Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 144., Mittwoch, den 27. Mai.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 24 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Prinz Oskar von Preußen, der fünfte Sohn des
Kaiſerpaares, hat ſich in Briſtow bei Teterow in Meck=
lenburg
mit der Gräfin Ina Marie von Baſffe=
witz
verlobt.
Präſident Poincaré wird auf Einladung des
Zaren am 16. Juli nach Petersburg abreiſen und
auf der Rückreiſe den Beſuch des däniſchen
Königspaares in Kopenhagen erwidern.
Das engliſche Unterhaus vertagte ſich bis
zum 9. Juni.
Im Aetnagebiet wurden geſtern abermals Erd=
Theben wahrgenommen, die jedoch keinen weſentlichen
Schaden anrichteten,
Bei der Exploſion eines Dampfrohres auf dem ruſ=
ſiſchen
Torpedoboot Pogranitſchnik wurden
fünf Mann ſchwer verbrüht.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Die Ereigniſſe in Albanien.

** Die Alarmnachrichten aus Durazzo ſcheinen ſtark
übertrieben geweſen zu ſein, jedenfalls hat es ſich bei der
zeitweiligen Ueberſiedelung der fürſtlichen Familie auf
ein italieniſches Kriegsſchiff nicht um eine Flucht ge=
handelt
. Immerhin wird die kurze Abweſenheit des
Fürſten Wilhelm von ſeiner Reſidenz in einem Teile der
Finternationalen Preſſe ſcharf kritiſiert und als ein unver=
zeihlicher
Fehler bezeichnet. Mit dem Vorwurfe des Man=
gels
an Mannhaftigkeit tut man aber dem Fürſten unrecht,
und wenn es auch vielleicht für ſeine Stellung beſſer ge=
weſen
wäre, er hätte Durazzo keinen Augenblick verlaſſen
und die unter dem erſten Eindrucke der heranrückenden
Aufſtändiſchen beabſichtigte Ueberſiedelung ſeiner Fa=
milie
auf das Kriegsſchiff einem Vertrauten übertragen,
ſo muß man doch die beſonderen Umſtände in Rechnung
ziehen und bedenken, daß es leicht iſt, fern vom Schau=
platze
der Ereigniſſe Kritik zu üben. Daß im Palais zu
Durazzo eine gewiſſe Verwirrung herrſchte, darf nicht ver=
wundern
, denn bisher iſt der Fürſt noch nicht recht zur
Ruhe gekommen, ſeit er in Albanien einzog, und er wird
längſt erfahren haben, daß es etwas anderes iſt, ein Land,
noch dazu ein nur wenig von der Kultur belecktes Land
mit einer ſchwer zu lenkenden Bevölkerung zu regieren,
feſte Entſchließungen zu treffen, die Initiative nach allen
möglichen Richtungen hin zu ergreifen, als in Potsdam
eine Schwadron zu kommandieren. Fürſt Wilhelms Auf=
gabe
erweiſt ſich weit ſchwieriger, als diejenige der Herr=
ſcher
Rumäniens und Bulgariens, als dieſe zur Regierung
berufen wurden, denn ſo primitiv lagen in dieſen beiden
Ländern die Verhältniſſe doch nicht wie jetzt in Albanien,
wo es an allem mangelt, an geeigneten Perſönlichkeiten,
wie namentlich auch an ausreichenden Landeseinkünften.
Und dazu der monatelange Aufruhr im Süden, wo die
Epiroten ſich gegen die albaniſche Herrſchaft auflehnen,
und der neuerliche Aufſtand der Bauern Mittelalbaniens,
von denen man noch nicht recht weiß, was ſie eigentlich
wollen, und gegen wen ſie ausgezogen ſind! Möglich,
daß die Meldung, die Bewegung habe mehr religiöſen
Charakter, richtig iſt, aber daß ſie ſpontaner Natur iſt,
daran läßt ſich kaum zweifeln, und es gibt dem Fürſten
einen Vorgeſchmack deſſen, was er von ſeinem Volke zu
erwarten hat, welches ſeinen Wünſchen und Forderungen
gleich mit Pulver und Blei Nachdruck zu verleihen ge=
wöhnt
iſt.
Das entſchloſſene Vorgehen gegen Eſſad Paſcha findet
nachträglich gleichfalls Kritik, aber während die einen
meinen, der Fürſt hätte ganze Sache machen und den
Paſcha nicht nach Italien ſchicken, ſondern ihn hinter
Schloß und Riegel legen laſſen müſſen, bezeichnen die an=
deren
die Verbannung als eine Uebereilung, die ſich =
chen
werde, da die Schuld des angeblichen Verräters noch
nicht klar erwieſen ſei. Wir meinen, an dieſer Schuld iſt
nach der ganzen Vergangenheit Eſſad Paſchas nicht gut
zu zweifeln. Sollte der Fürſt einen Fehlgriff getan ha=
ben
, ſo darf ihm das nicht zu hoch angerechnet werden,
leider hat er noch immer nicht die Macht in Händen, die
ihm gebührt. Die Verhältniſſe wirken beengend auf ihn
ein, der mit den beſten Abſichten, mit frohem Mute und
freudiger Opferwilligkeit ins Land kam, um ein Kultur=
werk
zu vollbringen. Die Albaner haben ſich vielleicht zu
große Vorſtellungen gemacht von dem, was der Fürſt

ihnen bieten, womit er ſie gleich beglücken werde. Daß es
langjähriger, ausdauernder Arbeit bedarf, um das ver=
nachläſſigte
Land kulturell und wirtſchaftlich zu erſchlie=
ßen
, bedenkt das albaniſche Naturvolk nicht, es will ſofort
Erfolge ſeiner ſtaatlichen Selbſtändigkeit ſehen, ohne für
die Notwendigkeit der Laſten und Pflichten, die ihm auf=
erlegt
werden, genügendes Verſtändnis zu empfinden.
Im Auslande, namentlich in Frankreich, wird bereits
ernſtlich die Frage der Abdankung des Fürſten erörtert,
und nach einem Nachfolger Umſchau gehalten. Das iſt
jedenfalls ſehr voreilig, denn Fürſt Wilhelm wird kaum
ſchon jetzt die Flinte ins Korn werfen. Mit Schwierig=
keiten
aller Art hat er gerechnet und mußte er rechnen, daß
dieſe ſich ſo gehäuft haben, wird ſeinen Mut auch noch
nicht brechen, und deshalb ſtehen wir allen Meldungen
von Abdankungsabſichten ſkeptiſch gegenüber. Man darf
nicht vergeſſen, daß man an der Seine wenig begeiſtert
war von dem Gedanken, nun auch noch an der Spitze
eines dritten Balkanſtaates einen deutſchen Prinzen zu
ſehen. Wenn deſſen Miſſion ſcheitern ſollte, man würde
es in Frankreich nicht bedauern, aber hoffentlich kommen
die Franzoſen nicht dazu, ihre Schadenfreude zu betätigen.

Wie ein Berliner Telegramm der Köln. Ztg. aus=
führt
, hält man in dortigen diplomatiſchen Kreiſen bis
zur näheren Kenntnis der Einzelheiten der letzten Vor=
gänge
in Durazzo mit dem Urteil über die Hand=
lungen
des Fürſten zurück. Zweifellos iſt der
Fürſt bei ſeinen Schritten nicht außer Fühlung mit diplo=
matiſchen
Ratſchlägen geweſen. Es iſt dankenswert, daß
die Agenzia Stefani die Depeſche des italieniſchen Ge=
ſandten
in Durazzo, Aliotti, an den Marcheſe di San
Giuliano veröffentlicht hat. Aus dieſer Depeſche geht un=
zweideutig
hervor, daß es Aliotti war, der den Fürſten
gebeten hat, die Fürſtin und die kleinen Kinder in Sicher=
heit
zu bringen und dann die Landung des Detachements
zurückzuziehen. Angeſichts dieſer amtlichen italieniſchen
Darſtellung können die Ausfälle einzelner italie=
niſcher
Blätter gegen den Fürſten nicht recht ernſt
genommen werden. Nach dem Zeugnis Aliottis hat der
Fürſt das italieniſche Kriegsſchiff nicht als Flüchtling auf=
geſucht
, ſondern, um auf Bitten des italieniſchen Vertre=
ters
, ſeine Gattin und ſeine Kinder in Sicherheit zu brin=
gen
. Der Eindruck, als habe Fürſt Wilhelm gewiſ=
ſermaßen
den Kopf verloren, iſt falſch. Jeden=
falls
müßten dafür andere Beweiſe erbracht werden als
die einſeitig gefärbten Darſtellungen einer allzu raſch
mit ihrem Gegenſtande fertig werdenden Geſchichtsſchrei=
bung
, wie ſie von einigen italieniſchen Blättern beliebt
worden iſt. Soweit ein ſicheres Urteil über die Lage in
Durazzo möglich iſt, hat Fürſt Wilhelm keineswegs die
Abſicht, die Flinte ins Korn zu werfen, und die italieni=
ſche
wie die öſterreichiſche Diplomatie bleibt mit den Ver=
tretungen
anderer Länder um einen Ausgleich der gegen=
wärtigen
Schwierigkeiten bemüht, damit nach deren Ueber=
windung
die Arbeit zur Sicherung des Fortbeſtandes
eines unabhängigen albaniſchen Staates weitergeführt
werden kann.

Deutſches Reich.

Ein neues Reichstagspräſidium.
Der Präſident des Reichstages, Dr. Kaempf, gedenkt, wie
von ihm naheſtehenden Kreiſen mitgeteilt wird, ſich für
eine Wiederwahl als Reichstagspräſident nicht mehr zur
Verfügung zu ſtellen. Als beſtimmend für dieſen Ent=
ſchluß
werden nicht die Vorgänge vor und beim Schluß
des Reichstages bezeichnet, ſondern das Bedürfnis nach
Entlaſtung und Ruhe. Dr. Kaempf hat ſich ſeinerzeit nur
mit Widerſtreben zur Uebernahme des Amtes bereit fin=
den
laſſen, und dieſe Zuſage nur für die laufende Seſſion
gegeben. In der letzten Zeit iſt in Reichstagskreiſen viel=
fach
über die Neuwahl des Reichstagspräſidiums ge=
ſprochen
worden; im Zentrum fehlt es nicht an Stimmen,
die es für unzweckmäßig halten, daß ihre Fraktion im
Präſidium nicht vertreten iſt. Das Zentrum würde aber
kaum geneigt ſein, ſich mit einer Vizepräſidentenſtelle zu
begnügen. Man macht von dieſer Seite nun dafür Stim=
mung
, daß das Zentrum das Präſidium, die National=
liberalen
und die Fortſchrittliche Volkspartei den 1. und 2.
Vizepräſidenten ſtellen möchten.
Die Stichwahl in Stendal=Oſterburg.
Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis erhielten
bei der Reichstagserſatzſtichwahl in Stendal=Oſterburg:
Hoeſch (konſ.) 12518, Wachhorſt de Wente (natlib.) 15027

Stimmen. Sieben kleine Wahlbezirke ſtehen noch aus, die
jedoch an dem Ergebnis nichts ändern werden.
Gemeinderatswahlen in Elſaß=
Lothringen. Am Sonntag fanden in Elſaß= Lothrin=
gen
die Nachwahlen zu den Gemeinderäten ſtatt. In
Straßburg brachte das Ergebnis keine Ueberraſchung. Die
politiſchen Parteien hatten ſchon vor dem erſten Wahl=
gang
vereinbart, die Sitze nach dem Verhältnis der auf
die einzelnen Parteien des erſten Wahlganges abgegebe=
nen
Stimmen zu verteilen. Demgemäß ſtellten die Par=
teien
für den zweiten Wahlgang eine gemeinſame Liſte
auf, die natürlich glatt durchging. Eine wirtſchaftliche
Gruppe, die in letzter Stunde durch Aufſtellung einer
eigenen Liſte der Liſte der Parteien Abbruch zu tun ſuchte,
konnte an dem Ergebnis nichts ändern. Dem Straßbur=
ger
Gemeinderat gehören nunmehr 15 Sozialdemokraten,
10 Fortſchrittler, 8 Zentrumsmitglieder und 3 Mittelpar=
teiler
an. Im Mittelpunkt des Intereſſes ſtanden auch
diesmal die Kolmarer Wahlen. Der letzte Sonntag voll=
endete
den Sieg der Blockparteien bei den Hauptwahlen;
die klerikal=nationale Mehrheit im Kolmarer Gemeinderat
iſt vollſtändig beſeitigt worden. Von den 33 Sitzen ſind
nur 7 Sitze der Partei Blumenthal=Wetterlé zugefallen.
Von den übrigen Sitzen erhielten die Fortſchrittler im
ganzen 17, die Mittelpartei 5 und die Sozialdemokraten 4.
Der Rücktritt Blumenthals hat demnach die Niederlage
der alten Rathausmehrheit auch nicht aufhalten können.
Bei den Wahlen in Mülhauſen brachten die bürgerlichen
Parteien (Zentrum und Fortſchritt), die ſich im zweiten
Wahlgang zur Abwehr der drohenden ſozialdemokratiſchen
Gemeinderatsmehrheit vereinigt hatten, ihre ſämtlichen 18
Kandidaten durch. Die Sozialdemokraten, die im erſten
Wahlgang ſchon 18 Sitze erobert hatten, hatten bei der
Nachwahl keinen Erfolg mehr, obwohl ſie die verzweifelt=
ſten
Anſtrengungen gemacht, noch ein oder zwei Sitze zu
bekommen, um ſich dadurch die Vertretung Mülhauſens
in der Erſten Kammer zu ſichern. Nach dieſem Ausfall
iſt es aber mehr als fraglich, ob die Sozialdemokraten
Vertreter von Mülhauſen für die Erſte Kammer ſtellen
werden. Bemerkenswert iſt noch das Ergebnis in der In=
duſtrieſtadt
Thann, wo die Sozialdemokraten unterlagen,
und im neuen Gemeinderat nicht mehr erſcheinen. In
Zabern haben die Nachwahlen eine weſentliche Aenderung
der bisherigen Zuſammenſetzung des Gemeinderates nicht
ergeben.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die öſterreichiſch=ungariſche Delega=
tion
lehnte den Antrag des Sozialdemokraten Ellen=
bogen
, die Abſtimmung über das Budget des Miniſteri=
ums
des Aeußern zu vertagen, bis Graf Berchtold einen
eingehenden Bericht über die Ereigniſſe in Durazzo vor=
gelegt
habe, ab und nahm das Budget des Auswärtigen,
ſowie den Dispoſitionsfonds an.
Frankreich.
Beſuch des Präſidenten beim Zaren.
Einer offiziöſen Meldung zufolge, hat Kaiſer Nikolaus
den Präſidenten Poincaré eingeladen, gegen den 20. Juli
nach Petersburg zu kommen. Der Zar habe dem Präſi=
denten
gleichzeitig mitteilen laſſen, er würde ſich freuen,
wenn ſein Aufenthalt vier Tage dauern würde, anſtatt
der urſprünglich in Ausſicht genommenen drei Tage.
Präſident Poincaré, der die Reiſe nach Petersburg zur
See unternehmen werde, dürfte ſich am 16. Juli einſchif=
fen
. Auf der Rückfahrt werde ſich Präſident Poincaré
nach Kopenhagen begeben, um den ihm von dem däni=
ſchen
Königspaar abgeſtatteten Beſuch zu erwidern.
England.
Die Beteiligung Englands an der
Ausſtellung in San Franzisko. Im Unter=
hauſe
teilte bei der Erklärung, betreffend die Ausſtellung
in San Franzisko, Premierminiſter Asquith mit, das
Handelsamt habe ſich nach eingehender Prüfung der
Frage überzeugt, daß bei den britiſchen Fabrikanten der
Wunſch, in San Franzisko auszuſtellen, nicht weit geſeug
verbreitet ſei, um eine amtliche Beteiligung Englands in
angemeſſener Weiſe zu ermöglichen. Dagegen hat die bri=
tiſche
Regierung die Einladung der Vereinigten Staaten,
an der Eröffnungsfeier des Kanals teilzunehmen, ange=
nommen
. Sie beabſichtige, eine Anzahl Schiffe zu entſen=
den
, um ihre Meinung von der Bedeutung dieſes Vor=
ganges
und ihre freundliche Geſinnung auszudrücken. Das
Unterhaus vertagte ſich ſodann bis zum 9. Juni,

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Nummer 144,

Portugal.
Ausbau der Flotte. In der Kammer legte
der Miniſter einen Geſetzentwurf vor, in welchem die Er=
mächtigung
zum Neubau eines Marinearſenals und zum
Ausbau der Flotte nachgeſucht wird.
Rußland.
Der Gebrauch der ruſſiſchen Sprache
ſin den polniſchen Gouvernements. Der
Reichsrat hat bei der Beratung über den Geſetzentwurf,
betreffend die Verwaltung der Gemeinden in den pol=
niſchen
Gouvernements, den Paſſus über den ausſchließ=
lichen
Gebrauch der ruſſiſchen Sprache in den Gemeinde=
ſitzungen
mit 87 gegen 71 Stimmen angenommen im Ge=
genſatz
zu der Faſſung der Duma, welche den Gebrauch
der polniſchen Sprache in der Debatte zuließ. Infolge=
deſſen
iſt das Geſetz geſcheitert, da eine Einigung der bei=
den
Kammern nicht zuſtande gekommen iſt. Die Reichs=
ratsſitzung
geſtaltete ſich zu einem großen Tage. In Ge=
genwart
faſt aller Miniſter hielt der Miniſterpräſident eine
lange Rede und verteidigte die Faſſung, welche die Reichs=
duma
dem Geſetzentwurf gegeben hat, indem er hervor=
hob
, daß das Scheitern des Geſetzentwurfs große Schwie=
rigkeiten
für eine normale Entwickelung der Gemeinde=
verwaltung
in einem beträchtlichen Teile des Reiches
hervorrufen könnte.
Serbien.
Rüſtungsforderungen. Die Regierung hat
in der Skupſchtina einen Geſetzentwurf eingebracht, wo=
nach
für Rüſtungsausgaben 122800 Francs gefordert
werden.
Türkei.
Verfaſſungsänderungen. Der Senat ge=
nehmigte
mit 48 gegen eine Stimme die Verfaſſungsände=
rungen
, die von der Regierung vorgeſchlagen waren und
von der Kammer bereits angenommen ſind. Die Aende=
rungen
beziehen ſich insbeſondere auf das Recht des Sul=
tans
, die Kammer ohne vorherige Befragung des Senats
aufzulöſen.

* Verlobung im Kaiſerhauſe. Der fünfte
Sohn des Kaiſerpaares, Prinz Oskar von Preu=
ßen
, hat ſich in Briſtow bei Teterow in Mecklenburg mit
der Gräfin Ina Marie von Baſſewitz ver=
lobt
. Die Grafen Baſſewitz gehören zum mecklenburgi=
ſchen
Uradel. Der Vater der Braut, Graf Karl von Baſſe=
witz
=Levetzow, war mecklenburgiſcher Staatsminiſter und
Miniſter der auswärtigen Angelegenheiten. Seine Frau
iſt eine geborene Gräfin von der Schulenburg. Die Braut,
Gräfin Ina Marie Helene Adele Eliſe v. Baſſewitz=
Levetzow, iſt 1888 geboren und war Ehrendame der Kai=
ſerin
. Prinz Oskar von Preußen iſt Hauptmann im
1. Garderegiment und wurde am 27. Juli 1888 geboren.
Die einzugehende Ehe kann nach den Hausgeſetzen nur
eine morganatiſche ſein.
* Berlin, 25. Mai. Zur Feier des argen=
tiniſchen
Unabhängigkeitstages veranſkaltete
heute der Deutſch=Argentiniſche Zentralverband zur Förde=
rung
wirtſchaftlicher Intereſſen ein Feſtmahl, an dem ne=
ben
dem Vorſitzenden, Konſul Waetge, der deutſche Ge=
ſandte
in Argentinien, Dr. Freiherr von dem Buſche=
Haddenhauſen, der hieſige argentiniſche Geſchäftsträger
Quintana, zahlreiche hervorragende Perſönlichkeiten, der
Diplomatie und aus Handelskreiſen, und argentiniſche
Offiziere teilnahmen. Nach einer Begrüßungsanſprache
des Vorſitzenden, die mit einem Kaiſerhoch ſchloß, ſprach
unter großem Beifall Geſandter von dem Buſche auf
Argentinien und den Zentralverband. Quintana pries
dankend das große Deutſchland und rühmte ſeinerſeits
das verdienſtvolle Wirken des Zentralverbandes. Oberſt=
leutnant
Pertins feierte die Kameradſchaft zwiſchen den
deutſchen und den argentiniſchen Offizieren.
* Sofia, 26. Mai. Der deutſche Panzer=
kreuzer
Göben iſt geſtern vor Dedeagatſch
angekommen und wurde von den Militär= und Zivil=
behörden
ſowie dem Publikum herzlich begrüßt. Eine
große Volksmenge erwartete im Hafen die Ankunft des
Kreuzers, der mit den Hafenbatterien einen Salut von
21 Schuß wechſelte. Konteradmiral Souchon, der mit
den höheren Offizieren der Beſatzung an Land ging,
wurde von dem Militärbezirkschef Generalleutnant To=
ſchew
und dem Diviſionskommandeur Generalmajor De=
low
, ſowie den Zivilbehörden empfangen. Eine Kom=
pagnie
Infanterie erwies die militäriſchen Ehrenbezeu=

gungen. Darauf folgte ein Vorbeimarſch der Garniſon
Bei dem Bankett von 40 Gedecken zu Ehren der deutſchen
Gäſte brachte Generalleutnant Toſchew einen Trinkſpruch
auf das Gedeihen der deutſchen Marine und die Geſund=
heit
des deutſchen Kaiſers aus. Konteradmiral Souchon
rankte für den herzlichen Empfang und trank auf das
Wohl des Zaren der Bulgaren. Die Toaſte wurden mit
donnernden Hurras aufgenommen. Der Kreuzer Göben
ankerte über Nacht vor Dedeagatſch.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 27. Mai.
* Vom Hofe. Die Großherzogin und die Fürſtin
zu Solms=Lich wohnten am Montag nachmittag 3 Uhr
nit Gefolge der Vorſtandsſitzung des Alice=Frauen=
Vereins für Krankenpflege im Städtiſchen Saalbau an.
Die Burggräfin und Gräfin zu Dohna=Schlobitten iſt
im 3 Uhr 56 Min. abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
Zur Ausübung konſulariſcher Verrichtungen im
Großherzogtum Heſſen iſt der Generalkonſul der
Republik Uruguay Dr. Oriol Solé Rodriguez zu
Hamburg, dem das Reichsexequatur erteilt wurde, zuge=
laſſen
worden.
Militärdienſtnachricht. v. Wurmb, Major
und Bats=Komm. im 4. Magdeb. Inf.=Regt. Nr. 67, mit
der geſetzl. Penſion zur Disp. geſtellt und zum Vorſt.
es Art.=Dep. in Darmſtadt ernannt.
g Kriegsgericht. Wegen einer ganzen Reihe von ein=
zelnen
Verfehlungen, die ſämtlich durch einen unglück=
lichen
Zufall ausgelöſt wurden, hatte ſich geſtern der ſeit
Herbſt vorigen Jahres dienende Gardiſt Hans Kratzer
von der 7. Kompagnie des Garde=Inſanterie=Regiments
Nr. 115 vor dem Gericht der 25. Diviſion zu verantworten.
Der Angeklagte hatte einen achttägigen Oſterurlaub nach
Bayreuth erhalten und wollte nach einem Beſuch in Nürn=
berg
die Militärfahrlarte für die Rückfahrt mit dem
Schnellzug benutzen, wie er es ſchon einmal getan hatte.
Als er im letzten Augenblick auf den Bahnhof kam, mußte
er erfahren, daß er den Schnellzug mit ſeiner Fahrkarte
nicht benutzen könne, da Feiertag war. Er holte ſich ſchnell
von Verwandten Geld, um ſich eine Schnellzugskarte löſen
zu können. Als er jedoch wieder auf den Bahnhof kam,
fuhr der Zug gerade ab. Er mußte nun einen Perſonen=
zug
benutzen und kam erſt morgens in Aſchaffenburg an.
Anſtatt nun ſogleich weiter zu fahren, wo er mit einer
minimalen Strafe davongekommen wäre, trieb er ſich in
Aſchaffenburg herum, verübte in vier Wirtſchaften Zech=
prellereien
, ließ in einer Wirtſchaft ſein Seitengewehr zu=
rück
und in einer anderen ſeinen Rock. Hierauf lieh er
ſich von einem Bekannten einen Zivilanzug und 50 Mark,
ſein Vater hatte ihm auch 20 Mark zur Rückfahrt gegeben.
Mit dem Gelde fuhr er nach Straßburg und wollte ſich zu
Fuß nach Frankreich begeben. In Mörchingen wurde er
feſtgehalten, wobei er einen gefälſchten Militärpaß vor=
zeigte
. Das Gericht zog die Umſtände, die den Angeklag=
ten
zu ſeinen Straftaten veranlaßten, mildernd in Be=
tracht
und erkannte wegen Fahnenflucht, Preisgabe von
Dienſtgegenſtänden, Zechprellerei uſw. auf 7 Monate
Gefängnis und Verſetzung in die zweite Klaſſe des
Soldatenſtandes. Die geſamte Unterſuchungshaft wurde
ihm angerechnet. Der Dragoner Georg Lamm vom
Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23 hat einen Mantel, den
er zum Reinigen wegbringen ſollte, verkauft und das Geld
auf der Meſſe durchgebracht. Er wollte ſich dann das
Geld zur Beſeitigung des Schadens von ſeinem früheren
Dienſtherrn in Trebur leihen. Er wurde jedoch feſtgenom=
men
, als er ſich ohne Urlaub dahin entfernen wollte. Er
erhält wegen Unterſchlagung und unerlaubter Entfernung
3 Wochen ſtrengen Arreſt.
Vom Hoftheater. Heute beginnt der allge=
meine
Vorverkauf zur 6. Feſtſpielaufführung Arda,
die unter Arthur Nikiſchs Leitung in völlig neuer
dekorativer und koſtümlicher Ausſtattung am Pfingſtmon=
tag
, den 1. Juni, in Szene geht. Das Intereſſe für dieſe
Vorſtellung, in der Dalmores und Frau Metzger= Latter=
mann
als gern geſehene Gäſte wieder vor dem Darm=
ſtädter
Publikum erſcheinen, iſt ebenſo wie für die morgen
unter Nikiſch ſtattfindende Aufführung Carmen
außerordentlich ſtark, ſo daß ſich rechtzeitige Sicherung, des
Platzes empfiehlt. Das Vorbeſtellungsrecht der Abonnen=
ten
für die letzte Vorſtellung der Spielzeit, die Urauf=
führung
von Ottenheimers Operette Hans im Glück
mit Mizzi Guenther, Mimi Marlow, Hubert Mariſchka
und Max Pallenberg, läuft am Montag, den 1. Juni, ab;
der allgemeine Vorverkauf beginnt am Mittwoch, 3. Juni,
zu den üblichen Kaſſenſtunden.
* Ausſtellung der Künſtler=Kolonie. Der Landes=
verband
der Bürgermeiſter im Großherzogtum Heſſen
hat in der Stärke von etwa 150 Teilnehmern der Aus=
ſtellung
der Künſtler=Kolonie ſeinen Beſuch abgeſtattet.
Am Portal wurden die Herren von Wirkl. Geheimerat
Römheld begrüßt und in Kürze über die Ausſtellung
orientiert. Das Intereſſe der weiteſten Kreiſe des

Landes für unſere moderne Kunſtentwicklung, das in
dieſem Beſuch zum Ausdruck kommt, iſt höchſt erfreulich.
In die Berichte über die Eröffnung der Künſtler=
Kolonie=Ausſtellung am 16. d. M. hat ſich inſofern ein
Fehler eingeſchlichen, als auswärtige Blätter meldeten,
Wirkl. Geheimerat Römheld habe in ſeiner bei dem Feſt=
mahl
gehaltenen Rede die Künſtler=Kolonie als einen
ſtaatlichen Organismus bezeichnet. In Wirklichkeit
prach der Redner von einem wohlgefeſtigten ſtatt=
ichen
Organismus. Wir möchten dies richtig ſtellen,
da es als eine weſentliche Eigenſchaft der Darmſtädter
Künſtler=Kolonie zu gelten hat, daß ſie eine private
Einrichtung des Großherzogs Ernſt Ludwig iſt, die zur
Erfüllung ihrer Aufgaben einer Bewegungsfreiheit be=
darf
, wie ſie ein ſtaatlicher Organismus nicht haben kann.
* 25jähriges Dienſtjubiläum. In dieſen Tagen
waren es 25 Jahre, daß Herr A. Purpus als In=
ſpektor
des hieſigen Botaniſchen Gartens tätig iſt. Nur
wenigen Einwohnern Darmſtadts iſt unſer Botaniſcher
Garten in ſeiner Bedeutung als wiſſenſchaftliches Inſtitut
und in ſeiner Stellung zu den gleichen Inſtituten
Deutſchlands und des Kontinents bekannt. Seine welt=
abgeſchloſſene
Lage im ſtillen Waldwinkel an der Roß=
örfer
Straße mag wohl mit dazu beitragen. Daß hier
aber in unermüdlicher Tätigkeit und aufopfernder Hin=
abe
für Kultur und Wiſſenſchaft gearbeitet wird, davon
zeugen die unendlichen Pflanzenſchätze, die, aus allen
Weltteilen zuſammengetragen, hier gepflegt, beobachtet
und dem Studium zugänglich gemacht worden ſind und
noch werden. Ein nicht geringes Verdienſt an der Ent=
wicklung
unſeres Botaniſchen Gartens gebührt ſeinem
rührigen und in aller Stille tätigen Leiter, der es in
den 25 Jahren erreicht hat, daß der Garten mit zu den
bedeutendſten Deutſchlands und des Kontinents gehört
und ſich bei Wiſſenſchaftlern, Pflanzenfreunden und
Gartenbeſitzern eines regen Beſuches aus allen Gegenden
erfreut. Möge der Garten in dieſer Bedeutung als an=
regendes
und allgemein bildendes Inſtitut immer noch
mehr Freunde gewinnen. Es würde dadurch ſeinem
Inſpektor die ſchönſte Anerkennung für ſeine verdienſt=
volle
Tätigkeit.
Krankenkaſſe für Gewerbetreibende, Beamte und
Kaufleute zu Darmſtadt. In der Turnhalle hier fand die
diesjährige ordentliche Generalverſammlung
ſtatt, an welcher aus 17 auswärtigen Verwaltungsſtellen
30 Delegierte teilnahmen. Nach dem Jahresbericht geht
die im Jahre 1909 gegründete Kaſſe einer weiteren ge=
ſunden
Entwicklung entgegen. Das Kaſſenvermögen be=
trug
am 1. Januar d. J. 19662,38 Mark. Nach Rücklage
von 5508,57 Mark für den jetzt 18 466,83 Mark betragen=
den
Reſervefonds verblieb im vorigen Jahre noch ein
Reinüberſchuß von 2193,73 Mark. An Unterſtützun=
gen
für erkrankte Mitglieder wurden im vorigen Jahre
27903,04 Mark gezahlt. Die Mitgliederzahl iſt bis heute
auf 2600 geſtiegen, wovon 460 auf Darmſtadt entfallen.
In den Vorſtand wurden neu= bezw. wiedergewählt
die Herren; Karl Kaiſer, Geſchäftsführer, 1. Vorſitzender;
Hch. Weber, Architekt, 2. Vorſitzender; Wilh. Gorr, Schnei=
dermeiſter
, Schriftführer; Bruno Burghardt, Kaufmann,
Kontrolleur; Ad. Arheilger, Gaſtwirt, Emil Haecker, Buch=
druckereibeſitzer
, Peter Keil, Schuhmachermeiſter, Beiſitzer,
ſämtlich in Darmſtadt wohnhaft. Der nach den neuen
Satzungen neben dem Vorſtand noch vorgeſehene Auf=
ſichtsrat
beſteht aus den Herren: Privatier Jakol
Horn=Darmſtadt, Dentiſt Karl Drautz=Darmſtadt. Han=
delslehrer
Wilh. Krauß=Mannheim, Steinmetzmeiſter F.
Dengler=Mainz und Malermeiſter Hch. Heine= Oberſtein=
a
. d. Nahe.
Der Brieftaubenklub Gut Flug‟ Darmſtadts
Beſſungen hielt am Sonntag, den 24. d. M., ſeinen zweit
ten diesjährigen Preisflug ab. Die Tauben
wurden um ½6 Uhr vormittags in Bitterfeld (322 Kilo=
meter
) aufgelaſſen. Leider kamen die Tiere unterwegs in
Gewitterſtürme und ſchlechte Fernſicht. Die erſte Taube
kam daher auch erſt nach 12 Uhr hier an. Die drei erſten
Preiſe waren bereits innerhalb 20 Minuten vergriffen,
ein Beweis für das ziemlich gleichwertige Material der
Mitglieder. Obwohl am Montag noch einige Tauben nach=
kamen
, ſo brachte der letzte Sonntag mit ſeinem Wetter=
ſturz
doch manchen Verluſt an guten Tieren. Aehnliches
wird auch aus allen Teilen Deutſchlands gemeldet. An
Preiſen erhielten die Herren Fr. Weigold den 1., W. Witt=
mann
den 2., H. Horſt den 3. und Fr. Stein den 4. Preis.
Ferner fiel auf die drei erſten Preiſe noch je ein ge=
ſtifteter
Ehrenpreis.
§ Aufgefundene Kindesleiche. Am Montag nach=
mittag
wurde in der Abortgrube einer Hofreite in der
Ludwigshöhſtraße die Leiche eines neugeborenen Kindes
aufgefunden.
§ Herzſchlag. Der Privatier, frühere Handelsgärtner
Johannes Hörſt erlitt am Montag vormittag kurz
nach 9 Uhr im Martinspfad einen Herzſchlag und
fiel tot zu Boden.

Der Schlangenpark von
Butantan.

** Rund 2025000 Menſchen werden jährlich in Oſt=
indien
durch Schlangen getötet und auch in Bra=
ſilien
, gleichfalls eines der an Giftſchlangen reichſten
Länder der Erde, fällt ihnen alljährlich eine erſchreckende
Zahl zum Opfer, wenngleich die Verhältniſſe hier darin
günſtiger liegen, daß ſo ziemlich ſämtliche gefährlichen
Reptilienarten der Amazonaslandſchaften Nachttiere ſind.
Es iſt klar, daß man ſich unter ſolchen Verhältniſſen ſeit
langem um die Auffindung eines wirkſamen Gegenmittels
bemühte bis in die letzten Jahre hinein leider ver=
gebens
, denn das Ausbrennen der Wunde und Einflößen
großer Quantitäten Alkohol (Branntwein) nützte auch nur
ſelten und die Hausmittel der Anſiedler und Eingeborenen
verſagten völlig. Erſt die Arbeiten, die nach Dr. Calmettes
Anregungen Dr. Brazil ſeit 1896 in Braſilien durchführte,
ergaben drei zuverläſſige Heilſera, das Soro anticro-
tallica
gegen das Gift der ſüdamerikaniſchen Schauer=
klapperſchlange
; das Soro antibothropieo gegen das
Gift der verſchiedenen Rothrops= oder Lacheſis=Arten, zu
denen der gefürchtete Buſchmeiſter gehört, und das aus
dieſen beiden Formen hergeſtellte Soro antiophidico‟,
das gegen den Biß der entſetzlichen Schararaka angewen=
det
wird, die ebenſo gefährlich iſt wie die Lanzenſchlange,
ihre Verwandte von der Inſel Martinique.
Alle dieſe Heilſera werden in dem ſtaatlichen
Inſtitut zu Butantan gewonnen, wo ein ſtets zahl=
reich
beſetzter Schlangenpark unterhalten wird. Die=
ſes
in Europa ſo gut wie unbekannte Inſtitut liegt in
paradieſiſch ſchöner Landſchaft bei Rio de Janeiro unweit
des ehemaligen kaiſerlichen Luſtſchloſſes Petropolis, wohin
eine Zahnradbahn durch tropiſche Waldüppigkeit führt.

Die Giftſchlangen die ſämtlich nicht klettern und, wie ge=
ſagt
, mehr Nachttiere ſind, werden da zu Hunderten in
einzelnen Farmen gehegt, die völlig naturgetreu das
Milien ihres Freilebens wiedergeben, z. B. den toten=
ſtillen
Bergwald mit ſeinem ſchwarzen modernden Humus=
grund
, wo zwiſchen köſtlichen Orchideen die Schararaka
lauert, oder die trockenen, ſteinigen, rauhen Triften, die
die Klapperſchlange liebt, uſw. Soll nun Gift zur Serum=
bereitung
gewonnen werden, ſo begeben ſich zwei als ge=
ſchickte
Schlangenfänger bewährte indianiſche Beamte in
die Farm, wobei der eine mit einer breiten Zange das
giſtige Reptil fängt während der andere durch einen
ſchnellen Druck das Maul öffnet und das ſofort heraustre=
tende
Gift des zur äußerſten Wut gereizten Tieres in
einer Schale auffängt. Wenn auch die Leute durch weite
lederne Beinkleideg und dicke Ledergamaſchen bis zum
Knie völlig geſchützt ſcheinen, ſo iſt doch ihr Beginnen kei=
neswegs
gefahrlos der Buſchmeiſter z. B., deſſen Gift=
haken
über 2,5 Zentimeter lang werden, iſt gewöhnlich in
ſtattlichen Exemplaren von 2.5 bis 3 Meter Länge vertre=
ten
, deren Ueberwältigung oft ſchwee genug hält und
mehr als einmal im Jahre muß das Serum einem ge=
biſſenen
Schlangenfänger eingeſpritzt werden. Das meiſte
Gift bei einer Abzapfung liefert der eben genannte Buſch=
meiſter
, der gefürchtete Surukuku der Braſilier, nämlich
einen halben Kubikzentimeter; das wenigſte, nur 0,1 Kubik=
zentimeter
, die gewöhnliche Schauerklapperſchlange deren
Gift aber für die Serumbereitung ſich am wirkſamſten er=
weiſt
. Natürlich iſt dieſe künſtliche Giftentziehung den
Schlangen nicht gerade zuträglich; die Tiere erſcheinen in
der nächſten Zeit ſichtlich geſchwächt, die Verdauung leidet,
und es dauert gut 14 Tage, ehe der Giftvorrat erſetzt iſt.
Da die Schlangen durchſchnittlich nach 6 Monaten an
dieſer Behandlung zugrunde gehen, muß der Beſtand des
Schlangenparks ſtets erneuert werden, was auch deshalb
notwendig wird, weil manche, und gewöhnlich gerade die

größten Exemplare, wie ſo viele Schlangen die ſonderbare
Angewohnheit haben, in der Gefangenſchaft nichts zu
freſſen und ſo langſam, in Wochen oder Monaten, zu Tode
hungern. Das entronnene friſche Schlangengift, eine
meiſt farb= und geruchloſe, gelegentlich auch milchige
Flüſſigkeit, wind filtriert und ſchnell eingetrocknet, wodurch
es ſehr haltbär wird. Hinter den Schlangenfarmen be=
finden
ſich am Ende einer prachtvollen Cykadeenallee die
lichterfüllten weiträumigen Marſtälle (anders kann man
dieſe mit allem hygieniſchen Raffinement ausgeſtatteten
Hallen nicht nennen), in denen die Pferde gehalten wer=
den
, die zur Serumgewinnung ihr Lebensblut laſſen
ſollen. Zu dieſem Behufe werden ihnen mit 0,05 Milli=
gramm
beginnend, allmählich wachſende Doſen von
Schlangengift, in kochſalzhaltigem Waſſer gelöſt, einge=
ſpritzt
, worauf Fieber und lokale Entzündungen eintreten,
die aber bald wieder vergehen. Die letzten Einſpritzungen
ſind ſo ſtark, daß ſie hinreichen, um 20003000 nicht prä=
parierte
d. h. nicht durch allmählich ſteigende Doſen
immuniſierte Pferde zu töten. Den Pferden werden bis
zu 5 Liter Blut entnommen, aus denen man etwa 3 Liter
Serum herſtellt, eine verhältnismäßig große Quantität,
wobei man aber berückſichtigen muß, daß im Gegenſatze
z. B zum Diphtherieſerum enorme Mengen des Schlan=
gengiftſerums
zum Heilprozeß erforderlich ſind.
So iſt das Inſtitut zu Butantan eines der ſegens=
reichſten
der Erde. In ſeiner Nähe liegt übrigens das
nach dem Syſtem Paſteur eingerichtete Inſtitut zur Wut=
ſchutzimpfung
des Profeſſors Ferreira de Santos. Es iſt
ſchmucklos eingerichtet und für den Laien nicht gerade er=
freulich
, zu beſichtigen: ſein ganzer Hof iſt von Kaninchen
bevölkert, denen die Hirnſchale geöffnet und das Wutgift
zwiſchen die Rückenmarkshäute eingeſpritzt iſt. Die Tier=
chen
haben etwa eine Woche zu leiden ehe ſie eingehen
und ihr präpariertes Rückenmark zum Segen der Menſch=
beit
verwandt werden kann.

[ ][  ][ ]

Nummer 144.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Seite 3.

Alice=Frauenverein für Krankenpflege
im Großherzogtum Heſſen.

Sitzung des Landes=Ausſchuſſes.
D Unter dem Vorſitz Ihrer Königl. Hoheit der Groß=
herzogin
hielt der Landesausſchuß des Alice= Frauen=
vereins
für Krankenpflege im Großherzogtum Heſſen am
25. d. M. im Saalbau eine Sitzung ab, die ſich zahlreichen
Beſuches erfreute. Im Auftrage Ihrer Königl. Hoheit
der Großherzogin eröffnete der Generalſekretär, Herr
Miniſterialrat Dr. Kratz, die Sitzung, begrüßte die Er=
iſchienenen
und gab die Tagesordnung bekannt.
Ueber den 1. Punkt: Mitwirkung des Vereins bei der
TTuberkuloſenfürſorge, referierte Herr Geh. Regierungsrat
Dr. Dietz=Darmſtadt. Redner verbreitete ſich über die
verheerenden Wirkungen dieſer Volkskrankheit, wie ſie in
der Statiſtik ihren Ausdruck finden, beſpricht dann die
zum Kampfe gegen dieſe Volksſeuche ins Leben gerufenen
OOrganiſationen und gibt als Ziel der zu ergreifenden
Maßnahmen an: Tuberkulöſe zu heilen und Geſunde vor
der Anſteckung zu bewahren. Der Referent ſchildert dann
die Tuberkuloſe=Einrichtungen der Landesverſicherungs=
Anſtalt Großherzogtum Heſſen, wie die Heilſtätten in
Sandbach, Winterkaſten uſw. Die Erfolge dieſer Anſtalten
ſeien nicht zu beſtreiten; beſonders wichtig ſei die den
Pfleglingen vermittelte Belehrung über das Weſen die=
ſer
Krankheit und die dabei zu beobachtenden Verhal=
tungsmaßregeln
. Auch ſeien jetzt in verſchiedenen Kran=
kenhäuſern
des Großherzogtums Einrichtungen zur Auf=
nahme
Tuberkulöſer getroffen. Sehr wichtig ſei die von
Robert Koch betonte Forderung: das Haus eines jeden
Tuberkulöſen in eine kleine Heilſtätte umzuwandeln.
Aufgabe der Fürſorgeſtellen ſei es, die Bevölkerung auf=
zuklaren
und Kranke, die noch heilbar ſind, der Fürſorge
zu überweiſen. Dagegen dürften die Fürſorgeſtellen die
eigentliche Krankenbehandlung nicht übernehmen. Der
Vortragende führt dann des Näheren die von der Landes=
verſicherungs
=Anſtalt in der Gemeinde Heubach eingelei=
teten
Sanierungsbeſtrebungen und erzielten Erfolge vor.
Notwendig ſei vor allem die Mitwirkung der Frauen;
ihre Mithilfe ſei im Kampfe gegen die Tuberkuloſe ganz
unentbehrlich. Die Beteiligung des Alice=Frauenvereins
könne in folgenden Punkten erfolgen: Stellen von
Schweſtern für die Tuberkuloſe=Anſtalt, Stellen von Ge=
meindeſchweſtern
, Betätigung der Zweigvereine da, wo
Tuberkuloſe=Fürſorgeſtellen nicht vorhanden ſind. Die
erforderlichen Mittel werden von der Landesverſiche=
rungs
=Anſtalt, dem Tuberkuloſefonds Ihrer Königl. Ho=
heit
der Großherzogin, dem Heilſtättenverein und ſchließ=
lich
durch private Wohltätigkeit aufgebracht. Redner be=
gründet
noch die Notwendigkeit der Errichtung einer
Kinderheilſtätte und ſchließt mit der Hoffnung, daß es
dem Alice=Frauenverein mit ſeinen Zweigvereinen ge=
lingen
möge, im Kampfe gegen die Tuberkuloſe ſich er=
folgreich
mit zu betätigen.
Herr Miniſterialrat Dr. Kratz dankt dem Redner
für ſeine lichtvollen und ausgezeichneten Ausführungen.
Ein Erfolg des auf Anregung der Landesverſicherungs=
Anſtalt ergangenen Rundſchreibens ſei bis jetzt leider
nicht zu verzeichnen. Ueber die Urſache werden die wei=
teren
Verhandlungen wohl Aufklärung bringen. Die
Unterbringung der Kranken in Heilſtätten könne oft da=
durch
erleichtert oder ermöglicht werden, daß die erforder=
lichen
Mittel vom Kreis, von den Gemeinden und Kran=
kenkaſſen
uſw. gemeinſam getragen würden. Redner be=
grüßt
ebenfalls den Gedanken der Errichtung einer Kinder=
heilſtätte
und bittet die Anweſenden um eine Ausſprache
über den zur Beratung ſtehenden Gegenſtand.
In der ſich hieran anſchließenden Diskuſſion, an
der ſich u. a. die Herren Geh. Rat Dr. Dietz, Miniſterial=
rat
Dr. Kratz und Pfarrer Chriſtmann=Framersheim be=
beiligten
, wurde die Notwendigkeit der ſachgemäßen Des=
infektion
der Krankenbetten auf dem Lande und die Art
und Weiſe ihrer Durchführung des Näheren erörtert.
Herr Kommerzienrat Harth=Mainz berichtet, daß der
Verein in Mainz ſein Hauptaugenmerk auf die Ausbildung
der erforderlichen Zahl von Schweſtern gerichtet habe. Die
Schweſternfrage ſei immer ſchwierig, und hierfür ſei das
ganze Geld und die vorhandene Kraft erforderlich. Geh.
Rat Dr. Dietz weiſt noch darauf hin, daß gerade auf dem

Lande die Zweigvereine des Alice=Frauenvereins an die
Stelle der Fürſorgeſtellen treten könnten. Miniſterialrat
Dr. Kratz bemerkt, daß ſich die Aufforderung hauptſäch=
lich
an diejenigen Zweigvereine richte, die nicht die Aus=
bildung
von Krankenpflegerinnen betreiben, die alſo noch
Gelegenheit haben, ſich auf anderem Gebiete zu betätigen.
Herr Medizinalrat Dr. Rebentiſch=Offenbach berichtet
über ſeine Erfahrung. Die Zweigvereine würden aut tun,
ihre Schweſtern auf die Tuberkuloſebekämpfung beſonders
aufmerkſam zu machen. Beſonders wertvoll ſei die prak=
tiſche
Arbeit in den Krankenfamilien, Erziehung zur Rein=
lichkeit
und ähnliches. Die vielfach noch vorhandene Scheu,
in die Wohnung von Kranken hineinzugehen, müſſe be=
kämpft
werden. Die praktiſche Mitarbeit ſei auf Anleitung
und Schweſternhilfe zu beſchränken. In Offenbach ſei
man deshalb nicht vorgegangen, weil Einrichtungen ſchon
vorhanden ſeien und die Damen des Alice=Frauenvereins
ſich ſchon die Aufgabe geſteckt hatten, ihrerſeits alles zu
tun, um die Fürſorgebeſtrebungen möglichſt populär zu
machen. Herr Miniſterialrat Dr. Kratz teilt mit, daß die
Ergebniſſe der heutigen Beſprechung den Zweigvereinen
in einem Rundſchreiben mitgeteilt werden ſollen, damit
dieſe ſich an der Mitarbeit im Kampfe gegen die Tuber=
kuloſe
beteiligen können.
Ueber den 2. Punkt der Tagesordnung: Ausbildung
von Helferinnen vom Roten Kreuz, berichtet Herr General=
arzt
a. D. Dr. Lindemann=Darmſtadt. Redner ver=
breitet
ſich über die Gründe, die eine genügende Zahl gut
ausgebildeter Helferinnen für den Kriegsfall notwendig
erſcheinen laſſen. Es ſei ihm eine große Freude und Ge=
nugtuung
geweſen, die Luſt und Liebe, den Eifer und die
Hingebung zu beobachten, mit der der größte Teil der Da=
men
ſich der Ausbildung als Helferin vom Roten Kreuz
unterzogen habe. In dieſer Beziehung müſſe er den auf
dem vorjährigen Verbandstage des Roten Kreuzes zu=
tage
getretenen gegenteiligen Anſchauungen widerſprechen.
Die Ausbildung der Helferinnen erfolge nach beſtimmten
Vorſchriften. Als Mindeſtalter ſei das 20. Lebensjahr vor=
geſchrieben
. Die theoretiſche Ausbildung ſei dringend not=
wendig
; Hauptſache ſei aber die praktiſche Tätigkeit im
Krankenhauſe am Krankenbett. In den Kreiſen der ſich
meldenden Damen herrſche vielfach die Auffaſſung, daß
die Verwendung auf dem Kriegsſchauplatz erfolge. Dem=
gegenüber
ſei feſtzuſtellen, daß Helferinnen für das Hei=
matgebiet
in Betracht kommen können. Beſonders wichtig
ſei die Teilnahme an den Wiederholungskurſen. Man ſolle
ſich nicht ſcheuen, die für die Liſtenführung erforderlichen
Angaben über die Eignung der Helferinnen rückhaltlos zu
machen. Dies ſei notwendig, um die Gewähr zu haben,
im Falle des Bedarfs tüchtige Kräfte zu bekommen. Mit=
den
den Damen gehaltenen Vorträgen uſw. könne der
Nebenzweck verbunden werden, in ſanitärer und hygieni=
ſcher
Beziehung in der Bevölkerung aufklärend zu wirken,
da die Betreffenden über Desinfektion, Schutzmaßnahmen
uſw. ſich nützliche Kenntniſſe erworben haben.
Herr Miniſterialrat Dr. Kratz iſt ebenfalls der An=
ſicht
, daß den Helferinnen nicht nur im Kriegsfalle, ſon=
dern
im Frieden Aufgaben geſtellt ſind. Die Ausbildung
der Helferinnen müſſe eine geregelte ſein, und die erlaſſe=
nen
Beſtimmungen müßten beobachtet werden. Auch müſſe
ein gewiſſer Zuſammenſchluß unter den Pflegerinnen ſelbſt
erfolgen. Herr Kommerzienrat Harth=Mainz dankt für
die anerkennenden Worte, die der Referent den Helferinnen
gewidmet hat, und hofft, daß dieſes von autoritärer Seite
ausgeſprochene Lob dazu beitragen wird, der Sache neue
Sympathien zu erwerben. Redner empfiehlt weiter, Leh=
rerinnen
zu Helferinnen auszubilden. Zu der letzteren
Frage geben der Herr Referent und Herr Miniſterialrat
Dr. Kratz nähere Erläuterungen.
Frau Geheimerat Gebhardt=Gießen berichtet über
ihre Erfahrungen in der Ausbildung von Helferinnen und
redet auch der Unterweiſung in der Wirtſchaftsführung
das Wort.
Hierauf verbreitet ſich der Referent über den beſon=
deren
Dienſt der Helferinnen in Apotheken, im Desinfek=
tionsbetrieb
, auf der Röntgen=Abteilung und bei bakterio=
logiſchen
Laboratorien uſw. Herr Medizinalrat Dr. Re=
bentiſch
=Ofſenbach betont, die in den Vorſchriften vor=
geſehene
Zeit müſſe auf die Krankenpflege verwendet wer=
den
, da dieſe doch den Hauptpunkt bilde. Spezialausbil=

dung in einzelnen Fächern empfehle ſich in ſolchen Fällen,
wo ein beſonderes Intereſſe und Befähigung dafür vor=
handen
ſei. Er habe bei den Helferinnen großes Intereſſe
geſehen und deshalb regelmäßige Fortbildungskurſe ein=
gerichtet
. Frau Kreisrat Eckſtein=Bensheim berichtet
über die Helferinnenausbildung im Kreiſe Bensheim. Die
praktiſche Ausbildung der dortigen Heſferinnen ſei in aus=
wärtigen
Krankenhäuſern erfolgt.
Herr Miniſterialrat Dr. Kratz verlieſt zu dem Punkte:
Mitarbeit bei der Säuglingsfürſorge die von der Zen=
trale
für das Zuſammenwirken aufgeſtellten Geſichtspunkte.
Sehr wünſchenswert ſei es, wenn die Damen der Zweig=
vereine
ſich für die erforderlichen Badeeinrichtungen und
die ſonſtigen Maßnahmen, für die ſachgemäße Ernährung
und Pflege der Kinder intereſſieren würden. Er hofft, daß
auf dieſem Wege praktiſche Erfolge erzielt werden können.
Herr Geheimerat Dr. Dietz tritt lebhaft für ein Handin=
handarbeiten
aller Organiſationen ein, die die Volkswohl=
fahrt
im Auge haben.
Herr Geh. Legationsrat Dr. Neidhart=Darmſtadt
begrüßt es, daß heute bezüglich der Säuglingsfürſorge be=
ſtimmte
Vorſchläge gemacht worden und daß Bensheim ſich
auf dieſem Gebiete bereits betätigt hat. Redner empfiehlt,
nach weiterer Klärung der Frage mit eingehenden Vor=
ſchlägen
an die Zweigvereine heranzutreten. Nach wei=
teren
Erläuterungen der Damen Frau Kreisrat Eckſtein=
Bensheim, Frau Geheimerat Pfannenſtiel, Frau Schulrat
Dr. Zang=Bingen und des Herrn Geheimerat Dr. Dietz
ſtellt Herr Miniſterialrat Dr. Kratz Einverſtändnis dar=
über
feſt, daß die Beteiligung in der von der Großh. Zen=
trale
vorgeſchlagenen Weiſe erfolgen ſoll.
Zu dem Punkte Satzungsänderung bemerkt Herr Mi=
niſterialrat
Dr. Kratz, daß durch die Schaffung einer gan=
zen
Reihe neuer Organiſationen eine Aenderung notwen=
dig
ſei, daß aber die eigentliche Beſchlußfaſſung hierüber
erſt in der ordentlichen Mitgliederverſammlung des Alice=
Frauenvereins erfolge. Der Generalſekretär dankt hierauf
den Referenten im Namen Ihrer Königl. Hoheit und der
Anweſenden für ihre belehrenden und anregenden Aus=
führungen
und ſchließt die Sitzung um 7 Uhr, woran ſich
noch ein gemeinſamer Tee anſchloß.
21. Mitglieder=Verſammlung.
St. Darmſtadt, 27. Mat.
Der Alice=Frauenverein für Krankenpflege im Groß=
herzogtum
Heſſen (Heſſiſcher Landesverein vom Roten
Kreuz) hielt geſtern nachmitlag im Städtiſchen Saalbau
unter dem Präſidium der Frau Großherzogin ſeine
21. ordentliche Mitgliederverſammlung ab. Der Verſamm=
lung
wohnten u. a. bei: Frau Staatsminiſter Dr. von
Ewald Frau Staatsminiſter Rothe, Finanzminiſter
De. Braun Miniſter des Innern von Hombergk
zu Vach mit ihren Gemahlinnen, Wirkl. Geheimerat
Krug von Nidda mehrere Miniſterialräte, Kreis=
und Regierungsräte uſw.
Miniſterialrat Dr. Kratz eröffnete im Auftrage der
Frau Großherzogin die Verſammlung und begrüßte herz=
lichſt
die Erſchienenen im Namen der hohen Präſidenlin
und des Zentralvorſtandes Beſonders herzlich begrüßte
Redner die behördlichen Vertreter an deren Spitze den
Herrn Miniſter des Innern, ſowie die Vorſtandsmitglieder
des Heſſiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz des Alice=
Frauenvereins für die Kolonien, die Vertreter der Ver=
bände
evangeliſch=kicchlicher Frauen=Vereine, der Wohl=
tätigkeitsanſtalten
und=Vereine, mit denen der Alice=
Frauenverein für Krankenpflege in Verbindung ſteht, die
Geiſtlichen und Aerzte endlich die Mitglieder und Vor=
ſtände
der Zweigvereine und der Abteilungen. Redner
verbreitete ſich dann in längerer Rede über die Ziele
und die Tätigkeit des Roten Kreuzes im allgemeinen und
des Alice=Frauenvereins im beſonderen. Er betonte, daß
die Notwendigkeit des Wirkens in allen Zweigen des
Roten Kreuzes im Krieg und Frieden ſtändig zunehme,
und daß der Verein alles daran ſetzen müßte, dieſen
ſtetig ſteigenden Anforderungen gerecht zu werden. Not=
wendig
iſt es dringend die Zahl der ausgebildeten
Schweſtern zu erhöhen. Auf dieſes Ziel müßle die Tätig=
keit
der Zweigvereine und Abteilungen in erſter Linie ge=
richtet
ſein. Eine weitere Notwendigkeit iſt die Beſchaf=

Feuilleton.

* Richard Wagners Vermächtnis an das deutſche
Volk. Anläßlich eines von der Tochter Bülows und Frau
Coſima Wagner, Frau Iſolde Beidler, wegen abge=
wieſener
Erbanſprüche und aus Rache heraufbeſchworenen
Skandals hat ſich Siegfried Wagner in einer Unterredung
mit einem Mitarbeiter der Münchener Abendzeitung mit
Recht gegen die Schmähungen gewendet, die in zahlreichen
Zeitungsartikeln in dieſen Tagen gegen das Haus Wagner
und beſonders gegen ſeine Perſon gerichtet worden ſeien.
Die Geſchichte werde indeſſen feſtſtellen müſſen, daß Wahn=
frieds
Schild blank war und iſt und als Antwort Wahn=
frieds
auf die Beſchimpfungen gab dann Siegfried Wag=
ner
folgende Erklärung ab:
Alles, was in Bayreuth Richard Wagners Erben iſt,
alſo: Feſtſpielhaus mit den dazu gehörigen Grundſtücken,
alle Gegenſtände, die zum Feſtſpielhaus und Wirtſchafts=
betrieb
gehören, das Haus Wahnfried mit allen ſeinen
handſchriftlichen Schätzen, alle ſeine Andenken und Er=
innerungen
an Wagner und der ſehr beträchtliche Feſtſpiel=
fonds
, dieſes alles iſt von meiner Mutter und mir dem
deutſchen Volke als ewige Stiftung gewid=
met
. Wir werden, trotzdem uns jetzt die öffentliche Mei=
nung
, irregeführt durch entſtellte einſeitige Berichterſtattung
als giftige Bewohner einer Neidhöhle bezeichnet und auch
ſchon in Witzblättern verunglimpft hat, uns doch als Hüter
Wahnfrieds zeigen und unſern Stiftungsgedanken nicht
fallen laſſen. Das Bayreuth Richard Wagners,
ſo haben wir beſchloſſen, gehört nicht uns, es gehört dem
deutſchen Volke, ihm ſoll es von Wahnfrieds Erben
als ewiges Richard Wagner=Heim hergegeben werden.
Zum Schluß erklärte Siegfried Wagner, mit der Aus=
arbeitung
der Stiftungsurkunde ſei bereits am 13. Juli be=
gonnen
worden, ſie hätte bis zum Beginn der diesjährigen
Bayreuther Feſtſpiele fertig werden ſollen. Daß dem nicht
ſo ſei, habe Frau Iſolde Beidler mit ihrem Wahnfried
aufgezwungenen Prozeß verſchuldet. Der Stiftungsgedanke
werde daher vorläufig ruhen und erſt ausgeführt werden,
wenn die Gerichte das letzte Wort im Prozeß Beidler gegen
Coſima Wagner geſprochen haben.
C.K. Ein Rezept für den Pariſer Schick. Der Krieg
gegen die Pariſer Mode, der jetzt von verſchiedenen Seiten
aus heftig geführt wird wird von den Geſchmacksrichtern
an der Seine mit der Miene der gekränkten Unſchuld auf=
genommen
. Wogegen man ankämpfe, erklären ſie das ſei
gar nicht der echte Pariſer Schick; das ſeien Auswüchſe und
Uebertreibungen, die fremde Damen auf den Boulevards
trügen und an denen die Pariſerin ſelbſt keinen Anteil
hätte. Die Toilette der eleganten Franzöſin ſei einfach
und unauffällig; aber in der Art, wie ſie ihre Kleider trüge,

darin läge ihre Originalität und ihr Reiz. Um die Ehre
des Pariſer Schicks zu retten, verrät uns eine franzöſiſche
Modezeitſchrift das große Ceheimnis der galliſchen Gra=
zie
: ſie gibt ein Rezept für den Pariſer Schick. Die Grund=
lage
dieſes Rezeptes iſt, daß die betreffende Dame jung,
ſchlank und anmutig iſt. Ihre Unterkleidung muß auf das
ſparſamſte bemeſſen ſein und ſich als enge Hülle um den
Körper ſchmiegen, damit jede Nüance der Figur zum rech=
ten
Ausdruck kommt. Die Dame, die dieſen Forderungen
entſpricht, trage nun ein ganz einfaches Kleid, das den
Modeſchnitt zwar ausprägt, ihm aber durch eine perſön=
liche
Note alles Gewagte und alles Banale nimmt; dazu
kommt ein kleiner Hut, der gut ſteht und zu der ganzen
Toiledte paßt, wobei er ruhig eine etwas kühne Garnie=
rung
haben kann. Dann gehört nur noch ein gewiſſes
Etwas dazu, eing pikante Haltung, eine unnachahmliche
Art, ſich zu tragen, um der Dame den richtigen Pariſer
Schick zu verleihen. Dieſe undefinierbare Stimmung, die
der Toilette erſt den rechten Duft gibt, iſt nun das köſt=
liche
Geſchenk das eine gütige Fee den mit Seinewaſſer ge=
tauften
Schönen in die Wiege gelegt hat, und nur wenige
Damen außerhalb Paris ſollen dieſe erleſene Eigenſchaft
beſitzen. Die armen deutſchen Frauen werden alſo mit dem
Rezept wohl wenig anzufangen wiſſen.
Aus der Romantik der Derby=Gewinne. Das
Derby ſteht in England wieder nahe bevor und entfeſſelt
in zahlloſen kritiſchen Köpfen eine Aufregung, wie ſie bei
den doch gewiß auch wettluſtigen Deutſchen kein Rennen
hervorbringt. Fabelhafte Geſchichten von großen Reich=
tümern
die Glücklichen durch das Derby in den Schoß ge=
fallen
, betören Seele und Sinn und verleiten gar manchen
dazu, einen Schritt vom rechten Wege zu tun und mit frem=
dem
Geld dieſe einzigartige Gelegenheit auszunutzen. Ja
es ſcheint faſt, als ob ſolch auf unrechtmäßige Weiſe ge=
liehenes
Geld beim Derby bisweilen beſonderen Erfolg
gehabt hat. Jedenfalls erzählt eine engliſche Zeitſchrift
von einigen ſolchen Fällen. An jenem denkwürdigen Tage
da Henry Chaplin mit Eremit das Derby gewann und
damit der Sportswelt eine einzigartige Ueberraſchung be=
reitete
, hatte der Schreiber eines Londoner Rechtsanwaltes
8000 Mark der Kaſſe ſeines Herrn entlehnt und die ganze
Summe auf Eremit geſetzt. Da die Quote, die ausge=
zahlt
wurde 66:1 betrug, ſo war das Reſultat ſeines
leichtſinnigen Schrittes für den Schreiber der bare Ge=
winn
von 520000 Mark. Die 8000 Mark, die er noch mehr
gewonnen hatte, legte er ſtillſchweigend in die Kaſſe zu=
rück
, und ſo erfuhr niemand, auf welche Weiſe der arme
Bureaubeamte in den Beſitz eines großen Vermögens ge=
kommen
war. Noch ein anderer Wetter, dem das Derby
den Kopf verwirrt hatte, machte durch Eremit ſein Glück.
Es war ein Londoner Kaufmann, der das beſcheidene Ver=

mögen einer Waiſe von 4000 Mark verwaltete. Von dieſem
Gelde nahm er 3000 Mark und ſetzte ſie bei jenem denk=
würdigen
Rennen auf den Sieger, dem man doch vorher
ſo wenig Ausſichten zuſpräch. Er gewann damit 198000
Mark und konnte, ohne daß es jemand gewahr wurde, die
Summe wieder erſetzen; ja er erhöhte ſogar das ihm an=
vertraute
Geld der Waiſe auf 9000 Mark. Als 1892 Sic
Hugo das Derby gewann, erſchien vorher einem Liver=
pooler
Gaſtwirt dieſes Pferd als ein Gewinner im Traum.
Er hatte gerade 2000 Mark, mit denen er eigentlich not=
wendige
Schulden bezahlen mußte, wettete das ganze Geld
auf Sir Hugo und gewann damit 80000 Mack Er
kaufte ſich davon ein größeres Hotel, und ſo wurde dieſer
Traum die Grundlage ſeines bedeutenden Wohlſtandes.
Heute ſieht man den Bankkaſſierern ſo ſehr auf die Finger,
daß ſie wohl kaum noch einen unrechtmäßigen Gebrauch
von den ihnen anvertrauten Geldern machen können, ohne
daß es ſogleich bemerkt wird Früher ging das eher, und
ſo wettete einmal vor 16 Jahren ein Kaſſierer beim Derby
auf den ſchlechteſten Außenſeiter Jeddah 2000 Mark. wo=
bei
er 200000 Mark gewann. Obgleich niemand von ſeiner
Verfehlung wußte, bereute er doch die Tat ſein ganzes
Leben lang, wie ja überhaupt dieſen wenigen Glücks=
zufällen
unzählige ſolcher Vergehen gegenüberſtehen, die
mit Schimpf und Schande für den Wettluſtigen endigten.
Stn. Muſik. In einem bayriſchen Dorf hat es der
Lehrer fertig gebracht, daß Belzgäſſers Mareile Klavier=
ſtunden
bei ihm bekommt. Nachdem ſich die erſte Aufreg=
ung
über das Erſcheinen eines Pianos im Dorf gelegt, be=
ſchließen
der Rats=Lorenz, der Bach=Eller und der Wies=
bauer
nicht hinter dem Belzgäſſer zurückſtehen zu wollen.
Mit der Zeit erwächſt dem Lehrer der ſich auch auf die
Fiddel, Zupfgeige und Laute verſteht, eine Rieſenpraxis,
bei dem im Dorf und Nachbardorf immer heftiger er=
wachenden
Muſikſinn. s Mareile bleibt aber die talen=
tierteſte
Schülerin und zeichnet ſich in hervorragender
Weiſe aus bei dem erſten Konzert im Gaſtzimmer des
Burgbräu Wer beſchreibt aber das Erſtaunen des Leh=
rers
als ihm am nächſten Tag nach der Schule s' Mareile
die Botſchaft ſeiner Eltern unter furchtbarem Heulen über=
mittelt
, daß es keine Klavierſtunden mehr nehmen dürfe.
Stehenden Fußes begibt ſich der Lehrer zu Belzgäſſers. Er
trifft nur die Belzgäſſerin zu Haus, die ihn ſehr ſteif emp=
fängt
. Ihr Mann ſei ganz mit ihr einverſtanden, Recht
müſſe Recht bleiben. s' Mareile wäre die erſte Schülerin
vom Herr Lehrer geweſen. Alle Leute hätten geſagt der
Herr Lehrer ſelbſt, daß s Mareile am ſchönſten geſpielt
hätte. Erſt hinterher hätte es ſich herausgeſtellt daß dem
Rats=Lorenz ſein Lowieschen von dem Herrn Lehrer ein
Stück gekriegt hätt’ mit 3 Kreitzerl und ’s Mareile ein Stück
mit nur 2 Kreitzerl.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Nummer 144.

fung der Geldmittel. Schließlich wandte ſich der Redner
an die Schweſtern mit Worten herzlichſter Anerkennung
und innigſten Dankes für ihre ſtets ſegensvolle Tätigkeit
Beſonderer Dank gebühre den beiden Schweſtern Haſter
und Knaf die, dem Rufe der Pflicht folgend, in den
griechiſch=türkiſchen Krieg gegangen ſind. Der Vorſitzende
gedachte weiter des Zurucktretens der hohen früheren
Präſidentin, Prinzeſſin Ludwig von Battenberg, an deren
Stelle die Frau Großherzogin das Präſidium über den
Verein übernommen hat. Der Frau Prinzeſſin Ludwig
wurde eine Dankadreſſe überreicht und ſie zur Ehren=
präſidentin
ernannt. Die Prinzeſſin hat dafür in einem
Schreiben an die Vizepräſidentin Frau Slaatsminiſter
Rothe herzlichſt gedankt. Der Frau Großherzogin wird
für Uebernahme des Präſidiums herzlichſter Dank ausge=
ſprochen
. Auch der Großherzog hat dem Verein und ſeinen
Beſtrebungen wiederum mehrfach Anerkennung angedeihen
laſſen, die durch Ordensverleihungen uſw. zum Ausdruck
kamen. Der Redner erwähnte ferner die Veränderungen in
dem Zentralkomitee und deſſen Vorſtand berichtete über
die Tätigkeit des Vereins zur Erledigung der inneren An=
gelegenheiten
uſw Neue Zweigvereine wurden gebilder
in Dieburg. Heppenheim, Hirſchhorn, Fürth. Sprend=
lingen
in Rheinh., Bingen, Lauterbach Vilbel. Neu= Iſen=
burg
und in Bensheim, wo bereits früher ein Verein be=
ſtand
. Dieſe Neugründungen haben dem Verein einen
Zuwachs von etwa 1000 Mitgliedern gebracht. In vielen
Zweigvereinen hat die Mitgliederzahl zugenommen. Die
Mitgliederzahl im ganzen iſt gegen 1910 um 2000 auf 7200
geſtiegen. Der Verein verfügt über 78 ausgebildete
Schweſtern und 23 in der Ausbildung begriffene ſoge=
nannte
Lehrſchweſtern, das ſind gegen 1911 mehr 9
Schweſtern. Erfreulich zugenommen hat die Zahl der
Helferinnen. Dankbar wird des Beſchluſſes der Frau
Großherzogin gedacht, den Schweſtern die gleiche Dienſt=
tracht
zu verleihen, wie ſie in Preußen für die Schweſtern
des Vaterländiſchen Frauenvereins beſteht. Die Helferin=
nen
haben ſich im ganzen Lande zu Vereinen zuſammen=
geſchloſſen
, die demnächſt in einen umfaſſenden Verband
der Helferinnen vereinigt werden ſollen. Durch die
evangeliſch=kirchlichen Frauenvereine werden eben=,
falls Nochelferinnen ausgebildet. Mit dieſen Ver=
einen
iſt ein beſonderes Abkommen vertraglich feſtgelegt
worden für Krieg und Frieden. Die Beziehungen zu den
Schweſter=Vereinen und =Verbänden ſind erfreulich gute.
Zum Schluſſe erörtert der Redner kurz die Tätigkeit des
Vereins im Frieden, beſonders auf dem Gebiete der
Tuberkuloſebekämpfung, zu der geſtern beſondere Be=
ſchlüſſe
gefaßt worden ſind.
Die Ehrenpräſidentin, Frau Prinzeſſin Ludwig von
Battenberg, hat in einem Schreiben an die Großherzogin
der Verſammlung herzlichſte Grüße entbieten und den
Verhandlungen ſegensvollen Erfolg wünſchen laſſen.
Den Rechenſchaftsbericht erſtattet Geh. Finanzrat
Lauer. Der Bericht betont die Notwendigkeit der eo=
folgten
Bildung eines beſonderen Penſionsfonds für
Schweſtern, und der erheblichen Stärkung dieſes Fonds.
Das Vereinsvermögen beträgt außer dieſem Penſions=
ſonds
140370 Mark. Der Rechenſchaftsbericht wird ge=
nehmigt
und dem Schatzmeiſter mit dem Ausdruck des
Dankes Entlaſtung erteilt.
Den Bericht des Alicehoſpitals und der Schweſtern=
ſchaft
erledigt Geh. Legationsrat Dr. Neidhart. Es
wird u. a, darin erwähnt, daß den beiden Schweſtern
Haſter und Knaf außer den Auszeichnungen durch den
Großherzog von der Königin Olga von Griechenland die
griechiſche ſilberne Rote Kreuz=Medaille verliehen wurde.
Die Frau Großherzogin ſchenkte den beiden Schweſtern
Proſchen. Im Alicehoſpital wurden in den 3 Berichts=
jahren
1911. 1912 und 1913 durchſchnittlich 802, insgeſamd
24063 Kranke verpflegt an zuſammen 42 556 Pflegeragen.
Der Bericht ſagt allen, die das Hoſpital und die Schweſteen=
ſchaft
unterſtützt haben, herzlichſt Dank.
Ueberreichung der Diplome.
Danach überreichte die Frau Großherzogin den
nachbenannten Schweſtern die Diplome und Broſchen mit
folgenden Worten: Liebe Schweſtern, was ich auf dem
Herzen habe, kann ich Ihnen nicht beſſer ausdrücken, als es
Ihre Kgl. Hoheit die Großherzogin Alice vor nunmehr
40 Jahren bei Ueberreichung der Diplome an die Schwe=
ſtern
getan hat. Ich bitte Herrn Miniſterialrat Katz, dies
zu verleſen:
Es iſt mir eine Freude, Ihnen die Diplome zu über=
reichen
, beſonders da ich weiß, daß Sie ſich als gewiſſen=
hafte
und tüchtige Pflegerinnen bewährt, und ſchon man=
chem
Kranken ſein hartes Los erleichtert haben. Fahren
Sie nur ſo fort, lernen Sie ſtrebſam weiter, es bedarf
Jahre lange Arbeit, um das Ideal einer Krankenpflegerin
nur annähernd zu erreichen. Seien Sie aufopfernd, ver=
träglich
, und im höchſten Grade diskret ſtets Ihrer
hohen ſchweren Aufgabe gedenkend, nicht Ihrer ſelbſt.
Stehen Sie immer für einander ein und vergeſſen Sie nie
die Treue und den Gehorſam, den Sie dem Komitee, wel=
ches
für Sie ſorgt und wirkt, ſchuldig ſind. Wie das
Komitee aus vollem Herzen ſtets für Sie ſorgen will und
wird, ſo rechnet es auf Ihr Vertrauen und Ihre Will=
fährigkeit
, es ihm zu erleichtern und zu ermöglichen. Wir
arbeiten gemeinſam an der Erreichung eines humanen
Zieles und können einander nicht entbehren.
Dieſe, von der Großherzogin Alice ſchriftlich nieder=
gelegte
Rede iſt fakſimiliert und wurde den Schweſtern
mit dem Diplom überreicht.
Die Großherzogin fügte hinzu: Bleiben Sie
treu Ihrer Arbeit, treu unſerem Hauſe und treu der Vor=
ſteherin
des Alice=Hoſpitals.
Broſchen und Diplome erhielten die Schweſtern: Luiſe
Gambs. Marie Hartmann, Marie Milch, Marie Severin,
Katharine Bauer, Charlotte Eberle, Eliſabeth Schulmerich,
Anna Schroer, Marie Hildenbrand.
Berichte.
Herr Oberregierungsrat Gräf verlas ſodann die
Berichte der Abteilungen 1 und 2, Herr Bürgermeiſter
Mueller den der Abteilung 3. Der letztere Bericht be=
tont
beſonders die Notwendigkeit der Ausbildung weiterer
Helferinnen, an denen immer noch empfindlicher Mangel
herrſcht. Mit beſonderem Dank gedenkt der Bericht der
Tätigkeit des Herrn Juſtizrats Dr. Bender, der dem
Verein alljährlich aus Anlaß erledigter Rechtsſtreitigkeiten
Summen zuweiſt. Den Bericht des Zweigvereins Mainz
erſtattet Herr Medizinalrat Dr. Krug. Auch dieſer Bericht
bedauert den Rückgang an Mitgliedern und dadurch an
erforderlichen Mitteln. Das Vermögen des Vereins be=
trägt
1912: 288627, 1913: 311740 Mark. Darin ſind aller=
dings
drei beſondere Fonds enthalten, deren Mittel nur zu
beſtimmten Zwecken verwendet werden dürfen. Den Be=
richt
des Zweigvereins Offenbach verlas Herr Geh. Me=
dizinalrat
Rebentiſch. Sämtliche Berichte erſcheinen
demnächſt im Druck als Beilagen zum Jahresbericht.
Es folgt ein Bericht der Schweſter Anna Knaf
über ihre Tätigkeit im griechiſch=türliſchen

Krieg. Der intereſſante Bericht, auf den wir noch aus=
führlich
zurückkommen, wurde mit lebhaftem Beifall auf=
genommen
.
Den Beſchluß der Tagesordnung bildete Satzungs=
änderung
, die ohne Debatte genehmigt wurde. Darauf
wurde die Verſammlung im Namen der Großherzogin
geſchloſſen.

Xl. internationales Lawn=Tennis=Turnier
in Darmſtadt.

C Das XI. Internationale Lawn=Tennis=Turnier auf
den Spielplätzen am Böllenfalltor, das der Schlitt=
ſchuhklub
=Sportverein in den Tagen vom
20. Mai an veranſtaltete, iſt am Sonntag zu Ende ge=
gangen
. Infolge des plötzlich eintretenden Regenwetters
konnten einige Spiele nicht zum Austrag gebracht werden;
ſie ſollen in nächſter Zeit auf auswärtigen Spielplätzen
ihre Entſcheidung finden. Am Samstag, dem vorletzten
Turniertage, fanden ſich die Teilnehmer am Turnier zu
iner kleinen Feier im Hotel Zur Traube zuſammen.
Nach einem gemeinſamen Abendeſſen wurde eine kleine
Ballfeſtlichkeit arrangiert, die die Teilnehmer in recht ani=
mierter
Stimmung mehrere Stunden vereinte. Am Sonn=
tag
nach Schluß der Spiele fand die Preisvertei=
lung
ſtatt. Hierbei nahm Herr Geheimergt Profeſſor
Koch Gelegenheit, in Worten des Dankes und der An=
erkennung
der Spieler, beſonders der auswärtigen, zu
gedenken und dem Wunſche Ausdruck zu verleihen, daß
ſich die Turnierteilnehmer in Darmſtadt recht wohlgefühlt
haben mögen und daß die ſchönen Tage in Darmſtadt
ihnen Veranlaſſung geben mögen, im nächſten Jahre in
gleicher oder wenn möglich noch größerer Anzahl wieder
zum Turnier in Darmſtadt zu erſcheinen. Die Spiele
hatten folgende Reſultate:
1. Herren=Einzelſpiel ohne Vorgabe um
den Pokal von Heſſen, Wanderpreis, geſtiftet von
S. K. Hoheit dem Großherzog von Heſſen, und 1 Ehren=
preis
. 21 Meldungen. 1. Preis: Lindpaintner ( Frank=
furt
) o. Spiel gegen v. Biſſina; 2. Preis: v. Biſſing;
je einen 3. Preis: Flimm, Schüler.
2. Herren=Einzelſpiel ohne Vorgabe um
die Meiſterſchaft von Darmſtadt. 22 Meldun=
gen
. 1. Preis: v. Biſſing (Frankfurt) 8:6, 622, zurückge=
zogen
; 2. Preis: Schüler 7.5, 6:3; je einen 3. Preis:
Flimm, Hob.
3. Damen=Einzelſpiel ohne Vorgabe,
13 Meldungen. 1. Preis: Frl J. Weihermann ( Frank=
furt
) 611. 611; 2. Preis: Frl. Weihermann 6:3, 5:7, 6:1.
4. Herren=Doppelſpiel ohne Vorgabe.
10 Meldungen. Je einen 1. Preis: v. Biſſing Lind=
paintner
(Frankkurt) 62. 4:6, 7:5; je einen 2. Preis:
Fitting Hob 6:4, 4:6, 6:1.
5. Gemiſchtes Doppelſpiel ohne Vor=
gabe
. 11 Meldungen. Je einen 1. Preis: Frl. Flinſch-
v
. Biſſing 6:4, 2:6, 6:1; je einen 2. Preis: Frl. Weiher=
mann
Lindpaintner 613, 611.
6a. Herren=Einzelſpiel mit Vorgabe.
32 Meldungen. Das Spiel iſt noch nicht beendigt.
6b. Herren=Einzelſpiel mit Vorgabe.
21 Meldungen. 1. Preis: Marr (Karlsruhe) 6:4. 4:6, 612;
2. Preis: Eggersſ 6:3, 614; je einen 3. Preis: Walbe, Gra=
dinger
.
7. Damen=Einzelſpiel mit Vorgabe.
20 Meldungen. 1. Preis: Frl. Becker 611, 7:5; 2. Preis:
Frl. Lichtenſtein 6:4, 614; je einen 3. Preis: Frl. Weiher=
mann
, Frl. Becker.
8. Herren=Doppelſpiel mit Vorgabe.
20 Meldungen. Je einen 1. Preis: Sior Eggersſ 514,
o. Spiel; je einen 2. Preis: Fitting Hob.
9. Gemiſchtes Doppelſpiel mit Vorgabe.
17 Meldungen. Schlußrunde iſt noch zu ſpielen zwiſchen
Frau Wernher Maxwell 611, 6:5 und Frl. Flinſch
Fitting 6:4. 6:0.
10. Junioren=Einzelſpiel mit Vorgabe.
25 Meldungen. 1. Preis: Lichtenberger 633, 5:7, 7:5;
2. Preis: Eggersſ 611, o. Spiel; je einen 3. Preis: Köhler
Metzler.

Kunſtgotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Reſidenz=Theater am weißen Turm. In
dieſer Woche hat das Reſidenz=Theater ſeinen Programm=
wechſel
anders eingeseilt, da auf vielſeitigen Wunſch, der
mit ſo großem Beifall aufgenommene Film Eva mit
Henny Porten noch bis geſtern vorgeführt wurde. Auch
das neue Programm ab heute ſteht dem vorhergehenden in
keiner Weiſe nach An erſter Stelle nennen wir den her=
vorragenden
Dreiak er Weib gegen Weib ein Liebes=
und Eiferſuchts=Drama, mit der bekannten guten Photo=
graphie
und Ausſtattung der Vitaskope. Der große De=
tekliv
=Roman in 3 Akten iſt wieder ein ganz anderes Sujet,
ſo daß jeder Beſucher auf ſeine Koſten kommt. Einige
Humoresken. Nakuraufnahmen und Wochenchkonik vervoll=
ſtändigen
den Spielplan. Wir machen jetzt ſchon darauf
aufmerkſam, daß der letzte Film der Aſta=Nielſen=Serie,
Das Feuer diesmal ab Dienstag, den 2. Juni. bis inkl.
Freitag, den 5. Juni, alſo nur 4 Tage, vorgeführt wird.
(Siehe Anzeige.)

Offenbach, 26. Mai. (Unbekannter Toter.)
Geſtern nachmittag wurde gegenüber der Speyerſtraße die
Leiche eines unbekannten, anſcheinend dem Arbeiterſtande
angehörenden Mannes aus dem Main geländet. Die Leiche
mag ſchon 10 bis 14 Tage im Waſſer gelegen haben.
Heppenheim a. d B., 26. Mai. (Das Ende eines
Dramas.) Der Bahnvorſteher Meixner auf Station
Laudenbach wurde vor 12 Jahren des Nachts von Räu=
bern
überfallen und ſo ſchwer verletzt, daß er nach zwe
Jahren ſtarb. Durch dieſes ſurchtbare Ereignis wurde
deſſen Frau geiſtesgeſtört, war viele Jahre in Irren=
häuſern
und wohnte zuletzt bei Verwandten in Ladenburg.
Der Trübſinn nahm aber immer mehr zu, und geſtern
ſuchte und fand die bedauernswerte Frau den Tod im
Neckar. Ein Schiffer entdeckte ihre Leiche.
Groß=Rohrheim, 26. Mai. (Wegen Diebſtahls
und Hehlerei) wurden ein bei den Rheiniſchen Elek=
trizitätswerken
beſchäftigter Monteur Anton Schüttler
der eine Lagerſtelle hier verwaltete, und der Gaſtwirt und
Autobeſitzer E. Friebis feſtgenommen. Schüttler hat
von dem Lager nahezu 600 Meter wertvollen
Kupferdraht entwendet, der in einer Boden=
kammer
des F. gefunden wurde.
Mainz, 25. Mai. (Verſchwundener Wert=
brief
.) Auf rätſelhafte und bis jetzt nicht aufgeklärte
Weiſe iſt in einem hieſigen Bankhaus ein verſiegelter
Wertbrief mit 2000 Mark, der mit der Poſt abgeſandt wer=
den
ſollte, ſpurlos verſchwunden. Trotz ange=
ſtrengter
Unterſuchung konnte bis jetzt (der Diebſtahl ge=
ſchah
vor einigen Tagen) der Täter nicht ermittelt werden
(Sprenaungen im Rhein.) Unterhalb Amöne=

burg nehmen gegenwärtig die 25er Pioniere Felsſprengun=
gen
im Rhein vor, um für die Firma Kalle=Biebrich
e nen neuen Kanalzufluß für deren Fabrikabwäſſer in den
Rhein zu führen. (Geſchäftsverkehr beim
Trachtenfeſt.) Der Feſtplatz wurde von weit über
100000 Menſchen beſucht, ſo daß bis jetzt ein Reingewinn
von etwa 20000 Mark erzielt wurde. Die Ankerbrauerei,
die den Bierausſchank hatte, lieferte während des Feſtes
415 Hektoliter Bier auf den Feſtplatz, am Hauptfeſttage
allein über 100 Hektoliter.
Mainz, 26. Mai. (Selbſtmord eines Sol=
daten
.) Am 24. Mai nachmittags iſt der Dragonen
Wolf der 1. Eskadron des Magdeburgiſchen Dragoner=
Regiments Nr. 6 ohne Urlaub nach Wallau (ſeinem Hei=
matsorte
) und Nordenſtadt gefahren. Als er am 25. vor=
mittags
nicht zurückgekehrt war, wurde er mittels Krüm=
perwagens
durch einen Sergeanten geholt. Auf der Rhein=
brücke
Mainz=Kaſtel riß Wolf plötzlich den Verſchlag des
im Trabe gefahrenen Wagens hoch, ſprang auf die Straße
und über das Geländer in den Rhein, wo er bald in den
Fluten verſank. Der Sergeant ſprang ihm nach, kam aber
zu Fall und konnte den Wolf an ſeinem Vorhaben nicht
hindern. Liebeskummer und Furcht vor Strafe ſcheinen
den Dragoner in den Tod getrieben zu haben.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 25. Mai. Der Kaiſee hat,
wie unlängſt berichtet, angeordnet daß in Kadinen ein
lediglich für Berliner Schutzleute beſtimmtes Er=
holungsheim
eingerichtet werde. Da die Vorarbeiten
und die Ausführung jedoch längere Zeit in Anſpruch neh=
men
, ſo ſind inzwiſchen auf Wunſch des Kaiſers für den
Aufenthalt erholungsbedürftiger Berliner Schutzleute
einige Räumlichkeiten in Kadinen proviſoriſch hergerichtet
worden. Als Gaſt des Kaiſers weilt bereits ſeit einigen
Tagen der erſte Berliner Schutzmann in Kadinen. Als
die Beamten der katholiſchen Kirche zu Ober=
ſchöneweide
geſtern morgen zur Frühmeſſe das
Golteshaus betcaten, fanden ſie ein Bild ärgſter Ver=
wüſtung
vor. Der Hochaltar und der rechts von dieſem
ſtehende Marienaltar waren teilweiſe zertrümmert, die
Chriſtusfigur war vom Kreuz geriſſen. Außerdem waren
wer volle Kirchengeräte geraubt. Wie feſtgeſtellt wurde,
hatten die Diebe zuerſt verſucht, die maſſive Tür der Kirche
aufzubrechen. Da dieſe aber ihren Einbruchswerkzeugen
widerſtand, waren ſie durch ein Fenſter eingeſtiegen. Sie
zerſchlugen die Marmorplatte auf dem Hochaltar, riſſen
das Tabernakel auf, um die Monſtranz zu ſtehlen, die aber
an einer anderen Stelle ſicher aufbewahrt war, und be=
ſchädigten
ſchließlich das große Kruzifix Zwei Opferkaſten,
die auch geſtohlen wurden und in denen ſich Geld befand,
wurden im Laufe des Tages von Spaziergängern in der
Nähe des Königin=Eliſabeth=Hoſpitals aufgefunden. Sie
waren zerbrochen und ihres Inhalts beraubt. 14 Tage
in der Wohnung eines Beſtohlenen ge=
hauſt
hat ein Einbrecher, der geſtern von der Kriminal=
polizei
ermit elt und feſtgenommen wurde Der Schmied
Richard Walet wurde von ſeinem Meiſter in der Jo=
hannisſtraße
vor einiger Zeit entlaſſen. Er wußte nung
daß der Meiſter am 4. Mai eine vierzehntägige Erholungs=
reiſe
antrat, und daß während dieſer Zeit ſeine Wohnung
ohne Aufſicht blieb. Schon am 5. Mai öffnete er die Flur=
tür
mit einem Dietrich und ſeitdem benutzte er nicht nur
ie Räume als Unterſchlupf, ſondern ſchaffte nach und nach
auch alles weg, was er unauffällig zu Geld machen konnte,
Kleidungsſtücke und dergleichen mehr. Bei ſeiner Rück=
kehr
fand der Meiſter zu ſeiner unangenehmen Ueher=
raſchung
, daß bei ihm gründlich aufgeräumt worden war,
Die Kriminalpolizei ermittelte die Käufer der geſtohlenen
Sachen und erhielt ſo eine Beſchreibung des Mannes, der
ie veräußert hatte. Hiernach erkannte der Meiſter ſeinen
entlaſſenen Geſellen. Walet war zunächſt nicht zu finden.
nach längerer Fahndung aber entdeckten ihn geſtern die
Kriminalbeamten und brachten ihn hinter Schloß und
Riegel.
26. Mai. In Gegenwart des Kaiſers und der Kaiſerin
fand heute vormittag die Einweihung des Turn=
und Spielplatzes der Berliner ſtaatlichen Hochſchulen
im Grunewald ſtatt. Kultusminiſter v. Tcott zu Solz
hielt eine Anſprache, ebenſo der Rektor der Untverſität,
Profeſſor Planck. Es folgten turneriſche und ſportliche
Vorführungen.
München, 26. Mai (Automobilunfall.) In
Wolfrathshauſen bei München ereignete ſich heute vor=
mittag
ein ſchwerer Automobilunfall, bei dem die 20jährige
Toch er eines Lehrers getötet und vier weitere Inſaſſen
zum Teil ſchwer verletzt wurden.
Köln, 26. Mai. (Prinz Heinrich von Preußen)
beſichtigte heute vormitlag die Deutſche Werkbund=
ausſtellung
und weilte über eine Stunde im öſter=
reichiſchen
Hauſe. An die Beſichligung ſchloß ſich ein Früh=
ſtück
, das vom Kölner Klub für Luftſchiffahrt zu Ehren
des Prinzen gegeben wurde.
Osnabrück, 26. Mai. (Zum Biſchof von
Osnabrück) wurde bei der heute vormittag erfolgten
Biſchofswahl der Religions= und Oberlehrer Dr. Wilhelm
Berning in Meppen gewählt. Der gewählte Bi=
ſchof
Hermann Wilhelm Berning iſt am 26. März 1877 als
Sohn des verſtorbenen Tiſchlers Bernhard Berning zu
Lingen geboren.
London, 25. Mai. (Das Publikum gegen die
Wahlweiber.) Das engliſche Publikum ſcheint die
Untaten der Wahlweiber jetzt nachgerade ſatt zu
haben. Wo immer die Wahlweiber Verſamm=
lungen
abgehalten haben, wurden ſie von den
Volksmaſſen geſtört, ſodaß in einigen Fällen die=
mitleidige
Polizei die Wahlweiber gegen die Wut der
Menge ſchützen mußte. In Hampſtead drohte man, die
Megären in einen Teich zu werfen, was die Schutzleute
nur mit großer Mühe verhindern konnten. Sylvia Pank=
hurſt
, die Tochter der berüchtigten Generalin, zog nach dem
Viktoriapark, um dort eine Verſammlung abzuhalten. Sie
hatte ſich mit 25 Anhängerinnen an einer eiſernen Kette
zuſammengeſchloſſen, um ſo ihre Verkaftung unmöglich
oder doch ſehr ſchwierig zu machen. Als der Zug ſich dem
Viktoriaperk näherte, wurde er plötzlich von einer großen
Zahl von Poliziſten aufgehalten, und es kam zu einer
allgemeinen Prügelei. Die Wahlweiber und ihre männ=
lichen
Anhänger ſchlugen mit Stöcken auf die Poliziſten,
die dann mit ihren Knüppeln erwiderten. Die eiſernen
Ketten wurden mit Hammerſchlägen zertrümmert und Miß
Pankhurſt in einem bereitſtehenden Automobil in das Ge=
fängnis
gebracht, aus dem ſie natürlich wieder freigelaſſen
wird.
London, 26. Mai. (Der Dampfer im Eis=
feld
.) Ein hieſiges Blatt meldet: Der Cunard=
dampfer
Andania der am Sonntag in Plymouth=
erwartet
wurde, kam erſt geſtern nachmittag dort an. Er
war auf der Fahrt von Montreal und Quebeck in ein
Eisfeld geraten. Die Eisberge waren ſo zahlreich, daß
die Maſchinen 16 Stunden geſtovpt werden mußten.

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Nummer 144.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Seite 5.

London, 26. Mai. (Eine Feuersbrunſt) zer=
ſtörte
einen Teil der Werft der Clyde Engineering and
Shipbuilding Company im Hafen von Glasgow.
Konin (Rußland), 26. Mai. (Mord.) Heute morgen
wurde der Getreidehändler Hahn in ſeinem Bette mit durch=
ſchnittenem
Halſe ermordet aufgefunden. Neben dem
Bette lag beſinnungslos mit einer ſchweren Kopfwunde
der 17jährige Sohn des Ermordeten. Aus dem erbroche=
nen
Geldſchranke waren 6000 Rubel geſtohlen Die Tat
iſt von dem bei Hahn beſchäftigt geweſenen 22jährigen
Handlungsgehilfen Schwetz verübt, der flüchtete.
Charbin, 26. Mai (Ueberfall auf einen
Kaſſenboten.) Auf dem Wege vom Bahnhof zur
Bahnverwaltung wurde der Bahnkaſſenbote der 30000
Rubel bei ſich trug von Räubern in chineſiſcher Klei=
dung
überfallen und nebſt einem begleitenden Soldaten
getötet. Zwei weitere Begleiter wurden durch acht Schüſſe
lebensgefährlich verletzt.
Waſhington, 25. Mai. (Keine Schaden=
erſatzpflicht
für den Untergang der Tita=
nic
.) Ein Urteil, das der oberſte Gerichtshof gefällt hat,
hat praktiſch die Bedeutung, daß diejenigen, die durch den
Untergang der Titanie Verwandte oder Eigen=
tum
verloren haben, durch die amerikaniſchen Gerichte kei=
nen
Schadenerſatz erhalten können. Der Gerichtshof
entſchied daß die Haftbarkeit der Ozeanik=Navigation
Company gegenüber den Anſprüchen, die in einer Geſamt=
höhe
von 52 Millionen Mark eingeklagt waren,
durch das amerikaniſche Haftpflichtgeſetz von 1881 auf den
Wert der geborgenen Güter und auf die Beträge der
Fracht= und Fahrkarten beſchränkt wäre, die für die letzte
Reiſe der Titanic bezahlt waren, und dieſe beliefen
ſich auf 364000 Mark.
Bombay, 26. Mai. (Großfeuer.) In den Baum=
wollagern
wurden heute früh nahezu 16000 Ballen
Baumwolle durch Feuer zerſtört. Der Schaden be=
trägt
etwa 2 Millionen Rupien. Es war dies der vier=
zigſte
Brand ſeit 23. März dieſes Jahres. Die Urſache der
Brände iſt noch nicht aufgeklärt.

Gerichtszeitung.

* Kiel 26. Mai. Vor der Strafkammer I be=
gann
heute die Verhandlung gegen den früheren Oberauf=
ſeher
des Kieler Gefängniſſes Hiſtermann den ehe=
maligen
Gerichtsdiener Rolff und eine Reihe weiterer
Angeklagter wegen Beſtechung im Zuſammenhang mit
dem Kieler Werftprozeß im Jahre 1909.

Der Prinz=Heinrich=Flug 1914.

*Köln 25. Mai. Im Verlaufe des Feſtmahles
der Stadt Köln für die Teilnehmer am Prinz=
Heinrich=Flug brachte der erſte Preisträger Lt. Frei=
herr
v. Thüna das Hoch auf den Kaiſer aus. Hierauf
begrüßte Oberbürgermeiſter Wallraf namens der Stadt
Köln den Prinzen Heinrich, worauf Prinz Heinrich
ſich zu folgender Anſprache erhob: Wer heutzutage Ge=
legenheit
hat, in der Welt Umſchau zu halten, der kommt
zu dem Reſultat, daß der Deutſche hochgeachtet und im
Auslande gern geſehen iſt, und daß das Land, dem er ent=
ſtammt
hochgeachtet und von ſehr vielen viel beneidet
wird. Wüßte nur ein jeder, der ſich ein Deutſcher nennt
und den dieſes deutſche Vaterland geboren hat, was es
heißt, ein Deutſcher zu ſein. Mancher würde vielleicht die
Sprache nicht ſprechen, die er ſpricht. Man wird uns viel=
leicht
auch auf dieſem Gebiete das uns heute am nächſten
liegt, beneiden. In kurzer Zeit hat vermöge der Opfer=
willigkeit
des Volkes der Opferwilligkeit der
Städte, ſowie der einzelnen Bundesſtaaten das Flugweſen
eine Entwickelung genommen, die uns mit berech=
tigtem
Stolze erfüllen darf. Auf ein freund=
liches
Woct des Willkommens gehört ein freundliches Wort
der Erwiderung, und ſo iſt es mir am heutigen Abend eine
liebe teuere Pflicht, Ihnen, Herr Oberbürgermeiſter dafür
zu danken, daß ſie meinen braven Fliegern ein gaſtliches
Heim bereiteten. Auch muß ich Ihnen dafür danken, daß
ſie es vermocht haben, die Bürger dieſer gaſtlichen Stadt
dazu zu bringen, Opfer zu bringen, ſie gerne zu bringen
zum Ende und zum guten Ende des diesjährigen
Fluges. Durch die Lande ſind wir gekommen zu unſerm
braven alten deutſchen Rhein und wir ſind geendet in der
alten ſchönen geſchichtlichen Stadt Köln. Das Glas, das
ich nunmehr erhebe, gilt der Stadt Köln und der Bürger=
ſchaft
Kölns dem Bürgermeiſter dieſer gaſtlichen Stadt.
Die Stadt Köln und ihre Bürger Hurca, Hurra, Hurra!

Luftfahrt.

Ein italieniſches Luftſchiff zerſtört.
* Mailand. 25. Mai. Nach einer Meldung des
Blattes La Sera iſt das Militärluftſchiff P. 4"
nach einer Uebungsfahrt am ſpäten Nachmittag durch Böen
und Regen zu einer Landung in der Umgegend von Mai=
land
veranlaßt, aber bevor es verankert war, von
einem Windſtoß entführt worden und in den
Wolken verſchwunden.
* Mailand, 26. Mai. Die Hülle des lenk=
baren
Luftſchiffes Uſuelli iſt geſtern bei Van=
zaghello
in der Nähe von Gallarate aufgefunden
worden.

Ein engliſcher Flieger ertrunken.
* London, 25. Mai. Bei Kingstown in der Nähe
von Deal (Kent) wurden Teile eines Flugzeuges
ans Land geſpült. Die Trümmer werden mit dem
Verſchwinden des Fliegers Hamel in Verbindung
gebracht. Wie ſchon berichtet wurde, ſtieg der engliſche
Flieger Hamel vorgeſtern von Paris nach London auf und
wurde dann vermißt.
* London, 26. Mai. Wie das Seeamt erfährt,
handelt es ſich bei den in der Nähe von Kingstown an
Land geſchwemmten Flugzeugtrümmern
nicht um Teile des Apparates des Fliegers Hamel.
* London, 26. Mai. Die engliſchen Kriegsſchiffe
haben die Suche nach dem Flieger Hamel nun=
mehr
aufgegeben. Es ſcheint ohne Zweifel, daß er
im Aermelkanal ſeinen Tod gefunden hat.

Turnen, Spiele und Sport.

* Pferdeſport. Rennen zu Wiesbaden,
26. Mai. Preis von Johannisberg, 4000 Mark. 1. A. von
Schmieders Olifant (Slade), 2. Königsleutnant, 3. Ora=
nier
. 14:10. Loreley=Rennen. 4000 Mark. 1. W. Bi=
ſchoffs
Corinth (Warne), 2. Kompaß, 3. Nerton. 29110
14, 15:10. Preis von Königſtein, 6500 Mark. 1. Graf
J. Sierſtorpffs Sturmbraut (W. Plüſchke), 2. Tivoli,

3. Pompejus. 53:10; 20, 29110. Wiesbadener Früh=
jahrs
=Handikap. 12000 Mark. 1. Paulſens Achilles (Mac
Farlan), 2. Scipio Africanus, 3. Calleoni. 68:10; 23.
24:10. Preis vom Blauen Ländchen, 3800 Mark
1. Scheidhachers Räuber I (R. Francke), 2. Helmarich,
3. Trutchen. 37110; 17, 22:10.
Rennen zu Saint Quen, 26. Mai. Prix du
Prevent. 3000 Fres. 1. A. Chields Teſſin (Bourdalé),
2. Triemphateur. 27110. Prix de la Savoie, 4000 Fres
1. Camille Blancs Sigismend (Wallen), 2. Albanais.
3. Porte Dorée. 29110; 12, 12:10. Prix de la Flegere,
4000 Fres. 1. F. de Malherbes Orſance (Callot), 2. Ulla=
poal
, 3. Gay Boy. 97110; 21, 30, 18:10. Prix Killar
ney. 10000 Fres. 1. L. de Paula=Machades Ramage
2. Beau Rivage II, 3. Ocyroé. 33:10; 16, 38, 55.10.

Sturm und Unwetter.

* Karlsruhe, 26. Mai. Die ſchweren Ge=
witter
der letzten Tage haben teilweiſe großen Scha=
den
angerichtet. In Eichſtätten äſcherte der
Blitz vier Gebäude ein; in Langenwinkel bei Lahr
fuhr der Blitz in das Haus eines Landwirts und verletzte
dieſen und ſeine Tochter ſchwer. In Haslach ſchlug der
Blitz in das Elektrizitätswerk und richtete dort große Zer=
ſtörungen
an.
* Samara, 26. Mai. Bei dem Sturm auf der
Wolga gingen acht mit Holz und Kalk be=
ladene
Kähne unter. In einem am Ufer liegenden
Dorf wurden 42 Häuſer zerſtört, zehn von den
Fluten mitgeriſſen. Es ſind Opfer an Menſchenleben zu
beklagen. Bei Rownoje (Gouv. Samara) ſind infolge des
Sturmes viele große und kleine Schiffe geſunken. Auch
dort ſind Menſchen umgekommen.

Erdbeben.

2. Jugenheim. Erdbebenwarte, 26. Mai, 6 Uhr
nachm. Heute nachmittag um 3,42 Uhr regiſtrierten die
Inſtrumente ein heftiges Fernbeben von über 2 Stunden
Dauer. Nach dem großen Erdbeben in den Dardanellen
vom 9. Auguſt 1912 wurde keines von gleicher Stärke
aufgezeichnet.
* Catania, 26. Mai. Das Erdbebenobſervatorium
von Catania hat heute morgen 9 Uhr 48 Min. ſtarke
Erdſtöße verzeichnet. In Zofferane und Viagrande
ſoll Schaden angerichtet worden ſein.
* Catania, 26. Mai. Die letzten Nachrichten aus
Zafferana und Viagrande verſichern, daß infolge des
Erdbebens heute morgen nur die Mauern einiger
Häuſer einſtürzten, die durch frühere Erdſtöße beſchädigt
waren. Menſchenverluſte ſind nicht zu be=
klagen
.

Das Kaiſerhoch
und die Sozialdemokraten.

* Berlin, 26. Mai. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: In den letzten Rückblicken beſchäftigten
wir uns mit dem ſkandalöſen Verhalten der
Sozialdemokratie beim Schluß des Reichs=
tags
und ſprachen die Hoffnung aus, daß die bürger=
lichen
Parteien die Aufgabe, dem Kaiſer in dem Hauſe des
Reichstags gebührende Achtung zu ſichern, mit feſter Hand
in Angriff nehmen. Das Tageblatt will in dieſem Hin=
weis
eine Kompetenzüberſchreitung ſehen. Da vergriff ſich
das Blatt wohl in dem Ausdruck. Die Parteipreſſe würde
ſich mit Recht dagegen verwahren, wollte man ihr die Zu
ſtändigkeit zur Erörterung öffentlicher Vorgänge ab=
ſprechen
. Sie macht dabei nur von dem allgemein der
Preſſe zuſtehenden Recht Gebrauch, das auch wir für uns
beanſpruchen. So liegen doch die Dinge nicht, daß die
Kritik der Preſſe vor der Schwelle des Reichstags Halt
machen oder daß ein der Regierung naheſtehendes Blatt
über parlamentariſche Vorgänge ſich Schweigen auferlegen
müßte, oder will man in unſerem Hinweis auf das Ver
halten der ſozialdemokratiſchen Fraktion bei dem Kaiſer=
hoch
eine Einmiſchung der Regierung in eine innere An=
gelegenheit
der Volksvertretung erblicken? Hierzu wäre
zu bemerken, daß die Wirkung der antimonarchiſchen De=
monſtration
im Reichstag nicht an den Wänden des
Sitzungsſaales endigte und nach dem Willen der Urheber
da auch nicht endigen ſollte. Die Sozialdemokra=
tie
arbeitet vor der breiteſten Oeffentlich
keit und dort muß ihr auch entgegengetre=
ten
werden. Bei Wahrung des Anſehens unſerer
monarchiſchen Inſtitutionen gehören Regierung und
Reichstag zuſammen, ein Streit um die Kompetenz ſollte
es da nicht geben. Im übrigen ſprachen wir gerade die
Hoffnung aus daß die bürgerlichen Parteien ſich der Sache
annehmen. Ihre Erledigung als eine innere Angelegen=
heit
der Volksvertretung iſt ein möglicher und uns will=
kommener
Weg.

Die däniſche Agitation in Nord=
Schleswig.

* Berlin, 26. Mai. Im preußiſchen Herrenhaus
ergriff heute Miniſterpräſident v. Bethmann Holl=
weg
in Beantwortung der Interpellation des Grafen
Rantzau über die däniſche Agitation in Nord=
Schleswig das Wort zu folgenden Ausführungen:
Die Interpellation geht von der Vorausſetzung aus,
daß entgegen der im Optanten=Kindervertrag von 1867
übernommenen Verpflichtungen der Nationalitätenkampf
in Nord=Schleswig von Dänemark aus geſchürt worden ſei
und daß die von der preußiſchen Staatsregierung dagegen
im Inlande ergriffenen Maßnahmen zum größeren Teile
wirkungslos geblieben ſind. An der Hand eines umfang=
reichen
Materials haben die Herren Vorredner auf zahl=
reiche
Fälle hingewieſen, in denen diesſeits und jenſeits
der Grenze von Dänenfreunden antideutſche Propaganda
getrieben worden iſt. Meine Herren! Es iſt unverkennbar,
und ich muß es hier unumwunden zugeben, daß die Ver=
hältniſſe
in der Nordmark, wie das bereits vor einigen
Monaten im Abgeordnetenhauſe von dem damaligen
Herrn Miniſter des Innern zum Ausdruck gebracht worden
iſt, zum Teil infolge einer maßloſen Agitation gegen das
Deutſchtum zur Zeit unbefriedigende ſind. Aber mit der
gleichen Beſtimmtheit muß ich erklären, daß die königliche
Staatsregierung mit allen Mitteln beſtrebt iſt, dieſer Agi=
tation
entgegenzutreten, um das Deutſchtum nach Kräften zu
fördern. Inſonderheit hat die Staatsregierung die Verſchär=
fung
der nationalen Gegenſätze durch die ſüdjütiſche Bewe=
gung
in Dänemark und durch die Beteiligung offizieller
Perſönlichkeiten an dieſer Bewegung mit aller Aufmerk=
ſamkeit
verfolgt. Sie hat alle zu ihrer Kenntnis gelangten
Fälle bei der königlich däniſchen Regierung mit allem
Nachdruck zur Sprache gebracht. Die däniſche Regierung
ihrerſeits hat, wie dies im Verkehr gleichberechtigter Na=
tionen
ſelbſtverſtändlich iſt, in jedem Falle dafür geſorgt,

daß Remedur eingetreten iſt. In der gleichen Weiſe wird
auch weiterhin verfahren werden, auch bezüglich des
Materials, das mir Herr Graf Rantzau zur Verfügung
geſtellt hat und wie er geſagt hat, noch zur Verfügung
ſtellen wird.
Ich zweifle nicht daran, daß die königlich däniſche
Regierung auch in Zukunft nach Kräften beſtrebt ſein wird
Beſchwerden, die ich gezwungen ſein ſollte, bei ihr anzu=
bringen
, abzuhelfen. Der königlich däniſche Miniſter des
Auswärtigen hat in der Sitzung des Landsthings vom
23. Oktober vorigen Jahres unter Berufung auf eine Er=
klärung
des Herrn Konſeilpräſidenten ausdrücklich betont,
daß für Dänemark und Deutſchland als benachbarte Staa=
ten
freundliche Beziehungen notwendig ſind und daß er
hoffe, daß ſich dieſe Beziehungen ſtets beſſern mögen.
Dieſen Wunſch teile ich, aber an keiner verantwortlichen
Stelle beſteht ein Zweifel darüber, daß die Betätigung
hauviniſtiſcher Beſtrebungen die freund=
fchaftlichen
Beziehungen der beiden be=
nachbarten
Länder ſtört und daß die Duldung
derartiger Ausſchreitungen nicht nur von lokaler Bedeu=
tung
bleibt, ſondern auf die internationalen Beziehungen
ihre Wirkung ausüben müßte. Die Regierungen der bei=
den
Länder ſind ſich ihrer Verantwortung voll bewußt und
ich bitte das hohe Haus, ſich überzeugt halten zu wollen,
daß die Reſpektierung des Optanten=Kindervertrages voll
gewährleiſtet werden wird und daß die Regierung von
dem ihr in dieſem Vertrage hinſichtlich der Staatenloſen
gegebenen Rechte denjenigen Gebrauch machen wird, den
ihr die Wahrung des eigenen nationalen Intereſſes vor=
ſchreibt
. Wir ſtehen wegen der Regelung der Staatenloſen=
frage
mit der däniſchen Regierung in Verhandlungen.
Dabei wird von uns unbedingt an dem Standpunkt feſt=
gehalten
werden, daß wir irgendwelche Verpflichtungen,
die Staatenloſen ganz oder teilweis in den preußiſchen
Untertanenverband aufzunehmen, unter keinen Umſtänden
übernehmen wollen.
Auf die ausführlich behandelten Details der inner=
politiſchen
Verhältniſſe werde ich gegenwärtig im einzel=
nen
nicht eingehen, nicht, weil ich ihre Bedeutung in irgend=
einer
Weiſe verkenne im Gegenteil, die uns mitgeteilten
Tatſachen werden die einzelnen beteiligten Reſſorts ernſt=
haft
beſchäftigen ſondern weil es mir darauf anzu=
kommen
ſcheint, namentlich auch gegenüber der Stimmung,
die auf der Flensburger Verſammlung zu Tage getreten
iſt, die Grundlinien unſerer Nordmarkenpolitik feſtzu=
halten
. Dieſe Politik iſt in erſter Linie wie es in der
Verhandlung des Abgeordnetenhauſes vom 14. Februar
dieſes Jahres vom Regierungsitſch aus dargelegt wurde
darauf gerichtet, die Provinz wirtſchaftlich und kulturell zu
fördern. Der Herr Graf Rantzau hat die Güte gehabt, die
Worte, welche in dieſer Beziehung der damalige Miniſter
des Innern Herr von Dallwitz im Abgeordnetenhauſe ge=
ſprochen
hat, wörtlich hier zu verleſen und dabei darauf
hinzuweiſen, daß es ſich für die königliche Staatsregierung
um die Durchführung eines allgemeinen, alle Gebiete des
wirtſchaftlichen und kulturellen Lebens umfaſſenden Pro=
grammes
handelt.
Ich halte es nicht für richtig, die Bedeutung der hier=
bei
ergriffenen Maßnahmen zu unterſchätzen, weil ſich der
Erfolg infolge der nationalen Gegenſätze nicht ſo ſchnell
einſtellt, wie wir ſonſt es wünſchen. Jedenfalls aber wer=
den
wir entſchloſſen an der Ausführung
dieſes Programmes feſthalten und es, wo es
nottut und ſoweit möglich, unter Verwertung der heute
gegebenen Anregungen weiter ausbauen. In ſeiner Be=
ziehung
auf die Nordmark iſt das dem Abgeordnetenhauſe
vorliegende Grundteilungsgeſetz ein Schritt auf dem ein=
geſchlagenen
Wege. (Sehr richtig!) Als ferneres Zeugnis
für die Richtlinien unſerer Politik möchte ich hier mitteilen,
daß ſich die königliche Staatsregierung entſchloſſen hat,
den durchgehenden Zugverkehr von Flensburg nach dem
Norden, einem alten Wunſche der Provinz entſprechend,
über die Städte Apenrade und Hadersleben zu leiten, um
dieſe beiden Städte, die ein bedeutungsvoller Stützpunkt
des Deutſchtums ſind, enger und beſſer mit dem Mutter=
lande
zu verbinden. (Lebhafter Beifall.) Selbſtverſtänd=
lich
kann das wirtſchaftliche und kulturelle Programm,
deſſen Durchführung ſich die Staatsregierung zur Aufgabe
geſtellt hat, nur wirkſam ſein, wenn es gleichzeitig ver=
bunden
iſt mit einer ruhigen aber energiſchen Abwehr aller
wie immer gearteten gegen Deutſchland gerichteten Agita=
tionen
in der Nordmark. (Sehr richtig!) Und dieſe Abwehr
muß und wird geleiſtet werden. (Lebhafter Beifall.) Ich
hoffe beſtimmt, daß es der Bevölkerung der untrennbar
mit Preußen verbundenen Nordmark im Vertrauen hier=
auf
und unter dem Beiſtand der Regierung gelingen wird,
der Schwierigkeiten Herr zu werden, mit denen ſie gegen=
wärtig
einen ernſten Kampf zu kämpfen hat, aber einen
Kampf, der niemals mit Mutloſigkeit zum Siege führen
kann, ſondern nur mit feſtem Mut und der feſten Ueber=
zeugung
, daß mögen ſie auch träumen von der Wieder=
vereinigung
Jütlands mit Dänemark dies ein Traum
iſt, der nie Wirklichkeit wird, und ich möchte die
Zuverſicht meinerſeits ausſprechen, daß eine Politik, welche
auf dieſes Ziel gerichtet iſt, allezeit die Zuſtimmung des
hohen Hauſes finden wird. (Lebhafter Beifall.)

Italieniſche Kammer.

* Rom 26. Mai. Der Miniſter des Aeußern di
San Giuliano erklärte in der Kammer in der Er=
widerung
auf eine Interpellation, daß der engliſche Staats=
ſekretär
des Auswärtigen Grey am 14. Dezember v. J.
von der Erklärung Italiens Akt genommen habe, daß die
zwölf Inſeln unter den Bedingungen an die Türkei
zurückgegeben würden, welche Italien und die Türkei feſt=
ſtellen
würden. Die Note Greys habe anerkannt, daß die
Frage in erſter Linie Italien und die Türkei intereſſiere,
aber die aus der Beſetzung der zwölf Inſeln durch Italien
ſich ergebende Lage als anormal bezeichnet. Obwohl das
Wort anormal im Engliſchen eine ein wenig andere Be=
deutung
als im Italieniſchen und Franzöſiſchen hat, ob=
gleich
ich die freundſchaftlichen Abſichten der engliſchen Re=
gerung
kannte, ſo verhehlte ich, fuhr der Miniſter fort,
da ich wußte, daß die erſte Bedingung zur Erhaltung
herzlicher Beziehungen zu England größte
Offenheit und Freimut ſei, Grey gegenüber mei=
nen
Eindruck nicht und teilte ihm die Gründe mit, aus
denen heraus der bewußte Ausdruck eher die Wirkung
haben könnte, die Räumung der zwölf Inſeln aufzuhalten
als zu beſchleunigen, auch weil entgegen den Abſichten des
Staatsſekretärs Grey die Türkei hätte beſtimmen können,
unſeren gerechten Forderungen Widerſtand zu leiſten. Die
ſehr herzlichen und freundſchaftlichen Beſprechungen zwi=
ſchen
mir und dem engliſchen Botſchafter ſowie zwiſchen
unſerem Botſchafter in London und dem Staatsſekretär
Grey haben mich ſofort in der Ueberzeugung beſtärkt, daß
der bewußte Ausdruck keine wenig freundſchaftliche Be=
deutung
Italien gegenüber habe. Dieſen loyalen freund=
ſchaftlichen
Worten Greys entſprachen die Tatſachen.
Auf eine Anfrage des Abg. Federzoni, ob der
Ausdruck Greys zur vollſtändigen Erfüllung der

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Nummer 144.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Beſtimmungen von Lauſanne und zur Erlan=
gung
von entſprechenden Kompenſationen
für die Ausgaben und Opfer, die Italien infolge der Nicht=
erfüllueg
der Lauſanner Beſtimmungen ſeitens der Türkei
gehabt habe, nützen könne, antwortete di San Giuliano
der erſte bemerkenswerte Schritt auf dem wahrſcheinlich
noch langen und mühevollen Wege ſei dank der außer=
ordentlich
freundſchaftlichen Haltung der britiſchen Re=
gierung
gegen Italien bereits in den erſten Tagen des
Februar getan worden. Grey habe geſagt, da es ſich um
Italien handle, mit welchem England die herzlichſten Be=
ziehungen
aufrecht zu erhalten wünſche, würde er ſich den
von den italieniſchen Kapitaliſten geforderten Konzeſſio=
nen
in einer den engliſchen Intereſſen ſo nahen Zone nicht
widerſetzen, natürlich unter dem Vorbehalt des Rechts
einer engliſchen Geſellſchaft für die Eiſenbahn Smyrna
Aidin. Der Miniſter fuhr dann fort: Er freue ſich, mit=
teilen
zu können, daß das Hindernis, das aus dieſen
engliſchen Vorbehalten herrühre, beſeitigt ſei und daß das
italieniſche Syndikat ſowie die engliſche Geſellſchaft für
die Bahnlinie Smyrna-Aidin am 19. Mai ein endgül=
tiges
Abkommen über die italieniſchen und
engliſchen Eiſenbahnen in Kleinaſien
unterzeichnet hätten.
Nach einem hiſtoriſchen Ueberblick über
dieſe Frage ſagte San Giuliano weiter, man müſſe
natürlich noch von der ottomaniſchen Regierung die Kon=
zeſſion
für den Bau und den Betrieb der Bahn, die in
den Häfen von Makri und Adalia ende, und für den Bau
und den Betrieb dieſer Häfen haben, aber das Abkommen
zwiſchen dem italieniſchen Syndikat und der engliſchen
Geſellſchaft würde nützliche Wirkungen haben, denn beide
Geſellſchaften hätten ſich verpflichtet, der Türkei gegenüber
im gegenſeitigen Einverſtändnis zu handeln, und zwar das
italieniſche Syndikat, um die obengenannten Linien ſüd=
lich
von Smyrna und Aidin zu erhalten, die engliſche Ge=
ſellſchaft
, um die anderen entſprechenden Linien nördlich
von Smyrna und Aidin in der Richtung auf die deutſche
Bagdadbahn zu erlangen.

Die Lage in Albanien.

* Durazzo, 25. Mai. Während der Verhand=
lungen
der Mitglieder der internationalen Kon=
trollkommiſſion
mit den Inſurgenten be=
mühte
ſich der italieniſche Geſandte mit dem italieniſchen
Dragoman, die angeſehenſten Führer der Aufſtändiſchen
dazu zu bewegen, die Gefangenen, von denen eine große
Anzahl verwundet war, freizulaſſen. Die Gefangenen
glaubten bereits ihre letzte Stunde ſei gekommen. Die
holländiſchen Offiziere übergaben ſchon dem italieniſchen
Geſandten ihr Geld und übermittelten ihre letzten Wün=
ſche
. Die Unterhandlungen wurden beſonders dadurch
erleichtert, daß der italieniſche Dragoman ein guter Kenner
der albaniſchen Sprache und der Sitten der Albaner iſt.
Sie endigten mit der Freilaſſung der Gefangenen. Der
italieniſche Geſandte brachte in einem Automobil vier
Verwundete nach der Stadt, darunter den rumäniſchen
Prinzen Chika. Die Aufſtandsbewegung iſt jedoch noch
inicht erloſchen. Die Unzufriedenheit dehnt ſich auf ganz
Mittelalbanien aus.
* Durazzo, 26. Mai. Nach einer verſpätet einge=
troffenen
Meldung wurde der öſterreichiſche Konteradmiral
Seidenſacher ſofort vom Fürſten empfangen.
Das ſchnelle Eintreffen der Schiffe macht allgemeinen guten
Eindruck. Der öſterreichiſche Kreuzer Admiral Spaun
iſt nach den heimiſchen Gewäſſern abgedampft. Ein
öſterreichiſcher Schiffsarzt hat ſich mit Verbandszeug zu
den Aufſtändiſchen nach Schick begeben. Das öſter=
reichiſche
Mitglied der Kontroll=Kommiſſion Kral iſt auf
dem Torpedoboot Tarui aus Valona hier eingetroffen
und hat ſich in Begleitung mehreren Kollegen zu den Auf=
ſtändiſchen
nach Schick begeben. Die Forderungen
der Aufſtändiſchen betreffen lediglich den Schutz
der mohammedaniſchen Religion. Daneben
wird der Wunſch ausgedrückt, der Türkei gegen ihre
Feinde zu helfen. Bezüglich Eſſad Paſchas wurden keiner=
lei
Forderungen geſtellt. Es verlautet, daß Turkhan Paſche
ſich mit dem Gedanken der Umbildung des Kabinetts
ſtrage.
* Durazzo 26. Mai. Der geſtrige Tag ver=
lief
ruhig. Heute morgen wurden die letzten Ver=
wundeten
aus Schiak abgeholt. Die Aufſtändiſchen
ließen die Verwundeten an Ort und Stelle behandeln;
die Zahl der zurückgekehrten Gefangenen beträgt 160.
Die Kontrollkommiſſion iſt in der italieniſchen Geſandt=
ſchaft
zuſammengetreten. Sie begab ſich darauf in das
Palais des Fürſten. Das Ergebnis der Beſprechungen
wird geheim gehalten. Auch eine Kommiſſion der Natio=
naliſten
begab ſich in das Palais, um über die innere Po=
litik
und die Maßnahmen zu beraten, die für die Aufrecht=
erhaltung
der Ordnung in der Stadt notwendig ſind. In
Schiak wird die Ankunft Aufſtändiſcher aus Tirana erwar=
tet
, welche gleichfalls Wünſche der Kontrollkommiſſion vor=
tragen
wollen. Es heißt, ſie wollen die Wiederherſtellung
der türkiſchen Regierung verlangen.
* Rom, 26. Mai. Die Agenzia Stefani meldet aus
Durazzo vom 25. Mai: Die Nacht iſt ſehr ruhig
verlaufen. Auf Befehl des Fürſten wurden heute vor=
mittag
ſeine Kinder von der Miſurata ausgeſchifft. Der
öſterreichiſche Konteradmiral hat dem italieniſchen Konter=
admiral
perſönlich mitgeteilt, er habe beſchloſſen, Matro=
ſen
zu landen, um zuſammen mit den italieniſchen den
Sicherheitsdienſt für die Fürſtenfamilie aufzunehmen.
Etwa fünfzig albaneſiſche Gendarmen ſind an Bord eines
öſterreichiſchen Torpedoboots angekommen.
* Rom, 25. Mai. Die Tribuna meldet: Eſſad
Paſcha hatte heute eine längere Unterredung mit dem
Miniſter des Aeußern, Marcheſe di San Giuliano.
* Rom 26. Mai. Die Blättermeldungen, nach denen
geſtern der Miniſterpräſident di Giuliano Eſſad
Paſchä empfangen habe, ſind völlig aus der Luft
gegriffen. Eſſad Paſcha iſt geſtern nach Neapel ab=
gereiſt
.
* Rom 26. Mai Die Agenzia Stefani meldet aus
London: Die ruſſiſche Regierung teilte der franzöſiſchen
und der engliſchen Regierung mit, daß ſie mit der Ent=
ſendung
von internationalen Truppen=
detachements
nach Durazzo zum Schutze des
Fürſten Wilhelm und der Kontrollkommiſſion einver=
ſtanden
ſei. Die franzöſiſche Regierung ſei ebenfalls
geneigt, die italieniſche Regierung beſteht darauf und die
Regierung von Oeſterreich=Ungarn leiſtet keinen Wider=
ſtand
. Die Entſcheidung der deutſchen und der eng=
liſchen
Regierung iſt noch nicht bekannt.

Literariſches.

* Rembrandts Handzeichnungen. Ge=
ſſamtausgabe
. Herausg. von Kurt Freiſe, Karl Lilien=
feld
, Heinr. Wichmann. II. Band. Königl. Kupferſtichkabi=
nett
Berlin. (Hermann Freiſe, Verlag, Parchim i. M.)

M. 23. Die günſtige Aufuahme, die der erſte Dand ge
funden hat, iſt ein Anſporn geweſen, auf dem betretenen
Wege weiter zu gehen. Der jetzt vorliegende II. Band
enthält in 176 Abbildungen die reichen Schätze an Rem=
brandtſchen
Handzeichnungen des Königl. Kupferſtichkabi=
netts
in Berlin, worunter faſt 100 Stück zum erſten Male
veröffentlicht werden und deshalb in deutſchen Kunſt=
kreiſen
beſonderem Intereſſe begegnen dürften. Wie beim
erſten Bande (Amſterdam, Preis 8 M.) war es auch dies=
mal
das Beſtreben, wenn auch keine Fakſimilierproduk=
tionen
, ſo doch die Autotypien in verſchiedenen Farben=
tönen
zu geben, um dadurch nach Möglichkeit der farbigen
Wirkung der Originale nahe zu kommen. Der Band ent=
hält
27 Seiten Einleitung und Erläuterungen. Jeder
Kunſtfreund iſt durch die Anſchaffung dieſer wohlfeilen
Geſamtausgabe in der Lage, ſich nicht nur eine Auswahl
von Abbildungen Rembrandtſcher Handzeichnungen,
deren Originale jetzt mit vielen Tauſenden bezahlt wer=
den
, anzuſchaffen, ſondern ſich in den Beſitz des geſamten
zeichneriſchen Nachlaſſes des Meiſters zu ſetzen, der auch
in bloßen Reproduktionen noch eine unerſchöpfliche Quelle
künſtleriſchen Genuſſes in ſich birgt. Möge auch dieſer
zweite Band den Weg zu den zahlreichen Freunden Rem=
brandtſcher
Zeichenkunſt finden!

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 26. Mai. Der Bundesrat überwies den
zuſtändigen Ausſchüſſen den Zuſatzvertrag zu dem
Vertrage mit den Niederlanden uber die
Unfallverſicherung, die Vorlage betreffend Ver=
ſetzung
von Orten in eine andere Ortsklaſſe des Woh=
nungsgeldzuſchußtarifs
. Den vom Reichstag angenomme=
nen
Entwürfen eines Geſetzes zur Aenderung der §§ 74, 75
u. 76 Abſ. 1 des Handelsgeſetzbuches, des Geſetzes gegen den
Verrat militäriſcher Geheimniſſe ſowie des Geſetzes be=
treffend
die Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen
und Sachverſtändige wurde zugeſtimmt. Das Erſatzpro=
tokoll
zur revidierten Berner Uebereinkunft zum Schutze
von Werken der Literatur und Kunſt wurde angenommen.
* Berlin, 26. Mai. Die Norddeutſche Allgemeine Zei=
tung
ſchreibt: Der wirtſchaftliche Ausſchuß zur
Begutachtung und Vorbereitung handels=
politiſcher
Maßnahmen iſt heute unter dem Vor=
ſitz
des Staatsſekretärs Dr. Delbrück zu einer Sitzung
unter Zuziehung einer größeren Anzahl von Sachverſtän=
digen
des Handels, der Induſtrie und der Landwirtſchaft
zuſammengetreten. Der Zweck der Tagung iſt, eine Aus=
ſprache
herbeizuführen über die verſchiedenen in der Preſſe
und der Literatur im Laufe der letzten Jahre hervorge=
tretenen
mehr oder weniger ſachkundigen Erörterungen
über die Einrichtung eines ſogenannten wirtſchaftlichen
Generalſtabes und die damit in Zuſammenhang ſtehenden
Fragen. Wie die Norddeutſche Allgemeine Zeitung hört,
ſoll von der Bildung eines beſonderen Ausſchuſſes für die
Fragen der wirtſchaftlichen Mobilmachung Abſtand ge=
nommen
, die einſchlägigen Fragen ſollen vielmehr für den
Bedürfnisfall in dem für die Begutachtung wirtſchaftlicher
und handelspolitiſcher Fragen bereits ſeit dem Jahre 1897
beſtehenden wirtſchaftlichen Ausſchuß erörtert werden. Wie
alle Verhandlungen dieſes Ausſchuſſes werden auch die
gegenwärtigen vertraulich geführt.
* München, 26. Mai. Heute vormittag fand auf dem
Oberwieſemfeld die erſte Parade der geſamten
hieſigen Garniſon vor dem König Ludwig
ſtatt. Nach der Parade war in der königlichen Reſidenz
Militärtafel, bei der der König in einer Rede aus=
führte
, es ſei ihm eine Freude geweſen, die Offiziere und
Mannſchaften bei der Parade in einem vortrefflichen Zu=
ſtande
zu ſehen. Daß die bayeriſche Armee keinem an=
deren
Kontingente nachſtehe, wiſſe er. Er gehöre ihr ja
ſchon über 50 Jahre an und habe Gelegenheit gehabt, bei
dem idealen Wettbewerb in den verſchiedenen Manövern
ſich davon zu überzeugen. Wenn jede Armee, wenn jedes
der 25 deutſchen Armeekorps beſtrebt ſei, das beſte zu ſein,
habe Deutſchland nichts zu fürchten. Der König fuhr fort:
Sie wiſſen, daß ich ein großer Friedensfreund bin, und
ich hoffe, der Friede wird uns noch lange erhalten bleiben.
Aber die Aufgabe der Armee iſt: Sie muß ſich zum Kriege
vorbereiten. Die Armee und ſelbſtverſtändlich ich als
oberſter Kriegsherr fürchten den Krieg nicht. Sollte die
bayeriſche Armee noch einmal unter dem Oberbefehl des
oberſten Bundesfeldherrn, des deutſchen Kaiſers und =
nigs
von Preußen, in den Krieg ziehen, dann wünſche ich
ihr neue Lorbeeren und Erfolge, getreu ihrer uralten Ge=
ſchichte
. Der König widmete ſein Glas ſeiner Armee.
* Kolmar, 26. Mai. Heute mittag kurz vor 12 Uhr
warf ſich ein aus dem Reichslande ſtammender Soldat
namens Leonhard Wirz in dem Augenblick, als er von
einem Gendarmen wegen Deſertion verhaftet werden
ſollte, vor den gerade einfahrenden Per=
ſonenzug
in Weier im Tal und wurde ſofort ge=
tötet
.
* Neuſtrelitz, 26. Mai. Der Krankheitsbericht über
das Befinden des Großherzogs beſagt: Die
Temperatur war geſtern abend 40, heute morgen 37,1,
Puls 88. Die Venenentzündung iſt nicht weiter fortge=
ſchritten
. Die Nahrungsaufnahme und der Kräftezuſtand
ſind verhältnismäßig ſehr gut.
* Prag, 26. Mai. Das jungtſchechiſche Organ Harcani=
liſty
, das Enthüllungen über den früheren Abgeord=
neten
Sviha brachte, beſchuldigt den nationalſozialen
Abgeordneten Vojnar, daß er in ſeiner Eigenſchaft als
Präſident des tſchechiſchen Eiſenbahnerverbandes für Böh=
men
in dem Streite der Eiſenbahner mit dem genannten
Verband Beſtechungsgelder angenommen
habe. Das Blatt belegt die Beſchuldigung mit einem
farſimilierten Brief und verlangt das Ausſcheiden Vojnars
fakſimilierten Brief und verlangt das Ausſcheiden Vojnars
aus dem Eiſenbahnerverband und die Niederlegung ſeines
* Madrid, 26. Mai. Der König unterzeichnete einen
Erlaß, nach dem alle ausländiſchen Wertpapiere, die in
Spanien zirkulieren und gehandelt werden ſollen, der
ſpaniſchen Steuer unterliegen und mit dem
ſpaniſchen Umlaufsſtempel verſehen ſein müſſen.
* Dedeagatſch, 26. Mai. An Bord des deutſchen Pan=
zerkreuzers
Göben fand ein Diner ſtatt, an dem
die Generäle Toſchew und Delow, ſowie alle höheren
Offiziere der Garniſon, der Unterpräfekt und der Bürger=
meiſter
der Stadt teilnahmen. Die Göben hat geſtern
den Hafen von Dedeagatſch verlaſſen.
* Petersburg, 26. Mai. In der Duma kam es bei
der Beſprechung des Budgets des Juſtizminiſteriums zwie
ſchen dem Redner der Oktobriſten Schubinski und dem Ka=
detten
Miljukow zu perſönlichen beleidigenden
Auseinanderſetzungen in welche ſich die Abge=
ordneten
Kerewsky von der Arbeiterpartei und Puriſchke=
witſch
von der äußerſten Rechten einmiſchten. Miljukow.,
Puriſchkewitſch und Kerewsky wurden für die Dauer einer
Sitzung ausgeſchloſſen. Der Antrag des Vizepräſidenten

Konowaloff, auch Schubinski auszuſchließen, wurde mit
111 gegen 108 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen abge=
lehnt
. Infolgedeſſen trat Konowaloff von ſeinem Poſten
zurück.

Exploſion auf einem ruſſiſchen Torpedoboot.

* Libau, 26. Mai. Auf dem im Hafen Alexander ul.
liegenden Torpedoboot Pogranitſchnik explo=
dierte
ein Dampfrohr, wodurch ein Ingenieur=Leutnant
und 4 Matroſen verbrüht wurden. Sie wurden in
das Hoſpital gebracht.

Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie.

* Berlin, 26. Mai. In der heutigen Vormittagsziehung
der Preußiſch=Süddeutſchen Klaſſenlotterie fielen 15000
Mark auf Nr. 101059, 5000 Mark auf Nr. 23246 64601 86801
194452 216331, 3000 Mark auf Nr. 275356 12769 13702 27110
31978 33653 35260 44370 45453 49095 49924 50580 53010
61815 73702 78490 .79669 83706 87363 90801 102067 103589
118353 128776 129097 138932 140113 142911 149614 151233
160607 160871 164757 179709 185458 185671 188164 189245
190025 194302 202466 203195 211520 218478 226554 231044.
In der Nachmittagsziehung fielen 60000 Mark auf Nr.
153767, 5000 Mark auf Nr. 92492, 3000 Mark auf Nr. 4038
4789 49360 49881 82512 88198 89493 94024 105548 106198
108816 116432 117950 120773 128198 137280 146564 154468
164303 164509 165479 167362 172647 179273 182531 183296
189074 190248 203841 209810 und 217498. (Ohne Gewähr.)
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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und immer gleichmäßig ſein, darf keine unverdauliche
Stärke enthalten und der Zubereitung keine Schwierig=
keiten
bieten, ſie muß ausgiebig und billig, nahrhaft und
wohlſchmeckend ſein. Alle dieſe Bedingungen erfüllt
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Kinder eine ausgezeichnete, von Aerzten viel em=
(J,12831
pfohlene Nahrung iſt.

[ ][  ][ ]

Nummer 144.

Geſchäftliches.
Jetzt im Frühjahr haben Weiß=, Wirſing= und
Rotkohl durch das lange Einkellern an Wohlgeſchmack
verloren. Dieſem Uebel kann man leicht abhelfen, indem
man das Gemüſe, nach dem üblichen Abbrühen, in
kräftiger Fleiſchbrühe aus Maggi’s Bouillon=
würfeln
weichkocht. Das gleiche gilt für Mohrrüben
(Gelbrüben) und Kohlrüben.
(IX,12874
Familiennachrichten.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Seite 7.

Statt Karten!
Die glückliche Geburt eines gesunden
BUBEN zeigen hocherfreut an
Stadtamtmann Hugo Kröll,
und Frau Emmy, geb. Matthias.
Darmstadt, 25. Mai 1914.
Hoffmannstrasse 20, II.

(12825

Sososegoge
Dankſagung.
Anläßlich der Vermählung unſerer Kinder ſind
uns ſo viele Gratulationen, Glückwünſche und
Geſchenke zugegangen, daß es uns unmöglich iſt,
jedem Einzelnen zu danken, und ſprechen wir daher
auf dieſem Wege unſeren herzlichſten Dank aus.
Familie Ludwig Scholler, Nieder=Modau,
Subke,
(12868
,
Friedrich Müller.
Ssgsstssgssgsstsssisstgssssegsgotg

Statt beſonderer Anzeigt.
Heute mittag ½12 Uhr entſchlief ſanft nach
langem, ſchwerem Leiden unſere liebe Tante
Ida Vockerodt
im 77. Lebensjahre.
Darmſtadt, Gießen, Nieder=Ramſtadt
26. Mai 1914.
(1289a
Prof. G. Weimar u. Familie,
Prof. Dr. O. Weimar u. Familie,
Pfarrer Th. Weimar u. Familie.

Beerdigung: Donnerstag, 4¼ Uhr, vom Fried=
hofsportal
aus.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Ent=
ſchlafenen
.

Nachruf.
Am 24. ds. Mts. verſchied nach längerem
Leiden die Ehren=Vorſitzende des Damen=
Stenographen=Vereins Gabelsberger (12842
Fräulein Clara Eppert.
Wir verlieren in der Dahingeſchiedenen die
Gründerin unſeres Vereins, welche durch ihre
Tatkraft und Opferwilligkeit es verſtanden hat,
demſelben zu ſeiner jetzigen Blüte und Größe
zu verhelfen. Als treue Förderin unſerer
Kunſt war ſie jederzeit bereit, ihr reiches Wiſſen
und ihre großen Erfahrungen in den Dienſt
unſerer gemeinſamen Beſtrebungen zu ſtellen.
Ebenſo hat es die Verſtorbene verſtanden, uns
alle durch die hervorragende Gediegenheit
ihres Charakters, ſowie durch die Leutſeligkeit
ihres Weſens als treue Freunde zu gewinnen.
Ihr Heimgang bedeutet für uns einen
ſchmerzlichen Verluſt. Wir werden das An=
denken
der Verſtorbenen ſtets in höchſten Ehren
halten!
Damen=Stenographen=Verein
Gabelsberger.
Darmſtadt, den 26. Mai 1914.

Heute Nacht entſchlief ſanft nach kurzem Leiden unſere liebe, unvergeßliche
Mutter. Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter
(12841
Frau Lina Mahr, geb. Leuthner
im Alter von 70 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Adam Hagenauer
Carl Mahr,
Darmſtadt, 26. Mai 1914.
Profeſſor Dr. Wilh. Büchner,
Frau Gretchen Wuth u. Kinder,
Familie Dr. Willo Mahr.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Mai, 2 Uhr nachmittags, vom Trauerhauſe
Ernſt-Ludwigsplatz 2 aus ſtatt.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute vormittag entſchlief ſanft nach
kurzem, ſchwerem Leiden mein geliebter Gatte,
unſer guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager
und Onkel
(12896
Herr Heinrich Klöß
Gastwirt
im 41. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.:
Frau Magdalene Klöß
und Kinder.
Darmſtadt, den 26. Mai 1914.
Die Beerdigung findet Donnerstag, 28. Mai,
nachmittags 3½ Uhr, vom Trauerhaus Kies=
ſtraße
45 aus auf dem Beſſunger Friedhof
ſtatt. Einſegnung ½ Stunde vorher.

Danksagung.
Für die freundliche Anteilnahme
und Kranzspenden, die uns von allen
Seiten zuteil geworden sind, erlauben
wir uns an dieser Stelle unseren innig-
sten
Dank hiermit auszusprechen.
Eberstadt, 25. Mai 1914.
Frau Helene Heydrich
und Sohn Hellmut.
(*14823

Dankſagung.

Für die wohltuenden Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
bei dem Hinſcheiden meiner lieben Frau,
unſerer Mutter, Großmutter, Schwägerin, Schweſter
(12895
und Tante

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
: Adolf Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Amerika 23. Mai 10 Uhr 30 Min. morg.
von Neu=York über Cherbourg und Southampton nach
Hamburg. Etruria 23. Mai 3 Uhr nachm. von
Neuorleans nach Hamburg. Pennſylvania. von Neu=
York kommend, 24. Mai 7 Uhr 10 Min. abends Lizard
paſſiert. Pretoria nach Neu=York, 24. Mai nachm.
Saint Catherines Point paſſiert. Samland nach
Montreal, 24. Mai 10 Uhr morgens in Quebec. Wille=
head
, von Kanada kommend, 25. Mai 12 Uhr 30 Min.
nachts in Hamburg. Weſtindien, Mexiko: Georgia
nach Weſtindien, 24. Mai 12 Uhr 45 Min. mittags
Cuxhaven paſſiert. Mecklenburg‟ 22. Mai in Havanna.
Venetia, von Weſtindien kommend, 24. Mai 9 Uhr
abends in Hapre. Südamerika, Weſtküſte Amerikas:
Hohenſtaufen 22. Mai 4 Uhr nachm. von Rio de
Janeiro nach Bahia. König Friedrich Auguſt, von
dem La Plata kommend, 24. Mai 4 Uhr nachm. von
Liſſabon. König Wilhelm II. nach dem La Plata,
23. Mai 4 Uhr nachm. von Rio de Janeiro. Sieglinde‟
23. Mai nachm. in Parnabyba. Valencia von Nord=
braſilien
kommend, 24. Mai 7 Uhr morgens in Hapre.
Oſtaſien: Emden 23. Mai in Manila, ausgehend.
Fürſt Bülow‟ 23. Mai 5 Uhr nachm. von Kobe nach
Schanghai. Ninive‟ 24. Mai morgens in Wladiwoſtok,
ausgehend. Sachſen 24. Mai 2 Uhr nachm. in Dün=
kirchen
, heimkehrend. Scandia, von Oſtaſien kom=
mend
, 24. Mai 1 Uhr morgens in Hamburg.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der hohe Druck, der Montag ganz Nordweſteuropa
bedeckte und ſich oſtwärts auszudehnen ſchien, hat an
Stärke und Ausdehnung beträchtlich abgenommen, tiefer
Druck bedeckt immer noch Süd= und Mitteleuropa, in
deſſen Bereich wir ſehr kühles Wetter mit Regenfällen,
in höheren Lagen auch leichten Schnefällen, hatten.
Wir haben heute keine Aenderung unſerer Witterung zu
erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, den 27. Mai:
Vorwiegend wolkig, Regenfälle, nördliche Winde, Tem=
veratur
nicht weſentlich geändert.

Tagestalender.
Mittwoch, 27. Mai.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr. Ende nach
9½ Uhr (Ab B): Minna von Barnhelm
Schüleraufführungen des Beethoven= Konſer=
vatoriums
für Muſik um 2 und 5 Uhr im Saale Zur
Traube.
Vortrag von Profeſſor Göckel um 8 Uhr in der Eliſa=
bethenkirche
.
Hauptverſammlung des Verbandes evangeliſch=
kirchlicher
Frauenvereine um 3 Uhr Kiesſtraße 17
Spielabend des Schachklubs um 8 Uhr im Reſtaurant
Kaiſerſaal.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr Vereinigte Ge=
ſellſchaft
um 7½ Uhr. Perkeo um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 28. Mai.
Hofreite=Verſteigerung des Peter Trautmann
(Heinheimerſtraße 61) um 3 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 4 Uhr in der
Ludwigshalle‟
Klee=Verſteigerung um 10 Uhr Ecke Kirſchenallee
und Pallaswieſenſtraße.

geb. Kern
ſprechen wir Allen, beſonders Herrn Pfarrer Lin=
denſtruth
und der Vereinigung Geſelligkeit un=
ſeren
herzlichſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 26. Mai 1914.

redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbei agen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Jriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen: nachtrüäg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manufkripte
werden nicht zurückgeſandt.

Frau Elise Schwarz

Druck und Verlag. z. F. Pilüchiche Kaſachtrachernt
Verantwortlich für den poſitiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen

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Versand ab Montag, den 25. Mai ds. Js. (12605ems
Vorzüglicher Feiertagstrunk.
Beſtellungen hierauf nehmen die bekannten Verkaufsſtellen, ſowie die Brauerei ſelbſt (Tel. 385) entgegen.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Nummer 144.

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Geöffnet von 10½12 Uhr.

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Jean Egner, Karlſtraße 46.

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[ ][  ][ ]

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Nummer 144.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914,

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1.15 , II. Galerie 65 .
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im Hoftheater von 9½1
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 81 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der Vor=
ſtellung
. (Im Verkehrsbüro wer=
den
auch telephoniſch Kartenbe=
ſtellungen
entgegengenommen.
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ Uhr. Ende nach9½ Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Donnerstag, 28. Mai. Auß. Ab.
Frühlings=Feſtſpiele. 5. Abend.
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Freitag, 29. Mai. Außer Ab.
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Vorverkauf bis einſchließl. Freitag,
29. Mai, im Verkehrsbüro, Ernſt=
Ludwigsplatz. Verkauf der etwa
noch vorhandenen Karten am Tage
der Vorſtellung auch an der Tages=
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§findenden Konzert der Kapelle
des Großh. Garde=Dragoner=
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Ge e e e e e e e Sechee
2. Ouvertüre zur Oper Maurer
vorzüglich geg Un=und Schloſſer von Auber. 3. Un=
Tabakstaub
gezief. an Pflanzen. gariſcher Tanz Nr. 5 von Brahms.
Zu beziehen d. die Zigarrengſchäfte: 4. Steuermannslied und Matroſen=
Eliſabethenſtr. 26 (10972a chor aus Der fliegende Holländer
Große Ochſengaſſe 1
von Wagner. 5. Siameſiſche Wacht=
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Nummer 144.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 Kinderwagen (Holländer). 1 längliche ſilberne
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Inhalt. 1 Trauring, gez. A. B. 23. 8. 02. 1 goldener Damenring
mit rotem Stein. 1 ſchwarzſeidenes Umhängetuch. 3 Bund Schlüſſel.
1 Broſche (Jubiläumszweimarkſtück). 1 Füllfederhalter mit Etui.
1 kleiner Riemen. 1 dunkelgrauer Herrenfilzhut. 1 Paar lange weiße
Damenbandſchuhe. 1 evang. Geſangbuch mit blauer Samtdecke.
1 vernickelter Schrankſchlüſſel. 1 Anzahl Schlüſſel. 1 Taſchenmeſſer
mit Hornſtiel. 1 goldener Damenring mit Stein. 1 braunes Porte=
monnaie
mit Inhalt. 1 Tambourin. 2 ſilberne Damenuhren. 1 Sol=
datenbruſtbeutel
mit 3 kleinen Schlüſſeln. 1 braunes Handtäſchchen
mit über 5 Mk. Inhalt.
(12815
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Schäferhund (zugelaufen). Die Hunde können von
den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(12853

Polizeiverordnung

über den Verkehr mit Laſtautomobilen in den Straßen an der
Hochſchule zu Darmſtadt.
Auf Grund des Artikels 129b der Städteordnung vom 8. Juli
1911 und des § 23 der Bekanntmachung des Bundesrats über die
Regelung des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen vom 3. Februar 1910
wird nach Anhören der Stadtverordnetenverſammlung und mit Ge=
nehmigung
des Großh. Miniſteriums des Innern vom 11. Mai 1914
zu Nr. M. d. J. 8990 verordnet:
§ 1.
Für den durchgehenden Verkehr von Laſtautomobilen
werden geſperrt:
a) die Hochſchulſtraße in ihrer ganzen Länge,
b) die Schloßgartenſtraße von der Ruthsſtraße bis zur Hoch=
ſchulſtraße
,
c) die Arheilger Straße von der Ruthsſtraße bis zur Schloß=
gartenſtraße
,
d) die Pankratiusſtraße von der Ruthsſtraße bis zur Schloß=
gartenſtraße
.
§ 2.
Zuwiderhandlungen werden nach § 366 Ziffer 10 des Reichs=
ſtrafgeſetzbuchs
mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.
§ 3.
Dieſe Polizeiverordnung tritt in Kraft mit dem Tage ihrer
erſtmaligen Verkündigung im Darmſtädter Tagblatt.
Darmſtadt, den 20. Mai 1914.
(12692gim
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Ausnahmetage vor Pfingſten.

Als Ausnahmetage im Sinne des § 139d Ziffer 3 der Reichs=
gewerbeordnung
(Ueberbeſchäftigung von Gehilfen ꝛc.), ſowie im Sinne
des § 139e Abſatz 2 Ziffer 2 der Reichsgewerbeordnung ( Verlänge=
rung
der Feierabendſtunde für offene Verkaufsſtellen bis
10 Uhr abends) werden hiermit beſtimmt:
die zwei letzten Werktage vor Pfingſten.
Hiernach dürfen am 29. und 30. Mai lfd. Js. ſämtliche offene
Verkaufsſtellen in hieſiger Stadt bis 10 Uhr abends für den geſchäft=
lichen
Verkehr geöffnet ſein. An den gleichen Tagen finden die
Beſtimmungen über die Mindeſtruhezeit und Mittagspauſen der
Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsſtellen keine
Anwendung.
Darmſtadt, den 16. Mai 1914.
(12707omf
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Verdingung von Erdarbeiten.

Die zur Herſtellung des Schwarzgrabens in Gemarkung
Bickenbach und Alsbach erforderlichen Erdarbeiten, und zwar:
Los 1: Gemarkung Bickenbach auf 670m Länge mit rund 500 cbm,
Los 2:
300
Alsbach 1070
ſollen durch ſchriftliche Angebote nochmal vergeben werden. Pläne
und Bedingungen ſind bei uns einzuſehen. Angebotsvordrucke nebſt
Bedingungen ſind nur von uns, und zwar für jedes Los gegen
Bareinſendung von 1.50 Mark (nicht in Briefmarken) zu beziehen.
Angebote ſind verſchloſſen und mit entſprechender Aufſchrift verſehen,
aus der das Objekt und die Losnummer ſowie der Unternehmer zu
erſehen iſt, bis ſpäteſtens
Samstag, den 6. Juni 1914, vormittags 10 Uhr,
bei der unterzeichneten Behörde, Bleichſtraße 1, einzureichen, woſelbſt
auch die Eröffnung in Gegenwart der Bieter ſtattfindet. Es können
nur Angebote unter Benutzung der Vordrucke ohne Textänderungen
und Zuſätze berückſichtigt werden. Freie Auswahl bleibt ausdrücklich
vorbehalten. Zuſchlagsfriſt 2 Wochen.
Darmſtadt, den 25. Mai 1914.
(12819
Großh. Kulturinſpektion Darmſtadt.
Wallek.

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Donnerstag, den 28. ds. Mts., nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale zur Ludwigshalle dahier, Obergaſſe, öffent=
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1 Nähmaſchine, 1 Partie Küchengeräte, Küchenmobel,
Vorhänge, Tiſchdecken, Teppiche, Frauenkleider und
ſonſtige Haushaltungsgegenſtände, 1 Büfett, 2 Vertikos,
3 Kleiderſchränke, 1 Tiſch, 1 Bücherſchrank, 1 Warenſchrank,
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1 Geige, 1 Pianino, 1 Streichinſtrument, 1 Schließkorb,
1 Koffer, 1 Schuhmachernähmaſchine, 1 Fahrrad, 1 Heft=
maſchine
, 2 Ballen Federn, 4 Dutzend Badehandtücher u. a. m.
H. Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher
Darmſtadt, Bleichſtraße 28.
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Im gefl. Auftrage verſteigere ich Donnerstag, den 28. Mai
1914, vormittags 10 Uhr, Ecke Kirſchenallee u. Pallaswieſenſtr.
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Johannes Krummeck,
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Mittwoch, den 17. Juni 1914,
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mann
und deſſen Ehefrau Marie,
geb. Nöller, dahier gehörigen Lie=
genſchaften
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Weinbergſtr., VI 401 607 Hofreite Wein=
bergſtraße
Nr. 14 VI 402 36 Grasgarten
Weinbergſtraße, VI 403 42 Grasgarten da=
ſelbſt
, VI 404 543 Grabgarten da=

in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, wiederholt zwangs=
weiſe
verſteigert werden. (K95/13
Die Genehmigung der Verſteige=
rung
kann auch dann erfolgen,
falls kein der Schätzung entſprechen=
des
Gebot eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nich
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 18. Mai 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (IX,12420

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 1. Juli l. Js.,
vormittags 10 Uhr,
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Braun Eheleuten dahier zugeſchrie=
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Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 581 344 Hofreite Moller=
ſtraße
Nr. 36,
in unſerem Bureau, Grafenſtraße
Nr. 30, II., zwangsweiſe verſteigert
(K52/14
werden.
Darmſtadt, 20. Mai 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,12830

Pferde=Verkauf.

Freitag, den 29. Mai 1914,
11 Uhr vormittags,
wird auf dem vorderen Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne am Ma=
rienplatz
in Darmſtadt ein acht
Wochen altes Fohlen öffentlich
meiſtbietend verſteigert. (12823
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.

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gegengenommen.
Anfr. unter Frühobſt R 83 an
die Exped. ds. Bl.

Geweih=Sammlung (30 Stck.),
div. Bilder, Krüge und Figuren
zu verk. Anzuſ. v. 6 Uhr abends
Alexanderſtr. 4, Stb. I. (*14770

Großherzogliches Hoftheater.

Die Einſendung aller noch rückſtändigen Koſtenrechnungen über
Leiſtungen und Lieferungen für das Großherzogliche Hoftheater und
die Hofmuſik wird wegen des bevorſtehenden Bücherſchluſſes bis zum
8. Juni erbeten. Für jede Rubrik ſind die in doppelter Aus=
fertigung
einzureichenden Koſtenrechnungen getreunt aufzuſtellen.
Die bezüglichen Beſtellſcheine müſſen beigefügt werden. Die nach
dem obigen Termin einlaufenden Rechnungen können erſt bei der
nächſten Abrechnung Berückſichtigung finden.
(12545sm
Darmſtadt, den 20. Mai 1914.
Die Generaldirektion
des Großh. Hoftheaters und der Hofmuſik.

Zingerichtet!!
ſind alle Augen auf mein Angebot.
Total=Ausverkauf

meines

(12820mg
Papier=, Schreibs und
Zeichenwaren=Geſchäfts
(Spezialgeſchäft für den Hochſchulbedarf)
zu ſtaunend billigen Preiſen wegen
Geſchäfts=Aufgabe.
Johannes Radtke
Lauteschlägerstr. 18.

Bin unter

Nammer 1904
an das Telephonnetz angeschlossen.
(*14849
Kolonialwaren,
Kiesstraße 34,
Obst u. Gemüse Adam Falter Ecke Hochstraße.

Privatklinik f. Frauenkrankheiten u. Geburtshilfe
von Dr. Machenhauer, Darmstadt
Telephon 288.
Lagerhausstrasse 24.
Besuchszeit: täglich von 24 Uhr nachmittags.
Aerztliche Sprechstunde nur in der Privatwohnung:
Riedeselstrasse 52.
Werktags von 24 Uhr nachm. Telephon 334.
Betr. Behandlung der Kassenmitglieder bestehen Verträge
mit sämtlichen Krankenkassen.
(12439a

weber sche Augenklinik Darmstadt.
Frankfurterstrasse 42
Aerztliche Sprechstunde: 10-12½ und 24 Uhr.
Augenarzt Dr. Ollendorff.
Betr. Behandlung von Kassenmitgliedern bestehen
Verträge mit sämtlichen Krankenkassen.

Orthopädisch-chirurgische Heilanstalt
Dr. med. Emil Wolf
Darmstadt, Rheinstrasse 31, Telephon 729.
Sprechstunden täglich (ausser Mittwoch) v. 25 Uhr.
Betr. Behandlung von Kassenmitgliedern bestehen Verträge
mit sämtlichen Krankenkassen.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Nummer 144.

Tranktarter Kurssericht ven 13. Aar 191.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

Staarspapiere.
100,20
Dt. Reichsschatzanw.
98,60
Dt. Reichsanleiho p. 1918
98,90
do. . . . . p. 1925
36,70
do. . . . . . ..
77,30
d0. . . . . . . . . . ..
4 100,20
Preußische Schatzanw.
19130
Statfelanleihe.
86,70
Consols . . .
7740
do. .. . .
Badische Staats-Anleihe:. 4 97,15
3½ 88,40
do,v. 92/94 .
d0- . . . . . . . . . . . . .
97,10
Bayerische Ablös.-Rente.
98,40
L.-B.-Anl. kdb. ab 1906
49840
do. unkdb. p. 1918
98,40
do. unkdb. p. 1920 . .
E.-B.- u. Allgem. Anl.
98,45
unkäb. p. 1930 .
3½ 85,15
do, Anleihe . .
75,90
do.
eee
4 98,00
Hamburger Staats-Anl.
do. v. 1897/94 ..
79,20
do. . .
97,10
Hessische Staats-Anleih
97,10
do. unkdb. p. 1921
85,10
G0. . . . . .
74,80
da..
77,50
Bächische Staats-Rente
Württembg. Staats-Anl.
98,55
(unkdb. p. 1921). .
87.80
do. v. 79/80 . . .
do. ..
77,80
. . . .,
Bulgarische Gld.-Anl.
56,50
Grioch. Anl. v. 1800 . .
do. v. 1887 Monopol
95.90
Italienische Rente.
Ostorr. Staats-R. v. 1913.
90,70
do. Silber-Rente ..
4½ 85,15
do. Papior-Rente . .
do, Gold-Rente . . .
85,05
do. einheitl. Rente . .
81,45
Portug. Tab-Anl. 1891
98,30
do, inn. amort. 1905
74,00
do. unif. Berie I
61,85
do.
III.
do. Spezial Titel. .
-
Rumänen v. 1903 . .
(100,20
do. Gold v. 1913.
4½ 91,10
do. Schatzsch. v. 1913. 4½100,00
do. conv..
48450
do. v. 1890 .
4 93,90
do. v. 1891
4 87.00
do. v. 1905
84,90
do. v. 1308 .
85,20
do. v. 1910
85,00
Russische St-Anl. v. 19
97,70
do. kons. v. 1880 .
86,30
do. Gold v. 1890 .
. v. 1902 .
89,40
Schwoden v. 1880.
do. v. 1886 .

3½ 88,20
Schweden v. 1890.
87,50
Serben steuerfrei . . . . .
79,00
do. amort. v. 1895 .
Türk. Egypt. Tribut . .
do. kons. steuerfreie .
do. Admin. v. 1903. .
76,50
do. unif. v. 1903. .
do. v. 1905. . .
4 72,20
Ungarische Staats-Rente
4½ 89,40
1913 unkäb. bis 1023
Ungar. Staatsk.-Scheine
..4½ 98,60
v. 1913. . . . . . . .
48180
do. Gold-Rente.
80,10
do. Staats-Rente 1910.
. Kr. 4 1 87,00
do,
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1875
do. äußere v. 1890 . . . 5 I 99,60
do. innere v. 1888 . . . 4½
do. äußere v. 1888 . . .4½
do. v. 1897 . . . . . .
4* 79,70
5 93,40
Chile Gold-Anl. v. 1911.
do. v. 1889 .
4½
do. v. 1906
4½ 87,80
Chines. St.-Anl. v.
6
5 9050
do. v. 1896
5 87,50
do. Reorg. Anl
do, v. 1898
4½ 80,50
Japaner
90,35
Innere Mexikane
67,25
Aubere do.
85,00
Mexikan. Gold v. 19
4 67,30
do. cons.
3 43,00
do. Irrigat.-Anleihe
4½ 68,40
Buenos-Aires Prov.
3½ 63,50
Tamaulipas ..
5 68,50
Sao Paulo E.-B.
5
do. v. 1913
5 98,90
Siam v. 1907.
41
95,00
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/97
84,30
v. 19043½
Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadt
Darmstadt.
98,85
Nordd. Lloyd-Obligat. . . 4½
Donau-Dampfschiff. v. 82 4 92,00
Elisabethbahn . .
t90,30
Franz-Josef-Bahn.
Kaschau-Oderberger v. 89
Prag-Duxer .
3 71,80
Osterreich. Staatsbahn . 5 1101,70
do. . . .
88.60
do. . . .
72,85
do. Südbahn (Lomb.).
97,55
do. do.
70.00
do. do,

50,55
Raab-Oedenburg
76,70
Kronprinz Rudolfbahn .
Russ. Südwest .
84,30

Moskau-Kasan .
do. . ..
85,20
Wladikawkas. .
Rjäsan-Koslow.
62,05
Portugies. Eisenb.
86,50
do.
90.10
Livorneser
60,50
Salonique Monastir.
77,40
Bagdadbahn .
90,20
Anstolische Eisenbahn.
4 90 00
Missouri-Pacific I.
4 54,50
do. do. v. 1905 .
494,60
Northern-Pacific.
Southern-Pacific . . .
92,10
St. Louis & San Francisco
5
Tehuantepec . .
5 1 98,50
Ungar. Lokalbahn
Provinz-Anleihen.
97,00
Rheinprov. Obl. Em. 20
3½ 87,00
do. Em. 10 . .
3 84,50
do. 9. .
3½
Posen Prov. . . . . .
4 95,70
Westfalen Prov. V. . . .
Hess. Prov. Oberhessen . 4 95,50
do. Starkonburg. . . 13½
Städte-
Obligationen.
Darmstadt.
. . . 4 95,50
do. . . . .
. . . .3½
Frankfurt
.. . . . . 4? 97,00
do. . .
.. . .3½ 88,50
4½ 9450
Gießen
do. .:
31gl 8700
4 94,00
Heidelberg.
do. . .
3½
4
Karlsruhe

do. .
3½I 86,90
Magdeburg
471
Mainz .
4 94,50
do.
3½ 87,20
Mannheim
4 96,00
do.
3½
München .
4 95,80
Nauheim.
3½
Nürnberg
495,00
do. .
3½ 86,10
Offenbach
4 95,50
do. v. 1914 .
4
do.
3½ 87,50
Wiesbaden.
4
do. . .
3½
Worms .
494,50
do. . .
3½
Lissabon v. 1888 .
4 73,20
Moskau v. 1912 .
...4½ 95,20
Stockholm v. 1880 . . . . .
92,00
Wien Komm. . . . . . . . .
Wiener Kassenscheine .4½ 98,95
Zürich v. 1889 .
. .3½
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6 1102,00

Pfandbriefe.
100,00
Berliner Hyp.-Bk.-Pf.
93,60
do. unkdb. 1918. . .
98,75
1919. . . .
do.
94,74
1921. . ..
do.
95,75
do. 1922. .
3½ 84,30
do. . . . . . . . . .
do. Komm.-Obl. unk. 1918 4 95,00
950
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910)
96,00
do. 1915
4 1 96,50
do. 1920 .
3½ 86,40
de. Ser. 1219. . ..
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
3½ 86,50
unkdb. 1910 .
Frankf. Hyp.-Krod.-Ver.
94,00
Scr. 1542
94,90
4540
do. . . .
9600
do. unk. 1922 52
88,60
do. 1913. . .
3½ 86,50
do. Ser. 45 . .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,90
Scr. 12, 13, 16
96,90
14, 15, 17
do. . . . .
97,40
do. unkdb. 1920 . . . .
97,50
do. 1923 . . . .
84,70
do. Ser. 1, 2, 68 . . .
½ 84.50
do. 35 . . . . .
3½ 84,60
do. kündb. 1915.
96,90
do. Komm. unk. 1913
96,90
1914
do.
97,10
1916
do.
37,40
1920
do.
97,50
1923
do.
do. verlosb. u. kündb. . 3½ 84,70
unkdb. 19151 3½ 84,60
do.
9460
Meininger Hyp.-Bk. Pfdb.
95,80
do. unkdb. 1922. .
.3½ 86,00
do. . . .
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
94,00
uhkdb. 1917
94,00
1919
do. . . ..
94,00
1921
do. . . . . .
96,20
do. . . . . .
1924
3½l 84.,40
Go. . . . . . .
95,20
do. Komm. unk. 1923
96,00
1924
do.
97,50
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr.
3½ 88,20
do. ..... . . . . . .
Bank-Aktien.
Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich . . 10 1194,75
Berg.-Märkische Bank.
Berliner Handelsges.. . . 8½ 1151,25
Darmstädter Bank . . . . 6½ 116.25
Deutsche Bank. . . . . . .12½2395/
Deutsche Vereinsbank. 6 118,40
Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 112.00
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 1187,00
Dresdner Bank . . . . . . . 8½ 149,20

5
Frankf. Hypothek.-Bank 10 214,75
do. do. Kred.-Ver. 8½ 1155, e.
Mitteldeutsche Kred.-Bk.6½ 1116.00
6 1110,00
Nation.-Bank f. Deutschl.
7 1122,75
Pfälzische Bank . . . . .
Reichsbank . . . . . . . 8,43 138.20
1127,00
Rheinische Kredit-Bank
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver.. 3 (108.90
Wiener Bank-Verein . . . 8 1129,50
Aktien von Trans-
port
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 127,80
Norddeutscher Lloyd. . . 8 (111,70
Frankfurt. Schleppschiff. 4 1116,00
Südd. Eisenb.-Gesellsch. . 6½ 130,00
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 1116.00
Baltimore . . .
6 915
10 (196½
Canada . . . . .
7½ 1137,50
Schantung. .
8 1156,00
Prinz Henry..
0 18,10
Lombarden . .
6 1111,00
Pennsylvania. . .
Industrie-Aktien.
Badische Anilin-Fabrik . 28 1597,50
Chem. Fabrik Griesheim 14 (249,75
Farbwerke Höchst . . . . 30 (580,50
Ver. chem. Fabr. Mannh.. 20
Zement Heidelberg .
10 147,00
Chemische Werke Albort 30
Holzverkohl. Konstanz 1 15 1306,00
6 1129,90
Lahmeyer . . . . . .
8 1145,00
Schuckert, Nürnberg.
Siemens & Halske. .
12 (212½
Bergmann Eloktr. .
117,00
Allg. Elektr.-Gesellsch. . 14 1243,50
Hagen Akkum. . . .
25 298,00
Deutsch. Übersee-Elektr. 11 175,50
Gummi Peter . . . . . . . . 0 79,00
Adler-Fahrradwerke . .
25 331,50
Maschinenfabr. Badenia 6 1123,00
Wittener Stohlröhren:.0
Motoren, Oberursel
.8½ 154,00
Gasmotoren, Deutz
g 1122,00
Siemens Glas-Industrio . 15 1220,00
Enzinger Filter
23 1286,00
Steaua Romana
10 1142,50
Zellstoff Waldhof
15 (17355
Bad. Zucker-Waghäusel .12,83/219,00
Neue Boden-Aktien-Ges..
8100
Süddeutsche Immobilien 0 60,90
Bergwerks-Aktien.
Aumetz-Friede . .
12 157,00
Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 (220,50
Leonhard, Bräunkohlen . 9 115900
Konkordia Bergbau . . . 23 (357,75
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (127.00
Eschweiler . . . . . . . .
10 226,80

fr
Gelsenkirchen Bergw. . . 11 181½
Harpen Bergbau. . . . . . 11 177,70
Kaliwerke Aschersleben . 10 1138,80
Kaliwerke Westeregeln . 13 203,50
Königin Marienhütte . . 6 81.00
§ 142,50
Laurahütte . .
Oberschles. Eisenbed. . . 4 83,00
Oberschl. Eisen-Industrie 3 67.40
Phönix Bergbau . .
18 233,75
Rheinische Braunkohlen 10 236.00
Riebeck Montan . . . . . . 12 1188,00
South West.-Afr. Shares . 5 114,60
Vorzinsliche
Anlehenslose.
Zt.
Badische .
. . TIr. 100 4 (184,40
Cöln-Mindener . TIr. 1003½1142,70
Holländ. Komm. . H. 100 3*115,50
Madrider . . . . . Frs. 100 3
Meininger Präm.-Pfdbr. . 4 1141,40
Osterreicher 1860or Lose . 4 180,70
Oldenburger . . . . TIr. 40 3 (128,20
Raab-Grazer . . . . H. 1502½112,00
Mk.
Unverzinsliche
ſp. St.
Anlehenslose.
35,50
Augsburger
.. A.7
TIr. 20 (202,50
Braunschweiger
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
. N. 7 39,70
Meininger
Osterreicher v. 1864 . H. 100
v. 1858 . H. 100
do.
fl. 100 447,00
Ungar. Staats . .
Fs. 30
Venediger . . . . .
Türkische . . . . .. Fs. 400 166,00
Gold, Silber und
Banknoten.
20,45
Engl. Sovereigns. . . . .
16,27
20-Franks-Stücke . . . .
4.183
Amerikanische Noten .
20,51
Englische Noten . . .
81,40
Französische Noten.
Holländische Noten .
169,10
80,90
Italienische Noten
Osterr.-Ungarische Noten. . 84,90
Russische Noten . . . . . . . .
Schweizer Noten. . . . . . . . 81,35
Reichsbank-Diskont .
do. Lombard Zsf.. .
Tendenz:
Behauptet.

Handel und Verkehr.

Frankfurt. a. M., 26. Mai. (Börſe.) Zu den
in unſerem geſtrigen Bericht erwähnten politiſchen Nach=
richten
aus Albanien kamen heute wieder Gerüchte über
Schwierigkeiten am Pariſer Markt. Der anhaltende Rück=
gang
der Ruſſiſchen Werte beeinflußt den letzteren ſchon
geraume Zeit in ungünſtigem Sinne. Die von dem
Pariſer Platze ausgehenden Poſitionslöſungen ziehen auch
die Londoner Börſe in Mitleidenſchaft. Als weiteres Mo=
ment
kommt hinzu, daß bei den Wirren in Mexiko immer
noch kein Ende abzuſehen iſt, und daß die amerikaniſchen
Wirtſchaftsverhältniſſe faſt täglich neue unliebſame Ueber=
raſchungen
bringen. Allen dieſen ungünſtigen Momenten
gegenüber bewahrte die heutige Börſe ihre Widerſtands=
kraft
. Die Kurſe, die auf ungefähr geſtrigem Niveau ein=
ſetzten
, konnten ſich im Verlauf der Börſe behaupten. Da
die Verpflichtungen der Spekulation zurzeit keinen großen
Umfang haben, konnte ſich die Ultimoliquidation leicht
abwickeln. Die auf die Sanierungsvorſchläge im Kurſe
geſtern ſtark gedrückten Lombarden konnten heute
ihren Kurs eine Kleinigkeit befeſtigen. Alle übeigen
Märkte zeigen faſt unveränderte Kurſe. Auf dem
Markt der Induſtriepapiere ſind heute hauptſächlich
Kursabſchläge zu verzeichnen. Es verlocen gegen geſtern
Höchſter Farbwerke 8½ Akkumulatoren 3 Prozeny,
Kleiyer und Badenia je 2 Prozent, auch Porzellanfabrik
Weſſel büßten ihre geſtrige Steigerung zum größten Teil
wieder ein. Tendenz behauptet.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
ber Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 19. bis 25. Mai.
Bei feſter Grundtendenz bewegten ſich die Getreide=
preiſe
in der Berichtswoche zunächſt in aufſteigender Rich=
tung
, um ſchließlich wieder leicht abzuſchwächen. Eine
ſehr wirkſame Anregung boten dem Weizenmarkte Kla=
gen
über Inſektenſchäden in einem Teile des amerikani=
ſchen
Anbaugebietes. Die damit zuſammenhängende Er=
höhung
der amerikaniſchen Preisanſprüche veranlaßte die
ruſſiſchen Exporteure, ihre Forderungen gleichfalls zu ſtei=
gern
, trotzdem dort inzwiſchen reichliche Niederſchläge er=
folgt
ſind, ſo daß die Ernteausſichten wieder günſtig be=
urteilt
werden. Dagegen wollen die Klagen über den
Felderſtand in Ungarn noch immer nicht verſtummen, und
da inländiſches Angebot faſt vollſtändig fehlt, ſo machte
die Aufwärtsbewegung in Peſt weitere Fortſchritte. Auch
Frankreich iſt andauernd auf Import angewieſen, ſo daß
günſtigere Witterungsverhältniſſe eine weitere Preis=
anſpannung
nicht zu verhindern vermochten. Gegen Ende
der Woche flaute die Stimmung allgemein etwas ab als
in Amerika eine ruhigere Beurteilung der Ernteſchäden
Platz griff und die Weltverſchifungen infolge ſtarker Be=
teiligung
Rußlands einen erheblichen Umfang aufwieſen.
In Deutſchland erweckte warmes, trockenes Wetter für
verſchiedene Gebiete, in denen es vorher an genügenden
Niederſchlägen gefehlt hatte, Beſorgniſſe bezüglich der
Saaten, doch ſind ſeit Samstag überall reichliche Regen=
fälle
vorgekommen, die zweifellos ſehr günſtig auf das

Wachstum ſämtlicher Pflanzen eingewirkt haben dürften.
Unter dem Einfluſſe der amerikaniſchen Hauſſe und der
erwähnten Saatenſtandsklagen erfuhren die Lieferungs=
preiſe
ſämtlicher Artikel am Berliner Markte eine weitere
Befeſtigung. Angeſichts der zuletzt eingetretenen frucht=
baren
Witterung vermochten ſich die letzten Preiſe zwar
nicht zu behaupten, doch iſt gegenüber der Vorwoche immer
noch eine Wertboſſerung feſtzuſtellen. Im Warengeſchäft
wurden für Weizen und Roggen bei ſchwachem Angebot
zum Teil weſentlich höhere Preiſe bewilligt. Auch Hafer
war bei geſteigerten Forderungen von Händlern und
Exporteuren geſucht. Ruſſiſche Gerſte hat weiter im
Preis angezogen, Mais blieb gleichfalls in feſter Haltung,
da Argentinien weitere Rückkäufe vornahm. Es ſtellten
ſich die Preiſe für inländiſches Getreide am letzten Markt=
tage
wie folgt:

Königsberg. 181 1700 Danzig . 209 172½ (*2½) 170 Stettin . 202 (*5 ) 171 165 (*2 Poſen . 201 (*1 ) 166 161 Breslau. . 204 (4-4 156 (*3 160 (*3 Berlin . 212 (45 ) 175 (*4 ) 183 Magdeburg . 207 (*3 ) 174 (44 177 (4 Halle . . 212 (*3 176 (*2 180 Leipzig . 203 (*3 ) 176 (*2 177 (*2 Dresden. . 210 173 (*1 176 Roſtock . 195 (*3 171 (*1 Hamburg . 213 (45 Sche 180 (*5 )180 (*4 Hannover . 206 (*6 178 (*6 180 (*4 Düſſeldorf . .218 (*3 180 (*2 180 Köln 213 (*3 ) 177 (*5 179 Frankfurta. M. 222½ (*2½) 180 T2½ ½) 188 Mannheim. .220 (*2½) 182½ 187 Straßburg. . 217½ (*2½) 172½ )190 München .226 (47) 180 (*5 ) 178 (*2 ) Weltmarktpreiſe: Weizen : Berlin Juli 214 (*1.75),

Sept. 199,25 (*1,75), Peſt Mai 239,80 (* 4,75), Paris
Mai 235,25 (P 3,25), Liverpool Juli 165,55 (), Chikago
Mai 149,60 (* 0,60), Roggen: Berlin Juli 172,25
(*0,75), Sept. 164 (*0,25), Hafer Berlin Juli 167,75
(*2,50), Sept. 162,75 (2,75), Futtergerſte Südruſſ. frei
Hamburg unverzollt ſchwim. 117,50 (*2), Mai 115,75
(- 1,75), Mais: Argent. Mai/Juni 112 (*1), Donau
ſchwim. 116 (*4) Mark.

H. Frankfurt a. M., 26. Mai. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Der Wochenmarkt war wieder feſt geſtimmt,
beſonders für Landweizen in prompter Ware die weniger
reichlich offeriert wurde, während ſtärkere Nachfrage be=
ſtand
; auch Landroggen nur knapp angeboten und gut be=
hauptet
. Mais war ſehr feſt, ebenſo Hafer in guten Sor=
ten
ſchlank anzubringen bei beſſeren Preiſen. Futter=
artikel
infolge des ausgiebigen Regens wieder williger.
Die Forderungen für Mehl ſind unverändert.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt feſt.
An der Berliner Produktenbörſe war Getreide
nachgebend auf den reichlichen durchdringenden Regen, der
für die teilweiſe unter Dürre leidenden Saaten recht ge=
legen
kam. Erportfrage iſt nicht nennenswert, auch das
Inlandsangebot war geringfügig. Hafer ebenfalls auf
den Regen abgeſchwächt. Nach den letzten Kabelnachrichten

von den amerikaniſchen Getreidemärkten (Neu=York und
Chikago) waren Weizen und Mais ſchwankend teils feſt
auf unbefriedigende Erntemeldungen und größere Ver=
ſchiffungen
von den Seeplätzen, teils auch matter auf die
günſtiger lautenden Berichte aus dem Südweſten und
Kanſas und auf Abgaben Armoucs, wobei manche Termine
jedoch geſuchter blieben, während Juli=Ablieferungen
niedriger erhältlich waren. Die ſichtbaren Weizenvorräte
ſind dort in dieſer Woche von 35,27 Mill. Buſh. auf 33,53
Mill. Buſh. und die Maisvorräte von 5,49 Mill. Buſh. auf
4,09 Mill. Buſh. zurückgegangen.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer 2222,25. Nordd.
2222,25, Kurheſſiſcher 2222.25 Rumäniſcher 22,25 bis
23,25, Laplata 22,2523,25, Ruſſiſcher 22,5023,50, Kanſas
22,7523,50, Manitoba 22,2523,25, Redwinter 2323,50,
Walla=Walla 22,2523,50; Roggen, hieſiger 17,30 bis
18, Bayeriſcher 17,9018, Ruſſiſcher 1818,50, Rumäniſcher
181850; Gerſte Pfälzer, 17,2517,75, hieſige und
Wetterauer 1717,50, Fränkiſche 1717,50, Riedgerſte
10,7517,25; Hafer hieſiger 17,5018,50, Bayeriſcher
1818,75, Ruſſiſcher 1819,50, Rumäniſcher 18,2519,25,
Amerikaniſcher 16,7517,75. Mais mixed 1515,10,
Ruſſiſcher 1515,25. Donaumais 14,7515,25, Rumä=
niſcher
1515,25. Laplata 1515,50, Weißer Mais 14,90
bis 15,20, Weizenſchalen 10,5010,75, Weizenkleie 10,50 bis
10,75. Roggenkleie 10,5010,75, Futtermehl 12,2514,50,
Biertreber, getrocknet, 1212,50. Futtergerſte 1515,40.
Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab Mannheim): Nr. 0 31,25
bis 31,75 feinere Macken 3232,25. Nr. 1 29,7530,
feinere Marken 30,2530,50. Nr. 2 28,5028,75 feinere
Marken 2929,25. Nr. 3 26,7527, feinere Marken 27,25
bis 27,50, Nr. 4 22,7523, feinere Marken 23,2523,50.
Roggenmehl, hieſiges. Nr. 0 26,2526,50, Nr. 1 24,25 bis
24,50, Nr. 2 2222,25.

Prämiierung bäuerlicher Wirtſchaf=
ten
. Zur Förderung der Landwirtſchaft in den bäuer=
lichen
Betrieben des Großherzogtums veranlaßt die
Landwirtſchaftskammer die Prämiierung ganzer
bäuerlicher Wirtſchaften bei muſterhaften Leiſtungen. Zur
Teilnahme an dieſer Prämiierung ſind alle Landwirte be=
rechtigt
, deren landw. bewirtſchaftete Fläche nicht größer
wie 150 Morgen iſt. Für das Jahr 1914 iſt die Teilnahme
beſchränkt auf Landwirte in den nachfolgenden Wahl=
bezirken
: Provinz Starkenburg. 3. Wahlbezirk:
Griesheim=Gernsheim, 4. Wahlbezirk: Darmſtadt, 11. Wahl=
bezirk
: Höchſt=König=Michelſtadt. Provinz Oberheſſen.
2. Wahlbezirk: Großen=Buſeck, 6. Wahlbezirk: Lauterbach=
Schlitz, 13. Wahlbezirk: Vilbel. Provinz Rheinheſſen.
3. Wahlbezirk: Ingelheim, 5. Wahlbezirk: Ober=Olm= Nie=
der
=Saulheim. 11. Wahlbezirk: Worms. Zum Zweck der
Prämiierung werden die Wirtſchaften einer Vorbeſichti=
gung
und einer Hauptbeſichtigung unterzogen. Der Beur=
teilung
durch das Preisgericht unterliegt der geſamte land=
wirtſchaftliche
Betrieb. Die Höhe der Preiſe iſt wie
folgt feſtgeſetzt: 1. Preis 100 Mark, 2. Preis 75 Mark, 3.
Preis 50 Mark. Die Landwirte der betreffenden Wahl=
bezirke
ſind zur regen Beteiligung an dieſer Prämiierung
aufgefordert. Die Anmeldung hat bis ſpäteſtens 10. Juni
bei der Landwirtſchaftskammer auf Grund der von dieſer
zur Verfügung geſtellten Anmeldebogen zu erfolgen.

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Urſula Rasmuſſen griff ſein Ton an die Seele. Ach,
Jürgen, ſagte ſie, ganz weich werdend, und dicht zu ihm
herantretend, ſo mußt Du nicht reden. Mein Herz tut im=
mer
froheren Schlag, wenn ich Dich ſehe denn Du
biſt mir doch das einzige Liebſte auf der Welt. Aber das
Leben iſt ſo bitter, ſo unſagbar bitter, daß es einem das
letzte bißchen Licht auslöſcht und die Gedanken verkehrt
Man iſt wie ein Tier im Joch und verlernt das Freuen
ſchier.
Und als er ſeine Mutter ſo vor ſich ſtehen ſah, ſo ſee=
liſch
müde, ſo zermürbt und zerſorgt, das Geſicht welk
und grau und lange vor der Zeit faltig und verhutzelt,
die Hände verarbeitet, riſſig und rauh, da ſchwand alle
Bitternis. Ein heißes Mitleid quoll in ihm hoch, eine
große, tiefe Liebe. Er nahm die riſſigen, rauhen Hände
in die ſeinen, ſtreichelte ſie und ſagte: Sei mir nicht böſe,
Mutter! Ich vergaß, daß alle Deine Sorge, all das
Mühen und Placken bei euch meinetwegen geſchieht.
Sie biß die Zähne aufeinander, denn ſie fühlte ein
heißflutendes Begehren in ſich hochquellen . . . . Als ſie
wieder Herrin ihres Willens war, ſah ſie ihn eigen =
ſchelnd
an. Und erſt nach einer ganzen Weile ſagte ſie:
Man tut es ſchon gern um ſein Kind . . . . Und nun gehe

in die Stube. Ich will Dir etwas zu eſſen holen, und
ſorge Dich um einen trockenen Rock. Du mußt ja durch=
geweicht
ſein von Raſtenburg her, den weiten Weg.
Nein, Mutter, ich hatte Gelegenheit, im Trockenen zu
ſitzen. Fräulein von Lindſtedt hat mich mit genommen
So, ſo, ſtammelte Urſula Rasmuſſen wie abweſend
ſo, das gnädige Fräulein . . . . Nun, dann iſt es ja gut
Sie wandte ſich hart um und ging in die Küche.
Jürgen trat kopfſchüttelnd in die Stube. Eine dumpfe,
ſtickige Luft, die ſich ihm wie eine Laſt auf die Bruſt
legte und das Atmen erſchwerte, ſchlug ihm aus dem nie=
drigen
Gemache entgegen. Seine ſuchenden Augen fanden
niemand, aber aus dem nebenanliegenden Schlafzimmer
kam ein dumpſes Stöhnen und dazu das eintönige, lallende
Singen einer dünnen Stimme. Nun ein Fluch, ein
läſterlicher, grauſiger. Und ihm auf dem Fuße folgend,
wüſte Worte aus heiſerer Kehle: Warte, Du Hund, bei
meiner Seelen Seligkeit, ich erwürde Dich, ich reiße Dir
die Zunge aus Deinem Lügenmaul . . . . Du gemeiner
Hund.
Und die dünne Stimme ſang im monotonen Gleich=
maß
, immer in der gleichen Tonhöhe: De Mai is bepom=
men
, die Däume hagen ſaus . . . . De Mai is bepommen
.. . . immer wieder.
Jürgen packte ein wüſtes Grauſen an die Seele. Er
mußte ſich einen harten Zwang antun, um ſeine Füße
weiterzuſetzen und in die Kammer zu treten.

Das halbirre Lallen Poldis brach jäh ab. Er flüch=
tete
ſich ſcheu hinter das Bett und duckte ſich in einen
dunklen Winkel. Ehe Jürgen dazu kam, den Krüppel mit
freundlichem Zureden aus ſeinem Verſtecke zu locken, fuhr
der graue Kopf des Bauern in den rotbunt gewürfelten
Kiſſen hart herum. Zwei glühende Augen ſtarrten ihn an.
Ah, Du! Sieh einer! Was willſt Du? Zum Leichen=
ſchmaus
kommſt Du zu früh. Ich reiſe noch nicht hinab.
Aber einen anderen werde ich vorausſchicken, an dem ſoll
der Leibhaftige ſeine Freude haben. An zehn Spießen
ſoll er den Hund röſten. Und Timm Rasmuſſen knirſchte
mit den Zähnen, hatte ein wüſtes Flackern in den tief=
liegenden
Augen und wandte das Geſicht wieder ſtöhnend
zur Wand.
Jürgen kehrte ſich erſchauernd ab, ohne ſich noch um
Poldi zu kümmern.
Das war ja grauſig hier, namenlos grauſig. Des
Elendes und der Not übergenug. Wie ertrug die Mutter
das mit den beiden nur? War es zu verwundern, wenn
da das letzte bißchen Licht gloſtend erloſch?
Er wankte zum Tiſche, ließ ſich ſchwer an ihm nieder
und ſtützte den Kopf in die Hände. Von neuem, wie vor
Minuten bei ſeinem Eintritt ins Haus, kam ihm das
treibende Verlangen in den Sinn: Fort, wieder fort!
Denn eine Heimat war unter dieſem Dache nimmer, eher
das Haus fremder Irrer. Er fühlte ſich elender denn
je, deuchte ſich ein Menſch, der völlig allein ſteht in der
Welt.

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Nummer 144.

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Und dann ſprangen ſeine Gedanken aus der Qual und
dem zerriſſenen Elendſein dieſer Minuten, in Sehnſucht
nach Beſſerem, Schönem, Hellem auf die Suche gehend,
zu dem Zuſammenſein mit Erika Lindſtedt zurück, fanden
dort das Schöne, Helle und führten es an beiden Hän=
den
zu der wartenden, nähen Zukunft friſchblühendem
Garten. Ja, er würde bleiben, er mußte bleiben. .
Die Bäuerin trug auf. Sie ſtellte im emſiger Haſt
beſcheidene Reſte des aufgewärmten Mittagsmahls auf
den Tiſch, brachte Brot, Butter und Wurſt, goß den brau=
nen
Haustrunk in ein Glas, ſchob alles noch näher zu ihm
heran, ſetzte ſich neben ihn und ſagte: , Jürgen, trink,
greif zu, Du wirſt hungrig ſein. Und ſie freute ſich im
ſtillen auf ein beſcheidenes Glück, wie ſie Zeugin ſeines
friſchen Zulangens ſein würde, wie er dem Aufgetragenen
alle Ehre antun würde, um am Ende zu ſagen: Es hat gut
geſchmeckt, Mutter. Wie immer am beſten bei Dir. Das
war ihres beſcheidenen Glückes wartendes Vorfreuen.
Es wurde ihr nicht.
Jürgens Augen glitten wie abweſend über die Spei=
ſen
. Er ſchob ſie zurück und erhob ſich. Ich mag nichts
eſſen, Mutter, ich habe keinen Hunger, und ich will hin=
auf
in die Bodenkammer gehen.
Urſula Rasmuſſen war tief enttäuſcht. Sie ſagte es
nicht, ſie ſeufzte nur und räumte ſchweigend ab. Ja, das
letzte bißchen Licht erloſch!
Bis an den Abend ſaß Jürgen in der kahlen Boden
kammer auf einem alten, gebrechlichen Schemel und war
in Törris Manders Heimkehr vertieft, auf jeder Seite
beſſernd, den Stil feilend. Es war ihm nichts gut genug

Erika Lindſtedts Ohr ſollte Wohllaut der Sprache ver=
nehmen
.
Ueber ſeiner Arbeit vergaß er alles. Er dachte deſſen
nicht mehr, was unter ſeinen Füßen in dieſem Hauſe an
Elend war, obwohl er eine Geſchichte des Elends las. Er
verſäumte es, wie er es ſonſt immer am erſten Tage
ſeines Aufenthaltes in Trebnitz getan, und mit welchem
Vorſatze er auch von Berlin abgereiſt war, zu Bachhuber
zu gehen, um den alten Freund zu begrüßen und Bettina
zu ſehen. Er ſah im Geiſte andere Augen, braune, mit
goldigem Glanz. Und er beachtete das langſame Hinab=
fluten
des Tageslichtes nicht. Denn in ſeiner Seele glühte
ein anderes Licht . . . .
Erſt als ſeine Augen von dem angeſtrengten Leſen
im Zwielicht zu brennen anfingen, ließ er von ſeinem
Tun ab und faltete das Manuſkript zuſammen. Er ſtand
auf und blickte durch das ſpinnewebenverhangene, halb=
blinde
Fenſter der Bodenkammer gen Weſten. Dort
brannte ein breiter, glühender Streifen gloſtenden Abend=
rots
am Horizont, ſcharf abgeſetzt gegen dunkles Regen=
gewölk
.
Er ſtarrte zu ihm hinüber, bis er erlöſchend ver=
flammte
. . . . Und war deſſen gewiß: Morgen wird ein
heller Tag.
Unter der mit betäubend duftenden Blütentrauben
überſchütteten Vogelkirſchen am grünbemooſten, halbver=
morſchten
Wildgatter trafen ſie ſich am nächſten Tage zur
verabredeten Stunde, reichten ſich die Hände zum Gruß
und empfanden beide etwus wie peinvolle Vexlegenheit.

Es war ihnen zu Sinne wie Menſchen, die ein zufälliges
Begegnen zuſammenführt und denen der erſte Augenblick
kein Wort auf die Lippen legt, das über ein beklemmen=
des
Schweigen hinweghilft. Und obwohl beide mit ihren
Gedanken bei dieſer Zuſammenkunft während des ganzen
Tages in Erwartung geweilt, waren ſie nun doch wie er=
ſchrocken
, daß ſie ſich jetzt gegenüberſtanden, ſich heimlich
fragend: Was ſoll das ſein und wohin ſoll das führen?
Der Tag ſang ihnen die Antwort. Der goldige Tag
mit ſeinem blütenduftenden Odem und dem ſtarken Schlag
ſeines lebensfrohen Herzens. Er ſang es klar und rein,
eindringlich und gewiß. Er lächelte ihnen zu aus blanken
Augen. Er nahm ſie an ſeine Hände und ſagte: Kommt!
Ich führe euch in einen Wundergarten, wo ewige Quellen
rinnen mit kriſtallenen Waſſern, wo eine rote Blume blüht
mit berauſchendem Duft. Die rote Blume, die es nur ein=
mal
auf der Welt gibt.
Sie vernahmen das Singen wie etwas Fernes, Wei=
tes
, Fremdes. So fremd, weit und fern, daß ſie es mehr
ahnten als hörten, mehr fühlten, denn als etwas Gewiſſes
empfanden. Und die erſten Worte, die ſie dann ſprachen,
übertönten das geheimnisvolle Ahnen, ließen es ver=
klingen
und verwehen.
Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen ſind, gnädiges
Fräulein, ſagte Jürgen.
Dem Einlöſen eines gegebenen Wortes gebührt kein
Dank, wehrte ſie lächelnd ab. Ein Dank gehört ſich höch=
ſtens
an den ſonnigen Tag, der mir das Kommen ermög=
lichte
.
(Fortſetzung folat.!

[ ][  ][ ]

Nummer 144.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27, Mai 1914.

Seite 15.

Turnen, Spiele und Sport.

sr. Das Hannoverſche Turnier des Militär=Reit= In=
fſtitut
bedeutet für die deutſche Zucht einen glänzenden Er=
ffolg
, zu dem man dem Reichsverband für Deutſches Halb=
lblut
gratulieren kann. Während die große Militärprü=
ffung
vom Rittmeiſter Oeſterley auf der erſtklaſſigen han=
moverſchen
Stute gewonnen wurde, ſiegten in der leichten,
rwie in der ſchweren Springprüfung ausſchließlich deutſche
=Pferde. An der ſchweren Springprüfung nahmen 9 deut=
Iſche und 20 ausländiſche Pferde teil. Es ſiegten Lt. v.
Bülow (4. Kür.) auf ſeinem oſtpreußiſchen Charger
Oertzen, ſowie Oblt. Frhr. v. Bothmer (10. Art.) auf der
lhannoverſchen Stute Anmut. Auch den 4. und 6. Platz
abeſetzten deutſche Pferde, obwohl im ganzen 9 deutſche
gegen 20 ausländiſche Pferde ſtarteten. Im leichten Jagd=
sſpringen
ſiegte Oblt. Renner (25. Drag.) auf Lt. Griepen=
kerls
Mecklenburger Wallach Rinaldo Unter den 6
Pferden, welche vor dem Stechen fehlerkrei geſprungen
kwaren, befanden ſich 4 deutſche. Im ganzen hatten 18
Ausländer und 24 deutſche hieran teilgenommen, was
lbeweiſt, daß erfreulicherweiſe unter den in Vorbereitung
lbefindlichen Pferden die deutſchen ſchon auch an Zahl zu
rüberwiegen anfangen, was einen hohen nationalen fort=
iſchrittlichen
Wert bedeutet.

Luftfahrt.

Flugexpedition in Südweſt.
* Nun iſt der ſehnſüchtige Wunſch unſerer Landsleute
ein Südweſt in Erfüllung gegangen. Herr Bruno Büch=
mer
, einer unſerer älteſten Piloten, hat ſich am 11. April in
Hamburg nach Südweſt eingeſchifft, nachdem ſein Pfalz=
Doppeldecker bereits am 5. April Hamburg verlaſſen hatte
rund iſt am 5. Mai in Swakopmund eingetroffen. Nachdem

Herr Büchner ſeinen vollſtändig zerlegten Apparat in we=
nigen
Tagen montiert hatte, unternahm er am 14. Mai
die erſten Aufſtiege, die gut verliefen. Eine unzählige
Menſchenmenge fand ſich auf dem Schauplatze ein, um das
große Wunder zu ſchauen. Mit Begeiſterung verfolgten
unſere weißen und farbigen Landsleute den Aufſtieg. Nach
wenigen Metern Anlauf erhob ſich der Apparat in die
Lüfte und ſchwebte wie ein mächtiger Vogel über die ſtau=
nenden
Zuſchauer. Als nun Büchner nach längerem Fluge
landete, da kannte der Jubel keine Grenzen mehr. So
zeigte Herr Büchner unſeren Landsleuten, daß auch auf
dieſem Gebiete unſere deutſche Nation an der Spitze ſteht.
Das von Herrn Büchner benutzte Flugzeug iſt ein von
den Pfalz=Flugzeugwerken G. m. b. H. Speyer a. Rh. ge=
bauter
Doppeldecker Militärtyp. Die Spannweite beträgt
14,50 Meter, das Gewicht 750 Kilogramm. Die Geſchwin=
digkeit
beträgt 120 Kilometer pro Stunde mit 100 P.S.
Motor. Im Gegenſatz zu den meiſten Doppeldeckern andern
Fabrikates beſitzt dieſer Typ hintenliegenden Motor. Ge=
währt
dieſe Ausführung auch nicht den eleganten Anblick
des Rumpfdoppeldeckers, ſo ſind die Vorteile des hinten=
liegenden
Motors doch große. Vor den Tragdecken in
einem Boot ſitzen Führer und Beobachter in bequemen
Klubſeſſeln, frei von jeder Rauch= und Oelbeläſtigung des
Motors bei vollſtändig freier Ausſicht. Alle Inſtrumente
zur Kontrolle des Motors und des geſamten Apparates
wie Tourenzähler, Höhenmeſſer, Anlaſſer uſw. ſind in über=
ſichtlicher
Weiſe, direkt vor den Augen des Führers auf
gemeinſamer Schalttafel im Boote untergebracht. Wie
bereits oben erwähnt hat das Flugzeug auf ſeinem erſten
größeren Ueberlandflug von Swakopmund nach Karibib
eine Geſchwindigkeit von 120 Kilometer entwickelt. Nach
60 Meter Anlauf erhob ſich dasſelbe bereits vom Boden
und erreichte in ca. 8 Minuten 1000 Meter Höhe. Das
ganze Flugzeug iſt aus Stahl hergeſtellt, mit Ausnahme
der Spieren in den Tragdecken, deren Leimſtellen mit Stoff
umwickelt und verſchraubt ſind, um ein Aufplatzen unter

der kroßiſchen Hiße zu verhindern, Die geſamte Beſpan=
nung
iſt feuerſicher, waſſer= und luftdicht imprägniert, ſo=
daß
das Flugzeug, das mangels Schuppen ſtets Tag und
Nacht im Freien ſteht, wohl jeder Witterung ſtandhalten
dürfte.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Nummer 144,

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[ ][  ][ ]

Nr. 144.

Mitwoch, 27. Maſ.

1914.

Kongreie undVerbandstage,

Verwälterkonferenz des Mittel=
deutſchen
Arbeitsnachweisverbandes.
Am 20. d. M. fand, wie uns jetzt erſt mitgeteilt wird,
mnter Teilnahme des Herrn Geh. Rats. Dr. Breidert in
Biebrich a. Rh., ferner Vertretern der Provinzialdirek=
dionen
Gießen und Mainz, der Landesverwaltung in
Kaſſel, einer Reihe von Kommunen, ſowie gewerblichen
Korporationen und gemeinnützigen Vereine die diesjährige
Verwalterkonferenz des Mitteldeutſchen
Arbeitsnachweisverbandes in Bad Nau=
heim
ſtatt, zu der faſt alle öffentlichen Arbeitsnachweiſe
äm Großherzogtum Heſſen, in der Provinz Heſſen=Naſſau,
Fürſtentum Waldeck, ſowie den Kreiſen Wetzlar und
Kreuznach, ferner die Wanderarbeitsſtätten, Arbeits= und
Herbergſtätten und Herbergen zur Heimat ihre Geſchäfts=
führer
und Verwalter entſandt hatten. Von Arbeitsnach=
weisverbänden
waren vertreten: der preußiſche Arbeits=
machweisverband
(Sitz Magdeburg), der Verband weſt=
Fäliſcher Arbeitsnachweiſe (Münſter) Niederſächſiſcher Ar=
beitsnachweiſe
(Hannover), Thüringiſcher Arbeitsnach=
weiſe
(Jena), Schleswig=Holſteiniſcher Arbeitsnachweiſe
(Schleswig), ſowie die Landeszentrale der Württember=
giſchen
Arbeitsämter (Stuttgart).
Den Vorſitz führte Herr Dr. Schlotter aus Frank=
ffurt
a. M. Die Konferenz wurde begrüßt von Herrn
Mreisrat Freiherrn von Schenck im Namen des Kreiſes
FFriedberg, von Herrn Bürgermeiſter Dr. Kayſer im
Namen der Stadt und des Arbeitsnachweiſes in Bad Nau=
kheim
. Herr Oberamtsrichter Dr. Fuhr wies auf die wich=
ſtigen
Beziehungen zwiſchen dem Vormundſchaftsgericht
rund den öffentlichen Arbeitsnachweiſen bezüglich der Be=
eufsberatung
und Lehrſtellenvermittelung hin. Als Be=
rratungsgegenſtände
kamen zur Verhandlung: 1. Der Ar=
lbeitsnachweis
und die Arbeitsloſenfürſorge. Referenten:
Geſchäftsführer Dreißigacker=Mainz. Geſchäftsführer
Bayerdorf=Offenbach, Hardt=Kreiswanderarbeitsſtätte Lim=
bburg
. 2. Ein Vergleich zwiſchen dem ſtaatlichen Arbeits=
machweis
in England und dem kommunalen Arbeitsnach=
rweis
in Deutſchland. Referent: Herr Dr. Schlotter.
B. Das neue Regiſtrierverfahren bei dem ſtädtiſchen Ar=
lbeitsnachweis
in Gießen. Referent: Geſchäftsführer
Müller=Arbeitsnachweis Gießen. 4. Fragen aus der Praxis.
Bei den beiden erſten Beratungsgegenſtänden kam
zzum Ausdruck, daß einer Regelung der Arbeitsloſenfür=
fſorge
eine Organiſation des Arbeitsnachweiſes über das
fganze Reich vorausgehen müſſe und daß eine geſetzliche
Regelung des Arbeitsnachweiſes hierzu unerläßlich ſei.
AAls Träger dieſer Arbeitsnachweisorganiſation im gan=
zzen
Reiche wurden die gemeindlichen und Kreisarbeits=
nachweiſe
bezeichnet; als Träger des zwiſchenörtlichen
Verkehrs ſeien die öffentlichen Arbeitsnachweisverbände
rweiter auszubilden. Unter den hauptſächlich der Praxis
ides Arbeitsnachweiſes dienenden Beratungsgegenſtänden
fiſt hervorzuheben die Vorführung und Erklärung eines
rneuen Regiſtrierverfahrens durch den Herrn Geſchäfts=
führer
Müller des Arbeitsnachweiſes Gießen. Der bei

dem Arbeitsnachweis in Gießen im Gebrauch befindliche,
ſehr praktiſch konſtruierte Kartenſchrank ermöglicht einen
ſofortigen Ueberblick von Meldungen der Arbeitgeber und
Arbeitnehmer in allen Berufen, wodurch der Geſchäfts=
gang
vereinfacht und beſchleunigt, das Schreibwerk ver=
mindert
und eine raſchere Lieferung der Statiſtik gewähr=
leiſtet
wird. Bemerkenswert iſt noch, daß die Schaffung
einer telephoniſchen Ausgleichzentrale für die raſchere
Verbindung der Arbeitsnachweiſe untereinander bei der
Geſchäftsſtelle des Verbandes angeregt wurde. Ferner
fand eine Ausſprache über die Inanſpruchnahme des
öffentlichen Arbeitsnachweiſes bei Ausführung und Ver=
gebung
öffentlicher Arbeiten durch Kreis=, Staats= und
Kommunalbehörden, über die Ausführung des Stellen=
vermittlergeſetzes
ſowie Erfahrungen über die Gebüh=
renerhebung
für die landwirtſchaftliche Vermittelung ſtatt,
Schließlich befaßte ſich die Konferenz mit der Frage det
weiblichen Stellenvermittelung, insbeſondere in den Land.
kreiſen. Gegen Abend fand eine ſehr intereſſante Beſick=
tigung
der Badeanlagen ſtatt.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt k.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 19. Mai: dem Fabrikarbeiter Fried=
rich
Selinger, Liebfrauenſtraße 53, ein S. Hermann.
Am 17.: dem Schreiner Adam Roßmann, Fuchsſtraße 14,
eine T. Gertrude Margarete. Am 14.: dem Buchhalter
Georg Ludwig Walther, Kaupſtraße 2, ein S. Heinrich.
Am 18.: dem Handarbeiter Heinrich Heid, Eliſabethen=
ſtraße
49, eine T. Dem Bankkaſſier Fritz Sehl, Land=
wehrſtraße
9, ein S. Fritz Otto Hugo Paul. Am 17.: dem
Kaufmann Ludwig Fuchs in Ladenburg ein S. Lud=
wig
Philipp Heinrich Paul, hier Lagerhausſtraße 24. Am
20.: dem Kaufmann Georg. Lang, Hoffmannſtraße 21.
eine T. Gertrude Katharina Barbara Gretchen. Am 19.;
dem Kellner Ludwig Coburger, Darmſtraße 41, eine T.
Dorothea Margarete. Am 21.: dem Eiſenbahnwerkſtätte=
Magazinarbeiter Franz Haßler, Pankratiusſtraße 52,
ein S. Hans Auguſt. Am 22.: dem Bahnſteigſchaffner.
Eduard Vogel, Obergaſſe 24, ein S. Guſtav. Am 16.:
dem Abonnentenchef Lorenz Fink, Wenckſtraße 2, eine
T. Margarete Thereſe. Am 17.: dem Kriminalſchutzmann
Ludwig Philipp eine T Maria.
Aufgebotene. Am 19. Mai: Telegraphen=Aſſiſtent Jo=
hann
Friedrich Hämmerling, Duisburg=Meiderich, mit
Katharina Scherle, Frankfurt a. M. Landwirt Fried=
rich
Krauß VII., Auerbach, mit Marie Röder, Wir=
hauſen
. Unteroffizier im Garde=Drag.=Regt. Nr. 23 Joh.
Friedr. Niſchwitz, Marienplatz 1, mit Eliſabethe
Scheuermann, Pfungſtadt. Fuhrmann Friedrich Götz,
Fuhrmannſtraße 12, mit Lauffrau Eliſabeth Joſephine
Wilhelmine Louiſe Julie Geyer, Arheilgerſtraße 31.=
Am 20.: Brauer Ludwig Winkler, hier, mit Wirtſchaf=
terin
Otilie Martha 2 Anders, Verlin. Sergeant in,
der Großh. Train=Abteilung Nr. 18 Eduard Friedrich


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Rothſchild Frankfurt a. M., mit Ida Joſeph, Alice=
ſtraße
21. Fräſer Heinrich Eckert, Liebfrauenſtraße 86
mit Stütze der Hausfrau Magdalena Katharing Dubeck,
Wenckſtraße 41. Am 22.: Drogiſt Albert Krabbenhöft,
hier mit Elfriede Werckshagen, Düſſeldorf. Hofreit=
lnecht
Heinrich Rauſch, hier, mit Katharina Sommer,
Lindenfels. Am 25.: Lokomotivheizer Wilhelm Koch,
Alzey, mit Eva Maria Then, Alzey. Wirt Joſeph
Stelzle, Grafenſtraße 17, mit Köchin Maria Kühn,
Wiesbaden. Apotheker Karl Friedrich Wilhelm Bayer,
Schwenningen a. N. mit Margaretha Seipel, Pankra=
tiusſtraße
2. Hausdiener Peter Werner, Langgaſſe 28.
mit Dienſtmädchen Karoline Johannette Reinhardt,
Große Ochſengaſſe 31.
Eheſchließungen. Am 19. Mai: Holzdreher und Land=
wirt
Johann Peter Schmitt III. in Mörlenbach mit
Maria Magdalena Halſe, hier. Am 20.: Poſtaſſiſtent
Bernhard Maykemper in Eberſtadt mit Eliſabethe
Krichbaum, hier. Am 22.: Kaufmann Albert Kehl in
Weſel mit Emilie Hainebach, hier. Am 23.: Weißbin=
der
Adolf Hofmann mit Eliſabeth Metz, geb.
Petitjean, beide hier. Fabrikaufſeher Karl Streicher,
hier, mit Roſina Kopp in Winzerhauſen. Maler Georg
Bienhaus mit Marie von der Au, beide hier. Ma=
ſchinenſchloſſer
Johann Heckwolf mit Anna Stripp,
beide hier. Mechaniker Georg Schwarz mit Katharina
Pfeifer, beide hier. Am 25.: Bureaudiener Friedrich
Funda, hier, mit Köchin Maria Hock in Frank=
furt
a. M. Hilfsarbeiter Wilhelm Friedrich mit Katha=
ring
Preis, beide hier.
Geſtorbene. Am 17. Mai: Georg Gerbig, Seiler,
64 J., ev., Wenckſtraße 12. Eleonore Reininger, geb.
Hauf, 51 J., ev.. Ehefrau des Karuſſellbeſitzers, aus Geins=
heim
, hier Erbacher Straße 25. Am 18.: Gertruda
Schmidt, geb. Stroloke, Ehefrau des Dieners, 39 J., ev.,
Kaupſtraße 5. Johann Bernhard Lautenſchläger, Kauf=
mann
, 80 J. ev., Grafenſtraße 9. Paula Gerhardt,
Tochter des Tapeziers, 11 Mte ev., Bleichſtraße 25. Luiſe
Becker, Tochter des verſt. Poſtdirektors 4 Tge Hein=
heimerſtraße
21. Heinrich Diem, Taglöhner, 57 J., ev.,
aus Arheilgen, hier Grafenſtraße 9. Am 19.: Mar Fried=
rich
Wilhelm Krüger, Sohn des Schmieds 2 J., kath.,
Grafenſtraße 9. Am 20.: Franz Jakob Rödler, Lakai,
27 J., kath., Grafenſtraße 9. Am 21.: Heinrich Karl Lp=
renz
, Sohn des Weißbinders, 1 J., ev., Ballonplatz 9.
Am 22.: Wilhelmine Schmidt. geb. Lang, Witwe des
Grundarbeiters, 60 J., ev., Große Kaplgneigaſſe 27. Am
21.: Joſeph Friedrich Kammerl, Packer, 74 J., ev., Lieb=
frauenſtraße
45. Am 23.: Marie Mathilde Karoline Frie=
derike
Emrich, geb. Müller, Ehefrau des Schreiner=
meiſters
, 49 J., ev., Dieburger Straße 18. Am 22.: Ka=
roline
Dämgen, geb. Schad, Witwe des Zigarrenfabri=
kanten
, 71 J., ev., Viktoriaſtraße 75. Am 23.: Karl Bie=
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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Nummer 144.

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[ ][  ][ ]

Nummer 144,
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.
Seite 22.

Müſſen für meine Lauffrau
Krankenverſicherungsbeiträge
entrichtet werden!

Von Kontrollinſpektor Hch. Simon=Darmſtadt,
Nachdem ſeit Inkrafttreten der Reichsverſicherungs=
ordnung
auch die mit häuslichen Arbeiten Beſchäftigten
der Krankenverſicherung unterliegen, wird der Fachmann
faſt auf jedem Gange mit der Frage angeſprochen: Iſt
meine Lauffrau verſicherungspflichtig? Müſſen Verſiche=
rungsbeiträge
für ſie entrichtet werden? So einfach eine
ſolche Frage auch klingt, ſo ſchwer iſt es regelmäßig, ſie
zu beantworten. Um Ja oder Nein ſagen zu können,
dazu gehört eine ganz eingehende Kenntnis der ſozialen
Lebensſtellung der Lauffrau, des Umfangs der Arbeits=
leiſtung
und der Höhe des Arbeitsverdienſtes.
Wem ſo geantwortet wird, wird ſich wohl mit Kopf=
ſchütteln
über die Schwerfälligkeit der geſetzlichen Beſtim=
mungen
über einen augenſcheinlich ganz einfachen Fall
entfernen, allein, wer die in Betracht kommenden Vor=
ſchriften
verſtändnisvoll lieſt und Wort für Wort wägt,
dem wird klar, daß die Verſicherungspflicht nur unter
mehreren ganz beſtimmten Vorausſetzungen in Aus=
nahmefällen
zu vereinen iſt.
Grundſützlich muß ja jeder verſichert werden, der in
einem abhängigen Verhältniſſe Lohnarbeit verrichtet, mag
die Arbeitsleiſtung noch ſo geringfügig und der Lohn noch
ſo niedrig ſein; das Geſetz hat indeſſen Ausnahmebeſtim=
mungen
dem Lundesrat überlaſſen, der ganz wenige, eng
begrenzte Fälle von der Beitragspflicht befreite.
Nach deſſen Bekanntmachung ſollen vorübergehende,
zur gelegentlichen Aushilfe vorgenommene Dienſtleiſtun=
gen
und nebenhergehende, regelmäßig wiederkehrende,
aber geringfügig bezahlte Arbeiten dann verſicherungs=
frei
ſein, wenn ſie von ſolchen Perſonen verrichtet werden,
die nicht berufsmäßige Lohnarbeiter ſind. Demnach kann
die Beitragsentrichtung nur für ſolche Perſonen unter=
laſſen
werden, die nicht Berufsarbeiter ſind, und auch für
jene nur unter gewiſſen Umſtänden
Bei der Prüfung der Frage der Verſicherungspflicht
gilt es daher, vor allem feſtzuſtellen, ob die die Arbeit
verrichtende Perſon zu den berufsmäßigen Lohnarbeitern
zählt oder nicht.
Die Möglichkeit hierzu gibt die Anleitung des Reichs=
verſicherungsamts
, die den Begriff berufsmäßige Lohn=
arbeit
wie folgt erläutert:
Berufsmäßig wird Lohnarbeit verrichtet, wenn je=
mand
damit, ſei es, daß er einzelne Tätigkeit, ſei es, daß
er deren mehrere ausübt, ſeinen Lebensunterhalt über=
wiegend
oder doch in ſolchem Umfang erwirbt, daß ſeine
wirtſchaftliche Stellung zu einem erheblichem Teile auf
Lohnarbeit beruht.
Wer zu den Berufsarbeitern zählt, für den müſſen un=
bedingt
Marken verwendet werden, mag die Arbeits=
leiſtung
auch noch ſo geringfügig und noch ſo ſchlecht be=
zahlt
worden ſein.
Iſt dies aber nicht der Fall, handelt es ſich um eine
Perſon, die in günſtiger Lage und nicht darauf angewieſen
iſt, durch Lohnarbeit zu ihrem Lebensunterhalt beizu=
tragen
, ſo darf die Verſicherung auch nur dann unter=
bleiben
, wenn es ſich um eine gelegentliche Aushilfedienſt=
leiſtung
handelt, oder die Arbeitsleiſtung eine regelmäßig
wiederkehrende, aber nur eine nebenhergehende und ge=
ringfügig
bezahlte iſt.
Schwierigkeiten hereiten die Fälle nicht, bei welchen
jemand, der es nicht nötig hat, zur Friſtung ſeines Da=
ſeins
Lohnarbeit zu verrichten, bei ſich einmal bietender
Gelegenheit einen Nebenverdienſt findet. Dieſe Fälle
ſcheiden unbedingt von der Verſicherungspflicht aus. Zwei=
fel
entſtehen aber bei regelmäßig wiederkehrenden Be=
ſchäftigungsverhältniſſen
. Solche Arbeitsleiſtungen dür=
fen
, um verſicherungsfrei zu ſein, nur nebenher verrichtet
werden, und weiter muß der dafür gezahlte Lohn nur ein
geringfügiger ſein. Alſo wiederum zwei beſondere Merk=
male
, die zu beachten ſind.
Ebenfalls einfach wird die Frage zu beantworten
ſein, ob eine Arbeit nur nebenher verrichtet wird, das
heißt, ob der Aufwand von Zeit und Arbeitskraft nur
von nebenſächlicher wirtſchaftlicher Bedeutung iſt. Iſt
dies der Fall, dann iſt immerhin noch die weitere Frage

zu beantworten, ob der Arbeitslohn geringfügig iſt oder
nicht. Auch hierbei iſt der Schwerpunkt auf die Perſön=
lichkeit
des Arbeitenden zu legen, da ſich das nur unter
Vergleichung mit den übrigen Einkünften des Beſchäftig=
ten
unter Berückſichtigung ſeiner Lebenshaltung beſtim=
men
läßt. Dem einen wird ein gewiſſer Geldbetrag noch
nicht einmal als Taſchengeld genügen, der für einen an=
deren
, in weniger beneidenswerten Verhältniſſen Leben=
den
, zum Lebensunterhalt ausreichen muß.
Als geringfügig ſoll der Lohn gelten, wenn er für
den Lebensunterhalt während des Zeitraums, innerhalb
deſſen die Beſchäftigung in regelmäßiger Wiederkehr aus=
geübt
wird, nicht weſentlich iſt, und dabei ſoll nach der
Anſchauung des Reichsverſicherungsamts mehr einen ge=
wiſſen
Anhalt als eine feſte Abgrenzung der Umſtand
geben ob der Lohn ein Drittel des Ortslohnes, der für
Darmſtadt für über 21 Jahre alte weibliche Verſicherte
auf 2,50 Mark, für jüngere aber auf 1,90 Mark feſtgeſetzt
wurde, überſteigt.
Nach dem bisher Geſagten darf die Markenverwen=
dung
nur bei gleichzeitigem Vorliegen aller oben hervor=
gehobenen
Merkmale unterbleiben, keineswegs aber auch
dann, wenn nur eines derſelben fehlt.
Kurz wiederholt, es darf erſtens der Beſchäftigte kein
berufsmäßiger Lohnarbeiter, zweitens die Tätigkeit nur
eine nebenhergehende, und drittens der gezahlte Arbeits=
lohn
nur ein geringfügiger ſein. Trifft all dies zu, dann
kann die Beitragsentrichtung unterbleiben.
Beiſpielsweiſe iſt eine verheiratete Lauffrau, die
neben Führung des eigenen Haushalts eine Monatsſtelle
verſieht, welche ſie vormittags nur etwa zwei Stunden
in Anſpruch nimmt und für die ſie einen Arbeitsverdienſt
von 10 Mark monatlich erhält, von der Verſicherungs=
pflicht
befreit, und der Arbeitgeber braucht für dieſe Frau
Verſicherungsbeiträge nicht zu entrichten, während ein
anderer Arbeitgeber, der eine Lauffrau auch nicht länger
beſchäftigt, und auch nicht mehr Lohn zahlt, wie jener, Ver=
ſicherungsbeiträge
deshalb leiſten muß, weil die Frau,
die bei ihm arbeitet, auch noch anderweit gegen Lohn
tätig iſt. Wiederum tritt bei gleich geringfügigem Ar=
beitslohn
Verſicherungspflicht ſelbſt dann ein, wenn die
Frau anderweite Arbeit nicht verrichtet, ſofern die
Monatsſtelle die Hälfte der Tageszeit oder mehr in An=
ſpruch
nimmt, weil dann von einer nebenhergehenden
Dienſtleiſtung nicht mehr geſprochen werden kann.
Man ſieht alſo, daß von Fall zu Fall entſchieden wer=
den
muß und daß die Auslegung der geſetzlichen Beſtim=
mung
über die Befreiung vorübergehender Dienſtleiſtun=
gen
von der Verſicherungspflicht gar nicht ſo einfach iſt.
Im allgemeinen wird man aber ſagen können, daß in
Darmſtadt Lauffrauen, deren Geſamtjahresarbeitsverdienſt
den Betrag von 250 Mk. nicht überſteigt, der Verſicherungs=
pflicht
nicht unterliegen. Bei unter 21 Jahre alten Per=
ſonen
genügt aber ſchon ein jährlicher Arbeitsverdienſt
von 190 Mark, um ſie verſicherungspflichtig zu machen.
Jeder, der nur den geringſten Zweifel hat, wird gut
tun, die Entſcheidung der zuſtändigen Behörde (des Ver=
ſicherungsamts
) anzurufen. Man darf ſich aber nicht
etwa mit einem mündlichen Beſcheid begnügen, muß viel=
mehr
im eigenen Intereſſe auf Erlaß einer förmlichen
Entſcheidung drängen, da der Arbeitgeber ſich ſtrafbar
macht, wenn die Beitragsentrichtung unterbleibt.
Wenn hier im allgemeinen nur von Lauffrauen die
Rede war, ſo finden dieſe Ausführungen doch auch auf
alle gleichgearteten Arbeitsverhältniſſe Anwendung, in
denen Perſonen als Zeitungsträgerinnen, Weckträgerin=
nen
und dergleichen kurze Zeit des Tages vielleicht nur
ſtundenweiſe, beſchäftigt werden.

Literariſches.

Das Thüringer Verkehrsbuch mit 43
trefflichen Abbildungen, ein Ratgeber bei Auswahl von
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eben
in 7. Auflage (31. bis 35. Tauſend) erſchienen. Die
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iſt durch die Hofbuchdruckerei Eiſenach, H. Kahle.

Gewinnauszug
der
4. Prenßiſch-Küddentſchen
(230. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotterie
5. Klaſſe 14. Ziehungstag. 25. Mai 1914

Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
(Nachdruck verboten)
(Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 15000 Mk. 232945
6 Gewinne zu 5000 Mk. 686 17721 132263
90 Gewinne zu 3000 Mk. 4746 4988 7296 7312
14814 14843 18422 19716 27542 29424 42354 42426
43971 44102 48305 63932 65741 69132 75305 80565
85548 101229 103416 103603 104088 107015 109181
113160 128280 135788 137643 139808 157702 161143
178521 190474 199232 207683 210124 213239 217133
220032 220464 229550 231657
118 Gewinne zu 1000 Mk. 72 4904 8405 12704
14641 20891 22836 24995 25424 29204 30242 33124
38031 42817 46946 47398 47932 50583 59312 61321
63838 73045 75837 76842 79041 (95983 101347 107039
112062 121290 121688 124826 132454 133434 136732
139553 143550 147220 156264 161033 170060 172496
175761 178486 181305 199108 202044 202157 202839
204601 206333 209250 212925 215588 216167 222366
222597 230548 233944
228 Gewinne zu 600 Mk. 587 2183 7017 7770
10201 12026 12985 13419 17348 17404 18416 19362)
19442 20734 20800 24650 26377 32099 32413 32751
33389 39148 42693 47141. 47252 47812 49071. 50020
50112 56653 58723 60498 62460 65572 66090 67772
66736 68950 70701. 75606 78813 80404 82538 82872
83227 86992 89009 94433 94633 96034 96966 97670
100621 102185 103561 104003 104114 106189 108357
111816 113532 113708 114133 115184 115400 118124
120530 120726 122803 123194 125430 126021 126478
127885 129530 134811 142963 144596 144886 145935
146996 147261 148694 148920 153047 155240 165712
168648 173944 179042 180133 181413 182001. 18469s
186516 188088 191563 198802 203269 204075 20534a
205389 208446 208532 209932 211350 212948 21457g
218580 223881 228608 229954 229973 231053
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 40000 Mk. 4229
2 Gewinne zu 10000 Mk. 226711
14 Gewinne zu 5000 Mk. 416 37831 94917 115342.
148290 150902 216827
68 Gewinne zu 3000 Mk. 11006 12521 27471 40704
47272 48224 66519 66933 81296 89278 101666 105011
109021 109509 116761 122287 124694 185132 146196
146743 155912 157165 158158 161582 171121 184008
184176 186160 187076 188235 200081 206081 219699
221709
170 Gewinne zu 1000 Mk. 950 4805 7759 14992
16913 22091. 22221. 30667 32608 35577 35729 41039
41084 42691. 45438 47126 47209 50072 50711 50795
52788 54994 57186 57672 57896 56436 59581 90363
96549 96997 106700 107470 110185 116925 118375
118507 120130 120551. 123561. 126097 126513 127186
131438 143069 151519 153979 159671 163670 164545
167066 169280 171992 173642 174073 175355 177014
178143 178398 178872 181144 181652 183222 185499
186002 188083 190888 192131 194406 194723 195977
196729 203663 210470 211119 212747 212829 213283
218596 218621 219589 220357 226627 23039g 230953
232140
192 Gewinne zu 600 Mk. 1694 2423 5076 6886
7471 8411. 10798 11127 13822 19672 22737 27106
31256 32856 34683 35074 36692 37056 39149 43245
44490 49665 55152 57104 60459 63515 65672 66967.
70196 72238 75143 79184 80724 81556 81934 82932
93223 94411 95575 97115 97371 99258 99379 102038
106526 107616 108969 109164 110262 112296 115037,
115423 116451 120209 120538 122655 126978 126275
131453 132526 136257 136300 136691. 140755 143958
147804 152521 159017 160588 161084 162178 163010
163046 164275 170831 1.70966 172294 176568 177283
184756 186364 188817 189513 191973 193097 198584
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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

Seite 23.

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Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mai 1914.

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