Darmstädter Tagblatt 1914


Samstag, den 7. November.

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177. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 307.

Samstag, den 7. November.

1914.

Der Krieg.
Die Gegenmaßregeln der deutſchen Regierung. Von den Kriegsſchauplätzen. Der türkiſche Krieg. Der Krieg zur
See. Rooſevelt über Deutſchland und den Krieg. Zur Verbreitung der Wahrheit. Gefangene in Deutſchland.
Der Burenaufſtand in Südafrika.

Die Gegenmaßregeln der
deutſchen Regierung.

Die Internierung der Engländer in
Deutſchland.
Berlin, 6. Nov. (W. T. B. Amtlich.) Seit langer
Zeit ſchweben Verhandlungenzwiſchen Deutſch=
land
und England wegen der Behandlung der
beiderſeitigen Staatsangehörigen, die ſich bei Beginn des
Krieges auf dem Gebiet des anderen Teiles aufhielten.
Dabei ſtand die deutſche Regierung auf dem Standpunkt,
daß nach völkerrechtlichen Grundſätzen dieſe Perſonen,
ſoweit ſie ſich nicht verdächtig gemacht hatten, auf freiem
Fuße zu belaſſen ſeien, auch ungehindert in ihre Heimat
abreiſen dürften, daß jedoch den Engländern in
Deutſchland ſelbſtverſtändlich keine beſſere
Behandlung zuteil werden könnte, wie den
in England befindlichen Deutſchen. Als da=
her
die britiſche Regierung ſo gut wie ſämtlichen Deutſchen
die Erlaubnis zur Abreife verſagte, ſind die in Deutſch=
land
befindlichen Engländer in gleicher Weiſe behandelt
worden. Den deutſchen Vorſchlag, die beiderſeitigen un=
verdächtigen
Staatsangehörigen ſämtlich abreiſen zu
laſſen, lehnte die britiſche Regierung ab. Doch wurde eine
Vereinbarung dahin getroffen, daß alle Frauen und alle
männlichen Perſonen bis zu 17 Jahren und über 55 Jah=
ren
, ſowie ohne Rückſicht auf ihr Alter alle Geiſtlichen
und Aerzte ungehindert abreiſen dürften. Die männ=
lichen
Perſonen zwiſchen 17 und 55 Jahren wurden nicht
in die Vereinbarung einbezogen, weil die britiſche Regie=
rung
alle Wehrpflichtigen zurückhalten wollte, und als
ſolche auch die Männer zwiſchen 45 und 55 Jahren anſah,
Inzwiſchen wurden die in England zurückbehal=

tenen Deutſchen in nicht unerheblicher Anzahl feſt=
genommen
und als Kriegsgefangene be=
handelt
. Nach zuverläſſigen Nachrichten iſt dieſe Maß=
nahme
in den letzten Tagen auf faſt alle wehrpflichtigen
Deutſchen ausgedehnt worden, während in Deutſchland
bisher nur verdächtige Engländer feſtgenommen worden
ſind. Die völkerrechtswidrige Behandlung unſerer An=
gehörigen
hat der deutſchen Regierung Anlaß gegeben, der
britiſchen Regierung zu erklären, daß auch die wehrpflich=
tigen
Engländer in Deutſchland feſtgenommen werden
würden, wenn nicht unſere Angehörigen bis zum 5. No=
vember
aus der engliſchen Gefangenſchaft entlaſſen wer=
den
ſollten. Die britiſche Regierung hat dieſe Erklärung
unbeantwortet gelaſſen, ſo daß nunmehr die Feſt=
nahme
der engliſchen Männer zwiſchen 17
und 55 Jahren angeordnet worden iſt. Die
Anordnung erſtreckt ſich vorläufig nur auf die Angehöri=
gen
von Großbritannien und Irland, würde aber auch
auf die Angehörigen der britiſchen Kolonien und Schutz=
gebiete
ausgedehnt werden, wenn die dort lebenden Deut=
ſchen
nicht auf freiem Fuß belaſſen werden ſollten. Die
von den militäriſchen Stellen unter dem 6. November er=
laſſenen
Befehle lauten:
1. Allemännlichen Engländer zwiſchen dem
vollendeten 17. und 55. Lebensjahr, die ſich innerhalb des
Deutſchen Reiches befinden, und denen als Aerzten oder
Geiſtlichen nicht das Ausreiſerecht zuſteht, ſind in Sicher=
heitshaft
zu nehmen und nach Anordnung der
ſtellvertretenden Generalkommandos nach dem Lager
Ruhleben bei Berlin zu überführen. Das gleiche gilt
für inaktive Offiziere auch über 55 Jahre hinaus. Für
die Altersberechnung iſt der 6. November maßgebend.
Die Ueberführung der in Berlin verhafteten Engländer
nach Ruhleben erfolgt mit Rückſicht auf die beſonderen

örtlichen Verhältniſſe auf Anordnung und nach dem Er=
meſſen
des Oberkommandos in den Marken.
2. Ausnahmen von der in Nr. 1 genannten Anord=
nung
können von den ſtellvertretenden Generalkomman=
dos
und dem Oberkommando in den Marken nur dann
geſtattet werden, wenn ſchwere Krankheit, die den Trans=
port
unmöglich macht, von amtsärztlicher Seite beſcheinigt
wird. Sobald das Befinden den Transport geſtattet, iſt
die Ueberführung nachzuholen.
3. Alle erwachſenen Perſonen engliſcher Nationalität,
die dann noch frei in Deutſchland leben dürfen, ſind zu
täglich zweimaliger Anmeldung bei der Polizei verpflich=
tet
und dürfen den Ortspolizeibezirk, über deſſen Grenze
ſie polizeilich zu unterrichten ſind, nicht verlaſſen. In ein=
zelnen
Fällen kann das für den Aufenthaltsort zuſtändige
ſtellvertretende Generalkommando (Oberkommando in den
Marken) oder Marineſtationskommando Ausnahmen ge=
ſtatten
.
4. Die unter 1 und 2 genannten Maßregeln ſollen zu=
nächſt
nur Anwendung finden auf Angehörige des Ver=
einigten
Königreichs von Großbritannien und Irland.
5. Sofern für den Transport fahrplanmäßige Züge
nicht ausreichen, ſind von den ſtellvertretenden General=
kommandos
Sonderzüge mit den Linienkommandanturen
zu vereinbaren.
Die deutſche Regierung hat wohl kaum jemals einen
Beſchluß gefaßt, der ſich ſo ſehr der allgemeinen
Zuſtimmung im deutſchen Volke erfreute, wie
dieſer. Man darf zu unſerer Regierung das Vertrauen
haben, daß ſie die Art der Behandlung der internierten
Engländer ganz derjenigen anpaſſen wird, die die inter=
nierten
Deutſchen in England erfahren.

Der fürkiſche Krieg.

Die Türkei und die Ansländer.
* Konſtantinopel, 5. Nov. Die Regierung hat
einen Anhang zum Militärſtrafgeſetzbuch be=
kannt
gegeben, durch den die Verbreitung von militäri=
ſchen
Geheimniſſen, Spionage und Verrat mit ſtrengen
Strafen bedroht werden. Die Franzoſen und Eng=
länder
, die hohe Beamtenſtellen im Finanzminiſterium,
Miniſterium des Innern und anderen Behörden beklei=
den
, ſind abgereiſt. Auch der Vertreter der engliſchen
Bondholders hat Konſtantinopel verlaſſen. Die Polizei=
direktion
hat eine Bekanntmachung erlaſſen, wonach alle
Untertanen derjenigen Staaten, mit denen
die diplomatiſchen Beziehungen abgebrochen
ſind, der Polizei ihre Wohnung anzugeben haben und
nur mit polizeilicher Ermächtigung abreiſen dürfen, wid=
rigenfalls
ſie als verdächtig betrachtet werden. Otto=
maniſche
und fremdländiſche Untertanen, die ſich außer=
halb
der türkiſchen Grenze begeben, dürfen nicht mehr als
zehn Pfund pro Perſon bei ſich haben. Die Polizeidirek=
tion
kündigte an, daß ſämtliche Briefe offen und Tele=
gramme
in türkiſcher, deutſcher oder arabiſcher Sprache ab=
gefaßt
ſein müſſen.
Kämpfe an der Grenze.
* Konſtantinopel, 5. Nov. (Amtlicher Kriegs=
bericht
.) Geſtern hatte unſere heldenmütige Kavallerie ein
Gefecht mit ruſſiſchen Koſaken, die geſchlagen wurden und
ſich zurückziehen mußten. Unſere Kavalleriediviſionen be=
drohten
die Nachhut der feindlichen Armee.
Neue Beſchießung Sewaſtopols.
* Berlin, 6. Nov. Aus Stockholm melden ver=
ſchiedene
Morgenblätter, daß am 5. November wieder
türkiſche Kriegsſchiffe vor Sewlaſtopol er=
ſchienen
ſeien und erneut eine heftige Beſchießung
auf den Hafen und die Befeſtigungsanlagen eröffnet hät=
ten
. Die Beſchießung hielt nachmittags noch an.
Kämpfe in Aegypten.
* Konſtantinopel, 5. Nov. Nach dem Tasvir=
i
=Efkiar haben die türkiſchen Truppen, die zuſam=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Nummer 307.

men mit 20 Bedunen die ägpptiſche Grenze
überſchritten, ihre Tätigkeit an verſchiedenen von
den Engländern beſetzten Punkten begonnen. Die Be=
duinen
haben einige Stellungen angegriffen und beun=
ruhigen
dieſe nun unausgeſetzt, wodurch die Operationen
der türkiſchen Truppen erleichtert werden. Ihre letzten
Attacken hatten den Erfolg, daß die Engländer aus Beir
Sabbah bei Naehel auf der Sinai=Halbinſel vertrieben
wurden. Der Platz wurde darauf von den Türken beſetzt.
Auf der Durchfahrt durch den Suezkanal fand der
Dampfer Roma auf der ägyptiſchen Seite engliſche und
indiſche Truppen an der Arbeit, Trancheen und
Stacheldrahtverhaue zu legen. Auf 400 Meter Abſtand
befinden ſich ſtarke Forts mit ſchwerer Artil=
lerie
. In Port Said ſprachen Offiziere der Roma mit
einem italieniſchen Ingenieur, der ihnen mitteilte, daß
die Türkei am anderen Ufer 80000 Mann zuſammenge=
zogen
hätte.
Vormarſch in Afghaniſtan.
* Wien, 5. Nov. Die Südſlawiſche Korreſpondenz
meldet aus Konſtantinopel: Wie die über Perſien hier ein=
getroffene
bedeutendſte afghaniſche Zeitung Siradſch=al=
Ahbari berichtet, hat der Emir von Afghaniſtan eine
Armee von 170000 Mann mit 135 Geſchützen unter Füh=
rung
ſeines Sohnes, des Emirs Bahadurkhan, an die eng=
liſche
Grenze vormarſchieren laſſen. Die von Herat nach
Puſchk führende Eiſenbahn ſei zerſtört worden, um den
engliſchen Aufmarſch zu hindern. Eine Anzahl der Krie=
ger
indiſcher Grenzſtämme habe ſich dem Heere Baha=
durkhans
angeſchloſſen. An der Grenze herrſche volle Re=
volution
gegen England. Die engliſchen Beamten ſeien
gefangen genommen, einige von ihnen getötet worden.

Von den Kriegsſchauplätzen.

* Großes Hauptquartier, 6. Nov. (W. T. B.
Amtlich.) Unſere Offenſive nordweſtlich und ſüdweſtlich
Ypres macht gute Fortſchritte, auch bei La
Bafſé nördlich Arras und in den Argonnen
wurde Boden gewonnen. Unter ſchweren Verluſten für
die Franzoſen eroberten unſere Truppen einen wich=
tigen
Stützpunkt im Bois=Brulé ſüdöſtlich
von St. Mihiel.
Auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz hat ſich
nichts Weſentliches ereignet.
Oberſte Heeresleitung.
* London, 6. Nov. Die Times ſchreibt: Wir
müſſen im Ernſte die Aufmerkſamkeit der Nation auf
die furchtbaren Anſtrengungen lenken, welche
der in Flandern fortdauernde Kampf von
unſeren Truppen fordert, die bereits durch das erſchöp=
fende
Ringen an der Aisne ſchwer auf die Probe
geſtellt ſind. Die ſchwierige Aufgabe, ſie nach der fran=
zöſiſch
=belgiſchen Grenze zu verlegen, wurde uns durch
die Erkenntnis aufgezwungen, daß die Deutſchen
ungeheure Verſtärkungen dorthin brachten. Um
dieſer friſchen Armee zu begegnen, mußten wir auf die
bereits im Felde befindlichen Kräfte zurückgreifen, die
durch aus England kommende Truppen ergänzt wurden.
Die neuen deutſchen Truppen ſind, was Führung und
Ausbildung betrifft, den Eliteregimentern, mit denen wir
zu kämpfen hatten, nicht ebenbürtig, aber ihr Mut iſt
über jedes Lob erhaben, ja, nahezu übermenſchlich,
wie ein aus dem Hauptquartier berichtender Augenzeuge
ſagt. Wir haben ihnen ſchwere Verluſte beigebracht, aber
ſie waren bisher imſtande, die Lücken in ihren Reihen
wieder zu füllen, und wir erlitten auch ſelbſt

ſchwere Verluſte. Wir beginnen zu erfah=
ren
, wie ſchwer unſere Verluſte waren. Die
Verluſtliſte ſpricht für ſich ſelbſt, aber ſie iſt notwendiger=
weiſe
noch unvollſtändig. Wie lange werden wir imſtande
ſein, die Lücken in unſeren Reihen auszufüllen und un=
ſere
Angriffe zu erneuern? Davon hängt alles ab. Men=
ſchen
können nicht endlos in Schützengräben einem Hagel
von Kugeln und Granaten und Kälte und Entbehrungen
ausgeſetzt bleiben. Auch Unverwundete müſſen zeitweilig
bgelöſt werden, um kampffähig zu bleiben. Das Blatt
äußert ſodann ſeine Befriedigung darüber, daß die eng=
liſche
Nation aufzuwachen beginne und nicht nur die
Schwere des gegenwärtigen Kampfes, ſondern auch ſeine
Bedeutung und die Folgen erkenne. Der Kampf ſei
der größte, den England jemals geführt
habe. Von ſeinem Ausgange hänge alles ab. Auch
Daily Chronicle und Mancheſter Guardian betonen in
Leitartikeln die Notwendigkeit einer ſchnelleren Vermeh=
rung
des Heeres.
* Berlin, 6. Nov. Während aus London gemel=
det
wird, die Deutſchen hätten das linke Yſer=
ufer
geräumt, erwähnen die Franzoſen ſie mit ſtarken
Stellungen an dieſem Ufer zwiſchen Dixmuiden und Nieu=
port
. Namentlich geben ſie aber zu, daß die Deutſchen
im Zentrum erfolgreich vorgedrungen ſind, denn ſie er=
wähnen
, daß die Franzoſen in der Umgebung von Vailly
viel Gelände verloren haben. Die Kreuzzeitung meint:
Die für uns allein maßgebenden Berichte unſerer Ober=
ſten
Heeresleitung laſſen die Zuverſicht als berechtigt er=
ſcheinen
, daß in den Kämpfen im Weſten die Entſcheidung
bald fallen wird.
* Peſt, 5. Nov. Nach heftigen, aber für die öſter=
reichiſch
=ungariſchen Truppen ſiegreichen
Kämpfen wurden die Ruſſen aus Turka zurückge=
drängt
. Die Ruſſen haben auch die Umgebung von
Stary Sambor verlaſſen. Zahlreiche Gefangene treffen
vom Kampffelde ein. Nach Ungarn allein wurden 2700
Gefangene gebracht. In der Bukowina werden die
Ruſſen von unſeren Truppen in der Richtung über Ki=
lence
und Smyatyn verfolgt. Nördlich von Czerno=
witz
wurden die Ruſſen bei Kuxurnik zerſprengt; ſie ver=
loren
dreihundert Tote, neunhundert Verwundete und
über zweihundert Gefangene.
* Sofia, 6. Nov. Das Blatt Utro meldet: Die
neu eingeleitete Offenſive der öſterreichiſch=
ungariſchen
Armee iſt ſo energiſch, daß die ſerbi=
ſchen
Streitkräfte nicht mehr in der Lage ſind, ihr entge=
gen
zu treten. Die öſterreichiſch=ungariſchen Truppen
haben Tabanovic im Sturm genommen und hier haben
die Serben nur eine Rückzugslinie über Waljewo: Wenn
dieſe abgeſchnitten iſt, muß ſich die geſamte hier kämp=
fende
ſerbiſche Streitmacht gefangen geben.

Der Krieg zur See.

Siegreiches Seegefecht an der chileniſchen Küſte.
* Berlin, 6. Nov. (W. T. B. Amtlich.) Nach Mel=
dungen
des engliſchen Preſſebureaus iſt am 1. November
durch unſer Kreuzer=Geſchwader in der Nähe der chileni=
ſchen
Küſte der engliſche Panzerkreuzer
Montmouth vernichtet, der Panzerkreuzer
Good Hopebeſchädigt worden. Der kleine Kreu=
zer
Glasgow iſt beſchädigt entkommen. Von
deutſcher Seite waren beteiligt: S. M. große Kreuzer
Scharnhorſt und Gneiſenau, S. M. Kreuzer
Nürnberg Leipzig und Dresden. Unſere

Schiffe haben anſcheinend nicht gelitten.
Der ſtellvertretende Chef des Admiralſtabs: Behncke.
Der Seekampf bei Yarmouth.
* National Tidende meldet aus London: Die ge=
ſamte
Preſſe Londons räumt ein, daß die Deut=
ſchen
eine bewunderungswürdige Kühn=
heit
an den Tag legten, indem ſie Kriegsſchiffe
ganz in die Nähe der engliſchen Oſtküſte ſandten.
Was die Deutſchen eigentlich beabſichtigten, weiß man
nicht. Wie es den deutſchen Schiffen glückte, durch das
Minenfeld unbeſchädigt zu kommen, iſt ein Geheimnis. Man
glaubt, daß ſich die Deutſchen mit Hilfe eines umfaſſen=
den
Spionageſyſtems in den Beſitz der neueſten Karten
der Minenfelder geſetzt haben. Es iſt ungewiß, was aus
den deutſchen Kriegsſchiffen wurde, als ſie, von den Eng=
ländern
verfolgt, flüchteten.
Die Wiener Allgemeine Zeitung ſagt, anknüpfend an
das vorſichtige Communiqué, mit dem das engliſche
Kriegsamt die erregte öffentliche Meinung über die In=
vaſionsgefahr
zu beſchwichtigen ſucht: Nichts kann die
große Tatſache aus der Welt ſchaffen, daß deutſche
Kanonen an Englands Küſte donnern. Es
iſt ein furchtbares Erwachen, das die britiſche Welt er=
lebt
. Statt daß die britiſchen Kriegsſchiffe die deutſchen
Häfen bombardieren, fallen deutſche Geſchoſſe auf engli=
ſchen
Boden und deutſche Unterſeeboote ſind im Kanal,
deutſche Kriegsſchiffe an der Oſtküſte Englands, deutſche
Minen an der Nordküſte Irlands. Für England iſt jetzt
das Furchtbarſte Ereignis geworden: Es wurde an den
zeimiſchen Küſten von Deutſchland in die Verteidigung
gedrängt.
Die Baſeler Nachrichten ſchreiben: Das Seegefecht an
der engliſchen Küſte war ein Huſarenſtreich der
deutſchen leichten Kreuzer, welche es darauf ab=
ſehen
, Verfolger auf ſich zu ziehen, um ihnen Minen in
den Weg zu werfen. Dies gelang. Der Verluſt eines
weiteren Unterſeebootes von einem großen, in der engli=
ſchen
Marine noch nicht zahlreich vertretenen Offenſivtyp
iſt fühlbarer, als es der eines älteren Kreuzers geweſen
wäre.
Beſchädigte engliſche Kreuzer.
* (Ctr. Bln.) Aus Genf wird der Deutſchen Tages=
zeitung
gemeldet: Pariſer Nachrichten beſagen, daß gele=
gentlich
der Beſchießung der engliſchen Flot=
ille
vor Nieuport deutſche Geſchütze drei Kreuzer
ſchwerer, als anfangs geglaubt wurde, beſchädigten. Man
berichtet, daß die Kriegsſchiffe unbrauchbar ſeien. Doch
handle es ſich nur um Falcon, Brillant und Rinal=
do‟
. Es ſeien Kreuzer von höchſtens 3600 Tonnen und
altem Typ.
Die Beute der Karlsruhe‟.
* Berlin, 5. Nov. Aus London wird dem Hambur=
ger
Fremdenblatt gemeldet: Das größte der drei von
der Karlsruhe in den Grund gebohrten Schiffe, van
Dyck hatte einen Rauminhalt von 10300 Tonnen, und
war erſt 1911 erbaut. Es gehört einer belgiſch=britiſchen
Reederei. Sein Wert iſt 250000 Pfund Sterling, etwa
4600000 Mark. Seine Ladung an Weizen und Fleiſch
aus Argentinien bezifferte ſich auf rund zwei Millionen
Mark. Der geſamte Verluſt der beiden kleineren Schiffe
beträgt ungefähr 1680000 Mark.
* Berlin, 6. Nov. In Liverpool trafen, wie der
Lokalanzeiger aus Rotterdam erfährt, die Beſatzun=
gen
von zwölf durch die Karlsruhe in den
Grund gebohrten engliſchen Dampfern ein.
Sie erzählten, daß die Karlsruhe über die Bewegun=
gen
der engliſchen Handelsdampfer vorzüglich unterrichtet

Deutſche Kriegsbriefe.
Von Paul Schweder.
(Nachdruck verboten.)
XXIV.

Großes Hauptquartier, 2. Nov.
Wie es in einem Etappenhauptort ausſieht.
(Die Vorleſung im Eiſenbahnſchuppen. Der Berliner
Stadt=Medizinalrat als Organiſator des Sanitätsweſens.
Typhusherde im Luftkurort. Oberleutnant und Kgl.
Württembergiſcher Wohnungsinſpektor. Das bakterio=
logiſche
Inſtitut im Schulzimmer. 50 Kilometer Heft=
pflaſter
im Monat. Was die Württemberger für ihre
Soldaten tun. Ein Diner in der Krankenküche.
Schwäbiſche Kunde.)
Der Generaloberarzt der Armee, Exzellenz v. Schier=
ning
, war ſo liebenswürdig, uns dieſer Tage einen Blick
in das innere Getriebe eines ſogenannten Etappenhaupt=
ortes
werfen zu laſſen, der im Rücken einer unſerer Weſt=
armeen
liegt. Der Platz war bis vor wenigen Monaten
ein beliebter franzöſiſcher Luftkurort im Tale eines von
Goethe beſungenen Flüßchens und zeichnet ſich durch eine
an unſere herrliche Wartburgſtadt gemahnende Lage aus.
In der etwa 3000 Einwohner zählenden Stadt konnte
ſchon in den erſten Tagen des September der für die Aus=
rüſtung
und Inſtandhaltung unſerer Kriegslazarette, für
den Krankentransport und für den Seuchenſchutz, ſowie
für andere Anforderungen unſeres hoch entwickelten Mili=
tärſanitätsweſens
erforderliche Etappenhauptort ein=
gerichtet
werden.
Zu ſeiner Leitung berief man den Berliner Stadt=
Medizinalrat Geh. Rat Profeſſor Dr. Weber, der uns zu
Beginn unſeres Rundganges durch den Ort in einem als
Verwundeten=Sammelſtelle eingerichteten Eiſenbahnſchup=
pen
eine richtige Vorleſung über das Militärſanitäts=
weſen
im Kriege hielt und damit wertvolle Unterlagen
für die Beurteilung der hier geſchaffenen Einrichtungen
gab. Er erzählte uns u. a., daß dem ſogenannten Luft=
kurort
faſt alle ſanitäriſchen Einrichtungen fehlten, als
wir hier einrückten. Für den ganzen Ort gab es z. B.
ein einziges Bad mit drei Zellen, ſchlechte oder gar keine
Aborte in den Häuſern und verſchiedene Typhusſeuchen=
herde
. Dagegen wies das Städtchen einen großartigen
Theaterſaal auf, der von den Unſeren ſchleunigſt zum
Etappenlazarett umgewandelt worden iſt und mit ſeinen
hohen luftigen Fenſtern, den von den Württembergiſchen

Sanitätern ſchön weißgetünchten Wänden und den freund=
ichen
ſchwäbiſchen Pflegerinnen einen überaus erfreu=
lichen
Eindruck macht. Draußen vor den Eingangstüren
aber ſtehen die Theaterſeſſel und gewähren den Rekon=
valeszenten
einen bequemen Aufenthalt an der ſonnigen
friſchen Herbſtluft.
Bei ihrem Abzuge hatten die Franzoſen nicht nur die
Eiſenbahnſtation, ſondern auch die Waſſerleitung zerſtört,
und ſo mußten württembergiſche und bayeriſche Pioniere
ſchleunigſt für friſches Waſſer und Automobilverbindungen
ſorgen, bis die alten Verhältniſſe wieder hergeſtellt waren.
Noch jetzt arbeiten württembergiſche Bahnbeamte in dem
Städtchen, und wenn man durch die Straßen geht, glaubt
man unwillkürlich, im Lande Uhlands des alten Rauſche=
bart
, und des Grafen Zeppelin zu ſein. Krieger, Aerzte
und Techniker des württembergiſchen Landes traf ich hier,
und nicht zuletzt hilfreiche Frauen und Mädchen von
Stuttgart bis zum Bodenſee, kurzum,
eine Württemberger Kolonie,
wie ich ſie einſt im heiligen Lande in Jaffa, Sarona und
Jeruſalem, viel Ehre auf den deutſchen Namen häufend,
ſah. Sie ſind auch hier der Stolz ihrer Führer, und ihre
Sauberkeit und Diſziplin, ihr Wiſſen und Können macht
die Bewohner der Stadt ſtaunen über dieſe ſchwäbiſche
Invaſion. Ganz ſprachlos aber wurden ſie, als die
Unſeren daran gingen,
die zahlreichen Typhusherde
in der Stadt unſchädlich zu machen. Denn der Typhus
gehört bekanntlich nach der Meinung der Franzoſen zu
den gottgewollten Einrichtungen ihres Landes, wie die
Fremdenlegion, die Pariſer Mode und der Revanche=
gedanke
.
Alſo war es ihnen unbegreiflich, daß unſere Soldaten
mehrfach über Fieber und Durchfallserſcheinungen klagten
und daraufhin ein Oberleutnant erſchien, der die Quar=
tiere
kurzerhand räumen und deren Gebrauchsgegenſtände
desinfizieren ließ. Auch ordnete er den Bau von Garten=
latrinen
an, ließ in die Senkgruben Chlorkalk ſchütten und
ſteckte die Typhusverdächtigen in eine Sonder=Lazarett,
wo ſie ſcharf beobachtet wurden. Dann ließ derſelbe
Oberleutnant die hygieniſchen Einrichtungen der Stadt
nachprüfen, teilte dieſe ſelbſt in 13 Bezirke ein und prüfte
nun im Verein mit Aufſichtsbeamten, Technikern und
Ingenieuren täglich die Wohnungsverhältniſſe der Be=
völkerung
, ſo daß dieſe den Oberleutnant bereits mit
ſonderbaren Augen zu betrachten begann, bis ſie ſchließ=

lich durch Nachfrage bei den Mannſchaften erfuhr, daß
dieſer Offizier in ſeinem bürgerlichen Beruf daheim im
Schwabenlande Königlich Württembergiſcher Wohnungs=
inſpektor
ſei. Da wußte man denn, was dieſe Schwaben=
ſtreiche
zu bedeuten hatten, zumal ſich der Geſundheits=
zuſtand
der Bevölkerung von Tag zu Tag beſſerte, und in
den letzten Tagen überhaupt kein Zugang an Typhus=
kranken
in dem Etappenhauptort mehr zu konſtatieren war.
Die größte Hilfe bei dieſen Seuchenſchutzarbeiten aber
leiſtete den Aerzten und Hygienikern
ein eigenes bakteriologiſches
Laboratorium,
das unter der Leitung des bekannten Marburger Uni=
verſitätsprofeſſors
Dr. Bonhof ſteht. Es iſt in der Schule
des Ortes untergebracht und mit den modernſten Hilfs=
mitteln
der Wiſſenſchaft ausgeſtattet. Denn wir wiſſen,
daß in früheren Kriegen ſehr oft die Zahl der Seuchen=
kranken
die der Verwundeten ganz erheblich überſtieg.
Das iſt nun anders geworden, nachdem wir bereits im
Felde mit der intenſiven Seuchenbekämpfung den Anfang
machen und nicht erſt warten, bis die Kranken den Gift=
ſtoff
in die Lazarette oder gar in die Heimat weitertragen.
Auch den Nervenerkrankungen iſt in dieſem Kriege
große Aufmerkſamkeit zugewendet worden, denn dem
Etappenhauptort iſt eine pſychiatriſche Abteilung ange=
gliedert
, deſſen Vorſteher der bekannte Heidelberger
Pſychiater Geh. Rat v. Krell iſt.
Wir ſahen dann auch die Ausgabeſtelle des Etappen=
ſanitätsdepots
, in dem der Inhalt dreier langer Eiſen=
bahnzüge
von je 32 Waggons mediziniſcher Gebrauchs=
gegenſtände
, Inſtrumente und Apparate, Verbandzeug,
Desinfektionsſtoffe, Betäubungsmittel und auch die
Gegenſtände für den Bedarf der Armeeveterinäre auf=
geſtapelt
iſt.
Große Laſtautos führen täglich den einzelnen Armee=
korps
den nötigen Bedarf zu und wir hörten einige Zahlen
nennen, die einen ungefähren Begriff von den Anforde=
rungen
geben, die dieſer Krieg an unſer Militärſanitäts=
weſen
ſtellt. In einem einzigen Monat wurden zum Bei=
ſpiel
allein
50 Kilometer Heftpflaſter
abgefordert, ferner 50 Kubikmeter Gips für Verbände,
16 Zentner eſſigſaure Tonerde, 31 Kilogramm Digitalis,
800 Zentner Chlorkalk, 4 Zentner Waſſerſtoffſuperoxyd,
200000 Gramm Opium, 75 Kilogramm Tannalbin, 25.

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Nummer 307.

Darmſtätder Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Seite 3.

geweſen ſei. Der Kapitän des Dampfers Pruth ſei zu
ſeinem Erſtaunen mit der Bemerkung begrüßt worden:
Sie kommen einen Tag zu ſpät, wir haben Sie geſtern
erwartet. Die Engländer ſagten, daß Aufklärungs=
dampfer
in allen Richtungen ausgeſandt werden, um der
Karlsruhe das Herannahen engliſcher Dampfer zu
melden. Ein Handelsdampfer ſei nicht verſenkt worden,
weil der deutſche Kommandant ihn wegen ſeiner Schnel=
ligkeit
und wegen ſeines drahtloſen Apparates als Auf=
klärungsdampfer
habe verwenden wollen. Die
Deutſchen behandelten ihre Gefangenen mit größter Höf=
lichkeit
. Sämtliche Seeleute mußten eine Erklärung un=
terzeichnen
, derzufolge ſie in dieſem Krieg nicht gegen
Deutſchland kämpfen würden. Zwei Marinereſerviſten,
die ſich weigerten, blieben in Haft.
Die Heimkehr von Deutſchen aus Frankreich.
* Berlin, 5. Nov. Die Heimreiſe der ſeit
Beginn des Krieges in Frankreich feſtgehaltenen deut=
ſchen
Frquen, Kinder und älteren Männer
hat begonnen. Der erſte Transport iſt bereits auf deut=
ſchem
Gebiet in Singen eingetroffen. Die langen, ſorgen=
vollen
Wochen haben damit für die Heimkehrenden und
für die ſie hier erwartenden Angehörigen ihr Ende er=
reicht
, Zum Empfang der Heimkehrenden waren ſeitens
der deutſchen Behörden alle Vorbereitungen getroffen.
In dankenswerter Weiſe hat ſich in der Schweiz unter
der unmittelbaren Aufſicht des Schweizeriſchen Politiſchen
Departements ein Bureau für die Heimſchaffung gebil=
det
, welches die heimkehrenden Deutſchen an der franzöſi=
ſchen
Grenze empfängt, für ihre Verpflegung während
der Reiſe durch die Schweiz ſorgt und ſie in Singen auf
Erſuchen des Reichskanzlers an die von der Großherzog=
lich
Badiſchen Regierung errichteten deutſchen Uebernah=
meſtelle
übergibt. Nach Erledigung der Uebernahmever=
handlungen
nimmt ſich der Heimkehrenden der badiſche
Landesverein vom Roten Kreuz an, der mit Unter=
ſtützung
des Zentralkomitees des Roten Kreuzes in Ber=
lin
für dieſe Zwecke reichliche Mittel in Bereitſchaft ge=
ſtellt
hat. Der badiſche Verein wird Vorſorge treffen,
daß Kleider und Wäſche für die bedürftigen Heimkehren=
den
in ausreichender Weiſe bereit gehalten werden. Wer
von den Heimkehrenden in Deutſchland von Angehörigen
erwartet wird oder ſonſt ein beſtimmtes Reiſeziel hat,
wird von Singen alsbald die Reiſe dorthin antreten. So=
weit
die Mittel für die Heimreiſe fehlen, wird ſeitens
der deutſchen Eiſenbahnverwaltungen freie Reiſe ge=
währt
. Die ohne ein beſtimmtes Ziel nach Deutſchland
Heimkehrenden werden zunächſt nach Stuttgart befördert,
wo eine deutſche Vermittlungsſtelle von der Königlich
Württembergiſchen Regierung mit der Aufgabe errichtet
worden iſt, dieſen Teil der Zurückkehrenden ihren Hei=
matsſtaaten
zuzuführen. In allen deutſchen Bundes=
ſtaaten
ſind für dieſen Zweck Uebernahmeorte beſtimmt,
von denen aus alsdann die ſachdienliche Unterbringung
der Heimgekehrten veranlaßt werden wird. Da die Un=
terbringungsmöglichkeit
in Singen durch den Zuſtrom
der Heimkehrenden weſentlich erſchöpft ſein dürfte, wird
es ſich im allgemeinen nicht empfehlen, die Heimkehren=
den
in Singen abzuholen. Soweit in einzelnen Fällen
ein Bedürfnis zur Abholung dennoch vorliegt, werden
die Angehörigen, ſoweit ſie nicht in Singen unterkommen,
in den benachbarten Orten, wie Radolfszell, Unterkunft
finden können. Briefliche oder telegraphiſche Anfragen
wegen der Heimkehrenden ſind an die deutſche Ueber=
nahmeſtelle
in Singen zu richten.

Panzerzüge.

* Wir leſen in der Köln. Ztg.: Im gegenwärtigen
Kriege ſpielen die Eiſenbahnen eine ganz beſondere Rolle,
und es iſt bewundernswert, wie ſchnell auch die Bahnen in
Feindesland den militäriſchen Zwecken dienſtbar gemacht

werden. Dies iſt dadurch beſonders erſchwert, daß ſo=
wohl
Belgier wie Franzoſen kaum eine Bahnſtrecke be=
triebsfähig
gelaſſen haben. Ueberall wurden Zerſtörun=
gen
vorgefunden, von den einfachſten Arbeiten anfangend
bis zur Sprengung großer Kunſtbauten, deren Herſtel=
lung
Wochen in Anſpruch nahm. Die Truppe vorn aber
bedarf des Nachſchubes an Munition, Verpflegung,
Mannſchaften und dergleichen, und ſo heißt es, die Eiſen=
bahnſtrecken
zu erkunden, bis wie weit ſie betriebsfähig
an die Front heranführen. Die meiſt mit dieſem Auf=
trage
betrauten Eiſenbahn=Kompagnien verfü=
gen
über Automobile, aber ihre Benutzung iſt nicht im=
mer
zweckmäßig, da ſie an die Straßen gebunden ſind
und bei der unſicheren Bevölkerung angeſchoſſen werden.
Ein vorzügliches Mittel zur Aufklärung aber bilden die
Panzerzüge. Lokomotive und Wagen ſind mit einem
Mantel von Stahlblech verſehen, der gegen gewöhnliches
Infanterie= und Maſchinengewehrfeuer Schutz bietet. In=
fanterie
=Beſatzung und Maſchinengewehre geben dem
Zuge eine gewiſſe Gefechtskraft, die eine weitreichende
Bahnerkundung eher ermöglicht, als gegen feindliches
Felker wehrloſe Automobile. Aber auch zum Nachſchub
von Munition und Verpflegung eignen ſich die Panzer=
züge
da, wo wegen der Unſicherheit des Landes Kolon=
nen
nicht angezeigt ſind. So hat man zurzeit weit vor=
wärts
befindlichen Kavalleriediviſionen den Nachſchub auf
Panzerzügen mit beſtem Erfolge zugeführt und ſie auch
zur Herſtellung der Verbindung zwiſchen einzelnen Trup=
penabteilungen
verwandt. Daß es dabei zu ſchwierigen
Lagen kommen kann, zeigt die folgende Schilderung:
Ein Panzerzug erhielt den Auftrag, Munition und
Verpflegung nach vorwärts zu bringen durch ein Gebiet,
in dem eine feindliche Feſtung liegt, die aber nach
den eingegangenen Meldungen vom Feinde verlaſſen ſein
ſollte. Der Zug fuhr gegen 2 Uhr nachmittags ab und
gelangte nach vierſtündiger Fahrt in die Nähe der Fe=
ſtung
. 2 Kilometer von ihr entfernt ſtieß er plötzlich auf
eine Schienenſprengung, die leider in der Dämmerung zu
ſpät bemerkt wurde; ein etwa 70 Zentimeter langes Stück
war aus einer Schiene herausgeriſſen, die Lokomotive
überfuhr noch die Stelle, aber der erſte Wagen entgleiſte.
Kaum war der Zug zum Stehen gekommen, als aus den
rechts und links der Eiſenbahn liegenden Ortſchaften und
Gehöften Lichtſignale gegeben wurden und Infanterie=
feuer
, anſcheinend von Einwohnern, einſetzte. Wenige
Minuten ſpäter eröffnete auch die Zitadelle der
nahen Feſtung das Feuer aus ſchweren Geſchützen und
ſtreute in das unmittelbar vor dem Zuge gelegene
Gelände. Da hieß es nun zunächſt im feindlichen Infan=
terie
= und Artilleriefeuer die Schienenſprengung auszu=
beſſern
und dann den Wagen wieder aufzugleiſen. Wäh=
rend
das etwa 20 Minuten Zeit in Anſpruch nahm, er=
widerte
die Beſatzung das Feuer der Einwohner, das
ebenſo wie das der Zitadelle immer heftiger wurde.
Noch aber gedachte der Führer, ſeinen Auftrag auszu=
führen
. Als jedoch eine ſtarke Schützenlinie ſich von
vorn dem Zuge näherte, gab er ſeine Abſicht auf und fuhr
feuernd langſam zurück. Wenn ſo auch der Auftrag nicht
erledigt werden konnte, ſo wurde doch einwandfrei feſt=
geſtellt
, daß die Feſtung noch vom Feinde beſetzt war.

Rooſevelt über Deutſchland und den Krieg.

* Die erſten Aeußerungen des früheren Präſidenten
Theodor Rooſevelt über den Weltkrieg waren den
deutſchen Blättern in einer durch die Londoner
Times ſtark entſtellten Faſſung zugegangen.
In der engliſchen Durchgangsſtelle war der jetzt auch hier
bekannt gewordene große Artikel Rooſevelts in der Neu=
Yorker Wochenſchrift The Outlook ſo gekürzt und zitiert
worden, daß unzuſammenhängende einzelne Stellen eine
Deutſchland feindliche Haltung auszu=

drücken ſchienen. (!) Inzwiſchen ſind aber auch von
deutſcher Seite Rooſevelts Aeußerungen im amerikani=
ſchen
Original genauer ſtudiert worden und es hat ſich
ergeben, daß er keineswegs in den Chorus der von Eng=
land
inſpirierten deutſchfeindlichen Preſſe Amerikas ein=
geſtimmt
hat. Rooſevelt, der unermüdliche Publiziſt, hat
drei weitere längere Artikel in den Chikago Daily News
erſcheinen laſſen, deren letztem vom 10. Oktober wir fol=
gende
bemerkenswerte Stellen entnehmen:
Es iſt vollkommen abſurd, ja ſchlimmer als abſurd,
den deutſchen Kaiſer als den blutdürſtigen Urheber des
Krieges abzumalen. Ich glaube, daß die Geſchichte der=
einſt
befinden wird, daß der Kaiſer in vollſtändiger Ein=
mütigkeit
mit den Gefühlen des deutſchen Volkes handelte.
Er handelte in dem aufrichtigen Wunſch und Glauben, zu
tun, was die Intereſſen ſeines Volkes verlangten. Wie
ſchon oft zuvor in ſeinem perſönlichen und ſeinem Fa=
milienleben
hat er und ſeine Familie auch jetzt wieder be=
wieſen
, daß ſie die repräſentativen Träger der großen
Eigenſchaften des deutſchen Volkes ſind. Jeder einzelne
ſeiner Söhne iſt in den Krieg gezogen, nicht nur dem
Namen nach, ſondern um wirklich alle Gefahren und
Mühen des Krieges zu beſtehen. Zwei ſeiner Söhne lie=
ßen
ſich nottrauen und fuhren unmittelbar nach der Trau=
ung
zur Front ab. Dieſe Nottrauungen waren überhaupt
eine höchſt charakteriſtiſche Erſcheinung beim Ausbruch des
Krieges in Deutſchland. In zehntauſenden von Fällen
ließen ſich Offiziere und Mannſchaften vor ihrer Abreiſe
in den Kampf trauen. Eine Nation, welche in Zeiten der
nationalen Gefahr eine ſolche Begeiſterung zeigt, iſt ſicher
eine große Nation. Die Leiſtungsfähigkeit der deutſchen
Organiſationen und die Ergebniſſe der ſyſtematiſchen
Vorbereitung zeigten ſich in den gewaltigen, vorwärts=
ſchreitenden
Erfolgen der erſten 6 Kriegswochen. Noch
bewunderungswürdiger als die Leiſtungen iſt vielleicht
der Geiſt, aus dem ſie ſtammen. Von dem Höchſten bis
zu dem Geringſtenghaben die deutſchen Männer und
Frauen eine herrliche Vaterlandsliebe und Selbſtverleug=
nung
bewieſen. Wir können dem ernſten Mut und der
erhabenen Selbſtloſigkeit, welche dieſe große Kriſis in der
Seele des deutſchen Volkes offenbart hat, nur voll Er=
griffenheit
und Bewunderung gegenüberſtehen. Ich kann
nur aufrichtig wünſchen, daß wir Amerikaner, wenn die
Reihe je an uns kommen ſollte, uns ähnlich bewähren:. . .
Das deutſche Volk glaubt feſt, daß es in erſter Linie
den Kampf der teutoniſchen gegen die ſlawiſche Raſſe
führt, den Kampf der Ziviliſation gegen die gewaltige
drohende Flut der Barbarei. Das deutſche Volk zieht in
den Kampf, weil es überzeugt iſt, daß der Krieg eine
abſolute Notwendigkeit war. Eine Notwendigkeit nicht
nur für Deutſchlands Wohlfahrt nein, für Deutſchlands
nationale Exiſtenz. Die Deutſchen ſind überzeugt, daß die
Nationen des weſtlichen Europas Verräter an der Sache
der abendländiſchen Kultur ſind, und daß ſie ſelbſt Mann
für Mann für den eigenen Herd, für Weib und Kind und
vor allem für die Zukunft der kommenden Generationen
kämpfen. Eine Vernichtung oder nur Verkrüppelung
Deutſchlands, die zu ſeiner politiſchen Ohnmacht führen
würde, wäre eine Kataſtrophe für die Menſchheit. Die
Deutſchen ſind nicht nur unſere Brüder: ſie ſind in hohem
Maße wir ſelbſt. Was wir Amerikaner dem deutſchen
Blute ſchulden, iſt gewaltig; noch Größeres verdanken
wir dem deutſchen Gedanken und dem deutſchen Vorbilde,
nicht nur auf dem Gebiete der Regierungs= und Verwal=
tungskunſt
, ſondern auf allen Gebieten des praktiſchen
Lebens. Jedes großmütige Herz und jeder weitſichtige
Geiſt auf dem ganzen Erdenrund kann nicht anders, als
ſeine Freude haben an der Exiſtenz eines geſicherten,
einigen und mächtigen Deutſchlands, das zu ſtark iſt, um
Angriffe zu fürchten und zu gerecht, um eine Quelle der
Furcht für ſeine Nachbarn zu ſein.
Dr. R. W. Drechsler,
Direktor des Amerika=Inſtituts.

Zur Verbreitung der Wahrheit.

** In Rethel in Frankreich erſcheint ſeit 1.
November die Gazette des Ardennes. Der In=
halt
der Zeitung, in franzöſiſcher Sprache ge=
druckt
, wendet ſich an die Bevölkerung derjenigen De=
partements
, die durch die deutſche Armee be=
ſetzt
ſind. Die Kriegsnachrichten, die in der Zeitung ver=
öffentlicht
werden, ſind die offiziellen Depeſchen des
Bureau Wolff aus dem Großen Hauptquartier. Die Ga=

Zentner Kreoſot und 100000 Büchſen Antipyrin. Das
Depot ergänzt ſeinen Bedarf fortgeſetzt aus dem Mann=
heimer
Hauptdepot. Daneben wurden gewaltige Mengen
Mull= und Gazebinden, Aether, Chloroform, Veronal,
Morphium und Watte verlangt und prompt abgeliefert.
Auch die Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen
arbeiteten mit unermüdlicher Hingabe, ſo daß wir auch
hier wieder das minutiöſe Ineinandergreifen von drei
der wichtigſten Faktoren für unſere Truppen, ihrer ärzt=
lichen
, mediziniſchen und pflegeriſchen Verſorgung bewun=
dern
konnten.
Vier Lazarette mit 900 Verwundeten und außeydem
ein Lazarett für 45 Offiziere hat man hier inmitten einer
fremden, verſeuchten Stadt in wenigen Wochen geſchaffen,
die Stadt ſelbſt zu einem hygieniſch einwandfreien Orte
geſtaltet und daneben ihre Eiſenbahnverbindungen, ihre
Waſſerleitung und ihre Lichtanlagen wieder hergeſtellt.
Und täglich und ſtündlich gehen von hier aus Ströme des
Segens zu unſeren im Felde ſtehenden Truppen hinaus.
Aber auch für das geiſtige und leibliche Wohl der hier
befindlichen Kranken mußte geſorgt werden, und da hat,
weil es ſich beſonders um württembergiſche Truppen
und Hilfsmannſchaften handelte, das Württemberger Land
mit warmem Herzen für die Landsleute hier draußen
eingegriffen. Unter dem Vorſitz des Königs von Würt=
temberg
und der Königin Charlotte ſind von Stuttgart
aus die erſten Hilfs= und Liebesgabenſendungen hierher
gelangt, und zwar, da Poſt und Eiſenbahn zuerſt allzu
ſehr anderweitig in Anſpruch genommen waren, durch
Automobile.
Es war mir eine beſondere Freude, daß gerade
während unſerer Anweſenheit in dem Etappenhauptorte
ein geradezu
luxuriös eingerichteter Lazarettzug
aus Stuttgart den Bahnhof paſſierte und ich dadurch
Gelegenheit fand, feſtzuſtellen, daß auf dieſe Weiſe die
Krankenbeförderung in die Heimat mit bisher ganz un=
bekannten
Erleichterungen auch für Schwerverletzte er=
folgen
kann. Und der Wunſch der Aerzte nach weiterer
Geſtellung ſolcher Lazarettzüge durch private Kreiſe iſt
durchaus verſtändlich. Die Württemberger ſind es auch
geweſen, die zuerſt mit ihren Liebesgaben an die Front
gekommen ſind, und daß deren Verteilung nicht immer
ganz gefahrlos iſt, zeigt der Umſtand, daß es ein Würt=

temberger war, der in der Perſon des Barons Fritz von
Gemmingen, eines
Vetters des Grafen Zeppelin,
als erſter in der kronprinzlichen Armee und als fünfter
Offizier im Heere überhaupt das Eiſerne Kreuz er=
halten
hat.
Den Verkehr von der württembergiſchen Heimat zur
Truppe unterhält der Präſident des Württembergiſchen
Roten Kreuzes, Direktor v. Geyer=Stuttgart. Und der zum
Stappenhauptort gehörende oberſchleſiſche Magnat Graf
v. Tiele=Winkler war es, der zu einer Zeit, als es über=
haupt
noch keine Verbindung mit der Heimat gab, das für
den Liebesgabendienſt Erforderliche hier im Lande zu=
ſammenkaufte
und den Truppen durch Automobile zu=
führte
.
Das alles erfuhr ich während eines Diners, das
uns Kriegsberichterſtattern in der Lazarettküche des
Etappenhauptortes von Barmherzigen Brüdern aus Treb=
nitz
geboten wurde und das in ſeiner Zuſammenſetzung
durchaus dem üblichen Krankenküchenzettel entſprach, ein=
ſchließlich
des Graacher Roſenberg aus dem Kaſino der
Dillinger Hüttenwerke, die ihn als köſtliche Liebesgabe
geſtiftet haben. Und wie in der Küche die katholiſchen
Brüder, ſo wirken in den Lazaretten Schweſtern vom
Evangeliſchen Bunde. Werke des Friedens inmitten des
feindlichen Landes, alle von dem gleichen Gedanken be=
eelt
, die Wunden heilen zu helfen, die der Krieg uns
chlug.

Ein Engländer über die Engländer.

** Der bekannte engliſche Dramatiker Bernhard
Shaw fällt in ſeinem Stück Schlachtenlenker
folgendes ergötzliche Urteil über engliſche Politik und eng=
liſche
Heuchelei, das ſo unübertrefflich iſt, daß man kein
Wort hinzuzufügen braucht:
Die Engländer ſind eine Raſſe für ſich. Kein Eng=
länder
ſteht zu tief, um ein Gewiſſen zu haben, und keiner
hoch genug, um gewiſſenlos zu ſein. Aber jeder Engländer
kommt mit einem ganz wunderbaren Talisman zur Welt,
der ihn zum Herrn der Erde macht. Wenn der Engländer
etwas will, geſteht er ſich nie ein, daß er es will. Er
wartet geduldig, bis in ihm Gott weiß wie die tiefe

Ueberzeugung erwacht, daß es eine moraliſche und reli=
giöſe
Pflicht ſei, diejenigen zu unterwerfen, die das haben,
was er will. Dann wird er unwiderſtehlich. Wie der
Ariſtokrat, tut er, was ihm gefällt, und ſchnappt, wonach
ihm gelüſtet. Wie der Kaufmann, verfolgt er ſeinen Zweck
mit dem Fleiß und der Beharrlichkeit, die von ſtarker
religiöſer Ueberzeugung und dem tiefen Sinn für mora=
liſche
Verantwortlichkeit herrühren. Er iſt nie in Ver=
legenheit
um eine wirkliche moraliſche Geberde. Als großer
Vorkämpfer der Freiheit und der nationalen Unabhangig=
keit
erobert er die halbe Welt, ergreift Beſitz von ihr und
nennt das Koloniſation. Wenn er einen neuen Markt für
ſeine verdorbenen Mancheſter=Waren braucht, ſchickt er
Miſſionare aus, die den Wilden das Evangelium des Frie=
dens
verkünden müſſen. Die Wilden töten den Miſſionar,
worauf der Engländer zur Verteidigung des Chriſtentums
zu den Waffen eilt, für ſeinen Glauben kämpft, und ſiegt;
aber dafür als göttliche Belohnung den Markt in Beſitz
nimmt. Zur Verteidigung des Strandes ſeiner Inſel
nimmt er einen Schiffsgeiſtlichen an Bord, nagelt eine
Flagge mit einem Kreuz an den Hauptmaſt und ſegelt ſo=
bis
ans Ende der Welt und ertränkt und ver=
brennt
und zerſtört alle, die mit ihm um das
Kaiſerreich der Meere kämpfen. Er prahlt damit,
daß jeder Sklave frei werde, ſobald ſein Fuß bri=
tiſchen
Boden betritt; dabei verkauft er die Kinder ſei=
ner
Armen, kaum daß ſie ſechs Jahre alt ſind, an Fabrik=
herren
und läßt ſie täglich 16 Stunden unter der Peitſche
Sklavenarbeit verrichten. Er macht zwei Revolutionen
ſtatt einer und erklärt dann im Namen des Geſetzes und
der Ordnung der unſern den Krieg. Nichts iſt ſchlecht
und nichts ſo gut, daß man es einen Engländer nicht voll=
bringen
ſehen wird; aber man wird einem Engländer
niemals beweiſen können, daß er im Unrecht iſt. Denn er
tut alles aus Grundſätzen. Er führt Krieg aus patrioti=
ſchen
Grundſätzen, er betrügt aus geſchäftlichen Grund=
ſätzen
, er macht freie Völker zu Sklaven aus reichspoliti=
ſchen
Grundſätzen; er kämpft überall aus männlichen
Grundſätzen; er hält treu zu ſeinem Könige aus loyalen
Grundſätzen und ſchlägt ſeinem Könige aus republikani=
ſchen
Grundſätzen den Kopf ab. Aber er tut dabei immer
nur ſeine Pflicht. Und er vergißt nie, daß die Nation
verloren iſt, die ihre Pflicht auf der entgegengeſetzten Seite
ihres Vorteiles ſucht.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Nummer 307.

zette des Ardennes wird peinlich jede falſche Nachricht
vermeiden, wie ſie oft von gewiſſen Zeitungen maſſenhaft
in den beſetzten Ländern gebracht werden. Die Zeitung
wendet ſich an die Bevölkerung mit der Bitte, ihr Ver=
trauen
entgegen zu bringen und hofft, die Aufgabe, die
ſie ſich geſtellt hat, die Wahrheit zu verbreiten, erfüllen
zu können. Sie bringt auch Auszüge aus ausländiſchen
Zeitungen und ſucht nach jeder Richtung hin aufklärend
zu wirken.

Deutſche Flieger über dem Kanal.

* Berlin, 6. Nov. Der Voſſ. Ztg. zufolge haben
zwei deutſche Leutnants als erſte deutſche Offi=
ziere
in dieſem Kriege den Kanal zwiſchen Calais und
Dover überflogen und auf ein Küſtenwerk in un=
mittelbarer
Nähe von Dover zwei Bomben herab=
geworfen
.
Wie der Köln. Ztg. aus dem Felde hierzu noch ge=
ſchrieben
wird, hat am 26. Oktober ein deutſches Flugzeug
der in Nordfrankreich ſtehenden Truppen, Führer Leut=
nant
der Reſerve Caſpar vom Dragonerregiment Nr. 5,
Beobachter Oberleutnant Roos vom Infanterieregiment
Nr 75, den Kanal überflogen und hat nördlich von Dover
zwei Bomben geworfen. Nach 5½ſtündiger Fahrt kehrte
das Flugzeug glücklich zu unſeren Truppen
zurück. Auf dieſe Tat bezieht ſich auch folgendes Tele=
gramm
:
* Berlin, 5. Nov. Der in Ansbach erſcheinenden
Fränkiſchen Zeitung wurde eine Feldpoſtkarte eines Offi=
ziers
vom 28. Oktober zur Verfügung geſtellt, in der es
u. a. heißt: Geſtern abend hatten wir ein ſehr hübſches
Feſt. Wir waren eingeladen bei eiper Fliegerabteilung,
die eben die Rückkehr zweier Flieger aus London feierte.
Dieſe Herren haben in Dover Bomben geworfen.

Gefangene in Deutſchland.

* Berlin, 6. Nov. (W. T. B. Amtlich.) Bis zum
1. November befanden ſich in den Gefangenenlagern und
Lazaretten nach dienſtlichen Meldungen:
Franzoſen: 3138 Offiziere und 188 618 Mannſchaften
3121
186 779
Ruſſen:
537
34907
Belgier:
Engländer: 417
15730
Zuſammen: 7213 Offiziere und 426034 Mannſchaften
Die Kriegsgefangenen, die ſich noch auf dem Trans=
port
nach den Lagern befinden, ſind hierbei noch nicht mit=
gerechnet
.
Der Prozentſatz der gefangenen Offiziere
beträgt danach bei den Franzoſen 1,6, bei den Ruſſen 1,5,
bei den Belgiern 1,5 und bei den Engländern 2,6. Danach
ſcheinen die engliſchen Offiziere der deutſchen Gefangen=
ſchaft
beſonders zugeneigt zu ſein.
In der öſterreichiſch=ungariſchen Mon=
archie
betrug die Zahl der Gefangenen am 28. Oktober
73179, unter denen die größte Zahl Ruſſen ſind. Da=
nach
hat die Zahl der Gefangenen in Deutſchland
und Oeſterreich bereits ½ Million überſchritten.
Es ſoll aber noch Platz reſerviert ſein.

Aus Tſingtau.

* Tokio, 5. Nov. Amtlich wird mitgeteilt: Die
Beſchießung Tſingtaus wird energiſch fortgeſetzt.
Die Deutſchen haben in der Nacht des 3. November einen
Ausfall gemacht.
* Berlin, 6. Nov. (Ctr. Bln.) Das japaniſche
Kriegsminiſterium hat dem Kobe Chronicle zufolge mit=
geteilt
, daß die Zahl der gemeinſam mit den Japanern
vor Tſingtau operierenden Engländer 900 Mann be=
trage
, wozu noch einige hundert Mann indiſcher Truppen
kämen.

Die Finanzlage in Frankreich.

* Zürich, 5. Nov. Ein Pariſer Brief der Neuen
Züricher Zeitung berichtet: Von einem Geldmarkt
kann in Paris noch gar nicht geſprochen werden. Wenn=
gleich
die Bankinſtitute und Bureaus wieder offen ſind,
ſind Geſchäfte, welche über das tägliche Bedürfnis hin=
ausgehen
, noch ganz unmöglich; einmal, weil die Kaufleute
an der Front ſind, hauptſächlich aber wegen der Folgen
des Moratoriums und des Stillſtandes in der Börſen=
tätigkeit
. Die Umſätze an der Börſe von Bordeaux ſind
ſehr beſcheiden. Die meiſten Pariſer Makler nehmen
deshalb gar keine Aufträge für Bordeaux an. Die Be=
mühungen
zur Eröffnung des Kaſſamarktes von Paris
werden von den Banken energiſch fortgeſetzt. Beratungen,
die mit Finanzminiſter Ribot ſtattgefunden ha=
ben
, dürften bald einen Erlaß zur Eröffnung der Börſe
zur Folge haben. Auch für die Regelung des Wechſel=
kurſes
ſind Beſtrebungen im Gange, worin Paris infolge
des großen Zahlungsverkehrs mit dem Auslande und
der bisherigen Schwankungen ſtark intereſſiert iſt. Die
durch das Moratoriumsdekret getroffenen Maßnahmen
dürften vor der Hand dem Kleinhandel auf die Beine
helfen.

Engliſche Spionagezentrale in Brüſſel.

* Berlin, 6. Nov. (W. T. B.) Die Nordd. Allg.
Btg. bringt das Fakſimile eines mit dem Stempel
der engliſchen Geſandtſchaft in Brüſſel verſehe=
nen
Formulars, das folgenden Text aufweiſt: E. M. de
TArmée anglaise je soussigné Dale Long Attaché à
TE. M. Requisitions . . . . . .
,,,
A.de . . . . . 1914. Die Nordd. Allg. Ztg. bemerkt
hierzu: Von dem oben abgedruckten Formular iſt ein
ganzes Paket in der Schreibſtube der engliſchen Spionage=
zentrale
in Brüſſel aufgefunden worden. Schon lange
vor dem Kriege war bekannt geworden, daß ein gewiſſer
Dale Long in Brüſſel wohnte und Spionage gegen

Deutſchland für England trieb. Es war auch ge=
lungen
, eine ganze Reihe ſeiner Agenten dem Richter zu=
zuführen
. Da konnte dann ſicher feſtgeſtellt werden, daß
Dale Long zum engliſchen Generalſtab gehörte, daß Dale
im Kriegsfalle zum engliſchen Generalſtab tre=
ten
ſollte, daß er als Mitglied des engliſchen Heeres in
Belgien berechtigt war, Requiſitionen zu ſtellen, und daß
dieſe Berechtigung durch die engliſche Geſandtſchaft in
Brüſſel beſcheinigt worden iſt. Wie der Stempel beweiſt,
var ein ganzer Stoß Formulare dieſer Art vorhanden.
Ein jeder weiß, daß es ſich hier um Mobiliſierungsmaß=
regeln
handelt, die ohne Zuſtimmung der belgiſchen Re=
gierung
gar nicht denkbar waren.

Proteſte gegen Englands Vergewaltigung.

* Stockholm, 5. Nov. Die Kriegsverſicherungs=
kommiſſion
hat den Reedern ein Rundſchreiben geſandt,
welches beſagt, die ſchwediſche Regierung habe
gegen die Bekanntmachung der engliſchen Admi=
ralität
proteſtiert und ſich volle Handlungsfreiheit be=
üglich
dieſer Bekanntmachung vorbehalten. In der, ge=
genwärtigen
Lage der Angelegenheit hält es die Kommiſ=
ſion
für ihre Pflicht, es den Verſicherten zu geſtatten, daß
die Schiffe mit unveränderten Prämien entweder den
bisherigen oder den neu vorgeſchlagenen Routen folgen.
Die Preſſe fährt im allgemeinen fort, gegen die eng=
liſchen
Maßregeln in der Nordſee Proteſt zu erheben.
Ein gemeinſames Auftreten der neutralen Mächte erſcheint
einem Teil der Blätter wünſchenswert.
* London, 5. Nov. Die Morning Poſt meldet aus
Waſhington: Die amerikaniſche Regierung
beabſichtigt, gegenwärtig keinen allgemeinen Pro=
teſt
gegen die revidierte engliſche Konterbande=Liſte zu
erheben, ſondern jeden Artikel je nach den Umſtänden zu
behandeln. Sie wird proteſtieren, wenn Ladungen wegen
Konterbande beſchlagnahmt werden, die nach Auffaſſung
des Staatsdepartements rechtlich unbehelligt bleiben muß=
ten
. Man erwartet zahlreiche Proteſte. Die amerikani=
ſchen
Exporteure werden vom Staatsdepartement eine
energiſche Politik verlangen; man wird ſagen, daß
der amerikaniſche Handel infolge unverantwortlicher Ein=
griffe
leide. Die Regierung iſt jedoch gutem Vernehmen
nach geneigt, alles Mögliche zu tun, um Reibungen zu ver=
meiden
. In amtlichen Kreiſen herrſcht ein gewiſſer
Aerger, daß England tatſächlich den Unterſchied zwiſchen
bedingter und unbedingter Konterbande aufgehoben hat
ind jetzt praktiſch alles als unbedingte Konter=
bande
behandelt.

Der Burenaufſtand in Südafrika.

* Berlin, 5. Nov. Ein Vertreter der Continen=
tal
Times hatte Gelegenheit, mit General Pearſon,
dem Generalquartiermeiſter der Buren während ihres
Kampfes gegen England, über die Lage in Süd=
afrika
zu ſprechen. General Pearſon ſagte u. a.: Ich
kann zwiſchen den Zeilen der engliſchen Berichte leſen und
ich weiß, daß die Dinge zehnmal ſchlechter für die Eng=
länder
ſtehen, als öffentlich bekannt wird. Jeder Burgher
wird den Burenkommandanten, den Dewet, Beyers und
allen meinen anderen tapferen Kameraden, folgen. Ganz
Südafrika wird die verhaßte engliſche
Herrſchaft abwerfen. Eine proviſoriſche Regie=
rung
iſt ſchon eingeſetzt. Es iſt bezeichnend für die Lage,
daß ihr Sitz nicht irgend ein unbedeutender Platz iſt, ſon=
dern
Heilbronn, das an der Bahn gelegen iſt und von
Bloemfontein wie von Johannesburg leicht erreicht wer=
den
kann. Das iſt ein Beweis dafür, daß die Aufſtän=
diſchen
nicht die geringſte Befürchtung für den Erfolg
ihrer Sache hegen.
* Berlin, 6. Nov. Die Voſſ. Ztg. veröffentlicht
ebenfalls eine Unterredung mit dem Burengeneral
Pearſon. Dieſer erklärte, niemals habe der wahre
Bur ſeinen Wahlſpruch: Südafrika den Afrikandern
aufgegeben. Die engliſchen Nachrichten ſind
zum Lachen in ihrer naiven Beſchönigungsſucht.
Da bringen ſie Loyalitätskundgebungen von Zulus und
Baſutos und ſonſtigen Kaffern. Die gönnen wir den
Engländern; aber vom Bur, auf den alles ankommt, weiß
der Engländer nur alberne Märchen. Englands
Herrſchaft in Südafrika lag überhaupt ſchon in
den letzten Zügen: nun kam der Krieg und ſtörte
geheime Fäden. Es entſtand eine gewiſſe Unordnung;
s iſt aber nur eine Periode der Neuordnung. Bald
wird ſich die Form klären. Das Ziel aller Buren iſt ſtets
dasſelbe: die Freiheit, die Unabhängigkeit und die Loß=
eißung
von Englands Herrſchaft. Ich wette
mit Ihnen: Zu Weihnachten wird auch der Schatten der
engliſchen Herrſchaft über Südafrika vertrieben ſein! Und
Deutſch=Südweſtafrika? Wir Buren haben nichts gegen
Deutſche. Schon zeigt es ſich, daß der Deutſche ein beſ=
ſerer
Koloniſator iſt, als der Engländer; denn der Deut=
ſche
entwickelt ſeine Kolonien, während der Englän=
der
ſie nur ausbeuten will. Mit den Deutſchen als
Nachbarn können wir friedlich leben; aber Englands
Herrſchaft iſt unerträglich. Ich verſichere noch=
mals
: Es iſt nur eine Frage von Wochen, bis Südafrika
wieder den Südafrikandern gehört!

Stadt und Land.

Darmſtadt, 7. November.
* Ordensverleihung. Ihre Königl. Hoheit die
Großherzogin haben dem Geheimen Poſtrat
Poſtdirektor Wilhelm Schad von Darmſtadt die Krone
zum Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen verliehen.
* Beſtätigt wurde der von dem Herrn Fürſten zu
Solms=Braunfels auf die erſte Lehrerſtelle an der Volks=
ſchule
zu Holzheim, Kreis Gießen, präſentierte Schul=
amtsaſpirant
Geora Reck aus Gau=Henvenheim, Kreis

Alzey, für dieſe Stelle; ferner der von dem Herrn
Fürſten und Grafen zu Erbach=Schönberg auf die erſte
Lehrerſtelle an der Volksſchule zu Elmshauſen, Kreis
Bensheim, präſentierte Schulamtsaſpirant Friedrich
Schalk aus Weſthofen, Kreis Worms, für dieſe Stelle.
* Ernennungen. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
haben den Gerichtsaſſeſſor Paul Schmidt
in Bad Nauheim zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht
Wald=Michelbach ernannt. Karl Koch aus Geiß=Nidda
wurde vom 9. November d. J. an zum Schreibgehilfen
bei dem Finanzamt Büdingen ernannt.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
Philipp Weber zu Dromersheim, Kreis Bingen, die
Lehrerin Lina Wollweber zu Mainz=Kaſtel, ferner die
Lehrerin Ida Reinhardt zu Worms, ſämtlich auf
ihr Nachſuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen
treuen Dienſte, mit Wirkung vom 1. November 1914 an.
Ritter des Eiſernen Kreuzes. Verliehen wurde
das Eiſerne Kreuz erſter Klaſſe dem General=
leutnant
Melior, Kommandeur der 33. gemiſchten Er=
ſatzbrigade
; das Eiſerne Kreuz zweiter Klaſſe erhielt Re=
gierungsaſſeſſor
Melior, Leutnant der Reſerve im Feld=
Art.=Regt. Nr. 25, der kürzlich auch die heſſiſche Tapfer=
keitsmedaille
erhalten hat; ferner Generaloberarzt
Plagge, Diviſionsarzt der 52. Reſerve=Diviſion, ein ge=
borener
Darmſtädter; Lehramtsaſſeſſor Hermann Schott=
Darmſtadt, Vizefeldwebel der Reſerve im Reſerve= Infan=
terie
=Regiment Nr. 116, erhielt vor einiger Zeit das
Eiſerne Kreuz und wurde jetzt zum Leutnant der Re=
ſerve
befördert.
Der Sohn des verſtorbenen Werkmeiſters Anton Von=
derſchmitt
ging bei Kriegsausbruch als Reſerviſt mit dem
Infanterie=Regiment Nr. 115 ins Feld; er brachte es bald
zum Gefreiten und wurde durch beſondere Tapferkeit zum
Unteroffizier d. R. befördert unter Ver=
leihung
des Eiſernen Kreuzes, welches am
3. d. M. per Poſt ſeiner jung angetrauten Frau durch das
Regiment zugeſandt wurde, da der Tapfere ſchwer ver=
wundet
jedenfalls in Gefangenſchaft geriet. Er hat einen
Bruſtſchuß erhalten.
Sportsleute als Träger des Eiſernen
Kreuzes. Die Mitglieder des Darmſtädter Sportklubs
1905 e. V., Heinrich Beyer, der als Offizier= Stellver=
treter
einen Zug der 8. Kompagnie des Leibgarde= Regi=
ments
Nr. 115 ſchon oft zum Siege führte und bei der
Erſtürmung der erſten Geſchütze mitbeteiligt war, erhielt
für ſeine Tapferkeit das Eiſerne Kreuz zweiter Klaſſe;
auch der noch ſehr jugendliche Spieler der 1. Mannſchaft,
Phil. Sang, erhielt die gleiche Auszeichnung. Von
einem Patrouillengang allein zurückkehrend, wurde auch
ſeine Bruſt mit dem Eiſernen Kreuz geſchmückt.
* Auszeichnungen heſſiſcher Ausſteller auf der Leip=
ziger
Internationalen Ausſtellung für Buchgewerbe und
Graphik (Bugra). Den Sächſiſchen Staatspreis haben er=
halten
: Gebrüder Klingſpor, Offenbach; den Gro=
ßen
Preis die Kunſtdruckerei Wilhelm Gerſtung,
Offenbach; den Preis der Stadt Leipzig die Verlags=
anſtalt
Alexander Koch, Darmſtadt, und die Ma=
ſchinenfabrik
Karl Schenck, G. m. b. H., Darmſtadt;
den Ehrenpreis die Mainzer Fabrik R. Ihm; den Gol=
denen
Preis in der Gruppe Photographie: Geka=
Werke, Offenbach; in der Gruppe Druckverfahren:
L. C. Wittichſche Hofbuchdruckerei, Darm=
ſtadt
; in der Gruppe Buchhandel: Joſef Scholz,
Mainz; in der Gruppe Maſchinen: Aktiengeſellſchaft für
Schriftgießerei und Maſchinenbau, Offen=
bach
.
Großh. Hoftheater. Als vierte Volksvor=
ſtellung
zu ermäßigten Preiſen findet heute Samstag
eine Aufführung von Shakeſpeares Kaufmann von
Venedig in der im vorigen Jahr mit großem Beifall
aufgenommenen Neuausſtattung ſtatt. Am Sonntag, d. 8.
(C 7), abſolviert der iugendliche Heldentenor des Frank=
furter
Opernhauſes Robert Hutt ſein einmaliges Gaſt=
ſpiel
als Manrico in Troubadour‟ Für dieſen Abend
gelten die kleinen Preiſe. Montag bleibt das Hoftheater
geſchloſſen. Zur Feier von Schillers Geburtstag wird
am Dienstag, den 10. November, auf A 9 Fiesco nach
mehrjähriger Pauſe neu einſtudiert und neu inſzeniert
gegeben. Die Titelrolle ſpielt Kurt Ehrle. In den
übrigen Hauptrollen ſind beſchäftigt die Damen Alſen,
Gothe, Hacker, Hinken und Pils, ſowie die Herren Bau=
meiſter
, Hacker, Harprecht, Heinz, Kroczak, Jürgas,
Peterſen, Schneider, Thomſen, Weſtermann und Wol=
zogen
. Regie Hans Baumeiſter.
Generalmuſikdirektor Felix v. Weingartner trifft
in der nächſten Woche in Darmſtadt ein. Als erſte Vor=
ſtellung
unter ſeiner Leitung geht Donnerstag, den 12.,
auf C10 Fidelio in Szene.
Die Generaldirektion des Darmſtädter Hoftheaters
war in der erfreulichen Lage, in letzter Zeit einige Aus=
zeichnungen
, die für langjährige Dienſte verliehen
wurden, an die betreffenden Mitglieder zu übergeben.
Aus Anlaß ſeines 50jährigen Dienſtjubiläums erhielt
Kammermuſiker Peter Dern die Krone zum Ritterkreuz
zweiter Klaſſe des Philippsordens. Die Kammermuſiker
Heinrich Eymann, Louis Gothe und Leopold
Schutter erhielten das Silberne Ehrenkreuz für fünf=
undzwanzig
Jahre Hofdienſt. Die Hoftheaterdiener
Wilhelm Eiſenhauer und Karl Auguſt Meyer er=
hielten
das Silberne Kreuz des Philippsordens.
Anmeldung der Ausläuder. Das General=
kommando
des 18. Armeekorps hat unter dem 27. Ok=
tober
1914 eine Verordnung erlaſſen, wonach alle
Hotels, Penſionen und Anſtalten, ſowie
jeder Wohnungsinhaber verpflichtet ſind, den
Aufenthalt und Zuzug von Ausländern
binnen 12 Stunden polizeilich anzumelden,
leichgültig ob die Aufnahme gegen Entgelt oder unent=
geltlich
, vorübergehend oder für längere Zeit erfolgt.
Der Wegzug von Ausländern iſt gleichfalls innerhalb
12 Stunden anzuzeigen. Zuwiderhandlungen gegen
dieſe Verordnung werden nach § 9 des Geſetzes über
den Belagerungszuſtand vom 4. Juni 1851 mit Ge=
fängnis
bis zu 1 Jahr beſtraft. Die An= und Ab=
meldungen
haben, wie das Polizeiamt bekannt macht,
bei den zuſtändigen Polizeirevieren zu er=
folgen
. Anzumelden ſind auch diejenigen Ausländer,
die bei Erlaß der Verordnung bereits hier anweſend
waren, falls nicht ihre polizeiliche Anmeldung ſchon
früher erfolgt iſt.
* Liebesgaben für das 1. Batl. Reſ.=Inf.=Regt.
Nr. 221. Vielſeitigen Anfragen entſprechend, ſei hier=
durch
mitgeteilt, daß ſich die Annahmeſtellen der
Liebesgaben für obiges Bataillon, welches ſich bekannt=
lich
zum größten Teile aus Kriegsfreiwilligen, ins=
beſondere
aus Heſſen=Darmſtädtern, zuſammenſetzt, nun=
mehr
Mühlſtraße 76 III. (Ecke Nieder=Ramſtädterſtraße),
ſowie Kaſinoſtraße 8 p. befinden. Faſt ſämtliche Briefe
und Karten aus dem Felde, welche hier eintreffen,
ſprechen von wärmſtem Danke für die bereits abge=
lieferten
Liebesgaben, aber auch von großem Verlangen
nach Rauchute ſilien ꝛc. Weitere Liebesgaben nehmen
die Annahmeſtellen jederzeit mit herzlichſtem Danke ent=

[ ][  ][ ]

Nummer 307.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Seite 5.

gegen und ſei hierbei auch ganz beſonders auf die an
den Haustüren obiger Annahmeſtellen aufgehängten
Sammelkaſten für Zigarren und kleinere Geldbeträge
(letztere werden zum Ankauf von Tabak ꝛc. verwandt)
hingewieſen.
Poſtaliſches. In Dänemark beträgt ſeit dem
22. Oktober der Einzahlungskurs für Poſtanweiſungen
nach Deutſchland 88 Kronen 100 Mark. Der Poſt=
anweiſungsverkehr
mit der Argentiniſchen Re=
publik
iſt vorläufig eingeſtellt worden.
** Abgeſchobene Engländer. Aus Darmſtadt ſind
geſtern früh 3040 Engländer ohne weitere Umſtände
fortgebracht und zunächſt nach Gießen befördert worden,
um von dort in das Lager nach Ruhleben gebracht zu wer=
den
. Die Frauen ſind einſtweilen hier geblieben.
* Der Kanonendonner von Verdun. Zu dem Bericht
aus Worms, nach dem man dort den Kanonendonner von
Verdun in ſtillen Stunden vernommen haben will, wird
uns von einem Leſer in Gartenſtadt Nieder=Ramſtadt-
Traiſa geſchrieben, daß er dieſe Wahrnehmung beſtätigen
könne, denn ſchon an jenem Mittwoch, Donnerstag und
Freitag, die der Erſtürmung des Forts Camp des Ro=
mains
vorangingen, habe man in Abſtänden von meh=
reren
Minuten deutlich aus weiter Ferne kommende De=
tonationen
mit nachhallendem Donner gehört. Als dann
die Zeitungen ſpäter die Beſchießung an dieſen Tagen be=
ſtätigten
, habe kein Zweifel beſtanden, zumal der Donner
aus der Richtung SWW. kam, daß derſelbe von dort her=
rührte
. In den letzten Tagen und auch geſtern, wo
windſtilles Wetter gerade wie damals herrſchte, hörte man
den Donner wieder, ſo daß die Annahme berechtigt iſt, daß
derſelbe von Verdun kommt. Um den Kanonendonner zu
hören, muß man einen Ort wählen, wo ſtörende nähere
Geräuſche nicht hörbar ſind, etwa Marienhöhe, Linden=
berg
, Bordenberg uſw.
* Im Silberkranz. Am Montag, den 9. November,
feiern der Stadtverordnete und I. Vorſitzende des Darm=
ſtädter
Hausbeſitzer=Vereins, Herr Auguſt von Heſſert
und Gemahlin, im Kreiſe ihrer Familie das Feſt der Sil=
bernen
Hochzeit.
* Das Darmſtädter Tagblatt in New=York. Wir er=
halten
von einem unſerer langjährigen Abonnenten in
New=York folgenden Brief: New=York, 22. Okt. Sehr
geehrte Redaktion! Erlaube mir, die Staats=Zeitung zu
ſenden, der einzige Zufluchtsort und Beiſtand der
Deutſchen in New=York. Am 20. Oktober haben wir wie=
der
unſer uns ſehr, ſehr liebes Darmſtädter Tagblatt er=
halten
vom 3. Oktober. Die Freude iſt immer zu groß,
wir haben es nur eine Stunde im Haus, dann beginnt
ſeine Wanderſchaft in ganz New=York. Die Sammlung
in der Staats=Zeitung beweiſt gewiß den treueſten Zu=
ſammenhang
der Deutſchen hier und wie ſehr
alles leidet mit unſerem teueren Vaterland. Sobald es
möglich iſt, Geld zu ſchicken, werden wir uns erlauben, an
Ihre geſchätzte Redaktion einen Geldbetrag zu
ſenden für den Hilfsfonds; bis dahin tun
wir hier, was wir können. Die Engländer war=
ten
mit tauſend Augen auf die Geldſendung von hier nach
Deutſchland. Das geſammelte Geld möchten ſie zu gern
kapern. Wollte Gott, das iſt unſer aller Flehen, daß die
tapferen Deutſchen die engliſche Flotte zerſtören können.
In der beſten Hoffnung, daß Gott den Deutſchen in ihrer
ſchweren Zeit zu ihrem Rechte verhilft, grüßt achtungsvoll
Frau Philipp Meyer.
Die Sammlung der Staats=Zeitung, die in dem Brief
erwähnt iſt, ergab an einem Tage, dem 21. Oktober, für
die Hilfsbedürftigen, das Rote Kreuz uſw. 312,16 Dollars,
insgeſamt bis zum 21. Oktober eine Summe von 59739,93
Dollars, alſo mehr als ¼ Million Mark. Dem öſterr. Hilfs=
fonds
wurden bis zum 20. Oktober zugeführt 12356,64
Dollars und dem Allgemeinen Hilfsausſchuſſe für die
Kriegsnotleidenden, Verwundeten, Witwen und Waiſen
Deutſchlands, Oeſterreichs und Ungarns bis zum gleichen
Tag insgeſamt 69349,41 Dollars.
. Das Forchhammer=Konzert, das für den 17. No=
vember
angekündigt iſt, erregt ſchon jetzt das lebhafte In=
tereſſe
unſerer muſikaliſchen Kreiſe, ſo daß ſich baldige
Kartenbeſchaffung empfehlen dürfte. Die geſamte Ein=
nahme
des Abends wird von Herrn und Frau Kammer=
ſänger
Forchhammer in uneigennützigſter Weiſe für
die Liebesgabenſammlung des Roten Kreuzes und die
Hinterbliebenenverſorgung der Stadt Darmſtadt zur Ver=
fügung
geſtellt. Den Vorverkauf hat die Hofmuſikalien=
handlung
Heinrich Arnold übernommen.
Marcell Salzers zahlreiche Darmſtädter Freunde
werden mit Freude die Nachricht vernehmen, daß der
Künſtler auch in dieſem Jahre zu uns zu kommen gedenkt,
um hier am 1. Dezember im Kaiſerſaal einen Vaterlän=
diſchen
Kunſtabend zu geben. Ein Teil des Er=
trags
der Veranſtaltung ſoll kriegswohltätigen Zwecken
überwieſen werden.
m. Gartenbauverein Darmſtadt. In der letzten Mo=
natsverſammlung
machte Herr Regierungsrat Schar=
mann
die Mitteilung, daß der Verein zu den verſchie=
denen
Zweigen der Kriegsfürſorge bis jetzt 850 Mk. auf=
gewendet
habe und daß auch fernerhin die Verwundeten
in hieſigen Lazaretten bedacht werden ſollen, ohne daß da=
durch
die Vereinstätigkeit, insbeſondere die regelmäßigen
Verloſungen, eine Einbuße erleiden ſollte. Herr Kreis=
obſtbautechniker
Dorſch ſprach hierauf in ausführlicher,
ſachgemäßer und gemeinverſtändlicher Art über die
Pflanzung und Pflege von Obſtbäumen
In ſeiner Einleitung ſchloß er ſich eng an den in vielen
Zeitungen enthaltenen Aufruf an: Pflanzt Obſtbäume!
Die Statiſtik lehrt, daß jährlich viele Millionen für Obſt
ins Ausland wandern. Durch den gegenwärtigen Krieg
ſind auch ſchon viele Obſtanlagen in Belgien und Frank=
reich
vernichtet worden. Die Maßnahmen Englands zur
See verhindern eine Einfuhr von Obſt aus Amerika und
Auſtralien. Das alles drängt uns zu der Notwendigkeit,
daß wir den Bedarf an Obſt im eigenen Lande decken.
Nun ſind nach den ſtatiſtiſchen Erhebungen in Deutſchland
ſo viele Obſtbäume vorhanden, daß der Obſtbedarf eigent=
lich
gedeckt werden müßte. Wenn es aber trotzdem noch an
Obſt bei uns mangelt, ſo liegt es daran, daß die Erkennt=
nis
für die richtige Behandlung und Aufbewahrung des
Obſtes einerſeits und für die zweckmäßigen Vorbedingun=
gen
zu erfolgreichen Obſtanpflanzungen andererſeits noch
nicht genügend bei unſerem Volke durchgedrungen iſt.
Der Vortrag ſollte nach dieſer Richtung hin zur Aufklä=
rung
beitragen, und es wurden an 10 Geboten für den
Obſtbau die Sortenwahl, Bodenbeſchaffenheit, Boden=
verbeſſerung
, Herſtellung der Baumgrube, Pflanzung der
Bäume und Anheftung an Baumpfähle, Wurzel= und
Kronenſchnitt, Bekämpfung des Ungeziefers u. v. a. be=
ſprochen
. Als Material zur Erläuterung hatte Herr
Baumſchulbeſitzer Roſſignol aus Weiterſtadt eine Anzahl
ſchöngewachſener Obſtbäume zur Verfügung geſtellt, die
ſpäter zugunſten des Roten Kreuzes verſteigert wurden.
Außerdem hatte Herr Lehrer Grimm von hier zirka
40 verſchiedene, richtig bezeichnete Apfel= und Birnſorten
ausgeſtellt, die teils von ihm ſelbſt, teils von Herrn
Dorſch beſprochen wurden. Herr Profeſſor Völſing be=

richtete hierauf über ſeine guten Erfolge mit tiefgepflanz=
tem
Lauch und einer neueren Roſenkohlſorte, welche mit
Recht den Namen Feſt und viel führte. Zum Schluſſe
fand noch eine Verloſung von Bäumchen aus der Noack=
ſchen
Baumſchule ſtatt.
Vortrag. Der Vortrag, den der Verein für
Verbreit ung von Volksbildung am Montag,
den 16. November, abends 8¼ Uhr, im Kaiſerſaal
veranſtaltet, dürfte das Intereſſe weiteſter Kreiſe erregen.
Der Vortragende, Herr Ingenieur Emil Fromholz
aus Dortmund, ein gründlicher Kenner der Eiſen= und
Waffeninduſtrie, hat ſich als Thema gewählt: Krupp,
die deutſche Waffenſchmiede, ein Stoff, der ge=
rade
in dieſer Zeit des großen Völkerringens von größ=
tem
Intereſſe ſein wird. Herr Fromholz, der von der
Firma Krupp eine Anzahl neuer Photographien über
Großkampfgeſchütze erhalten hat, wird ſowohl über ihre
Herſtellung, als auch über ihre Wirkung ſich in Wort und
Bild verbreiten und ebenſo die Bewaffnung unſerer Un=
terſeeboote
ſtreifen. Der Vortrag wird durch 95 Lichtbil=
der
veranſchaulicht. Näheres (demnächſt) im Anzeigeteil.
C. Gartenſtadt am Heinrichwingertsweg. Die Häuſer
der Gartenſtadt am Heinrichwingertsweg ſind nunmehr
ſämtlich bewohnt und numeriert. Bei den in der Fort=
ſetzung
der Bruchwieſenſtraße gelegenen Häuſern kam zu=
nächſt
die Erwägung in Betracht, die Numerierung die=
ſer
letzteren Straße zugrunde zu legen, jedoch ſah man
davon aus gewiſſen Gründen ab, ſo daß nunmehr alle 12
Häuſer mit ihren Nummern 47 bis 77 als dem Heinrich=
wingertsweg
angehörig gelten. Bemerkt ſei noch, daß ein
neuer Fußweg längs der Oſtſeite des Beſſunger
Friedhofs mit Einmündung in den Clemenspfad dem=
nächſt
eröffnet wird, der die Entfernung nach der Stadt
nicht unerheblich abkürzt.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Darmſtädter Streichquartett. Wie in an=
deren
deutſchen Städten, ſo ſind auch hier die an dem
öffentlichen Muſikleben beteiligten Faktoren beſtrebt, dem
auch in dieſer ernſten Zeit vorhandenen Bedürfnis nach
Aufführung gediegener Muſik Rechnung zu tragen. Kein
Zweig der Tonkunſt kommt dieſem Verlangen nach inne=
rer
Erhebung und Sammlung mehr entgegen, als die in
ihren Ausdrucksmitteln ſo ſchlichte, auf jeden äußerlichen
Prunk verzichtende und doch alle Saiten tieferen Gefühls=
lebens
in Schwingung verſetzende Kammermuſik. Die ſeit
16 Jahren hier erfolgreich tätige Quartettvereinigung hat
die Vortragsreihe ihrer drei Abende diesmal aus dem
unermeßlich reichen Fonds an herrlicher Kammermuſik
unſerer deutſchen Klaſſiker und Romantiker ausgewählt.
Der am 30. November ſtattfindende erſte Abend ſteht im
Zeichen des Klaſſiker=Dreigeſtirns Haydn, Mozart und
Beethoven. Ein Romantiker=Abend (Schumann, Volk=
mann
und Schubert) folgt am 18. Januar, und das Pro=
gramm
des letzten Abends am 15. März enthält Werke
von Beethoven, Brahms und Louis Ferdinand, Prinz
von Preußen, von dem ein äußerſt wertvolles Klavier=
quartett
zum erſten Male hier aufgeführt wird. Der im
jugendlichen Alter von 36 Jahren 1806 bei Saalfeld ge=
fallene
Prinz war ein vorzüglicher Muſiker, der die beſon=
dere
Wertſchätzung Beethovens genoß. An den Auffüh=
rungen
beteiligen ſich außer den Quartettmitgliedern Meh=
mel
, Diedrich, Brückmann und Andrä die Herren Willy=
Rehberg aus Frankfurt, Frederik Voß aus Mainz und
Hofmuſiker Weyns von hier. Der geſamte Reinerlös der
Veranſtaltungen iſt zu gleichen Teilen für die Kriegsfür=
ſorgeſtellen
der Stadt Darmſtadt und des Allgemeinen
Deutſchen Muſiker=Verbandes beſtimmt. (S. Anz.)
Reſidenz=Theater am Weißen Turm. Das
gewaltigſte Filmwerk der Saiſon kommt ab heute zur
Vorführung. Das geheimnisvolle F., ein Schmuggler=
und Spionage=Drama in 6 Akten, vereinigt in ſich alle
Vorzüge der Kinematographie. Der Film iſt nordiſchen
Urſprungs, ausgeſtattet mit den herrlichſten Photogra=
phien
, und trotz ſeiner Länge mit jedem Akt ſpannender.
Die Szenen ſind mit vornehmſtem Geſchmack und abſoluter
Sicherheit der maleriſchen Wirkung geſtellt und liefern
gleichzeitig einen glänzenden Beweis dafür, welch hohe
und für die Allgemeinheit äußerſt wertvolle Kunſtgenüſſe
ein mit Stil und Geſchmack ausgeführtes Werk der Licht=
ſpielkunſt
den Beſchauern bieten kann. Die Vorſtellungen
finden ununterbrochen ſtatt, doch ſind die Anfangszeiten
des Programms auf 3½, 5, 7 und 9 Uhr feſtgeſetzt. Zur
Vervollſtändigung des Spielplanes kommen die neueſten
kinematographiſchen Berichte vom öſtlichen Kriegsſchau=
platz
und einige Humoresken auf die weiße Wand. (Siehe
Anzeige.)
Das Lichtſpielhaus American Bio
bringt von heute, Samstag, ab ein ſehr reichhaltiges neues
Großſtadt=Programm zur Aufführung. Von dem groß=
artigen
Spielplan ſei beſonders erwähnt das große Drama
Tiska, die Zigeunerin in 3 Akten, ein Film von unver=
gleichlicher
Pracht und dramatiſcher Handlung. Der
totgeglaubte Sohn ſowie der Kriegsbericht zeigen in
prächtigen Bildern die neueſten Ereigniſſe des Kriegs=
ſchauplatzes
, und vorzügliche Humoresken füllen den übri=
gen
Fpielplan. (Siehe Anzeige.)
Heubach, 6. Nov. (87. Geburtstag.) Don=
nerstag
, den 12. d. M., begeht der frühere Mühlenbeſitzer
Jakob Rödelſperger II. ſeinen 87. Geburtstag. Er
iſt der älteſte Bürger unſeres Ortes und erfreut ſich in
Anbetracht ſeines hohen Alters einer ſeltenen körperlichen
und geiſtigen Friſche. (Verwundetenfürſorge.)
Geſtern unternahmen etwa 27 verwundete Krie=
ger
, welche im Groß=Umſtädter Spital liegen, unter Be=
gleitung
der Herren Pfarrer Loos und Landwirtſchafts=
lehrer
Dr. Biedenkopf von Groß=Umſtadt nach hier einen
Ausflug. Nachdem dieſelben im Heſſiſchen Hof Ein=
kehr
gehalten und einige Zeit verweilten, marſchierten die
lebensluſtigen Krieger wieder zurück.
Beerfelden, 5. Nov. (Unglücksfall.) Der 16 jäh=
rige
Knecht Hofferbert des Landwirts Ihrig fiel in
der Scheune herab, beachtete aber die entſtandene Uebel=
keit
nicht und ging mittags in den Wald. Hier wurde er
ohnmächtig und ſtarb bald darauf.
Worms, 6. Nov. (Der Dank des Bürger=
meiſters
von Bouillon.) Nachfolgendes Schreiben
wurde lt. W. Ztg. in Bouillon dem Landſturm=
Bataillon Worms nach 38tägiger Anweſenheit bei
ſeinem Scheiden von den Vertretern der Gemeinde Bouil=
lon
überreicht: An den Herrn Kommandanten! Bevor Sie
unſere Stadt verlaſſen, halten die Unterzeichneten es für
ihre Pflicht, Ihnen den Dank der Stadtvertretung und
der hieſigen Bevölkerung zu übermitteln. Beſonders im
Namen der Armen kommen wir, Ihnen herzlichſt zu dan=
ken
für alles, was Sie für dieſelben getan haben, für
Suppe und Brot, die Sie ihnen verſchafft haben. Wir
ſind glücklich, Ihnen im Namen aller Einwohner für die
Schritte zu danken, die Sie unternommen haben, um un=

ſerer Stadt Mehl zu verſchaffen. Wir bitten Sie, Herr
Oberſtleutnant, überzeugt zu ſein, daß wir Sie ſtets in
beſtem Andenken behalten werden, und den Ausdruck un=
ſerer
vorzüglichen Hochachtung zu genehmigen. Der
Bürgermeiſter: Lambert; der Sekretär: Michel.

Stimmen aus dem Publikum,
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redakties
einerlei Verantwortung für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Zu keiner Zeit ſind mehr Zeitungen geleſen und
mit größerer Sehnſucht erwartet worden wie jetzt. Wäre
es nicht möglich, im Intereſſe von beiden Seiten, die
Brief= und Zeitungskäſten in den Haus=
gängen
anzubringen? Das Treppenlaufen in der
Dunkelheit früh und ſpät nimmt viel Zeit weg. In un=
ſerem
Haus iſt es vor Jahren bei einem früheren Aufruf
eingeführt worden; man hat ſich raſch daran gewöhnt, die
Zeitung unten zu holen.
Eine alte Abonnentin, 3 Treppen hoch.
Es iſt ſeit einigen Tagen hier in Darmſtadt
nirgendwo mehr Petroleum zu haben und
es iſt wohl auch vorerſt keine Ausſicht, genügend zu be=
kommen
. Deshalb ſei hierdurch an die Verbraucher die
Bitte gerichtet, doch möglichſt ſparſam und
haushälteriſch mit dem Petroleum umzu=
gehen
. Vor allen Dingen erſcheint mir die lange
Treppen= und Flurbeleuchtung während der Abendſtunden
nicht erforderlich und es ließe ſich wohl von der Polizei=
behörde
eine Milderung in der Vorſchrift der Beleuchtung
in den Treppenhäuſern und Vorplätzen inſofern erreichen,
als die Beleuchtung nur bis abends 8 Uhr vorgenommen
zu werden braucht. Auch wird in vielen Fällen die Be=
leuchtung
durch kleine Brennöllampen (z. B. Fahrrad=
und ähnliche Laternen) während der gegenwärtigen
kritiſchen Zeit genügen.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt a. M., 4. Nov. ( Kartoffel=
markt
.) Man notierte: Kartoffeln im Waggon 6,50 bis
7,50 Mk., im einzelnen 8,509,00 Mk.; alles per 100 Kilo.
H. Frankfurt a. M., 3. Nov. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war eine reſervierte Hal=
tung
vorherrſchend, welche die vielfache Unklarheit durch
die feſtgeſetzten Höchſtpreiſe bewirkt hat. Die Käufer
wollen zunächſt die Entwicklung des Geſchäftsverkehres
abwarten und auch die Abgeber ſind zurückhaltend. Land=
weizen
war ziemlich lebhaft, während Roggen ruhiger lag
und knapper offeriert wurde. Die Mühlen hielten noch
mit Käufen zurück, da über Vermahlung und Ausbeute
von Mehl die näheren Beſtimmungen abgewartet werden.
Braugerſte etwas billiger bezahlt, auch Hafer war genü=
gend
vorhanden und matter: Mais fehlend. An der Ber=
liner
Produktenbörſe war Getreide ſtill und be=
hauptet
. Das Angebot war mäßig, aber auch die Käufer
zurückhaltend, da ihnen die geforderten Preiſe noch zu hoch
ſind. Die Zufuhren ſind bisher gering; einige Poſten wur=
den
nach dem Weſten verkauft. Roggen notierte niedriger.
Die Lokopreiſe ſtellen ſich bei 100 Kilogramm netto
hier wie folgt: Weizen (hieſiger und Wetterauer) je
nach Qualität Mk. 27,2527,50, kurheſſiſcher Mk. 27,50;
Roggen (hieſiger und bayriſcher) Mk. 23,2523,50;
Gerſte (hieſige und Wetterauer) Mk. 23,5024,; Ha=
fer
Mk. 23,3023,60; Kartoffeln Mk. 6,507,50;
Weizenkleie Mk. 14,0014,25; Weizenmehl, hie=
ſiges
, Baſis 00 Mk. 43,00, Baſis 0 Mk. 40,00; Roggen=
mehl
, hieſiges, Mk. 33,0034,00, Preis anderer Sorten
im Verhältnis.
F.C. Frankfurt a. M., 4. Nov. ( Schweine=
markt
.) Auftrieb: 1817 Schweine. Marktverlauf: Ziem=
lich
rege; bleibt Ueberſtand. Preiſe: a) 5962 Mk.
(7677 Mk.), b) 5860 Mk. (7576 Mk.), c) 5962 Mk.
(7577 Mk.).
Frankfurt a. M., 5. Nov. (Viehhof=
Marktbericht.) Auftrieb: 138 Rinder (21 Ochſen,
1 Bulle, 116 Kühe), 418 Kälber, 445 Schafe, 1870 Schweine.
Preiſe (pro 50 Kilo Lebendgewicht in Mark): Kälber:
a) ——, b) 5460 (Schlachtgewicht 90100), c) 5054
(8592). Schafe: a) 3539 (8084, b) 3032 (7076).
Schweine: a) 5860 (7576), b) 5860 (7374),
C) 5961 (7476), d) 5961 (7476). Marktverlauf:
Gedrückt; bei Schweinen Ueberſtand.

Der neue italieniſche Miniſter
des Heußern.

* Rom, 5. Nov. Durch königliches Dekret wurde
Salandra mit der Bildung des Kabinetts be=
traut
. Wie die Agenzia Stefani aus zuverläſſiger Quelle
erfährt, ſetzt ſich das neue Kabinett folgendermaßen
zuſammen: Salandra: Vorſitzender und Inneres; Son=
nino
: Aeußeres; Martini: Kolonien; Orlando: Juſtiz;
Carcano Schatz; Daneo: Finanzen; Ciufellis: Oeffent=
liche
Arbeiten; Grippo: Unterricht; Caſola: Ackerbau; Zup=
peli
: Krieg; Viale: Marine; Riccio: Poſt. Die Miniſter
werden heute nachmittag vereidigt.
** Von den neuen Männern, die Salandra in
ſein ſoeben umgebildetes Kabinett aufgenommen hat,
intereſſiert in dieſer kritiſchen Zeit beſonders der Leiter
der internationalen Politik Italiens, Sidney Sonnino,
der ja ſchon ſeit langen Jahren im Vordergrund des
öffentlichen Lebens ſeines Landes ſteht. Er iſt der Füh=
rer
der Rechten und war einſt der Retter der heillos deran=
gierten
Finanzen; als ſtrenger Hüter des italieniſchen
Staatshaushalts hat er ſich den Beinamen Veſtalin des
Budgets erworben. Nach dem unglücklichen Feldzug in
Erythräa hatte Italien ein großes Defizit, aber Sonnino
griff mit kräftiger Hand ein, und wenn man auch wegen
der Steuererhöhungen murrte, ſo führte er doch das Werk
durch, und ihm iſt es zu verdanken, daß das Defizit aus
dem Budget verſchwunden iſt. Zu wiederholten Malen
ſtand Sonnino als Miniſterpräſident an der Spitze der Re=
gierung
, und obgleich ſeine Kabinette angeſichts der Par=
teiverhältniſſe
im Parlament keine lange Lebensdauer
hatten, ſo erfreute er ſich doch großen Anſehens und Ein=
fluſſes
, und von ſeiner Beſonnenheit und Erfahrung darf
man hoffen, daß er das Schiff der auswärtigen Politik
Italiens glücklich durch alle Klippen der jetzigen euro=
päiſchen
Wirren lenken wird.
Sonninos Spezialfach ſind die Finanzen, doch iſt ihm
als früherem Kabinettschef auch das Reſſort des Aeußern
nicht fremd. Er hat zwar in ſeinen Programmreden neben
der Treue zum Dreibund auch die Freundſchaft zu Frank=
reich
und England betont, aber wir erinnern daran, daß
er vor einigen Jahren in einem Schreiben an ſeine Wäh=
ler
beſonders warm für den Dreibund eintrat, der nie=
mand
bedrohe und niemandes Recht verletze. Es ſei wün=
ſchenswert
, daß die Diplomatie Mittel fände, zwiſchen
Italien und Oeſterreich=Ungarn die vertraulichen und
herzlichen Beziehungen zu befeſtigen, die geeignet ſeien, die

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Nummer 307.

Löſung ſchwieriger Aufgaben zu erleichtern. Wir nehmen
an, daß durch den Eintritt Sonninos ins Kabinett das
Feſthalten Italiens an der abſoluten Neutralität noch
ſtärker verbürgt wird. Erfreulicherweiſe mehren ſich ja
auch die Stimmen im Lande, welche von den Lockungen
der Feinde Deutſchlands nichts wiſſen wollen.

Der deutſche Seeſieg an der
chileniſchen küſte.

Ein weiterer engliſcher Kreuzer geſunken?
* Kopenhagen, 6. Nov. (Ctr. Frkft.) Politiken
efährt aus London: Der engliſche Panzer=
kreuzer
Good Hope der in der Seeſchlacht bei
Valparaiſo ſtark beſchädigt wurde, ſei wahrſchein=
lich
geſunken. Als der Kreuzer zuletzt geſehen wurde,
ſei er im Begriff zu ſinken geweſen. Man hoffe, daß es
gelungen ſei. den Kreuzer auf den Grund zu ſetzen, ſodaß
Mannſchaft und Offiziere gerettet ſeien. Von Coronel ſei
eine Hilfsexpedition ausgeſandt.
Der Bericht des deutſchen Geſchwaderchefs.
* Amſterdam, 5. Nov. (Ctr. Bln.) Die Agence
Havas beſtätigt aus Santiago, daß die deutſchen Kreu=
zer
Scharnhorſt‟. Gneiſenau und Nürnberg am
Sonntag in Valparaiſo angekommen ſind. Der
deutſche Geſchwaderchef berichtete, daß ſeine Schiffe den
engliſchen Kreuzer Monmouth zum Sinken ge=
bracht
und die Kreuzer Good Hope und Glasgow‟
ſchwer beſchädigt hätten. Das Treffen wurde in
60 Meilen Entfernung von Coronel geliefert. Der deutſche
Geſchwaderchef glaubt, daß alle Mannſchaften der Mon=
mouth
ertrunken ſind. Die chileniſchen Behörden
haben darüber noch keine andere Nachricht erhalten als die
Mitteilung von dem Leuchtturm von Lavapia, daß dort
am Sonntag abend eine Kanonade gehört wurde. Auch
ſind noch keine Berichte eingelaufen, daß Good Hope und
Glasgow einen anderen chileniſchen Hafen angelaufen
haben.
Einzelheiten über den Seekampf.
* Berlin, 6. Nov. Dem Lokalanzeiger wird aus
Kopenhagen berichtet: Ueber die Seeſchlacht an der
chileniſchen Küſte wird weiter aus London gemeldet:
Die deutſchen Kreuzer vereinigten ihr Feuer nach Vernich=
tung
der Monmouth auf den Kreuzer Good
Hope‟ Die ſchweren Geſchütze der deutſchen Schiffe
ſchoſſen mit bewundernswerter Treffſicher=
heit
. Nachdem der Oberbau der Good Hope über
Bord geſchoſſen worden war, wurde das Schiff kampf=
unfähig
und mußte die Flucht nach der Küſte
ergreifen. Das Waſſer ſtrömte durch zahlreiche Löcher
des Rumpfes in den Schiffskörper. Die deutſchen Kriegs=
ſchiffe
ſetzten das Feuer fort, bis die Good Hope außer
Sehweite war. Das Wetter war unſichtig; es regnete.
Die Deutſchen erklärten, die Engländer hätten heldenhaft
gekämpft, ihr Feuer ſei aber ohne größere Wirkung ge=
weſen
. Dem Morgenbladet in Kriſtiania wird über die
Seeſchlacht gemeldet: Die deutſchen Kreuzer warteten
vor Coronel, wo die britiſchen Schiffe Kohlen ein=
nahmen
. Sie umringten die britiſchen Schiffe ſchnell und
eröffneten aus 9000 Meter Entfernung das Feuer. Die
britiſchen Schiffe erwiderten es, als ſie auf 6000 Meter
herangekommen waren. Inzwiſchen waren ſie jedoch be=
reits
beſchädigt worden. Die Monmouth ſetzte den
Kämpf fort, bis ſie vollſtändig zerſchoſſen war. Bei orkan=
artigem
Sturm, der den Panzerkreuzer mit Waſſer füllte,
verſank er ſchließlich.
* Amſterdam, 6. Nov. (Ctr. Bln.) Ueber den
Seekampf an der chileniſchen Küſte bringen Telegramme
aus Valparaiſo in den engliſchen Blättern noch einige
Einzelheiten. Das deutſche Geſchwader ſtand unter dem
Befehl von Admiral Spee. Das Gefecht wurde am
Sonntag geliefert, und zwar bei der Inſel Santa
Maria auf der Höhe von Coronel; es begann ungefähr
eine Stunde vor Einbruch der Nacht und endete bei ein=
tretender
Dunkelheit. Auf dem großen engliſchen Kreuzer
Good Hope wurde zwiſchen den Schornſteinen eine
Exploſion wahrgenommen. Der Kreuzer Mon=
mouth
ſank nach verſchiedenen Schüſſen und verſuchte noch
im Sinken einen der deutſchen Kreuzer zu rammen. Der
deutſche Admiral drückte in einem Telegramm an
die chileniſche Regierung ſein Bedauern darüber
aus, daß er wegen des ſtürmiſchen Wetters nicht im=
ſtand
war, Boote ausſetzen zu laſſen, um die
Ueberlebenden von der Monmouth zu retten. Gnei=
ſenau
Scharnhorſt und Nürnberg alle
drei nur leicht beſchädigt, ſollten geſtern von Valparaiſo
wieder die hohe See gewinnen. Die Leipzig und die
Dresden ſind mit vier bewaffneten Trans=
portſchiffen
außerhalb des Hafens geblieben.
Man glaubt, daß das deutſche Geſchwader durch
drahtloſen Nachrichtendienſt regelmäßig über
die Bewegungen der engliſchen Kreuzer unterrichtet war.
In einem Telegramm aus Valparaiſo an den New=York
Herald wird die Vermutung ausgeſprochen, daß die deut=
ſchen
Schiffe von der Küſte aus durch Spione unterrichtet
wurden, als die engliſchen Schiffe, nachdem ſie ihre Koh=
lenladung
in Coronel vervollſtändigt hatten, den Hafen
verließen; die deutſchen Kreuzer ſchienen dem engliſchen
Geſchwader keine Zeit gelaſſen zu haben, ſich in Schlacht=
ordnung
aufzuſtellen. Der Korreſpondent des New=York
Herald behauptet auch, daß der Kreuzer Gvod Hope‟
ſchwer beſchädigt wurde und auf die Küſte
aufgelaüfen ſei.
* London 6. Nov. Die Times erhält folgenden
Bericht über die Seeſchlacht bei Chile: Vier
deutſche Kreuzer, darunter Scharnhorſt und Gnei=
ſenau
griffen am Sonntag die engliſchen Kreuzer
Goodhope Monmouth, Glasgow und
Otranto bei Eintritt der Nacht in der Nähe der Inſel
Santa Maria an. Der Kampf dauerte über eine Stunde.
Goodhope wurde derart beſchädigt, daß er gezwungen
war, unter dem Schutze der Dunkelheit zu fliehen. Mon=
mouth
verſuchte zu fliehen, wurde aber von einem klei=
nen
deutſchen Kreuzer verfolgt und ſank, nachdem er
einige Treffer’ erhalten hatte. Unglücklicherweiſe machte
das ſtürmiſche Wetter die Benutzung der Boote unmöglich.
Man glaubt, daß die Glasgow und die Otran=
to
beſchädigt wurden, es gelang ihnen aber, dank
ihrer großen Schnelligkeit, in der Dunkelheit zu
entkommen. Die deutſchen Schiffe erlitten keine
ſchweren Beſchädigungen. Zwei Mann des Gneiſenau
wurden leicht verwundet. Es wird angenommen, daß
die ganze Beſatzung des Monmouth umgekommen iſt.
Der Panzerkreuzer Goodhope fuhr, als er zuletzt ge=
ſehen
wurde, mit Volldampf nach der Küſte.
Man glaubt, daß er in ſinkendem Zuſtande auf die Klip=
pen
auffuhr und hofft, daß die Offiziere und die Mann=
ſchafft
ſich retten konnten. Die britiſchen Schiffe waxen
am Sonntag ausgelaufen, um auf die deutſchen
Schiffe Jagd zu machen. Die deutſchen Schiffe

eröffneten das Feuer. Es ſcheint, daß die britiſchen Schiffe
gar nicht in gute Schußweite herankamen. Monmouth
ſetzte den Kampf fort, bis der Schiffskörper durchlöchert
war, ſtürzte aber um, lag einen Augenblick kieloben und
ſank dann. Die Deutſchen griffen ſodann den Good=
hope
an. Das ſchwere Geſchütz der beiden deutſchen
Panzerkreuzer feuerte bewundernswert genau.
Flammen ſchlugen bei dem Goodhope an zahlreichen
Stellen empor. Der Oberbau wurde weggeſchoſſen und
die Geſchütze kampfunfähig gemacht. Goodhope wendete
ſich ſchließlich und fuhr nach der Küſte, während Waſſer
in den Schiffskörper eindrang. Es war erkenn=
bar
daß Goodhope unterging. Glas=
gow
wurde ebenfalls ernſtlich beſchädigt
und flüchtete nach Coronell. Gneiſenau, Scharnhorſt
und Nürnberg, die ſich nach in Valparaiſo befinden
und wenig Schaden aufweiſen, fahren heute
ab. Es wird berichtet, daß die Leipzig und Dresden
und vier bewaffnete Transportſchiffe ſich außerhalb des
Hafens befinden.
* London, 6. Nov. Die Exchange Telegr. Co.
meldet: Nach einem amtlichen Bericht des amerikaniſchen
Geſandten in Chile iſt der engliſche Kreuzer
Glasgow in Chile interniert worden.
Beſtürzung in London.
* Von der belgiſchen Küſte, 5. Nov. (Ctr.
Frkft.) Die engliſche Zenſur unterdrückt, wie der Frkft.
Ztg. berichtet wird, in Berichten über die deutſche Flotte
ſogar die Namen der deutſchen Schiffe. Als heute zu den
bisherigen Meldungen noch der deutſche Seeſieg
an der Küſte von Chile hinzukam, ging den Lon=
donern
vollends der Atem aus. Obwohl eine amtliche
Meldung des amerikaniſchen Konſuls darüber vorliegt,
tröſten ſich die Engländer einſtweilen damit, daß nur
deutſche Nachrichten den Sieg melden und die Ereigniſſe
ielleicht übertreiben. Zur Erklärung dieſer
neuen Niederlage nehmen ſie zu der Behauptung Zuflucht,
die ſüdgmerikaniſche Küſte ſei von deutſchen Spionen
iberſchwemmt.

Der deutſche Angeiff auf die engliſche Küſte.

* Großes Hauptquartier, 6. Nov. (W. T. B.
Amtlich.) Am 3. November machten unſere großen
und kleinen Kreuzer einen Angriff auf die
engliſche Küſte bei Yarmouth. Sie beſchoſſen
die dortigen Küſtenwerke und einige kleinere Fahrzeuge,
die in der Nähe vor Anker lagen und anſcheinlich einen
Angriff nicht erwarteten. Stärkere engliſche
Streitkräfte waren zum Schutze dieſes wichtigen
Hafens nicht zur Stelle. Das unſeren Kreuzern
ſcheinbar folgende engliſche Unterſeeboot D. 5"
iſt, wie die engliſche Admiralität bekanntgibt, auf eine
Mine gelaufen und geſunken. Der Chef des Admiralſtabs:
(gez.) v. Pohl.

Ein engliſcher Dampfer von der
Leipzige verſenkt.

* Lond on, 6. Nov. Londoner Blätter melden,
daß der Sunderlandsdampfer Vinebrauch von dem
deutſchen Kreuzer Leipzig an der Küſte von Chile
erbeutet und verſenkt wurde. Die Mannſchaft=
iſt
in Sicherheit gebracht.

Die Kriegslage im Oſten.

* Wien, 6. Nov. Amtlich wird verlautbart: Ge=
tern
wurde im Norden nicht gekämpft. Unbehin=
ert
vom Feinde nahmen unſere Heeresbewegungen ſo=
wohl
in Ruſſiſch=Polen als auch in Galizien den beab=
ſichtigten
Verlauf. Wenn man den Ruſſen eine Anzahl
von Punkten der Front trotz der örtlich günſtigen Si=
tuation
vorübergehend wieder überlaſſen hat, ſo iſt das in
der Geſamtlage begründet.
von Höfer, Generalmajor.
* Wien, 6. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Neuen Freien Preſſe gibt folgende zuſammenfaſſende
Darſtellung der Vorgänge in Galizien und
Ruſſiſch=Polen: Auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz
ſpielten ſich in den letzten Wochen von dem Entſatz von
Przemysl und der bis an die Tore von Warſchau getra=
genen
deutſchen und öſterreichiſch=ungariſchen Offenſive
nehrere für den weiteren Verlauf des Krieges hervor=
ragend
wichtige Vorgänge ab. Als in der erſten Hälfte
es Oktober eine neue Vorwärtsbewegung der öſter=
reichiſch
=ungariſchen Armee für die Ruſſen überraſchend
begann, ſchloſſen fünf ruſſiſche Korps Przemysl ein und
mehrere Reiter= ſowie gemiſchte Korps drangen noch da=
rüber
hinaus weſtwärts vor, um die Bewegung dieſer
Hauptarmee zu verſchleirn. Die ruſſiſchen Haupt=
kräfte
waren in nördlicher Richtung im
Sange, um insgeſamt gegen Deutſchland die
Uebermacht zu haben. Der überraſchende Marſch der
ſterreichſch=ungariſchen Armee gegen Iwangorod und
eine aus Schleſien vorgebrochene neue deutſche Oſtarmee
gegen Warſchau zwangen die ruſſiſche Hauptarmee hinter
der Weichſellinie zur Entwicklung. Die im Anfang ſehr
erfolgreichen Angriffe der Armeen Hindenburg und
Dankl beendigten die Vorwärtsbewegung dieſer Ar=
meen
. Kräfte von Przemysl wurden zurückgezogen und
Przemysl entſetzt, worauf ſich im Raume von Radymno=
Medyta=Chyrow ein noch heute fortdauerder Stellungs=
kampf
entſpann, in deſſen Verlauf der rechte öſterr.=ung.
Flügel mit von der Artillerie gut vorbereiteten Infanterie=
ſtürmen
bis Stary=Sambor u. darüber hinaus vorgebracht
werden konnte. Auch im Zentrum der Schlachtfront hat=
ten
unſere Truppen mehrfach Erfolge, trotz fortgeſetzter
ruſſiſcher Verſtärkungen und feſtungsartigen Verſchanzun=
gen
der feindlichen Artillerie und Infanterie. Auf dem
Nordflügel verſuchten ſtarke ruſſiſche Kräfte, in der Rich=
tung
Radymno-Jaroslau vorzuſtoßen, ſie wurden jedoch
mit großen Verluſten auf ihrer Seite zum Rückzug ge=
zwungen
. Da brachten die Ruſſen in Ruſſiſch=Polen
eine ſtarke, zahlenmäßige Uebermacht zur Geltung, doch
wurden ſie auch gezwungen, gegen Südweſten neue Kräfte
einzuſetzen, ſtatt, wie beabſichtigt, nur gegen Deutſchland.
Die Armeen Hindenburg und Dankl wichen dem ruſſiſchen
Vormarſch aus, während die Ruſſen nur zögernd folgten.
Unfer Vorgehen in Polen erreichte, daß die ruſſiſche
Armee von dem geplanten Hauptangriff
gegen Deutſchlands Oſtgrenze abg,edrängt
und mit allen Kräften und auf eine von uns geplante
Front gedrängt wurde.

Die Vergeltungsmaßnahmen gegendie Engländer.

* Berlin, 6. Nov. Im Verfolg der heute veröffent=
lichten
, durch die Militärbehörde feſtgelegten Vergel=
tungsmaßregeln
wegen der Verhaftung deutſcher
Staatsangehöriger in England ſind heute in aller Frühe
die erforderlichen Maßnahmen ſeitens der Berliner

Polizeibehörde zur Durchführung gekommen. Die
in den Liſten der Polizei geführten Staatsangehörigen
von Großbritannien und Irland wurden heute vormittag
in ihren Wohnungen durch die Beamten der Polizeireviere
aufgeſucht und für verhaftet erklärt. Sie wur=
den
nach der Stadtvogtei gebracht, wo eine Sammelſtelle
eingerichtet iſt für alle in Großberlin befindlichen Eng=
länder
und wo auch die aus der Mark hergebrachten Eng=
länder
vorläufig untergebracht werden. Die Verhafteten
dürfen Bettzeug und Toilettegegenſtände ſowie Wäſche
mitnehmen. In Berlin ſind insgeſamt etwa 500 Eng=
länder
verhaftet worden. Die Stimmung unter
den Feſtgenommenen war durchweg gut im Vertrauen
auf die Humanität der deutſchen Regierung. Als Kon=
zentrationslager
iſt die Trabrennbahn Ruh=
leben
bei Berlin auserſehen, wo ſich bisher nur 400
Ruſſen befanden.
* Frankfurt a. M., 6. Nov. Anläßlich der Maß=
nahmen
gegen die in Deutſchland anſäſſigen Engländer
wurden heute in Frankfurt über 200 engliſche
Staatsangehörige feſtgenommen und nach Gießen
gebracht. Morgen ſollen ſie nach Ruhleben transpor=
tiert
werden.

London in Erwartung der Luftinvaſion.

* London 6. Nov. Der Staatsſekretär des In=
nern
hat angeordnet, daß die Einſchränkung der
Beleuchtung in London weitere zwei Monate
andauere. Die Schaufenſterbeleuchtung muß von 6
Uhr abends oder früher, wenn es die Polizei anordnet,
verringert werden. Starkleuchtende Laternen an Auto=
mobilen
und anderen Fahrzeugen ſind verboten.

Ein Proteſt Norwegens.

* Kriſtiania, 6. Nov. Amtlich wird mitgeteilt:
Das norwegiſche Miniſterium des Aeußern
hat am 5. ds. die Geſandtſchaft in London angewieſen,
der engliſchen Regierung wegen der Kundmachung der
Admiralität, betreffend die Nordſeeſperre, Vor=
ſtellungen
zu machen. Der norwegiſche Miniſter
des Aeußern hat mit den Vorſtandsmitgliedern der Ree=
dervereine
, der Schiffs=Kriegsverſicherung, der Waren=
Kriegsverſicherung und den Vertretern der Norwegiſchen
Amerikalinie ſowie anderen Intereſſenten zur Beſpre=
chung
der Lage eine Sitzung abgehalten. Das norwegi=
ſche
Miniſterium des Aeußern hat von der engliſchen Re=
gierung
die Mitteilung erhalten, daß die Durchfahrt von
The Tinch zwiſchen Hebriden, Schottland und Firth, ge=
ſchloſſen
ſei. Norwegiſche Schiffe, welche bereits unter=
wegs
ſind und freiwillig nach Kirkwali gehen, werden
die Erlaubnis zur Weiterfahrt erhalten, wenn ihre La=
dungen
nach Norwegen beſtimmt ſind, Artikel, die bedingte
Konterbande ſind, nur, wenn ſie einem norwegiſchen Aus=
fuhrverbot
unterliegen.

Der türkiſche Krieg.

* Konſtantinopel, 6. Nov. (Amtliche Mittel=
lung
des Hauptquartiers.) An unſerer öſtlichen
Grenze ſind unſere Truppen auf der ganzen Front in
Fühlung mit dem Feinde. Auf der Reede von
Smyrna wurden drei große engliſche Schiffe
und mehrere kleinere engliſche und franzöſiſche Damp=
fer
beſchlagnahmt und ihre Beſatzungen gefangen
genommen. Auf den engliſchen und ruſſiſchen Konſulaten
in Bagdad wurden die Hausſuchungen fortgeſetzt.
Außer den bereits früher beſchlagnahmten Waffen wur=
den
16 Manlicher= und Mauſergewehre ſowie 32 Revolver,
850 Gewehrpatronen und Revolverpatronen ſowie 15 Ba=
jonette
beſchlagnahmt. Auf der engliſchen Botſchaft und
der Schule in Bendit wurden Apparate für draht=
loſe
Telegraphie gefunden.

Von der Tätigkeit der türkiſchen Flotte.

* Mailand, 5. Nov. (Ctr. Frkft.) Der Secolo
meldet aus Bukareſt: Ein türkiſcher Kreuzer
hat bei Sewaſtopol das ruſſiſche Schiff Großfürſt
Alexander in den Grund gebohrt, nachdem er
deſſen Paſſagiere und Mannſchaft aufgenommen hatte,
die dann in Konſtantinopel ausgeſchifft wurden. Wahr=
ſcheinlich
hat das Schiff Jeruſalem dasſelbe Schick=
ſal
erlitten, da es nicht mehr auf die von allen Seiten
ausgeſandten Funkſprüche antwortet.

Die Annektion von Cupern.

* London, 6. Nov. Die Proklamation, die den
Kriegszuſtand mit der Türkei mitteilt, iſt zur ſel=
ben
Zeit wie die Annektion von Cypern veröffent=
licht
worden. Sie erklärt, daß der Ausdruck Feind
der in der Proklamation bezüglich der Türkei gebraucht
wird, ſich in gleicher Weiſe auf die anderen türkiſchen Be=
ſitzungen
, außer Aegypten, Cypern und alle Territorien,
die England und ſeine Verbündeten ſchon beſetzt haben,
bezieht.

Frankreichs Kriegserklärung
an die Türkei.

* Bordeaux, 6. Nov. Der Miniſter des Auswär=
tigen
hat folgende Note veröffentlicht: Die feindſeligen
Akte, welche die türkiſche Flotte ſich gegen ein fran=
zöſiſches
Handelsſchiff hat zuſchulden kommen laſſen und
durch die der Tod von zwei Franzoſen und ſchwere Be=
ſchädigungen
des Schiffes verurſacht worden ſind, ohne
daß die Entfernung der deutſchen Militär= und Marine=
Kommiſſion erfolgt wäre, durch die ſich allein die Pforte
von der Verantwortlichkeit für dieſe Akte hätte entlaſten
können, machen es der franzöſiſchen Regierung zur
Pflicht, zu erklären, daß durch dieſes Vorgehen der tür=
kiſchen
Regierung der Kriegszuſtand zwiſchen
Frankreich und der Türkei eingetreten iſt.
Der türkiſche Geſandte hat Niſch am 4. No=
vember
verlaſſen und hat die Vertretung der türki=
ſchen
Intereſſen dem Vertreter Italiens überlaſſen.

Rußland und Perſien.

* Wien, 6. Nov. Die ruſſiſche Regierung
beſchloß, wie die Korreſpondenz Rundſchau meldet, die
Forderungen Perſiens in allen Punkten
abzulehnen und die ruſſiſchen Truppen in Perſien
unverzüglich auf den Kriegszuſtand zu erhö=
hen
. Die antiruſſiſche Bewegung in Perſien wird im=
mer
mächtiger. Der Khan hat ſämtliche ruſſenfreundlichen
Beamten entfernt.

* Berlin, 6. Nov. (W. T. B Amtlich.) Nach einer
Londoner Meldung ſoll der amerikaniſche Korreſpondent
Thompſon, der mit Genehmigung der deutſchen Hee=
resleitung
dem deutſchen Heere gefolgt ſei, von einer

[ ][  ][ ]

Nummer 307.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Seite 7.

Meuterei deutſcher Soldaten bei Nieu=
port
berichtet haben. Die Erzählung iſt mit allen Ein=
zelheiten
völlig erfunden. Ein Korreſpondent na=
mens
Thompſon iſt von der deutſchen Heeresleitung nicht
zugelaſſen worden und eine Meuterei deutſcher Soldaten
hat nicht ſtattgefunden.
* Neiſſe, 6. Nov. Bei Neiſſock in der Lauſitz
wurde ein im Walde planlos umherirrender =
herer
ruſſiſcher Offizier aufgegriffen. Er gab
an, Oberſt und Generalſtabsoffizier zu ſein. Es ſtellte ſich
heraus, daß er mit einem Gefangenentransport aus Süd=
Polen gekommen und in der Nähe von Neiſſe aus dem
Zuge entwichen war.
* London, 6. Nov. Die Admiralität gibt bekannt,
daß beim Untergang des Unterſeebootes D 5 anſchei=
nend
ein Offizier und 20 Mann das Leben verlo=
ren
haben.
* London, 6. Nov. Daily Mail meldet: Es wurde
beſchloſſen, daß von dem nächſten Montag ab in den Wirt=
ſchaften
Groß=Londons den Frauen keine be=
rauſchenden
Getränke vor 11½ Uhr vormittags
ausgeſchänkt werden dürfen. Die Londoner Polizeirichter
klagten in der letzten Zeit über die Zunahme des Trin=
kens
bei den Frauen, namentlich der Soldaten=
frau
e n.

Letzte Nachrichten.

Der Zuſammentritt des Reichstages.
* Berlin, 6. Nov. (W. T. B. Amtlich.) Der Stellver=
treter
des Reichskanzlers, Staatsminiſter v. Delbrück,
hielt in den letzten Tagen mit den Vorſitzenden ſämtlicher
Fraktionen des Reichstages eingehende Beſprechun=
gen
über die dem Reichstag nach Ablauf der Vertagung
zu machenden Vorlagen ab. In der Beratung, an der
der Präſident des Reichstages, Vertreter aller Fraktionen
und Gruppen teilnahmen, wurde ein Einverſtändnis da=
rüber
erzielt, daß noch vor der am 2. Dezember beginnen=
den
Reichstagsſitzung die Budgetkommiſſion der vori=
gen
Seſſion in einer Sitzung, an der auch die ſonſt in der
Budgetkommiſſion nicht vertretenen kleinen Fraktionen
und Gruppen beteiligt ſein ſollen, die Vorberatung der
Vorlagen vornimmt, die dem Reichstag zugeſtellt werden
ſollen.

Verluſtliſte (aus Nr. 68 und 69).

Infanterie=Regiment Nr. 168, Offenbach, Butzbach,
Friedberg i. Heſſ.
Berichtigung früherer Angaben.
Reſ. Friedrich Achenbach, Niederdieten, bisher vm.,
im Lazarett; Reſ. Breitenbach, bisher vm., vw.; Reſ.
Dörenbach, bisher vm., im Lazarett; Gefr. Heinrich
Conrad, Zutzendorf, bisher vm., vw.; Musk. Dauer,
bisher vm., vw.; Musk. Heinrich Henrich, Hainchen,
bisher vm., vw.; Reſ. Ludwig Herrnbrodt, Ober=
Mockſtadt, bisher vm., vw.; Musk. Karl Kauß, Gelſen=
kirchen
, nicht gefallen, im Lazarett; Musk. Joſeph Klock,
Lugſtein, bisher vw., am 6. 9. 14 im Vereinslazarett vom
Roten Kreuz geſtorben; Gefr. d. Reſ. Wilhelm Schä=
fer
III., Himbach, bisher vm., im Lazarett; Musk. Max
Schramm, Neu=Iſenburg, bisher vm., vw.; Reſ. Jakob
Schaubach, Wöllſtein, bisher vm., vw.; Reſ. Florath
(nicht Thorat), vm.; Reſ. Weber, bisher vm., vw.; Reſ.
Weigel, bisher vm., vw.; Reſ. Friedrich Zimmer,
Nieder=Eſchbach, bisher vm., im Lazarett; Reſ. Peter
Flach, Oberau, bisher vm., vw.; Reſ. Wilhelm Pöhl=
mann
, Klein=Karben, bisher vm., vw.
Reſerve=Jäger=Bataillon Nr. 8, Schlettſtadt.
La Bourgonce am 9. und Fricourt vom 28. bis 30. 9. und
1. bis 8. 10. 14.
1. Kompagnie: Reſ. Rudolf Michel, Harbich
lv.; Reſ. Heinrich Brodermann, Reinsdorf, ſchv.;
Reſ. Friedrich Meier, Offenbach a. M., ſchv.; Gefr. d.
Reſ. Karl Pauli, Weilmünſter, lv.; Reſ. Ludw. Hirſch=
mann
, Darmſtadt, lv.
3. Kompagnie: Gefr. d. Landw. Jakob Weber,
Oberklingen, gefallen; Reſ. Chriſtian Sauerwein,
Langſtadt, gefallen.
Reſerve=Feldartillerie=Regiment Nr. 22, Kaſſel.
Le Pleſſis am 7., Trocy am 8. und Nouvron am 25. 9
II. Abteilung.
4. Batterie: Kan. Heinrich Gaus, Homberg a.
d. O., gefallen.
Feldartillerie=Regiment Nr. 61.
Gefecht im Weſten am 7. 10.
I. Abteilung, Darmſtadt.
3. Batterie: Ltn. Wolf Günther Bickel, Raſtatt,
ſchv.; U.=O. Adam Eidenmüller, Kirch=Brombach.
gefallen; Kan. Peter Neumann, Hettenhauſen, lv.
Fußartillerie=Regiment Nr. 3, Mainz.
Servon am 14., Rouiroy vom 16. bis 29., Chilly am 29.
und 30., Curchy am 9. 10.
I. Bataillon.
1. Batterie: Gefr. Georg Feickert, Kriegsheim,
Worms, ſchv.; Gefr. Jakob Heigert, Mombach, ſchv.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 25.
Maiſſin am 22. und 24., Sedan vom 24. bis 28. 8., Dom=
remy
vom 6. bis 11. und Ripont vom 17. bis 26. 9.
I. Bataillon, Neuwied.
2. Kompagnie: Wehrm. Heinrich Schäfer,
Hainchen, vw.
3. Kompagnie: Gefr. Guſtav Alber, Steinbach
vw.
4. Kompagnie: Reſ. Adam Weick, Offſtein, vw
Brigade=Erſatz=Bataillon Nr. 49, Offenbach.
Toul am 14. und 15. 10.
Stab: St.=Arzt Dr. Eugen Münch, Kaiſerslau=
tern
, lv.
5. Kompagnie: Gefr. d. L. Joh. Heinr. Walter,
Klein=Welzheim, gefallen; Wehrm. Kaſpar Alois Kel
ler, Froſchhauſen, gefallen; Wehrm. Karl Friedrich De=
gen
, Froſchhauſen, lv.; Wehrm. Ernſt Emil Trie=
beß
, Gr.=Oplar, lv.
Brigade=Erſatz=Bataillon Nr. 84, Offenburg.
Gehört zum Regiment v. Rath.
Senones vom 30. 9. bis 2. 10.
1. Kompagnie: Lin. d. Reſ. Wilhelm Zipp
Hirſchfelde, gefallen; Reſ. Johann Oberle, Mörlen=
bach
, lv.

Briefkaſten.

L. V. Wenden Sie ſich doch direkt an die ſtädtiſche
Gaswerksverwaltung. Dort werden Ihnen bereitwilligſt
Koſtenvoranſchläge ausgearbeitet, ebenſo von jedem In=
ſtallationsgeſchäft
.
Chr. S. Wenn Sie das 4. Ziel der Staatsſteuer ſchon
bezahlt haben, brauchen Sie es ſelbſtverſtändlich nicht noch=
mals
zu bezahlen. Die Pfändungsandrohung können Sie
alſo unbeachtet laſſen, da nur ein Irrtum vorliegen kann.

Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 87.
Neuſchäteau am 22. 8., Ville=ſur=Tourbe am 27. u. 29. 9.,
Cernay vom 21. 9. bis 6. 10. und Cernay=en=Dormois am
15. 9. und 8. 10.
III. Bataillon, Mainz.
9. Kompagnie: U.=O. d. L. Adam Peter Reiter,
Weiſenau bei Mainz, vm.; Erſ.=Reſ. Waldemar Klein=
mann
, Mainz, vm.
3. Garde=Regiment, Berlin.
St. Léonhard am 26., Vitry les Reims am 24. und 26. 9.
und Blaireville am 10., 12., 17. u. 18. 10. 14.
II. Bataillon.
6. Kompagnie: Reſ. Kurl Graichen, Darm=
ſtadt
, vm.
Königin Auguſta Garde=Grenadier=Regiment Nr. 4,
Berlin.
Chälons vom 6. bis 10., Guignicourt vom 6. bis 10.
Normée am 7., Fére Champenoiſe am 9., Reims vom
13. bis 18. und Lenharrée, Berry=au=Bac am 19./9. 14.
I. Bataillon.
4. Kompagnie: Lt. Frhr. v. Blanckart, Darm=
ſtadt
, gefallen.
Grenadier=Regiment Nr. 4, Raſtenburg.
Smolany am 23., Njemen am 25. und 26., Druskenik am
26. 9., Suwalki am 2., Tartak am 3., Taceno am 4. u. 13.,
Mynisko am 5. u. 8. und Tſcharna Kowſana am 6., 7. u
12. 10. 14.
III. Bataillon.
11. Kompagnie: Füſ. Georg Uhrig, Worms
am Rhein, lv.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 118.
II. Bataillon, Erbach.
Servon vom 23. bis 26. 9. 14.
5. Kompagnie: Reſ. Adam Weidmann, Pfirſch=
bach
, gefallen; Reſ. Jakob Friedrich, Unter=Finkenbach,
gefallen; U.=O. Jakob Weidmann, Cincinnati, vw.;
U.=O. Joſef Kempf, Viernheim, vw.; Reſ. Adam Heid,
Wallbach, vw.; Reſ. Wilhelm Ihrig, Unter=Sensbach,
w.; Reſ. Adam Walz, Unter=Sensbach, vw.; Reſ. Ja=
kob
Heckmann, Rothenberg, vw.; Reſ. Bernhard Gaſt,
Olfen, vw.; Reſ. Wilhelm Kaffenberger, Steinbach,
vw.; Reſ. Fritz Denger, Reichelsheim, vw.; Reſ. Otto
Stegmüller, Steinbach, vw.; Reſ. Bernhard Mül=
ler
, Elsbach, vw.; Reſ. Karl Hofferberth, Kimbach,
vw.; Reſ. Johann Heinrich Schuhmann, Zell i. O., vw.;
Reſ. Wilhelm Trumpfheller, Gammelsbach, vw.;
Reſ. Philipp Hering, Güttersbach, vw.; Reſ. Konrad
ehn, Hiltersklingen, vm.: Reſ. Philipp Hofmann,
Ober=Kainsbach, vm.; Reſ. Wendel König, Haiſterbach,
vm.; Gefr. d. R. Wilhelm Bechthold, Beerfelden, vm.:
Reſ. Adam Müller, Bullau, vw.
6. Kompagnie: Wehrm. Johann Heinrich Gie=
benhain
, Lauerbach, gefallen; Wehrm. Georg Horn,
Zell, gefallen; U.=O. d. L. Jakob Reibold, Nieder=
Kainsbach, gefallen: Wehrm. Adam Niklas, Groß=
Gumpen, gefallen; Wehrm. Emil Becker, Beerfelden, ge=
fallen
; San.=Gefr. Ludwig Rodenhauſen, Neuſtadt,
gefallen; Wehrm. Georg Hoffarth, Unter=Oſtern, ge=
fallen
; Wehrm. Adam Fröhlich, Höchſt, gefallen; Wehr=
mnann
Joh. Nikolai, Großen=Buſeck, gefallen; Wehrm.
Adam Bohländer. Langen=Brombach, gefallen;
U.=O. d. R. Adam Gölz, Reiſen, vw.; U.=O. d. R. Wal=
ter
Flaig, Aalen, vw.; Gefr. Bernhard Edelmann,
Hinterbach, vw.; Gefr. Philipp Lautenſchläger,
PfaffenBeerfurth, vw.: Wehrmann Daniel Wolf=
ſtädter
, Seckmauern, vw.; Gefr. Jakob Hartmann,
Weitengeſäß, vw.; Wehrm. Johann Ad. Mohr, Erbach,
vw.; Wehrm. Johann Koch, Fürſtenbrunn, vw.; Gefr.
Wilhelm Reinhard, Beerfelden, vw.; Wehrm. Adam
Luft, Sandbach, vw.; Gefr. Heinrich Heckmann, Unter=
Moſſau, vw.; Wehrm. Johann Roth, Birkenau, vw.:
Wehrm. Adam Denger, Birkenau, vw.; Wehrm. Wil=
helm
Hartmann, Momart, vw.; Wehrm. Johann
Schnur, Hummetroth, vw.; Wehrm. Philipp Naas,
Vielbrunn, vw.; Wehrm. Johann Hartmann, Viel=
brunn
, vw.; Wehrm. Michael Lanck, Haingrund, vw.;
Wehrm. Johann Wilhelm Ihrig, Ober=Moſſau, vw.;
Wehrm. Leonhard Trumpfheller, Erlenbach, vw.;
Wehrm. Georg Bartmann, Rothenberg, vw.;
Wehrm. Georg Zieres, Wald=Amorbach, vw.: Gefr.
Philipp Kraft, Kirch=Brombach, vw.; Wehrm. Johann
Adam Löb, Michelſtadt, vw.: Wehrm. Peter Heck=
mann
, Röthenberg, vw.; Wehrm. Georg Bertſch,
Groß=Gumpen, vw.; Wehrm. Johann Adam Heckmann
Unter=Moſſau, vw.; Wehrm. Wilhelm Beyſel, Rothen=
berg
, vw.; Wehrm. Heinrich Kaffenberger, Unter=
Moſſau, vw.; Wehrm. Georg Ludwig Stellwag,
Erbach, vm.; Wehrm. Adam Bernhardt, Ober=Moſſau,
vm.; Wehrm. Wilhelm Freisheimer, Wald= Michel=
bach
, vm.; Vizef. Friedrich Maſſebus, Worms, gef.;
Gefr. Chriſtoph Völker, Erbach, gef.; Wehrm. Georg
Bingel, Mümling=Crumbach, vw.; Wehrm. Adam
Emig, Kailbach, vw.; Wehrm. Wilhelm Mohr, Müm=
ling
=Crumbach, vw.
7. Kompagnie: Reſ. Johann Franz Mandel,
Viernheim, gef.; Reſ. Johann Zimmermann, Heppen=
heim
, gef.; Reſ. Wilhelm Wilhelm, Ober=Finkenbach,
gef.; Reſ. Adam Schlämcher, Erbach, gef.; Reſ. Peter
Fornoff, Haſſenroth, gef.; Reſ. Johann Blum, Hirſch=
horn
, gef.; Reſ. Nikolaus Adler, Viernheim, gef.; Reſ.
Ferdinand Boettel, Hirſchhorn, gef.; Reſ. Johann
Fauſt, Fahrenbach, gef.; Reſ. Heinrich Nikolaus Hart=
mann
, Rohrbach, gef.; Reſ. Valentin Karl Zipp, Hep=
penheim
, gef.; Reſ. Adam Rutz, Unter=Hambach, geſ.;
Reſ. Fritz Seeger, Vielbrunn, vw.; Reſ. Pankraz Herr,
Sonnerkohl, vw.; Reſ. Karl Wendel, Ober=Finkenbach,
vw.; Reſ. Peter Georg Oelenſchläger, Olfen, vw.;
Reſ. Johann Rohrbacher, Viernheim, vw.; Reſ. Va=
entin
Keil, Hammelbach, vw.; Reſ. Georg Schnei=
der
, Lauten=Weſchnitz, vw.; Reſ. Georg Vetter, Lörzen=
bach
, vw.; Reſ. Georg Wolf, Lauten=Weſchnitz, vw.; Reſ.
Johann Friedrich, Rimhorn, vw.; Reſ. Ludwig Fink,
Hetzbach, vw.; Reſ. Georg Brandt, Weinheim, vw.;
U.=O. Peter Benz, Viernheim, vw.; U.=O. Adam Daub,
Ober=Finkenbach, vw.; U.=O. Wilhelm Ihrig, Ober=
Finkenbach, vw.; Gefr. d. Reſ. Michael Fettel, Heppen=
heim
, vw.; Reſ. Georg Koob, Heppenheim, vw: Reſ.
Georg Hoffmann, Viernheim, vw.; Reſ. Michael
Haas, Viernheim, vw.; U.=A. Adam Kirchner, Viern=
heim
, vw.; Gefr. d. Reſ. Georg Krämer, Hammelbach
vw.; Gefr. d. Reſ. Georg Knapp, Crumbach, vw.; U.=O.
Arthur Traumüller, Sellerhauſen, vw.; Reſ. Michael
Strohmenger, Zotzenbach, vw.; Reſ. Georg Wink=
ler
, Mittlechtern vw.; Reſ. Philipp Schäfer, Kirſchhau=
ſen
, vw.; Reſ. Johann Pfeiffer, Unter=Oſtern, vw.;
Reſ. Johann Kilian, Fürth, vw.; Reſ. Georg Kilian,
Fürth, vw.: Gefr. d. Reſ. Adam Fiſcher, Lauten= Weſch=
nitz
, vw.; Reſ. Heinrich Wilhelm Metzendorf, Heppen=
heim
, vw.; Reſ. Adam Kabel, Kortelshütte, vw.;
Feldw. Jakob Schmitt, Horrweiler, vw.; Reſ. Wilhelm

Branner, Kortelshütte, vw.; Reſ. Philipp Stay,
Heppenheim, vm.
8. Kompagnie: Musk. Joſeph Mildenberger,
Mainz, gef.; Wehrm. Peter Bauer, Affolterbach, gef.;
Wehrm. Franz Hinkel, Heppenheim, vw.; Wehrm. Adam
Philipp Joſeph Binz, Hepenheim, vw.; Wehrm. Wil=
helm
Reibold, Zotzenbach, vw.; Wehrm. Adam Antes,
Kirſchhauſen, vm.; Wehrm. Nikolaus Weber, Hambach,
vm.; Wehrm. Georg Hofmann, Heppenheim, vm.;
Wehrm. Adam Rittersberger, Heppenheim, vm.;
Wehrm. Philipp Koob, Heppenheim, vm.; Wehrm. Georg
Strauch, Heppenheim, vm.; Wehrm. Mathias Wat=
tendorf
, Heppenheim, vm.; Wehrm. Martin Berg,
Heppenheim, vm.; Wehrm. Karl Ehret, Löhrbach, vm.;
Wehrm. Adam Lammer, Löhrbach, vm.; Wehrm. Adam
Arnold, Schnorrenbach, vm.; Wehrm. Richard Sauer,
Löhrbach, vm.; Wehrm. Johannes Weber, Schnorren=
bach
, vm.; Wehrm. Joſeph Heil, Hammelburg, vm.;
Wehrm. Adam Ihrig, Amorbach, vm.; Wehrm. Peter
Schmitt, Kocherbach, vm.; Wehrm. Gölz, vm.; Wehrm.
Johannes Gärtner, Mittershauſen, vm.; U.=O. Peter
Herrmann, Alzey, vm.; Wehrm. Franz Einberger,
Mörlenbach, vw.; Wehrm. Gölz, vw.; Wehrm. Michael
Belz, Viernheim, vw.; Wehrm. Nikolaus Träger,
Viernheim, vw.; Wehrm. Michael Huckele, Viernheim,
vw.; Gefr. Wilhelm Mandel, Viernheim, vw.; Gefr.
Jakob Sax, Viernheim, vw.: Gefr. Jakob Knapp,
Viernheim, vw.; Gefr. Nikolaus Dewald, Viernheim,
vw.; Gefr. Heinrich Konrad, Grünsfeld, vw.; U.=O.
Martin Rehberger, Grein, vw.; Wehrm. Jakob
Trautmann, Unter=Scharbach, gef.; Wehrm. Adam
Gärtner, Erlenbach, gef.; Gefr. Bernhard Treuſch,
Rimbach, vw.; Gefr. Wilhelm Gümbel, Krofdorf, vw.;
Wehrm. Wilhelm Witter, Helmhof, vw.; Wehrm. Joſeph
Alex, Gr.=Mönsdorf, vw.; Vizef. Georg Köth, Bingen,
vw.: Reſ. Jakob Fuhr, Oberſchönmattenwag, vw.;
Wehrm. Peter Marquardt, Erlenbach, vw.; Reſ. Wil=
helm
Meiſſelbeck, Wimpfen, vm.; U.=O. Schlebach,
Worms, vw.; Reſ. Kaufmann, Wald=Michelbach, vw.

Achtundzwanzigſte Liſte der Kriegsgaben
für das Rote Kreuz.

(Wo kein Wohnort angegeben iſt, iſt Darmſtadt gemeint.)
Es gingen weiter ein:
Bei der Zentral=Abteilung des Roten Krenzes:
Von der Gemeinde Ruhlkirchen 393.29 M., Von der
Gemeinde Seibelsdorf 172.30 M., Firma E. Merck 50 M.,
Kreisſtraßenmeiſter Göth, Verzicht auf Gebühren, 20 M.,
Durch Rechtsanwalt Rohde aus einer Privatklageſache,
Buße, 5 M., Ferd. Mahr, Verzicht auf Gebühren, 5 M.,
Gemeinde Stockhauſen 56 M., Eiſenbahnverein Michel=
ſtadt
und Umgegend 50 M., Oberverwaltungsgerichtsrat
Melior, Berlin=Wilmersdorf, 100 M., Bauaſpirant Martin,
Gießen, 4 M., Bauaſpirant Kimpel, Gießen, 4 M., Bau=
aſpirant
Seim, Grünberg, 10 M., Lehrer Grün, Reis=
kirchen
, 5 M. Von Rat H. Sonne aus dem Ertrag des
Dr. Ludwig Wüllner=Abends des Richard Wagner=
Vereins 75.75 M. Zuſammen 950.24 M.
Bei der Deutſchen Bank, Zweigſtelle Darmſtadt:
Direktor L. Meyer 20 M., Sammlung Romrod 150 M.,
Sammlung Romrod 124 M., Dieter Stammler 8 M.,
Geſchwiſter Linck 4 M., Gemeindeeinnehmerei Oſthofen
67.66 M., Gemeinde Beltersheim 22.72 M., Gemeinde
Götzenhain (3. Samml.) 136.90 M., Ungenannt 5 M., N.
N. 20 M., Erika Seipp 2 M. Zuſammen 560.28 M.
Bei der Darmſtädter Volksbank: Gemeinde
Schneppenhauſen 19 M., Gemeinde Melbach (Oberheſſen)
48 M., Frau Karoline Heidrich Wwe. 100 M., Katho=
liſches
Pfarramt Klein=Krotzenburg 48 M., Berz 1 M.,
Schulrat C. Backes, Groß=Gerau, 1500 M., N. N. 2 M.,
Gemeinde Selzen (Rheinheſſen), durch Herrn Bürger=
meiſter
Binne 726 M., David Schneider 4 M., Land=
gerichtsdirektor
Dr. Nagel 10 M., Hermann Kehrer 5 M.,
Kreisſchulinſpektor C. Backes für Kreis Groß=Gerau
32.90 Mk. Gemeinde Unter=Abtſteinach 69.85 M. Zu=
ſämmen
2565.75 M.
Bei der Städtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt: Georg
Schneider II. 10 M., Frl. Margarete Knobeloch 5 M.,
Frl. Eliſe Keil 5 M., Ungenannt 5 M., Adam Luſt
10 M., Wilh. Göttmann 1 M., Frl. Rech, Schneiderin,
Arheilgen 50 Pf., Oswald und Sidonie Vetters 2 M.,
Zweigverein Darmſtadt der deutſchen freien Architekten=
ſchaft
50 M. Zuſammen 88.50 M.
Bei Hauptſtaatskaſſedirektor Dexheimer: Dr.
Bauſch (3. Gabe) 5 M., Gaben von heſſiſchen evangeliſchen
Geiſtlichen (durch Gehaltsabzug) 175 M., Profeſſor Hrch.
Jobſt 333 M., Goldſchmied Theodor Wende 100 M.,
Gebrüder Vierheller 50 M., Kränzchen iunger Mädchen
Regenbogen 20 M., Oberſt Scholl 20 M., Otto Broſe,
Neu=Iſenburg, 20 M., Krieger= und Soldaten=Verein
Nieder=Saulheim 100 M., Lehrer i. P. A. Lenz, Ulrich=
ſtein
25 M. In der Zeit vom 23. September bis 21. Ok=
tober
1914 ſind von heſſiſchen Beamten und Lehrern
ſowie von Dozenten und Beamten der Techniſchen Hoch=
ſchule
neben den von den Einzelnen geſpendeten ein=
maligen
Beiträgen durch fortlaufenden Gehaltsabzug ein=
gegangen
: 7461.83 M. Zuſammen 8309.83 M.
Allen Gebern herzlichen Dank!

nimmt man zum Sämig-
machen

von Suppen und Tunken
an Stelle des englischen
Gusthf
Mondamin.
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Boobcn Uingetronen

Kornige
Hahnatlannen
150
haben denselben Stromverbrauch
wie eine 50 kerzige Metalldrahtlampe.
Rein weisses Licht!
Billigste Beleuchtung von Geschäftsräumen,
Schaufenstern, Wirtszimmern usw.
Vorrätige Grössen: 100 bis 4000 Kerzen
stets zu haben bei
(20947sg
L-Lange, Elektr. Institnt
Schulstraße6 Hoflieferant Telephon399,

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Nummer 307.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Seite 9.

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Nummer 307.

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Verordnung über den Aufenthalt, Zuzug
und Wegzug von Ausländern bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Anzumelden ſind auch diejenigen Ausländer, die ſich zur Zeit des
Erlaſſes der Verordnung hier befinden, ſofern nicht ihre polizeiliche
Anmeldung bereits früher erfolgt iſt.
Alle Anmeldungen haben auf dem zuſtändigen Polizeirevier zu
erfolgen.
Zuwiderhandlungen werden unnachſichtlich zur Anzeige gebracht.
(20944sg
Darmſtadt, den 6. November 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
XVIII. Armeekorps. Frankfurt a. M., den 27. 10. 14
Stellvertretendes Generalkommando.
IIIb Nr. 36252/2621

Verordnung.

Auf Grund der §§ 1 und 9b des Geſetzes über den Belagerungs=
zuſtand
vom 4. Juni 1851 ordne ich für den Bereich des Korps=
bezirks
an:
Alle Hotels, Penſionen und Anſtalten, ſowie jeder Wohnungs=
inhaber
ſind verpflichtet, den Aufenthalt und Zuzug von Ausländern
binnen 12 Stunden polizeilich anzumelden, gleichgültig ob die Auf=
nahme
gegen Entgelt oder unentgeltlich, vorübergehend oder für
längere Zeit erfolgt.
Der Wegzug von Ausländern iſt gleichfalls innerhalb 12 Stun=
den
anzuzeigen.
Falls örtliche Polizeiverordnungen eine kürzere Meldefriſt wie
die vorſtehend angegebene für Ausländer feſtſetzen, bleiben dieſe Ver=
ordnungen
inſoweit maßgebend.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden nach § 9
des Geſetzes über den Belagerungszuſtand vom 4. Juni 1851 mit
Gefängnis bis zu einem Jahre beſtraft.
Der kommandierende General
Freiherr von Gall, General der Infanterie.

Höchſtpreiſe für Kartoffeln.

Auf Grund des § 1 des Geſetzes, betreffend Höchſtpreiſe, vom
4. Auguſt 1914 und des § 1 der Bekanntmachung Großh. Miniſteriums
des Innern, betreffend die Ausführung dieſes Geſetzes, vom 7. Auguſt
1914, werden die Höchſtpreiſe für beſte Speiſekartoffeln mit ſofortiger
Wirkſamkeit für die Stadt Darmſtadt wie folgt feſtgeſetzt:
1. beim Verkauf durch den Produzenten an Ort und Stelle
6,50 Mk.
für 100 kg
Dieſer Preis ſchließt die Koſten der Ver=
ladung
und des Transportes bis zur
nächſten Verladeſtelle in ſich.
2. Bei freier Lieferung in den Aufbewah=
rungsraum
des Verbrauchers oder bei Ver=
kauf
auf den Wochenmärkten für 100 kg 8 Mk.
3. Im Kleinverkauf für das kg
9 Pfg.
Dieſe Feſtſetzungen haben nur die Bedeutung einer Obergrenze
für die Preiſe. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß geringere Preiſe insbe=
ſondere
dann gefordert werden müſſen, wenn die Beſchaffenheit der
Ware oder ſonſtige Verhältniſſe es angemeſſen erſcheinen laſſen. Auf
die §§ 2 und 4 des hierunter abgedruckten Geſetzes wird beſonders
hingewieſen.
Meine Bekanntmachung vom 23. v. Mts., betreffend Höchſt=
preiſe
für Kartoffeln, tritt hiermit außer Kraft.
Darmſtadt, am 4. November 1914.
(20875a
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutſcher Kaiſer, König
von Preußen ꝛc., verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter
Zuſtimmung des Bundesrats und des Reichstags, was folgt:
§ 1.
Für die Dauer des gegenwärtigen Krieges können für Gegen=
ſtände
des täglichen Bedarfs, insbeſondere für Nahrungs= und Futter=
mittel
aller Art, ſowie für rohe Naturerzeugniſſe, Heiz= und Leucht=
ſtoffe
, Höchſtpreiſe feſtgeſetzt werden.
§ 2.
Weigert ſich trotz Aufforderung der zuſtändigen Behörde ein
Beſitzer der im § 1 genannten Gegenſtände, ſie zu den feſtgeſetzten
Höchſtpreiſen zu verkaufen, ſo kann die zuſtändige Behörde ſie über=
nehmen
und auf Rechnung und Koſten des Beſitzers zu den feſt=
geſetzten
Höchſtpreiſen verkaufen, ſoweit ſie nicht für deſſen eigenen
Bedarf nötig ſind.
§ 3.
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten
Behörden erlaſſen die erforderlichen Anordnungen und Ausführungs=
beſtimmungen
.
§ 4.
Wer die nach § 1 feſtgeſetzten Höchſtpreiſe überſchreitet oder den
nach § 3 erlaſſenen Ausführungsbeſtimmungen zuwiderhandelt oder
Vorrate an derartigen Gegenſtänden verheimlicht oder der Aufforde=
rung
der zuſtändigen Behörde nach § 2 nicht nachkommt, wird mit
Geldſtrafe bis zu 3000 oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis
bis zu 6 Monaten beſtraft.
§ 5.
Der Bundesrat wird ermächtigt, den Zeitpunkt zu beſtimmen,
zu welchem dieſes Geſetz wieder außer Kraft tritt.
8
Dieſes Geſetz tritt mit dem Tage ſeiner Verkündung in Kraft.
Urkundlich unter Unſerer Höchſteigenhändigen Unterſchrift und
beigedrucktem Kaiſerlichen Inſiegel.
Gegeben Berlin im Schloß, den 4. Auguſt 1914.
(L. 8.)
Wilhelm.
Delbrück.

Zur Ausführung des Geſetzes, betreffend Höchſtpreiſe, vom
4. Auguſt 1914 iſt u. a. folgendes beſtimmt worden:
Die feſtgeſetzten Höchſtpreiſe, deren Veränderung oder Auf=
hebung
ſind durch die zuſtändige Behörde (§ 1) im Amtsverkündig=
ungsblatt
und ortsüblich bekannt zu machen.
Die Verkäufer von Waren, für die Höchſtpreiſe feſtgeſetzt ſind,
haben dieſe Preiſe mit Angabe der Menge (Zah:, Maß, Gewicht),
auf die ſich die Preiſe beziehen, durch einen ſichtbaren Anſchlag an
der Verkaufsſtelle zur Kenntnis zu bringen.
Dieſer Anſchlag iſt loſtenfrei mit dem polizeilichen Stempel zu
verſehen und täglich während der Verkaufszeit auszuhängen.
Bei der Verkaufsſtelle iſt, wenn ſich die feſtgeſetzten Höchſt=
preiſe
auf das Gewicht der Waren beziehen, eine Wage mit geeichten
Gewichten aufzuſtellen und ihre Benutzung zum Nachwiegen der ver=
kauften
Waren zu geſtatten.

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Bekanntmachung,
den § 9 des Ortsbauſtatuts für die Stadt Darmſtadt betr.

Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 17. v.
Mts., nach Begutachtung durch den Kreisausſchuß und mit Geneh=
migung
Großh. Miniſteriums des Innern vom 2. d. Mts., zu
Nr. M. d. J. 18552, lautet der obige Paragraph wie folgt:
§ 9.
Die Anlieger haben nach Maßgabe der Vorſchriften des Artikels 21
der Allgemeinen Bauordnung zu tragen:
1. Den Aufwand für den Erwerb des für die Straßen einſchl.
der Straßenkreuzungen erforderlichen Geländes.
2. Die Koſten der für die Herſtellung des Straßenkörpers ( Fahr=
bahn
und Bürgerſteige einſchl. der Straßenkreuzungen) erfor=
derlichen
Erdarbeiten.
3. Die Koſten der den Bedürfniſſen des Verkehrs entſprechenden
erſten Einrichtung der Straße mittelſt Chauſſierung der Fahr=
bahn
und Pflaſterung der Goſſen.
4. Die Koſten für Herſtellung von Fußſteigen nach Maßgabe der
Vorſchriften der §§ 10 und 11.
Inſofern es in einzelnen Fällen (wie insbeſondere bei Straßen=
durchbrüchen
) zu ungerechtfertigten Härten führen würde, die Anlieger
nach vorſtehenden Beſtimmungen heranzuziehen, kann die Stadt durch
Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung für einzelne Straßen
oder Straßenteile die obenverzeichneten Aufwendungen ganz oder
teilweiſe übernehmen.
Darmſtadt, den 28. Oktober 1914.
(20659ss
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Wäſche= und Kleidungsſtücke für Bedürftige.

Für den kommenden Winter wird für alle, die auf Unterſtützung
angewieſen ſind, um die Abgabe warmhaltender Wäſche und Kleider,
auch Schuhe, dringend gebeten. In der großen Mehrzahl aller Haus=
haltungen
dürften ſich Wäſche= und Kleidungsſtücke, auch Schuhe,
befinden, die nicht mehr getragen werden, die aber bei entſprechender
Herrichtung Bedürftigen noch gute Dienſte leiſten können. Neben
den Stellen, die ſchon bisher Gaben in Empfang nahmen, iſt auch
das ſtädtiſche Armen= und Fürſorgeamt, Waldſtraße 6, Fern=
ſprecher
2419, bereit, die Gaben in Empfang zu nehmen und ord=
nungsmäßig
zu verteilen. Wer die Sachen vorher ausbeſſern laſſen
möchte, wende ſich an die Geſchäftsſtelle des Heimarbeiterinnen=
vereins
, Waldſtraße 19, II. Es wird ſo Arbeitsgelegenheit für
Frauen und Mädchen geſchaffen, die auf Verdienſt angewieſen ſind.
Jede Zuwendung wird mit herzlichſtem Dank angenommen.
Darmſtadt, den 23. Oktober 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſiug.
(20383a

Verpachtung von Gartengelände.

Montag, den 9. November I. Js., nachmittags 4 Uhr, ver=
pachten
wir an Ort und Stelle zwei zu Gartengelände in 12 Loſe
aufgeteilte Aecker in unmittelbarer Nähe der Arbeiterwohnungen an
der Gräfenhäuſer Straße (rechts der Windmühle) auf 5 Jahre. Größe
der einzelnen Loſe durchſchnittlich 641 qm oder 541 qm. Der ſtädtiſche
Kanzleivorſteher Herr Emich, Helfmannsſtr. Nr. 6, zeigt auf Ver=
langen
die Loſe zwiſchen 1 und 2½ Uhr nachmittags vor.
Darmſtadt, den 2. November 1914.
(20835ds
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmaun.

Soeben erſchien:

Heſſiſche Chronik
Monatsſchrift für Familien= und Ortsgeſchichte
Herausgegeben von D. Dr. Wilh. Diehl
Heft 11, November 1914
Inhalt: Vier Briefe Guſtav Baurs an Moriz Carriere. Direktor
Dr. Seidenberger: Unſere Gaſthausbezeichnungen beſonders im Ried, in
der Bergſtraße und im Odenwald. Amtmann Paul Strack: Eine
Zuſtellung in der Zeit unſerer Ururgroßväter. Rechnungsrat Moritz
Stamm: Jeremias Stamm. 15371601. Mit zwei Abbildungen auf
einer Tafel und einem Fakſimile im Text. Profeſſor D. Dr. Wilhelm
Diehl: Studien zur Gießener Matrikel. Kleine Mitteilungen: Gegen=
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[ ][  ][ ]

Nr. 167.

Sameiag, 7. Nobenber.

1914.

M
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Geſetzes über die Ermächtigung des
Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw. vom 4. Auguſt 1914 (Reichsgeſetzbl.
S. 327) folgende Verordnung erlaſſen:
Artikel 1.
An die Stelle der §§ 2 und 3 des Geſetzes, betreffend Höchſtpreiſe, vom 4. Auguſt
1914 (Reichsgeſetzbl. S. 339) treten folgende Vorſchriften:
§ 2.
Soweit für den Großhandel Höchſtpreiſe feſtgeſetzt ſind, iſt der Beſitzer ſolcher
Gezenſtände verpflichtet, ſie der zuſtändigen Behörde auf ihre Aufforderung zu über=
laſſen
; Landwirten ſind die zur Fortführung ihrer Wirtſchaft erforderlichen Mengen
an Getreide und Futtermitteln zu belaſſen. Der Uebernahmepreis wird unter Berück=
ſichtigung
des Höchſtpreiſes ſowie der Güte und Verwertbarkeit der Gegenſtände von
der höheren Verwaltungsbehörde nach Anhörung von Sachverſtändigen endgültig
feſtgeſetzt.
Soweit für den Kleinhandel Höchſtpreiſe feſtgeſetzt ſind, und ein Beſitzer ſich
weigert, trotz Aufforderung der zuſtändigen Behörde, ſolche Gegenſtände zu den feſt=
geſetzten
Höchſtpreiſen zu verkaufen, kann die zuſtändige Behörde die Gegenſtände, die
für den eigenen Bedarf des Beſitzers nicht nölig ſind, übernehmen und auf ſeine
Rechnung und Koſten zu den feſtgeſetzten Höchſtpreiſen verkaufen.
§ 3.
Der Bundesrat ſetzt die Höchſtpreiſe feſt. Soweit er ſie nicht feſtgeſetzt hat,
können die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten Behörden Höchſt=
preiſe
feſtſetzen.
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten Behörden erlaſſen
die erforderlichen Anordnungen und Ausführungsbeſtimmungen.
Artikel 2.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.
Berlin, den 28. Oktober 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.

(Nr. 4532.) Bekanntmachung über den Verkehr mit Brot. Vom 28. Oktober 1914.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Geſetzes über die Ermächtigung
des Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw. vom 4. Auguſt 1914 ( Reichs=
geſetzbl
. S. 327) folgende Verordnung erlaſſen:
§ 1.
Weizenbrot darf in den Verkehr nur gebracht werden, wenn zur Bereitung auch
Roggenmehl verwendet iſt. Der Gehalt an Roggenmehl muß mindeſtens zehn Gewichts=
teile
auf neunzig Gewichtsteile Weizenmehl betragen.
§ 2.
Roggenbrot darf in den Verkehr nur gebracht werden, wenn zur Bereitung auch
Kartoffel verwendet iſt. Der Kartoffelgehalt muß bei Verwendung von Kartoffel=
flocken
, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffelſtärkemehl mindeſtens fünf Gewichtsteile auf
fünfundneunzig Gewichtsteile Roggenmehl betragen.
Roggenbrot, zu deſſen Bereitung mehr Gewichtsteile Kartoffel verwendet ſind,
muß mit dem Buchſtaben K bezeichnet werden. Beträgt der Kartoffelgehalt mehr als
zwanzig Gewichtsteile, ſo muß dem Buchſtaben K die Zahl der Gewichtsteile in
arabiſchen Ziffern hinzugefügt werden.
Werden gequetſchte oder geriebene Kartoffeln verwendet, ſo entſprechen vier
Gewichtsteile einem Gewichtsteil Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffel=
ſtärkemehl
.
§ 3.
Dieſe Vorſchriften gelten für Konſumentenvereinigungen auch bei Abgabe an
ihre Mitglieder.
§ 4.
Bäcker und Brotverkäufer haben einen Abdruck dieſer Verordnung in ihren
Verkaufsräumen auszuhängen.
§ 5.
Wer den Vorſchriften dieſer Verordnung zuwiderhandelt, wird, ſofern nicht
andere Vorſchriften ſchwerere Strafen androhen, mit Geldſtrafe bis zu eintauſend=
fünfhundert
Mark beſtraft.
§ 6.
Dieſe Verordnung gilt nicht für Brot, das aus dem Ausland eingeführt wird.
Dieſe Verordnung tritt mit dem 4. November 1914, die Vorſchrift des § 2 Abſ. 1
mit dem 1.=Dezember 1914 in Kraft.
Der Reichskanzler beſtimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.
Berlin, den 28. Oktober 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.

(Nr. 4533.) Bekanntmachung über das Verfüttern von Brotgetreide und Mehl. Vom
28. Oktober 1914.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Geſetzes über die Ermächtigung des
Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw. vom 4. Auguſt 1914 (Reichs=Geſetzbl.
S. 327) folgende Verordnung erlaſſen.
§ 1.
Das Verfüttern von mahlfähigem Roggen und Weizen, auch geſchrotet, ſowie
von Roggen= und Weizenmehl, das zur Brotbereitung geeignet iſt, iſt verboten.
§ 2.
Die Landeszentralbehörden können das Schroten von Roggen und Weizen be=
ſchränken
oder verbieten.
§ 3.
Soweit dringende wirtſchaftliche Bedürfniſſe vorliegen, können die Landeszentral=
behörden
oder die von ihnen beſtimmten Behörden das Verfüttern von Roogen, der
im landwirtſchaftlichen Betriebe des Viehhalters erzeugt iſt, für das in dieſem Betriebe
gehaltene Vieh allgemein für beſtimmte Gegenden und beſtimmte Arten von Wirt=
ſchaften
oder im Einzelfalle zulaſſen.
§ 4.
Die Landeszentralbehörden erlaſſen die Beſtimmungen zur Ausführung dieſer
Verordnung.
§ 5.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung oder gegen die gemäß §§ 2, 3
und 4 erlaſſenen Vorſchriften werden mit Geldſtrafe bis zu eintauſendfünfhundert
Mark beſtraft.
§ 6.
Dieſe Verordnung tritt mit dem 4. November 1914 in Kraft.
Der Reichskanzler beſtimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.
Berlin, den 28. Oktober 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.

(Nr. 4534.) Bekanntmachung über das Ausmahlen von Brotgetreide. Vom
28. Oktober 1914.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Geſetzes über die Ermächtigung des
Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw. vom 4. Auguſt 1914 (Reichs=Geſetzbl.
S. 327) folgende Verordnung erlaſſen:
Zur Herſtellung von Roggenmehl iſt der Roggen mindeſtens bis zu zweiund=
ſiebzig
vom Hundert durchzumahlen.
Zur Herſtellung von Weizenmehl iſt der Weizen mindeſtens bis zu fünfund=
ſiebzig
vom Hundert durchzumahlen.
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten Behörden können
dieſe Ausmahlung in der Weiſe zulaſſen, daß hierbei ein Auszugsmehl von beſtimmter
Höhe hergeſtellt wird.
§ 3.
Soweit ein Verkäufer von Roggenmehl infolge dieſer Verordnung nicht ver=
tragsmäßig
liefern kann, iſt er verpflichtet, Mehl, das im Verhältnis von zweiund=
ſiebzig
vom Hundert ausgemahlen iſt, zu liefern.
Soweit ein Verkäufer von Weizenmehl infolge dieſer Verordnung nicht ver=
tragsmäßig
liefern kann, iſt er verpflichtet eine nach § 2 zugelaſſene Mehlſorte zu
liefern, die der verkauften im Ausmahlverhältnis am nächſten ſteht.
Der Kaufpreis iſt bei Lieferung eines geringerwertigen Mehls nach den §§ 472,
473 des Bürgerlichen Geſetzbuchs zu mindern, bei Lieferung eines höherwertigen ent=
ſprechend
zu erhöhen.

M
infolge dieſer Verordnung nicht vertragsmäßig lieſern kann. Das Rücktrittsrecht er=
liſcht
, wenn der Käufer nicht unverzüglich davon Gebrauch macht, nachdem der Ver=
käufer
ihm angezeigt hat, daß er ganz oder teilweiſe nicht liefern kann.
§ 4.
Wer den Vorſchriften dieſer Verordnung zuwiderhandelt, wird mit Geldſtrafe
bis zu eintauſendfünfhundert Mark beſtraft.
.8 5.
Dieſe Verordnung tritt mit dem 4. November 1914 in Kraft. Der Reichskanzler
beſtimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.
Berlin, den 28. Oktober 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.
(Nr. 4535.) Bekanntmachung über die Höchſtpreiſe für Getreide und Kleie. Vom
28. Oktober 1914.
Auf Grund von § 3 des Geſetzes, betreffend Höchſtpreiſe, vom 4. Auguſt 1914
(Reichs=Geſetzbl. S. 339) in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1914
(Reichs=Geſetzbl. S. 458) hat der Bundesrat folgende Verordnung erlaſſen:
§ 1.
Der Preis für die Tonne inländiſchen Roggens darf im Großhandel nicht
überſteigen in:
Mark
Mark
Aachen
Hamburg
237
. 228
Berlin
228
Hannover
220
Braunſchweig.
227
226
Kiel . .
Bremen .
209
231 Königsberg i. Pr. .
Breslau .
212
Leipzig
225
Bromberg
209 Magdeburg
224
Caſſel.
231
Mannheim.
236
Cöln .
236 München
237
Poſen.
Danzig
212
210.
Dortmund .
235 Roſtock
218
Dresden
Saarbrücken.
225
237
236
Schwerin i. M.
Duisburg
219
Emden .
232 Stettin .
216
Erfurt
229
Straßburg i. Elſ.
237
Frankfurt a. M.;
Stuttgart
235
237
Gleiwitz . . . . .
218
227
Zwickau .
§ 2.
Beträgt das Gewicht des Hektoliters Roggen mehr als 70 Kilogramm, ſo ſteigt
der Höchſtpreis für jedes volle Kilogramm um eine Mark fünfzig Pfennig.
§ 3.
In den im § 1 nicht genannten Orten (Nebenorte) iſt der Höchſtpreis gleich dem
des nächſtgelegenen im § 1 genannten Ortes (Hauptort).
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten höheren Verwaltungs=
behörden
können einen niedrigeren Höchſtpreis feſtſetzen. Iſt für die Preisbildung
eines Nebenorts ein anderer als der nächſtgelegene Hauptort beſtimmend, ſo können
dieſe Behörden den Höchſtpreis bis zu dem für dieſen Hauptort feſtgeſetzten Höchſt=
preis
hinaufſetzen. Liegt dieſer Hauptort in einem anderen Bundesſtaate, ſo iſt die
Zuſtimmung des Reichskanzlers erforderlich.
§ 4.
Der Höchſtpreis für die Tonne inländiſchen Weizens iſt vierzig Mark höher als
der Höchſtpreis für die Tonne Roggen (§ 1 und 3). Beträgt das Gewicht des
Hektoliters Weizen mehr als 75 Kilogramm, ſo ſteigt der Höchſtpreis für jedes volle
Kilogramm um eine Mark fünfzig Pfennig.
§ 5.
Der Höchſtpreis für die Tonne inländiſcher Gerſte deren Hektolitergewicht nicht
mehr als 68 Kilogramm beträgt, iſt in den preußiſchen Provinzen Schleswig=Holſtein,
Hannover und Weſtfalen, ſowie in Oldenburg, Braunſchweig, Waldeck, Schaumburg=
Lippe, Lippe, Lübeck, Bremen und Hamburg zehn Mark, in dem rechtsrheiniſchen
Bayern dreizehn Mark, anderorts fünfzehn Mark niedriger als der Höchſtpreis für
die Tonne Roggen (§§ 1 und 3).
8
Ein nach den §§ 1 bis 5 in einem Orte beſtehender Höchſtpreis gilt für die
Ware, die an dieſem Orte abzunehmen iſt.
8.
Als Großhandel im Sinne der §§ 1 bis 6 gilt insbeſondere der Verkehr zwiſchen
dem Erzeuger, dem Verarbeiter und dem Händler.
§ 8.
Der Preis für den Doppelzentner Roggen= oder Weizenkleie darf beim Verkaufe
durch den Herſteller dreizehn Mark nicht überſteigen. Dieſe Vorſchrift gilt nicht für
Futtermehl (Bollmehl, Rand, Grießkleie und dergleichen).
§ 9.
Die Höchſtpreiſe bleiben bis zum 31. Dezember 1914 unverändert. von da ab
erhöhen ſie ſich am 1. und 15. jeden Monats bei Getreide um eine Mark fünfzig
Pfennig für die Tonne, bei Kleie um fünf Pfennig für den Doppelzentner.
§ 10.
Die Höchſtpreiſe gelten für Lieferung ohne Sack und für Barzahlung bei
Empfang: wird der Kauſpreis geſtundet, ſo dürfen bis zu zwei Prozent Jahreszinſen
über Reichsbankdiskont hinzugeſchlagen werden. Sie ſchließen bei Getreide, aber nicht
bei Kleie, die Koſten der Verladung und des Transports bis zum Güterbahnhofe,
bei Waſſertransport bis zur Anlegeſtelle des Schiffes oder Kahnes des Abnahme=
orts
in ſich.
§ 11.
Dieſe Verordnung tritt am 4. November 1914 in Kraft. Der Bundesrat be=
ſtimmt
den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.
Berlin, den 28. Oktober 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.
(20889

In Abänderung unſerer Bekanntmachung vom 22. Oktober 1914 ( Amtsverkün=
digungsblatt
Nr. 159) haben wir, nach Beratung mit Sachverſtändigen aus landwirt=
ſchaftlichen
, Handels= und Konſumentenkreiſen auf Grund des Geſetze betreffend
Höchſtpreiſe, vom 4. Auguſt 1914 und der Bekanntmachung des Großh. Miniſteriums
des Innern, betreffend die Ausführung dieſes Geſetzes, vom 7. Auguſt 1914, ſowie
der Bekanntmachung des Bundesrats vom 28. Oktober 1914, über die Höchſtpreiſe
für Speiſekartoffeln mit ſofortiger Wirkſamkeit für die Landgemeinden des Kreiſes
Darmſtadt folgendes neu beſtimmt:
Der Preis für beſte ausgeleſene Speiſekartoffeln darf nicht überſteigen
1. beim Verkauf durch den Produzenten an Ort und Stelle für
100 Kilo
. 6.50 Mk.
Dieſer Preis ſchließt die Koſten der Verladung und
des Transports bis zur nächſten Verladeſtelle in ſich:
2. bei freier Lieferung in den Aufbewahrungsraum des
Verbrauchers oder bei Verkauf auf den Wochen=
märkten
für 100 Kilo
8.00
3. im Kleinverkauf für das Kilogramm:
9 Pfg.
Die Bekanntmachung vom 22. Oktober 1914 tritt hiermit außer Wirkſamkeit.
Darmſtadt, den 4. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Seh.
Auszug aus dem Geſetz, betreffend Höchſtpreiſe vom 4. Auguſt 1914
ſowie der Verordnung des Bundesrats vom 28. Oktober 1914.
Für die Dauer des gegenwärtigen Krieges können für Gegenſtände des täg=
lichen
Bedarfs, insbeſondere für Nahrungs= und Futtermittel aller Art, ſowie für
rohe Naturerzeugniſſe, Heiz= und Leuchtſtoffe Höchſtpreiſe feſtgeſetzt werden.
§ 2.
Soweit für den Großhandel Höchſtpreiſe feſtgeſetzt ſind, iſt der Beſitzer ſolcher
Gegenſtände verpflichtet, ſie der zuſtändigen Behörde auf ihre Aufforderung zu über=
laſſen
; Landwirten ſind die zur Fortführung ihrer Wirtſchaft erforderlichen Mengen
an Getreide und Futtermitteln zu belaſſen. Der Uebernahmepreis wird unter Be=

Bekanntmachung,
betreffend Höchſtpreiſe für Kartoffeln.

[ ][  ][ ]

Nummer 167.

Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.

Samstag, den 7. November 1914.

rückſichtigung des Höchſtpreiſes, ſowie der Güte und Verwertbarkeit der Gegenſtände
von der höheren Verwaltungsbehörde nach Anhörung von Sachverſtändigen end=
gültig
feſtgeſetzt.
Soweit für den Kleinhandel Höchſtpreiſe feſtgeſetzt ſind, und ein
Beſißer ſich weigert, trotz Anfforderung der zuſtändigen Behörde ſolche Ge=
genſtände
zu den feſtgeſetzten Höchſtpreiſen zu verkaufen, kann die zuſtändige
Behörde die Gegenſtände, die für den eigenen Bedarf des Beſitzers nicht nötig
ſind, übernehmen und auf ſeine Rechnung und Koſten zu den feſtgeſetzten Höchſt=
preiſen
verkaufen.
§ 3.
Der Bundesrat ſetzt die Höchſtpreiſe feſt. Soweit er ſie nicht feſtgeſetzt hat,
können die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten Behörden Höchſt=
preiſe
feſtſetzen.
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten Behörden erlaſſen
die erforderlichen Anordnungen und Ausführungsbeſtimmungen.
§ 4.
Wer die nach § 1 feſtgeſetzten Höchſtpreiſe überſchreitet oder den nach
§ 3 erlaſſenen Ausfuhrungsbeſtimmug=an zuwiderhandelt oder Vorräte an
derartigen Gegenſtänden verheimlicht oder der Aufforderung der zuſtändigen
Behörde nach § 2 nicht nachkommt, wird mit Geldſtrafe bis zu dreitauſend
Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu ſechs Monaten beſtraft.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Die obige Bekanntmachung wollen Sie ſogleich veröffentlichen. Die Ortspoli=
zeibehörden
und die Gendarmerie haben die Einhaltung der hiernach feſtgeſetzten Höchſt=
preiſe
ſorgfältig zu überwachen und jede Ueberſchreitung unnachſichtlich zur Anzeige
(20851dsi
zu bringen.
Darmſtadt, den 4. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Nachdem in einem Gehöft in Pfungſtadt die Maul= und Klauenſeuche aus=
gebrochen
iſt, ordnen wir hiermit auf Grund der §§ 161ff. der Ausführungsvorſchriften
des Bundesrats zum Reichsviehſeuchengeſetz die folgenden Maßnahmen an:
I. Der ſüdlich der Modau gelegene Teil der Gemeinde Pfungſtadt, ein=
ſchließlich
der Bergſtraße, wird zum Sperrbezirk erklärt.
II. Für den ganzen Bereich des Sperrbezirks werden folgende Maßnahmen an=
geordnet
:
1. An den Haupteingängen des Sperrbezirks ſind Tafeln mit der deutlichen
und haltbaren Aufſchrift Maul= und Klauenſeuche=Sperrbezirk. Einfuhr und
Durchtreiben von Klauenvieh, ſowie Durchfahren mit Wiederkäuergeſpannen
verboten leicht ſichtbar anzubringen.
2. Sämtliche Hunde ſind feſtzulegen. Der Feſtlegung iſt das Führen an der
Leine und bei Ziehhunden die feſte Anſchirrung gleich zu achten. Die Ver=
wendung
von Hirtenhunden zur Begleitung von Herden und von Jagd=
hunden
bei der Jagd ohne Leine kann geſtattet werden.
3. Schlächtern, Viehkaſtrierern, ſowie Händlern und anderen Perſonen, die gewerbs=
mäßig
in Ställen verkehren, ferner Perſonen, die ein Gewerbe im Umher=
ziehen
ausüben, iſt das Betreten aller Ställe und ſonſtiger Standorte von
Klauenvieh im Sperrbezirke, desgleichen der Eintritt in die Seuchengehöfte
verboten. In beſonders dringlichen Fällen kann die Ortspolizeibehörde Aus=
nahmen
zulaſſen.
4. Dünger und Jauche von Klauenvieh, ferner Gerätſchaften und Gegenſtände
aller Art, die mit ſolchem Vieh in Berührunggekommen ſind, dürfen aus dem
Sperrbezirk nur mit unſerer Erlaubnis unter den von uns anzuordnenden Vor=
ſichtsmaßregeln
ausgeführt werden.
5. Die Einfuhr von Klauenvieh in den Sperrbezirk, ſowie das Durchtreiben von
ſolchem Vieh durch den Bezirk iſt verboten. Dem Durchtreiben von Klauen=
vieh
ſteht das Durchfahren mit Wiederkäuergeſpannen gleich. Die Einfuhr
von Klauenvieh zur ſofortigen Schlachtung, im Falle eines beſonderen wirt=
ſchaftlichen
Bedürfniſſes auch zu Nutz= und Zuchtzwecken, kann von uns ge=
ſtattet
werden.
6. Die Ver= und Entladung von Klauenvieh auf der Eiſenbahn im Sperrbezirk
iſt verboten. Ausnahmen hiervon können von uns zugelaſſen werden. Die
Vorſtände der betr. Stationen ſind zu benachrichtigen.
III. Für alle verſeuchten Gehöfte werden folgende Maßnahmen angeordnet:
1. Ueber alle verſeuchten Ställe wird die Sperre verhängt. Die abgeſperrten
Tiere dürfen aus dem Stalle nur mit polizeilicher Erlaubnis zur ſofortigen
Schlachtung entfernt werden unter Beobachtung der von dem Großherzogl.
Kreisveterinärarzt über den Transport und den Ort der Schlachtung ange=
ordneten
Maßregeln.
2. Die auf dem Gehöft befindlichen Pferde dürfen außerhalb des geſperrten
Gehöftes verwendet werden, jedoch nur unter der ausdrücklichen Bedingung,
daß ihre Hufe vor dem Verlaſſen des Gehöftes desinfiziert werden.
3. Das Geflügel iſt ſo zu verwahren, daß es das Gehöft nicht verlaſſen kann.
4. Fremdes Klauenvieh muß von dem Gehöft ferngehalten werden.
5. Milch darf aus dem Gehöft nur weggegeben werden, nachdem ſie vorher
abgekocht worden iſt.
6. Dünger und Jauche dürfen aus den verſeuchten Gehöften und Ställen nur
abgefahren werden, nachdem ſie vorher gehörig mit Kalk desinfiziert worden ſind.
7. Futter und Spreuvorräte dürfen aus dem Gehöfte nur mit polizeilicher Er=
laubnis
und nur im Einverſtändnis mit dem Großh. Kreisveterinärarzt ent=
fernt
werden.
8. Wagen und ſonſtige Fahrzeuge dürfen aus dem Gehöft nur entfernt werden,
nachdem ſie durch Fahren über eine entſprechend lange Kalkſchicht desinfiziert
worden ſind.
9. Die Stallgänge der verſeuchten Ställe, die Plätze vor den Türen dieſer
Ställe und vor den Eingängen des Gehöfts, ſowie die etwaigen Abläufe
aus der Dungſtätte oder dem Jauchenbehälter ſind täglich mit einer ent=
ſprechendrn
breiten und etwa 1 em hohen Kalkſchicht zu verſehen.
10. Die geſperrten Ställe dürfen, abgeſehen von Notfällen, ohne polizeiliche
Genehmigung nur von dem Beſitzer oder ſeinem Vertreter oder den mit
Beaufſichtigung und Wartung der Tiere betrauten Perſonen betreten werden.
Perſonen, die in abgeſperrten Ställen verkehrt haben, dürfen erſt nach
erfolgter Desinfektion das Seuchengehöft verlaſſen; insbeſondere haben ſie
ihre Schuhe in dem ausgeſtreuten Kalk zu desinfizieren.
11. Zur Wartung des Klauenviehs im Seuchengehöfte dürfen Perſonen nicht
verwendet werden, die mit fremdem Klauenvieh in Berührung kommen.
IV. Für die nicht verſeuchten Gehöfte werden folgende Anordnungen getroffen:
1. Sämtliches Klauenvieh der nicht verſeuchten Gehöfte iſt in den Ställen ab=
zuſondern
und darf aus den Gehöften in der Regel nicht herausgebracht
werden.
2. Zum Schlachten darf Klauenvieh nicht außerhalb des Sperrbezirks verbracht
werden.
3. Für landwirtſchaftliche Zwecke darf Klauenvieh aus nicht verſeuchten Gehöften
mit beſonderer Erlaubnis der Ortspolizeibehörde benutzt werden.
4. Die Abſonderung der Tiere in nicht verſeuchten Ställen wird ſolange aufrecht
erhalten, bis aus allen Seuchengehöften entweder ſämtliches Klauenvieh be=
ſeitigt
oder die Seuche abgeheilt und in allen Fällen die vorſchriftsmäßige
Desinfektion erwirkt worden iſt.
W. Der nicht zum Sperrbezirk erklärte Teil der Gemeinde Pfungſtadt bildet ein
Beobachtungsgebiet.
Für das Beobachtungsgebiet gelten folgende Anordnungen:
1. Aus dem Beobachtungsgebiet darf Klauenvieh ohne ortspolizeiliche Geneh=
migung
nicht entfernt werden. Auch iſt das Durchtreiben von Klauenvieh und
das Durchfahren mit fremden Wiederkäuergeſpannen durch das Beobachtungs=
gebiet
verboten.

Das Verbot des Durchtreibens einſchließlich Durchführens und des Durch=
fahrens
mit Wiederkäuergeſpann erſtreckt ſich nicht auf Klauenvieh das im
Beobachtungsgebiet bleibt.
2. Die Ausfuhr von Klauenvieh, zum Zwecke der Schlachtung iſt, wenn die
früheſtens 48 Stunden vor dem Abgang der Tiere vorzunehmende tierärztliche
Unterſuchung ergibt, daß der geſamte Viehbeſtand des Gehöfts noch ſeuchenfrei
iſt, von der Ortspolizeibehörde zu geſtatten, und zwar:
a) nach Schlachtſtätten in der Nähe liegender Orte;
b) nach in der Nähe liegenden Eiſenbahnſtationen oder Häfen ( Schiffsanlege=
ſtellen
) zur Weiterbeförderung nach Schlachtviehhöfen und öffentlichen Schlacht=
häuſern
, vorausgeſetzt, daß dieſen die Tiere auf der Eiſenbahnſtation oder mit
dem Schiffe unmittelbar oder von der Entladeſtation aus zu Wagen zugeführt
werden.
Für den Transport nach in der Nähe liegenden Orten, Eiſenbahnſtationen
oder Häfen (Schiffsanlegeſtellen) iſt von der Ortspolizeibehörde anzuordnen, daß
er zu Wagen oder auf ſolchen Wegen erfolgt, die von anderem Klauenvieh nicht
vetreten werden. Durch Vereinbarung mit der Eiſenbahn= oder ſonſtigen Betriebs=
verwaltung
und, ſoweit nötig, durch polizeiliche Begleitung iſt dafür Sorge zu
tragen, daß eine Berührung mit anderem Klauenvieh, ſofern dies gleichfalls aus
einem Beobachtungsgebiete ſtammt, auf dem Transporte nicht ſtattfinden kann.
Die Polizeibehörde des Schlachtorts iſt von dem bevorſtehenden Eintreffen der
Tiere rechtzeitig zu benachrichtigen.
Bei Klauenvieh, das im Beobachtungsgebiet abgeſchlachtet wird oder das zur
Abſchlachtung in einen benachbarten Sperrbezirk gelangt, kann die Unterſuchung
des Beſtandes auch durch den zuſtändigen Fleiſchbeſchauer vorgenommen werden.
Beim Transport der Schlachttiere nach Orten des Beobachtungsgebietes oder in
einen an dieſes angrenzenden Sperrbezirk wird von der Beförderung zu Wagen
Abſtand genommen.
3. Die Ausfuhr von Klauenvieh zu Nutz= oder Zuchtzwecken darf nur mit
unſerer Genehmigung erfolgen. Dieſe Genehmigung wird nur unter der Be=
dingung
erteilt, daß eine früheſtens 24 Stunden vor dem Abgang der Tiere vor=
zunehmende
amtstierärztliche Unterſuchung die Seuchenfreiheit des geſamten Vieh=
beſtandes
des Gehöfts ergibt, und daß ſich die Polizeibehörde des Beſtimmungs=
orts
mit der Einfuhr einverſtanden erklärt hat. Am Beſtimmungsorte ſind die
Tiere auf die Dauer von mindeſtens neun vollen Tagen der polizeilichen Beob=
achtung
(Quarantäne) zu unterſtellen. Auf den Transport und die Anmeldung
der Tiere finden die Beſtimmungen der Ziffer 2 ſinngemäß Anwendung.
Hinſichtlich der polizeilichen Beobachtung gelten die Beſtimmungen über
Quarantäne.
4. Die Einfuhr von Klauenvieh in das Beobachtungsgebiet zur Schlachtung
und zu Nutz= und Zuchtzwecken iſt geſtattet, nicht aber zu Handelszwecken.
5. Im ganzen Bereiche des Beobachtungsgebietes iſt der gemeinſchaftliche Weide=
gang
von Klauenvieh aus den Beſtänden verſchiedener Beſitzer und die gemein=
ſchaftliche
Benutzung von Brunnen, Tränken und Schwemmen für Klauenvieh
verboten.
6. Der Weidegang für Schweine iſt verboten. Schafherden iſt von der Großh.
Bürgermeiſterei ein beſonderer Weidediſtrikt anzuweiſen. Werden ſie außerhalb
dieſes Diſtrikts angetroffen, ſo wird ihre Aufſtallung oder Einpferchung angeord=
net
werden.
VI. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen werden nach §§ 74 kf. des
Reichsviehſeuchengeſetzes vom 26. Juni 1909 beſtraft.
Darmſtadt, den 5. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.

Wir weiſen Sie auf obige Bekanntmachung hin. Sie iſt ſofort ortsüblich bekannt
zu geben. Der Befolg der Anordnungen iſt ſtreng zu überwachen.
Etwa in Ihren Gemeinden wohnende Viehhändler ſind von den Anordnungen
ſogleich beſonders in Kenntnis zu ſetzen.
Darmſtadt, den 5. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
(20942

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Verordnung über den Aufenthalt, Zu= und Wegzug von
Ausländern bringen wir zur öffentlichen Kenntnis, und zwar mit dem Anfügen,
(20893fs
daß Zuwiderhandlungen unnachſichttich zur Anzeige gebracht werden.
Darmſtadt, den 5. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Frankfurt a. M., den 27. 10. 14.
XVIII. Armeekorps.
Stellvertretendes Generalkommando.
IIIb Nr. 36252/2621

Verordnung.

Auf Grund der §§ 1 und 9b des Geſetzes über den Belagerungszuſtand vom
4. Juni 1851 ordne ich für den Bereich des Korpsbezirks an:
Alle Hotels, Penſionen und Anſtalten, ſowie jeder Wohnungsinhaber ſind
verpflichtet, den Aufenthalt und Zuzug von Ausländern binnen 12 Stunden polizei=
lich
anzumelden, gleichgültig ob die Aufnahme gegen Entgelt oder unentgeltlich, vor=
übergehend
oder für längere Zeit erfolgt.
Der Wegzug von Ausländern iſt gleichfalls innerhalb 12 Stunden anzuzeigen.
Falls örtliche Polizeiverordnungen eine kürzere Meldefriſt wie die vorſtehend
angegebene für Ausländer feſtſetzen, bleiben dieſe Verordnungen inſoweit maßgebend.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden nach § 9 des Geſetzes
über den Belagerungszuſtand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre
beſtraft.
Der kommandierende General
Freiherr von Gall, General der Infanterie.

An die Ortspolizeibehörden des Kreiſes.

Wir beauftragen Sie, die vorſtehende Verordnung ſofort auf ortsübliche Weiſe,
auch durch etwa in Ihren Gemeinden erſcheinende Zeitungen, zur öffentlichen Kennt=
nis
zu bringen und das Polizeiperſonal zur ſtrengſten Ueberwachung des Befolgs
der Vorſchriften anzuhalten. Zuwiderhandlungen ſind unnachſichtlich zur Anzeige
zu bringen.
Darmſtadt, den 5. November 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

XVIII. Armeekorps
Frankfurt a. M., den 27. 10. 14.
Stellvertretendes Generalkommando.
III b Nr. 36385/2638
Verordnung.

Auf Grund der §§ 1 und 9 des Geſetzes über den Belagerungszuſtand vom
4. Juni 1851 ordne ich hiermit an:
Angehörigen feindlicher Staaten iſt während des Kriegszuſtandes die Ausübung
der Jagd im Bereiche des Korpsbezirks verboten.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden nach §9 des vorgenannten
Geſetzes mit Gefängnis bis zu einem Jahr beſtraft.
(20888fs
Der kommandierende General
Freiherr von Gall, General der Infanterie.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 weißes Frauenhemd mit Monogramm E. W.
1 weißer Unterrock mit Spitzenbeſatz und 1 Kindernachthemd (dieſe
Wäſcheſtücke wurden am 30. v. Mts. friſch gewaſchen und zerriſſen
in der Nähe des Hauptbahnhofs aufgefunden). Einige Poſtanwei=
ſungs
=Formulare. 1 Milchkanne. Eine Anzahl verſchied. Schlüſſel.
2 Taſchentücher, das eine gez. G. 1 Paar lange ſchwarze Glacéhand=
ſchuhe
. 1 Brille mit Futteral. 1 kleines gelbes Portemonnaie mit
26 Pfennigen Inhalt. 1 dunkelgraue Wickelgamaſche. 1 halbſeidenes
ſchwarzes Umhangetuch.
(20930
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 8. Nov.,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße, und Beſſunger

Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr
ab geſchloſſen.

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die ſich bei der Anfuhr des Stiftungsholzes beteiligen wollen
werden eingeladen, ſich
Montag, den 9. November ds. Js., vormittags 11 Uhr
(pünktlich), Waldſtraße 6, Zimmer 3,
einzufinden.
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[ ][  ][ ]

Nummer 307.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Seite 13.

Der ſilberne Adolf.
Roman von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
18)

Ellen, Brüchterloh ſteigt in den Sattel!
Sie zuckte gelaſſen die Achſeln.
Damit war zu rechnen, Papa! Mir iſt’s einerlei!
Deſto beſſer! Und wenn er uns begrüßen kommt?
Erhält er einen Händedruck und ein paar nichts=
ſagende
Redensarten!
Der Senator brauchte ſeine Tochter nicht erſt anzu=
ſehen
. Er hörte aus ihrer Stimme heraus, Erich Brüch=
terloh
war abgetan! Um die Klippe war ſeine Tochter
herumgekommen, hoffentlich kam ſie recht bald auch um
die andere um die gefährlichere.
Die Stariglocke läutete zum Aufgalopp. Erich
Brüchterloh, lang und hager, in blauer Jacke und
zitronengelber Kappe in den Bügeln ſtehend, den Ober=
körper
weit vorgeneigt, kanterte auf ſeinem Fuchs Gold=
faſan
als erſter zum Start.
Auf die weiße Barriere gelehnt, ſah ihm Ellen
Wommen nach. Wie war das möglich? Ruhig ſchlug ihr
Herz. Würde es auch ruhig ſchlagen, wenn Erich Brüchter=
loh
einen ſchlimmen Sturz tat? Sie glaubte es. Ja,
warum denn den ſcharfen Zug um die Mundwinkel, der
täglich ihr Unwillen erregte? Warum? Konnte denn
Liebe, die mit kühler Hand beiſeite geſchoben war, ſo in
Gleichgültigkeit umſchlagen? Oder waren da tiefere

Gründe vorhanden? Da hob ſie den Kopf, ſtreckte das
Kinn weit vor und ſah nach dem Start. Enger rutſchten
ihre Augenbrauen zuſammen. Das Atmen wurde ihr
ſchwer. Beklemmung legte ſich auf ihre Bruſt, ein
Schleier breitete ſich vor ihren Augen. Ein Schleier, ein
ganz dichter, hatte ſich auch vor die Vergangenheit gelegt
ſoweit Erich Brüchterloh in ihr eine Rolle ſpielte.
Was geſchlafen hatte, war aufgewacht, als ſie eines Mor=
gens
fettgedruckt die Ueberſchrift in der Zeitung geleſen:
Die Simon=Kopper=Leute durch Leutnant von
Ruſten vernichtet!‟ Da hatte der fröhliche Geſell, der
Hüne, vor ihrem geiſtigen Auge geſtanden, wie er ſeine
Blicke nicht hatte im Zaume halten können, wie ihm die
Worte aus tiefſtem Herzen gekommen waren, haſtig und
doch ſcheu verlegen. Und ſie hatte den Kopf in den
Nacken geworfen, hatte als Hamburger Kaufmannstoch=
ter
kühl gerechnet. Was bot ihr dieſer junge Offizier?
Eine kleine Garniſon, ſpäter irgendwo, da oben auf dem
baltiſchen Höhenrücken ein Gut. Vorläufig hätte ſie als
Frau Leutnant von Ruſten unten geſeſſen, und ihre nur
zwei Jahre ältere Freundin Dela, die Frau des Kom=
mandeurs
, ganz oben. Ganz unten iſt kein Platz für eine
Hamburger Senatorentochter. Alſo ein freundliches Nein,
er tat ihr ja leid, der große Junge, denn ein lieber Kerl
war er und dann hatte ſie ihn vergeſſen, weil Erich
Brüchterloh ihre Pfade gekreuzt! Und nun vergaß ſie
den . . . .
Gnädiges Fräulein, guten Tag!
Sie zuckte zuſammen. Vor ihr ſtand ein Offizier des

Ulanenregiments Kronprinzeſinr, ſtand Adoff Ruſtens
beſter Freund. Da ſtreckte ſie herzlich die Hand aus.
Herr von Sandberg! Guten Tag, guten Tag!
Ihr war’s, als fiele eine Laſt von ihrem Herzen. Sie
ſtellte ihn ihrem Vater vor. Der hörte mit hellem Ohr.
Schüttelte kühl dem jungen Offizier die Hand, und ver=
fluchte
im ſtillen Dresden und die Rennbahn.
In Ellen Wommen erwachte ihre Zähigkeit. Jetzt
ruhig geblieben, allein mit Sandberg durch die Menſchen
gebummelt und ihn vorſichtig ausgefragt. Von dem
war ſicher mehr zu erfahren, als vom beſten Auskunfts=
bureau
. So ſehr ſie auch ihre Abſicht verſchleiern wollte,
der Senator merkte, was ſie vor hatte. Er wich nicht von
ihrer Seite. Da kam ihr der Zufall wieder zu Hilfe. Der
Vater traf einen der beiden Fabrikanten, mit denen er
morgen verhandeln wollte. Das Geſchäft rief, das Ge=
ſchäft
war das nächſte, Vorwärts kam, wer jede Gelegen=
heit
auszunutzen verſtand. Er ſah ſeine Tochter und
Sandberg an, ſagte zu dem Offizier:
Ich bin wegen geſchäftlicher Abmachungen in Dres=
den
. Würden Sie wohl die Güte haben und meine Toch=
ter
fünf Minuten unter Ihren Schutz nehmen? Es han=
delt
ſich nur um eine kurze Vorbeſprechung für morgen!
Sandberg ſtellte ſich mit Freuden zur Verfügung.
Der Senator drängte ſich mit dem Fabrikanten durch
die Menſchenmaſſen an den Barrieren, die den Ausgang
des Rennens erwarteten.
Ellen Wommen ſah vor ſich hin, jetzt war’s ihr ganz
gleich, wer ſiegte, ſie legte ſich einen Schlachtplan zurecht.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. Not zember 1914.

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Seite 18.

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[ ][  ][ ]

Nummer 307.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Seite 19.

Angrihten des Sundeiams Darnſtal 1.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
§ 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 31. Oktober: dem Kaufmann Valentin
Bund, Schuchardſtr. 11, e. S. Wilhelm Jakob Martin.
Am 3. November: dem Friſeur Arthur Bertram, Wendel=
ſtadtſtraße
13, e. T. Marie Katharina Antonia. Am 2.:
dem Tapezier Jakob Hindermeyer, Kiesſtraße 27, e. T.
Roſine.
Geſtorbene. Am 2. November: Monchadon Sabba,
Soldat im franzöſiſchen Senegalſchützen=Regiment Nr. 2,
30 Jahre, mohamed., Alexanderſtraße 27. Am 2.: Priva=
tin
Eliſabeth Sophie Wagner, 60 Jahre, ledig, ev aus
Reinheim, hier, Grafenſtraße 9. Am 3.: Sophie Jung,
Tochter des Tagl., 10 Monate, ev., Große Kaplaneigaſſe 39.
Am 3.: Gärtner Heinrich Franz Harling, z. Zt. Mili=
tärkrankenwärter
, 22 Jahre, ledig, ev., Grafenſtraße 9.
Am 22. Auguſt: Metallgießer Ernſt Maurer, z. Zt. Mus=
ketier
im Inf.=Regt. Nr. 116, 21 Jahre, ledig, ev., Neue
Irenenſtraße 57, bei Anlay in Belgien. Am 14. Septem=
ber
: prakt. Arzt Dr. Hermann Friedrich Philipp Julius
Adolfo Hayer, Stabsarzt d. Landw., 41 Jahre, ev., Hügel=
ſtraße
57, zu Stenay in Frankreich. Am 3. November:
Henriette Demmel, geb. Scherf, Ehefrau des Schloſſers,
64 Jahre, ev., Mollerſtraße 6. Am 4.: Bürogehilfe Johann
Georg Reuter, 28 Jahre, ev., Feldbergſtraße 69. Am
28. Auguſt: Reſtaurateur Wilhelm Gunder z. Zt. Gefr.
d. Landw. im Reſ.=Inf.=Regt. Nr. 116, 30 Jahre ev., Die=
burger
Straße 257, bei Mouzon in Frankreich. Am 4. No=
vember
: Eliſabeth Krapp, geb. Krautwurſt, Ehrefrau des
Briefträgers, 47 Jahre, ev., aus Groß=Umſtadt, hier, Er=
bacher
Straße 25.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
65 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
bringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 19. Oktober: dem Diplom=Ingenieur
Ernſt Theodor Arnold zu Bensheim a. d. B. e. T., Hoff=
mannſtraße
48. Am 21.: dem Friſeur Johann Adam
Müller, Beſſungerſtraße 79, e. S. Theodor Adam Otto.
Am 25.: dem Oberſtadtſekretär Peter Stein Mathilden=
ſtraße
23, e. S. Friedrich. Am 28.: dem Weißbinder Phi=
lipp
Stier, Weinbergſtraße 4, e. T. Katharina Marga=
rete
. Am 24.: dem Maſchinenſchloſſer Georg Friedrich
Seelbach, Wingertsgäßchen 11, e. S. Friedrich Wilhelm.
Am 29.: dem Garniſonverwaltungsinſpektor Wilhelm
Schimanski, Niederſtraße 25, e. T. Annemarie Agnes.
Am 1. November: dem Gärtner Johann Georg Wolf,
Kiesbergſtraße 6, e. S. Johann Georg. Am 27. Oktober:
dem Schloſſer Franz Stöckeler, Sandbergſtraße 54, e. S.
Georg Franz.
Aufgebotene. Am 26. Oktober: Vizewachtmeiſter in
der Train=Abteilung Nr. 18 Johann Georg Grein,
Eſchollbrücker Straße 24, und Anna Eliſabeth Eiſenhuth
zu Michelſtadt i. O.
Eheſchließungen. Am 24. Oktober: Lokomotivheizer
Johann Karl Heinrich Danneberger zu Weinheim und
Anna Eliſabetha Heimann, Beſſungerſtraße 90. Am
27.: Fabrikarbeiter, Erſatzreſerviſt bei der Arbeiter= Kom=
pagnie
des Art.=Depots Ernſt Schmidt, Weinbergſtr. 15,
und Anna Beßler, Forſtmeiſterpl. 5. Am 29.: Militäl=
Bauſchreiber Karl Robert Eduard Hirſch, Heidelberger
Straße 98, und Emma Thereſe Mautbei zu Garaſee. Am
1. November: Sergeant im Feld.=Art.=Regt. Nr. 25 Frie=
drich
Metzner, Heidelberger Straße 47, und Anna
Weidmann, Frankfurter Straße 11.
Geſtorbene. Am 24. September: Doktor der Staats=
wiſſenſchaft
und Sekretär der Landwirtſchaftskammer
Darmſtadt, Leutnant der Reſerve Johannes Lothar Sieg=
friend
Müller, 31 Jahre, ev., Hochſtraße 45, gefallen in
Servon. Am 26.: Landwirt Martin Kaus, 65 Jahre,
ev., Herdweg 100. Am 29.: Emma Freifrau v. Wedekind,
geb. Knapp, Witwe des Rentners, 84 Jahre, ev., Heidel=
berger
Straße 73. Am 31.: Privatier Wilhelm o Herrlin=
ger
, 61 Jahre, ev., Grüner Weg 25. Am 3. November:
Margarete Bert, ohne Beruf, 21 Jahre, ledig, ev Wein=
bergſtraße
52. Am 5.: Privatier Karl Jakob Weilandt,
69 Jahre, ev., Kiesſtraße 125.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden
22. Sonntag nach Trinitatis, den 8. November 1914
Hofkirche: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Mittwoch, den 11. Nov., abends um 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Kleberger.
Kollekte für den Kirchbau in Guſtavsburg. Vormit=
tags
um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Zimmermann. Abends um 6 Uhr: Pfarrer Vogel.
Kollekte für den Kirchbau in Guſtavsburg. Mittwoch,
den 11. November, abends um 8½ Uhr: Kriegsbetſtunde.
Pfarrer Beringer.

Stabläapelle Vorm. um 10 Uhr: Pfarer Zimmer=
mann
. Kollekte für den Kirchbau in Guſtavsburg.
Vorm. um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogeſl.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8½ Uhr:
Garniſonpfarrer Schäfer. Vormittags um 10½ Uhr:
Kindergottesdienſt (Steinſtraße 24, Muſikſaal).
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Marx.
Vorm. um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Mitt=
woch
, den 11. November, abends um 8 Uhr: Andacht.
Pfarrer Marx.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Vormittags um 11 Uhr: Kindergottesdienſt für den
Weſt bezirk. Pfarrer D. Waitz. Nachmittags um
4 Uhr: Betſtunde im Martinsſtift. Pfarrer Veller.
Abends um 6 Uhr: Pfarrverwalter Storck. Mitt=
woch
, den 11. November, abends um 8 Uhr: Andacht.
Pfarrer D. Waitz.
Herberge zur Heimat: Vormittags um 9 Uhr: Pfarrer
Memmert.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Lenz. Vormittags um 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt. Freitag, den 13. November, abends
um 8½ Uhr: Kriegsbetſtunde.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Jahresfeſt der
Jugendvereinigung. Kollekte für dieſelbe.
Vorm. um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent Sann. Vormittags
um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent Sann.
Abends um 6 Uhr: Pfarrer Wagner. Mittwoch,
den 11. Nov., abends 8 Uhr: Kriegsbetſtunde. Pfarr=
aſſiſtent
Sann.
Pauluskirche: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Rückert. Vormittags um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert. Mittwoch, den
11. November, abends um 8 Uhr: Kriegsbetſtunde.
Pfarrer Rückert.
Evang. Gemeinde in Eberſtadt: Sonntag, den 8. Nov.,
vormittags um 10 Uhr: Gedächtnisgottesdienſt für die
Gefallenen. Pfarrer Paul. Abends um 6 Uhr:
Gottesdienſt
Lutheriſcher Gottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am 22. Sonntag nach Trinitatis, den 8. Nov.,
nachmittags um 5 Uhr, im Feierabend‟, Stiftſtr. 51:
Predigt. Superintendent Anthes.

Stadtuiſten (Mühſtraße 29r Sonntag, den 8. Nov,
vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. Herr Kirchenrat Weiker.
Abends um 8½ Uhr: Gebetsvereinigung. Dienstag,
den 10. Nov., abends um 8½ Uhr: Blaukreuzbibelſtunde
und Gebetsvereinigung. Mittwoch, den 11. November,
abends um 7½ Uhr: Kriegsbibelſtunde für Soldaten.
Herr Garniſonpfarrer Schäfer. Donnerstag, den
12. Nov., abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde und Gebets=
vereinigung
. Zweig der Stadtmiſſion ( Beſſunger=
ſtraße
88, Hth.). Sonntag, den 8. Nov., vormittags um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmittags um 3 Uhr:
Jugendbund für Jünglinge. Um 4½ Uhr: Jugend=
bund
für Jungfrauen. Freitad, den 13. Nov., abends
um 8½ Uhr: Bibelſtunde und Gebetsvereinigung.

Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getanſter Chriſten (Saptiſten), Maner=
ſtraße
17: Sonntag, den 8. Nov., vorm. um 9½ Uhr:
Predigt. Prediger Winhold. Um ¾11 Uhr: Sonn=
tagsſchule
. Nachm. um 4 Uhr: Predigt und Abend=
mahl
. Prediger Winhold. Abends um 6 Uhr: Jugend=
verein
. Mittwoch, den 11. Nov., abends um 8½ Uhr:
Kriegsgebetſtunde.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 8. Nov., nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule.
Um 4 Uhr: Predigt. Freitag, den 13. November,
abends um ½9 Uhr: Bibel= und Gebetſtunde.

Katholiſche Gemeinden
23. Sonntag nach Pfingſten, den 8. November 1914
Feſt des hl. Martinus
Kollekte für den St. Martinus=Verein
St. Ludwigskirche: Samstag, den 7. November, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. —— Um 6 Uhr: Erſte heil. Meſſe. Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hoch=
amt
mit Predigt. Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottes=
dienſt
. Nachmittags um 3 Uhr: Veſper. Montag,
abends um 6 Uhr: Armenſeelenandacht.
Kapelle der Barmberzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
un ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 5 Uhr: Ver=
ſammlung
des Vereins chriſtlicher Mütter. Um 6 Uhr:
Roſenkranzandacht.
Kapelle in der Waldſtraße: Sonntag, vormittags um
7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 4 Uhr: Verſamm=
lung
des kath. Dienſtmädchen=Vereins.

Sapele zu Griesſeim: Somtag, vorm. um Uhr:
Singmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 7. November,
nachmittags um ½ 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge=
legenheit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil Beichte. Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt. Um ½ 10 Uhr: Hochamt und
Predigt. Nachm. um 2 Uhr: Allerſeelen=Andacht.
Montag und Freitag abends um 8 Uhr: Kriegsandacht.
Dienstag und Donnerstag, abends um ½ 6 Uhr:
Roſenkranz für die Krieger. Mittwoch, abends um
8 Uhr: Kriegsandacht und Predigt von Pater Gemel
über Thron und Altar.
Kapelle zu Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10 Uhr:
Amt und Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
7. Nov., nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge=
legenheit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 7 Uhr: hl. Meſſe. Um 9 Uhr:
Amt mit Predigt. Nachm. um ½ 3 Uhr: Armenſelen=
andacht
. Montag, abends um 6 Uhr: Armenſeelen=
andacht
. Mittwoch, abends um 6 Uhr: Kriegsgebet.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 7 Nov., nachm.
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittags um ½6 Uhr: Beichte.
Um ½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um
¼10 Uhr: Hochamt, Predigt und Kriegsgebet. Nachm.
um ½ 2 Uhr: Chriſtenlehre. Um 2 Uhr: Andacht.
Werktags um ¾ 8 Uhr: Singmeſſe mit Kriegsgebet.
In der Provinzial=Pflegeanſtalt bei
Eberſtadt: Jeden Donnerstag Predigt und Kriegs=
andacht
.
Kapelle zu Pſungſtadt: Sonntag, vormittags um
7 Uhr: Beichte. Um ½ 8 Uhr: Amt und Predigt.
Nachm. um ½2 Uhr: Andacht. Jeden Donnerstag
und Freitag, nachm. um ½ 5 Uhr: Kriegsbetſtunde.

Trauungen auswärtiger Paare: Pfarrer Velte.
Beerdigungen auswärts Verſtorbener: Pfarrer
Zimmermann.

Erüunſte, Gtraute und Verdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Reformationsgemeinde: 11. Okt.: Dem Friſeur
Julius Hermann Robert Ody e. T. Martha Anna Katha=
Una, geb. 11. Sept. Dem Kaufmann Otto Heinrich Max
Jahn e. S. Heinz Otto Karl Wilhelm, geb. 30. Sept.
20. Okt.: Dem Eiſenbahnarbeiter Joh. Friedrich Vogel=
mann
e. T. Marie Dina, geb. 30. Sept. 25. Okt.: Dem
Stadtſekretär Ludwig Schrauth e. S. Werner Martin
Ludwig, geb. 6. Okt.
Kaplaneigemeinde: 1. Nov.: Dem Buchbinder=
meiſter
Chriſtian Stübling e. S. Karl Viktor, geb. 24. Sept.
Dem Schmied Heinrich Habicht e. S. Karl Otto, geb. 19. Okt.
Martinsgemeinde: 1. Nov.: Dem Kaufmann
Eduard Brand e. S. Ernſt Ludwig Wilhelm, geb. 28. Okt.
Dem Poſtillon Jakob Breitwieſer e. S. Karl, geb. 18. Sept.
Dem Taglöhner Martin Heid e. T. Marie. Dem Landes=
verſicherungskanzliſt
, z. Zt. Offiziersſtellvertreter Guſtav
Adolf Rieſe e. S. Botho Willi Guſtav Adolf, geb. 5. Sept.
Petrusgemeinde: 1. Nov.: Dem Hilfsarbeiter
Georg Heckmann e. T. Eliſabeth Sophie, geb. 17. Sept.
Dem Schuhmachermeiſter Peter Oſt e. T. Erika Vera
Erna, geb. 4. Okt. Dem Schreiner Hch. Ernſt Hüther
(im Feld), e. S. Hans Heinrich, geb. 10. Okt.
Johannesgemeinde: 1. Nov.: Dem Kauf=
mann
Adolf Schaberger e. S. Adolf Ludwig, geb. 18. Sept.
Dem Kaufmann Joſeph Engelhard e. T. Luiſe Katharina
Frieda, geb. 7. Sept.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Martinsgemeinde: 30. Okt.: Ziegelmeiſter W.
Dierk und Anna Mathilde Drieborn. 31. Okt.: Ing.
Fritz Wilhelm Sonnabend, z. Zt. Kriegsfreiwiliger und
Eliſabeth Marſe. Schuhmachermeiſter Peter Roth Witwer
und Elara Metzger, beide hier,
Petrusgemeinde: 29. Okt.: Militärbauſchreiber,
Karl Robert Eduard Hirſch dahier und Lina Thereſe
Manthey zu Garnſee.
Feerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Kaplaneigemeinde: 5. Nov.: Sophie Jung, T.
des Taglöhners Wilh. Jung, alt 10 Monate, ſtarb 3. Nov.
Martinsgemeinde: 30. Okt.: Emilie Söhngen,
Ehefrau des Poſtmeiſters Auguſt Söhngen, alt 68 J.,
ſtarb 27. Okt. 3. Nov.:; Kaufmann Jean Henning, alt
31 J., ſtarb 1. Nov. 29. Okt.: Philippine Schäfer, geb.
Holz, Ehefrau des Schutzmanns i. P. Heinrich Schäfer,
alt 59 J., ſtarb 27. Okt.
Petrusgemeinde: 31. Okt.: Freifrau Lina von
Wedekind, geb. Knapp. Witwe des Freiherrn Wilhelm
von Wedekind, alt 84 J., ſtarb 29. Okt.
Johannesgemeinde: 1. Nov.: Luiſe Nöllner,
ledig, Privatin, alt 83 J., ſtarb 29. Okt. 5. Nov.: Büro=
gehilfe
Georg Reuter, alt 28 J., ſtarb 4. Nov.

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 7. November 1914.

Nummer 307.

Darmstädter Streichquartett (Kvi. Jahr).
Fritz Mehmel, Alb. Diedrich, Fritz Brückmannn, Emil Adra.
3 Kammermusik-Abende
zum Besten der Kriegsfürsorge der Stadt Darmstadt und
der des Allgemeinen Deutschen Musiker-Verbandes‟.
I. Montag, 30. Nov.: Klassiker-Abend. Programm: Streich-
quartette
v. Haydn op. 76, 3, C-dur (Kaiserquartett‟), Mozart
K. V. Nr. 589 B-dur und Beethoven op. 59, 1, F-dur. (20946
II. Montag, 18. Jan.: Romantiker-Abend. Mitwirkende:
Pianist Fred. Voss (Mainz) u. Hofmusiker Aug. Weyns (Violoncell).
Programm: Scaumann, Streichquartett op. 41, 2, F-dur, Volkmann,
Klaviertrio op. 5, B-moll, Schubert, Streichquintett, op. 163, C-dur.
III. Montag, 15. März. Mitwirkende: Hofpianist Willy Rehberg
(Frankfurt). Programm: Brahus, Streichquartett op. 51, I,
C-moll, Louis Ferdinand, Prinz von Preussen, Klavierquartett
Op. 6, F-moll, Beethoven, Streichquartett op. 18, 1, F-dur.
Karten bei Thies Nachf. (Schutter), Elisabethenstrasse 12.
Preise: Abonnement: Sperrsitz Mk. 8. Saal Mk. 5. (einzeln
Mk. 3. u. Mk. 2.). Abonnement für Studierende u. Schüler: Sperr-
sitz
Mk. 5. Saal Mk. 3. (einzeln Mk. 2., 1.50 u. Galerie Mk. 1.).

Verein für Verbreitung von Volksbildung
Darmſtadt.
Lichtbilder=Vortrag
des Herrn Ingenieur Fromholz aus Dortmund
über:
Krupp, die deutſche Waffenſchmiede
Montag, den 16. November 1914, abends 8¼ Uhr,
im Kaiſerſaal.
Karten für num. Sperrſitz zu 1 Mk. (Mitgl. 80 Pfg.) ſind bis
zum 16. Nov., abends 6 Uhr, im Verkehrsbüro zu haben, Saal=
und Galeriekarten zu 40 Pfg. (Mitgl. 30 Pfg.) ebenda, bei J. Mylius,
(20951ss
Herdweg 2, und abends an der Kaſſe.
Der Vorſtand.

Aebungsſchule
deshauswirtſchaftl. Seminars der Alice=Schule.
Am 15. November beginnt ein Kurſus, in dem junge Mäd=
chen
in allen Hausarbeiten gründlich unterwieſen werden. Schul=
geld
10 Mark.
Anmeldungen hierzu täglich von 1112 Uhr im hauswirtſchaftl.
Seminar, Lagerhausſtraße 1 (Eleonoren=Schule).
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Großh. Hoftheater.
Samstag, den 7. November 1914.
Außer Abonnement.
Vierte Volks=Vorſtellung
zu ermäßigten Preiſen.
Der Kaufmann von Benedig.
Luſtſpiel in 5 Akten v. Shakeſpeare.
Spielleiter: Hans Baumeiſter.
Perſonen:
Der Doge von Ve=
. Herm. Knispel
nedig.
Porzia, eine reiche
Käthe Meißner
Erbin
Neriſſa, ihre Be=
Käthe Gothe
gleiterin.
Prinz v. Marocco Br. Harprecht
Prinz v. Arragon Rich. Jürgas
Antonio, d. Kauf=
mann
v. Venedig Johs. Heinz
Baſſanio 2 . Hs. Baumeiſter
Emil Kroczak
Solanio
Salarino ! g . Otto Thomſen
Graziano 5 Kurt Ehrle
Shylok, ein Jude K. Weſtermann
Jeſſika, deſſ. Tocht. Alice Hacker
Tubal, Shylok’s
. . Adolf Jordan
Freund
Lorenzo, Liebhaber
der Jeſſika . . Frz. Schneider
Der alte Gobbo . Heinrich Hacker
Lanzelot, d. Sohn,
Shylok’s Diener Paul Peterſen
Stephano, Porzia’s
Diener
. EllenWidmann
Leonardo, Baſſa=
nio’s
Diener . Georg Syguda
Ein Senator . . Frz. Herrmann
Nach dem 3. Akte längere Pauſe.
Krank: Adelheid Croneberg.
Preiſe der Plätze: Sperrſitz:
1.12. Reihe 1.65 , 13.19.
Reihe 1.15 , Parterre 1.15 ,
Proſzeniumsloge 2.15 , Mittel=
loge
2.15 , Balkonloge 2.15 ,
I. Rang 2.15 , II. Rang 1.15 ,
I. Galerie 55 , II. Galerie 45
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 9½—1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung.
Anfang 7½ Uhr. Ende 10½ Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Sonntag, 8. Nov. 33. Ab.=Vorſt.
C 9. Einmaliges Gaſtſpiel Robert
Hutt vom Opernhaus in Frank=
furt
a. M. Der Troubadour.
Manrico: Robert Hutt. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Montag, 9. Nov. (Keine Vorſt.)
Dienstag, 19. Nov. 34. Ab.=Vſt.
A 9. Zu Schillers Ge=
burtstag
: Neu einſtudiert u.
neu inſzeniert: Die Ver=
ſchwörung
des Fiesco zu
Genua. Kl. Pr. Anf. 7 Uhr.
Mittwoch, 11. Nov. 35. Ab.=Vſt.
B 8. Der Reviſor. Kleine
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Aus dem Spielplan.
Donnerstag, 12. Nov. 36. Ab.=
Vorſt. C 10. Fidelio‟. ( Ge=
neralmuſikdirektor
Felix von
Weingartner als Dirigent.)
Gew. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Anmeldungen auf Abonnements
werden noch fortwährend von der
Hoftheater=Hauptkaſſe in den Kaſſe=
ſtunden
vormittags von 1012½
Uhr entgegengenommen.

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