Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 71., Donnerstag, den 12. März.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 24 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

UUeber die Beſoldungsvorlage wurde geſtern abend
zwiſchen den Ausſchüſſen der beiden Kammern und der
Regierung eine vollſtändige Einigung er=
zielt
.
2 Der Reichstag erledigte geſtern in zweiter Leſung die
Etats für Togo, Neu=Guinea, Samoa und
Oſtafrika.
In der franzöſiſchen Kammer gab der Miniſter=
präſident
Doumerque ein Expoſé über die aus=
wärtige
Politik Frankreichs.
Nach einer amtlichen Meldung aus Madagaskar hat
ein Zyklon in der Nacht vom 2. zum 3. ds. Mts im
Nordoſten der Inſel großen Schaden angerichtet. Meh=
rere
Fahrzeuge kenterten. Bei einer Ueberſchwemmung
ertranken 16 Eingeborene.
In Kioto (Japan) iſt eine aufſehenerregende Affäre auf=
gedeckt
worden, in die hohe Würdenträger des weſt= budd=
hiſtiſchen
Pontifikats verwickelt ſind. Fünf Ober=
prieſter
wurden bereits verhaftet. Sie
werden beſchuldigt, Geldſummen des Tempels unter=
ſchlagen
zu haben.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

25 Millionen
für Arbeiterwohnungen.

SR Kaum ein anderes Gebiet der ſozialen Fürſorge=
tätigkeit
iſt von ſo grundlegender Bedeutung für das Wohl
der arbeitenden Klaſſen wie die Wohnungsfrage.
In gleicher Weiſe, wenn auch vielfach auf verſchiedenen
Wegen, widmen ſich dieſem Zweige der Wohlfahrtspflege
gemeinnützige Beſtrebungen, Gemeinden und ſſonſtige
öffentliche Körperſchaften, unter ihnen die Landesverſiche=
rungsanſtalten
nicht zu vergeſſen, nicht zum letzten aber im
einzelnen die Bundesſtaaten und vor allem die Reichs=
regierung
, in der richtigen Erkenntnis, daß die Beſeitigung
des vorhandenen Notſtandes und die Verbeſſerung der
Wohnungsverhältniſſe den Angelpunkt bilden der geſam=
ten
ſozialen Frage überhaupt.
Dem Reichstag iſt ſoeben wiederum ein Geſetz=
entwurf
zugegangen zur Förderung des Baues
von Kleinwohnungen für Staatsarbeiter und ge=
ring
beſoldete Beamte. Der Entwurf ermächtigt den
Fiskus, Hypothekendarlehen bis zur Höhe von 25 Mil=
lionen
Mark zur Unterſtützung des ſtaatlichen Klein=
wohnungsbaues
zu übernehmen. Dieſe Art Hypotheken
ſollen zehn Jahre unkündbar beliehen werden. Für das
vom Reiche verbürgte Darlehen ſowie für etwaige Prio=
ritätsdarlehen
iſt eine Tilgung von mindeſtens ½ Prozent
für das Jahr in Ausſicht genommen. Zur Deckung der
vom Fiskus übernommenen Verpflichtungen iſt vom Rech=
nungsjahr
1915 ab eine angemeſſene Sicherheit bereitzu=
ſtellen
. Ferner iſt vorgeſehen, daß das Bürgſchaftsdar=
lehen
im allgemeinen 90 Prozent nicht überſteigen ſoll.
Die Bürgſchaft wird grundſätzlich nur den Hypotheken in
zweiter Stelle gewährt werden, und zwar unter der Be=
dingung
, daß auch das erſte Darlehen den Garantievor=
ſchriften
unterworfen wird. Durch dieſe Maßnahme wird
beabſichtigt, die Baugenoſſenſchaften zu entlaſten, ſowie
es ihnen zu erleichtern, Beleihungen über die mündel=
ſichere
Grenze hinaus zu angemeſſenen Bedingungen her=
beizuführen
.
Aus Reichshaushaltsmitteln ſind bislang für dieſen
Kleinwohnungsbau für Staatsarbeiter bereits 49 Mill.
Mark zur Verfügung geſtellt worden. Der neue Geſetz=
entwurf
führt zurück auf einen beſonderen Wunſch des
Reichstags, der darauf hinausläuft, daß das Reich ge=
meinſam
mit den Einzelſtaaten die Bürgſchaft für zweite
Hypotheken der Kleinwohnungsbauten gemeinnütziger
Baugenoſſenſchaften übernehmen ſollte. Iſt dieſem An=
ſuchen
des Reichstages von ſeiten der Regierung auch
nicht in vollem Maße entſprochen worden, bedeutet den=
noch
der neue Geſetzentwurf wiederum einen bedeutſamen
neuen Schritt auf dem Boden realer Sozialpolitik.
Bekanntlich betätigt ſich auch Preußen in umfang=
reichem
Maße in derſelben Richtung. Hier nahm die
ſtaatliche Wohnungsfürſorge für Arbeiter und kleine Be=
amte
ſchon im Jahre 1895 ihren Anfang, wo für den ge=
dachten
Zweck erſtmalig 5 Millionen Mark vorgeſehen
wurden. Für die Weiterführung des begonnenen Für=
ſorgewerks
wurden dann in den folgenden Jahren laufend

noch höhere Mittel bewilligt. Insgeſamt ſind ſpeziell in
Preußen auf dieſe Weiſe ſeit dem Jahre 1895 bis auf die
Gegenwart für die Zwecke der Wohnungsfürſorge rund
150 Millionen Mark ausgeworfen worden. Be=
teiligt
ſind hieran hauptſächlich die Reſſorts der Eiſen=
bahn
=, der Berg= und der Bauverwaltung. Der Mietzins
wird nur ſo hoch bemeſſen, daß die dem Staat erwachſenen
Selbſtkoſten gedeckt werden. Die Bedienſteten unterliegen na=
türlich
keineswegs etwa einem Zwange, ſolche Wohnungen
ausſchließlich benutzen zu müſſen. Bisher ſind in Preu=
ßen
in den letzten 19 Jahren ſeitens des Staates an 1600
derartige Wohnungen erbaut worden, und in etwa 15000
Fällen wurde aus den verfügbar gemachten Staatsmitteln
die Bereitſtellung billiger Genoſſenſchaftswohnungen für
Arbeiter und untere Beamte unterſtützt.

Miniſterpräſident Doumerque
über die auswärtige Politik
Frankreichs.

* In der franzöſiſchen Kammer erklärte bei der Be=
ratung
des Etats des Miniſteriums des Aeußern der Mi=
niſterpräſident
und Miniſter des Aeußern Doumergue:
Die Regierung hörte nicht auf, in allen Fragen mit
den Freunden und Verbündeten in vol=
lem
Einvernehmen vorzugehen. Die Beſpre=
chungen
, die ſtattgefunden haben, um friedliche Löſungen
für Schwierigkeiten zu finden, haben dies Einverneh=
men
Frankreichs mit dem verbündeten
Rußland und dem befreundeten England
noch verſtärkt, ein Einvernehmen, das koſtbar erſcheint, um
das europäiſche Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und den
Frieden zu wahren. Dies Vorgehen hat auch die anderen
Großmächte beeinflußt. Frankreich arbeitete daran, die
Spuren des Balkankonfliktes zu beſeitigen und
den Groll zwiſchen Frankreich und den befreundeten Na=
tionen
zu beſänftigen. Frankreich arbeitete durch ſeinen
Botſchafter in London an dem Werke der Verſöhnung und
Gerechtigkeit. Der Botſchafter in London mußte mit Klug=
heit
vorgehen, um nicht den Ausbruch eines allgemeinen
Krieges zu riskieren, den zu vermeiden das Beſtreben
aller Regierungen ſein muß. Zu dem Beſuche des Prinzen
zu Wied in den ſechs Hauptſtädten bemerkte der Miniſter=
präſident
, dieſe Beſuche beweiſen ſeinen Willen, Albanien
unabhängig zu erhalten. Die Mitwirkung Frankreichs iſt
allen denjenigen ſicher, die in dieſem Lande ohne Gewalt=
ſamkeit
die Ruhe wiederherzuſtellen ſuchen. Weiter zollte
der Miniſterpräſident der Haltung Rumäniens Anerken=
nung
, das ein wichtiger Faktor des Friedens auf dem Bal=
kan
bleibe Er wies darauf hin, daß ſich Frank=
reich
in friedlichem Sinne betätige be=
ſonders
auch in der Türkei. Dieſe würde nicht auf eine
finanzielle Unterſtützung rechnen können, wenn ſie den
Frieden ſtören wolle. Frankreich habe auch die verſchiede=
nen
ſchwebenden Fragen in Shrien geregelt und im Ein=
vernehmen
mit England und Rußland es
durchgeſetzt, daß durch die Einführung von Reformen die
Ordnung in Armenien wieder hergeſtelt wurde. Die drei
Mächte würden fortfahren, an der Feſtigung des otomani=
ſchen
Reiches zu arbeiten. Frankreich arbeitete auch im
Verein mit den europäiſchen Mächten, ſowie mit den Ver=
einigten
Staaten und Japan darauf hin, eine Zerſtücke=
lung
Chinas zu vermeiden und dort normale Zuſtände
wieder einzuführen.
Doumerque erklärte, daß die Beziehungen Frankreichs
zu. den Vereinigten Staaten und Japan von
Vertrauen getragen ſeien. Er erinnerte daran, daß die
franzöſiſchen Kriegsſchiffe ſich mit denen der anderen Na=
tionen
vereinigten, um die ſchwer geſchädigten Intereſſen
der Ausländer in Mexiko zu ſchützen, wobei ſie ſich je=
doch
einer Intervention enthielten. Wir vertrauen der
Regierung der Vereinigten Staten, da ſie Meriko am
nächſten liegen Sobald der Augenblick gekommen ſein
wird, werden wir Genugtnung für die verletzten franzöſi=
ſchen
Intereſſen verlangen. Bei der Beſprechung der Ma=
rokkofrage
ſagte der Miniſterpräſident: Die ſetzten Ab=
kommen
mit Spanien haben die Meinungsverſchiedenhei=
ten
beſeitigt, eine ſehr glückliche Annäherung und eine voll=
ſtändige
Eintracht in der marokaniſchen Verwaltung der
beiden Länder herbeigeführt. Doumerque ſtellte feſt, daß
überall das Beſtreben ſich ſiegreich gegen die Umtriebe
derjenigen behauptet, welche die Wirren begünſtigen.
Frankreich hat den feſten Willen zum Frie=
den
, aber es iſt ebenſo feſt entſchloſſen, nichts von ſeinen
materiellen und moraliſchen Intereſſen auf der Welt zu
opfern. Doumergue wies auf die Feſtigkeit des
Bündniſſes mit Rußland und die Freund=
ſchaft
mit England hin, die durch die einſtige Geg=
nerſchaft
nur verſtärkt werde In vollem Einvernehmen
mit ſeinem Verbündeten und Freunden verfolge Frankreich
in loyaler Weiſe ſeine Politik offen und ehrlich und ſei
entſchloſſen, in der Welt den Platz zu behaupten, der ſeiner
ruhmreichen Vergangenheit und Arbeit gebühre, geſtützt
auf ſein Her und ſeine Seemacht, die ſtart ſeien, nicht um
zu drohen, ſondern um Freiheit und Gerechtigkeit zu ver=
teidigen
.
Francais Delonele drückte ſeine Freude über
die Erklärungen Doumerques aus und vertrat ſodann die
Notwendigkeit der Wiederaufnahme der Beziehungen zum

Vatikan. Schließlich betonte der Redner, daß Frankreich
ſeinen Einfluß im Orient aufrecht erhalten müſſe und wies
auf die Bemühungen Italiens und Deutſchlands hin. Dar=
auf
ſprach er von der Vorbereitung des nächſten Konklave
von ſeiten Oeſterreich=Ungarns Italiens und Deutſch=
lands
. Jaurös ſtellte die Forderung, daß die von der
Türkei für die Anerkennung des Statusquo verlangten Ga=
rantien
von allen weiteren Mächten gefordert werden
ſollten, bevor man ihnen finanzielle Hilfe gewähre. Er
hoffe, die Regierung werde nicht ihre Zuſtimmung zu einer
franzöſiſchen Anleihe geben, um die Diktaturherrſchaft zu
ſtärken, die in China beſtehe. Miniſterpräſident Dou=
merque
antwortet, daß die Regierung ſich bezüglich
Chinas nach der internationalen Uebereinkunſt richten
werde. Darauf wurde die Weiterberatung vertagt.

Deutſches Reich.

Deutſchland und Rußland. Wie die Neue
Politiſche Korreſpondenz aus diplomatiſchen Kreiſen hört,
iſt der bekannte Petersburger Brief der Kölniſchen Zeitung
im Verkehr zwiſchen der deutſchen und der ruſſiſchen Di=
plomatie
nicht Gegenſtand einer amtlichen Behandlung ge=
weſen
. Selbſtverſtändlich hat der überall beſprochene Ar=
tikel
auch in diplomatiſchen Unterhaltungen Erwähnung
gefunden; aus den amtlichen Beziehungen aber ſcheidet er
mit der Feſtſtellung aus, daß es ſich um eine journaliſti=
ſche
Privatarbeit handelte.
Ein Etatsnotgeſetz wird in den nächſten
Tagen dem Reichstag zugehen, da eine Verabſchiedung
des Etats bis zum 1. April ziemlich unwahrſcheinlich ge=
worden
iſt. Durch das Notgeſetz wird, wie in früheren
Jahren, der Reichskanzler ermächtigt, die notwendigen
Ausgaben über den 1. April hinaus zu leiſten. Ebenſo
hat der Kanzler die Ermächtigung, die bereits in Angriff
genommenen Bauten fortzuſetzen.
Die Novelle zum Kaligeſetz wird, ver=
ſchiedenen
Blättern zufolge, dem Reichstage vorausſicht=
lich
vor der Sommerpauſe nicht mehr zugehen.
Streikpoſtenverbot. Wie eine Nachrichten=
ſtelle
berichtet, wird in Preußen binnen kurzer Zeit das
Streikpoſtenverbot ohne geſetzliche Maßnahmen durch Po=
lizeiverordnung
geregelt ſein. Nachdem bereits vor eini=
ger
Zeit in Rheinland und Weſtfalen durch Polizeiver=
ordnungen
entſprechende Anordnungen wegen der polizei=
lichen
Befugniſſe im Falle der Beſorgnis von Ruheſtörun=
gen
und Gefährdung der Sicherheit erlaſſen worden ſind,
hat der Miniſter des Innern, wie er bereits im Abgeord=
netenhauſe
mitteilte, die Oberpräſidenten der übrigen Pro=
vinzen
auf den Erlaß ähnlicher Verordnungen hingewie=
ſen
. Demgemäß erfolgt jetzt der Erlaß entſprechender
Vorſchriften. Auch in anderen Bundesſtaaten ſind Erwä=
gungen
im Gange, im Wege der Polizeiverordnung poli=
zeiliche
Vorkehrungen gegen das Streikpoſtenſtehen zu
treffen.
Gegen die Unſittlichkeit. Die bayeriſche
Abgeordnetenkammer hat einen Zentrumsantrag zur Be=
kämpfung
der öffentlichen Unſittlichkeit angenommen. Die=
ſer
Antrag verlangt, daß die Staatsregierung die unteren
Organe anweiſen ſoll, mit allen geſetzlichen Mitteln die
zunehmende Unſittlichkeit hauptſächlich in den Großſtädten
zu bekämpfen. Die Staatsregierung ſoll ferner im Bun=
desrat
dahin wirken, daß die Reichsgewerbeordnung ab=
geändert
werde zum Zwecke der Bekämpfung anſtößiger
Schaufenſterausſtellungen der Bekämpfung ferner der
Reklame für Antikonzeptionsmittel und ſchließlich auch
der Bekämpfung der Animierkneipen, Bars uſw., ſofern
ſie der Unſittlichkeit Vorſchub leiſten‟. Die Liberalen und
Sozialdemokraten ſtimmten dagegen, weil der Antrag
überflüſſig und in ſeiner Tendenz nicht hinreichend be=
gründet
ſei.
Sozialdemokratiſche Niederlagen.
Bei den Stadtverordnetenwahlen in Kaſſel ſiegte in der
dritten Wählerklaſſe mit 500 Stimmen Mehrheit die Liſte
der Bürgerlichen über die der Sozialdemokratie, ſo daß
jetzt nur noch ein Sozialdemokrat in der Stadtverordneten=
verſammlung
ſitzt. Die Krankenkaſſenwahlen für die
Wahlperiode 1914/1917 in den zweiundzwanzig pfälziſchen
Städten haben in neun Städten die Vorherrſchaft der ſo=
zialdemokratiſchen
Gewerkſchaften gebrochen. Die Leitung
der Kaſſen iſt an die chriſtlichen Gewerkſchaften überge=
gangen
. In 12 Stadtgemeinden behaupteten die Sozial=
demokraten
als Arbeitnehmervertreter ihre Vormachtſtel=
lung
, doch iſt ein allgemeiner Stimmenrückgang ( durch=
ſchnittlich
15 Prozent) der freien Gewerkſchaften zu ver=
zeichnen
. In den Arbeitnehmerausſchüſſen der pfälziſchen
Ortskaſſen ſtehen nunmehr den 449 ſozialiſtiſchen 397 chriſt=
lich
=gewerkſchaftliche Ausſchußmitglieder gegenüber=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Nummer 71

Ausland.

Italien.
Die Kabinettskriſis. Die Tribuna meldet:
Miniſterpräſident Giolitti bezeichnete dem König Sonnino
als den für ſeinen Nachfolger geeigneten Mann. Sonnino
war bereits 1906 Miniſterpräſident.
Frankreich.
Aus Marokko. Zu der Meldung, daß Frankreich
und Spanien in ihren Zonen in Marokko gegenſeitig auf
die auf den Kapitulationen beruhenden Rechte und Privi=
legien
verzichtet haben, wird offiziös hinzugefügt, daß die
franzöſiſche Regierung auch mit mehreren anderen Mäch=
ten
Verhandlungen eingeleitet habe, um von ihnen den
Verzicht auf die Kapitulationen zu erlangen.
England.
Englands Heer. Bei der Einbringung des Mi=
litäretats
im Unterhauſe erklärte Kriegsminiſter Seely:
Wir hatten außerhalb Englands 117000 Mann völlig mo=
biliſiert
; im Heimatlande ſelbſt waren 121000, ſowie
146000 Reſerviſten ſofort zum Dienſt verwendbar. Im
Falle einer Mobiliſierung würden wir in ſehr kurzer Zeit
eine Expeditionsmacht von 162000 Mann haben, alles
voll ausgerüſtet, Leute, Pferde, Geſchütze und Munition.
Im Falle einer plötzlichen Notlage in Friedenszeiten wür=
den
wir, allgemein geſprochen, 50000 Mann aller Waffen=
gattungen
in einigen Stunden bereit haben, um ſie irgend=
wohin
zu ſenden.
Balkanſtaaten.
Die Epiruspolitik der griechiſchen Re=
gierung
. Miniſterpräſident Venizelos beantwortete in
der Kammer die Angriffe der Oppoſition und verteidigte
die Epiruspolitik der Regierung.
Er erklärte, die Intereſſen zweier Großmächte ſeien
hier mit den Intereſſen Griechenlands zuſammengeſtoßen.
Dies zwang Griechenland, ſich den Entſcheidungen der
Großmächte zu unterwerfen. Venizelos ſagte: Ich muß
den Epiroten raten, nicht im Widerſtande zu beharren, da
ſie nichts zu gewinnen haben. Ich hielt es für meine
Pflicht, die Blockade über Santi Quaranta zu verhängen,
um internationale Verwickelungen zu verhindern. Au
einen Zwiſchenruf der Oppoſition erklärte Venizelos, daß
Griechenland die Seevorherrſchaft im Aegäiſchen Meer be=
ſaß
und jetzt noch beſitze und behaupten werde. Venizelos
gab zu, daß er die Bildung heiliger Bataillone in Epirus
zwar nicht verhindert, aber auch nicht unterſtützt habe. Das
griechiſche Volk ſehe ein, daß ſeine Intereſſen in Epirus
zurückſtehen müſſen, und machte die Regierung nicht dafür
verantwortlich. Venizelos ſagte weiter: Ich hoffe, daß
das Volk das ſchwere Opfer tapfer auf ſich nehmen wird.
Auf einen Zwiſchenruf Theotokis, die Regierung ſolle ſich
eine tatkräftigere Unterſtützung ſeitens gewiſſer Mächte
ſichern, erklärte Venizelos mit gehobener Stimme: Ruß=
land
trat warm für die Intereſſen Griechenlands, zu allen
Zeiten, beſonders aber während der beiden letzten Kriege,
ein. Venizelos ſprach ſodann von der Begründung Alba=
niens
und erklärte, Albanien könne trotz der Meinungs=
verſchiedenheiten
hinſichtlich der Grenze bei Griechenland
wie bei Serbien auf aufrichtige Freundſchaft zählen.
Der albaniſche Miniſterpräſident Turk=
han
Paſcha hatte in Wien mit dem italieniſchen Botſchaf=
ter
, Herzog von Avarna, eine Beſprechung. Später machte
er beim rumäniſchen Geſandten einen Gegenbeſuch und
konferierte mit dem türkiſchen Botſchafter. Abends reiſte
Turkhan Paſcha nach Durazzo ab.
Der Wechſel im türkiſchen Kabinett.
Dſchawid Bey, der ſich gegenwärtig wegen der Anleihe=
verhandlungen
in Paris aufhält, iſt anſtelle von Rifaat
Bey, der wieder Präſident des Oberrechnungshofes wird
zum Finanzminiſter ernannt worden. Bis zur Rückkehr
Dſchawids wird Talaat Bey das Finanzportefeuille ver=
walten
. Wie verlautet, wird der Miniſter der öffentlichen
Arbeiten, Dſchemal Bey, mit dem Marineminiſter Mah=
mud
Paſcha das Portefeuille tauſchen.
Vereinigte Staaten.
Die Pennſylvaniabahn. Der Präſident der
Pennſylvaniabahn, Lea, ſandte ein langes Telegramm an
den Vorſitzenden der Interſtate Commerce Commiſſion

Tlark, in dem er die dem Vorſitzenden der Eiſenbahnkom=
miſſion
des Staates Jowa, Thorne, zugeſchriebene Be=
hauptung
zurückwies, wonach die Inſtandhaltungsrechnung
der Pennſylvaniabahn künſtlich zurecht gemacht ſei, um
das Publikum und die Interſtate Commerce Commiſſion
bezüglich des wahren Ergebniſſes und der Reineinnahmen
im Jahre 1913 irrezuführen. Der Präſident der Pennſyl=
paniabahn
Lea machte von der Zurückweiſung der angeb=
lichen
Anſchuldigung Thornes Mitteilung und drückte
ſeine Meinung dahin aus, daß das Publikum nicht geneigt
ſein würde, den Rechten der Gründer der Eiſenbahnen
eine genügende Berückſichtigung zu ſchenken. Wenn die
Eiſenbahner und andere Leute, die für den Erwerb ihres
Lebensunterhaltes auf die Eiſenbahnen angewieſen ſeien,
keine Arbeit hätten, ſo dürfe die Bahnverwaltung nicht da=
für
verantwortlich gemacht werden. Lea führte weiter
aus, alle billig denkenden Leute müßten ihre Vertreter in
den Staatslegislaturen und im Kongreß zu dem Stand=
punkt
zu bringen ſuchen, daß die Eiſenbahnen als ein Teil
der Nation zum mindeſten den Anſpruch hätten, ohne Vor=
eingenommenheit
behandelt zu werden.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 12. März.

* Vom Hofe. Dienstag nachmittag 3 Uhr fand im
Neuen Palais eine Sitzung des Landes=Ausſchuſſes der
Alice=Schulen in Heſſen ſtatt. Fürſt und Fürſtin
zu Solms=Lich ſind um 5 Uhr 38 Min. zum Beſuch.
im Neuen Palais eingetroffen. Abends 8 Uhr folgten
die Großherzoglichen Herrſchaften, ſowie Fürſt und Fürſtin
zu Solms=Lich einer Einladung des Königlich Preußiſchen
außerordentlichen Geſandten und bevollmächtigten Mi=
niſters
Freiherrn von der Lancken=Wakenitz und Gemahlin
zum Abendeſſen, (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Der Großherzog empfing am
Mittwoch den Oberſt Schimmelfennig, Kommandeur des
Infanterie=Regiments Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 116, den Oberſtleutnant Tellenbach, beauftragt mit
der Führung des 9. Badiſchen Infanterie=Regiments
Nr. 170, den Lehrer i. P. Buchinger von Horchheim, den
Landtagsabgeordneten Auler, den Kapellmeiſter Preuß,
Großh. Hofchordirektor, den Straßenwärter Stadtmüller
von Heppenheim, den Architekten Margold, Mitglied der
Künſtlerkolonie; zum Vortrag den Oberjägermeiſter Frhrn.
van der Hoop, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat
Römheld, den Ordenskanzler Oberſt z. D. Frhrn. Röder
v. Diersburg, den Direktor der Kabinettsbibliothek Haupt=
mann
a. D. Zobel.
* Ordensverleihungen. Die Großherzogin hat am
11. März, als am Geburtstage Ihrer Großherzoglichen
Hoheit der Höchſtſeligen Prinzeſſin Eliſabeth, nachſtehende
Ehrenzeichen für langjährige treu geleiſtete Dienſte in ein
und derſelben Familie an folgende Dienſtboten verliehen:
A. Das Goldene Kreuz mit Brillanten. 1.
Margarete Fröhlich aus Nieder=Kainsbach, 40 Jahre bei
Herrn Generalmajor Maximilian Freiherrn von Heyl in
Darmſtadt. 2. Katharina Kretſchmar aus Atzenhain, 40
Jahre bei Frau Ida Blumenau Witwe in Darmſtadt. 3.
Dorothea Kreuzer aus Crumſtadt, 48 Jahre bei Herrn
Adam Funk VII. in Crumſtadt. 4. Eliſabetha Beppler aus
Dorheim, 40 Jahre bei Herrn Landtagsabgeordneten Karl
Breidenbach in Dorheim. 5. Chriſtine Becker aus Oſthofen,
42 Jahre bei Frau Georg Fell Witwe in Mainz. 6. Katha=
rina
Krämer aus Nierſtein, 40 Jahre bei Frau Dr. B.
Levi Witwe in Mainz. 7. Helene Strauß aus Kirchheim=
bolanden
, 40 Jahre bei Frau Emilie Weller Witwe in
Mainz. 8. Katharina Weber aus Heimersheim, 47 Jahre
bei Herrn Philipp Wilhelm Knell in Heimersheim. 9.
Margarete Bredel aus Waldalgesheim, 50 Jahre bei Frau
Heinrich Joſ. Müller Witwe in Ockenheim.
B. Das Goldene Kreuz. I. Provinz Starken=
burg
: 1. Emilie Hund aus Langen=Schwalbach, 25 Jahre
bei Frau Major von Kraemer=Elſterſtein in Darmſtadt.
2. Mathilde Nörpel aus Laudenbach, 25 Jahra bei Fräu=
lein
Lina Kehrer in Darmſtadt. 3. Katharina Waſſum
aus Momart, 25 Jahre bei Herrn Bernhard Hax V. in
Groß=Umſtadt. 4. Marie Ehrhardt aus Groß=Zimmern,
25 Jahre bei Herrn Dekan und Pfarrer Knodt in Groß=
Zimmern. 5. Martha Sauer aus Künzelsau, 28 Jahre
bei Frau L. Metzger Witwe in Wimpfen. II. Provinz
Oberheſſen: 1. Anna Henß aus Dilsdorf, 25 Jahre bei
Herrn Spediteur Lyncker in Gießen. 2. Lina Henß aus
Dilsdorf. 25 Jahre bei Frau Julius Noll Witwe in Gie=
ßen
. 3. Katharina Wickenhöfer aus Allendorf, 25 Jahre
bei Herrn W. Weickhardt in Butzbach. 4. Katharina Weber
aus Storndorf, 25 Jahre bei Herrn Forſtmeiſter Dr. Schüz

in Nidda. 5. Eliſe Puſch aus Ober=Ohmen, 25 Jahre bei=
Herrn Johannes Keil II. in Ober=Beſſingen. 6 Berta
Vowinkel aus Darmſtadt, 25 Jahre bei Herrn Theodor
Kullmann in Vilbel. IIII. Provinz Rheinheſſen: 1. Wil=
helmine
Bingel aus Laurenburg, 25 Jahre bei Frau Georg
Quetſch Witwe in Mainz=Koſtheim. 2. Eliſabeth Bollinger
aus Bodenheim, 25 Jahre bei Fräulein Irma Berger in
Mainz. 3. Magdalene Janſon aus Genſingen, 25 Jahre
bei Horrn Oskar Hauswald in Mainz. 4. Henriette Mül=
wert
aus Finthen, 25 Jahre bei Fräulein Margarete
Schmitt in Finthen. 5. Wilhelmine Reißig aus Stein=
(Bayern), 25 Jahre bei Herrn Prof. Dr. Edmund Egger in
Mainz. 6. Anna Staudke aus Rübenach, 25 Jahre bei
Frau Jakob Jacoby Witwe in Mainz. 7. Margareta
Diehl aus Gau=Bickelheim, 25 Jahre bei Herrn Karl Wen=
zel
in Alzey. 8. Anna Braun aus Trechtlingshauſen, 25
Jahre bei Herrn Simon Marum in Bingen.
* Erledigt iſt eine mit einem evangeliſchen Lehrer
zu beſetzende Lehrerſtelle zu Hauſen, Kreis Gießen.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 7 vom
11. März hat folgenden Inhalt: 1. Bekanntmachung,
die Ausgabe von Schuldverſchreibungen durch die=
Heſſiſche Landes=Hypothekenbank betreffend. 2. Bekannt=
machung
, die Genehmigung zu Vermeſſungen und Vor=
arbeiten
für elektriſche Vorortbahnen zu Worms be=
treffend
. 3. Bekanntmachung, die Vergütungen für vor=
wiegend
im Intereſſe Privater erfolgende Amtsgeſchäfte
der Bürgermeiſter der Landgemeinden betreffend.
* Neueinteilung der Kreiſe in der Provinz Rhein=. Die Darmſt. Ztg. ſchreibt: Der Zweiten Kammen
liegt bekanntlich zurzeit eine Regierungsvorlage über die
Neueinteilung der Kreiſe in der Provinz Rheinheſſen vor.
Aus der Lokalpreſſe iſt in die weitere Oeffentlichkeit aus
dieſem Anlaß die Meldung übernommen worden, in den=
Gemeinden, deren anderweite Zuteilung geplant iſt, hätten
Volksabſtimmungen über die von der Regierung vorge=
ſchlagene
Neueinteilung ſtattgefunden. Ein auswärtiges
Blatt begrüßt hierin ſchon einen Vorgang im Sinne des
Referendums. Demgegenüber muß hervorgehoben wer=
den
, daß die heſſiſche Geſetzgebung genaue Einzelvorſchrif=
ten
über die Anhör lokaler Verwaltungsſtellen bei Fällen
der vorliegenden Art enthält, daß dieſe Vorſchriften eine
Volksabſtimmung nicht kennen, und daß deshalb den viel=
leicht
am Schluſſe von Bürgerverſammlungen vorgenom=
menen
Abſtimmungen irgendwelche geſetzgeberiſche Bedeu= nicht zukommt. Ebenſo wie die Regierung ſteht auch
der Geſetzgebungsausſchuß der Zweiten Kammer der
Sache fern.
* Nachtrag zur Tagesordnung für die Sitzung der
Stadtverordneten=Verſammlung am 12. März. 16. Zwei= Ausbau der Straßenbahn in der Dieburgen
Straße und Weichenanlage beim neuen Friedhof.
* Die ſchriftliche Staatsprüfung für den höheren
Forſtdienſt beginnt am 15. April d. Js., vormittags
8½ Uhr, zu Darmſtadt im Prüfungslokal, Paradeplatz.34
Bom Großh. Hoftheater. Heute Donnerstag
eht Kienzls Evangelimann am Freitag Puc=
cinis
Madame Butterfly mit Gertrud Geyersbach
in der Titelpartie in Szene. Der Samstagabend und
der Sonntagnachmittag bringen als Volksvorſtellungen
zu ermäßigten Preiſen Wiederholungen des Schauſpiels!
Alt=Heidelberg und der als Feſtoper zum Geburtslag
der Großherzogin neu einſtudierten Boieldieu’ſchen Oper=
Die weiße Dame Am Sonntag abend gelangt Leo
Falls beliebte Operette Die Deollarprinzeſſtin
neu einſtudiert zur Aufführung.
* Die Stromverſorgung der Gemeinden Eberſtadt und
Griesheim iſt nunmehr durch die Heſſiſche Eiſen
bahn=Aktien=Geſellſchaft geſichert. Zwz=
ſchen
dem Gas= und Elektrizitätswerke, Aktien=Gefellſchafd
Bremen, und der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft
haben Verhandlungen wegen einheitlicher Stromverſor=
gung
der beiden Orte ſtattgefunden. Hiernach beziehen
die Gas= und Elektrizitätswerke, Aktien=Geſellſchaft, Eber=
ſtadt
und Griesheim von der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=
Geſellſchaft Strom durch die Kabelleitungen von Darm=
ſtadt
nach Eberſtadt und Griesheim. Die Gas= und Elek
rizitätswerke, Aktien=Geſellſchaft, errichten die Ortsnetze
und übernehmen den Vertrieb der elektriſchen Energie
ſämtliche Einwohner. Hierbei iſt auch vereinbart, daße
Strom für Licht zu 40 Pfg. und für Kraft zu 20
Pfennig für eine Kilowattſtunde an die Konſumenten
ſeitens der Gas= und Elektrizitätswerke, Aktien=Geſellſchaft,
abgegeben wird. Mit dem Ausbau der Ortsnetze wird
alsbald begonnen und die Anlagen demnächſt in Betrieb
genommen. Die von der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=
Geſellſchaft von den Einwohnern Eberſtadts und Gries=
heims
übernommenen Anmeldungen werden an die Gas=
und Elektrizitätswerke, Aktien=Geſellſchaft, übertragen.
Durch das Eintreten der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=
Geſellſchaft und durch Gewährung ſehr günſtiger Strom=
lieferungsbedingungen
für die Bremer Gas= und Elektrizi=

Neues aus Scheffels Dichter=
werkſtatt
.

(2) Scheffel und Dahn, der Dichter des Ekkehard und
der des Kampf um Rom, ſind die beiden bedeutendſten
Schöpfer hiſtoriſcher Romane in der zweiten Hälfte dies
19. Jahrhunderts geweſen. Der Briefwechſel zwiſchen den
beiden, die gute Freunde waren wird daher reichen Auf=
ſchluß
über ihr Schaffen und Wollen gewähren. Aus dem
Nachlaß Dahns, deſſen 80. Geburtstag vor kurzem in
ſtiller Erinnerung an den noch nicht lange Entſchlafenen
begangen werden konnte hat nun der Breslauer Germaniſt
Theodor Siebs die Briefe Meiſter Joſephs an den geiſtes=
verwandten
Dichtergenoſſen veröffentlicht, und ſie laſſen
uns einen neuen tiefen Einblick tun in die an Müh und
Plage ſo überreiche Schaffensarbeit des feucht=fröhlichen
Sängers, deſſen ſcheinbar ſo leichtes Dichten ihm ſo ſchwer
wurde, der ſeine äußerlich ſo heitere Poeſie ſo bitter ernſt
nahm.
Dahn hatte gerade vor 50 Jahren in den erſten Mo=
naten
von 1864 eine begeiſterte Beſprechung von Scheffels
vor kurzem erſchienener Liederſammlung Frau
Aventiure veröffentlicht, und ſchon Samstag vor
Oſtern kommt Scheffels Antwort: Dein ſtarker Hornſtoß
von den Zinnen des Morgenblattes der Bayeriſchen Zei=
lung
freut und beſchämt mich zu gleicher Zeit . . . es iſt
wirklich zu ſtarkes Lob und mir fällt jene Burgfrau ein,
die, als ihr alles im Leben nach Wunſch ging und die Kin=
der
verſorgt waren und guter Ruhm von allen durch die
Lande ging, plötzlich nicht mehr geſehen wurde, denn ſie
ſprach: Herr, es iſt des Guten zu viel, verließ Haus und
Hof und zog ſich in die Wildnis. Mir iſt die Frau Aven=
tiure
ein Präludium zu großen Arbeiten, die mich erwar=
ten
, und auf die mir einigermaßen bangt, deswegen iſt mir
noch nicht allzu behaglich zu Mut. Genauer aber hatte er
ſchon in dem Begleitbriefe des Werkes vom 4. Juli 1863
angedeutet, wie ſeine Frau Aventiure entſtanden war, und

was ſie in ſeinem dichteriſchen Entwicklungsgange be=
deutete
. Seiner Bitte an Dahn das Buch zu beurteilen,
ſchickt er folgende Charakteriſierung voraus: Für mich iſt
das Buch ein Fragment, und der größte Vorwurf, den ich
ſſelber ihm mache, iſt der, daß der Poet, der angeblich eul=
turgeſchichtliches
Verſtändnis fördern will, zur Entſtellung
und Verwirrung der Wahrheit beiträgt, indem er neben
wirkliche Geſtalten der deutſchen Literaturgeſchichte
Wolfram, Walther uſw. ſelbſterfundene ſtellt. . . . Dies
hat ſeinen pſychologiſchen Urſprung in folgendem. Meine
erſte Abſicht war: die Teilnehmer am Sängerkrieg 1207
jeden mit einem halb Dutzend Liedern individuell zu
charakteriſieren, ſo daß es gleichſam ein mittelalterliches
Dichteralbum gegeben hätte. Dies war bei Wolfram von
Eſchenbach Reinmar und Walther von der Vogelweide leicht
zu erzielen, aus liebevollem Studium ihrer Werke Nun
kamen aber die anderen, von denen nichts bekannt iſt, als
der Name, Biterolf, Heinrich Ofterdingen uſw. Zu dieſen
mußte ich alle individuellen Motive nach Analogie,
wahrſcheinlichen Schickſalen und künſtleriſchen Tendenzen
der Zeit uſw. ſelbſt erfinden. Von da aber war nur
noch ein kleiner Schritt, andere lyriſche Motive, die ſich
dieſen Charakteren nicht anreihten, aber doch zur Charal=
teriſtik
der Zeit dienlich waren, in die Form zu kleiden,
ſie beſtimmten Perſonen in den Mund zu legen. So er=
klärt
Scheffel, pſychologiſch einwandfrei, die Erfindung un=
hiſtoriſcher
Meiſterſänger. Nun iſt aber, fährt er fort
wieder Unvollſtändigkeit vorhanden. Literargeſchichtlich
gehört in die Reihe noch Heinrich v. Veldeke und die unter=
geordneten
Epiker Herbort v Frizzlar, Ebernand v. Erfurt
uſw Culturgeſchichtlich gehören Motive aus den Hohen=
ſtaufenzügen
in Welſchland und nach Paläſtina häus=
liche
Szenen aus Burgen und Kloſterleben und Viel ande=
res
verarbeitet. An Stoff weiß ich eher zu viel als zu
wenig, aber erſt bedarf ich eines ungefähren Urteils, ob
der eingeſchlagene Weg nicht übehaupt für einen Holzweg
erklärt und mit Spott und Hohn abgefertigt wird.
Wir ſehen hier deutlich in die Werkſtatt des Dichters
hinein, der dabei ein ernſt und gewiſſenhaft forſchender

Gelehrter war, was über dem Gaudeamus gar zu leicht
vergeſſen wird. Zum Schluß wollen wir nur noch Scheſfels
prägnantes Urteil über die alten Germanen
aus einem Briefe vom 3 Juli 1865 hervorheben. Ich
frage dieſen verkommenen (römiſchen) Kulturmenſchen
gegenüber gern, wer und wie beſchaffen waren ihre Geg=
ner
, die germaniſchen Stämme? Auch bierin muß die
ideale Auffaſſung von hochgewachſenen Nordlandsrecken,
deren blonde Locken im Winde Hesperiens fliegen, bedeu=
tend
geändert werden. Es waren kluge, hartnäckige, bier=
trinkende
und gutbewaffnete Bauern, die auf jede Gelegen=
heit
lauerten, das gute Ackerland, das den römiſchen Le=
gionären
und Veteranen als Colonat eingeräumt warz
ſelbſt zu oceupiren. Die Gefolgſchaft des ver sacrum‟
ſtreitbare Buben, werden vorausgeſchickt, um zu recognose
ciren und Händel anzufangen; glückts nicht, ſo kommt der
Reſt verſchlagen in die väterlichen Wälder heim. Glückks,
ſo ſetzt ſich der ganze Clan mit Weib und Kind und Kegel,
mit Ochſen und Ochſenwagen mit Sperbern, Hunden und
Hauskatzen in Bewegung, um nachzurukken und nachzu=
drulken
. . die römiſchen Villen werden niederges
brannt, die römiſchen Sklaven als eigene verwendet, die
römiſchen Aecker und Flureinteilungen als eigene neu be=, wo der römiſche Veteran ſaß, kommt der ſiegreiche
Invalid der Völkerwanderung zu ſitzen; beneficium,
der Anfang des Lehnweſens, iſt aus römiſcher Zeit herüber
ins deutſche bewaffnete Bauerntum adoptiert.
Und zuguterletzt wollen wir noch Scheffel als Dich=
ter
in lateiniſcher Sprache zeigen, zugleich eine
Erinnerung an die großen Tage von 1870/71. Auf Dahns
Gedicht Die Schlacht bei Sedan ſandte ihm Scheffel die
Verſe: Felix lyram tetigisti, ½ Ipse Sédan qui vidisti,
Et Guilelmum Caesarem. / Post pugnarum gravitatem,
Si viderem libertatem, 7 Jubilans coneinerem. (Voll
Freude haſt Du die Leier geſchlagen, * Der mit Du warſt
bei Sedans Tagen / Und ſahſt den Kaiſer Wilhelm,
Du! Wenn nach heißem Kampfesgrauen, Ich die Frei=
heit
würde ſchauen, / Jubelnd ſtimmte ich Dir zu!

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den

1914.

Seite 3.

gätswerke ſind nunmehr alle unerquicklichen Verhältniſſe
laus der Welt geſchafft und wird den Einwohnern von
Sriesheim und Eberſtadt die außerordentliche Vergünſti=
fung
zuteil, nunmehr den Strom zu demſelben Preiſe zu
weziehen, wie die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft
golchen an Konſumenten der übrigen Nachbargemeinden
aabgibt. Der vor etwa 15 Jahren geſchloſſene Vertrag
wiſchen den Gemeinden Eberſtadt und Griesheim und
ſeer Bremer Gasgeſellſchaft enthielt bedeutend höhere
Strompreiſe, als nunmehr vereinbart iſt. Es iſt ſehr er=
rreulich
, daß dieſe Sache in vorliegender Form ihre Erle=
bigung
gefunden hat.
* Ausſtelluug der Alice=Kochſchule. Ihre Königl.
Soheit die Großherzogin beſuchten Mittwoch vor=
mittag
die Ausſtellung der Alice=Kochſchule.
Die hohe Präſidentin des Alice=Vereins für Frauen=
beildung
und Erwerb ſprach ſich ſehr günſtig über die
Leiſtungen aus und machte mehrere Einkäufe. An=
Shließeno an dieſen Beſuch beſichtigten Ihre Königl. Hoheit
tie im Seminar für Handarbeitslehrerinnen ausgelegten
Arbeiten der jetzt gesrüften Schülerinnen; auch hier
waren Ihre Königl. Hoheit vollkommen befriedigt und
bewieſen großes Intereſſe für die ſchönen und vielſeitigen
Leiſtungen.
Aus der Fortſchrittlichen Volkspartei. Unter dem
Worſitz des Herrn Sanitätsrats Dr. Kolb fand am Mitt=
woch
im Prinz Carl eine gut beſuchte Verſamm=
ung
ſtatt, in der Herr Sekretär Kuhlmann einen
rntereſſanten Vortrag hielt über die Stellung der Partei
ur Sozialdemokratie und zur Arbeiterbewegung. In der
Sinleitung wurde darauf hingewieſen, daß der Vortrag
wer Anfang einer Serie von Vorträgen ſei, die in der
mächſten Zeit über die brennenden Tagesfragen gehalten
würden, ſo über die Stellung zu den übrigen politiſchen
Parteien, als Nationalliberale, Zentrum, Konſervative,
Bündler und Antiſemiten. Ferner über Fragen der heſſi=
achen
Politik, als: Steuergeſetzgebung in Staat und Ge=
meinde
mit ſpezieller Berückſichtigung des gemeinen und
des Ertragswerts, Abzug der Schulden, Wertzuwachs=
teuer
, Gewerbeſteuer, die kommunale Selbſtverwaltung,
das Wahlrecht, die Schulgeſetze, die Geſetze über die geiſt=
lächen
Orden, den Eiſenbahnvertrag, die Landwirtſchafts=
Mittelſtands= und Beamtenfragen u. a. Redner erläuterte
den geſchichtlichen Werdegang der Sozialdemokratie und
kam zu dem Schluß, daß mit Gewaltmaßregeln dieſe Be=
wegung
nicht bekämpft werden könne, denn gerade zur Zeit
der ſogen. Sozialiſtengeſetze ſei die Sozialdemokratie am
größten geworden. Dagegen habe jedes Eingehen der Re=
gierung
auf liberale Ideen ſofort einen Rückgang der So=
Fialdemokratie gezeitigt. Das ſehe man auch jetzt wieder
beim Wehrbeitrag. Bezüglich der Verſicherungslaſten ſteht
Redner auf dem Standpunkt, daß die Beiträge nicht auf=
die
Dauer den Beteiligten allein aufgebürdet werden
könnten. Die Kleinunternehmer könnten die Laſten nicht
dauernd tragen, beſonders wenn vielleicht noch die Ar=
beitsloſenverſicherung
dazu käme. Da wäre es zweck=
mäßig
, die Laſten auf die breiteren Schultern des Reichs
zu übernehmen. Eine ſehr rege Ausſprache ſchloß ſich dem
Vortrag an, in der die einzelnen Fragen auch näher er=
Ertert und beleuchtet wurden.
* Kirchenmuſikaliſche Abendfeier. Morgen, Freitag,
abends 8 Uhr, findet in der Stadtkirche wieder eine kirchen=
muſikaliſche
Abendfeier ſtatt bei freiem Eintritt. Das
Programm lautet: 1. Orgel: Fantaſie und Fuge C=moll
von Bach; 2. Violine: Larghetto von Händel; 3. Geſang:
Es iſt vollbracht. Arie für Alt von Bach; 4. Orgel: O,
Lamm Gottes, Orgelchoral von Bach; 5. Violine: Arie.
Opus 103a, von Reger; 6. Zwei Geſänge von Bach und
Händel: 7. Orgel: O. Menſch, beweine Deine Sünden
groß, Orgelchoral von Bach; 8. Geſang: Schlummert ein,
ihr matten Augen, Arie für Alt und Violine von Bach:
Orgel: Jeſus Chriſtus, unſer Heiland, Orgelchoral vor
Bach.
* Darmſtädter Konferenz für evangeliſche Gemeinde=
arbeit
. Die letzte Verſammlung der Gemeindekonferenz
mahm einen ſehr anregenden Verlauf dadurch, daß der
Vorſitzende, Pfarrer Velte den Plan der viel beſproche=
men
Reformationskirche vorlegte, Beſonders inter=
ſſant
war die Darſtellung des Gedankens, der zum Bau
der Kirche bewegt, und der auch in der Anlage des Kirch=
oaus
, mit dem auch ein Gemeindehaus, ein Pfarrhaus,
Schweſternhaus und Kirchendienerwohnung verbunden iſt,
verwirllicht werden ſoll: des evangeliſchen Gemeindege=
dankens
. Der Vortrag erweckte in der Verſammlung die
einhellige Zuſtimmung zu den vorgelegten Entwürfen und
die Vorfreude an deren Ausführung. Wichtig war die
Mitteilung, daß, wenn auch der Bau der Kirche, der ver=

hältnismäßig nicht teuer werden ſoll, nunmehr geſichert
iſt, dem Bauverein ſeine Aufgabe bleibt, für die innere
Ausſchmückung der Kirche, insbeſondere der Reformations=
gedächtnishalle
, für die Orgel und für die Glocken zu ſor=
gen
, und daß wohlhabende Gemeindeglieder Gelegenheit
haben, für dieſe Zwecke Stiftungen zu machen.
* Verband der evangeliſch=kirchlichen Frauenvereine
im Großherzogtum Heſſen. Nächſten Montag, den 16. März,
findet die 19. Frauenkonferenz im Gemeindehaus der Jo=
hannesgemeinde
, Kahlertſtraße 26, nachmittags 3 Uhr, ſtatt.
Nach den geſchäftlichen Mitteilungen wird über Die
praktiſche Arbeit in Jungfrauenvereinen
geredet werden und haben ſich hierzu verſchiedene in der
Arbeit ſtehende Damen aus Stadt und Land bereit erklärt
Bei den einzelnen Ausführungen ſollen folgende Geſichts=
punkte
Berückſichtigung finden: 1. Organiſation des Ver=
eins
: Leitung, Vorſtand Rechte und Pflichten der Mit=
glieder
, Eintritt und Austritt, Zuſammenkünfte uſw.;
2. Arbeitsprogramm: Erbauung. Belehrung, praktiſche
Tätigkeit, Vergnügen. Der Vorſtand glaubt hierdurch al=
len
, die ſich mit der Jugendpflege der Mädchen befaſſen,
entgegenzukommen, und iſt überzeugt, daß dieſe Konferenz
ſich eines ebenſo guten Beſuches erfreuen wird, wie die
Vorträge, die bei früheren Konferenzen durch Bürger=
meiſter
Mueller=Darmſtadt und Pfarrer Müller=Offenbach
über die Fürſorge und die Arbeit der heranwachſenden
weiblichen Jugend gehalten wurden.
* Katholiſcher Kirchengeſangverein St. Ludwig. In
den beiden Chorwerken Adoratio Crucis und Schön
Ellen die in dem Konzert am 19. ds Mts. zur Auffüh=
rung
kommen, hat Frau Proſeſſöx. Vicki Baum in lie=
benswürdiger
Weiſe die Harfenpartie übernommen.
Auskunftſtelle für muſikſtudierende Frauen.
Man ſchreibt uns: Im Semeſterſchluß tritt die Frage
der Berufswahl auch für die heranwachſenden Töchter
in den Vordergrund. Da ſei an die Auskunftſtellen
für muſikſtudierende Frauen erinnert, die der Verband
der Deutſchen Muſiklehrerinnen (Muſikſektion des Allge=
meinen
Deutſchen Lehrerinnenvereins) in den größeren
Städten Deutſchlands eingerichtet hat. Die Auskunft=
ſtellen
ſind durch ihre Zentrale in Berlin dem Kartell
der Auskunftſtellen für Frauenberufe (Frauenberufsamt)
angeſchloſſen und erteilen Muſikbefliſſenen, die ſich
künſtleriſch oder für den Lehrberuf weiterbilden wollen,
unentgeltlich Rat und Auskunft über Ausbildungs=
gelegenheit
, Studienwege und Wohnungen, ſowie über
ſonſtige Fragen des Muſiklehrerinnenberufs. Für das
Großherzogtum Heſſen befindet ſich eine Auskunftſtelle
in Darmſtadt, Hochſchulſtraße 1. Sprechzeit: Mittwoch
45 Uhr. Schriftliche Anfragen ſind (unter Beifügung
von 50 Pfg. in Briefmarken für Porto= und Korre=
ſpondenzauslagen
) zu richten an die Auskunftſtelle für
muſikſtudierende Frauen, Darmſtadt, Hochſchulſtraße 1.
* Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Darm=
ſtadt
. Wir machen auch an dieſer Stelle auf die
Samstag, den 21. März, im Hotel Heß, Rheinſtraße,
ſtattfindende Hauptverſammlung aufmerkſam,
n der u. a. auch der Wanderplan für 1914/15 feſtgeſetzt
werden ſoll.
§ Unfall. Am Dienstag nachmttag kurz nach 5 Uhr
iſt an der Ecke Luiſen= und Eliſabethenſtraße ein 6 Jahre
iltes Mädchen, aus der Luiſenſtraße kommend, gegen
en hinteren Teil einer in langſamer Fahrt befindlichen
Autodroſchke gelaufen und wurde von dem Wagen zur
Seite geſchleudert. Es hat geringe Verletzungen
im linken Arm davongetragen.

Schwurgericht.

-g. Geſtern ſtanden fünf Einwohner von Dudenhofen
(Kreis Offenbach) vor dem Schwurgericht unter der An=
klage
des betrügeriſchen Bankerotts, eines Ver=
brechens
, auf dem bei Verſagung mildernder Umſtände
Zuchthausſtrafe ſteht. In erſter Linie iſt angeklagt der
Bäckermeiſter Wilhelm Heller weiter ſein Bruder, der
Kohlenhändler und Mineralwaſſerfabrikant Auguſt Hel=
ler
, der Gaſtwirt Wilhelm Mahr, der Landwirt Heinrich
Mahr I. und ſchließlich die Schweſter des Hauptange=
klagten
, die Ehefrau Margarethe Kratz, geb. Heller. Der
Angeklagte Wilhelm Heller betrieb in Dudenhofen eine
Bäckerei, die am 7. November 1913 in Konkurs geriet. Die
Anklage legt dem Angeklagten nun zur Laſt, daß er durch
mehrere ſelbſtändige Handlungen Vermögensſtücke beiſeite
ſchaffte, bezw. dem Zugriff des Konkursverwalters ent=
zog
, indem er fingierte Verträge abſchloß und dadurch ab=
ſichtlich
die Gläubiger ſchädigte. Im einzelnen kommen
olgende Fälle in Frage, deren Sachverhalt auch durch das

Geſtändnis der Angeklagten in der Vorunterſuchung klar=
geſtellt
iſt: Im September, alſo kurze Zeit vor Ausbruch
des Konkurſes, hat der Hauptangeklagte 50 Sack Mehl im
Werte von 1500 Mark zu ſeinem Bruder geſchafft und hat
außerdem, um für alle Fälle ſicher zu gehen, daß der Kon=
kursverwalter
das Mehl nicht mit Beſchlag belegen kann,
den Angeklagten Wilhelm Mahr veranlaßt, einen Schein=
vertrag
abzuſchließen, als ob Mahr das Mehl gekauft und
den Betrag dafür an W. Heller bezahlt habe. Anfangs
November wurden W. Heller vier Schweine gepfändet;
nachträglich ließ er ſich von ſeinem Bruder Auguſt eine
Quittung ausſtellen, nach der Auguſt Heller die Schweine
gekauft und bereits im Februar eine größere Abſchlags=
zahlung
gemacht hatte. Weiter verſchwieg bei dieſer Pfän=
dung
der Angeklagte eine Barſumme von 3500 Mark, die
er vorſichtigerweiſe zu ſeinem Bruder geſchafft hatte. Mit
der Schweſter ſchloß er ebenfalls einen falſchen Vertrag,
nach dem ſie ihm ein Darlehen von 3500 Mark gegeben,
wofür ihr eine entſprechende Hypothek auf das Grundſtück
eingetragen wurde. Auch legte er auf das Sparkaſſen=
buch
ſeiner Schweſter 1700 Mark ein. Als letzter An=
klagepunkt
kommt eine Verkaufsangelegenheit, bei der
durch eine betrügeriſche Manipulation eine ausſtehende
Forderung verſchwiegen wurde. W. Heller hatte an Hein=
rich
Mahr für 3000 Mark Mehl verkauft und Mahr hatte
erſt 590 Mark bezahlt. Trotzdem ſtellte Heller eine Quit=
tung
aus, daß alles bezahlt ſei. Die vier männlichen An=
geklagten
befinden ſich in Unterſuchungshaft, während ſich
die Schweſter des Heller auf freiem Fuß befindet.
In der geſtrigen Verhandlung verſuchte zunächſt der
Hauptangeklagte ſein früheres ausführliches Geſtändnis zu
widerrufen, doch gibt er dann auf eingehende Ermahnung
des Vorſitzenden die weſentlichen Punkte als richtig zu.
Er ſei in pekuniäre Schwierigkeiten geraten, und da ihm
durch eine Verfügung des Kreisamts die Weiterführung
der Bäckerei in dem alten Gebäude über den 1. April 1914
unterſagt worden war, ſei ihm der Gedanke gekommen,
ſich durch die zur Anklage ſtehenden Manipulationen Geld
beiſeite zu ſchaffen und ſich ſpäter damit eine neue wirt=
ſchaftliche
Exiſtenz zu ſchaffen. Intereſſant iſt die Angabe
des Angeklagten, daß er in der ausgeſprochenen Abſicht,
ſich dadurch Geld zu verſchaffen, innerhalb weniger Mo=
nate
von fünf Lieferanten für ſeine gar nicht große Bäcke=
rei
für 14000 Mark Mehl bezog. Hierauf zahlte er nur
geringe Beträge und verkaufte dann das Mehl weiter. Be=
züglich
der Eintragung der Hypothek für ſeine Schweſter
gibt er an, daß ſeine Schweſter angeblich nichts davon
gewußt habe. Auguſt Heller iſt in vollem Umfange
geſtändig und gibt an, er habe unter dem zwingenden
Einfluß ſeines Bruders ſich zu den Straftaten gebrauchen
laſſen. Sein Bruder habe die Geſchwiſter ſtets terroriſiert.
Auch die beiden Angeklagten Mahr halten ihr Geſtändnis
aufrecht.
In der weiteren Verhandlung kam auch ein Brief zur
Verleſung, in dem Heller ſeinen Verwandten in bayeri=
ſcher
Mundart und humoriſtiſchem Ton mitteilt, daß er
in der Ruhe der Unterſuchungshaft ſich ſehr wohl be=
finde
. Der als Zeuge vernommene Konkursverwalter,
Rechtsanwalt Lift=Dieburg, gibt an, daß zunächſt
nichts in der Konkursmaſſe war. Heller leugnete ganz
entſchieden, daß er Vermögensſtücke beiſeite geſchafft habe.
Er erklärte ſich auch kaltblütig bereit, den Offenbarungseid zu
leiſten, das Gericht ſah jedoch davon ab, da klar war, daß
Heller einen Meineid leiſten würde. Wie Heller in der
jetzigen Verhandlung kühn behauptet, habe er damals nicht
gewußt und wiſſe es auch jetzt noch nicht, was ein Offen=
barungseid
bedeute. Durch die Ermittelungen des Kon=
kursverwalters
konnten zur Konkursmaſſe etwa 11000
Mark gerettet werden, zur Verteilung gelangten etwa
10000 Mark, ungefähr 63 Prozent der Gläubigerforde=
rungen
. Der Konkursverwalter iſt jedoch der Anſicht, daß
Heller noch ſo viel beiſeite geſchafft hat, daß die 100 Pro=
zent
voll würden, denn das Geſchäft ſei gut gegangen und
es ſei nicht zu ermitteln, wohin das fehlende Geld ge=
kommen
ſein könne. Heller hatte angegeben, daß er Auto=
mobilfahrten
gemacht und Sekt getrunken habe, doch ſteht
feſt, daß er einfach gelebt hat, ja geizig geweſen ſei.
Die Geſchworenen bejahten bezüglich ſämtlicher 5 An=
geklagten
die Schuldfrage nach betrügeriſchem Bankerott
bezw. Beihilfe dazu und billigten ſämtlichen Angeklagten
die mildernden Umſtände zu. Der Staatsanwalt bean=
tragte
gegen Wilzelm Heller 3 Jahre Gefängnis und
5 Jahre Ehrverluſt, gegen Auguſt Heller 10 Monate,
gegen Wilhelm und Heinrich Mahr je 5 Monate und
gegen die Margarete Kratz 4 Monete Gefängnis. Das
Giericht verurteilte gegen 9 Uhr abends Wilhelm
Heller zu 3 Jahren Gefängnis, abzüglich 2 Mo=

Feuilleton.

C.K. Eine Eisberg=Kataſtrophe in Grönland. Eine
der längſten und an Abenteuern reichſten Reiſen, die durch
Grönlands Schneewüſten unternommen wurden, iſt vor
krurzem von dem däniſchen Hauptmann J. P. Koch und
Dr. Alfred Wegener glücklich vollendet worden. In
einem Aufſatz der Umſchau ſchildert Dr. Wegener, der ſich
als Meteorologe bei der nur aus vier Perſonen beſtehen=
den
Expedition befand, einzelne Epiſoden dieſes kühnen
und wiſſenſſchaftlich ſehr jergebnisreichen Unternehmlns
und läßt uns auch teilnehmen an einer gewaltigen Eis=
bergkataſtrophe
die um ein Haar die ganze Ex=
wedition
mit Mann und Maus für immer unter Eis und
Schnee begraben hätte. Die Reiſenden, die isländiſche
Pferde anſtelle von Hunden als Zugtiere benutzten, waren
mit Schlitten von Kap Stop über den innerſten Fjordarm,
den Borgfjord bis zu dem Inlandeiſe vorgedrungen,
das hier eine Steilwand von 40 Meter Höhe weit ins
Meer hinausſchiebt. Bei dem Aufſtieg über dieſe Eiswand
verhieß eine ſchluchtartige Senkung einen einigermaßen
waſſierbaren Weg, und ſo lagerten ſich denn die Reiſenden
mit ihren Pferden und ihrem ganzen Gepäck etwa 300 Meter
vom Meereiſe entfernt. Man wollte einige Spalten über=
brücken
und dadurch den Weg fahrbar machen. Bald zeigte
ſich aber, daß man an eine höchſt gefährliche Stelle gekom=
mien
war; immer neue Spalten bildeten ſich, der Gletſcher
war in einer gewaltigen Unruhe und es war klar, daß er
kalben d. h., einen oder mehrere Eisberge abſtoßen
wollte. Man arbeitete mühſelig an den Brücken, die doch
dann wieder zerſtört wurden, bis eines Nachts eine furcht=
bare
Kataſtrophe eintrat Ein ſchreckliches Krachen weckte
die Schläfer, und man ſah die Eismauer an der einen Tal=
ſeite
zuſammenſtürzen und in der Tiefe verſinken. Zugleich
verſchwand plötzlich die Ausſicht auf den Fjord auf eine
ganz unbegreiſliche Weiſe: quer über das Tal wälzte ſich
ein großer, dunkler, ſpitzer Koloß und blieb 30 Zentimeter
vor dem Zelt ſtehen. Mit ſeinen überhängenden Wänden
ragte er drohend und gigantiſch in den kalten Nachthimmel
empor. Der Boden ſchwankte, das Zelt neigte ſich. Wäh=
rend
die anderen von wildem Schrecken gepackt nur not=
dürftig
gekleidet bei 16 Grad Kälte herausſtürzten, konnte
Wegener, der durch einen Unfall am Gehen gehindert war,

erſt ſpäter ins Freie kommen. Der fahle Mondſchein be=
leuchtete
das großartigſte Naturſchauſpiel, erzählt er. Die
Seitenwände unſeres Tales waren dicht neben dem Zelt
verſchwunden. Aber draußen im Meere tauchte eine Eis=
mauer
auf, unter Ziſchen und Praſſeln hob ſie ihre waſſer=
triefenden
Seiten höher und höher in den glitzernden
Mondſchein empor. Als ſich das grauſige Spiel der
Naturmächte wieder beruhigt hatte zeigte es ſich, daß bei
dieſer nächtlichen Kataſtrophe 17 Eisberge entſtanden
waren; ſie hatten ſich im Waſſer herumgewälzt und zum
Teil ihre Unterſeite nach oben gekehrt. Von dem 300 Meter
breiten Streifen, der das Lager vom Fjord getrennt hatte,
waren etwa 250 Meter in das Meer geſtürzt. Nur 3 Meter
vom Zelt entfernt waren gewaltige Eisblöcke herabge=
ſtürzt
, aber wie durch ein Wunder war alles unbeſchädigt
geblieben. Je deutlicher die Reiſenden am folgenden Mor=
gen
die Vorgänge dieſer Schreckensnacht feſtſtellen konnten,
deſto unbegreiſlicher erſchien es ihnen, daß der Tod um
Haaresbreite an ihnen vorbeigegangen.
* Ein Geſchenk der Exkönigin Natalie an Serbien.
Wenn man in Belgrad und Serbien auch dahinſtrebt, alles.
was an die Dynaſtie Obrenowitſch erinnert zu beſeitigen,
ſo ſcheint dieſe Undankbarkeit die Königin Natalie nicht in
ihrer Liebe für Serbien zu beirren. Denn ſie hat jetzt ihre
von König Alexander geerbte Domäne Majdan Pek der
Belgrader Univerſität geſchenkt. Die Domäne von
11000 Hektar repräſentiert einen Wert von etwa acht Mil=
lionen
Dinar. Außerdem ſpendete die Königin die ganze
Waffenſammlung der beiden verſtorbenen Könige
Milan und Alexander dem Nationalmuſeum. Unter den
Waffen befinden ſich viele wertvolle Stücke, darunter ein
Schwert, das der Sultan dem Fürſten Michael bei ſeinem
Beſuche in Konſtantinopel geſchenkt hat, ferner das
Schwert Eſcher=Paſchas, das dieſer bei der Uebergabe der
Schlüſſel von Belgrad mit überreichte, und zwei Piſtolen
des Türkenbeſiegers Generals Laudon. Schließlich be=
ſchenkte
die Königin die Akademie der Wiſſenſchaften mit
der ganzen Bibliothek der beiden Könige aus dem Ge=
ſchlechte
der Obrenowitſch.
* Der beſtrafte Löwenritt Am Faſtnachtsſonntag
war in München ein Wagen der Löwenbrauerei zu ſehen
geweſen, ein rieſenhafter Löwe, auf deſſen walzen=
förmigem
, langgeſtrecktem Leib der Wirtshauspächter des

Löwenbräukellers und ſeine Karnevalskommiſſion wie die
vier Haimonskinder ritten. Der Wüſtenkönig war auf
einem Laſtautomobil der Brauerei befeſtigt. Jetzt haben
die Löwenritter einen Strafbefehl über 150 Mark er=
halten
wegen verbotener Beförderung von
Perſonen auf ein em Laſtauto.
ml. Ein Gericht Bratkartoffeln für 28 Mark. In wie
arger Weiſe die Hoteliers an der Riviera ihre
Gäſte zu ſchröpfen wiſſen, zeigen die Klagen, die ein eng=
liſcher
Rivierafreund in einem Londoner Blatte erhebt.
Da war jüngſt in Nizza, ſo erzählt er, ein in der franzö=
ſiſchen
Geſellſchaft ſehr bekannter Herr eingetroffen, der
für acht Gäſte in ſeinem Hotel ein Frühſtück beſtellte. Die
Rechnung, die ihm präſentiert wurde, belief ſich auf nicht
weniger als 700 Mark, und einer der Poſten war ein
Gericht Kartoffeln, für das er 28 Mark blechen ſollte. Doch
diesmal war man an den Unrechten gekommen. Es mag
noch hingehen, erklärte der Gaſtgeber dem Wirt, wenn
Sie eine ſolche Rechnung einem ausländiſchen Gaſte prä=
ſentieren
. Ich bin aber Franzoſe! Der Wirt verbeugte
ſich tief und ſtammelte: Wieviel wollen Sie bezahlen?
Nicht mehr als 400 Mark, war die Antwort, und auf
dieſen Betrag einigte man ſich denn auch. Ein anderes
Beiſpiel. Ein Peſter Millionär nahm kürzlich in einem
vornehmen Reſtaurant in Monte Carlo ein Frühſtück ein.
Die Rechnung verzeichnete u a. für zwei Portionen Kaviar
die runde Summe von 48 Mark, was dem Manne ſo ge=
ſalzen
ſchien, daß er unverzüglich abreiſte. Einem Lon=
doner
Reiſenden nahm man für ſechs belegte Brötchen
29 Mark und für eine Flaſche Bier 3,50 Mark ab Be=
träge
, die ſelbſt in der Zeit des Karnevals recht phan=
taſtiſch
anmuten müſſen. Eine Dame, die in einem elegan=
tem
Hotel in Monte Carlo für ihr Schoßhündchen ein
Schüſſelchen erbat und von der zum Tee ſervierten Milch
zwei Teelöffel eingoß, hatte für dieſe Hundemahlzeit zwei
Mark zu entrichten. Da wußte ſich ein Großfürſt, der in
ieſen Tagen ein Reſtaurant in einer Rivieraſtadt betrat,
beſſer zu helfen. Er erklärte den drei Hofmeiſtern, die
ihn mit tiefer Verbeugung begrüßten, trocken: I.h
wünſche einen Lunch für 5 Mark‟ Der wurde ihm auch
ſerviert, und dem Großfürſten dürfte ſein Mahl beſſer ge=
ſchmeckt
haben wie jedem anderen Gaſt, der den doppelten
und dreifachen Betrag dafür erlegen mußte.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Numme: 71

naten der Unterſuchungshaft; Auguſt Heller zu 6
Monaten Gefängnis, abzüglich 1 Monat, Wil=
helm
Mahr zu 3 Monaten Gefängnis, die durch
die Unterſuchungshaft verbüßt ſind, Hein rich Mahr zu
4 Monaten Gefängnis, abzüglich 2 Wochen der
Unterſuchungshaft (die Zeit nach ſeinem Geſtändnis);
Margarete Kratz zu 1 Monat Gefängnis. Der
Haftbefehl gegen Auguſt Heller und die beiden Mahr wird
aufgehoben. Wilhelm Heller erkannte die Strafe an.
Mit Dankesworten an die Geſchworenen ſchloß der
Vorſitzende, Großh. Landgerichtsrat Reuß, die erſte dies=
jährige
Tagung des Schwurgerichts.

Gründung einer Kommiſſion zur Bekämpfung
der Schwindelfirmen.

Die ſtädtiſche Rechtsauskunftsſtelle hatte unter dem
Vorſitz des Herrn Bürgermeiſters Mueller zu einer
Beſprechung über die Errichtung einer Kommiſ=
ſion
zur Bekämpfung der Schwindelfirmen
auf geſtern nachmittag auf das Rathaus eingeladen. Der
Einladung waren gefolgt Vertreter der Handelskammer,
Handwerkskammer, verſchiedener Innungen, des Anwalts=
vereins
, ſowie der hieſigen Rechtsſchutzſtellen. Nach einer
kurzen Begrüßung durch den Vorſitzenden, unter Darleg=
ung
des Gegenſtandes der Verhandlung, erſtattete der Leiter
der ſtädtiſchen Rechtsauskunftsſtelle Herr Stadtſekretär
Scrauch, ein längeres Referat über den Charakter und
die Praxis der Schwindelfirmen und ihre Bekämpfung.
U. a. führte er aus: Das Unweſen der Schwindelfirmen
habe derart zum Schaden der Bevölkerung und des Ge=
werbeſtandes
überhand genommen, daß eine ſyſtema=
tiſche
Bekämpfung dringend geboten er=
ſcheine
. Klagen einzelner gegen ſolche Schwindelfirmen
bei Gericht oder Stcafanzeigen ſeien meiſt ohne Erfolg ge=
weſen
. Den Gerichten fehlte vielfach der genaue Einblick
in das Syſtem der Schwindelfirmen. Auch ließen ſie ſich
durch die hochtönenden Firmenbezeichnungen und ihre
papierene Tätigkeit blenden und legten allzu großes Ge=
wicht
auf die allerdings von den Hereingefallenen unter=
ſchriebenen
Scheine, ohne immer in eine genaue Prüfung
darüber einzutreten, auf welche unlautere Weiſe die Unter=
ſchriften
erſchlichen waren.
Eine wirkſame Bekämpfung der Schwindelfirmen ſei
nur zu erwarten, wenn ſie ſyſtematiſch erfolge. Eine
Reihe gleichartiger Fälle vermöchte erſt den Charakter der
Schwindelfirmen und ihre Praxis klarzulegen. Der Ver=
band
der deutſchen gemeinnützigen und unparteiiſchen
Rechtsauskunftsſtellen hat in Lübeck eine Zentrale zur Be=
kämpfung
der Schwindelfirmen errichtet, die in wirkſamer
Weiſe den Kampf aufgenommen hat. Dieſe Zentrale allein
genüge aber nicht, es ſei notwendig, daß an allen größeren
Plätzen örtliche Kommiſſionen mit der gleichen Aufgabe
gebildet würden. Der Kommiſſion ſollten Vertreter der
durch die ſchädigende Wirkung der Schwindelfirmen be=
rührten
Kreiſe angehören. Die Kommiſſion ſolle einen
Arbeitsausſchuß bilden, die Geſchäftsführung werde die
ſtädtiſche Rechtsauskunftsſtelle übernehmen. Sodann ſchil=
derte
Redner in anſchaulicher Weiſe das Gebaren der
Schwindelfirmen in den am häufigſten vorkommenden
Schwindelfällen. Seine Ausführungen ſchloſſen mit dem
Wunſche, daß, auch in Darmſtadt eine ſolche Kommiſſion,
wie anderwärts bereits geſchehen, zum Wohle der Ein=
wohner
Darmſtadts und insbeſondere des einheimiſchen
Gewerbeſtandes errichtet werden möchte.
Auf Anfrage des Herrn Bürgermeiſters Mueller
erklärten ihre Bereitſchaft zur Mitarbeit in der Kommiſ=
ſion
die Herren Stadtverordneter Kalbfuß für die Han=
delskammer
und den Detailliſtenverein, Sekretär Schött=
ler
für die Handwerkskammer, Stadtverordneter C. Lautz
für die Metzger=Innung, Rechtsanwalt Buß für den An=
waltsverein
, Glaſermeiſter Schleidt für die Glaſer= In=
nung
. Schneidermeiſter Hübner für die Schneider=Innung,
Arbeiterſekretär Sparr für das Arbeiterſekretariat, Sekretär
Laufer für das evangeliſche Arbeiterſekretariat, Redakteur
Behre für die Preſſe und Frau Oberfinanzcat Balſer für
die Frauenrechtsſchutzſtelle. Die Redner ſprachen ihre hohe
Befriedigung darüber aus, daß die ſtädtiſche Rechtsaus=
kunftsſtelle
ſeither ſchon in energiſcher Weiſe für die Be=
kämpfung
der Schwindelfirmen eingetreten ſei und be=
grüßten
die Anregung der ſtädtiſchen Rechtsauskunftsſtelle
zur gemeinſamen Arbeit Jehr. Nachdem noch ein Arbeits=
ausſchuß
gebildet wurde, ſchloß der Vorſitzende die Ver=
ſammlung
mit Dank an die Erſchienenen für ihre ge=
äußerte
Bereitwilligkeit zur Mitarbeit.

* Vom Odenwald, 11. März. (Verkehrswünſche.)
In der heutigen Kammerſitzung führte Abg. Lang u. a.
folgendes über dieſe Frage aus: Ich hoffe, daß der Ein=
fluß
des Herrn Wünzer es nach und nach doch noch mit
uns Odenwälder Abgeordneten fertig bringt, daß
die Regierung beſtimmt dem Ausbau der Querbahn durch
den Odenwald zuſtimmt. Ich habe im vorigen Jahre
eine ganze Anzahl von Automobilverbindungen beantragt
und habe mich für dieſes Jahr auf zwei Anträge zurück=
gezogen
, nämlich die Verbindung mit Fürth- Er=
bach
-Michelſtadt, Verbindung von König mit
Vielbrunn. Hetzbach mit Fürth zu verbinden, habe
ich aus Zweckmäßigkeits= und Rentabilitätsgründen fallen
laſſen. Aus finanziellen Gründen ſind die Gemeinden
dort nicht in der Lage, dieſe Verbindung beſonders zu
unterſtützen. Ich kam dann zu dem Gedanken, daß man
als Erſatz für dieſe Verbindung interimiſtiſch die Linie
vom Bahnhof Michelſtadt über Erbach, Lauerbach, Schön=
nen
, Ebersberg, Marbach, Hüttenthal, Hiltersklingen, Fürth
dahin führen müſſe; man könnte einige Ortſchaften auch
etwas mehr finanziell heranziehen, um dieſe Verbindung
zuſtande zu bringen. Allerdings, mit den 20 Prozent Zu=
ſchlag
der Regierung iſt uns nicht gedient, die Regierung
muß mindeſtens 50 Prozent geben. Des weiteren wollte
ich darum bitten, daß man den aufſtrebenden Ort Viel=
brunn
, der doch ſehr iſoliert iſt und deſſen Arbeiter nament=
lich
ihr Brot in den Städten ſuchen müſſen mehr unter=
ſtützt
und den Arbeitern beſſere Gelegenheit gibt, nach
ihren Arbeitsorten zu kommen. Es gehen zwei Poſten
hin und her; das reicht nicht aus und man wollte deshalb
noch einen dritten Poſtwagen haben. Das macht die Poſt
nicht, das iſt nur vermittels Automobilen auf die billigſte
Weiſe zu machen. Vielbrunn iſt ein aufſtrebender Ort; er
hat 1400 Seelen und hat im vorigen Jahre 4500 Kur=
fremde
gehabt. Da wollte ich darum bitten, doch Viel=
brunn
möglichſt entgegenzukommen, damit wir die Auto=
mobillinie
zuſtande bringen. Die Poſt hat ſich er=
bötig
gezeigt, einen namhaften Zuſchuß zu der Linie zu
geben. Mein letzter Punkt betrifft die beiden Schnell=
züge
, die uns entgegenkommender Weiſe die Heſſiſch=
Preußiſche Eiſenbahngemeinſchaft bewilligt hat. Nur iſt
der eine Mißſtand der, daß wir vormittags um 9.18 Uhr
nach Darmſtadt kommen und der Zug nach der Bergſtraße
uns ckurz vor der Naſe wegfährt. Der Verkehr vom Oden=
(waldein die Bergſtraße iſt aber ein ganz enormer,

Offenbach, 11. März. (Arbeitsloſenfürſorge.)
Für die Beſchäftigung von Arbeitsloſen wurden von der
Stadtvertretung insgeſamt 60000 Mark bewilligt. Es
machen ſich weitere 10000 Mark erforderlich, um die noch
bei der Stadt beſchäftigten 95 Arbeitsloſen bis zum Ende
dieſes Monats in Arbeit halten zu können. ( Ver=
mißt
) wurde ſeit vergangenem Freitag der Portefeuiller
G. Dutinee aus Heuſenſtamm. Er hat ſich an genanntem
Tage nach Offenbach begeben und bei der Firma, bei der
er beſchäftigt war, 25 Mark abgehoben, und iſt ſeit dieſer
Zeit ſpurlos verſchwunden.
Seligenſtadt, 11. März. (Turmeinſturz.) Bei Er=
neuerungsarbeiten
im alten Steinheimer Turm, der unter
Denkmalſchutz ſteht, ſtürzte heute plötzlich der nördliche
Teil des Fundamentgewölbes ein. Die Ar=
beiter
befanden ſich glücklicherweiſe in dem ſüdlichen Teil
des Gewölbes und kamen mit dem Schrecken davon. Ueber
die Renovation dieſes alten Turmes war zwiſchen der
Regierung und der Gemeinde inſofern ein Streit entſtan=
den
, als die Gemeindevertretung den baufälligen Turm
als läſtiges Verkehrshindernis beſeitigt haben wollte
während die Regierung darauf beſtand, daß der Turm im
Intereſſe des Denkmalſchutzes erhalten bleibe.
Mainz, 11. März. (Ein Dieb im Dom.) Als
geſtern morgen der Domküſter, Herr Kroſt, den Dom
öffnete, entdeckte er in der Kirche einen Mann, der anſchei=
nend
die ganze Nacht dort zugebracht hatte. Der zweifel=
hafte
Gaſt verſuchte ſofort zu flüchten, wurde aber von
dem Küſter verfolgt und endlich auf der Ludwigſtraße feſt=
gehalten
. Bei der Durchſuchung des zweifelhaften Indi=
viduums
fand man 8,50 Mark, die er einem Opferſtock
im Dom entnommen hatte, nachdem er ihn in aller
Muße in der Nacht erbrechen konnte. Der Dieb hatte ſich
abends, als der Dom geſchloſſen wurde, einſchließen laſſen
um ungeſtört in der Nacht ſein dunkles Handwerk aus=
üben
zu können. Infolge des immer noch ſteigenden
Hochwaſſers iſt ſeit geſtern abend die Mombacher
Entwäſſerungsmaſchine ununterbrochen in
Tätigkeit, um die Gemüſefelder zwiſchen der Bahn und
dem Rheindamm von Sickerwaſſer freizuhalten und das
Waſſer aus dem Kanal reſp. dem Abzugsgraben in den
Rhein zu pumpen. Das Waſſer hat bereits eine ſolche
Höhe erreicht, daß der Sommerdamm an manchen Stellen
überflutet iſt. Die Landwirte ſind überall eifrig damit
beſchäftigt, von den in der Nähe des Rheindamms gelege=
nen
Grundſtücken ihre Bohnenſtangen wegen der Ueber=
ſchwemmungsgefahr
abzufahren.
Bretzenheim, 11. März. (Einbruch.) In der ver=
floſſenen
Nacht brachen Diebe in der Mainzer Straße in
eine Hofreite ein und ſtahlen Wäſche im Werte von etwa
60 Mark und eine Anzahl Hühner und Hähne, die einer
in Mainz wohnenden Familie gehören. Die Diebe ſchlach=
teten
das Geflügel in einem Hauſe am Dorfgraben und
ſtahlen auch dort eine große Anzahl Wäſcheſtücke.
Vilbel, 11. März. (Verhaftung eines Räu=
bers
.) Die Vermutungen der Polizei, daß der Kutſcher
Simanowski aus Vilbel von einem ehemaligen Fürſorge=
zögling
niedergeſchlagen und beraubt worden ſei, haben
ſich durch die geſtern erfolgte Verhaftung des Burſchen in
Friedrichsdorf i. T. raſch beſtätigt. Es handelt ſich um
einen gewiſſen Schaaf. In ſeinem Beſitz fand man noch
die blutbefleckten Kleider die er bei dem Ueberfall auf
Simanowski trug. Wie die Unterſuchung feſtgeſtellt hat,
war Schaaf dabei, als ſich der Kutſcher abends gegen 10
Uhr in Friedrichsdorf bei ſeinem Stiefvater nach dem
Wege nach Vilbel erkundigte. Als Simanowski wegfuhr,
war der Burſche auch ſchon verſchwunden und dem Ge=
fährt
vorausgeeilt. An der Steinmühle ſchlug er dann
den Kutſcher mit etlichen Flaſchen nieder. Ob der Schaaf
bei dem Verbrechen Genoſſen hatte, iſt noch nicht feſtgeſtellt.
Simanowski behauptet, drei Männer geſehen zu
haben.
(*) Gambach, 11. März. ( Genoſſenſchaft=
liches
.) Einen ſchweren Verluſt hat die Spar= und
Darlehnskaſſe durch die landwirtſchaftliche Genoſ=
ſenſchaftsbank
erliten. Man will jedoch die Kaſſe nicht
auflöſen, ſondern den Verluſt durch Erhöhung der Anteile
decken. Perſonalkredit und Paſſivkredit ſollen erhöht wer=
den
. Auch iſt die Umwandlung der Kaſſe aus einer Ge=
noſſenſchaft
mit unbeſchränkter Haftpflicht in eine ſolche
mit beſchränkter Haftpflicht geplant.
(*) Lollar, 11. März. (Ein Hilfsverein) für
die durch den Konkurs der Gewerbebank ſo ſchwer Geſchä=
digen
ſoll gegründet werden. Gläubiger und Genoſſen
der Bank ſind größtenteils geringe Leute.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 11. März. Am 31. d. M.
werden die geſamten Anleiheſchulden der Stadt Berlin
506 656 382 Mark betragen, einſchließlich von 80 Millionen
Mark in dieſem Jahre noch zu begebender Anleihen. Das
Aktivvermögen der Stadt Berlin beträgt zur=
zeit
1100 Millionen Mark. Zum Studium der deutſchen
Poſteinrichtungen iſt, nachdem erſt vor einigen Tagen der
engliſche Generalpoſtmeiſter in der Reichshauptſtadt an=
weſend
war, nunmehr der Generaldirektor des
holländiſchen Poſtweſens hier eingetroffen.
Aus den Zinſen der Lazarus=Stiftung fand geſtern, am
10. März, dem Geburtstage des Stifters, wie alljährlich,
die Speiſung von 100 armen Männern und
Frauen aus Berlin ſtatt. Im Hotel Prinz Albrecht
war ihnen an langen, weißgedeckten Tiſchen das Mahl
bereitet; es beſtand nach alter Beſtimmung aus Königin=
ſuppe
, Pökelfleiſch mit Erbſen und Sauerkohl, Kalbsbraten
mit Pflaumen, Kaffee und Stollen. Das Hotel ſpendete den
Rotwein. Mit Vertretung des ſtädtiſchen Kollegiums war
Magiſtratsaſſeſſor Dreyer beauftragt, der mit beredten
Worten des hochherzigen Stifters gedachte. In der Fried=
richſtraße
ſpielte ſich heute abend eine aufregende
Szene bei einer Verhaftung ab. Schon ſeit Tagen fahn=
dete
die Polizei auf einen Kaufmann aus Breslau, der
nach Unterſchlagung von etwa 10000 Mark von dort die
Flucht ergriffen und ſich nach Berlin gewandt hatte. Der
Betrüger hatte auch ſeine Frau auf die Flucht mitgenom=
men
. Geſtern abend erkannte ein Beamter die Frau, als
ſie auf dem Poſtamte Briefſchaften abholte. Er folgte ihr
und ermittelte, daß ſich das Ehepaar in einem Hotel in der
Jägerſtraße unter falſchem Namen eingemietet hatte. Als
der Kaufmann das Hotel verließ, und der Beamte zur
Verhaftung ſchreiten wollte, zog erſterer einen Revolver und
legte ihn auf ſich ſelbſt an. Der Beamte entriß ihm die
Waffe, verhinderte ihn, zu entfliehen und nahm ihn feſt.
In Lichtenberg wurde die Frau des Arbeiters Günther
unter rätſelhaften Umſtänden tot im Bett aufge=
funden
. Der Mann, der den Tod ſeiner Frau der Po=
lizei
meldete, gab an, daß die Frau ſchon ſeit geſtern, ohne
ein Lebenszeichen von ſich zu geben, im Bett gelegen habe,
was ihm jedoch erſt abends aufgefallen ſei. Das Geſicht
der Leiche ſei blau angelaufen und aus Naſe und Mund
viel Blut gequollen. Ob ein Mord vorliegt, wird erſt die
Obduktion feſtſtellen können,

Metz, 11. März. (Abgelehntes Gnadenger
ſuch.) Nachdem das Gnadengeſuch des Bergmanns Ber=
resheim
aus Algringen, der wegen Mordes und
Totſchlags zum Tode und zu acht Jahren Zuchthaus
verurteilt worden war, abgelehnt worden iſt, wird die
Hinrichtung des Verresheim am Freitag früh erfolgen
Berresheim war bereits in einer früheren Verhandlung
zum Tod verurteilt worden. Auf die eingelegte Reviſion
hob das Reichsgericht das Urteil auf. Die zweite Vers=
handlung
hatte aber dasſelbe Ergebnis wie die erſte.
München, 11. März. (Mord und Selbſtmord.)
In dem ſchwäbiſchen Städtchen Biberach wurde der
Antiquitätenhändler Bauer vor ſeinem Wohnhauſe ſchweg
verletzt aufgefunden. Er gab an, von dem Bildſchnitzer
Rudolf angeſchoſſen worden zu ſein. Gleich nach ſeiner
Ausſage verſtarb Bauer. In der Wohnung Bauers fand
man den Bildſchnitzer Rudolf tot in einem Seſſel ſitzend.
Er hat ſich anſcheinend ſelbſt erſchoſſen.
Ludwigshafen, 11. März. (Erholungsheim.)
Die Badiſche Anilin= und Sodafabrik hat in dem Schloſſe
St. Johann bei Albersweiler, das ſie käuflich erwarb, für
die Frauen und Kinder ihrer Beamten und Arbeiter ein
Erholungsheim errichtet.
Arnsberg i. W., 11. März. (Unterſchlagungen.)
Die Unregelmäßigkeiten bei der Spar= und Darlehenskaſſe
in Allagen ſind weit größer, als anfänglich angenommen
wurde. Der Fehlbetrag beläuft ſich auf 145000 Mark. Es
hat ſich herausgeſtellt, daß der verhaftete Rendant Diercks
auch Fälſchungen der Bücher und Belege vor=
genommen
hat.
Hamburg, 11. März. (Verhafteter Raub=
mörder
.) Der vor einigen Tagen in Kuxhaven ver=
haftete
Kirchenräuber, der ſich Leo Zardin
nannte, iſt jetzt durch die Hamburger Polizei überführt
worden, in der Nacht zum 2. Januar in Reepholt den
Paſtor Loets, der ihn bei dem Kirchenraube überraſchte,
erſchoſſen zu haben. Der Verbrecher heißt richtig
Ernſt Saale und ſtammt aus Königsberg. Er iſt vielfach
ſchwer vorbeſtraft und hat außerdem noch eine 7½jährige
Zuchthausſtrafe zu verbüßen.
Hamburg, 11. März. (Der Imperator) iſt heute
mittag 12 Uhr von Kuxrhaven zu ſeiner erſten diesjährigen
Fahrt nach Neu=York in See gegangen.
Hamburg, 11. März. (Seinen Sohn entfühnt.)
Der wegen Entführung ſeines Sohnes von Berlin ver= und in Boulogne verhaftete Kaufmann Lippert iſt=
hier
eingetroffen und dem hieſigen Gefängnis zugeführt
worden. Der Knabe iſt in Schutzhaft genommen worden.
Halle, 11. März. (Trömel als Wanderredner)
Die Polizei verbot den Vortrag des Bürgermeiſters
Trömel aus Uſedom, der über ſeine Dämmerzuſtände und
eine Erlebniſſe in der Fremdenlegion in allen großen
Städten Deutſchlands ſprechen will und in Halle beginnen
wollte.
Stendal, 11. März. (Feſtgenommener Taſchen=
dieb
.) Im D=Zug Köln-Berlin wurden zwei inter=
nationale
Taſchendiebe auf friſcher Tat ertappt. Einer
wurde der Polizei übergeben, der andere ſprang bei
Gardelegen aus dem Zuge und entkam.
Glogau. 11. März. (Großfeuer.) In einem
Hauſe des Dorfes Saliſch platzte ein Ofen, wodurch das
Haus in Brand geriet. Der herrſchende Wind verbreitete
das Feuer mit großer Schnelligkeit. 17 Gebäude und
Stallungen wurden in Aſche gelegt.Die
Feuerwehren von Glogau und den Nachbarorten, ſowie
ein Kommando des Glogauer Pionierbataillons warmn
an der Brandſtätte tätig.
Wien, 11. März. (Der Streik der Studie=
renden
.) Wie die Blätter melden, hat der Rektor der
tierärztlichen Hochſchule Profeſſor Panzer einer Abord=
nung
der Hörer mitgeteilt, daß das Unterrichtsminiſterium
durch einen Erlaß an das Rektorat verfügt habe, daß die
Vorleſungen an der tierärztlichen Hochſchule und die Prü=
fungen
zu ſiſtieren ſeien, und demgemäß das Semeſter
nicht angerechnet werde.
Paris, 11. März. (Unglück in einer Zeche)
In der Champagne=Zeche bei Aurillac ſtürzte ein 1
jähriger Hauer in den Förderſchacht und fiel dabei al
einen anderen Bergmann. Beide waren ſofort to
Ein dritter Bergarbeiter erlitt ſchwere Verletzungen.
Lorient, 11. März. (Schlimme Folgen del
Schießübungen.) Durch die bei den Schießübungen
nit ſchweren Marinegeſchützen hervorgerufene Erſchütte=
ung
wurde der Einſturzeines Gehöftes in Riant
tec verurſacht. Der Bürgermeiſter des Ortes richtete an
die Behörde das Anſuchen, daß Maßnahmen getroffen
werden, um das Leben und Eigentum der den Schießplätzen
benachbarten Landwirte zu ſchützen.
London, 11. März. (Das Attentat der Suffrag
getten.) Das Attentat durch die Suffragette Miß Ri=
chardſon
gegen das Gemälde von Velasquez: Die Venus
mit dem Spiegel iſt bereits vor einem Jahre in
einer Suffragetten=Verſammlung angekündigt wor=
den
. Damals machte eine der Verſammlungsteilnehme
rinnen den Vorſchlag, man ſolle einen Ueberfall auf das
Britiſh=Muſeum und die National=Galerie unternehmen.
Dem Gutachten über den Schaden zufolge hat das Bild ſieben
tiefe Schnitte gerade auf dem wichtigſten Teil erhalten,
Der Verkaufswert des Bildes ſei um 200000 bis 300000
Mark verringert worden, doch infolge der Sauberkeit der
Schnitte würden ſich die Koſten für die Wiederherſtellung
wahrſcheinlich auf weniger als 200 Mark ſtellen. Das Bild
iſt 1906 für 900000 Mark angekauft worden, welcher Be=
trag
durch freiwillige Spenden allein aufgebracht wurden
Das Schandweib, das die Tat vollbracht, iſt eine bekannte
Anhängerin des Frauenſtimmrechts namens Mary Richard=
ſon
. Sie wurde in Haft behalten. Die Freilaſſung gegen
Bürgſchaft wurde abgelehnt.
London, 11. März. (Spionageprozeß.) In dem
Falle des unter dem Verdachte der Spionage verhafteten
Ehepaares Gould iſt ein gerichtlicher Prozeß angeordnet
worden. Frau Gould iſt vorläufig gegen Bürgſchaft aus
der Haft entlaſſen worden.
Petersburg, 11. März. (Ueberführte Hochſtap=
lerin
.) Die wegen Hochſtapeleien vor acht Jahren zu
mehreren Jahren Gefängnis verurteilte Olga Stein iſt
jetzt neuer erheblicher Schwindeleien überführt worden.
Sie hatte ſich mit einem Baron verheiratet und eine An=
zahl
Geſchäftsleute um gröere Summen geprellt.
Warſchau, 10. März. (Bei dem Hauseinſturz)
ſind nach weiteren Feſtſtellungen eine Perſon getötet=
und ſechs ſchwer verletzt worden; zwei werden vermißt.
Neu=Orleans, 10. März. (Ein Rieſenbrand.)
Nach einer funkentelegraphiſchen Meldung aus dem Hafen
Ceiba im Staate Honduras wütet dort ein rieſiges
Feuer. Zur Zeit der Abſendung der Meldung waren
23 Häuſerblocks in der Stadt zerſtört und andere ſind von
dem gleichen Schickſal bedroht. Der Schaden wird auf=
10 Millionen Dollars geſchätzt.

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Nummer 71.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Seite 5.

Die Beſoldungsvorlage in den
Ausſchüſſen angenommen.

Nach heißem Bemühen in ſtundenlangen Verhandlun=
rzen
iſt geſtern abend über die Lehrergehälter und damit
üüber die Beſoldungsvorlage überhaupt in den Finanzaus=
ſchüſſen
der beiden Kammern und mit der Regierung eine
wollſtändige Einigung erzielt worden.
Die bedeutungsvolle Sitzung, die dieſe Einigung zuſtande=
brachte
, begann um 4 Uhr und dauerte ohne Pauſe bis
¼ Uhr abends. Die drei Präſidenten, ferner der Abg.
Bach waren zu der Sitzung hinzugezogen. Von ſeiten der
Regierung wohnten die Herren Staatsminiſter Dr. von
Ewald, Finanzminiſter Dr. Braun, Miniſter des
Innern von Hombergk zu Vach, die Staatsräte
Dr. Becker, Süffert, Dr. Beſt, Miniſterialrat Dr.
WWeber, Geh. Oberfinanzrat Seip und Oberfinanzrat
Balſer den Verhandlungen bei. Ueber den Verlauf der
SSitzung erfahren wie folgendes:
Den Verhandlungen lag zunächſt der erſte Vorſchlag
Beſt zugrunde, der die unterſte Gehaltsſtufe der Volks=
ſſchullehrer
mit 1500 Mark beginnt, dann mit 1600, 1750,
11900, 2100, 2300, 2500, 2800, 3000, 3300 und 3600 fortfährt.
Dieſer Vorſchlag erforderte 58 200 Mark mehr, als die Re=
ogierung
bereits nachgegeben hatte mit 87300 Mark, im
gganzen alſo gegen die erſte Regierungsvorlage mehr 145 500
Mark. Der Ausſchuß der Zweiten Kammer hatte dieſen
WVorſchlag angenommen, dem Ausſchuß der Erſten Kam=
rmer
erſchien die Summe aber zu hoch. Darauf hatten die
AAbgeordneten Beſt und Dr. Oſann den zweiten An=
ttrag
geſtellt, der die Gehaltsſtufen folgendermaßen feſt=
fſetzte
: 1400, 1550, 1750, 1900, 2100, 2300, 2500, 2800, 3000,
*3300, 3600 Mark. Dieſer Vorſchlag bedeutete gegenüber
rder Regierungsvorlage ein Mehr von 126600 Mark. Die=
iſen
Vorſchlag war der Ausſchuß der Erſten Kammer ge=
rneigt
, anzunehmen, nicht aber den vom Ausſchuß der
Zweiten Kammer gemachten weiteren Vorſchlag, noch die
*9000 Mark hinzuzunehmen, die die Schulverwalter erhal=
rten
ſollen nach beſtandenem Examen. Die Geſamtſumme
lhätte ſich dann auf 135000 Mark belaufen. Der Ausſchuß
lder Erſten Kammer war hiermit nicht einverſtanden, ſon=
ldern
bewahrte zunächſt eine abwartende Stellung, reſpek=
rtive
eine ſchwankende Haltung. Nachdem dann nochmals
die beiden Ausſchüſſe einzeln beraten, wurde endlich eine
gemeinſame Sitzung mit der Regierung abgehalten, die
kkurz vor 7 Uhr begann. Auch die Regierung erſuchte zu=
rnächſt
, es bei dem Höchſtbetrage von 126600 Mark zu be=
llaſſen
und nicht darüber hinauszugehen.
Endlich wurde dann der dritte Vorſchlag Beſt=
Oſann eingebracht, die unterſte Gehaltsſtufe von 1400
auf 1450 Mark heraufzuſetzen. Das macht ein Mehr von
*3450 Mark. Im ganzen gegenüber der Regierungsvor=
llage
ein Mehr von 130050 Mark. Auf dieſem
Worſchlag wurde endlich eine vollſtändige Einigung er=
izielt
.
Die endgültig angenommene neue Ge=
haltsſkala
iſt alſo dieſe:

2. 1550 3. 1750 1900 5. 2100 6. 2300 7. 2500 8. 2800 9. 3000 10. 3300 11. 3600

Die Schulverwalter erhalten alſo die für ſie vorge=
ſehenen
9000 Mark nicht, doch wurde hierzu eine Reſo=
lution
angenommen, nach der die Schulverwalter dieſe
9000 Mark dann erhalten ſollen, wenn die Staatsdienſtan=
wärter
ihre Aufbeſſerung erhalten. Das dürfte in etwa
2 bis 3 Jahren der Fall ſein.
Das Plenum der Zweiten Kammer wird nun am
Freitag, den 13. ds. Mts., die Beſoldungsvorlage auf
Grund dieſer Vorſchläge beziehungsweiſe Anträge des
Ausſchuſſes zu verabſchieden haben. Es iſt wohl kaum zu
zweifeln, daß dieſer Antrag Annahme findet. Dann
würde die Beſoldungsordnung endlich Geſetz werden. Die
Erſte Kammer wird am Dienstag, den 17. ds. Mts.
ebenfalls zu einer Plenarſitzung zuſammentreten, die ſich
mit den Rückäußerungen der Zweiten Kammer zu der Be=
ſoldungsvorlage
befaſſen wird, die damit endgültig er=
ledigt
iſt. Bis zum 20. ds. Mts. mußte die Vorlage zur
Verabſchiedung gebracht ſein, da an dieſem letzten Ter=
min
die Regierung eventuell die Verlängerung des Provi=
ſoriums
beantragen müßte.
M. St.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 11. März. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 2 Uhr 16 Min. Auf der Tages=
ordnung
ſteht zunächſt die zweite Beratung des
Etats für das Schutzgebiet Togo.
Der Etat wird in ſeinen Hauptteilen ohne Debatte
angenommen. Bei den einmaligen Ausgaben, bei dem
Titel Errichtung eines Sägewerks in Lome bezweifelt
Abg. Dr. Paaſche (natlb.) die Rentabilität eines der=
artigen
Unternehmens. Würde eine Aktiengeſellſchaft etwas
ähnliches geſagt haben, was in der Denkſchrift zu dieſem
Titel ſteht, ſo würde ſie jedenfalls haftbar gemacht wer=
den
wegen Herausgabe eines irreführenden Proſpekts.
Der Titel wird bewilligt und dann ohne Debatte der Reſt
des Etats für Togo.
Es folgt die zweite Beratung des
Etats für das Schutzgebiet Neuguinea
einſchließlich der Inſelbezirke der Südſee. Abg. Dr.
Arendt (Reichspt.): Wir ſind in der ſeltſamen Lage

daß wir geſtern, jedenfalls verſehentlich, bei der Verab=
ſchiedung
des Kolonialamtsetats bereits einen Beſchluß
gefaßt haben über einen Gegenſtand, der jetzt erſt zur De=
batte
ſteht, nämlich über die Bewilligung von 500000
Mark zu den Unterſuchungen über die Petroleumverhält=
niſſe
in Neuguinea. Wie ſteht es da mit der Möglichkeit
eines Petroleumexportes nach Deutſchland? Es ſcheint
mir fraglich, ob man überhaupt in der Lage iſt, Petroleum
aus Neuguinea bei einigermaßen möglichen Preiſen nach
Deutſchland zu bringen. Iſt das nicht möglich, ſo würde
ſelbſt ein reichliches Vorkommen von Petroleum nur
wenig Wert für Deutſchland haben. Dieſe halbe Million
für Neuguinea iſt zunächſt à fonds perdu zu bewilligen.
Es wäre empfehlenswert, dieſe Vorarbeiten der Privat=
induſtrie
zu überlaſſen. Die Budgetkommiſſion hat ſich
in einer bewilligungsfreudigen Stimmung befunden. Die
Regierung ſollte ſich zunächſt darüber äußern, ob ſie mit
dieſer Summe überhaupt etwas anfangen kann. Schließlich
müſſen wir doch die Konſequenzen aus dieſer Bewilligung
ziehen. Für die dritte Leſung behalte ich mir vor, einen
Antrag auf Streichung dieſer Forderung zu ſtellen. Die
Sozialdemokratie iſt bereit, hier eine halbe Million Mark
us den Taſchen der Steuerzahler zu bewilligen, während
wir Kolonialſchwärmer ſkeptiſch dem gegenüberſtehen.
Sollte da vielleicht die Idee des Petroleummonopols mit=
geſprochen
haben? (Präſident Dr. Kaempf: Ich will
feſtſtellen, daß geſtern eine Beratung dieſes Poſtens mög=
lich
geweſen wäre, wenn ſich auch nur ein Mitglied zum
Wort gemeldet hätte. Sehr gut! links.)
Staatsſekretär Dr. Solf: Die Engländer legen
überall in ihren Kolonien die Hand auf die Petroleum=
quellen
. Das iſt von weittragender Bedeutung. Wenn
ſich auch ein Transport nach Deutſchland nicht lohnen
ſollte, ſo handelt es ſich doch um die Verſorgung der Nach=
bargebiete
mit Petroleum. Wenn dies Geſchäft einſchlägt,
ſo würde Deutſchland daraus ein ganz gewaltiger Vorteil
erwachſen. Abg. Dr. Pfleger (Ztr.): Wir werden
dem Antrag auf Streichung dieſes Poſtens in der dritten
Leſung wohl zuſtimmen. Das deutſche Volk hat mit die=
ſer
Angelegenheit nichts zu tun. Dieſe Poſition iſt der
blödſinnigſte Vorſchlag, der jemals im Reichstag gemacht
worden iſt. (Präſident Dr. Kaempf rügt den Ausdruck.)
Bis jetzt liegt nichts weiter vor als die Tatſache, daß auf
einigen Stellen, genau ſo, wie in Hannover und in der
Lüneburger Heide. Oel vorhanden zu ſein ſcheint. Abg.
Gothein (Fortſchr. Vpt.): Die Erforſchung unſerer Ko=
lonien
nach wirtſchaftlichen Vorteilen iſt in erſter Linie
Aufgabe der Verwaltung, nicht die des Privatkapitals. Die
500000 Mark brauchen nicht unter allen Umſtänden aus=
gegeben
zu werden, zum allerwenigſten innerhalb eines
Jahres. Wir wollten nur dafür ſorgen, daß die Vorarbei=
ten
nicht unterbrochen zu werden brauchten. Die Petro=
leumfunde
in Holländiſch=Indien zeigen die Notwendig=
keit
auch für unſere Verwaltung, dieſe Frage weiter zu
verfolgen. Wenn das Südſeeöl auch nicht als Brennöl in
Deutſchland in Betracht kommen mag, ſo kann es doch als
Benzin und Heizöl für Dampfer eine große Rolle ſpielen.
Dr. Arendt mag auf ſeinen Antrag in der dritten Leſung
verzichten. Abg. Dr. Frank=Mannheim (Soz.): Die
Haltung des Zentrums in dieſer Frage iſt eine höchſt ſelt=
ſame
. Wenn der Abg. Dr. Pfleger jetzt ſo ſcharf gegen den
Kommiſſionsbeſchluß vorgeht, ſo ſchlägt er dabei ſeiner
eigenen Partei ins Geſicht, denn dieſer Beſchluß iſt
namentlich auf das Zentrum zurückzuführen. Das Zen=
trum
ſcheint erſt durch die Reichspartei auf den rechten
Weg gebracht zu ſein und das Fehlen des Abg. Dr. Arendt
in der Kommiſſion ſcheint ſich dort ſchmerzlich bemerkbar
gemacht zu haben. (Sehr richtig! beim Abg. Dr. Arendt.
Große Heiterkeit.) Wir haben keine Veranlaſſung, gegen
die Kommiſſionsbeſchlüſſe in der dritten Leſung zu
ſtimmen. Wir müſſen dafür ſorgen, daß die Naturſchätze
in den Kolonien nicht durch das Privatkapital ausgenutzt
werden. Abg. Dr. Paaſche (natlb.): Es muß feſt=
geſtellt
werden, daß der Abg. Dr. Pfleger in der Kommiſ=
ſion
einer der erſten war, der den Standpunkt vertreten
hat, den heute Dr. Arendt eingenommen hat. Es wäre
wohl geſcheiter, dieſe Durchforſchung dem Privatkapital zu
überlaſſen, das ſich bereit erklärt, die Bohrungen vorzu=
nehmen
. Wenn die Regierung es will, ſo mag ſie es ver=
ſuchen
. Leicht iſt die Arbeit in den unkultivierten Tropen=
ländern
ja nicht. Schließlich werden wir noch gezwungen
werden, an das Privatkapital heranzugehen. Abg.
Erzberger (Ztr.): Wie die Akten der Kommiſſion er=
geben
, haben wir in ihr dieſelbe Stellung eingenommen,
wie jetzt im Plenum; wir verlangen aber auch die Sper=
rung
des ganzen Schutzgebietes. Die Sperrung mußte
ſofort telegraphiſch angeordnet werden, ſonſt hat die ganze
Sache für Deutſchland nichts zu bedeuten. Nur das deutſche
Privatkapital ſollte ſich dieſer Sache annehmen, dann
würde das Reich ſeinen Vorteil haben.
Staatsſekretär Dr. Solf: Die Sperre iſt von mir am
26. vorigen Monats bereits angeordnet worden. (Bravo!)
Meine Verhandlungen mit dem Privatkapital ſind nicht
zum Abſchluß gekommen. Es handelte ſich lediglich um
eine Offerte. Ich mußte die Verhandlungen mit Rückſicht
auf die Pläne der Verbündeten Regierungen, die ich nicht
durchkreuzen durfte, abbrechen. Die Verſuche können wir
dem Privatkapital nicht überlaſſen, denn ſonſt würden wir
von ihm abhängig. Ich bitte Sie dringend, den Betrag
zu bewilligen. Ich will für alle kommenden Verhandlun=
gen
eine brauchbare Grundlage erlangen, was für Kon=
zeſſionen
wir ſpäter geben können. Abg. Waldſtein
(Fortſchr. Vpt.): Tatſache iſt, daß der Abg. Erzberger in
der Kommiſſion keinen Gegenantrag geſtellt hat. Er hielt
100000 Mark für zu wenig und ſetzte ſich für die Bewilli=
gung
von 500000 Mark ein. (Hört, hört! links.) Wir hal=
ten
dieſe Summe für angemeſſen, wenn überhaupt etwas
erreicht werden ſoll. Abg. Dr. Oertel (konſ.): Wir
können dem Standpunkt des Staatsſekretärs die Berech=
tigung
für ſeine Ausführungen nicht verſagen. Dabei be=
halten
wir uns immer noch freie Hand vor. Abg. Dr.
Frank=Mannheim (Soz.): Ich kann mich den Ausfüh=
rungen
Dr. Oertels voll und ganz anſchließen. (Hört,
hört! Heiterkeit.) Das einzige Bedenken wäre vielleicht,
daß die Summe nicht genügte. Aber in dieſer Hinſicht
wird Herr Erzberger wohl noch einen Abänderungsantrag
in Vorbereitung haben. (Heiterkeit.) Ob das deutſche Ka=
pital
die Ausnützung bekommt oder nicht, iſt gleichgültig
denn gerade beim Petroleumkapital ſind die Grenzen zwi=
ſchen
Deutſchland und Amerika ſehr gering. Deshalb
muß die Verwaltung die Hand auf die Naturſchätze unſe=
rer
Kolonien legen. Damit ſchließt die Diskuſſion.
Die Ausgaben des Etats werden bewilligt. Bei den
Einnahmen bittet Abg. Keinath (natlb.) um weitere
Ausdehnung der einjährigen Schutzfriſt gegenüber den
Paradiesvögeln. Staatsſekretär Dr. Solf: Der
Vogelſchutz in den Kolonien iſt durch Abſchußverbot ge=
regelt
. Außerdem iſt ein hoher Ausfuhrzoll auf die Bälge
gelegt worden. Die Naturdenkmäler müſſen unter allen
Umſtänden geſchützt werden. Nachdem ich auf einer gro=
ßen
Vogelauktion in London geſehen habe, wie Tauſende
von lieblichen Paradiesvögeln auf den Markt geworfen
werden, habe ich mich der Idee der radikalen Schutzfreunde
durchaus angeſchloſſen. Mittlerweile bin ich von den

Sachverſtändigen überzeugt worden, daß im Innern von
Neuguinea eine Unzahl von Paradiesvögeln noch vor=
handen
iſt, ſo daß ein Ausſterben nicht zu befürchten ſei,
namentlich, nachdem ausgedehnte Reſervoire für die Vögel
geſchaffen worden ſind. Ich habe angeordnet, daß 1½
Jahre lang Paradiesvögel nicht abgeſchoſſen werden dür=
fen
. Wird es nötig, ſo muß die Friſt verlängert werden.
Die Regierung wird alles tun, um zu verſuchen, ob der
Schutz für dieſe entzückenden Tiere damit gewahrt ſein
wird. Abg. Paaſche (natlb.): Der Staatsſekretär
hätte auf Seiten der radikalen Naturſchutzfreunde bleiben
ſollen, zumal die Jagd zu Strafexpeditionen Anlaß geben
kann und dann auch noch Opfer an Menſchenleben not=
wendig
werden. Abg. Noske (Soz.): Ich hätte mich
noch mehr über die Rede des Abg. Paaſche gefreut, wenn
er geſtern ebenſo warm für die Erhaltung der Eingebore=
nen
eingetreten wäre. Das Verbot muß aufrecht erhalten
bleiben. Nach einer nochmaligen kurzen Bemerkung des
Staatsſekretärs Dr. Solf wird der Etat bewilligt.
Es folgt der
Etat für Samoa.
Abg. Mumm (Wirtſch. Vgg.) berichtet über die Ver=
handlungen
in der Kommiſſion und befürwortet gleichzeitig
einen Antrag auf Erhöhung der Etatsſätze für Hochbau=
ten
. Abg. Ledebour (Soz.): Vor zwei Jahren haben
wir mit einer Mehrheit, die ſonſt nur bei Mißtrauens=
voten
üblich iſt, beſchloſſen, die Miſchehen zuzulaſſen. Trotz=
dem
ſind wir vom Bundesrat keiner Antwort gewürdigt
worden. Es iſt eine Barbarei, wenn es den weißen Män=
nern
unmöglich gemacht wird, ſich mit farbigen Frauen
zu verheiraten. Die Tatſache, daß die ſtandesamtlichen
Funktionen den Richtern übertragen ſind, gibt Anlaß zu
beſonderen Schwierigkeiten. Abg. Schultz=Bromberg
(Reichspt.): Die Auffaſſung iſt unrichtig, als ob der Stan=
desbeamte
lediglich ausführen müſſe, was die Regierung
anordnet. Abg. Ledebour (Soz.): Die Beamten
ſind im Hauptamt Richter und nebenamtlich Standes=
beamte
und damit nicht bei ihrer nebenberuflichen Tätig=
keit
an einen Erlaß des Gouverneurs, noch des Staats=
ſekretärs
gebunden. Dieſem Greuel des Eheverbots muß
ein Ende gemacht werden. Staatsſekretär Dr. Solf:
Kein Richter würde in einer nebenamtlichen Tätigkeit an=
ders
handeln, als in ſeiner Haupttätigkeit. (Zuruf des
Abg. Ledebour: Wo ſteht das im Geſetz?) Das ſteht nicht
im Geſetz, das ſteht im Herzen des Richters geſchrieben.
Darüber beſteht Einmütigkeit, daß die Miſcheehen uner=
wünſcht
ſind. Ein Verbot iſt nicht nötig, weil die Weißen
eingeſehen haben, daß es eines Deutſchen unwürdig iſt,
eine Ehe mit Angehörigen einer tiefer ſtehenden Raſſe
einzugehen. Abg. Schultz=Bromberg (Reichspt.):
Unzweifelhaft iſt die Stellung der Richter eine zwieſpäl=
tige
. Der Richter wird ſich durch keinen Erlaß dreinreden
laſſen, er handelt nach ſeinem Gewiſſen. Abg. Lede=
bour
(Soz.): Der Erlaß des Staatsſekretärs ſagt klipp
und klar, daß Ehen zwiſchen Eingeborenen und Nicht=
eingeborenen
nicht mehr geſchloſſen werden. Das iſt doch
ein direktes Verbot der Ehe. Damit ſchließt die De=
batte
. Der Etat wird in ſeinen Hauptteilen bewil=
ligt
. Bei den einmaligen Ausgaben wird ein An=
trag
Mumm (Wirtſch. Vgg.), zur Bekämpfung von Krank=
heiten
einen um 100000 Mark erhöhten Betrag für Hoch=
bauten
einzuſtellen, angenommen. Die gleiche Summe
wird in die dauernden Einnahmen bei Zöllen und Neben=
einnahmen
der Zollverwaltung eingeſetzt. Der Reſt des
Etats wird bewilligt. Es folgt der
Etat für Oſt=Afrika.
Abg. Müller=Meiningen (Fortſchr. Vpt.): Wenn
auch den Religionsſchulen ein großes Verdienſt um die
Kolonien zugeſprochen werden muß, ſo müſſen doch auch
die Regierungsſchulen mit allen Kräften gefördert und
ausgebaut werden. Die Lage der Lehrer muß gehoben
und ihnen die Stellung der Rektorate geboten werden. Die
Lehrerausbildung darf nicht ausſchließlich den Miſſions=
ſchulen
überlaſſen bleiben. Staatsſekretär Dr. Solf:
Es iſt nicht richtig, daß die Regierungsſchulen den Iſlam
unterſtützen. Es ſteht feſt, daß die Mohammedaner ihre
Kinder nicht in die Konfeſſionsſchulen ſchicken. Dadurch
ergibt ſich, daß ſie die Regierungsſchulen bevorzugen. Die
Tätigkeit der Lehrer erkennen wir durchaus an. Ihr Ver=
dienſt
iſt ſehr groß. Abg. v. Böhlendorf=Kölpin
(konſ.): Wir begrüßen, daß der Bahnbau im Ruanda= und
Urundi=Gebiet in den Etat eingeſtellt iſt. Hoffentlich wird
bei dieſer Gelegenheit auch eine beſſere Topographie die=
ſer
Gegenden beſorgt. Für die Fiſcherei in den oſtafrika=
niſchen
Gewäſſern muß mehr geſorgt werden. Die Er=
höhung
des Etatsſatzes für Landſtraßen begrüßen wir mit
Freuden. Abg. Dr. Arendt (Reichspt.): Die deut=
ſchen
Anſiedler in Uſambara wünſchen für Wilhelmstal die
Errichtung einer Schule. Der Gouverneur hat dieſe For=
derung
aus Mangel an Mitteln abgelehnt. Darin liegt
ein unglaublicher Mißſtand, zumal 86 deutſche Kinder, von
denen 43 ſchulpflichtig ſind, dort vorhanden ſind. Eine
Verlängerung der Dienſtperiode für Beamte und Offiziere
wäre angebracht. Sie müſſen reichlich Erholungsurlaub
bekommen. Abg. Ledebour (Soz.): Der Bau der
hier angeforderten Bahnen muß unbedingt zu einer Unter=
jochung
oder anderweitigen Ausnutzung der Ruanda=Leute
führen, zumal die Kopfſteuer damit verbunden ſein wird.
Darauf wird vertagt. Nächſte Sitzung Don=
nerstag
2 Uhr: Kleinwohnungsgeſetz, Wechſelverpflich=
tungen
mit dem Auslande, Luftverkehrsgeſetz, Fortſetzung
des Kolonialetats. Schluß ½7 Uhr.

* Berlin, 11. März. Die Budgetkommiſſion
des Reichstags hat den Etat von Deutſch= Südweſt=
afrika
erledigt und den Zentrumsantrag zu den Auslagen
für Anlagen werbender Art, die Grundeigentümer im
Wirtſchaftsbereiche dieſer Anlagen ihrem Intereſſe an der
Anlage entſprechend heranzuziehen, als Initiativantrag
mit großer Mehrheit angenommen. Angenommen wurden
ferner die Reſolution der Wirtſchaftlichen Vereinigung,
betreffend die Ausſchaltung des ſtaatlichen Arbeitszwanges
und beſreffene die Arbeiterſchutzbeſtimmungen, betreffend
die Ausſchließung der Beſiedelung des Ambolandes durch
Weiße und betreffend die Freiheit des Arbeitsvertrages in
Südweſtafrika, ebenſo die Zentrumsreſolution, betreffend
die Regelung der bergrechtlichen Verhältniſſe für den Nor=
den
Südweſtafrikas; endlich wurden im Nachtragsetat die
angeforderten 5 Millionen Mark für die Ambolandbahn
genehmigt. Am Donnerstag ſteht der Etat für Kamerun
auf der Tagesordnung.

Elſaß=Lothringiſcher Landtag.

* Straßburg, 11. März. Die Zweite Kam=
mer
ſetzte heute vormittag die dritte Etatssbera=
tung
fort. Dabei wurde an die Regierung das einſtim=
mige
Erſuchen gerichtet, eine Denkſchrift vorzulegen zur
Klarſtellung des in Elſaß=Lothringen geltenden Rechtszu=
ſtandes
bezüglich des Eingreifens militäriſcher Befehls=
haber
in die Polizeigewalt ohne vorherige Requiſition der
Zivilbehörden. Eine Reſolution der Sozialdemokraten,

[ ][  ][ ]

betreffend die völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe
wurde im Hinblick auf die dem Reichstag vorliegende Ma=
terie
abgelehnt. Beim Univerſitätsetat vertrat der Abg.
Dr. Pfleger (Zentr.) die Anſicht, daß die jüdiſchen Leh=
rer
nicht zurückgeſetzt würden. In perſönlichen Auseinan=
derſetzungen
mit dem Abgeordneten Peirotes (Soz.) rech=
nete
es ſich Dr. Pfleger zur Ehre an, zu der Gruppe zu ge=
hören
, die man Nationaliſten nennt. Als ſolcher trete er
für die Würde und Freiheit des Landes ein.
In der Nachmittagsſitzung wandte ſich der
liberale Abgeordnete Wolf beim Unterrichtsetat ziemlich
ſcharf gegen die Zentrumspartei und betonte, daß die
moderne Volksſchule eine Schöpfung des modernen deut=
ſchen
Staates. Die Schule werde gehalten durch die Ar=
beit
der Volksſchullehrer, die poſitive Kulturarbeit leiſteten.

Gerichtszeitung.

* Der Eheſcheidungsprozeß der Gräfin
Treuberg. Der Gatte der am 16. Dezember in Berlin
wegen Wuchers, Erpreſſung uſw. zu 15 Monaten Gefäng=
nis
verurteilten Gräfin Eliſabeth Fiſchler von Treuberg
geb. Uhl aus Offenbach hatte, wie berichtet, ſeinerzeit im
Zivilprozeßverfahren auf Nichtigkeitserklärung der Ehe
geklagt. Der Prozeß ſchwebte vor dem Landgericht in
Frankfurt a. M., das den Klageantrag anerkannte und
die Ehe für nichtig erklärte. Gegen dieſes Erkenntnis hatte
die Uhl Berufung eingelegt, die ſich darauf ſtützte, daß
ihrem Gatten ihr Vorleben durchaus bekannt geweſen ſei,
und daß er genau gewußt habe, mit wem er die Ehe ein=
gehe
. Zum Zwecke der Benennung von Zeugen, die be=
kunden
können, daß das, was die Uhl behauptet, richtig ſei,
wurde der Termin vor dem Oberlandesgericht Frankfurt
vertagt.
* Frankfurt a. M., 11. März. Die Strafkammer
des Landgerichts Frankfurt hat jetzt auch den Eiſenbahn=
ſekretär
Pajunk aus Niederhöchſtadt, der im Jahre 1907
wegen Beleidigung des kürzlich zum Tode verur=
teilten
Drogiſten Karl Hopf zu 150 Mark Geldſtrafe
verurteilt worden war, weil er dem Hopf gegenüber den
Ausdruck Giftmiſcher gebraucht hatte, im Wiederauf=
nahmeverfahren
freigeſprochen und die Staatskaſſe
zur Rückzahlung aller dem Eiſenbahnſekretär Pajunk ent=
ſtandenen
Koſten verurteilt.
* Koblenz, 10. März. Das Kriegsgericht
der Kommandantur verurteilte geſtern abend nach zwei=
tägiger
Verhandlung den Hauptmann Vogel vom Be=
zirkskommando
Köln, früher beim Infanterie=Regiment
Nr. 68 in Koblenz, wegen Meineids zu fünf Monaten Ge=
fängnis
und Dienſtentlaſſung, den Hauptmann Lintz vom
Fußartillerie=Regiment Nr. 9 wegen Meineids und uner=
laubter
Entfernung zu fünf Monaten Gefängnis und
Dienſtentlaſſung und den Leutnant und Adjutanten Zieg=
ler
vom Fußartillerie=Regiment Nr. 9 wegen Beihilfe
zur unerlaubten Entfernung des Lintz zu 14 Tagen Stu=
benarreſt
. Die beiden Hauptleute hatten in einer Ehe=
ſcheidungsklage
unter Eid unwahre Ausſagen gemacht.
Als durch ſpätere Ermittelungen ſich die tatſächlichen Vor=
kommniſſe
ergaben, wurden die beiden Hauptleute in
Haft genommen. Der Adjutant Ziegler hatte den Haupt=
mann
Lintz von ſeiner bevorſtehenden Verhaftung benach=
richtigt
, worauf Lintz nach Luxemburg fuhr, jedoch nach
zwei Tagen wieder zurückkehrte. Von der erlittenen
Unterſuchungshaft wurde den beiden Verurteilten je ein
Monat angerechnet. Während der ganzen Dauer der Ver=
handlung
war die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung mili=
tärdienſtlicher
Intereſſen und wegen Gefährdung der Sitt=
lichkeit
ausgeſchloſſen.
* Luxemburg, 11. März. Der Biſchof von
Luxemburg, der zu 26 Francs Geldſtrafe verurteilt
wurde, weil er in einem Hirtenbrief den Katholiken das
Leſen einer Anzahl Zeitungen verboten hatte, und gegen
den von einem Blatte daraufhin die Verleumdungsklage
angeſtrengt war, hat ſofort Berufung eingelegt.

Franzöſiſche Kammer.

* Paris, 11. März. Die Beratung des Etats
des Miniſterium des Aeußern wurde heute
in der Kammer fortgeſetzt. Auf den Hinweis des Abg.
Georges Leygues, den Einfluß Frankreichs im Orient
aufrecht zu erhalten, erklärte der Miniſterpräſident:
Die Regierung will den Einfluß aufrecht erhalten und
entwickeln durch die Berufung auf die Rechte Frankreichs
und durch die Macht, die dieſe Rechte Frankreichs vertei=
digt
, durch Unterweiſung und durch eine ausgedehntere
Kenntnis der franzöſiſchen Kultur. Die Regierung macht
keinen Unterſchied zwiſchen den einzelnen Miſſionen, die
der franzöſiſchen Kultur dienen. Der Miniſterpräſident
wies auf die bisherigen Anſtrengungen hin, den Unter=
nicht
in der Levante zu fördern, beſonders den techniſchen
Unterricht in Syrien, um die Auswanderung der Bevöl=
kerung
aus dem Lande aufzuhalten, indem dieſe immer

unter dem Schutze Frankreichs geſtanden hätte und auch
künftig ſtehen werde. (Beifall.) Doumergue iſt der An=
ſicht
, daß keinerlei Urſache vorliege, um die konſulariſche
Vertretung Frankreichs in der Levante zu vermindern;
das Gegenteil ſei richtig. (Lebhafter Beifall.) Albin Rozet
beanſtandete einen Entwurf, nach dem gewiſſe diploma=
tiſche
Poſten, insbeſondere die Konſulate in Nürnberg und
München aufgegeben werden ſollen. Er bezeichnete es als
nicht angebracht, daß Frankreich keinen Handelsagenten in
Bayern mehr haben ſolle, und fügte hinzu, daß, wenn der
franzöſiſche Handel in zwei oder drei Jahren die Wiederher=
ſtellung
dieſer Poſten verlange, es Leute geben würde,
die fragen würden, welche Abſichten Frankreich in Süd=
deutſchland
verfolge. Die Kammer nahm einen Antrag
an, der eine gründliche Reviſion des Entwurfes bezweckt.
Darauf nahm die Kammer den Etat des Mini=
ſteriums
des Aeußern an.
Der Bericht des Deputierten Benazet über das
Kriegsbudget wurde heute in der Kammer verteilt.
Es wird darin dargelegt, wie die militäriſche Anſtreng=
ung
Deutſchlands, durch welche die deutſche Armee
um 153000 Mann vermehrt worden ſei, Frankreich zur An=
nahme
des Dreijahresgeſetzes beſtimmt habe. Das
Geſetz bringe die Zahl der Bewaffneten im Mutterlande
auf 700000, dazu kämen 48000 franzöſiſcher Truppen aus
Algerien und Tunis. Dies ergebe die Geſamtzahl von
748000 Mann, die Hilfsdienſte nicht einbegriffen. Benazet
ſetzte weiter auseinander, daß das Dreijahresgeſetz eine
beſſere Verteilung der Truppen und die Schaffung eines
21. Armeekorps zur Folge hatte, die es geſtatte, über fünf
Armeekorps zu verfügen, die imſtande ſeien, unverzüglich
an den Operationen zur Deckung der Grenze teilzunehmen.
Der Berichterſtatter ſtellt jedoch feſt, daß das Geſetz vom
7. Auguſt 1913 genau geſprochen nicht eine Erwiderung
auf die mehr und mehr entwickelten Rüſtungen ſei, es ſei
eine einfache Vorſichtsmaßnahme gegen Gefahren, die um=
ſo
drohender ſeien, als das an den Toren Frankreichs ge=
ſchmiedete
Kriegswerkzeug wirkungsvoller mit unbeſtreit=
barer
Offenſivkraft ausgeſtattet ſei.

Der belgiſche Kolonialetat in der
Kammer.

* Brüſſel, 11. März. Der Kolonialminiſter Ren=
kin
eröffnete heute in der Kammer die Beratung des
Kolonialbudgets für 1914, das mit einem
Defizit von 21,4 Millionen Francs abſchließt=
mit
einer großen Rede, in der er ausführte, das Defi=
zit
ſei vorauszuſehen geweſen; es ſei zurückzuführen nicht
nur auf die Kautſchukkriſe in der Kongokolonie, ſondern
auch darauf, daß man das Programm von 1909, betref=
fend
die Handelsfreiheit, in dieſer Kolonie zu raſch und
in zu kurzen Etappen zur Ausführung gebracht habe. Die
Kolonie müſſe adminiſtrative Autonomie erhalten und das
Mutterland ſich lediglich auf die politiſche, finanzielle und
adminiſtrative Kontrolle beſchränken. Das Defizit habe
die Frage aufgeworfen, ob die Kongokolonie einen reellen
Wert für Belgien habe. Daß dieſe Frage geſtellt werden
könne, zeige, daß der koloniale Geiſt in Belgien noch wenig
entwickelt ſei. Die Kongokolonie ſei nicht nur eine kaut=
ſchukhervorbringende
Kolonie, ſondern auch Oele ſeien
dort zu gewinnen. Der Wälderreichtum müſſe ebenfalls
nutzbar gemacht werden, ebenſo die Ernte von Früchten,
wie Bananen und Orangen uſw. Bedeutend ſei der
Minenreichtum im Katangagebiet und in anderen Gegen=
den
der Kolonie. Auch Zinn werde dort ſchon gewonnen,
doch ſei man mit den Schürfungen nach anderen Metallen
noch lange nicht am Ende angekommen. Der Wert der
Kolonie könne alſo nicht in Frage geſtellt werden. Die
Aufgabe müſſe jetzt aber ſein, Koloniſatoren in Belgien
heranzubilden und ein Programm für die Schaffung von
Transportmitteln zu Waſſer und zu Lande durchzuführen.
Der Miniſter entwickelte dieſes Programm des näheren
und ſagte u. a., daß die Vollendung der deutſchen Eiſen=
bahn
bis zum Tanganjikaſee zu begrüßen ſei. Des fer=
neren
, ſagte der Miniſter, ſei die Aufſtellung eines Finanz=
programms
erforderlich, das im kommenden Jahre dem
Parlament unterbreitet werden ſolle. Der Ausbau der
Verkehrsmittel müſſe zum Teil durch Anleihen gedeckt wer=
den
, aber dem privaten Unternehmungsgeiſt dürfe kein
Hindernis in den Weg gelegt werden, wenn ſich auch der
Staat volle Kontrolle vorbehalten müſſe. Er, der Mini=
ſter
, wolle alſo der privaten Initiative den weiteſten
Spielraum gelaſſen wiſſen. Er ſchloß ſeine Ausführungen
damit, daß er hochfreudig in die Zukunft blicke. Das
Haus trat alsdann in die Debatte ein, für die drei Tage
vorgeſehen ſind.

Luftfahrt.

London 11. März. Innerhalb zweier Tage
iſt heute die engliſche Militär=Aviatik ſchon wieder vor
einem Unfall betroffen worden. Faſt an derſelben Stelle,

wo geſtern der Abſturz des Hauptmanns Dorner erfolgte,
ſtürzte heute auf dem Flugfelde von Salisbury Haupt=
mann
Allen mit Leutnant Burroughs ab. Beide Flies
ger waren auf der Stelle tot.

Hochwaſſer.

* Köln, 11. März. Der Rhein erreichte geſtern
mit 6,60 Meter den höchſten Stand. Ueber nacht ſtieg
er nicht weiter und fiel im Laufe des heutigen Vormittags
allmählich. Um 11 Uhr zeigte der Pegel 6,45 Meter. In=
folge
des kühleren Wetters wird eine weitere Hochwaſſer=
gefahr
nicht erwartet.
* Duisburg, 11. März. Der Rheinpegel zeigt
6,15 Meter, 4½ Meter über dennormalen Stand
was eine jahrelang unerreichte Höhe darſtellt. Durch das
Hochwaſſer iſt der Hafenbetrieb in den Häfen Duisburgs
und Ruhrorts ſchwer geſtört. In den älteren Häfen ſind
alle Magazine überflutet. Vier Kohlenkipper ſind ſtillge=
legt
. Der Kohlenumſchlag iſt eingeſchränkt worden. Die
Wieſenflächen an der Ruhr ſind überſchwemmt.

Vom Balkan.

* Belgrad, 11. März. Die Behauptung der Poli=
tika
, daß der bulgariſche Geſandte gelegentlich
einer Wohltätigkeitsvorſtellung im Nationaltheater beim
Spielen der ſerbiſchen und der ſlaviſchen Hymnen de mon=
ſtrativ
ſitzen geblieben ſei, wird von berufener
Seite als unwahr bezeichnet.
* Athen, 11. März. Die Räumung von
Epirus wird fortgeſetzt. Der Bezirk Kolonic
iſt geſtern der albaneſiſchen Gendarmerie ohne Zwiſchen=
fall
übergeben worden.
* Valona, 11. März. Der Fürſt von Albas
nien hat den holländiſchen Major Thomſon zum Ges
neralbevollmächtigten für die beiden Diſtrikte Koritzg
und Argyrokaſtro ernannt, indem er ihm gleichzeitig
alle Machtbefugniſſe zur Durchſetzung der ihm übertrages
nen Vertrauensmiſſion bezüglich der Aufrechterhaltung der
Ruhe, ſowie der Organiſation der verſchiedenen Verwal=
tungszweige
erteilte. Thomſon hat ſich mit mehreren
holländiſchen Offizieren nach Santi Quaranta be=
geben
, um von dort an den Beſtimmungsort zu gelangen,
Die Kontrollkommiſſion iſt geſtern nach Valona zurück=
gelehrt
.
* Konſtantinopel. 11. März. Ein Teil der türs
kiſchen Preſſe fährt in ihrer heftigen Sprache gegen
Griechenland fort. Taswir=i=Efkiar beſpricht die
Debatte in der griechiſchen Kammer über den antigries
chiſchen Boykott. Turquis ſagt, der Boykott ſei der
Ausdruck des Unwillens der muſelmaniſchen Türken über
die Verluſte an Land und fragt, ob nach den Verfolgungen
der Muſolmanen in Neugriechenland die Pforte kein Recht
habe, Repreſſalien zu üben.

Aus Mexiko.

* London, 11. März. Der Daily Chronicle mell
det aus Neu=York vom 10. ds Mts.: Nach einem Berichſ
der Neu=York World aus El Paſo hat eine Schlacht bei
Torreon ſtattgefunden. Die Rebellen, die angegriffen
hatten, wurden geſchlagen. Die Geſamtzahl der Getöteten
ſoll 1000 Mann betragen Die Truppen des Generals
Huerta bewegen ſich in vier getrennten Abteilungen
vorwärts und daneben beſteht noch eine Kolonne von 5000
Mann. In Belen haben ſich 900 Mann, die in daseg
fängnis geworfen worden waren, freiwillig in die Armee
einreihen laſſen.
* London, 11. März. Aus Mexiko wird gemels
det: Die Bundestruppen haben dem im Beſitz der Rebellen
befindlichen Kanonenboot Tampico die Ausfahrt aus
dem Hafen von Topolobampo abgeſchnitten, indem
ſie das alte Kanonenboot Demokrata quer über dem
Hafeneingang zum Sinken brachten.
* El Paſo 11. März. Der engliſche Konſul in
Chihuahua meldet, daß General Villa den Befehl zur
Konfiszierung der Farm des früheren Burengenerals
Snyman aufgehoben hat.

Darmſtadt, 12. März.
g. Sonderbarer Fund im Eiſenbahnwagen. Als geſten
abend die Wagen des 9,11 Uhr auf dem hieſigen Haupt
bahnhof von Heidelberg eintreffenden Perſonenzuges9
revidiert wurden, ſand man in dem Abort eines Abteils
dritter Klaſſe einen anſcheinend dem Arbeiterſtande ange
hörenden Mann entkleidet daliegen. Die Tür des Aborts
war mit Bindfaden zugebunden. Der Mann hatte an
ſcheinend Gift genommen. Da man noch einige
Lebenszeichen bemerkte, brachte man den Mann durch die
Rettungswache in das Städtiſche Krankenhaus. Der Mann
ſoll aus dem Weſtfäliſchen ſtammen.
Wie uns weiter mitgeteilt wird, erklärt ſich der Von
fall auf ziemlich harmloſe Weiſe. Es handelt ſich um den

Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, 11. März.

Zum erſten Male:
John Gabriel Borkman.
Schauſpiel in 4 Akten von Henrik Ibſen.
W-l. Als drittes Stück im Ibſen=Zyklus ging heute
das vieraktige Schauſpiel John Gabriel Bork=
man
in Szene. Trotzdem das Stück der ſpäteren Zeit=
Ibſens angehört, hält es ſich von Myſtiſch=Grübleriſchem
und Symboliſchem im ganzen fern und geht erſt im letzten
Akte vom rein Menſchlichen ins Symboliſche über.
Der Bankdirektor John Gabriel Borkman, ein Mann
von unbändiger Machtbegierde und unbegrenztem Selbſt=
bewußtſein
, die ſich faſt zum Größenwahn ſteigern, hat
ſich mit hochfliegenden Plänen getragen: er wollte die
Schätze der Erde heben und durch ſie zu großem Reichtum
und Macht gelangen und die Menſchen glücklich ma=
chen
. Um ſeine Pläne zu verwirklichen, von deren
Ausführbarkeit er feſt überzeugt war, griff er fremde, ihm
anvertraute Gelder an, und zwar in der ſicheren Ueber=
zeuaung
, daß, wenn ihm Zeit gelaſſen worden wäre, er
alles wieder hätte zurückerſtatten können. Aber ein Freund,
den er ins Vertrauen gezogen hatte, verriet ihn, er wurde
vor Gericht geſtellt und zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt.
Das ganze Vermögen der Familie ging verloren, nur das
ſeiner Schwägerin Ella, die er einſt geliebt hatte, hatte er
nicht angegriffen. Sie kaufte bei der Verſteigerung das
Familiengut an und erhielt die ganze Familie und erzog
auch den Sohn Borkmans bis zum 15. Jahre. Nach ſeiner
Freilaſſung lebte Borkman acht Jahre lang oben, und ſeine
Frau, die ihm die Schande, die er über die Familie ge=
bracht
hat, nicht verziehen hat, unten im Hauſe. Sie
ſahen ſich nie, und er verließ nie das Zimmer, lebte aber
die ganze Zeit hindurch in der Erwartung, daß man eines
Tages kommen und ihn wieder holen würde, wenn man
ihn brauchte. Er hat in dieſer Zeit über ſich ſelbſt zu Ge=

richt geſeſſen und ſich von der Schuld freigeſprochen. Sein
Stol; und ſein Selbſtbewußtſein ſind ungebeugt.
Die Handlung des Stückes konzentriert ſich um den
Kampf der beiden Zwillingsſchweſtern, der Frau Borkman
und der Ella Rentheim um den Sohn Erhard. Frau Gun=
hild
will ihren Sohn für eine Miſſion erziehen, die da=
rin
beſteht, daß er ein Leben voll Reinheit und Hoheit
führen ſoll, um die Schande, die ſein Vater über die Fa=
milie
gebracht hat, wieder zu tilgen. Sie iſt ein ſtolzer
und ſtarrer Chgrakter von unbeugſamem Rechts= und
Sittlichkeitsgefühl und unverſöhnlich. Ihr gegenüber ſteht
ihre Zwillingsſchweſter Ella, die einſt Borkman geliebt hat,
aber von ihm egoiſtiſcher Zwecke wegen geopfert worden
iſt. Sie will Erhard aus dem Banne ſeiner Mutter, die
ihn zum Haß gegen ſeinen Vater erzieht, befreien. Denn
nur ihm, deſſen Vater ihr einſt das Herz gebrochen hat,
gilt ihre Liebe; ſie will nur ſein Glück und verzeiht alles.
Der Sohn ſoll zwiſchen beiden wählen, oder richtiger,
zwiſchen dreien. Denn auch der Vater, der ſich jetzt ent=
ſchließt
, wieder von vorn anzufangen macht Anſprüche
auf ihn. Aber der Sohn entſchlüpft allen dreien: eine
ſchamloſe Kokette hat ihn in ihre Netze gezogen. Er will
aus den ihn beengenden Feſſeln heraus und ſehnt ſich
nach Glück, das er zu finden hofft, wenn es auch nur kurz
ſei. Sie entführt ihren Geliebten nach dem Süden
Seine Mutter bleibt unverſöhnlich, ſeine Pflegemutter Ella
aber gibt ihm, verzeihend, ihre beſten Wünſche mit auf
den Weg. Nachdem ein Verſuch Ellas, Borkman mit ſei=
ner
Frau auszuſöhnen, geſcheitert iſt, verläßt er nachts
in der Winterkälte das Haus und ſtirbt, während Ella
ihm zur Seite ſteht, vor Kälte und Erſchöpfung auf einer
Bank, nachdem ſein Geiſt, wie der des ſterbenden
Fauſt, ſich nochmals zu hohem Gedankenfluge erhoben hat.
Ueber der Leiche reichen ſich beide Schatten Gunhild
und Ella, die Hand zur Verſöhnung.
Ibſen hat auch in dieſem Stücke die analytiſche Me=
thode
gewählt, d h. die Handlung entwickelt ſich nach und
nach aus dem Dialog. Seine Meiſterſchaft in dieſer Me=
thode
bekundet ſich auch hier in wahrhaft glänzender Weiſe.
Bis zum dritten Akte iſt das Stück ſehr ſpannend, der letzte

Akt verliert ſich dagegen wieder, wie ſchon bemerkt, ins
abſtrakte Gebiet.
Die beiden ſich gegenüberſtehenden Charaktere der
Zwillingsſchweſtern Gunhild und Ella gehören zu Ibſens
großartigen Frauencharakteren. Auch der Charakter Bork=
mans
, deſſen Problem in wenigen Worten nicht zu er=
ſchöpfen
iſt, iſt nicht wie die Charaktere in den ſonſtigen
ſpäteren Stücken Ibſens, die bloße Verkörperung einer
Idee, ſondern ein auf realem Boden wurzelnder Menſch
von überragender, geiſtiger Größe, hochfliegenden Gedans
ken und gigantiſchen Plänen, eine Herrennatur, der aber
Schiffbruch leidet, weil er ſich in den Mitteln zur Ver=
wirklichung
ſeiner Pläne vergreift, bis zu ſeiner letzten
Stunde aber ſein Haupt nicht beugt.
Die Aufführung des Stückes, deſſen tiefem ſittlichen
Ernſt ſich das Publikum nicht entziehen kann, war vor=
trefflich
. Die Titelrolle wurde von Herrn Jannings
mit überraſchend gelungener Charakteriſtik und Einheit=
lichkeit
in der Auffaſſung und Durchführung geſpielt; es
war eine imponierende Leiſtung aus Einem Guſſe. Frl=
Ilm vom Schauſpielhauſe in Frankfurt verkörperte die
herbe und ſtrenge Frau Gunhild in jeder Hinſicht glaub=
würdig
und natürlich. Die Natürlichkeit beobachtete ſie
auch im Sprechen, ein großer Vorzug bei den Darſtelle= von Ibſen=Rollen. Frl. Pils als Ella war im
erſten Akte zu pathetiſch und larmoyant und ging etwas
auf die Nerven. Deſto beſſer war ſie in den folgenden
Alten, in denen ſie mit ihrer Aufgabe wuchs. Ein Kabi=
nettſtück
ſchauſpieleriſcher Kunſt war Herrn Weſter=
manns
epiſodiſche Rolle des Foldal. Die kleineren
Rollen des Erhard, der Fanny Wilton und der Frieda
waren durch Herrn Ehrle Frl. Meißner und Frl=
Horn beſtens vertreten. Alles in allem war die Auffüh=
rung
des ſehr hohe Aufgaben ſtellenden Stückes eine he
vorragende Leiſtung unſeres Schauſpiels.
Die Regie hatte Herr Baumeiſter. Die Inſzenie=
rung
war ſtil= und geſchmackvoll. Sehr ſchön war die
Winterlandſchaft des letzten Aktes. Das Publikum nahm
das Stück mit warmem Beifall auf.

[ ][  ][ ]

Nummer 71.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Seite 7.

ſalebeitsloſen Maſchinenputzer Heinrich Zapf aus dem
Geſtfäliſchen. Er war von Fahrgäſten nach dem gewalt=
ſarmen
Oeffnen der Aborttür auf die Bank gelegt wor=
dun
. Hier iſt der Mann anſcheinend vor Hunger und
ſäälte ohnmächtig geworden und war auch ſo mit dem
Lsagen ausrangiert worden. Im Krankenhaus kam er
niieder zu ſich und dürfte heute wieder entlaſſen werden
Uinnnen. Zapf hatte eine Station überfahren und ſich
mohl deshalb in den Abort eingeſperrt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Frankfurt a. M., 11. März. Wie der Finanzherold
efährt, wird die chileniſche Kammer im April zu=
ſtrmmentreten
, um die Frage zur Errichtung einer
§onverſionskaſſe definitiv zu ordnen. Die Feſt=
ſartzung
der Valuta auf 10 bis 11 Pence iſt wahrſcheinlich.
* Homburg v. d. Höhe, 11. März. Im Kuchaustheater
fimndet am Montag, den 16. März, in Gegenwart des Prin=
zun
der Niederlande und des Prinzenpaares Friedrich Karl
von Heſſen eine Wohltätigkeeitsvorſtellung
roon Herren und Damen der Geſellſchaft unter der Regie
des Direltors Steffter ſtatt. Die Einnahmen aus dieſer
Horſtellung ſollen zur Errichtung eines Marianendenkmals
im Bad Homburg v. d. Höhe verwendet werden.
* Köln, 11. März. Wie der Berliner Korreſpondent
der Kölniſchen Zeitung von unterrichteter Seite hört, trifft
ire von den Blättern gebrachte Zurückziehung des
deeutſchen Marinedetachements aus Hankau
zu, doch wird das Detachement, wie etwa ſpäter freiwer=
dende
lokale Detachements, nicht in die Heimat zurückge=
zogen
, ſondern nach Tſingtau verlegt, da die
Arruppen dort für abſehbare Zeit nicht entbehrlich er=
ſHeinen
.
* Braunſchweig, 11. März. Dem braunſchwei=
giſchen
Landtage iſt eine Vorlage, betreffend die
Wiederrichtung einer braunſchweigiſchen Ge=
ſaandtſchaft
am preußiſchen Hofe zugegangen.
* Wien, 11. März. Oberleutnant Jacob iſt, wie
refiziell mitgeteilt wird, wegen Verbrechens der Aus=
ſoähung
zur Kaſſierung und 17 Jahren ſchweren
vierſchärften Kerkers verurteilt worden.
* Rom, 11. März. Der König hatte heute morgen
e ne Beſprechung mit dem Präſidenten des Senats, Man=
frredi
, dem Präſidenten der Kammer, Marcora, dem
Lizepräſidenten des Senats, Blaſerna, und dem Vize=
fräſidenten
der Kammer, Carcano, in der über eine
ſöſung der Kriſis und die Nachfolge des Kabinetts
teraten wurde.
* Madrid, 11. März. Der franzöſiſche Generalreſident
ton Marokko, Liauthey, wurde vom König und der
* önigin in über einſtündiger Audienz empfangen. Das
Frühſtück nahm Liauthey beim Miniſter des Aeußern,
geozu der franzöſiſche Botſchafter, der Miniſterpräſident,
ter Kriegs= und Marineminiſter und der ſpaniſche Reſi=
tent
von Marokko geladen waren.
* Petersburg, 11. März. Der Reichsrat nahm in
tritter Leſung die Geſetzesvorlage, betreffend die Be=
kämpfung
der Trunkſucht, an und übergab ſie
infolge der vorgenommenen Aenderungen der Reichsduma
zu erneuter Prüfung.
* Konſtantinopel, 11. März. Die Dette Publique
Cettomane hatte geſtern dem Staatsſchatz 400 000
Lfund vorgeſchoſſen. Der neue Miniſter der
Leeffentlichen Arbeiten, General Mahmud Paſcha, iſt
zum Mitglied des Senats ernannt worden.
* Peking, 11. März. 400 bis 500 Räuber dran=
ten
durch Verrat in die norwegiſche Miſſionsſtation Lao
bokow in der Provinz Hupeh ein, plünderten ſie und
zündeten ſie dann an. Der Miſſionar Froyland wurde
(etötet, der Miſſionar Sama ſchwer verwundet. Die Räu=
her
erbeuteten Munition, 600 bis 700 Gewehre und ver=
ſthiedene
Geſchütze und zwangen die Kulis, die Beute fort=
nutſchaffen
.

Bubenſtreich.
* Berlin, 11. März. Von unbekannten Perſonen
weurden heute am Kaiſer Friedrich=Denkmal
vor dem Charlottenburger Schloß die Worte Rote
Woche angebracht. Die mit roter Anilinfarbe aufgetra=
genen
Worte konnten erſt nach vieler Mühe entfernt wer=
den
. Der Polizeipräſident ſetzte auf die Ergrei=
fung
der Täter eine Belohnung von 1000 Mark
alus.

Die Amerikareiſe des Prinzenpaares Heinrich von Preußen.
* Hamburg, 11. März. Der Dampfer Kap Tra=
ſtalgar
der Hamburg=Südamerikaniſchen Dampfſchiff=
fahrtsgeſellſchaft
hat heute nacht mit dem Prinzenpaar
Heinrich an Bord den Hamburger Hafen verlaſſen.
* Hamburg, 11. März. Der Dampfer Kap Trafalgar
mit dem Prinzenpaar Heinrich von Preußen an
Bord hat heute morgen 7 Uhr Kuxhaven paſſiert.

Sympathiekundgebungen für den Grafen Wedel.
Straßburg, 11. März. Die elſaß= lothringi=
ſiche
Bevölkerung bereitet für den ſcheidenden Statt=
halter
Grafen Wedel eine eindrucksvolle Kund=
gebung
vor. Es wird ein großer Fackelzug abge=
(alten werden, an dem die ganze Bevölkerung von Elſaß=
Lothringen vertreten ſein ſoll. Bis jetzt ſind 2900 Ver=
efine
mit über 300000 Mitgliedern für dieſen Huldigungs=
a
kt gewonnen. Allein aus Straßburg haben über 200 Ver=
ekine
mit rund 12000 Mitgliedern ihre Beteiligung zuge=
ſagt
. Außerdem ſoll von einer Deputation dem Statthal=
ter
eine kunſtvoll ausgeführte Widmung überreicht wer=
deen
und im Anſchluß daran wird eine Serenade der elſaß=
lothringiſchen
Geſangvereine ſtattfinden. Die konſtituie=
nende
Verſammlung wird am 20. März abgehalten werden.
* Straßburg. 11. März. In geheimer Sitzung beſchloß
eute der Gemeinderat mit Bezug auf das bevor=
ſtrehende
Scheiden des Kaiſerlichen Statt=
halters
zu deſſen Ehren die mettlere Allee der Orangerie
WGraf von Wedel=Allee zu nennen. Der Be=
ſchluß
betont u. a., daß Graf von Wedel in den ſechs Jah=
nen
ſeiner Statthalterſchaft mit reicher Kraft die wirt=
chaftliche
und kulturelle Entwickelung des Landes geför=
dert
und erweitert habe. Das Land danke es ihm und
werde es ihm im treuen Gedächtnis bewahren, daß er
als ein durch die Gegenwart und durch die Vergangenheit
geſchulter Staatsmann mit weiſem Ernſt und Gerechtig=
leit
der Eigenart von Land und Volk Rechnung getragen
habe‟.

Immer noch der Bauernſchreck.
Graz, 11. März. In der ſteiriſchen Gemeinde St.
Rikolai ſind die Schulen wegen Auftretens eines
Raubtieres (Bauernſchreck) geſchloſſen
worden.

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Der Geſamtauflage unſerer heutigen Ausgabe
liegt ein Proſpekt des Chemiſchen Labora=
toriums
J. Will, St. Ludwig, betr.: Vollnährige
Speiſen unſer Allheilmittel, bei, worauf wir
unſere Leſer hinweiſen.
(6559

Dampfernachrichten.
Nordd. Lloyd, Bremen. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
: Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
Prinzeß Irene 5. März 11 Uhr vorm. von Genua ab=
gegangen
. Neckar 5. März 1½ Uhr nachm. von
Bremen nach Baltimore abgegangen. Prinzeß Alice‟
6. März 10 Uhr vorm. von Genua abgeg. Bülow‟
5. März 12 Uhr mittags von Cuxhaven abgegangen.
Seydlitz 5. März 4 Uhr vorm. Gibraltar paſſiert.
Helgoland 5. März von Rotterdam nach Bremen ab=
gegangen
. Würzburg 5. März von Liſſabon nach
Braſilien abgegangen. Schleswig 5. März 7 Uhr
vorm. in Alexandrien angekommen. Herzogin Cecilie‟
6. März Lizard paſſiert. Scharnhorſt 5. März 4 Uhr
nachm. in Neu=York angekommen.

a
Statt Karten!
Die glückliche Geburt eines Sohnes
zeigen Sehr erfreut an
(6523

Darmstadt, den 11. März 1914.
Wilhelm Schmitt
Direktor der Akademie für Tonkunst
Frau Jse Schmitt, geb. Braun.
eMRGEGEEGEeE

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute nachmittag entſchlief ſanft nach
kurzem Krankenlager unſere liebe Mutter,
Großmutter und Schwiegermutter (6541
Frau
Margarothe Zangsdert N
geb. Werkmann
im Alter von 81 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
J. Langsdorf, Ober=Bahnaſſiſtent,
Landgraf Philipp=Anlage 24.
Darmſtadt, den 10. März 1914.
Die Beerdigung findet Donnerstag, 12. März,
nachmittags 4½ Uhr, vom Hauſe Landgraf
Philipp=Anlage 24 aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Mannes, unſeres
treuen Vaters, Sohnes, Bruders, Schwagers,
Onkels und Neffen
(6540
Johannes Bangert
Kellner
für die zahlreichen Blumenſpenden, ſowie allen
Denen, die ihm die letzte Ehre erwieſen haben,
beſonders dem Herrn Pfarrer Vogel für die troſt=
reichen
Worte am Grabe, vielen herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Bangert.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meine innigſtgeliebte Gattin, unſere herzens=
gute
, treubeſorgte Mutter, Schwiegermutter,
Großmutter, Schwiegertochter und Schweſter
Frau Friedericke Voger
geborene Bickel
nach langem, mit Geduld und Ergebung ge=
tragenem
Leiden, in noch nicht vollendetem
50. Lebensjahre aus dieſer Welt abzurufen.
Darmſtadt, den 11. März 1914.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Kaufmann Philipp Vogel und Kinder,
Taunusſtraße 14.
(*6634
Die Beerdigung findet Freitag, den 13. März,
nachmittags 2. Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes aus, ſtatt.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.

Todes=Anzeige.
Heute morgen entſchlief ſanft nach ſchwerem
Leiden unſere liebe, gute Mutter und Tante
Katharma Zubrod
geb. Schmidt.
Darmſtadt, den 11. März 1914.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Margarete Zubrod.
Die Beerdigung findet Freitag, den 13. März,
nachmittags 2½ Uhr, von der Leichenhalle des
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt. (6568

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter
Frau Lehrer Bundschuh
geb. Guyot
ſagen wir Allen, Verwandten und Bekannten,
insbeſondere dem Herrn Pfarrer Kleberger für
ſeine troſtreichen Worte, herzlichen Dank. (6538
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Katharine Hattemer, geb. Bundſchuh,
Ludwig Bundſchuh, Juſtizſekretär,
Emilie Bundſchuh, geb. Stiegler,
Franz Hattemer, Kunſt=u. Handelsgärtner.
Darmſtadt, den 11. März 1914.

Gottesdienſtliche Anzeige.
Stadtkirche. Freitag, 13. März, abends 8 Uhr:
Kirchenmuſikaliſche Abendfeier. Kollekte.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Hoher Druck hat ſich von Weſten her nach Mittel=
deutſchland
ausgebreitet und bei nordweſtlichen Winden
kühleres Wetter gebracht. Nachts ſanken die Temperaturen
in unſerem Bezirk teilweiſe unter den Nullpunkt. Wir
werden morgen unter dem Einfluß des hohen Druckes
zwar wolkiges, doch trockenes, kühles Wetter haben.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, 12. März:
Vorwiegend wolkig, trocken, kühl, nordweſtliche Winde.

Tageskalender.
Donnerstag, 12. März.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende vor 10½
Uhr (Ab. C): Der Evangglimann
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert zum Beſten verwaiſter Töchter von Poſt=
beamten
und Unterbeamten (Töchterhort) um 8 Uhr in
der Turnhalle am Woogsplatz.
Vortrag von Frl. Dr. Bernays um 8 Uhr im Saale
des Mozartvereins (Allg. Deutſcher Frauenverein).
Vortrag von Emil Peters um 8¼ Uhr im Kaiſerſaal
(Naturheilverein).
Konzerte: Hotel Heß um 4 Uhr. Rummelbräu um
8 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender,
Freitag, 13. März.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Jriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Nummer 71.

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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Nummer 71.

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[ ][  ][ ]

Nr. 31.

Donnerstag, 12. März.

1914.

Bekanntmachung.

Nachſtehend bringen wir die ab 1. April 1914 gültige Zuſammenſtellung der
Sachverſtändigen Kommiſſionen für die einzelnen Wildſchadensbezirke zur öffent=
zichen
Kenntnis.
Darmſtadt, den 5. März 1914
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(6501
V. Dr. Reinhart.

Mamen der zu den
Wildſchadensbe=
Mirken gehörenden
OGemeinden u. Ge=
markungen
Sachverſtändige Erſatzmänner
der Sach=
verſtändigen
Vorſitzender
der Sach=
verſtändigen
verſtändigen=
kommiſſion
Stellvertreter
des
Vorſitzenden I. Wild=
ſchadensbezirk
:
Darmſtadt=
Beſſungen 1. Landwirt
Martin Kaus
dahier,
2. Landwirt Peter
Karl Seibel da=2. Landwirt
hier,
3. Friedr. Schub=
kegel
, senior, da=
hier

Wilheim
Pitthan da=
hier
,
Friedr. Geyer
dahier
Martin Kaus
dahier
Adam Gründler
dahier II. Wild=
ſchadensbezirk
:
Arheilgen, Brauns=
hardt
, Erzhauſen,
Gräfenhauſen,
Meſſel, Schneppen=
hauſen
Weiter=
ſtadt
, Wixhauſen . Förſter 20i0), 1
Forſthaus Kalk=
ofen
bei Arheil=
gen
,
2. Gemeinde=
einnehmer
Frey
zu Wixhauſen
3. Landw. Jakob
Pons zu Gräfen=
hauſen

Benz zu Ar=
heilgen
,
2. Landwirt
Hch. Huck II.
zu Arheilgen Förſter 20ſch
Forſthaus
Kalkofen bei
Arheilgen Forſtwar
Engel
zu Meſſel III. Wild=
ſchadensbezirk
:
Eberſtadt, Eſcholl=
brücken
, Griesbeim,
Hahn, Eich, Mal=
chen
, Pfungſtadt teaemeite
Geibel zu Hahn,
2. Hrch. Delp, III.
zu Eſcholl=
brücken
,
3. Landw. Wilhelm.
Diſſel I. zu
Pungſtadt 1. Gemeinde=
ratsmitglied

Val. Ger=
hard
IV. zu
Griesheim,
2. Beigeordneter
Rungeſſer zu
Pfungſtadt Bürgermeiſter
Geibel.
zu Hahn Bürgermeiſter
Schäfer
zu Eberſtadt IV. Wild=
ſchadensbezirk
:
Nieder=Beerbach,
Nieder=Ramſtadt
mit Waſchenbach,
Ober=Ramſtadt,
Roßdorf, Traiſa 1. Bürgermeiſter 11. Landw. Jean
Lorenz zu Roß=
dorf
,
2. Landw. Peter
Breitwieſer VIII.
zu Ober= Ram=
ſtadt
,
3. Landw. Johann
Peter Bernhard
zu Ober= Ram=
ſtadt
Grünewald
zu Roßdorf,
2. Landw. Gei=
bel
zu Nieder=
Ramſtadt Bürgermeiſter
Lorenz
zu Roßdorf Förſter
Hofmann auf
Forſthaus
Eiſernhand‟

An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir empfehlen Ihnen, die Zuſammenſetzung der für Ihre Gemeinde in Betracht
kommenden Sachverſtändigen=Kommiſſion ortsüblich bekannt zu geben.
Darmſtadt, den 5. März 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Z. V. Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Unter Hinweis auf Artikel 33 des Geſetzes vom 24. März 1910 wird hiermit
zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Stempel:
1. für Verkaufs= oder Waagautomaten,
2. für automatiſche Kraftmeſſer,
3. für Automaten, die zur Unterhaltung des Publikums dienen,
4. für alle in öffentlichen Wirtſchaftslokalen aufgeſtellten Klaviere oder ſonſtige
Muſikwerke,
5 für Luxuswagen und Luxusreitpferde,
deren Verſteuerung am 31. März 1914 abläuft, wenn die Abgabepflicht fortdauert,
im Monat März zu entrichten iſt.
Die Entrichtung des Stempels erfolgt an allen Wochentagen des Monats
März, vormittags von 912 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde im Regierungs=
gebände
(Reckarſtraße Nr. 3, Zimmer Nr. 9, dahier.
Darmſtadt, den 2. März 1914.
(5841a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: Dr. Michel.

Das Großh. Miniſterium des Innern hat dem Guſtav=Adolf=Frauenverein zu
Darmſtadt geſtattet, am 19. Mai 1914 in Darmſtadt zum Beſten bedürftiger evange=
liſcher
Diaſpora=Gemeinden eine Verloſung von Gebrauchs= und Luxusgegenſtänden
zu veranſtalten.
Es dürfen bis zu 8000 Loſe zu 0,20 Mk. das Stück ausgegeben werden und
der Wert der Gewinngegenſtände muß mindeſtens 60% des Bruttoerlöſes aus dem
Verkaufe der Loſe betragen.
Der Vertrieb der Loſe im Kreiſe Darmſtadt iſt geſtattet.
(6502

Bekanntmachung.

Betreffend: die Zurückſtellung von Reſerviſten, Wehrleuten I. und II. Aufgebots,
Erſatz=Reſerviſten und ausgebildeten Landſturmpflichtigen infolge häus=
licher
ꝛe. Verhältniſſe
Diejenigen Reſerviſten, Wehrleute I. und II. Aufgebots, Erſatz=Reſerviſten
und ausgebildete Landſturmpflichtige, welche auf Grund der nachſtehend abge=
druckten
Beſtimmungen des § 122 der Wehrordnung vom 22. November 188 eine
Zurückſtellung hinter den älteſten Jahrgang der Reſerve, der Landwehr I. bezw.
II. Aufgebots, Erſatz=Reſerve und des Landſturms in Anſpruch zu nehmen können
glauben, werden hiermit aufgefordert, ihre bezüglichen Geſuche baldigſt und ſpäteſtens
bis zum 15. März I. Js. bei den betreffenden Großherzoglichen Bürgermeiſtereien
einzuretchen. Die nach dieſer Zeit eingehenden Geſuche können für das laufende
Jahr (d. h. bis zum nächſtjährigen Zurückſtellungstermin) keine Berückſichtigung
mehr finden.
Die eingereichten Geſuche unterliegen der Entſcheidung der verſtärkten Erſatz=
Kommiſſion gelegentlich des Muſterungsgeſchäftes. Dieſe Entſcheidungen behalten ihre
Gültigkeit nur bis zum nächſten Zurückſtellungstermin. Im Falle des Bedürfniſſes
ſind die Anträge auf weitere Zurückſtellung zu erneuern.
Außerterminlich kann Geſuchen um Zurückſtellung durch ſchriftliches Ueberein=
kommen
der ſtändigen Mitglieder der Erſatz=Kommiſon nach § 124, 2 der Wehr=
Ordnung nur dann ſtattgegeben werden, wenn nach dem allgemeinen Entlaſſungs=
Termin der Reſerven dringende Verhältniſſe die ſofortige Zurückſtellung einzelner der
entlaſſenen Mannſchaften gerechtfertigt erſcheinen laſſen.
(4870a
Darmſtadt, am 11. Februar 1914.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart, Reg.=Rat.
§ 122 der Wehrordnung.
Abdruck.
1. Zurückſtellung im Sinne der in § 118, 3 und 120, 5 enthaltenen Feſtſetzungen
dürfen aus ſolgenden Gründen (Zurückſtellungsgründe) eintreien:
a) wenn ein Mann als der einzige Ernährer ſeines arbeitsunfähigen Vaters
oder ſeiner Mutter bezw. ſeines Großvaters oder ſeiner Großmuter, mit
denen er dieſelbe Feuerſtelle bewohnt, zu betrachten iſt und ein Knecht oder
Geſelle nicht gehalten werden kann, auch durch die der Familie bei der Ein=
berufung
geſetzlich zuſtehende Unterſtützung der dauernde Niedergang des
elterlichen Hausſtandes nicht abgewendet werden könnte:

5) wem dieEinberuſung eines Mamne, der das dreißigſte Lebensjahrvollndet
hat und Grundbeſitzer, Pächter oder Gewerbetreibender oder Ernährer einer
zahlreichen Famile iſt, den gänzlichen Verfall des Hausſtandes zur Folge
haben und die Angehörigen ſelbſt bei dem Genuſſe der geſetzlichen Unter=
ſtützung
dem Elend preisgegeben würden:
c) wenn in einzelnen dringenden Fällen die Zurückſtellung eines Mannes, deſſen
geeignete Vertretung auf keine Weiſe zu ermöglichen iſt, im Intereſſe der
öffentlichen Geſundheitspflege, der allgemeinen Landeskultur und der Volks=
wirtſchaft
für unabweislich notwendig erachtet wird.
2. Mannſchaften, welche wegen Kontrollentziehung nachdienen müſſen, haben
jedoch auch in den vorgenannten Fällen keinerlei Anſpruch auf Zurückſtellung.

Ortsſatzung

betreffend die Anſtellungs= und Beſoldungsverhältniſſe der Gemeindebeamten
der Gemeinde Roßdorf.
Auf Beſchluß des Gemeinderats vom 15. Juli 1913. nach gutächtlicher Aeußerung
des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums des Innern vom
2. Februar 1914 zu Nr. M. d. J. 869 wird hinſichtlich der Anſtellungs= und Beſol=
dungsverhältniſſe
der Gemeindebeamten der Gemeinde Roßdorf auf Grund der Ar=
tikel
15 und 138 der Landgemeindeordnung vom 8. Juli 1911 folgende Ortsſatzung
erlaſſen:
§ 1.
I. Gemeindebeamte im Sinne dieſer Ortsſatzung ſind:
1. das auf Beſchluß des Gemeinderats und nach Genehmigung und Ver=
pflichtung
durch den Kreisrat vom Bürgermeiſter ernannte und angeſtellte
Polizeiperſonal, einſchließlich der Feldſchützen;
2. der auf Beſchluß des Gemeinderats und mit Genehmigung des Kreisrats
vom Bürgermeiſter ernannte und angeſtelle Gemeinderechner:
3. die nachſtehend bezeichneten, auf Beſchluß des Gemeinderats vom Bürger=
meiſter
ernannten und angeſtelten Gemeindebeamten:
a) Schuldiener,
b) Faſelwärter und Gemeindearbeiter,
c) Friedhofsaufſeher;
4. das vom Bürgermeiſter ernannte und angeſtellte Bureauperſonal, ein=
ſchließlich
des Ratsdieners.
II. Im Falle der Errichtung weiterer Stellen bleibt dem Gemeinderat deren Auf=
nahme
in die einen weſentlichen Beſtandteil dieſer Ortsſatzung bildende. Be=
ſoldungsordnung
vorbehalten,
Die Beſetzung der in § 1 dieſer Satzung verzeichneten Stellen der Gemeinde=
beamten
erfolgt, inſoweit nicht in der Landgemeindeordnung oder in § 1 dieſer Satzung
etwas anderes beſtimmt iſt und inſoweit nicht nach den Grundſätzen über die Beſetzung
der Subaltern= und Unterbeamtenſtellen uſw. mit Militäranwärtern zu verfahren iſt,
nach freiem Ermeſſen des Gemeinderats.
Soweit nach Beſchluß der Gemeindevertretung für einzelne Stellen eine beſondere
Vorbildung (Kreisamtsgehilfen=Prüfung uſw.) gefordert werden ſoll, behält es hierbei
ſein Bewenden.
Bewerber haben bei Meidung der Nichtberückſichtigung ihren Geſuchen auf An=
fordern
Zeugniſſe über Befähigung, ſeitherige Beſchäftigung, Führung und ihren
Geſundheitszuſtand beizulegen, auch bei Meidung des gleichen Nachteils auf Verlangen
einer Prüfung, ſowie einer kreisärztlichen Unterſuchung ſich zu unterziehen.
§ 3.
Die Anſtellung der Gemeindebeamten erfolgt unter Vorbehalt jederzeitigen Wider=
rufs
, ſoweit im Einzelfall nichts anderes beſchloſſen oder vertragsmäßig verabredet wird.
Hat der Gemeindebeamte ſeit der unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs erfolg=
ten
Anſtellung und nach Vollendung des zwanzigſten Lebensjahres ſich fünf Jahre tadel=
los
geführt, ſo kann, ſoweit bei der Anſtellung nichts anderes vertragsmäßig verabredet
iſt, die Anſtellung nicht mehr jederzeit widerrufen werden, eine Amtsenthebung kann
dann nur noch gemäß Artikel 147ff und 159 der Landgemeindeordnung oder gegen Ge=
währung
des in den §§ 15 und 16 vorgeſehenen Ruhegehalts erfolgen.
§ 4.
Der Gemeindebeamte, deſſen Verpflichtung nicht beſtimmungsgemäß durch eine
Staatsbehörde zu erfolgen hat, wird vom Bürgermeiſter auf gewiſſenhafte Dienſt=
führung
durch Handſchlag in Pflicht genommen.
Ueber die Inpflichtnahme iſt ein Protokoll aufzunehmen.
Der Bürgermeiſter hat den Gemeindebeamten eine förmliche Anſtellungsurkunde
unter ausdrücklichem Hinweis auf dieſe Satzung, von der ihnen ein Abdruck ausgehän=
digt
werden ſoll, zuzufertigen.
Nach Ablauf der in § 3 Abſatz 2 genannten fünf Jahre iſt den Gemeindebeamten
eine entſprechende Beſcheinigung auszuſtellen.
§ 5.
Der Gemeindebeamte hat ſeine ganze Arbeitskraft und Zeit ausſchließlich dem
ihm übertragenen Amt zu widmen und iſt verpflichtet, Nebenauſträge für die Gemeinde=
verwaltung
, wenn ſie ſeinem Geſchäftskreis nicht durchaus fremd ſind, ohne beſondere
Vergütung zu übernehmen.
Auf Erwerb gerichtete Nebenbeſchäftigung, Nebenſtellen oder beſondere Aufträge
außerhalb der Gemeindeverwaltung, welche mit ſtändigen oder unſtändigen Bezügen
verbunden ſind, darf ein Gemeindebeamter nur nach zuvor eingeholter ſchriftlicher Ge=
nehmigung
des Bürgermeiſters übernehmen. Dieſe Genehmigung iſt jederzeit wider=
ruſlich
. Sie kann nur mit Zuſtimmung des Gemeinderats erteikt werden, wenn nicht
der Gemeinderat den Bürgermeiſter zur ſelbſtändigen Erteilung ermäichtigt hat. Einer
Zuſtimmung des Gemeinderats bedarf es nicht, wenn es ſich um das Bureauperſonal
des Bürgermeiſters oder den Ratsdiener, inſoweit er nicht zum Polizeidienſt heran=
gezogen
wird, handelt.
Für den Gemeinderechner gilt außerdem die Vorſchrift des Artikels 155 Abſatz 3
der L.G.O.
Polizeidiener und Feldſchützen bedürfen zur Uebernahme einer auf Erwerb
gerichteten Nebenbeſchäftigung außer der Genehmigung des Bürgermeiſters oder des
Gemeinderats nach Abſatz 2 weiter auch der Genehmigung des Kreisrats.
Der Gemeindebeamte hat an ſeinem Amtsſitze zu wohnen.
§ 6.
Urlaub bis zu einer Woche erteilt der Bürgermeiſter, der hierbei gleichzeitig
über die Stellvertretung zu entſcheiden hat.
Für die Erteilung eines Urlaubs von längerer als einwöchiger Dauer bedarf
der Bürgermeiſter der Zuſtimmung des Gemeinderats. Die Zuſtimmung des Gemeinde=
rats
iſt nicht erforderlich bei dem Bureauperſonal des Bürgermeiſters und dem Rats=
diener
, inſoweit er nicht zum Polizeidienſt berangezogen wird.
§ 7.
Ueber die vermöge ſeines Amtes ihm bekannt gewordenen Angelegenheiten, deren
Geheimhaltung ihrer Natur nach erforderlich oder von ſeinem Vorgeſetzten vorgeſchrieben
iſt, hat der Gemeindebeamte Verſchwiegenheit zu beobachten, auch nachdem das Dienſt=
verhältnis
gelöſt iſt.
§ 8.
Jeder Gemeindebeamte kann aus Gründen der Verwaltung in eine andere Stelle
verſetzt werden, jedoch ohne Zurückſetzung in der Dienſtklaſſe und in dem Gehalt.
§ 9.
Die Beſoldungsverhältniſſe der Gemeindebeamten werden durch die einen weſent=
lichen
Beſtandteil dieſer Ortsſatzung bildende Beſoldungsordnung beſtimmt. Dies gilt
insbeſondere für die Höhe der Beſoldungen, die Beſoldungsſtufen und die Auf=
rückungsfriſten
.
Dem Gemeinderat bleibt vorbehalten, die Beſoldungsordnung, unbeſchadet der
von den Gemeindebeamten bereits erworbenen Rechte, zu ändern und zu ergänzen. Eine
Herabſetzung der in der Beſoldungsordnung beſtimmten Beſoldungsbeträge iſt in
keinem Falle zuläſſig.
Hinſichtlich der Beſoldungsverhältniſſe der in § 1 Ziffer I, 5 dieſer Ortsſatzung
genannten Gemeindebeamten ſteht das Beſtimmungsrecht dem Bürgermeiſter zu.
Die Vorſchriſten der Artikel 138 Abſ. 2 und Artikel 157 Abſ. 2 ff. der L. G. O.
werden durch die Beſtimmungen dieſes Paragraphen nicht berührt.
§ 10.
Die Beſoldungen ſind in monatlichen Raten nachzahlungsweiſe zu gewähren.
Bei mangelhafter Dienſtführung kann der Gemeinderat die Beſoldungszulagen
ganz oder teilweiſe verſagen. Die Vorſchrift des § 9 Abſ. 3 dieſer Ortsſatzung findet
ſinngemäße Anwendung.

[ ][  ][ ]

Nummer 31.

Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.

Donnerstag, den 12. März 1914

§ 11.
Die den Gemeindebeamten zuſtehenden Naturalbezüge ſind mit ihrem Geldwerte
in der Peſoldungsordnung in Anſchlag zu bringen und, inſofern dortſelbſt nichts Gegen=
teiliges
beſtimmt iſt, von der Beſoldung abzuziehen.
§ 12.
Gemeindebeamte, die in Ausführung eines ihnen von der zuſtändigen Stelle er=
teilten
Auftrages auswärtige Dienſtgeſchäfte vornehmen, haben Anſpruch auf Tagegelder
und Erſatz der Reiſekoſten in der von dem Gemeinderat feſtzuſetzenden Höhe.
§ 13.
Im Falle der durch Krankheit bedingten Arbeitsunfähigkeit eines Gemeinde=
beamten
zahlt die Gemeinde dieſem den Gehalt für die Dauer von 26 Wochen weiter.
Ein Rechtsanſpruch auf dieſe Fortzahlung des Gehalts ſteht dem Gemeindebeamten nicht
zu. Der Gemeindebeamte hat ſich damit einverſtanden zu erklären, daß ſein Anſpruch
auf Krankengeld auf die Gemeinde übergeht; die Genehmigung des Verſicherungsamtes
iſt einzuholen.
Die Koſten einer erforderlichen Vertretung trägt für die erwähnte Zeitdauer die
Gemeinde.
§ 14.
Unter Verzicht auf alle ihm etwa zuſtehenden Anſprüche kann ein Gemeindebeamter
jederzeit ſeine Entlaſſung nehmen, jedoch hat er, den Fall völliger Verhinderung aus=
genommen
und unbeſchadet der Vorſchriften des folgenden Abſatzes, wenn ihm die Ent=
laſſung
nicht früher erteilt oder nicht ein ſpäterer Zeitpunkt für ſein Ausſcheiden aus
dem Gemeindedienſt vereinbart wird, den Dienſt noch einen Monat von Einreichung
ſeines Entlaſſungsgeſuches an zu verſehen.
Rechnungspflichtigen und ſolchen Beamten, welche durch eigene Schuld Arbeits=
rückſtände
haben aufwachſen laſſen, wird die Entlaſſung erſt nach vollſtändiger Erfüllung
ihrer Verpflichtungen erteilt, wenn die Bürgermeiſterei nicht vorziehen ſollte, die Arbeiten
auf Koſten des Pflichtigen durch Dritte erledigen zu laſſen. Insbeſondere bleibt die
Verpflichtung des Gemeinderechners zur Stellung der Rechnung unberührt.
§ 15.
Die Anſprüche der Gemeindebeamten auf Ruhegehalt, Sterbegehalt, Witwen= und
29. Juli 1908
Waiſenverſorgung regeln ſich nach den Beſtimmungen des Geſetzes vom
18. Febr. 1911,
betreffend die Fürſorgekaſſe für die Beamten und Bedienſteten der Landgemeinden und
Kommunalverbände.
Inſoweit bei Verſetzungen in den Ruheſtand der Ruhegehalt von der Gemeinde=
29. Juli 1908
kaſſe zu tragen iſt, ſind die Sätze des Geſetzes vom
betr. die Fürſorge=
18. Februar 1911,
kaſſe für die Beamten und Bedienſteten der Landgemeinden und Kommunalverbände
anzuwenden.
§ 16.
Die Anſprüche der der Fürſorgekaſſe für die Beamten und Bedienſteten der Land=
gemeinden
und Kommunalverbände nicht angehörigen Gemeindebeamten auf Ruhe=
gehalt
, Sterbegehalt, Witwen= und Waiſenverſorgung regeln ſich nach dem Dienſtvertrag
oder der Anſtellungsurkunde.

§ 17.
Auf das Forſtperſonal finden die Beſtimmungen dieſer Ortsſatzung keine An=
wendung
(ſ. Art. 141 und Art. 154 der L. G.O.).
§ 18.
Dieſe Ortsſatzung tritt einſchließlich der Beſoldungsordnung am 1. April 1914
in Kraft.
Roßdorf, den 7. Februar 1914.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Lorenz.
(6313

Beſoldungsordnung.

Dienſtſtellung Stufe 1
2265 Stufe 2
15 Stufe 3
(6 Stufe 4
875 Stufe5
2 2.
25 Bemerkungen Gemeindebeamte nach 8 1, I, 1 der Ort ſatzu ing Polizeidiener . 1000 1100 1200 1300 Zu Ord.=Nr. 1 ſiehe unten. Nachtwächter . 300 375 450 525 600 Zu Ord.=Nr. 2 ſiehe unten. Feldſchützen . 1000 1100 1200 Zu Ord.=Nr. 3 ſiehe unten. Gemeindebeamte nach § 1, I. 2 der Ortsſatzung 11400
Gemeinderechner 1600 1800 2000 2200 Gemeindebeamte nach § 1, I 3 der Ortsſatzung Schuldiener 1000 1075 1150 1225 1300 Zu Ord.=Nr. 5 ſiehe unten. Faſelwärter u. Gemeinde= Zu Ord.=Nr. 6 ſiehe unten. arbeiter . 1150 Friedhofaufſeher 400 - Zu Ord.=Nr. 7 ſiehe unten.

Bemerkungen: Zu Ord.=Nr. 1. Den Polizeidienern wird zu Laſten der
Gemeindekaſſe die Uniform geliefert, deren Geldwert mit je 100 Mk. jährlich in Anſchlag
zu bringen, jedoch nicht von der Beſoldung abzuziehen iſt.
Zu Ord.=Nr. 2. Dienſtkleidung wird zu Laſten der Gemeindekaſſe geliefert, deren
Geldwert mit je 75 Mk. jährlich in Anſchlag zu bringen, jedoch nicht von der Beſoldung
abzuziehen iſt.
Zu Ord.=Nr. 3. Gehaltsſätze gelten nur für die nach dem 1. April 1914 Angeſtellten.
Zu Ord.=Nr. 5. Freie Wohnung, Heizung und Licht, deren Geldwert mit
200 Mk. jährlich in Anſchlag zu bringen, jedoch nicht von der Beſoldung abzuziehen iſt.
Zu Ord.=Nr. 6. Freie Wohnung und Heizung, deren Geldwert mit 100 Mk.
jährlich in Anſchlag zu bringen, jedoch nicht von der Beſoldung abzuziehen iſt.
Zu Ord.=Nr. 7. Nebenarbeiten ſind, ſoweit der Gemeindedienſt nicht beein=
trächtigt
wird, geſtattet.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Dachshund. 1 deutſche Dogge, 1 Jagdhund (zugelaufen)
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt. (6524

Nachſter Zuchtviehmarkt in Darmſtadt

Dienstag, den 17. März 1914.
Darmſtadt, den 7. März 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
(6586ds

Die noch rückſtändigen Rechnungen

über Forderungen an uns aus dem Jahre 1913 ſind wegen unſeres
demnächſtigen Bücherſchluſſes
(6477md
bis ſpäteſtens 25. ds. Mts.
einzuſenden.
Darmſtadt, den 10. März 1914.
Großherzogliche Kabinetts= und Hofkaſſe.

Matratzenſtreu-Verkauf.

Samstag, den 14. März, 9 Uhr vormittags, wird auf dem
Kaſernenhof der Artilleriekaſerne, Heidelbergerſtraße 47, die Matratzen=
(6503
ſtreu der 2. und 3. Batterie meiſtbietend verkauft.
II. Abteilung Artillerie=Regiments Nr. 25.

Holzverſteigerung.

Mittwoch, den 18. März l. Js., vorm. ½9 Uhr,
wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen ſämtliches in
Forſtwartei Kranichſtein ſitzende Brennholz aus Bucheneck 71 und
Hirſchgarten 63 und 70 einſchl. des Dürr= und Windfallholzes aus
verſchiedenen Diſtrikten verſteigert:
Scheiter, rm: 148 Buchen I. Kl., 402 Buchen II. Kl., 1 Hain=
buche
, 270,3 Eichen hiervon 9,3 rund), 8 Birken, 1 Erle,
3 Kiefern, 7 Fichten: Knüppel, rm: 324 Buchen (teilweiſe
Stammknüppel in Bucheneck), 261 Eichen (hiervon 26 rm
Pfoſten 2,5 m, 6 rm 3 m lang in Hirſchgarten), 6 Birken,
12 Kiefern, 1 Lärche, 105 Fichten (Trudelheeg 66); Reiſig,
Wellen: 4470 Buchen; Stöcke, rm: 99 Buchen, 108 Eichen,
4 Birken, 1 Kiefer.
Die Wellen und das Stockholz kommen von 1 Uhr ab
nachm. zum Ausgebot. Der Diſtrikt Bucheneck liegt direkt an der
Meſſeler Chauſſee, am Kranichſteiner Schloß und der Diſtrikt Hirſch=
garten
in nächſter Nähe.
Das Holz trägt die Nummern 2902383. Blau unterſtrichene
Nummern werden nicht verſteigert. Auskunft erteilt Förſter Karn
zu Kranichſtein, Poſt Darmſtadt.
Darmſtadt, den 10. März 1914.
(6511
Großh. Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.

Verdingung von Erdarbeiten.

Die zur Herſtellung des Schwarzgrabens in Gemarkung
Bickenbach und Alsbach erforderiichen Erdarbeiten, und zwar:
Los 1: Gemarkung Bickenbach auf 670m Länge mit rund 500 cbm
Los 2:
Alsbach 1070m
300 chm
ſollen durch ſchriftliche Angebote vergeben werden.
Pläne und Bedingungen ſind bei uns einzuſehen. Angebots=
vordrucke
nebſt Bedingungen ſind nur von uns, und zwar für jedes
Los gegen Bareinſendung von 1.50 Mk. (nicht in Briefmarken) zu
beziehen. Angebote ſind verſchloſſen und mit entſprechender Aufſchrift
verſehen, aus der das Objekt und die Losnummer, ſowie der Unter=
nehmer
zu erſehen iſt, bis ſpäteſtens
Samstag, den 21. März 1914, vormittags 10 Uhr,
bei der unterzeichneten Behörde, Bleichſtraße 1, einzureichen, woſelbſt
auch die Eröffnung in Gegenwart der Bieter ſtattfindet. Es können
nur Angebote unter Benutzung der Vordrucke ohne Textänderungen
und Zuſätze berückſichtigt werden. Freie Auswahl bleibt ausdrücklich
vorbehalten. Zuſchlagsfriſt 2 Wochen.
Darmſtadt, den 10. März 1914.
(6578
Großh. Kulturinſpektion Darmſtadt.
Wallek.

Steuer=Erhebung.

Das VI. Ziel der Gemeinde=
ſteuern
für das Rechnungsjahr
1913 iſt, bei Vermeidung der Mah=
nung
, bis Ende dieſes Monats
n den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu ent=
richten
.
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
Darmſtadt, 9. März 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (6548a

Abhanden gekommene
Sparkaſſenbücher.

Die vermißten Einlagenbücher
Nr. lautend auf den Namen
111472 Robert Jakob Bock,
163797 Johann Adam Dingel=
dein
,
167615 Albert Lorenz,
der ſtädtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt
werden nach deren Satzung § 24
für kraftlos erklärt, wenn ſie nicht
innerhalb drei Monaten
bei dieſer Kaſſe vorgezeigt werden.
Darmſtadt, 10. März 1914.
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt.
Netz, Direktor. (6547a

Oel=Lieferung.

Die Anlieferung von ca. 8000 kg
Fußbodenöl ſoll vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
30, Zimmer Nr. 9, offen und wer=
den
nach auswärts nicht abgegeben.
Angebote ſind bis Montag, den
16. März 1914, vormittags
10 Uhr, einzureichen. (6365im
Darmſtadt, 9. März 1914.
Stadtbauamt.

Weißbinderarbeiten.

Die inneren Weißbinderarbeiten
bei dem Umbau des ſtädtiſchen
Gebäudes Woogſtraße 4 (Eichamt)
ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 18. März 1914,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(6489md
Darmſtadt, 10. März 1914.
Stadtbauamt.

Die Lieferung von Kohlen für
die Ober=Poſtdirektion, die
Poſtämter und das Telegraphen=
amt
in Darmſtadt für das Rech=
nungsjahr
1914 ſoll im Wege des
öffentlichen Anbietungsverfahrens
vergehen werden. Angebote mit
der Aufſchrift Lieferung von
Kohlen ſind bis zum 27. März,
vormi tags 10 Uhr, an die Ober=
Poſtdirektion einzureichen, zu wel=
cher
Zeit ihre Eröffnung im Zim=
mer
93 erfolgen wird. In dieſem
Zimmer können auch die Anbie=
tungs
= und Lieferungsbedingungen
eingeſehen oder in Empfang ge=
nommen
werden.
(6514
Zuſchlagsfriſt 14 Tage.
Darmſtadt, 10. März 1914.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.

Haute Miſt zu verkaufen Sand=
bergſtraße
28.
(B,6571

Der Heuankauf iſt beendet.
Der Ankauf von Roggen, Hafer und Roggenſtroh (Flegel=,
Maſchinenglatt= und Preßlangſtroh) wird fortgeſetzt.
(86535
Proviantamt Darmstadt.

Jagdverpachtung.

Mittwoch, den 18. März I. J., nachm. 1 Uhr,
ſoll auf dem hieſigen Rathaus die Gemeindejagd nochmals in drei
Loſen auf weitere ſechs Jahre verpachtet werden.
Zu jeder weiteren Auskunft iſt die unterzeichnete Bürger=
meiſterei
bereit.
(6508
Worfelden (Kr. Groß=Gerau), den 10. März 1914.
Großh. Bürgermeiſterei Worfelden.
Klink.

Kanalbaumaterialien.

Die Lieferung von Steinzeug=
und Eiſenwaren ſoll vergeben
werden.
Lieferungs=Bedingungen liegen
bei dem Tiefbauamt, Zimmer
Nr. 4, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, 19. März I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(6464md
reichen.
Darmſtadt, 10. März 1914
Tiefbauamt.

Bekanntmachung.

Donnerstag, 16. April I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Richard Buſch dahier
an dem Anweſen:
Flur Nr. qm
1076 123 Grabgarten
I 1077 200 Hofreite Wie=
nersſtraße
77,
gehörige ideelle Hälfte in unſerem
Bureau, Grafenſtraße 30, zwangs=
weiſe
verſteigert werden. (K17/14
Darmſtadt, 10. März 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I
Müller. (6505ddd

Bekanntmachung.

Donnerstag, 16. April 1914,
vormittags 11 Uhr,
ſollen die der Frau Konrad Wie=
nold
Witwe, Margarethe, geb. May,
dahier gehörigen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
VI 532 123 Hofreite Tannen=
ſtraße
Nr. 41,
VI 533 122 Hofreite Tannen=
ſtraße
Nr. 39,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
Nr. 1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
(K18/14
Darmſtadt, 10. März 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (IX,6564

n unſer Handels=Regiſter, Ab=
a
teilung B, wurde heute ein=
getragen
hinſichtlich der Firma:
Gebrüder Lutz, A.=G., Ma=
ſchinenfabrik
und Keſſel=
ſchmiede
, Darmſtadt.
Friedrich Schelle, Kaufmann in
Darmſtadt, iſt als Prokuriſt be=
ſtellt
; er iſt nur in Gemeinſchaft
mit einem der beſtellten Proku=
riſten
zeichnungsberechtigt. (6513
Darmſtadt, 7. März 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bauarbeiten.

Die bei der Herſtellung des Rat=
hauſes
vorkommenden Weißbinder=,
Spengler= (ca. 80 qm Kupferblech=
abdeckung
ꝛc.) und Steinhauer=
arbeiten
ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 18. März 1914,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(6490md
Die Unterlagen werden nach
auswärts nicht verſandt.
Darmſtadt, 10. März 1914.
Stadtbauamt.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, unter Nr. 106 wurde
heute die Geſellſchaft mit be=
ſchränkter
Haftung unter der
Firma:
Werkſtätten für Hand=
werkskunſt
, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
und mit dem Sitz in Darm=
ſtadt
,
eingetragen.
Gegenſtand des Unternehmens
iſt: Die Anfertigung, ſowie der=
An= und Verkauf kunſtgewerblicher
Erzeugniſſe.
Das Stammkapital beträgt:
20000 Mark.
Geſchäftsführer iſt: Hermann
Richard Wilhelm Karl Falck, Kauf=
mann
in Darmſtadt.
Der Geſellſchaftsvertrag iſt am
2. März 1914 feſtgeſtellt. Sind=
mehrere
Geſchäftsführer beſtellt,
ſo wird die Geſellſchaft durch min=
deſtens
zwei Geſchäftsführer oder
durch einen Geſchäftsführer und
inen Prokuriſten vertreten.
Die Bekanntmachungen der Ge=
ſellſchaft
erfolgen nur durch den
Deutſchen Reichs=Anzeiger. (6515
Darmſtadt, 7. März 1914.
Hroßh. Amtsgericht Darmſtadt I.

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute ein=
getragen
hinſichtlich der Firma:
Carl Schenck, Eiſengieße=
rei
und Maſchinenfabrik
Darmſtadt, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
Darmſtadt.
Otto Neuſel, Kaufmann in Darm=
ſtadt
, iſt als Prokuriſt beſtellt; er
iſt nur in Gemeinſchaft mit einem
Geſchäftsführer oder mit einem
der bereits beſtellten Prokuriſten
zeichnungsberechtigt. (6512
Darmſtadt, 6. März 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

[ ][  ][ ]

Nummer 71.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Seite 13.

Es sind

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Die Erbſchaft.
Roman von Adeline Genke.

(Nachdruck verboten.)
17
Aber Mama Arnolds Jüngſte kümmerte ſich keinen
Deut um dieſe Symptome. In hellem Aerger und Ueber=
druß
verbeſſerte ſie die Fehler ihrer Arbeit. Wie lange
ſollte ſie, die Erbin, ſich denn hier noch quälen und wie
ein Schulmädchen korrigieren laſſen?! Korrigieren und
abkanzeln laſſen von einem ſimpeln Buchhalter! Wenn
das Amtsgericht doch nur nicht endlos trödeln, ſondern
das Erbrecht von Mama Arnold und ihren drei Mädeln
baldigſt anerkennen würde.
Und war’s nun dieſer brennend ungeduldige Wunſch,
der irgendeine geheimnisvolle Fernwirkung ausübte, hatte
der gefällige referendarliche Vetter des Rechtsanwalts
Hans Bauer wieder irgendwie fördernd gewirkt, oder war
die entſcheidende Behörde ſelber von einem plötzlichen
Intereſſe für die Erbſchaftsangelegenheit erfaßt worden
kurz, was auch hier die Urſache ſein mochte, ſchon nach
der verhältnismäßig knappen Friſt von zwei Wochen traf
zur gewohnten Morgenſtunde der große, gelbe Schickſals=
brief
ein.
Wie bei jenem erſten Male kauerte Mama Arnold
in faſſungsloſer Warteangſt in ihrem alten Seſſel und
drängten ſich die drei Arnoldsmädel in fieberhafter Span=
nung
eng zuſammen, während ihnen trotz aller bisher
gehegten Zuverſicht angeſichts der nahen Entſcheidung das
Herz bis zum Hals hinauf ſchlug. Mit fliegenden Fingern
riß Lotte das inhaltvolle Blatt auf und begann vorzu=

ien oas der Fan Filde Regtſteter Zahenn Eiſe=
beth
Arnold und Töchtern in ehrfurchterweckendem, um=
ſtändlichem
Kanzleiſtil erwidert wurde. Las zuerſt un=
ſicheren
, gedrückten Tones, dann lauter:
Auf Ihr Geſuch wird Ihnen mitgeteilt, daß die von
Ihnen vorgelegten Urkunden nach Prüfung als rechtskräf=
tiger
Beweis für Ihre Verwandtſchaft beziehungsweiſe
für die Verwandtſchaft Ihres verſtorbenen Ehegatten und
Vaters mit der Erblaſſerin Anna Marie Arnold bezie=
hungsweiſe
deren verſtorbenen Ehegattin, dem Kaufmann
Johann Kaſimir Arnold, befunden worden ſind. Da ir=
gendwelche
weiteren Seitenverwandten der Erblaſſerin
weder gemeldet ſind noch das Vorhandenſein ſolcher be=
kannt
iſt, wird Ihr Anſpruch beziehungsweiſe der An=
ſpruch
Ihres verſtorbenen Ehegatten und Vaters auf die
Erbſchaft hierdurch anerkannt.
Anerkannt! Als jauchzender Schrei hallte es aus
Mizzis Mund, wie toll tanzte ſie durch das in all ſeinen
alten Möbeln wackelnde Zimmer und warf ſich ungeſtüm
auf das entſetzt krachende Kattunſofa. Anerkannt! Die
Hundertachtzigauſend gehören uns! Reich ſind wir, reich!
Wirklich?! Auch Theas Stimme ſchwankte in erreg=
tem
Jubel. Es iſt alſo wahr, iſt Tatſache! Unſer ſoll’s
ſein, uns gehört es, das Vermögen!
Und das Haus und der große Garten! Der Garten
auch noch! lachte Lotte in närriſcher Glückstrunkenheit.
Betäubt und ganz verwirrt ſaß Mama Arnold. Das
ſolle alſo wahr und wahrhaftig ſeine Richtigkeit haben,
reich ſollten ſie werden?! Jedes ihrer Mädel ſollte nun
wirklich ordentliche Ausſicht auf einen Mann haben, drei
leibhaftige Schwiegerſöhne ſolle ſie doch noch kriegen?

Eing denr die Weit mitr, der den daes nublch. daf
die unheilverheißende, nie verſagende Dreizehn wirklich
gelogen haben ſollte, daß die Unglückszahl einmal kein
Unglück zu bedeuten hätte?!
Lottes Stimme hob ſich endlich wieder beſchwichtigend
aus dem durcheinandertönenden Freudengelärm. Ich bin
ja noch gar nicht fertig mit Vorleſen! Hier ſteht ja noch
mehr.
Nun ja, wegen der Auszahlung natürlich, meinte die
vorſchnelle Mizzi. Sie ſollen ſich nur gleich daran machen.
So zeig’ doch her! drängte ſie ungeduldig.
Lotte hatte das im erſten Jubelſturm etwas zerknit=
terte
Blatt wieder glatt geſtrichen und verlas ſchon weiter:
. . . Sie werden daher erſucht, durch Vorlage eines Erb=
ſcheins
ſich als die Erben Ihres Ehegatten und Vaters,
des verſtorbenen Regiſtrators Friedrich Kaſimir Arnold,
bei dieſem Amtsgericht rechtskräftig auszuweiſen.
Was ſollen wir? fragte Thea verſtändnislos.
Lotte überzeugte ſich durch nochmaliges Nachleſen.
Einen Erbſchein vorlegen ich weiß auch nicht recht,
was das wieder iſt.
Eine Schikane iſt’s! ſchrie Mizzi wütend über dies
neue Hindernis, das ſich wieder trennend zwiſchen ſie
und die herbeigeſehnte Erbſchaft ſchob. Einen ewig hin=
ziehen
, einen halbtot ärgern wollen ſie, ehe ſie heraus=
rücken
; das iſt’s!
Mama Arnold horchte nur. Laut werden laſſen durfte
ſie’s nicht, aber gewußt hatte ſie’s ja! Die Dreizehn war
im Spiel!
Die abermalige Anforderung des Amtsgerichts hatte
den ſchrankenloſen Freudenrauſch zu etwas ernüchterterer

[ ][  ][ ]

Die Eröffnung meiner
Modell-Hut-Ausstellund
zeige hiermit ergebenst an und lade zu deren Besuch höflichst ein.
Gleichzeitig empfehle ich sämtliche Neuheiten der Saison in grösster Aus-
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Stimmung herabgedämpft. Man mußte ſich eben von
neuem mit möglicher Geduld in das unvermeidliche Har=
ren
fügen und nur ſogleich wieder den hilfreichen Rechts=
anwalt
um Beſeitigung des Hinderniſſes angehen. Auch
in Lotte brannte nun das Fieber der Ungeduld, ordent=
lich
ſchwer wurde es ihr heute, für ihren Gang im Inter=
eſſe
des Ungeſtörtſeins das Ende der offiziellen Sprech=
ſtunde
abzuwarten.
Ueberraſcht und ſehr lebhaft erfreut von dem unver=
hofften
Beſuch kam ihr der Doktor Hans Bauer raſch ent=
gegen
und faßte ihre Hand.
Fräulein Lotte, wie geht’s? Gut! beantwortete er
ſich gleichzeitig ſelber ſeine Frage unter eingehender Be=
trachtung
der braunen Augen und der ganzen Lotte. Ein
Glück, daß ich nicht ausgegangen bin, wie ich’s urſprüng=
lich
vorhatte. So, bitte ſchön, hier auf Ihren gewohnten
Platz! Und gerade heute hat meine Hauswirtin mir von
den erſten reifen Gartenpflaumen gebracht, die müſſen Sie
aber nun auch gleich probieren. Wo hab’ ich denn nur
den Korb hingeſtellt? Geſchäftig rannte er hin und her
und ſuchte in unmöglichen Winkeln. Himmel, wo hab'
ich ihn denn nur hingeſtellt?
Dort ſteht er ja doch neben Ihnen, lachte Lotte aus
ihrem Seſſel. Die warme Begrüßung von ſeiten ihres
Ratgebers und Freundes hatte ihren Wangen erhöhte
Farbe gegeben.
Herrgott ja, ich Eſel! Triumphierend rief’s Doktor
juris Bauer, trug eilig das Obſtkörbchen an den Tiſch,
ſtürzte zur Tür, brüllte mit Stentorſtimme: Frau Lehnert,
ein Tellerchen! in den Korridor hinaus und kam mit dem
eroberten Tellerchen zu Lotte zurückgeeilt, wo er’s vor ſie
hinſtellte und ſich endlich ihr gegenüber ſetzte. So, bitte,
nun greifen Sie aber auch richtig zu! Famos, daß Sie

Eede heit elomnen ſidt ſo oſtich di Pſennen en=
ſah
, mußte ich an Sie denken.
Eine merkwürdige Ideenverbindung! erlaubte ſich
Lotte in ihrer durch den warmen Empfang hervorgerufe=
nen
Frohlaune ein kleines, kokettes Nichtverſtehen der
wirklichen Meinung des Doktors Hans Bauer und nahm
gleichzeitig von den ihr ſo freudig und dringlich gebote=
nen
Pflaumen. Einen Garten, in dem ſo etwas wächſt,
möchte ich wohl auch haben. Und daß ich ihn noch nicht
habe, daran iſt nur das greuliche Amtsgericht Vorberg
ſchuld! erboſte ſie ſich, auf dieſe Weiſe an den eigentlichen
Zweck ihres Beſuches erinnert, von dem ſie nun berichtete.
Einen Erbſchein vorlegen ja, das ließ ſich aller=
dings
erwarten, meinte Hans Bauer mit der Gemütsruhe
des an kleine und große Verzögerungen gewöhnten Ak=
tenmenſchen
. Und dann ſetzte er ihr wieder ſehr juriſtiſch
die Bedeutung und den Zweck eines ſolchen Dokumentes
auseinander: nämlich den, richtige Erben vor Einbuße
ihrer Rechte zu bewahren und falſche an der Anmaßung
ſolcher Rechte zu verhindern. Und ferner erklärte er ihr
juriſtiſch, daß das hieſige Amtsgericht auf Anſuchen
Mama Arnold und ihren Töchtern dieſen Erbſchein aus=
ſtellen
werde, ſobald ſie die dafür notwendigen Angaben
gemacht und die dazu erforderlichen Geburts=, Trau= und
ſonſtigen Scheine ſämtlich vorgelegt haben würden.
Wieder Scheine! rief Lotte voll Entſetzen. Wir ha=
ben
ja erſt ein ganzes Bündel nach Vorberg geſchickt
und die unſeren ſind ſamt und ſonders dabei geweſen!
Ja, die müſſen Sie ſich natürlich an den betreffenden
Stellen neu anfertigen laſſen, verſetzte ihr Ratgeber wenig
tröſtlich.
Wieder Scheine! ſeufzte Lotte nochmals reſigniert.
Dann will ich aber gewiß in meinem ganzen Leben nie

nchr den ſech einen esſicher ding ofſen, elbnt i0.
voll Ingrimm.
Hans Bauer lachte und ſah ſehr intenſiv in die brau=
nen
Augen. Es gibt aber auch Scheine, die glücklich ma=
chen
, Fräulein Arnold. An was für eine Art von Doku=
menten
er dabei dachte, ſetzte er diesmal aber nicht juri=
ſtiſch
auseinander. Uebrigens können Sie ja erſt abwar=
ten
, was in dieſer Beziehung alles von Ihnen eingefordert
wird, fügte er ergänzend als ſchwachen Troſt hinzu.
So ward denn unter Betonung der Dringlichkeit das
neueſte Geſuch diesmal an das hieſige Amtsgericht geſandt
und dieſer Dringlichkeit zufolge auch ſchon nach wenigen
Tagen beantwortet durch die Aufforderung an die ver=
witwete
Regiſtratorin Johann Arnold, ſich im Gerichts=
gebäude
, Zimmer Nummer Soundſo, einzufinden und
die nötigen Auskünfte eidesſtattlich zu Protokoll zu geben.
Ich ſoll auf’s Gericht?! Ich ſoll ſchwören?! Mama
Arnold ward kreidebleich vor Entſetzen, in angſtvoller
Abwehr erhob ſie die zitternden Hände. Nein, nein, ich
geh’ nicht aufs Gericht! Lieber will ich nichts von der
Erbſchaft wiſſen! ſchrie ſie jammernd.
Aber, Mutter, es handelt ſich ja um eine abſolut harm=
loſe
Sache, verſuchte Lotte zu beſchwichtigen.
Man will ja nur ein paar ganz einfache Angaben von
Dir, erklärte ihr Thea.
So ſtell' Dich doch nicht ſo dumm an! Wir wollen
doch endlich die Erbſchaft haben! rief die vor Aerger ſprü=
hende
Mizzi unartig.
Jedoch Beſchwichtigen, Vernunftgründe und unartiger
Zorn verſagten gleichmäßig ihre Wirkung auf die gänzlich
verängſtigte, tauſend Schrecken ahnende Mama Arnold=
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Frankfarter Zarsvertent Vonr A. Marz 1912.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

Staatspapiere.
Dt. Reichsschatzanw.
Dt. Reichsanleihe v. 1918
98,20
do. . . . . p. 1925
98,90
Go. .. ..
86,25
do. . . .
77,40
Preußische Schatz
9950
Staffelanleihe
89,70
Consols.
86,25
do. . . ..
77,50
55
Badische Staats-Anleihe
1
do. v. 92/94 .
3½ 89,50
do. . . .
Baverische Ablös.-Rente.
97,00
E.-B.-Anl. kdb. ab 1906 4 96.90
do. un käb. p. 1918
497.10
do. unkdb. p. 1920 .
4 97,10
E.-B.- u. Allgem. Anl.
unkdb. p. 1930
97,05
3tz 84,60
do. Anleihe .
do.
75.70
Hamburger Staats-Anl. . 4 96,70
do. v. 1887/94
do, . ..
79,80
ee
HHessische Staats-Anleihe 4 97.35
do. unkdb. p. 1921 . . . 4 97,35
do. .
. .3½ 84,50
do. .
. . . . . . 3 74,15
Sächsische Staats-Rentel 3 77,60
Württembg. Staats-Anl.
(unkdb. p. 1921). . . . 4 97,90
do, v. 79/80 . . . . . . .3½ 88.70
do. . . . . . . . . . . . . . 3 77,00
Bulgarische Gld.-Anl. . . 5 97,20
Wriech. Anl. v. 1890 . . . . 1,6
do. v. 1887 Monopoll1s/ 52,00
Mtalienische Rente. . . . .31
Dsterr. Staats-R. v. 1913 .4½ 92,00
do. Silber-Rente . . . .4½ 80,00
do. Papier-Rente . . .4½
do. Gold-Rente . . . . . 4 88.55
do. einheitl. Rente . . 4 82,40
PPortug. Tab-Anl. 1891 . .4½ 97,10
do. inn. amort. 1905 . .41
do. unif. Serie I
62,10
do.
III.
6130
do. Spézial Titel. . .
9,70
Mumänen v. 1903. . . . . 5 100,10
do. Gold v. 1913. .
.4½ 91,00
do. Schatzsch. v. 1913 .4½100,20
do. conv..
85,20
do, v. 1890
9350
do. v. 1991
87,00
do. v. 1905 .
85,60
do. v. 1908 .
86,10
do, v. 1910 .
86,30
Mussische St.-Anl. v. 19054½ 97.50
do. kons. v. 1880
87130
do. Gold v. 1890
do. v. 1902 . . .
90,40
Schweden v. 1880. .
do. v. 1886

Schweden v. 1890. .
(5
7,50
Serben steuerfrei
.4½
78550
do. amort. v. 1895
Türk. Egypt. Tribut . . .
4* 85.00
do. kons. steuerfreie .
4 76.50
do. Admin, v. 1903 . .
4 1 85.50
do, unif. v. 1903. . . . .
do. v. 1905. . . . . . . . 4 72,75
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 90,45
Ungar. Staatsk.-Scheine
98,60
v. 1913. . . . . . . . . . . . 4
83,00
do. Gold-Rente.
4 81,35
do. Staats-Rente 1910
Kr. 4 82,00
do.
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1887 5
do. äußere v. 1890 . . . 5 99,50
do, innere v. 1888 . . .4½
do. äußere v. 1888 . . .4½
do. v. 1897
5 94,35
Chile Gold-Anl. v. 1911
do. v. 1889 . . .
. 4½,
do. v. 1906 . . . . . . . . 4½ 90,90
6-
Chines. St.-Anl. v. 1895
5 98,55
do, r. 1896
5 88,00
do. Reorg. Anl.
4½ 90,75
do. v. 1898
4½ 89.85
Japaner . . . .
Innere Mexikaner
5 60,85
5 80,50
Außere do.
Mexikan, Gold v. 18
4 68.00
3 42,00
do. cons.
4½ 68,30
do, Irrigat.-Anleihe
3½ 66,70
Buenos-Aires Prov.
5 65,25
Tamaulipas . .
5 92,00
Sao Pauſo E.-B.
5 1 97,50
do. v. 1913 .
4½ 95,70
Siam v. 1907 . .
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/973½
v. 19043½
Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadt
94,10
Darmstadt. . . . . . .
½ 99,00
Nordd. Lloyd-Obligat.
Donau-Dampfschiff. v. 821 4
4 90,50
Elisabsthbahn . . .
8630
Franz-Josef-Bahn.
Kaschäu-Oderbergerv
Prag-Duxer
72,60
Osterreich. Staatsbahn . 5 1103,80
4 89,60
do. .
3 75,00
do.,
5810
do. Südbahn (Lomb.)
1150
do. do,
51,65
do. do.
7800
Raab-Oedenburg
86,40
Kronprinz Rudolfbahn .
85,70
Russ. Südwest .

Moskau-Kasan . . .
(0.. . .. . .
Wladikawkas. . . .
Rjäsan-Koslow.
68,60
Portugies. Eisenb. v. 1886
(o. . . . . . . .
a 69,60
Livorneser . . . . . . . . .
62,75
Saloniaue Monastir . . .
78,20
Bagdadbahn . . . . . . . .
Anatolische Eisenbahn .4½ 91,20
Missouri-Pacific I.
do. do. V. 1905 .
94,50
Northern-Pacific.
91,60
Southern-Pacific . . .

St. Louis & San Francisco
2
Nehnantepee . . ..
-
5
Ungar. Lokalbahn
Provinz-Anleihen.
96,20
Rheinprov. Obl.
3½ 86,25
do. Em. 10
3 83,25
do. 9.
3½
Posen Prov.
4 96.00
Westfalen Prov. V.
Hess. Prov. Oberhessen 4 96,00
3½ 86,00
do. Starkenburg .
Städte-
Obligationen.
4
Darmstadt.
... . . . .3½,
do. . . .
Frankfurt .
. . . . . . 4 96,35
. . . . 3½ 89,20
do. . . . .
.. . . 4 94,50
Gießen . . . . .
.. . .3½
(0. . . . . .
. . . . 4 95,00
Heidelberg . .
.. . .3½
do. .. . .
4½ 95.10
Karlsruhe . .
.3½ 87,50
do. . . . .
Magdeburg .
9500
Mainz . . .
87,60
do. . . .
95,40
Mannheim .
87,50
do. .
96,15
München .
Nauheim.
95,20
Nürnberg
86,30
do. . . .
Offenbach
do. v. 1914
do. . . .
Wiesbaden.
do. . . .
Worms . . .
do. . . . .

Lissabon v. 1888 .
Moskau v. 1912
... .4½ 93,00
Stockholm v. 1880
Wien Komm. . . . . . . .
½ 98,80
Wiener Kassenscheine .
Zürich v. 1889 .
Buenos Stadt v. 1892 . . . 69101,60

Pfandbriefe.
4½ 100,00
Berliner Hyp.-Bk.-Pf.
9825
do. unkäb. 1918 . . . .
94,00
1919. . . . .
do.
94,50
1921 . . . ..
do,
96,00
1922. . . . .
do.
83,50
do. ..
. . .
95,25
do. Komm.-Obl. unk. 1918
. .
Frankf. Hyp.-Bk.
95,00
do. unkäb. 1910 . . . .
96,00
1915 . . . .
do.
4 96,50
do.
1920 . . . .
.. 3½ 86,40
dc. Ser. 1219. .
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
unkdb. 1910 .
86,50
... 3½
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
94,00
Ser. 1542
94.90
4849)
do. . . . .
6600
do. unk. 1922
52
88,60
do. 1913. . . .
... . 3½ 86,50
do. Ser. 45 .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,70
Scr. 12, 13, 16
do. . . . . 14, 15, 17) 4 96.70
do. unkdb. 1920 . . . . 4 97,30
1923 . . . . 4 97,40
do.
do. Ser. 1, 2, 68 . . . . 3½ 84,30
do. 35 . . . . . . . 3½ 84.30
do. kündb. 1915 . . . . . 3½ 84,30
do. Komm. unk. 1913) 4 96,70
1914 4 96,70
do.
1916 4 96,90
do.
1920) 4 1 97,30
do.
1923) 4 97,40
do.
do. verlasb. u. kündb. . 3½ 84,25
unkdb. 1915 3½ 84,25
do.
Meininger Hyp.-Bk. Pfäb. 4 94,50
do. unkdb. 1922. . . . . 4 1 95,80
do. . .
3½ 86,00
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
unkdb. 1917 4 94,50
1919)
do. .
94,50
.
94,50
1921
do..
do. . . . . . 1924) 4 96,20
3½ 85,10
do. . .. . . . . .
95,20
do. Komm. unk. 1923
96,00
do.
1924
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr. . 4 96,40
3½ 88,00
do. . .
Bank-Aktien.
Div.
Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich . . 10 194,50
Berg.-Märkische Bank.
Berliner Handelsges.. . . 9½ 1629/
Darmstädter Bank . . . . 6½ 123,50
Deutsche Bank . . . . . . .12½258,50
Deutsche Vereinsbank. .56 11700
Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 1118,00
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 197,50

8½ 158,20
Dresdner Bank . .
Frankf. Hypothek.-Bank 10 (217,10
do. do. Kred.-Ver. 8½ 1153,60
Mitteldeutsche Kred.-Bk 6½ 124,00
Nation.-Bank f. Deutschl.
(17,25
7 (128,50
Pfälzische Bank . . . . . .
Reichsbank . . . . . . . . . 8.42 135.50
Rheinische Kredit-Bank.
(132,70
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver. . 3 1105,70
Wiener Bank-Verein . . . 8 (140,75
Aktien von Trans-
port
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 141,90
(12490
Norddeutscher Lloyd. .
Frankfurt. Schleppschiff. 4 1116,00
Südd. Eisenb.-Gesellsch. . 6½ 129,70
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 1116,75
6 90.00
Baltimore .
10 (2127
Canada . . .
7½ 1140,20
Schantung
Prinz Henry
21½.
Lombarden
6 112.50
Pennsylvania
Industrie-Aktien.
(648,50
Badische Anilin-Fabrik .
Chem. Fabrik Griesheim 14 267,00
30 670,00
Farbwerke Höchst . . .
Ver. chem. Fabr. Mannh. 20 341,00
Zement Heidelberg . . . . 10 152,25
Chemische Werke Albertl 30 453.00
Holzverkohl. Konstanz . 15 317.00
Lahmeyer . . . . . . . . . . 6 1128,50
Schuckert, Nürnberg . . . 8
Siemens & Halske. . . . . 12 (217,75
Bergmann Elektr. . . . . . 5 125.00
Allg. Elektr.-Gesellsch. . 14 (2471:
25 (357,50
Hagen Akkum. . . . . .
Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (176.00
0 3100
Gummi Peter . . . . . .
Adler-Fahrradwerke . . . 25 368,00
Maschinenfabr. Badenia 9 (126,00
Wittener Stahlröhren . . 0
Gasmotoren, Oberursel . 8½ 1162.50
(121,00
Gasmotoren, Deutz . . .
Siemens Glas-Industrie . 15 1236,50
Enzinger Filter . . . . . . 23 321,00
Stcaug Romana . . . . . . 10 149,75
Zellstoff Waldhof . . . . . 15 1225,00
Bad. Zucker-Waghäusel .12,83/213,70
1*87,50
Neue Boden-Aktien-Ges.
Süddeutsche Immobilien 0 60,00
Bergwerks-Aktien.
12 (166,00
Aumetz-Friede .
Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 224,75
Leonhard, Braunkohlen . 9 1157,50
23 358,00
Konkordia Bergbau
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (139,56
Eschweiler . . . . . . . . . . 10 221,50

G
Gelsenkirchen Bergw. . . 11 194,50
Haxpen Bergbau . . . . . .11 185,25
Kaliwerke Aschersleben . 10 1159,70
Kaliwerke Westeregeln .13 207,25
Königin Marienhütte . . 6 86,00
Laurahütte . . . . . . . . . 8 1159,00
6 89,00
Oberschles. Eisenbed.
Oberschl. Eisen-Industrie 3 69.00
Phönix Bergbau ..
18 1240½
Rheinische Braunkohlen 10 209,00
Riebeck Montan . . . . . . 12 1197,50
South West.-Afr. Shares . 5
Verzinsliche
Anlehenslose. Zf.
Badische . . . . . TIr. 100 4
Cöln-Mindener . Tlr. 1003½142,00
Holländ. Komm. . H. 100 3
Madrider . . . . . Frs. 100 3 78,60
Meininger Präm.-Pfdbr. .
14200
Osterreicher 1860er Lose
181,00
Oldenburger . . . . TIr. 40 3 129,50
Raab-Grazer . . . . H. 150/2½
Unverzinsliche
Mk.
Anlehenslose.
p. St.
Augsburger
. H. 7 36,25
Braunschweige
. TIr. 20 202,00
Mailänder
Ts. 45
do.
Fs. 10
Meininger
.. A. 7 35,00
Osterreicher v. 1864 . H. 100
v. 1858 . H. 100 565,00
do.
A. 100 439,80
Ungar. Staats . .
Fs. 30
Venediger . . . . .
Türkische . . . . . . Fs. 400 168,30
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns.
20,41
16,26
20-Franks-Stücke ..
Amerikanische Noten
4.198/
Englische Noten . .
20,44
Französische Noten.
81,20
Holländische Noten
169,25
Italienische Noten
81,00
Osterr.-Ungarische Noten: . 85,00
Russische Noten . .
Schweizer Noten. . .
81,00
Reichsbank-Diskont
do. Lombard Zsf.
Tendenz:
Fester.

Handel und verkehr.

Frankfurt a. M., 11. März. (Börſe.) Auf
beſſere Neu=Yorker Kurſe eröffnete die hieſige Börſe in
ffreundlicherer Stimmung. Man konnte von verſchiedenen
Seiten Meinungskäufe beobachten und bei anziehenden
Kurſen ſchritten auch heute die Baiſſiers zu Deckungen.
Das Geſchäft war im ganzen zwar etwas lebhafter, als
in den letzten Tagen, doch zeigte ſich Beteiligung des Pu=
blikums
nur in geringem Maße. Erneute Beachtung fan=
den
wieder die in letzter Zeit vernachläſſigten Schantung=
raktien
, die ſich nach Feſtſtellung der erſten Notiz um wei=
chere
1½ Prozent erholen konnten. Im Verlauf erhielt ſich
die freundliche Stimmung und die Kurſe konnten gegen
Schluß hin weiter anziehen. Gebeſſert waren heute in
Uebereinſtimmung mit der allgemeinen Tendenz auch die
Kurſe der Anlagewerte. Im freien Verkehr mußten Con=
Tordia=Aktien nach der geſtrigen Steigerung bis 355 nach=
geben
. Der Kaſſakurs notierte 358. Der Kaſſamarkt weiſt
meiſt Kursbeſſerungen auf.
Mannheim, 11. März. Der Geſchäftsbericht der
Mheiniſchen Hypothekenbank für 1913 weiſt auf
idas günſtige Ergebnis auch dieſes Geſchäftsjahres hin,
fſo daß bei reichlichen Rücklagen wiederum eine Dividende
ivon 9 Prozent verteilt werden kann. Der Umlauf an
=Pfandbriefen und Kommunalobligationen hat ſich um
220 251 900 Mack auf 588 114700 Mark erhöht, der Beſtand
dan Hypotheken= und Kommunal=Darlehen auf 619 260 168,01
Mark. Die Liquidität der Bank war eine ſehr günſtige. Es
twaren am Jahresſchluſſe an flüſſigen Mitteln vorhanden
331048677,46 Mk., denen Kreditoren in Höhe von nur
11667334,79 Mk. gegenüberſtanden, ſo daß eine freie Liqui=
kdität
von 29381 342,67 Mark ſich ergibt. Die Bankverwal=
rtung
ſchlägt vor, den Kavitalreſervefonds durch Zuweiſung
lvon 600000 Mark auf 13000000 Mark, ferner den Pfand=
lbriefſicherungsceſervefonds
um 500000 Mark auf 6000000
Mark zu erhöhen, ſo daß die als Unterlage für den Pfand=
lbriefumlauf
dienenden Reſervefonds (Kapitalreſervefonds
rund Pfandbriefſicherungsreſervefonds) zuſammen eine Höhe
von 19000000 Mark 70,40 Prozent des Aktienkapitals
erreichen. Außerdem ſollen aus dem Vortrag des Jahres
1912 136000 Mark zur Abſchreibung auf Bankgebäude=
konto
und 25000 Mark zur Verſtärkung des Hypotheken=
zinſenreſervekontos
verwendet werden. Ferner werden aus
dem Reingewinn des Jahres 1913 für das Pfandbrief=
geſchäft
170000 Mark zurückgeſtellt. Die Geſamtreſerven
(ausſchließlich Vortrag) ſdier Bank erreichen bei Genehmig=
ung
der Gewinnverteilungsvorſchläge eine Höhe von
31 773 459,10 Mark, was den Pfandbriefen der Rheiniſchen
Hypothekenbank eine beſondere, hohe Sicherheit gewährt.
WB London, 10. März. Die Vereinigung der Han=
delskammern
des Vereinigten Königreichs nahm heute ein=
ſtimmig
eine Reſolution an, in der die vollſtändige An=
inahme
des Entwurfes des internationalen

Wechſekrechis er den der hlerheltanten Koiſeng
im Haag 1911 ausgearbeitet wurde, für unmöglich erklärt
wird. Die Reſolution hält es aber für höchſt wünſchens=
wert
im Intereſſe des britiſchen Handels, daß das britiſche
Wechſelrecht in mehreren wichtigen Punkten geändert
werde, um eine Einheitlichkeit herzuſtellen. Der ausführende
Ausſchuß wurde beauftragt, deswegen mit dem Handels=
amt
in Verbindung zu treten.

C Erhebung von Wechſel= und Scheck=
proteſten
durch die Poſt. Von unterrichteter Seite
wird uns mitgeteilt: Das am 1. Oktober 1908 eingeführte
Poſtproteſtverfahren für Wechſel und Schecks findet immer
weitere Verbreitung. Die Zahl der Poſtproteſtaufträge iſt
vom Jahre 1912 auf 1913 von 2038000 auf 2262000 und
die Zahl der erhobenen Poſtproteſte von 285 000 auf 320000
geſtiegen. Trotzdem iſt es in vielen Kreiſen noch nicht
bekannt, daß die Poſt überhaupt Wechſel und Schecks
bis zu 800 Mark proteſtiert, und daß die Benutzung dieſer
Einrichtung erheblich billiger iſt, als jedes andere Ver=
fahren
. Für die Aufnahme ſolcher Proteſte bei Wechſeln
bis 500 Mark wird nur eine Gebühr von 1 Mark und bei
Wechſeln über 500 Mark eine ſolche von 1,50 Mark erhoben.
Reiſetagegelder, Fuhrkoſten oder Schreibgebühren werden
nicht berechnet. Auch wird dem Bezogenen eine Einlöſungs=
friſt
gewährt, indem der Poſtproteſtauftrag nicht ſofort nach
der erſten Vorzeigung proteſtiert, ſondern am zweiten
Werktage nach dem Zahlungstage nochmals zur Zahlung
vorgezeigt wird Wechſel und Schecks die bei Nicht=
zahlung
durch die Poſt proteſtiert werden ſollen, ſind nicht
mit dem grünen Formular für Poſtaufträge, ſondern mit
dem beſonderen, an den Poſtſchaltern erhältlichen blauen
Formular für Poſtproteſtaufträge einzuliefern.
Im Reichspoſtgebiet iſt die Zahl der Konto=
inhaber
im Poſtſcheckverkehr Ende Februar
dieſes Jahres auf 88 533 geſtiegen. (Zugang im Monat
Februar 901.) Auf dieſen Poſtſcheckkonten wurden im
Februar gebucht 1439 Millionen Mark Gutſchriften und
1426 Millionen Mark Laſtſchriften. Das Geſamtguthaben
der Kontoinhaber betrug im Februar durchſchnittlich 196,6
Millionen Mark. Im Verkehr der Reichspoſtſcheckämter
mit dem Poſtſparkaſſenamt in Wien, der Poſtſparkaſſe in
Budapeſt, der belgiſchen und luxemburgiſchen Poſtverwal=
tung
, ſowie den ſchweizeriſchen Poſtſcheckbureaus wurden
7,8 Millionen Mark umgeſetzt, und zwar auf 3120 Ueber=
tragungen
in der Richtung nach und auf 15330 Uebertra=
gungen
in der Richtung aus dem Auslande.

Landwirtſchaftliches.

Groß=Gerau, 10. März. Die bei unſerem
letzten Ferkelmarkt aufgetriebenen 892 Tiere fanden
faſt nahezu alle ziemlich raſchen Abſatz und ſind für Ferkel
1522 Mark, für Springer 3034 Mack und für Einleger

4048 Mark pro Stück bezahlt worden. Der nächſte Ferkel=
markt
findet am Montag, den 16, ds. Mts., ſtatt.
H. Frankfurt a. M., 10. März. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war ruhiger Verkehr und
die Veränderungen im allgemeinen blieben gegen die
Vorwoche nur geringfügig. Für ſchweren Landweizen im
Gewichte von 7778 Kg. zeigte ſich bei knappem Angebot
größere Nachfrage ſeitens der Mühlen, wobei bis 21,25
Frachtparität Frankfurt bewilligt wurde. Hafer in prima
ebenfalls nur mäßig angeboten und feſter. Mais und
Gerſte, ſowie Landroggen ruhig. Die Forderungen für
Futtermittel und Mehl ſind nicht erhöht. Der Mann=
heimer
Getreidemarkt iſt ſchwächer. An der Ber=
liner
Produktenbörſe wurde Getreide billiger ab=
gegeben
, da die ausländiſchen Forderungen ermäßigt
waren und die Provinz ſtärker verkaufte. Die Nachfrage
für Exportzwecke hat aufgehört. Hafer behauptet trotz des
ſchwachen Konſums. Nach den letzten Kabelnachrichten
von den amerikaniſchen Geſreidemärkten (Chikago und
Neu=York) waren Weizen und Mais in feſter Eröffnung,
da der Monatsbericht der Regierung à la hauſſe lautete
und die Feſtigkeit der nordweſtlichen Produktenbörſen an=
regte
. Später erfolgte Abſchwächung, da die vom Aus=
lande
vorliegende Wochenſtatiſtik der Baiſſe günſtig war,
günſtiges Wetter vorliegt, ſowie die Lokomärkte zur Mat=
tigkeit
hinneigten. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort
in dieſer Woche von 61,58 Mill. Buſh. auf 60,66 Mill.
Buſh. zurückgegangen; hingegen die Maisvorräte von 18,37
Mill. Buſh. auf 19,13 Mill. Buſh. geſtiegen. In Kanada
ermäßigten ſich die Weizenvorräte in dieſer Woche von
22,06 Mill. Buſl. auf 21,17 Mill. Buſh.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer, 20,5020,60, nordd.
20,5020,75, kucheſſiſcher 20.5020,60, ruſſiſcher 2223,50,
La Plata 22.7523, rumäniſcher 22,2523,25, Kanſas
22,7523 Manitoba 22,7523,50, Redwinter 22,7523,
Walla Walla 22,2523; Roggen, hieſiger, 16,3516,40,
bayeriſcher 16,4016,45, ruſſiſcher , rumäniſcher , ameri=
kaniſcher
; Gerſte, Pfälzer, 17,5018, hieſige und Wet=
terauer
1717,50, Riedgerſte 1717,50, fränkiſche 17,25 bis
17,75, ungariſche ; Hafer, hieſiger, 16,2517,25, bayeriſcher
16,5017,50, ruſſiſcher 1718, rumäniſcher 1718, ameri=
kaniſcher
; Mais, mired, 14,7515, ruſſiſcher 14,75 bis
15,25. Donaumais 1515,25, rumäniſcher 1515,25, La
Plata 148515, weißer Mais 1515,20, Weizenſchalen
10,7511, Weizenkleie 10,2510,50, Roggenkleie 1010,50,
Futtermehl 1214, Biertreber, getrocknet, 12,7513 Fut=
tergerſte
13,2513,75; Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab
Mannheim) Nr 0 3131,25, feinere Marken 31,5031,75,
Nr. 1 29,2529,75, feinere Marken 303025, Nr. 2 28 bis
28,25, feinere Marken 28,5028,75, Nr. 3 26,5026,75,
feinere Marken 2727,75. Nr. 4 22,5022,75, feinere Mar=
ken
2323,25; Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0 2424,50, Nr. 1.
22,2522,75, Nr. 2 20,2520,50.

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Nr. 21.

Dontersiag, 12. März.

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Zweite Kammer der Stände.

97. Sitzung.
St. Darmſtadt, 11. März.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter Dr. v. Ewald,
7 inanzminiſter Dr. Braun, Miniſter des Innern
r. Hombergk zu Vach, Staatsräte Dr. Becker,
orbacher, Geh. Oberfinanzrat Dr. Rohde, Geh.
Hegationsrat Dr. Neidhart, Oberfinanzaſſeſſor Ulrich.
Vizepräſident Korell eröffnet die Sitzung um 9½
Uhr. Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung ein
umd berät zunächſt die Rückäußerung der Erſten Kammer
füber den Initiativantrag der Abgg. Köhler und Gen.,
den Geſetzentwurf,
die landſtändiſche Geſchäftsordnung,
letreffend. Abg. Dr. Schmitt erſtattet mündlichen Be=
richt
. Der Ausſchuß der Zweiten Kammer kann ſämtlichen
Aenderungen, die die Erſte Kammer beſchloſſen hat, bei=
teten
, bis auf drei, da die Aenderungen nicht materieller
Watur ſind. Die drei Punkte, in denen der Ausſchuß auf
ſteinen Beſchlüſſen beharrt, betreffen auch nur unweſent=
loche
Aenderungen. Einmal iſt an einigen Stellen die Ein=
ſchaltung
Bei Stimmengleichheit entſcheidet das Los zu
ſareichen, da der Ausſchuß der Erſten Kammer überſehen

hat, daß das in dem Arlt 15 beſonders geregelt iſt.
Dann der Artikel 26, der die Anfertigung und das Ver=
leſen
der Protokolle über die Sitzungen regelt. Hierzu
gehen die Meinungen der Ausſchüſſe auseinander. Auch
in der Debatte, die darüber entſteht, tritt dieſe Meinungs=
verſchiedenheit
zutage. Staatsminiſter Dr. v. Ewald
macht ſchließlich den Vorſchlag, dem Artikel 26 eine an=
dere
Faſſung zu geben, nach der das Protokoll nur, wenn
der Ausſchuß beſchließt, auch die Darſtellung des Inhalts
der Beratung aufzunehmen, am Schluß der Sitzung zu
verleſen und zu genehmigen iſt.
Nach längerer Debatte beantragt Abg. Dr. Schmitt,
die Beſchlußfaſſung über den Artikel 26 einſtweilen abzu=
ſetzen
bis ſich der Ausſchuß nochmals mit dem Vorſchlag
des Staatsminiſters befaßt hat. Dieſer Rückverweiſungs=
antrag
wird angenommen. Zu ſämtlichen übrigen Ar=
tikeln
wird der Ausſchußantrag angenommen.
Die Kammer ſetzt dann die Spezialberatung des
Hauptvoranſchlags für 1914
fort. Zu Kapitel 10,
Staatseiſenbahnen,
widmet Abg. Korell=Angenrod dem verſtorbenen Geh.
Oberbaurat Kilian einen warmen Nachruf und ſpricht
die Hoffnung aus, daß der Nachfolger des Verſtorbenen
den Eiſenbahnwünſchen das gleiche Verſtändnis entgegen=
bringen
möge. Den Wunſch des Herrn Finanzminiſters,
die Eiſenbahnwünſche der Regierung vorher ſchriftlich
mitzuteilen, hält Redner für berechtigt, doch ſollte man die
Ausſprache im Hauſe nach Art der Kleinen Anfragen im
Reichstage beibehalten. Redner bringt dann ebenfalls
einige Eiſenbahnſchmerzen zur Sprache; ſpeziell beſpricht er
das Projekt Alsfeld-Nieder=Aula. Der Ort Reimenrod
an dieſer Strecke wünſcht einen Bahnhof. Dieſen Wunſch
unterſtützt Redner. Zur Frage Organiſationen uſw ſtimmt
Redner der Anſicht zu, daß Diſziplin im Eiſenbahnbetrieb
unerläßlich iſt, doch ſollte man die Arbeiter auch ſo behan=
deln
, daß ſie Vertrauen zu ihren Vorgeſetzten haben. Die
Behandlung laſſe aber bei manchen Vorgeſetzten noch ſehr
zu wünſchen übrig. (Hört, hört!) Die Wünſche, die der
Abg. Wünzer für den Odenwald geäußert hat, unterſtützen
wir. Das Gleiche trifft aber auch für den Vogelsberg

zu, und wir hoſſn, daß gegebennſall auch für dein
die Kollegen Schulter an Schulter mit uns kämpfen. Daß
eine Provinz gegen die andere ausgeſpielt wird, iſt ein
Fehler.
Abg. Senßfelder beſpricht das Riedbahnprojekt.
Die Hauptſache ſei, daß dieſe Bahn überhaupt erſt einmal
gebaut wird. Ob ſie in Biſchofsheim oder in Guſtavs=
burg
einmünden ſoll, darüber werde man ſich noch einigen.
Weiter wünſcht Redner eine Automobilverbindung zwi=
ſchen
Groß=Gerau und dem Rhein nach Oppenheim zu.
Der Bahnhof Groß=Gerau ſollte ein Stück nach Klein=
Gerau zu verlegt werden. Ueber ſchlechte Zugverbindun=
gen
, namentlich nach der Mainſpitze, wird von vielen Ar=
beitern
, beſonders aus dem Ried, geklagt. Der Mittags=
zug
Darmſtadt-Groß=Gerau ſollte bis nach Nauheim ge=
führt
werden. Im Bahnhof Groß=Gerau fehlen Schilder,
die die Richtungen der Züge bezeichnen. Den entlaſſenen
Heinrich habe Redner vielfach in Verſammlungen reden
hören und niemals ein unanſtändiges oder aufreizendes
Wort von ihm gehört. Er hat vielmehr, wie ein Meſſias,
oft verſöhnend gewirkt. (Hört, hört!)
Abg. Hauck beſpricht zunächſt kurz die Reviſion des
Eiſenbahnvertrages. Man ſei natürlich darüber einig,
daß eine Reviſion zugunſten Heſſens von allen angenehm
empfunden werden würde. Der Vertrag hat ſeine Vor=
teile
für Heſſen, aber auch Nachteile. Das ſind beſonders
die Beſtimmungen über die Nebenbahnen. Man darf da
keine Vergleiche ziehen mit Oſt= und Weſtpreußen. Das
heſſiſche Nebenbahnnetz bedarf unbedingt des Ausbaues.
Beſonders in Starkenburg werde zu wenig gebaut. Der
Automobilverkehr habe ſich in Bahern ſehr gut bewährt.
Man habe dort 88 Automobilſtrecken, die an 5 Millionen
Anlagekapital erforderten. Was in Bayern ſich bewährt
hat, ſollte auch hier möglich ſein.
Abg. Stöpler meint, zu den Wünſchen auf Reviſion
des Eiſenbahnvertrages ſollte man doch bedenken,
daß auch Preußen eine Statiſtik über die Ausdehnung und
Zunahme ſeines Verkehrs vorlegen könnte. Er wünſcht
dann eine Halle für Lauterbach=Nord. Man ſei ſchon zu=
frieden
, wenn man dorthin eine irgendwo abgelegte Halle
bekommt. (Heiterkeit.) Auf der Strecke Gießen- Gelnhau=
ſen
geht der Nachmittagszug 2,16 Uhr nur bis Nidda. Die=
ſer
Zug ſollte bis Gelnhauſen durchgeführt werden.

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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Nummer 71.

Abg. Breidenbach tritt für die Bahn Friedberg=
Ranſtadt ein, befürwortet die vom Abg. Joutz angeregte
Nauheimer Rundbahn, den Ausbau der Bahn Nad Nau=
heim
-Uſingen, tritt für Herſtellung eines Fußweges ein
zum Bahnhof Reichelsheim in der Wetterau, für den Um=
bau
des Bahnhofes Dorheim uſw.
Abg. Dr. Wolf=Gonſenheim kommt auf die alten
Beſchwerden der früheren Beamten der Heſſiſchen Lud=
wigsbahn
zu ſprechen, über die Anrechnung der Beſol=
dungsvordienſtzeit
, in der dieſe Beamten gegenüber den
preußiſchen gleicher Kategorie im Nachteil ſind. Er bittet,
die Regierung möge energiſche Schritte tun bei der preu=
ßiſchen
Regierung, um dieſe Nachteile zu beſeitigen. Klage
führt Redner über die ſchlechten Verbindungen zwiſchen
der Reſidenz Darmſtadt und Bingen. Bei der Selztal=
bahn
herrſchen höchſt mangelhafte Zuſtände in verſchie=
ner
Beziehung, die dringend der Abſtellung bedürfen.
Abg. Reh: Es iſt eine alte Erfahrung, daß die Be=
ratung
des Eiſenbahnkapitels immer im Bummelzugs=
tempo
vor ſich geht, und es empfiehlt ſich doch dringend
das Schnellzugstempo. Redner beſpricht dann die Lohn=
verhältniſſe
der Eiſenbahnarbeiter, die vielfach tatſächlich
zu gering ſind. Auch das Beſchwerderecht der Arbeiter
bedürfe der Reform. Es beſtehe eine Beſtimmung, daß
eine Beſchwerde nur erfolgen darf, wenn der zuſtändige
Bahnmeiſter das geſtattet. Dieſe Beſtimmung macht faſt
jede Beſchwerde illuſoriſch. Redner befürwortet das
Bahnprojekt Alsfeld-Loshauſen, eine Halteſtelle in
Eulersdorf und äußert einige Fahrplanwünſche im Be=
reiche
der Gießener Strecken uſw. Er polemiſiert dann
gegen den Abg. Schott und beſpricht kurz die eventuelle
Reviſion des Eiſenbahnvertrages. Es wäre dringend zu
wünſchen, daß die Regierung das erbetene Material nun=
mehr
ſehr bald vorlege.
Abg. Lang (auf der Tribüne ſaſt unverſtändlich)
unterſtützt die Ausführungen des Abg. Wünzer im allge=
meinen
und tritt für Erbach-Amorbach im beſonderen
ein. Er befürwortet weitere Automobillinien.
Abg. Dr. Schmitt (ſchwer verſtändlich) ſtellt feſt,
daß er der 31. Redner zur Eiſenbahndebatte iſt. Er ſpricht
ſeine Genugtuung darüber aus, daß die Eiſenbahnverwal=
tung
in bezug auf Anſtellungen heſſiſcher Bahnwärter uſw.
Entgegenkommen gezeigt hat. Auch die Sonntagsruhe iſt
zum Teil beſſer geworden, wenn ſie auch hin und wieder
noch beſſer geregelt ſein könnte. Man ſollte z. B. an
zwei hohen Feſttagen doch wenigſtens einen ganz frei
geben. Wünſchenswert wäre es, wenn die Löhne in be=
nachbarten
Bezirken keine Verſchiedenheit aufweiſen wür=
den
. Die Arbeiterzüge ſollten in ihren Ankunftszeiten
praktiſcher gelegt werden im Intereſſe der Arbeiter. Be=
amte
und Arbeiter, die ſich an ihrem Arbeitsort angekauft
haben, ſollte man nicht ohne zwingendſte Gründe verſetzen.
Den Arbeiterausſchüſſen müßte ſeitens der Behörden mehr
Bedeutung zugemeſſen werden. Die Hauptſache ſei, daß
man den Arbeitern und ihren Vertretungen Vertrauen
entgegenbringt, damit auch die Arbeiter ihrerſeits Ver=
trauen
faſſen können. Im weiteren äußert Redner Fahr=
planwünſche
. Sehr mangelhaft ſei die Verbindung
Mainz-Wöllſtein. Daß der neue Eilzug Mainz-Alzey
in Niederolm und Wörrſtadt nicht halten ſoll, iſt durch=
aus
zu beanſtanden. Cerade aus dieſen Orten, die beide
Amtsgerichte haben, kommen die Leute nach Mainz. Wenn
der Zug da nicht halte, habe er keinen Wert. Was der Abg.
Dr. Wolf bezüglich der früheren Beamten der Main=
Neckar=Bahn geſagt hat, verdient vollauf Unterſtützung.
Die Eiſenbahnverwaltung ſollte doch dafür ſorgen, daß
in den Frühzügen wenigſtens während der Kammer=
tagung
Platz vorhanden iſt. Wenn Abg. Reh geſagt hat,
man wünſche zur Reviſion des Vertrages die Vorlage von
Material, zu dem man ſich die Beſchlußfaſſung ja vor=
behalten
könne, ſo iſt dieſes zu unterſchreiben. Wenn die
Regierung das Material vorenthalte, ſo müſſe dies den
Eindruck erwecken, daß das Material einer Reviſion ſehr
günſtig ſei. Er hoffe aber gern, daß die Regierung das
Material bald vorlegen werde, trotz der ablehnenden Hal=
tung
der Erſten Kammer.
Nach der Pauſe wird zunächſt der zurückgeſtellte Ar=
tikel
26 der
landſtändiſchen Geſchäftsordnung
beſprochen. Der Ausſchuß beantragt nach dem Bericht
des Abg. Dr. Schmitt, dieſen Artikel 26 nunmehr in
folgender von Staatsminiſter Dr. v. Ewald vorgeſchla=
genen
Faſſung anzunehmen:
Ueber die Verhandlungen der Ausſchüſſe iſt ein Pro=
tokoll
aufzunehmen, das die Namen der anweſenden Aus=
ſchußmitglieder
und der Regierungsvertreter, die im Ver=
laufe
der Sitzung geſtellten Anträge, ſowie die gefaßten
Beſchlüſſe bei namentlicher Abſtimmung unter Angabe
des Stimmenverhältniſſes enthält.
Es wird vom Präſidenten des Ausſchuſſes und dem
Schriftführer unterzeichnet. Wenn der Ausſchuß es be=
ſchließt
, muß es auch eine gedrängte Darſtellung des
weſentlichen Inhalts der Beratungen geben. In dieſem
Falle iſt es am Schluß der Sitzung zu verleſen und zu
genehmigen.
Der Antrag wird angenommen. Damit iſt die
landſtändiſche Geſchäftsordnung erledigt.

Die Eiſenbahndebatte
wird fortgeſetzt.
Abg. v. Brentano beklagt ſich darüber, daß die
Eiſenbahndebatten öfters draußen ironiſch kritiſiert wer=
den
. Es ſei doch ſehr notwendig, hier die Klagen über
die Eiſenbahnverhältniſſe, die oft tief einſchneidende ſind,
eingehend zu beſprechen. Die Güterverladeſtelle Kempten,
die ſchon ſo oft dringend verlangt worden iſt, iſt immer
noch nicht errichtet. Es iſt eine wahre Leidensgeſchichte,
die dieſem Antrage zugrunde liegt. Er werde demnächſt
einen Antrag einbringen, der an Deutlichkeit nichts zu
wünſchen übrig laſſe. Redner wünſcht eine beſſere An=
ſchlußverbindung
des Zuges 1.34 Darmſtadt-Offenbach.
Abg. Hartmann führt Beſchwerde über die Ausgabe
von Arbeiterfahrkarten und klagt beſonders darüber, daß
dieſe nicht über 50 Kilometer hinaus ausgegeben werden.
Man müſſe den Gedanken, die Reichseiſenbahn einzufüh=
ren
, unbedingt aufrecht erhalten. Die 4. Klaſſe der Züge
ſollte entweder ganz beſeitigt oder beſſer ausgeſtattet wer=
den
. Die Unreinlichkeit in dieſen Wagen iſt geradezu ge=
ſundheitsgefährlich
. Was an Lurus in der 1. Klaſſe
herrſcht, herrſcht an Bedürftigkeit in der 4. Klaſſe. Abg.
Ulrich unterſtützt dieſe Klagen und fordert daß vor
allem die Arbeiterzüge nicht immer überfüllt ſind. Sehr
oft müſſen die Arbeiter auf den Plattformen ſtehen, um
überhaupt mitzukommen. Bezüglich der Arbeiterfahr=
karten
ſollte die Regierung doch ein ſehr ernſtes Wort
ſprechen, um den Geltungsbereich von 100 Kilometern, der
früher war, wieder einzuführen. Redner hält es eben=
falls
für notwendig, die Eiſenbahnklagen hier eingehend
zu erörtern. Den Wunſch des Abg. v. Brentano bezüglich
des Zuges 1.34 unterſtützt Redner, doch habe die Re=
gierung
auf ſeine frühere Klage geantwortet, das ginge
nicht zu ändern, weil der Zug in Frankfurt unbedingt ab=
fahren
müſſe. Zur Reviſion des Eiſenbahnvertrages iſt
er der Meinung, daß dieſe ſehr wohl zu größerem Ein=
fluß
auch auf die Verwaltung führen kann.
Finanzminiſter Dr. Braun
bittet, ihm, nachdem nun 34 Redner geſprochen,
auch ein paar Worte zu geſtatten. Allerdings
könne das auch nur im Schnellzugstempo geſche=
hen
. Auszuſcheiden ſind für heuſe alle Fragen, zu denen
eine beſondere Interpellation angekündigk iſt, und alle Kla=
gen
über den inneren Betrieb. Solche Klagen müßten
unbedingt vorher ſchriftlich eingebracht werden. Das
gleiche gilt von den Wünſchen bezüglich Verlegung oder
Einlegung von Zügen und dergleichen. Das Miniſterium
kann in all’ ſolchen Fällen das Vorgebrachte nur weiter=
geben
oder auf den Weg der ſchriftlichen Eingabe verwei=
ſen
. Trotz alledem erkenne ich an, daß ich durch die vielen
Klagen einigermaßen in die Neſſeln geſetzt worden bin,
und das ſchmerzt. Dieſer Schmerz ſitzt um ſo tiefer, als
bei dieſer Redeflut die Ausſicht, das Budget rechtzeitig fer=
tigzuſtellen
, immer mehr ſchwindet. Ich möchte mich alſo
auf Weniges beſchränken. Auf die Frage der Vertrags=
reviſion
kann ich im Rahmen der Budgetberatung nicht ein=
gehen
. Die Stellung der Regierung zu dieſer Frage iſt ja
auch bekannt. Ob man die Fragen des Abg. Molthan be=
züglich
der Konkurrenzierung der Heſſiſchen Ludwigsbahn
einwandfrei beantworten kann, mag dahingeſtellt ſein.
Immerhin liegt es in dem Bereich der Möglichkeit. Schwie=
riger
iſt die Beantwortung der zweiten Frage, ob der
Mehrwert der heſſiſchen Bahnen ſich ſtatiſtiſch nachweiſen
laſſe. Die Regierung wird’s verſuchen. Wenn der Abg.
Reh geſagt hat, es handle ſich nur um Beibringung des
Materials, ſo iſt doch dazu zu bemerken, daß von anderer
Seite deutlich ausgeſprochen wurde, daß das Material,
wenn es günſtig ausfällt, zur Reviſion als Vorlage dienen
ſoll. Die Herren vergeſſen dabei, daß das Material aber
auch für Heſſen ungünſtig ausfallen könnte, und daß dann
doch eine einſeitige Behandlung nicht gut angängig ſei. Ich
bin dabei nicht ganz ohne Bedenken. Mehr möchte ich nicht
ſagen. Was die Arbeiterfragen betrifft, ſo iſt die Wirk=
ſamkeit
der Arbeiterausſchüſſe ſeit 1910 dadurch erhöht wor=
den
, daß jetzt ſchon bei 50 gleichartigen Arbeitern einer Stelle
ein ſolcher Arbeiterausſchuß gebildet werden kann, gegen
früher bei 100 Arbeitern. Von den beſtehenden Ausſchüſſen
im Bezirk Mainz wurden ſeit Beſtehen über 300 Anträge
geſtellt. In der übergroßen Zahl dieſer Anträge iſt auf die

Wünſche der Arbeiter eingegangen worden. Das beweiſt
doch, daß die Arbeiterausſchüſſe von erheblichem Einfluß
ſind. Die vom Abg. v. Brentano angeſchnittene Frage des
Wohnſitzes der Arbeiter und Angeſtellten iſt von erheblicher
ſozialer Bedeutung. Die Frage wird im allgemeinen nach
dem Grundſatz geregelt, daß die Arbeiter am Orte ihrer
Arbeitsſtellen wohnen ſollen. Abgewichen davon ſoll nur
werden, wenn der Dienſt darunter nicht leidet und wenn
die Entfernung zwiſchen Wohnort und Arbeitsſtätte nicht
mehr als höchſtens 30 Kilometer beträgt. Wo es möglich
iſt, wird auf die perſönlichen Verhälniſſe des Einzelnen
Rückſicht genommen. In Mainz zum Beiſpiel wohnen von
100 in Frage kommenden Beamten 75 außerhalb von
Mainz. Aehnlich iſt es in Bingen. Dieſes offenbare Miß=
verhältnis
ſoll auch nach und nach gebeſſert werden. Ganz
ſind dabei Härten nicht zu vermeiden. Auf die Frage der
mittleren Beamten möchte ich wegen Zeitmangels nicht
näher eingehen; es iſt ja auch anerkannt worden, daß hier
die Verhältniſſe ſehr gebeſſert ſind. Auch auf die Lohnver=
hältniſſe
der Arbeiter und die Arbeiterfahrkarten kann ich
nicht eingehen. Hinſichtlich der letzteren iſt beſtimmt wor=
den
, daß Anträge auf ſolche Karten über 50 Kilometer hin=
aus
nicht bewilligt werden ſollen. Beſtehende Karten ſollen
auch nach und nach auf 50 Kilometer beſchränkt werden.
Heſſen allein kann da eine Aenderung nicht treffen. Es iſt=
das
eine Angelegenheit der Gemeinſchaft. In zahlreichen
Reden ſind die elektriſchen Bahnen als Bahnen der Zukunft
bezeichnet worden. Wenn der Abg. Hauck darauf hinge=
wieſen
hat, daß der frühere Baurat Schöberl die elektriſchen
Bahnen als nicht billiger bezeichnet hat, wie den Dampf=
betrieb
, ſo iſt dieſe Aeußerung wohl älteren Datums. Durch
die Schaffung der Ueberlandzentralen iſt dieſe Frage eine
weſentlich andere geworden. Den elektriſchen Bahnen den
gleichen ſtaatlichen Zuſchuß von 30 Prozent zu gewähren,
wie den Dampfbahnen, hat keinen Anſtand. Soweit wir
in Zukunft elektriſche Bahnen bauen, haben wir zu dieſen
die volle Selbſtändigkeit, die Sie ja bei dem jetzigen Bau=
ſyſtem
ſo ſchmerzlich vermiſſen. Man kann alſo den Bau
von elektriſchen Bahnen durchaus fördern. Nachdem wir
in Heſſen ſeit Jahren die Schuldentilgung geregelt haben,
die Ausgleichsfonds uſw. gebildet und die Beſoldungs=
ordnung
, wie ich hoffe, zuſtande gebracht haben, werden
wir daran denken können, mit Hilfe der Eiſenbahn=
überſchüſſe
Beſſerung der Verkehrsver=
hältniſſe
zu ſchaffen. Wenn das auch noch Zu=
kunftsmuſik
iſt, ſo ſoll doch damit gezeigt werden, welchen
Weg unſere Finanzen geführt werden ſollen. (Bravol)
Abg. Buſold vermißt in der Regierungsantwort
ein Eingehen auf die von ihm vorgebrachte Klage über die
Entſcheidung der Verwaltung zu der Eingabe der verheira=
teten
ungelernten Arbeiter. Es ſcheine alſo, als ſei die
Regierung mit der kritiſierten Entſcheidung einverſtanden,
Dem Abg. Oſann ſtimme er zu, wenn dieſer gewünſcht
habe, daß die älteren verheirateten Arbeiter beſſer bezahlt
würden als die jüngeren, aber in der Praxis ſei es leider
nicht der Fall. Er wünſche weiter ein Eingehen auf dier
Bahn Hanau-Büdingen (Finanzminiſter Dr. Braun=
Weil hierzu ein beſonderer Antrag vorliegt!) Ich hätter
trotzdem gewünſcht, daß ein Wort zur Beruhigung geſagt
worden wäre.
Abg. Finger (auf der Tribüne unverſtändlich) wünſcht
Eilzüge auf der Strecke Worms-Bingen.
Abg. Molthan begrüßt die letzten Ausführungen
des Finanzminiſters über die elektriſchen Bahnen.en
Gedanke, daß eine Reviſion des Vertrages auch zu Une
gunſten Heſſens ausfallen könne, iſt ganz neu. Wenn das
wirklich wahr wäre, würden wir natürlich auf die Reviſion
verzichten. Wir verlangen ja doch nur die Beiſchaffulg
des Materials zur Prüfung der Frage der Reviſion.
werden dieſen Gedanken nicht fallen laſſen. Merkwürdig
iſt, daß die heſſiſche Regierung früher ſelbſt den Reviſions=
gedanken
in Berlin betrieben hat, während ſie jetzt auf
ſtrikt ablehnendem Standpunkte ſteht.
Damit ſchließt die Debatte.
Das Kapitel wird nach dem Ausſchußantrag ange=
nommen
. Ebenſo debattelos das Kapitel 11.
Darauf wird die Sitzung geſchloſſen. Der Präſident
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Nummer 71.

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[ ][  ][ ]

Nummer 71.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Seite 21.

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[ ][  ][ ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. Marz 1914.

Nummer .1.

Richard Wagner-Verein Darmstadt
Montag, den 16. März 1914, abends 8 Uhr.
im Festsaale der Turngemeinde:
Kammermusik-Abend
von
Konzertsängerin Fräulein Hedwig Rode
aus Osnabrück (Alt) und der
Frankfurter Kammermusikvereinigung
der Herren: Konzertmeister und Kammervirtuos Hans Lange
(I. Violine), Konzertmeister Willem Meyer (II. Violine), Professor
Fritz Bassermann (Bratsche), Solocelist Ary Schuyer ( Violon-
cello
), August Riechers (Klarinette), Johannes Ruge (Horn),
Heinrich Türk (Fagott) und Ernst Hauser (Kontrabass).
Der Kaps-Konzertflügel ist aus dem Lager der Firma Hof-
lieferant
Leopold Schutter (Elisabethenstrasse 12).
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Saalkarten zu 3 Mk., Nummerierter Balkon zu 3 Mk. und
Galerie zu 1.50 Mk.; Studentenkarten zu 1 Mk. und Schülerkarten
zu 50 Pfg. bei Heinrich Arnold, im Verkehrsbüro u. abends
an der Kasse. (Die Städtische Billettsteuer wird von der Vereins-
kasse
getragen.) Beitrittserklärungen für das laufende
Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Konzerte erfolgen,
berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Beitrag
für den Rest des Jahres 1914 beträgt 10 Mk.
Der Vorstand.
6583)

Verein ſür nalugenäße Lebens= und Heilweiſe
Geieheinenig, 1. peruſcht.
Donnerstag, den 12. März, abends 8¼ Uhr,
wird Herr Emil Peters aus Berlin=Neuenhagen
im Kaiſerſaal (Grafenſtr.) einen öffentlichen Vor=
trag
halten über das Thema:
Schlaf und die Heilung der Schlafloſigkeit‟
Herr Emil Peters iſt durch ſeine früheren Vorträge als gute
Redner bekannt. Unſere Mitglieder mit Familten haben gegen
Vorzeigen der Mitgliedskarten freien Eintritt. Von Nichtmitgliedern
wird zur teilweiſen Deckung der Unkoſten ein Eintrittsgeld von 30 Pfg.
erhoben. Neu beitretende Mitglieder haben freien Eintritt. Wir laden
zu recht zahlreichem Beſuche ein.
Der Vorſtand:
6205gd)
L. Saeng, Vorſitzender.

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Heute 1z. Märs u.
folgende Tage:
Der neuoste Haskel-Schlager

vorher den brillant. Speziali-
täten
-Teil und
Der Musterpapa.

Vorvorkau u. Proise wiebek.

Beginn tägl. 8½ Uhr.

V. II. C.
Zweigverein
Darmstadt.
Hauptversammlung
Samstag, den 21. März,
abends 8½ Uhr,
im Hotel Hess
Rheinstr. (Eing. Grafenstr.)
Anträge der Mitglieder, die in
dieser Versammlung beraten
werden sollen, sind spätestens
bis zum 16. ds. Mts. schriftlich an
den I. Vorsitzenden zu richten.
Der Vorstand.
6517)

zum Raisſener.
Freitag abend:
Metzelsuppe
wozu freundlichſt einladet (*6610
Adam Ruppel.

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Chemnitz, Sachsen 32.

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Freundin . . . Anna Jacobs

Großherz. Hoftheater.
Donnerstag, den 12. März 1914.
129. Abonnem.=Vorſtellung. C 32.
Der Evangelimann.
Muſikal. Schauſpiel in 3 Aufzügen
von Wilhelm Kienzl.
Perſonen:
Friedrich Engel,
Juſtiziär ( Pfle=
ger
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Martha. d. Nichte
und Mündel . . Clem. Feiſtle
Magdalena, deren
Johannes Freude
hofer, Schullehr.
zu St. Othmar. Georg Weber
Mathias Freud=
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im Kloſter . . . Georg Becker
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Aibler, ein älterer
Bürger :
. Adolf Klotz,
Deſſen Frau
Käthe Müller
Frau Huber
. Paula Karſtedt
Hans, ein junger
Bauernburſch . Otto Thomſen
Eine Lumpen=
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. . . Ad. Jungkurth

Ein Knabe .
Die Stimme
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Die Stimme

des

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.Erna Jungkurth
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Vorſtellung zu ermäßigten Preiſen.
Die weiße Dame.: ( Vorver=
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wigsplatz
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[ ][  ][ ]

Nummer 71.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Seite 23.

Vorträge.

Vor einem zahlreichen Publikum hielt am Dienstag
ladend Herr Profeſſor Dr. C. Uhl ig aus Tübingen
ſeimen von der Abteilung Darmſtadt der Deutſchen Kolo=
Unalgeſellſchaft unter Anſchluß des Odenwaldklubs ver=
amſtalteten
intereſſanten und auch von Humor gewürzten
richtbildervortrag über das Thema: Der Kili=
mandſcharo
und Meru, die europäiſchen Anſiedelungen da=
Afalbſt und Hochgebirgstouren auf den Gletſchern des Kibo=
gepfels
Nach einer kurzen einleitenden Anſprache des
Aorſitzenden ergriff der Redner das Wort zu ſeinem Vor=
Alnag. Zur Orientierung gab er erſt eine geographiſche Ein=
Alfitung, die durch einige Lichtbilder erläutert wurde.
Sodann führte der Vortragende die Zuhörer in ausführ=
Alacher Schilderung von der Bahnſtation Moſchi der Uſam=
Ubarabahn aus auf den Gipfel des Kibo, von dem aus man
lerne herrliche Fernſicht bis zum Meere genießt. Sodann
berichtete er über die Beſteigung des Mawenſi. Ueber die
Aemropäiſchen Anſiedelungen am Fuße des Meru konnte Er=
freuliches
berichtet werden; die Anſiedler ſitzen dort ſchon
zremlich dicht. Neger haben dort keine Anſiedelungen, weil
ſee die Ueberfälle der Maſſou, eines räuberiſchen Hirten=
tolkes
im Norden des Meru, fürchten. Von letzteren wur=
Ateen einige intereſſante Bilder vorgeführt, ſo zum Beiſpiel
ern typiſches Bild des Volksſtammes, ein ſtaatlicher Be=
ennter
, deſſen Adlernaſe deutlich die hamitiſche Abſtammung
zeigt; Weiber mit ihrem Eiſenſchmuck, Hütten und Vieh=
kaal
. Der Vortragende ſchloß ſeine Ausführungen mit dem
Wunſche, daß auch die Anweſenden dazu beitragen möch=
ten
, daß es in den Kolonien vorwärts käme. Im Namen
der Kolonialgeſellſchaft dankte der Vorſitzende dem Redner
ftär ſeinen prächtigen Vortrag und wies auf das demnächſt
ſeattfindende Kolonialfeſt hin mit der Bitte um zahlreichen
Beſuch.

Turnen, Spiele und Sport.

sr. Lawn=Tennis an der Riviera. Das Internatio=
wale
Lawn=Tennis=Turnier in Mentone, iſt, ſoweit die

offenen Spiele in Betracht kommen, abgeſchloſſen. Die
Herren=Meiſterſchaft der Riviera gewann A. F. Wilding,
der ſchon in den Jahren 1909, 1910 und 1913 den von der
Stadt Mentone geſtifteten Pokal eroberte, mit einem Siege
von 611, 6:4, 6:2 über F. G. Lowe. Die Damen= Meiſter=
ſchaft
der Riviera entſchied Miß Lambert=Chambers zu
ihren Gunſten, indem ſie Miß Ryan mit 622, 611 leicht
abfertigte. Die Meiſterſchaft der Riviera im gemiſchten
Doppelſpiel brachte in der Vorſchlußrunde einen Sieg von
Miß Ryan-Decugis mit 622, 1:6, 614 über Miß Lambert=
Chambers-F. G. Lowe. In der Schlußrunde traf das
ſiegreiche Paar auf Frau OHarra Murray-Wilding der
das Spiel, von ſeiner Partnerin beſtens unterſtützt, mit
2:6, 6:4, 6:4 an ſich brachte.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
leinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.
Es wäre ſehr zu wünſchen, wenn die Zuſtände im
Dornheimer Weg beim Kohlenfahren nach der
Stadt beſeitigt würden, denn es iſt eine wahre Schande,
wie da mit fremdem Eigentum umgegangen wird. Hinter
den Wagen gehen Kinder und auch Erwachſene nach, aus=
gerüſtet
mit alten Kinderwagen oder Säcken, wo gerufen
wird zu den Fuhrleuten: Sie, werfen Sie mir ein paar
Kohlen runter was auch ſehr oft geſchieht, und zwar wer=
den
da die größten Stücke vom Wagen geworfen, die grö=
ßeren
von den Kindern holen ſich ſehr oft die Kohlen und
Briketts ſelbſt von dem Wagen herunter. Im Dornheimer
Weg ſind vier Wirtſchaften, und halten die Fuhrleute ſehr
oft an, und wenn die Fuhrleute eingekehrt ſind, werden
die Kohlen und Briketts von den Wagen geholt. Auch iſt
es ſchon vorgekommen, daß ein Mann, welcher die Kohlen
vom Wagen in den Keller zu tragen hatte, Briketts an
zwei bereitſtehende Männer vom Wagen herunter, gegen
eine Vergütung, abgegeben hat, zur Zeit, wo der Fuhr=
mann
im Wirtshaus geſeſſen hat. Beſonders wird der
Unfug getrieben ſchon morgens vor Tagesanbruch und zur
Zeit, wo die Kinder nicht in der Schule ſind. Auch iſt es
ein großer Mißſtand, die Kohlen ſo zu verladen, wie es

üblich iſt, die Wagen werden nämlich an einem
Ende ſo hoch beladen, daß die Kohlen unbedingt beim
Fahren herunterfallen müſſen, während am anderen Ende
viel Platz leer bleibt, um bequemer abladen zu können,
alſo auf Koſten der Konſumenten. Die Herren Kohlen=
händler
haben dadurch keinen Schaden, indem die Koh=
len
und Briketts erſt entwendet werden, nachdem ſie
gewogen worden ſind, aber die Vorſtände der Koh=
lenbezugsvereine
, überhaupt alle Konſumenten, ſollten
der Sache einmal ſorgfältig nachgehen, damit dieſem Un=
fug
ein Ende gemacht wird. Die Polizei kann es nur
dann erreichen, wenn die betreffenden Beamten keine Uni=
form
tragen, denn, wenn ſich ein Schutzmann oder Gen=
darm
in Uniform ſehen läßt, dann kommt nichts derartiges
vor.
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Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. März 1914.

Nummer 71.

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[ ][  ][ ]

betitelt sich eine Broschüre des physiolog. Chemikers J. Will,
in welcher derselbe in eingehender Weise dartut, daß unsere
sämtlichen chronischen Krankheiten die Folge einer fehlerhaften
Emdhrung sindt. Mit zwingender Logik weist der Verfasser
nach, daß die für die Spunnkraft unseres Organismus erfor-
derlichen
Mineralbestandteile in unseren Speisen teilweise in
zu geringen Mengen, teilweise in einem vollständig falschen
Verhältnis vorhanden sind, daß wir uns beispielsweise viel zu
wenig Schwefel, Kalk und Natron, dagegen viel zu große
Mengen Phosphor und Kali zuführen. Daß infolge dessen der
Organismus gezwungen ist, falsch zusammengesetzte Zellen
und Gewebe zu bilden, die leicht zu Zerfall neigen, und daß
dabei Unmengen von Zersetzungsprodukten entstehen, die
nicht flott genug ausgeschiéden werden können und dadurch
die Funktion der einzelnen Organe hemmen oder sogar zu
Mißbildungen derselben führen.
Genau genommen sind diese Ausführungen nicht neu,
sondern werden schon lange von den Vertretern der Mährsalz-
theorie
verfochten. Neu dagegen sind die Schlußfolgerungen,
die der Verfasser auf Grund 15jähriger, mühevoller Versuche
zieht, und deren Richtigkeit er durch 5jährige, praktische
Erfolge beweist Dieselben gipfeln darin, daß alle sogenannten
Nährsalze, die aus Mischungen kristalisierter Salze bestehen,

für den Organismus wertlos sind, weil sie denselben ungenützt
passieren. Die aus Pflanzen gewonnenen Nährsalze leiden
an dem Ubelstande, daß ihre Zusammensetzung eine schwan-
kende
ist und nie im richtigen Verhältnis, wie sie das Blut
aufweist, gewonnen werden kann. Es gibt nach seinen Be-
hauptungen
eine ganz bestimmte Form, in der sich die Mineral-
bestandteile
beſinden müssen, wenn sie für den Organismus
vollwertig sein sollen, und die, in jahrelanger Praxis erzielten
geradezu
Staunen erregenden Erfolge
beweisen, daß diese Ansicht richtig sein muß.
jedem denkenden Menschen, jeder sorgenden Hausfrau
der, das leibliche Wohl der Ihrigen am Herzen liegt, kann
daher nur empfohlen werden, sich vollständig kostenlos von
der Physiologischen Abteilung des Chemischen Laboratoriums
J. Will in St. Ludwig i. Els. Prospekte und Zeugnisse kommen
zu lassen.
Es liegt hier entschieden eine Entdeckung vor, die ge-
eignet
ist, mächtig fördernd auf das Volkswohl einzuwirken
eine Entdeckung, deren Tragweite heute noch garnicht über
sehen werden kann.
gez. Dr. BETscHART.

Herrn J. Will,

Binningen.

Mit Freuden will ich Ihrem Wunsche nachkommen, um
einige Auszüge von meinen Erfahrungen über Ihre vitale
Ernährungsweise zu skizzieren. Diese Nahrungsergänzungs-
mittel
gebrauchen wir schon seit ungefähr 4 jahren in unserer
zahlreichen Haushaltung. Wir befinden uns Dank dieser
Ernährungsweise wohl und arbeitsfähig, was früher nicht
der Fall war.
Unsere verschiedenen Leiden, Kopfschmerzen, hart-
näckiges
Magenleiden, Rheumatismen, chronischer Hals-
katarrh
, sowie Krampfaderbeine sind zum Teil ganz geheilt.
Ein Großkind, das ich von seiner Geburt an vital er-
nährt
habe, gibt einen glänzenden Beweis für die Richtigkeit
Irer Behauptungen. Das Kind ist so normal und so wohl
gebaut, auch ist es kräftig und ausdäuernd, machte schon mit
2½ Jahren mehrstündige Fußtouren ohne zu ermüden. Ich
möchte deshalb allen Müttern dringend empfehlen, von der
bisherigen wertlosen Nahrung Abstand zu nehmen und die
vitale Ernährungsweise einzuführen. Ihre Lieblinge würden
dadurch wohl von allen sogen. Kinderkrankheiten bewahrt,
würden gedeihen und den Grund legen zu einem gesunden
leistungsfähigen Menschengeschlecht, während das jetzige
durch seine fehlerhafte Ernährung größtenteils nur so dahin-

siecht und ihm durch die ständigen Krankheiten alle Freude
am Dasein vergällt ist.
Ich hoffe mit diesem einfachen aber wahren Zeugnis
recht viele meiner leidenden Mitmenschen für diese Sache zu
entflammen, damit auch sie sich der Zahl derer anschließen
die so glücklich sind in dem Bewußtsein ihrer lang- oder
kurzjährigen Krankheiten durch Ihre vitale Ernährungsweise
endlich enthoben zu werden.
Wald (Kt. Zürich), den 14. Febr. 1911.
sig. Frau B
.B

Herrn J. Will,

Binningen.

Auf Ihre Anfrage bestätige ich Ihnen gern, daß ich seit
4 Jahren Ihre Ernährungsweise befolge und von dem Resultat
höchst befriedigt bin. Nicht nur hat sich mein Magen-
katarrh
und meine Skrophulose und verschiedene andere
Krankheiten, wie Blinddarmentzündungen, Blasenkatarrh,
hochgradige Nervosität etc., an denen ich seit meiner
Kindheit litt und die trotz 1012 verschiedenen Heilmethoden
nicht zu beseitigen waren, vollständig verloren, ich bin auch
trotz meines Alters von 65 Jahren viel rüstiger und leistungs-
fähiger
als in früherer Zeit. Betreffs Intelligenz und Körper-
kräfte
fühle ich keine Spur des Alters.

[ ][  ]

chter, die ebenfalls Ihre Ernährungsweise be-
folgt
, hat dadurch ihre hochgradige Gicht, die schon bis
zur Verkrüppelung einzelner Gledmaßen vorgeschritten war,
verloren und ist heute eine gesunde und glückliche Frau,
was vorher trotz Konsultation einer Reihe von Autoritäten
auf medizinischem Gebiet nicht zu erreichen war.
Auch bei einer Reihe von Bekannten und Verwandten,
denen ich Ihre vitale Lebensweise anriet, konnte ich die
gleich günstigen Resultate jeststellen.
Meine Überzeugung geht dahin, daß Ihrer vitalen Er-
nährungsweise
die Zukunft gehört, und daß dieselbe berufen
ist, einen Teil des sozialen Elends zu beseitigen.
Während ich früher an jeder Influenza-Epidemie schwer
litt, geht sie nun seit Gebrauch der Nährsalzpräparate ohne
Gruß an mir vorüber.
Gündlikon bei Elgg, 10. Februar 1911.
C. 2. . . .

Herrn J. Will,

Binningen.

Wie Ihnen bekannt, befolge ich mit meiner Familie
seit Jahren, wenn auch nicht ganz regelmäßig, Ihre vitale
Erndhrungsweise. Von den Erfolgen bin ich hochbefriedigt
und kann Ihnen dasselbe aus meinem Bekannten- und Ver-
wandtenkreis
berichten.
Als ganz eklatanter Beweis für die Richtigkeit Ihrer
Theorie mag Ihnen Folgendes dienen: meine Frau war vor
einigen Jahren gesundheitlich so herabgekommen, daß sie
sich von 4 Arzten untersuchen ließ. die übereinstimmend ein
unheilbares Herzleiden feststellten und die Lebensdauer
auf ganz kurze Zeit bemaßen. Als letzte Hoffnung griff sie
dann zu Ihrer vitalen Ernährungsweise und bei der vor kurzem
wieder erfolgten Untersuchung durch dieselben Arzte wurde
festgestellt, daß das Herzleiden voilständig geschwunden
sei. Die Frau fühlt sich wohl und kräftig und leistungs-
fähiger
als in früheren Jahren.
Bei einem Töchterchen, das bedenkliche epileptische
Anfälle zeigte, wurde in kurzer Zeit durch Ihre Ernährungs-
weise
ein vollständiger Rückgang der Anfälle erzielt und
läßt auch der übrige Gesundheitszustand nichts zu wün-
schen
übrig.
Es könnte manches Elend verhütet werden, wenn es
gelänge Ihre vitale Ernährungsweise allgemein einzuführen.
Hochachtungsvoll!
Wangen a. 4A., den 10. Februar 1911.
F

Herrn J. Will,

Binningen.

Sie wünschen zu wissen, welche Erfolge ich durch
Befolgung Ihrer vitalen Ernährungsweise erzielt habe, und
komme ich diesem Wunsche gerne nach. Ich kann meine
Erfahrungen kurz dahin zusammenfassen, daß ich in den
4 Jahren einer richtigen Ernährungsweise ein ganz anderer
Mensch geworden bin. Früher allen möglichen Krank-
heiten
und Bresten unterworfen, die sich namentlich bei
Witterungs- und Jahreszeitwechsel regelmäßig einstellten,
kenne ich jetzt so etwas gar nicht mehr. Ich bin
leistungsfäbiger, ausdauernder, geistig regsamer.
Von meiner jetzt 68jährigen Mutter kann ich dasselbe
berichten. jeder der sie sieht, taxiert sie höchstens auf
4550 Jahre. Dabei ist sie rüstig, versieht nicht nur den

ganzen Haushalt allein, sondern macht auch noch Ausflüge
von 45 Stunden mit, ohne wesentlich zu ermüden. Ihr
Gallensteinleiden, das ihr früher manche schmerzhafte
Stunde bereitet, hat sich vollständig verloren, auch die
sonstigen Bresten, mit denen sie teilweise von Kind auf zu
kämpfen hatte, sind geschwunden.
Ich hatte vielfach Gelegenheit, Ihre vitale Ernährungs-
weise
in Verwandten- und Bekanntenkreisen zu empfehlen
und kann auch von hier nur dasselbe berichten. Eine 70 Tante hat z. B. ihre Gichtschmerzen vollständig
verloren. Die Rückbildung wäre bei derselben jedenfalls noch
viel intensiver, wenn sie sich zu einer regelmäßigeren Be-
folgung
Ihrer Ernährungsweise verstehen wollte.
Ich kann Ihnen nur das Zeugnis ausstellen, daß Ihre
vitale Ernährungsweise ein Segen für die Menschheit wäre
sobald sie allgemein eingeführt wird.
Mit vollkommener Hochachtung
Binningen, den 13. II. 1911.
E. K..

Herrn J. Will,

Binningen.

Ich bestätige Ihnen gerne Folgendes: durch forciertes
Velofahren hatte ich mir ein Herzleiden zugezogen, Herz-
erweiterung
, wie der Arzt sagte, der seine Kunst vergeblich
an mir verwendete. Das Ubel wurde trotz Digitalis immer
schlimmer, so daß ich zuletzt bei der geringsten körperlichen
Anstrengung außer Atem kam und fortwährend Schwindel-
anfälle
hatte. Durch den steten Blutandrang nach dem Kopf
wurde ich nach und nach so nerväs, daß oft ganz gering-
fügige
Ursachen bei mir wahre Wutanfälle auslösten. Um
dem ganzen die Krone aufzusetzen wuchs mir dann noch zu
guter Letzt ein so herrlicher Kropf, daß ich kein Hemd am
Hals mehr schließen konnte. Das gleiche Schicksal teilte
mein 5jähriger Knabe d. h. in bezug auf den Kropf.
Schon lange mit den Methoden von Bilz, Platen, Kuhne
und Rickli vertraut, entschloß ich mich einmal einen Versuch
mit Ihrer vitalen Ernährungsweise zu machen. Der Erfolg
war überraschend. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit ließen
die Kongestionen nach, der Kropf begann sowohl bei mir,
wie bei meinem Knaben zu schwinden und heute ist keine
Spur mehr davon vorhanden. Die Herzerweiterung ist derart
geschwunden, daß ich mich heute anheischig mache, eine
Velotour von 250300 Kilometer im Tage ohne gänzliche
Erschöpfung zu erledigen.
Man liest öfters in den Zeitungen, wie einer mit diesem
oder jenem, mit viel Geschrei angepriesenen Mittel, in Zeit
von wenig Tagen von einem Schnupfen befreit wurde, was
mir höchstens ein mitleidiges Lächeln abnötigt. Ich kenne
ein Mittel (Ihre vitalen Nährsalze) bei dessen Anwendung
man den Schnupfen gar nicht mehr bekommt. Früher
wurde ich fast regelmäßig alle 2 Monate von einem hart-
näckigen
Schnupfen heimgesucht, jetzt habe ich schon über
ein Jahr lang nichts Derartiges mehr verspürt.
Der Kostenpunkt für Befolgung Ihrer Ernährungsvor=
schriften
ist gleich Null, denn mit den Präparaten erhält man.
gleich einen Teil der täglichen Nahrung. Es wäre dringend
zu wünschen, daß Ihre vitale Ernährungsweise in allen Be-
völkerungsklassen
Eingang fände, was ungemein zur Hebung
des Volkswohles beitragen würde.

Osterfingen, den 23. II. 11.

R. St.

, Schreiner.

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