Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 131., Mittwoch, den 13. Mai.

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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 24 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt geſtern abend nach Wiesbaden ab=
gereiſt
.
Der Reichstag beendete geſtern die zweite Le=
ſung
des Militäretats und begann ſodann die
zweite Leſung des Etats für Kamerun.
Der ſächſiſche Kriegsminiſter, Generaloberſt
Freiherr v. Hauſen, tritt nach Landtagsſchluß von
ſeiner Stiellung zurück.
Einer der bekannteſten katholiſchen Geiſtlichen Berlins, der
Kanzelvedner des Doninikanerordens Pater Bona=
ventura
, iſt geſtern im Alter von 51 Jahren geſtorben.
Siehe auch Letzte Nachrichten.

Herr von Bethmann Hollweg.

Wie bereits gemeldet, iſt dem Reichskanzler nach
längerer Krankheit ſeine Gemahlin entriſſen worden, und
Herrn von Bethmann Hollweg wird man angeſichts dieſes
Verluſtes allenthalben aufrichtiges Mitgefühl entgegen=
bringen
, denn er hat in ihr eine Gefährtin verloren, die
es verſtanden hat, ihm manche ſchwere Stunde ſeines
hohen und verantwortungsvollen Amtes zu erleichtern
und ihm geholfen, ſeine Bürde zu tragen. Es läge ſomit
keineswegs außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, daß
dieſes Ereignis in abſehbarer Zeit Herrn von Bethmann
Hollweg veranlaßt, ſich in die beſchauliche Muße von
Hohenfinow zurückzuziehen, wenn ihn die Laſt der Ge=
ſchäfte
gar zu ſehr bedrückt oder die politiſchen Verhält=
niſſe
eine weitere Zuſpitzung erfahren.
Herr von Bethmann Hollweg iſt eine Perſönlichkeit,
die die Dinge ungemein ernſt nimmt und der nichts von
der leichteren Art des Fürſten Bülow hat. Das ſoll für
den letzteren nicht etwa ein Tadel ſein, denn niemand wird
dem vorletzten Reichskanzler nachſagen können, daß er
nicht in hohem Maße pflichteifrig geweſen wäre. Herr
von Bethmann Hollweg galt von je als der Philoſoph
im Miniſterfrack und ſeine Reden im Parlamente unter=
ſcheiden
ſich in ihrer ganzen Geſtaltung weſentlich von
denen ſeines Vorgängers. Dieſer verſtand es auch durch
ſeine perſönlichen Vorzüge, gewinnend zu wirken und da=
durch
auch den Gang der Verhandlungen und Entſchei=
dungen
zu beeinfluſſen. Und doch iſt es Herrn von Beth=
mann
Hollweg gelungen, unter recht ſchwierigen Verhält=
niſſen
wichtige Vorlagen durchzubringen, wobei nur an
die Durchführung der Koſtendeckung für die große Mili=
tärvorlage
erinnert ſei. Noch kein Reichskanzler hat mit
einer derartigen Zuſammenſetzung des Reichstages zu
rechnen gehabt, wie Herr von Bethmann Hollweg, und
doch hat ihm dieſer faſt alles, wenn vielleicht teilweiſe
auch in abgeänderter Form, bewilligt, was er haben
wollte. Mögen auch manche taktiſche Fehler zu verzeich=
nen
ſein und muß auch zugeſtanden werden, daß in der
Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, denen der
jetzige Reichskanzler allerdings verhältnismäßig fern=
ſteht
, nicht alles zum beſten ſei, ſo wird auch der Geg=
ner
zugeben müſſen, daß Herr von Bethmann Hollweg
in ernſtem Streben unter den obwaltenden Verhältniſſen
das möglichſte erreicht hat. Mögen auch die Erfolge der
Bethmannſchen Politik nach außen weniger in Erſcheinung
itreten, und mag auch ſeine Stellungnahme zuweilen
Oppoſition hervorrufen, ſo wird man doch der Perſon
des jetzigen Reichskanzlers ſelbſt allezeit höchſte Achtung
entgegenbringen, als einem aufrechten Manne, der auch
unter widrigen Verhältniſſen treu auf ſeinem Poſten aus=
harrt
.

Die Kammerwahlen in Franks
reich

haben die Geeinigten Sozialiſten ſo ſtark vermehrt und
die Geeinigten Republikaner in ihrer parlamentariſchen
Machtſtellung ſo befeſtigt, daß die Verſtärkung des Blocks
der Linken von dem gegneriſchen Figaro unumwunden
zugeſtanden wird. Da hiermit eine Schwächung der chau=
viniſtiſchen
Beſtandteile der franzöſiſchen Volksvertretung
verbunden iſt, haben wir keinen Anlaß, uns den Klagen
des Figaro über den Wahlausfall anzuſchließen. Wenn
aber die Humanité des Genoſſen Jaurés bereits die
Rückkehr zur zweijährigen Dienſtzeit als bevorſtehend an=
kündigt
, ſo muß hierzu ein recht dickes Fragezeichen ge=
macht
werden. Denn, ganz abgeſehen davon, daß die
ſozialiſtiſchen Feinde der dreijährigen Dienſtzeit unter den

übrigen Parteien nur wenige, ebenſo radikale Geſinnungs=
genoſſen
haben, können zum jetzigen Zeitpunkt ſehr leicht
techniſche Gründe gegen die Rückkehr zur zweijährigen
Dienſtzeit geltend gemacht werden. Man darf ſich alſo in
der angegebenen Richtung keinen übertriebenen Erwar=
tungen
hingeben.
Die Pariſer Blätter erörtern weiter eifrig die Wahl=
ergebniſſe
und ihre Rückwirkung auf die Par=
teigruppierung
der Kammer. In der konſervativen
und gemäßigten Preſſe gelangt mehrfach die Ueberzeugung
zum Ausdruck, daß die Furcht vor der ſozialiſtiſchen Dir=
tatur
die Bildung einer Kammermehrheit herbeiführen
werde, die genötigt ſein werde, im weſentlichen das Pro=
gramm
des briandiſtiſchen Verbandes der Linken zu ver=
teidigen
.
So ſchreibt Graf d’Hauſſonville im Figaro: Darf
man nicht hoffen, daß ſich in der neuen Volksvertretung
eine Mehrheit zugunſten einer friedlichen, aber ſtolzen
äußeren Politik, ſowie zugunſten einer zwar opferwilli=
gen
, aber jeder Beunruhigung abholden Finanzpolitik
findet? Die Libre Parole ſchreibt: Doumergue oder
wer immer es ſein mag, wird nur dann am Ruder bleiben
können, wenn er in einer Regierungserklärung die Auf=
rechterhaltung
des Dreijahrgeſetzes, die Ablehnung der
Steuerinquiſition, die Freiheit des Unterrichts und das
Verhältniswahlſhſtem verſpricht, alſo genau das Gegen=
teil
des Programms von Pau. Die Republique Fran=
caiſe
hofft, daß ſich ein Staatsmann finden werde, welcher
der neuen Kammer ſagen werde, angeſichts der Bildung
des kollektiviſtiſchen und antimilitariſtiſchen Blocks wird
ein anderer Block unabweisbar ſein, der Block jener Fran=
zoſen
, der die militäriſche und finanzielle Kraft des Lan=
des
nicht der revolutionären äußerſten Linken opfern will.
Für ein ſolches Werk nehmen wir den Beiſtand aller an
und verlangen nur guten Willen und Redlichkeit,
Einzelne radikale Blätter ſind nicht ganz ohne Be=
fürchtung
wegen der künſtigen Stellung ihrer Partei. Die
Lanterne meint: Der Erfolg der Sozialiſten, der
zweifellos alle Erwartungen ihrer Führer übertroffen
hat, iſt zum großen Teil der Zerfahrenheit zuzuſchreiben,
mit der die Radikalen in den Wahlkampf eintraten.
Elemeneeau ſchreibt im Lhomme Libre: Es iſt vorläufig
unmöglich, die parlamentariſche Lage der Radikalen genau
zu beſtimmen. Sie ſchreiben ſich, mindeſtens den Ziſſern
nach, einen Sieg zu den ich nicht beſtreiten will. Dieſen
Sieg kann ein wahrer ſein und ich würde mich dazu nur
beglückwünſchen. Es iſt aber auch möglich, daß ſchon die
erſten Tage der neuen Kammer ihnen Enttäuſchungen brin=
gen
. Jaurés ſchreibt: Die Rückſchrittler und Gemäßig=
ten
verfolgen jetzt die Taktik, den Sieg der Sozialiſten
aufzubauſchen und deſſen Folgen zu übertreiben, um eine
parlamentariſche Panik herbeizuführen. Es iſt vielleicht
eine Unllugheit, wenn unſere Gegner vor Frankreich und
Europa die Frage in dieſer Form aufwerfen. Vielleicht
erhöhen ſie dadurch unſer Anſehen und unſeren Kredit
noch mehr als ſie eigentlich wollen.

Deutſches Reich.

Vertretung des Reichskanzlers im
Reichstage. Die Arbeiten des Reichstags werden
durch den Tod der Frau von Bethmann Hollweg keine
Störung erleiden. Selbſtverſtändlich bleibt der Reichs=
kanzler
in den nächſten Tagen den Verhandlungen fern.
Er wird beim Etat des Auswärtigen Amtes durch den
Staatsſekretär von Jagow ſich vertreten laſſen und per=
ſönlich
erſt an der dritten Leſung teilnehmen, die Anfang
der nächſten Woche beginnen dürfte.
Die Ausländer und der Wehrbeitrag.
Berliner Blätter ſchreiben: In den zuſtändigen Reichs=
ſtellen
werden die über die Heranziehung von Ausländern
zum Wehrbeitrag eingegangenen Vorſtellungen weiter er=
örtert
. Nach der formal juriſtiſchen Seite befinden ſich
alle beteiligten Reſſorts in völliger Uebereinſtimmung
darüber, daß die Erhebung der Wehrſteuer von denjenigen
Ausländern, die ſich dauernd bei uns aufhalten, nicht den
geringſten Bedenken unterliegt. Auch der Wortlaut der
Handelsverträge biete zu Zweifeln in dieſer Richtung
keinen Anlaß. Insbeſondere ſei es verfehlt, zum Beweiſe
des Gegenteils auf Artikel 3 des deutſch=ruſſiſchen Ver=
trages
zu verweiſen, der Steuerfreiheit für die beiderſei=
tigen
Staatsangehörigen vorſieht bei Leiſtungen, welche
im Kriegsfall oder infolge von außergewöhnlichen Um=
ſtänden
auferlegt werden. Denn der Wehrbeitrag ſtellt
ſich dar als eine rein finanzpolitiſche Maßnahme zur
Deckung der einmaligen Ausgaben gelegentlich der letzten
Wehrvorlage, die ihrerſeits, da ſie bereits mehrere Vor=
gängerinnen
gehabt hat, auch nicht als ein außergewöhn=
liches
Ereignis anzuſehen iſt. Aber auch in materieller
Beziehung liegt kein Anlaß vor, mit einer großmütigen
Geſte ohne weiteres auf die Beiträge der im Deutſchen
Reich anſäſſigen Ausländer zu verzichten. Nach einer
Schätzung, die im gegenwärtigen Augenblick, vor Abſchluß
der amtlichen Erhebungen, naturgemäß keinen Anſpruch

auf völlige Zuverläſſigkeit machen kann, der aber immer=
hin
offizielles Material zugrunde liegt, dürfte das von
Ausländern aufkommende Steuerſoll nicht unter 40 Mil=
lionen
Mark betragen. Andererſeits wird, und gerade
in den letzten Tagen, anerkannt, daß die juriſtiſchen und
fiskaliſchen Geſichtspunkte in dieſer Angelegenheit letzten
Endes nicht allein entſcheidend ſein dürfen. Es gilt hier,
auch dem nationalen Empfinden im Auslande Rechnung
zu tragen und es wird deshalb zurzeit erwogen, ob das
nicht am beſten in der Weiſe geſchähe, wenn das Deutſche
Reich darauf verzichtete, in dieſem Falle gewiſſermaßen
Richter in eigener Sache ſein zu wollen. Es iſt daher
nicht ausgeſchloſſen, daß die ganze Angelegenheit dem
Haager Schiedsgericht unterbreitet wird.
Die Beſoldungsnovelle. In der Frage
der Verſtändigung wegen der Beſoldungsnovelle hängt
die Entſcheidung vom Zentrum ab, das über die end=
gültige
Stellungnahme erſt in einer Fraktionsſitzung be=
ſchließen
wird.
Der Entwurf eines Reichstheater=
geſetzes
iſt fertiggeſtellt. Es ſteht demnach der Ein=
bringung
der Vorlage in den Bundesrat in der nächſten
Zeit nichts mehr im Wege, und man kann erwarten, daß
der Geſetzentwurf dem Parlament als eine der erſten Vor=
lagen
in der nächſten Tagung zur Durchberatung zugehen
wird.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Im Heeresausſchuß der öſterreichi=
ſchen
Delegation ergriff der Miniſter des Aeußern,
Graf v. Berchtold, das Wort, um die Anfrage wegen der
Kundgebungen in Italien zu beantworten. Er verwies
auf die vormittags im Einvernehmen mit ihm abgegebene
Erklärung des Kriegsminiſters, wonach alle notwendigen
Schritte zur Klarſtellung der in mehreren Städten Ita=
liens
vorgekommenen, ſehr bedauerlichen Kundgebungen
eingeleitet ſeien, ſowie zur Beurteilung deſſen, ob völker=
rechtswidrige
Verunglimpfungen der öſterreichiſchen
Embleme und Angriffe gegen den Vertreter Oeſterreichs
erfolgten. Der Miniſter fuhr fort: Ich freue mich, be=
reits
jetzt erklären zu können, daß die Nachricht über die
angebliche Verbrennung der öſterreichiſchen Fahne in Ve=
nedig
unrichtig iſt. Einen ſtärkeren Charakter ſcheinen die
Kundgebungen in Turin, Mailand und Neapel angenom=
men
zu haben. Je nach dem Tatbeſtande werden wir die
Kundgebungen bei der italieniſchen Regierung zur Sprache
bringen, und ich zweifle nicht, daß dieſe Ausſprache in
dem Geiſte geführt wird, der unſerem Bundesverhältnis
zwiſchen den beiden Ländern entſpricht.
England.
Die Einkommenſteuererhöhung. Im
Verlaufe der Budgetdebatte des Unterhauſes erklärte
Miniſter Lloyd George, er gebe zu, daß die vorgeſchlagene
Erhöhung der Einkommenſteuer auf nicht ſelbſt verdiente
Einkommen bei kleinen Einkommen eine Härte bedeuten
könne. Die Regierung ſchlage daher vor, daß für das un=
verdiente
Einkommen zwiſchen 300 und 500 Pfund Ster=
ling
der alte Satz von 1 Schilling 2 Pence für das Pfund
zu bezahlen ſein ſollten, während für das unverdiente Ein=
kommen
unter 300 Pfund Sterling 1 Schilling für je
1 Pfund zu zahlen ſein ſollten. Dieſe Aenderung würde
den Staatsfinanzen jährlich 370000 Pfund koſten. Der
Miniſter verteidigte das Budget gegen den Vorwurf der
Verſchwendung und wies die Beſchuldigung zurück, daß
er in die Finanzpolitik Gefühlspolitik menge. Millionen
im Lande erheben ſich in Empörung gegen ihre Lage,
wenn die Reichen und Vermögenden ſich nicht rechtzeitig
anſchickten, für ihre weniger begüterten Mitbürger Opfer
zu bringen. So komme bald der Tag, wo ſie erſtaunt und
bedauernd darauf zurückblicken würden, daß ſie gegen die
Einkommenſteuer von 1 Schilling 4 Pence als Verſiche=
rung
gegen die Revolution proteſtierten.
Die Ausſperrungen im Londoner Bau=
gewerbe
. Die elf Gewerkſchaften der ausgeſperrten
Angeſtellten im Londoner Baugewerbe haben ſich an den
Londoner Verband der Arbeitgeber mit der Bitte um eine
neue Konferenz gewandt. Der ausführende Ausſchuß
des Nationalverbandes der Arbeitgeber im Baugewerbe
hat in einer einſtimmig angenommenen Reſolution dem
Londoner Verband geraten, dieſe Bitte zu erfüllen. Zu=
gleich
hat der Ausſchuß eine allgemeine Ausſperrung vor=
geſchlagen
, wenn die Arbeiter innerhalb zehn Tagen
nach der Konſerenz die Bedingungen nicht annehmen ſoll=
ten
, die ſich im Rahmen der Vorſchläge des nationalen

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131.

Verſöhnungsamtes bewegen. Kürzlich hatten die Lon=
doner
Arbeiter mit überwältigender Mehrheit gegen die
Annahme dieſer Vorſchläge geſtimmt.
Däncmark.
Die Reiſe des Königspaares. Die amt=
liche
Rundreiſe, die das däniſche Königspaar nach den
weſteuropäiſchen Hauptſtädten, Paris, London, Brüſſer
und Amſterdam, angetreten hat, iſt, obwohl das Königs=
paar
ſich vom Miniſter des Aeußern, Scavenins, beglei=
ten
läßt, doch ohne jedes politiſche Intereſſe. Das däni=
ſche
Regierungsorgan Politiken bemerkte in einem leiten=
den
Auſſatz anläßlich dieſer Reiſe, daß Dänemark keine
andere außenpolitiſche Aufgabe habe als die, dasſelbe
freundſchaftliche Verhältnis zu allen fremden Mächten zu
unterhalten, und daß es ganz unmöglich ſei, die Höflich=
keitsbeſuche
des däniſchen Königspaares irgendwie zum
Gegenſtand politiſcher Spekulationen irgendwelcher Art
zu machen. Schwerwiegende und ernſte Betrachtungen
ſeien, wenn das däniſche Königspaar fremde Länder, und
ſei es auch in noch ſo offizieller Form, beſuche, ganz und
gar nicht am Platze. Die Hauptbedeutung der Reiſe iſt,
wie die Politlken weiter ausführt, die, daß das kleine
Dänemark auf dieſe Weiſe überhaupt eine Gelegenheit be=
komme
, ſich gegenüber der Umwelt tzu zeigen, ſich in
freundliche Erinnerung zu bringen und zu beweiſen, daſ
es lebe und arbeite. Es ſei nicht ohne Bedeutung für
Dänemark, daß die alte nationale Flagge Danebrog meh=
rere
Tage über Paris und London wehe, und daß die
weſteuropäiſchen Preßorgane Artikel und Bilder von
Dänemark brächten. Unter keinem anderen Geſichtspunkte
ſei aber die Reiſe zu betrachten.
Rußland.
Informationsreiſe des Zaren. Der Zar
wird von der Krim aus eine Automobilreiſe nach dem
Gouvernement Cherſon unternehmen, wo er die Ergeb=
niſſe
der Agrarreform kennen lernen will und die neuge=
bildeten
Bauerneinzelhöfe beſichtigen will. Auf dieſer
Fahrt wird ihm der Ackerbauminiſter ſein politiſches
Programm entwickeln.
Türkef.
Eröffnung des Parlaments. Das Jrade,
betreffend die Gröffnung des Parlaments am 14. Mai
iſt am Montag abend kundgemacht worden.
Balkanſtadten.
Die internationale Kontrollkommiſ=
ſion
. Nach in Athen eingetroſſenen Meldungen aus
Korfu, hat die internationale Kontrollkommiſſion einen
Gegenvorſchlag gemacht, nach dem ſie den Epiroten eine
Art Union mit Albanien anbietet. Epirus ſoll ein Ver=
hältnis
zu Albanien einnehmen, wie Ungarn zu Oeſter=
reich
.
Zivil= und Militärbehörden in Ser=
bien
. Infolge des bei der Verſammlung des Offizier=
vereins
in Belgrad bekundeten ſolidarlſchen Auftretens
des Offizierkorps wird, wie einzelne Blätter melden, die
Regierung eine Verordnung über die Priorität der Zivil=
behörden
dahin abändern, daß für die neuen Gebiete be=
ſondere
Verfügungen getroſſen werden. Hierdurch ſoll
der Konflikt, welcher zwiſchen den Zivil= und Militärbe=
hörden
entſtanden iſt und der ſich außerordentlich ver=
ſchärfte
, einer freundlichen Löſung zugeführt werden. In
der Sitzung der Skupſchtina richten der Jungradikale
Draskovie und Genoſſen, ſowie der Nationaliſt Ribargc
und Genoſſen an den Miniſterpräſidenten Interpellatio=
nen
über die im Offizierskorps beſtehende Unzufrieden=
heit
.
* Zum Tode der Frau von Bethmann
Hollweg ſchreibt die Nordd. Allg. Ztg.: Frau v. Beth=
mann
Hollwog war nach ihrer ganzen Weſensart eine echte
deutſche Frau. In ihrer wahrhaft edlen Erſcheinung
paarten ſich anmutige Würde und einſache Freundlichkeit
in ſeltener Harmonie. Als tapfere getreue Lebensgeſähr=
tin
ſtand ſie ihrem Gemahl zur Seite, mit dem ſie in dem
nächſten Monat 25 Jahre vereint geweſen wäre. Wenn
ihre Neigung ſie mehr zu ſtillem Wirken im engeren Kreiſe
gezogen haben mag, ſo erfüllte ſie in gleicher Hingabe die
hohen Pflichten, die an die Gattin des erſten Beamten
des Reiches herantraten. Mit unermüdlicher Sorge und

nie verſagender Güte des Herzens widmete ſie ſich Wer=
ken
chriſtlicher Nächſtenliebe und ſozialer Hilfstätigkeit.
So wird ihr Hinſchelden weit über den Kreis der Familic
hinaus als ein ſchwerer Verluſt empfunden werden. In
demſelben Blatte ſchreibt Proſeſſor Dr. Ernſt Francke
Auch wir Sozialpolitiker haben wahrlich Grund, beim
Hinſchelden der Frau von Bethmann Hollweg zu trauern.
Sie war nicht nur von regem Mitgefühl und innigem
Verſtändnis für die Not und das Ringen der Schwachen
und Bedürſtigen erfüllt, ſondern hat auch mit ihrer Per=
ſönlichkeit
ſich in den Dienſt ſozialpolitiſcher Arbeit ge
ſtellt. So hat Frau von Bethmann Hollweg der deutſchen
Heimarbeitsausſtellung 1906 in Berlin ihre aufrichtige
Teilnahme zugewendet. Als aus dieſer Ausſtellung dann
als eine ihrer Folgen der deutſche Käuferbund im Jahre
1907 entſtand, ſibernahm Frau von Bethmann Hollweg,
deren Gemahl damals Miniſter des Innern war, das Amt
der erſten Vorſitzenden, das ſie auch beibehlelt, als ſie
kurz darauf in die Wilhelmſtraße (Reichsamt des Innern)
überſiedelte. Auch als Gattin des Reichskanzlers hat ſie
dieſen und verwandten Beſtrebungen die wärmſte Teil=
nahme
ſtets bewahrt, immer mit Rat und Tat zur Hilfe
bereit. Wer, wie der Unterzeichnete, einige Jahre mit
dieſer edlen, warmherzigen Frau in gemeinſamer Arbeit
der ſozialpolitiſchen Fürſorge geſtanden iſt, weiß, wie ernſt
und treu ſie ihre Aufgaben und Pflichten in der Führung
der Geſchäfte genommen hat. Es war ihr gar nicht um
die äußere Repräſentation zu tun, ſondern nur um die
Förderung der Sache, um die Milderung von Mißſtänden,
um die Hilfe der Bedrängten. Das Andenken an dieſe
edle Frau wird auch von uns Sozialreformern in Dank=
barkeit
hochgehalten werden.
* Die Bevölkerungszunahme in den
Vereinigten Staaten. Aus Waſhington wird
berichtet: Am 1. Juli dieſes Jahres wird nach einer
Schätzung des Geographen des Cenſus=Bureaus Sloane
die Bevölkerung der Vereinſgten Staalen, und zwar nur
des Feſtlandes, 98 781324 Köpſe betragen. Das bedeutet
eine Zunghme von etwa 7 Millionen in vier Jahren, da
die Bevölkerungstziffer am 15. April 1910 91 972266 be=
trug
. Mit den überſeeiſchen Beſitzungen zuſammen wird
die Bevölkerung der Vereinigten Staaten über 109 Mil=
lionen
Köpfe zählen. Die Stadt Neu=York wird zu der=
ſelben
Zeit die Zahl 5333 537, der Staat Neu=York
9 899 761 erreicht haben.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 13. Mal.

Pfarrperſonalie. Der Großherzog hat dem
Pfarrverwalter Jullus Happel zu Herbſtein die evan=
geliſche
Pfarrſtelle daſelbſt übertragen.
* Ernannt wurde der Finanzreferendar Rudolf
Wenzel aus Gießen zum Finanzaſſeſſor.
Militärdienſtnachricht. v. Riedeſel, Lt. im
Drag.=Regt. Nr. 24, zum Lehrgang der Militär= Turn=
anſtalt
kommandiert.
* Strafkammer I. Der kürzlich wegen Diebſtahls
und Betrugs zu 8 Monaten Gefängnis verurteilte
Tapezierer Georg Gerhardt von hier hatte ſich geſtern
noch wegen eines weiteren Betruges zu verantworten. Er
orbeſitete mit einem Kollegen auf dem Forſthaus Einſiedel.
Dabel war dem Kollegen angeblich ein Hammer im Werte
von 2,50 Mark abhanden gekommen. Die Würtin erklärte
ſich bereitwilligſt dazu bereit, den Hammer zu erſetzen
wenn er ſich nicht ſinden ſollte. Gerhardt ging nun, nach=
dem
er aus der Stellung entlaſſen war, hin und ließ ſich
angeblich im Namen des Kollegen die 2,50 Mark geben.
Er wurde in eine Geſamtſtrafe von 9 Monaten ge=
nommen
. Das Verlangen nach Schießwaffen veran=
laßte
drei Lampertheimer Bürſchchen dazu, einen Schau=
lſten
einzuſchlagen und daraus Revolver, Teſchings und
Patronen zu entwenden. Der 14jährige Anſt’ſter wird
wegen dieſer Tat und eines anderen Diebſtahls zu 22
Tagen Gefängnis verurteilt, der Zweite wird ſrei=
geſprochen
und der Dritte kam nicht unten Anklage, da
er noch nicht 12 Jahre alt iſt.
Vom Hoftheater. In der heutigen Wiederholung
von Puceinis Madame Butterfly ſingt Gertrud
Geyersbach zum letztenmal die Titelpartie, und auch die
Fidelio=Vorſtellung am Donnerstag trägt den Cha=
rakter
eines Abſchieds= und Ehrenabends, indem Geheime
Hofrat de Haan das Wierk zum letztenmal vor ſeinem Rück=
tritt
leitet. Geſtern hat der allgemeine Vorverkauf zu der
Weingartner Uraufführung am Sonntag, den
17. Mat, begonnen; die von den Abonnenten vorbeſtellten
Karten ſindheute Mittwoch nachmittag von 3½5 Uhr an
der Tageskaſſe abzuholen.
* Rote Kreuz=Sammlungen. Ueber das Ergebnis der
ſeitherigen Sammlung kann heute noch nichts geſagt wer=
den
, doch iſt zu hoſſen, daß es erfreulich ſein wird Die
Hausſammlungen, die in der vorigen Woche in Beſſungen
ſtattgefunden haben und dort in der Hauptſache abgeſchloſ=
ſen
worden ſind, ſollen jetzt für den übrigen Teil der Stadt
fortgeſetzt und baldmöglichſt beendet werden. Es wird
dabei namentlich denjenigen, die am Samstag und Sonn=
tag
weniger Gelegenheit gehabt haben, ihr Scherflein bei=

utragen, die gewiß erwünſchte Möglichkeit gegeben ſein,
auch ihrerſeits mit Beiträgen zu dem vollstümlichen Werk
licht zurückzuſtehen. Es ſei dabei nochmals ausdrücklich
darauf hingewieſen, daß die geſammelten Gelder im Lande
bleiben und nicht etwa nach Berlin abgeführt werden, daß
ſie alſo den Angehörigen unſeres Heſſenlandes und unſerer
Vaterſtadt ſelbſt direkt zugute kommen.
Der Ausſchuß des III. Bezirks für die Samm=
lungen
vom Roten Kreuz, der die Veranſtaltung im Beſ=
ſunger
Orangeriegarten durchführte verfehlt nicht, hiermit
all denen zu danken, die durch Stiftungen und Leiſtungen
in hochherziger Weiſe zu dem Gelingen und, was die
Hauptſache iſt, zu dem finanziellen Erfolg derVeranſtaltung
beigetragen haben. Es ſind dies die Firmen: Holländiſche
Kalaogeſellſchaft Fosko Theodor Stemmer, Hoflieferant,
Brauerei Diſchinger, Papierhandlung Leuthner, Ernſt= Lud=
wigsplatz
, Kaffee Haag=Geſellſchaft, Eis= und Kohlenhand=
lung
Ludwig Fiſcher, Spedition Paul Wolf u. Co., Hof=
gartenverwaltung
, Stadtgärtnerei, Saalbau=Reſtaurateur
Smets. Die Veranſtaltung im Orangeriegarten dürfte
einen Reinertrag von rund 1200 Mark ergeben.
* Der Inhalt der Sammelbüchſen vom Roten Kreuz=
Tag beträgt 6700 Mark.
E) Ausſtellung der Künſtler=Kolonie. Der Vor=
verkauf
des Abonnements iſt außerordentlich
günſtig ausgefallen, indem bereits gegen 3000 Karten
verkauft ſind. Es iſt höchſt erfreulich, daß ſich in unſerer
Reſidenz ein ſolch reges Intereſſe für dieſe hochbedeut=
ſame
künſtleriſche Unternehmung zeigt. Während der
letzten Tage des Vorverkaufs war es dem Verkehrs=
bureau
des großen Andrangs wegen kaum möglich, den
Wünſchen aller Abonnenten nachzukommen. Man darf
alſo, wenn der Wettergott günſtig iſt, wieder auf das
in Darmſtadt ſo beliebte lebhaſte und fröhliche Treiben
in dem mit herrlichem plaſtiſchen und architektoniſchen
Schmuck verſehenen Platanenhain rechnen. Das Ver=
kehrsbureau
hat die Freundlichkeit gehabt, vom heutigen
Mittwoch an wieder den Abonnementsverkauf, nun zum
normalen Preis, zu übernehmen.
* Invalidenprüfungsgeſchäft. Die Nachunter=
ſuchung
der bis Ende September 1914 anerkannten
Militärinvaliden und Rentenempfänger des Kreiſes
Darmſtadt findet vom 22. Mai bis 29. Mai 1914 im
Geſchäftszimmer des Bezirkskommandos I Darmſtadt,
Neue Niederſtraße 18 part., ſtatt.
Arbeitsjubiläum. Morgen Donnerstag feiert Herr
Schriftſetzer Jean Schwarz ſein 25jähriges Arbeits=
jubiläum
. Am 14. Mai 1889 trat er in der C. F. Winter=
ſchen
Buchdruckerei hier, in die Lehre und iſt feit=
dem
ununterbrochen daſelbſt tätig. Ihm ſind bereits manche
Jubilare vorausgegangen, die ihre 25= bzw. 40jährige un=
unterbrochene
Tätigkeit bei dieſer Firma feiern konnten.
Gwiß ſind dies in unſerer raſchlebigen und verdrängenden
Zeit im Arbeitsverhältnis Gedenktage, die ſowohl Arbeit=
geber
wie Arbeitnehmer zur vollen Ehre gereichen. Möge
s dem Jubilar vergönnt ſein, daſelbſt auch ſein 50jähriges
Arbeitsjubiläum feiern zu können.
Batikarbeiten. Im Erker der Firma H. Bringer
n der Wilhelminenſtraße iſt zurzeit eine Kollektion inter=
eſſanter
künſtleriſcher Handarbeiten ausgeſtellt. Es ſind
Kiſſen, Täſchchen, Decken und ein Häubchen, ganz reizende
Dinge, die nach eigenen Entwürfen von Frl. Ilſe
Landwich hierſelbſt angefertigt worden ſind. Frl.
zandwich war Schülerin von Herrn Enders und dieſe erſten
Proben ihrer kunſtgewerblichen Tätigkeit ſind durchaus
lobenswert für Lehrer und Schülerin. Aus den Ent=
würfen
ſpricht Originalität und bemerkenswerter künſt=
leriſcher
Geſchmack, der ſich beſonders in der Farbenzuſam=
menſtellung
und in den reizvollen Ornamenken ausprägt.
* Vereinigung früherer 115er. Der letzte Regiments=
abend
im Lokale der Stadt Koburg erfreute ſich wieder
ſehr guten Beſuches und nahm einen anregenden Verlauf.
Der Vorſitzende, Herr Hauptmann d. L. Müller=Hickler,
konnte in ſeiner Begrüßungsanſprache ein weiteres erfreu=
liches
Wachſen der Vereinigung feſtſtellen. Er übergab
dann der Vereinigung als Grundſtock einer Stiftung eine
Sammlung von Erinnerungsgegenſtänden aus den gro=
ßen
Kriegen, Geſchoſſe aus allen großen Schlachten von
1666, 1870/71, Ausrüſtungsgegenſtände, Wafſen uſw. Die
Stiftung ſoll den Anſang einer Sammlung bilden, an der
jeder Soldat ſeine Freude haben muß, da hierdurch die
Taten unſerer Vorfahren uns immer wieder in das Ge=
dächtnis
zurückgeruſen werden. Jeder möge nach Kräften
beiſteuern, damit die Zeugen jener großen Zeiten nicht
verloren gehen. Nach weiteren intereſſanten Mitteilun=
gen
ging man zum gemütlichen Teil über, der ſehr bald
eine recht fröhliche Stimmung hervorbrachte. Vor allem
waren es wieder unſere Kameraden Robert Schneider,
unſer humoriſtiſcher, unverwüſtlicher Lokalpoet, ſowie
Konrad Wörner, der in bekannter, begeiſternder Weiſe in
Würdigung der Feier des Rote Kreuz=Jubiläums ein er=
hebendes
Gedicht zum Vortrag bringend, die Kameraden
zu lebhafteſtem Beifall hinriß. Auch Herr Fay machte
ſich, wie immer, durch ſeine Vorträge verdient, ebenſo
Herr Frank durch ſeine Muſilbegleitung. Der ganze
Abend nahm einen echt kameradſchaftlichen Verlauf und
konnte der Vorſitzende in ſeinen Dankesworten an die Vor=
tragenden
dem herzlichen Wunſche Ausdruck geben, daß

Im zerſtörten Linera.

** Ueber die ſtaubige Straße, zu deren Seiten der
Hecken üppige Blüte von der ſongloſen Schönheit ſüdlicher
Natur erzählt, ſegt das Automobil durch Sonne und Blü=
tenduſt
ſurrend dahln. Aeireale bleibt zurück, die erſten
weißen Häuſer von Zaceanaſſo leuchten auf. Der Wagen=
führer
bremſt, aus dem Dahinraſen wird ein Vorwärts=
rollent
und die Blicke fallen auf geborſtene Mauern.
ſchwarze, klaſſende Riſſe und Häuſer, die der Dächer bar
ſind. Der Schauplatz der Erdbebenkata=
ſtrophe
, deren Folgen ungleich ſchwerer ſind, als man
bei den erſten Nachrichten annahm, iſt erreicht. Und ſchon
ſchiebt ſich eine lange Reihe von Karren und Wagen über
die Straßenfläche und hindert das Fortkonemen. Ans
Linera kommen dieſe Gefährte, aus dem unglücklichen
Linerg, das noch vor dnet Tagen ein ſchmückes, ſongloſes
Dörſlein war und beute nur noch dem Namen nach eriſtiert.
Langſam ziehen die Karren vorüber: Kiſſen, Matraten,
Käſten und wahllos erraffte Möbel bilden ihre Laſt; und
hinter ihnen drein ſchreitet ein ſtummer Zug von Frauen
und Männern, von Mädchen und barfüßigen Kindern.
Sſeltſam ſtarr und leer iſt der Blick dieſer Meuſchen, in
ihren Angen ſcheinen noch die Erinnerungen durchlebter
Schrecken zu wohnen; ſie weinen nicht, ſie haben keine
Träuen mehr. Schweigend blicken wir, ſo berichtet der
Korreſpondent des Corriere della Sera, auf dieſe troſtloſe
Prozeſſion der Heimatloſen. Und wie ſie da vorüiber
ſchretten, hören wir ein leiſes, dumpfes Gemurmel, das
mechauiſch von den Lippen der Frauen kommt. Madnt
nuzza! Mabunnngza! Alles, was ſie ihr eigen nannten,
iör Heim und die karge Frucht ihrer Arbeit, iſt verloren;

aber den Glauben zu ihrer Madonna haben ſie gerettet,
dieſe armen ſizilianiſchen Bäuerinnen; und wie ſie im
Straßenſtaube fortziehen, in die Fremde, flüſtern ſie
immer wieder ihr banges und demütiges Madunnuzza,
Madununzza‟
Jeder Kilometer, den das Automobil zurücklegt, häuft
und verſtärkt die Zeichen erbarmungsloſer Zerſtörung.
In Santa Maria Vergine hängen noch, zwiſchen klaſfen=
den
Mauerſpalten, die bunten kleinen Blumen, mit denen
die Bauern ihr Heim ſchmückten. Auf Schutt und Ruinen
arbeiten, den Spaten in den Händen, Soldaten. Ein Ser=
geant
nürt uns ernſt zu. Viele Tote in Linera? fragen
wir. Und er nickt wieder, langſam. Ja, viele. Und
Verwundete? Ja. weit über 150. Und dann erreichen
vir die erſten Häuſer von Linerg nein, nicht die Häuſer,
ſondern nur die Trümmer deſſen, was einſt Heimſtätten
waren. Das Nutomobil kann nicht weiter, Ruinen ver=
ſperren
ihm den Weg. In kleinerem Maße erſteht hier
has glleiche grauenvolle Bild wie damals in dem zerſtörten
Meſſina, aber geringer iſt der Jammer darum nicht. Vom
heiteren blauen Maihimmel ſtrablt die Sonne auf ein
Lager, das auf dem Platze vor der Kirche erſtanden iſt.
Matten und Matratzen ſind auf die Erde geworſen, und
uf ihnen hocken Bauern und Bäuerinnen. Sie ſtützen
das Kinn auf die Knie und ſtarren leeren Blickes wortlos
geradeaus; das Leid hat ſie betroffen. Notdürftig ge=
kleidete
Mädchen blicken uns an und ſehen uns doch nicht.
Als wir ein paar Schritte weiter gehen, begegnet uns die
erſte Bahre. Soldaten tragen ſie. Unmittelbar folgt ihr
eine zweite, eine dritte. Auf jeder ruht ein Leichnam
Sie alle kommen von der Ruine eines Hauſes dort au
der Ecke; vier Tote hat man hier ausgegraben. Nur mit
Vorſicht kann man weitm; zablloſe Spalte durcziehen

den Erdboden. Da wir weiterſchreiten ertönt aus den
Ruinen ein gellender Schrei, ſteigt ſchrill empor und er=
ſtickt
in einem ſtöhnenden Schluchzen. Um eine Bahre
drängt ſich die Menge. Vier Carabinieri heben die trau=
rige
Laſt empor. Es iſt eine junge Frau, die nackten
Füße ſind verſtümmelt, das Geſicht gräßlich entſtellt und
von Blut bedeckt. Mühſam und keuchend geht der Atem
der Aermſten; ſchwer iſt ſie verwundet, wer weiß, ob ſie
wird leben können. Ihre kleinen Kinder drängen ſich an
die Bahre und wollen ſie nicht loslaſſen, wollen nicht, daß
man die Mutter fortſchleppe, weit fort, weiß Gott wohin.
Und ſo weinen denn die Kleinen und ſchluchzen: Ma=
truzzg
, bedda! Matruzza bedda! Auf eine Gruppe Sol=
daten
eilt ein junger Burſche zu. Hier iſt Ignazia Sciuto
geſtürzt, hier blieb ſie unter dem Mauerwerk. Und die
Soldaten beginnen zu graben, ſtoßen auf einen Roſen=
kranz
aus Perlmutt; bald wird man die Leiche finden.
Ein paar Schritte weiter drängt ſich die Menge um einen
Greis, der beſinnungslos am Boden liegt. Aus den
Trümmern hatte man die Leiche der Großmutter Gaetana
geborgen und in ihren Armen feſtumſchlungen hielt die
Alte die irdiſchen Ueberreſte ihrer geliebten kleinen beiden
Enkelkinder. Als der alte Großvater die Leichen ſah,
ſtockto er ſtumm die Arme empor, bewegte die Lippen,
ohne einen Ton hervorzubringen und ſank dann, vom
Schmerz erdroſſelt, zu Boden wie ein gefällter Baum=
ſtamm
. Als dann die Abenddämmerung über den Ruinen
Linergs leuchtet, ſieht man die Straße herauf einen end=
loſen
Zug von Maultieren heranziehen. Eine düſtere Laſt
ſchleppen die Tiere: ſchwarze Särge, viele, viele ſchwarze
Särge . . .

[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Seite 3.

ſich auch in Zukunft die Kameraden recht zahlreich an den
gebotenen Genüſſen erfreuen möchten.
(Erdbeeren. Trotz des tühlen Wetters blühen
die Walderdbeeren in der Tanne zurzeit ſehr ſtark, daß
eine ſehr gute Ernte zu erwarten iſt. An manchen
Stellen leuchten die weißen Blütenſternchen in ſolcher
Menge aus dem Grün heraus, daß der flüchtig Hin=
ſchauende
ſie für Waldanemonen halten kann.
Durchgehende Pferde. Am Montag abend kurz
nach 6 Uhr wurden die Pferde eines in der Kleinen
Kaplaneigaſſe haltenden Bierwagens durch einen herab=
fallenden
Fenſterladen erſchreckt und gingen durch. Der
zufällig dem Fuhrwerk entgegenkommende Feuerwehr=
mann
Gries brachte die in Galopp übergehenden Pferde
zum Stillſtand. Es wurde dadurch ein größeres Unglück
verhütet.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

* DasReſidenztheater am weißen Turm bringt,
wie ſchon bekannt, ab Samstag, den 16. d. Mts.,
den hochintereſſanten Film Die Opfer und der Schrecken
der Fremdenlegion ein Mahnruf an unſere Jugend. Das
Reſidenztheater hat das alleinige Aufführungsrecht für
Darmſtadt. Gleichzeitig wird der Film demonſtriert durch
einen alten Fremdenlegionär. Herr Max Schulze, der auf
ſeiner Wanderſchaft ſchon mit 17½ Jahren den Werbern
der Fremdenlegion zum Opfer fiel und nach 2½ Jahren
dank des Auswärtigen Amtes wieder entlaſſen wurde, wird
in feſſelnder Weiſe über ſeine Erlebniſſe einen Vortrag
halten.
Gräfenhauſen, 12. Mai. (Ein trauriges Fa=
miliendrama
) ſpielte ſich am Sonntag abend hier ab.
Der 40jährige Former J. B., der mit ſeiner Ehefrau in
folge Steuerangelegenheiten in Streit geraten war, hat ſich
erhängt. Seine Frau, die hinzukam, ſchnitt ihn ſchnell ab.
Dabei fiel B. zur Erde und biß ſich die Zunge ab. Er
wurde mittels Krankenwagen in das Städtiſche Kranken=
haus
nach Darmſtadt gebracht, wo er Dienstag abend,
ohne das Bewußtſein wieder erlangt zu haben, ver=
ſchied
. Er war ein fleißiger und ehrlicher Arbeiter und
hinterläßt noch fünf kleine Kinder.
Offenbach, 12. Mai. (Im Elend.) Auf der Offen=
bach
-Heuſenſtammer Kreisſtraße wurde ein junger Menſch
aufgegriffen, der vollſtändig heruntergekommen war. Er
gab an, daß er Hermann Kaiſer heiße und aus Göppingen
ſtamme. Der junge Menſch war ſeit vier Tagen ohne Koſt
und hatte vier Nächte im Walde zugebracht. Er war er=
ſtarrt
und konnte weder gehen noch ſtehen. Der Bedauerns=
werte
wurde nach dem Seligenſtädter Landkrankenhauſe
übergeführt.
Hering, 12. Mai. (Am Himmelfahrtstage)
wird hier ein chriſtliches Volksfeſt gehalten werden. Um
2 Uhr ſind Feſtgottesdienſte in denen Pfarrer Schneider=
Babenhauſen und Pfarer Schuſter=Mainz predigen wer=
den
. Um 4 Uhr wird unter Mitwirkung eines Poſaunen=
chors
und Kirchenchors im Burghof auf dem Otzberg eine
Nachfeier ſtattfinden, deren Thema Die Heimat iſt.
Schulrat Gunderloch=Dieburg wird ſprechen über Die
Gemütswerte der Heimat Profeſſor D. Dr. Diehl= Fried=
berg
, der bekannte Kenner der Geſchichte unſeres heſſiſchen
Vaterlandes, wird aus der Geſchichte der Heimat erzählen.
Das Feſt findet bei jeder Witterung ſtatt.
Neckarſteinach, 12. Mai. (Totgefahren.) Ein
ſchwerer Eiſenbahnunfall hat ſich geſtern abend in der
Nähe von Neckargemünd ereignet. Der 62jährige Bahn=
wart
Anton Wipper wollte hinter einem abfahrenden
Zug das Gleis überſchreiten, als aus entgegengeſetzter
Richtung ein anderer Zug heranbrauſte und ihn erfaßte.
Wipper war ſofort tot. Fünf Kinder ſtehen trauernd an
ſeiner Bahre.
Mainz, 12. Mai. (Der hiſtoriſche Preisfeſt
zug des Deutſchen Volkstrachtenfeſtes.)
Durch die Tatkraft eines bisher noch wenig an die Oeffent=
lichkeit
getretenen Vereins, des Bayernvereins Mainz

feiert Mainz das erſte Deutſche Volkstrachtenfeſt (ein ſich
jedes Jahr wiederholendes Feſt) in ſeinen Mauern. Mit
bewundernswerter Arbeitsluſt und Energie ſind die ein=
zelnen
Ausſchüſſe bereits ſeit Monaten an der Arbeit und
ſind die Vorarbeiten zu dieſem großangelegten Feſt, das
ein nationales Volksfeſt im idealſten Sinne des Wortes
werden wird, nahezu beendet. Unter dieſer Empfindung
und da man allſeitig den wirtſchaftlichen Wert und Frem=
denverkehr
fördernden Einfluß des Feſtes richtig erkannt,
hat die Stadtverwaltung ſich entſchloſſen, einen Ehrenpreis
und eine finanzielle Unterſtützung dem Bayernverein zu
ſtiften. Als Hauptfeſttag iſt der 21. Mai (Chriſti Himmel=
fahrt
) beſtimmt. An dieſem Tage, vormittags, wird der
impoſante Preisfeſtzug, an dem ſich über 6000 Perſonen
beteiligen, die farbenprächtigſten, lebensfriſcheſten Bilder,
die Mainz jemals geſehen hat, den Feſtbeſuchern vor
Augen führen. Heller Jubel wird alle Herzen erfüllen
beim Vorüberziehen der farbenprangenden, noch nie in
ſolcher Anzahl und Mannigfaltigkeit geſehenen deutſchen
Volkstrachten. Der Feſtzug wird zeigen, was die
Volkstrachten=Erhaltungsvereine durch ihre unermüdliche
Tätigleit und Heimatliebe dem deutſchen Volkstum nicht
nur erhalten, ſondern vielfach erſt wieder zurückerobert
haben. Und während des Feſtzuges wird man ſich ſo recht
hineinverſetzt fühlen in eine Schaumbergerſche Roman=
welt
, aus der die Figuren Schülzle und Bärbele, der Laub=
ſchneider
und der Schreinerslorenz in die Erinnerung tre=
ten
. Alles in allem wird der Feſtzug glänzend gelingen
und hoffen wir, daß das erſte Deutſche Volkstrachtenfeſt
mit einem Gefühl der Befriedigung auf ſein erſtes Debüt
zurückblicken kann.
Mainz, 12. Mai. (Den Steuermann an Land
geworfen.) Geſtern nachmittag fuhr das Schiff
Käthe von Mainz nach Frankfurt. Gelenkt wurde es von
dem Steuermann Lorenz Wagner. Dieſer geriet während
der Fahrt mit dem Schiffer ſelbſt in einen heftigen Streit,
wobei der Schiffer ſchließlich oberhalb Koſtheim den
Steuerman ans Land warf und allein weiterfuhr. Ein
anderes Schiff fuhr darauf im Auftrag des Schleuſen=
meiſters
hinterher, um die ſteuermannsloſe Käthe an der
Weiterfahrt zu verhindern.
Worms, 12. Mai. (Anerkennung für eine
mutige Tat.) Der 13jährige Jakob Müller von Leiſel=
keim
hatte den 13jährigen Heinrich Lott, der in Leiſel=
heim
auf dem Eiſe der Pfrim eingebrochen war, mit eige=
ner
Lebensgefahr gerettet und dabei Mut Unerſchrockenheit
und Selbſtloſigkeit bewieſen. Der Großherzog hat dem
jugendlichen Lebensoetter zum Zeichen ſeiner allerhöchſten
Anerkennung eine Taſchenuhr verliehen, die Herr Kreis=
amtmann
Emmerling dem braven Jungen heute vormittag
auf dem Kreisamte mit Worten der Anerkennung über=
reichte
.
Gimbsheim, 12. Mai. (Ein eigenartiges
Mißgeſchick) paſſierte mit einer Leiche, die von dem
Fährmann Willius hier geländet wurde. Der Kaufmann
Egner aus Mannheim erkannte die Leiche als diejenige
ſeines Bruders an, der vor kurzem beim Rudern im Rheine
ertrunken iſt. Als die Ueberführung der Leiche nach Mann=
heim
erfolgen ſollte, ſtellte ſich heraus, daß Egner ſich ge=
irrt
hatte und der Geländete gar nicht ſein verunglückter
Bruder war. Die Perſönlichkeit des Geländeten iſt nun
endlich zweifelsfrei feſtgeſtellt worden. Es iſt der 17 jäh=
rige
Matroſe Willi Ritter aus Ludwigshafen, der von
ſeinem Schiffe über Bord ſtürzte und im Rheine ertrunken
iſt. Der Verunglückte wurde auf dem hieſigen Friedhof
beerdigt.
Büdesheim, 12. Mai (Die Wilddiebbereien)
mehren ſich im hieſigen Walde und in den angrenzenden
Gemarkungen in bedenklicher Weiſe. Mit Schlingen, die
man zu Dutzenden findet, und mit Gewehren obliegen die
Wilderer ihrem Handwerk. In Schlingen gefangene
Haſen und Rehe werden häufig von den Jagdhütern auf=
gefunden
; auch ein mit Schrot geſchoſſener Rehbock wurde
am letzten Freitag aufgefunden. Für die Ermittelung der
Wilddiebe ſind 100 Mark Belohnung ausgeworfen worden.
Friedberg. 12. Mai. (Neue Garnifon.) Die
hieſige Garniſon wird am 1. April 1915 verſtärkt werden.

Es wird von dieſem Zeitpunkte an ein Scheinwerferzug,
70 Mann ſtark, ſeither in Mainz, dem 3. Bataillon 168er
zugeteilt und vorläufig in der Bergkaſerne untergebracht
werden.

52. Verbandstag heſſiſcher Vorſchuß= und
Kreditvereine.

(*) Butzbach, 12. Mai. Unter dem Vorſitze des Ver=
bandsdirektors
Juſtizrat De. Harnier=Kaſſel begannen
im Heſſiſchen Hof die Verhandlungen des 52. Ver
bandstags heſſiſcher Vorſchuß= und Kredit=
vereine
. Kreisrat Frhr. v Schenck übergab dem
Direktor des hieſigen Vorſchußvereins, Gemeinderat Heil,
das Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen und überbrachte dem Verein zu ſeinem
50jährigen Jubiläum die Glückwünſche der heſſiſchen Re=
gierung
. Als 2. Vorſitzender wurde Stadtcat W. Heil=
Butzbach, zum Schriftführer Eldracher, als Rechnungs=
prüfer
Bürgermeiſter Radke=Wildungen und Stoll=Bad=
Nauheim gewählt. Es folgten nun die Mitteilungen der
einzelnen Vereine. Verbandsdirektor Dr. Harnier er=
ſtattete
Bericht über das abgelaufene Geſchäftsjahr 1913.
Die Zahl der Vereine beträgt 24; der Geſamtumſatz der
Einnahmen und Ausgaben belief ſich auf 677072884 Mark
gegen 676053 184 Mark in 1912. Die gewährten Kredite
betrugen 113 928090 Mark gegen 116 701 428 Mark in 1912.
Das eigene Vermögen e rug an Reſervefonds 4716695
Mark, an Geſchäftsguthuben 7816 486 Mack. Die Ein=
nahmen
an Zinſen und Proviſionen betrugen 3315059
Mark, die Ausgaben an Zinſen 1897442 Mark, die Ver=
waltungskoſten
509123 Mark, der Reingewinn 889734
Mark, die Verluſte 6337 Mark. Im Anſchluß an den
Jahresbericht wurden die für die Vereine beſonders ein=
ſchneidenden
Fragen: Kreditgewährung, Effektenbeſtand,
Kaſſenführung, Vorſicht in der Bewertung von Hypotheken
uſw eingehend behandelt. Direktor Dr. Harnier
ſprach dann über: Grundſätze für die Ausführung der
Reviſion des Aufſichtsrates. Bei einem gut geleiteten Ver=
ein
müſſe der Aufſichtsrat unabhängig von jeder perſön=
lichen
Rückſichtsnahme handeln. Mindeſtens einmal im
Jahre müſſen die Sicherheiten auf ihren materiellen Wert
geprüft werden. Die Einnahmen der Verbandskaſſe be=
trugen
4942 Mark, die Ausgaben 4566 Mark, ſo daß ein
Kaſſenbeſtand von 376 Mack bleibt. Der Voranſchlag für
1914/15 beläuft ſich auf 2685 Mark in Einnahme und
1792 Mark in Ausgabe. Bei der Vorſtandswahl wurde
durch Zuruf wiedergewählt: 1. Direktor Dr. Harnier=
Kaſſel. Bei Punkt: Wahl der Abgeordneten zum Genoſſen=
ſchaftstag
in Mainz wurden gewählt die Vereine Gießen,
Bad=Nauheim, Korbach Biedenkopf, Lauterbach. Als Ort
für den nächſten Verbandstag 1915 wurde Bad Wil=
dungen
beſtimmt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 11. Mai. Das Kron=
prinzenpaar
hat ſeine Ueberſiedelung nach Potsdam
verſchoben und wird Mitte dieſes Monats zu kurzem Auf=
enthalte
nach dem Jagdſchloß Klein=Ellguth reiſen. Die
erſte Betriebswoche der Hochbahn=Autoomnibuſſe
auf der neuen Linie Neukölln=Prenzlauer Allee hat eine
großeFrequenz ergeben. Es wurden täglich rund 16500 Per=
ſonen
befördert. Nach dreiwöchiger Abweſenheit vom
elterlichen Hauſe wurde geſtern ein Unterſekundaner,
der in der Schule keine Fortſchritte machte, in einer frem=
den
Wohnung mit einer Schußwunde bewußtlos aufge=
funden
. Er wurde in lebensgefährlichem Zuſtande in das
Krankenhaus gebracht. Zu der Verhaftung der Char=
lottenburger
Denkmalſchänder wird noch ge=
meldet
, daß auch der zuletzt verhaftete Arbeiter Paul
Roſenberg der Mittäterſchaft an der Denkmalſchändung
überführt und dem Charlottenburger Amtsgericht einge=
liefert
worden iſt. Er iſt gleichfalls Mitglied der ſozial=
demokratiſchen
Partei. Mit den jetzt in Haft befindlichen
echs Perſonen iſt der Kreis der Verdächtigen geſchloſſen.

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

** Humperdincks neue Oper. Aus Köln
wird uns geſchrieben: Als eine deutſche Spiel=
oper
bezeichnen Robert Miſch der Textdichter, und
Engelbert Humperdinck ihre Bühnenſchöpfung
Die Marketenderin die ſoeben im Kölner
Opernhauſe ihre erfolgreiche Uraufführung erlebte. Das
geſprochene und geſungene Wort löſen einander ab, wie
bei Lortzing, und die Muſik bewegt ſich durchweg in ge=
ſchloſſener
Form, den Nummern der alten Oper gemäß
ſie iſt melodiös entbehrt auch des Humors und des ſen=
imentaliſchen
Einſchlags nicht, ſchlägt dem Texte gemäß=
auch
patriotiſche, militäriſche Töne an, durch Benutzung
von Soldatenliedern uſw. Der Text iſt recht unterhaltend
behaglich ſtimmt ſchon das Erſcheinen Blüchers auf de
Fühne, der natürlich kein Couplet ſingt, ſondern als
Sprachrolle behandelt iſt. In ſein Hauptquartier in Höchſt
und dann nach Kaub Silveſter 1813 verſetzt uns die Hand
lung, in deren Mittelpunkt eine Markelenderin der fran=
zöſiſchen
Armee ſteht, ein liebes, mutiges Geſchöpf, das
plötzlich im deutſchen Lager verkleidet auftaucht und für
eine Spionin gehalten wird. Roſe ſucht aber nur ihren
gefangenen Schatz, den ſie für ſterbenskrank hält. Sie ge
winnt bald die Sympathien Blüchers und ſeiner Truppen,
ſpioniert, als Elſäſſerin deutſch geſinnt, für ihn jenſeits
des Rheins und erwirbt ſich große Verdienſte. Ihr Schatz
freilich erweiſt ſich ihrer Liebe nicht wert, dafür aber ein
anderer, der Koch Blüchers, um ſo mehr, und dem Rhein=
übergang
geht die Verlobung unmittelbar voraus. Die
ſehr gute Kölner Aufführung unter Hofrat Rémonds
zeniſcher und Brechers muſikaliſcher Leitung trug den
anweſenden Autoren viele Ehren ein. Ein Klavieraus
zug der Oper iſt im Muſikverlag von Adolph Fürſtner,
Berlin W. 10, erſchienen.
* Lilian Nordica Eine berühmte Sän=
gerin
, die ſich ſowohl in der alten wie in der neuen Welt=
eines
großen künſtleriſchen Rufes erfreute, iſt, wie ge
meldet, in Batavia nach längerer Krankheit geſtorben.
Die Künſtlerin, die in den letzten Jahren vorzugsweiſe
in Amerika auftrat, war die erſte Bayreuther Elſa in
Wagners Lohengrin Am 12. Mai 1859 zu Farmington
(Neu=York) geboren, wurde ſie ſpäter Schülerin verſchie=
dener
amerikaniſcher Geſanglehrer. Zur Vollendung ihres
Studiums ging ſie dann nach Mailand, wo ſie San Gio=
vanni
ausbildete. Nachdem fie in Bescig als Violetta
in Traviata erfolgreich debütiert hatte, unternahm ſie
bald Gaſtſpiel= und Konzertreiſen, die ſie durch die ganze
muſikaliſche Welt führten. Zu wiederholten Malen wirkte
de in den Wagner=Feſtſpielen in Bayreuth mit.

** Die Extravaganz des Strumpfes. Der nahende
Sommer beſchert den Modedamen eine neue Gabe: den
Strumpflurus. Schon im vergangenen Winter ſetzte das
ein: aber was die neuen Pariſer Strumpfmoden für
Sommer und Herbſt bringen, läßt an Extravaganz alles
hinter ſich, was bisher erſonnen wurde. Die fußfreien,
kurzen Röcke und die neue Mode des leichten tiefausge=
ſchnittenen
Schuhes wurden den Modeſchöpfern zum An=
laß
, ſich der Neugeſtaltung des Damenſtrumpfes mit ganz
beſonderer Liebe zuzuwenden. Die zarten und duftigen
Früchte dieſer Bemühungen liegen nun vor. Da ſieht man
in Paris ganz feine, zarte, ſchwarze Seidenſtrümpfe, auf
denen in anmutiger und graziler Gold= und Silberſtickerei
Getreideähren auftauchen; oder bunte Perlen, die faſt wie
glitzernde Juwelen wirken, ja ſelbſt flimmernde Pailletten
ſchmücken den Strumpf. In leuchtenden Stickereien er=
ſcheinen
alle Blumen= und Blütenarten, zarte, weiße Mai=
glöckchen
oder phantaſtiſche Orchideen; allein die Pflanzen=
welt
genügte nicht, ſelbſt die Tierwelt lieh bereitwillig ihre
Formen um den modernen Damenſtrumpf zu ſchmücken.
Man ſieht Strümpfe, auf denen, von japaniſchen Sticke=
reien
beeinflußt, zwiſchen lauſchigen Büſchen oder auf
dünnem Eichenzweige bunte Vögel zwitſchern oder die
Flügel breiten; ja ſelbſt Krabben und Krebſe tauchen auf
vermutlich eine diskrete Anſpielung auf den ſchwierigen
Gang gewiſſer Damen, die allzu hohe Abſätze tragen. Der
Strümpfe hat ſich eine entſchiedene Freude an der Bunt=
heit
bemächtigt, wenngleich in der Regel ſtarke Farbenkon=
traſte
vermieden werden; man ſieht mattblaue Strümpfe
mit goldenen Stickereien, Smaragdgrün mit Violett, Tür=
kisblau
mit Dunkelblau. Andere Kreationen tragen
Einſätze oder Medaillons aus duftigen Chantillyſpitzen
Sehr beliebt iſt auch der zweifarbig geſtreifte Damenſtrumpf.
Als große Mode gilt der weiße Strumpf mit gold= oder
ſilbergeſtickter Aehre. Um pikante Farbenwirkungen zu er=
zielen
legen manche Damen auch zwei Paar Strümpfe
an, einen Unterſtrumpf von ſtarker leuchtender Farbe und
darüber einen dünnen, durchſichtigen Strumpf, der gleich=
ſam
als Schleier die Farbe abdämpft und ſo ein diskretes
Farbenduett hervorruft.
* Die Löſung der Welträtſel‟. Ein Wiesbadener
Herr teilt durch Zirkular mit, daß es ihm gelungen iſt,
für die Welträtſel eine ebenſo große wie ſchöne
übrigens wiſſenſchaftlich durchaus unanfechtbare Löſung
zu finden. Er ſagt nämlich: Für heute nur die Andeu=
tung
, daß nach meiner Anſchauung das Weſen der Welt
nichts anderes ſein kann, als die allmähliche Erlöſung
eines urmännlich=egoiſtiſch=zweckvoll=reinen, Perſönlichen
Gottes (das Pſychiſche, ſEnergie, Kraft. Geiſt)) und einer
urweiblich=altruiſtiſch=zwecklos=reinen, Unperſönlichen Welt
(das Phyſiſche, Materie, Stoff, Seele)), als ſolche aber
gleichbedeutend ſein muß mit der ſchließlichen Weſens=

Scheidung von reinem Geiſt, konzentrierte Qualität
der dezentrierten pſychiſchen Quantität der geſamten
Welt=Energie und reiner Seele dezentrierte Quanti=
tät
der konzentrierten phyſiſchen Qualität der geſamten
Welt=Materie und zwar durch die, in Raum und Zeit ge=
waltige
, nach einem, von mir entdeckten, Entwicklungs=
prinzip
(Welt=Schlüſſel), in zwei Hälften erfolgende
Kosmos=Entwicklung, ein Prinzip, das ſich übrigens in
der Entwickelung aller Einzelteile und wieder deren
Einzelteile und deren Einzelteile uff. des Kosmos
(z. B. Erde. Menſchheit. Menſch, Zelle uſw.) wieder=
holt
. Wers nun nicht weiß, dem iſt nicht zu helfen!
O.K. Ein Wolkenkratzer aus Glas. Während auf der
Werkbund=Ausſtellung in Köln in den nächſten Tagen das
erſte Glashaus in immerhin beſcheidenen Größenverhält=
niſſen
die Aufmerkſamkeit der Beſucher feſſeln wird, planen
die Neu=Yorker als neueſtes Wunder ihrer kühnen Archi=
tektur
einen Wolkenkratzer aus Glas. Das Gebäudſe von
zwölf Stock Höhe wird ganz aus Glaswänden in einem
Stahlrahmen errichtet; nach ſeiner Fertigſtellung werden
etwa 78 Prozent der Bauſtoffe Glas ſein. Eine weitere
Beſonderheit dieſes Glasgebäudes wird es ſein, daß es
keine Fenſter erhält, die ſich öffnen laſſen; die Ventilation
wird nach einem neuen Syſtem geregelt das den Bewoh=
nern
friſche und gute Luft in reichem Maße zuführen ſoll.
Die Luft wird durch eine beſondere Leitung in der Höhe
des zweiten Stockes eingeſaugt, weil man gefunden hat,
daß ſie in dieſer Höhe reiner iſt als weiter oben. Nach
ihrem Eintritt wird die Luft durch Regenkammern ge=
leitet
, in denen alle Unreinheiten wie bei einem Regen=
ſchauer
ausgewaſchen werden. Erſt dann ſtrömt die Luft
durch Leitungen, die das ganze Haus durchziehen, in die
verſchiedenen Stockwerke und in die einzelnen Räume,
während die verbrauchte Luft durch unter der Decke lie=
gende
Oeffnungen wieder herausgezogen wird. Bei kal=
tem
Wetter wird die friſche Luft nach ihrem Eintritt in
das Haus zunächſt auch erwärmt, bei ſtarker Hitze dagegen
gekühlt. So glaubt man, das ganze Jahr hindurch eine
von allen Krankheitskeimen gereinigte Luft den Bewoh=
nern
dieſes Glashauſes zuführen zu können, ohne daß ſie
unter dem Lärm der Straße, der durch die geöffneten
Fenſter heraufdringen würde, zu leiden haben. Unab=
hängig
von der Luftleitung erhält das Haus eine Warm=
waſſerheizung
, die an den kälteſten Wintertagen eine gleich=
mäßige
warme Temperatur ſichert. Das luftige Luxus=
gebäude
ſoll 6 Millionen Mark koſten; es wird auch ſonſt
alle möglichen Bequemlichkeiten bieten und in einem
Dachgarten werden die Bewohner Gelegenheit zur Er=
holung
unter freiem Himmel finden.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131.

Weitere Perſonen kommen nach dem Stande der Ermitte=
lungen
für die Tat nicht mehr in Frage.
12. Mai. Profeſſor Jaſtrow wurde heute früh in
ſeinem erſtenKolleg nachBeendigung desStreiks von ſeinen
Hörern mit ſtürmiſchen Beifallskundgebungen empfangen,
worauf er mit einer Anſprache erwäderte. Der Inter=
nationale
Varietétheater=Direktoren=Verband iſt anläßlich
der erſten Varieté=Ausſtellung heute vormittag im Admi=
ralitäts
=Theater zu einem Internationalen Va=
rieté
=Kongreß zuſammengekreten. Es wird beab=
ſichtigt
, einen großen Bund der Intereſſenten des Vergnü=
gungsgewerbes
ins Leben zu rufen.
Frankfurt, 12. Mai. (Die geſtohlene Smaragd=
broſche
.) Als in der vorigen Woche hier die Tagung
deutſcher Standesherren ſtattfand, vermißte, wie
die Frankf. Nachrichten mitteilen, eine Fürſtin einen höchſt
wertvollen Brillantſchmuck. Es handelt ſich um
eine viereckige, mit vielen Brillanten beſetzte Broſche, in
deren Mitte ein großer viereckiger Smaragd ſich befand
Der Schmuck wird auf 20000 Mark geſchätzt. Die Fürſtin
vermochte nicht anzugeben, ob ihr die Broſche geſtohlen
worden war oder ob ſie ſie verloren hatte. Am Montag
vormittag bot ein Unbekannter das wertvolle Schmuckſtück
zum Kauf an, und es fiel ſofort auf, daß ein ſo ein=
facher
Mann eine ſolche Koſtbarkeit beſaß. Man benach=
richtigte
die Kriminalpolizei und dieſe ſtellte feſt, daß
der Beſitzer der Broſche der 1875 in Trier geborene Fer=
dinand
Wilhelm Kißling war, der als Aushilfskellner
bei der Veranſtaltung in dem Hotel tätig geweſen war
und bei dem Ausfegen des Ballſaales die Broſche gefun=
den
hatte. Kißling, der die Broſche nicht ablieferte, wurde
verhaftet, wobei ſich herausſtellte, daß man einen alten Be=
kannten
vor ſich hatte. Kißling iſt nämlich ein berüchtig=
ter
Einbrecher, der zu den internationalen Gaunern zählt.
Köln, 11. Mai. (Hinrichtung.) Heute morgen
wurde durch den Scharfrichter Gröpler aus Breslau der
Gattenmörder Reuter aus Mülheim a. Rh. hinge=
richtet
. Reuter hatte ſeine von ihm getrennt lebende
Ehefrau nach Mülheim gelockt, angeblich um ſich mit ihr zu
verſöhnen, hatte ſie dann aber auf die Eiſenbahnſchienen
gelegt, ſo daß ſie von einem Zug überfahren wurde.
Hamm (Weſtfalen), 12. Mai. (Vom Blitz ge=
troffen
.) In der Kolonie der Zeche Sachſen ſchlug
der Blitz in eine Zementbude, in der drei Arbeiter be=
ſchäftigt
waren. Von dieſen wurde der eine, ein Oeſter=
reicher
, getötet, der zweite wurde ſchwer und der dritte
leichter verletzt.
Celle (Hannover) 12. Mai. ( Maſſenvergif=
tung
.) Nach dem Eſſen erkrankten plötzlich vier Mädchen
eines Hotels ſowie ein regelmäßig dort verkehrender In=
genieur
. Der letztere iſt heute mittag geſtocben. Dem
Vernehmen nach ſind auch noch andere Perſonen in der
Stadt erkrankt.
Neukölln, 12. Mai. (Verbrannt.) Heute morgen
wurde die 71 Jahre alte Witwe Auguſte Fröhlich in
ihrer Stube verbrannt aufgefunden. Ob ein Unglücksfall
vorliegt oder die Greiſin Selbſtmord begangen hat, ſtehr
noch nicht feſt.
Tarnowitz, 12. Mai. (Schwarze Pocken.) In
das hieſige Kreiskrankenhaus wurde die Witwe Prudlo
aus Laurahütte, die an den ſchwarzen Pocken erkrankt iſt,
eingeliefert. Die mit ihr in Berührung gekommenen Per=
ſonen
wurden unter Beobachtung geſtellt. Es handelt ſich
um 10 Perſonen.
Wien, 12. Mai. (Die Stradivariusgeige als
Trinkgeld.) In Szent Gotthard in Ungarn ſchenkte ein
Fremder einem Bürger, der ihm den Weg zur Grenze ge=
wieſen
hatte, als Entgelt eine Geige. Wie ſich ſpäter
herausſtellte, trug das Inſtrument die Inſchrift: Antonius
Stradivarius Cremonenſis faciebat 1716. Man hält den
Fremden für ein Mitglied der Räuberbande, die jüngſt bei
einem Berliner Bankier eine Stradivariusgeige raubte.
Innsbruck, 12. Mai. (Vermißter Bergſteiger.)
Die alpine Rettungsſtation teilt mit: Der 25 Jahre alte
Juweliersſohn Joſef Dieſelt aus Düſſeldorf wird ſeit
Samstag, wo er einen Ausflug ins Hochgebirge unter=
nahm
, vermißt. Es werden Nachforſchungen ange=
ſtellt
.
Paris, 11. Mai. (Für eine halbe Million ge=
fälſchte
Poſtanweiſungen.) Die Pariſer Poſtver=
waltung
iſt im letzten Monat, auf eine unerhört raffinierte
und geſchickte Art um über 500000 Francs ge=
ſchädigt
worden. Die Unterſuchung darüber wird
zwar ganz geheim geführt, doch war der Matin geſtern
früh in der Lage, einige ſehr intereſſante Einzelheiten dar=
über
zu bringen. Danach iſt es in den letzten drei Wochen
einer Bande internationaler Hochſtapler, in der Haupt=
ſache
allem Anſchein nach Belgiern, gelungen, in die Poſt=
ſäcke
über 2000 gefälſchtePoſtanweiſungen einzuſchmuggeln.
Dieſe lauteten auf je 200 bis 300 Francs, überſtiegen jedoch
niemals den letztenBetrag, da die Betrüger offenbar wußten,
daß die Anweiſungen in dieſem Falle von einem beſonde=
ren
Benachrichtigungsformular begleitet werden. Die
Fälſchungen ſind mit unglaublicher Vollendung ausge=
führt
. Die Anweiſungen ſtimmen bis in die kleinſten Klei=
nigkeiten
mit den echten überein, ſo daß auch nicht ein
einziges Mal der Verdacht der Poſtbeamten wach wurde.
Die Fälſcher hätten ihr Werk noch unbegrenzt lange fort=
ſetzen
können, wenn nicht alle 14 Tage eine allgemeine
Kaſſenreviſion ſtattfinden würde. Bei der letzten Reviſion
entdeckte man nun, daß eine ganze Anzahl Anweiſungen
dieſelben Nummern trugen, und daß ſich überhaupt in den
Kaſſenberichten der einzelnen Poſtämter unerklärliche Un=
regelmäßigkeiten
fanden. Auf dieſe Weiſe kam man den
Fälſchungen auf die Spur. Offenbar wußten die Ver=
brecher
genau von dieſer Reviſion, denn ſeitdem iſt keine
einzige verdächtige Poſtanweiſung mehr eingelaufen. Die
Hoffnung, die Diebe zu faſſen, iſt daher ſehr gering.
Madrid 12. Mai (Erdrutſch.) Nach einer Mel=
dung
aus Jaen in Andaluſien hat ein Erdeutſch bei
Bezmor ſtatgefunden. Eine Anzahl Arbeiter wurde dabei
verſchüttet, vier von dieſen ſind tot.
Barcelona, 12. Mai. (Die Ausſtändigen) be=
ſchloſſen
die Compania transatlantico zu boykottieren.
Liſſabon, 12. Mai. (Gelynchter Mörder.) In
Covilla erſtach der Antimilitariſt Fecreira den Major der
Infanterie Correia. Der verhaftete Mörder wurde von
der Volksmenge aus dem Gefängnis herausgeholt und
gelyncht.
Petersburg, 11. Mai. (Geſtohlene Glocken.)
In der Narvſchen Vorſtadt wurden aus der Seraphin=
Kirche drei Glocken aus dem Turm geſtohlen,
ohne daß es jemand gemerkt hatte. Erſt nachdem die Po=
lizei
Nachforſchungen angeſtellt hatte, ertappte man einen
Arbeitsloſen bei dem Fortſchaffen von zwei Glocken, die
er zu einem Trödler bringen wollte. Ueber den Verbleib
der dritten Glocke verweigert der Dieb jede Auskunft.
Tunis, 12. Mai. (Feſtgenommener Mörder.)
Als geſtern abend ein Polizeibeamter in einem Kaffeehauſe
in Suk Harkas zwei verdächtig erſcheinende junge Leute
feſtnehmen wollte, feuerte einer derſelben vier Revolver=
ſchüſſe
auf den Beamten ab. Dieſer blieb jedoch unverletzt.
Ein zweiter Beamter ſchoß darauf den Angreifer nieder

und verletzte ihn ſo ſchwer, daß er bald danach im Kranken=
haus
verſtarb. Der Genoſſe des Erſchoſſenen ließ ſich ohne
Widerſtand verhaften. Es handelt ſich, wie man annimmt,
um die Mörder des auf der Strecke Tindſcha-Moteur er=
mordet
aufgefundenen norwegiſchen Konſuls Bott.
Norfolk (Virginia), 12. Mai. (Folgenſchwere
Exploſion.) Im Maſchinenraume des Dampfers
Jefferſon der Old Dominion Company fand eine Ex=
ploſion
ſtatt. Sieben Mann der Beſatzung wur=
den
getötet einige verletzt.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 12. Mai. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 11,16 Uhr vormittags. Vom
Reichskanzler iſt folgendes Danktelegramm
eingegangen: Die warme Teilnahme des Reichstages, die
Euer Hochwohlgeboren mir in ſo gütigen Worten bekundet
haben, hat mich in meiner Trauer tief gerührt. Ich bitte
Sie, hochverehrter HerrPräſident, dem hohenHauſe meinen
aufrichtigſten Dank übermitteln zu wollen. Reichskanzler
v. Bethmann Hollweg.
Die zweite Beratung des
Militäretats
wird bei den in der Diskuſſion verbundenen Kapiteln Ar=
tillerie
, Waffenweſen und Techniſche Inſtitute unter Aus=
ſchluß
der Rüſtungsangelegenheiten fortgeſetzt. Abg.
Büchner (Soz.): Von ſeiten der Militärverwaltung wird
bei Einſtellung von Arbeitern in die öffentlichen Staats=
betriebe
der ſchärfſte Terrorismus ausgeübt, indem ihnen
das freie Koalitionsrecht beſchränkt wird. Die Gewerk=
ſchaften
haben ein großes Stück Kulturarbeit geleiſtet. Wie
lange noch läßt die neue Arbeitsordnung auf ſich warten?
Vor zwei Jahren ſchon ſollte ihre Einführung unmittel=
bar
bevorſtehen. Wir fordern für die Staatsarbeiter Be=
ſeitigung
der Schikanen und gerechte Behandlung.
Generalmajor Wild von Hohenborn: Bei der
Größe unſeres Inſtituts iſt es ſelbſtverſtändlich, daß alle
möglichen Wünſche und Klagen vorgebracht werden. Die
berechtigten Ausſtellungen werden genau unterſucht wer=
den
. Die meiſten Fälle ſtellen ſich als übertrieben oder
entſtellt dar. Bei der Einſtellung von Arbeitern entſchei=
den
nicht andere Organe, kein Meiſter nimmt Arbeiter an.
Nach § 4 der Arbeitsordnung dürfen Perſonen, die ſozial=
demokratiſchen
oder ſonſtigen ſtaatsfeindlichen Beſtrebun=
gen
Vorſchub leiſten oder von denen vorauszuſetzen iſt,
daß ſie den Frieden mit den Behörden oder unter den
Arbeitern ſtören werden, nicht eingeſtellt werden. Falls
ſich während der Beſchäftigung herausſtellt, daß Arbeiter
dieſen Vorbedingungen nicht entſprechen, dann wird ihnen
gekündigt. An dieſem Standpunkt werden wir feſthalten.
(Bravo rechts.) Geldſtrafen beſtehen und werden bei Ver=
ſtößen
vom Vorſtand verhängt. Fälle hier vorzuführen,
die wir nicht kennen können, iſt eine Art, die nicht dazu
dient, eine wirkliche Verbeſſerung der Verhältniſſe herbei=
zuführen
. Ich bin deshalb auf den Weg verfallen, die=
jenigen
Ausführungen, die der Vorredner im Jahre 1913
gemacht hat, unter die Lupe zu nehmen, und bin zu dem
Reſultate gekommen, daß die vorgebrachten Fälle entweder
unrichtig oder übertrieben ſind. Es iſt zu beklagen, wenn
von der Tribüne des Hauſes ſolche Sachen vorgebracht
werden (Unruhe bei den Soz.), die ich momentan nicht
widerlegen kann. Daß die Verhältniſſe in den Staats=
betrieben
nicht ſo ſchlecht ſind, wie ſie der Vorredner hin=
geſtellt
hat, beweiſt der rege Zudrang zu dieſen Betrieben.
Der Bedarf an Arbeitskräften iſt auf Jahre hinaus ge=
deckt
. Die Löhne ſind genügend und entſprechend der pri=
vaten
Induſtrie geregelt. Die Dienſtanweiſung iſt in die=
ſem
Jahre neu herausgegeben worden und trägt allen be=
rachtigten
Wünſchen Rechnung. Auch eine möglichſt ein=
heitliche
Arbeitsordnung iſt fertiggeſtellt worden. Der Bau
von Arbeiterwohnungen wird beſchleunigt. Für Wohl=
fahrtseinrichtungen
und Schutzmaßnahmen ſind ſchon viele
Millionen ausgegeben worden, ſo daß von ſozialer Rück=
ſtändigkeit
keine Rede ſein kann. Die Unfallziffern ſind
durchaus günſtig. Auch ſonſt ſind viele Verbeſſerungen
eingetreten. Die fünfte Lohnklaſſe in Spandau iſt be
ſeitigt worden und die Zeit= und Stücklöhne ſind erheblich
erhöht worden. Man kann wohl ſagen, daß die techniſchen
Inſtitute in ihrer Entwicklung nicht ſtehen geblieben ſind.
Wir werden auf dem Wege der ſozialen Fürſorge fort=
ſchreiten
. (Beifall.)
Abg. Trimborn (Ztr.): Der Kriegsminiſter iſt neben
dem Eiſenbahnminiſter der größte deutſche Arbeitgeber
Die Arbeiterausſchüſſe beklagen ſich darüber, daß ſie noch
nicht genügend gehört werden. Die Arbeiter, welche eine
gefährliche Arbeit auszuführen haben, müſſen eine beſon=
dere
Lohnzulage erhalten. Auf Grund der zahlreichen
Wünſche der Arbeiter ſollte die Heeresverwaltung nochmals
prüfen, ob ſich für die Erichtung einer Penſionskaſſe gün=
ſtigere
Bedingungen finden laſſen. Auch dem Bau von
Arbeiterwohnungen muß die Heeresverwaltung ihr beſon=
deres
Augenmerk zuwenden. Hoffentlich kommt das Geſetz
betr. den Bau von kleinen Wohnungen bald zuſtande.
Abg. Weinhauſen (Fortſchr. Vpt.): Die techniſchen
Inſtitute müſſen mehr als bisher zu den Rüſtungsliefe=
rungen
herangezogen werden und ihre Betriebe wirtſchaft=
licher
geſtaltet werden. Die Techniker in den Militärbetrie=
ben
müſſen mit den Werktechnikern der Werften gleichge=
ſtellt
werden. Beſonders klagen die Techniker darüber
daß ſie bei der Beſoldungsnovelle übergangen worden
ſind. Die Schreiber, beſonders die Zivilſchreiber, bitten um
Aufbeſſerung ihres Einkommens. Auch hinſichtlich der Titel
bitten dieſe Beamtenkategorien um wohlwollende Berück=
ſichtigung
. Für die unteren Beamten, das fordern wir in
einer Reſolution, muß eine Regelung der Dienſtſtunden
eingeführt werden. Stundenpläne müſſen eingeführt und
für geregelte Sonntagsruhe und für einen ausreichenden
Erholungsurlaub muß Sorge getragen werden. Abg.
v. Gräfe (Konſ.): Die Mehrzahl der Wünſche, die ich
hier vorbringen wollte, haben bereits meine beiden Vor=
redner
hier erörtert, ſo daß mir nur eine Ergänzung übrig
bleibt. Auch wir erkennen an, daß die Heeresverwaltung
bemüht iſt, den hier vorgebrachten Wünſchen Gerechtigkeit
widerfahren zu laſſen. Das Vorgehen der ſozialdemo=
kratiſchen
Gewerkſchaften gegen die übrigen Arbeiter=
organiſationen
iſt ungerecht, vor allen Dingen der Vor=
wurf
der Korruption. Die Arbeiter werden ſchon merken
wo ihr wirklicher Freund ſitzt und daß die Sozialdemo=
kraten
nur Haß und Zwietracht ſäen. Abg. Dr. Erd=
mann
(Soz.): Die Arbeiter in der Siegburger Geſchoß=
fabrik
, in der keineswegs Phantaſielöhne gezahlt werden
müſſen aufgebeſſert werden. Darauf wird ein Antrag auf
Schluß der Debatte angenommen. (Lebhaftes Bravo.)
Mehrere Titel dieſes Kapitels werden bewilligt.
Beim Titel Depots für Feld= und andere Artillerie=
geräte
fordert Abg. Haberland (Soz.) Verbeſſerung
der Lage der bei dieſen Depots beſchäftigten Arbeiter.
Abg. Dr. Müller=Meiningen (Fortſchr. Vpt.): be=
antragt
, über Kapitel 5 Titel 32a des Ergänzungsetats
(Militärkabinett Viktoriaſtraße 34, Berlin) namentlich ab=
zuſtimmen
. Dieſer Antrag findet bei dem ſchwach beſetzten

Hauſe nicht die genügende Unterſtützung. Die Debatte
wird fortgeſetzt beim Titel Beſchaffung von Munition
Der Reſt des Kapitels wird bewilligt und die Reſolution
der Freiſinnigen angenommen. Kapitel Feſtungen, In=
genieur
= Pionier= und Verkehrsweſen. Abg. Duffner
(Ztr.): Um ſo bedauerliche Unglücksfälle, wie ſie bei den
Pionierübungen vorgekommen ſind, zu vermeiden, ſollten
Motorboote eingeführt werden. General Wild von
Hohenborn: Die Motorboote ſind durch ihre ſchlechte
Transportfähigkeit über Land weniger geeignet für
Pionierübungen als die bisherigen Fahrzeuge. Abg.
Kuckhoff (Ztr.): Durch ſeinen Charakter als Feſtung iſt
Köln beſonders benachteiligt. Der Ausbau der Vorgebirgs=
bahn
Köln-Bonn iſt, trotzdem die Bahn ſchon lange nicht
mehr dem Verkehrsbedürfnis entſpricht, nicht möglich, da
ſie an Feſtungsanlagen hingeht und bei der Elektriſierung
neue Bauanlagen notwendig würden. Generalmajor
Wild von Hohenborn: Es handelt ſich bei dem
Bahnausbau namentlich um die Entſchädigungsanſprüche
der Anlieger. Eine Entſcheidung hat noch nicht getroffen
werden können. Inzwiſchen iſt abermals ein Antrag
Dr. Müller=Meiningen auf namentliche Abſtimmung
über das Gebäude des Militärkabinetts ein=
gegangen
. Der Antrag iſt diesmal genügend unterſtützt.
Die Abſtimmung findet morgen ſtatt. Abg. Trim=
born
(Ztr.) bittet um Aufbeſſerung und Etatiſierung der
Zivilſchreiber in den Feſtungsbaubureaus. Abg.
Behrens (Wirtſch. Verein.): Die bei den Feſtungswer=
ken
beſchäftigten Arbeiter, Kutſcher uſw. müſſen reichlicher
entſchädigt werden. Generalmajor Wild v. Hohen=
born
: Die Zivilarbeiter ſind Hilfsarbeiter. Ihre Zahl
wird nach Möglichkeit eingeſchränkt. Die Etatiſterung muß
von Fall zu Fall entſchieden werden. Den Anregungen
des Abg. Behrens ſtehen wir wohlwollend gegenüber.
Das Kapitel wird bewillgt. Mehrere Kapitel paſſieren
ohne Debatte.
Beim Kapitel Unterſtützung an das nicht penſions=
berechtigte
Betriebs= und Arbeitsperſonal fordert Abg.
Schirmer (Ztr.): Dieſem Perſonal ſollte ein Rechtsan=
ſpruch
bewilligt werden, zum mindeſten in Form einer
Penſionskaſſe. General Wild v. Hohenborn: Die
Vorbereitungen für die Errichtung einer Penſionskaſſe ſind
ſchon getroffen. Aber es ſind noch weitere ſtatiſtiſche Er=
hebungen
notwendig. Uebrigens möchte ich bemerken, daß
mit einer Penſionskaſſe die Lage der Arbeiter auch nicht
verbeſſert würde. Gegen einen Rechtsanſpruch auf Pen=
ſionen
habe ich doch Bedenken. Es würde leicht zu einer Be=
ſeitigung
der aus der Reichsverſicherung entſtehenden
Rechte führen. Die Diskuſſion ſchließt. Der Reſt der
fortdauernden Ausgaben wird nach den Kom=
miſſionsbeſchlüſſen
angenomen, ſo daß auch die außer=
ordentlichen
unwiderruflichen Zulagen für die mittleren
Kanzlei= und Unterbeamten geſtrichen werden.
Bei den einmaligen Ausgaben erklärt beim
Titel Erwerb des Grundſtücks Viktoriaſtraße 34, Berlin,
zum Zwecke des Neubaues des Militär=
kabinetts
Kriegsminiſter v. Falkenhayn: Ich
habe bereits die Gründe dargelegt, die es mir zur Pflicht
machen, dieſe Vorlage vor das hohe Haus zu bringen. Bei
der überwiegenden Mehrheit der Budgetkommiſſion iſt mir
nicht beſtritten worden, daß die Heeresverwaltung, die nur
das dienſtliche Intereſſe im Auge hat, mit dieſer Vorlage
kommen mußte. Ich darf es der Abſtimmung des Hauſes
überlaſſen, die Konſequenzen aus dieſerSachlage zu ziehen.
Vizepräſident Dr. Paaſche: Die Abſtimmung über
dieſen Titel iſt eine namentliche. Sie wird morgen ſtatt=
finden
. Beim Titel Neubau und Ausſtattung einer evan=
geliſchen
Garniſonskirche in Münſter bittet Abg. Frhr.
v. Kerckerinck zu Borg (Ztr.) auch die katholiſche
Garniſonskirche in Münſter umzubauen. Beim Titel
Neubau eines Generalkommandogebäudes in Frankfurt
a. M. bemängelt Abg. Dr. Quarck=Frankfurt a. M.
(Soz.) die Art und Weiſe, mit der die Militärverwaltung
gegen die Stadt Frankfurt vorgegangen ſei, um den Neu=
bau
dieſes Gebäudes zu erlangen. Die Militärverwaltung
habe ſogar gedroht, das Generalkommando nach Wies=
baden
zu verlegen. Generalleutnant v. Schöler:
Der kommandierende General mußte eine Wohnung haben
mit genügenden Repräſentationsräumen. Bisher mußte
der kommandierende General ſeine Geſellſchaften im Hotel
geben, wodurch erhebliche Unkoſten entſtanden. Die Schwie=
rigkeiten
mit der Stadt kamen durch den hohen Preis für
den Bauplatz. Abg. Erzberger (Ztr.) als Bericht=
erſtatter
: Die Stadtvertretung in Frankfurt a. M. hat ſich
mit einer großen Mehrheit für den Neubau ausgeſprochen,
weil die Stadt immer noch ein großes Geſchäft damit
macht. Da auch das Reich gut damit fährt, können wir
wohl zuſtimmen. Abg. Dr. Quarck=Frankfurt (Soz.):
Ein Neubau ſollte lediglich wegen der Repräſentations=
bedürfniſſe
eines Generals nicht bewilligt werden. Der
Titel wird bewilligt. Beim Titel Truppenübungsplatz
bei Heuberg bittet Abg. Dr. Belzer (Ztr.) die Inter=
eſſen
der Anlieger zu berückſichtigen, insbeſondere die
Haferankäufe direkt bei den Bauern zu beſorgen. Gene=
ralleutnant
v. Schöler ſagt wohlwollende Berückſichtig=
ung
zu.
Bei einem ſpäteren Titel ſtellt Abg. Erzberger
(Ztr.) als Berichterſtatter feſt, daß der Staatsanwalt es
zweimal abgelehnt habe, gegen die Firma Görz irgend=
wie
vorzugehen. Die geſtrigen Anklagen des Abg. Lieb=
knecht
gegen dieſe angeſehene deutſche Firma ſtützen ſich
auf keinerlei Tatſachen.
Der Reſt der Ausgaben wird bewilligt, die Ein=
nahmen
werden ebenfalls bewilligt. Die Petitionen wer=
den
dem Antrag der Kommiſſion entſprechend erledigt.
Ueber einige Petitionen wird in dritter Leſung abgeſtimmt
werden. Damit iſt die zweite Leſung des Mili=
täretats
erledigt. Es folgt die zweite Leſung des
Etats für Kamerun.
(Dualaangelegenheit.)
Abg. Dr. Braband berichtet über die Kommiſſions=
verhandlungen
. Abg. Wels (Soz.): Die Schuld an
den Vorkommniſſen in Duala liegt ausſchließlich bei der
Regierung und an der Unzulänglichkeit der deutſchen
Bureaukratie. Die Weſtafrikaniſche Handelsgeſellſchaft be=
nachteiligt
die Eingeborenen auf das ſchlimmſte. Gegen
dieſe Geſellſchaft müßte in ſchärfſter Weiſe vorgegangen
werden. Gegen die Eingeborenen muß man human vor=
gehen
, insbeſondere, wenn es ſich um Enteignungen han=
delt
. An ſich haben wir nichts gegen die Enteignung ein=
zuwenden
, da eine Sanierung Dualas unbedingt nötig iſt.
Viele Dualas ſollen ſchon über die Grenze gegangen ſein.
Dieſe Tatſache iſt charakteriſtiſch für die dort herrſchende
Stimmung unter den Eingeborenen. Die Regierung ſollte
beſtrebt ſein, die Dualas mit der deutſchen Schutzherrſchaft
auszuſöhnen. Die Eingeborenen müſſen ſich entſchieden
verbitten, daß die Regierung einen direkten Verkehr mit
den Mitgliedern des Reichstages verhindert. Warum
wurde dem Reichstag die Gegendenkſchrift des Rechtsan=
walts
Dr. Halpert nicht zugeſtellt. Wir müſſen im Inter=
eſſe
des Anſehens des deutſchen Volkes die Eingeborenen
human und nicht brutal behandeln.

[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Seite 5

Staatsſekretär Dr. Solf: Der Abg. Wels hat be=
hauptet
, daß das Telegramm des Gouverneurs eine be=
ſtellte
Sache geweſen ſei. Ich lege gegen dieſe durch nichts
bewieſene Behauptung Verwahrung ein und erkläre, ebenſo
überraſcht geweſen zu ſein, wie dieBudgetkommiſſion. Auch
meine Mitarbeiter haben nichts von der Depeſche gewußt.
Wäre es anders geweſen, ſo hätte ich nicht ſagen können,
der Inhalt des Telegramms ſei nicht ſo ſchlimm aufzu=
faſſen
. (Bravo!) Zur Geſchäftsordnung bemerkt Abg.
Paaſche (Natl.): Die Denkſchrift des Rechtsanwalts Dr.
Halpert iſt den Abgeordneten nicht geſchickt worden, weil
ſie eine nichtamtliche Denkſchrift war. Sie enthält außer=
dem
ſchwere Beleidigungen für die Regierung und den
Reichstag. Eine Petition war die Sendung Dr. Halperts
nicht. Wir ſind nach den alten, bei uns üblichen Grund=
ſätzen
verfahren. Abg. Ledebour (Soz.): Auch die
Denkſchrift der Regierung iſt eine Beleidigung für den
Reichstag. Dr. Paaſche hätte ſich genau über die beſon=
deren
Umſtände der Gegendenkſchrift des Rechtsanwalts
Halpert informieren, ſie jedenfalls verteilen laſſen müſſen.
Abg. Dr. Paaſche (Natl.): Ich brauchte keine Be=
denken
gegn die Verteilung der Denkſchrift zu haben; da ſie
nichtamtlich war, konnte ich ſie auch nicht mit dem amt=
lichen
Stempel verſehen. Abg. Dr. Frank= Mann=
heim
(Soz.) ſchließt ſich den Ausführungen Ledebours an.
Abg. Dr. Oertel (Konſ.): Das Verhalten des Vize=
Präſidenten Dr. Paaſche war durchaus korrekt und ent=
ſpricht
der bisher geübten Praxis im Reichstag. Nach
weiteren Bemerkungen der Abg. Ledebour (Soz.) und Dr.
Frank=Mannheim (Soz.) erklärt Abg. Dr. Paaſche: Ich
habe nicht die Abſicht gehabt, dem Hauſe eine Information
vorzuenthalten, aber unter dieſe Gegendenkſchrift konnte
ich den amtlichen Stempel des Reichstages unmöglich
ſetzen. Abg. Spahn (Ztr.): Es iſt immer ſo gehand=
habt
worden, wie es Dr. Paaſche darſtellt. Schriftſtücke
beleidigenden Inhalts mußte er inhibieren. Das war er
dem Hauſe ſchuldig. (Sehr richtig!) Abg. Dr. Oertel
(Konſ.): Rechtsanwalt Halpert hat auch jetzt noch die Mög=
lichkeit
, bis zur morgigen Verhandlung allen Mitgliedern
durch die Poſt die Denkſchrift zugehen zu laſſen. Abg.
Schultz=Bromberg (Rp.): Wir müſſen hier an Grund=
ſätzen
feſthalten. Auch die Poſt befördert keine Karten mit
beleidigendem Inhalt, wir müſſen ebenſo handeln. Abg.
Ledebour (Soz.): Gerade durch den Stempel Nicht=
amtlich
wäre die Druckſache genügend gekennzeichnet wor=
den
. Abg. Kainath (Natl.): Wir billigen die Haltung
unſeres Vize=Präſidenten durchaus. (Heiterkeit.) Abg.
Dr. Naumann=Hofer (Fortſchr.. Vp.): Als Vize= Prä=
ſident
konnte Dr. Paaſche nicht anders handeln, als wie er
gehandelt hat.
Darauf wird vertagt. Nächſte Sitzung Mitt=
woch
, 2 Uhr. Fortſetzung. Etatsrede. Namentliche
Abſtimmungen zum Militäretat. Reichsſchatz=
amt
. Schluß ½8 Uhr.

Der Kaiſer in Metz.
Militäriſche Uebung.

* Metz 12. Mai. Heute vormittag wurde im Oſten
von Metz eine große militäriſche Uebung abgehalten. Es
handelte ſich um einen Angriff der verſtärkten 34. Diviſion
(Blau) aus der Gegend von Ponge in der Richtung auf
Colombey gegen die 33 Diviſion (Rot), alſo auf einem
Gelände, das ſchon von den Auguſttagen des Jahres 1870
berühmt iſt. Beteiligt waren die Truppen der Standorte
Metz, einſchließlich der 8. bayeriſchen Infanteriebrigade,
ſowie der Truppen der Standorte Saarlouis, Diedenhofen,
St. Avold und Mörchingen. Beiden Parteien waren
Truppen aller Waffengattungen und Flugzeuge zugeteilt.
Der Kaiſer war um 6.12 Uhr vormittags im Automobil
vom Generalkommando in Metz aus auf der Straße Metz-
Borny-Colombey bis zu dem Punkte gefahren, wo die
Totenallee einmündet, und dort zu Pferde geſtiegen. Zu=
gegen
waren bei der Uebung der Kommandierende Gene=
ral
des 16. Armeekorps, General der Infanterie v. Mudra,
der Gouverneur von Metz, Generalleutnant v. Winter=
feldt
, und der Generalinſpekteur der Feſtungen, General
der Infanterie v. Claer. Es hatte die Nacht über ſtark ge=
regnet
. Gegen 7 Uhr morgens klärte ſich das Wetter auf:
doch war es ſehr kühl. Die blaue Partei entwickelte ſich
langſam. Die rote Partei lag in feſten Stellungen in
einer Linie von Montoy=Ars-Laquenexy mit vorgeſchobe=
nen
markierten Schützenlinien.
* Metz, 12. Mai. Die Uebung, bei welcher beide
Parteien nur Teile von größeren Verbänden darſtellten

Großherzogliches Hoftheater.
Dienstag, 12. Mai.

Die verſunkene Glocke.
W-l. Als erſtes Stück im Gerhart=Hauptmann=Zyklus
wurde heute abend das poetiſche Märchendrama Die ver=
ſunkene
Glocke wieder aufgeführt. Von den Hauptrollen
waren nur zwei neu beſetzt worden. Bei der letzten Auf=
führung
hatte Frl. Hacker die Rolle des Rautendelein ge=
ſpielt
und war daraufhin für jugendlich=ſentimentale
Rollen engagiert worden, für die es unſerem Enſemble
gegenwärtig an einer geeigneten Kraſt fehlt. Daß Frau
Meißner in ihrem Charakter ſo grundverſchiedene und
durch dieſelbe Künſtlerin nicht zu erſchöpfende Rollen wie
das Rautendelein und die Prinzeſſin Eboli ſpielen muß
macht dieſe Lücke in dem weiblichen Enſemble, die hoffent=
lich
in der nächſten Saiſon durch das Engagement geeig=
neter
Kräſte ausgefüllt werden wird, fühlbar. Die Rolle
des Rautendelein erfordert nicht nur Perſönlichkeit und
ſchauſpieleriſche Routine, ſondern auch jene nicht zu er=
lernende
, ſondern angeborene Gabe, im Sprechen die
Herzen aller Hörer zu zwingen Mag man auch heute
die Unterſchiede der ſog, alten Schule nicht mehr gelten
laſſen wollen, man kommt niemals darüber hinweg, daß
das Organ dieſes Hauptwerkzeug und höchſtes Gut aller
Künſtler die eine Schauſpielerin für naive und die
andere für ſentimentale, andere wieder für hochpathetiſche
Rollen prädeſtiniert.
Frau Meißner ſpielte die Rolle des Rautendelein
mit der ihr eigenen ſchauſpieleriſchen Intelligenz und
Ueberlegenheit und Feinheit darſtelleriſcher Nüancen. Als
Nickelmann hatte Herr Hacker das Erbe Wagners an=
getreten
und ſprach die Rolle mit ſchönem und klangvollem
Organ, vertiefter Auffaſſung und den den wechſelnden
Regungen im Herzen des tauſendjährigen Liebhabers ent=
ſprechenden
köſtlichen Gefühlsſchattierungen.
Die Beſetzung der übrigen Rollen war die frühere
geblieben. Herr Weſtermann entwickelte als bocks=
beiniger
Schrat eine erſtaunliche körperliche Geſchmeidig=
keit
und Lebeendigkeit im Spiel und führte die Rolle
virtuos durch. Herr Baumeiſter ſpielte die Rolle des
Meiſters Heinrich im Stile des Fauſt mit künſtleriſcher
Hingabe und vieler Wärme. Herr Heinz als Pfarrer,
Frau Müller=Rudolph als Frau Wittichen und
Frl. Alſen als Magda wurden ihren Aufgaben in
lobenswerter Weiſe gerecht,

und bei der die Forts als im Bau begriffen angenommen
waren, wurde um 10 Uhr abgebrochen. Ein zahlreiches
Publikum zu Wagen und zu Fuß ſah dem militäriſchen
Schauſpiel zu. Ein vorgeſehener Vorbeimarſch der be=
teiligten
Truppen bei Bellecroix fiel wegen des aufgeweich=
ten
Bodens aus. Nach einer mehr als einſtündigen Be=
ſprechung
nahm der Kaiſer militäriſche Meldungen ent=
gegen
und fuhr um 11.45 Uhr von Bellecroix im Automobil
nach Metz zurück, wo er nach 12 Uhr vor dem Hauptbahn=
hofe
eintraf. Das Frühſtück, zu dem Bezirkspräſident
Freiherr v. Gemmingen geladen war, wurde im Sonder=
zuge
eingenommen. Der Kaiſer begab ſich ſodann im
Sonderzuge nach Diedenhofen. Dort ſchloß ſich eine Auto=
mobilfahrt
zur Beſichtigung der Forts Königsmachern und
Genttringen an.
* Metz 12. Mai. Heute vormittag 9 Uhr fuhren der
Kaiſerliche Statthalter v. Dallwitz und Staatsſekretär
Graf v. Roedern ſowie der Chef des Zivilkabinetts
v Valentini und der Geſandte v. Treutler auf die
Schlachtfelder von Gravelotte und St Privat hinaus in
Begleitung des Hauptmanns v. Strobe, der auf den
Schlachtfeldern den Herren einen Vortrag über die Ge=
fechtslagen
von 1870 halten wird. Nachmittags werden
die Herren der Rombacher Hütte einen Beſuch abſtatten,
anſchließend nach Großmoyeuvre weiterfahren und über die
Schlachtfelder nach Metz wieder zurückkehren.
* Metz, 12. Mai. Der Kaiſer ſpeiſte heute abend
bei dem Kommandierenden General. Bei der Tafel ſaßen
rechts vom Kaiſer Frau v. Mudra, Genexaloberſt v. Pleſſen,
links der Statthalter v. Dallwitz und der General der
Infanterie v. Claer gegenüber dem Kaiſer der General
der Infanterie v. Mudra. Unter den Geladenen befand
ſich auch der Staatsſekretär Graf v. Roedern und Bezirks=
präſident
Freiherc v. Gemmingen.
* Metz, 12. Mai. Der Kaiſer iſt heute abend 11
Uhr nach Wiesbaden abgereiſt. Zur Verab=
ſchiedung
waren am Bahnhof anweſend der Statthalter
v. Dallwitz. Staatsſekretär v. Roedern, der Bezirks=
präſident
, Kommandierender General v. Mudrau und der
Polizeipräſident.

Heer und Flotte.

* Lehrgänge an Kriegsſchulen. Als vierte
der Kriegsſchulen eröffnete die zu Engers am Rhein, unter
ihrem neuen Kommandeur Major Frhrn. v. Preuſchen,
bisher Bataillons=Kommandeur im Infanterie= Leib=
regiment
Großherzogin Nr. 117, deſſen Uniform er bei=
behält
, am 30. April d. J. ihren diesjährigen (56.) Lehr=
gang
. Es wurden dazu einberufen 58 Fähnriche
bezw. dazu heranſtehende Fahnenjunker der Infanterie
und Jäger, 14 von der Kavallerie, 11 von der Feld=,
9 von der Fuß=Artillerie, 6 von den Pionieren, darunter
Kolb vom Pionier=Bataillon Nr. 25 in Mainz, 4 von
den Verkehrstruppen und 3 vom Train, darunter Henn
von der Train=Abteilung Nr. 18, im ganzen alſo 105
Kriegsſchüler, davon 5 aus ſächſiſchen und 3 aus
württembergiſchen Truppenteilen: Der Lehrgang endigt
am 14. Januar 1915. Am 9. Mai begann der neue
Lehrgang an der Kriegsſchule in Neiße (Kommandeur
Major v. Kameke), der Schluß erfolgt am 23. Januar
1915. Einberufen ſind dazu von Infanterie und
Jägern 79, von Kavallerie 21, von Feld= 22, von
Fuß=Artillerie 12, von Pionieren 11, von Verkehrs=
truppen
8 und vom Train 5, im ganzen alſo 158 Fähn=
riche
uſw. (einſchließlich 10 aus Sachſen und 2 aus
Württemberg). Von der Großherzoglich Heſſiſchen
(25.) Diviſion wurde nur Fähnrich Schmidt vom In=
fanterie
=Regiment Nr. 168 zu dieſer Kriegsſchule kom=
mandiert
.

Die große Darmſtädter Flugwoche.

Prinz Heinrich=Flug 1914.
* Heute treffen ſchon zahlreiche Flugapparate in
Darmſtadt ein, teils mit der Bahn, meiſt auf dem Luft=
weg
. Geſtern morgen 7.30 Uhr ſtarteten Leutnant Car=
ganico
mit Leutnant Friedberg als Beobachter und um
8.20 Uhr Leutnant Walz mit Leutnant Müller als Be=
obachter
mit Luftverkehrsdoppeldecker zu dem Fern=
fluge
nach Darmſtadt. Der Flugbetrieb wird alſo
heute ſchon ſehr lebhaft einſetzen. Das Programm für
die Darmſtädter Flugwoche iſt ſoeben im Druck
erſchienen, und kann, gleichwie ein Situationsplan
vom Flugplatz von der Geſchäftsſtelle Darmſtadt ( Bahn=
hofshotel
) bezogen werden. Protektor für den heſſiſchen
Teil der Flugſtrecke iſt Seine Königl. Hoheit der Groß=
herzog
Ernſt Ludwig. Die Veranſtaltung leitet,
wie bekannt, der Verein für Luftfahrt in Darmſtadt E. V.
Beginn der Veranſtaltung in Darmſtadt am 15. und 16.
Mai, namittags 3 Uhr. Am 17. Mai vorausſichtlich mor=
gens
5 Uhr Start zum Prinz Heinrich=Flug. Am 15.
und 16. Mai iſt die Abnahme der Flugzeuge, Ableiſtung
der vorgeſchriebenen Prüfung, ſoweit ſolche nicht vorge=
ſchehen
. Am 15. nachmittags bis 5 Uhr, findet Beſichtig=
ung
der Flugzeuge für Inhaber 1. Platzkarten unter Füh=
rung
ſachkundiger Herren ſtatt. (Preis 50 Pfg. pro
Perſon.)
Der Verkehr von und zum Flugplatz iſt be=
hördlicherſeits
genau geregelt und es empfiehlt ſich drin=
gend
, folgendes zu beachten: Alle auf den Truppen=
übungsplatz
fahrenden Wagen, Automobile und Motor=
räder
haben von der Straße Darmſtadt- Gries=
heim
aus die an der Halteſtelle der Dampfſtraßenbahn
abzweigende Querſtraße einzuſchlagen und auf dieſer bis
zur Einmündung der Hauptlagerſtraße zu fahren. An die=
ſer
durch eine Tafel mit der Aufſchrift Hauptlagerſtraße,
Fahrzeuge halten kenntlich gemachten Stelle hat das
Publikum die Fahrzeuge zu verlaſſen und ſich auf den
durch Taheln kenntlich gemachten Wegen auf die Zuſchauer=
plätze
zu begeben. Die leeren Automobile haben ſodann
durch die Hauptlager= und Waldſtraße nach der nördlichen
Lagerſtraße abzufahren und an dem für ſie vorgeſehenen
Halteplatz Aufſtellung zu nehmen. Die leeren Fuhewerke
haben die Hauptlagerſtraße weiter zu fahren und ſich an
dem für ſie beſtimmten Halteplatz aufzuſtellen. Die Auto=
mobile
ſind zur Rückfahrt an ihrem Halteplatz ( nörd=
liche
Lagerſtraße) zu beſteigen. Die Abfahrt hat von hier
aus zu erfolgen und zwar nur über die weſtliche Lager=
traße
nach der Straße Griesheim-Darmſtadt Die Fuhr=
werke
ſind zur Rückfahrt an ihrem Halteplatz (an der
Hauptlagerſtraße) zu beſteigen.
Auf der Straßenſtrecke Darmſtadt (Rheintor)- Gries=
heim
iſt Automobilen auf der Hin= und Rückfahrt das
Ueberholen anderer Automobile unterſagt. Auf der von
der Straße Darmſtadt-Griesheim nach dem Truppen=
übungsplatz
abzweigenden Querſtraße und den Straßen
innerhalb des Lagers ſowie auf der weſtlichen Lagerſtraße
dürfen Automobile und Motorräder mit einer Stunden=
geſchwindigkeit
von höchſtens 15 Kilometern fahren. Auch

auf dieſen Straßen iſt Automobilen das Ueberholen ande=
rer
Automobile unterſagt.
Für die Automobile der Oberleitung (kenntlich durch
gelbe Flaggen mit der Aufſchrift: Prinz Heinrich=Flug
1914) und die Automobile der hieſigen Etappenleitung
(kenntlich durch geüne Flaggen mit der Aufſchrift Prinz
Heinrich=Flug 1914) ſowie für Krankenaukomobile gelten
die Vorſchriften nicht. Die Zuſchauer dürfen ſich unter
keinen Umſtänden auf dem Flugplatze außerhalb der abge=
ſperrten
Zuſchauerplätze aufhalten. Das Betreten der Ge=
bäude
im Barackenlager iſt unterſagt.
Für den Sieger im Prinz Heinrich=Flug hat der
Kaiſer als Ehrenpreis einen goldenen Schild geſtiftet,
mit deſſen Entwurf Profeſſor Otto Rohloff beauftragt
war.

Luftfahrt.

* Leipzig. 12. Mai. Das Luftſchiff
Schütte=Lanz 2 iſt heute früh 5.03 Uhr zur Fahrt
nach Liegnitz aufgeſtiegen. Um 5½ Uhr traf es über
Bautzen ein. Gleichzeitia kam von Liegnitz das Militär=
luftſchiff
Z. 6, das ſich auf der Fahrt nach Leipzig
befindet, in Sicht. Beide Luftſchiffe begrüßten ſich, mach=
ten
eine gemeinſame Rundfahrt über der Stadt und fuh=
ren
dann weiter.
* Mannheim, 12. Mai. Das Luftſchiff Schütte=
Lanz 2 iſt, wie die Schütte=Lanzwerft mitteilt, heute
morgen 9.10 Uhr, glatt vor der Luftſchiffhalle in Liegnitz
gelandet.
* Liegnitz, 12. Mai. Das Luftſchiff Z. 50
überflog, von Poſen kommend, heute früh Liegnitz und
landete glatt in Halle. Um 8 Uhr iſt es wieder zur Weiter=
fahrt
nach Göclitz und Potsdam aufgeſtiegen, wo es einige
Zeit verbleiben ſoll.
* Alderſhot 12. Mai. Heute abend ſind zwei
Militär=Doppeldecker in ziemlicher Höhe zu=
ſammen
geſtoßen. Kapitän Anderſon und der
Mechaniker, die in dem einen Flugzeuge ſaßen, wurden
getötet Leutnant Wilſon, der das andere Flugzeug
teuerte, wurde ſchwer verletzt.

Turnen, Spiele und Sporf.

F.C. Pferdeſport. Rennen zu Wiesbaden
12. Mai. Kurpark=Flachrennen. Ehrenpreis, 2000
Mark, Herrenreiten, 1600 Meter: 1. A. v. Schildgens Cerelo
(Beſ.), 2. Saint Denis III., 3. Union Hall. 10 liefen. 24:10,
15, 50, 30. Frühjahrs=Hürdenrennen. 4000
Mark, 3200 Meter: 1. Lt. Mayers Fatum (Gerteis), 2. Me=
lilla
, 3. Bouy and Gull, 6 liefen. 35:10, 20, 30. Preis
von Schierſtein. Ehrenpreis, 3000 Mk., Jagdrennen,
3600 Meter: 1. Cl. Oppenheimers Cypris II., (Lt. v. Her=
der
), 2. Wiſe Tom, 3. Abſage. 5 liefen. 41:10, 17, 21.
Mai=Jagdrennen. 3000 Mark, 3200 Meter: 1. Ge=
ſtüts
Ludwigsfelds Waldmeiſter (Unterholzner) 2. Denaiſ=
ſance
, 3. Thermometer. 7 liefen. 33:10, 13, 16, 14.
Niederwald=Jagdrennen. Ehrenpreis, 5500 Mk.,
3600 Meter: 1. Lt. Frhr. v. Bonnets In Dubio (Beſ.),
2. Räppe. 4 liefen. 41:10, 15, 13. Preis von Elt=
ville
. 3000 Mark, Jagdrennen, 3200 Metet: 1. M. Ekhet
Hacklers Beauty (Torcke), 2. Chateau vers. 2 liefen. 14:10.
Preis von Hanau. Ehrenpreis, 2500 Mark, Jagd=
Herrenreiten, 3000 Meter: 1. Emanuel Müllers Yucca (Lt.
v. Herder), 2. Veira. 5 liefen. 2 blieben ſtehen, 1 fiel.
30:10, 12, 12. Zum erſten Male ſind bei dieſen Rennen
Extra=D=Züge von Köln und Frankfurt nach der Renn=
bahn
gefahren worden. Erſterer kam mit 78, letzterer mit
110 Paſſagieren. Der Verkehr mit der Eiſenbahn zum
Rennplatz ſelbſt war mittelmäßig, der Umſatz am Totali=
ſator
belief ſich auf 183000 Mark.

Die Erkrankung des Kaiſers Franz Joſef.

* Wien, 12. Mai. Das Morgenbulletin be=
ſagt
: Der Kaiſer hat eine gute Nacht verbracht. Die
katarrhaliſchen Erſcheinungen ſind die gleichen. Das All=
gemeinbefinden
iſt gut.
* Wien 12. Mai. Das Abendbulletin über
das Befinden des Kaiſers beſagt: Das allgemeine
Befinden iſt ſtationär geblieben, nur das Sputum iſt reich=
licher
. Der Kaiſer hielt ſich wieder eine Stunde auf der
kleinen Galerie auf.

Aus den Delegationen.

* Peſt 12. Mai. Der Ausſchuß für Aus=
wärtige
Angelegenheiten der Ungariſchen
Delegation ſetzte heute die Verhandlung über das
Expoſé des Grafen Berchtold fort. Graf Michael
Karolyi erklärte, von der Berchtoldſchen Politik habe nur
Deutſchland Nutzen. Oeſterreich=Ungarn habe ſich alle
Balkanſtaaten zu Gegnern gemacht und keine Gelegenheit
verſäumt, ſich Rußland unangenehm zu machen. Dagegen
ſprach der Redner von der wirklich freundſchaftlichen Hal=
tung
Frankreichs gegenüber der Monarchie und fragte den
Miniſter, wie er die wirtſchaftlichen Intereſſen der Mo=
narchie
nach dem Scheitern des vitaliſchen Projektes be=
treffend
die Orientbahnen ſichern wolle falls Serbien die
Orientbahngeſellſchaft expropriierte. Graf Majlath er=
kannte
Berchtolds Erfolge an und erklärte ſich für einen
Anhänger des Dreibundes, verlangte jedoch Schutz für die
Landwirtſchaft gegen die aggreſſive Wirtſchaftspolitik
Deutſchlands. Darauf ergriff Graf Berchtold das Wort
und erklärte bezüglich der Lückenhaftigkeit und Unvoll=
ſtändigkeit
des Rotbuches, daß dieſes ein internationales
Gebrechen derartiger Publikationen ſei, infolge der not=
wendigen
internaltionalen Rückſichtnahme, weshalb ſich
der Miniſter auch bei der Beantwortung der Anfragen
eine gewiſſe Reſerve auferlegen müſſe Auf eine Anfrage
des Grafen Andraſſy, betr. der epirotiſchen Frage, betonte
dr Miniſter, daß er bereits in ſeinen Beſprechungen mit
dem griechiſchen Miniſterpräſidenten während deſſen
Wiener Aufenthalt ſich in dem Gedankengang begegnete,
daß freundliche Beziehungen zwiſchen Albanien und
Griechenland in beiderſeitigem Intereſſe wünſchenswert
ſeien. Unſere Politik war darauf gerichtet, daß die epi=
rotiſche
Bewegung auf dem Boden der Londoner Be=
ſchlüſſe
tunlichſt eine freundliche Löſung finde, damit eine
Stabilität in dem Verhältnis zwiſchen Albanien und
Griechenland eintrete.
Ich begrüße daher auch mit Freude die von der al=
baniſchen
Regierung abgegebenen Zuſicherungen betreffend
die epirotiſchen Wünſche. Der in der letzten Zeit abge=
ſchloſſene
Waffenſtillſtand, ſowie die von der griechiſchen
tegierung abgegebene Erklärung, die albaniſchen Gebiete
endgültig zu räumen, beſtärken uns in der Hoffnung, daß,
trotzdem die Lage in jenem Gebiet noch durchaus nicht ge=
klärt
iſt, ein Weg zur gütlichen Löſung gefunden werden
kann, in welchem Sinne die Regierung auch weiterhin im
Einvernehmen mit Italien wirken wird. Mit Bezug auf

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131.

eine Anfrage des Delegierten Grafen Apponyi, ob in
Abbazia beſondere Vereinbarungen über Albanien und
Kleinaſien getroffen worden ſeien, erklärte der Miniſter,
er könne nur negativ antworten. Hinſichtlich Vorderaſiens,
ſtehen wir mit Italien auf demſelben Standpunkt, daß
nämlich unſere beiderſeitigen Intereſſen die Erhaltung
und Konſolidierung des dortigen türkiſchen Beſitzſtandes
erfordern und hierin vollkommen parallel laufen. Wenn
er am Schluſſe ſeines Expoſes von wirtſchaftlichen Ex=
panſionen
auf den neu erſchloſſenen Gebieten geſprochen
habe, ſo dachle er auch in erſter Linie an Vorderaſien, weil
dort durch die ökonomiſche Erſchließung ſich den öſter=
reichiſchen
Unternehmern eine neue Gelegenheit biete, ſich
zu betätigen. Es ſei jedoch gewagt, weitgehende
politiſche Konjunkturen daran zu knüpfen. In Betreff auf
eine Anfrage des Delegierten Rakowski über die Demon=
ſtrationen
in Italien, wiederholte der Miniſter ſeine geſtern
in der öſterreichiſchen Delegation abgegebene Erklärung,
wobei er hinzufügte, daß in dieſer Angelegenheit die mit
der italieniſchen Regierung bereits begonnene Ausſprache,
wie er hoffe, zu einem befriedigenden Reſultate führe. Was
die Frage des Geafen Andraſſy über das Problem der
ägäiſchen Inſeln betrefſe ſo ſei dieſes vorläufig nur theo=
retiſch
gelöſt, die Entſcheidung der Mächte aber nicht ganz
durchgeführt; man müſſe weiterhin mit einem latenten
Gegenſatz zwiſchen Athen und Konſtantinopel rechnen.
Gegenüber den Ausführungen des Graſen Karolyk
betonte der Miniſter, daß Oeſterreich=Ungarn in der ver,
gangenen Kriſe Rußland gegenüber keineswegs ein
feindliches Auftreten gezeigt oder beab=
ſichtigt
habe. Die auftauchenden Meinungsverſchie=
denheiten
ſind immer in vertrauensvoller Weiſe beſpro=
chen
worden. Jedenfalls möchte ich betonen, daß derzeit
kein Grund für eine unfreundliche Haltung Rußlands zu
beſorgen iſt. Die ruſſiſchen Rüſtungen gingen parallel
mit den Rüſtungen aller Mächte, die eine Ausgeſtaltung
der Wehrmacht bezweckten. Was die Orientbahnfrage an=
belangt
, ſo wurde von ſerbiſcher Seite gewünſcht, die An=
gelegenheit
mit Oeſterreich=Ungarn im Einvernehmen zu
regeln. Schließlich betonte der Miniſter, daß das Vor=
gehen
der franzöſiſchen Regierung und der franzöſiſchen
Gruppe in dieſer Angelegenheit vollkommen loyal ge=
weſen
ſei.
Hierauf ergriff der Miniſterpräſident das
Wort. Er erklärte, abgeſehen von einzelnen Politikern,
welche jetzt mit der dreibundſeindlichen Hallung demon=
ſtrietten
, ſtehe das Gros der Nation hinter
dem Dreibund. Er widerlegte die Behauptung Ka=
rolhis
, der in der Leitung des Auswärtigen Amtes die
Richtſchnur verfolge, das Gegenteil deſſen zu tun, was
Rußland mache. Die Regierung und die öffentliche Mei=
nung
Ungarns wünſchten ein gutes Einvernehmen mit
Rußland. Dagegen beſtänden in Rußland gewiſſe panſla=
wiſtiſche
Tendenzen, welche eine Spannung hervorrufen
könnten, wenn ſie in der Politik richtunggebend würden.
Die verſchiedenen angekündigten Reiſen von Politikern
wären, wenn es ſich dabei lediglich darum handelte, ge=
ſellſchaftliche
Beziehungen anzuknüpfen, nicht zu bean=
ſtanden
, obwohl der Augenblick nicht ganz glücklich gewählt
iſt; was aber zu beanſtanden ſei, da es ſich u. a. um
einen demonſtrativen Beſuch bei den politiſſchen Faktoren
einer Macht handle, welche einer anderen internationalen
Intereſſengruppe angehöre, und daß durch den Beſuch
gegen das Syſtem proteſtiert werden ſoll, in dem ſich die
Monarchie befinde.
Das Budget des Miniſteriums des Aeußern wurde
hierauf angenommen.
* Peſt 12. Mai. Der Ausſchuß für Auswärtiges
ſprach gleichzeitig mit der Annahme des Budgets
Berchtold das Vertrauen für die bei der Leitung
der auswärtigen Angelegenheiten entfaltete Tätigkeit aus.
* Peſt 12. Mai. Der Heeresausſchuß der
Oeſterreichiſchen Delegation hat die Marinekredite
angenvmmen.

Engliſches Unterhaus.

* London, 12. Mai. Im Unterhauſe brachte
Premierminiſter Asquith eine ſogenannte Guillo=
tine
=Reſolution ein, welche die Diskuſſion
über die den Grundſatz von Homerule für Irland ſeſt=
legenden
Paragraphen der Bill, die jetzt zum dritten Male
ſeit Geltung der Parlamentsakte dem Unterhauſe vorliegt,
ausſchließen ſoll. Er erklärte, wenn eine Einigung
über die Homerule überhaupt möglich wäre, ſo wäre der
einzige Weg, ſie ins Werk zu ſetzen, eine Zuſatzbill. Wenn,
wie ich hoffe, ja wie ich glaube, wir unſere auseinander=
gehenden
Anſichten in Einklang bringen können, ſo muß
eine ſolche Einigung die Form einer Zuſatz= oder Er=
gänzungsbill
einnehmen. Ich gehe noch einen Schrltt
weiter, als ich bisher gegangen bin, daß ich im Namen der
Regierung erkläre, daß wir in dem Wunſche, daß das
Unterhaus die dritte Leſung der Homerulebill vor Pfing=
ſten
beendige, ſelbſt die Verpflichtung übernehmen werden
eine ſolche Zuſatzbill einzubringen in der Hoffnung, daß
eine Einigung über die Gegenſtände von unmittelbarer
und beſonderer Wichtigkeit erreicht wird. In dieſem Falle
würde die Homerulebill und die Zuſatzbill tatſächlich zur
ſelben Zeit Geſetz werden, das heißt: Die Homerulebill
wird zwar vom Oberhauſe abgelehnt, aber kraft der Par=
lamentsakte
gleichwohl Geſetz werden, während die Zu=
ſatzbill
wahrſcheinlich von beiden Häuſſern in der gewöhn=
lichen
Weiſe angenommen wird. Bonar Law erklärte,
es wäre weſentlich, daß das Haus, bevor es ſich zum
dritten Male mit der Homerulebill beſaßt habe, die Vor=
ſchläge
der Regierung betreffend Ulſter kennen lernte und
ſie zu beraten Gelegenheit hätte.

Vom Balkan.

* Paris, 12. Mai. Der König von Griechen=
land
gewährte dem Athener Berichterſtatter des Temps
eine Audienz, in deren Verlauf er u. a. folgendes ſagte:
Die Blätter haben behauptet, daß ich mich mit meinem
Miniſterpräſidenten nicht vertrage. Das iſt nicht wahr.
Die Beſſerung der Zuſtände in Thrazien läßt vermuten
baſ die Ereigniſſe nunmehr einen Verlauf nehmen werden,
welcher die wſnſchenswerten guten Beziehungen zwiſchen
Griechenland und der Türkei nicht ſchädigen wird. Was
die Inſelfrage anbelangt, ſo wird die griechiſche Re=
gierung
ſich nicht weigern, etwaige Beſtimmungen und an=
nehmbare
Vorſchläge der Türkei zu prüſen, wenn ſie auch
die beſten Grundlagen nicht vorlegen kann, welche die
Entſcheidung der Großmächte für Griechenland billigt.
Was den Epirus anbetrifft, ſo beweiſe die letzte Nachricht,
das dank dem Zugeſtändnts, zu welchem die albaniſche
Regierung bereit zu ſein ſcheint, auch in dieſem ſo hart
geprüften Gebiete bald wieder Ruhe eintreten wird. Dieſe
Zugeſtändniſſe, welche für die Epiroten ebenſo notwendig
ſind wie für Albanien, dürſten dazu beitragen, jede
Reibung zwiſchen den beiden Staaten zu beſeiti=
gen
, in deren Intereſſe es liegt, gute nachbarliche Be=
ätebungen
zu unterhalten.

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

Eine Rede Wilſons.
* Neu=York, 11. Mai. Die Leichen der bei
Veracruz getöteten Matroſen ſind heute von
dem Schlachtſchiff Montana gelandet und in feierlichem
Zuge durch die Stadt geführt worden. Im letzten Augen=
blick
entſchied ſich Wilſon, an der Feier teilzunehmen.
17 Särge wurden auf Lafetten transportiert. Als der Zug
das Rathaus erreichte, legte Bürgermeiſter Mitchel Or=
chideenkränze
auf die Särge, während 800 Schulkinder
das Lied Näher, mein Gott, zu dir ſangen. Auf der
Marinewerft empfing der Präſident den Zug unbedeckten
Hauptes und hielt mit leiſer Stimme und unter großer Be=
wegung
eine Rede, in der er ſchilderte, mit welch ge=
miſchten
Gefühlen er die Särge erblicke. Gefühle des
Kummers, daß dieſe jungen Leute in den Tod gegangen,
ſtritten mit dem Gefühle des Stolzes und des Neides,
daß es ihnen erlaubt geweſen ſei, ihre Pflicht in ſo edler
Weiſe zu erfüllen. Wir ſind, ſagte Wilſon, nach Mexiko
gegangen, um der Menſchheit zu dienen. Wenn wir einen
Ausweg finden, wünſchen wir nicht, mit den Mexikanern
zu kämpfen, ſondern wir wünſchen, ihnen zu dienen. In
einem Angriffskrieg zu ſterben, iſt nichts, worauf man
ſtolz ſein könnte, aber in einem Kriege, der ein Dienſt iſt,
zu ſterben, iſt etwas, auf das man ſtolz ſein darf. Zum
Schluſſe ſeiner Rede erwähnte der Präſident, daß die
Opfer verſchiedenen Nationalitäten angehörten, und er
erklärte, ſie ſeien nicht Iren und Deutſche, ſondern ſie ſeien
als ſie nach Veracruz gingen, Amerikaner geworden.
Die Ausländer in Mexiko.
* Waſhington, 11. Mai. Das Staatsdepartement
hat die hieſigen auswärtigen Diplomaten, deren Länder
in Mexiko City vertreten ſind, erſucht, die beunruhigenden
Gerüchte zu unterſuchen, wonach Zapato in Mexiko
City die dort anſäſſigen Ausländer bedrohe.

* Meriko, 12. Mai. Von den beiden auf der Grube
al Favor Ermordeten iſt einer ein Amerikaner,
der andere ein Engländer. Mehrere andere Ausländer
wurden verletzt. Deutſche befinden ſich nicht darunter.
In San Mareos wurde ein zweiter Engländer
von dem Pöbel ermordet.
* Mexiko City, 12. Mai. Der Kommandant
von Tampico, General Zaragoza, meldet: Die Re=
bellen
haben Tampico am Samstag angegriffen, wurden
aber mit ernſten Verluſten geſchlagen.
* Veracruz, 12. Mai. Der Dampfer Kronprinzeſ=
ſin
Cecilie iſt mit den Friedensvermittlern
Huertas an Bord in See gegangen. Der Dampfer nahm
für Huerta beſtimmte Munition zurück.
* Waſhington, 12. Mai. Konteradmiral Mayo
gibt in einer Depeſche die erſten amtlichen Nachrichten über
die Landung auf Lobos Island und erklärt, die
merikaniſchen Leuchtturmwärter hätten die Leuchtſeuer im
Stiche gelaſſen. Die Beſatzung der Dixie unterhielte
das Feuer zugunſten der Schiffahrt. Die Inſel hätten die
Amerikaner nicht beſetzt.
* Waſhington, 12. Mai. Der braſilianiſche
Geſandte in Mexiko hat dem Staatsdepartement mit=
geteilt
, daß die mexikaniſche Regierung die ſofortige
Freilaſſung des amerikaniſchen Vizekon=
ſuls
Sulliman in Saltillo angeordnet habe.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 12. Mat. Die Nordd. Allg. Zig. ſchreibt:
Der Reichskanzler erhält von allen Seiten Beweiſe
der herzlichſten Teilnahme. Der Kaiſer ſandte ein in
den wärmſten Worten gehaltenes Telegramm. Die
Kaiſerin ſprach im Reichskanzlerpalais vor und ver=
weilte
längere Zeit im Sterbezimmer. Eine große An=
zahl
von Telegrammen traf von auswärts ein, darunter
von Kaiſer Franz Joſef, dem Erzherzog Thronfolger
Franz Ferdinand. dem König und der Königin
von Belgien, den Königen von Bulgarien, Dänemark, dem
Königspaar von England den Königen von Italien,
Bayern, Sachſen und Württemberg, dem Großherzogspaar
von Baden, der Großherzogin Luiſe von Baden, den
Großherzögen von Heſſen, Mecklenburg=Schwerin, Mecklen=
burg
=Strelitz und Oldenburg, dem Kronprinzenpaare,
den Prinzen des Königlichen Hauſes, den Herzogen von
Anhalt, Braunſchweig, der Herzogin von Braußſchweig,
den Herzögen von Schleswig=Holſtein, Sachſen=Meiningen,
Sachſen= Altenburg und Sachſen=Koburg=Gotha den
Fürſten zu Lippe, von Reuß, dem Fürſten von Monaco,
der Erbprinzeſſin von Sachſen=Meiningen, dem
Kronprinzen von Bayern. Prinz Franz. Prinz Lud=
wig
Ferdinand. Prinz Heinrich. Prinzeſſin Giſela von
Bayern. Prinz Max von Baden, Prinz Heinrich XXXIII.
von Reuß. Prinzeſſin Viktoria Margareta, Prinz und
Prinzeſſin Friedrich Kacl von Heſſen, von dem Fürſten zu
Fürſtenberg und von den Senaten von Hamburg und Bre=
men
; ferner von den Miniſtern Graf Berchtold Marquis
di San Giuliano und Doumerque, dem Grafen Kokowtzow
und dem Kardinal Merry del Val. Die Zahl der Herren
und Damen, die im Reichskanzlerpalais vorſprachen, um
ihr Beileid zu bekunden, zählt viele Hunderte.
* Metz, 12. Mai. Prinz Eitel Friedrich
wurde mit der Vertretung des Kaiſers bei der Trauer=
feier
der Frau v. Bethmann Hollweg beauftragt.
* Köln. 12. Mai. Die Köln. Zeitung meldet: Der Neu=
York Herald verbreitete eine Nachricht zwiſchen Deutſch=
land
und Haiti ſchwebten Verhandlungen,
die darauf abzielten, daß Deutſchland in San Nikola eine
Kohlenſtation gewährt werde und eine Auſſicht über
ſämtliche Häfen Haitis. Die Nachricht iſt durchaus un=
begründet
. Deutſchland beabſichtigt nicht im mittel=
amerikaniſchen
Gebiet Kohlenſtationen zu errichten. Dieſe
Nachrichten tauchen immer wieder in gewiſſen Zwiſchen=
räumen
auf.
* Hannover, 12. Mai. Geſtern wurden einem
Deutſch=Amerikaner der ſich in Hannover nieder=
laſſen
wollte 75000 Mark eutwendet. Nach ſeinen
Angaben wurde ihm auf dem Wege vom Bahnhof von
einem gutgekleideten Herrn, mit dem er ins Geſpräch ge=
kommen
war, eine gelbe lederne Brieftaſche, in welcher
37 Stück engliſche Hundertpfundnoten und eine fünfzig
Pfundnote der Standardbank befanden, entwendet.
* Rom, 12. Mai. Der Aetna befindet ſich noch an=
dauernd
in Eruption. Er ſtößt ungeheure Aſchen=
mengen
aus und hohe Rauchſäulen ſteigen in die Luft. Es
wurden vier Erdſtöße wahrgenommen, von denen einer
ſo ſtark war, daß die Bevölkerung wiederum von einer
Panik erfaßt wurde.
* Liſſabon, 12. Mai. Blättermeldungen zufolge fin=
den
die allgemeinen Wahlen für beide Kam=
mern
in der zweiten Hälfte des Monats Auguſt ſtatt.
Das Parlament wird nötigenfalls bis zum 30. Juni fort=
arbeiten
,

* London, 12. Mai. In der Königl. Akademie
brachte heute nachmittag eine Frau mit einem Hand=
beil
dem Bildnis des Herzogsvon Welling=
ton
von Herkomer drei Riſſe bei. Sie wurde ver=
haftet
.
* Livadia, 12. Mai. Geſtern abend wurde der tür=
kiſche
Miniſter des Innern Talaat Bey vom
Kaiſer in feierlicher Audienz empfangen. Nach der
Audienz ſtellte er dem Kaiſer die Mitglieder der Miſſion
vor. Anſchließend daran ſand ein Galadiner ſtatt. Dabei
ſaß zur Rechten des Kaiſers Talaat Bey, zu ſeiner Linken
Izzet Paſcha; an derſelben Tafel ſaßen noch die übrigen
Mitglieder der Miſſion, der Miniſter des Aeußern Sa=
ſonow
, der ruſſiſche Botſchafter in Konſtantinopel von
Giers, der Kanzleidirektor Baron Schilling, der Sektions=
chef
Fürſt Trubetzkoi und andere. Der Kaiſer trank auf
das Wohl des Sultans und das Gedeihen des ottomani=
ſchen
Reiches. Nach dem Diner unterhielt ſich der Kaiſer
huldvoll mit den Mitgliedern der Miſſion.
* Rio de Janeiro, 11. Mai. Nach einer Blättermel=
dung
hat die Admiralität beſchloſſen, bei der Firma Arm=
ſtrong
einen Dreadnought in Auftrag zu geben, der
den an die Türkei verkauften Dreadnought Rio de Ja=
neiro
erſetzen ſoll.
Eine geheimnisvolle Mordtat.
* Kolmar, 12. Mai. Eine geheimnisvolle
Mordtat iſt am Montag auf der deutſchen Seite der
Schlucht verübt worden. Zwei junge, gut gekleidete Fran=
zoſen
im Alter von 20 bis 24 Jahren, die ſich als Gebrüder
Dupuis aus Pacis ausgaben, beſtellten bei einem Kol=
marer
Automobilgeſchäft ein Automobil, um über die
Schlucht nach Gerardmeer zu fahren. Der Wagen wurde
von dem 22 Jahre alten Chauffeur Kohler geführt. Auf
der Rückfahrt von Geracdmeer ſechs Kilometer diesſeits
der Schlucht, erſchlugen ſie den Chauffeur und
warſen ihn den ſteilen Abhang hinunter. Das Automobil
brachten die Verbrecher bis an den Kirchhof von Kolmar,
wo ihnen das Oel ausging, ſie ließen es daher auf freiem
Felde ſtehen und verſchwanden. Bis jetzt hat man noch
keine Spur von ihnen. Die Leiche des Chauffeurs wurde
erſt 24 Stunden ſpäter aufgefunden.
Rücktritt des ſächſiſchen Kriegsminiſters.
* Dresden. 12. Mai. Der Sächſiſche Landesdienſt er=
fährt
, Generaloberſt Freiherr von Hauſen tritt nach
Landtagsſchluß auf ſeinen Wunſch von ſeiner Stellung als
Kriegsminiſter zurück Als Nachfolger iſt der General=
adjutant
des Königs. Generalleutnant v. Carlowitz,
in Ausſicht genommen.
Zum Fehmarnbahnprojekt.
* Kopenhagen, 12. Mai. Zu der Frage des Feh=
marnbahnprojekts
ſchreibt das Kopenhagener Regierungs=
blatt
Politiken u. a.: Als Argument gegen die Vogelflug=
Linie ſtellte man früher deutſcherſeits die Behauptung
auf, daß hier im Lande in Wirklichkeit kein Intereſſe für
das Fehmarnprojekt beſtehe und daß daher nicht erwartet
werden könne, daß der däniſche Staat den Anteil an den
Ausgaben bei der Durchführung des Planes übernehme,
der auf ihn entfallen würde. Dieſe Behauptung läßt ſich
nicht mehr aufrecht erhalten. Man darf im Gegenteil
hoffen, daß gerade das Intereſſe für dieſe wichtige Ange=
legenheit
, das in Dänemark zutage getreten iſt, und die
Bereitwilligkeit zur Tragung der Koſten, die unzweifelhaft
vorhanden iſt, einen gewiſſen Einſluß auf die Kreiſe in
Deutſchland ausüben werden, die bisher ſich gleichgültig
oder ſogar abweiſend dem Plane gegenüber verhielten.
Wie wir ſchon früher hervorhoben, hat man däniſcherſeits
kein größeres Intereſſe an der Verbeſſerung der
Kiel=Korſör=Linie. Sollte der Fehmarnplan ſcheitern,
würden wir natürlich alle Kräfte für die weitere Entwick=
lung
der Gjedſer=Warnemünde=Route einſetzen. Es iſt
hieraus klar zu erſehen, daß, während Dänemark willig
iſt, ſich bedeutende Koſten für die Verwirklichung der
Fehmarnlinie aufzuerlegen, die Ausgaben bei der Ver=
beſſerung
der Kiel=Korſör=Linke ausſchließlich auf den
preußiſchen Staat entfallen müſſen. Für dieſe Linie will
Dänemark kein Opfer bringen. Sie hat ſich niemals be=
zahlt
gemacht und wird ſich niemals bezahlt machen. Wir
dürſen daher beſtändig hoffen, daß das Fehmarnprojekt
unterſucht und Stellung dazu genommen wird unter Be=
rückſichtigung
aller Intereſſen.
Aufſtände in Marokko.
* Paris, 12. Mai. Nach einem Telegramm des Gene=
rals
Gouraud leiſteten die Zuls am 10. Mai, nachdem
ſie den erſten Bergrücken geräumt hatten, lebhaften
Widerſtand. Die Riatas griffen die Franzoſen auf
dem rechten Flügel an, und die Zuls unterſtützten ſie von
Norden. Die Franzoſen ſchlugen jedoch den Angriff ab
und erreichten Ued Amelel, wo ſie ſich noch befinden.
* Madrid, 12. Mai. Eine amtliche Depeſche aus Ma=
rokko
meldet, daß eine ſpaniſche Abteilung ein feind=
liches
Lager zerſtörte. Vierzehn Aufſtändiſche
ſelen getötet worden. Das Zaumzeug eines aufgefunde=
nen
Pferdekadavers ſei als Eigentum Raiſulis erkannt
worden. Auf ſpaniſcher Seite wurden fünf europäiſche
Soldaten getötet und zehn Askaris verwundet.
* Madrid, 12. Mai. Nach einer amtlichen Depeſche
hat der Kampf, bei dem die ſpaniſchen Truppen
die Aufſtändiſchen ſchlugen und zerſtreuten, bei
Kudiaſila in der Umgebung von Larache ſtattgefunden.
Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie.
* Berlin, 12. Mai. In der heutigen Vormittags=
zieihung
der Preußiſch=Süddeutſchen Klaſ=
ſenlotterie
fielen 10000 Mark auf die Nr. 62337
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80899 83895 89171 95529 114055 122614 130434 130505
130584 146577 159299 177719 179641 188158 179493 205477
210313 212870 216556 220166 220578 228159 228301 231059
und 231 417. In der Nachmittagsziehung ſielen 15000
Mark auf Nr. 30644 80310, 10000 Mark auf Nr. 65258
228138. 5000 Mark auf Nr. 47654 188417. 3000 Mark auf
Nr. 5909 6584 23532 26655 37960 38639 42450 42878 54389
63176 65396 67049 69281 69295 69932 91843 93898 106333
113901 113916 118028 120414 138449 141959 160056 165855
169854 169900 187877 192916 195308 197134 197908 200656
204900 206590 212391 214235 224038 232551. (Ohne Ge=
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[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914

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einen Proſpekt, welcher eine Karte zur Probebeſtellung
enthält.
(VII,11918
Geſchäftliches.
Man nehme ſo man hat ſagt das
Kochbuch, dieſe alte Binſenwabrheit fällt noch mancher
am Küchenherd ſchaffenden Hausfrau ein, wenn ſie be=
abſichtigt
, zum Sonntagsbraten eine beſonders feine
Sauce zu bereiten, zu der aber die vielen kleinen und
doch ſo wichtigen Zutaten nicht mehr zu beſchaffen ſind.
Und doch gibt es eine ſo überaus einfache und billige
Abhilfe, die es ſelbſt der kleinſten Börſe geſtattet, große

Abwechelune in beſten Sauen zu bieten. Ein Nottit=
Saucen=Würfel (nicht zu verwechſeln mit den alt=
bekannten
Rotti=Suppen und Bouillonwürfeln) wird
nur mit Waſſer, ohne jede weitere Zutat aufgekocht und
die beſte Sauce (Kapern, Sardellen, Tomaten, Gulaſch,
Braten ꝛc.) ſteht fir und fertig auf dem Tiſch. Alſo:
man nehme einfach den Rotti=Saucen=Würfel und
jede Schwierigkeit iſt behoben
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gegangen
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Rat de Haan 10 . Auguſt Schwab 5 . Oberfinanz=
rat
Ad. Frenz 5 . Dr. Schwalm 3 Ingenieur
Phil. Röder 50 . Darmſtädter Volksbank 20 . Ober=
leutnant
Freiherr von Hepl 20 . Miniſter von Hom=
bergk
zu Vach 10 . Freiin von Rabenau 5 . Reg.=
Baumeiſter W. Haas 3 . K. Gerſter, Fliegerkantine
2. Komp. Hannover 3 . Vizewachtmeiſter Kluska 2 .
C. Boſſelmann 50 . Profeſſor Müller, Rektor der Hoch=
ſchule
10 . Finanzrat Dr. Becker 20 . Generalleut=
nant
z. D. Chales de Beaulieu 10 . Rittmeiſter H.
Rogalla von Bieberſtein 10 . Kommerzienrat Gießen
40 . Bäckermeiſter Ewald 2 . W. Kümmel 20 .
Georg Engelhardt 20 . Dr. Willy Merck 50 . W.
Stoeſſer 5 . Profeſſor J. Zimmermann 5 . C. A.
Schenck 10 . Dr. phil. A. Koch 50 . Polyt. Arbeits=
Inſtitut J. Schröder A.=G. 10 . Zuſammen 458 ,
mit den bereits veröffentlichten 905.50 zuſammen
1363.50 . Weitere Gaben nehmen wir gerne entgegen.
Darmſtädter Tagblatt‟
Die Geſchäftsſtelle.

Namhafte Spenden für die Rote Kreuzſammlungen
N haben überwieſen: Her Th. Heine, Hermannſtr. 17
Herr Beigeordnete Schmitt; Herr Baron von Oetinger;
Herr Otto Stockhauſen; Herr Stadtbibliothekar Karl
Noack; Frau Staatsminiſter Rothe, Exzellenz; Herr
C. Merck, Ohlyſtr. 50; Herr Ferdinand Jordis: Herr
Wilhelm Moeſer, Steinſtr. 37; Herr Dr. Otto Röhm;
Herr C. Boſſelmann, in Firma Friedrich Schaefer, Dro=
genhaus
, hier; Frau Auguſte Freifrau von Nordeck zur
Rabenau; Motorenfabrik. A.=G. hier; Herr Fabrikdirektor
Friedrich May; Herr Sanitätsrat Dr. Hüffell; Herr
Profeſſor Dr. Geiſt; Fräulein Marie Eimer; der Lan=
desverband
Heſſen des deutſchen Frauenvereins vom
Roten Kreuz für die Kolonien; Herr Hofrat Edward;
Firma Gebrüder Rothſchild; Herr W. Kümmel; Herr
Geh. Finanzrat Dr. Lauer: Herr A. R. Weſt; Frau
Suter: Herr Graf Zech; Firma D. Rehfeld & Co.;
Herr Kommerzienrat Gießen, ſowie eine Anzahl Sammler
von Jung=Deutſchland. Der Ortsausſchuß quittiert
darüber mit verbindlichſtem Dank und bittet um weitere
Zuweiſungen an das Konto Rote Kreuz=Sammlung
Darmſtadt 1914 bei der Bank für Handel und Induſtrie
(Darmſtädter Bank).

Statt Karten!

Die glückliche Geburt eines
JUNGEN-

zeigen hocherfreut an

Sally Lichtenstein u. Frau
Ludwigstraße 12.
(11937

zur Vorführung.

Statt Karten!
Die glückliche Geburt einer gesunden
TOCHTER zeigen hocherfreut an
Dr. Herrmann Alefeld und Frau
Charlotte, geb. Markel.
Offenbach, 10. Mai 1914.
(*13664

Für die uns in ſo reichem Maße erwieſene
herzliche Teilnahme bei dem Hinſcheiden unſerer
innigſtgeliebten Mutter
(*13668
Frau Marie Mergott
geb. Heckwolf
ſprechen wir hiermit unſeren herzlichen Dank aus.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Darmſtadt, den 12. Mai 1914.

Wetter.

Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, den 13. Mai:
Noch meiſt wolkig, vereinzelt Regenſchauer, kühl, nord=
weſtliche
Winde, ſpäter allmählich Abnahme der Be=
wölkung
.

Tageslalender.
Mittwoch, 13. Mai.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr
(Ab. B): Madame Butterfly
Konzert des Inſtrumentalvereins um 8¼ Uhr in der
Stadtkicche.
Spielabend des Schachklubs um 8 Uhr im Reſtaurant
Kaiſerſaal.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.

Verſteigerungskalender.
Donnerstag 14. Mai.

Hofreite=Verſteigerungen des Ludwig Wolff
auf dem Ortsgericht II (Donnersbergring 34 um 10½
Uhr. Ahaſtraße 24 um 11 Uhr), Donnersbergring 36 um
11¼ Uhr Aetillerieſtraße 6 um 11½ Uhr, Niederſtraße 21
um 12 Uhr).
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 4 Uhr in der
Ludwigshallet
Militäreffekten=Verſteigerung um 9 Uhr zu
Frankfurt. Taunusſtraße 13.

Gewerbemuſeum (Redarſtraße 9). Täglich geöfnet
von 111 Uhr; bei Sonderausſtellungen auch werktags
nachmittags von 35 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Mar Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

Niederlagen: C. Steinnäuser, Mühlstrasse, Georg Hübner, Karlstrasse 56, Paul März, Landwehrstr. 19½, Anton Fischer, Frankfurterstr. 12 und in allen durch Plakate
gekennzeichneten Geschäften.
(II2393

[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Seite 2.

Die eklatante Heilwirkund

des

aizschi

gegen

Gient

und

11
Marmsaufe

geht aus einer grossen Anzahl ärztlicher Zuschriften her-
vor
, von denen wir einige im Auszuge hier foigen lässen:
Kreisarzt Dr. med. R. in L. Unaufgefordert gebe ich Ihnen
die Erklärung ab, dass meine Erfahrungen am eigenen Körper, wie
bei meinen Patienten, mir seit 12 Jahren gezeigt haben, dass der
Bonifaciusbrunnen bei Gicht alle anderen Heilwässer weit an Wirk-
samkeit
übertrifft, Ich wende als Brunnen nur Bonifacius an.

Dr. med. R. in H. Der Brunnen macht nicht nur den Körper
frei und elastisch, sondern er übt auch auf das Gemüt und die
Stimmung einen günstigen Einfluss aus.
Dr. med. M. in E. Die Wirkung des Bonifaciusbrunnens gegen
die Gallensteine ist so ausgezeichnet, dass die Kolikanfälle nunmehr
ganz beseitigt sind. jedoch gehen seit dem Gebrauch des Brunnens
noch öfter Steine und deren Trümmer mit dem Stuhlgang ab.
Stadtarzt Dr. med. B. in N. Ich bin durch den vorjährigen
Gebrauch des Brunnens vollständig von meinem gichtisch rheu-
matischen
Leiden befreit worden.
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Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Seite 9.

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*13613) Holzſtr. 14, Htrhs.

Elink., ſaub. Mädchen geht Brödch.=
7 tragen u. v. 8Uhr bis nach d. Sp. in
Laufſt. Liebfrauenſtr. 97. (*13609

C

Dg. Fraugeht½, Tg. Waſch. u. Putz.
*13637) Gr. Ochſengaſſe 3, II.

Aelt. beſſ. Frau ſucht Führ. des
Haush. bei beſſ. Herrn. Off. unt.
O. 15 an die Exp. (*13647
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per 1. Juni oder ſpäter Stellung
als Haushälterin. Dieſelbe iſt
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O. 48 an die Exp. (11876
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putzen Schuknechtſtr. 58, III. (*13699
Saub. fleißiges Mädchen ſucht
morgens und mittags Laufſtelle
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zrau ſ. Laufdienſt vorm. 2 Std
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Putz. Näh. Beckerſtr. 25, I. (*13672
Männlich

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zuverläſiger Buchhalter

geſetzten Alters, mit la Zeugniſſen,
ſucht per 1. Juli dauernde Poſition.
Gefl. Anfr. unter O. 16 an die

Expedition.

(*13643ms

Gg. Mann (Maſchinenſchreib.) ſucht
f. vorm. Beſchäftigung auf An
waltsbüro od. dgl. geg. gering. Verg
Offert. unt. O 31 an d. Exp. (*13695
Subaltern-Beamter a. D.

beſte Zeugniſſe, ſucht ſofort Ver=
trauensſtellung
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O. 26 an die Expedit. (*13666

2

Schulungen ſuch Beſchäftigung.
*13612) Emilſtr. 4, Manſarde.

a

Wolblich

einl. Lauffrau f. 2 Std. mittags
geſucht. Bleichſtr. 13, I. (*13716

Vertrauensſtellung.
Infolge Eintritts eines Verwandten wird der Poſten meines
derzeitigen Buchhalters anderweitig beſetzt. Da ich dieſen Herrn als
vertrauenswerte, energiſche und äußerſt gewiſſenhafte Perſönlichkeit
empfehlen kann, ſuche ich für denſelben hierdurch zum 1. Juli oder
früher eine paſſende Stelle. Er eignet ſich auch für einen verant=
wortungsvollen
Disponenten=, Bureauchef= oder Korreſpondenten=
Poſten, ſowie zum Privatſekretär. Kaution in jeder Höhe, erſte
Referenzen, Gehalt beſcheiden. Gefl. Offerten unter N 89 an die
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[ ][  ][ ]

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[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Seite 11.

Zur Aufklärung und Vermeidung von lertümern

Als Entgegnung auf das Inserat der Vereinigung Darmstädter Banken und Bankiers im Darmstädter
Tagblatt vom jo. Mai d. Js. erkläre ich hiermit ausdrücklich, dass ich berechtigt war, Zeichnungen auf die
zur Subskription aufgelegten
M. 12,000,000.-4% Frankfurter Stadt-Anleihe von 1913
entgegenzunehmen und zugeteilte Beträge provisions- und spesenfrei erlasse.
Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, dass ich auch auf sämtliche künftig zur öffentlichen Zeichnung
aufliegenden in- und ausländischen Staats-, Kommunal- und Städteanleihen, Industrie- und Eisenbahn-
Obligationen, sowie Aktien zu Original-Bedingungen Anmeldungen entgegennehme, zugeteilte Beträge
provisions- und spesenfrei erlasse und bemüht sein werde, für beste Zuteilung Sorge zu tragen.
Ich weise darauf hin, dass ich alle bankgeschäftlichen Transaktionen unter billigster Berechnung
und streng reeller Bedienung erledige.
Meine Bureauräume sind täglich von morgens 8½ bis 7 Uhr abends (Samstags von 8½ bis 5 Uhr) un-
rochen
für den Verkehr mit dem Publikum geöffnet.
Hermann Wertheim, Filiale Darmstadt
Bankgeschäft, Rheinstrasse 33.
11925)

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Gefunden: 1 Anzahl Schlüſſel. 1 ſilbernes Halskettchen mit
2 Anhängern. 1 Buch (Lehrſtoff grammatiſcher und orthographiſcher
Unterricht). 1 ſchwarzes Handtäſchchen mit Taſchentuch. 1. Roſen=
kranz
in Lederbeutelchen. 1 Schülerkarte (Hauptbahnhof-Kapellplatz),
auf den Namen Jakob Raab lautend. 1 braunes Portemonnaie mit
nahezu 1 Mk. Inhalt. 1 älteres Zigarrenetuf. 1 kleines braunes
Vortemonnaie mit 1 Pfennig. 1 eiſerner Gartenſtuhl. 1 ſchwarzer
Damenhut mit grünem Band. 1 filberne Herrenuhr mit Nickelkette.
Im Monat April im Großh. Hoftheater liegen geblieben
und bei der dortigen Verwaltung in Verwahr: 1 Klavierauszug
(Meiſterſinger). 1 kleiner Spiegel. 1 Kragenſchoner. 1 weißes Tuch.
1 roter Aufſteckkamm. 3 Schirme. 5 Paar Handſchuhe. 7 Taſchen=
tücher
, gez. M., A., B. F., M. O., Greta und 2 ohne Zeichen.
Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.
(11867

Die Lieferung von Meſſinggegenſtänden für
das ſtädtiſche Gas= und Waſſerwerk
für das Geſchäftsjahr 1914 ſoll vergeben werden. Angebote ſind
bis zum 15. Mai lfd. Js., vormittags 10 Uhr, bei unterzeich=
neter
Verwaltung, Frankfurterſtraße 29, I. Zimmer Nr. 6, verſchloſſen
und mit entſprechender Aufſchrift verſehen, einzureichen. Daſelbſt
können auch die Lieferungs=Bedingungen eingeſehen und die Ange=
botsſcheine
in Empfang genommen werden. Nach auswärts werden
die Bedingungen und Angebotsſcheine nur gegen vorherige Einſen=
dung
von 50 Pfg. abgegeben.
(11714gms
Darmſtadt, den 7. Mai 1914.
Städtiſche Gas= und Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.

Bekanntmachung.
Die Zuſchuß= und Sterbekaſſe Hahn, früher eingeſchriebene
Hilfskaſſe Nr. 27, hat ſich am 8. März 1914 aufgelöſt, beſtätigt durch
Senatsbeſchluß des Kaiſerlichen Aufſichtsamts für Privatverſicherung
in Berlin. vom 22. April 1914. Dieſelbe iſt in L quidation getreten
und iſt der ſeitherige Vorſtand zu Liquidatoren beſtellt worden.
Es werden nun alle Gläubiger, welche noch Forderungen an die
Kaſſe zu machen haben, aufgefordert, dieſelben bis längſtens zum
1. Juni 1914 bei dem Unterzeichneten einzureichen, ſpäter einlaufende
Forderungen bleiben unberückſichtigt.
(11840imd
Hahn, den 10. Mai 1914.
Der Vorſtand der Zuſchuß= und Sterbekaſſe Hahn.
3. A.: Pühler, I. Vorſitzender,
retee e cehe ie i re

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Wechsel-, Scheck- und Bankverkehr.
Auskunft kostenlos.
Mässiges Honorar.

I

Bekanntmachung.
Die zur Zeit der Eintragung des
Verſteigerungsvermerks im Grund=
buche
für Darmſtadt. Band VIII,
Blatt 606 auf den Namen
a) Wolff, Ludwig, Metzger=
meiſter
,
b) Wolff, Margarete, geb. Wolff,
deſſen Ehefrau,
beide in Darmſtadt, eingetragenen
Grundſtücke:
Flur Nr. qm
II 400 42 GrasgartenGuten=
bergſtraße
,
II 400%/10 167 Hofreite Guten=
bergſtraße
28,
II 400%0 33 Grasgarten ( Vor=
garten
) daſelbſt,
ſollen:
Montagg den 6. Juli I. Js.,
nachmittags 3 Uhr.
durch das Großh. Amtsgericht
Darmſtadt I im Saal Nr. 219 im
Wege der Zwangsvollſtreckung ver=
ſteigert
werden.
(K79/13
Darmſtadt, 4. Mai 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII, 11901

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lich
meiſtbietend folgende Pfänder:
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2 Gußſchüſſeln, 3 Gaskochherde;
2. vorausſichtlich: 1 Heftmaſchine, 2 Warenſchränke, 1 Schuh=
macher
=Nähmaſchine, 1 Pianino, 1 Tafelklavier, 1 Büfett,
2 Glasſchränke, 2 Kleiderſchränke, 2 Vertikos, 2 Diwans,
2 Kommoden, 1 Sofg 2 Tiſche, 4 Bilder, 1 Pfeilerſchränk=
chen
, 1 Spiegel, 1 Bücherſchrank 2 Ballen Federn, 4 Dutzend
Badehandtücher, 40 Gläſer Parfüm u. a. m.
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H. Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher
Darmſtadt, Bleichſtraße 28.

Große Nachlaß=Verſteigerung
zu Frankfurt a. M., im Hauſe Taunusſtr. 13, 1.
Im Auftrage des Herrn Rechtsanwalts Dr. Schmidt=Knatz
werde ich
Donnerstag, den 14. Mai 1914, von 9 Uhr vorm. ab,
die am 29. April 1914 begonnene Verſteigerung des Hofſchneider
Riſting’ſchen Nachlaſſes fortſetzen.
Es kommen zum Ausgebot:
Ausrüſtungsgegenſtände aller Art, als:
Ein großer Poſten: Heifiſche Helme, Helmſchachteln, Säbel,
Feldbinden, Handſchuhe in Leder und Tuch (ca. 200 Paar), Knöpfe,
Nummern, Sterne, Beſatzteile, Koppel, Sporen Haarbſiſche, Kragen,
Achſelſtücke, Revolver, Troddeln, Namenszüge, Kronen, Ordensbänder,
Treſſen, Litzen, Helmbezüge, Halsbinden, Kokarden, Epaulettes,
Waffenröcke u. a. m. Hierzu kommen noch verſchiedene Möbel,
welche bei der letzten Verſteigerung zurückgeſtellt worden ſind.
Besichtigung von 8½ Uhr vormittags ab.
Günſtige Kaufgelegenheit für Militär= und Regimentsſchneider,
namentlich auch der heſſiſchen Truppen.
11921)
Müller, Gerichtsvollzieher.

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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Die Brotpreiſe in Darmſtadt.
Die kürzlich erſchienene Nummer 957 der Mitteilun=
gen
der Großherzoglich Heſſiſchen Zentralſtelle für die
Landesſtatiſtik (Beilage zur Darmſtädter Zeitung) enthält
die Jahres=Durchſchnittspreiſe wichtigerer Lebensmittel
und Verbrauchsgegenſtände in den 17 Kreisſtädten im
Jahre 1913. Aus dieſer Tabelle ergibt ſich die Tatſache,
daß die Reſidenz hinſichtlich der Brotpreiſe für die zweite,
alſo die gebräuchlichſte Sorte, an erſter Stelle ſteht. Das
Pfund Brot dieſer Sorte koſtete im Vorjahre durchſchnitt=
lich
in Darmſtadt 15 Pfg., alſo 3 Pfg. mehr als in Die=
burg
, Heppenheim, Gießen und Alsfeld. Selbſt in Offen=
bach
koſtete das Pfund nur 13,8 und auch in Mainz und
Worms nur 14 Pfg. Hinſichtlich der erſten Brotſorte war
Lauterbach mit 17 Pfg. per Pfund der teuerſte Platz, jedoch
ſteht Darmſtadt gleich wieder an zweiter Stelle mit 16 Pfg.
(neben Schotten), während ſich in Bensheim, Dieburg,
Groß=Gerau, Heppenheim und Oppenheim der Preis nur
auf 13 Pfg. ſtellte. Selbſt in Offenbach brauchte für ein
Pfund dieſer Sorte nur 15 Pfg. angelegt zu werden. Es
wäre wünſchenswert, von fachmänniſcher Seite zu erfah=
ren
, wie dieſe Preisunterſchiede benachbarter Städte, die
bis zu 25 Prozent betragen und am meiſten das Publikum
der Reſidenz in Mitleidenſchaft ziehen, zu erklären ſind.
C.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt f.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
85 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene Am 7. Mai: dem Laboratoriumsgehilfen
Ferd. Fleiſchhacker, Heinheimerſtr. 9, ein S. Ferdinand.

Am 7.: dem Großh. Maſchiniſt Franziskus Reul, Wald=
ſtraße
39 eine T. Maria Magdalena Anna. Am 1. Mai:
dem Milchkutſcher Joſeph Ganch, Erbacherſtr. 138, ein
S. Wilhelm. Am 6.: dem Kaufmann Leopold Meyer II
in Griesheim bei Darmſtadt, eine T. Elſe Roſine, hier,
Lagerhausſtr. 24. Dem Magazinarbeiter Jakob Heip,
Lauteſchlägerſtr. 14, eine T. Anna Luiſe. Am 9.: dem
Schloſſer Johannes Bönſel, Lindenhofſtr. 5, eine T.
Johanna Eliſabeth. Am 6.: dem Metzgermeiſter Wilhelm
Wagner, Mathildenplatz 3, eine T. Suſanna Frieda.
Aufgebotene. Am 7. Mai: Finanzaſpirant Adam
Friedr. Wilh. Schäfer, Annaſtr. 10, mit Macia Katha=
ring
Lippert, Kranichſteinerſtr. 60½. Am 8.: Laborant
Johannes Bormann in Gernsheim, mit Roſalie Gries
in Heidelberg-Handſchuhsheim. Hilfsſchaffner Karl
Petri mit Joſefine Franziska Schröder, beide in
Aſchaffenburg. Landwirt Jakob Wiegand in Mörlen=
bach
, mit Dienſtmädchen Margareta Wagner in Krum=
bach
. Schreiner Chriſtian Maximilian Weigel, Große
Ochſengaſſe 5, mit Strickerin Eliſabethe Platte, Große
Ochſengaſſe 5. Gartenarbeiter Joſ. Joh. Gg. Schnell=
bacher
, Ballonplatz 7, mit Anna Eliſabethe Hart=
mann
, Löffelgaſſe 22. Regierungsbauführer Dipl.=Ing.
Walter Balduin Wilhelm Phil. Eduard von der Leyen,
Soderſtr. 16, mit Pauline Dorothea Anna Lina Johanna
Emma Noack, Grünerweg 17. Am 9.: Verſicherungs=
beamter
Joh. Herm. Ehrenreich Fech mit Anna Luiſe
Hermine Dröll, hier. Am 11.: Bahnarbeiter Ludwig
Strauch mit Alwine Henriette Wilhelmine Koch, beide
in Hahn.
Eheſchließungen. Am 9. Mai: Kaufmann Friedrich
Hoppe und Magdalena Künſtler, beide in Groß=
Gerau. Hilfsſchaffner Georg Bonin und Emma Möl=
ler
, beide hier. Wagner Heinrich Koch in Mannheim
und Margarete Kleinſchmidt, geb Koch, hier. Bezirks=
monteur
Hermann Flamm in Oſthofen und Apollonia

Hofmann, hier. Oberpoſtaſſiſtent Georg Roth und
Katharina Roth, beide hier. Gärtner Wilhelm See=
haus
und Karoline Herzog, beide hier. Magazinarbeiter
Georg Wolf und Margareta Lang, beide hier. Tele=
graphen
=Vorarbeiter Johannes Chriſt und Chriſtine
Stabel, beide hier. Redakteur und Oberkorrektor Kon=
rad
Popp und Philippine Welter, beide hier. Am 11.:
Kaiſerl. Bankbuchhalter Paul Schnur und Mathilde
Wolf, beide hier.
Geſtorbene. Am 7. Mai: Philipp Daum, Stein=
hauer
, 44 J., ev., aus Roßdorf, hier, Grafenſtr. 9. Am 8.:
Julius Marx, Kontoriſt, 26 J., iſr., Karlſtr. 36. Eva
Maria Mergott, geb. Heckwolf, 67 J., kath., Ehefrau
des Handarbeiters, Schwanenſtr. 4. Philipp Kredel,
Schloſſer, 27 J., ev., Darmſtc. 39. Am 9.: Roſine Hof=
mann
, geb Meyer, Ehefrau des Wollwarenkrämers, 25J.,
v., aus Gadernheim, hier, Dieburgerſtr. 21. Johann
Peter Baumgärtner, Handacbeiter, 60 J., kath., Wen=
velſtadtſtr
. 47. Am 10.: Anna Eliſabetha Törge, geb.
Dequis, Witwe des Schneidermeiſters, 76 J., ev., Müller=
ſtraße
16. Heinrich Kichler, Rentner, 68 J., ev., Eliſa=
bethenſtr
. 60. Am 11.: Joſeph Kämmerer, Poſtſekretär
i. P., 49 J., kath., Gutenbergſtr. 40. Am 10.: Karl Ludwig
Bott, Schuhmacher, 57 J., ev., Soderſtr. 25. Katharine
Marie Göbel, geb. Kurz, Witwe des Taglöhners, 45J.,
ath., Waldſtr. 32. Margarete Kühn, ohne Beruf, 21 J.,
ev., aus Zeilhard, hier, Dieburgerſtr 21. Am 11.: Mar=
garete
Baumann, geb. Bauer, Ehefrau des Lohnkut=
ſchers
. 45 J., ev., Riedeſelſtr. 66.
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Seit Jahren war ich mide u. mat,
hatte häufig wahnſinnige Kopf=
ſchmerzen
u. jede Luſt zum Arbeiten
und zum Leben verloren. Der
Arzt ſagte, es ſei ein veraltetes
Ieren
u. Blusenteiden,
daneben Darmträgheit infolge
ſitzender Lebensweiſe. Auf ärztl.
Rat trank ich Altbuchhorster
Mark-Sprudel Starkquelle
(Jod=Eiſen=Mangan= Kochſalz=
quelle
). Schon nach einigen Flaſchen
fühlte ich mich als ganz anderer
Menſch. Die Urinabſonderung
wurde lebhaft und ſchmerzlos und
blieb es ſeitdem. Ich trinke den
Markſprudel jetzt täglich, habe mich
nie ſo wohl und geſund gefühlt
wie heute. H. B. Aerztl. warm
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Verſchloſſene Gärten.
Roman von Fritz Gantzer.

Augenſcheinlich beſtürmten fünf andere Trebnitzer den
Geometer. Allen voran der Gemeindevorſteher Johann
Balthaſar unter Aſſiſtenz Nickel Bröskens und Thomas
Starnriegels. Otto Behring war es ganz wirr im Kopf,
und er hatte Not, allen Erkundigungen mit ſachgemäßer
Auskunft gerecht zu werden.
Gebaut wird die Bahn, das iſt ſicher. Ob’s natürlich
nun ſchon gleich im Frühjahr losgeht oder ob die Sache
noch bis zum Herbſt verſchoben wird, kann ich auch nicht
wiſſen. Das wird davon abhängen, wie die Vermeſſungs=
arbeiten
vorwärtsſchreiten und die Verhandlungen der
nötigen Ländereiankäufe wegen ſich abwickeln.
Nu, verſchenk’n wer’n wir nich’n Spaten Sand, warf
Nickel Brösken breitſpurig ein, ſpie unter den Tiſch und
trank ſein Achtel leer.
Das verlangt auch niemand, beruhigte der Geometer.
Allerdings müſſen Forderung und Objekt ſich decken. Ins
Blaue rein bezahlt der Fiskus nicht.
Wo der Staat das Geld haufenweiſe zzu liegen har,
vermerkte Thomas Starnriegel biſſig und ſah den Geo=
meter
herausfordernd an.
Es läßt ſich ſchon ertragen mit den Haufen, lieber
Herr, belehrte Otto Behring den Nörgler zu ſeiner Lin
ken. Natürlich, wie geſagt, bezahlt wird, wie’s ſich ge=

hört, aber zum Wegwerfen hat der Staat keinen Pfennig
brig.
Der arme Staat! höhnte einer von der langen Wand.
bank her, der Kätner Lorenz Baas. Gleich nach ſeinem
Ausruf duckte er ſich ſcheu, als fürchte er einen Hieb auf
ſeinen eckigen Schädel.
Ein paar lachten. Die gemäßigte Partei murrte und
wartete auf eine gebührende Abfertigung durch den Geo=
meter
.
Der aber zuckte nur die Schultern, lächelte leiſe und
trank ſein Bier aus. Erſt nach einer ganzen Weile ſagte
er, mehr zu dem neben ihm ſtehenden Krüger ſprechend:
Es iſt ja zwecklos, ſich ſchon vorher den Kopf zu zerbre=
chen
. Jedenfalls wird niemand übervorteilt. Er erhob
ſich, gähnte leiſe und reckte ſich. Ich bin müde, und morgen
muß ich bei guter Zeit aus den Federn. Alſo die drei
Mann, die ich beim Vermeſſen brauche, beſtellen Sie mir,
Herr Gemeindevorſteher, nicht wahr? Zuverläſſige Leute,
bitte.
Johann Balthaſar nickte gönnerhaft. Nu ja, freilich,
Herr Geometer, das wird beſtens beſorgt.
Ich verlaſſe mich darauf. Gute Nacht!
Ede ſprang dienſtbefliſſen aus der Dämmerung des
Schankraumes in das tabaksqualmdurchſchwängerte Gaſt=
zimmer
, um Behring nach der Putzſtube, die ihm generös
als Schlafraum eingeräumt war, hinüberzuleuchten.
Als die Tür ſich hinter beiden kaum geſchloſſen hatte,
erhob ſich ein krauſes Stimmengewirr . . . Jetzt wußte
jeder etwas, und jeder glaubte das Beſte zu wiſſen. Erſt

nach geraumer Zeit ebbte der Tumult ab. Zuletzt ſchwirr=
ten
nur noch ein paar Stimmen auf, von denen ſich Nickel
Bröskens Organ mit verroſtetem Knarren am längſten
behauptete.
Nu ja, der Geometer hat einigermaßen paſſable Worte
gered’t, verkündete er den aufhorchenden Trebnitzern.
Aber, wie das ſo is: wenn’s nachher heißt: Taxe! ſo
ſchrauben die Brüder verdammt runter. Nu, ihr habt’s
gehört, was ich geſagt habe: verſchenk’n wern wir nichn
Spaten Sand, hab’ ich geſagt. Un dadran muß jeder feſt=
halt’n
, Du auch, Ehrenberg, Du vor allen Dingen. Du
machſt gern von hinten rum und verderbſt die Preiſe.
Der Angegriffene verwahrte ſich alles Ernſtes gegen
dieſe Beſchuldigung. Laß Dir nich auslachen, Gevatter,
eher laſſ ich mir beide Ohren abſchneiden, als daß ich die
Preiſe verderbe.
Sei man ſtille, Gevatter, Du verderbſt ſie doch, freilich
bloß immer zu dein’m Vorteil. Du biſt’n ganz Geriſſener.
Der abermals Beſchuldigte kam nicht dazu, eine =
tende
Entgegnung herauszupoltern. Von verſchiedenen
Seiten wurden Getränke neubeſtellt. Die Freude darüber
dämpfte ſeinen Grimm. Mit einem dumpfen Grunzen
wandte er ſich ab. Mochte man doch von ihm denken und
ſagen, was man wollte! Er würde ſchon ſehen, wo er
blieb.
Die Wogen der Luſt hatten zur Mitternacht hin ihren
Höhepunkt erreicht. Man ſtieß immer wieder auf das zu
erwartende viele Geld an und übte ſich im Luftſchlöſſer=
bau
.

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131

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Nickel Brösken, Thomas Starnriegel und einige an=
dere
mehr Lorenz Baas gehörte auch zu dieſer Sippe
waren allerdings längſt nicht mehr fähig, ſich an dem
Bau zu beteiligen. Sie hatten ſich im Glücksrauſch den
weit unter ſeinem vornehmen Bruder ſtehenden plebejiſchen
vulgären Rauſch angetrunken. Der ließ ſie blödes Zeug=
ſchwatzen
oder hatte ihren Mund zum Glück bereits ganz
ſtumm gemacht und den wüſten Schädel auf die Tiſch=
platte
gezwungen.
Juſtus Ehrenberg hatte ſchließlich weit nach zwei Uhr
Mühe, die zäheſten Feſtſitzer unter Aſſiſtenz Edes an die
Luft zu befördern. Nickel Bröslen zeigte ſich wie ge=
wöhnlich
am widerhaarigſten und mußte ſich einen
unſanften, nachhelfenden Schub gefallen laſſen. Darüber
erhob er draußen ein wüſtes Geſchimpfe, das die ſchlum=
mernde
Nacht aus ihren Träumen riß und auch Otto Beh=
rings
geſunden Schlaf jäh unterbrach.
Aergerlich warf er ſich auf die andere Seite. Erſt
nach einer ganzen Weile war er wieder ſo weit, daß er
im halbwachen Zuſtande das ſich immer weiter entfer=
nende
bierheiſere Johlen Nich n Spaten Sand! Nich
n Spaten Sand! des heimwärts ſtrauchelnden Nicker
Bröskens vernahm. Endlich verrann es, zerflatterte, wie
von einem Windſtoß auseinandergeriſſen. Und nun ſchlief
der Aufgeſcheuchte wieder.
Juſtus Ehrenberg war erſt eine Stunde ſpäter ſo
weit, das eheliche Schlafgemach aufſuchen zu können. Er
hatte zunächſt gewiſſenhaft Kaſſe gemacht und ſich dann
einem nachdenklichen Ueberlegen hingegeben. Es mußte
wohl zu einem befriedigenden Abſchluß gekommen ſein
Wenigſtens kraute er ſich zum Ende ſeines Grübelns hin
den Kopf immer haſtiger. Und dieſe liebliche, ungemein
äſthetiſch anmutende Tätigkeit war ſtets der Beweis dafür,
daß er einen gewinnbringenden Plan ausgeheckt hatte

Das märkiſche Land lag noch vom dampfenden Dunſt
der Frühnebel überſponnen, als Otto Behring am nächſten
Morgen ſeine Tätigkeit begann. Friſch und elaſtiſch ſchritt
er durch den jungen Tag, hellen Auges grüßte er die wie=
der
jung werdende Ebene. Wie er ſie liebte, dieſe mär=
kiſche
Erde, deren Sohn er war, und wie glücklich er ſich
fühlte, wieder ihren Atem zu ſpüren! Der lange Winter
hatte ihn an den Arbeitstiſch im Bureau gebannt, mitten
in der grauen, toten Steinwüſte Berlins, wo es ihm
manchmal geweſen, als müſſe er erſticken vor Druck und
Engigkeit ringsum. Mächtig war ſein Sehnen geweſen,
hinauszukommen, vor Tau und Tag durch welkes Ried=
gras
zu ſtreifen, um dem glücksfrohen Schrei des heim=
gekehrten
Wandervogels zu lauſchen und im letzten Ver=
flimmern
des Morgenſterns auf das Hochbrennen der
Frühröte zu achten, die das neue Leben lockte, in der gla=
ſenden
Mittagsſonne des Märztages dann das würzhafte
Duften eines blaugrünen Kiefernwaldes zu atmen und
froh, ſo froh, leicht und jung zu ſein, daß die engen
Mauern dahinten lagen wie ein böſer Traum.
Er hatte der heimiſchen Ebene über ein Jahr ent=
behrt
. Während des vergangenen Frühlings und Som=
mers
, bis weit in den Herbſt hinein, war er in den Ber=
gen
Oberbayerns in ſeinem Berufe tätig geweſen. Gar
manches ihn Feſſelnde hatte er dort in ſich aufgenommen.
Aber die Sehnſucht nach der Ebene war immer neben ihm
geſchritten wie die Erinnerung an die erſte Liebe, deren
man nie wieder vergeſſen kann.
Und nun hatte er es alles wieder: Feld und Wieſe,
Ried und Buſch, Wald und Heide, alles mit der herben,
wehen Schönheit, dem ſtillen, beſcheidenen Glück in den
frohen Augen der Landſchaft, dem blaßblauen nordiſchen
Himmel darüber und dem ſtarken Schlag des heimatlichen
Herzens: ſeine Mark.

Er genoß die Gemeinſchaft mit ihr in dem Bewußt=
ſein
, eines reinen Glückes, war zufrieden, in den friſchen
Märzmorgen hineinwandern zu können, und glaubte zu
empfinden, daß ſeine Seele frei ward wie von einem
Staube, den die große Stadt geſtreut.
Es wurde ein klarer, warmer Tag. Der erſte rechte
Frühlingstag des Jahres. Die Arbeit ging ihm leicht
und friſch von der Hand. Es war eine Luſt hier draußen!
Ade, ade, du graues, ödes Bureau für eine lange, lange
Zeit!
Gegen Mittag ging er nach Trebnitz zurück. Die un=
gewohnte
Tätigkeit und die Frühjahrsluft hatten ihn
müde gemacht. Er ſchlenderte gemächlich einen Ackerrain
hinab und empfand es als etwas ungemein Wohltuendes,
dies prickelnde Gefühl der Müdigkeit in den Gliedern zu
haben. So geſundmüde war er ſeit Monaten nicht ge=
weſen
. In Berlin hatte er Müdigkeit immer gleichbedeu=
tend
mit Zerſchlagenſein gefunden. Dort war es nervöſe
Erſchlaffung, körperliches Mißbehagen geweſen. Hier be=
deutete
es Geſundung, Wohlbefinden. Auch ein herzhaf=
ter
Hunger ſtellte ſich ein, der ihn an Ehrenbergs Mittags=
tiſch
denken ließ. Hoffentlich enttäuſchte er nicht. Es war
ihm ſchon häufiger ſo gegangen, daß er in dörflichen Gaſt=
höfen
hinſichtlich der Verpflegung wenig angenehme Er=
fahrungen
gemacht. Nun, wenn es nur ſauber ſein würde.
Dann war es ſchon gut. Ein wähleriſcher Mäkler war
er nicht. Und das mit der Sauberkeit würde ſchon gehen.
Emilie Ehrenberg, glatt, rund und friſch, mit tadelloſer
Schürze und glatt friſiertem Haar, wie er ſie heute mor=
gen
geſehen, hatte einen durchaus vertrauenerweckenden
Eindruck auf ihn gemacht. Ihr Herr und Gebieter ſah ja
zwar etwas ſchmuddelig aus, und Ede trug auch eine
ſchmierige Jacke. Aber die beiden kochten ja nicht.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 151

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

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77.65
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Badische Staats-Anleihe: 4 96,95
3½ 88,00
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82,50
dos . . . . . . . .
Baverische Ablös.-Rente: 4 97,00
97,80
B.-B.-Anl. kdb. ab 1906
97,80
do. unkdb. p. 1918 . . .
97,80
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E.-B.- u. Allgem. Anl.
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3½ 85,5
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3 1 1600
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Hamburger Staats-Anl. . 4 98,10
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do. v. 189794
79,20
do. . . . . . .
Hessische Staats-Anleihe 4 97.20
4 97,40
do. unkdb. p. 1921 .
. 3½ 84,90
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4 97,90
(unkdb. p. 1921).
. 3½ 87,80
do. v. 79/80 ..
37 77,70
do. . . .

Bulgarische Gid.-Anl. . . 5 96,20
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1.6)
do. v. 1887 Monopol 19/ 51,50
talienische Rente . . .. . 3½/)
Gsterr. Stasts-R. v. 1913 . 41
91,40
do. Sülber-Rente . .
4½ 85,35
do. Papier-Rente ... 4½ 3.35
do. Gold-Rente . . .
85,80
do. einheitl. Rente . . 4 81,10
Portug. Tab-Anl. 1891 . . 4½ 97.60
do. inn. amort. 1905 . . 4½ 74,00
do. unif. Serie I .
61,70
do. ,
III.
do. Spezial Titel. .
9,90
Zumänen v. 1903 . . . .
99,90
do. Gold v. 1913.
4½ 91,40
do. Schatzsch. v. 1913.
100,00
do. conv..
85,00
do. v. 1890
35.70
do. v. 1891
87,00
do. v. 1905 -
85,00
do. v. 1905
85,00
do, v. 1910
85,00
Russische St--AnI. v. 1905
97.70
do. Kons. v. 1850
87,40
do. Gold v. 1800

do. v. 1902 .
89,40
Schweden v. 1680. . .
4o. v. 1835

Schweden v. 1890. . .
Serben steuerfrei.
87,50
do. amort. v. 1895
*7900
Türk. Bgypt. Tribut
do, Kons. steuerfreis
do. Admin. v. 1903 . .
76,50
do. unif. v. 1903. .
do. v. 1905. .
e
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 89,80
Ungar. Staatsk.-Scheine
v. 1913. . . . . . . . . . . . 4½ 98,50
do. Gold-Rente.
4½ 82,00
do. Staats-Rente 1910.
80,50
do.
Kr. 4 80,90
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1857
do. äußere v. 1890 . . . 5 99,80
do. innere v. 1888 . . .4½
do. äußere v. 1888 .
4½ 94,20
do. v. 1897
.
Chile Gold-Anl. v. 1911.
93,10
do. v. 1880
,2. v. 1906 .
88,00
Chines. St.-Anl. v. 1895
do. v. 1896 . .
99,60
do. Reorg. Anl.:
87,50
do. v. 1898 . .
Japaner . . . . . . .
89,50
Innere Mexikaner . .
64,50
Außere do. v. 189
83.,60
Mexikan. Gold v. 1904 .
4 68,50
do. eons. . . . . . . . .
ver
do. Irrigat.-Anleihe
68,00
Buenos-Aires Prov..
6575
Tamaulipas . . . . .
67,00
Sao Paulo E.-B.
do. v. 1913 . . . .
97,00
Sam v. 1907 . . . . . . . . .14½g 95,00
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/973½ 84,30
.v. 1904 3½g
Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadkt
Darmstadt. . . . . . .
93,85
Nordd. Lloyd-Obligat.
4ſ,
Donau-Dampfschlfk. v. 82
91,20
Elisabethbahn . . .
91,20
Franz-Josef-Bahn. . .
87,50
Kaschau-Oderberger v. 89
Prag-Duzer
7105
Osterreich. Staatsbahn
1101,70
do.
do. .
73,20
do. Südbahn (Lomb.)
65,55
do. (0.
71,00
do, do.
50 60
Raab-Oedenburg .
7640
Kronprinz Rudolfbahn .
8905=
Russ. Südwest
8t,0

(2
4½ 94,30
Moskau-Kasan . .
do. . . . . . .
wladikawkas. .
Rjäsan-Koslow.
Portugies. Eisenb. v. 1886

do. .
2½ 65,25
Livorneser:
3 60,50
Salonique Monastir.
4 77,50
Bagdadbahn
Anstolische Eisenbahn .4½ 90.20
4 9020
Missouri-Pacitio I.
4 55,75
do. do. v. 1905
Northern-Pacific.
4 91.50
Jouthern-Pacife.
St. Louis & San Franci
Lchuantepee
5 9850
Ungar. Lokalbahn .
Provinz-Anleihen.
4 96,70
Rheinprov. Obl. Em. 20/21
87,00
do. Em. 10 ..
§ 83,50
do. . 9.
3½
Posen Prov..
95,90
Westfalen Prov. V. . .
95,50
Hese. Pror. Oborhessen
do. Starkenburg.
Städte-
Obligationen.
Darmstadt. .
3½ 87,20
do. :
4½ 97,00
Frankfurt
5tig 88.00
do. . .
4*1 94,50
Gießen
do. . . . .
... .3½ 370
Heidelberg. . . . . . . . . . 4½ 91,00
do. .. . . . . . . . . . . . 51g
Karlsruhe . . . . . . . . . . 4 94,90
do. . . . . . . . . . . . . .3½/ 86,90
Magdeburg . . . . . . . . . 4
Mainz . . . . . . . . . . . . . 4 94,00
(o. . . . . . . . . . . . . . 3½
Mannheim . . . . . . . . . . 4 95,20
do. . . . . . . . . . . . . .3½
München . .
4 96,40
Nauheim .
3½
Fürnberg
do.
3½ 85,80
IOffenbach
495,30
do. v. 1914.
4
do.
3½ 87,80
Wiesbaden.
4
do.
3½
Worms:
495,10
do. .
3½
Lissabon v. 1888
IMoskau w. 1912 .
..4½, 94,00
Stockholm v. 1880 . . . . . 4 92,45
Wien Komm. . . . . . . . . 5
Wiener Kassenscheine .4½, 98,70
Zürich v. 1880
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6

Pfandbriefe.
½100,00
Berliner Hyp.-Bk.-Pf..
8360z
do. unkäb. 1918. . .
9375
68,60 do.
1910::
1921..
do.
11 95.75
do.
1922.
31, 84.30
do.
.
do. Komm.-Obl. unk. 1918 4 95,00
95,00
Frankt. Hyp.-Bk. pr. 1910
96,00
do. 1915 .. . .
9650
1920 ...
do.
3½ 86,40
4 95,00) d. Ser. 1219.
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
3½ 86,50
unkdb. 1910
Frankt. Hyp.-Krod.-Ver.
94,00
Ser. 1542
94,.90
4849
do. . . . .
96,00
do. unk. 1922 52
8,00
do. 1915..
3½ 8650
do. Ser. 45 .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,.90
Scr. 12, 13, 16
9690
14, 15, 17
do. . . . .
1 97.40
do. unkdb. 1920 . . .
97.50
1923 .. ..
do.
84,20
do. Ser. 1, 2, 68 . . . .
84.20
35 . . ..
do.
34.20
do. kündb. 1915.
do. Komm. unk. 1913 4 96,90
1914 4 56,90t
do.
1916 4 97,10
do.
4 9740
1920
do.
. 1925 4 1 9750
do.
do. verlosb. u. kündb.. 3½ 84,20
unkdb. 19151 3½ 84,20
4o.
Meininger Hyp.-Bk. Pfdb. 4 94,60 (Siemens & Halske.
4 1 95,80
do. unkdb. 1922.
3½ 86,00
do. .
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
94,00
unkäb. 1917
93,75
1910
do. . . . ..
1921 4 94,00
do.::..
19241 4 96.20
do.:..
3½ 84,50
do. ... . . .
do. Komm. unk. 1923 . 4 95,20
4 1 96,00
1924
do.
4 9690
4 95,00Südd. Bod.-Krod.-Ptdbr.
8,40
do.
.. . . . . .

Bank-Aktien.
1Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich . . 10 1192,00
Berg.-Märkische Bank.
Berüiner Handelsges.. . . 8½ 152,50
6½ 116,60
Darmstädter Bank . .
Doutsche Bank. . . . . . .12½240,50
Deutsche Vereinsbank. . 6 (118.25
Dt. EMekt.- u. Wechs.-Bk. 6 (12,0
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 187,30 1Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (124.23
Dresdner Bank.
.. . 8½ 140601

Sesäih
Frankf. Hypothek.-Bankl 10 213.50
do. d0. Kred.-Ver. 8½ (155,60
Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ 116.501f
Nation.-Bank f. Deutschl. 6 1111,50
7 (12.50
Pfälzische Bank . . . . .
94,75 Reichsbank.
. . . . . . 8.43 /136.00
Rheinische Kredit-Bank: 7 (127.00
109,30
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver.
Wiener Bank-Verein . . . 8 1130,00
Aktien von Trans-
port
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 (128,00
§ (110,10
Forddeutscher Lioyd.
Frankfurt. Schleppschiff. 4 (116,00
Sücd. Eisenb.-Gesellsch.:6½ 131,00
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 1115,00
Baltimore .
.. . . . . 6 91½F
Ganads...
. . . . 10 1193,25)
Schantung.
. . . 7½ 139,65z
: 8 115500
Prinz Henry.
..0 20½
Lombarden . . . .
Pennsylvanis. . . . . . . . 6 1111,60
Industrie-Aktien.
28 1655,50
Badische Anilin-Fabrik
Chem. Fabrik Griesheim 14 (247,00
Farbwerke Höchst . . . . 30 (603.00
Ver, chem. Fabr. Mannh.: 20
10 (14550
Zement Heidelberg
Chemische Werke Albort 30 1446,00
Holzverkohl. Konstanz 15 307,00s
6
Lahmeyer
8 (146,20
Schuckert, Mürnberg.
12 1211,55
Bergmann Elektr. .
5 1121,25
Allg. Elektr.-Gesellsch
14 (242,00
25 354,00
Hagen Akkum.:
Deutsch. Übersee-Elek
1I (175,40
0 8000
Gummi Peter
25 336,00
Adler-Fahrradwerke .
Maschinenfabr. Badenia 6 1130,00
Wittener Stahlröhren . . 0
Motoren, Oberursel
..8½ 1155,00
Gasmotoren, Deutz.
3 12050
Sicmens Glas-Industr.
15 (2000
Enzinger Filter
23 (28500
Stoaus Romgna
10 (143,25
Zellstoff Waldhof
15 1178,50
Bad. Zucker-Waghäusel.12,83/220,50
Neue Boden-Aktien-Ges..
82,50
Süddeutsche Immobilion
60,50
1Bergwerks-Aktien.
Aumetz-Friede .
2 (155,00
Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 220,25
Leonhard, Braunkohlen.
0 (15607
Konkordia Bergbau .
23 (35900
Eschweiler . . . . . . .
500
10

foe
Gelsenkirchen Bergw. . . 11 179,75
Harpen Bergbau. . . . . .11 176.50
Kaliwerke Aschersleben . 10 (136,80
Kaliwerke Westeregeln . 13 201,75
Königin Marienhütre
6 81.,00
Laurahütte
§ 1143,00
Oberschles. Eisenbed.
6 1 82,80
Oberschl. Eisen-Industrie
3 68,25
Phönis Bergbau :
18 (23055
Rheinische Braunkohlen 10 225,00
Riebeck Montan:
12 (192,50
South West.-Afr. Shares . 5 1116,00
Vorzinsliche
Anichenslose.
2t.
Badische
TIr. 100 4
Cöln-Mindener . Tlr. 100 3½142,40
Holländ. Komm. . A. 100 3 115,55
Madrider
. Frs. 100 3
Meininger Präm.-Pfdbr. . 4 141,00
Osterreicher 1860er Lose.
Oidenburger. . . . TIr. 40 3 127,50
Raab-Grazer . . . . H. 1502½112,50
Mk.
Unverzinsliche
ſp. St.
Anlehenslose.
H. 7 35,00
Augsburger . .
TIr. 20 1201,70
Braunschweiger
Mailänder
Fs. 45
Fs. 10 41,00
do.
. A. 7 37,50
Meininger

H. 100 594,00
Osterreicher v. 1864
v. 1858 . Hl. 100 (534,00
do.
u. 100
Ungar. Staats .
. Fs. 30 75,00
Venediger
Türkische . . . . .. Fs. 400
Gold, Silber und
Bänfenoten.
20,44
Engl. Sovereigns. . . . .
16,25
20-Franks-Stücke . . . . . .
415
Amerikanische Noton .
20,51
Lnglische Noten. . . . . ..
81,40
Französische Noten. . . . .
. (169,20
Holländische Noten .
81,15
Italienische Noten . . . . .
Osterr.-Ungarische Noten. . 85,10
Rusische Soten. . . .. . . .
Schweizer Noten.. . . . . . 31,40
Reichsbank-Diskont .
do. Lombard Zsf.
Tendenz:
Ziemlich fest.

Bandel und verkehr.

Frankfurt a. M., 12. Mai. (Börſe.) Zu Be=
ginn
der heutigen Börſe war die Stimmung gegenüber der
geſtrigen luſtloſen Haltung kaum verändert. Im weiteren
Verlauf konnten ſich die Kurſe jedoch, ausgehend vom
Montanmarkte, weſentlich erholen. Die geſtern ſchon be=
kannt
gewordene Meldung, daß auf dem Stabeiſenmarkt
größere Nachfrage herrſche, ſowie die Hoffnungen, daß die
in den nächſten Tagen ſtattfindenden Verhandlungen das
Zuſtandekomnen des Röhrenſyndikats bringen werden,
waren von günſtigerem Einfluß auf die Kurſe. Neben
Montanwerten waren Elektrizitätsaktien in Nachfrage auf
günſtiger lautende Mitteilungen aus dieſem Induſtrie=
zweige
. Transportwerte waren vernachläſſigt. Schantung=
Bahn=Aktien ſchwach. Die gebeſſerte Stimmung hielt bis
zum Schluſſe an und iſt die Tendenz als ziemlich feſt zu
bezeichnen. Die Kurſe des Kaſſamarktes zeigten im allge=
meinen
keine weſentlichen Veränderungen gegen geſtern.
Höher notierk ſind Scheideanſtalt mit 2 Prozent, wogegen
Chemiſche Werke Albert=Aktien und Faber u. Schleicher
je 4 Prozent, Maſchinenfabrik Eßlingen 5 Prozent,
Naphtha. Nobel 3 Prozent im Kurſe nachgeben mußten.
* Frankfurt a. M., 12. Mai. Durch verſchiedene
Blätter gehen ſenſationelle Meldungen über einen Preis=
ſturz
am Perlenmarkt. Es beſteht zwar eine ge=
wiſſe
Geſchäftsſtille, die mit der allgemeinen Konjunktur
zuſammenhängt: die Lage am Perlenmarkt iſt aber durch=
aus
normal, und ein Preisrückgang hat nicht ſtattgefunden.
W. Berlin, 11. Mai. In der Sitzung des Auf=
ſichtsrates
der Deutſch=Ueberſeeiſchen Elek=
trizitätsgeſellſchaft
wurde die Bilanz für 1913
vorgelegt. Die Bruttoeinnahmen betragen 31356920 Mk.
(im Vorjahre 29 499 607 Mk.). Nach Deckung der Un=
koſten
Zinſen und Pachten verbleiben 21607568 Mk.
(20 911852 Mk.), wovon 6 674585 Mk. (6 162 474 Mk.) für
Abſchreibungen und Reſerven, ſowie 180000 Mk. für Rück=
ſtellung
und Talonſteuer verwendet werden ſollen. Der
Vortrag erhöht ſich auf 586 102 Mk., woraus der Wehr=
beitrag
zu entnehmen iſt. Der Generalverſammlung wird
eine Dividende von 11 Prozent, wie im Vorjahre, auf das
geſamte, 120 000 000 Mark betragende Aktienkapital vorge=
ſchlagen
, wovon im Vorjahre 20000000 Mark nur halb
dividendenberechtigt waren.

Landwirtſchaftliches.

* Die Maul= und Klauenſeuche iſt feſtgeſtellt
in Nieder=Ingelheim, Kreis Bingen, in dem
Viehſtand eines Metzgers und Händlers. Der ganze Be=
ſtand
iſt abgeſchlachtet. Die Seuche iſt ferner ausge=
brochen
im Gehöft eines Viehhändlers in Hersbruck
in Bayeriſch=Mittelfranken; ferner in dien Bezirken
Memmingen und Donauwörth in Bayeriſch=
Schwaben.
H Frankfurt a. M., 12. Mai. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt trat größere Kaufluſt auf,
dabei war aber das Angebot ſehr mäßig; insbeſondere
feinere Qualitäten Landweizen nur vereinzelt vorhanden
und recht feſt; ebenſo ausländiſcher Weizen und Land=
roggen
ſtärker gefragt bei anziehenden Preiſen. Hafer
höher bezahlt bei kleinem Vorrat, ſo daß auch mindere
Sorten ſtark abgeſetzt wurden. Mais und Gerſte waren
ruhig, aber ſtetig, Futtermittel preishaltend. Die For=
derungen
für Mehl ſind erhöht.
Der Mannheimer Getreidemarkt war feſt.
An der Berliner Produktenbörſe war Ge=
treide
ſchließlich abgeſchwächt. beſonders Roggen auf Mai=
andienungen
. Abgaben der Provinz und den Mangel an
Käufer in Nordrußland. Auch Hafer auf Lieferungen
Medriger. Lokoware blieb noch gut behauptet. Nach den
letzten Kabelnachrichten von den amerikaniſchen
Getreidemärkten (Neu=York und Chilago) waren
Weizen und Mais bei Eröffnung williger auf den baiſſe=

lautenden Ausweis der Weltverſchiffungen, dann aber
wurde die Stimmung angeregter und feſter auf hauſſe=
lautende
Berichte aus Buenos Aires, umfangreiche Ver=
ſchiffungen
von den Seeplätzen und Käufe der Firma Ar=
mou
: (für Weizen per September und für Mais Juliware)
Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche von
45,53 Mill. Buſh. auf 40,05 Mill. Buſh. und die Maisvor=
räte
von 9,38 Mill. Buſh. auf 7.27 Mill Buſh zurückge=
gangen
. Die Anbaufläche für Winterweizen umfaßt nach
dem Bericht des Ackerbaubureaus der Unionſtgaten nach
Abzug der aufgegebenen Flächen 35 387000 Aeres gegen
30 938 000 Acres im Vorjahre Der Ertrag per Aere wird
mit 17,8 Buſh. gegen 16,6 Buſh. im Vorjahre angegeben.
Der Ertrag von Roggen wird auf 44 Mill. Buſh. geſchätzt.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer 21,8522, Norddeut=
ſcher
21,9022. Kurheſſiſcher 21.8522, Rumäniſcher 22.50
bis 23,25. Laplata 2323,50. Ruſſiſcher 22.5023,50, Red=
winter
22.50 23,25. Manitoba 22,2523,25, Kanſas 22 bis
23, Walla=Walla 2223; Roggen, hieſiger 17,5017,75,
Bayeriſcher 17,5017,75; Gerſte. Pfälzer 17,2517,75,
hieſige und Wetterauer 1717,50, Riedgerſte 16,7517,25,
Fränkiſche 16.5017,50; Hafer, hieſiger 17,5018,50,
Bayeriſcher 17,7518,75, Ruſſiſcher 1819, Amerikaniſcher
17,2517,75. Rumäniſcher 1818,75; Mais. mired 14.80
bis 15, Ruſſiſcher 1515,25, Donaumais 14,7515.25, Ru=
mäniſcher
1515,25. Laplata 1515,25, Weißer Mais 15
bis 15,20; Weizenſchalen 10,7511; Weizenkleie 10,50 bis
10,75; Roggenkleie 1111.50; Futtermehl 1314; Bier=
treber
, getrocknet 12,7513; Futtergerſte 13,2513,75;
Weizenmehl hieſiges (Baſis ab Mannheim) Nr. 0 31
bis 31,25. feinere Marken 31.5031,75. Nr. 1 29,2529,50,
feinere Marken 29,7530. Nr. 2 28.5028.75, feinere Mar=
ken
2929,25, Nr. 3 26,50 26.75, ſeinere Marken 2727,25,
Nr. 4 22.5022,75, feinere Marken 2323,25; Roggen=
mehl
, hieſiges Nr. 0 2525,25, Nr. 1 22,2522,75, Nr. 2.
2020.25.
FC Frankfurt a. M., 12. Mai. (Heu= und
Strohmarkt.) Man notierte: Heu 3,003,20: Stroh
ſehlte. Alles per 50 Kilo. Geſchäft: Schleppend Die Zu=
fuhren
waren aus den Kreiſen Friedberg, Dieburg und
Hanau.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 5. bis 11. Mai.
Die Berichtswoche hat endlich die erſehnten Nieder=
ſchläge
gebracht, die, wenn auch nicht überall ausreichend,
ſo doch von großem Nutzen für die Felder waren. Die
amtlichen Berichte von Anfang Mai konſtatieren in Ueber=
einſtimmung
mit den wöchentlichen Beobachtungen der
Preisberichtſtelle einen Rückgana des Roggenſtandes um
2 Punkte; Wieizen und Futterpflanzen erfuhren ungefähr
die gleiche Begutachtung wie vor einem Monat. In Ame=
rika
haben die Felder ihren guten Stand beibehalten, ſo
daß bei der bedeutend vergrößerten Anbaufläche eine
Rekordernte in Ausſicht ſteht. Ueber Rußland liegt ein
günſtiger amtlicher Bericht vor, während nach privaten
Mitteilungen im Süden Beſorgniſſe wegen andauernder
Trockenheit beſtehen. Auch in Rumänien klagt man über
Regenmangel. In Ungarn hat die andauernde Trocken=
heit
die Ausſichten weiter verſchlechtert was in Verbin=
dung
mit dem empfindlich fühlbaren Mangel an Ware
eine neuerliche Preisanſpannung zur Folge hatte. Auch
in Deutſchland hat ſich die Situation in der letzten Woche
noch mehr zugeſpitzt, und bei ſehr ſpärlichem Angebot und
dringender Nachfrage der Mühlen, ſowie der Exporteure
nahm die Aufwärtsbewegung einen ſprunghaften Charak=
ter
an. Trotz Beendigung der Feldarbeiten blieben die
Zufuhren ſchwach, und man erkennt allmählich, daß die
Ernte weniger ergiebig war, als man nach den hohen Er=
tragsſchätzungen
bisher angenommen hat. Zweifellos
beſtand ein erheblicher Prozentſatz der Ernte aus nicht
marktfähigem Getreide, das in der eigenen Wirtſchaft ver=

wendet werden mihſe nd and derüunſand deßs dies=
mal
weſentlich mehr Rohſtoff zur Erzeugung des gleichen
Mehlquantums als ſonſt erforderlich war dürfte bei Be=
urteilung
der Lage in Rechnung zu ſtellen ſein. Dazu
kommt, daß viel Material vom Export abgelenkt wurde,
da die Preiſe ſtets erheblich niedriger waren, als auf dem
Weltmarkte. Beſonders ſcharf war die Preisſteigerung in
der Berichtswoche wieder für Roggen aber auch für
Weizen und Hafer mußten weſentlich höhere Forderungen
bewilligt werden. Im Lieferungsgeſchäft erfolgten um=
fangreiche
Deckungs= und Meinungskäufe, und erſt zum
Schluß trat auf die Nachricht, daß der ruſſiſche Reichsrat
die Zollvorlage angenommen habe, eine Abſchwächung
ein. Futtergerſte war von Rußland höher gehalten; auch
Mais war auf ungünſtige Wetterberichte vom La Plata
feſt und teurer. Es ſtellten ſich die Preiſe für inländiſches
Getreide am letzten Markttage wie folgt:

Weizen
Roggen Hafer
Königsberg.
173 (**11) 170 (*5
Danzig
170 (*8 ) 172
Poſen
200 (*6 ) 165 (47 ) 159
Breslau.
. 197 (46 ) 162 (*1) 157
5
205 (45 ) 172 (47 ) 182
Berlin
Magdeburg . 200
168 (75 ) 169 (*2
Halle .
. 203 (*6 ) 172 (49 ) 178 (*4
Leipzig
.200 (47 ) 175 (*11) 175 (*6
Dresden
210 (*6 ) 172 (*7) 174 (*5
190 (4-4 ) 165 (*9 ) 164 (*9
Roſtock
. 208 (*6 ) 174 (*8 ) 176
Hamburg
Hannover
. 198 (45 ) 170 (46 ) 174 (*6
Düſſeldorf
. 207 (*2 1 172 (*3 ) 186 (41
Köln
207 (*4 ) 170 (*2.) 177
Frankfurta. M. 216 (*6 1 177½ (47½) 185 (45
180 (*10) 187½ (5
Mannheim . . 212½(
172½
Straßburg . . 205
180 (45
München . . 214
170 (*3 ) 170

Weltmarttpreiſe: Weizen: Berlin Mai 208 (T 81,
Peſt Mai 231,90 (* 6,10), Paris Mai 231,60 (*6,15),
Liverpool Juli 164,70 (* 1,85), Chikago Mai 144,30
(F1,55), Roggen: Berlin Mai 173 (*-0.25), Hafer Berlin
Mai 165 (43,50), Futtergerſte Südruſſ. frei Hamburg
unverzollt ſchwim. 114 (3), Mai 113,25 (* 3,50), Mais:
Argent. Mai/ Juni 108,50 ( 4,50), Donau ſchwim. 109,50
(*4.050 Mark.
* Amtliche Veröffentlichung der Ergebniſſe der großen
landwirtſchaftlichen Zählungen im Großherzogtum Heſſen.
Die Ergebniſſe der landwirtſchaftlichen Zählungen (des
landwirtſchaftlichen Anbaues, der Vieh= und Obſtbaum=
zählungen
uſw.) werden von der Großherzoglichen Zen=
tralſtelle
für die Landesſtatiſtik regelmäßig in den von ihr
herausgegebenen Mitteilungen veröffentlicht. Es kann
dies jedoch, des großen Umfangs wegen, in der Regel nur
für die 18 Kreiſe und nicht für die rund 1000 Gemeinden
des Großherzogtums geſchehen. Nunmehr ſoll jedoch, auch
auf Anregung der Landwirtſchaftskammer, eine große Ver=
öffentlichung
in den von der Großh Zentralſtelle ebenfalls
herausgegebenen Beiträgen zur Statiſtik des Großher=
zogtums
Heſſen, alſo nicht in den Mitteilungen vorge=
nommen
werden. Aus dieſer Veröffentlichung wird man
für jede Gemarkung erſehen können, wie ſich die Geſamt=
fläche
auf die einzelnen Kulturarten (Acker, Wieſe, Wein=
berg
. Wald uſw.) und auf den Anbau der verſchiedenen
Feldfrüchte verteilt. Sie wird ferner für jede Gemeinde
die Größe des Viehbeſtandes nach Viehgattungen und
auch die Zahl der Obſtbäume nach Obſtbaumarten nach=
weiſen
. Eine ſolche Veröffentlichung iſt in dieſer Aus=
führlichkeit
früher noch nicht erſchienen und wird ſicher das
Intereſſe weiter Kreiſe finden. Um die Höhe der Auflage
bemeſſen zu können, werden diejenigen, welche ſich ein
Exemplar der Arbeit ſichern wollen, gebeten, dies der
Großh. Zentralſtelle für die Landesſtatiſtik zu Darmſtadt
möglichſt bald mitzuteilen und gegebenenfalls auch den
ſehr niedrigen Vorzugspreis von 60 Pfg. durch Poſtanwei=
ſung
einzuſenden.

[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131.

5 2
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Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Seite 19.

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131.

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[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

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[ ][  ][ ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Nummer 131.


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Turnen, Spiele und Sport.

* Fußballklub Olympia Darmſtadt. Es wird noch=
mals
auf die am 14. und 15. Mai dieſes Jahres auf dem
Sportplatze des Fußballklubs Olympia an der Heidel=
berger
Straße unter Leitung des Sportlehrers Herrn W.
Dörc, ſtattfindenden Uebungskurſe für Leichtathletik hin=
gewieſen
. Es ſollte niemand, der Intereſſe für genannten
Sport hat, die Gelegenheit verſäumen, ſich die Grundlage
für die mannigfaltigen Uebungen anzueignen. Auf dieſe
Weiſe iſt es jedem, der ſeinem Körper die ſo überaus not=
wendige
Kräftigung geben will, leicht gemacht, es jetzt
nachzuholen. Nur bei zahlreicher Beteiligung iſt es mög=
lich
, die Uebungskurſe in Zukunft wiederholen zu können.
Es wird noch bemerkt, daß ein jeder ohne Ausnahme an
denſelben teilnehmen kann, gleichviel, ob er einem Verein
angehört oder nicht. Es ſoll eben für jedermann Gelegenheit
geboten ſein, an den Kurſen teilzunehmen.
Anläßlich des am letzten Sonntag auf dem Sport=
platz
an der Heidelberger Straße ſtattgefundenen Fußball=
Wettkampfes wurden während der Pauſe leichtathletiſche
Uebungen vorgeführt. Es wurde Diskus= und Speer=
werfen
, Kugelſtoßen, Hammerwerfen geübt, Ferner kurze
und lange Strecken gelaufen. Der Fußballklub Olympia
verbindet mit dieſen Uebungen, die jetzt bei jedem hier
auszutragenden Fußballſpiel vor ſich gehen ſollen, die Ab=
ſicht
, das Publikum für den Leichtathletikſport zu inter=
eſſieren
, und jetzt ſchon auf das im Juli ſtattfindende
Sportfeſt aufmerkſam zu machen. Letzteres findet im
Gegenſatz zu den früheren Jahren dieſes Mal an zwei
Tagen ſtatt. Es beginnt bereits Samstag mittags mit
den Konkurrenzen für Akademiker und Schüler. Die Unter=
handlungen
mit auswärtigen in der Sportwelt bekannten
Vereinen ſind zum Teil ſchon mit ſehr guten Erfolgen
beendet worden, ſo daß man auf das Sportfeſt in bezug
auf Beſetzung der einzelnen Konkurrenzen berechtigte
Hoffnungen ſetzen kann.
* Lawn Tennis. Die Lawn Tennis=Meiſterſchaft
von Süddeutſchland im Herrendoppel wird vom 25. Mai
ab in Frankfurt entſchieden. Gleichzeitig finden die
Meiſterſchaften von Frankfurt im Damen= und Herren=
einzel
ſtatt. Weitere Städtemeiſterſchaften haben ausge=
ſchrieben
: 21 Mai Hamburg und Darmſtadt Herren=
einzel
, 30. Mai Würzburg Herren= und Dameneinzel, 7.
Juni Karlsruhe Herreneinzel. Die deutſchen Hochſchul=
meiſterſchaften
kommen in Würzburg vom 30. Mai bis 2.
Juni zum Austrag. Auch in dieſem Jahre findet ein
Klubkampf zwiſchen dem Tennis=Club de Paris und dem
Berliner Lawn Tennis=Turnierkluh ſtatt, und zwar dies=
mal
in Berlin. Die Kämpfe beginnen am 21. Mai. Bei
der erſten Begegnung im vergangenen Jahr in Paris
hatten die Pariſer leicht geſiegt.
* Die Taunushöhenfahrt über 308 Kilometer mit
Höhendifferenzen von über 700 Meter auf durchweichten
Straßen, bei Regen und Hagelwetter, wurde unter 25
Konkurrenten auf Opel gewonnen. Die zirka 80 gehei=
men
und Hauptkontrollen wurden von den drei ſiegreichen
Opelwagen auf Sekunden genau nach vorberechneter Zeit
paſſiert. Größere Regelmäßigkeit und Zuverläſſigkeit von
drei Wagen einer Marke wurden noch nie erreicht. Opel
erhielt 44 Preiſe, davon Göbel=Wiesbaden den erſten,
Heinrich Opel den zweiten und Karl Henkell= Wies=
baden
den fünften Preis.
sr. Radrennen. Revanchematch Kramer=
Rütt. Die kleine Holzbahn in Newark bei Neu=York
brachte am Sonntag die zweite Begegnung der beiden
Flieger=Weltmeiſter Kramer und Rütt. Nicht weniger als
15000 Zuſchauer wohnten demKampfe bei, der einen ſenſa=
itionellen
Ausgang nahm, da alle drei Läufe ein ſehr knap=
pes
Reſultat brachten. Im erſten Lauf ging Kramer mit
Reifenſtärke vor Rütt über das Band. Der zweite Lauf
brachte nach dem Urteil des Zielrichters ein noch knappe=
res
Reſultat und endete in einem toten Rennen. Gegen
dieſe Entſcheidung proteſtierte das Publikum ſtürmiſch,
das Rütt als Sieger geſehen hatte. Der Einſpruch blieb
aaber ohne Erfola und es kam zu erregten Szenen. Erſt
als die beiden Akteure zum dritten Lauf antraten, legte
ſich der Lärm. Dieſer Lauf brachte das gleiche Ergebnis,
wie der erſte und endete wiederum mit einem Siege um
Reifenſtärke vor Kramer.

sr. Pferderennen. Hoppegarten. Preis von
öpenick; 5000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Geſtüt Myd=
linhovens
Cervis (Shurgold), 2. Meſſalina (Schläfke)
Corinth (Warne). Tot. 217110, Pl. 34, 18, 17:10. Unpl.:
Freimut (4), Orpheus, Schlauberger, Wunderlampe,
Omen. Sicher 2¾¾ Lg. Jetfoot=Handikap; 5000
Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn E. F. Guetſchows
Mondſtein (Olejnik), 2. Baltimore (F. Lane), 3. Ortrecht
(H. Blume). Tot. 26:10, Pl. 13, 15, 16:10. Unpl.: Verbre=
cher
(4), Eau de Cologne, Mispel, Varus, Magdalena,
Waſſerroſe, Querulo, Maſſai. Leicht Kopf-2¾/ Lg.
Strausberg=Rennen; 5000 Mark. Diſtanz 1400 Meter:
1. Herrn A. v. Schmieders Olifant (Slade), 2. Marathon
(Oleinik, 3. Lepidus (Zehmiſch). Tot. 59110, Pl. 17, 13,
37110. Unpl.: Staccionata (4), Patrick, Eichel, Alteſſe,
Wenn ſchon, Marius, Seeadler, Tivoli. Sicher 1 Lg. bis
Kopf¾4 Lg. Hammerfeſt=Rennen; 3600 Mark, Diſtanz
1600 Meter: 1. Freiherrn B. v. Cramms Villa (W.
Plüſchke), 2. Salvator (Blume), 3. Naide (Shatwell). Tot.
31:10, Pl. 19. 30.10. Unpl.: Garibaldi (4), Palaſtdame,
Ladoga. Ueberlegen 132 Lg. Chamant=Rennen:
13000 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Herren A. und C. von
Weinbergs Emperador (Shaw), 2. Colleoni (Slade),
3. Kröſus (Schläfke). Tot. 87110, Pl. 26, 20, 59110. Unpl.:
Orchidee II (4), Blumenſegen, Cairo, Livadia, Nabob,
Auſterlitz. Sehr leicht ¾½2 Lg. Mahlsdorfer Han=
dikap
; 3800 Mark. Diſtanz 1400 Meter: 1. Dr. J. Meyers
Ruth (Scheffer), 2. Marotte (W. Plüſchke), 3. Oranier
(Davies). Tot. 38:10, Pl. 12, 11, 11:10. Unpl.: Königs=
leutnant
, Julius Cäſar, Poſeidon, Lyſander, Riga,
Quagga. Leicht ¾¾1 Lg. Preis von Friedrichs=
felde
; 6200 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn J. Kühnes
Liſtig (Shurgold), 2. Logarithmus (Winter). 3. Noteleß
(W. Plüſchke). Tot. 107110, Pl. 24, 20:10. Unpl.: Grazie,
Trianon. Kampf, ½ Lg.-Kopf.
Saint=Cloud, 11. Mai. Prix des Marguerites;
3000 Francs, Diſtanz 2400 Meter: 1. Mſonſ. P. du Ver=
diers
Roſette (G. Stern), 2. Upſala (Bottequin), 3. Briſe=
roche
(Doumen). Tot. 47110, Pl. 36, 62110. Unpl.: Cice=
rone
(4), Ravaude, Imperieuſe. 1½1½2 Lg. Prix
des Greſſets: 5000 Francs. Diſtanz 1400 Meter: 1. Monſ.
Jam. Henneſſys Gobelin (Jennings), 2. Mont d’Or ( Lof=
tus
), 3. Holly Hill (M. Barat). Tot. 77110, Pl. 41. 23110.
Unpl.: Beaute du Diable (4), Gilles de Rais, Chlephte,
Calvados III. 824 Lg. Prix des Rochers; 5000
Francs, Diſtanz 1600 Meter: 1. Monſ. Rutgers Le Roys
Goldina (O'Neill), 2. Lord Godolphin (Mac Gee), 3. Ora=
pou
(M. Barat). Tot. 38:10, Pl. 15, 17, 19110. Unpl.:
Petit Suiſſe (4), Pandataria, Pie de Ger, Terminus,
Mignon Bro. Galliard, Ski, Coronium, Monſieur Ro=
dolphe
. 2½ Lg.-Hals-Hals. Prir des Rocailles; 3000
Francs, Diſtanz 900 Meter: 1. Monſ. L. Denaints
Najade IV (Garner), 2. Chiffe (Doumen), 3. Courtiſan
O'Neill). Tot. 41:10, Pl. 14. 16. 15:10. Unpl.: Pamp=
lona
(4), Soudine, Folle Careſſe, Chantemerle, Mem=
bakut
. 21 Lg.-Hals. Prix de la Cite; 5000 Francs,
Diſtanz 2200 Meter: 1. Monſ. Jam. Henneſſys L’Impe=
tueux
(Jennings), 2. Tattoo (Marſh), 3. Legende Doree
(Lemmel). Tot. 72:10. Pl. 27, 132, 25:10. Unpl.: Patrick,
Plaiſir de Amour, Montagagne. Samara, Don Ceſar,
Lucknow, Fidelia, Captal de Buch, Snow Storm, Oryure.
1½11 Lg. Prix de Chapet; 5000 Francs, Diſtanz
2000 Meter: 1. Monſ. J. de Bethmanns Morbihan (J.
Reiff), 2. Charing Croß III (Bellhouſe), 3. Bon Voiſin
(Mac Gee). Tot. 28:10, Pl. 16, 16110. Unpl.: Chouchoute,
Limon, Alerte VI. 342 Lg.

Literariſches.

Ein Pyrrhusſieg Roman von L. Perenna.
(Reflektor=Verlag, Berlin=Hallenſee). Der Verfaſſer perſteht
es, mit ſeiner in friſchem, lebendigen Tone geſchriebenen
und von feinem äſthetiſchen Empfinden getragenen, lebens=
wahren
Darſtellung des Lebens= und Leidensweges der
Heldin ſeines Romans, einer armen Waiſe, das Intereſſe
bis zuletzt wach zu erhalten. Der nach ſchweren, äußeren
und innerenKämpfen errungene Zuſtand derSeelenruhe und
Abgeklärtheit, in den Perenna das tragiſche Geſchick einer
modern veranlagten, edlen Frauenſeele, die in der Liebe
die Verklärung des Lebens ſieht, ausklingen läßt, zeugt von
eingehendem Studium des Frauenherzens und von dem
hohen Ernſt, mit dem er ſich ſeiner Aufgabe unterzogen
hat. Dabei verfügt Perenna über ein nicht gewöhnliches
Maß ſcharfer Lebensbeobachtung und ſeine den
ſpannenden Gang der Handlung begleitenden, inter=
eſſanten
Milieuſchilderungen und ſtimmungsvollen Natur=
beobachtungen
ſind wertvolle Beigaben eines liebens=
würdigen
Erzählertalentes, das dem vorliegenden Romane
einen zahlreichen, dankbaren Leſerkreis ſichern dürfte.

Gewinnauszug
der
4. Prenßiſch-Füddentſchen
(230. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotterie
5. Klaſſe 3. Ziehungstag 11. Mai 1914

Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.

(Ehne Gewähr u. St.=A. .3.)
(Rachdruk verdoten)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
4 Gewinne zu 15000 Mk. 186093 204132
4 Gewinne zu 10000 Mk. 140047 153445
6 Gewinne zu 5000 Mk. 86299 188929 210418
88 Gewinne zu 3000 Mk. 89 2762 3179 8890
14122 16258 24515 27535 32883 34519 40758 45154
52639 54797 65308 66871 59464 72498 77839 86798
88717 100918 102479 111783 145199 154628 162704
167246 168109 170275 179280 181476 165672 188484
188827 197291 199246 210157 212246 225481 226606
227661 229333 229952
180 Gewinne zu 1000 Mk. 1434 4365 5518 5735
5896 9635 9955 10030 14542 14634 15770 17882
17905 23165 32230 35170 36631 37305 40223 44045
46490 53806 54265 58355 70068 75186 77570 78284
81085 82727 87794 88284 88732 90657 96238 98134
99610 104772 106357 107443 111537 113878 116735
118413 119691 120493 122014 122509 128320 129767
131780 133862 135088 139124 141170 152871 153253
156045 157946 161391 161596 161820 163281 164941
166092 170548 174100 174232 174249 178155 178294
179366 180610 191271. 192713 198870 200045 206074
207896 210636 216690 220737 222102 222103 223667
223748 224216 227433 227979 229860
206 Gewinne zu 500 Mk. 1452 4949 11382 12224
14152 15214 16807 20205 23487 26338 26828 27353
28153 30121 31609 35539 38026 49856 52637 52991
65917 55974 69452 59897 63766 64549 67213 67248
67406 67573 67862. 70157 72681. 72774 73249 75855
76984 79073 79468 82836 85355 86058 86138 86350
88418 90499 92248 95994 97342 101300 101335 103967
104334 109070 111220 111950 117048 120384 134571
136956 137324 137617 141577 142125 143075 143247
146727 151312 151590 157150 157806 158692 162176
165607 166258 166830 169621 171744 177074 177832
178093 181520 183086 183262 184267 187265 188024
189065 190160 193390 194556 201919 206989 211102
215123 218385 219063 226272 226877 226058 226609
230359 231072
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 30000 Mk. 134157
4 Gewinne zu 5000 Mk. 37427 165927
66 Gewinne zu 3000 Mk. 2799 9642 13514 16982
28532 40206 41888 56067 56509 71061 76776 78985
86209 100880 114998 124743 125681 138387 147678
156777 2169227 170041 172571 180974 182177 188475
190860 198389 200666 207635 208039 220157 222789
188 Gewinne zu 1000 Mk. 6264 6808 16174 20850
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151420 152560 161607 162046 164312 164542 164844
166005 166176 168819 170679 173361 177331 180469
162626 163696 184626 185353 186752 188790 190433
191408 192456 193680 193901 195756 197236 198938
202205 212221 212704 213001 213187 218081 219820
221249 221859 227567
230 Gewinne zu 500 Mk. 2369 6552 6774 7839
9971 12137 14076 23560 26247 26679 32266 32599
32615 33285 38772 40002 40688 40989 45085 47036
49723 52862 61243 61595 62458 62859 63334 64348
71431 76214 77249 81879 83972 86049 86894 88246
88701 91774 95725 97441 98527 101321 108253 109358
113894 114897 117254 117830 117929 118887 121478
121594 121761 123166 123949 126530 126760 127656
127760 128601 128671 137576 139275 139688 140661
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157881 159300 163610 165891 166149 168901 169747
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186739 188295 188732 190435 190833 191278 191593
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[ ][  ][ ]

Nummer 131.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 13. Mai 1914.

Seite 23.

Naribhaniberare Partet
Sormſrabt.
Oeffentliche Verſammlung

am Samstag, den 16. Mai, abends 8½ Uhr,
im Kaisersaal, Grafenstrasse.
Redner:
Oberverwaltungsgerichtsrat Schiffer,
Mitglied der Reichstags und des
Preußiſchen Abgeordnetenhauſes

über:

(11928mfs

DiepolitiſcheLag=

Freie Ausſprache.
Es ladet freundlichſt ein
Der Vorstand.

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Dr. med. Oberdörffer von Schloss Rheinburg
hält
am Mittwoch, den 13. Mai, Sprechstunden ab
vormittags von 1012 Uhr, nachmittags von 46 Uhr
in dem von ihm geleiteten Institut
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Die verordneten Kuranwendungen können im Institut
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Samstag, den 16. Mai, 5 Uhr und 8¼ Uhr,
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Robert Schumann.
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.L. Sturmfels
Die Baſe
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Balkonloge 5.20 , 1. Rang 4.70 ,
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2. Galerie 0.75 .
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im Hoftheater von 9½1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 81 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der Vor=
ſtellung
. (Im Verkehrsbüro wer=
den
auch telephoniſch Kartenbe=
ſtellungen
entgegengenommen.
Telephon Nr. 1582.)
Anfang 7½ U. Ende 10 U.
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Vorſt. C 42. Fidelio. Kl.
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Freitag, 15. Mai. 167. Ab.=Vſt.
D 42. Gerhart Hauptmann=Zyklus.
Zweiter Abend. Zum erſten Male
viederholt: Hanneles Him=
melfahrt
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fang
8 Uhr.
Samstag, 16. Mai. Keine Vor=
ſtellung
.
Sonntag, 17. Mai. Außer Ab.
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Abend: Kain und Abel
(Uraufführung). Oper in einem
Akt von Felix von Weingartner.
Hierauf, zum erſten Male:
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: Eigentumrechtes bis zum Ausgleich für den kompletten Apparat 60 Mk. und für jede
Pathé-Doppelplatte Mk. 3.30 in Monatsraten von 4 Mark, vom Ablauf der Probezeit
beginnend. Erfüllungsort ist Breslau. (Falls nur 20 Stücke auf 10 Platten bei 3 Mark:
* Monatszahlung gewünscht werden, sind die betreffenden Zahlen zu ändern.)

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Ort und Datum

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Bitte abtrennen und ausgefüllt einsenden.
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ohne daß sich der Preis unseres trichterlosen Apparates auch nur um einen Pfennig erhöht. Sie
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zu entrichten, bis Apparat und Platten bezahlt sind. Bei Nichtgefallen tragen Sie
lediglich die minimalen Spesen der Hin-und Rücksendung. Sie können auch gleich
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