicht
il2 Regeln der Höflichkeit außer acht. „Durch einer Nadel Ohr ein
Sichiffstau durchzuzwingen, iſt wahrlich nicht ſo ſchwer, als eine Frau
unn Schweigen nur zu bringen,” reimte Auguſi von Kotzebue nicht
ſen onders glücklich. Niedlicher, aber nicht minder boshaft iſi ein
Varslein von Johann Chriſioph Friedrich Haug: „Euch, ihr Frau’n
ſſies eigen: Nichts, bei meinem Eid, wißt ihr zu verſchweigen, als
vi2 alt ihr ſeid.”
Auch unſerer Friedfertigkeit wird nicht getraut. „Eine Frau
hune Zank, iſt ſo ſelten wie eine Kirmes ohne Trank.” „Wo Frauen
führen das Regiment, da nimmt es ſelten ein gutes End.‟ Daß die
gelehrte und die verdienende Frau nicht gut wegkommen, nimmt und
nicht wunder. Ein feiner Aphorismus von Marie von Ebner=
Eſchen=
bach fällt uns ein: „Eine geſcheite Frau hat Millionen geborener
Feinde: — alle dummen Männer.” Wir regen uns alſo nicht
beſon=
ders auf, wenn wir hören: „Eine gelehrte Frau und eine verſalzene
Suppe ſind beide ungenießbar” oder „Eine Frau, die verdient, und
eine Henne, die legt, ſind ſchlimmer als der Teufel im Haus. Das
letztere Sprichwort kam übrigens wahrſcheinlich aus dem galanten
Frankreich zu uns, wo man ſeit altersher ſagt: „Femme quu gagne,
poule quf pond, sont le diable en la maison.” Aber auch die
harm=
loſe, junge und hübſche Frau wird nicht in Frieden gelaſſen. „Eine
junge Frau, weiches Brof und grünes Holz richten ein Haus zugrund.”
„Eine hübſche Frau iſit ein gefährlich Stück Möbel.”
„Frauen und Uhren gehen niemals richtig,” iſt eine von hunders
ten mehr oder weniger taktvollen Anſpielungen, welche die häßlichſien
Zweifel an unſrer Pünktlichkeit ausdrücken. Zahlreich ſind ebenfalls
die Klagen über unſere Unbeſtändigkeit und Unzuverläſſigkeit. „Zeit
Wind, Frau und Glück, verändern ſich im Augenblick.” kann man
im Berliner Ratskeller leſen. „Frauenlieb und ſüßer Wein, kann
morgen beides Eſſig ſein,” drückt nicht viel anderes aus, Friedrich
von Logau meinte: „Wer einen Aal beim Schwanz und Weiber faßt
bei Worten, wie feſie der gleich hält, hat nichts an beiden Orten,”
und Martin Opitz verſtieg ſich gar zu der Behauptung: „Vertraue
dich der See, dem Frauenzimmer nicht, dieweil kein Glas ſobald als
Frauengunſi zerbricht. Es gibt kein gutes Weib, gibt’s eines oder
zwei, ſo weiß ich nicht, wie böſes mal gut geworden ſei.”
Hiermit ſind wir ſchon bei den direkten Beleidigungen angelangt.
Zu dieſen gehören Sprichwörter wie: „Die Frau, das Feuer und das
Meer ſind drei Ubel ſchwer” „Frau und Mond leuchten mit fremdem
Licht”, und „Auf der Frauen Weinen und der Krämer Schwören
muß ein kluger Mann nicht hören.” Eine ſchwere Beſchimpfung fügt
uns auch Sebaſiian Brant in ſeinem „Narrenſchiff” zu: „Wer mit
Frau’n hat viel Kredenz (Umgang), dem wird verbrennt ſein
Conſcienz (Gewiſſen)”. Auf einem alten Bauernteller fand ich einmal
folgenden Spruch: Eine Frau — ein Gedicht, zwei — verſieht man
nicht, dreie — ein Gericht, auf vier leiſiet der Teufel Verzicht.” Ob
dieſe Meinung weit verbreitet iſt?
Aber nun will ich’s genug ſein laſſen. Nichts für ungut, meine
Herren!
Künſtler=Anekdoten.
Erzählt von Billie Wilder.
I.
Leo Fall war ein ſirenger Kapellmeiſier. Während einer „
Dollar=
prinzeſſin=Probe” hat ſich folgendes ereignet:
Fall ſieht am Dirigentenpult, fuchtelt mit dem Taktſiock geſchäftig
um ſich, begleitet ſeine Geſtiikulationen mit einem ewigen Geſchrei:
„Piano, bitte! Jetzt raſch, raſch, ſehr gut. Weiter. Halt! Flöte C
C nur C. Noch einmal! Hören Sie nicht? Nur C. So leſen Sie doch
die Noten und ſiöten Sie nicht fortwährend einen Triller!”
Der Flötiſi meldet ſich: „Ich bitte, hier ſieht C, D, E, Fis, E!"
„Lächerlich, zeigen Sie mir Ihre Noten!”
Fall greift nach dem Blatt, hält es eine Weile unter die Birne,
dann ſchreit er auf:
„Na ja, wenn ſie den Fliegendreck mitſpielen!“
II.
Am Peter Altenberg=Stammtiſch in Wien, im Café Central, wird
über Herrenmode geſprochen.
„Ich weiß nicht”, ſagt Altenberg, „der Schneider ſagt immer,
für mich iſi ſo ſchwer zu arbeiten!“
„Schwer? Warum?”
„Ich zahl nicht!”
III.
Hans von Bülows Hofkapelle in Weimar nannte einen Flötiſien
namens Nuſicka ihr eigen. Dieſer Ruſicka nahm es mit den Noten
nicht immer genau. Wenn er dann daneben ſiötete, geriet Hans
von Bülow in furchtbare Aufregung.
Eines Tages fragt Bülow vor der Vorſiellung den Primgeiger:
„Sagen Sie mal, Schulze, wo iſt denn Ruſicka? Seit drei Tagen habe
ich keinen falſchen Ton mehr gehört!“
„Geſiorben.”
„Geſtorben? Charmant . . . Charmant . . ."
IV.
Oaiſy will unbedingt zum Film. Sie läßt ſich bei Ernſi Lubitſch
melden. Nach drei Tagen wird ſie endlich vorgelaſſen.
„Zeigen Sie mir Ihre Veine?‟
Daiſy hebt den Rock ſchüchtern über das linke Knie.
„Nicht übel! Das andere Bein, wenn ich bitten darf!“
Daiſy ſchämt ſich: „Sieht ebenſo aus!”
„Ebenſo?” Sie ſind engagiert! Für meinen nächſien Film: „Die
Dame mit den zwei linken Veinen.”
Anton Kuh, der Sohn des Hebbel=Biographen, wird auf der
Straße von einem Gläubiger überfallen.
„Herr Kuh, zum letzten Mal: Geben Sie mir die halbe Million
zurück!“
„Bedauere! Ich habe nicht einen Heller bei mir!“
„Und zuhauſe?”
„Danke ſchön, alles geſund.”
VI.
Anton Kuh hielt vor einiger Zeit einen literariſchen Vortrag.
In dem ſagte er an einer Stelle: „Es iſt ja eine bewieſene hiſtoriſche
Tatſache, daß Schiller rothaarig war . . .!"
Da ſchrie jemand aus dem Publikum: „Schiller rothaarig —
das möcht Euch ſopaſſen!“
VII.
Der Wiener Theaterdirektor Siegfried Geyer begegnet auf der
Straße einem bekannten Kritiker.
„Auf Sie bin ich bös! Mußten Sie denn ſchreiben: das Theater
war halbleer?!“
„Aber ich bitte Sie, Herr Direktor! Ich mußte doch die
Wahr=
heit ſchreiben!“
Da ſagt Geyer: „Konnten Sie da nicht ſchreiben: das Theater
war halbvoll?!“
VIII.
Franz Molnar iſi ſehr ſparſam. Eines Tages lädt er Siegfried
Geyer zum Souper: „Alſo, ich erwarte Sie um halb 9 Uhr im
Imperial!”
Geyer betritt 7 Minuten nach halb g. Uhr den Speiſeſaal. Da
läuft ihm Molnar entgegen: „No, wenn Sie zu ſpät kommen! Jetzt
hab’ ich das Brathuhn ſchon abbeſtellt.”
1X.
Siegfried Geyer ſitzt mit der Schauſpielerin Erika Gläßner in
einem Lokal am Kahlenberg.
Vorfrühling iſt’s... das Lüfterl weht . . . die Sonne ſcheint
warm . . .
Ein freches Huhn klettert auf den Tiſch, an dem die beiden ſitzen,
wirft die Gläſer um, benimmt ſich nicht gerade anſtändig.
Da ſchreit es Geyer erboſt an: „Schau, daß du fortkommſt,
ſonſi beſiell’ ich dich!"
X.
Bernard Shaw hat einmal einen Journaliſien bei ſich zu Beſuch.
Der plappert unermüdlich von belangloſen Angelegenheiten, ſiellt
ſiundenlang an den Gaſigeber Fragen, peinigt ihn bis aufs Blut.
Vergißt aber abſolut das Nachhauſegehen.
Es wird Mitternacht. Es wird eins. Es wird zwei.
Shaw beginnt die Sache langſam auf die Nerven zu gehen; er
ſucht krampfhaft nach einer Gelegenheit, ſich des läſtigen Beſuchers
zu entledigen. Allein: noblesse oblige.
Um drei Uhr zieht der Journaliſi den Tabaksbeutel aus der
Taſche und beginnt die Pfeife neu zu ſiopfen.
Oa ſagt Shaw: „Wie, Sie rauchen auch auf der Straße?!”
ihrer unter viel Entbehrungen den Schein einer vornehmen Exiſienz
— Sie ernährte ſich nur von Gemüſe, trockenem Brot und ſchwarzem
rnggeſüßtem Kaffee aus Gerſienkörnern. Aber der Tiſch mußte weiß
ſeſoeckt und mit koſibarem Porzellan= und Silbergeſchirr wie eine
ſanehme, große Tafel überladen ſein. Fett, Butter, Käſe, Wurſt
eſtllten nie auf dem Abendbrottiſch, wenn ſie auch nie angerührt
pmrrden, ſondern immer wieder aufgetragen, längſt verdorben und
ſen trocknet waren.
Zu den Hauptmahlzeiten erſchien ſie in großer Toilette und lief
ſoſ=her durch die Flucht der Zimmer, um nachzuſehen, ob auch nichts
uldem großen Empfang vergeſſen ſei, rief nach dem einen
Dienſi=
nü. dchen bald als Stütze, bald als Geſellſchafterin, als Köchin, Diener
der Kutſcher und gab ihr die verſchiedenſien Aufträge: die Poularde
u rüht zu braun werden zu laſſen, den Herrſchaften beim Auskleiden
uſhelfen, den Grafen von der Bahn abzuholen, die Noten auf den
Hügel zu legen, den Wein auf das Eis zu ſiellen. Dabei lief ſie von
Fimſier zu Fenſier und ſah erwartungsvoll hinaus, ob die Gäſie
con angefahren ſeien.
Dann muß das Mädchen die Tür öffnen und laut rufen, daß
inggerichtet ſei. Exzellenz von Borowska erſcheint aus dem hinteren
Ziunmer und konverſiert mit einer zwitſchernden Stimme angeregt
etöts und links, als ſei ſie von einer zahlreichen, illuſiren Geſellſchaft
thageben. Gönnerhaft neigt ſie ſich bald nach der einen, bald nach
ſe: anderen Seite, als drängten ſich geſchmückte Gäſie um ſie, etwas
ſoint dem Schimmer und der bezaubernden Liebenswürdigkeit ihrer
ſluenden Schönheit zu erhaſchen.
Nach der Mahlzeit hält ſie Cercle, konverſiert noch eine Weile
mit immer lei erer Stimme und ſchläft dann erſchöpft in dem
Lehn=
eſt el ein. Gewöhnlich fährt ſie ſchreckhaft aus dem Schlummer auf,
ielst ſich enttäuſcht in dem Zimmer um und fragt dann mit
gram=
aller Stimme die tiefe, lautloſe Stille:
„Iſi mein Gemahl immer noch nicht da und Dagobert, mein
earr Sohn, auch nicht?”
Doch nichts antwortet. Im Salon ſchlägt die Uhr mit tiefer,
im. gender Stimme die Stunde. Dann iſi es wieder ſiill, wie über dem
vudloſen Spiegel des ſchlafenden Lago maggiore.
Exzellenz von Borowska ſitzt gramooll, mit im Schoß
verkrampf=
en Fingern da und ſieht weiten, ſtarren Auges ins Leere, ſo lange
bi s ſie etwas hört, das wie der gehauchte, ſchrille Schrei eines
ſierben=
deim Vogels durch die Luft fällt, oder bis es aufklingt, wie der
ſchnei=
demde Wohllaut, mit dem ein koſibares Glas zerſpringt, oder bis es
lein ſe pfeift, als würde ein ſcharfer Degen durch die Luft geriſſen.
Dann ſchauert ſie zuſammen, erhebt ſich mühſam und ſchleicht in
ſeis hintere kleine Zimmer, das ſie verſchließt und abriegelt. Nach
elunter Weile beginnt ſie immer lauter, immer herzbrechender zu
ſchluchzen und ohne Unterlaß zu fragen: „Warum kommt ihr denn
nicht zu mir? Fritz, Dagobert, kommt doch endlich!”
An einem Sonntag im Frühling roer erfüllte ſich endlich ihre
Sehnſucht. Schon in der Nacht, die dieſem Tage voranging, erlebte
ſie etwas Merkwürdiges.
Sie erwachte nach Stunden eines traumloſen, erquickenden
Schlafes, weil ſie von einer bekannten Stimme gerufen worden war.
Noch als ſie ſchon ganz den Schlaf abgeſchüttelt hatte, tönte um ſie
der Nachhall der Stimme, die ſie nicht erkennen konnte, obwohl ſie
wußte, daß ſie ſie ſchon im Leben einmal gehört hatte, ja, daß der
Menſch, von dem ſie herrührte, ihr einſt ſehr vertraut geweſen war.
Und während ſie in ſehnſüchtigem Verlangen den Nachhall mit ihrem
Gehör verfolgte, zog er ſich immer weiter zurück in die Ferne, wurde
dumpfer, undeutlicher und pulſie zuletzt in ſchwachen, rhythmiſchen
Schlägen, als ſei es ein Herz aus dem Weltall, und gerade, da ſie
erſchreckt der Gedanke anfaſſen wollte, es ſei der Herzſchlag einer
geſtorbenen geliebten Perſon, ſpürte ſie, daß ſie ihr eigenes Herz mit
ſeinem Laut genarrt hatte.
Am anderen Morgen ſiand ſie friſcher wie ſonſi auf, förmlich
beglückt, verjüngt. Der Wahn aus ihrem früheren Leben war
fort=
gewiſcht, als ob er noch nie Gewalt über ſie gewonnen habe. Das
Dienſimädchen war weder Geſellſchafterin, noch Stütze, noch
Kut=
ſcher oder Diener, ſondern nur die „liebe Anna‟. Das pompöſe
Scheinmahl unterblieb, das Staatskleid verließ den Schrank nicht
und nach dem Nachmittagskaffee gab Exzellenz von Borowska
dem Dienſimädchen frei, obwohl es nicht Ausgang hatte.
Als das Mädchen aus dem Hauſe war, machte ſich die Generalin
ſelbſt zu einem Spaziergang auf. Es war ein betörend ſchöner
ſonnenübermütiger Vorfrühlingstag. Der Himmel wolkenlos, in
zarter, noch wie ſchüchterner Bläue. Die Knoſpen faſt aller Bäume im
Brechen; der Raſen, die Winterſaaten im verklärten Grün. Das
Rieſengebirge gleich einer lautloſen, grandioſen Feſimuſik in der
Höhe, ſeine ſchneebedeckten Gipfel die einzigen weißen Wolken am
Himmel. Die Lerchen ſchoſſen überall wie ſingende Raketen in die Luft
hinauf, und die Wälder färbten ſich von dem ſeligen Geſang nod
traumblauer als ſonſt. An den Rainen und Rändern tanzten die
blühenden Schlehdornſiräucher wie weißgekleidete Mädchen hin.
Die Generalin war durch das Erlebnis der Nacht aus dem
Hexen=
tanz ihres Wahnſinnes in ein friſches, geſundes Lebensgefühl
gehoben worden. Durch das Zauberſpiel und die Beglückungen des
Vorfrühlings geriet ſie geradezu in ein mädchenhaftes Schwelgen
verließ gar bald die Chauſſee und begann ein zielloſes Wandern
durch die Wieſen, ſaß an den blauen Teichen, um die Fata Morgana
des widergeſpiegelten Gebirges zu betrachten, irrte durch kleine
Büſche, pflückte Anemonen und warf ſie bald lächelnd ſort wie ein
Kind, und als die Abendglocken klangen, ertappte ſie ſich gar darauf,
wie ſie die Töne, die aus den Turmſtuben über die Felder gingen,
leiſe mitſummte. Von dem letzten Schlehenſirauch, dem ſie begegnete,
brach ſie eine Handvoll blühender Zweige.
Schon im Abenddämmern betrat ſie ihre Wohnung, ſegte die
Zweige auf den Tiſch, ſchob ſich einen Seſſel ans Fenſier und ſchaute
hinaus. Die Schneeberge glommen in einem ſchwach rötlichen
Schimmer, und als ſie eine Weile ihre Augen hatte darauf ruhen
laſſen, war es der Bürſienſiock und der Pilatus am Vierwaldſtätter
See; der Mont Mattarone bei Pallanza. Sie ſaß nicht in ihrem Seſſel
in Warmbrunn, ſondern am Ufer des Lago maggiore. Ihr väterliches
Gut tauchte aus ihrer Erinnerung, das Schloß mit Parf ihres Gatten,
der Wieſe dahinter, der Wald. Sie wurde ohne Raum und Zeit durch
ihr ganzes Leben getragen. Und zuleßzt ſiand das Waldhäuschen vor
ihrem inneren Auge, in dem die verbrecheriſche Liebe ihres Mannes
ihr Leben entwurzelt hatte.
Ihr Herz klopfte, ein leiſes Ohnmachtsgefühl umnebelte ſie, und
die rätſelhafte Erwartung war plötzlich wieder in ihr, von der ſie
zwei Jahre verfolgt worden war, oft bis in den Spuk des Irrſinns
hinein. Sie hatte noch die Kraft, an den Tiſch zu treten und einen
der blühenden Schlehdornzweige zu ergreifen.
Da war es ihr, als ob unten an die Haustür geklopft würde.
Aber es klang ſo ſchwach, ſo fern, wie ſie heute nacht nach dem
Er=
wachen den Herzſchlag hatte leiſe aus dem Weltall dringen hören.
Es hat mich gerufen, dachte die Generalin, und nun kommen ſie,
Und wirklich wurde die Haustür geöffnet, und es kam mit jungen,
federnden Schritten die Treppe herauf, trat, ohne zu klingeln ins
Entree und legte auf dem Läufer den Weg bis zu ihrer Tür faſt
lautlos zurück.
Die Generalin umfaßte den Schlehdornzweig wie einen
Talis=
man mit beiden Händen und neigte demütig das Haupt.
Als ſie es zu erheben wagte, ſiand ihr Sohn Dagobert in der
blauen Dragoneruniform einen Schritt tief in der Stube, ſchon im
Abenddunkel, aber noch deutlich erkennbar, kerzengerade, ſchlank, mit
freiem Geſicht und ſah ſie unverwandt mit ſeinen großen dunklen
Augen an.
Das Herz der Generalin ſetzte vor Glück und Schmerz aus. Sie
wollte fragen, ob die Erſcheinung wirklich ihr Sohn ſei oder nicht,
erinnerte ſich aber, daß man Geiſier nicht anreden dürfe, und biß
um ſchweigen zu können, in den Schlehdornzweig. Da ſchwebte die
Erſcheinung heran, umfaßte ſie und hob ſie auf.
Mit einem glücklichen Aufſchrei ließ ſie ſich forttragen.
Als das Mädchen hereinſtürzte, lag die Generalin entſeelt neben
dem Tiſch und hatte eine Schlehenblüte in dem zuſammengepreßten,
verfärbten Munde. — Ein einziger Blutstropfen hing auf ihrem Kinn.
Die dünne Stelle.
Von Haſſe Zetterſiröm.
Vor ein paar Tagen betrat ich einen Friſierſalon, um mir das
Haar ſchneiden zu laſſen. Ich nahm auf einem freien Stuhl Platz,
und der Friſeur, ein junger Mann mit einem mittelblöden Ausſehen,
ſagte ſein übliches:
„Haarſchneiden?”
„Nein,” ſagte ich, „Kopf abreißen.‟ Denn warum banal ſein.
Der Friſeur überhörte meine Antwort, denn er fuhr fort:
„Wie wünſchen Sie es?”
Es iſi ein gutmütiger Junge, dachte ich, und ziemlich heiß hier,
wir wollen ihn nicht unnötig reizen. Und ſo antwortete ich:
„Bitte hinten halblang, im übrigen nur die Spitzen abſchneiden.
Oen Scheitel rechts.”
Der Friſeur kämmt mir das Haar herunter, wie ſie es immer tun,
ehe ſie im Ernſi anfangen, und dann ſagt er:
„Es fängt an, da oben ein bißchen ſchwach zu werden.”
Damit meinte er das Haar, hoffe ich.
Ich erhob mich ſofort aus dem Stuhl, legte den Friſiermantel ab,
entfernte die Serviette, die mir in den Kragen geſieckt war, legte alles
auf den Stuhl und ging auf die Tür zu.
„Wünſchen Sie nicht Haarſchneiden?” rief der mittelblöde Friſeur
hinter mir her.
„Nein,” erwiderte ich, „ich wünſche kein Haarſchneiden in dieſem
Geſchäft. Und ich werde Ihnen ſagen, weshalb. Während der letzten
zehn Jahre hat mir bis jetzt jeder Friſeur geſagt, daß es anfängt, da
oben ein bißchen ſchwach zu werden. Es iſi dumm und unpraktiſch, wenn
ein Friſeur ſo was ſagt. Es gibt nichts, worin ein Mann
empfind=
licher iſt als mit ſeinem Haar. Ein Mann, der anfängt, kahlköpfig zu
werden, iſi ein empfindlicher Menſch. Wenn man von Haaren ſprechen
will, dann geht er ſchnell auf ein anderes Thema über, und dumme
Witze über Mondſchein machen ihn melancholiſch und bringen ihn
dazu, abends früh nach Hauſe zu gehen und an das beginnende Alter
zu denken. Ich habe dieſes ewige: „Es fängt da oben an, ein bißchen
ſchwach zu werden,” ſatt. Ich werde mir von jetzt an ſelber das Haar
ſchneiden oder es meine Frau tun laſſen. Sie iſi eine rückſichtsvolle
Frau. Guten Tag.”
Ich hatte gerade meinen Hut genommen, als der Oberfriſeur,
der, dem der Friſeurſalon gehört, an mich herantrat, mir den Hut
wieder wegnahm und in beſiimmtem Ton ſagte:
„Ich bitte um Entſchuldigung wegen des Gehilfen, ich kann und
werde Sie ſo ſchneiden, wie Sie es wünſchen.”
Mit ſanfter Gewalt führte er mich wieder an den Stuhl zurück,
zog mir den Mantel an, ſieckte mir die Serviette hinter den Kragen
und ſagte, indem er mir das Haar herunterkämmte:
„Ich hätte einen gröberen Kamm nehmen ſollen. Dieſer iſi
reich=
lich fein für dichtes Haar.”
Ich ſah in den Spiegel und merkte, daß ich lächelte.
„Sollen die Locken natürlich fallen, ſo wie jetzt? Sie wellen
ſich ſo hübſch auf dem Kopf.”
Ich antwortete nichts, aber ich fühlte ein gewiſſes Wohlbehagen.
„Es iſi zu merkwürdig”, ſagte der Friſeur, während er ſchnitt,
„wie dickes und ſiarkes Haar immer weich und blank wird ohne Fett.
Es iſi ſchon lange her, daß ich ſolches Haar wie dieſes hier gekämmt
habe.”
„Mein Haar fängt an, ein kleines bißchen dünner zu werden”,
ſagte ich vorſichtig.
„Es kommt einem oft ſo vor,” ſagte der Mann. „Es kommt einem
ſelber ſo vor. Das iſi aber eine Art optiſcher Täuſchung. Tatſächlich
iſt Ihr Haar dicht und ſiark, aber jedes einzelne Haar iſi dünn und
fein, und das macht, daß man leicht das ganze Haar für dünn hält.
Ein Haar, bei dem die einzelnen Haare dick ſind wie Schnürſenkel, iſi
immer und muß immer dünn ſein. Ein an ſſch dünnes Haar iſſ immer
dick.”
Das Haarſchneiden war beendet, er bürſfete mich ab, und ich
ſagte, während ich bezahlte:
„Sie ſind ein ausgezeichneter Friſeur. Ich werde öfter herkommen.
Aber Sie müſſen es diskreter machen. Das mit der optiſchen
Täu=
ſchung war ein bißchen zu deutlich. Man muß ſiets den Mittelweg
halten.”
Aber der mittelblöde Gehilfe ſiand da und lachte vor ſich hin.
Ich habe es im Spiegel geſehen, als ich mich an der Tür umdrehte.
Deutſch von Age Avenſtrup und Ellſabetb Treitel.
Alexander Moiſſi in Genf.
Alexander Moiſſi hatte uns Genfern vor einigen Tagen einen
Beſuch abgeſiattet, und es war nicht nur ein unvergeßlicher Genuß,
dieſen großen Künſiler zu ſehen und zu hören, ſondern für den
Schrei=
ber dieſes im beſonderen auch eine Freude — wieder mal in einem
Privatiſſimo mit dem Menſchen Moiſſi zuſammenkommen zu
können. Faſijedesmal, wenn wir uns in Intervallen von Monaten
und Jahren begegnen — unterhalten wir uns über Rußland, wobei
Moiſſi ſich als begeiſierter Bewunderer des Moskauer Syſiems
bekennt, während unſere Wenigkeit in unverblümteſter
Gegenſätz=
lichkeit hierzu verharrt. Aber man verträgt ſich troßzdem vortrefflich.
Nur hin und wieder gibt es gar ergötzliche Kontroverſen, wie etwa
folgende: Moiſſi berichtet, mit verklärtem Blick, nirgends hätte er
Menſchen ſo ſchön — — lachen gehört, wie in Sowjetrußland, und
ruft ekſiatiſch aus (mit Moiſſis Akzent zu leſen, die erſten Worte
gedehnt, die leßten — ganz raſch): „Neein, wiiee diieeſe Leeuute —
lachen!“ Darauf ich: „Wird wohl daher rühren, daß Sie in Moskau
mit Leuten zuſammen kamen, die — gut lachen hatten, nämlich nur
mit Bolſchewikis . . ."
Alſo Alexander Moiſſi iſi in Genf. Aufgeführt wird der „Fauſt””.
Moiſſi ſpielt den Mephiſiopheles, den man in einer ſo vortrefflichen
und ganz aus der Art fallenden Auffaſſung noch nie geſehen hat. —
Aber nicht nur das: es iſi das erſie Mal, daß der „Fauſi” in deutſcher
Sprache in Genf, in der welſchen Schweiz aufgeführt wird und darüber
hinaus kann Moiſſi für ſich den Ruhm in Anſpruch nehmen — der
erſie deutſche Schauſpieler ſeit urdenklichen Zeiten zu ſein, der im
einſt nichts weniger, als deutſchfreundlichen Genf auftreten und
ſtürmiſche Ovationen ernten durfte. So bricht in Genf nicht nur
deutſche Diplomatie, ſondern auch deutſche Kunſi erfreuliche Breſchen.
Die große Genfer Oper iſi bis auf den letzten Platz beſetzt. Das
Publikum beſieht zum größten Teil aus der ſonſi mimoſenhaft
zurückgezogenen, aber ſehr kunſtliebenden Genfer Bürgerſchaft. Es
iſi von Anfang an auffallend beifallsfreudig und aufnahmefähig.
Viele haben wahrſcheinlich den „Fauſi” nie oder vor langer Zeit
geleſen und nehmen daher das aus dieſem einzigen Werke ſprudelnde,
ewiglebendige Wort mit der Unbefangenheit froher Kinder auf. Uns
klaſſiſch=dünkende Sätze, wie „Hat ſich ein Ränzlein angemäſt, als
wie der Doktor Luther . . ." oder „Ihr ſprecht ſchon faſi wie ein
Franzos . . ." oder „Nicht jedes Mädchen hält ſo rein . . ." werden —
als ob auf den Genfer Alltag gemünzt — hier laut belacht und die
Genfer zeigen, daß ſie jedem guten, deutſchen Witz viel unverfälſchten
Humorſinn entgegenzubringen vermögen. Doch zu einem wahren
Heiterkeitsausbruch, zu einer Art Ovation, zu derartigen
Applau=
diſſementen bei offener Bühne, daß die Schauſpieler für Augenblicke
ihr Spiel unterbrechen müſſen, kommt es erſi, als Mephiſio den
unſierblichen Paſſus über die Kirche zu verkünden hat:
„Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefreſſen,
Und doch noch nie ſich übergeſſen ..."
Dazu johlten nun die braven Bürger von Genf ohne Ende.
Merkwürdige Leute, zur Ergründung deren Pſychologie es wohl
eines beſonderen Studiums bedürfen würde. Ein ſpießbürgerliches,
bigottes Völkchen bricht in ein johlendes Gelächter aus, da ketzeriſche
Worte gegen die Kirche an ihre Ohren dringen; obgleich die
Revo=
lution, die Genf einſi hartnäckig gegen den Abſolutismus der
römi=
ſchen Kirchen führte, bereits viele Jahrhunderte zurückliegt und nichts
Aufrühreriſches mehr in dieſen behäbigen, ihre Apperitios bedächtig
genießenden Bürgersleuten ſieckt . . Aber ein ewig=junges, zündendes
Wort von einem großen Künſiler ſlammend in ihre ſenile Maſſe
geworfen — erinnert ſie eben an Gefühle, die bereits bei ihren
Ur=
großvätern eingeſchlafen waren und läßt den alten Genfer Geiſi des
Aufruhrs und des Proteſies plötzlich übermächtig erwachen ..
Mag da nicht Moiſſi, als er Genf verließ, nachdenklich=
verſon=
nen zu ſich geſagt haben: „Ja, auch dieſe Bürgersleute können —
lachen.”
Die drei Masken.
Von Walther Appelt.
Das ganze Jahr hindurch hatten die Maskenkoſiüme in den
Schränken gehangen, eingepfeffert zum Schutz gegen die Motten, auch
in der Bewegung etwas behindert, aber ſonſi ganz ſich ſelbſi überlaſſen.
Und die Roſe von Stambul hatte ſo lange den Landsknecht
ange=
ſchmachtet, bis der ihr nicht nur Gehör für die Aufzählung ihrer
ſämtlichen äußeren und inneren Vorzüge, ſondern, da das
Ver=
nommene ihm zuzuſagen ſchien, auch ſein Herz ſchenkte. Das hatte
zuvor der Marketenderin gehört. Freilich nicht ſo ſehr um ihrer ſelbc
willen, auch nicht aus Gründen kulturgeſchichtlicher
Zuſammengehörig=
keit, ſondern hauptſächlich wegen des am Schulterriemen hängenden
Fäßleins voll gebrannten Weines. Und die Roſe von Stambul
mußte mit ihrer ganzen Beredtſamkeit von den raffinierten Rauſche
genüſſen des Orients ſchwärmen, um endlich auch in dieſem Punkte
als Favoritin aus dem Wettſtreit hervorzugehen.
Um Neujahr fragte ſie den Geliebten: „Wirſi du mir auch tren
bleiben?” Und war ſelig, als er antwortete: „Ewig!” Sie hatte ja
keine Ahnung, daß in dieſem Augenblick ſchon allenthalben große,
bunte Plakate zum Beſuch des Maskenfeſies einluden, das dieſer
Ewigkeit ein Ziel ſetzen ſollte . . .
Braut und Bräutigam kamen, ſich Koſiüme zu leihen. Um auch
in der Verkleidung einigermaßen zu einander zu paſſen, wählten ſie
die Trachten des Landknechts und der Marketenderin.
Die Roſe von Stambul wollte verzweifeln. Und dabei ſollte das
Grauſamſie erſi noch kommen.
Auch ſie mußte an jenem Maskenfeſie teilnehmen.
Keines Blickes würdigte ſie der Landsknecht, als kenne er ſie überz
haupt nicht. Mit der Marketenderin aber konnte er gar nicht genug
ſchön und gut, lieb und zärtlich tun. Nicht nur, daß er jeden Tanz mit
ihr tanzte, und auch in den Tanzpauſen nicht von ihrer Seite wich, —
einmal, hinter einer blumenumrankten Säule, küßte er ſie ſogar.
Mitten auf den Mund.
Und während dieſe Treuloſigkeit das Herz der armen Roſe von
Stambul brechen wollte, mußte ſie die Aufdringlichkeiten eines unges
betenen Galans über ſich ergehen laſſen. Er ſchien Stierkämpfer oder
ſo etwas Ahnliches zu ſein, — jedenfalls etwas Rohes, Wildes.
Um ſo weniger konnte ſie, ein ſchwaches Weib, ſeinen dreiſien
Zärtlich=
keiten einen nennenswerten Widerſiand entgegenſetzen. Der aber,
der ſie davor hätte ſchützen ſollen, — wozu hatte er denn ſeinen langen,
blanken Säbel? — der kümmerte ſich nicht um ſie.
Die ganze Nacht . . . nicht ein einziges Mal.
Es war zuviel, was das Schickſal der Roſe von Stambul zu
tragen auferlegte. —
Unſanft und ärgerlich ſirich der Verleiher am nächſien Tage über
das orientaliſche Gewand.
„Das nennt ſich Seide! Verliert von geſiern auf heute jede Spur
von Glanz, und die Farbe ſieht auch nicht mehr ſo aus, als ob ſie
jemals weiß geweſen wäre. Es hat gar keinen Zweck, das Ding noch
hängen zu laſſen. So, wie es jetzt ausſieht, nimmt es ja doch kein
Menſch mehr.”
Und er heftete der Roſe von Stambul einen Zettel an. Darauf
ſiand: „Ausrangiert.”
Das bedeutet, daß morgen oder übermorgen die Schneiderin
kommt, das Koſtüm in ſeine Beſiandteile zerlegt und dieſe anderweit
verwenden wird. Vielleicht als Halskrauſe für einen Hamburger
Senator. Was übrig bleibt, kommt in die Küche. Als Putlappen.
Das iſi das traurige Ende der in ihrer Liebe ſo bitter enttäuſchten
Roſe von Stambul.
Nummer 192.
Aufgabe 293.
Erich Brunner in Moscia.
(Deutſche Schachzeitung 1926.)
d e
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung. Beiß: Ka. De1 103 g1 LaAh2 Bd3 84
Schwarz: Kh3 Th5 Lh1 Ba6 g2gö ht b7 (8): 3+.
Aufgabe 294.
R. B. Wormald.
(Jll. London News 1852.)
Weiß: Kd8 Sd3 e5 Ba4 zcc2f2 g4 g6(9;
Schwarz: Kd5 Be3 d4 d6 (8 (5)
Matt in zwei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 279—282.
279 F. Healey Sonntagsblatt für Schachfreunde 1861 (Kb- Lf5 Lc2 ie 3e7
Bb2; Kd4 Td6 e3sb6h8 Bc4 d5 f3 f6: F.) 1. Lc2—b1 Tdeß Zugzwang
2. Te5l KxT3. Lg3+ 4. Sf5+. 2. ... Txe7 3. Txe7 4. Lxe3+: 2. . . . . Sg6
3. Txe31 1. .. . . 8f7 2. Tf4+ 3. Sg6+ 4, Lf54: 1. .. Sg6 2. 8xg6
Te6l 3 Sh4i
280. Galitzky. Semita 1894. (Kh2 Dd5 Td1 Lc1 Sc2 Bb2; Kb1 Sa1 b57 2+.
1. Bb2—b4 Eine Linienräumung für die weiße Dame die nach Sa1 — auf b8
mattgeben muß.
281. O. Würzburg. Blata Prata 1909. Kg2 De6 Ta6; Kb8 Tc7 Bcbe7; 3½.)
1. De6—d5l Ta7 2 bd8 4; 1. Td 2 Da8+ 1.... Te8 2. Tb6+.
Hübſche Turmperteidigungsſpiele mit reinen Mattbildern.
282. J. Cumpe Bohemia 1908. (Kd5 Df2 Sf1 Bg3; Khu Lh2 Sf8; 2+.)
1. Kd5—c6. Ein reiner Wartezug im Zunwechſelproblem, da die Satzſpiele
unver=
ändert bieiben. 1. . . . Lg1 2 DXt3F. 1. LXg3 2. Sxu3+. 1
8— 2 DrheZ.
Löſerliſte. Reutzel, Franz Buchty in Mainz (alle); Georg Peter
(280—282); A. v. S. (279.281); Rolf Schmidthoff (280—282).
Stern=Rätſel.
Druck u. Verlag: L. C. Witich’ſche Hofbuchdruckerei. R.
a, a, b. b, e, e, e. g. i, I, I. 5. r. s 8. t. t. u. u z.
Obige 20 Buchſtaben ſchreibe man auf die 20 Punkte, ſo daß Wörter
von folgender Bedeutung entſtehen: 1—2 Flüſſigkeit, 2—3 Stadt in
Schleſien, 3—4 Behälter, 4—5 Toneiſenſtein, 5—1 öſterreichiſcher Dichter.
Die Mitt lbuchſtaben nennen einen läſtigen Patron.
Streichholz=Rätſel.
Durch Umlegung von 4 und Entfernung von einem Hölzchen ev
fährt man, was beim (Karten=/Spiel jedem Spieler erwünſcht iſt.
Carl Deubel.
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 4:
Röſſelſprung.
Wenn wiederum in meiner Heimat ich bin,
Wo die Luft ſo dick und die Milch ſo dünn,
Dann d nk ich mit Sehnſucht zur Alpe zurück,
Wo die Luft ſo dünn und die Milch ſo dick.
Leiterrätſel.
Vorſetz=Rätſel.
Depeſche, Epigramm. Raimund, Donau Rektor, Inſtanz, Tabenl
Triangel England, Zierat. Uniform. Matroſe, Scherz, Kaffee, Amazone
Terraſſe.
itwortlich f.
tion: Dr. H. Nette. Fernſpr 1. 2389—392 Alle Nechte vorbehialten. Nach druck verb. — Kliſche 8. F.bauzmann, alle in Darmſtadt
Der Menſch brauch ſo wenich,
Um glicklich zu ſei”,
Nor ſähe’s die meiſte
Als meiſtens net ei”;
Mer ſchielt ſtets noch „Owwe‟
Un ſeifzt herzensſchwer:
Ach, wann ich’s nor aamol
So gut hett, wie Der!
Ob aaner Miniſter
Odder Handlanger is,
Sein Bindel ſchleppt jeder,
Däß is=em gewiß.
Un je greeßer de Tiddel,
Je greeßer de Sack,
Un je greeßer de Poſte,
Je greeßer de Pack.
Die Sorfe, die find mer,
Do mangelt’s net dra,
Nor ſieht mer’s ſo manchem
Vun auße net a‟.
Zu beneide is kaaner,
Wo er aach ſteht —
Doch’s maant aaner vum annern,
Daß=em beſſerer geht.
Der aa hott e Stubb bloß,
Der anner e Haus,
Nor freecht ſich’s, bei wem
Sieht’s gemietlicher aus.
Der aa fehrt uff Gummi,
Der anner der leeft .. . .
Wer waaß, wer vun dene zwaa
Nachts beſſer ſchleeft.
Drum ſeid doch net neidich,
Ihr habt meiſt kaan Grund;
8 Wichdichſt vun allem,
Däß is — nor geſund!
Un habt=er e Arweit,
Die wo Eich ernehrt,
Dann loßt doch s Kräxe,
8 hott doch kaan Wert.
Un ſchenkt Eich de Himmel
De beſte Gewinn:
En gute Mut
Un en offene Sinn,
Un e freehlich Härz
Voller Sunneſchei!
Was braucht es do mehr,
Um glicklich zu ſei!! —
Alſo ich bin do e bische annerer A’ſicht, wie der verſtorwene
Yrankdiräckter un Dichter Schmidt aus Lübeck, der wo däß
be=
kuannte Lied vun Schubert gedicht hott, un wo ganz hinne am
Gchluß, lyriſcherweis, behaubt wärd: „Dort, wo du nicht biſt,
ünt das Glick!”
Freilich, daß e Bankdiräckter uff ſo e A’ſicht kimt, däß kann
mrer’m net verdenke, däß bringt dene ihr Beruf ſo mit ſich, weil
Mankdiräckter un ſo Art Leit dauernd uff de Jagd ſin nooch=em
„NGlick” — wie ſie es verſtehn. Dene ihrne Iwwerzeichung nooch
lann mer alſo ruhich behaubte: „Glick is däß, wo mer net hott!“
— Dann unner „Glick” verſtehn die im allgemeine
Sprach=
gebrauch — Gäld. Un die ſin deſſentwääche der A’ſicht, daß
WSäld allaa net glicklich macht, ſundern mer mißt’s aach
awwe. Hawwe hawwe awwer die meiſte kaans, un dodezu
ßehl aach ich. Ich mißt alſo dodenooch mit aans vun dene un=
Alicklichſte Geſchöbfer ſei, die wo uff Goddes Erdsboddem
erum=
ſaaafe. — — Wer’s glaabt, bezehlt en Dahler ...
Naa, wie ich owwe in dem Gedicht ſchun einwanzfrei, wann
uach e bißche umſtendlich, noochgewieſe hab, verſteh ich unner
WSlick ganz was annerſter. Un ich dreh deſſentwääche aach de
SSpieß erum un behaubt ſchlankwäck: Glick is däß, wo mer hott,
wann mer kaans brauch. Ich geheer deſſentwääche aach net zu
dcne, die wos Glick zwinge wolle, indem ſe ſich uff ihr
Dumm=
beit berufe un ſpiele in de Lodderie, weil ſe ſich ſage: s Glick is
Rindsviech un ſucht ſeinesgleichen! — Was mich bedrifft, ſo
hein ich ſogar ſtrickte gääche’s Lodderieſpiele, obgleich ich, beinoh
grundſätzlich un bedingungslos, bis jetzt noch in jeder Lodderie
gewunne hab. Eifach in jeder Lodderie. Un wann’s aach net
viel war, wo ich gewunne hab, awwer es lebbert ſich im Laaf der
Johrn doch ganz ſchee zamme.
Un ich bin aach net diejeniche, die wo e Geheimnis draus
macht, wie mer ſich aſtelle muß, daß mer in jeder Lodderie
ge=
winnt, ſundern ich bin genau ſo offehärzich wie die, die wo’s
Ge=
heimnis entdeckt hawwe, wie mer raſch un ſicher die Spielbank
in Monde Kallo ſprenge kann. Bloß, mei Syſtem, in jeder
Lodde=
rie zu gewinne, is bedeitend a facher, wie dene ihrs, die wo die
Spielbank ſprenge wolle. Bei meim Syſtem ſin kaa kommblizierte
Berechnunge un kriffeliche Kalkulatzione needich, ſundern däß
kabbiert es klennſte Kind. Nemlich ich kaaf vun jeder Lodderie,
die wo ärchendwo geſpielt wärd, grundſätzlich kaa Los, un
ge=
winn alſo mit deedlicher Sicherheit jedesmol genau ſo viel, als
wie däß Los gekoſt hett. Woalla!
Alſo, ich hett eichentlich kaan Grund, uff’s Lodderieſpiele zu
chimbfe, indem ich doch ſunſt ſo leicht net gewinne kennt, wie’s
de Fall is. Iwwrichens is mir’s aach ganz worſcht, ob ganer
nu’ mei Syſtem befolche will odder net, däß mag vun mir aus
jeder mit ſich un mit ſeim Geldbeidel ausmache. Ich bleib
jeden=
falls bei meim Grundſatz un hab’s däßhalb net needich, all die
Uffreechunge dorchzumache, die wo jedem Lodderieſpieler bliehe,
weil er dauernd in de Angſt lebt un ſich Sorje driwwer macht,
indem er net waaß, was er mit dem Gäld all affange ſoll, wann
er de erſte Preis gewinne dhut, wo=er nadierlich beſtimmt druff
gerächent hatt, bis er am Dag nooch de Ziehung, zu ſeim
Er=
ſtaune märkt, daß=er widdermol de Gelackmeierte is, un net bloß
net de erſte, ſundern iwwerhaubt kaan Preis gezoge, vielmehr
ſei Geld valleicht eme gude Zweck geſtift hott. Awwer däß hettser
ſchließlich aach ohne die ſeeliche Uffreechunge beſorche kenne
Wie geſagt, ich bleib bei meim Grundſatz. Dann ſchließlich,
zu was hott mer ſe, die feſte Grundſätz, wann net dodezu, daß
mer ſich aach dra halte dhut.
Un doch — was is der Menſch? — En Grashalm im Wind!
Un wann’s ernſt wärd, do kumme aach die feſteſte Grundſätz ins
waggele. Un aach ich bin nor e Grashälmche, wann aach valleicht
e bißche e ſtemmiches. Däſſentwääche hab ich mir mei feſte
Grund=
ſätz aach bloß däßhalb uffgeſtellt, daß ich mer manchmol des
Ver=
gnieche mache kann, mich net dra zu halte. Un däß geht jo aach
ſchließlich niemand was a', indem ich mit meine Grundſätz mache
kann was ich will. Un all meine Grundſätz zum Drotz hab ich
mir neilich geſagt: alſo bei däre Wohlfahrtslodderie
zum Beſte pun=eme Heſſiſche Kribbelheim do ſpielſte
mit, däß is afach e Pflicht for jedermann, do därf mer ſich net
ausſchließe, erſtensmol im Jndräſſe vun dem gude un ſcheene
menſchefreundliche Zweck ſälwer, un zweidens — 18 kennt jo
ſchließlich doch emol es Unglick wolle un mer kennt Glick hawwe
un kennt ausnahmsweis was gewinne; e Willa odder ſo.
No, ich hab ſchleunichſt aach mei Zwangsmiedern
mobbili=
ſiert. — Alſo die mag ſunſt ſei wie ſe will, awwer wann ſich’s
drum hannelt, daß ſe im Indräſſe vun=eme gude Zweck was
ge=
winne kann, do geht die mit bis dortenaus. Nadierlich, wie die
is, rächent ſe beſtimmt uff die Willa. Un wo ſe geheert hott, daß
der Gewinner die nooch ſeim Wunſch hiegebaut kreecht, wo er
wollt, do hott ſe ſchun allerhand, große Bleen im Kobb.
Vor=
gäſtern wollt ſe ſe ſe ſich ſe uff die „Nachtwaad” ſtelle loſſe, als
„Debbendans” vum Owwerwaldhaus, un wollt die Stuwwe an
Summerfriſchling vermiede; gäſtern wollt ſe ſe ſe ſich ſe in de
Balleegadde baue loſſe un wollt e Konggurenskaffee drinn
uff=
mache, im Fall däß im Härrngadde an Iwwerfillung leide dhet.
Heit hott ſe ſo beilgifich bemerkt, ſie dhet ſe ſe ſe ſich ſe jedenfalls
doch beſſer an die „Daibcheshehl” ſtelle loſſe, däß gebt in
abſäh=
barer Zeit doch es zukimfdiche Willevärdel vun Frankfort.
Na=
dierlich hott ſe aach bereits e Preisausſchreiwe losgeloſſe un hott
ſemtliche Darmſtädter Aſchidäckte ſchaff gemacht. Un deß
aller=
ſchennſte: gekindicht hott ſe mer aach! — Ich hab nadierlich die
Kindichung ſofort a genumme un hab=er gleich zu verſteh gäwwe,
daß ſe ſich nor net ei’bilde ſollt, im Fall ich aus Verſähe die
Willa gewinne dhet, daß ſe ſich dann widder bei mer ei’niſte
kennt. Die Späß dhete dann uffheern, hab ich geſagt.
Däß hott ſe nadierlich widder gefuxt un ſie kaaft jetzt im
Eifer Loſe vun de Wohlfahrtslodderie, wo ſe ſe uffdreiwe kann,
weil ſe abſelut gewinne will. — Ich nadierlich aach, un mei ganze
Bekannte. Jed iwwrich Mack gibt e Los, nor damit mei
Zwangs=
miedern net de Erſte macht.
No, un wann mer dann am ſibbde Abrill bei de Ziehung die
Willa net gewinne, ſo macht däß gornix, do hawwe mer
wenich=
ſtens e Willa gewinne helfe ſor die arme, unglickliche heſſiſche
Kribbelkinner, um dene 18 Daſein e bißche glicklicher un
ageneh=
mer zu geſtalte.
Alſo, wem ſei Härz noch net ganz verhärtet is in dem
mad=
drialiſtiſche Zeitalter, der ſoll’s mache wie mir, un ſoll aans odder
e paar Loſe vun däre Wohlfahrtlodderie kaaſe. Gewinnt er, gut.
Gewinnt er net, dann hott er däß glickliche Bewußtſein, an=eme
wärklich gude Wärk mitgeholfe zu hawwe. Un wer Glick gibt, der
ſchafft en Himmel in ſich un um ſich. Un däß is allaa des wahre
Glick, ſo wie ich es verſteh!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Iwwrichens, mer ſeecht aach als:
„Dem Glicklichen ſchlägt keine Stunde”, un däß mag aach
blacke=
weis ſei Richdichkeit hawwe. Schließlich mecht mer awwer doch
als emol widder wiſſe, wieviel Uhr es is. Un dodra habert’s bei
uns äwe mehr un mehr. Mer hott zwar emol große Teen geredd
vun wääche dene Reklameuhrn; awwer ſcheinbar, nooch dem erſte
Verſuch mit däre Perſiel=Dande, do hott mer die Nas voll. Mer
ſin alſo nooch wie vor uff die alte Uhrn agewieſe. Awwer die
hawwe ſcheinbar die Neichung, gäächeſeidich in=en
Scheneral=
ſimmbadieſtreick eizudräte. So ſteht heit noch feſt un drei, wie
die Wacht am Rhein, die Zwiwwel uff de katholiſch Kärch uff
drei Minude iwwer Zwelf. Awwer wann=ſe aach net geht, mer
kann immerhie noch druff gucke. Währendem bei däre in de
Wilhelmineſtroß, do guckt mer dorch. Alſo die aa hott es
Werk, un däre annere fehlt’s. Beim Sperber ſeine, in de
Kärchſtroß, waaß mer däß allerdings net genau, dann der hott
ſei in aller Unſchuld weiß ageſtriche, do kann mer jetzt weder
druff= noch dorchgucke.
Zu allem hott mer aach nix Eilicheres zu dhu gehatt, als wie
beim Rathausumbau ſofort die Uhr zu beſeidiche. Jetz miſſe ſich
die Hocken nooch’m Mackmaaſter ſeine Sackuhr richte. Do bleiwe
ſälbſtredend zeitliche Mißverſtendniſſe net aus. Un däß wärd
aach roch e paar Johr ſo weitergeh, daß de Mackplatz ohne Uhr
is, dann mir macht’s ganz ſo de Eidruck, als wann an
Lang=
wierichkeit de Rathausumbau dem Schloßumbau nix erausgebt.
Däß is nadierlich e Gäldfrog, un do bin ich emol geſpannt,
wer die Umbauerei am lengſte aushelt, de Staat odder die Stadt,
dann bekanntlich hawwe die allebaad nix druff. Un ich ſäh’s
kumme, eines ſcheenen Dags kaaft der Rothſchild däß ganze
Ge=
lärch, hiwwe wie driwwe, uff un macht Warenhaifer draus.
Mittlerweil hett ich awwer noch en annere Vorſchlag, bevor
mer an die packardiche Ausgeſtaldung vun de „
Nacht=
waad” geht. Nemlich wie weer’s, wann mer ſich emol des
Meß=
blatzes odder Märksblatzes e bißche a’nemme dhet un deht den
ſo herrichte, daß merin bei dem obligadoriſche Sauwädder, däß
wo ſich äwe Winder nennt, ohne Gefahr for Leib un Läwe,
Ab=
ſätz un Sohle, iwwerquern kennt. Alſo do bricht mer jo ei” bis
an Nawwel, un es dhet Nod, mer dhet ſich bei dem Matſch
e paar Schie an die Fieß binne.
Ich deht vorſchlage, mer ſeecht’s em Himmlers Lui, der ſollt
iwwers Kreiz zwaa Streife druffplaſtern. Däß kann doch die
Welt net koſte. Odder zum allerwenichſte aan Streife, vum
Finanzamt ſchreech iwwer Eck uff die Stiftſtroß zu, wie uffm
Marienblatz ungefehr. Alſo, meine Härrſchafte vun de
Stadt=
verwaldung, warum in die Schwärne feifen, loſſe Se die „
Nacht=
waad” vorerſt wie ſe is, un gucke ſe ſich erſt noch e bißche im
Städiche um, do gibt’s noch Geläächenheit, wo ſich der odder jener
„verewiche” kann, damit ſein Name de Nachwelt erhalte bleibt.
s gibt zwar aach Leit, die leeche kaan große Wert druff, daß
ihr Name in Darmſtadt uff die Nachwelt kimmt.
Beiſpiels=
meeßich de Herr Roſenſtock. Kaum daß=ers im Handumdrehe
hier zum Scheneralmuſickdiräckter gebrocht hott, ſchun macht=er
ſich pärr. Do is doch ſei Kolleech, de Matthes Weber, e annerer
Kerl; der hott ſich ſchun zu Lebzeide in Darmſtadt unſterblich
gemacht. Ja, mer kann ruhich ſage, unentbehrlich. — Ich maan
däßhalb, mer ſollt=es bei unſere Stadtkabäll vorerſt an dem aane
„Reiffall” genug ſei loſſe; mir hawwe, waaß Gott, annern
Sorje ..."
Abbrobobo, die Eigeng for die Sparbix quiddier ich’s
nechſte=
mol. Ich denk, daß bis dohie noch e bißche was eigeht, damit’s
net gor ſo armche ausſieht.
Der zeitgemäße Haushalt.
Das zweckmäßige Lüften der Zimmer im
Win=
er. Bei gelegentlichem Beſuch einer Bekannten ſchlug mir beim
Betreten des Wohnzimmers eiſige Luft entgegen. Mein
Zu=
ſammenſchauern bemerkend, ſagte ſie halb entſchuldigend: „Es iſt
zeheizt, aber ich lüfte jeden Morgen eine Viertelſtunde ſämtliche
Bimmer. Es iſt ja ſchade um die ſchöne Wärme, aber friſche Luft
maiuß auch ſein.‟ Dann klagte ſie jedoch über ihre Oefen, daß ſie
.gar zu ſchlecht heizten” und die Zimmer nicht richtig warm
würden „Und dabei ſind die Oefen vor einigen Tagen erſt
gründ=
ſiich gekehrt worden!” ſchloß ſie. Als ich den Ofen anfaßte, zog ich
ſoie Hand raſch zurück, da die Kacheln bis hoch hinauf glühend
Geiß waren. Als ſparſame Hausfrau fühlte ich mich verpflichtet,
meine Bekannte auf ihre „Fehler” beim Heizen aufmerkſam zu
mnachen und ihr meine „Lüftungsmethode” zu verraten, die darin
lGeſteht, daß ich beim Anheizen der Zimmer in der geſamten
Woh=
mung durch Oeffnen der Türen und Fenſter einen Durchzug von
mur fünf Minuten herſtelle, um dann beide ſofort wieder zu
bſchließen. Auf dieſe Weiſe wird für eine ausgiebige
Lüf=
tung ſämtlicher Räume geſorgt, aber das Abkühlen
ſoer Wände vermieden, das beim längeren Einzellüften der
Zim=
umer der Fall iſt, nach dem die abgekühlten Wände die Wärme
begierig wieder aufſaugen, aber das Zimmer ſelbſt den ganzen
ag über nur mäßig warm wird.
Stiefkinder der Küchengeräte. (Alte,
unanſehn=
ſlich gewordene Zink=Aufwaſchbecken, =Wannen und =Eimer
auf=
ßufriſchen.) Die anfangs blitzblanken Zinkgefäße erhalten bei
län=
ggerem Gebrauch ein trübes, unanſehnliches Aeußere. Dieſes kann
man wieder renovieren, wenn man ſie mit einer mit Seife
ein=
ngeriebenen und mit Ata beſtreuten alten Strumpfſocke oder
Hu
nor
Chef: „Müller, das ſteht aber nun endgültig feſt, daß Sie, wenn ich
Nerl im Büro ſind!“
Lufahlappen gründlich ſtrichweiſe abſcheuert, mit klarem Waſſer
nachſpült und mit alten weichen Tüchern nachtrocknet. Darauf
wird die Außenſeite derſelben ſorfältig mit Aluminiumbronze
mittels nicht zu weichen Pinſels lackiert. Nach einigen Stunden
ſind ſie ſchon wieder gebrauchsfähig.
Geröſtete Pökelſtücke und Braun=(Grün=)kohl.
Ein beſonders kräftiges Gericht iſt folgendes: Pökelknochen vom
Bein, welche, rings von Schwarte umgeben, noch den
Röhren=
knochen aufweiſen, werden gekocht, der Knochen entfernt, durch
ein gleichgtoßes Stück Knoblauchwurſt erſetzt, in einen
Ausback=
teig von 2 Eiern und 2 Löffel Mehl getaucht, raſch auf allen
Seiten abgeröſtet und der mit Bratkartoffeln umlegte Kohl dazu
ſerviert.
Apfelſinen=Reisſpeiſe. ½ Pfund in Waſſer dick
ausgequollenen Reis verrührt man mit 1 Löffel ſüßer Sahne,
1 Eßlöfſel Butter und ¼ Pfund Zucker oder 2 bis 3 Eßlöffel
Süßſtofflöſung, ſowie dem Abgeriebenen einer Apfelſine und
dem Saft von 4 bis 5 Apfelſinen (ohne Kerne), ſchmeckt gut ab
und zieht zuletzt noch den ſteifen Schnee von 2 Eiweißen, oder,
wenn man die Speiſe verfeinern will, 1 Taſſe Schlagfahne
dar=
unter und füllt die Maſſe in gefällige Puddingformen, die man
einige Stunden recht kalt ſtellt. Auf eine flache Schüſſel geſtürzt,
garniert man die Speiſe mit in Zucker gewälzten
Apfelſinen=
ſcheiben und ſerviert ſie mit einer Vanilleſoße.
Speiſezeitel.
Sonntag: Apfelweinſuppe mit geröſteten Semmelbröckchen,
Rehlende mit Notkraut. Mandelſpeiſe.
Montag: Spinat mit Bratkartoffeln und Setzeiern.
Dienstag: Sauerkraut mit Erbsbrei und Schweinsknochen.
Mittwoch: Rindfleiſch mit Meerrettichſoße u. Kartoffelklöße.
Donnerstag: Weiße Bohnen mit Möhren.
Freitag: Kartoffelſalat mit gebackenem Goldbarſch.
Samstag: Reis mit Blumenkohl und gekochtes Rindsherz.
Das moderne
Maskenkoſtum
entſteht durch entſprechende Garnierung des
Abend=
kleides. Die Zeit, wo man unter einem Maskenballe
eine Veranſtaltung verſtand, bei der jede Dame in
ganz ausgeſprochener, womöglich ſtilgerechter
Koſtü=
mierung erſcheinen mußte, um nicht durch allzu große
Einfechheit oder etwa gar Belangloſigkeit
unange=
nehm aufzufallen, iſt endgültig vorüber.
Die Koſtümierung für den Maskenball ſoll nicht
mehr wie ſeinerzeit aufdringlich wirken, ſondern ſoll
ausſehen wie ein Abendkleid, dem man eine
koſtüm=
liche Note gegeben hat, die natürlich nationale,
alle=
goriſche und andere Einſchläge haben kann, die ja
ſicherlich nicht ohne Wirkung ſind. Immer aber ſoll
der derbe, koſtümliche Charakter vermieden und der
gewiſfe Typus der „Improviſation” gewahrt werden.
Unſere Bildgruppe iſt derart eingeteilt, daß links
die ſchon zu modernen Maskenkoſtümen garnierten
Modelle, rechts im Hintergrunde die betreffenden
Abendtoiletten in ihrem urſprünglichen Zuſtande
zu ſehen ſind.
Wie leicht es möglich iſt, einem Modelle eine
na=
tionale Note zu geben, zeigen wir in unſerem
dritten Bilde; hier wird mit verhältnismäßig
ge=
ringen Mitteln ein Koſtüm mit ſpaniſchem Einſchlag
hervorgebracht, indem die Trägerin ein großes
Fran=
ſentuch umnimmt, eine aparte Lockenfriſur wählt und
dieſe mit einem hohen ſpaniſchen Steckkamme
ver=
bindet. Man verfertigt das Franſentuch aus einem
dichten Chinakrepp (um jedwedes Abendkleid
dar=
unter tragen zu können, das durch Georgette zum
Beiſpiel unbedingt hindurchſchimmern würde und
darum nicht ſo gut ausnützbar wäre, wie eben ein
ſolches aus Chinakrepp), garniert ihn reich mit
Fran=
ſen und verſieht ihn mit Maleroi=, Garn= oder
gro=
ber Woll=Stickerei, die ſich ſehr plaſtiſch abhebt. An
der Schulter, wo das Tuch feſtgehalten wird, bringt
man eine in den Farben paſſende große Blume an,
die die Wirkung eines ſolchen Schals ſehr fördert.
— Will man ein Phantaſie=Pieretten=
koſtüm herſtellen, ſo eignet ſich als Grundmodell
ein Stilkleid am allerbeſten. Der enge Oberteil
iſt immer (bei ſchlanken Geſtalten) ungemein
kleid=
ſam, der Rockpartie wird durch leichte Roßhaar=
Unterlagen in den Hüften die ſtilartige Note
gege=
ben; an einem Gürtel befeſtigt man nun viele bunte
Seidenbänder, deren Enden mit je einem in der
Farbe kontraſtierenden Pompon verſehen ſind,
wo=
durch ſich ein ungemein luſtiger Eindruck erreichen
läßt. Aus gekolmtem Tüll oder aus farbigem
Or=
gandy arbeitet man die Armſtulpen und die
Hals=
krauſe, die mit Bändern zuſammengehalten ſind. Ein
alter Seidenſtrumpf, abgeſchnitten und in
ent=
ſprechender Weiſe an einem Ende
zuſammengehal=
ten, ergibt eine kleidſame Kopfbedeckung und erſpart
die mit großen Koſten verbundene Ballfriſur oder
Perücke, da man ja hier nur ſeitliche Locken in Weiß
oder in einer grellen Farbe (große Mode!)
anzubrin=
gen braucht. Die Pfauenfeder iſt als Garnierung des
Kopfputzes immer ſehr flott. (Bild 1.)
Jedes ſchlichte, gerade Seiden= oder Brokatkleid
läßt ſich unſchwer in ein Koſtüm mit orientaliſchem
Einſchlag verwandeln, wenn man buntgeſtreifte
Seide oder ebenſolchen Brokat als breiten
Lenden=
gürtel wählt und die Wirkung dieſes Koſtüms in
der Hauptſache auf einen Perlenkopfputz konzentriert,
den man ſelbſt auf Draht leicht arbeiten kann. Vom
Kopfputze gehen lange Perlenſchnüre aus, die das
Geſicht umrahmen und den Halsſchmuck erſetzen.
(Modell 2.)
Zu einem „Blüten=Kleide” jeder Art iſt
ein Spitzenabendkleid ſehr gut zu gebrauchen. Unſere
3. Figur im Hintergrunde zeigt das Grundmodell,
(Bluſiger, tief eingeſchnittener Oberteil, leicht
ge=
zogener Rock.) Nun garniert man das Kleid im
Gür=
tel und dem Ausſchnitt entlang mit den betreffenden
Blüten und Blumenblättern und befeſtigt außerdem
an den Handgelenken auch große Blüten. Als
Kopf=
putz nimmt ſich eine große, umgekehrte und
gewiſſer=
maßen als kleines Hütchen verwendete Blume
glei=
cher Art, die in einem Blütenſtiel mit Blättern
aus=
läuft, reizend aus und läßt ſih durch eine
Locken=
friſur in eigenartiger Weiſe ergänzen. Gaze= oder
Tüllſchals ſind für Koſtümredouten immer beliebte
Behelfe, die die Witkung weſentlich erhöhen.
Die kurze Felljacke
mit dem angeſetzten Volant iſt heuer deshalb ſehr beliebt, weil
ſie in der Form ſehr eigenartig und in der Idee keineswegs
abgebraucht iſt, ſich alſo von allen bisher geſehenen Modellen
weſentlich unterſcheidet. Außerdem kann man ein ſolches Stück
ebenſo gut für die halbſportliche Gebrauchskleidung, wie auch
für die Promenade verwerten, erreicht alſo infolge der
Originali=
tät dieſer Faſſon einen doppelten Effekt. Solche Pelzjäckchen
werden meiſt aus gemuſtertem Phantaſiefell gearbeitet, und
zwar in der Regel aus geſtreiften Pelzſorten, die auch eine gute
Kragen= und Volant=Wirkung ſichern. Eine eingeſchnittene
Taſche, die durch querlaufendes Fell markiert iſt, nimmt ſich bei
einem ſolchen Jäckchen, das infolge ſeiner Kürze und ſeiner meiſt
wenig koſtſpieligen Fellart leicht erſchwinglich iſt, ſehr gut aus.
Der Hut zu einer derartigen Jacke iſt einfarbig und entweder
in der gleichen Schattierung oder aber — um einen wirkſamen
Kontraſt herzuſtellen — in einem grellen einſarbigen Tone
ge=
halten, wodurch ſich eine beſonders flotte Note ergibt.
Der Kockenkopf
wird von den Haarkünſtlern für die Ballſaiſon ſehr in den
Vor=
dergrund geſtellt. Niemand ahnt heute noch, ob es ſich hier um
einen geſchickten Geſchäftstrick der Friſeure oder aber um eine
modiſche Neuerung handelt; wie dem aber auch immer ſei: man
wird ſich mit der Frage des Lockenkopfes noch eingehender zu
befaſſen haben, natürlich nur für die abendliche Mode. Viele
Frauen würden ja nur ſehr ungern von ihrer Eton=Friſur
Ab=
ſchied nehmen, um ſo mehr, als man natürlich zum
Nachwachfen=
laſſen der Haare einige Monate benötigt und darum
notge=
drungen „aufgeſteckte” Locken verwenden müßte. Andere aber,
die vorſichtig genug waren, ihr Haar überhaupt nicht ſchneiden
zu laſſen, werden zwar weiterhin am Tage niemals die
aus=
geſprochen moderne Note haben können, für den Abend aber mit
geringer Mühe eine Lockenfrifur herzuſtellen vermögen, die
ſicherlich allgemeine Bewunderung finden wird und im übrigen
auch zu den neuen, durchaus „femininen” Abendkleidern
vor=
trefflich paßt. Immerhin wird aber ohne Zweifel noch ſehr viel
Waſſer ins Meer fließen, ehe man ſich dazu beſtimmen laſſen
wird, von der kurzen Haartracht Abſchied zu nehmen.
Pliſſee=Modelle.
Immer leiten Pliſſees die modiſche
Frühjahrs=
ſaifon ein und man erinnert ſich kaum, jemals dieſen
Effekten nicht begegnet zu ſein. Heuer ſetzt dieſe Mode
noch etwas früher ein als gewöhnlich und zeigt damit,
daß ſie für die Uebergangsſaiſon die Promenade= und
Beſuchskleidung beherrſchen will. Man ſchätzt die
Pliſſee=Wirkungen ſeit jeher, und immer von neuem
kann man feſtſtellen, daß es ſich dabei um eine Mode
handelt, die immer Geltung behält und derart neutral
iſt, daß ſie der Tagesmode keineswegs unterworfen iſt,
ſo daß eben ein in dieſer Weiſe geputztes Kleid ſehr
lange in Mode bleibt.
Sicherlich ſind die Pliſſee=Effekte bedeutend
elegan=
ter und vornehmer als jeder Aufputz, da ſie
gewiſſer=
maßen aus dem Kleide ſelbſt entſtanden, mit zu ſeiner
Linie gehören, alſo mit äußerlichen Aufputz=
Wirkun=
gen nicht vergleichbar ſind. Man kann Pliſſees in
jedem Materiale wiedergeben, ſofern es nicht zu ſtark
und entſprechend geſchmeidig iſt, um die feine
Fälte=
lung vertragen zu können. Darum gebraucht man
dieſe Effekte ſowohl auf dem einfachen Stoffkleide wie
auch auf dem ſeidenen Beſuchsmodell, und ſogar die
elegante Geſellſchaftstoilette bedient ſich der gleichen
Wirkungen. Natürlich ſpielen Pliſſees auch für
Stoff=
koſtüme und =Mäntel eine große Rolle, und
insbeſon=
dere in dem für das Frühjahr in Mode kommenden
Glanztuche („Charmelaine”) werden ſich die engen
Faltenwirkungen vortrefflich ausnehmen. Für die
Uebergangstage garniert man den Stoffmantel, den
man in Anbetracht der ſchon vorgerückten Jahreszeit
durchaus aus frühjahrsmäßigem Materiale verfertigt,
noch etwas mit Pelz, und zwar ſowohl am Kragen
als auch an den Manſchetten, doch führt man den
Mantel auch unterhalb der Fellverbrämung
vollkom=
men aus, um nach Abnahme der Pelzſtücke ein abſolut
frühjahrsmäßiges Modell zu beſitzen. Ein ſolches iſt
in unſerer letzten Skizze feſtgehalten:
Der Oberteil iſt noch immer loſe und bluſig und
erfährt durch die eingearbeitete Sattelpartie eine
weſentliche Bereicherung der Form. Unterhalb des
ſchmalen Gürtels wird der Mantel durchaus gerade
und zeigt nur ſeitlich eingearbeitete Pliſſeebahnen, die mit jenen
der Aermel übereinſtimmen. Ein ſolches Modell wird ſich ſowohl
in Wollrips, als auch in dem modernen Glanztuch, von dem frü=
her die Rede war (für Frühjahr und Sommer auch in Seide),
ausgezeichnet wiedergeben laſſen. Die vordere Partie dieſes
Man=
tels iſt gerade und ſeitlich mit einem Knopf verſchloſſen.
Daß das Stoffkleid für die Uebergangsſaiſon
in=
folge der Pliſſee=Effekte keineswegs banal, ſondern
ganz im Gegenteil ſehr anziehend wirkt, zeigt das
dritte Modell, das mit ſeiner bluſigen oberen Partie,
ſeiner Kragen= und Stulpenmanſchetten=Garnitur mit
Pliſſee=Wirkungen und ſeiner durchaus pliſſierten
Rocpartie mit zwei geraden Quer= und einer
Längs=
blende in der Mittelbahn ſehr jugendlich wirkt und
für das Frühjahr und den Sommer ausgezeichneie
Dienſte leiſten muß.
Aber auch das Seidenkleid ſieht eben durch
Pliſſees vornehm und flott zugleich aus. Ein vielfach
verwendbares Modell ſtellt die zweite Zeichnung
unſerer Gruppe dar, das aus ſchwarzem Georgette
gearbeitet und mit Krepp=Satin geputzt iſt. Es
han=
delt ſich hier um ein ganz gerades Kleid mit oberhalb
des Krepp=Satingürtels eingeſetzter Pliſſeebahn und
ſeitlichen, mit Glanzſeide gerandeteten Pliſſee=
Schür=
zen; in gleicher Weiſe ſind auch die trompetenförmigen
Aermel mit Satin beſetzt. Sehr elegant wirkt ein
ſol=
ches Kleid vornehmlich in Schwarz oder Dunkelblau,
und man tut allenfalls gut daran, zwei Unterkleider”
arbeiten zu laſſen, die natürlich unter dem dünnen
Georgette ſehr gut zu ſehen ſind. Und zwar wird man
für das Unterkleid ſchwarze beziehungsweiſe blaue
Seide wählen, wenn man das Kleid am Nachmittage
trägt, blaßroſa oder eyclamenfarbene Seide abel,
wenn das Modell für den Abend herangezogen wird.=
Es iſt eben auf dieſe Weiſe möglich, ein und dasſelbe=
Kleid für verſchiedene Zwecke zu gebrauchen.
Sehr vornehme Effekte laſſen ſich durch
Pliſſees=
bei den neumodiſchen „gerafften Linienkleidern” ele
zielen. Es ſind dies jene Modelle, die für die
kome=
mende Saiſon ganz beſonders in den Vordergrunde
treten werden und darum ſehr beachtenswert ſind.-
Einen typiſchen Entwurf dieſer Modellart zeigen wir
im erſten Bilde. Der zwangloſe, geſchmeidige Obertell
mit dem tiefen Schalkragen iſt zweifellos ſehr kleide
ſam, nicht weniger der in ſchräge Pliſſee=
Volanis=
geteilte, geraffte Rock, der wieder über einen geraden-
Pliſſeerock fällt und eine Linie von größter
Eigenalh=
die aber unſchwer nachzuarbeiten iſt, ergibt. Auch der-
Aermel mit ſeinen beiden Pliſſee=Volants, die die=
Hand wie ein Blumenkelch umrahmen, ſind
keines-
wegs alltäglich. Ein ſolches Kleid kommt aber wegen ſeinel:
Volant=Effekte, die die Beine bisweilen verkürzt erſcheinen laſel,
nur für große Geſtaiten in Frage.