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Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesfpiegel in Bild und Wort
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Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1926. 189. Jahrgang
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Konkurs oder gerſchtlicher Beltreibung fällt jeder
Rabatt weg. Bankonio: Deutſche Bank und
Dam=
ſtädter und Nationalbani.
Die Weihnachtskriſe.
Keine Neigung der Parteien zur Auflöſung
des Reichstages. — Was nun?
Von unſerer Berliner Redaktion.
Der Reichstag hat am Freitag die Mitteilung ſeines
Präſi=
denten von dem Sturz der Regierung mit Schweigen
aufgenom=
men. Kaum war die Abſtimmung vorbei, da machte ſich bei den
Parteien der Oppoſition ſchon der Katzenjammer bemerkbar. Sie
hatten ſich gegenſeitig int eine Erbitterung hineingeredet, von
dem Augenblick an aber, wo ſie ihr Ziel erreicht hatten, wurde
ihnen klar, daß ſie ſich in der Negation einig waren, und daß es
nicht ganz leicht ſein würde, aus dem Scherbenhaufen etwas
Brauchbares zuſammenzuleimen. Aber gerade weil die
Ver=
antwortung ſo groß iſt, hat eigentlich jede Partei den
Wunſch, ihr Alibi nachzuweiſen. Die eine ſchiebt die
Schuld auf die andere Partei.
Die Sozialdemokraten haben keine Veranlaſſung, die
Inſter=
burger Rede als große Senſation aufzuziehen. Ueber die
Stim=
mung der Deutſchen Volkspartei waren ſie im Bilde, und dieſe
Stimmung war nun einmal ſo, daß die Neigung zur
Zuſammen=
arbeit mit den Sozialdemokraten nicht übertrieben groß war. Die
Partei Streſemanns hat die Erfahrungen des Kabinetts
Streſe=
mann, wo die Sozialdemokraten in drei Monaten zweimal
aus=
brachen, noch nicht vergeſſen und das Auftreten der
Sozial=
demokraten in dieſer Woche, das ſeinen Höhepunkt in der
unbegreiflichen Rede Scheidemanns fand, hat erneut bewieſen,
daß ihr Verantwortungsbewußtſein, ſich inzwiſchen
nicht geſteigert hat. Das Zentrum hat recht, wenn es
ſeſt=
ſtellt, daß die Große Koalition niemals ſo nahe geweſen iſt, wie
gerade in den Tagen, da ſie von den Sozialdemokraten leichtfertig
zerſchlagen wurde. Wenn die Sozialdemokraten die große
Koa=
lition ernſtlich gewollt hätten, was noch dahingeſtellt ſein mag,
dann dürfen ſie ſich nur bei ſich ſelbſt für den Mißerfolg bedanken.
Aber auch das Zentrum hat kein Recht, ſich die Hände im Unſchuld
zu waſchen. Das Zentrum hatte es bis zum Freitag mittag in
der Hand, die Kriſe zu verhindern. Es brauchte den
Deutſch=
nationalen nur den kleinen Finger zu reichen und die Zuſage
zu machen, daß in abſehbarer Zeit mit ihnen über ihren Eintritt
in die Regierung verhandelt werden, ſollte, dann hatten die
Deutſchnationalen die Sicherheit, die ſie brauchten, und alles war
in Ordnung. Dieſe Zuſage aber wollte das Zentrum nicht geben;
dasſelbe Zentrum, das ein Verhandeln der Deutſchen Volkspartei
mit den Sozialdemokraten für ſelbſtverſtändlich hielt, hat abſeits
jeder parlamentariſchen Logik für ſich ein Verhandeln mit den
Deutſchnationalen als ausgeſchloſſen erklärt, aus rein
parteitak=
tiſchen Gründen heraus, weil es Rückwirkungen auf den linken
Flügel ſeiner Fraktion befürchtete. Daß die Demokraten durch
den Kampf gegen ihre eigenen Miniſter zur Unterhöhlung der
parlamentariſchen Poſition des Kabinetts beitrugen, braucht
kaum geſagt zu werden. Auch ſie ſind an dem Ausgang nicht
unſchuldig. Bleiben die Deutſchnationalen. Sie waren mit
Miß=
trauen erfüllt und glaubten, wieder einmal die Rolle des
Lücken=
büßers ſpielen zu dürfen. Gewiß hat ihnen das Verhalten des
Zentrums und des Kanzlers dazu Veranlaſſung gegeben.
Nach=
dem ihnen aber die negative Zuſage gegeben war, daß mit den
Sozialdemokraten ſobald nicht wieder verhandelt werden würde,
hätten ſie klüger getan, wenn ſie ſich auf dieſe Zuſage hin an der
ganzen Auseinanderſetzung zwiſchen Sozialdemokraten und
Regierungsparteien nicht beteiligt hätten. Ihre Stimmenthaltung
hätte genügt, um den Sturz des Kabinetts zu verhindern. Sie
hätte vor allen Dingen genügt, um den Bruch zwiſchen Zentrum
und Sozialdemokraten unheilbar zu machen.
Für die Bayern hat es Herr Dr. Leicht ausgeſprochen, daß
ſie aus dem Verhalten der Sozialdemokraten jede Konſequenz
ziehen werden. Die Deutſche Volkspartei hat zwar den
Deutſch=
nationaken geſagt, daß ſie bei der Abſtinenzpolitik von rechts her
ihre Handlungsfreiheit, zurückgewinne, aber dadurch iſt ihre
Ueberzeugung, daß mit den Sozialdemokraten nicht zu arbeiten
fiſt, kaum erſchüttert.
Praltiſch hat daher die Große Koalition wenig Ausſicht,
benſowenig allerdings auch die Verbindung der Mitte mit den
DDeu ſchnationalen. Denn wenn das Zentrum unter dem Druck des
Mißtrauensvotums von lin’s her eine Zuſage nicht machen wollte,
wwird es dazu im Januar ebenſowenig geneigt ſein. Die beiden
SMöglichkeiten einer Mehrheitsbildung, die hier vorhanden ſind,
ſcheiden alſo wohl, wieder aus und die Kriſe, die eingeleitet
wpurde, um aus der Minderheitsregierung zu einer
Mehrheits=
wegierung zu kommen, wird inſoweit vermutlich zu ihrem
Aus=
gangspunkt zurückkehren. Um ſo wichtiger iſt es, dann wenigſtens
wie Mitte mit ihren 190 Sitzen als ſtärkſten Kriſtalliſationspunkt
Geiſammenzuhalten. Das Zentrum wird deshalb auch, abgeſehen
Son allen übrigen Bedenken, wohl keine Neigung verſpüren, die
Weimarer Koalition mit den Demokraten und Sozialdemokraten
su machen, ebenſowenig wie die Deutſche Volkspartei ehrgeizig
Harauf aus iſt, mit den Deutſchnat onalen allein eine Regierung
zu bil en, die auf das ſtillſchweigende Wohlwollen des Zentrums
Engewieſen wäre. Ob inzwiſchen noch Raum für ein Beamten=
(*abinett oder ein anderes Verlegenheitskabinett iſt, können erſt
wie nächſten Wochen zeigen. Gerade bei den ſtarken
innerpoli=
iſchen Spannungen, d’e aus den wichtigſten ſozialpolitiſchen
EEntſcheidungen des Reichstags hervorgehen müſſen, wie
Arbeits=
zeitgeſetz uſw., läßt ſich die Löſung der Kriſe heute noch nicht
ſiberſehen. Irgend ein Notbehelf wird aber ſehr wahrſcheinlich
Das Ende ſein, da für eine Auflöſung des Reichstags weder bei
Sen Parteien noch beim Reichspräſidenten Neigung vorhanden iſt.
* Die Parteiführer beim Reichspräſidenten.
Der Reichspräſident hat am Samstag morgen bereits
die Vorbeſprechtugen zur neuen Regierungsbildung in Angriff
genommen. Er hat die Führer der Parteien zu ſich
gebeten. Zunächſt Herrn Dr. Scholz von der Deutſchen
Volkspartei, dem Herr Gucrard vom Zentrum, Graf
Weſtarp von den Deutſchnationalen und Herr Müller=
Franken von den Sozialdemokraten folgten. Herr Scholz hat
dem Reichspräſidenten entwickelt, daß die Regierung durch die
beiden größten Parteien des Reichstages, Deutſchnationale und
Sozialdemokraten, geſtürzt worden ſei und daß es deshalb in
erſter Linie deren Aufgabe ſein müſſe, den Verſuch zur
Zu=
ſammenſtellung eines Kabinetts zu machen. Der Abg. Müller=
Franken erklärte, die Sozialdemokratie dringe auf die Bildung
einer Mehrheitsregierung. Der Reichspräſident hat ſich ſeine
Entſcheidung nach jeder Richtung hin vollkommen freigehalten.
Es iſt auch, wie wir hören, kaum anzunehmen, daß er in
abſeh=
barer Zeit ſchon das Mandat einer Regierungsbildung einer
be=
ſtimmten Perfönlichkeit gibt. Ernſthafte Verhandlungen werden
jedoch kaum vor Mitte Januar aufgenommen. Herr v.
Hinden=
burg hält es auch für zweckmäßig, daß ſich die Erregung zunächſt
etwas verläuft. Er wird daher das Weihnachtsfeſt vorübergehen
laſſen, und bevor er ſich ſchlüſſig wird, ſcheint er nach allen Regeln
der parlamentariſchen Kunſt vorgehen zu wollen und in der Tat
die Führer der großen Parteien ſelbſt arbeiten zu laſſen, wenn
auch nur, um nachzuweiſen, daß dieſer Weg nicht gangbar iſt.
Dazu bedarf es vielleicht der Anweſenheit der Fraktionen nicht;
dagegen müſſen wohl die Fraktionen präſent ſein, ſobald an die
Ausarbeitung eines Programms gedacht wird. Dann iſt vor
allem die Bayeriſche Volkspartei nicht zu entbehren, die vor
Mitte Januar in beſchlußfähiger Zahl vermutlich nicht nach
Berlin zu bringen ſein wird. Wir werden alſo auch in dieſem
Jahre mindeſtens wieder eine vierwöchentliche Kriſe haben.
*Kanzlerkandidaten.
Das müßige Kombinationsſpiel über alle möglichen Kan=
Lidaturen, das ja übrigen ſchon vor dem Surz des Kabinettes
einſetzte, gehr auch jetzt munter weiter, obwohl irgendwelche
Un=
tertagen, die auch nur eine Wahrſcheinlichteit beanſpruchen
kön=
nen, tarſächlich nicht vorliegen. Wir werden die unbegrenzten
Möglichleiten von der Linten zur Rechten und wieder zurück zur
Mitte haben. Selbſt wenn alſo erſt Herr Müller=Franken
oder der Reichslagspräſident Loebe und an zweiter Sielle Graf
Weſtarp ofſiziell Auftrag zur Bildung des Kabinettes
belom=
men würden, wäre damit weiter nichts gefagt, da ſie mit ihren
Verſuchen aller Vorausſicht nach ſcheitern würden. Erſt wenn
die Dinge ſoweit gediehen ſind, daß Vermittelungen angeſtrebt
werden, die Ausſicht auf Erfolg haben, iſt das Prophezeien
leich=
ter. In erſter Linie wird natürlich an Herrn Marx gedacht.
Es ſcheint indes, als ob durch ſeine ſchwankende Haltung er auch
im Zentrum ſehr viel an Boden verloren haoe, und deshalb das
Zemrum keinen Wert darauf legt, ihn als Kanzler wieder
auf=
zuſtellen. An zweiter Sielle werden Dr. Scholz und Dr.
Cur=
tius genannt; Herr Scholz als Fraktionsvorſitzender und Dr.
Curtius vornehmlich deshalb, weil er durch die tluge Führung
des Wirtſchaftsminiſteriums ſich überall Anerlennung erworben
hat. Auch Dr. Streſemann wird genannt, der ſich aber nach
ſeinen früheren Erfahrungen kaum dazu verſtehen dürfte, noch
einmal Kanzler und Außenminiſter gleichzeitig zu ſein. Da er
aber auf das Außenminiſterium begreiflicherweiſe nicht verzichten
will, würde er eine Uebernahme des Kanzleramtes wohl
ab=
lehnen. Von links her werden vor allem die Namen Dr. Wirth
und Koch in den Vordergrund geſchoben, die eine Kombination
auf der Grundlage der Großen Koalition verſuchen ſollen. Von
neutralen Anwärtern, die vielleicht den Verſuch machen könnten,
frei von jeglicher Parteibindung, ſich ein Kabinett zu bilden,
nennt man Herrn Dr. Luther und Herrn Jarres. Es
han=
delt ſich aber bei alldem vorläufig nur um ein Spiel mit Namen,
das noch einige Wochen lang in aller Behaglichkeit fortgeſetzt
werden kann. Die Sozialdemokraten werden neben den
Anſprü=
chen, die ſie im übrigen auf Miniſterpoſten erheben, vornehmlich
die Beſeitigung der Herren Dr. Geßler und Dr. Külz
ver=
langen. Herr Dr. Külz hat das Glück, daß ſein Dresdener
Bür=
germeiſterpoſten, auf den er zwar ſchon verzichtet hatte, noch nicht
neubeſetzt iſt. Er könnte ſich alſo wieder dorthin zurückziehen.
Herr Geßler hat ſchon wiederholt die Neigung ausgeſprochen,
das Amt des Reichswehrminiſters, das er jetzt ſechs Jahre lang
innegehabt hat, abzugeben. Ob er freilich gerade jetzt darauf
ab=
kommt, wird wohl von. der Perſönlichkeit des künftigen Kanzlers
abhängen. Einſtveilen richtet ſich wenigſtens das Kabinett
dar=
auf ein, in das neue Jahr noch als geſchäftsführendes Kabinett
hineinzugehen und, wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird es
auch die erſten Wochen des neuen Monats noch in der gleichen
Eigenſchaft tätig zu ſein gezwungen werden.
Die Bierſteuererhöhung.
Die namenilich von Bayern gewünſchte Hinausſchiebung der
Erhöhung der Bierſteuer bis zum 1. April 1927, die auf den
Widerſtand des Reichsfinanzminiſters ſtieß, hat durch die
jüng=
ſten Ereigniſſe im Reichstag automatiſch ihre Erledigung
gefun=
den. Die vorliegenden Anträge konnten nicht mehr beraten
wer=
den. Der Reichstag hat ſich aber bis Mitte Januar vertagt, ſo
daß alſo nunmehr mit Beginn des neuen Jahres die
Bierſteuer=
erhöhung in Kraft tritt. Mit dem gleichen Tag dürfte ſich auch
eine Erhöhung der Bierpreiſe bemerkbar machen, da die
Bier=
brauer die Bierſteuererhöhung auf die Verbraucher abwälzen
wollen.
Die Woche.
Das Kabinett Marx iſt geſtürzt. Abermals iſt ein Kapitel
in der Geſchichte des neudeutſchen Parlamentarismus
abge=
ſchloſſen, und wenn wir uns auch ſchon allmählich an die kurze
Lebensdauer unſerer Regierungen unter dem gegenwärtigen
Syſtem gewöhnt haben, ſo muß man doch feſtſtellen, daß die
große Maſſe des deutſchen Volkes immer verſtändnisloſer dieſem
Treiben zuſieht, das ſich zwar politiſch nennt, das aber in
Witb=
lichkeit mit Politik, d. h. mit der Arbeit am Staat und für den
Staat, kaum noch irgend etwas zu tun hat. Verſtändnis= und
teilnahmslos! „Das Kabinett geſtürzt? Dann kommt eben eine
neue Regierung” und vielleicht noch ein unparlamentariſcher
Ausdruck als Bekräftigung. — Das iſt die Meinung des Volkes,
die man überall vernehmen kann. Dieſe kaum noch zu
ſtei=
gernde Gleichgültigkeit, iſt zwar in Anbetracht des Geſchehens
während der letzten Jahre durchaus verſtändlich, ſie bedeutet aber
eine außerordentliche Gefahr für unſeren Staat. „Alle
Staats=
gewalt geht vom Volke aus”, ſagt die Weimarer Verfaſſung.
Wenn aber dieſes Volk dem ſtaatlichen Geſchehen verſtändnislos
und gleichgültig gegenüberſteht, ſo wächſt der Weizen derer,
denen der parteipolitiſche Machtkampf Lebensintereſſe und
Lebensinhalt. iſt.
Mit 249 gegen 171 Stimmen iſt der ſozialdemokratiſche
Miß=
trauensantrag gegen das Kabinett Marx am Freitag vom
deut=
ſchen Reichstag angenommen worden. Nach dem Sinn des
par=
lamentariſchen Syſtems müßte nunmehr die ſiegreiche Oppoſition
ſelbſt die Regierung übernehmen, um ihre Politik
durchzu=
führen im Gegenſatz zu derjenigen, die das bisherige Kabinett
getrieben. So, wie die Dinge bei uns liegen, kann davon
natür=
lich keine Rede ſein, denn es iſt ja nicht ſo, daß die
Sozialdemo=
kraten und Deutſchnationalen, die beide für das
Mißtrauens=
votum ſtimmten, mit dieſem Vorgehen das gleiche poſitive Ziel
eiſtrebt hätten. Nur in der Negation war man ſich einig. Fort
mit dieſem Kabinett, was nachher kommt, mögen die Götter
wiſſen! Das ſozialdemokratiſche Mißtrauensvotum wurde
ein=
gebracht im Anſchluß an jene unerhörte Rede Scheidemanns, die
ohne jede Rückſicht auf unſere außenpolitiſche Situation ſchwerſte
Anſchuldigungen gegen die Reichswehr erhob, Vorwürfe, die ſich
u. a. darauf gründeten, daß die Reichswehr eine Schutztruppe
der Rechten ſei, die den Beſtand der republikaniſchen Staatsform
gefährde. Für dieſes ſo begründete Mißtrauensvotum hat die
Deutſchnationale Partei in eorpore geſtimmt! Wenn die Sache
nicht ſo bitter ernſt wäre, möchte man ein Luſtſpiel darüber
ſchreiben.
Die gegenwärtige Kriſis iſt nicht über Nacht gekommen,
Schon als der General v. Seeckt ſeinerzeit ſtürzte, glaubte die
Sozialdemokratiſche Partei einen neuen zündenden
Agitations=
ſtoff gefunden zu haben, was um ſo angenehmer empfunden
wurde, als die Frage der Auseinanderſetzung mit den früher
regierenden Fürſtenhäufern nach dem Volksentſcheid ja in der
Hauptſache erledigt war. Schon damals ſchrieb der „Vorwärts”,
das Zentralorgan der Sozialdemokratiſchen Partei: „Seeckts
Abgang muß der Anfang eines neuen Syſtems ſein, Geßler hat
jedem Verſuch militäriſcher Anmaßung gegenüber den ſtärkſten
Rückhalt im Reichstag. Die Wehrmacht hat zu parieren, und ſie
pariert.‟ Das war der Auftakt zu einer planmäßigen Hetze gegen
die Reichswehr und insbeſondere den Reichswehrminiſter Dr.
Geßler, der der Sozialdemokratie beſonders verhaßt iſt, weil er
mit Erfolg eine Politiſierung der ihm unterſtellten Truppen nach
Severingſchem Muſter verhindert hat. Man glaubte auf dieſe
Weiſe offenbar zwei Fliegen mit einer Klappe ſchlagen zu können.
Angriffe gegen die Wehrmacht haiten ſich ſchon lange vor dem
Kriege ſtets als zugkräftig erwieſen, und ſo konnte man mit er=,
probten Propagandamethoden die Maſſen wieder etwas in die
Hand bekommen, deren Vertrauen zur ſozialdemokratiſchen
Füh=
rung auf Grund der Erfahrungen der Nachkriegszeit allgemach
etwas ins Wanken geraten war. Auf der anderen Seite aber
hoffte man ſich dadurch den Weg zur Macht wieder frei zu machen,
um ſo mehr, als es ja bekannt war, daß Dr. Marx einer
Erweite=
rung der Regierungskoalition nach links zur ſogenannten Großen
Koalition innerlich durchaus nicht ablehnend gegenüberſtand.
Nicht ungeſchickt hai man zunächſt gearbeitet, und am Dienstag
dieſer Woche ſtand man faſt vor dem Ziel. Grundſätzlich hatten
nicht nur der Reichskanzler Dr. Marx, ſondern auch die
Ver=
treter der Regierungsparteien ihre Bereitſchaft zu Verhandlungen
über die Große Koalition erklärt. Da brachte die Mittwoch=
Sitzung der ſozialdemokratiſchen Reichstagsfraktion wiederum
einen Sieg des linken Flügels der Partei über den gemäßigten
Flügel und damit den Umſchwung. Der Beſchluß der
Sozial=
demokratiſchen Partei, daß die Reichsregierung erſt zurücktreten
müſſe, bevor über die Neubildung der Regierung mit der
Sozial=
demokratie verhandelt werden könne, war eine ſchallende
Ohr=
feige für Dr. Marx, der das ganze Gewicht ſeiner Perſönlichkeit
für eine Erweiterung der Regierung nach links hin eingeſetzt
hatte. Dann kam die Reichstagsſitzung vom Donnerstag mit der
Nede Scheidemanns, die ſelbſt Herr Wirth, dem man doch gewiß
keine beſonderen Sympathien nach rechts hin nachſagen kann,
als einen ſchwarzen Tag in der Geſchichte des deutſchen
Parla=
mentarismus bezeichnete. Nun war endgültig alles Porzellan
zerſchlagen, die Große Koglition bei der begreiflichen
Erbitte=
rung der Mittelparteien für abſehbare Zeit unmöglich geworden.
Abermals warf das Schickſal, oder beſſer geſagt, die Torheit der
Sozialdemokratiſchen Partei den Deutſchnationalen unverhoffte
Möglichkeiten in den Schoß. Wenn die Deutſchnationalen mit
einer entſprechenden Erklärung, die ja ruhig den geringen Grad
ihrer Sympathien für das Kabinett Marx zum Ausdruck bringen
konnte, jetzt gegen das ſozialdemokratiſche Mißtrauensvotum
ſtimmten mit der Begründung etwa, daß ſie es ablehnen müßten,
der Sozialdemokratie bei ihren Angriffen gegen die Reichswehr
Vorſpanndienſte zu leiſten, ſo wäre damit ein erſter Schritt
getan geweſen auf dem Wege zur Bereinigung der Mißſtimmung,
die ſeit Locarno zwiſchen den Deutſchnationalen und den Mittel=
Parteien beſtanden und die durch die Haltung der
Deutſchnatio=
nalen bei der Frage der Arbeitsloſenunterſtützung letzthin eine
neuerliche Verſchärfung erfahren hatte. Die Deutſchnationale
Partei iſt einen anderen Weg gegangen. Die Weigerung des
Zentrums und der Demokraten, nach dem Bruch mit den Sozial=
Geite 2
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Nunmer 351
demokraten nunmehr in Verhandlungen über eine Erweiterung
der Regierungskoalition nach rechts einzutreten, hat man dahin
beantwortet ,daß mian gemeinſani mit den Sozialdemokraten die
Regierung ſtürzte und damit abermals die beſtehenden
Gegen=
ſätze verſchärfte. „Oh Herr, Deine Wege ſind mir zu wunderlich
und zu hoch, ich kann ſie nicht begreifen.”
Auch vom Partcitaktiſchen Standpunkt aus muß das
Ver=
halten der Deutſchnationalen völlig unverſtändlich erſcheinen, und
man muß doch wohl annehmen, daß parteitaktiſche Erwägungen
für die Einſtellung der Deutſchnationalen in dieſem Falle
be=
ſtimmend geweſen ſind, da ſie ſelbſt doch wohl kaum der
Auf=
faſſung geweſen ſind, daß ihr Eintritt in die Reichsregierung in
abſehbarer Zeit etwa aus außenpolitiſchen Gründen untunlich
erſcheinen müſſe. Wir haben an dieſer Stelle ſchon vor längerer
Zeit betont, daß unſerer Auffaſſung nach unter den
gegenwär=
tigen Verhältniſſen eine Regierung der Mitte auch als
Minder=
heitsregierung als die beſte Löſung anzuſehen ſei, trotzdem
es ja der Sinn des demokratiſchen Syſtems iſt, daß die
Mehr=
heit regiert. Und wenn wir damals der Befürchtung Ausdruck
gaben, daß ein erfolgreiches Zuſammenarbeiten mit der
Sozial=
demokratiſchen Partei vorerſt noch kaum möglich erſcheine, da
ſtets die Gefahr beſtehe, daß im entſcheidenden Moment der
Radi=
kalismus innerhalb der Sozialdemokratiſchen Partei die
Ober=
hand behält, ſo haben die Ereigniſſe vom Mittwoch und
Donners=
tag dieſe Auffaſſung nur beſtätigen können.
Aber auch eine Erweiterung der Regierung nach rechts hin
müßte wenigſtens gegenwärtig bedenklich erſcheinen. Auch
die ſachlichen Erklärungen ſo kluger und gemäßigter Politiker,
wie z. B. Prof. Hoetzſchs können doch an der Tatſache nichts
ändern, daß die Deutſchnationale Partei wegen des Abſchluſſes
des Vertrages von Locarno ihre Vertreter aus der
Reichsregie=
rung zurückgezogen hat. Wir wiſſen in Deutſchland ganz genau,
daß die überwältigende Mehrheit des deutſchen Volkes und heute
wohl auch der Deutſchnationalen Partei grundſätzlich auf dem
Boden der Politik von Locarno ſteht. Der Teil des Auslandes
aber, der eine Fortſetzung eben jener Locarnopolitik mit allen
Mitteln verhindern möchte, würde durch einen Eintritt der
Deutſchnationalen in die Reichsregierung in dieſem Augenblick
eine gefährliche Waffe in die Hand bekommen. Man könnte ſich
z. B. ſehr wohl vorſtellen, daß es Briand ſehr ſchwer fallen
würde, das franzöſiſche Volk den außenpolitiſchen Weg zu führen,
den er für richtig hält, wenn Poincaré erklären könnte, daß das
deutſche Volk eine Fortſetzung der Locarnopolitik offenbar ſelbſt
nicht mehr wünſche, nachdem diejenigen in Deutſchland die
Regierung mitübernommen hätten, die wegen des Abſchluſſes
von Locarno ſeinerzeit aus der Reichsregierung ausgetreten
wären. In der Politik muß man auch mit den Stimmungen der
Völker rechnen und bei den Franzoſen inſonderheit wit ihrer
Unkenntnis unſerer Verhältniſſe. Noch hängt ja alles in der
Schwebe, da die Genfer Verhandlungen eine völlige Klärung
nicht gebracht haben. Die Beendung der Militärkontrolle am
1. Februar iſt gewiß ein weſentlicher Fortſchritt, der Weg des
deutſch=franzöſiſchen Ausgleichs iſt aber noch weit und ſteinig,
und Reden, wie die des Abgeordneten Scheidemann ſind ganz
geeignet, alles bisher Erreichte zu gefährden.
Der deutſche Reichstag iſt in die Weihnachtsferien gegangen,
und ſo werden wir wohl erſt nach Weihnachten das neue Jahr
mit dem bekannten Handel um die neue Regierungsbildung
be=
ginnen. Wieder wird man in emſiger Geſchäftigkeit und tage=
und wochenlangem Hin und Her alle möglichen Kombinationen
abwandeln, um letzten Endes wieder da zu landen, wo man ſchon
vorher war!
M.
Frankreich und die deutſche Regierungskriſe.
EP. Paris, 18. Dezember.
In hieſigen bolitiſchen Kreiſen gehen die Anſichten über die
Demiſſion der deutſchen Regierung und die Weiterentwicklung
der Dinge ziemlich auseinander. In Linkstreiſen nimmt man
an, daß es zu einer Teilnahme der Sozialiſten an der Regierung
kommen werde, da dieſe ja den Sturz des Miniſteriums in der
Reichswehrfrage herbeigeführt hätten. Man rechnet in dieſen
Kreiſen mit der Bildung eines republikaniſchen
Konzentrations=
tabinettes, das eine noch ſtärker republikaniſch orientierte Politik
verfolgen würde und in dem Streſemam weiterhin das
Außen=
miniſterium beibehalte. Zu den dieſe Anſchauung vertretenden
Perſönlichkeiten gehören Briand und Paul Boncour. Letzterer
erklärte, daß nach ſeiner Ueberzeugung, wie auch immer die Kriſe
ausgehe, Deutſchland die in Genf übernommenen
Verpflichtun=
gen gewiſſenhaft erfüllen werde. Am Quai d’Orfay rechnet man
ſtark mit der Möglichkeit, daß die Regierungsmehrheit, durch
Hereinnahme der Deutſchnationalen erweitert werden könnte.
Im Quai d’Orſay verſichert man in dieſem Zuſammenhang, daß
nach zuverläſſigen Nachrichten aus Berlin die Deutſchnationalen
ſich in dieſem Falle, nicht als Geoner der deutſch=franzöſiſchen
Annäherung und der Locarno=Politik erweiſen würden.
Vom Tage.
Das Zentrum hielt geſtern eine Vorſtandsſitzung ab, in
der Abg. Guérard über ſeine Unterredung mit dem Reichspräſidenten
Bericht erſtattete.
Der Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann reiſt am
Sonntag nach Hamburg, wo er eine außenpolitiſche Rede halten
wird.
Die Zunahme der Erwerebsloſigkeit in Berlin
hat ſich in der abgelaufenen Woche weiter verſchärft. Die Zahl der
Arbeitſuchenden ſtieg um 11 400 auf 260 454.
Die Gerüchte, wonach der ruſſiſche Volkskommiſſan des
Aus=
wärtigen, Tſchitſcherin, in Fran kfurt a. M. plötzlich
ge=
ſtorben ſei, ſind, wie von beſteinterrichteter Seite mitgeteilt wird,
unzutreffend.
In Moskau wurde die Beſtätigung der Ausſchließung
Mas=
lows, Ruth Fiſchers und Genoſſen aus der
Kommu=
niſtiſchen Partei Deutſchlands und damit aus der dritten
Internationale veröffentlicht.
Die türkiſche Regierung will eine Miſſion nach Peking
entſenden, die den Auftrag hat, politiſche und
wirtſchaft=
liche Beziehungen zwiſchen der Türker und China
herzuſtellen.
Das amerikaniſche Repräſentantenhaus hat ſoeben die Rückgabebill
angenommen.
In Paris wurde ein franzöſiſches Komitee für
europäiſche Zuſammenarbeit gebildet, das alle in den
Rahmen des Völkerbundes fallenden Kooperationsfragen ſtudieren wird.
Die päpſtliche Friedensaktion
im Jahre 1917.
Michgelis über die Beziehungen zwiſchen dem
Auswärtigen Amt und Erzberger.
Der Unterſüchungsausſchuß des Reichstags ſetzte geſtern die
Vernehmung des Staatsſekretärs a. D. Kühlmann und des
Reichskanzlers a. D. Michaelis fort. Auf die Frage des
Vor=
ſitzenden über die Beziehungen zwiſchen dem Auswärtigen Amt
und dem Abg. Erzberger erklärt Dr. Michaelis, Erzberger hätte
bei ſeinem Amtsantritt eine Vertrauensſtellung inne gehabt, die
nicht ohne weiteres zurückgezogen werden konnte. Wenn auch
hier und da Gedanken geäußert worden ſeien, er habe in
ver=
ſchiedenen Beziehungen Aenderungen eintreten laſſen und habe
u. a. die allgemeine Erlaubnis für Erzberger, Reiſen ins
Aus=
land zu unternehmen, in eine Spezialerlaubnis umgewandelt.
Daß Erzberger enge Beziehungen zum Vatikan hatte, gehe
dar=
aus hervor, daß, ehe ich den Brief des Nuntius Pacelli amtlich
vorgelegt erhielt, Erzberger mich fragte, ob ich dieſen
außer=
ordentlich wichtigen Brief des Nuntius bekommen hätte.
Nach weiterer Diskuſſion, an der ſich die Mitglieder des
Ausſchuſſes und die Sachverſtändigen beteiligten, die aber nichts
weſentlich Neues brachte, wurden die Vernehmungen auf den
20. Januar 1927 vertagt.
Die deutſche Entwaffnung.
Das Wirken der Interallierten Kontroll=Kommiſſion.
Zur Beurteilung des Wirkens der Interalliierten Kontroll=
Kommiſſion in Deutſchland, die am 31. Januar 1927 endgültig
zu beſtehen aufhören wird, ſeien folgende Daten genannt:
Die auf Grund des Verſailler Vertrags eingeſetzte
Inter=
alliierte Kontroll=Kommiſſion traf im Herbſt 1919 in Berlin ein.
Bis zum Herbſt des Jahres 1926 beſtand das Perſonal aus
396 Offizieren und 610 Mann. Während das Hauptquartier in
Berlin war, beſtanden im Reich 15 Verbindungs= und
Zweig=
ſtellen. Im Sommer 1926 wurden die Verbindungsſtellen
aufge=
löſt. Seit Ende September zählte die Kommiſſion nur noch
36 Offiziere und 150 Mann.
Die Kontrolltätigkeit wurde im Januar 1920 aufgenommen.
Bis Ende September 1926 wurden 33 381 Kontrollbeſuche in
39½ Kontrollmonaten abgeſtattet, d. h. je Tag 28 Beſuche. Im
November 1924 wurden allein 174 Beſuche bei Stäben und
Trup=
penteilen abgeſtattet, 43 in Feſtungen und auf Uebungsplätzen,
70 bei Heeresverwaltungsbehörden, 112 bei Zivil= und
Polizei=
behörden, 112 in Fabriken, zuſammen 511 Beſuche in einem
Monat. Die bis zum Inkrafttreten des Dawes=Abkommens auf
ein deutſches Sonderkonto gehenden Koſten der Kommiſſion
be=
trugen 38 713976.— Eoldmark; von da ab gehen die Koſten auf
Konto der Jahresleiſtungen des Dawes=Planes. Der
Autofuhr=
park der Kommiſſion betrug 200 Kraftfahrzeuge, zuletzt in Berlin
allein 36.
Dieſen Aufwendungen ſteht folgendes Ergebnis gegenüber
wobei zwei Perioden zu unterſcheiden ſind, nämlich bis Herbſt
1923, dem Zeitpunkt des Abſchluſſes der unaufgeforderten
deut=
ſchen Waffenabflieferung, und die Periode von 1924 bis 1926,
die als die eigentliche Arbeitsperiode der J. M. K. K.
anzu=
ſprechen iſt:
bis Herbſt 1923 1924—1926
Geſchütze und Rohre
54887
10
Minenwerfer und Rohre
28 469
Lafetten (einſchl.
Minenwerfer=
lafetten)
28003
Geladene Artilleriegeſchoſſe und
Minen rund
38 750 000
Ungeladene. Artillerie Geſchoſſe,
332 500
leere Minen, leere Handgran.
37 600 *
Pulver
59 300 000
Scharfe Zünder
Leere Kartuſchen u.
Patronen=
hülſen
22000 t
6 000 000
Handſchußwaffen faſt
14300
Handwaffenmunition rund .
2200 000
1000 000
Scharfe Hand=, Gewehr= und
Wurfgranaten
3 350 000
105 500
Maſchinengewehre
Munitionsleeren
79500
Flugzeuge
14014
Flugzeugmotore
27 757
M.=G.=Schlitten
M.=G.= und Gewehr=Läufe.
9497
M.=G.=Schlöſſer und
Reſerve=
teile
158
Fahrbare Werkſtätten (
Waffen=
meiſtereien
Flalgeſchützwagen .. .
12
Protzen für ſchwere und leichte
11
Artillerie ..
64000
Stahlhelme . .
174000
Gasmasken".
Maſchinen der ehemal. Kriegs=
2500
induſtrie
Zu den Funden der letzten Periode gehören noch eine Reiche
von Erſatzteilen für Geſchütze und Fahrzeuge.
Aus der vorſtehenden Statiſtik ergibt ſich, daß die
Entwaff=
nung Deutſchlands bereits im Herbſt 1923 bis zu 95 Prozent
durchgeführt war, daß jedenfalls das Material, das die J.M. K.K.
in den drei folgenden Jahren ihres Wirkens aufgefunden hat, die
Behauptung, Deutſchland ſei noch nicht entwaffnet und noch
im=
mer imſtande Krieg zu führen, keineswegs rechtfertigt.
Polen und die Ereigniſſe in Litauen.
Die polniſche Preſſe beſpricht die Ereigniſſe in Litauen, die
die auswärtige Lage in Oſteuropa ſtark komplizieren. Smetona
gilt als Polenfeind. Unter einem Militärregime in Litauen wird
mit zahlreichen Zuſammenſtößen an der polniſchen Grenze
ge=
rechnet, da ſich infolge der litquiſchen und weißruſſiſchen
Bauern=
bewegung im geſamten Wilnger Gebiet eine revolutionäre
Un=
ruhe zeigt, die durch polniſche Polizei und Truppen nur mit
Mühe niedergehalten werden kann. Der Streik und die
Meu=
terei im Wilnger Gefängnis hatten ausſchließlich nationale
Gründe.
*Darmſtädter Ausſtellungen.
Kunſthalle am Rheintvr.
* Weihnachtsausſtellung der Künſilerhilfe 1926.
Die Weihnachtsausſtellung der Künſtlerhilfe iſt in erſter Linie
eine Verkaufsausſtellung: man würde ihr aber nicht gerecht
wer=
den, wenn man ſie ausſchließlich unter dieſem wirtſchaftlichen
Geſichtspunkte betrachten wollte. Es kommt ihr vielmehr eine
höhere Bedeutung zu, weil ſie ſeit langer Zeit einmal wieder
eine Gemäldeſchau zeigt, auf der die Darmſtädter Künſtler aller
Richtungen vereinigr ſind. Das Darmſtädter Kunftleben hat ſich
in den letzten Jahren immer mehr in einzelne Gruppen
zer=
ſplittert, ſo daß eine Reihe ganz kleiner Gruppen entſtand, die
aus eigener Kraft nicht imſtande waren, größere Ausſtellungen
zu bieten; ſie mußten ſich Hilfe von auswärts holen. Gewiß
wäre es eine engherzige Kunſtpolitik, die auswärtige Kunſt
aus=
zuſchließen, aber den Darmſtädter oder auch den heſſiſchen
Künſt=
lern war vielfach die Möglichkeit genommen, hier Proben ihrer
Kunſt zu bieten, die wenigen Ausſtellungsmöglichkeiten waren
verſagt, weil ſie gerade von Vertretern einer anderen
Kunſt=
richtung in Beſchlag genommen waren. So öffnet die
Weih=
nachtsausſtellung der Künſtlerhilfe bisher verſchloſſene Tore; ſie
gibt jetzt allen Künſtlern Gelegenheit, vor Weihnachten
auszu=
ſtellen, was im anderen Falle wohl möglich war, aber in dem
Maße nicht geſchehen iſt. Es iſt ein Verdienſt des Ständigen
Rates ſür Kunſteflege in Heſſen, unter deſſen Flagge die
gegen=
wärtige Kunſtſchau ſteht, dies zuwege gebracht zu haben. So
mag die Ausſtellung der Künſtlerhilfe von guter Vorbedeutung
für die große Ausſtellung des kommenden Sommers in
Darm=
ſtadt ſein ais ein Einigungswerk Darmſtädter und heſſiſcher
Künſtler, wobei die Aeußerungen des Kunſtwillens eines jeden
Einzelnen unangeiaſtet bleiben.
Es iſt ein Verdienſt der Herren Oberregierungsrat Henrich
und Oberſt von Hahn, eine geeignete Auswahl unter den
ein=
geſandten Eemälden, Aquarellen uſw. getroffen zu haben; die
Ausſtellung kann durchweg ſich mit ſolchen meſſen, deren Objekte
dem Urteil der Kunſtrichter unterworfen waren. Das übliche
Syſtem der Aufhängung iſt beibehalten; im großen Oberlichtſaal
haben die größeren Gemälde ihren Platz gefunden, und die
Rebennäune bergen beſonders charakteriſtiſche Bilder, oder es
ſind in ihnen Sonderausſtellungen (Aquarelle und Graphik)
vereinigt.
Unter den Ausſtellern ſind viele, deren Namen man in den
letzten Jahren häufiger begegnet iſt, aber es ſind auch ſeltenere
Gäſte darunter. Den Vorrang hat die jüngere Generation, aber
das iſt nur zufällig, das Alter iſt nicht zurückgeſetzt und hat auch
keinen Anlaß, ſich als zurückgedrängt zu fühlen. Alrmeiſter Heinr.
Reinh. Kröh iſt mit 85 Jahren wohl der Neſtor der Künſtlerſchar.
Welche Wertſchätzung er genießt, beweiſt wohl ſchon der Umſtand,
daß ein größeres Gemälde ſeiner Hand, eine Odenwaldlandſchaft,
mit als erſtes verkauft wurde. Daneben hängt ein Bild von
Huth, der ehenfalls bei den Darmſtädtern in hohem Anſehen
ſteht; er zeigt eines ſeiner beliebten Interieurs. Auch dieſes iſt
bereits verkauft. Im gleichen Saale iſt auch Ernſt Eimer
ver=
treten, der die Welt der Wald= und Wieſenzwerge und andere
Fabelweſen mit einem leichten Einſchlag von Humor darſtellt.
Ein größeres Gemälde von ihm zeigt eine oberheſſiſche
Dorf=
ſtraße. Die reife Kunſt Adolf Beyers ſtellt ſich in einem
Landſchaftsbilde dar; poetiſche Anſchauung und eine
ausgezeich=
nete Technik geben dieſer Kunſtſchöpfung einen beſonderen Wert.
Lippmann ſteht ſtofflich als Maler des dörflichen Lebens
und des Odenwaldes Kröh nahe, auch er hat ſich beim Publikum
einen ſicheren Platz errungen. Zernin hat eine größere
Winterlandſchaft ausgeſtellt, die Eberſtadt zeigt. Sind hier einige
der älteren Maler genannt, ſo mögen der ausgleichenden
Gerech=
tigkeit halber, wie es auf der Ausſtellung iſt, auch die jüngeren
zu Wort kommen. In erſter Linie ſei Alexander Poſch
er=
wähnt; der vielſeitige Künſtler tritt hier als Landſchafter in den
Vordergrund des Intereſſes. Von einer größeren Landſchaft
geht ein ſtarker Stimmungsreiz aus, der auf den leuchtenden
Farben des Bildes beruht. Da er und ſeine Gruppe ſowie
ſeiner Richtung naheſtehende Künſtler vor noch nicht langer Zeit
hier ausgeſtellt haben, ſo möge auf ſie nur in dieſem
Zuſammen=
hang hingewieſen ſein, weil Neues ſich nicht über ſie ſagen läßt,
doch ſei bemerkt, daß ſie für ihre Kunſt charakteriſtiſche
Schöpfun=
gen dem Beſucher darbieten, auch ſind es durchweg gute, ja
er=
freuliche Leiſtungen. M. Richter W. Hofferbert
Breitwieſer, Bialla, Gunſchmann u. a. Zumeiſt
ſind es Landſchaften und Stilleben, Blumen. Eines der
vor=
züglichſten Bilder dieſer Art iſt von der Mainzer Malerin Math.
Huber. Das Gebiet der Winterlandſchaften und der
Hoch=
gebirge hat ſeine beſondere Pflege gefunden in Künſtlern wie
Aug. Soeder, Nettberg und Hans W. Hofmann; es
ſind Gemälde, die ein ſtarkes Können verraten.
Noch auf einige Erſcheinungen ſei hingewieſen, doch kann
wegen der Fülle der Bilder nicht entfernt auf jedes aufmerkſam
gemacht werden. Deshalb ſeien hier nur noch einige Namen
ge=
naunt, wie Karl Scheld. Hans Vielmetter, Nadine von
Enckevort, Gertrud Ulmann, Kiſtner Velte, W.
Preetorius, Müller=Tenkhoff, A. Bornemann
uſw. In der Reihenfolge der Namen ſoll keineswegs eine
Be=
wertung ihres künſtleriſchen Schaffens ausgeſprochen ſein. Eine
eigenartige, eine von allen übrigen Künſtlern andere Stellung
nimmt Anna May=Haas ein, die in Paris lebt. Sie ſteht
ſtark unter den Einflüſſen franzöſiſcher Kunſt, jedoch ſind ſie zum
Guten ausgeſchlagen, was beſonders der fein entwickelte
Farben=
ſinn erweiſt, von dem das eine Bild, das ſie bietet, eine Probe
gibt.
Zum Vorteil für den Ankauf ſind auch viele Aquarelle zu
günſtigen Preiſen ausgeſtellt. Auch hier möge ein kleines
Namen=
regiſter, das auf Vollſtändigkeit keinen Anſpruch erhebt, die
Schil=
derung im Einzelnen erſetzen, da zudem die Eigenart eines jeden
Künſtlers bekannt ſein dürfte. Es ſind: Karl Dieffenbach,
Georg Wüſt, M. Stegmayer, Sophie Groſch, Frieda
Beſt, Marie Ziegler, Aug. Soeder, G. Ulmann,
Hart=
mann, Hallerſtede, Volk, Throll, Scheld,
Wachs=
muth, Deppert, Anheißer u. a.
Die Plaſtik hat ihren Hauptvertreter in Well Habicht,
der eine größere Statue im Hauptſaal, daneben ebenfalls ſehr
bemerkenswerte Schöpfungen der Kleinplaſtik ausgeſtellt hat
Hier mögen auch die ſchönen Erzeugniſſe der Kleinplaſtik von
Frau Federn=Staudinger Erwähnung finden.
Dem Kunſtgewerbe iſt diesmal im Rahmen der
Geſamtaus=
ſtellung ein größerer Raum gewährt worden. Die
Aufmerkſam=
keit der Beſucher ſei beſonders auf dieſe Arbeiten gelenkt, da hier
auch eine gute Gelegenheit zum Erwerb von künſtleriſch
wert=
vollen Weihnachtsgeſchenken gegeben iſt.
Ausſtellung von Profeſſor Kurt Kempin.
In den Räumen der Firma Joſedh Trier,
Wilhelminen=
ſtraße, iſt zurzeit eine Ausſtellung von Gemälden des Profeſſors
Kurt Kempin zu ſehen, die vornehmlich Arbeiten aus ſeiner
gegenwärtigen Schaffenszeit zeigen. Der Künſtler hat ſich in
ſeiner Malweiſe der jüngſten Kunftentwicklung angeſchloſſen, die
das Gegenſtändliche in ſchärfer umriſſenen Formen darſtellt. So
ſind die Akte, von denen die Ausſtellung mehrere birgt,
Wieder=
gabe von Körperformen, die man faſt naturaliſtiſch nennen
könnte und das Gegenteil des formloſen Expreſſionismus ſind.
Was dieſen ausgezeichnet hat, den ausgeſprochenen Farbenſinn,
namentlich die Freude an ſatten Farben, bieten die vielen
Blumenſtücke, von denen eine ſtarke dekorative Wirkung ausgeht.
Die Sortenwahl der Blumen iſt ſchon von dem Geſichtspunkt
aus erfolgt, möglichſt vielſeitige Farbenwirkungen zu erzielen.
Das iſt dem Künſtler vollauf gelungen, und ſeine Blumenſtil=
Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Geite 3
Der Staatsſtreich in Litauen.
Unzufriedenheit mit dem ruſſiſchen Bündnis.
Anlehnung an Weſieuropa. — Die neue
Re=
gierung keineswegs polenfreundlich.
* Berlin, 18. Dezember. (Priv.=Tel.)
Die Meldungen aus Litauen über den Militänputſch ſind
recht ſpärbich, jedoch kann auf Grund der vorliegenden Nachrichten
geſagt werden, daß es ſich um einen Putſch der Rechtsparteien
und des Heeres gegen die gegenwärtig in der Regierung
befind=
lichen Linksparteien handelt. Er ſcheint reſtlos geglückt zu ſein,
denn die bisherige Regierung iſt gefangen genommen und
abge=
ſetzt, eine neue Regierung diktatoriſchen Charakters gebildet
wor=
den, die ſich mit Hilfe des Ausnahmezuſtandes und ſcharfer
mili=
täriſcher Maßnahmen allgemein durchgeſetzt hat. Die Meldung
von dem Umſturz kam für alle, die die Verhältniſſe in Litauen
näher kannten, nicht überraſchend. Die politiſche Lage war ſchon
ſeit mehreren Monaten außerordentlich geſpannt und die bei den
Wahlen im Sommer unterlegene Rechte ließ keine Ruhe. Die
Unzufriedenheit gegen die jetzt abgeſetzte Linksregierung hatte
im Lande im Laufe der letzten Monate ſtark zugenommen,
beſon=
ders als ſie die enge Anlehnung an Rußland vollzog, was
zwei=
fellos für das Land gewiſſe politiſche Gefahren
heraufzu=
beſchwören drohte. Dazu kam, daß man durch die Haltung der
Sowjetregievung ſtark enttäuſcht wurde, die vor Abſchluß des
poli=
tiſchen Schieds= und Sicherheitsvertrages weitgehende
Ver=
ſprechungen in wirtſchaftspolitiſcher Beziehung an Litquen machte
und den Abſchluß eines für Litauen ſehr günſtigen
Handels=
abkommens in Ausſicht ſtellte, jetzt aber ihre Verſprechungen nicht
halten will. Verſchiedene litauiſche Delegationen waren in den
letzten zwei Monaten nach Moskau gereiſt, um dort den
Handels=
vertrag abzuſchließen, ſie mußten aber immer wieder
unverrich=
teter Dinge zurückkehren.
Der ruſſiſch=litauiſche Vertrag hatte nicht unbeträchtliche
außenpolitiſche Schwierigkeiten für Litauen hervorgerufen, denn
auf der einen Seite verfolgte man in Riga und Reval und auf
der anderen in Warſchau dieſe Entwicklung mit äußerſtem
Miß=
trauen und ſcheute ſich keineswegs, ſehr ernſte Worte an Litauen
zu richten. Polen drohte durch Truppenzuſammenziehungen
im Wilnagebiet und nahm auch ſonſt eine äußerſtfeindliche
Haltung gegen Litauen ein, was wohl zum Teil auf
engliſche Anregungen hin erfolgt iſt. Gerade England hatte ſich
immer bemüht, eine Einheitsfront aller Randſtaaten von
Finn=
land bis Rumänien gegen Rußland herzuſtellen, vor allem pflegte
es ein Bündnis Polens mit den baltiſchen Staaten, einſchließlich
Litauens. Faſt ſchien es eine Zeitlang, als ob Litauen in dieſe
Einheitsfront einſchwenken und eine Anlehnung an die
Baltikum=
ſtaaten ſuchen werde. Es mußte ſeinerzeit der ruſſiſchen Politik
als ein großer Erfolg angerechnet werden, daß ſie Litauen aus
dieſer drohenden Einheitsfront herausgeriſſen und zu ſich
her=
übergezogen hatte. Litauen wollte ſich durch Anlehnung an
Nuß=
land dem polniſchen Druck entziehen und vielleicht ſpäter einmal
auf dieſe Weiſe das von Polen geraubte Wilnagebiet
zurück=
erwerben. Litauen hat aber jetzt eingeſehen, daß es ſich mit
dem ruſſiſchen Bündnis verrechnet hat, denn die
Sowjetregierung iſt nicht gewillt, irgend etwas für Litauen zu
tun, und würde auch im Ernſtfalle Litauens wegen kaum einen
Krieg mit Polen beginnen, der gleichzeitig die baltiſchen Staaten,
einſchließlich Finnlands, an die Seite Polens führen würde. Als
Polen in letzter Zeit eine außerordentlich hevausſordernde Sprache
Litauen gegenüber führte, rührte man ſich in Moskau nicht
ernſt=
lich. Der Vertrag mit Moskau hatte für Litauen mithin eine
größere Gefahr heraufbeſchworen, als eine ſolche durch die
An=
lehnung an Moskau beſeitigt werden ſollte. Das haben auch
an=
ſcheinend diejenigen Kreiſe erkannt, die die Oinksregierung
ge=
ſtürzt haben.
Die neue Regierung ſtellt eine ausgeſprochene Militärdiktatur
dar, die ſich auf die nationalen Verbände im Lande und auf das
Heer ſtützt, das in Litauen eine große Macht darſtellt. Bei einer
Geſamtbevölterung von 2 165 121 Menſchen beträgt die
Friedens=
ſtärke des litauiſchen Heeres rund 30000 Mann. Das
Jahres=
rekrutenkontingent iſt mit rund 15 000 Mann anzunehmen, ſo daß
Litauen bei der anderthalbjährigen allgemeinen Dienſtpflicht ſchon
jetzt im Kriegsfall vund 200 000 bis 250 000 Mann aufſtellen kann.
Man darf jedoch die Qualitäten des litauiſchen Heeres nicht zu
hoch einſchätzen, denn die Truppe macht keinen günſtigen
Ein=
druck. Die Haltung der Leute und die techniſchen und
wirtſchaft=
lichen Einrichtungen der Truppenverbände laſſen viel zu
wün=
ſchen übrig. Im Inner des Landes ſtellt aber das Heer den
ausſchlaggebenden Machtfaktor dar, und es war ihm, da es
über=
wiegend nationaliſtiſch eingeſtellt iſt, nicht ſchwer, die bisherige
Linksregierung zu ſtürzen, um eine nationaliſtiſche Regierung
ans Ruder zu bringen, die ihre Anlehnung nicht bei
Moskau, ſondern bei Weſteuropa ſucht.
Natür=
lich iſt, die neue Regierung keineswegs
polen=
freundlich, im Gegenteil ſind die führenden Kreiſe des Heeres
und der Rechtsparteien jederzeit bereit, ſich gegen polniſche
Ueber=
griffe zur Wehr zu ſetzen. Die jetzt an die Macht gekommenen
Kreiſe werden daher eine Annäherung an die
Balti=
kumſtaaten und auch an Deutſchland vollziehen.
Hoffentlich gelingt es der neuen Regierung, auch das Land aus
ſeiner ſchwierigen Wirtſchaftslage herauszubringen.
Die wirtſchaftlichen Verhältniſſe liegen geradezu troſtlos und
im Lande herrſcht eine Armut, von der man ſich bei uns laum
eine Vorſtellung machen kann. Der Landwirtſchaft fehlen die
ein=
fachſten Einrichtungen und Geräte, jedes Betriebskapital, und
vor allem auch der nötige Abſatzmarkt. Der Bauer erzeugt nur
ſoviel, wie er zur Ernährung ſeiner Familie bei ganz dürftiger
Lebensweiſe braucht. Auch in den Städten herrſcht abſolute
Kul=
turloſigkeit. Für den Wiederaufbau der durch den Krieg
zer=
ſtörten Gebiete hat die litauiſche Regierung bisher nichts getan,
ſo daß ſich die Städte und Dörfer noch in demſelben Zuſtande
wie bei Kriegsſchluß befinden.
Das neue litauiſche Kabinett.
Wie aus Kowno gemeldet wird, iſt ſoeben durch den
Militär=
diktator Smetona das Kabinett gebildet worden. Es ſetzt
ſich wie folgt zuſammen: Miniſterpräſident und Außenminiſter
iſt Woldemaras (Progreſſiſt), Innenminiſter Mufteikis (Chriſtl.
Demokrat), Kultusminiſter Dr. Biſtras (Chriſtl. Demokrat),
Finanzminiſter Dr. Karwellis (Chriſtl. Demokrat),
Landwirt=
ſchaft Alexa (Bauernpartei), Landesverteidigung Merkys,
Staats=
kontrolle Mitſchiulies. — Die Nachrichten von der Entſendung
litquiſcher Truppen an die polniſche Grenze entſprechen nach
Mitteilungen des Miniſterpräſidenten nicht den Tatſachen.
Per=
ſonalveränderungen im Außendienſt der litquiſchen Diplomatie
ſind für die nächſte Zeit nicht vorgeſehen. Demnächſt findet eine
Zuſammenkunft der litauiſchen Geſandten in Kowno ſtatt.
Ausdehnung des Kriegszuftandes auf das Memelgebiet.
Memel, 17. Dezember.
Die Verhängung des Kriegszuſtandes über Litauen iſt heute
auch im Memelgebiet kundgegeben worden. Danach werden die
Grenzübergangsſtellen aufgehoben, und der Verkehr iſt nur bei
den Zollſtationen zuläſſig. Außerdem iſt auch der ſogenannte
kleine Grenzverkehr aufgehoben und das Paſſieren der Grenze
nur mit ordnungsmäßig viſiertem Paß zuläſſig. In Memel und
Heydekrug iſt der Straßenverkehr zwiſchen 11 Uhr abends und
5 Uhr früh verboten worden. Die autonomen Behörden und die
Polizei ſind dem Kriegskommandanten unterſtellt worden.
Verhandlungen zur Regierungsneubildung
in Jugoſlawien.
der mit der Neubildung der Regierung beauftragt wurde. Die
bisherigen Verhandlungen zur Regierungsbildung haben eine
wachſende Abneigung aller Parteien gegen die Zuſammenarbeit
mit den Raditſch=Anhängern gezeitigt. Eine Regierung
aus Uzunovitſch, Davidowitſch und Koroſetſch, d. h. eine
Koalition aus den Radikalen, den Demokraten, Mohammedanern
und Slowenen, hat die meiſte Ausſicht auf eine
Ver=
wirklichung.
Die jugoſlawiſche Neuorientierung.
Annäherung an die Türkei. — Ein jugoſlawiſch=türkiſcher
Garantiepakt in Vorbereitung. — Wiederanknüpfung
der Beziehungen zu Rußland?
* Belgrad, 18. Dezember. (Priv.=Tel.)
Die Aufregung der jugoſlawiſchen Oeffentlichkeit über den
Abſchluß des italieniſch=albaniſchen Vertrages, die bisher in der
Hauptſache gefühlsmäßig eingeſtellt war, ſcheint nunmehr, wenn
man den Berichten aus Konſtantinopel und den Informationen
der Belgrader Blätter Glauben ſchenken darf, ſich auch politiſch
ſehr bedeutſam auszuwirken. Seit einiger Zeit werden Gerüchte
verbreitet, wonach der Abſchluß eines ſüdſlawiſch=türkiſchen
Garantiepaktes zur Neutvaliſierung des italieniſchen Einfluſſes
auf dem Xalkan bevorftehe. Die Belgrader „Nowoſti”
kommen=
tieren dieſe Gerüchte und weiſen dabei auf die überraſchende
Reiſe des Konſtantinopeler jugoſlawiſchen Geſandten nach
Bel=
grad hin, die von dem Blatt dahin ausgelegt wird, daß in
Belgrad Vorbeſprechungen über den Abſchluß
eines Paktes mit der Türkei aufgenommen
wer=
den ſollen.
Im Rahmen dieſer Neuorientierung war urſprünglich auch
eine Annäherung an den bulgariſchen Nachbarn in Ausſicht
ge=
nommen. Das erwähnte Blatt weiſt nunmehr darauf hin, daß
die bulgariſche Regierung ſich eher den italieniſchen Plänen
ge=
neigt zeigen ſoll. Durch dieſe Tatſache werde eine
Annähe=
rung an die Türkei, die in dem Abſchluß e nes
Garantie=
pakts gipfeln ſoll, nur noch beſchleunigt. Es beſtehe die Abſicht,
auch Griechenland in dieſen künftigen Pakt mt einzubeziehen.
Das Blatt ſagt über die künftigen Richtlinien der Außenpolitik
weiter, daß auch die Beziehungen zu Rußland und Deutſchland
enger geknüpft werden ſollen, wobei wahrſcheinlich Deutſchland
als Vermittler zwiſchen Jugoſlawien und Rußland auftreten
würde.
Wie weit die Nachrichten des Blattes zutreffen, bleibt
dahin=
geſtellt. Belgrader politiſche Kreiſe hoffen jedenfalls, daß die
Folgen des italieniſch=albaniſchen Vertrages für Jugoſlawien
windeſtens abgeſchwächt werden würden. Sie ſcheinen hierbei
ihre Hoffnungen ſowohl auf Bulgarien, als auch auf Griechenland
zu ſtützen. Allerdings ſtehen dieſe beiden Staaten gevade in
Verhandlungen über den Abſchluß eines Handelsvertrages.
Außerdem ſteht zwiſchen Athen und Belgrad noch immer der
Salonikivertrag, der in Griechenland eine Abkühlung der
Be=
ziehungen gegenüber Jugoſlawien bewirkt hat. Es bleibt der
Schluß der Verhandlungen über die Regierungsbildung
abzu=
warten, um die Richtung der künftigen jugoſlaw ſchen Politik
be=
urteilen zu können.
Zur Vorgeſchichte des albaniſch=italieniſchen Vertrags.
* Prag, 18. Dezember. (Priv.=Tel.)
Das „Prager Tageblatt” erfährt von angeblich gut
infor=
mierter Seite neue Einzelheiten über die Vorgeſchichte des
italieniſch=albaniſchen Vertrags. Das Blatt ſchreibt,
der albaniſche Miniſterpräſident Zogu habe ſich vor dem Abſchluß
des Vertrags an Jugoſlawien gewandt und ihm einen
Garantie=
pakt angeboten. Die Belgrader Regierung habe aber mit
Rück=
ſicht auf die jugoſlawiſchen Verpflichtungen gegenüber Italien
das Anerbieten abgelehnt. Darauf habe Zogu ſich an Muſſolini
gewandt und in Rom mehr Entgegenkommen gefunden.
Eine italieniſche und jugoſlawiſche
Einfluß=
ſphäre in Albanien?
* London, 18. Dez. (Priv.=Tel.)
„Evening Standard” ſchreibt, daß der Bericht, daß Italien
Jugoſlawien vorgeſchlagen habe, mit Albanien einen Vertrag
abzuſchließen, den Argwohn Frankreichs über die italieniſchen
Abſichten eher erhöht als vermindert habe. Ob richtig oder
falſch, man glaube, darin eine Wiederbelebung des Gedankens
einer Aufteilung Albaniens in eine jugoſlawiſche und eine
ita=
lieniſche Intereſſenſphäre zu ſehen. Gleichzeitig arbeitet die
britiſche Regierung mit der franzöſiſchen zuſammen, um einen
mäßigenden Einfluß auf Jugoſlawien auszuüben und zu
verſu=
chen, eine Verſtändigung zuſtande zu bringen. Dieſe Aufgabe ſei
an=
geſichts der gegenſätzlichen Differenzen nicht leicht. In Paris
be=
fürchtet man, daß, falls der jugoflawiſche Druck auf die
alba=
niſche Regierung, den Vertrag mit Italien aufzugeben, ſoweit
gehen ſollte, daß Italien unter Umſtänden das Recht
beanſpru=
chen würde, auf Grund des von den Vertretern Englands,
Frankreichs, Italiens und Japans auf der Botſchafterkonferenz
am 9. November 1921 unterzeichneten Abkommens zu
inter=
venieren. Dieſes Abkommen erkennt die beſonderen ſtrategiſchen
Intereſſen Italiens an der Aufrechterhaltung der albaniſchen
Grenzen an.
leben wirken ungemein friſch. Das große Format einiger dieſer
Bilder deutet wohl darauf hin, daß Profeſſor Kempin an einen
repräſentativen Zweck gedacht hat, etwa zur Ausſchmückung eines
größeren Raumes. Der Schwarz=Weiß=Kunſt gehören einige
Darſtellungen italieniſcher Landſchaftsbilder an, die ein Teil der
Ausbeute einer Italienreiſe des Künſtlers ſind. Unter dieſen
iſt ein Bild der Rialtobrücke in Venedig beſonders
bemerkens=
wert, weil es nicht die übliche oder ſchablonenhafte Anſicht in
romantiſcher Färbung bietet, ſondern nur einen Teil des
Bau=
werkes. Die Brückenöffnung wirkt wie ein Ungeheuer, das
ſeinen Rachen dem Waſſerſtrom entgegenöffnet. Von ſtarker
ſuggeſtiver Kraft iſt ein ſchönes Gemälde, das Bergamo vor
Augen führt, ein grotesk geſtaltetes Stadtbild, das durch die
einen Gipfel krönenden Bauten einen gewaltigen, wehrhaften
Eindruck macht. Ein Beſuch der Ausſtellung wird für weite
Kreiſe des Publikums von Intereſſe ſein.
Profeſſor Adolf Betzer
hat ebenfalls, und zwar in der eigenen Werkſtätte,
Saalbau=
ſtraße 73 Gartengebäude eine Ausſtellung neuerer
Gemälde veranſtaltet, die täglich von 11 bis 1 Uhr den Beſuchern
zugänglich iſt. Wir kommen auf dieſe Ausſtellung noch zurück.
Mehrfach geäußerten Wünſchen entſprechend hat Herr Profeſſor
Beyer gleichzeitig noch einen Teil des Nachlaſſes ſeiner
verſtor=
benen Gattin, bekanntlich einer ſehr produktiven und
hochbegab=
ten Künſtlerin, mitausgeſtellt.
C. K. Wie Tiere den Hof machen. Daß auch dem tieriſchen
Liebesleben die feineren Formen der Werbung und des
Hof=
machens nicht fehlen, zeigt ein Vortrag des bekannten engliſchen
Naturforſchers Julian Huxley, in dem er erſtaunliche Dinge über
das Liebeswerben auch ſchon bei niederen Tieren mitteilt. Auf
den unterſten Stufen des Tierreiches gibt es freilich kein
Hof=
machen. Die erſten Anzeichen dafür finden ſich bei einigen
Borſtenwürmern des Meeres, die zu beſtimmten Jahreszeiten
und Mondphaſen aus ihren Schlupfwinkeln in den Felſen
her=
vorkommen. Die Männchen zeigen dann ein ſehr aufgeregtes
Weſen und ſchwimmen in Gruppen um die Weibchen herum.
Sehr viel deutlicher ſind die Formen des Hofmachens bei höheren
Tieren. Eine Krabbenart (Gelasimus minax) beſitzt eine große
hellgefärbte Schere, die ebenſo viel wiegt wie der ganze Körper.
Dieſe Schere, die nur das Männchen beſitzt, benutzt es dann, um
die Aufmerkſamkeit des Weibchens zu erregen. Wenn die
weib=
lichen Krabben in der Paarungszeit an den Männchen
vorüber=
ziehen, dann ſtellen ſich dieſe gleichſam auf die Zehenſpitzen, in=
dem ſie die große Schere ſteil in die Luft ſtrecken. Nimmt das
Weibchen von dem ihm auf dieſe Weiſe huldigenden Männchen
keine Notiz, dann rennt das Männchen an eine Stelle, wo es
von dem Weibchen geſehen werden muß, und ſtellt ſich in
der=
ſelben eigenartigen Poſe auf. Während nur einige Krabben
auf dieſe Weiſe ihren Liebesgefühlen einen zarten Ausdruck
ver=
leihen, ſind die Formen des Courſchneidens bei verſchiedenen
Spinnenarten ſchon höher gediehen. Jagdſpinnen führen
ſelt=
ſame Tänze vor dem Weibchen auf. Bei einer Gattung von
Jagdſpinnen bietet das Männchen dem Weibchen eine Fliege dar,
die zierlich in das Geſpinſt eingehüllt iſt. Setzt man ein ſolches
Spinnenmännchen zuſammen mit einer Fliege in ein Käſtchen,
ſo frißt es dieſe auf. Aber befinden ſich in dem Käſtchen
Männ=
chen und Weibchen zuſammen mit der Fliege, dann fängt das
Männchen die Fliege, hüllt ſie in das Geſpinſt und bietet ſie dem
Weibchen dar; ja, ſogar wenn die weibliche Spinne
heraus=
genommen iſt und nur noch ihr Geruch das Käſtchen erfüllt, dann
wickelt das Männchen doch die Fliege ein und ſucht mit dieſer
Gabe eifrig nach dem Weibchen. Die Spinnen überreichen ihren
Schönen ſogar Buketts. Man hat in einigen Fällen beobachtet,
daß Spinnen ein Blatt oder eine Blüte in ihr Gewebe einhüllten
und dem Weibchen als Liebesgabe überreichten. Damit iſt
be=
reits die Stufe des Hofmachens erreicht, bei der nicht nur
nütz=
liche Geſchenke dem Gegenſtand der Verehrung dargeboten
wer=
den, ſondern das Spinnenmännchen drückt dem Weibchen ſeine
Gefühle „durch die Blume” aus. Bei manchen Spinnenarten
ſind die Weibchen oft blind. Dann klammert ſich das Männchen
an das Gewebe des Weibchens und verſetzt einen der Fäden auf
eine beſondere Art in eine zitternde Bewegung, die ganz
ver=
ſchieden iſt von den Bewegungen, die von einer Beute
hervor=
gerufen werden, die ſich gefangen hat. Würde das Männchen
nicht auf dieſe Weiſe um die Liebe des blinden Weibchens
wer=
ben, ſo würde es ſich der Gefahr ausſetzen, wie irgend ein anderes
Inſekt von der Spinne gefreſſen zu werden. Das Männchen iſt
auch während der erſten Stadien der Liebeswerbung ſehr
vor=
ſichtig und läuft häufig weg. Die Fröſche ſingen in der
Paarungs=
zeit, und die Heuſchrecken ſind die erſten Inſtrumentalkünſtler,
die durch ihre Muſik auf das Weibchen Eindruck zu machen
ſuchen. Die höchſte Stufe erreicht das Hofmachen im Tierreich
bei den Vögeln. Ein bezeichnendes Beiſpiel dafür iſt der
Kampf=
hahn (Machetes pusnax). Bei den Brutplätzen angelangt,
ver=
ſemmeln ſich die Hähne an einer beſtimmten Stelle. Sind keine
Hennen anweſend, ſo tanzen die männlichen Vögel miteinander
und kämpfen miteinander. Naht eine Henne, ſo kauern ſie ſich
mit flachen Flügeln bewegungslos auf dem Boden nieder und
bringen ihr auf dieſe Weiſe ihre Huldigung dar. Beachtet die
Henne dieſes Liebeszeichen nicht und fliegt wieder fort, dann
erheben ſich die Hähne aus ihrer Kauerſtellung und tun ſo, wie
wenn nichts geſchehen wäre. Wenn aber die Henne die
Ver=
beugung eines Hahnes huldvoll aufnimmt, ſich ihm nähert und
ihn an den Halsfedern zauſt, dann iſt die Ehe geſchloſſen. Bei
den Elefanten erfolgt, die Annäherung dadurch, daß ſie die
Rümpfe aneinanderreiben, und wenn man bis zu den Affen auf
der Leiter des Tierreichs emporſteigt, ſo findet man noch
erſtaun=
lichere Aehnlichkeit mit den Liebeswerbungen des Menſchen.
* Altruſſiſche Heldengeſchichten. Frei übertragen von Lili
vom Baumgarten. Mit Bildern nach Zeichnungen von
Ada von Pagenhardt. 1. und 2. Teil. Kranzbücherei 83 und 84.
Verlag von Moritz Dieſterweg in Frankfurt a. M. — Die
alt=
ruſſiſchen Heldengeſchichten heißen in ihrer Heimat Byling, d. h.
Geweſene oder Vergangene, von denen man fünf Gruppen
unter=
ſcheidet. Die Herausgeberin hat in Berückſichtigung der
rhyth=
miſchen Verſchiedenheit der deutſchen von der ruſſiſchen Sprache,
bei der eine metriſche Ueberſetzung entweder ſchlechtes Deutſch
oder Untreue gegen die Dichtung bedeuten würde, in „„
bewun=
dernder Ehrfurcht vor der ſchlichten Größe” der alten Geſänge
ſich zu einer Proſawiedergabe entſchloſſen, den tapferen Helden
zur Ehre und allen guten Leuten zur Erbauung. Die
eigen=
artigen, in ihrer Schlichtheit ſchönen Sagen, die die älteſten
Hel=
den und die Helden von Kijen beſingen, die ſich um den
Sonnen=
fürſten Wladimir ſcharen und deren naive Sprache ſich dem
alt=
teſtamentlichen Bibelſtil und dem der homeriſchen Geſänge und
des Nibelungenliedes nähert, ſind reich an poetiſchen Schönheiten
und ſpannenden Einzelſchilderungen und werden mit demſelben
Intereſſe und der ungetrübten Freude an der herzerfriſchenden
Naivität des Empfindens und der Erzählung geleſen, wie alle
alten Heldenſagen. Es iſt jedenfalls ein Verdienſt der
Heraus=
geberin, die in einem Nachwort über Inhalt, Weſen und
Be=
deutung der Geſchichten noch nähere Erläuterungen gegeben hat,
uns mit der „blauen Märchenherrlichkeit” dieſer altruſſiſchen
Heldenſagen bekannt gemacht zu haben, und eine Fortſetzung
dieſer Bände würde dankbar begrüßt werden.
—ld.
Das zweite Weihnachtsheft der „Eleganten Welt” iſt ſoeben
erſchienen. Wieder gibt es bemerkenswerte Ratſchläge und Anregungen
in Bild und Wort denjenigen, denen der Weihnachtseinkauf
Kopfzer=
brechen verurſacht, und praktiſche Winke in bezug auf Reiſekleidung und
=Aus:ſiſtung denjenigen, die das W ihnachtsfeſt in der Scmeewelt der
Berge zu verleben gedenken. Die feſtliche Abendtoilette in all” ihren
Abſtufungen findet in effek voll n Pdern und erklä enden Artikeln
beſondere Würdigung. Die Kultur des gesflegten Heims ſpiegelt ſich in
einem intereſſant illuſtrierten, feſſelnden Artikel über allerlei koſtbares
brie 4 brac, der ſich der weihnachtlichen Stimmung auf’s beſte anpaßt.
Seite 4
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Nummer 351
Der neue Freund.
Von unſerem F=Korreſpondenten.
Rom, Mitte Dezember 1926.
Es ſei zunächſt vorausgeſchickt, daß ſelbſtverſtändlich der
Ab=
ſchluß eines Schiedsvertrags, wie er bereits paraphiert
un=
mittelbar vor der Unterzeichnung zwiſchen Deutſchland und
Italien ſteht, in vollem Maße zu begrüßen iſt. Jeder
Schieds=
vertrag, der das Ziel hat, die letzten Reſte alter Kriegspſychoſe
weiter zu verwiſchen und zugleich nach Möglichkeit alle
vorhan=
denen politiſchen oder wirtſchaftlichen Reibungsflächen aus dem
Gebiet ſcharfer oder feindſeliger Beurteilung und Behandlung in
die Sphäre diplomatiſcher und von vornherein freundſchaftlicher
Beſprechungen zu leiten, dient dem europäiſchen Frieden und
dem Gedanken der Genfer Ausgleichspolitik. Für Deutſchland
ſind Schiedsverträge beſonders wertvoll, weil infolge der
uner=
hörten Kriegspropoganda noch immer nicht in weiten Schichten
der einſt feindlichen Bevölkerung die Ueberzeugung ganz
durch=
gedrungen iſt, daß der Krieg tatſächlich nun vorüber iſt und daß
Deutſchland mit Recht ſeine alte Stellung als Gleicher unter
Gleichen fordern muß.
Unabhängig aber von dieſer ſachlichen und pſychologiſchen
Einſchätzung von Schiedsverträgen iſt es notwendig, daß man ſich
in Deutſchland nach Möglichkeit über die internationale Lage
des neuen Freundes klar wird. Es iſt wichtig, zu wiſſen, wie
ſeine politiſche Geſundheit erſcheint und welche außenpolitiſchen
Abſichten er vermutlich verfolgt oder verfolgen könnte.
Wie die Lage Italiens im Innern iſt, das wurde an dieſer
Stelle ſchon wiederholt zur Genüge geſchildert. Man darf die
innenpolitiſchen Ve hältniſſe vielleicht mit den Worten
zuſammen=
feſſen: Vollkommene Ausſchaltung einer parlamentariſchen
Kon=
trolle, einer miniſteriellen oder reſſortmäßigen
Verantwortlich=
keit, unbedingter Gehorſam der „Untertanen” und Leitung auf
rein diktatoriſcher Grundlage mittels Terror und Unterdrückung
der öffentlichen Meinung durch den Selbſtherrſcher Muſſolini.
Das Prinzip des Syndikalisms mit Ausleſe der „Geeignetſten”
durch den Diktator iſt an Stelle der Auswahl nach
parlamen=
tariſchen und demokratiſchen Grundſätzen konſtitutioneller
mo=
derner europäiſcher Staaten getreten. Auch das rudimentäre
Parlament, das ſeit geraumer Zeit nur noch eine Formalität iſt,
wird jetzt durch eine auf ſyndikaliſtiſcher Baſis errichtete „
Kam=
mer” erſetzt. An die Stelle der „Elektion” tritt überall die
„Selektion”
Wirtſchaftlich iſt im Gegenſatz zur machtpolitiſch geſicherten
Lage im Inneren der Zuſtand weitaus weniger durchſichtig und
kräftig. Die Schulden ſind ſehr hoch, die Deflation hat faſt alle
verfügbaren Deviſen verbraucht und einen äußerſt geldknappen
Markt hervorgerufen. Alle Erſparniſſe, die durch Konvertierung
der Schatzſcheine und andere Finanzmaßnahmen verſucht werden,
können bei dem Mangel einer wirklich aktiven Handelsbilanz
nicht genügen, um die ungeheuren Ausgaben zu decken, die ohne
Kontrolle und Ausweis auf dem Gebiet der Rüſtung, der Miliz,
der Propaganda für den Fascismus im Inland und Ausland
und der „Gehälter” für fasciſtiſche Funktionäre und Agenten
nötig ſind. Verträge wie das Abkommen mit Albanien müſſen
ungeheure Summen verſchlungen haben, die Vorbereitungen im
Balkan noch größere Beträge verlangen. Woher die notwendigen
Gelder kommen, iſt bei dem Mangel jeglichen ſachlichen
Aus=
weiſes nicht feſtzuſtellen. Man kann nur vermuten, daß fremde
Geldgeber ein reges Intereſſe daran haben, Muſſolini für be=
Motta wieder Schweizer Bundespräſident.
Die vereinigte ſchweizeriſche Bundesverſammlung hat Giuſeppe
Motta zum Bundespräſidenten für das Jahr 1927 gewählt.
ſtimmte Zwecke auch weiterhin mit Oebiſen zu verſehen.
Außer=
dem wird durch ſcharfen Druck der fasciſtiſchen
Provinzorgani=
ſationen aus den Induſtriellen und Kaufleuten und Beamten
noch herausgeholt, was irgend möglich iſt. Die jüngſten
Anleihe=
maßnahmen kommen einer Erpreſſung oder Konfiskation ſehr
nahe und ſind geeignet, den letzten Reſt der Erſparniſſe und des
Vermögens breiter Volksſchichten zugunſten des Staates und
ſeiner Expanſionspolitik herauszuziehen und zu verbrauchen.
Die Entwicklung nach der finanziellen Seite läßt ſich jedoch
nicht weiter vorausſehen, weil eben der eine ganz unbekannte
Faktor mitſpielt, ob und von welcher Seite heute noch der
Regie=
rung Muſſolinis Gelder als Vorſchüſſe oder Subſidien von
fremder ausländiſcher Seite zufließen. Aus den Ausführungen
über die rußenpolitiſchen Ziele Muſſolinis wird man ſehen, daß
der Verdacht nicht abzuweiſen iſt, daß von ſeiten Englands
Gelder zur Verfügung geſtellt werden. Dazu treten als weitere
Hilfe Dollars, die von der amerikaniſchen Induſtrie und dem
amerikaniſchen Handel bei der Durchdringung des italieniſchen
Marktes den Italienern geliehen werden und die von der
Regie=
rung neuerdings zwangsweiſe eingefordert werden.
Die Entwicklung der innenpolitiſchen Lage läßt zwiſchen zwei
Dingen unterſcheiden. Die Oppoſition, alſo alle nicht fasciſtiſch
eingeſtellten Gegner Muſſolinis, ſind ſchachmatt geſetzt, und es
beſteht auch keine Wahrſcheinlichkeit, daß ſie zurzeit die Mittel
und die Organiſation, nicht einmal den Willen haben, ſich
auf=
zulehnen. Anders ſtehen die Dinge bei der Oppoſition
inner=
halb des Fascismus. Hier liegen die eigentlichen und einzigen
Gefahren in der Innenpolitik für Muſſolini. Nicht ſeine Feinde
können ihm gefährlich werden, ſondern ſeine Freunde oder die,
die es noch kürzlich waren. Wenn er ermordet wird, ſo iſt es
wahrſcheinlicher, daß Dolch oder Kugel aus den Reihen des
Fas=
cismus ihn treffen, als irgendein vom Ausland geſandter
Ver=
ſchwörer. Der Kampf im Fascismus iſt entbrannt, und dieſer
Kampf iſt es, der nach Anſicht vieler Kenner des Landes und
des Regimes das Ende oder den Sturz der Diktatur bedeuten
kann. Dieſer Kampf iſt es auch, der vielleicht im Augenblick
höchſter Not zu außenpolitiſchen Maßnahmen drängen wird, die
kriegeriſche Verwicklungen nach ſich ziehen dürften. Der Kampf
im Fascismus um die Richtung wurde ſeinerzeit nur durch die
Ermordung Matteottis unterbrochen, denn ſchon damals zeichnete
ſich der Gegenſatz zwiſchen den Extremiſten und den „Normalen”
ab. Die Kondottieri, die Freibeuter, der Reſt des
Landsknechts=
tums aus dem Kriege will nicht die Ruhe im Lande, ſondern
weiter Terror und mit dieſem leichten und raſchen Gewinn. Wie
Muſſolini hier durchfinden wird, das iſt die Frage. Vielleicht
bringt ſchon der Beginn des Frühjahrs Klarheit — und Blut,
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Täger ihrer Mitglieder ſowohl bezüglich Qualitäten als auch Auswahl mit
den beſten Erzeugniſſen der deutſchen Tabakinduſtrie ausgerüſtet find und es
durchaus nicht in dem Intereſſe des kaufenden Publikums liegt, den verlockenden
Anpreiſungen von auswärtigen Verfandgeſchäften ſiattzugeben — Das
Beſtreben der hieſigen Zigarren=Laden=Inhaber geht darauf hinaus, die
verehrlichen Raucher ſorgfältig und individuell zu bedienen. — Die Preiſekönnen
abſolut mit auswärtigen Angeboten konkurrieren, da die hieſige Händlerſchaft
von denſelben Zigarrenherſtellern und zu denſelben Preiſen beliefert wird
und infolgedeſſen in der Tage iſt, das kaufende Publikum durch geringere
Speſen billiger bedienen zu können, als dies von auswärts der Fall ſein kann.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 351
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadi, 19. Dezember.
Der „goldene Sonntag”, der große Tag des
Weihnachtsgeſchäftes.
Der „goldene Sonntag” iſt zu allen Zeiten die Krone des
Weih=
nachtsgeſchäftes geweſen. Sogar im vorigen Jahre, wo beſonders zur
Weihnachtszeit die wirtſchaftliche Kriſe am höchſten war und die Zahl
der Konkurſe von 1152 im Oktober auf 1344 im November angewachſen
war, hatte der „goldene Sonntag” einen Aufſchwung des
Weihnachts=
geſchäftes gegenüber der vergangenen Woche im Durchſchnitt um 60
Pro=
zent des Umſatzes gebracht. Dabei darf man nicht vevgeſſen, daß im
vorigen Jahre beſonders die Zahl der Arbeitsloſen in Berlin ſehr groß
war. Wuchs ſie doch von 65000 am 15. November auf 120000 am 15.
Dezember. In dieſem Jahr liegen die Verhältniſſe erheblich günſtiger
Die Kaufkraft des Volkes iſt nach Berechnung des ſtatiſtiſchen Amtes
gegenüber dem Vorjahre 22 Prozent größer. Die Zahl der Konkurſe iſt
ſehr ſtark zurückgegangen und übertrifft die Durchſchnittszahlen normaler
Geſchäftszeit nicht mehr. Es iſt darum zu erwarten, daß der „goldene
Sonntag” in dieſem Jahr beſonders große Steigerung des
Weihnachts=
geſchäftes mit ſich bringen wird. Bemerkenswert iſt die Tatſache, daß,
wie uns einer der größten Berliner Kaufhausbeſitzer mitteilt, das
Ver=
hältnis des Umſatzes am „ſilbernen Sonntag” zum „goldenen Sonntag”
in allen Jahren ziemlich feſt iſt. Man kann ſagen, der Warenumſatz am
„ſilbernen Sonntag” verhält ſich zum Umſatz am „goldenen Sonntag”
ungefähr wie 1:3. Der goldene Sonntag bringt ſeit vielen Jahren nach
den ſtatiſtiſchen Feſtſtellungen mindeſtens den dreifachen Gewinn des
ſilbernen. Die Zahl ſchwankt um Kleinigkeiten nach oben wie nach unten.
aber im großen und ganzen zeigt ſie immer dieſelbe Größe. Dabei iſt
der Publikumsberkehr am „goldenen Sonntag” nicht größer als am
ſilbernen, woraus hervorgeht, daß der ſilberne Sonntag der Tag iſt, an
dem die Käufer die Waren ausſuchen, die ſie am „goldenen Sonntag” zu
kaufen gedenken. Ausſchlaggebend für die Verzögerung des Einkaufes
iſt der Geldmangel, denn die Käufer ſind gezwungen zu warten, bis ſie
ſelbſt ihre Weihnachtsvergütung erhalten, mit der ſie ihre Einkäufe
tätigen. Nicht alle Geſchäfte haben am goldenen Sonntag ihren großen Tag.
Die Beſitzer mehrerer großer Zigarrenfabriken und großer
Zigarven=
ladengeſchäfte teilen uns übereinſtimmend mit, daß der Höhepunkt des
Weihnachtsgeſchäftes für den Zigarrenhandel in den letzten Tagen vor
Weihnachten liegt, während der goldene Sonntag nur für diejenige
Kundſchaft, die an gewöhnlichen Tagen bis ſpät abends beſchäftigt iſt, den
Einkaufstag bildet. Auch die großen Juweliere erkläven, daß die letzten
Tage vor Weihnachten das Hauptgeſchäft bringen, denn die reichen Leute,
die bedeutende Summen für Weihnachtsgeſchenke anlegen können, haben
auch am Wochentag Zeit genug, ihre Einkäufe zu beſorgen. Der
Spiel=
warenhandel dagegen, die Konfektion, die Wäſchegeſchäfte und die
Waven=
häuſer ſehen im „goldenen Sonntag” den Höhepunkt des
Weihnachts=
geſchäftes.
— Ernannt wurden: am 29. November 1926: der Lehrer Konrad
Beppler zu Steinheim, Kreis Gießen, zum Lehrer an der
Volks=
ſchule zu Wieſeck, Kreis Gießen; am 3. Dezember 1926 die proviſoriſche
Handarbeitslehrerin Anna Wiegand zu Heppenheim a. d. B. zur
Handarbeitslehrerin an der Volksſchule daſelbſt; am 10. Dezember 1926:
Georg Gölz aus Oberſchönmattenwag zum Pfleger bei der Landes=
Heil= und Pflegeanſtalt bei Alzey mit Wirkung vom 1. Dezember 1926;
am 13. Dezember 1926: der Schulamtsanwärter Wilhelm Hüther aus
Schlitz, Kreis Lauterbach, zum Lehrer an der Volksſchule zu Nieder=
Roden, Kreis Dieburg; — der Schulamtsanwärter Otto Stoll aus
Lang=Göns, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volksſchule zu Wieſeck,
Kreis Gießen; — die Schulamtsanwärterin Ella Frank aus Alzey
zur Lehverin an der Volksſchule zu Wieſeck, Kreis Gießen; — die
provi=
ſoriſchen Handarbeitslehrerinnen: Margarete Dietz und Erika John
zu Worms zu Handarbeitslehrerinnen an der Volksſchule zu Worms;
Margarethe Linder zu Biſchofsheim, Kreis Groß=Gerau, zur
Hand=
arbeitsle hrerin an der Volksſchule daſelbſt; Maria Reinhold zu
Jugen=
heim, Kreis Bensheim, zur Handarbeitzlehrerin an der Volksſchule
daſelbſt.
— Auf ſein Nachſuchen aus dem Staatsdienſt entlaſſen wurde: am
13. Dez mber 1926: der außerordentliche Profeſſor in der juriſtiſchen
Fakultät der Landesuniverſität Gießen Dr. Wilhelm Groh mit
Wir=
kung vom 1. April 1927 ab.
(Sonntag, den 19. Dezember 1926
Geite 5
die Lehrerin an der Volksſchule zu Eberſtadt, Kreis Darmſtadt, Klara
Köhler auf ihr Nachſuchen wegen geſchwächter Geſundheit vom
1. März 1927 ab.
— Heſſiſches Landestheater. Die Weihnachtsfeiertage bringen im
Landestheater außer den Wiederhölungen des Weihnachtsmärchens
folgende Vorſtellungen: im Großen Haus am 25. Dezember eine
Auf=
führung von Beethovens „Fidelio” unter muſikaliſcher Leitung von
Generalmuſikdivektor Joſeph Roſenſtock mit den Damen Maſſenburg,
Albrecht, und den Herren Piſtor, Hölzlin, Biſchoff, Vogt, Karen in den
tragenden Partien (1. Vorſtellung des Weihnachtszyklus); im Kleinen
Haus eine Wiederholung von Goethes „Iphigenie” mit Maria Fein
in der Titelrolle. Am Sonntag, den 26. Dezember, wird im Großen
Haus in vollſtändig neuer Inſzcnierung Humperdincks, ſeit einer Reihe
von Jahren nicht mehr gegebene Märchenoper „Hänſel und
Gretel” zur Aufführung gelangen. Humperdinck, der außerdem noch
hauptſächlich durch ſeine ebenfalls dem Volksmärchen entſtammende Oper
„Königskinder” hervorgetreten iſt, hat ſich mit dem ſinnigen und
gemüt=
vollen Werk nicht nur einen großen Zeiterfolg, ſondern auch einen
dauernden Platz auf dem Gebiete der nachwagnerſchen Märchenoper
ge=
ſchaffen. Die Titelpartien ſind mit Hedwig Werle und Margarete
Albreckt beſetzt; am Pult wird Kapellmeiſter Max Hüsgen ſtehen, die
Inſzenierung leitet Oskar Fritz Schuh. Auf „Hänſel und Gretel” folgt
die bekannte und beliebte Pantomime „Die Puppenfee”, deren
tänzeriſche Ausarbeitung von Manda von Kreibig beſorgt wird. Im
Kleinen Haus wird an dieſem Tage Gerhart Hauptmanns
Diebs=
komödie „Der Biberpelz” wiederholt.
Die näckſten Aufführungen des Weihnachtsmärchens „Brumm
der Bär” finden heute, Sonntag, vormittags 11 Uhr, Dienstag, den
21., nachmittags 2½ Uhr, Donnerstag, den 23., nachmittags 5 Uhr,
ſowie am 1. Weihnachtsfeiertag um 2 Uhr, und am 2. Weihnachtsfeiertag
um 11 Uhr vormittags, ſtatt. Die Eintrittspreiſe für dieſe Vorſtellungen
bewegen ſich zwiſchen 50 Pf. und 2,50 Mk.
2. Morgenfeier im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters.
Es wird noch einmal beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß die
heute vormittag im Kleinen Haus ſtattfindende 2. Morgenfeier
(Margarete Albrecht — Robert Klupp), die in ihrem Programm auf das
bevorſtehende Weihnachtsfeſt eingeſtellt iſt, um 11¾4 Uhr beginnt.
Verein der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters. Der Vorſtand
hat beſchloſſen, am Dienstag, den 28. Dezember, im Kleinen Haus des
Heſſiſchen Landestheaters einen küinſtleriſch=geſellſchaftlichen Abend
„Weihnachten in Dichtung und Muſik” zu veranſtalten.
Das hüünſtleriſche Programm des Abends wird unter Leitung der
Generaldirektion des Heſſiſchen Landeskheaters von Damen und Herren
des Enſembles, die ſich dafür in liebenswürdiger Weiſe zur Verfügung
ſtellten, beſtritten werden. Der Abend findet vor geladenen Gäſten ſtatt
und bezweckt die Förderung des Gedankens, dem der Verein der Freunde
des Heſſiſchen Landestheaters dient.
— Weihnachtsfeier der Jägertorſchule. Am kommenden Dienstag,
21. Dezember, abends püinktlich 8 Uhr, veranſtaltet die Jägtertorſ hule im
Mathildenhöhſaale, Dieburger Straße 26, einen Elternabend, der
alt und jung zu einer fröhlichen Weihnachtsfeier vereinigen ſoll. Neben
entſprechenden Chorgeſängen wird durch die Kleinen ein reizendes
Weih=
nachtsmärchen, „Der Sternſucher” dargeboten während die oberen
Klaſſen ein altdeutſches Krippenſpiel zur Aufführung bringen. Auch
ein hübſches lebendes Bild wird dargeſtellt. Die Eltern unſerer
Kin=
der, ſowie Freunde der Schule ſind herzlichſt eingeladen. Eintrittskarten
in der Schule und abends am Saaleingang.
— Jugendchor der Arbeitsgemeinſchaft Darmſtädter Jugendverbände.
Alle Freunde der edlen Muſika ſeien hiermit nochmals darauf
hin=
gewieſen, daß die „Geiſtliche Abendmuſik auf die heilige Weihnacht”
am Montag, den 20. Dezember, pünktlich 8 Uhr, in der Pauluskirche
ſtattfindet. Sie bringt Werke alter Meiſter, und verſäume daher
nie=
mand, ſich dieſe ſeltene Abendmuſik anzuhören. Programmfolgen im
Muſikhaus Arnold, Wilhelminenſtraße, Verkehrsküro, Papiergeſchäft
Paul, und Haus der Jugend.
*Orpheum.
Dr. Jnei Szabo (Zweites Gaſtſpiel von Leopoldine Konſtantin).
Dr. Juci Szabo, ein heiteres Spiel in 3 Akten, von Ladislaus
Fodor heißt das Stück, das Leopoldine Konſtantin wiederum
Gele=
genheit gab, alle, aber auch alle Regiſter ihrer von brauſendem Leben
erfüllten, routinierten Kunſt zu ziehen und alle die ſchillernden Farben
ihres ſprühenden, leidenſchaftlichen Temperamentes ſpielen zu laſſen.
Damit vereint ſich — eigentlich widerſpruchsvoll — auch die vollendete
Gabe der Darſtellung leichter, heiterer Situationen. Nun zu der Fabel
des von Alexander Erdei verdeutſchten Stückes, das in der Gegenwart
in einem vornehmen Budapeſter Hotel und auf einem Herrenſitze in
der Nähe von Budapeſt ſpielt. Dr. med. Szabo (Leopoldine Konſtanvin),
eine Aerztin mit männlich klarem Verſtand, voll weiblicher Reize und
boshafter Paradoxe, entfernt bei einer ärztlichen Konſultation elegant
und ſchmenzlos die bisherige Geliebte des Mannes, eines ungariſchen
Schweine=Großagrariers, der ſich auf den erſten Blick rettungslos in „
Fräu=
lein Doktor” verliebt hat. Auf das Schloß gerufen, ſpielte ſie die ſpröde
Nur=Aerztin, und das plötzlich Wiedererſcheinen der in ein Sanatorium
abgeſchobenen Geliebten erſchwert die Situation, die Fräulein Doktor
im letzten Moment mit der Selbſtdiagwoſe „akute Liebe” löſt. Der
er=
götzliche Inhalt des letzten Aktes ſoll nicht verraten werden. Ein
über=
perlendes Füllhorn prickelnder, ausgezoichneter Bonmots brachte ſofort
luſtigen Kontakt zwiſchen Bühne und Zuſchauer, und ſogar in der erſten
Zuſchauerreihe kamen die Operngläſer nicht von den Augen. Dabei
überſchreitet der Dialog bei aller witzigen Schärfe nie gewiſſe Grenzen.
In den vollen Erfolg des glitzernden, unterhaltſamen Abends teilen ſidl
neben Frau Konſtantine die anderen Mitwirkenden, die Damen Lieſl
Neubauer und Eſti Hügel, die Herren Paul Walter. Willi
Schumann und Willy Schneider verdientermaßen, die ſich als
willige Heifer und ſtarke Stüitzen des Enſembles erwieſen. Die
Spiel=
leitung von Karlheinz Martin ſorgte für den erforderlichen
flottbeweg=
ten Ablauf des luſtigen Spieles, und die Szenenbilder waren recht
hübſch und geſchükt aufgebaut. Freundlich geſtimmter Beifall dankte für
den anregenden, ſehr vorzüglichen Abend.
H. W. W.
(18764gidg)
Bei der Oberpoſtkaſſe findet die Zahlung der
Notzuwen=
dungen an die Ruhegehalts= und Wartegeldempfänger ſowie
an die Beamtenhinterbliebenen am Dienstag, den 21. Dez.,
ſtatt.
— Führungen im Landesmuſeum. Die nächſte Führung findet
Mitt=
woch, den 22. Dezember, nachmittags pünktlich 3 Uhr, ſtatt. Kuſtos Dr.
Freund wird in der Ewald=Ausſtellung, anſchließend an ſeine
letzte Führung, über die Gemälde und Zeichnungen Ewalds ſprechen.
In der Woche zwiſchen Weihnachten und Neujahr findet keine
Füh=
rung ſtatt.
* Neueröffnung eines großen Geſchäftshauſes. Die Firma Adam
Karn Nachfolger, Inh. Friedr. Eiſenhauer, hat geſtern ihr im
Jahre 1895 gegrundetes Möbelgeſchäft in neuerbaute bzw. umgebaute
Geſchäfts= und Lagerräume, im Hauſe Ernſt=Ludwigſtraße 9,
verlegt. Das neue Geſchäftslokal wurde geſtern nachmittag eröffnet,
und die zahlreichen Freunde dieſes bürgerlichen Geſchäftshauſes hatten
es ſich nicht nehmen laſſen, dem Inhaber und ſeiner Gattin viele
Vlumen zu ſtiften. Das eigentliche Geſchäftsviertel unſerer Stadt hat
durch die Neueröffnung dieſes Möbelhauſes, in dem auf Wunſch des
Inhabers nach wie vor trotz der erheblichen Vergrößerung und der
großzigigen, durchweg großſtädtiſchen Anlagen der Ausſtellungs=,
Ver=
kaufs= und Lagerräume ein beſonders reiches Lager für einfachere und
gut bürgerliche Anſprüche unterhalten werden ſoll, eine erhebliche
Be=
reicherung erfahren, die dem regen Geſchäftsviertel unſerer Stadt zur
Zierde gereicht. Das Geſchäft Adam Karn, Nachfolger Inhaber
Friedrich Eißenhauer, befand ſich früher Bleichſtraße 51, und
iſt von dort in vollem Umfang in das neue Geſchäftslokal des Beſitzers,
Ernſt=Ludwigſtraße 9, verlegt worden. Der Umbau des Hauſes das
ſich mit den ſchönen hellen Räumen, in denen die ausgeſtellten Möbel
durchweg ſo zur Geltung kommen, wie ſie im Wohnraum zu wirken
haben, ſehr vepräſentativ auswirkt, iſt nach den Plänen und unter der
Leitung des Architekten Peter Müller von folgenden Darmſtädter
Firmen ausgeführt worden: Karl Schwarz (Bauarbeiten), Conrad Haury
und Schweitzer (Zimmerarbeiten), Klein (Weißbinderarbeiten), Bieger
(Schloſſerarbeiten), Jung. Zorn u. Co. (Tapeten), Fratſchner (Gardinen),
Wilk (Imſtallation), Ludwig Werner und Herm. Schulz (Glaſerarbeiten),
Friedr. Geyer (Schreinerarbeiten), Kadel (Fußbodenbelag), Mion (
Ter=
razzo), Donges (Eiſenkonſtruktion), Aug. Seelbach (Tapezierarbeiten)
Navratil (Linoleumlegen).
— Aus der Martinsgemeinde. Am verfloſſenen Montag fand im
dichtbeſetzten Gemeindehaus die Hauptverſammlung des Frauenvereins
ſtatt. Aus dem von H. Pf. Waitz erſtatteten Jahresbericht ſi
hervor=
gehoben, daß der Verein 1100 Mitglieder zählt. Die Kleinkinderſchule
war durchſchnittlich von 140 Kindern beſucht. 100 ſchulentlaſſenen
Mäd=
chen wurden in der Nähſchule von ausgebildeten Lehrkräften im
Weiß=
nähen und Schneidern unterrichtet. Neu kam im Laufe des Jahres die
Sorge für die Kleinkinderſchule in der Mauerſtraße hinzu, die nur durch
die Unterſtüitzung des Frauenvereins unterhalten werden konnte. Dem
rührigen Vorſtand, ſowie dem langjährigen Rechner wird Dank gezollt.
An den geſchäftlichen Teil reihte ſich ein Lichtbildervortrag an, zu dem
die beiden Gemeindevereine eingeladen hatten. Frau Rechnungsrat
Klöß ſpielte mit bewundernswerter Meiſterſchaft die zweite Rhapſodie
von Liſzt, während Frau Schmitz=Creter die Arie der Eliſabeth
aus Tannhäuſer ſang und die Zuhörer durch ihre jugendfriſche Stimme
entzückte. H. Pf. Wagner aus Bensheim ſprach ſodann über „Die
Bedeutung des Guſtav=Adolf=Vereins‟. Die geſchichtlichen
Perſönlich=
keiten der Reformation und des 30jährigen Krieges ziehen im Lichtbilde
an den Zuhörern vorüber, und Guſtav Adolf hält ſeinen Siegeszug
durch Deutſchland bis hin zum Lützener Schlachtfeld. Das deutſch=evang.
Volk hat ihm hier ein Denkmal geweiht, und die treue, nordiſche Heimat
an der Todesſtätte ein ſchlichtes Gotteshaus erbaut. Seinen Namen
trägt der Guſtav=Adolf=Verein, zu deſſen Mitbegründern eine bekannte
Darmſtädter Perſönlichkeit zählt. Aus ſeinen Mitteln ſind mehr denn
2000 ev. Kirchen erbaut, davon 37 allein in unſerem Heſſenland. Seine
dringendſte und vornehmſte Aufgabe erblickt er in der Nachkriegszeit
darin, die Not der ev. Auslandsdeutſchen zu lindern. Wie ſehr gerade
dieſe Tätigkeit von leitenden deutſchen Staatsmännern geſchätzt wird,
zeigte die Düſſeldorfer Tagung. Reichsinnenminiſter Külz und
Außen=
miniſter Streſemann waren erſchienen und fanden warme Worte der
Anerkennung für dieſe Arbeit. Die Not der ev. Auslandsdeutſchen iſt
groß, ungeheuer ſind die Opfer der treuen Siebenbürger für die
Er=
haltung ihrer Kirche und Schule, noch trauriger iſt das Los der zwei
Millionen Deutſchen in Sowjetrußland. Ihnen, den Glaubensbrüdern,
zu helfen im Kampfe um die Erhaltung ihres Deutſchtums und
Glaubens, ſo mahnt der Redner am Schluſſe ſeines eindrucksvollen
Vortrages, ſei vaterländiſche Pflicht. Nach dem Vortrag trug Frau
Schmitz=Creter noch drei Lieder von Mendelsſohn, Mozart und Schubert
vor begleitet von Frau Klöß, die mit einem Klaviervortrag von
Schubert den Vortragsabend beſchloß.
— Bühnenvolksbund. Wir pflegten in den vergangenen Jahren an
Weihnachten unſere Mitglieder zu einer Morgenfeier zuſammenzrufen.
Wir wollen uns dieſes Jahr dies verſagen, weil wir mit anderen
wert=
vollen Weihnachtsfeiern nicht in Wettbowerb treten möchten. Das
ſcha=
det dieſen und uns. Wir möchten unſere Mitglieder darauf hinweiſen,
daß am kommenden Sonntag vormittag das Landestheater in oiner
reizenden Morgenfeier für die Weihnachtszeit vorbereitet.
Weihnacht=
liche Lieder und Gedichte kommen zum Vortrag. Und am Montag
ver=
anſtaltet der Jugendchor der Arbeitsgemeinſchaft der Jugendverbände
eine „Geiſtliche Abendmuſik auf die heilige Weihnacht”, abends 8 Uhr in
der Pauluskirche. Programm 30 Pf.
— Eiſenbahnfahrkarten. Dem veiſenden Publikum iſt immer noch
zu wenig bekannt, daß im Lloyd=Reiſebüro, Rheinſtraße 17
ſämtliche Eiſenbahnfahrkarten, auch im Voraus und ohne Aufſchlag,
erhältlich ſind.
Weihnachtsbeihilfe an ſtädtiſche Unterſtützungsempfänger. Die in
der Sitzung der Stadtverordneten=Verſammlung vom 16. Dezember
1926 genehmigte Weihnachtsbeihilfe kommt wie folgt durch die
Stadt=
kaſſe, Grafenſtraße 28, zur Auszahlung: 1. an Wohlfahrtspfleglinge
am Montag, den 20. Dezember, 2. an Kleinrentner, Dienstag, den
21. Dezember, 3, an Sozialrentner, am Mittwoch, den 22. Dezember,
jeweils vormittags zwiſchen 8 und 12 Uhr.
Ausſtellung elektriſcher Geräte.
Wie der rege Beſuch der hüirzlich von der Heſſ. Eiſenbahn=A.=G.
neu eingerichteten Ausſtellung erbennen läßt, bedeutet dieſe Ausſtellung
geradezu eine Notwendigkeit, um den vielen Liebhabern el triſchen
Geräte ſpeziell für den Haushalt ihre Wahl für Weihnachten zu
er=
leichtern. Die meiſt begehrteſten Gegenſtände ſind offenſichtlich der
Staubſauger, der Elektro=Oekonom, der Strahlofen und das Bügeleiſen.
Es wird der Zeitpunkt nicht mehr fern ſein, daß letzteres in keinem
Haushalt mehr fehlen wird. In der Tat iſt ja die Benutzung der
Elektrizität zum Bügeln die idealſte Löſung dieſer an und für ſich
um=
ſtändlichen und nicht ganz leichten Hausarbeit. Viele Leute welche
jetzt=
ſchon an die Heizungsverhältniſſe während der Uebergangszeit denken,
ſchreiten zum Erwerb eines Strahlofens. Dieſes einfache Heizgerät
welches ohne beſondere Leitungsverlegung noch im allgemeinen an jede
Lichtleitung angeſchloſſen werden kann, iſt ein ſehr willkommener
Wärmeſpender in den kühlen Monaten, wenn zwar die Dauerheizung
nicht mehr erforderlich, jedoch in gewiſſen Stunden eine Ueberſchlagung
des einen oder anderen Raumes notwendig und gewünſcht iſt.
Die=
jenigen Hausfrauen, die die Bedeutung der Staubentfernung aus den
Wohnräumen erkannt haben, wiſſen, daß die Anſchaffung eines
Staub=
ſaugers nicht nur eine Vereinfachung der täglichen Arbeit bringt,
ſondern in bezug auf Reinlichkeit und Geſundheit eine
Notwendig=
keit iſt. Denn was nutzt es, den Staub in einer Ecke zu verſcheuchen,
damit er ſich in einer anderen wieder niederläßt! Der Staubſauger
ſammelt den Staub und fördert ihn tatſächlich auch aus der Wohnung
hinaus. Daher iſt er für größere Wohnungen heute ein
unentbehr=
liches Hausgerät geworden. Beſonderes Intereſſe findet auch der Elektro=
Oekonom, deſſen Vorzüge ſowohl durch die von der Heag veranſtalteten
Vorträge, als auch durch die in den Heag=Mitteilungen erſchienenen
Auf=
ſätze einem großen Teile der Stromabnehmerſchaft beſtens bekannt ſind.
Es iſt geplant, in der Ausſtellung ſpäter regelmäßig Vorträge mit
Probekochen in elektriſchen Kochgeräten abzuhalten, um den Hausfrauen
ſo Gelegenheit zu geben, ſich mit den einzelnen Geräten
bekanntzu=
machen.
Neben dieſen beſonders begehrten Gegenſtänden finden aber auch
alle anderen Geräte größtes Intereſſe. In erſter Linie ſteht hier der
elektriſche Warmwaſſerſpeicher, welcher ſowohl für Küche= als auch
Badezwecke neuerdings ſehr viel Verwendung findet. Eine Reihe
der=
artiger Speicher ſind in der Ausſtellung zu ſehen. Dieſe Speicher
werden nachts in achtſtündiger Zeit aufgeheizt, wodurch ſie alsdann in
der Lage ſind, in jedem beliebigen Augenblick warmes Waſſer
abzu=
geben. Eine einfachere Warmwaſſerlieferung iſt ſchlechterdings nicht
denkbar.
Unter den ausgeſtellten elektriſchen Oefen verſchiedener Größe erregt
ein größerer Kachelofen beſonderes Aufſehen. Dieſer Ofen iſt ebenfalls
nach dem Speicher=Prinzip gebaut, indem er nachts aufgeheizt wird
und durch Oeffnen zweier Luftklappen während des Tages befähigt
wird, die aufgeſpeicherte Wärme an den Raum abzugeben.
Es würde den Rahmen dieſes kurzen Hinweiſes zu ſehr überſchreiten,
all die vielen Haushaltungsgeräte namentlich aufzuzählen. Es empfiehlt
ſich i der Tat für den Intereſſenten, ſich die ebenſo reichkhaltige, wie
überſichtliche Ausſtellung noch in dieſen Tagen anzuſehen. Insbeſondere
ſei noch darauf aufmerkſam gemacht, daß am heutigen Sonntag,
nach=
mittags von 3 bis 6 Uhr, die Ausſtellung geöffnet iſt.
Konditorei und Café Wilhelm Haury (Heidelberger=, Ecke
Sand=
bergſtraße). Herr Haury hatte geſtern nachmittag zu einer
Eröffnungs=
feierlichkeit ſeines, zunächſt zum Teil, neuzeitlich umgebauten und
aus=
geſtaiteten Cafés eingeladen. Dieſer Teilumbau iſt allerdings der
wich=
tigſte Teil eines Cafés, nämlich der Aufenthaltsraum für die Gäſte. Wer
dieſes ſeit weit über hundert Jahren, früher als Reſtaurant „
Berg=
ſträßer Hof”, allbekannte Lokal noch kannte, iſt erſtaunt über die jetzige
Verwandlung. Architekt und Handwerk hat hier Erſtaunliches geleiſtet.
Die Beſucher fühlen ſich in den geräumigen, gediegenen, einfach und
doch zweckentſprechend ausgebauten Räumen, die einem zeitgemäßen
Familiencafé entſprechen, wohl und heimiſch. Abgeſehen von dem
er=
heblich erweiterten Bau, iſt in der Innemeinrichtung der heute unbedingt
nötige oberſte Grundſatz beachtet: Ruhige Behaglichkeit für die Beſucher
und zweckentſprechende Ausſtattung. Schon die einfache Farbentönung
wirkt ruhig und wohltuend. Man hat von allem überflüſſigen Beiwerk
abgeſehen, die Decken in einfachem Weiß, die Wände in roter
Holzver=
täfelung gehalten, die Fenſter durch paſſende Vorhänge verziert.
Elek=
triſche Ventilation verſorgt die Räume mit friſcher Luft — die
Decken=
beleuchtung iſt zweckmäßig, hell und großzügig. So iſt mit dieſer
neit=
eröffneten Konditorei ein neues, fortſchrittliches Familiencafé
entſtan=
den, das würdig in den Rahmen der heutigen Cafés paßt. Auch der
innere Ausban des Hauſes, das ſchon lange vor dem Entſtehen des
heu=
tigen Darmſtadt=Beſſungen als eines der älteſten Häuſer auf weiter
Flur allein ſtand, wurde durch den leitenden Architekten und deſſen
tüch=
dige Mitarbeiter in glücklicher Weiſe von Grund auf renoviert und den
heutigen Anforderungen entſprechend umgebaut. Der Umbau des Ladens
und des äußeren Hauſes ſoll nach bereits fertiggeſtellten Plänen im
Frühjahr erfolgen. Heute befindet ſich noch ein edler Kern in einer
rauhen Schale. Anläßlich der Einweihungsfeier, an der eine Reihe
ge=
ladener Gäſte, u. a. Herr Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter
Haury, teilnahm, dankte Herr Architekt Oſterrath beſonders dem
Handwerk für ſeine tätige und ausgezeichnete Mitarbeit, ſorie dem
Bau=
herrn für ſein bereitwilliges und ſtets gleichbleibendes Entgegenkommen
bei dem Ausarbeiten der Umbaupläne und der Ausführung der
Ar=
beiten. Er leerte ſein Glas auf das Wohl des Bauherrn und deſſen
Familie. Herr Wilhelm Haury dankte in herzlicher Anſprache dem
Architekten und dem Handwerk für ihre vorzüglichen Arbeiten und brachte
ein Hoch auf das Handwerk aus. Für die Handwerker dankte Herr
Ru=
dolf Grünewald und wies beſonders auf das gute
Zuſawenarbei=
ten zwiſchen Bauleitung und Handwerkern hin. Reiche Blumenſpenden
waren zur Neueröffnung des Cafés der Familie Haury zugegangen.
An dem Umbau des Cafés und der Konditorei waren folgende (
aus=
ſchließlich Darmſtädter) Firmen tädig: Ludwwig Stein: Mauverarbeiten;
Georg Vöglein: Zimmerarbeiten; Gebr. Müller: Dachdeckerarbeiten;
Kanl Darmſtädter: Inſtallationsarbeiten; Valentin Niebes: elektriſche
Inſtallation; Rudolf Grünewald: Weißbinderarbeiten; Ludwig Werner=
Glaſerarbeiten: Karl Weiß: Kahelofenanlage; Georg Grün:
Platten=
arbeiten; Max Geher und Karl Stier: Schreinerarbeiten; Georg
Schmahl: Schloſſer= und Anſchlagarbeiten; Heymann:
Fenſterdekoratio=
nen und Linoleumbelag; Karl Ziegler: Tiſche und Stühle; Olitzſch:
Kaffeegeſchirr und Gläſer.
— Orpheum. Heute Sonntag, abends 8½ Uhr, letzter
Gaſtſpiel=
abend Leopoldine Konſtantin nebſt Enſemble in „Dr. Juci Szabo”
Luſtſpiel in drei Akten von Ladislaus Fodor. Der
Sonntagskarten=
verkauf findet ſtatt: Verkehrsbüro von 9—12 Uhr, Zeitungskiosk Ernſt=
Ludwigsplatz von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags, ſowie
Orpheumskaſſe ab 3 Uhr ununterbrochen. Telephoniſche Beſtellungen
Nr. 389. Montag geſchloſſen. (Siehe Anzeige.)
— Verein der Funkfreunde. Am Montag abend fand im „Weißen
Saal” bei Chriſt, Grafenſtraße, ein Vortragsabend über das Thema
„Der Neutrodynempfänger” ſtatt, eine Type des modernen
Radio=
empfangsapparates, die ſich durch ihre beſonderen Eigenſchaften, wie
Trennſchärfe, Reichweite und Klangſchönheit, bereits viele Anhänger
er=
worben hat und ſich des allgemeinen Intereſſes und wachſender
Beliebt=
heit der Funkfreunde erfreut. Nachdem der Vortragende, Herr A. Roth,
Inhaber der Radiozentrale, Alexanderſtraße 6, in muſtergültiger, klarer
und auch für den Laien durchaus verſtändlicher Form über das Weſen
des Neutrodynprinzips und über den praktiſchen Aufbau eines
derarti=
gen Apparates in längeren Ausführungen geſprochen hatte, ſchloſſen ſich
praktiſche Uebertragungsverſuche verſchiedener Sender an, die an einem
muſtergültig gebauten Demonſtrationsempfänger ausgeführt und durch
vier Lautſprecher verſchiedenen Syſtems hörbar gemacht wurden. Man
darf die Veranſtaltung, die allgemeinen Beifall auslöſte, als wohl
gelun=
gen bezeichnen. Wie wir hören, beabſichtigt der Verein, der rein idealen
Zwecken dient, noch eine Reihe weiterer Vorträge, für den kommenden
Winter, deren Beſuch jedermann aufs Beſte empfohlen werden kann.
Bei der hohen, kulturellen Aufgabe, die dem Radio zufällt, der ſich
immer weitere Volkskreiſe erobert, iſt es zu begrüßen, daß der Verein
durch entſprechende Vorträge das Verſtändnis, für das jüngſte Kind
unſerer modernen Technik immer mehr und mehr zu vertiefen ſucht und
er verdient es wirklich, durch Beſuch ſeiner Veranſtaltungen und
Erwer=
bung der Mitgliedſchaft unterſtützt zu werden.
— Meiſterprüfungen. Wir verweiſen auf die heutige Anzeige
be=
treffend Meiſterprüfungen 1927. Die Anmeldung erfolgt bei der
Handels=
kammer Darmſtadt, Hügelſtr. 16, I. Gleichzeitig wird auch hier die
Anmeldung zu den Nachprüfungen entgegengenommen. Meldeſchluß
15. Janaur 1927.
Seite 6
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Nummer 331
* Berufskundliche Vorträge.
Die letzten der berufskundlichen Vorträge in der Techniſchem
Hoch=
ſchule beſchäftigen ſich mit den akademiſchen Berufen. Unter dieſen
bean=
ſpruchen die techniſchen Berufszweige ein ſtärkeres Intereſſe bei der
All=
gemeinheit, weshalb die Vorträge am Freitag abend ſehr gut beſucht
waren. Herr Prof. Dr.=Ing. Heidebroek ſprach über
Maſchinen=
bau, einſchließlich Schiffsbau, Bergbau uſw. Der Maſchinenbau, ſo
be=
merkte der Redner, iſt ein ausgeſprochener Männerberuf; der Andrang
dazu unter den jungen Leuten erklärt ſich zum Teil durch die vielen
tech=
niſchen Reizungen, wie Autos, Eiſenbahnen uſw. Außer der eigentlichen
Maſchineninduſtrie bietet der Beruf noch eine Reihe anderer
Arbeits=
gebiete. Der Konſtrukteur vertritt das Schöpferiſche dieſes Berufes, das
nicht angelernt werden kann, ſondern angeboren ſein muß. Der
Labo=
ratoriumsingenieur widmet ſich vornehmlich einer wiſſenſchaftlichen
Tä=
tigkeit; der größte Teil der Ingenieure, findet aber in den Betrieben
Verwendung, in der Fabrikationstechnik. Stellungen bieten die
Eiſen=
bahn, die chemiſche Induſtrie, die Hütten, der Bergbau, die ſtaatlichen
Betriebe, Kommunalbetriebe (ſelten), ſchließlich alle
Metallfabrikations=
betriebe. Die intellektuellen Vorausſetzungen des Berufes ſind: gute
Schulung in Mathematik, Mechanik und in den Naturwiſſenſchaften.
Be=
ſonders erforderlich iſt aber die Raumvorſtellung. Wichtig iſt das
Zeich=
nen, denn die Zeichnung iſt die Sprache des Ingenieurs. Der
Ingenieur=
beruf iſt einer der ſchwerſten und mühſamſten Berufe; er ſetzt voraus:
Willensbildung, Charakterbildung, Selbſtloſigkeit. Zähigkeit, Ausdauer
und Genügſamkeit. Schneller Aufſtieg iſt eine Ausnahme. Ferner iſt
Menſchenkenntnis notwendig; der Ingenieur iſt der Mittelsmann
zwi=
ſchen Kapital und Arbeit. Die Ausſichten des Berufes ſind nicht günſtig;
auf Jahre hinaus beſteht nicht die Möglichkeit, alle Ingenieure
unter=
zubringen, wenigſtens nicht in Deutſchland. Tüchtige kommen jedoch
immer noch unter. Beamtenſtellen ſind verhältnismäßig ſelten. Gut iſt
es, wenn ein Ingenieur eine Zeit lang ins Ausland, namentlich nach
Amerika, geht. Große Bedeutung kommt der praktiſchen Ausbildung zu,
die mindeſtens ein Jahr dauern muß und in einer Maſchinenfabrik zu
erwerben iſt. Das Studium dauert in der Regel 9 Semeſter und koſtet
mit Lebensunterhalt, gering gerechnet. 1000 Mark im Jahre.
Da das Weſen der Elektrizität uns unbekannt iſt, da wir ſie nicht
unmittelbar wahrnehmen, ſondern erſt auf Umwegen, weil vielfach durch
den Selbſtbau von Nundfunkapparaten, Klingelanlagen oder dergleichen,
junge Leute eine gauz falſche Vorſtellung von der Elektrotechnik
ge=
winnen, ſo iſt vor dem Beruf des Elektrotechnikers, wie Prof. Dr.=Ing.
Hueter in ſeinem Vortrag über Elektrotechnik ausführte, zu warnen,
wenn nicht eme wirkliche Begabung vorliegt. Der Redner ſchilderte
dann das Arbeitsgebiet der Elektrotechnik, das ſich in
Schwachſtromtech=
nik und Starkſtromtechnik gliedert; aber in den erſten zwei Jahren der
Ausbildung ſpielt dieſe Frage keine Rolle. Das der Schwachſtromtechnik
angehörende große Gebiet des Fernſprechweſens verlangt eine beſondere
mathematiſche Begabung. Wichtig iſt auch das Eiſenbahn=Block= und
Signalweſen; groß iſt jedoch die Zahl der darin verwendeten
Elektrotech=
niker nicht. Vieles, was über den Maſchinenbau geſagt wurde, gilt auch
für die Elektrotechnik, weshalb ſich der Redner auf eine Reihe von
Dar=
legungen des Herrn Profeſſors Heidebroek bezog, namentlich auf das,
ſvas dieſer von den Ausſichten des Berufes ſagte, von den
Voraus=
ſetzungen und den erforderlichen Charaktereigenſchaften, ſowie über die
praktiſche Ausbildung und den Studiengang.
Ueber das Bauingenieurweſen ſprach Herr Prof. Dr.=Ing.
Thur=
nau. Er umſchrieb in ſeinem Vortrage zunächſt das Arbeitsgebiet des
Bauingenieurs, das den Eiſenbahnbau, den Waſſerbau, den ſtädtiſchen
Tiefbau und den Brüchenbau umfaßt. Der Bauingenieur muß nicht
allein dieſe Teilgebiete beherrſchen, ſondern auch mit den Grenzgebieten,
der Architektur und dem Maſchinenbau vertraut ſein. Vorbedingungen
für den Beruf ſind Luſt und Liebe zu verantwortungsvollem Schaffen,
Entſchloſſenheit, gute räumliche Vorſtellungskraft, Kombinationsgabe,
Pflichtgefühl und Charakterſtärke. Im einzelnen ſchilderte dann der
Nedner den Studiengang. Die Ausſichten des Berufes ſind zurzeit
eben=
falls nicht gut.
Das Thema „Architektur” behandelte Herr Privatdozent Dr.=Ing.
Kleeberg. In ſeinen Darlegungen wandte ſich der Redner gegen
die vielverbreitete falſche Auffaſſung, die in Modetorheiten der
Gegen=
wart eine Stilentwickelung der Architektur ſehen will, doch auch die
Ra=
tionaliſierung und Typiſierung, die ein ſehr begrenztes
Anwendungs=
gebiet (Siedlungen uſw.) hätten, wären für die Architektur im
allge=
meinen zu verwerfen, da ſie auf dem reinen Nützlichkeitsprinzip beruhten.
Weiter wies der Vortragende auf den Unterſchied zwiſchen den
In=
genieurbauten und den Bauten der Architekten hin und betonte, daß bei
der Architektur das künſtleriſche Moment ausſchlaggebend ſei. Der Beruf
verlange deshalb eine beſondere Veranlagung, ein ausgeprägtes
Vor=
ſtellungsvermögen des Raumes. Zeichneriſche und maleriſche Befähigung
ſind wohl wünſchenswert, aber dürfen keineswegs allein für die Wahl
des Architektenberufes maßgebend ſein. Ferner verlangt der Beruf
tech=
niſches Verſtändnis und Verſtändnis für kulturelle Zuſammenhänge.
Im Anſchluſſe an dieſe allgemeinen Bemerkungen gab dann der Redner
eine Darſtellung des Studienganges. Wenn auch gegenwärtig die
Aus=
ſichten des Architektenberufes nicht günſtig wären, ſo würden ſie ſich
heben, wenn ſich die Wirtſchaftslage beſſert.
In der Ausſprache betonte Herr Prof. Dr. Wöhler, der die
Lei=
tung der Veranſtaltung hatte, u. a., daß die Frage nach den Ausſichten
der obengenannten Berufe außerordentlich ſchwer zu beantworten ſei,
denn wenn jetzt mit dem Studium begonnen werde, könnten ſich, unter
Umſtänden, wenn es beendet wird, alſo in etwa fünf Jahren, die
gegen=
wärtigen ungünſtigen Verhältniſſe geändert haben.
II. Weihnachts= und Gründungsfeier der Fachgruppe Feuerwehr der
Gewerkſchaft heſſiſcher Gemeindebeamten. Am Mittwoch abend
veran=
ſtaltete im großen Saale des „Feierabend” die Fachgruppe Feuerwehr
der Gewerkſchaft heſſiſcher Gemeindebeamten eine Weihnachtsfeier, die
zugleich die Gründungsfeier der „Fachgruppe Feuerwehr” bildete. Neben
den ſehr zahlreich erſchienenen Mitgliedern und Angehövigen der
Fach=
gruppe waren anweſend Vertreter des Beamtenausſchuſſes, der
Gewerk=
ſchaften, des Ortskartells der Hauptgewerkſchaft, ein großer Teil der
ſtädtiſchen Beamtenſ haft, der Freiw. Feuerwehr uſw. Wehrmann Fiſcher
begrüßte namens der Fachgruppe die Erſchienenen und wünſchte
fröh=
liche Stunden. Er ſchloß mit einem „Gut Wehr” auf die Gäſte.
Brand=
meiſter Ehrhardt ſprach namens der Landesfachgruppe zu der
Beamten=
ſchaft, nahm Stellung zur Frage der Fachgruppen und mahnte zur
Einigkeit innerhalb der Berufsfeuerwehr, denn nur durch Einigkeit und
ein geſchloſſenes Ganze könnten die gerechten Forderungen bei den
vor=
geſetzten Behörden erreicht werden. Herr Goſenheimer übermittelte die
Grüße der Gewerkſchaft und des Ortskartells, Direktor Nuß die
Glück=
wünſche der ſtädtiſchen Betriebe und der Beamtenſchaft und
Kreisfeuer=
wehrinſpektor Schnell die der Freiw. Feuerwehr. Die Anſprachen waren
umrahmt von einem ſehr umfangreichen Programm, zu dem ſich Frau
R. Merkel, die drei Töchter von Branddirektor Winter und die
Theater=
geſellſchaft des Arbeiter= und Handwerkervereins in den Dienſt der guten
Sache geſtellt hatten.
— Ausſtellung. Sonntag, den 19. Dezember findet im Hanauer
Hof, Heinheimerſtr. 8, eine Ausſtellung von Kanarien mit Prämiierung
und Verloſung von Kanarienhähnen ſtatt. Außerdem wird Herr
Konſer=
vator Schließmann die verſchieſdenſten ausgeſtopften Vögel und Tiere,
ſowie präparierte Felle und Pelze zur Ausſtellung bringen. Sämereien
und ſonſtige Hilfsmittel zur Zucht und Pflege der Vögel ſind ebenfalls
ausgeſtellt, desgleichen die zur Verloſung kommenden Kanarienhähne.
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zu äußerſt billigen Preiſen
Die Tätigkeit der Hausbettelbekämpfungsſtelle im Wohlfahrtsamt
und Jugendamt im Monat November 1926. Vorgeſprochen haben B
Per=
ſonen; davon waren 3 von hier, Es erhielten: 19 Perſonen Verpflegung
und Fahrkarten nach Hauſe oder zur Arbeitsſtelle. 2 Perſonen Kleidung.
Eine Perſon ein Wanderbuch. Eine Perſon lehnte die Annahme der
ihm angebotenen Hilfe ab. Es war dies ein reiſender Schauſteller, der
von auswärts kam. Wohlfahrtsſcheine ſind im
Verkehrs=
büro erhältlich
Kleine Strafkammer. Der in Küßnacht (Kt. Zürich) geborene
Kaufmann G. in E. beſitzt in E. eine Erdbeernanlage, die im Jahre
1925 erſtmals trug. Es wurden ihm viele Erdbeeren geſtohlen, und
zwar, wie er angibt, auf recht raffimierte Weiſe. Am 4. Juli 1925
be=
fand ſich G. auf dem Erdbeerenacker mit ſeiner Ehefrau. In einem
12jährigen Jungen glaubte er den Dieb zu ſehen. G. will ihn, um ihn
zur Polizei zu bringen, gefaßt und ihn dann in den Bach (Modau)
ge=
taucht und dann laufen gelaſſen haben. Der Junge habe nach ihm
ge=
treten und gebiſſen, ſpäter ſei der Feldſchütz hinzugekommen und der
Name des Jungen feſtgeſtellt worden. Das Amtsgericht II hat am
26. Auguſt 1926 wegen Körperverletzung auf 100 Mk. Geldſtrafe erkannt,
da es eine Ueberſchreitung eines Züchtigungsrechts feſtſtellte. Der
An=
geklagte hat Berufung eingelegt, er iſt wegen weiter Entfernung vom
Erſcheinen im Termin entbunden. Er will in erſter Linie die
Frei=
ſprechuung, in zweiter eine Herabſetzung der Strafe erzielen. Der
Staatsanwalt erachtet auf Grund, der Beweisaufnahme, daß das
Unter=
tauchen des Jungen in die Modau (unter Feſthalten mit dem Arm) ſich
als Körperverletzung (§ 223 StGB.) darſtelle, da Angeklagter ein ihm
wohl zuſtehendes Züchtigungsrecht überſchritten habe. Die Straftat habe
auch auf den Jungen in ſeeliſcher Beziehung eingewirkt. Die
ausgeſpro=
chene Geldſtrafe erſcheine entſprechend. Das Urteil hebt das
erſte Urteil auf und ſetzt unter Verteilung der
Ko=
ſten die Geldſtrafe auf 25 Mark herab. Da der Junge
uicht auf friſcher Tat gefaßt wurde, war ein Züchtigungsrecht nicht
gegeben.
Polizeibericht. Reichsbankgläubiger. In einer am
des aus der Reichsbankgläubigerbewegung her bekannten Betri bsanwalts
Winter aus Leipzig ausgibt, u. a. behauptet, am 22. November 1926
ſeien für Winter nicht weniger als 3700 Einſchreibbriefe angekommen,
Da Winter die Briefe nicht alle ſelbſt habe quittieren können, habe alles
mitgeholfen, ja ſogar das 7jährige Söhnchen des Winter habe den
gan=
zen Nachmittag mit dem Namen „Winter” quittiert. Aus der Mitte der
Verſammlung heraus wurde ſchon i der Diskuſſion bezweifelt, daß man
ein 7jähriges Kind zu einer rechtsgültigen Quittungsleiſtung
verwen=
den könne. Behrens verblieb aber in ſeiner Gegenäußerung bei der
aufgeſtellten Behauptung. Das zuſtändige Poſtamt in Leirzig hat
dem=
gegenüber zur Richtigſtellung des Sachverhalts das Polizeiamt
Darm=
ſtadt zu der Erklärung ermächtigt, daß am 22. November 1926 keine
3700, ſondern nur 974 Einſchreibbriefe vorgelegen
haben, zu denen 72 Ablieferungsſcheine zur Qnittungslefſtung
ausgefer=
tigt wunden. Die Unterſchriften auf dieſen Scheinen ſind ſämtlich von
der Ehefrau Winter ordnungsmäßig vollzogen worden. Dieſes Beiſpiel
beweiſt, mit welchen Uebertreibungen Behrens arbeitet und es erſcheint
angebracht, den Ausführungen ſolcher Referenten wit der größten
Vor=
ſicht zu begegnen. Behrens erzählte u. a. auch, in Ulm habe man ihn
wegen Betrugs verhaften und ſoin Material beſchlagnahmen wollen.
Dazu ſei es aber nicht gekommen, er ſei bei ſeiner Vernehmung wie die
Katze um den heißen Brei herumgegangen. Trotz Abweiſung der Klagen
in den verſchiedenſten Inſtanzen verſuchte Behrens, ſeine Zuhörer in den
Glauben zu verſetzen, daß die alten Reichsbanknoten noch vor dem
1. Januar 1927 aufgewertet würden. Perſonen, die ſich inſolge
irrefüh=
render Angaben, ſei es auf Vevanlaſſung des Behrens oder ſonſtiger
derartiger Intereſſenvertreter hin geſchehen, inſofern geſchädigt fühlen,
als ſie ſich etwa auf dieſe Weiſe zur Zahlung von Geldbeträgen
ver=
leiten ließen, werden gebeten, ſich bei dem Polizeiamt, Hügelſtr. 31—33,
Zimmer 32, zu melden.
Kunſinotizen.
deber Werte, Künſtier und fünſftleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtebenden Krwäbnung
geſchlebt. behält ſich die Redaktion ibr Ürteil vor.
— Palaſt=Lichtſpiele. „Feldherrnhügel”, mit Harry
Liedke und Olga Tſchechowa, ein Luſtſpiel, das alle ſeinesgleichen
auf=
wiegt. Der Regiſſeur hat hier ein Meiſterſtück gemacht, wie er die
Handlung in raſchem, freudigem Fluß brachte und ohne Ermatten bis
zum Ende durchführte, immer neue geiſtreiche, drollige Ideen fand.
Ein reizender Film, der das Lachen ohne Reue ſchenkt, und den man
gern noch einmal in der Erinnerung genießt.
— Reſidenz=Theater. „Bankhaus Pat und Patachon”. Wer
kennt nicht die beiden Unzertrennlichen, Pat und Patachon, die zwei
Glücksritter des Films, die Weltenbummler, die Don Quichotte im
hiſtoriſchen oder im weniger heroiſchen Koſtüm des modernen
Land=
ſtreichers? Diesmal iſt Patachon ein armes Schneiderlein und Pat ſein
Geſelle. Und das Glück kommt ihnen von einem Neffen aus Amerika.
Eine Bank wird gegmindet, und die Schneiderwerkſtatt wandelt ſich
zum Schalterraum um, in dem nur die „Rohrpoſt” aus Schnüven und
Zigarrenſchachteln tadellos funktioniert. Die Geſchichte geht rrotzdem
gut aus für die Betroffenen.
— Nochmal „Goldrauſch” im Union=Theater. Es iſt unmöglich,
der großen Nachfrage keine Rechnung tragen zu wollen, aus dieſem
Grunde haben wir uns veranlaßt geſehen, Charlie Chaplins größten
Film noch einmal, und zwar nur auf ganz kurze Zeit im Spielplan
aufzunehmen. Goldrauſch” iſt viel mehr als nur eine Komödie",
Poſie, Patos, Zartheit und Feinheit reichen dem Humor und der
prächtigſten Fröhlichkeit die Hand. „Goldrauſch” packt die Zuſchauer,
beeinflußt ihre Seele in ſtarkem Maße und läßt ſie in jener Stimmung,
in der ſie nicht lachen können, ohne daß eine Träne oder ein Schluchzen
ſich in das Lachen hineinſtiehlt. Es iſt die komiſchſte, traurigſte aller
Komödien Chaplins.
Lokale Veranſtaltungen.
Die hierunter erſchelnenden Notizen ſind an ſchlleßlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Reichsbund der Zivildienſtberechtigten. Unſere
in der Donnerstags=Nummer ſtehende Bekanntmachung über die am
19. Dezember ſtattfindende Weihnachtsfeier bringen wir unſeren werten
Mitgliedern in Erinnerung.
Aus den Parteien.
— Die Ortsgruppe der Deutſchnationalen
Volks=
partei, der Frauenausſchuß und der Deutſchnationale
Arbeiterbund zu Darmſtadt erinnern ihre Mitglieder an die
heute, Sonntag, im „Bürgerhof”, Eliſabethenſtraße Nr. 2, ſtattfindende
Weihnachtsfeier, verbunden mit Wimpelweihe. Die Vorbereitungen
unſerer Veranſtaltung laſſen ein gutes Gelingen erwarten, deshalb ſei
der Beſuch derſelben wärmſtens empfohlen. Beginn 4.30 Uhr
nach=
mittags. Das zum Eintritt berechtigende Programm koſtet 50 Pf. und
iſt am Saaleingang erhältlich.
Verwaltungsgerichtshof.
Wichtige Entſcheidungen.
1. Antrag des Kreisamts Mainz auf Entziehung der dem Foſef
Schmitz in Mainz, Alte Unwerſitätsſtraße 7, erteilten
Schauk=
erlaubnis.
Als Vertreter des Kreisamts iſt Reg.=Rat Falck, mit Joſef Schmitz
Rechtsanwalt Paul Falk erſchienen.
Am 18. November 1994 ſtellte das Kreisamt Moinz beim
Provinzial=
ausſchuß der Provinz Rheiheſſen den Antrag auf Konzeſſionsentziehung,
weil das Lokal der Förderung der Völlerei diene. Der
Provinzial=
ausſchuß hat am 20. Januar 1925 durch Beſchluß das Verfahren auf
un=
beſtimmte Zeit ausgeſetzt. Schmitz habe ſeither nicht mehr kontraveniert,
es müſſe dem Schmitz eine Art Bewährungsfmſt gegeben werden, was
nur durch Ausſetzung des Verfahrens möglich ſei. Am 5. Oktober 1925
wurde Schmitz vom Amtsgericht Mainz wegen Uebertretung der
Polizei=
ſtunde mit 100 Mark Geldſtrafe belegt. Das Kreisamt Mainz ſtellte am
15. Juni 1926 erneut den Antrag auf Konzeſſionsentziehung unter
Bezugnahme auf das amtsgerichtliche Urteil. Der Provinzialausſchuß
hat auf dieſen neuen Antrag das Verfahren bis 1. Juni 1927 ausgeſetzt.
Dagegen wurde Beſchwerde beim Provinzialausſchuß eingelegt, die aber
auch als Berufung aufgefaßt wenden kann. Jedenfalls gab die
Rechts=
mittelbelehrung an, daß gegen den Beſchluß des Provinzialausſchuſſes
Beſchverde binnen 2 Wochen gegoben ſei. Das Kreisamt ſteht auf dem
Standpunkt, daß ein Ausſetzungsbeſchluß immer da nicht möglich ſei, wo,
wie hier, die Sache zur Entſcheidung reif ſei. (Schmitz iſt nach Angabe
des Vertreters des Kreisamts 13mal wegen Ueberwirtens beſtraft.) Der
Vertreter des Schmitz legt dar, daß die Ausſetzung des Verfahrens
mate=
riell möglich und zuläſſig ſei, eine Beſchwerde ſei nach dem
Verwaltungs=
nechtspflegegeſetz nur in den im Geſetze beſtimmten Fällen zuläſſig,
des=
halb ſei hier die Beſchwerde des Kreisamts als unzuläſſig zu verwerfen.
Der Vertreter des Staatsintereſſes erachtet, daß das eingelegte
Rechts=
mittel als Berufung gegen ein Urteil des Provinzialausſchuſſes
auf=
gefaßt werden könne, auf die Bezeihnung des Rechtsmittels komme es
nicht an. Die Entſcheidung des Provinzialausſchuſſes müſſe als Urteil
behandelt werden, da ſie eine Sachentſcheidung darſtelle. Denn dem
Wirte ſolle hier, obwohl er ſchuldig ſei, nur eine Bewährungsfriſt
ge=
währt werden. Die Entſcheidung des Provinzialausſchuſſes entſpreche
in ihrer ganzen Aufmachung einem Urteil, ſie ſei auch wie ein Urteil
zugeſtellt worden. Es ſei deshalb in eine ſachliche Verhandlung wohl
einzutreten. Der Verwaltungsgerichtshof beſchloß nach Beratung in
die Sachverhandlung einzutreten.
Aus der Beweisaufnahme geht hervor, daß Schmitz wegen öfteren
Ueberwirtens verwarnt wurde und die Wirtſchaftsführung ſehr ſchlecht
war; auf Veranlaſſung des Oberbürgermeiſters wurde ihm auch die
Polizeiſtunde zweimal herabgeſetzt. Daß Schwitz überwirtete, war nach
Ausſage des Polizeioberſekretärs Grötzner Stadtgeſpräch. Schmitz hat
Kellnerinnenbedienung. Daß größere Zechgelage ſtattgefunden hatten,
konnte von der Polizei nicht feſtgeſtellt werden. Das Schmitzſche Lokal
iſt ein ausgeſprochenes Weinlokal; auch Sekt wird dort getrunken. Ein
Vorſtandsmitglied der Gaſtwirtemnung ſchildert, daß Schwitz während
der Beſetzung den Schutz der Innung nachſuchte und auch erhielt. (Das
Lokal liegt dem Theater gegenüber.) Das Gros der Verfehlungen ſpiele
in die Beſetzungszeit hinein. So ontſtünden — nach der Ausſage des
genannten Vorſtandsmitglieds — Grenzfälle, unter denen der Wirt viel
leiden mußte. Die Beſatzung habe in allen Lokalen verkehrt (1918
bis 1923 und 1924). Auch die Separatiſtenzeit habe den Wirten viel
Mal=
heur gebracht und die Autorität des Wirtes erſchüttert. Seit dem
4. März 1925 iſt keine Anzeige wegen Ueberwirtens gegen Schmitz mehr
erfolgt. Das Urteil weiſt den Antrag auf Entziehung
der Konzeſſion unter Aufhebung der
Vorentſchei=
dung ab.
2. Einwendungen gegen die Bürgermeiſterwahl in Bönſtadt,
Kreis Friedberg
Erſchienen ſind Geh. Juſtizrat Windecher in Friedberg für die
Re=
klamanten, Aſſeſſor Bracht (Vertreter des Rechtsanwalts Dingeldey) für
den beigeladenen F. Wagner 2.
Am 22. Juli 1925 war dieſe Wahl für ungültig erklärt worden. Am
17. Januar 1926 fand eine Neuwahl ſtatt. Es fielen 198 Stimmen auf
den ſeitherigen Bürgermeiſter, 202 Stimmen auf den Gegenkandidaten
F. Wagner 2. Im Verfahren vor dem Kreisausſchuſſe hatte der
Kreis=
direktor auch ſeinerſeits die Wahl beanſtandet. Wegen
Wahlunregel=
mäßigkeiten (Abſtimmung ſeitens einer verzogenen Perſon, unlautere
Machenſchaften im Wahlvorſchlag, Getränkeſpende, anonyme Briefe) war
die Reklamation erhoben worden. In der Abſendung der anonymen
Briefe erblickte der Kreisausſchuß einen Növigungsverſuch und eine
Be=
emfluſſung der Wähler, er erklärte deshalb die Wahl für ungültig. Auf
Berufung hob der Provinzialausſchuß Oberheſſen das erſtinſtanzliche
Ur=
teil auf und erklärte die Wahl für gültig. Dagegen haben die
Rekla=
manten Reviſion an den Vevwaltungsgerichtshof verfolgt.
Der Vertreter des Staatsintereſſes verweiſt darauf, daß zwei
un=
gültige Stimmen vorhanden ſind, die ausreichen würden, die Wahl für
ungültig zu erklären; es wird hier auf das Urteil im Falle der Wahl
in Fränkiſch=Crumbach verwieſen und zugleich dafür eingetreten, der
Reviſion ſtattzugeben.
Das Urteil weiſt die Reviſion als unbegründet
zurück.
Tageskalender für Sonntag, den 19. Dezember 1926.
Landestheater, Großes Haus, vorm. 11 Uhr, Ende gegen 1 Uhr:
Brumm, der Bär.” abends 7 Uhr, Ende nach 10 Uhr, K 4: „Don
Giovanni.” — Kleines Haus, vorm. 11½ Uhr, Ende gegen
1Uhr: Zweite Morgenfeier; abends 7½ Uhr, Ende 10 Uhr,
Zuſatz=
miete I (6): „Der tolle Hund.” — Orpheum, abends 8.15 Uhr: Dr. Juci
Szabo. — Verein ehem. 6ler Art Ueriſten, abends 6 30 Uhr, im
Chauſ=
ſeehaus: Weihnachtsfeier. — Heſſ. Odenw.=Verein, nachm. 3 Uhr, im
Perkeo: Weihnachtsfeier. — D. H. V., abends 8 Uhr, im Weißen Saal
bei Chriſt, Grafenſtr. 18: Weihnachtsfeier. — Reichsbund der
Zivil=
dienſtberechtigten, nachm. 5 Uhr, im Rummelbräu: Weihna htsfeier. —
Kleinkinderſchule der Barmh. Schweſtern, nachm. 4 Uhr, in der
Beſ=
ſunger Turnhalle: Weihnach sfeier — Schloß=Café: Konzert. —
Lud=
wigshöhe: Konzert. — Alte Poſt: Konzert. — Rummelbräu: Konzert.
— Reichskrone: Konzert. — Café Rheingold: Konzert. — Weinhaus
Weißer Turm: Konzert. — Spaniſche Bodega: Konzert. —
Frank=
furter Hof: Konzert. — Hotel Schmitz: Konzert. — Café Egenrieder:
Konzert. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=
Licht=
ſpiele. — Sarraſanis Zirkus=Feſtſpiele, nachm. 3 und abends 7.30 Uhr,
in der Feſthalle zu Frankfurt a. M. —
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Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Seite 7
Aus Heſſen.
Starkenburg.
— Weiterſtadt, 18. Dez. Theaterabend. Am 1.
Weihnachts=
feiertag hält der Geſangverein „Germania” einen Theaterabend im
Gaſt=
haus zum Löwen ab. Zur Aufführung gelangt die Operette „
Linden=
wirtin, du junge‟ Singſpiel in 3 Akten.
Ck. Wixhauſen, 17. Dez. In hieſiger Gemeinde wurde dank dem
Bemühen des Herrn Pſamers Erkmann ein Kirchenchor ins Leben
ge=
rufen. Die geſangliche Leitung desſelben hat ein Herr Lotz aus
Erz=
hauſen übernommen. Der Chor zählte ſchon am erſten Uebungsabend
45 Mitglieder. Füir hieſige Verhältniſſe eine recht ſtattliche Zahl. —
Ein ſchöner Film lief am Mittwoch abend im Gaſthaus „Zur Krone‟,
Ein recht zahlreich erſchienenes Publikum war dafür d m
Landwirt=
ſchaftlichen Konſumperein, dem Veranſtalter des Abends, recht danbar.
Im Gaſthaus „Zur Traube” iſt ſeit längerer Zeit ein Kino eingerichtet,
das unſerer Einwohnerſchaft allwöchentlich zweimal mit ſeinen
Vor=
führungen aufwartet. — Das am 5. Dezemb.r vom F. C. „Union”
aufgeführte Theaterſtück „Die Not der Alten” wird ſeines Erfolges wegen
am 19. Dezember im Gaſthaus „Zur Sonne” abermals aufgeführt.
— Wixhauſen, 18. Dez. Nachdem das am vorletzten Sonntag von
dem F.C. „Union” aufgeführte Theaterſtück „Die Not der Alten” bei
dem zahlreich erſchienenen Publikum einen tiefen Eindruck hinterlaſſen
hatte und mit großem Beifall aufgenommen wurde, ſo daß dem Verein
ein voller Erfolg beſchieden war, wird das Stück am Sonntag, den 19.
ds. Mts., auf vielſeitigen Wunſch nochmals gegeben.
* Eberſtadt, 18. Dez. Von jeher verſteht es die hieſige Ortsgruppe
des Deutſchnationalen Handlungsgehilfenverbandes, durch
Vortrags=
abende uſw. das Intereſſe und Wiſſen ihrer Mitglieder zu heben. So
läuft gegenwärtig in den Räumen des Vereinslokals (Zum Scützenhof)
ein ſich über mehrere Wochen erſtreckender Briefwechſelkurſus,
der beſonders für jüngere Mitglieder gedacht iſt. — Am Mitwoch abend
hielt Herr Georg Wilhelm Fiſcher im Experimentierſaal der
Eleonoren=
ſchule einen gut beſuchten Lichtbildervortrag übe „Die
Schweiz‟. Die Ausführungen des Redners fanden großen Beifall. —
Wohlfahrtsſcheine. Durch die Bürgermeiſterei gelangen an
Er=
werbsloſe, Sozial= und Kleinrentner, ſowie
Wohlfahrtsunterſtützungs=
empfänger beſondere Gutſcheine ſir den Bezug von Waren (
Lebens=
mittel, Bedarfsartikel, Brennmaterial uſw.) ſeitens der Bürgermeiſtevei
zur Ausgabe. Die Einlöſung der Scheine durch die Gemeindekaſſe
er=
folgt vom 21. Dezember ab.
* Gberſtadt, 17. Dez. Turnerwanderung. Der hieſige
Turnverein unternimmt am Sonntag ſeine nächſte Wanderung nach dem
Beerbacher Tal. — Ein Leibgandiſten=Abend findet in Kürze wieder
hier ſtatt.
* Pfungſtadt, 18. Dez. Ziegenzucht. Auf Veranlaſſung des
hieſigen Ziegenzuchtvereins ſprach hier im voll beſetzten Saal des „
Rhei=
niſchen Hoßes” Herr Landwirtſchaftsrat Seeger aurs Darmſtadt über
die Aufgaben und Bedeutung der Ziegenzucht. Die Entwicklung der
Ziegenzucht behandelte an Hand zahlreicher Lichtbilder Herr
Landwirt=
ſchaftsreferendar Dr. Heß. Im Laufe der Veranſtaltung überreichte
der Vereinsvorſitzende Herr Hildebrand dem hieſigen Faſelwärter
Nau die Bronz=Medaille des Reichsziegenzuchtverbandes für beſondere
Verdienſte in der Pflege der Ziegenböcke. Ferner ſprach Herr
Bürger=
meiſter Schwinn, dr zuſagte, daß die Stadtverwaltung die lokale
Ziegenzucht nach Kräften unterſtützen werde. — Bauhandwerker
Verſammlung. In einer gut beſuchten Verſammlung der
Bau=
handwerker wurde nach ausführlichen Referaten d.s Architekten Krug
und des Geſchäftsführers Harres der Darmſtädter Genoſſenſchaften ein
vorläufiger Ausſchuß eingeſetzt, der die Gründung einer
Baugenoſſen=
ſchaft vorbereiten ſoll. Beſonders ausführlich wurden auch die Fragen
der Vergebung der Arbeiten beſprochen. — Beſcherung. Der hieſige
Waiſenſchutzverein nimmt am Sonntag nachmittag im Saale des
Gaſt=
hauſe8 „Zur Krone” (Herbert) im Verlauf einer Weihnachtsfeier die
Beſcherung armer und halbwaiſer Pfungſtädter Kinder vor.
* Roßdorf, 18. Dez. Gemeinderatsbericht. 1. Die
Deutſch=
amerikaniſche Petroleumgeſellſchaft will am Hauſe des Adam Löffler
Bahnhofſtraße, eine Dapolinpumpanlage errichten und hat um
Geneh=
migung nachgeſucht. Der Gemeinderat erklärt ſich einverſtanden unter
der Bedingung, daß die Anlage nicht über 22 Zentimeter auf den
Fuß=
ſteig kommt. Außerdem wurde eine jährliche Gebühr von 100 Mart
feſtgeſetzt, zahlbar an die Gemeindekaſſe. 2. Uebernahme des
landes=
kirchlichen Fehlbetrags für 1926 in Höhe von 1100 Mark auf die Ge
meinde zur Vermeidung einer nachträglichen Erhöhung der örtlichen
Kirchenſteuer. Der Bürgermeiſter gibt bekannt, daß die hieſige evang.
Kirchengemeinde, wie die anderen Kirchengemeinden der Landeskirche,
zur Deckung von deren Fehlbeträgen für 1924 und 1925 insgeſamt den
Bctrag von 3200 Mark habe übernehmen müſſen. Dieſer Betrag werde
zu gleichen Raten in fünf Jahren getilgt, die nichtgetilgten Raten ſeien
ab 1. Oktober 1924 mit 10 Prozent zu verzinſen. Durch dieſe Kap tal=
und Zinszahlungen ſei die Kirchengemeinde bis 1930 ſtark belaſtet, man
habe eine Verteilung auf fünf Jahre vorgenommen, um nicht mit der
Ortskirchenſteuer über 8 Prozent gehen zu müſſen. 4 inahmen aus den
entwerteten Kapitalien ſeien in abſehbaver Zeit nicht vorhanden. Für
1926 verlange man nun von der Kinchengemeinde zur Deckung des
lan=
deskinchlichen Fehlbetrags einen Betrag von 1100 Mark, den dieſe nicht
tragen könne, ohne daß die Ortskirchenſteuer erheblich hinaufgeſetzt
werde. Der evang. Kirchenvorſtand beantrage daher Uebernahme des
Betrages von 1100 Mark auf die büngerliche Gemeinde. Ueber den
An=
trag entſpann ſich eine heftige Debatte. Die Abſtimmung ergab 7
Stim=
men für und 6 Stimmen gegen den Antrag; der Antrag iſt ſomit
an=
genommen. Nach der Abſtimmung mußte die Sätzung abgebrochen
wer=
den, da einige der Gemeinderäte, die gegen den Antrag waren, den
Sitzungsſaal verließen, und dadurch die Beſchlußfähigkeit nicht mehr
hergeſtellt war.
* Groß=Umſtadt, 17. Dez. Volksbildungsverein. In
einer von dem hieſigen Volksbildungs= und hiſtoriſchen Verein
veran=
ſtalteten Verſammlung, die über Erwarten gut beſucht war, hielt am
Donnerstag abend Herr Robert Schneider aus Darmſtadt einen intereſ.
ſanten Vortrag über „Mundart und Mundartdichtung”, in welchem der
Redner in ausführlicher und überzeugender Weiſe auf die überaus
große Wichtigkeit der Mundart hinwies. Sie iſt der Jungborn und
der Nährboden der hochdeutſchen Sprache, ein nicht zu unterſchätzendes
Mittel zum Ausgleich der Standesvorurteile und der Pflege des
deut=
ſchen Volkstums. Sogar ein Schiller und Goethe bedienten ſich der
Mundart, und neben all den vielen Aufgaben liegt es heute der Schule
ob, die Mundart, als ein Stück echten Volkstums zu pflegen. — Nach
dieſen vortrefflichen Ausführungen las der begnadete Dichter noch eine
Reihe ſeiner mundartlichen Dichtungen vor, die ihren Zwcck keineswegs
verfehlten und zugleich Zeugnis von dem köſtlichen Humor, aber auch
von dem tiefen Empfinden des Verfaſſers ablegten. Herr Studienrat
Hilsdorf dankte dem uneigennützigen Redner in warmen Worten und
ſtellte ihm einen Teil des heutigen Erlöſes für das zu errichtende
Niebergall=Denkmal in Darmſtadt zur Verfügung.
— Hergerslauſen, 17. Dez. Am 13. Dezember hielt die hieſige
Landwirtſchaftliche Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaft eine öffentliche
Ver=
ſammlung mit einem Lichtbildervortrag über „Die Gewinnung und
rentable Anwendung des Kalkſtickſtoffes” ab. Der Beſuch aus der
hieſi=
gen Gemeinde und den Nachbarorten war recht gut. Der vortragende
Landwirtſchaftslehrer Salm aus Karlsruhe hielt einen intereſſanten
Vortrag über das genannte Thema und erläuterte die guten und
an=
ſchaulichen Lichtbilder. In der Diskuſſion ſprach Landwirtſchaftslehrer
Frech aus Darmſtadt zunächſt über genoſſenſchaftliche Fragen und dankte
am Schluſſe dem Referenten namens des Verbandes der heſſiſchen
land=
wirtſchaftlichen Genoſſenſchaften und der Zentralgenoſſenſchaft für den
lehrreichen Vortrag. Unſere Ortsgenoſſenſchaft hat den hieſigen
Land=
wirten mit dem Vortrag einen guten Dienſt erwieſen.
— Ernſthofen, 18. Dez. Amtstag im Modautal. Das
Kreisamt Dieburg hält am Donnerstag, den 30. Dezember, in
Ernſt=
hofen im Gaſthaus „Zur Poſt” einen auswärtigen Amtstag für die
Mo=
dautalgemeinden ab. Der Amtstag beginnt um 234 Uhr und endet um
5 Uhr.
* Fränkiſch=Crumbach, 18. Dez. Am erſten Weihnachtstagabend
hält der hieſige Männergeſangverein „Eintracht” ſeine di Sjährige
Abendunterhaltung mit reichhaltigem Programm im Gaſthaus „Zur
Traube” ab. Der Verein wird unter Leitung ſeines Dirigenten, Lehrer
Merz, einige Lieder zum Vortrag bringen.
— Michelſtadt, 18. Dez. Der Vorarbeiter Konrad Reubold 1.
aus Ebersberg blickt auf eine 40jährige Tätigkeit bei der Firma P. Grenz,
Holzſchneiderei und Sägewerk in Schönnen, zurück. Als Anerkennung
für ſeine treuen Dienſte wurde dem Jubilar von ſeiner Firma ein
paſſendes Geſchenk überreicht.
Straßenbericht für Heſſen
für die Woche vom 19. bis 25. Dezember 1926.
Starkenburg.
Kreisſtraße Babenhauſen—Aſchaffenburg. Wegen
Umbau=
arbeiten am Bahnhof Babenhauſen iſt ab Montag, den 8.
No=
vember, die in Schienenhöhe liegende Straßenüberführung im
Zuge der Straße Babenhaufen—Aſchaffenburg geſperrt. Bis Stadtverordnetenkollegium einſtimmig zum beſoldeten Beigeordneten auf
zur Fertigſtellung der Straßenunterführung geht der Verkehr
über die ſüdliche Straßenüberführung im Zuge der Straße * Lampertheim, 17. Dez. Herr Lehrer Schreiber von der bieſigen
Dieburg—Babenhauſen.
Kaiſerſtraße in Groß=Umſtadt im Zuge der Kreisſtraße
Groß=Umſtadt—Höchſt wegen Kanaliſationsarbeiten vom 13. 12.
ab auf 2 Wochen. Umleitung über Lengfeld, Warnungstafeln Sonntag ſprach er auf der hier tagenden Kreisverſammlung des
Jung=
beachten.
Rheinheſſen.
Kreishaushaltungsſchule vom 1. 12. ab auf etwa 4 Wochen.
UIm=
weg in Richtung Weinheim über die Straßen Alzey—Erbes=
Büdesheim und Heimersheim—Weinheim.
Bahnhofſtraße in Alzey von der Spießgaſſe bis zum
Via=
dukt zu der Kreuznacher Straße vom 1. 12. ab auf etwa 4 Wochen.
Umleitung durch die Rathenauſtraße.
Oberheſſen.
Ortsdurchfahrt Oſtheim bei Bützbach vom Bahnhof Oſtheim
bis 600 Meter oberhalb der Straßengabel Hochweiſel—Oſtheim
und Fauerbach—Oſtheim in Richtung Fauerbach wegen
Kanali=
ſationsarbeiten vom 6. 12. bis auf weiteres. Warnungstafeln
beachten.
Ortsdurchfahrt Ober=Eſchbach von Km. 3,1 bis Km. 4,15 vom
10. 12. ab bis auf weiteres.
Straße Ober=Eſchbach—Ober=Erlenbach von Km. 0,0 bis
Km. 0,4 vom 10. 12. ab bis auf weiteres. Umleitung über Ober= WSN. Groß=Gerau, 18. Dez. Exploſion in einem Gas=
Erlenbach-Nieder=Eſchbach.
Kreisſtraße Landenhauſen—Salzſchlirf in der
Ortsdurch=
fahrt Landenhauſen vom Gaſthaus Hörr bis zum Friedhof
wegen Waſſerleitungsarbeiten vom 13. 12. ab bis auf weiteres.
Umleitung durch die benachbarten Ortsſtraßen.
Nichtheſſiſche Anſchlußſtraßen.
Staatsſtraße 148 Würzburg—Aſchaffenburg—Hanau. Wegen
Umbau wird die Hanauer Straße in Aſchaffenburg von der
Meßwerkzeugfabrik Sautter u. Meßner an auf ca. 700 Meter
Länge gegen Hanau für den Durchgangsverkehr Aſchaffenburg—
Hanau (vorausſichtlich auf 8 Wochen) geſperrt. Umleitung:
Durchgangsverkehr über linksmainiſche Straßen Aſchaffenburg—
Stockſtadt—Seligenſtadt (Heſſen) —Hanau. Oertlicher Verkehr
einſpurig nach den Weiſungen der Verkehrsordner, jedoch dürfen
Kraftfahrzeuge eine Stundengeſchwindigkeit von 8 Km. nicht
überſchreiten.
* Erbach i. O., 18. Dez. Sonderfahrten zum Zirkus
„Sarraſani”. Unſere rührige Odenwald Kraftwagenverkehrs=A.=G.
veranſtaltet, um auch der Odenwaldbevölkerung den Beſuch der
Vorſtel=
lungen zu ermöglichen und vielfachen Wünſchen entſprechend, an
folgen=
den Tagen Sonderfahrten nach Frankfurt a. M.: Am 18., 19., 22., 24.,
25., B. und 29. d. M. und am 1. Jan. 1927. Mit Ausnahme vom 26. Dez.
gehen die Wagen ab: Erbach 2 Uhr nachm., Michelſtadt 2.12, Zell 2.30,
König 2.45, Höchſt 3.10, Groß=Umſtadt 3.55 und Dieburg 4.25. An
Zwi=
ſchenſtationen hält der Wagen bei rechtzeitiger vorheriger Meldung zur
Aufnahme von Fahrgäſten. Die Anmeldung von Fahrgäſten muß zwei
Tage vor dem betrefſenden Tag bei der Geſchäftsſtelle der O.K V.A. in
Erbach erfolgen. Von ſeiten der Zirkusverwaltung iſt Bereitſtellung
guter Plätze zugeſichert. Bei der Anmeldung iſt zu bemerben, in welcher
Preislage Plätze gewünſcht werden, da die Eintrittskarten, von der
O.K. V. A., des großen Andranges zum Zirkus wegen, vorher beſtellt
werden müſſen. Die Abfahrt am 2. Weihnachtsfeiertag erfolgt in
Er=
bach bereits um 11 Uhr vormittags. Die Zeiten ändern ſich
dementſpre=
chend. Beſondere Wünſche größerer Geſellſchaften können Berückſicht gung
finden. — Die Ausſtellung der Staatlichen Fachſchule zu Erbach, über
die wir im letzten Mittwochsblatt ausführlich berichteten, wurde von
den Herren Miniſterialdirektor Urſtadt und Oberregierungsrat Henrich
beſichtigt, die ſich ſehr anerkennend über das Gebotene äußerten. — Am
Sonntag, den 19 d8. Mts., nachm. 3 Uhr, veranſtaltet der Turnver in
Erbach 1860 im großen Saale des Hotels zum Schützenhof ſeine
dies=
jährige Weihnachtsfeier verbunden mit Tombola und
Chriſtbaumper=
loſung. Alle Abteilungen des Vereins werden reiche Darbietungen
brin=
gen. Die beiden Geſangvereine, haben ihre Mitwirkung zugeſagt. —
Auch der rührige Radfahrerverein 1900 Erbach wird in dieſem Jahre
wieder einen Familiengbend mit Weihnachtsfeier im Hotel Schützenhof
veranſtalten, und zwar am 2. Weihnachtsfeiertag, abends 8 Uhr. Der
Verein hat ein ſehr reichhaltiges radſportliches Programm vorgeſehen
und hierfür den Landesverbandsmeiſter des Landesverbandes Heſſen im
ler=Kunſtahren und den Gaumeiſter des Gaues 71 Frankfurt im der
Kunſtfahren gewonnen. Tombola, Saalpoſt und das unvermeidliche
Tänzchen werden nicht fehlen.
* Hebſtahl, 18. Dez. Die Station Gaimühle, 5 Km. von hier
ge=
legen, iſt das Ziel vieler Einwohner des Sensbachtales, die in Richtung
Erbach oder Eberbach fahren wollen. Dieſelben werden es mit Freude
begrüßen, daß der Bahnhof (Dienſtraum, Warteſaal, Wohnungen uſw.)
elektriſches Licht erhält, wodurch auch hier die altehrwürdige
Petroleum=
lampe verſchwindet. Die Arbeiten ſind zurzeit im Gange. Hoffentlich
entſchließt ſich die zuſtändige Reichsbahndireltion dazu, auch den
Bahn=
ſteig mit elettriſchen Bogenlampen zu verſehen.
* Heppenheim a. b. B., 18. Dez Holzverſteigerung. Am
Mittwoch, den 22. Dezember, nachmittags 1.30 Uhr, verſteigert die Stadt
Heppenheim im Saalbau Kärchner, daſelbſt, Nutz= und
Bvennholziorti=
mente aus den Forſtorten Vordersberg und Scheuerklingen. An
Nutz=
holz werden Eichen=, Fichten= Lärchen= und Weißtannenſtämme ſowie
50 Stück Eichenderbſtangen, Eichenſcheiter und Eichenknüppel verſteigert.
An Brennholz gelangen an Scheiter Buchen und Eichen, an Kmüppel
Buche, Kirſchbaum. Pappel und Fichte, an Reiſig Ahorn und Eiche und
an Stöcken Buche zur Verſteigerung. — Verbeſſerung von
Feld=
wegen. Da die Reichsbahn der Stadt Schottermaterial koſtenlos zur
Verfügung ſtellt, und die Stadt nur Fuhrlohn und Arbeitslohn zu
zah=
len hat, werden augenblicklich in der Gemarkung Heppenheim die
ſchlech=
ten Feldwege in Ordnung gebracht. Auch der Echweg wurde ganz
auf=
gefüllt, abgeböſcht und breiter angelegt. — Die Starkenburg.
Die Arbeiten am Turmbau der Starbenburg ſind nun bis zum 3.
Stock=
werk gediehen. Leider mußten die Maurerarbeiten wegen der ſchlechten
Witterungsverhältniſſe eingeſtellt werden. Durch ein Notdach hat man
Vorkehrungen getroffen, daß bis im Frühjahr keine Störungen an dem
Bau eintreten. Der neue Turm erhält, eine ſteinerne Wendeltreppe,
welche die einzelnen zu Jugendherbergen eingerichteten Etagen
verbin=
det. Die Arbeiten an der Waſſerleitung vom Abtsbrunn ſind nun auch
ſchon ſoweit gediehen, daß bereits im Hof der Burg ein Laufbrunnen
vorhanden iſt.
— Hirſchhorn, 18.Dez. Waſſerſtand des Neckars am
17. Dezember 0,88 Meter, am 18. Dezember 0,88 Meter.
Gegen
Hauf:
wirkk sofork 2
gibt sammetwueichen Teink 8
Schachleln zu 20,30,60 u. 120 Pfg. 7
N Aus dem Odenwalb, 18. Dez. Dem Bürgermeiſter Fath in
Rippenweier der ſeit 40 Jahren an der Spitze der Gemeinde ſteht,
wurde durch den Gemeinderat eine Ehrenurkunde und ein Ruheſeſſel
überreicht. Auch ſonſt wurden dem Jubilar zahlreiche Ehrungen bereitet.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.) — In Hemsbach begeht heute Landwirt Heinrich Kronauer 1. und ſeine
Gattin Katharina, geb. Niſchwitz, das Feſt der goldenen Hochzeit.
* Bensheim, 18. Dez. Bei der am Donnerstag ſtattgefundenen
Wahl des beſoldeten Beigeordneten wurde der ſeitherige
Bigeordnete Krentel, der ſich in ſeiner bisherigen langjährigen
Tätigkeit große Verdienſte um das Wohl der Stadt erworben hat, vom
Lebenszeit gewählt.
landwirtſchaftlichen Fortbildungsſchule, der ſich um die Hebung der
ein=
heimiſchen Landwirtſchaft ſchon ſehr verdient gemacht hat, hält auch in
dieſem Winter wieder für die Allgemeinheit einige Vorträge. Der
erſte behandelt: „Kalk und ſeine Verwendung”. Vergangenem
bauernbundes über „Die Landwirtſchaft und ihre Aufgaben” und erntete
für ſeine überzeugenden Ausführungen ungeteilten Beifall. — Bei der
Viehzählung am 1. Dezember wurden hier feſtgeſtellt: 377 Pferde
Weinheimer Landſtraße in Alzey vom Viadukt bis zur und Fohlen, 775 Stück Rindvieh, 494 Schafe und Lämmer, 249 Schweine,
einſchließlich Jungvieh, 1174 Ziegen nud 12838 Stück Federvieh.
n. Lorſch, 16. Dez. Feuerwehr. Die hieſige freiwillige
Feuen=
wehr, gegründet im Jahre 1877, begeht am 18., 19. und 20. Juni nächſten
Jahres ihr 50jähriges Jubiläumsfeſt, wozu die Vorarbeiten jetzt ſchon
beginnen. — Nach Fertigſtellung des elektriſchen Ortsnetzes findet im
Rathausſaale eine Mitgliederverſammlung der freiwilligen Feuerwehr
ſtatt, in welcher Herr Ingenieur Friedel über die notwendigen
Maß=
nahmen bei Ausbruch von Bränden, in deren Nähe ſich elektriſche
An=
lagen befinden, ſprechen wird. — Trotz Verwarnung werden die
Fichten=
beſtände der Staats=, Gemeinde= und Privatwaldungen nach
Chriſt=
bäumchen abgeſucht und dieſe geſtohlen. Die Frebler ſehen einer ſtrengen
Beſtrafung entgegen. — Die Hundeſteuer beträgt im nächſten Jahre
für den erſten Hund 6 Mark, für den zweiten 12 Mark, für den dritten
18 Mark.
* Crumſtadt, 18. Dez. Dienſtjubiläum. Der hieſige
Poſt=
agent Friedrich konnte in dieſ.n Tagen ſein 30jähriges
Amtsjubi=
läum als Inhaber der Poſtagentur Crumſtadt begehen.
werk. Bei Neubauten in dem hieſigen Gaswerk kam es geſtern
nach=
mittag bei Schweißarbeiten an einem Leitungsrohr zu einer Exploſion,
wobei ein Teil des Gebäudes in die Luft flog. Menſchen ſind nicht zu
Schaden gekommen.
* Offenbach, 16. Dez. Die Verwaltung der hieſigen Volkshochſchule
ſteht faſt ſeit der Gründung unter keinem günſtigen Stern. Der erſte
Leiter der geſchäftlichen Angelegenheiten war der Sache offenbar nicht
gewachſen, die Geſchäfte wuchſen ihm über den Kopf. Sie muſten ihm
abgenommen werden, damit ſie von einem ſtädtiſchen Beamten geordnet
werden konnten. Der zurückgetretene Geſchäftsführer, ein
Gewerkſchafts=
beamter, zog dann nach Kiel. Bei dem jetzigen Geſchäftsführer ſtimmte
die Kaſſe bei einer unvermuteten Prüfung wieder nicht. Der
Fehlbe=
trag iſt jedoch wieder gedeckt. Er betrug rund tauſend Mark. Wie
verlautet, ſoll der Geſchäftsführer, ein ſtädtiſcher Beamter, für die
man=
gelhafte Führung der Kaſſe dienſtlich gar nicht zur Verantwortung
ge=
zogen werden können, da die Volkshochſchule keine ſtädtiſche Einrichtung
iſt und die Kaſſengeſchäfte deshalb nur im Nebenamte verſehen wurden,
Rheinheſſen.
Worms, 18. Dez. Das Landgericht Worms hat heute
vor=
mittag das Urteil in der Klage des Freiherrn Dr. Cornel Heyl
zu Herrnsheim gegen die Teſtamentsvollſtrecker des Teſtaments
des verſtorbenen Freiherrn Cornelius Heyl zu Herrnsheim Exz.
verlündet: „Die drei Teſtamentsvollſtreaer: Syndikus Dr. Lahm,
Worms, Reichsminiſter a. D. Dr. Bedker, Darmſtadt,
Genelal=
direktor W. Geßner, Berlin, werden asgelöſt. Das Gericht wird
neue Teſtamentsvollſtreder beſtimmen.”
M. Nackenheim a. Rh., 18. Dez. Gefährlicher Sturz. Beim
Abſtieg vom Stallſpeicher brach die Leiter und das darauf ſtehende
Dienſtmädchen eines hieſigen Landwirts ſtürzte aus beträchtlicher Höhe
auf den Hof. Bei dem Sturze zog ſich das Mädchen mehrere
Kopf=
wunden zu; der ſofort hinzugezogene Arzt ſtellte auch einen
Arm=
bruch feſt.
Oberbeſſen.
* Gießen, 17. Dez. Die letzte Sitzung des Stadtparlaments
in 1926 hatte eine über us wichtige und reichhallige Tagesordnung,
ſtanden doch 30 verſchiedene Punkte zur Beratung. Der Zuſchauerraum
war — wohl beſonders wegen der zu erwartenden
Weihnachts=
beihilfe — derart uberfüllt, daß Hunderte wieder umkehrten. Bei
genann em Punkte fehlte es auch nicht an Zwiſchenruſen, ſodaß mit
der Räumung des Saales gedroht wurde. Es wurden 18 000 Mark
für die Winterverſorgung d.r Kriegsbeſchädigten, hinterbliebenen,
Rent=
ner. Erwerbsloſen uſw. zur V.rfügung des Wohlfahrtsamtes geſtellt. —
Der Geſellſchaft Liebig=Muſeum wird ein einmaliger Zuſchuß
zu Inſtandſetzungsarbeiten des Muſeums von 100) Mk. bewilligt. — Zur
Unterſtützung der heſſiſchen Künſtlerhilfe werden 1000 Mark g. nehmigt.
— Die Gießener Voltsſchulen werden wie folgt benannt:
Stadtknaben=
ſchule „Goetheſchule”, Stad mädchenſchule „Schillerſchule‟, Beziaksſchule
„Peſtalozziſchule”. Zur Beſchnffung der inneren Ausſtattung der durch
einen Anbau erweiterten Bezirksſchule werden 49 000 Mark bewilligt. —
Die Gaspreiſe werden wie folgt feſtgeſetzt: für Großverbrauch 12 Pfg.
je Kubikmeter, für Kleinverbrauch je 20 Pfennig, für Induſtrie und
Gewerbe je 18 Pfg., je nach Verbrauch werden noch Abzüge gewährt. —
Für Ausführung von Notſtandsarbrien im Winter 1926/27 werden
ins=
geſamt 140 (00 Mark bewilligt — Die Stadt Gießen tritt der „Hafraba”
e. V. als Mitglied mit 500 Mark Mitgliederbeiuag bei, damit iſt ein
Sitz im Verwaltungsrat v.rbunden. — Dem Umbau der Zehntſcheuer
zum Polizeiamtsgebäude wurde zugeſtimmt. — Zur Kraſtpoſttinie
Gießen—Kleebachtal übernimmt Gießen die Hälfte der Garantieſumme.
— Der Flughafen ſoll weiter ausgebaut werden. Es wuden bewilligt:
für Bau giner Rollbahn und Verſetzung der Werktätte 10 00 Mark,
ſür Flughafengebaude 60 000 Mark.
* Aus Oberhefſen, 18. Dez. Die Schafräude iſt unter mehreren
Herden der heſſiſchen und preußiſchen Nachoarorte von Gießen
ausge=
brochen. Es konnte ziemlich einwandfrei feſtgeſtellt werden, daß die
Räude durch Wanderherden in die Gegend eingeſchleppt worden iſt. Die
Bekämpfung durch Vergaſung mit Schwefeldioxyd oder durch Baden in
einer desinfizierenden Flüſſigkeit wird ſeitens der Behörde empfohlen.
— Das rühmlichſt bekannte Braunkohlenbergwerk zu Treis=
Hor=
loff bei Hungen weiſt zurzeit einen ſchlechten Geſchäftsgang auf. Es
werden nur etwa 50 Arbeiter beſchäftigt, die die nötigen
Aufräumungs=
arbeiten beſorgen und das Werk vor dem Eindringen der Waſſermaſſen
ſchützen. — Das ſtädtiſche Waſſerwerk Gießen ſchließt ſeine
Jahresrech=
nung mit einer Einnahme und Ausgabe von 284 866 Mk. ab, das
Gas=
werk zeigt eine Einnahme von 974 902 Mk., eine Ausgabe von 973 393
Mark und einen Ueberſchuß von 1510 Mark. — In Lang=Göns
legte Bürgermeiſter Müller ſein Amt nieder, ſo daß Neuwahl erfolgen
muß. — Der Bieberbach wird innerhalb des Dorfes Heuchelheim
in ein Betonbett gefaßt und erhält zwei Betonbrücken. Die Gemeinde
will jetzt den Projekten der Erbauung einer Waſſerleitung und der
Kanaliſation nähertreten. — Der im Amt ergraute Gemeinderechner
König zu Ober=Mörlen trat mit Rückicht auf ſein hohes Alter
in den Ruheſtand. Er war auch Untererheber und Kirchenkaſſenrechner,
und hat nahezu 30 Jahre ſeinen verantwortungsvollen Poſten verſehen.
— Die Erbauung des Gruppenwaſſerwerks für die Orte Rodheim,
Holz=
hauſen, Ober= und Nieder=Rosbach im Kreiſe Friedberg wurde in
An=
griff genommen. — In Holzhauſen feiert das Ehepaar Schmiedemeiſter
Georg Weinmann das Feſt der goldenen Hochzeit. — In Vilbel legte
der bürgerliche Stadtrat Klöß ſein Mandat mieder. Der bisherige
Ver=
treter der Kommuniſten. Ludwig Diekhardt, wurde aus der
Kommuni=
ſtiſchen Partei ausgeſchloſſen, er weigert ſich, ſein Mandat miederzulegen
und will es als parteilos weiterführen. — Die Not der
Vogels=
berger Bauern hat einen Rückgang der Dienſtboten mit ſich
ge=
bracht. Dieſer wird noch zunehmen, da die Landwirte die ſteigenden
Jahreslöhne nicht aufbringen können. Der Jahreslohn beträgt für einen
Knecht 500 Mark. für eine Magd rund 400 Mark, dazu kommen noch
Naturalien und die Verſicherungsbeiträge.
Seite 8
Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Die „Escalade” —der Genfer
Karneval.
Von George Popoff.
Genf, im Dezember.
Hiervon hat kein Telegraph, kein Telephon, kein Radio
be=
richtet und dennoch verdient dieſer kleine Vorfall feſtgehalten zu
werden. Es war während einer der aufgeregteſten Sitzungen.
dieſer letzten, an Ereigniſſen ſo reichen Völkerbundstagung,
gegen 8 Uhr abends, als ſich im Palais der Nationen folgendes
begab: In die mit bekannten politiſchen Perſönlichkeiten,
geſchäf=
tigen Völkerbundsfunktionären, haſtenden Journaliſten und
aller=
hand überflüſſigem Publikum bis zum Berſten gefüllte Halle des
Völkerbundsgebäudes, mitten in dieſe graue, erregte, übernervöſe
Maſſe kommen plötzlich zwei bunte, leichtfertige, übermütige
Weſen gehüpft — — ein Pierrot und eine Pierrette! Beide —
blutjung, beide — in Masken, beide — in Phantaſiekoſtümen, die
aus einem wahren Moſaik von bunten, ſchreienden Farben — rot,
gelb, blau, grün — zuſammengeflickt ſind — in unglaublichſtem
Kontraſt zu dieſer dezenten, gedämpften Umgebung des großen
politiſchen Salons. Die Portiers hatten wahrſcheinlich
irgend=
wo gedöſt oder gelauſcht, wo ſie nicht hätten döſen oder lauſchen
ſollen, und ſo waren denn dieſe zwei bunten Kinder der Stadt
Genf hier ohne viel Zeremonien hereingeſchlüpft — „mal
nach=
ſehen, was in dieſem großen, hellerleuchteten Hauſe vor ſich geht,
ein Maskenball vielleicht, eh . . . ?‟ (Es gibt auch Genfer, die noch
nicht wiſſen, daß in ihrer Stadt etwas wie der Völkerbund
be=
ſteht . . .) Nun tänzelten die beiden eine Weile hin und her, etwas
ſchüchtern, etwas geduckt, aber dennoch — naſeweis und
vor=
laut — ſteckten ſie ihre ſchwarzen Maskennaſen in ein
Konferenz=
zimmer, in den Preſſeſaal und noch in irgend einen geheiligten
Völkerbundsraum Aber dieſes „ſchamloſe Treiben” währte
nicht lange; bald trat ein gewichtiger Jemand „mit einer
Be=
ſchwerde an die Behörde” heran, ein anderer Jemand nahm, wie
es ſich gehört, „öffentliches Aergernis”, und hurtig erſchienen
nun die Portiers, die für eine Weile zu döſen und zu lauſchen
aufgehört hatten, und bugſierten die beiden kleinen Fabelweſen
ſachte, aber entſchieden dem Ausgang zu. Mit gedemütigter
Miene irrten beide noch eine letzte Sekunde, vor den Schergen
hertänzelnd, hin und her, verſuchten noch ein letztes Mal, gegen
das Grau des Alltags und der „öffentlichen Ordnung”
aufzu=
mucken, mußten aber dann, der Gewalt weichend, — zwei lofen,
fremden, flitterbunten Schmetterlingen gleich — wieder dorthin
hinausflattern, von wo ſie hergeflogen waren: auf die freie,
breite Gottesſtraße — „tſching=tſching bum — um die Ecke ...
„Woher? Wieſo? Weshalb?” Auf ein Haar genau wie beim
Auftauchen irgendeiner beliebigen politifchen Senſation ſchwirrte
es nun in einem Dutzend verſchiedenſter Sprachen durch die
Völ=
kerbundshallen, und einen Augenblick ſchien es faſt, als
inter=
eſſierten ſich Weltpolitiker und Weltpreſſe viel wehr für dieſe
zwei ſimplen, zufällig in ihre Mitte geflatterten Masken, als für
„Inveſtigation” „Militärkontrolle” und all die anderen großen
Probleme ihres beruflichen Tages Aber im Ernſt — wie
kamen zwei politiſch völlig unintereſſierte „Zivilperſonen”
plötz=
lich auf den barocken Gedanken, in Masken und Vermmmung
inmitten dieſer diſtinguierten, jeglicher Masken baren Geſellſchaft
zu erſcheinen? Durchaus berechtigter Weiſe fragten ſich Politiker
wie Journalift danach, und als Antwort fiel da das Wort —
„Escalade”l Genf feierte nämlich juſt am ſelben Tage, da
Deutſchland und die ehemalige Entente um Beſeitigung
reſpek=
tive Erhaltung der vorletzten Feſſeln der Nachkriegszeit kämpften,
nichtsahnend und ſongenlos ſeinen alljährlichen Karneval, ge=
nannt „IEscalade” — „die Kletterei” — ein Erinnerungsfeſt
an einen mißglückten Kletterangriff des Herzogs von Savoyen
auf die freie Stadt Genf anno 1602.
Damals geſchah es alſo: der katholiſche und abſolutiſtiſche
Herzog von Savoyen hatte der proteſtantiſchen und demokratiſchen
Genfer Republik feierlichſt (ganz u la Locarno .) verſprochen,
ſich dieſer Stadt nie und nimmer mehr mit feindlichen Abſichten
zu nähern. Aber trotz dieſes feierlichen und beſiegelten
Verſpre=
chens — führte der gute Herzog dennoch Heimtückiſches im Sinne
und eines ſchönen Tages oder vielmehr in einer kalten,
regneri=
ſchen und finſteren Dezembernacht (am 12. Dezember 1602) ſchickte
er ſeinen treuen Freund D Albigny mit 300 Mann aus — Genf
zu erobern. Die kriegsmütigen, edlen Ritter ſchlichen ſich an die
Mauern der Tags emſig Handel treibenden, nachts aber friedlich
ſchlafenden Stadt Genf mit langen Leitern (daher „Escalade‟. . .)
heran und drangen unbehindert über den erſten Mauergürtel
hinüber, ſo daß der edle D Albigny bereits einen Eilboten an den
Herzog mit der frohen Botſchaft entſandte — „Genf iſt
genom=
men!“ Aber das war entſchieden etwas voreilig gehandelt: denn
die Genfer erwachten plötzlich und warfen ſich — manche in
Nacht=
hemden und Schlafmützen — mit dem ganzen Kampfesmut ihre
„heiligſten Güter” verteidigender Krämer gegen die räuberiſchen
Ritterſcharen und beſiegten dieſe — ſelbſt einige Tauſend
Nacht=
hemden können ſchließlich mit nur 300 Eiſenpanzern fertig
wer=
den — nach einem recht wenig anſtrengenden Gefecht vollkommen
und reſtlos. Eine alte, dicke Frau „la mere Roraume” warf aus
ihrer nahe der Stadtmauer gelegenen Behauſung einem Ritter
einen rieſigen kupfernen Keſſel auf den Kopf und wurde ſpäter,
infolge dieſer beiſpielloſen Heldentat, als eine Art Genfer „Jeanne
d’Arc” von Groß und Klein allgemein geprieſen und hoch verehrt
Immerhin etwas bemerkenswerter war die Tat eines
Lothringers, der als Söldner in Genfer Dienſten ſtand, und als
ewa 20 Savoyarden im Begriff waren, das Haupttor zu ſtürmen,
ſchnell entſchloſſen, einige Taue zerhieb, welche das Fallgatter
hielten. Das imens=ſchwere, aus Eiſen und maſſivem Holz
zuſammengefügte Ding legte ſich mit ſeiner ganzen Wucht auf die
Savoyarden und zerdrückte dieſe wie ſchwoche, unmündige
Flie=
gen. Das rettete die ganze Situation, da nun die Genfer Zeit
erhielten, zur Verteidigung des Haupttores Hilfstruppen
herbei=
zuführen. So heißt es denn auch über den braven Lothringer in
allen Genfer Geſchichtsbüchern lobend: „Ainsi Genéve était
sauvée Dar la main dun simple soldat!” Wie lohnte aber die
ſtolze Republik Genf den Mut, die Entſchloſſenheit und den ihr
erwieſenen, unſchätzbaren Dienft des ſchlichten, biederen
Kriegs=
mannes? Folgendermaßen: primum — machte man ihn zum
Bürger der Republik Genf, secundum — befreite man ihn von
allen üblichen, ſonſt bei der Einbürgerung zu erhebenden
Ge=
bühren und tertium — ſchenkte man ihm 2 (in Worten —
„zwei!”) güldene Dukaten „in cash‟! Ein giftiger Mann, der
dieſes einige hundert Jahre ſpäter erfuhr, behauptete — es hätte
ſich damals im Ringen Genfs gegen Savoyen gar nicht um —
Demokratie gegen Abſolutismus und auch nicht um
Proteſtan=
tismus gegen Katholizismus, ſondern einfach um den noch heute
überall in der Welt zu beobachtenden Kampf des Krämertums
gegen das Rittertum gehandelt. Den Lothringer im Jenſeits
ſollte man fragen — was er hierzu zu ſagen hätte. .
Als weitere Kurioſitäten der „Escalade” wären noch zwei
Details, die ſich am nächſten Morgen in Genf und im Lager der
Savoyarden zutrugen, zu erwähnen. In Genf — zelebrierte der
83jährige, hochwüirdige Théodor de Bäze im Dom zu St. Petri
eine Dankesmeſſe, wobei er allerdings eingeſtand, daß er die
ganze Nacht prächtig geſchlafen und von der ganzen „Escalade‟
und dem immerhin recht lauten Bombardement nicht das
Ge=
ringſte gehört hätte. . . Im Lager des Feindes dagegen hatte
der Herzog von Savoyen, als er von ſeinem treuen D’Albigny die
erſte Kunde von der Einnahme Genfs erhielt, in der erſten
Freude, auch ſeinerſeits Eilboten ausgeſandt und zwar — einen
an den Papſt, den anderen an den König von Spanien — mit
der Nachricht, daß das proteſtantiſche Genf endlich in ſeiner Hand
und von nun ab brav katholiſch ſein werde. Erſt gegen Morgen
erreichte ihn die Hiobsbotſchaft. Die Boten zurückzuholen, war
nicht mehr möglich. Der Herzog wurde daher gelb und rot vor
Scham und Zorn, ließ ſeinen treuen D’Albigny kommen und
ſagte ihm voller Grimm: Vous avez fait la une belle cacade!"
Zu deutſch — „Einen ſchönen Dreck haben Sie mir da angerichtet,
mein Herr!” Ein würziges Wort, das von nun ab zum
belieb=
teſten Sprichwort der Genfer Bürgerſchaft wurde und es noch
heute iſt..
Seit jenem Tage feiert nun Genf alljährlich am 12. Dezember
einen Erinnerungs= und Dankes=Karneval. So ſieht man dieſes
gute Völklein auch heuer drei ganze Tage vermmmt, maskiert
und bunt geputzt, durch die Straßen laufen, hopſen und tanzen.
Auf all den Straßen, wo man ſonſt gewohnt war, mehr oder
weniger bekannten politiſchen Perſönlichkeiten, vielweſerigen
Journaliſten und politiſchen ſowie unpolitiſchen Touriſten zu
begegnen — ſieht man heute faſt ausſchließlich Bajazzi,
Mar=
quiſen, Türken, Schornſteinfeger, Amouretten, Pierretten und
ähnliches abenteuerlich gekleidetes Volk: über die Mont=Blanc=
Brücke, den Quai Wilſon entlang, durch die Hauptſtraßen,
überall hin erſtreckt ſich die endloſe Menſchenſchar. Viele machen
Muſik auf allerhand erlaubten und unerlaubten Inſtrumenten,
ſingen allerhand derbe Lieder, in denen das Wort „Cacade” nichn
allzu ſelten vorkommt, oder johlen auch laut und unartikuliert in
der Art, wie es ausgelaſſene und über ihr Daſein nicht ſonderlich
beunruhigte Kreaturen eben öfters zu tun pflegen..."
Das begann bereits am 10. Dezember, doch erſt am 12., das
heißt am Sonntag, iſt der Höhepunkt erreicht. An dieſem Tage
— nebenbei ſei auch daran erinnert — wurde in Genf die
Auf=
hebung der interalliierten Militärkontrolle verkündet und wir
Preſſemänner weilen abends im Hotel „Metropol” bei Dr.
Streſe=
mann, um ſeine hierauf bezüglichen Erklärungen
entgegenzuneh=
men. Im Hotel herrſcht nicht nur Preſſetrubel, ſondern auch
unverkennbare Escalade=Stimmung: in verſchiedenen Sälen
wird getanzt, der Genfer „Verein ruſſiſcher Bürger” (der ſonſt
nichts Beſſeres zu tun hat. . ) arrangiert hier gerade einen
Maskenball. Und während der Miniſter zu uns in ernſten
Wor=
ten von der Bedeutung dieſer Stunde für das Werden und
Ge=
ſchehen in Deutſchland ſpricht, ſieht man durch die Glastüre
fort=
während zahlreiche Masken hurtig und fröhlich vorbeitanzen und
werden die Worte des Miniſters dauernd durch lautes Grölen,
Trompeten und Knarren underbrochen, das von der lauten
Kar=
neval feiernden Straße in dieſen von Politik und Geſchichte
er=
füllten feierlichen Raum dringt.
Von wo ſpricht nun das wirkliche Leben zu uns — von jenem
überſchäumenden, ausgelaſſenen Tollen des Karnevals, jenem
bunten, verwirrenden Karruſſel der Straße? oder aus der Stille
jewer Konferenzräume, wo die Großen dieſer Erde die
Grund=
logen für ein neues Aufkommen und eine erträgliche Zukunft
ihrer Völker zu ſchaffen verſuchen? Heute iſt man in dieſer
poli=
tiſchen Welt einen ſo großen Schritt vorwärts gekommen, daß
ſelbſt der „Mann auf der Straße” es ſpüren muß — wie
dieſes=
mal der Geiſt des Lebens über denjenigen der Vernichtung und
Verneinung einen herrlichen Triumph errungen hat. Wohl daher
liegt eine merkwürdige Harmonie über dieſem 12. Dezember 1926,
jenem Tage, da Genf das Feſt der „Escalade” feierte, und hier
gleichzeitig ein bleibendes Friedenswerk vollbracht wurde — eine
Harmonie zwiſchen dem Uebermut und Volksjubel dieſer Stadt
und jenem geſchichtlichen Geſchehen, dem zur ſelben Zeit die hier
verſammelten europäiſchen Staatsmänner feierlich ihre Siegel
auferlegt hatten. Leben iſt überall und — Leben ſiegt überall . ..
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Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Geite 9
Reich und Ausland.
Winterſportbericht der Frankfurter Wetterwarte.
WSN. Frankfurt a. M. Taunus (Kleiner Feldberg): Leichter
Schneefall, 2 Grad Kälte, 15 Zentimeter Schnee, ſehr gleichmäßig, Ski
und Rodelmöglichkeiten. — Vogelsberg (Hoherobskopf):
Schnee=
treiben, 3 Grad Kälte, 35 Zentimeter Schnee, davon 10 Zentimeter
Neu=
ſchnee, Ski= und Rodelmöglichkeiten ſehr gut. — Rhön (Waſſerkuppe):
Starker Schneefall, 3 Grad Kälte, 35 Zentimeder Schnee, davon 10
Zenti=
meter Neuſcheu, für alle Sportarten ausgezeichnet. — Im
Weſter=
wald und im Speſſart iſt zwar wieder etwas Schnee gefallen,
je=
doch keine Sportmöglichkeiten. Dagegen melden Schwarzwald
Thüringerwald, Harz und Alpen neue ſtarke Schneefälle
und ausgezeichnete Sportmöglichkeiten. — Die Tempevaturen werden ſich
in den Mittelgebirgen nur in den höchſten Lagen unter dem
Gefrier=
punkt halten, in den niederen Lagen dagegen zunächſt zeitweiſe darüber
anſteigen. Später iſt jedoch auch hier mit einem Rückgang der
Tempera=
turen zu rechnen. Weitere ſtärkere Niederſchläge ſind vorläufig nicht
wahrſcheinlich.
* Frankfurter Chronik.
WSN. Schwerer Einbruchsdiebſtahl. In der vergangenen
Nacht drangen unbekannte Täter in ein Delikateſſengeſchäft im Weſtend
und ſtahlen eine große Menge Menge Wein, Spirituoſen, Zigarren,
Zigaretten, Konſerven und Wurſtwaren. Die Täter müſſen zum
Ab=
transport der Waren (darunter etwa 400 Flaſchen Wein) einen Wagen
benutzt haben. — Der 2jährige Handlungsgehilfe Joſef Goldenberg aus
Frankfurt wurde wegen ſchweren Einbruchdiebſtahls feſtgenommen. Er
hat in letzter Zeit mehrere Einſteigdiebſtähle von Gärten aus durch
offenſtehende Parterrefenſter ausgeführt. — Zwei Millionen
Kronen unterſchlagen. Nach einer Mitteilung der hieſigen
Kriminalpolizei iſt der 40jährige Kellner Karl Hoffmann aus Oeſterreich
nach Unterſchlagung einer Summe von zwei Millionen Kronen flüchtig
gegangen. — Landwirtſchaftliche A
Löſung zu bieten, hat ſich der Frankfurter Landwirtſchaftliche Verein
entſchloſſen, in der Zeit vom 10.—14. Januar 1927 eine landwirtſchaftliche
Woche zu veranſtalten. Es iſt gelungen zu dieſer für Beſitzer und Pächter
von Gutshöfen oder deren Betriebsleiter, ferner für alle dem geſunden
Fortſchritte geneigten Landwirte gleich wichtige Veranſtaltung eine Reihe
anerkannter Fachautoritäten zu gewinnen. Dieſe Herren werden alle die
Gegenſtände in Vorträgen zur Erörterung bringen, die heute das
Inter=
eſſe des praktiſchen Landwirts bewegen und es wird in Verbindung mit
der für jeden Vortrag vorgeſehenen Ausſprache die Möglichkeit zu einem
erſprießlichen Gedankenaustauſch under den Teilnehmern gegeben ſein.
Autvunfall eines Reichsbahndirektionspräſidenten.
WSN. Kaſſel. Auf der Lutterberger Höhe geriet imfolge des
ſchlüpfrigen Weges ein Auto, in dem ſich der Präſident der
Reichsbahn=
direktion Kaſſel und drei andere Herren der Eiſenbahndirektion befanden,
ins Schleudern und ſtürzte in einen Graben. Die Inſaſſen erlitten
ſämt=
lich leichte Hautverletzungen, kamen aber ſonſt mit dem Schrecken davon.
Das Auto wurde ſchwer beſchädigt und mußte abgeſchleppt werden.
Ein Auto Unter den Linden gepfändet.
Unter den Linden, vor dem Geſchäftslokal einer Privatbank, wurbe
ein Perſonenauto durch den Gerichtsvollzieher gepfändet und ſofort
weg=
geführt. Ein Kunde hatte mit der Firma Schwierigkeiten, ſein
Gut=
haben herauszubekommen. Nach verſchiedenen Vertröſtungen erhielt er
einen Poſtſcheck, der aber nicht in Ordnung ging. Da eine Pfändung in
den Geſchäftsräumen der Bank fruchtlos blieb, ließ der Anwalt des
Geſchädigten den Wagen eines der Inhaber pfänden.
Das Urteil gegen Michael Holzmann.
Berlin. In dem Prozeß gegen Michgel Holzmann wurde
geſtern früh das Urteil verkundet. Der Angeklagte wird wegen
Beſtechung des Regierungsrates Bartels und des Kriminalbeamten Rothe
under Einbeziehung der gegen ihn in der Strafſache Kutiſker und
Ge=
noſſen erkanten Strafe von 1 Jahr 6 Monaten zu einer Geſamtſtrafe
von 2 Jahren Gefängnis verurteilt. 15 Monate und zwei Wochen
wurden durch die Unterſuchungshaft als verbüßt erklärt. Von der
An=
klage der Erpreſſung wurde er freigeſprochen. Das Verfahren wegen
verſuchten Betruges bei dem Osramgeſchäft und wegen vollendeten
Be=
truges im Falle des Hanauer Lagers wurde auf Antrag des
Staats=
anwalts vorläufig eingeſtellt. Die Haftbefehle wurden vorläufig
auf=
gehoben, jedoch bleibt Holzmann weiter in Gewahrſam, da er ſich noch
in Strafhaft befindet.
Vier Monate Gefängnis wegen Verherrlichung der Erzberger=
Mörder.
Vor dem Großen Schöffengericht in Magdeburg hatten ſich der
Ver=
faſſer des die Rathenau= und Erzberger=Mörder verherrlichenden Artikels
in der Standarde” und der verantwortliche Redakteur dieſer
Stahl=
helmzeitſchrift zu verantworten. Die Anklage war auf Grund des
Republikſchutzgeſetzes erhoben worden. Redakteur Schwarz wurde zu
vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung gegen
den Verfaſſer, des Artikels, Schaunecker, wurde vertagt.
Die Leipziger Millionenbetrugs= und Steuerhinterziehungsaffäre.
DD. Leipzig. Der Inhaber der Pelzfirma David Biedermann,
eine der führenden Pelzwarenfirmen in Leipzig, und ſein Prokuriſt
Cohen wurden, wie bereits mitgeteilt, wegen Verſicherungsbetruges und
erheblicher Steuerhinterziehungen, die mehrere Millionen betragen,
ver=
haftet und dem Unterſuchungsgefängnis zugeführt. Biedermann iſt von
Geburt Ruſſe, lebt aber ſeit 40 Jahren in Deutſchland. Er begann
damals in Leipzig ein kleines Fellgeſchäft, das ſich dank der Beziehungen
Biedermanns zum ruſſiſchen Pelzhandel ſehr ſchnell entwickelte. Einen
großen Umfang gewann das Geſchäft dadurch, daß Biedermann während
des Krieges größere Pelzlieferungen hatte und dabei ſehr viel Geld
ver=
diente. Dieſe Kriegsgewinne legte Biedermann zum größten Teil in
billig erſtandenen Leipziger Grundſtücken an. Dadurch war es ihm
mög=
lich, ſein umfangreiches Vermögen auch durch die Inflation zu retten.
Biedermann errichtete auch im Ausland zahlreiche Filialen. So kam
es, daß er auf dem Leipziger Brühl als einer der reichſten Leude galt.
Biedermanns Vermögen wird auf 60 bis 70 Millionen Reichsmark
ge=
ſchätzt. Der Verdacht der Steuerhinterziehung war nicht einmal der
hauptſächlichſte Anlaß zu dem Vorgehen der Staatsanwaltſchaft, es lag
vielmehr in erſter Linie eine Anzeige wegen Verſicherungsbetrugs gegen
die Firma Biedermann vor. Seit Jahren hat eine
Verſicherungsgeſell=
ſchaft feſtgeſtellt, daß die bei ihr verſicherten Auslandsſendungen der
Firma außerordentlich hohe Verluſte aufwieſen, für die die
Verſicherungs=
geſellſchaft jeweils in Anſpruch genommen wurde. Durch Anzeige eines
früheren Angeſtellten iſt die Unterſuchung in Gang gekommen. Die
Differenzen ſollen namentlich bei ſolchen Sendungen entſtanden ſein, die
von der Firma Biedermann aus Rußland über Oeſterreich und
Deutſch=
land nach London geleitet worden ſind. Gegen den noch inhaftierten
Prokuriſten Cohen der Firma Biedermann ſoll außerdem der Verdacht
des Meineides beſtehen.
Einbruch in ein Poſtamt.
Görlitz. Bei einem Einbruch in ein Poſtamt ſind den Tätern
außer einem kleinen Barbetrag Poſtwertzeichen im Betrage von etwa
13 000 Reichsmark in die Hände gefallen.
Ein Poſtinſpektor nach Unterſchlagung von 350 000 Mark flüchtig.
TU. Bochum. Nach Unterſchlagung von 350 000 Mark iſt
der Poſtinſpektor Kattwinkel vom hieſigen Poſtamt
flüch=
tig geworden. Man vermutet, daß ſich der Defraudant ins
Aus=
land begeben hat.
Ein Meteor bei Bremen niedergegangen.
Bremen. Samstag morgen ging hier beim Doven=Tor ein
Meteor nieder, das plötzlich durch einen Feuerſtrahl ſichtbar wurde
und zur Erde niederſchoß. Die Einſchlagſtelle zeigt ein etwa ½ Meter
tiefes und ½ Meter breites Loch.
Unfall auf der Preußengrube.
Beuthen. Nach einer Meldung der „Oſtdeutſchen Morgenpoſt”
wurde bei Verzimmerungsarbeiten in der Preußengrube ein Häuer
in=
folge eines Gebirgsdruckes durch nachſtürzende Kohlen verſchüttet. Als
drei in der Nachbarſchaft tätige Arbeiter dem Verunglückten zu Hilfe
kommen wollten, erfolgte ein zweiter Gebirgsdruck, wobei die drei Helfer
gleichfalls verſchüttet wurden. Zwei der Verunglückten konnten nach
mehrſtündiger Arbeit leicht verletzt geborgen werden, während bei den
anderen Bergleuten nur der Tod feſtgeſtellt werden konnte.
Die franzöſiſche Taktik zur moraliſchen
Entlaſtiung Rouziers.
Die Vernehmung über den Wirtſchaftsſtreit, der mit
der Bluttat Rouziers nichts zu tun hat.
WSN. Landau. Zur moraliſchen Entlaſtung Rouziers verhandelte
das Gericht, ſeiner bisherigen Taktik folgend, einen der Bluttat des
Rouzier vorausgehenden, mit ihr nicht in Zuſammenhang
ſtehenden Wirtſchaftsſtreit zwiſchen franzöſiſchen
Beſatzungs=
angehörigen und Deutſchen. Am 26. September befanden ſich in der
Wirtſchaft „Zum Engel” in Germersheim zwei franzöſiſche Soldaten,
von denen der eine weniger, der andere total betrunken war und die
Gäſte beläſtigte und mit dem Bajonett bedrohte. Der Arbeiter Kögler
luchte den Soldaten Gorin daran zu verhindern, die Kellnerin Sickeiſen
zu ſchlagen. Die Kellnerin nahm ihm das Bafonett weg, damit er
weiter kein Unheil anrichten konnte. Dann wurde er von dem Zeugen
Kerner vor die Tür geſetzt. Auf der Straße hatte Gorin, der Streit
ſuchen wollte, einen weiteren Zuſammenſtoß mit Deutſchen, woran noch
der Angeklagte Heinrich Fechter beteiligt geweſen ſein ſoll, was dieſer
beſtreitet. Der franzöſiſche Soldat Cauſſimon, der als Zeuge darüber
vernommen wurde, erkennt jedoch den Fechter nicht. Im übrigen ſtellt
er den Vorfall in der Wirtſchaft „Zum Engel” als ſehr harmlos dar.
Die ſodann als Zeugin vernommene Kellnerin Sicheiſen, die Braut des
franzöſiſchen Unterleutnants Prud’homme, ſtellt den Vorfall
wahrheits=
gemaß dar. Die beiden Soldaten hätten ſie beläſtigt, und als Gorin ſie
ſchlagen wollte, ſei ihr Kögler zu Hilfe gekommen und habe den
Fran=
zoſen zurückgeriſſen, wobei beide über das Büfett gefallen ſeien. Als
dann der Vertreter des Wirts, Kerner hinzugekommen ſei, habe der
Soldat das Bajonett gezogen, das ſie (Zeugin) ihm abgenommen habe,
worauf der Soldat von Kerner vor die Tür geſetzt worden ſei.
Die weiteven Ausſagen der Zeugin Sickeiſen widerlegten
eben=
falls die franzöſiſchen Theſen, daß allgemein eine feindſelige Stimmung
unter der deutſchen Bevölberung, beſonders bei den jungen Burſchen
unter Führung des Matthes gegen die Franzoſen beſtanden habe. Denn
Gorin habe noch mehr verdient.
Die ausführliche Schilderung des Zeugen Kerner, der den Wirt an
dem betreffenden Abend in der Wirtſchaft „Zum Engel” vertrat,
beſtä=
tigte, daß Gorin ſchon ſofort nach Betreten der Wirtſchaft Streit
ge=
ſucht habe. Er habe ohne jeden Grund die Kellnerin Sickeiſen
beſchul=
digt, daß ſie ſeinen Bruder angezeigt habe, weil er am Kriegervereins=
Der Schauplatz der Germersheimer Bluttat.
Die Oberamtſtraße in Germersheim.
Rechts das Poſtamt wit dem Tor der franzöſiſchen Dienſtſtelle,
im Hintergrund das Offizierskaſino.
feſt deutſche Fahnen heruntergeriſſen habe. Er habe das Mädchen
ſchlagen wollen. Nachdem Gorin zum zweiten Male in die Wirtſchaft
eingedrungen ſei, habe er eine Lampe zerſchlagen. Während der Zeuge
Kern bei dem franzöſiſchen Soldaten kein gezogenes Seitengewehr geſehen
hat, erklärt der Wirt Ludwig Braun auf das beſtimmteſte, daß der
Franzoſe von ſeinem Seitengewehr Gebrauch machen wollte, und daß er
von der Kellnerin Sickeiſen entwaffnet worden ſei. Er betonte ferner,
daß das dem Gorin abgenommene Seitengewehr einem franzöſiſchen
Offizier, der einige Zeit nach dem Vorfall in die Wirtſchaft kam und das
Seitengewehr verlangte, ohne weiteres ausgehändigt wurde,
Nachdem die Ausſage des protokollariſch vernommenen Soldaten
Oger verleſen war der im großen und ganzen die Ausſagen der
deut=
ſchen Zeugen beſtätigte, wurde die Vormittagsſitzung geſchloſſen.
Die Vernehmung des 1Tjährigen Klein.
In der Nachmittagsſitzung des Rouzier=Prozeſſes erklärt der 17
jäh=
rige Zeuge Willy Klein: Wir wollten in der Wirtſchaft Schlindweil eim
Glas Vier trinken. Da kamen mehrere franzöſiſche Soldaten aus der
Poſt und nahmen mich feſt. Ich wurde in die Poſt gebracht und dort
verprügelt. Dann hat man mich wieder hinausgeführt. Draußen hat
Leutnant Rouzier, der gerade vorüber ging, mir mit der Reitpeitſche
zweimal über den Hinterkopf geſchlagen. Dann hat man mich in die
Kaſerne gebracht. Von einem anderen Offizier, der gegen Rouzier
ein=
geſchritten iſt, habe ich nichts bemerkt. Der deutſchen Verteidigung hat
Klein ſeinerzeit geſagt, beim Verlaſſen der Kaſerne habe ſich Rouzier
über ihn luſtig gemacht. Trotz wiederholter Fragen hält er heute dieſe
Ausſagen nicht aufrecht. Der franzöſiſche Aſſiſtent Gargon proteſtiert
ſcharf gegen die wiederholte Frageſtellung der deutſchen Verteidigung.
Der Zeuge habe ausgeſagt, daß er Rouzier nach der Entlaſſung aus
der Kaſerne nicht mehr geſehen habe. Das müſſe dem Gericht genügen.
Leutnant Brunet beſtätigt, daß er bei der Verhaftung des Klein
au=
weſend war und Rouzier zurecht wies, als dieſer dem Klein einen Hieb
mit der Reitpeitſche verſetzte. Unterleutnant Prud’ homme hat mit
Rouzier und Filloux in der Wirtſchaft Engel das Bafonett geholt. Auf
Veranlaſſung der Zeugin Fleckeiſen hat er ſich dann mit Brunet zur
Kaſerne begeben, um Klein zu befreien. Rouzier ſei, ſo ſagt der Zeuge
aus bis zur Kaſerne mitgegangen. Rouzier beſtätigt das und erklärt,
er habe Klein, der geſchlafen habe, geweckt.
Der Zuſammenſtoß am Ludwigstor.
Nach Vernehmung weiterer Zeugen, die den Zwiſchenfall mit dem
Lehrling Klein beobachtet haben und die Angaben der übrigen Zeugen
beſtätigen, geht das Gericht zum Fall Holzmann über. Der Angeklagts
Rouzier ſchildert den Zuſammenſtoß mit einem Trupp von vier
Leuten am Ludwigstor. Zuerſt babe der Mitangeklagte Holzmann
hm die Brille zu Boden geſchlagen. Darauf habe er, Rouzier, mit der
Reitpeitſche nach Holzmann geſchlagen und zweimal mit dem Revolver
in die Luft geſchoſſen. Da er Holzmann nicht ſchreien hörte, habe er
geglaubt, ihn nicht getroffen zu haben. Die Leute ſeien dan
weggelau=
fen. Er ſei dann nur wenige Augenblicke in der Nähe des Tores
ge=
blieben, um ſeine Brille und ſeine Reitpeitſche zu ſuchen.
Wiedergefun=
den habe er nur die Reitpeitſche. Darauf wird der Angeblagte
Holz=
mann vernommen. Er ſtellt den Vorfall anders dar. Als er am
Ludwigstor feſtſtellen wollte, wer der fremde Ziviliſt im Schatten der
Tormauer ſei, ſei dieſer plötzlich ein paar Schritte vorgeeilt und habe
ihm mit der Peitſche einen ſchweren Schlag ins Geſicht verſetzt. Er ſei
dann ſofork betäubt geweſen und wiſſe nur noch, daß er vornüber auf
den Bürgerſteig gefallen ſei.
Ein Zwiſchenfall zwiſchen dem franzöſiſchen
Staatsanwalt und der deutſchen Verteidigung.
In der Zeugenvernehmung zum Fall Holzmann beſtätigt Zeuge
Klein die Ausſage Holzmanns. Als Klein bekundet, er habe ſich von
Germersheim nach Reinheim begeben, wo er eine tägliche
Unter=
ſtützung von drei Mark durch das Rote Kreuz von Karlsruhe geholtz
habe, ſtellt der Anklagevertreter Kapitän Tropſt erregt feſt, dies ſei
von „kapitaler Bedeutung”, wogegen die deutſche Verteidigung energiſch
proteſtiert. Als der franzöſiſche Staatsanwalt auch an den Zeugen
Schloſſer Schardt aus Germersheim, der ſich ebenfalls ins unbeſetzte
Gebiet begeben hatte, die gleichen Fragen wie an den Zeugen Klein
zu ſtellen verſucht, wovon er lebe uſw., kommt es zu einem erregten
Zwiſchenfall zwiſchen Staatsanwalt und deutſcher Verteidigung, die
gegen dieſe Frageſtellung energiſch proteſtiert, mit der man politiſche
Momente in den Prozeß hineinzutragen verſuche. Rechtsanwalt Dr.
Grimm verlieſt eine längere Erklärung der deutſchen Verteidigung, im
der feſigeſtellt wird, daß ſolche Fragen für dieſen Prozeß ohne jedes
Intereſſe ſeien und lediglich aus politiſchen Gründen geſtellt würd n.
Sie ſeien nur geeignet, eine feindſelige Stimmung zu ſchaffen und
da=
durch die Intereſſen der deutſchen Verteidigung ſchwer zu benachteiligen.
Zum Schluß wird beantragt, dieſe Fragen nicht zuzulaſſen. Der
Staats=
anwalt erklärt, er habe an den Fragen kein Intereſſe mehr, nachdem in
der Erklärung der deutſchen Verteidigung feſtgeſtellt ſei, daß bei dem
Zeugen Schardt die gleiche Situation vorliege wie bei dem Zeugen
Klein. Nach nur wenige Minuten dauernder geheimer Beratung wird
verkündet, daß das Gericht mit 3:2 Stimmen beſchloſſen habe, die Fragen
nicht zuzulaſſen. Hierauf wird die Verhandlung auf Sonntag vormittag
vertagt,
Zuſammenſtöße zwiſchen italieniſchen und jugoſlawiſchen
Studenten.
niſchen und jugoſlawiſchen Studenten ſtatt, wobei es mehrere Verletzte
gab. Die Wachen vor dem jugoſlawiſchen Konſulat in Fiume wurden
verſtärkt. Auch der Grenzverkehr unterliegt einer ſcharfen Kontrolle.
Erdbeben an der adriatiſchen Küſte.
EP Mailand. In verſchiedenen Städten und Dörfern der
ſüd=
ichen Adriaküſte, wie Ancona, Lecce, Tarent uſw. wurde am Freitag
morgen gegen 7.30 Uhr ein heftiges Erdbeben verſpürt, deſſen
Herd in Albanien zu liegen ſcheint, von wo jedoch noch keine
Nach=
richten vorliegen. Das Beben wiederholte ſich um 12.40 Uhr. In
Brin=
diſi brach unter der Bevölkerung eine Panik aus. Die Erdbebenwarte
der Univerſität Padua erklärt, der Herd des Bebens müſſe in einer
Entfernung von 800 Kilometern liegen.
Die Sturmkataſtrophe in Madeira.
EP. Paris. Nach Meldungen aus Funchal ſind in dem bereits
gemeldeten Wirbelſturm verſchiedene Küſtenſchiffe, darunter
drei=
zehn Leichter, ſechs Motorboote und eine Yacht geſunken oder auf
Strand geworfen worden.
Straßenraub in Canſas City.
Canſas City. In einer belebten Straße raubten ſechs Banditen
einem Bankbeamten 79 000 Dollar und entkamen in einem Auto.
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Wetterbericht.
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Nach der Wetterlage vom 18. Dezember 1926.
Wolkig, zeitweiſe auch heiter, nachts Fallen der Temperaturen bis
zum Gefrierpunkt und auch darunter, vorwiegend trocken.
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Sonntag, den 19. Dezember 1926
Nummer 351
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beehren ſich hiermit anzuzeigen
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Dezember 1926.
39)
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Allen Verwandten und Bekannten die traurige
Nach=
richt, daß unſer lieber, braver Sohn, Bruder, Schwager,
Neffe und Onkel
Karl
nach vollendetem 25. Lebensjahre plötzlich und
uner=
wariet ſanft entſchlafen iſt.
In tiefer Trauer:
Familie Georg Dillmann
Karl Gräb.
Darmſtadt, Wilhelmshaven, den 17. Dezember 1926.
Sandbergſtr. 49.
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Heute morgen entſchlief ſanft nach langem TLeiden unſere
ge=
liebte, gute Mutter, unſere liebevolle Großmutter
Mau Hutte Tocnto
geb. Röder.
In ſchmerzlicher Trauer:
Dr. Manfred Edward, Miniſierialrat
Frida Edward, geb. Hickler
Manfred, Sigrid und Eberhard.
Darmſiadt und Berlin, den 17. Dezember 1926.
(e33249
Die Einäſcherung findet ſtatt am Montag, den 20. ds Mis, vormittags
/12 Uhr, auf dem Waldfriedhofe.
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mitten in ſeiner Tätigkeit infolge
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unſer guter Vater, Schwiegervater,
Schwager, Bruder, Onkel und
Großvater
im 58. Lebensjahre. (18783
Die trauernden Hinterbliebenen:
Ellſe Schlereth. geb. Braun
Anguſt und Richard Schlereth
Fritz Wirſching und Frau
Adam Michel und Frau
Heinrich Schröbel und Fran
und 2 Enkelkinder.
armſtadt, Mollerſtraße 14, Köln,
Bad Kiſſingen, 18. Dez. 1926.
Die Beerdigung findet Montag,
den 20. Dezember, nachmittags
3½ Uhr, auf dem Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
aufrich=
tiger Teilnahme anläßlich des
Heim=
gangs unſerer lieben Entſchlafenen
ſagen wir auf dieſem Wege unſern
herzlichen Dank. Beſonders danken
wir Herrn Pfarrvikar Schäfer für
ſeine troſtreichen Worte, ſowie Frau
Krug und all den vielen
Kranz=
ſpenden, ebenſo Allen, die ſie zur
letzten Ruhe begleiteten. (* 33233
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
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Familie Geyer
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Nummer 351
Seite 71
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Die tolle Herzogin.
21)
Roman von E. Klein
(Nachdruck verbeten.)
Anders ſein Genoſſe und Gefährte in mancher großen
Wirtſchaftsſchlacht. Grolmans, ein Mann Mitte der Fünſzig,
Röder reichlich zwanzig Jahre jünger. Elegant, blauäugig,
liebenswürdig — auch ein Kosmopolit, aber des Vergnügens.
Man kann zwar nicht ſagen, daß er, umgekehrt wie Grolmans,
noch nie drei Tage hintereinander in ſeinem Bureau in der
Behrenſtraße zu Berlin geweſen war, aber immerhin muß
zu=
gegeben werden, daß Herr Doktor, Fritz Röder Paris, San
Sebaſtian, Monte Carlo und Sankt Moritz dem Aufenthalte an
ſeinem Schreibtiſche bei weitem vorzog. Jedenfalls ſteht feſt,
daß er keines ſeiner großen Geſchäfte in ſeinem Kontor
abge=
ſchloſſen hatte. Als Grolmans im letzten Winter daranging, die
Erzgruben im Ural in ſeinen Beſitz zu bringen, hatte Doktor
Röder gerade ſeine Zelte im Carlton in Sankt Moritz
aufge=
ſchlagen und brachte ſeine Zeit damit zu, einer bildhübſchen
Franzöſin die irrige Meinung beizubringen, ſie könnte ihm den
Kopf verdrehen. Grolmans entfandte eine geharniſchte Depeſche,
die Doktor Röder mit der liebenswürdigen Einladung
beantwor=
tete, die Konferenz in Sankt Moritz abzuhalten, wo gerade mehr
ſchöne Frauen zu ſehen ſeien, als Gott je auf einem Fleck Erde
zuſammengebracht hätte. Grolmans kannte ſeinen Mann,
ver=
zichtete auf jeden weiteren Depeſchenwechſel, packte Sergei
Kara=
ſchin mit deſſen ganzem Stabe an Zigaretten rauchenden
Sekre=
tären und Sekretärinnen in ſeinen Schlaſwagenzug und fuhr
in nach St. Moritz. Dort gab Doltor Röder zu Ehren des
großen Ruſſen ein Diner, bei dem ein ebenſo zahlreicher wie
aus=
geſchnittener Damenflor vertreten war, der Herrn Sergej
Kara=
ſchin in einen Zuſtand überirdiſcher Seligkeit verſetzte, aus dem
er erſt erwachte, als er wieder in der ruſſiſchen Botſchaft in
Ber=
lin ankam. Wie er dann hier mit nüchternen, der Realität
allein geöffneten Augen ſich den Vertrag beſah, unter den er in
St. Moritz ſeine Unterſchrift geſetzt hatte, erkannte er, daß ihn
dieſer liebenswürdige, charmante, ſo unglaublich harmlos
leicht=
ſinnige Gaſtgeber mit einer Gründlichkeit übers Ohr gehauen
hatte, gegen die lelbſt die geriſſenſte Bolſchewikenſchlanheit ſich
ausnahm wie das Lallen eines zwei Monate alten Säuglings.
Seitdem verhandelte Herr Sergei Karaſchin ernſte
Angelegen=
heiten nur noch vor dem Diner, und deshalb war er jetzt nach
Berlin gefahren, um ſich Röder und Grolmans als Sukkurs zu
holen.
Und jetzt war er mit den beiden Deutſchen in der pracht=
vollen Bibliothek Lord Burnhams, drehte gewohnheitsgemäß
ſein geliebtes Zigarettenröllchen und wartete darauf, daß einer
von ihnen auf die Eröffnungsrede des Hausherrn antworten
würde. Doktor Nöder hatte augenſcheinlich gerade wieder einmal
andere Sorgen. Er bewunderte angelegentlich die zahlreichen
Gainsborongh und Reynolds, die des Bibliotheksſaales Wände
ſchmückten. Grolmans wuchtete in ſeinem Stuhle und kaute
nach=
denklich an ſeiner Zigarre. Er war nicht viel von einem
Red=
ner und überließ das Wort immer lieber den andern. Er ſagte
ja. Oder er ſagte nein. Er unterſchrieb. Oder er unterſchrieb
nicht. Er war immer gleich am Ende einer Sache, wenn die
andern noch überlegten, wie ſie ſie einleiten ſollten.
Miller, der Amerikaner, ein kleines, verhutzeltes Männchen,
deſſen Geſicht nur aus einer rieſigen Brille zu beſtehen ſchien,
verhielt ſich ebenfalls ſchweigend. Er wartete darauf, was die
Deutſchen zu ſagen hatten. Lord Burnham und Mr. Davis
taten desgleichen. Karaſchin rauchte ſeine Zigarette — er war
der tertius gauclens bei dem Handel.
Stille. Nur die ſchwere Neuenburger Uhr tickte ihren
Groß=
vatergeſang. Mr. John David Miller miſchte ſich ſorgfältig
einen Whisky=Soda Karaſchin machte ſich an eine zweite
Zigarette. Grolmans begann ſich die großen, ſtarken Hände zu
reiben —
„Nun, daun können wir ja beginnen,” fagte Dr. Röder
end=
lich und lächelte. „Mylord, wir haben die Rede Ihres Premiers
geſtern in unſerem Hotel in London geleſen. Wir waren
be=
geiſtert und ſpeziell Herr Grolmans und ich als Deutſche
be=
wundern dieſe Rede. Wir beneiden England nicht nur um den
Staatsmann, der ſie hielt, ſondern um das Volk, dem er ſie hielt
Indeſſen ſcheinen doch gewiſſe Kreiſe, und zwar gerade die
maßgebenden, trotz allen patriotiſchen Eifers nicht geneigt zu ſein,
dem Enthuſiasmus des Premierminiſters ohne weiteres zu
folgen."
Lord Burnham richtete ſich auf und heftete einen hochmütig
fragenden Blick auf den Sprecher. Irgendwelche Engländer
Mangels an Patriotismus — noch dazu von einem Deutſchen —
geziehen zu hören, empfand er als perſönliche Beleidigung.
Doch lächelnd fuhr der junge Finanzier fort:
„So weit wir informiert ſind, knüpft die City an die
An=
leihe gewiſſe Bedingungen, vor allem die daß die amerikaniſche
Finanz einen entſprechenden Anteil der Anleihe übernimmt. Ich
glaube, Mr. Miller wird mir dies beſtätigen können?”
Des Amerikaners Brillen ruckten zum Zeichen der
Beſtä=
tigung auf dem ungeheuren Naſenrücken ein bedeutendes nach
vorn.
„Die amerikaniſche Finanz will ſich an der Sache nur
be=
teiligen, wenn die Waſhingtoner Regierung den von ihr zu
über=
nehmenden Anteil garantiert. Richtig, Mr. Miller?”
„Richtig.”
„Die amerikaniſche Regierung weigert ſich, dies zu tun,
ebenſo wie ſich die engliſche trotz der fulminanten Rede des
Premiers, außer Stand erklärt, jedwede Garantie zu
über=
nehmen. Darf ich fragen, wie Mylord dieſe Schwierigkeiten zu
überwinden gedenken?”
Mr. Davis, der managing director, erhob ſich, um auf dieſe
Frage zu antworten. Er entwickelte das Projekt eier
Geſell=
ſchaft, die den Ruſſen die Anleihe aus den Erträgniſſen der
Oelkonzeſſionen geben würde. Der Plan entſprang keinem
dummen Kopfe. Die Geſellſchaft wurde begründet, erwarb die
Konzeſſionen, gab Shares aus und finanzierte aus dem
Erträg=
nis dieſer Shares die Anleihe. Unterſtützt von den Standard Oil
und der Imperial mußte die neue Geſellſchaft unbedingt die
fünfzehn Millionen Pfund aufbringen können, die die Ruſſen
verlangten. Mr. Dapis, der augenſcheinlich ſich gründlich
vor=
bereitet hatte, rückte mit vielem Zahlenmaterial auf. Vermied
jede Phraſe, jede Umſchreibung und ging mit der kalten,
nüch=
ternen Logik des Engländers auf ſein Ziel los.
Doch Karaſchin ſchüttelte den Kopf.
„Verzeihen Sie meine Herren,” fagte er. „Ich habe gegen
dieſe ausgezeichnete Projekte nur einen, aber umſo gewichtigeren
Eimwand zu erheben. Wir müſſen das Geld morgen haben!
Uebermorgen meinetwegen — natürlich bildlich geſprochen; aber
auf jeden Fall ſo ſchnell wie möglich!”
Dabei blieb er. Weder die Verſicherungen Lord Burnhams
noch die Zahlen Mr. Davis” vermochten ihn von ſeinem
Stand=
punkt abzubringen. Man fuhr langſam aber ſicher dem
be=
rühmten toten Gleiſe zu.
Die Deutſchen lagen ihrerſeits auf der Lauer. Sie hatten
die Ruſſen und die Engländer der Unmöglichkeit gegenüber
ge=
ſtellt, ſich zu einigen. Sie warteten. Dr. Röder vertiefte ſich
wieder in das Studium der Gainsborough und Reynolds.
Endlich wandte ſich der Amerikaner an ſie.
„Ich denke, Mr. Grolmans und Mr. Röder werden doch
auch ihre Anſicht über die Sache haben. Dürften wir dieſe
hören?"
Nun entwickelte Röder den deutſchen Plan. Er und
Grol=
mans erklärten ſich bereit, der engliſchen und amerikaniſchen
Finanz gegenüber mit dem geſamten mobilen und immobilen
Beſitze ihrer Unternehmungen die ruſſiſche Anleihe zu
garan=
tieren, ja ſogar einen gewiſſen Anteil ſelbſt zu übernehmen, wenn
Deutſchland die entſprechende Berückſichtigung ſowohl bei der
Leitung des Unternehmens wie bei der Verteilung der
Produk=
tion erhielte. Außerdem müßte der Zinsfuß der Anleihe von
8½ Prozent auf 6½ Prozent herabgeſetzt werden.
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„Coriolan” oder „Das Zubiläum=
Von Richard Rieß.
Manche Zeiten im Leben ſtimmen melancholiſch und mahnen
an den Heimweg. Und weil Albert Berwin, der don den
Ei=
trägniſſen einer politiſchen Korreſpondenz und
Zeitſchriften=
mitarbeit in einer ausländiſchen Metropole ſchlecht und recht
lebte, nun ſchon ein Dutzend Jahre nimmer die norddeutſche
Mittelſtadt, die ihn geboren, geſehen hatte, entſchloß er ſich zum
Beſuche ſeiner Schweſter, die durch wackere und ſtreng ſolide
Heirat dem Vaterorte ſich für immer verſchrieben hatte. Er
wurde mit offenen Armen aufgenommen. Sein Schwager, ein
Poſtrat mit höheren geiſtigen, will ſagen literariſchen Intereſſen,
vorenthielt ihm nicht einen gehörigen Händedruck, wenn auch
die Frage nach Alberts ſchriftſtelleriſchen Erfolgen etwas
iro=
niſch klang. „Man führt deine Gedichte, Albertus, in der
Leih=
bücherei unſeres trefflichenSortimenters Krumm, aber, denke
dir: das Exemplar iſt noch immer ſo gut wie neu und durchaus
nicht zerleſen.” (Was man von den Werken mancher beliebten
Verfaſſerin von „Originalromanen”, die nur noch als fliegende
Blätter zum Verleihen kamen, nicht behaupten konnte.
Albert Berwin lächelte. Und er kannte auch ſich. Er hatte
längſt reſigniert. Der Sturm war verflogen, der Drang
gebän=
digt. Er wußte es: der mit Dichterehrgeiz ausgezogen war, fand
im Tagesſchrifttum den Hafen. Und die Herren von Neuſtadt
waren nur für die hohe Poeſie oder für das, was ſie dafür
nahmen. Er aber, der ſich ihrem Philiſtertum entzogen hatte.
ohne durch eine Großtat ſein Recht auf eigenen, freieren Weg
nachträglich legitimiert zu haben, galt denen, die ſich in
Neu=
ſtadt ſeiner noch erinnerien, als Schiffbrüchiger. Auch
litera=
riſche Achtung erheiſcht Gegenſeitigkeit.
„Wir wollen nicht von literariſchen Dingen reden, lieber
Martin. Bei euch iſt es ſo ſchön, ſo ruhig, ſo . . . heimiſch. Und
die Literatur iſt ja letzten Endes ein höchſt gleichgültiges
Hand=
werk.”
Da ſtrich Martin Hochgemut ſeinen Vollbart und begann
zu deklamieren: „Ja, ein Handwerk für den, der es dazu
er=
niedrigt. Die hohe Kunſt iſt aber das Ideal des Lebens.”
„Immer noch die alte Phraſeologie Eures „Dichterklubs”?”
Martin hatte gerade ein tüchtiges Stück jenes Stollens im
Munde, in deren Bereitung Hedwig, ſein Weib, die
unangeſtrit=
tene Meiſterin war. Er pruſtete daher, als er unter der
Kau=
arbeit ſprach: „Unter uns finden ſich allerdings keine
Zeitungs=
literaten.”
„Es iſt,” erwiderte nun Albert lächelnd, „das ſchöne
Vor=
recht der Ungedruckten, mit denen, deren Namen man häufig
lieft, recht unzufrieden zu ſein.”
„Ungedruckten? Weißt du nicht, daß Guſtav Schuenſe ſeit
acht Jahren des „D. C.” Vorſitzender iſt?”
Albert mußte bekennen, daß dieſer Herr Schneuſe ihm
bis=
her unbekannt geblieben war."
Martin aber, der ſeinen Kuchen bezwungen, begann zu
lachen, daß ihm vor lauter Wohlgefühl ein Knopf ſeiner
Jäger=
joppe abſprang: „Er kennt Schneuſe nicht. Lieſt du denn nicht
die „Lenzblätter”? Haſt du denn dort nie die Verſe geſehen,
die unter dem Namen „Coriolan” erſcheinen? Nein! So wiſſe
denn, daß niemand anders als unſer Schneuſe es iſt, der als
Coriolan allwöchentlich die Welt entzückt! Und daß wir, ſeine
Freunde, der Klub, die ganze Stadt ſtolz darauf iſt, ihn den
Unſeren nennen zu dürfen.”
Albert Berwin ſah ſeinem Schwager erſchüttert in die Augen.
Er wvollte etwas erwidern, aber er drückte es nieder. Coriolan,
ein Herr Guſtav Schneuſe, Rayonchef des Neuſtadter
Waren=
hauſes Gebr. Krabſch?
„Er ſchweigt, er iſt verſtummt, er iſt blamiert, Hedwig!”
rief Martin gut gelaunt in die Küche hinaus.
„Aber zankt euch doch nicht immerfort wegen der dummen
Dichterei,” tönte es wider, „ihr kriegt auch was Wunderbares
heut zu Mittag.”
„Heute abend?” erwidert dröhnend der Poſtrat. „Ja, weißt
du denn nicht mehr, daß wir heute im Klub das Jubiläum
Co=
riolans feiern? Der heutige Abend gilt nicht Hefeklößen mit
Pflaumenmus ſondern der ſatiriſchen Kunſt des großen
Soh=
nes unſerer Stadi, o Hedwig!” Er lachte und ſchlug ſeinem
Schwager auf die Schulter: „Und wenn wir nicht zu gering ſind,
Mann der Tagespreſſe, dann biſt du feierlich geladen. Erkenne,
daß auch in Neuſtadt die Talente blühen!“
Es war eigentlich ganz unbegründet, daß Albert Berwin
plötzlich in eine Heiterkeit verfiel, wie man ſie an ihm ſelten
wahrnahm. „Aber natürlich gehe ich mit dir.‟ Da ſtrich ſich der Kennen Sie, Herr Coriolan, übrigens ſchon das Opus, das
Schwager erfreut ſeinen mächtigen Bart.
Das Klubzimmer hatte ſich bereits gefüllt. Die
kunſterfüll=
ten Männer und Jünglinge der Stadt ſaßen an der Hufeiſen=
Tafel, hatten einen Teller voll Schweinernem mit Kraut, mehr oder mit weit aufgeriſſenen Augen. Ja ... wie denn . . . wieſ0
minder voll, vor ſich; ganz voll aber war ihr Herz von der Liebe denn
zur Poeſie und der Achtung vor Guſtav Schneuſe, der heute auf
dem Ehrenſtuhle ſuß, zur Rechten des Präſidenten. Dieſes Amt
aber bekleidete kein anderer als Martinus Hochgemut, nicht
etwa, weil er in dieſem Kreiſe von Poeten ſozuſagen als
Ober=
dichter galt, ſondern vielmehr ſeines hohen Ranges als
Beam=
ter wegen. Denn auch die Poeten von Neuſtadt zeigten ſich
willens, der bürgerlichen Ordnung und Wertſchätzung zu geben,
was ihr zukäme. Und wenn Goethe ihr Mitglied geweſen wäre,
dann hätte der Dichterfürſt zweifelos den Poſtrat bei der
Prä=
ſidentenwahl geſchlagen. War er doch Miniſter.
Hochgemut erhob ſich, nachdem der Hunger geſtillt und die
Bierſeidel nachgefüllt waren, und begann ſeine Feſtrede. „Wir
alle kennen und ſchätzen, wir lieben und bewundern unſeren
Schneuſe ſeiner Kunſt, ſeiner erfolgreichen Wirkung, aber auch
ſeiner Beſcheidenheit wegen. Wer, dem die Ehre zuteil wurde,
ſtändiger Mitarbeiter eines Blattes vom Range der „
Lenz=
blätter” zu ſein, würde die Selbſtbeſcheidung aufbringen, durch
den Gebrauch eines Decknamens ſeinem Ruhme ſozuſagen ſelber
im Wege zu ſtehen? Zum zehnten Male jährt ſich heute der
Tag, an dem wir unſeren Schneuſe als Coriolan erkannten. Es
iſt mir, als wäre es heute geweſen. Unſer Guſtav hatte Tage
zuvor uns Verſe vorgeleſen, Verſe von Wohllaut,
Ausdrucks=
kraft und reinem Spiele der Reime. Wer aber ſchildert mein
Erſtaunen, als ich bald darauf das mir nun wohlbekannte
Ge=
dicht in den „Lenzblättern” fand, in einer lange zuvor
erſchiene=
nen Nummer, die mir unſer gleichfalls hier anweſender
Haar=
künſtler und Lyriker Gifft während eines Bartſchnittes zur Kurz= diges Rühren. Vergangenheit wallte hoch in ihm. Es gab wohl
weil überließ? Ich durchblätterte daraufhin auf unſerer Stadi= nur eine Ellinor in Neuſtadt und Umgegend.
blicherei den ganzen „Lenzblätter”=Jahrgang, und immer wieder
ſtieß ich auf Versprodukte Coriolans, die mir aus Vorträgen
Schneuſes bekannt geworden. Nun war kein Irrtum mehr
mög=
lich. Erdrückt von der Beiwskraft meiner Entdeckung, gab es verliebt war ich in ſie . Aber ſie wollte nur einen zum
für Schneufe kein Leugnen mehr. Er ſtammelte: „Nun ja, ich Manne, der ein Künſtler iſt. Ich hab mir damit geholfen,
Ge=
bin’s!” Ja, meine Verehrten, er war es, er iſt es, er wird es
immer ſein. Unſer Coriolan lebe hoch! Er lebe hoch und noch und ſo iſt alles ſeinen Gang gelaufen: Hochgemut entdeckte den
lange. Auf daß wir alle vergnügt dereinſt ſein 25jähriges
Ju=
biläum feiern können. Das walte Gott!”
Der Poſtrat ſetzte ſich und tranſpirierte nun ſchweigend.
Guſtav Schneufe aber durchwanderte, den Vierkrug in der einen, nem Haupte ſchwebte unſichtbar das Sinnbild des Ehe=
Subalter=
das Taſchentuch der Rührung in der anderen Hand, das Spalier nen: der Pantoffel.
der Dichter, und als er endlich bei Hochgemut angelangt war,
halten gegeben, „Dank, tauſend Dank, alter Freund. Ich bin
ge=
rührt. Ihr ehrt mich über Verdienſt.” Und er umarmte den Ellinor Schneuſe, und Berwin ſah ſie. Sah Ellinor Brennt=
Poſtrat und verſenkte ſeinen ſtacheligen Kopf ſo temperamentvoll
in Hochgemuts Vollbart, als wollte er, in Ermangelung des aus= wollte in der Ferne ihrem Glücke ein Haus bauen, ſie aber hatte
geliehenen Taſchentuches, ſich darin ſchneutzen. „Ueber Verdienſt,
weit über Verdienſt.”
„Hab ich recht?” Schneuſe wandte ſich au den, der Tuch
und Krng für ihn bereit hielt.
„Ich kann ihnen nicht widerſprechen”, erwiderte dieſer und Berwins, Gnaden
gab das fremde Eigentum zurück. Es war kein anderer als
Albert Berwin.
aber ſagte laut und mahnend: „Baer . . . aber . .. ha . . . ha”. Fragen Antwort war.
Und er war innerlich empört über die Taktloſigkeit ſeines
Schwa=
gers. Der freilich ſchien anzunehmen, ihm ſei ein Witz gelungen.
Denn er lächelte ſtillvergnügt vor ſich hin.
In dem Seitengange, den, je weiter der Abend vorrückte, ſich von mir ſcheiden laſſen. Haben Sie doch Mitleid.
deſto häufiger die Dichter des Klubs paſſierten, trafen Berwin
und Schneuſe aufeinander.
„Auf einen Augenblick, Herr Doktor. Oder ſind wir nicht
Doktor?” ſagte Schneuſe, der ſeine Laune wiedergefunden zu
haben ſchien.
„Sie haben heut, an Ihrem Ehrentage, Pech, Herr Schneuſe‟
bin ich auch wer anderer. Aber — die Technik der Pſeudonyme
kennen Sie ja, Herr .. . Herr Guſtav Schneuſe.”
„Ich will . ich will . . . ich will mich gar nicht größer
machen, als ich bin . . aber gar ſo wertlos, wvie Sie zu
mei=
nen ſcheinen, ſind die Coriolan=Gedichte wohl doch nicht. Es
nen Sie nicht auch, Herr?"
„Ich mein es. Gewiß. Ich hab, wie ich Ihnen
ausnahms=
weiſe verraten will, die Ehre, Mitarbeiter der Zeitſchrift zu ſein, war ihm zu Mute
Coriolan in der nächſten Nummer veröffentlichen wird?”
Ber=
win zog eine Schreibmaſchinen=Seite aus der Taſche.
Guſtav Schneuſe ſah ihn an wie ein Geſpenſt. Er retirierte
„Wiſſen Sie, es wäre vielleicht netter, wenn ich — da wir
nun doch mal in einem Dichterklub ſind — wenn ich den neuen
Coriolan dort drinnen zur allgemeinen Kenntnis gäbe?"
Der Rayonchef des Warenhauſes Gebr. Krabſch war mit
einem Male ſchrecklich nächtern geworden.
„Die freundliche Verachtung, die man dem Journaliſten
Berwin hier zollt, weil er es ablehnte, auf dem Jahrmarkte
Eurer Eitelkeit als geputzter Affe mitzuwirken, könnte vielleicht
Hochachtung werden, wenn der „Dichterklub” erführe, daß er
ſelber Coriolan iſt, der Dichter der „Lenzblätter.”
Nun begann Schneuſe zu japſen. Nun erſt brachte er Worte
heraus. „Verzeihen Sie mir . . . pardon, pardon der Herr. Ich
bin ja gar nicht ſchuld an der unglücklichen Sache. Man hat
mich ja da hinein getrieben, ja geradezu gehetzt. Ich hab ja
nicht den hohen Schwung des Dichtergenius.”
„Hören Sie auf, Sie klägliches Männchen. Sonſt wird mir
ſpei=übel”, ſagte Berwin und wandte ſich. Aber Schneuſe kam
hinter ihm her und zwang ihn, ſtehen zu bleiben. „Ich gehe
mit Ihnen. Ich muß Ihnen alles erklären”, ſagte er jämmerlich.
„Gut!” ſagte er. „Ich bin geſpannt.”
Sie ſetzten ſich in eine Ecke des Reſtaurauts, in dem der
Klub Gaſtrecht genoß.
„Meine Frau . . ." begann Schneuſe, „iſt ſo furchtbar
ehr=
geizig. Daher kommt das ganze Malheur. Ellinor.
„„Ellinor?” unterbrach Berwin und empfand ein merkwür=
„Sie iſt doch die Tochter des Verlegers Brennthauſen ..."
Ellinor Brennthauſen . . . die Frau dieſes Herrn Schneuſe.
„Sie ſollen alles wiſſen. Ich hab ſie ſehr geliebt. Ja, ganz
dichte aus den „Lenzblättern” abzuſchreiben und ihr zu ſchicken.
Coriolan.”
Herr Schneuſe kroch immer tiefer in ſich hinein. Ueber ſei=
„Dort drüben ſitzt meine Frau . .." An einem Tiſche des
da ſagte er, nachdem er irgendwem Taſchentuch und Krug zu Speiſehauſes hatten ſich die Damen der Dichter=Klubiſten
zu=
ſammengeſunden, ihre Männer zu erwarten. Dort ſaß Frau
hauſen, die er mal geliebt hatte . .. vor fünfzehn Jahren. Er
ihn verraten . . . ach, wie ſchnell endet doch die „ewige Liebe‟ .
Ellinor Brennthauſen aber wurde bezwungen von Guſtav
Schneuſes ſieghafter Männlichkeit, verbunden mit einem feſten
Jahresgehalt von 8000 Mark und einem Dichtertum von ſeinen,
Da nun ſah er ſie wieder, nach ſo langer Zeit. Aber er ſah
nimmer das zarte Mädchen Ellinor mit den ewig fragenden
Schneuſes kugeliger Kopf flammte rot auf. Der Poſtrat Augen, ſondern eine Neuſtädter Spießbürgerin, die ſelber aller
„Es wäre Stoff für einen Coriolan”, ſagte Berwin.
„Sie wollen mich vernichten . . . Sie werden mich
entlar=
ven Ich bin unmöglich in dieſer Stadt Ellinor wird
Nein, dachte Berwin, ich hab kein Mitleid mit ihm. Ellinor
ſoll er nicht ſo leichten Kaufes los werden. Mög er um folchen
Preis weiter Coriolan bleiben in Nenſtadt und Umgegend.
Da ging die Tür auf und Hochgemut erſchien. Sein
Voll=
bart rauſchte.
„Hier alſo find ich unſern Jubilar. Gibſt du meinem
erwiderte Berwin. „Ich bin ganz einfach Berwin. Manchmal / Schwager Unterricht in der heiligen ars poetica? Kommt näher
Freunde! Ein Hoch unſerm Coriolan! Er ſoll leben . . . drei
Mal hoch ..."
Man umringte das Paar. „Hoch unſer Coriolan!”
Der Rayonchef Guſtav Schneuſe ſchielte ängſtlich zu Berwin
hinüber. Der aber ſagte „Ehre, dem Ehre gebührt!” Und dann
wäre mancher ſtolz, wenn er in den „Lenzblättern” ſtände. Mei= ſuchte er einen Weg durch die Maſſe der nachdrängenden Herren
vom „Dichter=Klub” und verließ das den Muſen ſo freundliche
Haus. Er wußte nicht, warum, aber: ganz ſonderbar vergnügt
* Torfbauer Tunegel
Von Alfred Manns.
Pralle Sommerſonne beſchien den holprigen, ſchmutzigen
Land=
weg, der am Rande der unfruchtbaren Heide an Jüchter Kohklatts
Hofe vorbeiführte. Links vom Wege, gegenüber dem
ſtatt=
lichen Hofe, lag in einer langgeſtreckten Parzelle die Kate des
Torfbauern Melchert Tunegel, der ohne nennenswerten Erfolg
der wüſten Heide ein paar Morgen kümmerlichen Ackerlandes
abgequält hatte, im übrigen lebte er von den Erträgen ſeiner
Torfwirtſchaft.
Jüchter Kohklatt, ein dicker, behäbiger Bauer, ſah mit
Be=
friedigung zu, wie die erſte Fuhre Roggen durch das Dielentor
gefahren wurde. Er beſchattete ſich nun die Augen und
betrach=
tete zufrieden ſeinen viele Morgen großen guten Geeſtboden,
für den der Landweg die Scheide gegen das Moor zu bildete.
Quer durch ſein Land ſah er zwei Männer gehen, die nun
auf das Gebiet ſeines Nachbarn Torfbauer hinübertraten. Der
Bauer erkannte den Kataſterinſpektor Meier mit einem
Arbei=
ter, der Inſtrumente trug und wußte, daß der Inſpekkor die
Ländereien hier zur Grundſteuer neu veranlagen wollte; das
war ſchon vor längerer Zeit angezeigt. Jüichter konnte ſich eines
Lachens nicht erwehren, als der Beamte mit großer
Eindring=
lichkeit das neue „Kulturland” Melchert Tunegels
beaugen=
ſcheinigte.
Melchert lud ſchweren Backtorf auf. Als der Wagen voll
war, ging Melchert langſam zu dem Arbeiter des Inſpektors,
der aus dem Dorfe ſtammte. Nach einer Weile entfernte ſich der
Beamte mit dem Arbeiter.
Nun hielt ſich Jüchter nicht länger und rief hinüber: „Ich
wollt man jetzt noch mal die Gelegenheit wahrnehmen, Melchert,
und ein büschen mit Dir ſchnacken, denn wenn erſt Dein Sand
als richtiges Ackerland in’n Grundbuch und Kataſter in ſteht,
denn biſt Du doch wohl zu ſtolz, mit unſer Art Leute zu
pratjen.” Jüchter Kohklatt liebte einen guten Witz über alles,
wenn er ihn ſelbſt machte.
Melchert Tunegel, deſſen Geſicht die Dummheit in geradezu
aufdringlicher Weiſe ausſtrahlte, lächelte geſchmeichelt. Dann
öffnete er den Mund zum Reden:
Willſt du mein’ Acker kaufen, Jüchter?”
Der Bauer glaubte zuerſt, der Nachbar wollte ſich ſeinerſeits
über ihn luſtig machen, jedoch ein Blick auf das erwartungsvoll
fragende Antlitz Melcherts beruhigte ihn. „Tſchä”, meinte er
be=
dächtig, „ich kann das nicht anders leugnen, ich hab auf deinen
Acker ſchon lange ein Auge auf, aberſt man, kannſt du ihn denn
miſſen?”
„Och, Jüchter, ich wollt mir noch ein Pferd mehr vor meinen
Wagen kaufen, denn mein Brot, das hab ich ja doch von Torf.
Einen kleinen Streifen vor und hinter mein Haus muß ich
auch behalten.
Kohklatt ſetzte ſeine nachdenklichſte Miene auf. „Für wieviel
willſt du ihn denn wegtun?”
„Och, ſo bei zweitauſend hab ich gedacht.”
Die Ueberraſchung über die Unverſchämtheit lähmte
ſekun=
denlang den Witz Jüchters, der aber gleich darauf aktiv wieder
einſetzte. „Tſchä, Melchert, ich will dir was ſagen, teuer is das
nich, aber du weißt ja, ich ſage nie gleich ja zu was, ich muß
da immer erſt ein büſchen über grübeln.”
„Da hab ich auch gar nichts nich auf entgegen, aber ich
meine man, gut gebrauchen kannſt du meinen Acker ja.”
Der Bauer nickte ernſthaſt. „Ich bin da auch wirklich ganz
verſeſſen auf. Adjüs.”
Mit großem Behagen wartete Jüchter das weitere ab. Seine
Geduld wurde auf keine harte Probe geſtellt, denn ſchon am
nächſten Tage kam Tunegel auf den Hof geſtampft. „Schöne
Witterung heute —. Hm, ja, was ich ſagen wollte — wie iſt das
mit mein Land, Jüchter?”
Kohllatt kratzte ſich hinter dem Ohr. „Ich bin mit mein
Grübeln noch nich ganz fertig geworden. Was haſt du noch
geſagt, war das nicht von zweiundzwanzighundert?”
Der Torfbauer ſah etwas verblüfft zu Boden, dann
be=
gannen ſeine kleinen Augen zu leuchten. „Nee, dreiundzwanzig.”
„Das kann denn auch wohl ſein, denn hab ich mich verhört
und geb dir Beſcheid.”
Als der Torfbauer draußen war, hatte Jüchter das Gefühl,
als habe er eine Dreſchmaſchine verſchluckt, ſo riß ihn das Lachen
zuſammen.
Wieder vergingen 24 Stunden, dann begab ſich Kohklatt
zum Nachbarn. Nach der Begrüßungsformel und einer kurzen
Würdigung des guten Wetters begann Jüchter: „Das iſt nichts
gegen zu ſagen, Melchert, fünſundzwanzighundert — ſo meinteſt
du ja, nich?"
Der Torſbauer kniff die Augen zu, einen Augenblick ſchien
es ſo, als ob er noch hundert zulegen wollte; dann aber hielt er
es doch aus irgendwelchen Gründen für klug, einfach zu nicken.
„Tſchä, was ich ſagen wollte,” fuhr der andere fort, „alſo
das is gewiß ein billiges Geld, und ich bin auch mit dem Preis
ganz einverſtanden."
Tunegel ſchmunzelte. „Das is ſchön.”
„Ja, ganz einverſtanden, man bloß deinen Acker, Melchert,
den kann ich abſolut nich brauchen, wenn ich ihn auch für mein
Leben gern haben tät, wie ich dir geſtern geſagt hab.”
—2” meinte der Torſbauer gedehnt, er merkte
„So —
immer noch nichts.
Kohklatt aber fuhr fort: „Und überhaupt, ich meine man,
ein Land wie deins, wenn man das hat, verkauft man nich, das
hält man.”
Der Torfbauer hörte ebenſo andächtig wie blöde lächelnd zu.
„Und überhaupt,” ſagte Jüchter weiter, „es iſt ein Unrecht,
das du an deiner Familie tuſt, wenn du das Land nicht weiter
beſtellſt. Denn Torf, Melchert, das is ein ſaures Brot. Du
ſoll=
teſt ganz im Gegenteil deine Landwirtſchaft ausdehnen, und weil
wir doch nu mal gern Geſchäfte zuſammen machen wollen: ich
habe da den ſchönen Placken Heideland, der an deine Parzelle
ſtößt und längs den Weg hinläuft. Da is auch guter Boden
Meim verehrlichte Owerborjemaaſter
Dockter Wilhälm Gläſſing
zum ewiche Adenke an den denkwärdiche Vorfall un
die nie wiederkehrende Geläächenheit vun
ſeim fimfunzwanzichjährliche
Betriebsjuwiläum!
Was? — Wie? — Däß weern ſchun 25 Johr,
Daß du uff unſerm Sorjeſtuhl dheſt ſitze?
Ach Gott, däß is net meechlich, is net wohr,
Sunſt mißt=de dich ja uff zwaa Kricke ſtitze.
Dann Borjemaaſter ſei, in ſo=re lange Zeit,
Un aach nooch dem, was alles is geſchähe —
Ich maan, waaß Gott, däß weer e Säldenheit
Uin bleeslich im Panobbdigumm zu ſähe.
Zwar, wann ich’s iwwerleech, 8 kennt doch ſei
Was hilft’s, do lang ſich driwwer wäck zu babbele;
So nooch un naach fellt aam Verſchiednes ei”,
Däß wo mer erſt nor langſam dhut bedabble.
Ja, ja — die Zeit vergeht, es is en Graus,
So fimfunzwangich Johr ſteert die net im geringſte,
Un ſiehſt=de aach noch ganz paſſawel aus,
Du biſt doch ſchließlich kaaner vun de Jingſte.
Jedoch verzeih mir die Unſchicklichkeit. —
Ich duhz dich aafach ſo vun owwe runner;
Jano, bei Dichter un derordiche Leit
„8 jo däß Duhze weiders gor kaa Wunner.
Die duhze ſich mit unſerm Herrgott aa‟
Sie duhze alles, was en lieb un deier! —
Frog nor emol, for’n Spaß, dei goldich Fraa,
Däß is e Bäsje doch vum Konrad Färdnand Meyer!
Un wann mit große Dichter mer verwandt,
Die in de Welt mer dhut mit Ehrforſcht nenne,
Wärd mer’s nadierlich in ſeim eichne Land
Me ganze klaane net verweichern kenne.
Drum ſei net bees, wann ich dich „Du” genennt,
Un dhu als „Ower” ſpeder mich net ſtrietze;
Bin ich mit meim Gedichtche dann zu End,
Du ich dich ſelbſtverſtendlich widder ſieze ..
Mir kenne uns jo aach ſchun lang gewug
Un ſin uns immer zimmlich nah gewäſe.
Dei ganzes Duhn liggt vor mir wie e Buch,
In dem ich, ohne Stadibrill, drinn kann läſe.
Un beſſer wohl, wie ich, ſo waaß es kaans,
Ich hab jo ſtets dein Läwenswähk beglidde,
Seidem du — es war neunzeh’hunnerdaans!
Als Boxjemaaſter in dei Amt geſchridde.
In Värs un Broſa hab ich ſtets gloſſiert,
Mal ſo — mal ſo — dei Wirke un dei Schaffe,
Un hab’s geſagt un hab mich net ſchenniert,
Wann ſich aach unſer Aſicht als net draffe;
Aans awwer därf ich vorwäck ei geſteh,
Un däß is ſchließlich noch de greeßte Sääche:
Zu jeder Zeit hott dir des Wohl un Weh
Vun unſre Vadderſtadt am Härz gelääche! —
Ach Gott — es Kriddiſiern, däß is aach leicht,
Un unſer „Heiner” — no, du dhuſt ſe kenne!"
Die ſin zum mähgle immer leicht geneicht,
Un dhun als gärn un iwwer alles ſchenne.
Däß liggt in ihre Eichenart ſo drinn,
8 is ihr Gedhu ſo un aach ihr Gehaawe. —
Mer muß ſe äwe nemme wie ſe ſin,
Un — gottlob — ſie ſin beſſer als mer glaawe!
Du kennſt=ſe nu ſeit fimfunzwanzich Johr,
Kennſt all ihr Licht= un aach ihr Schaddeſeite!
Du hoſt aach for ihr Schwäche ſtets e Ohr,
Sowohl in gude wie in beeſe Zeite.
Du waaßt, ſie ſin in klaane Sache groß,
In große — klaa, do muß mer ſchun was dauche;
Doch leider hoſt aach du zwaa Schuldern bloß
Un kennſt heit oft e värdel Hunnert brauche!
So manchen Wunſch hoſt du en aach erfillt,
Soweit d’s=ſen an de Aage ab kannſt läſe.
Du wußt aach immer ganz genaa, wann’s gilt,
Rickſtendich biſte wärklich nie gewäſe.
Un wie hott unner deine Amtszeit ſich
Die Stadt nooch alle Seite hie entwiggelt—
Do haaßt’s, uffm Kiwief fei, ſicherlich,
Damit mer net kimmt hinnenooch gehiggelt!
Jaaa — unſer Städtche hott ſich ſchee gemacht,
Es dhat nooch jeder Richdung ſich entfalte! —
Un drotzdem haaßt’s bei däre Hatz un Jagd,
De Kobb ſtets hoch un immer klar gehalte.
Beiſpieler hott mer neierdings genug,
Wie’s als mol geh kann in dem große Renne
Leicht fiehrt däß an re Korf zum Axebruch,
Do muß de Fuhrmann zeidich bremſe kenne!
No, dofor hoſt=de jo de richtche Blick,
Un waaßt aach ſtets an die Gefahr zu denke,
Un dhatſt ſo, mit beſunnerem Geſchick,
Darmſtadtias Wage dorch die Korfe lenke.
Ging’s aach als manchmol net ſo wie geſchmiert,
Do konnſt erſt recht du dei Talent entfalte;
Un wann=ſte als mol ſo en Stich rißgiert —
Do hab ich oft de Adem agehalte!
Beſunners awwer in de letzte Johrn
Hab ich ſo manchmol dich bewunnern därfe;
Un ſtieche mir dobei zu Bärch die Hoorn,
Dacht ich mer oft: der Gläſſing, der hott Närfe!
Ja, wärklich, Närfe wie e Batzeſtrick,
Die brauchſte zu deim Amt, s is net zum Lache,
Sunſt werſt=de lengft däß ganze Kreemche dick
Un kennſt’s kaa fimfunzwanzich Johr lang mache.
Jetzt, denk ich, ſin mer aus=em Gröbſte haus,
Mer fiehlt die Beſſrung hie un do e bißche;
Doch gibt’s nooch mancher korzer Adempaus
Zu knacke noch ſo manches hadde Nißche.
No, un ich hoff ,du maaſterſt däß Geſchick,
Un ſollſt=de ſällwer als mol Bange krieje,
Dann wärf mit Stolz en korze Blick zurick
Un ſäh, was unner deiner Hand gediehe!
Ich will nadierlich hier mich net verliern
In alle Aanzelheide unnerdeſſe,
Indem weil’s do aam zu leicht kann baſſiern,
Daß mer däß Allerwichdichſt dhut vergäſſe.
Jedoch du werſt’s net iwwel nemme mir,
Ich kann mich heit dovo net genzlich dricke;
Un ſo mecht ich nor im Vabeigeh dir
E paar Roſine aus deim Kuche picke.
Mer ſeecht=derr nooch zwar, du gingſt dorch die Stadt
Un dheſt dobei die Pflaſterſtaa als zehle . .
Den Ohly, der däß „ſteife Gwick” gehatt,
Dhat ſeinerzeit mitm Gäächedahl mer quehle:
Der aa guckt in die Luft — der anner uff die Erd,
G Vorſchrift wärd do ſchwerlich ei ſich bärchern;
Un for den Spießer hott däß all kaan Wärt —
Den dhut däß aane wie däß annern ärchern!
Dein erſte Dreh, däß war doch wohl gewiß
Die Gaddebau=Ausſtellung, heechſten Preiſes
Vun 1905 — do gab’s noch Iwwerſchiß,
Am Mullement die Brunne, die beweiſe’s.
Aach for=e=Schwimmbad drugſt=de reiflich Sorch,
Du wußt es lengſt, wora’ die Menſche kranke,
Un daß die Heiner heit ſo ſauw’re Borſch,
Is meiſtens deiner Inniziadief zu danke!
Un unner deiner Amtszeit dhat mer aach,
Den Bahnhof nunner in die Dann verleeche,
For den „Verkehr” war däß ganz ohne Frag
En ſcheene Fortſchritt un en große Sääche. —
Aach halfſt de „Strammplern” du de Stadt enaus,
Mit ihre rieſenhafte Raachverſchwendung;
Aus däre Sach wuchs denn die „Heag” raus,
Sie is dei Werk, du halfſt ihr zur Vollendung!
Un daß mer ſchließlich, wann mer net mehr kann,
E Plätzche find, do wo mer ruht in Friede,
Hott unner deiner Amtszeit in de Dann
Mer uns aach noch den „Waldfriedhof” beſchiede.
Dort ſchleeft ſich’s gut, im griene Waldräffier,
Dort kann die Stimmung kaaner uns vernichte.
. . . Jedoch, mach Stuß! — for’s erſte wolle mir,
Solang wie’s geht uff den Genuß verzichte!
Doch net bloß däß, bloß was die Stadt bedrifft,
Hott ganz allaa am Härze dir gelääche —
Du biſt aach zeitweis Steller in de Schrift
Un ſozuſoge ſin mir zwaa — Kolleeche
Dorch die Verwandtſchaft grad vun deine Frag
Steht dir im Ausland manche Zeidung ofſe
UIn in Berlin waaß mer däß ganz genag.
Un dhut vun dir noch manche Hilf erhoffe.
Sowohl in Holland, wie aach in de Schweiz,
Wärrn dei Addickel immer gärn geleſe,
In manchem Feindblatt ſteht vun dir bereits
Wer alles ſchuld is an dem Krieg gewäſe.
Un ſin mer vorerſt uff de Welt allaa,
Im Kambf noch gääche all die große Lieche —
En ſteeter Drobbe, der hehlt aach den Staa,
Un ſchließlich wärd die Wahrheit doch noch ſieche.
Daß mer im „Deitſche Städtetag” dich ſchätzt,
Dei Fachgelehrſamkeit un gach dei Wiſſe,
Däß is doch klor — un däßhalb dhet mer jetzt
Sehr ungern in dem Vorſtand dich vermiſſe.
So wechſt aa Uffgab aus de anner raus,
Zu ſchaffe hoſt=de viel un viel zu wärke;
„Ich frog mich bloß, wie hellſt=de däß nor aus,
Daß mer kaa Miedichkeit dhut bei=derr märke?
Do awwer ſcheint mir’s: biſt=de mied geſchafft,
UIn als däß ganze Kreemche iwwerdriſſich —
Schebbſt aus de Kunſt du widder neie Kraft
Un biſt in freie Stunde aach net miſſich:
Du molſt! — noja, hauptſächlich bloß for dich,
Dobei dhut Geiſt ſich un Gemied erhole ..
Un — wann’s bräſſiert — do dhuſt=de ſicherlich
Aach mir, un alle annern als „was mole.”
Doch naa — wer dich un dei Famillie kennt,
Waaß, was dei Schaffenskraft dir dhut erhalte:
Wer ſo e goldich Fraa ſei eiche nennt,
Die ihm ſe ſchee es Läwe dhut geſtalte;
Die wo ſo reich an Geiſtesgawe is,
Un aach for’s leiblich Wohl ſorcht, un for’s Eſſe,
„Ich maan die derfte mir, däß is gewiß,
An ſo me Dag wie heit doch net vergäſſe.
Wann viel mer ſchließlich Dir gutſchreiwe kann
Do kann mei Aſicht ich dir net verhehle:
E Borjemaaſter is in halwer Mann,
Dhut ihm die richdich Borjemaaſtern fehle;
Doch du haſt aach in der Beziehung Glick,
s war wohl e Fügung un des Himmels Walte,
No un ſo meeg e giediches Geſchick
Sie dir, dich ihr, ihr eich, eich uns erhalte! —
Un mit dem Wunſch ſei es zum End gebracht,
De fimfunzwanzichſt Värs dhut ihr jetzt läſe,
Doch was zu ſage war, däß is geſagt,
Wann aach noch viel zu ſage weer geſväſe. —
Jetzt noch e Bitt, ich ſag ſe frei un glatt:
Steh, wie ſeither, ſtets iwwer de Baddeie,
Dann wärd aach unſer liewe Vadderſtadt
In Zukumft wachſe, bliehe un gedeie!
Bienche Bimmmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Es kennt nadierlich aaner
her=
kumme un kennt ſage, ich kemt mit meim Feſtbrolog acht Dag zu
ſpet, awwer erſtens kann mer däß vun=ere alte Fraa net
anner=
ſter verlange; zweidens ſin acht Dag gornix gäächeniwwer dem,
daß ſich unſer Owwerowwer ſogar fimfunzwanzich Johr Zeit
dezu genumme hott, bis er endlich emol, ſoweit war mit ſeim
Juwiläum; un drittens un letztens wollt ich mich an ſeim
Ehren=
dag aach net vornehie dricke, däß liggt mer net, ſchließlich hett
lach mei Gedicht am End doch e bißche zu ſehr abgeſtoche gäüche
all die Redde, wo gehalte ſin worrn. Un däß wollt ich doch dene
Redner net a dhu, indem’s halt net jedem gäwwe is, daß er’s ſo
ſchee hiebringt wie ich; däß ſein halt ſo Gaawe . . .
Iwwrichens, däß Redde halte, däß is aach e ſchwierich
Ka=
biddel, indem do mitunner was ganz annerſter erauskimmt, als
mer ſage wollt. Den Eidruck hatt iſt aach widdermol bei de letzte
Stadtratsſitzung, wo ſe ſich de=erſt e Ewichkeit lang un braad
driwwer unnerhalte hawwe, ob mer die Bollezeiſtund uffhewe
ſoll odder net, un hinnenooch hott ſich’s ganz allgemein
eraus=
geſtellt, daß jo die Menſchheit gor kag Geld hott. No, wann die
Leit kaa Geld hawwe, dann kann mer aach die Bollezeiſtund
uff=
hewe, die Wärt mache dann ſchun vun ſelbſt zu, wann’s leer is.
Sollte awwer doch welche do ſei, die wo iwwer die Bollezeiſtund
eraus noch Geld im Beidel hawwe, dann dhet ich vorſchlage, mer
fiehrt ganz a fach e Hockerſteier ei” un gibt for die Rundbrenner
Fahrſcheiheftcher eraus. Wer ſich dann iwwer die Bollezeiſtund
enaus noch Aan”" genehmiche will, dem reißt der Wärt jedesmol
en Steierbong aus dem Heftche, do kann=er hocke bleiwe. Odder,
wann mer de Wärt net draut, dann ſtellt mer in jedem Bezärk
e paar vereidichte Hockerkonndrolleer a', die wo nooch Zwelf dorch
die Wärtshaiſer ſtiwwele un dricke jedem, der wo noch hocke
bleiwe will, gääche beſtimmte Gebiehrn en blaue Stembel uff die
Stärn. Däß Geld, wo eingingt, kennt mer dann zu
Unner=
ſtitzungs= un Wohltätigkeitszwecke barad halte; un wann nor
ſo=
viel debei erauskemt, daß mer de Klaa= un Sozialrentner mit
e paar Zentner Holz un Brigädds unner die Arm greife kennt.
Däß mißt doch geh. Die Wohltätigkeitsvera’ſtaldunge warn doch
frieher aach nix annerſter als wie, daß mer ſich zum Beſte vun de
Arme recht ausgiewich ammeſſiert hott . ..
„Mir erlääwe’s net” ſteht zwar uff de neie Datterich=
Gedenkminz, un domit ſoll agäblich uffs Niewergall=Denkmol
geſtichelt ſei. Es ſoll mich net dräffe, ich hab Zeit. Drotzdem därf
ich die Woch meine Sparbix witder eiverleiwe: Vun de
ehe=
maliche Realſchieler: 50 Mack; vum Philipp: 1 Mack; vum Cl.:
5 Mack; vun=ere Nicht=Darmſtädterin: 5 Mack; vun=eme
Pfar=
rer, der wo noch en Spaß verſteht: 2 Mack; vun e paar junge
Heiner zum Kriſtkindche: 2.50 Mack; vum Verkehrs=, Hiſtoriſche
un Volksbildungs=Verein Groß=Umſtadt: zuſame 30 Mack. —
Danke ſchee un ſeit iwwerzeicht: mir erlääwes doch! —
unter. Den ſollteſt du kaufen, Melchert, und billig ſollft du ihn
haben.”
Tunegels ſchmale Stirn verſchwand beinahe völlig. Dafür
wurde ſein Mund vor Verblüffung ſo groß und viereckig wie
eine Ladeluke. „Aber, wo du doch mein Land —
Nun begann Jüchter die Vorzüge ſeiner Parzelle wüſten
Landes mit ſolchen Farben zu ſchildern, als ob es ſich um einen
Nilſchlammacker handele. Des Torfbauern Geſicht wurde immer
aufmerkſamer, immer überzeugter ſah er drein, und als
Koh=
klatt nach einer halben Stunde ſeine Rede mit den Worten
ſchloß: „und das ſag ich” da hatte er Tunegel klein gekriegt,
dem 500 Mark ein Spottgeld ſchienen für ſolches Land.
Schon am nächſten Tage wurde der Kauf perfekt gemacht.
Eine Woche ſpäter, als Jüchter morgens vor die Tür trat,
ſah er hinter Tunegels Kate den Kataſterinſpektor mit ein paar
Arbeitern hantieren. Allerlei fatale Gedanken wirbelten Kohklatt
2"
durchs Hirn. „Den Donner auch, da ſoll doch nicht — —
In dieſem Augenblick fühlte er eine Hand auf ſeiner
Schul=
ter, und ſich umwendend ſah er dem Torfbauer ins Geſicht, der
mit unſagbar einfältiger Miene fortwährend den Kopf ſchüttelte.
„Ich kann das immer noch nicht begreifen, Jüchter.”
„Was kannſt du nich begreifen?”
„Och, daß du keinen Zuweg zu der neuen Chauſſee haben
willſt,” antwortete Melchert.
„Chauſſee?” ſchrie Kohklatt entſetzt.
„Tſchä, da hinter mein Haus kömmt ſie zu liegen, weißt du
das denn nich? Ach ne, das iſt ja recht, du glaubſt, ſie wollten
ſchätzen. Du warſt da ja nich mit bei, wie neulich den Inſpektor
ſein Arbeiter mir das erzählte; er is nämlich auch ein Tunegel,”
fügte Melchert erklärend hinzu.
Jüchter lief die Angſt über den Rücken. Obgleich die ideale
Verbindung durch des Torfbauern Land ging, durch die
Heide=
parzelle hätte er ebenfalls, wenn auch auf Umwegen, Anſchluß
bekommen. Aufgeregt ſah er nach dort hinüber.
Tunegel verſtand ihn falſch. „Ich glaub wohl, daß das
gutes Land is, den Buchweizen hab ich’r ſchon in.”
Ohne zu antworten ergriff Kohklatt des Torfbauern Avm,
mühſam, aber immerhin mit äußerem Erfolg, zwang er ſich zur
Ruhe. „Melchert, ich hab die vergangene Nacht noch mal über
nachgegrübelt, ich will dein Land doch man kaufen, ich hab ja
immer geſagt, daß ich das viel zu gern tu.”
„Tſchä —
„Zweitauſend wollteſt du, und die will ich wohl geben, du
ſiehſt, ich handel da nich um.
So dumm wie jetzt hatte der Torſbauer noch nie ausgeſehen.
„Ne, Jüchter, da haſt du dich verhört, oder ich hab mich
ver=
ſprochen: viertauſend, meinte ich.”
Und Jüchter mußte zuſchlagen.
Aber niemals in ſeinem Leben wieder hat er einem
Torf=
bauer getraut. „An ſolch einem Karl is nichts Ehrliches an,
nich mal ſeine Dämlichkeit”, pflegte er zu ſagen.
Praktiſche Winke
Wieman Chriſtbäume unverbrennbar machen
kann. Unverbrennbare Chriſtbäume erzielt man, wenn man
ſich eine Löſung von phosphorſaurem Ammonium bereitet, zu
der man 1 Teil Ammonium auf 9 Teile Waſſer nimmt. Mit
dieſer beſprüht man den Baum vor ſeiner Aufſtellung reichlich
mittels Blumenſpritze dder Zerſtäubers. Nach dem Trocknen
bildet dieſe Ammoniumlöſung eine den ganzen Baum bedeckende,
ſein Ausſehen keineswegs verändernde „feuerſichere”
Schutz=
ſchicht, die einen ſonſt unvermeidlichen Baumbrand durch
her=
undergebrannte Kerzen oder zu dicht ſtehende Zweige, verhütet,
was namentlich bei älteren oder durch geheizte Zimmer ſchneller
austrocknenden Weihnachtsbäumen häufig eintritt.
Sparſames Verbrennen der
Weihnachts=
kerzen iſt leicht zu erzielen, wenn nach kurzem Brennen rings
um den Docht vorſichtig etwas Salz aufgeſtreut wird.
Speiſezettel.
Sonntag: Grünkernſuppe, Rotkraut mit Rehziemer,
Apfel=
ſchnee. Montag: Iriſh Stew mit Hammelfleiſch.
Diens=
tag: Sauerkrautauflauf. Mittwoch: Grünkohl mit
Schwarz=
fleiſch. Donnerstag: Käſeſpatzen mit brauner Butter.
Frei=
tag (Heiliger Abend): Schweinebraten auf Wildſchweinsart mit
Kraußkohl; Aepfel und Nüſſe. Samstag (1.
Weihnachtsfeier=
tag): Fleiſihbrühſurpe mit Eierſtich (ſ. Rezept), Gänſebraten mit
Maronenfüllung, Punſchereme.
Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Seite 15
IMch 18242
HaluMSpOt8
Das kann man nicht ohne weiteres bejahen. So lange man das Laufen zur
körperlichen Ertüchtigung treibt, muß man ſelbſtverſtändlich zuſtimmend
ant=
worten.
Aber es gibt da ſo diele Arten des Laufens.
Sehen Sie, neulich legte Herr Jemand ſeinen Freunden die Frage vor?
„Es iſt weiß und man kann drauſlaufen. Was iſt das?” Prompt kam darauf
die Antwort: „Das iſt doc) ganz leicht. Das ſind die auf den Fahrdämmen
neu angebrachten weißen Steifen zur Negelung des Fußgängerverkehrs.”
Weit gefehlt.
2222*
Dann wiſſen Sie es nicht?
Na, dann nehmen Sie Karlsbader Salz!
Eines Beweiſes bedarf es wohl nicht weiter, und wenn Sie noch ſo viei
von doppelſohlenkauendem Nashorn reden. Das müſſen Sie doch zugeben,
nicht wahr?
Doch ſchweigen wir bei dieſem heillen Thema lieber brn eiwas anderem.
Viele Stunden ſitzt unſer liebes Münchener Kindl, das Wahrzeichen der
alten weltbekannten Zuban=Zigarettenfabrik, nun ſchon im Flugzeug, um zu
ſeinem guten Dr. N. bi, unſerem „Tabakdoktor”, zu gelungen.
Bald wird es beim Dr. Nabi ſein. In der Ferne blitzen bereits die Lichter
von Konſtantinopel. Freudig erregt überſchaut das Kindl das nächtliche
Panorama.
Da, ein Riß, ein Hämmern: Motordefekt. Der Pilot wird in
menſchen=
leerer Gegend zur Notlandung gezwungen.
Stundenlange Verſuche halfen nichts: der Motor ſpringt nicht an.
Der Norgen iſt inzwiſchen herangebrochen. Unſer Kindl trägt ſich ernſtlich
mit dem Gedanken, ſich eine belebende Zuban=Zigarette ins Geſicht zu ſtecken
und dann den kurzen Wegbis zur Stadt perpedes apostolorum zuriickzulegen.
Hier iſt Gelegenheit zum Streiten, ob das Laufen in dieſem Faüle ein Syort
oder glatte Notwendigkeit iſt.
Doch Glück muß der Menſch haben. Der eiſerne Vogel iſt inzwiſchen
wie=
der auf die Beine gekommen, und weiter geht’s dem Ziele entgegen. —
Übermorgen hören Sie mehr!
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Seite 16
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Nummer 333
Das ewige Wunder
Roman von Guidv Kreutzer.
50)
(Nachdruck verboten)
Und ehe der Doktor Tratonn noch eine Frage zu tun
ver=
mochte, ſprang der auf ihn zu und legte ihm die Hand auf die
Schulter und ſagte ſcharf und drohend:
„Leiſten Sie keinen Widerſtand! . . . Im Namen des Ge=
Weiter jedoch kam er nicht, ſondern taumelte aufbrüllend
rückwärts — unter dem brutalen Fauſthieb, der ihm mit voller
Wucht zwiſchen die Augen ſchmetterte.
Im nächſten Moment polternde Männerſchritte und
erre=
gungsheiſere Stimmen und tobende, wilde Jagd.
Sie erreichten den Deſperado nicht mehr.
Dieſe eine einzige Sekunde hatte ſeiner Geiſtesgegenwaxt
genügt, um an dem zu Boden Geſchlagenen vorbei mit
gewal=
tigem Sprung ſein Schlafzimmer zu erreichen und die Tür
zu=
zuſchlagen und den Niegel umzubiegen.
Und während wütende Fäuſte gegen die Tür donnerten;
während herriſche Befehle vergebens Einlaß heiſchten; während
der eine Beamte hinausſtürzte, um mit einem Handbeil
zurück=
zukehren; während die aufgeſtörten Penſionsgäſte notdürftig
bekleidet ſich angſtvoll fragend auf der Diele drängten ...
— fiel drinnen ein Schuß.
Das klirrende Zerbrechen eines heruntergeriſſenen
Kriſtall=
flakons; das Poltern und Krachen eines umſtürzenden
Möbel=
ſtücks; ein dumpf aufſchlagender Körper; tieriſches Röcheln, das
gurgelnd erſtickte ...
Es wurde ſtill — ganz ſtill.
Da hob der hochgewachſene, grauhaarige Herr
beſchwichti=
gend die Hand und atmete tief auf und verſetzte gedämpft:
„Laſſen wir uns Zeit, meine Herren. Der da drinnen hat
keine Eile mehr.”
FVII.
Die Senſation von Paris.
Wie uns ein Funkſpruch unſeres Pariſer Korreſpondenten
meldet veröffentlichen die heutigen Morgenzeitungen der
franzöſiſchen Hauptſtadt die geſtern erfolgte Vermählung des
rechtsradikalen Kammerdeputierten Pierre Jacquault mit der
Tänzerin Sylvaine Bréuard. Dieſes Ehebündnis iſt
geeig=
net, weit über Paris hinaus erhebliches Aufſehen zu erregen
und den verſchiedenſten Vermutungen Raum zu geben. Nicht
ſo ſehr wegen der Perſönlichkeit des Abgeordneten ſelbſt, der
im öffentlichen Leben Frankreichs nur eine untergeordnete
Rolle ſpielte und als überpatriotiſcher chauviniſtiſcher
Poſſen=
reißer niemals ſonderlich ernſt genommen wurde. Einen
„Spätling der politiſchen Inflation” nennen ihn ſeine Gegner,
während er in Wirklichkeit eines der Ueberbleibſel der ſchon
faſt ſagenhaft gewordenen Aera des Tigers iſt. Dagegen
ent=
ſinnt man ſich, daß ſeine nunmehrige Gattin in der
internatio=
nalen Lebewelt jahrelang einen gewiſſen Ruf genoß. Bis ſie
die offizielle Geliebte eines deutſchen Dr. James Trawonn
wurde und an deſſen Seite bald hier, bald dort in den
kon=
tinentalen Hauptſtädten auftauchte. Dr. Trawonn war der
Polizei aller Kulturſtaaten als gefährlicher Abenteurer bekannt
und hatte in der alten wie neuen Welt verſchiedene ſchwere
Vorſtrafen erlitten. Nach Berliner Zeitungsmeldungen
er=
ſchoß er ſich vor einigen Tagen in einer vornehmen
Fremden=
penſion am Kurfürſtendamm, um ſich einer abermaligen
Ver=
haftung zu entziehen, deren Gründe nicht bekannt geworden
ſind. Ob ſein Selbſtmord und die heutige Heirat ſeiner
bis=
herigen Geliebten mit dem Abgeordneten Jacquault nun
irgendwie in direktem Zuſammenhang ſtehen, entzieht ſich
naturgemäß jeder Vermutung. Bemerkenswert bleibt
zumin=
deſt die Tatlache, daß der Deputierte aus unerfindlichen
Mo=
tiven vorgeſtern überraſchend ſein Mandat niederlegte. Viel
kommentiert wurde auch der Zwiſchenfall, der die Braut
vo=
dem Altar betraf; ſie verlor das Bewußtſein, ſo daß die heilige
Handlung minutenlang unterbrochen werden mußte.
Unmittel=
bar nach vollzogener Trauung verließ Herr Jacquault heute
mittag Paris, um ſich mit ſeiner intereſſanten jungen Gattin
auf ſein im Departement Ariege belegenes Gut zurückzuziehen.
Nach ſeiner in den letzten Tagen wiederholt abgegebenen
Ver=
ſicherung wird er dem öffentlichen Leben der Nepublik
künf=
tighin fern bleiben. Das Faktum ſeiner Eheſchließung,
Man=
datsniederlegung und politiſchen Reſignation bildet
gegen=
wärtig das Tagesgeſpräch von Paris.”
Dieſe Nachricht las Malte von Reeg, als er ohne innere
Anteilnahme nach Wochen wieder die erſte Zeitung zur Hand
nahm und ſeine Augen mit müder Gleichgültigkeit über die
Seiten hinwegglitten.
Zum erſten Male hatte er heute das Haus verlaſſen. Gegen
den Willen des Arztes, der ihn noch mindeſtens eine Woche im
Zimmer feſthalten wollte. Doch der Gutsherr von Adlig=
Zarchlin beharrte auf ſeinem Willen. Rätſelhafte Unruhe kreiſte
ihm ſchon ſeit Tagen im Blut. Zum Erſticken ſchien ihm die
Atmoſphäre dieſes Krankenzimmers. Geradezu körperliches
Unbehagen bereitete ihm allmählich die Gegenwart der
Pflege=
ſchweſter mit ihrem ewig entſagungsvollen Geſicht und ihrer
ſtets gleichbleibenden nachſichtigen Milde. Und immer ſanftes
Gleiten und vorſichtiges Türenſchließen und gedämpftes
Stim=
mengemurmel. — Deuwel, es war alles ſicherlich von Herzen gut
gemeint. Doch dies ganze Fluidum von Wehleidigkeit und
Rück=
ſichtnahme und zarter Beſorgnis und ſtets hilfsbereiter
Varm=
herzigkeit — das rebellierte ihm die Nerven! Das ertrug er
einfach nicht länger!
Lächerliches Aufheben, das ſie alle von dieſem blödſinnigen
Lungenſtreifſchuß gemacht hatten. Als ob mans im Felde nicht
gewöhnt geweſen, daß man verdammt ſchärfer angepackt wurde.
„Sie ſpielen mit Ihrem Leben und riskieren einen
Rück=
ſchlag, Herr Legationsrat! Denn Sie ſind erſt ſeit einer Woche
außer Bett!” ... hatte der alte Kreisarzt eindringlich gewarnt.
Doch Malte reagierte darauf nur mit ſtörriſchem Lächeln
und befahl dem Diener Hermann, ihm beim Ankleiden behilflich
zu ſein.
Ob er ſchon wirklich mit ſeinem Leben ſpielte oder nicht!
Was das noch groß ausmachte — wo er ja mit der Frau ſeines
Herzens ſowieſo den eigentlichen Sinn ſeines Daſeins verloren
hatte! Daß er an jenem Abend draußen im Walde dieſem
Da=
ſein freiwillig ein Ende hatte bereiten wollen, daran mochte er
nicht mehr zurückdenken. Die Vorſehung beſtimmte es eben
anders; und ihr mußte man ſich fügen. Wer konnte auch wiſſen,
wozu ſie ihn aufſparte? Vielleicht warteten ſeiner wirklich noch
irgendwelche entſcheidenden Aufgaben zum Heile des
Vater=
landes. War’s ſo — dann in Gottes Namen; dann kam ſein
Leben und Schaffen ſchließlich der Nation zugute und gewann
wenigſtens dadurch noch einen Schimmer von Berechtigung. Alſo
blieb’s nun mal ſchon bei dem allerletzten trüben
Auskunfts=
mittel ſchäbiger Reſignation: „Wir leben nicht um der Freude
und der Erfüllung unſerer Wünſche, ſöndern um unſerer
Pflich=
ten wvillen!“
Bitter — wenn ſolch blutleere Askeſe einem mit
ſechsund=
dreißig Jahren als der Weisheit letzter Schuß gelten mußte!
Doch was half’s?! Und wo ſtand in ſeinem Katechismus
geſchrieben, daß gerade er ein göttliches und ethiſches Recht
darauf beſaß, alle Blüten, die ſein Herz getrieben, zu prangender
Fülle reifen zu ſehen?
„Entbehren ſollſt du, ſollſt entbehren — das iſt der ewige
Geſang!”
Ob aber auch eine Lonny Lars entbehrte; an der Seite jenes
Mannes, den die Fama einen Abenteurer genannt hatte? Doch
den Beiden brauſte die Welt ja ihre rauſchendſten Akkorde
ent=
gegen, daß ſie jauchzend und ohne rückwärts zu ſchauen auf dem
breiten Strom bedenkenloſen Leichtſinns durch Taumel und Luſt
und Genießen und heiße trügeriſche Seligkeiten trieben!
Würgendes Auflachen war in ſeiner Kehle hochgekommen.
Aber er hatte die Zähne zuſammengebiſſen und — auf den Arm
des Dieners geſtützt — mühſelig Schritt um Schritt getan. Bis
ſie die kleine Anhöhe erreichten, die im äußerſten Winkel des
Gutsparkes dichte Fliederbüſche umhegten und eine alte Linde
überſchattete.
Schon als Bub war da ſein Lieblingsplatz geweſen. So
hatte es ihn auch heute hierher getrieben — heute, wo er zum
erſten Male nach langen dumpfen Krankenwochen wieder das
Leben grüßte; mit einem ſtillen Kopfneigen, das arm an
Er=
wartungen war.
(Schluß folgt.)
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Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſie Nachrichten
*Guſtav Gildenmeiſter
Sein künſtleriſches Vermächtnis, herausgegeben von ſeiner Frau
Natalie Gildemeiſter für ihren Sohn Matthias. Bearbeitet
von Hilde von Beckerath, Frieſen=Verlag, A.=G., Bremen.
In meiner Bücherei hat die ſchwere Nachkriegszeit eine eigene
kleine Abteilung gezeitigt, zu der ich nie ohne einige Bewegung
greifen kann. Ich habe ſie die Bücherei der vorzeitig Abgerufenen
getauft. Sie enthält die hinterlaſſenen Werke von Freunden, die
jung im Abenteuer untergegangen, auf dem Krankenlager
ge=
ſtorben, im Weltkrieg gefallen ſind, ferner alle die Bücher, die
von ſolchen Freunden handeln, Mit den Jahren hat ſie ſich
recht vermehrt, denn die Liebe der Hinterbliebenen ruht nicht,
ſie kann nicht vergeſſen, ſie will reden von dem ihr Entriſſenen,
will mitteilen, was er war und konnte und womöglich noch ein
wenig Lorbeeren für ihn ernten! Es iſt viel ſchöne
Menſchlich=
keit um dieſe Bände! Die Weihnachtszeit hat meiner „Bücherei
der vorzeitig Abberufenen” wieder einen neuen Band zugeführt.
Ein liebes, reizvolles, mit allen Sorgfalt ausgeſtattetes
Künſtler=
bilderbuch, das Frau Natalie Gildemeiſter für ihren Sohn
Matthias herausgebracht hat, das aber auch allen gewidmet iſt,
die Guſtav Gildemeiſter, den farbenfrohen, ſtillen, harmoniſchen
Maler und Menſchen, den feinen Sänger und Lautenſpieler,
gerne hatten, und das waren nicht wenige.
Guſtav Gildemeiſter war Bremer Kind, 1876 der bekannten
Kaufmannsfamilie entſproſſen. Sein Leben verläuft ohne
ſon=
derliche Steigerungen! Nach Studien in München und
Düſſel=
dorf dient er in Darmſtadt bei den 24 Dragonern und läßt ſich
dann in dem biedermeierlich idylliſchen Arolſen nieder, wo er
glückliche Schaffensjahre an der Seite ſeiner Gattin verlebt.
Der Weltkrieg ruft ihn an die Front, und an der Spitze
ſeiner Truppe, im Anſturm gegen dreißigfache Uebermacht, fällt
er am 14. Juni 1915 als ein Held und Mann.
Das Gildemeiſter=Buch iſt ein wehmütiges Buch: Wer nicht
Erfüllungen verlargt, wem auch ſchöne Verſprechungen auf eine
nicht erreichte Vollendung etwas bedeuten können, wer die
Tragik der zu früh Abberufenen zu verſtehen und zu erfühlen
liebt, wer Zeit hat, an einem der vielen Gefallenendenkmäler
rings um uns ſinnend zu weilen, der nehme es zur Hand, er
wird es nicht bereuen. Denen aber, die Gildemeiſter kannten,
wird es mehr ſein! Der Abſchiedsgruß einer lieben, feinen,
durch und durch muſikaliſchen Seele! Die Ausſtattung des
Buches iſt muſtergültig, Hilde von Beckeraths einleitender Text
ſympathiſch.
4„Basken, Stiere, Araber”
Von Kaſimir Edſchmid.
Es regnet Spanien=Bücher. Spanien wird ſeit vorigem Jahr
von den Deutſchen neu entdeckt. Nachdem Deutſchland während
des Krieges und der Inflation lange Jahre von dem Ausland
abgeſchloſſen war, drängte deutſche Wanderluſt wieder nach dem
Süden. Muſſolinis überhebliche und beleidigende Worte hielten
die Deutſchen von Italien fern und führten ſie nach Spanien,
Maler, Dichter und Schriftſteller an der Spitze.
Der Niederſchlag ihrer Fahrten iſt ſo mannigfach wie ihre
Perſönlichkeit. Manfred Schneider erzählt ſeine „
Wander=
fahrten durch Spanien” ſehr brav, ſehr ausführlich, aber recht
langweilig. Benno Elkan gibt ſeinem Buch „Spanien” den
Untertitel: „geſehen von einem Künſtler‟. Er zeichnet Viſionen,
die ſich ihm auf der Fahrt durch Spanien aufgedrängt haben,
doch ſeine Darſtellung zerfällt allzu ſehr, als daß man einen
geſchloſſenen Eindruck bekommt.
Kaſimir Edſchmid ſpannt den Rahmen ſeines
Spanien=
buches weiter: „Basken Stiere, Araber” (Frankfurter
Verlagsanſtalt, 1927). Er führt von den Pyrenäen, von Biarritz
und San Sebaſtian bis Marokko. Edſchmids Werk iſt von allen
Spanienbüchern das lebendigſte. Es vereinigt den weiten Blick
der Auffaſſung mit einer glänzenden Darſtellung.
Eigentümlich=
keiten ſpaniſcher Kultur und ſpaniſchen Lebens ſchildert Edſchmid
mit einer faſzinierenden Kraft. Die alten Städte wie die neuen
Häfen, die Pelotſpiele der Basken wie die Stiergefechte,
die Angler von Cadiz wie die Pferderennen in Marokko
werden lebendig. Die Tänzerinuen und die Zigeuner, die Maler
und die Könige gewinnen Geſtalt. Doch Edſchmid beſchränkt ſich
nicht auf die Schilderungen der Einzelheiten, ſondern er ordnet ſie
zugleich in ein weitgeſpanntes Weltbild ein und gibt überraſchende
Ausblicke. Sein Buch iſt ein Genuß und ein Gewinn. — Leichte,
graziöſe Zeichnungen von Erna Pinner begleiten den Text. Z.
Biograßhiſche=, Geſchichtliche= und Reiſewerke Eſay von Genebiebe Bjanguis eimen klaren ueberblick. Der glänzendſte
Obenauer, Karl Juſtus: Hölderlin/Novalis. Geſammelte Studien. 291
Seiten. 82 1925. Jena, Eugen Diederichs Verlag. Broſch. 6,50 M.,
Leinen 9 Mark.
In dieſen Studien geht Obenauer dem inneren religiöſen
Strahlen=
kern der beiden Romantiker nach. Seine Betrachtungsweiſe weicht weit
ab vom litarariſch Konventionellen und dringt durch liebevolles Sich= Graf Hermann Kehzſerling, Die neuentſtehende Welt. Otto Neichl
verſenken in fremde und ſeltene Bewußtſeinszuſtände großer Geſtalten
zu ſynthetiſcher Deutung der dichteriſchen Bilder vor. So offenbart ſich
hier u. a. die bis heute noch nicht in dem Maße verſtandene Sehnſucht
dieſer Geiſter nach dem Meſſias der Natur. In der Deutung des
dunkelvollen Märchens von Novalis „Eros und Pſhche” leiſtet Obenauer
für dieſen Dichter etwas Aehnliches wie in ſeinem Buche „Der fauſtiſche
Menſch” für Goethe.
Friedrich der Große und Wilhelmine von Baireuth, Briefe der
Königs=
zeit 1740—1758. Herausgegeben von Prof. Dr. G. B. Volz, Deutſch
von Friedrich von Oppeln=Bronikorski. Gr. 82 464 Seiten und 16
und Leipzig.
Mit dem neu erſchienenen zweiten Bande liegt dieſe Publikation
bisher unveröffentlichter Briefe, die ſür die Beuteilung der
Perſönlich=
keit, des Lebens und der Kriege des großen Königs von höchſter Bedeu= ſchen neuen Welt aufweiſt. Spenglers richtige Feſtſtellungen erhalten
tung iſt, abgeſchloſſen vor. Auch dieſer Teil iſt einzeln käuflich. Der
erſte Band des innigen Briefwechſels der königlichen Geſchwiſter führt
von den Küſtriner Tagen bis Rheinsberg und ſchließt mit dem Tode
Friedrich Wilhelms I. Die großen politiſchen Geſchehniſſe, die dem
Europa des 18. Jahrhunderts ein neues Bild gaben, ſpiegeln ſich in
dem feinſinnigen literariſch=künſtleriſchen Briefwechſel in intereſſanter
Weiſe wider und laſſen die Geſtalt des Kömigs in ihrer ganzen Macht
als Perſönlichkeit hervontreten.
Mein Tagewerk. Von Johannes Reinke. Mit einem Bildnis; gr. 80.
(FIII und 486 S.) Freiburg i. Br., 1925, Herder. 7,50 Mk., geb.
in Leinwand 9,50 Mk.
Die in dieſem Buche gegebenen Aufzeichnungen umfaſſen den
Lebensgang und das Lebenswerk des Verfaſſers. Notwendigkeit des Religionsunterrichtes nach, beſonders notwendig in
Der Lebensgang war inſofern ein einheitlicher, geſchloſſener, als Johs.
Reinke von Kindheit auf gradlinig auf ſein Lebensziel, eine botaniſche
Profeſſur an einer deutſchen Univerſität, gleichſam zuflog; er war an= wie Scherwatzky ihn auffaßt, iſt Bildungsfach im höchſten Sinne, da er
derſeits ein mannigfaltiger, als bei frühzeitig erregtem politiſchen
In=
tereſſe ihn dies zu 24jähriger Mitgliedſchaft des Preußiſchen Herren= Schule übermittelt, allein möglich macht; möglich macht durch die
Ein=
hauſes geführt hat. Geheimrat Profeſſor D. Du. Johannes Reinke
er=
lebte die Zeiten des Deutſchen Bundes, ſtritt mit der Waffe auf
Frank=
reicks Schlachtfeldern für die Errichtung des Deutſchen Reiches, nahm danken des Verfaſſers durchzuführen ſind. Obwohl Proteſtant, wird
kbendigen Anteil an den Vorgängen der langen Friedenszeit unter den
drei Kaiſern und mußte den Weltkrieg, die Revolution nud dem
Unter=
gann des Kaiſertums erleben.
Scheffel, der Zeichner und Maler. Von Dr. Joſef Auguſt Beringer.
Verlag von Armin Gräff, Karlsruhe. Preis 4,50 Mk.
Zum erſten Male bringt das Büchlein eine zuſammenfaſſende
Wür=
digung der bisher in weitem Maße noch unbeachtet gebliebenen
Leiſtun=
gen des Dichters J. V. von Scheffel auf dem Gebiete der bildenden
Künſte. Im Rahmen einer durchweg feinen Ausſtattung ſind die
Re=
produktionen nach Oniginalzeichnungen beſonders reizvoll und als Drucke
ausgezeichnet gelungen. Der bekannte badiſche Kunſthiſtoriker Dr. J.
A. Beringer ging in eindringlicher Weiſe dem Problem der Wahl
zwi=
ſchen Maler= und Dichterberuf in Scheffels Leben nach und hat an
Hand der Zeichnungen den Beginn des Uebergewichts der poetiſchen
Welt gegenüber den eigentlich bildneriſchen Aufgaben im
Ueberhand=
nehmen rein pſychologiſcher Motive während der Säckinger Zeit in
inter=
eſſanter Weiſe dargetan.
Ludwig Richter und Goethe. Von Oberſtudiendirektor Dr. F.
Breuk=
ker. Mit 53 Abbildungen. (63 S.) Verlag von B. G. Teubner in
Leipzig und Berlin, 1926.
Ludwig Richter — und Goethe. Wem ſtünden ſie beide nicht nahe,
der ſich mit dem Werden unſeres deutſchen Weſens im Laufe der letzten
100 Jahre innerlich verbunden fühlt. Und wer ſtutzt doch nicht zuerſt
bei dieſer Zuſammenſtellung! Erſcheinen die beiden zunächſt doch nicht
als die größten Gegenſätze: der weltumſpannende Olympier und der
gerade in ſeiner Beſchränkung große Malerpoet. Um ſo reizvoller iſt
es zu ſehen, wie der Verfaſſer dieſes Büchleins die Berührungen des
innigen, gefühlstiefen Zeichners mit dem univerſalen Genie des Dichters
zu ſchildern und in liebenswürdiger Weiſe die „Verbürgerlichung”
aus=
zudeuten weiß, die ſich der Größere dabei gefallen laſſen muß.
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Gandhis Leidenszeit. Briefe, Berichte und Aufſätze aus Gandhis
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fängnis und Spitalzeit. Herausgegeben von Emil Roniger.
Rot=
apfel=Verlag, Zürich und Leipzig. Geb. 8.— Mk.
Von Gandhis Leben im Gefängwis und Spital handelt dieſer Band.
Aber er erzählt nicht, er berichtet Tatſachen: Die Verhaftung und
Un=
terſuchung — Der Prozeß und indiſche Stimmen zum Prozeß — Young
India während Gandhis Gefangenſchaft — Bviefe aus der
Gefängnis=
zeit — Gefängniserinnerungen — Krankheit — Operation —
Frei=
laſſung — Aus ſüdafritaniſchen Gefängniſſen — Ueber Weſen und
Be=
deutung der Gefängnisſtrafe. Der inhaltsreiche und ſchön ausgeſtattete
Band krönt die bis heute erſchienene Reihe der Gandhibücher. Er führt
uns in den Mittelpunkt, den Kern des gewaltigen Vorganges, auf den
heute Tauſende blicken, wiſſend, daß dort geſchieht, was über alles
Zeit=
geſchehen hinauswächſt ins Unvergängliche.
Georg von Haſe, Fregattenkapitän a. D., Der deutſche Sieg vor dem
Skagerrak am 31. Mai 1916. Unter Benutzung des amtlichen
Quellen=
werkes dargeſtellt. Mit einem Vorwort von Vizeadmiral g. D. von
Trotha, 82 92 Seſten, 4 Tafeln, eime Karte und 12 Textſtizzen.
Steif geheftet 3.— Mk. 1926.
Haſes Buch iſt die erſte billige ud volkstümliche, auf dem neueſten
deutſchen und engliſchen Material fußende Darſtellung der
Skagerrak=
ſchlacht, herausgegeben zum 10. Jahrestage. Es ermöglicht in ſeiner
leicht verſtändlichen, prägnanten Ausdrucksweiſe zu ſehen, wie das
Zuſammentreffen der feindlichen Streitkräfte zuſtande kam, wie beide
Flotten ſich ſuchten und die Operationspläne der gegneriſchen Führer
ſich — entgegenkamen. Der Vormarſch der Aufklärungsſchiffe ſetzt ein,
die Linienſchiffe folgen und in immer packenderer Schilderung ſehen wir
den Kampf beginnen, erſchütternd und plaſtiſch in allen Gefechtsphaſen
beſchrieben, auf Karten erläutert und mit prachtvollen Momentbildern
vom Artillerieturm des „Derfflingers”.
Geſchichte des deutſchen Stils in Einzelbildern. Von Profeſſor Dr.
E. Hoffmann=Krayer, 172 Seiten. Preis in Lemenband
6.— Mk. Verlag Quelle & Meyer in Leipzig.
Die deutſche Geiſtesentwicklung prägt ſich deutlich in der Entwicklung
des deutſchen Stiles aus. Form und Inhalt ſind untrennbar.
Des=
halb iſt auch dieſe Geſchichte des deutſchen Stiles zugleich ein Gang durch
die Literaturgeſchichte ſelbſt. In farbenprächtigen Bildern zeigt
Ver=
faſſer an Hand bedeutſamer Denkmäler und Schriftſteller die Merkmale
im Stil der verſchiedenen Literaturperioden und beleuchtet den
Zuſam=
menhang mit den allgemeinen und geiſtesgeſchichtlichen Wandlungen.
Charles Andler, Nietzſche und Jakob Burckhardt. Mit einem Eſſay:
Andlers Nietzſchewerk von Genevieve Bianquis. Rhein=Verlag,
Baſel und Leipzig.
Es war einem Elſäſſer vorbehalten, die große Syntheſe des
Nietzſche=
ſchen Denkens zu vollbringen. Andler wird auch dem ſpäteren Nietzſche
gerecht, der nach dem Bruch mit Wagner den Anſchluß an den galliſchen
Geiſt fand. Ueber ſein vielbändiges Werk vermittelt der einleitende
und geiſtvollſte Teil des Werkes iſt der üben Jakob Burckhardt.
Philoſophie, Religion
Verlag, Darmſtadt.
Das iſt das in höhſtem Maße aktuelle Buch eines bedeutenden
Menſchen, eine entſchiedene und entſcheidende Stellungnahme zu den
Zeitproblemen von der Höhe aus geſehen, die tiefſten Gründe und
Ab=
gründe erſpähend. Mit letzter Klarheit analyſiert das Buch, von den
hiſtoriſchen wie pſychologiſchen Urſachen ausgehend, den Tatbeſtand
ſowohl als den Sinn des heutigen Menſchheitszuſtandes, wobei es den
inneren Zuſammenhang aller beſtimmenden Mächte, vom
Bolſchewis=
mus bis zur Wirtſchaftswelt, von der Materialiſierung des Oſtens bis
zur neuen Spiritualiſierung des Weſtens, vom wachſenden Nationalis=
Abbildungen. Ganzleinen 15 Mk., K. F. Koehler, Verlag, Berlin mus bis zur ſogialdemokratiſchen Nivellierungsſucht, vom
ſchickſals=
mäßigen Verſagen der Alten bis zum neuen Wollen der Jungen, als
wechſelſeitig voneinander abhängige Ausdrucksformen einer einheitlichen,
einerſeits äußerſt ſpannungsreichen, andererſeits unerhört
univerſaliſti=
dabei eine Umdeutung dahin, daß die Symptome des Untergangs
zu=
gleich die des ſchon begonnenen Neuaufſtiegs ſind. Aber Neuaufſtieg
zum Guten liegt nie im Sinn der natürlichen Entwicklung; die kennt an
ſich nie Fortſchritt, nur Veränderung. Graf Keyſerling zeigt, was der
freie Menſch dazu tun kann und muß, damit das Neue zum
Verwirk=
lichungsmittel einer höheren Kultur werde.
*Erziehung zur religiöſen Bildung. Von Studienrat R.
Scher=
watzky. Geb. 5 Mk. Leipzig, 1925, Quelle u. Meher.
Der Verfaſſer, auf dem Gebiete des Religionsunterrichts erfahrener
Pädagoge und gründlicher Kenner der Kirchengeſchichte, tritt wohlgerüſtet
auf den Kampfplan, wo die Fragen der religiöſen Erziehung und
Bil=
dung hart umſtritten werden. Er weiſt mit trefflichen Gründen die
einer Zeit, die nur Bruchſtücksmenſchen ſtatt ganzer Perſönlichkeiten,
Zweckmenſchen ſtatt Wertemenſchen erzeugt. Der Religionsunterricht,
eine zuſammenfügende Schau der Fragmente des Weltbildes, die die
führung in die Welt der religiöſen Perſönlichkeiten. An der Bibel, der
Kirchengeſchichte und praktiſchen Fragen wird gezeigt, wie die tiefen Ge=
Scherwatzky einem Ignatius von Loyola ebenſo gerecht wie einem Luther,
nach dem Worte Pauli: „Ein erbauliches Buch, das Steine bietet zum
Wiederaufbau.!”
Dr. K. B.
Das Göttliche. Eine Sammlung religiöſer Stiwmen der Völker und
Zeiten. Zuſammengeſtellt und eingeleitet von Paul Th. Hoffmanm.
IV und 452 Seiten oktav in Ganzleinen gebd 8,50 Mk. Verlag
Georg D. W. Callwey, München.
Dieſe neue Anthologie Paul Th. Hoffmanns will nicht eine
Ausleſe religiöſer Dichtungen im herkömmlichen Sinne bringen.
Aus=
gehend von dem Gedanken, daß das Bedürfnis nach veligiöſer Klärung
und Sicherung allenthalben durch die ſchweren Erlebniſſe des letzten
Jahrzehnts bedeutend gewachſen iſt, verſucht der Verfaſſer des Buchs,
die ewig bleibenden Werte aufzuzeigen, die im Wandgl der Jahrtauſende
nicht ihre Geltung haben verlieren können.
Bildende Kunff, Theater, Muſik
Romain Rolland: Das Theater des Volkes. Aeſthetiſche Abhandlung
über die Neugeſtaltung des Theaters. Ueberſetzt von Tony Noah.
Rotapfelverlag, Zürich und Leipzig. Geb. 6 Mk.
Es iſt nicht die Begeiſterung und die kämpſeriſche Haltung des
Werkes, was ihm heute noch ſeinen ungeſchmälerten Wert ſichert,
ſon=
dern das Fundament, auf das Rolland ſein Manifeſt aufbaute, das
un=
gewöhnliche Wiſſen, die umfaſſende Kenntnis ſowohl der hiſtoriſchen
Grundlagen als auch der modernen Probleme des Volksthenters.
Rol=
land durchforſcht die geſamte Weltliteratur nach Worten, die ſich für das
Volkstheater ausnutzen laſſen. So umſchließt der ſchmale Band ein
bedeutendes Stück Theater= und Geiſtesgeſchichte, und iſt doch viel mehr
als nur eine lebendige Darſtellung von Geweſenem.
Schuhplattlernoten. 50 Schuhplattler und Volkstänze, eine
Notenſamm=
lung aus dem baheriſchen Oberland, herausgegeben von Franz
Giehrl, Pöſſenbacher Verlagsanſtalt Gebrüder Giehrl, München.
Preis 2,50 Mk.
Herausgeber und Verlag haben einer Anvegung aus dem Oberland
Folge geleiſtet, als ſie die in großer Zahl vorhandenen, aber doch immer
verſchiedenen Schuhplattler ſammelten und herausgaben. Der Zweck
dieſer Herausgabe iſt, daß in weiten Kreiſen, namentlich des baheriſchen
Gebirgsvolkes, wieder die Schuhplattler mehr denn je gepflegt werden,
Romane, Novellen, Erzählungen
Der Kloſtervogt von St. Pauli. Novelle aus Brandenburgs
Vergangen=
heit von B. Itzerott=Buchholtz. Preis gebunden Ganzleinen
3,60 Mk., Halbleder 3,60 Mk. Verlag T. Wieſike, Brandenbung
(Havel).
Um das Schickſal eines Findelkindes, die ausgeſetzte Tochter des
füdiſchen Scharfrichters, baut die Verfaſſerin auf dem geſchichtlichem
Hintergrunde des 16. Jahrhundents die Handlung ihrer Erzählung auf.
Durch das buntgeſehene, reich bewegte Leben mittelalterlichen
Bürger=
tums flammt das Erlebnis dieſes heißblütigen Findelkindes wie ein
Feuermal hin, düſterrot überflackert es den behäbigen Werktag, die
kranzgeſchwückten Feierſtunden des wörkiſchen Bürgertums jener Tage.
Der Kunſtpfeifer von St. Katharinen. Roman aus dem 16.
Jahrhun=
dert von B. Ftzerott=Buchholtz, 4. Auflage. Preis Ganzleinen
4,80 Mk., Halbleder 5,40 Mk. Verlag J. Wieſike, Brandenburg, Havel.
In der dritten Morgenſtunde des 30. März 1582 ſtürrzte der
ur=
ſpringliche Turm der St. Katharinenkirche in der alten Havelſtadt
Brandenburg in ſich zuſammen. Der Wunder größtes geſchah an den
dwei Kunſtpfeifer=Geſellen des Stadtpfeifers Nehring, die im
Turm=
gemach hauſten. Um das Geſchehnis dieſes Wunders hat die feine
Künſtlerhand der Frau Berta Itzerott=Buchholtz den Schleier der
ver=
gangenen Jahrhunderte gelüftet. Aus den Akten und Archiven des alten
Gomeinweſens ihrer Vaterſtadt läßt ſie die Geſtalten jengr Zeit, von
blutwarmem Leben erfüllt, wieder vor uns erwachen und wandeln. In
dieſem Werke der heimgegangenen Dichterim offenbart ſich ein koſtbarer
Schatz edler Heimntkumſt.
Inayat Khan: Muſik des Schweigens. Rotapfel=Verlag. Bürich ud
Leipzig. Geh. 3,60 Mark.
Inayat Khans Gemeinde iſt im Wachſen. Seine ſchöne klare
Aus=
geglichenheit zieht immer mehr Menſchen in ihren Bann, die aus ihrer
eigenen Zwieſpältigkeit heraus verlangen. Nun erſcheinen die Sprüche
ſeiner Sammlung „Gajan” — eines Buches, das ſeinen Schülern faſt
wie ein heiliges Buch erſcheint, das wie kein anderes den Stempel ſeiner
Eigenart trägt. Es find Sprüche über die Dinge des Lebens, Ausſprüche
eines Menſchen, der mit ſich im klaren iſt, der das Menſchenherz bis in
ſeine innerſten Falten durchſchaut und in prächtig knapper Form das
ausſpricht, was ihm hilft.
Der Flug zur Sonne. Ein Roman von Deutſchlands Zukunft. Preis
in Halbleienband 5 Mk. (Verlag J. Wieſike, Brandenburg (Havel).
Dieſer deutſche Zukunftsroman iſt ein Werk, das ſelber wie ein
Aufſtieg zur Sonne mit empornimmt. Hier erhebt ſich endlich einmal
über der Maſſe von erträumter und fabulierter Hoffnungslektire
unſerer Tage ein Buch, deſſen mächtiger Zukunftsſtempel, in ein beſſeres
Zeitalter ragend, auf wiſſenſchaftlicher Grundlage aufgebaut iſt. Dabei
iſt die Handlung des Romans von hinreißender Kraft, voll unerhörter
Spannung. Wie der Körper aus den Wunderkräften eines Stahlbades,
taucht die Seele aus der Lektüve dieſes Romans empor, erfüllt mit
neuen unzerbrechlichen Hoffnungen auf das Licht unſener Zukunft, auf
Deutſchlands machtvollen Flug zur Sonne.
Kyrie eleison! Ein Roman von Juden und von Chriſten aus dem alten
Speher. Von Maximilian Joſeph Pfeiffer. 9—12.
Tauſend. Verlag von Dr. Franz A. Pfeiffer, München. Preis gebd.
in Ganzleinen 10 Mk.
Dies Buch konnte nur ein Mann ſchreiben, dem die Geſchichte
deut=
ſcher Vorzeit nicht trockenes Studium, nicht philiſterhaftes Aufzeichnen
and Sezieven mumiſizierten Geſchehens iſt, ſondern dem ſie zum
be=
glückenden oder bedrückenden Erlebnis wurde. Einer, der mit Liebe ſich
in die Eigenart und Beſonderheit alter Zeiten verſenkt hat, aber deu
doch dunch das veränderliche Gewand der Sprache und Geſtalt den
war=
men Pulsſchlag des ewig Menſchlichen erlauſcht. Dieſes ewig
Menſch=
liche iſt ja zu allen Zeiten gleich geweſen und wird gleich bleiben. Seht
die Probleme dieſes Romans: Revolution, Stellung der Juden im
mittelalterlichen Stadtſtaat, das Streben der peſtgeſchlagenen Menſchheit
dunch myſtiſche Buße Unheil abzuwenden. Warum muten ſie ſo
zeit=
gemäß an?. Ewige Probleme der Menſchheit! In die Symphonie vom
Waffenlärm und Kriegsgreuel, Ahnenſtolz und Büirgerdünkel, edler Güte
und wütigem Haß klingt bitterfüß ein Lied von Liebe und Leid.
Hermann Keſſer: Schweſter. Gebunden 3 Mark. Rütten u. Loenig,
Frankfurt a. M.
Im Rahmen der Geſamtausgabe der Novellen des deutſchen
Dich=
ters Hermann Keſſer erſchien ſoeben ſeine jüngſte Novelle: „Schweſter”.
Eine Frau kämpft mit einer Liebe und mit den Mächten einer
chaoti=
ſchen Gegenwart. Ein Gerichtstag ſpielt ſich ab. Wir werden in den
Verhandlungsſaal geführt. Aber nicht vor den Geſchworenen, ſonderm
in der Bruſt der Zeugin, der Schweſter Henriette, vollzieht ſich die
Ab=
pechnung. Sie vermag nicht eher ihren Gewiſſenskonflikten zu entrinnen,
bis ſie die ſchwankenden Bilder ihrer Träume und Erlebniſſe durch dem
entſchloſſenen Willen zur aufrichtigem Tat zerſtreut und dem Daſein mit
einem erlöſenden „Ja” begegnet.
Die Flucht aus dem Alltag. Von G. Schröer. 3. Auflage, 8.—11.
Tau=
ſend. 318 Seiten. Preis im Leinenband 4,60 Mk. Verlag von Quelle
u. Meher in Leipzig.
G. Schröer, der Schilderer des Dorflebens, urwüchſigen, mit der
Erdſcholle verwachſenen Bauerntums hat in ſeiner „Flucht aus dem
Alltag” uns eines ſeiner ſchönſten Bicher geſchenkt. Jetzt iſt von ihm
das 8—11. Tanſend erſchienen. Ein Beweis, daß bei uns der Sinn für
geſunde Leſekoſt nicht erloſchen iſt. In der Geſtalt des Helden, des
Schriftſtellers und Bauern Hans Helbing, der im Ichton berichtend,
ſeine Lebensgeſchichte an unſeren Augen vorüberziehen läßt, ſteckt er
wohl ſelber. „Jegliches Familienleben ſei eine Flucht aus dem Alltag.
Zu ihm wüſſen wir hinſtreben und es zum Grundſtein unſeres
Volks=
tums machen. Unſer Leben iſt köſtlich, wenn es voller Mühe und Arbeit
geweſen und die Sonne guten und treuen Familienweſens über ihm
leuchtete. Um ſo vollkommenere waren die großen Männer der
Welt=
geſchichte, je beſſer ihr Familienleben wan ‟ Dieſe eigenen Worts
Sehröers charakteriſieren am beſten den Geiſt dieſes innigen Buches. „
Nummer 6
Literafur und Kunſt
19. Dezember 1926
„Aus meiner Gezähkiſte” von W. Waldemar Spellmann.
Schnurren und Scherze aus dem Bergbau an der Ruhr, der Emſcher
und der kecken Läckebäcke. Mit zahlreichen Illuſtrationen von Rich.
Bloos, Düſſeldorf. Preis geb. 4 Mk. Induſtrie=Verlag und
Druckerei A.=G., Dütſſeldorf.
Handfeſter, derber Humor des Bergmanns ſprudelt aus dieſem
Buch. Man hat ſeine helle Freude an den draſtiſchen, unverfälſchten
und geſunden Witzen und Späßen, in denen ſich weſtfäliſche
Urwüchſig=
keit widerſpiegelt. Mit dem Kumpel erſcheinen altbekannte Pioniere des
Bergbaues im Lichte mancher köſtlicher Anekdota.
Das Meer und die Menſchen. Von Kapitän Carl Herbert. Verlag
„Deutſche Schiffahrt” Berlin SW. 19, Wallſtraße 11/12. 260 Seiten.
Preis broſch. 3 Mk., eleg. gebd. 4 Mk.
Unaufhaltſam ſchreitet die Technik vorwärts und veißt wickſichtslos
alte Traditionen nieder. In der Schiffahrt beſonders vollzieht ſich
heute eine raſtloſe Entwicklung und Umſtellung zu neuen
Seeverkehrs=
mitteln. Nackteſte Proſa verdrängt die einſtige Meercspoeſie, die, durch
Ueberlieferung geheiligt, ſich am reinſten auf den Segelſchiffen
auswir=
ken konnte. Da iſt es mit Genugtuung zu begrüßen, daß der durch
ſeine Vorträge in ganz Deutſchland bekannte Kapitän Carl Herbert zur
Feder gegriffen hat und einen ſtattlichen Band erſtehen ließ, der uns
das Meer in ſeiner Schönheit, aber auch in ſeiner Wildheit ſchildert.
Sie und ich. Roman von Jerome K. Jerome Verlag Ullſtein,
Berlin. Preis 1,50 Mk.
Ein neues Buch des großen engliſchen Humoriſten, ebenbürtig dem
berühmten „Drei Mann in einem Boot”, Witzig, ſtatiriſch,
überſpru=
delnd und verſöhnlich läßt Jerome alle Regiſter ſeiner köſtlichen Laune
in dieſem ſommerlichen Ferienroman ſpielen.
Hertha Uentze: Unter der Trikolore. Ein Roman. (420 Seiten, gebd.
5,50 Mk.) Strom=Verlag G.m.b.H., Dresden=A. 1, Wallſtraße 15.
Dieſes Werk iſt mehr als ein Roman; es iſt eine Offenbarung der
Nachkriegsverhältniſſe in Elſaß=Lothringen, iſt elſäſſiſche Geſchichte! Die
Verfaſſerin hat es verſtanden, das Elſaß ſeit 1919 unter der
Franzoſen=
herrſchaft lebendig, i einer buntſchillernden, ernſten und heiteren
Er=
zählung zu ſchildern. Eigene Erlebniſſe ſind mit erwieſenen
Dokumen=
ten der franzöſiſch=elſäſſiſchen Politik, mit der Sichorheit reicher
Erfah=
rungen in die Romanhandlung verflochten. Es iſt eine Arbeit, die
Auf=
horchen macht. Ein Aufklärungsroman im edelſten Sinne!
Erwin Weill, In einem kühlen Grunde. Der Rowan des jungen
Eichen=
dorff. Ladenpreis geheftet 2,40 Mk., gebunden 4.— Mk.
Der Eichendorff=Roman mußte einmal geſchrieben werden.
Eichen=
dorff iſt der Repräſentant der deutſchen Romantik, in ihm vereinigen
ſich das Sehnen unſerer Jugend, die Evinerung der Aelteren. Erwin
Weill, der Verfaſſer vieler geleſener Romane und feinſinniger lyriſcher
Dichtungen, gehört gegenwärtig zu den bekannteſten Wiener
Schrift=
ſtellern. Er hat hier ein Werk geſchaffen, das vollendete Einfühlung in
die Zeit Eichendorffs verrät, jene große Zeit, da Deutſchland nach
ſchwe=
ren Kämpfen und Leiden wieder neu erſtanden.
Margrit. Von P. M. Vekeux 0. F. M. Deutſch von Prof. Dr. Duhr
und Dr. Weiß. 82 270 Seiten. Kartomiert 2,75 Mk.; in Halbleinen
3,75 Mk. Verlag der Schulbrüder, Kirnach=Villingen, Bade.
Margrit, die Beſchreibung einer Heldenſeele umſerer Zeit im
Romanſtil, führt uns in die Arbeiterviertel einer Induſtvieſtadt und
zeigt uns, wie die Heldin, eine Volksſchullehrerin, mit feinem
weib=
lichen Empfinden und Taktgefühl die verbitterten Arbeiterfamilien
auf=
ſucht und Sonne in ihr liebearmes Leben bringt, ja ſelbſt durch
Trunk=
ſucht und Not gänzlich verrohte Menſchen zu Gott hinfühmt. Ein Buch
für jeden, der ſich für ſoziale Fragen intereſſiert, gleich welcher Konfeſſion
und Parteirichtung.
Die Meertrub. Erzählung von Friede H. Kraze, Band 12 der
Brunnen=Bücher” Hans Ruhe Verlag, Altona=Bahrenfeld.
Kar=
toniert 75 Pfg., Halbleinn 1,25 RM., Ganzleinen 2.— RM.
Nachdem Friede H. Kraze im vorigen Jahre ihre preisgekrönte,
köſt=
liche Rokokonovelle „Das wahre Geſicht” der Bücherveihe „Der Brunnen”
anvertraute, läßt ſie jetzt darin ihre „Meertrud” erſcheinen. Wer die
Dichterin im „Wahren Geſicht” als nechiſch, graziös und ironiſch empfand,
möge hier den ſtarken, tiefen, glockenhaft mahnenden Klang ihrer Stimme
vernehmen. Lebendiger denn in dieſer Dichtung von Liebe, Sünde und
Sühne hat ihre Feder noch keine Geſtalten in die bereitwillige Seele des
Leſers gezeichnet.
Heinrich Herm, Dome im Feuer. Werdegang eines Europäers. Roman.
(Grote’ſche Sammlung von Werken zeitgenöſſiſcher Schriftſteller, Band
164.) Geheftet 5,50 Mark, Ganzleinen 7,50 Mark.
Der intereſſante Roman eines Schweizer Univerſitätsprofeſſors, der
ſich in künſtleriſcher Form mit den Verſtändigungsbeſtrebungen zwiſchen
Frankreich und Deutſchland auseinanderſetzt. Das Pſeudonym trägt ein
geborener Franzoſe, der im neutralen Land ſich ſo in die deutſche Seele
hineinzudenken vermocht hat, daß dieſes Werk ſogar in deutſcher Sprache
niedergeſchrieben wurde. — Das Buch offenbart den Wendepunkt, an dem
Europa ſteht, es wird für die europäiſche Einheit aus tiefer Liebe zum
Deutſchtum und zu Frankreich. Ohne Tendenz noch Voreingenommenheit,
mit der Kraft des Dichters, deſſen Gefühl zum Erbennen reifte.
Theodor Leſſing: Meine Tiere. Einführung in die Tierpſychologie.
Preis gebunden 4.— Mark. Oeſterheld u. Co. Verlag, Berlin W. 15.
Man kennt die herrlichen Tierbücher von Thomſon und Hermann
Löns. Das Tierbuch des hannoverſchen Profeſſors dürfte ebenſo
volks=
tümlich und gern geleſen werden wie die Schriften dieſer Klaſſiker der
Naturſchilderung. Es iſt merkwürdig, wie Leſſing aus Beobachtungen an
ſeinen Tieren zur Erkenntnis der Menſchencharaktere gelangt. Ein
ver=
borgener Kerngedanke, der aus all” den intereſſanten „Pſychognalyſen”
der Tierſeelen immer wieder hervorblinkt, ſcheint dieſer zu ſein: Der
Menſch hat ſich auf der Erde zum Herrſcher gewacht und hat damit eine
große Veränderung an der Tierwelt vollzogen. Er hat die ihm nützlichen
Tiere „domeſtiziert‟. Dieſe „Domeſtikation” der Tiere, insbeſondere die
Umzüchtung am wilden Pferd, Eſel, Taube, Huhn, Wolf uſw. vollzieht aber
an der Tierſeele den ſelben ſozialen Prozeß, welchen die fortſchreitende
Kultur am urſprünglichen Menſchen ſelber vollzieht.
Joſef Friedrich Perkonig. Dorf am Acker. Ländliche Novellen. 262
Seiten 8. Geheftet Mark 4,—, in Ganzleinen Mk. 6.—. München
1925. C. H. Beck’ſche Verlagsbuchhandlung.
In der gegenwärtigen Zeit der Dürre und der Ueberreizung auf dem
Gebiete der Erzählungsliteratur iſt das Erſcheinen eines neuen
Novellen=
buches von Joſef Friedrich Perkonig Anlaß, ſich wirklich zu freuen.
Dieſer Erzähler iſt heute ja längſt kein Unbekannter mehr, ſeine Romane
und Novellen haben den Weg ſchon zu vielen Herzen gefunden. Seine
Kraft zieht er aus dem Kärntner Boden, aber er vermag die
Bauern=
geſtalten ſeiner Heimat echt dichteriſch zum Typus des Bauern von
überall her zu ſteigern. Und ſo bewegen ſich vor uns echtes Bauernleben,
echte Bauernſchickſale in den zehn Novellen, die er hier bietet.
Dämon Afrika. Roman von Otto v. Gottberg. Okt. 320 Seiten.
Ganzleinen Mk. 7,50. K. F. Koehler, Verlag, Berlin W. 9 und
Leipzig.
Nach kurzer Schaffenspauſe tritt Otto v. Gottberg, einer unſerer
beliebteſten Romanſchriftſteller, mit einem neuen Buch hervor, das
wviederum treffend die außerordentliche Geſtaltungskraft des Verfaſſers
beweiſt. Ein packendes Schickſalsbild der weißen Raſſe im ſchwarzen
Erdteil, ein ungewöhnlicher Stoff, in dem lebendige Menſchen der
Nach=
kriegszeit — die von Liebe und Schickſal erneut in die alte afrikaniſche
Heimat getrieben ſind — in enger Gemeinſchaft bauend und helfend iihr
Glück ſuchen.
Jean Cocteau: Die große Kluft. (Stein=Verlag,
York). Broſch. RM. 3; Halbleinen RM. 3,50.
Leipzig, Wien. New
Es iſt der Roman eines neuen Mannes, gewiß, aber er bietet dafür
eine Freude mehr — einen Dichter entdeckt zu haben, der das Tempo
für die Gegenwart und den Atem für die Zukunft hat. Wer dieſes
Werk mit Neugierde zur Hand nimmt, wird es wieder und wieder leſen,
Zugendſchriften.
Phyſikaliſche Schülerübungen. Von Studienrat Dr. F. Speider.
110 Seiten. Gebunden 2,60 Mk. Verlag von Quelle & Meher in
Leipzig.
Dem lebendigen Trieb des Schülers, ſelbſtändig Verſuche anzuſtellen,
dienen die freiwilligen Uebungen des Laboratoriums. Hier bietet das
vorliegende Buch Speidels eine ausgezeichnete Hilfe. Es bringt in
ünf großen Abſchnitten Uebungen aus den Gebieten der Mechanik, der
Abuſtik, der Wärmelehre, der Optik und der Elektrizität. Bei der
Aus=
wahl der Verſuche ſind die Erfahrungen berückſichtigt, die Verfaſſer n
jahrzehntelanger Praxis als Laboratoviumsleiter gewinnen konnte.
Da=
durch, daß nur Uebungen mit Apparaten, die in der Mehrzahl der
phyſi=
kaliſchen Sammlungen vorhanden ſein werden, aufgenommen ſind, iſt
das Werk für die verſchiedenſten Schularten geeignet. Ueberall wird
der Uebende immer wieder auf das Aufſpüren funktionaler
Zuſammen=
ſänge und ihr Darſtellung in Tabellen und Kurenform hingewieſen=
* Anfänge der Reifezeit. Ein Knabentagebuch in pſychologiſcher
Bear=
beitung. Von Prof. Dr. W. Stern. Geb. 3,60 Mk. Leipzig, 1925,
Quelle u. Meyer.
Jugendtagebücher werden neuerdings häufig als wertvolle Quellen
entwicklungspſychologiſcher Unterſuchung ergiebig verwertet. Prof. W.
Stern, einer der beſten Kenner der Kindesſeele, macht im vorliegenden
Buch zum erſtenmale den Verſuch, das Tagebuch eines Knaben aus dem
beſonders wichtigen Lebensabſchnitt von der Mitte des 12. bis zum
vollendeten 15. Jahre pſhchologiſch in der Weiſe zu bearbeiten, daß ein
lehrreiches Bild des ſeeliſchen Entwicklungsprozeſſes und der
Perſönlich=
keitsſtruktur aus den Anfängen der Reifezeit gewonnen wird. Wir
er=
ſehen da, wie das Verhalten des in eine neue Lebensphaſe Tretenden
ſowohl zum eigenen Selbſt wie zur Umwelt, Menſchen und Dingen, ſich
wandelt. Von der Beſonderheit des Falles laſſen ſich Schlüſſe ziehen,
die Licht auf die allgemeinen Erſcheinungen der Frühpubertät werfen.
Eltern und Lehrer können aus der vorſichtig und doch ſicher
vorſchreiten=
den Unterſuchung des erfahrenen Jugendpſychologen für ihre
Erzieher=
arbeit lernen.
Dr. K. B.
Vom Sandkorn zum Kriſtallgefäß.
In der Reihe der „Techniſchen Bücher für Alle” des Verlages
Dieck & Co, Stuttgart, erſcheint eine Gruppe handlicher, billiger
Bänd=
chen (jedes Vierteljahr kommt ein neues heraus), die die intereſſanteſten
Gebiete der Technik in allgemeinverſtändlicher Weiſe mit zahlreichem
Bildematerial darſtellen. Bisher ſind erſchienen: „Oskar von Miller,
an Führer der Techmik” von E. Kalkſchmidt, „Der Kampf um den
Nutz=
effekt in der Technik” von Dr. H. Schütze, „Vom Kienſpan bis zum
künſtlichen Tageslicht” von Dr. W. Bloch und nun erhalten wir als
neueſtes das prächtige Werkchen „Vom Sandkorn zum Kriſtallgefäß” von
Ingenieur C. J. Stahl. Das, was alle vom Glas, dieſem mit unſerer
ganzen Kulturentwicklung ſo untrennbar zuſammenhängenden Material,
und ſeiner Verarbeitung wiſſen ſollen, hat hier der bekannte Verfaſſer,
unterſtützt durch ausgezeichnete Bilder, für jeden, ſei er nun Techniker
oder nicht, intereſſant geſchildert.
„Deutſches Geräteturnen in den Entwicklungsjahren” von Max
Schwarze. 3. Auflage. Verlag von Wilhelm Limpert in Dresden.
Dieſes Buch iſt ein wahrer Schatz für die turneriſche Arbeit in
Schule und Verein. Das Buch, das die Uebungen an den Hauptgeraten
für die männliche Jugend in den Entwicklungsjahren bringt, verfolgt
zwei Abſichten: Es will 1. dem deutſchen Riegenturnen mit ausgemünzten
Erfahrungen dienen und den Vorturnern ein wegkundiger Führer ſein,
der vor Um= und Irrwegen zu bewahren weiß. Es will 2. die
Vor=
turnerausbildung in den turneriſchen Organiſationen fördern und den
Turnwarten und Lehrgangsleitern die ſchwere Arbeit des
Vorturner=
erſatzes leichter und genußreicher machen. Für das Riegenturnen
bringt es den Uebungsſtoff ſo, daß der Vorturner an ihm in die
geiſti=
gen Zuſammenhänge wachſen kann und dabei weitſchauend und
ſelbſtän=
dig werden muß: um die Hauptſtücke, mit denen unſere Geräte din
ein=
zelnen Lebensjahren verpflichtet ſind, ranken ſich als Beiwerk die
Neben=
formen. Die kleinen „Abſchnitte” der großen Formengruppen ſind für
die praktiſche Riegenarbeit zugeſchnitten, kurz geſagt, um der üblen
Ge=
pflogenheit der einſeitigen Anſtrengung entgegenzuwirken, aber auch
durchſichtig genug, daß der Vorturner ſie leicht mit eigenem Leben
be=
reichern kann. Das Ganze iſt ein geſchloſſener „Uebungsgang” für das
kräfteweckende, aufbauende Jugendturnen, der den Erfolg verſprechen
darf, weil unter ihm ſchon manche junge Kraft in die tüchtige Leiſtung
hineingewachſen iſt. In den „Uebungsbeiſpielen” am Schluſſe jeder
Hauptgruppe wie jedes Jahreszuſchnittes ſpiegelt ſich die Steigerung von
Anforderung und Leiſtung wider. Die Bezeichnung der Uebungen
ent=
ſpricht der gegenwärtig geltenden Turnſprache der D.T. Der
Vorturner=
ausbildung kommt das Buch dadurch zu Hilfe, daß es drei wichtigen
tech=
niſchen Notwendigkeiten nachgeht: Es will die Augen für die Reinheit
der Form erſchließen, den Aufbau der Formen durchleuchten und endlich
zur nachdenklichen Betrechtung der Wirkungen und des Wertes unſerer
Geräteübungen anregen.
Das Schachſpiel. Verſtändliche nud leicht faßliche Anleitung zur
ſchnel=
len und ſicheren Erlernung des Schachſpiels von Jacques
Mie=
ſes. Mit vielen Diagrammen. 136.—140. Tauſend. Preis 1,80 Mk.,
Hugo Steinitz Verlag, Berlin W. 35.
Das beliebte Werk des bekonnten Schachmeiſters hat ſich bereits
viel Freunde erworben und bei vielen die Freude am Schachſpiel geweckt.
Sehr ſorgfältig durchgearbeitet, bietet es dem Anfänger den beſten
Leit=
faden zur ſchnellen und ſicheren Erlernung des Spiels, wie auch dem
bereits Fortgeſchrittenen eine Füille von Anregung und Belehrung.
Maxim Gorki: „Wanderer imn ben Morgen”. (Verlag Ullſtein.)
Ein Stück Autobiographie des großen ruſſiſchen Dichters, die ſich
wie ein ſpannender Roman lieſt, eine in ſich geſchloſſene Fortſetzung der
beiden im Ullſtein=Verlag erſchienenen Bände „Meine Kindheit” und
„Unter fremden Menſchen” Man weiß, daß Gorki zwar ſeit Jahren in
Italien lebt, aber demnächſt nach Rußland zurückzukehren gedenkt. Was
der „Student” Gorki — der nie eine Univerſität betreten hat, ſondern
für den alle Etappen ſeines wilden Lebens „Univerſitäten” und
Lehr=
ſtühle waren — hier unter Bauern und Krämern, Politikern und
Philo=
ſophen des öſtlichen Rußland erlebt, das iſt nichts mehr und nichts
weniger als eine reſtloſe Enthüllung aller Keimzellen der großen
ruſſi=
ſchen Revolution, ein Aufſpüren geheimſter Quellen und abgründiger
Staubechen einer verhaltenen Erbitterung, die eines Tages
zuſammen=
ſtrömen und ausbrechen mußten zu dem Strom einer Empörung, die ein
ganzes Volk emporhob. Wie Gorki jede einzelne Geſtalt dieſes von
Menſchen wimmelnden, von Erregung kochenden Buches bis zu dem
Punkte führt, wo auch aus dem primitivſten Gehirn die Frage ſich
auf=
reckt nach den letzten Dingen des Lebens, des Staates, der Religion, der
menſchlichen Seele, — das iſt mit unnachahmlicher pſychologiſcher
Mei=
ſterſchaft geſtaltet, faſziniert durch die Echtheit der ruſſiſchen Melancholie,
entzückt durch den Reiz eines urwüchſigen Humors und erſchüittert durch
die Brutalität hemmungsloſer Leidenſchaften. Dieſes Buch, von Erich
Boehme in kräftiges, lebendiges Deutſch übertragen, gehört heute, wo
die füngſte ruſſiſche Literatur nur langſam die erſten Vorpoſten nach
Europa entſendet, zu den wichtigſten Dokumenten und wertvollſten
Dich=
tungen — denn es iſt eine Dichtung — des ruſſiſchen Schrifttums der
letzten Jahre.
Deutſchlands Bahlungsbilanz 1925. Zugleich Chronik der
Auslands=
beziehungen der deutſchen Volkswirtſchaft. Von Dr. A. Heichen.
(X u. 94 S.) gr. 8. Kart. 5 RM. Verlag von B. G. Teubner in
Leipzig und Berlin. 1926.
Die Schrift macht den Verſuch, zu einer Feſtſtellung des Charakters
der Deutſchen Zahlungsbilanz für 1925 zu gelangen. Dazu werden die
ſogenannten unſichtbaren Poſten dieſer unterſucht, die erſt in
Verbin=
dung mit den ſtatiſtiſch erfaßten, insbeſondere dem eigentlichen
Aus=
landshandel ein vollſtändiges Bild ergeben. Dabei finden beſondere
Be=
rückſichtigung die langfriſtige Auslandsverſchuldung, der
Fremdenver=
kehr, der Export ausländiſcher Zahlungsmittel und die finanziellen
Wir=
kungen der Wanderungsbewegung. Die angewandten
Schätzungsmetho=
den werden eingehend dargelegt und ſo nicht nur eine Kontrolle
ermög=
licht, ſondern eine ausgezeichnete Einführung in die volkswirtſchaftlichen
Zuſammenhennge gegeben. Intereſſant iſt, daß in manchen Punkten die
Unterſuchung von derfenigen des Amtes für Konfunkturforſchung nicht
unerheblich abweicht. Beſondere Bedeutung gewinnt ſie im Hinblick auf
das Transferproblem. Das Dawes=Gutachten wird in der Weiſe
inter=
pretiert, daß eine Transferierung bei einer nur „geborgt=aktiven”
Zah=
lungsbilanz, als die ſich die deutſche für 1925 darſtellt, als dem Geiſt
und dem Sinn des Dawes=Gutachtens widerſprechend anzuſehen iſt.
Siebenbürgiſch=ſächſiſche Volkskunde im Umriß. Von Stadtpfarrer
Sena=
tor D. Dr. A. Schullerus. („Deutſche Stämme / Deutſche Lande‟
herausgegeben von Profeſſor Dr. Fr. v. d. Leyen.) 179 Seiten mit
16 Tafeln. Preis geheftet 4 Mk., in Loinenband 5 Mk. Verlag von
Quelle u. Meher in Leixzig.
Als lebendige Zeugen geſchichſtlichen Kampfes überragen die trutzigen
Kirchenburgen die Dörfer der Siebenbünger Sachſen, eines der älteſten
deutſchen Siedlervölker. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts vom
Unterrhein und von der Moſel im Lande eingewandert, haben ſie es
fervig gebracht, bis heute ihre deutſche Sprache und Art ſiegreich in einer
fremdſtämmigen Umgebung durchzuſetzen. Wie wenig wußte man aber
bisher von ihnen. Erſt der Weltkrieg und der Feldzug gegen Rumänien
brachten Kenntnis von ihnen in weitere Kreiſe des deutſchen
Mutter=
landes. Um ſo mehr zu begrüßen iſt es daher, wenn uns jetzt einer der
angeſehenſten Männec aus ihren eigenen Reihen, der Hermannſtädter
Stadtpfarrer Schullerus, eine Volkskunde ſeiner Heimat ſchenkt. Jeder
der den Kampf unſerer Volksgenoſſen im Auslande verfolgt, wird und
muß zu dieſem Buche greifen.
Trinkler, Quer durch Afghaniſtan nach Indien, 82 256 Seiten, 70 Abb.,
darunter 2 farbige, 1 Karte, Leinen 8,50 Mk. Kurt Vowinckel Verlag,
Berlin=Grunewald.
Afghaniſtan iſt noch heute ein wildes, kaum erſchloſſenes Land.
Wenigen Europäern nur war es vor dem Kriege vergönnt, einen Blick
in ſeine Natur, ſeine Sitten und Gewohnheiten zu geſinnen. Erſt in
der Nachkriegszeit, als der fortſchrittlich geſinnte Emir Enropäer,
haupt=
ſächlich Deutſche, in das Land berief, iſt vereinzelt Näheres bekannt
ge=
worden. In einem glänzend illuſtrierten Buche ſchildert der junge
Bre=
mer Geologe Dr. Trinklen ſeine Erlebniſſe in Afghaniſtan.
Autobummel durch Deutſchland in 5 Bänden wit je 150 Bildern von
Sepp Frank, Bruno Goldſchmitt, Joh. Thiel.
Die Bände 1, 2, 3, 5 und 6 ſind erſchienen. Die Bände 4 und 7
er=
ſcheinen im Frühjahr 1927. Das ganze Unternehmen ſoll ſich zu einem
„Autobummel durch die Welt” entſprechend dem Baedecker auswachſen
und ſich nicht nur an Kraft= und Radfahrer, ſondern auch an alle Natur=
und Kunſtfreunde wenden. Weiteſte Kreiſe dürften dieſem Unternehmen
Intereſſe entgegenbringen, das auch allen praktiſchen Bedürfniſſen
ent=
ſpricht.
Deutſche Literaturgeſchichte. Von Gotthold Klee. Herausgegebon und
fortgeführt von Oberſtudiendirektor Dr. Willy Scheel. 94. Auflage.
(164.—173. Tauſend!) Leipzig 1926, Heſſe & Becker Verlag. 949
Sei=
ten. 2,25 Mk.
Unter den Ueineren Literaturgeſchichten ſteht das Bild Gotthold
Klees ſeit vielen Jahren an erſter Stelle. Es hat wohl kaum einen
Fehler, die man derartigen Schriften oft zum Vorwurf macht: es iſt
weder langweilig noch rechthaberiſch, es ſchmeckt nicht nach Schulſtube,
und es hält ſich frei von der dünkelhaften Anmaßung des Pedanten.
Klee war ein aufrochter Mann, ein feiner Kopf und ein Gelehrter von
ungewöhnlichen Kenntniſſen. Alle dieſe Eigenſchaften ſpiegeln ſich in
ſeiner Literaturgeſchichte wider. Er hat mit ihr ein Werk geſchaffen, das
ſich — was höchſt ſelten vorkommt — gleſchermaßen für die Schule wie
für den Selbſtunterricht eignet.
Dr. Max Kemmerich, Moderne Kultur=Kurioſa. (Kultur=Kurioſa=
Dritter Band.) Umſchlag= und Eimbandzeichnung von Profeſſor
Wal=
ter Diemann. 1.—5. Tauſend. Preis geheftet 6.— Mk., in Leinen
gebunden 8,50 Mk. Verlag von Albert Langen in München.
Das Seltenſte auf der Welt ſind die „Köpfe‟. Faſt ſeltener noch ſind
ſie, als die Herzen es ſind. Max Kemmerich iſt einer der wenigen Köpfe
von europäiſcher Bedeutung. Das zeigt der ſtarke Widerhall, den alle
ſeine Bücher, den beſonders ſeine beiden Bände „Kultur=Kurioſa” in der
geſamten geiſtigen Welt erregten. Iſt doch ſogar das Wort „Kultur=
Kurioſa” ſeitdem in den Sprachſchatz der Völker übergegangen. Zu
rechter Stunde erſcheint der dritte, die neueſte Zeit behandelnde Band
dieſes Werkes. Dieſes Buch ſoll Scheuklappen, welcher Art ſie auch ſein
mögen, beſeitigen helfen und ſoll erziehen zur Achtung und Würde der
ſittlichen Perſönlichkeit. Es ſoll endlich beiſteuern zum Siege der Freude.
Gin Werk, das in die Bibliothek jedes Kulturmenſchen gehört und das
mit ſeiner Wachſamkeit und Hellhörigkeit zum mindeſten ein Dutzend
Abgeordnete zu erſetzen vermöchte.
Der phantaſtiſche Bau. Von Hans Roſelieb. Fein kart. 1,15 Mk.,
Ganz=
leinen 1,95 Mk. Verlag von Franz Borgmeher, Hildesheim.
Die Macht einer Idee zieht immer größere Kreiſe in ihren Bann;
und während ſcheinbar guten Gelingens des Erſtrebten dräut das
Miß=
geſchick mit lauernder Gebärde, bis endlich der Träger der Idee unter
ſeinem Werk zuſammenbricht. Eine feine Sprache formt mit viel
lieben=
der Kleinmalerei ein Meiſterwerk.
Komiſche Käuze. Eine luſtige Jagdmappe mit 8 humoriſtiſchen
Aqua=
rellen und Zeichnungen von Heinz Geilfus. 1925. St. Hubertus=
Ver=
lag, Cöthen=Anhalt. 6 Rm.
Humor und Witz und ein bewunderungswürdiges Talent haben
hier die Farben gemiſcht, fröhliche Satire wurde als Grundfarbe benutzt
und die Freude am Weidwerk ſchuf den Rahmen. Mit ſelten glücklicher
Hand hat Geilfus das Empfinden des deutſchen Weidmanns getroffen
und damit eine Kunſtmappe geſchaffen, die bei allen deutſchen Jägern
donnerndes Lachen auslöſen wird. Der auch von Geilfus gezeichnete
Umſchlag läßt köſtlichen Inhalt vermuten. Und wenn man das von
Witz, Frohſinn und Jigerfreude ſprühende Vorwort lieſt, das Heinz
Geilfus ſeinen Bildern vorausſchickt, dann weiß man, daß hier ein rechter
Weidmann von altem Schrot und Korn mit uns ſpricht und ſeine
Weid=
genoſſen mit fröhlicher Verſpottung ihrer Schwächen erfreut.
Leonid Leonow: Die Bauern von Wory. Roman. Autoriſierte
Ueber=
ſetzung aus dem Ruſſiſchen von Bruno Prochalska und Dmitrif
Umanskif.
Leonid Leonow — ein neuer Name, der bald aller literariſchen
Oef=
fentlichkeit vertraut ſein wird. Denn dieſer junge Ruſſe bedeutet den
Anfang von etwas Kühnem und Großem, etwas von der aufgewühlten
Zeit in der Kunſt Erſehntem und Gefordertem; die Verſchmelzung
ruhi=
ger epiſcher Diktion mit herriſch dahinſtürmenden Rhythmen zu einer
höheren Einheit, der die Zukunft des Romans gehört. Es iſt in dieſem
Werk, welches das Leben ruſſiſcher Bauern unter der Sowjetherrſchaft
erzählt, eine Innigkeit des Naturempfindens, die tief ergreift, und zugleich
ein Fieber des Tempos, der Akzente, der Bilder, das ins Blut ſteigt und
aufpeitſcht.
Der Bauer haßt und bekämpft die ihm weſensfremde Stadt, die ihn
unterdrückt, vu ſie zariſtiſch oder revolutionär iſt. Die Stadt, das iſt
für ihn die tiefe Hoffnungsloſigkeit der großen Armutshänſer, ſie iſt
Demütigung und Entwürdigung, ſie verzehrt des Bauern beſte Kräfte,
macht aus ihm einen Nichtsnutz, wie Jegor Brykin, oder erniedrigt und
verbittert ihn, wie die beiden Bauernburſchen Jaſchka und Semion. Von
den politiſchen Veiregungen in der Stadt verſteht der Bauer nichts, und
ihm gilt cs gleichviel, ob die zariſtiſche oder bolſchewiſtiſche Knute auf
ihn ni derſauſt. Erhebt er ſich gegen die Stadt, ſo geſchieht es nicht um
irgendwelcher politiſchen Theorien willen — nur um ſeinen Boden
kämpft er gegen die neuen Gewalthaber Zwiſchen den heiden Dörf rn
Wory und Guſſaki beſteht ein geſchlechteralter Streit um eine Wieſe,
und als Wory aucb bei den Sowjets ſein Recht nicht finden kann, bricht
ſein lang zurückgehaltener Haß gegen die Stadt aus, und jener Semjon,
der nach der Revolution in ſein Heimatsdorf zurückkehrt, iſt der Führer
der Aufſtändiſchen. Ihn beherrſcht der glühende Glaube: Rußland,
ruſſiſche Erde, das ſind wir — nicht die Stadt! Mit erſtaunlicher
Ein=
dringlichkeit wird der Aufſtand und das Leben der Bauern in den
Wäldern geſchildert. Ihre Sprache wie ihr Weſen ſind von köſtlicher
Sinnenhaftigkeit. Wir lernen alle Typen kennen: den einfältig=frommen
und verſchlagenen, den großſprecheriſchen und würdigen, den fataliſtiſchen
und humorvollen Bauern. Auch findet das ſeeliſch Extreme und
Dämmer=
hafte, unheimliche Verſtörtheit und Wahn, in Leonow einen frühen
Meiſter. Ergreifend iſt die ungelenk=ſchamhafte Liebe Semjons zur
ſtädtiſchen Naſtia, einem Mädchen von unendlichem Liebreiz, das den
prachtvoll ungebändigten Burſchen in ſeliger Bitternis wiederliebt.
Der Roman, mit ſeiner bald bezaubernd träumeriſchen, bald
ge=
witternden dichteriſchen Viſion, iſt erfüllt von der wehen Menſchlichkeit
der ruſſiſchen Seele und von wiſſender Liebe zum leidenden, aber in
allem Leid zukunftsvollen Rußland.
* In der Sammlung „Wiesbadener Volksbücher” (Verlag des
Volks=
bildungsvereins Wiesbaden) erſchienen zwei neue Bändchen: „
Münch=
hauſen im Vogelsberg”, eine Erzählung des 1894 verſtorbenen heſſiſchen
Schriftſtellers Otto Müller (Nr. 166), die mit köſtlichem Humor von dem
Leben des gewohnheitsmäßigen Aufſchneiders Oberförſters Lätus erzählt,
dem ſein Jägerlatein beinahe verhängnisvoll geworden wäre, der aber
ſchließlich zur Freude ſeiner beſſeren Ehehälfte durch einen Gewaltſtreich
von ſeiner Lügenmanier geheilt wird. Das zweite Bändchen iſt eine
hoch=
deutſche Uebertragung der Erzählung des plattdeutſchen Schriftſtellers
John Brinkmann „Der Generalreeder”, eine dramatiſch geſchilderte kurze
Lebensgeſchichte eines alten Kapitäns, die man mit Spannung lieſt.
* Chriſtoph Blumhardt. Eine Auswahl aus ſeinen Predigten, Andachten
und Schriften. Herausgegeben von R. Lejeune. Zweiter
Band: Predigten und Andachten aus den Jahren 1888
bis 1896. Erlenbach=Zürich und Leipzig, 1925. Potagfel=Verlag. Geb.
9 Mark.
Unter den religiöſen Perſönlichkeiten der neueren deutſchen
Chriſten=
heit nimmt der „Möttlinger” Chriſtoph Blumhardt, der gleichgeſtimmte
Sohn des Wunderarztes und Seelſorgers von Bad Boll, eine ganz
be=
ſondere Stellung ein. Seine Heilsverhüündigungen ſind nicht aus irgend
einer Theologie herausgewachſen, ſondern aus dem unmittelbaren
Inne=
werden und Erleben göttlicher Taten und Wahrheiten. Er iſt ein Mann
wirklich von Gottes Gnaden, ein Werkzeug in der gewaltigen Hand eines
Höheren, ein Prophet und ein Zeuge unumſtößlicher, weil erlebter
Wahr=
heiten. Allen, die in den Stürmen des Lebens in Gott Halt und Heil.
ſuchen, wird die Sammlung der Verkündigungen dieſes Gottesmanns
will=
kommen ſein. Sie iſt auf fünf Bände berechnet. Der vorliegende zweite
Band erſcheint zuerſt und enthält deshalb auch das einführende Vorwort
des Herausgebens zum Geſamtwerk. Es enthält die Predigten und
An=
dachten aus den Jahren, da Blumhardt neue Wege geführt wurde. Ihre
Loſung iſt: „Sterbet, ſo wird Jeſus leben!” Gehet auf in Gott, opfert
Euer Selbſt, und der Sieg des Göttlichen wird ſich in Euch offenbaren.
Die ſieghafte Wirkung, die von Blumhardt, dem Lebenden, einſt
aus=
gegangen iſt, wird ſicherlich auch von dieſen Zeugniſſen ſeines Lebens auf
immer weitere Kreiſe ſich erſtrccken.
Dr. K. B.
Triangel. Ein Roman im Dreieck von Maurice Baring; ins
Deutſche übertragen von Irene Kafka. Paul Zſolnay Verlag im
Berlin SW. 68, Lindenſtraße 18/19.
Es iſt ein ſeltfames Buch. Seltſam vor allem in der
kompoſitori=
ſchen Konſtruktion, deren ſich vor Baring wohl kaum jemals ein anderer
bediente. Drei Merkbäicher werden aufgeſchlagen; der Reihe nach leſen
wir die Aufzeichnungen ines Anwalts, eines Arztes und eines
Jeſuiten=
prieſters. Drei Menſchen verſchiedenſter Weſensart, divergierendſter
Lebensrichtungen macken kurz und ſachlich, oft faſt ſchlagwortartig,
Auf=
zeichnungen über das Schickſal eines Hauſes und ſeiner Bewohner.
Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1926
Geite 19
Spotl Spiet une Tarnen.
Turnen.
Darmſtädter Sportkalender.
Vereinsmehrkampf=Meiſterſchaft 1926 der Deutſchen Turnerſchaft.
Der in den Wettkampfbeſtimmunger vorgeſehene Vereinsmehrkampf
in volkstümlichen Uebungen wurde in 6 Kreiſen zur Durchführung
ge=
bracht. Die Einteilung der Vereine in Stärkeklaſſen ermöglichte auch
den kleinen Vereinen, ſich mit Erfolg am Wettbewerb zu beteiligen.
Unter den drei erſten Siegern befindet ſich aus jeder Stärkoklaſſe ein
Verein.
Ergebniſſe:
1. Tamde. Göppingen, Kr. 11 (Stärkekl. 2) 734,09½ P. — 2. Tgmde.
Nieder=Ingelheim, Kr. 9 (Stärkekl. 1) 726,16 P. — 3. Tv. 1846
Nürn=
berg, Kr. 12 (Stärkekl. 3) 706,00 P. — 4. Tgſ. Stuttgart, Kr. 11
(Starkekl. 1) 621,24 P. — 5. Tbd. Stuttgart, Kr. 11 (Stärkekl. 3) 619,29
Punkte. — 6. Tv. 1858 Leipzig=Connewitz, Kr. 14 (Stärkckl. 2) 615.24 P.
— 7. A. T.V. Leipzig, 1845 (Stärkekl. 3) 611,10 P. — 8. Tv.
Neufahr=
waſſer, Kr. 1 (Stärkekl. 1) 608,01 P. — 9. Tv. Lindau i. B., Kr. 12
Stärkebl. 1) 600,35 P. — 10. Tv. 1860 Fürth, Kr. 12 (Stärkekl. 3) 572,05
Punkte. — 11. Tv. 1860 Bayreuth, Kr. 12 (Stärkekl. 2) 571,36 P. —
12. Caſſeler Tamde. 44, Kr. 7 (Stärkekl. 2) 551,79 P. — 13. Tv. Weiler,
Kr. 11 (Stärkekl. 1) 517,05 P. — 14. Tv. Nieder=Erlenbach, Kr. 9
(Stärkekl. 1) 541,78 P. — 15. A. T. V. Leipzig=Paunsdorf, Kr. 14 (
Stärke=
klaſſe 1) 594,25 P. — 16. Tv. Augsburg, Kr. 12 (Stärkekl. 2) 513,58 P.
— 17. Tamde. Rödelheim, Kr. 9 (Stärkekl. 2) 497,93 P. — 18. Tgmde.
Rothendetmold, Kr. 7 (Stärkekl. 1) 435,00 P. — 19. Tv. Waiblingen,
Kr. 11 (Stärkekl. 1) 400,00 P. — Stärkeblaſſe 1 — Vercine bis 500
Mit=
glieder. Stärkeklaſſe 2 — Vereine mit 500—1000 Mitgliedern.
Stärke=
klaſſe 3 — Vereine über 1000 Mitglieden.
Fußball.
Univerſität Gießen-Techniſche Hochſchule Darmſtadt 0:7 (0:2)
Am Mittwoch, den 15. Dezember d. J., fuhr die erſte
Fußballmann=
ſchaft der Hochſchule zum fälligen Rückſpiel nach Gießen, nachdem das
Vorſpiel 8:2 von Darmſtadt gewonnen wurde. Für die Hieſigen bot
ſich die günſtige Gelegenheit, eine Mannſchaft für die kommenden Spiele
um die Südweſtdeutſche Hochſchulmeiſterſchaft auszuprobieren.
Darm=
ſtadt traf aber in Gießen nicht auf den erwarteten Widerſtand und konnte
infolgedeſſen mit 7:0 das Spiel für ſich entſcheiden. Dieſes ſelbſt ſtand
im Zeichen der Ueberlegenheit und der größeren Routine der Gäſte,
deren beſter Teil die ganz brillant arbeitende Läuferreihe war. Der
Sturm zeigte oft mangelndes Verſtändnis, ſchoß dafür aber deſto beſſer.
Der rechte Verteidiger arbeitete ſehr ballſicher, ſein Partner, der ſich
alle Mühe gab, wurde durch ſeine Verletzung ſtark behindert. Der
Tor=
mann hatte leichte Arbeit. Bei Gießen genügte eigentlich nur der linke
Verteidiger, während die übrigen Spieler wohl ſehr ſchnell waren, aber
zu unüberlegt arbeiteten, um dem Darmſtädter Tore gefährlich werden
zu können. — Wenn noch einige Stellen in der Darmſtädter Mannſchaft
beſſer beſetzt werden, ſo wird ſie ein ernſtes Wort bei der Austragung
der Hochſchulmeiſterſchaft mitzuſprechen haben. Das erſte Spiel findet in
den erſten Januarwochen ſtatt, und zwar gegen die ſehr ſpielſtarke
Frank=
furter Mannſchaft, bei der unter anderen auch Wallishauſer (
Fußball=
ſportverein) und Schnorr (Hanau) mitſpielen.
Fechten.
Klubfechten des Darmſtädter Fecht=Klubs (1890).
Alljährlich gegen Jahresende erprobt der Darmſtädter Fechtklub
das Können ſeiner Fechter in ſcharfen Kämpfen nach den Beſtimmungen
des Deutſchen Fechterbundes. Die Gefechte, wobei feder gegen jeden
an=
zutreten hat, wurden an wehreren Abenden in der Turnhalle des
Gym=
naſiums (Soderſtraße 30) vor den zahlreich erſchienenen Mitgliedern und
Damen ausgetragen. In der Juniorklaſſe ſiegten bei 6 Bewerbern:
1. H. Koch, 2. M. Praſſel, 3. H. Sack; bei den Damen errang den
1. Preis Frl. Niebel, den 2. Frl. Getroſt. In der Seniorklaſſe, zu der
ebenfalls 6 Herren antraten, wurden in Florett: 1. A. Kötting,
2. Fr. Müller, 3. L. Anton; in Säbel= 1. A. Kötting, 2. Fr. Müller,
3. L. Anton; in Degen: 1. Fritz Müller, 2. L. Anton, 3. A. Kötting.
Zur Belohnung der fleißigen Fechterabteilung waren aus
Mitglieder=
kreiſen eine Anzahl hübſcher Ehrengaben geſtiftet, die den Siegern im
Rahmen einer kleinen gemüitlichen Weihnachtsfeier überreicht wurden.
Handball.
11.00 Uhr: Union, 1. — Rot=Weiß, 2. (Rennbahn.)
3.00 Uhr: Pol.=Sp.=V. — Sp.=V. 98. (Exerzierplatz.)
Fußball.
10.30 Uhr: F.=C. Eintracht — Michelſtadt.
2.30 Uhr: F.=C. Union — Olympia=Lampertheim.
Schach.
Internationales Schachturnier in Meran.
Der Stand des Turniers nach der 9. Runde: 1. Canal 7: 2. Colle,
Przepiorka je 6½, 4. Yates 6, 5. Spielmann und Dr. Tartakower je
5½, 7. Koſtitſch 5, 8. Grünfeld, Sacchoni und Grob je 4, 11. Patay 3,
Alimonda 2½, 13. Calapſo 2 und 14. Roſelli 1½ Punkte.
Der Stand nach der 10. Runde: 1. Canal 8; 2. Przepiorka 7½; 3.
Colle 6½ (—1); 4. Spielmann 6½; 5. Yates 6 (+ 1); 7. Koſtitſch und
Dr. Tartakower je 6; 8. Grünfeld 4½; 9. Grob und Sacchoni je 4: 11.
Alimonda und Patay je 3: 13. Calapſo und Roſelli je 2 Zähler.
Boxen.
Neufeſtſetzung der deutſchen Schwergewichtsmeiſterſchaft.
Wie bekannt, hatte die Dortmunder Weſtfalenhalle die neu
aus=
geſchriebene deutſche Box=Schwergewichtsmeiſterſchaft mit allen
Ausſchei=
dungstreffen und dem Endkampf übernommen. Die einzelnen
Paarun=
gen waren bereits von der Boxſportbehörde Deutſchlands (B.B.D.)
feſt=
gelegt. Verſchiedene intereſſierte Boxer hatten gegen die geplante
An=
ordnung der Kämpfe Proteſt eingelegt, da ihnen die Börſen und einige
andere Dinge nicht zuſagten; die Exmeiſter Breitenſträter und Samſon=
Körner zogen ſogar ihre Meldungen zurück. Inzwiſchen hatte aber die
Weſtfalenhalle die Börſen, d. h. Kampfgagen, erhöht. — In einer
Voll=
ſitzung befaßte ſich am Freitag die Boxſportbehorde Deutſchlands noch
einmal mit dem geſamten Fragenkomplex. Nach einer mehrſtündigen
Beratung kam man zu Beſchlüſſen, die hoffentlich allen Wünſchen
Rech=
nung tragen. Der demnächſt von Amerika zurückkehrende Franz Diener
wurde bei der Neuordnung nicht berickſichtigt, obwohl die erſte Runde
erſt am 9. Januar ſteigt. Man will aber Diener der im September
freiwillig von ſeinem Titel zurücktrat, die große Chance geben, ſofort
mit dem neuen Meiſter um den Titel zu boxen. Die Beſchlüſſe der
B.B.D, haben folgenden Wortlaut: „Die B.B.D. hat in einer
Voll=
ſitzung am 10. Dezember die Frage der deutſchen
Schwergewichtsmeiſter=
ſchaft noch einmal geprüft und wie folgt entſchieden: Die geſamten
Aus=
ſcheidungskämpfe, ſowie der Meiſterſchaftskampf werden der
Weſtfalen=
halle in Dortmund zur Durchführung übertragen. Die Weſtfalenhalle
bringt am 9. Januar die Kämpfe Mehling—Röſemann und Rudi
Wo=
gener—Ludwig Haymann. Zwei bis drei Wochen ſpäter trifft der
Sieger aus Mehling—Röſemann auf Hans Breitenſträter und der
Sie=
ger aus Wagener—Haymann auf Samſon=Körner. Die beiden
End=
ſieger beſtreiten den Meiſterſchaftskampf. Sämtliche beteiligten Boger
erhalten ab 1. Januar 1927 Verbot für Auslandsſtarts.”
Ungarns Fußballmannſchaft unterlag in Madvid einer
mittelſpaniſchen Repräſentativen mit 2:3 (1:3) Toren.
Die ſüddeutſchen Bobmeiſterſchaften, die am 28.
De=
zember in Triberg zum Austrag gelangen, ſind nunmehr dem Bobklub
Schwarzwald in Frankfurt a. M. übertragen worden.
In Cannes qualifizierte ſich Albert Burke=England durch einen
klaren Sieg über Megro, für die Schlußrunde mit Najuchs Beſieger
Kozeluh=Tſchechoſlowakei.
In Holland machen ſich Beſtrebungen geltend, eine
Berufsſpie=
ler=Fußballiga einzuführen. Ein dementſprechendes Geſuch liegt dem
holländiſchen Verband bereits vor.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Sonntag, 19. Dez. 8.30: Morgenfeier. O 11.30: Elternſtunde.
„Wie unterſtütze ich mein baſtelndes Kind?” von Ing. Schenrer.
O 12: Die Oper der Woche. O 3.45: Stunde der Jugend. Und
heute werden die kleinen Poeten mit ſelbſtgemachten Verſen
auf=
treten. s ſind Rundfunkkinder von nah und fern, die hört doch
wohl ein jeder gern. — Doch darf das Märchen auch nicht fehlen,
das wird die Märchentante erzählen. O 5: Shakeſpeare=Vorträge.
Aus „Hamlet”. — Aus Macbeth”. — Aus „Romeo und Julie‟.
— Aus „Wie es euch gefällt”. — Drei Sonette. — Aus „Timon
von Athen”, — Rünel= und Narrenlieder. Ausf. Konſtanze Menz
und N. Schiller. O 6: Rhein=Marniſcher Verband für Volksbildung.
O 7.30: Aus der Dreikönigskirche: Weihnachtskonzert. O 8.30:
Lieder zur Laute. In jedem vollen Glaſe Wein. — Wenn ich
ein=
mal der Herrgott wär” — Vom Waſſer und vom Wein. — Spinn”,
ſpinn”, mei lieb’s Nannerl. — Das Häuſerl am Roan. — Ins Heu.
Ausf.: J. Gareis v. Frankf. Opernhaus. O 9.30: Frankfurter
Lokaldichtung, vorgetr. von Lene Obermeyer und H. Nerking, beide
vom Frankf. Schauſpielhaus. Anſchl.: von Berlin: Tanzmuſik.
Stuttgart.
Sonntag, 19. Dez. 11.30: N.li i5ſe Morgenfeier. Geſangchor
der Blindenanſtalt Nikolaus=Pflege. Mitw.: Frl. B. Vollmer (blind),
Organiſt A. Huttenlocher (blind). 12 Darbietungen. O2:
Schall=
plattenkonzert. O 3: Willi Ehmer: Braucht die Zukunft Zeppeline?
O 3.30: Funkheinzelmann von der Funkſtunde Berlin. — Anſchl.:
Aus volkstümlichen Opern. Mitw.: Gerda Hanſi: Gertrud Pohl,
Hans Eugen Gredinger (von den Württ, Landesth.), Rundfunkorch.
Mozart: Ouv. Entführung aus dem Serail. — Gounod: Fant.
Margarethe. — Bizet: Duett aus Carmen. Blumenarie aus
Carmen. — Weber: Ouv. Freiſchütz. Duett aus Freiſchütz. Durch
die Wälder, aus Freiſchütz. — Flotow: Fant. Martha. Letzte Roſe
aus Martha. Ach ſo fromm, aus Martha. — Puccini: Fant.
Butterfly. Arie der Cho=Cho=San aus Butterfly. Duett aus
Butterfly. — Meyerbeer: Krönungsmarſch aus Prophet. O 6.15:
Vortrag Dr. Schütz: Heilige Nacht in Bethlehem. O 6.45: Max
Schilling lieſt aus eigenen Werken. O 8: Bunter Abend. Mitw.:
Eliſabeth H. May (Berlin), Gredinger, Gerda Hanſi, Hilde Binder,
Karl Köſtlin, Hans Hanus, Ernſt Stockinger, Max Heye,
Rund=
funkorch. 20 Darbietungen, darunter: „Der Doktor”, Luſtſpiel von
Max Heye und „Der Ueberfall”, Sketſch von Max Heye.
Berlin.
Sonntag. 19. Dez. 9: Morgenfeier. Gerda Reichert (Violine),
Prof. Reimann (Orgel), Kees Veening (Bariton), Johannes Schulzke
(Rez.), Frauenterzett des Reimannſchen Chores. Joh. Seb. Bach:
Wie ſoll ich dich empfangen, aus dem Weihnachtsoratorium. Satz
von Leo Haßler. — Bibelrezitation. — Der Morgenſtern (Volksweiſe
1600). — Advent: Ich freue mich in dir (Altes Weihnachtslied a.
d. Erzgebirge). O 11.30: Becker=Orch. Wagner: Freiheitsmarſch
a. Rienzi. — Roſſini: Ouv. Diebiſche Elſter. — Fall: Potp.
Fideler Bauer. — Tſchaikowsky: Aus dem Schäferſpiel der Oper
Pique Dame. — Kaempfert: Schwäb. Rhapſodie. O 12.20: Max
und Paul (ein Opti= und ein Peſſimiſt). O 1.10: Stunde der
Lebenden. Einl.: Prof. Weißmann. — Suite nach Pergoleſe, bearb.
von Strawinsky. (Prof. Havemann, Violine; G. Szell, Flügel).
— Butting: Fünf Stücke aus Kleine Stücke für Streichquartett,
op. 26. (Havemann=Quartett). O 2.30: Major a. D. von Rudolphis;
Die Kunſt in der Briefmarkenkunde (2. T.). O 3: Reg.=Rat Dr.
Riehm: Die wirtſchaftliche Bedeutung des Pflanzenſchußes. O 3.30:
Funkheinzelmanns Weihnachtsreiſe „Der Zauberſpiegel” (Hans
Bodenſtedt). O 4: Kappſtein: Weltanſchauung bei den Germanen.
O 4.30: Ette=Kammer=Orch. 11 Darbielungen. O 7.05: Dr.
Ehr=
hardt: Zeitgeiſt und Oper (2. T.). O 7.30: Einführung zu „Die
ſchöne Helena”, O 8: Sende=Spiele. „Die ſchöne Helena”. Operette
von Offenbach. Dir.: Generalmuſikdir. Blech. Mitw. u. a.:
Bernhard Bötel, Vera Schwarz, Rudolf Hofbauer, Franz Baumann.
O 10.30: Tanzmuſik (Kapelle Kermbach).
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Sonntag, 19.Dezember
Nummer 351
Dunnt ſaeventſchen Provallenärtn.
Der Getreidemarkt neigte zur Schwäche. In Nordamerika und
Kanada ſind die Zufuhren infolge der kalten Witterung zwar geringer
geworden, um ſo reichlicheres Angebot legt jedoch Argentinien bei
er=
mäßigten Preiſen an den Markt, deſſen Ausfuhrüberſchuß jetzt auf 19,5
gegen vorher 18 Millionen ars angegeben wird. Auſtralien hat bereits
eine erſte Schiffsladung Weizen neuer Ernte auf den Weg gebracht, was
den früheſten Verſchiffungszeitpunkt ſeit 10 Jahren bedeutet. Seine
Ernte wird auf 150 gegen vorjährige 113 Millionen Buſhels angegeben.
Auch Rußland brachte in der letzten Woche 327 000 grs gegen 126000 in
der vorausgegangenen Woche zur Verladung. Man rechnet unter dieſen
Umſtänden für die baldige Zukunft mit niedrigeren Preiſen und hält
im Einkauf zurück. Die Hauptabſchlüſſe erfolgten in Plata=Weizen,
wo=
gegen Kanada und Amerika zurzeit an Intereſſe verloren haben.
Mani=
tobaweizen wurde je nach Gvad und Liefertermin zu Fl. 14,50—15,50
cif Rotterdam, Kanſas II zu Fl. 15,45; Red=Winter II (von Amerika)
zu Fl. 1530 angeboten. 79 Kilo ſchwerer Plataweizen koſtete per
De=
zember noch Fl. 15,25, per Januar—Februar-März jedoch nur Fl.
13,50; Auſtralweizen Fl. 15,40 ruſſiſcher Weizen, je nach Muſter, Fl.
15,10—15,80 eif Seehafen. Inländiſcher Weizen war gut gehalten und
bis 29,75 RM. gehandelt, wogegen die Mäihlen höhere Forderungen
ab=
lehnten. Der Stand der Roggenſaaten in Deutſchland hat ſich gebeſſert
auch kam mehr Angebot heraus. Inlandsroggen ging gegenüber der
Vorwoche um 2,50—5,00 RM. die Tonne zurück auf 250—252,50 RM.
amerikaniſcher, ruſſiſcher und Plata=Roggen wunden mit Fl. 11,60—11,75
eif Rotterdam angeboten. Bei gut gehaltenen Preiſen hatte Gerſte
ruhi=
ges Geſchäft; Hafer und Mais blieben unverändert.
Die ſüddeutſchen Großmühlen ſollen ein Preisabkommen getroffen
haben, dem allerdings die niederrheiniſchen Mühlen noch nicht
beigetre=
ten ſind. Wie weit dieſe Verſtändigung bereits feſte Formen
angenom=
men hat, ließ ſich noch nicht feſtſtellen. Gekauft wurden Mehle hinterer
Sichten, ſoweit erkennbar, vom Handel für verkaufte Mehle. Verlangt
wurden für die 100 Kilo Weizenmehl Spezial=Null Dezember—Februar=
Lieferung, 41,50—41,25 RM., März 41—40,75 RM., April—Mai bis
40 RM., für Roggenmehl 70proz. Ausmahlung 35,50—36 RM., 60
pro=
zentiger Ausmahlung 37—37,50 RM., für Nachmehl, fe nach Qualität,
22—24 RM., für Futtermehl, je nach Qualität, 14,25—15 RM., für
Kleie 11,50—12,50 RM. für Maisſchrot, je nach Liefertermin, 21,25 bis
2,90 RM. für März; für Gerſtenſchrot 24 Mk. Sonſtige Futtermittel.
lagen ruhig bei unveränderten Preiſen.
Am ſüddeutſchen Tabakmarkt iſt die Stimmung zwar feſt
geblieben, der Einkauf hat jedoch, namentlich im badiſchen Oberland
etwas abgeflaut. Es ſcheint, daß die Fabrikanten ihren hauptſächlichſten
Bedarf gedeckt haben, denn auch die Händler klagen über geringen
Ab=
ſatz mit der Begründung, den Fabrikanten ſeien die Preiſe zu hoch.
Da=
bei iſt die Entwicklung der Tabake bei der Vergärung bisher durchweg
als gut zu bezeichnen. Nach 1925or Zigarettentabaken iſt noch
Nach=
frage vorhanden, die Lager darin ſind jedoch gelichtet. Die Herſteller
ſind weiter ganz gut beſchäftigt und im Einzelverkauf wird das
Weih=
nachtsgeſchäft als verhältnismäßig befriedigend bezeichnet. Tabakrippen
unverändert.
Die deutſche Kartoffelernte 1926.
Die diesjährige deurſche Kartoffelernte iſt gegenüber derfenigen von
1925 erheblich zurückgeblieben. Nach den von dem Statiſtiſchen
Reichs=
amt veröffentlichten Ergebniſſen ergibt ſich ein Ausfall von 109 Mill
Doppelzentner oder 26 Prozent. Die Urſache des Rückganges liegt wohl
in der überaus feuchten, regenreichen Witterung des Berichtjahres. Für
das Reich ergeben ſich je Hektar 117 Doppelzentner gegen 148½
Doppel=
zentner des Vorjahres, das iſt 24 Prozent weniger. Einige Bezirke, wie
Kaſſel und Köln liegen weit über dem Durchſchnitt (130 Doppelzentner
je Hektar), während die ſüddeutſchen Bezirke gegenüber dem Durchſchnitt
zurückbleiben. Insgeſamt wurden im Reich 2 760 000 Hektar Kartoffeln
angebaut und 307,9 Mill. Doppelzentner geerntet. Von der
Anbauungs=
fläche entfielen auf Heſſen=Naſſau 90000 Hektar, Rheinprovinz 146 000
Hektar, Bayern 376000 Hektar, Baden 88000, Heſſen 58 000 Hektar.
Die Ernteerträge betrugen in den einzelnen Landesteilen: Heſſen=Naſſau
11600 000 Dz. (128 Dz. je Hektar), Rheinprovinz 18 585000 (127),
Bayern 294 (78), Baden 7689 000 (87), und Heſſen 8013000 (136)
Doppelzentner.
Frankfurter Effekienbörſe.
Frankfurt a. M., 18. Dezember.
Zum Wochenſchluß verkehrte die Börſe wider Erwarten in feſter
Haltung. Trotz des Sturzes der Regierung, der ſchon geſtern abend
kaum eine Wirkung auf den Börſenverlauf ausüben konnte, war die
Stimmung recht zuverſichtlich, ſo daß auf faſt allen Gebieten zum Teil
größere Kursgewinne erzielt werden konnten. J. G. Farben
gewan=
nen bis zur erſten Notiz bereits 6 Prozent, Montanwerte eröffneten
3 bis 4 Prozent höher, während für die Banken die Kursgewinne bis
zu 2 Prozent betrugen. Die lebhafte Nachfrage nach Commerzbank
hält an; dieſe Papiere konnten erneut 6¾ Prozent gewinnen. Für
Elektrowerte war die Tendenz ſtiller, doch gab es auch hier
Kursbeſſe=
rungen. Alle übrigen Gebiete gewannen ebenfalls über ein Prozent, wur
für Motorenwerte war die Haltung etwas abgeſchwächt. Für deutſche
und ausländiſche Renten beſtand nur geringes Intereſſe, doch gab es
auch hier, der allgemainen Tendenz entſprechend. Kursbeſſerungen.
Im weiteren Veclaufe blieb die Stimmung durchaus feſt und
zuver=
ſichtlich, wenn auch die Geſchäftstätigkeit ſehr beſchränkt war. In
Börſen=
kreiſen rechnet man mit der Perſon Dr. Luthers als Reichskanzler, was
günſtig beurteilt wurde. Tägliches Geld 6½ Prozent. London=Paris 121.
Berliner Effektenbörſe.
Deutſchlands Ernte im Jahre 1926.
Berlin, 18. Dezember.
Die markttechniſche Lage an den Effektenmärkten hat durch die
Ver=
käufe der letzten Zeit eine ſo weitgehende Reinigung erfahren, daß die
innerpolitiſche Spannung eine nachhaltige Einwirkung auf die Tendenz
nicht auszuüben vermochte. Die Verſtimmung, die an der Frankfurter
Abendbörſe auf die Kurſe drückte, war bei Beginn der Samstagsbörſe
gewichen. Die erſten amtlüchen Kurſe hielten ſich vorwiegend über den
Schlußnotierungen des Vortages, da die leichte Herabſetzung des
Tages=
geldſatzes auf 4—6 Prozent und vor allem die Ausführungen der
Groß=
banken in ihren neueſten Wirtſchaftsberichten die Spekulation zu
Deckungskäufen und das Publikum zu kleinerem Auſchaffungen
veran=
laßten. Das Geſchäft verlief jedoch an den meiſten Märkten bei
freund=
licher Grundſtimmung ruhig. Nur am Bankenmarkt, in Elektro= und
Montanaktien, einigen Spezialpapieren, J. G. Farben und zeitweiſe in
Schiffahrtsaktien fanden etwas lebhaftete Umſätze ſtatt. Die Aktien der
Schubert u. Salzer A. G., in denen angeblich amerikaniſche Aufkäufe
ſtatt=
finden ſollen, zogen während der erſten Börſenſtunde um 4 Prozent an.
Am Bankaktienmarkt lag der Schwerpunkt des Intereſſes bei der
Kommerzbank, die 5 Prozent höher einſetzte. Die Rentenmärkte wurden
dagegen vollſtändig vernachläſſigt, konnten ſich aber, mit einzelnen
Aus=
nahmen (Türken), gut behaupten. Am Geldmarkt war teilweiſe auch
ſchon unter dem angegebnen Satz anzukommen. Monatsgeld wurde naih
wie vor bei ſtärkerer Nachfrage nicht unter 7 bis 8 Prozent ausgeliehen.
Für die Unterbringung von Warenwechſeln mit Großbankgiro mußten
zirka 5½ Prozent angelegt werden. Im internationalen
Deviſenver=
kehr notierten die Hauptvaluten auf ihrer bisherigen Baſis. Die
Reichs=
mark ſetzte ihre ſchon geſtern beobachtete Befeſtigung gegen New York
auf 4,1995 fort. Das engliſche Pfund notierte mit 4,8528 gleichfalls feſt.
Im ſpäteren Verlauf hatten nur Spezialwerte größere
Kursbewe=
gung aufzuweiſen. Kanada Shares erholten ſich um 4 Prozent auf 81.
Berger Tiefbau notierten 4 Prozent. Schubert u. Salzer weitere 3
Pro=
zent höher. Lud. Löwe gewannen auf unbeſtätigte Gerüchte 8 Prozent,
und im Zuſammenhang hermit Geſellſchaft für elektr. Legierung
wei=
tere 2 Prozent höher. Auch Kaliaktien konnten über den Stand bei
Börſenbeginn anziehen. Schiffahrtsaktien und Schultheiß bröckelten
da=
gegen leicht ab. Anleihe 0,750 (luſtlos). Privatdiskont kurze Sicht
47/s Prozent, lange Sicht 4½ Prozent. Die Börſe ſchloß allgemein
freundlich. Wie in der zweiten Stunde bekannt wurde, iſt am
Geld=
markt im Verlaufe des Mittags auch für Monatsgeld eine gewiſſe
Ent=
ſpannung eingetreten, da die hohen Sätze größere ausländiſche
Leih=
gelder, insbeſondere aus England und Amerika, heroingezogen haben,
die mit 5½—6½ Prozent zur Verfügung geſtellt worden ſeien. Die
Ku=
liſſe ſchöpfte hieraus naturgemäß eine Anregung zu neuen Käufen, ſo
daß auch an der Nachbörſe keine Realiſationsneigung eintrat.
Aſchaffb. Zellſtoff.
Augsb.=Nürnb. Maſch
Bamag=Mequin.
Berl. E. W. Stamm..
Berlin. KarlsruheInd
Braunkohl.=Briketts.
Bremer Vulkan ..
Bremer Wolle. ..
Deutſch.=Atlant. Tel.
Deutſche Maſchinen.
Deutſch.=Nied. Tel.. .
Deutſche Erdöl ... ..
Eeutſche Petroleum.
Ilt. Ka iwerke..
Tonnersmarckhüte . .
Tynamit Nobel. . .
Rektr. L eferung. . . .
G. G. Farben ....."
D. Friſter. . . . . . . . . ."
Daggenau Borz... . .
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G. f. elektr. Untern.
Halle Maſchinen..
Han. Maſch. Egeſt.. .
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101.—
163.
24.25
101.5
160 25
75.
82 25
236.
111.25
136.—
69.5
4.—
8 „375
130.—
112.—
150.—
86.5
62.—
195.—
Amſterbam=R.
Buenos=Aires.
Brüſſel=Antw
Lslo ..."
Kopenhagen
Stockholm
Helſingfors.
Italien . . .
London ....
New=York. .
Paris .....
Schreiz . .
Spanien .
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Geld Brie
167.74/168.1
1.727/ 1.731
58.32,58.46
105.87/106.1:
111 79/112.0
Hia-toftte 3t
10.557/10.59
1.1945
16 79
31. 12
63 92
18.71 f18.75
20.352120.4
4. 204
6.83
81.321
64.
Devifenmarkt.
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Geld /Brief
1.726/ 1.730/Prag.
105.80/106.16/Japan..
111.82/112.10/Rio de Jane
112.11/112.39/Sofia
10.557/10.59
18.71 18.7
20.355 20.405/Liſſabon
4. 1955 4.205:
16.82 16.86 ſAthen.
81.125 81.325 Kanada.
63.88/ 64.0MUruguay. .
167.74 168. 16/Wien D.=Oſt.abg.
58.35/ 58.49/Budapeſt
Fugoflavien
Konſtantinop
Danzig.
Internationaler Giroverkehr. Außer mit den Notenbanken
Oeſter=
reichs, Ungarns, der Tſchecholſowakei und der Schweiz hat die
Reichs=
bank auch mit der Bank von Danzig das Abkommen getroffen, durch
das die Giroeinrichtungen der beteiligten Banken, die bisher nur der
Erleichterung des inländiſchen Zahlungsverkehrs dienten, für
inter=
nationale Zahlungen nutzbar gemacht werden. Firmen, die in
Deutſch=
land bei der Reichsbank ein Girokonto beſitzen, können nunmehr gegen
Reichsmark auch Ueberweiſungen in Danziger Gulden an die
Konto=
inhaber bei der Bank von Danzig vornehmen. Umgekehrt wird den
Kunden der Bank von Danzig die Befugnis zu Giroüberweiſungen in
Reichsmark an deutſche Girokonteninhaber gegen heimiſche Währung
eingeräumt werden. Der Verkehr wird ebenfalls am 3. Januar 1927
auf=
genommen werden.
Nach den endgültigen Schätzungen der amtlichen Ernteberichterſtatter
ergeben ſich für die diesjährige Ernte im Deutſchen Reich folgende
Geſamterträge gegenüber dem Vorjahre und dem Durchſchnitt der letzten
drei Vorkriegsjahre (umgerechnet auf das jetzige Reichsgebiet):
1926 E 1925 Mittel 1911/13
Fruchtarten
in 1000 Tonnen
Winter=Weizen
Sommer=Weizen . .
Winter=Spelz.
Winter=Roggen.
Sommer=Roggen
Hafer
Winter=Gerſte
Sommer=Gerſte
Lupinen .
Kartoffeln
Zuckerrüben
Runkelrüben
Klee
Luzerne
Bewäſſerungs=Wieſen
Andere Wieſen
Wie nach den ungünſtigen Witterungsverhältniſſen des Jahres 1926
vorauszuſehen war, bleiben ſonach die diesjährigen Erträge bei faſt
allen wichtigen Fruchtarten mehr oder minder ſtark gegenüber den
vor=
jährigen Ergebniſſen zurück, die allerdings als recht ergiebig
anzu=
ſprechen waren. Am verhältnismäßig ſtärkſten iſt der Ernteausfall im
Vergleich zu den vorjährigen Angaben bei den Kartoffeln, die ein
Min=
derergebnis um rund 11,69 Mill. To., d. i. 28 v. H., aufweiſen.
Nächſt=
dem zeigt ſich eine ſtarte Verringerung der Erträge beim Brotgetreide,
deſſen Geſamternte um 2,3 Mill. To. (20,1 v. H.) kleiner als im
Vor=
jahre geſchätzt wird, darunter um 1,66 Mill. To. (20,6 v. H.) an Roggen
und um 646 000 To. (19,2 v. H.) an Weizen, einſchließlich Winterſpelz.
Ergiebiger als an Brotgetreide iſt die neue Ernte im allgemeinen an
Futtergetreide ausgefallen, hauptſächlich an Hafer, an dem im ganzen
ein Mehrertrag von 740 000 To. (13,3 v. H.) gegenüber dem Vorjahre
angenommen wird. Bei den Hackfrüchten zeigen außer Kartoffeln auch
die Runkelrüben einen ſtarken Minderanfall (um 1,68 Mill. To. — 6,8
v. H.), während an Zuckerrüben im ganzen ein höherer Ertrag als im
Vorjahr, und zwar um rund 169 000 To. — 1,6 v. H. gerechnet wird.
Von anderen Fruchtarten iſt hauptſächlich noch das geringere Ergebnis
an Klee (um 462000 To. — 5 v. H.) gegenüber 1925 zu vermerken das
zumeiſt jedoch auf eine Verminderung der Ernteflächen zurückzuführen
iſt, die ſich infolge ſtarken Mäuſefraßes ergeben hat. Bei den übrigen
Futterpflanzen überſteigt die diesjährige Ernte faſt allgemein die
vor=
jährige, insbeſondere an Wieſenheu, an dem im ganzen ein größerer
Mengenertrag von 654 000 To. — 2,9 v. H. als im Vorjahre
angenom=
men wird.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
20=Millionengnleihe der Stadt Köln. Die Preußiſche Zentral=Boden=
Kredit=A.=G. hat in Gemeinſchaft mit der Rheiniſch=Weſtfäliſchen
Boden=
kreditbank mit der Stadt Köln eine Anleihe in Höhe von 20 Millionen
RM. abgeſchloſſen zum Zweck der Finanzierung von Wohnungsbauten.
Die Anleihe iſt von beiden genannten Inſtituten zu je 10 Millionen RM.
übernommen worden.
Veithwerke, A.=G., Sandbach bei Höchſt i. O. In den letzten Tagen
iſt der Kurs der Aktien dieſes Unternehmens, die bekanntlich an der
Frankfurter Börſe amtlich notiert werden, von 77 auf 71¾
zurückge=
gangen Entgegen den hieran geknüpften Gerüchten erfahren wir, daß
die Geſellſchaft das verfloſſene Geſchäftsjahr mit einem anſehnlichen
Nutzen abgeſchloſſen hat, ſo daß ſich zweifellos eine
Dividendenausſchüt=
tung ermöglichen würde. Eine vor einigen Tagen ſtattgefundene
Auf=
ſichtsratsſitzung hat jedoch beſchloſſen, mit Rückſicht auf die ungeklärten
Verhältniſſe die Beſchlußfaſſung über eine evtl. Dividende bis Januar—
Februar des nächſten Jahres zurückzuſtellen. Der Geſchäftsgang des
Unternehmens wird auch gegenwärtig als zufriedenſtellend bezeichnet.
Rheiniſche Eiſengießerei und Maſchinenfabrik, A.=G., Mannheim.
Die heutige Generalverſammlung beſchloß zur Beſeitigung des Verluſts
von 996 434 RM. das Aktienkapital von 2040 000 RM. im Verhältnis
5:1 zuſammenzulegen und zur Beſchaffung von Betriebskapital wieder
auf 2 Mill. RM. zu erhöhen, unter Ausſchluß des geſetzlichen
Bezugs=
rechts. Aus der Bilanz ſeien erwähnt: Außenſtände und Anzahlungen
mit 550 550 RM., denen Schulden und Anzahlungen von 2 980 043 RM.
gegenüberſtehen, darunter 2 401 446 RM. an Darlehen und
Bankſchul=
den. Als Grund des Verluſts wird der heftige Konkurrenzkampf, der
zu ſtarken Preisreduktionen führte, angegeben.
Brauerei „Zum Engel” vorm. Gebrüder Hofmann A.=G.,
Heidel=
berg. Nach 18000 Reichsmark Abſchreibungen verzeichnet die Brauerei
„Zum Engel”, vormals Gebrüder Hofmann A.=G., Heidelberg, einen
Reingewinn von 117812 RM., aus dem auf das 700 000 Mark
betra=
gende Akt enkapital eine Dividende von 8 Prozent verteilt werden ſoll,
während 30 000 Reichsmark der Reſerve und der Reſt von 5737 RM.
auf neue Rechnung vorgetragen wird.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Darmſtadt: Firma Heinrich Pieplow, GAufſ. angeordnet. Butzbach:
Steinbildhauer Adam Friedrich. Konkursverfahren aufgehoben. Dieburg:
Georg Peter Trautmann. GAufſ. aufgehoben. Alsfeld, Heſſen:
Ober=
heſſiſche Maſchinenfabrik G. m. b. H. KVerf. aufgehoben.
Emag Elektrizitäts A.=G., Frankfurt a. M. Aus dem A.R. ſind de=
Vorſitzende, Direktor Jacob, von der Darmſtädter und Nationalbank,
Frankfurt a. M., und Profeſſor Ruppel, Frankfurt a. M., ausgeſchieden.
Zwiſchen dieſen beiden Herren und den übrigen Mitgliedern des A.R.
ſollen Meinungsverſchiedenheiten über die Zukunft der Geſellſchaft
auf=
gekommen ſein.
Staatspapiere
a) Deutſche
6 ½%Reichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30 ...
7% Bayer. Staats
Sch. p. 1. 4. 29
6‟ % H. V.. Sch.
p. 1. 4. 29
6‟=% Pr. St.=Sch.
p. 1. 3. 29
WMf R. R. e6
p. 1. 10. 30
7% Sächſ. Fr.=Sch
p. 1. 7 29
7½ Sächſ. Fr.=Sch
p. 1. 7. 30
6‟,%Württ. F. Sch.
p. 1 2 29
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich
Ausloſungsſcheinen
Vorkriegsanleihen
5% D Reichsand
4% D. Reichsanl
4% D. Schutzgb. v
08 —11 u. 13
4% D. Schutzg. v. 1.
4% Preuß. Konf.
4% Baden....."
4½Bayern ......
4% Heſſen
4% Württemberger
b) Ausländ iſche
6½ Bos. E.B 1214
5X, L.Inv. 1914
4½½ 1898
4½% „ 1902 ..
4%
5% Bulg. Tabal02
m%0 Oſt. Staarst.
4o. 1913, Kdb. 1918
2%Oſt. schatz. 14
4% Türk. Bagd.
(Bagd.) I
4% „ 1911 Boll. 14.5
25
212/, 8% Pforzh. St.=G.
8%Pr. C..B.=Cr.=B
Goldpfandbr.. 1102.5
8% Rh.Hyp =B. G.
711,%Rh. St.=W. 25 132 4½% Ung. St. 191: 23 10% Rh.=Weſtf. B.= 4½½ St. 1914 24 Cr.=Bk.. Goldpf. Goldr. 26.5 8% St. 10 23 32 Südß. B.Cr.=B. Kronr. 3.05 Goldpfandbr. 3%
Eiſ. Tor. G. Ohne Bins: Außereuro. berechnung päiſche 5% Bow. Kohl. 23 0.n475 5% Mex.am.inn 6% Großkr. Mannh. 5% äuß 99 24 Kohl. 23 0.6971 4% Gold 04,ſtf. 28.25 6% Heſſt. Brk.=Rog. 15.2 39 kon). inn. 23 6.35 4½% Irrigat. 34.5 5% Roggen 23 15.2 5% Tamaulipas 1 5% Pr. Kaliw. .. 5.9 65% Pr. Roggenw. 9 Sachwert=Schuld= 5 % Südd. Feſt=B.0 2.34 verſchreibungen Vorkriegs=Hyp.=B. 0.680
0.660 Mit Binsberech= Pfandbriefe nung Bay Vereinsb. 10% Berl. H.-Bk. G. Bayr Handelsb. 19 3½ „
6% Berl. St.=Gold. Bayr. Hyp.u. Wech 15 Berliner Hyp Bk. 8% Darmſt St.-G. Frkf. Hyp.=Bf. 16 6.4 8% D. Hyp.=Bank Frri Pfandbr.=B 7.4 Meining., Goldpf. 101.5 Hamb. Hyp.=B.. 12.2 3% Frif.=Hyp.-B Mecklb Hyp.=u. Wb 8.5 Goldpfdbr 102.5 Meining. Hyp.Bi 12.5 3% Frkf. Pfbr.=Bk. Nordd, Gr.=Cr.=Bf 15 Goldpfdbr. 101 Pfälz. Hyp.=Bt 5% Frrf. Pfbr.=Bk. Preuß. Bod. =Cr.=B Golbpfdbr. . . . . . / 88 Pr. Cent.=B.=Cr.-B.
Breuß. Pfdbr.=Bk.
Rhein. Hyp.=B..
Rh.=Wſtf. B.=Cr..B.
Südd. Bodenkr.
Württ. Hyp.=Bk.
Staatl. od. prov.
garanti rt
Heſſ. L.=Hyp.=B.
Landeskr. Caſſel.
Naſſau. Ldsb.
10.75
7.95
Obltgationen v.
Transportanſt.
4%Dux. Bdb Em.91
„ 93
4O
4% Eliſ.=Bahn ſtfr.
4½% Galiz. Carl=
Lud.=B.
4%
abg.
4½ Kaſchau=Oderb.
47
„ abg.
5% Oſt. Nwſtb. 74
5% Oſt. Südb (2).
2.6% Alte
2,6% Neue,
5% Oſt.=Ung. 73/74
4%Oſt. Staatsb. 83
3%Oſt. 1.b.8. E.
3%Oſt. . 9. E.
8%Oſt. 1885
3%Oſt. „ Erg. Netz
3% Raab Oedbg. 83
91
ſo „
3½% „
97
4½ Rud. Silber.
4 Rud. Salzlg.)
4½% Anat.. S.1
4½% Anat., S. II
4½% Anat., S. 1II
3% Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec. .
1 ½2
32.1
26
23
10¾=
20.5
28
27
Jank=Aktien
Allg. D.=Kredit:. . /146.5
Bad. Bk. .. .. . .."
Bk. f. Brauind. . . .! —
Barmer Bankb.
Bay. Hyp.=Wchſ.
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb
Darmſt. u. Nat.=Bk
Deutſche Ban
D. Eff.u. Wchſ.=B1 /134.5
D. Hyp.=Bf. Mein
D. Vereins=Bk.
Disk.=Geſellſch.
Dresdener Bk.
Frankf. B.
Frkf. Hyp.=B
Frtf. Pfdbr.=Bk. ..
Gotha. Grundkr. Bk.
Lux. Intern. Bank
Metallbank
Mitteld. Creditb.
Pfälz. Hyp.=Bk.
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbk. ..
Rhein=Hyp.=Bk.
Südd. Disc.=Geſ.
Oſterr. Creditanſt.
Wiener Bankverein
Bergwerfö=Akt.
Bochum.Bergb.
Buderus........
Dt. Luxemburg ...
Eſchw. Bergw.....!
Gelſenkirch. Bgw.
Harp Bergb. ...
Ilſe Bergb. St..
Genußſchein.
Kali=Aſchersleb.
Kali. Salzdetfurt.
Kali. Weſterregln.
Klöcknerwerke ..
Mannesm.=Röhr. 188.5
Mansfelder .....
Oberbedarf .. . . . . 112.5
Otavi=Min.=Ant..
Phönir=Bergb. . . 127
Rhein. Braunk.
Rhein. Stahlw.. ..
A. Riebeck Montan/y80.85
Rombach. Hütte .
273
312
258
182
109.5
171.25
163
124
160
155
13
172
151
164
136.5
157
76
5.55
107.5
170
181
171.25
2 3.5
145.25
157
33
25
13
Salzwerk Heilbr.
Tellus Bgb.. ..."
Ver. Laurahütte
Ver. Stahlwerke.
Induſtrie=Akt.
Brauereien
Eichbaum (Mannh.)
Henninger.
Hereules, Heſſiſche
Löwenbr.=Münch.
Mainz. Aktienbr. . .
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Schwarz=Storchen
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Veryer
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Adler & Oppenh..
Adlerw. (v. Kleyer)
6% E. A. G. Vzg. A.
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Anglo=Cont. Guano
Aſchaff. Zellſtoff.."
Badenia (Weinh.)
Bad. Maſch. Durl.
Bad. Uhren, Furtw.
Bamag=Neguin ..
Baſt Nürnberg".
Buhr. Spiegel
Beck & Henlel ..."
Bergmann El. ..
Bing. Metall. . . . .
Brem.=Beſigh=Ol.
Bürſtenfbr. Erlang.
Sement=Heidelb. .
Cement, Karlſtadt
Cement, Lothr.
Them. Albert. .
Chem. Brockh.
Chem. Milch
Daimler=Benz A. G.
Dt. Eiſenhandel
Deutſche Erdöl ..."
D. G. u. Silv. Scheid.
Dingler, Zweibrück.
Ja
145
112
259
180
2n5
145
140
109.5
93
84.75
1.7.5
147.5
111
34
51.5
17
76
156
45
68
128.5
139
78
99
84.75
86.5
172
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7
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107
12)
137
179
124
120
61
60
28.5
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0.25
153
114.25
*4.5
118
57.5
140
106
203
127
102.75
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103.25
16.5
167
1647,
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Baunbeda:;
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35
15.75
37
123.25
Nummer 351
Sonntag, den 19. Dezember 1925
Seite 21
Speyer Elliſſen, Frankfurt a. M. — Wiener Union=Bank. Die
zwi=
ſchen dem Frankfurter Bankhaus Speyer Elliſſen und der Union Bank
geführten Verhandlungen, betreffend die Uebernahme des Boſelſchen
Aktienpaketes der Union=Bank, ſind nunmehr endgültig geſcheitert.
Da=
gegen hat ſich die Poſtſparkaſſe in Wien veranlaßt geſehen, dieſes
Aktien=
paket ſelbſt zu übernehmen, um damit ihre Forderungen gegen Boſel
zum Ausgleich zu bringen.
* Umwandlung der bayeriſchen Staatsbetriebe in Aktiengeſellſchaften.
Der Haushaltausſchuß des baheriſchen Landtages hat einer
Regierungs=
verordnung zugeſtimmt, wonach die ſtaatlichen Werke in die Form von
Aktiengeſellſchaften umgeſtellt werden ſollen. Die Aktien ſollen allein
in der Hand des Staates bleiben. (In eine Prüfung dieſer Frage ſollte
man auch in Heſſen angeſichts der finanziellen Lage eintreten. Anm.
der Schriftleitung.)
Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen
wurden in der Zeit vom 5. bis 11. Dezember im Ruhrgebiet in 52/8
Arbeitstagen 2 422 761 Tonnen Kohle gefördert gegen 2 482 996 Tonnen
in der vorhergehenden Woche bei ſechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung
tellte ſich in den ſieben Tagen der Berichtswoche auf 533 215 Tonnen
gegen 532 518 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die
Preßkohlen=
heiſtellung auf 79 869 Tonnen gegen 79 773 Tonnen bei 52½ bzw. 6
Arbeitstagen. Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit
vom 5. bis 11. Dezember 450 746 Tonnen gegen 413 818 Tonnen in der
vorhergehenden Woche. Die tägliche Kokserzeugung ſtellte ſich auf 76 031
Tonnen (76 074 Tonnen), die arbeitstägliche Preßkohlenherſtellung auf
14 859 (13 226 Tonnen).
Produktenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 18. Dezember. Bei größter
Ge=
ſchäftsunluſt ſchloß die Berliner Produktenbörſe die Woche an den
Loko=
märkten kaum verändert. Das Inland blieb mit ſeinen Weizenofferten
recht vorſichtig, da Argentinien die erhvarteten Preisermäßigungen nicht
meldete, vielmehr ſeine Forderungen unverändert hielt. Dies wirkte ſich
in den erſten Kurſen dahin aus, daß Frühjahrsſichten bis ½ Mark
höher wurden; lediglich Dezember auf einige Kündigungen ½ Mark
unter geſtern. Roggen gut behauptet. Die anhaltende Deckungsfrage
ſtützt. Gerſte und Hafer in guten Sorten lebhaft gefragt, aber auch
Kleieartikel umgeſetzt. Mais ruhiger. Hilfsfutterſtoffe und Oelſaaten
ehne größere Bewegungen. Mehl ruhig.
fm. Pforzheimer Edelmetallnotierungen vom 18. Dez. Edelmetalle
notierten folgende Großhandelspreiſe: Barrengold das Gramm 2,795
Mk. (Geld), 2,812 Mk. (Brief); Platin, handelsübliche Ware, das Gramm
13,75 Mk. (Geld), 14,20 Mk. (Brief); Feinſilber das Kilogramm 73 Mk.
(Geld), 74,50—76 Mk. (Brief). Tendenz: Ruhig.
Viehmärkte.
Berliner Viehwarkt vom 18. Dezember. Angetrieben waren 489
Ochſen, 529 Bullen, 1253 Kühe und Färſen, 2150 Kälber, 3988 Schafe,
14 851 Schweine und 266 Auslandsſchweine. Preiſe: Ochſen al) 60—62,
b1) 56—58, c) 48—51, d) 43—45. Bullen a) 55—56, b) 51—54, c) 47—49,
d) 43—46. Kühe a) 47—50, b) 36—42, c) 26—30, d) 18—22. Färſen
a) 58—60 b) 48—53, c) 42—44. Freſſer 38—43. Kälber b) 82—92, c) 62
bis 80, d) 50—60. Schafe a2) 55—59, b) 43—50, c) 38—40, d) 32—35.
Schweine b) 78, 0) 76—78, d) 74—77, e) 70—73, Sauen 68—70.
Markt=
verlauf: Bei Rindern, Kälbern und Schafen glatt, Kühe vernachläſſigt.
Bei Schweinen anfangs glatt, ſpäter ſtark abflauend, ſchwere Schweine
vernachläſſigt. — Der am Samstag, den 25. 12. fällige Berliner
Schlacht=
viehmarkt fällt aus. Der am Samstag, den 1. 1. 27 fällige Viehmarkt
findet bereits am Freitag, den 31. 12. 26 ſtatt.
Die Bewegung des Franken
und der Lira.
Für die belgiſche Währung hat man, nachdem der Tiefſtand
vom Juli d. J. erreicht war und die Bewertung des belgiſchen Fr.
ſich wieder bis auf beinahe 15 Prozent ſeines Goldwertes gehoben
hatte, eine Stabiliſierung durchgeführt. Die neue Rechnungseinheit, die
Belga, entſpricht 5 Fr. und hat einen Pariwert von 58,45 Reichspfennig.
Die Stabiliſierung iſt alſo bei etwa 14,4 Prozent des fwiheren
Gold=
wertes erfolgt. Es erſchwert natüirlich den internationalen Verkehr ganz
außerordentlich, daß heute in zahlreichen Ländern die alt eingebürgerten
Währungen verlaſſen und durch ſolche erſetzt werden, die auf mehr oder
weniger ganz willkürlichen und zufälligen Grundlagen beruhen.
In Frankreich war der Franken noch bedeutend tiefer
herunter=
gegangen, er hat ſich dann mit einigen Schwankungen in wenigen
Mo=
naten ſehr raſch erholt, ſo daß er heute bereits wieder mehr als
20 Prozent ſeines Goldwertes erreicht hat. Die Folgen dieſer ſchnellen
Aufwärtsbewegung machen ſich für das Land bereits außerordentlich
ſchwer fühlbar in Form einer ſtarken und ſtändig zunehmenden Teuerung.
Es iſt heute noch nicht abzuſehen, wohin dieſe Bewegung führen wird,
und infolgedeſſen iſt auch die Frage einer Stabiliſierung des franzöſiſchen
Franken noch völlig offen.
In Italien hat der Abſturz der Währung eine ſehr viel
plötz=
lichere Form angenommen; die Lira hat ſich dafür aber weſentlich
ſchnel=
ler erholt und ſteht auch heute erheblich höher als der franzöſiſche Fr.
Auch für Italien iſt die Frage der Währungs=Stabiliſierung offenbar
noch nicht ſpruchreif.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* New York, 18. Doz. (Priv.=Tel.)
Kaffee: Der Markt begann in ſtetiger Haltung auf höhere
auslän=
diſche Notierungen und Dechungskäufe. Später machte ſich eine
Ab=
ſchwächung bemerkbar auf ungenügenden heimiſchen Konſum.
Weizen: Höhere Kabelmeldungen, ſowie ungünſtige
Witterungs=
berichte aus dem Winterweizengürtel führten zu einem feſten
Marktver=
lauf. Auch gebeſſerte Exportnachfrage und die Feſtigkeit des Winnipeger
Markdes regten an. Die Termine konnten ¼ C. anziehen.
Mais: Der Markt zeigte im größten Teil des Verlaufes eine
abge=
ſchwächte Tendenz auf günſtige Witterungsberichte, geringe heimiſche
Lokonachfrage und große Ankünfte. Dann wurde die Haltung ſtetiger
auf Baiſſedeckungen, doch ſchlioßen die Termine etwas unter geſtern.
Hafer: Der Markt verlief in feſter Haltung bei etwas anziehenden
Kurſen.
Baumwolle: Baiſſedeckungen, ſowie Meldungen von großen
Loko=
käufen in Liverpol führten zu einem feſten Marktverlauf, ſo daß die
Termine bis zu 15 Pkt. anziehen konnten.
Zucker: Nach der geſtrigen Abſchwächung trat heute wieder eine
Be=
feſtigung ein auf höhere ausländiſche Notierungen, gute europäiſche
Kauf=
aufträge und zurückhaltendes hubaniſches Angebot. Die Termine
gewan=
nen 3—5 Pkt.
Kakao: Nach abgeſchwächtem Beginn trat eine Befeſtigung ein auf
Deckungskäufe und geſteigerte Kaufluſt der Fabriken. Die Termie
konnten 25—40 Pkt. anziehen.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Verſammlung an der Berliner Metallbörſe fällt am Freitag,
den 24. Dezember, laut Beſchluß des Börſenvorſtandes aus.
Geſtern vormittag iſt in Berlin der Generaldirektor der A.=G. für
Bergbau, Blei= und Zinkfabrikation, Stolberg, Geheimer Bergrat Dr.
jur., Dr. Ing. e. h. und Dr. med. e. h. Victor Weidtmann, Vorſitzender
der Handelskammer in Aachen, im Alter von 73 Jahren geſtorben.
Die maßgeblichen Ghihlampenfabriken haben für Deutſchland neug
Liſtenpreiſe mit Wirkung ab 20. 12. 26 feſtgeſetzt und die
Verkaufs=
bedingungen für den Zwiſchenhandel neu geregelt. Die Ermäßigung
der Liſtenpreiſe beträgt im Mittel ca. 8 Prozent.
Die in Frankfurt a. M. tagende ao. G.=V. des Verbandes der
Deutſchen Schuh= und Schäftefabrikanten lehnte den vom
Reichsarbeits=
miniſter gefällten Schiedsſpruch ab und beſchloß, die Generalausſperrung
mit Wirkung vom 8. Januar 1927 vorzunehmen.
Der Erlös der 10 Mill. Pfd. Sterl. Anleihe für Britiſh Oſtafrika
und der Tanganyka=Gebiete (ehemaliges Deutſch=Oſtafrika) wird in Höhe
von 6,5 Mill. Pfd., Sterl. für Eiſenbahnbauten, 2,5 Mill. für
Hafen=
bauten und in Höhe von 1 Mill. für Wegbauten, Waſſerſtraßen und
Forſchumgstätigbeit berwandt.
Der Direktor der Litauiſchen Staatsbank, Jurgitis, begibt ſich dieſer
Tage nach London, um Verhandlungen mit der Bank of England über
engliſche Kredite an Litauen aufzunehmen.
Belgrader Blätter melden, daß der größte Teil des Materials für
die Handelsvertragsverhanblungen mit dem Deutſchen Reich vorbereitet
ſei. Mit den Verhandlungen ſoll ſofort nach Bildung der neuen
Re=
gierung begonnen werden.
Bei den mit Hilfe der Regierung veranſtalteten Bohrungen iſt man
bei Ahedo (Provinz Burgos) in Tiefe von 714 Meter auf
Petroleum=
lager geſtoßen.
Die Propinz Buenos Aires plant ſür die Stadt Mercedes die
An=
lage eines neuen Waſſer= und Kanaliſationswerkes im Koſtenbetrage
von 3 845000 Peſos.
Aus Mexiko liegen Kabelmeldungen vor, denen zufolge bisher 37
ausländiſche Oelgeſellſchaften den Beſtimmungen des mexikaniſchen
Ge=
ſetzes über die Ausbeutung der Oelländereion nachgekommen ſind.
Ortsſatzung
über die Erhebung einer
Vergnü=
gungsſteuer in der Stadt Darmſtadt.
Die von der Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung beſchloſſene, von der heſſiſchen
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ſchreibt am 2s. Juli rg26 über
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allerlei ergößliche Geſchichten, Reime und
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und darüber hinaus leicht verſianden wird. Wo
es ihm gelingt, die Pointe ſchlackeylos
heraus=
zuarbeiten, erinnert er an Stolze, wie zum Beiſpiel
in dem kleinen Vierzeiler:
Wie mer’s nimmt.
Zwaa Freunde hawwe ſich neilich allaa
Iwwers Verheiratſei” unnerhalde minanner.
„Mei Frag is en Engel”, ſo ſeecht der aa,
„Mei lebt noch!” ſo ſeecht der anner.
Dem „Rolleg Geedhe” greift er „unner die Aerm”
indem erdem „Erlkönig” etwas von dem „
Darm=
ſiädter Geiſi” zukommen läßt, den er von rechts
wegen haben müßte, da er im Darmſtädter Wald
entſianden ſein ſoll. — Das zweite Bändchen bietet
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Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen der
Ehefrau des Fahrradhändlers Ludwig Vogel, Martha,
geb. Eich in Darmſtadt, Blumenthalſtraße 109, im
Grund=
buch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 1. Februar 1927, nachm. 31, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer 219,
verſteiger t werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 12. Oktober 1926 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Bläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung
entgegenſtehen=
des Richt haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des
3 ſch igs die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
2 rfa cens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der
4 rſte ferungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegen=
ſt nd tritt.
(17218a
Dirmſtadt, den 13. November 1926.
Hefſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtücks:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk II, Band XII, Blatt 815.
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Robert Krlupp, am Flügel: Fritz Bohng
Preiſe der Plätze: 0.50 und 0.80 Mr.
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