Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 134., Samstag, den 16. Mai.

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177. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 32 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Beim geſtrigen Schaufliegen iſt Leuſnant Carga=
nico
vom Fliegerbataillon Nr. 4 geſſtürzt. Er er=
litt
einen komplizierten Oberſchenkelbruch und Ver=
letzungen
am Knie.
Der Reichstag erledigte geſſtern in zweiter Leſung den
Etat des Auswärtigen Amtes, ebenſo den
Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei.
Die Reichstagserſatzwahl in Stendal=
Oſterburg ergab Stichwahl zwiſchen dem Kon=
ſervativen
und dem Nationalliberalen.
Geſtern vormittag wurde in Beren die ſchwelzeri=
ſche
Landesausſtellung eröffnet.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Die auswärtige Politik

hat in der Donnerstagsſitzung des Reichstages den In=
halt
einer Rede gebildet, die anſtelle des Reichskanzlers
Staatsſekretär von Jagow hielt. Seine Ausführun=
gen
ſanden im allgemeinen die Zuſſtimmung der bürger=
lichen
Parteien, wurden aber am lebhafteſten inſoweit
begrüßt, als ſie eine entſchiedene Warnung an die deutſch=
feindliche
Preſſe Rußlands zum Ausdruck brachten.
Ohne Zweifel liegt in dieſer Warnung ein Hauptteil der
politiſchen Bedeutung deſſen, was der Staatsſekretär über
die internationale Lage geſagt hat. Seine Kennzeichnung
der ruſſiſchen Preßtreibereien als eines Spiels mit dem
Feuer klärt nicht nur die beteiligte Preſſe Rußlands, ſon=
dern
auch die des übrigen Auslandes über die Tragweite
jener Treibereien auf, die auch in England eine auffallend
einſteitige Beurteilung zu unſeren Ungunſten erfahren ha=
ben
. Die Neigung der Preſſe des Dreiverbandes, jede
lebhaſte deutſche Aeußerung aufs höchſte aufzubauſchen,
dagegen deutſchfeindliche Hetzereien als etwas Selbſtver=
ſtändliches
hingehen zu laſſen, iſt vom Staatsſekretär mit
erfreulicher Deutlichkeit als Meſſen mit ungleichem Maß
zurückgewieſen worden. Trägt dieſe Zurückweiſung hof=
fentlich
zu einer mehr paritätiſchen Haltung der ausländi=
ſchen
Preſſe bei, ſo bezeugt die an die ruſſiſche Adreſſe
gerichtete Warnung, daß man ſich in Petersburg verrech=
net
, wenn man mit Hilfe eines deutſchfeindlichen Preſſe=
feldzuges
handelspolitiſche Erfolge zu erreichen hofft.
Staatsſekretär von Jagow hat naturgemäß die ruſſiſche
Regierung von der Kritik ausgenommen, die er an der
ruſſiſchen Preſſe üben mußte. Es wird ſich bald heraus=
ſtellen
, ob der wohlbegründete deutſche Hinweis auf die
Folgen einer Preſſehetze den Umſchwung hervorruft, der
im Intereſſe einer ungetrübten Fortdauer unſerer Bezie=
hungen
zu Rußland notwendig und bei dem Mangel an
realen Gegenſätzen ohne weiteres möglich iſt.
Konnte der Staatsſekretär betreffs unſerer Beziehun=
gen
zu Großbritannien ſich auf die Erwähnung
des freundſchaftlichen Geiſtes beſchränken, der in ihnen
herrſcht, ſo hat er mit Wärme des einheitlichen und ge=
ſchloſſenen
Auftretens der Dreibundmächte während
der Balkankriſis gedacht und die energiſche Fortführung
dieſer Politik angekündigt. Damit werden alberne Aus=
ſtreuungen
, die vor der letzten Wiener Kaiſerbegegnung
in die Welt geſetzt waren, endgültig beſeitigt. Im Zu=
ſammenhange
mit dieſem Bekenntnis zum Dreibunde gab
der Staatsſekretär der Zuverſicht Ausdruck, daß Ru=
mänien
dank der Weisheit ſeines Herrſchers und ſei=
ner
Regierung ſſich auch künftig an die alten Dreibund=
Freunde anlehnen werde. Hoffentlich unterbleiben in
Oeſterreich=Ungarn rollenwidrige Seitenſprünge, die Ru=
mänien
das Feſthalten an ſeiner bisherigen Auslands=
politik
erſchweren. Ueber die Ausſichten der Erhaltung
des Friedens am Balkan, der für die Sicherung des
europäiſchen Friedens von ausſchlaggebender Wichtigkeit
iſt, äußerte ſich der Staatsſekretär zwar ofllimiſtiſch, aber
ohne Ueberſchwang. Das gleiche gilt von ſeinen Be=
merkungen
über Albanien. Neuigkeiten hat er betreſfs
der albaniſch=epirotiſchen Auseinanderſetzungen ebenſo
wenig mitteilen können, wie in bezug auf die das otto=
maniſche
Reich betreffenden Verhandlungen, die noch
nicht mit allen beteiligten Staaten abgeſchloſſen ſind.
Auch die mexikaniſche Kriſis wurde vom
Staatsſekretär nur mit greiflicher Zurückhaltung erörter.
Immerhin iſt es bedeutſam, daß er die Vermittelungs=

aktion der ſüdamerikaniſchen Republiken freudig
begrüßte und damit jene Aktion nochmals in bemerkens=
werter
Weiſe unterſtützte. Die ſtarke Betonung unſerer
von politiſchen Hintergedanken vollkommen freien, rein
wirtſchaftlichen Ziele in Südamerika wird dort im jetzi=
gen
Augenblick um ſo willigeres Gehör finden, je mehr
das Vorgehen Nordamerikas gegen Mexiko im lateiniſchen
Amerika die Beſorgnis vor politiſchen Zielen der Union
verſtärkt hat.

Die Thronrede zur Eröffnung
des fürtiſchen Parkaments=

* Am Donnerstag nachmittag fand, wie ſchon mitge=
teilt
, die feierliche Eröffnung des neugewählten Parla=
ments
ſtatt. Der Feierlichkeit wohnten bei der Sultan, der
Thronfolger Prinz Juſſuf Izzedin, die Prinzen Wahib
Eddin, Salah Eddin, ſowie das Zivil= und Militärkabi=
nett
des Sultans und ſämtliche Mitglieder des Kabinetts
einſchließlich Talaat Bei, der aus Livadia und Enver
Paſcha, der aus Anatolien zurückgekehrt war. Der Saal
und die Logen waren dicht gefüllt und das diplomatiſche
Korps war vollzählig erſchienen. Die von dem erſten
Sekretär des Sulſtans verleſene Thronrede ermnert
zunächſt an die am 4. Auguſt 1912 auf Beſchluß des Se=
nats
unter der Bedingung der Vornahme von Neuwahlen
verkündeten Schließung des Parlaments und fährt fort:
Die Veränderungen und Umwälzungen
im Innern, die der Schließung der Parlamente folg=
ten
, hatten eine Koalition der auf die Gelegenheit lauern=
den
nationalen Feinde und einen gleichzeitigen Einfall
in unſer Grenzgebiet zur Folge. Die Durchführung der
Wahlen wurde dadurch notwendigerweiſe verzögert. Die
Verwirklichung unſeres Wunſches, die Eröffnung der Na=
tionalverſammlung
vorzunehmen, wurde infolgedeſſen
bis zum heutigen Tage hinausgeſchoben. Ich preiſe den
Allerhöchſten, der uns die Möglichkeit gewährte. die Na=
tionalverſammlung
nach einer langen ſchmerzvollen Zwi=
ſchenzeit
wieder zu eröffnen. Ich heiße Sie alle willkom=
men
. Der Angriff der Feinde, der von allen Seiten auf
unſer Vaterland in dem Augenblick erfolgte, da das Reich
kaum den Krieg mit Italien und eine revolutionäre Kriſe
überſtanden hatte, brachte unſer Land in die ſchwieriſſte
Situation. Nach der Proklamierung der Verfaſſung hatte
man um den Preis großer, von unſeren Völker auf ſich
genommener Opfer mit Fleiß und Eifer daran gearbeitet,
nach Tunlichkeit die zerſtörenden Wirkungen der Ver=
gangenheit
zu beheben, in dem die Equipierung und Aus=
rüſtung
der Armee miſt Rückſicht auf einen möglichen An=
griff
vorbereitet, beziehungsweiſe ergänzt wurde. Zu
unſerer außerordentlich peinlichen Ueberraſchung mußten
wir wahrnehmen, daß trotz all dieſer patriotiſchen An=
ſſtrengungen
und Vorbereitungen unſere Armeen unter=
lagen
. Taufende von Soldaten, unſere Söhne, wurden vom
Schickſal erreicht, ſind in Gefangenſchaft des Feindes ge=
raſten
. Selbſt vor den Toren der Hauptſtadt lagerten
Hungernde und Entblöſte. Ich ordnete ſofort die Bildung
eines oberſten Militärgerichtshofes an, damit er nach den
Urſachen des Unglücks, die hierfür Verantwortlichen
fahnde und über die letzteren Strafen verhänge, die ge=
eignet
ſſind, eine wirkſame Lehre zu bilden. Ich hege die
feſte Hoffnung, daß der Gerichtshof die ihm übertragenen
wichtigen Aufgaben in den Grenzein ſdes Geſetzes und der
Gereſchtigkeit erfüllen wird.
Die Thronrede erwähnt dann den Krieg zwi=
ſchen
den Balkanverbündeten und fährt fort:
Unſere Truppen rückten vorwärts, vertrieben den Feind
von den Ufern des Marmarameeres und konnten Adria=
nopel
wieder erobern. Die moraliſchen Konſequenzen die=
ſer
Ereigniſſe übertrafen an Wichtigkeit die materiellen.
Das Innere unſeres Reiches fühlt ein Wieder=
aufleben
und iſt voller Hoffnung und Begeiſterung. Die
Ueberraſchung des Auslandes iſt einem vollſtändigen Ver=
trauen
gewichen. Die Thronrede widmet ſodann den im
Kriege geſallenen Soldaten ein ehrendes Geſdenken und
fährt fort: Durch das Londoner Protokoll iſt das Schick=
fal
der Inſeln des Archipels der Entſcheidung
der Großmächte gemäß ihrem Wunſche unter dem Vorbe=
halte
überlaſſen worden, daß der geſicherte friedliche Beſitz
Anatoliens berückſichtigt bleibt. Aber der Inhalt der ſpä=
terhin
von den Großmächten der Pforie überreichten Note
ließ uns mit Bedauern feſtſtellen, daß man Griechenland
die Infeln überließ, deren Beſitz uns am notwendigſten
iſt. um die Ruhe und Sicherheit zu genießen, deren wir zur
Entwickelung Anatoliens bedürfen. In Antwort auf
dieſe Note hat meine Regierung die Gründe auseinander=
geſetzt
, die es unmöglich machen, dieſe Entſcheidung anzu=
nehmen
. Sie hat bekanntgegeben, daß, obwohl ſie den
Wert der Aufrechterhaltung des Friedens für unſer
Reich anerkenne, ſie keinerlei Anſtrengungen unſterlaſſen
werde, um zu ihren Rechten zu gelangen. Ich hoffe, daß
es gelingen wird, die Frage in friedlicher Weiſe, entſpre=
chend
unſerem Standpunkt und unſeren weſentlichen In=
tereſſen
zu löſen. Es iſt nicht zu zweifeln, daß
Italien demnächſt die Inſeln zurückſtellen wird, deren
Räumung und Uebergabe an uns der Lauſanner Vertrag
ihm auferlegt.
Die Thronrede fährt dann fort: Es iſt notwendig,
in möglichſt kurzer Friſt die Verluſte gut zu ma=

chen, die unſere militäriſchen Kräfte durch die Un=
glücksfälle
des Krieges erkiten haben. Dieſer
Krieg hat auch gezeigt. von welcher Notwendigkeit und
Wichtigkeit für unſere Reich der Beſitz einer mäch=
tigen
Flotte iſt. Ich wünſche, daß die Nation die
Opferwilligkeit und die Bemühungen des Kriegs= und des
Marineminiſters unterſtützt. Um den Fortſchritt unſerer
Armee und unſerer Flotte zu ſichern, haben wir
fremdländiſche Offiziere berufen. Fachmän=
ner
, die wir für andere ſtaatlichen Zweige erbeten haben,
treffen nach und nach ein.
Die finanzielle Lage des Reiches iſt durch
die ſich über zwei Jahre erſtreckenden Feindſeligkeiten hart
in Mitleidenſchaft gezogen worden Nichts deſtoweniger
rechtfertigen die in den ſtaaſtlichen Einnahmen ſogar wäh.
rend der Kriegsperiode erzielten Ueberſchüſſe die beiſten
Hoffnungen für die Zukunſt. Mit der freundſchaftlichen
Unterſtützung der franzöſiſchen Regierung iſt eine bedeu=
tende
Aleihe in Paris abgsſchloſſen worden, um die
während des Krieges aufgenommene Schuld zu liquidie=
ren
. Damit das Reich die Eſnnahmequellen ge=
nießen
kann, die es bisher entbehren mußte, ſind Ver=
handlungen
mit einigen Großmächten an=
geknüpft
worden. Dieſe Verhandlungen, die mit Frank=
reich
zu eihem Abſchluß führten und mit England einem
befriedigenden Abſchluß nahe ſind, werden, wie man hof=
fen
darf, demnächſt mit Deutſchland und Rußland zum
Ziele führen. Infolge dieſes Abkommens wird es uns
möglich ſein, das Budget vom nächſten Jahre ab ins
Gleichgewicht zu bringen und es zu konſolddieren.
Unſere auswärtige Politik baſiert auf dem
Grundſatz der vollſtändigen Aufrechterhaltung unſerer
Rachte und der Beachtung der Rechſte anderer, ſie geſtattet
wie in der Vergangenheit herzliche Beziehungen mit den
befreundeten Mächten. Da ſich die gegenſeitigen Gefühle
der Eintracht und des Friedens auf allen Seiten bemerk=
bar
machen, ſo ſtellt ſich die Lage vom auswärtigen Stand=
punkt
friedlich und befrickdigend dar. Die Thronrede
ſchließt mit dem Wunſche, daß die Kammer vor allem die
Abänderung der Verſaſſung erledigen möge, um ein oll=
kommenes
Gleichgewicht zwiſchen ſder geſetzgebenden und
der erekutiven Gewalt zu ſichem, daß ſie das Budget an=
nehme
, daß ſie Verträge, proviſoriſche Geſetze und andere
ihr zur Unterbreitung gelangende Geſetzentwürfe rati=
fiziere
.

Deutſches Reich.

Eine Aenderung der Reichsverfaſ=
ſung
. Die ſchon ſſeit Jahren ſchwebenden Verhandlun=
gen
zwiſchen Reich und Bundesſtaaten über eine neue
Grundlage für dle Verteilung der durch die Verwaltung
der Zölle und Verbrauchsabgaben entſtehenden Laſten
haben, wie die Tägl. Rundſchau erfährt, inſoweit zu einem
Ergebnis geführt, als jetzt den Bundesregierungen be=
ſtimmte
neue Vorſſchläge des Reiches vorgelegt worden
ſind. Die Beſchwerden der Bundesregierungen, beſon=
ders
der ſüddeutſchen und unter dieſen an erſter Stelle
der elſaß=lothringiſchen, ſtützen ſich auf die Behauptung,
daß die bisherigen Entſchädigungen des Reiches unzu=
länglich
ſeien und daß die Bundesſtaaten aus ihren eige=
nen
Mitteln für die Erhebung von Reichsabgaben finan=
zielle
Opfer bringen müßten. So behauptet Elſaß=
Loſthringen, daß es aus Sondermitteln drei Millionen
Mark jährlich für das Reich zuzahlen müſſe. Der bis=
herige
Verteilungsmodus iſt aufgebaut auf den Beſtim=
mungen
der Reichsverfaſſung und den Vorſchriſten ün=
zwiſchen
ergangener Sondergeſetze. Um eine neue Grund=
lage
zu ſchaffen, iſt alſo eine Aenderung der Verfaſſung
notwendig, zu der die Reichsleitung auch in ihren Vor=
ſchlägen
ihre Zuſtimmung gegeben hat. Es darf ange=
nommen
werden, daß die Verhandlungen unter den ver=
bündeten
Regierungen zu einer Einigung, führsn wer=
den
und dem Reichstag im Herbſt ein Geſetzentwurf vor=
gelegt
werden kann. Für das Reich iſt damit neuerlich
eine ſſnanzielle Mehrbelaſtung verbunden. Für das
Reichsland bedeutet dieſe Neuerung die Erfüllung eines
der finanziellen Wünſche, von denen wir vor Wochen mel=
deten
, daß ſie die nächſten Anliegen des Landes an ſeine
neue Regierung ſein würden.
Die Ablehnung des Preſſſereferats
im Kriegsminiſterium bedeutet für dieggeſamte
Preſſe und ihre nach vielen Millionen zählende Leſerſchaft
eine empfindliche Beeinträchtigung, da es nach der im
Kriegsminiſterium vörhandenen knapp bemeſſenen Zahl
von Offizieren kaum möglich ſein wird, eine Auskunfts=
ſtelle
gewiſſermaßen im Nebenamt zu unterhalten. Die
exakte Erledigung der nach vielen Hunderten zählenden
Anfragen, die oft zaſtraubende Ermittelung erfordert,
kann nicht nebenher beſorgt werden. Das Kriegsmini=
ſterium
kann die Fühlung mit der Preſſe aber ebenſo=
wenig
entbehren wie umgekehrt die Preſſe die ſchnelle
und ſachgemäße Orientlerung durch eine maßgebende
Stelle der Heeresverwaltung. Ob es möglich ſein wird,

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durch ein Proviſorium wenigſtens einen Teil des bisheri=
rgen
umfangrelchen Verkehrs mit der Preſſe aufrecht zu
erhalten, bedarf noch beſonderer Erwägung. Man wünſcht
aber in Reichstagskreiſen im Intereſſe der Oeffentlichkeit,
daß die Forderung einer Auskunftsſtelle für die Preſſe im
Kriegsminiſterium im nächſten Etat wiederkehrt, wenn es
nicht gelingen ſollte, bis zur dritten Leſung noch eine
Mehrheit für die abgelehnte Poſition zu gewinnen. Eine
Wahrſchelnlichkeit hierfür iſt allerdings nach dem gegen=
wärtigen
Sſtande der Sache nicht gegeben.
Die Beſoldungsnovelle. Die fortge=
ſetzten
Verhandlungen über ein Kompromiß in der Frage
der Beſoldungsnovelle haben, wie die Voſſiſche Zeitung
erfährt, zu keinem Ergebnis geführt.

Ausland.

Schweiz.
Ablehnung der Verhälltniswahl. Der
parlamentariſche Ausſchuß, den der ſchweizeriſche Natio=
nalrat
zur Vorberatung des Volksbegehrens beſtimmte,
das die Einführung der Verhältniswahl für den Natio=
nalrat
fordert, hat mit 8 gegen 6 Stimmen beſchloſſen
es ſei die Ablehnung dieſes Volksbegehrens zu empfehlen.
Dieſer Beſchluß ſtimmt mit demjenigen überein, den die
Bundesregierung unlängſt mit allen gegen die Stimmen
des katholiſch=konſervativen Vertreters gefaßt hat. Auch
die ſtarke Mehrheit der ſchweizeriſchen freiſinnig= demokra=
tiſchen
Partei wird vorausſichtlich dieſen Beſchluß faſſen;
ebenſo iſt im Parlament eine das Volksbegehren ableh=
nende
Mehrheit ſicher.
Belgien.
Das Schulgeſſetz. Der Senat hat das Schul=
geſetz
mit 68 Stimmen angenommen. Die Liberalen und
Sozialiſten verlaſen vorher Proteſtkundgebungen und ver=
ließen
vor der Abſtimmung den Saal.
Spanien.
Die Marokkoffrage. In der Kammerſitzung
erklärte der Abgeordnete Rodes (Republikaner), Spanien
habe nicht die Macht, in Marokko vorzugehen, ſolle auf
ſeine Rechte verzichten und die internationalen Verträge
einer Reviſion unterziehen. Der Miniſter des Aeußern
antwortete darauf, es liege kein Grund vor, auf die ſpa=
niſchen
Rechte in Marokko zu verzichten. Spanien müſſe
ſich dort behaupten, ſei es auch nur ſeiner Würde willen.
Die Regierung hätte nicht zulaſſen können, daß Frankreich
ſich gegenüber der ſpaniſchen Küſte in Marokko feſtſetzte.
Die marokkaniſche Angelegenheit erfordere eine uner=
ſchütterliche
Geduld. Die Eiſenbahn von Tanger nach Fez
werde, ſoweit es ſich um die ſpaniſche Strecke handle, er=
baut
werden, ſobald die Cortes die Vorlage angenommen
ſhätten, welche von der Regierung zu einer ihr günſtig er=
ſcheinenden
Zeit vorgelegt werden würde.
Vereinigte Staaten.
Der Panamakanal. Gegenüber anderslauten=
den
Meldungen erklären die Beamten der Panamakanal=
Eiſenbahn=Geſellſchaft, ſie hätten Mitteilung erhalten, daß
der Dienſt von Schiffen kleinen Tonnengehalts auf dem
Panamakanal am 9. Mai begonnen habe und daß Fluß=
ſchiffe
jetzt regelmäßig den Kanal paſſieren. Die vorzei=
tige
Eröffnung des Kanalverkehrs iſt auf die durch die
Schließung der Tehuantepec=Eiſenbahn hervorgerufene
ſtarke Anhäufung von Handelsgütern zurückzuführen. Nach
der Inſtandſetzung des Kanals auf der Cucuracha=Strecke,
die Ende der Woche vollendet ſein wird, wird es möglich
ſein, Handelsdampfer durch den Kanal zu ſenden.

China.
Die Anleihle. Wie das Reuterſche Bureau er=
fährt
, übermittelte die Regierung eine Note, in der ſie der
Fünfmächtegruppe eine Anleihe von 7½ Millionen Pfund
Sterling zum Rückkauf kurzfriſſtiger Anleihen anträgt und
vorſchlägt, die Währungsanleihe auf ein Jahr zurückzu=
ſtellen
,

* Ein engliſches Lobder deutſchen Fork=
bildungsſchule
. Dr. Georg Kerſchenſteiners Buch
Die Schulen und die Nation in dem das deutſſche Sy=
ſtem
der Fortbildungsſchule behandelt wird, erſcheint ſo=
eben
in engliſcher Ueberſetzung bei Macmillan, und in
einer Vorrede, die Lord Haldane dazu geſchrieben
hat, lieſt man eine ernſte Warnung an das engliſche Volk
von dem hervorragenden Staatsmann, die eine hohe An=
erkennung
dieſer deutſchen Schulen bedeutet. Haldane
empſiehlt die deutſche Einrichtung, durch die die Arbeit=
geber
gezwungen werden, ihren jugendlichen Angeſtellten
bis zum 18. Lebensjahre den Beſuch der Forlblldungs=
ſchule
zu ermöglichen und ſie ſo in den Sſtand zu ſetzen,
für ihren Beruf wichtige Dinge zu lernen, nachdrücklich
zur Nachahmung. Es iſt ein Syſtem, mit dem wir rech=
nen
müſſen, ſchreibt er. Wenn wir nicht gleichen Schritt
halten, ſo werden unſere Arbeiter im Verlaufe weniger
Jahre gegenüber ihren Arbeitsgenoſſen draußen erheblich
im Nachteil ſein. Dieſe genießen unter der neuen Me=
thode
eine Ausbildung und Vergünſtigungen, denen wir
nichts entgegenſetzen können. Einige Erziehungsbehörden
in Großbritannien, wie die in London und in drei oder
vier anderen großen Städten, ſind ſich darüber klar und
machen Anſtrengungen, in dieſem Wettkampf mitzukon-
men
. Aber die öfſentliche Meinung in unſerem Lande iſt
ſchwer aufzuwecken, und wenn dies nicht geſchieht und
den Ortsbehörden nicht ein beſtimmter Auſſtrag gegeben
wird, ſo werden dieſe letzteren wenig Macht haben, hel=
fend
einzugreifen.
* Der Beſuch des däniſſchen Königs=
paares
in Parlis. Das Programm zur Feier der
Anweſenheit des däniſchen Könſigspaares in Paris iſt
nunmehr feſtgelegt. Zwei Panzerkreuzer ſind nach Ca=
ais
beordert worden. um die Gäſte Frankreichs bei ihrer
Ankunft am Samstag vormittag 10 Uhr zu begrüßen. Um
3 Uhr nachmittags wird dann der Sonderzug mit den
königlichen Herrſchaften in Parls eintreffen, wo die Be=
grüßung
durch den Präſidenten der Republik am Bahn=
hof
Bois de Boulogne erfolgt. Abends 8 Uhr findet ein
Feſtmahl im Elyſée=Palaſt ſtatt und am Sonnlag ein
Frükſtück in der däuſchen Geſandtſchaft. Am Nachmittag
wohnen die Herrſchaften dem Rennen in Longchamps bet.
Für den Montag iſt ene Vorſtellung im Opernhauſe vor=
geſehen
. Die Rückreiſe des Königspaares erfolgt am
Dienstag früh 9 Uhr 25 Mknuten. Während ſeines Auf=
enthaltes
in Paris wohnt das Königspaar im Miniſte=
rium
des Aeußern.
* Athen, 15. Mai. Der König und die
Königin von Griechenland ſind mit dem Prin=
zen
Alexander und der Prinzeſſin Hellene an Bond des
Küſtenpanzerſchiffes Pſara nach Salonilt abgereiſt. Der
Generalſtab der Armee hat ſich ebenfalls dorthin begeben.
Der König wird die Garniſonen in Mazedonien inſpi=
zieren
.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 16. Mai.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Kreisſchulinſpektor Schulrat Schrod in
Mainz anläßlich ſeines 50jährigen Dienſtjubiläums am
6. Mai d. Js. die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen, dem Re=
gierungs
= und Baurat Heinrich Simon zu Worms,
Vorſtand des Eiſenbahnbetriebsamtes 1 in Worms, den
Charakter als Geheimer Baurat dem Weichenſteller
Peter Hofmann zu Nieder=Flörsheim und dem Bahn=
wärter
Peter Spengler zu Langſtadt, beide in der
Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft, aus Anlaß
ihrer am 1. Mai d. Js. erfolgten Verſetzung in den

Ruheſtand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
Für treue Dienſte‟
In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Miniſterialreviſor Ernſt
Freundlieb bei der Buchhaltung der Miniſterien
des Innern und der Juſtiz auf ſein Nachſuchen mit
Wirkung vom 1. Juni 1914 an.
* Preußiſch=Heſſiſche Eiſenbahngemeinſchaft. Im
Namen der Großh. Regierung in der Heſſiſch=
Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft voll=
zogene
Ernennungen und Beförderungen
(1. April 1914 bis 1. Mai 1914): zum Betriebskontrolleur
der Oberbahnhofsvorſteher Müller zu Mainz, zum
Oberbahnhofsvorſteher der Bahnhofsvorſteher Wenner
zu Niederlahnſtein, zum Bahnhofsvorſteher der Bahn=
hofsverwalter
Becker zu Erbach (Rhg.), zu Eiſenbahn=
aſſiſtenten
die Unteraſſiſtenten Hochgeſand zu Mainz=
Kaſtel, Knobloch zu Nierſtein und Raiß zu Oſthofen,
der Telegraphiſt Dexheimer zu Mainz und die komm.
Eiſenbahnaſſiſtenten Müller zu Oſthofen und Zinn zu
Rüſſelsheim, zu Lokomotivführern die Lokomotivheizer
Aſtheimer zu Biſchofsheim und Schäfer zu Mainz, zum
Oberlademeiſter der Lademeiſter Diehl zu Kranichſtein,
zum Lademeiſter der Schaffner Gerlach zu Biſchofsheim,
zu Unteraſſiſtenten die Eiſenbahngehilfen Rauſch zu
Monsheim und Wammes zu Ingelheim, zu Weichen=
ſtellern
1. Klaſſe die Weichenſteller Daum zu Biſchofs=
heim
und Schneider II. zu Maiuz, zu Weichenſtellern
die Bahnwärter Graf zu Mannheim=Waldhof und Koch
zu Kranichſtein, der Hilfsſtellwerksſchloſſer Haas zu
Mainz, der Schreibgehilfe Frey zu Mainz, der Aushelfer
Gebhard zu Mainz und der Hilfsweichenſteller Heß zu
Wolfskehlen, zu Schaffnern der Hilfsladeſchaffner
Zeltner zu Worms, der Schaffner i. P. Stumm zu
Bingen und der Aſpirant im Zug= und Ladedienſt
Buſch zu Worms, zu Bahnwärtern die Hilfsbahnwärter
Heiß zu Reinheim, Herberg und Müller zu Weiſenau,
zum Feuermann der Hilfsfeuermann Schmidt zu
Worms.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Hugo Maurer
zu Nieder=Seemen, Kreis Schotten, eine Lehrerſtelle an
der Volksſchule zu Bingenheim, Kreis Büdingen; dem
Lehrer Johann Philipp Rögner zu Biblis, Kreis Bens=
heim
, eine Lehrerſtelle an der Volksſchule zu Dietesheim,
Kreis Offenbach.
*Ausübung konſulariſcher Verrichtungen. Der
zum Generalkonſul von Venezuela in Hamburg ernannte
Herr Dr. Eduardo J. Dagnino, dem das Reichs=
exequatur
erteilt wurde, iſt zur Ausübung konſulariſcher
Verrichtungen im Großherzogtum Heſſen zugelaſſen
worden.
g. Strafkammer II. Am preußliſchen Buß= und Bet=
tag
wurde der Wachtpoſten vor dem Hauſe des Oberſten
in Oſſenbach von zwei Frankfurter Ausflüglern beläſtigt,
indem ſie ſich an das Schilderhaus lehnten und das Lied
Sſteh ich in finſterer Mitternacht ſangen. Die Aufforde=
rung
des Wachtpoſtens, ſich ruhig zu verhalten, beantwor=
ſteten
ſſie mit Spottreden, wie, ſie ließen ſich von einem
Weißroten überhaupt nichts ſagen, u. a. Das Schöffen=
gericht
halte deshalb die beiden Angeklagten, die Kauf=
ſleute
Hans Schönhals und Anton Stein, zu 30
und 60 Mark Geldſtrafe verurteilt. Die Straflammer ver=
warf
geſtern die von der Staatsanwaltſchaft gegen dieſes
Urteil eingelegte Berufung. Der 27jährige Hausburſche
Johann Fab an Dammer von Offenbach hat als An=
geſtellter
der Firma Haſſia=Schuhfabrik in Offenbach ver=
ſchiedene
Kleinigkeiten, wie Schuhlelſten und Raſpelnz
mit nach Hauſe genommen. Trotz des geringen Wertes
der geſtohlenen Sachen mußte die Strafkammer auf drei
Monate Gefängnis erkennen, da D. rückfällig iſt.
Vom Hoftheater. Heute bleibt das Hoftheater ge=
ſchloſſen
; es finden die letzten Proben zu Weingartners
neuem Werk Kain und Abel ſtatt, das bei den ſeit
Donnerstag täglich ſtattfindenden vollſtändigen Proben
in Koſtüm und Maske auf die Anweſenden ſtets den ſtärk=
ſten
Eindruck machte. Zur Wiedergabe der von ſtarker
Eigenart und echt dramatiſchem Leben durchfloſſenen groß=
zügigen
Kompoſition vereinigen ſich unter des Komponiſten
Leitung Lueile Marcel, Auguſt Globerger, Anna Jacobs,
Robert Perkins und Hans Bertram, ſowie die Großh. Hof=
kapelle
. Die Regie führt Otto Nowack. Die Vorſtellung
beginnt pünktlich 6½ Uhr. Am Montag geht als ge=
ſchloſſene
Sondervorſtellung Alt=Heidelberg in Szene,

Neue Wagner=Briefe aus den
Pariſer Tannhäuſer=Tagen.

** Durch die Vermittelung des Bibliothekars der
Pariſer Großen Oper iſt es J. G. Prod’Homme ermög=
licht
worden, in den Archiven der Oper Forſchungen an=
zuſtellen
, die zu einem ſehr glücklichen Erfolge geführt
haben: Prod’Homme ſtieß auf das vergilbte Aktenheft,
das die auf die Pariſer Uraufführung des
Tannhäuſer ſich beziehenden Dokumente enthält, dar=
unter
eine Reihe bisher unbekannter Briefe Richard Wag=
ners
aus jenen bewegten Tagen. Die ganze Unruhe und
Nervoſität des um die Geſtaltung ſeines Werkes beſorgten
Künſtlers ſpiegelt ſich in dieſen Briefen und Briefentwür=
fen
, von denen Prod’Homme die intereſſanteſten jetzt im
Temps veröffentlicht.
164 Proben und nur 3 Aufführungen eine Unſumme
von Sorgen, Befürchtungen, Freuden und Verſtimmun=
gen
, Hoffnungen und Enttäuſchungen verbirgt ſich hinter
ihnen. In der Generalprobe vom 23. Februar es folg=
ten
ihr noch viele Generalproben ehe es endlich zur
Premiere kam äußert ſich zum erſtenmal die Unzufrie=
denheit
Wagners mit Dietſch, dem unfähigen Kapell=
meiſter
; am nächſten Tage ſchreibt der Meiſter an den
Direktor Royer einen bereits bekannt gewordenen Brief,
in dem er fordert, wenigſtens eine Generalprobe und die
drei erſten Aufführungen ſelbſt dirigieren zu dürfen, was
ihm nicht geſtattet wird: und zu gleicher Zeit beſchäftigt
ſich Wagner mit der Frage der Freibillets und der Zulaß=
karten
für Freunde und Bekannte. Zu einer Generalprobe
ſind ihm 100 Einlaßkarten zur Verfügung geſtellt; er kommt
damit nicht aus, braucht weitere 50 Karten, dann noch 4
Logen für die Angehörigen verſchiedener Botſchaften, die
ſich beſonders für mein Werk intereſſieren; und ſchließ=
lich
, als die Forderung bewilligt iſt, noch ein weiteres
Dutzend Eintrittskarten. Er hat den damaligen Chef=
redakteur
der Preſſe théatrale et muſicale, Herrn Giaco=
melli
damit beauftragt, ſowohl die Vergebung von Frei=
ſkarten
an geeignete Perſönlichkeiten wie auch die Vertei=
lung
der Billets an ſeiner ſtatt zu überwachen; der Brief,
durch den er Giacomelli bei dem Direktor Royer bevoll=
mächtigt
, befindet ſich in den Akten der Oper. Das inter=
eſſante
Dokument lautet: Verehrter Herr, von allen Seiten
wendet man ſich an mich, um Plätze zu den erſten Auf=
fführungen
des Tannhäuſer zu erhalten. Da dieſe Ge=
ſſuche
mir von Freunden aus allen Ländern zugehen, von
ldenen die meiſten zu dieſem Zwecke große Reiſen aus

Deutſchland, der Schweiz uſw. machen, fühle ich mich ſehr
verpflichtet, ihnen Plätze zu verſchaffen, ſtatt dieſe in den
Händen von Spekulanten zu laſſen, die ſie vielleicht an
meine ſchlimmſten Feinde verkaufen. Allein bei den vielen
Verpflichtungen und Beſchäftigungen dieſer Tage iſt es mir
unmöglich, mich im beſonderen mit der Frage der Placie=
rung
meiner Freunde zu beſchäftigen. So entſchließe ich
mich denn, Herrn Giacomelli, der mir ſchon bei einem an=
deren
Mal zu meiner vollen Zufriedenheit ſeine Hilfe lieh
und der Ihnen dieſen Brief übergibt, die unumſchränkte
Leitung aller dieſer Angelegenheiten zu übertragen. Wollen
Sie ihn bitte als meinen Bevollmächtigten anſehen, ſowohl
bei der Entgegennahme meiner Autoren=Billets für die
erſten 6 Vorſtellungen, wie auch in dem Vorrecht, in meinem
Namen im Voraus alle jene Plätze und Logen zu belegen,
deren ich bedürfen könnte . .
Je weiter die Proben fortſchreiten, deſto mehr ballt
ſich die von Wagner aufgeworfene Kapellmeiſter=
frage
zu einer Gewitterwolke zuſammen. Am 4. März
berät ſich Wagner, nachdem die Leitung der Oper ſeinen
Wunſch, die drei erſten Aufführungen ſelbſt zu dirigieren,
nicht erfüllen konnte, mit ſeinen Freunden; er will ſich
direkt an Napoleon wenden. Schließlich kommt ein Brief
an den Miniſter Grafen Walewski zuſtande. Der mehrfach
umgeänderte Entwurf dieſes Schreibens, bei deſſen Ab=
faſſung
in franzöſiſcher Sprache Nuitter, Wagners treuer
Mitarbeiter, eingriff, lautet: Herr Graf, ein Befehl Seiner
Majeſtät hat dem Tannhäuſer die Bühne der Oper er=
ſchloſſen
. Ich brauche Ew. Exzellenz nicht der tiefen Dank=
barkeit
zu verſichern, die ich ewig bewahren werde. Aber,
ich muß ſagen, wie ſehr mich der Eifer und die Begabung
bewegt haben, mit denen die Direktion, die Beamten und
die Künſtler mich unermüdlich unterſtützten. Ich war bis
zum letzten Augenblick der Ueberzeugung, daß die Aufführ=
ung
vollkommen der hohen Gunſt würdig werden würde,
mit der Seine Majeſtät mich beehrt hatten. Nun bleibt
ein einziger Punkt, auf den ich glaube, die Aufmerkſamkeit
Ew. Exzellenz lenken zu müſſen. Es iſt die Leitung des
Orcheſters. Als Herr Royer mich zum erſtenmal fragte,
ob ich einwilligen würde, einige Aufführungen zu diri=
gieren
, lehnte ich dieſe Ehre ab. Es erſchien mir ganz
ſelbſtverſtändlich, im Intereſſe des Werkes den Dirigenten
in alle meine Abſichten einzuweihen und eine gute Aus=
führung
zu ſichern, ganz abgeſehen von meiner Perſon.
Zu dieſem Zwecke habe ich nichts verabſäumt, habe ich
keine Erklärungen unterlaſſen, und trotzdem bin ich zu der
Ueberzeugung gekommen, und ich bin bereit, ſie vor einer
Kommiſſion von Künſtlern zu beweiſen, daß der Kapell=
meiſter
, der mein Werk dirigieren ſoll, noch nicht die nötige

Erfahrung für dieſe ſchwierige Aufgabe beſitzt. Seitdem
ich ihm meine unmittelbare Unterſtützung entzog und die
Bühne verlaſſen habe, um im Zuſchauerraum einen Platz
einzunehmen, konnte ich jeden Augenblick die Unfähigkeit,
den Mangel an Gedächtnis und die Ohnmacht, die vor=
geſchriebenen
Tempi einzuhalten, feſtſtellen. Meine Sänger
ſind ſich ſelbſt überlaſſen, ſie fühlen ſich nicht unterſtützt.
Unter dieſen Umſtänden wird die Wirkung der Aufführung
mittelmäßig ſein und nicht entfernt den aufgewendeten
Mitteln entſprechen. Das iſt eine gewaltige Gefahr für ein
Werk, das dem gewöhnlichen Geſchmack keinerlei Zu=
geſtändnis
macht und das nur durch eine vollkommene Auf=
führung
zur Geltung kommen kann, wie ich ſie erlangen
könnte, wenn ich an der Spitze eines ſo mit Recht ange=
ſehenen
Orcheſters ſtände. Dieſe Gunſt gilt überall als
ein Recht des Komponiſten. Ich lehnte ſie ab, als man ſie
mir anbot; den ich war weit entfernt davon, zu glauben,
daß ſie mir verſagt werden könnte, wenn im letzten Augen=
blick
die Tatſachen ſie notwendig machten. Auch wies ich
den Gedanken ab, den Gegenſtand irgendeiner ( unleſer=
liches
Wort) abzugeben. Trotzdem befinde ich mich gegen=
wärtig
außerſtande, von Herrn Dietſch dieſes Zugeſtändnis
zu erlangen. Ich bin der erſte, die große Schwierigkeit an=
zu
erkennen, die Ew. Exzellenz die Regelung dieſer An=
gelegenheit
bietet. Befände ich mich in der gewöhnlichen
Stellung eines Autors gegenüber einem Theater, ſo zöge
ich mein Werk zurück. Aber es iſt mir vollkommen unmög=
lich
, durch ein derartiges Vorgehen die hohe Gunſt zu er=
widern
, deren Gegenſtand ich geworden bin. Und trotz=
dem
ſtehe ich nun am Vorabend einer Aufführung, deren
Ausgang mir zweifelhaft erſcheint. Ich glaube nun, daß
das Einzige, was mir übrig bleibt, iſt, fortan davon abzu=
ſehen
, mich in irgendeiner Weiſe an einer Sache zu be=
teiligen
, deren Führung nicht mehr in meinen Händen
liegt. Und da es ſich ſchließlich um ein Werk handelt, das
mein iſt, glaubte ich vor Ew. Exzellenz Einſpruch erheben
und mir das Recht wahren zu müſſen, zumindeſt gegenüber
dem Publikum zu proteſtieren.
Graf Walewski antwortete am nächſten Tage mit
einem längeren Schreiben, in dem er ausführlich darauf
hinwies, daß es dem franzöſiſchen Brauche widerſpräche,
einem Dirigenten das Recht zu nehmen, an der Spitze
ſeines Klangkörpers zu ſtehen. Der Dirigent, der an
ſolchen feierlichen und entſcheidenden Tagen ſeinen Platz
räumt, würde als pflichtvergeſſen angeſehen werden, und
in Zukunft ſeinen ganzen Ruf und ſeine Autorität ein=
büßen
. Nun zog ſich Wagner zurück. Fünf Tage ſpäter,
am 13. März 1861, ging die berühmte Uraufführung in
Szene.

[ ][  ][ ]

der Dienstag bringt den A=Abonnenten eine Aufführung
der Mignon mit Gertrud Geyersbach in der Titel=
partie
, am Mittwoch wird der Hauptmann=Zyklus mit
einer Neueinſtudierung des Bibervelz fortgeführt.
Am Donnerstag, an dem dasTheater aus Anlaß des Feſtes
Chriſti Himmelfahrt geſchloſſen bleibt, läuft die Friſt für
das Vorbeſtellungsrecht der Abonnenten zur Feſtvorſtellung
Carmen ab. In dieſen Tagen gehen den Abonnenter.
auch die Einladungen zu der Uraufführung der Otten=
heimerſchen
Operette Hans im Glück zu, für die ihnen
abermals Vorzugsbedingungen eingeräumt werden.
Künſtler=Kolonie=Ausſtellung. Um mehrfachen
Anfragen zu begegnen, ſei mitgeteilt, daß die Konzerte
im Platanenhain von der ausgezeichneten Kapelle
unſeres Leibgarde=Regiments unter Leitung des Herrn
Obermuſikmeiſters Hauske ſtattfinden werden. Die
Kapelle konzertiert als Streichmuſik. Ausſtellungs=
leitung
und Dirigent ſtimmen darin überein, daß die
Konzerte nur künſtleriſch Gutes bieten ſollen, wobei
natürlich auch die heitere Muſik zu ihrem Recht
kommen muß.
Mathildenhöh=Ausſtellung 1914. Die Anfahrt
zur Ausſtellung der Darmſtädter Künſtlerkolonie erfolgt
auf dem Nikolaiweg nach dem Tor vor der Ruſſiſchen
Kapelle. Die Abfahrt erfolgt auf dem Mathildenhöh=
weg
. Auf dem Nikolaiweg iſt ein öffentlicher Auto= und
Droſchken=Halteplatz errichtet. Privatautos und Privat=
wagen
warten im Alexandraweg.
* Komitee Darmſtadt im Blumen= und Pflanzen=
ſchmuck
. Wie aus dem Anzeigeteil erſichtlich iſt, hat
das Komitee Darmſtadt im Blumen= und Pflanzen=
ſchmuck
ſeine Tätigkeit wieder aufgenommen und hofft
auch diesmal wieder auf eine recht tatkräftige Unter=
ſtützung
ſeitens der hieſigen Einwohnerſchaft. Die
gärtneriſche Ausſchmückung ganzer Straßenzüge trägt
nicht nur zur Verſchönerung und Beledung des Straßen=
bildes
bei, ſondern in dem darin zum Ausdruck ge=
brachten
Sinn für die Natur zeigt ſich der Charakter
der Bewohner im ſchönſten Licht. Die ſchönen Be=
ſtrebungen
des Komitees ſind daher ſehr geeignet, den
Ruf der Stadt nach außen hin in nur günſtiger Weiſe
zu verbreiten. Die Anmeldungen zum Wettbewerb ſind
alsbald an den Vorſitzenden Stadtverordneten Th.
Stemmer, Eliſabethenſtraße 14, oder an das Verkehrs=
bureau
zu richten.
* Abſchiedsfeier. Geſtern vormittag verabſchiedete ſich
der zum Kreisſchulinſpektor ernannte Hauptlehrer Huff
der Mädchenmittelſchule I von den Klaſſen und dem
Lehrerkolleginm. Dasſelbe war vollzählig im Konferenz=
ſaal
erſchienen und hielt Herr Hof als älteſter eine warme
Anſprache an den Scheidenden und überreichte ein Bild
zum Andenken. Auch Fräulein Parendier ſprach im
Namen der Lehrerinnen. Herr Huff dankte in ſehr be=
wegten
Worten und gab dem ſchönen Verhältnis Ausdruck,
welches während ſeiner neunjährigen Leitung zwiſchen
ihm und dem Lehrerkollegium beſtand.
* Schneidergeſellin. Man ſchreibt uns: Fräulein
Mathilde Meyer von hier, Luiſenſtraße, die ihre Lehrzeit
bei der Damenſchneidermeiſterin Fräulein Marie Meyer in
Bleckede, jetzt in Lüneburg, beendete, hat am 12. d. Mts.
ihre Prüfung als Schneidergeſellin vor der Handwerks=
kammer
in Harburg a. d. E. ſowohl im Praktiſchen als im
Theoretiſchen mit Erfolg beſtanden.
* Alldeutſcher Verband. Am Mittwoch, den 13. d. Mts.,
fand die diesjährige Hauptverſammlung der hieſigen Orts=
Gruppe des Alldeutſchen Verbandes im Schlaraffia=Zimmer
des Kaiſerſaales ſtatt. Der geſchäftsführende Vorſitzende,
Herr Sekretariatsaſſiſtent Treßer erſtattete den Jahres=
bericht
. Danach fanden im abgelaufenen Vereinsjahr zwei
öffentliche Verſammlungen ſtatt. Auf der erſten ſprach Herr
Schriftſteller Dr. Ritter aus Mainz über das Thema: Das
Deutſche Reich und der Iſlam auf der zweiten der neue
Geſchäftsleiter des Verbandes, Herr v. Vietinghoff=Scheel
über: Deutſchlands Zukunft, wenn es ſo weiter geht
Beſonders die letztere der beiden Verſammlungen war
überaus zahlreich beſucht. Der Vorſtand erledigte die
laufenden Geſchäfte des Vereins in 4 beſonderen Sitz=
ungen
. Außerdem nahmen die Vorſtandsmitglieder an
2 Gautagen in Mainz teil, auf denen wichtige Fragen
des politiſchen Lebens, teils in vertraulichen Verhand=
lungen
, teils in öffentlichen Beſprechungen, erörtert wur=
den
. Die Zahl der Mitglieder weiſt im vergangenen Ver=
einsjahr
eine kleine Steigerung auf. Darauf wurde der
ſeitherige Vorſtand wiedergewählt und durch Zuwahl
eines neuen Mitgliedes ergänzt. Zum Schluſſe teilte Herr

Treßer noch mit, daß das Verzeichnis der deutſchen und
deutſchfreundlichen Gaſtſtätten in Südtirol im Verkehrs=
büro
neu aufgelegt ſei. Alsdann hielt Herr E. Gorr aus
Griesheim einen Vortrag über das von dem Deutſchen
Turnerbunde zum Andenken an die Zeit der Befreiungs=
triege
errichtete Jahn=Denkmal bei Eger, das im ver=
gangenen
Sommer eingeweiht wurde. Der Vortrag wurde
mit reichem Beifall aufgenommen.
Nationalliberale Verſammlung heute abend ½9
Uhr im Kaiſerſaal Wie dem Nationalliberalen Verein
von Berlin mitgeteilt wird, iſt Herr Reichstagsabgeord=
neter
Oberverwaltungsgerichtsrat Schiffer durch ſehr
vichtige Verhandlungen in dem Reichstag dort feſt=
gehalten
und kann zu ſeinem lebhafteſten Bedauern in
Darmſtadt an der Verſammlung nicht teilnehmen. Für ihn
kommt Herr Reichstagsabgeordneter Keinath. Auch
dieſem geht der Ruf eines ausgezeichneten Redners und
Parlamentariers voraus und es darf angenommen wer=
den
, daß er an Stelle Schiffers ein intereſſantes Referg:
über die jetzige politiſche Lage erſtatten wird da er mitten
in den Verhandlungen des Reichstages ſteht und ins=
eſondere
bei den letzten Kolonialdebatten der Wortführer
der Nationalliberalen Fraktion war.
* Mandolinenkranz. Am Sonntag findet das Früh
lingsfeſt des Mandolinenkranzes in Arheil=
gen
. Reſtauration Zum weißen Schwanen bei freiem
Eintritt ſtatt. Das Programm iſt ſehr reichhaltig und ab=
wechſelungsreich
zuſammengeſtellt, ſo daß es jeden Beſucher
zufrieden ſtellen und zur großen Freude gereichen wird.
Eine reichhaltige Tombola iſt vorhanden. Der erſte Ge=
winn
iſt eine Gitarre. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Die Kaufmänniſche Stenographen=Geſellſchaft
Gabelsberger veranſtaltet am Sonntag, den 17. Mai,
in den Räumen des Kaiſer= und Fürſtenſaales
Grafenſtraße 1820, eine Abendunterhaltung mit Tanz,
wozu ein vorteilhaftes Programm zuſammengeſtellt iſt. Für
die Veranſtaltung ergehen keine beſonderen Einladungen.
Den zahlreichen Freunden der genannten Geſellſchaft
ſtehen angenehme Stunden der Unterhaltung in Aus=
ſicht
und wird auf die Anzeige in dieſem Blatte
verwieſen.
§ Feſtgenommen. Am Donnerstag iſt ein 33 Jahre
alter Taglöhner von hier wegen Betrugs und Urkunden=
fälſchung
feſtgenommen.
Ludwigshöhe=Konzert. Am morgigen Sonntag
konzertiert die Kapelle des Großh. Artillerie=Korps unter
Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Mickley. Im Pro=
gramm
unter anderem: Einzug der Gäſte auf Wart=
burg
Gralsrittermarſch aus Parſifal von Wagner, mit
Benützung der Original=Parſifal=Glocken. Ferner Fantaſie
aus Troubadur von Verdi, Szenen aus Carmen von
Bizet, ſowie eine reizende Kompoſition Seemanns=Los
von Marteli. Hieran anſchließend ein Marſchpotpurri
über die neueſten Wandervogellieder, bearbeitet von
Meiſter.
Man ſchreibt uns: Im Konzerthaus Metro=
pole
Alexanderſtraße 5, gaſtiert ſeit 1. Mai das berühmte
Damen=Streich= und Blasorcheſter Erato‟ Der Inhaber,
Herr Paul Lynen, ſcheut keine Mühen und Auslagen, um
ſeine Gäſte auf das beſte zu unterhalten und mit nur
prima Speiſen und Getränken zu bewirten. Herr Kapell=
meiſter
Schröder verſteht es vorzüglich, dem Publikum mit
ſeinen neueſten Schlagern und Ouvertüren einen genuß=
reichen
und recht vergnügten Abend zu bereiten. Beſon=
ders
erfreuen die von Herrn Kapellmeiſter Schröder neu
einſtudierten Geſangs= und Tanzeinlagen, welche von vier
Damen der Kapelle mit dem größten Effekt zum Vortrag
gebracht werden. Für morgen Sonntag wurde der be=
rühmte
Salon=Humoriſt, Herr Willy Kühne, gewonnen
welcher mit ſeinem vollſtändig neuen Programm das
Publikum auf das Beſte zu amüſieren verſteht.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

* Reſidenz=Theater am Weißen Turm. Ab
heute: Die Schrecken und Opfer der Fremdenlegion mit
Erklärungen des Herrn Schulze, welcher an Hand einer
großen Karte von Algier über ſeine Erlebnſſſe ſpricht. Der
Film veranſchaulicht eine Relhe von Diſziplinarſtrafen,
welche nach Berichten von Legionären dort zur Tagesord=
nung
gehören. Es ſoll dadurch bezweckt werden, jede
Abenteuerluſt und Wandertriebe nach dieſer Richtuna zu
tilgen; denn die wenigſten ſehen ihre Heimat wieder. Der

Film ſoll in ſeiner Haltung einen aufklärenden, warnen=
den
Mahnruf darſtellen. Der Deutſche Schutzverband
gegen die Fremdenlegion, München, Olgaſtraße 6, iſt gern
bereit, jeden als Milglied zur Bekämpfung gegen die
Fremdenlegion aufzunehmen.
Traiſa, 15. Mki. (Der Bürgerverein) hat
nunmehr den Beſchluß gefaßt, bei der in allernächſter Zeit
ſtattſindenden Bürgermeiſterwahl geſchloſſen für einen
Kanddaten einzutreten. Er hat zu dieſem Zweck eine
Milgleederverſammlung auf Samstag anberaumt. In
dieſer Verſammlung ſoll als erſter Punkt zu genanntem
Thema Stellung genommen werden. Als zweiter Punkt
der Tagesordnung iſt eine Beſprechung über die Frage,
betr. den Bau der elektriſchen Straßenbahn nach Nieder=
Ramſtadt-Traiſa, vorgeſehen.
Gernsheim, 15. Mai. (Bürgermeiſterwahl.)
Herr Bürgermeiſter Nuß hat Urlaub genommen und ver=
zichtet
auf eine Wiederwahl. Herr Beigeordneter Hoff=
mann
hat bereits die Führung der Amtsgeſchäfte über=
nommen
. Vor zwei Jahren konnte Herr Bürgermeiſter
Nuß unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung ſein
25jähriges Jubiläum als Bürgermeiſter der Stadt Gerns=
heim
feiern. Als Mitglied der Kreis=Schulkommiſſion,
des Kreis= und Provinzialtages und Ausſchuſſes wird
Herr Bürgermeiſter Nuß ſein reiches Wiſſen, ſeinen uner=
müdlichen
Arbeitseifer, ſein klares Urteil auch ferner in
den Dienſt der Allgemeinheit ſtellen. Als ſein Nachfolger
in dem ſchweren Amt dürfte ernſthaft nur Herr Beigeord=
neter
Hoffmann in Betracht kommen, der ſeither ſchon
Bürgermeiſter Nuß oft vertrat und Gelegenheit hatte, ſich
in die Verwaltung einzuarbeiten. (Ueber das
Fortbeſtehen der Spar= und Darlehnskaſſe)
wird in wenigen Tagen die Entſcheidung fallen. Die Kaſſe
hält kommenden Mittwoch, den 20. Mai, ihre diesjährige
ordentliche Generalverſammlung ab.
Offenbach, 15. Mai. (Steuerfragen.) In der
geſtrigen Stadtverordnetenſitzung wurde der Hauptvoran=
ſchlag
verabſchiedet. Die zu dem Nebenvoranſchlag und
dem Hauptvoranſchlag beſchloſſenen Abänderungen ver=
beſſern
den Geſamtetat um 20000 Mark, ſo daß die zur
Ausbalanzierung vorgeſehene Entnahme aus dem Aus=
gleichsfonds
von 380000 Mark auf 360000 Mark herab=
geſetzt
werden kann. Die Stadtverordneten ſtimmten dieſer
Abänderung zu und beſchloſſen, die Kommunalſteuer mit
189 Prozent der ſtaatlichen Einkommenſteuer und 34,5
Prozent des für die Beſteuerung des Grundbeſitzes, Ge=
werbebetriebes
und Kapitalvermögens feſtgeſtellten
Wertes beizubehalten. Die Eingabe des Offenbacher
Haus= und Grundbeſitzervereins, die Realſteuern auf die
Hälfte herabzuſetzen, da die anderen heſſiſchen Städte ent=
ſprechend
niedrigere Sätze hätten, wurde abgelehnt, da die
Stadtverwaltung feſtſtellen ließ, daß das Verhältnis zu
den anderen heſſiſchen Städten faſt gleich iſt.
Bensheim, 15. Mai. (Die Malerſchule) er=
öffnet
am Samstag, den 16. Mai, im Odenwaldmuſeum
eine ſtändige Ausſtellung von muſtergültigen Schüler=
arbeiten
. Dieſelbe zeigt die hohe Leiſtungsfähigkeit der
Schule. Die Ausſtellung iſt zu jeder Zeit und unent=
geltlich
geöffnet.
Heppenheim a. d. B., 15. Mai. ( Geburtstags=
feier
des Hundertjährigen.) Die Geburts=
tagsfeier
des geſtern 100 Jahre alt gewordenen Herrn A.
Sundheimer geſtaltete ſich zu einer großen Ehrung des
Geburtstagskindes. Aus allen Richtungen liefen Hun=
derte
von Glückwunſchſchreiben ein. Die Spitzen der Be=
hörden
, die Herren Geheimerat Kreisrat von Hahn,
Geiſtlicher Rat Dekan Miſchler, Rechnungsrat Bürger=
meiſter
Wiegand in Begleitung der beiden Beigeord=
neten
Keil und Cuſtodis, u. a. m. ſprachen auch perſönlich
bei dem Geburtstagskind vor, um den Greis zu beglück=
wünſchen
. Herr Geheimerat von Hahn überreichte auch im
Namen Sr. Königlichen Hoheit ein Glückwunſch=
ſchreiben
nebſt Bild unſeres geliebten Landesvaters
mit deſſen eigenhändiger Unterſchrift.
sd Lorſch, 14. Mai. (Schlägerei im Zuge.)
Zwiſchen hier und Hofheim kam es dieſer Tage in einem
Eiſenbahnkupee unter einigen Lorſcher Einwohnern zu
Streitigkeiten und ſſolchen Schlägereien, daß einer der
Verletzten die Notbremſe zog und der Zug auf freiem
Felde halten mußte. Die Unholde müſſen 30 Mark Geld=
ſtrafe
zahlen, und die Sache wird auch noch ein gericht=
liches
Nachſpiel haben.
Wimpfen, 14. Mai. (Einbruch.) In letzter Nacht
oder heute früh wurde in dem katholiſchen Pfarrhauſe
hier eingebrochen. Der Einbrecher zerbrach in einem Zim=

Feuilleton.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
** Venus und Saturn in Konjunktion.
Am 16. Mai nähern ſich die Planeten Venus und Saturn
einander bis auf 2 10; d. h. reichlich vier Vollmondbrei=
ten
. Dieſe Konjunktion findet ſchon um 3 Uhr nachmittags
ſtatt, die Stellung der beiden Planeten iſt aber bei Eintritt
der Dunkelheit für das bloße Auge noch dieſelbe. Wäh=
rend
jedoch Venus in der jetzt ſehr hellen und langen
Dämmerung vermöge ihrer großen Helligkeit noch auffal=
lend
hervortritt, wird der viel ſchwächere und dabei tiefer
ſtehende Saturn für das unbewaffnete Auge etwa um
Monatsmitte unſichtbar. Immerhin kann ihn ein gutes
Auge an klaren Abenden in den Tagen bis zum 17. Mai
noch ſüdlich (links unten) von der funkelnden Venus
wahrnehmen. Mit Hilfe eines Opernglaſes kann man den
Saturn leicht auffinden.
* Paris, 14. Mai. Heute abend fand in der Gro=
ßen
Oper die Uraufführung der Joſef= Le=
gende
von Richard Strauß ſtatt. Der Dirigent
wurde, als er am Pult erſchien, von den das Haus bis auf
den letzten Platz füllenden Zuhörern darunter die Groß=
fürſtinnen
Pawlowna und Kyrill, der deutſche Botſchafter
Freiherr v. Schön und Gemahlin, Botſchaftsrat v. Rado=
witz
und Gemahlin und die übrigen Herren und Damen
der deutſchen Botſchaft, der bayeriſche Geſandte Freiherr
v. Ritter, der öſterreichiſch=ungariſche Botſchafter, der Un=
terrichtsminiſter
Viviani, zahlreiche Perſonen der ruſſiſchen
und franzöſiſchen Geſellſchaft, viele Vertreter der deutſchen
Muſikwelt und=Kritik mit großem Beifall begrüßt.
Das Mimodram, welches die bibliſche Erzählung des
Joſef und der Frau des Potiphar zum Gegenſtand hat,
wurde von dem ruſſiſchen Ballett in meiſterhafter Weiſe
zur Darſtellung gebracht und fand eine überaus beifällige
Aufnahme. Die Muſik in welcher Richard Strauß ſeine
Eigenart zum Ausdruck bringt, entfeſſelte großen Beifall.
Zu dem Erfolg trugen die glänzende Dekoration und die
im Renaiſſanceſtil gehaltenen Koſtüme von Bakſt viel bei.
Richard Strauß hat das Offizierskreuz der Ehrenlegion
erhalten.
C. K. Die= Oberammergauer in England.
Aus London wird berichtet: Daß der Plan beſteht, die
Oberammergauer Paſſionsſpiele in England zur Auffüh=

rung zu bringen, erfährt man mit Ueberraſchung aus der
Tatſache, daß Lord Chamberlain das Unternehmen
ſoeben verboten hat! Da dieſe Entſcheidung die Auf=
führung
in jedem Theater unmöglich macht, ſo will George
Foſter, der im Auftrag einer deutſchen Agentur handelt,
ſie in einem Theater unter freiem Himmel in der Nähe
einer großen Stadt an der Südküſte zur Darſtellung brin=
gen
. Die Vorbereitungen ſind bereits im Gang. Eine
Bühne und Plätze für mehrere tauſend Zuſchauer werden
hergerichtet. Wir beabſichtigen erklärte der Unternehmer,
die Spiele in der erſten Woche des Juli zu beginnen,
und wir werden jeden Nachmittag und Abend bei günſti=
gem
Wetter Aufführungen veranſtalten. Die Zahl der
Darſteller wird ſich auf 250 belaufen, von denen 25 Haupt=
darſteller
aus Oberammergau kommen, während die übri=
gen
Statiſten in England engagiert werden. Geſprochen
und geſungen wird nur deutſch.

C. K. Prämien für treue Dienſtboten. Wenn heute
o häufig über den Dienſtbotenwechſel geklagt wird, ſo
fehlt es doch auch nicht an Beiſpielen, in denen die alte
Dienſtbotentreue ſich auch in unſern Tagen noch vollauf
bewährt hat. Marie Heller, die der Dienſtbotenfrage in
der Frauenbeilage zum neueſten Heft der Gartenlaube eine
intereſſante Studie widmet, teilt darin ſehr bemerkens=
werte
Zahlen über die Verleihungen von Auszeichnungen
an treue Dienſtboten durch deutſche Fürſtinnen mit. So
hat die deutſche Kaiſerin in den letzten 10 Jahren an
nicht weniger als 2272 Dienſtboten für 40jährige ununter=
rochene
Dienſtzeit bei derſelben Herrſchaft das goldene
Dienſtbotenkreuz, nebſt einem von ihr ſelbſt unter=
zeichneten
Diplom, verliehen. Während desſelben Zeit=
raumes
hat die Königin von Württemberg
585 mal das Dienſtbotenehrenzeichen mit dem Reliefbild
der Stifterin dieſer Auszeichnung, der Königin Olga, und
einem Diplom, an treue Dienſtboten verteilt, und zwar
520mal für 25jähr. Dienſtzeit in derſelben Familie das ſil=
berne
Kreuz und 65 mal für 50jährige Dienſtzeit das ſilber=
vergoldete
Kreuz. Auch die Großherzogin von
Heſſen hat ſeit 1904 an 281 Dienſtboten für 25 Dienſt=
jahre
das goldene Kreuz und an 65 für 4050 Dienſt=
jahre
das goldene Kreuz mit Brillanten verliehen. Einen
Rekord in der Länge der Dienſtzeit hat aber das Groß=
herzogtum
Baden aufgeſtellt; denn die Großherzo=
gin
Luiſe, die im Jahre 1876 eine Stiftung zur Ver=

leihung beſonderer Auszeichnungen für treue Dienſtboten
ins Leben rief und das Vorſchlagsrecht für dieſe Auszeich=
nung
dem von ihr gegründeten Badiſchen Frauenverein
übertrug, hat ſeitdem in 2015 Fällen für mehr als 25
bis zu 40 Dienſtjahren das ſilberne Kreuz, in 374 Fällen
für mehr als 40 bis zu 50 Dienſtjahren das ſilbervergol=
dete
Kreuz mit Kranz und in 6 Fällen für 60 Dienſt=
jahre
und darüber das ſilbervergoldete Kreuz mit Kranz
und der Zahl 60 verliehen. Aber ſelbſt dieſe Zahl wird
durch einige Einzelfälle, die bekannt geworden ſind, über=
troffen
. So feierte beiſpielsweiſe am 8. Februar dieſes
Jahres die Haushälterin Gertrud Finkamp in der Fa=
milie
des Rentiers Franz Froitzheim in Bedburg bei
Düſſeldorf ihr 75jähriges Dienſtjubiläum. Und in
Wien beging am 19. Juli vorigen Jahres das Dienſtmäd=
chen
Anna Stiaßny, die 80 Jahre lang bei derſelben
Familie in Dienſt geſtanden hatte, ihren hundertſten
Geburtstag. Zu dieſer ſeltenen Feier überſandte ihr
der Papſt ſein Bild und ſeinen Segen, und der Prinz=
regent
von Bayern, der jetzige König Ludwig III., ließ ihr
die Medaille des Verdienſtordens vom heiligen Michael
in feierlicher Weiſe überreichen.
* Prinz Heinrich von Preußen als Film=Regiſſeur.
Unter dem Titel Treue Liebe bis zum Schwimmbaſſin
wird man demnächſt in den Kino=Theatern einen Film
ſehen, deſſen Handlung der Romanſchriftſteller Fedor v.
Zobelitz erdacht, während, wie der Confektionär mitteilt,
die dramatiſche Bearbeitung und Regie Prinz Heinrich von
Preußen ausgeführt hat. Der Film wurde gelegentlich der
letzten Südamerikareiſe vom Prinzen Heinrich an Bord
des Cap Trafalgar aufgenommen und zeigt in wohlge=
lungenen
Bildern humoriſtiſche Szenen aus dem Schiffs=
leben
. Der Film ſoll als beſondere Ueberraſchung dem
Kaiſer nach ſeiner Rückkehr nach Berlin vorgeführt werden.
B. Europa in zwanzig Tagen Vor dem Excelſior=
Hotel in Rom fährt eine lange Reihe von Droſchken vor
und ihr entſteigen abgehetzt, zerſchlagen und todmüde die
Teilnehmer an der Reiſegeſellſchaft Europa in zwanzig
Tagen für 190 Mark Mrs Brown iſt eine der letzten,
die ſich mühſam zuſammenrafft, um auszuſteigen. Ihre
Tochter aber iſt noch immer voll ungebrochener Energie.
Sie packt die Mutter am Arm: Mutter, wo ſind wir hier?
Iſt das Rom Müde antwortet die Mutter mit einer Ges
genfrage: Welcher Wochentag iſt denn heute? Warte.
Ja: Dienstag. Dienstag? Zeig mal den Reiſeplan.
Wenn es Dienstag iſt, muß es natürlich Rom ſein.

[ ][  ][ ]

mer des 1. Stocks ein Fenſter, öffnete es, konnte aber
außer dem Zimmer ein anderes nicht erreichen, weil dieſe
vom Gange aus abgeſchloſſen waren. In dem Zimmer
fand das Dienſtmädchen, das in Begleitung eines anderen
um Mittag nach dem zerbrochenen Fenſter nachſchauen
wollte, einen jungen Mann von 22 Jahren, von hier, der
erſt kürzlich aus dem Gefängnis entlaſſen wurde. Er er=
griff
die Flucht, wurde aber bald eingeholt. Er ſtahl
nichts, weil er geſtört wurde.
* Mainz, 14. Mai. (Erſtes deutſches Volks=
trachtenfeſt
.) Da bei einem ſolchen Rieſenfeſt ein
reſichhaltiger Juxplatz zu den Freuden des Lebens gehört,
hat der Feſtausſchuß keine Mühe geſcheut, um ganz bedeu=
tende
Attraſtionen nach Malinz zu bringen. Etwas ganz
noch nie Dageweſenes bietet die Rieſen=Achterbahn der
Weltfirma Haaſſe=Hannover. Nicht weniger als 27 Eiſen=
bahnwaggons
mit Material treffen hier ein, um die
Achterbahn aufzubauen. Die Achterbahn ſſtellt ſich als Ge=
birgsſzeneriebahn
dar und täuſcht den Beſuchern die be=
rühmte
Dalfahrt vom Pilatus vor. Eine Weltſchau bringt
die Firma Haaſe ferner mit Johnstowns Untergang‟
ein Meiſterwerk der Technik und Optik. Für das lebens=
luſtige
Publikum ſind aber auch noch andere Genüſſe vor=
handen
. Ein Reithippodrom und verſchiedene Beluſti=
gungsbuden
, ſowie zwei Tanzplätze dienen zur Unter=
haltung
. Dazwiſchen verſtreut findet der Beſucher Ver=
kaufszelte
, Alpenhäuschen mit Enzian, Alpenbrot und
Roſtbratwürſtl, ſowie verſchiedene Schanktiſche und Küchen.
die für das leibliche Wohl ſorgen. Um aber den vielen
fremden Gäſten einen beſonderen Genuß zu gewähren,
hat ſich der Feſtausſchuß mit der Deutſchen Luftſchiffahrts=
Aktiengeſellſchaft (Delag) in Verbindung geſetzt und es
fertig gebracht, daß am Hauptfeſttage (Chriſti Himmel=
fahrt
) ein Zeppelinluftſchiff und mehrere Flieger über
Mainz und dem Feſtplatz kreuzen.
(*) Gießen, 14. Mai. Eine ſtark beſuchte Verſamm=
lung
von Gemeinderechnern tagte heute im
Felſenkeller unter dem Vorſitze des Gemeinderechners
Arnold=Grüningen und im Beiſein des Regierungsver=
treters
Regierungsrat Langermann. Schriftführer Bruckel
erſtattete Bericht über die letzte Hauptverſammlung zu
Nieder=Ingelheim. Der Landesverband der Gemeinde=
rechner
zählt jetzt 713 Mitglieder: in Starkenburg 227, in
Oberheſſen 324, in Rheinheſſen 162. Nach der Rechnungs=
ablage
des Verbandsrechners Franz=Gedern betrugen die
Einnahmen 1070 Mark die Ausgaben 1045 Mark, das Ver=
bandsvermögen
2640 Mark. Den Gemeinderechnern wurde
die Verſicherung gegen Einbruch dringend empfohlen. Die
nächſte Hauptverſammlung findet Ende Auguſt oder An=
fang
September 1914 in Vilbel ſtatt. Der Vorſitzende ſtellt
feſt, daß die Fürſorge und unwiderrufliche Anſtellung der
Gemeinderechnuna geregelt iſt. Das Krankenkaſſenweſen
wurde durch Regierungsrat Langermann und die Ge=
ſchäftsführer
Bechtold und Schupp beſprochen und erläutert.
Zur Grundlegung der Dienſtanweiſung wurde ein Aus=
ſchuß
gewählt, beſtehend aus den Heeren Arnold=Grüningen,
Berlin=Londorf und Formhals=Allendorf. Die koſtenloſe
Stellung des Kreisblattes für die Rechner durch die Ge=
meinde
ſoll angeſtrebt werden. Der Entwurf des Hilfs=
ſtagebuches
nach dem neuen Voranſchlag wurde beraten und
gut geheißen
(*) Gießen, 14. Mai. Die Gewerbe= Ausſtel=
lung
für Oberheſſen wird nächſten Samstag er=
öffnet
Die Beteiligung an der Ausſtellung iſt ſehr ſtark.
Das Innere der alten Klinik iſt aufs glücklichſte ausgeſtal=
tet
. Zu der Eröffnungsfeier haben die Vertreter der Re=
gierung
, der Handwerkskammer, des Kreisamts, der Ge=
werbevereine
, der Stadt u. a. m. ihr Erſcheinen zugeſagt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 14. Mai. Uebereinſtimmend
wird in den Blättern gemeldet, daß die Verlegung
der Kriegsakademie aus ihrem jetzigen Hauſe in
der Dorotheenſtraße geplant ſei. In Architektenkreiſen ver=
lautet
, daß für einen Neubau auch Dahlem in Fragekomme.
In einer von dem Schutzverband der Sparer geſtern ein=
berufenen
Verſammlung wurde die Lage des Charlotten=
burger
Kreditvereins beſprochen und mitgeteilt, daß die
Abwickelung des Konkurſes acht bis zehn Jahre dauern
dürfte. Auf dem Fernſprechamt Tempelhof fuhr der
Blitz in eine Telephonleitung, wodurch zwei Tele=
phoniſtinnen
betäubt worden. Ein ſofort herbei=
gerufener
Arzt bemühte ſich um die Beſinnungsloſen und
ſtellte feſt, daß ſie unverletzt geblieben waren. Der Blitz
fuhr durch die Leitung in die Erde, ſo daß ein Material=
ſchaden
nicht entſtand.
15. Mai. Nach Verübung von raffinierten
Schwindeleien iſt der ehemalige Sekretär des per=
ſiſchen
Generalkonſulats Kaufmann Felix H. verhaftet
worden. Er brachte als Mitinhaber eines Herrenbellei=
dungsgeſchäfts
ſeine Sozien um die Einlagen. Auch als
Sekretar des Generalkonſulats ließ er ſich Unregelmäßig=
keiten
zuſchulden kommen. Er unterſchlug ferner als Bu=
reauchef
einer Krawattenfabrik 15000 Mark und brachte
ſchließlich als Teilhaber eines Kiſtengeſchäfts durch
Bücherfälſchungen 18000 Mark auf die Seite.
Wetzlar, 15. Mai. (Automobilunfall.) Ge=
ſtern
abend überfuhr der Automobilhändler Kronen=
berger
aus Gießen am Schützengarten zwei Schüler,
als er in ſcharfer Fahrt um eine Ecke biegen wollte. Der
eine der Schüler, ein 9jähriger Knabe, wurde ſo ſchwer
verletzt, daß er in die Klinik nach Gießen gebracht werden
mußte, während der andere, ein 7jähriger Knabe, mit
leichteren Verletzungen davonkam.
Heidelberg, 14. Mai. (Straßenbahn nach
Schwetzingen.) Wie die Neue Badiſche Landeszeitung
mitteilt, iſt in der heutigen Sitzung des Bürgeraus=
ſchuſſes
der Stadt Heidelberg beſchloſſen wor=
den
, die geplante Anleihe bis zu 10 Millionen Mark aus=
zugeben
. Ferner wurde beſchloſſen, eine elektriſche Stra=
ßenbahn
von Heidelberg nach Schwetzingen zu legen und
dafür 532000 Mark auszugeben.
Kolmar i. E., 14. Mai. (Eine ſtürmiſche Ge=
meindewahlverſammlung
) fand heute abend im
Katharinenſaal hier ſtatt. Bürgermeiſter Dr. Blumenthal
hatte eine Parteiverſammlung anberaumt, an die ſich eine
öffentliche Verſammlung anſchließen ſollte. Die Gegner
Blumenthals belagerten etwa eine Stunde lang unter
Pfuirufen und Pfeifen den Saal, bevor ſie Einlaß fanden
Als der Redner der vereinigten gegneriſchen Parteien, der
Sozialiſtenführer Grumbach, nicht das Wort zur Geſchäfts=
ordnung
erhielt, ſetzte ein Sturm ein, der über eine halbe
Stunde dauerte Der Saal wurde ſchließlich durch die Po=
lizei
geräumt, ohne daß Blumenthal oder einer ſeiner An=
hänger
hätten zu Wort kommen können.
Sonneberg, 15. Mai. (Feuer.) In der vergangenen
Nacht brach in dem Geſchäftshauſe der bekannten Spiel=
warenexportfirma
Kuno Otto Dreſſel Feuer aus, das
in kurzer Zeit den ganzen umfangreichen Gebäudekompler
ergriff und bis auf die Grundmauern einäſcherte. Es fielen
u. a. auch der bekannte hiſtoriſche Dreſſelhof und das be=
deutende
Spielwarenmuſterzimmer dem Feuer zum Opfer
Der Schaden iſt ſehr bedeutend. Das Feuer wird auf

Brandſtiftung zurückgeführt. In der Frühe war das
Feuer noch nicht gelöſcht. Auf dem Brandplatz wurde
geſtern nacht der Wächter Emil Schulz unter dem Ver=
dacht
der Brandſtiftung verhaftet. Er geſtand ein,
den Brand im Packhauſe des Dreſſelſchen Geſchäfts=
hauſes
angelegt zu haben.
Schwientochlowitz. 15. Mai. (Ausſchreitungen
von Rowdies.) Geſtern abend fand zwiſchen Poli=
zeibeamten
und Rowdies ein Zuſammenſtoß ſtatt.
Ein Grubenarbeiter wurde durch einen Schuß getötet, ein
zweiter verwundet, zwei andere wurden verhaftet.
Poſen, 15. Mai. (Vom Bären zerfleiſcht.)
In einem Bärenzwinger auf der Vogelwieſe wollte ein
18 Jahre alter Angeſtellter entgegen dem ausdrücklichen
Verbot einen Bären dreſſieren. Der Bär griff ihn an und
richtete ihn ſo zu, daß er ſterbend ins Krankenhaus ge=
bracht
werden mußte.
Luxemburg, 15. Mai. (Der geheimnisvolle
Ballon.) Kürzlich entſtand nachts in dem luxemburgi=
ſchen
Dorfe Vichten an der belgiſchen Grenze ein ſtarkes
Gepolter in den Straßen und auf den Dächern der
Häuſer. Die erſchreckten Einwohner bemerkten ein dickes
Schleppſeil, das von einem Luftballon herabhing.
Die beiden Inſaſſen in der Gondel warfen, als ſie die
Lichter bemerkten, Ballaſt aus. Der Ballon verſchwand
alsdann in der Dunkelheit.
Brüſſel, 15. Mai. (Feuersbrunſt.) Geſtern
wurde das Kloſter Camille der Camilleſchen Väter
bei Braerde (Oſtflandern) durch eine Feuersbrunſt zer=
ſtört
. Drei Schüler erlitten lebensgefährliche Verletz=
ungen
. Der Schaden wird auf 300000 Francs geſchätzt.
Rom, 15. Mai. (Ausbruch des Aetna.) Pro=
feſſor
Ritzo hat richtig prophezeit: Seit der vergangenen
Nacht iſt der Aetna in voller Eruption und überſchüttet
die umliegenden Ortſchaften mit ſchneeweißer Aſche. Der
Ausbruch iſt von heftigen Erdſtößen mit unterirdiſchem
Getöſe begleitet. In Ville Beve iſt ein neuer Krater ent=
ſtanden
, der Geſtein in großen Maſſen auswirft.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 15. Mai. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 11 Uhr 2 Minuten. Auf der Tages=
ordnung
ſteht zunächſt die folgende
Anfrage
des Abg. Trimborn (Ztr.): Die Arbeitgeber derjeni=
gen
Verſicherungspflichtigen, die Mitglieder einer zuge=
laſſenen
Erſatzkaſſe ſind, haben nach § 517 der Reichsver=
ſicherungsordnung
ihren Beitragsanteil weiter an die
Krankenkaſſe einzuzahlen. Der Bundesrat iſt aber nach
Maßgabe des § 518 ermächtigt, anzuordnen, daß die Kran=
kenkaſſen
dieſe bei ihnen eingehenden Beträge zu Vier=
fünftel
an die betreffenden Erſatzkaſſen abzuführen haben,
und verſchiedene Erſatzkaſſen haben bereits den erforder=
lichen
Antrag geſtellt. Iſt der Herr Reichskanzler in der
Lage, in Ergänzung auf die frühere Anfrage des Abg. Dr.
Blunck erteilte Antwort vor dem Auseinandergehen des
Reichstages noch eine weitere Auskunft darüber zu er=
teilen
, ob und welche Anordnungen gemäß § 518 der
Bundesrat bereits beſchloſſen hat oder zu erlaſſen bead=
ſichtigt
und bis wann ſolche Anordnungen zu erwarten
ſind?
Direktor im Reichsamt des Innern Dr. Caspar:
Der Bundesrat hat inzwiſchen auf Grund des § 518, Ab=
ſatz
2 der Reichsverſicherungsordnung allgemeine Beſtim=
mungen
über eine einheitliche Durchführung des § 518
Abſatz 1 erlaſſen. Dieſe Beſtlmmungen dienen auch zur
Vermeidung von Streitigkeiten zwiſchen Krankenllaſſen
und ſolchen Erſatzkaſſen, zu deren Gunſten der Bundesrat
von der Befugnis des § 518, Abſatz 1 Gebrauch machen
wird. Die Bundesratsverordnung wird in den nächſten
Tagen im Zentralblatt für das Deulſche Reich veröffent=
licht
werden. Bezüglich der Anträge, welche die einzelnen
Erſatzkaſſen auf Grund des § 518, Abſatz 1 geſtellt haben,
ſind die erforderlichen Ermittelungen der oberſten Ver=
waltungsbehörde
noch nicht beendigt. Eine Beſchluß=
faſſung
des Bundesrats über ſolche Anträge konnte da=
her
bis jetzt noch nicht erfolgen. Die Angelegenheit wird
jedoch nach Mögllichkeit beſchleunigt werden.
Die Verlängerung des Handels= und Schiff=
fahrtsvertrages
mit der Türkei und das Ab=
kommen
mit Japan über den gegenſeitigen Schutz des ge=
werblichen
und geiſtigen Eigentums in China wurden
in dritter Beratung ohne Diskuſſion unverändert end=
gültig
genehmigt.
Darauf ſetzte das Haus die
zwrüte Leſung des Reichshaushaltsetats für 1914
und zunächſt die Spezialberatung des Etats für das
Auswärtige Amt fort. Abg. Bernſtein (Soz.):
Gute Beziehungen ſind die beſte Politik, die getrieben
werden kann. Wir verlangen authentiſche Mitteilungen
über Verhandlungen, von denen wir jetzt nur durch die
Norddeutſche Allgemeine Zeitung erfahren. Wir verlan=
gen
erneut, daß uns darüber ein Weißbuch vorgelegt wird.
So roſig wie Dr. Oertel können wir die Erfolge des Bu=
kareſter
Friedens nicht anſehen. Rußland iſt bemüht, uns
unſere Stellung in Kleinaſien bezüglich der Bagdadbahn
und ſomit den Zugang zu Perſien zu erſchweren. In Ar=
menien
iſt durch unſere ſchwächſliche Haltung, in der wir
Abdul Hamld nachliefen, eine große Hoffnungsloſigkei:
entſtanden, ſo daß der ruſſiſche Einſluß zu unſeren Un=
gunſten
dort außerordentlich zugenommen hat. Der Re=
ſolution
auf beſſere Vorbildung und Beſoldung unſerer
Diplomaten und Generalkonſule ſtimmen wir zu. Wir
wären überhaupt geneigt, das ganze Konſulatsweſen zu
reformieren. Wir freuen uns darüber, daß ein beſſeres
Verhältnis zu England ſich anzubahnen ſcheint. Das
Kaper= und Priſenrecht bekämpfen wir. Wenn im Aus=
land
Mißſtimmung gegen uns beſteht, ſo ſind daran die=
jenigen
ſchuld, die immer noch mit dem Säbel raſſeln.
Auch vom Kronprinzen verlangen wir, daß er weiß, was
er ſeiner Stellung ſchuldig iſt. Weiß er es nicht, dann
muß der Staatsſekretär des Aeußern dagegen proteſtieren.
Alle Anregungen anderer Länder, die Rüſtungen zu be=
ſchränken
, ſind von Deutſchland abgelehnt worden. Lei=
der
will man die Steigerung der Rüſtungen beibehalten.
Auch die in dien Nord= und Oſtmarken geübte Politik er=
weckt
uns keine Sympathie im Auslande. Es iſt nicht
wahr, daß in Frankreich noch Chauvinismus und Re=
vanchegelüſte
beſtehen. Die beſte Friedenspolitik, nament=
lich
Frankreich gegenüber, beſteht darin, daß wir Elſaß=
Lothringen volle Selbſtverwaltung geben. Die Zahl der=
jenigen
, die mit uns für den Völkerfrieden kämpfen,
wird immer größer werden. Brüder ſind uns die Na=
tionen
und Feinde, wer ſie tyranniſiert
Präſident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen ſei=
ner
Ausführungen über den Kronprinzen zur Ordnung
(Bravo! bei der Mehrheit, Lärm bei den Soz.)
Abg. Fürſt zu Löwenſtein=Wertheim= Ro=
ſenberg
(Ztr.): Wenn der Abg. Bernſtein über die
Rüſtungen ſprach, ſo frage ich ihn, wer denn mit dem
Bau der Dreadnoughts angefangen hat? Das war End=
land
, das den Anſtoß zu dem Bau der modernen Flatten=

bauten gegeben hat. Die Gründung von Geſellſchaften
zur Wahrung der deutſchen Intereſſen im Oſten begrüßen
wir. Bei den Unruhen in Mexiko müſſen die deutſchen
Intereſſen mit aller Kraft gewahrt werden. Wenn der
Beſuch des engliſchen Königspaares in Paris nicht die
Folge gehabt hat, aus dem bisher freundſchaftlichen Ver=
hältnis
ein Bündnis zu machen, ſo kann das nicht über=
raſchen
. Das beſſere Verhältnis zu England begrüßen
wir, von unſerem Flottenprogramm können wir aber
deshalb nicht zurückgehen. Frankreich haben wir ſo viele
Zeichen der Friedensliebe gegeben, daß niemand daran
zweifeln kann. Die Fremdenlegion geht uns an ſich nichts
an; deutſche Angelegenheit iſt es aber, alles zu tun, um
deutſche Staatsbürger vor dem Eintritt in die Fremden=
legion
zu bewahren. Mit Recht hat der Staatsſekretär
mit kräftigen Worten betont, daß nicht die deutſche, ſon=
dern
die ruſſiſche Preſſe mit den Treibereien angefangen
hat. Erfreut ſind wir von dem guten Verhältnis Oeſter=
reichs
zu Rußland, zumal gerade in der letzten Zeit Ruß=
land
wirtſchaftliche Spitzen gegen Deutſchland richtet. Die
deutſche Induſtrie und unſere Landwirtſchaft müſſen ſich
rüſten, um aus einem etwaigen Zollkriege als Sbeger
hervorzugehen. Das uns befreundete Rumänien möge ſich
nicht in einen Konflikt mit unſeren Verbündeten hetzen
laſſen. Wenn auch das Verhältnis zwiſchen Italien und
Oeſterreich manchmal an ſich nicht ganz erfreulich zu ſein
ſcheint, ſo iſt es doch ſchon viel beſſer geworden. Die
Erhaltung eines ſelbſtändigen Albaniens erſcheint uns
dringend geboten unter tatkräftiger Leitung eines zielbe=
vußten
Fürſten. Der Dreibund iſt nötig; wenn das
Bündnis auch für Oeſterreich wertvoller ſein mag als für
uns, ſo haben wir doch einen ſtrategſſchen Vorteil in
dem Bündnis zu erblicken. Ob eine andere Vereinigung
für uns vorteilhafter ſein mag, iſt zweifelhaft. Wir
müſſen eine zielbewußte Politik treiben.
Abg. Freiherr v. Richthofen (natlib.): Die geſtrige
Rede des Abg. Wendel bot mehrfach intereſſante Zuge=
tändniſſe
. Die logiſche Folge der Rede müßte ſein, daß
die Sozialdemokraten für ein ſtarkes Heer einträten. Wir
nüſſen uns ſo ſtark machen, wie wir es uns nur leiſten
können. Daß Reibungen auch für die Zukunft nicht aus=
geſchloſſen
ſind, ſehen wir an der gegenwärtigen Lage.
Die Reſolutionen, beſonders diejenige über ein Examen
für unſere Diplomatie, der ja der Siaatsſekreſtär in der
Kommiſſion zugeſtimmt hat. ſollten einſtimmig angenom=
nen
werden. Die bundesſtaatlichen Geſandtſchaften im
Auslande, z. B. der bayeriſche Geſandte in Petersburg und
Paris, ſollten verſchwinden. Dieſes Opfer ſollten die
Bundesſtaaten dem einheitlichen Charakter Deutſchlands
und ſeinem Anſehen bringen. (Lebhaſter Beifall.)
Staatsſekretär v. Jagow: Der Vorredner hat den
Fall des Konſuls in Belgrad berührt. Die Geſchichte iſt
mir erſt vor kurzem zur Kenntnis gekommen. Ich habe
ſofort Ermittelungen anſtellen laſſen, und ein Bericht iſt
auch bereits eingelaufen. Es bedarf noch weiterer Feſt=
ſtellungen
und Ergänzungen. Ehe wir dieſe nicht haben,
kann ich ein Urteil nicht fällen. Jedenfalls iſt es ſo, wie
es in den Blättern geſtanden hat, nicht geweſen. Der
Vorredner hat dann noch das Geſandtſchaftsweſen der
Einzelſtaaten berührt. Dies iſt ein Reſervatrecht der Ein=
zelſtaaten
, und Unzuträglichkeiten haben ſich bisher daraus
nicht ergeben. Es muß im Gegenteil konſtatiert werden.
daß die Vertretung der Einzelſtaaten im Auslande ſtets
eine Stütze der deutſchen Politik geweſen iſt.
Abg. Dr. Heckſcher (Fortſchr. Vpt.): Die Reſolu=
tionen
, die ganz allgemein gehalten ſind, befürworte ich.
Weshalb werden nicht auch die künſtigen Diplomaten
wie die künftigen Konſuln mit der deutſchen Induſtrie per=
ſönlich
bekannt gemacht? Das Auswärtige Amt muß
ſchneller und harmoniſcher arbeiten. Die Herren ſollten
von Zeit zu Zeit ins Ausland geſchickt werden, ſonſt wer=
den
ſie Bureaukraten und verknöchern. Im Vordergrunde
unſerer Debatte ſtehen die Beziehungen zu Rußland. Ein
gutes Verhältnis zwiſchen Deutſchland und England iſt
eine große Garantie des Friedens. Wenn jetzt zwiſchen
den beiden Länzern beſſere Beziehungen beſtehen, ſo darf
man nicht vergeſſen, daß ein großer Teil der engliſchen
Preſſe zu unſeren Gunſten umgelernt hat. In dem Drei=
bund
erbliſcken wir einen Hort des europäiſchen Friedens
und ein Mittel zur Erhaltung des Gleichgewichts in
Europa. Wollen wir mit den anderen Ländern in Frke=
den
leben, ſo müſſen wir das Vaterland der anderen
achten und das unſerige lieben.
Staatsſekretär v. Jagow: Dem Vorredner möchte
ich bezüglich der Ausbildungskurſe für Konſulatsanwär=
ſter
erwidern, daß dieſe in gleicher Weiſe für Konſulats=
beamte
wie für Diplomaten beſtimmt ſind. Abg.
Blell (Ztr.): Wir müſſen beſtrebt ſein, in wirtſchaft=
licher
Beziehung uns den Platz an der Sonne zu wahren.
Für das Prüfungsamt für Diplomaten und Konſular=
beamten
haben wir in erſter Linie die Kölner Handels=
hochſchule
, die Vorbildliches gelelſtet hat, im Auge. Die
Intereſſen der deutſchen Induſtrie und des deutſchen Han=
dels
zu fördern, ſollte die hervorragendſte Aufgabe des
Auswärtigen Amtes ſein. Staatsſekretär v. Jagow:
Ich pflichte dem Vorredner darin bei, daß es die wichtigſte
Aufgabe unſerer Regierung iſt, für die wirtſchaftlichen
Intereſſen von Handel und Induſtrie zu ſorgen. Das
haben wir bisher auch immer getan.
Damit ſchließt die Debatte. Die Reſolutionen der
Kommiſſion (Prüfungsamt) werden angenommen, ebenſo
die Reſolutionen, betreffend penſionsfähige Anſtellung
der Generalkonſuln an den wichtigen Plätzen, und be=
treffend
Ausbau der Auslandsſtudien im Intereſſe des
auswärtigen Dienſtes, des Kolonialdienſtes, des Handels
und der Induſtrie. In der Spezialberatung wird eine
diplomatiſche Agentur und Generalkonſulat für Albanien
in Durazzo auf Empfehlung des Kommiſſions= Bericht=
erſtatters
Abg. Baſſermann, ebenſo ein zweites Konſulat
für Serbien beſchloſſen.
Beim Titel Botſchaft in St. Petersburg be=
klagt
ſich Abg. Liebknecht (Soz.) über die Behand=
lung
des Gnadengeſuches des in Rußland verhafteten und
im Gefängnis verſtorbenen Senna Hoj (alias Holzmann).
Das Auswärtige Amt hat dieſen Geiſteskranken einfach
im Stich gelaſſen.
Staatsſekretär v. Jagow: Das Auswärtige Amt
hat zweimal Gelegenheit gehabt, ſich mit der Angellegen-
heit
des Johannes Holzmann zu befaſſen. Das eine Mal
im Jahre 1912. als die Mutter des Holzmann durch ihren
Anwalt das Auswärtige Amt bilten ließ, ein Begnad= für ihren Sohn an Se. Majeſtät den Kaiſer
von Rußland zu vermitteln. Die Ermittelungen, die da-
mals
nach der Perſönlichleit des Holzmann angeſtellt
wurden, ergaben, daß derſelbe in der Verbreitung anar=
chiſtiſcher
Ideen tätig geweſen war, daß er mehrſach in
Deutſchland und der Schweißz wegen Preßvergehens.
ööffentlicher Beleidigung und Verbreitung unzüchtiger
Schriften (Hört! hört!) vorbeſtraft war. Dlie amtlichen
Nachfragen bei der ruſſiſchen Regierung ergaben, daß er
dort wegen anarchſſtiſcher Agitation und wegen Teilnahme
an den Räubereien der ſogenannten Expropriatoren zu
15 Jahren Zwangsarbeit verurte’lt war. Da es ſich hier
um ein politiſches, gegen den ruſſiſchen Staat gerichtetes
Verbrechen handelte, war eine amtliche Vermiltelung für

[ ][  ][ ]

das Gnadengeſuch nicht angängig. Das zweite Mal ſind
vir mit der Angelegenheit beſchäftigt worden, als im
Herbſt 1912 der Herr Abg. Freiherr v. Richthofen uns
ſchrieb, die Familie Holzmann hätte Anhaltspuntte, zu
glauben, daß dieſer von der ruſſiſchen Regierung befür=
vorteten
Begnadigung des Holzmann das Auswärtige
Amt Bedenken entgegenzuſtellen hätte. Dieſe Annahms
war nicht richtig. Das Auswärtigle Amſt war mit der
Sache überhaupt nicht mehr beſchäftigt worden und hatte
keinerlei derartige Weiſungen an die Botſchaft in Peters=
burg
gegeben. Gleichwohl haben wir damals durch die
Botſchaft die ruſſiſche Regserung amtlich wiſſen llaſſen,
daß von unſerer Seite leinerlei Einwendungen gegen die
Begnadigung zu erheben wären. Die hierauf ſtattgehabte
Berichterſtattung der Botſchaft ergab, daß im Sommer
1913 etwas vorher ein Botſchaftsſekretär ſich auf ekne pri=
valte
Bitte hin an einen mit der Angelegenheit beſaßten
hohen ruſſiſchen Beamten gewandt hatte, um ſich unter
der Hand nach den Chancen eines Begnadigungsgeſuches
zu erkundigen. Nachher ſind dem Botſchaftsſekretär Be=
ſorgniſſe
gekommen, daß dieſer Schritt als ein amtlicher
aufgefaßt werden könnte, wozu er keinen Auftrag hatte
und der bei dem Vorleben des Holzmann auch bedenklich
war. Er hat daher den hohen ruſſiſchen Beamten gebeten.
ſeine Demarche als nicht geſchehen zu betrachten, ſich im
übrigen aber nicht zuungunſten des Holzmann beeinſluſſen
zu laſſen. Ich will zugeben, daß dieſer Schritt vielleicht
zu Mißverſtändniſſen hälte Anlaß geben können. Fal=
tiſch
konnte er aber dem Holzmann nicht ſchaden, denn
kurz nachher iſt der ruſſiſchen Regierung die amtliche Mit=
teilung
unſerer Botſchaft gemacht worden, daß wir gegen
dieſe Begnadigung nichts einzuwenden hätten, und es iſt
dabei ausdrücklich auf die ſſchwere Erkrankung des Hollz=
mann
hingewieſen worden. Ferner iſt dem Bruder des
Holzmann, als er in der Begnadigungsſache nach Moskau
kam, von unſerem Generalkonſulat ein Empfehlungs=
ſſchreiben
an die ruſſiſche Behörde mitgegeben worden
Von irgendwelcher unzuläſſigen Behandlung des Holz=
mann
in ruſſiſchen Gefängniſſen iſt uns nie etwas zur
Kenntnis gekommen. Ich kann daher die Vorwürfe gegen
das Auswärtige Amt nicht als berechtigt anerkennen
(Beifall rechts.)
Abg. Frhr. v. Richthofen (natlib.): Es ſceht ſeſt.
daß Holzmann ein Geſſteskranker war. Da er aber alls
politiſcher Verbrecher verhaſtet war, konnten amtlich kein:
Schritte zur Begnadigung getan werden. Das Auswär=
tige
Amt trifft keine Schuld. Abg. Dr. Lieebknech:
(Soz.): Der Grundſatz des Auswärtigen Amtes, bei
einem politiſchen Verbrecher offiziell nichts zu tun, durfte
hier bei einem Geiſteskranken nicht Platz greifen.
Beim Titel Botſchaft in Waſhington fragt Abg.
Heckſcher (Fortſchr. Vpt.), wieweit der Neubau des
Waſhingtoner Botſchaftsgebäudes gediehen ſei. Ein
Regierungsvertreter erwidert, daß die Vorarbeiten noch
nicht beendet ſeien. Nach Beſendigung dieſer werde un=
verzüglich
mit dem Bau begonnen werden.
Beim Titel Generalkonſulat in Yokohama bringt
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) die Beſtechungsaffäre
Siemens=Schuckert zur Sprache. Minſſterialdirektor
Kriege: Im vorigen Jahre ging im Auswärtigen Amr
eine Depeſche dies Generalkonſuls in Yokohama ein,
worin mitgeteilt wurde, daß der Angeſtellte der Siemens=
Schuckert=Werke, Karl Richter, der Firma vertrauliche
Schriftſtücke entwendet und damß Erpreſſungsverſuche
gemacht habe. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß er ſich
bereits auf dem Wege nach Deutſchland befinde. Wir
machten Anzeige bei der Staatsaiwaltſchaft, und als
Richter den deutſchen Boden betrat, wurde er verhaftet.
In einem ordnungsmäßigen Straſverfahren wurde Rich=
ter
zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrver=
luſt
wegen Diebſtahls im Rückfall und wegen verſuchter
Erpreſſung verurteilt. (Hört! hört!) Das Urteil iſt
rechtskräftig geworden. Das Juſtizverfahren iſt Sache
Japans. Abg. Baſſermann (natlib.): Die aus=
ländiſche
Konkurrenz wird über dieſe Ausführungen Dr.
Liebknechts ſich wieder freuen. Die verſchiedenen japa=
niſchen
Behörden beſchäftigen ſich mit dieſer Frage. Zum
größten Teil ſind die Unterſuchungen ergebnislos ver=
laufen
, und da ſollte man doch, bevor man ein derartiges
angeſehenes deutſches Unternehmen verdächtigt, min=
deſtens
das Reſultat der Verhandlungen abwarten. ( All=
ſeitige
Zuſtimmung bei den bürgerlichen Parteien.) An=
klageſchriften
ſind kein Beweismaterial. Auch in dieſem
Falle ſt zu bedenken, daß eine angeſehene deutſche Firma
mit den ſchwerſten Vorwürfen überhäuft worden iſt. ( Led=
hafte
Zuſtimmung.) Abg. Dr. Liebknecht (Soz.)
Auch in Berlin hat ein Verfahren geſchwebt. Es iſt rechts=
kräftig
geworden. Redner geht ſodann ausführlich auf
Einzelheiten des Verhaltens der Firma Siemens=Schuckert
ein, wird aber vom Vizepräſidenten Dove daran gehin=
dert
, der ſchließlich unter lebhaftem Beifall des Hauſes
droht, ihm das Wort zu entziehen.
Der Reſt des Etats des Auswärtiggen
Amtes wird bewilligt. Es folgt der
Etat des Reichskanzlers.
Abg. Scheidemann (Soz.): Ich bedauere, daß
hier in Abweſenheit des Reichskanzlers über ſelnen Etat
verhandelt werden muß und noch dazu zu derartig vor=
geſchrittener
Jahreszeit. Der Reichskanzler kann auf die
Zeit, wo das Votum gegen hn abgeellben wurde, mit
Zufriedenheit zurückblicken. Der Reichsag iſt nicht kon=
ſequent
geblieben; die Parteien des Reichstags haben
ihre Anſichten geändert. Hoffentlich paßt ſich Herr von
Dallwitz der Bevölkerung Elſaß=Lothringens an und nich:
die Bevölkerung ihm. Das Vereinsrecht wird in un=
glaublicher
Weiſle gehandhabt. Die klaren Beſtimmungen
des Geſetzes werden mit Füßen getreten, namentlich,
wenn es ſich um unſere Jugendbewegung handelt. Wie
kommt der Staatsſekretär dazu, in amtlichen Schriftſtücken
eine ſolch neutrale, unpolitiſche Geſellſchaft wie die Volks=
verſicherung
als ſozialdemokratiſch zu bezeichnen. (Lachen
rechts; Hört! hört! bei den Soz.) Die Regierung iſſt in
dieſer Hinſicht völlig einſeitig und parteiiſch verfahren. Die
Konſervativen haben durch ihren Antrag auf Verbot des
Streikpoſtenſtehens bekundet, daß es heute eine geſſetzliche
Handhabe zum Verbot des Streiſkpoſtenſtehens nicht aibt.
Deshalb ſind alle Maßnahmen der Polizei in dieſer Rich=
tung
durchaus ungeſetzlich. Eine gerechte Wahlkreisein=
teilung
iſt nötig. Abg. Dr. Spahn (Ztr.): In zwei
Fragen kann ich dem Vorredner nur zuſtimmen. Das iſt
die Frage des Vereinsgeſetzes und das Streikpoſtenſtehen.
Wir ſind Gegner des Reichsvereinsgeſetzes geweſen. Wir
meinen nicht, daß die Gewerkſchaſten dem Vereinsrech:
unterliegen. Wenn ſich dagegen ihre Betätigung auf poli=
tiſche
Einrichtungen bezieht, ſo müßte allerdinas § 3 des
Geſetzes in Kraft treten. Abg. Schiffer=Magdeburg
(natlib.): Wir haben dadurch, daß wir gegen den konſer=
vativen
Anſtrag ſtimmten, nicht ſagen wollen, daß wir
Mißſtände in bezug auf Verhetzung der Maſſen beſtritten.
Staatsſekretär Delbrück:
Ich will dem Herrn Vorredner nich in ſeinen juriſti=
ſchen
Betrachtungen folgen, die er zur Begründung ſeines
Antrages vorgebracht hat. Es war namentlich der Vor=

redner hat es ja ſelbſt in ſeinen Ausführungen bemerkt
nicht ohne weiteres zu erſehen, in welcher Richtung der
Schutz des Wahlrechts geſchaffen werden ſoll. Wenn ich
den Herrn Vorredner recht verſtanden habe, ſo will er die=
ſen
Schutz nicht auf dem Gebiet des Strafrechts und des
Strafprozeſſes erreichen, daß demjenigen ein Schadenerſatz
gegeben werde, der durch Nachforſchungen über die Art
und Weiſe und der Ausübung ſeines Wahlrechts wirt=
ſchaftlich
oder perſönlich in ſeiner Ehre geſchädigt wird.
Es wird ſelbſtverſtändlich geprüft werden, wieweit dieſer
Weg gangbar iſt, und wie es angängig und zweckmäßig
iſt, einzelne Fragen, die im Zuſammenhang mit anderen
ſtehen, durch ein Spezialgeſetz zu regeln. Der Herr Abg.
Scheidemann hat geſprochen über die angebliche generelle
Unterſtellung der Gewerkſchaften unter die politiſchen Ver=
eine
. Ich habe insbeſondere in der Preſſe die Auffaſſung
gefunden, als wenn eine allgemeine Anordnung ſämt=
licher
Bundesregierungen ergangen wäre, dahin, daß die
Gewerkſchaften in Zukunft als politiſche Vereine zu be
handeln ſeien. Demgegenüber möchte ich ausdrücklich feſt=
ſtellen
, daß eine derartige allgemeine Anord=
nung
von den Bundesregierungen nicht er=
gangen
ſein kann weil ſeitens der Reichsleitung
über dieſe Frage mit den Bundesregierungen keinerlei Ver=
handlungen
ſtatgefunden haben. Auch die Mitteilung,
daß der preußiſche Miniſter des Innern eine allgemeine
Anweiſung an die Polizeibehörden hätte ergehen laſſen
wonach die Gewerkſchaften als politiſche Vereine behandelt
werden ſollen, iſt nicht richtig. Der Here Reichskanzler
nimmt mit mir heute noch den Standpunkt ein daß die Er=
örterung
wirtſchaftlicher Fragen und der Zuſammenſchluß
von Berufsgenoſſen zur Förderung ihrer wirtſchaftlichen
Intereſſen unvolitiſche Angelegenheiten ſind und den Vor=
ſchriften
des Vereinsgeſetzes für politiſche Bereine und
Verſammlungen nicht unterliegen. Die Sächlage ändert
ſich allerdings in einzelnen Fällen, wenn ſich die Berufs=
vereine
auch mit politiſchen Angelegenheiten befaſſen, wenn
ſie zur Verwirklichung ihrer Beſtrebungen in bezug auf die
Verfaſſung, Verwaltung, oder Geſetzgebung des Staates
auf die ſtaatlichen Rechte der Bürger oder auf die inter=
nationale
Beziehungen der Staaten untereinander einzu=
wirken
verſuchen. Ich kann nur wiederholen, ich bin der
Meinung, daß keine Gewerkſchaft unter die politiſchen
Vereine fällt, ſolange ſie ſich in den Grenzen hält, die in
den Paragraphen 152 und 153 der Gewerbeordnung ge=
zogen
ſind. Ich kann nur feſtſtellen, es liegt in Ihrer Hand
zu vermeiden, daß Ihre Gewerkſchaften als politiſche Ver=
eine
behandelt werden. Sie ſind vollſtändig in der Lage
Ihre Gewerkſchaften von politiſcher Betätigung fern=
zuhalten
, die ſie eventuell unter das Vereinsgeſetz beingt.
Es wird Ihnen eben zu ſchwer, Ihre Tätigkeit zu trennen
von Ihren politiſchen Zielen. Das iſt die Schwierigkeit,
die allenthalben eine zweckmäßige und nützliche Durch=
führung
der ſozialen Geſetzgebung direkt im Wege ſteht.
(Sehr richtig.)
Als der Plan,der Gründung der Volksfürſorge
bekannt wurde, hat man ſich ja in der Preſſe viel mit dieſer
Frage beſchäftigt, nicht ich, ſondern viele andere haben das
Unternehmen als ein ſozialdemokratiſches bezeichnet. Nicht
in dem Sinne, daß es eine reine Veranſtaltung der Partei
ſei, ſondern man hat es für ſozialdemokratiſch bezeichnet,
weil bekannt war, daß die ſozialdemokratiſchen Konſum=
vereine
einerſeits und Gewerkſchaften andererſeits, die
Aktien zu zeichnen bereit waren. Somit war die Beſorg=
nis
berechtigt daß auch dieſes an ſich wie ich anerkenne
mützliche und wohltätige Unternehmen gefährdet werden
würde dadurch, daß man auch dieſes Unternehmen in den
Dienſt der Sozialdemokratiſchen Partei ſtellte. (Sehr
wahr! Rechts.) Unter dieſem Geſichtspunkt iſt natürlich
auch die Frage aufgeworfen, geprüft und ſpeziell mir vor=
gelegt
worden, ob denn nicht das Geſetz über die Aufſicht
der Privatverſicherungsgeſellſchaften eine Handhabe biete,
eventuell die Genehmigung für dieſes Unternehmen zu ver=
ſagen
. Ich habe mir geſagt, daß es gewiß nicht erwünſcht
iſt, daß ein Unternehmen ſo eng mit der politiſchen Partei
der Sozialdemokratie und ihren ſonſtigen wirtſchaftlichen
Unternehmungen verknüpft iſt und eventuell die einzige
Zuflucht ſein könnte für nichtorganiſierte Arbeiter, wenn
ſie den Wunſch haben, ſich zu verſichern. Ich habe mich,
wie ich hiermit ausdrücklich verſichere, auch lebhaft um das
Zuſtandekommen der Volksverſicherung bemüht. (Beifall,
rechts.)
Auf die Beſchwerden über die Ausweiſungen von
däniſchen Untertanen in Nordſchleswig will ich nicht näher
eingehen, ich will nur betonen; daß auch dieſe Angelegen=
heit
nicht vor den Reichstag gehört. Die Fremdenpolizei
und die daraus reſultierende Ausweiſungsbefugnis gehört
unſtreitig zur Zuſtändigkeit der Einzelſtaaten. Die Aus=
weiſungen
richten ſich gegen die Machenſchaften einzelner
Dänen, welche in einem Teile der Provinz Schleswig eine
gegen das Deutſchtum gerichtete Propaganda treiben.
Dieſer entgegenzutreten iſt nicht mur das Recht, ſondern
auch die Pflicht des preußiſchen Staates. Preußen als die
Grenzwacht in den Nordmarken hat die Aufgabe, zu ver=
hindern
, daß dort eine den Beſtand Preußens und des
Reiches feindſelige Bewegung entſteht und wenn ſich An=
gehörige
fremder Staaten an einer ſolchen Bewegung be=
teiligen
, ſo haben ſie keinen Anſpruch auf unſer Gaſtrecht,
ſondern haben unſer Land zu meiden. Ich ſtelle feſt, indem
ich ausdrücklich hinzufüge, daß zwiſchen dem Deutſchen
Reiche und dem Däniſchen Königsreich darüber volles
Einverſtändnis beſteht, daß eine Beruhigung der Verhält=
niſſe
in unſerer Nordmark gleichmäßig im Intereſſe des
Deutſchen Reiches und des däniſchen Staates auch im
Intereſſe der internationalen Beziehungen beider Staaten
liegt. Wenn alle dieſe Ausführungen noch eines Beweiſes
bedürfen, ſo waren es die Schlagworte des Aba. Scheide=
mann
. Er hat uns Kampf angeſagt. Er hat Kampf an=
geſagt
den geſamten bürgerlichen Parteien, hat den Kampt
der Sozialdemokratiſchen Partei hier auf der Tribüne des
Reichstages leben laſſen. Ja, glauben Sie denn. Herr
Scheidemann, daß wir dagegen nicht auch kämpfen dürfen?
(Große Unruhe bei den Soz. Lebhafte Zuſtimmung rechts.)
Wir werden dagegen kämpfen, wenn uns das Geſetz die
Grundlage dazu bietet. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. v. Veit (konſ.): Wenn gewerkſchaftliche oder an
dere Vereine der Sozialdemokratie als politiſche ange
ſehen werden, ſo iſt das ganz geſetzlich, wenn ſie ſich mit
politiſchen Dingen beſchäftigen. Abg. Lic. Mumm
(Wirtſch. Verein.): Wir fordern in einer Reſolution eine
Reform des Kanzleiweſens im Geſchäftsgange der Reichs=
behörden
im Sinne der Vereinfachung und Moderniſie=
rung
. Abg. Gradnauer (Soz.): Wir ſtimmen der
nationalliberalen Reſolution auf Schutz des Wahlgeheim=
niſſes
zu, dagegen haben wir gegen die Reſolution au
Namensänderung Bedenken.
Staatsſekretär Dr Delbrück: Ich muß feſtſtellen,
daß ich über den Gedankengang des Schlußteiles der Rede
des Abgeordneten Wendel nicht genau informiert war.
Andererſeits bleibt aber beſtehen, daß ein Mitglied des
Deutſchen Reichstages auf deſſen Tribüne eine Rede ge=
ſchloſſen
hat mit den Worten: Vive la France! das
gewiß einen unbeabſichtigten Affekt und Unbehagen und
Aerger hervorgerufen hat. Inſofern habe ich von meinen

Ausführungen nichts wegzunehmen. Abg. Scheide=
mann
(Soz.): Die Redewendung Wendels war ein
Gegengruß an Jaurés, der uns zugerufen hat: Es lebe
Deutſchland! Damit ſchließt die Debatte. Das Gehalt
des Reichskanzlers wird bewilligt, ebenſo der
Etat der Reichskanzlei. Die nationalliberale Reſo=
lution
, betreffend Schutz des Wahlgeheimniſſes, die Reſo=
lukkion
Mumm, betreffend Reform des Kanzleiweſens wird
angenommen, diejenige, betreffend Namensabänderung
aber abgelehnt. Darauf wird vertagt. Nächſte Sitzung
Samstag 10 Uhr. Kleine Etats, Spionagegeſetz, Novelle
zum Militärſtrafgeſetzbuch, Gebühren für Zeugen und
Sachverſtähdigen, überſeeiſche Poſtdampferverbindungen,
Kleinwohnungsweſen, Rücklage der Berufsgenoſſenſchaften
und Petitionen. Schluß nach ¾8 Uhr.

* Berlin, 15. Mai. Zu der dritten Leſung der Be=
oldungsnovelle
im Reichstag brachten die
Nationalliberalen, die Freiſinnigen und die Konſervativen
einen Abänderungsantrag ein, der im weſentlichen ver=
angt
, die Regierungsvorlage wiederherzuſtellen und bis
zum Herbſt 1915 einen Geſetzentwurf vorzulegen, durch
welchen mit Wirkung vom 1. Januar 1915 die Bezüge der
Beamtenklaſſen 11a und 11b, gehobene Unterbeamten,
um mindeſtens 100 Mark in jeder Stufe aufgebeſſert wer=
den
. Ferner wurde die Annahme einer Reſolution bean=
tragt
, die Erledigung auch der durch das Geſetz nicht zur
Erfüllung gelangten Teile der Beſchlüſſe der zweiten Be=
ratung
mit Wirkung vom 1. Januar 1916 tunlichſt herbei=
zuführen
.

Der Kaiſer in Wiesbaden.

* Wiesbaden, 15. Mai. Der Kaiſer ſah geſtern
nach der Oper im Königlichen Schloß noch außer dem
Generalintendanten Grafen von Hülſen=Häſeler und dem
Intendanten Baron von Mutzenbecher auch den Intendan=
ten
Graf Bylandt=Rheyd aus Kaſſel und den Geſandten
von Dirckſen bei ſich. Heute hörte der Kaiſer den Vortrag
des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Geſandten von
Treutler. Um 12 Uhr mittags traf Prinz Heinrich
aus Darmſtadt zu kurzem Beſuch hier ein. Der Kaiſer und
Prinz Heinrich ſpeiſen heute mittag bei dem Regierungs=
präſidenten
Dr. von Meiſter.
* Wiesbaden, 15. Mai. Der Kaiſer mit den
Herren ſeines Gefolges beſuchte heute den dritten Abend
er Feſtvorſtellungen. Gegeben wurde Der Rich=
ter
von Zalamea von Calderon de la Barca. Das
Stück wurde, derb im Ernſt und derb im Scherz, wie es der
ſpaniſche Dichter verlangt, ſehr flott geſpielt und fand
ſtarken Beifall.

Luftfahrt.

* Mannheim, 14. Mai. Für die Schauflüge, die
am Sonntag, den 17. Mai, anläßlich des Prinz Heinrich=
Fluges hier ſtattfinden, wurde, wie die N. B. Z. meldet,
der Sturzflieger Thorneli gewonnen, der am kommen=
den
Montag und Dienstag zu Sturzfliegen in Frankfurt
erpflichtet iſt.
* Neapel, 15 Mai. Der Flug eines franzö=
ſiſchen
Fluggeſchwaders, das aus ſechs Doppel=
deckern
beſtand und das ſeit dem 6. Mai unter der Füh=
rung
des Hauptmanns Voiſin bereits 6000 Kilometer zu=
rückgelegt
hatte, hat geſtern ein unerwartetes Ende
genommen. Die ſechs Flugzeuge flogen geſtern früh 8 Uhr
in Dünkirchen auf, um nach Le Havre zu fliegen. Als
weiteres Ziel kam ev. auch Engers in Betracht. Bei Dieppe
wollten drei Flugzeuge am Strande landen. Dabei kippte
einer der Apparate um und fiel ins Meer. Sein Führer
und der Paſſagier konnten zwar gerettet werden, doch iſt
der Apparat verloren. Bei Belville kippte ein zweiter
Apparat beim Landen um und wurde vollſtändig vernich=
tet
. Der Führer erlitt Verletzungen am Knie und mußte
ins Krankenhaus übergeführt werden, wo innere Ver=
letzungen
feſtgeſtellt wurden. Auf dem Flugfelde von Le
Havre wurden noch zwei weitere Flugzeuge vernichtet.
Eines fiel beim Landen in einen Waſſergraben und zer=
rach
, das andere wurde beim Landen ebenfalls nahezu
zertrümmert. Es iſt faſt ein Wunder zu nennen, daß die
meiſten Flieger lediglich mit dem Schrecken davonkamen.
* London, 15. Mai. Bei einem millitäriſchen
Geſchwadlerfluge von Schottland nach der Küſte
von Salisbury ſtürzte ein Flugzeug in der Nähe von
North=Albertons in der Grafſchaft Yorkſhire ab. Der
Flieger und ſein Mechaniker wurden gebötet.
* London. 15. Mai. Die beiden getöteten
Flieger gehörten zu dem Fluggeſchwader von zehn
Doppeldeckern. In der Nähe von Northalerton ge=
riet
das Geſchwader in dichten Nebel und wurde ge=
zwungen
, in ſchwierigem Gelände zu landen. Hierbei wur=
dien
fünf Flugzeuge ſchwer beſchädigt Der verhängnis=
volle
Unfall iſt dadurch herbeigeführt worden, daß das
Flugzeug der beiden Flieger gegen eine Hecke ſtieß; auch
zwei andere Flugzeuge rannten gegen Hecken. Die Leichen
ſind unkenntlich verſtümmelt.

Turnen, Spiele und Sport.

* Fußballklub Olympia‟ Darmſtadt 1898. Zu den
morgen in Weiſenau ſtattfindenden leichtathletiſchen Wett=
kämpfen
entſendet der Fußballklub eine Reihe ſeiner
Leichtathleten. Durch die Gebrüder Schröck und Krichel,
ſowie Bäurle, Jütte und Jubitz werden ſich die Lauf= und
Wurfkonkurrenzen ſehr intereſſant geſtalten. Auch die
Stafettenläufe werden durch die gemachten Meldungen für
Olympias Mannſchaften eine Gelegenheit ſein, das durch
das in den letzten Wochen regelmäßig gepflegte Training
rlangte Können zu zeigen. Man darf alſo auf ein Ab=
ſchneiden
des Fußballklubs Olympia am morgigen Tage
ſehr geſpannt ſein, zumal es das erſte Sportfeſt iſt, welches
in dieſem Jahre beſchickt wird.

Streik in Rußland.

* Petersburg, 15. Mai. Der am 1. Maß aus=
gebrochene
Streik umſaßte auch die franzöſiſch=ruſſiſche
Waggonfabrik von Storokhod Aiwaz. Alle Angeſtellten
in den Bäckereien, in den Druckereien, Mechaniker und
Elektriber ſſtreiken. Nach amtlichen Feſtſtellungen beträgk
die Zahl der Streikenden 130000. Der Verſuch einer Rie=
ſenkundgebung
wurde von der Polizei unverzüglich unter=
drückt
. In Reval ſtreilen 5870 Arbeiter; aus Niſchninow=
gorod
wird gemeldet, daß die Arbeit in den Fabriken von
Sormovo ruht und daß 9000 Perſonen ſtreiken. In Kiew
hat in vielen Fabriken und Druckercien ein vollſtändigen
oder teilweiſer Streik ſtatlgefunden. Die Abendblätter
ſind nicht erſchienen. Die Mehrzahl der Morgenblätter
kann auch heute nicht erſcheinen. In Odeſſa wurde in vier
Zeitungsbetrieben geſtreikt. in Tillis ruhte die Arbeit in
mehreren Fabrken, es ſtreiften 3000 Perſonen. In Mos=
kau
wurde in 33 Fabriken und 27 Druckereien geſtreikt, ſo=
wie
in 12 anderen Betrieben. Der Ausſtand umfaßt ins=
geſamt
22000 Perſonen. Die Ordnung iſt am 1. Mai im
Reiche nirgends geſtört worden.

[ ][  ][ ]

Die Ausſtellungen Darmſtadt 1914.

Die Ausſtellung der Künſtlerkolonie.
M. St. Darmſtadt, 16. Mai.
Heute vormittag wird die Ausſtellung der Darmſtädter
Künſtlerkokonie nach einem Feſt= und Weiheſpiel
von Ernſt von Wolzogen, zu dem Arnold Mendelsſohn die
Muſik geſchrieben und in dem die Duncanſchule mitwirken
wird, durch Se. Kgl. Hoheit den Großherzog feier=
lich
eröffner werden. Bis geſtern tief in die Nacht hinein
iſt noch gearbeitet worden, es galt, noch überall die letzte
Hand anzulegen, und heute kann erſt geſagt werden daß
die zahlreichen Ehrengäſte die zur Eröffnung geladen
ſind, eine fertige Ausſtellung ſehen werden.
Es mag zur Einführung, und um zu zeigen, welche
Abſichten mil der diesjährigen Ausſtellung der Künſtler=
kolonie
verfolgt werden, hier kurz ein Teil deſſen ange=
führt
werden, was Geheimerat Römheld in ſeinem Vor=
wort
dem Katalog vorangeſetzt hat. Er führt nach einer
intereſſanken und erſchöpfenden Darſtellung der Geſchichte
der Kolonie von 18991914, aus: Den öſtlichen Abſchluß
der Mathildenhöhe bildet der Olbrichweg, welcher den
von dem Städtiſchen Ausſtellungsgebäude gekeönten Hügel
im Bogen umzieht. Im Oſten und Norden dieſer Straße
traf der Blick früher auf die Rückſeite der nahe gelegenen
großen Brauereien. Um die Mathildenhöhe gegen dieſe
Ausſicht abzuſchließen, wollte Großherzog Ernſt Ludwig,
daß die Nordſeite des Olbrichwegs, welche faſt ganz in
ſeinem Eigentum ſtand, mit einer geſchloſſenen Linie drei=
ſtöckiger
Häuſer bebaut werde Dieſem Programm ent=
ſprechend
hatte Albin Müller in der Stille ein Pro=
jekt
ausgearbeitel, mit dem er 1910 hervortrat. Durch
ſeine großzügige Schönheit und die Art, wie der Künſtler
die vielen Häuſer der mächtigen Gruppe zu individuali=
ſieren
und doch zu einem harmoniſchen, monumentalen
Ganzen zuſammenzuſchließen gewußt hatte, fand der Ent=
wurf
die Billigung des hohen Schirmherrn der Kolonie
und die Anerkennung der Fachgenoſſen und Kunſtfreunde.
Als es dann 1911 gelang, ein Konſortium zu bilden, das
ſich die Aufgabe ſtellte, den wichtigſten Teil des Müllerſchen
Projektes auszuführen, war damit für den Plan einer
dritten Ausſtellung der Künſtler=Kolonie eine wichtige
Grundlage geſchaffen. Drei Häuſer der neuen
Müllerſchen Gebäudegruppe wurden für Ausſtellungszwecke
belegt. An die Rückſeite des mittleren Anweſens, welches
als Eigentum des Großherzogs erbaut iſt, ſchließt ſich ein
ſtattlicher, dreigeſchoſſiger Atelierneubau an, welcher wäh=
rend
der nunmehrigen Kunſtſchau der Kolonie Atelieraus=
ſtellungen
von ſechs Mitgliedern derſelben enthalten wird.
Sodann ſoll er einigen Künſtlern reichlichere Räume bie=
ten
, auch weitere Berufungen ermöglichen. Die Errichtung
dieſes neuen Atelierhauſes iſt ſonach ein wichtiger Schritt
in der Richtung des künftigen Ausbaues der Künſtler=
Kolonie.
Der Künſtlerkreis der Kolonie beſteht zurzeit aus drei
Architekten, welche auch die Flächen= und Kleinkunſt be=
arbeiten
, zwei Bildhauern, drei Malern, von denen einer
vorzugsweiſe die Buchkunſt pflegt, einem Goldſchmied, dem
Leiter der Ernſt=Ludwig=Preſſe und dem auswärtigen Mit=
glied
Ernſt Riegel. Gegenüber ihren Anfängen zeigt die
Kolonie nun eine ſtärkere Vertretung der freien Künſte,
deren Hauptaufgabe innerhalb der Kolonie bleiben wird,
in harmoniſchem Zuſammenwirken mit der Architektur auf=
zutreten
, ihre Werke zu ergänzen und zu erhöhen. Die
Ausſtellung wird dies in mehreren Beiſpielen dartun. An
die Stelle der ſtürmiſchen Kämpfe um eine neue Geſtaltung
unſerer Wohnungskultur, unſerer angewandten Kunſt, wie
ſie uns die Jahrhundertwende zeigte, iſt eine ruhige Ent=
wicklung
getreten. Die Forderung von Echtheit und Güte
in Material und Arbeit, von Sachlichkeit in der Form iſt
ſchon lange allgemein anerkannt. Nun gilt es, darüber
hinaus einer Schönheit nachzuſtreben, die unſer Leben er=
höht
. Dies ſcheint mir die Aufgabe zu ſein, welche die
Gegenwart der Künſtler=Kolonie ſtellt und deshalb bedarf
ſie der freien Kunſt, nicht als einer Dienerin, ſondern als
der gleichberechtigten Schweſter der Baukunſt. Der erſte
Schritt, den die Künſtler=Kolonie ins Leben tat, war die
Betonung des Rechtes der Gegenwart, ebenſo wie frühere
Jahrhunderte aus ihrem Weſen heraus Neues zu ſchaffen.
Dieſem Programm iſt die Künſtler=Kolonie treu geblieben
und ſie wird das auch fernerhin tun. Feſt auf dem Boden
der Gegenwart ſtehend wird ſie in ihrem Schaffen nie den
vorwärts gerichteten Blick, den Blick in die Zukunft ent=
behren
können.
Bei der Geſamtanlage der Künſtler=Kolonie= Aus=
ſtellung
wurde danach geſtrebt, dieſe im ganzen zu einem
harmoniſchen Kunſtwerk zu geſtalten. Freilich konnte dies
Ziel hauptſächlich infolge gewiſſer Eigentümlichkeiten des
Ausſtellungsgeländes nicht überall erreicht werden. Den
Architekten der Kolonie ſind beſtimmte Bezirke des Aus=
ſtellungsgeländes
, Räume und Geſchoſſe überwieſen, inner=
halb
deren ſie die volle künſtleriſche Verantwortung tragen.
Aber auch andere Koloniemitglieder haben ſolche Aufgaben
übernommen. So bearbeitet B. Hoetger die Peripherie
des größeren weſtlichen Teils des Platanenhains, welche
er mit einem eine einheitliche Idee ausdrückenden plaſti=
ſchen
Schmuck verſieht. Im ſtädtiſchen Ausſtellungsgebäude
ſchafft H. Jobſt die Halle für freie Kunſt und den Roſen=
hof
, während F. W. Kleukens einen repräſentativen Salon
und die Vorhalle des Hochzeitskurmes geſtaltet.
Die kommende Kritik wird zeigen, inwieweit die Aus=
ſtellung
den Aufgaben der Kolonie Erfüllung bringt.
Geſtern nachmittag war in einer Vorbeſichtigung den Ver=
tretern
der Preſſe es hatten ſich ſehr zahlreiche Vertreter
auswärtiger Blätter eingefunden Gelegenheit gegeben,
die Ausſtellung zu beſichligen. Die Herren Geheimerat
Römheld Profeſſoren Albin Müller Körner und
Kleukens hatten in liebenswürdiger Weiſe die Füh=
rung
übernommen. Wir wollen verſuchen, im Nachſtehen=
den
den erſten Eindruck des Geſehenen in großen Zügen
feſtzuhalten. Im Einzelnen wird die Ausſtellung natür=
lich
noch Gegenſtand eingehender Beſprechung ſein. Im
Platanenhain beginnen eben die zartgrünen Sproſſen der
Platanen zum Schatten ſpendenden Blätterdach ſich zu
einen. Darüber ragt imponierend Olbrichs charakle=
riſtiſcher
Hochzeitsturm, und ſeitlich erglänzen in immer
noch aufdringlichem Gold die Zwiebelkuppeln der Ruſ=
ſiſchen
Kapelle. Aber beide ſind nicht mehr herrſchend hier,
weder in Form noch in Farbe.
Profeſſor Albin Müller, das älteſte Mitglied der
Kolonie, dem ſchon 1908 die Hauptaufgabe zugefallen war,
iſt auch heuer herrſchend mit den Schöpfungen ſeiner
ſeinen, ſinnenden Baukunſt und mit Erzeugniſſen der In=
nenarchitektur
. Er hat das monumentale Hauptpor=
tal
errichtet, deſſen 6 Doppelſäulen auf ſchweren Kapi=
tälen
die rieſigen ſtiliſierten Löwenfiguren tragen, zu denen
die fein reliefierten Bronzetore von Bernhard Hoetger
einen ſo wirkſamen Gegenſatz bilden. Und gleich, wenn
man das Portal durchſchritten, ſteht man vor einem neuen
Erzeugnis ſeines vielſeitigen Schaffens, vor der Brun=

nenanlage, die das weite grüne Raſenrondell vor der
ruſſiſchen Kapelle erſetzt hat.
Dieſe Brunnenanlage war bereits Gegenſtand einge=
hender
Beſprechung an dieſer Stelle. Sie nimmt den
ganzen Platz des früheren Raſenrondells ein. Die Mitte des
Rondells nimmt das in der Achſe des, Portals der Ruſſiſchen
Kapelle liegende langgeſtreckte Waſſerbecken auf, das vom
oberen bis zum unteren Rande des Raſenrondells ausge=
dehnt
iſt und im Rechteck 28 zu 15 Meter mißt. Das
obere Drittel des Baſſins, als der höchſtgelegene Teil des
Baſſins, mußte naturgemäß beſonders tief gegraben wer=
den
und die ſtehenbleibenden Erdmaſſen mußten durch
Stützmauern ſowohl an der Stirnwand wie ſeitlich gehal=
ten
werden. Sie gaben dem Architekten Gelegenheit zur
Betonung ſeines künſtleriſchen Wollens. Er läßt dieſe
Mauern teils tragen, teils verkleiden durch einen monumen=
tal
und ernſt komponierten Säulengang. Schwer und
wuchtig, leicht nach oben verjüngt, wachſen die vor einen
dunkelbauen Hintergrund geſtellten Säulen aus dem Waſ=
ſer
ſelbſt empor, tragen ſeitlich die flache Bekrönung der
Stützmauern und in der oberen Schmalſeite eine reich
ornamentierte Brüſtung, die mit dem ſeitlichen Figuren=
ſchmuck
den künſtleriſchen Mittelpunkt der ganzen Anlage
bildet. Im übrigen iſt der Rand des Baſſins durch nie=
drige
, aber ebenfalls monumental geſtaltete Mauern ge=
bildet
, die nur wenig über das Erdreich, d. h. über die
gärtneriſchen Anlagen, zu beiden Seiten hinausragen und
ſo einen ungehinderten Blick über die ganze Anlage und
das Baſſin geſtatten. Durch die dunkelblaue Farbung
des aus reliefierter Keramik gebildeten Hintergrundes
wird dieſer hinter den 12 grauen 34 Meter hohen Säu=
len
, deren mittelſte die Brüſtung tragen, zurückgedrängt
und ſo eine geheimnisvolle Wirkung erzielt, die dadurch
erhöht wird, daß der Zufluß des Waſſers unſichtbar iſt,
es quillt gewiſſermaßen hinter den Säulen aus der Erde,
oder erweckt den ſymboliſierenden Eindruck, als quelle es
unter der Kirche hervor. Das religiöſe Moment wird be=
tont
durch zwei große Figuren, die die Brüſtung ſeitlich
bſchließen und die Krönung der ſeitlich herausgebauten
und in die Gartenanlage geſtellten Eckpfeiler des Baſſins
bilden.
Reicher Figurenſchmuck von Hoetger ſymboliſiert den
Abend und den werdenden Tag. Als Verbindung dieſer
Symboliſierung des beginnenden bis zum ſinkenden Leben
arf der Brunnen des Baſſins angeſehen werden, der in
Flieſen hergeſtellt wird und auf tiefblauem Grunde im
reichen Ornament einen ſtiliſierenden Lebensbaum zeigt,
der gewiſſermaßen zur Kirche emporwächſt und oben in der
Krone reicher gefärbte Blüten trägt. Das Ornament iſt
ſo ſtiliſiert, daß es von oben, von der Brüſtung aus geſe=
hen
, die leichte Wellenbewegung des vom Winde bewegten
Waſſers widerſpiegelt.
Die äußere Form der ganzen Anlage hat ihre ovale
Geſtaltung beibehalten. Die beiden Teile links und rechts
vom Baſſin bilden zwei Kreisſegmente, die mit gärtneri=
ſchem
Schmuck geziert werden, der natürlich der architekto=
tiſchen
Geſtaltung angepaßt iſt. Der Außenrand wird auf
beiden Seiten je zweimal unterbrochen durch Stützunkte,
wuchtige Säulenpoſtamente, in denen die Motive der Säu=
len
aus dem Baſſin wiederkehren, die rieſige Blumenſchalen
tragen, beſtimmt, überhängenden Schmuck aufzunehmen.
Sonſt werden in den ſeitlichen gärtneriſchen Anlagen ruhig
grüne Raſenflächen vorherrſchend ſein.
Die umfangreichſte Arbeit Müllers, und die größte der
Ausſtellung überhaupt, war die Errichtung eines ganzen
Straßenzuges von dreiſtöckigen Mie tshäuſern hin=
ter
dem Ausſtellungshaus am Olbrichweg. Die
Errichtung dieſer Häuſer, die in kraſſem Gegenſatz ſtehen
zu dem ſonſt ganz villenartigen Baucharakter der Mathil=
denhöhe
, entſprach einem Wunſche des Großherzogs. Der
Architekt war hier vor eine Aufgabe geſtellt, die gleich be=
deutungsvoll
wie ſchwierig, einem denkenden Künſtler aber
von außerordentlichem Intereſſe ſein mußte. Sehr ſchwie=
rig
war die Ueberwindung der Geländeunebenheiten, die
Bauten ſelbſt mußten eine geſchloſſene einheitliche Archi=
tektur
erhalten, die dabei dem ganz auf Kunſt geſtimmten
Charakter der Mathildenhähe entſpricht, und doch die je=
dem
Mietshauſe unbedingt notwendige Selbſtändigkeit in
räumlicher Beziehung, wie in der Architektur wahrt.
Schließlich erforderte es unerläßliche Pflicht der Kunſt und
der Pietät, die herrſchende Architektur Olbrichs in den
Ausſtellungsbauten in keiner Weiſe zu beeinträchtigen. Es
hat nicht an gewichtigen Stimmen gefehlt, die eine ge=
ſchloſſene
Bauweiſe auf der Mathildenhöhe überhaupt für
unzuläſſig hielten. Die Forderung der Baukunſt unſerer
Zeit geht aber doch dahin, nachdem jahrzehntelang das
Eigenhaus in allen möglichen Variationen künſtleriſch und
kulturell propagiert und in Erkenntnis der Tatſache, daß
der Mietbau doch nie verdrängt werden kann, nun auch
einmal dieſen in einer Form und Aufmachung zu zeigen,
die der Forderung der Zeit gerecht wird. Albin Müller
hat ſeine Aufgabe in einer Weiſe gelöſt, die ſicher die Be=
achtung
, wenn auch vielleicht nicht überall die Anerken=
nung
der geſamten Bauwelt finden dürfte. Er hat mit ſei=
nen
großzügigen Bauten Ausſtellungshaus und Hochzeits=
turm
nicht erdrückt, und dabei doch Häuſer von monumen=
taler
Wucht erſtellt, die, allerdings in der Architektur und
deren Details gelöſt, zu harmoniſcher, intim=künſtleriſcher
Wirkung gebracht wird. Ja, man darf ſich davon über=
zeugen
, daß von verſchiedenen Geſichtspunkten aus durch
die Ueberſchneidungen erſt die Olbrichſchen Bauten ein
ihrer Größe und Monumentalität entſprechendes Relief
erhalten. Im Innern der Häuſer frappiert geradezu die
durchaus ſelbſtverſtändliche Grundrißlöſung. Man ge=
winnt
in der Tat den Eindruck, als ſeien dieſe Häuſer von
innen nach außen gebaut, will ſagen, als habe der Kunſt=
ler
zuerſt die Räume komponiert, dann die Außenarchitek=
tur
geſchaffen und vergißt, daß man vorher den glei=
chen
Eindruck von außen hatte, nur umgekehrt, als habe er
die Innenräume nach der Außenarchitektur komponiert
Das muß jeder rückhaltslos anerkennen, und es bedeutet
die Größe dieſer baukünſtleriſchen Aufgabe, daß der Archi=
tekt
in ſeltenem Maße es verſtanden hat, Außenarchitektur
und Grundriß, Kunſt und Zweckmäßigkeit zu inniger Har=
monie
zu einen, zu einem Ausdruck wahrer, neu anmu=
tender
Wohnkultur. Von dem Muſikſalon im
Palais des Großherzogs, der hier mit ausgeſtellt iſt, war
an dieſer Stelle vor kurzer Zeit ſehr ausführlich die Rede.
Er iſt zu einem Meiſterwerk prunkvoller Innenkunſt und
zu einem ſeltenen Kunſtwerk feinſter Harmonien von Farbe
und Form geworden. Weiter ſind von Albin Müller vor=
handen
eine mit Raffinement ausgeſtattete Badeanlage,
ein reizvoller Gartenpavillon, ein aus Holz errichtetes, zer=
legbares
Ferienhaus, eine Anzahl Wohnungseinrichtun=
gen
, Gärten und Vorgärten, eine umfangreiche Atelieraus=
ſtellung
uſw.
Um zunächſt bei der Architektur zu bleiben,, ſeien dann
die Ausſtellungsobjekte Prof. Eduard Körners ge=
nannt
, der hiermit zum erſtenmal Arbeiten als Mitglied der
Künſtlerkolonie ausſtellt. Im Gegenſatz zu der Monumenta=
lität
der Eſſener Synagoge, die ihn zuerſt in weiteren Kreiſen

bekannt gemacht, iſt er hier mit außerordentlich fein empe
fundenen, faſt zarten, vor allem aber durch und durch deko=
rativen
Arbeiten vertreten. Vor allem darf der ſehr re=
präſentative
Ehrenſaal genannt werden, der erſte Raum
im Ausſtellungshauſe. Dieſer Saal, der früher rechteckig
war, iſt rund geſtaltet, hat eine ganz wunderbare Lichtver=
teilung
erhalten, die Decke iſt hängend, in mehreren Abſtu=
fungen
nach oben enger werdend, und läßt das Tageslicht
gedämpft durch weiße Seidenbeſpannungen hindurchdrin=
gen
. Noch reizvoller iſt die künſtleriſche Beleuchtung, die
verdeckte Lichtquellen und hohe Kandelaber ſpenden.
Wände und Decken mit ſchweren, geſchnitzten Eichenholz=
vertäfelungen
ſind dunkel gebeizt und geben dem Raume
eine wunderſame, farbige Stimmung. Hier hängen die
Meiſtergemälde von Pellar, Porträts des Großherzogs=
paares
uſw. Körner iſt weiter mit Wohnungseinrichtungen,
Erzeugniſſen einer ungemein geſchmackvollen Wohnkultur,
ferner mit einem ganz entzückend abgeſtimmten Winter=
garten
und mit einer Anzahl Zweckgebäuden wie Mode=
pavillon
, der die neueſten Erzeugniſſe der Damenmode
enthält, Zigarrettenpavillon, Sekthalle uſw. vertraten.
Durchweg charaktervolle, feindurchdachte, ſtilvolle Ar=
beiten
.
Von Em. Joſ. Margold ſtammen als die um=
fangreichſten
Arbeiten ſeines Rayons die Reſtaurations=
gebäude
im Platanenhain. Im Grundriß des Haupt=
reſtaurants
iſt der Hauptwert, wie es die Zweckbe=
ſtimmung
des Reſtaurationsbaues erfordert, auf die prak=
tiſche
Gruppierung der Wirtſchaftsräume gelegt. Küchen,
warme und kalte Küche getrennt, Spülraum, Anrichte=
raum
uſw. ſind meiſt nebeneinander ſo gruppiert, daß die
Bedienung von den Schaltern unmittelbar und auf
ſchnellſte und bequemſte Weiſe zu den Gäſten und in den
Platanenhain gelangt, ſo daß eine flotte Bedienung ge=
währleiſtet
iſt. An dieſe Wirtſchaftsräume ſchließt ſich
unmittelbar die Reſtauration, die aus einem einzigen gro=
ßen
Raum, einem Reſtaurationsſaal beſteht. Für dieſen
iſt eine beſonders reiche künſtleriſche Ausſtattung mit Aus=
malungen
der Wände und Decke uſw. vorgeſehen. Alles,
was dieſer Reſtaurationsſaal an Mobiliar und ſonſtigen
Einrichtungs= und Ausſtattungsgegenſtänden aufzunehmen
beſtimmt iſt, iſt nach beſonderen künſtleriſchen Entwürfen
Em. Margolds angefertigt worden, mit Einſchluß ſämt=
licher
Weingläſer, Karaffen, Beſtecke, Kaffee= und Speiſe=
ſervicen
uſw. Gerade für dieſe Beſtecke und Service hat
Herr Margald ebenſo reizvolle und eigenartige wie prak=
tiſche
Entwürfe gefertigt, die gelegentlich der Ausſtellung
zum erſtenmal herauskommen und dann in den Handel
übergehen ſollen, alſo gewiſſermaßen ſelbſt Ausſtellungs=
objekte
ſind. Beſtimmend für die Entwürfe war nicht
die Sucht nach durchaus neuen Formen, ſondern das Stre=
ben
nach Vereinigung von gefälligem künſtleriſchem Aus=
ſehen
mit der praktiſchen Verwendbarkeit nach dem Grund=
ſatze
von der ſelbſtverſtändlichen Schönheit des Zweck=
mäßigen
. Daß die Entwürfe deſſen ungeachtet eine ſtarke
perſönliche Note tragen, iſt Beweis für die vielſeitige künſt=
leriſche
Geſtaltungskraft des Künſtlers. Das Ausſtel=
lungsreſtaurant
iſt in der Höhe von etwa 1½ Stockwerken
gehalten. Die Innenräume ſind 5 Meter hoch. Bis zu
etwa zwei Dritteln der Geſamthöhe iſt dem Reſtaurant
ein terraſſenartiger Rundbogengang vorgelagert, der die
ganze Faſſade beſtimmt und dem Architekten Gelegenheit
bot, dieſe mit verhältnismäßig geringen Mitteln intereſſant
und reich auszugeſtalten. Dieſer Rundbogengang iſt 2½
Meter breit und 36 Meter leng. Er wird durch etwa ein
Dutzend gleichmäßig geſtaltete, auf ornamentierten Pfeilern.
ruhende Rundbogen gebildet, denen auch in gleicher Ge=
ſtaltung
, aber in reicherer Ausführung, die beiden Haupt=
türen
angeordnet ſind, die den Verkehr von und zum Re=
ſtaurant
in erwünſchter Weiſe zirkulieren laſſen. Bis zu
etwa Tiſchhöhe ſind die Rundbogen mit Brüſtungen ver=
ſehen
, auf denen Blumenſchmuck Platz finden ſoll. Farbige
Lampen in Verbindung mit dieſem ſowie ſonſtigem dekora=
tiven
Schmuck werden hier die Niſchen mit den Sitzgelegen=
heiten
reizend und ſtimmungsvoll geſtalten und gleichzei=
tig
einen freien Ueberblick über das Getriebe im Plata=
nenhain
geſtatten. Neben jedem Bogen iſt ein oval liegen=
des
Fenſter angebracht, das in ebenſo reichem Maße der
praktiſchen Beſtimmung der Luftregulierung für das Re=
ſtaurant
dient, als es der Faſſade ornamental wirkenden
Schmuck verleiht. Die ganze Architektur des Gebäudes
zeigt eine ſehr ſympathiſche Verbindung von ruhigem Ernſt
in den Hauptformen mit freundlich=gefälliger Geſtaltung
der Details und des ornamentalen und tektoniſchen
Schmuckes. Ein in gefälligen Formen gehaltener Bau
nimmt die Keller und Lagerräume auf und bildet gleich=
zeitig
den Abſchluß nach dem Lukasweg zu.
Dem Reſtaurant gegenüber iſt das Ausſtellungs=
Café errichtet; ein langgeſtreckter Holzbau in Form einer
großen Halle, etwa 30 Meler lang und 7 Meter tief Die
Faſſade dieſes Baues iſt durch Pſeiler aufgeteilt. Sie iſt
etwas weniger ernſt, doch ebenſo ruhig, geſchmackvoll und
gefällig gehalten. Auch hier erſtrecken ſich die Entwürfe
des Künſtlers bis auf die Kaffee= und Teeſervice. Von
Margold iſt ferner ein Muſikpavillon, ein Blumenpavillon,
reizvolle Gartenanlagen, und ebenfalls eine umfangreiche
Atelierausſtellung vorhanden, die alle die ſchillernde Bunt=
heit
in Form und Farbe widerſpiegeln, die das künſt=
leriſche
Schaffen des Künſtlers charakberiſiert
Die freie Kunſt wird mehr, wie die Architektur zur
Kritik Veranlaſſung geben. Am meiſten umſtritten werden
zweifellos die zahlreichen Plaſtiken von Profeſſor Bern=
hard
Hoetger werden, der ſeine bildhaueriſche Aufgabe
neuerdings ganz ſtiliſtiſch auffaßt, und außer verſchiedenen
Plaſtiken, die in den Räumen verſtreut Aufſtellung ge=
funden
haben, den Platanenhain mit plaſtiſchem Schmuck
und zweifellos hohem künſtleriſchem Wert verſehen hat.
Es ſind das vier große Reliefs und eine Anzahl Gruppen=
und Einzelfiguren, die in der neugeſchaffenen hohen
Epheu=Uurahmung des Haines, in halbrunden Niſchen
aufgeſtellt ſind.
In der Quantität geringer, in Qualität aber mit Wer=
ken
von unbeſtritten hoher künſtleriſcher Potenz iſt Pro=
feſſor
H. Jobſt vertreten. Ganz entzückend in den Kom=
poſitionen
, wie in den formalen Details iſt der Brunnen
im Roſenhof. monumental in Auffaſſung und bildhaue=
riſcher
Durchführung die Hermesfigur, und der für Bad=
Nauheim beſtimmte Löwe. Von feinſter Charakteriſtik ſind
ſeine Porträtbüſten. Profeſſor F. W. Kleukens hat
als ſeine größte Arbeit den Vorraum zum Hochzeitsturm
mit wunderbaren Moſaikgemälden ausgeſtattet, die die
beiden Stirnwände des Raumes ganz einnehmen und
durch eine reichvergoldete gewölbte Decke verbunden wer=
den
. Kleukens, den wir bisher vorzugsweiſe als den Be=
herrſcher
der feinen Linie bewunderten, zeige hier, daß er
ein gleich fein empfindender Farbenkünſtler und Kom=
poniſt
iſt. Er bringt weiter einen entzückenden in blau und
weiß gehaltenen Salon, der ſelbſt wie ein Gemälde wirkt,
und weitere Schätze in ſeiner Atelierausſtellung. Von Chr.
H. Kleukens, dem Leiter der Ernſt=Ludwigspreſſe, ſind
muſterhafte Druckerzeugniſſe uſw. ausgeſtellt.

[ ][  ][ ]

Hanns Pellar ſtellt eine große Anzahl ſeiner
Porträts, darunter mehrere der Großherzoglichen Familie
und die ſchon im Kunſthandel erſchienenen Köpferl aus,
und auch Fritz Oßwald iſt mit zahlreichen Gemälden,
meiſt Landſchaften, aber auch ſehr charakteriſtiſchen Por=
träts
vertreten.
Blieben noch zu nennen die Meiſtererzeugniſſe der bei=
den
Goldſchmiede der Kolonie, Profeſſor Ernſt Riegel,
und Th. Wende die einen ganzen Raum einnehmen.
Eines der künſtleriſch wertvollſten Stücke dieſer unmöglich
in ein paar Sätzen genügend zu würdigenden umfang=
reichen
Sammlung iſt ein großes Altarkreuz, das der
Großherzog von Heſſen in Auftrag gegeben, und das für
das neue Mauſoleum auf der Roſenhöhe beſtimmt iſt.
Den Koloniemitgliedern war geſtattet worden, ſo weit
ſie deſſen zur Ausſchmückung ihrer Innenräume oder aus
anderen Gründen bedurften, Künſtler heranzuziehen, die

nicht der Kolonie angehören. Unter dieſen ſind vertreten
ie Maler: Adolf Beyer=Darmſtadt und ſeine Gattin Anna
Beyer, Max Clarenbach=Düſſeldorf, Fritz von Heider=
Nagdeburg, Hans von Heider=Stuttgart, Richard Hölſcher=
Darmſtadt, Walter Illner=Darmſtadt, Walter Klemm=
Weimar, Karl Schwalbach=München, Karl Thiemann=
dachau
, Fritz Weſtendorf=Düſſeldorf, und die Bildhauer
Robert Korn, und Albrecht Lörcher=Berlin. Außerdem
viele Kunſtfreunde und Gewerbetreibende.
Nach der Beſichtigung der Ausſtellung gab die Aus=
tellungsleitung
den Vertretern der Preſſe ein Abendeſſen
in der Ausſtellungswirtſchaft. Hierbei hielt Geheimerat
Römheld im Namen der Leitung der Ausſtellung und
der Künſtler eine Rede, für die Gäſte dankie Herr Os=
orne
=Berlin. Im Laufe des Abends wurde dann die
Beleuchtung des Teiches vor der ruſſiſchen Kapelle gezeigt.

Ruhmvoll mögt Ihr das Werk vollenden,
Nach welchem Millionen die Blicke wenden.
Und einerlei, wer in dem Wettſtreit ſiegt
Ind wer vielleicht ſterbend gar unterliegt.
Wir hoffen, daß Ihr der Welt beweiſt,
Wie Euch beſeelt der germaniſche Geiſt,
Der deutſche Mut und die deutſche Ehr’
Dem Frieden zum Hort und dem Feinde zur Wehr!
Auch dieſer Vortrag wurde mit rauſchendem Beifall
aufgenommen. Prinz Heinrich ſprach Herrn Ober ſſeine
beſondere Freude über den ſchönen Vortrag aus.
Zum Schluß hielt der Afrikareiſende und Jäger Ro=
ert
Schumann einen Teil ſeines Vortrages Aus
meinem Jagdtagebuche mit Vorführung hochintereſſan=
ter
Filmaufnahmen. Die Muſikkapelle ſtellte die Kapelle
Weber (Feldart.=Regt. Nr. 61).

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

Die Einnahme von Tampico.
* Brownsville (Texas), 14. Mai. Ueber den
Fall von Tampico am Mittwoch abend werden
durch einen offiziellen Bericht des konſtitutionaliſtiſchen
kommandeurs in Matamoros Einzelheiten bekannt. Am
Montag abend wurden zehn Kanonen und 14 Maſchinen=
gewehre
im Norden von Tampico aufgeſtellt und am
Dienstag das Feuer eröffnet. Das Geſchützfeuer der Bun=
destruppen
war unwirkſam und zwei Schiffe konnten wäh=
ren
des Kampfes den Panucofluß hinauffahren. Der
letzte Angriff auf Tampico erfolgte unter General Caval=
liero
. Die Bundestruppen ergriffen die Flucht und wur=
den
von Cavalliero und Gonzales verfolgt. Nach dem
Bericht aus Matamoros kämpften auf konſtitutionaliſtiſcher
Seite 7000 Mann. Eine große Anzahl von Leuten, die
in den Oelländereien beſchäftigt ſind, wollen ſofort nach
Tampico aufbrechen.
* Brownsville, 15. Mai. Die hier befindlichen
Angeſtellten von den Oelfeldern bei Tampico haben er=
klärt
, ſie würden ſofort dorthin zurückkehren. Nach Mel=
dungen
aus Tampico ſind in der Stadt ſelbſt keine Ge=
bäude
beſchädigt worden. Die Erdölanlagen ſind gleich=
falls
unverſehr geblieben. Die Ausländer werden aufge=
fordert
, nach Tampico zurückzukehren, da General Gon=
zales
ihnen vollen Schutz verbürgt. Die Zahl der bei den
Kämpfen bei Tampico Gefallenen wird auf 300 angegeben.
* Neu=York, 15. Mai. Nach dem Fall von
Tampico befindet ſich Präſident Wilſon in einer ſchwie=
rigen
Lage, da Huerta über die eroberte Stadt Waffen
und Munition einführen will. Wilſon hatte mit dem Se=
nator
Stone, dem Vorſitzenden des Senatskomitees für
auswärtige Angelegenheiten, eine eineinhalb Stunden
lange Unterredung über die neue Situation.

* Waſhington, 15. Mai. Die Eröffnung
der Friedensvermittelungs=Konferenz iſt
nit Rückſicht auf den mexikaniſchen Vertreter auf den
20. Mai verſchoben worden.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 15. Mai. Im Abgeordnetenhauſe wurde
zur Frage des Neubaues des kgl. Opern=
hauſes
in Berlin ein Antrag der Nationalliberalen
Fritſch und Genoſſen angenommen, in dem die Regierung
erſucht wird, den Hoffmannſchen Entwurf der Akademie
des Bauweſens zur Abgabe ihres Urteils zu unterbreizen
und im Falle eines Plazets der Akademie im Wege eines
Nachkredits die erſte Rate für den Neubau anzufordern.
Mit dieſem Beſchluß iſt der Antrag der Budget=
kommiſſion
abgelehnt, nach der unter gewiſſen
kautelen mit der Ausführung des Hoffmann=
ſchen
Entwurfes begonnen werden ſollte.
* Paris, 14. Mai. Das Journal des Débats erklärt
mit dem Hinweis darauf, daß ſeinem Berliner Kor=
reſpondenten
in einem für die franzöſiſche Preſſe
ſehr abfälligen Schrelben eine Karte für die Großee
Berliner Kunſtausſtellung verweigerr
wurde: Falls man die Berichterſtatter der franzöſiſchen
Blätter in Berlin boykottiert, ſo wird eine gleiche Be=
handlung
der Pariſer Korreſpondenten der deutſchen
Blätter unabweislich ſein.
* Southampton, 15. Mai. Der Dampfer Vater=
land
iſt heute auf ſeiner Ausreiſe nach Neu=York bei
heiterem und euhigem Wetter hier eingetroffen. Die
als Gäſte der Hamburg=Amerika=Linie an Bord befind=
lichen
Journaliſten und Schriftſteller ſandten an den
Kaiſer Huldigungstelegramme.
* Petersburg, 15. Mai. Der Miniſterpräſident Go=
remykin
iſt nach Livadia) abgereiſt.
* Tokat (Anatolien), 15. Mai. Hier ſind 40 Häuſer
und 90 Läden abgebrannt; dabei ſind zwei
Perſonen umgekommen und acht verletzt worden.
Auch die Moſchee und drei große Gebäude ſind ein Raub
der Flammen geworden.

Reichstagserſatzwahl.
* Stendal, 15. Mai. Bei der heutigen Reichstags=
erſatzwahl
im Wahlkreiſe Magdeburg 2 (Stendal=
Oſterburg) erhielten Hoeſch (konſ.) 11877, Wachhorſt
de Wente (natlib.) 6965 und Beins (Soz.) 6943
Stimmen. Es findet Stichwahl zwiſchen Hoeſch und
Wachhorſt de Wente ſtatt.

Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie.
* Berlin, 15. Mai. In der heutigen Vormittags=
ziehung
der Preußiſch=Süddeutſchen Klaſſen=
lotterie
fielen 500000 Mark auf die Nr. 197309, 15000
Mark auf die Nr. 49786, 10000 Mark auf die Nr. 48 930
194824, 5000 Mark auf die Nr. 51 304 73 154 101 417 118872
184 543 193988 222 628. 3000 Mark auf die Nr. 3110 30146
34392 45 854 47434 49 429 51 717 54 392 61 495 61 642 67569
72321 92873 93 780 96 171 97032 106 108 118863 127540
132355 138 535 146 697 150 164 152823 152831 154723
156 021 157788 165 109 171910 189312 195666 201307
215 294 219330 und 233 799. In der heutigen Nachmittags=
ziehung
fielen 30000 Mark auf die Nr. 187571, 10000 Mk.
auf die Nr. 113171, 3000 Mark auf die Nr. 15150 19455
20 532 28392 43627 48023 50012 59096 59947 72433
86 085 86 125 89 531 91089 93 398 93 978 100014 105023
116 600 124882 129942 130 177 143090 157370 158711
170 757 183626 183 939 187466 189 214 191 289 198970
201 218 202953 212606 und 230 445. (Ohne Gewähr.)

Deutsche Bank Darmstadt

Aufbewahrung und Verwaltung
von Wertpapieren.

Die Darmſtädter Flugtage.
Prinz=Heinrich=Flug 1914.

g. Der Prinz Heinrich=Flug hat bereits zweimal die
Flieger nach unſerer Reſidenz geführt, aber immer nur
war das intereſſante Schauſpiel auf wenige Stunden be=
ſchränkt
. Dieſes Jahr bildet Darmſtadt denAusgangspunkt
dieſer größten luſtſportlichen Veranſtaltung in Deutſchland
und jetzt bietet ſich auch die Gelegenheit, hier eine lokale
Veranſtaltung größeren Stils zu arrangieren. Der Verein
für Luftſchiffahrt in Darmſtadt (Heſſiſche Flugſtudiengeſell=
ſchaft
), deſſen Bemühungen es zu verdanken iſt, daß Darm=
ſtadt
bei der großen Konkurrenz der Städte, die ſich gleich=
falls
um den Beginn des Fluges beworben haben, den
Vorzug erhielt, hat auch die umfangreiche Organiſation der
örtlichen Veranſtaltung übernommen. Der Verlauf des
geſtrigen Schaufliegens zeigte, daß die Organiſation
muſtergültig iſt und für alle Fälle Vorſorge getroffen iſt.
Bereits am Vormittag unternahmen einige Flieger
Probeflüge. Der Flieger Schlegel, der mit ſeiner
Taube von Gotha kam, fuhr beim Landen gegen einen
Sandhügel, wobei der Apparak ſich überſchlug und be=
ſchädigt
wurde. Schlegel ſelbſt blieb unverletzt.
Das Wetter hatte ſich gegen Mittag aufgeklärt,
und obwohl wiederholt ſchwarze Wollen regen=
drohend
das bunte Bild des Flugplatzes verdunkelten,
die Sonne brach endlich ſiegreich durch und behauptete ſich
für den Reſt des Tages, ſo daß das Wetter die günſtigſte
Vorbedingung für einen Maſſenbeſuch bot, der denn auch
Wirklichkeit wurde. Bereits die erſten Extrazüge der
Dampfſtraßenbahn waren überfüllt und in den ſpäteren
Zügen herrſchte drangvoll fürchterliche Enge. Mitgekom=
men
ſind wohl alle, die ſich das Ziel Truppenübungsplatz
geſteckt hatten, wenn auch die Geduld oftmals durch viertel=
bis
halbſtündige Verſpätungen ſehr in Anſpruch genommen
wurde.
Auf der Querſtraße, die allein zu dem Flugplatz führt,
ſchiebt ſich eine unaufhörliche Menſchenmenge vorwärts,
die alle dem gleichen Ziele zuſtreben. Ununterbrochen raſen
Autos und Wagen vorbei. Rechts und links ſtehen Kaſſen,
in weiſer Vorausſicht, in genügender Anzahl, wohl 14
Stück. Etwas weiter wird der Fahrverkehr abgelenkt. Ein
dafür beſtimmter Platz nimmt die Autos und Wagen, ein
anderer die ſchier unüberſehbare Schar der Stahlroſſe auf
Am Rand des Truppenübungsplatzes, beginnend bei den
Fliegerhallen, ſind umfangreiche Plätze eingefriedigt, die
wohl für den größten Maſſenbeſuch ausreichen. Auf allen
Plätzen befinden ſich Reſtaurationszelte. Eine feſtlich ge=
ſchmückte
Tribüne iſt für den Aufenthalt der hohen Herr=
ſchaften
beſtimmt. Für alles iſt geſorgt, für die Hungrigen
und die Durſtigen, ja ſogar die Poſt hat eine Filiale er=
richtet
, mit Markenverkauf und Fernſprechappargt. Auf
allen Plätzen iſt Militärkonzert.
Ueber der tauſendköpfigen Menge liegt eine gewiſſe
Spannung. Aus den großen Fliegerhallen und den da=
hinter
errichteten proviſoriſchen Flugzelten werden einige
Maſchinen gebracht, große ungelenke Apparate ſcheinen es
zu ſein, die ſich nur widerwillig von den Bedienungs=
mannſchaften
vorwärtsbewegen laſſen. Man ſieht es ihnen
an, die Erde iſt nicht ihr heimiſches Element. Man ſieht
alle Formen, Ein= und Zweidecker, der verſchiedenſten
Syſteme. Jetzt, es iſt mittlerweile ½4 Uhr geworden.
hört man das erſte Propellerſurren, der Motor muß ſich
einlaufen, bevor der kühne Flieger ſich ſeinem Apparat
zum Wandeln in den Lüften anvertraut. Es kommt die
zweite, die dritte Flugmaſchine, und läßt ihr Geſurre er=
tönen
, es gibt ein fröhliches Konzert. Doch noch beginnt
der Flug nicht, wohl werden noch einmal ſämtliche Teile
eingehend auf ihre Intaktheit unterſucht, dann geht’s los.
Der erſte Apparat bewegt ſich, es iſt der Doppeldecker
(Luftverkehrsgeſellſchaft) mit Herrn Oberleutnant von
Begulieu. Doch die Freude muß noch etwas in die
Länge gezogen werden. Der Apparat wird jetzt auch den
Gäſten des zweiten und dritten Platzes vorgeführt. Es
geht zum Start, der gegen den Wind genommen wird.
Laut donnert der Motor, der Propeller peitſcht die Luft,
leicht über den Raſen hin rollt der Apparat dreißig, vierzig
Meter weit, da erhebt er ſich, und wie von unſichtbarer
Gewalt in die Höhe gehoben, ſchwebt er dahin, ein viel=
ſtimmiges
Ah! ertönt, denn noch wenigen war die Ge=
legenheit
geboten, den Start eines Flugapparates aus
ſolcher Nähe zu beobachten. Ein leicht im Aether dahin=
ziehender
Flugapparat iſt eine Erſcheinung von wunder=
barer
Wirkung, menn auch hier in Darmſtadt oft genug
geſchaut, das Erhabenſte jedoch und das Ueberwältigende
dieſer Erfindung kommt einem nur dann ſo recht zum Be=
wußtſein
, wenn man beobachtet, wie der Apparat, in ſeiner
Derbheit eher ein Bild des Beharrens, ſich langſam in die
Lüfte erhebt und ſtetig höher und höher ſteigt.
Kaum iſt der erſte Flieger aufgeſtiegen, folgt der
nächſte, Freiherr von Thüna iſt’s mit Doppeldecker
Mercedes‟ Er führt ſehr gewagte Kurvenflüge aus, wo=
bei
aus weiblichem Munde das Ach! des Entſetzens er=
tönte
. Es ſieht auch ſehr gefährlich aus, wenn man nicht
durch die modern gewordenen Sturzflüge verwöhnt wurde.
Inzwiſchen iſt das Leben auf dem Flugplatze immer
lebhafter geworden, das Großherzogspaar mit den
beiden Prinzen iſt im Automobil erſchienen, auch Prinz
Heinrich von Preußen iſt von Wiesbaden, wo er
am Vormittag einen Beſuch beim Kaiſer abſtattete, ein=
getroffen
.
Ein ſchwerer Unfall.
Da, es ziehen gegen 5 Uhr gerade zwei Flieger ihre
Kreiſe über dem Flugplatz, Hauptmann von Detfen
mit Beobachter auf der eleganten Albatros=Taube und
Leutnant Carganico mit Mercedes=Doppeldecker. Letz=
terer
rüſtet ſich anſcheinend zum Niedergehen. Der Apparat
beſchreibt eine Kurve, er ſenkt den Kopf nach unten, immer
tiefer, bis der Apparat vollſtändig auf dem Kopf ſteht.
Man begreift die Kühnheit des Fliegers nicht. Der Apparat
geht fortwährend von rechts nach links, jetzt hat er bald
den Boden erreicht, nun wird ſich doch gleich die Maſchine

wvieder aufrichten. Doch, ach, es iſt kein Spiel mehr
blutiger Ernſt iſt geworden, verſchwunden iſt die Maſchine.
Eine Sekunde lähmt das Entſetzen die Ueberlegung. Der
Flieger iſt geſtürzt. Man kann es noch immer
nicht begreifen. Doch ſchon eilen von allen Seiten Sanitäts=
mannſchaften
herbei, Automobile jagen dahin. Ein Bild
des Schreckens zeigt ſich, ein formloſer Klumpen die ſtolze
Maſchine, doch gottlob, der Flieger iſt nicht von ihr im
Sturz begraben. Er iſt wie durch ein Wunder gerettet,
wenn er auch ſchwere Verletzungen davongetragen hat.
Sofort wird dem Verletzten Linderung verſchafft und der
Krankenwagen verbringt ihn nach der Sanitätsſtation. Es
wird ein komplizierter Bruch des linken Oberſchenkels, eine
Kontuſion des rechten Knies und Schnittwunden im Geſicht
feſtgeſtellt. Nach Anlegung eines Notverbandes überführte
man ihn ins Garniſonslazarett.
Der Verunglückte befand ſich bei vollem Bewußtſein.
Seine erſte Bitte war, man ſolle ihm das Bein befreien.
Wie das Unglück gekommen, wiſſe er nicht zu ſagen.
Jedenfalls ſind beim Aufſchlagen der Maſchine, die wohl
aus 60 bis 80 Meter Höhe abſtürzte, die Riemen, mit denen
die Flieger ſich anſchnallen, zerriſſen und dieſem Umſtande
iſt es zu verdanken, daß er zur Seite flog und nicht vom
Apparat erſchlagen wurde. Lediglich das eine Bein wurde
ihm eingeklemmt. Ein Glück war es auch, daß der Fall
in tiefem Sande erfolgte, dadurch wurde wohl der Sturz
gemildert, auch wurde die Gewalt des Abſturzes durch
das Hin= und Herflackern des Apparates verringert. Neben
dem vorzüglichen Funktionieren des Sanitätsdienſtes muß
auch anerkannt werden, daß das Publikum bei dem Unfall
vollſtändig die Ruhe bewahrt hat.
Unſere Flieger laſſen ſich durch ſolche Unfälle, die glück=
licher
Weiſe im Vergleich zu früher nicht allzu häufig vor=
lommen
, nicht abſchrecken, und ſo dauerte es denn auch
nicht lange, bis der Flugbetrieb wieder einſetzte. Gegen
Abend wurde es faſt windſtill, was den Flügen ſehr zu
ſtatten kam. Die Flieger ſtiegen nun in immer kürzeren
Zwiſchenräumen auf und faſt durchweg waren drei bis
vier Flieger in den Lüften. Es ſind wohl im Laufe des
Nachmittags 17 oder 18 Apparate zum Teil auch mehrmals
aufgeſtiegen. Nach 7 Uhr fanden die Flüge ihr Ende.
Die Veranſtaltungen am heutigen Samstag dürften viel=
leicht
noch intereſſanteren Sport geben, da inzwiſchen noch
einige Apparate eingetroffen ſind. Die Flüge beginnen um
3 Uhr.
Der Abflug am Sonntag
zum Prinz Heinrich=Flug beginnt vorausſichtlich ſchon um
½5 Uhr, alſo eine halbe Stunde früher als urſprünglich
vorgeſehen war.
Um den Prinz Heinrich=Flug auch der ärztlichen Wiſſen=
ſchaft
zugängig zu machen, wird Herr Oberarzt Jung=
Marchand, vom Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23,
ſämtliche Flieger vor Beginn und während der verſchie=
denen
Etappen des Fluges, auf Herztätigkeit, Nervoſität
uſw. unterſuchen.
Begrüßungsabend.
Der Verein für Luftfahrt gab zur Begrüßung der
Teilnehmer am Prinz=Heinrich=Flug geſtern im Städti=
ſchen
Saalbau einen Herrenabend, der ſehr zahlreich be=
ſucht
war. Der Großherzog und Prinz Hein=
rich
von Preußen, ſowie die Herren Staatsminiſter
Dr. v. Ewald, Finanzminiſter Dr. Braun, Minſſter
des Innern v. Hombergk zu Vach, ferner die Herren
von der Oberleitung, vom Organiſationsausſchuß und
die Flieger und Beobachter waren erſchienen. Offizielle
Reden wurden nicht gehalten, doch lwurde der Abend
durch vielerlei Darbietungen ernſter und heiterer Art ver=
ſchönt
, die von Künſtlerinnen und Künſtlern des Großh
Hoftheaters beſtritten wurden. U. a. boten muſikaliſche,
geſangliche und deklamatoriſche Vorträge die Herren Hof=
muſiker
Andreae, Hoſſchauſpieler Jürgas, Kapell=
meiſter
Kleiber und Ottenheim, ſowie Rober
Schneider, ferner die Damen Vicki Baum ( Harfe=
niſtin
). Becker=Herder und Eveline Moore. Herr
Hoflieferank Ober entbot den Fliegern einen poetiſchen
Willkommensgruß und pries ihnen zum Schluß die Schön=
heiten
Darmſtadts und dies Fliegens wie folgt:
So nützet nun eifrig die kurze Zeit,
Dieweil Ihr bei uns zu Galſte ſeid,
Beſchhet Euch unſere Heimat genau
Von unten und aus der Vogelſchau.
Und wenn Ihr dort in den Wolken ſchwebt,
Wo ſich die Mathildenhöh’ ierheblt,
Prägt gut Euch das Bild ein durch Aether und Dunſt:
Dort iſt der Urſprung der Darmſtädter Kunſt!
Von dorten aus leuchtet als ſunkelnder Stern
Weithin der Ruhm unſeres Landesherrn.
Was dort er geſchaffen mit kundiger Hand,
Trägt Darmſtadts Namen von Lande zu Land,
Und alle Welt heute zu ſchätzen weiß:
Darmſtädter Kunſt und Gewerbeflleiß.
Voll Danlbarkeit werden einſt Kindeskinder
Ihn preiſen als Darmſtadts Neubegründer.
Und wollet Ihr weiter die Kreiſe ziehen,
Rings unter Euch fruchtbare Lande blühen.
Der Odenwaldberge liebliche Höh’n
Könnt Ihr das Gemälde umrahmen ſeh’n.
Die herrlichſten Wälder, die lachende Flur
Iſt auch unſer Stolz, iſt Darmſtadts Natur;
Schöner ſind ſſelten wohl, wie mir ſcheint,
Kunſt und Natur ſo harmoniſch vereint.
Harmoniſch mög’ auch dies Feſt verklingen.
Und wenn Ihr dahinſchwebt auf Adlerſchwingen,
Mit Hörnerklang und mit wehendem Tuch,
Wünſchen wir alle Euch glücklichen Flug.

[ ][  ][ ]

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Geſchäftliches.

Die Jugend unſerer Stadt hat es in dieſen Tagen
wieder einmal eilig. Sie folgt in ganzen Trupps dem in
der letzten Zeit hier verkehrenden Erdal=Froſch=
Kugelwagen der durch ſeine ganz außergewöhnliche
Form ſowohl wie durch ſeine lebhaften Farben alle Blicke
auf ſich zieht. Oben drauf ſitzt majeſtätiſch der Froſchkönig,
das Wahrzeichen der bekannten und überall beliebten
Erdal=Schuheréme! Jedenfalls eine originelle Idee in
einer Form, die man ſo leicht nicht vergißt! (E,12173

Tür den Pein=Heinich glug 1914 ſind weiter ein=
2 gegangen: Landsmannſchaft Haſſo=Boruſſia 12 .
D. Faix & Söhne, Großh. Heſſ. u. Kaiſ. Ruſſ. Hofl.,
Ernſt=Ludwigspl. 1, 10 . Hofopernſängerin Fräulein
Olga Kallenſee 5 . Geh. Oberrechnungsrat Dr. Frank
10 . Wilh. Kunze vorm. Fr. Pfersdorff 10 . Kirchen=
rat
Köhler 1 . Med.=Rat Dr. E. A. Merck 50 . Frau
Geh. Rat Dr. Louis Merck 25 . Einige Beamten der
Bank für Handel und Induſtrie 13 . Präſident Kull=
mann
10 . Frau Pahnke 5 . Emil Schenck 20 .
Frau Dr. Simon 5 . Baurat Keller 5 . Privatier
Ed. Färber, Beckſtraße 91, 10 . Zuſammen 191 . Mit
den bereits veröffentlichten 1486.50 Summa 1677.50 .
Weitere Gaben nehmen wir gerne entgegen.
Darmſtädter Tagblatt‟
Die Geſchäftsſtelle.

Mote=Kreuz=Sammlungen. Weitere namhafte Spenden
R haben überwieſen: Herr A. Fricke, Inhaber des Re=
ſidenztheaters
; Herr Brand, Inhaber des Olympia=
theaters
; Fräulein Merck; Fräulein Henning; Frau Dr.
Simon; Herr Conrad Appel. Der Ortsausſchuß quittiert
hierfür mit verbindlichſtem Dank. Da die Sammlungen
in der nächſten Woche abgeſchloſſen werden ſollen, werden
diejenigen, welche noch Beiträge geben wollen, gebeten,
dies alsbald zu tun.

Nach schwerem Leiden ist mein lieber Gatte, unser guter Vater, Sohn,
Schwiegersohn, Bruder und Schwager
Raximian V. Flochhfes
Major z. D., Vorstand des Artillerie-Depots Darmstadt
sanft entschlafen.
Darmstadt, den 15. Mai 1914.
(12195
Familie v. Ploennies.
Familie Frhr. Schenck zu Schweinsberg.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 17. ds. Mts., um ¾/12 Uhr vom Elisabethen-
stift
aus, statt.

Dankſagung.

Für die ſo liebevolle Teilnahme und Blumen=
ſpenden
, die uns bei dem Hinſcheiden unſerer
unvergeßlichen Mutter und Schwiegermutter
Frau Kath. Kühn
geb. Vogel
erwieſen wurden, allerherzlichſten Dank.
Darmſtadt, den 15. Mai 1914. (*14051
Im Namen der Hinterbliebenen:
Familie Gg. Kühn, Grafenſtraße 4,
W. Nehmzow, New=York,
H. Horneff, Stockſtadt a. Rh.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Unſerm Bezirk brachten am Donnerstag Ausläufer
tiefen Druckes kühles, wolkig Wetter mit Regenſchauern.
Das nordweſttliche Hochdruckgebiet hat ſich weiter nach
Oſten ausgedehnt und lagert über England, Nord= und
Oſtſee und Norddeutſchland. Unter ſeinem Einfluß dürften
wir bei wechſelnder Bewölkung meiſt trockenes, bei Tage
wärmeres Wetter zu erwarten haben.
Ausſichten in Heſſen für Samstag: Meiſt heiter
und trocken, wärmer, Winde aus weſtlichen Richtungen.

Tageskalender.

Samstag, 16. Mai.
Abnahme der Flugzeuge und Ausſcheidungs=
flüge
zum Prinz Heinrich=Flug um 3 Uhr.

Danksagung.
Für die überaus zahlreiche und herzliche Teil=
nahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Mannes,
unſeres Vaters, Sohnes, Bruders, Schwagers und
(12106
Onkels, des
Herrn Josef Kämmerer
Postsekretär 1. P.
ſagen innigen Dank
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 14. Mai 1914.

Vortrag des Afrikareiſenden Schumann um 5 und 8½
Uhr im Saalbau.
Verſammlung der Nationalliberalen Partei um 8½
Uhr im Kaiſerſaal
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Perkeo um 8
Uhr. Café Metropole um 8 Uhr. Reſt. Roth auff
dem Truppen=Uebungsplatz um 3 und ½7 Uhr.

Druck und Brlage z. 6. Wilichſche Haſtuchtrucherit
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

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Komitee Darmſtadt im Blumen= und Pflanzenſchmuck.

Das Komitee Darmſtadt im Blumen= und Pflanzenſchmuck
hat gleichwie in früheren Jahren ſeine Tätigkeit wieder aufgenommen
und nimmt wiederum eine Prämiierung derjenigen Fenſter, Balkone
und Vorgärten vor, die ſich durch ſchönen gärtneriſchen Schmuck mit
Blumen und Pflanzen derartig auszeichnen, daß ſie weſentlich zur
Verſchönerung des Straßenbildes beitragen. Anmeldungen zu dieſer
Prämiierung ſind alsbald an den Vorſitzenden, Stadtverordneten
Th. Stemmer, Eliſabethenſtr. 14, oder an das Verkehrsbüro zu richten.
Das Komitee.
12144)

Empfehle:
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Mädchenkleider
8.75 6.50 4.50 2.75
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Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungs=
platz
Darmſtadt bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis.
(12084sis
Darmſtadt, den 7. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 19. bis 25. Mai 1914.

Die
Dauer der
Datum
Tag
Truppenteil 1. Abſperrung 1 Abſperrung.) Bemerkungen
erſtreckt ſich
von bis
(Maſch.=Gew.=
Komp. 118 und
19. Mai 1 Dienstag
Reſerve=Inf: 1120 M. 6
20. Mai Mittwoch
Regt. XVIII. 6 V.120 M. Bis zum
Land:
Armeekorps
graben
Reſerve=Inf.=120 M.
22. Mai Freitag
Regt. XVIII.
23. Mai 1 Samstag
70 N.
25. Mai Montag
Armeekorps 120 M. 60 N.

Bekanntmachung.

Die Kreisſtraße von Eberſtadt nach Bickenbach, und zwar vom Ende des
Ortspflaſters in Eberſtadt bis zur Kreisgrenze Bensheim (km 7,0011,2) iſt wegen
Ausführung von Kleinpflaſter von Donnerstag, den 30. d. Mts. ab auf ca.
8 Wochen für ſämtliches Fuhrwerk (Geſpanne, Kraftfahrzeuge uſw.) geſperrt.
Der Durchgangsverkehr hat während der Dauer der Kleinpflaſterherſtellung
den aufgeſtellten Tafeln entſprechend zu erfolgen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen ſind nach § 2 der Polizei=
verordnung
vom 12. Februar 1908 ſtrafbar.
Darmſtadt, den 20. April 1914.
(10523a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

An die Ortspolizeibehörden und die Feldpolizeibehörden
des Kreiſes Darmſtadt.

Es kommt leider immer noch ſehr häufig vor, daß Haushaltungs=Abfälle,
Scherben, altes Papier u. dergl., namentlich auch alte Blech= und Emailgefäße,
in Feld und Wald, auf Wege und Plätze oder auf fremde Grundſtücke in
unzuläſſiger Weiſe gebracht oder weggeworfen werden. Art. 112 und 379 des
Polizeiſtrafgeſetzbuchs geben die Möglichkeit, gegen ſolche Verunreinigungen von
öffentlichen Straßen, Pläten und Anlagen einzuſchreiten. Sofern auf Privatgrund=
ſtücken
an öffentlichen Wegen ſolcher Unrat unverdeckt lagert, kann mit Polizei=
verfügung
im einzelnen Falle auf Grund des Art. 66 der Kreis= und Provinzial=
ordnung
durch uns, oder auf Grund des Art. 129b der Städteordnung durch den
zuſtändigen Polizeibeamten vorgegangen werden. Nach Art. 38 des Feldſtrafgeſetzes
iſt ſtrafbar, wer unbefugt Steine, Scherben, Schutt oder Unrat auf fremde Felder wirft.
Ferner bildet es einen bedauerlichen Mißſtand, daß das Waſſer der Bäche
und Gräben durch Einleitung und Einwerfen fremder Stoffe immer mehr Ver=
unreinigungen
ausgeſetzt wird. Es iſt deshalb erforderlich, daß die Ortspolizeibehörden
auf den Zuſtand der Bäche und der in dieſelben mündenden Gräben ein beſonderes
Augenmerk richten und alljährlich Beſichtigungen derſelben vornehmen laſſen. Direkte

Zuleitungen verunreinigender Stoffe müſſen abgeſtell werden. Oit kommt es wör,
daß Schutt und Unrat an den Ufern der Bäche abgeſchüttet wird, damit er vom
Waſſer weggeſchwemmt werde, und daß Abfälle aus Haushaltungen (alte Blechgeräte,
Scherben uſw.) in Gräben und Bäche geworfen werden. Bei dem allgemeinen
Intereſſe, welches an der Erhaltung eines möglichſt reinen Bachwaſſers beſteht, erſcheint
es unbegreiflich, daß die Einwohnerſchaft mancher Orte an der Bekämpfung dieſer
bedauerlichen Mitzſtande ſeibſt ſo wenig Anteil nimmt. Nach Art. 120 des Polizei=
ſtrafgeſetzes
iſt das unbefugte Einlegen oder Einwerfen von Steinen, Sand, Erde,
Bäumen, Schutt, Unrat und anderen feſten Körpern, in die Bäche oder Gräben oder
Triebwerkskanäle bei erheblicher Geldſtrafe unterſagt.
Die erwähnten Mißſtände werden nicht ſelten auch dadurch begünſtigt, daß von
der Gemeinde nicht in ausreichender Weiſe für Plätze geſorgt iſt, wo Schutt, Haus=
haltungsabfälle
uſw. abgeladen werden können, oder daß dieſe Plätze bei der Ein=
wohnerſchaft
nicht genügend bekannt ſind.
Wir beauſtragen Sie daher:
1. das Polizei= und Feldſchutzperſonal zu genauer Aufmerkſamkeit auf die be=
regten
Mißſtände und deren Verhütung anzuweiſen;
2. für Abladeplätze für Schutt, Haushaltungsabfälle u. dergl., ſoweit erforder=
lich
, zu ſorgen und bekannt zu machen, wo dieſe Abladeplätze liegen;
3. aus den Bächen und Gräben, ſowie von öffentlichen Wegen und Plätzen
den Unrat, wie Scherben, Blechgefäße uſw. entfernen zu laſſen und, ſofern
auf Privatgrundſticken in der Nähe von öffentlichen Wegen ſolcher Unrat
in mißſtändiger Weiſe lagert, den Eigentümer zur Beſeitigung desſelben
aufzufordern, wenn dieſer Aufforderung aber nicht entſprochen wird, das
Weitere, wie oben bemerkt, zu veranlaſſen;
4. durch öffentliche Bekanntmachung vor den oben bemerkten Verunreinigungen
zu warnen.
Darmſtadt, den 6. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

An die Großh. Gendarmerieſtationen des Kreiſes Darmſtadt.

Wir verweiſen auf vorſtehende Verfügung an die Ortspolizeibehörden und die
Feldpolizeibehörden des Kreiſes und beauſtragen Sie, in den Landgemeinden bei
Verhütung der oben bemerkten Mißſtände mitzuwirken, ſowie ſtrafbare Verunreinigungen
zur Anzeige zu bringen. Insbeſondere wollen Sie, wenn Sie eine Verunreinigung
von Waſſerläufen durch Einleiten fremder Stoffe wahrnehmen, nötigenfalls ſofort
deren Urſache zu ermitteln ſuchen und darüber an uns berichten.
Darmſtadt, den 6. Mai 1914.
(11961ds
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Wegen der Gleislegungsarbeiten für den Ausbau der elektriſchen Straßenbahn
in Eberſtadt iſt das Stück der Heidelbergerſtraße von der Obergaſſe bis Pfunge
ſtädterſtraße für jeden Fuhrwerksverkehr vom 14. bis 17. ds. Mts. polizeilich
geſperrt. Vom 18. ds. Mts. erfolgt die Sperrung der Heidelbergerſtraße von der
Pfungſtädterſtraße bis zur Kirche für den durchgehenden Fuhrwerksverkehr auf die
Dauer von etwa 5 Wochen.
Es wird beſonders darauf aufmerklam gemacht, daß vom 14. bis 17. ds. Mts.
ein Wagenverkehr von und nach dem Bahnhof Eberſtadt infolge der Sperrung nicht
erfolgen kann.
* Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen ſind nach § 2 der Polizei=
verordnung
vom 12. Februar 1908 ſtrafbar.
(11983a
Darmſtadt, den 12. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 17. Mai,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Hof=Apotheke, Ballonplatz, und Adler=Apotheke,
Wilhelminenplatz. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab
geſchloſſen.

Oktroi für Brennholz.

Die Schießhausſtraße, der Heinrichswingertsweg, die Lands=
kron
=, Moosberg= und Ludwigshöhſtraße ſind für oktroipflichtige
Gegenſtände geſperrt.
Zur Erleichterung der Holzabfuhr wird hiermit den Bewohnern
des ſüdlichen Stadtteils geſtattet, dieſe Straßen zu benutzen, wenn
ſie den Oktroi beim Hinausfahren in den Wald an der Erhebſtelle
in der Klappacher Straße auf Grund des Abfuhrſcheins entrichten,
ſo daß beim Einfahren in die Stadt die Fuhrleute im Beſitz der
Quittung ſind, die den ſtädtiſchen Aufſichtsbeamten auf Verlangen
vorzuzeigen iſt.
Der Oktroi für das durch die Eſchollbrücker und Beſſunger
Straße in die Stadt einzuführende Holz iſt vorher an die Oktroi=
erhebſtelle
Heidelberger Straße 17 bezw. 112 zu entrichten.
Für das Holz, das nicht in die Stadt eingebracht, ſondern auf
die in der Gemarkung Darmſtadt liegenden Grundſtücke geſetzt wird,
iſt ebenfalls der Oktrot beim Hinausfahren in den Wald zuentrichten.
Gegen Zuwiderhandelnde wird auf Grund des Oktroi= Regle=
ments
Anzeige erhoben.
Darmſtadt, den 2. Mai 1914.
(11589sss
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Schmitt.

De Metunge von Meſtngegenſtundet fün
das ſtädtiſche Gas= und Waſſerwerk

für das Geſchäftsjahr 1914 ſoll vergeben werden. Angebote ſind
bis zum 15. Mai lfd. Js., vormittags 10 Uhr, bei unterzeich=
neter
Verwaltung, Frankfurterſtraße 29, I Zimmer Nr. 6, verſchloſſen
und mit entſprechender Aufſchrift verſehen, einzureichen. Daſelbſt
cönnen auch die Lieferungs=Bedingungen eingeſehen und die Ange=
Dotsſcheine in Empfang genommen werden. Nach auswärts werden
die Bedingungen und Angebotsſcheine nur gegen vorherige Einſen=
dung
von 50 Pfg. abgegeben.
(11714gms
Darmſtadt, den 7. Mai 1914.
Städtiſche Gas= und Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.

Beugrasverſteigerung.

Dienstag, den 19. lfd. Mts., nachmittags 3 Uhr
beginnend, wird die Futternutzung von der früher Böttinger’ſchen
Wieſe am Darmbach, ſodann das Heugras von der ſtädtiſchen Pallas=
wieſe
an Ort und Stelle öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft an den genannten Stellen.
Darmſtadt, den 15. Mai 1914.
(12177sg
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Jaeger.

Faſelochs-Verkauf.

Ein der Gemeinde Eſchollbrücken gehöriger, gutgenährter Faſel=
ochſe
ſoll im Submiſſionswege veräußert werden. Angebote per
Zentner Lebendgewicht ſind bis Montag, den 18. Mai, nachmit=
tags
1 Uhr, bei unterzeichneter Stelle einzureichen, woſelbſt auch die
näheren Bedingungen zur gefl. Einſicht offen liegen. (1964ds
Eſcholbrücken, den 7. Mai 1914.
Großh. Bürgermeiſterei Eſchollbrücken.
Götz.

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 20. Mai 1914,
vormittags 9 Uhr,
ſollen die zum Nachlaß der Katha=
rina
Fiſcher von Ober=Ramſtadt
gehörigen Immobilien, Gemarkung
Darmſtadt:
Flur I Nr. 201 88 qm Hof=
reite
Geiſtberg Nr. 2,
von Flur I Nr. 202 = 1170 qm
Hofreitegrund daſelbſt, die
Hälfte,
auf Antrag des Nachlaßpflegers
öffentlich meiſtbietend verſteigert
werden. Bei annehmbarem Ge=
bot
kann Zuſchlag ſofort erfolgen.
Darmſtadt, 29. April 1914,
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII, 1096

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute ein=
getragen
hinſichtlich der Firma:
Heſſiſche Landes= Hypo=
thekenbank
, Aktiengeſell=
ſchaft
, Darmſtadt
Die Prokura des Direktions=
Aſſiſtenten Otto Seipp in Darm=
ſtadt
iſt erloſchen. (12128
Darmſtadt, 13. Mai 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute ein=
getragen
hinſichtlich der Firma:
Heedt & Ganß, Geſell=
ſchaft
mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt.
Die Prokura des Kaufmanns
Emil Metz in Darmſtadt iſt er=
(12127
loſchen.
Darmſtadt, 12. Mai 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Fohlen=Verkauf.
Am Mittwoch, den 20. Mai
ds. Js., um 11 Uhr vormittags,
wird im Hofe der Artilleriekaſerne
(312134
am Beſſungerweg
ein Fohlen
10 Wochen alt, öffentlich meiſt=
bietend
gegen Barzahlung ver=
ſteigert
.
Darmſtadt, im Mai 1914.
1. Abt. 2. Großh. Heſſ. Feld=
Art.=Regts. Nr. 61.

Gelesenhenskauf!
Prachtvoller
Brillaut=Schlangenring
mit 6 Brillanten beſetzt
270 Mk. (*13906fs
bei A. Kurtz, Pädagogſtraße 2.

Fenig gebr., ſehr guter eiſener
Füllofen billig zu verkaufen.
Beckſtraße 67.
*13956)

Bekanntmachung.

Die zur Zeit der Eintragung des Verſteigerungsvermerks im
Grundbuch für Darmſtadt, Band V, Blatt 417, auf den Namen
a) Sutter, Konrad, Profeſſor, zu ½
b) Sutter Walburga, geb. Philips, zu ½
eingetragenen Grundſtücke:
Flur II Nr. 121 260 qm Grasgarten Olbrichweg,
II 1219/10 369 Hofreite Olbrichweg Nr. 19,
ſollen
Dienstag, den 9. Juni I. Js., nachmittags 3 Uhr,
durch das Großh. Amtsgericht Darmſtadt I im Saal Nr. 219 im
Wege der Zwangsvollſtreckung verſteigert werden.
(VII19955
Darmſtadt, den 9. April 1914.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.

Die Fleiſchverdingung

für den Standort und den Truppenübungsplatz Darmſtadt für die
Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1914 findet am 3. Juni 1914,
9 Uhr vormittags, im Geſchäftszimmer des Proviantamts Eſcholl=
brückerſtraße
25 ſtatt.
Die Lieferungsbedingungen liegen in der Garniſon= Fleiſch=
ausgabeſtelle
Blumenthalſtraße 111 aus, können auch gegen
Bezahlung der Selbſtkoſten von 50 Pfg. bezogen werden. Verſiegelte
Angebote mit der Aufſchrift: Angebote auf Fleiſchlieferung ſind
im Geſchäftszimmer des Proviantamts vor Beginn des Termins
(8,12092
abzugeben.
Proviantamt Darmſtadt.

Atenerfür Grabmalkunst
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Inhaber Ernst Scherrer, Bildhauer
Nieder-Ramstädterstrasse 59.

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Anfertigen von Grabmonumenten und Einfassungen
in allen Gesteinsarten.
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Sauer, Rheinſtr. 28, III. (*14000si

[ ][  ][ ]

Manktürter Karsberieht Vom 13. Aar 1914.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)


2
121.
Frankf. Hypothek.-Bank 10 1214,00Gelsenkirchen Bergw. . . I1 182,50
Schweden v. 1890. . . . . .3½
4½ 94,30
Moskau-Kasan .
Pfandbriefe.
do. do. Kred.-Ver. 8½ 1156,00 Harpen Bergbau. . . . . . 11 (176,80
Serben steuerfrei . . . . . 4½
37,30 do. . . . . . . . . . . . .7 4
Staatspapiere.
4½ 100,00 Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ (116,50 Kaliwerke Aschersleben- 10 1139,00
do. amort. v. 1895 .
78.90) Wladikawkas. . .
4 1 85,20Borliner Hyp.-Bk.-Pf. .
4 (100,20
110,75 1Kaliwerke Westeregeln . 13 (205,30
* 93,60 Nation.-Bank f. Deutschl.
Dt. Reichsschatzanw.
4
98,30 Türk. Egypt. Tribut . . .
Rjüsan-Koslow . .
do, unkäb. 1918. . . . .
93,75 Pfälzische Bank . . . . . . 7 123,00Königin Marienhütte . . 6 81,00
Dt. Reichsanleihe p. 1918
do. kons. steuerfreie .
3 63,40) do.
Portugies. Eisenb. v. 188
98,70
1919. . . . .
. . .8,43 136,50Laurahütte . . . . . . . . . 8 141,50
94,75Reichsbank . .
do. . . . . p. 1925
4½ 86,50
do. Admin. v. 1903 . . .
76,70) do. ..
1 86,95
do. 1921. . . . .
95,75 Rheinische Kredit-Bank. 7 1127,00 lOberschles. Eisenbed. . . 6 83,50
do. . . .
do. unif. v. 1903. .
Livorneser . .
24/10 69,20 do. 1922. . . . .
77,55
3 109,40 (Oberschl. Eisen-Industrie 3 68,50
84,30 A. Schaaffhaus. Bk.-Ver.
do. . . . ..
do. v. 1905. ..
472,501Salonique Monastir.
60,50 do. . . . . . . . . . . .
4 1100,30
95.00 Wiener Bank-Verein . . . 8 1130,00 1Phönix Bergbau . . . . . . 18 (232,00
Preußische Schatzanw.
9120Ungarische Staats-Rente
Bagdadbahn . . . . . . . . 4 77,30 do. Komm.-Obl., unk. 1918
Rheinische Braunkohlen! 10 (232,40
Staffelanloihe.
95,00
3½ 86.751 1913 unkdb. bis 1923 . .4½ 89,80Anatolische Eisenbahn .4½
Frankt. Hyp.-Bk. pr. 1910
Riebeck Montan . . . . . . 12 191.70
Consols
Missouri-Pacifie I.
4½ 90,20
3 77,50 Ungar. Staatsk.-Scheine
1915 .. . . 4 96,00 Aktien von Trans-
do
.
South West.-Afr. Shares
5 1116½
do. . . .
96,50
do. do, v. 1905 . . 4 54,90
v. 1913 . . . . . . . . . . . . 4½ 98,70
4
do.
1920 . . .
Badische Staats-Anle
de. Ser. 1219. . . . . . 3½ 86,40 vort- Anstalten-
do
. Gold-Rente. .
81.50Northern-Pacific. . . . . . 4 94,60
3½ 88,00
do, V. 92/94
Hamb.-Amerika-Packetf.! 10 128,10
do. Staats-Rente 1910. 4 80,25 1Jouthern-Pacific . . . . . .
4 91,80 Kommunal-Oblig. Ser. 1,
3 83,00
Verzinsliche

do.- . . . . .
unkdb. 1910 . . . . . . . 3½ 86,50Norddeutscher Lloyd. . . 8 1111,00
Kr. 4 80,701St. Louis & San Franeisco 5
do.
Anlchenslose.
Baverische Ablös.-Rente. 4 97,10
zt.
116,00
Frankfurt. Schleppschiff.
Tehuantepec . . . . . . . . 5
Frankt. Hyp.-Krod.-Ver.
E.-B.-Anl. kdb. ab 1906 4 98,201Argent. innere Gold-Anl.
94,00Südd. Eisenb.-Gesellsch. . 6½ 131,00 Badische . . . . . TIr. 100 4
v. 1887 5
Ungar. Lokalbahn . . . . 5 98,50
Ser. 1542
do. unkdb. p. 1918 . . . 4 98,20
4849) 4 94,90 Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 108,00 Göin-Mindener . TIr. 100 3½143,30
do, äußere v. 1890 . . . 5 99,70
do. . . . . . .
do. unkdb. p. 1920 . . . 4 98,20
4 06,00 Baltimore
6 1 91½ Holländ. Komm. . H. 100 3'115,55
Provinz-Anleihen.
do. innere v. 1888 . . .4½
do. unk. 1922 52
E.-B.- u. Allgem. Anl.
10 1193% Madrider . . . . . Frs. 100 3
do. 1913. . . . . . . 3¼ 88,60ACanada . . .
do. äußere v. 1888 . . . 4½
unkdb. p. 1980 . . . . 4 89,40
Rheinprov. Obl. Em. 20/21 4 96,70
3½ 86,50 Schantung . .
7½ 138,75 1Meininger Prüm.-Pfdbr. . 4 141,60
do. v. 1897
3½ 87,00
do. Ser. 45 . . . .
do, Anleihe . . . . . . . 13½ 85,05
Prinz Henry.
8 156.00 Osterreicher 1860er Loso . 4 181,00
3 76,00Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5 93.60) do. Em. 10 . . .
3 83,50 Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
..
do. 9. .
do.
Ser. 12, 13, 161 4 96,90 Lombarden
20% TOldenburger. . . . TIr. 40 3 1127,50
3½ 20
4½
Hamburger Staats-Anl. . 4 98,001 do. v. 1889 .
Posen Prov..
96,90 1 Pennsylvania.
6 1111,00 1Raab-Grazer . . . . H. 1502½
do. v. 1906 .

14, 15, 17
4 96,00 do. . . . .
4½ 8800Westialen Pror. V.:::
do. v. 1887/94 . . . . . . 3½
do. unkdb. 1920 . . . . 4 97,40
do. . . . . . . . . . . . . . 3 79,20 1Chines. St.-Anl. v. 16
Hess. Prov. Oberhessen . 4 95,80
do. v. 1896 . .
1923 . . . . 4 97.50
Industrie-Aktien.
do.
5 99,30
do. Starkenburg. . . .3½ 85,25
Hossische Staats-Anleihe 4 97,25
Mk.
do. Reorg. Anl.:
do. Ser. 1, 2, 68 . . . . 3½ 84,30
5 87,50
Unverzinsliche
do. unkdb. p. 1921 . . . 4 I 97,50
84.30Badische Anilin-Fabrik . 28 1654,00
ſp. St.
do. v. 1898 .
Anlehenslose.
do. 35 . . . .. .
4½ 89,70
Städte-
do
. . . . . . . . . . . . . .3½) 84,70
3½ 84,50 Ichem. Fabrik Griesheim 14 251,00
do. kündb. 1915 . . .
4½ 89,35 obligationen.
do. . . . . . . . . . . . . 3½ 75,45Japaner . . . . . .
96.90 Farbwerke Höchst . . . . 30 (598,25Augsburger
.A.7
do. Komm. unk. 1913
5 64,20
Sächsische Staats-Rente 3 77,60Innere Mexikanor.
96,90Ver. chem. Fabr. Mannh.. 20
.. TIr. 20 (202,70
Braunschweiger
v. 1899 5 83,50 Darmstadt.
Außere do.
do.
.. . . . . . 4
1914
Württembg. Staats-Anl.
Fo. 45
97,10Zement Heidelberg . . . . 10 1148,40 Mailänder . .
4 66,90 do. . . . . . . . . . . . . .3½ 87,20
1916
(unkdb. p. 1921). . . . 4 98,50 Mexikan. Gold v. 1904
do.
Fs. 10 40,00
97,40 Chemische Werke Albort 30 446,00 do,
Frankfurt . . . . . . . . . . 4 96,501 do.
1920
3
de. v. 79/80 . . . . . . . 3½ 88,00 do. cons. . . .
.. A.7 1 37,75
97.50 Holzverkohl. Konstanz 15 1308,00 Meininger . .
do. . . . . . . . . . . . . . 3½ 88,80
do. Irrigat.-Anleihe .4½ 67,20
do.
192.
3% 77,70
(o. . . . . . . . . . . .
H. 100 591,00
do. verlosb. u. kündb. . 3½ 84,30Lahmeyer . . . . . . . . . . 6 1125,00 Osterreicher v. 186
.. . . . . . 4 94,50
3½ 63.50Gießen .
Bulgarische Gid.-Anl. . . 5 95,70 Buenos-Aires Prov.
H. 100 1532,00
do. r. 1858
unkdb. 1915 3½ 84,30 1Schuckert, Nürnberg. . . 8 145,75
do. . . . . . . . . . . . . .3½ 37,00). do.
5 67,00
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1,61 55,80 Tamaulipas . .
A. 100
94,60Siemens & Halske. . . . . 12 210,75 AUngar. Staats
Heidelberg . . . . . . . . . . 4 94,00Meininger Hyp.-Bk. Pfdb.
5
do. v. 1887 Monopol 11¾/ 51,001Sao Paulo E.-B.
Fs. 30 74,00
4 95,80 1 Bergmann Elektr. . . . . . 5 1122,00Venediger
do. v. 1913
do. . . . . . . . . . . . . .3½.
do. unkdb. 1922. . . .
5 97,00
Italienische Rente. . .
3½
Fs. 400 166,40
3½ 86,00 Allg. Elektr.-Gesellsch. . 14 (242,40Türkische
. . . . . . 4 94,90
4½ 95,00Karlsruhe
do. .
Osterr. Staats-R. v. 1913 . 4½ 91,50 Siam v. 1907.
25 1330,25
Hagen Akkum. . .
do. . . . . . . . . . . . . .3½ 86,60Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
do. Silber-Rente . . . . 4½/ 85,00
Prioritäts-
94,00Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (176,50
.. 4*20
Magdeburg
unkdb. 1917
Gold, Silber und
do. Papier-Rente .
4½ 86,00) Obligationen.
do. . . . . . 19191 4 1 93,75 1Gummi Peter . . . . . . . . 0
Mainz
. . . . 4 94,95
Banknoten.
do. Gold-Rente . . . . . 4 85,50
1921 4 94/001Adler-Fahrradwerke . . . 25 1330,50
do.
.. . .3½ 86,701 do. . . . ..
do. einheitl. Rente . . I 4 81.751 Südd. Eisenb.-Gesellsch.
20,44
96,20Maschinenfabr. Badenia. 6 (129,00Engl. Sovereigns. . . . . .
v. 1895/97 84,30Mannheim
4½ 95,30) do. . . . .
1924
Portug. Tab-Anl. 1891 . . 4½ 97,70
16,28
3½ 84,60 1 Wittener Stahlröhren . . 0
20-Franke-Stücko . . . . . .
do. .
v. 19043½
.3½ 86,40) do. . . . . . .
do. inn. amort. 1905 . . 4½ 74,10
4,185
95,20Motoren, Oberursol . . . 8½ 155,00Amerikanische Noton .
München .
do. unif. Serie I . . . . 3 61.50 Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
4 96,001 do. Komm. unk. 1923
20,5t
1924 . 4 96,00 1Gasmotoron, Deutz . . . . 9 119,00Englische Noten . .
Oblig., gar. v. d. Stadt
Nauheim
3½
do.
do. 7 III. . 3 65,00
81,35
4 96,80 Siemens Glas-Industrie . 15 220,00 Französische Noten.
Darmstadt . . . . . . . . 4 I 93,85 Nürnberg
4 95,00 Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr.
do. Spezial Titel. . . .
169, 10
23 1285,00 Holländische Noten .
10,00 Nordd. Lloyd-Obligat. . . 4½
do. . . . . . . . . . . . . . 3½ 88,10 Enzinger Filter . . .
do. . . .
3½ 85,80
Zumänen v. 1903 . . . . .
30
5 99,90
81,10
Steaua Romana
10 143,50 italienische Roten .. . .
Donau-Dampfschiff. v. 82
91,80 Offenbach
49550
do. Gold v. 1913.
Zeilstoff Waldhof . . . . . 15 1178,00 lösterr.-Ungarische Noton. . 85,10
4½ 91,40Elisabethbahn . . . . . . . 4 90,60 do. v. 1914
4
do. Schatzsch. v. 1913. 4½100,00 Franz-Josef-Bahn. . . .
Bad. Zucker-Waghäusel .112,83/220,25 1Russische Noten . . . . . . .
do. . . .
do. conv. . . .
3½
Fank-Aktien.
4 85,00
Neue Boden-Aktien-Gos.
82.50 (Schweizer Noton. . . . . . . . 81,30
Wiesbaden. .
4
4 93.80 Kaschau-Oderberger v. 89
do. v. 1890 .
Süddoutsche Immobilien 0
62,50
4 87001 Prag-Duxer . . . .
do. v. 1891 .
3½ Bank für elektr. Unter-
3 71,40 do. ..
do. v. 1905 .
4 85,00 Osterreich. Staatsbahn
5 1101,90 Warms
4 95,10 nehmungen Zürich . . 10 (193,00
Reichsbank-Diskont . .
do. . . .
do. v. 1908 .
Bergwerks-Aktien.
3½ 86,50 Berg.-Märkische Bank. . 71
4 88,65. do. . .
4 85,00
do. Lombard Zsf.. . 5
4
3 73.00 Lissabon v. 1888
do, v. 1910
Berliner Handelsges.. . . 8½ 151,50
4184,50 do. . . . . . .
do. Südbahn (Lor
12 (157,00
4½ 93.55 Darmstädter Bank . . . . 6½ 116,601 Aumetz-Friede
97,90 Moskau v. 1912
Russische St--Anl.
4½ 98,00
do. do.
70,70 Stockholm v. 1880
4% 52.00 Deutsche Bank. . . . . . .12½240,201 Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 1220,75
Tendenz:
do. kons, v. 1880
4
6 118,40 Leonhard, Braunkohlen . 9 1159,00
do. d0.
Edo. Gold v. 1890
50,80Wien Komm. . .
5 1Deutsche Vereinsbank.
Fest.
4
76,50Wiener Kassenscheine . 4½ 98,60 1Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 112,40 Konkordia Bergbau . . . 23 358.50
Raab-Oedenburg .. . . .
do. v. 1902
Zürich v. 1889 . .
4 89,55 Kronprinz Rudolfbahn .
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Schweden v. 1880
3½
3½
10 1227,90
do. v. 1886
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6 101,60 Dresdner Bank, . . . . . .8½ 149,30 Eschweiler . . ..
Russ. Südwest .
4
3½

bandel und Verkehr.

Frankfurt a. M., 15. Mai. (Börſe.) Bei Er=
öffnung
zeigte die heutige Börſe ein noch freundlicheres
Bild wie in den letzten Tagen. Feſtere Neu=Yorker Kurſe,
ſowie die Hoffnung, auf beſſere Ausſichten des heimiſchen
Eiſenmarktes bewirkten, daß die Kurſe der Montanwerte
zirka 11½ Prozent über dem geſtrigen Schlußkurſe ein=
ſetzten
. Die geſtern ſtark geworfenen Ruſſiſchen Naphtha=
Aktien konnten ſich heute kräftig erholen, da die Speku=
lation
betreffend der geſtern beſprochenenKapitalserhöhung
zur Tagesordnung überging, als ſie hörte, daß dieſe erſt
für nächſtes Jahr geplant ſei. Im weiteren Verlaufe der
Börſe konnte ſich die feſte Stimmung behaupten, zumal
auch Deckungskäufe, beſonders in den ſtärker gewichenen
Werten, dem Markt eine weitere Stütze und Anregung
boten. Am Kaſſamarkt überwogen ebenfalls die Kurs=
beſſerungen
, ohne daß dieſelben jedoch größeren Umfang
annahmen. U. a. konnten Daimler Motoren=Aktien 3 Pro=
zent
, Chemiſche Griesheim 1½ Prozent im Kurſe anziehen,
wogegen Ediſon 2¾ Prozent und Scheideanſtalt 3 Prozent
nachgeben mußten. Der heimiſche Fondsmarkt zeigte unter
Führung von 3 Prozent Reichsanleihe ebenfalls gute Er=
holung
. Tendenz feſt.
H. Frankfurt a. M., 15. Mai. ( Börſenwochen=
bericht
.) Die Ausſichten über die Verbandsarbeiten im
Stabeiſen= und Drahtgewerbe ſind günſtiger geworden.
Wenn auch bisher keine greifbaren Ergebniſſe in der Frage
der Syndizierung der Stabeiſenproduktion erzielt werden
konnten, und die Verhandlungen auf den 26. dieſes Monats
vertagt wurden, ſo hofft man nach wie vor, daß die Be=
mühungen
diesmal erfolgreicher ſind. Im Walzdrahtver=
band
ſind bei den ſtattgehabten Beratungen ganz weſent=
liche
Fortſchritte zugunſten der Erneuerung des Walzdraht=
verbandes
auf erweiterter Grundlage erzielt worden. In
der ſchwierigen Quotenfrage wurde eine völlige Einigung
herbeigeführt. Ein Quotenzuwachs wird nur den beiden
Werken Deutſch=Luxemburgiſche Bergwecks= und Hütten=
A.=G., Abteilung St. Ingbert, und dem Eiſen= und Stahl=
werk
Hoeſch in Dortmund, die große Drahtverfeinerungs=
anlagen
geſchaffen, zugebilligt. Sonſt erhebt kein altes
Verbandswerk Anſpruch auf Erhöhung der Quote. Die
neugegründete Intereſſengemeinſchaft von 6 Werken des
Verbandes (Röchling. Rombacher Hütte, de Wendel u. Co.,
Burbach-Aich-Düdelingen, Eiſenwerke Kraft und Guß=
ſtahlwerke
Witten) mit 35 Werken der Drahtverfeinerung
wird auf den neuzubildenden Drahtverband übertragen
bezw. ſchon jetzt von dem Walzdrahtverband übernommen.
Das Proviſorium des Verbandes iſt nach einer neuerlichen
Beſtimmung bis zum 31. Oktober 1914 ausgedehnt worden,
jedoch mit der Bedingung daß die Werke vom 1. Oktober
dieſes Jahres ab freihändig verkaufen können, wenn bis
dahin der Verband nicht definitiv verlängert wurde. Die
Mehrzahl der Werke einigte ſich indeſſen dahin, bis auf
weiteres in Verfeinerungsprodukten zur Lieferung bis über
den 31. Dezember dieſes Jahres hinaus nicht zu verkaufen.
Weiter erfreulich iſt die Nachricht, daß die preußiſche
Staatsbahnverwaltung mit den Verbandslokomotiv=
Fabriken wegen Lieferung von 600 Lokomotiven im Werte
von 50 Millionen Mack in Unterhandlung tritt. Schließlich
hat auch der Bericht des Iron Age vom amerikaniſchen
Eiſen= und Stahlmarkt einen zuverſichtlicheren Ton. Auch
über die in den letzten Tagen aus London gemeldeten
Schwierigkeiten beginnt man ſich zu beruhigen, da die Li=
quidation
reſp. das Arrangement der Millionen= Engage=
ments
, die Artur Grenfell, der vor einigen Jahren Teil=
haber
der Firma Chaplin=Grenſell and Company geweſen,
laufen hatte, geordnet ſein ſoll. Die Stimmung konnte ſich
daher im allgemeinen befeſtigen und namentlich bei beleb=
terem
Geſchäft auf dem Montanmarkt zum Ausdruck kom=
men
Doch brachte der Donnerstag wieder eine kleinere
Abſchwächung, beeinflußt durch den Rückgang der Naphtha=
Aktien um etwa 17 Prozent auf die Nachrich, daß die Ver=
waltung
eine Erhöhung des Aktienkapitals um 15 Millio=
nen
Rubel plane. Ob dieſe Transaktion zur Ablöſung der
Gründer oder Tantiémerechte dienen ſoll, muß erſt noch
beſtätigt werden. Dieſe Nachricht wachte um ſo mehr ver=
ſtimmenden
Eindruck, als auch in den letzten Tagen die
verſchiedenen ruſſiſchen Bankaktien ſtärkere Einbußen er=
litten
haben. Die Geldbedürfniſſe bleiben zwar in engen

Grenzen, aber der Zinsſatz iſt etwas geſtiegen, ebenſo der
Privatdiskont auf 2¾ Prozent. Man glaubt jedoch, daß
ſich der Satz in der nächſten Zeit wieder erleichtern wird.
Zunächſt fließen dem Markt 50 Millionen Mark zu. die aus
den fälligen Preußiſchen Schatzanweiſungen ſtammen,
ferner erhält der Markt aus Pacis ebenfalls über 50 Mil=
lionen
Mark zurück, welche die deutſchen Banken der Türkei
ſeinerzeit als Vorſchuß gewährt haben und die nunmehr
aus der neuen türkiſchen Anleihe von Frankreich aus hier=
her
überwieſen werden müſſen. Auch die Verpflichtungen
dies Reiches ſind nicht in dem Maße eingetrelen, als
man glaubte, und ſie dürften noch in der allernächſten Zeit
verringert werden, da ja die erſte Rate der Wehrſteuer
ſchon bald fällig wird. Dagegen werden die dauernden
ruſſiſchen Geldbezüge, für die zwar der Ausweis der
ruſſiſchen Staatsbank keine Erklärung gibt, ſodaß die
ruſſiſche Staatskanzlei vielleicht den größten Teil erhält,
mit größerem Intereſſe beobachtet.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, haben
Deutſche Renten größere Abſchwächungen erlitten, zum
Teil auf Glatſſtellungen, dann aber auch auf Gerüchte, wo=
nach
die Emiſſion neuer inländiſcher Anleihen geplant ſei.
Tatſächlich beſteht aber eine derartige Abſicht weder auf
Seiten des Deutſchen Reiches noch auf Seiten Preußens.
Trotz der augenblicklich weniger günſtigen Marktlage für
Anlagepapiere mit normaler Verzinſung war der Erfolg
bei der Zeichnung auf die neue 4prozentige Frankfurter
Stadtanleihe befriedigend. Es wurde der größte Teil in
Sperrſtücken gezeichnet, ſo daß auf freie Stücke nur 10 Pro=
zent
zugeteilt werden. Ausländiſche Staatsfonds waren
ruhiger, aber gut behauptet und Oeſterreichiſch=Ungariſche
Renten bei regerer Nachfrage wieder anziehend. Mexi=
kaner
ohne nennenswerte Variation, obgleich in Neu=York
eine beſſere Stimmung dafür neuerdings nicht zu ver=
kennen
iſt.
Transportwerte ſchließen jetzt zu den Kurſen der Vor=
woche
, nur Schantung auf eine größere Verkaufsorder,
mangels geeigneter Aſſiſtenz der Konſortialleitung nied=
riger
gehandelt. Das recht befriedigende Jahresergebnis
dieſer Geſellſchafd dürfte wieder eine Dividende von 7½
Prozent geſtatten. Banken bekundeten gute Haltung, mit
Ausnahme von Petersburger Internationale Bank, die
bis 177¼ zurückgegangen ſind, nachdem ſchon 175½ be=
zahlt
wurde.
Montanaktien notieren faſt durgängig über den vor=
wöchigen
Preiſen, nachdem mit einer endlichen Löſung
der Verbandsfragen zu rechnen iſt Vom Bau= und Hypo=
thekenmarkt
hört man, daß ſich die Beleihungsbeding=
ungen
bisher nicht geändert haben, aber der Zufluß von
Privatkapital zum Baumarkt anhält. Sehr viel erhofft
man von der Sicherung der Hypothekarrechte durch das
jetzt dem Bundesrat zugegangene Geſetz zur Einſchränkung
der Zedierungen von Mieten.
Am Kaſſainduſtriegebiet entwickelte ſich regerer Ver=
kehr
, bei jedoch uneinheitlicher Tendenz. Für Elektrizitäts=
aktien
beſtand wieder ſtärkeres Intereſſe, ebenſo waren
Chemiſche Aktien gut behauptet und ferner Daimler zeit=
weiſe
lebhafter bei höheren Kurſen, hingegen Kleyer ſo=
wie
Faber u. Schleicher matter. Weſteregeln ſind anſehn=
lich
geſtiegen, nachdem in der Kaliinduſtrie eine beſſere
Verſtändigung zuſtande gekommen iſt. Die Süddeutſche
Immobilien=Geſellſchaft wird ihr Grundkapital um 1,51
Millionen Mark durch freihändigen Rückkauf von Aktien
auf 10,2 Millionen Mark herabſetzen. Bei dem großen
Beſitz, den Deutſchland immer noch in Gold= und
Diamantaktien hat, intereſſieren die Aeußerungen in
der Generalverſammlung der Central Minning Company.
Danach deuten die Ausſichlen in der Goldinduſtrie für 1914
auf eine Erholung hin. Das Diamantgeſchäft ſei zwar
ruhiger, aber die Verkäufe befriedigend. Es beſtehe Aus=
ſicht
auf eine baldige Beſſerung in der Nachfrage. Angeregt
durch die höheren Neu=Yorker Notierungen, die Feſtigkeit
am Kupfermarkt und die ſich günſtig geſtaltenden Syndi=
katsbeſtrebungen
, war die Börſe bei Wochenſchluß in recht
freundlicher Tendenz, die überwiegend auf dem Montan=
gebiel
zum Ausdruck kam aber auch ſonſt Kursbeſſerungen
brachte, ebenſo etwas lebhafteren Verkehr. Der Privatſatz
war wieder bis 2¼ Prozent ermäßigt.
Es ſchließen: 4proz. verkosb. Preußiſche Schatzſcheine
99,10 G., 4proz. Reichs 98,80 G., 4proz. Reichs (rückzahlbar

1918) 98,50. 3½proz. Reichs 86,70, 3proz. Reichs 77,55,
4proz. Heſſen von 1899 97,30 B., 4proz. Heſſen von 1906
97,50 B., 4proz. Heſſen von 1908/09 97,50 B., 4proz. Heſſen
(rückzahlbar 1921) 97,80. 3½proz. Heſſen 84,70, 3proz.
Heſſen 75,20 G,, 4proz. Darmſtädter néue 95 G., 4proz.
Darmſtädler 95, 3½proz. Darmſtädter 87,50, 4proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 2326) 97,40 G., 4proz. Heſſ. Land.=
Hyp.=Pfdbr. (S. 27) 97,50 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=
Pfdbr. (S. 35) 84,20 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=
Pfdbr. (S. 911) 84,20 G., 4proz Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 1314) 97,40 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 15)
97,50 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr (S. 13)
84,20 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 4) 84 20 G.,
4proz. Naſſ. Landsbk.=Pfdbr. 99. 3½proz. Naſſ. Landsbſ=
Pfdbr. 91,50 3proz. Naſſ. Landsbk.=Pfdbr. 88 G., Genuä=
Loſe 216, Türkiſche Loſe 166,70, Raab=Grazer Anrechts=
Scheine 32,30. Donau=Regulierung 155. Gothaer Prämie III.
125,50, Darmſtädter Bank 116½, Südd. Eiſenbahn= Geſell=
ſchaft
131. Bagdadtürken S. I 77,30 G., Bagdadtürken S. II
75,80. South=Weſtafrika 117½. Otavi=Antelle 117. Otavi=
Genußſcheine 97½, Aluminium 256,50 exkl., Adlerwerke
Kleyer 330,50 Deutſche Gold= und Silberſcheide=Anſtalt
628½. Chemiſche Mühlheim a. M. 67 G. Lack= und Farben=
fabriken
Schramm. Offenbach a. M. 268 G., Rütgerswerke
190. Voigt u. Hoeffner 199,50.G., Brown Boveri u. Co.
146,50, Lederwerke vorm. Spicharz, Offenbach a. M. 82,50,
Reiniger Gebhardt u. Schall 194 B Ludwigshafener
Walzmühle 1626 Benz=Motoren zirka 181½. Daimler=
Moloren 398, Bielefelder Maſchinen Dürkopp 312 Faber
und Schleicher A.=G., Offenbach a. M. 91. Mannesmann
Röhrenwerke 206,60 Moenus Maſchinenfabrik 165. Naph=
tha
381383. Deutſche Verlags=Anſtalt 170. Waggonfabrik
Fuchs, Heidelbera 137,50 B., Zuckerfabrik Frankenthal
418½ Chemiſche Weiler 220,50 Chemiſche Goldenberg
231. Maſchinenfabrik Gritzner 263 G., Chemiſche Th. Gold=
ſchmidt
204.
* Bukareſt, 14. Mai. Die Nationalbank hat
den Wechſeldiskont auf 5½ und den Lombardzinsfuß auf
6 Prozent herabgeſetzt.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt a. M., 14. Mai. ( Schlachtvieh=
markt
.) Amtlicher Bericht. Aultrieb: 132 Rinder, dar=
unter
25 Ochſen, 6 Bullen, 101 Färſen und Kühe, 1022
Kälber, 44 Schafe, 961 Schwelne. Marktverlauf: Kälber
und Schafe ruhig; Schweine mäßig; ausverkauft.
Feinſte Maſt= (Vollm.=Maſt) und beſte Saugkälber ( Le=
bendgewicht
) 6468 M. der Zentner, Schlachtgewicht 107
bis 113 M. der Zentner, mittlere Maſt= und gute Saug=
kälber
5560 (95102), geringere 5055 (8391). Maſt=
lämmer
und jüngere Maſthammel 42 (92) ältere Maſt=
hammel
und gut genährte Schafe 3637 (8688).
Fettſchweine über 3 Zentner Lebendgewicht 4548 (60
bis 61), vollfleiſchige Schweine über 2½ Zenhner Lebend=
gewicht
4446 (5759), volbleſſchige Schwelne über 2
Zentner Lebendgewicht 4448 (5560), vollſleiſchigs
Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewichb 4448 (5860).

Literariſches.

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ausgewählte Modelle. Die Hutformen, die Heft 16 bringt,
oft als künſtleriſche Photographien entzückender Frauen=
köpfe
aus den erſten Pariſer Ateliers von Cora Marton
und Henri Manuel, ſind einmal etwas Nochnichtdagewe=
ſenes
. Aber es muß betont werden, die Mode von heute
iſt wie ein zweiſchneidiges Schwert! Feinſinn und Schick
gehören zur Führung dieſer Waffe. Heſt 16 aber lehr:
Feinheit und Schick man ſehe ſich nur das künſtleriſch
in Farbe und Ausführung vollendete Titelbild der Annie
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1. Juni geſucht. Heinrichſtraße 97,
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gedient hat, in kleine Familie geſ.
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Friedrichſtraße 9.
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welches bürgerlich
Ordentl. ſaub. Mädchen geſ. Mädchen, kochen kann, zu
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A12140

Kongreſſe und Verbandstage.

2. Kongreß des Allgemein Poſitiven
Verbandes.
* Heidelberg, 14. Mai. Den Mittwoch beſchloß
ein geſelliges Zuſammenſein in der Harmonie. Inſpek=
tor
Paſtor Haarbeck aus Barmen behandelt die Auf=
gaben
der Gemeinſchaft gegen die Kirche‟. Pfarrer Laible
verlieſt folgende Reſolution, die einſtimmig ange=
nommen
wird: Der gegenwärtig in Heidelberg tagende
Kongreß des Allgemein Poſitiven Verbandes beauftragt
den Vorſtand, der Deutſchen Evangel. Kirchenkonferenz
(Eiſenach) die beſtehende große Abendmahlsnot inner=
halb
der Gemeinſchaften in aller Ehrerbietigkeit vorzutra=
gen
, da es ſich um eine Gewiſſensnot tiefſter Art handelt
und die ernſte Gefahr vorhanden iſt, daß, indem die Ge=
meinſchaften
außerhalb der Kirche ihr Abendmahlsbedürf=
nis
zu befriedigen ſuchen, oder zum Laienabendmahl grei=
fen
, die Einigkeit der Landeskirche dauernd geſtört wird.
Der Vorſitzende des Allgemein Poſitiven Verbandes,
Pfarrer Bernbeck, wirft in ſeinem Schlußwort einen Rück=
blick
auf die Tagung, die einen äußerlich glänzenden und
innerlich erhebenden Verlauf genommen habe. Nach ge=
nauer
Feſtſtellung haben 2200 Perſonen an der Verſamm=
lung
in der Stadthalle teilgenommen. Der Kongreß iſt
auch in allen ſeinen Teilen völlig harmoniſch verlaufen,
Er ſpricht allen Referenten und Rednern, ſowie dem Hei=
delberger
Lokalkomitee und deſſen Vorſitzenden für die
großzügige und bis ins einzelnſte treffliche Vorbereitung
des Kongreſſes herzlichen Dank aus. Mit einem Schluß=
gebet
wurde der Kongreß um 2 Uhr geſchloſſen.

Turnen, Spiele und Sport.

* Darmſtädter Sportklub 1905, e. V. Den Darmſtäd=
ter
Sportanhängern wird am kommenden Sonntag ein
hochintereſſantes Wettſpiel geboten. Auf dem Sportplatz
am alten Schießhaus treffen ſich namittags um 3½ Uhr
die erſten Mannſchafften des F.=Kl. Germania=Pfungſtadt
und des D Sp.=Kl. 1905 in einem Privatſpiel. Die
Leichtathleſtilabteilung des D. Sp.=Kl. entſendet die Mit=
glieder
Fr. Chriſt u. H. Hoffmann nach Weiſenau be!
Mainz. Chriſt wird im 1500 Meter=Laufen und Hoffmann
im 400=Meter=Laufen ſtarten.
sr. Das Wiesbadener Lawn Tennis=Turnier iſt mit
den Spielen um den Wiesbadener Pokal bereits bis zur
Schlußrunde gediehen, in der ſich Froitzheim und R. Klein=
ſchroth
gegenüberſtehen werden. Froitzheim beſiegte Krasna
leicht 6:0. 64, und dann H. Kleinſchroth nach ſehr inter=
eſſantem
Kampfe 622, 2.6. 611, der vorher Otto nach ſchar=
fem
Kampfe 6:4. 12:10 abgefertigt hatte. In der Meiſter=
ſchaft
von Wiesbaden ſchlug Froitzheim mit 60, 4:6. 6:4
N. Kleinſchroth und 6.2. 62 Bergmann=Dresden. H. Klein=
ſchroth
hatte in dem Franzoſen Gault einen ſchweren Geg=
ner
, den er mit 614, 64 ſchlug, und hat ſich durch dieſen

ee e e e
heernr v. Viſing zuſanmentrifft, der Haußmann 640, 63
beſiegt hatte. Die Kämpfe um die Damenmeiſterſchaft von
Wiesbaden ſind ebenfalls bis zur Schlußrunde gefördert,
wo Miß Ryan und die vorjährige Siegerin Frl Bam=
berger
um den Meiſtertitel ſtreiten werden. Miß Ryan
beſiegte Miß Tripp 715. 611 und Frl. Weihermann 6:0,
6:2; Frl. Bamberger ſchlug Frl. Herrmanns 610. 672 und
dann Frl. Flinſch 6:0 5.7, 6:1.
sr Pferderennen. Der Kaiſerpreis von Karls=
horſt
. Goldlack=Jagdrennen; 3000 Mark, Diſtanz 3200
Meter: 1. Hrn. C. Dorndorfs Fälſcher (Edler), 1. Hrn.
W. Thiedes Neſſy (Drewanz), 3. Quart (A. Reith). Tot.
52 (Fälſcher). 47 (Neſſy) :10. Pl. 33, 30, 38.10. Unpl.:
Fabius (4). Eviva Niobe II, Atlanta, Harriet, Baiſſe
(ausgebr.). Tot. Rennen1½2½ Lg. Preis von
Lilienhof; Ehrenpreis und 5000 Mack, Diſtanz 3400 Meter:
1. Hrn. G. Nettes Senſible Symons (Hr. W. Dodel), 2. Mr.
Girdle (Lt. Frhr. v Wangenheim) 3 Hernani (Lt. Gut=
ſted
). Tok. 13:10. Drei liefen. Nach Gefallen 15 Lg.
Weile Poſeidon=Hürdenrennen; 4500 Mack. Diſtanz
3000 Meter: 1. Hrn. K. Hartmanns Tapage (Kiß), 2.
Hebron ſerkl. (Jentzſch), 3. Voie Lackee (Martin). Tot.
270110, Pl. 54. 19, 26:10. Unpl.: Lincolnſhire (4), Orlov
(5). Acolian Collar Grünrück, Simſon, Kentucky, Jack
Iriſh Mike, Reichsritter, Macte (gef.) Halbrenette, Light
as Air. Frieda. Leicht 3½ Lg.Hals. Kaiſerpreis;
Ehrenpreis und 15000 Mack Diſtanz 5200 Meter: 1. Lo.
H. Priegers Flying Hawk (Beſ.), 2. Sweet Roß (Lt. von
Raven), 3. Judelle II (Lt. v. Platen) Tot. 137110. Pl.
37. 53, 23:10. Unpl.: Anonymus (4), Kilmallock (5). Mark
Gamp, Paſſing Fair Pariſienne, Stribo, Oriſſa, Siſter
Phoebe. Leicht 7541 Lg. Tempelhofer Jagd=
Rennen; 8000 Mark, Diſtanz 4200 Meter: 1. Hrn. E von
Buddenbrocks Daimia (E. Weber), 2. Ladina (Theilen),
3 Samhara (H. Brown). Tot. 26110. Pl. 12 12. 12110.
Unpl.: Dandalo (4), Sprühfeuer, Mariel, Moſel. Leich!
34 Lg. Preußen=Preis; Ehrenpreis und 10000 Mark,
Diſtanz 4400 Meter: 1. Hrn. W. Dodels Erberich (Beſ.),
2. Delaware (Lt. Frhr. v. Berchem) 3. Gerolſtein (Hr.
Purgold). Tot. 18:10 Pl. 15, 19, 22:10. Unpl.: Magiſter
(4). Magslieb, Thu’s lieber, Samum. Leicht 2/
Lg. Preis von Schöneiche; 3300 Mark, Diſtanz 1400
Meter: 1. Geſtüt Romolkwitz Principal (Hc. Purgold),
2. Raute (Lt. v Guſtedt) 3 Lyſander (Lt. Prinz Bentheim).
Tot. 29.10. Pl. 16. 20 31:10. Unpl.: Jasmin (4), Ottawa,
Scylla, Jubilans. Cavour, Norda, Megas, Drachenkopf.
Leicht 2/½ Lg.
* Gaupreisfahrtentag im Gau 9 D. R.=B. Sonntag,
24. Mai, findet der diesjährige Gaupreisfahrten:
tag über 50 Kilometer im Gau 9 des Deutſchen
Radfahrerbundes ſtatt. Der Start erfolgt paarweiſe in
Abſtänden von ½ Minute und wird ausgeloſt. Die Start=
punkte
ſind wie bisher vor Mörfelden, vor Darmſtadt,
vor Biſchofsheim, bei Klein=Auheim und bei Aſchaffen=
burg
laut Angaben des Gauhandbuches.
Jugendwanderfahrt im Gau 9 D. R.=B.
Für die Jugendmitglieder des Gau 9 des Deutſchen Rad=
fahrerbundes
findet Sonntag, 17. Mai, die erſte Wander=
fahrt
nach Oppenheim=Nierſtein ſtatt. Allgemeiner Treff=
punkt
iſt 9 Uhr am Rathauſe in Groß=Gerau. Unterwegs
wird abgekocht. Die Wertung erfolgt in Nierſtein,

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
ſeinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſenher verantwortlich.)

Die Firma Schade u. Füllgrabe ſchreibt uns: Wir
finden in Nummer 131 Ihres geſchätzten Blattes unter der
Rubrik Stimmen aus dem Publikum ein Eingeſandt, wel=
ches
ſich mit den Brotpreiſen am dortigen Platz befaßt,
ſoweit dieſelben aus den Mitteilungen der Großherzog=
lich
Heſſiſchen Zentralſtelle für Landesſtatiſtik erſichtlich
ſein ſollen. Vorausgeſetzt, daß dieſe Statiſtik richtig wie=
dergegeben
iſt, muß angenommen werden, daß dieſelbe die
in unſeren dortigen Verkaufsſtellen angeſetzten Brotpreiſe
nicht in Betracht gezogen hat. Unſere Firma verkauft ſchon
ſeit langer Zeit die 1. Sorte gemiſchtes Brot mit 54 Pfg.
per 4 Pfund=Laib, die 2. Sorte gemiſchtes Brot mit 50 Pfg.
per 4 Pfund=Laib, das heißt alſo 13½ bezw. 12½ Pfg.
per Pfund, während in dem Eingeſandt als ſtatiſtiſch
erfaßter Preis für den dortigen Platz 15 Pfg. per Pfund
angegeben iſt.

Vermiſchtes.

Ein bemerkenswertes Zugeſtändnis über den
Alkohol von wiſſenſchaftlicher Seite enthält ein anläßlich
der in Berlin dieſer Tage ſtattgehabten ſechſten Konferenz
für Trinkerfürſorge in der Mediziniſchen Rundſchau des
Berl. Tagebl. veröffentlichter Artikel von Prof. Dr. med.
P. v. Grützner=Tübingen, betitelt: Gefahren des
Alkoholismus‟ Der Verfaſſer, der als Vorſtand des Lan=
desverbandes
Württemberg des Deutſchen Vereins gegen
den Mißbrauch geiſtiger Getränke, natürlich dem Alkohol
ſehr kritiſch gegenüber ſteht und, wie es ja auch im Zwecke
ſeines Artikels liegen ſollte, die Gefahren des Alkoholis=
mus
beſonders hervorhebt, kann als Mann der Wiſſenſchaft

ee enten e en eche
ſtellungen zu warnen, die beſonders auf alkoholgegneriſcher
Seite über die phyſiologiſche Natur des Alkohols beſtehen
und ſyſtematiſch verbreitet werden. Dieſe Ehrenrettung
des Alkohols von einem ſo hervorragenden Vertreter der
ärztlichen Wiſſenſchaft, iſt um ſo bemerkenswerter, als der
Verfaſſer, wie geſagt, zugleich dem Deutſchen Verein gegen
den Mißbrauch geiſtiger Getränke an leitender Stelle an=
gehört
, einem Verein, der immer mehr im Fahrwaſſer der
reinen Abſtinenzfanatiker ſegelt.
Der Verfaſſer hebt hervor, daß, wenn man gemeinhin
von Alkohol ſpricht, ſtreng genommen dies nicht richtig ſei,
denn kein Menſch trinkt reinen Alkohol. Nur in England
und Amerika fährt er fort, ſoll hin und wieder Kölniſches
Waſſer, das iſt ein etwas parfümierter, ſonſt nahezu reiner
Alkohol, von den Vertreterinnen des ſchönen Geſchlechts
genoſſen werden. Wir trinken durchweg verdünnten Al=
kohol
, und zwar in der Hauptſache mit Waſſer verdünnten
Alkohol. Wir genießen Bier mit einem ungefähren Pro=
zentgehalt
von 35 Prozent Wein mit einem von 815
Prozent und Branntwein mit einem von 3050 Prozent
Alkohol, und dieſe Tatſache iſt ſehr wichtig. Denn manche
Leute bilden ſich ein, daß, was vom reinen Alkohol gilt,
auch von dem mit Waſſer verſetzten gültig iſt. Das iſt
aber grundfalſch. Man lieſt oft, Alkohol iſt ein Gift,
welches ſcharf ſchmeckt, das Waſſer anzieht, dieſe und jene
Giftwirkung hat und deshalb nicht genoſſen werden darf.
Man kann leicht zeigen, daß nahezu ganz dasſelbe auch
von dem Kochſalz gilt. Schlucken wir einen Eßlöffel Koch=
ſalz
mit wenig Waſſer verſetzt hinunter ſo wird uns das
ſehr ſchlecht bekommen. Mund, Speiſeröhre und vor allem
der Magen wird ſtark geſchädigt; es kann zu Blutbrechen
kommen und zu ſchwerer Verletzung des Magens. Eſſen
wir aber dieſelbe Menge Kochſalz mit Waſſer oder wäſſe=
rigen
Speiſen verdünnt, ſo tut ſie uns auch nicht das Ge=
ringſte
, im Gegenteil, das Eſſen würde ohne Salz fade
ſchmecken. Ja, wir bedürfen des Kochſalzes ſogar; denn
völlige Enthaltung von, Kochſalz macht den Menſchen
ſchwer krank, ja tötet ihn ſicher nach längerer Zeit. Alſo,
Kochſalz in einer entſprechenden Menge Waſſer gelöſt, iſt
vollſtändig harmlos; Alkohol in einer entſprechenden
Menge Waſſer gelöſt, iſt es auch. Indem ich dieſe Behaup=
tung
niederſchreibe weiß ich, daß viele, die ſie leſen, ein
geheimes Grauen überfällt. Wie, werden ſie ſagen, das
Giſt Alkohol ſoll unſchädlich ſein? Das iſt doch nicht mög=
lich
. Es iſt aber doch möglich. Denn jedes Gift hat eine
untere Grenze, unter welcher es genoſſen, vollkommen un=
ſchädlich
iſt. Ich kann hier nicht näher auf dieſe wichtige
Frage eingehen, möchte aber nur bemerken, daß derartig
ſchwache, infolge ihres Alkohols ſicher nicht ſchädliche Ge=
tränke
unter 2 Prozent Alkohol in England nicht als al=
koholiſch
beſteuert werden, und daß Leute, die in Schweden
ſolch leichte Biere trinken, als Abſtinenten bezeichnet wer=
den
und ſich ſelbſt ſo bezeichnen.
In Konſequenz dieſer bemerkenswerten Ausführun=
gen
, führt der Verfaſſer die verhängnisvollen Folgen des
Alkoholismus auf die einfache Tatſache zurück, daß eben
alkoholiſche Getränke mitunter in zu großen Mengen ge=
noſſen
werden. Von den Schädigungen des Alkoholismus
entwirſt der Verfaſſer ein, wie nicht anders zu erwarten,
ziemlich düſteres Bild. Wenn er gleich im Anfang den
Alkoholismus wohlverſtanden nicht den Alkohol als
einen Menſchenfreſſert hinſtelte und darauf hinweiſt, daß
an direktem Genuß von Alkohol in Deutſchland durch Un=
glücksfälle
, Selbſtmord uſw. wohl gegen 40 000 Menſchen
jährlich ſterben, alſo etwa ſoviel, wie im deutſch= franzö=
ſiſchen
Kriege 1870/71 auf unſerer Seite gefallen ſind ſo
dürfte es dem Verfaſſer doch ſchwer fallen, dieſe Zahl
ſtatiſtiſch exakt zu begründen. Es iſt dabei auch zu berück=
ſichtigen
, daß die Bevölkerungszahl ſeit 1870 in Deutſch=
land
ſich mehr als verdoppelt hat und daß, ſelbſt die Zahl
von 40000 durch den Alkoholismus Geſchädigter als zu=
treffend
angenommen, dieſes einem Prozentſatz von 0,057
der Bevölkerung Deutſchlands entſprechen würde, ein Pro=
zentſatz
, der, ohne damit die bedauerlichen Wirkungen des
Alkoholismus zu unterſchätzen. im Vergleich zur geſamten
Polksmenge doch nicht als ſo außerordentlich hoch be=
zeichnet
werden kann, wie dies oft geſchieht. Dies um ſo
weniger, als bekanntlich nach der Statiſtik die Produktion
geiſtiger Getränke, auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet,
ſich tatſächlich nur im Rahmen der Mäßigkeit hält. Die
geſamte in Deutſchland hergeſtellte Biermenge beiſpiels=
weiſe
entſpricht einem Konſum auf den Kopf der Bevölke=
rung
von kaum 1 Hektoliter Bier jährlich und nur auf den
Kopf der erwachſenen Männer gerechnet von etwa 0,8
Liter täglich, alſo etwa dem Inhalt von zwei Flaſchen
Bier, ein Konſumquantum, das ſelbſt von einem ſo ſtreng
mäßigen Mann wie Geheimerat Fraenkel=Halle als
durchaus einwandfrei bezeichnet wurde.

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Roman von Fritz Gantzer.
(Nachdruck verbot

Timm Rasmuſſen ſah den Sprecher mit weitgeöff=
neten
Augen an. Ein Geſchäft? Er llachte mißtönend
auf, erhob ſich und griff nach ſeiner Mütze. Du biſt ver=
rückt
, Ehrenberg.
Nu, ſo bleib’ doch und hör’ erſt zu! rief der Krugwirt
in halber Beſtürzung über das unzugängliche Gebaren
ſeines Gaſtes und drückte ihn auf den Stuhl zurück. Nach=
her
kannſte ja machen, was De willſt, un mir meinet=
wegn
hundertmal für verrückt erklär’n.
Na, da red’ ſchon. Rasmuſſen blieb gleichmütig ſitzen
und ſtarrte angelegentlich durch das Fenſter, Plötzlich
fuhr er herum und muſterte Ehrenberg, der langſam und
mit Nachdruck ſprach, als ſtände ein Irrer vor ihm. . . .
Wie? Für ſeinen Sandberg hart am Dorfe, mit den
paar Knüppelkiefern darauf, der zu nichts nütze war, höch=
ſtens
einmal ein paar Fuhren Sand lieferte, wenn es galt,
den Hof aufzuhöhen, für dieſen elenden Sandberg bot
ihm der Krugwirt ſechshundert Mark bar Geld? Ja, der
war tatſächlich . . .
Und nun ſtand Timm Rasmuſſen abermals auf und
wollte zur Tür.
Ehrenberg vertrat ihm den Weg. Du, das is keine
Antwort nich, Timm, verſtehſte! Alſo ſechshundert Mark.
Willſte oder willſte nich?
Nee, zum Donnerwetter nich noch mal! ſchrie Ras=
muſſen
. Ich bin kein Betrüger, Ehrenberg.
Ich auch nich, Rasmuſſen. Ums Betrügen geht es
hier auch nich. Hier dreht ſich alles umn reelles Geſchäft.
Alſo ich kriege den Berg? Na, ſo red’ doch, Timm!

Der Bauer ſah an dem Hageren hinauf und hinab.
Was haſt Du vor mit meinem Berg? Sagk! forſchte er
mißtrauiſch.
Juſtus Ehrenberg ſpreizte und reckte ſich, lächelte ge=
heimnisvoll
und legte den Kopf mit einem pfiffigen
Augenaufſchlag zur Seite. Ja, ſiehſte, das möchſte auch
wiſſen! Nicht wahr? Na, wenn Du reinen Mund hal=
ten
kannſt! Es braucht nämlich noch nich jeder ’s Maul
drüber zu ſperr’n. Er kroch ganz dicht an den geſpannt
Auſhorchenden heran und fuhr flüſternd fort: Bauen will
ich da; ’n Satorium, will ich Dir ſagen.
Was?
in Satorium. So’n Ding für die, die ſich die kranken
Geiſtesſtrippen draußen aufs Land geſund machen woll’n.
Er lächelte breit. Siehſte, Rasmuſſen, dazu brauch’ ich
Dein’n Berg.
Bei Dir ſtimmt’s nicht, zweifelte der Bauer und
dachte ſich eine grobe Bezeichnung für den Bauluſtigen
hinzu.
’s kann ſein, meinte Ehrenberg grinſend, während
er zwiſchen den Münzen in den Hoſentaſchen wühlte, daß
es lockend klang.
Un nu komm, Timm, ich zahl’ Dir dreihundert Mark
an, den Reſt hriegſte, wenn wir die Auflaſſung hab’n.
Un morgen früh fahrn wir gleich nach Raſtenburg, wo
wir’s bein Notar ſeſtmachen woll’n.
Timm Rasmuſſen ſtand noch immer zögernd und
wußte weder ein noch aus. Er konnte die dunkle Empfin=
dung
, daß etwas bei dieſem Geſchäft nicht ſeine Richtig=
keit
hatte, nicht bannen. Als aber Ehrenberg dann be=
gann
, aus einem Blechkaſten eine Reihe ffunkelnder Gold=
ſtücke
auf einen der Tiſche zu zählen, trat er näher und
ſtarrte das blanke Metall begehrlich an,

Na, ſſo mach', Timm, klang es ermunternd an ſein
Ohr. Biſt Du noch nich mit Dir einig? Na, aber ſo was,
Menſch. So’n Geſchäft! Er ſchluckte ein paarmal heftig
und griff ſich nach dem Halſe, als würde ihm dort etwas
zu enge. Dann ſtieß er heiſer heraus: Wenn De nu aufm
Fleck ohne lange Sperenzchen ja ſagſt, lege ich bei den
letzten dreihundert noch zweihundert zu. Schlag’ ein,
Timm! Achthundert Mark! Er hielt ihm ſchon die
knochige Hand hin.
Timm Rasmuſſen überkam es wie ein Taumeln. Ab=
gemacht
, Ehrenberg! lallte er mit ſchwerer Zunge. Aber
daß es Dich nicht gereut!
Wir haben’s ja nu durch Handſchlag feſtgemacht, ſagte
der Krugwirt gewichtig und preßte Rasmuſſens Finger,
daß ſie wie in einem Schraubſtock ſaßen. Nu gibt’s kein
Gereuen nich mehr. Un der Notar ſagt morgen Ja un
Amen zu unſerm Geſchäft. Un nu trinken wir einen
drauf.
Timm Rasmuſſen ſagte kein Wort. Er nickte nur
ſchwerfällig, zählte das Geld nach und ſtrich es mechaniſch
zuſammen. Es lag ihm wie Blei in der Hand.
Ehrenberg ſtand ſchon hinter dem Schenktiſch und
ließ ein paar Gläſer Bier einlaufen. Seine Augen hingen
mit einem grinſenden Lächeln an der hageren, geduckten
Geſtalt des Bauern, der rein zum Erbarmen ausſah, ſo
erſorgt und zermürbt. Des Grinſenden Lippen beweg=
ten
ſich leiſe und formten unhörbar für den Bauer drei
Worte: So’n dummes Luder!
Die linden Lüfte ſind erwacht,
Sie ſäuſeln und weben Tag und Nacht,
Sie ſchaffen an allen Enden,
:: Sie ſchaffen an allen Enden. ,8
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Wer auf den Kaffeegenuss aus gesundheitlichen
Rücksichten verzichten muss, dem fällt heute
nicht mehr schwer, einen vollwertigen Ersatz
zu finden. Kornfranck riecht und schmeckct
überraschend kaffeeähnlich; er ist absoluf
rein und appetitlich, er ist gesund und jeder-
mann
bekömmlich, und dabei ist er viel
billiger als der Bohnenkaffee. Sinddiese Gründe
nicht triftig genug, auch Sie zu bestimmen,
sofort mit Kornfranck einen Versuch zu machen?
P&
(I,12089

Halt! Ein kraftvolles, lautes Organ gebot dies Halt.
Und der jubilierende Geſang aus friſchen, reinen Kinder=
kehlen
, der durch die geöffneten Fenſter des Schulzimmers
drang, ſich wie ein frühlingsſeliger Gruß zu dem
grauen, ſonnenlichtüberworfenen Turm hinüberſchmiegte
und gleich Lerchenjauchzen in die blaue Luft emporklet=
terte
, daß man hätte ſeiner Seele Flügel wünſchen mögen,
um mit den Tönen des Liedes aufſteigen zu können zu
leichter, froher Fahrt, brach jäh ab.
Mehr Duft, meine vielgeliebte, edle Sängerſchar!
Man muß merken, wie es duſtet. Noch einmal!
O, ſüßer Duft, o . . .
Haalt! Nee, das iſt kein Duft. Das iſt ganz was
anderes. Hört doch mal! So!
Nun ſang’s die kraftvolle Männerſtimme vor. Wie
weich und zart das klang! Wie es ſich gleich einem ſüßen
Beigenton in das Ohr ſchmiegte und in die Seele hinab=
floß
, um es ihr wirklich zu ſagen: Merk’ auf, Du ſchier
Verſtaubte, es iſt ein einziger Duft da draußen in der
Welt, ein Duft, in dem Du Dich wieder jung und froh
und ffrei baden ſollſt von all der grauen Not des toten
Winters.
So! Habt Ihr’s gehört, Ihr Jüngferlein und Jung=
herrlein
? Alſo, noch einmal!
O, ſüßer Duft
Schon duftiger! Aber noch beſſer! Ihr ſtöpſelt den
Duft gleich wieder ab. Aushalten, aushalten das Duſt:
Die volle, weiche Stimme her!
. So, ſehr ſchön! Weiter!
o, neuer Klang!
Nun, armes Herze, ſei nicht be
Nun muß ſich alles, alles wenden!
Und nun die zweite Strophe. Dann noch

Weile Lied um Lied. Und etwa nach einer Viertelſtunde
eine in den hellen Apriltag hinausſtürmende, heimwärts=
eillende
Kinderſchar, mit Singen und Jauchzen auf den
Lippen, dem Nachhall dieſer letzten Schulſtunde heute, der
einzig ſchönen Geſangſtunde mit all ihren Liedern von
Frühling, Duft, Licht, Farbe und reinem Glück.
Ludwig Bachhuber lehnte im Fenſter und ſah den
blonden und braunen Köpfen nach.
Seht Ihr, Euch habe ich heute gefaßt, flog es ihm zu=
frieden
durch den Sinn. Ihr ſeht den Frühling jetzt mit
richtigen Augen. Ihr riecht, ſchmeckt, fühlt, hört ihn mit
Euren jungen Seelen. Kein Kunſtſtück allerdings das,
mit ſolchen Wachsſeelen, in denen jedes leiſe Berühren
ſeine Spuren zurück läßt. Aber die alten Griesgrame
müßte man auch mal ſo harpunieren können, ihre Seelen
auſſpießen und ans Licht ziehen, heraus aus dem wun=
derlichen
Miſchmaſch grauer Allerweltsſorgen. Ja, das
wäre! Ach, Leute, Leute, wenn Ihr doch mal wollter
könntet! Ach, ſo ſingt doch mal wenigſtens, Leutchen!
Ja, ſingt! Es müßte viel mehr geſungen werden in der
Welt!
Das letzte ſagte Bachhuber leiſe vor ſich hin, beugte
ſich zum Fenſter hinaus und freute ſich über ſein Vor=
gärtchen
am Hauſe. Und als er nach links hinüberſah,
wo Fliederhecken mit prallen Knoſpen ſtanden und ein
Bänkchen und ein Tiſch darunter ihren neuen, hellgrünen
Anſtrich der lichten Sonnenmutter zum Trocknen anboten,
lächelte er leiſe. Dort ſaß der Frühling zwiefach in den
Hecken. Eine feine, ſchlanke Mädchengeſtalt beugte ſich
über eine Siedlung duftender Veilchen, ſammelte die
ſchönſten in ihre zarte Rechte und ſummte mit, leiſer
Stimme ein herziges Lied vom Lenz.

Bettina! rief Ludwig Bachhuber zärtlich. Da richtete
ſie ſich ſchnell hoch und ſah ſich lächelnd um. Sieh nur,
nkel, die ſchönen Veilchen!
Mußt Du denn gleich wieder plündern, Mädel? Du
biſt eine unverbeſſerliche Räuberhauptmännin.
In unſer Haus muß der Duft auch, ſagte ſie froh und
ſtrich ſich einige loſe Strähnen ihres nußbraunen Haares
aus der Stirn, das zu den dunkelblauen Augen, die der
Farbe der Blüten in ihrer Hand glichen, einen wunder=
ſamen
Kontraſt bildete. Ein ſchlichtes Hauskleid aus
lichtem Stoff umſchloß die vollendet geformte Geſtalt der
etwa Achtzehnjährigen.
Ludwig Bachhuber lachte. Die alte Bude! Sie glaubt
ja nicht mehr an den Frühling. . . . Du meinſt, doch,
meine Trauteſte? Scherze nicht, Bettina! Und wenn Du
der Weisheit meiner ſechs Jahrzehnte nicht glaubſt, ſo
frage den Jüngling, der da eben um die Turmecke biegt
und geradeswegs zu uns herüberſteuert. Der wird Dir’s
auch ſagen, daß wir uns auf unſere Burg nichts einzu=
bilden
brauchen. Sieh mal, wie höhniſch der Herrliche
die Lippen zuſammenkneift und die edle Naſe rümpft.
Der Herr Geradegucker!
Bettina Bachhuber blickte dem ihr auf dieſe Weiſe
aviſierten Ankömmling entgegen und erkannte in ihm den
Geometer. Denn wer in einer ſo vielfach erörterten
Sache, wie es eine projektierte Bahn iſt, als erſter reeller
Faktor auf der Bildſläche erſcheint, der iſt in den Engen
dörflicher Verhältniſſe ſchon nach vierundzwanzig Stun=
den
eine belannte Perſönlichkeit.
(Fortſetzung folgt.)

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Wenn Mutter krank ist
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Die Leiche in dem Brunnen
Ein koloſſal ſpannender Senſations=Schlager in 3 Akten.

Bubi hat einen Bandwurm
Koloſſale Lacherfolge.

6. Der Alte vom Berge
Eine ſehr gut geſpielte Komödie.

Der Fremdenlegichär

Ein Mahnruf an unſere Jugend!
Niemand verſäume den äußerſt ſpannenden Film zu ſehen.

8 Das kleinste Auto in der grössten Stadt der Welt

Ein jeder muſt das Programm geſehen haben.

Das neue Großstadt-Programm
(12186
als Premiere
Das erträumte Glück
Großes, ergreifendes Drama in 2 Akten
Irrwege zweier Schweſtern, die dem beſcheidenen Hauſe des
Großvaters entfliehen und in der Welt ſtatt des erträumten
Glücks nur bittere Enttäuſchungen erleben.

Nur 3 Tage die große Filmtragödie
wird auch Sonntags gezeigt

Ein Mahnruf an unſere Jugend!
Dieſer Film ſchildert uns Entbehrungen, Strapazen u. ſchauder=
hafte
Behandlung eines fremden Staates, denen ſchon
ſo mancher deutſche Jüngling zum Opfer gefallen iſt.

Einzig in ſeiner Art
Der Schlafwagenkontrolleur
Kinematograph. Bearbeitung nach der weltbekannten Komödie
von Alexander Biſſon in 2 Akten.

Als Eintage
Die Katzenbaronin
Großes Drama in 3 Akten
Dieſer Film bietet eine der größten Senſationen,
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Ab heute, nur 4 Tage:

und Oofer der
Freiidenlegion!

Ein Mahnwortfür unsere deutscheJugend!
Gewaltige und ergreifende Schickssalschläge zweier
deutscher Jünglinge in 4 Akten. Ihre Ueberlistung
durch Agenten in Frankreich, ihre Verschleppung in
die verrufene Fremdenlegion nach Algier, ihre Leiden
und Entbehrungen und ihr tragischer Tod im dunklen
Afrika. Mit ihm tritt der Kinematograph als letzter
Faktor vor die Front aller bisher erschienenen Be-
kämpfer
einer unwürdigen Staatseinrichtung, die all-
jährlich
über 2000 deutsche Jünglinge zum Opfer
fordert, und stellt seine Technik in den Dienst einer
grossen kulturellen und nationalen Bestrebung.

Im Pim.

b Samstag, den 23. Mai

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nicht mehr in meinen Dienſten ſtehen,
und da die Adreſſen meiner Hauskundſchaft
mir leider nicht bekannt ſind, bitte ich gefl.
Aufträge und Adreſſen durch Poſtkarte mir
zukommen zu laſſen. Hochachtungsvoll
Georg Delp, Bäckerei
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Bad Mergentheim. Begünſtigt vom herrlichſten Früh=
lingswetter
entfaltet ſich in unſerm württembergiſchen

Karlsbade ſchon ein reges Kurleben. Der wohlgepflegte
alte Kurpark prangt im ſchönſten Grün und laſſen neben
den anderen kleinen gefiederten Sängern die Nachtigallen
in lauer Frühjahrsnacht ihr Lied erſchallen. Unſere alte
Deutſch=Ordens=Reſidenz iſt gerüſtet, die an unſerer Quelle
Heilung ſuchenden Gäſte würdig zu empfangen und hat es
ſich unſere Kurverwaltung angelegen ſein laſſen, durch
weitere großzugige Verbeſſerungen und Neugnlagen
den Kurgäſten Neues und Schönes zu bieten. Das
bedeutend verſtärkte Kurorcheſter findet bei den
Anfang Mai wieder beginnenden regelmäßigen Kur=
konzerten
ein neues Heim einen neu erbauten

modernen Muſikpavillon vor Die Frequenz
Mergentheims hat ſich dank der außerordentlichen Heil=
erfolge
unſerer Quellen bei Zuckerkrankheit, Gallenſteinen,
Fettſucht, chroniſchſer Verſtopfung, Leberleiden, Mackeri=
und Darmerkrankungen, Gicht ꝛc. in den letzten Jahren
verfünffacht. Nach den vorliegenden Anzeichen iſt eine
weitere bedeutende Steigerung des Beſuchs in dieſer Sai=
ſon
zu erwarten, und werden neben den alten auch die
neuen Freunde Mergentheims nach Wiederherſtellung und
Stählung ihrer Geſundheit dankbaren Herzens den Ruhm
unſeres Bades verkünden.
Seelisberg (800 Mtr. u. M.) Schweiz. Aus den
blauen Fluten des Vierwaldſtätterſees ſteigt der Berg jäh
empor, dort, wo der Uebergang aus der lieblichen Hügel=

72
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gelegen. Großer, ſchattiger Garten mit gedeckten Terraſſen
und prachtvoller Ausſicht auf Berge und Wald. Zimmer mit
und ohne Penſion. Vorzügliche Verpflegung. Touriſten
und Vereinen beſtens empfohlen.
Gute Küche. Helle und dunkle Biere. Reine Weine.
Vorzüglichen Kaffee und Kuchen.

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Idealer Erholungs- u. Ausflugsort; vorzügl.
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phon
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und Voralpenlandſchaft zur Hochgebirgsnatur ſich voll=
zieht
. Eine ſtolze Felſenburg und ein Auslug nach Oſten
und Weſten über den See. Die geünen Hügel die frucht=
baren
Geſtade und Täler, der himmelblaue See und die
glitzernden Alpen treten auf dieſer Ausſichtswarte herrlich
in die Erſcheinung. Mit ſeinen blühenden Matten rau=
ſchenden
Wäldern, ſtillen, ſtaubfreien Wegen iſt Seelis=
berg
geſchaffen zum Ruhen und die Schönheiten einer
großen Natur auf ſich wirken zu laſſen. Hotel= und Pen=
ſion
Bellevue erfreut ſich durch ſeine bevorzugte Lage und
gute Führung einer ſtets ſich mehrenden Klientel. Die
prachtvolle Parkterraſſe mit 300 Meter Seefront gibt lücken=
los
alle Schönheiten des Landſchaftsbildes von Seelis=
berg
wieder.

(I,11640

Hotel Bären‟ a. Post

Altrenom., beſteingerichtetes, prachtvoll
gelegenes Hotel an der Pragel= und
Klauſenſtraße. Schöne Zimmer m. Bal=

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736 Meter. Herrliche Lage mit großartigem
Alpenpanorama. Geschätzter Luftkurort.
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Idylliſche Lage bei der Dampfſchiffſt. mit pracht. Ausſicht
auf See und Gebirge. Groß. Gelände direkt a. See u. ſchatt.
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Penſ. v. Fr. 5. an. Proſp. gratis d. Th. Furler, Beſ.

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Wildbad (Württ.), wegen ſeiner altbewährten Heil=
quellen
gegen Gicht, Rheumatismus, Ischias uſw hoch=
geſchätzt
und weithin bekannt, liegt 430 Mtr. ü. M. im
nördlichen Schwarzwald in einem der reizendſten Schwarz=
waldtäler
, dem Enztale, umgeben von ſteilen, prächtig be=
waldeten
, bis 800 Mtr. u. M. hohen, gegen rauhe Winde
Schutz bietenden Bergen. Das ſchmucke Städtchen, 4067
Einwohner zählend, iſt Endſtation der 23 Kilometer lan=
gen
Enztalbahn, welche in Pforzheim von der großen in=
ternationalen
Reiſeroute Wien-Paris abzweigt, Aus=
gangspunkt
der Autoverbindungen ins Alb=, Murg,= und
Oostal (Herrenalb-Gernsbach-Baden=Baden) ſowie

Teinach= und Nagoldtal (Teinach-Calw-Liebenzell).
Durch eine Drahtſeilbahn auf den Sommerberg (750 Mtr.
u. M.) iſt das weitausgedehnte, mit herrlichem Tannen=
wald
bedeckte Hochplateau weſtlich des Enztals, das gegen
1000 Meter Höhe erreicht, erſchloſſen und bequem zugäng=
lich
gemacht.
Engelberg (Schweiz). Am Fuße des Titlis 1019 Mtr.
u. M., unſchloſſen von einem wundervollen Vergkrangze,
liegt Engelberg. ein Juwel der Alpenwelt. Eine Fülle
von Licht ſchwebt in und über dem Tale. Auf dem ebenen,
grünen Wieſenplan ſteht das Dorf, mit der Eleganz und
dem Komſort moderner Kultur, neben altbäteriſcher Ori=

ginalität. Die berühmke, im 12. Jahrhundert gegründete
Abtei birgt wertvolle Kunſt= und Altertumsſchätze. Das
Geößte aber bietet die Natur. Die auf über 3000 Meter
emporragenden Gletſcherberge leuchten, wie Speer an
Sper ragen die glänzenden Zimen und Zaken zum Him=
mel
empor. Die Gletſcherbäche rieſeln in weißen Schleiern
über die Felſen und die Wälder und Alpenmatten duſten
in ihrer Pracht. Den Beſuchern dieſes ſchönen Fleckens
wird die Hotel=Penſion Müller u. Hoheneck ſehr empfoh=
len
. Es iſt ein altrenommiertes, komfortables Haus in
welchem ſich die Gäſte wohl und heimiſch fühlen. Die
Preiſe ſind mäßig.

Hotel-Dension, Restaurant
am Wild-Park b. Darmstadt
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weitgeh. Entgegenkommen.
Restaur. A. Bärenfänger.

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Fuhrwerk zu Diensten.
Nächste Bahnstation: Messel (20 Min.)

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Kuchen, Torten, Kranz etc.

Menü für Sonntag
den 17. Mai.
Legierte Blumenkohl-Juppe
Heilbuttfilet mit Krebssauce
Gedämpfte Ochsenrippe (garn.)
Salat
Kompott
Gemischies Eis (11os
Preis Mk. 2.

Mahdennon-Kanz Darmstadt
Gegründet 1911
Grösster Mandolinenverein Mitteldeutschlands
Mitglied des Verbandes südd. Mandolin- u. Guitarre-Vereine
Sitz Karlsruhe.

Sonntag, 17. Mai 1914.

im Saale u. Garten der Restauration Zum
weißen Schwanen‟ (Erzgräber), Arheilgen
bestehend aus
Konzerts Ensemble-Vorträge des Mandolin- u. Guitarre-
Orchesters des Vereins. Ferner Gesangs- u. humoristische
Vorträge, Violinsolo, Lieder zur Laute, Solo für Tylophon etc.
Tanz: Gutbesetzte Tanzmusik.
Kombola: 1. Preis eine Guitarre.
Zu dieser Veranstaltung gestatten wir uns Freunde und
Gönner unseres Vereins höflichst einzuladen.

*13999)
Anfang 4 Uhr

Mit Gut Klang‟
Der Vorstand.
Eintritt frei

Aus Anlass des Stenographentagest
Sonntag, den 17. Mai, pünktlich abends 8 Uhr,
in ſämtlichen Räumen des
Kaiser= und Fürstensaales
Abend-Unterhaltung mit Janz
wozu wir unſere Mitglieder ſowie Freunde und Gönner unſerer
Sache freundlichſt einladen. Beſondere Einladungen ergehen nicht.
Eintritt 50 Pfg.
(1977ms
Kaufmänn. Stenographen=Geſellſchaft Gabelsberger
Abteilung Geſelligkeit.

Ludwigshöhe
Sonntag den 17. Mai 1914
Grosses
Militur Konzert
ausgeführt von der
(B12191
Kapelle des Großh. Artillerie=Korps.
Leitung Herr Obermuſikmeiſter Mickley.
Im Programm: Gralsritter aus Parſifal von
Wagner, mit Benützung der von Richard Wagner an=
gegebenen
Original=Parſifalglocken.
In Darmſtadt zum erſtenmal in Anwendung.
Andaug 4 Uhr.

Varlele-Thenter Perke0
Alexanderſtraße 12 und 14
2. Hälfte Mai
täglich abends 8 Uhr:
das große Programmder W.
Schragl’s Münchner Sterne.
Beſtreiſendes Enſemble in dieſem
Genre.
Allabendlich außer dem vorzüg=
lichen
Varieté=Programm
2 tolle Burlesken.
NB. Monat Juni Hahnemanns
Burlesken.
(12124a

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Württ.
seit Jahrhunderten bewährt gegen Rheumatismus,
Schwarzwald. Gicht u. dergl. Dampf-, Heißluft- und kohlensaure Bäder,
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Neues Kurhaus. Bergbahn zum Sommerberg (730 m) mit
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herrlichen Tannenwäldern, Kurkapelle, Theater Fiacherei
Pforzheim-
Prosp. d. die Kgl. Badverwaltung.
Wildbad.

Heute Samstag
Metzel=
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Hierzu ladet ergebenſt ein (*1403
Georo Diehl
Zur Burgschenke‟
Mathildenplatz 18 Hofſtallſtraße.

Fürſtenaner Hof‟
Heute Samstag
Schlacht=
tag
.
Zum Frühſtück=
Wellfleiſch mit Kraut, friſche
Bratwurſt
wozu freundlichſt einladet (*13926
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Schloßgaſſe 3.
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Steinſtraße 35.

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Sofort trocknend u.
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Gelbbraun, eichen,
mahagoni, nussbaum.
Friedrich Schaefer.

Fregramn
zu dem am Samstag, den
16. Mai, von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Großh. Art.=Regts. Nr. 61.
1. Frühlingsboten (O bitte
euch, liebe Vögelein), Marſch von
Janovius. 2. Ouvertüre zur Oper
Martha von Fried. v. Flotow.
3. Zwei Stücke von Fr. Schubert:
a) Ständchen (,Leiſe flehen meine
Lieder‟): b) Moment musical‟.
4. O ſchöner Mai, Walzer aus
der Operette Prinz Methuſalem‟
von Joh. Strauß. 5. Das Herz
am Rhein‟ (Es liegt eine Krone‟),
Lied von Hill. 6. Hurra, Zeppe=
lin
!, Marſch von S. May; An
die Geſchütze‟, Marſch von P.
Probſt.

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Modernes Warmbadehaus mit großem Inhalatorium, Luft- und
Sonnenbad. Beliebtes Nordseebad mit stärkstem Wellenschlag.
Meilenlanger, samtweicher, staubfreier Strand. Reitinstitut.
Prospekte kostenlos durch die Badeverwaltung und die Annoncen-
büros
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Abgemagerte
kommen zu Kräften
durch gute, leicht verdauliche Nahrung.
Wenn sie dabei täglich morgens und
abends das altbewährte tausendfach
ärztlich empfohlene Kräftigungsmittel
Kasseler Hafer-Kakao
geniessen, werden sie alsbald eine Zu-
nahme
der Körperkräfte zu verzeichnen
haben. (Nur in blauen Kartons zu 1 M.)

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)

Richtige Ausſtellungen und andere. Man muß hier vor=
lieb
nehmen. Berlin als Ausſtellung an ſich Blüten
und Blumen. Zur Kritik! Ein merkwürdiges Ruhe=
plätzchen
. Vom lieben Fiskus. Geduldproben. Das
Wörtchen ſoll‟ Die mitleidigen Berliner. Zum
Hinſcheiden Frau von Bethmann Hollwegs. Aus dem
Reichskanzlerpalais. Ein Brief Johanna von Bismarcks.
Es gibt ſo’ne und ſone Sachen, ſagt häufig der Ber=
liner
und blinzelt dabei vielſagend mit den Augen. Und
ſo kann man diesmal von Berlin ſagen, daß es bei uns
in dieſem Frühling ſo’ne und ſone Ausſtel=
lungen
gibt! Ausſtellungen, die man beſichtigen kann,
und Ausſtellungen, die man kritiſch ausübt, indem man
dies und das bald an dieſem, bald an jenem höchſt miß=
vergnügt
auszuſtellen hat. Die großen Ausſtellungen
zwar ſind uns wir rechnen hier die gewohnheitsmäßige
Kunſtausſtellung nicht mit von anderen Städten weg=
geſchnappt
worden, wie wir’s ſchon längſt gewöhnt ſind
von Leipzig, Köln, Darmſtadt uſw. Wir müſſen uns mit
den kleineren Dingen begnügen, mit einer Kochkunſt=
und einer Varieté=Ausſtellung, die beide
nicht allzu aufregend ſind. Denn auf der einen kann man
ſich weder ſatteſſen, noch auf der anderen ſatiſehen, aber
beide ſind an ſich ganz hübſch und finden ja auch ihr Pu=
blikum
, die erſtere noch mehr wie die letztere. Denn wo
es was zu präpeln gibt, da iſt der Berliner und noch
mehr die Berlinerin ſtets dabei. Und in dieſer merkwür=
digen
Kochkunſt=Ausſtellung gibt’s ſogar allerlei leckere
Dinge umſonſt, wenn man den richtigen Zeitpunkt und
die rechte Gelegenheit erhaſcht. Bei der Eva dagegen,
wie man nach beliebtem Abkürzungsverfahren die Varieté=
Ausſtellung nennt, kann man ganz intereſſante Vergleiche
zwiſchen dem Einſt und Jetzt anſtellen zwiſchen den auf
armſeligen Karren einherziehenden Seiltänzern und den
modernſten Tricks der Jongleure und Athleten, die an
einem Abend ſoviel Honorar einſtreichen, wie ihre Kol=
legen
vor einem Jahrhundert nicht im Laufe von zwölf
langen und bangen Monden.
Aber müſſen wir denn überhaupt einzelne Ausſtel=
lungen
haben, bietet nicht Berlin eine fortwährende
Ausſtellung von echt weltſtädtiſcher Art, mit mancher=
lei
Einzelabteilungen? Seht Euch doch jetzt mal bei uns
um, durchwandert die Straßen, ſchreitet über die Plätze,
nehmt als Ziel die Angliederungen, die man als Groß=
Berlin bezeichnet. Da werdet Ihr gegenwärtig eine un=
geheure
Blumen=Ausſtellung finden, wie ſie tat=
ſächlich
keine andere Stadt der Erde in dieſem Umfang
und in dieſer Schönheit aufzuweiſen hat. Es hat ordent=
lich
etwas rührendes, zu beobachten, wie die einzelnen
ſtädtiſchen Verwaltungen in rühmenswerten Wettkampf
treten, um jedes geeignete freie Stückchen inmitten der
langen Häuſerreihen in einen Blumengarten zu verwan=
deln
. Hunderttauſende von knoſpenden Pflänzchen, von
ſchüchternen Blüten ſind im Laufe des April und Mai
eingepflanzt worden, wurden ſorgſam gehegt und gepflegt
und erwieſen ſich unendlich dankbar durch ein friſches Ge=
deihen
und Blühen. Daneben duftet es aus dichten Ge=
büſchen
von Flieder uud Goldregen und die weißen
Schneebälle leuchten hell aus vollem Grün hervor wäh=
rend
an anderen Stellen ſüdliche Pflanzen und Palmen
ihre Blätker ausbreiten, als ob von jeher der märkiſche
Boden ſo ſeltſame Kinder ſüdlicher Flora beherbergt. Es
iſt freilich ein koſtſpieliges Vergnügen, welches Mutter
Berolina ihren Kindern bereitet, denn allein Berlin ſelbſt
bezahlt jährlich faſt 2¾ Millionen Mark für dieſen Schmuck
ſeiner Parks und Straßenanlagen, und ſicherlich geben die
ſogenannten Nachbarſtädte wie Charlottenburg, Schöne=
berg
, Wilmersdorf, Neukölln uſw nicht weniger aus. Na,
und wenn wir ſonſt unſere Straßen entlang wandern, da
ſehen wir allein ſchon in den Schaufenſtern eine ganz in=
ternationale
Ausſtellung der mannigfachſten Art, die im=
mer
wieder und wieder die Schritte hemmen läßt. Und
im Gegenſatz zu den Pariſer und Londoner Geſchäften,
deren Mehrzahl ſich als äußerſt konſervativ erweiſt, nament=
lich
was das Kunſtgewerbe anbelangt, trifft man hier ſtets
auf Neuheiten, denn das gehört ja auch zur Berliner
Eigenart, daß hier nur der Wechſel beſtändig iſt.
Noch beſtändiger freilich ſind die Ausſtellungen, die
nicht in, ſondern an Berlin gemacht werden, bald von
fremder, bald von einheimiſcher Seite, bald mit Recht,

bald mit Unrecht. Mit Recht jedenfalls, wenn man einen
ganzen See von Spott über den Vorplatz am Pots=
damer
Bahnhof ausgießt. Schade nur, daß dieſer
See nicht ganz echter und rechter, naturgewaltiger Art iſt
um die niedrigen Mauern eines winzigen Kirchhöfleins,
das ſeit mehr denn fünf Dezennien ſeine eigene Beſtim=
nung
völlig vergeſſen hat, niederzureißen. Was, höre ich
fragen, einen Kirchhof vor dem Potsdamer Bahnhof, den
haben wir ja noch nie bemerkt, und ſind doch ſchon ſo oft
ntlang gegangen! Gewiß, ſelbſt an die umhegende Back=
ſteinmauer
, den Stützpunkt nicht gerade allzu anmutiger
Blumenverkäuferinnen und betriebſamer Zeitungsaus=
rufer
, hat man ſich ſchon gewöhnt und ſchimpft höchſtens
über den engen Bürgerdamm, auf welchem ſich zu den be=
lebten
Stunden die Fußgänger gegenſeitig drängeln,
drücken und treten. Solch mit ängſtlicher Sorgſamkeit be=
hüteter
, aus längſt vergangener Zeit ſtammender, verkehrs=
hemmender
Reſt, der auch nicht die geringſte Bedeutung in
rgend welcher geſchichtlichen oder künſtleriſchen Beziehung
hat, wäre tatſächlich in einer anderen Weltſtadt undenkbar.
Hier aber wird er liebevoll gehütet, weil der verehrte
Fiskus eine merkwürdige Liebe für ihn hat, die allerdings
mit ſeinem ſehr dehnbaren Geldbeutel in verdächtiger Ver=
bindung
ſteht. Ja. um dieſes Plätzchen möglichſt hoch aus=
zunutzen
, wollte beſagter Fiskus hier ein Café erreichten
laſſen, weil deſſen Beſitzer natürlich eine ganz gewaltige
Pacht jährlich bezahlt hätte. Von dieſer Kateridee iſt man
glücklich abgekommen, wahrſcheinlich fanden ſich doch einige
vernünftige Stimmen, die warnten, die berühmte Berliner
Geduld nicht auf eine gar zu harte Probe zu ſtellen
O wir haben ja gelernt, geduldig zu ſein, wenigſtens
innerhalb unſerer eigenen ſteinernen Grenzen. Und dann
wundern ſich die da draußen wenn bei ihnen die Ber=
liner
mal ein bischen ungeduldig werden, falls alles nicht
gleich im Eilzugtempo klappt! Irgendwo muß der Menſch
doch mal ſeinen Gefühlen Luft machen können! Wozu iſt
denn ſonſt das draußen da! Welche=Geduldprobe wird
uns beiſpielsweiſe mit unſerem neuen Opernhaus
auferlegt! Immer wieder und wieder hört und lieſt man,
daß die ganze Geſchichte noch nicht ſpruchreif wäre, heute
werden jene Einwendungen gemacht, morgen treten Ver=
eine
mit ellenlangen Beſchlüſſen dagegen auf, übermorgen
empfiehlt man den betreffenden Behörden aufs drin=
gendſte
, nicht unnötig allerhand Grundſtücke im Tiergarten
zu erwerben, da ja der Bau an eine ganz andere Stelle
kommen würde und man aus reinſter Menſchenfreundlich=
keit
den Staat vor einem materiellen Opfer bewahren
möchte. Während all dieſer Zänkereien und man ver=
zeih’
das ehrliche Wort Stänkereien lag der Budget=
Kommiſſion des Abgeordnetenhauſes bereits eine Verein=
barung
zwiſchen dem Staat und der Stadt Berlin wegen
des neuen Opernhausplanes vor. Hierbei handelt ſich’s
beſonders um die finanzielle Beihilfe der Stadt und um
Abtretung eines ihr gehörenden Geländes. Damit Frau
Berolina ihr Geſicht behält, wie man ſich ſo hübſch in
China ausdrückt, wenn man eine beſſere Mogelei beabſich=
tigt
, ſoll die Stadt ihr Wörtchen mitzuſprechen haben bei
der Ausſchreibung eines Wettbewerbs zur Verſchönerung
des Königsplatzes. An der weſtlichen Seite desſelben ſoll
ja bekanntlich das neue Opernhaus ſeine Stätte finden
ſoll, ja, das iſt auch ſolch Wort, das im Wörterbuche
Berlins leider gar zu häufig Verwendung erhalten hat.
In dieſem Lexikon findet das Wort Mitleid be=
ſondere
Berückſichtigung. Ja, der Berliner iſt mitleidig,
wenn es auch in ſeinem Weſen liegt, daß er’s nicht wahr
haben will. Er verbirgt ſein Mitleid unter irgend einer
raſchen, wohl auch ſchnoddrigen Bemerkung, genau wie
ſeine Rührung, die er häufig mit einem Scherz verhüllt.
Jenes Mitleid konnte man ſo recht wieder beobachten ge=
legentlich
des Hinſcheidens der Gattin Herrn
von Bethmann Hollwegs. Unſer Reichskanzler
iſt durchaus nicht, was man volkstümlich nennen kann,
er hat auch nie danach geſtrebt und hat gar nicht das
Weſen dazu, ſich die Beachtung weiteſter Volkskreiſe zu er=
ringen
, was ſeine Perſönlichkeit, ſein Tun und Handeln
als Menſch anbelangt. Aber das Hinſcheiden ſeiner Ge=
mahlin
hat ihn vielen menſchlich näher gebracht und ihm
manch herzliches Wort ehrlichen Mitempfindens auch von
jenen Seiten eingetragen, die ſich ſonſt wenig um ihn ſelbſt
gekümmert. Gerade ein Staatsmann in ſolch leitender,
verantwortlicher und aufreibender Stellung, wie es die
des Reichskanzlers iſt, muß ſo recht den innigen Frieden
der Häuslichkeit, den ja doch nur eine liebe, feinſinnige
mitempfindende Frau gewähren kann, haben, ſoll er auf
ie Dauer ſeinen ſchweren Aufgaben gerecht werden. Frau
von Bethmann Hollweg, der rechte Typus der blonden,
ſtattlichen, märkiſchen Landedelfrau, wirkte mehr im
Stillen. So gut ſie, ſchon durch ihre gewinnende äußer=
liche
Erſcheinung, zu repräſentieren verſtand lag ihr doch
eigentlich nicht allzu viel daran, und war ſie gewiß ſtets
froh, wenn es aus der Wilhelmſtraße nach dem ſtillen
Hohenfinow ging. Denn in Berlin waren die Stunden
recht karg bemeſſen, die ſie mit ihrem Gatten verlebte, Ar=
beit
und Arbeit, Pflichten und Pflichten, Beſuche über Be=
ſuche
, dazu Aufregungen und Aerger in Hülle und Fülle,
das gehört ja leider zum Tageslaufe des erſten Staats=
beamten
unſeres Reiches. Genau wie einſt Johanna
von Bismarck aus der Wilhelmſtraße in einem Briefe
geſchrieben: Dieſen Schwirr von früh bis ſpät jeden und
jeden Tag vertrage ich kaum. Ich werde allgemach un=
ausſtehlich
dabei und die Sorge um Bismarck ſeufzt un=
unterbrochen
in den kläglichſten Mollauten durch mein
Herz man ſieht ihn nie und nie. Morgens beim Früh=
ſtück
fünf Minuten während Zeitungsdurchfliegens alſo

ganz ſtumme Szene. Darauf verſchwindet er in ſeinem
Kabinett, nachher zum König, Miniſterrat, Kammer=
ſcheuſal
bis gegen 5 Uhr, wo er gewöhnlich bei irgend
einem Diplomaten ſpeiſt, bis 8 Uhr, wo er nur en passant
guten Abend ſagt, ſich wieder in ſeine gräßlichen Schreibe=
reien
vertieft, bis er um ½10 Uhr zu irgend einer Soiree
gerufen wird, nach welcher er wieder arbeitet bis gegen
1 Uhr und dann natürlich ſchlecht ſchläft. Und ſo geht’s
Tag für Tag ſoll man dabei nicht elend werden vor
Angſt und Sorge um ſeine armen Nerven? Und dieſe
Schreiberin hat ausgehalten in dem ſchlichten Palais der
Wilhelmſtraße bis zum letzten Augenblick und hat alles
Schwere geduldig und beruhigend mitertragen helfen.
Zum erſten Male nun verläßt ein Trauerzug jenes Pa=
lais
, auf das ehrlichſte wird man mitempfinden mit ſei=
nem
vereinſamten Bewohner.

Gewinnausing
der
4. Preußiſch-Füddeutſchen
(230. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlottekie
5. Klaſſe 6. Ziehungstag 14. Mai 1914

Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und I.

(Ohne Gewähr A. St.=A. f. B.)
(Nachdruck verboten)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
4 Gewinne zu 30000 Mk. 70132 196948
4 Gewinne zu 10000 Mk. 56709 207648
4 Gewinne zu 5000 Mk. 106902 158240
108 Gewinne zu 3000 Mk. 3218 6334 5608 6880
11567 2857) 31464 35252 46104 54430 65530 59789
67898 70097 70467 73283 74222 79011 90455 94506
106365 112404 115439 117148 117487 123543 124086
131162 140877 141809 150326 154637 3156065 158946
159974 164982. 170350 171888 175720 177993 179508
190162 199442 203840 209391 209921 210159 211306
212030 221751 226003 228468 230804 232131
148 Gewinne zu 1000 Mk. 3307 5034 7387 9777
10676 1251.6 18217 14049 17671 19062 20695 27482
81477 34647 37492 42660 48216 54221 58669 65930
66296 70572 71.763 72434 82197 84135 86339 88067
90021 94685 100062 101377 101979 104506 104529
106079 108212 110267 111384 115053 115442 119595
119863 121722 522048 123407 123822 127182 131995
132678 133226 135359 138011 138966 145762 150306
150721 151440 154596 168253 164749 165601. 166390
172197 192055 196579 207515 214797 216968 222276
222730 225026 230466 231358
202 Gewinne zu 600 Mk. 1827 3401 3825
6754 6856 10760 10992 12929 14959 20760
20975 26183 27969 32496 35685 42277 46152 48605
50155 50451. 53349 64467 54544 55047 56931
60883 64071 64107 65257 65936 66555 69415
71503 76339 78582 81495 84712 88547 90195 96082
96295 87012 104943 107243 111633 112019 114698
117805 117995 118653 119271 120375 121261. 122718
124756 124931 126878 133205 136228 141874 144033
146143 147133 149560 150532 150822 151266 154094
154156 154488 155665 158189 163004 166776 167728
169544 169692 171218 174786 175964 176226 177652
1.79310 179331 184917 188136 194580 197749 200538
201348 204062 205205 211708 213720 213784 213874
215419 216431 218776 220851 232762
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 15000 Mk. 101219
10 Gewinne zu 5000 Mk. 63891 95402 108412
129553 204321
76 Gewinne zu 3000 Mk. 3044 3726 6032 9201
26096 29704 30290 31453 33568 41237 44968 53207
63327 54003 55949 70270 87037 92287 99424 102709
107824 109233 110385 115740 118325 121720 125021
169006 169396 170994 176713 191452 193590 202929
204352 213052 215824 233040
172 Gewinne zu 1000 Mk. 14164 15109 17981
19578 24658 26342 27281 28767 30601 33693 33767
84819 37052 37166 37226 40342 41005 46986 49094
53043 53962 57014 58358 58556 62923 64918 66118
66409 6649a 69021 81112 83499 89076 90107 91011
92160 92836 93592 96958 98635 99312 101442 102763
116939 121793 122406 128814 129027 129955 130516
136032 136641 142690 146258 150554 152199 155853
156974 157639 157916 160946 164142 165412 170187
172164 174639 180733 185063 187546 189179 192552
194493 196139 203615 207015 207148 207372 211926
214036 217765 221641 221664 223270 231904 232449
233425
194 Gewinne zu 500 Mk. 1017 2265 5247 7851
10768 10891 24106 27559 32041 33680 34163 34696
37914 39591 43810 47453 47538 48207 49927 50304
66745 62656 62892 62925 72285 73524 73600 73949
75891 76931 77447 81659 87726 97229 97810 98540
99657 100078 100761 101590 102973 105372 107239
110082 110576 111443 114820 121654 123427 125620
126897 127285 128142. 131986 132254 134720 136885
141393 141901 143662 143905 146335 148337 150647
158326 158549 164430 164962 165287 170409 171033
174581. 175948 178686 184437 191270 194114 194813
200990 204866 206845 207074 209868 211298 216176
216522 217017 217496 218683 222038 222315 222676
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Falkenſtein, Schloßgartenſtr. 21, ein S. Lorenz Georg.
Am 11.: dem Fabrikarbeiter Heinrich Saul, Liebfrauen=
ſtraße
44, eine T. Am 10.: dem Mobeltransporteur Peter
Winkel, Obergaſſe 44, ein S. Albert. Am 12.: dem Kauf=
mann
Salomon Lichtenſtein, Ludwigſtr. 12, ein SS. Ro=
land
Max. Am 11.: dem Chemiker Dr. phil. Benno Eger,
Eliſabethenſtr. 41, eine T. Marie Lieſelotte. Am 9.: dem
Oberlehrer Karl Kohlbacher, Bismarckſtr. 42, ein S.
Am 8.: dem Tapezier Adolf Krug, Mauerſtr. 10, ein S.
Friedrich Jakob. Am 10.: dem Oberlehrer Jakob Kabel,
Inſelſtr. 24, ein S. Werner Philipp Georg. Am 8.: dem
Fabrikanten Ludwig Böhringer in Lindenfels, eine T.
Annemarie Margarete Emmy hier. Lagerhausſtr. 24.
Am 12.: dem Schreiner Albert Wilhelm Hohweiler, Die=
burgerſtr
. 11, ein S Albert Emil.
Aufgebotene. Am 12. Mai: Fremdenpenſioninhaber
Wilh. Bolz in Schönberg und Luiſe Johanna Fried=
rich
in Frankfurt a. M. Weißbinder Philipp Dehmer
und Eliſabethe Zickler, Dienſtmädchen, in Eberſtadt.
Landwirt Richard Fleiſchhauer, hier, und Hermine
Edelmann in Geiß=Nidda. Landwirt Leonhard An=
tony
in Bechtheim und Haushälterin Maria Benedikte
Trand, hier. Gürtler Friedrich Johann Starck, Frank=
furterſtr
. 5 und Büglerin Katharina Emilie Stein=
brenner
, Liebfrauenſtr. 35. Eiſenbahngehilfe Karl Friedr.
Dürr in Plochingen und Luiſe Juliane Kilian, Land=
wehrſtr
. 21½. Bäcker Phil. Peter Krauß, Pallaswieſen=
ſtraße
33, und Wilhelmine Mennel in Auerbach. Fa=
brikarbeiter
Friedr. Karl Weidner in Rüſſelsheim und
Dienſtbote Sophie Anna Völk, hier. Buchhandlungs=
gehilfe
Oskar Johannes Neubert, Gartenſtr. 13, und
Franziska Stauner in Landshut. Garde=Sergeant bei
der Garde=Unterroffizier=Kompagnie, Hermann Hachen=
berger
, und Köchin Eva Barbara Helmſtetter in Frank=
furt
a. M.
Geſtorbene. Am 11. Mai: Georg Karl Hofmann,
S. des Kaufmanns, 6 Mte., ev Nieder=Ramſtädterſtr. 16.
Am 10.: Ernſt Jaxt S. des Maurers, 1 J., ev., Alexan=
derſtraße
4. Am 11.: Ohne Vorname, Saul, T. des
Fabrikarbeiters, 1 Min., kath., Liebfrauenſtr. 44. Am 12.:
Anna Hecker, geb. Kumpf. Witwe des Drehers, 44 J.,
kath., Frankfurterſtr. 35. Barbara Fuhrmann, T. des
Flaſchenbierhändlers. 14 J., kath., Gervinusſtr. 30. Am
13.: Katharine Kühn, geb. Vogel. Witwe des Stein=
hauermeiſters
, 72 J., ev Grafenſtr. 4. Kathacine Mül=
ler
, geb. Neuhäuſel, Witwe des Zieglers, 69 J., kath., aus
Eppertshauſen, hier, Grafenſtr 9. Ferdinand Köhler,
S. des Taglöhners. 1 J., ev., Sackgaſſe 10. Karl Friedrich
Oſterrath, Privatier, 75 J., kath., Stiftſtr. 77.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden
Sonntag Rogate, den 17. Mai 1914
Hofkirche: Samstag, den 16. Mai, abends um 6 Uhr:
Beichte. Sonntag, den 17. Mai, vorm. um 10 Uhr:
Konfirmation. Hauptgottesdienſt mit Feier des heil.
Abendmahls. Nachm. um 3 Uhr: Andacht. Mitt=
woch
, den 20. Mai, abends um 6 Uhr: Andacht.
ctadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Zimmermann.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
Abends um 6 Uhr: Pfarrer Zimmermann.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr.
Vormittags um 10½ Uhr: Kindergottesdienſt ( Stein=
ſtraße
24, Muſikſaal).
Johanneskirche: Kollekte für die Evangeliſchen im Aus=
land
. Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Marx. Vorm.
um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Vorm. um 9 Uhr:
Chriſtenlehre für den Nordbezirk im Gemeindehaus.
Pfarrer Marx.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Hickel.
Vorm. um 11 Uhr: Kindergottesdienſt für den Oſt=
bezirk
. Pfarraſſiſtent Lindenſtruth. Nachmittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde im Martinsſtift. Pfarrer Veller.
Herberge zur Heimat: Vormittags um 8 Uhr: Pfarrer
Memmert.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Lenz. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vormittags um
8½ Uhr: Chriſtenlehre für die 2. Gruppe der Konfir=
mierten
. Pfarrer Wagner. Vorm. um 10 Uhr:
Pfarrer Wagner. Um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Wagner.
Pauluskirche: Vorm. um 8½ Uhr: Chriſtenlehre.
Pfarrer Rückert. Vormittags um 10 Uhr: Haupt=
gottesdienſt
. Pfarraſſiſtent Sann. Vormittags um
111¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent Sann.
Lutheriſcher Gottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am Sonntag Rogate, den 17. Mai, nachmit=
tags
um 5 Uhr, im Feierabend, Stiftſtr. 51: Pfarrer
Anthes.
Evang. Gemeinde in Eberſtadt: Sonntag, den 17. Mai,
vormittags um ½10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarraſſiſtent
Eckhardt. Um ½11 Uhr: Chriſtenlehre der Knaben.
Abends um 8 Uhr: Bibelerklärung. Pfarrer Paul.
Evang. Gemeinde in Nieder=Ramſtadt: Sonntag, den
17. Mai, vorm. um ½10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrver=
lwalter
Weik.
Evang. Gottesdienſt in Fraiſa: Sonntag, den 17. Mai,

nachmittags um 2 Uhr: Gottesdienſt im Rathausſaal.
Pfarrverwalter Weik.

Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 17. Mai,
vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. Abends um 8½ Uhr:
Bibliſcher Vortrag von Prediger Lohe=Frankfurt. Mon=
tag
, den 18. Mai, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde für
Frauen. Dienstag, den 19. Mai, abends um 8½ Uhr:
Jungfrauen= und Blaukreuz=Bibelſtunde. Mittwoch,
den 20. Mai, nachm. um 2 Uhr: Bibelſtunde für Mäd=
chen
. Um 4 Uhr: Bibelſtunde für Knaben. Zweig
der Stadtmiſſion (Beſſungerſtr. 88, Hth.). Sonntag,
den 17. Mai, vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Nachmittags um 3 Uhr: Bibelſtunde für Jünglinge.
Um 4½ Uhr: Bibelſtunde für Jungfrauen. Freitag,
den 22. Mai, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde.

Griesheim bei D.: Sonntag, den 17. Mai, abends
m 8½ Uhr: Religiöſer Vortrag im Kleinkinderſchulſaal.

Evangeliſche Gemeinſchaft (Kiesſtr. 43): Sonntag,
den 17. Mai, nachm. um 2½ Uhr: Feier des Kinder=
Miſſionstages mit der Sonntagsſchule. Abends um
8¼ Uhr: Predigt. Pred. A. Berner aus Frankfurt a. M.
Dienstag, den 19. Mai, abends um 8½ Uhr: Bibel=
ſtunde
. Prediger A. Berner=Frankfurt a. M.

Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getaufter Chrißten (Waptiſten), Maner=
ſtraße
17: Sonntag, den 17. Mai, vorm. um 9½ Uhr:
Predigt. Prediger Winhold. Um 10½ Uhr: Sonn=
tagsſchule
. Nachm. um 4 Uhr: Predigt. Prediger
Winhold. Mittwoch, den 20. Mai, abends um
½ Uhr: Bibel= und Gebetſtunde. Pred. Winhold.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 17. Mai, nachm. um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule.
Um 4 Uhr: Predigt. Donnerstag (Chriſti Himmelfahrt),
den 21. Mai, abends um ½ 9 Uhr: Predigt.

Katholiſche Gemeinden
5. Sonntag nach Oſtern, den 17. Mai 1914
Kollekte für die Armen des St. Eliſabethenvereins
St. Ludwigskirche: Samstag, den 16. Mai, nachm.
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil.
Beichte. Abends um 8 Uhr: Maiandacht.
Sonntag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur
heif Beichte. Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. Um ½10 Uhr: Levi=
tiertes
Hochamt mit Predigt zur Feier des goldenen
Jubiläums des St. Eliſabethenvereins. Um 11 Uhr:
Akademiſcher Gottesdienſt. Nachmittags um 3 Uhr:
Sakramentaliſche Bruderſchaftsandacht. Von Montag
bis Mittwoch, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Abends um 8 Uhr: Majandacht.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 5 Uhr: Ver=
ſammlung
des 3. Ordens. Um 6 Uhr: Maiandacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle zu Ober=Ramſtadt: Sonntag, vorm. um 9 Uhr:
heil. Meſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 16. Mai, nach=
mittags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil Beichte. Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
heil. Meſſe mit Predigt. Um ½ 10 Uhr: Hochamt und
Predigt. Nachm. um 2 Uhr: Andacht; darauf Ver=
ſammlung
der Sodalität.
Kapelle zu Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10 Uhr:
Amt und Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
16. Mai, nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. um 6 Uhr: Gelegenheit zur heil.
Beichte. Um ½7 Uhr: heil. Meſſe. Um ½9 Uhr:
Amt mit Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Sakramen=
taliſche
Bruderſchaftsandacht. Mittwoch, abends um
6 Uhr: Maiandacht.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 16. Mai, nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittags um ½ 6 Uhr: Beichte. Um
½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um
¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittags um
½5 Uhr: Maipredigt eines fremden Geiſtlichen und An=
dacht
. Werktags um ¼7 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pſungſtadt: Sonntag, vorm. um 7 Uhr:
Beichte. Um ½8 Uhr: Amt und Predigt. Nachm.
um ½2 Uhr: Andacht. Montag, um ½5 Uhr: Mai=
andacht
.

The Church of England Services in the
Hofkirche

5th Sunday after Easter, 17th May 1914
Matins and Celebration of the Holy Communion
12 O’clock.
Evensong and Sermon 6 p. m.
The Rev. G. H. Butler, British Chaplain, will officiate.
The Church of England Service in the Hofkirche on
Ascension Day, will be the Celebration of the Holy
Communion, with an Address at 11,30 a. m.
The Rev. G. H. Butler, British Chaplain, will officiate.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden=
Reformationsgemeinde: 21. April: Uneheliche
T. Helene Margarete, geb. 24. März. 3. Mai: Dem Schreiner
Matthäus Müller T. Suſanna Anna Maria, geb. 12. April.
Lukasgemeinde: 10. Mai: Dem Schuhmacher
Leonhard Straub T. Lina, geb. 5. April.
Schloßgemeinde: 28. April: Dem Hofoptiker
Arthur Melcher S. Fritz Arthur, geb. 28. Jan. 10. Mai:
Dem Taglöhner Johannes Spieß S. Johann Friedel,
geb. 25. April. Dem Fabrikarbeiter J. Weininger T.
Wilhelmine, geb. 30. April.
Johannesgemeinde: 10. Mai. DemFabrikarbeiter
Heinrich Nees T. Anna Thekla, geb. 3. Mai. Dem
Maſchinenarbeiter Tobias Göttmann S. Karl, geb. 26. März.
Martinsgemeinde: 10. Mai: Dem Kolporteur
Adam Darmſtädter T. Anna Lina, geb. 18. März. Dem
Bauführer Chriſtian Sames T. Margarete, geb. 29. März.
Dem Meſſerſchmied Karl Adolph T. Gertrud Marie, geb.
27. April.
Petrusgemeinde: 4. Mai: Dem Zuſchneider Emil
Geppert S. Otto, geb. 21. Sept. 10. Mai: Dem Architek=
ten
Auguſt Philipp Stroh T. Katharina Elſe, geb. 7. April.
Dem Schneider Leonhard Steiger T. Marie, geb. 21. Febr.
Dem Bahnſchaffner Philipp Hill S. Alfred Philipp, geb.
18. April.
Paulusgemeinde: 7. Mai: Dem Hoteldirektor
Rudolf Dierker T. Marguerite Lucete, geb. 5. Juni.
10. Mai: Dem Bürovorſteher Heinrich Grimme T. Jo=
hannette
Marie, geb. 2. Febr. Dem Weißbindermeiſter
Philipp Erbes III T. Eliſabeth Eleonore, geb. 3. April.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Reformationsgemeinde: 18. April: Poſtbote
Heinrich Gehriſch und Maria Eliſabetha Bünan. 19. April:
Kutſcher Karl Friedrich Victor Hofmann und Eliſabetha
Lien. 23. April: Hotelportier Chriſtian Friedrich Rebmann
und Hedwig Bremer. 1. Mai: Kutſcher Chriſtian Valentin
Volberg und Katharine Hornung. 4. Mai: Handlungs=
gehilfe
Johann Georg Auth und Frieda Luiſe Emma
Kempf. 10. Mai: Gärter Wilhelm Seehaus und Karo=
line
Herzog.
Markusgemeinde: 9. Mai: Telegraphen= Vor=
arbeiter
Johannes Chriſt und Chriſtine Stabel. Hilfs=
ſchaffner
Johann Georg Bonin und Emma Möller.
12. Mai: Rehnungsrat Heinrich Joſeph Rühl und Maria
Wilhelmina Kilſch.
Lukasgemeinde: 9. Mai: Magazinarbeiter Georg
Wolf und Margarete Lang. 10. Mai: Kaufmann Lud=
wig
Kichler und Wilhelmine Armbruſt.
Schloßgemeinde: 18. April: Fabrikarbeiter Leon=
hardt
Weber und Katharine Barbara Schließmann.
25. April: Kaufmann Johannes Hening und Magdalene
Eliſabeth Breuer. 30. April: Maſchinenbautechniker Lud=
wig
Vetter und Caroline Margarethe Johannette Meyer.
2. Mai: Hilfspoſtillon Georg Schüler, hier und Anna
Karg, Witwe, zu Erbach i. O. Redakteur und Oberkor=
rektor
Konrad Popp zu Darmſtadt und Philippine Welter
aus Sprendlingen i. Rh.
Johannesgemeinde: 11. Mai: Kaiſerlicher Bank=
buchhalter
Paul Schnur und Mathilde Wolf, von hier.
Martinsgemeinde: 10. Mai: Wagner Heinrich
Koch, Witwer, in Mannheim und Margarethe Klein=
ſchmidt
, geb. Koch, Witwe, hier.
Paulusgemeinde: 9. Mai: Kellner Valentin
Kartſcher und Eliſabeth Barbara Merz, zu Nieder= Ram=
ſtadt
: Rudolf Triſtan Kranich zu Monaco und Marg.
Hedwig Lerch.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Reformationsgemeinde: 7. Mai: Privatin
Eliſabeth Kolb, 78 J., ſtarb 5. Mai. Rentner Hein=
rich
Kichler, 68 J., ſtarb 10. Mai. 13. Mai: Margarete
Baumann, geb. Bauer, Ehefrau des Kutſchers Jo=
hann
Karl Baumann, 45 J., ſtarb 11. Mai.
Markusgemeinde: 10. Mai: Schloſſer Philipp
Kredel, 27 J., 9 Mon., ſtarb 8. Mai. 12. Mai: Vereins=
diener
Karl Bott, 58 J., ſtarb 10. Mai. Witwe Marie
Weygandt, geb. Klotz, 78 J., 5 Mon., ſtarb 7. Mai zu
Kaſſel.
Schloßgemeinde: 21. April: Charlotte Blumen=
ſchein
, Ehefrau des Taglöhners Jakob Blumenſchein,
54 J., ſtarb 18. April. 2. Mai: Heinrich Schleuning, S.
des Fuhrmanns Heinrich Scheuning, 2 J., ſtarb 30. April.
5. Mai: Katharine Eliſe Jacobi, geb. Poth, Ehefrau des
Taglöhners Leonhard Jacobi, 30 J., ſtarb 2. Mai.
Johannesgemeinde: 15. Mai: Katharine Kühn,
geb. Vogel, Witwe des Steinhauers Johannes Kühn,
72 J., ſtarb 13. Mai.
Martinsgemeinde: 10. Mai: Marie Mergott,
geb. Heckwolf, Ehefrau des Handarbeiters Karl Mergott,
67 J., ſtarb 8. Mai. 7. Mai: Adolf Jakob Knell, 4 Mon.,
ſtarb 5. Mai. 8. Mai: Ferdinand Karl Wesp, 7 Mon.,
ſtarb 6. Mai. 9. Mai: Eliſabeth Krauß, Ehefrau des
Weinwirts Friedrich Krauß, 56 J., ſtarb 7. Mai. 12. Mai:
Anna Eliſabeth Törge, Witwe des Schneidermeiſters
Johann Nikolaus Karl Törge, 76 J., ſtarb 10. Mai.
Paulusgemeinde: 9. Mai: Karoline Nagel, geb.
Rühl, Ehefrau des Weichenſtellers i. P. Johannes Nagel,
82 J., ſtarb 7. Mai. 13. Mai: Privatier Karl Löw,
79 J., ſtarb 10. Mai.
Trauungen auswärt. Paare: Pfarrer Vogel.
Beerdigungen auswärts Verſtorbener: Pfarrer
Kleberger.

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