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177. Jahrgang
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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Reichstag ſetzte geſtern die zweite Leſung
des Etats des Reichsamts des Innern fort.
Die Budgetkommiſſion des Reichstags
ge=
nehmigte mit großer Mehrheit die Stelle eines
Ma=
rineattaches für Buenos Aires, die der
Reichstag im Vorjahre abgelehnt hatte.
Die Stichwahl im 7. badiſchen Reichstagswahlkreiſe
(Offenburg=Kehl) findet am Samstag, den 14. Februar,
ſtatt.
Das neue Militärluftſchiff „Z. 7”, welches geſtern
früh 4 Uhr 20 Minuten unter Führung des
Betriebs=
direktors Dürr mit der Abnahmekommiſſion an Bord
zur Ueberſiedelung nach Potsdam aufgeſtiegen war, iſt
kurz vor 12¾ Uhr in Potsdam gelandet und ſofort
in die Halle gebracht worden.
In einer Gerberei in Agliate explodierte
geſtern ein Keſſel. Das ganze Fabrikgebäude ſtürzte
ein. Zwei Arbeiter wurden getötet, fünf
lebensgefähr=
lich und zehn leichter verletzt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Politiſche Wochenſchau.
** Daß die deutſch=engliſchen
Beziehun=
gen beſſer geworden ſind, hat Staatsſekretär von Jagow
im Haushaltsausſchuß des Reichstags von neuem
bekräf=
tigt. Daß ſie aber noch beſſer werden können, beweiſt die
von Sir E. Grey angekündigte Fortſetzung des
fieber=
haften Ausbaues der engliſchen Flotte, auch wenn dabei
nicht mehr auf Deutſchland allein Bezug genommen wird,
Vollſtändig iſt eben das langjährige Mißtrauen immer
noch nicht geſchwunden, und die anhaltende Unſicherhekt
im Orient trägt nicht dazu bei die Einſchränkung der
Rüſtungen aus dem Reiche der Wünſche in das der
Tat=
ſachen übergehen zu laſſen. Erfreulicherweiſe geben ſich
alle bürgerlichen Parteien des Reichstags hierüber keiner
Einbildung hin; nur die Sozialdemokratie gefällt ſich aus
Gründen des Agitationsbedürfniſſes in der
Vorſpiege=
lung, daß auf dem Wege des Abkommens ſehr leicht die
„Abrüſtung” erreicht werden könne.
Iſt es für unſere Sicherheit nach außen ungemein
wertvoll, wenn die bürgerliche Reichstagsmehrheit den
Tatſachen einer rauhen Wirklichkeit nüchtern
gegenüber=
ſteht, ſo berechtigt es nationalpolitiſch zu guten
Hof=
nungen, daß auch fortſchrittliche Volksparteiler dem
kleri=
kal=ſozialdemokratiſch=polniſchen Drängen widerſtreben
das Reichsvereinsgeſetz zu Nutz und Frommen
von Polen, Dänen und Franzoſen abzuſchwächen. Die
halbe Enttäuſchung, die das Zentrum mit ſeinen hierauf
gerichteten Beſtrebungen erlebte blieb nicht die einzige,
die dem Klerikalismus in der abgelaufenen Woche
beſchie=
den war. Hatte er doch darauf gerechnet, das
Reichstags=
mandat Offenburg=Kehl bei der Erſatzwahl im
erſten Wahlgange zurückzuerobern, während die notwendig
gewordene Stichwahl die Rückkehr des nationalliberalen
Abg. Koelſch in den Reichstag wahrſcheinlich macht. Eing
hochpolitiſche Rede des badiſchen Miniſters von
Bod=
man über die Großblockpolitik hat die Ausſichten des
Zentrums nicht gebeſſert; denn bei aller Verurteilung des
wahltaktiſchen Zuſammengehens der liberalen Parteien
mit der badiſchen Sozialdemokratie hat der Miniſter die
Gefahr, die vom Zentrum als einer konfeſſionellen, die
Wahl der Zentrumskandidaten den katholiſchen Wählern
als Gewiſſenspflicht auferlegenden Partei droht, ſo ſcharf
umriſſen, daß nicht nur in Baden, ſondern überall das
Zentrum ſich aufs ſchmerzlichſte getroffen fühlt.
Ein doppelt willkommener Troſt war es daher für
das Zentrum, wenn der Streit zwiſchen Kardinal Kopp
und dem Biſchof Dr. Schulte wegen der
Gewerkſchafts=
frage mit einem Rückzuge des gewerkſchaftsfeindlichen
Breslauer Kirchenfürſten endete. Aber indem der
Kar=
dinal bloß anerkannte, daß er ſeine Zuſtimmung zur
Interpretation der Gewerkſchaftsenzyklika vor dem
preu=
ßiſchen Epiſkopat als ſolchem hätte widerrufen müſſen, hat
er den pribalen Widerruf, den ſein bekannter Brief an
den Grafen Oppersdorff enthält, vollſtändig unberührt
gelaſſen. Treten alſo in dem Kampfe der „Kölner” mit
den „Berlinern” jetzt die Gewerkſchaften auch zurück, ſo
entbrennt nach einer Ankündigung der „Köln. Volkszta”
der Kampf auf der ganzen Linie deſto heſtiger. Die
„Kölner” wollen erklärtermaßen nunmehr den
Entſchei=
dungskampf mit den „Berlinern” aufnehmen.
Während dieſer Gang der Dinge nicht in Erſtaunen
ſetzt, bedeutet es eine angenehme Ueberraſchung, daß die
Elfaß=Lothringer ſichtlich das Bedürfnis nach
Wiederherſtellung der Ruhe empfinden. Das hat ſich in
der entgegenkommenden Aufnahme der neuen Männer
ge=
zeigt, obwohl weder der Staatsſekretär Graf von
Roe=
dern noch Unterſtaatsſekretär Freiherr von Stein
El=
ſaß=Lothringer ſind. Nationaliſten und Sozialdemokraten
ſpielen auch jetzt die Rolle des Friedensſtörers; die
übri=
gen Parteien jedoch ſcheinen einer Politik der Beruhigung
geneigt zu ſein. Vermutlich hat man in der —
ehren=
vollen — Verſetzung des Oberſten von Reuter und des
Leutnants von Forſtner eine Gewähr dafür erblickt daß
die neue Regierung keine draufgängeriſche Politik befolgen
werde. Ueber die Perſönlichkeit des künftigen Statthalters
weiß man immer noch nichts Genaues. Daß der
Reichs=
kanzler für dieſen Poſten auserſehen ſei, iſt
unwahrſchein=
lich und wird beſtritten. Im extrem=agrariſchen Lager,
dem eine gute politiſche Witterung nicht abzuſprechen iſt,
rechnet man offenbar mit einem nahen Kanzlerwechſel.
Sonſt würde die bündleriſche D. Tagesztg. den
Botſchaf=
ter Fürſten Lichnowsky als nicht genehmen „kommenden
Mann” wegen ſeiner wehrhaft deutſchen, gegen
partikula=
riſtiſche Beſtrebungen gerichteten Kaiſersgeburtstagsrede
kaum ſo hinterhaltig, wie es geſchehen iſt, angegriffen
haben.
Da ſich die europäiſche Rundreiſe des griechiſchen
Mi=
niſterpräſidenten Venizelos ihrem Ende nähert, iſt
hoffentlich bald ein Fortſchritt in der Inſelfrage zu
erwarten. Die nicht mehr zweifelhafte Abreiſe des
Prinzen zu Wied nach Albanien geſtattet die
Hoff=
nung, daß dieſes mit der albaniſchen Abgrenzungsfrage
eng zuſammenhängende Problem friedlich gelöſt werden
wird. Ob außer der Inſelrage für Frankreich noch
andere Gründe beſtehen die Türkei betreffs der großen
Anleihe zappeln zu laſſen, bleibe unerörtert. Unter
ſol=
chen Umſtänden erſcheint es mehr und mehr möglich, daß
die Türkei ſchließlich ihr Geldbedürfnis auf einem anderen
Geldmarkt befriedigt. In Mexiko hat Präſident Huerta
offenbar Geld in ſeinen Beutel tun können, da er einen
gewaltigen Kreuzzug gegen die Rebellen pomphaft genug
ankündigt. Es iſt ſchwerlich ein Zufall, daß dieſe
Kraft=
anſtrengung erfolgt, nachdem amtlich der Staatsbankrott
Mexikos erklärt und die infolgedeſſen ſtark gefallenen
Kurſe der mexikaniſchen Anleihen ſich aanz hübſch erholt
haben. In der weiteren Nachbarſchaft Merikos, in Peru,
iſt wieder einmal eine Revolution ausgebrochen und raſch
zum Siege gelangt. Der Katholizismus hat ſich als
Boll=
werk der Autorität mithin von neuem in längſt bekannter
Weiſe bewährt.
Für den deutſchen Handel.
E In den letzten Monaten haben verſchiedene
Grün=
dungen ſtattgefunden, die den Zweck verfolgten, den
Warenaustauſch zu vergrößern und weitere
Abſatzmöglich=
keiten zu ſchaffen. So trat der deutſch=öſterreichiſche
Han=
delsvertragsverein ins Leben, ihm folgte ein ähnlicher
Verein, der die wirtſchaftlichen Beziehungen mit
Ruß=
land pflegen ſoll, ja man hat auch einen Verband
gebil=
det, der ſich die Aufgabe geſetzt hat, die wirtſchaftlichen
Beziehungen zu Griechenland zu verbeſſern. Es beſteht
auch ein deutſch=argentiniſcher Zentralverband zur
Förde=
rung wirtſchaftlicher Intereſſen, und nicht mit Unrecht,
denn gerade mit dieſem Lande Südamerikas verbinden
uns ungemein rege wirtſchaftliche Beziehungen, wie man
dort überhaupt für Deutſchland viel übrig hat. Bekannt
iſt, daß zahlreiche Offiziere ihre Ausbildung in
Deutſch=
land erhalten und auch in Argentinien ſelbſt eine ganze
Anzahl deutſcher Militärs als Armeeinſtrukteure
fungie=
ren. Welche Bedeutung man auch in offiziellen Kreiſen
dieſen Beziehungen beimißt, erhellt daraus, daß an einem
dieſer Tage in Berlin ſtattgehabten „Freundſchaftsabend”
auch hervorragende Perſönlichkeiten der offiziellen, wie
der Handelswelt vertreten waren. Exzellenz von der Goltz
hatte es ſich nicht nehmen laſſen, zu erſcheinen und für
das Reichsamt des Innern war Miniſterialdirektor
Le=
wald zugegen, der in beredten Worten der wirtſchaftlichen
Beziehungen zwiſchen Deutſchland und Argentinien
ge=
dachte. Alle dieſe Beſtrebungen will man anſcheinend jetzt
zuſammenſaſſen, indem man eine Zentrale für den
deut=
ſchen Außenhandel geſchaffen hat. Urſprünglich hieß es,
man wolle einen deutſch=amerikaniſchen
Wirtſchaftsver=
band gründen, bei den eifrigen Vorbeſprechungen kam
man aber zu der Einſicht, daß eine derartige Einrichtung
nur einen Teil der deutſchen Auslandsintereſſen umfaſſen
würde, angeſichts dieſes Umſtandes beſchloſſen die
maß=
gebenden Kreiſe unter dem Vorſitze des Generaldirektors
Ballin von der Hamburg=Amerika=Linie, einen den ganzen
deutſchen Auslandshandel umfaſſenden Verband zu
grün=
den. Dieſer Verband ſoll den Namen „Deutſche
Geſell=
ſchaft für Welthandel” führen mit der Beſtimmung, die
Beſtrebungen zur Förderung der deutſchen
Auslands=
intereſſen zuſammenzufaſſen. Einzelheiten der Gründung
und beſondere Beſtimmungen werden vorläufig noch der
Oeffentlichkeit vorbehalten, da man ſich wohl über alle
Punkte im einzelnen noch nicht ganz klar iſt.
Bemerkenswert iſt jedenfalls, daß an dieſer
Grün=
dung zwei feindliche Brüder teilgenommen haben, der
Zentralverband und der Bund der Induſtriellen, die
bis=
her niemals unter einen Hut zu bringen waren. Es iſt
erfreulich, daß man ſich jetzt auf neutralem Boden
ge=
troffen hat, und es wäre zu wünſchen, daß dies auch bei
anderen Gelegenheiten der Fall ſein möge, es würde
ſicher=
lich zu nutz und frommen der Induſtrie und des Handels
Deutſchlands ausſchlagen.
Deutſches Reich.
— Der Kaiſer und die Deutſche
Evan=
geliſche Miſſions=Hilfe. Wir wir ſoeben
er=
fahren, hat der Kaiſer mittels Kabinettsorder vom 2.
Fe=
bruar die Errichtung der unter ſeinem Protektorat
ſtehen=
den Stiftung Deutſche Evangeliſche Miſſions=Hilfe
geneh=
migt, wodurch dieſe rechtsbeſtändig geworden iſt. Die
Stiftung verfolgt den Zweck, das durch die Nationalſpende
zum Kaiſerjubiläum im deutſchen Volke geweckte Intereſſe
am evangeliſchen Miſſionsgedanken dauernd
wachzuerhal=
ten. An der Spitze des Vorſtandes ſteht der Oberpräſident
der Provinz Sachſen, Wirklicher Geheimer Rat von Hegel,
als Direktor iſt Miſſionsdirektor Schreiber=Bremen
ge=
wählt.
— In der Budgetkommiſſion des
Abge=
ordnetenhauſes erwiderte der Miniſter v.
Breiten=
bach auf eine Anfrage hinſichtlich der Fortſetzung des
Mittellandkanals von Hannover nach der Elbe, daß das
Waſſergeſetz von 1905 ein Kompromiß zwiſchen
Staats=
regierung und dem Landtag ſei und deshalb die
Re=
gierung zurzeit eine veränderte Stellungnahme zur
Fort=
ſetzung des Kanals einzunehmen nicht in der Lage ſei.
Ueberhaupt müßte auch die Wirkung des Kanals auf das
Eiſenbahnweſen abgewartet werden.
— Der Marineattaché für Südamerika.
Im vorjährigen Reichshaushalt war der Poſten eines
deutſchen Marineattachés in Buenos Aires vorgeſehen.
Der Reichstag lehnte ihn aber ab, weil, wie ein
Zen=
trumsmitglied in der Kommiſſion erklärte, für
Schiffs=
beſtellungen aus Südamerika unſere Induſtrie allein
ſor=
gen könne und weil es dazu eines Attachés nicht bedürfe.
Der Hinweis auf den Vorteil einer amtlichen deutſchen
Marinevertretung in Buenos Aires auch für unſere
In=
duſtrie war gewiß erfolgt, aber doch nur beiläufig, um
auch aus dieſem Grunde die Forderung ſchmackhaft zu
machen. In der Hauptſache hat der Marineattaché noch
ganz andere und wichtigere Aufgaben zu löſen. Das
haben die Franzoſen ſchnell begriffen. Sofort nach
Ab=
lehnung des deutſchen Poſtens ſchufen ſie ihrerſeits im
Handumdrehen einen ſolchen für Frankreich in Buenos
Aires: am 11. Februar 1913 regte der Abg. Guernier an,
man ſolle 25000 Francs (weit mehr, als bei uns die
Ma=
rine verlangt hatte) für einen Südamerika=Attaché
nach=
träglich in das Budget einfügen; der Berichterſtatter Abg.
Painlevé nahm die Anregung auf, die Kammer faßte
ſo=
fort den entſprechenden Beſchluß — und heute iſt der
franzöſiſche Kapitän z. S. Buchard, früher Marineattaché
in Berlin und zuletzt Geſchwaderkommandant im Stillen
Ozean, bereits an Ort und Stelle in Buenos Aires.
Hoffentlich zieht man daraus nun auch bei uns die
nöti=
gen Schlüſſe und lehnt nicht noch einmal die wiederholte
Forderung ab.
— Der Begriff des militäriſchen
Ge=
heimniſſes. Die Reichstagskommiſſion für das
Spio=
nagegeſetz beſtimmte unter Ablehnung der
einſchlä=
gigen Vorſchrift der Regierungsvorlage gemäß einem
Zentrumsantrage folgendes: Als militäriſche Geheimniſſe
im Sinne dieſes Geſetzes gelten nicht: 1. Gegenſtände,
ſo=
weit ſie öffentlich wahrnehmbar ſind oder deren
Beſich=
tigung gewohnheitsgemäß geſtattet wird; 2. Gegenſtände,
ſoweit ſie bereits in Schriften oder Zeitungen
veröffent=
licht worden ſind.
Aus den Arbeitgeberverbänden. Der
weſtdeutſche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat
ſich der Vereinigung der Deutſchen Arbeitgeberverbände
in Berlin als Mitglied angeſchloſſen. Die bei der
Vereini=
gung der Deutſchen Arbeitgeberverbände beſtehende
Deut=
ſche Streikentſchädigungsgeſellſchaft hat eine weitere
Ver=
ſtärkung durch den Beitritt des Arbeitgeberverbandes für
die Provinz Sachſen mit dem Sitz in Magdeburg erfahren.
Eusland.
Frankreich.
Die Erkrankungen in der Armee. Einer
Blättermeldung zufolge beträgt die Zahl der in Toul an
Scharlach erkrankten Mannſchaften an 100. Es ſind auch
bereits einige Todesfälle vorgekommen. In Arras ſind
50 Soldaten gleichſalls an Scharlach erkrankt.
Das Prinzenausweiſungsgeſetz. Auf die
Anfrage des bonapartiſtiſchen Deputierten Engerand, ob
das Prinzenausweiſungsgeſetz auch den neugeborenen
Prinzen Viktor Napoleon treffe, erteilte der Miniſter des
Innern folgende vom Amtsblatt veröffentlichte Antwort:
Das Gebiet der Republik iſt und bleibt den Oberhäuptern
der Familien, welche in Frankreich regiert haben, ſowie
deren direkten erſtgeborenen Erben unterſagt. Es ſteht
außer allem Zweifel, daß die Beſtimmungen auch auf den
am 23. Januar geborenen Sohn des Viktor Napoleon
Bonaparte, Napoleon Louis Bonaparte, anwendbar ſind.
Belgien.
Die belgiſche Kammer hat die erſte Leſung
des neuen Schulgeſetzes beendet und die Abſtimmung, auf
nächſte Woche vertagt. Der Sieg der Regierung iſt gewiß.
Das Syſtem der Simultanſchule wird durch das Geſetz
zugunſten der geiſtlichen Schule beſeitigt.
England.
Zur Uebermittelung der Antwort auf
die Note Greys durch die Botſchafter der
Dreibund=
mächte erfährt das Reuterſche Bureau: In diplomatiſchen
Kreiſen glaubt man, daß auf die mündliche Antwort des
Dreibundes eine Antwort von mehr formellem Charakter
erfolgen wird. Es wird verſichert, daß, wenn auch einige
Aenderungen gemacht werden könnten, im Prinzip eine
allgemeine Uebereinſtimmung mit den britiſchen
Vor=
ſchlägen herrſcht. Man nimmt an, daß die Räumung
Al=
banjens durch die griechiſchen Truppen zwiſchen dem 1
und 31. März erfolgt.
Rußland.
Im Reichsrat wurde die Beratung des
Geſetz=
entwurfs über die Regelung des Branntweinverkaufes
fortgeſetzt. Angenommen wurden die Artikel, welche den
Verkauf vor 9 Uhr morgens und nach 11 Uhr abends in
der Stadt und nach 6 Uhr abends überall ſonſt verbieten.
Einſtimmig angenommen wurde ein Antrag des Fürſten
Golitzin=Murawlin, der von Graf Witte und Maxim
Ko=
walewsky unterſtützt war und der dahin geht, den Verkauf
von Spirituoſen in einer Anzahl von öffentlichen Lokalen,
Regierungsbureaus, den Erfriſchungsräumen der Theater,
Konzertſäken, Kinematographen, Ausſtellungen und
öffent=
lichen Gärten zu unterſagen.
Aus der Reichsduma. Nach Beendigung der
Interpellation über die geſetzwidrigen Maßnahmen der
Regierung während der letzten Wahlen zur Reichsduma
hat die Reichsduma mit 160 Stimmen der Oppoſition und
der Oktobriſten gegen 125 Stimmen des rechten Flügels
der Oktobriſten, der Nationaliſten und der Rechten folgende
Uebergangsformel angenommen: Indem die Reichsduma
in der Verfechtung offenbarer geſetzwidriger Maßnahmen
durch die Regierung eine Beſtätigung dafür ſieht, daß die
Regierung ſelbſt ein Syſtem geſetzwidriger Maßnahmen
organiſiert hatte, erachtet die Reichsduma die von dem
Miniſter des Innern und dem Juſtizminiſter in dieſer
Be=
ziehung abgegebenen Erklärungen als ungenügend.
Kokowtzow. Der Petit Pariſien meldet aus
Pe=
tersburg, Kokowtzow habe ſein Entlaſſungsgeſuch
einge=
reicht, werde jedoch bis Mitte März an der Spitze der
Re=
gierung bleiben, und ſodann den Pariſer Botſchafterpoſten
übernehmen, deſſen gegenwärtiger Inhaber Iswolski nach
Rom oder London gehen werde. Zum Nachfolger
Kokow=
tzows fei der Generalkontrolleur Khariſtonow auserſehen.
* Bordighera, 7. Febr. Außer der Königin
Helena von Italien ſind hier auch Kronprinz
Danilo von Montenegro mit Gemahlin und
Großfürſt Nikolaus Konſtantinowitſch
ange=
kommen. Morgen wird wie bekannt wird, Prinz
Mirko=
von Montenegro eintreffen. Es handelt ſich um einen
wichtigen Familienrat.
* Petersburg, 7. Febr. Der König und die
Königin von England werden in Begleitung des
Prinzen von Wales zu einem dreitägigen Beſuch am 9. Juli
auf ihrer Jacht in den finniſchen Schären bei Bjorko
ein=
treffen, wo ſie der Zar mit ſeiner Familie an Bord ſeiner=
Jacht erwarten wird. Ein großer Teil der Baltiſchen
Flotte wird ebenfalls dort ſein.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. Februar.
Neuerwerbungen des Landesmuſeums.
I. Plaſtik.
Im „Italieniſchen Zimmer” weſtlich von der Kirche,
iſt eine Reihe neuerworbener Skulpturen und Möbel für
einige Zeit zuſammen aufgeſtellt worden, ehe ſie in
ande=
ren Muſeumsräumen den Sammlungen angegliedert
wer=
den. Es iſt eine kleine, aber an Qualität hervorragende
Ausſtellung. Die größte Beachtung verdient eine „Heilige
Anna im Wochenbett” die nicht nur als Hauptſtück unſerer
blaſtiſchen Sammlung zum Anſehen kommen wird,
ſon=
dern auch als ein Hauptwerk der deutſchen, gotiſchen
Schnitzkunſt überhaupt bezeichnet werden muß. Da die
Würdigung dieſer Neuerwerbung von berufener Seite in
Ausſicht geſtellt iſt, ſo ſoll hier nur in kurzen Worten auf
ſie hingewieſen werden. Der außerordentlich zarte,
lie=
benswürdige Reiz wird jeden Beſchauer ſofort gefangen
nehmen; zum Genuſſe und Verſtändnis der Figur und der
künſtleriſchen Abſichten ihres Verfertigers wird jeder
leicht kommen, ohne erſt den Umweg der hiſtoriſchen
Be=
trachtung machen zu müſſen. Jedoch iſt nicht das
An=
ſprechende des Themas, und der liebenswürdige Reiz, der
von der Gruppe unmittelbar ausgeht, das eigentlich
Wert=
volle dieſer Neuerwerbung, ſondern die Art, wie der
Künſt=
ler ſeine Aufgabe anpackt, wie er die plaſtiſchen Probleme
löſt. Doch hierüber kann bei dieſer kurzen Einladung zur
Beſichtigung nicht näher eingegangen werden. Auf die
ſchöne alte Bemalung ſei noch beſonders aufmerkſam
ge=
nacht. Die Figur ſtammt aus der mittleren Maingegend,
alſo aus einem unſerer engeren Heimat benachbarten
Gebiete.
Auch die zierliche Statuette einer weiblichen Heiligen
verdient jede Beachtung. Bei aller Intimität und Zartheit
iſt es dem Künſtler gelungen, eine Gewandung von
groß=
zügiger Wirkung zu geben, die in ihrer klaren,
kontraſt=
reichen Gliederung an Arbeiten des 13. Jahrhunderts
er=
innert. Die Figur, die um 1500 entſtanden ſein mag, kam
aus dem Unterelſaß.
Der Rokokozeit gehören die beiden großen Figuren
Maria und Johannes an, deren zerklüftete Silhouette und
hinreißender pathetiſcher Schwung für jene Zeit ſo
be=
zeichnend iſt. Die vorzüglich erhaltene Bemalung machen
die Figuren beſonders wertvoll. Sie ſtammen aus einer
Kirche des mittelrheiniſchen Gebietes. Etwas jünger iſt
das Figürchen eines Biſchofs; es kam aus Mainz und iſt
icherlich dort entſtanden. Es gehört in die Nähe des großen
Mainzer Bildhauers Pfaff. Sehr ſchön iſt die vorzüglich
erhaltene Faſſung des Figürchens; der Gegenſatz des
mat=
ten zu dem polierten glänzenden Golde verleiht ihm
ſeinen hauptſächlichen Reiz. Der Zeit des beginnenden
Rokoko gehört das niedliche Fräulein an, das bei
an=
mnutiger Drehung desKörpers dasTamburin ſchlägt.
Inter=
eſſant iſt es, wie ſich bei dieſer Figur das Höfiſche mit
bürgerlicher Behäbigkeit miſcht, ein Vorgang, den man auch
bei ſpäteren Erzeugniſſen einiger Porzellanfabriken
be=
obachtet hat, den man aber da mehr als eine Reaktion
gegenüber dem übertrieben Zierlichen auffaſſen muß,
wäh=
end hier noch das Kraftvolle, Lebenſprühende der
vorher=
gehenden Epoche ſtark nachklingt. Reichliche Reſte von
Be=
malung ermöglichen es, ſich den farbigen Eindruck
vor=
zuſtellen.
Frauenberufsberatung und weibliche
Lehr=
ſtellenvermittelung Darmſtadt.
* An Oſtern werden wieder Tauſende von jungen
Menſchen vor die Frage der Berufswahl geſtellt, die bis
vor wenigen Jahren in erſter Linie nur den Eltern der
Knaben Sorgen und Bedenken ſchuf. Heute drängt nun der
Kampf ums Daſein auch die Frau ins Berufsleben. Bei
der für viele Frauenberufe faſt überſtürzten Entwicklung
ſind naturgemäß viele wichtige Fragen noch nicht genügend
eklärt, und recht rat= und hilflos ſtehen die jungen
Mäd=
chen und deren Angehörigen vor der doch ſo wichtigen
Entſcheidung. Viel weniger fraglich und bedenklich als
bei den Knaben tut man entſcheidende Schritte. Hofft man
ja doch innerlich in erſter Linie auf die beſte Löſung aller
Frauenberufsfragen, die Ehe, und vergißt man doch immer
wieder, daß auch die beſte Ehe keine Verſorgung für die
Frau bedeutet, und daß die Frauen, die in oder nach einer
Ehe zu Berufen ſchreiten müſſen, das ſchwerſte Los trifft.
Darum ſollte kein Mädchen aufwachſen, ohne irgendeine
gediegene Ausbildung, ſei ſie wiſſenſchaftlich, gewerblich
oder wirtſchaftlich, die es ausrüſtet, nötigenfalls irgendwo
und irgendwie im Leben einen Beruf auszufüllen, der es
ernähren kann und glücklich macht. Zum Glück im Beruf
gehört aber unbedingt Neigung und Veranlagung, und die
vielen verfehlten Frauenberufe ſind darauf zurückzuführen,
daß die jungen unerfahrenen Geſchöpfe den Beruf
ergrif=
fen, weil Eltern, Tanten oder ſonſtige Angehörige dazu
rieten, weil dieſe oder jene Freundin denſelben ergriff, ohne
Anlage und Neigungen zu prüfen. Um vielen ſchmerzlichen
Enttäuſchungen vorzubeugen, hat man nun überall
Frauen=
berufsberatungsſtellen gegründet. Die hieſige Stelle des
Allgemeinen Deutſchen Frauenvereins hatte ſeit ihrem Be
ſtehen nicht nur ſchon regen Beſuch von Eltern, die ſich Rat
holten, welche Berufe der ſchulentlaſſenen Tochter nach
ihrer Ausbildung, ihren geiſtigen und körperlichen
An=
lagen offen ſtünden, ſondern auch von älteren Frauen und
Mädchen, die in ihrem Berufe nicht fänden, was ſie
ſuch=
ten und ihre unzulängliche Vorbildung erkannten und die
Lücken ausfüllen wollten. Die genannte Stelle iſt nun
ſeit 1. Januar 1914 dem Arbeitsamt angegliedert, und
da=
durch in der Lage, ihre Tätigkeit weit intenſiver zu ent
falten. Möchten alle Angehörigen junger Mädchen, ohne
Unterſchied des Standes und der Vorbildung, nicht
ver=
ſäumen, ſich vor Entſcheidung für einen Beruf an dieſer
Stelle zu befragen. Die Berufsberatungsſtellen wollen
auf der einen Seite die Frauenberufe heben, erweitern,
Mißſtände abſchaffen, Ueberfüllungen vorbeugen. Sie
wol=
len den Berufſuchenden nach Neigung und Begabung raten,
falſche Vorſtellungen über Beruf und Berufsausſichten
zer=
ſtreuen, die beſten Wege zu der beſten Ausbildung weiſen
und tunlichſt auch Stipendien vermitteln. Den Eltern
wol=
len ſie klar machen, daß nicht der Wunſch nach möglichſt
ſchnellem Verdienſt die Vorbereitung zu dem Beruf
be=
ſchränken darf. Qualitätsarbeiten müſſen wir auch von
der Frau fordern und nur berufstüchtige Frauen können
auch berufsfreudige Frauen werden, einerlei auf welchem
Gebiete. Um in dieſem Sinne wirken zu können, wird die
Darmſtädter Berufsberatungsſtelle auch die weibliche
Lehr=
ſtellenvermittlung in die Hand nehmen. Durch die
Volks=
ſchulen ſind ſchon diesbezügliche Fragebogen gelaufen und
zurzeit verhandelt die Stelle mit den Arbeitgebern.
Wünſche und Anregungen aus allen Kreiſen werden gerne
entgegengenommen. Den Beiſpielen anderer Städte
fol=
gend, will man auch hier einen Verſuch mit Lehrſtellen
für junge Mädchen bei tüchtigen Hausfrauen machen,
wo=
rüber in den nächſten Tagen nähere Ausführungen
kommen.
In Verbindung mit den verbündeten kaufmänniſchen
Vereinen für weibliche Angeſtellte hat man hier eine
Sprechſtelle für kaufmänniſch angeſtellte Frauen eröffnet,
die auch Stellen vermittelt.
Die Sprechſtunden der Frauenberufsberatung finden
vorläufig noch täglich im Alten Theater ſtatt, die Stunden
ſind aus der Anzeige des Arbeitsamts zu erſehen.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Major v. Kropf
beim Stabe des 1. Ober=Elſäſſiſchen Infanterie=Regiments
Nr. 167, den Major v. Klipſtein, Adjutanten der Großh.
Heſſ. (25.) Diviſion, den Großh. Garten=Inſpektor John
und den Hauptlehrer Philipps von Friedberg, den
Real=
lehrer Platz an der Taubſtummen=Anſtalt in Friedberg,
den Staatsanwalt Gauf, den Pfarrer Knab von
Bruchen=
brücken, den Revier=Polizeikommiſſär i. P. Dietz; zum
Vor=
trag den Staatsminiſter v. Ewald, den Finanzminiſter
Braun, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* In beſonderer Audienz wurde der außerordentliche
ſächſiſche Geſandte und Bevollmächtigte Miniſter am
hieſi=
gen Hofe mit dem Sitz in München, Freiherr v. Frieſen,
geſtern mittag 1 Uhr vom Großherzog im
Reſidenz=
ſchloß empfangen und zur Hoftafel zugezogen.
* Gerichtsperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben den Notar mit dem Amtsſitz in Bingen
Geheimen Juſtizrat Dr. Emil Weiffenbach auf ſein
Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen
Dienſte mit Wirkung vom 1. April 1914 ſeines Dienſtes
entlaſſen, und den Gerichtsaſſeſſor Dr. Philipp Wahl in
Alzey zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Wöllſtein mit
Wirkung vom 16. Februar 1914 ernannt. — Ernannt
wurde der Amtsgerichtsdiener am Amtsgericht in Höchſt
Johannes Wittich zum Kanzleidiener am Landgericht
der Provinz Starkenburg mit Wirkung vom Dienſtantritt
ſeines Nachfolgers.
* Finanzperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben den Vorſtand des Finanzamts Friedberg,
Finanzrat Georg Hoos zu Friedberg, vom 1. April 1914
Arbeit.
(Wir leben in dem Jahrhundert der Arbeit. Niemals
iſt ſo viel gearbeitet worden wie in unſeren Tagen. Wenn
wir hinaushörchen in unſere Zeit, dann kommt es uns
vor, als hörten wir eine mächtig wogende Brandung. Es
iſt die gewaltige Melodie der Arbeit, die da ertönt. Ein
ſtärkes Geſchlecht, das ſeine Freude hat an ſolchem ehernen
Lied!
Aber die Sache hat auch ihre Gefahren! Die Arbeit
wächſt uns über den Kopf! Sie wird zu einem Götzen, der
Kraft, Glück und Zeit für ſich fordert. Sie wird zum
Fronvogt, der die Geißel über uns ſchwingt und uns
an=
treibt, mitleidlos, unerbittlich. Wer ſah ſie noch nicht, die
Sklaven der Arbeit, wie ſie ſich dahin ſchleppen, müd und
mit leeren Augen? Oder die anderen, die gierig zum
Genuſſe ſtürzen, weil ſie dort ihre durch Tätigkeit
über=
reizten Nerven zu erfriſchen hoffen? Oder jene, die
ſich=
dem Arbeitsmoloch ganz verſchrieben haben, weil ihre
brennenden Blicke einzig auf das Ziel gerichtet ſind, Geld
zu machen?
Und dann noch etwas! Die Arbeit läßt heute viele ſo
unbefriedigt und kalt, weil ſie ganz unperſönlich geworden
iſt. Es fehlt die innere Wärme des fröhlich Schaffenden.
Mit welch kräftigem Behagen trieben doch die Meiſter von
ehemals ihr tüchtiges Handwerk! Mit welcher innigen
Liebe, echtem Wohlgefallen und künſtleriſcher
Befriedi=
gung waren ſie bei der Sache! Sie legten ihre Seele in ihr
Werk, und deshalb waren ſie beglückt. Heute geht das
vielfach gar nicht mehr. Der Arbeiter iſt zur Maſchine
ge=
worden, die Saiten ſeiner Seele klingen nicht mit, bei dem,
was der tut. Das Intereſſe iſt nicht da. Das Herz bleiht
ſtumm. Wie können wir das ändern? Wie ſchaffen wir
den Menſchen wahre Freude an ihrer Arbeit? Es gibt
da wohl keinen anderen Weg, als den ſchon Luther gezeigt
hat: die Arbeit muß als Dienſt an den Brüdern aufgefaßt
werden. Jeder muß ſich ſagen: was ich da tue, die kleine,
beſcheidene Sache, iſt doch notwendig im großen ganzen
und deshalb geadelt. Aber noch mehr: die Arbeit muß
als Gottesdienſt begriffen werden. Dann erſt quillt Segen
alts ihr. Dann wird ſie aus einem unluſtigen Geſchäft zu
einer Erziehungsſchule und ſchließlich zur freien Tat. Win
ſind mit ihr verſöhnt, denn der Goldglanz der ewiger
Liebe liegt auf ihr.
Ein unbekannter Liebesroman
Thackerays.
ck Bisher unbekannte und unveröffentlichte
Liebes=
briefe des großen engliſchen Romandichters Thackeray, die
us dem Beſitz des verſtorbenen Majors Lambert ſtammen,
werden Ende Februar in Neu=York verſteigert werden.
Der ergreifende Inhalt dieſes Herzensromans, der den
geiſtreichen Verſpotter aller Sentimentalität als unglücklich
liebenden Schwärmer vorführt, wird jetzt zum erſten Male
bekannt und verleiht dem Bilde des genialen
Geſellſchafts=
ſatirikers einen neuen menſchlich rührenden Zug. Die
Dame, der der Poet eine hoffnungsloſe Neigung
dar=
rachte, war Mrs. William H. Brookfield, die Gattin eines
Geiſtlichen, der ein guter Freund von Thackeray war. Das
intime Verhältnis zwiſchen den beiden wurde auch nicht
geſtört, als die Leidenſchaft Thackerays für die Gattin des
anderen immer ſtärker zutage trat. Er gab ſich auch gar
keine Mühe, im Bewußtſein der Unſchuld und Reinheit
ſeines Gefühls ſeine Neigung zu verbergen. Dem Manne
ſchreibt er die glühendſten Hymnen über den Wert ſeiner
Frau. „Ihre Unſchuld, ihr Blick, ihre engelhafte Süße
und Freundlichkeit”, heißt es In einem Schreiben von
1847 an Brookfield, „entzückt und begeiſtert mich in
höch=
ſtem Grade, und manchmal, wenn ich ſie anblicke, dann
gerate ich in eine ganz wilde Raſerei. Dieſer Zuſtand
iſt aber nicht im mindeſten gefährlich. Es iſt eine Art
künſtleriſchen Entzückens, eine geiſtige Sinnlichkeit, wenn
ich ſo ſagen darf. Andere ſchöne Dinge in der Natur
be=
rühren mich ebenſo ſtark: Kinder, Landſchaften,
Farben=
harmonien, Muſik uſw. Mein guter, alter Freund,
Du und Gott der Allmächtige, Ihr dürft alle meine
Ge=
danken kennen, die ſich mit Deinem Weibe beſchäftigen.
Ich habe immer die edelmütige Art bewundert, mit der
Du Zeuge meiner ſeltſamen Anfälle warſt. Wenn ich
ein=
mal von Neid erariffen war oder von dem, was Du
Lei=
denſchaft nennſt, oder von einem ſchlimmen Gedanken, dann
habe ich ſie längſt aus meinem Innern herausgeriſſen.”
Es gelingt ihm, den Freund völlig zu beruhigen; in
einem ſpäteren Briefe berichtet er von ſeiner Arbeit an
ſeinem Roman Pendennis” von ſeiner Gicht und von
ſei=
ner Sehnſucht, Mrs. Brookfield zu ſehen, die lange fort
geweſen iſt: „Ich habe ganz ſtupides Beng im „Pendennis”
geſchrieben, weil ich Euch nicht ſehen konnte, und ich werde
ganz zugrunde gehen, wenn Ihr noch länger fortbleibt.”
Sein wahres Gefühl enthüllte er ein Jahr ſpäter in einem
Briefe an die verehrte Frau: „Wir wollen einander
lie=
ben, ſo lange wir hier auf Erden ſind, und auch ſpäter.
Wenn Sie zuerſt fortgehen, ſo werden Sie für mich im
Himmel beten und mich auch dahin bringen. Gehe ich
zuerſt, ſo wird mein ſchönſter Gedanke, das ſchwöre ich
Ihnen, der ſein, mich daran zu erinnern, daß Ihre Liebe
mich überlebt und mit beſtändiger Zärtlichkeit mein
An=
denken ſegnet. Ich kann nicht ganz untergehen, ſolange
ich in Ihrem Herzen lebe. Darin liegt eine Art
Beſiege=
lung und Gewißheit des Himmels.” In einem anderen
Brief ſchreibt er vom Dampfer in Dover aus, der ihn zu
einer Reiſe aus der Heimat fortträgt, an Mrs. Brookfield:
„Wenn ich älter werde, dann will ich ſo zahm, ſo ruhig
und ſo geſittet in meinem Benehmen ſein, daß ich Sie nicht
mehr auch nur im geringſten durch meine allzu große
Auf=
merkſamkeit verletzen werde. Soll ich jetzt ſchon anfangen
und wieder „Mrs. Brookfield” ſagen? Aber nein, das
brauche ich wohl nicht, meine teure gnädige Frau. Sie
werden immer „meine teure gnädige Frau” bleiben, und
ich werde ſein „Ihr wohlgeſinnter Großvater‟. Ein Onkel
der Dame Hallam, der Vater von Thackerays Freund Artur
Hallam, hat dann augenſcheinlich an den allzu häufigen
Be=
ſuchen des Dichters bei ſeiner Nichte Anſtoß genommen
und Thackeray verteidigt ſich in einem Briefe, in dem es
heißt: „Ich habe Gott ſei Dank meine Neigung für Sie
nie verborgen. Ihr Mann weiß davon ſo gut wie ich, und
ich denke, ich habe ſo guten Anſpruch auf die Liebe zu
Euch beiden, daß ſie ſelbſt ein naher Verwandter nicht in
Frage ſtellen und aus der Welt ſchaffen kann.” Trotzdem
kam es zu einem Zerwürfnis zwiſchen Thackeray und den
Brookfields, das dem Schöpfer des „Jahrmarkts der
Eitel=
keiten” viel Sorgen bereitete. „Ich ſehe nicht ein, wie ein
Mann eine ſo ſchöne, ſo unglückliche und ſo entzückende
Frau nicht lieben ſollte,” ſchreibt er 1852 an eine
gemein=
ſame Freundin Miß Kerry. „Ich ſehe nicht ein, wie ein
Gatte, wie immer er ſie auch behandelt haben mag, bei
dem Gedanken dieſer Liebe gleichgültig bleiben ſollte.
Ich wünſchte, ich hätte ſie nie geliebt. Eine Frau hat
mit mir ihr Spiel getrieben und mich beiſeite geworfen
auf einen Wink ihres Herrn und Meiſters. So fühle ich
die Sache. Geſtern habe ich die Briefe von Jahren
fort=
gepackt. Sie machten mich nicht weinen, ſondern ließen
ab in gleicher Dienſteigenſchaft an das Finanzamt
Rein=
heim verſetzt, den Bezirkskaſſier der Bezirkskaſſe Schotten,
Rechnungsrat Georg Keutzer zu Schotten, auf ſein
Nach=
ſuchen vom 1. März d. J. an unter Anerkennung ſeiner
langjährigen treuen Dienſte bis zur Wiederherſtellung
ſei=
ner Geſundheit in den Ruheſtand verſetzt, und den
Haupt=
ſteueramtsaſſiſtenten Karl Kühling, zurzeit in Gießen,
zum Steuereinehmer des Steueramts Groß=Gerau ernannt.
* Militärdienſtnachricht. Prinz Maximilian
von Heſſen, Hoheit, Portepee=Unteroff. und Abiturient
der Haupt=Kad.=Anſtalt, als Fähnrich im Leib=Dragoner=
Regiment (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 angeſtellt.
D Zur 22. Sitzung der Stadtverordnetenverſammlung
am Donnerstag, den 12. Februar, nachmittags halb 4
Uhr, iſt folgende Tagesordnung feſtgeſetzt: 1.
Mit=
teilungen. 2. Geſuche um Geſtattung einer Ausnahme von
der Beſtimmung in § 5 des Ortsbauſtatuts: a) für das
Grundſtück Flur 24 Nr. 14, nächſt der Nieder=Ramſtädter
Straße (Geräteraum); b) für die Südſeite der
Landskron=
ſtraße zwiſchen Ludwigshöhſtraße und Heidelbergerſtraße
(Wohnhaus); e) für ein Grundſtück in Flur 33, nachſt des
Pfarrwieſenwegs (Gärtnereianlage). 3. Erweiterung des
Kredits für die bauliche Unterhaltung der Ludwigs=Ober=
Realſchule. 4. Niederlegung des Seitengebäudes der
ſtädti=
ſchen Hofreite Beſſungen Straße 48. 5. Erneuerung des
Kanals in der Schießhausſtraße zwiſchen Beſſunger Straße
und Bruchwieſenſtraße. 6. Maßnahmen zur Erhöhung des
Gasverbrauchs; hier: Einrichtung eines
Ausſtellungsrau=
mes in der Stadt. 7. Rechnung des Großh.
Realgymna=
ſiums für 1912. 8. 25jähriges Jubiläum der
Hauswirt=
ſchaftlichen Fortbildungsſchule. 9. Ergänzung der
Dienſt=
männer=Ordnung. 10. Verlegung der Dienſträume
ver=
ſchiedener ſtädtiſcher Verwaltungen.
* Geburtenrückgang und Säuglingsſterblichkeit. Die
Zahl der Geburten nimmt im Deutſchen Reich ab, ebenſo
die Zahl der im erſten Lebensjahr ſterbenden Säuglinge.
Dieſe Erſcheinungen gehen nebeneinander her; ſie haben
verſchiedene Urſachen; man kann den Rückgang der
Säuglingsſterblichkeit nicht mit dem Geburtenrückgang
erklären. Die Verſuche, die man in dieſer Richtung
ge=
macht hat, ſind fehlgeſchlagen. Die kulturelle Entwickelung
eines Volkes weiſt, insbeſondere auf dem Gebiete der
Hygiene, oft gleichlaufende ſtatiſtiſche Linien auf. Ebenſo
oft unterliegen unſere ſtatiſtiſchen Dilettanten im
Gegen=
ſatz zu den wirklichen Statiſtikern der Verſuchung, dieſe
Linien in urſächliche Beziehung zu ſetzen. Das ſtatiſtiſche
Material iſt geduldig, beſonders wenn es 3 oder 4 lleiners
Landgemeinden liefern müſſen, wie das hie und da
vor=
kommt. Man kann vor dieſen ſtatiſtiſchen Experimenten
nicht genug warnen. Ein Beiſpiel für viele: Die Zahl
der an Wochenbettfieber ſterbenden Ehefrauen hat ſich
außerordentlich vermindert; ebenſo prozentual die Zahl
der Eheſchließungen. An dem Rückgang des
Wochenbett=
fiebers iſt alſo nicht die beſſere Ausbildung der
Heb=
ammen, ſondern der Rückgang der Eheſchließungen
ſchuld. — Aehnlich ſind die geſuchten Beziehungen zwiſchen
Säuglingsſterblichkeit und Geburtenrückgang zu
be=
urteilen.
* Kunſtverein Heſſen. Die Felmerausſtellung des
Vereins beginnt am Sonntag, den 8. ds. Mts.,
vor=
mittags 10 Uhr. Hochintereſſante Kollektivausſtellung
(35 Bilder und Studien): Hugo Gugg=Saaleck (bei
Naumburg); Fritz Scherer=München, Karl
Rin=
kens=Düſſeldorf, Eliſabeth Gegenbaur=
Heidel=
berg; von Plaſtik: Anna Locher= Darmſtadt. Von
nächſter Woche ab außerdem: umfangreiche graphiſche
Kollektionen u. a.
* Herberge zur Heimat. Bei der Einwohnerſchaft
Darmſtadts iſt ſehr wenig bekannt, daß bei der Herberge
zur Heimat hier Gutſcheine eingeführt ſind. Die
ver=
ſchiedenen Arten der Gutſcheine enthalten Anweiſungen für
die Herberge entweder über Beträge von 5 Pfg. und 10
Pfg. oder zur Verabreichung von Frühſtück, Mittageſſen,
Abendeſſen, Nachtlager — einzeln oder zuſammen — und
ſind in jeder beliebigen Menge gegen Barzahlung oder
monatliche Abrechnung von dem Hausvater der Herberge,
Große Ochſengaſſe Nr. 8 — Telephon Nr. 2583 — zu
be=
ziehen. Auf die Gutſcheine werden in der Herberge nur
Nahrungsmittel oder Nachtlager verabreicht. Da bei der
Herbergsverwaltung der Grundſatz beſteht, daß alle
Unter=
ſtützungen nur gegen entſprechende Arbeitsleiſtung gewährt
werden ſollen, muß — ſoweit möglich — von allen auf die
Gutſcheine hin Unterſtützten entſprechende Arbeit in der
Herberge (in der Regel Holzhacken) — geleiſtet werden.
Das hierbei erzielte Kleinholz wird von der Herberge zu
mäßigem Preiſe (90 Pfg. für 1 Sack Tannenholz) wieder
verkauft. Auf dieſe Weiſe iſt in manchen Städten, wo
ähn=
liche Einrichtungen bereits beſtehen, die läſtige
Hausbette=
lei, die leider auch in unſerer Stadt in den letzten Jahren
wieder ſtark überhand genommen hat, ſehr eingeſchränkt,
wenn nicht faſt ganz beſeitigt worden, da die arbeitsſcheuen
Elemente alle die Häuſer meiden, wo ihnen kein Bargelo,
ſondern nur Gutſcheine verabreicht werden. Ein Erfolg iſt
hier aber nur dann zu erzielen, wenn die Einwohner von
ſolchen Einrichtungen fleißig Gebrauch machen und ſie da=
durch unterſtützen, daß ſie einmal keinem Bettler Bargeld,
welches doch meiſtens zu Alkoholgenuß verwendet wird,
ſondern nur Gutſcheine geben, ſowie ferner das in jeder
Haushaltung nötige Anmachholz auch von der Herberge
beziehen, damit dieſe die Wanderer ausreichend beſchäftigen
kann.
* Die Vereinigten Bezirksvereine hielten, ſo ſchreibt
man uns, im Hotel „Prinz Karl” eine Sitzung ab. Dem
Martinsviertelverein wurde Anerkennung dafür zum
Ausdruck gebracht, daß es durch deſſen ausdauernde
Be=
mühungen endlich gelungen iſt, die elektriſche Bahn nach
dem Martinsviertel zu ſichern. Weiter liege der
Stadt=
verordnetenverſammlung ein Antrag des Martins= und
Johannisviertelvereins vor, daß die Linie
Schloß=
gartenplatz bis zum Riegerplatz alsbald in Angriff
ge=
nommen wird. Dieſem Antrage wird ſelbſtverſtändlich
von dem Ausſchuſſe die vollſte Unterſtützung zugeſagt.
Vom Mathildenhöhverein wurde der bereits gezahlte
Bei=
trag zu den Stadtverordnetenwahlen zurückgefordert, da
er bei den Wahlen in nicht genügender Weiſe berückſichtigt
worden ſei. Dies wurde allerſeits zurückgewieſen und
beſchloſſen, daß dem Geſuche nicht ſtattgegeben werden
ſolle. Herr Lehrbach erſtattete ſodann den
Rechen=
ſchaftsbericht über die Wahlkoſten und wird ihm auf
An=
trag der Rechnungsprüfer Entlaſtung erteilt.
Verſchie=
dene Herren dankten dem Vorſitzenden für ſeine
erſprieß=
liche Tätigkeit bei den Wahlen und wurde dies einſtimmig
anerkannt. Weiter wurde beſchloſſen, nach Möglichkeit
alle Stadtverordneten zu den Sitzungen des Ausſchuſſes
einzuladen, ſoweit ſie ſich nicht gegen das Intereſſe der
Bezirksvereine betätigen. Auch die Herren
Stadtverord=
nelen, ſoweit ſie dem Mathildenhöhverein angehören,
ſollen eingeladen werden. Es ſei dann vielleicht eher
wie=
der eine Einigung zu erzielen. Der Antrag des
Innen=
ſtaſdſtvereins auf Statutenänderung, Feſtlegung der
Grenzen, Schaffung möglichſt gleichlautender Statuten der
einzelnen Bezirksvereine wurde angenommen, mit dem
Zuſatze, daß eine Kommiſſion, der von jedem
Bezirks=
verein ein Mitglied angehört, die Vorarbeiten mache.
Von Herrn Rechnungsrat Götz wurden die
Stadtver=
ordneten=Wahlen, die Zuſammenſtellung des Zettels ꝛc.
einer polemiſchen Kritik unterzogen, deren ſich auch Herr
Dr. Noellner nicht enthalten konnte. Beide Herren
zogen die Beſprechung auf das politiſche Gebiet, trotzdem
die Bezirksvereine als erſten Grundſatz, alle Fragen und
alle Tätigkeit nur unpolitiſch zu behandeln, ſtets
befolg=
ten. Es konnte ſomit auch nicht ausbleiben, daß von
bei=
den Herren verſchiedene Angriffspunkte für die
anweſen=
den Mitglieder, die der ſozialsemokratiſchen Partei
ange=
hören, geſchaffen wurden, welche alsdann auch prompt
antworteten. Als hierbei Herr Bornemann die
Kampfes=
weiſe der Nationalliberalen als ſchmutzig bezeichnete,
ver=
ließen Herr Dr. Noellner und Herr von Heſſert den Saal,
obwohl der Redner von dem Vorſitzenden zur Ordnung
gerufen wurde. Nachdem durch die Anweſenden zum
Ausdruck gebracht worden war, daß der Vorſitzende,
Herr Sanitätsrat Dr. Kolb, ſtets ſein Amt korrekt und
unparteiiſch ausgeübt hat, dankte er der Verſammlung und
ſchloß dieſelbe gegen ½1 Uhr mit dem Wunſche, daß die
Bezirksvereine wie ſeither zum Wohle der Allgemeinheit
und unſerer Vaterſtadt weiter arbeiten mögen.
* Katholiſcher Volksverein. Man ſchreibt uns: Zu
den am wenigſten bekannten Gebieten unſerer deutſchen
Kolonien gehören ohne Zweifel die in der Südſee
ge=
legenen Inſelgruppen der Karolinen und Marianen, die
das Reich bekanntlich nach dem Kriege zwiſchen Spanien
und den Vereinigten Staaten von erſterer Macht
erwor=
ben hat. Es kann daher als ein glücklicher Gedanke
be=
trachtet werden, daß der katholiſche Frauenbund und der
Volksverein für das katholiſche Deutſchland in der Perſon
des Herrn Miſſionsſekretärs P Kilian aus
Ehrenbreit=
ſtein einen Fachmann gewonnen hat, der Sonntag, den
15. ds. Mts., im katholiſchen Geſellenhauſe einen
Licht=
bilder=Vortrag über jene intereſſanten Inſelgruppen
hal=
ten wird. Seit 1903 bezw. 1907 haben deutſche
Kapu=
ziner, deren Orden der Redner angehört, die ſpaniſchen
dort abgelöſt. Möchte der Beſuch ein recht zahlreicher
werden. SSiehe Anzeige.)
* Karnevalgeſellſchaft „Narrhalla” Mit einer ganz
beſonderen, hier noch niemals dageweſenen Veranſtaltung
wartet am nächſten Sonntag, den 15. Februar, die
Karnevalgeſellſchaft Narrhalla auf. Sie veranſtaltet
näm=
lich einen großen karnevaliſtiſchen
Künſtler=
abend im großen Saale des Städtiſchen Saalbaues. In
liebenswürdiger Weiſe haben hierzu die erſten Kräfte
unſſerer Hofbühne ihre Mitwirkung zugeſagt. Das
künſt=
leriſche Programm werden beſtreiten Frau Müller=
Rudolph, Frau Gothe=Schneider Herc
Jor=
dan, Herr Harprecht, Herr Schützendorf, Herr
Peterſen Herr Frz. Schneider ſämtlich vom
Großh. Hoftheater. Alles weitere folgt demnächſt.
* Geſellſchaft „Harmloſe‟. Man ſchreibt uns: Am
ommenden Sonntag, den 15. Februar abends 6.11 Uhr,
findet im pompös geſchmückten Kaiſerſaal die „große
Damen= und Herren=Sitzung” der Geſellſchaft „Harmloſe‟
ſtatt. Die beſten karnevaliſtiſchen Kräfte Darmſtadts wer
den die diesjährige Sitzung zur glanzvollſten
Veranſtal=
tung der Karnevalſaiſon 1914 machen. Aus dem
reichhal=
tigen und großartigen Programm einige Namen
beſon=
ders hervorzuheben, iſt nicht nötig, da alle Liederdichter
ſowie Vortragende gleich Vorzügliches bieten. Die
Lei=
tung hat wie in den Vorjahren, wieder Komiteemitglied
Julius Simon, und das allein ſchon bietet Gewähr für
genußreiche und echt fröhlich=karnevaliſtiſche Stunden. Der
Kartenvorverkauf hat bereits in den bekannten
Vorver=
kaufsſtellen begonnen. Wer einmal einer Damen= und
Herren=Sitzung der Geſellſchaft „Harmloſe” beigewohnt
hat, kommt wieder, und das gilt als beſte Empfehlung.
* Darmſtädter Eisbahn=Verein. Man ſchreibt uns:
Alle Eisfreundinnen und Eisfreunde werden gerne
ver=
nehmen, daß es auf der Eisbahn „Hinterm Woog”
gelungen iſt, durch beſondere Spritzapparate und bei
nächt=
licher Arbeit die abgenützte Bahnfläche zu überfluten und
ſo eine neue glatte Eisſchicht herzuſtellen. Ebenſo wird
auf der zweiten Eisbahn des Darmſtädter Eisbahnvereins,
der Orangeriebahn (Klappacherſtraße) allnächtlich
mit Leitungswaſſer die Bahn überflutet, ſo daß an Vor=
und Nachmittagen eine tadelloſe, von allen Riſſen und
Hin=
derniſſen freie Sportfläche geboten iſt. Dieſer Sorgfalt
zur Beſeitigung aller gefahrbringenden Mißſtände iſt es
wohl in erſter Linie zu danken, daß während der langen
Reihe von Eistagen weder „Hinterm Woog” noch auf der
Orangeriebahn ein Unfall vorkam. — Am Sonntag
nach=
mittag wird auf der Orangeriebahn ein Eiskonzert
ſtatt=
finden, und für Montag abend iſt — Fortdauer der Kälte
vorausgeſetzt — wieder Nachtlaufen mit
Militär=
konzert vorgeſehen.
* Michael Denggs Bauerntheater in der Turnhalle,
Woogsplatz. Heute, Sonntag, den 8. ds. Mts., eröffnet
das Dengg=Enſemble ſein auf 10 Abende
berech=
netes Gaſtſpiel. Nachmittags zu kleinen Preiſen „Der
Amerika=Seppl”. Humoriſtiſche Bauernpoſſe mit
Geſang und Tanz in 3 Akten von Benno Rauchenegger und
Rich. Manz. Abends „Der Herrgottſchnitzer von
Ammergau” Volksſtück mit Geſang und Tanz in 5
Aufzügen von Dr. Ludwig Ganghofer und Hans
Heuert, Muſik von F. M. Preſtele. Montag Thoma=
Abend: „Medaille” und „I. Klaſſe”; die Filſer=Rolle findet
durch Herrn Witt die beſte Verkörperung. Ferner kommt
zur Aufführung „Im Austragſtüberl” „Bruder Martin”
„Die Bergfer’n” „Zwiderwurzin” und „Pfarrer von
Kirchfeld” Sämtliche Gaſtvorſtellungen finden dem
Cha=
rakter des Bauerntheaters entſprechend volkstümlich mit
Reſtauration ſtatt. Der Plan liegt im
Verkehrs=
bureau auf, und für die ſämtlichen Vorſtellungen kann
man die Billetts im Verkehrsbureau haben. Der großen
Nachfrage halber nimmt der Thoma mit ſeinem Filſer
Seppi 4 Abende ein. Eine Verlängerung des
Gaſt=
ſpieles iſt gänzlich ausgeſchloſſen, da das Enſemble ab
20. ds. Mts., auf 5 Thoma=Abende nach Bayreuth in das
Kgl. Opernhaus verpflichtet iſt. Die Vorſtellungen
wer=
den täglich im Anzeigenteil bekanntgegeben.
* Rummelbräu. Man ſchreibt uns: Seit Umbau des
Reſtaurants „Rummelbräu”, Allee 61, in ein erſtklaſſiges
Familien=Reſtaurant mit anſchließendem großen Konzert=
Saal hat es der jetzige Inhaber Herr E. Ekey an nichts
fehlen laſſen, das ſchön eingerichtete Lokal zu einem
an=
genehmen Familien=Aufenthalt zu geſtalten. Allen
Wün=
ſchen Rechnung zu tragen, wird Mittwoch, 11. Februar,
um 4 Uhr nachmittags, ein Kaffee=Konzert mit Tango=
Réunion ſtattfinden. Die verehrlichen Familien ſeien
be=
ſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß von Mittwoch
ab der allgemein geſchätzte Tangolehrer Herr A. Schrimpff
in dem Konzertſaal Allee 61 das Arrangement perſönlich
leitet und eine vorzügliche Salonkapelle unter perſönlicher
Leitung von Herrn Obermuſikmeiſter Mittelſtädt ſpielen
wird. Herr Schrimpff und Gattin werden die beliebten
neuen Geſellſchaftstänze in vollendeter Form tanzen, und
ſind alle Tangomanen, ſowie Tangomaninnen freundlichſt
eingeladen, ſich an der Réunion zu beteiligen. (S. Anz.)
* Triumphatorfeſt im Chauſſeehaus. Es ſei
nochmals darauf aufmerkſam gemacht, daß das beliebte
Triumphator=Bier noch bis Anfang nächſter Woche zum
Ausſchank gelangt. Täglich finden auserleſene Konzerte
ſtatt. Für Montag, den 9. Februar, iſt eine beſondere
Feier geplant, zu welcher mehrere Verbindungen der
hieſigen Studentenſchaft ihr Erſcheinen in corpore
zuge=
ſagt haben und iſt ſomit bei Muſik, Geſang und niedlicher
Bedienung ein hübſcher Abend für die Beſucher zu
er=
warten. (Siehe Anzeige.)
* Konzerte. Hanauer Hof. Man ſchreibt uns:
Laut Anzeige in der heutigen Nummer hat der närriſche
Rat im Hanauar Hof wieder ſeine Vaſallen zu einer
großen internationalen Sitzung für heute eingeladen.
Die heſſiſche Artillerie=Kapelle hat in großer franzöſiſcher
Beſetzung den orcheſtralen Teil übernommen während der
Urnarr Willy Henning aus Frankfurt die tollſten Witze
er=
zählen und Vorträge halten wird. Anny Otelly, eine
feſche karnevaliſtiſche Koſtüm=Soubrette, wird von Liebe,
mich lachen, und deswegen gab ich mein Herz fort. Der
Gedanke, daß man mich zum Narren gehalten hat, iſt
vielleicht der bitterſte von allen.”
Nicht lange danach wurde eine Ausſöhnung zuſtande
gebracht. Thackeray ſchreibt von ſeiner amerikaniſchen
Vorleſetournee an Mrs. Brookfield und findet amüſante
und herzliche Töne. Er erzählt aus der neuen Welt, wo
es nur Dollars und Schmeichelei gibt, und ſchildert die
oberen Zehntauſend von Neu=York im Jahre 1852. „Es
iſt der merkwürdigſte Kulturfirnis, den man ſich denken
kann. Die jungen Mädchen ſind angezogen wie die
extra=
vaganteſten franzöſiſchen Schauſpielerinnen; die Räume
ſind eingerichtet wie die üppigſten Spielhäuſer. Alles iſt
Gold und gelber Brokat, und die Dandys ſind wie
fran=
zöſiſche Ladenjünglinge. Die Häuſer ſind alle ſo neu,
daß die Wände nicht einmal tapeziert ſind, und mitten
zwiſchen enormen Goldrahmen und Spiegeln hängen
Bildchen für ein paar Pfennig und ſchlechte Buntdrucke.”
Und nach ſeiner Rückkehr von Amerika zieht er dann
gleichſam das Fazit ſeiner Liebe, wenn er von Mrs.
Brookfield ſchreibt: „Ich glaube, ich bin ihr näher, wenn
ich fern von ihr bin, als wenn ich bei ihr ſitze und
Brook=
fields raſtloſe Augen auf mir fühle, der immer wieder
verſucht, nicht nach uns zu ſehen. Es iſt für uns beſſer,
wir würden uns im Grabe lieben, als wir würden uns
ſo begegnen, und es würden Geheimniſſe und Betrug
zwiſchen uns ſein. Gar oft flüſtert ein Freund mir zu —
er wird auf den Bildern mit Hörnern und Schweif
dar=
geſtellt —: „Wozu all dies Sehnen und Hoffen und
Ent=
täuſchtſein? Ein paar Lügen, und die ganze Geſchichte
könnte ſo gut gehen. Glaubſt Du, andere Leute ſind ſo
bedenklich?‟ Dann ſehe ich ihre vier Kinder; ich ſtelle
dieſe unſchuldigen Geſtalten zwiſchen den Teufel und mich,
und der alte böſe Feind ſchleicht ſich davon, den Schweif
zwiſchen den Hufen
Feuilleton.
B Die Grauſamkeit der Breitſchwanzgewinnung. Zu
den koſtbarſten und beliebteſten Pelzwerken, mit denen
unſere Damen ſich zu ſchmücken lieben, gehören die feinen
Lammfelle, die in Chiwa, Buchara und in Turkeſtan
ge=
wonnen werden. Man nennt ſie Perſianer, Aſtrachan und
Breitſchwanz; das edelſte und teuerſte dieſer Felle iſt der
Breitſchwanz, der, was nicht ganz bekannt ſein dürfte, von
ungeborenen Lämmern gewonnen wird. Daher iſt das
Fellwerk noch ſo teuer, denn das Mutterſchaf muß kurz
vor der Geburt des Lammes geſchlachtet werden. Man
kann ſich unſchwer denken, welche Mengen von
Mutterſcha=
fen alljährlich der Mode zum Opfer gebracht werden, denn
dieſe Felle werden nicht nur zu Damenpelzwerk verarbeitet,
ſondern ſie erfreuen ſich auch bei den ruſſiſchen Herren als
Mützen und Pelzkragen außerordentlicher Beliebtheit.
Die turkeſtaniſchen Kirgiſen, die die Hauptlieferanten
für Breitſchwanz ſind, haben nun eine Methode
heraus=
gearbeitet, die die Geſtehungskoſten weſentlich herabſetzt,
wovon freilich nur ſie den Vorteil haben, denn es fällt
ihnen nicht ein, die Preiſe für die Felle zu ermäßigen; dieſe
Methode iſt aber zugleich eine der ſcheußlichſten
Beſtiali=
täten, die man ſich denken kann und die nur mit der
Grau=
ſamkeit verglichen werden kann, mit der man Reiherfedern
gewinnt. Während man jedoch in dankenswerter Weiſe für
den Schutz des edlen Fiſchräubers eintritt, können die
grau=
ſamen Kirgiſen mit den armen Schafen Grauſamkeiten
be=
gehen, die das Blut in den Adern erſtarren machen. Wenn
beim Schlachten natürlich alle Mutterſchafe auf den Lauf
gehen — das Fleiſch iſt wohl ſelbſt für den Geſchmack der
Kirgiſen kaum anziehend —, ſo erhält man, wenn man eine
Frühgeburt hervorruft, wenigſtens einen Teil der
Mutter=
ſchafe am Leben. Die Frühgeburt wird nun in der Weiſe
hervorgerufen, daß zwei Kirgiſen das angepflöckte Schaf
mit Knütteln ſo lange bearbeiten, bis es unter
jammervol=
lem Geſchrei und furchtbaren Qualen das Lamm zur Welt
gebracht hat. Dem neugeborenen Weſen wird ſofort das
Fell abgezogen, während das Fleiſch den verhungerten
halbwilden Hunden vorgeworfen wird. Bei dieſem
Ver=
fahren werden, wie Augenzeugen dieſer Beſtialität
ver=
ſichern, zwei Drittel der gemarterten Mutterſchafe am Leben
erhalten. — Wenn alſo eine Dame in der angenehmen Lage
iſt, einen koſtbaren Mantel aus Breitſchwanz zu erwerben,
oder ſich zu Füßen legen zu laſſen, ſo vergeſſe ſie nicht, daß
dieſes Pelzjuwel, wie man neuerdings wohl ſagt, einer
ganzen Anzahl von ſanften Tieren entſetzliche Qualen, für
die beſonders die Frauen Verſtändnis haben ſollten,
be=
reitet hat. Man ſoll ſich nicht etwa damit tröſten, daß
nan die Kirgiſen zu einer anderen, menſchlicheren Methode
veranlaſſen könnte. Wer die Verhältniſſe in der
Kirgiſen=
ſteppe und die Kirgiſen kennt, weiß nur zu gut, daß von
rgend einer Kontrolle in der Steppe natürlich gar keine
Rede ſein kann, und daß dieſe halbwilden und grauſamen
Nomaden jedem ins Geſicht lachen würden, der ihnen
be=
greiflich machen wollte, daß ſie Unmenſchlichkeiten begehen.
Man kann gegen dieſe Marterungen nur in der Weiſe
pro=
teſtieren, daß man — aufhört, Breitſchwanz zu tragen. Ob
das aber wohl denkbar iſt? Die Göttin Mode iſt eben oft
noch grauſamer, als die Kirgiſen.
O. Grosberg, St. Petersburg.
ck. Eine koſtſpielige Taufe. Anläßlich der Taufe des
ingſt geborenen Sohnes des Prinzen Viktor Napoleon
weiſt der Pariſer Ruy Blas in einem intereſſanten Artikel
darauf hin, welche ſtattlichen Ausgaben zur Zeit des
zwei=
en Kaiſerreiches die Taufe des Prinzen Lulu, des Sohnes
ſapoleons III. und der Kaiſerin Eugenie, mit ſich brachte.
Für die Taufe wurden ausgegeben: ein Medaillon, mit
ſiamanten beſetzt, 25000 Francs, Vergütungen für die
Aerzte 62000 Francs, Vergütungen an die Hebamme 6000
Francs; für Muſiker und Komponiſten 10000 Francs; für
Wein und Geſang ſingen uſw. Der unverwüſtliche
Darm=
ſtädter Humoriſt Auguſt Heldmann, gen. Spargel, wird
wieder als Conferencier ſeines Amtes mit Geſchick
wal=
ten, eine Serie ganz neu verfaßter humoriſtiſcher
Chor=
lieder wird geſungen werden. Ausdrücklich wird darauf
aufmerkſam gemacht, daß der hohen Koſten wegen auch
für Kinder Eintrittskarten zu 19 Pfennige gelöſt werden
müſſen, außerdem wird zur Bedingung gemacht, daß ſich
jeder Beſucher mit Maskenzeichen und Lieder, welche an
den Kaſſen zu haben ſind verſieht.
Schützenhof. Auf die an jedem Sonntag bei
freiem Eintritt ſtattfindenden humoriſtiſchen Konzerte von
½6 Uhr ab in den Kellerlokalitäten, welche ſich immer
eines ſehr ſtarken Zuſpruchs erfreuen, ſei hier nochmals
hingewieſen. (Siehe Anzeige.)
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Ex=
pedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bilder neu ausgeſtellt: Neue Männer für Elſaß=
Lothringen: Graf von Roedern und Freiherr von
Stein. — Zum 25jährigen Beſtehen der Deutſchen
Schutztruppe: Major von Wißmann, der eigentliche
Be=
gründer der Schutztruppe, Dromedarreiter in vollſtändiger
Ausrüſtung, Feldgeſchütze im Gelände. — Die große
Vul=
kankataſtrophe in Japan. — Der Weltrekord=Dauerflug des
deutſchen Fliegers Bruno Langer.
Provinzialausſchuß.
g. Zum Bau einer Wegüberführung in Km. 24640
der Bahn in der Gemarkung Kelſterbach benötigt die
Eiſenbahnverwaltung Gelände, über deſſen Preis mit
ver=
ſchiedenen Eigentümern eine Einigung nicht erzielt
wer=
den konnte. Die Eiſenbahnverwaltung beantragt deshalb
Enteignung; über dieſen Antrag wurde bereits einmal
verhandelt und damals Augenſcheinnahme beſchloſſen, die
inzwiſchen ſtattgefunden hatte. Die Eigentümer
ver=
langen 2,50 bis 4 Mark pro Quadratmeter und eine
Ent=
ſchädigung von 1 Mark pro Quadratmeter für
Wertmin=
derung des Reſtgeländes. Die Eiſenbahnverwaltung will
nur Beträge von 60 Pfg. bis 1,30 Mark für den
Quadrat=
meter bezahlen. Die Eigentümer rechtfertigen den
ver=
langten Preis damit, daß es ſich um Baugelände handelt,
während der Eiſenbahnfiskus das Gelände als
Acker=
gelände anſieht. Der Provinzialausſchuß ſetzte den Preis
auf 2,50 bis 3 Mark für den Quadratmeter feſt und für
Wertminderung des Reſtgeländes 25 Pfg. für den
Qua=
dratmeter. Für einen Zwetſchenbaum wurde eine
Ent=
ſchädigung von 45 Mark und für einen Apfelbaum eine
ſolche von 180 Mark feſtgeſetzt.
Ein wenig appetitliches, dabei aber ſehr gefährliches
Metier hat ſich der Artiſt Karl Dimter aus Neurode
ausgewählt. Er verdient ſich ſeinen Lebensunterhalt als
„Eiſenſchlucker” indem er Nägel und Eiſenſtücke
ver=
ſchluckt. Dabei iſt es wiederholt geſchehen, daß ſein
Ma=
gen durch die Eiſenſtücke verletzt wurde und er
infolge=
deſſen wiederholt in Krankenhäuſern behandelt werden
mußte. Seit Juni 1912 iſt er bereits in 11
Krankenhäu=
ſern geweſen, ohne daß man ihn kurieren konnte. Vom
3. bis 31. Oktober 1912 wurde er im Stadtkrankenhaus
zu Frankfurt a. M. verpflegt. Wegen derſelben
Krank=
heit befand ſich Dimter vom 22. Januar 1913 bis zur
Auf=
nahme in das Krankenhaus zu Frankfurt im Städtiſchen
Krankenhauſe zu Darmſtadt. Die letzteren Koſten hat der
Landarmenverband Darmſtadt bezahlt. Der
Ortsarmen=
verband Frankfurt iſt nun der Anſicht, daß es ſich bei der
in Frankfurt aufgetretenen Krankheit nach dem
Aerzte=
gutachten um eine Forſetzung des in Darmſtadt
beſtan=
denen Leidens handelt. Deshalb verlangt dieſer von dem
Landarmenverband Darmſtadt Erſatz ſeiner Koſten von
44,80 Mark. Der letztere lehnt den Anſpruch ab, weil
Dimter unmittelbar vor ſeiner Darmſtädter
Hilfsbedürf=
tigkeit wegen desſelben Leidens in Worms verpflegt
wor=
den ſei und er deshalb zum Erſatz nicht herangezogen
werden könne. Der Provinzialausſchuß beſchloß, Beweis
zu erheben darüber, warum der Karl Dimter am 27.
Sep=
tember 1912 das Krankenhaus in Worms verlaſſen und
dasjenige in Darmſtadt aufgeſucht hat, durch Vernehmung
des Karl Dimter vor dem Provinzialausſchuß oder, falls
er nicht wegefähig iſt, durch das Königliche Amtsgericht
Wiesbaden.
Im Anſchluß an einen Termin an Ort und Stelle
beſchloß der Provinzialausſchuß am Mittwoch in der
An=
gelegenheit der Enteignung von 8 Quadratmetern
Vor=
gartengelände Ecke Wendelſtadt= und Bismarckſtraße, für
den Quadratmeter 80 Mark Entſchädigung feſtzuſetzen und
außerdem für Beeinträchtigung des Gartens eine
beſon=
dere Entſchädigung von 200 Mark.
Die Einkaufsgenoſſenſchaft ſelbſtändiger Maler
und Tüncher e. G. m. b. H. Darmſtadt
hielt ihre 7. Generalverſammlung im Hotel „Prinz
Karl” ab, deren ſtarke Beteiligung von dem großen
Inter=
eſſe zeigte, daß die Mitglieder ihrer Genoſſenſchaft
ent=
gegenbringen. Der Vorſitzende des Aufſichtsrates, Herr
Ludwig Erbes, konnte außer dieſen vier Mitglieder des
Vorſtandes und Aufſichtsrates der
Zentraleinkaufs=
genoſſenſchaft der Maler=Rohſtoffgenoſſenſchaften
Deutſch=
lands, Sitz Mannheim, begrüßen, ein Zeichen, daß zwiſchen
beiden Organiſationen ein gutes Einvernehmen beſteht.
Die 12 Punkte umfaſſende Tagesordnung wurde mit
dem Geſchäftsbericht über das Jahr 1913 durch das
ge=
ſchäftsführende Vorſtandsmitglied Weber eingeleitet.
Der Bericht ſtellt zunächſt feſt, daß der Umſatz in dem
letz=
ten Geſchäftsjahre zurückgegangen iſt, die Urſache iſt in
der Hauptſache in der mit der Lohnbewegung im
Früh=
jahr 1913 verbundenen Ausſperrung zu ſuchen, die gerade
die Mitglieder der Genoſſenſchaft am ſtärkſten betraf, da
dieſe ihrer Verbandsleitung aus dem ſtarken
Zuſammen=
gehörigkeitsgefühl heraus Folge leiſteten. Auch die noch
immer anhaltende allgemeine Geſchäfsflauheit teug ihr
Teil dazu bei, daß der Umſatz ſich verminderte. Als
er=
freulicher Moment kann bezeichnet werden, daß der Erfolg
im letzten Geſchäftsjahr ein ſehr günſtiger war, was in
der Bilanz und der Gewinn= und Verluſt=Rechnung zum
Ausdruck kommt. Es ſteht außer Zweifel, daß ſich die
Geſchäftsleitung in den 6 Jahren redlich bemühte — und
der Erfolg dürfte hierfür das beſte Zeugnis ablegen —,
für die Genoſſenſchaft das beſte zu tun, was mit den
ge=
gebenen Mitteln möglich war, aber in dem letzten
Ge=
ſchäftsjahre hat ſich gezeigt, was die im Jahre 1912
ge=
gründete Zentraleinkaufsgenoſſenſchaft für eine
wert=
volle Bedeutung für die ihr zugehörigen Mitglieder
be=
kommen ſollte. Hier zeigte ſich auf das deutlichſte daß
auch in Kreiſen der Handwerker ſich Männer finden, denen
kaufmänniſcher Geiſt und kaufmänniſche Begabung
inne=
wohnt, und die in der Lage ſind, für ihre Kollegen ſo zu
arbeiten, daß ſie alle an den Errungenſchaften, welche die
Neuzeit auch auf dieſem Gebiete bietet, teilnehmen können.
Als eine neue Erſcheinung in den Unkoſten wird der
Ge=
meindeſteuer Erwähnung getan, ferner, daß die mit der
Zugehörigkeit zur Detailhandelsberufsgenoſſenſchaft
ver=
bundenen ſozialen Pflichten die Genoſſenſchaft der
Ver=
ſicherung auf privatem Wege entheben, welche ſeither
nötig war, um beide Teile vor Schaden zu bewahren.
Ein weiteres Geldopfer brachte die Genoſſenſchaft auf
dem Gebiete der Jugenderziehung, indem ſie der Maler=
Fachklaſſe der Gewerbeſchule Farben und Malutenſilien
zum Selbſtkoſtenpreis abgab, und ſich dabei noch mit einem
Drittel in die Koſten mit der Weißbinder=Vereinigung
und der Gewerbeſchule teilte.
Es folgt eine Erläuterung über den Waren=Umſatz,
des hieraus erzielten Waren= und Reingewinnes, bei
deſſen Verteilung erwähnt ſei, daß wieder den
Reſerve=
fonds namhafte Beträge zugewieſen werden ſollen, ſo daß
dieſe mit dem neuen Geſchäftsjahre etwas über
fünf=
tauſend Mark aufweiſen. Die Geſchäftsanteile können
wieder mit 4 Prozent vergütet werden, und der
Durch=
ſchnittsprozentſatz auf Waren=Dividenden beträgt 7
Pro=
zent, was den früheren Jahren ebenfalls gleichkommt.
Hervorgehoben wird auch an dieſer Stelle, daß Mobiliac=,
Werkzeug= und Maſchinen=Konto Abſchreibungen von 20
und 25 Prozent erfahren haben, ſo daß auch hier das beſte
im Intereſſe der Genoſſenſchaft getan wurde. Der
Be=
richt ſchließt mit Dankesworten an die erſprießliche
Mit=
arbeit von Vorſtand und Aufſichtsrat, bei deren
Tätig=
keit ſtets eine volle Uebereinſtimmung feſtgeſtellt werden
konnte.
Die nun folgenden Punkte der Tagesordnung
wickel=
ten ſich in glatter Weiſe ab, von beſonderem Intereſſe war
noch der letzte Punkt: Bericht des Aufſichtsratsmitgliedes
Roth=Karlsruhe über die Erfolge der Maler=
Genoſſen=
ſchaften Deutſchlands, aus welchem hervorgeht, daß die
Gründung dieſer Genoſſenſchaften mit Ausnahme weniger
in die letzten 7 Jahre fällt, und daß ſie alle mit gutem
Er=
folg gearbeitet haben, welcher durch die Zentrale noch
be=
deutend gefördert wurde. Dieſer Bericht wurde noch
er=
gänzt durch einige Ausführungen des geſchäftsführenden
Vorſtandsmitgliedes Sahner=Mannheim über die
Prü=
fungen von Lacken, Farben und anderen Materialien, bei
denen ſich ergab, daß auch auf dieſem Gebiete Erfahrungen
gemacht wurden, die nicht nur den Genoſſenſchaften,
ſon=
dern auch dem Gewerbe in der Allgemeinheit zu gute
kommen.
Der Vorſitzende ſchloß hierauf die Verſammlung, nicht
ohne dem Vorſtand den Dank für ſeine erſprießliche und
aufopfernde Arbeit auszuſprechen, aber ganz beſonders
galt ſein Dank den beiden Kollegen Roth und Sahner für
ihre hochintereſſanten Berichte, die für alle Teilnehmer
von hohem Intereſſe und Nutzen waren.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urkeil vor.
* Profeſſor Arnold Mendelsſohn, deſſen
neueſte Schöpfung, den „137. Pſalm” wir in dem
mor=
gigen Konzert des Muſikvereins kennen lernen werden,
hatte kürzlich in ſeiner ſchleſiſchen Heimat, in Konzerten
in Liegnitz und Kattowitz, die unter ſeiner
Mit=
wirkung ſtattfanden, mit alten und neuen Kompoſitionen
ganz ungewöhnliche Erfolge zu verzeichnen. So ſchrieb
über ſeine „Drei Madrigale nach Worten aus
Goethes Leiden des jungen Werther für kleinen
Chor” (fünfſtimmig), die auch im Meiſterſchen
Geſangver=
ein in Kattowitz unter Guſtav von Lüpkers Leitung
ihre glänzende Uraufführung erfuhren, ein dortiges
Blatt: „Arnold Mendelsſohn, der in ſeinem „Paria” und
ſeiner „Pandora” bereits dargetan, daß er den kaſtaliſchen
Quell Goethes nicht vergeblich aufgeſucht, hat den
glück=
lichen Gedanken gehabt, einige Tagebuchſtellen aus den
„Leiden des jungen Werther” zu vertonen. Indem er die
fruchtbaren Momente wählte, wo Bild und Stimmung
in eins zuſammenfließen, hat er in drei kunſtvollen,
inter=
eſſanten Chorſätzen mit dramatiſchſer Lebendigkeit das
Schickſal des viel beweinten Jünglings dargeſtellt. Jeder
dieſer Tonſätze entnimmt Dispoſition, Steigerung und
Abgeſang in natürlicher, ungeſuchter Weiſe der poetiſchen
Vorlage. — Die tiefſte Wirkung erreicht der
Kom=
poniſt im zweiten Madrigal, wo der Gedanke: „Wie
die Geſtalt mich verfolgt” leitmotiviſch durchgeführt
auf einen Angelpunkt hinzielt, der durch die
gleich=
ſam monomaniſche Wiederholung derſelben Worte
harakteriſtiſche Bedeutung erhält! Das Leitmotiv wird
durch die ergreifende, eindringliche Darſtellung gleichſam
zum Schickſalsmotiv, und wir haben in treffender Kürze
den ganzen Werther vor uns in den Angelpunkten ſeines
erhängnisvollen Gefühls. Nur für das dritte Madrigal,
Werthers Vorleſung aus „Oſſian”: „Warum weckſt du
mich, Frühlingsduft” konnte der Komponiſt ein Vorbild
finden in Brahms Schöpfungen ähnlichen Stils. Es iſt
faſt homophon geſtaltet im Gegenſatz zur zentrifugalen
Polyphonie der anderen beiden und bewegt ſich in edlen,
einfach=ſchönen Klanglinien von zartem elegiſchen
Cha=
rakter. Die weiche Sprache führt ungeſucht plaſtiſche
Linien aus („Ringsum wird ſein Auge im Felde mich
ſuchen”). Wir rechnen dieſe drei Tonſätze zu den reifſten
und bleibenden Arnold Mendelsſohns, in denen
künſt=
leriſche Abſicht und Ausführung ſich völlig durchdrungen
haben.” — „Unerſchöpflich reich”, ſo äußerte ſich eine
Lieg=
titzer Zeitung, iſt Mendelsſohn als
Liederkompo=
niſt. Die immer neu quellenden Melodien, der im Ton
oft noch weit über das Wort hinaus verinnerlichte und
ergeiſtigte Inhalt des Textes fordern immer wieder zur
Bewunderung heraus. Dabei macht es keinen
Unter=
ſchied, ob er nur „Begleitung” zur Singſtimme ſchreibt
oder ob er dem Klavier eine umfaſſendere Aufgabe
zu=
veiſt. Da iſt wohl keine Note, die anders ſein könnte,
ohne daß die Feſtigkeit des ganzen Werkes Schaden
er=
litte. Erſtaunlich iſt auch, wie Mendelsſohn mit
ver=
hältnismäßig einfachen und ungeſuchten, natürlich ſich
gebenden Mitteln die charakteriſtiſchen Wirkungen zu
er=
zielen vermag. Lieder wie „Der Tanz unter der Linde‟
der in noch höherem Maße das unendlich tief
nachge=
fühlte „Nachtlied Zarathuſtras” werden für alle Zeit
Höhepunkte unſerer Liedliteratur bleiben.”
— Richard Wagner=Verein. Den nächſten
(223.) Vereinsabend, der am Freitag, 13. Februar
ſtatt=
finden ſoll, wird wieder ein Geigertalent erſten Ranges
beherrſchen: Adolf Buſch, der bei ſeinem erſten
Auf=
treten in einem Hofmuſik=Konzert vor zwei Jahren hier
inen ſo ſenſationellen Erfolg davontrug. Die Berliner
Signale für die muſikaliſche Welt ſchreiben über ihn:
„Auf dem Programm ſtanden das Violinkonzert von
Brahms, das von Max Reger und Variationen über ein
Thema von Fr. Schubert von Adolf Buſch. Da erwartete
man kaum, daß ein ganz jugendlicher Menſch auftreten
würde. Aber es erſchien ein Burſche von etwa 17
Jah=
en von ſo ſchmächtiger Figur, daß man gar nicht glauben
nochte, er würde mit dieſen zwei großen Konzerten fertig
verden. Indeſſen das Wunder geſchah. Er kam nicht
nur durch, ſondern zog alle Anweſenden mit ſich fort; ſie
folgten ihm wie einem Propheten. Adolf Buſch iſt einer
jener Frühreifen, die geboren ſind, um entweder große
Diener der Kunſt zu werden oder an ihrer unheimlichen
Begabung zugrunde zu gehen. Ihm wird die inhaltlich
Schriftſteller 10000 Francs für Dramatiker 10000 Francs;
für Solomuſiker, Maler und Bildhauer und für induſtrielle
Erfinder je 10000 Francs. Den Aerzten des Seine=
Depar=
tements wurden 10000 Francs überwieſen, den
Wohl=
tätigkeitsämtern des Seine=Departements und jener
Ge=
meinden, in deren Gebiet Krongüter lagen, 93000 Francs.
Layette erhielt 100000 Francs. Die Angehörigen des
per=
ſönlichen Dienſtes der Kaiſerin erhielten 11000 Francs
Gratifikationen. Die Volksvorſtellungen, die am 18. Auguſt
1856 ſtattfanden, erforderten 44000 Francs. 50000 Fres.
wurden den Vätern von Kindern gewährt, die am 16. Aug.
geboren waren. Für die Schriftſteller und Komponiſten,
die anläßlich der Geburt des Prinzen Gedichte, Lieder und
Kantaten geſchaffen hatten, ſowie für die Truppen und
die Schüler der Gymnaſien wurden Medaillen geprägt, die
insgeſamt 85000 Francs koſteten. Das Kaiſerpaar
über=
nahm die Patenſchaft bei allen Kindern, die am 16. Auguſt
geboren worden waren; die Eltern dieſer kaiſerlichen
Pa=
tenkinder erhielten ein Diplom, deſſen Herſtellung und
Druck wiederum 20000 Francs koſtete. Der Zug zum
Tauf=
feſte mit den beſonderen Aufwendungen, die der Marſtall
dabei machen mußte, erforderte 172000 Francs; die
Grati=
fikationen für alle Bedienſteten des kaiſerlichen Haushalts
160000 Francs. So ergibt ſich als Endſumme für die
Koſten der Taufe des Prinzen Lulu der hübſche Betrag
von 898000 Francs.
— Die ſtrumpfloſe Mode. Eine neue Pariſer Tollheit,
und um ſo exzentriſcher anmutend, als ſie ſich mitten im
Winter durchzuſetzen beſtrebt. Als Entſchuldigung wird
angeführt, daß dieſe Neuheit diesmal von Amerika kommt,
und in den kosmopolitiſchen Kreiſen des Etoilequartiers
wurde ſie in der Tat zuerſt lanziert. Aber mit den
amerika=
niſchen Moden iſt es ſo, daß ſie erſt dann wirklich
Heimats=
berechtigung in Paris erlangen, wenn ſie von einem der
Schneiderkönige der Rue de la Paix adoptiert werden, und
das iſt auch jetzt der Fall. Poiret und Drécoll haben ſich
beeilt, die aparte Narretei mit den Koſtümen in Einklang
zu bringen, die ſie für gewiſſe ſenſationelle Premieren
komponieren” und da für dieſe Novität auch die
Fuß=
bekleidungskünſtler und auch die Jnweliere in Betracht
kommen, kann man ſich nicht wundern, daß die Begeiſterung
dafür mit allen Mitteln geſchürt wird.
Schon bei der Premiere von „Tango” die in bezug
auf unſinnigſte Moden wohl das noch nie Dageweſene
brachte, konnte man wahrnehmen, daß die meiſten der als
Weltdamen ſich gebenden Tänzerinnen den etwas
zweifel=
haften Reiz der Schlitzröcke dadurch erhöhten, daß ſie ſich
— vom Strumpf emanzipierten. Auf der Bühne geht
der=
lei noch an, denn ſeit den Tagen der braven Miß Jſadora
Duncan iſt man ja in dieſer Hinſicht reichlich verwöhnt
worden. Aber Poiret hat ſpäter das ganze Heer der
Manne=
quins aufgeboten, um dieſe Mode auch beim Straßenkleid
in Schwung zu bringen, ganz abgeſehen davon, daß man
unter dem mondänen Publikum der Tee=Tangos ſehr viele
Damen der beſten Kreiſe ſehen konnte, die auf die Strümpfe
verzichteten. Es iſt fraglich, ob raffinierte Aeſtheten dieſe
Neuheit willkommen heißen werden, denn die ſpinnwebt
feinen Seidenſtrümpfe, die zudem in der letzten Zeit durch
wundervolle Goldſtickereien an Reiz gewannen, bleiben
immerhin viel ſuggeſtiver, als das unbekleidete Bein an
ſich.
Indeß: Auch der neuen bizarren Modelaune wird es
gewiß nicht an überzeugten und begeiſterten Anhängern
fehlen, denn ſie eröffnet Perſpektiven, die für manche
äſthe=
tiſchen Gemüter verlockend ſcheinen. Mit der
Strumpfloſig=
keit wird auch das Deſſous in Einklang gebracht, und eine
Art von Spitzenhöschen, die ſich knapp an die Knie
an=
ſchließen, betonen noch die Naturformen. Natürlich iſt dem
Schmuck des Schuhwerks beſondere Aufmerkſamkeit
zuge=
wandt und der vielfarbige Seidenhalbſchuh dominiert, mit
einer Bandſchnürung, die über dem Riſt von einer
Dia=
mantenagraffe zuſammengehalten wird, während um die
Fußknöchel eine juwelenbeſetzte Spange gelegt iſt, von der
ein Pendatif zu der Agraffe hinabreicht. Für die großen
Empfänge aber, wo das dekolletierte Kleid ohnehin faſt auf
ein Nichts zuſammenſchrumpft, ſchreibt Poiret nur ganz
ſchmale Kothurne vor, die den Fuß nur unter der Sohle
ſtützen, diamantengezierte hohe Abſätze haben und die Zehen
völlig frei laſſen, über die ſich, um die große Zehe
auf=
lugend, ein inkruſtierter Platinreifen ſchlingt. Da man bei
kalter Witterung in einem derartigen Aufzug ſelbſt in den
geheizten Autos ſich den Schnupfen holen würde, ſtellen ſich
auch die Kürſchner ein und fabrizieren knapp anliegende
und ſehr drollig anmutende Futterale aus verſchiedenfar=
bigen Pelzen, die man in der Garderobe abſtreift, gleich
den einſt im Gebrauch ſtehenden ominöſen Galoſchen. Auf
den verſchiedenen eleganten Bällen macht dieſe Mode
be=
reits Furore und dürfte noch die verſchiedenartigſten
Varianten erſinnen, da die großen Firmen einander auf
dieſem Gebiete übertreffen wollen. Etwas Neues iſt aber
die Sache im Grunde genommen dennoch nicht, denn in der
Geſchichte werden wir belehrt, daß die ſchöne Madame
Tallien, die während des Directoire als Königin von Paris
gefeiert wurde, auf einem Balle in einer Robe erſchien, die
außer dem Hemd nur eine „Ahnung” von einer Tunika
aufwies, die aber an den Seiten bis über das Knie geſchlitzt
war, während die nackten Beine mit Perlenſchnüren
um=
wunden waren und ſeidene Sandalen die Füße ſchmückten.
Franz Farga.
C Zwei Millionen für ein gebrochenes Herz. Eine
halbe Million Dollar, mehr als zwei Millionen Mark,
for=
dert Miß Monica Borden vor den Neu=Yorker Gerichten
von dem braſilianiſchen Millionär Octavio Guinle wegen
gebrochenen Eheverſprechens. Der Braſilianer, deſſen
Reichtum auf Hunderte von Millionen geſchätzt wird —
freilich von Miß Borden —, war im Begriffe, an Bord
der „Olympic” nach Europa zu entweichen, als er im
letz=
ten Augenblick noch verhaftet werden konnte, um ſpäter
gegen eine Kaution von 200000 Mark, die in bar bezahlt
wurde, einſtweilen auf freien Fuß geſetzt zu werden. Miß
Borden lernte den braſilianiſchen Kröſus im Mai vorigen
Jahres kennen und gab auf ſein Drängen ſchließlich ihr
Jawort zur Heirat. Zärtliche Briefe beſtätigen die
Ver=
lobung, und mit Küſſen warf Mr. Guinle in ſeinen Briefen
nur millionenweiſe um ſich. „Ich weiß nicht, was ich ohne
Dich beginnen ſoll; ſeitdem Du fort biſt, weine ich ohne
Unterlaß in der Einſamkeit und habe keine Seele, die mich
tröſtet. Du biſt die einzige Frau, die ich je liebte und
lie=
ben kann. Alles will ich tun, wenn Du zu mir kommen
willſt, Du meine Liebe, Du meine Seele, Du mein Leben.
Ich bete Dich an. Millionen und Abermillionen von
Küſ=
ſen.‟ Nun wendet ſich Miß Borden an die Gerichte mit
der Bitte, dieſe Millionen Küſſe des braſilianiſchen
Multi=
millionärs in Dollars und Cents umzurechnen; ſie ſchätzt
ihren Wert auf zwei Millionen Mark.
ſchwere Muſik gehören, für die er ſchon jetzt das ganze
Rüſtzeug beſitzt: einen außerordentlich kräftigen, vieler
Ab=
ſtufungen fähigen Ton voll Reiz und herber Schönheit,
ſowie eine abſolut ſichere Technik, die auch im
polyphoni=
ſchen Spiel nicht unrein wird. Noch wunderbarer aber
iſt ſeine ganze ſelbſtändige Geſtaltungsfähigkeit, die mit
großen Zügen bei zweifelloſer Klarheit des Details das
Brahmskonzert vor den Zuhörer hinzuſtellen imſtande
iſt, die dem ſchwerfälligen, labyrinthiſch angelegten erſten
Satze des Regerſchen Koloſſes ſo viel Phyſiognomie geben
kann, daß man die Luſt zum Zuhören nicht verliert.”
* Das Chorperſonal des Großh.
Hof=
theaters veranſtaltet zugunſten der Penſions= und
Sterbekaſſe am 7. März im Saale der Turngemeinde ein
größeres Konzert. Die Leitung des Konzerts liegt in den
Händen des Herrn Hoſchordirektors R. Preuß.
Ch. Egelsbach, 6. Febr. (Unfall.) Der hieſige
Einwohner Elle war im nahen Buchſchlag mit dem
Aus=
ſchneiden von Obſtbäumen beſchäftigt. Aus geringer Höhe
ſtürzte er ab und verletzte ſich ſchwer. Er wurde in das
Kreiskrankenhaus zu Langen verbracht, wo er bald ſeinen
Verletzungen erlegen iſt.
Offenbach, 7. Febr. (Vom hieſigen
Krema=
torium.) In der Offenbacher
Feuerbeſtat=
tungsanſtalt ſind ſeit ihrer Inbetriebnahme im
Dezember 1899 bis Ende 1913 2518 Leichen verbrannt
wor=
den und zwar 573 aus Offenbach und 1945 von auswärts
Im Jahre 1913 betrug die Zahl der Feuerbeſtattungen 234
(wovon 78 aus Offenbach) gegen 330 im Jahre 1912. Der
Rückgang der Verbrennungsziffern iſt auf die Zulaſſung
der Feuerbeſtattung in Preußen und Bayern, insbeſondere
aber auf Errichtung einer Feuerbeſtattungsanſtalt im
be=
nachbarten Frankfurt a. M., zurückzuführen. — (
Selbſt=
mord.) Im Unterſuchungsgefängnis hat geſtern abend
ein Unterſuchungsgefangener namens Hoppe ſeinem Leben
durch Erhängen ein Ende gemacht.
Mühlheim a. M., 7. Febr. (Umfangreiche
Un=
terſchlagungen) verübte der Handlungsgehilfe
Hein=
rich Roth der mehrere Jahre in dem Drogengeſchäft von
Heinrich Köhler beſchäftigt war. Nach Angabe des Köhler
hat er dort im Verlauf von fünf Jahren nach und nach den
Betrag von 3500 Mk. veruntreut. Roth gibt zu, etwa 2000
Mark von einkaſſierten Kundengeldern für ſich verwendet
zu haben, da er ſich für die nicht gezahlte Proviſion
ſchad=
los halten wollte. Das Offenbacher Schöffengericht
ver=
urteilte ihn zu ſechs Monaten Gefängnis.
Worms, 7. Febr. (Milchpantſcherei.) Bei 2er
in den letzten Tagen von der Polizei vorgenommenen
Prü=
fung der zum Verkauf hier eingebrachten Milch mußten
verſchielene Kannen wegen ihres wäſſerigen Inhaltes
beanſtandet werden. Die Milch war aus Kettenheim hier
her geliefert. Durch die weiteren eingehenden
Unterſuchun=
gen durch das Chemiſche Unterſuchungsamt wurde
feſt=
geſtellt, daß die Verkaufsmilch an drei verſchiedenen Tagen
durch Zuſatz von Waſſer in Mengen bis zu 35
Prozent verfälſcht worden war. Aus dem Befund der
gewäſſerten Milch mußte außerdem geſchloſſen werden,
daß ſehr ſchlechtes Waſſer zu den Fälſchungen benützt
worden war. Es wurden deshalb auch Waſſerproben aus
Brunnen des Gehöftes, aus dem die Milch bezogen wurde,
unterſucht, wobei feſtgeſtellt wurde, daß das Waſſer außer
ſonſtigen ſchädlichen Stoffen auch
Fäulnis=
produkte enthält, und daß eine mit ſolchem Waſſer
ver=
ſetzte Milch geſundheitsſchädlich erſcheint. Strafverfahren
iſt eingeleitet. Solche bodenloſe Gemeinheit kann nicht hart
genug beſtraft werden!
Bingen, 7. Febr. (Schiffsunfall.) Infolge des
Nebels ereignete ſich bei Bingen ein ſchweres
Schiffs=
unglück. Als der Schleppdampfer „Niederrhein 2” auf der
Bergfahrt mit den anhängenden Kähnen das Binger Loch
paſſiert und bereits in der Nähe des ſogenannten Fittel=
Felſens gekommen war, geriet der Dampfer aus der
Fahrt=
richtung. Hierbei kam der Dampfer dem Grunde zu
nahe und fuhr aus demſelben feſt. Der Kahn „Homberg
Nr. 1‟ konnte etwa 200 Meter oberhalb des Mäuſeturms
gelandet werden. Der zweite Anhängekahn „Sophie‟
rannte ebenfalls auf und legte ſich quer vor den
Mäuſeturm. Der Kahn „Homberg” muß, ehe er aus
ſeiner ſehr gefährlichen Lage freigeturnt werden kann, ge
leichtert werden. Auch der vor dem Mäuſeturm liegende
Kahn muß geleichtert werden. Ehe der Kahn Sophie‟
abgeſchleppt iſt, können die Schiffe nicht durch das neue
Fahrwaſſer fahren. Die Schiffahrt durch das Binger Loch
wird daher ſehr verzögert.
* Gießen, 7. Febr. (Unglücksfall.) In dem
Dampfſägewerk von Krömmelbein in Lauterbach fand
geſtern nachmittag der Arbeiter Martin einen eigenartigen
Tod. Er fiel in einen trichterförmigen Kaſten.
Sägemehl angefüllt war und wurde durch das nach=
rutſchende Sägemehl verſchüttet. Ehe Hilfe zur Stelle
war, erſtickte der Mann.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 6. Febr. Das Beileid
des Kaiſerpaares beim Tode von Eliſabeth
Wentzel=Heckmann. Der bekannte Berliner
Kunſt=
hiſtoriker Profeſſor Dr. Friedrich Sarre, ein Neffe der
Ver=
ſtorbenen, erhielt folgendes Kondolenztelegramm: „Seine
Majeſtät der Kaiſer und König haben die Meldung von dem
Hinſcheiden Ihrer Frau Tante, der Frau Baurat Wentzel=
Heckmann, mit lebhaftem Bedauern entgegengenommen
und laſſen den Hinterbliebenen Allerhöchſt ihr wärmſtes
Beileid ausſprechen. Seine Majeſtät gedenken gern der
hervorragenden Verdienſte der Entſchlafenen, die ſich eine
Freude daraus gemacht hat, die mannigfachſten
gemein=
nützigen Beſtrebungen auf humanitärem und
wiſſenſchaft=
ichem Gebiete mit lebhaftem Intereſſe und hochherziger
Munifizenz zu fördern, und die beſonders auch die unter
Allerhöchſt ihrem Protektorate ſtehende Kaiſer=Wilhelm=
Geſellſchaft zur Förderung der Wiſſenſchaften in
dankens=
werter Weiſe unterſtützt hat. Auf Allerhöchſten Befehl der
Geheime Kabinettsrat von Valentini.” — Im Auftrage
der Kaiſerin erhielt der Königliche Baurat Georg
Heck=
nann folgendes Beileidstelegramm: „Ihre Majeſtät die
Kaiſerin läßt Ihnen und Ihren Verwandten Allerhöchſt
ihre herzliche Teilnahme bei dem Hinſcheiden Ihrer
ver=
ehrten Frau Tante ausſprechen. Die hohen Verdienſte,
welche ſich die Entſchlafene auf weiten Gebieten, beſonders
auch in der Wohltätigkeit, während ihres langen Lebens
erworben, der Segen, den ſie damit geſtiftet hat, ſichert ihr
für immer bleibenden Dank und ehrendes Gedächtnis.
Freiherr von Mirbach, Oberhofmeiſter.” — In den
Keller=
äumen eines langgeſtreckten Gebäudes in der
Mühlen=
ſtraße, in welchem eine Pappenfabrik große Pappenlager
untergebracht hat, brach geſtern ein großer Brand
aus. Die brennenden Kellerräume mußten vollſtändig
unter Waſſer geſetzt werden. Die Lage wurde beſonders
dadurch gefährlich, daß die in den Kellerwänden und
Dek=
ken eingebauten Eiſenkonſtruktionen glühend heiß wurden
und ſich in bedenklicher Weiſe bogen. Alle Bewohner aus
den oberen Stockwerken mußten abgerufen werden, da
Ein=
ſturzgefahr beſtand. Erſt nach ſtundenlangem Mühen
ge=
lang es der Feuerwehr, die Gewalt des Feuers zu brechen.
— In Neukölln ſcheuten die noch jungen Pferde
eines Brotwagens vor einem vorüberfahrenden
Auto=
mobil und drängten nach einem ſehr begangenen Bürgerſteig.
Die Gefahr erkennend, warf ſich der Schutzmann Guſe den
Pferden entgegen. Er wurde eine Strecke weit mitgeſchleift;
es gelang ihm aber mit Aufbietung aller Kraft, das
Ge=
ſpann aufzuhalten und zum Stehen zu bringen. Der
Schutzmann trug mehrere Quetſchungen davon. Bei den
zahlreichen Augenzeugen fand ſein mutiges Verhalten
leb=
haften Beifall.
7. Febr. Der Kaiſer beſtätigte die Wahl
des Miniſterial=Oberbaudirektors, Wirkl. Geh. Rats
Hinckeldeyn zum Präſidenten der Akademie des
Bau=
weſens und zum Dirigenten der Abteilung für Hochbau
ſowie die des Miniſterial=Oberbaudirektors a. D. Wirkl.
Geh. Rats Schroeder zum Dirigenten der Abteilung für
Ingenieur= und Maſchinenweſen an der Akademie.
Der neue Etat der Stadt Berlin balanziert in
Einnahmen und Ausgaben mit rund 410 Millionen
Mark. Er hat innerhalb vier Jahren um rund 100
Millio=
nen Mark zugenommen. — Nach einer Mitteilung des
Vorſitzenden der Einkommenſteuerveranlagungskommiſſion
für Berlin, Oberregierungsrats Fromme iſt die
Mel=
dung daß die Dezernenten der
Steuerveranlagungs=
kommiſſion nach einer oberflächlichen Berechnung der
bis=
her eingegangenen Einſchätzungen zur Wehrſteuer
einen Mehreingang von vier Millionen
Steuer zur Staatseinkommenſteuer zu
er=
wakten glauben, unzuſtreffend. Wegen der
Befriſtung der maßgebendſten Erklärungen iſt eine
ober=
flächliche Berechnung völlig ausgeſchloſſen, und es wurde
eine ſolche auch gar nicht vorgenommen. — In einem
Hausflur in der Wittenſtraße verſetzte heute morgen ein
Unbekannter dem Kaſſierer Meyer einen wuchtigen
Hieb auf die Stirne ſo daß dieſer bewußtlos
zuſammenbrach. Der Räuber entkam mit der
Leder=
taſche des Kaſſierers, die 1200 Mark Bargeld und
über 1000 Quittungen enthielt.
Höchſt a. M., 7. Febr. (Vom Schnellzug
über=
fahren und getötet) wurde geſtern nachmittag der
Bahnarbeiter Franz Vogel. Der Mann war auf dem
hieſigen Bahnhof mit Gleisarbeiten beſchäftigt und hatte
infolge des undurchſichtigen Nebels den Schnellzug nicht
bemerkt. Er wurde von der Maſchine erfaßt und ſo ſchwer
verletzt, daß der Tod eintrat. Vogel iſt 32 Jahre alt und
erſt ſeit kurzem verheiratet.
Hochheim, 7. Febr. (Starke Eisdecke.) Heute
morgen ſind vier Batterien des 63. Feldartillerie=Regiments
mit Haubitzen bei Hochheim über das Eis des Mains
ge=
fahren.
Heidelberg, 7. Febr. (Verſchüttet.) In einem
bei Nußloch gelegenen Steinbruch der Zementwerke
Lei=
nen wurde geſtern nachmittag der Arbeiter Ad. Wietek
aus Nußloch, verheiratet und Vater von zwei Kindern,
durch niedergehende Geſteinsmaſſen verſchüttet. Der Tod
trat bald nach ſeiner Befreiung aus den Trümmern ein.
Ludwigshafen, 7. Febr. (Unfall.) Geſtern
nach=
mittag verunglückte der Tagner P. Scholl, als er damit
beſchäftigt war, ein neues Pferd einzufahren. Das Pferd
ging durch und Scholl wurde zu Boden geworfen und von
dem Fuhrwerk überfahren. Der ſofort hinzugerufene
Arzt=
konnte nur den inzwiſchen eingetretenen Tod feſtſtellen.
Scholl iſt verheiratet und Vater von ſechs Kindern.
Saarbrücken, 7) Febr. (Selbſtmordverſuch.)
Bei der Ausfahrt des Perſonenzuges 295 in Kilometer 11,1
auf der Strecke Saarbrücken-St. Ingbert brachte ſich um
10 Uhr abends der Muſiker Ludwig Jung aus Landſtuhl
(Pfalz), wohnhaft in Saarbrücken, in einem Wagen
zwei=
ter Klaſſe eine Schußverletzung in die rechte Schläfe bei.
Der Zug wurde durch Ziehen der Notbremſe durch einen
Mitreiſenden zum Halten gebracht und nach dem
Haupt=
bahnhof zurückgeführt. Der Verletzte wurde ins
Kranken=
haus gebracht.
Saarbrücken, 7. Febr. (Aus der Haft entlaſſen)
wurden geſtern nachmittag die des Mordes an dem
Hilfs=
lehrer Hauck aus Sanddorf (Pfalz) verdächtig geweſenen
Glasarbeiter Dahmann und Lampel aus St. Ingbert. Die
rätſelhafte Angelegenheit iſt noch keineswegs geklärt, da
das Fehlen eines Revolvers gegen einen Selbſtmord
ſpricht.
Hannover, 7. Febr. (Mord.) Der 21jährige Student
der Rechte Schulz, gebürtig aus Frankfurt a. d. Oder,
entführte vor einigen Tagen die ledige 17 Jahre alte
Gertrud Abel aus Göttingen, wo er bislang ſtudierte. Das
Paar nächtigte in Hannover in verſchiedenen Hotels, trieb
ſich aber in den beiden letzten Nächten ohne Logis in Cafés
und Reſtaurants umher. In letzter Nacht tötete der
Stu=
dent ſeine Geliebte durch einen Schuß in das Herz. Dann
aber fehlte ihm der Mut, ſich, wie es verabredet war, ſelbſt
zu töten. Er wurde heute morgen feſtgenommen.
Magdeburg, 7. Febr. (Feuer.) In dem
Feuerwerks=
körper= und Papierwarengeſchäft von Richter kam geſtern
abend ein gewaltiges Feuer aus, das die Bewohner des
Hauſes deshalb in Gefahr brachte, weil das Feuer in das
Lager der Feuerwerkskörper überſprang. Letzteres wurde
durch Exploſionen vollſtändig zerſtört.
Kremmen, 7. Febr. (Familiendrama.) In dem
Dorfe Staffelde, ſüdlich von Kremmen, an der Chauſſee
nach Nauen gelegen, hat geſtern am ſpäten Abend der
Kaufmann Engel ſeine Frau undeine 13jährige
Tochter durch Meſſerſtiche getötet, ſeinen 15
Jahre alten Sohn in gleicher Weiſe ſchwer verletzt und ſich
dann ſelbſt erhängt. Der ſchwer verletzte Sohn wurde ins
Krankenhaus gebracht. Man nimmt an, daß Engel die
Tat in religiöſem Wahnſinn begangen hat.
Wien, 7. Febr. (Spion.) Die Polizei verhaftete
heute den aktiven ſerbiſchen Offizier Bantich, der unter der
Maske eines Arbeiters in die Dienſte der Danubius=Werke
getreten war, um Fabrikgeheimniſſe auszuſpionieren.
Mailand, 7. Febr. (Keſſel=Exploſion.) In
einer Färberei in Agiate explodierte geſtern ein Keſſel,
der zur Heizung des Trockenraumes diente. Die Exploſion
war ſo heftig, daß das ganze Fabrikgebäude einſtürzte.
Zwei Arbeiter wurden getötet und 20 mehr oder weniger
ſchwer verletzt.
Paris, 7. Febr. (Muſeumsdiebe.) Die hieſige
Polizei verhaftete den Kunſttiſchler Otto, die Holzſchnitzer
Grain und Girome, ſowie den Zeichner Cottercou wegen
verſchiedener Diebſtähle, die ſie in den Staatsmuſeen von
Marſeille und Compisgne, ſowie in dem Bagatellemuſeum
im Boulogner Wäldchen verübt haben.
Madrid, 7. Febr. (Streik.) Der Verband der
See=
leute der Provinz Biscaya teilte dem Gouverneur mit, daß
ie Mitglieder des Verbandes am 14. d. M. in den Streik
eintreten und die Kapitäne, Lotſen und Matroſen der in
Bilbao eingetroffenen Handelsſchiffe in den Häfen, welche
ſie an dem genannten Tage anlaufen werden, ihre Poſten
verlaſſen werden. Durch dieſen Streik werden 18
Schiff=
fahrtsgeſellſchaften und 89 Schiffe betroffen. Die Vertreter
der Ausſtändigen werden ſich auch nach Bordeaux,
Rotter=
dam, Newcaſtle und Cadix wenden, um den Erfolg der
Streikbewegung zu ſichern.
London, 7. Febr. (Suffragettenſtreiche.) In
der Nähe von Tomatin (Grafſchaft Inverneß) iſt ein
Von der Ausſtellung Darmſtadt 1914.
Die Etagenhäuſer Prof. Albin Müllers.
Das tragende Moment der Ausſtellung Darmſtadt 1914
werden bekanntlich die von Profeſſor Albin Müller=
Darmſtadt errichteten Gebäude hinter dem ſtädtiſchen
Aus=
ſtellungsraum bilden, die einen ganzen Straßenzug am
Olbrichweg umfaſſen und ſowohl in ſtädte= und
ſtraßen=
baukünſtleriſcher Beziehung, wie auch in rein
wohnkünſt=
leriſcher, ein ſehr bedeutſames Stück moderner Bau= und
Wohnkultur verkörpern. Es wird hier zum erſten Male
in großzügiger Weiſe der Nachweis erbracht, daß die
mo=
derne Bau= und Wohnkunſt auch dem deutſchen Miethaus
einen durchaus künſtleriſchen Charakter verleihen, es in
jeder Beziehung ſo zu geſtalten und auszuſtatten vermag,
daß es dem Wohnenden in weiteſtgehendem Maße den
Beſitz eines Eigenhauſes erſetzt, ohne ihm die
Verantwort=
lichkeit, die Mühen und Laſten, die der Hausbeſitz mit ſich
bringt, aufzuerlegen.
Von der ſtraßenbaulichen Bedeutung der neuen
An=
lagen, die der Mathildenhöhe weit über die Grenzen
Heſſens hinaus erneut eine künſtleriſch=kulturelle
Bedeu=
tung verleihen, iſt an dieſer Stelle bereits eingehend
ge=
ſprochen worden. Nunmehr gehen die Häuſerbauten mit
Rieſenſchritten ihrer Vollendung entgegen und ſind zum
Teil ſchon in Benutzung genommen, laſſen alſo jetzt ſchon
ein Urteil über die praktiſche Verwendbarkeit der neuen
Wohnideen zu, die in ihnen verkörpert ſind. Der Architekt
war hier vor eine Aufgabe geſtellt, die gleich
bedeutungs=
voll, wie ſchwierig, einem denkenden Künſtler aber von
außerordentlichem Intereſſe ſein mußte. Es galt, die ſehr
bedeutenden Unebenheiten des Baugeländes zu
überwin=
den, bei den Bauten ſelbſt war darauf Bedacht zu nehmen,
daß ſie eine in ſich geſchloſſene einheitliche Architektur
er=
hielten, die dem ganz auf Kunſt geſtimmten Charakter der
Mathildenhöhe entſpricht, und dabei doch jedem Hauſe die
unbedingt notwendige Selbſtändigkeit in räumlicher und
architektoniſcher Beziehung zu wahren. Schließlich aber
und in erſter Linie, erſtand dem Baukünſtler die
unerläß=
liche Pflicht, die herrſchende Architektur der
Mathilden=
höhe, wie ſie in den Olbrichſchen Ausſtellungsbauten ſich
offenbart, zu berückſichtigen, ſie in keiner Weiſe zu
beein=
trächtigen. Es hat nicht an Stimmen gefehlt, die es
über=
haupt nicht für zuläſſig erachteten, auf der Mathildenhöhe
die geſchloſſene Bauweiſe neben den Villenbauten zu
ge=
ſtatten. Die moderne Forderung der Baukunſt unſerer
Zeit geht aber dahin, nachdem Jahrzehnte lang das
Eigen=
haus in allen möglichen Variationen künſtleriſch und
kul=
turell propagiert und faſt ausſchließlich auf den immer
wiederkehrenden Ausſtellungen gezeigt worden iſt, und in
der Erkenntnis der Tatſache, daß doch niemals der
Miet=
bau ganz zu entbehren ſein wird, nun auch einmal dieſen
in einer Form und Aufmachung zu zeigen, die den
Forde=
rungen der Zeit gerecht wird. Es war darum durchaus
zu begrüßen, daß man in Darmſtadt zuerſt den Gedanken
aufgriff und in die Tat umſetzte. Das Reſultat wird die
Ausſtellung Darmſtadt 1914 der Welt unterbreiten.
Profeſſor Albin Müller hat ſeine große und ſchöne
Aufgabe, ihren Schwierigkeiten und ihrer Bedeutung
ent=
ſprechend, in einer Weiſe gelöſt, die die Beachtung der
ganzen Welt der Baukunſt finden wird. Er hat mit ſeinen
großzügigen Bauten Ausſtellungshaus und Hochzeitsturm
nicht erdrückt, nicht beeinträchtigt, und dabei doch Häuſer
von großer monumentaler Wucht erſtellt, die allerdings
in der Architektur und deren Details aufgelöſt, zu
har=
moniſcher, intim künſtleriſcher Wirkung gebracht wird. Man
kann von verſchiedenen Geſichtspunkten ſogar feſtſtellen,
daß die Bauten, ſowohl dem Hochzeitsturm wie auch dem
Ausſtellungshauſe erſt ein ihre Größe und
Monumen=
talität betonendes Relief geben. Blickt man zum Beiſpiel
von der Ruſſiſchen Kapelle aus nach links, ſo kann man
feſtſtellen, daß die höchſte Kante der Eckhäuſer gerade den
Sockel des Hochzeitsturmes erreicht! Aehnlich iſt die
Per=
ſpektive von anderen Stellungen aus.
Wenn man die Häuſer, die in ihrer Architektur eine ſo
große Fülle unendlich reizvoller Einzelheiten zeigen,
be=
tritt, iſt der erſte Eindruck der einer durchaus ſelbſtverſtänd
lich wirkenden Grundrißlöſung, die vermuten läßt, als
ſei dieſe allein beſtimmend geweſen für den Bau, als hät=
ten für dieſen keine Forderungen, als die der
Raumbeſchaf=
ſung beſtanden. Das Gegenteil iſt der Fall, wenn nur die
Außenarchitektur in Betracht gezogen wird, und erſt dem
tiefer Dringenden wird offenbar, daß gerade dieſe
Selbſt=
verſtändlichkeit, innen wie außen, die Größe dieſer
bau=
künſtleriſchen Leiſtung bedeutet, daß der Architekt es in
ſeltenem Maße verſtanden hat, Außenarchitektur und
Grundriß, Kunſt und Zweckmäßigkeit zu inniger Harmonie,
zu einem Ausdruck wahrer Kultur zu einen. Daß der
Künſtler bei alledem ſeinem Werke den unleugbaren
Stempel ſeiner künſtleriſchen Eigenart aufgedrückt, iſt
einer=
ſeits ſelbſtverſtändlich, zum anderen aber der Beweis einer
bedeutenden ſchöpferiſchen Kraft. Wie ſelten, ſo hat man
hier den Eindruck des Durchdachten, des in allen
Einzel=
heiten von dem Schöpfer ſelbſt zunächſt Gefühlten und
dann zielbewußt Gewollten; fühlt man, daß der Künſtler
ein Sinnender, der immer beſtrebt iſt, mehr zu geben, als
nur ein Stück beſtellter Arbeit, der der kulturellen
Bedeu=
tung ſeines Schaffens ſich bewußt. Bis in die kleinſten,
ſcheinbar unwichtigſten Details, bis zum Tapeten= und
Teppichmuſter, bis zum Gartenzaun und Türgriff, iſt alles
an dieſen Häuſern geiſtiges Eigentum des Erbauers. Das
könnte unnötig, könnte als Spielerei erſcheinen, aber es
gehört zum künſtleriſchen Geſamtausdruck ſeines Wollens
und aus dieſem heraus wird es verſtändlich. Es
garan=
tiert die notwendige harmoniſche Einheit. Wie wäre dies
erreicht worden, wenn der Architekt nicht alles nach ſeinen
künſtleriſchen Geſichtspunkten dem Großen Ganzen
unter=
geordnet hätte.
So gediegen, fein und bei allem faſt doch nicht ohne
maleriſchen Eindruck die Architektur iſt, ſo ganz auf Anmut
und Wohncharakter ſind die Räume innen geſtimmt und
dabei in ſeltenem Maße von einer praktiſchen
Brauchbar=
keit, die in jeder Beziehung als muſterhaft und vorbildlich
bezeichnet werden muß. Es würde natürlich viel zu weit
führen, wollte man von allen Häuſern hier eingehende
Be=
ſchreibungen geben, die zudem doch nur einen
mangel=
haften Eindruck der Wirklichkeit vermitteln könnten. Aber
einigen der Häuſer wollen wir einen Beſuch abſtatten, dem
größten und dem vornehmſten, einem kleineren und dem
Ateliergebäude.
M. St.
großes unbewohntes Landhaus verbrannt. Die
Suffra=
getten ſtehen mit dem Brande in Verbindung.
Neu=York, 7. Febr. (Caſtillos Untat.) Nach
weiteren Depeſchen aus Juarez iſt der Tunnel, den der
Räuber Caſtilld in Brand geſteckt hat, nicht der Drake=
Tunnel, ſondern der Cumbra=Tunnel bei Caſas Grande.
Ein Zug, der am Mittwoch früh Juarez verließ und in den
brennenden Tunnel einfuhr, iſt ein verkohltes Wrack am
Ausgang des Tunnels. Sieben Eiſenbahnbeamten ſollen
umgekommen ſein. Die Brandſtiftung war vermutlich ein
Racheakt Caſtillos für die Hinrichtung von 22 Leuten ſeiner
Bande. General Villa hat die Befehlshaber der
Konſti=
tutionaliſten angewieſen, in dem Bezirk von Caſas Grande
jeden zu erſchießen der für ſeine Anweſenheit dortſelbſt
keinen genügenden Grund angeben könne.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 7. Febr. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 12 Uhr 17 Minuten. Auf der
Tagesordnung ſteht zunächſt die Fortſetzung der
Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern.
14. Tag.:
Die Beratung beginnt mit dem Kapitel „
Ausfüh=
rung des Kaligeſetzes” — Die Kommiſſion (
Be=
richterſtatter Abg, v. Gräfe=Güſtrow) hat ſich bei der
Beratung des Kapitels größere Beſchränkung auferlegt,
da demnächſt eine Novelle zum Kaligeſetz vorgelegt
wer=
den ſoll. Im beſonderen hat die Kommiſſion folgende
Aenderungen an der Vorlage angenommen: Der
Reichs=
zuſchuß für Propagandazwecke im Inland ſoll um
200000 Mark auf 2 Millionen Mark erhöht werden und
zwar zur Förderung des feldmäßigen Gemüſebaues. Der
Zuſchuß für Propaganda im Ausland ſoll um 900000
Mark und die Koſten für Verſuche und Analyſen um
500000 Mark erhöht werden. Ferner hatte die
Kom=
miſſion einen neuen Titel eingeführt, an das Kaliſyndikat
für Propagandazwecke in San Franzisko 500000 Mark
zu bewilligen. Da dieſe Forderung infolge der
Nichtbe=
teilung Deutſchlands an der Weltausſtellung in San
Fran=
zisko hinfällig wird, ſo beantragten die Abgg. v. Gräfe=
Güſtrow (könſ.), Erzberger (Zentr.) und Dr.
Bär=
winkel (natlib.), dieſen neuen Titel zu ſtreichen und die
Summe von 500000 Mark mit zu verwenden für
Propa=
gandazwecke im Ausland, ſo daß dieſer Titel um 1 400000
Mark erhöht werden ſoll.
Abg. Sachſe (Soz.): Wir bedauern, daß die
Ein=
bringung des neuen Kaligeſetzes ſo lange auf ſich warten
läßt. Wir wiſſen aber, daß das Kaliſyndikat mit aller
Macht gegen eine derartige Novelle arbeitet. Die Zahl
der Kaliwerke wächſt von Tag zu Tag. Ende dieſes
Jah=
res werden 200 Werke Kali fördern. Nun ſind auch in
Baden Kalifunde gemacht worden, und Baden hat den
berechtigten Wunſch, dieſe Beſtände abzutäufen.
Zwei=
fellos beſteht aber andererſeits eine Ueberproduktion an
Kaliz=und eine Stillegung der Zechen iſt notwendig. Dann
müſſen aber die Gemeinden und Arbeiter entſchädigt
wer=
den, damit letztere nicht brotlos werden. Dies befürchtet
das Syndikat und will die Novelle hintertreiben. Wenn
man Arbeitern, wie es geſchehen iſt, Arbeit in den
elſäſſi=
ſchen Werken als Erſatz nachweiſen will, ſo iſt das ein
Hohn auf Arbeiterverſorgung. Das Geſetz wird auch
viel=
fach umgangen, ſo von den Werken in Anhalt, an deren
Spitze der Herzog, alſo ein Bundesfürſt, ſteht. Dieſe
Machinationen ſind nichts weiter als Betrug. (Präſident
Dr. Kaempf ruft den Redner zur Ordnung.) Sachſe
(fortfahrend): Die Regierung iſt verpflichtet, für korrekte
Ausführung des Kaligeſetzes zu ſorgen. Jetzt wäre es
noch Zeit, die Kaliproduktion zu verſtaatlichen, dazu iſt
allerdings auch ein Reichsberggeſetz nötig. Vor allen
Dingen müſſen unabhängige Sicherheitsmänner geſchaffen
werden: Die Ueberſchüſſe aus dem Kalibau ſollte man
mehr als bisher für den Arbeiterſchutz verwenden. Die
großen Summen, die dem Kaliſyndikat für
Propaganda=
zwecke zur Verfügung geſtellt werden, können leicht zu
Mißbräuchen führen. Die Regierung ſollte eine genaue
Unterſuchung über die Verteilung und Benutzung der dem
Syndikat gegebenen Mittel anſtellen. Seitens der
Berg=
werksherren wird ihre Gewalt beim Anlegen und
Ab=
legen der Arbeiter häufig gemißbraucht. Die Regierung
ſollte auch hier nach dem Rechten ſehen.
Unterſtaatsſekretär Dr. Richter: Der Vorredner hat
einer Bundesregierung den Vorwurf des Betruges
ge=
macht. Der Präſident iſt bereits dagegen eingeſchritten,
und damit iſt die Sache erledigt. In ſachlicher Beziehung
habe ich auf die Vorwürfe, die der Vorredner gegen die
anhaltiſche Regierung erhoben hat, zu erklären, daß
ſo=
wohl dieſe wie auch andere Regierungen auf Grund des
§ 12 des Kaligeſetzes ſich für berechtigt gehalten haben,
derartige Verträge abzuſchließen. Man kann alſo nur
dem Geſetz den Vorwurf machen, daß ſein Wortlaut zu
einer derartigen Deutung Anlaß gegeben hat. Die
An=
griffe gegen das anhaltiſche Werk waren unberechtigt. Die
Karenzzeit läßt ſich nicht anders innehalten, als es hier
geſchehen iſt. Daß die Geſetzesnovelle noch nicht
vorge=
legt werden konnte, bedauere auch ich. Die
Schwierig=
keiten im Bundesrat waren aber erheblich. Die
Still=
legungsaktion des Kaliſyndikats hat auf den Zeitpunkt
der Vorlegung der Novelle keinen Einfluß gehabt. Die
Frage der Verſtaatlichung iſt heute nicht zu erörtern.
Daß=
zur Verſtaatlichung des Kalibergbaues jetzt der geeignete
Moment wäre, kann ich nicht anerkennen. Der niedrige
Kursſtand würde uns da nicht viel helfen und würde beim
erſten Anſatz der Verſtaatlichung in die Höhe gehen. Die
Schichtzeiten im Kalibergbau haben nicht einheitlich
ge=
regelt werden können. Es beſtehen aber nur acht= bis
neunſtündige Schichten. Bei Ueberſchreitungen dürfte die
Bergbehörde einſchreiten. Sicherheitsmänner ſind auch im
Kälibergbau vorhanden. Die Verausgabung der
Propa=
gandagelder iſt nach meiner eigenen Kontrolle richtig
er=
folgt. In Oſtpreußen ſind große Propaganda=
Demon=
ſtrationsfelder angelegt worden, und die Erfolge der
Kali=
düngung ſind dort in die Augen ſpringend. Auch auf
die Viehhaltung hat die Kaliverwendung den beſten
Ein=
fluß. Für die Teichfiſcherei Propagandagelder zu ſchaffen,
lehnen wir einſtweilen ab, bis nicht handgreifliche
Labora=
toriumsverſuche vorliegen. Der Wunſch, den Dr. Haegy
jüngſt äußerte auf Einſetzung einer richterlichen höchſten
Entſcheidungsſtelle über Beteiligungsſtreitigkeiten, beruht
auf falſcher Vorausſetzung. Wenn er aber die
Unpartei=
lichkeit der Beamten anzweifelt, ſo iſt das ein ſchwerer
Vorwurf gegen pflichttreue Beamte, den ich als
Vor=
ſitzender der Kommiſſion entſchieden zurückweiſen muß.
Abg. Krix=Allenſtein (Zentr.): Wir müſſen unſere
Naturſchätze an Kali möglichſt ergiebig ausnützen.
Des=
halb ſtimmen wir der Erhöhung des
Auslandspropa=
gandafonds zu. Es wäre klüger und im Intereſſe der
Landwirtſchaft und Volkswirtſchaft nützlicher, wenn man
die Abfälle aus der Kaligewinnung nicht als wertloſes
Material fortwerfen, ſondern für irgendwelche nützliche
Zwecke verwenden würde. Ich hoffe, daß die Chemie
auch hier noch neue Verwendungsarten finden wird.
Abg. Dr. Bärwinkel (natlib.): Bei Schaffung des
Kaligeſetzes haben wir der Regierung ein Kuckucksei in
das Neſt gelegt, als beſtimmt wurde, daß Einnahmen und
Ausgaben des Propagandafonds in den Etat des Innern
einzuſtellen ſeien. Die Verwaltung dieſes Fonds iſt
über=
aus ſchwierig. Glücklicherweiſe ſind die Bezeichnungen
dieſes Fonds als Korruptionsfonds oder
Schmiergelder=
fonds verſchwunden. Daß es beabſichtigt ſei, in dem
neuen Kaligeſetz dieſen Fonds, der ſeit langen Jahren
angeſammelt worden iſt, anderweiten Zwecken nutzbar zu
machen, vermag ich nicht zu glauben. Der
Kalipropa=
ganda bleibt noch genug Arbeit übrig. Auch im Intereſſe
der Arbeiterſchaft liegt es, die Auslandspropaganda zu
forcieren. Das alte Kaligeſetz ſoll die Verſchleuderung
der Kaliſchätze in das Ausland verhindern. Die
kom=
mende Novelle will das Entſtehen neuer Kaliſchächte
hint=
anhalten und den beſtehenden eine Art Monopolſtellung
geben. Dann könnten auch andere Induſtriezweige, wie
die Zement= oder Toninduſtrie, mit der gleichen Forderung
kommen. Jedenfalls bitte ich, uns den Entwurf des neuen
Geſetzes ſobald als möglich zugehen zu laſſen. — Abg.
Gothein (Fortſchr. Volkspt.): Für die Förderung des
Obſt= und Gemüſebaues durch Kalidüngung trete auch ich
ein. Unbedingt muß die Auslandspropaganda gefördert
werden. Das liegt nicht zuletzt im Intereſſe der
Ar=
beiter. Der für die Inlandspropaganda ausgeſetzte
Be=
trag wird in freigebiger Weiſe für alle möglichen Zwecke
verwendet, die mit der Sache ſchwer in Verbindung zu
bringen ſind. Für allgemeine Reichszwecke die Zinſen des
Fonds zu verwenden, halte ich für vollkommen unzuläſſig.
Abg. v. Borckhauſen (konſ.): Auch wir wünſchen
baldigſte Vorlegung der Kaligeſetznovelle. Wir bedauern,
daß die Auslandspropaganda noch nicht die gewünſchten
Wirkungen erzielt hat. Die Inlandspropaganda muß ſich
möglichſt mit dem Gemüſebau beſchäftigen, damit eine
Verbilligung des Gemüſes erzielt werden kann. Es iſt
nicht zu leugnen, daß die landwirtſchaftlichen
Organi=
ſationen für die Kalipropaganda außerordentlich gut
ge=
wirkt haben. Daß für die wiſſenſchaftlichen
Unterſuchun=
gen 50000 Mark mehr in den Etat eingeſetzt werden
ſollen, iſt uns ſehr ſympathiſch. Die
Ausführungsbeſtim=
mungen des Kaligeſetzes bedürfen dringend einer
Revi=
ſion, auch in der Frage des Mindeſtgehalts der Kaliſalze.
Der Vorwurf, daß die Verteilungsſtelle parteiiſch ihr Amt
ausübe, trifft nicht zu. Ihre Tätigkeit hat ſich vielmehr
glänzend und unparteiiſch vollzogen. — Abg. Stöve
(natlib.): Die Propagandagelder ſind von der
Kaliindu=
ſtrie aufgebracht und ſollen wieder für die Kaliinduſtrie
verwendet werden, nicht aber für ſonſtige Zwecke. Daß
die Auslandspropaganda noch mehr ausgebaut werden
kann, beweiſt der enorme Kaliverbrauch in dem kleinen
Holland und der geringe Verbrauch in dem rieſigen
Ruß=
land. Unter allen Kalifragen, die hier behandelt worden
ſind, iſt die Propagandafrage die wichtigſte weil ſie uns
in den Stand ſetzt, die für die Kaligewinnung
aufgewen=
deten Mittel ſo zu verzinſen, wie es im Intereſſe unſerer
Volkswirtſchaft nur wünſchenswert iſt. Nachdem infolge
der Steigerung des Kaliabſatzes auch der Reſervefonds
bedeutend gewachſen iſt, ſollte man die neu eingehenden
Ueberſchüſſe nicht auch noch aufſtapeln, ſondern für die
Ar=
beiter verwenden dadurch, daß man ihnen mehr
Arbeits=
gelegenheit ſchafft. — Abg. Erzberger (Zentr.): Nach
dem Kaligeſetz iſt der Reichstag berechtigt, bei der
Ver=
wendung der auf Grund des Geſetzes eingehenden Gelder
ein entſcheidendes Wort mitzureden und ſomit auf die
Geſtaltung der Höhe des Reſervefonds einzuwirken. Soſehr
wir die Summen für Inlandspropaganda und für
För=
derung der Kultur in den Tropen begrüßen, ſo erſcheint
uns doch die für Auslandspropaganda ausgeworfene
Summe zu gering. Ich hoffe daß die von der Regierung
in Ausſicht geſtellte Novelle eine völlige Geſundung
un=
ſerer Kaliinduſtrie herbeiführt. — Abg. Dr. Haegy (
El=
ſäſſer): Ich habe bei dem in der Generaldebatte
geäußer=
ten Wunſche über die Zuſammenſetzung der
Verteilungs=
kommiſſion keinerlei Verdächtigungen gegen Beamte
aus=
geſprochen. Mir lag nur daran, die Intereſſen der
elſaß=
lothringiſchen Werke zu wahren. Daß Mißſtände in der
dortigen Kaliproduktion beſtehen, wird allgemein
aner=
kannt. Abg. v. Brockhauſen (konſ.): Die Anſicht, daß
die Händler vom Kaliſyndikat benachteiligt werden, trifft
nicht zu, ſie werden im Gegenteil eher bevorzugt.
Unterſtaatsſekretär Dr Richter: Die Anlage eines
Re=
ſervefonds muß dem Reichsamt des Innern unbedingt
zu=
ſtehen. Es handelt ſich um eine öffentlich=rechtliche
Funk=
tion, gegen die das Kaliſyndikat nicht zivilrechtlich klagbar
werden kann. Im kaufmänniſchen Sinne iſt es durchaus,
die Propagandaausgaben etwas freigiebiger zu
veraus=
gaben. Eine gewiſſe Kontrolle und etatsrechtliche
Be=
ſtimmungen über die Verteilung der Gelder auf das In=
und Ausland ſind allerdings geboten.
Damit ſchließt die Debatte. Die Abſtimmung
erfolgt Montag. Nächſte Sitzung Montag, 2 Uhr:
Fort=
ſetzung. — Schluß ¼6 Uhr.
Gerichtszeitung.
Prozeß Grünewald-Winkler.
* Am Freitag, den 6. Februar, kam endlich der
Pro=
zeß Grünewald-Winkler der mehrere Male
vertagt worden war, vor dem Schöffengericht in Gießen,
wo die Klage anhängig gemacht worden war, zur
Verhand=
lung. Die Vorgeſchichte des Prozeſſes reicht weit zurück
und iſt recht unerquicklicher Art. Anlaß dazu gab die
Sitz=
ung der Zweiten Kammer am 12. Dezember 1912, in der
ſich die Abgeordneten Grünewald und Winkler die
ſchwer=
ſten Beleidigungen geſagt hatten. In jener Sitzung ſagte
Abg. Winkler (natl.) anläßlich der Debatte über die Wahl
des Abg. Kredel, der Freiſinn leiſte der Sozialdemokratie
Vorſpanndienſte. Der Abg. Grünewald (Fortſchr. Vpt.)
erwiderte, der Abg. Winkler hätte ihn und ſeine Partei
mit dieſem Satze ſchwer beleidigt, und fügte hinzu, daß er
ihn nicht ernſt nehme und daß er nicht als
Kabarettkünſt=
ler ausgebildet ſei. Abg. Winkler erwiderte dem Abg.
Grünewald darauf: „Ich muß in voller Kenntnis der
Trag=
weite meiner Worte ſagen, daß ich es für eine Feigheit
halte, wenn jemand unter dem Schutze der Immunität in
dieſem Hauſe einen anderen beleidigt. Ich bin bereit, dies
dem Herrn Abg. Grünewald auch außerhalb dieſes Hauſes
zu wiederholen.‟ Der Abg. Grünewald machte hier den
Zwiſchenruf, er werde Herrn Winkler dann hinter die
Ohren ſchlagen.
Die Angelegenheit ſpitzte ſich weiter zu und Herr Abg.
Winkler ſchickte dem Abg. Grünewald eine Forderung und
behauptete dann, da letzterer den Kartellträger, einen
jungen Studenten, nicht annahm, Herr Grünewald habe
die Annahme der Forderung abgelehnt. Er veröffentlichte
in den Blättern eine dahingehende Erklärung mit voller
Namensunterſchrift, in der er zum Schluſſe ſagte: Herr
Grünewald habe damit bewieſen, wie billig es ſei, unter
dem Schutze der Immunität zu beleidigen, wenn man, wie
er, dazu entſchloſſen ſei, für ſeine Handlungen nicht
ein=
zuſtehen. Er habe damit aber auch weiterhin bewieſen,
wie recht er hatte, wenn er ein ſolches Verhalten als einen
Akt der Feigheit bezeichnete.
Der Abg. Grünewald ſtellte die Wahrheit der
Behaup=
tungen Winklers in Abrede und ſtrengte wegen dieſes und
anderer Artikel in anderen Blättern gegen Herrn Abg.
Winkler Klage wegen Beleidigung an.
Den Verhandlungen vor dem Gießener Schöffengericht,
die von Herrn Amtsgerichtsrat Müller geleitet wurden,
gingen Vermittelungsverſuche vorauf, die aber ſcheiterten.
Die Vertreter der beklagten Blätter hätten ſich mit dem
Privatkläger auf jeden Fall geeinigt; da aber die beiden
Klagen merkwürdigerweiſe als untrennbar behandelt
wer=
den mußten, ſcheiterte auch hier die Vermittelung. Der
Prozeß, der von 11 Uhr vormittags bis ¾4 Uhr nachts (!),
alſo, mit einer Stunde Unterbrechung zur Mittagszeit,
16 Stunden dauerte, ſpitzte ſich ganz aufs Perſönliche zu
und entbehrte auch des politiſchen Intereſſes. Es war eine
große Anzahl Zeugen geladen, und das kleine Zimmer
Nr. 6 des Amtsgerichts war bis nachts 12 Uhr überfüllt.
Das Zuhörerpublikum ſetzte ſich vorwiegend aus akademiſch
gebildetem Kreiſe Gießens zuſammen, die ein perſönliches
Intereſſe an den Verhandlungen hatten. Für Kreiſe
außer=
halb Gießens haben die Verhandlungen wenig Intereſſe.
Zu den Blättern, die wegen der Erklärung des Herrn
Winkler von Herrn Grünewald verklagt worden waren,
ge=
hörteauchdas Darmſtädter Tagblatt. DerVertreter
des Blattes, Herr Dr. O. Waldaeſtel=Darmſtadt, führte in
ſeiner Verteidigungsrede aus, die Redaktion habe gar nicht
die Abſicht und nicht einmal das Bewußtſein gehabt, Herrn
Grünewald, der ihr ganz unbekannt ſei, zu beleidigen. Die
Erklärung des Herrn Winkler enthalte nichts Neues,
ſon=
dern wiederhole lediglich die in der Kammer
ausgeſpro=
chenen Beleidigungen, von denen durch die Kammerberichte
alle Leſer längſt Kenntnis gehabt hatten. Die
Be=
leidigungen ſeien nicht durch den Artikel, ſondern durch die
beiden Herren ſelbſt in der Kammer erfolgt. Außerdem ſei
Herrn Grünewald nicht der Vorwurf der Feigheit im
all=
gemeinen gemacht, ſondern Herr Winkler habe nur geſagt,
daß er Recht gehabt habe, wenn er in einem beſtimmten
Falle das Verhalten des Herrn Gr. als feig bezeichnet
habe. Die Redaktion habe kein politiſches oder
perſön=
liches, ſondern lediglich ein ideales Intereſſe an der Sache
gehabt. Sie hahe ſtets die Anſicht vertreten, daß die
un=
beſchränkte Immunität der Abgeordneten,
wie ſich die heutigen parlamentariſchen Verhältniſſe
ent=
wickelt haben, nicht mehr haltbar ſei, ſondern eines
Kor=
rektivs in der Art bedürfe, daß ein Abgeordneter, der
er=
vieſenermaßen einen anderen Abgeordneten oder eine
außerhalb des Hauſes ſtehende Perſon beleidigt habe, durch
das Parlament ſelbſt zur Zurücknahme der Beleidigung
gezwungen werden müſſe, wie es zum Beiſpiel in England
Sitte ſei. Das Prinzip der Immunität ſelbſt, das beſtehen
bleiben müſſe, werde dadurch nicht angetaſtet. Wenn nun
Abgeordnete ſelbſt ſich auf dieſen Standpunkt ſtellten und
ſelbſt eine Korrektur der Immunität durch die Waffe in der
Hand ſchüfen, ſo könne ein beſſerer Beweis für die
Richtig=
keit der Anſicht der Redaktion nicht erbracht werden.
Er=
wünſcht ſei dieſer Zuſtand doch nicht. Schließlich aber ſei
der Redakteur nach § 21 Abſatz 1 des Preßgeſetzes in
die=
ſem Falle überhaupt nicht ſtrafbar, da hier ausdrücklich
geſagt ſei, „die Beſtrafung des Redakteurs ꝛc. unterbleibt,
wenn er den Verfaſſer oder Einſender, mit deſſen
Ein=
willigung die Veröffentlichung geſchehen iſt, bis zur
Ver=
kündigung des erſten Urteils nachweiſt‟ Da Herr Abg.
Winkler durch ſeine Namensunterſchrift die volle
Verant=
wortung für dieſen Artikel übernommen habe, müſſe der
Redakteur Strafloſigkeit für ſich in Anſpruch nehmen bezw.
ſich für ſtraflos erachtet haben. Dieſer Anſicht ſtimmte
ſpäter der juriſtiſche Vertreter des Mainzer Tagblatts und
der Oppenheimer Landskrone bei. In einer weiteren
Aus=
führung bemerkte der Vertreter des Darmſtädter Tagblatts
noch, daß der Privatkläger ſelbſt ihm in einem Schriftſatz
die bona kides zugeſtanden habe, und daß es doch als
Un=
gerechtigkeit empfunden werden müſſe, wenn von den vielen
Blättern, die ſich in ſehr ſcharfer, oft beleidigender Weiſe
über die Affäre Grünewald-Winkler ausgeſprochen
hät=
ten, einige Blätter herausgegriffen würden, die lediglich
eine Erklärung des Herrn Winkler abgedruckt hätten, ohne
irgendwie zu der Sache ſelbſt Stellung zu nehmen.
Die Verkündigung des Urteils findet am
Freitag, den 13. d. M., vormittags 9 Uhr ſtatt.
* Berlin, 7. Febr. Dem Reichstag ging vom
Grafen Poſadowsky=Wehner eine Reſolution
zu, die von Mitgliedern faſt aller bürgerlichen Parteien
unterſchrieben iſt: Der Reichstag wolle beſchließen, die
verbündeten Regierungen zu erſuchen, auf der nächſten
internationalen Konferenz in Berlin dafür
einzutreten, daß vorbehaltlich der Ausnahmen im
In=
tereſſe einzelner Induſtrien, die Nachtarbeit für
Jugendliche unter 18 Jahren verbotez
werde.
Aus Zabern.
* Zabern, 7. Febr. Leutnant Freiherr v.
Forſt=
ner weilte heute vorübergehend in der Stadt, vermutlich
um die durch ſeinen Wegzug nach Bromberg veranlaßten
Angelegenheiten zu ordnen. Als er gegen mittag, gerade
um die Zeit, wo Schulen, Fabriken und Geſchäfte ſchließen,
die Hohbarrſtraße begleitet von zwei Kameraden paſſierte,
ſchloß ſichihmſofortein Haufen von einigen
fünfzig Kindern an, aus deren Mitte wohl auch Ruf.
gehört wurden. Gendarmerie war alsbald zur
Stelle und verhinderte jede Ausſchreitung.
* Straßburg, 7. Febr. Aus Zabern wird der
Straßburger Poſt gemeldet: Am 1. Oktober ds. Js. ſollte
die Zaberner Garniſon bekänntlich eine
Ver=
ſtärkung durch eine Abteilung Artillerie
erhalten. Die Vorarbeiten waren bereits ſoweit
ge=
diehen, daß hinter den Kaſernen des 1. Bataillons Grund
und Boden feſt angekauft und das Gelände für die zu
er=
richtenden Gebäulichkeiten bereits abgeſteckt war. Auch
der Steinburger Exerzierplatz hatte durch Ankauf von
Ackerland eine bedeutende Vergrößerung erlangt. Nach
einer geſtern hierher gelangten Mitteilung der
Militär=
behörde wird die geplante Verſtärkung der
Gar=
niſon nun endgültig unterbleiben.
Sämt=
liche Koſten, die durch die Abſchließung der Kaufverträge
bis jetzt entſtanden ſind, werden durch den Militärfiskus
gedeckt werden.
* Straßburg, 7. Febr. Zu der Meldung der
Straßburger Poſt aus Zabern betr. die Verſtärkung
der Zaberner Garniſon erfährt das W. T.=B. von
zuſtän=
diger Stelle, daß es zutrifft, daß aus zwingenden
militäriſchen Rückſichten, darunter auch ſolchen
auf die Ausbildung, die Wahl eines anderen Standortes
für die zweite Abteilung des Feldartillerie=Regiments 84
erwogen worden iſt.
Handel und Verkehr.
* Paris, 6. Febr. Auf Grund des günſtigen
Stan=
des des Budgets hat ſich Caillaux entſchloſſen, die Summe
der auszugebenden Schatzanweiſunigen von 800
Millionen auf 600 Millionen herabzuſetzen.
Luftfahrt.
Der jüngſte Zeppelin.
* Friedrichshafen, 7. Febr. Das neue
Mili=
kärluftſchiff „Z. 7” iſt heute früh 4 Uhr 20 Min.
unter Führung des Betriebsdirektors Dürr und mit der
Abnahmekommiſſion an Bord zur Ueberſiedelung
nach Dresden aufgeſtiegen, wo von der dortigen
Luft=
ſchiffhalle aus die weiteren Abnahmefahrten erfolgen
ſollen. Um 5 Uhr 40 Min. hat das Luftſchiff Ulm
paſ=
ſiert und iſt in nordweſtlicher Richtung weitergeflogen.
* Nürnberg, 7. Febr. Das neuerbaute
Zep=
pelin=Luftſchiff „Z. 7” paſſierte heute früh halb 8
Uhr auf der Fahrt Friedrichshafen-Dresden Roth am
Sand. Um 7 Uhr 50 Minuten überflog es in flotter Fahrt
in direkter Richtung auf Gräfenberg-Bayreuth Nürnberg.
* Leipzig, 7. Febr. Das Luftſchiff „L. Z. 7” traf
auf der Fahrt von Friedrichshafen nach Potsdam gegen
halb 12 Uhr über Leipzig ein und ſetzte die Fahrt ohne
Aufenthalt fort. Gleichzeitig kreuzte das hier ſtationierte
Zeppelin=Luftſchiff über der Stadt.
* Leipzig, 7. Febr. Wie von dem hieſigen
Luft=
ſchiffhafen verſichert wird, befindet ſich das Luftſchiff „Z. 7"
nicht auf der Fahrt nach Dresden, ſondern nach
Pots=
dam.
* Potsdam, 7. Febr. Dasneue
Militärluft=
ſchiff „Z. 7” welches heute früh 4 Uhr 20 Min. unter
Führung des Betriebsdirektors Dürr mit der
Abnahme=
kommiſſion an Bord zur Ueberſiedelung nach Potsdam
aufgeſtiegen iſt, iſt kurz vor 12¾ Uhr hier gelandet
und ſofort in die Halle gebracht worden.
* Potsdam, 7. Febr. Ueber die Fahrtdes
Zep=
pelin=Kreuzers „Z. 7” ſprach ſich Oberingenieur
Dürr überaus günſtig aus. Man fuhr bei
außer=
ordentlich ſchönem Wetter meiſt in einer Höhe von 4—800
Metern und durchweg mit dem Winde. Nur in den frühen
Morgenſtunden machte ſich der Nebel empfindlich
bemerk=
bar.
* Mülhauſen i. E., 7. Febr. Der
Aviatik=
flieger Ingold iſt heute früh 7 Uhr 35 Minuten auf
dem Habsheimer Flugplatz zum Wettbewerb für den
Städteflug der Nationalflugſpende geſtartet.
Nach einem Telegramm aus Naumburg a. S. hat der
Flie=
ger um 12 Uhr 55 Minuten dieſe Stadt paſſiert.
* Mülhauſen i. E., 7. Febr. Nach weiteren
Tele=
grammen hat der im Wettbewerb für den Städteflug
der Nationalflugſpende heute früh um 7 Uhr
35 Minuten geſtartete Aviatikflieger Ingold um 2 Uhr
Rieſa, um 2 Uhr 50 Min. Torgau, um 3 Uhr 15 Min.
Kottbus und um 3.35 Uhr Forſt in der Unterlauſitz paſſiert.
Ingold fliegt mit einem Aviatik=Keil=Doppeldecker, auf
dem Viktor Stöffler den erſten Preis der vorjährigen
Nationalflugſpende gewann. Das Flugzeug trägt einen
100pferdigen Mercedesmotor und iſt mit 590 Liter Benzin
und 30 Liter Oel belaſtet. Ingold führt als Nahrung
Schokolade, Aepfel und heiße Milch mit ſich.
Johannisthal, 7. Febr. Die letzte Nachricht
über den Flieger Ingold, der heute morgen halb 8 Uhr
mit einem Aviatik=Doppeldecker in Mülhauſen i. E.
ge=
ſtartet iſt, kam aus Forſt wo er nachmittags 3 Uhr 35
Minuten bemerkt wurde. Der Flieger hat einen
Benzin=
vorrat von 600 Litern, der für 16 bis 17 Stunden reicht.
Zur Lage in Mexiko.
* Haag, 7. Febr. Die Zeitung Vaderland meldet,
der Küſtenpanzer „Kortenaer” ſolle ausgerüſtet
werden zu einer baldigen Reiſe nach Mexiko.
* Mexiko, 7. Febr. Gerüchte beſagen, daß ein
Staatsſtreich bevorſtehe. Die Truppen werden in den
Kaſernen gehalten; Artillerie und Patrouillen bewachen
die Umgebung der Kaſernen und die Palaſtwache iſt
ver=
ſtärkt worden. Der amerikaniſche Konſul in Tampico
meldet drahtlos, daß die Rebellen alle Vorbereitungen zu
einem ſofortigen Angriff getroffen und die Waſſerleitung
zur Stadt zerſtört haben. Der Waſſervorrat im Ort reicht
nur für drei Tage.
Vom Balkan.
* Bukareſt, 7. Febr. Der griechiſche
Miniſter=
präſident Venizelos iſt heute früh hier eingetroffen.
* Konſtantinopel 7. Febr. Der Korreſpondent
der Neuen Freien Preſſe, Kienaſt, iſt auf die
Inierven=
tion des öſterreichiſch=ungariſchen Konſulates in Smyrnc
freigelaſſen worden und kehrt hierher zurück.
* Konſtantinopel, 7. Febr. Der Tanin
ver=
öffentlicht gegenüber entgegengeſetzten Pariſer Meldungen,
daß die Pforte mit Krupp Verhandlungen
wegen eines großen Vorſchuſſes gepflogen
habe, ein formelles Dementi. Die Wahrheit ſei, daß die
Firma Krupp, deren Kanonen die türkiſche Armee ſeit
dem Regime Hamidjehs eingeführt habe, mit der Pforte
Beſprechungen gehabt habe wegen der Regulierung der
Summen, welche ihr die Türkei für kürzliche
Kanonen=
beſtellungen ſchulde. Der Tanin glaubt, daß die
Ge=
rüchte von beſtimmten Kreiſen in Paris lanziert worden
ſeien, um die Anleiheverhandlungen zu hemmen.
* Konſtantinopel. 7. Febr. Die türkiſche Preſſe
führt bei der Behandlung der Inſelfrage
eine ruhigere Sprache und zeigt ſogar eine
gewiſſe Reſignation. Das Blatt Terdjiman=i=Hakikat
be=
tont, daß ſich das Ottomanentum mit dem Proteſt
be=
gnügen müſſe, da ein kriegeriſches Vorgehen die
Auf=
nahme einer Anleihe unmöglich gemacht hätte.
* Konſtantinopel, 7. Febr. Der Miniſter
des Innern und der Juſtizminiſter begaben ſich
geſtern nach Tſchadaltſcha, um die Wiedereinſetzung der
geflüchteten Muſelmanen in ihre Rechte ins Werk zu
ſetzen. Abends kehrten die Miniſter zurück. Die
Nach=
richt, daß der Miniſter des Innern ſich zu einer
Zuſam=
menkunft mit dem bulgariſchen Miniſterpräſidenten nach
Adrianopel begeben werde, iſt falſch.
* Saloniki 6. Febr. Zwiſchen der
grie=
chiſchen und ſerbiſchen Regierung ſcheint
nunmehr ein Einverſtändnis bezüglich der griechiſchen
Schulen in Neuſerbien erzielt worden zu ſein. Danach
werden die griechiſchen Schulen dort, wo kompakte
Maſſen von Griechen leben, weiterbeſtehen, doch wird die
ſerbiſche obligatoriſch eingeführt, wo die Griechen dagegen
in geringer Anzahl leben, werden die griechiſchen Schulen
durch ſerbiſche erſetzt. Der griechiſche Erzbiſchof in
Mo=
naſtir wurde in dieſem Sinne ſeitens der Regierung in
Athen verſtändigt.
* Berlin, 7. Febr. Der Hofmarſchall des
Prinzen zu Wied, v. Trotha, reiſt abends nach
Trieſt ab. Der Prinz reiſt morgen mittag nach Rom.
Paris, 7. Febr. Aus Athen wird gemeldet: Die
griechiſche Regierung verfügte auf Grund der
Beſprechun=
gen, welche Miniſterpräſident Venizelos in den
ver=
ſchiedenen Hauptſtädten hatte, daß die Räumung der
Albanien überwieſenen Gebiete von Epirus am
1. März beginnen und am 31. März beendet ſein ſolle.
Die japaniſche Beſtechungs=Affäre.
* Tokio, 6. Febr. In Verbindung mit der
Be=
ſtechungsaffäre, in die Marineoffiziere verwickelt ſind,
wurde eine große Volksverſammlung
abgehal=
ten, an der 15000 Perſonen teilnahmen. Der Leiter der
Oppoſition und Deputierte, der in der letzten Woche die
Angelegenheit in der Kammer vorbrachte, war anweſend
und wurde als Volksheld gefeiert. Es wurde laut der
Rücktritt der Regierung gefordert und auf rotem Papier
gedruckte, gegen die Satſumapartei gerichtete Lieder
ver=
teilt. Die Redner wiederholten die im Parlament
vor=
gebrachten Anklagen der Erpreſſung und Beſtechung gegen
hohe Seeoffiziere durch den ſogenannten Armourtruſt.
Mozartverein.
St. Ein ebenſo eigenartiges und reizvolles wie in
ſeiner ganzen Aufmachung gediegenes Feſt bot geſtern
abend der Mozartverein ſeinen Mitgliedern und
Freun=
den im Städtiſchen Saalbau: ein Sommerfeſt im
Winter. Der große Saal, ganz in dem Charakter eines
Sommerfeſtes im Freien geſchmückt präſentierte ſich
in einer Fülle von weißen und farbigen Glühlämpchen,
Girlanden und ſaftigem Tannengrün, wie ein Garten
mit lauſchigen Lauben und Niſchen. Zahlloſe Girlanden
zogen von der Deckenmitte nach den Galerien, gingen hier
in ebenſo zahlreiche Bogen und Kranzgewinde über und
waren an beſonders mankanten Punkten zu reizenden
Aufbauten vereinigt. Tauſende roter Lampions hingen
in den Girlanden und noch mehr elektriſche Glühbirnen
leuchteten in ſtrahlendem Schimmer äußerſt wirkungsvoll
aus dem dunklen Tannengrün. Die Bühne war nach dem
Proſzenium zu in Bogen ausgeteilt, ebenfalls voller
Glühlämpchen und bildete im übrigen reizende aus
weiß=
lackiertem Gitter und Tannengrün gebildete Sekt=Lauben.
An der Brüſtung der Fürſtenloge ſtrahlte, aus elektriſchen
Glühlämpchen gebildet, das Monogramm des Vereins.
Im Gartenſaal war eine Gartenwirtſchaft errichtet. Ein
feſtes Programm war für das Feſt nicht aufgeſtellt, ſo
daß den Neigungen der Beſucher, das Sommerfeſt auf
eigene Art zu feiern, keine Schranken gezogen waren.
Ge=
legenheit zum Feiern, zum Hören und Schauen aber war
in reicher Fülle geboten. In letzter Beziehung beſonders
durch den überreichen Flor anmutiger Damen, die
ein=
ander zu überbieten ſchienen, in ſtrahlenden Farben des
Koſtüms wie im Strahlen der Augen. Tango
be=
herrſchte das Feld. Tangofarben waren die Mehrzahl
der Koſtüme und im Tangoſchnitt waren die meiſten
ge=
halten. Während der erſten Stunden boten die Kapellen
des Infanterie=Regiments Nr. 115 und des Feldart.=
Regts. Nr. 61 unter ihren Obermuſikmeiſtern Hauske
und Weber ein temperamentvolles Promenadenkonzert,
das mehrfach zu Darbietungen mancherlei Art
unter=
brochen wurde. So war von beſonderem Intereſſe die
Mitwirkung des Velocipedflubs Darmſtadt,
deſſen vielfach preisgekrönte Reigenmannſchaft den
Stab=
ſchmuckachterreigen fuhr, mit dem ſie auf dem Bundestag
in Braunſchweig im vorigen Jahre den erſten Preis
er=
rungen hatte. Später traten auch die Kunſtradfahrer des
Klubs in Tätigkeit. Die Gebrüder Göttmann
boten in ihren Soli= und Duettkunſtfahrten ganz
hervor=
ragende Leiſtungen, die vollſtändig vergeſſen ließen, daß
man Dilettanten vor ſich hatte. Im Fürſtenzimmer war
ein Kabarett „Zum verkrachten Tannhäuſer” errichtet, das
eine Anzahl völlig ausverkaufter Vorſtellungen gab.
Robert Schneider war hier ein ganz vorzüglicher
humorvoller Konferenzier. Am Klavier wirkte
Kapell=
meiſter Sautier und das künſtleriſche Programm
be=
ſtritten Herr Peterſen vom Großh. Hoftheater, Heer Gg.
Jöckel, Herr Brill Herr Roth, Frl.
Krömmel=
bein, ein Tirolerquartett, Herr Dietz und viele andere.
Sämtliche Darbietungen fanden rauſchenden Beifall. Im
übrigen amüſierte beim Tango ꝛc. man ſich aufs beſte, wie
immer im Mozartverein. Die hübſche Dekoration hatte
die Gärtnerei Schulz und die Firma Alter geliefert,
die elektriſche Anlage die Firma Lange.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* München, 7. Febr. Offiziös wird mitgeteilt, daß die
Meldung eines Berliner Blattes, auf eine Umfrage der
Reichsleitung habe die bayeriſche Staatsregierung
der Abänderung des Strafgeſetzbuches bezüglich des
Schutzes der Arbeitswilligen zugeſtimmt,
voll=
ſtändig auf Kombination beruhe.
* Pforzheim, 7. Febr. In Bilfingen wurden
zwei 15jährige Goldſchmiedelehrlinge verhaftet, die
geſtändig ſind, den Brand am 4. Januar der vier
Häuſer und vier Scheunen vernichtete,
an=
gelegt zu haben.
* Karlsruhe, 7. Febr. Dem Hofbericht zufolge
ver=
brachte die Prinzeſſin Wilhelm von Baden eine
ziemlich gute Nacht, wodurch ſich der
Allgemein=
zuſtand weiterhin etwas gehoben hat.
* Wilhelmshaven, 7. Febr. Oberleutnant z. S.
Frei=
herr v. Beanlieu=Marconnay iſt beim
Reck=
urnen geſtürzt und war ſofort tot.
* Königsberg i. Pr., 7. Febr. Bei der heutigen
Prä=
ſentationswahl eines Mitgliedes für das
Herrenhaus durch den Verband des alten befeſtigten
Grundbeſitzes im Landſchaftsbezirk Samland mit
Natan=
gen wurde für den am 18. Oktober v. J. verſtorbenen Geh.
Rat v. Gottberg zu Woopen der General der Kavallerie
z. D. Graf zu Eulenburg auf Wikken gewählt.
* Paris, 7. Febr. Der Kriegsminiſter gab im
heuti=
gen Miniſterrat bekannt, welche Maßregeln er zur
Bekämpfung der in verſchiedenen Garniſonen
aus=
gebrochenen Epidemien zu ergreifen gedenke. Nach
einer Blättermeldung aus Epinal ſind im Laufe der
letz=
ten Wochen im dortigen Militärhoſpital neun Soldaten
an Lungenentzündung geſtorben. In Macon ſind in den
letzten Tagen fünf Soldaten den Maſern erlegen.
* Stockholm, 7. Febr. In der ſchwediſchen
Kammer trat bei der Beratung des Budgets des
Mini=
ſteriums des Aeußern ein Redner verſchiedenen in der
letzten Zeit in der ausländiſchen Preſſe erſchienenen
fal=
ſchen Gerüchten und Auslaſſungen in der
ſchwediſchen äußeren Politik entgegen. Der
Miniſter des Aeußern bedauerte dieſe Gerüchte, meinte
ber, daß ſie keiner allzu großen Unruhe wert wären.
Die Regierungen in Europa ſeien ſich vollkommen klar
darüber, daß die ſchwediſchen Verteidigungsmaßnahmen
einen vollſtändig friedlichen Charakter haben. Die Politik
Schwedens ſei und bleibe eine freie und unabhängige,
auf der Intereſſen Schwedens beruhende
Neutralitäts=
politik, die von keinem Staate garantiert ſei und die auf
dem Reſpekt beruhe, den Schwedens eigenes, wie der
Miniſter hofft in Kürze verbeſſertes Verteidigungsweſen
einzuflößen vermöge.
* London, 7. Febr. Der Handelsausweis für
Januar weiſt in der Einfuhr eine Abnahme von 3 225222
Pfund Sterling, in der Ausfuhr eine Zunahme von
2360 466 Pfund Sterling gegen das Vorjahr auf.
* Großnij (Ciskaukaſien), 7. Febr. Bei Gozikhoi
aben Eingeborene aus einem Hinterhalt mehrere
Schüſſe auf den Diſtriktschef ab, der ſchwer an
der Bruſt verwundet wurde.
* Tokio, 7. Febr. Der ſchriftliche Antrag auf
Ertei=
lung des Mißtrauensvotums an die Regierung
iſt heute nachmittag im Parlament eingebracht worden.
Der Antrag wird am 10. Februar zur Debatte geſtellt. Die
Mitglieder des Kabinetts erklärten beſtimmt, daß ſie nicht
beabſichtigten, zurückzutreten und daß die
Seiyukawaiſar=
tei die Regierung auch weiterhin unterſtützen werde, ohne
ſich durch die Mitteilungen von Beſtechungen in der
Ma=
rine beeinfluſſen zu laſſen, es ſei denn, daß ſtärkere Beweiſe
ls bisher vorgebracht werden.
* Port=au=Prince, 7. Febr. General Zamur iſt an
der Spitze der Rebellen hier eingezogen.
von der Bevölkerung ſympathiſch begrüßt.
H Mannheim, 7. Febr. Die Direktion der
Zucker=
abrik Frankenthal hat, veranlaßt durch die
Ver=
handlungen des bayeriſchen Abgeordnetenhauſes über die
Beſchaffung radioaktiver Stoffe von Staats
vegen, einen Betrag von 20000 Mark als
Bei=
ilfe zur Beſchaffung ſolcher Stoffe für die öffentlichen
Kaankenanſtalten in Bayern zur Verfüguung
ge=
ſtellt.
Der badiſche Großblock.
* Karlsruhe, 7. Febr. Die Karlsruher Zeitung
ver=
öffentlicht heute an der Spitze ihres Blattes einen
län=
geren offiziöſen Artikel über die politiſchen
Aus=
einanderſetzungen in der Zweiten Kammer
der verfloſſenen Woche. Als politiſche Quinteſſenz der
mehrfachen Reden des Miniſters des Innern v.
Bod=
man wird bezeichnet, daß er in der Frage des Großblocks
zu einer unumwundenen Verurteilung dieſes
parteipoli=
tiſchen Wahlabkommens gelangte, daß er aber auch auf
der anderen Seite dem Zentrum bedeutete, daß ein
An=
wachſen dieſer Partei eine Gefahr für die freiheitliche
Entwicklung des Landes bedeuten könnte. Der Grund,
warum der Miniſter den Großblock verurteile, liege in der
politiſchen Haltung der Sozialdemokratiſchen Partei. Was
die Arbeiten des Großblocks im Landtage betreffe ſo
er=
kenne der Miniſter an, daß die Linke, einſchließlich der
Sozialdemokratie, nützliche Arbeit zum Wohle des Landes
geleiſtet habe. Der Miniſter gibt ſich nicht der Hoffnung
in, daß ſich die Sozialdemokratie durchſetzen werde,
ſon=
dern hofft vielmehr, daß ſie überwunden werden wird
durch Gerechtigkeit und den geſunden Sinn des Volkes,
wenn ſie aber die Bahnen des Geſetzes verlaſſe, durch die
Machtmittel des Staates. Der Miniſter möchte das
badi=
ſche Volk wahr frei und ſelbſtändig ſehen, und damit
er=
ſcheine es ihm nicht vereinbar, was in der Wahlbewegung
und in der politiſchen Betätigung der katholiſchen
Geiſt=
lichen vielfach hervortritt. Es iſt deshalb die Mahnung
zu berechtigt, daſt auch die Geiſtlichen ſich eine gewiſſe
Zurückhaltung im politiſchen Kampfe auferlegen möchten.
Der Streit um die chriſtlichen Gewerkſchaften.
* Paderborn, 7. Febr. Die Meldung des römiſchen
Berichterſtatters der Kölniſchen Volkszeitung in Nr. 110,
laut der die Integrale Unia Cattolica ſchreibt, Kardinal
Kopp ſuche mit ſeiner Erklärung nur die Ehre des
Biſchofs Dr. Schulte zu retten, hat laut der Köln.
Volkszeitung den Herrn Biſchof von Paderborn veranlaßt,
ſich unter Vorausſetzung der Richtigkeit dieſer
Uebermitte=
lung an den Heiligen Stuhl zu wenden, um gegen dieſe
neue Entſtellung der Tatſachen
Verwah=
rung einzulegen. Auch hat der Biſchof von
Pader=
born von dieſem Schritt den Kardinal Dr. Kopp ſofort in
Kenntnis geſetzt.
Der Rücktritt Kokowtzows.
* Paris, 7. Febr. Zu dem Gerücht über den
bevor=
ſtehenden Rücktritt Kokowtzows wird aus
Peters=
burg gemeldet, daß ernſte
Meinungsverſchie=
denheiten zwiſchen Kokowtzow und dem
Verkehrs=
miniſter ausgebrochen ſeien, welch letzterer es lebhaft
ge=
tadelt habe, daß der Miniſterpräſident den in Frankreich
aufgenommenen Eiſenbahnanlehen nicht den Charakter
einer Staatsanleihe gegeben habe.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Ein wahrer Hegen für Alle!
Ich war körperlich derart heruntergekommen, daß
man mich für einen verlorenen Menſchen hielt. Ich
ſetzte jedoch meine ganze Hoffnung auf das bewährte
Bioſon, das mir dann auch zum Retter geworden iſt.
Von Anfang des Bioſongenuſſes an merkte ich eine
ſtetig fortſchreitende Hebung meiner Kräfte und Stärkung
der Nerven. Wegen meiner Magen= und Darmträgheit
machen mir andere Speiſen Verdauungsbeſchwerden,
weshalb ich mich faſt ausſchließlich von Bioſon genährt
habe. Dieſes ideale Mittel iſt für alle Schwachen und
Elenden ein wahrer Segen. Pius Schmitt,
Nürn=
berg, Auſtraße 16c. Unterſchrift begl. 10. 9. 13. Notar
Löſch. Bioſon, das Paket, mehrere Wochen ausreichend,
(III,3908
Mk. 3.— in Apotheken, Drogerien.
Wonlungs Einrichtungene
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gelungenen Schwänen, die dieſelbe an Bändern führt,
dargeſtellt. Durch kunſtgerechte Wiedergabe dieſes Bildes
wird ein wirklich impoſanter Eindruck hervorgerufen,
welcher durch die weiteren Dekorationen des Lichthofes
durch ſämtliche 3 Stockwerke mit Taſchentüchern,
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pflanzen ꝛc. nur noch vergrößert wird.
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Stuttgart 10 ℳ. Ungenannt 1 ℳ. F. A. 1 ℳ. F. T.
5 ℳ. Ungenannt 1 ℳ. Ungenannt 2 ℳ. Zuſammen
59 ℳ, mit den bereits veröffentlichten 1074.35 ℳ zuſammen
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Nordamerika: „Barcelona” nach Philadelphia und
Baltimore, 4. Febr. 5 Uhr 30 Min. morgens Lizard
paſſiert. „Katharine Park” 3. Febr. 1 Uhr nachm. in
Neuorleans. „Pallanza” 3. Febr. 7 Uhr morgens von
Norfolk nach Boſton. „Pennſylvania” nach Neu=York,
3. Febr. 2 Uhr 15 Min. nachm. Scilly paſſiert. „Preſident
Grant” 3. Febr. 9 Uhr morgens in Neu=York. —
Weſt=
indien, Mexiko: „Bavaria” nach Havanna und Mexiko,
3. Febr. 3 Uhr nachm. von Santander. „Grunewald”
3. Februar in Colon. „Niederwald” nach Weſtindien,
3. Februar 4 Uhr nachmittags von Ponta Delgada.
„Schaumburg”, von Weſtindien kommend, 4. Febr. 2 Uhr
morgens von Havre. „Wasgenwald” nach Mexiko,
3. Febr. in Havanna. „Weſterwald” von Mexiko und
Havanna kommend, 3. Febr. 9 Uhr abends in
San=
tander. „Ypiranga” 3. Febr. von Tampico, heimkehrend.
— Oſtaſien: „Andaluſia” 3. Febr. in Hongkong,
heim=
kehrend. „Arabia” nach Oſtaſien, 3. Febr. 7 Uhr morg.
in Antwerpen. „Bermuda” 3. Febr. in Tſingtau,
aus=
gehend. „Braſilia” 4. Febr. 9 Uhr morgens auf der
Elbe. „Iſtria” 3. Febr. 3 Uhr nachm. in Havre,
heim=
kehr.. „O. J. D. Ahlers” 3. Febr. 8 Uhr morg. von Moii
nach Kobe. Preußen” 3. Febr. in Schanghai,
heim=
kehrend. — Verſchiedene Fahrten: „Cleveland” Orient=
und Indienfahrt, 3. Febr. 7 Uhr 30 Min. morgens in
Genua. „Duala” 1. Febr. von Neu=York nach
Weſt=
afrika. „Edea” 2. Febr. von Kotonou, ausgehend.
„Nicaria”, von Perſien kommend, 3. Febr. abends von
Port Said. „Oſtmark” nach Indien, 1, Febr. in
Middles=
borough. „Otavi” nach Weſtafrika, 2. Febr. von Las
Palmas, „Victoria Luiſe” von der erſten
Weſtindien=
fahrt, 3. Febr. 7 Uhr 15 Min. morgens in Neu=York
Wie es unſern Großmüttern gelang, noch
mit 60 Jahren jung zu erſcheinen.
„Es iſt merkwürdig” äußerte ſich kürzlich ein ſchon
bejahrter Chemiker, „daß heutzutage ſo viele Frauen alle
möglichen Verfahren in ihrem Geſichte anwenden, die
häu=
fig recht kompliziert und dabei oft nicht ungefährlich ſind;
dies in der ſicheren Erwartung, ſich dadurch ihrer Runzeln
und anderer Schönheitsfehler zu entledigen, wo ſie dieſen
Zweck doch ſo leicht durch Anwendung des einfachen, alten
Mittels erreichen könnten, deſſen ſich ſchon unſere
Groß=
mütter bedient haben. Früher bewahrte ſich eine
ſechzig=
jährige Frau ein noch verhältnismäßig jugendliches
Aus=
ſehen; heutzutage aber haben die meiſten Frauen ſchon vor
dem dreißigſten Lebensjahr häßliche Linien und Falten
aufzuweiſen. Und trotz vieler Experimente wurde bislang
nichtsNeues erfunden, was ſich ſo effektiv erwieſen hätte, wie
das altmodiſche reine Parinolwachs, wie man es in den
Apotheken und Drogerien bekommt. Wenn alte Hiſtörchen
wahr ſind dann verdankten die berühmteſten Schönheiten
des franzöſiſchen Hoflebens, Madame Recamier, Madame
du Barry und andere, lediglich dieſem einfachen Mittel die
lange Erhaltung ihres jugendfriſchen Ausſehens. Reines
Parinolwachs ſcheint innerhalb weniger Tage die
über=
flüſſigen, welken Hautpartikelchen zu abſorbieren und
weg=
zunehmen, die ſich nicht in natürlicher Weiſe gelöſt haben.
Dadurch tritt dann die darunter befindliche hübſche, natürliche
neue Haut zutage. Das Mittel iſt abſolut unſchädlich und
kann auch der zarteſten Haut nichts anhaben. Ich habe es
von Frauen mit bereits ſehr tiefen Linien und Falten
an=
wenden ſehen, und in kurzer Zeit verſchwand faſt jede
Spur dieſer Schönheitsfehler. Meine eigene Tochter nähert
ſich bereits den Fünfzigern, ſie erhält ſich aber ihr Geſicht
ſo jung und friſch, daß die meiſten ſie kaum für
fünfund=
dreißig halten.”
(VIII, 3916
Das Vorſtehende weiſt auf ein ſo
ein=
faches und unſchädliches Mittel zur Pflege
der Geſichtshaut hin, daß es im Intereſſe
der Leſerinnen hiermit veröffentlicht ſei.
Familiennachrichten.
Die glückliche Geburt eines kräftigen
MäDcHENS zeigen an
H. Baßmann
und Frau, geb. Oepen.
(*3229
Statt Karten!
g. Die glückliche Geburt eines
kräftigen JUNGEN zeigen
hocherfreut an
WIL.HELM MARKOLF
und FRAU LUlSE, geb. Göbel.
Darmstadt, 7. Februar 1914.
(*3227
Freitag vormittag 9 Uhr verſchied plötzlich an
Hirnſchlag unſer lieber Vater,
Schwieger=
vater und Großvater
Herr Johann Hoffmann
Privatier
im 76. Lebensjahre.
Darmſtadt, Oberſtein, Bensheim,
Frank=
furt a. M., Tabora (Oſt=Afrika), Genf,
den 7. Februar 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen:
J. d. N.:
Gustav Adolf Stroh.
Die Beiſetzung findet Montag vorm. 11½ Uhr
in Bensheim von der Kapelle des ſtädtiſchen
Friedhofs aus ſtatt.
Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte, dem
Hin=
ſcheiden meines lieben Gatten, unſeres guten Vaters,
Großvaters und Bruders
(3917
Herrn Wilhelm Franck
Pfarrer
ſprechen wir Allen unſeren innigſten Dank aus.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Julie Franck, geb. Wendeberg.
Rohrbach, 6. Februar 1914.
Giermit allen Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß Gott der Alle
mächtige meine innigſtgeliebte, herzensgute,
durchs Schickſal ſchwergeprüfte Mutter
Maria Schmidt Wwe.
nach längerem, mit Geduld und Gottvertrauen
ertragenem Leiden durch einen ſanften Tod
zu ſich gerufen hat.
(3968
In tiefer Trauer:
Frau Marie Kadel
und Kinder.
Darmſtadt, den 6. Februar 1914.
Dieburgerſtr. 17, II.
Die Beerdigung findet Montag, den 9. Febr.,
nachmittags um 3 Uhr, vom Friedhofe aus,
ſtatt.
(3968
die im Montags=
Todesanzeigen, blatt Aufnahme
finden ſollen, bitten wir an Sonntagen in unſeren
Brief=
kaſten am Hauſe, Rheinſtraße 23, zu werfen.
Expedition des Tagblatts.
Tageskalender.
Sonntag, 8. Februar.
Großh. Hoftheater; Anfang 2½ Uhr, Ende gegen
5 Uhr (Volksvorſtellung): „Der dunkle Punkt”
Abendvorſtellung: Anfang 7 Uhr, Ende gegen 10 Uhr
(außer Abonnement): „Samſon und Dalila‟
Vorſtellungen um 4 und 8¼ Uhr im Orpheum.
Gaſtſpiel von Michael Denggs Bauerntheater in der
Turnhalle am Woogsplatz; 3½ Uhr: „Der Amerikaſeppl”
— 8 Uhr 10 Min.: „Der Herrgottſchnitzer von
Ammer=
gau”.
Hauptprobe zum Konzert des Muſikvereins um 10
Uhr im Saalbau.
Vortrag von Profeſſor Dr. Engel um 8¼ Uhr
Stein=
ſtraße 24 (Sprachverein, Lehrerverein, Alldeutſcher
Ver=
band):
Offener Abend des Alkoholgegnerbundes um 7½
Uhr im Saalbau.
Wanderung des Odenwaldklubs nach Wald=
Michel=
bach (Abfahrt 6.46 Uhr).
Damen= und Herrenſitzung des Heſſiſchen
Fecht=
vereins „Waiſenſchutz” um 4.11 Uhr im Mathildenhöh=.
Maskenball des Krieger= und Militärvereins „
Blü=
cher” um 8.11 Uhr im Kaiſerſaal.
Konzerte uſw.: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — Hotel Heß
um 4 Uhr. — Bürgerkeller um 4 Uhr. — Perkeo um
4 Uhr. — Café Metropole um 4 Uhr. — Palaisreſtaurant
um 7 Uhr. — Reſtaurant Bavaria um 4.11 Uhr. —
Schützenhof um halb 6 Uhr. — Chauſſeehaus um 4 Uhr.
— Hanauer Hof um 7.11 Uhr. — Reſtaurant
Schweizer=
haus zu Eberſtadt um 4 Uhr. — Reſtaurant Halber
Mond zu Heppenheim um 4.11 Uhr.
Tanzkränzchen: Geſangverein Freundſchaft um
4 Uhr im Reſtaurant Zur Roſenhöhe. — Stadt
Pfung=
ſtadt um 4 Uhr. — Hotel Behrends=Hufnagel zu Traiſa
um 4 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Montag, 9. Februar.
Brennholz=Verſteigerung um 9½ Uhr im
Eber=
ſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft auf dem
Bäcker=
weg am Eingang des Waldes).
Stammholz=Verſteigerung um 9 Uhr im
Pfung=
ſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft auf der
Sand=
ſchollſchneiſe an der Sandbachbrücke).
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr im „
Darm=
ſtädter Hof” zu Griesheim.
Bau= und Nutzholz=Verſteigerung um 2 Uhr
im Rathaus zu Griesheim.
Holzverſteigerung um 9 Uhr in der Güntherſchen
Gaſtwirtſchaft zu Roßdorf.
Stamm=und Stangenholz=Verſteigerung
um 9½ Uhr im Roßdörfer Gemeindewald (
Zuſammen=
kunft auf der Kubig am Eingang des Waldes).
Brenn= und Nutzholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Büttelborner Gemeindewald (
Zuſammen=
kunft auf dem Weiterſtädter Weg am Eingang des
Waldes).
Stammholz= uſw. Verſteigerung um 2½ Uhr
im Schaafheimer Gemeindewald (Zuſammenkunft auf
der Straße Schaafheim-Schlierbach am Holzſchlag).
Jagdverpachtung um 11½ Uhr im Rathaus zu
Auerbach.
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von 11—1 Uhr; bei Sonderausſtellungen auch
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tags nachmittags von 3—5 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem
Geſchäfts=
leben: Carl Friedrich Romacker; ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Kassenbestand . . . . . . .
Giroguthaben bei der Reichsbank und bei
der Vereinsbank in Hamburg
Guthaben in laufender Rechnung bei der
Deutschen Bank und anderen ersten
Bankhäusern
Wechsel-Conto . . .
Effekten-Conto (nom. ℳ 11 210000.−
3% ige Reichs- und bundesstaatliche
Anleihen, eingesetzt mit 75%) plus laufender
Zinsen . .
,, „ „
davon ins Pfandbriefdeckungsregister
ein-
getragen ℳ 4 150000.−
Darlehen auf Hypotheken . . . . .
Hypotheken (davon ins Deckungsregister
eingetragen ℳ 553 222820.59) . .
Fällige Hypotheken-Darlehnszinsen
(rückständig ℳ 111099.17) .
Bankgebäude-Conto Hamburg
Bankgebäude-Conto Berlin
Debitoren in laufender Rechnung
4
259 404
321 722)8
19 712 216l5
20 293 343
176147
8 488 2062
345 000
570 744 738ls
5937413
700000-
500000
998 423/1
Aktienkapital-Conto . .
Ordentlicher Reservefonds . . . .
Reserve-Conto II (erhöht sich durch die
diesjährige Zuwendung aus dem
Rein-
gewinn auf ℳ 4 643 003.11)
Effekten-Abschreibungs-Reserve .
Hypothekenpfandbriefe,
4% ige Pfandbriefe .
3½ o ige
Fällige Hypothekenpfandbriefe
Pfandbrief-Zinsen (davon ℳ 2971 148.—
fällige Zinsscheine) . .
Dividenden-Conto (Restanten)
Pfandbrief-Agio-Conto (§ 26 des
Reichs-
hypothekenbankgesetzes)
Vorträge auf Provisions-Conto
Vorträge auf Hypothekenzinsen-Conto
Vortrag auf Unkosten-Conto
Talonsteuer-Conto
Wehrsteuer-Conto . . . . . .
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Gewinn- und Verlust-Conto . . .
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421 401 500
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(I,3507
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde! In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 2 Pinſcher. 1 Pinſcher, 1 Jagdhund (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
aus=
gelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(3910
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur
allgemeinen Kenntnis.
(3695fg
Darmſtadt, den 4. Februar 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Polizeiverordnung
für die Stadt Darmſtadt, die Beaufſichtigung der Hunde betreffend.
Auf Grund des Artikels 56 Abſatz 2 Ziffer 1 des Geſetzes
betreffend die Städteordnung für das Großherzogtum Heſſen, vom
13. Juni 1874 wird nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Genehmigung des
Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 16. März 1909, zu
Nr. M. d. J. II 1247, die nachſtehende Polizeiverordnung für den
Gemeindebezirk Darmſtadt erlaſſen:
§ 1. Innerhalb der Stadt müſſen auf öffentlichen Straßen
und Plätzen, ſowie an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen,
1. biſſige Hunde mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb
verſehen ſein und an einer kurzen Leine geführt werden,
2. Hunde der nachſtehenden Raſſen:
a) Bernhardiner,
b) Neufundländer,
c) Leonberger,
d) Doggen (Deutſche, Ulmer, Däniſche und Bulldoggen),
e) Barſoys (große ruſſiſche Windhunde),
k) Maſtiffs
und alle aus Kreuzungen dieſer Raſſen hervorgegangenen Hunde
an einer kurzen Leine geführt werden.
§ 2. Alle Hunde ſind an der Leine zu führen
1. in den dem Publikum geöffneten Großherzoglichen Hofgärten,
2. in den Anlagen weſtlich der früheren Main=Neckar=Bahn,
3. in den neuen Bahnhofsanlagen zwiſchen Allee, Stirn= und
Dornheimer Weg,
4. in den Bahnhöfen,
5. in Wirtſchaften und Wirtsgärten.
§ 3. Die Begleiter von Hunden haben dafür Sorge zu tragen,
daß dieſe in den öffentlichen Anlagen, in denen ſich Raſenplätze,
Blumenbeete oder Gebüſchanpflanzungen befinden, nicht außerhalb
der Wege umherlaufen.
§ 4. Außerhalb der Stadt müſſen alle biſſigen Hunde mit
einem das Beißen verhindernden Maulkorb verſehen ſein.
§ 5. Kranke Hunde und läufige Hündinnen müſſen auf der
Straße und an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen, ſtets an
der Leine geführt werden.
Mit anſteckender Krankheit, insbeſondere Hautkrankheit behaftete
Hunde, müſſen zu Hauſe eingehalten werden.
§ 6. Es iſt verboten, zur Nachtzeit, d. h. in der Zeit von
10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, Hunde ohne Aufſicht auf der
Straße frei umherlaufen zu laſſen.
§ 7. Das Mitbringen von Hunden auf Friedhöfe, den
Wochen=
markt und die Meſſe, ſowie in öffentliche Dienſtgebäude, in die
Badehäuſer oder an die Badeplätze des Woogs, zu öffentlichen
Feier=
lichkeiten und in Räume, in denen Nahrungs= oder Genußmittel
feilgeboten werden, iſt verboten.
§ 8. Die Beſitzer und Begleiter von Hunden haben die
erforder=
lichen Maßregeln zu treffen, damit die Ruhe nicht durch andauerndes
Gebell oder Geheul ihrer Hunde geſtört wird, und insbeſondere das
Anbellen von Perſonen, Zug= und Reittieren durch ihre Hunde zu
verhindern.
§ 9. Das Polizeiamt kann den Aufenthalt bösartiger, biſſiger
und kranker Hunde auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen
ganz verbieten.
§ 10. Für jeden Hund, der in das nach § 1 der Verordnung
vom 4. November 1899, die Hundeſteuer betreffend, von der Großh.
Bürgermeiſterei zu führende Hunderegiſter eingetragen iſt, erhält der
Beſitzer des Hundes eine Blechmarke mit einer Nummer, die der
Hund, ſolange er ſich außerhalb eines Hauſes, geſchioſſenen
Grund=
ſtücks oder ſonſtigen umſchloſſenen Raumes befindet, ſtets am
Hals=
band zu tragen hat.
§ 11. Wer den vorſtehenden Beſtimmungen zuwiderhandelt oder
die ihm darin auferlegten Verbindlichkeiten nicht erfüllt, wird, inſoweit
nicht andere Strafbeſtimmungen zur Anwendung zu kommen haben,
auf Antrag des Großh. Polizeiamts mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark
beſtraft.
§ 12. Die Polizeibehörde hat ferner das Recht, alle Hunde,
die entgegen den Beſtimmungen dieſer Polizeiverordnung nicht
an=
geleint oder nicht mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb oder
nicht mit der in §10 vorgeſchriebenen Blechmarke verſehen ſind, durch
den Hundefänger einfangen zu laſſen, falls der Beſitzer nicht zur
Stelle iſt und den Hund in Gewahrſam nimmt.
Desgleichen können alle Hunde eingefangen werden, die an den
in § 7 genannten Orten, in öffentlichen Anlagen außerhalb der Wege
oder zur Nachtzeit ohne Aufſicht frei umherlaufen.
§ 13. Die eingefangenen Hunde werden in Verwahrung und
Pflege genommen und 5 Tage lang zur Auslöſung durch den Beſitzer
bereit gehalten.
Die Herausgabe erfolgt an die Perſonen, die ſich als
empfangs=
berechtigt ausweiſen, gegen Erſtattung des Betrags, der von dem
Polizeiamt als Entſchädigung für die durch das Einfangen und die
Verpflegung der Hunde der Polizeikaſſe erwachſenen baren Auslagen
feſtgeſetzt wird.
Hunde, welche die in § 10 vorgeſchriebene Blechmarke mit
Nummer tragen, ſind den Eigentümern innerhalb 24 Stunden nach
dem Einfangen gegen Erſtattung einer beſonderen Gebühr in Höhe
von 50 Pfennig zuzuführen.
Hunde, die innerhalb der 5tägigen Friſt nicht ausgelöſt ſind,
werden entweder zu Gunſten der Polizeikaſſe veräußert oder getötet.
§ 14. Durch die Beſtimmungen des § 12 wird das wegen
Uebertretung der Vorſchriften dieſer oder der in § 10 erwähnten
Verordnung einzuleitende Strafverfahren nicht berührt.
§ 15. Die Polizeiverordnung vom 4. Auguſt 1891, die
Beauf=
ſichtigung der Hunde betreffend, wird aufgehoben.
Die Polizeiverordnung für den Kreis Darmſtadt vom 29.
No=
vember 1911, das Fahren mit Hunden betreffend, wird durch die
Vorſchriften dieſer Polizeiverordnung nicht berührt.
§ 16. Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. April 1909 in Kraft.
Darmſtadt, den 24. März 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Holzverſteigerung.
Freitag, 13. Februar I. J. werden verſteigert aus Diſtr. I.
Eichen, Abt. 30: Scheiter, rm: 170 Buche, 84 Eiche — dabei
Werk=
holz; Knüppel, rm: 251 Buche, 65 Eiche; Reiſig, Wellen: 3460 Buche;
Knüppelreiſig, rm: 49 Eiche und Hainbuche; Stöcke, rm: 49 Buche,
38 Eiche. Zuſammenkunft morgens 9½ Uhr auf Kreuz
Koſacken=
ſchneiſe und Höllwieſenſchneiſe. Auskunft durch Forſtwartaſpirant
Kirſchner zu Meſſel.
Meſſeler Forſthaus, 7. Februar 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
(3943
Schlag.
Jagd=Verpachtung.
Donnerstag, den 12. Februar I. Js., morgens 9½ Uhr werden im Rathausſaal zu Darm
ſtadt (Marktplatz Nr. 8) auf 12 Jahre verpachtet:
Die Jagdfläche der
einzelnen Jagdteile
Die zugehörigen Jagdteile liegen
enthält:
Jagdbezirk
5
6255
fücker u.
Wald
Wieſen 1Summa
in der Oberförſterei 1 in der Gemarkung
ha 1.ha
Da
ha
a) Rein fiskaliſche Jagdbezirke:
Ernſthofen (Bez. 1) A Alsbach, Koloniewald I 290 ½ 16 I 306
Wembach mit Hahn
Ober=Ramſtadt Nr. II. Ober=Ramſtadt (Bez. 2) Koloniewald, Ober=
Ramſtadt
261
1 282
Groß=Bieberau (Bez. 3) Groß=Bieberau, Rodau 31
35
Groß=Bieberau Nr. I. 1 Groß=Bieberau (Bez. 1) Billings, Lichtenberg,
Rodau, Obern= und
Niedernhauſen
Ernhofen Nr. II. Ernſthofen (Bez. 2) Ernſthofen, Neutſch,
0 80
30
Ober=Modau
b) Aus fiskaliſchen Jagdteilen und ſolchen der Stadt Darmſtadt
zu=
ſammengeſetzte Jagdbezirke:
Darmſtadt
Darmſtadt (einſchl.
En=
klaven)
273
311
Darmſtadt A.
Ober=Ramſtadt
Ober=Ramſtadt
408
391
1082
Beſſungen
Roßdorf.
302
333
Darmſtadt
Darmſtadt
100
99 1 314
Beſſungen
Beſſungen
332
354
Darmſtadt B.
Ober=Ramſtadt
Ober= und Nieder=
904
Ramſtadt
225
Eberſtadt
Eberſtadt
Beſſungen
Darmſtadt
04
Darmſtadt C.
80
Darmſtadt
Darmſtadt
371 1101 472
Die unter b aufgeführten Jagdbezirke beginnen in nächſter Nähe der Stadt Darmſtadt und ſind
jeweilig durch die Odenwaldbahn und Eberſtädter Staatsſtraße getrennt.
Nähere Auskunft erteilen die in Spalte 2 genannten Oberförſtereien.
Darmſtadt, den 30. Januar 1914.
J. A.: Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
(3321gg
Preiſe für Fleiſch
in der Stadt Darmſtadt
am 5. Februar 1914.
(Mitgeteilt von der Großh.
Zentral=
ſtelle für die Landesſtatiſtik.)
Häufigſter Preis in 3 pro Pfund
Ochſenfleiſch mit Beilage . . 96
80—90
Rindfleiſch
„
Kuhfleiſch
80‟)
Kalbfleiſch „
100
Hammelfleiſch „
100
Schweinefleiſch,
84
Leberwurſt gewöhnliche . . 70
Blutwurſt,
70
Geräucherter Speck
. 110
Schweineſchmalz, inländiſches 80
*) Durchſchnittspreis.
Die Erhebung erſtreckte ſich auf
45 Metzgereien, und zwar auf 25,
in denen Ochſen=, Rind= od.
Kuh=
fleiſch, auf 18, in denen Kalbfleiſch,
auf 7, in denen Hammel= und auf=
17, in denen Schweinefleiſch
ver=
auft wurde.
Bekanntmachung.
Das Konkursverfahren über das
Vermögen des Bäckermeiſters und
Gaſtwirts Ludwig
Kaffenber=
ger III. von Roßdorf wird
man=
gels Maſſe eingeſtellt. (3873
Darmſtadt, 3. Februar 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Bekanntmachung.
Das Konkursverfahren über den
Nachlaß der Karl Müller I.
Witwe, Katharina, geb. Fiſcher,
in Ober=Ramſtadt, wird mangels
Maſſe eingeſtellt.
(3872
Darmſtadt, 3. Februar 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II
ferde=Verkauf.
Dienstag, 10. Februar 1914,
vormittags 11 Uhr,
wird auf dem vorderen Hofe der
Kavallerie=Kaſerne am
Marien=
platz in Darmſtadt ein nicht zum
Dieſiſtgebrauch geeignetes
Reit=
pferd öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung verſteigert. (3935
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.
Tu Poltbchre
ſehr ſtückreich, Mk.
u. Aüſſezuſatz
1.25
vorzügl. Hausbr.
bei Abnahme v. 25 Ztr. g. Kaſſe.
Chr. Müller
Heinheimerſtraße 35
Teleph. 1346. (3945a
Wegen Einführung einer
Dampf=
heizung iſt ein Meißner
Porzellankamin mit offener
Holz=
feuerung ſehr billig zu verkau=
(3961a
fen.
Einzuſehen Hermannſtraße 35.
Anzeigepflicht für Motorbetriebe:
Nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur
Kennt=
nis der Beteiligten.
Darmſtadt, den 6. Februar 1914.
(3911gi
Großherzogliches Polizeiamt
Gennes.
Polizeiverordnung
betreffend die Ausführung der Kaiſerlichen Verordnung vom 9. Juli
1900, hier: Anzeigepflicht der Motore.
Auf Grund des Artikels 78 der Kreis= und Provinzialordnung
vom 12. Juni 1874 wird mit Zuſtimmung des Kreisausſchuſſes und
mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom 29. Oktober
1901 zu Nr. M. d. J. III. 5947 für den Kreis Darmſtadt verordnet,
was folgt:
§ 1. Jeder Gewerbetreibende, in deſſen Werkſtätte ein durch
elementare Kraft (Dampf, Wind, Waſſer, Gas, Luft, Elektrizität uſw.)
bewegtes Triebwerk in gleichviel welchem Umfange zur Verwendung
kommt, hat die erfolgte Aufſtellung und Inbetriebnahme innerhalb
8 Tagen nach Beginn der letzteren der Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
§ 2. Jeder Gewerbetreibende, der zur Zeit des Inkrafttretens
dieſer Polizeiverordnung in ſeiner Werkſtätte einen Motor der in
§ 1 bezeichneten Art benutzt, hat dies bis zum 15. Januar 1902 der
Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften in den §§ 1
und 2 werden mit Geldſtrafen bis 30 Mark beſtraft.
§ 4. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung
im Kreisblatte in Kraft.
Darmſtadt, den 10. Dezember 1901.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Beleuchtung von Einfahrten,
Höfen, Treppen, Fluren uſw.
Wir weiſen wiederholt auf die den Eigentümern von
Grund=
ſtücken obliegende Verpflichtung hin, die Toreinfahrten, Höfe,
Hausflure, Gänge und Treppen, ſofern und ſolange ſie
jeder=
mann zugänglich ſind, während der Dunkelheit ſo ausreichend
zu beleuchten, daß für die daſelbſt verkehrenden Perſonen keine
Gefahr beſteht.
Dieſe Verpflichtung liegt namentlich auch den Inhabern von
Fabriken, gewerblichen Anſtalten und Arbeitsſtätten, von
Ver=
gnügungs=, Verſammlungs= und Schankſtätten (den letzteren
ins=
beſondere auch hinſichtlich der Bedürfnisanſtalten) ob.
Pflichtwidrige Unterlaſſung der Beleuchtung begründet, falls
hierdurch jemand zu Schaden kommt, die Entſchädigungspflicht,
ſo=
wie die ſtrafrechtliche Verantwortlichkeit.
Die Verpflichtung kann durch Vertrag auf Hausverwalter,
Mieter uſw. übertragen werden. Dies ſetzt jedoch die
überein=
ſtimmende Willenserklärung beider Parteien, des Vermieters und
des Mieters, voraus. Eine einſeitige Erklärung des Vermieters (als
ſolche iſt auch der ohne vorherige Verſtändigung mit dem Mieter
er=
folgende Aushang einer „Hausordnung” zu zählen) kann die
oben=
genannte Verpflichtung für die Mieter nicht begründen.
(3791fg
Darmſtadt, den 4. Februar 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Mittwoch, den 18. Februar, vormittags 10 Uhr,
ſoll der erforderliche Bedarf an Verpflegungsbedürfniſſen für das
Garniſonlazarett für die Zeit vom 1. April 1914 bis 31. Dezember
1914, ſowie die Abnahme der Küchenabfälle, Brotreſte u. Knochen
(3758sg
vergeben werden.
Die Bedingungen, welche vor Einſendung der Angebote zu
unterſchreiben ſind, liegen im Garniſonlazarett zur Einſicht auf.
Garniſonlazarett.
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Lieferung
für das Stadtkrankenhaus von Brot, Milch, Butter, Eier,
Mehl, Kaffee, Flaſchenbier, Kochviktualien, ſowie Seife und
dergleichen mehr während des Verwaltungsjahres vom 1. April
1914 bis 31. März 1915.
Die Lieferung von Nahrungsmitteln und
Verbrauchsgegen=
ſtänden für das Stadtkrankenhaus ſoll im Wege der Verdingung
vergeben werden. Es wird nur beſte Ware verlangt. Die
Lieferungs=
bedingungen ſind auf dem Verwaltungsbüro im Stadtkrankenhaus,
Grafenſtraße 3 einzuſehen. Für die Angebote dürfen zwecks
Ein=
heitlichkeit der Ausſtellungen nur Druckformulare verwendet werden,
die auf dem Verwaltungsbüro des Stadtkrankenhauſes gegen eine
geringe Vergütung zu erhalten ſind. Angebote, zu denen das
vorge=
ſchriebene Formular nicht verwendet wurde, finden keine
Berück=
ſichtigung.
Wer ſich an der Lieferung beteiligen will, den bitten wir, ſeine
verſchloſſenen, mit bezüglicher Aufſchrift verſehenen Angebote
Sams=
tag, den 14. Februar I. Js., vormittags zwiſchen 10 und
12 Uhr, im Stadtkrankenhaus, Grafenſtraße 9, in den an der
Poli=
klinik angebrachten Angebotskaſten einzulegen. Die Warenproben
ſind auf dem Verwaltungsbüro abzugeben. Die Proben dürfen
nicht mit dem Namen des Einlegers verſehen ſein, ſondern nur ein
Zeichen oder einen Buchſtaben tragen. Das gleiche Zeichen muß
auch in dem Angebot angegeben ſein.
Die Preiſe ſind für das Kilogramm bezw. das Liter zu ſtellen.
Für die Brötchen wird ein Abgebot auf den Preis von 3 Pfg. für
50 Gramm verlangt. Es wird ausdrücklich darauf hingewieſen, daß
die eingelegten Preiſe für die ganze Zeit der Lieferung bindend ſind
und daß nachträglichen Anträgen auf Erhöhung der
Submiſſions=
preiſe innerhalb der Lieferungszeit unter keinen Umſtänden
ſtatt=
gegeben werden kann.
Die Genehmigung der Vergebung, ſowie die Auswahl unter
allen Anbietenden, bleibt dem Herrn Oberbürgermeiſter vorbehalten.
Darmſtadt, den 6. Februar 1914.
(3871go
Die Krankenhausdirektion.
Dr. Fiſcher.
Einkaufsgenossenschaft
selbständiger Maler u. Tüncher
eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht
Darmstadt, Rheinstrasse 47.
Bilanz per 31. Dezember 1913
A. Aktiva:
B. Paſſiva:
1. Warenbeſtand lt. Auf=
1. Schulden lt.
Auf=
nahme
14 252/33
110 01797
ſtellung .
2. Brennmaterialbe=
2. Geſchäftsanteile der
40 .
Genoſſen eingezahlt 15300)—
3. Kaſſabeſtand .
682/42) 3. Reſervefonds
3 064132
4. Bankguthaben
13 969198) 4. Außerordentlicher
5. Außenſtände lt. Auf=
Reſervefonds.
930175
ſtellung
12 16817elll 5. Dividende=Konto
48/15
6. Mobiliar lt. Haupt=
6. Saldo=Gewinn
7507143
buch
493138
7. Werkzeuge und
Ma=
ſchinen lt.
Haupt=
buch . .
45107
8. Stammanteil bei der
Darmſtädter
Volks=
bank
500-
9. Sparkaſſe=Guthaben 2 179140
10. Geſchäftsanteile bei
der
Zentraleinkaufs=
genoſſenſchaft der
Maler=
Rohſtoffge=
noſſenſchaft.
Deutſch=
lands e. G. m. b. H.,
Mannheim
41 15219s
41 102
Gewinn= u. Verluſt=Rechnung 1913
Aufwand:
ℳ
Ergebnis:
1. Unkoſten lt. Unkoſten=
14 785/29
1. Waren=Konto
konto . . . . .
7143/75
183/80
. Zinſen=Konto .
2. Abſchreibung vom
Mobiliar
124160
3. Abſchreibung von
Werkzeug und
Ma=
ſchinen
19331
4. Saldogewinn .
7 507/43
14 969108
amen
Zahl der Genoſſen am 1. Januar 1913
Ausgetreten im Jahre 1913 .
Zahl der Genoſſen am 1. Januar 1914
9
Das Geſchäftsguthaben hat ſich im Jahre 1913 vermindert um
Mk. 300.00. Die Haftſummen haben ſich im Jahre 1913 vermindert
um Mk. 300.00. Die Geſamthaftſumme beträgt bei 29 Genoſſen
Mk. 15000.—.
(3944
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das vierzigſte Lebensjahr überſchritten haben und in der Lage ſind,
nonatlich wenigſtens hundert Mark zu bezahlen, oder ſich mit einer
entſprechenden Summe einzukaufen.
(II,3901
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(II,3797
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(*3165gid
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ſpäterer Heirat Anſchluß an
junge heitere Dame.
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gen Nebenſache. Diskretion
Ehrenſache. Gefällige Offerten
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dieſes Blattes. (*3077sg
Reelles
Heiratsgesuch.
Junggeſelle, 40er, evangeliſch, mit
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guten Verhältniſſen, wünſcht
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lein kennen zu lernen mit einigen
Tauſend Mark, zwecks Heirat.
Diskretion, Vermittler verbeten.
Anonym zwecklos. Bitte Offerten
unter H 48 an die Expedition
dieſes Blattes.
(*3241
D. Gleseslerrur.E
Es iſt allgemein bekannt, daß manche Herren und Damen in Liebesangelegenheiten ganz
verblüfſende Erfolge erzielen. Sie kommen, — ſehen, — ſiegen! Ihnen zu widerſtehen iſt
un=
möglich, ob man will oder nicht, man muß ſolche Perſonen lieben. Woran das liegt, kann man
ſich meiſt nicht erklären, da die Betreffenden weder durch große Schönheit noch etwa durch
hervor=
ragende Geiſtesgaben ſich vor anderen auszeichnen. Oft iſt ſogar das Gegenteil der Fall, indem
ſchönen und klugen Menſchen der oder die Geliebte abſpenſtig gemacht werden durch einen
Neben=
buhler, der häßlich und geiſtig minderbegabt iſt. Dieſe ſonderbaren Geheimniſſe des Liebes= und
Seelenlebens hat nun ein bekannter Pſychologe, Dr. F. Amos, gründlich erforſcht und iſt dabei
zu dem überraſchenden Schluſſe gelangt, daß dieſe geheimnisvolle Macht ſich jede Perſon aneignen,
daß alſo jeder Herr die Zuneigung einer jeden Dame und jede Dame die Zuneigung eines
jeden Herrn erringen kann. Wie es gemacht wird, hat er in einem Buche genau beſchrieben.
Wer die darin gegebenen Regeln befolgt, erobert die Herzen im Sturme und zwingt die geliebte
Perſon zur Zuneigung. Der Titel des Buches lautet: „Das Geheimnis der perſönlichen
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29
Ihr ganzes Auftreten, Gräfin, entſprach den
Anforde=
rungen, welche ich, bewußt und unbewußt, an meine
künf=
tige Gattin ſtellte, und als ich von ihrem Reichtum hörte,
erſchien er mir als eine beachtenswerte und ſehr
ange=
nehme Begleiterſcheinung Ihrer vielen übrigen Vorzüge.
Jede Spur von Berechnung lag mir fern, aber auch jede
übertriebene Beſcheidenheit, und ohne viel darüber
nach=
zudenken, glaubte ich, ebenſoviel bieten zu können, wie zu
empfangen. Im Lichte unſerer großen, gegenſeitigen Liebe,
an die ich damals noch glaubte, erſchien mir eine
erfreu=
liche künftige Gütergemeinſchaft ganz ſelbſtverſtändlich, und
kein häßlicher Nebengedanke fand in meiner Seele Raum.
Dann kam der ungeahnte, ſchwere Schickſalsſchlag, der
Zuſammenbruch aller meiner Hoffnungen und
Vorausſetz=
ungen. Mein Vater war, ſeiner Geſundheit wegen, viel
auf Reiſen geweſen und hatte den Winter meiſt an der
Riviera zugebracht. Dann und wann war auch das
Ge=
rücht aufgetaucht, er ſpiele, aber ich hatte ihm keine
Be=
deutung beigelegt und keinen Augenblick geglaubt, daß er
wirklich und wahrhaftig ein Spieler ſei. Das erfuhr ich
erſt kurz vor ſeinem Tode, als man mich an ſein
Kranken=
lager rief und er gezwungen war, mich über unſere
Ver=
hältniſſe aufzuklären. Mit großer Geſchicklichkeit hatte er
ſeine furchtbare Leidenſchaft zu verbergen gewußt, in
Wahrheit war er aber ſchon lange dem Spielteufel ver=
fallen, und gerade, weil ihn das Glück zuweilen in
auf=
fallender Weiſe begünſtigte, haite er ihm ſein ganzes
Ver=
mögen geopfert. Er hoffte immer wieder, es doppelt und
dreifach zürückgewinnen zu können, und ſchien untröſtlich,
daß ihm dies nicht gelungen war. Der Tod klopfte gerade
an ſeine Tür, als der Verluſt am größten war, und die
Aufregung über dieſen Verluſt trug nicht wenig dazu bei,
die Krankheit zu ſteigern. Das Barvermögen war
ver=
ſchwunden, ſein ſchöner Beſitz mit Hypotheken überlaſtet,
und es bedurfte großer Kapitalien, um das Gut zu halten
und rationell bewirtſchaften zu können.
Merkwürdigerweiſe ahnte niemand, wie ſchlimm es
um uns ſtand, und mein Vater nahm mir das
Verſpre=
chen ab, zu tun, was er ſo lange mit Erfolg getan hatte:
den Schein zu wahren, um ſich dadurch Anſehen und
Kre=
dit zu erhalten. Ohne meine Bedürfniſſe und
Anfor=
derungen herabzuſchrauben, ſollte ich als eleganter
Kava=
lier weiter leben und, ſtatt zu klagen, mich nach einer
reichen Frau umſehen. Nur ſo, meinte er, könnte ich die
Kriſis glücklich überſtehen, den Beſitz erhalten und ſein
Andenken vor übler Nachrede bewahren. Sein Leben
lang hatte er für einen guten Wirt und ſoliden Mann
ge=
golten, allerlei Ehrenämter bekleidet und andere beraten,
und der Gedanke, nun nach ſeinem Tode als gewiſſenloſer
Spieler an den Pranger geſtellt zu werden, verurſachte
ihm bittere, namenloſe Pein. Alles ſollte geſchickt
ver=
tuſcht und totgeſchwiegen werden. In meiner Liebe zu
Ihnen, Gräfin, und Ihrem großen Vermögen ſah mein
Vater Hilfe und Heil und ein Gnadengeſchenk des Him=
mib, das den alen degt deſtint uan, die dier
Far=
gen ſeiner Schuld zu tilgen, und ich muß es geſtehen, auch
ich empfand es nicht als Unrecht, das Heiratsgut meiner
geliebten Frau zur Erhaltung und Verbeſſerung des alten
Familiengutes zu verwenden. Wenn ich es beſſer mit
Eifer und Fleiß bewirtſchaftete, konnte das mir
anver=
traute Kapital nicht verloren gehen, und ich brauchte keine
koſtbare fremde Hilfe in Anſpruch zu nehmen, um eine
neue, rationelle Bewirtſchaftung einzuleiten. Das traurige
Geheimnis unſeres Niederganges blieb dadurch gewahrt.
So gab ich denn das verlangte Verſprechen. Getröſtet
und beruhigt ging der Sterbende hinüber, und niemand
ahnte, wie wenig er ſeinem Sohne hinterließ.
Auch mir kam meine veränderte pekuniäre Lage zuerſt
nicht voll zum Bewußtſein, der unwiederbringliche
Ver=
luſt meines Vermögens, und ganz erfüllt von meiner
Trauer, war ich beſtrebt, ſeinen letzten Wünſchen gemäß
zu handeln.
In der Theorie erſchien mir das leicht, in der Praxis
war es beinahe unmöglich.
Wir verlobten uns Gräfin, und zuerſt war mein Glück
ſo groß und berauſchend, daß alles andere dagegen
ver=
ſchwand oder doch nebenſächlich und unwichtig wurde.
aber bald kam ich in bittere Verlegenheit. Um in der
gewohnten Weiſe auftreten und zugleich daheim
weiter=
wirtſchaften zu können, mußte ich an verſchiedenen Stellen
heimlich Geld aufnehmen, und man gab es mir willig zu
hohen Prozenten, weil man in mir den künftigen Gatten
der reichen Gräfin Gartenhauſen ſah. Dann ſollte auf
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wöhnten neuen Herrin gründlich reſtauriert und verbeſſert
werden. Auch dazu mußte ich große Anleihen machen,
und ſchließlich reichten ſie doch nicht aus, da, wie immer
bei ſolchen Gelegenheiten, die Schäden ſich als viel größer
erwieſen, als man gedacht hatte, und mir nichts ſchön
ge=
nug war für meine junge Braut.
Das alles drückte auf mich und zehrte an mir in ganz
ungewohnter, qualvoller Weiſe, und dabei mußte ich
im=
mer den aufmerkſamen, zärtlichen Bräutigam ſpielen, der
nicht nur von Ihnen, Gräfin, ſondern auch von der
gan=
zen Familie ſcharf beobachtet wurde. Gegen niemand
durfte ich mich ausſprechen, nach allen Seiten mußte ich
mich drehen und wenden. Das war mir neu und erſchien
mir als meiner vollkommen unwürdig. Beſonders die
wachſende Abhängigkeit von der Gunſt und Ungunſt der
Familie Gartenhauſen empfand ich als ſchmachvoll und
demütigend und geriet ſo in eine verſchloſſene, gereizte
=Stimmung, welche mich ſehr unliebenswürdig gemacht
haben mag. Ich wurde meiner kleinen Braut gegenüber
anſpruchsvoll, kritiſch und ſchroff, vergaß, wie unreif und
unerfahren ſie im Grunde noch war und ſah in ihrer
inneren Abhängigkeit von Eltern und Geſchwiſtern einen
bewußten Verrat an unſerer Liebe und
Zuſammen=
hörigkeit.
Dann kam als letztes Ihre verhängnisvolle Frage,
Gräfin. Konnte ich ſie unter den obwaltenden Umſtänden
als anſtändiger Menſch mit Ja beantworten? Ich hatte
ſo gelitten unter der ſtummen Lüge meiner neuen
künſt=
lichen Exiſtenz, ſollte ich dieſe Lüge nun auch in Worte
umſetzen und ſagen: Dein Reichtum iſt mir gleichgültig,
Gabi, ich hätte Dich auch zur Gattin erwählt, wenn Du
ganz unbemittelt geweſen wäreſt? Und eine Erklärung
und Entſchuldigung, Gräfin? Die wollten Sie ſelbſt nicht,
und ich hätte ſie auch nicht zu geben vermocht. Mein
Mund war verſiegelt durch das Verſprechen, das ich
mei=
nem ſterbenden Vater gab, und in jener Stunde zweifelte
ich nicht nur an Ihrer, ſondern auch an meiner Liebe.
Der elementare Ausdruck Ihrer Entrüſung bendeie den
Konflikt, auch ich war voll Zorn, Trotz und Bitterkeit.
Die Trennung erſchien mir in der Tat nur als befreiende
Notwendigkeit.
Alles hatte nach dieſer Kriſis hingedrängt, und nun
ging auch alles mit einem Male zum Teufel. Nicht nur
jede Glückshoffnung, ſondern auch meine ganze Exiſtenz,
die alte Heimat und mein guter Ruf. Alle Opfer, die ich
gebracht hatte, waren umſonſt. Sie hatten meine Lage
nur verſchlimmert. Die Lüge rächte ſich. Sobald meine
Entlobung bekannt wurde, ſtürzten ſich die Wucherer wie
die Hyänen auf mich, ich mußte das ſchöne Gut weit unter
Wert verkaufen, um meine Schulden zu bezahlen, und was
mir von allem übrig blieb, außer ein paar Möbeln und
etwas Hausgerät, waren noch nicht zwanzigtauſend Mark.
Damit ſollte ich ein neues Leben beginnen.
Gabi hatte Wardenburg bisher nicht unterbrochen,
ſondern nur ſtumm zugehört. Nun ſagte ſie zögernd in
ſichtlicher Bewegung: Sie Armer, wie ſurchtbar muß das
alles für Sie geweſen ſein, aber Sie können niemand
an=
klagen, als Ihren Vater allein. Er iſt an dem ganzen
Unglück ſchuld.
Er nickte. Ich ſehe das jetzt allmählich ſelber ein,
Grä=
fin, aber damals, ſobald nach ſeinem Tode, war es mein
innerſtes Bedürfnis, ſein teures Andenken zu ſchonen und
zu entlaſten. Auch vor mir ſelbſt. Ich fühlte mich nicht
zu ſeinem Richter beſtellt, und in meinem blinden,
wüten=
den Groll häufte ich die ganze Verantwortung auf Ihr
Haupt. Ja, ich ſteigerte mich in einen Haß hinein, der
Sie und Ihre ganze Familie umſchloß, und die
Erbitte=
rung zehrte an mir wie ein Gift. Ich war ja durch mein
Vorleben ſo wenig vorbereitet für die armſelige Rolle,
welche ich fortan zu ſpielen hatte, und machte immer
Ver=
gleiche zwiſchen einſt und jetzt. Erſt allmählich habe ich
mich durchgekämpft und dabei gelernt, gerechter und beſſer
von Ihnen zu denken, und nun ſitzen wir hier zuſammen
und ich rede zu Ihnen wie zu einem guten Freund und
Kameraden. Iſt es nicht wunderbars
Ja, ſehr wunderbar, meinte Gabi wie träumend, und
Wardenburg fuhr fort: Es iſt überhaupt merkwürdig,
Gräfin, wie unſer eigenes Empfinden uns mitunter
über=
raſcht und befremdet. Als ich Sie hier ſo unerwartet
wiederſah, ſtieg nicht die letzte, ſondern die erſte Zeit
unſeres Zuſammenſeins vor meinem inneren Auge wieder
auf, der Abgrund, welcher ſich zwiſchen uns aufgetan hatte,
verſchwand, und ich erkannte nun wieder die Wahrheit,
welche durch meinen leidenſchaftlichen Grimm ſo lange
verdunkelt worden war. Umſtände verändern die Sache,
und die Zeit übt immer Ihre Wirkung aus, aber wie
ſehr unſere Gefühle ſich auch gewandelt haben, eins ſteht
feſt: Ich habe Sie urſprünglich nicht aus Berechnung,
ſon=
dern einzig und allein aus heißer, ſtürmiſcher Liebe geſucht
und umworben, und hätten wir uns vor der Erkrankung
meines Vaters verlobt, ſo wäre ich ſpäter in der Lage
ge=
weſen, Ihre Frage mit einem freudigen Ja zu
beant=
worten.
Er hatte immer leiſer und inniger geſprochen und
dann ſtumm in die Dämmerung hineingeſtarrt. Nun
ſprang er mit einer jähen, ſchnellen Bewegung auf, nahm
Gabi den Staubmantel von den Schultern und ſagte
haſtig: Es iſt die höchſte Zeit, wir müſſen gehen, Sie
kommen ſonſt nicht mehr ins Haus hinein.
Gabi folgte willig dem Ruf, aber ſie vermochte kein
Wort zu erwidern, die innere Bewegung erſtickte ſie faſt.
So gingen ſie ſchweigend wie in einem Traum durch die
ſinkende Nacht, jeder mit ſeinen eigenen Gedanken
beſchäf=
tigt, und erſt beim Abſchied ſagte Gabi: Sie haben mir
eine große Wohltat erwieſen, Herr von Wardenburg, und
ich danke Ihnen herzlich dafür. Nun kann ich alles viel
beſſer verſtehen, und ſie reichte ihm die Hand, die er
einen Augenblick mit der ſeinen umſchloß. Aber wie ein
glühendes Eiſen ließ er ſie plötzlich fallen und verſchwand
ohne ein Wort in der ſinkenden Nacht.
(Fortſetzung folgt.)
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— „Die Kranken= und Invaliditätsbeiträge für
Dienſtboten ſind für Berlin infolge einer Entſcheidung
des Verſicherungsamtes, da eine neue Feſtſetzung der
Sachbezüge erfolgt, erheblich herabggetzt worden.”
Dieſe Notiz entſtammt einer Mitteilung der Frankf.
Zeitung, Abendblatt vom Mittwoch, den 4. Februar.
Ich nehme Bezug auf das Eingeſandt vom Freitag, die
Beiträge für Dienſtboten zur Invaliden= und
Kranken=
kaſſe betreffend worin an die Einigkeit der hieſigen
Haushaltungsvorſtände appelliert wird. Dieſe Einigkeit
wird aber leider niemals erzielt, hat mir doch bereits
mein Dienſtmädchen auf eine leiſe Andeutung bezw. des
hohen, jetzt zu zahlenden Beitrags an die
Ortskranken=
kaſſe geſagt, von den ihr bekannten Mädchen habe noch
keine einzige ſo etwas von ihrer Herrſchaft zu hören
ge=
kriegt, ſie, die Dienſtmädchen könnten doch nichts dafur,
daß jetzt der Beitrag ſoviel höher ſei. Mein Einwand,
dafür hätten die Dienſtboten nun auch ſoviel größere
Vor=
teile, wurde ignoriert, ſie blieb dabei, keine der ihr
be=
kannten Herrſchaften würde dem Mädchen einen Teil des
Beitrags vom Lohn abziehen. Und ſomit ſtehen wir
ge=
nau wieder dort wie zu Anfang, als die Invaliditäts=
und Krankenverſicherung neu eingeführt wurde.
Anfäng=
lich brachte man ein Drittel in Abzug und nach und nach
zählte man den Beitrag allein, weil die Mädchen
über=
haupt die Stellen refüſierten, in denen ihnen das
In=
validen= und Krankengeld abgezogen wurde. So wird es
ganz genau wieder gehen, nur ſind die Beiträge, die dem
Haushaltungsvorſtand zur Laſt fallen, ganz echeblich
höhere, die Vorteile für die Dienſtherrſchaft gleich null,
aber auch für die Dienſtboten nicht ſo erheblich, daß ſie
eine ſolch hohe Beiſteuer erforderten. Wird ein Mädchen
ſſchwer krank, oder auf längere Zeit, muß ſie, wie dies auch
ſeither der Fall war, im Krankenhauſe verpflegt werden,
die ſogenannte freie Arztwahl iſt in ſolchem Falle
illuſo=
riſch. Bei leichten Erkrankungen wird das Budget der
Ortskrankenkaſſe nicht viel in Anſpruch genommen. Der
größte Teil unſerer Dienſtmädchen befindet ſich in einem
Altersſtadium, in dem Erkrankungen überhaupt nicht ſehr
häufig ſind. Ich habe in 25 Jahren ein Mädchen
wegen Influenza ins Krankenhaus ſchicken müſſen, im
brigen zahlte ich den Beitrag, ohne je Anſpruch an die
Krankenkaſſe erhoben zu haben, und ſo wird es noch vielen
Dienſtherrſchaften gegangen ſein. Der einzige, erhebliche
Vorteil, der durch das neue Geſetz geſchaffen iſt, iſt die
freie zahnärztliche Behandlung, aber ſo frei iſt auch
dieſe nicht, denn bei etwaigem Zahnerſatz oder
Plom=
bieren der Zähne muß ſeitens des Dienſtboten
hinzuge=
zahlt werden, nur das Zahnziehen iſt koſtenlos, aber das
war es auch früher im Krankenhauſe. Kurzum, die den
Dienſtherrſchaften durch das neue Verſicherungsgeſetz
ent=
ſtehenden Laſten ſtehen in keinem Verhältnis zu den den
Dienſtboten gebotenen Vorteilen und werden von dieſen
auch garnicht gewürdigt. Man ſollte deshalb von
maß=
gebender Seite dahin wirken, daß dieſe Beiträge, die doch
allein wieder von dem ohnehin durch die hohen Löhne ꝛc.
belaſteten Hausvorſtand getragen werden müſſen,
herab=
geſetzt werden; was in Berlin möglich iſt, ſollte es auch
hier ſein.
S.
Auf die Eingeſandts der Hausfrauen, die
unbe=
dingt haben wollen, daß die Dienſtboten (wie es ja auch
Geſetz iſt) ihren Teil Krankengeld ſelbſt bezahlen ſollen,
möchte ich, als Dienſtmädchen, auch ein paar Zeilen
ſchrei=
ben. Ich perſönlich würde mich, wie viele andere gewiß
auch, nicht dagegen ſträuben, da es ja zu unſerem Beſten
iſt. Aber würden da nicht die Mädchen, die nur 18—20
Mark Lohn haben (wie es im Mittelſtand und ſelbſt bei
den höheren Herrſchaften der Fall iſt), am ſchwerſten mit
betroffen? Die Damen ſollen doch auch mal hier
nach=
rechnen! Ein Mädchen muß doch auch ſeine ſaubere
Klei=
dung und hauptſächlich Schuhzeug davon beſtreiten und
ſoll ſich noch große Erſparniſſe davon machen, um ſich
ſpä=
ter damit auszuſtatten. Da wird doch jede ehrliche Frau
ſagen müſſen, daß es für diejenigen ſehr ſchwer wäre.
Man könnte überhaupt glauben, durch das verteuerte
Krankengeld der Dienſtboten würden die Exiſtenzen der
meiſten Familien zuſammenbrechen. Man kann dieſen
Damen nur raten, da ſie ſo gar nicht für das Wohl ihrer
Dienſtboten ſind, überhaupt ihre Bedienung abzuſchaffen
und, wie jede andere Frau, die es ſich nicht leiſten kann,
ihren Haushalt ſelbſt zu führen. Vielleicht gäbe es dann
auch wieder mehr zufriedene Ehemänner!? Denn das muß
jedes zugeben, daß damit viel erſpart würde. Für die
Mädchen würde ſich ſchon wieder eine andere Arbeit
fin=
den; denn wenn eines wirklich ehrlich beſtrebt iſt,
zu arbeiten und ſein Brot zu verdienen, iſt
noch keines zugrunde gegangen. Füge zum Schluſſe
noch hinzu, daß ich hier nur auch mal Dienſtboten=
Mein=
ung angeführt habe, mich aber,auf keine weiteren
Debat=
ten einlaſſe.
Ein Dienſtmädchen.
Leiſe Anfrage. Die neuen Wagen der elektriſchen
Bahn haben eine Heizvorrichtung. Warum wird ſie
nicht in Tätigkeit geſetzt, wie ſonſt überall? Die
Dampf=
bahn iſt auch geheizt.
Traiſa (Bürgermeiſterwahl). Unterm 6. ds. Mts.
brachten die Tageszeitungen einen Artikel in welchem
eine Reihe von Herren als „Kandidaten” für die im
lau=
fenden Jahre ſtattfindende Bürgermeiſterwahl genannt
werden. Obwohl es ja noch etwas verfrüht erſcheint, jetzt
ſchon Kandidaten zu nennen, da bis zum Tage der Wahl
jedenfalls noch einige Monate verſtreichen, um ſo mehr
muß es als „ungehörig” bezeichnet werden, dabei Namen
zu veröffentlichen, die zum mindeſten völlig „aus der Luft
gegriffen” ſind. Da wir aber zurzeit im Zeichen des
Karnevals ſtehen, iſt anzunehmen, daß Verfaſſer jener
Zeilen ſich einen (wenn auch etwas vorzeitigen) „
Faſt=
nachtsſcherz” leiſten wollte.
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