Einzelnummer 15 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſfattet.
Nummer 23
Sonntag, den 23. Januar 1927. 190. Jahrgang
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ſede Verpſichtung au Erfüllung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konturs oder gerſchtilſcher Beitrelbung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankonio. Deutſche Bani und
Darm=
ſtädtei und Natlonalbank.
Marx verhandelt mit den Parteien.
Erſie Beſprechungen.
Die Haltung der Oemokraten.
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die offiziellen Verhandlungen über die Regierungsbildung
Uſlen am Montag aufgenommen werden. Der Reichskanzler hat
ſei den Samstag nicht unbenutzt vorübergehen laſſen. Zunächſt
nit te er in den Vormittagsſtunden beim Reichspräſidenten, um
m. mitzuteilen, daß er auf Grund des Fraktionsbeſchluſſes des
umttrums nunmehr die Regierungsbildung übernehmen werde.
aureben nahm er in den Nachmittagsſtunden die Fühlungnahme
Han den Regierungsparteien und den Deutſchnationalen auf.
In=
eſſant dabei iſt vor allem die Haltung der
Demokra=
die die Herren Koch, Erkelenz und Haas zu Dr. Marx
ſogickt hatten, um ihm nahezulegen, das Manifeſt allen Parteien
mnterbreiten, damit es als Mindeſtprogramm von dieſen
an=
mommen werde. Herr Marx hat ſie mit einigen freundlichen
eizensarten abgeſpeiſt. Er ſcheint es wohl von vornherein für
ſtruchtbar zu halten, nun auch noch den von den Demokraten
ſie Debatte geworfenen Gedanken der
Volksgemein=
hiaft auszuſpinnen, zumal er damit bei den Deutſchnationalen
ſoni gar keine Gegenliebe finden würde, die ebenſo wie die
ſuttſche und Bayeriſche Volkspartei gar nicht daran denken, ſich
gandwie mit den Sozialdemokraten einzulaſſen. Die
Demo=
auen ſcheinen aber im letzten Augenblick doch noch zu der
Er=
nin tnis gekommen zu ſein, daß es einträglicher iſt, nicht abſeits
ſttehen, ſondern ſich auch an dieſem noch vor 24 Stunden
ab=
ſeſchnten Kabinett zu beteiligen. Nach ihrer Fraktionsſitzung
m. Samstag ließen ſie jedenfalls in ihrer Erklärung feſtſtellen,
ßi ſie das Manifeſt ausdrücklich anerkennen und billigen.
kWenn am Montag die offiziellen Verhandlungen beginnen,
riten ſie vielleicht ſchon ſo weit ſein, keine Bedenken mehr in
uim Zuſammenarbeit mit den Deutſchnationalen in einer
Regie=
mg zu erblicken. Es iſt auch wieder auffallend ſtill davon
ge=
pwwen, daß ſie Hertn Reinhold und Herrn Geßler, aus dem
hinett zurückziehen oder ſich von ihnen trennen wollen. Dr. Rein=
12. hat ſich bis jetzt mit keinem Wort darüber ausgeſprochen,
6 er ſein Portefeuille aufzugeben gedenke. Man würde es
unx Zentrum und der Deutſchen Volkspartei auch gar nicht
ſene ſehen, wenn dieſer Miniſter, der ſich auf die geſamte
uanz= und Reparationspolitik eingeſpielt hat, jetzt plötzlich der
anteipolitik geopfert werden ſollte. Die Vorbeſprechungen mit
Deutſchnationalen galten in erſter Linie einer perſönlichen
ſihllungnahme. Man geht aber wohl nicht fehl, wenn man
be=
uotet, daß der Kanzler ſich mit ihnen bereits über die von ihm
fuuſtellenden Richtlinien unterhalten hat, um bei den
Ver=
molungen in der nächſten Woche nicht unnötig Zeit zu
ver=
rh.n. Die Deutſchnationalen wollen übrigens eine beſondere
dyamiſſion einſetzen, deren Aufgabe es ſein wird, ſich mit dem
unſ zler ſpeziell über dieſe Richtlinien zu unterhalten. Zu
regi=
jaren iſt noch eine Unterhaltung zwiſchen Herrn Marx und dem
rällaten Dr. Leicht von der Bayeriſchen Volkspartei, die ohne
hnvierigkeiten verlief. Herr Leicht erklärte ſich bereit, ſich an der
egnierungsbildung zu beteiligen. Abends weilte Herr Marr noch
nu ial bei ſeinen eigenen Parteifreunden Gucrard und
Steger=
aſo, denen er einen Ueberblick über ſeine bisherigen
Verhand=
tngen gab. Der Sonntag wird vermutlich leerlaufen.
Immer=
nſäiſt es möglich, daß auch dieſer Tag benutzt wird, die Situation
eiu er zu klären. Man iſt ſo optimiſtiſch, zu hoffen, ſchon am
leinnstag an die Perſonenfrage gehen zu können. Am Mittwoch
zI. der Reichstag ſich vertagen mit Rückſicht auf die Thüringer
alelen, um dann nach ſeinem Wiederzuſammentritt,
wahrſchein=
hſam 3. Februar, die Regierungserklärung entgegenzunehmen.
Marx nimmt an.
Berlin, 22. Januar.
Wie von zuſtändiger Seite mitgeteilt wird, begab ſich
Reichs=
nAler Dr. Marx heute vormittag zum Reichspräſidenten und
rahtete über den geſtrigen Beſchluß der Zentrumsfraktion. Der
eitzhskanzler erklärte, daß er in dieſem Sinne den Auftrag des
eithspräſidenten annehme.
Die Beſprechungen zur Regierungsbildung.
Berlin, 22. Januar.
2Die Beſprechungen, die Reichskanzler: Dr. Marr
ſute nachmittag mit den Führern der Parteien einleitete,
be=
aſn n zunächſt nur die ſachliche Möglichkeit der Bildung einer
üi gerlichen Mehrheitsregierung. Ueber
Perſonen=
igen wurde heute noch nicht geſprochen. Die Demokraten Koch,
ttcllenz und Dr. Haas, die der Reichskanzler zuerſt empfing,
nitten Dr. A.arx Mitteilungen von dem demokratiſchen
Frak=
husbeſchluß, der es für wünſchenswert hält, daß der Inhalt des
ſangifeftes der Zentrumsfraktion allen Parteien, auch den
So=
ſlſeemokraten, vorgelegt würde, damit ſie die Möglichkeit haben,
)wazu zu äußern. Reichskanzler Dr. Marx hat, wie verlautet,
Anregung wohlwollend, aufgenommen, und ſich in dem
unie geäußert, daß er ſelbſt ſchon ähnliche Abſichten gehabt habe.
uf ſeine Frage, ob die Demokraten ſich an der von ihm
beab=
hiu gten Regierungsbildung beteiligen würden, wurde ihm von
demokratiſchen Führern geantwortet, daß ſie zu
Verhand=
ne en bereit ſeien, falls die Richtlinien des Zentrums von allen
ſoer Regierung vertretenen Parteien als Mindeſtprogramm
ſeil kannt würden. Der dann vom Reichskanzler empfangene
ihrer der Bayeriſchen Volksxartei ſagte Dr. Marx die
Beteili=
inig ſeiner Fraktion an der Regierungsmehrheit zu. Der
Reichs=
hüller empfing dann als Vertreter der deutſchnationalen
Reichs=
vsfraktion die Herren Graf Weſtarp und Wallraf. Wie wir
ſrnn, wird die deutſchnationale Reichstagsfraktion eine beſon=
Kommiſſion ernennen, die mit dem Reichskanzler die ein=
(ngn Richtlinien erörtern wird. Nachdem der Reichskanzler die
Zentrumsmitglieder Abg. v. Guérard und Stegerwald kurz über
mit den Parteiführern der verſchiedenen Fraktionen werden am
Montag fortgeſetzt.
Neuer preußiſcher Landtags=Vizepräſident.
Abgeordneter Dr. Wiemer,
Mitglied der preußiſchen Landtagsfraktion der Deutſchen
Volks=
partei, wurde zum Vizepräſidenten des Preuß. Landtags gewählt.
Eine Erklärung der Demokraten.
Berlin, 22. Januar.
wurde die Kundgebung der Zentrumsfraktion geprüft. Man ſah
aber den vollen Wert dieſes Dokumentes erſt dann gegeben, wenn
es nicht die Erklärung einer einzelnen Partei iſt, ſondern als
Mindeſtprogramm von allen, für die Bildung einer Regierung
überhaupt in Frage kommenden Parteien ausdrücklich anerkannt men können. Die berechtigte Sorge aber, ob eine jetzt eventuell
und gebilligt iſt. Die Fraktion hat deshalb ihren Vorſitzenden
beauftragt, der Zentrumsfraktion anheimzugeben, daß ſie vor den
Verhandlungen über die parteipolitiſche und perſönliche
Zuſam=
menſetzung des Kabinetts allen dieſen Parteien, einſchließlich
Sozialdemokraten und Deutſchnationalen, das Dokument zur
Er=
klärung und Zuſtimmung unterbreitet.
Deutſcher Reichstag.
Ein Geſetz zur Bekämpfung der Geſchlechtskrankheiten.
* Berlin, 22. Januar. (Eig. Bericht.)
Der Reichstag, der ſeine Sitzung heute um einige Stunden früher
begann, erledigte zunächſt bei ſchwacher Beſetzung ohne Ausſprache den
Geſetzentwurf, durch welchen die Zuckerungsfriſt für Weine des
Jahr=
gangs 1926 bis 28. Februar 1927 verlängert wird — Dann ſetzte das
Haus die geſtern begonnene Debatte über den Geſetzentwurf zur
Be=
kämpfung der Geſchlechtskrankheiten fort. Für das Zentrum ſtimmte
nicht alle Wünſche des Zentrums berückſichtigt habe. Die Vorſchrift,
daß nur praktiſche Aerzte zur Behandlung zugelaſſen werden, bedeute
nach Anſicht des Redners keine Beſchränkung der Heilmethoden etwa auf
die ſogen. Schulmedizin. Die Unterſcheidung in anſteckende und nicht
anſteckende Krankheiten hält Abg. Jooſt für praktiſch wertlos.
Die Sozialdemokratin Frau Schröder begrüßte es, daß der
Ge=
ſetzentwurf endlich dem Bordellweſen ein Ende macht und die
Kaſernie=
rung der Proſtituierten aufheben will. Allerdings beſeitige er nicht
radikal genug die Reglementierung, denn noch immer könnten einſeitig
lich in einer die Sitte und den Anſtand verletzenden Form zur Unzucht
aufgefordert und ſich dazu angeboten hätten. Es ſei auch nicht zu
ver=
ſtehen, warum eine Proſtituierte beſtraft werde, w nn ſie in einer
Ge=
meinde unter 10 000 Einwohnern in der Nähe von Kirchen und Schulen
der Unzucht nachgehe. Das ſei eine neue Form der Reglementierung.
Die Rednerin beantragt die Beſtrafung der Proſtituierten nur für den
Fall, daß ſie betrieben werde in einer Wohnung, in der Jugendliche
zwiſchen 3 und 18 Jahren wohnen.
Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) ſtimmt dem Entwurf im
allge=
meinen zu. Gegenüber einer ſo heimtückiſchen und verheerenden
Krank=
heit müſſe die perſönliche Freiheit ihre Grenzen haben. Eine
Zwangs=
behandlung mit noch nicht völlig erprobten Mitteln dürfe keinesfalls
ſtattfinden.
Abg. Frau Neuhaus (Ztr.) hält unbedingt daran feſt, daß in
Nähe von Kirchen und Schulen die Proſtitution verboten werde.
die Vorwürfe gegen die Polizei ſeien größtenteils unberechtigt, wenn
uch Uebergriffe vorgekommen ſeien. Erfreulich ſei, daß wir endlich die
olizeibeamtin bekommen, ſodaß dieſe ganze Arbeit in die Hände der
Frau gelegt werden kann.
Miniſterialdirektor Dammann erklärte, daß auch die
Reichsregie=
na das Zuſtandekommen des Geſetzes begrüße, nachdem ſich der
Reichs=
ſeit neun Jahren mit der Materie beſchäftigt habe. Die Regierung
i einverſtanden mit dem Antrag, der das Behandlungsmonopol der
pprobierten Aerzte nicht auf die anſteckenden Krankheiten beſchränkt
ſſen will.
Abg. Dr. Bayersdörfer (Bayer, Vpt.) bekämpft die
Einrich=
ung von Behandlungsſtellen, weil dann die Aerzte ihre Mitarbeit
ver=
igen nürden. Er widerſpricht auch der unentgeltlichen Behandlung.
zeil man gar nicht überſeh n könne, welche Koſten entſtehen würden.
Der grundlegende Paragraph 1 wird darauf angenommen. Dann
zerden die Beratungen abgebrochen. Das Haus vertagt die
Weiter=
ratung auf Montag, nachmittags 4 Uhr. — Schluß 2.30 Uhr.
Die Woche.
Mit der Kundgebung der deutſchen Zentrumspartei vom
Freitag hat unſere innerpolitiſche Kriſis eine ganz neue und man
darf wohl ohne Uebertreibung ſagen überraſchende
Wen=
ſeine bisherigen Verhandlungen unterrichtet hätte, ſchloß er für, dung genommen. In ziemlich ausführlichen, aber recht allgemein
heute die Beſprechungen ab. Die eingeleiteten Beſprechungen gehaltenen Darlegungen läßt ſich das Zentrum in dieſer
Kund=
gebung über ſeine bisherige Pelitik aus und über die
Richt=
linien, nach denen es in Zukunft zu handeln gedenkt, und es
genügt ein oberflächlicher Blick auf dieſe Auslaſſungen, um zu
erkennen, daß die Türen für ausſichtsreiche Verhandlungen mit
den Deutſchnationalen nunmehr weit geöffnet ſind. Herr Dr.
Marx, der noch im November überhaupt jede Verhandlung mit
den Deutſchnationalen ablehnte, hat die Aufgabe übernommen,
eine Mehrheitsregierung, d. h. alſo eine Regierung zuſammen
mit der Rechten zu bilden, dieſelbe Aufgabe alſo, an der Herr
Dr. Curtius vor kaum 14 Tagen wegen des Widerſtandes des
Zentrums geſcheitert iſt. In der Tat eine überraſchende
Wen=
dung, unerklärlich faſt, wenn man den Hintergrund nicht kennt,
vor dem ſich die letzten Verhandlungen abgeſpielt haben, und
den wir geſtern ſchon andeuteten.
Der Weg zu einer Mehrheitsregierung iſt frei, und wenn die
Deutſchnationalen nicht von allen guten Geiſtern verlaſſen ſind,
beſteht nach der überall vorherrſchenden Auffaſſung begründete
Ausſicht, daß binnen kurzem ein lange vergeblich erſtrebtes Ziel
erreicht ſein wird. Es iſt oft genug ausgeſprochen worden, daß
es eigentlich eine unerläßliche Vorausſetzung des demokratiſchen
Suſtems iſt, daß ſich die dem Parlament verantwortliche
Regie=
rung im Parlament ſelbſt auf eine feſte und zuverläſſige
Mehr=
heit ſtützen kann. Nachdem die in der Nationalverſammlung über
eine ſtarke Mehrheit verfügende, aus Zentrum, Demokratie und
Sozialdemokratie beſtehende Weimarer Gruppe ſchon bald danach
zu einer Minderheit geworden war, nachdem verſchiedene
Min=
derheitsregierungen der Mitte alle Schwächen eines ſolchen
Ver=
ſuches erwieſen hatten, und nachdem auch die „Große Koalition”
an dem Verhalten der Sozialdemokratie geſcheitert war, ſah man
in weiten deutſchen Kreiſen in dem Verſuch, eine
Mehrheits=
regierung der Rechten mit Einſchluß des Zentrums zu bilden,
den einzigen noch möglichen Weg, zu ſtabileren innerpolitiſchen
Verhältniſſen zu kommen. Nach langen Verhandlungen und
ver=
geblichen Bemühungen glückte dieſer Verſuch im erſten Kabinett
Luther, — um im entſcheidenden Moment gelegentlich der
Locarno=Verhandlungen zu ſcheitern. Das iſt noch nicht 1½
Jahre her, und wenn man ſich an die damaligen Zeiten erinnert,
Die deutſchdemokratiſche Reichstagsfraktion gibt über ihre wird man begreiflicherweiſe die neueſte Entwicklung nur mit
Haltung folgendes Communiqué aus: In der Fraktionsſitzung einiger Skepſis zu begrüßen vermögen. Es iſt gewiß ein
außerordentlich erfreulicher Erfolg, wenn durch die Bildung einer
feſten Mehrheitsregierung eine wirkliche Stabiltät unſerer
inner=
politiſchen Lage herbeigeführt würde, und manchen
Schönheits=
fehler würde man für einen ſolchen Erfolg mit in den Kauf
neh=
zuſtundekommende Regierung der Rechten und des Zentrums
wirklich von Dauer ſein wird, läßt allzu großen Optimismus
nicht aufkommen. Auch diejenigen, denen die ſcharfe Betonung
des nationalen Gedankens durch die Deutſchnationalen
außer=
ordentlich ſympathiſch iſt, können ſich doch wohl der Tatſache
kaum verſchließen, daß die Einſtellung der Deutſchnationalen
Partei gerade zu den großen und entſcheidenden politiſchen
Pro=
blemen während der ganzen letzten Jahre nicht immer die gerade
Linie aufwies, die allein das Einhalten eines ſtetigen innen= und
außenpolitiſchen Kurſes ermöglicht. Man mag das verſtehen und
begründen mit dem Hinweis darauf, daß ja auch die
Deutſch=
nationalen an dem gleichen Uebel kranken, wie faſt alle unſere
Parteien, nämlich daran, daß ſie durchaus kein einheitliches
poli=
tiſches Gebilde darſtellen. Dieſe Begründung aber vermag
natur=
gemäß die Bedenken nicht aus der Welt zu räumen.
Weder die Rechte noch die Linke iſt in Deutſchland ſtark
genug, um allein zu regieren. Stets iſt das Zentrum das
Züng=
lein an der Wage, und dieſer Umſtand iſt es, der dieſe Partei
Abg. Joſt der Vorlage in der Ausſchußfaſſung zu, wenn das Geſetz auch gegenwärtig ſchier allmächtig macht. Die klugen Politiker des
Zentrums aber ſind die letzten, die Bedenken tragen würden,
dieſe für ſie ſo günſtige Situation nach Kräften auszunützen, und
wer ſollte ihnen das ſchließlich auch verdenken? Eine andere
Frage aber iſt die, ob dieſe Allmacht einer Partei ein Segen
iſt für die Geſamtheit des deutſchen Volkes. und dieſe
Frage muß man ſich ſtellen, auch wenn man die etwas künſtliche
Empörung der betrübten Lohgerber auf der Linken über die
kom=
mende Regierung „gegen die Arbeiterſchaft” die „Regierung des
die Proſtituierten beſtraft werden, wenn jemand behaupte, daß ſie öffent= Kapitals gegen die Arbeit” von vornherein richtig bewertet. Dieſe
Frage muß man ſich ſtellen, auch wenn man überzeugt iſt, daß die
angeſtrebte Regierungskoalition der Rechten mit dem Zentrum
durchaus fähig iſt, die großen ſozialen Probleme der Gegenwart
in einer Weiſe zu löſen, die den berechtigten Intereſſen der
deut=
ſchen Arbeiterſchaft in jeder Weiſe Rechnung trägt.
In der „Frankfurter Zeitung” wird die Schuld an der
jetzi=
gen Wendung dem Umſtand zugeſchrieben, daß das Zentrum
keine einheitliche Partei ſei. Beſſer aber und für die rünftige
politiſche Entwicklung unſeres Volkes ſegensreicher aber wäre
es unſerer Auffaſſung nach, wenn man ſich vielleicht auf der
demokratiſchen Seite einmal ſehr ernſthaft die Frage vorlegen
würde, ob nicht gerade die Verhältniſſe innerhalb dieſer Partei
ſehr viel beigetragen haben zu der politiſchen Entwicklung, die
jetzt abermals an einer Wegkreuzung angelangt iſt. Es vergeht
faſt kein Tag, an dem nicht berichtet wird über den Vorſtoß
ent=
weder der Geſamtpartei, der demokratiſchen Fraktion eines
Par=
lamentes oder irgend einer Parteiorganiſation gegen ein
Mit=
glied der eigenen Partei, das man ſelbſt auf verantwortlichen
Poſten geſtellt hat. Gegen Herrn Geßler läuft man ſchon ſeit
langem Sturm, aber auch gegen den demokratiſchen
Reichs=
innenminiſter Dr. Külz werden heftigſte Angriffe aus der eigenen
Partei heraus gerichtet, und ähnlich wie im Reich iſt es in den
Ländern. Das iſt der Erfolg der Führung durch Herrn Koch=
Weſer, der ſeinerzeit das Erbe des zum Hamburger
Oberbürger=
meiſter erwählten Dr. Peterſen antrat. An ſich gewiß eine
interne Angelegenheit der Demokratiſchen Partei ſelbſt, und es
gibt manche Leute, die auf dem Standpunkt ſtehen, daß
Nicht=
mitglieder der Demokratiſchen Partei kaum Veranlaſſung hätten,
in dieſe Dinge hineinzureden. Es gibt vielleicht auch Gegner der
Seite 2
Sonntag, den 23. Januar 1927
Nummer 23
Demokratiſchen Partei, die ſich über dieſes Harakiri im Stillen
freuen. Zu einer ſolchen Schadenfreude aber iſt wahrlich kein
Anlaß vorhanden, wenigſtens für diejenigen nicht, die ſich über
die Zukunft des deutſchen Volkes ernſtlich Sorgen machen. Wenn
man der Ueberzeugung iſt, daß bei uns weder die Linke noch
die Rechte allein ſtark genug zum regieren iſt, und auch in
Zu=
kunft dazu nicht ſtark genug ſein wird, wird man aus dieſer
Ueberzeugung nur die Konſequenz ziehen können, daß dann eine
Stärkung der Mitte von außerordentlicher Bedeutung iſt. Als
Herr Koch=Weſer die Führung der Partei übernahm, beſtanden
ſtarke Anſätze zu einem engeren Zuſammenſchluß der Mitte und
damit zu einer Entwicklung, die uns manchen Rückſchlag hätte
erſparen können. Das Herumwerfen des Parteiſteuers nach links
durch Herrn Dr. Koch=Weſer unter Verzicht auf jede ſelbſtändige
Politik hat dieſe Anſätze ſchon im Keim erſtickt und dadurch die
Gegenſätze ganz außerordentlich verſchärft.
Die demokratiſche Preſſe verkündet, daß die einzig mögliche
Stellung zu einer etwaigen Regierung der Rechten mit Einſchluß
des Zentrums die Oppoſition ſein könne. Sie verkündet das
ſchon jetzt, noch bevor überhaupt über das Programm einer
ſolchen Regierung im einzelnen die Verhandlungen eröffnet ſind.
„Ich kenne die Abſichten des Miniſters nicht, aber ich mißbillige
ſie.” Liegt das im Intereſſe des deutſchen Volkes? Liegt es im
Intereſſe des deutſchen Volkes, wenn man einem Mann, wie
z. B. dem derzeitigen Reichsfinanzminiſter Dr. Reinhold, auf
dieſe Weiſe die Fortführung ſeiner Tätigkeit unmöglich macht?
Bei der Bildung einer Regierung ſollten doch wahrlich nicht nur
Parteifragen, ſondern in erſter Linie doch auch die perſönliche
Qualifikation der in Frage kommenden Perſönlichkeiten ent=
M.
ſcheiden!
Das Kriegsgerätegeſetz.
Die Verhandlungen vor dem Abſchluß.
Die Verhanlungen zwiſchen dem Vertreter der deutſchen
Regierung und den Vertretern der Militärkontrollkommiſſion in
Berlin über das Kriegsgerätegeſetz ſind, wie amtlich mitgeteilt
worden iſt, am Freitag zum Abſchluß gekommen. Das
Reichs=
kabinett hat am Samstag über den Entwurf beraten und ihm
zugeſtimmt. Er geht jetzt nach Paris, um der
Botſchafterkonfe=
renz vorgelegt zu werden. Erteilt ſie ihre Zuſtimmung, dann
wird auch dieſer Teil der Reſtpunkteverhandlungen bereinigt ſein
und alſo nicht vor den Völkerbund kommen. Die Einzelheiten
der Abmachungen werden nach wie vor ſtreng geheimgehalten.
Das Auswärtige Amt hat zwar dauernd die Verbindung mit
den beteiligten Induſtrien unterhalten. Es iſt aber wohl kein
Zweifel, daß die deutſche Regierung ſtarke Zugeſtändniſſe,
teil=
weiſe über den Verſailler Vertrag hinaus, hat machen müſſen,
um den von uns vorgelegten Entwurf ſo umzuarbeiten, daß
Ausſicht auf Zuſtimmung durch die Botſchafterkonferenz beſteht.
Es ſcheint, daß im weſentlichen die Eiſen= und
Werkzeug=
maſchinen=Induſtrien. die Leidtragenden ſein wverden, während
die optiſche, chemiſche und Textilinduſtrie im großen Ganzen
wohl die neuen Beſtimmungen tragen kann. Wenn die
Zuſtim=
mung der Botſchafterkonferenz vorliegt, wird dann ein
entſpre=
chender Geſetzentwurf dem Reichstag zugehen, durch den das
frühere Geſetz vom 22. Dezember 1920 aufgehoben wird. Ueber
den Aufbau des Entwurfes haben wir bereits früher berichtet.
Er iſt im Verlaufe der Verhandlungen grundſätzlich nicht
geän=
dert worden. Er bezieht ſich eingangs auf die bezüglichen Artikel
des Verſailler Vertrages, enthält dann einen Abſchnitt von 40
bis 50 Nummern, die ſich auf die Kriegsgeräte ſelbſt beziehen.
Schließlich folgen die Strafbeſtimmungen, wobei außer
Gefäng=
nis auch auf Einziehung und Zerſtörung des beſchlagnahmten
Gerätes erkannt werden kann.
Die Entwaffnungsfrage im Kabinettsrat.
Berlin, 22. Januar.
Wie von zuſtändiger Seite mitgeteilt wird, hat ſich das
Kabinett in ſeiner heutigen Sitzung mit den geſtern von den
deutſchen und alliierten Sachverſtändigen getroffenen techniſchen
Vereinbarungen über die Frage der Ausfuhr beſtimmten
Mate=
rials beſchäftigt und die Vereinbarungen in der feſtgelegten
Form genehmigt. Die Vereinbarungen bedürfen nunmehr nur
noch der Beſtätigung durch die Botſchafterkonferenz. Der mit
den Vereinbarungen in Zuſammenhang ſtehende Geſetzentwurf
über das Verbot der Ausfuhr beſtimmten Materials wird aber
wahrſcheinlich ſchon umgehend den parlamentariſchen Inſtanzen,
dem Reichstag und dem Reichsrat, zugehen.
4Ben Hur.
„Ben Hur” iſt das eindrucksvollſte Werk, das bisher von der
Filminduſtrie hergeſtellt wurde. Es wurde noch kein Film
ge=
dreht, der ſich ſo ausſchließlich auf die künſtleriſch ſcharf
umgrenz=
ten Aufgaben des Films eingeſtellt hat, wie „Ben Hur” Von
wenigen Szenen des Schluſſes abgeſehen, iſt alles, was der
Bühne vorbehalten bleiben muß, d. h. was darſtelleriſch nicht
vom geſprochenen Wort zu trennen iſt, vermieden worden. Die
in dieſer Beziehung vielleicht mangelhaften Schlußſzenen werden
leicht und gern hingenommen im Rahmen des Ganzen, das ein
ungeheueres Geſchehen iſt, grandios lebendige Bilder abrollen
läßt. Ein Geſchehen, das auch inhaltlich ſo groß iſt, daß es packt
und mitreißt.
„Ben Hur” iſt der Film ſchöner Menſchen, charakteriſtiſcher
Geſtalten, hervorragender Schauſpieler und ganz eigenartiger
ſzeniſcher Geſtaltung. Die Wagenrennen können in ihrer
ſpan=
nenden Bildfolge, die die Nerven aufs äußerſte anſpannen, kaum
übertroffen werden. Die Darſtellungen der einzelnen Künſtler,
ſoweit ſie in tragenden Rollen eingeſetzt ſind, ſind durchaus
künſt=
leriſch gemeiſtert, halten ſich frei von jeder Uebertreibung und
Süßlichkeit und geben doch ſo unendlich Lebendiges,
Mitreißen=
des — auch in den rein auf ſeeliſche Momente aufgebauten
Sze=
nen — daß das geſamte Werk als geſchloſſenes Kunſtwerk
da=
ſteht. Man braucht weder den Roman geleſen zu haben, noch die
dramatiſche Bearbeitung zu kennen, — der Film iſt, obwohl
ge=
filmter Roman, ein Ding an ſich.
Die Handlung.
„Es begab ſich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem
Kaiſer Auguſtus ausging, daß alle Welt geſchätzet würde. Und
jedermann ging, daß er ſich ſchätzen ließe, ein jeglicher in ſeine
Stadt.‟ . . . Joſef und Maria finden Unterkunft im Stalle
Davids. Des Nachts erſcheint ein wunderbarer Stern über
Beth=
lehem. Criſtus iſt geboren! Die Schäfer kommen vom Felde, aus
dem Oſten ziehen drei königliche Weiſen heran und breiten
koſt=
bare Geſchenke zu Füßen der Madonna aus.
Zwanzig Jahre gehen dahin. In den Mauern von Jeruſalem
herrſchen die römiſchen. Legionen mit Brutalität und Hochmut.
Der junge Juda, Prinz von Hur, will ſeinen Jugendfreund
Meſſala begrüßen, der unterdeſſen, während Ben Hur in der
Fremde weilte, römiſcher Hauptmann geworden iſt. Aber jetzt iſt
ihm Meſſala ein Fremder; römiſcher Uebermut hat auch ſeine
Seele verhärtet. Die Freunde ſcheiden in Feindſchaft.
Vom Tage.
Gegen den ſozialdemokratiſchen
Reichstagsab=
geordneten Künſtler iſt von der militärpolitiſchen Abteilung
des Reichswehrminiſteriums beim Oberreichsanwalt die Einleitung
eines Landesverratsverfahrens wegen des von Künſtler
in einigen ſozialdemokratiſchen Blättern veröffentlichten Artikels über
die Herſtellung von Giftgaſen in Rußland beantragt worden.
Unter dem neuen Präfekten der Provinz Bozen Ricci zeigen
die italieniſchen Behörden gegenüber den Deutſchen
in Südtirol eine größere Toleranz als bisher. Die
amtlichen Bekanntmachungen wenden ſich nunmehr auch in deutſcher
Sprache an die Bevölkerung. In wirtſchaftlichen und Kirchen= und
Schulfragen werden die deutſchen Vertreter gehört.
Der Untergeneralſekretär des Völkerbundes Attolico (Italien)
iſt von ſeiner Regierung zum Botſchafter in Braſilien
er=
nannt worden.
Der ruſſiſche Botſchafter in Paris Nakowski hat
Briand eine Proteſtnote dagegen überreicht, daß
Frank=
reich Rumänien den Beſitz Beßarabiens garantiert.
Die in Angora vorgenommene Probe=Volkszählung
hatte für die Stadt Angora folgendes Ergebnis: 58 000
Einwoh=
ner, davon 35 000 Männer und 23 000 Frauen.
Der amerikaniſche Senatsausſchuß für auswärtige
An=
gelegenheiten ſtimmte dem Plan einer
ſchiedsgericht=
lichen Löſung des mexikaniſchen Oelkonfliktes zu.
Aus Neſv York kommt die Meldung, daß in China die
Vereinig=
ten Staaten beabſichtigen, ſämtliche Angehörigen der
Ver=
einigten Staaten nach Hauſe zu befördern. Im ganzen ſollen
ſich in China 12000 Amerikaner aufhalten.
Mehrere japaniſche Zeitungen beſtätigen, daß
Großbritan=
nien kürzlich die Hilfe Japans erbeten habe, um das
ausländiſche Preſtige auf dem Jangtſekiang wieder herzuſtellen. Die
japaniſche Regierung habe jedoch ablehnend geantvortet.
Jialieniſcher Diplomatenſchub.
EP. Rom, 22. Januar.
Muſſolini hat umfaſſende Aenderungen auf den wichtigſten
Poſten des italieniſchen diplomatiſchen Korps vorgenommen, die
von den Blättern ohne Angabe oder irgendwelche Kommentare
wiedergegeben werden. Der Botſchafter in London, della
Tor=
retta wird zur Verfügung geſtellt. Den Londoner Poſten erhält
der bisherige Generalſekretär des Miniſteriums des Aeußeren,
Bordonaro. In den Ruheſtand geſetzt werden gleichzeitig die
drei Botſchafter: Baron Abezzana in Paris, der noch junge
Botſchafter Montagna in Rio de Janeiro und der Botſchafter in
Tokio, Graf Giulio della Torre. Die Verſetzung des Moskauer
Botſchafters, Graf Manzoni, nach Paris wird beſtätigt. Sein
Nachfolger in Moskau wird der jetzige Pekinger Geſandte,
Ce=
rutti, Botſchafter in Rio de Janeiro Attolico, der eine Zeitlang
Italien im Völkerbundsſekretariat vertrat, und Botſchafter in
Madrid Medici del Vascello, der wiederholt der italieniſchen
Völkerbundsdelegation angehörte und Italien auch in Locarno
vertrat.
Neuer jügoſlawiſcher Geſandter für Berlin.
Ein neuer römiſcher Prokurator zieht in Jeruſalem ein.
Von ſeinem Altan aus ſchaut Ben Hur mit Mutter und Schweſter
dem farbenprächtigen Bilde zu. Da löſt ſich unter ſeinen Händen
durch Zufall ein Stein. Getroffen ſinkt der Repräſentant des
Weltreiches von ſeiner prunkvollen Sänfte. Meſſala beſchuldigt
Bei Hur eines Attentats. Der junge Fürſt wird auf die Galeere
geſchickt, ſeine Mutter und ſeine Schweſter werden in den Kerker
geworfen.
Geſandter Balugdſchitfch,
der bereits früher die Berliner jugoſlawiſche Geſandtſchaft
ge=
leitet und zuletzt den gleichen Poſten in Rom bekleidet hat, iſt jetzt
erneut zum Geſandten Jugoſlawiens in Berlin ernannt worden.
Ein Teil der römiſchen Kriegsflotte kreuzt das Aegäiſche
Meer. Plötzlich meldet der Mann im Ausguck das Herannahen
einer doppelten Uebermacht von Piraten. Die Galeerenſklaven
auf den drei übereinanderliegenden Ruderbänken werden
an=
gekettet. Nur Ben Hur entgeht auf Befehl des Admirals Arrius
dieſer Maßnahme, die beim Untergang des Schiffes den ſicheren
Tod für die Galeerenſträflinge bedeutet. Das ſtolze Weſen Ben
Hurs hat dem Admiral eine gewiſſe Sympathie für den
Gefange=
nen aus Jerufalem abgerungen.
Im Toben der Seeſchlacht hat Ben Hur Gelegenheit, dem
Admiral das Leben zu retten. Auf einer Planke treiben ſie dann
beide im Meer umher, bis ſie von einem römiſchen Kriegsſchiff
aufgenommen werden. Arrius gibt Ben Hur frei und adoptiert
ihn. Der junge jüdiſche Fürſt wird zu einem vielbewunderten
Favoriten der römiſchen Kampfſpiele. Caeſar ſelbſt zeichnet ihn
durch Geſchenke aus. Aber Ben Hur hat keine Ruhe. Es zieht
ihn nach der Heimat. Man hat ihm von einem Kaufmann in
Antiochia namens Simonides erzählt. Er vermutet in ihm den
ehemaligen Leibeigenen und Vertrauten des Hauſes Hur und
hofft, von ihm etwas über das Schickſal ſeiner Mutter und ſeiner
Schweſter zu erfahren. Simonides will ihn zuerſt nicht
anerken=
nen, und er weiß auch nicht, was aus den Angehörigen Ben Hurs
geworden iſt. Die Tochter des Kaufmanns, Eſther, die Ben Hur
liebt, bewegt ihren Vater, der um ihretwillen die Rolle des
freien Kaufmanns nicht hatte aufgeben wollen, ſich vor Ben Hur
als den Leibeigenen der Familie zu bekennen. In
unverbrüch=
licher Treue hatte er durch Jahre hindurch das Vermögen der
Hurs verwaltei und vergrößert. Selbſt die furchtbaren Torturen
der römiſchen Folterkammer hatten ihm einſt, nach Ben Hurs
Verurteilung, nicht das Geheimnis abzwingen können, wo er die
Schätze des Fürſter hauſes verborgen hielt. Ben Hur iſt nun
einer der Reichſten im Lande.
Der arabiſche Scheik Ilderim, ein paſſionierter
Pferdelieb=
haber und Rennſtallbeſitzer, verliert am Vorabend eines großen
Rennens ſeinen Wagenlenker. Er bittet den jungen Arrius=
Ben Hur, von deſſen Triumphen er gehört hatte, für ihn das
Rennen zu fahren. Der Adoptivſohn des römiſchen Admirals
Um Beßarabien.
Die ruſſiſche Proteſinote an Briand.
EP. Paris, 22. Januar.
Wie berichtet wird, hat der Sowjetbotſchafter Rakowfki
bei ſeinem geſtrigen Beſuche im Quai d’Orſay Briand an die
ihm am 2. Oktober v. J. überreichte ruſſiſche Proteſtnote
gegen den franzöſiſch=rumäniſchen Vertrag erinnert. Der jetzt
veröffentlichte Schluß dieſer Note lautet: „Wenn die franzöſiſche
Regierung Rumänien die Hilfe Frankreichs im Kriegsfalle
zu=
ſichert und die gemeinſamen Intereſſen Frankreichs und
Rumä=
niens proklamiert, ohne irgend einen Vorbehalt hinſichtlich
Beß=
arabiens zu machen, ſo ermutigt ſie die aggreſſiven und
erobe=
rungsſüchtigen Neigungen der Leiter Rumäniens. Dadurch
ſchwächt ſie die Ausſichten auf eine friedliche Beilegung den
beßarabiſchen Frage auf der Baſis des Selbſtbeſtimmungsrechtes
der Völker und unterſtreicht die gegen den Frieden im Oſte
Europas beſtehenden Drohungen. Ich erkläre, daß meine
Re=
gierung den Abſchluß eines Garantievertrages mitz
Rumänien durch Frankreich nur als einen
unfreund=
lichen Akt betrachten kann, der ſowohl gegen die Intereſſen der
Sowjetrepublik als gegen die Intereſſen der Bevölkerung
Beß=
arabiens gerichtet iſt.
Rußland verweigert die Kriegsſchuldenzahlung
an Frankreich.
TU. Riga, 22. Januar.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hatte der franzöſiſche
Bot=
ſchafter Herbette mit Litwinow eine längere Unterredung über
die Beilegung des ruſſiſch=franzöſiſchen Schuldenkonfliktes. Der
ſtellvertretende ruſſiſche Außenkommiſſar machte den Botſchafter
darauf aufmerkſam, daß ſich Frankreichs Verhalten gegenüber
Rußland in der letzten Zeit wenig von Englands Haltung
unter=
ſcheide. Die franzöſiſch=ruſſiſchen Beziehungen ſeien durchaus
unnormal. Die franzöſiſche Regierung müſſe ſich ein für allemal
damit abfinden, daß die Sowjetregierung die von der
Zaren=
regierung aufgenommenen Kriegsanleihen in Frankreich nicht
bezahlen werde.
Konferenz der Balkanſiaaten?
EP. Athen, 22. Januar.
In letzter Zeit iſt durch die ausländiſche Preſſe die Nachricht
von der Zuſammenberufung einer Konferenz der Balkanſtaaten
verbreitet worden, an der angeblich auch die Türkei teilnehmen
würde. Eine offizielle Erklärung in dieſer Frage war nicht
er=
gangen. Die Angoraer Regierung teilt nun mit, daß ſie, falls
eine ſolche Tagung wirklich ſeitens der Balkanſtaaten beſchloſſen
ſei, keinen Anlaß habe, Delegierte teilnehmen zu laſſen, auch
wenn die Konferenz ausdrücklich ihre Programmpunkte als im
Intereſſe des Friedens und der Sicherheit auf dem Balkan
be=
zeichnen würde, da die türkiſchen Intereſſen nur in
verſchwin=
dend kleinem Maße auf die Balkanhalbinſel gerichtet ſeien.
Die türkiſch=britiſchen Beziehungen.
London, 22. Januar.
Der türkiſche Botſchafter in London, Achmed Ferid Bey, de
ſoeben von einer Reiſe nach Angora auf ſeinen Poſten
zurückge=
kehrt iſt, erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter des
Reuterbüros, er freue ſich ſehr, ſagen zu können, daß die
Be=
ziehungen der Türkei zu Großbritannien immer freundſchaftlicher
würden. Beide Regierungen ſeien entſchloſſen, daß dieſe äußerſt
freundſchaftlichen Beziehungen fortdauern ſollten. Die
Haupt=
ſorge der Türkei ſei augenblicklich die wirtſchaftliche und finanzielle
Entwicklung des Landes. Bezüglich der Gerüchte über
panaſia=
riſche Ideen im Zuſammenhang mit dem Beſuche chineſiſcher und
japaniſcher Staatsmänner erklärte der Botſchafter, er wiſſe von
dieſer Bewegung nichts. Der Beſuch des chineſiſchen Geſandten
Sze in Konſtantinopel und Angora ſei ein rein privater Beſuch
geweſen. Ueber das Verhältnis der Türkei zu Rußland ſagte er:
Wir haben ſehr freundſchaftliche Beziehungen zu unſerem
nörd=
lichen Nachbar der Sowjetregierung, ebenſo glückliche wie wir ſie
zu allen benachbarten Regierungen haben. Ich freue mich, ſagen
zu können, daß die Sowjetregierung niemals kommuniſtiſche
Pro=
paganda in der Türkei betreibt.
lehnt das Anerbieten ab, aber als er hört, daß kein anderer als
Meſſala ſein Gegner iſt, läßt er die römiſche Maske fallen und
verkündet, daß er, als „Der unbekannte Jude”, die Farben
Ilde=
rims verteidigen werde.
Meſſalas Geliebte, Iras, verſucht, das Geheimnis des „
Un=
bekannten Juden” zu enträtſeln. Sie will ihn verhindern, das
Wagenrennen erfolgreich durchführen zu können. Aber die Liebe
zu der reinen und ſchönen Eſther, der Tochter des Leibeigenen,
gibt Ben Hur die Kraft, den Verführungskünſten der Iras zu
widerſtehen.
Am nächſten Tage zwingt Ben Hur ſeinen ehemaligen
römi=
ſchen Freund Meſſala, eine Wette um den Betrag einzugehen, der
Meſſalas ganzes Vermögen überſteigt. In jedem Nerv
kämpfe=
riſch geſpannt, eilen die Gegner zu ihren Wagen. Einer von
ihnen, das ſchwören ſie einander, ſoll die Arena nicht lebend
verlaſſen.
In der vierten Runde gewinnt Meſſala die Führung und
hält ſie nahezu bis zum Schluß. Dann aber gelingt es Ben Huk,
den Wagen ſeines Feindes zum Sturz zu bringen. Er ſiegt, und
während ihm hunderttauſend Menſchen zujubeln, wird der
ſchwerverwundete Meſſala hinausgetragen.
Unterdeſſen verkündet in Jerufalem ein weiſer Mann aus
Aegypten, Balthaſar, daß der Meſſias, der im Stall zu
Bein=
lehem geboren wurde, bald ſeine Herrſchaft antreten würde. Ben
Hur wirbt ſogleich ein Heer, um ſich dem kommenden König der
Juden zur Verfügung zu ſtellen.
In dieſen Tagen wird anläßlich des Amtsantrittes von
Pontius Pilatus eine Amneſtie erlaſſen. Mit den Gefangenen
gehen auch zwei in der Hölle ihres Kerkers vom Ausſatz befallene
Frauen in die Freiheit: die Mutter Ben Hurs und Tirzah, ſeine
Schweſter. Das Geſetz verbannt ſie in das Tal der Ausſätzigen,
Eſther aber, die von den Wundertaten des Meſſias gehört YAch
findet ſie dort auf und bringt ſie nach Jeruſalem zurück, wo ſie
wirklich durch Jeſus vom Ausfatz befreit werden.
Als Jeſus durch die aufgeregte Volksmenge zum Kalvariene
berg hinaufzieht, tritt Ben Hur an ihn heran und verſpricht 190
ſeine Befreiung mit Hilfe von zwei bereits herannahenden
Legie=
nen kriegstüchtiger Männer. Da vernimmt er, innerlich auß
wachend, das Wort: „Mein Reich iſt nicht von dieſer Welt. Lu
dein Schwert fort.”
Am Tage nach der Kreuzigung Chriſti ſteht Ben Hur auf del
Zinnen ſeines Hauſes. In weiter Ferne ſieht man die die
Kreuze von Golgatha. Für den jungen Juden iſt es der reichus
Nummer 23
Sonntag, den 23. Januar 1927
Der Prozeß gegen
ie kataloniſchen Verſchwörer.
Das Verhör Macias.
E.P. Paris, 20. Januar.
Vor dem Schwurgericht begann heute der Prozeß wegen
Anſamm=
mung von Waffen, Munition und Sprengſtoffen gegen Oberſt Macia und
7 weitere Teilnehmer an der kataloniſchen Verſchwörung, ſowie gegen
örneral Riciotti Garibaldi. Die Verhandlung brachte zunächſt nichts
6ffſonderes. Mehrere Verteidiger beantragten die Abtrennung des
Ver=
an rens gegen Garibaldi, der als Verräter unwürdig ſei, zuſammen mit
en übrigen Angeklagten abgeurteilt zu werden. Der Antrag wurde
ſtloch vom Gericht abgelehnt. — Die darauf einſetzende Vernehmung
eyxann mit dem Verhör des Oberſten Macia, der ſeinem Bedau rn
dar=
hrer Ausdruck gab, daß er gegen die Geſetze Frankreichs verſtoßen habe
no der den Willen der Katalonier zur Freiheit betonte. — Der Italie=
*Rizzoli, der ſeinarzeit die Bekanntſchaft zwiſchen Macia und
Gari=
hä di vermittelte, erklärte, daß er niemandem das kataloniſche Komplott
ſer raten habe und daß er wenn jemand das Gegenteil zu behaupten
Te, er ſich zu rächen wiſſen werde.
Garibaldis Beziehungen zu Macia.
Im weiteren Verlauf des Katalonierprozeſſes proteſtierte
kataloniſche Dichter Gaſſol gegen ſeine Verhaftung. Frank=
Eh habe die Angeklagten wie Verbrecher behandelt. —
Gari=
wa ldi erklärte, der ſpaniſchen Botſchaft ſei die Verſchwörung
hon bekannt geweſen, as er ſelbſt noch keine Ahnung davon
ge=
niet habe. Niemand könne daher beweiſen, daß er den Verräter
iielt habe. Seine Beziehungen zu Macia ſeien ganz
brrflächlicher Art geweſen. Die ganze Verſchwörung habe ihn
aiig intereſſiert. Er bedauere, daß ſeine Dienſte, die er
wäh=
ſud des Krieges und nach Friedensſchluß Frankreich und der
Siheit erwieſen habe, ſo niedrig eingeſchätzt würden. Sobald
frei ſein werde, werde er für die völlige Aufklärung ſorgen.
= ein von ihm unterzeichnetes Protokoll vorgelegt wurde, be=
„aptete er, die Unterſchrift ſei ihm nach 34ſtündigem Verhör von
Polizei mit der Drohung erpreßt worden, daß er im Falle
ineer Weigerung mit ſeiner ganzen Familie aus Frankreich
aus=
ewwieſen werden würde.
Weiter wurde der Diviſionskommiſſär der Sicherheitspolizei,
noit, verhört, der Garibaldi als Lockſpitzel
bezeich=
der im Dienſt des Fascismus ſtehe. Er habe vom
aü ieniſchen Polizeikommiſſar Lapalla dafür Geld bekommen.
er Verteidiger erklärt, daß darin nichts Entehrendes liege, da
arribaldi Italiener ſei. Der Zeuge ſei gleichfalls bei der
Sicher=
eütspolizei eines Landes angeſtellt. Benoit erklärt, das
Ent=
hiende liege darin, daß Garibaldi Komplotte gegen die
italie=
iſthe Regierung in Frankreich angeſtiftet und dann diejenigen,
ie er für dieſe Komplotte angeworben hatte, der italieniſchen
tagierung denunziert habe. Garibaldi habe im ganzen vvn
La=
nbla 640 000 Lire erhalten, davon 10 000 Lire für die
Denun=
ſelsung des großen Katalonierputſches. Ein Kommiſſar der
iſcherheitspolizei ſagte aus, Garibaldi habe in drei Verhören
no ohne jeden Zwang geſtanden, daß er von der
Verſchwörung Macias
ſutch Scivoli Kenntnis erhalten und mit dem fasciſtiſchen
Abge=
rmneten Salla und Ladalla darüber geſprochen habe. Garibaldi
ſiwortete, das Komplott ſei der Polizei ſchon bekannt geweſen.
r habe nur auf Fragen Lapallas geantwortet, aus denen
her=
ongegangen ſei, daß auch dieſer ſchon darüber unterrichtet
ge=
ehen ſei. Der Polizeikommiſſar beſtätigte weiter frühere
Zeugen=
ſii ſagen über die von Scivoli und Lapalla an Garibaldi
gelei=
eten Zahlungen, über die die Angaben zwiſchen 300 000 und
50 000 Lire ſchwanken. Garibaldi habe ihm erklärt, er habe
ge=
ſinßt, das Seivoli ein Schurke ſei. Es kommt dann zu einer
ſmgeren Auseinanderſetzung darüber, ob Garibaldi die
Ver=
hwörung zunächſt der italieniſchen Polizei verraten habe, die
nwon die ſpaniſchen Behörden in Kenntnis ſetzte, oder zuerſt der
amzöſiſchen Sicherheitspolizei.
Ein erregter Auftritt.
Verſchiedene Zeugen, darunter der ehemalige ſpaniſche
Ab=
ardnete Ortega y Gaſſet, der von der ſpaniſchen Regierung zu
chk Tagen Gefängnis verurteilt worden iſt, ſowie einer der
ewerlebenden der alten Anarchiſtenſchule, Malato, der vor etwa
Jahren gelegentlich des Attentats auf den König von
Spa=
imm wegen ſeiner Artikel gerichtlich verfolgt wurde, und
ſchließ=
d. der franzöſiſche Profeſſor Bonnafous drückten ihre
Bewunde=
uurg für den Oberſten Macia und die Mitangeklagten aus. Sie
uuserten ſich ſcharf gegen die Bedrückung der Liberalen, der
Republikaner und der Separatiſten durch die ſpaniſche
Regie=
rung. de Moro=Giafferri erklärte kurz, daß die Italiener eine
Aktion auf Korſika durchführten, allerdings mit wenig Ausſicht
auf Erfolg. Mehrere Zeugen äußerten ſich dahin, daß die in
der Villa Garibaldi gefundenen Waffen Kriegsandenken ſeien.
Ein weiterer italieniſcher Zeuge, Sierra, rief einen erregten
Auftritt hervor mit der Erklärung, er ſei von den Fasciſten zum
Tode verurteilt worden. Das habe ihn jedoch nicht gehindert,
nach Rom zu reiſen, um an einer Konferenz ehemaliger
Kriegs=
teilnehmer teilzunehmen. 48 Stunden nach ſeiner Ankunft ſei
ſeine Anweſenheit der Polizei bekannt gegeben und ein
Haft=
befehl gegen ihn erlaſſen worden. Er führe dies auf die
Tätig=
keit des Generals Pappino Garibaldi zurück.
Oberſt Macia,
Führer der kataloniſchen Verſchwörer, der ſich jetzt mit ſeinen
vierzehn Genoſſen vor der Pariſer Strafkammer wegen
unbefug=
ten Waffenbeſitzes zu verantworten hatte. In demſelben
Ver=
fahren und wegen des gleichen Vergehens iſt auch Ricciotti
Gari=
baldi verurteilt worden.
Das Urteil im Katalonierprozeß.
EP. Paris, 22. Januar.
Das Urteil im Katalonierprozeß lautet gegen den Oberſten
Macia auf 2 Monate Gefängnis und 100 Franes
Geld=
ſtrafe, gegen die übrigen 17 Angeklagten auf je 1 Monat
Gefängnis und 50 Franes Geldſtrafe. Ricciotti
Gari=
baldi wird hinſichtlich der Mitſchuld an dem Komplott
freige=
ſprochen, aber wegen der übrigen Anklagepunkte zu 2
Mona=
ten Gefängnis und 100 Franes Geldſtrafe verurteilt.
Bei Beginn der heutigen Sitzung ſuchte der Verteidiger
Gari=
baldis nachzuweiſen, daß deſſen Verhaftung ungeſetzlich und ſeine
Vernehmungen unter Verletzung der geſetzlichen Vorſchriften
durchgeführt worden ſeien. Aus dieſem Grunde forderte er die
Entfernung von 60 Protokollen aus den Gerichtsakten. — Ein
Verteidiger des Oberſten Macia erklärte ſich damit einverſtanden,
da die zweitägigen Verhandlungen die Schurkereien Garibaldis
überzeugend nachgewieſen hätten. — Nach einem Proteſt
Gari=
baldis begann der Staatsanwalt ſein Plädoyer. Er ſprach ſich
lobend über den Oberſten Macia und ſeine Motive aus, erklärte
aber, daß er ſich eines Vergehens ſchuldig gemacht habe, für das
ihn die franzöſiſche Juſtiz zur Rechenſchaft ziehen müſſe, um ſo
mehr, als er Frankreich durch ſein Vorgehen in diplomatiſche
Schwierigkeiten habe verwickeln können. Die Mitſchuld der
übri=
gen Angeklagten ſtehe außer Zweifel. Es ſei zu bedauern, daß
Garibaldi, der ſich im Kriege ſeines großen Vorfahrens würdig
erwieſen habe, ſich jetzt vor Gericht befinde. Die Frage, ob er ſich
für die Verſchwörung der Katalonier nur intereſſiert habe, um
ſie zu verraten, habe das Gericht nicht zu entſcheiden. Die
Wahr=
ſcheinlichkeit beſtehe aber dafür, wenn man berückſichtige, daß
Garibaldi eingeſtanden habe, Geld für den Verrat ſeiner Freunde
erhalten zu haben. Deswegen aber habe er ſich vor ſeinem eigenen
Gewiſſen zu verantworten. — Die Verteidiger der Katalonier
forderten darauf die Freiſprechung ihrer Klienten, da die
Tat=
ſache der Waffenanſammlung nicht erwieſen ſei.
Cong ſeines Lebens. Er hat Mutter, Schweſter und Weib gefunden.
Ind er hat Gott gefunden.
Gerade die in den letzten Szenen beſchriebenen Teile der
andlung ſind mit großer Delikateſſe und doch tief ergreifend
eillebendigt. Nie erſcheint die Geſtalt des Erlöſers im Bild, aber
mgemein geſchickt iſt ſie angedeutet durch eine ſegnende Hand
dar ſonſt eine große Gebärde, die kaum von Menſchen
ſtam=
neun kann.
So gibt dieſer Film nicht nur ein in der Phantaſie geborenes
aäßes Geſchehen, ſondern auch einen hiſtoriſchen Abriß aus
inem Weltgeſchehen, das ſeine Nachwirkungen bis heute und in
U Zukunft fortſetzen wird.
Unendlich viel wäre zu ſchreiben über dieſen Film: Ueber die
ſachlen, die in die Tauſende und Millionen gehen — 4 Millionen
diſllar koſtet die Herſtellung, 14 Millionen Einzelbilder enthalten
ie Filmſtreifen —, es wäre zu ſprechen über die Auswahl der
Suenenplätze, über die meiſterhafte Tat des Regiſſeurs Niblo,
hner die ausgezeichneten Darſteller, allen voran Ramon
No=
urro, Francis Buſhman, May McAvovy. Carmel
Ners, Nigel de Brulier u.ba. Es wäre darüber zu
ſnechen, wie viele Menſchen und Induſtrien die Herſtellung
die=
s. Films in Bewegung geſetzt haben, wie viele Bauten errichtet
deſiden mußten, wie einzelne Szenen farbig geſtaltet wurden,
ſehche Gemälde Vorbilder waren, wie die gigantiſche Seeſchlacht
no vor allem das noch viel größere Wagenrennen erſtellt werden
omnte, u. v. a. m. Es genüge, hier zu ſagen: „Ben Hur” iſt der
* X
film ,den man geſehen haben muß.
*Zum 4. und 5. Beethoven=Abend
des Drummquartetts.
Die Einführung in den 4. und 5. Beethoven=Abend des
Drumm=
ſwartetts muß der Fülle des Stoffes wegen ſich auf das Wichtigſte
be=
änken. Die zwei Quartette aus Op. 18 bieten der Auffaſſung des
öhxers keine Schwierigkeit, doch ſei auf die wunderbare Einleitung zum
luß=Nondo des B=Dur=Quartetts Nu. 6 kurz hingewieſen. Beethoven
vrſchreibt dieſes Stück „Malinconia” und in der Tat, wenn man
urch dieſe Bezeichnung an Dürers berühmten gleichnamigen Kupferſtich
mmahnt wird, zieht der Muſiker vergleichungsweiſe nicht den Kürzeren
luch Op. 74 „fällt leicht ins Ohr”. Es führt den Namen „
Harfenquar=
et*” nach den Pizzicato Arpeggien des erſten Satzes, auch wohl nach
harfenartig rauſchenden Scczehntelfigur der erſten Geige in der
„äda desſelben Stückes. Op. 59 I iſt eines der „ruſſiſchen” Quartette,
3 genannt, weil ſie einem vornehmen Ruſſen gewidmet ſind und zum
Teil ruſſiſche Themen verwenden. In unſerem F=Dur=Quartett, das in
der thematiſchen Endwicklung namentlich des erſten und zweiten Satzes
vielleicht ſelbſt unter Beethovens Werken ein Aeußerſtes darſtellt, findet
ſich der ruſſiſche Einſchlag als Hauptthema des Finales, wo es ſogleich
nach dem zerflatternden Uebergang aus dem ſchwermutigen dritten Satz
vom Violoncell angeſtimmt wird. Op. 132 A=Moll gehört zu den
ſoge=
nannten letzten Quartetten, in denen Beethovens Phantaſie ſich von allen
konventionellen Banden — ausgenommen immer die ihm für
unver=
brüchlich geltende Sonatenarchitektur — befreit, ſich feſſellos in
genia=
ler Kühnheit ergeht. Dem leidenſchaftlichen erſten Satz folgt ein
kontra=
punktlich intereſſantes menuettartiges Stück mit einem ſphärenhaften
Dudelſacktrio. Als langſamen Satz bringt Beethoben ſodann den
har=
moniſch in alter Kirhentonart ſich gebärdenden „heiligen Dankgeſang
eines Geneſenen an die Gottheit”, eines der weihevollſten Stücke, die
Beethoven geſchrieben hat. Der Satz iſt in der Form von Variationen
mit Zwiſchenſätzen („neue Kraft fühlend”) abgefaßt. Ein marſchartiges
Thema folgt, das ſich bald in pathetiſche Rezitationen verliert und in
den ſchwungvollen Schlußſatz führt. Zu Op. 131 Cis=Moll ſei es geſtattet,
den ſchönen Verſuch einer programmatiſchen Deutung zu zitieren, der
in Rich. Wagners Schrift „Beethoven” zu finden iſt. Das einleitende
längere Adagio, wohl das ſchwermütigſte, was je in Tönen ausgeſagt
worden iſt, möchte ich mit dem Erwachen am Morgen des Tages
bezeichi=
nen, der in ſeinem langen Lauf nicht einen Wunſch erfüllen ſoll, nicht
einen!“ Doch zugleich iſt es ein Bußgebet, eine Beratung mit Gott im
Glauben an das ewige Gute. — Das nach innen gewendete Auge erblickt
da auch die nur ihm erkenntliche tröſtliche Erſcheiung (Allegro 8/s), in
welcher das Verlangen zum wehmütigen holden Spiele mit ſich ſelbſt
wird: Das innerſte Traumbild wird in einer lieblichen Erinnerung
wach. Und nun iſt es, als ob (mit dem überleitenden kurzen Allegro
moderato) der Meiſter, ſeiner Kunſt bewußt, ſich zu ſeiner Zauberarbeit
zurechtſetzte; die wieder belebte Kraft dieſes ihm eigenen Zaubers übt
er nun Andante 2/,) an dem Feſtbannen einer anmutsvollen Geſtalt
um an ihr, dem ſeligen Zeugniſſe innigſter Unſchuld, in ſtets neuer.
un=
erhörter Veränderung durch die Strahlenbrechungen des ewvigen Lichtes,
welches er darauf fallen läßt, ſich raſtlos zu entzücken. — Wir glauben
nun, den tief aus ſich Beglückten den unſäglich erheiterten Blick auf die
Außenwelt richten zu ſehen (Preſto 2/a): Da ſteht ſie wieder vor ihm,
wie in der Paſtoral=Sinfonie; alles wird ihm von ſeinem innerſten
Glücke beleuchtet; es iſt, als lauſche er dem eignen Tönen der
Erſcheinun=
gen, die luſtig und wiederrm derb im rhythmiſchen Tanze ſich vor ihm
bewegen. Er ſchaut dem Leben zu und ſcheint ſich (kurzes Adaaio ¼) zu
beſinnen, wie er es anfinge, dieſem Leben ſelbſt zum Tanze aufzuſpielen:
ein kurzes, aber trübes Nachſinnen, als verſenke er ſich in den tiefen
Traum ſeiner Seele. Ein Blick hat ihm wieder das Innere der Welt
gezeigt: er erwacht und ſtreicht nun in die Saiten zu einem
Tanzauf=
ſviele, wie es die Welt nech nie gehört (Allegrofinale). Das iſt der
Tanz der Welt ſelbſt: Wilde Luſt. ſchmerzliche Klage,, Liebesentzücken,
höchſte Wonne, Jammer, Raſen, Wolluſt und Leid; da zuckt es wie
Blitze, Wettergrollen: und über allem der ungeheure Spi lmann, der
alles zwingt und bannt, ſtol= und ſicher vom Wirbel zum Strudel. zum
Abarund geleitet: — er lächelt über ſich ſelbſt, da ihm dieſes Zaubern
doch wir ein Spiel war. — So winkt ihm die Nacht. Sein Tag iſt
vollbracht.
Mendelsſohn.
Geite 3
Die Vorgänge in China
vom chineſiſchen Standpunkt aus.
Von
Gillo Djang.
Nachdem Europa durch Locarno, Genf und Thoiry in eine
gewiſſe politiſche Entſpannung verſetzt worden iſt, beginnen in
zwei anderen Konkinenten, in Aſien und Amerika, ſchwere Wolken
ſich aufzutürmen, von denen die aſiatiſchen ihre amerikaniſche
Konkurrenz an Bedeutung für den Weltfrieden noch weit
über=
treffen. Für Deutſchland bedeutet es ein großes Glück, daß es
dank des Verſailler Vertrages — bekanntlich weigerten ſich die
Chineſen, dieſen Vertrag zu unterzeichnen — mit China einen
Sondervertrag auf der Baſis der Gleichheit und Gegenſeitigkeit
abſchloß und dadurch in die angenehme Lage verſetzt wurde, auf
dem anderen Ufer dem Brand auf dem diesſeitigen Ufer in aller
Gemütsruhe zuſchauen zu können, ohne ſich ſelbſt die Finger
daran zu verbrennen. Trotz dieſer angenehmen Stellung
Deutſch=
lands, die es ihm erlaubt, ungeſtört in und mit China weiter und
in verſtärktem Maße Handel zu treiben, muß das deutſche Volk
die Ereigniſſe in China mit größtem Intereſſe verfolgen, da ihre
Entwicklung auch für Deutſchland nicht ohne Bedeutung iſt. Es
iſt bedauerlich, daß die A enturen, durch die die Nachrichten aus
Aſien in Europa verbreitet werden, größtenteils nur Werkzeuge
der Politik einzelner Mächte darſtellen, die aus dieſem Grunde
naturgemäß die Vorgänge in China je nach Wunſch färben und
dadurch entſtellt wiedergeben. Es iſt deshalb für Deutſchland
ſchwer, ſich ein einigermaßen klares Bild von dem Kampf der
Chineſen mit den Weſtmächten, vornehmlich England, zu machen,
aber noch ſchwerer, ſich in die Pſyche des chineſiſchen Volkes ſelbſt
zu verſetzen, d. h. die Stellungnahme des durchſchnittlichen
chine=
ſiſchen Bürgers zu den Vorgängen in ſeiner Heimat zu verſtehen
und darüber hinaus, wie es ſich überhaupt die Zukunft ſeines
Vaterlandes denkt. Vielleicht intereſſiert es daher doch, wenn
ich als Chineſe im Nachfolgenden die allgemeine Lage in meinem
Vaterlande kurz ſkizziere.
Man hörte in Deutſchland ſchon ſeit Jahren Bedauern und
Erſtaunen über die chineſiſchen Bürgerkriege. Man verſtand
offen=
bar nicht, warum ein Volk einer Raſſe und einer Kultur ſo
lange und ſo hartnäckig ſich zerfleiſcht und ſich nicht darum
küm=
mert, daß dadurch das Volksvermögen und die Volkskraft
all=
mählich vernichtet werden, man verſtand ebenſowenig, warum die
große Maſſe, die dieſe Zerſtörung und Vernichtung direkt trifft,
ſtillſchweigend alles über ſich ergehen läßt, warum ſie duldet
und leidet. Selbſtverſtändlich wünſcht das chineſiſche Volk einen
beſſeren Zuſtand. Unter den Zuſtänden aber, die bedingt ſind
durch die imperialiſtiſche Politik der Weſtmächte, wodurch China
in Knechtſchaft gehalten und ausgebeutet wird, iſt an einen
Auf=
ſtieg des chineſiſchen Landes nicht zu denken. Um ſich von dieſen
Feſſeln zu befreien, muß das veraltete, dem neuen Geiſt des
Volkes und ſeiner Umwelt nicht mehr entſprechende Syſtem
ab=
geſchafft werden. Angeſichts der Ausdehnung des Landes und
der Größe der zu leiſtenden Arbeit kann das nicht von heute auf
morgen geſchehen. Man kann aus der Geſchichte Chinas
Bei=
ſpiele genug anführen, daß das Volk eine jahrzehntelange
Gärung durchmachen mußte, bis eine neue Zeit anbrach, eine
neue Periode ihren Anfang nahm. Es fehlt da auch nicht an
Beiſpielen, daß das chineſiſche Volk ganz unter fremde Herrſchaft
geriet. Aber dank ſeines Nationalbewußtſeins und ſeiner zähen
Lebenskraft gelang es ihm jedesmal, ſich wieder zu befreien und
die herrſchenden fremde Stämme ganz zu aſſimilieren. Eine
Ausnahme davon bildeten nur die Mongolen, die ſich im Jahre
1368 aus China zurückzogen und dadurch nicht in dem chineſiſchen
Volk aufgingen.
Das Chaos in den letzten fünfzehn Jahren war nichts anderes
als eine Gärung. Die Niederlagen Chinas gegenüber den
Weſt=
mächten in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, die
durch die Unfähigkeit des alten Regimes unter der
Mandſchu=
dynaſtie entſtanden waren, haben das chineſiſche Volk immer
mehr an den Abgrund gedrängt. Dann kam die Revolution 1911.
Mit ihr begann erſt die Arbeit der Neugeſtaltung. Zunächſt
traten einzelne Machthaber in China auf, die die Refbrmarbeit
mit ihrem perſönlichen Ehrgeiz verbanden. Jeder dachte, er ſei
der berufene Mann, der allein die Einigung und Befreiung des
Vaterlandes herbeiführen könne. Selbſtverſtändlich kennen unter
ihnen die meiſten nur perſönliche Vorteile. Aber ein Mann wie
z. B. Wu=pei=fu iſt ehrlich bemüht, das Land zu einigen und eine
neue Blütezeit zu entfalten. An ſeinem Patriotismus zweifelt
kein Chineſe. Nur iſt er ein einfacher Soldat, der noch zu der
Peter Pan.
(Zu den Vorführungen des Märchenfilms im Kleinen Haus des
Landestheaters.)
Die Geſchichte beginnt in der Kinderſtube der Darlings. Nana,
Hund und Kindermädchen in einer Perſon, ſorgt für die drei Kinder:
Wendy, John und Michael. Aber der Hund ruft den Aerger des Vaters
hervor und wird in den Hof verbannt. Die Mutter verſucht, den Vater
milder zu ſtimmen und erzählt von einem myſteriöſen Knaben, den ſie
im Kinderzimmer geſehen hatte: ſie befürchtet, den Kindern könnte
etwas paſſieren. Aber der Vater lacht über dieſe Furchtſamkeit. Die
Eltern gehen abends in ein Nachbarhaus zum Diner. In ihrer
Ab=
weſenheit kommt der rätſelhafte Knabe, Peter Pan, wieder zu den
Kin=
dern. Er weckt die Kinder und erzählt ihnen über die Wunder von
Niemals=Land und lehrt ſie fliegen. Aber Nana iſt wachſam, er bellt,
um die Eltern zu warnen; ſie eilen zum Fenſter und können gerade
ſehen, wie vier kleine Flieger über die Kirche hinwegfliegen. — Peter
führt die Kinder in den Wald, wo er wohnt und wo er der Hauptmann
der kleinen, verlorenen Knaben iſt, die aus ihrem Kinderwagen gefallen
ſind. Wendy wird die Mutter der Jungens, die glücklich darüber ſind,
von ihr gepflegt zu werden.
Kapitän Hook, ein bekannter Pirat, der anſtelle der rechten Hand
einen großen eiſernen Haken hat, iſt Peters erbitterter Feind, denn
Peter hat ihm früher ſeine Hand abgeſchlagen und ſie den Krokodilen
vorgeworfen. Den Krokodilen ſchmeckte die Hand ſo gut, daß ſie Hook
von Meer zu Meer verfolgten, um auch den übrigen Körper aufzufreſſen.
— Auch die Indianer, unter Führung ihrer Prinzeſſin, der ſchönen
Tiger Lilly, ſind Feinde der Piraten und bewachen Peters Wald vor
einem Angriff. Aber ein Märchen, das Wendtz erzählt, feſſelt ſo ſehr
ihre Aufmerkſamkeit, daß ſie die Wache ſchlecht ausüben. Sie werden
überraſcht und von den Piraten geſchlagen. Die kleinen, verlorenen
Knaben, Wendy, John und Müchael kommen ahnungslos, aus ihrem
unterirdiſchen Hauſe und werden alle gefangen genommen. Peter hat
noch geſcilafen; dann bemerkt er die Gefangennahme ſeiner Gefährten
und beſchließt, ſie zu befreien. — Er folgt den Piraten auf ihr Schiff,
und es gelingt ihm, heimlich die Feſſeln ſeiner Freunde zu durchſchneiden.
Sie bewaffnen ſich mit Säbeln, ſtürzen ſich auf die Piraten, und es
ent=
ſpinnt ſich ein wilder Kampf. Die Piraten werden geſchlagen, und
Kapitän Hook, der ſich gegen Peter wehrt, wird über Bord geſchleudert
und fällt ins Meer, wo die Krokodile ihn erwarten.
Peter und die Kinder fliegen ins Darlinaſche Haus zurück, wo die
Mutter ſie voller Freude empfängt. Sie verſucht Peter zu überreden,
bei ihr zu bleiben; er will dieſes aber nicht, er möchte ein Knabe bleiben
und nicht wchſen; aber ſie verſpricht ihm, daß ihre Kinder ihn einmal
jährlich im Niemals=Land beſuchen dürfen.
Verhandlungen des 5. Preußiſchen Richte tags und der
Vertreterver=
ſammlung des preußiſchen Richtervereins zu Caſſel am 10. und 11. 10.
1926. Verlag Otto Liebmann, Berlin.
Das Bärenreiter=Jahrbuch 1927, dritte Folge. Bärenreiter=Verlag in
Augsburg.
Seite 4
Sonntag, den 23. Januar 1927
Nummer 23
bergangenen Generation gehört. Er beſitzt keine moderne
Bil=
dung. Er wurde in ſeiner Jugend noch ganz nach dem alten Geiſt
erzogen. Deshalb benutzte er Methoden, die im 19, Jahrhundert
vielleicht noch zum Ziel hätten führen können, die aber in der
jetzigen Zeit das Volk immer mehr ins Chaos führen mußten.
Aber das Volk iſt trotz der ſchweren Folgen, unter denen es heute
noch leidet, ſich bewußt, daß eben aus den veralteten Methoden
die neuen geboren werden können. Es ſteht ſtillſchweigend dem
Chaos gegenüber. Für einen Europäer iſt das natürlich
unver=
ſtändlich, ihm mußte es ein Rätſel bleiben, wie die einzelnen
Generäle wie Schachfiguren ſich verſchieben konnten.
Erſt durch den unerwarteten Sieg der Kantontruppen hat ſich
das Bild vereinfacht. Von dem wahren Geiſt der chineſiſchen
Bürgerkriege iſt der Schleier gefallen. Jeder Europäer, ſelbſt
die Engländer, erkennen an, daß es ſich in China um einen
nationalen Freiheitskampf handelt. Dieſer nationale Geiſt iſt
nicht erſt heute neu geboren. Er hat gelebt, lebt und wird immer
leben. In den vergangenen Jahrzehnten war er nur latent.
Das chineſiſche Volk iſt friedliebend, ſeine Kraft iſt elaſtiſch. Es
bleibt ſo lange nachgiebig und zurückhaltend, bis der Gegendruck
ihm unerträglich wird. Dann erhebt es ſich und ſchlägt um ſich.
Dann iſt ſeine Bewegung aber auch nicht mehr aufzuhalten..
Da=
für kann man in der chineſiſchen Geſchichte eine Menge Beiſpiele
finden. Der nationale Geiſt in China zeigte ſich ſchon einmal
beim ſogenannten Boxeraufſtand um die Jahrhundertwende.
Nur war leider damals die Bewegung ausſchließlich auf die
unterſte Schicht des Volkes beſchränkt. Sie war von der damals
regierenden Kaiſerin=Mutter Tſe=Hſi und den mandſchuriſchen
Fürſtlichkeiten geleitet, die von der Politik und der übrigen Welt
nichts verſtanden. Nachdem China ſich aber genügend Klarheit
über die internationale Lage — dazu brauchte es 25 Jahre —
geſchaffen hat, verſteht es nun bei der diesmaligen Bewegung
die modernſten Waffen anzuwenden, die nicht aus Kanonen oder
Kreuzern beſtehen, ſondern in Form von Boykotts,
Demonſtra=
tionen und Streiks Anwendung finden.
Wir können die Zeit ſeit dem erſten lebhaften Verkehr
zwi=
ſchen China und den Weſtmächten bis zum heutigen Tage in drei
Perioden teilen. In der erſten Periode, von der Mitte des
vorigen Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende, war in China
der nationale Stolz, der Stolz auf ſeine hohe Kultur, der ſchon
jahrtauſendelang in den chineſiſchen Herzen wohnt und auch in
der Zukunft weiter leben wird, noch vorwiegend. Bis zum
Jahre 1880 bezeichnete man in China im amtlichen Verkehr und
auch in den höherſtehenden Kreiſen das Ausland noch
zuſammen=
faſſend mit dem Wort „Yi” was ſoviel wie „außerhalb unſerer
Kultur” bedeutet, und nannte ſich „Hua=Hſia” (Hua — herrlich,
aufblühend, und Hſia — groß, mächtig). Jeder gebildete Chineſe
lehnte es ab, irgendwie mit Europäern in Berührung zu kommen.
Während dieſer Periode ſtanden ſich China und der Weſten ohne
jedes Verſtändnis gegenüber.
Die zweite Periode vom Ende des vorigen Jahrhunderts
bis zum Ausbruch des Weltkrieges iſt für China die Zeit des
Erſtaunens, des Bewunderns und der blinden Unterwerfung vor
der weſtlichen Technik. Was aus dem Weſten kam, ob gut oder
ſchlecht, wurde blindlings aufgenommen. Man ging in Schritt
und Tritt dem Weſten nach in dem Glauben, daß nur die
euro=
päiſche Technik und die weſtliche Ziviliſation, aber nicht unfere
konfuzianiſche Lehre oder unſere alte Philoſophie uns zum
Auf=
ſtieg verhelfen könne.
China wäre rettungslos in den Abgrund geraten, wenn
nicht die dritte Periode ſofort eingetreten wäre. Dieſe wurde
beſonders durch die Weltkriegsfolgen beſchleunigt, durch die man
ſihnell zur Beſinnung kam. Sie beantworteten die Frage, ob
man ſo blindlings dem Weſten nachfolgen dürfe, ob man auch
ſeinen entſetzlichen Fehler begehen müſſe und ob der Weſten der
ihm bisher erwieſenen Ehre würdig ſei. Heute iſt das alte
China aus ſeinem Winterſchlaf erwacht. Sein latenter
Natio=
nalismus iſt wieder in Bewegung geſetzt, er iſt nicht mehr
auf=
zuhalten. Kein Chineſe kann heute noch dulden, daß ſeine Zölle
unter fremder Kontrolle ſtehen, daß in ſeiner Wohnung ein
Zimmer unter fremder Herrſchaft ſteht, um deſſen Ordnung er
ſich nicht kümmern darf (In der Schanghaier Konzeſſion ereignen
ſich jeden Tag Raubüberfälle, während das in der dicht nebenan
liegenden alten Stadt nicht der Fall iſt. Aber das verſchweigen
alle Agenturen!), oder daß ein Gaſt in ſeinem Hauſe ſeinen
Ge=
ſetzen nicht gehorcht. Er kann ſich nie zufrieden geben, ſolange
er in der Welt ungerechterweiſe ſich geſchmäht fühlt. Ich glaube,
daß das gerade das deutſche Volk uns am beſten nachfühlen kann;
denn ein Verſailles laſtet ſchon ſeit beinahe einem Jahrhundert
auf unſeren Schultern.
Die letzte nationale Bewegung richtete ſich ausſchließlich
gegen England, weil England die erſte Macht war, die die
un=
gleichen Verträge aufgezwungen hat, weil England heute noch
in Oſtaſien die hauptſächlichſte Rolle ſpielt. Daß es ſich nicht um
zügelloſe Fremdenfeindſeligkeiten handelt, bezeugt der beſondere
Schutz für die deutſche Staatsangehörigen, die nach dem neuen
Vertrag unſere wahren Freunde ſind und vor denen wir keine
Sorge um Ausbeutung zu haben brauchen. Es iſt auch kein
Ge=
heimnis, daß den Hankauer Vorgängen überlegte Pläne
voraus=
gingen. Aber das Volk iſt einmal in Bewegung geſetzt.
So=
lange es ſein Ziel nicht erreicht, ſolange bleibt es in aufgeregtem
Zuſtand und ſolange iſt es durch radikale Agitation leicht
beein=
flußbar. Die Mächte ſammeln krampfhaft ihre letzten Kräfte,
um auf dieſem unhaltbaren Zuſtand zu verharren, genau wie
ein Schwerkranker auf dem Sterbebett mit ſeiner letzten
Lebens=
kraft um den letzten Atem kämpft. Und doch muß er ſterben.
Und ſo müſſen auch die ungleichen Verträge fallen! Sie finden
keinen Platz mehr in dem neuen China, ebenſo die Konzeſſionen,
die, entſtanden durch die Selbſtüberhebung der Chineſen, um
dadurch mit den „Yis” möglichſt nicht in zu nahe Berührung zu
kommen, mit Makao an Portugieſen ihren Anfang genommen
haben.
Englands elaſtiſche Weltpolitik iſt in der ganzen Welt
be=
kannt, ebenſo die ſtaatsmänniſche Klugheit ſeiner führenden
Männer. Aber England hat eine gute Gelegenheit verpaßt.
Hätte es bei Verſailles den chineſiſchen Wünſchen, die durchaus
berechtigt waren, entſprochen und ſeine Verſprechen aufrecht
er=
halten, ſo hätte es ſich die heutigen Schwierigkeiten erſpart,
dann würde es heute nicht mehr das Hauptziel des chineſiſchen
Nationalismus darſtellen. Auch heute iſt es für England noch
nicht zu ſpät, den einmal begangenen ſchweren Fehler wieder
gut zu machen.
In dem heutigen China beſteht noch keine Ausſicht für die
Bolſchewiſten, feſten Boden zu gewinnen. Jeder anſtändige
Chi=
neſe haßt zwar die Machthaber mit ihren Söldnern in den
ein=
zelnen Provinzen, aber er bleibt immer noch lieber unter ihrem
Schutz, als daß er ſich dem Bolſchewismus ausliefert. Selbſt
innerhalb der Kuomintang, unter der die Kantonregierung ſteht,
beſteht eine ſcharfe Grenze zwiſchen links und rechts, obwohl auch.
die Linksſtehenden in erſter Linie nationaliſtiſch und dann
rom=
muniſtiſch geſinnt, alſo im Grund genommen keine
Bolſche=
wiſten ſind.
Bei der heutigen Situation iſt es ganz ausgeſchloſſen, daß
ſich die Mächte einigen werden, mit England gemeinſam mit
Waffengewalt gegen den chineſiſchen Nationalismus vorzugehen.
Wenn England ſich allein dazu entſchließen ſollte, würde es für
eine Macht wie England natürlich eine Leichtigkeit ſein, mit
ſeinen Kreuzern und Marinetruppen einige wichtige Häfen in
China ſofort zu beſetzen. Aber damit würde China noch lange
nicht ſeine Lebensfähigkeit genommen, ſelbſt mit der Beſetzung
Pekings nicht; denn heute haben wir nicht mehr 1900, wo mit
der Flucht ſeines Monarchen China kapitulieren mußte.
Abge=
ſehen von den Konflikten mit den anderen Mächten, in die
Eng=
land ſofort geraten würde, würde auch für England jeder Boden
in Oftaſien für immer verloren gehen. Es würde auch bald
Sor=
gen um ſeinen indiſchen Beſitz bekommen, denn der Uebergang
der indiſchen Poliziſten in Hankau zu den Kantoneſen war ſchon
das erſte Anzeichen. Auch ſelbſt für den Fall, daß die Mächte mit
England gemeinſam vorgehen, würde nicht China allein in
Ge=
fahr geraten, ſondern vielmehr die ganze Welt; denn dann würde
China zwangsweiſe in die Hände der Bolſchewiſten fallen. Die
Klugheit der engliſchen Staatsmänner wird ſicherlich nicht
ver=
ſagen. Sie werden dieſen gefahrvollen Weg zu umgehen wiſſen.
Was die chineſiſchen Bürgerkriege ſelbſt anbetrifft, ſo kann
auch ein Chineſe nicht mit Sicherheitheit die Ereigniſſe
voraus=
ſagen. Jetzt ſtehen ſich auf dem Schlachtfeld nur noch Tſchang=
Tſo=lin und Kanton gegenüber, während die anderen Machthaber
allmählich von der Oberfläche verſchwirden. Tſchang=Tſo=lin iſt
ein ſehr befähigter Mann, ungefähr vom Typ des Riza Khans
von Perſien. Aber auch Tſchang gehört wie Wu=pei=fu der
ver=
gangenen Generation an. Er kann ſeine Stellung in Nordching
ſolange behaupten, weil die Nordchineſen im allgemeinen
konſer=
vativer ſind als die Südchineſen. Es wäre ſehr zu begrüßen,
wenn Tſchang=Tſo=lin ſich mit Kanton einigen könnte, um die
Reformarbeit auf friedlichem Wege durchzuführen. Sollte es doch
durch Kämpfe entſchieden werden, was viel wahrſcheinlicher iſt.
ſo bedeutet das für die Chineſen nur ein zwangsläufiges
Ueber=
gangsſtadium, das die chineſiſche Geſchichte durchmachen muß
Selbſtverſtändlich würde das dann dem chineſiſchen Volk noch
mehr Opfer koſten; denn dieſe Kämpfe würden die letzten
inne=
ren Kämpfe darſtellen, ſie würden alle bisherigen Bürgerkriege
an Härte und Verluſten übertreffen. Es wäre der
Entſchei=
dungskampf.
Erſt nach dieſem Kampf iſt eine Konſolidierung in China
möglich. Dann geht China aber auch bewußt in ſeine neue
Periode hinein, die Periode des Wiederaufbaus. Das wird auch
für den Weltfrieden einen großen Schritt bedeuten. China macht
ein Viertel der ganzen Bevölkerung der Erde aus. Ohne ein
geordnetes China iſt der Weltfrieden nicht möglich. Die
Entſchei=
dung in den chineſiſchen Kämpfen werden wir wahrſcheinlich noch
in dieſem Jahre erleben. Wer die Oberhand gewinnt, hängt von
zwei Faktoren ab, nämlich: ob der linke Flügel der Kuomin=
Partei die Macht an ſich reißt und die Partei damit ihr
Ver=
trauen im Volk verliert, und ob die Kantonregierung ihre
Außen=
politik noch weiter mit Erfolg durchſetzt. Liegt das
Regierungs=
geſchäft weiter in den Händen der Gemäßigten der Kuomintang
und erzielt der Außenminiſter Tſchen noch weitere Erfolge, ſo
wird ganz China bald ſich nach Kanton richten, wenn Kanton
nilitäriſch auch Tſchang=Tſo=lin unterliegen und ſich weiter
zurückziehen ſollte. Denn letzten Endes entſcheidet der Sieg nur
die Volkspſyche, und der geiſtige Sieg iſt der wirkliche und letzte.
Der Geiſt des heutigen Kanton bleibt beſtehen. Außenpolitiſch,
was für die Befreiung des Vaterlandes anlangt, kommt es nicht
nehr auf den Sieg an. Das ganze chineſiſche Volk iſt darin ſchon
einig, ob Nord oder Süd, ob konſervativ oder kommuniſtiſch!
Sie kennen nur ein gemeinſames Ziel: das ſouveräne,
unantaſt=
bare China! Jeder Bürger iſt fanatiſch begeiſtert von
nationa=
liſtiſchen Ideen, und beſonders die Jugend. Bismarck ſagte: Ein
Volk, deſſen Jugend ſich ſo begeiſtern kann, braucht keine Bange
zu haben um ſeine Zukunft!
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Federn mit Daunenz Pſd. ℳ 5.00,5.50, 6.00
6,50,7.00 und 7.50. Garantte für weiße, Hlare
und ſtaubfreie Ware.
Verſand gegen Nachnahme.
Otto Manteuffel
Neu=Trebbin
(T.82
(Oderbruch)
Nummer 23
Sonntag, den 23. Januar 1927
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſiadt, 23. Januar.
— Ernannt wurden: am 13. Januar 1927 der Notar Otto
Sturm=
fsls, mit dem Amtsſitz in Reinheim, zum Notar mit dem Amtsſitz in
Drarmſtadt als Nachfolger des verſtorbenen Notars Eduard Staedel; am
15. Januar 1927: der Oberförſter Hermann Diefenbach zu
Beer=
fülden zum Forſtmeiſter des Forſtamts Kirtorf, der Oberförſter Rudolf
8 lump zu Waldmichelbach i. Odw. zum Forſtmeiſter des Forſtamts
Waldmichelbach, der Oberförſter Jörg Schlotterer zu Lauterbach
zum Forſtmeiſter des Forſtamts Grebenhain, der Oberförſter Hugo
e ußner zu Bad=Salzhauſen zum Forſtmeiſter; die Forſtaſſeſſoren
Kaarl Deuſter zu Schotten, Ludwig Grünewald aus
Waldmichel=
buch, Dr. Guſtav Zimmer aus Darmſtadt zu Oberförſtern; und der
7worſtaſſeſſor Dr. Hermann Künanz aus Hungen zum forſttechniſchen
Beamten bei dem Forſtwirtſchaftsamt mit der Amtsbezeichnung „
Ober=
farſter” — ſämtlich vom 1. Januar 1927 an.
— Aus dem hefſiſchen Staatsdienſt entlaſſen wurde am 15. Januar
brrr ordentliche Profeſſor für ſemitiſche Philologie in der philoſophiſchen
Frakultät der Landesuniverſität in Gießen Dr. Rudolf
Stroth=
ann auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom 1. April 1927 ab.
— In den Ruheſtand verſetzt wurden: am 7. Januar der
Gendar=
nerieoberwachtmeiſter Karl Wenzel in König i. Odw. auf ſein
Nach=
ſpochen mit Wirkung vom 1. Februar 1927, am 10. Januar der
Polizei=
nrachtmeiſter Heinrich Ebenau zu Offenbach a. M. auf ſein
Nach=
ſochen mit Wirkung vom 1. April 1927; am 17. Januar die Lehrerin
ar der Volksſchule zu Bad=Nauheim (Kreis Friedberg) Math. Lorenz
alaf ihr Nachſuchen wegen geſchwächter Geſundheit vom 1. Mai 1927 ab.
— Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
murden übertragen: dem Pfarraſſiſtenten Wilhlm Lohfink zu
Affol=
erbach die evangeliſche Pfarrſtelle zu Hamm (Dekanat Oppenheim), dem
Farraſſiſtenten Friedrich Heinzerling, zu Rüſſelsheim die evgl.
AFarrſtelle zu Selzen (Dekanat Oppenheim), dem Pfarrer Lie. Dr. Franz
ei tumpf zu Eſchenrod die evangeliſche Pfarrſtelle zu Merlau (
Deka=
ntrt Grünberg), dem Pfarrverwalter Karl Schwöbel zu Götzenhain
die evangeliſche Pfarrſtelle zu Rimhorn (Dekanat Reinheim), dem
Pfarr=
vrrwalter Karl Lantelme zu Albig die evangeliſche Pfarrſtelle zu
gartershauſen (Dekanat Lauterbach).
— Hefſiſches Landestheater. Anläßlich der ſich in letzter Zeit
meh=
randen Grippeerkrankungen innerhalb des Perſonals mußte im Laufe
d— letzten Tage eine Reihe von Aushilfsgaſtſpielen ſtattfinden. In der
gütrigen „Figaro”=Aufführung ſang, da Fräulein Albrecht und
Fräu=
lenn Roerig erkrankt ſind, Fräulein Müller=Wiſchin den Cherubin und
Fräulein Hertha Moeller vom Staatstheater in Wiesbaden
aushilfs=
wisiſe das Bärbchen. In der heutigen Zauberflöte=Aufführung wird
aff ſtelle von Fräulein Roerig der zweite Knabe von Fräulein Lena
Böißnicker vom Opernhaus in Frankfurt am Main geſungen. — Die
Liſſte der augenblicklichen Erkrankungen iſt leider ziemlich umfangreich
uurd umfaßt 27 Perſonen, von denen allein 17 Fälle auf das techniſche
Perſonal entfallen, was eine große Erſchwerung der auf der Bühne zu
ſeſſ ſtenden Arbeiten bedeutet.
Als vierte Vorſtellung des Weihnachtszyklus klaſſiſcher Werke kommt
mn Mittwoch, den 26. Januar, Webers „Oberon” im Großen Haus,
zlieichzeitig für die Miete B. zur Aufführung.
Die beiden reizvollen Märchenfilme der Ufa „Reinecke Fuchs”
u. d „Peter Pan”, die nach den anerkennenden Urteilen der Preſſe
n hohem Maße dazu geſchaffen ſind, die Phantaſie der Kinder
anzu=
rycten und auch für die Erwachſenen von Intereſſe ſind, laufen nur
hute in drei Vorführungen: vormittags 11 Uhr und nachmittags 2½
un d 4½ Uhr, im Kleinen Haus.
— Darmſtädter Spielſchar. Wir weiſen nochmals darauf hin, daß
dir erſte öffentliche Aufführung am kommenden Dienstag,
damr 25. Januar, in der Aula der Landesbauſchule (Necka ſpraße 3)
ſtatt=
ſich=det. (Vgl. die heutige Anzeige.) Die Zulaſſung in die Aula kann nur
gngen Vorzeigen ein=s Einlaß=Ausweiſes (Programm) erfolgen. Dieſe
Ainsweiſe werden in unſerer Eeſchäftsſtelle — Muſikhaus Chriſt. Arnold,
Ey nſt=Ludwigſtraße — gegen underbindliche Einzeichnung in eine Liſte
amentgeltlich abgegeben. Da bei dem ſtarken Intereſſe für unſere Spiele
ſeust ſchon annähernd die vorhandenen Plätze vergeben ſind, ſei dringend
di- Sicherung eines Ausweiſes empfohlen, da nicht mehr Karten
aus=
zegeben werden, als Plätze vorhanden ſind. Wer trotzdem zu unſeren
eräten Veranſtaltung keinen Einlaß mehr bekommt, erhält auf Wunſch
zu einem unſerer nächſten Spiele eine Freikarte. Es ſei darauf
hin=
ſewvieſen, daß die Spiele pünktlich um 8 Uhr beginnen. Nach Beginn
deis erſten Spieles wird die Saaltüre geſchloſſen.
— Gewerbemuſeum. Die Archäologin Margarete Gütſchow,
ſchon in den vorigen Jahren hier über die neu ausgegraben—n
Kult=
teſcäude in Rom, ſowie über die neuen Ausgrabungen in Pompei
ge=
prochen hat, wird auf Veranlaſſung des Gewerbemuſeums auch in
die=
ein Winter zwei Lichtbilder=Vorträge veranſtalten. Sie wird dabei die
Aursgrabungen in Oſtia behandeln, der Hafenſtadt Roms,
ſersen Wiederentdeckung eine der erfolgreichſten Unternehmungen
archäo=
viriſcher Bodenarbeit geworden iſt. Wie bei den vorigen Vorträgen
bü tet Fräulein Gütſchow auch diesmal ein Material, das ſelbſt
Fach=
eri ten nur unvollſtändig bekannt iſt, und die Vorträge düürfen daher
wie=
ter ein lebhaftes Intereſſe erwarten. Die Vorträge finden am
Mitt=
vdch, den 2. und 9. Februar, um 6 Uhr, im Gewerbemuſeum ſtatt.
kyrten zu 1 Mk. ſüir jeden Vortrag ſind ſchon jetzt in der Bücherei des
Zu werbemuſeums erhältlich.
— Ausſtellung auf der Künſtler=Kolonie. Die Ausſtellung von
Sücüilerzeichnungen, Entwürfen und Modellen anläßlich der 50=
Jahufeier der Landesbeuſchule im Ausſtellungsgebäude
* der Mathildenhöhe, iſt von Sonntag, den 23. Januar bis
Donners=
g— den 27. Januar, täglich von 10—3 Uhr bei freiem Eintritt
eäffnet. (Sonntags bis 4 Uhr). Die Ausſtellungsräume ſind geheizt.
— Den 6. Vortrag im Realaymnaſium hält am 26. Januar, abends
UIhr, im Feſtſaal der Anſtalt Herr Studienrat Dr. Liſtmann. Er
puricht über: „Griechiſche Malerei” (mit Lichtbildern). Karten zu 1 Mk.
n. Saaleingang
— Löns=Abend. Heute abend 8 Uhr findet im Heim des Chriſtl.
Bareins junger Männer, Alexanderſtraße 22, ein Löns=Abend mit
iner Einführung in Leben und Lieder des leider zu früh verſchiedenen
dichters ſtatt. — Am kommenden Sonntag, den 30. Januar, bietet Herr
S kretär Gedat einen weiteren Vortrag mit Lichtbildern, der über das
Chrema: „Im Zeichen des Dollars” Erlebtes aus der Welt der
mwegrenzten Möglichkeiten, behandelt — Karten zum Preiſe von 25 Pf.
mo im Heim ſchon jetzt zu haben.
— Profeſſor Dr. Söuard Engel, aus Berlin redet hier! Nächten
Nrtttwoch wird er in dem Hochſchuſaale Nr. 330 um 8 Uhr abends die
hi undfragen unſeres Sprachlebens erörtern. Wer
einre Geſchichte der engliſchen oder der franzöſiſchen Literatur kennt,
dar die des deutſchen Schrifttums, Werke, die wie ſeine „Stilkunſt” in
ſie en Auflagen verbreitet ſind, oder eines ſeiner zahlreichen Bücher über
ing elne Geiſteshelden und über ihren Wortſchatz, der weiß, daß Engel
ichrt nur ein erſtaunlich kenntnisreicher Gelehrter iſt, ſondern auch über
elg ene Kunſt verfügt, den ſprödeſten Stoff geſchmeidig zu machen. Da
r außerdem durch witzige Beredſamkeit feſſelt und hinreißt, ſo muß es
Is dankenswerte Gelegenheit wahrgenommen werden, daß er hier zu
ſöpren iſt. Der Eintritt koſtet 50 Pfg., für Studenten und Schäiler
NPPfg. Die Mitgliedskarte des Sprachvereins gewährt freien Zutritt.
Su ehe Anzeige.)
— Orpheum. Heute 2. karnevaliſtiſches Konzert, mit
nſärhließend Tanz. ausgeführt vom Stadtorcheſter. Eintrittspreis (mit
Cafiz) 1,50 Mk. Der Kartenverkauf findet ſtatt: Verkehrsbureau von
2 Uhr, Zeitungskiosk Ernſt=Ludwigplatz von 10 Uhr vormittags bis
Uhr nachmittags, ſowie Kaſſe Orpheum ab 4 Uhr ununterbrochen bis
unn Beginn des Tanzens. zirka 10.30 Uhr. Karten= und Tiſchboſtellungen
mr Nr. 389. (Siehe Anzeige!)
Höhere Landesbauſchule.
Zum 50jährigen Jubiläum der Landesbaugewerkſchule Darmſtadt.
Aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums der Landesbaugewerkſchule,
das heute und morgen gefeiert wird, fand geſtern Vormittag im
Feſt=
ſaal des Künſtlerhauſes auf der Mathildenhöhe ein Feſtakt ſtatt, der
eine ganz ungewöhnliche Beteiligung zu verzeichnen hatte.
An offiziellen Vertretern waren u. a. erſchienen, die Herren Finanz
miniſter Henrich, Miniſter des Innern von Brentano,
Wirt=
ſchaftsminiſter Raab, Miniſterialdirektor Urſtadt,
Landtagspräſi=
dent Adelung, Miniſterialrat Wagner, Profeſſor Meißner
von der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt, Reichsbahnpräſident Lochte,
Bürgermeiſter Buxbaum, ferner der erſte Direktor der Anſtalt
Profeſſor Hermann Müller, die Diektoren und Leiter zahlreicher
auswärtiger Schweſteranſtalten, Vertreter des Bundes Alter Herren,
zahlreiche frühere und jetzige Schüler der Anſtalt uſw.
Direktor Profeſſor Hermann Müller,
der erſte Leiter der Schule.
Der Feſtakt wurde eingeleitet durch einen Geſangsvortrag der
neu=
gegründeten Vereinigung Darmſtädter Soliſtinnen, die unter Leitung
des Herrn Bernd Zeh das große Halleluia von Neefe künſtleriſch
vollendet zum Vortrag brachte. Danach hieß Profeſſor Wienkoop
die Erſchienenen herzlichſt willkommen. Sein beſonderer Gruß galt
den vorgenannten behördlichen Vertretern.
Es folgte eine Reihe von Glüchwünſchen, deren Reigen durch eine
längere Anſprache des Herrn Miniſterialdirektors Urſtadt eingeleitet
wurde. Der Redner führte u. a. aus: Im Auftrag der Negierung und
beſonders des Landesamtes für das Bildungsweſen ſpreche ich der
Landesbaugewerkſchule zur Feier ihres 50jährigen Jubiläums die
herz=
lichſten Glüchwünſche aus. Zugleich erfülle ich dabei die angenehme
Aufgabe der Jubilarin ein kleines Geſchenk zu überbringen. Es iſt ein
Geſchenk nicht von Gold und Goldeswert, es iſt nur ein Blatt Papier,
ich nehme aber an, daß die Schule dieſem Blatt Papier doch einigen
Wert beilegen wird. Es ſteht darin und wird damit ein
ausgeſproche=
ner Wunſch der Schule erfüllt, nämlich der, daß die
Landesbaugewerk=
ſchule vom 22. Januar 1927 ab die Bezeichnung führen ſoll
„Höhere Landesbauſchule.”
(langanhaltender Beifall und Händeklatſchen). Durch dieſe Verleihung
ſoll die Schule ebenſowenig einen anderen Charakter erhalten, als
durch ihre vor zwei Jahren erfolgte Unterſtellung unter das Landesamt
Direktor Profeſſor A. Wienkoop,
der derzeitige Leiter der Schule.
für das Bildungsweſen. Damals wurde die Befürchtung laut, daß die
Fachſchule die Fühlung mit der Praxis verlieren würde. Ich glaube,
heute ſagen zu können, daß dieſe Befürchtung nicht mehr beſteht. Man
weiß, daß die Schule auch unter den neuen Verhältniſſen ihre gute alte
Tradition beibehalten hat und immer beibehalten wird. Tradition
heißt ja nicht ſta res Feſthalten am Ueberlieferten, Tradition heißt
immer das Beſte wollen und aus dem Ueberlieferten immer das Beſte
und für die Gegenwart geeignete herausſchälen, ſo wie die Zeit mit
ihren ewig wandelnden Bedürfniſſen es erfordert. Die Leitung und der
Lehrkörper der „Höheren Landesbauſchule”, wie ſie nunmehr heißt, hat
ſtets in dieſem Sinne mit beſtem Erfolg gearbeitet. So iſt aus der
Gewerbeſchule, deren Aufgabe früher im weſentlichen die Ausbildung
von Meiſtern des Handwerks war, eine Bauſchule geworden, die
Tech=
niker ausbildet für den Staat, für Gemeinden und für private
Unter=
nehmungen. Die Schule wird ſich ſicher auch in dem zweiten halben
Jahrhundert auf der gleichen Baſis weiter entwickeln. Das gilt nicht
nur von der rein techniſchen Methode, ſondern das gilt von Bildung
und Erziehung überhaupt. Auch dieſer Aufgabe hat ſich die Schule
ſtets mit Erfolg gewidmet. Sie dient nicht nur der Beibringung
teih=
niſcher Fähigkeiten, ſie ſtellt ein ſtarkes allgemein bildendes Moment
dar. Bildung iſt ja nicht Wiſſen, ſondern Bildung iſt die Heranziehung
einer charaktervollen Perſönlichkeit. Der Techniker muß, wie Schiller
ſagt, im innerſten Herzen ſpüren, was er erſchafft mit ſeiner Hand. Er
ſchafft aber garnicht allein mit der Hand, er legt in ſeine Arbeit ſein
ganzes inneres Fühlen. Wer ſo zu ſchaffen verſteht, iſt eine Perfſönlich
keit. Nur ſo iſt es möglich geweſen, den Technikern, die ſich auf ihrer
Schule beſonders ausgezeichnet haben, das Studium an der Hochſchule
zu ermöglichen. Von dieſem Geſichtspunkt aus kann vielleicht der
Lehr=
blan der „Höheren Landesbauſchule”, noch erweitert werden. Das
Landesbildungsamt wird ihr hierin keine Aenderung aufdrängen, aber
es wird ſich etwelchen Wünſchen in dieſer Richtung nicht verſchließen.
Aufbau und Pflege muß die Loſung ſein, dann wird die Schule auch
in Zukunft mit gleichem Erfolg ihre Aufgaben erfüllen, und in den
hoffentlich bald aufgeſtellten einheitlichen Richtlinien für das
Bauſchul=
weſen des ganzen Reiches einen ehrenvollen Platz einnehmen. (Lebhafter
Beifall.)
Direktor Wienkoop ſprach dem Redner den herzlichſten Dank
der Schule und aller Anweſenden aus und legte das Gelübde ab, daß
die „Höhere Landesbauſchule” bemüht ſein wird, ſtets im Sinne der
Ausführungen des Herrn Regierungsvertreters zu arbeiten.
Es folgte eine Reihe von
Glückwunſchanſprachen.
Als erſter Redner ſprach der Vorſitzende des Bundes Alter Herren
und der Vorſitzende des deutſchen Bauſchulbundes, Herr
Oberbauinſpek=
tor Koch, der gleichzeitig auch im Namen des Feſtausſchuſſes beſonders
den erſten Leiter der Schule, Herrn Profeſſor Hermann Müller unter
dem jubelnden Beifall aller Anweſenden herzlich begrüßte und ein
drei=
faches Hoch auf den beliebten Lehrer ausbrachte, der vor kurzem ſeinen
85. Geburtstag feiern konnte. Der Redner begrüßte weiter den
Ver=
treter des württembergiſchen Baumeiſterbundes, Studienrat Ackermann,
die Herren Baumeiſter Vatter und Dietz, Baumeiſter Friſchmuth als
Vertreter des badiſchen Baumeiſterbundes. Er richtete ſodann Worte
des Dankes an Herrn Profeſſor Wienkoop für die freundliche
Be=
grüßung und ſprach im Namen aller ehemaligen Schüler die herzlichſten
Glückwünſche zum 50jährigen Jubiläum aus. Sein Dank galt vor
allem Herrn Profeſſor Wienkoop, unter deſſen Leitung die Schule
ſtets mit dem Fortſchreiten der Technik Schritt gehalten hat. Er hat
ſtets Tür und Fenſter offen gehalten und dafür geſorgt, daß ſtets ein
friſcher Zug die Erziehungsarbeit der Schule belebte. Sein Dank galt
dann dem Miniſterium für die durch die Umbenennung erfolgte Hebung
der Schule. Der Alte Herrenbund wie auch die Schüler konnten ſich
ein beſſeres und wertvolleres Geſchenk nicht wünſchen. Mit dem
Aus=
druck der Hoffnung, daß die heſſiſche Regierung ſich bald den
Nicht=
linien des deutſchen Bauſchulbundes anſchließen möge, ſchloß der
Nedner.
Herr Bürgermeiſter Buxbaum ſprach im Namen der
Stadtver=
waltung der Stadtverordnetenverſammlung und aller techniſchen
Aemter die herzlichſten Glückwünſche aus und verband damit den
Wunſch, daß das Feſt einen ſo ſchönen Verlauf nehmen möge, daß es
allen Teilnehmern unvergeßlich werde und ſie ſich ſtets gern der in
Darmſtadt verlebten Tage erinnern möchten. Was er perſönlich der
Schule zu ſagen habe, ſei bereits durch den Aufſatz im „Darmſtädter
Tagblatt” geſchehen, ſo daß er ſich darauf beſchränken könne, auch im
Namen der Stadt der Schule den Dank auszuſprechen für die wertvolle
Kulturarbeit, die ſie in den 50 Jahren ihres Beſtehens geleiſtet hat und
auf den großen Dienſt, den die Schule damit der Technik und der
All=
gemeinheit leiſtete. Mit herzlichem Glückauf für die nächſten 50 Jahre
ſchloß der Nedner.
Weitere Glückwünſche ſprachen aus die Herren Direktor Tölg von
der Baugewerkſchule Bingen, Direktor Krüger von der ſtaatlichen
Bau=
ſchule Fankfurt a. M., Baumeiſter Vetter, Stuttgart, für den
württem=
bergiſchen Baumeiſterbund und ſeiner zahlreichen Facharuppen, Herr
Heß, Friedberg, im Namen der Handwerkskammer und zugleich im
Namen der Induſtrie= und Handelskammer, ſowie der Induſtriellen=
Veu=
einigung.
Profeſſor Wienkoop ſprach allen Rednern den herzlichſten Dank
der Schule aus und hielt dann folgende
Feſtanſprache.
Hohe, ſehr geehrte Feſtverſammlung!
Geſtatten Sie mir in gebotener Kürze über die Bedeutung, über
Zweck und Ziel unſerer Schule Ihnen einige Gedanken vorzutragen.
Sie werden es vielleicht verſtehen, wenn ich davon abſehe, über die
Geſchichte gewordene Vergangenheit zu ſprechen; ich darf wohl auf die
in Ihren Händen befindliche Feſtſchrift verweiſen, die Ihnen über das
Weſentliche Aufſchluß geben kann.
Auf eines möchte ich hinweiſen. — Wir ſtehen heute in der
Bau=
kunſt im Fluſſe einer Bewegung, welche in ihrer Erſcheinung und
Ziel=
forderung eine ſeltſame Aehnlichkeit aufweiſt wie jene Zeit vor 25
Jahren, als Darmſtadt der Ausgangspunkt des bekannten „Dokuments
deutſcher Kunſt” wurde!
Damals erlebten wir eine vollkommene Neuorientierung in der
Bau=
kunſt und Kunſtgewerbe. Heute ertönt abermals der Ruf: Ablehnung
jeder geſetzmäßigen Bindung mit der Vergangenheit, ſowohli nach der
technich=konſtruktiven als auch der äſthetiſchen Seite.
Und indem wir — die Schule — zu dieſen Fragen Stellung nehmen,
beziehen wir das Vorhandenſein eines ernſten Kulturproblems, an deſſetz
Löſung wir nicht teilnahmslos vorüübergehen wollen.
Soweit es ſich um Schlagworte handelt, wird die Zeit früher odeß
ſpäter ſelbſt die Ordnung ſchaffen; was heißt „neue Sachlichkeit‟? —
ein Begriff größter Subjektivität, über den eine Einigung nicht
denk=
bar iſt.
Aber wir fragen in allem Ernſte: welches iſt der Sinn und die
Urſache zu einer neuen Ordnung?
Um die Jahrhundertwende galt der Kampf einer vollkommen
ent=
arteten Baukunſt. An dieſem Kampfe haben wir lebhaft teilgenommen,
und indem wir als Lehrer wieder Lernende wurden, erkannten wir die
hohen Werte alten deutſchen Kulturbeſitzes. Unſer Auge öffnete ſich den
Erkenntniſſen des hohen Wertes, den die alten Meiſter ſchufen und uns
hinterließen, und wir hoben dieſe Schätze und geſtalteten ſie zu neuem
Leben. — So erfaßten wir den Sinn der Arbeit der Vergangenheit;
wir erkannten das Geſetzmäßige, welches als urſächliches Prinzip
bewußt und unbewußt aus dem Material die Form ſchuf, und wir
lern=
ten und lehrten jene Welt mit den Forderungen unſerer Zeit in einem
harmoniſchen Einklang zu bringen.
Und das war der Geiſt unſerer Schule, das Prinzip unſeres
Unter=
richts: im ſtarken Gegenſatz zu allem Akademismus vergangener Zeiten
haben wir uns in den verfloſſenen Jahrzehnten ſeit der
Jahrhundert=
wende eine Tradition geſchaffen, die mit der Vergangenheit in den
Er=
kenntniſſen unveränderlicher Geſetzmäßigkeit verbunden
iſt. — Sie haben, meine hochverehrten Herren, heute Gelegenheit, in
unſerer Ausſtellung den Ausfluß dieſes Lehrprinzips zu ſehen, und wenn
Sie Ihr Auge heften wollen an die Wände dieſes Saales, da ſehen Sie,
wenn auch nur einen kleinen Teil von dem was uns die Heimat gegeben
hat: Werke namenloſer Meiſter — deutſcher Baumeiſter — umſponnen
von dem Geheimnis einer großen Kulturgemeinſchaft.
In dieſer Art der Unterrichtsgeſtaltung fühlten wir uns als Teil
eines großen Ganzen; im Weſentlichen haben dieſen Wandel alle
Schulen erlebt, und bald zeigte ſich in Schule und Praxis die
Ver=
ſchmelzung zu einem einheitlichen Ausdruckswillen.
So erfuhr die deutſche Baugewerkſchule die Abwandlung zur
Bau=
ſchule — und ſie bildet die große Zahl derjenigen Kräfte aus, welche,
berufen ſind in Stadt und Land, die Aufgaben des nie raſtenden Lebens
auf dem Gebiete der ländlichen und bürgerlichen Baukunſt zu löſen,
und im Geiſte des ſchlichten deutſchen Baumeiſters der Vergangenheit,
der lebendigen Gegenwart den Stempel ihrer Perſönlichkeit aufzudrücken,
Betrachten wir die Auswirkungen der Reformbeſtrebungen der
Schule und der Praxis ſeit der Jahrhundertwende, ſo iſt drutlich ein
A6
Mta=Mrumg
Nr Dii
dann sind Tin zufriaden.
(1653
senau so ist es mit Pullouers und Kleider.
Strumpfhaus Elite, Wilhelminenstraße 11.
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Sonntag, den 23. Januar 192Z
Nummer 23
Einheitswille zu erkennen; er iſt ſichtbar in den weiten Gebieten
Deutſchlands in Nord und Süd — in allen Ländern innerhalb der
großen Vielgeſtaltigkeit der Aufgaben.
Es irde die Bedeutung der ganzen Bewegung herabſetzen, wollte
man ſie etwa zuſammendrängen auf die enge Formel „Heimiſche
Bauweiſe”; und es ſoll hier gleich geſagt werden, daß die in der
Bildung begriffene Baugeſinnung imſtande iſt, alle Aufgaben zu
löſen, welche das praktiſche Leben von heute ſtellt — und mit dieſem
Satz: ſtehen wir im ſchroffen Gegenſatz zu einem Kreis von Fachgenoſſen.
welche eine radikale Umgeſtaltung der deutſchen Baukunſt
herbei=
führen wollen. Die im Fluſſe ſich befindende Bewegung verdient größte
Beachtung — es wäre falſch, ſie zu ignorieren — man muß ſich mit ihr
auseinanderſetzen.
Obf k.iv betrachtet wirkt die Tatſache als ein Beweis des
Vor=
handenſeins ungebrochener ſchöpferiſcher Kräfte im deutſchen Volk; und
es kann uns ein Maßſtab ſein dafür, daß wir vorwärts= —
auf=
wärtsſchreiten; daß wir als Kulturvolk Geltung behalten werden.
Aber dennoch — eine Gefahr iſt da —; es iſt merkwürdig, daß ſie
nicht nach Gebühr erkennt und gewündigt wird.
Ich kann hier und will auch nicht das ganze Problem aufrollen; —
nur das Wichtigſte, ſoweit die Schule in Frage kommt, ſoll geſagt werden.
Das beſondere Kennzeichen der neuen Baukunſt iſt der vollſtändige
Bruch mit aller Ueb rlieferung ſowohl nach der formal =äſthetiſchen
(Seite), nach der techniſch=konſtruktiven (Seite) — und ebenſo nach der
innergeſetzmäßigen Seite. Die neue Richtung lehnt die üüberlieferte
handwerkliche Grundlage der Baukunſt ab; ſie will den ganzen
Hausbau zu einem mechaniſierten Arbeitsprozeß geſtalten,
und will die in Jahrhunderten gewordene Struktur unſerer Baukultur
zrſtören. Nicht gegen bisher geübte Handwerksmethoden geht es, das
Handwerk ſelbſt hört auf zu ſein; — Maurer, Zimmerer, Schreiner,
Glaſer, Dachdecker, alles wird erſetzt werden durch einen
Fabrikations=
betrieb, welcher mit der alten Bauweiſe nichts mehr gemein hat.
In dieſem Betrieb wird der gelernte Techniker, der künſtleriſch und
teckniſch gebildete Anchitekt nicht mehr gebraucht; die Hänſerpläne liegen
in Typen feſt; die Einzelheiten in Normen der Groß=Induſtrie.
Mit den neuen Baumethoden hat ſich auch das äußere, ſichtbare Bild
gewandelt. Die mechaniſierte Welt wendet ſich gegen den metaphyſiſchen
Urgrund aller ſchöpferiſchen Gebilde, jede Forderung nach einem höheren
Sphären entſtrömenden, Rhythmus findet bewußte Ablehnung. Indem
die Schule die Gefahr erkennt, fucht ſie dieſelbe zu neutraliſieren; ſie
ſcheidet das epiſodiſch Wertloſe von dem wertvoll Guten — und
ver=
ſchließt ſich nicht der Tatſache, daß in der Bewegung reizvolle
Möglich=
keiten erſchloſſen werden können. Dabei bleibt Vorausſetzung, daß die
Bearbeitung des heimiſchen Materials dem deutſchen Handwerk belaſſen
wird — die ausſchließliche Beſchränkung auf Eiſen und Beton wird zu
unerträglicher Einſeitigkeit.
Wir überſehen nicht, daß wir noch immer im Zeichen der
Wohnungs=
not ſtehen; die Schwierigkeit der Baukredite ſchuf den Zuſtand, daß die
großen ſtädtiſchen Kommunen Bauheran und Baumeiſter zugleich
wurden. — Unſere Nachbarſtodt Frankfurt ſtampft Wohnhäuſer in
viel=
hundert=Serien aus dem Boden; — ſo entſtehen neue Methoden,
man ſucht nach Verbilligung — Rationaliſierung.
Tüchtige Organiſatoren bringen uns amerikaniſche Prinzipien —
4—6 Wochen Bauzeit für ein Haus — 30—40 Prozent Verbilligung —
vorerſt noch Verſprechungen!
Wohnungselend wird ein Ende finden, — der private Unternehmer
wird wieder erſcheinen, normale Zeiten treten ein — die radikale
Be=
wegung wird lokaliſiert bleiben; ſie iſt ja im weſentlichen Großſtadt=
Erſcheinung!
Das Gute der Bewegung werden wir feſthalten — es ſoll in den
lebendigen Blutſtrom unſeres Wirtſchaftskörpers aufgenommen werden,
die alten elvig geltenden Geſetze der deutſchen Baukunſt ſollen von uns
lebendig erhalten werden, als formgeſtaltende Prinzipien der
Schöpfun=
gen der Gegenwart und der kommenden Zeiten! So ſtehen wir im
Fluſſe der Gegenwart, wir ſ hen und erkennen die Probleme und
Auf=
gaben unſerer Zeit, und ſühlen uns als Träger der Mitverantwortung
zur Erhaltung und Fortentwicklung der deutſchen Baukultur.
Aus dieſer Kenntnis heraus ſehen wir das Geſetzwäßige, welches
unſerer Arbeit Ziel und Richtung vorſchreibt. Der Sinn unſerer
Auf=
gaben iſt klar und unzweideutig; er iſt begründet in Urſachen
und Wirkungen, in Tatſachen und Wirklichkeiten.
So fühlen wir uns als eine Einheit mit unſeren Schweſterſchulen
in Heſſen, und beſonders mit allen übrigen Schulen des Reiches.
Das Gemeinſame der zu löſenden Kulturaufgaben wird uns
zu=
ſammenführen; ſchon haben ſich die Alten=Herren=Verbände der Schulen
zu einem großen einheitlichen Reichsverbande zuſammengeſchloſſen.
Noch iſt eine Fülle von organiſatoriſchen Leiſtungen zu vollbringen.
Es wird geſchafft werden; klar ſteht vor uns Aufgabe und Ziel, und
die Bed=utung der deutſchen Bauſchule als wichtiger Kulturfaktor!
Das verfloſſene Jahrhundert hatte die Aufgabe geſtellt, für die alte
Baugewerkſchule die Ansbildung des Meiſters im Handwerk und
Ge=
werbe, des Gehilfen in den ſtaatlichen und ſtädtiſchen Bauämtern.
Unſer Jahrhundert hat nach ungewollten, ungeſuchten Geſetzen der
Entwicklung die Baugewerkſchule zur Bauſchule erhoben,
es ſind ihr höhere Aufgaben zuerteilt worden; die kommende Zeit wird
von der Schule Vieles und Größeres erwarten.
Und ſo iſt unſere Hoffnung, unſer feſter Glaube, daß die
Landes=
baugewerkſchule Darmſtadt als höhere Landesbauſchule über
die Schwelle der Halbjahrhundertwende ſchreiten wird, und ihr Ziel
wird ſein, deutſche Baumeiſter zu erziehen, welche die Gegenwart freudig
bejahend als gereifte Perſönlichkeiten kämpfen und ringen für
Deutſches Weſen
Deutſche Art und
Deutſche Kultur!
Damit ſchloß die Feier, an die ſich ein Rundgang durch die äußerſt
umfangreiche und hochintereſſante Ausſtellung von Schülerarbeiten des
letzten Jahres anſchloß. Die Ausſtellung, auf die wir noch
zurückkom=
men, gibt ein beredtes Zeugnis von der intenſiven Arbeit und von den
Leiſtungen der Schule, auf die der Lehrkörper, ebenſo wie die Schüler
berechtigt ſtolz ſein dürfen.
M. St.
* Das Grabmal Theoderichs, Freitag abend hielt Regierungsbaural
Bode=Kaſſel auf Veranlaſſung des Mittelrheiniſchen Architekten= und
Ingenieurverein3 in einem Hörſaal der Techniſchen Hochſchule einen
Lichtbildervortrag über „Das Grabmal Theoderichs, ſeine Herkunft und
insbeſondere ſeine innere Einrichtung” Miniſterialrat Wagner be
grlißte die Anweſenden und dankte für das zahlreiche Erſcheinen. De
Nedner knüpfte mit ſeinen Bewrachtungen über das Grabmal Theoderichs
an die Feſtſtellungen von Fries an, der den Nachweis geführt hat, da
einzelne Bauteile der Markuskirche in Venedig aus Ravenna, vom
Grabmal Theoderichs, ſtammen. Der Vortragende führte dann etwe
aus: Nach der Schlacht am Veſuv im Jahre 552 ſind die Reſte der Oſt
goten in dem Gebiet um Venedig angeſiedelt worden; Navenna und
Umgebung mußten, ſie räumen. Sie haben aber nach Venedig wertvolle
Bauteile des Grabmal3 mitgenommen, namentlich aus dem Inneren des
Gebäudes. In Ravenna ſaßen nacheinander Oſtrömer, Langobarden
und Franken; im Jahre 1000 weilte Kaiſer Otto III. in der Stadt. Die
Italiener zeigten bis in die Gegenwart hinein kein Intereſſe für das
Grabmalz erſt jetzt haben ſie den Erdboden in ſeiner Umgebung wieder
bis zur urſprünglichen Höhe abgetragen und die „Rotonda” zum Mit
telpunkte eines Heldenfriedhofs gemacht. Der Redner zeigte im
Licht=
bild eine Rekonſtruktion des Grabmals von Albrecht Haupt und eine
Aufnahme aus der Gegenwart; an ihnen fällt auf, daß die Treppen
fehlen, die auf den üblichen Abbildungen zu ſehen ſind. Sie waren erſ
im 17. Jahrhundert angelegt. Nachdrücklich lehnte der Redner die
Behauptung ab, daß für das Bauwerk orientaliſche Vorbilder maßgebend
waren, und zeigte, unter Zuhilfenahme von Lichtbildern, auf denen
al=
germaniſche Hausurnen und Hritten in Flechtwerk aus den Zeiten der
Markomannenkriege (Marc Aurel) dargeſtellt waren, daß die
Kuppel=
form des Grabmals germaniſchen Urſprungs iſt. Die Kuppel beſteht
auls einem gewaltigen Block iſtriſchen Kalkſteins, hat 9.20 Meter lichte
Weite und einen Inhalt von 266 Kubikmeter. Wie die Veſchiffung
über das Meer und der Transport möglich waren, iſt ein Rätſel,
wahr=
ſcheinlich haben ſie Goten vorgenommen. Zum Zeugnis, wie vielſeikig
gebildet Theoderich war und wie eingehend er ſich auch mit techniſchen
Problemen beſchäftigte, verlas der Redner ſehr int reſſante Stellen aus
Caſſiodor und Boethius; aus einer ging u. a. hervor, daß er ſchon eine
Art Dampf= oder Heißluftmaſchine kannte. Die Kuppelkonſtruktion des
Grabmals hat, nach dem Vortragenden, ihr Vorbild in einer
Holzkon=
ſtruktion, wie ſie in Gotland (Schweden) üblich war; das Freilicht=
Muſeum in Oſtargötland zeigt einen ſolchen Bau. Wie Jordanes
be=
zugt, ſtammen die Goten aus Skandinavien. Eine Reihe von
Zier=
formen wurde von d m Redner auf die altgermaniſche Flechtwerktechnik
zurückgeführt. Bei Beſprechung der Innenausſtattung des Grobmals
wurde die Krypta des Markusdomes in Venedig zum Vergleich
heran=
gezogen, der Verbleib von Sarkophag und Stuhl aufgedeckt und der
Nachweis geführt, daß der Stuhl ein nordiſches Vorbild hat und un
ſprünglich aus einem Einbaum verfertigt iſt. Der germaniſche (
ariani=
ſche) Chriſtustyp wurde in Rav nna geſchaffen. Der R dner ſchloß ſeine
außerordentlich feſſelnden Ausſüihrungen mit einem Hinweis auf die
Wiſſenſchaft des Spatens”, die Ausgrabungen, die noch manch= Nätſel
löſen würden. — Miniſterialrat Wagner hob in ſeinen Dankesworten
an den Redner hervor, daß der Vortrag ſehr viel Neues gebracht hat.
* Menſch und Technik.
Im Auftrage des Bundes der techniſchen
Angeſtell=
ten und Beamten, Ortsgruppe Darmſtadt, hielt am Freitag
abend Ingenieur Gramm=Berlin im Hörſaal 326 der Techniſchen
Hochſchule einen Lichtbildervortrag über das aktuelle Thema:
„Menſch und Technik”. Fortbildung und Organiſierung des
Technikers, vor allem des Hoſpitanten, ſo führte Herr Gisberts in
ſeiner Begrüßung aus, liege dem Bunde der techniſchen Angeſtellten
und Beamten als ſeine Lebensaufgabe am Herzen, und ſo ſei auch dieſer
Vortrag gedacht als ein Mittel zur Erkenntnis der Stellung des
Men=
ſchen in der Technik, die „erſt dann ihren Zweck erfülle, wenn ſie ſich als
Ordnerin im Völkerleben auswike, dem Menſchen ein
natur=
gemäßes Leben ermögliche”, freimache von Scheinwerten und
Ueberzivi=
liſation.
In ſeiner Einleitung ſprach hierauf auch der Redner des Abends
zunächſſt von der Menſchheitsgeſchichte als einer Geſchichte
der Kultur, die wenn wir unter Kultur verſt hen: „Glück des
Menſchen” und das Streben nach dem Ideellen als den
jeweili=
gen Zuſtand aller Lebensbezi hungen zucinander begrüßen, ohne eine
immer neue Werte ſchaffende Macht, eben die Technik,
undenk=
bar iſt. Denn dadurch, daß es dem Menſchen gelang, die „
unberechen=
baren Naturkräfte” in ſeinen Dienſt zu zwingen, ihm untertan zu ſein,
wurde Tochnik die treibende Kraft in der Kultur ſchlechthin. Zu
Er=
langung und Verteilung der jeweiligen Kulturgüter braucht aber der
Menſch, der Staat auch eine Wirtſchaft, und ſo ſind Wirtſchaft,
Kultur und Techmik die drei ſich gegenſeitig ergänzenden Grundbegriffe,
die den Menſchen als denkendes Weſen abheben von der Natur, ihm
darin eine beherrſchende Rolle zugewieſen haben. Die Technik nun,
man könnte auch ſagen, die Fähigkeit, die Kunſt, Werkzeuge und
Einrichtungen aller Art, angefangen vom Pfluge (der primitivſte Anfang
der Wirtſchaft!) bis zum modernſten Verkehrsmittel herzuſtellen zwecks
einer immer harmoniſcheren Geſtaltung einer neuen
Geſellſchaftsord=
nung, verdient, wie Herr Gramm betonte, um ſo größere Beachtung
und iſt einer griindlichen Kenntnis um ſo eher wert, als ſie als der
einzig ſichtbare Fortſchritt in der Menſchheitsgeſchichte anzuſehen iſt.
Man hätte nun, ausgehend von der anfänglich noch in ihrer
Grund=
tendenz rein erhaltenen Zweckbeſtimmung der Technik als Befreierin
von ſozialen Nöten, erwarten können, daß mit einem ſteten Fortſchritt
auch ein ſteter Segen, eine immer größere Lebens= Arbeits= und
Be=
aufsfreudigkeit, kurz eine ideale Menſchheitsperiode,
ange=
brochen wäre. Dieſe erwartete Fruchtbarkeit iſt ausgeblieben; wir
haben wohl äußerlich einen ungeahnten, glänzenden wirtſchaftlichen und
kulturellen Aufſchwung genommen, aber der Menſch, eben derſelbe
Menſch, der im grauen Altertum, der im Mittelalter und bis noch vor
kurzem als der handwerklich Schaffende hoch geehrt war, iſt im
Zit=
alter einer nur noch auf den Eigennutz eingeſtellten Wirtſchaftsform
Mtutltif
Mdttutiu
Ait
n
Heute
11 Uhr 2½/. Uhr 4½= Uhr
Zwei Märchenfilme:
„Reineke Fuchs‟
„Peter Pan‟
im Kleinen Haus des Hess. Landestheaters
Preise: 070 und 1.00 — Kinder 035 und 0.502S
Mütutltututufttutututtutäfntuftuftuntltutututuftfutftftuftutututtuntfl E
entperſönlicht worden. Er iſt nicht mehr ſchöpferiſch, wird nicht
plan=
mäßig und ſyſtematiſch zur harmonievollen
Zuſammen=
arbeit erfaßt ſondern iſt herabgeſunk n zum ausführenden Organ.
Viele techniſche Erfindungen kommen nicht mehr zur Ausführung, weil
ſie „unrentabel” ſind. Die verderbliche Ueberſchätzung des Wortes und
des Wiſſens hat ſo hochſtehende Kulturvölker wie Griechen und Römer
um die Blüte ihrer Macht gebracht, hat die moraliſchen und
ethi=
ſchen Werte, die im techniſchen und handwerkſchaftlichen Schaffen
ruhen, zerſtört und den zuvor heprſchenden „Techniker” (ſprich; den
eigentverklich Tätigen) zum Sklaven einiger Weniger gemacht. Und
heute? Wie urteilt z. B. ein hervorragender Kenner des
Wirtſchafts=
lebens? Ueberſättigung der Wirtſchaft mit Theoretikern, mechaniſierte
Geiſteswiſſenſchaft, „Bureaukratismus, Mangel an geiſtigem
Gemein=
ſchaftsgeſühl, Ertötung jeglichen kaufmänniſchen Geiſtes, Verhüllung der
Wahrheit uſw. Ein anarchiſtiſcher Zuſtand, indem Menſchen, die mit
Technik gar nichts zu tun haben, das Verdienſt für ſich in Anſpruch
nehmen, als ſei es ihr eigenes
Dieſem Mißbrauch der Technik zu rein egoiſtiſchen Zwecken ſtellte
der Vortragende am Schluſſe ſeiner Ausführungen entgegen eine jetzt
mehr und mehr ſich durchſetzende Abgeklärtheit in Form und
Ausdruck, Zweckmäßigkeit und Ordnung, und ließe dieſe neue
Entwickelung im Geiſte gipfeln in einer genialen Periode der Technik,
die den Menſchen zur Gemeinſchaft zwingt. Anzeichen deuten darauf
hin, daß der neuen Entwicklung der Technik auch wieder eine neue
Kultur folgen muß, ſo wie es früher in der Geſchichte immer
ge=
weſen iſt. Aus der Technik iſt die Pſychotechnik herausgeboren,
eine Wiſſenſchaft, die ſich mit der Seele des arbeitenden Menſchen
be=
ſchäftigt. Die pſychotechniſchen und arbeitspſychologiſchen Erkenntniſſe
unſerer Zeit haben zum Ziele, die früheren Werte, die in der
Menſchen=
arbeit ruhten, Achtung vor der Arbeit, Freiheit des
Schaffens Gemeinſchaftsgeiſt bei der Arbeit,
Ar=
beitsfreude, wieder zu gewinnen. In Vorbindung mit der
Ten=
denz der Technik, überall Ordnung und ſyſtematiſche, friedvolle
Zuſammenarbeit der Menſchen und Völker
herbeizu=
führen, ſteht eine Entwicklung, die deutlich auf eine Kultur hinweiſt, die
alle bisherigen Kulturen in den Schatten ſtellen wind. „Handwerkliches
Schaffen iſt immer noch ein Mittel geweſen, um die entarteten Menſchen
und Völker auf den rechten Weg zu bringen."
Die Lichtbilder zeigten eindrucksvoll die verſchiedenen „
Etap=
pen” der Menſchheitsgeſchichte vom Neandertaler= und Renntiermenſch,
der mit hümmerlichen Steinwerkzeugen den „Kampf ums Daſein” führte,
über den ſchon verfeinerten Menſchen der Bronzezeit, mit künſtleriſcher
Begabung, bis zum „Ueber”=Menſchen von heute, der ſeinen Acker mit
zehn aneinander gereihten Pflügen (ſtatt eines armſeligen
Hand=
pfluges!) umreißt, der die Luft bezwungen, Ozeane überquert, die
menſchliche Stimme auf Tauſende von Kilometern hin überträgt und
der, ein Zwerg nur, Titan ſein möchte; er baut von der Erde bis in
den Himmel . .
*x
Der Vortrag fand beifällige Aufnahme.
Gute Möbel, schön und billig
zu günstigen Zahlungsbedingungen
Eßzimmer, Eiche und Edelholz, zu Mk. 580.-, 650.-,
700.-, 850.-, 900.-, 1100.-, 1250.- und andere Preislagen
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— Beſichtigung Goebel. Die Beſichtigung des Gewerkſchaftsbundes
der Angeſtellten am Sonntag, 23. Januar, kann wegen Krankheit nicht
ſtattfinden. Wann die B ſichtigung ſtattfindet, wird noch bekanntgegeben
Stadtmuſeum, Schloßgraben 9. Beſuchszeiten: Samstags
2—4 Uhr, Sonntags 11—1 Uhr und 2—4 Uhr. Der Eintritt iſt frei
Die Näume ſind geheizt. Die heutige Führung muß ausfallen.
— Ludwigshöhe. Das heutige Konzert des Städtiſchen Orcheſters
bringt wieder eine Reihe von Darbietungen beſonderer Art, ſo u. a. das
Schubertſche „Ave Maria” in der prächtigen Bearbeitung von Fr. Lux,
ferner die Fantaſie „Hüons Zauberhorn” aus „Oberon” von C. M. vor
Weber=Noſenkranz, Szenen aus „Manon Lescaut” von Puccini und
kleinere Stücke heiteren Charakters. Die Leitung hat Herr Hauske.
Zehnerkarten ſind gültig. (Siehe Anzeige.)
— Die Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger‟ Darmſtadt
be=
ginnt am Dienstag, den 25., und Freitag, 28. Januar, neue Kurſe
in Einheitskurzſchrift unter der Leitung ſtaatliche geprüfter Lehrer in
ihren Unterrich sräumen: Handw rkerſchule (Ecke Karl= und Nieder=
Namſtädter Straße, worauf wir beſonders aufmerkſam machen. (Siehe
heutige Anzeige.)
— Die Chriſtengemeinſchaft hat eine beſondere
Veranſtal=
rung heute Sonntag, den 23. Januar, nachmittags 4 Uhr, Herdweg 99,
uno zwar die Leſung und Beſprechung eines neuen Dramas von Albert
Steffen: „Der Chef des Generalſtabs‟. Cäſte freundlich willkommen.
* Provinzialausſchuß.
1. Klage des Bezirksfürſorgeverbandes Darmſtadt=Stadt gegen den
Bezirksfürſorgeverband Dieburg wegen Erſatz von Krank
nhauspflege=
koſten des Hch. Barth von Roßdorf. — Hch. Barth wurde am 5. Mai
1924 wegen Schleimbeutelentzündung in das Darmſtädter Krankenhaus
aufgenommen, wofür 119 Mark Koſten gefordert werden. Der Verband
Dieburg beſtreitet ſeine Erſatzpflicht. Das Urteil entſpricht dem
Klageantrage.
2. Geſuch des Alfred Hammer zu Darmſtadt um Erteilung der
Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein im Hauſe
Eliſaberhen=
ſtraße 48. Erſchienen iſt Geſuchſteller. — Gegen das G ſuch wenden ſich
Gaſtwirteinnung, Deputation der Stadtverordnetenverſammlung und
Kreisamt, weil kein Bedürfnis vorliege und genügend Wirtſchaften in
der Umgegend vorhanden ſeien. Der Vorſitzende betont, daß es ſich hier
um Erteilung der Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein, nicht
um den Ausſchank handele. Das Publikum wolle kleine Proben (nicht
im Ausſchank) entnehmen, ſo führt Geſuchſteller aus, um hernach ſeinen
Spezialbedarf zu beſtimmen. Deshalb werde die Erlaubnis
nachge=
ſucht. Auch die Spanier am hieſigen Platze nutzten die Kleinhand ls,
konzeſſion im weiteſten Maße aus. Der Geſuchſteller, deſſen
Unterneh=
men in eine G.m.b.H. umgewandelt wurde, fügt noch an, daß die Firma
das älteſte Spezialgeſchäft der Branche in Darmſtadt darſtelle, ſie beſtehe
ſeit 1887 und hat den erſten Betrieb in der Holzſtraße gehabt. — Die
Erlaubnis zum Kleinhandel wird erteilt.
3. Geſuch der Auguſt Trabert Ehefrau geb. Leininger zu
Offenbach a. M. um die Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer
Schankwirtſchaft mit Branntweinausſchank im Hauſe Taunusſtraße 78.
Die in Rede ſtehende Wirtſchaft beſteht ſeit 25 Jahren; die
Geſuch=
ſtellerin beſitzt vorläufige Schankerlaubnis. Das Poliz=iamt verneint
die Bedürfnisfrage, die Rechtsdeputation der Stadtverordneten bejaht
ſie, der Wirteverein wieder verneint ſie, das Kreisamt hingegen befaht
die Bedürfnisfrage. Die Wirtſchaft wurde im Jahre 1922 vom letzten
Beſitzer aufgegeben. Die Geſuchſtellerin rechnet auf die Arbeiter am
Hafen und der umliegenden Fabriken; ſie läßt betonen, daß ſie ſ.it 1910
im Wirtsgewerbe tätig ſei und die Wirtſchaft vorzugsweiſe als
Speiſe=
wirtſchaft geführt werden ſolle. — Die Konzeſſion wird
er=
teilt.
4. Berufung des Karl Göhringer und Genoſſen zu Gber,
ſtadt gegen das Urteil des Kreisausſchuſſes Darmſtadt vom 18. Oktober
1226, betr. Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters. — Die in Eberſtadt
lebhaft ventilierte Frage der Anſtellung eines Berufsbürgermeiſters hat
eine zahlreiche Zuhörerſchaft in den kleinen Sitzungsſaal geführt. Wir
haben anläßlich der Verhandlung im Kreisausſchuſſe über die
Entwick=
lung der Angelegenheit genau berichtet, auch den Leſern die
Entſchei=
dungsgründe der erſten Inſtanz ausſtührlich mitgeteilt. Wir können
des=
halb hier auf Geſagtes verweiſen.
Erſchienen für die Reklamanten als deren Vertreter Geh. Juſtizwut
Metz, als Vertreter (Beiſtand) der vom Gemeinderat als Bevollmächtigte
beſtellten Gemeinderäte Heiſt und Gärtner iſt Rechtsanwalt Carnier zur
Stelle. — Es wird zunächſt über die Frage verhandelt, ob den
Rekla=
manten als Gemeindeangehörigen ein Recht zur Anf=chtung:
von Gemeinderatsbeſchlüſſen zuſtehe. Nur Gemeinderatsmitglieder ſchlöſſe
das Geſetz, wie Geh. Juſtizrat Metz ausführt, von der Anfechtung aus.
Auf dieſem Boden ſtehe auch die Rechtſprechung. Der Anwalt geht auf
dieſe Entſcheidungen, die nach der „Zeitſchrift für Staats= und Gemeinde.
verwaltung” zitiert werden, näher ein. Die Intereſſen der Gemeinde=:
angehörigen nüirden in der Berufsbürgermeiſterfrage ſtark berührt; eine
Fülle neuer Aufgaben werde dann an die Gemeinde herantreten, deren
Finanzen in der Zeit der Finanznöte ſtark betroffen würden. Dem:
Berufsbürgermeiſter werde bald ein beſoldeter Beigeordneter folgen,
denn es folle ja in Eberſtadt mit aller Macht höhere Intelligenz
her=
eingebracht werden. — Rechtsanwalt Carnier betont, daß man bei der
Geſetzesanwendung auf die Entſt hungsgeſchichte und die Morive
zurück=
gehen müſſe. Art. 98 des Geſetzes müſſe gerade aus ſeiner Entſtehung
heraus ausgelegt werden. Gerade eine ſogen. actio popularis ſei nicht;
ſtatthaft. Wenn z. B. eine Stadtverordnetenverſamm=;
lung die Errichtung eines Ratskellers beſchließe,,
könnten nicht einzelne Gemeindeangehörige
ſor=
chen Beſchluß durch Klage im Verwaltungsſtreitver= anfechten. Das rechtliche Intereſſe, das unmittelbar;
berfihrt werde, wiſſe als durch den Gemeinderatsbeſchluß verletzt er=. Eine rein theoretiſch mögliche Belaſtung eines ein= Gemeindegngehörigen durch einen Gemeindexatsbeſchluß könnes
kein Anfechtungsrecht begründen. Dem Gemeindeang hörigen ſtehe in
den allgemein die Gemeinde berührenden Fragen das Wahlrecht;
zu. — Geh. Juſtizrat Metz erinnert in der Erwiderung auch daran, daß
wenn heute die Frage der Wahl eines Berufsbürgermeiſters entſchieden
werde, doch zu b=denken ſei, daß die Frage einer Eingemeindung
Eberſtadts in Darmſtadt wieder ſtarke Veränderungen in dem
Perſonal der Eberſtädter Gemeindeverwaltung hervorbringen müſſe.
— Der Provinzialausſchuß erklärt nach langer Beratung, daß eine
Aktivlegitimation der Kläger nicht anerkannt
wer=
den könne, weil nur öffentliche Intereſſen in Frage ſtünden,
ſodaß nur noch wegen der Koſten zu verhandeln ſei, die durch Zuziehung
des Rechtsanwalts Carnier für die Gemeinde entſtanden ſind.
Rechs=
anwalt Carnier erklärt, daß er nur als Beiſtand der beiden
Gemeinde=
räte aufgetreten ſei. — Das Urteil weiſt die Berufung
koſten=
pflichtig zurück.
— Evangeliſcher Arbeiter= und Handwerkerverein. Heute Sonntag,
den 23. Januar, gbends 8 Uhr, findet im „Feierabend”, Stiftſtraße 51,
ein Lichtbildebvortrag ſtatt. Herr Sanitätsrat Dr. Maurer
berichtet an Hand von ſehr zahlreichen und ſchönen Lichtbildern über
eine Nordlandreiſe. Auf dieſen Lichtbildervortrag ſei an dieſer
Stelle beſonders verwieſen und zur Teilnahme eingeladen. Gäſte ſind
willkommen.
— Die Anmeldung ſchulpflichtiger Kinder zur Aufnahme in die
Stadtſchulen an Oſtern 1927 hat Dienstag, den 1. Februar Ifd. Js., zu
erfolgen. Näheres in der Bekanntmachung in den ſtädtiſchen
Aushang=
käſten und in den Schulen.
Kunſtnotizen.
Ueber Werte, Künſtier oder künſtleriſche Vrranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Crwähnund
geſchieht. behält ſich die Redaktlon ihr Urteil vor
* Reſidenz=Theater. Ein neuer Fox Film unternimmt es,
in einem Drama „Sibirien” die Schrecken des fernen Oſtens, das
Leben in den ſibiriſchen Salzminen und die wahren Zuſtände im ehe
mals zariſtiſchen Winterpalaſt, zu ſchildern. Alma Rubens und Edm.
Lowe, zwei der prominenteſten amerikaniſchen Filmdaaſteller, ſpielen die
Hauptrollen. Der hochintereſſante Film iſt noch Sonntag und Montag
auf dem Spielplan. Ab Dienstag kommt „Unſere Emden” der
große deutſche Marinefilm, zur Uraufführung. Der Film wird bei dem
Publikum das größte Intereſſe hervorrufen, denn es wird kein Deutſcher
verſäumen, ſich dieſe wahre Begebenheit anzuſehen.
Tageskalender für Sonntag, den 23. Januar 1927.
Landestheater Großes Haus D 11, Anfang 7 Uhr, Ende
nach 10 Uhr: „Die Zauberflöte‟. — Kleines Haus vorm. 11
Uhr, nachm. 2½ und 4½ Uhr: Märchenfilme. Abends 7½ Uhr,
Ende 10 Uhr, Zuſatzmiete III (7): „Der Biberpelz”, — Kinovor”
ſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=Lichtſpiele.
Heſſ. Landesbauſchule: 50=Jahrfeier; vorm. 11 Uhr,
Neckar=
ſtraße 3: Enthüllung des Ehrenmals in der Bauſchule; nachm. 3 Uhr,
Oberwaldhaus: Geſelliges Beiſammenſein. — Heſſ. Jagdklub;
vorm. 11½ Uhr im Union= und Reſidenz=Theater: Jagdfilm „Da8
Weidmannsjahr” — Darmſt. Keglerverband, vorm. 11 Uhr
Fürſtenſaal: Geſ.=Vorſtandsſitzung. — Turngeſellſchaft 1875,
nachm. 3 Uhr, Dieburgerſtr. 26: Jahres=Hauptverſammlung. —
Konzerte: Schloß=Café; Hotel Schmitz; Orpheum; Heſſ. Haus;
Frankf. Hof; Haferkaſten; Hotel Prinz Heinrich; Perkeo:
Ludwigs=
höhe; Rummelbräu; Café Rheingold; Weinhaus Weißer Turm;
Orangeriehaus; Zentral=Hotel; Reichshof. — Tanz: Orpheum;
Taunusburg; Hotel Prinz Heinrich; Rummelbräu; Café
Rhein=
gold; Weinh. Weiß. Turm; Orangeriehaus; Zentral=Hotel; Reichshoſ.
Verſteigerungskalender für Montag, den 24. Januar 1927.
Städt. Güterverwaltung vorm. 9 Uhr Woogsplatz=Turn
halle: Brennholzverſteigerung (Nr. 4). — Heſſ. Forſtamt Mor”
felden, vorm. 9 Uhr Saalbau Mörfelden: Brennholzverſteigerung.
— Heſſ. Forſtamt Ober=Ramſtadt, vorm. 9 Uhr „Zur
Poſt” Nieder=Ramſtadt: Holzverſteigerung Nr. 4 — Heſſ. Bur”
germeiſterei Roßdorf, vorm. 9 Uhr, Kubig:
Nutzholzber=
ſteigerung.
Nummer 23
Sonntag, der 23. Januar 1927
Seite 7
Bugel F
1Fe moderne Kleiderpflege, reinigen,
ausbeffern. Kunſiſtopfen (16os
Offene Stellen
Weiblich
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2905) Mühlſtr. 40,
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(*1803sg)
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Müir ſämtliche
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40.0 Mk.
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Beſſ. älterer 8
müüinſcht die Freur
ſch aft einer beſſer
ähreren Dame. A
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auif dieſ. Wege,
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Breirat wünſch viele
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3u u. 40 J. bek.
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zwecks Heire
Aungeb. u. M 55
di Geſchſt (1:
Suebild. jung. Mann,
2RJ. ält, hier fremd.
Bu=amter in ſich. Poſ.
u.cht zw. ſpät.
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Hieſchäftsſtelle /218
Büekannte, ſtattl.
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iumig, vermög.,
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mecks Einheira
mi Alter v. 35—40 J
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Im geb. unter 8.
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Blattes (*189
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Uner, nette Erſch",
chrön. WVohn, M
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Heiffl. Angeb. u. N
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alleinſt,Fräulein 22Jahr,
E/f d Bek. ein, Herrn in
gs ſi herer Stellg zwecks
1. /Seirat. Angeb unt.
IM66 Geſchſt (1595 zu
Witwe
P151 J., mit 3 Zimmer=
Mohn”, ſucht Heirat
u mit geb. Mann in
ſicherer Stellung od.
Penſionär. Angebote
unter M 64 an die
„Geſchäftsſt. (*186
Fräulein
t Mitte 40er, katy an=
uIgenehm. Aeußere, ge=
ſund, lebensfroh, ſo
zwohl im Haushalt als
auch Geſchäft tüchtig,
wünſcht ſich mit beiſ.
Herrn z verheiraten.
Nur ernſtgem. Ang.
erbet unt M 63 an
die Geſchäftsſt. 1867 Reelle Heiraten
Wer ſich raſch u. glückl
r verh. will, wende ſich
u. vertrauensvoll an d
1- Büro Schuchmann
(Darmſtadt, Stiftſtr 46.
Damen und Herren
jed. Alters u Berufs
iſt Gelegenheit gebot
Einheirat vorh. Ver=
bindungm. auswärts
Ia Referenzen. 121782 Abgeb. Beamter
vielf erf. Techniker,
Beſold=Gr. 8, m. Ei=
genh ſucht geſunde,
prakt. häusl. Dame o.
Anh, t. A. v.45-55 J.,
mit Herzensbil dung,
zw. Heirat.
4If. z. I. ietw. Verm. o.
Geſch. erw., n. Be=
ding ſ. Verſchw. Ehren=
ſache. Ang. vertr. u
L. 187 Geſchſt erbet
(*1354)
*
AStelengeſucheß Weiblich
(Stenotypiſtin
(200 S.), mehr. Jtät.,
i all. B.=Arb. bew.,
Stellg. z. 1. 3. od. 1. 4
Zuſchr erb. u. M 60 /=
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Roß=
r. 77, I (1743
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erw Perſ.). Ang. u
1 67 Geſchſt. (e1873
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4 bis 6 Uhr
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d. Geſchſt. (1630
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Ge=
ſchäftsſtelle 1908
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Ge=
ſchäftsſtelle. (1912
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ihres Gechäftes einen tüchtigen
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u. L. G. 15u58 an Ala Haaſenſtein E
I. Dr. 153
Vogler, Leipzig.
Larchen maunfb mann
wenn man hört, wie naiv doch manche Leute sind.
Läßt sich da Herr Bliemchen auf einer Reise nach Bauern
Naturwunder zeigen. „Und jetzt”, so erklärt der Führer, „kommt
eine Eiche, die I0 Männer nicht umfassen können.‟ „Ach gommen
Se”, wehrt Bliemchen darauf ab, „was soll’n wir da erscht hinjähn,
wänn wir se doch nicht umspannen gönnen?!“
Freuen wir uns alle, daß uns Seele und Gemüt erhalten
blie-
ben. Kehren wir zu zwei begeisterungsfähigen Menschen zurück:
zum Münchner Kindl, dem Wahrzeichen der alten, weltbekannten
Zuban-Zigarettenfabrik, und Dr. Ali Nabi, unserem Tabakdoktor!
Die Freude ist beim Kindl groß, als heute der gute
Tabak-
doktor zur Besichtigung der weiten Tabakfelder aufbricht.
Ein flinker Wagen bringt beide voran. „Liebes Kindl”, sc
weist der Alte den Weg, „diese riesengroßen Tabakplantagen
be-
bauten schon in ältester Zeit meine Vorfahren.
In rastloser Arbeit gelang es mir, das Erbe meiner Väter zu
vergrößern und vor allem Verbesserungen zu finden, die für
sämt-
liche heimischen Pflanzungen ohne Ausnahme von größter
Bedeu-
tung wurden.
Nun ist Dir wohl klar, weshalb gerade unsere Tabake die
edelsten und die gesuchtesten im ganzen Orient sind. Von neuem
wiederhole ich es: alles das kommt einzig und allein der Zuban-
Zigarettenfabrik zugute.
Jetzt weißt Du auch, warum die Zuban-Zigaretten ihren Weg
über die Erde fanden und warum die Zuban-Zigaretten zur
Welt-
marke geworden sind:
Zuban-Zigaretten
sind in der Güte unübertrefflich!“
Ubermorgen hören Sie mehr!
Die Geschmacksrichtungen der Raucher sind wandelbar wfe
die Zeiten. Wir geben mit! Die leichten, süffig süßen Mischungen
un-
serer Zigareiten sind Glanzstücke der heutigen Zigaretten-
Herstel-
lungsart.
Drum seien Sie nicht nur Lebenskünstler, sondemn
werden Sie Künstler des Geschmacks!
Rauchen Sie die 4 Pfg.-Zigarette
Lascr 17r. O.
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geſucht. Nur mit
guten Zeugn, komm.
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durch die Fabrik. Firmen oder Herren, die einen größer.
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Seite 8
Sonntag, den 23. Januar 1927
Nummer 23
Aus Heſſen.
Abgaße von Wurzelreben.
— Zvecks Anlage oder Ausbeſſerung von Weinbergeu ſtehen dem iſt zum Skifahren ſchon heute Gelegenheit geboten.
Lank wittichaftskammer=Ausſchuß noch eine größere Menge Djährige
Entirickelung zur Verfügung. Die Abgabe ſoll demnächſt erfolgen.
Be=
ſtellungen ſind baldigſt an den Landwirtſchaftskammer Ausſchuß in
Darmſtadt, Rheinſtraße 62 zu rſchten. Die bereits vorliegenden
Be=
ſtellungen fmden reſtloſe Verückſichtigung.
* Erzhauſen, 22. Jan. Vorgeſtern wurde ein alter Veteran von
1866 und 1870 zur letzten Nuhe beſtattet. Jak. Haaß 2. erreichte ein
gervet ins und langjähriges Mitglied des Kirchenvorſtandes. Der
Ver=
ſtorbene war allſeits geachtet und beliebt.
B. d8. Mts. Die Verwaltung gibt Kenntnis von dem Stand der
Ver=
handlungen über den Verkauf der Zündholzfabrik mit den einz=lnen
Kaufliebhabern. — Die Auszahlung der in der letzten Sitzung
bewillig=
ten einmaligen Zulage an die Holzhauer im Gemeindewald ſoll
prozen=
tual erfolgen. — Hinſichtlich der Bürgſchuftsübernahme der Gemeinde
ſür ein Baudarlehen des Ferd. Flechſenhar erklärt der Gemeind=rat
ſein Einverſtändnis zu der von Flechſenhar abgegebenen Erklärung,
wonach die Bürgſchaft nicht über das Jahr 1977 hinaus dauen ſoll. —
Das gemeindliche Gelände an der oberen Bahnhoſſtraße ſoll, ſoweit das
Eigentum Breitwieſer Erben in Frage kommt, ausgetauſcht werden,
Der reſtliche Teil kann dem bisherigen Pächter gegen eine noch zu
veu=
einbarende Pachtſumme bis auf Weiteres unter Vorbehalt jederzeitigen
Widerrufs überlaſſen werden. — Auf Anregung eines Liebhabers wurde
der Verkauf des ehemal. Dörrſchen Hauſes in der Stif=ſtraße zur
Er=
örtarung geſtellt. Die Sache wurde vertagt, um auf die nächſte
Tages=
ordnung geſetzt zu werden. — Dar Bürgermeiſter gibt bekannt, daß die
Kaufverträge bezügl, der beiden neu erbauten Häuſer in der
Schloß=
gartenſtraße nunmehr abgeſchloſſen ſeien. Der Gemeinderat beſchließt,
daß die Häuſer der Baukommiſſion durch den baul=itenden Architekten
ordnungsmäßig ſibergeben werden ſollen. — Die Beſchaffung von 10
gbm. Pflaſterſteinen nach vorgelegtem Muſter von Gg. Dahler in
Waſchenbach wird beſchloſſen. — Der Ankauf eines Faſelebers bei
Land=
wirt Müller, Georgenhauſen, wird gen=hmigt.
* Ober=Ramſtabt 22. Jan. Nächſten Donnorstag, den N. Januar,
findet im hieſigen Gemeindewald (Forſtort Cichelberg) die erſte
dies=
jährigo Nutzholzverſteigerung ſtatt. Zum Ausgebot gelangen Buchen=,
ſtangen. Nährres ſiehe Anzeige in dieſer Zeitung.
* Roßdorf, 23. Jan. Hohes Alter. Ein ſelten hohes Alter
hat dahier Georg Hanſtein und Philipb Reinholz Witwe, geb. Namge.
Herr Hanſtein iſt 93, Frau Remholz 92 Jahre alt. Beide erfreuen ſich
und raſten; er läßt es ſich nicht nehmen, im Kohlengeſchäft ſeines
Soh=
nes feſt mitzuhelfen. Herr Hanſtein, gebonen zu Roßdorf, hat einen
alt iſt; an zahlreichen Enkel und Urenkel fehlt es ihr auch nicht. Hoffen
wir, daß uns dieſe beiden Alten noch recht lang erhalten bleiben.
r. Babenhaufen, 22. Jan. Die Handballelf unſeres
Polizei=
ſporttzereins, die aus vielen Verbandsſpielen ſiegreich hervorging, wird
Sonntag mit dem Altmeiſter meſſen. Das ſportliebende
Pub=
likum und alle Anbänger der Mannſchaft haben es mit Befremden
er=
fahren, daß das Entſcheidungſpiel um die Handballmeſterſchaft im volle Preiſe ſtehen zur Verteilung. — Mit Wirkung vom 1. Februar
Frankfurter Landesverband nun in Darmſtadt ausgetragen werden ſoll.
Ein neutraler Platz (Frankfurt oder Mannheim) wäre unſeren
Poli=
ziſten zur Rückenſtärkung willkommen geweſen. Mit begreiflicher
Span=
nung ſieht man hier dem Ausgange des Sonntagsſbiels, als einem
bedeutenden Ereignis entgegen. — Von einem Konſortium beſtehend
aus der Brauerei Henninger=Kempf=Stern A.=G. und der Scköfferhof=
A.G. erworben worden. Die neuen Beſitzer haben die Abſicht, den
Be=
trieb zu reorganiſieren und fortzuführen. Die Aktien bleiben für das
Geſchäftsjahr 1925/26 dividendenlos. Der am 16. März 1927
ſtatt=
findenden Generalverſammlung ſoll die Zuwahl von Vertretern des
Konſortiums vorgeſchlagen werden.
r. Babenhaufen, 22. Jan. Die Heſſiſche Lichtbildbühne Darmſtadt
bringt am Sonntag im Saalbau „Deutſchar Hof” den Großfilm „Deutſche Februar 50 Prozent der Dezemberrate ausbezahlt.
Heldsn in ſchwerer Zeit” mit gutem Beiprogramm. — Todesfall. Michel, feierte am 20. Januar d. J. ſeinen 80. Geburtstag.
Im Alter von erſt 54 Jahren verſchied der auch in der weiteren
Um=
gebung bekannte Mihlenbeſitzer und Pavvenfabrikant Karl Tempel von
Grabe getragen.
* Unter=Oſtern, 22. Jan. Kriegervereinsfeſt. Die „Krieger= abtransportiert.
kameradſchaft Haſſia” des Bezirks Reinheim=Reichelsheim begeht am 28.,
B. und 30. Mai d8. Js. ihr Bezirksſeſt in Unter=Oſtern. Gleichzeitig
feiert der Kriegerverein Unter=Oſtern=Rohrbach ſein 36. Stiſtungsfeſt.
Die Vorbereitungen zum Gelingen des Feſtes ſind bereits aufgenommen.
Der Verein wird ſich alle Mühe geben, ſeinen Gäſten den Aufenthalt in geworben wurde. Die Polizei hat die Angelegenheit der Regierung
dem ſchönen Wieſental ſo heimiſch wie nur möglich zu geſtalten.
* Aus dem Mümlinatal, 22. Jan. Bei dem anhaltenden
Schnee=
geſtöber der letzten Tage haben die umliegenden Höhen ſich mit einer ſtellte ſich heraus, daß dieſe in Frankfurt einen Kilometerzähler geſtohlen
leichten weißen Decke überzogen. Im Tal dagegen bleibt der Schnee
nicht liegen, ſowie er ſchmilzt, entſteht auf Straßen und Wegen der
bekannte zähe Schlamm, zum Leidweſen aller, die viel über Feld müſſen, flaſche ſtärken, machte aber dabei einen Fehlgriff und erwiſchte eine
Eine ſchlechte Zeit vor allem für die Arbeiter, die meiſt zu den Fabriken
recht weite Wege haben. Die feuchte, ungeſunde Witterung hatte zahl= ſo daß er ſich ſofort in ärztliche Behandlung begab.
reiche Erkältungen und Erkrankungen, beſonders an Grippe im Gefolge.
Sehr ſtark ſind die Schulkinder in Mitleidenſchaft gezogen, mancheroris
mußte an einzelnen Tagen faſt die Hälfte von ihnen in der Schule
fehlen.
Erbach, 22. Jan. Gemeinderats=Sitzung. Die
Errich=
tuug einer Tankanlage an dem Anweſen der Frau Marie Rettig Witwe
wird im Sinne des Vorſchlags der Verwaltung genehmigt. Das Bau= ließe es die Sozialdemokratie, ſich für dieſe Wahlen beſonders ins Zeug
geſuch des Herrn Franz Schuck findet gegen die Stimmen von vier
Mitgliedern des Gemeinderats bedingte Annahme. — Die Gemeinde
eine neue Straße anzulegen. Da ein Ankauf des erforderlichen
Gelän=
des an dem von der Standesherrſchaft geforderten Ankaufspreis ſchei= ſprachen ſich nur Deutſchnationale und Kommuniſten aus.
terte, beſchloß der Gemeinderat, zunächſt andere, für dieſen Zweck
ge=
eignete Gelände zu beſichtigen. — Nach längeren Verhandlungen kam
Materialien ſchwer durchführbar iſt, hat der Gemeinderat die
Ver=
meinderat genehmigt.
Jaltuar: 1.25 Meter; am 22. Januar: 122 Meter.
* Aus bem Weſchnitztal, 22. Jan. Die Maul= und
Klauen=
dirs bekannt mach n zu laſſen. — Jagdverpachtung. Die Ge= Verbeulungen an der vorderen Plattform und zerbrochene
Fenſter=
mittaas 3 Uhr die Gemeindeiggd boi Wirt Phil. Schwöbel auf weitere werden.
ſechs Jahre. Der Wildſtand wird als gut bezeichnet.
Nohrbach eingbrochen und 300 Mark an Bargeld Herren= und Damen= der genannten Tage werden Vorträge gehalten, die den neuzeitlichen I
die Küche in den Laden cedrungen.
Schnee im Odenwald.
* Lindenfels, 22. Jan. Bei einer Temperatur von — 1 Grad hält
der Schnesfall in den Morgenſtunden noch an. Um 9 Uhr ſind etwa 12
bis 15 Zentimeter Pulverſchee zu verzeichnen. Bel mäßigen Anſprüchen
* Berfelden, 22. Jan. Am Galgen iſt eine Schneedecke von ea.
Burzelreben in den Sorten Moſekrießling und Oeſtreicher, in beſter 2 Zentimeter zu verzeichnen. Um 11 Uhr vormittags hielt der
Schne=
fall noch an.
* Eberbach, 22. Jan. Geſtern ging hier den ganzen Tag naſſer
Schneefall nüder, doch war gegen Abend trotz des naſſen Wetters eine Dieburg.
Schneehöhe von 3—4 Zentimeter. Auf den Höhen der Umgebung iſt Mainz—Vorms. Geſperrt: Rheinſtraße in der Gemarkung
etwa das Doppelte zu verzeichnen. Kailbach=Schöllenbach hat eine Schne= Worms von Lützowſtraße bis Rheingewannfriedhof vom
höhe von 8—10 Zentimeter.
* Heppnheim a. d. B. 22. Todesfall. Der in Heppenheim
Alter von 81 Jahren. Er war lange Jahre 1. Vorſitzender des Krie= und der wweiteren Umgegend bekannte und ſehr geſchätzte Herr Hermann. Herrnsheim—Neuhauſen, leichtes Fuhrwerk Gerichtsſtraße—
Ludwig wurde vorgeſtern nachmittag auf dem Friedhof in Heppenheim
beerdigt. Der Verſtorbene, welcher die letzten Tage ſeines Lebens im
Nieder=Nauſtadt, 22. Jm. Gemeinderatsbericht vom Krankenhaus zu Heidelberg verbringen mußte, war ein Wohltäter ſeiner
Mitmenſchen, von lguterem ehrbaren Charakter und von früh bis ſpät
ſtorbene iſt der Sohn des verſtorbenen Medizinalrats Dr. Ludwig. Die
und ihrem Alter entſprechend noch wohlauf. — Rathauzumbau.
Zur Zeit iſt man eifrig damit beſchäftigt, das Gebäude „Fiſcher” hinter ſtraße).
dem Rathauſe niederzulegen, und hat auch geplant, ſofort mit dem
Umbau des Rathauſes zu beginnen. Dunh den Umbau wird auch die
impoſante Südſeite des aus dem 16. Jahrhundert ſtammenden
Nat=
hauſes mehr zur Geltung kommen. — Witterung und
Vege=
tation. Die verhältnismäßig warme Witterung in den letzten Tagen
und Wochen hat die Vegetation in bedenklichem Maße beeinflußt. Bei
weiterem Anbalten der feuchtwarmmn Witterung iſt zu erwarten, daß
die Knoſpen der Stainobſtbäumen und Beerenſträucher bald aufbrechen
werden, was von größtm Nachteil wäre, da ein ſpäter einrretenter Froſt
dem Safttrieb der Obſtbäume ſchädlich wäre.
2. Bürſtadt, 22. Jan. Die Bezirksſparkaſſe Lorſch hat im
benachbar=
ten Hofheim, das nahezu 3000 Einwohner hat, eine Agentur errichtet.
Zum Leiter der Agentur wurde Herr Untererheber Braun beſtimmt.
* Viernheim, 3. Jan. Ueberfall. In einer dr letzten Nächte
wurde in einer hieſigen Ortsſtraße ein Ueberfall auf zwei junge Burſchen
und zwei Mädchen verübt. Einer der Ueberfallenen wurde ſo ſchwer
mißhandelt, daß er zwei Tage ohne Bewußtſein war. Die Rohlinge,
mehrere junge Burſchen, konnten leider noch nicht ermittelt werden.
* Hofheim, 22. Jan. Auf dem Wege zum Faſel ging eine Kuh
eines Wattenheimer Landwirts durch, und ſuchte das Weite. Erſt nach
Gichen=, Kiefern=, Lärchen= und Fichten=Stämme und Fichten Derb= dreiſtündiger, mühevoller Jagd konnte das wildgewondene Tier in einem
Garten in Hofheim (1) geſtellt werden. Ein Glück war es, daß es noch
ohne ernſtlich= Verletzungen abging, da das wütende Tier alles
nieder=
rannte und niederſtieß, was in das Bereich ſeiner Hörner kam.
Nächſten Samstag und Sonntag hält der evangeliſche
Kirchengeſang=
noch beſter Geſundheit. Insbeſondere kann Herr Hanſtein nicht ruhen berein Hofheim einen Theaterabend ab. Zur Aufführung gelangt: „Das
Hochwaſſer im Ried im Jahre 1882/83” Man bringt dem genannten
Stick, das verſchiedenes aus der Hoſheimer Chronik in ſich birgt, leb=
Sohn im Alter von 61 Jahnen, während Frau Neinholz, geboren zu haftes Intereſſe entgegen. — Auch in unſerem Dorf iſt die Grippe in
Ueberau bei Reinheim. 7 Kinder hat, von denen das älteſte 71 Jahre letzter Zeit ſehr ſtark aufgetreten. Erfreulicher Weiſe hat dieſe
heim=
tückiſche Krankheit noch keine Todesopfur gefordert, obwohl ſehr ſchwere
Fälle von Darm= und Kopfgrippe zu verzeichnen ſind.
* Gernsheim, 22. Jan. Morgen, Sonntag, abends, findet im
Saal=
bau Hags der diesjährige Familienabend der hieſigen Freiwilligen
infolge Punktgleicheit mit dem Sportverein 8 Darmſtadt morgen Feuerwehr, beſtehend aus Konzert, Thegtr und Ball ſtätt. — Der
dies=
jährige Maskenball des Karnevolvereins ſindet am 31. Januar im
Gaſthaus. „Zum Roſengarten” ſtatt. Eine Anzahl hübſcher und
wert=
wird Herr Brückenoberaufſeher Johannes Adler, dahier, auf Grund des
Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten in den wohlverdienten
Ruheſtand verſetzt. — Die Rohlinge, die das Peter Schöffer=Denkmal
beſchädigten, konnten trotz eifriger Nachforſchung der hieſigen
Gen=
darmerieſtation nicht gefaßt werden. — Die freiwillige Sanitätskolonne
vom Noten Kreuz zählt z. Zt. 22 Mitglieder. Der derzeitige Ausbil=
Binding=Birgerbräu A.G. Frankfurt a. M., iſt die Mojorität des dungsturſus der neu eingetretenen Mitglieder geht in der nächſten Zeit Geſtein verunglückte in einer Kiesgrube ein hieſiger Winzer ſo ſchwer,
300 00 RM. betragenden Aktien=Kapitals unſerer Michelsbräu=Brenner zu Ende. Ez wäre ſehr zu begnißen, daß bei Beginn des neuen
Lehr=
gangs weitere Kräfte ſich der freiwilligen Sache zur Verfügung ſtellen
würden.
a. Biebesheim, 22. Jan. Vom Miniſterium des Innern wurde an= iſt auch in unſerem Weinort jetzt ein Lichtſpieltheater.
läßlich des Faſel=Zuchtvieh= und Schweinemarktes die Ausſpielung von
Zuchtvieh mit dem 2. März als Ziehungstag genehmigt. — Den
Er=
werbsloſen wird als Winterbeihilfe für die Monate Januar und der Gridpe iſt hier und in den benachbarten Orten zu berichten. Bil
a. Stockſtadt, 22. Jan. Ein Veteran aus 1870/1, Herr Konrad
hoſpital entſprungen iſt ein Zögling, der in Mainz feſtgenommon
wer=
der Konfunter Mühle, Unter zahlneicher Beteiligung wurde er zu den konnte. Bei ſeiner Feſtnahme verſuchte er ſich die Pulsadern zu
öffnen. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er nach der Anſtalt
r. Rüfſelsheim. 22. Jan. Der B3jährige Kaufmann Karl
Haber=
land, der ſeit 24. Dezember vermißt wird, hat ſeiner in Neuwied
woh=
nenden Braut eine briefliche Nachricht aus Marſeille zugohen laſſen, in
der er mitteilt, daß er in Mainz zur franzöſiſchen Freidenlegion
an=
zur Unterſuchung vorgelegt — Bei der nächtlichen Polizeikontrolle wur=
und aus Furcht vor Strafe die Flucht ergriffen hatten.
Flaſche mit Salmiakgeiſt. Er verſpürte innerlich ſtarke Brandſchmerzen,
* Offenbach, 22. Jan. Obwohl die neue Dienſtordnung für die Volks= bei Waſenberg (Schwalm) der 18 Jahre alte Holzhauer 5ch
ſchulen ſchon einige Monate in Geltung iſt, iſt die Frage, ob hie= Staufen von einem fallenden Aſte getroffon; er wurde ſchwer verletzt
Elternbeiräte geſchaffen werden ſollen, noch nicht geklärt. In der
geſt=
rigen Stadtverordnetenverſammlung wurde nun über die Wahl von
Elternbeiräten geſprochen. Die Sozialdemokratie ließ erklären, ſo lange
anderswo derartige Wahlen rechtsgerichtete Mehrheiten erbrächten,
unter=
zu legen. Sie halte eben die Zeit für dieſe Wahlen noch nicht gekommen.
Der Oberbürgermeiſter meinte, die Anregung für dieſe Wahlen müſſe Leitung des Vorſitzenden, Prof. Dr. Lampas, Friedbero, ab. Dieſe
bealſichtigte zur Erſchließung von Bauguartieren auf dem Hallegelände aus der Maſſe kommen. Das Verlangen eines Stadtverordneten nack, erſtattete den Jahresbericht für 198, danach zählt die Vereinigung ius
Elternbeiräten genüge nicht. Für die Errichtung von Elternbeiräten
* Worms, 22. Jan. Autounglück. Die Unterſuchung bei dem
mit den Privatgrundſtücksbeſitzern der oberen Seewieſe bezüglich des keine Schuld trifft. Der Taxameter fuhr durch die Mainzer Straße in
Kaufpreiſes für das zur Durchführung der Notſtandsarbeit erforderliche der Richtung nach dem Martinstor und wollte in die Arndtſtraße ein= herzlichen Nachruf. Nach einem Referat des Pfamrers Waitz Darmſtadt,
Gelände eine Einigung zuſtande. Der Gemeinderat erklärte ſich mit biegen. Er hielt die rechte Straßenſeite ein, fuhr langſam und hat auch wurde der Antrag angenommen: Mitglieder des Landeskirchenamtes
der getroffenen Vereinbarung einverſtanden. Hiernach ſind alle Schwie= Signale gegeben. Beim Einbiegen in die Arndtſtraße kam aus dieſer
rigkeiten, die der Ausführung des Projektes bisher hindernd im Wege ein Motorrad in ſchneller Fahrt heraus. Dieſem wollten zwei Kinder
ſtanden, beſeitigt. Da die Ausführung der Bauarbeiten durch die Ge= auswveichen, ohne dabei aber auf die Autodroſchke zu achten. Der ältere
meinde infolge Beſchaffung von Arbeitsausrüſtungen und ſonſtiger Junge kam noch über die Straße, während der ſechsjährige Willt Schmitt
unmittelbar vor die Droſchke lief, umgeworfen und von deren linkem müſſe. Neu in den Vorſtand wurden gewählt: Drkan Vogel, Buchewe
gebung an einen Unternehmer per Submiſſion beſchloſſen. — Die am Vorderrad überfahren wurde. Der Führer konnte den Wagen ſofort zum brücken, Widmann, Gedern, und Knodt, Wimpfen.
14. Januar 1937 ſtattgefundene Holzſubmiſſion wird durch den Ge= Stehen bringen, ſodaß das Kind zwiſchen Vorder= und Hinterräder
herausgezogen werden konnte. Das Rad war ihm aber über den Hals
gegangen, und das ſchwer verletzte Kind ſtarb auf dem Transport nach
Hirſchhorn, 22. Jan. Waſſerſtand des Neckars. Am 21. dem naheliegenden Krankenhaus. — Am 19. ds. Mts, mittags um 1a1 erſten weſtdeutſchen Kavalleriſtentag. Der Vorſitzende
Uhr, iſt an der Ecke der Gauſtraße und Löwenſtraße — einer bekannten des hieſigen Kavallerievereins, Soldan, teilte mit, daß
Generalfeldmar=
gefährlichen Verkehrsſtelle — ein Laſtkraftwagen mit einem Wagen der ſchall Mackenſen das Protektorat übernommen habe. Die Kurmärket
ſeüche in Mörlenbach iſt erloſchen und die angeordneten Sperrmaß= elektriſchen Straßenbahn zuſammengeſtoßen, wobei der Erſtere an ſeinem Dragoner Nr. 14 haben beſchloſſen, ihren Regimentstag mit dem K0”
regeln wurden aufgehoben. Die Birgermeiſtereien des Kreiſes haben vorderen Teile ſchwer beſchädigt wurde. An der Straßenbahn ſind nur
minde Vöckelsbach verpachtet am Samstag, den 5. Februar, nach= ſcheiben zu verzeichnen. Wer die Schuld trägt, muß noch feſtgeſtellt
9. Oppenheim a. Rh., 22. Jan. Weinbau=Lehrkurſus.
Zur Förderung und Hebung des Weinbaues findet an der Lehr= und
* Von der Brroſtraße, 22. Jan. Schwerer Einbruch. In Verſuchsanſtalt für Wein= und Obſtbau zu Oppenheim a. Nh. in der 9
der vorletzten Nacht wpurde in das Uhrengeſchäft des Alfred Kupſer in Woche vom 7. bis 12. Februar ein Lehrkurſus ſtatt. An den Vormittagen am meiſten zum Anſatz neigt, eine Entfettungs=Kur mit den unſchäd
uhren, goldenen Ningen und wertvollen Schmuckſachen entwendet. Die Stand der Rebſchädlingsbekämpfung vor Augen führen und Einblick e
Diebe waren vom Nachbargarten in das Anweſen eingeſtiegen und durch geben in die neuzeitliche Kellerbehandlung der Weine, während die Nach= nauer Anweiſung und Angabe über Zuſammenſetzung in
Apothekel=
mittage mit braktiſchen Unterweiſung ausgefüllt ſind.
Straßenbericht
für die Woche vom 23. bis 29. Januar 1927.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.)
1. Hauptdurchgangsſtraßen in Heſſen.
Darmſtadt—Eberbach. Geſperrt: Dieburger Straße in
Groß=Umſtadt vom 10 bis 29. Januar für Fahrzeuge aller Art.
umleitung über Richen. Verfügende Behörde: Kreisamt
3. Januar auf 12 Wochen für Fahrzeuge aller Art. Umleitung:
für ſchweres Fuhrwerk und Kraftwagen Rheindürkh. Fahrt—
Langer Rheingewannweg—Hafenſtraße. Verfügende Behörde:
Kreisamt Worms.
2. Hauptdurchgangsſtraßen in Württemberg.
am Tage tätig, trotz ſeines hohen Alterz von 69 Jahren. Der Ver= Stuttgart—Heilbronn. Geſperrt zwiſchen Pragwirtshaus
und Talſtraße Zuffenhauſen bis Ende März für Fahrzeuge
Muter iſt mit 8 Jahrn wohl die älteſte Perſon im der Ungegend aller Art. Umleitung über Feuerbach (Cannſtatter= und Fol=
Zuffenhauſen-Vaihingen / Enz—Bretten geſperrt
wegen umbau des ſogen. Heckenſtichs bei Schwieberdingen
vom 24. Januar bis 5. März für Fahrzeuge aller Art.
Um=
leitung: von Schwieberdingen über Nöglingen—Ludwigsburg.
3. Hauptdurchgangsſtraßen in Bayern.
Würzburg—Aſchaffenburg—Hanau. Geſperrt die
Hanauer Straße in Aſchaffenburg von der Meßwerkzeugfabrik
Sautter u. Meßner auf ca. 700 Meter Länge auf ca. 8 Wochen
für Fahrzeuge aller Art für den Durchgangsverkehr.
Umlei=
tung: Aſchaffenburg—Stockſtadt—Seligenſtadt—Hanau.
Ver=
fügende Behörde: Straßen= und Waſſerbauamt Aſchaffenburg.
4. Heſſiſche Straßen.
Babenhauſen—Aſchaffenburg. Geſperrt wegen Umbau
der Straßenüberführung bis auf weiteres für Fahrzeuge aller
Art. Umleitung: Südl. Straße im Zuge der Straße
Baben=
hauſen—Dieburg. Verfügende Behörde: Kreisamt Dieburg.
Wimpfen a. Berg—Wimpfen i. Tal. Geſperrt
voraus=
ſichtlich bis 1. April für Fahrzeuge aller Art. Umleitung über
Biberach. Verfügende Behörde: Kreisamt Heppenheim.
Offenbacher Straße in Neu=Iſenburg. Geſperrt
vom 20. Dezember 1926 bis auf weiteres für Fahrzeuge aller
Art. Verfügende Behörde: Kreisamt Offenbach.
Offenbach-Mühlheim a. M. Geſperrt zwiſchen
Grenz=
ſtraße und Mühlheim a. M. vom 17. Januar bis auf weiteres
für Fahrzeuge aller Art, Verfügende Behörde: Kreisamt
Offenbach.
Ober=Eſchbach-Ober=Erlenbach. Geſperrt
Ortsdurch=
fahrt Ober=Eſchbach vom 10. Dezember 1926 bis auf weiteres
für Fahrzeuge aller Art. Umleitung über Ober=Erlenbach-
Nieder=Eſchbach. Verfügende Behörde: Kreisamt Friedberg.
Gießen—Mainzlar. Geſperrt Ortsdurchfahrt Daubringen
vom 9. Januar bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art.
Umleitung über Lollar. Verfügende Behörde: Kreisamt
Gießen.
a. Nierſtein, 22. Jan. Unglücksfall. Durch herabſtürzendes
daß er ſchwere Rücken= und Schädelverletzungen erlitt und noch nachts
einem Mainzer Krankeahaus zugeführt werden mußte. — Im Saale des
Herrn Johann Kehl werden heute die Rheinlichtſpiele eröffnet. Somit
M. Wörrſtadt, 22. Jan. Grippe. Von einer ſtarken Ausdehnung
jetzt ſind Todesfälle noch nicht zu verzeichnen.
* Aus Oberheffſen, 22. Jan. Vier Tage ſchlief ein Mann
in dem Dorfe Stumpertenrod, Nadelſtiche und heiße Bäder
ver=
r Gobdelau, 22. Jan. Aus der hieſigen Pflegeanſtalt Philipps= mochten ihn nicht wach zu bekommen. Es ſtellte ſich heraus, daß er fünf
Schlafpulver, die ihm der Arzt gegen Schlafloſigkeit verſchrieb. auf
ein=
mal genommen hatte. Geſtern erwachte er, und der Arzt ſtellte totgle
Nervenlähmung feſt. — Bei Sterbfritz verunglückte ein
Motor=
radfahrer, dem zwei Kinder an einer ſchaafen Kurve ins Rad liefen,
die Kinder und der Beifahrer ſind tot, der Fahrer wurde ſchwer verletzt.
— Sein 30jähriges Jubiläum als Förſter in Ruppertsburg feierte Herr
Förſter Steinbach. — Klein=Linden. Der Gemeinderat beſchäftigte
ſich in ſeiner letzten Sitzung mit der Errichtung der Waſſerleitung und
Kanaliſation. Es wurde beſchloſſen, Waſſerleitung und Kanaliſation
gleichzeitig zur Ausführung zu bringen. Ein ſachsgliedriger Ausſchuß
den zwei dreizehnjährige Burſchen, die obdachlos waren, ergriffen. Es wurde beſtimmt und beauftragt, mit dem Kulturbauamt Gießen über
die Ausführung eines genauen Projektes mit Koſtenvoranſchlag zu
ver=
handeln. Ein weiterer Punkt befaßte ſich mit der Errichtung eines
r. Biſchofsheim, 22. Jan. Ein Einwohner wollte ſich aus der Kognak= Gefallenen=Ehrenmals. Hinſichtlich der Form kam zwiſchen
Gemeinde=
rat und Kriegerverein keine Einigung zuſtande, ſo daß die
Angelegen=
heit vertagt wurde. Der Denkmalsausſchuß hat durch ein,
Outsſamm=
lung bereits 4 400 Mk. aufgebracht. — Beim Holzfällen wurde im Walde
ins Krankenhaus überführt. — Londorf. Feuer brach bei
Bil=
verleger Aug. Göbel aus und zerſtörte ein Gebäude mrt Heu= unv
Srroh=
vorräten. — Grünberg iſt dem Verkehrsbund Oberheſſen beigetreten.
* Fri dberg, 20. Jan. Ihre Hauptverſammlung hielt die ſogen.
„Friedberger Konferenz” (Gpangeliſche Vereinigung) unter
geſamt 315 Mitglieder, es entfallen auf Starkenburg 105, Oberheſſen
158 und Rheinheſſen 50 Mitglieder. Den verſtorbenen Mitgliedern,
Muſitdirekton Schmidt, Friedberg. Pfarver Loos und Pfarrer i. N.
Noth, Butzbach, Zigarrenfabrikant Ealy, Gießen, Profeſſor Luleh, Darm=
Unglick am 18. Januar hat ergeben, daß den Lenker der Autodroſchke ſtadt und Profeſſor Kölſch, Büdingen, widmete der Vorſitzende eimen
dürfen nicht Mitglieder des Landeskirchentages ſein. Zu dem Punſkt
Neuregelung der Organiſtengehälter wurde ein
Aus=
ſchuß gewählt. Die Verſammlung iſt der Anſicht, daß zur beſſeren
Ein=
führung des Geiſtlichen in ſein Amt, das Lehrvikariat geſchaffen werden
* Gießen, 22. Jan. Eine ſtark beſuchte Verſammlung der Vertrete:
der hieſigen Soldaten= Regiments= und Militärvereine ſowie anderer
Vereine tagte im Gaſthaus „Lamm” und beſchäftigte ſich, mit dem
vallerietag zu verbinden.
Die Entfettungs=Kur im Winter.
Allen korpulenten oder zum Starkwerden veranlagten Leſern und
Leſerinnen können wir nur raten, gerade jcht im Winter, wo der Körpek
lichen, dabei ſehr wirkſamen Toluba=Kernen vorzunehmen. Sie
erhalten die echten Toluba=Kerne mit hervorragendem Gutachten ge=
(FVGu0
Oonr Klühns brauft zi anstannn
Dünren Caukaanen Mir als Karin!
SAm Bahnhof + Fernruf 248½-
Nummer 23
Sonntag, den 23. Januar 1927
Neue Schornfteinmarke der
au
errt Orichn
is auf wein
ber=Erlenhd
Samt Fritedit
aubris
u itrr.
und nch id
— In eult
Lare Hamburg—Amerika=Linie hat die Schornſteine
ihrer Dampfer mit einer neuen Marke verſehen,
vl lche die ſchwarz=weiß=roten Farben zeigt. Die
hiülsher gebräuchlichen gelben Marken haben ſich nicht
futt bewährt, da mehr als 30 große Reedereien der
orrſchiedenſten Staaten die gleiche Farbe anwendeten.
Unſer Bild zeigt den Dampfer „Albert Ballin”
mit den neuen Schornſteinmarken.
Ein galantes Abenteuer vor 100 Jahren
vor Gericht.
MSN. Braubach a. Rh. Vor dem hieſigen
Amts=
jaricht ſpielte ſich am Donnerstag ein intereſſanter
Beleidigungsprozeß ab. Der Redakteur der „
Frank=
furter Volksſtimme‟, Dr. Dang, hatte während des
Anahlkampfes in der Frage der Fürſtenenteignung in
einaer öffentlichen Verſammlung im Dorfe
Dachſen=
heruſen ein Gerücht erwähnt, wonach ein naſſauiſcher
Sytandesherr während des Wiener Kongreſſes 1815
demmn damaligen Kurfürſten von Heſſen=Kaſſel eine
Fy eundin beſorgt habe. Ein Nachfahre des
Standes=
hurrn ſtellte deshalb Strafantrag, wurde aber vom
Lyrndgericht Wiesbaden auf den Weg der Privatklage
varwieſen. Das Amtsgericht ſprach den Angeklagten,
ohme daß ſich der Gerichtshof zurückgezogen hatte,
rſ i, mit der Begründung, daß der Beklagte gegen den
Rläiger nichts Ehrenrühriges geſagt habe. Nach der
Bu weisaufnahme könne es ſich nur um einen
Vor=
ſſaigren handeln, der zur Zeit des Wiener Kongreſſes
ze ebt habe und in dieſem Zuſammenhang nicht mehr
ü den Klageberechtigten gehören könne. Nach dem
Srrafgeſetzbuch ſeien in einer ſolchen Angelegenheit
rur noch Eltern, Geſchwiſter und Gatten zur Klage
drrechtigt.
5000 Mark Kaution verfallen.
fm. Kehl. Wegen unerlaubter Ausfuhr von
Parrfümeriewaren, Seifen und Toiletteartikeln waren
nei Angeklagte aus Wiesbaden zum Termin
ge=
aen. Die Angeklagten erſchienen jedoch nicht, ſo
daß der Termin auf unbeſtimmte Zeit vertagt werden
mßte. Die geſtellte Kaution in Höhe von 5000 RM.
warde für verfallen erklärt.
Neue ſtarke Schneefälle im Schwarzwald.
Freiburgi. Br. Am Freitag nachmittag haben
m ſüdlichen und mittleren Schwarzwald neue ſtarke
Srchneefälle eingeſetzt, die auch am Samstag
vor=
müttag ununterbrochen andauerten. Der Schnee liegt
zu* in die Rheinebene hinab. Vom Feldberg werden
Stchneehöhen von durchſchnittlich 1 Meter gemeldet.
Zwei Neffen Nobels in Berlin.
Emanuel und Dr. Göſta Nobel.
Egerellenz Emanuel Nobel=Stockholm und Dr. Göſta
ſoBel=Paris, zwei Neffen des großen ſchwediſchen
Er=
inoers und Gründers der Nobel=Stiftung, ſind zu
imem kurzen Aufenthalt in Berlin eingetroffen.
Fhunen zu Ehren fand im Hauſe des
Reichsaußen=
müniſters Dr. Streſemann ein Frühſtück ſtatt, an dem
ing er anderen Perſönlichkeiten auch die früheren
ſeuirtſchen Nobelpreisträger Einſtein, Haber, Planck
und Nernſt teilnahmen.
Poſibeamtentagung.
Vom 24. bis zum 26. Januar hält der Verband
Deutſcher Poſt= und Telegraphenbeamten, die älteſte
Poſtbeamtenorganiſation, in den Räumen der „
Schla=
raffia”, Berlin SW. 48, Enckeplatz 4, und in den
Kammerſälen, Berlin SW. 61, Teltower Str. 1—4,
ſeinen 39. Verbandstag ab. Die Tagung wird
von ungefähr 200 Teilnehmern aus allen Teilen des
Reiches beſchickt ſein. Zur Beratung ſtehen Standes=,
Perſonal=, Beſoldungs=, Rechtsfragen und Fragen der
allgemeinen Wirtſchaft Außerdem ſteht — ein
Zeichen der organiſatoriſchen Konzentrierung der
Beamten — als wichtiger Verhandlungspunkt die
Verſchmelzung des Bundes der Poſt= und
Telegraphen=
beamten der Supernumerarlaufbahn (
Zivilanwärter=
bund) mit dem Verband Deutſcher Poſt= und
Tele=
graphenbeamten zur Beratung.
* Frankfurter Chronik.
WSN. Einſkrupelloſer Betrüger. Wie
die vielen Vorſtrafen des Immobilienhändlers Franz
Fiſch ergeben, ſcheint es ſo, als lebe dieſer feine Herr
ſeit Jahren nur von Betrügereien. Die Fälle, die
nun zur Verhandlung vor dem Großen
Schöffen=
gericht ſtanden, warfen ein Schlaglicht auf ſein
Ge=
ſchäftsgebahren. An größere Firmen macht ſich Fiſch
nicht mehr heran, ſeine jetzigen Opfer ſind lediglich
kleine und ganz kleine Leute, die er zum Teil um ihr
Letztes gebracht hat. Unter fortwährenden
Ver=
tröſtungen hält er die Leute hin, nachdem er ihnen
vorher durch betrügeriſche Vorſpiegelungen Waren
abgeluchſt hatte. Einen ehemaligen Wachtmeiſter der
Schutzpolizei brachte er um ſein Entlaſſungsgeld. Er
ſcheute ſich auch nicht, einem Gläubiger zu ſagen, er,
der Gläubiger, könne bei Gericht gegen ihn nichts
machen, weil er, Fiſch, ihm ja immer wieder
ver=
ſprochen habe, zu zahlen. So ſchädigte Fiſch in fünf
Fällen ſeine Lieferanten um mehrere tauſend Mark.
Das Geld verpraßte er in leichtfertiger Weiſe. Das
Gericht verurteilte jetzt den rückfälligen Betrüger zu
anderthalb Jahren Zuchthaus. Der Angeklagte wurde
ſofort verhaftet. — Ausder Haft entlaſſen.
Der 22jährige Elektroarbeiter Richard Mohn, der am
Sonntag nachmittag fahrläſſigerweiſe im Hauſe
Bäckerweg 19 ſeinen Bruder erſchoß, iſt aus der Haft
wieder entlaſſen worden. — Der
Papier=
ſchnitzelſchwindler taucht wieder auf.
Der Schwindler, der vor einiger Zeit in Mannheim
eine Kellnerin in geriſſener Weiſe um 40 Mark
da=
durch betrogen hatte, daß er ſie bat, ihm ſtatt
Klein=
geld einen 50=Markſchein zu geben, den er in einem
Eilbriefe abſchicken wolle, wobei er ihr 10 Mark in
Silber gab, ſich dann entfernte mit der Angabe, in
ſeinem Hotel das reſtliche Geld zu holen und als
Pfand den mit Papierſchnitzel gefüllten Brief liegen
ließ, hat jetzt ſeine Tätigkeit weiter nach Norden
ver=
legt und in Höchſt bereits einen Bäckermeiſter in
ähn=
licher Weiſe hineingelegt. Ebenſo hat er in Darmſtadt
den Trick wiederholt, wobei eine Geſchäftsfrau auf
den Leim ging. Der Betrüger, der etwa 24—28 Jahre
alt und 1,75 Meter groß iſt, war gut gekleidet. Er
dürfte den Trick ſicher noch öfters zu wiederholen
ver=
ſuchen. — Schwerer Autounfall. Im
Stadt=
teil Bornheim ſtießen am Freitag abend in der
Neeb=
ſtraße zwei Laſtkraftwagen, von denen eines einen
Anhänger hatte, beim Ueberfahren einer
Straßen=
kreuzung miteinander zuſammen. Der Begleitmann
Becker wurde dabei vom Wagen heruntergeſchleudert
und von ſeinem eigenen Wagen überfahren. Er
wurde mit erheblichen inneren Verletzungen im
Kran=
kenhaus eingeliefert. Durch den Zuſammenprall
wurde auch ein elektriſcher Lichtmaſt umgeriſſen,
wodurch die Straßenbeleuchtung erloſch.
Ein Mörder auf Grund des 8 51 freigeſprochen.
fm. Karlsruhe. Einen Freiſpruch fällte das
Karlsruher Schwurgericht in einem
aufſehenerregen=
den Prozeß wegen Mordes. Am 10. Juni vorigen
Jahres wurde der 44 Jahre alte Pferdehändler
Dreyfuß in Baden=Baden auf offener Straße von
dem 29 Jahre alten Händler Paul Papp durch einen
Schuß aus einer Mauſerpiſtole in den Hinterkopf
ge=
tötet. Der Täter wurde bald verhaftet und erklärte
als Grund der Mordtat, ſein Vater ſei von dem
Pferdehändler Dreyfuß übervorteilt worden. Einige
Tage vor der Tat äußerte ſich Papp mehreren Zeugen
gegenüber, er habe auf niemanden Rückſicht zu
neh=
men, er räche ſich, wenn es nicht ſo gehe, wie er wolle,
denn er komme ja wieder nach der Irrenanſtalt.
Wäh=
rend der einhalbjährigen Unterſuchungshaft zeigte
Papp wohl häufig ein verſtörtes und hyſteriſches
Weſen, jedoch mußten bei der Gerichtsverhandlung die
Sachverſtändigen feſtſtellen, daß bei dem Angeklagten
der 8 51 nicht in „Frage komme oder dies doch zum
mindeſten zweifelhaft ſei. Der Staatsanwalt kam
zu dem Ergebnis, der Angeklagte habe ſich des
Mor=
des ſchuldig gemacht, für den er trotz ſeiner
hyſteri=
ſchen Veranlagung verantwortlich ſei. Er beantragte
die Todesſtrafe. Nach einſtündiger Beratung kam
das Gericht zu einem überraſchenden Urteil. Es
ſprach den Mörder frei und verfügte die
ſofortige Aufhebung des Haftbefehls, indem es den
§ 51 (Ausſchluß der freien Willensbeſtimmung) trotz
der Gutachten als gegeben erachtete.
Munitionsexploſion in Leipzig.
TU. Leipzig. In der Nacht zum Samstag kurz
nach 4 Uhr brach auf dem Gelände der früheren 106er
Kaſerne ein Großfeuer aus. Die Kaſernengebäude
werden zu einem Teil von der Landespolizei, in
ihrem reſtlichen Teil von Privatbetrieben benutzt.
Dort kam auch das Feuer in einer Holzleiſtenfabrik
aus. Es griff auf das Holzlager einer anderen
Firma über. Gegen 9 Uhr vormittags erreichten die
Flammen auch das Obergeſchoß, wo Karabiner,
Ma=
ſchinengewehre, Munition, Oele und Fäſſer lagerten.
Obwohl von Anfang an verſucht worden war, dieſe
Vorräte zu ſchützen, gelang das nicht vollſtändig. Nur
die Pferde und etwa 6000 Schuß Munition konnten
in Sicherheit gebracht werden. Der Reſt der
Muni=
tion flog unter lautem Geknatter in die Luft.
15 Jahre Gefängnis für einen Kuß.
EP. Daß das Alter die Menſchen milder gegen die
Schwächen und Fehler ihrer Nächſten ſtimmt, beweiſt
das Urteil des Generalmajors B. A. Poore,
Kom=
mandeur des 7. Armeekorps in Nebraska. In Ohama
hatten eines ſchönen Tages drei etwas angeheiterte
Soldaten vier junge Mädchen, College=Studentinnen,
geküßt. Sie waren zu außerordentlich ſtrengen
Stra=
fen verurteilt worden; der Anführer zu 15 Jahren
Gefängnis und ſeine beiden Gefährten zu je 10
Jahren. General Poore fand dies zu hart und
wandelte das Urteil von 15 Jahren Gefängnis in ein
ſolches auf 6 Monate um für das Betrunkenſein und
ungehöriges Betragen in Uniform und weitere
6 Monate — für das unerlaubte Küſſen.
Ein neuer Fall Fleſſa.
* Berlin. Ein Seitenſtück zu dem Fall der
Frankfurter Krankenſchweſter Fleſſa, nur mit weniger
tragiſchem Ausgange, beſchäftigte am Freitag das
Schwurgericht des Landgerichts III, unter Vorſitz des
Landgerichtsdirektors Siegert. Die 32jährige
Wirt=
ſchafterin Wilhelmine Hirſchfeld, die zum Revolver
gegen ihren früheren Liebhaber gegriffen hatte, iſt
nunmehr des verſuchten Mordes angeklagt. Die
keineswegs von der Natur mit Liebreiz und Schönheit
ausgeſtattete Frau hatte bei einem Kohlenhändler
Zimmermann, einem Witwer, auf ein Inſerat
Stel=
lung als Wirtſchafterin gefunden. Es entſpann ſich
bald ein intimes Verhältnis zwiſchen den Beiden, bis
Zimmermann in engere Beziehungen zu einer Frau
Schröder trat. Die Wirtſchafterin fing Briefe der
neuen Geliebten auf und öffnete ſie. Als
Zimmer=
mann das merkte, kündigte er ihr die Stellung. Am
Tage, als ſie das Haus verlaſſen ſollte, kam es noch
einmal zu einer Auseinanderſetzung, bei der die
An=
geklagte Zimmermann mit einem Revolver in der Hand
entgegentrat. Zimmermann verſuchte, ihr die Piſtole
zu entringen, dabei ſollen zwei Schüſſe abgegeben
worden ſein, der erſte riß ein Stück vom Ohrläppchen
ab, der zweite drang Zimmermann in den Bauch. Er
iſt aber wieder völlig hergeſtellt. Nach dieſer Tat ließ
die Angeklagte die Rolläden im Laden herunter und
ging weg, wie ſie behauptete, in der Abſicht, ſich ins
Waſſer zu ſtürzen. Die Angeklagte beſtritt bei ihrer
Vernehmung, daß ſie die Abſicht gehabt habe,
Zim=
mermann zu erſchießen. Bei dem Ringen ſei die
Piſtole losgegangen, aber nur einmal. Die Angeklagte
wird als eine blutarme, ſehr hyſteriſche Perſon
be=
zeichnet. Der Paragraph 51 komme aber nicht bei ihr
in Frage. Das Urteil lautete auf ein Jahr
Ge=
fängnis wegen verſuchten Totſchlages unter
Zubil=
ligung mildernder Umſtände und unter Anrechnung
von vier Monaten Unterſuchungshaft. Eine
Haft=
entlaſſung wurde abgelehnt und die Beſchlußfaſſung
über eine Bewährungsfriſt vorbehalten. Das
Schwur=
gericht nahm an, daß die Angeklagte einen
Denk=
zettel mit der Piſtole in der Hand erteilen wollte.
Autounglück.
Cranenburg. An einem Uebergang der
Bahngleiſe über die Straße Cranenburg—Groesbeck
auf holländiſchem Gebiet, der durch keine Schranke
ge=
ſichert iſt, fuhr der Baſeler D=Zug auf ein
Perſonen=
auto, das vollſtändig zertrümmert wurde. Die beiden
Inſaſſen, der Beſitzer und der Führer des Wagens,
wurden in großem Bogen herausgeſchleudert, blieben
aber unverletzt.
Der wahnſinnige Figaro.
Beim Raſieren eines Kunden erlitt ein Friſeur in
Bremen plötzlich einen Anfall geiſtiger Umnachtung,
griff den Kunden mit dem Raſiermeſſer an und
drückte ihm gleichzeitig die Kehle zu. Es gelang
jedoch dem Ueberfallenen, den Angreifer unſchädlich
zu machen und ihn feſtnehmen zu laſſen.
Zuſammenbruch einer Landbundbank.
Das „B. T.” meldet aus Kolberg: Die
Land=
wirtſchafts= und Gewerbebank A.=G. in Pyritz in
Pommern iſt mit rund 340 000 RM. Paſſiven, denen
nur 2500 Aktiven gegenüberſtehen, in Konkurs
geraten. Zahlreiche Firmen und Großgrundbeſitzer
ſind um große Summen geſchädigt. Bedeutende
Poſten hat auch eine Reihe von kleineren Landwirten
eingebüßt. Die Gläubiger beabſichtigen, gegen den
Leiter der Bank wegen betrügeriſchen Bankerottes
vorzugehen. Mit dem Bankkrach wird der
Selbſt=
mord des Grafen v. Schlieffen auf Klein=Soltikow,
der mit 70 000 Mark an dem Bankunternehmen
be=
teiligt war und ſein ganzes Geld verlor, in
Ver=
bindung gebracht.
Der Ueberfall durch den Weihnachtsmann.
Am Weihnachtsabend drang, wie berichtet, ein
Ar=
beiter, Kowalczik, als Weihnachtsmann verkleidet, und
mit vorgehaltenem Revolver in die Räume des
Kon=
ſumvereins Laatzen bei Hannover ein, ergriff die
Tageskaſſe mit 750 Mark Inhalt und verſuchte zu
entfliehen. Es kam jedoch zu einem Handgemenge
zwiſchen ihm und den Angeſtellten, bei dem der
Räu=
ber drei Schüſſe abgab, ohne jedoch jemand zu treffen.
Nun hatte ſich der Weihnachtsmann vor dem
Schöffen=
gericht in Hannover zu verantworten. Das Gericht
verurteilte ihn zu 5 Jahren und drei Monaten
Zuchthaus und ſechs Jahren Ehrverluſt.
Zug=Zuſammenſtöße in Frankreich.
EP. Paris. In der Nähe von Auxerre ſind am
Freitag zwei Perſonenzüge zuſammengeſtoßen. Ein
Reiſender wurde getötet, ſieben wurden ſchwer und
mehrere andere leicht verletzt. In der Nähe von Lyon
ſind auf einer Lokalbahn ebenfalls zwei Züge zu
ſammengeſtoßen. Es wurde nur ein Reiſender
ver=
letzt; dagegen wurden die meiſten Wagen
zer=
trümmert.
Die Tragödie einer jungen Mutter.
b. Aus dem Böhmerwald wird uns geſchrieben:
Ein Unglücksfall, der in ſeiner erſchütternden Tragik
wie das Kapitel eines phantaſtiſchen Romans
er=
ſcheint, hat ſich in dem kleinen Ort Hammern bei
Eiſenſtein im Böhmerwald in dieſen Tagen ereignet.
In einem von mehreren Familien bewohnten
leicht=
gebauten Hauſe der Ortſchaft, in welchem auch der
Arbeiter Meſſerer mit ſeiner erſt vor einem halben
Jahr ihm angetrauten Frau eine Stube innehatte,
brach um Mitternacht plötzlich Feuer aus. Die Frau
des Arbeiters, die Mutterfreuden entgegenſah,
ent=
deckte den Brand zuerſt und alarmierte die
Hausbe=
wohner, die ſich noch rechtzeitig retten konnten. Die
Frau ſelbſt begab ſich nochmals in das brennende
Haus zurück, um aus der Dachkammer noch einige
Habſeligkeiten zu bergen. In dieſem Raum wurde
ſie, von Flammen umzüngelt, plötzlich von
Geburts=
wehen befallen und konnte die brennende Stiege nicht
mehr heruntergebracht werden. Beim Fenſter ſtehend,
gebar ſie, in Rauch und Flammen gehüllt, das Kind.
Nur ihre Hand ragte aus dem Fenſter. Nach dem
Einſturz der brennenden Mauern konnte die
unglück=
liche Frau als verkohlte Leiche geborgen werden. Auch
das neugeborene Kind wurde bei den
Aufräumungs=
arbeiten verkohlt vorgefunden.
Aus der Welt der Rekorde.
EP. Am 27. April 1926 ſtellte Parry Thomas an
der Küſte von Wales einen Welt=
Schnelligkeits=
rekord für Automobile auf, indem er 275,34
Kilo=
meter in der Stunde zurücklegte. Man hat jetzt einen
engliſchen Wagen hergeſtellt, mit dem man hofft,
dieſen Rekord zu ſchlagen. Ausgerüſtet mit zwei
Flugmotoren von 500 PS nimmt man an, daß man
über 300 Kilometer in der Stunde zurücklegen wird.
Die Verſuchsfahrten werden an der Küſte von
Day=
ton (Florida) gemacht werden, die durch ihre
Be=
ſchaffenheit ſich beſonders hierzu eignet.
Seite 9
Charlie Chaplins Nervenzuſammenbruch
Charlie Chaplin,
der berühmte amerikaniſche Film=Groteskſchauſpielen
erlitt in New York einen ſchweren
Nervenzuſammen=
bruch. Chaplin fiel dem Scheidungsprozeß zum Opfer,
den ſeine zweite Gattin gegen ihn angeſtrengt hat.
In der Klageſchrift ſeiner Frau werden nämlich eine
Reihe von Behauptungen aufgeſtellt, die, ſelbſt wenn
ſie unwahr ſind, geeignet ſein dürften, Chaplin ſchwer
zu ſchädigen. Angeſichts der amerikaniſchen
Gepflogen=
heiten, nach denen immer die Frau Recht bekommt,
dürften dieſe Behauptungen ausreichen, um Chaplin
zu einer hohen Abfindung zu zwingen. Man ſpricht
von einer Forderung von 2 Millionen Dollar, die
Chaplin nicht bezahlen will. Der
Nervenzuſammen=
bruch ſoll im Büro des Rechtsanwalts ſtattgefunden
haben, der Chaplin die Klageſchrift ſeiner Gattin
vor=
geleſen hat.
Montmartre in Bekümmernis.
EP. Die ſchwierige Geſchäftslage, die durch die
Frankenhauſſe hervorgerufene Fremdenflucht, macht
ſich auf dem Montmartre, der Gegend, in der man
mit am meiſten auf die Fremden angewieſen iſt,
traurig bemerkbar. Schon haben zehn
Vergnügungs=
ſtätten dort ihre gaſtlichen Tore geſchloſſen, und die
Eigentümer von weiteren 50 Kabaretts haben
er=
klärt, dieſem Beiſpiel bald folgen zu müſſen, wenn
nicht einige von den Steuerlaſten von ihren
Schul=
tern genommen würden. Es iſt noch nicht lange her,
daß die Beſucher der Kabaretts zu ihrem höchſt
miß=
fälligem Erſtaunen plötzlich ihre Rechnungen um
25 Prozent erhöht ſahen, auf Grund der ſogenannten
„Luxusſteuer” Trotzdem war dieſe Steuer nicht neu,
nur hatte ſie bisher der Beſitzer getragen. Mit der
Zeit wurde dies jedoch durch den ſchlechten
Geſchäfts=
gang unmöglich, da ungefähr 48 Prozent der
Ein=
nahmen von den Stenern verſchlungen werden,
Der „Freiſchütz” in der Scala.
EP. Mailand. Mit großem Erfolg wurde am
Donnerstag zum erſten Male ſeit 22 Jahren wieder
Webers Freiſchütz an der Scala unter Leitung des
jungen Kapellmeiſters Gabriele Samtini gegeben.
Die Regie führte Dr. Ernſt Lehrt, die
Ausſtattungs=
entwürfe ſtammen von Prof Fanto von der
Dres=
dener Oper. Für einen großen Teil des italieniſchen
Publikums ſtellte die Oper eine Neuigkeit dar. Sie
fand eine ſehr günſtige Aufnahme. Die Aufführung
erfolgte nicht wie in Deutſchland mit Proſa=
Ein=
lagen, ſondern mit den von Berlioz vertonten
Rezi=
tativen, wie letztes Jahr in Paris. Sänger, Dirigent
und Regiſſeur fanden lebhaften Beifall und wurden
nach jedem Akt viermal vor den Vorhang gerufen.
Frecher Radiumdiebſtahl.
EP. Eine anſehnliche Menge Radium, die Vaſil
Zarahof dem Athener Hoſpital geſchenkt hatte, iſt
unter merkwürdigen Umſtänden geſtohlen worden.
Ein Gemüſehändler ging während der Sprechſtunde
in das Hoſpital und gab an, er leide an Zungenkrebs
und möchte ſich mit Radium kurieren laſſen. Der
Arzt ließ den Patienten ſich ins Bett legen, legte ihm
Radium auf und befahl ihm, es vier Stunden liegen
zu laſſen. Als die Krankenſchweſter zur Einnahme
einer Mahlzeit das Zimmer verließ, zog ſich der
Patient eilig wieder an und verſchwand mit dem
Radium. Er konnte noch nicht verhaftet werden.
Mit dem Flugzeug über das Weiße Meer.
Eine Tierfang=Expedition.
Ein Junkers=Flugzeug der Tierfang=Expedition bei
ſeiner Landung in Podkamenno=Tunguſſkoje, 62
nördlicher Breite. Die Eskimos, die ihre Gäſte im
Lande des ewigen Schnees freudig und begeiſtert
empfingen, haben gern die Gelegenheit benutzt, ſich
vor einem Flngzeng photographieren zu laſſen.
Seife 10
Sonntag, den 23. Januar 1922
Nummer 23
Ua
MooolO AÖr
Nur
erſtklaſſige
Qualitäten
gelangen zum
Verkauf
auf Metallbetten, Holzbetten, Meſſingbeiten, Kinderbetten, Matratzen,
Deck=
betten, Kiſſen, Patent=Matratzen, Reform=Unterbetten, Retorm=Kiſſen, Bett=
/ / / federn, Daunen, Wolldecken, Steppdecken, Daunenſieppdecken / / /
Setelfbädlädft.
Im
Spezialhaus
kaufen Sie
gute Waren
billig
Markt 11
Darmſtadt
Marft 11
Darmstadt
9 Ludwigsplatz 9
(374a
Die Verlobung unserer Kinder
Millit und Alfred
beehren wir uns hierdurch
an-
zuzeigen
Constantin Aeß und Frau
Bornhard Eisenhauer und Frau
Milli Meß
Alfred Eisenhauer
Justizpraktikant
Verlobte
Im Januar 1927.
(1579
Wohnzimmer=
möbel
1 Bank, 2 Seſſel, 1
Tiſch 85X55 cm) bill
zu verlauf. Zu erfr
Beſchäftsſt (154 2
allerfeinſt.,goldgeiber,
reiner Qual. 10 Pfd.=
Eimer ℳ 10.70,5 Pfd=
Eimer ℳ 6.20 Nachn
30 Pfg. mehr
Pundfack. Lehrer a. 2.
Hude 234 in Oldenburg.
(1 BIn 1203)
Die glückliche Geburt eines kräftigen
Jungen zeigen in dankbarer Freude
Rechnungsrat Ad. Beck und Frau
Helene, geb. Weigand.
Darmſiadt, den 18. Januar 1927.
Weberweg 7.
(1847
Magdalena Schmitt
Georg Gunkel
Verlobte 1570
Groß=Gerau Gundernhauſen
Januar 1927.
Die glückliche Geburt einer
geſunden Tochter zeigen an
Regierungsbaurat Hofmann
u. Frau Dora, geb. Gruenewald
Darmſtadt, den 22. Januar 1927
z. Zt. Klinik Dr. Hoffmann u. Dr. Wolff,
(1656
Riedeſelſiraße.
Ihre am 22. Januar 1927 zu
Lauterbach (Hessen)
voll-
zogene Vermählung beehren
sich anzuzeigen (1577
Thilo Rothamel, Dipl. Fautwann
und Frau IISe, geb. Henzel.
Guterh Bet: zu kauf.
geſ. Angeb= u. M 34
an die Geſchſt /*178
Todes=Anzeige.
Heute vormitiag 11 Uhr entſchlief ſanft nach
kurzer Krankheit unſere liebe, gute Mutter,
Schwie=
germutter, Großmutter und Urgroßmutter
Eliſe Hanſtein
geb. von Horix
Witwe des Rektors Friedrich Hanſtein
im 87. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Fritz Hanſtein, Amtsgerichtsdireltor
Elſe Stumpff, geb. Hanſtein
Ida Hanſtein, geb. Pfannſtiel
Alfred Stumpff
Elsbet Stumpff, geb. Stumpff und
Erich Stumpff, Siaatsanwalt
Dr. Alfred Stumpff, Regierungsaſſeſſor und
Gretel Stumpff, geb. Altheim
Cläre Stumpff,
Fritz Hanſtein, stud. electr.
Ilſe Hanſtein und
2 Urenkel.
Darmſtadt, Wiesbaden, 22. Januar 1927. (1900
Die Einäſcheruug findet in der Stille ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Entſchlafenen.
Beileidsbeſuche dankend verbeten
Heute Nacht ſiarb plötzlich an einem Herzſchlag
nach langem ſchweren Leiden meine liebe, tapfere Frau,
die treue Mutter meines Kindes
Hiad einn Mager
geb. Schäfer.
Büdingen, den 21. Januar 1927.
Dr. Adolf Müller.
Die Beerdigung findet Montag, 24. Januar, 12 Uhr
mittags, auf dem alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſiraße in Darmſiadt ſiatt.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, geſtern abend
7 Uhr unſere liebe, treuſorgende Mutter, Schwiegermutter
Großmutter, Urgroßmutter, Schwägerin und Tante
Frau Eliſabeth Tempel Ww.
geb. Steiauf
nach kurzem Krankenlager im Alter von 76 Jahren zu
ſich in die Ewigkeit abzurufen
Um ſtille Teilnahme bitten
* Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Tempel, Elmshauſen
Familie He lmann, Elmshauſen
Familie Karl Tempel Ww., Babenhauſen
Familie Schultheis, Niltheimer Hof
bei Aſchaffenburg.
Elmshauſen, 22. Januar 1927.
Die Beerdigung findet Montag nachmittag 2 Uhr vom
Trauerhauſe in Elmshauſen aus ſtatt. (1584
Na8
neue, für Herren u.
Damen 4./. Umpreſſ.
und reinigen nach
neueſten Formen 2.4.
Frankfurt. Hutlager
Ecke Bismarck= und
(6 rafenſtraße. (*1475
Trauerkleidung
Statt Karten.
Allen, die beim Heimgang
unſerer guten Mutter in Liebe
unſer gedachten, auf dieſem
Wege unſeren tiefgefühlten
Dank.
(:1917
Karl Vogel
Familie Adolf Vogel.
Darmſtadt, den 22. Januar 1927.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
herz=
licherTeilnahme beim Hinſcheiden
meines lieben Bruders
ſage ich Allen meinen
tiefge=
fühlten Dank
(*1877
Wilhelm Reichenbach.
Wiesbaden, den 21. Januar 1927.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger
Teilnahme bei dem Heimgang unſeres
herzensguten Sohnes und Bruders ſagen
wir auf dieſem Wege unſern herzlichen
Dank. Beſonders danken wir Herrn
Pfarrer Zimmermann für ſeine
troſi=
reichen Worte, Herrn Direktor Ritzert,
Herrn Dr. Mederd für ſeinen
ehren=
vollen Nachruf, ſowie den Herren
Lehrern und Schülern des
Realgym=
naſiums, Herrn Lehrer Lindenſchmidt
und den Schülern der Ballonſchule, den
Patienten, des Städt. Krankenhau es,
Mittelbau, Zimmer 11, ſowie Allen,
die unſer Kind zur letzten Ruhe
ge=
leiteten.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Paul Schwarz
Magdalenenſtr., 19.
Darmſtadt, 23. Januar 1927. (*1913
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Sonntag, den 23. Januar 1927
Geite 11
Ohorl Sper und Tarnen.
Deutſche Turnerſchaft; Main=Rhein=Gau.
Die Meiſterklaſſe bringt ihr vorletztes Treffen, Griesheim-Langen,
nio müßte, nach dem Vorſpiel gewertet (3:2 für Griesheim), den
Sie=
im Platzverein ſehen. Die Meiſterehre iſt Griesheim nicht mehr zu
enmen und ſo hat das Ergebnis nur für Langen Bedeutung, als
An=
m—ter auf den zweiten Platz. Doch wird in dieſem Falle Pfungſtadt
og5 mitreden, wie nachſtehende Tabelle ausweiſt. Dann können wir
mn verraten, daß vorausſichtlich am 13. Februar der ehemalige
ſmtſche Handballmeiſter Seckbach in Griesheim um die
Kreismeiſter=
oift ſpielen wird. Sprendlingen empfängt Aſchaffenburg zum letzten
Fele und hat eine 1:3 Niederlage wett zu machen. Außerdem ſpielt
u Tgde. Darmſtadt 2—Egelsbach 2.
Sp. gew. un. verl.
T. Gau
Handball.
Griesheim
Pfungſtadt
Langen
Gberſtadt
Nauheim
Sprendlingen
Aſchaffenburg
11
11
10
11
11
10
10
14
11.
45:18
32:19
32:12
3:27
36:39
24:53
11:47
Darmſtädier Sporikalender.
Handball.
9.45 Uhr: (Hochſchulſportplatz) Rot=Weiß — Akadem. Sportklub.
11 Uhr: (Hochſchulſportplatz) Sportv. 98 Darmſtadt — Polizei=
Sportv. Babenhauſen.
3 Uhr: (Heidelbergerſtraße) F.C. Union — T. u. Sp. G. Höchſt.
Fußball.
3 Uhr: (Stadion) Sportverein 98 — Kurheſſen Kaſſel.
3 Uhr: (Rheinallee), V. f. R. — Eintracht.
Schießſport.
(Karlshof) Wettſchießen.
Schießſport.
Preisſchießen hinter dem Karlshof.
Am Sonntag, den 23. Januar 1927, findet auf den Ständen hinter
m. Karlshof ein Preisſchießen ſtatt, an dem ſich heſſiſche Vereine
be=
ilggen können. Dieſe rein ſportliche Veranſtaltung wird bei jedem
etter durchgeführt werden. Um weniger geübten Schützen mehr
ſeaade an unſerem edlen Sport abzugewinnen, wird erſtmals in drei
ſofſen zum Match angetreten. Durch dieſe Einteilung tritt jeder
ſhätze, ob gut oder weniger gut, gegen einen gleichwertigen Gegner
I) wodurch der Sieg einen höheren Gehalt bekommt. „Unter den
eſsen der Beſe” muß das Ziel ſein. Es erwacht ſicher bei jedem
ehr=
henden Schützen der Ehreiz und es dem Beſten gleich zu tun, wird
n Streben werden. Auch die Oeffentlichkeit dürfte ſich mehr für den
Gseßſport intereſſieren, der in guten Formen durchgeführt, beſtimmt
men Zweck nicht verfehlt. Der Schießſportler iſt ſo ein ſchlimmer
ann gar nicht, er kennt auch nur ſeinen Sport und das Böſe ſitzt
iEk in anderen Köpfen. Offen ſei geſagt, daß wir nichts wollen als
yſaren Sport, daß politiſche Tendenzen uns grundſätzlich fernſtehen.
drer, der Sport kennt und Sport will, wird zu uns kommen. Nichts
dr res wollen wir, als unſeren Sport ausüben, und uns ertüchtigen.
inr Schießſport geſchieht dies durch Anſpannung des geſamten
ulskelſyſtems. Hier glätten ſich die Wogen der Leidenſchaft. Zu
ſar Veranſtaltung laden wir nicht nur Schießſportfreunde ein
viel=
uhr feden, der überhaupt Sport will und wünſchen, daß der
Wetter=
ſti, ſich nicht gar zu trotzig zeige.
Bedingungen:
REinzelkampf: 1. Liegend freihändig, 5 Schuß, 10er Ringſcheibe,
50 Meter Entfernung; 2. kniend oder ſitzend; 3. ſtehend freih.
1Oreikampf: 15 Schuß nach bekannten Sportregeln, wobei die
Reſultate aus A 1—3 gelten.
Mannſchaftskampf: Von 4 Schützen, die namentlich gemeldet werden
müfſen, werden die Reſultate aus 4 1—3 genommen.
SBewertet wird nur nach bekannten Sportregeln.
En Preiſen ſtehen zur Verfügung: Einzelkampf, fe eine
Ehren=
kumde für den Beſten jeder Klaſſe. Dreikampf, je eine Plakette
d 2 Ehrenurkunden für die Beſten jeder Klaſſe. —
Mannſchafts=
miof, jeder Schütze der ſiegenden Mannſchaft jeder Klaſſe erhält eine
äin nerungsnadel.
DDa dieſer Match zum Teil durch beſonders gufe Kräfte beſtritten
r). dürfte es nicht unintereſſant ſein, dieſe Veranſtaltung zu beſuchen.
o5 den Schützen zu zeigen, daß man Können achtet, den Sport ehrt
0o) anerkennt.
Kraftſport.
Pol=Sp.=V. Darmſtadt— „Siegfried” Pfungſtadt.
Am vergangenen Freitag weilten die Polizei=Sportvereins Ringer
9sfungſtadt in der Vorrunde um den Aufſtieg zu den
Gaumeiſter=
gis en. Die faire Ringweiſe und die ſehnigen Körper der Ringer
hx größten Beifall aus. Die Polizei=Sportvereins=Mannſchaft
möifte überlegen. Als Schiedsrichter fungierte Herr Veith=Darmſtadt,
Atik=Sportverein 1910, in gerechter Weiſe. Reſultat 12:2 für
Ulnsei=Sportverein. — Fliegengewicht: Seger=Pfungſtadt, Sieger
miflos. — Bantamgewicht: W. Größmann=Pf.—Held D., Sieger, 1,25
n — Federgewicht: Gg. Größmann=Pf.—Flügel=D., Sieger, 3,25;
bseichtgewicht: Jäger=Pf.—Beſant=D., Sieger, 2,35. —
Leichtmittel=
vTht: Steinmetz=Pf.—Stumpf=D., Sieger, 3.43. —
Schwermittelge=
ih.: Arnold Pf.-Vetter=D., Sieger, 6.40. — Schwergewicht:
Ger=
wer=Pf.—Knapp=D., Sieger, 1,28 Min.
Generalverſammlung des V. f. L. Rot=Weiß 22
— Am Donnerstag hielt im Fürſtenſaal der V.f.L. Rot=Weiß
1922 ſeine gutbeſuchte Generalverſammlung ab. Aus den Berichten
der Abteilungsleiter ging hervor, daß der Verein im vergangenen Jahr
in ſportlicher Beziehung einen großen Aufſchwung genommen hatte.
Beſonders Erfreuliches hatten die Schwimmer zu berichten, die durch
die Vereinigung der Stammvereine, V.f.L. Heſſen und SS.V. Möwe
am meiſten gewonnen haben. Die letzten Vereinsmeiſterſchaften legten
beredtes Zeugnis hiervon ab. Am beſten hatten die Handballer
abge=
ſchnitten. Unzählige Siege und zwei Meiſterſchaften waren das
Ergeb=
nis eines tüchtigen Trainings. Auch die Turner und ganz beſonders
die Turnerinnen haben Großes zum Aufſtieg des Vereins beigetragen,
das Gleiche gilt von den Schwerathleten. Die Leichtathleten hatten ſehr
wegen der noch nicht fertiggeſtellten Laufbahn zu leiden; ihre Erfolge
ſind daher doppelt anerkennenswert. In finanzieller Beziehung ſteht
der Verein, genau wie ſo viele andere, nicht gerade glänzend da. Der
Bau des Sportplatzes verſchlingt erhebliche Mittel. Trotzdem ſchreitet
die Fertigſtellung voran. Wenn man überlegt, daß alles aus eigener
Kraft geſchaffen wurde, ſo muß man vor der Platzkommiſſion die meiſte
Achtung haben; denn was nützen alle die ſchönen Worte der
maß=
gebenden Kreiſe, wenn die Taten nicht folgen. — — Bei der
Neu=
wahl wurde größtenteils der alte Vorſtand gewählt, wodurch das
Vertrauen, das die Mitglieder für ihn hegen, erneut bewieſen wird. —
Die Zuſammenſetzung bürgt dafür, daß ſachliche Arbeit geleiſtet wird.
Dieſelbe iſt auch notwendig, wenn die geſteckten Ziele erreicht werden
ſollen. In dieſem Jahre ſoll der Sportplatz endgültia fertiggeſtellt
werden. Die Einweihung findet zuſammen mit dem 5jährigen
Stif=
tungsfeſt ſtatt. Ungeheuere Arbeit iſt bis dorthin zu erledigen. V.f.L.
Rot=Weiß wird dann über eine der beſten Sportanlagen in
Darm=
ſtadt und Umgebung verfügen, und vor allem die größte Laufbahn
be=
ſitzen. Am Schluſſe der Verſammlung wurde einem verdienten
Mit=
gliede noch eine ganz beſondere Ehrung zuteil. Herr Willy Hanſt
wurde wegen ſeiner großen Verdienſte um den Verein zum erſten
Ehrenmitglied ernannt. Er hat ſtets ſeinen Mann geſtellt und war
einer der Wenigen, die trotz Mißerfolge und ungünſtigen Umſtänden
immer für die Vereinigung der alten Brudervereine Heſſen und Möwe
gearbeitet haben, mit dem Erfolge, daß der Zerſplitterung im
Darm=
ſtädter Schwimmſport endlich ein Riegel vorgeſchoben wurde. Auch
an dieſer Stelle Herrn Hanſt den herzlichſten Glückwunſch.
Geſchäftliches.
Vertrauensſache iſt unbedingt der Einkauf von Bettfedern, fertigen
Betten uſw. Wohlbefinden und Geſundheit ſind davon abhängig.
Man wende ſich bei Anſchaffung dieſer Artikel daher nur an eine
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„Die Bedeutung des Dichters Lernet=Holenia für das Theater”.
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Volks=
bildung. O 7.30: Aus dem Saalbau: Siebentes Sinfonie=Konzert
des Frankf. Orcheſtervereins. Haydn: Sinfonie in C=Dur. — Toch:
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Sonntag, 23. Januar. 11.30: Liter.=Muſik. Morgenfeier.
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poſitionen von Chriſtian Knayer. Mitw.: Lydia Knayer (Sopran),
Thriſtian Knayer (Flügel), Fritz Käßer (Tenor), Fritz Künſtner
Violine), Georg Ott (Rez.) O 2: Schallplattenkonzert. O 3: Dr.
Dr. Elwenſpoek: Von großen Epen der Weltliteratur mit Rez.).
O 3.30: Uebertr. „Funkheinzelmann” Anſchl.: Konzert. Mitw.:
Lieſel Qmesdahl, Fritz Schätzler, Funkorch. Bizet: Carmenmarſch.
— Strauß: An der ſchönen blauen Donau. — Offenbach: Ouv.
„Orpheus”. — Landsknechtslieder. — Minnelied um 1452;
Minne=
lied um 1525. — d’Albert: Fant. „Tiefland”. — Altdeutſche Lieder.
— Altdeutſche Lieder. — Abſchied v. Liebchen (um 1530); Das
Maidlein (um 1540). — Gounod: Fant. „Margarethe‟. —
Alt=
deutſche Lieder. — Im Maien (um 1553); Alter Reigen um das
erſte Veilchen (1553). — Translateur: Was Blumen träumen.
— Brahms: Ung. Tänze. — Noak: Heinzelmännchens Wachtparade.
O 6.15: Karl Walter: Reiſe durch Baden vor 100 Jahren. O 6.45:
Aus Werken von Auguſte Supper und Ernſt Zahn (Hildegard von
Zedtwitz, E. Stockinger). O 8: Lieder=Stunde. Mitw.: Eliſab.
Holzbaur (Mezzoſopran). A. Haagen (Flügel). Pfitzner: Untreu
und Troſt. Die Einſame. Iſt der Himmel darum im Lenz ſo
blau. Abendrot. — Schumann: Wald=Szenen. — Dvorak:
Zigeu=
ner=Melodien. O 9: Bunter Abend. Mitw.: Erna Faßbinder, Theal
Struve=Jöhnſſen, Käte Mann, Gerda Hanſi, Hilde Binder, Th.
Brandt, Hans Hanus, Fred Höger, Karl Köſtlin, Max Heye,
Funkorch. Hoch= und Deutſchmeiſter=Marſch. — Flotow: Ouv.
„Stradella”. — Hochzeit im Hauſe Alfanz. Hörſpiel von Max
Heye —
Berlin.
Sonntag, 23. Jan. 9: Morgenfeier. Mitw.: Otto Priebe
(Orgel), Poſaunenchor des Oſtdeutſchen Jünglingsbundes, Karl Haas
(Rez.), Charl. Freyer (Sopran), Pfarrer Bährens, Sorau. O 11.30-
Platzmuſik. Muſikkorps des 1. Batl. 9. Inf.=Reg. O 1.10: Stunde
der Lebenden. Alexander Lernet=Holenia, Hans Henny Jahnn.
Einl. Worte: Dr. Kerr. O 3: Dir. Hamm: Die geſetzliche
nicht. — Roſſini: Ouv. Barbier von Sevilla. — Verdi: Fant.
Troubadour. — Maſſenet: Meditation aus Thais. — Strauß:
Potp. Der luſtige Krieg. — Blumann: Humoriſtiſche Variationen
über Nun leb wohl, du kleine Gaſſe. — Canaro: Alfredo. —
Kahn und Fiorito: J never know. O 6.40: Prof. Dr. Hörth:
Zur Uebertr. aus der Staatsoper am 24. Jan. O 7.05: Otto
Roth: Gedanken über den Sinn des Lebens. O 7.30: Dr.
Hoffmann=Harniſch: Die Frauen der deutſchen Literatur (
Mittel=
alter). O 7.55: Dr. Baſchwitz: Das Seelenleben jugendlicher
Sünder. O 8.30: Kunterbunt. Schweizer Jodler (Hanſi Sachert).
— Suppe: Ouv Leichte Kavallerie (Arthur Merſiowsky, Bandonion).
— Krakauer: Als der Mond Fat aus den Wolken. — Millöcker:
Küraſſierlied. (Franz Groß, Bariton). — Kollmaneck: Waldeszauber=
Walzer (Zither=Trio). — Vogelhändler, Potp. (Fredy Moreno,
Runſtpfeiffer). — Erzherzog=Johann=Jodler (Sachert). — Metra:
Serenade eſpagnole (Merſiowsky, Baudonion). — Millöcker: Reiter=
Couplet. — Maxſtadt: Lob der Frauen (Groß, Bariton).
Hauſtein: Paraphraſe über Von meinen Bergen (Zither=Duett).
— Hertzer: Hoch Heidecksburg (Moreno). — Pörſchmann: Avanti”,
ſempre (Merſiowsky, Bandonion), — Schweizer Schnaderhüpſerl
(Sacert). — Fiſcher: „Hoch Germanja Zither=Triof. — Carl
Lorenz: Die Blunzen und die Leberwurſcht. — Otto Reutter: Das
iſt niſcht — das macht Laune (Groß). O 10.30: Tanzorch. Ette.
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[ ← ][ ][ → ] Der deutſche Außenhandel
im Dezember 1926.
Erhöhung der Einfuhr — Abſchwachung der
Ausfuhr.
Der deutſche Außenhandel zeigt im Dezember im reinen
Warenverkehr einen Einfuhrüberſchuß von 227s Mill. RM. gegen
123 Mill. RM. im Vormonat. Das Jahr 1926 ſchließt ſomit mit einer
leichten Paſſivität im reinen Warenverkehr, 132 Mill. RM., ab; der
Einfuhrüberſchuß insgeſamt beträgt 711 Mill. RM.
Einfuhr
2. Lebensmittel und Getränke
3. Rohſtoffe und halbfertige Waren
. Fertige Waren Nov. Jan.=Dez.
Dez.
1926
1926
1926
in 1000 RM. nach Gegenwartswerten
15 499
12 817
124 494
348 373 338 197
3 578 652
557 300 504 931 4924 338
141 028
141 109 1322 681 Reiner Warenverkehr
5. Gold und Silber*! 1059 518
79 778 999 736
71 313 9950 065
615 246 Zuſammen: 139 296 1071049 10565 311 Ausfuhr Dez. Nov. Jan.=Dez. 1926 1926 1926 in 1000 RM. nach Gegenwartswerten ..
1. Lebende Tiere 827 741 10 697 2. Lebensmittel und Getränke 52 710 59 846 476 409 3. Nohſtoffe und halbfertige Waren 213 880 237 473 2 362 919 4. Fertige Waren . . 565 094 578 308 6 968 102 Reiner Warenverkehr ... 832511 876 371 9 818 120 5. Gold und Silber*)
2 023 1896 36 201
878 267
9854 321
Zuſammen: 834534
Der deutſche Außenhandel zeigt im Dezember eine leichte Erhöhung
der Einfuhr und gleichzeitig eine Abſchwächung der Ausfuhr. Die
Zu=
nahme der reinen Wareneinfuhr beträgt 60 Mill. RM. Die Einfuhr an
Lebensmitteln iſt um 10 Mill. RM., die Einfuhr an Rohſtoffen um
52 Mill. RM. geſtiegen. Bei der Warenausfuhr iſt eine Abnahme um
44 Mill. RM. feſtzuſtellen, davon entfallen 7 Mill. RM. auf
Lebens=
mittel, 24 Mill. RM. auf Rohſtoffe und 13 Mill. RM. auf Fertigwaren.
Im einzelnen iſt folgendes zu berichten:
Die Einfuhr an Lebensmitteln und Getränken
weiſt gegen den Vormonat eine Zunahme um 10,2 Mill. RM. auf.
Geſtiegen iſt die Einfuhr an Reis, Mais, Südfrüchten, Fiſchen, geſunken
dagegen die Einfuhr an Weizen, Obſt, Kartoffeln, Schmalz.
Die Einfuhr an Rohſtoffen und halbfertigen Waren
zeigt eine Steigerung um 52,4 Mill. RM. Daran ſind die
Textilroh=
ſtoffe mit 39,8 Mill. RM. (darunter Baumwolle mit 20,9, Wolle mit
17,3 Mill. RM.) beteiligt. Zunahme zeigt ferner die Einfuhr an Kupfer,
Siſen= und ſonſtigen Erzen, Rohtabak, Bau= und Nutzholz. Eine
Ab=
ſchwächung weiſt dagegen auf: die Einfuhr an Hopfen, Fellen zu
Pelz=
werk, Kalbfellen und Rindshäuten.
Die Einfuhr an Fertigwaren iſt im Dezember gegen den
Vor=
monat nahezu unverändert geblieben (Verminderung um 0,1 Mill. RM.).
Bei der Ausfuhr an Lebensmitteln und Getränken
iſt gegen den Vormonat eine Abnahme um 7.1 Mill. RM. feſtzuſtellen.
Während die Ausfuhr an Roggen, Weizen und Kartoffeln leicht
zurück=
ging, zeigt die Ausfuhr an Zucker eine weitere Zunahme.
Die Ausfuhr an Rohſtoffen und halbfertigen Waren
zeigt eine Verminderung um 23,6 Mill. RM. Darum ſind Steinkohlen
mit 14,7 Mill. RM., Preßkohlen mit 6,5 und Koks mit 2,4 Mill. RM.
beteiligt.
Auch die Ausfuhr an Fertigwaren weiſt eine leichte
Ab=
ſchwächung — um 13,2 Mill. RM. — auf, die hauptſächlich auf die
ver=
minderte Ausfuhr an elektrotechniſchen Erzeugniſſen (um 9,2 Mill. RM.),
Farben, Firniſſen uſw., Kinderſpielzeug und Pelze, Pelzwaren
zurück=
zuführen iſt. Die Ausfuhr der Textilfertigwaren zeigt ebenfalls eine
geringfügige Abnahme (1 Mill. RM.). Dagegen weiſt die Ausfuhr an
Eiſenwaren und Walzwerkserzeugniſſen (um 3,5 Mill. RM.) und vor
allem an Maſchinen (um 8,5 Mill. RM.) eine Zunahme auf.
Die Einfuhr an Gold und Silber zeigt eine leichte Zunahme
(um 8,4 Mill. RM.), die Ausfuhr iſt nahezu unverändert geblieben.
*) Nicht bearbeitet, Gold= und Silbermünzen.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 22. Januar.
Das Geſehäft an der heutigen Samstagsbörſe war zwar nicht groß,
die Tendenz aser doch ſehr feſt. Die Annahme des Auftrags durch den
Reichskanzler Dr. Marx, eine Regierung der Büirgerlichen zu bilden,
machte einen guten Eindruck, weil dadurch die drohende Auflöſung des
Reichstags ausgeſchaltet wird. Im Gegenſatz zu den letzten Börſentagen
waren es heute aber nicht nur einige Spezialitäten, für die man ſich
intereſſierte, ſondern das ganze Kursniveau konnte ſich etwas heben. Die
Banken gewannen 1—2 Prozent, die Montanwerte bis zu 4 Prozent,
wvobei beſonders Buderus, Harpener und Rheinſtahl in den
Vorder=
grund traten. Feſt waren auch die Kaliwerte mit Kursbeſſerungen von
5 Prozent. Für Schiffahrtswerte bleibt dagegen die Stimmung recht
unſicher. Lloyd waren 1½ Prozent erholt, dagegen Hapag 1¾ Proz.
niedriger. Ausgeſprochen feſte Tendenz legten heute die Chemiewerte
an den Tag. J.G. Farbeninduſtrie errangen ſelbſt eine Kursbeſſerung
Staatspapiere
s) Deutſche
6 ½½Neichsp.=Sch.
p. 1. 10 30
7½ Bayher Staats=
Sch. p. 1 4. 29
6‟ % H. V.= Sch.
p. 1 4 29
6‟ „% Pr. St.=Ech
p. 1 3 29
6‟ „%0 Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 30
7% Sächſ Fr.=Sch.
p. 1 7 2)
7% Säch) Fr.=Sch.
p. 1 7 30
6‟,%Württ. F. Sch
p. 1 P 29
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich
Ausloſungsſcheinen!
Vorkriegsanleihen
5% D. Reichsan.
4% D. Reichsan!
4% D. Schutzgb
08—11 u. 13
4% D. Schutzg. v. 1.
4% Preuß. Konſ.
4% Baden.....
4½Bayern .. .."
4% Heſſen
42 Württemberge
b) Ausländ iſche
5% Bos. E.B 1914
6% L.Jnv. 1914
4½% 1898
4½% 1902 ..:
429
5 % Bulg Tabal0
4 ½% Sſt. Staarst.
v. 1913, Kdb. 1918
B%Oſt. Schax. 141
0.947
18 2
0.95
1.15
0.9
0.96
72
34.5
Mefft Kie
Goldr
4% einh. R.(kon)
120 Port./ Spz ) un
5% Num am. R.03
4½% Gold 13.
% am. ronv.
1% am 05
4%Türk (Adm./03
10 Türt. Bagd. I
(Bagb.) II
1911 Boll.
4 ½%0 Ung. St 1913
2% St 1914
Goldr.
St 10
Kronr.
Eiſ. Tor.G
Außereuro
päiſche
5% Mex.am. inn
5% äuß 99
4‟ Gold 14.ſtf.
SSl.
kon) inn.
1½2
Irrigat.
5% Tamaulipas 1
Sachwert=
Schuld-
verſchreibungen
Mit
Binsberech=
nung
10% Berl. 6.-Bt. G.
8% Berl. St.=Gold.
3% Darmſt St.:G
8% D. Hyp.=Ban
Meining., Goldpf.
3% Friſ.=Hyp.-B.-
Goldpfdbr
8 %0 Frif. Pfbr.=Bf.
Goldpſdbr.
5% Frtf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr.. . . . .
Komm. 2db D.,
Goldſchuldver
3% Heſſ. Lbb. Gold.
108 Komm Elektr.
Mark (Hag.; Gold.
3½ Mannh St=G.
8½ Mainz St.G.
8% Naſſ. Lov. Gold
3% Pfälzer H. B
Goldpfandbr.
8% Pforzh St.=G.
89 Pr. C..B.Cr. V.
Gofdpfandbr.
18 RL.Hyv =B. G.
7.%Rh. St.-W. 25
10% Rh.=Weſtf. B.=
Cr.=Bk. Goldpf.
AD.
% Südb. B Cr.=B.
Goldpfandbr.
5% Bdw. Kohl 23
6%Großfr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſt. Brk.=Rog.
5% Roggen 2:
5% Pr. Kaliw.
52 Pr. Roggenw.
5 % Südd. Feſt=B. G
Zorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay Vereinsb.
Bayr Handelsb.
Bahr. Hyp. u. Wechſ
Berliner Hyp B
Frrf. Hyp.=Bk.
Frkf Pfandbr.=B.
Hamb. Hyp.=B..
Mecklb Hyp.=u. W
Meining. Hyp.B1.
Nordd Gr.-Cr.=Bf
Pfälz. Hyp.=Bt.
Preuß. Bod.-Cr.=B
Pr. Cent.=B. Kr.-T
von 4 Proz., auch Scheideanſtalt faſt 5 Proz. höher. Metallgeſellſchaft
zogen um 4½ Proz. an, und nur Holzverkohlung blieben knapp
be=
hauptet. Auch Elektrowerte ſetzten in beſcheidenem Maße ihre
Kurs=
beſſerungen fort, wobei Bergmann mit einer erneuten Zprozentigen
Kursbeſſerung den Ton angaben. Auf dem Anleihemarkte waren nur
Schutzgebiete ſtärker geſucht auf die gegenwärtig im Haag ſtattfindenden
Verhandlungen. Kriegsanleihen gut behauptet und Ausländer teilweiſe
etwas feſter. Im weiteren Verlauf blieb die Umſatztätigkeit ebenfalls
ziemlich beſcheiden; die Kursbeſſerungen konnten ſich aben nicht nur
be=
haupten, ſondern vergrößerten ſich teilweiſe noch. Beſonders für
Har=
pener, Bergmann und ſchließlich auch noch für Deutſche Erdöl ergaben
ſich weitere Steigerungen. Tägliches Geld 3 Prozent.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 22. Januar.
Die Samstagbörſe zeigte das jetzt ſchon gewohnte Bild. Eine
An=
zahl von beſonders feſten Papieren, die auf Grund umlaufender
Ge=
rüchte oder gewiſſer Hoffnungen der Spekulation einen Kaufanreiz
bieten, zogen ſtärker im Kurſe an. Von dieſen Werten ging wieder eine
günſtige Beeinfluſſung der geſamten Tendenz aus. Der amtliche
Ver=
kehr eröffnete für den Wochenſchluß außerordentlich lebhaft. Die
An=
ſchaffungen aus der Prooinz haben ſich kaum verringert und
veranlaß=
ten damit Deckungskäufe der Baiſſeſpekulation, die ſich bei Beginn der
geſtrigen Börſe etwas hervorgewagt hatte. 4—5proz. Steigerungen
er=
fuhren einige Vankaktien unter Führung der Darmſtädter Nationalbank
und der Dresdner Bank, ſowie der Bayeriſchen Inſtitute. Von
Mon=
tanaktien Mannesmann und Braunkohlenwerte, ferner ſämtliche
Kali=
aktien auf günſtige Abſatzmeldungen. Deſſauer Gas im Zuſammenhang
mit den ſchwebenden Projekten, Sarotti=Aktien, einselne Werte des
Marktes der Maſchinen= und Metallaktien. Ver. Glanzſtoff zogen um
über 10 Prozent an. Auch Textilwerte lagen unter Hinweis auf die
günſtigen Situationsberichte der Textilinduſtrie bis 3 Prozent höher.
Am offenen Geldmarkt beſtand nach wie vor ein Ueberangebot von
kurz=
friſtigen Mitteln. Die Tendenz einer allgemeinen Zinsſenkung wurde
neuerdings wieder durch die abermalige Diskontermäßigung der
See=
handlung für unverzinsliche preußiſche Schatzanweiſungen betont.
Tagesgeld wurde mit 3—4 Prozent und darunter angeboten, ohne vom
Markt aufgenommen zu werden. Am Deviſenmarkt war das Geſchäft
verhältnismäßig ruhig. Der Dollar behauptete mit 4,2190 gegen die
Mark ſeinen feſten Stand. Paris kaum verändert (122½), Mailand und
Spanien eine Kleinigkeit feſter.
Im weiteren Verlauf der Börſe kam die Aufwärtsbewegung an den
Terminmärkten vorübergehend zum Stillſtand, um ſich dann kräftig
fort=
zuſetzen. Das Zentrum der Wochenſchlußhauſſe war der
Montanaktien=
markt, den die von uns ſchon erwähnte Rekordproduktion der deurſchen
Eiſeninduſtrie und die lebhafte Befeſtigung des Kohlenbergbaues in
Verbindung mit den ſchwebenden großen Profekten zur Verwertung der
Kohle das Gebiet für die Spekulation beſonders intereſſant machen.
Außerdem bevorzugten die Käufer hauptſächlich die bekannten weſtlichen
Montanwerte. Von den bisher weniger beachteten Papieren gewannen
Buderus im Verlauf 10 Prozent und Leopoldgrube neue 8½ Prozent.
Salzdetfurth zogen abermals um 2 Prozent und Lorenz um 3½ Prozent
an. Von Metallwerten ſtiegen Schneider um 5½ Prozent. Von
Tarif=
werten Charlottenburger Waſſer 2½. Am unnotierten Markt fanden
große Umſätze in Shade=Aktien zu 1825 ſtatt. Privatdiskont kurze und
lange Sicht 4 Prozent. An der Nachbörſe war das Geſchäft am
Mon=
tanaktienmarkt nach wie vor lebhaft. Nach einer vorübergehenden
Ver=
ſtimmung infolge der großen Paſſivität des Außenhandels im Dezember
ſetzte ſich auf ſpekulative Käufe im Spätverkehr abermals eine
Befeſti=
gung dureh, ſodaß die höchſten Tageskurſe faſt wieder erreicht wurden.
Aſchaffb. Zel’ſtoff
Augsb.=Nürnb. Maſch
Ramag=Mequin.
Werl. E. W. Stamm..
Berlin. KarlsruheInd
Braunkohl.=Briketts.
Bremer Vulkan ...
Bremer Wolle..
Teutſch.=Atlant. Tel.
Teutſche Maſchinen.
Deutſch.=Nied. Tel..
Teutſche Erdöl ....
Deutſche Petroleum.
Ilt. Ka iwerke.
Tonnersmarckhüte.
Tynamit Nobel..
Reltr. L eferung.
Z. G. Farben.
Friſter
Taggenau Vorz.
Felſenk Guxſtahl
5. f. elertr. Untern
Salle Maſchinen.
Han. Maſch. Egeſt.
Hanſa Tampfſchf..
Deviſenmarkt.
Amſterdam=R.
Buenos=Aires.
Früſſel=Antw
slo
Kopenhagen
Stodholm
Kelſingſors
Italien ..
London ..
ſien=York. .
aris .
Echn eis
panien
21. I.
Eeld /Brief
168.44 168.8
1.739/ 1.743
58.585 58.72.
07.44 107.7
112.33 112.6
112-44/112.7
10.597
18.215
20.449
4. 213
16.71
31. 145
10.6:
18.25
20.5(
4.22
16.7
81.345
68.04/ 68.221 68 23
Geld Brief 168.47 168.8 1.739 1.743 58.60 58.74 107.42 107.6 1r2 30 112.5c 112.46 112 74 10.597 10.637 18 31 18.35 20.451 20.503 2135 1. 2235 16 70 16.74 181. 14 81.34 38.41 Wien D.=Oſt.abg
Prag..
Budapeſt/( Pengö
Japan.
Rio de Janeiro
Sofia.
Jugoſlavien ..
Konſtantinopel
Liſſabon ..
Danzig ..
Athen ..
Kanada. .
Uruguav. .
Vom ſüddeutſchen Produktenmarkt.
Die ſüddeutſchen Mühlen nahmen zwar in dieſer Woche einige Käufe
in den billigen argentiniſchen Weizen vor, die gegenüber amerikaniſchen
Weizen von gleicher Beſchaffenheit ſich bis zu 1,50 Fl. (1 Fl. gleich
1 holl. Gulden gleich 1,6885 RM.) niedriger ſtellen, von einem großen
Umfang der Geſchäftstätigkeit kann jedoch keine Rede ſein, da man an,
geſichts der zunehmenden Verſchiffungen mit weiteren
Preisermäßigun=
gen rechnet. Die argentiniſchen und auſtraliſchen Verſchiffungen ſtellten
ſich letzte Woche auf 652 00) (Vorwoche 462 000) Ors., für die nächſten
zwei bis drei Monate erwartet man ab Februar Wochenverſchiffungen
bis zu 2 Millionen Ors., Mengen, die nicht ohne Preisdruck auf die
Bedarfsländer abgeſetzt werden können. Argentiniſcher Weizen ſtellte
ſich im Durchſchnitt auf etwa 13,5—13,70 Fl., wogegen für Kanſas II
15,20 und Rußweizen 14,60 Fl. fracht= und verſicherungsfrei Rotterdam
gefordert wurden. Inlandweizen ging von 29,75—30 auf 29,50—29,75
Reichsmark die 100 Kilogramm waggonfrei Mannheim zurück. Roggen
hatte angeſichts des kleinen Inlandsangebotes feſten Markt, Käufe
fan=
den ſtatt in Weſtern Rys, erſte Hälfte Februar zu 12,45 Fl., erſte Hälfte
März zu 12.30 Fl., in Plataroggen zu 12—12,10 Fl. und in Rußroggen
zu 12,50 Fl. fracht= und verſicherungsfrei Rotterdam. Inlandsroggen
ſtieg von 25,25—25,75 RM. auf 25,75—26 RM. Gerſte verzeichnete
leb=
hafte Nachfrage. Für gute Pfälzer Gerſte wurden 29—30,50 RM. für
Ausſtichaualitäten bezahlt. Heſſiſche Gerſte wurde in kleinen Partien
zu 27—30 RM. offeriert, badiſche Gerſte aus der Gegend von Heidelberg.
Mosbach, Bruchſal wurde von einheimiſchen Mälzereien zu 27—28 RM.
erworben; Württemberger und Taubergerſte koſtete 26—28 RM., Hafet
hatte kleines Geſchäft. Er ſtieg von 19,25—20,25 auf 19,75—20,75 RM.
Mais leicht abgeſchwächt. Von ausländiſchen Futtermitteln
Mühlem=
fabrikate geſucht. Es koſteten die 100 Kilo Weizennachmehl (April) 21,58
bis 22.50 RM., Weizenfuttermehl 14,50—14,75 RM., Kleie 11,50—12,50
RM., Maisſchrot 20 RM., Gerſtenſchrot 23,75 RM., Biertreler inländ.
16,50—17 RM., engliſche 16,50 RM., Malzkeime 16—16,50 RM.,
elſäſſi=
ſche 16,00 RM. ab Grenze, Hafenſchalenmelaſſe 9,50 RM. frei
Mann=
heim. Mehl hatte eingeſchränkten Markt bei unveränderten
Forderun=
gen; Roggenmehl leicht befeſtigt.
Vom ſüddeutſchen Tabakmarkt wird geſchrieben: Das Geſchäft in
1926er Tabaken entwickelte ſich ſehr langſam. Die Fahrikanten halten
mit ihren Einkäufen zurück, doch ſind die Vorräte beim Handel ſo klein,
daß die Händler keine Mühe haben, unter Preis zu verkaufen. Die
Forderungen für 1926er Schneidtabake betragen 130—150 RM. je Ztr.,
je nach Beſchaffenheit, Lieferung in den Sommermonaten. Für die
Zigarrenherſteller kommt die Ernte ſomit kaum in Frage, da überſeeiſcher
Tabak billiger erhältlich iſt. Rippen zu bisherigen Preiſen von 12—14
Reichsmark für überſeeiſche Ware, verpackt, geſucht.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Amtliche Großhandelsindexziffer vom 19. Januar. Die auf den
Stichtag des 19. Januar berechnete Großhandelsindexziffer des
Statiſti=
ſchen Neichsamtes beträgt 136,0 und iſt gegenüber der Vorwoche um 0.2
vom Hundert geſtiegen. Die Indexziffer der Agrarſtoffe hat bei
ſteigen=
den Getreide= und Kartoffelpreiſen um 0,6 vom Hundert auf 140,2
an=
gezogen. Die Indexziffer der induſtriellen Rohſtoffe und Halbwaren
hat ſich weiter leicht auf 1291 erhöht, während die Indexziffer der
indn=
ſtriellen Fertigwaren mit 141,6 keine Verlängerung erfahren haben.
Verbilligung des Induſtriekredites. Wie wir erfahren, haben zwiſchen
dem Reichsverband der Deutſchen Induſtrie und den Bankorganiſationen
Verhandlungen ſtattgefunden, die auf eine Verbilligung des
Induſtrie=
kredites abziclen und Doppelbelaſtungen vermeiden ſollen, die dadurch
entſtehen, daß der bewilligte Kredit einerſeits auf Kreditſonder=Konto
be=
laſtet und außerdem die Kundenproviſion für den ganzen bewilligten
Kredit berechnet wird. Beſchlüſſe über dieſe Frage ſind allerdings in den
maßgebenden Gremien bisher noch nicht gefaßt worden.
Zinsermäßigung der Berliner Sparkaſſe. Die Einlagezinſen der
Berliner Sparkaſſe ſind mit ſofortiger Wirkung einheitlich auf 4 Proz.,
die Giroeinlagen bei der Berliner Stadtbank mit Wirkung ab 1. Februar
auf 2½ Prozent, bisher 3 Prozent, feſtgeſetzt. Die Sollzinſen ſind
all=
gemein um 1 Prozent ermäßigt. Für Guthaben mit längerer
Feſt=
legung werden die Zinsſätze von Fall zu Fall vereinbart.
Die 60 Millionen=Kruppanleihe. Die außerordentliche
Generalver=
ſammlung der Friedr. Krupp A.G. genehmigte die bekannte 60 Mill.
RM.=Anleihe mit einer Laufzeit bis zum Jahre 1956. Neu in den
Auf=
ſichtsrat gewvählt wurden Direktor Jakob Goldſchmidt, Darmſt. und
Nationalbank, und Bankier Kurt Hirſchland, Eſſen.
Fuſion der Union Handelsgeſellſchaft A.=G., Darmſtadt mit der
Union Bank A.=G., Berlin. Die geſtern ſtattgehabte
Generalver=
ſammlung der Union Handelsgeſellſchaft Aktiengeſellſchaft,
Darm=
ſtadt, ſtimmte der vorgeſchlagenen Fuſion mit der Union Bank
Aktiengeſellſchaft, Berlin, zu. Für Mk. 1 500.— Aktien der Union
Handelsgeſellſchaft A.=G. werden Mk. 1000,— ab 1. Januar
1927 dividendenberechtigte Aktien der Union Bank A.=G. gewährt.
Die Kleinaktionäre, deren Aktienbeſitz zum Umtauſch nicht genügt,
werden beſonders entſchädigt, indem ein aus dem Aufſichtsrat der
Geſellſchaft beſtehendes Konſortium die Aktien zu 250 Prozent in
bar einlöſt. Dem Aufſichtsrat der Union Bank A.=G. gehören
nach erfolgter Fuſion nunmehr an: Rechtsanwalt Dr. Rudolf
Breuer, Düſſeldorf, Vorſitzender; Konſul Erich W.
Bau=
mann, Berlin; Oberbürgermeiſter Emil Mangold.
Darm=
ſtadt: Prof. Dr. E. de Marnay=Baruch, New York; Prinz
Joachim Albrecht von Preußen Berlin; Landesrat Dr.
Poppe Hamburg; Konſul Dr. Georg Quandt, Berlin;
Kommerzienrat M. Stern, Chemnitz. Den Vorſtand bilden:
Bankdirektor Otto Baſter, Berlin; Konſul C. Bienemann,
Berlin; Diplom=Kaufmann Erich Deku, Darmſtadt.
fragt. Brantfarter Kürsoerigr Bomdas Bännat Lent!
1. 22. 1
244.5
129.
190.
33.90
33—
224.
90.—
97 25
1 60.5
47.—
115.—
13.5
109.—
144.
1305
180
177.
153.75
n0.
67.25
64.75
248.—
Preuß. Pſdhr.=BT
Rhein Hyp.=B.
Rh.=Wſtf. B.=Cr.:B.
Südd. Bodenkr.
Württ Hyp.=B1
Staatl. od prov.
naranti rt
Heſſ. L.=Hyp.=B.
Landestr. Caſſel
Naſſau Ldsb
Obligationen v.
Transportanſt.
1½%Dux. Bdb Em.91
Se
„ 93
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
42 Galiz. Carl=
Lud.=B.
abg.
4½ Kaſchau=Oderb.
„ abg.
627 Oſt. Nwitb. 741
20 Oſt. Südb. (L).
2.6% Alte"
2,6% Neue.
5% Oſt.=Ung. 13/74
% Oſt. Staatsb. 83
1. b. 8. E.
%Oſt.
3%Oſt. 9. E.
%Oſt. 1885
%Oſt. . Erg. Netz
8½ Raab Oedbg. 831 33
91
27
425 Rud. Silber
4 Rud. Salztg.)
½% Anat., S.1
4½% Anat., S. III
4½% Anat., S. 1II!
8% Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec. .
4½%
Bank=Aktien
Allg. D.=Kredi:. 179
Bad Bk.
179
Bk. ſ. Brauind.
21.
Mene Mie
Bay. Hyp.=Wch
Berl. Handelsgeſ
Comm. u. Privatb
Darmſt. u. Nat=Bi
Deutſche Ban!"
D. Eff.u. Wch.=Bk.
D. Hyp.=Bf. Mein.
D. Vereing=Bk.
Dist.-Geſellſch. ..
Dresdener Br. ..."
Frankf. Bf.
Frtſ. Hyp.=Bk.
Frrf Pfobr.=Bk. ..
Gotha. Grundfr. Bk.
Lux. Intern Bank
Metallbank
Mitteld. Creditb
Pfälz. Hyp.=Bk.
Reichsbanf=Ant
Rhein. Creditbk.
Rhein=Hyp.=BI.
Südd. Disc.=Ge).
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankverein
Zergwerfé=Akt.
Bochum.Bergb.
Buderus... . . . . .
Dt. Luxemburg.
Eſchw. Bergw...
Gelſenfirch. Bgw.
Harp. Bergb. ... .
Jlſe Bergb. St..
Genußſchein.
Kali=Aſchersleb.
Kali. Salzoetfurt.
Rali. Weſterregln
Rlöcknerwerke ..
Mannesm.=Röhr.
Mansfelder .
Overbedarf".
Stavi=Min.=Ant.. .
Phönix=Bergb. .. .
Rhein. Braunk. . . .
Rhein. Stahlw.. . .
A. Riebeck Montan
Rombach. Hütte „
344
22=
293
19
164.5
178
130
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189.25
146
216
197
13.5
18..5
189
224
18
1.6.23
222
173
10.95
7.4.
137
192.5
194.25
214.7.
179.7
191
178
247
2.5
13.)
145.7
274.-
2.-8.5
91
Salzwerk Heilbr
Tellus Bgb..
12.5
Ver. Laurahütte 94.5
Ver Stahlwerke 1159.2.
Indnſtrie=Aki.
rauereien
Eichbaum(Mannh. //475
Henninger.
192
Hercules. Heſſiſche/13 .5
Löwenbr.=Münch 1276
Mainz. Aktienbr.
Schöfferhof( Bind. //311
Schwarz=Storchen /156
Tucher, Nürnberg 1180
Zer jer
161.5
A.ium. Berlin. 1172
Adler & Oppenh.
Aolerw. (v. Rieher)/126
6%E. A. G. Vz
102
5% A. E. (6. V.
96.5
A. E. G. Stam
1175
Anglo=Cont. (5
D11-0
Aſchaff. Ze
11a4.5
Sadenia
Bao. Maſ
Bad. Uhren, Fu
Bamag= Regui
Baſt Nürnberg
Buyr. Spiegel
Beck & Henkel
Bergmann El.
Bing. Metall.
drem.=Beſigh=
Zür tenfbr. Er
Zement-Heide
Tement, Karlſt
Cement, Lothr
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Chem. Brockh.
Chem. Milch
Dnimler=Benz A. G.)
Dt. Eiſenhandel. .
Deutſche Erdöl ...
D. G. u. Silb. Scheid. /270
Dingler, Zweibrück.
3 25
63
102
187.5
32.3
87
180.5
175
200
108
99
105
197
86
Mi. Gee
Dürrkopp
Dürr. Ratingen
Dyckerhoff & W.
Eiſenw. Kaiſersl.
El Licht= u. Kraft
El. Lieferung
Eli Bad. Wolle
Email. u. rich
Enzinger Werke . .
Ezlinger. Maſch.
Ettlinger Spinn.
Fader Bleiſtift...
Fader E Schleiche
Fahr. Pirmaſens
Farbenind. 7. G
Felten E Gnilleau
Feinme h. (Jetter)
Feiſt, Seit. Frkf.
Frankfurter Gas
Frankfurter Hof
Frkf.= N. Pok. u. W.
Fuh Waggon St.
Zeiling & Cie...
Germania Linol.
Gelſent. Gußſt. .
Goldſchmidt, Th. .
Gotha Waggon.
Gritzner, Maſh.
Grün & Bilfinger
Dafenmühle Frkft.
Hammerſen
Hanf. Füſſen ..."
Hanſa Lloyp, Br.
Hartm. & Braun.
Heyligenſtaevt....
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupſer ...."
Hoch=Tief Eſſen".
Holzmann .. ."
Holzverk. Ind. . . ..
Hydrom. Breslau
Fnag
Fun yan: St..
Kammg. Naiſersl.
Karlsruher Nach.
14225
85
*6
194.5
183.9
56.
58
94.5
98
152
114
Su
339
124 2
75
170
14 75
100.5
102
25)
153.5
24
133.9
165
141.5
64
s2.25
845
113
129.5
131.5
180
100
68.5
87
117.5
170
Karſtadt, R.
Klein Sch. & Becker
Rnorr, Heilbronn
Konſerv. Braun
grauß. Lokom. ..
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Leh Augsburg.. .
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S hramm Lackf.
2hrift, Stemp.
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S huhf. berz ..
S hultz Grünlack
Seilind. W8olff.. ."
Siemens Glas...
Siemens & Halsfe
Südd. FImmob. ..
Ehürin g. Lief.-Beſ./
83
1121
80
91
163.5
142
35
K
137.75
55
149.5
10
214 5
157
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141
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179.8
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Uhren Furtwängl
Beithwerke
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Ver. v. Olfbr. Mann
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81.5
128.5
95
96.1
145
145
76.5
139.75
259
146.5
1 6.25
144.5
185.5
14
146.75
15
177.75
164.25
141.5
155
Rummer 23
Sonntag, den 23. Januar 1927
Geite 13
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
da rmſtadt: Fa. Bella Katzmann. GAufſ. beendet. Mainz: Paula
ᛋſtian, geb. Binzel. GAufſ. beendet. Mainz: Kfm. Philitp Adolf
ocobs. GAufſ. beendet. Wöllſtein, Heſſen: Landwirt Johann Metz=
: 3. Af. 10. Februar, GWV. u. Prft. 16. Februar. Mainz: Kfm. Jean
zrrnheimer. GAuff. angeordnet. Schlitz: Hdl. Margarete Schaub, geb.
Bner. Af. 1. Februar, Prft. 10. Februar. Offenbach, Main: Kfm.
dro Haack. KVerf. mangels Maſſe eingeſtellt. Preußiſch Friedland
m. Alfred Merdtke. KVerf. aufgehoben.
* Badiſche Uhrenfabrik A.G., Furtwangen. Der Bericht über das
Geſchäftssjahr verzeichnet eine im Dezember 192 eingetretene Abſatz=
Fkung, die ſich im nächſten Halbjahre auf alle Abſatzgebiete mehr oder
giiger ausdehnte. Der Umſatz blieb erheblich hinter dem des
Vor=
ſan res zurück, während die Unkoſton ſich nur in geringem Umfange er=
Hßigen ließen. Der neu aufgenommene Fabrikationszweig konnte noch
tunen Ausgleich bringen. Nach Abſchreibungen in Höhe von 31 227 Mk.
rüibt ſich, einſchließlich des Gewinnvortrages von 15 177 Mk. aus dem
rjahre, ein Verluſt von 144 540 Mk. Die G.V. (27. Januar) wird
ni über beſchließen, ob ſolcher vorgetragen oder dem Reſervefonds=Konto
000 Mk.) belaſtet werden ſoll. Die Verkaufspreife ſind außer=
Eoentlich gedrückt, da die Produktion der Uhreninduſtrie die Nachfrage
cB überſteigt. Die Geſellſchaft hofft, wenn das zweite Halbjahr dem
rhren entſpricht, einen günſtigeren Bericht vorlegen zu können.
Die Sanierung der Scheidemandel=Geſellſchaft. Die Aktiengeſellſchaft
i chemiſche Produkte vormals H. Scheidemandel in Berlin hat in ihrer
ſei—rigen A.=R.=Sitzung eine Sanierung ihrer Geſellſchaft beſchloſſen.
dra Abſchluß vom 30. September 1926 ergibt nach regelmäßigen Ab=
(nreibungen von zuſammen RM. 307 000 einen erneuten Verluſt von
tM. 1 104 864 für das Geſchäftsjahr 1925/26. Dies erklärt ſich daraus,
ais gemäß der neueren Rechtſprechung des Reichsgerichtes nach dem
0 September 1926 beſchloſſene Dividenden von Tochtergeſellſchaften in
gi-Jahresergebnis nicht hineingenommen werden können. Der Vorſtand
ſeifichtete, daß die Rationaliſierung der Fabriken abgeſchloſſen erſcheine.
Die Annahme der Eigentums=Bill erneut verzögert. Die Angriffe
Oppoſition im amerikaniſchen Senat gegen die Eigentumsvorlage
naten, wie dem DHD. aus New York gekabelt wird, weiter an.
An=
eille der 100 Millionen Dollar für die beſchlagnahmten Schiffe wird von
ſei Oppoſition die Bewilligung von höchſtens 50 Millionen Dollar
ver=
ay gt. Man rechnet in amerikaniſchen Parlamentskreiſen aus dieſem
drainde mit einer bedauerlichen neuen großen Verzögerung in der
An=
ſolsme der Vorlage, da jede Abänderung weitere Erſchwerniſſe mit ſich
rmgt.
Vom Baumwollmarkt. Die ſtabilere Preistendenz auf dem
Baum=
hellmarkt iſt in der Hauptſache der zunehmenden Auffaſſung
zuzu=
hr eiben, daß die endgültigen Ernteziffern hinter den extremen
Fähätzungen nicht unweſentlich zurückbleiben bürften, ferner der
fort=
ſeigtzt lebhaften Exportnachfrage, die auf einen Rekordverbrauch in den
nhäſten Textilzentren ſchließen läßt. Andererſeits glaubt man nicht,
ais die Erholung des Preisniveaus weitere beträchtliche Fortſchritte
ndchen kann, ohne daß größeres Angebot ſeitens der ſüdlichen Eigner
ſeunt Einhalt gebieten würde.
* Wechſel= und Scheckzinſen. Der für die Berechnung der nach
Ar=
tikel 50, 51 der Wechſelordnung und 8 17 des Scheckgeſetzes zu entrich=
tenden Zinſen maßgebliche Reichsbankdiskont iſt auf 5 Prozent feſtgeſetzt
worden.
Wayß u. Freytag, A.=G. in Frankfurt a. M. Der Geſellſchaft iſt
die Ausführung der dritten Neckarbrücke in Heidelberg übertragen
wor=
den. Sie ſtellt ein Objekt von rund 1,48 Mill. RM. dar, von denen die
Neckarbaudirektion 300 000 RM. beitragen will. Die Ausführung der
Brücke wird nach den Plänen von Profeſſor Bonatz=Stuttgart erfolgen.
Die Wayß u. Freytag A.=G. hat mit dieſem Auftrag in den letzten
Mo=
naten bereits die fünfte Brücke zur Ausführung erhalten, darunter zwei
bei Pirmaſens, eine in Lindau und eine über die Traun in Südſlawien.
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 22, Januar. Der Verkehr am
Pro=
duktenmarkt bewegte ſich heute in ſehr ruhigen Bahnen. Die
Weizen=
offerten waren von Nord= und Südamerika ermäßigt, und daraufhin
geſtaltete ſich hier die Tendenz für Weizen etwas ſchwächer. Das
In=
landsangebot iſt auch heute ziemlich gering. In Plataweizen, der für
Mai= und Julilieferung in Rentabilität ſteht, kamen einige Umſätze
zu=
ſtande. Roggen bleibt vom Inlande ſpärlich offeriert. Argentinien hat
die Roggenofferten ziemlich weſentlich erhöht, während Weſternroggen
etwas nachgiebig war. Hier erfuhren die Notierungen einen leichten
Rückgang. Das Weizenmehlgeſchäft blieb ſtill, für Roggenmehl hielt die
Konſumnachfrage bei unveränderten Preiſen weiter an. Gerſte hatte auch
heute ruhiges Geſchäft. Hafer vermochte ſich weiter zu befeſtigen.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 22. Januar. (Priv.=Tel.)
Weizen: Im Anfangsverkehr lag der Markt ſchwächer, da die
Kom=
miſſionsfirmen Verkäufe vornahmen und größere Farmbewegung
er=
wartet wird. Dann trat eine Erholung ein aus höhere ausländiſche
Notierungen. Die Termine ſchließen nahezu unverändert.
Mais: In Sympathie mit Weizen und auf die ſchleppende heimiſche
Lokonachfrage neigte der Markt anfangs zur Schwäche. Dann trat eine
Erholung ein auf ungünſtige Witterungsberichte. Die Termine konnten
mäßig avanzieren.
Baumwolle: In Erwartung größerer Liefernotizen gegen Termin
und ermäßigte Liverpooler Kabel war der Anfang ſchwach. Dann konnte
jedoch eine Befeſtigung eintreten auf Berichte über ungünſtiges
Pflück=
wetter und Deckungskäufe. Die Termine zeigen leichte Avancen.
Kaffee: Höhere ausl. Notierungen und feſte Lokopreiſe führten eine
Aufwärtsbewegung herbei. Gegen Schluß wurden Glattſtellungen zum
Wochenende vorgenommen.
Zucker: Der Markt verlief in abgeſchwächter Haltung auf niedrigere
ausländiſche Kabel und Kaufreſerve der Raffinerien. Im Schlußverkehr
nahmen die Liquidationen zu.
Kakao: Nach ſchwacher Eröffnung wurde die Haltung ſehr feſt, da
die Kaufluſt der Fabriken größer war und Spekulationskäufe
vorgenom=
men wurden. Die Termine zogen bis zu 55 Pkt. an.
Kleine Wiriſchaftsnachrichten.
Am Freitag wurde im Reichstag auf Anregung des
Reichswirt=
ſchaftsminiſters Dr. Curtius die erſte Ausſt=llung des Reichskuratoriums
für Wirtſchaftlichkeit eröffnet, die den Abgeordneten Gelegenheit geben
ſoll ſich insbeſondere darüber zu informieren, welche
Rationaliſierungs=
arbeiten bisher mit den vom Reich bewilligten Mitteln gefördert
wor=
den ſind.
Wie wir erfahren, gründen die Landesmühlenverbände von
Kärn=
ten, Oberöſterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg, denen
insgeſamt 238 Mühlen angehören, zur wirkſameren Vertretung ihrer
Intereſſen eine Zentralorganiſation.
Infolge der Reduktion der Bankrate hat ſich auf dem privaten
Geld=
maakte eine neuerliche Verbilligung vollzogen. Erſte Akzepte wurden
bereits mit einem Satz von 51),, Prozent verzinſt. Das heißt genau
1 Prozent niedriger als vor ungefähr einem Monat.
Die 195 Mitteldeutſche Häuteauktion findet am 2. und 28. Januay
Ifd. Js. in Leipzig ſtatt.
Wie wir von unterrichteter Seite hören, werden die zur Zeit
gelten=
den deutſchen Preiſe für Thomasmehl bis zum 10. April d. Js.
unver=
ändert bleiben.
Wie aus Paris gedrahtet wird, ſetzte die belgiſch=franzöſiſch=
lugem=
burgiſche Roheiſenvereinigung die Preiſe für überſeeiſche Länder und
Holland um 2 Schilling, für die Schweiz um 2,25 Fr. herunter. Der
Inlandspreis beträgt jetzt 700 Fr.
Der Verlauf der Londoner Kolonialwollauktionen zeigt weiter regſte
Käuferbeteiligung und feſte Preisbildung. Am vierten
Verſteigerungs=
tage (21. Januar) gelangte ein Angebot von insgeſamt 10 350 Ballen
unter den Hammer.
Der Geſamtexport an polniſchem Getreide belief ſich auf 22155 To.
An Weizen wurden 53 011 To., an Gerſte 138010 To. und an Hafer
62818 To. ausgeſüihrt. Die Einfuhr belief ſich in den elf Monaten auf
7785 To. Roggen, 6009 To. Weizen und 1641 To. Hafer.
Nach den Angaben des rumäniſchen Statiſtiſchen Amtes ſchließt bie
Handelsbilanz des Jahres 1926 mit 4 Milliarden Lei Ueberſchuß
gegen=
über einem Paſſivum von 1,1 Millionen Lei im Jahre 1925 ab. Die
Ausfuhr betrug 38 Milliarden (1925: 29 Mill.), die Einfuhr 34
Milliar=
den Lei (30,1 Mill.).
Nach den amtlichen Mitteilungen belaufen ſich die Einnahmen aus
dem portugieſiſchen Tabakmonopol für den Monat Dezember 1926 auf
28 786 294 Reis, die Ausgaben auf 15 478 851 Reis.
Die Ausfuhr= und Produktionsabgaben, die für mexikaniſches
Petro=
leum für den Monat Dezember feſtgeſetzt wurden, bedeuten Erhöhungen
um 0,60—1,85 Cents pro Barrel.
Nach den Angaben des Azneft betrug die Ausbeute an Naphtha in
dem Bezirk von Baku im Jahre 1826 5,6 Mill. Tonnen gegen 7,5 Mill.
in 1913. Die Bohrtürme ſind zu 93 Prozent auf elektriſchen Betrieb
umgeſtellt worden.
Weillter. Lascn
un Zentrum für feines Geſch. ſofort geſ
Inggeb. unt. J 106 an die Geſchſt (608
Die Anmeldung
chmulpflichtiger Kinder zur
Auf=
iahme in die Stadtſchulen an
ſhtern 1927 hat Dienstag, den 1.
Fe=
mtar Ifd. Js. zu erfolgen.
Näheres in der Bekanntmachung in
eir ſtädtiſchen Aushangkäſten und in
(st1591
eir Schulen.
Darmſtadt, den 21. Jan. 1927.
er Vorſitzende des Schulvorſtandes.
(Or. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.
(ſGemeindewald Ober=Ramſtadt.)
Donnerstag, den 27. Januar
9ſr7, vorm. 9 Uhr anfangend,
wer=
ei- im Forſtort Eichelberg meiſtbieiend
eifſteigert:
Stämme:
St. Buchen Kl. I—IV — 26,31 mt
Eichen „ III—V — 24,08
Kiefern II—IV — 27,85
— 1,12
Lärchen
Fichten „ III—Ib — 54,63
Derbſtangen:
11- St. Fichten Kl. 1 — 2,20 fm.
Zuſammenkunft der Steigerer am
Ein=
gng zum Forſtort Eichelberg. Nähere
lusskunft erteilt Förſter Trautmann.
Ober=Ramſtadt, den 21. Jan. 1927.
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
(1592
Rückert.
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen der
Ehefrau des Fahrradhändlers Ludwig Vogel, Martha,
geb. Eich in Darmſtadt, Blumenthalſtraße 109, im
Grund=
ſuch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 1. Februar 1927, nachm. 31, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 12. Oktober 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneter
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehen
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Zerfahrens herbeizuführen, widrigenfalls, für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gegen
(17218a
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 13. November 1926.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk II, Band XII, Blatt 815.
Betrag der
Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann am Schätzung
1 II 1356, Hofreite Nr. 4/, Fuhr=
109 6500 R. M.
mannſtraße
Bekanntmachung.
Die Nutz= und
Brennholzverſteigerun=
ei vom 17. und 19. Januar in den
dintrikten Buchrain, Eichwäldchen und
ſausenſtein ſind genehmigt. (1606
Bering, den 21. Jan. 1927.
Geſſ. Bürgermeiſterei Hering.
Reeg.
I. Aypotheken
zu bedeu end ermäß g em Zins durch (1582=
B. Ebert, Darmſtadt, Gügelſtr. 75, Tel. 1117
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ſenm. Klipſtein zu Forſthaus
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Barmſtadt, den 22. Jan. 1927.
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Mättag= und
Abendtiſch
vmn 50—95 Pfg.
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Nummer 23
Sonntag, den 23. Januar 1927
Die tolle Herzogin.
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(Nachdruck verboten.)
Wieder ſah ſie ihn an. Groß war er, breit in den Schultern,
indem kühnen, energiſchen Geſicht ein ſeltſam Leuchten —
ſie verſtand es, dieſes Leuchten — — —. Leichte Röte flutete ihr
hyer Buſen und Schulter herauf — —. Nach ihrem Mantel
brete ſie.
Er war ſofort bei ihr, hob ihn auf, legte ihn um ihre Schul=
Draußen rauſchte das Meer
imn
Sie ſtand und wußte nichts zu ſagen, nichts zu beginnen.
war ihr Stolz — — ihr Siegesbewußtſein —
„Ich — ich — —” ſagte ſie endlich, zögernd, zaghaft,
ne haben gewiß Mühen und Koſten gehabt, mein Herr — —
Er winkte mit der Hand ab —
„Das hätten Sie vorher fragen müſſen, Frau Herzogin,”
ſagte er: „Jetzt iſts zu ſpät.”
Sie wurde dringlich. Trat auf ihn zu
„Aber Sie wiſſen nicht, wie wertvoll mir — uns dieſe
Pa=
are ſind!“
„Um ſo größer meine Freude, ſie Ihnen zurückerſtatten zu
nen, Frau Herzogin.”
Sie kam ſich ſo klein vor — — ſo — — ſie wußte ſelbſt nicht
etSt tvie. Ein Gefühl, wie ſie noch keines gekannt hatte, ſchnürte
gen Stolz ein. Machte gleichzeitig ihre Pulſe höher ſchlagen.
Kch plötzlich zuckte grell, ſchmerzhaft ein Gedanke hervor:
„Sie haben ihn erſchoſſen?”
Er nickte.
„Ja, ich habe ihn erſchoſſen. Und ich hoffe, dieſe Tat wird
nir dereinſt am Tage des jüngſten Gerichtes hoch angerechnet
der den."
Wie er da vor ihr ſtand —
Unwillkürlich — ſich ſelbſt vergeſſend
kam ſie ganz
ſoſche an ihn heran
„Wer ſind Sie?” fragte ſie.
„Ich heiße James Wood, Frau Herzogin.”
XXVII.
Sie war enttäuſcht. Kam ſich lächerlich vor mit dieſer
Ent=
äbſſchung — aber ſie war nun einmal enttäuſcht. Einen ganz
ſceren Namen hatte ſie erwartet — einen ſtolzen, klingenden.
Einen, der zu dem Manne paßte wie der Frack, den er trug.
James Wood! Wie ein Ritter aus blauem Märchenlande trat
er in ihr Leben — und nun James Wood —
„Ich muß jetzt gehen,” ſagte ſie.
Aber ſie ſtreckte nicht die Hand aus, um ſie ihm zum Abſchied
zu geben. Und ſie rührte ſich auch nicht vom Platze —
„ch habe weder das Recht noch die Macht, Sie
zurückzuhal=
ten, Frau Herzogin,” ſprach er
Wenn er nur nicht ſo lachen wollte! Nur nicht ſo ſie
an=
funkeln wollte mit den dunklen, übermütigen Augen — —
„— aber darf ich etwas ſagen?”
„Was wünſchen Sie alſo?” fragte ſie — ſcheu, furchtſam.
„Würden Sie mir die Ehre erweiſen, ein Glas Champagner
mit mir zu trinken, Frau Herzogin?”
Während der ganzen Unterhaltung hatten ſich dicht vor
ein=
auder geſtanden, Blick immer in Blick. Und nun erſchrak Gloria.
Sie fühlte ihr Blut heiß werden. Fühlte, wie es in den Adern
zu wirbeln begann — — —. Ihre Sinne zuckten
„Ich habe nicht lange Zeit,” erwiderte ſie
„So lange Sie wollen, Frau Herzogin.”
Er öffnete die Türe zu dem rückwärts gelegenen Zimmer.
Hier wartete ein köſtlich gedeckter Tiſch. Silber und Kriſtall
funkelte auf ihm. Wunderſchöne rote Roſen leuchteten aus ſeiner
Mitte empor — — üppige, blühende Roſen. Und ein rieſiger
Neger ſtand neben dem Champagnerkübel bereit=
„Das iſt Ibrahim, der Sohn des Abdullah, die Perle unter
den Negern,” ſagte James Wood. „Er ſchreibt deutſch wie Prof.
Einſtein und ſpricht engliſch wie Lloyd George. Er iſt in ſeinem
Aeußern ſchwarz wie Kohle und in ſeinem Innern weiß wie ein
Kind an der Mutterbruſt. General Booth von der Heilsarmee
iſt ein Gewohnheitsverbrecher im Vergleiche zu ihm. Und zum
Schluß ſei noch hinzugefügt, daß er bei der Rückerlangung Ihrer
Papiere keine unbedeutende Rolle geſpielt hat, Frau Herzogin!“
Mit raſchen Schritten ging Gloria auf den Neger zu und
reichte ihm die Hand.
„Ich danke auch Ihnen, Herr — Herr Ibrahim. Und ich
hoffe, Sie werden meinen Dank annehmen, nicht ſo wie Ihr
Herr, der ihn zurückweiſt.”
„Tue ich das?” lachte James Wood. „Iſt das nicht Dank
genug, wenn Sie, Frau Herzogin, mit einer obſkuren
Perſönlich=
keit wie ihrem ergebenen Diener, hier ein Glas Champagner
trinken? Denken Sie einmal nach, haben Sie ſchon je eine ſolche
Einladung angenommen? Oder, ſagen wir beſſer, hätten Sie ſie
angenommen, wenn man ſie Ihnen gemacht hätte?"
Seite 15
„Nein — Sie ſind der erſte, der das wagt!” rief ſie. Aber
ſie lachte —
„Nun alſo! Schenk ein, Ibrahim, Sohn des Abdullah! Wir
wollen anſtoßen auf dieſe Minute, Frau Herzogin!“
Der Neger hielt ihr das Glas hin, in dem der goldgelbe
Saft ſchäumte und verlte. Schon hob ſie es an die Lippen—
doch da kam ihr neuerdings die Warnung Sir Walters in den
Sinn —! Ein gefährlicher, verwegener Burſche — —! Konnte nicht
irgend etwas in dem Glaſe ſein
Er ſah ihr Zaudern., Lachte — — ihr ſtieg das Blut in die
Wangen — —. Sie ſchämte ſich.
„Trinken Sie ruhig, Frau Herzogin! Es iſt der beſte
Cham=
pagner, den ich in dieſem Provinzneſt, das ſich Oſtende nennt,
auftreiben konnte. Er iſt rein — ganz rein
Sie ließ ihr Glas an das ſeine klingen. Sie tranken. Der
Neger war lautlos verſchwunden. Sie waren allein.
„Noch ein Glas?”
„Nein — nein — — ich muß fort — wirklich — —
War die halbe Stunde nicht ſchon um? Und — und hatte
ſie Ryce nicht die Adreſſe gegeben?
„Sie ſelbſt müſſen fort!” rief ſie. „Man kennt dieſes Haus!
Man wird Sie hier finden! Ich — — ich — — ah, ich habe doch
nicht gewußt. mit wem ich es hier zu tun haben würde — ich
ſelbſt habe Sir Walter Ryce, von der engliſchen Polizei die
Adreſſe gegeben — —! Er wird kommen, Sie verhaften — —!
Eilen Sie! Fliehen Sie!”
Er ſchenkte gelaſſen die beiden Gläſer voll. Rührte ſich nicht
von ſeinem Platze.
Ja, verwegen war er! — Tollkühn. — Ein Mann — ein
Mann —
„Täte Ihnen denn das ſo leid, wenn man mich verhaftete?”
fragte er.
Da brach — wider ihren Willen faſt — ein Licht aus ihren
Augen heraus. Flammte ihm entgegen. — — Das Geſtändnis
einer Frau, die ſich von ihren Sinnen übermannt fühlte.
„Können Sie das fragen?” ſchrie ſie. Beugte ſich weit über
den Tiſch zu ihm hinüber. Ihr ſtolzer weißer Hermelinmantel
lag längſt wieder auf dem Boden —
Mit einem Satz war er bei ihr. Sie fühlte ſeine Hände auf
ihren nackten Schultern — — Seine Augen brannten an den
ihrigen — — Brutal riß er ſie an ſich
„Nein — nein — —” ſtammelte ſie. „Ich —ich — — will
nicht —
(Fortſetzung folgt.)
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Liebe Frau Giſa=Schröder,
mußte die Angelegenheit denn an die große Glocke gehängt werden? Ich
bin nun einmal ganz und gar nicht für eine Auseinanderſetzung in aller
Offentlichkeit. Durch ihren offenen Brief zwingen Sie mich aber, Ihnen
auf dem gleichen Wege zu antworten.
Ihren Mann habe ich vorgeſtern wieder geſprochen, und meine Muſchi
traf ich mit Ihrem Gerd zum 5=Uhr=Tee bei Frau Guſſi=Meier. Ihr Mann
hat mir gegenüber nichts geäußert, und Ihr Gerd kann auch nichts geſagt
haben, ſonſi wüßte ich es; Muſchi erzählt mir alles. So ſchlimm können
die Anzüge der beiden Herren nach dem Hausball bei mir nicht ausgeſehen
haben. Wahrſcheinlich haben Sie etwas übertrieben. Schließlich geht io
ein bischen Puder vom Frack doch auch wieder ab
Das wiſſen wir ſchon lange, daß Ihr Gerd für den Duft der Zuckooh=
Creme ſchwärmt. Er hat mir mal verraten, warum er die Hand der
Mutter etwas häufiger an ſeine Lippen führt, als man es bei aller
Ritter=
lichkeit eines Sohnes ſonſt gewohnt iſt. Aber glauben Sie nur nicht, daß
dieſe Vertraulichkeit uns erſt auf die Zuckooh=Creme aufmerkſam machte.
Zuckooh=Creme wird in meinem Hauſe ſeit über 20 Jahren verwendet.
Nur nehme ich mit Vorliebe die fetthaltige Zuckooh=Creme, weil ſie die
einzigſte Fettcreme iſt, die reſilos in die Haut eindringt, ohne einen Fettbelag
zurückzulaſſen. Sie eignet ſich ſo vorzüglich zur allgemeinen Hautpflege,
be=
ſonders auch als Creme zur Selbſimaſſage von Geſicht, Hals, Armen und
Händen. Während eine Maſſage=Creme nur ein Gleitmittel iſt, das auf der
Hautoberfläche bleibt, iſt Zuckooh=Creme Gleitmittel und Hautpfiegemittel
zugleich. Man ſpart alſo Geld und Zeit, wenn man die fetthaltige
Zuckooh= Creme benutzt.
Auf der fetthaltigen Zuckooh=Creme haftet der Puder ſo gut. Die
Preiſe von 30, 45, 65 und 90 Pf. für eine Tube zahlen wir bei unſerem
Drogiſien auch. Zuckooh=Creme iſt doch ein Markenartikel, der überall in
gleicher Güte zum gleichen Preiſe erhältlich iſt.
Vielleicht haben wir zu unſerem Hausballe mit Puder des Guten etwas
zu viel getan. Wir haben aber inzwiſchen die nicht fettende Zuckooh=Creme
aus=
probiert und müſſen Ihnen recht geben. Dieſe Vereinigung von Creme mit
Puder, die ebenfalls reſtlos in die Haut eindringt, ihr dabei eine wunderbare,
glabaſierne Tönung verleiht, färbt nicht im geringſten ab. Wir werden die
nicht fettende Zuckooh=Creme am Tage, für Ball, Theater und Geſellſchaft und
die fetthaltige Zuckooh=Creme zur Pflege vor dem Schlatengehen verwenden.
Eine Liebe iſi der andern wert! Wiſſen Sie, daß außer der bekannten,
milden Zuckooh=Creme Seife zu 70 Pf. die Zuckooh=Sahnenſeife, 95 gr. ſchwer,
prachtvoll ſchäumend, wunder duftend, zart und ausgiebig, zu nur 35 Pf.
verkauft wird? Ich habe dadurch ſchon viel Geld geſpart. Verſuchen Sie ſie
auch, und dann ſagen Sie mir, ob Sie mir nicht wieder gut ſind.
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Uummer 4
Volksbildneriſche Elemente
Die bildenden Wirkungen des Schattenſpiels auf der
zwei=
dimenſionalen Leinwand gehen ſehr viel mehr ins Breite als die
der Bühne, deren weſentliche Dimenſion die dritte, in die Tiefe
dringende iſi. Dem Film iſi es ein leichtes, uns in ferne und
fernſte Länder zu führen, winzige Gegenſtände ins Rieſige zu
heben, das Werden eines Produktes in allen Phaſen darzuſiellen
(Lehrfilm) und „das Gras wachſen zu ſehen” Er vermag
Bruch=
teile von Sekunden in Minutendauer auszuwalzen. Den Sprung
einer Tänzerin, den unſer armes Auge nur eben als ſchnellende
Bewegung aufzunehmen vermag, verlegt und zerdehnt die
Zeit=
lupenaufnahme in ein zartes Schweben und ein köſtliches
Muskel=
ſpiel zweckmäßiger Anmut. Dem Denkenden ſiellt ſich ein
un=
geheures Rätſel des Lebens der Natur dar; das kleine Zeitatom,
das wir mit dem Ausdruck Sekunde bezeichnen, iſt abermals
zerlegbar und umſchließt eine Ewigkeit. Rechneriſche Überlegung
konnte uns bisher wohl überzeugen, daß es eine Trillionſiel
Sekunde und noch winzigere Zeitteile geben muß. Allein dieſe
Tatſache iſt letzten Endes unvorſiellbar. Im Film dürfen wir dies
Wunder ſchauen, und es iſt ein großer Irrtum, zu glauben, daß
ſich das Wunder ſeines Schimmers entkleide, ſobald wir es greifen
können, es ſirahlt im Gegenteil nur ſchaudernder. Hier grenzt der
Film hart an das Transzendentale.
Zum Schaudern, der Menſchheit beſiem Teil, nicht, wohl aber
zu verwunderter Behaglichkeit zwingt der Trickfilm, in dem
Unbewegliches wild durcheinanderſiürzt, in dem die Zeichnungen
des Malers aus ihrer Starre erlöſi werden und ſich munter
gebärden. Man ſagt vielfach, der Trickfilm ſei das eigentliche
Gebiet des Films; wir glauben das nicht durchaus, er iſi eben nur
auch ein weſentliches und wohl zu pfiegendes Gebiet der
Kine=
matographie. Seine Wirkung iſi nicht zu unterſchätzen. Wir haben
zu ſpielen vergeſſen. Märchen und ſagenhafte Elemente der
Volks=
ſeele ſind vor dem Rauch der Dampfmaſchine geflüchtet. Führen
darum Schnapsflaſchen auf Geheiß einer witzigen
Künſilerphan=
taſie, die wiederum im Dienſi einer reklamebedürftigen
Spiri=
tuoſenfabrik frönt, einen ritferlichen Tioſt auf, ſo iſi auf höchſi
materiellem Grund dennoch kein tiefſinniges zwar, aber doch ein
luſtiges Fabelmärchen geſchaffen. Wir ſiehen in einem Anfang
und können nicht ſofort Gewaltiges verlangen, und wollen uns
freuen, daß die Technik, die einſi den ganzen lieben Spuk der
mondbeglänzten Zaubernacht vertrieb, auf anderem Wege ihn
wieder heranführt. Die gleiche Abſicht, die Stärkung der poetiſchen
Elemente im Volke, haben Paul Wegener und Ludwig Berger
verfolgt, jeder auf ſeinem Wege, die abzuwerten hier nicht der
Ort iſi. Nebenher gehen ausgezeichnete Verſuche, bildhafte Kunſi=
märchen zu ſchaffen, und es bleibt unendlich bedauerlich, daß der
Erfolg dieſer Leiſiungen offenbar nicht den berechtigten
Erwar=
tungen entſpricht; dies ſchreibt ſich offenbar daher, daß unſer
mechaniſiertes Zeitalter völlig dem Phantaſiiſchen abhold wurde,
wie ich mich denn betrübt entſinne, daß mich meine Korporalſchaft
einmal gründlichſi auslachte, weil ſie mich beim Leſen
Hoffmann=
ſcher Märchen ertappte und dies Beginnen für kindiſch oder
dekadent erachtete. Hier wäre noch des vielumſtrittenen Hexenfilms
zu gedenken, der den fürchterlichſien Abweg menſchlichen Geiſies
ſchildern will und einen Vorſioß in das dämoniſche Gebiet
unter=
nahm. Er ſchwächt jedoch ſeine Wirkung weſentlich dadurch ab, daß
Von Wolfgang Goetz.
er die Beſeſſenheiten frühneuzeitlicher Menſchen mit der Hyſierie
und den ſonſtigen abnormen Nervenzuſtänden unſerer modernen
Medizin gleichſetzen zu müſſen glaubte. Als hiſioriſcher Film hatte
er den großen Vorzug, Muſierhaftes zu bieten. Nicht allein das
Koſtüm und die Gebräuche, die Masken und der ganze
kultur=
hiſioriſche Apparat erreichte eine bisher kaum gekannte Höhe,
dieſe Schanſpieler waren durch künſileriſchen Willen in ihrer
Haltung wie in ihren Gebärden zu Menſchen jener Zeit geworden,
ſo daß man der Illuſion, um Jahrhunderte zurückgeſchweift zu
ſein, völlig unterlag. Es hat nie eine verrücktere Beſiimmung
gegeben, als die bibliſche Geſchichte dem modernen Empfinden
unſerer lieben Kleinen anzunähern, alſo etwa, daß Joſeph und
„Maria ſich auf die Eiſenbahn ſetzen, um nach Bethlehem zu
fahren, wo dann leider alle Hotels geſchloſſen waren uſw. Das
iſt Totſchlag der Hiſtorie, das heißt, jede Möglichkeit geſchichtlichen
Verſiehens erwürgen: wahrlich, ein pädagogiſcher Rekord. Der
Film könnte hier in ungeahnter Weiſe wirken. Aber leider
be=
gegnet man in den hiſioriſchen Filmen gerade den meiſien
Fehlern. Da hängt in einem franzöſiſchen Schloß ein Bild von
Johann Sebaſiian Bach, bloß weil der Regiſſeur zu faul war, das
Porträt eines anderen Mannes mit Perücke aufzutreiben. Der
Soldgtenkönig ſchreitet unter Säulen, die ſein böſer Sohn erſt
in den letzten Jahren ſeines Lebens bauen ließ. Was für Fehler
bei den Waffen, den Kleidern, der Barttracht, der Anlage der
Gärten, den Bauſtiilen geleiſiet werden, geht ins Aſchgraue. Man
ſage ja nicht, es handle ſich um Nebenſächlichkeiten, von deren
Richtigkeit oder Unrichtigkeit nur die Fachgelehrten wiſſen könnten.
Wir wiſſen langſam, wie zur geiſtigen und kulturellen Geſialtung
einer Epoche alle Dinge dienen. Es kommt aber leider noch viel
mehr auf das Sündenregiſier des hiſioriſchen Films. Im
all=
gemeinen können die Schauſpieler ſich nicht dem Geiſt einer
ver=
gangenen Zeit angleichen, ſo daß man immer das Gefühl hat,
„unſer” Soundſo, der muntere Dandy aus dem Berlin von
Anfang des XX. Jahrhunderts, ſei aus unbegreiflichem Grund
in ein altes Koſiüm geſchlüpft. Man wäre bei gut zwei Drittel
dieſer Filme nicht erſiaunt, wenn ſich ein alter Grieche ein Monokel
einklemmte, um mit dem Füllfederhalter ein Telegrammformular
auszufüllen, oder wenn ſich ein Renaiſſancefüngling die
Ziga=
rettendoſe aus den Puffen ſeines Beinkleides zöge. Und vor allem
die Handlung dieſer Filme! Wenn in einem ſehr bedeutenden
Filmwerk der Deſpot eines ſüdlichen Kulturreiches in einer Zeit
zirka rsoo vor Chriſii um die Liebe einer Sklavin wirbt und bitter
unter ihrer geringen Neigung leidet, ſo bekommt man zunächſi
einen tollen Lachanfall. Dann aber wird man betrübt. Denn
ſelbſi geſetzt, es hätte wirklich ein einziges Mal unter jenen
Tyrannen einen Charakter 2 la Siegward gegeben, ſo iſi noch
niemand berechtigt, dieſen Einzelfall zum Typus zu erheben. Das
heißt alſo, das Volk — der Ausdruck iſi nicht als moraliſche
Wer=
tung anzuſehen, denn es geſchieht unbewußt oder aus
Bummlig=
keit — belügen. Wollte man den erwähnten Konflikt darſiellen
ſo bot der Reichtum der Weltgeſchichte in anderer Zeit und an
anderem Ort Gelegenheit genug. Man wollte aber nun einmal
jene beſiimmte Epoche und quetſchte nun, ſo gut es gehen will,
ein Drämchen von ganz anderer Gefühlseinſiellung hinein. Das
war fahrläſſig, man hat damit die Verantwortlichkeit des Films,
insbeſondere des hiſioriſchen, außer acht gelaſſen und ſich nebenbei
gründlich blamiert. Ein falſches Weltbild geben, heißt aber
ver=
bilden.
im Film.
Und Verbildung, man muß das leider ſagen, iſi auch Trumpf
im Spielfilm. Selbſi dieſer trägt in ſich eine Fülle bildneriſcher
Elemente. Es erweitert mein Weltbild, wenn ich die Mode fremder
Erdteile, das Leben aufengliſchen cottages oder in den Pullmann=
Cars der amerilaniſchen Eiſenbahnen ſehe. Im Schauſpieleriſchen,
als einer — im guten Sinne — übertreibenden Gebärden= und
Mimenhaltung, ſehe ich ſchärfer, was meine Zeitgenoſſen im
Weſien oder Oſien, Norden und Süden von mir und meinen
Landsleuten trennt, oder was uns gemeinſam iſi. Die
Groß=
aufnahmen prägen mir das Typiſche des Ausdrucks von Freud‟
und Leid, Neid oder Hochmut oder Verlegenheit ein. Es ließe ſich
vorſiellen, daß nach Hunderten von Jahren filmiſcher Beobachtung
der Menſch zu einem trefflichen Phyſiognomiker werden kann, daß
er bei der leiſeſien Regung im Geſicht ſeines Gegenüber ſofort
richtig auf die Gemütsbeweg ung ſchließt, die jenen Zug
ver=
anlaßte. Aber auch glaublich iſi es, daß der häufige Anblick ſchöner
Geſialten und guter Haltung beiſpielgebend wird, der Zuſchauer
ſich alſo nach dem oder jenem Ideal richtet und ſich ſelbſi beſſer
hält oder glücklicher bewegt. Ganz beſonders für das Volk, das
den größten Augenmenſchen, Goethe, hervorgebracht und
an=
ſcheinend ſeine ganze optiſche Kraft an ihn abgegeben hat, iſi die
einſeitige Erziehung des Films zum Sehen von unberechenbarer
Bedeutung.
Man braucht auf die Wichtigkeit dieſes gefühlbildenden
Momentes nur hinzuweiſen, um die hohe Verantwortlichkeit
des Films darzutun. So wichtiges und Köſiliches hier mit Hilfe
feinſinniger, beſonders befähigter Regiſſeure und menſchlicher
Schauſpieler erreicht werden kann, ſoviel kann beim Verſagen
dieſer Stellen zerſiört werden, und da auf dieſer Welt das
ver=
neinende Prinzip immer kräftiger als das bejahende, ſo ſind hier
die Folgen unabſehbar. Dieſe Befürchtung hat zur Schaffung
eines Lichtſpielgeſetzes geführt. Aber eine leider noch größere Zahl
verlogener Bildſireifen entzieht ſich den Paragraphen. Es ſpottet
jeder Beſchreibung, was an falſchen Gefühlen, an krummen und
ſchiefen Tendenzen, von der böſeſien Sentimentalität bis zur
lügneriſchen Verachtung des Laſiers, und an bewußter
Ver=
ſchiebung eines geſunden Weltbildes bisweilen geleiſiet wird.
Das Geſetz, wie erwähnt, verſagt dieſen geſchickt entgifteten
Mach=
werken gegenüber. Hier muß das Volk ſich ſein eigenes Geſetz
ſchaffen, muß ſich ſelbſt verbieten, ſolche Sudeleien anzuſehen.
Jeder von ſich aus muß helfen, auch dieſen Acker von böſem Un=
kraut zu befreien, damit die gute Frucht zum Licht kann, Geſuns
dung zu ſchaffen.
Vielleicht aber iſi das auch ein volksbildneriſches Element und
gewiß kein zu unterſchätzendes, dem einzelnen es zu überlaſſen,
eine Urteilskraft, ſeinen Geſchmack, ſein Gefühl für Echt oder
Unecht zu prüfen und wie Herkules am Scheidewege der wahrhaft
edlen Kinomuſe auf dem beſchwerlicheren abe lohnenderen Wege
zu folgen. Wie überall auf dieſer Welt, gilt es auch hier, das Maß
zu finden.
A.
AHHAAI
BHEA
A.
AI
[ ← ][ ][ → ] Der Kampf um die Aſtrologie.
Von Leo Matthias.
Einer der größten Gegner der Aſirologie war Pico della
Miran=
dola. Er bekämpft die Aſirologie ungefähr mit den gleichen
Argu=
menten, die noch heute jeder Skeptiker bereit hat.. Um ihn zu
wider=
legen, ſiellten Aſirologen ſeiner Zeit ſein Horoſkop und behaupteten,
daß er am r7. Novemver r494 ſierben würde.
Er ſiarb nicht nur an dieſem Tage, ſondern ſogar um die
an=
gegebene Stunde.
Die Tatſache iſi hiſioriſch. Ein Mord — etwa mit der Abſicht,
das Anſehen der Aſtrologie zu retten — lag nicht vor. Abgeſehen vom
Zufall, bleibt nur die Erklärung übrig, daß er am r7. November r494
ſiarb, weil er wußte, daß er an dieſem Tage ſierben ſollte.
Ein ſolcher Fall wäre denkbar. Die Vorſiellung kann töten.
Man hat in Amerika das grauenhafte Experiment gemacht, daß
man einem zum Tode Verurteilten, der bereits die Binde über den
Augen trug, erklärte, man würde ihm jetzt die Adern öffnen: das
Blut flöße lauwarm über ſeine Finger. Der Tod trat auf der Stelle
ein, als man nach einem kleinen Schnitt ins Fleiſch — etwas
lau=
warmes Waſſer über ſeine Hand goß.
II.
Schalten wir den Fall Pico della Mirandolg alſo aus: ſchalten
wir ſämtliche Fälle aus, in denen die Vorausſage von Todestag
und =ſtunde eintraf. Seien wir ſogar ſkeptiſcher, als es bisher irgends
ein Menſch war, der ſeine wiſſenſchaftliche Überzeugung nicht nur
dazn benußte, um jede Beſchäftigung mit dieſen Fragen a priori
abzulehnen: negieren wir nicht nur die Möglichkeit, um ſeinen eigenen
Tod zu wiſſen, ſondern jedeMöglichkeit einer Vorausſage
irgend=
eines Ereigniſſes ſchlechthin — es iſi für die Beantwortung der
Frage, ob es zwiſchen Sternen und Menſchen eine Relation gibt,
Hollkommen belanglos. Denn ſelbſi geſetzt, daß jede Prophezeiung
zufällig oder falſch iſt: es bleibt die Tatſache beſiehen, daß beſimmte
Eigenſchaften eines Menſchen mit derſelben abſoluten Sicherheit im
Horoſkop zu finden ſind, wie Bakterien bei beſiimmten Krankheiten
unter einem Mikroſkop. Man hat mehr als zehntauſend Horoſkope
von Muſikern geſiellt, und das Ergebnis war in faſt allen Fällen
gleich. Auch iſi, glaube ich, nicht ein einziger Fall bekannt, wo es nicht
möglich geweſen wäre, einen bedeutenden Philoſophen an einer
beſiimmten Stellung eines Planeten in ſeinem Horoſkop zu erkennen.
Es iſi bekannt, daß man ſich in der Medizin meiſiens mit ſehr
viel weniger als zehntauſend Fällen begnügt, um irgendeiner
Unter=
ſuchung die Glorie der Wiſſenſchaftlichkeit zu ſichern. Es iſt ebenſo
bekannt, daß es ſehr viele Fälle gibt, in denen man
Krankheits=
erreger findet, ohne daß der Körper krank iſi. Die Behauptung, daß
man die gleichen Planetenkonſiellationen vielleicht auch bei
un=
muſikaliſchen oder unphiloſophiſchen Menſchen finden könnte, iſi
daher kein Einwand. Wenn es der Medizin geſtattet iſt, mit einem
ſo myſtiſchen Begriff wie „Konſiitution” zu arbeiten, hat die Aſiros
logie das gleiche Recht.
III.
Es fällt niemanden ein, zu leugnen, daß man mit Hilfe einer
Radiokapſel durch feſie Körper ſehen kann, obgleich alle Verſuche,
dieſe Tatſache zu erklären, außerordentlich dürftig ſind. Aber die Tat=
Horoſkopſieller
ſachen der Aſfrologie werden übergangen, weil bisher jede
aus=
reichende Erklärung fehlt.
Es iſi zwar ohne weiteres zuzugeben, daß man alle Veranlaſſung
hat, gegen die Aſirologie mißtrauiſch zu ſein, aber dadurch, daß man
immer nur die erſtien, aber niemals die beſien Argumente gegen
Die Prophezeiung.
Geſchichtsminiature von A. Jwars.
Der Herbſiſiurm riß das welkende Laub von den Bäumen, das
wirbelnd emporſiieg, im Fluge der Nebelwolken gleich bunten
Vogel=
ſchwärmen durch die regenſchwere Luft ſirich, die den, in brennenden
Farben glühenden, Wald mit feuchter Trauer über das Schwinden
des Sommers füllte. Durch den Wald ritt ein Reiter, deſſen Pferd
müde den gelbroten Teppich der engen Wildpfade dahinſchritt.
Wiederholt ſieß der Reitr in das Jagdhorn, doch nur der Widerhall
brachte ihm hohl den Ton zurück, ſonſt herrſchte ſchauriges Schweigen
im Forſi, deſſen düſſere Schatten tiefer und drohender wurden, je
dunkler die Schleier der Dämmerung das matte Tageslicht verhüllten.
Schnaubend blieb das Pferd ſiehen, den unbekannten Weg in der
Finſiernis ſcheuend. Der Reiter mußte abſteigen und ſich ſelbſt bon
Stamm zu Stamm forttaſiend, das Tier am Zügel führen.
Un=
geduldig verſluchte er das Wetter, den Wald, die Finſiernis, das
Pferd und ſich ſelbſi, den der Jagdeifer in die Irre geführt. Doch half
ihm das nichts und er dachte ernſilich daran, ſich unter einen Baum
zu legen und in den Mantel gewickelt den Morgen abzuwarten. Da
ſah er es von fern wie einen Stern durch die Zweige leuchten. Friſcher
Hoffnung voll ging er auf das Licht los. Selbſi ein Bund Stroh in
einer Köhlerhütte ſchien ihm ein beſſeres Nachtlager, als das
voll=
geſogene Moos unter regentriefenden Bäumen.
Es war auch nur eine ſchlechte Hütte, durch deren Fenſieröffnung
das Licht ſchimmerte, eine Hütte wie ſie wohl Holzhauer und
Kohlen=
brenner für die Zeit ihrer Arbeit im Walde errichten. Der verirrt,
Reiter klopfte mit ſeinem Degengriff an die wackelige Bohlentür.
Eine müde, zitterige Frauenſiimme fragte von innen, wer Einlaß
begehre.
die Aſirologie könne ihm zu nahe rücken, ahnungslos den Aſi abſägte, ihr Anſehn außerordentlich ſchnell verlor und noch heute als die
Horoſkop zu ſiellen, da einem die Tatſachen ſeines Lebens ja bekannt
ſeien, und die Aſtrologen ſelbſi zugeben, daß man die aſiralen Kon= rien, die man gebrauchte um exakte Wiſſenſchaft zu treiben.
Noſtradamus, der König der Aſtrologen.
Er ſiarb rs66. Seine Prophezeiungen reichen bis ins r8. Jahrh.
man auch die politiſchen Konſiellationen verſchieden deuten kann:
daß jede Geſchichtsſchreibung alſo eine ebenſo große oder kleine Kunſt
iſti, wie jede Deutung eines Horoſkops ex post, war dem gelehrten
Verfaſſer einer „Geſchichte des Sternenglaubens” nicht eingefallen.
(Daß man vielleicht gezwungen ſein könnte, die Hiſiorie und die
Aſirologie — zum mindeſien ſoweit ſie vergangenes Leben zu
ent=
rätſeln ſucht — gelten zu laſſen, oder aus den gleichen Gründen
abzulehnen, zeigt, was für entſcheidende Probleme mit dem
aſtro=
logiſchen zur Diskuſſion ſiehen.)
W.
Ich habe die Frage, ob die Aſirologie fähig iſt, die Zukunft zu
erkennen, ausgeſchaltet und nur feſigeſiellt, daß ſich bei Muſikern
und Philoſophen beſiimmte Zeichen mit der gleichen Gewißheit im
Horoſkop finden laſſen, wie Bakterien bei beſiimmten Krankheiten
unter dem Mikroſkop. Ich habe daher nicht dem Einwand zu begegnen,
daß zwei Menſchen, die in der gleichen Stunde geboren ſind, auch
das gleiche Schickſal haben müßten, wenn der Aſtrologenglaube
richtig iſi. (Nebenbei: Wenn man, wie verſchiedene Autoren, nichts
anderes vorzubringen hat, als dieſes älteſie aller Argumente, ſo ſollte
man wenigſiens auch von einigen Erwiderungen, die genau ſo alt
ſind wie der Einwand, Nenntnis nehmen.) Ich habe mich ebenſowenig
mit der anderen Frage zu beſchäftigen, wie es möglich iſi, der Aſtro=
Wallenſieins Horoſkop, das er als Amulett am Hals trug
und dem er fatgliſiſch vertraute.
logie den Titel einer Erfahrungswiſſenſchaft zu bindizieren, da die
Planetenkonſiellationen erſi nach Jahrzehntauſenden wiederkehren..
Jeder Verſuch, auch nur die eine Tatſache zu erklären, auf die
ich mich hier ſiütze, wäre bereits reinſie Spekulation. . .
„Ein verirrter Jäger, dem die Nacht zu kalt und naß im Walde
ſcheint und Obdach bis zum Morgen ſucht”, war die Antwort.
In der Türöffnung erſchien ein altes, dürftig gekleidetes Weib.
„Die Armut hat nichts zu fürchten. Magſi du ein Räuber ſein, das
Obdach ſei dir gewährt.”
Der Reiter führte ſein Pferd unter ein vorſpringendes Strohdach
und nahm ihm den Sattel ab. Dann in die Hütte tretend, löſie er die
Spangen des durchnäßten Mantels. Das rote Licht des fiackernden
Kienſpans auf dem Herde, tauchte ſein Sammetwams in
Purpur=
farbe, blißte auf Goldkette und Edelgeſiein des Wehrgehenkes. Jung
noch, kqum neunzehnjährig, trug ſein Geſicht zwieſpältigen Ausdruck.
Schwermut laſiete auf der hohen Stirn, Grauſamkeit und
Weichlich=
keit prägte Mund und Kinn. Er ſah mit forſchendem Blick die elende
Armut der Hütte, die nur eine Strohſchütte als Lager in der Ecke,
zwei plumpe Bänke und einen rohen Tiſch barg. Die ſchlanken, zarten
Hände über dem Herdfeuer wärmend, fragte er ſchlau lächelnd:
„Sollte deine Hütte nicht ein Stück Brot bergen? Ein Jäger, ſeit
Mittag im Walde irrend, iſi nicht wähleriſch in ſeinem Hunger‟. Der
Jagd=Taſche entnahm er ein Goldſiück und warf es auf den Tiſch.
„Dafür kaufſi du dir Brot für viele Wochen, Alte‟
Das Weib nahm das Goldſiück auf. „Wie viele Jahre ſind es,
daß ich derlei nicht geſehen?” Sie humpelte zu einem Wandbort und
holte einen halben Laib Brot herunter und ſetzte ihn mit Ziegenkäs
und Salz auf den Tiſch. Der Jäger zog den Dolch, das Brot zu
zer=
ſchneiden. „Kein königliches Mahl, aber königlich gezahlt”, lachte er,
„heute tauſcht der letzte Waldhüter nicht mit dem Sohne Franks
reichs‟. Er wollte den erſien Biſſen zum Munde führen, als die Tür
ungeſtüm aufgeriſſen wurde und ein zweiter Jäger in der Hütte
erſchien. „Hollah, da finde ich Geſellſchaft! Du auch verirrt, Heinrich?”
„Wie du ſiehſi, Heinrich. Der Sturm hat uns zerſireut. Weißt
du was von meinem Bruder Karl?”
dieſen „Aberglauben” vorbringt, wird nur das Gegenteil erreicht. Es iſi zweifellos, daß man ansſchließlich in dieſer Spekulation=
— Es iſi ſogar kürzlich vorgekommen, daß ſemand in ſeiner Furcht, den Grund zu ſuchen hat, warum die Aſirologie im r8. Jahrhunderz:
auf dem er ſelber ſaß. Denn er behauptete: es ſei keine Kunſt, Goethes verrufene Wiſſenſchaft kat” exochen gilt. Die Theorien, mit
denen=
man ſich die Dinge zu erklären ſuchte, widerſprachen anderen Theo= verſchieden deuten kann. Daß auch die Tatſachen der Das Studium der Aſtrologie iſi daher für einen, der noch lange=
Geſchichte bekannt ſind, und jeder Geſchichtsphiloſoph zugibt, daß nicht bereit iſi, den Kopfſprung in die buddhiſiſche oder theoſophiſche=
Spekulation zu machen, weil er ſich gezwungen ſieht, den Wert
dieſer=
exakten Wiſſenſchaft zu relativieren, außerordentlich ſchwer. Manr
muß Ruhe und Panzer einer Schildfröte beſitzen, um durch das Ge= hindurchzukommen.
Auch kann nicht genug gewarnt werden vor den Aſtrologen.
Geſetzt ſelbſt, daß man eines Tages den Beweis erbringt, daß ſich
der Ablauf eines Lebens im voraus beſiimmen läßt, ſo iſt damit noch
nicht geſagt, daß jeder dazu fähig iſi — noch: daß ſelbſi der Fähige:
unfehlbar iſi. Die annähernde Gewißheit deſſen, was heute als;
„Naturgeſetz” bezeichnet wird, iſt in der Prognoſik der
Aſtrologie=
ebenſowenig zu erreichen wie in der Hiſiorie (Spengler!) oder in der
Medizin.
Auch iſi die Ideologie der Aſirologen ſo verbohrt, daß ihr Urteil:
in faſi allen Fällen, wo nicht Ereigniſſe zu beſiimmen, ſondern zu.
bewerten ſind, außerordentlich naiv iſi.
Verwöhnte Zeitgenoſſen.
A. B. London, 8. Januar.
Die Eröffnung des drahtloſen Telephondienſies London—Nen
York bedeutet, wie der Sekretär des Londoner General Poſi Offie.
Sir Ebelyn Murray, in ſeiner Einführungsrede richtig bemerkte, den
Beginn einer neuen Epoche im Verkehr der Völker. Zwei Perſonen,
die eine in London, die andere in New York, können ſich von ihren
reſpektiven Lehnſiühlen aus unterhalten, als ob ſie im gleichen
Zimmer einander gegenüberſäßen und nicht dreitauſend Meilen
zwiſchen ihnen lägen. Was heute zwiſchen London und New York
möglich iſi, wird morgen auch zwiſchen Berlin und Montevideo keine
Unmöglichkeit ſein. Ein Wunder faſi, aber man nimmt es hin wie
etwas ganz natürliches. Man iſi verwöhnt und anſpruchsvoll
ge=
worden. Eine junge Londoner Dame hat ihrem in New York weilen
den Verlobten telephoniſch, drahtlos einen Kuß übermittelt. Der
Empfänger beſchwerte ſich darüber, daß die Technik noch nicht ſo weit
fortgeſchritten ſei, ihm ſiatt des Kuſſes die Dame ſelbſi auf drahtloſem
Wege zugehen zu laſſen. Geduld, junger Mann! Wird noch kommen!
Die wiſſenſchaftliche Forſchung bewegt ſich mit der
Potenzierungs=
tendenz der Lawine. Ihr Volumen und ihr Tempo ſieigern ſich m
immer zunehmendem Maße. Die prähiſioriſche Zeit kannte vermutlich
kaum einen Fortſchritt und überhaupt keine Erfindungen im üblichen
Sinne des Wortes. Im Altertum lagen zwiſchen verhältnismäßig
primitiven Erfindungen und Neuerungen ungeheure Zeitſpannen.
Im Mittelalter dauerte es achtzig Jahre, bis auf die Entdeckung des
Pulvers die Erfindung des Buchdruckens folgte, und zwiſchen dieſer
und der Erfindung der Uhr lagen weitere ſechzig Jahre. Das
acht=
zehnte und beſonders das neunzehnte Jahrhundert brachten
Ent=
deckungen und Erfindungen in beträchtlich geſieigertem Zeitmaße.
Um nur einige der wichtigſien herauszugreifen: Dampfmaſchine,
Dampfſchiff, Lokomokive, Gasbeleuchtung, Telegraph, Telephon,
Photographie, elektriſches Licht, Motor, Automobil, Sprechmaſchine
folgten einander in kurzen Zwiſchenräumen. Und ſeit Ende des
neun=
zehnten und Beginn des zwanzigſten Jahrhunderts iſi das Tempo,
in dem eine denkwürdige Erfindung die andere jagt, gradezu ſtürz
miſch geworden. Kinematograph, drahtloſe Telegraphie, lenkbares
Luftſchiff, Flugzeug, Rundfunk, drahtloſes Telephon. Das ſind
bis=
her die Meilenſieine auf der via triumphalis, und zwiſchen dieſen
ſiehen zahlloſe ſekundäre Wegmeſſer.
Wie wird das weiter werden? Schon iſi die drahtloſe Fernſicht
im Anzuge. In abſehbarer Zeit wird der Europäer den Amerikaner
oder Aſiaten, mit dem er ſich telephoniſch unterhält, nicht nur hören,
ſondern auch ſehen. Schon erwägen ernſi zu nehmende Forſcher die
Möglichkeit von Sternenflügen. Wenn Du Bois Reymond noch.
lebte, würde er ſeine Schrift „Uber die Grenzen der Naturerkenntnis”
revidieren müſſen.
Aber eine eigentümliche Beobachtung drängt ſich auf: Sind wir,
denen es vergönnt iſi, Zeugen einer ungeahnten Entwicklung zu ſein,
von den grandioſen Leiſiungen unſerer Forſcher und Techniler
eigentlich ſo im tiefſien Innern bewegt und aufgewühlt, wie man es
erwarten ſollte? Wir ſind es nicht. Wir ſind abgeſiumpft. As
zwiſchen Nürnberg und Fürth der erſie deutſche Eiſenbahnzug fuhr,
ſtanden unſere Vorfahren in ſchwarzen Maſſen zu beiden Seiten der
Strecke und begleiteten das ſenſationelle Schauſpiel mit ſtürmiſchen
Hochrufen. Die fauchende Lokomotive mit dem lächerlich hohen
Schornſiein, die — wahrhaftig — ohne Pferd langſam und geräuſche
voll herangewackelt kam, war ihnen ein unvergeßliches Wunder aus
Märchenland, von dem man mit leuchtenden Augen denen erzählte,
die es nicht erlebt hatten. Als der Kinematograph aufkam, vor etwa
dreißig Jahren, bildete er das Prunkſiück der deutſchen Varieté
bühnen. Kinos gab es natürlich noch nicht. Das magiſche Phänomen
beſiand aus drei oder vier lebenden Bildern ohne Zuſammenhang.
Ein Trupp Küraſſiere oder ein Eiſenbahnzug oder ein Ochſengeſpann.
Man konnte das Dargeſiellte mit einiger Phantaſie und gutemWillen
deutlich erkennen, wenn auch die Küraſſiere und die Ochſen und der
Der zweite Heinrich, nicht älter als der erſie, aber kräftig undent
ſchloſſen im Außeren, zuckte die Achſeln. „Ich kam vom Wege ab und
habe die Majeſiät nicht geſehen.”
Mit gierigem Blick nach Brot und Käſe ſchielend, ſagte er: „On
wirſi teilen, Heinrich, ich habe gleichen Hunger”,
„Ich habe mir mein Eſſen ehrlich gekauft, Heinrich”, murrie der
erſte. „Vielleicht hat das Weib noch Brot und Käſe‟.
Das Weib ſchüttelte den Kopf. „Ich gab alles, was ich hatte‟.
Der zweite Heinrich ſetzte ſich an den Tiſch. „Du wirſi mich nicht*
hungern laſſen, Heinrich! Es reicht wohl für beide‟.
Unwillig ſchob ihm der erſie das Brok zu, „Ihr Bourbons ſed”
arge Freſſer. Was man euch nicht gibt, das nehmt ihr. Da will ich4
lieber teilen mit dir‟ Der Bourbon ſchnitt das Brot, „Die Valois?
ſind Verſchwender, können nicht halten was ſie beſitzen‟. Er fam!
ebenſowenig zum Eſſen wie der Valois. Zum drittenmale donnerte?
es mit ungeſtümen Schlägen an die Türe. Die Alte öffnete, eines
ſiolze Kriegergeſtalt trat ein. „Noch ein Heinrich”, ſagte der erſie unde
machte eine Bewegung, als wolle er ſein Teil Brot und Käſe ver””
ſiecken. Der zweite aber zog den Degen und legte ihn griff bereit auf!
den Tiſch.
Der dritte Heinrich bog die Lippen zu ſiolzem Hohn. „Fürchtel”
ihr für eure ärmlichen Biſſen? Ein Guiſe verſchmäht, was für ſeine=
Hunde zu ſchlecht wäre. Ein Krieger muß Hunger ertragen lernen
Der Valois ſah ihn tückiſch von der Seite an. „Mit Recht beſiße
wer als Erſter an den Platz kommt”.
Der Bourbon ſagte feſf: „Mit Recht beſitzt, wer ſich und ſem!
Eigen berteidigen kann”.
Der Guiſe zog den Degen. „Mit Recht beſitzt, wer erobert, wa8s
ſein Schwert erreicht”.
Er warf ſich auf den Bourbon. Die Degen klirrten in Stoß unde
Parade, Zur Seite ſtand der Valois, unſchlüſſig, welchen der beigene
grug in breiten Riſſen und wildem Geflmmer faſi verſchwanden.
SZor jedem Bilde erſchien eine Dame in großer Abendtoilette auf der
2Sühne, verneigte ſich tief und kündigte in dramatiſchem Tonfall an:
„Meitende Küraſſiere” uſw. Es war gut und vorſorglich, daß ſie dies
tnt. Aber das Publikum war hingeriſſen von Bewunderung und
Entzücken, und wenn die Dame in Abendtoilette nach Schluß der
Rrummer nochmals huldreich lächelnd und unter formvollendeten
Aserbeugungen auf der Bühne erſchien, umtoſie ſie frenetiſches
Aseifallsgebraus. Und die Zeitungen brachten lange Berichte über
tms Ereignis. So empfänglich war das Publikum noch vor dreißig
Jahren für die Errungenſchaften der Technik. Heute nimmt man die
großartigſien Erfindungen mit einem gewiſſen Intereſſe, aber kaum
Hrit Begeiſterung auf. Das Flugzeug! Ein jahrtauſendalter Traum
ang zu unſern Lebzeiten in Erfüllung. Noch die Alteren unter uns
koelten es für ein Ding der Unmöglichkeit, daß der Menſch die Lüfte
haach ſeinem Willen durchkreiſen könne. Das lenkbare Luftſchiff und
dis Flugzeug ſianden auf einer Stufe mit dem Perpetuum Mobile
und der Quadratur des Kreiſes. Wer ſich mit dieſen Problemen
btrſchäftigte, galt als reif fürs Irrenhaus. Heute haben wir das
Flug=
ſitg, aber wir betrachten es nicht wie ein Märchen aus
Tauſend=
undeinenacht, ſondern mit denſelben ſiumpfen Augen, mit denen wir
amf die Elektriſche und den Omnibus blicken. Vom Rundfunk fühlen
bsele ſich ſchon gelangweilt. Ins Kino geht ein gebildeter Menſch
Gwerhaupt nicht.
Wenn nächſiens Berlin oder Wien mit New York oder Rio de
mneiro oder Tokio drahtlos telephoniert, ſo wird es nicht heißen:
Aselch ein Triumph der Technik! Welche Luſi, zu leben! Welche
Stukunftsperſpektive! Sondern mit verdrießlicher Miene: Ein teurer
Expaß! So eine Nepperei! Dabei habe ich den Kerl überhaupt nicht
wrſiehen können! Er mich anſcheinend auch nicht! Aber ich hab' ihm
dioch meine Meinung geſagt! Für hundert Mark die Minute!
Ver=
ſrichtes Geſchäft!
Und wenn wir eines Tages beim Morgenkaffee leſen, daß
Pro=
fiſſſor X im Flugzeug eine Forſchungsreiſe nach dem Mars
ange=
ireten hat, ſo wird uns nicht vor Staunen die Schrippe im Halſe
ſüecken bleiben. Wir werden mit wohlwollendem Intereſſe, aber ohne
große Bewegung, von der Tatſache Kenntnis nehmen.
Ja, wir müſſen es ſchon eingeſiehen: wir ſind mit Erfindungen
und Entdeckungen verwöhnt worden.
Vom Wohnen in Amerika.
Die moderne Inneneinrichtung.
Von Louiſe Diel.
Zweckmäßigkeit iſi die Parole.
Das kombinierte Eß=Wohnzimmer in den modernen
gunierikaniſchen Wohnungen ſieht ſo ganz anders aus, wie das
du utſche Gegenſtück. Es entbehrt wärmender Gemütlichkeit und
Inti=
mktät, ja, es will ſie gar nicht. Man wünſcht offiziellen Rahmen,
darn üblichen, der Mode iſi; und was erenkhält, iſt ebenſo unperſönlich
me praktiſch.
Die Wände zeigen natürlich keine Tapete, ſondern Leimfarbe=
Atſirich, der wohl helle Freundlichkeit aber gleichzeitig tote
Lange=
weile ausſtrömt. Bilderſchmuck iſt wenig bekannt und auch nicht
bülliebt, nicht mal Schwarz=Weiß=Kunſi, die doch dem Charakter der
huutigen Innenarchitektur ſo entſpricht. Dafür legt man großen
Mert auf echte Teppiche; die neuen chineſiſchen Muſier ſchmücken in
der Tat ungemein, ſie wirken recht apart und fallen, als einzig
Ori=
ziunelles, ſofort ins Auge.
Stoffdekorationen werden tunlichſt vermieden, ſie ſind als
un=
hiegieniſche Staubfänger mehr gefürchtet, wie als künſileriſch=
ver=
ſchönendes Moment begehrt. Die neuſie Mode, imitierte Gobelins
au die Wände zu hängen, iſi eine Geſchmacksverirrung, die obendrein
ehme Beziehung zu allem übrigen bleibt. Man greift nach der Kopie
Fucchter er anfallen ſollte. Da ſlog die Tür auf, ein vierter Jüngling
m: Jägerkleid ſiürzte herein. Die Szene überblickend, rief er dem
Bwurbon zu: „Steh feſt, Heinrich, Heinrich Condé ſicht dir zur Seite‟,
Mät gezücktem Schwert ſprang er den Valois an. Geiſimeines Vaters
ſich mir bei”. „Nebell und Ketzer!” ſchrie der Valois und begegnete
ſiüteak dem Angriff. Aufſchreiend flüchtete die Alte in einen Winkel der
Hüäitte. Die Kämpfenden tobten durcheinander. Blut befleckte den
Boden. Die Schwingungen der Schwerter zerwarfen das Feuer auf
demn Herd. Matt nur glühten die Brände und drohten die Hütte in
Brand zu ſiecken. Jetzt hielten die Fechtenden ein. Jeder, leicht
ver=
wuandet an Bruſi, Arm und Bein, lehnte ſich auf den
Schwert=
gürff. Der Grimm lebte noch, doch das fließende Blut lähmte die
Riüäfte. Die Alte kroch aus dem Winkel und ſammelte die Brände.
Duer auflohende Feuerſchein ließ die Zerſtörung der Hütte erkennen.
Zertreten lag Brot und Käſe auf dem ſchmutzigen ſchlammigen
Boden. Die Alte lachte heiſer auf und wies auf die ungenießbaren
Bnrocken. „Jetzt habt ihr alle nichts. Doch könnt ihr daraus euer
Sſthickſal vorausſehen”.
„Was iſi unſer Schickſal?” fragte der erſie Heinrich, von
aber=
zläubiſchem Schauer geſchüttelt.
„Frankreichs Boden mit Meeren von Blut zu überſirömen,
eimme Fluren zu verwüſien, Städte und Dörfer mit Feuer und
Sichwert zu zerſtören, im Streit um den Beſitz der Krone. Wie ihr den
zuirichen Namen tragt, iſi euch gleicher, gewaltſamer Tod beſchieden”
Der zweite Heinrich lachte. „Deine Prophezeiung iſi düſier, ſoll
zher nicht ungelohnt bleiben‟. Er warf der Alten ein Goldſtück zu.
ESollte ich einmal König ſein, müßte jeder Bauer Sonntags ſein
Hunhn im Topf haben”. Hörnerſchall und Fackelſchein brach aus dem
Walde. Jäger und Treiber, die Vermißten ſuchend. Die vier
Hein=
eſt he, ihren Streit vergeſſend, ſiiegen zu Pferde und ritten einträchti,
dmrch den Wald von Sgint Germain nach Paris. Die düſſere Pro=
am falſchen Platz, ohne Echtes angemeſſen zu placieren zu wiſſen.
Selten wird man Fenſierportieren und dergleichen ſinden. Statt
deſſen haben alle Fenſier Sonnenrouleaux, die meiſiens außen
hell und innſeits dunkel grün ſind. Sie rollen durch einen
paten=
tierten Mechanismus; man bemüht ſich, ihnen allen dieſelbe Höhe
zu geben, da Unregelmäßigkeit von der Straße aus unordentlich
ausſieht. Die praktiſchen Schiebefenſier verhindern das Feſthaken
der Gardinen am Fenſierffügel, beim Offnen derſelben im Sommer
werden ihnen Mosquito=screens=Drahtfenſier vorgeſiellt. Im
Winter hat man auch kleine Gardinen, das heißt, von jedem Fenſter
einen einfachen Tüllvorhang, aber wie es Sommer wird, fällt all
die Pracht, und auch die Teppiche werden aufgerollt. Eine
ameri=
kaniſche Wohnung im Sommer mutet an, wie auf dem
Umzug begriffen; als Mitteleuropäer kann man nicht verſiehen,
wie kultivierte Menſchen monatelang ſo ungemütlich und reizlos
leben mögen.
In demſelben Maße, wie aller Schmuck auf ein Minimum bes
ſchränkt iſt, wird an Möbeln nur nach dem Notwendigſien gegriffen.
Die Räume ſind ſelten groß, man tut alſo wirklich gut, mit dem
Platz ſparſam umzugehen. Die eingebauten Wandſchränke (mit
Cedernholz=Ausſchalung, um Motten fern zu halten), erübrigen alle
Art Schränke, Kommoden uſw., das iſt ſchon ſehr weſentlich. (
Außer=
dem hat man keine Eßſervice für zwölf Perſonen zu verwahren.)
Der alte Klapptiſch aus der Biedermeierzeit findet
Verwen=
dung; er ſieht nicht frei im Raum, ſondern wird gegen die Wand
gelehnt und nur bei Benutzung in die Mitte des Zimmers geſiellt.
Da ja kein Perſonal vorhanden — in go von roo Familien —,
früh=
ſtückt man in der ſchmucken Küche (die noch eingehend gewürdigt
wird). Die Hauptmahlzeit Abends wird gewöhnlich im Eßzimmer
eingenommen, allerdings iſi das Ganze recht umſtändlich für die
Hausfrau und mag ſie häufig veranlaſſen, lieber außer Haus zu
ſpeiſen, oder eben wieder in der Küchenecke zu ſervieren. Danach
gruppiert ſich die Familie um den eingebauten Kamin — deſſen
glühende Kohlen und luſiiges Flackern nicht den elektriſchen Strom
vermuten läßt — oder man rückt nahe ans offene Holzfeuer, während
aus dem Hintergrund das Radio die Unterhaltung führt. (Das darf
nicht fehlen, iſi doch ſein breites Gehäuſe noch dazu ein Schmuck=
Möbel des Zimmers.) Die amerikaniſchen Wohnungen ſind beinahe
alle überheizt. (Sie ſind ja auch nur neun Fuß hoch.) Die Radiator=
Zentralheizungskörper können zwar abgeſtellt werden, aber die
Röhren, die die Hitze in die oberen Etagen leiten, heizen weiter.
In=
ſofern hat der eiſerne Ofen, wie der Petroleum= und Gasofen in
älteren Wohnungen auch ſeinen Vorteil. Da die Zimmer vielfach
ohne Türen ineinander übergehen — das Eßzimmer iſt
bei=
ſpielsweiſe eine Art Seitenfüügel des Herrenzimmers, und das
Schlafzimmer wiederum eine große Rückenniſche des Wohnzimmers —
ſo verteilt ſich die Hitze von ſelbſi, aber eben immer nur im eng
be=
meſſenen Raum.
Betrachten wir uns ſolch Wohn=Schlafzimmer etwas genauer.
Eine breite, gardinengeſchmückte Glastür iſi in die Hauptwand
ein=
gebaut, dahinter beſindet ſich das Schrankbett „in the closet”
welches tagsüber vollkommen „readly made” verborgen bleibt. Man
Offnet die großen Flügeltüren und das hochaufgerichtete Bett wird
langſam heruntergelaſſen und in ſeine horizontale Lage gebracht.
Es iſt dem altbekannten Schlafſopha darum vorzuziehen, weil es
eine wirkliche Makrage hat, immer ferkig gemacht iſt, und überhanpt
nicht ſichbar iſi tagsüber.
Und nun das Schlafzimmer ſelbſt! Es enthält das übliche
zweiſchläfrige Bett oder die ſeit jüngſiem beliebten „twin-beds”
Zwillingsbetten, die nur mit Daunen= oder Steppdecken und kleinen
Kopfkiſſen, nie mit Federbetten, verſehen ſind. Die Beitſiellen ſind
nicht in maſſiver Fläche, ſondern ſiets in Säulen gearbeitet,
gleich=
viel ob Holz oder Metall, Leßteren gibt man gerne dunklen
Möbel=
anſtrich, ſo daß ſie zur Spiegelkommode uſw. paſſen. Am Kopfende,
direkt über dem Kopfkiſſen, iſi die ſeidenbeſpannte Lampe angebracht.
Decken= und Wandbeleuchtungskörper ſind Zubehör der Wohnung,
ſie paſſen zu jeder Einrichtung, da immer dieſelben neutralen Formen
wiederkehren: Glasſchalen aus mattem Weiß mit buntbemaltem
Rande, alt=imitierte Meſſingleuchter uſw.
phezeiung der Alten erfüllte ſich. In den großen Kriegen der Lique
ſianden die vier Heinriche einander als Gegner gegenüber, Frankreich
verſank in ein Meer von Blut und Feuer. Gewaltſam war aller Ende.
Heinrich von Valois, Herzog von Anjou, ſpäter als Frankreichs
König der dritte dieſes Namens, ward von Jagues Clement
er=
ſtochen.
Heinrich von Bourbon, König von Navarra, ſpäter Heinrich V
von Frankreich, fiel nnter dem Mordſiahl Ravaillacs.
Heinrich von Guiſe, Herzog von Lothringen, wurde zu Blois
durch die Fünfundoierzig ermordet.
lin vergiftet.
Heinrich, Prin; sen Condé, ſiarb, von ſeine
D’Annunzio, der Humoriſi. Vor einiger Zeit las man von
einem Ausſpruch Eabriele d’Annunzios, der die Gerüchte vom
unheilbollen Größenwahn des Dichters zu beſiätigen ſchien.
In=
deſſen, diesmal hat man ihm, ſcheint es, Unrecht getan. Er hatte
damals einen Brief mit der Aufſchrift „An Italiens größten Dichter”
erhalten und ihn zurückgewieſen mit dem Bemerken, er ſei nicht
der Adreſſat, denn ſonſi habe es heißen müſſen „An den größten
Dichter Europas”. Nun hat aber d’Annunzio, der augenblicklich an
einer Komödie arbeiten ſoll, kürzlich einem Vertrauten gegenüber
geäußert: „Der Tag wird kommen, wo die Welt wiſſen wird, daß ich
der erſie Humoriſi meiner Zeit war.” — Mit dieſem Kommentar und
vom Standpunkt des Humoriſien iſi der erſie Ausſpruch unzweifelhaft
geradezu klaſſiſch, und man ſolite überhaupt die Betrachtung des
edlen Sängers einmal vom Komiſchen her revidieren und überlegen
wie weit man ihn bisher zu ernſi genommen hat.
Der Wagen fährt nicht nach
dem Bahnhof.
Von Peter Robinſon.
Eine kleine Reiſe wollte ich machen, nach Nürnberg. Von München
nach Nürnberg, damit der Tatbeſiand genügend erhellt iſt. Eine
Reiſetaſche in der Hand, meinen Reiſemantel über dem Arm, wartete
ich auf die Straßenbahn, Linie Nummer Zwölf, die nach dem
Bahn=
hof fährt. Da fiel mir ein, daß ich mir eigentlich noch die Haare
ſchneiden laſſen könnte. Der Friſeur, der das regelmäßig bei mi
beſorgt, wohnt aber nicht nach dem Bahnhof zu, ſondern grade nach
der andern Seite, — auch an der Straßenbahn Nummer Zwölf. Das
machte nichts, denn ich hatte noch viel Zeit. Man ſoll immer zu ſeinem
ſewohnten Friſeur gehn. Ein anderer könnte noch unangenehmere
Angewohnheiten haben.
Alſo gut, da kommt ja gerade ein Wagen der Linie Zwölf, ein
Wagen, der, wohlgemerkt, vom Bahnhof abgewendet in der Richtung
zu meinem Friſeur fährt. Mehrere Leute ſieigen vor mir ein. Nun
komme ich heran. Aber der Schaffner läßt das Gitter an der
Platt=
form ſchon herunter. Einen einzigen, aber umfaſſenden Blick läßt er
über mich dahingleiten; das Gleiten dieſes Blickes macht winzige
Ruhepauſen auf meiner Reiſetaſche und meinem Reiſemantel. Dann
nickt er mir zu, fürſorglich, bedenkend, ganz auf der Höhe der
Situa=
tion. „Dieſer Wagen fährt nicht nach dem Bahnhof! Nach der
andern Seite!‟ Dann gibt er das Klingelzeichen, und der Wagen
ruckt an.
Ich ſage kein Wort. Ich hebe das Gitter. Ich ſpringe auf das
Trittbrett. Der Schaffner ſireckt den Arm vor. „Haben S” denn nicht
zehört? Der Wagen fährt nicht nach dem Bahnhof!” Ich ſchiebe
den Schaffner beiſeite und wandle in das Innere des Wagens. Auf
der rechten Bank iſt noch ein Platz frei, gerade in der Mitte. Da ſetze
ich mich hin und nehme meine Reiſetaſche auf die Knie. Der Schaffner
hat ſich inzwiſchen von einer leichten Beſkürzung erholt. Er kommt
mir nach. Ein wenig aufgeregt fuchtelt er mit den Händen. „Haben S‟
denn nicht gehört, was ich geſagt hab‟? Der Wagen fährt nicht nach
dem Bahnhof!” Ich hebe zwei Zehnpfennigſtücke empor und zeige
ſie ihm. „Gerade aus, bitte!‟ Er weiſi auf meine Reiſetaſche. Das
heißt, er ſchlägt mit der Hand darauf. „Alſo Sie — ſetzt paſſen S‟
aber auf, was ich ſag! Der Wagen fährt nicht nach dem Bahnhof —
anders herum müſſen S‟ fahren!“
Ich hebe mein Geld noch höher. „Bitte!”
Da reißt er einen Fahrſchein vom Block. Vor Aufregung hat er
ſogar vergeſſen, den Finger an der nie verſiegenden Quelle ſeines
Mundes anzufeuchten. Deshalb nehme ich den Fahrſchein mit einer
gewiſſen Freude enigegen. Er wirft die Geldſiücke in ſeine Taſche.
Dann wendet er ſich an die Fahrgäſie in meiner Nachbarſchaft.
„Alſo — die Herrſchaften ſind Zeugen! Ich hab’s von Anfang an
geſagt: der Wagen fährt nicht nach dem Bahnhof. Ich hab’s ihm
ein paarmal geſagt. Und nachher — wer iſt ſchuld? Immer der
Schaffner. Aber die Herrſchaften ſind Zeugen.”
Rechts und links von mir erhebt ſich Murmeln, ein aus
Zu=
ſiimmung, beifälliger Entrüſiung, Verwunderung und verſchiedenen
andern Ingredienzien gemiſchtes Murmeln. Hier und dort werden
Zwiegeſpräche angeknüpft. Theorien werden aufgeworfen; als die
am meiſien einleuchtende wird ſchließlich dies allgemein angenommen:
Er wird halt nicht deutſch können! — Dann werden gelehrte
Unter=
ſuchungen darüber angeſiellt, welche Sprache er wohl ſpricht.
Ich entfalte eine Nummer des letzten Morgenblattes. Die
Unter=
ſuchungen über die Sprache werden eingeſiellt. Kopfſchütteln.
Der Herr rechts neben mir, ein dicker, freundlicher Herr mit einer
landwirtſchaftlichen Müße auf dem Haupt, gibt mir einen Stoß
zwiſchen die Nippen. Er brüllt mir in die Ohren: „Sie! Hams nöt
ghört — der Wagen fährt nicht nach dem Bahnhof!”
Ich packe meine Zeitung wieder zuſammen und ſehe ſchlicht
geradeaus. Neues Murmeln, aus dem ſich wieder eine Theorie
herausſchält. „Mit dem iſi’s nicht richtig! Der iſt ja gefährlich! Am
End’ wied er gar auf einmal wild. Man müßt nach dem Schutzmann
rufen.” Ein Mann vorn in der linken Ecke des Wagens, der ſchwerhörig
zu ſein ſcheint, erkundigt ſich, was denn los wäre. Er wird darüber
aufgeklärt, daß ſich ein Wahnſinniger im Wagen befände. Eine kleine
dürre Frau mit einem Körbchen auf dem Arm ſüüchtet erſchreckt auf
die vordere Plattform.
Jetzt kommt die Halteſielle, in deren Nähe mein Friſeur wohnt,
Der Schaffner ſchaut ſchief zu mir herüber, — lauernd, abwartend,
Ich winke. „Bitte, halten!“
Ein Raunen geht durch den Wagen. Blicke folgen mir, indes ich
ihn durchſchreite, Blicke, die Erleichterung bekunden, Befreiung von
ſchweren Rätſeln. Der Schaffner ſchaut mich verweiſend an. „Warum
haben S denn nicht gleich geſagt, wo Sie hinwollen? Bloß, daß wir
hier unſere Schererei haben! Ich kann doch nicht wiſſen, daß Sie ſich
auskennen!“ — Während ich dann über die Straße gehe, preſſen ſich
biele Geſichter an die Scheiben des weiterfahrenden Wagens.
Wenn ich wieder einmal meine Neiſetaſche und meinen
Reiſe=
mantel bei mir habe und zufällig zu meinem Friſeur will, ſperde ich
e doch lieber aller Welt mitteilen.
dieſe intereſſe
Ein Maler.
Von Gerhard Schäke.
Ich ſielle es mir ſehr ſchwer vor, vom Malen zu leben. Wie man
in bürgerlichen Berufen verdient, wiſſen viele, von freien Berufen
wiſſen es wenige, man ahnt es und kommt bei einigem Nachdenken
dahinter. Der Schauſpieler hat ſein Engagement, der Muſiker finder
Gelegenheit zum Vortragen oder zum Muſizieren gegen Entgelt,
der Schriftſieller verkauft Zeitungsartikel, verdient (manchmal) an
Büchern, hat Tantiemen von ſeinen Dramen, wenn ſie geſpielt
werden, kurz: er hat Gelegenheit, günſtigſienfalls bloß zu hungern,
nicht zu verhungern. Ich glaube, die Maler haben es ſchwerer. Man
überdenke, wie viele Menſchen Maler ſind oder zum Zeitvertreib
malen, wie wenige Gemälde=Ausſiellungen junger Maler es gibt,
und der Zeitſchriften, die Zeichnungen und Neproduktionen bringen
gibt es ſo wenige, daß ſie als Broterwerb für die Maſſe der Malenden
nicht in Betracht kommen. Wieviel Maler gibt es — wieviel Bilder
werden alljährlich gekauft? Zwei Fragen, zwei Welten, zwei
Gegen=
ſätze. Bilder kauft man ja nicht wie Bücher, um ſie der Bibliothek
einzuverleiben, Bilder hängt man auf, und wie wenige ſind kultiviert
genug, Bilder auch zu wechſeln? Brautpaare kaufen gewöhnlich ein
Quantum Wandilluſirationsmaterial, das ſich aus Olgemälden,
Vierfarbenreproduktionen, Radierungen, vielleicht noch aus einem
Aquarell und einem Holzſchnitt zuſammenſetzt. Das Quankum richtet
ſich nach dem Geldbeutel, für x=Mark müſſen für x=Zimmer p=Bilder
zuſammengekauft werden. Das Quantum iſi, relativ betrachtet, im
Hinblick auf die verfügbaren Wandflächen, immer gleich. Nur der
Geſchmack iſi verſchieden, es gibt guten und ſchlechten. Bei den
Meiſien bleibt der einmal angeſchaffte Wand=Schmuck (viel Wand,
ſehr viel Wand, geringer Schmuck), ein Leben lang hängen, vererbt
ſich womöglich noch um zwei Generationen. Andere gehen mit der
Zeit, verſiehen zu wechſeln, können es übers Herz bringen, auszuz
rangieren und zu verſchenken (o weh!), was nicht mehr gefällt. Eine
dritte Kategorie Bilderfreunde ſammelt wirklich, hängt nicht alles
wahllos in die gute Stube, ſondern bewahrt in Schränken und
Regalen ſorgfältig auf, um es Freunden und Liebhabern zu zeigen.
Das iſt eine große Kunſi. Aber wenige ſind Bilderſammler, obwohl
es Vielen leicht wäre, denn ſelbſt gute Aquarelle, Holzſchnitte und
Radierungen ſind heute durchaus erſchwinglich geworden.
Die Maſſe kauft ihr Quantum. Dabei bleibts, Und was kauft
ſie? Was billig iſit und „ſimmungsvoll‟. Die Maſſe iſt alſo kaum des
Malers Geld= und Reichtumsbronnen. Er verläßt ſich auf die
Aus=
nahmen, auf die Sammler und Bilderfreunde. Die Muſeen? Die
kaufen nur Namen. Selten Bilder.
Die Frage ſieht nun noch offen: wovon lebt der Maler? Er
braucht Handwerkszeug, er muß lernen, er will leben. Die Maler
ſind auch komiſche Leute. Beſuchſi du ſie im Atelier und willſi ein
Bild kaufen, ſo fordern ſie für das Bild, was dir gerade gefällt,
hundert Mark. Du kaufſt es nicht, weil du nicht ſo viel Geld anlegen
willſi und gehſi zum Kunſihändler, um billiger zu kaufen. Sicher
ver=
kauft der Maler ſein Bild dem Händler für, dreißig Mark und der
bietet es zu ſiebzig an. Die Pſychologie der Bilderverkäufer iſt ganz
eigenartig: ſie ſehen im Kunſihändler einen Lehrer, einen Wegweiſer,
die meiſien verſiehen ſich dazu, in ihm einen Zenſor zu ſehen und
denken: was in eines Kunſithandlers Laden hängt, kann nicht ſchlecht
ſein. Gerade kann es deswegen ſchlecht ſein. Das wollen ſie nicht gern
verſiehen, ſie brauchen eine (ſagen wir) Beſtätigung ihres Geſchmacks.
Nun gibt es Maler, Maler und Maler. Die einen ſiudieren unter
großen Meiſiern jahrelang (deswegen müſſen ſie dann nichts
können), andere ſitzen auf Akademien und lernen das Techniſche nur
ſchwer, das Können haben ſie vielleicht, die dritten ſetzen ſich hin;
malen — und ſiehe da, ſie können malen. Das Techniſche bringt die
Erfahrung; vielleicht iſi es gar nicht nötig, allzu techniſch erfahren zu
ſein.
Eines MalersSchickſal ſei hier erzählt: WegenDummheiten von
der Schule geflogen, maßlos faul, für jede auch nur entfernt als
Beruf bezeichenbare Tätigkeit ungeeignet, verfiel er plötzlich aus
purer Langerweile aufs Malen, zeichnete, aquarellierte, anfangs nur,
um ſeinem ärmlichen Stübchen einen wohnbaren Anſtrich zu geben
dann, um mit ein paar bunten Bildern kleine Schulden bei Freunden
zu decken. So war aus dem Zeitvertreib der müßigen Stunden eine
Beſchäftigung geworden, die ihm gefiel, der er aber keine große
Be=
deutung beimaß. Er war froh, mit ſeinen kleinen Bildchen die
gering=
fügigen Rechnungen beim Bäcker und Krämer begleichen zu können.
So geriet er allmählich in den Ruf eines Malers und dann erklärte
er ſeinen Freunden: ich will doch mal ſo tun, als ob ich auch richtig
malen kann (denn unter „richtig malen” verſiehen die Leute nur
Olmalerei). So kaufte er Tuben mit Farben, blau, gelb, rot, weiß
ſchwarz und malte. Was? Einen Mann, der malte. Der Maler malte
einen Maler. Malte in kühnſien Farben und Bogen, klitſchte — wie
er ſelbſi ſagte — die Farbe nur ſo auf die Leinwand.
Das Bild verkaufte einer ſeiner Freunde an einen Kunſihändler.
Der begab ſich mit einigen Malern, die was von ihrer Kunſi
ver=
ſianden, zu dem jungen Malersmann und verwickelten ihn in tief=
ſchürfende Geſpräche über Farbenmaterial, Pinſelreiben, Lichteffekt,
und wie die Dinge alle heißen und gaben ihm Aufträge, neue Bilder
zu malen.
Doch unſer Freund war gar kein richtiger Maler. Er war kein
Maler und konnte doch malen, beſſer malen, als die das von ſich
unter Zugrundelegung fachtechniſcher Argumente behaupteten.
Er hatte nur aus Langerweile gemalt, er war mehr fürs
Nichts=
tun eingenommen, und da er für ſein letztes Bild Geld genug be=
kommen hatte, ſeine kleinen Verbindlichkeiten zu regeln und für
einige Zeit ohne Arbeit durchzukommen, ſo legte er alles Malgerät
beiſeite und tat nichts mehr. Aus Faulheit hat er ſich das Malen
angewöhnt, ſagten ſeine Freunde.
Sie glauben nun, er ſei ſo allmählich verkommen? Nein, er iſt
älter und reifer geworden, aus dem Zeitvertreib war eine
Angewohn=
heit, aus der Angewohnheit ein Streben geworden. Er malt noch
heute, iſt berühmt, angeſehen, man kauft ſeine Bilder, man liebt
ſie. Und in Wirklichkeit (wenns nach den Sachverſtändigen der Ma=
„lereibranche ginge!) verſieht er nichts vom Malen. Der Kerl weiß ja
eine Technik nicht von der anderen zu unterſcheiden! Aber er iſt ein
Kerl, und darauf kommt’s an.
Wie iſt heute der Goldbeſitz über
die Welt verteilt?
Die Volksphantaſie, wie ſie z. B. in den alten Märchen zum
Ausdruck kommt, kann ſich den reichen Mann nur als den
Be=
ſitzer großer Gewölbe und Schatzkammern denken, in denen
Edel=
ſieine und Gold, gemünztes wie ungemünztes, in großen Mengen
aufgeſtapelt liegen. In der naiven Vorſtellung, in der ſich oft alles
um Reichtum und Macht dreht, hat das gleißende Gold ſiets eine
große Rolle geſpielt. In der Welt der Realitäten dagegen, und
namentlich in der modernen, auf Produktion von Gütern abgeſiellten
Wirtſchaft, ſcheint dieſe Rolle längſi ausgeſpielt zu ſein. Wir haben
gelernt, daß Reichtum gleichbedeutend iſi mit der Geſamtſumme aller
produzierten und aufgeſpeicherten Güter, und daß Gold, im
Gegen=
ſatz zu dem in der Gütererzeugung arbeitenden und daher ſiändie
ſich vermehrenden Kapital, eigentlich nur ein toter Beſitz iſi.
Iſi das Gold aber in der modernen Wirtſchaft wirklich ſo
be=
deutungslos, wie es hiernach erſcheinen könnte? Oder iſt nicht
die Rolle, die das Gold in der heutigen Volks= und Weltwirtſchaft
ſpielt, doch noch immer viel größer als ſein wirklicher Anteil am
Volksvermögen, der nur verhältnismäßig gering iſt? Deutſchland
z. B. beſitzt gegenwärtig nur einen Goldbeſiand von rund r2oo
Millionen Mark, während das deutſche Volksvermögen auf rund
200—250 Milliarden geſchätzt wird. Und doch iſt uns das Gold ganz
unentbehrlich, nicht nur als Wertmeſſer, ſondern auch als die
Grundlage für alles Papiergeld, das ſich im Umlauf
be=
findet, alſo für unſere nationale Währung. Als die deutſche Währung
nach der Infilation neu aufgebaut werden mußte, bediente man ſich
zwar als eines Hilfsmittels für die Ubergangszeit des auf den
Boden=
beſitz baſierenden Rentengeldes; aber die endgültige
Stabi=
liſierung der neuen Währung war erſi vollendet, als die
Dawes=
anleihe der Reichsbank 8oo Millionen Mark in barem Golde
zu=
führte. Seitdem iſi der Goldbeſiand der Reichsbank durch
Goldan=
käufe weiter vermehrt worden.
In der Gegenwart beſieht der Vorzug des Goldes vor allem
in ſeiner internationalen Anerkennung als Tauſchmittel, dann
aber auch in ſeiner großen Beweglichkeit und Teilbarkeit. In Gold
werden daher vor allem die volkswirtſchaftlichen Überſchüſſe der
Nationen angelegt, und darum kann man, obwohl das Gold nur
einen kleinen Teil des Nationalvermögens darſiellt, dennoch ganz
gut den Reichtum der Nationen nach ihrem Goldbeſiand abſchätzen.
Das Gold fließt nämlich von den armen Nationen ſiändig zu den
reichen hin, die jenen dafür Waren aus dem Überfiuß ihrer
Volks=
wirtſchaft liefern.
Dasjenige Land, das im Weltkriege weitaus am meiſien
ſich bereichert hat, ſind bekanntlich die Vereinigten Staaten
von Amerika. Ihr ſichtbarer Goldbeſiand betrug vor dem Kriege
nur 7,9 Milliarden Mark, im Jahre r92s dagegen r8,5 Milliarden
Mark. Der Goldbeſiand der Vereinigten Staaten hat ſich alſo mehr
als verdoppelt. Europa als Ganzes dagegen hat nichts durch den
Krieg gewonnen: ſein Goldbeſtand hat ſich nur ganz unweſentlich
vermehrt. Ganz Europa zuſammen beſitzt heute beträchtlich
weni=
ger Gold als die Vereinigten Staaten allein.
Innerhalb Europas ſind erhebliche Verſchiebungen der
Gold=
beſiände eingetreten. Gewonnen haben hier in erſier Linie die
Staaten, die im Kriege neutral geblieben ſind, alſo Schweden,
Nor=
wegen, Holland, die Schweiz, Spanien uſw. Der Goldbeſtand aller
europäiſchen Neutralen iſt von r,3 Milliarden Mark auf 4
Milliar=
den Mark angewachſen. Die relative Zunahme war hier alſo ſogar
noch größer als in den Vereinigten Staaten, während freilich die
abſoluten Zahlen gegenüber den amerikaniſchen nur wenig ins
Gewicht fallen. — Einen Goldgewinn haben dagegen weder
die weſieuropäiſchen Ententeländer, die ſich für die Sieger des
Weltkrieges hielten, noch auch natürlich das verarmte Mittel=
und Oſieuropa zu verzeichnen. England und Frankreich, Belgien,
Italien und Portugal, alſo die eigentlichen Gegner Deutſchlands,
verfügten r9xz zuſammen über einen Goldbeſiand von r2,5
Milliar=
den Mark, rg2s aber nur noch über einen ſolchen von 7,r Milliarden
Mark. Groß=Britannien, deſſen Handelskreiſe ſich durch den
Krieg ſehr zu bereichern hofften, hat von ſeinem 4,9 Milliarden Mark
betragenden Vorkriegsgold nur rund 3 Milliarden behalten, und
Frankreich, das vorher 5,9 Milliarden Gold beſaß, muß ſich nun
mit der gleichen Menge wie England begnügen. Deutſchlands
Goldbeſitz iſi von 4,2 auf r,3 Milliarden Mark zuſammengeſchmolzen,
und dieſer Beſiand iſi ſchon wieder recht hoch; denn der deutſche
Be=
ſitz im Jahre r923 betrug nicht viel mehr als 4oo Millionen Mark.
Allerdings iſt ein Teil des heutigen deutſchen Goldes erborgt,
und auf dem Reſt laſiet außerdem die unheuere Reparationsſchuld.
Die mittel= und oſieuropäiſchen Länder, die am meiſten durch den
Krieg gelitten haben, beſaßen rorz einen Goldbeſiand von
zu=
ſammen ro,4 Milliarden Mark. Heute wird ihr geſamter
Gold=
reichtum auf nur 3,3 Milliarden Mark beziffert. Neben Deutſchland
ſind Rußland und die Länder der früheren öſierreichiſch=
ungari=
ſchen Monarchie die Hauptverlierer.
Bei den nicht=europäiſchen Staaten ſind, wenn man von USA.
abſieht, geringere Veränderungen im Goldbeſitz eingetreten als in
Europa. Doch hat ſich dieſer auch im übrigen Amerika auf 3,9
Milliarden Mark von 2,7 Milliarden Mark vermehrt. Zu den
gold=
reicher gewordenen Staaten gehören Argentinien, Columbien,
Uruguay und Kanada, während Mexiko Goldverluſie erlitten
hat. In Afrita iſi der Goldbeſiand Agyptens ſehr beträchtlich
zurückgegangen, in Aſien dagegen der Japans von 538 auf 2929
Millionen Mark geſiiegen. Aſien als Ganzes zeigt eine
Ver=
minderung des Goldbeſiandes, Auſiralien dagegen eine Zunahme,
Der ſichtbare Goldbeſiand der ganzen Welt wurde im Jahre
r9rz auf annähernd 4o Milliarden Mark beziffert, während er
im Jahre rg2s rund 4r,3 Milliarden Mark betrug. Von dieſem
Goldbeſiande befanden ſich aber 39,3 Milliarden Mark in den
Zentralbanken der verſchiedenen Länder, und nur 2 Milliarden Mark
im privaten Umlauf. Vor dem Kriege dagegen betrug der Umlauf
an Goldmünzen noch r6,9 Milliarden Mark. Faſi alle
Länder haben ſeither ihren Goldbeſiand in ihren zentralen
Notenban=
ken, alſo gewiſſermaßen in ihren großen Schatzkammern angeſammelt;
nur die Vereinigten Staaten, Kuba, die Schweiz und Holland können
noch einen beträchtlichen Goldumlauf aufrechterhalten.
Die Vermehrung des Goldbeſitzes der Welt erfolgt durch die
Goldgewinnung, deren Wert auf etwa ri/, Milliarden Mark im
Jahresdurchſchnitt geſchäßt wird. Hauptgewinnungsländer ſind
Transval, die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Die
Zu=
nahme des Weltgoldes in den Jahren r9xr3 bis r926 hätte alſo auf
Grund der Weltgewinnung viel größer ſein müſſen als r,3 Milliarden
Mark. Aber ein großer Teil des gewonnenen Goldes geht in den
privaten Gebrauch über, indem es zur Anfertigung von
Schmuck=
gegenſtänden und von anderen Gebrauchsgegenſtänden (Golds
zähnen) verwendet wird. Wieviel Gold auf dieſe Weiſe noch
ge=
wiſſermaßen unſichtbar vorhanden iſi, läßt ſich ſchwer abſchätzen.
Man darf aber wohl annehmen, daß hier noch recht beträchtliche
Goldmengen zu ſinden ſind, die ſich der ſiatiſtiſchen Erfaſſung
entziehen. Aber nur die ſichtbaren und erfaßbaren Goldbeſtände
können zur Sicherung des Papiergeldumlaufs herangezogen werden.
Nur ſie geben einen Maßſiab ab, um den Reichtum der Nationen
zu meſſen.
Sch ach
O
Aufgabe 291
Nummer 191.
Anton Trilling in Eſſen.
„Fata Morgana” 1922.
z
Selbſtmatt in zwei Zügen.
Prüfſtellung: Weiß: Kbl Db6 Td8 La2 16 Se3 Bf3 g6
h3 (9);
Schwarz: Kd6 Dh5 Ld7 Ba3 b2 c6 g5 h4h6 (9); 2S-.
Aufgabe 292.
Dr. W. Schlüter in Mittweida.
(Deutſche Schachblätter 1921.)
Weiß: Kh8 Te6 Ld7 Sh7 Bg7 h3 (6);
Schwarz: Kf7 Lf8 Be7 h4 h5 (5).
Selbſtmatt in drei Zü
Rätſel
Ja
Röſſelſprung.
ich wo denk dick mat pe dünn wie wo hei bin dann Mnn rück al ich die milch dünn dick milch die der ner und ſo ſehn in ſo und zur luft mit mei die die ſucht um luftLeiterrätſel.
Vorſetz=Rätſel.
Eſche, Gramm, Mund, Au, Tor, Tanz, Elle, Angel, Land, Rat,
Form, Roſe, Erz, Fee, Zone, Raſſe.
Jedem der obigen Wörter ſind drei Buchſtaben vorzuſetzen, ſo daß
wieder Hauptwörter entſtehen, deren Anfangsbuchſtaben Einen nennen,
der oft mit Sehnſucht erwartet wird.
Zur Verwendung kommen folgende Buchſtabengruppen: Ama, Dep,
Don, Eng, Epi, Ins, Kaf, Mat, Rai, Rek, Sch, Tab, Ter, Tri, Uni, Zie.
U RIS S
Stadt in Schleſien.
Sagenhafter König.
Aktenſtänder.
Papſtname.
Die erſte Senkrechte bezeichnet einen franzöſiſchen,
die zwveite Senkrechte einen italieniſchen Politiker
Druck u. Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
brtlich f. d. Redaktion: Dr.
tte.
Die Zahlen find ſo zu ordnen, daß die 3 Balken als Summe je 20
ergeben.
Carl Deubel.
Anflöſungen der Rätſel aus Nr. 8:
Stern=Rätſel.
1—3 roſig, 2—3 Gonon, 3—4 Niere, 4—5 Eloge, 5—1 Einer.
„Sonne Regen.”
Streichholzrätſel.
Magiſche Figur.
1. 2. 3. 4. 5.
3. A
F
behalten. Nachdruck verb. — Kliſchees: F. Haußmann, alle in Darmſtadr.
O dieſe Menner! — Däß is e Kohr!! — No, was mich
be=
ſtifft, ſo hab ich jo noch nie en Hehl drauß gemacht, un hab’s
ch un immer geſagt, daß ich ſe net for voll nemm. Außer wann
es datſächlich ſin, un hawwe aus dem odder jenem Grund die
Die nechſt Nacht kam. Ich hab dießmol kann Strich an die
Flaſch gemacht, ſundern bin krambfhaft wach gebliewe. Aach hatt
ich mer mein alte Irrigador mit Waſſer gefillt un uff däß
Eddaſcheer iwwer meim Bett geſtellt, hab den Schlauch in mei
Bett langſiert, un weil ich kaa Mundſtick dezu hat, zum Abſtelle,
hab ich die Mindung vun dem Schlauch mit=em Daume zugepätzt,
abwächſelnd mol mit de linke un mol mit de rechte Hand
Alſo was aam die Zeit ſo lang wärrn kann, wann mer nachts
ſo im Bett liggt, pätzt die Mindung zu, un wort uff jemand —
Do kann mer die ſtille Gichdern krieje un mecht grad verzwazzele,
wann däßjeniche net ebei kimmt, wo mer druff wort. Ich wollt
ſchun mei Hochräſſowah abmondiern, do geiht ihr Dier.
Schein=
bar is ſe grad baamkumme. Un kaum daß ſe richdich im
Nacht=
hemb war, ſeh ich ſe in mei Stubb ſchleiche, die Mackbeddſen.
Ich hab mich krambfhaft bemieht, en einichermaße a
nehm=
bare Sägbockſolo vun mer zu gäwwe, nooch de Melodie „Ja ein
ru=hiches Gewiſſen” obgleich ich innerlich grad verblatze hett
kenne vor Lache. Un in dem Moment, wo ſe mei Kunnjackflaſch
an die Libbe ſetzt, hab ich de Strahl uff ſe gericht ... . . ."
En Kriſch — ſie leßt die Flaſch falle — fort war ſe! — — Die
Sach hott großordich funktzioniert! — Eichentlich e bische zu gut:
Dann im Eifer, ihr noch e Sendung nooch zu ſpritze, hab ich mich
im Bett uffgeſetzt, un hab dodebei ſcheint’s e bische zu aſch an
Flaſch leer worrn. Schließlich hab ich’s ſogar browiert un hab
aan iwwern annere Dag ganz ausgeſetzt. — Awwer s hoik
alles nix gebadd, die Azzenei is zuſähens wenicher worrn, un
wann ich gor kaa gedrunke hab.
Alſo däß geht net mit rechte Dinge zu, hab ich mer geſagt,
do is entwedder Hexerei im Spiel, odder is die Flaſch porees,
ſodaß ſich der Kunnjack verflichdicht. Däß geb’s, hott emol ganer
zu mer geſagt, was echter Kunnjack weer, der dhet vun ſälbſt all
warrn. — An mei Zwangsmiedern hott freilich mei Härz un
mei Seel net gedenkt, dann woher ſoll die wiſſe, wo ich mei
Schnabs=
flaſch ſteh hab, die dhet in meim Nachtſchrenkche alles annere
ſuche, Schlabbe, Biſtenhalter, Strumbennel, verriſſene Strimb un
ditto Liewesbrief, Lockenodele, Haarſpange, Leopille, Libbeſtifte,
Fättpuder, Schlubbhoſe Fioläddakreem, korzum alles meechliche,
was ſe in ihrm drinn hott. — Awwer Schnabbs? — In meim
Nachtſchrenkche? — Do kemt die im ganze Läwe net druff.
Hab ich gedenkt
Awwer loſſe ſe mich weider verzehle —
Alſo neilich awends hab ich mer en Strich an die Flaſch
ge=
macht bis wohie noch was drinn war. Un hab nochher äxdra
nix devo gedrunke, damit jegliche Deiſchung ausgeſchloſſe is.
Na=
dierlich, wann mer awends e Wärfche gewehnt is, un legt ſich
dann bletzlich ſo, in’s Bett, do ſchleeft mer unruhicher wie ſunſt
un draamt allerhand gaſchdich Zeicks zuſamme. Uin
glicklicher=
weis hatt ich am Awend devor aach grad geläſe, daß de Schrenk=
Notzing in Minche widder me Geſpenſt uff de Spur is. —
Bletz=
lich wach ich die Nacht uff un do ſteht, hohl mich de Guggug, was
Weißes vor meim Bett..."
„Jeſſes, e Geiſt!” — hab ich gedenkt, hab ſchnell mein Kobb
unner die Deck geſteckt un hab aa Stoßgebäd um’s anner vun mer
geſtoße. — Bis ich kaa Luſt mehr hatt. — Jawohl, halt emol däß
gans aus, beinoh e värrdel Stunn de Kobb unner de Deck, do
wärds aam ſchwvach. Ich hab alſo vorſichdich mei Nas, wie e
Periskob eme Spalt erausgeſtreat, un wie die der Geiſt
unge=
ſchorn geloſſe hott, hab ich mich mit de ganze Faſſad langſam
eraus gewagt. — Der Spuck war fort. — Ich hab alſo ſchnell
Licht agezunde un nooch meim Kunnjack geguckt — —. Richdich,
es hott en gute Kuhſchluck devo gefehlt.
tron illemminiert. Un was däß bedrifft, ſo hott’s=en an=eme
grund noch nie gefehlt, dann äbbes is immer, un aamol is es
Gebordsdag, s annermol en Abſchied, dann e Juwiläum,
dder’s wärd ganer befördert, odder’s is e Verſehnungsdrunk,
oddo: „Zeid aanich un haagt Eich!” In gewehnliche Fäll
uts aach en Schkadawend, e Vorſtandsſitzung, odder ſin ſe
in=
me Ausſchuß, odder waaß der Deiwel, was all. Jedenfalls,
ner ſoll nor emol ſo erumheern, was aam ihr beſſere Ehehälfte
o verzehle, däß is wärklich net an Himmel zu mole.
Wie geſagt, en Grund, um ihre alkeholiſtiſche Geliſte zu frehne,
um finne ſe immer. So is jetzt beiſpielsmeeßig die Gribbe e bische
m Umlaaf, un ſchun dhun ſe die Mannsleit gleich mit Beſchlag
„Heeche un nemme ſe for ſich in Aſpruch, als mildernder
Um=
tund, wann ſe ſchief gelade hawwe. Däß baßt=en nadierlich
dder ſo un ſie ſin im beſte Fahrwaſſer un halte ſich brofilackdiſch
n de Kunnjack, odder ſo, un ihr beſſere Hälfte dhun ſe mit
Bbierinerſatz abſpeiſe. Die Knickſer.
Awwer dann, wann ſe’s emol wärklich verwiſcht, ach=du=
her=
geß=herein, do knackſe ſe z'ſamme wie=en lahme Froſchgieckſer,
Herrn der Schebfung. — „Herrn der Schebfung”, daß ich net
dem Schlauch gezoge, ſodaß mei Hochräſſowah umgekibbt is un
mir direkt in die Ank. — Däß war nadierlich net vorgeſehe, awwer
ſowas muß mer halt mit in Kaaf nemune.
Ich hab alſo raſch en friſche Nachtmutze a gedha, hab mei
Bett friſch iwwerzogen, den Reſt vun Kunnjack ausgedrunke un
hab gedenkt, jetzt willſte mol ſähe, wie die ſich de Morjend aus de
Affehr zieht.
Un, was ſoll ich ſage, de Morjend erzehlt die mir beim
Kaffeedrinke ganz ſieß=ſeierlich, ſie hett die Nacht gedraamt, ſie
weer beim „Emden”=Empfang in Kabſtadt gewäſe, un ſie hett
däß ſo nadierlich getraamt, daß ihr Nachthemd äwe noch naß
weer.
No, ich hab=er bloß den gude Rat gäwe, kimſdichhie mei
Bett net mit de Kiſte vun Affriga, mein Nachtſchrank net mit
de „Emden” un mei Kunnjackflaſch net mit=em Kapideen Förſter
zu verwexele; ich dhet=ere ſunſt for nix garandiern.
Awwer ſie hott mich dodruffhie bloß dumm a geguckt un hott
vun was annerm agefange. Awwer ich glaab, ſie iſt vun ihre
Kunnjackſucht un Gribbeangſt gehaalt.
Inwieweit mer däß Middel awwer bei dene alkoholiſtiſch
odder bollidiſch infizierte Mannsbilder awende kann, däß kemt
uffen Verſuch a. — Ich ſtelle anheim.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: — ’8 gibt heit kaans. —
Iwwri=
chens kann mer’s aach egal ſei, ob ſe die „Wallkiern” un die
ſun=
ſtiche „Wunſchädercher” im Thärjader in Buwikebb uffdräte
loſſe odder net, wann ich aach ſage muß, daß die alldeiſche
Gedderweiwer frieher ſehr ſtolz warn uff ihr lange Hoorn. Bei
de alde Deitſche war’s iwwerhaubt ſo zimmlich das aanziche, was
e Fraa mit in die Eh’ gebracht hott; ſo=en langſtrehniche
Zällrie=
kobb. — Awwer wann ſe ſchun maane, ſie kennte ere moderne
Wagner=Inszehnierung uf die Art beikumme, dann ſolle ſe
wenichſtens konnſiquend ſei, un ſolle aach die altfrenkiſche
Ge=
wender in die Rumbelkammer ſchmeiße. For die „Wunſchmädcher”
dhet dann ſchun e Kommbineeſch genieche odder en Pullohwer,
de „Siegmund” kennt in=eme Sporta’zug uffdräte, de Hunding
kennt ſogar uff Schneeſchuh geſeechelt kumme, die „Fricka” in=eme
Flugſchiff; de „Brinnhilde” deht ich e ſchwazz Hornbrill uffſetze
un de „Wodan” mißt im Frack erſcheine. Wie geſagt: wann mer
ſchun emol modärn ſei will, dann ſoll mer aach vor de letzte
Konnſiquenz net zurickſchrecke . . . . . No, valleicht mach ich=en
demnechſt emol e paar Vorſchleech, wann ich Zeit hab. For’s
erſte macht mer allerdings unſer Theater werklich noch annere
Sorje ...
3 denfalls, mit „Symbaddiemiddel”, wie er maant, do is däre
heſchierungsgribbe net beizukumme, un mit Kunnjack un
Aßbie=
inerſatz aach net, do hilft heechſtens e kalt Duſch, wie ſe neilich
de Kabbideen Förſter vun de „Emden” unverſähens dene
vor=
witziche Kabſtädter verabliziert hott, un wie ich’s ehnlich mit
meine Zwangsmiedern . . . . .
Awwer ich will net vorgreife, ſundern will däß, was jetzt
inimt, de Reih nooch verzehle. — Alſo wie geſagt, ich bin gääche
e: Alkohol in jeder Form. Bloß zu Azzeneizwecke loß ich en gelte.
lwwer net ſo, wie’s die Mannsbilder mache, wo kaa Maß un
ſair Ziel kenne un de Deiſpel mit’m Belſebub ausdreiwe.
Sun=
eien ich genieß=en nor mit greeßter Vorſicht un hab mer äxdra
ſi’s Eddegädd en Dodekobb gemolt un drei Kreitz drunner un
ab „Gift” druff geſchriwwe. Zu meine eichene Wannung, un
weidens, im Fall die Flaſch in unbefugte Hend kemt, es ſchreckt
umer e bische ab, wo Gift druff ſteht. — Awer im allgemeine
a—t ich mich an de Kaffee, allerdings drink ich do en gute, mit
indlich Zigorie drinn, damit er recht ſtack wärd un aach nooch
oirs ſchmeckt. Wann’s awwer ernſt wärd, dann dhu ich mer,
oe geſagt, gern in Azzneiform hie un do e klaa Wärfche Kunn=
No, däß is ſauwer, ſo=e Schnabbseil vun=me Geiſt ſeift mein
Kunnjack!
Soll däß vielleicht meim Unkel ſei Fraa ſei, mei Dande
Kamilla? Die hott allerdings ſchun zu Lebzeide gern
geſchnäbb=
ſelt, dann warum, ſie wor beim Theater, un do hawwe ſe als
frieher mit Branntewei un ſo, die Schlacke dun de Stimmbender
geſchwenkt; heit muß es glagwich Säckt ſei. — Odder ſoll mei
Dande ſeelich äwenfalls die Gribbe hawwe? — Alſo, däß weern
mer jo ſcheene Geſchichte, wann ich mer denk, ich mißt mer
ſpeder=
mol, als gribbeverdächdicher Geiſt, ſpuckenderweis mei Azzenei
in de Nachtſchrenk ziſamme ſuche.
No ich hab vun dem nächtliche Erlebnis kaa Wort verlaute
loffe, ſundern hab mer am annern Awend widder en dicke Strich
an die Flaſch gemacht, bis wohie’s gedrunke war, un dann hab
ich noch dreimol uff den Dodekobb geſpuckt un uff die drei Kreiz;
gleichzeidich hab ich gach noch dreimal iwwer mei Bett geſpuckt,
indem däß die aafachſt Form vun de Geiſterbeſchweerung is. Hab
mich dann in’s Bett geleecht, un hab gedenkt, ſo Dande Kamilla,
Samuell erſcheine, wannſte Kuraaſch hoſt
Es muß ſchun bald gääche Morjend gange ſei, do
graſch=
belts, ich heer s Nachtſchrankdierche gärrn un richdich, vor meim
Bet ſteht widder mein Geiſt, hott mei Flaſch am Halz, wie de
Trumpeter vun Seckingen un gluckert mein Kunnjack —
No, mei Leſer, die wärrn’s gleich gemärkt hawwe, daß däß
kaan Geiſt war, ſundern mei Zwangsmiedern. Ich bin
nooch=
dräglich aach druff kumme, als ich ſe widder in ihr Stubb ſchleiche
hab ſähe, wie die Ladie Mackbett dorch ihr Schloß. Wann awwer
aaner glaabt, ich hett jetzt en Mordskrach geſchlage, odder hett
däre mei Schlabbe an Kobb gefeiert, der ſchnärrt ſich —
Owacht!
purde im Jahn
enrumme, mit däre deiere Azzenei e bische vorſichdicher umzugeh
ſin, kimfdich ’s Maul e bische mehr zamme zu pätze, damit ſich die
ſind, ſo ſollte man dieſe, weil vielleicht „ſauer” geworden, nicht
weggießen, ſondern ſie zur Hälfte oder Zweidrittel mit Waſſer
verdünnt und mit Zitronenſchale und ein Stückchen Zimt auf das
Feuer geſetzt, zu Suppen verkochen, die man mit kalt
angerühr=
tem Kartoffelmehl ſämig gemacht und mit Zucker oder
Süßſtoff=
löſung, wenig Salz und Butter abgeſchmeckt, mit aufgeſetzten
Schaumklößchen von geſüßtem Eiſchnee (die man 5 Minuten auf
der heißen Suppe „ziehen” läßt) ſerviert.
Eventuell kann man ſie auch nur mit in Butter geröſteten
Semmelbröckchen, eingebrocktem Zwieback oder Kekſen reichen.
A. L.
Fleiſch=Wickelkuchen Von einem ungeſüßten,
ge=
ſchmeidigen Hefeteig rollt man eine längliche, bleiſtiftſtarke
Teig=
platte aus, die man, reichlich mit zerlaſſener Butter oder
Mar=
garine beſtrichen, mit geriebenem Schſeizer= oder Parmeſankäſe
beſtreut.
Nun bereitet man von Cornedbeef, Bratenreſten oder halb
Rind= und Schweinefleiſchgehacktem, zu einem Drittel mit
Kalbs=
leber vermiſcht, 1 nußgroßen Zwiebel, Salz und Pfeffer nach
Geſchmack, 1 Meſſerſpitze Appels Sardellenpaſte, ½ Teelöffel
ge=
wiegtem Kümmel, 1 Teelöffel voll Kapern und 1 Eßlöffel
Speck=
würfel eine pikante Farce, die man klopsartig auf die Teigplatte
legt, worauf man dieſe zuſammenrollt. In eine längliche,
ein=
gefettete Kaſtenform gegeben, übergießt man den Wickelkuchen
mit 1 in einer Taſſe verquirltem Ei und häckt ihn 1—1½
Stun=
den. In fingerdicke Scheiben geſchnitten, mit Peterſilie und
Tomatenſcheiben und Zitronenviertel garniert, wird er mit einem
ſauren Salat als Beilage zu Tiſch gegeben. Auch erkaltet mit
einer Mayonnaiſe zum Abendbrot vorzüglich ſchmeckend.
Der zeitgemäße Haushalt
Die „Trockenwäſche” von weißen Pelzen (
An=
on akaninchen, Tibet, Mufflon, Fuchs uſw.) erreicht man durch
Anwendung von Sägeſpänen, reſp. Kleie, die man in
trocke=
eni Gefäß langſam erhitzt hat. Mit dieſer beſtreut man dick
as Pelzwerk, verreibt es mit den Händen zwiſchen den Haaren
m reibt dann damit Haarſeite auf Haarſeite das ſchmutzige
Snück Strich für Strich durch. Darauf entfernt man die
hrnutzige Kleie durch Ausklopfen und =bürſten.
I. H.
Staubloſe Aſche=Entleerung durch „
Reſerve=
lſchekäſten” Nichts wird wohl beim täglichen Oefen=
An=
eisen mehr gefürchtet, als die ſich dabei ergebende notwendige
ſceentleerung, zumal wenn es ſich um zu „volle” Aſchenkäſten
grdelt, ſo daß Aſche daneben fällt, was ein Ausſchaufeln
be=
ſtigt. Bei dieſer Arbeit wird jedoch der ſehr leichte Aſcheſtaub
Sie Luft gewirbelt, der ſich dann im Zimmer auf den Möbeln,
eirpichen und Gardinen feſtſetzt.
Dieſem unnötigen Staubaufwirbeln kann man vorbeugen,
emn man ſich beim Klempner für jeden Zimmer= ſowie
Küchen=
feni nach genau genommenen Maßen einen „Reſerve=
Aſchen=
ſieen” anfertigen läßt. Dieſer leer in Bereitſchaft gehalten, wird
nen Tag um den anderen mit dem gefüllten Aſchenkaſten
aus=
ebechſelt, ſo daß ein Ausſchaufeln des Aſchenloches der Oefen
(7fällt und eine „ſtaubloſe” Feuerung möglich wird. I.
Ein unſchädliches Putzmittel für
Alfenide=
genſtände, wie Löffel Beſtecke uſw., die mit ſchar=
Putzmitteln nicht in Berührung kommen dürfen, iſt eine
Eiſ chung von Schlemmkreide, die man mit Spiritus zu einem
i anrührt. Ein Nachpolieren mit trockenem Lappen und
ge=
einigter Schlemmkreide oder Wiener Kalk, verleiht den ge=
II.
ten Gegenſtänden nickelartigen Hochglanz.
Sauergewordene Tiſchweinreſte zu Suppen
u verkochen Wenn zu irgendeiner feſtlichen Gelegenheit
dir Familienfeier Reſte von Tiſchweinen in Flaſchen verblieben
Der Sohnmeldet brieflich ſeine Verlobung an. Am zweiten Tage hat
er folgende Zeilen in den Händen: „Mein lieber Sohn! Vater und ich
ſind herzlich erfreut über Deine Verlobung. Wir hegten ſchon lange den
Wunſch, Dich glücklich verheiratet zu ſehen; erſt durch ein harmoniſches
Zuſammenleben gelangen die guten Eigenſchaften des Mannes zur
Ent=
wicklung; der gute Eindruck der Frau uterdrückt bei ihm alles Schlechte‟.
Dann folgte ein Nachſatz: „Mutter iſt eben zur Poſt gegangen, eine
Marke zu kaufen, ſei kein Schaf, Junge, und bleibe für Dich!“
Bei der Zimmervermieterin. Herr: „Das Zimmer iſt ja reiht
ſchön, aber die Tapeten wirken ſo tot!“ — Wirtin: Da warten
Sie nur, bis es Nacht wird, dann werden ſie ſchon lebendig!“
(Göteborgs Morgenpoſt.)
Mißverſtanden. „Ja, ich ſage dir, die Menſchheit wird nicht eher
glücklich, als bis man den Alkohol nicht mehr verkauft!“ — „Da haſt du
völlig recht, man follte ihn gratis abgeben!“
(Paſſing Show.)
Sie: „Nehmen Sie ſich in acſt! Ich kann alle Ihre Gedanken
leſen!“
Er: „Das iſt wirklich keine paſſende Lektüre für Sie, mein
Fräulein!“
(Le Nire.)
Speiſe=Zettel.
g: Hagebuttenſuppe. Huhnfrikaſſee mit Reis.
e. — Montag: Fleiſch=Wickelkuchen mit Selle=
Dienstag: Pichelſteiner. — Mittwoch:
Schwarzfleiſch. — Donnerstag: Tiroler
Freitag: Seelachs=Mayonnaiſe. —
Sams=
mit Setzeiern. Bratkartoffeln,
Die perlenbeſtickte Garnitur
eignet ſich für jedes nachmittägliche Kleid ſehr gut und wird,
wenn ſie in einer neutralen Farbe gehalten iſt, zu mehreren
Modellen zu tragen ſein. Nebenbei bietet eine ſolche Garnitur
eine willkommene und nicht allzu ſchwierige Handarbeit, die der
Trägerin ſicherlich viel Freide bereiten muß und auch
verhältnis=
mäßig ſchnell fertiggeſtellt ſein kann.
Man arbeitet dieſe Garnituren wie erwähnt in einer
in=
differenten Schattierung, etwa in Blaßroſa, Beige oder Elfenbein=
farbe und beſtickt ſie mit Perlen, die einen Ton haben müſſen,
der zu jedweder Farbe paßt, alſo etwa mit kleinen Kügelchen in
Gold, Silber oder Stahl. Die in unſerer Skizze veranſchaulichte
Garnitur beſteht aus einem weich gerbllten Bubenkragen, aus
Stulpenmanſcherten und einer Seidenbinde, die den
Buben=
kragen zuſammenhält und deren Enden ebenfalls beſtickt
erſchei=
nen. — Das ſchlichte und doch wirkungsvolle Muſter wird ſich
jedermann leicht nachzeichnen können. Eine ſolche Garnitur wird
jedes noch ſo einfache Stoff=, Seiden= oder Samtkleid ſehr
vor=
teilhaft zur Geltung bringen.
Eine Straußfedern=Platte
ſieht zum abendlichen Kleide immer vornehm aus, nur darf ſie
nicht allzu groß ſein, um nicht an die Fächer=Formen der
ver=
gangenen Ballſaiſons zu erinnern.
Man pflegt den neuen Straußfedernfächer in ſeiner
ur=
ſprünglichen Länge bzw. Breite zu belaſſen und die Federn nur
ſelten anzuknüpfen, außer in jenen Fällen, wo man eine Farb=
Abſchattierung wünſcht, die ſich natürlich gerade bei den
geknüpf=
ten Straußfedernplatten am beſten zuwege bringen läßt.
Hatte früher der Federnfächer die Farbe des betreffenden
Abendkleides, ſo wählt man heute unbedingt abſtechende
Schattierungen, und zwar roſa Fächer zu ſchwarzen Kleidern,
blaßgelbe Federn zu einem weißen Abendkleide (dieſe
Zuſammen=
ſtellung iſt beſonders anziehend und beachtenswert), endlich fein
getönte grüne Sraußfedernplatten zu aprikoſenfarbenen
Ball=
kleidern.
Ein Reſt Brokates
gepreßten Samtes oder eines ähnlichen in ſich gemuſterten
Ge=
webes eignet ſich vortrefflich zur Herſtellung einer Bluſe, die mit
c
ihren enganliegenden Aermeln, ihrem flachen, beſcheidenen
Aus=
ſchnitte, der leicht überſchoppten, unaufdringlichen Form zu dem
wirkungsvollen Materiale in einem eigenartigen Kontraſte ſteht.
Darum iſt es auch möglich, eine ſolche Bluſe, die man mit
jed=
wedem Rocke, ſei er nun aus Seide, Samt oder dunklem Tuche
verfertigt, in Verbindung bringen kann, zu jeglicher Gelegenheit
zu verwenden und ſowohl für den Beſuch am Nachmittag wie
auch für das Theater heranzuziehen.
Sollte das Material für die Aermel nicht reichen, kann man
natürlich eine derartige Bluſe auch ärmcllos arbeiten, doch iſt
ſie in dieſem Falle nur für abendliche Zwecke brauchbar und kann
für den Nachmittag nicht verwendet weiden. Jeder dunkle
Man=
tel ſieht über einer derartigen Zuſammenſtellung von Rock und
Brokatbluſe ausgezeichnet aus.
Die richtige Maske
iſt für die Zeit der Redouten eine ſehr aktuelle Frage. Es ſei
gleich vorweggenommen, daß man heuer die Maske abſolut dem
betreffenden Kleide anpaßt und ſie ſehr ſchmal hält auf die
Ge=
fahr hin, daß die Trägerin auch raſcher erkannt würde; denn es
hat ſich im Laufe der letzten Saiſons immer deutlicher gezeigt,
daß die Maske mit der geformten Naſen=Partie ſehr unvornehm
und auch äußerſt unkleidſam iſt. Man verwendet eben darum
heuer nur ſolche Stücke, die ſehr ſchmal ſind, die Naſe nur
an=
deuten und eher als Augenſchutz, denn als Maske anmuten. Es
RFOTNER
Die Hausjacke
den Vormittag aus Waſchſeide, Wollkrepp oder Trikotſtoff in der
Farbe der Schoß, wobei man möglichſt die letzten
Modeſchattie=
rungen, wie Weinrot, Flaſchengrün und Mittelbraun berückſichtigt.
Unſer in der Skizze verauſchaulichtes Modell hat eine ſehr
eigenartige Form. Durch eine enge Paſſe, die rückwärts mittels
einer Schnalle zuſammengehalten wird, ergibt ſich die bluſige
Faſſon, die durch eine ſpitzig zulaufende Blende nach oben zu
abgeſchloſſen wird. Der Kragen iſt halbhoch, halstuchartig
ge=
legt und vorne geknotet, ſo daß die beiden Enden, deren eines
das Monogramm der Trägerin zeigt, loſe herabfallen. Die Aermel
ſind leicht bauſchig und mit einer Herrenhemdmanſchette
abge=
ſchloſſen. Dieſe Bluſe iſt ein typiſches Muſter für die Faſſons
der Wintermode, deren es natürlich eine große Fülle gibt.
Weißes Fell
ſieht für das Kinderkleid, den winterlichen Mantel und den
klei=
nen Muff immer originell aus. Heben ſich doch die kältegeröteten
Geſichtchen der Kleinen aus dem weißen Fellrahmen
aller=
liebſt ab. Der gegenwärtigen Pelz=Imitationsmode entſprechend,
wählt man natürlich auch für dieſen Zweck Erſatzfelle, und zwar
iſt ja gewiß ſehr leicht, die Maske dem Charakter des
betreffen=
den Kleides anzupaſſen, wenn man ſich an die in unſerer Skizze
wiedergegebenen Modelle hält.
Zu dem reichbeſtickten Abendkleide wählt man die Flitter=
Maske in entſprechend angepaßter Farbe (1), für das Stilkleid
aber eine Seiden=Maske aus dem Material des Kleides
mit einem feinen Spitzenrande (Mittelbild) und für die
Spitzen=
robe eine kleine Maske aus gleichartiger Spitze (letzte Skizze).
Bisweilen pflegt man die Masken, die mit einem
Gummi=
bande gehalten werden und weit nach rückwärts reichen müſſen,
um von der Friſur vollkommen gedeckt zu ſein, auch mit zu
beiden Seiten befeſtigtem Imitationsſchmucke zu verſehen, der
die Ohrgehänge vertreten ſoll.
iſt ein Kleidungsſtück, das eigentlich jede Dame benötigt, denn
ſolch’ ein Jäckchen iſt ſehr bequem und ſieht dennoch nicht „
unan=
gezogen” aus, ſo daß man es nicht nur am Morgen, ſondern auch
des abends bei Tiſche ſehr gut verwenden kann, wobei es immer
netter ausſieht, als ein Schlafrock, der niemals ähnlich graziöſe
vornehmlich einen weißen, das Hermelinfell vortäuſchenden
Haſenpelz, der nicht koſtſpielig und dennoch ſehr wirkungsvoll iſt.
In unſerem Bilde zeigen wir ein hellgrünes Tuchmäntelchen
mit weißer Fellverbrämung, dazu abgeſtimmte Mütze und aparter,
kunſtgewerblicher Wollſtickerei in einem zarten Aprikos. Zu
be=
achten iſt die originelle Form des Kragens und Muffes und die
neumodiſche Zuſammenſtellung der Farben, Weiß, Aprikos und
Blaßgrün, die für die kommende Mode des Kindes (auch ſchon
für das Frühjahr) beſtimmend zu werden verſpricht.
Bänder
ſpielen neben den Franſen hener eine ſehr weſentliche Rolle in
der Mode und wo immer es nur angeht, trachtet man einen der=
Wirkungen erreichen läßt. Eine gerade oder pliſſierte Schoß
eignet ſich zu einem Jäckchen dieſer Art ſehr gut.
Man arbeitet die Hausjacke aus flauſchigem Stoffe, beſſer
aber noch aus einer haltbaren, atlasartigen Seide, die nicht zu
dünn, aber auch nicht zu koſtſpielig ſein darf. In der Hauptſache
iſt das Augenmerk auf die ſchöne Muſterung zu legen, wobei
wieder die großen Blumenornamente die beliebteſten ſind.
Natürlich ſind ſolche Jäckchen auch ſehr gut aus vorhandenem
Reſtematerial herzuſtellen, wenn man zum Beiſpiel die
Kragen=
partie, die Manſchetten und den unteren Beſatz ſowie den Gürtel
aus dunklerem Materiale, die Jacke ſelbſt aber aus einem bunten
Gewebe arbeitet. (Skizze.)
Die neuen Bluſen
können als ſehr originell bezeichnet werden, um ſo mehr, als man
— der geraden Form längſt müde geworden — wieder Bluſen
ſchafft, die ihren Namen durch den bluſigen Schnitt auch
recht=
fertigen. Wo immer man nur kann, trachtet man, einem neuen
Bluſenmodelle durch aparte Anbringung der Taſchen, durch eine
neuartige Gürtelpaſſe, durch intereſſante Aermel und vor allen
Dingen durch eine ungewöhnliche Kragenpartie eine eigenartige
Note zu geben. Man verfertigt die neuen Modelle für
nach=
mittägliche Gelegenheiten aus China= oder Marokko=Krepp, für Aermel in gleicher Weiſe garniert.
artigen Effekt zu verwerten. Da dieſe Arbeiten ſehr leicht
herze=
ſtellen ſind, kann man ſie auch ſelbſt machen und vermag einem
einfachen Kleide auf dieſe Weiſe oft mit geringer Mühe eine
reizende Note zu geben.
Unſere Bluſenſkizze rechts zeigt Bänder als Garnierung der
Kragenpartie und der Manſchetten und bringt ein ſtarkes Ribe=
Seidenband auch an Stelle eines Gürtels.
Die Handſchuh=Stulpe gewinnt durch Aufnähen von
geflochtenen Seidenbändern weſentlich an Wirkung und ein eihe
foches blaues Stoffkleid ſieht — in der Art der erſten Skizze mie
Treſfen oder Bändern geputzt — die in der unteren Partie 10/E
herabfallen, vortrefflich aus, insbeſondere, wenn man auch de