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Nummer 349
Freitag, den 12. Dezember 1926. 189. Jahrgang
27 mm breiie Zelle im Kreiſe Darmſfadt 25 Reichspfg.
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breitt 2 Reſchemark. Anzelgen von auswärte 40 Reichpfg.
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Relſame=
zeiſe 300 Reſchemart Alle Preſe in Reſchsmark
(4 Dollar — 420 Marll. — Im Falle böherer
Gewaltl, wie Krieg, Aufruhr. Strelt uſw erliſcht
jede Verpſiſchtung auf Erfäüſlung der
Anzelgen=
aufträge und Teſſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerſchtlſcher Beltreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Banſtonto: Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbanf.
ei jawaſet dag iin demſcen gmaittent.
Das Ultimatum der Sozialdemokraten: Freiwilliger Rücktritt oder Mißtrauenspotum. — Die Regierung tritt nicht zurück.
Nationale Würdeloſigkeit des Abg. Scheidemann. — Die Abfuhr. — Die Entſcheidung über das Mißtrauenspotum der
Sozialdemokraten bei den Deutſchnationalen.
Der Scherbenhaufen.
Von unſerer Berliner Redaktion.
So etwas an Durcheinander wie in den letzten
B4 Stunden hat der deutſche Reichstag in ſeinem an
ver=
wirrenden, kriſenreichen Daſein ſich bisher doch noch nicht
ge=
leiſtet. Die Dinge liefen zwölf Stunden vor der Entſcheidung
moch ſo kreuz und quer, daß eigentlich niemand ſich darin zurecht=
Finden kann. Schuld daran haben, das muß feſtgenagelt
wverden, ausſchließlich die Sozialdemokraten, deren
Politik eigentlich kein Menſch mehr verſteht. Sie waren am
Mittwoch mit der Regierung ziemlich handelseins. Sie erklärten
Tich bereit, ein Mißtrauensvotum nicht einzubringen und das
Er=
gebnis der Verhandlungen über die Große Koalition
abzuwar=
ſen, wenn das Kabinett ihnen wegen der künftigen Verhiltniſſe
in der Reichswehr beſtimmte Zuſagen machte, die bereits
feſt=
gelegt waren. Die Regierungsparteien ſelbſt rechneten ſchon
da=
rnit, daß alles im ſchöuſten Gleiſe verlaufen würde, da warfen
Sie Sozialdemokraten am Mittwoch abend jede
Berech=
ſerung über den Haufen, indem ſie zwar das Angebot von Ver=
Handlungen über die Große Koglition entgegennahmen, gleich=
Feitig aber ihrer Entſcheidung dahin Ausdruck gaben, daß
Has Kabinett zurücktreten müſſe und ein Miß=
Erauensvotum ankündigten, falls dieſer
Rück=
eritt freiwillig nicht erfolgen ſollte.
Das war nicht allein für das Kabinett, ſondern auch für die
ämtlichen Regierungsparteien eine Brüskierung, die auch
ſin ihrer Schwere als ſolche empfunden wurde. Das
Kabi=
nett hat ſich keine Minute beſonnen, die Auf=
Forderung der Sozialdemokraten abzulehnen.
Auf der anderen Seite war den Sozialdemokraten ſelbſt, als ſie
Sie Erbitterung innerhalb der Regierungsparteien merkten, mit
ſthrem Vorſtoß nicht ganz wohl. Sie verſuchten ihren Antrag
abzumildern und daran herumzudeuteln. Sie boten der
Regie=
rung an, daß es ihnen ſchon genüge, wenn das Kabinett zurück=
Erete, falls die Verhandlungen über die Große Koalition ſcheie
serten. Aber mit Herrn Marx; der hier in einem
Pre=
ſtigepunkt getroffen war, war jetzt überhaupt nicht mehr
zu reden. Er lehnte jede Zuſoge nach dieſer Richtung hin ab,
und die Sozialdemokraten hatten ſich ſo feſtgerannt, daß ihnen
katſächlich nichts anderes übrig blieb, als wirklich ein
Miß=
ſerauenspotum einzureichen. Immerhin, auch das hätte ſich viel=
Teicht noch in Ordnung bringen laſſen, wenn die Fraktion nicht
Heſchloſſen hätte, Herrn Scheidemann, den man ſeit Jahr und
Tag ſehr kurz an der Strippe hält, als Redner loszulaſſen. Der
Hat dann glücklich das letzte Porzellan zerſchlagen.
Der Reichskanzler gab bei Beginn der Sitzung nur die Er=
Elärung ab, daß die Regierung aus Gründen der
Außenpolitik einen freiwilligen Rücktritt
ab=
ſ ehne und den Parteien die Verantwortung für
wen Sturz überlaſſen müſſe. Er vermied aber jedes
Wort, das auf einen vollſtändigen Bruch mit den Sozialdemo=
Fraten hingewieſen hätte. Er wollte alſo die Möglichkeit, nach
inks hin die Brücke zu ſchlagen, offen laſſen. Ob Herr
Scheide=
mann die Abſicht hatte, das zu verhindern, oder ob ſein
Tempe=
rament ihn über jede Grenze hinaustrug, iſt nicht erſichtlich.
Fedenfalls hat er gewütet, wie jenes anrüchige Tier im
Porzellan=
kaden. Er ritt eine Attacke gegen die Reichswehr, die
—n Schärfe und Unverantwortlichkeit nicht zu überbieten war,
undem er das geſamte Material, das die Sozialdemokraten ſich
ungeſammelt hatten, in breiteſter Form vortrug, obwohl dieſes
Material erſt vor wenigen Tagen der Regierung zugänglich
ge=
macht worden war, die ausdrücklich eine genaue Nachprüfung in
Alusſicht geſtellt hatte. Beſonders haben es Herrn Scheidemann
wie geheimnisvollen Beziehungen zwiſchen der Reichswehr und
gen Ruſſen angetan, und als er die Behauptung aufſtellte, daß
Offiziere der Reichswehr mit gefälſchten
Päſ=
en von uns nach Rußland ſeien, war die Rechte nicht mehr
zuhalten. Von allen Seiten hagelte es nur ſo Zwiſchenrufe, wie
„Landesverräter” und noch ſchärfere Ausdrücke. Minutenlang
war jede Verhandlung unmöglich, bis die Deutſchnationalen mit
inem großen Teil der übrigen Rechten es vorzogen, den Saal
nu verlaſſen. Der Kanzler erhob ſich ſofort zu einer Erwiderung.
Er verlas die formulierte Erklärung, über die Stellung der
Reichswehr im Staat, die bereits am Mittwoch vereinbart
wor=
ſaen war und ſo nach allen Seiten die erforderlichen Garantien
ſachafft. Er fügte aber dann hinzu, daß er ſein tiefſtes
Be=
ſaauern über die Rede des Abg. Scheidemann zum
Flusdruck bringen müſſe, in einer Form, die der allgemeinen
Entrüſtung gerecht wurde.
Auf Vorſchlag des Zentrums vertagte ſich das Haus auf eine
Stunde, um inzwiſchen zu den Regierungserklärungen Stellung
nu nehmen. Nach Wiederbeginn der Sitzung antwortete zunächſt
der Deutſchnationale von der Schulenburg, der
mühere Generalſtabschef des Kronprinzen, auf die Ausführungen
Scheidemanns, indem er ihm ziemlich unverblümt
Lan=
de esverrat vorwarf. E3 iſt aber doch kennzeichnend, daß
deie ſtärkſte und eindrucksvollſte Nede der frühere
Reichs=
anzler Dr. Wirth hielt, die, von ſtarkem nationalen Pathos
g etragen, die Art, wie hier die Sozialdemokraten
ür das Ausland arbeiten, ablehnte. Er bekannte
ſich dazu, daß mit Pazifismus allein für
Deutſch=
and nicht viel zu erreichen ſei. Er bekannte ſich auch
mit Freimut und mit auerkennenswertem Verantwortlichkeits=
gefühl dazu, daß er in jenen ſchweren Tagen, da
Frank=
reich mit militäriſcher Macht nach der Ruhr gegriffen
habe, alles getan habe, um den polniſchen Zugriff
nach Oberſchleſien um jeden Preis abzuwehren.
So kam Herr Dr. Wirth dazu, dieſen Tag auf Grund der
ſozialdemokratiſchen Rede einen „ſchwarzen Tag in der
Geſchichte des deutſchen Volkes; zu nennen.
Be=
dauerlich war es, daß er ſich um den tiefen Eindruck ſeiner Rede
brachte, als er zum Schluß auf das innenpolitiſche Gebiet
über=
ging und hier ſein altes Steckenpferd gegen den
Bür=
gerblock ritt. Auch von allen anderen Parteien wurde
Scheidemann abgeſchüttelt. Der Bayeriſche
Volkspar=
teiler Leicht ließ gar keinen Zweifel darüber, daß ſeine
Partei aus dieſer Art des Auftretens jede Konſequenz ziehen
würde. Aehnlich äußerte ſich der Vertreter der
Wirt=
ſchaftspartei Dr. Bredt, und ebenſo die Völkiſchen,
ſo daß das Ergebnis des Tages eigentlich eine völlige
Tſo=
tierung der Sozialdemokratie war. Jedenfalls iſt
wohl das eine nach dieſer Rede Scheidemanns feſtzuſtellen, daß
eine neue Anknüpfung der Verhandlungen
zwiſchen den Parteien der Mitte und der
Sozialdemokratie für, abſehbare Zeit
ausge=
ſchloſſen iſt.
Das Selbſtverſtändliche wäre nun, daß jetzt der Weg nach
rechts frei wäre. Dazu aber will das Zentrum ſich nicht
be=
kennen. Der Reichskanzler hat die Anregung der Deutſchen und
Bayeriſchen Volkspartei, nunmehr mit den Deutſchnationalen
Fühlung zu nehmen mit aller Entſchiedenheit abgelehnt. Das
Zentrum und die Demokraten haben ihm darin zugeſtimmt,
ohne Rückſicht auf jede parlamentariſche Logik. Die Regierung
will offenbar den Ausgang der Abſtimmung, die am Freitag
zwiſchen zwei und drei Uhr zu erwarten iſt, abwarten. Wie das
Ergebnis ſein wird, ſteht vollkommen dahin. Die
Entſchei=
dung liegt bei den Deutſchnationalen, die ſich erſt
am Freitag vormittag ſchlüſſig werden wollen. In
Regierungs=
kreiſen wird damit gerechnet, daß die Deutſchnationalen ſich
wenigſtens der Stimme enthalten werden. Ob dieſe Rechnung
richtig iſt, kann zweifelhaft ſein. Gerade nachdem vom Zentrum
und den Demokraten jede Verbindung nach rechts hin abgelehnt
worden iſt, könnten die Deutſchnationalen ſich ſehr wohl auf
den Standpunkt ſtellen, daß ſie an dem weiteren Beſtand dieſer
Regierung gar kein Intereſſe haben. Allerdings machen ſich auch
Stimmen bemerkbar, die eine Ablehnung des
Miß=
trauenspotums nach der Rede Scheidemanns
fordern. Vielleicht, aber wirken ſich unverbindliche Fühler der
Deutſchen und Bayeriſchen Volkspartei, dahin aus, daß die
Deutſchnationalen doch noch Gewehr bei Fuß ſtehen bleiben.
Tun ſie das, dann hängt die Entſcheidung über das
Mißtrauens=
votum von der Beſetzung des Hauſes ab. Allerdings iſt wieder
durch die Rede Scheidemanns den Völkiſchen die Zuſtimmung
zu dem Mißtrauensvotum verſperrt. Kommuniſten und
Sozial=
demokraten allein aber ſind ſchwächer als die
Regierungspar=
teien, zumal, da ein Teil der Kommuniſten ſich zur Rechtfertigung
in Moskau aufhält und vermutlich auch ein Teil der
Sozialdemo=
kraten der Abſtimmung fernbleiben wird. Die ſtarke
Wahrſchein=
lichkeit ſpricht alſo dafür, daß am Freitag das Mißtnauensvotum
der Sozialdemokraten abgelehnt wird, daß alſo das Kabinett
Marx am Ruder bleibt und im nächſten Jahr, wenn die
außen=
politiſchen Fragen bereinigt ſind, ſehen muß, wie es ſeinen Weg
weiterfindet.
Reichstags=Sitzungsbericht.
Die Donnerstag=Sitzung des Reichstags eröffnete in Gegenwart des
Reichskanzlers Marx, des Außenminiſters Dr. Streſemann, des
Reichs=
wehrminiſters Dr. Geßler und der übrigen Mitglieder des
Reichskabi=
nets Präſident Loebe. Auf der Tagesordnuno ſtand zunächſt die zweite
Leſung der Vorlage zur Verlängerung des Sperrgeſetzes für die
Für=
ſten auseinanderſetzung. Abgeordneter Dr. Pfleger (Bayeriſche
Volks=
partei) empfahl im Namen des Rechtsausſchuſſes die Annahme des
Geſetzentwurfs. Die Vorlage wurde in 2. und 3. Leſung, gegen
Deutſch=
nationale und Völkiſche, angenommen. Der Präſident ſtellte feſt, daß
die erforderliche Zweidrittelmehrheit verlag. Es folgte dann die dritte
Leſung des Nachtragshaushalts. Verbunden damit ſind die
Mißtrauens=
voten der Kommuniſten und Sozialdemokraten.
Unter allgemeiner Spannung nahm ſofort
der Reichskanzler
das Wort zu folgender Erklärung:
Die Fraktion der Sozialdemokratiſchen Partei hat durch
Be=
ſchluß vom 9, Dezember feſtgeſtellt, daß ſie eine Entſcheidung über
die künftige Geſtaltung der Reichsregierung für notwedig halte,
und daß ſie dieſe Entſcheidung bei der dritten Leſung des
Nach=
tragsetats, herbeiführen werde. Die Reichsregierung habe ſich
demgegenüber von dem Gedanken leiten laſſen, daß angeſichts
der außenpolitiſchen Lage und der dadurch gegebenen
Notwen=
digkeit, für die Löſung einiger bedeutſamer, in Genf noch
unent=
ſchieden gebliebener Reſtfragen verhandlungsfähig zu bleiben,
eine Regierungskriſis, wenn irgend möglich, vermieden werden
müſſe. Aus der Geſamtentwicklung der letzten Zeit heraus hat
die Reichsregierung daher die Initiative für Verhandlungen mit
der Sozialdemokratie, als der größten Oppoſitionspartei, zur
Er=
zielung einer Verbreiterung der Negierungsbafis ergriffen.
Die Regierungsparteien billigten ohne Ausnahme dieſen
Entſchluß der Negierung, ſo daß am Nachmittag des 15.
Dezem=
ber der Sozialdemokratiſchen Partei mitgeteilt werden konnte,
die Reichsregierung ſei in uebereinſtimmung mit den
Regie=
rungsparteien bereit, in Verhandlungen mit der
ſozialdemokra=
tiſchen Koalition einzutreten mit dem Ziel der Bildung der
Großen Koalition. Die ſozialdemokratiſche Fraktion hat dann
bekanntlich geſtern abend ſich zwar zu Verhandlungen über die
Bildung der Großen Koalition bereit erklärt, zugleich aber den
Rücktritt der Reichsregierung verlangt.
Die von der Reichsregierung und den Regierungsparteien
beabſichtigten Verhandlungen mit der ſozialdemokratiſchen
Frak=
tion hätten ihren Fortgang genommen, ohne daß die Autorität
der Regierung nach innen und außen geſchwächt worden wäre.
Der geforderte Rücktritt der Reichsregierung müßte für längere
Zeit zu einer nur geſchäftsführenden Regierung führen, da unter
den obwaltenden Verhältniſſen eine raſche Löſung der Kriſis
un=
möglich erſcheint. Die Reichsregierung vermag die
Verantwor=
tung für einen ſolchen Zuſtand, der mit den ſchwerſten
Nach=
teilen, vor allem für unſere außenpolitiſchen Intereſſen
verbun=
den ſein muß, nicht zu übernehmen; ſie muß dieſe Verantwortung
denjenigen Parteien des Reichstags überlaſſen, die durch ihre
Beſchlüſſe ihn herbeiführen. Namens der Reichsregierung habe
ich daher die Erklärung abzugeben, daß die Regierung
ent=
ſchloſſen iſt, nicht zurückzutreten. Das Weitere muß ſie der
Ent=
ſchließung des Reichstags überlaſſen. (Beifall rechts und im der
Mitte.)
Eine wüſie Attacke der Sozialdemokraten
gegen die Reichswehr.
Nach dem Reichskanzler wies Abg. Scheidemann (Soz.) auf
die ſchwere Entſcheidung hin, in die man jetzt einzutreten beginne. Die
Sozialdemokratiſche Partei ſtehe dem Schickſal des deutſchen Volkes nicht
gleichgültig gegenüber. Wir haben, ſo fährt der Redner fort, nur aus
Liebe zum Volke gehandelt (1. Wir verſtehen es dunchaus, daß es den
Offizieren der alten Armee ſchwer fällt, ſich in die neuen Verhältniſſe
hiueinzufinden. Es muß aber eine Staatsgewalt da ſein, die imſtande
iſt, ihre Autorität aufrecht zu arhalten. Eine Reichswehr, die faſt das
Gegenteil eines Friedensinſtrumentes darſtellt (lebhafter Widerſpruch
rechts), muß geändert werden. Ich danke dem Herrn General Hehe für
ſeine Erklärung. Die Reichswehr bildet heute noch einen Staat im
Staate. Kein Volk iſt über ſeine Wehrmacht ſo ſchlecht unterrichtet wie
das deutſche. Für das Ausland bilden die Dinge, die ich hier vorbringe,
nichts Neues mehr. Das Reichswehrminiſgtertum hat eing ſogenannte
Sondergruppe S.G. Dieſe hat beim Abſchluß von Staatsverträgen
zwiſchen den Junkersflugzeugwerken und Moskau mitgewirkt. Seit 1923
ſind für dieſe S. G. mehr als 70 Millionen Goldmark pro Jahr
ge=
zahlt worden. Der Redner teilt weitere Einzelheiten über Einzahlungen
der S. G. auf das Konto ruſſiſcher Waffenfabriken mit. Das deutet auf
eine unmittelbare Verbindung des Reichswehrminiſterimus mit
Nuß=
land hin, eine Rüſtungsinduſtrie im Auslande zu ſchaffen. An den
Verträgen mit Nußland iſt der General Haſſe beteiligt, der mit falſchem
Namen unterzeichnet hat (große Unruhe rechts und Zurufe: Unerhört.
Lump. Der Abg. Graf Weſtarp (Dn.) ruft: Das iſt Landesverrat!
Unter großer Eregung verlaſſen die Deutſchnationalen und Völliſchen
den Saal.) Oberſt a. D. Koch habe mit Genehmigung des
Reichswehr=
miniſteriums Vortragskurſe über militäriſche Ausbildung imn
Arbeit=
geberverbänden gehalten. General von Tſchitzſchwitz habe in einem
Vor=
trag in Noſtock geſagt, unſer Volk müſſe wieder wehrhaft gemacht
werden. Dazu gehörten beſondere Ausbildungskurſe durch Angehörige
der Reichswehr, ſogenannte Sportlehrer. Ehemalige Offiziere ſollten
als Kreisoffiziere auf Privatdienſtvertrag eingeſtellt werden. In
Pom=
mern ſeien für 30 Orte 36 Kreisoffiziere eingeſtellt worden. Angeſtellt
würden nur ganz rechts geſinnte Offiziere. Sie hätten Beſtände von
„Juſtrumeniien” zu verwalten und je nach Bedarf hier und dahin zu
ſchieben. Die Marine ſei auf die Bedimgung eingegangen, der D. C.
Waffen zur Verfügung zu ſtellen. In Oſt=Holſtein ſeien der D. C. 12
Maſchinengewehre von der Marine zur Verfügung geſtellt worden. Die
Marine war ſeinerzeit bereit, ihre Mannſchaften der O. C. zu
uter=
ſtellen (Hört, hört). Nach Niederſchlagung des Hitlerputſches richtete
ſich die Wut gegen den General von Seeckt, den man mit Gasbomben”
erledigen wollte. Der für die Tat auserſehene Günther werde heute noch
von der Marineſtation Kiel bezahlt Ghört hört). Das
Kleinkaliber=
ſchützenweſen ſei vielfach außerordentlich weit entwickelt. Sie arbeiteten
mit Stammollen und Karteien. Seit Frühjahr 1926 ſchicke man
Reichs=
wehrunteroffiziere zwecks Ausbildung in die vaterländiſchen Verbände.
Der Redner wies dan= auf die Enthüllungen des Hochmeiſters des
Jungbeutſchen Ordens hin, der zuerſt die größte ſogenannte nationale
Organiſation geſchaffen habe, dann aber umgeſchwenkt ſei, weil er
er=
kannt habe, daß gewiſſe Kreiſe der Verbände nur zur Gewinnung der
Macht im Innern benutzen wollten. Die Kleinkaliberſchützen hätten
vielfach auf dem der Reichswehr gehörigen Gelände geübt, deſſen
Be=
mützung z. B. dem Reichsbanner verweigert worden ſei. Die
Reichs=
wehr habe aus Funcht vor einem kommuniſtiſchen Putſch Granaten in
Sowjetrußland beſtellt. Die „Waffen ſeien zu Schiff nach Stettin
ge=
bracht worden. Er wolle die Gefahren für die Republik nicht
üben=
treiben. Sie ſei heute, morgen und übermorgen noch nicht bebroht,
aber in bewegten Zeiten werde eine bewaffnete Macht, die der Republik
feindlich geegnüberſtehe, zu einer ungeheueren Gefahr. Daher fordere
die Sozialdemokratie eine Reform der Reichswehr an Haupt und
Gliedern. Die Bedeutung der geheimen Rüſtungen wolle er nicht
über=
treiben Aber im Auslande bildeten ſie ein ſtarkes Argument gegen die
ehrlichen Abſichten der deutſchen Republik. Herr Streſemann könne ein
Lied daven ſingen. Zu Rußland wünſche mnn dringend ein gutes
Ver=
hältnis. Die deutſche Reichswehr dürfe aber der Sowjetmacht nicht als
Waffe für die Weltrevolution dienen Die Sozialdemokraten wollten
Moskaus Fneunde ſein, aber nicht Moskaus Narren. Deshalb keine
Sowjetmunition mehr für beutſche Geſchütze!. Dr. Geßler habe ſieben
Jahre an der Spitze der Reichswehr geſtanden. Das Ergebnis ſeien die
heutigen Zuſtände. Deshalb verweigere die Sozialdemokratie beſonders
Dr. Geßler das Vertranen.
Der Reichskanzler bedauert die Ausführungen
Scheidemanns.
Der Reichskanzler gab darauf unter allgemeiner
Zu=
ſtimmung die Erklärung ab, daß er die Ausführungen des Abg.
Scheidemann lebhaft bedauere. Er betonte, daß eine lohale
Prüfung des von der ſozialdemokratiſchen Fraktion übergebenen
Materials bereits vor Tagen zugeſichert worden ſei.
Geite 2
Abg. v. Guerard (Ztr.) beantragte, die Sitzung auf eine Stunde
zu unterbrechen.
Abg. v. Gräfe (Völk.) erklärte, man müſſe den Worten
Scheide=
manns die allergrößte Verachtung entgegenbringen. (Lebh. Beifall
rechts.)
Die Pauſe wird beſchloſſen.
Der Reichstag proteſtiert gegen die Rede Scheidemanns
durch Anterbrechung der Beratungen.
Nach Wiederaufnahme der Sitzung gab Abg. von der
Schulen=
burg (Dntl.) eine Erklärung ab, in der es heißt: Der Deutſche
Reichstag iſt heute durch die Ausführungen des Abg. Scheidemanns, die
uns mit tiefſter Entrüſtung erfüllen, der Platz eines Vorkommniſſes
ge=
worden, das in einer deutſchen Volksvertretung bisher für unmöglich
gehalten wurde. (Lebh. Zuſtimmung rechts, Gelächter bei den Soz.)
Wären die Behauptungen des Abg. Scheidemann wahr, ſo wäre durch
ſeine Rede der Tatbeſtand des Landesverrates in jeder Hinſicht erfüllt.
(Lebhafte Zuſtimmung rechts.) Wir ſind aber der feſten Ueberzeugung,
daß ſie unwahr ſind. Aber auch für ſie nur ein Wort zu verſchwenden,
verbietet unſer Gefühl für Selbſtachtung und nationale Würde. Die
deutſche Wehrmacht war in den kritiſchen Endwicklungen der letzten Jahre
der beſte Hort der Ordnung in unſerem Vaterland. Deshalb bedauern
wir doppelt, daß ſie neuerdings das Spielzeug leichtfertiger, vielfach
verleumderiſcher Angriffe geworden iſt. Unter dem Vorwand einer
Ent=
politiſierung verfucht man, aus der Reichswehr ein willkürliches
Werk=
zeug einfeitiger parteipolitiſcher Beſtrebungen zu machen. Wir vertrauen
darauf, daß hiervon unberührt die Wehrmacht auch weiterhin in
ſelbſt=
loſer Hingabe an ihren Dienſt ihre ſchwere und ernſte Pflicht erfüllen
wird. Dafür darf ſie aber auch erwarten, daß Regierung und Reichstag
ſie gegen ſolche Zerſetzungsbeſtrebungen, die vielfach offenen
Landesver=
rat darſtellen, in Schutz nehmen. Nur ſo iſt die Gewähr gegeben, daß
Dienſtfreudigkeit und Staatsgeſinnung weiterhin die feſte Grundlage
unſerer fungen Wehrmacht bleiben. (Lebh. Beifall rechts.)
Die Deutſchnationalen aufs tiefſie entrüſiet.
Das Zentrum bitter enttäuſcht.
Abg. Dr. Wirth (Zentrum) weiſt auf die Spannung hin, mit der
alle der heutigen Debatte entgegengeſehen hätten. Man habe
ange=
ſichts der außenpolitiſchen Entwicklung eine ernſte, würdige Debatte
er=
wartet. Darin ſei man durch den bisherigen Verlauf der Debatte
bit=
ter enttäuſcht worden. Für ihn ſtehe das Wohl des Vaterlandes
an erſter Stelle. Den polniſchen Staat wolle er nicht ſchädigen, aber
wir ſpürten ſeinerzeit den wachſenden Druck an den Oſtgrenzen. Wir
ſpürten, daß es offizielle polniſche Kräfte waren, die den Griff nicht nur
nach Oberſchleſien, ſondern auch nach weiteren Teilen Schleſiens
beab=
ſichtigten. Damals habe Reichspräſident Ebert den Schutz für die
Oſt=
grenzen geſchaffen. (Lebhafter Beifall.) Damals habe man einen
Grenz=
ſchutz organiſiert, der keiner Partei hörig war. Dr. Wirth betont, er
könne ſich ein ſelbſtändiges Deutſchland nicht ohne Sicherung ſeiner
Oſt=
grenzen denken. (Lebhafter Beifall.) Die Bewegung zur Deutſchen
Ne=
publik habe das Zentrum von Parteitag zu Parteitag weitergeführt.
Wenn die Idee des neuen Staates nicht ernſtlich in der Reichswehr
ver=
ankert werde, dann werde Deutſchlands letzte Wehr und Waffe in den
Parteikämpfen zerrieben. Ein Volk freilich, das ſeine Geſchichte nicht
ehrt, iſt nicht wert, wieder einftmals Geſchichte zu machen. Nun gelte
es, die Wehrmacht zu geſtalten zu einem verfaßſungstreuen Inſtrument
des neuen Staates. Daß der Weg über die Leiche der Weimarer
Ver=
faſſung gehen ſolle, wäre Wahnſinn. Nicht weil wir formell
Republi=
kaner ſind, ſondern weil wir mit dem Herzen unſer Volk lieben,
ver=
langen wir die Entpolitiſierung der Reichswehr. Dr. Wirth verteidigte
dann die Politik Rußland gegenüber. Ohne Einbeziehung der ruſſiſchen
Bodenſchätze könne die Weltwirtſchaft nie mehr geſunden. Der heutige
Tag, mit dieſer ſozialdemokratiſchen Rede ſei ein ſchwarzer Tag in der
Geſchichte des deutſchen Volkes. Die Parteien der Mitte ſollten aber
ihre Aufgabe in dem neuen deutſchen Staate nicht verfehlen. Darum
ſolle man ſich nicht in der Wehrfrage die Köpfe einſchlagen. Man
dürfe nicht gerade in dieſem Augenblick in eine Debatte hineinſchlittern,
die das Unglück des deutſchen Volkes herbeiführen müſſe. Die
Regie=
rung ſolle ſich aus ihrer heutigen außenpolitiſchen Linie nicht
heraus=
bringen laſſen. Der deutſchen Volkspartei ruft der Redner zu, ſich nicht
von Gruppen beeinfluſſen zu laſſen, die den Bürgerblock propagieren,
denn dann ſei Deutſchland verloren, weil es ausgeſchloſſen, wenn die
Proletarier wieder von der Mitarbeit am deutſchen Staatsleben
aus=
geſchaltet werden. Jetzt komme auch für die Wirtſchaft die Parole:
„Zum Staat”, ſonſt werde auch die Wirtſchaft der Zerſtörung
anheim=
fallen. Staatsform und Idee der Nation müſſe man miteinander
ver=
binden. (Beifall.)
Die Kommuniſten werfen den
Sozial=
demokraten Demagogie und Heuchelei vor.
Abg. Koenen (Komm.) war der Anſicht, Dr. Streſemann habe
jetzt die Verpflichtung nachzuweiſen, welche Hoffnungen der Eintritt in
den Völkerbund bisher erfüllt habe. Die Sozialdemokraten haben dem
„Mancheſter Guardian” ein Schwindelmaterial geliefert. Die
Ausfüh=
rungen Scheidemanns waren Demagogie und niedrigſte Heuchelei. (
Ord=
nungsruf.) Die Reichswehr habe nicht ein Flugzeug von Rußland
be=
kommen, auch nicht eine einzige Gasbombe. Die ganze
Geſpenſterge=
ſchichte des „Vorwärts” iſt erſtunken und erlogen. Es ſind
Ammen=
znärchen, um kleine Kinder graulich zu machen. Wenn die
Sozialdemo=
kraten kein Beweismaterial vorbringen, dann ſind ſie als gewöhnliche
Schwindler feſtgeſtellt. Der „Mancheſter Guardian” iſt mit dem ganzen
Material hineingelegt worden.
Freitag, den 17. Dezember 1926
Nummer 349
Volfsparteiliche Mißbilligung der Angriffe
auf die Reichswehr.
Abg. Dr. Scholz (Dtſch. Ppt.) ſchließt ſich den Erkläwmngen des
Reichskanzlers an. Der Redner mißbilligt vor allem die Art des
Spre=
chers der Sozialdemokratie, der Fälle verallgemeinert habe, die ſich auf
einen Zeitraum von mehreren Jahren beziehen und zum größten Teil
in einor Vergangenheit liegen, in der der Beſtand des Staates gefährdet
war. Die Rede Scheidemanns iſt geeignet, im In= und Auslande ein
vollkommen falſches Bild von der Einſtellung der Reichswehr zu goben,
an deren Verfaſſungstreue nicht gezweifelt wenden könne, da ſie dieſe
Treue wiederholt bewieſen habe. Der Redner ſtimmt den anerkennenden
Worten für die Reichswehr aus dem Munde des Reichskanzlers zu. Die
Deutſche Volkspartei werde alle Beſtrebungen, die geeignet ſein
könn=
ten, das Vertrauen zur Wehrmacht zu erſchüfttern oder ihren Ausbau
zu gefährden, nachdrücklichſt bekämpfen.
Abg. Bredt (Wirtſch. Vgg.) bedauert das Aufſehen, das die
Aus=
führungen Scheidemanns im Ausland unberechtigterweiſe erregen
wer=
den. Der Redner erklärte, daß ſeine Fraktion ſich namentlich wit
Rück=
ſicht auf die auswärtige Politik nicht entſchließen könne, für das
Miß=
trauensvotum zu ſtimmen.
Auch die Bayern gegen öſtierreichiſche
Zuſiände in der Reichswehr.
Abg. Laicht (Bayer. Vpt.) hält die Politik der Sozialdemokraten
für völlig unverſtändlich. Sie wollen in die Große Koalition; und
ſchicken der Regierung die ſeidene Schnur mit der freundlichen Mahnung
„Hänge dich auf”! Zugleich ſchicken ſie die Drohung, „Hängſt du dich
nicht ſelbſt auf, ſo hängen wir dich auf”! So kann man keine Politik
machen. Die Bayeriſche Volkspartei ſtellt ſich durchaus hinter die
Er=
klärungen der Neichsregierung. Man ſoll nicht immer bloß von
Rechts=
verbänden ſprechen, ſondern auch vom Reichsbanner, das doch eine
aus=
geſprochene ſozialdemokratiſche Einrichtung ſei. Seine Aufgabe ſei
weni=
ger die Erhaltung der deutſchen Republik, als vielmehr die
Herbeifüh=
rung der ſozialiſtiſchen Republik. (Lebhafte Zuſtimmung rechts, Lachen
bei den Soz.) Politik in der Reichswehr wollen wir nicht. Ihne
ein=
zige Politik muß die Liebe zum Vaterland ſein, nur kein politiſiertes
Heer. Wir wollen keine öſterreichiſchen Zuſtände in Deutſchland. Unſer=
Reichswehr ſoll ein ſtarker Hort und Schutz des Vaterlandes ſein und
bleiben. (Beifall.)
Abg. v. Ramin (Völk.) erklärt, ſeine Fraktion ſtehe auf dem
Standpunkt, daß in erſter Linie das Bekenntnis zu Volk und
Vater=
land komme, und nicht zur Staatsform. Scheidemann habe Volk und
Vaterland in ſchwerſter Weiſe geſchädigt. Es iſt merkwürdig, daß gerade
die Republikauer dem republikaniſchen Wehrminiſter einen Knüppel nach
dem anderen zwiſchen die Beine werfen. Der Redner ſchloß wit den
Worten, jede Gemeinſchaft mit Scheidemann ſei Landesverrat.
Darauf wird die Sitzung abgebrochen. Das Haus vertagte ſich auf
Freitag, 12 Uhr: Weiterberatung und Abſtimnng über die
Miß=
trauensanträge. Schluß 8 Uhr.
Das ſozialdemokratiſche Mißtrauensvotum eingebracht.
Im Reichstag iſt jetzt folgendes Mißtrauensvotum
einge=
gangen: Die Reichsregierung beſitzt nicht das Vertrauen des
Reichstages. Die deutſchnationale Reichstagsfraktion beſchäftigte
ſich heute nachmittag mit den vorliegenden Mißtrauensvoten,
be=
ſchloß aber, ihre Entſcheidung erſt vor der morgigen Plenarſitzung
zu treffen.
Die Kommuniſien fordern Auflöſung
der Reichswehr.
Im Reichstag iſt ein kommuniſtiſcher Antrag eingegangen,
der die Auflöſung der Reichswehr fordert. An ihre Stelle ſoll
eine Miliz treten, die aus der werktätigen Bevölkerung unter
Kontrolle der Arbeiterorgamiſationen gebildet werden ſoll. Die
Unteroffiziere und Mannſchaften ſollen unter Mitwirkung der
Gewerkſchaften und Betriebsräte in die von ihnen ſelbſt gewählten
Berufe übergeführt werden. Im Falle der Ablehnung dieſes
Antrages ſchlagen die Kommuniſten Maßnahmen zur
Reorgani=
ſierung der Reichswehr und Reichsmarine vor. So ſollen die
Reichswehrangehörigen das Wahlrecht erhalten. Die Vorrechte
der Offiziere ſollen aufgehoben, die Truppenführer von den
Unteroffizieren und Mannſchaften gewählt werden. Auch ſoll der
Reichswehrangehörige das Recht auf dreimonatliche Kündigung
erhalten. Neueinſtellungen in die Reichswehr ſollen in Zukunft
nur durch die freien Gewerkſchaften erfolgen.
Unterſuchungs=
kommiſſionen ſollen nachprüfen, ob Reichswehrangehörige zu den
vaterländiſchen Verbänden gehören. Wer dazu gehört, ſoll
friſt=
los ohne Penſionsanſpruch entlaſſen werden.
Beſprechungen beim Reichspräſidenten.
Berlin, 17. Dezember.
Wie verlautet, wird der Reichspräſident, der geſtern mit dem
Reichsinnenminiſter Dr. Külz und dem Führer der
Deutſch=
nationalen Volkspartei Beſprechungen hatte, heute vormittag den
Reichskanzler und im Anſchluß daran erneut den Grafen Weſtarp
empfangen.
Abbruch der deutſch=tſchechiſchen
Hanveisvelnagsver gandtungen.
Die Tſchechoſlowakei macht Schwierigkeiten.
* Berlin, 16. Dezember. (Priv.=Tel.)
Die Handelsvertragsverhandlungen wit der Tſchechoſlowakei
ſind infolge des ſtarren Widerſtandes der tſchechiſchen
Unter=
händler keinen Schritt vorwärts gekommen. Dieſe Starrheit
wirkt ſich nicht nur Deutſchland gegenüber aus, ſondern ſie zeigt
ſich auch in Handelsvertragskündigungen ſeitens Oeſterreichs
und Ungarns. Die Tſchechoſlowakei hat ein Schutzzollſyſtem,
das mit den Prinzipien der Gegenſeitigkeit, die ſich in der
modernen Handelsvertragspolitik immer mehr durchſetzen, nicht
vereinbar iſt. Auch die Schweiz hat der Tſchechoſlowakei den
Handelsvertrag gekündigt. Die Berliner
Verhand=
lungen, die ſeit September geführt wurden, ſind jetzt
ab=
gebrochen worden und werden erſt im Januar
wie=
der aufgenommen werden. Angeſichts der großen Zahl
der gegenſeitigen Wünſche, iſt die Zahl derjenigen Forderungen,
über die bisher Einigkeit erzielt wurde, recht gering. Die
Ver=
handlungen werden ſich aller Vorausſicht nach noch längere Zeit
hinziehen. Die Schwierigkeiten liegen bei den tſchechiſch=
ſlowa=
kiſchen Wünſchen weit mehr auf landwirtſchaftlichem Gebiet, als
auf induſtriellem. Von den deutſchen Forderungen ſind die der
chemiſchen Induſtrie, der Maſchineninduſtrie und der
Elektro=
technik an erſter Stelle zu nennen. Hier befriedigen die
tſchechi=
ſchen Angebote keinesfalls und die deutſchen Unterhändler
wer=
den, wie wir erfahren, ohne weitgehende tſchechiſche Konzeſſionen
ſowie ohne vorherigen Abbau des tſchechiſch=ſlowakiſchen Ein=
und Ausfuhrverbotſyſtems wohl kaum zu einer Einigung mit der
Tſchechoſlowakei gelangen. Es zeigt ſich auch hier wieder, wie
bei den Handelsvertragsverhandlungen mit Polen, das
überſtei=
gerte Machtbedürfnis der nach dem Kriege entſtandenen Staaten.
Wie die Dinge zurzeit liegen, hat Deutſchland keinerlei
Veranlaſ=
ſung, den tſchechiſchen Forderungen nachzugeben.
Um die Regierungsbildung in Südſlawien.
EP. Belgrad, 16. Dezember.
Der neu ernannte Miniſterpräſident Uzunowitſch hat,
nach=
dem ihm der Nadikale Parteiklub einſtimmig das Vertrauen
aus=
geſprochen hatte, Verhandlungen mit den Parteiführern
be=
gonnen und mit dem kroatiſchen Bauernführer Stephan Raditſch
und dem Chef der Demokraten, Davidowitſch, Beſprechungen
ge=
habt. Beſonderes Intereſſe brigt man der Frage der Beſetzung
des Poſtens des Außenminiſters entgegen. Sollden die
Demo=
kraten in ein Koalitionskabinett eintreten, dann wird aller
Wahr=
ſcheinlichkeit nach der demokratiſche Abgeordnete Marinkowitſch,
der bereits einmal Außenminiſter war, das Portefeuille des
Auswärtigen übernehmen. Sollte es aber zu einem Eintritt der
Demokraten in die Regierung nicht kommen, dann beſtünde für
die Wahl des Außenminiſters eine gewiſſe Verlegenheit, und
Gerüchte wollen ſogar wiſſen, daß in dieſem Falle Dr.
Nint=
ſchitſch neuerlich den Poſten des
Außenmini=
ſters übernehmen würde.
Panama zu militäriſcher Unterſtützung
Amerikas verpflichtet.
w. London, 16. Dezember.
Wie die „Times” aus New York meldet, hat in Panama das
Bekanntwerden eines kürzlich zwiſchen Panama und den
Ver=
einigten Staaten abgeſchloſſenen Vertrages beträchtliche
Er=
regung verurſacht, indem Panama ſich verpflichtet, ſich an einem
Krieg, in den die Vereinigten Staaten verwickelt werden, zu
beteiligen. In dieſem Falle ſollen die Vereinigten Staaten die
Kontrolle der Verkehrswege und Funkſtationen in Panama
über=
nehmen. Weiter wird in dem Vertrag die Manzanillo=Inſel vor
dem atlantiſchen Ausgang des Kanals für ewige Zeiten an die
U. S.A. abgetreten. Panama und Colon werden zu Freihäſen
erhlärt. Weiterhin enthält der Vertrag die Verpflichtung zu
ge=
wiſſen Wege= und Brückenbauten, ſowie Beſtimmungen zoll= und
wirtſchaftspolitiſcher Art. Der Staatsſekretär des Aeußeren von
Panama hat bereits zugegeben, daß der von zwei Zeitungen in
Havanna veröffentlichte Wortlaut des Vertrages zutreffend iſt.
Wie die „Times” mitteilt, wird allgemei angenommen, daß die
geſetzgebende Verſammlung von Panama ſich weigern wird
dieſen Vertrag zu ratifizieren.
*Schüleraufführung im Gymnaſium.
In dem vollbeſetzten Saale des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums
fand am Mittwoch abend eine hochintereſſante Schüleraufführung
ſtatt, die ſich den früheren Aufführungen dieſer Art ebenbürtig
anreihte. Eröffnet wurde ſie durch einen gediegenen
wiſſenſchaft=
lichen Vortrag des Herrn Studienrats H. Kaiſer über das
Weſen der griechiſchen Muſik, deſſen Grundgedanken wir hier
nur kurz wiedergeben können. Nach einer Erörterung der
Kul=
turſtellung der Muſik in der Antike im allgemeinen und der Muſik
im Mythus wurde die Bedeutung der Philoſophie für die Muſik
dargelegt, ſie ſchuf die geiſtige Grundlage für ſie, die Pythagoreer
ſtellten zuerſt die Geſetze der Muſik feſt, Plato erfaßte ihre ethiſche
Bedeutung. Muſik und Poeſie waren im Altertum
unzertrenn=
lich, eine Buchliteratur gab es nicht, der lyriſche Gehalt der
Dra=
men war muſikaliſch ausgeſtaltet. Obwohl wir über die Geſetze
und Lehren der griechiſchen Muſik unterrichtet ſind und einzelne
Fragmente erhalten ſind, erſchließt ſich uns ihr Weſen ſchwer, da
ſie ſelbſt uns heute nicht mehr klingt. Wir hören heute anders
und zwar ſchlechter, und können den zarten Reiz ihrer Muſik nicht
mehr nachempfinden. Das rauſchende Weſen unſerer Muſik war
ihr fremd, ſie kannte nicht den Akkord in unſerem Sinn und war
in der Hauptſache monodiſch, auch unſer heutiges Tonſyſtem kannte
ſie noch nicht. Zur Begleitung, die ziemlich bedeutungslos war,
diente lediglich die lautenähnliche Lyra und die Flöte. Bei aller
ſtiliſtiſchen Verſchiedenheit ſteht die antike Muſik in engem
Zu=
ſammenhang mit umſerer Muſik, die auf ſie als ihre Grundlage
zurückgeht.
An den mit warmem Beifall aufgenommenen allgemein
ver=
ſtändlichen Vortrag ſchloß ſich ein ſolcher altgriechiſcher
Geſänge nach der Bearbeitung von H. Tierfelder durch den
Schülerchor und Herrn Studienrat Dr. A. Stiefenhofer unter
Leitung des Herrn H. Kaiſer an. Die Geſänge, ſämtlich unisono,
erweckten durch ihre Eigenart ſtarkes Intereſſe, tiefen Eindruck
machten die herrlichen, friſch ſchmetternden Knabenſtimmen. Herr
Dr. Stiefenhofer ſang zwei Soli für Tenor mit einer klangvollen
und ſchön ausgeglichenen Stimme und einem Vortrag, um die
ihn Berufsſänger beneiden können. Die Klavierbegleitung lag
in den Händen der Herren F. W. Donat und Kaiſer. Darauf
folgte die Aufführung des Satyrdramas von Sophokles. Die
Spürhunde” das 1912 auf einem Papyrus in Aegypten entdeckt
worden iſt, zu dem aber der Schluß fehlt und ergänzt worden iſt.
Es behandelt den bekannten Mythus von der Geburt des Hermes
und der Erfindung der Lyra nach dem ſogenannten homerſchen
Hymnus an Hermes, in dem aber Zeus den Streit zwiſchen
Apollo und Hermes ſchlichtet, während er hier durch einen Ver=
gleich erfolgt. Das Satyrdrama, auf das näher einzugehen wir
uns leider verſagen müſſen, iſt nach den Grundſätzen für dieſe
Gattung verfaßt, die uns überliefert worden ſind. Die Satyrn
(das ſind die „Spürhunde”, die den von Hermes geſtohlenen
Rin=
dern des Apollo nachſpüren) ſpielen auch hier die Hauptrolle. Die
Überſetzung von Guſtav Eskuche hat das Stück in gereimte Verſe
gebracht, wohl um es unſerem Geſchmack näher zu rücken, es iſt
dadurch allerdings weſentlich moderniſiert worden. Die
Auf=
führung war in allen ihren Teilen höchſt gelungen. Glänzend
war der Vertreter des Satyrvaters Werner Laumann, ein
Berufsſpieler hättte ſeine Sache nicht beſſer machen könven;
unterſtützt wurde er in erfolgreichſter Weiſe von ſeinen acht
Söhnen (Ludwig Kaiſer, Walter Geis, Wilhelm Saeger, Hans
Altendorf, Wilhelm Wagner, Robert Ritter, Albert Frenzel=
Beyme und Karl Jung). Die Rolle des Apollo ſpielte Hans
Ulrich Hanſen des Hermes Erwin v. Löw, und der
Berg=
nymphe mit blonden Locken Konrad Löhlein. Auch ſie machten
ihre Sache ſehr gut. Köſtlich waren die den Chor der Tragödie
parodierenden Chöre (Sikinnien), ein Hauptverdienſt des die
Aufführung leitenden Studienrats Dr. W. Malzan, deſſen
erprobter Spielleitung das Geliugen der Aufführung überhaupt
in erſter Linie zu danken iſt; die muſitaliſche Leitung der von
Wilhelm Peterſen komponierten Muſik hatte Studienrat
Kaiſer, die Hetſtellung der Bühne rührte von Zeichenoberlehren
Müller, die der höchſt gelungenen Koſtüme von Studienrat
Dern und die Beleuchtung von E. Hemmerling her. Die
antike Poſſe, durch deren Wiederbelebung das Gymnaſium ſich
ein großes Verdienſt erworben hat, wurde von den dankbaren
Zuſchauern mit lebhaftem Beifall aufgenommen.
Hochſchulnachrichten.
Hk. Der Berliner phyſiologiſche Lehrſtuhl.
Wie wir hören, hat der Wiener Phyſiologe Prof. Dr. Arnold
Durigden an ihn ergangenen Ruf an die Univerſität Berlin
als Nachfolger von Franz Hofmann abgelehnt.
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
WSN. Paul Bekker wird Intendant in
Wies=
baden. Wie das „Wiesbadener Tagblatt” erfährt, iſt der
der=
zeitige Jutendant des Kaſſeler Staatstheaters, Paul Bekker, als
Nachfolger Dr. Hagemanns als Leiter des Wiesbadener
Staats=
theaters vorgeſehen. Die Ernennung ſoll in den nächſten Tagen
erfolgen.
1d. Im japaniſchen Kino und Theater. In ſeinem Buche
„Wunder der Erde” (Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig) gibt
Phi=
lipp Berges eine ergötzliche Schilderung einer Kinovorſtellung in
der japaniſchen Stadt Hyogo, in der ſich eines der größten
japa=
niſchen Kinos befindet. Es wurde ein Film von 2800 Fuß Länge
angekündigt, „davon nicht ein Zoll langweilig”. Vor dem
Holz=
bau ſtanden viele Hunderte von Sandalen. Wie die Beſitzer und
Beſitzerinnen ſpäter ihre Pantinen wiedererkennen, bleibt ein
Rätſel. Auch er entledigte ſich ſeiner Stiefel und ging auf
Strümpfen ins Allerheiligſte. Der Raum war mehr als voll, er
glich einer Sardinenbüchſe, der ganze große Bau war in Kaſten
eingeteilt, in denen dichtgedrängt ganze Familien ſich
nieder=
gelaſſen hatten, daneben Holzkaſten mit Reis und Zukoſt,
Rauch=
zeuge, Kiſſen. Alle ſaßen auf dem Boden; in der Loge zur
Rech=
ten krabbelten fünf bunt umwickelte Kinder durcheinander,
wäh=
rend die Mama ihre kleine ſilberne Pfeife geräuſchvoll ausklopfte,
ſie wieder füllte, anſteckte und lospaffte. Zur Linken gab eine
rundgeſichtige und rundbuſige Dame ihrem Baby die Bruſt, zu
Füßen lag eine ſiebenköpfige Familie mit 14 Eßſtäben und ſchleckte
aus Holzſchachteln Reis. Ein Gekribbel und Gekrabbel, wohin
man ſah. Bei der Vorführung wurde mit verteilten Rollen
ge=
ſprochen, wie im wirklichen Drama, begleitet von einer
fürchter=
lichen Muſik. Die eigentlichen Sprecher ſprechen in einer ganz
unnatürlichen, geſchraubten, ſtiliſierten Manier, die Männer
ſprechen alle tief, die Frauen ganz hoch in monotonen
Jammer=
tönen. Man gab ein modernes Ehedrama von abſcheulichem,
ſurchtbarem, zornerregendem Inhalt. Brutalität folgte auf
Bru=
talität, ein Mord reihte ſich an den anderen, das Blut ſpritzt und
ſtrömt über die Bühne, man watet in Grauſamkeit — und im
Zuſchauerraum Männer und Frauen, junge Mädchen und
Kin=
der, die ſich amüſieren. Die japaniſche Schaubühne iſt von der
unſrigen ganz verſchieden, das Sittendrama ſchildert Ereigniſſe
des täglichen Lebens, Liebe und Leidenſchaft mit einer Offenheit
und Rückſichtsloſigkeit, die Europäerinnen das Blut in die
Wan=
gen treiben würden, aber es iſt nicht Unſittlichkeit, ſondern es
dient der Satire. Man geht in Japan nicht auf Stunden ins
Theater, ſondern für den ganzen Tag, Pfeife und Tabak, Söhne
und Töchter, das ganze Haus wird mitgenommen, manche Stücke
haben 12, 16. 20 Akte! Die Verſuche, weſtliche darſtellende Kunſt
in Japan einzuführen, ſind mißglückt, am ſchlimmſten wirkten
unſere Muſik= und Geſangskunſt. Bei einer Opernaufführung in
Yokahama wurden die Zuhörer bei den hohen Tönen der
Prima=
donna von einem wilden Heiterkeitsanfall erfaßt. Sie konnten
ſich vor Lachen nicht halten, ſchüttelten ſich und Tränen rollten
über ihre Wangen; ſie ſtopften ſich die Aermel in den Mund in
dem vergeblichen Bemühen, ihre Faſſung zurückzufinden.
Nummer 349
Freitag, den 12. Dezember 1926
Geite 3
* Der Kampf um die
Regierungsbildung in Sachſen.
Von unſerem ſtändigen Dresdener Mitarbeiter.
Die nunmehr 1½ Monate zurückliegenden Wahlen zum
ſächſiſchen Landtog hatten bekanntlich ein durch die Zerſplitterung
der Wählerſchaft bemerkenswertes und wegen des offenſichtlichen
Rückganges der großen bürgerlichen Parteien zugleich
außer=
ordentlich bedauerliches Ergebnis. Die Verteilung der Mandäte
im neuen Landtag ließ, um das in Erinnerung zu rufen, die
Sozialdemokratie mit 31 Sitzen wiederum als die ſtärkſte Partei
aus dem Wahlkampf hervorgehen. Die Kommuniſten erhielten 14,
die Deutſchnationalen ebenſoviel, die Deutſche Volkspartei 12,
die Wirtſchaftspartei 10, die Demokraten 5, die
Aufwertungs=
parteiler 4, die Altſozialiſten ebenfalls 4 und die
Nationalſozia=
liſten unter dem bekannten Korvettenkapitän Helmut von Mücke
2 Sitze. Von Anfang an war es klar, daß dieſe neun Parteien
bzw. Fraktionen ſchwer unter einen Hut zu bringen ſein würden.
Eine in ſich konforme Mehrheit gab es weder nach der einen
Seite, die vom bürgerlichen Element beſtimmt wurde, noch nach
der anderen, die die internationalen Parteien bildeten. Die
Wiederkehr der Zeigner=Koalition war deshalb von vornherein
ausgeſchloſſen, weil Kommuniſten und Sozialdemokraten
zuſam=
men eine tragfähige Mehrheit nicht erreichen, andererſeits aber
bewieſen bereits die erſten Koglitionsbildungsverſuche, daß es
bedenklich ſchwer halten würde, die reſtlichen ſieben Fraktionen
auf der Baſis einer Arbeitsgemeinſchaft zuſammenzuführen und
damit auch die ziffernmäßige Maforität im Landtag zu erringen.
Die Unſicherheit, die über die Haltung der neu in Erſcheinung
getretenen Aufwertungspartei zuerſt herrſchte, gab ſich ſehr bald,
als die vier Vertreter dieſer Richtung erkennen ließen, daß ſie
den bürgerlich=kapitaliſtiſchen Gedanken bejahen und nur im
Rahmen einer Bürgertumspolitik im allgemeinen der
Verwirk=
lichung ihrer Aufwertungsziele zuzuſtreben gedachten. Unklar
war indeſſen die politiſch parlamentariſche Tendenz der jungen
altſozialiſtiſchen Partei. Vor der Wahl hatten die Altſozialiſten
wiederholt erklärt, ſie würden, wenn auch verfeindet mit ihren
ehemaligen Partei= und Fraktionsgenoſſen, nur eine proletariſche
Politik unterſtützen, eine Politik, die unverkennbar vor allem den
wirtſchaftlichen Beſtrebungen des ſozialdemokratiſchen
Pro=
gramms Rechnung trüge. Als der Wahlausfall ſie vor die
Not=
wendigkeit ſtellte, ſich darüber zu entſcheiden, ob ſie die
Realiſie=
rung ihrer Abſichten in Anlehnung an ihre radikalen Gegner oder
an das Bürgertum durchzuſetzen verſuchen würden, entſchieden
ſie ſich zunächſt für die Aufrechterhaltung ihrer Abſage nach links.
Sie wählten bei der Wahl des Landtagspräſidiums nicht mit
S P.D. und K.P.D., ſondern zuſammen mit den übrigen
Frak=
tionen. Sie ſetzten dieſe Haltung auch bei den beiden vergeblich
verlaufenen Wahlgängen um die Miniſterpräſidentſchaft fort und
verſtärkten ſie durch eine ſpezielle Erklärung, aus der deutlich
hervorging, daß ſie einer kommuniſtiſch=ſozialiſtiſchen Regierung,
einer Regierung, die ſich in irgendwelcher Weiſe auf die K.P.D.
ſtützt, ihre Hilfe nicht zuteil laſſen werden wollten. Es entſtanden
die über die Grenzen Sachſens hinaus kolportierten Gerüchte von
der mit Sicherheit zu erwartenden breiten Koalition, die vom
äußerſten rechten Flügel bis zum bisherigen, interimiſtiſch noch
im Amte befindlichen altſozialiſtiſchen Miniſterpräſidenten Heldt
reichen würde. Man hat urſprünglich bei den bürgerlichen
Par=
teien Sachſens zweifellos ernſthaft an einer Durchführung dieſes
Gedankens gearbeitet. Nicht nur, daß bei ſeiner Verwirklichung
eine, wenn auch nicht ſtarke, ſo doch immerhin zuverläſſige
Mehr=
heit von 51 Stimmen vorhanden geweſen wäre, ſo wäre es
außerdem möglich geweſen, die hinter der A. S.P.S. ſtehenden
Bevölkerungskreiſe für eine vernünftige ſtaatserhaltende Politik
zu gewinnen. Angeſichts der beſonders gelagerten ſächſiſchen
Verhältniſſe, die bei 54prozentigem Anteil der Arbeiterſchaft an
der Geſamtbevölkerung eine rein bürgerliche Mehrheit ſchwerlich
entſtehen laſſen werden, wäre mit dieſer breiteſten aller
Koali=
tionen zweifellos ein praktiſcher Vorteil für die politiſche und
wirtſchaftliche Entwicklung Sachſens entſtanden. Das hatten alle
ſächſiſchen Bürgertumsparteien, einſchließlich der Demokraten und
der Deutſchnationalen, für abſolut richtig erkannt. Trotzdem
haben die Dinge ziemlich unerwartet einen anderen als den
er=
ſtrebten Verlauf genommen. Als nämlich bei den ſächſiſchen
Gemeindewahlen, die vierzehn Tage nach der Landtagswahl
ſtatt=
fanden, die A. S.P. S. ziemlich allenthalben beträchtliche Einbußen
erlitt, bekam es dieſe Partei mit der Angſt vor weiteren Verluſten
ihrer Wählerſchaft zu tun. Der Hohn und Spott, mit denen man
ſie von urſozialiſtiſcher Seite aus übergoß, machte ſie im Glauben
an die Richtigkeit ihres bisherigen Kurſes ſchwanken, und ſie ließ
durchblicken, daß ſie immer noch eine ſozialiſtiſche Partei ſei und
daß ſie es ſich ſchwer überlegen würde, mit der bürgerlichen
Rechten in eine gemeinſame Regierung einzutreten. In dieſem
*Heilfieber.
Die Anſchauungen über die Bedeutung des Fiebers haben
ſich gewandelt. Betrachtete man früher die Erhöhung der
Körper=
temperatur als gefährliche und ſchädliche Krankheitswirkung, ſo
ſieht man jetzt im Fieber weiter nichts als eine Abwehrreaktion
des Organismus gegen die Krankheit. Die Bekämpfung des
Fiebers ſteht ſchon lange nicht mehr im Mittelpunkt der
Krank=
heitsbehandlung, wie das früher der Fall war, ſondern ſie wird
nur noch unter beſonderen Umſtänden angeſtrebt, wenn dem
Kranken vorübergehend eine Erleichterung gebracht werden ſoll.
Im übrigen begrüßt man die Vorgänge im Organismus des
Kranken, die das Ficber hervorrufen, als willkommene
Bundes=
genoſſen im Kampf gegen die Krankheitserreger, und ſucht ſie
ſogar in vorſichtiger Weiſe künſtlich hervorzurufen, wenn die
Ab=
wehrkräfte des Körpers nicht auszureichen ſcheinen. Es fehlt
auch nicht an Beobachtungen, die erkennen laſſen, daß chroniſch
verlaufende Krankheiten, wie Ekzeme, durch das zufällige
Auf=
treten anderer Krankheiten, die mit hohem Fieber einhergehen,
wie zum Beiſpiel durch eine Wundroſe, plötzlich unerwartet
gün=
ſtig beeinflußt werden.
Solche Beobachtungen haben in neueſter Zeit ſogar zur
Ent=
deckung eines Heilmittels gegen eine bisher unheilbare Krankheit
geführt. Wagner v. Jauregg konnte als erſter weitgehende
Beſſe=
rungen bei Gehirnerweichungen erzielen, und zwar durch Impfen
der Kranken mit Malaria=Erregern. Dieſe künſtlich erzeugte
Malaria ließ ſich bei den Krauken jederzeit wieder durch Chinin
beſeitigen, nachdem im Feuer der Malaria=Anfälle die
Krankheits=
erreger der Gehirnerweichung aus ihren Schlupfwinkeln in den
Nervenzellen vertrieben waren. Ein ſolches Vorgehen mag
ge=
wagt erſcheinen, aber das ſchreckliche und bisher unabwendbare
Schickſal der an Paralyſe, Gehirnerweichung, leidenden Kranken
berechtigt zur Anwendung eines ſo heroiſchen Mittels.
Seit Kochs und Behrings grundlegenden Arbeiten wiſſen
wir, daß die Bakterien nicht nur ſchaden, ſondern auch nützen
können. Neben den giftig wirkenden Stoffwechſelprodukten
ent=
halten ſie auch Gegengifte, und um die Gewinnung ſolcher
Gegengifte ſpezifiſcher Art bemüht man ſich, ſolange es eine
bak=
teriologiſche und ſerologiſche Forſchung gibt. In einzelnen
Fäl=
len iſt es auch gelungen, aus den Bakterien, die eine beſtimmte
Krankheit hervorrufen, ein Gegengift herzuſtellen, das eben dieſe
Krankheit heilt. In vielen Fällen gelang es aber leider nicht, ein
ſolches ſpeziſ ſch wirkendes Gegengift zu gewinnen. Dagegen
konnte man manchmal durch Einſpritzung abgetöteter Bakterien
Beſſerung erzielen, ja, es wurde ſogar die überraſchende
Beobach=
tung gemacht, daß es gar nicht ſo ſehr darauf ankommt, welcher
Vom Tage.
Wie wir erfahren, gedenkt der Reichsaußenminiſter, wenn
die politiſche Lage es geſtattet, nach Weihnachten einen längeren
Urlaub anzutreten. Ob er dabei mit dem italieniſchen
Miniſter=
präſidenten zuſammentreffen wird, ſteht noch in keiner Weiſe feſt.
Der deutſch=italieniſche Schiedsgerichtsvertrag
iſt techniſch ſoweit hergeſtellt, daß ſeine Unterzeichnung ſehr bald
erfolgen kann.
Der belgiſche Finanzminiſter Houtart gab in der Kammer im Laufe
ſeiner Darlegungen über die Finanzlage die Erklärung ab, daß
Bel=
gien niemals auf die Einlöſung der von der
deut=
ſchen Beſatzung zurückgelaſſenen acht Milliarden
Mark durch Deutſchland verzichten werde.
Außenminiſter Vandervelde und der ſüdſlawiſche
Ge=
ſandte in Brüſſel haben den Handels= und
Schiffahrts=
vertrag zwiſchen beiden Staaten unterzeichnet, der für beide
Staaten die Meiſtbegünſtigungskauſel vorſieht.
Von offiziöſer römiſcher Seite wird beſtritten, daß zwiſchen
Italien und Bulgarien Verhandlungen über einen
Schiedsvertrag im Gange ſeien.
In politiſchen Kreiſen Belarads verbreitet ſich das Gerücht, daß in
kürzeſter Zeit mit der Auflöſung der Skuptſchina und mit
der Ausſchreibung von Neuwahlen zu rechnen ſei.
Die Vereinigte ſchweizeriſche Bundesverſammlung
wählte mit 155 von 165 gültigen Stimmen den bisherigen
Vizepräſi=
denten des Bundesrats, Guiſeppe Motta, zum
Bundespräſi=
denten für 1927. Zum Vizepräſidenten wurde Bundesrat
Schult=
heß gewählt.
Der polniſche Senat machte ſich den Landtagsbeſchluß zu eigen
und verwarf das Preſſedekret einſtimmig.
Bei den Verhandlungen zwiſchen Venizelos und
Chur=
chill wegen der griechiſchen Kriegsſchulden hat ſich
ge=
zeigt, daß die beiderſeitigen Auffaſſungen im weſentlichen
noch immer unverſöhnlich ſind.
Der langjährige Handelsdirektor des Quai d’Orſah, Seydoux,
wird am 1. Januar aus Geſündheitsrückſichten ſeinen Abſchied
nehmen.
Trotz der Oppoſition des Präſidenten Coolidge hat die
Marinekom=
miſſion des amerikaniſchen Repräſentantenhauſes beſchloſſen, die
Bereitſtellung von 460 Millionen Dollar zum Bau
von Luftſchiffen, Kreuzern und Zerſtörern zu
bean=
tragen. Die Maßnahme wird mit der Notwendigkeit begründet, das
amerikaniſche Flottenbauprogramm dem engliſchen anzupaſſen.
Augenblick entſtanden, beſonders auf Grund der unverkennbaren
mittelparteilichen Neigungen, der A.S.P.S. entgegenzukommen,
bei den Deutſchnationalen ſtarke Bedenken, ja Befürchtungen,
man möchte ſie bei der Regierungsbildung unberückſichtigt laſſen.
Die Deutſchnationale Volkspartei trat nunmehr ihrerſeits mit
einer Erklärung hervor, in der ſie zu verſtehen gab, daß es für
ſie die ihr von verſchiedenen Seiten angeſonnene wohlwollende
Neutralität gegenüber einer Minderheitsregierung irgendwelchen
Charakters nicht geben würde und daß ſie zu jeder Regierung in
Oppoſition treten müßie, an der ſie ſelbſt nicht beteiligt wäre.
Daß dieſe Erklärung nach der praktiſchen Seite hin die
Perfek=
tuierung der Koalitionsbildung ebenſowenig erleichterte, wie der
altſozialiſtiſche Rückzug von dem Gedanken der breiteſten
Regie=
rungsbaſis, ſteht ganz außer Frage. Trotz mehrwöchigen
Regie=
rungsbildungsverſuchen iſt es jedenfalls bis in die ſechſte Woche
nach der Landtagswahl hinein zu einem praktiſchen Ergebnis
nicht gekommen. Wenn man ſich die Situation recht überlegt,
ſo wird man, beſonders mit Rückſicht auf die Dringlichkeit der
Beendung des regierungspolitiſchen Vakuums, das nach der
Amtsniederlegung des Kabinetts Heldt entſtanden iſt, die
Not=
wendigkeit nicht verleugnen können, auf die Verſuche, jene
brei=
teſte Front von A. S.P.S. zu D.N.V.P., oder, wenn man will,
bis zu den Nationalſozialiſten, ins Leben zu rufen, zu verzichten
und einer bürgerlichen Regierung, die ſich aus Demokraten,
Volkspartei, Wirtſchaftspartei, Aufwertungspartei und
Deutſch=
nationalen zuſammenſetzt, in den Sattel zu verhelfen. Dieſe
Regierung würde zwar eine Minderheitsregierung ſein, der an
der abſoluten Majorität im Parlamente vier Stimmen fehlten,
ſie würde aber den Vorteil aufweiſen, daß ſie die ſchwankenden
Altſozialiſten vor die kategoriſche Frage ſtellte, ob ihnen eine
ſtaatserhaltende, auf= und ausbauende Zügelführung, oder ob
ihnen doch im Innern ihres Herzens der drohende
ſozialiſtiſch=
kommuniſtiſche Terror lieber iſt. Soweit ſich ein Urteil über die
Entſcheidung dieſer Frage abgeben läßt, will es ſcheinen, als ob
der erbitterte Meinungsgegenſatz, der zwiſchen den Altſozialiſten
und ihren ehemaligen Genoſſen unentwegt fortbeſteht, ſie doch
einer bürgerlichen Koalition ſympathiſcher gegenüberſtehen und
ſie die Gefahr fürchten ließe, bei Ablehnung eines bürgerlich
ge=
ſtützten Kabinetts, das ultrarote Element in den Steigbügel
klettern zu ſehen. Eine unbedingt zuverläſſige Löſung wäre damit
natürlich auch nicht gefunden. Aber man muß ſich vor Augen
halten, daß eine ſolche in Sachſen für abſehbare Zeit überhaupt
nicht denkbar iſt.
Art die Bakterien waren, die man zur Herſtellung eines
Heil=
mittels verwendet, denn neben der ſpezifiſchen Wirkung war in
allen dieſen bakteriellen Heilmitteln noch eine unſpezifiſche
all=
gemeine Wirkung erkennbar, die wahrſcheinlich auf Wirkungen
des Bakterienprotoplasmas zurückzuführen iſt. Dies Protoplasma
iſt Eiweiß. Man braucht gar nicht Bakterienprotoplasma zu
ſpritzen, man konnte auch zum Beiſpiel einen Eiweißkörper der
Milch, Caſein, benutzen. Sogar mit Einſpritzungen gewöhnlicher
Milch hat man bei manchen Krankheiten, ſo bei der Grippe,
ge=
wiſſe Erfolge erzielt. Das in die Haut oder in das Blut geſpritzte
Eiweiß rief eine ſtarke Reaktion im Organismus hervor. Alle
Abwehrvorrichtungen gerieten in lebhafte Aktion. Es trat
Eiweiß=
zerfall ein, gewiſſe Blutkörperchen begannen ſich zu vermehren,
und als äußeres Zeichen dieſer geſteigerten Tätigkeit entſtand
auch eine Erhöhung der Körpertemperatur, alſo Fieber, das nach
kurzem Anſtieg wieder abfiel und von einer Beſſerung des
All=
gemeinbefindens gefolgt war.
Dieſe Heilfieberbehandlung, oder beſſer:
Eiweißkörperthera=
pie, Reizkörpertherapie, hat große Bedeutung und weite
Verbrei=
tung gefunden. Sie hat auch ſchon manche Umwandlungen,
Ver=
beſſerungen und natürlich auch Einſchränkungen erfahren. Die
Wirkung ſolcher Einſpritzungen, iſt oft verblüffend, allerdings
keineswegs ſicher und zuverläſſig. Auch ſind die Grenzen des
An=
wendungsgebietes noch nicht feſtgelegt. In der „Deutſchen
Medi=
ziniſchen Wochenſchrift” berichteten nun Böhme, Schlayer, Wolf
u. a. über eine neue Methode der Heilfieberbehandlung unter
Verwendung von Bakterienkulturen, und zwar werden dabei
nicht etwa abgetötete Bakterienkulturen verwendet, ſondern
lebende, ſogenannte virulente Keime. Es ſcheint ſich dabei in
erſter Linie um gewiſſe Darmparaſiten zu handeln, aus denen der
neue Heilſtoff „Sadrovitan” hergeſtellt wurde. Das Heilmittel
muß direkt in die Blutbahn eingeſpritzt werden und läßt ſich
genau doſieren. Eine beſtimmte Menge Saprovitan ruft Fieber
hervor. Verringert man die Doſis, ſo läßt ſich auch noch eine
All=
gemeinreaktion erzielen, aber ohne daß Fieber auftritt. Die
Unterſuchungen haben ergeben, daß dieſe lebenden Bakterien im
ſtörmenden Blut ſo außerordentlich ſchnell abgetötet werden, daß
eine gefährliche Infektion nicht erfolgen kann. In dieſem
Ver=
nichtungskampf werden nun aber Stoffe frei, die auf beſtehende
Krankheitsprozeſſe ſehr günſtig einwirken.
Um die Wirkung ſolcher lebender Bakterien nach ihrer
Ein=
ſpritzung in die menſchliche Blutbahn zu prüfen, hat ein Arzt
einen Verſuch an ſich ſelbſt vorgenommen. Er verwendete dabei
zunächſt nicht Saprovitan, ſondern ein entſprechend hergeſtelltes
Präparat, das aus den ſehr gefährlichen Typhusbazillen
gewon=
nen worden war. Hätte der Arzt das, was er ſich in eine
Blut=
vene einſpritzte, in den Mund genomen und verſchluckt, ſo wäre
Um die Winterbeihilfe der
beſſiſchen Beamten.
Ein deutſchvolfsparteilicher Antrag.
Der Heſſiſche Beamtenbund E. V. hat betreffs
Winter=
beihilfe für die heſſiſchen Beamten nachſtehende
Eingabe an den Landtag gerichtet:
„Der Geſamtvorſtand des Heſſiſchen Beamtenbundes E. V.
hat ſich in ſeiner Sitzung vom 11. Dezember noch einmal mit
der Beſoldungserhöhung und der einmaligen Winterbeihilfe
befaßt und iſt einſtimmig zu folgendem Beſchluß
ge=
kommen:
Nachdem der Reichstag am letzten Freitag und das
größte Land, Preußen, am Samstag die Angelegenheit auf
folgender Grundlage geregelt haben:
„Für die Beſoldungsgruppen I bis IN ein Viertel, für
die Beſoldungsgtuppen V bis XII ein Fünftel des für den
Monat Dezember fälligen Einkommens, für die unverheirateten
Beamten mindeſtens 30 und höchſtens 60 RM., für die
ver=
heirgteten Beamten mindeſtens 50 und höchſtens 80 RM., dazu
für jedes Kind 5 RM., die Vollwaiſen 10 RM.; eingeſchloſſen
in dieſe Regelung ſind auch die Ruheſtandsbeamten und die
Hinterbliebenen — —
muß die heſſiſche Beamtenſchaft erwarten, daß das
Land Heſſen genau in der gleichen Weiſe
ver=
fährt.
Dieſe unſere Auffaſſung findet eine weſentliche
Stütze in folgenden wörtlichen Ausführungen:
Reichsfinanzminiſter Dr. Reinhold am 10. Dezember
im Haushaltsausſchuß des Reichstages:
„Die Winterbeihilfe ſtellt nur eine Abſchlagszahlung auf
die bevorſtehende Beſoldungsgufbeſſerung dar. Es handelt ſich
infolgedeſſen keineswegs um ein Weihnachtsgeſchenk für die
Becten, ſondern um die Nachholung einer Pflicht
der Regierung. Es iſt unmöglich, die Beamten auf eine
Neuregelung ihrer Bezüge dauernd warten zu laſſen.”
Preußiſcher Finanzminiſter Dr. Höpker=Aſchoff am
11. Dezember im Beamtenausſchuß des Preußiſchen Landtages:
„Aus ſtaatspolitiſchen Gründen darf man die
Beamten der oberen Gruppen bei einer Beſoldungsaufbeſſerung
nicht ausſchließen.”
Die Ausführungen dieſer beiden maßgebenden und
verant=
wortlichen Herren beweiſen, daß es ſich diesmal nicht um eine
„Gratifikation” handelt (wir vermeiden deshalb auch das Wort
„Weihnachtshilfe”), auch nicht um eine Notſtandsbeihilfe im
engeren Sinne.
Die geſamte heſſiſche Beamtenſchaft würde es, beſonders
auch im Hinblick auf die äußerſt zahlreich unter uns
wohnen=
den Reichsbeamten, nicht verſtehen, wenn man in Heſſen unter
die Regelung des Reiches herunterginge.
Der Heſſiſche Beamtenbund bittet daher
Ihre geſchätzte Fraktion in letzter Stunde
dringend, ſich geſchloſſen dafür einzuſetzen,
daß die Reichsregelung auch für das Land
Heſſen übernommen wird.
Sollte dann die heſſiſche Regierung angeſichts des
unge=
nügenden Finausausgleichs die Mittel für dieſe Aufbeſſerung
vom Reich verlangen, ſo unterſtützt die heſſiſche Beomtenſchaft
dieſes Verlangen mit allen Kräften. Die Gewährung der
Auf=
beſſerung darf aber nicht von dieſem Verlangen abhängig
ge=
macht werden.
Der Vorſtand des Heſſiſchen Beamtenbundes E. V.
Der 1. Vorſitzende: Dr. Claß. Der 2. Vorſitzende: Koch.”
Die Landtagsfraktion der Deutſchen
Volks=
partei hat ſich voranſtehende Eingabe des Heſſiſchen
Beamten=
bundes vollinhaltlich zu eigen gemacht und dem Landtag als
deutſchvolksparteilichen Antrag heute überreicht.
Die Unglücksfälle der britiſchen Luftfloite.
Der Luftfahrtminiſter Sir S. Hoare unterbreitete dem
Unter=
haus eine Liſte der tödlich verlaufenen Unglücksfälle der
eng=
liſchen Luftſtreitkräfte. Vom 1. Januar 1926 bis zum heutigen
Tage ſind 46 Offiziere, 2 Kadetten und 28 Flieger tödlich
ver=
unglückt. Im Jahre 1925 dagegen 40 Offiziere und 11 Flieger,
im Jahre 1924 48 Offiziere, 1 Kadett und 23 Flieger.
Miniſter=
präſident Baldwin erklärte darauf, daß er der Einſetzung einer
unabhängigen Unterſuchungskommiſſion für die Prüfung der
Un=
fälle in der engliſchen Luftſtreitmacht nicht zuſtimmen könne.
Seiner Anſicht nach würde eine ſolche Unterſuchung keinen Zweck
haben.
er wahrſcheinlich an Typhus erkrankt. Ins ſtrömende Blut
ge=
bracht rief dieſer Stoff zwar Fieber, Rückenſchmerzen und andere
Beſchwerden hervor, die in wenigen Stunden überwunden waren.
Eine Typhuserkrankung trat aber nicht ein. Im Gegenteil, der
als Verſuchsobjekt dienende Arzt erholte ſich ſchnell, fühlte ſich
ſogar beſonders wohl und nahm an Körpergewicht zu. Die
Selbſtverſuche mit Saprobitan verliefen noch erheblich milder.
Das ſubjektive Befinden war danach gehoben, die
Arbeitsfähig=
keit nicht vermindert, ſondern eher geſteigert.
Es iſt erſichtlich, daß dieſe Beobachtungen unſere bisherigen
Anſichten über die Wirkung der Bakterien im Blut faſt in ihr
Gegenteil umkehren müſſen. Bei ſchweren Infektionskrankheiten,
bei Blutvergiftungen finden wir auch Bakterien im Blut, aber
eigentlich nur in ganz ſchweren Fällen gelingt der Nachweis und
wird dann als ſehr ungünſtiges Zeichen angeſehen. Bisher mußte
man alſo annehmen, daß das Eindringen von Bakterien ins Blut
eine enorme Gefahr bedeutet. Dieſe Anſicht bedarf wohl jetzt
einer Korrektur. Dringen Bakterien aus einem
Erkrankungs=
herd in die Blutbahn, ſo werden ſie dort vernichtet. Erſt wenn
der Einbruch dieſer Bakterien ins ſtrömende Blut zu ſtark wird
oder wenn die Abwehrkräfte des Blutes nachlaſſen, gelingt es der
Unterſuchung, Bakterien in einer Blutprobe nachzuweiſen. Die
Zuführung lebender Bakterien in der im Saprovitan gewählten
Form iſt dagegen unſchädlich und ruft die Abwehrkräfte des
Organismus auf den Plan, die nun ihrerſeits dazu beitragen,
einen im Körper bereits beſtehenden Krankheitsprozeß günſtig zu
beeinfluſſen.
Das wichtigſte Ergebnis der Unterſuchungen von Böhme,
Schlayer und Wolf iſt jedenfalls das, daß die Einführung
lebender Bakterien beſtimmter Art in genau
abmeßbarer Menge völlig unſchädlich iſt. Die
Er=
füllung dieſer Vorbedingung iſt und muß die Grundlage aller
Verſuche ſein, die am lebenden Menſchen vorgenommen werden.
Aus den bisher unternommenen und veröffentlichten Verſuchen
hat ſich folgendes ergeben: die Einſpritzungen wurden ſtets gut
vertragen. Beſonders auffallend war das Nachlaſſen der
Schmer=
zen und die erhebliche Beſſerung des Allgemeinbefindens bei
einer Anzahl von Kranken. Chroniſche Ekzeme, die jeder anderen
Behandlung getrotzt hatten, wurden überraſchend ſchnell einer
Heilung zugeführt. In einigen Fällen von
Gallenblaſenentzün=
dung trat weſentliche Beſſerung und Gewichtszunahme ein. Die
heftigen Schmerzen bei Tabes ließen erheblich nach. Allerdings
konnte durch einmalige Einſpritzung nur vorübergehende
Beſſe=
rung erzielt werden, die bis zu drei Monaten anhielt.
Bei der Behandlung der Paralyſe hat ſich, wie es ſcheint,
die Malariabehandlung dem neuen Verfahren überlegen gezeigt.
„Dr. med. Georg Kaufmann.
Seite 4
Nummer 349
Die Kriegsſchuldigen.
Aus dem engliſchen Blaubuch von 1914. — Wie der
Weltkrieg gemacht wurde. — Die Einkreiſung Deutſch.
lands. — Deutſchlands Schuldlofigkeit erwieſen.
* Berlin, 16. Dezember. (Priv.=Tel.)
Im Auftrage des britiſchen Auswärtigen Amtes iſt nunmehr
der erſte Band der britiſchen amtlichen Dokumente über den
Urſprung des Weltkrieges erſchienen. Er behandelt die Zeit vom
19. Juni bis zum 4. Auguſt 1914. Die Dokumente ermöglichen
ein Urteil darüber, ob ſie geeignet waren, der Oeffentlichke’t ein
zutreffendes Bild über den Urſprung und den Verlauf der
diplo=
matiſchen und militäriſchen Kreiſe zu geben. Die wichtigſten
Tatſachen, die nunmehr nach 12 Jahren von engliſcher Seite
offiziell zugegeben werden, ſind:
Bei ſeinem Beſuch in Petersburg in der zweiten Hälfte des
Juli 1914 hat der Präſidentderfranzöſiſchen
Repu=
blik dem ruſſiſchen Außenminiſter ein
Ver=
ſprechen unbedingter Solidarität im Falle
eines öſterreichiſch=ſerbiſchen Konflikts
ge=
geben.
Der britiſche Staatsſekretär hat am 25. Juli die
Peters=
burger Regierung wiſſen laſſen, daß England keine
Ein=
wendung gegen eine ruſſiſche Mobilmachung
gegen Oeſterreich haben werde.
Von verſchiedenen diplomatiſchen Vertretern
Englands im Auslande ſind Berichte eingegangen, in
denen ſie das Einſchreiten Oeſterreichs gegen
Ser=
bien als berechtigt, das Eintreten Rußlands für Serbien
als unberechtigt anſehen.
Im Blaubuch von 1914 waren faſt alle Stellen, in
denen das unbedingte Eintreten Frankreichs für Rußland,
krie=
geriſche Stimmung in Paris und Petersburg oder eine
verſöhn=
liche Haltung Deutſchlands zum Ausdruck kommt, fortgelaſſen.
Die franzöſiſche Regierung hat im Foreign
Office durch phantaſtiſche Meldungen den
Ein=
druck hervorgerufen, daß Deutſchland mit
ſtar=
ken Kräften ohne Kriegserklärung in
Frank=
reich einmarſchiert ſei. Die größte Bedeutung haben die
neuen Dokumente durch die Enthüllung, daß England
eben=
ſofrüh wie Frankreich über den ruſſiſchen
Ent=
ſchluß zur allgemeinen Mobilmachung und über die
Durch=
führung dieſes Entſchluſſes unterrichtet war.
Ein weiteres Kapitel handelt von dem Beſuch des
Präſi=
denten der franzöſiſchen Republik in Petersburg. Als Ergebnis
telegraphierte der britiſche Botſchafter in Petersburg am 24. Juli,
daß Frankreich Rußland eine Blankovollmacht
zu einem Kriege gegen Oeſterreich wegen der
ſerbiſchen Frage zugeſtanden und dieſe durch das Bündnis
auferlegten Verpflichtungen feierlich beſtätigt habe. Der zweite
Unterſtaatsſekretär Sir Eyre Crowe ſetzte unter das Telegramm
einen langen Vermerk, in dem er ſagt: Unſere Intereſſen
ſind mit denen Frankreichs und Rußlands
ver=
bunden in dieſem Kampfe. Es iſt ein Kampf zwiſchen
Deutſchland, das nach einer politiſchen Vorherrſchaft in Europa
ſtrebt, und den Mächten, die ihre individuelle Freiheit zu
be=
wahren wünſchen.
Als einziges Mittel, den Frieden zu erhalten, ſieht Crowe
die ſofortige Mobiliſierung der brritiſchen
Freitag, den 17. Dezember 1926
Flotte und die unverzügliche Mitteilung dieſes
Ent=
ſchluſſes an Frankreich und Rußland an.
Ein weiterer Abſchnitt handelt von der ruſſiſchen
Mo=
bilmachung gegen Oeſterreich, die mit engliſchem
Einverſtändnis geſchah. Ueber das Verhalten Serbiens
und die Lokaliſierung des öſterreichiſch=ſerbiſchen Krieges iſt ein
Telegramm des britiſchen Botſchafters in Wien vom 3. Juli
intereſſant, der berichtet: „Ich muß ſagen, daß ſich die ſerbiſche
Preſſe, meines Erachtens, ſchamlos benimmt.‟ Der britiſche
Geſchäftsträger in Belgrad berichtete ſchon am 18. Juli, der
ſer=
biſche Unterſtaatsſekretär des Auswärtigen habe ihm geſagt, daß
im Falle eines Krieges mit Oeſterreich „Serbien nicht allein
ſtehen werde.” Am 28. Juli erklärte derſelbe, daß „die
Unter=
ſtützung Rußlands ſicher ſei.‟ Der britiſche Botſchafter in Paris
trat energiſch für die Lobaliſierung des Konflikts ein. Ein
wei=
teres Kapitel beweiſt, wie ſehr das Blaubuch 1914
be=
ſtrebt war, die unbedingte Parteinahme
Frank=
reichs für Rußland und die Bindung Englands
an beide Mächte zu verheimlichen. Weiterhin
ver=
wendete das engliſche Blaubuch große Sorgfalt darauf,
Be=
weiſe einer verſöhnlichen Haltung
Deutſch=
lands möglichſt zu verſchweigen und ganze Sätze und
Abſätze in den Berichten einfach zu unterdrücken. Die von den
engliſchen Botſchaftern, Militärattachés und Konſuln berichteten
objektiven militäriſchen Einzelheiten hat das Blaubuch ebenfalls
nicht gebracht. So wurden der Oeffentlichkeit 28 Berichte über
ruſſiſche und ſieben Berichte über franzöſiſche militäriſche
Maß=
nahmen vorenthalten. So konnte zwölf Jahre lang die
Behaup=
tung beſtehen, daß Deutſchland am 30. Juli Maſſen von
Reſer=
viſten einberufen habe, während die Welt nichts davon erfuhr,
daß der britiſche Militärattaché in Petersburg berichtet hatte,
man habe am 31. Juli auf den gegen die ruſſiſche Grenze
füh=
renden Bahnlinien „keine Bewegungen deutſcher Truppen
be=
merkt” Von größter Bedeutung, was die militäriſchen
Nach=
richten anlangt, iſt jedoch die Enthüllung, daß wan in
Lon=
don rechtzeitig über die allgemeine ruſſiſche
Mobilmachung unterrichtet war.
Wie längſt bekannt, wußte man 1914 in Paris, daß
Ruß=
land die allgemeine Mobilmachung angeordnet hatte, bevor
Deutſchland mobiliſierte oder auch nur den Zuſtand „drohender
Kriegsgefahr” erklärte. Aus den ſoeben veröffentlichten
eng=
liſchen Dokumenten geht nun hervor, daß man in London ebenſo
gut unterrichtet war. Was England getan hat, um die
allge=
meine ruſſiſche Mobilmachung zu verhüten, ſo wird i dieſer
Beziehung das engliſche Blaubuch voll beſtätigt. England hat
nichts getan. Der Zuſtand „drohender Kriegsgefahr” wurde in
Deutſchland erſt am 31. Juli, 1 Uhr nachmittags, angeordnet,
nachdem mehr als eine Stunde vorher das Telegramm des
Grafen Pourtales über die allgemeine ruſſiſche Mobilmachung
eingetroſfen war. Sämtliche Meldungen, die das engliſche
Blau=
buch bringt und die die Schuldloſigkeit Deutſchlands erweiſen,
wurden durch Umſtellung und Streichung in ſchlimmſter Weiſe
entſtellt. In der Tat: Jeder Kommentar iſt überflüſſig.
Die Konferenz der Kleinen Entente.
EP. Belgrad, 16. Dezember.
Wie die hieſige „Politika” meldet, ſoll ſofort nach der
Bil=
dung der neuen jugoſlawiſchen Regierung die Konferenz
der Kleinen Entente zuſammentreten. Neben den
laufen=
den Angelegenheiten ſoll auf Verlangen Jugoſlawiens auch die
Angelegnheit des italieniſch=albaniſchen Vertrages auf die
Tages=
ordnung geſetzt werden.
Jugoſlawiens neue Politik.
Annäherung an Bulgarien und Ungarn.
* Belgrad, 16. Dezember. (Priv.=Tel.)
Es muß als Folge des italieniſch=albaniſchen Vertrages
ge=
wertet werden, der Jugoſlawvien zu einer Umorientierung ſeiner
Außenpolitik zwingt, wenn das Organ der ſerbiſchen
Bauern=
partei heute die Meldung bringt, daß das deue Kabinett
eine Außenpolitik betreiben werde, die eine
Annähe=
rung an den bulgariſchen und ungariſchen
Nach=
barn und darüber hinaus an Deutſchland und
Rußland zum Ziele haben wird. Als beſonders aktuell
be=
zeichnet das Blatt die Reviſion der jugoſlawiſchen Beziehungen
zu Rußland. Es ſei anzunehmen, daß mit den Sowjets eine
grundſätzliche Einigung über die Herſtellung annehmbarer
Be=
ziehungen erreicht werden wird. Dies wird als dringend
not=
wendig erklärt, wenn auch, wie das Blatt betont, Rußland ſich
in dem Konflikt wegen des italieniſch=albaniſchen Vertrages
neu=
tral verhalten hat.
Keine Angriffsabſichten Südſlawiens gegen Albanien.
Agentur Awala veröffentlicht folgende Erklärung: In
einer Meldung der Agenzia Stefani, die durch einen ſeltſamen
Zufall nicht an die Belgrader Telegraphen=Agentur übermittelt
worden iſt, wird behauptet, daß der Grund für eine derartige
Entrüſtung im ſerbiſch=kroatiſch=ſloweniſchen Königreich über
die Nachrichten vom Abſchluß des itglieniſch=albaniſchen
Ver=
trages der ſei, daß es die Abſicht gehegt habe, ſich eines Tages
Rordalbaniens mit Skutari zu bemächtigen und daß der
italie=
niſch=albaniſche Vertrag dieſen Angriffsplan vereiteilt habe. Wir
ſind zu der Erklärung erwächtigt, daß eine derartige Behauptung
in jeder Hinſicht eine reine Erfindung darſtellt, die keinen
Ein=
druck in Europa hervorrrufen dürfte, wo jedermann weiß, daß
die territoriale Unabhängigkeit und Integrität Albaniens eine
der Hauptgrundlagen der auswärtigen ſerbiſch=kroatiſch=
ſlowe=
niſchen Politik bildet.
Die franzöſiſch=italieniſche Spannung.
In den letzten Tagen kommen neue Alarmmeldungen von
der italieniſchen Grenze, und in den Wandelgängen der Kammer
ſpricht man davon, daß für die an der italieniſchen Grenze
zu=
ſammengezogenen franzöſiſchen Truppenkontingente eine
Ur=
laubsſperre verhängt worden ſei. Neue Verſtärkungen ſind aus
Marokko an der italieniſchen Grenze angekommen, die Tanks,
Maſchinengewehre und Jagdflugzeuge mitbrachten. Der
Abge=
ordnete Taittinger ſchreibt in einem Artikel, daß das Gebiet
von Nizza einem Kriegslager gleiche und ſich der
Bevölkerung eine kriegeriſche Stimmung bemächtigt habe. Er
erklärt ferner, daß italieniſche
Truppenkonzentra=
tionen im Piemonteſiſchen Gebiet ſtattfinden und
die franzöſiſche Regierung daher recht getan habe, ſchnelle und
wirkſame Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.
Gegenüber den in politiſchen Kreiſen ſich erhaltenden
Be=
ſorgniſſen über die Entwicklung des Verhältniſſes zwiſchen
Frankreich und Italien angeſichts der Rüſtungen und
Truppen=
anſammlungen an der italieniſch=franzöſiſchen Grenze wird am
Quai d’Orſay erklärt, die Annahme eines bewafſneten
Kon=
flikts ſei phantaſtiſch und müſſe ſcharf zurückgewieſen werden.
Familiennachrichten
Wir beehren uns, unſere am Gamstag,
dei 18. Dezember, nachmittags 2 Uhr,
in der Petruslirche ſtattfindende Trauung
anzuzeigen.
Theo Zimmermann
Schornſteinfegermeiſter
Anna Zimmermann
geb. Hehner (e33030
Darmſtadt, Ludwigshöhſtraße 37.
Hermann Nöll
Ida Nöll, geb. Schaaf
geben ihre Vermählung bekannt.
Trauung: Samstag, den 18. Dezember
3 Uhr in der Petruskirche (Beſſungerſtr.).
Eckhardiſtr. 7.
Kiesbergſtr. 37.
(e33034)
Statt beſonderer Anzeige.
Mein lieber, guter Mann,
unſer treuer Vater, Großvater
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Turnlehrer i. R.
iſt nach langem, ſchwerem Leiden
ſanſt entſchlafen.
In tiefem Schmerz:
Karoline Völſing
geb. Nerking.
Darmſtadt, 16. Dezember 1926.
Kiesſtr. 89.
(18564
Die Beerdigung findet ſtatt am
Samstag, den 18. 1 Mts , 11¾ Uhr,
auf dem alten Friedhof.
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Todes=Anzeige.
Hiermit die traurige Mitteilung, daß geſiern
nachmittag meine liebe Frau
Songe Traummanin
verwitwete Poib
nach kurzem Teiden ſanft dem Herrn
ent=
ſchlafen iſt.
In tiefer Trauer:
philipp Trautmann, Gaſiwirt.
Darmſtadt, den 16. Dezember 1926. (18566
Blumenthalſtr. 51.
Die Beerdigung findet Samstag vormittag 11 Uhr auf
dem alten Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſiraße ſtatt.
Todes=Anzeige.
Heute nachmittag 5 Uhr entſchlief ganz plötzlich und
unerwartet meine liebe Frau, unſere gute Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter
Mathilde Winter
im faſt vollendeten T6. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
H. Winter, Rektor i. R.
Darmſtadt, den 15. Dezember 1926.
(233013
Wenckſiraße 22 I.
Die Einäſcherung findet in aller Stille ſtatt.
Todes=Anzeige.
Heute entſchlief ſanft unſere geliebte
Schweſier, Schwägerin und Tante
Frau
Helene Tillemans
geb. Staehely.
(* 33031
Im Namen
der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Selma Staeheltz.
Darmſiadt, den 16. Dezember 1926.
Die Beerdigung findet in der Stille ſiatt.
ſcheiden unſerer lieben Muiter, Großmutter und
Tante
Frau Julie Lahr, geb. Krauſe
Witwe des Großh. Amtsgerichtsdirektors
Geheimrat Dr. Tahr
ſagen wir Allen unſeren herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
A. Hermann Lahr
Dr. Hellmuth Lahr.
Darmſtadt, den 16. Dezember 1926.
(283029 Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme beim Heimgang unſeres
lieben Söhnchens ſagen wir auf
dieſem Wege unſern herzlichſten Dank.
Beſonders danken wir Schweſter
Eliſabeth, den Schweſtern im Eliſa=
bethenſtift für ihre liebevolle Pflege,
ſowie Herrn Pfarrer Marx für ſeine
troſtreichen Worte und all den vielen
Kranzſpenden.
(*33079
Im Namen
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Nummer 349
Freitag, den 17. Dezember 1926
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 17. Dezember.
— Ernannt wurden: Am 7. Dezember 1926 die Kanzleigehilfin
Frie=
derike Niedt zu Darmſtadt vom 1. Januar 1997 an zum Kanzliſten
bei der Hauptſtaatskaſſe; am 9. Dezember 1926 der Forſtmeiſter Wilhelm
Henzel zu Groß=Gerau zum Forſtmeiſter des Forſtamts Groß=Gerau;
der Oberförſter Wilhelm Nebel zu Alzey zum Forſtmeiſter des
Forſt=
amts Alzeh; der Oberförſter Friedrich Schwalb aus Büdingen zum
Forſtmeiſter des Forſtamts Höchſt; der Oberförſter Karl Süffert zu
Groß=Steinheim zum Forſtmeiſter des Forſtamts Groß=Steinheim; die
Forſtaſſeſſoren Georg Eckert aus Ueberau, Adolf Ernſt Müller
aus Michelſtadt i. O., Wilhelm Siepmann aus Dillingen, Friedrich
Wachtel aus Darmſtadt zu Oberförſtern, ſämtlich vom 1.
De=
zember 1926 ah.
— Heſſiſches Landestheater. Morgen, Sax=stag, wird im Kleinen
Haus die bei der Premiere mit außerordentlich ſtarkem Beifall
aufge=
nommene Operette „Der Vetter aus Dingsda” in der Beſetzung
der Erſtaufführung mit den Damen: Kapper, Müller=Wiſchin, Liebel,
und den Hervn: Deharde, Kuhn, Vogt, Gbert. Neh und Strzeletz in
den weſentlichen Partien in der Inſzenierung von Heinrich Kuhn und
unter muſikaliſcher Leitung von Berthold Sander, zum erſten Male
wiederholt. Ueber das Werk, das über mehr als vierhundert Bühnen
des In= und Auslandes mit durchſchlagendem Erfolg ging, urteilte
kürz=
lich eine Leipziger Zeitung: „Ohne Zweiel eine der beſten Operetten
unſerer Tage, vielleicht die erſte Blüte einer Neuwerdung dieſer
Kunſt=
form.”
Am Sonntag, den 19. Dzember, wird im Kleinen Haus Niebergalls
Lokalpoſſe „Der tolle Hund”, in der Darſtellung der Heſſiſchen
Spielgemeinſchaft unter der Leitung von Eduard Göbel gegeben.
Die nächſte Wiederholung von Mozarts „Don Giovanni” iſt
am Sonntag, den 19. Dezember, im Großen Haus. In der von
General=
muſikdirektor Roſenſtock muſikaliſch geleiteten Aufführung ſingen die
tra=
genden Partien die Damen: Gercke (Donna Anna), Kapper, Albrecht
(Zerline), und die Herven: Dr. Barezinski, Hölzlim (Leporello), Poerner
(Ottavio), Kaven (Komthur), Grauert Maſetto).
Der von Lotte Reiniger geſchaffene Scherenſchnittfilm Die
Aben=
teuer des Prinzen Achmed”, der in ſeiner künſtleriſchen
Aus=
arbeitung eine Einzigartigkeit darſtellt, kann nur noch heute, Freitag,
in zwei Vorführungen, um 5 und 8 Uhr, im Kleinen Haus vorgeführt
werden.
Zahlreichen Anregungen entſprechend, veranſtaltet die
Generaldirek=
tion des Heſſ. Landestheaters einen Weihnachtszyklus
klafſi=
ſcher Werke, der am 1 Weihnachtsfeiertag mit Beethovens „Fidelio”
beginnt und im weiteren Verlauf binnen 8 bis 10 Wochen Oberon.
Fi=
garos Hochzeit, Fledermaus, Macbeth und den Goetheabend (Geſchwiſter
und Mitſchuldigen) bringen ſoll. Es werden Mietkarten in beſchränkter
Zahl in drei Preislagen ausgegeben. Die 6 Vorſtellungen koſten:
Par=
terre und 2. Rang 14 Rm., Sperrſitz 22 Rm., Logen bzw. Balkon 30 Rm.
Die Zahlung kann in bar oder in Raten erfolgen. Bei Barzablung
er=
hält der Käufer eine Eintrittskarte zu der Aufführung des Mänchens
Brumm, der Bär” am 3. Weihnachtsfeiertag, nachmittags 3½ Uhr.
Bei Ratenzablung iſt eine Anzahlung bei Abholung der Karten zu
lei=
ſten, die 2. Rate iſt bis zum 20. Januar, die 3. und letzte Rate bis 20.
Februar 1977 zu entrichten. Das hübſch ausgeſtattete Heftchen, das ſich
für Geſchenkzwecke hervorragend eignet, enthält, für jede Vorſtellung
einen Gutſchein, der an der Tageskaſfe gegen die jeweils gültige
Ein=
trittskarte eingelöſt werden kann. Damit den Zyklus=Beſuchern jeweils
die beſten Plätze der betreffenden Platzart zugeteilt werden können,
be=
ginnt der Umtauſch der Gutſcheine ſtets am Tage vor dem allgemeinen
Kartenverkauf. Zykluskarten ſind von morgen. Samstag, den 18.
De=
zember ab, an der Hauvtkaſſe und den Tageskaſſen zu haben.
— Zweite Morgenfeier im Kleinen Haus des Landestheaters. Die
zweite Morgenfeier im Kleinen Haus des Landestheaters wird eingeleitet
durch fünf Lieder (Schlichte Weiſen) von Max Reger, unter ihnen das
bekannte und immer wieder gern gehörte „Mariä Wiegenlied” und
bringt weiter zwei auf weihnachtlichen Chanakter geſtimmte Lieder von
Humverdinck und ein von Erich Riede komponiertes Weihnachtslied
Wieder naht die heilge Nacht‟. Außerdem ſtehen auf dem Programm
Rinderlieder von Reinecke und Leo Blech. Alle Lieder werden von
Margarete Albrecht gefungen. Robert glupp lieſt das
Weihnachts=
evangelinm aus der Bibel und wird im zweiten Teile der Feier einige
beſonders um die Weibnachtszeit ſehr willkommene Märchen von Storm.
Dehmel und Falke erzählen. Die Eintrittspreiſe zu dieſer
Morgenver=
anſtaltung, die um 1134 Uhr beginnt, betragen 50 und 80 Pfa.
Mar=
garete Albrecht wird bei ihren Geſängen von Kapellmeiſter Fritz Bahne
begleitet werden.
* Auszeichnung. Frl. Luiſe Brockmeyer, Darmſtadt,
wurde auf dem großen Agfa=Photo=Wettbewerb 1926 durch
ein=
ſtimmigen Beſchluß des Preisrichterkollegiums mit dem 2. Preis
ausgezeichnet. Dieſe Auszeichnung iſt um ſo höher zu bewerten,
als etwa 600 000 Bilder zu dem großen Wettbewerb eingereicht
waren.
* Karl Backofen †. Soeben erhalten wir die Nachricht, daß Karl
Backofen hochbetaat auf ſeinem kleinen Landaute im Prien am Chiemſee
voſtorben iſt. Mit ihm iſt ein alter Darmſtädter aus dem Leben
ge=
ſchieden, der hier im elterlichen Hauſe am Marienplatz ein
pboto=
graphiſches Unternehmen betrieb, das ſeinerzeit am Platze erſtklaſſig
war. Gerade der Heimgegangene wußte die photograbhiſchen Aufnahmen
künſtleriſch auszugeſtalten. Später lebte er in München, wo er ſich
Malſtudien gerne hingab. Dann zog er ſich nach Prien zurück, wo er
nun die Augen für immer geſchloſſen hat.
— Orpheum. Auf die Wiederholung des Gaſtſpiels
Leopoldine Konſtantin nebſt eigenem Enſemble heute
Frei=
tag, morgen Samstag, ſowie Sonntag mit dem heiteren
Luſtſpiel in 3 Akten „Dr. Juci Szabo” ſei nochmals hingewieſen.
(Siehe Anzeige.)
— Waiſenſchutz=Kinderbeſcherung. Am kommenden Montag, den
20. Dezember, 7 Uhr abends, findet im Städtiſchen Saalbau die
dies=
jährige Kinderbeſcherung ſtatt. An dieſem Abend wird 150
Halb=
waiſenkindern ein reicher Weihnachtstiſch gedeckt. Die Feier, die zirka
eine Stunde dauert, wird verſchönert duch Mitwirkung des
Quartett=
vereins Darmſtadt, ſowie einer Abteilug des Städtiſchen Orcheſters.
Um es jedem zu ermöglichen, dieſer Feier beizuwohnen, wird ein
Ein=
trittsgeld von nur 20 Pfg. (Programm) erhoben. Wer einmal
Kinder=
freude miterleben will, der komme am nächſten Montag in den Saalbau.
LokaleVeranſkaltungen.
— Der Heſſiſche Odenwald=Verein Darmſtadt, gegr.
1908, veranſtaltet am Sonntag, den 19. Dezember, im Saale des Perkeo
eine Weihnachtsfeier, beſtehend in Theateraufführung, Kinderbeſcherung,
Verloſung mit anſchließendem Tanz. Unſere Landsleute, Freunde und
Gönner des Vereins dürfen jedenfalls durch das reichhaltige Programm
auf einige unterhaltende Stunden rechnen.
*Aufwertung der Sparguthaben bei der
Sädliſchen Sparkaſſe.
Der Verwaltungsrat der Städtiſchen Sparkaſſe hat einſtimmig
be=
ſchloſſen, die Aufwertung der Sparguthaben nicht bis zum Jahre 1932
zurückzuſtellen, ſondern die Aufwertung — ſoweit dies im Rahmen der
verfügbaven Mittel möglich wird — ſchon jetzt durchzuführen, und zwar
in folgender Weiſe: 1. Der Aufwertungsſatz wird auf 20 Prozent
des Goldmarkbetrages der Sparguthaben feſtgeſetzt. 2. Alle nach dem
14. Juni 1922 vollſtändig zurückbezahlten
Sparein=
lagen werden in die Aufwertung einbezogen, d. h. es
wird die ſogenannte Rückwirkung eingeführt. 3. Die
Aufwer=
tungsbeträge werden ab 1. Januar 1927 mit jährlich 3
Pro=
zent verzinſt. 4. Den Sparern wird eine vorzeitige
Ab=
hebung der Aufwertungsbeträge im Rahmen der verfügbaren Mittel
in Ausſicht geſtellt. 5. Sollte ſich ſpäter eine weitere
Aufwer=
tung ermöglichen laſſen, ſo bleibt dieſe ausdrücklich vorbehalten.
Die Direktion der Sparkaſſe hat die gußerordentlich umfangreichen
Berechnungen derart beſchleunigt durchgeführt, daß ſie ſchon jetzt dieſen
weittragenden Antrag ſtellen konnte. Die Sparkaſſe beabſichtigt damit,
den zahlreichen alten Spargläubigern eine beſondere Weihnachtsfreude
zu bereiten und erhofft, daß durch dieſe bedeutſame Tat der Sparſinn
unſerer Bevölkerung wieder neu belebt und gefördert wird. Auch für
das geſamte Wirtſchaftsleben unſerer Stadt wird dieſer Beſchluß von
größter Bedeutung ſein, da ein großer Teil der vorzeitig zur
Auszah=
lung kommenden Beträge der Geſchäftswelt, dem Handwerk, dem Handel
und der Induſtrie zugeführt werden dürfte. Für die Aufwertung
kom=
men rund 60 000 alte Konten in Frage mit einem Efnlagebeſtand von
rund B 000 000 Mark. Die den alten Sparern zufließenden
Aufwer=
tungsbeträge berechnen ſich einſchließlich der Zinſen zuſammen auf über
6 500 000 Mark. Durch die Einführung der ſogenannten Rückwirkung
ſind etwa 14 000 Sparkonten, die nach dem 14. Juni 1922 ganz
zurück=
bezahlt wurden, in die Aufwertung einbezogen worden.
Die Aufwertung wird, wie folgt, durchgeführt: Die Inhaber der
alten Sparbücher werden durch öffentliche Bekanntmachung aufgefordert
werden, die Sparbücher zum Einſchreiben der Aufwertungsbeträge
vor=
zulegen. Bezüglich vorzeitiger Auszahlung wurde beſchloſſen:
1. In erſter Linie und mit ſofortiger Wirkung können die
Auf=
wertungsbeträge ganz oder teilweiſe an alte, bedürftige und in Not
ge=
ratene Sparer ausbezahlt werden und zwar ohne Abzug von
Zwiſchenzins; das bedeutet, daß dieſen bedürftigen Sparern eine
Aufwertung von rund B Prozent zuteil wird.
2. Darüber hinaus kann — jedoch nur gegen Wbzug des
Zwiſchen=
zinſes — eine vorzeitige Auszahlung oder eine Ueberſchreibung auf ein
neues Sparbuch imn begründeten Fällen auf Antrag erfolgen.
Die vorgeſehene Aufwertung wird aus den der Sparkaſſe zur
Ver=
fügung ſtehenden Aufwertungsmitteln ohne Inanſpruchnahme ſtädtiſcher
Mittel beſtritten. Die miniſterielle Genehmigung wird erteilt.
Auserlesene Parfäms
Rosa Centifolia v. Schwarzlose . . 1.50, 2.75, 4 25
IIlusion von Dralle, alle Gerüche . . . . . . 3.00
Albersheim, Li 10.00 Khasana 2.00, 3.00, 5.00
Mimikri von Scherk, letzte Neuheit . . . . . 17.50
Mystikum von Scherk . . 1.75, 2.50, 4.00, 6.50, 9.50
Mouson, Roma 3.25 u. 6.25 Tai Tai 2.75 u. 5.25
Quelgues feurs von Houbigant . . . . 4.75 u. 9.00
LOrigan, Chypre usw. v. Coty . . 3.25, 5.00, 9.00
Parfümerie-Mülier, Rheinstr. 6
(12556)
—Vortraſsgeneinſchaſt Bechn. Wiſeniſchafl. Vereine. Siehe heutige
Anzeige.)
Kunſinotizen.
Ueber Werte, Künſtier und fünfkleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtebenden Krwähnuns
geſchſebt. behält ſich die Rebaktion ihr Artell vor.
— Palaſ=Lichtſpiele. „Der Feldherrnhügel”
Hauptrollen Harry Liedke, Olga Tſchechowa. Eine köſtliche Perſiflage
auf das Militär im alten Oeſterreich und im alten Deutſchland im
allgemeinen und den Manöverbetrieb im beſonderen entrollt ſich vor
unſeren Augen. Der Korpskommandant, der gern den Zylinder haben
möchte, und zum Erſchrecken patzt (ein köſtliches Kabinettſtückchen
Jun=
kermanns), der leichtſinnige, verſchuldete Nittmeiſter, der aus Wien nach
der Provinz ſtrafverſetzt wird, ſich ſcheiden laſſen ſoll und dennoch die
kriegt, die er eigentlich ſchon hat. (Harry Liedtkes publikumſicherer
Schwerenöter, die für freie Liebe ſchwärmende charmante Bildhauerin
(Olga Tſchechowa wird nach Coué von Tag zu Tag reiz= und
könneng=
voller), der bärbeißige Korpskommandant, der dann doch den Blödſinn
des faden Erzherzogs (Robert Valberg, decken muß (Roda Roda
höchſt=
perſönlich, der luſtige Offiziersburſche (Geza Weiß), das verliebte
Wiener Komteſſerl (Maria Minzenti) — ſie alle ſind alterprobte
Luſt=
ſpiel= und Witzblattfiguren. — Der zweite Schlager. Das rollende
Haus‟. Ein luſtiger amerikaniſcher Abenteuverfilm von
Eiſenbahn=
zügen, Flugzeugen, Detektiven, deſſen kunterbunte Ereigniſſe und
Sen=
ſationen, die flotte Regie, das reizend burſchikoſe Spiel der
Hauptdar=
ſtellerin Sally ONeill, und der Schmiß der anderen Darſteller, zu einer
ungeahnten Höhe fröhlicher Stimmung reizen.
— Reſidenz=Theater am Weißen Turm. An dieſer Stelle
ſei kurz darauf hingewieſen, daß es der Leitung des Reſidenz=Theaters
gelungen iſt, den neueſten Pat= und Patachon=Film, der erſt jetzt
heraus=
gekommen iſt, noch vor Weihnachten auf den Spielplan zu bringen.
Es erübrigt ſich wohl, hier eingehender den Film zu ſchildern, denn
die große Anzahl von Liebhabern im Publikum und auch die Jugend
wird es nicht verſäumen, den beiden populärſien Komikern im der
Film=
produktion einen Beſuch abzuſtatten. Wir vematen dahen nur den Litel
des Programms, der diesmal „Bankhaus Pat nud Patachon” heißt,
und verweiſen im übrigen auf gie heutige Anzeige im Reklameteil des
Darmſtädter Tagblatts. Der hübſche Rheinfilm (von Mainz bis Koblenz)
im Beiprogramm wird wegen der vielſeitigen Nachfragen noch einige
Tage auf dem Spielplan bleiben.
Raffee
käglich frisch gebrannt
in anerkannt vorzüglicher Qualita
M. W. Prassel
Schulstr. 10 (14115a) Telephon 71
*Die Geſchichie der chineſiſchen Kultur und
ihre zufunftige Geſialtung.
Die Chineſiſche Studentenſchaft an der Hochſchule und
der Ausſchuß der Deutſchen Studentenſchaft an der
Techniſchen Hochſchule Darmſtadt hatten auf geſtern abend zu einem
Vor=
trag über die Geſchichte der chinoſiſchen Kultur und ihre zukünftige
Ge=
ſtaltung eingeladen. Herr Profeſſor Dr. Richard Wilhelm vom
Ching=Inſtitut der Unwerſität Frankfurt a. M., der ſelbſt 25 Jahre im
Chima gelebt hat, gilt nicht nur in Deutſchland als einer der beſten
Kenner chineſiſcher Kulvr und Geſchichte, ſondern wird, wie Herr
Djang als Vortreter der cineſiſchen Studentenſchaft in ſeiner
Be=
grüßungsanſprache betonte, auch in China ſelbſt als einer der beſten
Kenner der Landesgeſchichte and der Landesſitten angeſehen. Herr
Djang führte Profeſſor Dr. Wilhelm weiterhin mit herzlichen, beifällig
aufgenommenen Worten ein. Eine überraſchend zahlreiche Zuhörerſchaft
folgte in der ſchönen Otto=Berndt=Halle mit reger Aufmerkſamkeit dem
Vortragenden, der etwa folgendes ausführte: „Die chineſiſche Kultur iſt
die einzige der alten Menſchheitskulturen, die heute noch fortlebt. Das
iſt das eine Beſondere an ihr, das andere, daß in der chineſiſchen
Geſchichte nichts verloren gegangen iſt. China hat ſich ſchon in alter
Zeit auf ſeine Kultur befonnen, ſchon Konfucius ſchrieb unter dem Titel
„Frühling und Herbſt” eine organiſch aufgefaßte Kulturgeſchichte. Das
Bild Chinas wird für uns viel lebendiger, wenn wir den Ryythmus des
Kulturgeſchehens verfolgen. Ein Beiſpiel, wie mehr als einmal das,
was in China geſchah, von Bedeutung war für die Welt. Die große
Mauer, die den Einfall der Hunnen abdämmte, war ſo der Anlaß zu
einer Völkerbewegung, als deren letzte Auswirkung die
Völkerwande=
rung anzuſehen iſt. In älteſter Zeit haben die Leute in China ihre
Mutter gekannt, aber nicht ahren Vater. Auch andere
Ueberliefe=
rungen, die Erbfolge, überkommene Kinder weiſen auf das
Vorhanden=
ſein einer matriarchaliſchen Kultur hin. Die Religion dieſer erſten
Kulturſtufe iſt aſtronomiſch eingeſtellt. Dieſe Religion hat einen ſehr
hohen Begriff von der Guttheit, die als ruhender Pol in der
Erſchei=
nungen Flucht im Pole des Nordens gedacht iſt. Auch hier in Chinx iſt
der Prieſterkönig der Hümmelsſohn, der in Fällen der Not zwar ſich
nicht mehr ſelbſt zum Opfer bringt, aber die Opferungen ſelbſt
vor=
nimmt. Hier ſehen wir Anklänge an afrikaniſche Kulturen. Die erſten
Spuren einer neuen Kultur bringt ehr Stamm, der mit der Kultur des
Ackerbaues dem Menſchen die Ehrfunht ins Herz pflanzte. In dieſer
Zeit wurde auch der Ahnendienſt geſchaffen, ein Band, das die
Menſchen, die in der Zeit leben, über die Zeit erhebt. Das
Familien=
bewußtſein bekommt auf dieſe Weiſe etwas in die Ferne Schauendes,
das Individnum wird nur ein Teil der über die Zeit hinwegreichenden
Familie. Das ſo langſam und allmählich aus dem Matriarchat ſich
bil=
dende Patriarchat hat das erſtere nicht ganz verloren gehen laſſen.
Die chineſiſche Hausmutter, die matrona, hat innerhalb des Hauſes noch
eine ſtarke Stellung, ſo beim Ahnenopfer, im Gegenſatz zu Japan, wo
die Frau eigentlich nur die Pflicht hat, lieblich zu ſein. Solche
Kultur=
unterſchiede finden wir trotz der räumlichen Nachbarlichkeit. — In
China folgte auf die Bewegung Oſt=Weſt die Bewegung Nord=
Süd, den beiden großen Flüſſen, ihrer Bedeutung für Verkehr und
Fruchtanbau folgend. Im Norden baut man nur Weizen, iſt konſervativ,
im Süden iſt man lebhafter. Unterſchiede wie zwiſchen Norden und
Süden unſeres Vaterlandes. Konfucius ſchuf das Syſtem der
geſell=
ſchaftlichen Unterſchiede, aber nur der gleitenden Unterſchiede, ſo
die fünf Stufen „Vater und Sohn”, „Mann und Frau”, „älterer
Bru=
der und jüngerer Bruder”, „Fürſt und Untertan”, „Freund und Feind”.
Im Gegenſatz hierzu ſehen wir in Indien die erſtarrten Formen der
verſchiedenen Kaſten. China blieb China, es blieb in ſich geſchloſſen, iſt
ſich der Hoheit ſeines Kulturgebietes bewußt, Klaſſenunterſchiede treten
vor dieſem Bewußtſein zurück. Der Chineſe iſt immer in erſter Linie
Chineſe. Einige Streiflichter mögen zeigen, wie die chineſiſche Kultur
immer wieder behauptet wurde, wenn ſie in Gefahr war, unterzugehen.
Als zwiſchen China und dem römiſchen Roſich die Fäden hin= und
her=
geſponnen wurden, wurde das ganze chineſiſche Leben belebt, die ruhige
Klarheit der Klaſſik abgelöſt durch die Phantaſtik der Romantik. In
die=
ſer Zeit wurde aber auch das Inſtrument der ſtaatlichen Macht geſchaffen,
Selbſtverwaltung ſoweit wie möglich, Einheit in den großen Fragen.
Den erſten neuen Ginfluß brachte der Boddhismus, deſſen eine Nichtung
damals in Weſtaſien=Europa ſich zuſammenfand, wie die Idee des
drei=
einigen Gottes, der ſeinen Sohn auf die Erde ſendet, um der leidenden
Menſchheit zu helfen. Dieſe Einflüſſe machten die chineſiſche Kultur weich
und fein. Aus dieſer Zeit, der Thang=Zeit, ſtammt jene herrliche
Pla=
ſtik, die helleniſche Formen mit chineſiſchem Geiſt erfüllt. Heute hat
die chineſiſche Kultur eine neue Aufgabe, vielleicht die ſchwierigſte, die
ſie je zu bewältigen hatte. Sie hat ſich mit Europa auseinanderzuſetzen,
micht mit der europäiſchen Kultur, ſondern zuerſt mit der europäiſchen
Technik. Ueber dieſe Kriſis iſt China hinweggekommen, nachdem es
eingeſehen hat, daß mit einer reinen Abſchließung es nicht getan war.
Jetzt erleben wir die letzten Zuckungen dieſer Kriſis. Das Gerede von
dem Bolſchewismus in China iſt auf England zurückzuführen, das
es ja immer verſtanden hat, ſeine Gegner zu verdächtigen. Der heroiſche
Geiſt einer gefaßten, ſicheren Art wird China über die Kriſis der
Jetzt=
zeit hinfortführen. Wie wird die zukünftige Kultur in China
geſtaltet ſein?. Es kann jetzt nur noch Menſchheitskulturen geben, die
die Brücke ſchlagen von Volk zu Volk, von Erdteil zu Erdteil. Die
Zeit der Abgeſchloſſenheit iſt geweſen, in der einſt allein eine Kultur
werden konnte. Dabei kann keine Rede davon ſei, daß die Kultur der
Zukunft die eines verſchwommenen Kosmopolitismus ſein wird, ſondern
die künftige Menſchheitskultur wird ſich aus einer Vielheit gegeneinander
ſcharf abgegrenzter individueller Kulturen zuſammenſetzen.”
An den Vortrag ſchloß ſich eine ganze Reihe vorzüglicher Lichtbilder
an, die der Vortragende kurz erläuterte. Es waren Bilder vom
Grab=
mal des Konfueius, der als älteſter Adel ſeinen Stammbaum bis 2000
Jahre vor Chriſti Geburt zurückführt, von Kriegswagen und Tänzen,
herrlichen Vaſen und Schalen aus Bronze, Metallſpiegeln und
reli=
giöſen Statuen. Die Statuen der Mhing=Dynaſtie wurden im Bilde
gezeigt, die ruhigen Pagoden des Nordens und die lebhaſten,
geſchweif=
ten des Südens, hochgewölbte marmorne Brücken, unter denen beladene
Boote die Straße des Verkehrs ziehen, und prächtige Tempelbauten auf
hochragenden Gipfeln. — Den feſſelnden, klaren, von hoher Warte
ge=
ſchauten Gedanken folgte herzlichſter Beifall. Herr Paſche, der
1. Vorſitzende der Darmſtädter Studentenſchaft, knüpfte an die Tatſache
an, daß das Dogma des Klaſſenkampfes in China keme Rolle ſpiele, und
verband damit die Hoffnung, daß auch im unſerer Heimat der
Gegen=
ſatz der Klaſſen einmal ſeine Bedeutug verlieren möge. Im übrigen
dankte Herr Paſche Herrn Prof. Dr. Wilhelm für den wertvollen Abend,
der als erſter gemeinſam mit ausländiſchen Studenten zuſammen
veran=
ſtaltet ſei, und drückte die Freude der Studentenſchaft darüber aus, daß
Profeſſorenſchaf= und Bürgerſchaft ſo zahlreich der Einladung Folge
geleiſtet hätten.
H. W. 11.
Berufskundliche Vorträge. Zu dem Bericht über den Vortrag „
Be=
deutung der pſychotachniſchen Eignungsprüfung bei der Berufsberatung”
werden wir erſucht, richtigzuſtellen, daß der Vortragende ausgeführt
hat, „der pfhchologiſche Befund ſoll bezüglich der Berufseignung das
Schulzeugnis ergänzen” (nicht Kontrolle).
Tischdecken
Gardinen
Bettvorlagen
Weisswaren Bettwäsche
Biwandecken
Selden -
Boureite-
decken in viel. Größen
1.95, 1.45, 0.85, 0,65, 0.55 0.40
Kochel- Tischdecken
4.50, 3.95, 3.50, 2.50,
Fischdecken
Perserart und Gobelin
12.50, 11.50, 9.50, 8.50
Kaffeedecken
450, 3.50, 2 95
Diwandecken
1
24.50, 19.50, 16.50, 12.50
Beitvorlagen, kräft.
Oualität, 2.25, 1.50, 1.20,
Bettvorlagen,
Tape-
stry u. Velour 7.95, 6.95,
Bettvorlagen, Bouclé
und Velonr 11.50, 9.50, (.10
Bettvorlagen
Ia Axminster und
Woll-
perser . . 13.50, 11.50,
Felle
schöne Stücke 11.50, 9.75,
1.10
Stores
1.95, 1.45, 0.95, 0.00
Stores, häbsche
Sachen, 5.50, 4.50, 3.50, B.00
Stores, teils mit
Filet, teils mit schönen
Einsätzen . . 7.50, 6.50, 4.30
Madras-
Karnituren
prachtvolle Muster
9.50, 6.95, 4.95, 9.00
Bettdamaste
130 und 160 cm breit
2.95, 2.25, 1.65, 1.10
Bettuchstoffe- gute
(Qualit, 225, 1.85, 1.45, 1.I7
Handtücher
0.65,
, 0.48, 0.32
Hemdentuche
35, 0.44
1.00
0.95. 0.75,
Croisé-Finette
110, 0.95, 0.75,
Kissenbezüge
aus solid. Kretonne, 1.10, U.00
Kissenbezüge
gebogt, gute Onal, 1.55, 1.00
Kissenbezilge, gebogt
od. Einsätze, 2.25, 1.95, I.
Kissen bezüge
bestickt od. Einsätze, 3.50, G.d0
Paradekissen
sehr schön.
5.50, 0.10
(18570)
BALLTAdOL NAALIAOO AAPlOIA
Barmstadt
[ ← ][ ][ → ]Seite 6
Stadtverordnetenberſammlung.
Die Sitzung wird um 5 Uhr 5 Minuten vom Herm
Oberbürger=
meiſter eröffnet. Der Zuhörerraum iſt überfüllt.
1. Zuſchuß zu den Koſten der Alicc=Elconorenſchule für 1925.
Die Angelegenheit hat mittlerweile auch den Schulausſchurß
be=
ſchäftigt. Der Antrag der Verwaltung geht dahin: 1. auf Bewilligung
des für 1925 erforderlichen Betrages von 8214,04 Mk., 2. auf
Weiter=
bewilligung eines Beitrages entſprechend dem Vorgehen des Staates
unter der Bedingung der Mitwirkung der Stadtverwaltung im
Schul=
vorſtand, der Vorlage des Voranſchlages und der Rechnung, ſowie der
Freiſtellengefuche uſw. zur Prüfung und Genehmigung.
Stadtv. Dr. Nöllner erſtattet Bericht; die Abſicht gehe dahin, den
Verein zu erhalten. Die Sozialdemokratiſche Partei enthält ſich der
Abſtimmung, weil der Schulvorſtand noch nicht gebildet iſt. Eine
der=
artige Schule müſſe in die öffentliche Hand übergeführt werden, wie
Stadtv. Friedrich namens der Partei erklärt. Die Anträge
werden angenommen.
2. Aenderung der Verzugszuſchläge für rückſtändige Steuergefälle.
Seither wurden für rückſtändige Steuergefälle Verzugszuſchläge in
Höhe von ½ Prozent für jeden angefangenen Monat erhoben. Vom
1. Dez. ab ſollen 10 Prozent Verzugszinſen jährlich anſtelle ſeitheriger
Verzugszuſchläge arhoben werden. Dem wird zugeſtimmt.
3. Herſtellung des Platzes vor dem Löwentor.
Mit der Haus= und Vermögensverwaltung wurde vereinbart, daß
das in den freien Platz vor dem Löwentor am Eingang der Roſenhöhe
fallende Gelände unenfgeltlich an die Stadt abgetreten wird und letztere
die Koſten für die Anlegung des Platzes und die Errichtung einer
Ein=
friedigung auf der Nordoſtecke desſelben übernimmt. Der Vereinbarung
wird zugeſtimmt.
4. Herſtellung des Frauenbades im Woog.
Das Frauenbad im Woog iſt baufällig und kann uicht
mehr belafſen werden. Dns Bad ſoll mit einem Koſtenaufwand von
60000 M. neu hergeſtellt und die Badeanſtalt außerhalb des
Waſſer=
ſpiegels errichtet werden, ſo daß letzterer vollſtändig freigelegt wird.
Die Verſammlung ſtimmt ohne Debatte zu.
5. Erlaß einer neuen Meldeordnung.
Gegen den vorgelegten Entwurf einer neuen Meldeordnung hat
der Rechtsausſchuß keine Einwendungen erhoben. Es wird zugeſtimmt.
6. Antrag der Gaſtwirteinnung Heſſen auf Verlängerung
der Frierabendſtunde.
Die Gaſtwirteinnung Heſſen iſt beim Innenminiſter wegen
Verlängerung der Polizeiſtunde bis 1 Uhr nachts vorſtellig
geworden. Sozialpolitiſcher Ausſchuß, Verkehrsausſchuß und die
Wirt=
ſchaftsdeputation haben ſich mit dem vom Miniſterium zur
Stellung=
nahme üiberſandten Antrag beſchäftigt; Beſchlüſſe wurden nicht gefaßt,
da die Anſichten nicht einheitlich waren. Es wurde der Antrag geſtellt,
an das Innenminiſterium wegen allgemeiner Regelung der
Feierabendſtunde für das ganze Land heranzutreten,
wobei die verſchiedenen Verhältniſſe zwiſchen Stadt und Land
berück=
ſichtigt werden ſollen. Zu den Verhandlungen mit dem Miniſterium
ſollen auch die Vertreter der Arbeitgeber= und Arbeitnehmerverbände
des Gaſtwirtsgewerbes eingeladen werden. Die Beſchlußfaſſung üiber
die Anträge ſoll erſt im Plenum nach Beſprechung in den Fraktionen
herbeigeführt werden. (Wir verweiſen auf den bezüglichen Artikel in
der geſtrigen Nummer.)
Bürgermeiſter Mueller erſtattet Bericht. Die Polizei ſolle nicht
beſtimmen, wann der Einzelne nach Hauſe zu gehen habe. Der
Schutz=
mann komme dadurch in eine ganz ſchiefe Stellung. Daraus entſtinden
Beamtenbeleidigungsprozeſſe. Man ſolle zum Zuſtand der
Vorkriegs=
zeit wieder zurückkehren im Intereſſe des Verkehrs und der
Wieder=
belebung von Handel und Wandel. Stadtv Schnauber gibt einen
hiſtoriſchen Rückblick über die Feierabendſtunde. Eine aufblühende Stadt
wie die Stadt Darmſtadt wolle doch Tagungen hierherziehen. Eine
Be=
vormundung durch die Polizei ſei unſtatthaft. Die Feierabendſtunde
möge aufgehoben werden. Stadtv. Wesp erinnert an den Erlaß der
Biſchöfe, der ſich gegen jede Verlängerung der Polizeiſtunde ausſpreche,
auch das Zentrum teile dieſen Standpunkt. Die Angeſtellten des
Gaſt=
wirtegewerbes in Darmſtadt verwerfen dieſe Verlängerung aus Gründen
ihrer Geſundheit. Stadtv Hütſch fragt wie viele Gaſtwirte denn
dieſe Verlängerung wüinſchten? Er habe herumgefragt und keinen Wirt
gefunden, der dafür ſei. Der Deutſche habe heute ſeinen Schlaf in der
Nachkriegszeit nötig und ſolle ſich um die Familie kümmern. Nach
12 Uhr brauche niemand im Wirtshauſe zu ſitzen. Ohne Zwang ſei hier
nicht auszukommen. Stodtv. Frau Balſer vertritt den Standpunkt
der Frauenvereine und tritt namens der demokratiſchen Fraktion gegen
eine Verlängerung der Polizeiſtunde ein. Die Abſtimmng ergibt, daß
die Verſammlung es bei dem ſeitherigen Zuſtand belaſſen
zu ſehen wünſcht.
7. Kunſtausſtellungen 1927.
Stadtv. Hütſch will durch Entſendung von Stadtverordneten in
den Ausſtellungsausſchuß den Einblick in den Betrieb gewahrt ſehen.
Dieſer Anregung ſoll Folge geleiſtet werden.
8. Ergänzung verſchiedener Deputationen und Ausſchüffe.
Durch den Tod des Stadtv. Niemann ſind verſchiedene
Depu=
tationen und Ausſchüiſſe zu ergänzen. Den bezüglichen Vorſchlägen des
Ausſchuſſes wird zugeſtimmt.
9. Einmalige Beihilfe an die Beamten, Arbeiter, Erwerbsloſen,
Unterſtützungsempfänger uſw.
Der Finanzausſchuß hat bezüglich der Beamten beſchloſſen, die
Bei=
hilfe in gleichem Umfange und nach den gleichon Grundſätzen wie das
Reich zu gewähren. B=züglich der Arbeiterſchaft wurde von dem
Be=
ſchluſſe des Rhein=Mainiſchen Bezirksarbeitgeberverbandes, demzufolge
es den Verbandsmitgliedern freigeſtellt wird, allen ſtädtiſchen Arbeitern /
eine einmalige Beihilfe bis zur Höhe von 20 Mark für Ledige, 25 Mk.
für Verheiratete und 5 Mark ſür jedes Kind zu gewähren.
Arbeite=
rinnen erhalten drei Viertel dieſer Bezüge, die Ruhe= und
Witwengeld=
empfänger ein Viertel der Dezemberbezüge. Der Finanzausſchuß hat
beſchloſſen, die Bewilligung dieſer Beihilfen an die Arbeiterſchaft zu
Freitag, den 17. Dezember 1926
befürworten. Der Gewährung der Beihilfe an die
Er=
werbsloſen, Sozial= und Kleinrentner ſowie die
übrigen Wohlfahrtsunterſtützungsempfänger wurde der Vorlage der
Verwaltung entſprechend zugeſtimmt.
Stadtv. Krug referiert. Stadtv. Reibold winſcht, daß
Winter=
beihilfe (und zwar mit 100 Mark) nur den Gruppen 1—7 der
Beamten=
ſchaft zuteil würde, die höheren Gruppen bedürften keines ſolchen
Zu=
ſchuſſes. Die ſtädtiſchen Arbeiter wünſchten einen Zuſchuß von 70 Mk.
Stadtv. Leuſchner meint, dieſe Beihilfen für Weihnachten müßten
niederdrückend wirken. Die Sozialdemokratiſche Partei könne ſich damit
nicht einverſtanden erklären. Die Beamten hätten Schulden bei den
Geſchäftsleuten und wüirden im Januar in die gleichen Verhältniſſe
zurückſinken wie im November und Dezember. Die Unterſchiede in den
Gehaltsſtufen ſeien zu groß. Ein Beamter in der Gruppe 12 erhalte
monatlich 840 Mk., er erhalte die gleiche Beihilfe wie der Beamte, der
monatlich 150 Mk. Gehalt beziehe. Den kleinen Beamten könne man
viel helfen, wenn man über dieſe Sätze hinausgehe. Als Gehaltsgrenze
ſollten 3900 Mk. genommen werden, über die nicht hinausgegangen
werden dürfe. Der Eventunlantrag, den Stadtv. Leuſchner ſtellt, geht
dahin, nicht über die Landesſätze hinauszugehen. Die
Beamten=
ſchaft könne nicht unterſchiedlich von der Arbeiterſchaft behandelt werden.
Warum wolle man die Frauen ſchlechter ſtellen? Die Frauen mit
eigenem Haushalt wüßten doch den Männern gleichgeſtellt
werden. Auch die Penſionäre und die Witwen ſollten mindeſtens 25
Mark erhalten. Der Arbeiter und der kleine Beamte ſeien
außer=
ordentlich ſchlecht geſtellt, ebenſo die Erwerbsloſen. Die Verelendung
der Kreiſe der Erwerbsloſen werde von Woche zu Woche größer. Es
miſſe auch an den Teil der Arbeiter gedacht werden, der in der
In=
duſtrie nichts erhalte. Stadtv. Goſenheimer erklärt, es handele
ſich um keine Wäihnachtsbeihilfe, ſondern um eine Regulierung in der
Gehaltsregelung, es handle ſich um einen Zuſchuß zum Gehalt, der ab
1. April 1927 ſtändig gewährt werden ſolle. Ueber den Höchſtbetrag
von 80 Mark ſolle ja nicht hinausgegangen werden. Die
Stadtverwal=
tung müfſe ſich an die Regeln des Reichs halten. Stadtv. Krug
betont gegen Stadtv. Leuſchner, daß hier keine Parteifrage zur
Ent=
ſcheidung ſtehe. Es ſolle hier dasſelbe getan werden, was das Reich
tue. Stadtv. Schneider legt dar, daß die Reichsregelung hier
maß=
gebend ſein müſſe. Die Gruppen 9—12 der Beamto erhielten infolge
der Geldentwertung nur 100 Prozent der Vorkriegsbezüge. Wer in
Beamtenhaushalte hineinzuſehen Gelegenheit habe, wiſſe, daß auch da
Not ſei. Das Geld werde dort reſtlos zu Weihnachtseinkäufen
ver=
wendet werden und komme ſo in den Kreislauf der Wirtſchaft. Stadtv.
Wesp iſt erfreut, daß die ſozialdemokratiſche Fraktion der
Stadt=
verordneten hier eine andere Stellung einnehme als ihre
Reichstags=
fraktion. In der Regelung bis zur Gruppe 12 zu gehen, halte er für
wenig glücklich, die Löſung, die Stadtv. Leuſchner vorſchlage, ſei eine
glücklichere, wie der Redner für ſeine Perſon erklärt. Stadtv.
Leuſch=
ner betont, den Begriff Winterbeihilfe könne auch Stadtv.
Goſen=
heimer nicht abſtreiten. Wegen der Heagarbeiter ſolle die
Studtverwal=
tung mit der Direktion ins Benehmen treten. Herr
Oberbürger=
meiſter kündigt eine Sitzung für nächſten Mittwoch an, in der
die endgültige Löſung erfolgen könne, nachdem ein Beſchluß für das
Land vorliege, Stadtv. Leuſchner betont, daß heute für alle
Grup=
pen (die Beamten ausgenommen) die Entſcheidung fallen müſſe.
Bürger=
meiſter Delp erachtet, daß der Finanzausſchuß durch den morgen zu
faſſenden Beſchluß die Landesregelung herbeiführen werde. Für die
Gruppen der Beamten 1—6 möge man ſich heute grundſätzlich ſüir die
Landesregelung ausſprechen. Stadtv. Goſenheimer ſtimmt der
Amregung der Verwaltung zu. Stadtv. Leuſchner erklärt, die
Sozialdemokraten könnten von ihren Anträgen nicht abgehen. Die
Vor=
ſchläge werden angenommen und damit der Antrag Delp, alles
end=
gültige Beſchlußfaſſung für nächſten Mittwoch vorbehalten.
10. Erlaß einer neuen Ortsbauſatzung und einer neuen
Bampolizei=
ordnung für die Stadt Darmſtadt.
Stadtv. Haury rügt die Handhabung der Beſtimmungen
hinſicht=
lich der Anbringung von Reklametafeln.
11. Erlaß einer Polizeiverordnung brtr. Sperrung der Straßen
in der Umgebung des Krankenhauſes.
Der Entwurf wird gutgeheißen
12. Erlaß einer Polizeiverordnung betr. die Induſtriegleisanlagen.
Auch dieſer Entwurf wird gutgeheißen.
13. Steuererläſſe in beſonderen Fällen.
Auch hier wird der Vorſchlag der Verwaltung angenommen.
Schluß der öffentlichen Sitzung um 7½ Uhr.
Tageskalender für Freitag, den 17. Dezember 1926.
Landestheater, Großes Haus, D 8. Anfang 7½ Uhr, Ende
10 Uhr: „Der Tod des Empedokles.” — Kleines Haus, nachm. 5 Uhr
und abends 8 Uhr: Scherenſchnittfilm „Die Abenteurer des Prinzen
Achmed.” — Orpheum, abends 8.15 Uhr: Dr. Juci Szabo. —
Techn. Hochſchule, Hörſaal 326, abends 7.30 Uhr:
Berufskund=
liche Vorträge. — Plattdütſche Vereenigung abends
8 30 Uhr, im Kaiſerſaal: Gorch=Fock=Abend. — Ludwig=Georgs=
Gymnaſium, abends 8 Uhr: „Die Spürhunde.” — Schloß=
Café: Konzert. — Café Rheingold: Konzert. — Perkeo:
Singſpiel=Konzerte. — Hotel Schmitz: Unterhaltungsmuſik. —
Span. Bodega: Konzert. — Weinhaus Weißer Turm:
Konzert. — Kinovorſtellungen: Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=Lichtſpiele. — Frankfurt a. M., Feſthalle, abends 7.30 Uhr:
Sarraſanis Zirkus=Feſtſpiele.
Gottesdienſt der iſraelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße).
Freitag, den 17. Dez Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min,
Samstag, den 18. Dez. Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min.
Sabbatausgang 5 Uhr 15 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 7 Uhr 30 Min.
Abends 6 Uhr 00 Min.
Gebetszeiten in der Synagoge der iſrgel, Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 18. Dez. Vorabend 4 Uhr. — Morgens 8 Uhr. —
Nachm. 4 Uhr. — Sabbatausgang 5 Uhr 15 Min.
Wo hengottesdienſt: orgens 7 Uhr 10 Min. — Abends 4 Uhr
Nummer 349
*Bezirksſchöffengericht.
Eine größere Strafſache beſchäftigt das Gericht. Verhandelt wird
gegen den Bautechniker und ſpäteren Kaufmann Joh. Ph. Schroth
und deſſen Ehefrau Elfriede Schroth, beide in Dieburg.
Die Ehefrau war Inhaberin eines kaufmänniſchen Geſchäfts, das in
Konkurs geriet. Neben einem Ladengeſchäft betrieb Ehemann Schroth
ein Hauſiergeſchäft in Wäſcheartikeln und erklärt, daß er an Hauſierern
viel Geld verloren habe. Die damaligen Gläbuiger konnten nicht alle
befriedigt werden. Um wieder in die Höhe zu kommen, wurde das
Ge=
ſchäft auf d.n Namen der Ehefrau umgeſtellt. Die Anklage legt num
der Ehefrau zur Laft, in den Jahren 1925 und 1926 eine Reihe von
Gläubigern unter Vorſpiegelung ihrer Zahlungsfähigkeit und
Zahlungs=
willigkeit durch Beſtellung von Waren und Begebung von Wechſeln
ge=
ſchädigt zu haben. Mit dieſer Anklage ſteht in Verbindung die weitere,
daß Elfriede Schroth als Schuldn in, die ihre Zahlungen eingeſtellt
hatte, noch Waren auf Kredit entnommen, Verwandte (Mutter und
Schwager) und Frankfurter Gläubiger durch Sicherungsübereignung
vor den übrigen Gläubigern begünſtigt habe. Der Ehemann ſoll.
zu dieſen Straftaten Beihilfe geleiſtet haben. Im Herbſt 1925 (dem
zweiten Geſchäftsjahr) ſetzte eine wirtſchaftliche Kriſis ein, die auch das
Schrothſche Geſchäft in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Insb ſondere
kam eine Frankfurter Firma, die Schroth nach ſeinor Angabe die
Pro=
longation gegebener Wechſel zugeſagt hatte, unter Geſchäftsaufſicht und
verlangte Zahlung der Wechſel. Auch hatte das Schrothſche Geſchaft noch
viele Sommerware unverkauft daſitzen. Schroth wollte nunmehr das
Verſandtgeſchäft beſonders bemeiben. Eine Aufnahme der
Waren=
beſtände ergab noch etwa einen Wert von 12000 Mark. Der Laden, ſo
gibt Schroth an, habe ſich nicht mehr rentiert, zudem ſei die
Arbeits=
loſigkeit immer ſchlimmer geworden. Das Ladengeſchäft wurde auf
Oſtern 1926 aufgegeben. Mitte März 1926 ſah Schroth ſeine
Zahlungs=
unfähigkeit ein und ſchrieb nach Oſtern ſeinen Gläubigern, denen ev
die Lage offenbarte. Er behauptet, damals ſei die Textilware erheblich
im Preiſe zurückgegangen. Zu teuer eingekaufte Ware will Schroth dann
unter dem Einkaufspreiſe losgeſchlagen haben. Den Grlös habe er
auf die Bank getragen, um Wechſelſchulden zu decken. Um Konkurs
eröffnen zu laſſen, fehlte es an verfügbarer Maſſe, ſo daß Schroth
ſeinen Gläubigern ſchrieb, ſie möchten ihre Guthaben nur ausklagen,
um ſich ein vollſtreckbares Urteil gegen ihn zu verſchaffen. Das Geſchäft
war handelsgerichtlich eingetragen, auch gibt Schroth an, die Ehefrau
habe ſich mit dem Geſchäftsbetrieb nicht eigentlich befaßt. (Die Eheleute
hatten im März 1923 geheiratet.) Die erſte Pfändung kam nach Oſtern
1926. Die Füihrung des Geſchäfts auf den Namen der Frau betrachtete
auch dieſe als Formſache, zudem verſtand ſie auch vom Geſchäfte ſelbſt
nichts. Die Frau verſuchte dann von ihrer Mutter Geld zu bekommen
und letztere übergab der Bank Schmuck zur Sicherheit. Der Schmuck
wurde dann bei der Bank von der Mutter ausgelöſt. Die Mutter löſte
auch die der Bank übereigneten Möbel ein, um ſie vor der drohenden
Verſteigerung zu retten. In der Folge wurde Konkurs gröffnet, der
heute noch ſchwebt. (Schroth Ehemann war vom 10. Juli bis 29.
Novem=
ber 1926 in Unterſuchungshaft.) Als das Geſchäft begann, ohne eigenes
Betriebskapital mit der Bank zu arbeiten, verlangte die Bank nach
Angabe der Ehefrau Schroth die Uebereignung der Möbel, die im
Oktober 1925 erfolgte. Die Bank, ſo erklärt die Ehefrau, habe erklärt,
das überzogene Konto ſolle von heute auf morgen abgedeckt werden.
Das war der Zeitpunkt, als die Mutter der Eheſrau Schroth der Tochter
ihren Schmuck gab, um ſolchen bei der Bank zu hinterlegen. (Der
Kon=
kurs iſt erſt im Juli 1926 gerichtsſeitig eröffnet worden.) Die Bank,
um die es ſich handelte, iſt der Mitteldeutſche Bankverein, A.=G. in
Die=
burg, die der Frau Schroth zunächſt ein Kontokorientkonto eröffnete und
dann gegen Möbelübereignung Kredit gewährte. Unter anderem
Mobi=
lar wurde auch ein Auto der Bank übereignet.
Noch am 22. Februar und vor Mitte März 1926 kaufte Schroth bei
einer Frankfurter Firma Waren auf Kredit in recht erheblichem Betrage
und gab damals ſofort Akzepte, die von der Verkäuferin weitergegeben
wurden. Bei der Beſtellung Mitte März gab Schroth ein Akzept auf
Oſtern 1926, das nicht bei Verfall eingelöſt wurde. Der Schaden, den
die Firma erlitten hat, beträgt über 2000 Mark. Kurz nach Mitte
März 1926 hörte die Inhaberin der Frankfurter Firma, daß der
Schroth=
ſche Laden geſchloſſen war. Aus der Beweisaufnahme geht hervor,
daß ein Ende 1925 fälliger Wechſel prolongiert werden ſollte, weshalb
die Lieferfirma Sicherung durch Wavenübereignung begehrte und auch
erhielt. Aufſehen und Unwillen erregte es in Dieburg, daß Schroth
ſich ein Auto hielt, das er zu Erwerbszwecken gebrauchen wollte.
Der Staatsanwalt betont, daß Schroth ohne Betriebskapital arbeitete,
daß es aber immer weiter bergab ging, daß Schroth von der Hand in
den Mund lebte. Ende 1925 habe Schroth die Zahlungen eingeſtellt
gehabt. Dazu traten Verſchleuderungen der Waren.
Der Staatsanwalt billigt mildernde Umſtände zu, die Ehefrau ſei
das Opfer des Ehemanns geworden; gegen den Ehemann Schroth
wird eine Geſamtgefängnisſtrafe von 10 Monaten, gegen die Ehefrau
eine Geldſtrafe von zuſammen 400 Mark beantragt. Das Urteil
erkennt gegen die Ehefrau Schroth wegen
Verfeh=
lung gegen 8 241 der Konkursordnung auf 200 Mk.
Geldſtrafe, gegen den Ehemann wegen Betrugs auf 4 Monate
Gefängnis, die durch die Unterſuchungshaft verbüßt ſind, wegen
Beihilfe zum Konkursvergehen erhält der Ehemann 200 Mark
Geld=
ſtrafe. Im übrigen iſt Freiſprechung erfolgt.
Tagesordnung zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Prov.
Starkenburg, am Samstag, den 18. Dezember, vormittags 9 Uhr.
1. Berufung des Mathäus Kempf 4. zu Viernheim gegen die
Entſchei=
dung des Kreisausſchuſſes Heppenheim vom 18. 6. 1926 wegen
Ver=
ſagung der Erlaubnis zum Betrieb einer Gaſtwirtſchaft mit
Brannt=
weinausſchank im Hauſe Rathnusſtraße 21. 2. Berufung der Karl
Philipp Schmunk Witwe zu Lützelbach gegen das Urteil des
Kreis=
ausſchuſſes Dieburg vom 2. September 1926 wegen Entziehung des
Ortsbürgernutzens in Meßbach. 3. Geſuch des Johann Heinrich Schmitt
zu Bensheim a. d. B. um Erlaubnis zum Ausſchank von Wein und
Spirituoſen in ſeiner Kaffeewirtſchaft Hauptſtraße 94.
Verwaltungsgerichtshof, Zeughausſtraße 2. Oeffentliche Sitzung
am Samstag, den 18. Dezember 1926: 1. Vorm. 9½ Uhr: Antrag des
Kreisamts Mainz auf Entziehung der dem Joſef Schmitz in Mainz. Alte
Univerſitätsſtraße 7, erteilten Schankerlaubnis. 2. Vorm. 10½ Uhr:
Einwendungen gegen die Bürgermeiſterwahl in Bönſtadt, Kr. Friedberg.
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Seite 8
Freitag, den 17. Dezember 1926
Nummer 349
Aus Heffen.
* Arheilgen, 15. Dez. Sowohl das Kirchenkonzert, veranſtaltet von
einer Anzahl Darmſtädter Soliſten, als auch das Konzert des
Städti=
ſchen Orceſters aus Darmſtadt unter Leitung des Herin
Obermuſik=
meiſters Hauske im „Gaſthauſe zum goldenen Löw.n” hatten recht
ſchwa=
chen Beſuch aufzuweiſen. Es mag dies wohl in der mangelhaften
Re=
klame ſeinen Grund haben. Trotzdem beabſichtigt Herr Hauske, am
2. Januar neuerdings mit einem aus rwählten Programm ein Konzert
hier zu veranſtalten. Da man hier ſonſt künſtleriſchen Darbietungen
viol Verſtändnis entgegenbringt, hofft man, daß beim wiederholten
Auf=
treten des Sädtiſchen Orcheſters die Zuhörerſchar eine größere iſt. Was
in anderen Orten möglich iſt, muß auch hier ausgeführt werden können.
— Dr Arbeiter=Turn= und Sportverein veranſtaltet am
nächſt.n Sonntag nachmittag für ſoine Jugend, d. h. die ſchupflichtigen
Zöglinge, eine Weihnachtsfeier” im „Gaſthauſe zum goldenen
Löwen”, während am Abend eine Feier für die Erwachſenen mit einem
auserwählten Programm ſtattfindet.
* Eberſtadt, 15. Dez. Schauturnen. Der hieſige Turnverein
1876 hielt am Sonntag nachmittag vor zahlreichen Anweſenden im Saal
ſeines Vereinslokals (Zur Eiſenbahn) eine geſonderte Weihnachtsfeier
der Knaben= und Mädchenabteilung ab. Oberturnwart Heß beguäßte
im Namen des Vereins die Anweſenden. Ungefähr 80 Knaben und
Mädchen zeigten dann bei einem abwechſlungsreichen Programm ihr
Können im verſchieden.n Uebungen, bei Freiübungen, Reigen aller Art,
Geräteturnen uſw. Die einzelnen Vorführungen fanden den Beifall des
Publikums. Zum Schluß fand in ſinnreicher Weiſe eine Beſcherung der
kleinen Mitwirkenden ſtatt, die unter andenem mit einer Turnnadel
ausgezeichnet wurden.
* Eberſtadt, 16. Dez. Für Verlegung des Faſelſtalles. Schon
lange iſt die Frage der Verlegung des Faſelſtalles im Gange. Der auf dem
Schloßplatz im Südteil des Ortes gelegene Faſelſtall liegt nämlich
in=
folge der Ausdehnung des Ordes und des angewachſenen Verkehrs ſo
un=
günſtig, daß die Verlegung des Faſelſtalles ein dringendes Gebot dr
Stunde iſt. Bſonders die Nachbarſchaft empfindet aus leicht
begreif=
lichen Gründen die Nähe d.s Faſelſtalles ſehr mißlich. Nachdem mehu re
Eingaben bei der zuſtändigen örtlichen Stelle und beim Kreiſe ohne
Erfolg geblieben ſind, hat nunmehr die in der Nachbarſchaft des
Schloß=
platzs wohnende Einwohnerſchaft ein dringend.s Geſuch um Verlogung
des Faſelſtalles an das heſſiſche Miniſterium des Innern gerichtet. —
Die Wirtſchaft zum „Ludwigsturm” in der Alten
Darm=
ſtädter Straße wird in den nächſten Tagen, nachdem die
Konzeſſions=
fragen nach langem Hin und Her erledigt ſind, wieder eröffnet werden
und zwar von Valentin Krämer.
* Eberſtadt, 15. Dez. Unfall beim Sport. Beim Trainieren
erlitt ein hieſiger Fußballſpieler eine ſo ſchwere Beinverletzung, daß
er ins Krankenhaus nach Darmſtadt übergeführt werden mußte. —
Poſtaliſches. Am kommenden Sonntag iſt das hieſige Poſtamt
zur Annahme von Paketen, insbeſondere Weihnachtspaketen, von 9 bis
12 Uhr vormittags geöffnet. — Arbeitsmarkt. Die Zahl der
Unterſtützungsberechtigten beträgt hier zirka 420. Die Arbeitsloſigkeit
hat leider in den letzten Tagen wieder etwas zugenommen.
ch
* Pfungſtadt, 14. Dez. Der Krieger= und Militärverein,
deſſen Veranſtaltungen ſich ſtets großen Zuſpruchs erfreuen, hält am
kommenden Sonntag nachmittag im „Rheiniſchen Hof” eine
Familien=
feier ab. Mit der Feier iſt die Ehrung verdienter Mitglieder und ein
Lichtbildervortrag des Majors Krauße d’Avis aus Darmſtadt über
Kamerun verbunden.
* Pfungſtadt, 16. Dez. Der Frauenverein veranſtaltet am
Samstag und Sonntag eine Märchenaufführung. Zur Aufführung
gelangt „Der Weihnachtsmann=Doppelgänger”. — Die Bürgermeiſterei
fordert, daß bei eintretendem Glatteis und Schmeefall alle Hausbeſitzer
und Mieter Fußſteig und Straße vor der Wohnung gründlich reinigen
bzw. gut ſtreuen.
* Ober=Ramſtad., 15. Dez. Den Erwerbsloſen, Kleinrentnern,
So=
zialrentnern und ſonſtigen HilfsJedürftigen wird auch in dieſem Jahre
eine Winterbeihilfe gewährt, und zwar in vier Raten. Anſtelle von
barem Gelde werden Gutſcheine auf Artikel des täglichen Lebensbedarfs
ausgegeben, auf 1, 2 und 3 Mark lautend. Die Gutſcheine können nur
in hieſigen Geſchäften in Zahlung gegeben werden und zwar alsbald,
denn bis längſtens 31. Dezember 1926 müſſen die Geſchäftsleute mit
der Gemeindekaſſe darüber abrechnen. Nach dieſem Zeitpunkt findet eine
Einlöſung nicht mehr ſtatt, und die Säumigen hätten alsdann den
Nachteil.
* Ober=Ramſtadt 16. Dez. Anfangs dieſer Woche wurde an der
Hel=
gertsmühle, in der Richtung Nieder=Modau und Hahn, mit dem
Aus=
hub von Kabelgräben für die Erweiterung des Fernſprechnetzes
be=
gonnen, alsdann werden von der Mühle Jakob Müller in der
Noß=
dörfer Straße bis in die Bahnhofsſtraße in Roßdorf ebenfalls Kabel
verlegt. Die Arbeiten ſind einer Firma in Groß=Zimmern übertragen,
und eine Anzahl hieſiger Erwerbsloſer findet dabei vorübergehend
Be=
ſchäftigung. Mit 12 angemeldeten Neuanſchlüſſen iſt die Zahl der hier
angeſchloſſenen Hauptſtellen alsdann auf 148 geſtiegen. — Der
Rad=
fahrerverein 1293 Ober=Ramſtadt hat ſeinen Jahresball für Sonntag;
den 16. Januar n. J3., im Saalbau „Eliſenbad” (Suppes) geplant.
Hierbei werden u. a. Reigen aller Art, ſowohl Kinderreigen als auch
ſolche von älteren Fahrern vorgeführt werden. Auch auswärtige
Kunſt=
fahrer ſollen ihr Erſcheinen bereits zugeſagt haben. Der ſehr rührige
Verein wird auch damit ſeinen gewiß zahlreichen Beſuchern wieder einige
recht angenehme Stunden bieten.
* Groß=Umſtadt, 14. Dez. Das Programm für die Filmſchau des
Landwirtſchaftsamts im „Weißen Roß” am Sonntag, den 19. Dezember,
nachmittags 3 Uhr, liegt nun endgültig feſt. Es werden folgende Filme
gezeigt werden: „Warum die Düngung mit Fiſchen verſagte”; dieſer
Film ſpielt bei einer Pflanzerfamilie unter Indianern und iſt ſehr
leb=
haft und anſchaulich, dann „Der deutſche Ziegenzuchtfilm”, der erſte
ſeiner Art, der auch zum erſten Male in Heſſen läuft; in ihm ſpielt
neben der Harzer Ziegenzucht die heſſiſche Ziegenzucht eine hervorragende
Rolle. Die Ziegenzuchtvereine werden dazu beſonders eingeladen.
Außerdem werden noch einige kleinere ſehr lehrreiche Filme gezeigt:
Der künſtliche Regen”. „Ein Brandfall auf einem Gutshofe” und „Das
Geheimnis‟. Es wird ſelten noch eine Gelegenheit geben, für ſo wenig
Geld ſoviel Schönes zu ſehen. Der Eintrittspreis beträgt bekanntlich
nur 50 Pfg. — Am Sonntag, den 19. Dezember, nachmittags 1.30 Uhr,
findet auf dem Hofe des Herrn Landwirts Elßer in GroßUmſtadt die
Vorführung der wichtigſten im Gutshofe feſtſtehenden landwirtſchaftlichen
Maſchinen mit elektriſchem Antrieb ſtatt. Die Maſchine wird in
Zu=
kunft immer mehr für die Erzielung eines Reingewinns ausſchlaggebend
ſein. Es iſt daher für die kleinenen Landwirte beſonders intereſſant,
dieſer Vorführung anzuwohnen, bei der ſachverſtändige Erklärungen
gegeben werden.
* Michelſtadt, 16. Dez. Evangeliſcher Bund. Am 2.
Ja=
war wird Herr Pfarrer Nottmann von der Baſeler Miſſion an Hand
von Lichtbildern über das Miſſionswerk ſprechen. Der Vortrag findet
bei freiem Eintritt im Saale der „Drei Haſen” ſtatt. Jedoch ſind Gaben
zur Unterſtützung der guten Sache erwünſcht. Als zweite Veranſtaltung
ſoll am 16. Januar die diesjährige Jahreshauptverſammlung im Saale
des „Altdeutſchen Hofes” ſtattfinden. Ein beſonderes Programm dafür
iſt nicht aufgeſtellt, jedoch iſt geplant, die Mitglieder des Bundes im
An=
ſchluß an den geſchäftlichen Teil bei Kaffee und Kuchen zu vereinen. —
Konfirmandenunterricht. Nach Neujahr wird der
Konfir=
mandenunterricht zweimal in der Woche abgehalten werden und zwar
Mittwochs und Samstags von 2—½4 Uhr. —
Weihnachtsorgel=
konzert. Am 4. Advent, nachmittags 5 Uhr, wird der Organiſt der
hieſigen Stadtkirche, Herr Lehrer Knecht, in unſerem Gotteshaus ein
Weihnachtsorgelkonzert geben. Das ausgewählte Programm und die
bekannten hervorragenden Leiſtungen unſeres Organiſten bei früheren
Orgelkonzerten verbürgen eine wirkliche Feierſtunde und machen einen
zahlreichen Beſuch empfehlenswert. — Jung=Odenwaldklub.
Außer dem im Januar ſtattfindenden Dekorierungsfeſt der hieſigen
Orts=
gruppe des Odenwaldklubs wird auch der Jung=Odenwaldklub in dieſem
Jahre mit einer Veranſtaltung an die Oeffentlichkeit treten. Am 19.
Dezember abends 8 Uhr, werden ſeine beiden Gruppen im Saale des
„Schmerkers Garten” ihre Jahresſeier abhalten. Das reichhaltige Pro= voreinte. Pfarver Biegler gab in ſeinem Begrüßungswort der Freude
gramm enthält Reigen, Volkstänze, Theater= und Muſikſtücke,
Kaſperl=
theater, Vorträge, Tombola uſw., ſo daß jedem Beſucher einige
ver=
bericht. Die in letzter Zeit von großem Pech verfolgte 1. Mannſchaft
unſeres Fußballvereins mußte am Sonntag wiederum eine Niederlage
hinnehmen. Groß=Gerau konnte das Spiel mit 4:3 Toren für ſich ent= aus dem Schatz der alten und neueren Volkslieder (Linde im Tal,
ſcheiden. Die zweite Mannſchaft gewann gegen die zweite Elf des
Kö=
niger Vereins mit 3:1. Dieſes eine Tor war ein Selbſttor der
Michel=
ſtädter.
* Asbach i. Odw., 16. Dez. Im Saale des Gaſtwirts Ruths fand
eine gut gelungene Theatervorſtellung des hieſigen Turnvereins ſtatt,
die den Beifall der Einwohner und beſonders der fremden Gäſte erntete.
Zur Aufführung kamen: „Am Brunnen vor dem Tore” und „Ein
frauenloſer Haushalt”, zwei inhaltsreiche Stücke. Alle Spieler gaben
ihr Beſtes. Die Leitung des Ganzen hatte Herr Lehrer Arnold, der ſich
in ſelbſtloſer Weiſe in den Dienſt der auten Sache ſtellte, übernommen.
In einer Sitzung am 13. Dezember beſchloß nun der Vorſtand des
Turn=
bereins, dem Drängen weiter Kreiſe ſtattzugeben und die Aufführung
m Sonntag, den 19. Dezember, gbends 8 Uhr, zu wiederholen.
Riedentwäſſerung.
Aus dem Kreiſe Groß=Gerau:
Mit dem zu Ende gehenden Jahr ſind die Arbeiten des Aſtheim—
Erfelder=Entwäſſerungsverband.s ſo weit gefördert, daß das kommende
Jahr eine Beendigung vorausſehen läßt. Das gegenüber Oppenyeim
am vechten Rheinufer gelegene Wächterſtadt=Pumpwerk
wen=
det ſeine breite Faſſade dem Rhein zu. Den vorüberfahrenden Schiffen
gibt es Kenntis von der Durchführung eines Wrkes, das weite
ver=
wäſſerte, oft gefährdete und ertragsloſe Geländefläch.n zu fruchtbarem
Kutturland verwandelt, deſſen Errragniſſe nicht mehr dem Waſſer zum
Opfer fallen, ſondern ſtets ſicher in die Scheunen gelangen. Das zwei
Kilometer oberhalb liegende Kammerhof=Pumpwerk, iſt mit
ſeinem Tiefbau fertiggeſtellt; das Maſchinenhaus und das Wohnhaus
ſind begonnn. Bis zum Frühjahr werden ſich hier auf hiſtoriſchem
Boden, wo die Wahl Konrads II. zum deutſchen Kaiſer erfolgte, die
Vertreter des Rieds einfinden, um ein Werk entgegenzunehmen, das der
jetzigen Generation und den kommenden zum Segen geroichen ſoll.
Von hier aus ſieht man den Hauptgraben von Erfelden her
ſich heranſchängeln; der B=ſucher kann im Paddelboot den weiten
Bo=
gen des abzweigenden Grabens nach d.r Leeheim—Geinsheimer
Kreis=
ſtraße zurücklegen und den Lauf des 8 Klm. langen Kanals durch
Weidelache, Gerauer Lache, Große Lache verfolgen. Hier ſieht er den
alten, vorgeſchicht ichen Rheinarm entwäſſert, und wo man in Jahren
wie das heurige nr bei Froſt die ausgedelnten Flächen betreten konnte,
wo das Schilf nur über dem Eis abgemäht wurde, um als Streu
ver=
wendet zu werden, iſt alles abgetrocknet und reif zur Inangriffnahme
hochwertiger Kulturarbeiten. Und wenn der Wanderer den weiten
Bogen der neu erſchloſſenen Lachen hinter ſich hat, bleibt er bei G.
ims=
heim mit Ueberraſchung ſtehen. Der beim Ort befindliche ausgedehnte
Sumpfteich, bisher bevölkert von Waſſerhühnern und quakenden
Frö=
ſchen, eine Schmakenbrutſtätte größten Umfangs, iſt verſchwunden; die
tiefgelegenen, einen großen Teil des Jahres mit Waſſer bedeckten
Wie=
ſenflächen beim Ort ſind aufgefüllt; die breiten, flachen und ſchlammigen
Gräben ſind verſchwunden. Bei der neuen, im
Feldbereinigungsverfah=
ren vorzunchmenden Zuteilung können die früher am Sumpfrand
ſtehen=
den Häuſer Hofreitezuſchnitte und Hausgärten erhalten. Die hygi
ni=
ſchen Verhältniſſe des ganzen Ortes ſind verbeſſert. Der vorbeiziehende
Hauptgraben wurde mit Steinen ausrolliert, d. h. Sohle und
Böſchungen wegen des auftretenden Triebſandes befeſtigt. Die Sohle
der auf einem Holzroſt fundierten Brück: im Zuge der Kreisſtraße von
Geinsheim—Fähre Oppenheim iſt um etwa 1 Meter vertieft und durch
ein umgekehrtes Eiſeubetongewölbe geſichert. Mit Fertigſtellung dieſes
Zwiſchenſtücks iſt der genze Grabenlauf von Erfelden nach Gemarkung
Leeh im, am Ort Geinsheim vorbei, durch die Gemarkungen Trebur
und Aſtheim; bis in den Altrhein durchgeführt. In Gemarkung Trebur
fließt dem Hauptkanal der faſt fertiggeſtellte Stichkanal zu, der in
ſeinem weiteren Verlauf die Straße Trebur—Geinsheim kreuzt, ſich in
dem alten, neu hergeſtellten, Saulachgraben fortſetzt und nach
Kreuzung der Kreisſtraße Wallerſtädten—Geinsheim mit dem Kanal in
den oben erwähnten Lachen Verbindung bekommt. Verſchiedene
Arbei=
terkolonnen planieren am Hauptlanal die von den Baggern hoch
auf=
geſchichteten Erdmaſſen in die tiefgelegenen Wieſenflächen aus, füllen
alte, üüberflüſſige Gräben zu und erhöhen neue Wege zwecks beſſerer
Befahrbarkeit. Bald ſind die rieſigem Aufſchüttungen, die mit ihren
zachigen Spitzen vom Volk ſchon als „Dolomiten” bezeichnet werden,
verſchwunden, und jeder wird erſtaunt fragen, wo denn dieſer übor
500 000 Kubikmeter betragende Geſamtaushub hingekommen iſt. Fünf
neue Brücken überqueren in den Gemarkungen Geinsheim—Trebur den
Hauptgraben. Das a ſeiner Auswündung gelegene
Sommer=
damm=Pumpwerk iſt fertig, die Scſitzen zur Abhaltung des
Sommerhochwaſſers vom Binnonland ſind eingebaut, der
Schrauben=
ſchaufler von 1000 Sekundenliter Leiſtung wird eben durch die MA.N.
montiert.
Mit größter Befriedigung können alle Beteiligten auf das Jahr
1926 zurückblicken; es hat eine Förderung des großen Kulturwerks
ge=
bracht, wie ſie zu Beginn des Jahn’s nicht vorgeſehen werden konnte.
Der unermüdlichen Tätigkeit der Beamten des Kulturbauamts iſt es zu
danken, daß ſchon in dieſem Jahre ein ſo in die Augen ſpringender
Er=
folg erzielt wumde.
* König im Odenwald, 16. Dez. Der Gemeinderat hat den
Antrag der Oberpoſtdirektion Würzburg auf Eſtellung einer heizbaren
Unterſtellhalle ſür den großen Omnibus abgelehnt.
Erbach, 16. Dez. Ein nachahmenswertes Beiſpiel.
Die Bezirksſparkaſſe Erbach fordert alle ihre alten Spareinleger, die
das Alter von 65 Jah en bis zum 1. Januar 1927 erreicht haben, nicht
zur Vermögensſteuer herangezogen ſind und glauben, bedürftig zu ſein,
auf, ſich unter Vorlage des Einlagebuches und einer von der
zuſtändi=
gen Bürgermeiſterei ausgeſtellten Geburtstagsbeſcheinigung, ſchriftlich
oder perſönlich bis ſpäteſtens 1. Januar 1927 bei der Kaſſe zu melden.
Die Höhe und der Tag der Auszahlung werden nach Ablauf des
An=
meldetermins beſonders bekannt gegeben. Dieſe Aufforderung, um
be=
dürftigen alten Perſonen vorzeitig eine Auszahlung von aufgewerteten
Spareinlagen zukommen zu laſſen, iſt nicht nur ein nachahmenswertes
Beiſpiel, ſondern auch ein ſchöner Beweis für das ſoziale Empfinden
der Leitung unſerer Bezirksſparkaſſe. Die vielen neuen Spareinlagen
in der Zeit nach der Inflation beweiſen, daß das alte Vertrauen der
Bevölkerung zu unſerer Bezirksſparkaſſe durch die Inflation nicht
ge=
liten hat.
s. Beerfelden, 16. Dez. Dieſer Tage fand in der Nähe von Ober=
Sensbach ein Autobrand ſtatt, dem das Laſtauto der Firma Edelmann
u. Willenbücher von hier faſt ganz zum Opfer wurde. Die Urſache war
Vergaſerbrand, gegen den die Führer machtlos waven. — Geſtern feierte
Frau Keller Witwe ihren 92. Geburtstag; die Jubilarin erfreut ſich
noch guter Geſundheit. — k. Geſtern abend fand in der Turnhalle die
Aufführung eines Weihnachtsfeſtſpiels ſtatt, beſtehend aus ten
Weihnachtsmärchen: „Weihnachten im Zauberwald” und „
Weihnachts=
konzert im Zwergenheim”. Mit einem Teil der Schulkinder hatte Frl.
Horn die ſehr mühevolle Einübung bewerkſtelligt. Herr Rektor Göbel
begrüßte die Erſchienenen — die Turnhalle war bis auf den letzten Platz
beſetzt — und dankte allen, die zum Gelingen beitrugen, darunter
beſon=
ders dem Turnverein, der für dieſen Zweck die Turnhalle unentgeltlich
zur Verfügung geſtellt hatte. Das erſtgenannte Stück trug mehr
ſinni=
gen, ernſten Charakter, während im zweiten auch der Humor zu ſeinem
Rechte kam. Die Kinder hatten ſich mit Verſtändnis und Fleiß in ihre
Rollen derart eingearbeitet, daß öfters lebhafter Beifall erſcholl. Die
Koſtüme waren ſchön, die Geſänge und Reigen gut eingeübt, und ſo ging
jeder Beſucher, befriedigt von dem Geſehenen und Gehörten nach Hauſe.
— Jugenheim, 16. Dez. Am 21. Dezember werden es 100 Jahre,
daß Ernſt Pauer in Wien geboven wurde. Als Ehrenläirger
Jugen=
heims lebte er ſeit dem Jahre 1866 des Sommers über in ſeinem eigenen
Heim wohin er ſich im Jahre 1896 von ſeiner langjährigen Tätigleit
als Profeſſor der Muſik an den 2 bedeutendſten Muſikſchulen Londons
zurückzog; und ſeinen Lebensabend beſchloß. Nicht allein im Felde
ſeines Wirkens ſteht ſein Name in beſtem Andmken, auch hier in
unſerem Dorf denken die Einwohner und Bürger mit Dankbarkeit an
die Zeiten zurück, wo er ſeine große Wohltätigkeit übte. Zum Andenken
an ſeinen 100. Geburtstag wird am Dienstag, den 21. Dezember, abends
8 Uhr, im Spiegelſaal des Hotels „Zur Krone” eine Gedenkfeier
ſtatt=
finden, zu der Profeſſor Max Pauer aus Leipzig und ſein Sohn
Walde=
mar Pauer aus London kommen. Das nähere Programm wird kurz
vor dem 19. Dezember bekannt gegeben. Der Männergeſangverein, der
eigens von Profeſſor Ernſt Pauer komponierte Lieder b ſitzt, hat ſein
Mitwirken an der Feier zugeſagt, und ſo iſt vorauszuſehen, daß die
Gedächtnisfeier eine erhebende ſein wird und reiche B. teiligung findet.
Den Darmſtädter Verehrern des Künſtlers, welche ſich dieſen
bevor=
ſtehenden Kunſtgenuß nicht entgehen laſſen ſollten, da doch Max Pauer
zu den bedeutendſten Pianiſten der Gegenwart gehört, iſt nach
Been=
digung des Konzertes Gelegenheit zur Rückfahrt nach Darmſtadt
ge=
geben, und zwar mit den Verkehrsautos der Bergſtraße. Abfahrt 11 Uhr
abends. Die Preife der Plätze ſind auf RM. 1,50 und 1— feſtgeſetzt.
* Alsbach, 15. Dez. Eine erhebende Veranſtaltung war der
Fami=
lienabend des hieſigen Kirchengeſangvereins im Saale „Zur Sonne‟
hier, die eine ſtattliche, den großen Saal völlig füllende Verſammlung
des Vereins Ausdruck, daß ihm nach längerer Entbehrung wieder ein
Dirigent in Lehrer Seitz=Hähnlein reſchenkt ſei, der von fnüher her
gnügte Stunden in Ausſicht geſtellt werden können. — Sport= bekannt und bewährt ſei. Wie die Begrüßung weiter ausführte,
ſtan=
den die Dabietungen des Abends unter dem Leitgedanken „Volkskunſt
und heimiſches Volkstum”. So fügten ſich die vier Chöre des Vereins
Treu lieb, Sehnſucht. Der wandernde Muſikant) ſchlicht und friſch
ge=
ſungen unter der gewandten Leitung des Dirigenten, ganz in den
Rah=
men, und die feinen Solozugaben von Fräulein Kleyenſteuber=
Zwin=
genberg (Violine), Frl. Dacke=Hähnlein (Sopran) Herm Dingeldey=
Alsbach (Bariton) gaben dem Ganzen einen duftigen Hauch der Weihe.
Eine vorzügliche Ergänzung fanden die geſanglichen und muſikaliſchen
Darbietungen des Abends durch die Aufführung des Bühnenſpiels in
Odenwälder Mundart von Friedrich: „Die ſchöne Meluſine‟. Zwölf
Mitglieder des Vereins hatten trotz der kurz bemeſſenen Friſt des
Ein=
ſtudierens ſich in die Rollen des Spiels ſo eingelebt, daß das
Oden=
wälder Idyll völlig lebenswahr vor uns erſtond mit all ſeiner derben,
humorvollen Wirklichkeit und ſeinem tiefen ſittlichen Ernſt, ſodaß ein
nicht endenwollender Beifall die Mühe der Mitſpielenden verſüßte.
Laßt Eure Anwartſchaft in der
Angeſtellten=
verſichel ung nicht verfallen!
Nach einer Sonderbeſtimmung des
Angeſtelltenverſicherungs=
geſetzes gelten alle Anwartſchaften bis zum 31. Dezember 1923 als
auf=
rechterhalten ohne Rückſicht darauf, ob für einzelne Jahre zu wenig
Beituäge oder kein Beitrag entrichtet wurde. Von 1924 an aber muß
in jedem Jahre eine beſtimmte Mindeſtzahl von Beitragsmonaten
nach=
gewieſen werden, ſonſt gehen die Anſprüche aus der Vrſicherung
ver=
loren. Die Nachzahlungsfriſt für freiwillige Beiträge für das 1924
endet mit dem 31. Dezember 1926. Bis zum Schluſſe des Jahles 1926
hat jeder Verſicherte, für den ſeit 1913 wenigſtens vier Beitragsmonate
auf Grund der Verſicherungspflicht in der Angeſtelltenverſicherung
nach=
gewieſen ſind, noch die Möglichkeit, ſeine Verſicherung aufrecht zu
er=
halten oder wieder aufleben zu laſſen. Von dieſer Möglichkeir follle
jeder Verſicherte, der noch berufsfähig iſt, Gebrauch machen. Die
un=
beſchränke Nachzahlung freiwilliger Beiträge iſt nur für ein Jahr
zunück zuläſſig, dagegen können zwar nicht wehr alle, wohl aber
Bei=
träge, die notwendig ſind, um den Verfall der Antwartſchaft zu hindern,
für das Jahr 1921 noch bis 31. Dezember 1926 nachentrichtet werden,
Das Geſetz verlangt, daß der Verſicherte vom zweiten bis elften
Kalender=
jahr ſeiner Verſich rung jährlich mindeſtens acht, vom 12. Kalenderjahr
der Verſickerung an jährlich mindeſtens vir Beitragsmonate nachweiſt.
Wer im Jahre 1924 oder ſpäte in der Angeſtelltenverſicherung
ein=
getreten iſt, muß demnach für 1924 acht Beitragsmonate nachweiſen
können. Nur für diefenigen, die bereits ſeit 1913 der
Angeſtelltenverſiche=
rung angehören, genügen für 1924 vier Bitragsmonate. Freiwillige
Beiträge ſind mind ſtens in der Gehaltsklaſſe zu entrichten, die dem
Durchſchnitt der letzten vier Pflichtbeiträge entſpricht. In einer
niedri=
geren Gehaltsklaſſe iſt die freiwillige Weiterverſicherung nur zuläſſig,
wenn dieſe Gehaliskaſſe dem Einkommen entſpricht. Die Beiträge ſind
durch Marken zu entrichten. Ein guiner Aushang im Schalterraum
der Poſt unterrichtet über die Beitragsklaſſen.
Nach einem am 3. Dezember 1926 vom Reichstage angenommenen
Geſetz, deſſen Verkündung in den nächſten Tagen zu erwarten iſt, ſind
für die Erwerbsloſen die zur Aufrechterhaltung der Antwartſchaft
er=
forderlichen Beittäge zur Angeſtelltenverſicheung duch die Gem inde aus
Mitteln der Erwerbsloſenfürſorge zu entrichten. Die für 1924 noch
nötigen Beiträge ſind bis zum 31. Dezember 1926 in Klaſſe 4 (2 RM.)
nachzuentrichten. Der Gemeinde (Arbeitsnachw is) ſind, ſoweit Beituäge
fehlen, zu dieſem Zwecke die anie Verſicherungskarte und die etwa
vorhandene Aufrechnungsbeſcheinigung über eine volle Karte vorzuleg.n.
Ferner iſt der Nachweis, ob der Eintritt in die Angeſtelltenverſicherung
im Jahre 1913 oder ſpäter erfolgt iſt und demnach vier oder acht B.
i=
tragsmonate nachzuweiſen ſind, durch Vorlage der alten gelben
Ver=
ſicherungskarte, des Kontoabſchluſſes uſw. wegen, zu führen. Rückfragen
bei der Reichsverſicherungsanſtalt ſind möglichſt zu vermeiden. Jeder
Verſicherte b ſitzt die Unterlagen, aus denen erſichtlich iſt, ob und wieviel
Beiträge noch erforderlich ſind.
Nähere Auskunft hierüber erteilen der Ausſchuß für
Angeſtellten=
verſicherung beim Kreisamt, Verſicherungsamt Darmſtadt, die
Ueber=
wachungsbeamten und die Vertrauensmänner der Angeſtelltenverſicherung.
* Bensheim, 16. Dez. Aufbauſchule. Man ſchreibt uns: Am
verfloſſenen Sonntag tagte in Benshcim in den Räumen der
Aufbau=
ſchule zum zweiten Male die in dieſem Jahre gegründete
Elternvereini=
gung an der Bensheimer Aufbauſchule. Die Tagung war wiede um
außerordentlich gut beſucht, ein Beweis für das grotze Intereſſe dir
El=
tern an ihrer Schule. Von 10½ Uhr an fanden Beratungen und
Be=
ſprechungen über Schulfragen ſtatt, die auch die Eltern berühren. Ferner
wurde berichtet über die Schritte, die bis jetzt zur Erreichung der in
einer Entſchließung der früheren Verſammlung niedergelegten
Eltern=
wünſche getan worden ſind, und über ihre Erfolge. An die Beratungen,
deren Tagesordnung nicht erſchöpft werden konnte, ſchloß ſich ein
gemein=
ſchaftliches einfaches Mittageſſen im Speiſeſaal der Anſtalt an.
Wäh=
rend des Eſſens muſizierten Schüler der Anſtalt. Um 3 Uhr
verſammel=
ten ſich dann die Eltern in der Turnhalle zu einer Feierſtunde, bei der
die Schüler ihre Eltern mit muſikaliſchen, deklamatoriſchen und
theatra=
liſchen Darbietungen erfreuten. Der zweite Teil der Feierſtunde war
zu einer Weihnachtsfeier geſtaltet. Mit der Tagung war eine
Ausſtel=
lung einer Auswahl von Arbeiten aus dem Zeichen= und namentlich dem
Werkunterricht verbunden. Beſonderes Intereſſe fand dabei eine aus der
Schülerwerkſtatt hervorgegangene Einrichtung eines Schülerheims, die
in einem von den Schülern ſelbſt ausgeſtalteten Zimmer gezeigt wurde.
Im Sommer wird wiederum eine Tagung der Eltern ſtattfinden, bei
der am Nachmittag in Form eines Schul=, Turn= und Sportfeſtes den
Eltern und den Freunden der Schule ein Einblick gegeben werden ſoll
in das Gebiet der Körperſchulung und der körperlichen Ertüchtigung.
* Aus dem Kreiſe Heppenheim, 16. Dez. Zwangsinnung.
Zwecks Errichtung einer Zwangsinnung für das Schmiedehandwerk im
Kreiſe Heppenheim findet am Montag den 20. d8 Mts. nach. 1½ Uhr,
im Gaſthaus „Zum goldenen Bock” in Weinheim eine Verſammlung
ſtatt, wobei das Erſcheinen der betreffenden Handwerker geſetzliche Pflicht
iſt. Zugleich ſoll dabei die Wahl der Innungsämter vorgenommen
wer=
den. Die Bürgermeiſter des Kreiſes haben von der Verſammlung den
in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern Kenntnis zu geben.
* Heppenheim a. d. B., 16. Dez. Allgemeine
Ortskranken=
kaſſe. Am Samstug, vormittags 11 Uhr, findet im Sitzungsſaale der
Allgemeinen Ortskrankenkaſſe zu Hexpenheim eine Sitzung des
Aus=
ſchuſſes der Allgemeinen Ortskrankenkaſſe ſiir den Kreis Heppenheim
mit folgender Tagesordnung ſtatt: 1. Abnahme der Rechnung für 1925.
2. Voranſchlag für das Jahr 1927. 3. Satzungsändorungen. 4.
Aende=
rung der Dienſtordnung. 5. Vertrauensarzt. 6. Beſtimmung der
Mit=
glieder zur Prüfung der Rechnung für das Jahr 1926. 7.
Verwaltungs=
gebäude, 8. Verſchiedenes. — Maul= und Klauenſeuche.
Nach=
dem in einem Gehöft in Reiſen (Kreis Heppenheim) der Ausbruch der
Maul= und Klauenſeuche amtlich f.ſtgeſtellt worden iſt, wurde der Ort
Reiſen zum Sperrgebiet und die Gemarkung Reiſen zum
Beobachtungs=
gebiet erklärt.
* Von der Bergſtraße, 16. Dez. Patriarchaliſches Alter.
Der Gaſermeiſter Michael Heller in Ilvesheim beging dieſer Tage
ſeinen 102. Geburtstag. Der hochbetagte Greis iſt leider erblindet, doch
erfreut er ſich einer außergewöhnlichen geiſtigen Friſche. Sein
Erinne=
rungsvermögen reicht noch bis 80 Jahre zurück. —
Schnakenbe=
kämpfung. Das Bürgermeiſteramt Weinheim macht bekannt, daß
in den nächſten Tagen mit den Bekämpfungsarbeiten durch Beſpritzeu
der Kellerwände mit „Floria=Inſektizid” begonnen wird. Die Arbeiten
werden durch Stadtarbeiter unentgeltlich ausgeführt. Die
Hausbe=
wohner werden erſucht, den Arbeitern das Betreten der Kellerräume zu
geſtatten und wohlwollendes Entgegenkommen zu zeigen. — Der
Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Weinheim wurde
eine große Ehrung zu teil. Der Kreisvertreter Dahlinger überreichte
an 12 hieſige Sonitäter Ehrenzeichen für 25= und Wjährige
Mitglied=
ſchaft. Herr Oberbürgermeiſter Huegel erklärte dabei, daß die Sanie
tätskolonne in der Beurteilung ihrer Dienſte mit der Freiwilligen
Feuerwehr gleichgeſtellt werde. Weinheim iſt alſo die erſte Stadt, die
die Sanitätskolonne mit der Feuerwehr gleichſtellt.
* Ober=Abtſteinach, 16. Dez. Bürgermeiſterwahl. Bei der
am Sonntag ſtattgefundenen Bürgermeiſterwahl erhielten folgende
Kan=
didaten Stimmen: Beigeordneter Hintenlang 107. Gaſtwirt Wetzel 69
und Steinhauermeiſter Lammer 103 Stimmen. Mithin findet zwiſchen
Hintenlang und Lammer, eine Stichwahl ſtatt, die auf Sonntag, der
2. Januar 1927, anberaumt iſt.
Hirſchhorn, 16. Dez. Wafſerſtand des Neckars am
15. Dezember 0,89 Meter; am 16. Dezember 0,88 Meter. Am 16. Dez.
5 Grad Kälte.
* Groß=Gerau, 15. Dez. Die Bürgermeiſterwahl ſoll am
kommenden Montag abend in einer öfſentlichen Sitzung des
Gemeinde=
rats ſtattfinden. Eine Einigung über einen der Kandidaten iſt
inner=
halb der einzelnen Parteien noch nicht erfolgt.
* Walldorf, 15. Dez. Tödlicher Unfall. Fuhrmann Ebert
iſt auf ſeiner Arbeitsſtätte beim Verladen von Mehl von einem Auto
totgedrückt worden. Ebert hinterläßt eine Frau mit ſechs Kindern.
* Langen, 16. Dez. Eiſenbahnkraftlinie nach
Offen=
bach. Alle Einwohner, die Interſſe an der Wiedeveröffnung der
Eiſen=
bahnkraftwagenlinie Langen—Sprendlingen—Offenbach haben, müſſen
ſich in den nächſten Tagen in eine Liſte eintragen. Falls genügende
Beteiligung an den regelmäßigen Fahrten gewährleiſtet wird, iſt mit der
baldigen Wiedereröffnung der Linie zu rechnen.
*Aus Oberheſſen, 16. Dez. In Pfordt bei Schlitz brach in der
Hofreite des Landwirts Bernges Feuer aus und vernich=ete Scheuer
und Stallungen. Das Wohnhaus wurde erheblich beſchädigt. Das Vich
konnte gerettet werden. — Goldene Hochzeit feierten in
Rup=
pertsburg die Eheleute Landwirt Friedrich Scheel. — Bei einer
Treibiagd in Nieder=Gemünden wurde trotz einer Anzahl von
Trei=
bern und Schützen nur ein einziger Haſe erlegt. — In Ebersgöns
ſtürzte in einem Kalkſteinbruch ein Arbeiter aus ſechs Meter Höhe
ab und erlitt ſchwere Verletzungen. — Gießen. Ein allgemeiner
Kavalleriſtentag, für Südweſtdeutſchland findet nächſtes Jahr
in unſerer Stadt ſtatt. Gleichzeitig begeht der hieſige Kavallerieverein
ſein 20. Jubiläum. General=Feldmarſchall v. Mackenſen hat das
Protektorat des Tages übernommen. Die Tagung wird in der
neuen Volkshalle auf dem Trieb abgehalten.
Rummer 349
Freitag, den 17. Dezember 1926
Seite 9
Die ioie Derzogni.
12)
Roman von E. Klein
(Nachdruck verboten.)
„Wer hieß ihn” rief ſie, „wegen der harmloſen, wirklich
harmloſen Geſchichte mit Rutherwall gleich ſolchen Lärm zu
ſchlagen, ſo daß ich jetzt in aller Leute Munde bin! Und die
Sache war harmlos — ich ſchwöre es dir! Ich habe ſie ganz oſfen
und ehrlich Papa erzählt, und er hat mir recht gegeben!”
„Der gute Papa! Ich kann mir denken, wie du Licht und
Schatten bei deiner Erzählung verteilt haſt! Ich aber gebe nicht
dir recht, meine Liebe. Ich gebe Harald recht, der vielleicht ein
etwas trockener und ſteifer Burſche iſt, aber ehrlich und treu.
Und dich trotz alledem noch immer liebt. Viel ehrlicher und
wär=
mer liebt als alle dieſe Laffen, die dir um die Wette erklären, ſie
ſind jede Minute bereit, für dich zu ſterben. Mein Gott, Grace,
du biſt doch kein Kind mehr, willſt du denn nicht endlich Vernunft
annehmen?”
Grace wurde jetzt wirklich böſe.
„Meine liebe Gloria”, ſagte ſie, biſſig und von oben
her=
unter, „wenn du hergekommen biſt, mir Moral zu predigen, und
die gute Laune zu verderben, die ich mir mühſam
wiedergewon=
nen habe — dann — dann, nimm es mir nicht übel, hätteſt du
deinen ſchönen Viererzug nicht zu ſtrapazieren brauchen.”
„Ich will dir nicht die gute Laune verderben, ich will dich
mur auf einen Weg bringen, auf dem du wirklich glücklich wirſt.
Eine Frau, die den Mann, der ſie liebt, kränkt und zurückweiſt,
kann nie glücklich werden. Und wird es auch nie.”
„Ei, woher haſt du denn dieſe weiſe Erfahrung?”
„Das iſt keine Erfahrung, meine Liebe, das ſagt mir mein
Gefühl. Oder haſt du kein Gefühl?”
Auf dieſe Frage blieb Grace die Antwort ſchuldig.
Im Frühſtückszimmer waren alle Gäſte verſammelt, und
Gloria mußte eine lange Vorſtellung von fremden Geſichtern und
Namen über ſich ergehen laſſen, ehe ſie ſich an ihre Schinkeneier
machen konnte.
Die Geſellſchaft verlief ſich inzwiſchen, nur Grace und ein,
zwei Jugendfreundinnen blieben bei ihr ſitzen. Gloria ließ es
ſich ſchmecken, erzählte von ihrem Buben, ihren Pferden, Hunden
und Schafen.
Dann trat Las Valdas ins Frühſtückszimmer, tadellos in
ſeinem weiß und dunkelblau geſtreiften Tennisanzug.
Grace ſtellte ihn ihrer Schweſter vor.
„Graf Las Valdas, Londons beſter Klavierſpieler und
Tän=
zer. Ob er ſonſt noch etwas kann, weiß ich nicht. Uns genügen
dieſe Kenntniſſe!”
Gloria reichte ihm die Hand, aber der Mann mißfiel ihr auf
den erſten Blick. Und da ſie nicht gewohnt war, aus ihrem Herzen
eine Mördergrube zu machen, verbarg ſie Grace ihre Meinung nicht.
„Ich weiß nicht,” ſagte ſie, „aber dieſe portugieſiſche Beauty
verurſacht mir Unbehagen. Vielleicht bin ich an dieſen Typus
von Salonlöwen, die ſo äſthetiſch wirken, nicht gewöhnt. Ich
wette, er führt ein Notizbuch mit ſich, in das er genau die Zahl
der von ihm gebrochenen Herzen einträgt.”
„Du tuſt ihm Unrecht. Du wirſt ſehen, er iſt ein reizender
Menſch. Wenn du erſt mit ihm tanzt —
Sie brach ihre Lobrede mitten im Satze ab, denn ihre
Schweſter ſchaute ſie auf einmal mit einem ſo durchdringenden
Ernſt an, daß ſie die Augen zu Boden ſchlug.
„Du — Grace, ſollte etwa Las Valdas zur Nachfolge für
Ruthewwall beſtimmt ſein?”
„Du biſt verrückt!“
Und Grace gab dem Geſpräch eine andere Wendung.
Am Abend tanzte Gloria mit dem Portugieſen. Stärker
als zuvor fühlte ſie dabei das Unbehagen. Die Art und Weiſe,
wie er den Arm um ihre Taille legte, wie er, ſcheinbar
unab=
ſichtlich, ſie leiſe an ſich zog, ihre Knie mit den ſeinigen ſtreifte.
Wie ſein Blick, wenn er ſich unbemerkt glaubte, über ſie glitt.
Kein Wort ſprach er, denn ſo wie ihn Glorias
Frauenwitte=
rung ſofort richtig erkannte, ſo ſah auch er in der erſten Minute,
daß die „tolle Herzogin” anderes Format hatte als alle Weiber
und Weibchen der Londoner Salons. Der Verführer aus
Pro=
feſſion ſah hier eine Beute, die wirklich reizte, an der man ſeine
Kraft erproben konnte. Oder — der man vielleicht beſſer ganz
aus dem Wege ging. Deshalb enthielt er ſich während des
Tan=
zes jeder begleitenden Floskel.
In Gloria begann die Wut zu kochen. Aber ſie tanzte mit
ihm weiter Je länger der Tanz dauerte, deſto vorſichtiger,
zu=
rückhaltender wurde er. Und als er ſie an ihren Platz
zurück=
führte, war er zum Verzicht auf dieſe Erorberung entſchloſſen —
wozu auch? Wozu ſich ſeine Ziele, die er mit Grace erreichen
wollte, unvorſichtiger Weiſe gefährden?
„Nun, was ſagen Sie zu meiner Schweſter?” fragte ihn
Grace, als er ſich an den Flügel ſetzte und ſie ſich neben ihn
ſtellte.
Er intonierte einen raſſigen Twoſtep, der dem Tanzvolk in
die Beine fuhr. Seine Augen ſchweiften zu Gloria hinüber, als
wollte er ſich noch einmal ſeines Urteils vergewiſſern, ehe er es
ausſprach.
„Darf ich offen antworten?” erwiderte er, „Ihre Frau
Schweſter imponiert — Sie aber bezaubern. Für Frauen, wie
die Herzogin, arbeitet man, für Frauen, wie Sie, geht man
ſtehlen, einbrechen und morden.”
„Sie Lügner!” rief Grace. Aber ihre Augen ſogten ihm,
daß ihr dieſe Unterſcheidung außerordentlich gut gefiel.
X.
Die Reiſen des Herrn Karaſchin fuhren fort, die franzöſiſche
Preſſe zu beſchäftigen, der es alsbald gelang, die geſamte
Oeffent=
lichkeit der geſamten Welt zu alarmieren. Der engliſch=
ameri=
kaniſch=deutſch=ruſſiſche Oeltruſt richtete ſich als drohendes
Ge=
ſpenſt über allen den S aaten auf, die gezwungen ſind, ihre
Oel=
bedürfniſſe im Auslande zu decken. Beſonders in Italien, das
ja immer um ſeine wirtſchaftliche Selbſtändigkeit zittert,
be=
gann die Erregung hohe Wellen zu ſchlagen; Spanien und die
ſkandinaviſchen Länder ſchloſſen ſich an. In Japan, das durch
den etwaigen Zuſammenſchluß der ruſſiſchen Oelquellen mit dem
engliſch=amerikaniſchen Kapital und der deutſchen Arbeitskraft
am meiſten gefährdet war, erhob ſich ſogar gewaltiger Sturm.
Wenn der grandioſe Plan gelang, mußten Frankreich und Japan
auf alle Weltmachtspläne Verzicht leiſten, denn ſie waren auf
Gnade und Ungnade dem Diktate des Truſts ausgeliefert.
Geſchickt verſtand es die franzöſiſche Preſſe, ihre Aktion an
denjenigen Hebel anzuhängen, der unbedingt die große
Majori=
tät des engliſchen Voltes in Bewegung ſetzen mußte. Das war
die conditio sine gug non, die von den Ruſſen geſtellt wurde:
Neſtloſe Anerkennung des Sowjetſtaates und die damit
verbun=
dene große Anleihe. Die Opgane der konſervativen Partei in
England hakten hier ſofort ein und begannen nun ihrerſeits
Sturm gegen die Regierung zu lauſen, der ſie geheime und oſfene
Sympathie für das bolſchewiſtiſche Moskau vorwarfen. Der
Führer der Oppoſitionspartei im Unterhauſe erhob ſich eines
Tages und rückte dem Premierminiſter mit einer ſehr ſcharfem
Anſrage über die ruſſiſchen Oelkonzeſſionen an den Leib. Der
führende Staatsmann Englands leugnete nicht, daß
Verhand=
lungen im Gange wären, die den Zweck hatten, den ungeheuren,
ſchier unerſchöpflichen Oelreichtum Rußlands dauernd an das
Intereſſe des engliſchen Imperiums zu binden. Er wußte
da=
bei ſehr geſchickt diejenigen Töne anzuſchlagen, die noch nie am
Herzen eines echten Briten vergeblich vorbeigeklungen ſind.
„Man macht der gegenwärtigen Regierung den Vorwurf”,
rief er aus, „unpatriotiſch zu handeln, indem ſie das ſtolze
Eng=
land vor den Sowjets in den Staub wirft und es zur
Anerken=
nung einer Regierung entwürdigt, die ſich nicht durch den freiem
Willen des Volles, ſondern durch brutale Gewalt am Ruder
er=
hält. Man kann ſich auf den Standpunkt ſtellen, daß keine Macht
der Welt ein Recht hat, ſich in die inneren Verhältniſſe eines
an=
deren Staates einzumiſchen, ſo lange dadurch die eigenen
Intereſ=
ſen nicht gefährdet werden. Man kann aber dieſe Theorie nun
auch anders faſſen, indem man ſagt: Keine Macht der Erde
handelt weiſe, wenn ſie ſich durch innere Verhältniſſe eines
an=
deren Staates von Verhandlungen mit dieſem abhalten läßt, die
geeignet ſind, ihre eigenen Intereſſen in weiteſtgehendem Maße
zu fördern. Ich gebe daher ganz offen zu, daß die engliſche
Re=
gierung über gewiſſe Verhandlungen unterrichtet iſt, die darauf
abzielen, die geſamte Ausbeute der Oelfelder in Sachalin und
Kaukaſien der engliſchen Wirtſchaft, und in erſter Linie der
eng=
liſchen Wirtſchaft, zu ſichern. Wenn das unpatriotiſch gehandelt
iſt, möge das engliſche Volk aufſtehen und dieſen Vorwurf
wie=
derholen, der mir von dem ſehr geehrten Führer der Oppoſition
aus keinem anderen Grunde als aus reiner Parteipolitik
ge=
macht wurde. Es kann wohl keine unpatriotiſche Handlung ſein,
wenn eine engliſche Regierung ſich nicht auf leeren Formelkram
verſteift, ſondern in die Weite blickt und nicht nur für die nächſte
Zukunft vorſorgt. Englands Größe iſt nicht dadurch
entſtan=
den, daß die Lenker ſeiner Geſchicke von heute auf morgen
ge=
wirtſchaftet haben, ſondern daß ſie immer weiter geſehen haben
als die andern und daher die Politik ihres Landes den richtigen
Weg führen konnten, wo die übrigen Staaten noch im Dunkel
der Ungewißheit tappten. Wir wiſſen nicht, ob die Verhältniſſe,
ſo wie ſie ſich nach dem großen Kriege herausgebildet haben. für
die Ewigkeit beſtimmt ſind. Freundſchaften unter Menſchen
können in die Brüche gehen, wie leicht dann erſt Freundſchaften
unter Staaten! Daher iſt es Pflicht eines jeden engliſchen
Staatsmannes, dafür zu ſorgen, daß das engliſche Reich auf alle
Eventualitäten vorbereitet iſt.”
(Fortſetzung folgt.)
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Reich und Ausland.
* Frankfurter Chronik.
WSR. Turn= und Sportpflicht für Arbeitsloſe.
Der Turn= und Sportlehrer Brechenmacher hat, wie wir hören, im
Serbſt d. J. 250 Arbeitsloſe zu Vorturnern und Riegenführern
aus=
gebildet, damit ſie auf den ſtädtiſchen Plätzen die arbeitsloſe Jugend be=
Vchäftigen ſollen. Für die arbeitsloſen Jugendlichen iſt die Turn= und
SSportpflicht eingeführt worden, idem ſie den Stempel für die Arbeits=
Toſenfürſorge nur nach Ableiſtung dieſer Pflicht erhalten. Die Deutſche
Turnerſchaft möchte dieſe Maßnahme überall zur Nachahmung empfehlen.
AEine Verfügung des Wohlfahrtswiniſteriums in Preußen weiſt darauf
Ain, daß ſeitens der Gemeinden für Erwerbsloſe Zuſchüſſe gewährt
wwerden ſollen, wenn ſie an Fortbildungskurſen teilnehmen wollen. Auf
Die Bedeutung der Turn= und Sportpflicht für die arbeitsloſe Jugend
veiſt auch eine Schrift hin. „Im Kampf gegen die Arbeitsloſigkeit der
Jugend” die vom Arbeitsamt Düſſeldorf zu beziehen iſt. — Die
Krankenſchweſter Fleſſa zu Gefängnis begnadigt.
DDie Krankenſchweſter Wilhelmine Fleſſa, die bekanntlich ſeinerzeit den
Shirurgen Dr. Seitz erſchoſſen hat und deswegen vom Schwurgericht
Buerſt zum Tode, ſpäter im Wiederaufnahmeverfahren jedoch zu ſieben
Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, iſt, wie wir erfahren, vom
Sreußiſchen Staatsminiſterium zu ſieben Jahren Gefängnis begnadigt
worden. — Der Mörder Gens kommt erneut vors
Schwurgericht. Der Kaufmann Anton Gens, der bekanntlich
Feinerzeit wegen des Mordes an dem Kriminalbeamten Sack vom
Frankfurter Schwurgericht zum Tode verurteilt, ſpäter aber zu lebens=
Cänglichem Zuchthaus begnadigt wurde, wird ſich am kommenden Frei=
Sag erneut vor dem Schwurgericht, diesmal in Wiesbaden, zu
verant=
rvorten haben. Es handelt ſich um den Mordverſuch an einem
Fran=
soſen in einem Wiesbadener Hotel. Gens will mit demſelben ein
onderbares Erlebnis gehabt haben. Der Franzoſe ſei ſadiſtiſch
ver=
mnlagt geweſen, und zwar auf „gegenſeitiges Schlagen‟ Gens will
FFurcht vor dem Franzoſen gehabt haben und habe ſchließlich nur einen
Schreckſchuß deshalb gegen ihn abgegeben. Die Bekundungen des
Sranzoſen, der in Paris vernommen wurde, lauten aber weſentlich
anders, denn ſonſt wäre nicht die Anklage wegen Mordverſuchs er=
Hoben worden. — Neueſchwere Straßenbahn= und
Auto=
anfälle. 2 Tote 7 Verletzte. Am Dienstag mittag gegen
Uhr lief auf dem Börneplatz der Kaufmann Herz Goldſchmidt aus
FFrankfurt gegen einen Straßenbahnwagen, der gerade den Platz paſſierte.
Boldſchmidt wurde dabei ſo ſchwer verletzt, daß er eine Stunde nach=
Her an den Folgen verſtarb. Es iſt dies binnen weniger Tage der
weite tödliche Unfall auf demſelben Platz und aus derſelben Urſache. —
Bluf dem Bahnhofsplatz ſtieß am Dienstag abend emn Lieferauto mit
inem Straßenbahnwagen zuſammen. Der Zuſammenſtoß war ſo heftig,
waß der Kraftwagenführer Bingel und ſein Beifahrer ſchwer verletzt nach
wem Krankenhaus gebracht werden mußten. Der Straßenbahnführer und
in Fahrgaſt erlitten leichteve Verletzungen. Das Auto wurde ſchwer
weſchädigt und ſein Inhalt, beſtehend aus Bierflaſchen, faſt völlig
zer=
wrochen. — Am Dienstag nachmittag wurde ebenfalls auf dem
Bahn=
wofsplatz, der Kaufmann Schloß von einem Auto überfahren und mußte
anfolge erheblicher Verletzungen nach dem Krankenhaus geſchafft
wer=
wen. Schloß ſoll direkt in das Auto hineingelaufen ſein. — Im
Sand=
weg wurde am Dienstag vormittag eine junge Arbeiterin von einem
Madfahrer überfahren und am Kopf verletzt. — Am Dienstag
nach=
mittag fuhr auf der Homburgerlandſtraße in der Nähe des Bahnhofs
Bonames ein Auto durch zwei ſich kreuzende Fuhrwerke. Durch dieſe
rückſichtsloſe Fahrerei wurde ein Pferd des Fuhrunternehmers Jung
aus Homburg ſo ſchwer verletzt, daß es auf der Stelle geſchlachtet
wer=
ſen mußte. Der Kraftwagenlenker entzog ſich der Feſtſtellung ſeiner
Werſonalien durch die Flucht.
Die letzten Tage der Sioux.
Es Hlingt wie der Titel eines Romans, und iſt doch nackte
Wirklich=
beit, den am Sonntag, den 19. Dezember werden die Sioux=Indianer
m der Abendvorſtellung des Zirkus Sarraſani ſich zum letzten Male der
Frankfurter Bevölkerung zeigen, um alsdann mit dem Hapagdampfer
Albert Ballin” die Heimreiſe über das große Waſſer anzutreten. Zu
mächtig war in den letzten Wochen das Heimweh nach den Jagdgründen
es Stammes geworden, und allmorgendlich erſchien der greiſe Black
Sorn, deſſen 50jähriges Häuptlingsjubiläum am Donnerstag, den
96. Dezember, unter Entfaltung des ganzen romantiſchen Pomps eines
roßen Indianerfeſtes begangen wurde, im Direktionsbfüro, wo er eine
Sierliche Rede zu halten pflegte, in der als einzig verſtändliches Wort
in „Ticket” (— Fahrſchein) immer wiederkehrte. Nachdem er letzthin
cuf alle Vertröſtungen nicht mehr reagierte, ſondern mit nicht
mißzu=
werſtehender Gebärde nach dem hübſchen Bubikopf der Sekretärin zu
heuten pflegte und die Geſte des Skalpierens machte blieb natürlich
zichts anderes übrig, als ihm die inzwiſchen beſorgten Fahrſcheine unter
ine kühn geſchwungene Adlernaſe zu halten, woraufhin er mit einem
nurchaus friedlichen „Hau koller waſchteh!” („Möge es dir gut gehen,
mein Freund!”) ſich in ſein Wigwam zurückzog. Da gilt es alſo eilen,
„rm die würdigen Vertreter dieſer außſterbenden Raſſe noch geſehen zu
aben. — Am Sonntag, den 19. Dezember, nach der Abendvorſtellung,
ühließt Sarraſani auf die Dauer von fünf Tagen ſeine Pforten, um
as große Weihnachtsüberraſchungsprogramm vorzubereiten, mit dem
ar am Samstag, den 25. Dezember, nachmittags 3 Uhr, die Fortſetzung
eines Gaſtſpiels wieder beginnt.
Verhaftung eines Leipziger Großkaufmanns.
Am Dienstag iſt der Inhaber der Leipziger Rauchwarenfirma
D. Biedermann unter dem Verdacht großer
Steuerhinter=
iehungen und Betrügereien verhaftet worden; mit ihm ſein
Brokuriſt Leo Kohen. Biedermann wurde am Donnerstag gegen
Stellung einer Kaution von einer Million Mark auf freien Fuß geſetzt.
Bombardement auf den Staatsanwalt.
* Berlin. Einen wüſten Auftritt rief der Handlungsgehilfe
Al=
red Bronget vor dem Großen Schöffengericht Charlottenburg hervor,
nor dem er zuſammen mit dem Arbeiter Lukas wegen ſchweren
Dieb=
ſrahls angeklagt war. Lukas wurde eines Nachts von Polizeibeamten
angehalten, als er mit zwei verdächtigen Männern die Straße entlang
ging und ein, wie ſich ſpäter herausſtellte, aus einem Einbruch
her=
rüihrendes Paket auf dem Arm trug. Der eine der beiden Begleiter
ſtüchtete, und auch der zweite, der Angeklagte Bronget konnte zunächſt
mitkommen, obwohl ihm mehrere Schüſſe nachgeſchickt wurden. In der
A8erhandlung hätte nun Bronget nicht überführt werden können, wenn
micht der Mitangeklagte Lukas „ausgepackt” und ihn ſtark belaſtet hätte.
Warüber geriet Bronget in große Wut, die ſich zunächſt dem
Staats=
amwalt gegenüber Luft machte, als dieſer zweieinhalb Jahre Zuchthaus
wegen ihn beantragte. Unter Schimpfworten eröffnete er plötzlich ein
ABombardement auf den Staatsanwalt, indem er ſich einiger ihm in die
hoände kommender Gegenſtände und der zuſammengeknüllten
Anklage=
ſchrift als Wurfgeſchoſſe bediente. Dann fiel Bronget über ſeinen
Mit=
angeklagten her, um ihm heimzuzahlen. Nur den vereinten
Anſtren=
gwungen der hinzuſpringenden Polizeiwachtmeiſter, die dem Rabiaten
dreen Knebel anlegten, gelang es, ihn davon abzuhalten und den wüſt
brüllenden und ſich an die Gitterſtäbe der Anklagebank anklammernden
Angeklagten aus dem Saal zu bringen. In die Zelle transportiert,
de=
urolirete Bronget die ganze Einrichtung und zerſchlug die Scheiben der
Velle, wobei er ſich noch am Halſe verletzte. Das Gericht verurteilte
den „wilden Mann” zu zwei Jahren Zuchthaus. Lukas kam mit fünf
Monaten Gefängnis davon.
Neuer großer Hoteldiebſtahl.
Berlin. Schwer beſtohlen wurde am Dienstag ein ſchleſiſcher
Eeroßinduſtrieller, der in einem größeren Hotel im Zentrum der Stadt
mohnte. Während ſeiner Abweſenheit drang ein Dieb ein und
er=
beutete eine goldene Uhr mehrere Schmuckſtücke, 2500 polniſche Zloty und
100 Dollar in barem Gelde. Man vermutet, daß der Dieb auch die
beiden in einem anderen Hotel vollbrachten Diebſtähle ausgeführt hat.
Aron den bei dieſen geſtohlenen Gegenſtänden iſt bisher nur der
Reiſe=
yß und der Jagdſchein Dr. Silverbergs aufgefunden worden.
Das Urteil im Potsdamer Prozeß v. Oppen.
Im Potsdamer Prozeß v. Oppen wurde v. Oppen, unter
Frei=
ſverechung von der Anklage der verſuchten Nötigung, wegen Untreue,
Betrugs und ſchwerer Urkundenfälſchung zu insgeſamt zwei Jahren
C=efängnis verurteilt. Ein Jahr Unterſuchungshaft wurde als
ver=
bäißt erklärt. Drei Monate muß der Angeklagte ſofort abſitzen. Für
duen Reſt der Strafe wurden ihm drei Jahre Bewährungsfriſt
zugebil=
lingt. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Der Angeklagte
Miehe wurde wegen Betrugs und ſchwerer Urkundenfälſchung zu einem
Hahr und ſechs Monaten Gefängnis verurteilt
Eine Schwarzbrennerei entdeckt.
Eſſen. Wie erſt jetzt bekannt wird, wurde am Montag in einer
Schokoladenfabrik in Eſſen eine Schwarzbrennerei entdeckt. Erhebliche
Mengen Sprit uſw. wurden beſchlagnahmt. Mehrere Perſonen wurden
verhaftet.
Ausbruch aus dem Gefängnis.
Bochum. Mittwoch abend brachen mit Hilfe einer ſelbſtgefertigten
Sääge neuerdings vier Schwerverbrecher, von denen zwei zu
leabenslänglichem Zuchthaus verurteilt waren, aus dem Strafgefängnis
ams. Sie konnten bisher nicht wieder ergriffen werden.
Gottfried Wieland Wagner,
der älteſte Sohn Siegfried und Enkel Richard Wagners, iſt in
einem Klavierkonzert in Bayreuth zum erſten Male vor die
Oeffentlichkeit getreten. Das neunjährige Kind erregte mit
ſeinem Spiel allgemeine Aufmerkſamkeit.
Die Räuberhöhle in der Nähe von Berlin.
Der Eingang zur Höhle.
Auf der Suche nach Einbrechern hat ein Förſter im ſtaatlichen
Forſt bei Erkner in der Nähe von Berlin eine vollſtändig
ein=
gerichtete unterirdiſche Höhle entdeckt, die einem vielgeſuchten
Einbrecher als Schlupfwinkel diente. Die Behauſung war mit
koſtbaren Teppichen und Decken, Möbeln und Ofen ausgeſtattet,
die ſämtlich von Einbruchsdiebſtählen herrührten. Man fand
Lebensmittel für mehrere Wochen, feinſtes Beſteck und Geſchirr
für fünf Perſonen, als würde der Bewohner der Höhle, der 29 Pcul Borch, des öfteren Gäſte empfangen haben. Borch
wurde ſofort der Polizei übergeben.
Ein Enkel Richard Wagners als Klaviervirtuoſe.
Erdſtoß in der Schweiz.
Zürich. Ein ziemlich heftiger Erdſtoß wurde Mittwoch
nachmittag in der Gegend zwiſchen Bern und Bieler See verſpürt und
auf allen Apparaten der Schweizeriſchen Erdbebenwarte in Zürich
regiſtriert. Nach einem Bericht aus Freiburg (Schweiz) wurde dort
ſchon kurz vor zwei Uhr ein Erdſtoß wahrgenommen, der auch im
Sagnetal bis Bellegarde verſpürt wurde.
Die Exploſionskataſtrophe in St. Auban.
Paris. Die Zahl der Todesopfer bei der
Exploſionskata=
ſtrophe in St. Auban hat ſich auf 22 erhöht.
Großer Goldtransport im Flugzeug.
London. Der „Finanzial Times” zufolge wurden am Mittwoch
nahezu drei Tonnen Goldbarren im Werte von 500 000 Pfund
Sterling von Croydon mittels Flugzeug nach Köln abgeſandt. Das
Blatt ſagt, dies ſei die größte Goldſendung, die bisher jemals auf dem
Luftwege befördert worden ſei.
Flugzeugnotlandung.
London. Ein deutſches Ganzmetallflugzeug, das von Amſterdam
nach Croydon unterwegs war, mußte wegen Motordefekts in der Nähe
von Folkeſtone eine Notlandung vornehmen. Die Fluggäſte blieben
un=
verletzt. Auch das Flugzeug erlitt keine Beſchädigungen.
Ein Nachkomme Blüchers im Wellington=Club.
Den Blättern zufolge iſt Fürſt Blücher, ein Nachkomme des
Feld=
marſchalls, zum Mitglied des Wellington=Klubs gewählt worden. Er iſt
der erſte Deutſche, der ſeit dem Kriege in einem der hervorragenden
engliſchen Klubs Aufnahme gefunden hat.
Ein Diplomat im Handgemenge mit der Polizei.
DD. NewYork. Wie aus Mexiko gemeldet wird, iſt der ſpaniſche
Geſchäftsträger in Mexiko, Pedro Gual, in einer belebten Straße der
Stadt der Mittelpunkt eines Rieſenauflaufs geworden. Der Diplomat
wollte mit ſeinem Automobil die Anweiſungen eines Schutzmannes
nicht befolgen, worauf dieſer den Wagen aufzuhalten verſuchte. Es
kam zwiſchen dem Geſchäftsträger und dem Schutzmann zu einem
Handgemenge, in das ſich mehrere Perſonen aus dem Publikum
ein=
miſchten. Der zufällig vorübergehende mexikaniſche Außenminiſter eilte
dem bedrängten ſpaniſchen Geſchäftsträger zu Hilfe, worauf die Polizei
den Straßentumult beilegte.
Das Jahrhundert der Kirche.
Wer die Zeichen der Zeit aufmerbſam beobachtet und tiefer in die
Seele unſeres Volkes hineinſchaut, der wird die erfreuliche Feſtſtellung
machen können, daß trotz der noch in weiten Kreiſen herrſchenden
kirch=
lichen Gleichgültigkeit oder Kirchenfeindſchaft der Wille zur Kirche und
die Liebe zur Kirche im Wachſen begriffen ſind. Die kritiſche Lage, in der
ſich die Kirche noch vor wenigen Jahren befand, iſt im weſentlichen
überwunden. Es regt ſich heute wieder gerade bei den Beſten unſeres
Volkes, die Sehnſucht nach wahrer innerer Führerſchaft und nach einer
Autorität, die nicht durch Menſchlich=Allzumenſchliches erſchüttert werden
kann. Man iſt überdrüſſig geworden jenes Subjektivismus, der den
menſchlichen Intellekt und ſeine bis ins Gigantiſche geſtiegenen
Leiſtun=
gen auf den Thron erhob; man verlangt heute wieder nach den
objek=
tiven Mächten, die unberührt vom Wandel der Zeit in der Kirche uns
intgegentreten. Dieſe Welt des Ganz=Anderen, welche die Kirche in
ihrer Verkündigung anbietet und die nichts zu tun hat mit den
Be=
dingungen, Beſchränkungen und Gebundenheiten unſeres menſchlichen
Daſeins wird gerade auch von der Jugend mit brennender Seele
ge=
ſucht. Das iſt die ſeeliſch=weltanſchauliche Lage, welche die Kirche in
dem Augenblick vorfindet, wo ſie durch die Trennung vom Staat in
Wahrheit innerlich frei geworden iſt. Damit iſt die Kirche unſerer
Tage vor gewaltige Wirkungsmöglichkeiten geſtellt: Sie hat vor dem
modernen Staat ihre mahnende und warnende Stimme zu erheben. Sie
muß im Weltanſchauungskampf der Geiſter der in den kommenden
Jahren heftiger denn je entbrennen wird, Führer werden. Sie muß
der Jugend zu dem neuen Lebensinhalt helfen, nach dem ſie ſucht und
um den ſie ringt. Unbeeinflußt vom Staat und ohne Verquickung mit
den Sekten gewinnt die Kirche ſo die Größe ihrer Stellung zurück
Trägerin des öffentlichen Gewiſſens zu ſein. Je reiner und je
ſelbſt=
loſer ſie ſich dieſer Aufgabe unterzieht, umſomehr Menſchen wird ſie um
ihre Fahnen ſammeln. Durch den inneren Leidensweg der letzten Jahre
ſind die Menſchen von heute reif geworden für das Jahrhundert der
Kirche. Sie harren der Stunde, da die Kirche als Macht der Verſöhnung
die Brücke zwiſchen den verſchiedenen Volksſchichten und Völkern ſchlägt
und eine Lebens= und Arbeitsgemeinſchaft ſchmiedet, die für das deutſche
Volk eine neue Zukunft, für die Beziehungen der Nadionen untereinander
eine Zeitwende bedeutet.
Briefkaſien.
Jeder Anfrage iff die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nicht beantwortet.
„Funkrecht‟. Wir unterſtellen an Hand des gepflogenen
Briefwech=
ſels, daß der Hauseigentümer zur Anbringung der Antenne am Hauſe
die Erlaubnis in rehtlich wirkſamer Weiſe erteilt hatte. Iſt dieſe
Er=
laubnis erteilt worden, ſo beſteht auch die Verpflichtung des
Hauseigen=
tümers, die Anbringung der Geſtänge zu dulden (vgl. Neugebauer,
Funkrecht, S. 79, letzter Abſatz, und S. 80, 81). Wir unterſtellen dabei
weiter, daß der Mietvertrag Gegenteiliges nicht enthält. Das
Inter=
eſſe des Hauseigentümers wird genügend gewahrt, wenn die Antenne
ordnungsmäßig angebracht iſt. Sie müßten alſo im Fragefalle
den Hauseigentümer auf Darldung der Antennenanlage verklagen. Die
Klage gehört vor das Amtsgericht (Neugebauer a. a. O. S. 87, Z. 5).
Schäden, die am Dache oder Gebüude durch die Antenne verurſacht
wer=
den, haben Sie zu erſetzen, andeverſeits haben Sie die Pflicht, die
An=
tenne ſtets in ſachgemäßem Zuſtande zu erhalten und ſo ſachgemäß zu
benutzen, daß kein Schaden entſteht (vgl. Neugebauer a. a. O. S. 88,
auch Z. 7 daſelbſt). Aber auch abgeſehen von der Erlaubniserteilung
muß nach der Rechtsentwielung, die hier an Hand der Rechtſprechung
feſtzuſtellen iſt, die Verpflichtung zur Duldung der ondnungsgemäß
an=
angebrachten Antenne als der Verkehrsſitte entſprechend (wenn der
Mietvertrag darüber ſchweigt) angenommen werden (vgl. Neugebauer
a. a. O. S. 79 u. 80 flgg.). Mit Recht kann auch darauf hingewieſen
werden, daß Staudinger im Kommentar zum B. G.B., 9., neubearbeitete
Auflage, zu § 905, 30 S. 306 gerade unter Berufung auf die Arbeiten
von Neugebauer und Reiche deren Anſchauung zu teilen ſcheint.
H. Eine Aufwertung im Sinne des Aufwertungsgeſetzes (8 63
Abſ. 1) käme dann in Frage, wenn es ſich bei der Geldhingabe um eine
Vermögensanlage handelte, wogegen die nach kurzer Zeit erfolgte
Til=
gung ſpricht. Die Aufwertung von Vermögensanlagen darf 25
Pro=
zent des Goldmarkbetrages (§ 63 Abſ. 1) nicht überſteigen. Kommt
hin=
gegen eine Vermögensanlage nicht in Frage, handelt es ſich vielmehr
um ein ſog. Gefälligkeitsdarlehen, ſo iſt nach allgemeinen
Rechtsgrund=
ſätzen und nach Treu und Glauben aufzuwerten. Ueber die Höhe der
Aufwertung hätte unter Abwägung der beiderſeitigen Verhältniſſe in
jedem Falle das ordentliche Gericht (nicht die Aufwertungsſtelle) zu
ent=
ſcheiden.
B. R. S. Der Weg eines Zahlungsbefehls iſt nicht gangbar da
die Höhe der Aufwertung im richterlichen Ermeſſen ſteht. Die
Auf=
wertung kann nur im Wege des ordentlichen Prozeſſes begehrt werden.
Das Vermächtnis iſt nach dem Beſtande der Erbſchaft ohne
Beſchrän=
kungen des Aufwertungsgeſetzes, alſo frei aufwertbar. Am beſten
be=
trauen Sie einen Anwalt mit Weiterverfolgung der Sache.
James Wood. 1. Darüber wird der Deutſche Verein in New York
am beſten Auskunft geben können. Die nähere Adreſſe desſelben wird, wohl
das Auswärtige Amt in Berlin W. Wilhelmſtr., mitzuteilen in der Lage
ſein. — 2. Ja. Nach der Entwicklung der Rechtſprechung wird dieſe
Einwilligung wohl nicht verweigert werden können. Gegebenenfalls
müßten ſie klagen.
Rund=Funk=Programme.
Frankfurt.
Freitag, 17. Dez. 1.30: Neue Schallplatten. O 3.30: Stunde
der Jugend. „Fahrt auf einer D=Zug=Lokomotive (
Verkehrsbe=
rufe)” von Dir. Menne (für Kinder vom 12. Jahre ab). O 4.30:
Hausfrauen=Nachmittag. „Wie deutſche Dichter Weihnachten feierten”.
von Kruhm O 5.45: Leſeſtunde. Aus den „Briefen der Karoline‟
Sprecherin: Marg. Wolf. O 6.15: „Annette von Droſte=Hülshoff”.
O 6.45: „Teſtament und Erbfolge” von Juſtizinſpektor Biehn.
O 7.15: Italieniſch. O 7.45: Umſchau über die Fortſchritte in
Wiſſenſchaft und Technik. O 8.05: Film=Wochenſchau. O 8.15:
„Don Carlos” von Schiller. Perſ.: Philipp der Zweite, König
von Spanien; Eliſabeth von Valois, ſeine Gemahlin; Don Carlos,
der Kronprinz; Prinzeſſin von Eboli; Marquis von Poſa, ein
Mal=
teſerritter; Herzog von Alba; Domingo, Beichtvater des Königs
u. a. O 10.30: Weihnachtswoche des armen Kindes.
Stuttgart.
Freitag, 17. Dez. 3.50: Aus dem Reiche der Frau. O 4.15:
Konzert. Blankenburg: Empor zum Licht. — Fall: Walzer aus
Die ſchöne Riſette‟ — Auber: Ouv. „Das eherne Pferd.” — Löwe:
Tom der Reimer (Ballade für Trompete). — Catalani: Tanz aus
Loreley. — Einl.: Friedl Schacht. — Adam: Fant. — Becce:
Legende. — Grieg: Peer=Gynt=Suite. O. 6.15: Dr. H. Joſten:
Das Erwachen des Weihnachtsgedankens in der Kunſt. O 6.45:
Helene von Senff: Reiſe des Ogier von Busbeck nach der Türkei
im 16. Jahrh. O 7.15: Anna Blos: Emma Niendorf (Baronin
von Suckow). O 8: Philh. Orch. Soliſt: Fr. Kirchberger (Cello),
Haydn: Sinf. G=dur (Militär=Sinf.) Konzert in D=dur. — Anſchl.:
Dichterſtunde. „Rainer Maria Rilke” Prof. W. Faeſi, Zürich:
Einf. — Marga Muff=Stenz: Rezit. O. 10: Funkſtille f. Fernempf.
Berlin.
Freitag, 17. Dez. 3.30: Weihnachtliche Plaudereien am
Tee=
tiſch. O 4: Obſtbauinſp. Beuß: Die richtige Sortenwahl als
wichtigſte Vorausſetzung für einen erfolgreichen Liebhaber= und
Erwerbs=Obſtbau. O 4.30: Spandauer Konzert=Orch. Bahlmann:
Freiheitsgeiſt. — Lehar: Gold und Silber. — Weber: Ouv.
Freiſchütz. — Kalman: Potp. Czardasfürſtin. — Heuberger: Im
chambre ſeparee. — Thomas: Romanze aus Mignon. — Komzak:
Münchener Kindl. — Mendelsſohn: Hochzeitsmarſch aus
Sommer=
nachtstraum. — Strauß: Melodien aus Der luſtige Krieg. —
Herold: Duv. Zampa. — Noack: Heinzelmännchens Wachtparade.
— Strauß: Wiener Blut. — Dura: Jap. Zapfenſtreich.
Hannemann: Rheiniſcher Sang. — Jeſſel: Aufzug der
Stadt=
wache. — Nowowieski: Unter der Friedensflagge. O 7.05:
Sport=
ſchau des Monats (Dr. Bollmann). O 7.30: Prof. Dr. Kohlrauſch:
Modernes Strafrecht. O 8: Sendeſpiele. Die Hugenotten” Oper
von Meyerbeer. S 10.30: Tanzmuſik (Kapelle Kermbach).
Königswuſterhauſen. Freitag, 17. Dez. 12: B. K. Graef:
Sprechtechnik für Schüler. O 3: Prof. Dr. Amſel und Oberl.
Weſtermann: Einheitskurzſchrift für Fortgeſchrittene. O 3.30: Ob.=
Reg.=Rat Dr. Mallwitz: Sportarzt und Volksgeſundheit. O 4:
Berufsberater Friedrich: Die kaufmänniſche Berufsausbildung im
Warengroßhandel. O 4.30: Mitteilungen aus den mit dem
Zentral=
inſtitut verbundenen Stellen. O. 5: Architekt Künſthardt: Das
Grabmal als Kulturausdruck. O 5.30: Prof. Dr. Rawitz: Der
Stand der Abſtammungslehre. O 6: Prof. Keſtenberg: Die Muſik
im Leben des Arbeiters. O 6.30: Stud.=Rat Friebel, Lektor Mann=
Engliſch für Anfänger. O 7: Geheimrat Weigert: Die deutſche
Arbeitsloſigkeit und ihre Bekämpfung. O 7.30: Dr. Mosbacher:
Geſundheitsſchädigungen durch die Fefertage und ihre Vermeidung,
* D * U
Nummer 5
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſie Nachrichten
17. Dezember 1926
Peihnachts=Literatur.
* Weihnachtsſpiele.
Der Verlag Otto Maier, Ravensburg, bringt, wie
all=
jährlich zu Weihnachten, wieder eine ganze Reihe netter, underhaltender
und im unterhaltenden Spiel auch belehrender Kinderſpiele heraus, die
ſich allgemeiner Popularität erfreuen und zum mindeſten als
Ergänzungs=
geſchenke für Kinder jeden Alters empfehlenswert ſind.
Empfehlens=
wert doppelt, weil es ſich nicht allein um Bilderbücke” handelt, ſondern
weil die ſchönen, durchweg für die kindliche Auffaſſun k beſonders
berech=
neten Bilder gleichzeitig durch ausſchneiden oder aufkleben oder aufſtellen,
oder auch als Geſellſchaftsſpiel Beſchäftigung und Unterhaltung an den
Winterabenden für klein und groß ermöglichen. Da ſind zwei große
Kaſtenſpiele, ein neues Bilderlotto mit hübſchen Bildern von
Jo Franziß und ein Mercedesſpiel „Luſtiges Autorennen”
mit Würfeln, Autofallen, Hinderniſſen uſw., gleich den bekannten
Pferdchensſpielen. Weiterhin ein Quartettſpiel in deſſen Karten
alle bekannten, ſchönen Kinderliedchen mit hübſchen Illuſtrationen
ent=
halten ſind.
Für etwas reifere Kinder legt der Verlag eine Anzahl Büchlein mit
Vorlagen zu Ausſchneidearbeiten vor zunächſt eine neue
Aus=
ſchneidſchule für Kinder in drei Stufen, ebenfalls von Jo
Fran=
giß, die auch geignet ſind, die künſtleriſche Betätigung und vor allem
Farbenlehre zu vermitteln. Dann ein Heftchen
Ausſchneidar=
beiten von Johanna Huber, die eine große Anzahl entzückender
Vorlagen auch zum Kombinieren und im Zeichnen enthält, endlich ein
luſtiges Papierfaltbüchlein, ebenfalls von Johanna Huber,
in dem eine Unzahl harmloſer Kunſtſtückchen mit dem einfachſten
Ma=
terial, dem gefalteten Papier gezeagt werden. Ein Büchlein, das
be=
ſonders geeignet iſt, lange Spielabende auszufüllen.
Weihnachtsbücher,
die von Jahr zu Jahr an künſtleriſcher Ausſtattung und auch wohl an
literariſchem Inhalt wertvoller wenden und zu Geſchenken für Kinder
geeignet ſind, die eben das Leſen erlernt haben und für die andere
Lek=
türe noch zu ſchwer iſt liegen zur Beſprechung vor vom Verlag
Ger=
hard Stalling, Oldenburg, der wie ein richtiger
Weihnachts=
mann an die Kinder jeden Alters gedacht hat und deſſen Bilderbücher
ſich ſtets beſonders liebevoller Ausſtattung erfreuen. Hier iſt erſchienen
„Der kleine Häwelmann” von Theodor Storm= mit in
ihrer Primitivität ganz entzückenden Bildern von Elſe Wenz=
Vietor, dann „Die liebe Eiſenbahn” von Prof. Wilhelm
Schulz, ein ſehr luſtiges Buch mit ebenfalls ſehr eindringlich zu dem
Kinde ſprechenden Bildern, dann „St. Nikolaus in Not” von
Felix Zimmermanns, zu dem ebenfalls Elſe Wenz=Vietor
die Bilder gezeichnet hat, und drei kleine Büchlein. Das
Wett=
laufen zwiſchen Haſen und Swinegel” mit den berühmten
Kleuckens=Illuſtrationen „Das Dorf” von Robert
Reinick, mit Bildern von Gottfried Eiſenhut, und ein ganz
neuer Struwelpeter, „Der Rundfunk=Struwelpeter” von
A. A. Avierinos.
Der Verlag Franz Schneider, Berlin, legt für reifere
Kinder ein wundervolles Weihnachtsbuch von Sophie Reinheimer
vor: „Der Frühling und der Nikolaus”, zu dem Erich
Schütz einen Buchſchmuck geliefert hat, der ebenſo vielſeitig, wie
künſt=
leriſch wertvoll iſt und in dieſem Illuſtrator einen Meiſter der Zeichnung,
wie der Farbe und der reichen Erfindung verrät,
Auguſt Scherl G. m. b. H.. Berlin, bringt eine
Sternen=
geſchichte für die Jugend von Fritz Pferdmenges auf den
Weih=
nachtsmarkt, die den Titel „Die Reiſe mit dem
Welten=
vogel” trägt, und die vier ſchöne farbige Bilder und 18
Feder=
zeichnungen von W. Wolfgang Breuer künſtleriſch bereichern. Der
Inhalt des Buches iſt eine Sammlung kleinerer Erzählungen, die ſich
durchweg mit den Himmelskörpern befaſſen und der reichen Phantaſie
der Verfaſſer keine Grenzen ſetzen.
Endlich iſt auch ein praktiſcher und inhaltlich reicher „Kalender
der Kinderwelt” erſchienen, und zwar im Verlag. Emil
Pinkau u. Co., Leipzig, der das Angenehme mit dem Nützlichen
derbindet und neben einem guten Kalendarium und ſchönen Bildern,
Erzählungen und Gedichte ernſten und humoriſtiſchen Inhalts
ent=
hält.
Deutſche Weihnachtsſpiele. Herausgegeben von Franz Weiner Schmidt
Koſtüme und Szenenzeichnungen von Anton Biſchof. Franz
Schnei=
der Verlag, Berlin 8W 11. 2 Mk. Der gut berufene Verlag hat
uns ſchon vor längerer Zeit einen Band. Deutſche Weihnachtsgedichte‟
und einen Band „Deutſche Weihnachtsgeſchichten” beſchert. Jetzt bringt
er mit den „Deutſchen Weihnachtsſpielen” ein ausgeſprochenes
Ge=
brauchsbuch, ausdrücklich für den praktiſchen Gebrauch geſchrieben und
ausgewählt, keine lyriſche Anthologie, die der wirklichen
Verwendbar=
keit aus den verſchiedenſten Gründen widerſtrebt.
Es gibt viele Weihnachtsſpiele, aber ſie haben faſt alle den gleichen
Fehler; ſie ſetzen eine Menge von Spielern, Koſtüme, Bühne, kurz einen
Apparat” voraus, der für die Aufführung in der Familie kurz vor der
Beſcherung undenkbar iſt. Die vorliegenden Spiele ſind ohne Bühne
und koſtümlich nur in den beſcheidenſten Andeutungen auszuführen. Eine
ausführliche Anleitung gibt am Schluß Ratſchläge und Winke. Die
mei=
ſten Spiele erfordern nicht mehr als 2, 3, 4 Kinder und ſind nicht länger
als 1, 2, 3 Seiten. Sie ſind raſch zu erlernen und inhaltlich und ſprachlich
von der echten Kinderart und Gimfachheit, die alles Sentimentale und
Unechte ausſchließt.
Almanache, Kalender
Groteſcher Almanach Weihnachten 1926, 46. Jahrgang. Oktav. 96 Seiten.
Mit Abbildungen. Koſtenlos, (G. Groteſche Verlagsbuchhandlung,
Berlin.)
Der Groteſche Weihnacht=Almanach 1926 iſt ſoeben erſchienen und
wird wegen ſeines reichen und wertvollen Inhalts und der ſchönen
Aus=
ſtattung allen Freunden des altbekannten Verlages wieder herzliche
Freude bereiten. Das Büchlein enthält u a. die meerfriſche Skizze
Geſa ſegelt” von Guſtav Frenſſen, die dem neuen großen Roman des
Dichters. Otto Babendiek” entnommen iſt, ferner von Hoinrich Federer
die hübſche Plauderei „Bei den Orgelpfeifen” aus ſeinen demnächſt
er=
ſcheinenden Jugenderinnerungen, ein köſtliches Geburtstagsgedicht von
Rudolf Herzog auf Joſeph von Lauff, den Siebzigjährigen, den „Beſach
beim Kirchenpatron” aus Lauffs neuem, humorvollem Roman „Der
Pre=
diger von Aldekerk”, einen Nachruf von Otto Brües auf den jüngſt
ver=
ſtorbenen Berthold Litzmann und vieles andere.
Der Deutſche Kalender 1927, herausgegeben von der Reichszentrale
für Deutſche Verkehrswerbung, iſt ſoeben im 6. Jahrgang erſchienen.
Dieſer Abreißkalender, der in allen Kreiſen ſich größter Beliebtheit
er=
freut, iſt für jung und alt, für Schule und Haus ein Anſchauungs= und
Bildungsmittel beſter Art, ein nationales Bilderbuch im ſchönſten Sinne
des Wortes. Der Deutſche Kalender iſt in der verhältnismäßig kurzen
Zeit ſeines Beſtehens der Kalender für das deutſche Haus geworden,
Eindringlicher als irgend welche Beſchreibung ſprechen die zum erſten
Male zur Veröffentlichung kommenden, ſorgfältig ausgewählten und
vortrefflich wiedergegebenen 122 Bilden, erinnern an all das Schöne
und Bedeutende, was Deutſchland ſein eigen nennt, und mahnen den
Beſchauer, die Heimat mehr und mehr kennen zu lernen.
Deutſche Kunſt in Heimatbildern mit Worten deutſcher Dichter. Ein
Wochen=Abreißkalender für 1927. Preis 1,50 Mk. Chr. Belſer A.G.,
Abt. Kalenderverlag, Stuttgart. Eine Galerie erleſener Kunſtblätter
nach Gemälden Aquarellen Nadierungen, Zeichnungen und
Holzſchmnit=
ten bekannter Maler der Gegenwart, meiſt anſprechende Heimatbilder
aus den verſchiedenſten deutſchen Geuen enthält dieſer neue, in feinſtem
Offſetdruck hergeſtellte Abreiß=Kalender. Wir müſſen geſtehen, daß kaum
irgendwo ſo viel des wirklich Schönen, Eigenartigen und wenig
Bekann=
ten aus unſerer Heimat zu ſchauen iſt, wie in dieſem Kalender,
Odenwald=Kalender 1927. Der Odenwald=Kalender, herausgegeben
bon Dr. J. St. Schmitt, der nunmehr im zweitm Jahrgang im
Kom=
miſſionsverlag Johann Gremm erſchienen iſt, gehört in die Reihe der
beſten Kunſtkalender. Es iſt ſeine ſpezielle Eigenart, Heimat= und
Kunſt=
kalender zugleich zu ſein. Er bringt nämlich nicht, wie dies ſonſt bei
Heimalkalendenn üblich iſt, Lichtbildaufnahmen, ſondern 52 graphiſche
Originalblätter begleiten, verſtändnisvoll geordnet und abgeſtimmt, den
Lauf des Jahres. Auch die Textze, bald ein wertvolles Gedicht, bald
ein gutes Proſaſtück, verraten eine ſorgfältige Auswahl.
Auerbachs Deutſcher Kinderkalender 1927. 45. Jahrgang. Herausgegeben
von Dr. Adolf Holſt. Mit Beiträgen der beſten zeitgenöſſiſchen
Jugendſchriftſteller (darunter auch das berühmte „Mätzchen Mohr”).
bachs Deutſchem Kinderkalender IL. Fernaul, Leipzig C 1.)
gend angepaßt und geeignet iſt ſie zu erfreuen. Neizende Erzählungen Vierzig Jahre mußten ſeit Liſzts Tod vergehen, bis dieſer in einem
wochſeln mit Theaterſtücken, Märchen, Schnurren, Gedichten und allge= höheren Sinne ungeformt gebliebene und nach Geſtaltung drängende
mein gehaltenen Aufſätzen und für den Humor ſorgt im erſter Linie Stoff ſeinen Meiſter fand. Kein weſentliches Moment, keine Epiſode,
ten weiß von dem, was er auf ſeinen gigenen Wegen, ſowie im Ver= Stile ſeiner Zeichnung entgehen laſſen. Er hat in der dem Franzoſen
hübſche Illuſtrationen, an denen das Auge ſich gern erfreut.
für Deutſche Verkehrswerbung unter Mitwirkung des Reichsverbandes Buch mit feinem Geſchmack ausgeſtattet.
der Deutſchen Induſtrie, iſt ſoeben im 3. Jahrgang im Deutſchen
Werbe=
verlag Carl Gerber (München) erſchienen. Dieſer Abreißkalender der Vogel: Als ich Hindenburg malte. Werlag Ullſtein.)
ſich im den zwei Jahren ſeines Beſtehens über Erwarten gut eingeführt
der Vielſeitigkeit,
Romane, Nobellen, Erzählungen
— Egmont Colerus, Tiberius auf Capri, Novelle. F. G. Spei= ſelbſt, bei der Arbeit, in den kurzen Erholungsſtunden, in der ſtolzen
geheftet 2.80 Mark, in Leimen gebunden 4.— Mark.)
Auf den Raum einer Nacht, der Entſcheidungsnacht des 70jährigen und ſeine Mitarbeiter — er arbeitete ja vor allem in ſeiner Kunſt. In
deutlich und zeigt den durch Blut, Verderbtheit und Sittenloſigkeit ſchalls. Dieſe Bilder ſtellen den eigentlichen Kern des Buches dar. Den
da er, in einſamem Entſetzen bis an die Schwelle des Wahnſinns ge= Vogel viele Jahre ſpäter malen durfte.
Nom zu höchſten Gedanken der Menſchenrechte emporhebt. Eine Hoch= mannſche Haus. Günther H. Wahnes. R2 Seiten, 32 Bilder auf
— Entſetzen. Roman von Mauriee Level. Autoriſierte Ueber= und Jena.
ſetzung von Georg Schwarz. Neue Berliner Verlags=Geſellſchaft m.
b. H., Berlin W 15.
klügelten, lebensunwahren Konflikten und neunmalweiſen Detektiven, fand. Einen Sammelpunkt ſolch gehobenen Lebens bildete das Haus
einer Spannung, die nichts von Hintertreppen hat, mit einem Konflikt, Freundſchaft dauernd verbunden war, gingen dort Gegel, Tieck, Jean
der alle konſtruierten Effekte meidet, und einem erleſenen Stil, der für Paul, Schelling, Schlegel und viele andere ein und aus, die alle in
dieſes Genre Neuland bedeutet.
Das beste Geschenk für lede Gelegenhelt
ist eine Originalradlerung oder ein
Radlerungen von 3.—, Reichsdrucke schon
von 75 Pfg. an in reicher Auswahl vorrätig
bei
(786a
Heinrich Schroth, vorm. Karl Buchner.
Hofbuchhandlung
Rheinstrasse15
— Caſanova von Bautzen. Roman von Joſeph Delmont. Neue
Berliner Verlags=Geſellſchaft m. b. H., Berlin W 15.
Dieſes Buch iſt ein Spiegel der Kleinſtadt, eine Geißel, die dort
hinſchlägt, wo die Peitſche notwendig. Der Dichter führt uns in die
Kleinſtadt Bautzen und deren Umgebung. Mit ätzender Lauge begießt er
die Heuchler und Dummen; die Menſchenſeele mit all ihren Schwächen
und Bosheiten iſt ihm bekannt, er legt ohne Rückſicht und mit einer
be=
wundernswerten Offenheit den Finger in offene Wunden, macht alle
diejenigen lächerlich, die ſich höher und beſſer dünken, die in Jgnoranz
auf die weniger vom Glück Begünſtigten verächtlich herabſehen. Im
„Caſanova von Bautzen” herrſcht echter grotesker Humor, die
menich=
lichen Schwächen mit Schlaglichtern belenchtend.
Sufanne. Ein Roman. Von Maria Peteani. Wilhelm
Brau=
müller, Verlag, Wien und Leipzig, 336 Seiten, broſch. 4,50 RM.,
Ganzleinen 6.— RM.
„Suſanne” iſt ein heiteres Buch, eine Lektüre für Menſchen die
nach des Tages Haſt ihre Nerven erquichen wollen. Alle Begebenheiten
werden mit liebenswürdigem Humor erzählt, gleichſam als wollte die
Autorin dem Leſer begreiflich machen, daß es gar nicht dafür ſteht, die
Dinge des Lebens tragiſch zu nehmen. Die junge Maria Peteani iſt
be=
ſonders durch ihre „Liebesleiter” überaus raſch populär geworden. Dies
dankt ſie nicht nur dem ſpannenden Aufbau ihrer Romane, ſondern auch
einem natürlichen Frohſinn, der im temperamentvollen Fluß ihrer
kulti=
vierten Sprache ſo meiſterlich zum Ausdruck kommt.
— Herman Teirlinck. Das Elfenbeinäffchen. Ein Roman aus dem
Brüſſeler Leben. Aus dem Flämiſchen übertragen von Severin
Rütt=
gers. Im Inſel=Verlag zu Leipzig. In Leinen 7.50 Mk.
Herman Teirlinck iſt der begabteſte Romanſchriftſteller der jüngeren
flämiſchen Literatur. Zu Felix Timmermans, dem eng mit der
flandri=
ſchen Erde verbundenen Dichter, bildet Teirlinck das Gegenſtück. Er iſt
ein Virtuoſe der Vielſeitigkeit, ſeine Technik beinahe raffiniert. Sein
Werk zeigt uns das neue, moderne Flandern. Der Roman, der wie
ſel=
ten einer die Geſamtheit der menſchlichen und geſellſchaftlichen
Verhält=
niſſe erfaßt, ſchildert die höhere Burgeoiſie in Brüſſel der Vorkriegszeit.
Es entrollt ſich vor uns das vielgeſtaltige Leben dieſer hybridiſchen
Hauptſtadt. Das Blut Flanderns ſtrömt in ihren kranken Körper,
kämpft duldend oder verzweifelt um ſeine Daſeinsbehauptung, um
ſchließlich von dem zerſetzenden Einfluß ſeiner franzöſiſchen Umgebung
beſiegt zu werden.
— Nordlandhelben. Ein Sagenbuch. Von Hermann Eicke. Mit 10
Ori=
ginalholzſchnitten von Hanns Zethmeyer. In Leinen geb. 10 RM.
Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin.
Hermann Eicke, der ſchon durch manche deutſch=vaterländiſche
Dich=
tung ſeine ſprachliche Kunſt bewährte, ſah aus der Enge der Gegenwart
zurück auf die Mythendichtung des Nordens und fand den Helden, der
uns heute erlebnisnah iſt; den ſtarken, aber leidenden Menſchen, dem
Schickſal untertan wie wir alle. Ob untergehend oder ſiegend, aber: als
Aufrechten. Eickes Nachdichtung ſtützt ſich dabei nicht nur auf die H.
l=
denſagen der Edda, ſondern auch auf deutſche, ſchwediſche, däniſche und
angelſächſiſche Ueberlieferungen (wie z. B. Beowulf, Brawallaſchlacht,
Starkad). Ohne Schwulſt und Verſtiegenheit läßt er das echte
urſprüng=
liche Bild nordiſchen Heldentums erſtehen. So wird ſein Buch ein
ſtar=
ker Dreiklang von Mannhaftigkeit, Wagemut und Treue.
„Gefeffelte Flammen” von Dr. Karl Maurer. Dieck u. Co., Stuttgart.
Was uns der Verfaſſer damit bietet, iſt kein ſtreng
fachwiſſenſchaft=
liches, gelehrtes Werk, ſondern ein raſcher, aber um ſo unterhaltender
Rundgang durch das Gebiet der Wärmetechnik. So iſt ein
intereſſan=
tes und intereſſierendes Bichlein entſtanden, voll buntfarbiger
Streif=
lichter, voller Anregungen, eine angenehme Lektüre an langen
Winter=
abenden, aus der viel Wiſſenswertes zu gewinnen iſt. Auch die Frauen
können ſo manches für Haushalt und Wirtſchaft daraus entnehmen. Die
Ausführungen ſind zudom durch eine Reihe anſchaulicher Abbildungen
unterſtützt. Der geringe Preis macht es allen möglich, ſich das Werk
zu kaufen.
Bildende Kunſi, Theater, Muſik
Mit Plauderecke, Muſik= und mehrfarbiger Spielbeilage und ausge= Guy de Pourtales: Franz Liſzt. Roman des Lebens. (Deutſche
Aus=
ſtattet mit vielen bunten und ſchwarzen Bildern, Gutes Papier, hübſch gabe, übertragen und mit einem Nachwort verſehen von Hermann
und dauerhaft in Halbleinen gebunden, mit mehrfarbigem Einband= Fauler.) UrbanVerlag, Freſburg i. Br. In Ganzleinen 8,50 Mk.
deckelbild in feinſtem Offſetdruck. Preis 2 Mk. (Verlag von Auer= Von Wagners großem Freund und Förderer Franz Liſzt hat Guy
de Pourtales ein Porträt von höchſter Kraft und innerer Wahr=
Dieſer älteſte und verbreitetſte aller deutſchen Jugendkalender bietet, heit in engem Anſckluß an dio Begebenheiten des überreichen
Künſtlei=
auch in dieſem Jahre in reicher Fülle und bunter Abwechſelung vieles lebens und ſeiner Zeit geboten, einen „Roman des Lebens”, wie er es
Ernſte, Heitere und Belehrende aller Art, das dem Verſtändnis der Ju= nennt. Deutſche Ausgabe mit einem Nachwort von Hermann Fauler,
das berühmte „Mätzchen Mohr”, das vielerlei Wiſſenswertes zu berich= keine Perſönlichkeit von Bedeutung hat ſich der Autor im zwingenden
kehr mit dem ſchwerhörigen. Onkel Hahnemann” erlebt hat. Den ebenſo eigenen, feinſinnigen Art zu komponieren und zu konzentrieren
verſtan=
trefſlichen wie vielſeitigen Text begleiten ſehr zahlreiche und wirklich den, die nun ſeinem geiſtreichen und ſprühenden Buche jenen Reitz
ver=
leicht, der es bei aller hiſtoriſchen Treue aus der Atmoſphäre der üblichen
Wagner=Liſzt=Literatur heraushebt. Die Uebertragung Hermann Faulers
Deutſcher Werkkalenber 1927, herausgegeben von der Reichszentrale hat dem Buch von dieſem Reiz nichts genommen. Der Verlag hat das
Aus dieſem Buch ſteigt eine Zeit herauf, die für uns ein doppeltes
hat, zeigt auf 122 Blättern auf Kunſtdruckpapier in ſorgfältig ausge= Gewicht hat: ſie liegt hiſtoriſch abgeſchloſſen hinter uns und iſt uns
wählten, glänzenden Bildern das ſchaffende Deutſchland. Es erſteht die dennoch im Innerſten vertraut. In tagebuchartigen Briefen an ſeine
Welt des deutſchen Fleißes und der deutſchen Arbeit mit ihren ſtolzen Frau hat der bekannte Maler Hugo Vogel die Eindrücke feſtgehalten,
Leiſtungen in Induſtrie und Tachnik, vom gigantiſchen Hochofen bis zum die er gewann, als er, in den Jahren 1915 und 1916, im öſtlichen
Haupt=
edelſten kunſtgewerblichen Erzeugnis in bunter Reihe und übemaſchen= quartier an Porträts Hindenburgs und an Bildern zur Schlacht bei
Tannenberg arbeitete. Als Gaſt des Feldmarſchalls, konnte Vogel das
Leben und Treiben im Hauptquartier genau beobachten. Dieſe Briefe
werden nun, unverändert, ſo, wie ſie unmittelbar nach dem Erlebnis
ent=
ſtanden, in Buchform veröffentlicht. Mit großer Anſchaulichkeit werden
die bekannten Heerführer im Oſten geſchildert, vor allem Hindenburg
delſche Verlangsbuchhandlung, Wien und Leipzig. (200 Seiten Oktau, Freude des Erfolges und in den ſchweren Kämpfen mit Sorgen und
Zweifeln. Aber nicht nur in Worten zeichnete Vogel den Feldherrn
Cäſar zuſammengedrängt, macht dieſe hinjagende Novelle der Angſt den zahlreichen vorbereiteten und improviſierten Skizzen und Gemälden er=
Schnittpunkt zweier Zeitalter, darin mit der Gegenwart ſich berührend, faßte er maleriſch die Geſtalt Hindenburgs und die Umgebung des
Mar=
ſchreitenden Tyrannen in dem Augenblick auf dem Gipfel ſeiner Macht, Abſchluß bilden die Porträts des Reichspräſidenten Hindenburgs, die
bracht, ſich als Einziger im Weltreich aus dem Sumpfe des ſterbenden — Freundliches Begegnen. Goethe Minchen Herzlieb und das
From=
ebene ſeines Schaffens hat Colerus mit dieſer grandioſen Nobelle erreicht. Tafeln in Leinwand geb. 6,50 Mk. Fr. Frommanns Verlag Stutgart
Neben ihrem dichteriſchen und philoſophiſchen Schaffen führten die
Großen der klaſſiſchromantiſchen Epoche ein bürgerlichmenſchliches Da=
Aus dem Wuſt der Kriminal= und Detektivgeſchichten mit ihren er= ſein, in dem ihre Geiſtigkeit ihren menſchlich=erfreulichen Niederſchlag
hebt ſich dieſes Buch wohltuend ab. Auch ein Kriminalroman, aber von des Buchhändlers Frommann. Außer Goethe, der der Familie in naher
perſönlichen Aeußerungen oder in Briefen die frohe Freizügigkeit, die
urbane Gaſtlichkeit der Familie Frommann rühmten und ihr ein
dank=
bares Erinnern wahrten. Die freundſchaftlichherzliche Zuneigung, die
Goethe zu Minchen Herzlieb trug und die ihre Geſtalt in den 17
So=
netten, in der Ottilie der Wahlverwandtſchaſten fand, bildet den zarten
Unterton der Schilderung dieſer Zeit. 32 mit großer Sorgfalt
repro=
duzierte Bilder auf Tafeln ſchmücken das reizvolle Buch, das allen denen
empfohlen ſei, die von einem Buch mehr als flüchtige Senſation und
FEUTSTLTk ſeichte Unterhaltung verlangen. Unſere Zeit beginnt wieder Freude am
Beſinnlichen zu finden; hier iſt ein liebenswürdiger und geiſtreicher
Führer in dieſes Land, in das der Weg ſo weit iſt.
Neunzehn Kulturſtufen des vorgeſchichtlichen Menſchen mit
Schätzungs=
zahlen zur Erdgeſchſichte von Adam Spamer. In feſten Umſchlag
ge=
heftet 2,50 RM. Zu beziehen durch den Verlag (Buchdruckerei
Wil=
helm Engel, Schotten).
Die fyſtematiſche wiſſenſchaftliche Gliederung der archäologiſhen
Funde (ſeither nach franzöſiſchen Fundorten) bildet ſchon ſeit Jahren
ein Schmerzenskind für die deutſchen Forſcher: Warum in Deutſchland
franzöſiſch ſchreiben? Der Verfaſſer löſt unter Abſchnitt X ſeines
Wer=
kes die Schwierigkeiten auf die einfachſte Weiſe durch 19 ſortlaufende
arabiſche Ziſſern, ſo daß die ſtörende Nationalität im Wegfall kommen
kann. Da es feſteht, daß der älteſte Menſch (der Ur=Robinſon) bis in
die Tertjärzeit hineinreicht, wurde die Tafel unter Abſchnitt Xll
erfor=
derlich, die in leichtfaßlicher Ueberſicht uns Kunde gibt von den gewaltig
großen Umriſſen der Urgeſchichte. Die techniſche Anordnung der Tafeln
X und XII bricht grundſätzlich mit der bei den meiſten geologiſchen
Wer=
ken ſich vorfindenden Gepſlogenheit, mit den jüngſten Geſchehniſſen zu
beginnen und bei den älteſten Beſten zu enden. Jedenfalls wird das
Buch großes Intereſſe erwecken und zu mancherlei Diskuſſion Anlaß
geben.
Dr. R. Kropeit: Werbearbeit, Werbe= und Vertriebslehre für Kaufleute.
256 Seiten mit 14 Beiſpielen, 12 illuſtrierten Muſtertafeln und 7
Or=
ganiſationsplänen, 7,50 Mk. (Erka=Verlag, G. m. b. H., Rhens am
Rhein.)
Im letzten Teil dieſer von Sachkonntnis und praktiſcher Erfahrung
zeugenden zeitgemäßen Arbeit kleidet der Verfaſſer im Abſchnitt „
Nutz=
amwendung” den Zweck ſeines Werkes in die folgenden Worte: Alles in
allem; eine nach der Zeitfolge geeignete Arbeitsanweiſung für die
Re=
klame der Unternehmung, verbunden mit dem Verſuch, dem
kaufmän=
niſchen Nachwuchs durch eine „Werbelehre‟ Gelegenheit zur
Selbſtaus=
bildung im Reklameweſen zu geben. Dieſe Aufgabe löſt der Verfaſſer.
Er zeigt, worin Werbearbeit beſteht und wie ſie geleiſtet werden ſoll,
Der logiſche Aufbau und die klare Sprache das Vorgetragenen machen
dieſe Werbelehre zu einem wertvollen Leitfaden für Kaufleute aller
Bildungsgrade. Das Buch ſollte nicht wur von allen ſelbſtändigen und
angeſtellten Kaufleuten gekauft, ſondern auch aufmerkſam geleſen werden.
Säuglingsgymnaſtik. Von Mafor a. D. Neumann=Neurode. Mit einem
Vorwort von Prof. Dr. L. Langſtein. 6. und 7. neubearbeitete
Auf=
lage, 21.—30. Tauſend. 40 Seiten und 20 Abbildungen. Gebunden
1,80 Mk. Verlag von Quelle u. Meher in Leipzig.
Die vorliegende Arbeit gibt ein erprobtes Syſtem der
Säuglings=
ghmnaſtik, wie es an der Reſchsanſtalt zur Bekämpfung der Säugliugs=
und Kleinkinderſterblichkeit eingeführt iſt. Die neue Auflage bringt 20
Uebungen für Arme, Beine, Nacken, Bruſt. Bauch und Wirbelſäule des
Kindes. Die genauen Anveiſungen ermöglichen auch der geübten
Laien=
hand, die Uebungen am Kinde vorzunehmen. Den Müttern,
Kinder=
pflegerinnen und Aerzten kann das Büchlein empfohlen werden.
Autoſport iſt Trumpf! Jeder muß heute etwas vom Auto verſtehen!
So hat denn der bekannte Herreufarer Dr. K. A. Kroth — wer wäre
auch berufener geweſen als er? — ein prächtiges Handbuch für alle
Auto=
beſitzer und die es werden wollen, geſchaffen, betitelt „Mein Auto”, das
verdient, in die Hände jedes Intereſſierten zu gelangen. Seine
ausge=
zeichneten Erläuterungen, Darſtellungen und nicht zuletzt ſeine
ſym=
pathiſche Schreibweiſe werden jedermann gefangen nehmen. — Das Buch
wurde vom bekannten Verlag der „Stuttgarter Sportbücher”. Dieck
u. Co., Stuttgart, glänzend ausgeſtattet.
Rationalifierung und Sozialpolitik. Von Dr. Bruno Nauecker. 88
Sei=
ten. Preis kartoniert 2 Mk. Sieben=Stäbe=Verlag G. m. b. H.,
Ber=
lin=Zehlendorf.
Der als ſoziakpolitiſcher Schriftſteller weithin bekannte Verfaſſer
ſchildert in dem erſten Teil ſeines Buches eindringlich und eingehend die
Wirkungen der Nationaliſierung auf die Sozialpolitk. Nach einer
knap=
pen und klaren Kennzeichnung des Begriffes der Rationaliſierung ſtellt
er die Ergebniſſe der bisher geleiſteten wiſſenſchaftlichen
Rationaliſie=
rungsarbeit dar, unterſucht hieran anſchließend deren Auswirkungen in
der Praxis des Gewerbes, der Landwirtſchaft und des Handels. Im
Hauptteil des Buches ſchildert er die ſozialpolitiſchen Folgen der
Ratio=
naliſierung: die zeitweilige Arbeitsloſigkeit, die Mechanſierung und
Ent=
geiſtigung des Arbeitsprozeſſes als Folge der Mechaniſi rung, die
Ein=
flüſſe auf Arbeitszeit und Arbeitslohn uſw. Abſchließend behandelt er
die Gegenwirkungen gegen dieſe zum Teil ſchädlichen Folgen.
Nummer 349
Freitag, den 17. Dezember 1926
Geite 13
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Montag, 20. Dezember. Keine Vorſtellung.
Freitag, den 17. Dezember 1926
Geite 15
Nummer 349
Sport, Spiel und Zurnen.
Der Sport des Sonntags.
Fußball.
der Bezirk Bayern macht inſofern eine Ausnahme, als hier mit
ziemlicher Regelmäßigkeit nie mehr als vier Spiele am Sonntag
ſtatt=
finden, ſo daß jewells mindeſtens zwei Mannſchaſten ſpielfrei ſind. Am
kommenden Sonntag ſind Bayreuth und F.=C. Fürth ſpielfrei. In
Fürth ſteigt ein bedeutſames Treffen zwiſchen dem beutſchen Meiſter,
Sp.=Vg. Fürth, und dem ſüddeutſchen Meiſter, Bahern=München. Die
Frage nach dem Sieger iſt nicht ſo leicht zu beantworten, denn die
Bayern kämpfen um den zweiten Platz, der ihnen die
Teilnahmeberech=
tigung an den Endſpielen verſchafft. Andererſeits könnte nämlich eine
Niederlage die Bahern auch um den 3. Platz bringen, und damit wären
die Endſpielträume ausgeträumt. Man wird alſo das Spiel offen
laſſen müſſen. Der 1. F.=C. Nürnberg empfängt im Münchener S.=V.
1860 einen Gegner, der ebenfalls nicht leicht genommen werden darf
und ſeinerſeits ſtark nach oben drängt. Obwohl dem 1. F.=C. ein Sieg
zuzutrauen iſt, ſollte man nicht allzu ſicher darauf bauen. Der V.f. R.
Fürth hat in München gegen Wacker kaum Ausſichten und die
Augs=
burger Schwaben werden auch auf eigenem Platz dem A.S. V. Nürnberg
kaum gefährlich werden können. — Im Bezirk Württemberg—
Baden haben ſich die Stuttgarter Kickers durch ihre Niederlage vom
Vorſonntag der Möglichkeit begeben, mit einem evtl. Siege über den
Karlsruher F.=V., wenigſtens um den zweiten Platz konkurrieren zu
können. Im Uebrigen ſcheint es auch wenig wahrſcheinlich, daß ſich der
K.F.V. in Stuttgart beide Punkte abnehmen läßt. Der V.f.B.
Stutt=
gart ſpielt in Freiburg gegen den S=C. und wird ſich vor
Ueber=
raſchungen hüten müſſen. Phöni==Karlsruhe, Bezwinger der Rickers,
wird dieſem Erfolg wohl kaum einen weiteren über den S.=C.
Stutt=
gart gnreihen können. V.fR. Heilbronn empfängt den Freiburger
F.C., der ſich ſeiner Haut zu wehren hat. Es iſt fraglich, ob es ihm
gelingen wird, ſich einigermaßen glimpflich aus der Affäre zu ziehen.
In dem Treffen Sportfreunde=Stuttgart — Union=Böckingen iſt der
Sieger ſchlecht vorherzuſagen. — Phönix=Ludwigshafen iſt
augenblick=
lich Favorit im Rheinbezirk. Am Sonntag ſollte es gegen
Pir=
maſens auf eigenem Gelände zu einem ſicheren Sieg langen. Aber auch
V.f.L. Neckarau ſollte in Sandhofen erfolgreich bleiben. S.=V.
Darm=
ſtadt ſpielt gegen den wieder aufgekommenen V.f.R. Mannheim.
Man=
heim=Waldhof kann gegen Phönis=Mannheim wieder einmal zu eimem
Siege kommen. F=C. Speyer empfängt Ludwigshafen 03. Da Spehzer
auf eigenem Platz ſpielt, iſt der Ausgang noch fraglich. — Im
Main=
bezirk gibt es diesmal keinen ausgeſprochenen Großkampf. F.S.V.
Frankfurt iſt gegen Germanig=Frankfurt und Eintracht gegen Viktoria 94
Hanau als Sieger zu erwarten. Auch Uvion=Niederrad ſollte zu Hauſe
über Viktoria=Aſchaffenburg die Oberhand behalten. Fraglich ſind die
Ergebniſſe in den Spielen V.f.8. Neu=Iſenburg—Rot=Weiß Frankfurt,
und F.=C. Hanau 9 — Offenbacher Kickers, obwohl die Gäſte jeweils
etwas mehr Vertrauen verdienen. — Ebenſo wie in Bahern, gibt es
auch im Bezirk Rheinheſſen—Saar nur vier Spiele. Der
Tabellenführer Wormatig=Worms fährt zur Haſſia=Bingen, wo für aus=
Särtige Gegner nur wenig zu holen iſt. Die Wormſer gehen hier einen
ſchweren Gang, der ſie unter Umſtänden einen oder gar beide Punkte
koſten kann. FS.V. G Mainz ſollte auf eigenem Platz
VoruſſiaNeun=
kirchen niederhalten können, obwohl das auch nicht allzu ſicher erſcheint.
Die Begegnung Saar 05 Saarbrücken gegen F.=C. Jdar iſt offen,
da=
gegen iſt Alemannia=Worms zu Hauſe gegen Eintracht=Trier als Sieger
zu erwarten. — Im Reich werden gleichfalls die Verbandsſpiele
fort=
geſetzt. Das Ausland bringt ein Länderſpiel zwiſchen den beiden
ſehr ſpielſtarken Ländern Spanien und Ungarn in Vigo.
Eishockey.
Ein bedeutſames internationales Eishockehturnier wird im Berliner
Sportpalaſt veranſtaltet. Neben den Einheimiſchen Berliner
Schlitt=
ſchuhklub und S.=C. Charlottenburg, und dem S.=C. Rieſſerſee, als
Ver=
treter des deutſchen Südens, ſind die bedeutendſten Mannſchaften des
Auslandes in Berlin zu Gaſt. So ſpielen der Wiener A.=C., Slavia=Prag
und die bekannten Oxford Canadians. Nachdem der Berliner
Schlitt=
ſchuhklub, der deutſche Meiſter, am vergangenen Sonntag den Europa=
meiſter, S.=C. Davos, überlegen abfertigen konnte, wird es intereſſant
ſein, zu beobachten, wie der deutſche Meiſter — und auch die beiden
anderen deutſchen Mannſchaften — gegen die Ausländer abſchneiden.
Schwerathletik.
Am Samstag gelangt in der Wiener Sportakademie ein
Revanche=
kampf im Gewichtsheben zwiſchen dem mehrfachen deutſchen Meiſter
Straßberger=München und ſeinem Bezwinger bei den deutſchen
Kampf=
ſpielen, Schielberg=Wien, zum Austrag. Der Mannheimer Rheinfrank
wird einen Kampf mit dem Oeſterreicher Haan beſtreiten.
Handball.
* Deutſche Turnerſchaft, Main—Rhein=Gau.
Für Sonntag ſind folgende rückſtändige Spiele angeſetzt worden:
M=Klafſe: Sprendlingen — Pfungſtadt, Griesheim — Nauheim.
De Dei Fife De Srebldterien de Gerſchene. durch Eenfelene
dadurch gefährlicher geworden. Es hat alſo keinen Zweck, ſich im Sturm
eine Kanone heranzuziehen auf die gas ganze Spiel zugeſchnitten
wird. Denn deren ſcharfe Abdeckung ſtellt dann auch die ganze
Mann=
ſchaft kalt. Der Beweis liegt in Sprendlingen, das alle Spiele der
Vor=
runde verlor und in neuer Zuſammenſetzung ſogar Griesheim geſchlagen
hat. Pfungſtadt wird ſich in acht nehmen müſſen und kann, wenn es
ſeine Kräfte voll entfaltet, gewinnen. Ein Fragezeichen bleibt die
Begegnung Griesheim—Nauheim, eben wegen Nauheim. Die einzige
Niederlage Griesheims bis jetzt in Sprendlingen war grobes
Selbſt=
verſchulden. Man iſt beim Meiſter aber gewöhnt, daß, wenn es gilt,
er auch kämpft. Spannend wird das Spiel werden, wenn Nauheim in
derſelben Verfaſſung wie gegen Pfungſtadt antritt. Sonſt kann es
katg=
ſtrophal werden.
ie Raäfchf e Stufce e e e ene eit
B=Klaſſe: Babenhauſen — Gberſtadt, Nieder=Roden — Oben=
Ramſtadt, Tv.
C=Klafſe: Benzheim— Alsbach, Arheilgen — Tgd. Darmſtadt,
Tgf. Ober=Ramſtadt—Egelsbach, Tgſ. Darmſtadt-Roßdorf und
Büttel=
born-Nauheim. Außerdem noch Jugendſpiele.
F. C. Union 1918.
Für den kommenden Sonntag hat die 1. Mannſchaft die zweite von
Rot=Weiß, V.f.L., als Gaſt zu erwarten. Es iſt eine alte
Nückſpielver=
pflächtung, welcher der Gaſtgeber nachzukommen hat. Im Vorſpiel
konn=
ten die Beſſunger aus der Rheinallge mit einem 4:l=Sieg heimkehren.
Man ginge wohl fehl, wenn man eine Wiederholung eines Sieges
vorausſagen würde. Die Mannſchaft von Rot=Weiß hat in der
ver=
gangenen Zeit erheblich an Spielſtärke gevonnen, und man darf am
Sonntag auf der Rennbahn, um 11 Uhr, ein ſpannendes Spiel erwarten.
Das Spiel iſt auch das letzte im dieſem Jahre, welches abgeſchloſſen
wurde. Vorausſichtlich gaſtiert am 2. Januar der Pokalmeiſter, H.S.V.
Rödelheim, bei dem F.C. Umon, und man darf im neuen Jahre manche
harte Kämpfe um den Sieg erwarten.
Fußball.
„Viktorig”=Griesheim—,Germania”=Pfungſtadt.
Die obigen Mannſchaften tragen kommenden Sonntag das
Ver=
bandsrückſpiel in Griesheim aus. Der Ausgang dieſes Kampf:8 iſt als
offen zu bewerten. Grigsheim hat alle Spiele auf eigenem Platz mit
einer Ausnahme mit nur einem Tor Unterſchied verloren und war
jedesmal von großem Pech verfolgt. Es iſt deshalb durchaus verfehlt,
weil Griesheim zur Zeit Tabellenletzter iſt, auf eine mindere Spielſtäuke
zu ſchließen. Lampertheim hat dieſe Annahme vergangenen Sonntag
mit einer 2:1=Niederlage auf eigenem Platz büßen müſſen. Da
Pfung=
ſtadt auswärts nie überzeugen konnte, liegt ein Erfolg Griesheims
dunchaus im Bereich der Möglichkeit.
Boren.
Berufsboxkämpfe i Frankfurt. — Haymann ſchlägt Lervy.
Die im Frankfurter Schumanntheater vor dichtgefülltem Hauſe am
Mittwoch abend ausgetragenen Berufsbogkämpfe nahmen durchweg einen
intereſſanten Verlauf und boten ſportlich viel Gutes. Die
Bantam=
gewichtsausſcheidung zwiſchen dem deutſchen Fliegengewichtsmeiſter
Harrh Stein und dem Düſſeldorfer Minow ergab einen Punktſieg von
Stein, der im Angriff genauer und durchdachter arbeitete. Minow,
ſehr=
temperamentvoll, zeigte manches Gute, ließ aber die Genauigkeit
ber=
miſſen. — Im Weltergewichtskampf zwiſchen dem deutſchen Meiſtes
Ernſt Grimm und dem öſterreichiſchen Meiſter Poldi Steinbach ſiegte
Grimm knapp nach Punkten. Beide waren viel auf Deckung bedacht,
Grimm gewann durch ſeine Ruhe und beſſere Taktik. — Eine
Ueber=
raſchung gab es im Leichtgewicht, wo der deutſche Meiſter Richard
Naujoks von dem Hamburger Sahm klar ausgepunktet wurde. Sahm
zeigte ein ausgezeichnetes Können, war ungewöhnlich flink und ſchnell,
griff beherzt an und zeigte hervorragende Technik. Ihm fehlte nur der
beſſeve Schlag. Naujoks mußte ſich viel auf Abwehr beſchränken und
kam ſelten richtig zum Angriff. Der kleine Sahm hat jedenfalls in
dieſem Kampf ſehr viel Gutes gezeigt. — Im Hauptkampf des Abends
zwiſchen den Schwergewichtlern Ludwig Haymann=München und Leroy=
Belgien war der Belgier von vornherein durch die weit größere
Reich=
weite Haymanns im Nachteil. Haymann deckte gut und ſchlug ziemlich
ſcharf und genau. Der Belgier lag ſtändig im Angpiff, konnte aber
einmal wegen der guten Deckung Haymanns und dank ſeiner geringen
Reichweite ſelten richtig landen. Mehrmals mußte er ganze
Schlag=
ſerien hinnehmen, zeigte ſich aber hier ſehr zäh. Der hohe
Punkte=
ſieg von Haymann kam daher nicht überraſchend. Der Belgier mußte im
der neunten Nunde ſogar bis neun zu Boden. Mit Ausnahme des
Schwergewichtskampfes, der über zehn Runden führte, gingen ſämtlich=
Kämpfe über acht Runden zu je drei Minuten.
Schach.
Internationales Schachturnier in Meran.
Der neunte Spieltag des Meraner Schachturniers blieb den drei
ausſtehenden Hängepartien reſerviert. Meiſter Grünfeld, der ſeine
An=
hänger ſchon durch ſechs Nemispartien enttäuſchte, leiſtete ſich diesmar
ſogar gegen den Engländer Yates im Endſpiel ſoviel Fehler, daß ev
verlor. Somit iſt keiner der Turnierteilnehmer mehr ungeſchlagen.
Yates verbeſſerte ſeine Poſition weiterhin, indem er aus der
ſeh=
ſchwierigen Stellung gegen Calapſo noch ein Remis herausholte. Der
italieniſch Meiſter Roſelli kam endlich einmal zu ſeinem erſten Sieg, nach
einer Serie von ſechs hintereinander folgenden Niederlagen, und ſchlug
den jungen Schweizer Grob, der, im Gegenſatz zu ſonſt, recht unachtſam
ſpielte und die Partie direkt verſchenkte .
Ein deutſch=ſchwediſcher Schachfernkampf.
In einem deutſch=ſchwediſchen Schachfernkampf zwiſchen dem S.C
Charlottenburg und dem Allgemeinen Schwediſchen Schachklub.
Stoch=
holm, in dem die Schweden die erſte Partie gewannen, konnte der SCC.
die ſoeben beendete zweite Partie, eine franzöſiſche Partie mit Allechin=
Eröffnung, gewinnen.
Der Fernflug Genua—Brafilien, den der Braſilianer Barros imt
November mternommen hatte, iſt geſcheitert, da Barros auf den Cap
Verdiſchen Inſeln den Weiterflug aufgegeben hat.
g:40 :36 Stunden lief in Lakewood (Newv York) der Amerikaestz
Harveh Frick übar die 42,3 Klm. lange Marathonſtrecke.
Wetterbericht.
Wettervorherſage für Samstag, den 18. Dezember 1926.
MNach der Wetterlage vom 16. Dezember 1926.)
Bei wechſelnder Bewölkung keine weſentliche Aenderung der Teuf=
Heſſiſche Wetterdienſtſtelle.
veraturen, vielfach trocken.
Hauptichriftleitung • Rudolf Maupe
Verantwortich für Polliſt und Wirtſchaſt: Rudelf Mauve; für Feullleton, Reich und
Ausiand und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe: für Sport: Dr. Eugen Buhlmannz
für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für den Inſeratenteil: Willy Kuble:.
Druck und Verſag: C. C. Wittich — Gmilich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 20 Geiten.
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Karr 2 20
We2uue R
Nummer 349
Freitag, 17. Dezember
Telegraphiſcher
Giroüberweiſungsverkehr.
Am 20. Dezember 1926 richtet die Reichsbank —
zunächſt verſuchsweiſe — neben dem brieflichen einen
telegraphiſchen Girvüberweiſungsverkehr ein.
Von dem genannten Tage ab nehmen ſämtliche Reichsbankanſtalten
von den Inhabern der bei ihnen geführten Girokonten Aufträge zur
telegraphiſchen Ueberweiſung von Beträgen jeder Höhe auf
Reichsbank=
girokonten, die an anderen Reichsbankplätzen geführt werden, entgegen,
und zwar bis 11½ Uhr, Samstags bis 11 Uhr vormittags.
Für jede telegraphiſche Ueberweiſung iſt ein beſonderer roter Scheck
auszuſtellen; er iſt oberhalb der in Ziffern geſchriebenen Summe (rechts
oben) mit dem deutlichen Vermerk „telegraphiſch” zu verſehen und mit
entſprechendem mündlichen oder ſchriftlichen Hinweis bei der das Konto
des Ueberweiſers führenden Reichsbankanſtalt einzureichen. Sonſtige
An=
tragsformalitäten ſind nicht zu erfüllen.
Die Gebühr beträgt //o Prozent des zu überweiſenden Betrages
mindeſtens 3 RM., und iſt bei der Einlieferung des roten Schecks zu
zahlen. Die Koſten des von der Reichsbank abzuſenden Telegramms ſind
in der Gebühr enthalten und daher nicht beſonders zu entrichten. Die
Aufträge werden von der Reichsbank ſtets mittels einfachen Telegramms
ausgeführt. Entſtehen durch Schuld oder auf Veranlaſſung eines
Konto=
inhabers, z. B. infolge unzutreffender Auftragserteilung oder aus
ir=
gend einem anderen, von ihm zu vertretenden Grunde Koſten für
Tele=
gramme oder Ferngeſpräche, ſo hat der Kontoinhaber ſie zu tragen.
Ein etwa erforderlicher Rückruf einer telegraphiſchen Ueberweiſung
iſt ausſchließlich bei der mit der Abſendung der Ueberweiſung
beauftrag=
ten Reichsbankanſtalt anzubringen; er kann jedoch nur ſolange
berück=
ſichtigt werden, als das betreffende Telegramm noch nicht abgeſandt iſt.
Ein Schaden, der durch unrichtige Uebermittlung, Irrtum oder
Mißverſtändnis beim telegraphiſchen oder telephoniſchen Verkehr
ent=
ſteht oder dadurch mit veranlaßt wird, trifft lediglich den Auftraggeber.
Die Reichsbank übernimmt auch keinerlei Gewähr dafür, daß die
telegra=
phiſchen Ueberweifungen in einer beſtimmten Zeit, wie ſie etwa der
Ueberweiſer ſich ausgerechnet haben mag, zur Gutſchrift gelangen.
Im übrigen gelten auch für den telegraphiſchen Giroverkehr die
all=
gemeinen Beſtimmungen über den Giroverkehr mit der Reichsbank.
Dieſe allgemeinen Girobeſtimmungen werden gleichzeitig durch
fol=
gende Beſtimmungen ergänzt:
Die Reichsbank behält ſich vor, den Girokontoinhabern fortan
Be=
träge aller Art, welche dieſe der Reichsbank ſchulden, z. B. Gebühren,
Portokoſten, Rückwechſel und anderes auf Girokonto unter Aufgabe zu
belaſten.
Frankfurter Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 16. Dezember.
Nachdem die Börſe in den letzten Tagen in beſſere Verfaſſung
ge=
raten war und das Geſchäft ſich wieder zu beleben ſchien, brachte heute
die Erklärung des Reichsentſchädigungsamtes über die Entſchädigung
der Canada Shares das Aufgebaute wieder ſchnell zu Fall. Die Canada
Shares, die hier nur im Freiverkehr gehandelt werden, fielen auf die
fehr enttäuſchenden Anerbieten des Reichsentſchädigungsamtes von 84
bis auf 58 zurück und konnten ſich im Laufe des Börſengeſchäfts auch
nur mäßig erholen. Wetm auch auf den anderen Gebieten große
An=
ſtrengungen gemacht wurden, um das Uebergreifen der ſchwachen
Ten=
denz zu verhindern, fo war dieſes Bemühen doch vur von geringem
Er=
folg begleitet. So verloren J. G. Farben 3 Prozent, die
Montan=
werte 1 bis 2 Prozent, die Elektrowerte bis zu 2 Prozent und die
Schiff=
fahrtswerte als ebenfalls Freigabewerte 3 bis 4 Prozent. Auf dem
Bankenmarkt war die Tendenz geteilt. Hier verloren Deutſche Bank
und Diskontogeſellſchaft 1 bis 2 Prozent, während Danatbank 1½
Pro=
zent und Commerzbank 3 Prozent höher eröffneten. Deutſche und
aus=
ländiſche Renten waren ſtark vernachläſſigt und ebenfalls etwas
ſchwä=
cher. Nur für die ruſſiſchen Renten beſtand weiteres Intereſſe bei leicht
anziehenden Kurſen.
In der zweiten Börſenſtunde wurde die Tendenz wieder allgemein
feſter auf die zweite Erklärung in der Angelegenheit der Canada
Sha=
ves, daß die aus einer kanadiſchen Direktvergütung an die Sharesbeſitzer
ſich ergebenden Möglichkeiten offenbar fortbeſtehen, d. h. alſo, daß
nie=
mand etwas verſäumt, wenn er ſeine Canada Shares nicht präſentiert.
Die anfänglichen Kurseinbußen wurden zum größten Teil daraufhin
wie=
der eingeholt. Banken, namentlich Commerzbank, in denen noch ein
leb=
haftes Geſchäft ſtattfand, ſchloſſen ſogar höher. Tägliches Geld 6
Pro=
zent. London=Paris 120¾.
Die Abendbörſe war feſt und lebhaft. Zwar konnten für die
favori=
ſierten Werte die höchſten Nachbörſenkurſe nicht vollkommen behauptet
bleiben, aber dafür erzielten andere Aktien neue Steigerungen. So waren
beſonders Elektrowerte, ferner Deutſche Erdöl und Adlerwerke ſehr
ge=
fragt. Es wurde ziemlich lebhaft gehandelt und allenthalben zeigte ſich
erneute Unternehmungsluſt. Man hegt zum Ultimo weniger
Befürch=
tungen wegen einer Geldverknappung, weil erſt am 5. Januar Zahltag
iſt und in den erſten Tagen des Januar viel Geld einzugehen pflegt.
Renten ohne Geſchäft.
Berliner Effektenbörſe.
Berlin, 16. Dezember.
Während vormittags noch mit einer freundlichen Börſe gerechnet
wurde, brachte bei Beginn des Aktienverkehrs ein Kurseinbruch in
Kana=
daſhares eine unerfreuliche Erſcheinung. Die Notierung wird im
Ver=
lauf der Börſe vorgenommen werden. Im Freiverkehr hörte man
während der erſten Stunde einen Preis von 65—67, nachdem der geſtrige
Schlußkurs noch auf 85¾ lautete. Dieſer Vorgang verſtimmte
natur=
gemäß an den übrigen Wertpapierbörſen und erlahmte die
Unterneh=
mungsluſt noch weiter. Die Kursveränderungen betrugen nach beiden
Seiten durchſchnittlich ½ Prozent. Verhältnismäßig freundlich notierten
Elektroaktien und Montanwerte, ſowie die meiſten Nebenmärkte.
Schiff=
fahrtsaktien bröckelten leicht ab. Auch chemiſche Werte gaben nach. J. G.
Farben 307½. Am Terminaktienmarkt wurden heute die Aktien der
Rh. Elektrowerke, der Schleſ. Elektrowerke, der Vgt. Glanzſtoffwerke,
Glanzſtoffabriken, der Th. Goldſchmidt A.G. und des Eſſener
Steinkoh=
lenwerkes neu eingeführt. In Bankaktien war das Geſchäft lebhaft.
Danarbank begann mit 4 Prozent und die übrigen Banken 1—1½
Pro=
zent höher. Kommerzbankaktien notierten 2 Prozent höher und
gewan=
nen bald neue 2 Prozent hinzu. Heimiſche Staatsventen ruhig und
vor=
wiegend behauptet. Am Geldmarkt war Tagesgeld immer noch ſtärker
gefragt. Der Satz hielt ſich auf der Höhe von 5—6½, Monatsgeld war
mit 7—8 Prozent ſehr ſchwierig zu haben. Im Deviſenverkehr waren
keine bedeutenderen Bewegungen aufzuweiſen. Das Pfund befeſtigte ſich
gegen Kanel, während die Reichsmark auf 4,2030 nachgab. Die
Speku=
lation betätigte ſich im weiteren Verlauf der Berliner Börſe beſonders
rege am Bankaktienmarkt, deſſen führende Werte 2—3prozentige
Steige=
rungen gegenüber, den erſten Kurſen durchſetzen konnten.
Kommerzbank=
aktien zogen bis 208 an. J. G. Farbeninduſtrie erholten ſich bis auf
314. Am unnotierten Markt war großes Geſchäft in Roggen=
Renten=
bankaktien, die zwiſchen 177 und 181 gehandelt wurden. Privatdiskont
kurze Sicht 47. Prozent lange Sicht 4½ Prozent. Die Börſe ſchloß
all=
gemein in feſter Haltung, die ſich auch auf die Nachbörſe übertrug. Im
Mittelpunkt ſtanden ſpäter Schiffahrtsaktien, Montanaktien und
Elektro=
werte, Oſtwerke 248¾, J. G. Farben ſchloſſen zu dem weſentlich
er=
höhten Stand von 317½ und konnten dieſen an der Nachbörſe voll
be=
haupten.
15. 12. 116. 12
15. 12. 116. 12.
Aſchaffb. Zeliſtoff.
42. 2*
Hemoor Zement. . . . 1210.— 215.—
Augsb.=Nürnb. Maſch /121.125/ 123.75 „Hirſch Kupfer ... .. . / 101 5 105.—
Bamag=Meguin .. .. 1 51.625) 52. böſch Eiſen ... . . . . . / 158.6251 161.—
Berl. E. W. Stamm. 148.
152.— Hohenlohe Werke... / 23.25
23.75
Berlin. KarlsruheInd / 92.25 93.75 Kahla Porzellan ..
99.75 1 100.—
Braunkohl.=Briketts. / 162.75 163.5 Lindes Eismaſch. . . . / 159.
159 75
Bremer Pulkan .... / 105.— 106. — „Lingel Schuh. . . . . . . 73.25 75.
Bremer Wolle. . . . . . / 155.— 154.— Linke u. Hofmann . . 1 78.5 81 375
Teutſch.=Atlant. Tel. / 84.1 51 171.5 12. Loewe u. Co.... . / 219. — 220.75
Deutſche Maſchinen. 4111.75 112. — K. Lorenz ......... /111.—
112.5
Deutſch.=Nieb. Tel.. . 10.1251 10.— INdl. Kohle. ... . . . . . / 173.5 173.5
Teutſche Erdöl ..... 171.25 172 625fNordd. Gummi. . . . .
Eeutſche Petroleum.
73.— Trenſtein. . . . . . . . . . 134.75 134.875
Ilt. Kaliwerke.
117.75 117.25 Rathgeber Waggon . / 66.75 1 69.—
Donnersmarckhüte . . / 123.75 124.75 Rombacher Hütten.. / 13.5
14.—
Tynamit Nobel. . . . . / 150.125) 150.5 Roſitzer Zucker. . . . .. / 83.—
85.875
Rektr. L eferung. . . . 1 145.25 149 5 Rütgerswerke . . . . . . / 129.— 130.25
E. G. Farben .. . . . . / 308.5 308.125/ Sachſenwerk
1411.8751 112.—
D. Friſter. . . . . . . . . . / 94.125/ 94.5
Sächſ. Gußſtahl .... / 150.— 150 —
Taggenau Vorz.. . . . ) 53.5 1 53.— Siemens Glas. . . . . . / 163.— 164.25
Eelſenk. Guß ſtahl. . . / 12.75 12.
Ver. Lauſitzer Glas. / 125.
126.5
G. f. elektr. Untern.. /172.5 173.75 Volkſtedter Porzell. / 10.5
51.—
Halle Maſchinen. . . . / 161.— 1161.5 (Weſtf.E. Langendreer / 65.75 C6 25
Han. Maſch.Egeſt.. . . 1101.— / 101.75 WWittener Gußſtahl.. / 61.—
63.—
Hanſa Dampfſchf.. . .
— 192.— Wanderer=Werke. . . . 1 187.5 190.—
Deviſenmarkt.
15. 12 16. 12. Geld /Brief Geld Brief Amſterdam= R. 1167.87/168.291 167.83/168. 25/Wien D.=Oſt.abg. / 59.17 59.31 1 59.18/ 59.32 Buenos=Aires. / 1.7i7 t.7211 1.7181 1.722/Prag.. Brüſſel=Antw. / 58.3958.53 58.39/ 58.53/Budapeſt. 108.02/106.281 105.79/106.05Japan. Stockholm Hii2.t4tte 42/ 112.12/112.40 Sofia Helſingfors . . /10.557/10.597/ 10.557/10.597Jugoſlavien Italien . . . . 118.63 18.67 18.88 18.92/Konſtantinopel . / 2.112/ 2.122/ 2-115/ 2. 125 20.358 20.408/ 20.363 20.413/Lifſabon. New=York. . .y 4.197/ 4.2071 4.1955/4.2055/D anzig I16 66 18.70 16.85 16.89 ſAthen 81.14 181.34 81.12 81.32/Kanada. 64. 14/ 64-30/ 63.99/ 64.15/üruguay.. 15. 12 18 12. Geld/ BrieilGeld / Brief 12.43 f12.47 112.424/12.464 5.867/ 5.8971 5.8751 5.895 2.045/ 2.049/ 2.055/ 2.059 3.032/ 3.042/ 3.032/ 3.042 7.402/ 7.4221 7.395/ 7.415 81.515121.625/21.495 21.545 81.47 81.67 81.47,81.67 5.34 5.361 5.34 5.36 4.191/ 4.200 4 191/ 4.201 4.255/ 4 2651 4.25 4.26 Oslo ..."
Kopenhagen . lirf s6/1t2.141 111.79/112.07Rio de Janeiro. / 0.4941 0.496/ 0.4951 0.497
London ..
Paris ..
Schweiz
Spanien
Neuzulaffungen zur Frankfurter Börſe. Zur Frankfurter Börſe
wurden nunmehr zugelaſſen die 21 Millionen neuen Stammaktien der
Hapag. Der Proſpekt iſt der gleiche wie der anläßlich der Einführung
der Aktien im November zur Verliner Börſe. Ergänzt wind nur, daß
die bekannte Fuſion der Hapag mit der Deutſch=Auſtraliſchen
Dampf=
ſchiffahrtsgeſellſchaft und der Deutſchen Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft
Kos=
mos inzwiſchen von den Hauptverſammlungen genehmigt worden iſt.
Zulaſſungsantrag zur Frankfurter Börſe wurde geſtellt für die 8 Mill.
GM. 7prozentige Teilſchuldverſchreibungen der Mainkraftwerke A.=G.,
Höchſt a. M. Dieſe ſind zum Nennwert bis 1961 rückzahlbar. Vom
Oktober 1927 iſt eine verſtärkte Ausloſung und Geſamtkündigung zuläſſig.
Um die Schaffung eines internationalen Wechſel= und Scheckrechts.
Im Völkerbundsſekretariat iſt ein Sachverſtändigenkomitee für die
Ge=
ſetzgebung des internationalen Wechſel= und Scheckrechts
zuſammen=
getreten. Das Komitee hat die Aufgabe, zunächſt feſtzuſtellen, welche
Schwierigkeiten ſich für den internationalen Handel aus den
Verſchieden=
heiten der Geſetzgebung der einzelnen Länder im Wechſel= und
Scheck=
recht ergeben, ſowie auf welche Weiſe eine Vereinheitlichung erzielt
werden kann. Insbeſondere ſollen die Sachverſtändigen prüfen, welche
Verſchiedenheiten in der Geſetzgebung des Wechſel= und Scheckrechts in
denfenigen Staaten beſtehen, die die Haager Konvention von 1912
unter=
zeichmet haben. Ferner ſollen die Sachverſtändigen prüfen, welches
Syſtem des Wechſel= und Scheckrechts zur allgemeinen Anwendung am
geeignetſten iſt. Deutſchland wird in dem Sachverſtändigenkomitee durch
Geheiwrat von Flotow vertreten. Am Komitee nehmen die
Sach=
verſtändigen folgendeu Länder teil: Deutſchland, Holland, Belgien,
Italien, Japan, Schweiz, Tſchechoflowakei, Dänemark, England und
Vereinigte Staaten von Amerika.
Der Saatenſiand im Deutſchen Reiche
Anfang Oezember.
Die Witterung im November war im ganzen vorwiegend milde,
abgeſehen von den erſten nud letzten Tagen, des Monats, wo zumeiſt
naßkaltes und froſtiges Wetter herrſchte. Zu Ende November ſetzten in
Norddeutſchland vielfach übermäßige Niederſchläge ein, die namentlich
in Hannoder, Weſtfalen und in der Rheinprovinz ſowie in Oldenburg
und in verſchiedenen anderen nondweſtlichen Gebieten teilweiſe ſtarke
Ueberſchwemmungen, hauptſächlich in den Strom= und
Niederungsgebie=
ten, hervorriefen. Für die Entwicklung des
Pflanzenwachs=
tums war die vorherrſchend milde November=Witterung recht günſtig,
ſo daß die junge Saat ihren bisherigen Rückſtand im Vergleich zu
nor=
malen Jahren faſt völlig aufholen konnte. Hemmungen bereitete für die
Beſtellungsarbeiten und für das Aufgehen der Winterſaaten nur noch
die Näſſe auf den ſchweren Böden, worunter beſonders der Weizen zu
leiden hat. Im allgemeinen wird der jetzige Stand des Wintergetreides
als mittel bis gut beurteilt. Nur Winterroggen zeigt vielfach ein
weni=
ger befriedigendes Ausſehen. Vereinzel wird als Urſache für dünn
auf=
gelaufene Saaten ungenügende Düngung angeben. Die
Hackfrucht=
ernte, die ſich durch die Bodenfeuchtigkeit ſtark verzögert hatte, iſt
wunmehr beendet. Sie konnte vielfah nur unter Schwierigkeiten zum
Abſchluß gebracht werden. Die Wieſen und Viehweiden ermöglichten,
begünſtigt durch das vorwiegend milde Wetter, noch weiterhin eine gute
Nutzung für den Austrieb von Vieh, wovon mit Rückſicht auf die
un=
genügende Futtermittelernte reichlich Gebrauch gemacht wurde. Auf den
Futteräckern hat ſich das Wachstum nach Bergung des letzten S. hnittes
noch kräftig endwickelt, obſchon durch das lange Lagern der Ueberfrucht
häufig Kahlſtellen entſtanden ſind. Von tieriſchen Schädlingen
werden beſonders Feldmäuſe erwähnt, deren Verbreitung durch das
milde Wetter trotz umfangreicher Bekämpfungsmaßnahmen noch
begun=
ſtigt wurde. Außerdem wird über ſtarkes Auftreten von Schnecken,
Saatkrähen und Drahtwürmern berichtet, die vorwiegend in den jungen
Saaten Schaden verurſachen.
Unter Zugrundelegung der bokannten Begutachtungsziffern ergibt
ſich für den Durchſchnitt des Deutſchen Reiches im Dezember 1926
fol=
gendes Bild:
Dezember 1926 November 1926
Winterweizen
2,6
2,8
Winterſpelz
2,5
3,0
Winterroggen .
2,8
2,9
Wintergerſte
2,6
2,6
Mit vorliegendem Bericht ſchließt die Berichterſtattung der
landwirt=
ſchaftlichen Vertrauensmänner über den Saatenſtand vor der
Winter=
ruhe. Der nächſte Bericht erſcheint Anfang April des kommenden Jahres.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 15. Dezember. Die auf
den Stichtag des 15. 12. 26 berechnete Großhandelsindexziffer des
ſtati=
ſtiſchen Reichsamtes iſt gegenüber dem 8. Dezember um 0,5 auf 130,7
zurückgegangen. Von den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugniſſe
auf 134,8 nachgegeben, während die Induſtrieſtoffe mit 123,2 nahezu
un=
verändert blieben.
Die Verhandlungen zwiſchen ber deutſchen und franzöſiſchen
Kali=
induſtrie. Wie das „Journée Induſtrielle” mitteilt, haben in den letzten
Tagen zwiſchen den Vertretern des Deutſchen Kali=Syndikats und der
franzöſiſchen Kali=Gruppe Verhandlungen ſtattgefunden. Im Lauſe
dieſer Verhandlungen ſeien die letzten ſtrittigen Punkte geregelt worden.
Es ſei damit zu rechnen, daß die endgſiltige Ratifizierung des
Abkom=
mens Ende Dezember oder Anfangs Januar in Paris ſtattfinden werde.
Einer Radiomeldung zufolge werden die Verhandlungen über die
end=
gültige Ratifizierung des deutſch=franzöſiſchen Kaliabkommens, des
ſo=
genannten Vertrages von Lugano, Ende des Monats in Paris
ſtatt=
finden.
Abſchluß des Vertrages zwiſchen der Reichsbahn und der Deutſchen
Waggonbau=Vereinigung. Von der Deutſchen Reichsbahn=Geſellſchaft
geht uns über die abgeſchloſſenen Waggonbauverhandlungen folgende
Mitteilung zu: „Nachdem der zwiſchen der vor wenigen Tagen
gegrün=
deten Deutſchen Waggonbau=Vereinigung und der Reichsbahn in
Aus=
ſicht genommene Vertrag auch in den noch offen gebliebenen Punkten
endgültig geklärt werden konnte, hat die Hauptverwaltung den Vertrag
endgültig vollzogen. Der Vorſtand der neuen Vereinigung, die in
Wirk=
lichkeit eine „Herſtellungsgemeinſchaft” iſt, beſteht aus Herrn
Kommer=
zienrat Buſch als Vorſitzenden, aus den Herven Generaldirektor Dr.
Eichberg, Direktor Erdmann, Kommerzienrat Heumann, Direktor
Hu=
bert, Direktor Koettgen, Direktor Krahé, Generaldirektor Orenſtein,
Oberingenieur Plochmann, Generaldivektor Tillmanns und
Generaldirek=
tor Traus. Dieſelben Heren führen auch den Vorſitz bzw.
ſtellvertreten=
den Vorſitz in den fünf ſtändigen Arbeitsausſchüiſſen, die berufen ſind,
die zwiſchen den Werken vertraglich feſtgelegte innige Zuſammenarbeit
der Produktionsſtätten herbeizuführen und die dauernde Fühlung mit
den Organen der Roſchsbahn aufrecht zu erhalten.‟ Das
Waggonſyndi=
kat führt den Damen „Deutſche Waggonbau=Vereinigung”.
Am 70. Geburtstag des Präſidenten der Danziger Handelskammer,
Willi Klawitter, am Mittwoch, ſprachen Präſident Dr. Sahm ſowie der
Finanzſenator Volkmann und der Senator für Handel und Induſtrie,
Frank, dem Jubilar die Glückwünſche des Senates aus und überreichte
ihm eine Glückwunſchadreſſe. Rektor und S nat der Tochniſch n
Hoch=
ſchule zu Danzig haben beſchloſſen, Herrn Klawitter in Anerbennung
ſeiner hervorragenden Verdienſte um die Förderung der Danziger
Volks=
wirtſchaft die Würde eines Doktors ehrenhalber zu verleihen.
Allgemeine Reviſions= und Verwaltungs=A.=G. in Frankfurt a. M.
Die o. H.=V. genehmigte den Abſchluß für 1925/26, der 4 Prozent
Divi=
dende vorſieht und beſchloß die Kapitalerhöhung um 200 000 auf 240000
Neichsmark.
Staatspapiere
a) Deutſche
Cl.%Reichsp.=Sch.
p. 1. 10. 30 ...
7½ Baher. Staats=
Sch. p. 1. 4. 29
8/,% H. B.-Sch
. 1. 4. 29
6=% Pr. St.=Sch.
p. 1. 3. 29
6‟.% Pr. St.=Sch.
p. 1. 10. 30.
1% Sächſ. Fr.=Sch.
p. 1. 7. 29 ....
7% Sächſ. Fr.=Sch
p. 1. 7. 30 ...
6‟=%Württ. F. Sch.
p. 1. 3. 29
Dt. Ablöſungs=Anl.
einſchließlich
Ausloſungsſcheinen
Vorkriegsanleihen
5% D Reichsanl.
4½ D. Reichsan!
4% D. Schutzgb.
08—11 u. 13...
4% D. Schutzg. v. 1.
4% Preuß. Konſ.
4% Baden. .. . ..."
4%Bayern ......
4½ Heſſen....."
4% Württemberger
b) Ausländiſche
5% Bos. E.B 1914
50 „ L.Inv. 1914
4½o „ 1898
4½% 1902 ..
4) „...."
5% Bulg. Tabal0
4½½ Oſt. Staatsr.
v. 1913, Kdb. 1918
4½%Oſt. Schatz. 14
97.25
98
96.5
97.25
96.25
97
321
0.78
Nft
15.22*
Ate
0.64
9
39.5
38.6
6.3
7.3
36
5.2
4½%Oſt. Silberr.,/ 6
Goldr.
4% „einh. R. (kon)
3% Port. (Spz) III/ 11
5% Rum am. R.03
4½% „Gold. 13.
4% „ am.konv.
4% „ am. 05.. .
4% Türk. (Adm./03
4% Türk. Bagd. I
40 „ (Bagb.) II
4% „ 1911 Boll.
4½% Ung. St. 1913
4½% St. 1914
4% „ Goldr..
„ St. 10
40 „ Kronr.
3% „ Eiſ. Tor.G.
Außereuro=
päiſche
5% Mex.am. inn.
5% äuß 99 ..
Gold 04,ſtf.
4
konſ. inn. .
36
4½% „ Irrigat.
5% Tamaulipas I
Sachwert=
Schuld=
verſchreibungen
Mit
Zinsberech=
nung
10% Berl. H.=Bk. G.
12.25
21.75
8
22.75
24
26.7
3.02
„ „1102.5
W Berl. St.=Gold.
8% Darmſt. St..G.
8½ D. Hyp.=Bank)
Meining., Goldpf. 102
3% Frtf.=Hyp.=B.=
Goldpfdbr. /103.5
3% Frkf. Pfbr.=Bk./
Goldpſdbr..
5% Frkf. Pfbr.=Bk.
Goldpfdbr. . . . . . 1 89
8% Komm. Odb. D.)
Goldſchulbver.
8‟ Heſſ. Ldb. Gold.
02 Komm= Elektr.
Mark (Hag.) Gold./103
0 Mannh. St.=G./105
82 Mainz St.=G
Naſſ. Lob. Golb./103.5
20 Pfälzer H. 2
Goldpfandbr. 101.5
3 Pforzh. St.=G./ 97.5
8% Pr. C.. B.=Cr.=B
Golbpfandbr.. . /102.5
8% Rh.Hyv=B. G./101.5
71/.%Rh. St.-W. 25/131.5
100 Rh.=Weſtf. B.,
Cr.=Bk., Goldpf.
82Südd.B.=Cr.=B.
Goldpfandbr. . . . 101.5
Ohne Zins:
berechnung
5% Bdw. Kohl. 2
6%Großkr. Mannh.
Kohl. 23
6% Heſſ. Brk.=Rog.
23
5% „Roggen . .23/
5% Pr. Kaliw. .
5% Pr. Roggenw
5 % Südd. Feſt=B. G
Vorkriegs=Hyp.=B.
Pfandbriefe
Bay Vereinsb.
Bayr. Handelsb.
Bayr. Hyp.u. Wech
Berliner Hyp Bk.
Frrf. Hyp.=Bk.
Frkf. Pfandbr.=B
Hamb. Hyp.=B..
Meckib Hyp.=u. Wb
Meining. Hyp. B1.
Nordd Gr. Fr.=Bk.
Pfälz. Hyp.=Bf. ...
Preuß. Bod.=Cr.=B
Pr. Cent.:B. Kr.=B
13.8
14.35
5.7
2.34
21.75
21. 55
19.2
15:
0.30
12.15
8.45
12.6
16
13.5
Preuß. Vfdbr.=Bk.
Rhein. Hhp.=B...
Rh..Wſtf. B.=Cr.=B
Südd. Bodenkr.
Württ. Hyp.=Bf.
Staatl. od. prov.
garantirt
Heſſ. L.=Hyp.=B.
Lanbeskr. Caſſel
Naſſau. Ldsb.
Obligationen v.
Transportanſt.
4%Dux. Bdb Em.9
49
„ 93
4½ Eliſ.=Bahn ſtfr.
425 Galiz. Carl=
Lub.=B
42
abg.
4½ Kaſchau=Oderb.
4½
„ abg.
5% Oſt. Nwſtb. 74
52 Oſt. Südb. (L).
2,6% Alte „
2,6‟ Neue
5% Oſt.=Ung. 73/74
4½Oſt. Staatsb. 83
3%Oſt. „ 1.b.8. E.
3%Oſt. „ 9. E.
3%Oſt. . 1885
3%Oſt. „ Erg. Netz
3% Raab Oedbg. 8:
g1
9
3% „
4½ Rud. Silber
4 Rud. Salzkg.)
4½%Anat., S.I
4½% Anat., S. II
4½% Anat., 6. 1II/ 27.75
3% Salon. Monaſt.
5% Tehuantepec..
4½%
Dank=Aktien
Bad. Bk.
Barmer Bantv. Salzwerk Heilbr. 149 13.2 Bay. Hyp.=Wchſ. 175.5 Tellus Bgb.. 1100 Berl. Handelsgeſ. 27 Ver. Laurahütte 75‟, 16.2515.2 Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=Bk.
Deutſche Van:
D. Eff. u. Wchſ.=Bk.
D. Hhp.=Bf. Me 258
181.25
133
13½.75 206 Ver. Stahlwerke.
Induſtrie=Akt.
Brauereien 146.25
11.77 D. Vereins=Bk. 2107.75 Eichbaum(Mannh. 10.5 Dist.=Geſellſch.
172.5 Henninger. 7.82 Dresdener Bk. 16 2.5 Hercules. Heſſiſche 112 Frankf. Bk. 123 Löwenbr.=Münch. 260 Frkf. Hyp.=Bk. 157 Mainz. Aktienbr. 180 Frrf. Pfdbr.=Bk. .. 155 Schöfferhof(Bind. 275 19.5 Gotha. Grundkr. B! Schwarz=Storchen 144 9.1 Lux. Intern. Ban 12.I Tucher, Nürnberg 140 71 Metallbank
Mitteld. Creditb 171.75
149 Werger ... 8.9 Pfälz. Hyp.=Bk. 163 Akkum. Berlin. Reichsbank=Ant. . . 16).- Adler & Oppenh... Rhein. Creditbr. . . . 135. 75 / Adlerw. (v. Kleher) 110 Rhein=Hyp.=Bk. .. 162 6% E. A. G. Vzg. A. 91.5 Südd. Disc.=Geſ. 157 5% A. E. G. Vzg. B. 85” Oſterr. Creditanſt. A. E. G. Stamm . . . /159 Wiener Bankverein 5.5 Anglo=Cont. Guano
Aſchaff. Zellſtoff.. 145 Bergwerks=Akt Badenia (Weinh.) 15.25 Bochum. Bergb. Bad. Maſch. Durl. 110.5 20 Buderus. 107 Bad. Uhren, Furtw. 33.5 Dt. Luxemburg. 169 5 Bamag=Meguin".
Baſt Nürnberg. 52.75 Eſchw. Bergw... . . 182.5 Gelſenkirch. Bgw. 169.25 Bahr. Spiegel s5 32 Harp. Bergb... . .. 183 Beck & Henkel. 73 Ilſe Bergb. St.. 2 4.5 Bergmann El.
Bing. Metall.. 155.1 24 Genußſchein. 146.75 45.25 11.25 Kali=Aſchersleb. Brem.=Beſigh=Ol. . 68 Kali. Salzbetfurt.. Bürſtenfbr Erlang. Kali. Weſterregln. Tement=Heidelb. 126.5 Klöcknerwerte ... Cement, Narlſtadt /139 Mannesm.=Röhr. 192 Cement, Lothr. . Mansfelder ...." 133.5 Chem. Albert. . . . ." 148 Oberbedarf .. . . ." 108 Chem. Brockh. 79.5 Stavi=Min.=Ant.. Chem. Milch 100 Phönix=Bergb. ... 126 Daimler=Benz A. G. 83.5 Rhein. Braunk. 237 Dt. Eiſenhandel 85 144 Rhein. Stahlw.... 193.5 Deutſche Erdöl ... /17 .5 A. Riebeck Montan 176.5 D. G. u. Silb. Scheit 173.75 Rombach. Hütte . 14 Dingler, Zweibrück.
Miit Ke
Dürrkopp..
Dürr. Ratingen /44.5
Lyckerhoff & W.
Eiſenw. Kaiſersl.
El Licht= u. Kraft
El. Lieferung ...."
Elſ. Bad. Wolle
Email. U rich ..
Enzinger Werke
Eßlinger. Maſch.
Ettlinger Spinn.
Faber Bleiſtift
Faber & Schleicher
Fahr, Pirmaſens 43
Farbenind. J. G.
Felten & Guilleau
Feinmech. (Jetter) / 87
Feiſt, Sekt. Frkf.
Frankfurter Gas.
Frankfurter Hof
Frrf.-M. Pok. u. W.
Fuch Waggon St.
Beiling & Cie..
Germania Linol.. .
Gelſenk. Gußſt.
Goldſchmidt, Th. . 1140
Gotha Waggon.
Gritzner, Maſch).. ..
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frift
Hammerſen
Hanfw. Füſſen ...
Hanſa Lloyd, Br.
Hartm. & Braun .. 1114
Heyligenſtaedt. .
Hilpert, Armatur.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch, Kupfer
Hoch=Tief Eſſen . 103.25
Holzmann
Holzverk. Ind. ..
Hydrom. Breslau
Fnag ... ...."
Funghan: St.
Kammg. Naiſersl.
Parlsruher Mach.
Nas
74.9
58
155.7.
150
3
70.1
207
97
310
152
60.5
138
82
0.*0
191
13.5
19
118
135
107.75
69
37.5
60
91
102
161
50.5
104
149
42.5
Raſ 7.
Klein Sch. & Becker
Knorr, Heilbronn
Konſerv. Braun ..
Krauß. Lokom. .
Lahmeyer .
Lech. Augsburg . . . 1114.5
Lederw. Rothe ...
Spicharz.
Lingel Schuhw.
Löhnberg. Mühle
Ludwigsy. Walzm. 107.25
Lüdenſcheid Metal!
Lux. Induſtrie
Mainkraft Höchſt
Murs=W8 Nürnberg
Metallgef. Frff. 17-
Miag. Mühlenb.
Moenus. Stamm
Motoren) Deutz".
Motorenf. Oberurſ. / 61.5
Münch. Lichtſpielk.
Neckar). Fahrz. ..
Neckarw. Eßlingen /118
Beters Union ..."
Pfälz. Näh Kayſer/y19.5
Pyilipps.
Porzellan Weſſel
Brometh. Frrf. .."
Rein. Gebb. & Schal/198.5
Rhein. Elektr. ... . 1 U
Ryenania, Aachen 6
Rutgerswerte . . . 13).5
Suleußner ... . ..
Schneid. & Hanau.
Schnellpr Frank. 83
Schramm Lackf. 75.25
Schrift, Stemp.. . 1115.25
Schuckert, Eleftr. 1.57
Schuhf. Weſiel...
Schuhf Herz ... .! 58.25
Schultz Grünlack ./ 5u
Seilind. Wolff
Siemens Glas
Siemens & Halske
Südd. Immob.
Thüring. Lief.=Geſ.
158
9.
151.
9.5
41.75
12
37.25
112.:
137
54
56
100
61
46
65
6
20
39
Uhren Furtwängl.
Beithwerke
f. Chem. Ind.
Ver. d. Olfbr. Mann
Ver. Faßf. Caſſel.
Gummi. Bln. Frrſ.
Pinſel=Nürnberg..
U1itramarin
Zellſtoff Berl.
Vogtl. Maſch.
Voig:& Haeffner.
Volthom Seil ...
Wuyß. & Frey1a/.
Wege lin Rußfbr.
Zellſt. Waldhof ..."
Zucker). Waghäuſel
Zuckerf. Frankenth.
Zuckerf, Heilbronn
Zucker. Offſtein
Zuckerf Rheingau
Zuckerf. Stuttgar
Transport und
Zerticherungs-Akt.
A. Dt. Eiſenbahn
Dt. Eiſenb.-Geſ
El. Hochbahn=BerI.
Schantung E.B...
Südd. Eiſenb.=Geſ
Hapag ....
Nordd Lloyd....."
32.5
69.5
156
13.5
2.1
116
b8. 25
138.75
10. .5
228.5
1:6.75
100
126
161.25
125.6
15.25
135
166.5
164.5
Frrſt. Allg. Verſ. 109
Frankona Rückv.
Darmſt. Berte
Baynbedarf .
ſumpft. Rodberg
Helvet a Konſ..
Gebr. Lutz ....
Notor „ Darmſt .
Hebr. Roeder.
Venulety & Ellenb.
35
15.5
35
58
5
Grantfärter Harsverichr von 10. Drürmser T0e0
[ ← ][ ][ → ] Nummer 349
Proteſte gegen die Erhöhung der Branntweinſtener. Gegen die
Er=
höhung der Brannwweinſteuer hat bekanntlich u. a. die Deutſche
Kartof=
felbaugeſellſchaft, der Reichslandbund und der Deutſche
Landwirtſchafts=
rat proteſtiert, weil daraus ſchwerſte Schäden für das landwirtſchaftliche
Brennereigewerbe entſtehen müßten. Es liegt auch jetzt eine
Entſchlie=
ßung der Hauptverſammlung der Abteilung Süddeutſchland des
Ver=
wertungsverbandes deutſcher Spiritusfabrikanten vor, in der die
Ver=
treter des bayeriſchen, württembergiſchen und badiſchen
Brennereigewer=
bes „einmütig ſchärfſte Verwahrung gegen die plötzlich von der
Reichs=
regierung beabſichtigte Erhöhung der Branntweinſteuer” einlegen. „Eine
ſolche Maßnahme” — ſo heißt es in der Entſchließung — „würde das
ohnehin ſchon ſtark gefährdete Gewerbe, in allererſter Linie die
Abfin=
dungsbrenner, vollends zum Erliegen bringen, da dadurch der Verbrauch
von Trinkbranntwein und damit auch der von gewerblichem Spiritus
noch weiter erheblich herabgedrückt würde.”
Produktenberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 16. Dezember. Weizen inl. 23,75
bis 30, ausl. 31,25—32,75, Roggen inl. 25. ausl. 26,25—26,50, Hafer
inl. 18,75—19,75, Braugerſte 26,50—29, Futtergerſte 21—22. Mais 19,25
bis 1950, Wieſenheu 8,90—9,60, Kleeheu 9,80—11, Preßſtroh 4,40—4,90,
gebündeltes Stroh 3,80—4,40, Weizenmehl 41,25—41,50, Brotmehl 31.,25
bis 31,50, Roggenmehl 34,75—36,50, Weizenkleie 11,50, Treber 16,50 bis
16,75. Tendenz: ſtetig.
Frankfurter Produktenbericht vom 16. Dezember. Die hieſige
Pro=
duktenbörſe verkehrte heute in unverändert ruhiger Haltung. Infolge
der etwas erholten Auslandsnotierungen konnten neue
Preisabſchwä=
chungen verhütet werden. Man notierte: Weizen 29—39,25, Roggen 24,25
is 24,50, Sommergerſte 24,50—26 50, Hafer inl. 19—19,50, Mais 19,50,
Weizenmehl 40,50—41.,50, Rogenmehl 35—36, Weizenkleie 11,75,
Roggen=
kleie 12.
Berliner Produktenbericht vom 18. Dezember. Die
nordamerika=
niſchen feſteren Preismeldungen machten im Berliner Produktengeſc
Freitag, den 17. Dezember 1926
Seite 17
weiter ſehr llein. Lokoweizen wie auch Roggen wurden nur unerheblich
höher, während für Lieferung bei neu auftretender Deckungsfrage feſtere
Tendenz durchſetzte. Weizen wurde für laufenden Monat 1 Mark, für
Frühjahrsmonate 1½ Mark über geſtrigem Schluß bewilligt. Roggen
war ſehr knapp und nur zu ſehr hohen Forderungen angeboten. Dies
führte im Terminhandel zu faſt völliger Umſatzſtockung, lediglich für
Mailieferungen konnte ein erſter Kurs mit einem Aufgeld von 1½ Mark
feſtgeſetzt werden. Gerſte und Hafer in der Situation wenig verändert.
Für Mehl iſt die Geſchäftslage keinesfalls gebeſſert. Im übrigen wäre
noch Mais zu erwähnen, deſſen Umſätze immer noch groß ſind. Sonſtige
Futterſtoffe, Oelſgaten und Hülſenfrüchte ruhig.
Viehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 18. Dezember. Aufgetrieben waren:
19 Ochſen, 155 Kälber, 2 Kühe, 11 Schafe. Der Preis betrug für Ochſen
52—58, für Kälber 64—78, für Kühe 52—58, für Schafe 35—40 Pf. pro
Pfund. Der Marktverlauf war für Rindvieh ſchleppend. Ueberſtand,
für Kälber und Schafe flott, geräumt.
Mannheimer Viehmarkt vom 16. Dezember. Dem heutigen
Klein=
viehmarkt waren zugefahren 10 Schafe, 181 Kälber, 227 Schweine und
560 Ferkel und Läufer. Bezahlt wurden für Schafe 34—45, für Kälber
73—77. 68—72. 56—66, für Schweine 76—77, 75—76, 73—75, 73—74
Mark für je 50 Kg. Lebendgewicht, für Ferkel und Läufer 12—42 Mark
pro Stück. Marktverlauf: Mit Kälbern mittelmäßig, geräumt, mit
Schweinen ruhig. Ueberſtand, mit Ferkeln und Läufern lebhaft.
Frankfurter Viehmarkt vom 14. Dezember. Der Auſtrieb des
heu=
tigen Nebenmarktes beſtand aus 1450 Kälbern, 585 Schafen und 809
Schweinen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Kälber b) 76
bis 80, c) 68—75, d) 60—67; Schafe a) 40—43, b) 34—39, c) 30—33;
Schweine von über 3 Zentnern Lebendgewicht 76—77, von 240 bis 300
„Pfund 76—77, von 200 bis 240 Pfund 76—78, von 160 bis 200 Pfund
75—77, von 120 bis 160 Pfund 72—75. Marktverlauf: Kälber werden
bei anfangs lebhaftem, ſpäter abflauendem, Schafe bei regem Handel
ausverkauft. In Schweinen langſames Geſchäft und Ueberſtand. Die
Fleiſchgroßhandelspreiſe wurden wie folgt feſtgeſetzt: Ochſen= und
Rind=
fleiſch 1. Qual. 90—100, 2. Qual. 85—30, Bullenfleiſch 85—92, Kuhfleiſch
1. Qual. 60—70, 2. Qual. 50—60, 3. Qual. 35—45, Kalbfleiſch 2. Qual.
95—100, Hammelfleiſch 65—75, Schweinefleiſch 90—95. Gefrierfleiſch,
Rindfleiſch: Vorderviertel 52 und Hinterviertel 58.
Frankfurter Häute= und Fef.e=Auktion. Es wurden folgende Preiſe
erzielt, ohne Kopf bzw. mit Kopf: Kuhhäute von 30—49 Pfund 71,25
bis 76, 64,75—67,50; von 50—59 Pfd. 85,25 —91,25, 68,25—71: von 60
bis 79 Pfd. 88—93, 74—80; von 80 bis 99 Pfd. 90—94, 79,75.
Ochſen=
häute von 30 bis 49 Pfd. 69,25, 58; von 50 bis 59 Pfd. 89,75—90 25:
von 60 bis 79 Pfd. 90,75—95,75, 76 50—77: von 80 bis 99 Pfd. 86—30,25,
80; von 100 und mehr 87—89,25, 70. Ninderhäute von 40 bis 49 Pfd.
83—92, 75,75—76; von 50 bis 59 Pfd. 26—32, 74—75,25; von 60 bis 79
Pfd. 95,25—98,75, 80—84,50; von 80 bis 99 Pfd. mit Kopf 81,50.
Bul=
lenhäute von 40 bis 49 Pfd. 69; von 50 bis 59 Pfd. 66.25—74; von 60
bis 79 Pfd. 64,50—71,75, 62; von 80 bis 99 Pfd. 61—66,75, 59; von 120
und mehr 64—65, 59,25. Schußhäute alle Gewichte, Klaſſe I mit Kopf
54,75, Klaſſe II 45. Roßhäute vin. 220 m und mehr 29,75. K. albfelle
bis 9 Pfd. rot 147—158, über 9 Pfd. rot 130—135.25, bis 9 Pfd. ſchwarz
120,75—125 25, über 9 Pfd. ſchwar: 108,25—109 75. Schußkalbfelle 85 50,
Freſſerfelle 91. Schaffelle, vollwollig 60,25 —64, halbwollia 60,75, Blößen
50. Leichte Häute, Klaſſe I bis 29 Pfd. 87 75. Kuh, Rinder, Ochſen,
Klaſſe II 30—49 Pfd. 60—71. 50 Pfd. und mehr 66.25—67, alle Gewichte
56—61. Schaffelle größtenteils unverkauft. Kalbfelle (roh bis 9
Pro=
zent) kleiner Abſchlag, alle übrigen Aufſchlag bis 7 Prozent.
Großvieh=
häute teils letzte Preiſe, teils 5 Prozent höher. Beluch gut. Verkauf
zeiwweilig flott.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Ncw York, 16. Dez. (Priv.=Tel.)
Weizen: Nach ſtetigem Beginn ſetzte ſich eine Abſchwächung durch
auf günſtige argentiniſche Berichte und weitere zurückhaltende
Export=
nachfrage. Die Termine zeigen Einbußen bis 1½ C.
Mais: Der Markt nahm einen ſchwächeren Verlauf auf größere
Farmbewegung und Liquadationen und die geringe heimiſche
Lokonach=
frage. Die Termine zeigen Reickgänge bis 1½ C.
Hafer: Auch dieſer Markt verkehrte wie Weizen und Mais in
ab=
geſchwächter Haltung.
Baumwolle: Anfänglich war die Haltung ſchwach auf große
Ver=
käufe der Pflanzer. Auch trafen gümſtige Witterungsberichte ein. Später
konnte eine Befeſtigung ſich durchſetzen auf Exportnachfrage und
Baiſſe=
deckungen.
Bucker: Der Markt nahm einen vorwiegend ſchwächeren Verlauf auf
Abgaben der Spekulation und große Liefernotizen gegen Termin.
Kaffee: Liquidationen der Waſtreetkreiſe und ni drigere ausländiſche
Notierungen riefen eine weitere Abſchwächung hervor. Dann befeſtigte
ſich der Markt auf Stützungskäufe der intereſſierten Firmen.
Kakao: Die Aufwärtsbewegung beherrſchte heute überwiegend den
Markt auf höhere Auslandsnotierungen und Käufe des lokalen Handels.
Im Schlußverkehr nahwen die Liquidationen zu, ſo daß ſich die Termine
jetzt abſchwächten.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die deutſch=polniſchen Handelsvertragsverhandlungen weuden
von=
ausſichtlich am 4. Januar 1927 wieder aufgenommen werden.
Der Zentralverband des Deutſchen Bank= und Bankiergewerbes
hatte, wie gewohnt, anläßlich ſeiner Jahresverſammlung, die Spitzen
der Behörden, der Verbände, Parlamentarier und die Preſſe zu einem
Bankett eingeladen. Direktor Friedrich Reinhart hielt einen Vortrag
über „Bank= und Kreditfragen im Enqueteausſchuß”.
Nach einer Erklärung des Großinduſtriellen Loewenſtein dürfte das
Jahr 1927 im Zeichen der Verwirklickung der
Zuſammenſchlußbewegun=
gen in der Internationalen Elektro=Induſtrie ſtehen.
Der erſte Auktionstag der Ravag=Rauchwarenverſteigerung in
Leip=
zig zeigte bei guter Beteiligung und flottem Verkauf eine feſte Tendenz.
Wie aus Amſterdam gemeldet wird, werden am 21. Dezember in
Holland 2 Mill. Dollar als Teil der 20 Mill. Dollar betragend n
Gold=
obligationen=Anleihe der Berliner Städtiſchen Elektrizitätswerke zur
Ausgabe gelangen.
Die franzöſiſche Handelsbilanz zeigt im Monat November
gegen=
über dem Monat Oktober eine erhebliche Verſchlechterung. Die Ausfuhr
iſt in dieſer Zeit von 6103 Mill. auf 5329 Mill. Franken geſunken. Die
Geſamteinfuhr in den erſten 11 Monaten des Jahres betrug 54 391 Mill.
Im Hinblick auf die deutſche Konkurrenz fand in Brüſſel eine
Ver=
ſammlung der belgiſchen Kohleninduſtriellen ſtatt, die ſich mit der
un=
vermeidlich werdenden Kohlenpreisherabſetzung befaſſen ſollte. Ein
end=
gültiger Beſchluß konnte nicht gefaßt werden.
Wie das „Handelsblad” berichtet, ſoll ein Konſortium holländiſcher
Banken unter Führung der Amſteadamſchen Bank an dem 30 Mill.
Gulden=Kredit beteiligt ſein, den Deutſchland neuerlich an Rußland für
Wareneinkäufe gewährt hat.
Die Lage auf dem ſchweizeriſchen Arbeitsmarkt hat ſich im Monat
November wieder verſchlechtert. Die Zahl der Arbeitsloſen ſtieg von
14253 Ende Oktober auf 16 366 Ende November.
Wie aus Rom gedrahtet wird, haben ſich die beiden bedeutendſten
italieniſchen Elektrizitäts=Geſellſchaften, Uniel, Rom, und Uniel,
Mai=
land, zu einer Geſ.Aſchaft fuſioniert. Die neue Geſellſchaft firmiert
„Unione Nazionale Induſtrie Elettriche, Uniel” und hat ihren Sitz in
Rom. Finanzminiſter Volpi iſt Ehvenpräſident.
Wie aus Konſtantinopel berichtet wird, hat die türkiſche Regierung
die Anwendung des Maximalzolltarifes angeordnet. Der deutſche
Bot=
ſchafter hat bei der Regierung in Angora gegen dieſe Maßnahme
pro=
teſtiert.
Die vom Handelsminiſterium veröffentlichten Ziffern teilen mit,
daß ſich die ame ikaniſche Ausfuhr in den erſten 11 Monaten des Jahres
1926 auf 4344 252364 Dollar belief, während die Einfuhr nur
4075 034 606 Dollar errcichte.
Im November erreichte die Kupfereinfuhr von Amerika nach
Deutſch=
land eine Höhe von 13 891 Tonnen. Nach Großbritannien wurden in
der gleichen Zeit 8709 Tonnen verſchifft, nach Frankreich 5222 Tonnen,
nach Holland 3454 Tonnen und nach Schweden und Norwegen 1163 T.
Angeregt durch den niedrigen Baumwollpreis tritt Indien zum
erſten Mal wieder ſeit längerer Zeit als Käufer für amerikaniſche
Roh=
baumwolle auf.
Das amerikaniſche Metallbüro gibt die Bleiproduktion in den
Ver=
einigten Staaten und Mexiko für November mit 68 781 Tonnen an
gegen 71 532 Tonnen im Oktober.
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Seite 18
Das ewige Wunder
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48
„Laſſen Sie mich Ihnen für das Vertrauen danken, das Sie
mir en gegenbrachten, und verſtatten Sie mir in Gnaden, mich
jetzt von Ihnen zu verabſchieden. Ob Sie in den nächſten drei
Ta en von mir hören oder nicht — jedenfalls Kopf hocy, Lonny
Lars! Jetzt erſt gehl es wirrlich um den Malte von Reeg!
Deshalb denien Sie — bis wir uns wiederſehen — immer daran,
daß er da in ſeinem Adlig=Zarchlin nur um Haaresbreite dem
Tode entwiſche iſt. Und daß lein Mann auf der großen weiten
Welt ſo nötig, wie gerade er, Ihre bedingungsloſe Liebe und
Ihre frohen Augen und Ihre gläubige Zuverſicht braucht
Eigentlich kam ich hierher, um Ihnen einen Brief auszuhändigen
und von einer Frau zu ſprechen, der Sie vielleicht ein ganz tlein
wenig Unrecht ge an haben. Doch mag das beides vorerſt auf
ſich beruhen bleiben. Denn jetzt handelt es ſich ja nur um Sie
und um Ihren Herzliebſten und um euer Glück, das ſchon
drau=
ßen auf der Schwelle wartet — damit Sie es in beide Hände
neh=
men und dem bringen, der es einzig und allein von Ihnen
empfangen kann.
Er gab ihre Hand frei, nickte ihr noch einmal mit ernſtem
Lächeln zu und ging.
XV.
„Zum Auswärtigen Amt!” .. . befahl der Fürſt, als er
drau=
ßen in ſeinen Wagen ſtieg.
Und:
„Zum Auswärtigen Amt!“ wiederholte der Leibjäger
Adam Siebenliſt, während er ſich neben den Chauffeur in ſeinen
Lederſitz ſchob.
Der famoſe Mercedes legte ein Tempo vor, daß Se.
Durch=
laucht bereits fünfundzwanz:g Minuten ſpäter dem
Miniſterial=
direttor Baron Rienitz, Abteilungschef im A. A., in deſſen
Ar=
beitszimmer gegenüberſaßen. Es war noch immer ſpartaniſch
nüchtern eingerichtet. Und noch immer webte hier die ewas
muffige, leicht angeſtaubte Atmoſphäre, die ſeit der Aera
Hohen=
lohe in der Wilhelmſtraße niſtete und ſiegreich ein halb Dutzend
Reichskanzler und ſelbſt den Umſturz überdauert hatte.
Schon ſonſt war dem hohen Herrn — wenn er ſich hier
ge=
legentlich mal blicken ließ — dies fatale Fluidum auf die Nerven
gefallen und hatte ihn rebelliſch gemacht. Um wieviel mehr heu e,
wvo er an ſich ſchon nervös war — weſentlich nervöſer jedenfalls,
als er es ſich ſelbſt je eingeſtanden hätte.
Freitag, den 17. Dezember 1926
Doch ſchließlich hatte er ſich ja auch eben in der Dahlemer
Villa der Secilienallee allerlei hanebüchene Geſchichten ur
tan=
hören müſſen. Und wenn man ferner erwoy, wie aufricheig er
dem Malte von Reeg zuge an war und wie er während der
letz=
ten Stunde auch Honny Lars in ſein Herz geſchloſſen hatte —
dann brauchte er ſich weiß Gott nicht der latenten Erregung zu
ſchämen, die ihn beherrſchte und jetzt mehr und mehr durchbrach,
während er dem Miniſterialdirektor erſchöpfenden Bericht
er=
ſtatiete.
Der Miniſterialdirektor erhob ſich, klingelte und befahl dem
eintreienden Aktendiener:
„Bringen Sie mir mal bitte die laufenden Berichte der
Pa=
riſer deutſchen Botſchaft ſeit Anfang Juni.”
Kqum, daß ſie beide wieder allein waren, machte er ſich
ſo=
fort darüber her; durchflog Bericht nach Bericht; erlundigte ſich
zwiſchendurch mal: „Doltor James Trawonn, ſagteſt du, nicht
wahr?” prüfte Arienfaſzikel um Attenfaſzikel — und fand
end=
lich auch, was er ſuchte.
„Jetzt haben wir ihn! Und nun will ich dir auch die
Ant=
wort geben, auf die du warteſt. — Die Herren nämlich auf
un=
ſeren auswärtigen diplomatiſchen Vertretungen ſind ſeit dem
Kriege doch ſehr helle geworden. Gebrannte Kinder ſcheuen
eben das Feuer. Schließlich war ja auch die Tappigkeit, mit der
wir ahnungslos in dieſe Weltiataſtrophe hineinſchlid erten, eine
direkt pathologiſche Borniertheit geweſen. Seitdem halten’s
un=
ſere Leuſchen da draußen auf ihren diplomatiſchen Horchpoſten
weniger mir der feudalen, als mit der praktiſchen Seite ihrer
Auf=
gabe. Sind nicht mehr die betulichen Nachtwächter, die ſich den
Schlaf erſt dann aus den Augen reiben, wenn ſie mit einmal
ihre Päſſe in die Hand gedrückt bekommen und heimwärts
ab=
geſchoben werden. Sehen ſogar ihren höchſten Ehrgeiz nicht mehr
darin, engliſche Klubſitten und die berüchtigte „splendid
isolation” dilet antiſch zu kopieren. Sondern vertreten heute
deutſche Belange mit deutſcher Gründlichkeit und deutſchem Ernſt.
Es weht ein friſcher Zug; und wir kommen allmählich vorwärts.
„Wie zum Beiſpiel um den Herrn Trawonn. Als du
näm=
lich vorhin ſeinen Namen nannteſt, war mir der ſofort geläufig,
wenn ich auch im Moment nicht wußte, wo ich ihn unterbringen
ſollte. Doch dann fiels mir ein. Und hier haben wirs ſchwarz
auf weiß. Derartige Berichte ſind natürlich geheim. Deshalb
darf ich dir auch dieſen nicht zur Einſichtnahme geben, aber
im=
merhin zuſammenfaſſend wiederholen, was unſere Pariſer
Bot=
ſchaft unter dem achtundzwanzigſten Juni meldete.”
Der Miniſterialdirektor warf noch einen letzten
orientieren=
den Blick in das Aktenſtück, ehe er fortfuhr:
Nummer 349
„Der Bericht beſagt ſolgendes: Seit dem Herbſt vorigen
Jahres hielt ſich in Paris ein deutſcher Staa.Sa. gehöriger
Dr. James Trawonn auf, der überwiegend in Spielulubs und
nicht ganz einwandfreien geſellſchaftlichen Kreiſen verlehrte.
Steis beſand er ſich in Begleitung einer Franzoſin ncmens
Sylbeine Brsnard, wohnhaſt Rue Nelaton, die ſich als Tanzerin
bezeichnete. Jedoch ſchien ſie ebenſo wenig einen geregelten
Be=
euf zu haben wie ihr Freund. Anſang Mai verſchwand der pp.
Trawonn, um ſich nach Brlin zu wenden, kehrte letzte Woche zu
zweitägigem Aufenthalt nach Paris zurück und ha te hier
Be=
frechungen wit Sylpa ne Brenard und dem Deputierten Pierre
Jacquault, der in der Kammer das Departement Ariege vertri.t.
Inhalt und Zweck dieſer Konferenzen ließen ſich bisher nicht
eruieren. Während der Abweſenheit des Doltor Trawonn
fan=
den zwiſchen der Brenard und dem Abgeordneten Jacquault
regelmäßige tägliche Begegnungen ſtatt. Kürzlich veröffentlichten
die Pariſer Tageszeitungen die Meldung ihrer Verlobung und
bevorſtehenden Vermählung. Der Deputierte iſt ex remer
Chau=
viniſt und Rohaliſt und ſteht der „Action franca ſe” und den
Triariern um Léon Daudet nahe. Ueber den Dr. Tra vonn
lie=
gen nur lückenhaſte Nachrichten vor. Bisher ließ ſich feſtſt=llen,
daß er einige Vorſtraſen erlitten hat: Sieben Mona.e Sing=Sing
in New York wegen Scheckfälſchung, kürzere Gefängnisſtrafen
in Kopenhagen wegen Falſchſpiels, in Bu areſt wegen
Zechprel=
lerei, in Rom wegen Betruges, in Belgien wecen eines im
D=Zug Brüſſel—Antwerpen begangenen Effektendiebſtahls. Sein
Doltortitel dagegen wie ſeine Herkunft aus Kreiſen der deutſchen
Induſtrie ſind authentiſch. Nach Ueberzeugung der Pariſer
deut=
ſchen Botſchaft ſteht er in dringendem Verdacht ſchwerer
politi=
ſcher Hochſtapelei. Der Bericht ſchließt mit dem Anheimſtellen,
das Vorleben und die gegenwärtige Berliner Tätigkeit des
Dr. James Trawonn ſcharf zu überprüfen.”
Der dicke Daron klappte das Aktenfaſzikel zu, ſchob ſeinen
Schreibſeſſel zu dem Fürſten herum und brannte ſich ſeine
Zigarre wieder an, die zwiſchendurch ausgegangen war.
„Soweit Paris. Du ſiehſt: wir ſind auf der Höhe; denn der
Bericht iſt neuſten Datums. Daher meine ſofortige Vertrautheit
mit dem Namen Trawvonn. Beſtimmt hat das Auswärt’ge Amt
die Recherchen ſchon an die Abteilung I A des Polizeipräſidiums
weitergegeben. Alſo auch ohne dein dankenswertes perſönliches
Eingreifen wäre die Anzelegenheit ſo oder ſo in Fluß
gekom=
men. Nun liegt na ürlich doppelt Veranlaſſung vor. Denn
un=
abhängig von Paris treten jetzt zwei weitere Momente hinzu:
ſchwere Erpreſſung und Fälſchung amtlicher Schriftſtücke.”
(Fortſetzung folgt.)
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