Darmstädter Tagblatt 1914


„ 30., Freitag, den 30. Januar.

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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichstag ſetzte geſtern die zweite Leſung
des Etats des Reichsamts des Innern
fort.
2Die elektriſche Bahn ins Martinsviertel,
die einen Koſtenaufwand von 400000 Mark erfordert,
wurde geſtern von der Stadtverordnetenverſammlung
genehmigt.
Ueber die Entlaſſungsgeſuche der Mitglie=
der
der Straßburger Regierung wird der
Kaiſer in den nächſten Tagen entſcheiden.
Die Königin der Hellenen iſt am Mittwoch abend
um 10 Uhr 32 Min von Berlin nach Mailand ab=
gereiſt
, von wo ſie ſich über Brindiſi nach Athen begibt.
Der griechiſche Miniſterpräſident Venizelos ſtattete am
Mittwoch nachmittag dem Prinzen zu Wied in Potsdam
einen längeren Beſuch ab und reiſte abends nach
Wien ab.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Die Entwickelung
unerer Schuhgebiete 1312/13.

* Die Denkſchrift der Kolonialverwal=
nung
über die deutſchen Schutzgebiete
Afrikas und der Südſee für das Jahr
912/13 wird zu Beginn der nächſten Woche im Buch=
handel
erſcheinen. Mit Zuſtimmung des Reichskolonial=
amts
und durch das Entgegenkommen der Verleger, der
Egl. Hofbuchhandlung E. S. Mittler u. Sohn iſt das
Wolffſche Bureau ſchon heute in der Lage, die wichtigſten
Teile der Einleitung dieſer Denkſchrift zu veröffentlichen.
Der Landfriede wurde im Berichtsjahre (April
1912 bis April 1913) in keinem Schutzgebiet ernſtlich ge=
ſtört
. Die Haltung der Eingeborenen war ruhig in Togo
und Deutſch=Oſtafrika, ſowie in Deutſch=Südweſtafrika, wo
diie Schutztruppe wieder zu öffentlichen Arbeiten heran=
gezogen
werden konnte. Im Inſelgebiet iſt die öffentliche
Ruhe nirgends geſtört worden. In Samoa hat die zu=
nächſt
unentſchieden gelaſſene und erſt nach Ablauf des
Verichtsjahres geregelte Frage der Nachfolgeſchaft für den
verſtorbenen Häuptling nicht zu der vielfach befürchteten
Leunruhigung der Bevölkerung geführt.
Ihre Hauptaufgabe ſieht die Kolonialverwaltung in
der Verbeſſerung der geſundheitlichen Zuſtände,
insbeſondere der Eingeborenenbevölkerung, und in der
eſchaffung entſprechender ſanitärer Einrichtungen und
Verbreitung beſſerer hygieniſcher Grundſätze. Die
grroße Verbreitung der Schlafkrankheit in Ka=
merun
macht der Verwaltung noch ſchwere
Gorgen; ihre erfolgreiche Bekämpfung wird noch
langere Zeit und große Energie erfordern. Im übri=
gaen
wird der Geſundheitszuſtand in Kamerun als gut
bezeichnet. Aus Deutſch=Oſtafrika wird ein befriedigender
Gefundheitszuſtand der Weißen gemeldet. Die weiße
Levölkerung in ſämtlichen Schutzgebieten iſt von
2.:342 auf 24389, alſo rund um 1000 Menſchen, geſtiegen.
ITger Zuwachs kommt hauptſächlich auf Deutſch=Oſtafrika,
Udunn auf Kamerun und Deutſch=Neuguineg. Die Ab=
Unuhme in Deutſch=Südweſtafrika hängt auch mit der Be=
endigung
von Eiſenbahnbauten zuſammen. Bei dem Zu=
wachs
von Deutſch=Neuguineg iſt zu beachten, daß auch
dise Japaner zu den Weißen gerechnet werden. Die tat=
ſühchliche
Bewegung der geſamten farbigen Bevöl=
kerrung
, ihre Ab= und Zunahme läßt ſich ſchwer beſtim=
men
, ſo lange nicht allgemeine exakte Zählungen vor=
ligegen
. Zuwachs= oder Abnahmeziffern, wie ſie auch für
gäs Berichtsjahr vorliegen, ſind alſo zurzeit auf neue
Scchätzungen und auf Fortſchritte in den exakten Zählungen
zurrückzuführen. In Samoa hat ſich die natürliche Ver=
mehrung
der Eingeborenenbevölkerung gebeſſert. Gleich=
zeütig
hat aber auch die Zahl der Miſchlinge wieder zu=
rmnommen
. Letzteres gilt auch für Togo, Deutſch= Süd=
vieſtafrika
und Deutſch=Neuguineg. Ueber das Schul=
umnd
Miſſionsweſen ſind im ſtatiſtiſchen Teil ein=
rechendere
Mitteilungen als früher zu finden. Die Miſ=
liennen
entfalteten überall eine ſehr rege Tätigkeit, auch
uff dem Gebiete des Schulweſens, der Krankenpflege und
ſer Hygiene.
Die weltwirtſchaftliche Lage war zwar für
ie Kolonialwirtſchaft im allgemeinen günſtig, hat ſich
Uher doch gegen Ende des Verichtsjahres namentlich durch
en Niedergang der Kautſchulpreiſe zu verſchlechtern be=
ſennen
. In den Kolonien ſelbſt waren die allgemeinen
nundlagen für die Entwickelung nicht überall günſtig.
Unehr und mehr zeigt ſich, daß jetzt nach dem Ausbau wich=
liger
Eiſenbahnſtrecken die weitere wirtſchaftliche Ent=
bilkelung
unſerer Schutzgebiete in erſter Linie von der
Alt beiterfrage abhängt. In Südweſtafrika litt ſo=
oolhl
die Farmwirtſchaft wie der Bergbau unter dem zeit=
beüſe
geringeren Zuzug von Ovambo=Arbeitern. In Ka=
nearun
, wo große Nachfrage nach Arbeitern war und wo

für die Regelung der Arbeiteranwerbung, ſowie für die Für=
ſorge
manches geſchah, machte ſich gleichfalls zeitweiſe ein
empfindlicher Mangel an Arbeitern geltend. In Oſtafrika
waren die Arbeitsverhältniſſe im allgemeinen befriedigend.
In Deutſch=Neuguinea müßte die Zahl der jetzt dort täti=
gen
Arbeiter verdoppelt werden, wenn nur die beſtehenden
Unternehmungen ihre Pflanzungsverpflichtungen für die
aufgenommenen Ländereien einhalten wollten.
Auf dem Gebiete des Geld= und Kreditweſens
iſt hervorzuheben: In Südweſtafrika wurden die Grund=
lagen
für die Errichtung einer Landwirtſchafts=
bank
gebildet, die im Juli 1913 ins Leben trat. Die im
Verhältnis zur Zahl der Beteiligten ſehr reichlichen ſtaat=
lichen
Mittel, mit denen die Anſtalt von vornherein aus=
geſtattet
wurde, laſſen erhoffen, daß das Bedürfnis der
Landwirte nach langfriſtigem Boden= und Meliorations=
kredit
nunmehr gründlich befriedigt iſt. Die Landwirt=
ſchaftsbank
hat auch die Aufgabe erhalten, den landwirt=
ſchaftlichen
Betriebs= und Perſonalkredit unter Verwen=
dung
eines Teiles ihres Grundkapitals zu organiſieren. In
Oſtafrika traten Beſtrebungen auf, den landwirtſchaftlichen
Kredit ähnlich wie in Deutſch=Südweſtafrika einzurichten;
zu beſtimmten Vorſchlägen oder Vorlagen der Verwaltung
kam es aber noch nicht. Eine der wichtigſten allgemeinen
Grundlagen der Kolonialwirtſchaft, das Verkehrs=
weſen
, iſt in ſeinen verſchiedenen Zweigen wieder er=
heblich
gefördert worden. Der Eiſenbahnbau und =betrieb
hat in allen afrikaniſchen Schutzgebieten Fortſchritte auf=
zuweiſen
, namentlich in Oſtafrika, wo die Tanganjika=
Eiſenbahn am Ende des Berichtsjahres bis zum Kilometer
848 fertiggeſtellt war. Im Norden des Schutzgebietes
wurde die Neubauſtrecke der Uſambarabahn Buiko- Mo=
ſchi
vollendet, auch wurden Vorarbeiten für die weitere
Fortſetzung der Bahn unternommen. Für eine Südbahn
=und eine Eiſenbahn nach Ruanda wurden Erkundungs=
arbeiten
gemacht. In Südweſtafrika wurde der Umbau
der Strecke Karibib-Windhuk beendigt, ebenſo der Bau
der Nordſüdbahn; auf den neu erbauten Bahnſtrecken
wurde der Betrieb, allerdings erſt zum Teil, aufgenom=
men
. Die Betriebsergebniſſe der Stavilahn waren in=
folge
der Vermehrung der Kupferförderung gut. In Ka=
merun
hat die Nordbahn eine günſtige Verkehrsentwicke=
lung
aufzuweiſen, an der Mittellandbahn wurde weiter=
gebaut
. In Togo wurde der Anſchluß an Atakpame er=
reicht
; für neue Tracen wurden Vorarbeiten gemacht. Im
Poſt=, Telegraphen= und Kabelverkehr ſind
bemerkenswerte Fortſchritte zu verzeichnen. Abgeſehen
von der weiteren Ausgeſtaltung des Poſt= und Telegra=
phenweſens
in den einzelnen Schutzgebieten war die Le=
gung
des Kabels der Deutſch=Niederländiſchen Kabelgeſell=
ſchaft
von Monrovia nach Lome und Duala von großer
Bedeutung. Kamerun und Togo ſind nunmehr die erſten
Schutzgebiete, die eine deutſche Kabelverbindung mit der
Heimat beſitzen. In Neuguineg iſt eine funkentelegraphi=
ſche
Verbindung zwiſchen der Inſel Angaur und der Inſel
Jap hergeſtellt worden, die ja mehrfach an das Weltkabel=
netz
angeſchloſſen iſt.
Unter den einzelnen Zweigen der Kolonialwirtſchaft
ſteht die landwirtſchaftliche Produktion oben=
an
, namentlich, wenn man nicht nur an die Ausfuhrproduk=
tion
denkt, bei der ja die Diamanten an erſter Stelle ſtehen.
Die Pflanzerwirtſchaft hat ſich, da die Wirkung der nied=
rigen
Kautſchukpreiſe ſich im Berichtsjahr noch wenig gel=
tend
machte, im allgemeinen guter Verhältniſſe erfreut.
Auch die Kautſchulpflanzungen in Oſtafrika dehnten ſich
noch erheblich aus. Die Prokuktion von Kaffee nahm zu.
Die Pflanzerwirtſchaft Kameruns iſt im Fortſchreiten; für
einen neuen Zweig, die Bananenpflanzung, ſind durch ein
Ausfuhrunternehmen günſtige Ausſichten geſchaffen wor=
den
. Beträchtlich iſt die Zunahme des Pflanzungslandes
in Neuguinea. Die ſüdweſtafrikaniſche Farmwirtſchaft
hat zwar den durch die neuen Eiſenbahnen zu erwartenden
Anſtoß noch nicht voll erfahren, ſich aber immerhin günſtig
weiter entwickelt Die Einrichtungen der Verwaltung zur
Förderung der Landwirtſchaft, einſchließlich der Viehzucht,
ſind weiter ausgebaut worden und haben eine rege Tätig=
keit
entfaltet, ſo in Kamerun, Togo und beſonders in Oſt=
afrika
, wo dieſe Anſtalten auf acht erhöht worden ſind. Die
forſtwirtſchaftlichen Maßnahmen betrafen in der Haupt=
ſache
, ſo namentlich in Oſtafrika und Togo, die weitere
Schaffung von Waldreſervaten und Schutzwäldern. Die
Seefiſcherei iſt in Südweſtafrika von einem Unternehmen
im Großbetriebe aufgenommen worden. Der Bergbau
und der ſonſtige Abbau von Mineralien, einſchließlich der
Phosphate, hat ein beſonders günſtiges Betriebsjahr zu
verzeichnen. Obenan ſteht Südweſtafrika, wo der Diaman=
tenabbau
eine ſehr bedeutende Steigerung, namentlich nach
Aufnahme des Betriebs durch die Pomona=Geſellſchaft,
erſuhr.
Der auswärtige Handel der ſämtlichen Schutz=
gebiete
hat ſich von 240 Millionen Mark auf 263 Millionen
Mark erhöht, wozu am meiſten die Steigerung des Ge=
ſamthandels
von Oſtafrika von 68 auf 81 Milionen bei=
trug
. Aber auch in allen übrigen Kolonien hat der Ge=
ſamthandel
, zum Teil beträchtlich, zugenommen. Der Ein=
fuhrhandel
aller Schutzgebiete zuſammen iſt von 1422 Mil=
lionen
Mark auf 142,7 Millionen Mark geſtiegen, hat alſo
um 500 000 Mark zugenommen; die Ausfuhr, die von 98
auf 121 Millionen Mark geſtiegen iſt, hat um 23 Millionen
Mark zugenommen. Von der Ausfuhrſteigerung kommen
auf Südweſtafrika 11 und auf Oſtafrika 9 Millionen.
Demgegenüber ſteht ein Ausfall bei der Einfuhr in Süd=
weſtafrika
von 7 Millionen Mark und eine Steigerung der=
Einfuhr in Oſtafrika und in Kamerun von je 5 Millionen
Mark. Die übrigen Schutzgebiete weiſen keine erheblichen
Schwankungen auf. Im ganzen iſt bemerkenswert die ſehr

geringe Steigerung des Einfuhrhandels gegenüber der
ſehr beträchtlichen Hebung der Ausfuhr. Im vorigen Jah=
resbericht
mußte gerade das Gegenteil feſtgeſtellt werden.
Ausſchlaggebend für dieſe Umgeſtaltung ſind vor allem die
Verhältniſſe in Südweſtafrika: die dorige große Steige=
rung
der Diamantenausfuhr einerſeits, die beträchtliche
Verringerung der Einfuhr durchAusbleiben der Eiſenbahn=
materialieneinfuhr
und durch zunehmende inländiſche Pro=
duktion
andererſeits. Die Finanzlage war in allen
Schutzgebieten günſtig. Nur in Togo hat ſich die Finanz=
lage
infolge der geringeren Einnahmen aus den Verkehrs=
anlagen
und der durch ſchlechte Erntergebniſſe verurſach=
ten
Schwächung der Kaufkraft der Eingeborenen etwas
verſchlechtert.

Die Demiſſion der Regierung
in Eſſaß=Lothringen.

* Berliner Blätter wollen wiſſen, der Statthalter
habe ſchon vor der Zabernaffäre die Reichsregierung
wiſſen laſſen, daß er infolge ſeines Alters und der Kränk=
lichkeit
ſeiner Gattin demiſſionieren wolle. Sein Rücktritt
war ſchließlich auf den Spätherbſt des Jahres 1913 feſt=
geſetzt
worden. Infolge der Zaberner Sache konnte dieſer
Termin nicht innegehalten werden. Graf Wedel habe in
Straßburg und Berlin gegenüber Kaiſer und Reichskanz=
ler
kein Hehl daraus gemacht, daß die Erledigung der
Zaberner Affäre nicht ſeinen Anſichten entſpräche. Bei
der letzten Konferenz in Berlin ſei die Form des Rück=
tritts
feſtgelegt worden. Staatsſekretär von Bulach glaubte
jedoch, des Vertrauens des Kaiſers ſicher zu ſein, und ſei
daher durch die Demiſſion ziemlich überraſcht worden. Er
werde anfangs Februar nach Schloß Othauſen im Unter=
elſaß
überſiedeln, während Graf Wedel ein Haus in Ber=
lin
gelauft hat und ſeinen Wohnſitz in Berlin und auf
ſeinen Gütern in Schweden nehmen werde.
Der Berliner Lokalanzeiger ſchreibt: Elſaß=Lothringen
geht damit einer Reform an Haupt und Gliedern entgegen,
inſofern es ſich um die Leute von ſeiner Verwaltung han=
delt
. Man denkt nicht daran, dem Lande ſeine Rechte, die
ihm verliehen worden ſind. zu kürzen, aber bei den ſchwan=
kenden
Stimmungen in den meiſten Schichten der Be=
völkerung
bedarf es einer feſten Hand, wenn Sicherheit
dafür gegeben werden ſoll daß dieſes Recht nicht zum
Schaden des ganzen Deutſchen Reiches ausſchlägt. Die
Voſſiſche Zeitung ſchreibt: Daß neue Männer für Elſaß=
Lothringen herangezogen werden iſt wahrſcheinlich, und
wir hoffen, daß es nicht bloß Nummern ſind, die den
alten Faden weiter ſpinnen. Der Fall Zabern hat zu
einem Siege der Militärgewalt auf der ganzen Linie ge=
führt
. Das Berliner Tageblatt ſchreibt: Daß die elſaß=
lothringiſche
Zivilverwaltung in der Zaberner Angelegen=
heit
eine Niederlage erlitten hat, iſt unzweifelhaft. Da
kein Verſuch zur Ueberprüfung des Urteils durch das
Reichsmilitärgericht gemacht wurde, gab der Reichskanz=
ler
die Zivilverwaltung damit frei. Die jetzt geſchaffene
Klärung iſt unter allen Umſtänden vorzuziehen, ſo daß
man ſich jetzt auf einen neuen Kurs einrichten kann.
Die Tägliche Rundſchau ſchreibt: Die durch die Zaberner
Irrungen und Wirrungen ſo ſchwer bloßgeſtellten Straß=
burger
Regierungsmänner haben alſo ihre Entlaſſung
nachgeſucht und warten auf deren Genehmigung. Wir
hoffen, daß ihnen von Berlin aus kein Hindernis in den
Weg gelegt wird. Denn ohne Aenderung des Straßbur=
ger
Regierungs= und Verwaltungsſyſtems iſt eine Beſſe=
rung
der elſäſſiſchen Kriſe nicht zu erhoffen.
Graf Wedel iſt ſeit dem 21. Oktober 1907 Statthalter.

Deutſches Reich.

Der Kaiſer und der Reichstag. Ber=
liner
Blätter meldeten, der Kaiſer habe ſeine Verſtimmung
gegen den Reichstag dadurch zum Ausdruck gebracht, daß
er bei der Defiliercour den Reichstagspräſidenten Dr.
Kaempf einfach begrüßte, während er den beiden Präſi=
denten
des Herrenhauſes und des Abgeordnetenhauſes
oſtentativ die Hand reichte. Dieſe Meldung wird als un=
richtig
bezeichnet. Der Berliner Lokal=Anzeiger erklärt da=
zu
: Wenn man berückſichtigt, daß Herr von Wedel Haus=
miniſter
des Kaiſers war und daß Graf von Schwerin=
Löwitz, Vorſitzender des Deutſchen Landwirtſchaftsrates,
dem Kaiſer intim bekannt iſt, während er ſolche perſön=
liche
Beziehungen zu dem Präſidenten Kaempf nicht hat,
ſo wird man dieſen Vorgang natürlich finden und ihm
keine politiſche Bedeutung beilegen oder ihn gar als eine
kaiſerliche Kundgebung gegen den Reichstag beziehungs=
weiſe
den Präſidenten hinſtellen können.
Die Errichtung des neuen Kolonial=
gerichtshofes
in Hamburg wird ſeitens des
Reichskolonialamtes keinen Widerſpruch finden, wenn die
Mehrheit des Reichstags den von der Kommiſſion gefaß=
ten
Beſchluß beſtätigen ſollte. Der Beſchluß der Kommiſ=
ſion
hat in Hamburg große Befriedigung hervorgerufen.
Wie bekannt, ſind von Hamburger Großkaufmannsſeite

[ ][  ][ ]

die Mittel für das Dienſtgebäude des neuen Kolonial=
gerſchtshofes
bereits geſtiftet worden. Im Reichstage
beſteht die Abſicht, den Geſetzentwurf möglichſt bald zu
verabſchieden, da über ſeine Hauptbeſtimmungen größere
Meinungsverſchiedenheiten nicht herrſchen.
Das Reichstheatergeſetz. Dem Verneh=
men
nach wird der Entwurf eines Reichstheatergeſetzes
demnächſt dem Bundesrat zugehen. Der Entwurf ſelbſ
war ſchon geraume Zeit ausgearbeitet, ſeine Begründung
iſt jetzt im weſentlichen fertiggeſtellt worden. Ob de
Reichstag noch in dieſer Tagung ſich mit dem Entwur
befaſſen kann, ſcheint zweifelhaft.
Liſtenführung unſerer Rekruten.
Durch die Preſſe wurde vor einiger Zeit die Nachricht ver=
breitet
, daß beabſichtigt ſei, die Liſtenführung für die Ein=
ſtellung
in die Armee ausſchließlich auf die 20jährigen zu
beſchränken. Wie die Nachrichten des Wehrvereins von
unterrichteter Seite erfahren, entſpricht dieſe Mitteilung
in keiner Weiſe den Tatſachen.
Die Antwort der chriſtlichen Gewerk
ſchaften. Ein bekannter Führer der chriſtlichen Ge=
werkſchaftsbewegung
äußert ſich, wie wir der Rheiniſch=
Weſtfäliſchen Zeitung entnehmen, zu dem Brief des Kar=
dinals
Kopp wie folgt:
Wir ſind ein rein wirtſchaftlicher Verband mit der
Aufgabe: der Arbeiterſchaft den Anteil an den Wirt=
ſchaftsgütern
zu ſichern, der ihr gebührt. Einer eingehen=
den
Kritik des Briefes nach Inhalt und Veröffentlichungs=
ort
enthalten wir uns ſo lange ſeine Echtheit nicht un=
zweifelhaft
iſt. Jedenfalls haben wir aus dem Brief zum
erſten Male von der Zurückziehung der erſten Koppſchen
Zuſtimmung zu der bekannten Interpretation Biſchof
Schultes gehört. Soll Biſchof Schulte jetzt abgeſchüttelt
werden? Unſere Zweifel an der Echtheit des Briefes
fußen in der Ungewöhnlichkeit des Vorganges: daß ein
katholiſcher Biſchof gegen den anderen öffentlich in der
Preſſe, noch dazu in einem ſo einſeitigen Blatt, wie es die
Klarheit und Wahrheit des Grafen Oppersdorff iſt. Stel=
lung
nimmt. Sollte dieſer Brief des Kardinals Kopp echt
ſein und ſollte er die Ankündigung einer ſchärferen Ton=
art
in dem alten Gewerkſchaftsſtreit ſein, ſo ſehen die Ge=
werkſchaften
dem mit Ruhe entgegen. Die bisherigen
Verſuche, ſeinem herrlichen und in volkswirtſchaftlicher
und politiſcher Beziehung vom Staat ſehr beachtenswerten
Gedanken: alle chriſtlichen und nationalgeſinnten Berg=
arbeiter
ohne Unterſchied der Konfeſſion zu ſammeln, Ab=
bruch
zu tun, ſind kläglich geſcheitert; mochten ſie von ſo=
zialdemokratiſcher
Seite oder von der katholiſchen Fachab=
teilungs
=Bewegung ausgehen. Trotz aller Anfeindungen
(Biſchof Korum in der Saar=Bergarbeiterbewegung u. a.
iſt die Entwickelung der Gewerkſchaften dauernd ſehr gün=
ſtig
; von Verluſten kann gar keine Rede ſein: Mitglieder,
die die Kämpfe der letzten Zeit überdauert haben, ſind
von der Lebenskraft und der inneren Berechtigung der
chriſtlichen Gewerkſchaften ſo überzeugt, daß ſie ihre re=
ligiöſen
und politiſchen Ideale nirgends beſſer aufgehoben
wiſſen wollen. Führer und Mannen werden deshalb
auch das Letzte daranſetzen, in alle Zukunft die volle Un=
abhängigkeit
und die Selbſtändigkeit der chriſtlichen Ge=
werkſchaften
zu erhalten. Und das zum wahren Beſten
des Vaterlandes.
Noch eine Zabern=Interpellation.
Der Reichstagsabgeordnete Sittart (Zentr.) richtete an
den Reichskanzler folgende Anfrage:
Infolge der Vorgänge in Zabern iſt das 99. Infan=
terie
=Regiment aus ſeiner Garniſon in die Baracken nach
Hagenau und Bitſch verlegt worden. Dieſe Verlegung des
ganzen Regiments, insbeſondere die Fortdauer der Ver=
legung
, wird, zumal in einem ſo harten Winter, als eine
ſchwere Beſtrafung empfunden, nicht nur von den Betei=
ligten
, ſondern von dem Volke und in erſter Reihe von
den Angehörigen derjenigen Offiziere und Mannſchaften
des 99. Infanterie=Regiments, welche keinen Anlaß zu der
Verlegung des Regiments gaben. Ich richte an den Herrn
Reichskanzler die Anfrage, ob und wie lange dieſe bitter
empfundene Beſtrafung des ganzen Regiments ausgedehnt
werden ſoll, und wann das Regiment wieder in ſeine
frühere oder andere Garniſon überwieſen werden wird?
Die Vermögenserklärung zum Wehr=
beitrag
. Der Reichstagsabgeordnete Trendel (Zentr.)
richtete an den Reichskanzler folgende Anfrage:
In weiten Kreiſen der Bevölkerung und der Steuer=
behörden
herrſcht trotz der Erklärung des Reichsſchatz=
ſekretärs
vom 16. Januar 1914 Unklarheit darüber, ob
das nach dem Wehrbeitragsgeſetze nach dem Stande vom
31. Dezember 1913 feſtgeſtellte Vermögen, da es nach dem
Ertragswert oder dem gemeinen Wert (Verkaufswert.
feſtgeſtellt worden iſt. unverändert gemäß der Paragraphen
19 und 20 des Beſitzſteuergeſetzes bei Feſtſtellung des
Vermögenszuwachſes im Jahre 1917 zugrunde zu legen iſt

oder ob 1917 die Grundbeſitzer von neuem eine nachträg=
liche
Bewertung ihrer Grundſtücke nach dem Ertrags=
wert
oder dem Verkaufswert rückwirkend auf 1914 bean=
tragen
können. Eine beſtimmte Auskunft über die Anſicht
der Reichsleitung würde im Volke beruhigend wirken
und die Unzahl der Berufungen hintanhalten. Iſt de
Reichskanzler bereit, hierüber Auskunft zu erteilen?
Staatseiſenbahnanleihe in Bayern
Dem bayeriſchen Landtag iſt ein Nachtragspoſtulat der
Regierung zu dem außerordentlichen Etat für 1914/15 in
Höhe von 17 Millionen Mark zugegangen. Er ſoll in
Form einer Staatseiſenbahnanleihe aufgenommen wer=
den
und zur Ergänzung des Fuhrparks dienen. In der
Begründung heißt es: Der Güterwagenpark ſoll nach Ver=
einbarungen
der am deutſchen Staatswagenverbande be=
teiligten
Regierungen mit Rückſicht auf den während der
Hochkonjunktur im letzten Jahre wieder ſtärker hervorge=
tretenen
Wagenmangel erheblich vermehrt werden. Es wird
deshalb auf Rechnung des außerordentlichen Budgets für
1914/15 die Beſchaffung von etwa 5000 Güterwagen zum
Geſamtbetrage von 17 Millionen Mark vorgeſehen.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Der Budgetausſchuß des öſterreichi=
ſchen
Abgeordnetenhauſes beendete die Be=
ratung
des Budgetproviſoriums. Die Regierungsvorlage,
betreffend ein ſechsmonatliches Proviſorium, wurde mit
29 gegen 18 Stimmen angenommen. Der Ausſchuß er
teilte gemäß dem Antrag des Referenten dem Finanz
miniſter die Ermächtigung, die Mittel zur Einlöſung der
im Juli 1914 und im Januar 1915 fälligen Staatsſchatz=
ſcheine
durch eine Prämienanleihe oder durch eine andere
Anleihe zu beſchaffen. Ferner wurde die Regierung er=
mächtigt
, 30 Millionen für Eiſenbahninveſtitionen und
227,6 Millionen als Beitragsleiſtung zu den vorjährigen
Mobiliſierungskoſten im Kreditwege zu beſchaffen.
Frankreich.
Die Aufregung über die Putilow= An=
gelegenheit
. Die Aufregung, welche die Meldung
über den Verkauf der Putilowſchen Werke in Paris her=
vorgerufen
hat, kommt trotz aller Dementis auch in der
Morgenpreſſe am Donnerstag zu lebhaftem Ausdruck.
Der offiziöſe Petit Pariſien ſchreibt: Wir erfahren aus
guter Quelle, daß die Putilowſchen Werke von der Gefahr
bedroht ſind, zum großen Teil in Hände überzugehen, die
nicht ruſſiſch ſind, und daß deshalb gewiſſe Dinge, deren
Geheimhaltung im Intereſſe Frankreichs liegt, außerhalb
der ruſſiſchen Militärkreiſe bekannt werden könnten. Falls
die ruſſiſche Regierung dieſer Gefahr gegenüber gleichgültig
bleibe, würde dieſe Haltung in Frankreich nachdrücklichen
Einſpruch hervorrufen. Das franzöſiſch=ruſſiſche Bündnis
müſſe in gleicher Weiſe zum Nutzen beider Länder betätigt
werden. Der bisherige Botſchafter Delcaſſé und ſein Nach=
folger
Paléologue werden ja jedenfalls heikle Verhandlun=
gen
zu führen haben. Der radikale Rappel ſchreibt
Wir ſpielen Rußland gegenüber die Rolle des armen Ver=
wandten
und man behandelt uns als die am wenigſten
begünſtigte Nation. Dafür allerdings wird Rußland dem=
nächſt
von neuem unſere Milliarden in Anſpruch nehmen.
Der Gaulois meint: Die Angelegenheit beweiſe, welche
Gefahren die franzöſiſch=ruſſiſche Allianz bedrohen und wie
notwendig es ſei, daß die franzöſiſche Diplomatie wachſam
bleibe. Leider laſſe die franzöſiſche Tätigkeit in Peters=
burg
viel zu wünſchen übrig und es ſei für niemanden
ein Geheimnis, daß Frankreich es weder verſtanden habe,
ſein Bündnis mit den erforderlichen Bürgſchaften zu um=
geben
, noch aus demſelben entſprechende Vorteile zu
ziehen. Das Echo de Paris meldet aus Petersburg:
Es heißt, daß man in ruſſiſchen Kreiſen den großen Ernſt
der Angelegenheit begreift. Man bemühe ſich gegenwär=
tig
, die Verwirklichung der ins Auge gefaßten Vereinba=
rungen
zu verhindern. Seitens der Firma Creuſot wurde
einem Berichterſtatter erklärt, falls der Verkauf der Puti=
lowſchen
Werke ſich beſtätigen ſollte, wäre zu unter=
ſuchen
, ob auch der Verkauf franzöſiſcher Patente mit ein=
begriffen
ſei. Es würde ſich da um eine Frage des inter=
nationalen
Rechtes handeln.

Rußland.
Die Einnahmen aus dem Branntwein=
monopol
. Im Reichsrat ſprach bei der Beratung des
Geſetzentwurfs über die Abänderung der Beſtimmungen
über den Branntweinverkauf Graf Witte den Wunſch
aus, man möge die von ihm ſelbſt begangenen ſchweren

Fehler verbeſſern. Deshalb rufe er mit aller Kraft: ver=
beſſert
die Fehler, die Witte begangen hat, Fehler, die
Rußland ſeinem Untergang entgegenführen! Die Begren=
zung
der Einnahmen aus dem Branntweinmonopol ſei
as einzige Heilmittel. Wenn er Mitglied der Regierung
wäre und Zutritt zum Kaiſer hätte, würde er den Kaiſer
bitten, ohne erſt eine Entſcheidung des Reichsrats oder
der Duma abzuwarten, einen Ukas zu erlaſſen, der im
Intereſſe der Geſundheit des ruſſiſchen Volkes die Ein=
nahmen
aus dem Branntweinmonopol auf z. B. 9 Mil=
ionen
Rubel begrenze und den Ueberſchuß den Organ=
ſationen
und Geſellſchaften zuweiſe, die es ſich zur Auf=
gabe
machten, die Trunkſucht zu bekämpfen. Der Reichs=
rat
beſchloß einſtimmig, in die Diskuſſion der einzelnen
Artikel einzutreten.
Balkanſtaaten.
Die neue Regierung in Albanien.
Kontrollkommiſſion nahm die Organiſierung der vonihr
anſtelle der proviſoriſchen Regierung ernannten Zentral=
regierung
vor. Von den früheren Miniſterien werden
zwei, die jetzigen Direktionen des Ackerbaus undder
öffentlichen Arbeiten, gänzlich aufgehoben, während die
Miniſterien für Juſtiz, Finanzen, des Unterrichts, ſowie
der Poſt und der Telegraphen aufrecht erhalten bleiben
Die ganze frühere proviſoriſche Regierung wird auf zwöl
Beamte beſchränkt. Die geſamten übrigen Beamtenſtellen
er früheren proviſoriſchen Regierung werden aufgehoben
Für die entlaſſenen Beamten werden je nach ihrer Tüch=
tigkeit
und Verwendungsmöglichkeit Anſtellungen in den
verſchiedenen Gebieten des Landes gefunden werden.
Südafrike.
Die Deportation der Arbeiterfühlen
Der Oberſte Gerichtshof in Pretoria befaßte ſich mitedem
Geſuch um einen richterlichen Befehl, die Regierung
der Ausführung der Deportation zu verhindern. Der
ſitzende des Gerichtes erklärte im Laufe der Verhandlung
er hätte dem Geſuche ſtattgegeben, wenn er das Bewei=
mnaterial
einen Tag früher vor ſich gehabt hätte. Wem
die Regierung dieſen Männern das Recht des Bürgels
verweigere, an das Gericht in Durban zu appellieren,ſe
ſei das kein rechtsgültiger Akt. Wenn jedoch die Regie
rung in der Angelegenheit Gewalt anwende, ſo ſei ſiedet
Bürgern des Landes verantwortlich. Wie weiterm=
geteilt
wird, trafen die Behörden bei ihren Vorbereit
gen zur Deportation der Arbeiterführer die ausgedehme
ſten Maßnahmen, um den Plan geheim zu halten.
Arbeiterführer wurden am Sonntag nachmittag vome=
fängnis
mit dem Gefängniswagen abgeholt. Nach eine
Fahrt von einigen Meilen wurden ſie in einen Zugs
bracht, in dem ſich Soldaten befanden. Die Gefangenen
pußten nicht, wohin man ſie bringen würde. Alle Fenſtelt
des Zuges waren verhängt; ſelbſt die Bahnbeamtenwaren
nicht unterrichtet und der Zug wurde als Extrazug einere
Theatergeſellſchaft bezeichnet. Erſt an Bord desSchiffes
wurde den Arbeiterführern die Abſicht der Regierüſmt=
geteilt
. Nachdem der Dampfer die Barre gekreuzthaſte,
warf er Anker und den Gefangenen wurde mitgeteilt, daßa
das Schiff 1½ Stunden anhalten würde, damit ſie an ihres
Verwandten und Bekannten ſchreiben könnten. Die Uni=
geni
geht direkt nach London. Es iſt bemerkenswert,
daß das Schiff keine funkentelegraphiſchen Einrichtungen
hat. Es führt auch keine anderen Paſſagiere,

* Zabern und der Kölner Karneval. Ueben
den Verlauf einer Sitzung der Großen Kölner Karnevals=
geſellſchaft
berichtet der Kölner Stadtanzeiger: Präſident
Prior benutzte die Begrüßung der Ehrengäſte vom Militär,
um Angriffe der Frankfurter Zeitung auf den Kölner Karnes
val zurückzuweiſen, in denen behauptet war, der Gouverneun
von Köln habe von dem Karnevalspräſidenten verlangi
die Zaberner Vorgänge nicht zu berühren; andernfalls
müſſe er den Offizieren den Beſuch der Sitzungen verhies
ten. Wie Prior verſicherte, iſt an dieſer Behauptungskeiſt
wahres Wort. Allerdings beſäßen die Leiter jeneritze
ungen ſo viel Taktgefühl, daß ſie die militäriſchen Ehren=s
gäſte nicht Beleidigungen ausſetzten. Das Verhältnss
zwiſchen Militär und Zivil ſei in Köln ſo ausgezeichneh
daß man über den erwähnten Artikel kein Wort zu vel=
lieren
brauche. Major Steger unterſtrich unter dem Beiſalll
der Anweſenden die Ausführungen des Präſidenten.

Die Ausgrabungen der
Königin Elena.

C) Mehrfach in den letzten Jahren kamen Nachrichten
über die Erfolge von Ausgrabungen, die die Königin
Elena von Italien in der Nachbarſchaft ihres
Landgutes von Caſtel Porziano veranſtaltet
hat; man glaubte an zufällige Funde und an aus Lieb=
haberei
betriebene gelegentliche Freilegungen. Erſt jetzt
wird bekannt, daß dieſe Ausgrabungen auf dem königlichen
Landgut ſeit 10 Jahren von der Königin Elena in ſehr
großem Umfange ſyſtematiſch und nach ſtreng archäologi=
ſchen
Grundſätzen geleitet werden; zum erſten Mal gibt
Anton Giulio Bragaglia in der Lettura einen zuſammen=
faſſenden
Ueberblick über die bisher erzielten Ergebniſſe
und über die Richtlinien, die bei der ununterbrochen betrie=
benen
Fortführung der Arbeiten maßgebend ſind.
Nur wenigen Forſchern wurde bisher die Möglichkeit
gewährt, die Ausgrabungen zu beſichtigen, denn das
Königspaar wünſcht nicht, daß ſich die Oeffentlichkeit allzu
ſehr mit ſeinen Privatſtudien beſchäftigte; allein Laneiani und
Pigorini, de als Archäologen der Königin mit ihrem fach=
männiſchen
Rate zur Seite ſtehen kennen den ganzen Um=
fang
der bisher erzielten Ergebniſſe und außer ihnen hat
bisher nur Prof. Dante Vaglieri, der bis vor kurzem die
Ausgrabungen von Oſtia leitete, die auf dem königlichen
Landgute ausgegrabenen Nekropolen und altrömiſchen
Landhäuſer beſichtigt, Vaglieri äußerte ſich in Worten der
höchſten Anerkennung über die Art und Weiſe, wie die
Königin ihre Ausgrabungen leitet: Die Arbeiten werden
mit ſtrengſter Methodik geführt, und folgen den jüngſten
Erkenntniſſen der Wiſſenſchaft; die königliche Archäologin
ſtidiert ſelbſt alle Einzelheiten, ordnet die Materialien,

unternimmt die Terrainabmeſſungen und führt ein Aus=
grabungstagebuch
, das in ſeiner ſachlichen Knappheit und
Vollſtändigkeit als vorbildlich gelten darf. Ein eigenes
Ausgrabungsbureau iſt eingerichtet, kundige Reſtauratoren
arbeiten an der Wiederherſtellung der aufgefundenen
Kunſtſchätze und Fragmente, erſt kürzlich erbat der König
meine Meinung über einen Reſtaurator für alte Fresken,
und wir kamen überein, daß mein Reſtaurator von Oſtia
aus die erforderlichen Arbeiten für das Ausgrabungs=
bureau
von Caſtel Porziano mit übernehmen könnte.
Die Arbeiten auf dem königlichen Gute verfolgen ein
doppeltes Ziel; ſie wollen in erſter Linie die in dieſem
Landſtrich vorhandenen Ueberreſte der vorrömiſchen lati=
niſchen
Kultur erforſchen, ſodann aber die im Verlaufe der
Arbeiten in immer reicherem Maße hervortretenden Zeug=
niſſe
aus der römiſchen Kaiſerzeit freilegen und ſicher=
ſtellen
. Die auf die latiniſche Prähiſtorie gerichteten Ar=
beiten
gipfelten bisher in der Durchforſchung der zahlreich
vorhandenen Gräberſtätten und führten durch die Auf=
findung
von Waffen aus der Eiſenzeit auch be=
reits
zu Reſultaten, die heute den Mittelpunkt einer archäo=
logiſchen
Streitfrage bilden; Lanciani betrachtet die Funde
als die erſte greifbare Beſtätigung für die alte Legende der
Gründung Laviniums durch aus dem Aegäiſchen Meer
kommende Fremdlinge. Reichere Materialien ergaben die
auf die Ueberreſte der römiſchen Kaiſerzeit gerichteten
Forſchungen der Königin, die bekanntlich mit der Auffin=
dung
und Aufdeckung des alten Laurentium belohnt
wurden Mit dem Aufblühen Roms verfiel die Stadt und
wurde ſchließlich eine Art kaiſerliche Sommerkolonie. Die
Ueberreſte des mächtigen kaiſerlichen Landhauſes wurden
gefunden und freigelegt, ein großer Hauptbau, mit an=
ſchließenden
Nebenbauten, antoniniſchen Tempeln und
prächtigen Thermen. Die Thermen zeigten bei der Aus=
grabung
die Ueberreſte einer ungewöhnlich koſtbaren Aus=

ſchmückung; auf den nunmehr reſtaurierten Moſaikfuß=
böden
und Moſaikbekleidungen der Wände herrſchen dies
Tierdarſtellungen vor, ſie zeigen eine überraſchende re
liſtiſche Vollkomenheit der Zeichnung, eine weitgehendeBec
herrſchung der Bewegung. Vor allem aber überraſchen beiſ
dieſen Moſaikarbeiten, die ſehr zielbewußt einer ſtarken
Bewegungsilluſion zuſtreben, einige Anzeichen einer gleich
ſam impreſſioniſtiſchen Technik: in der Tall
arbeitete der Künſtler mit hellen Streifen, die die Vor=
ſtellung
von Lichtwirkungen vermitteln ſollen und dieſes
Ziel auch in weitgehendem Maße erreichen.
Die Fortſetzung der Arbeiten führte ſodann in derl
Gegend des früheren Meeresſtrandes zu der Auffindung
einer Reihe altrömiſcher Villen die im Verlaufe
Forſchung identifiziert werden konnten. Die erſte Vonk
ihnen wurde von dem Königspaar als das Landhauss
Plinius des Jüngeren beſtimmt, eine Zuſchrei=
bung
, die Prof. Lanciani nach eingehender Nachprüfungh
ſtätigte. Erſt kürzlich wurden in dieſem Hauſe auchdie
von unten geheizten Badezimmer und die alten Heizvoſs
richtungen freigelegt. Neben der Villa des Plinius fandg
man die Villa des berühmten Redners Holg
tenſius die in Anlage, Bau und Umgebung genaumitk
den altrömiſchen Schilderungen übereinſtimmte; dieſer Ents
deckung folgte dann die von der Königin geleitete Freileg=
ung
des Vicus Auguſtanus, der auf dem Rückenei
Hügels erbaut iſt; hier war es auch, wo die Königinbaſ
der Ausgrabung der Gartenanlagen die wundervolle alte
Nachbildung des Diskuswerfers von Myron entdecte
Gegenwärtig liegt der Schwerpunkt der Ausgrabung
arbeiten in der Gegend von Trefuſina, wo inmittenech
eckig geſchnittener Grotten die Villa des Muciuh
des Schwagers des Marius, aufgefunden wurde,

[ ][  ][ ]

Stadt und Land.

Darmſtadt, 30. Januar.
Deie Straßenbahn nach dem Martinsviertel.
Die geſtrige Stadtverordnetenverſammlung be=
ſtstigte
ſich mit dem endlich zuſtandegekommenen Pro=
zur
Erbauung der Elektriſchen in das Martinsviertel.
hre Beig. Ekert hatte eine eingehende Vorgeſchichte des
mmehr ſeit 17 Jahren ſchwebenden Projekts vorgelegt
v er der Oberbürgermeiſter folgendes noch bemerkte:
2Der Zeitpunkt für die Inangriffnahme der Linie und
UUebernahme der der Verwaltung obliegenden Ver=
ſſtwortung
iſt erſt jetzt eingetreten. Die Verwaltung
i. wie dies keiner weiteren Ausführung bedarf, ver=
ſichtet
, auf die Intereſſen des Unterrichts der Techniſchen
ſſichſchule die erforderliche Rückſicht zu nehmen. Bei der
ſtrochtung des Gebäudes für die Hochſchule wurde der
Enung ſeitens der Stadtverwaltung zugeſichert, daß für
e Zeiten auf die Intereſſen des Unterrichts die gebüh=
udge
Rückſicht genommen werden müſſe. Nachdem die
ſich ſchule unter Bezugnahme auf dieſe früheren Verhand=
igen
und ihren Unterrichtsbetrieb lange Zeit hindurch
gan die Zulaſſung der Straßenbahnlinie energiſche Ein=
ſache
erhoben hatte, iſt es nunmehr als ein dankenswer=
Eöntgegenkommen der Hochſchulleitung zu begrüßen, daß
dieſen Widerſpruch unter der Vorausſetzung einer an=
mieſſenen
Entſchädigung fallen gelaſſen hat. Die ſtädtiſche
birwaltung hat bei den endgültigen Verhandlungen mit
Hochſchule die Auffaſſung vertreten, daß die Stadt
hriflichtet ſei, die Hauptforderungen der Hochſchule zu
ſülllen. Die Stadt muß dieſen Forderungen um ſo mehr
ſſu rechen, als ſie anerkennen muß, daß eine andere Be=
ſttsslinie
als die hier vorgeſchlagene nicht gut möglich
ili Muß deshalb die Stadt, um die Wünſche der Anwoh=
ſt
des Martinsviertels zu befriedigen, auf ihrem Vor=
llſage
beharren, ſo iſt ſie zugleich verpflichtet, die Beein=
llichtigung
der Intereſſen der Hochſchule auf ein erträg=
leis
Maß zu mildern.
Die Stadt hat daher den folgenden Forderungen zu=
aimmt
, nachdem es gelungen war, dieſe Forderungen im
lge von Kompromißverhandlungen auch für die ſtädtiſche
knoaltung als möglich erſcheinen zu laſſen. Einer münd=
lerr
Verhandlung wird die Darſtellung derjenigen For=
ſtungen
vorbehalten, die zunächſt geſtellt waren und ab=
Ueint wurden. Die Stadtverwaltung hat abſichtlich die
lſſige nicht entſcheiden wollen, ob im Wege der hier beab=
Ringten Aufwendungen eine ideale Sicherung für die In=
ſtrorente
und Arbeiten der Techniſchen Hochſchule garan=
tiſt
. Sie iſt in eine Erörterung dieſer Frage gegen=
für
! der Hochſchule zwar eingetreten, hat jedoch darauf
ichtet, ſie entſcheiden zu wollen. Wir müſſen vielmehr
Sechniſchen Hochſchule ſelbſt die Wahrung ihrer In=
ſſten
in der Sicherung der durch den Straßenbahn=
riab
beeinflußten Inſtrumente überlaſſen und müſſen
At auf den Standpunkt ſtellen, daß dieſe Frage jedenfalls
An richtigſten und zweckmäßigſten von der Techniſchen
hichule allein entſchieden wird.
Ueberblickt man die ſeit über zehn Jahren geführten
Ahandlungen, ſo muß jeder Kenner der Verhältniſſe
käſigen, daß noch niemals, ſeit Beſtehen der elektriſchen
AEatzenbahn, die Führung einer Linie ſolch ungewöhn=
Schwierigkeiten bot, wie die hier beabſichtigte Linie
A em Martinsviertel. Die hohen Koſten der Straßen=
preiterung
der Pankratiusſtraße, die Sicherung der In=
Alſan der Techniſchen Hochſchule, die Benutzung der Hoch=
Aſtraße für die Zwecke der Straßenbahn und die hier
Afbntracht kommenden Intereſſen der Verkehrsſicherheit
Aen außerordentliche Hinderniſſe. In gleicher Weiſe war
AhiVerantwortung erhöht für die Führung der Straßen=
Ain entlang des Hoftheaters. Auch in der letzteren,
Areiordentlich wichtigen Frage iſt es erſt jetzt mir mög=
Mi ainzuerkennen, daß die Gefahren einer Kolliſion der
AE enbahnwagen mit dem zu gewiſſen Zeiten ſehr ſtar=
AlFußgänger= und Wagenverkehr erheblich gemildert und
Ableimer hoffentlich guten Verkehrsordnung der Fußgän=
llumd
Fuhrwerke nach menſchlichem Ermeſſen unwahr=
ſſänzlich
erſcheinen.
Tſie verkehrspolizeiliche Regelung des Theaterver=
Alswor und nach den Vorſtellungen hat von jeher beſon=
Schwierigkeiten geboten und eine befriedigende =
ſiſt
rwar ſeither nicht vorhanden. Diejenigen Theater=
Abdie die Straßenbahn benutzen, müſſen jetzt den klei=
Mk Vorplatz des Theaters, auf dem die Theaterwagen
Ahem, durchqueren, dann die Anlage entlang gehen, um
Aſur dem Schloß aufgeſtellten Theaterwagen zu errei=
A Hierdurch ſind ſie doppelter Gefahr ausgeſetzt. Die=
ſih
beebelſtande ſoll begegnet werden durch die Anlage
Aslbeſonderen Geleiſes auf der Weſtſeite der Diago=
Wſräiße nach dem Hoftheater, neben dem Kriegerdenk=
Ah wo Aufſtellungsgelegenheit für ſechs Straßenbahn=
Aien geſchaffen werden ſoll. Durch dieſe Anlage beſteht
Ablöglichkeit, daß die Theatergäſte, die aus dem weſt=
Ai! Portal des Theaters heraustreten, ohne Kreuzung
iſ Wagenverkehrs ihre Straßenbahnwagen in Bereit=

ſchaft finden. Dieſe auch früher ſchon von der Stadt ins
Auge gefaßte Anordnung iſt nunmehr neuerdings von dem
Polizeiamt und der Heſſiſchen Eiſenbahn=A.=G. gemein=
chaftlich
vorgeſchlagen worden.
Für die übrige Regelung des Fuhrwerksverkehrs vor
dem Theater und für die Theaterwagen und die Hof=
equipagen
iſt außerdem nunmehr von Herrn Profeſſor
Pützer in dankenswerter Weiſe ein neuer Vorſchlag ge=
macht
worden, der die allgemeine Zuſtimmung gefunden
hat. Die Anregung geht im weſentlichen von folgenden
Geſichtspunkten aus: Es ſoll ein geräumiger Aufſtellungs=
platz
für die Theaterwagen geſchaffen werden. Hierzu
iſt die Beſeitigung der öſtlichen Anlagenhälfte des Hof=
theaterplatzes
notwendig. Die Platzanlagen ſind nicht
ädtiſch, ſondern gehören in das Großherzogliche Fami=
lieneigentum
. Doch hat Seine Königliche Hoheit der
Großherzog in Anbetracht der mit dem Pützerſchen Pro=
jekt
verbundenen Verkehrsvorteile der Auflaſſung dieſer
Anlagehälfte zugeſtimmt. Durch die Beſeitigung dieſer
Anlage und die Einfaſſung der beiderſeitigen Fußwege
mit Alleebäumen eröffnet ſich, von der Alexanderſtraße
und dem Schloßeingang aus geſehen, hierdurch ein freier
Durchblick auf den Portikus des Hoftheaters, wodurch
das Stadtbild weſentlich gewinnen wird. In verkehrs=
echniſcher
Beziehung ſind aber ſo erhebliche Vorteile mit
dieſer Löſung dadurch verbunden, daß nunmehr die aus der
Hochſchulſtraße herauskommenden Straßenbahngleiſe nicht
mehr direkt vor dem Hauptausgang des Hoftheaters vor=
beigeführt
werden müſſen, vielmehr jetzt entlang der öſt=
lich
neu zu ſchaffenden Platzhälfte, unmittelbar neben dem
Fußweg des Cafés Oper vorbeigeführt und in einer
Kurve in die beſtehenden Gleiſe zur Einführung gelangen.
Hierdurch wird erreicht ein großer, freier Platz für die
Aufſtellung der Theaterfuhrwerke nebſt einer gleisfreien
Vorfahrt unter der Vorhalle des Theaters, mit der Abfahrt
durch die Diagonalſtraße, die nun in der Mitte frei von
Geleiſen iſt. Die durch die Verhandlungen mit der Tech=
niſchen
Hochſchule zu übernehmenden Koſtenbeträge und
die Straßenherſtellungskoſten ſetzen ſich wie folgt zu=
ſammen
:
1. Entſchädigung für das Phyſikaliſche Inſti=
tut
rund .
19000 Mk.
2. Verbreiterung der Hochſchulſtraße und Ver=
ſetzen
der Einzäunung des ſüdlichen Vor=
gartens

11500
3. Verbeſſerung der Straßenbeleuchtung vor
600
der Hochſchule
4. Anteil an den Koſten für die Holzpflaſte=
rung
bei der Einmündung der Schloß=
gartenſtraße
vor dem Chemiſchen Inſtitut
rund
5500
5. Erwerbung des für die Verbreiterung des
Fußſteiges vor der Hochſchule notwen=
2 400
digen Geländeſtreifens
6. Für unvorhergeſehene Arbeiten und zur
Ergänzung etwa nicht ausreichender
Kredite
1000
zuſammen 40 000 Mk.
Hierzu kommen noch die Koſten der Pflaſterung des
neu zu ſchaffenden Platzes vor dem Großherzoglichen
Hoftheater mit 10000 Mark und etwaige kleinere Entſchä=
digungen
für in Anſpruch zu nehmendes Vorgarten=
gelände
und gärtneriſche Arbeiten.
Der Oberbürgermeiſter ſtellt nunmehr den Antrag,
die Stadtverordnetenverſammlung wolle beſchließen:
in Billigung der mit der Techniſchen Hochſchule ge=
führten
Verhandlungen den Oberbürgermeiſter zur
Ausgabe der erforderlich werdenden Kredite in Höhe
von zuſammen 50000 Mark zu ermächtigen.
Der Antrag fand einſtimmige Annahme. Die
Ausführung des Baues der Elektriſchen ſoll in den großen
Ferien erfolgen.
Die Preiſe für Gas und Gasmeſſer nach dem
neuen Tarif.
* Die Gasmeſſer=Mieten betragen zurzeit monatlich:
für 3=flammige Gasmeſſer ,21 Mk.
,25
10=
20=
,50
30=
,66
40=
,83
1.
50=
60=
1,16
80=
1,50
100=
1,83
150=
2,66
200=
3,50
400=
500=
1550=
15.
Für noch größere oder hiervon abweichende Gas=
meſſer
bleibt die Feſtſetzung der Miete der Gaswerksver=
waltung
vorbehalten.

Die Gaspreiſe ſind ab 1. April 1914 wie folgt
feſtgeſetzt:
a)für Leucht=, Heiz= und Kochzwecke aus Miet= Gas=
meſſern
: 14 Pfennig für das Kubikmeter;
b) für motoriſche und gewerbliche Heiz=Zwecke, bei ge=
trennter
Leitung und direkter Meſſung: 11 Pfennig
für das Kubikmeter; dabei ſind zugelaſſen zur Be=
leuchtung
der Räume, in denen Gas zu vorſtehend
genannten Zwecken verbraucht wird:
zum 3=flammigen Gasmeſſer: 1 Leuchtflamme
2 Leuchtflammen
10=
20=
30=
40=
50=
60=
80=
100=
150=
200=
400=
13
500=
14
Die Anzahl der bei größeren Gasmeſſern zuzu=
laſſenden
Leuchtflammen bleibt beſonderer Verein=
barung
vorbehalten;
c) für Leucht=, Heiz= und Koch=Zwecke aus Münz= Gas=
meſſern
(Gasautomaten), unter leihweiſer Beigabe
von Leitungen und Gasverbrauchsapparaten: 16½ Pf.
für das Kubikmeter einſchließlich Miete für den Gas=
automaten
.
Es wird ſomit abgegeben:
600 Liter Gas bei 10=Pfennig=Einwurf,
6000 Liter Gas bei 1=Mark=Einwurf.
Bei Münzgasmeſſern ohne Beigabe von Leitungen
und Gasverbrauchsapparaten werden nach Schluß des
Rechnungsjahres für jedes am Zählwerk des Automaten
angezeigte volle Kubikmeter Gas 1½ Pfennig zurückver=
gütet
.

* Vom Hofe. Das Befinden des Prinzen
Ludwig iſt zurzeit gut. (Darmſt. Zta.)
* Perſonalnachrichteu der Eiſenbahndirektion
Mainz. Ernannt: Bahnmeiſter Demmel in Darm=
ſtadt
zum Materialienverwalter; Hilfsfahrkartendrucker
Entrich in Mainz zum Fahrkartendrucker. Dem Eiſen=
bahnaſſiſtenten
Kern in Darmſtadt iſt der Titel Oberbahn=
aſſiſtent
beigelegt worden. Verſetzt: die Oberbahn=
aſſiſtenten
Vautz von Darmſtadt nach Mainz, Link von
Biſchofsheim nach Darmſtadt; Eiſenbahnaſſiſtent Zimmer=
mann
von Darmſtadt nach Mainz, Thein von Heppen=
heim
nach Biſchofsheim.
* Uebertragen wurde den Schulamtsaſpiranten
Johann Baptiſt Acker aus Bodenheim, Kreis Oppen=
heim
, und Andreas Mergler aus Gernsheim, Kreis
Groß=Gerau, je eine Lehrerſtelle an der katholiſchen
Volksſchule zu Herbſtein, Kreis Lauterbach.
* Erledigt iſt die mit einem evangeliſchen Lehrer
zu beſetzende Lehrerſtelle zu Erzbach, Kreis Erbach.
Das Präſentationsrecht ſteht dem Herrn Grafen zu
Erbach=Erbach zu. Dem Inhaber der Stelle kann eine
beſondere Ortszulage gewährt werden.
Von der Erſten Kammer. Wie wir erfahren, hat
Graf Yſenburg=Büdingen=Meerholz den
Antrag geſtellt, ſich durch den Prinzen Leopold zu Yſen=
burg
=Darmſtadt in der Erſten Kammer vertreten zu laſſen.
* Entſcheidungen des Großh. Verwaltungsgerichts=
hofs
. Das ſoeben erſchienene 3. Heft der Entſcheidungen
des Großh. Verwaltungsgerichtshofes enthält einige
grundlegende Urteile über Fragen des Ge=
meindeverwaltungs
Rechts: die Bildung von
Zweckverbänden nach dem Bachgeſetz und dem neuen Recht
der Landgemeindeordnung, das Gemeindewahlrecht des
in die Heimat zurückgekehrten militärpflichtigen Haus=
ſohnes
, das Recht der Gemeinden, Titel oder Amtsbezeich=
nungen
zu verleihen. Weiter gibt das Heft u. a. Entſchei=
dungen
über formelle und materielle Fragen des Gewerbe=
rechts
(Gewerbefreiheit und ihre polizeiliche Beſchränkung,
Wirtſchaftskonzeſſionsfragen), und im Zuſammenhang= da=
mit
über die Gewerbeſteuerpflicht nichtheſſiſcher Firmen
wieder. Das 4. und letzte Heft des erſten Jahrgangs iſt
in Vorbereitung.
g. Strafkammer I. Wegen fortgeſetzter Mißhandlung
ſeiner Ehefrau war geſtern der 24jährige Fabrikarbeiter
ind Gaſtwirt Auguſt Heinz von Zeilhard bei Ober=
Ramſtadt angeklagt. Ihm wird insbeſondere zur Laſt
gelegt, am 29. Juli und 17. September v. J. ſeine Frau
mit einem Beſen geſchlagen zu haben. Am letzten Tage
nach einem Streit lief die Ehefrau fort und ertränkte ſich
in einem Waſſerloch. Ihr Mann lief ihr zwar nach, konnte
ſie aber nicht mehr zurückhalten. Die Ehe der beiden war
eine ziemlich unglückliche, die Frau war krankhaft reiz=
bar
. Eine völlige Aufklärung über die ehelichen Verhält=
niſſe
iſt nicht mehr möglich, feſt ſteht nur, daß die Frau
ſehr erregt darüber war, daß ihr Mann, der früher in der

Feuilleton.

Bernſteinſchöpfen. Die Sturmflut hat das Meer ſo
Airdich aufgewühlt, daß die Bodenſchätze der Oſtſee hoch=
Apban und ans Land geworfen oder doch in die Nähe der
e ggeführt wurden. Zu den Bodenſchätzen des Meeres
Ei ſoer Bernſtein, das Gold der Oſtſee. Dieſes zu ber=
Aſrind nun die Fiſcher bei der Arbeit. Im allgemeinen
kſtter Kahlberger Fiſcher und Küſtenbewohner nicht fürs
ller. Er kann es nicht begreifen, daß die Menſchen zu
Simerszeiten ein Vergnügen daran finden ſich im
Pe zu tummeln. Der Fiſcher von echtem Schrot und
r igat ſo etwas ſein Leben lang nicht getan und wird
Säßuag nicht tun. Daß er trotzdem alt und grau wird, iſt
Nahdar Beweis dafür, daß es auch ohne Scebäder geht,
Rlünotgedrungen beſchäftigt er ſich mit dem Meer, das
hlaahrung und Erwerb gibt. Der Fiſchfang iſt gegen=
Mung bei den Kahlberger Fiſchern vernachläſſigt um ſo
fke ſolüht das Bernſteinſchöpfen. Eine ſchwierige und
kungnehme aber deſto lohnendere Arbeit. Bis an den
Akhamüſſen die Fiſcher in Waſſer gehen, um mit ihren
Klhienn und Netzen den Tang aufzufangen. Wenn ſie
daſt nauch die großen Waſſerſtiefel anhaben, die gut ver=
püßſind
, ſo ſoll es bei dieſer Arbeit doch kalte Füße geben
Unhmanchmal einen kalten Bauch, der durch entſprechende
Mlilnvieder aufzuwärmen iſt. Beim Bernſteinſchöpfen wer=
Aaſstlücke bis zu Fauſtgröße geborgen, Stücke die hoch be=
a
werden. Infolgedeſſen kümmern ſich die Fiſcher
ioder gar nicht um die Bernſteinmengen, die am
Sſindee lagern, weil ſie in der Hauptſache aus kleineren
Siien beſtehen, die ſie daher gern den Kahlbergbeſuchern
übllkaſſ en. Sollte das Bernſteinſchöpfen nicht mehr lohnen,
babeiſt machen ſich die Fiſcher auf die Strandſuche.
K. Das Programm der japaniſchen Kaiſerkrönung.
lommiſſion, die beauftragt iſt, die Vorbereitungen für

die Krönung des neuen Kaiſers Taiſho zu treffen, iſt vor
einigen Wochen ernannt worden und hat jetzt in großen
Zügen das Programm der Feſtlichkeiten aufgeſtellt. Der
neue Mikado wird im Herbſt dieſes Jahres die feierliche
Beſtätigung der Würde empfangen, die er ſchon jetzt trägt,
und durch eine große religiöſe Zeremonie in den Kreis
ſeiner erlauchten Vorfahren aufgenommen werden. Man
vermutet, daß es religiöſe Rückſichten ſind, die die japaniſche
Regierung veranlaßt hat, die Krönung ſo lange aufzu=
ſchieben
. Würde man nämlich nicht ſo lange warten, ſo
müßte man zu den Opfern, die aus dieſem Anlaß darge=
bracht
werden, Reis benutzen, der noch während des
Trauerjahres gepflanzt iſt. Nach den uralten Anſchau=
ungen
der Shinto=Religion über die befleckende Wickung,
die durch den Tod hervorgerufen wird wäre es aber un=
ziemlich
, ſolchen im Todesjahr des früheren Mikado ge=
wachſenen
Reis bei den Kultfeierlichkeiten zu verwenden
Es darf nur Reis benutzt werden, der dieſem Jahr, dem
erſten der Regierung des neuen Herrſchers, entſtammt, und
der iſt erſt im nächſten Herbſt vorhanden. Schon aus die=
ſen
Erwägungen erhellt der ſtreng religiöſe Geiſt, in dem
die Krönung vollzogen werden wird Und aus dieſer
myſtiſchen, ſich ſtreng abſondernden Sphäre des Kaiſer=
hofes
iſt auch die Tatſache zu erklären, daß man ſich ent=
ſchloſſen
hat, an die fremden Regierungen nicht die Auf=
forderung
zu richten, ſich bei der Zeremonie durch Sonder=
geſandtſchaften
vertreten zu laſſen. Nur die diplomatiſchen
Vertreter der fremden Mächte, die beim Hofe des Mikado
akkreditiert ſind, werden an zweien der Zeremonien teil=
nehmen
, die durch drei Wochen hindurch ſtattfinden. Man
gibt als Grund dafür, daß keine fremden offiziellen Gäſte
eingeladen werden den deutlich ausgeſprochenen Wunſch
des verſtorbenen Kaiſers an. Jedenfalls gibt es in der
heiligen Stadt von Kioto, die an japaniſchen Paläſten ſo
reich iſt, keine Stätte, die für den Aufenthalt von Europäern
geeignet wäre und den Anſprüchen eines modernen Abend=

länders genügen könnte. Der wichtigſte Beweggrund iſt
aber wohl der ſtreng religiöſe Charakter des Krönungs=
feſtes
, das als eine große nationale Veranſtaltung für das
japaniſche Volk geplant iſt. Die Feierlichkeiten werden drei
Wochen in Anſpruch nehmen und eine impoſante Entfal=
tung
altjapaniſcher Kultur und altjapaniſchen Geiſtes dar=
ſtellen
.
* Der Dackel in der Premiere. Aus Königsberg wird
der Tägl. Rundſchau geſchrieben: Neulich gab es in einem
Königsberger Theater die Premiere eines nach franzöſi=
ſchem
Muſter gemachten politiſchen Schwankes, des Mül=
ler
=Förſterſchen Tauchbootes, das trotz ſeiner erheblichen
Ein= und Zweideutigkeiten beim Publikum ſo abfiel, daß ſich
nach dem erſten Akt kaum eine Hand rührte. (Nach den
anderen beiden Akten gab es nicht mehr Beifall.) Kaum
erſtrahlten aber in der erſten Zwiſchenpauſe die elektriſchen
Flammen im Zuſchauerraum, da gab es eine kleine Sen=
ſation
: ein brauner Dackel hatte ſich ins Theater geſchlichen
und gondelte vergnügt zwiſchen den Sitzreihen des Par=
ketts
umher. Darob Empörung bei einigen Damen. Da
höre ich meinen Nachbar zur Linken ſagen: Beruhigen
Sie ſich, Gnädigſte, bei der erſten Wiederholung des
Stückes wird ſicher kein Hund im Theater ſein!
* Die Schulkinder von Serravezza, einem Städtchen
im Carrariſchen Marmorgebiet, haben ſich offenbar früh=
zeitig
mit den Menſchenrechten und den darauf zu grün=
denden
Forderungen bekannt gemacht. Als in den letzten
Tagen trotz der ungewohnten Kälte die Räume der dorti=
gen
Volksſchule nicht geheizt waren, haben die Schü=
ler
der fünften und ſechſten Klaſſe den allgemeinen
Ausſtand verkündet und ſind, gefolgt von der übrigen
Schuljugend, die den Anlaß zum Schwänzen mit Freuden
ergriff, in feierlichem Zuge vor das Rathaus gerückt, um
vom Bürgermeiſter Brennmaterial für die Schulöfen zu
verlangen.

[ ][  ][ ]

Fabrik arbeitete, eine Wirtſchaft kaufte. Zu ihrem Vater
außerte ſie damals, wenn ſie in die Wirtſchaft müſſe,
würde das ihr Tod ſein. Sie fühlte ſich nie wohl in dem
Haus, gegen das ſie beſonders deshalb auch eine Abnei=
gung
hatte, weil ſich der frühere Beſitzer erhängt hatte
Seit der Zeit, in der der Mann die Wirtſchaft gekauft hat
zeigte die Frau ein verändertes Weſen. Sie ſchien ge=
drückt
und ſchwermütig und war nach den Angaben des
Mannes nicht mehr ſo bei der Arbeit, wie es die Wirt=
ſchaftsführung
verlangte. Ob die Veränderung durch
Mißhandlung oder durch Krankheit entſtand, läßt ſich
heute mit Sicherheit nicht mehr feſtſtellen. Am 26. Juli
letzten Jahres kam ein Zeuge dazu, als die Frau in der
Küche vor ihrem Mann auf den Knien lag und von ihm
mit einem Reisbeſen geſchlagen wurde. Der Angeklagte
gab zu, die Frau einmal geſchlagen zu haben, da er ihr
ſtörriſches Verhalten für Bosheit hielt. Zeugen bekun=
deten
, daß ſie mehrmals Spuren von Mißhandlungen an
der Frau geſehen haben. Die Verſtorbene ſoll auch ver=
ſchiedenen
Perſonen des Dorfes erzählt haben, daß ſie
von ihrem Mann und auch von deſſen Bruder und ihrer
Schwiegermutter geſchlagen wurde. Der Staatsanwalt
beantragte gegen den Angeklagten 3 Monate Gefängnis.
Das Gericht erkannte auf 60 Mark Geldſtrafe, eventl.
12 Tage Gefängnis. Weiter wurde geſtern die
Berufung des Gerbers A. R. verworfen. Dieſer war vom
Schöffengericht zu 10 Mark Geldſtrafe wegen fahr=
läſſiger
Körperverletzung verurteilt worden, weil er durch
ſein raſendes Fahren den Zuſammenſtoß mit einem an=
deren
Radfahrer verſchuldete, durch den dieſer verletzt
wurde. Die Strafkammer nahm ebenſo wie das Schöffen=
gericht
ein Verſchulden des Angeklagten für erwieſen an
-g. Kriegsgericht. Wegen vordienſtlicher Wilddie=
berei
hatten ſich geſtern der Landwirtsſohn Johann
Glück, jetzt Musketier beim Infanterie=Regiment Nr. 116,
und der Schreiner Michael Gunkel, jetzt beim Infan=
terie
=Regiment Nr. 113, vor dem Kriegsgericht der 25. Di=
viſion
zu verantworten. Beide ſtammen aus Lorhaupten
(Kreis Hanau) einem Ort, wo die Wilddieberei noch in
Flor ſteht. Am 31. Auguſt nun hörte der Förſter meh=
rere
Schüſſe fallen und er fand auf ſein Herbeieilen die
beiden Angeklagten, die ſofort die Gewehre wegwarfen
Sie hatten damals keine Ausrede auf den Vorhalt des
Förſters. Geſtern gaben ſie an, ſie haben ſich nur im
Schießen üben wollen. Das Gericht erkannte auf
30 Mark Geldſtrafe, eventuell 6 Tage Gefängnis und Ein=
ziehung
der Gewehre und Patronen. Der Gardiſt Ernſt
Heiſtermann von Bielefeld, jetzt beim Leibgarde= In=
fanterie
=Regiment Nr. 115, ließ ſich von ſeinem Sergean=
ten
einen Rock ſtempeln, der ſich nachher als einem Ein=
jährigen
gehörig herausſtellte. Der Angeklagte, der ſich
deshalb geſtern wegen Kameradendiebſtahls zu
verantworten hatte, gibt an, der Rock habe längere Zeit
herrenlos auf der Stube gelegen. Das Gericht erkannte
auf 14 Tage ſtrengen Arreſt.
Vom Hoftheater. Heute gelangt unter Leitung von
Hofkapellmeiſter Ottenheimer und Regiſſeur Nowack Verdis
Rigoletto im D=Abonnement zur Aufführung. In
der Titelpartie gaſtiert Herr Kirchberg von Berlin
auf Engagement. Die Vorſtellung beginnt um halb 8 Uhr.
Am Sonntag wird, vollkommen neu einſtudiert, neu in=
ſzeniert
und in den Hauptpartien neu beſetzt, Heubergers
Operette Der Opernball unter Leitung von Kapellmeiſter
Kleiber und Regiſſeur Harprecht in Szene gehen. Dieſe
Vorſtellung gehört der Abonnementsreihe B. Kammer=
ſängerin
Ch. Cahier wird als Dalila in Saint=
Saéns Samſon und Dalila ein einmaliges Gaſtſpiel am
Hoftheater abſolvieren.
* Künſtlerfeſt. Am Samstag findet das Künſtlerfeſt
ſtatt, das in dieſem Jahre im Rahmen eines Varieté=
Nachtfeſtes veranſtaltet wird. Im zweiten Teil wird
ein Feſtball arrangiert. Das Münchner Oktoberfeſt, die
Sektlauben, das Karuſſell, die Raritätenbude, die Blumen=
halle
und alle anderen Sehenswürdigkeiten und Attrak=
tionen
dürften ſich wohl des lebhafteſten Zuſpruchs er=
freuen
, denn der Kartenvorverkauf hat eine noch nicht
gekannte Höhe zu verzeichnen. Der Feſtausſchuß lenkt die
Aufmerkſamkeit der Feſtbeſucher auf eine bemerkenswerte
Neuerung, die beſtimmt großen Anklang finden wird. Es
ſind nämlich im Verkehrsbureau jetzt ſchon die Garderobe=
marken
erhältlich, ſo daß am Abend der Beſitzer einer auf
dieſem Wege erworbenen Garderobekarte dem zu erwar=
tenden
Andrang in den Garderoben entgehen kann. Für
Feſtbeſucher die nach Abwicklung des Varietsprogramms
kommen, wird eine Abendkaſſe geöffnet gehalten werden.
Doch ſind die Preiſe für die Eintrittskarten nach Schluß
der Varietévorſtellung nicht billiger als die Varietékarten.
* Preisgekrönt. Aus Holzminden wird uns ge=
ſchrieben
: Der Schüler von der Herzoglichen Baugewerk=
ſchule
, Jakob Müger aus Darmſtadt, erhielt bei
einem von der Schule ausgeſchriebenen Wettbewerb den
erſten Preis. Das Programm lautete: Entwurf zu
einem Gärtnerwohnhauſe mit Ladeneinrichtung und zu
einem Umbau eines vorhandenen Schuppens zu einem
Stall und Wirtſchaftsgebäude.
* Die Abteilung Darmſtadt der Deutſchen Kolonial=
geſellſchaft
veranſtaltet am nächſten Mittwoch, 4. Febeuar,
abends 8 Uhr, im Saale des Hotels zur Traube wieder
einen Vortrag. Es wird Herr Oberleutnant a. D.
Dr. Schultze von Berlin über ſeine Forſchungs=
reiſe
vom Kongo durch Neu=Kamerun bis
zum Tſchadſee ſprechen. Wie bekannt, hat Herzog
Adolf Friedrich von Mecklenburg jetzt kaiſerlicher Gou=
verneur
der Kolonie Togo auf ſeiner zweiten großen
Innerafrika=Expedition in den Jahren 1911 und 1912 die
vorgenannten Gebiete bereiſt. Es galt insbeſondere die
anläßlich der Marokkoaffäre von Frankreich erworbenen
neuen Gebiete im Oſten und Süden von Kamerun kennen
zu lernen. Einer ſeiner Begleiter war Dr. Schultze, der
als Schutztruppenoffizier ſchon 1903 und 1904 Mitglied der
Deutſch=engliſchen Nordkamerun=Tſchadſee=Grenzexpedition
geweſen war und inzwiſchen in Bonn Geographie, Staats=
und Rechtswiſſenſchaft ſtudiert und 1910 daſelbſt promo=
viert
hatte. Er war von Herzog Adolf Friedrich weiter
noch mit der Leitung der Teilexpedition durch das ſüdliche
Kamerun und die benachbarten ſpaniſchen Beſitzungen be=
traut
worden. Es dürfte von hohem Intereſſe ſein, nicht
nur einen Originalbericht über dieſe bedeutſamen Reiſen,
ſondern auch Authentiſches über das in ſeinem Wert ſo
verſchieden angeſehene Neu=Kamerun zu hören. Die Kreis=
gruppe
Darmſtadt des Deutſchen Flottenvereins hat ſich
daher der Veranſtaltung angeſchloſſen. Im übrigen ver=
weiſt
man auf die Anzeige in dieſer Nummer.
Der Richard Wagner=Verein Darmſtadt, der am
1. Januar in ſein 25. Vereinsjahr eingetreten iſt, hielt am
Mittwoch im Kaiſerſaal ſeine ordentliche Haupt=
verſammlung
für das Jahr 1914 ab. Nach dem von
dem Vorſitzenden, Herrn Rat H. Sonne, erſtatteten Jah=
resbericht
kann der Verein wiederum auf ein erfolg=
reiches
Vereinsjahr von erfreulicher künſtleriſcher Auf=
wärtsentwicklung
zurückblicken. Seine Mitgliederzahl die
zu Anfang des Jahres 1913 860 betrug, iſt bis Ende 1913
bei 130 Neueintritten auf 990 Perſonen geſtiegen. Ueber

hundert Einwohner umliegender Ortſchaften, wie Alsbach,
Auerbach, Babenhauſen, Bensheim, Buchſchlag, Diebueg,
Eberſtadt, Gernsheim. Goddelau, Gräfenhauſen, Gries=
heim
, Groß=Gerau, Groß=Umſtadt, Jugenheim, Nauheim,
Nieder=Ramſtadt, Roßdorf, Schönberg, Traiſa, Zwingen=
berg
, ja ſelbſt von Michelſtadt, Heppenheim, Oppenheim,
Bingen und Worms bilden treue Mitglieder und regel=
mäßige
Beſucher der Vereinsveranſtaltungen. Im ver=
gangenen
Jahre konnten 15 Vereinsabende veran=
ſtaltet
werden, die ausnahmslos von großem künſtleriſchen
Erfolge begleitet waren und über die im einzelnen berichtet
worden iſt. Der Verein machte an dieſen Abenden das
Publikum mit einer ganzen Reihe von Neuheiten lebender
Tonſetzer und neuen künſtleriſchen Erſcheinungen bekannt.
Der 207. 216. und 218. Vereinsabend fand zum Beſten
des Feſthaus=Vereins Darmſtadt ſtatt, für den
der Wagner=Verein fortgeſetzt eine rege Werbetätigkeit ent=
faltet
. Seiner Initiative iſt auch die Veranſtaltung der
glänzend verlaufenen Richard Wagner= Jahrhun=
dertfeier
zu verdanken, die unter Mitwirkung des
Inſtrumentalvereins, des Mozart=Vereins und des Lehrer=
ſängerchors
am Sonntag, 18. Mai, einen durch den Beſuch
des Großherzoglichen Hofes ausgezeichneten Feſtakt brachte,
bei dem Profeſſor Dr. Willibald Steuer aus Weimar die
Feſtrede über Das dramatiſche Kunſtideal Richard Wag=
ners
und ſeine Verwirklichung in Bayreuth hielt. Der
zweite Teil der Feier beſtand in einem am Vorabende des
100jährigen Geburtstages des Meiſters veranſtalteten,
außerordentlich ſtark beſuchten Richard Wagner=Abend des
Philharmoniſchen Orcheſters aus Leipzig unter Leitung
von Profeſſor Hans Winderſtein. An die Richard Wag=
ner
=Stipendienſtiftung konnten in den letzten
zwei Jahren nahezu 2000 Mark abgeführt werden. Der
Leſezirkel des Vereins, der 62 Zeitſchriften umfaßt,
und die Bibliothek, die um 65 Bände und Notenhefte ver=
mehrt
wurde, erfreuten ſich reger Benutzung. Leider ver=
lor
der Vorſtand infolge Verſetzung ſeinen langjährigen
trefflichen 1. Vorſitzenden, Herrn Major Heinrich von
Hahn, der in Anerkennung ſeiner großen Verdienſte um
den Verein zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Nach der
Rechnungsablage des Schatzmeiſters betrugen die
Einnahmen im abgelaufenen Vereinsjahre 18 274,44 Mark,
die Ausgaben 18 666,54 Mark, ſo daß ſich eine Mehraus=
gabe
von 39210 Mark ergibt. Sie iſt verurſacht dadurch,
daß das geſamte Defizit der Richard Wagner= Jahrhun=
dertfeier
mit 1178,45 Mark von dem Wagner=Verein ge=
tragen
werden mußte. Bei der zum Schluſſe vorgenom=
menen
Neuwahl des Vorſtandes wurde mit Be=
dauern
davon Kenntnis genommen, daß Herr Regierungs=
aſſeſſor
Dittmar infolge ſeiner Verſetzung nach Büdingen
aus dem Vorſtand ausſcheiden müſſe. Sämtliche übrigen
Vorſtandsmitglieder wurden einſtimmig wiedergewählt,
ſo daß der Vorſtand für das neue Vereinsjahr aus folgen=
den
Perſonen beſteht: Großherzoglicher Rat Hermann
Sonne, Vorſitzender; Profeſſor Arnold Mendelsſohn, erſter
Stellvertreter des Vorſitzenden; Oberleutnant Erich von
Küchler, zweiter Stellvertreter des Vorſitzenden; Oberleh=
rer
Dr. Wilhelm Schmidt, Schriftführer: Oberlehrer Dr.
Karl Ausfeld, Stellvertreter des Schriftführers: Eiſen=
bahninſpeltor
a. D. Ferdinand Scheyrer, Bücherwart; Ge=
richtsaſſeſſor
Dr. Otto Melior und Kapellmeiſter Fritz
Rehbock, Beiſitzer.
* Verband für Jugendwohlfahrt und Jugendfürſorge
in der Stadt Darmſtadt. Die nächſte Mitgliederverſamm=
lung
wird im Gartenſaale des Städtiſchen Saalbaus am
Montag, den 9. Februar, nachmittags 5 Uhr, ſtattfinden.
Auf der Tagesordnung ſtehen: 1. Mitteilungen. 2. Der
Anzeigeteil der Tagespreſſe und die Jugendfürſorge. (Ref.
Herr Redakteur Streeſe.) 3. Der vorjährige Berliner
Kongreß für Wohnungsaufſicht und Wohnungspflege.
(Ref. Herr Bürgermeiſter Mueller.) 4. Ausſprache.
* Die evangeliſche Konferenz für das Großherzogtum
Heſſen hält Montag, den 2. Februar, nachmittags 5 Uhr,
im Kaiſerſaal eine Verſammlung ab, auf der Pro=
feſſor
D. Dr. Diehl von Friedberg einen Vortrag
halten wird über das neue Pfründengeſetz und ſeine Be=
eutung
für die Weiterentwicklung der heſſiſchen Landes=
kirche
. Der Eintritt iſt für Mitglieder und Gäſte frei.
* Orpheum. Heute, Freitag und morgen, Samstag
finden die beiden letzten Vorſtellungen des Walden=
Enſembles mit der Burlesken=Poſſe Nu ſchlägt’s 13 ſtatt,
womit dieſes erfolgreiche Gaſtſpiel abſchließt.

-h- Von der Bergſtraße, 28. Jan. (Beſitzwechſel.)
Die weitbekannte Verlags= und Sortimentsbuchhandlung
von H. Erhardt, Lehrmittelanſtalt, Bensheim,
ging in den Beſitz der Buchhändler Kaulbach und Weiler
über. Herr Erhardt hat ſich vom Geſchäft zurückgezogen.
Auch hat Erhardt den Vorſitz des Gewerbevereins Bens=
heim
niedergelegt. Sein Nachfolger wurde Herr Bürger=
meiſter
Dr. Löslein. (Preisabſchlag.) Die
Metzger haben den Preis des Schweinefleiſches
von 90 auf 86 Pfennig das Pfund ermäßigt. Auch die
Wurſt wird bis zu 10 Pfennig billiger verkauft. Leber=
und Blutwurſt koſten nur noch 70 Pfennig das Pfund.
F. Büttelborn, 29. Jan. (Schulerweiterung.)
Die erſte, zweite und fünfte Klaſſe der hieſigen Schule
haben eine ſo ſtarke Schülerzahl, daß die Errichtung einer
neuen Schulklaſſe ernſtlich ins Auge gefaßt werden muß.
Zunächſt dreht es ſich um Beſchaffung eines neuen Schul=
ſaales
, worüber bereits Verhandlungen ſchweben. Wenn
es möglich zu machen wäre, ſollten alle Klaſſen in der
Schulhofreite der Schulſtraße vereinigt werden, weil dann
alle Lehrmittel beiſammen wären und auch die Doppel=
anſchaffung
mancher Gegenſtände vermieden werden
könnte
Offenbach, 29. Jan. (Fahrläſſige Brand=
ſtiftung
) In dem Fabrikgebäude der Schuhfabrik
Dreſchfeld und Halberſtadt in der Strahlenbergerſtraße,
deſſen obere Stockwerke erſt vor einigen Wochen durch
Brand zerſtört wurden, brach vorgeſtern in dem Kel=
ler
wieder Feuer aus Der Feuerwehr gelang es
das Feuer auf ſeinen Herd zu beſchränken. Es wird fahr=
läſſige
Brandſtiftung durch einen Lehrjungen, der ein
Streichholz weggeworfen haben ſoll, angenommen.
Mainz, 29. Jan. (Elektriſche Bahn nachdem
neuen Krankenhaus.) Die ſtädtiſche Straßenbahn=
deputation
beſchloß in einer geſtrigen mehrſtündigen
Sitzung einſtimmig, vorbehaltlich der näheren Entſchei=
dung
über die Linienführung, den Bau einer neuen elek=
triſchen
Bahnlinie nach dem neuen ſtädtiſchen Kranken=
haus
zuzuſtimmen. Die neue Linie wird aller Voraus=
ſicht
nach ihren Ausgangspunkt am Bahnhofsplatz haben
und den Käſtrich berühren. Die Geſamtkoſten ſind auf
150000 Mark veranſchlagt. (Die Wiedereröff=
nung
der Rheinſchiffahrt. Geſtern fuhren viele
Schleppdampfer von der Ruhr nach hier bergwärts, mei=
ſtens
Kähne, die ſchon vor dem Winter beladen waren
wegen des fallenden Waſſers aber alle leichtern mußten.
Wackernheim, 29. Jan. (Vereitelte Verſtei=
gerung
.) Infolge Zwiſtes mit ſeinen erwachſenen Kin=
dern
wollte ein hieſiger Landwirt dieſer Tage ſeine
Ackergrundſtücke verſteigern laſſen. Einer der Söhne appel=

lierte an das Rechtsgefühl der auf der Verſteigerung an=
weſenden
Perſonen und bat im Intereſſe ſeiner Ge=
ſchwiſter
, nicht zu bieten. Daraufhin machte nicht ein ein=
ziger
ein Angebot und die Verſteigerung mußte von dem=
Notar reſultatlos aufgehoben werden.
Nieder=Saulheim, 29. Jan. (Zwei intereſſante
Kaiſergeburtstagsfeiern) wurden dieſer Tage=
hier
veranſtaltet. Bekanntlich iſt unſer Ort durch die vier=
malige
, aber immer noch nicht entſchiedene Bürgermeiſter= in zwei Parteien geſpalten. Jede Partei gab nur
ihren Wählern ein Feſt mit Freitrunk und Muſik.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 28. Jan. Heute abend wan
im Königlichen Opernhauſe Theätre paré. In die
große Hofloge waren beſonders geladen der frühere Ge=
ſandte
in Athen Freiherr von Wangenheim und Gemahlinz
Staatsſekretär v Jagow, der griechiſche Miniſterpräſiden=
Venizelos und die Herren ſeiner Begleitung, ſowie den
griechiſche Geſchäftsträger Theotokis. In der großen Hofs
loge erſchienen ſodann der Kaiſer und die Kaiſerin, die
Königin der Hellenen, der Kronprinz von Griechenlandt
Prinz Heinrich und Gemahlin, Prinz Friedrich Karl von
Heſſen und Gemahlin, Prinz Adolf zu Schaumburg=Lippe=
Herzog Ernſt Günther zu Schleswig=Holſtein und Gemah=
lin
, Prinz Adalbert und die Söhne des Prinzen Friedrich
Karl von Heſſen. Der Kaiſer hatte zur Seite ſeine 3 Schwes
ſtern, neben der Kaiſerin waren die beiden anweſendem
Prinzeſſinnen. Gegeben wurde das Feſtſpiel Kerkyra
Die Budgetkommiſſion des Abgeordnetenhauſes vird
ſich heute Freitag mit dem Neubau der Königll
Oper beſchäftigen, wofür bekanntlich der Stadtbaura
von Berlin, Geheimer Baurat Dr. Ludwig Hoffmanm
die Pläne angefertigt hat. Bei den bisherigen Vorarbeiten
für das Opernhaus war es üblich, daß die Entwürfe durch
öffentliche Ausſtellung der Allgemeinheit zugänglich ge=
macht
wurden. Die Vereinigung Berliner Architekten, als
die zuſtändige Vertreterin der in Groß=Berlin vereinigten
freien Baukünſtler, hat in einer Eingabe an die Budge=
kommiſſion
des Abgeordnetenhauſes die Bitte ausgeſpral
chen, dahin zu wirken, daß auch der Entwurf Ludwig Hoff
manns vor Erledigung der Angelegenheit im Abgeord=
netenhauſe
öffentlich zur Ausſtellung gelangen möchtes
Gleichzeitig ſpricht die Vereinigung Berliner Architelten
die Bitte aus, die Budgetkommiſſion wolle dahin wirkenn
daß der Entwurf der Königlich Preußiſchen Akademiedes
Bauweſens zur Beurteilung überwieſen werde, wiedies
bei den früheren Entwürfen für das Opernhaus auch der=
Fall geweſen iſt. Die Königliche Akademie des Bauweſenss
iſt nach ihrer Stiftung dazu berufen, große öffentliche Bau=l
aufgaben zu begutachten. Das Kuratorium für das Bes
ſtattungsweſen hat in ſeiner heutigen Sitzung beſchloſſen
für den Bau eines zweiten Krematoriums im
Berlin das Grundſtück Dieſtelmeyerſtraße in Ausſicht zu
nehmen. Ferner beſchloß das Kuratorium, um der neuerem
Friedhofskunſt noch mehr Rechnung zu tragen, die Aufe
ſtellung von Denkmälern mit Glastafeln und Photogras
phien auf den ſtädtiſchen Friedhöfen in Zukunft nicht mehr
zu geſtatten. In der Nähe des Bahnhofs Eichkampfuhl
geſtern eine Lokomotive in eine Arbeiter
kolonne. Während es den meiſten Arbeitern gelang
noch im letzten Moment zur Seite zu ſpringen, wurde des
Kolonnenführer Baumann und der Arbeiter Becker von
der Maſchine erfaßt und zur Seite geſchleudert. Beide
wurden ſchwer verletzt und hatten bis heute mittag dau
Bewußtſein noch nicht wieder erlangt.
29. Jan. Am Grabe Fichtes auf dem Ddolheen= Kirchhof fand heute mittag eine Gedenk=
feier
ſtatt, zu der ſich unter Führung des Rektors den
Univerſität, Geheimrat Planck, eine Anzahl Profeſſoren
verſammelten. Profeſſor Riehl hielt die Gedächtnisrede
worauf der Rektor einen Lorbeerkranz mit einer kurzen
Anſprache niederlegte. Auf dem Neubau der Verſichet
rungsgeſellſchaft Zürich in der Mohrenſtraße riß ge
ſtern abend das Seil eines mit Waren belan
denen Fahrſtuhls. Der Fahrſtuhl ſtürzte in dil
Tiefe. Der 27 Jahre alte Vorarbeiter Paul Sumern
der ſich in dem Fahrſtuhl befand, wurde ſchwer vern
letzt in das Krankenhaus gebracht, wo er hoffnungslon
darniederliegt.
München, 29. Jan. (Verhafteter Betrügern
Der geſtern wegen des umfaſſenden Betrugsverſuch
gegen Berliner Arbeitsloſe verhaftete 33jährig
Mechaniker Friedrich Deiner mietete im Zentrum der
Stadt eine große Wohnung, angeblich als Geſchäftslokal
für die Zweigſtelle der deutſchen Zentrale für Arbeite=
und Gefangenenfürſorge mit dem Sitze in Leipzig, beſtelll
Möbel und engagierte ein Dutzend Schreibmaſchiniſtinne
gegen hohes Gehalt. Er gab an, die Genehmigung den
Regierung von Oberbayern zu haben. Schon 1907 ves
ſuchte er einen ähnlichen Schwindel wie den letzten ü
Berlin, er wurde aber nach Anwerbung von 150 Arbeiterr
entlarvt und verhaftet. Er befaßte ſich in der letzten Zes
mit dem Heiratsſchwindel.
Stuttgart, 29. Jan. (Mord.) In Biberach wurd
der 63 Jahre alte Antiquitätenhändler Bauer von der
Bildhauer Herbſt, der ihm vergebens zwei altertümlich
Bilder zum Kaufe anbot, durch drei Schüſſe und 17 Meſſer=
ſtiche
getötet. Der Mörder tötete ſich dann ſelbſt dur=
einen
Schuß in den Kopf.
Konſtanz, 29. Jan. (Brandſtiftung.) In Wei
dorf bei Salem zündete der in ſchlechten Vermögensve?
hältniſſen lebende, dem Trunke ergebene Hege ſein An
weſen an und begab ſich auf den Boden, wo er in de
Flammen umkam. Das Anweſen wurde bis auf den
Grund vom Feuer zerſtört. Hege ſollte ſein Haus auf der=
Wege der Zwangsverſteigerung veräußert werden.
Hamburg, 29. Jan. (Die Hamburger Baru
Seeſtern), die ſeit etwa 15 Tagen überfälligeiſ
gilt in Schiffahrtskreiſen als verloren. Sie befandſitt
auf der Reiſe von Südwales nach Chile und hatte 22 Ma.
troſen an Bord, die meiſt aus Norddeutſchland ſtammer
Bremerhaven, 29. Jan. (Selbſtmord eines
Schülers.) Der 12jährige Sohn des Lehrers Crooe
in Lehe, Schüler der Oberrealſchule, warf ſich auf die
Geeſtebrücke vor Cuxhaven vor einen fahrenden Zug un
wurde getötet. An der gleichen Stelle nahm ſich ein Schi=
ler
derſelben Anſtalt durch Ueberfahren vor etwa einet=
Jahre das Leben.
Stettin, 29. Jan. (Beim Spiel mit einet
Teſchin) erſchoß geſtern der 25 Jahre alte Lithogräß=
Becker ſeine 22jährige Braut Pieper in deren Wohnun=
in
dem Augenblick, als ſie durch die Tür in das Zimmet
trat. Das Mädchen wurde in die Schläfe getroffen und
war ſofort tot. Becker wurde verhaftet. Die Polizei ſtell)
auf dem Standpunkt, daß es ſich um einen Unglücksfan
handelt.
Tangermünde, 29. Jan. (Ueberfall.) Der Rechtt=
anwalt
Dr. Walter, der ſich als Reſerveoffizier in Uniforle
befand, wurde auf dem Heimwege von der Kaiſergeburg
tagsfeier von ſechs Perſonen überfallen und übel
richtet. Die Täter ſind bereits verhaftet worden=

[ ][  ][ ]

Neumünſter, 29. Jan. (Großfeuer.) Seit heute
nitttag brennt die Lederfabrik Koſter, A.=G., die 500
lüebeiter beſchäftigt. Die Feuerwehr erbat von Kiel Hilfe
Ratibor, 29. Jan. (Hinrichtung.) Heute morgen
pnrden in dem Hofe des Gerichtsgefängniſſes die unverehe=
ſihte
Häuslerstochter Franziska Zimmer aus Naſſel=
ofrtz
, welche ihre Stiefmutter ermordete, und die Berg=
nannsfrau
Joſepha Kubacka aus Ezerwionka, die ihren
Jaann ermordete, hingerichtet.
Grünberg (Schleſien), 29. Jan. (Mord.) Geſtern
ihcht kehrte der frühere Nachtpolizeibeamte Simon, der
ſrm ſeiner Frau getrennt lebte, von außerhalb hierher
urück und ſtieg vermittels Leiter in die Wohnung der
Faau in der Fleiſcherſtraße und erſchoß die Frau, den
uerjährigen Sohn und ſich ſelbſt.
Wien, 29. Jan. (Eiſenbahnunfall.) Auf der
Snation Hohenbruck (Böhmen) fuhr ein Perſonenzug
er Nordweſtbahn einen ausfahrenden Güterzug an. 25
keeiſen de und Zugbeamte wurden leicht ver=
eſ
tzt.
Wien, 28. Jan. (Brand im Theater.) Heute
bend vor Beginn der Vorſtellung des Joſefſtädtiſchen
geaters geriet der Fußboden des Foyers, vermutlich
urch Ueberhitzung, in Brand. Der Feuerwehr gelang
önnach kurzer Zeit, das Feuer zu unterdrücken. Mit Rück=
art
darauf, daß der Fußboden aufgeriſſen werden mußte
nd der Zuſchauerraum von Rauch durchzogen war, iſt
etute abend die Vorſtellung abgeſagt worden.
Genua, 29. Jan. (Die in die Luft geflogene
tlverfabrik) gehörte zu der Batterie Arveſi im
guriſchen Apennin. Der Exploſion, die auf die Unvor=
chitigkeit
eines Soldaten zurückgeführt wird, ſollen ſechs
herſonen zum Opfer gefallen ſein, darunter fünf Sol=
ayen
vom 89. Infanterie=Regiment und ein Ziviliſt. Die
tattungsarbeiten werden fortgeſetzt.
Lugano, 29. Jan. (Selbſtmord.) Als heute nacht
e Kaſſierer Baumann von der Banca Cantonale, Nie=
elelaſſung
Lugano, verhaftet werden ſollte, ſchoß er ſich
ine Revolverkugel in den Kopf. Er war ſofort tot.
Warſchau, 29. Jan. (Brand.) In dem Hotel
Erriſtol brach geſtern infolge eines Defektes an der Hei=
rung
Feuer aus, das ſchnell um ſich griff und unter den
Legeits ſchlafenden Hotelgäſten eine entſetzliche Panik
euurſachte. Das Feuer konnte erſt nach längerer Zeit ge=
bächt
werden.
Colombo, 29. Jan. (Die Peſt.) Hier iſt ein Todes=
il
: an Bubonenpeſt feſtgeſtellt worden.
Tokio, 28. Jan. (Vulkaniſche Ausbrüche) bil=
Leuen in einer Entfernung von acht Kilometern von den
ſomin=Inſeln eine neue Inſel.

Parlamentariſches.

i: Beratung des Hauptvoranſchlages im Finanzausſchuß
St. Den heute fortgeſetzten Verhandlungen über den
arptvoranſchlag im Finanzausſchuß wohnten als Ver=
euer
der Regierung die Herren Miniſterialräte Hölzin=
e
. Dr. Kratz, Schliephake Geh. Oberbaurat
liingelhöffer u. a. bei. Zu Begin der Verhandlun=
n
wurde zunächſt bekannt gegeben, daß ein Antrag des
anternbundes auf Erhöhung der Beiträge des Staates
em Kapitel Landwirtſchaft in Höhe von 53 100
tark eingegangen ſei, und weiter ein Antrag des Abg.
eardt auf Erhöhung der Koſten der Handelskammern,
mie ein Antrag Ulrich auf Einſtellung eines Betrages
in 50000 Mark für Arbeitsloſenverſiche=
ing
. Bei dem Kapitel Domänen wurde ſeitens der
ſierung die Notwendigkeit eines Anbaues für die Ober=
rierwohnung
in Storndorf dargetan. Die Forderung
unde vom Ausſchuß anerkannt. Die Frage, ob die Ge=
Ulye der Kommunalforſtwarte nach Erledigung der Be=
lnungsordnung
ebenfalls eine Erhöhung zu ſinden
tnen, wurde von der Regierung bejaht. Es werde ledig=
hi
die endgültige Verabſchiedung der Beſoldungsvor=
I abgewartet, der Geſetzentwurf, in welchem die Konſe=
iemz
fur die Kommunalforſtwarte gezogen werde, liege
räits im Miniſterium fertig vor.
)Eine längere Erörterung veranlaßte die Geſtaltung
* Braunkohlenwerkes Ludwigshoff=
ung
in Verbindung mit dem Kraftwerk
Völfersheim‟ Letzteres entwickle ſich günſtig und
netzt ſchon erheblich beſſer, als es 1913 veranſchlagt
orden war. Darum ſei auch für 1914 zu erwarten, daß
eSStromabgabe höher, als mit 2 600000 Kilowattſtunden
weranſchlagen ſei. Der Rein=Ueberſchuß von 31 221
d! 47253 Mark in den Jahren 1913 und 1914 zeige eine
igende Rentabilität, die durch die Ausdehnung der
irmleitung in der Provinz Oberheſſen noch zunehmen
roe. Durch den Verbrauch von Preßſteinen für das
tatttwerk werde dann auch die Rentabilität der Preß=
inffabrik
gehoben und ſtelle ſich in 1914 auf 31730 Mark
gem 15 153 Mark in 1913. Beide Werke zuſammen erge=
infſonach
im Jahre 1913: 31347, im Jahre 1914: 47531
ailk Reinüberſchuß. Die Regierung ſagte zu, über die
ſttaltung dieſes Braunkohlen= und Kraftwerkes, wie auch
wcit möglich bezüglich Bad=Nauheims eine kaufmänni=
e
2Bilanz aufzuſtellen. Bei Bad=Nauheim ſei das
rmm ſchwer, weil die Werte der Anlagen ſehr ſchwer,
gigentlich gar nicht feſtgeſtellt werden könnten. In
d=Nauheim habe man mit Rückſicht auf die anfangs
nicht günſtige Geſtaltung der Einnahmen eine ſehr
rſöchtige Schätzung des Eingangs an Badegeldern, Kur=

taxe und Eintrittsgeldern (* 10000 Mk. und 45000 Mk.)
gegen 1913 vorgenommen, es ſei aber wohl ein höherer
Betrag zu erwarten. Weiter gab die Regierung eine ge=
naue
Rentabilitätsberechnung des Bades unter Darlegung
der für Verzinſung der angelegten Kapitalien (über 9
Millionen) erforderlichen Beträge. (Für 1914: 282500
und 200000 Mark.) Dieſe Abgabe an die allgemeine
Staatsverwaltung laſſe ſich noch rechtfertigen, eine weitere
Erhöhung dieſes Betrages gehe aber nicht an. Verſchie=
dene
Wünſche wurden bezüglich des baulichen Zuſtandes
des Teichhauſes geltend gemacht und verlangt, daß dort
eine Aenderung des jetzigen Zuſtandes eintrete. Die Re=
gierung
legte dar, welche Pläne dort erörtert worden
ſeien, eine feſte Geſtaltung haben aber dieſe Pläne noch
nicht gefunden.
Sodann wurde Zum Miniſterium des In=
iern
befürwortet, dem proviſoriſchen Hauswärter im
Heſſiſchen Haus anſtatt der ſeitherigen Vergütung von
1300 Mark eine ſolche von 1500 Mark zu geben. Sodann
wurde der allgemeine Fonds für Vertretungs= und Aus=
hilfskoſten
, für welchen die Regierung 4500 Mark mehr
angefordert hatte, und die laufende Unterhaltung für Ge=
bäude
, die zum Reſſort des Miniſteriums des Innern
gehören in welchen ebenfalls eine Mehrforderung von
30000 Mark aufgenommen wurde, beſprochen, doch wur=
den
die Erörterungen darüber noch nicht zu Ende geführt,
auch keine Beſchlüſſe gefaßt.
Weiterberatung Freitag.
Der Finanzausſchuß der Erſten Kam=
mer
hielt geſtern wieder Vor= und Nachmittags= Sitzun=
gen
ab, doch wurden die Beratungen noch nicht zu Ende
geführt und ſollen heute, Freitag, fortgeſetzt werden. Als
Vertreter der Regierung wohnten die drei Miniſter
ferner Staatsräte Dr. Becker, Beſt, Oberfinanzrat
Balſer u. a. den Verhandlungen bei.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 29. Jan. Präſident Dr. Kaempf er=
ffnet
die Sitzung um 1,16 Uhr. Auf der Tagesordnung
ſteht die Fortſetzung
der zweiten Leſung des Etats des Reichsamts des Innern
Titel Staatsſekretär (7. Tag).
Hierzu liegen bisher 17 Reſolutionen vor. Abg
Höſch (konſ.): Was wir vorausgeſagt haben, iſt einge=
treten
. Wenn unſere Handelsvertragsſtaaten auch noch
eine definitive Entſcheidung getroffen haben, ſo iſt doch
inoffiziell laut geworden, daß ſie keineswegs bereit ſind,
ſo ohne weiteres die Handelsverträge mit uns zu er=
teuern
. Die Ergebniſſe unſerer Wirtſchaftspolitik ſind er=
freulich
, insbeſondere hat unſer induſtrielles Leben einen
ungeahnten Aufſchwung erfahren. Bei der Landwirtſchaft
ſind nicht die gleichen günſtigen Ergebniſſe zu verzeichnen,
da bei ihr weſentlich andere Produktionsverhältniſſe be=
ſtehen
. Der Getreideanbauiſt ungeheuer ausge=
dehnt
worden und unſer Viehbeſtand iſt
um 126 Prozent in ſeinem Wert gewachſen,
(Hört, hört! rechts.) Die enorme Leiſtungsfähigkeit der
Landwirtſchaft war nur unter dem Schutzzoll möglich.
(Sehr richtig! rechts.) Die Einfuhr an Nahrungsmitteln
beläuft ſich, wie wir zugeben, auf faſt eine Milliarde.
Sehen wir aber einmal nach, in welchen Artikeln die Stei=
gerung
ſtattgefunden hat, ſo werden wir finden, daß es
n der Hauptſache Stoffe ſind, die zur Ernährung unſe=
res
Viehbeſtandes benötigt werden, vor allem Futter=
gerſte
. Die Ausführungen des Abg. Gothein, insbeſon=
dere
bei Beſprechung der Anbaufläche, beruhen auf Un=
richtigkeiten
, da ſeine ſtatiſtiſchen Unterlagen ungenau
ſind. Von der fortſchreitenden inneren Koloniſation iſt
eine Zunahme des Anbaues von Futterpflanzen nicht zu
erwarten. Je kleiner der Beſitz, deſto größer der Roggen=
bau
. (Hört, hört! rechts.) Die Vergangenheit hat gezeigt,
daß mit dem Einſetzen der Capriviſchen Handelsverträge
der Roggenbau ganz bedeutend zugenommen hat. Wir
halten daran feſt, daß, wenn eine Zollpolitik für den
Oſten überhaupt ein Ergebnis haben ſoll, das Syſtem
der Einfuhrſcheine beibehalten werden muß. (Sehr rich=
tig
! rechts.) Herr Gothein ärgert ſich darüber, daß dieſe
Einfuhrſcheine nicht nur den Händlern, ſondern auch den
Produzenten zugute kommen. (Sehr gut! rechts.) Dr.
Böhme hat, da ſachliche Gründe für ſeine Polemik nicht
vorhanden waren, ſich mit einzelnen Perſönlichkeiten be=
ſchäftigt
. Dieſes Kampfmittel hat Herr Bartſchat ſogar
noch weiter angewendet, indem er ehrenwerte Frauen in
das parteipolitiſche Gezänk hineingezogen hat. Unſere
Frauen wollen wir doch aus dem Kampf laſſen. (Bravo!
rechts.) Seine Kritik an dem Vorſitzenden des Vundes der
Handwerker war wenig ruhmreich für ihn. Ich weiß
nicht, ob Herr Bartſchat vom Hanſabund gleich ſchlecht be=
zahlt
wird, wie Herr Vogt vom Bund der Handwer=
ker
. Dieſe fortgeſetzten Debatten der Linken müſſen für
das Ausland geradezu aufſtachelnd wirken, wenn betont
vird, daß Rußland uns die Getreidepreiſe diktiere und
die Saiſonarbeiter vorenthalten könnte. Beides trifft
icht zu. Rußland exportiert das 15fache von dem, was
wir dorthin exportieren, und es iſt genötigt, den Ueber=
ſchuß
an Arbeitskräften als Saiſonarbeiter über die
Grenze gehen zu laſſen. Das hat auch der preußiſche
Landwirtſchaftsminiſter zugeſtanden, als er mitteilte, daß

Rußland nach wie vor die 10½=Monatspäſſe ausſtellen
werde. Ueber die innere Koloniſation iſt die Linke voll=
ſtändig
falſch unterrichtet. Die Konſervativen ſind davon
überzeugt, daß eine Arbeiterkoloniſation verfehlt iſt. Die
innere Koloniſation iſt auf Anregung der Konſervativen
geſchaffen worden. So gibt es noch heute keinen entſchie=
deneren
Vorkämpfer dieſer Bewegung, als den Vorſitzen=
den
des Bundes der Landwirte, Herrn von Wangenheim.
Sehr richtig! rechts.) Völlig verkehrt iſt die Annahme,
daß der Großgrundbeſitz ſich durch die innere Koloniſation
zuverläſſige und gefügige Arbeiter beſchaffen wolle. Un=
ſere
innere Koloniſation hat ihre Kinderkrankheiten durch=
gemacht
, namentlich während der Aera Caprivis. Unſere
Politik geht auf eine Erhaltung des Bauernſtandes und
die Beſitzbefeſtigung hinaus. Man darf aber nicht ver=
langen
, daß in kurzer Zeit alle Domänen zerſchlagen und
die Güterſchlächterei im Großen betrieben wird. Die
Freiſinnigen haben allen Anlaß, ihre Anſicht über die Po=
litik
der Konſervativen wie auch über die Erfolge unſerer
Wirtſchaftspolitik zu revidieren. (Beifall rechts.)
Präſident Dr. Kaempf: Herr Abgeordneter Höſch!
Sie haben in bezug auf den Abg. Dr. Böhme geſagt, er
ſcheine über die Frage der Einfuhrſcheine nicht überzeu=
gungstreu
ſprechen zu wollen. Eine derartige Aeußerung
iſt parlamentariſch nicht zuläſſig.
Abg. Heſtermann (wild=natl.): Der größte Feh=
ler
in der Landwirtſchaft beſteht darin, daß, wenn ein
Zweig der Landwirtſchaft rentabel iſt, alsbald eine Ueber=
produktion
eintritt und dieſe Betriebsart unrentabel ge=
macht
wird. Der Bauernbund hat von jeher die Schutz=
zollpolitik
vertreten, insbeſondere für den Hopfen und für
den Gemüſe= und Obſtbau Auch ein Milch= und Rahmzoll
iſt notwendig. Die Frage der inneren Koloniſation darf
nicht als Schlagwort in die Maſſenverſammlungen ge=
worfen
werden. (Hu=Rufe bei den Soz.) Die Güter=
ſchlächterei
iſt für den Bauernſtand äußerſt gefährlich. Ich
habe nicht rechts oder links zu vertreten, ſondern das
Wohl des Bauernſtandes. Deshalb bedauere ich, daß Dr.
Böhme immer nur Angriffe gegen rechts richtet, gegen
inks findet er keine Worte. (Glocke. Vizepräſident Dr.
Paaſche: Ich bitte, die perſönlichen Auseinanderſetzun=
gen
an dieſer Stelle zu unterlaſſen. Unruhe rechts.) Abg.
Heſtermann ſchließend: Wir haben den gemeinſamen
Kampf zu führen gegen den inneren Feind: die Sozial=
demokratie
. (Lärm links, Bravo rechts.) Abg. Bruhn
(Rfpt.): Die Regierung tut viel zu wenig für den Mittel=
ſtand
, beſonders zum Schutze der Bauhandwerker, die
durch die Rückſichtsloſigkeit der Terrainſpekulanten und
Schwindelbau=Unternehmer ausgebeutet werden. Es müß=
ten
hier ſchon längſt geſetzliche Maßnahmen ergriffen ſein.
Der Forderung, die Strafbeſtimmungen bei Streiks zu
verſchärfen, können wir nicht zuſtimmen, da wir die be=
ſtehenden
Geſetze für ausreichend erachten. Es muß Vor=
ſorge
getroffen werden, daß die kleinen Müllereien und
die kleinen Brauereien nicht durch die Großbetriebe völlig
vernichtet werden. Auf den Verſicherungsämtern wird eine
bedauerliche Rentenquetſcherei betrieben. Das Wolffſche
Bureau ſteht unter dem Einfluß des Bankhauſes Bleich=
röder
. Das offiziöſe Nachrichtenweſen muß daher ver=
ſtaatlicht
werden. Die innere Koloniſation muß weiter
gefördert werden. Die Domänen dürfen nicht geſchont
werden.
Miniſterialdirektor Dr, Caſper gibt Auskunft über
einen vom Vorredner angeführten Fall von ſogenannter
Rentenquetſcherei. Dem betreffenden Verſicherten ſei le=
diglich
die Zuſatzrente entzogen worden.
Abg. Erdmann (Soz.): Dr. Böttger hat ſich ſeiner
gelben Schützlinge angenommen. Ich verſtehe es wohl,
daß die Unternehmer ſich dieſer Hilfstruppen bedienen.
Man ſollte ſie aber hier nicht noch in Schutz nehmen. Auch
wir verurteilen ein blindes Vorwärtsſtreben, wollen aber
auch nicht immer nur die Lichtſeite blind loben und prei=
ſen
. Ueber unſere Sozialpolitik dürfen wir nicht hoch=
mütig
anderen Ländern gegenüber werden. So herrlich
weit haben wir es auch nicht gebracht. Wir wollen den
Reichtum der Millionäre nicht noch weiter ſteigern, ſon=
dern
die Arbeiter endlich zu zufriedenen Menſchen machen
Abg. Giesberts (Zentr.): Die Sozialdemokratie
hat den Gewerkſchaftsgedanken in die Parteiſchablone ge=
preßt
. (Lebhaftes Bravo im Zentrum.) Ich weiſe den
Vorwurf zurück, die chriſtlichen Arbeiter handelten fre=
ventlich
wenn ſie eine beſondere Gewerkſchaft bildeten
und ſich nicht der Sozialdemokratie anſchlöſſen. (Bravo.)
Falſch iſt auch die Nachricht, daß die chriſtlichen Gewerk=
ſchaften
daran denken, ihr Firmenſchild zu ändern. Dieſes
iſt rein und hat ſich trefflich bewährt. (Lachen bei den
Sozialdemokraten. Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum.)
Ihr Reinfall (zu den Sozialdemokraten) im Kölner Pro=
zeß
ſollte Sie vorſichtiger machen. (Lachen bei den So=
zialdemokraten
.) Jetzt, wo die Arbeiter geſchloſſen ſein
müßten, um die Angriffe auf das Koalitionsrecht abzu=
wehren
bringt die Sozialdemokratie wieder den Zwieſpalt
in die Reihen der Arbeiter hinein. (Lebhaftes Bravo im
Zentrum.)
Abg. Schwabach (natl.): Wir wünſchen, daß die
in Reichs= und Staatsbetrieben beſchäftigten Perſonen den
in dieſen Betrieben feſtangeſtellten gleichgeſtellt werden.
Um den mannigfachen Wünſchen und der noch teilweiſe
ungeklärten Lage eine Unterlage zu geben bitten wir den
Herrn Reichskanzler, uns eine Denkſchrift über das Ar=
beits
= und Rechtsverhältnis der außerhalb des Beamten=
verhältniſſes
in Reichs= und Staatsbetrieben beſchäftig=
ten
Perſonen vorzulegen. Auf das Streikrecht verzichten
die auf nationalem Boden ſtehenden Arbeiter von ſelber.
Wenn auch die fortſchrittliche Reſolution, die das Arbeits=
verhältnis
der in Reichs= und Staatsbetrieben beſchäftig=
ten
Arbeiter regeln will, ſich zum Teil mit unſeren For=
derungen
deckt, ſo können wir ihr im ganzen doch nicht
zuſtimmen, da ſie uns in manchen Punkten zu weit geht
und manche darin enthaltene Fragen noch nicht ſpruchreif
ſind. Ich hoffe, daß unſer Antrag auf Vorlegung der
Denkſchrift zu einem Friedensinſtrument zwiſchen Arbeit=
geber
und Arbeitnehmer wird.
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Die Wünſche der
Staatsarbeiter haben ſich verdichtet zu der Forderung
eines Staatsarbeiterrechts. Die dahin gehen=
den
Petitionen und Reſolutionen hat der Bundesrat ab=
lehnend
erledigt. Zur Vorlegung einer Denk=
ſchrift
bin ich gerne bereit.
Abg. Vogt=Hall (Hoſpitant der Konſervativen): Die
Anſchauungen des Abg. Gothein über die Zuſtände in der
Landwirtſchaft ſind unzutreffend. Wo man auf dem
Lande dazu übergegangen iſt, elektriſche Kraft zu beziehen,
da geſchieht es nur, um den Dienſtboten die Arbeit ange=
nehmer
zu machen. (Widerſpruch links.) Einen anderen
Vorteil haben wir nicht davon. Uns liegt aber daran,
der Landflucht der Dienſtboten vorzubeugen. Es iſt end=
lich
an der Zeit, der Frage auf Schaffung einer Mühlen=
umſatzſteuer
näher zu treten. Zur inneren Koloniſation
eignet ſich bei weitem nicht jedes Gelände. Die Boden=
verhältniſſe
ſind zu verſchieden und die Rentengüter müſſen
ſo groß bemeſſen werden, daß ein Geſpann voll ausge=
nutzt
werden kann. Die wahren Freunde des Mittelſtan=
des
ſitzen nicht auf der Linken, ſondern auf der rechten

Großherzogliches Hoftheater.

Donnerstag, 29. Januar:
Sappho.
W-l. Als drittes Stück im Grillparzer=Zyklus ge=
ratte
heute das dramatiſche Gedicht Sappho zur
ffüührung. Wenn man erwägt, daß dieſe Dichtung, die
Ahnfrau folgte, das Werk eines Sechsundzwanzig=
igegen
iſt, ſo muß man zu dem Schluſſe kommen, daß der
chter bei günſtigeren äußeren Verhältniſſen und einem
hurren Grade von Selbſtvertrauen ſich zu einem Heros
dramatiſchen Literatur würde herangebildet haben.
ithält das Drama auch mancherlei Schwächen, wozu in
te: Linie die Charakterzeichnung Phaons gehört, ſo ver=
ies
doch einen ſo hohen poetiſchen Gedankenflug und
Upirüngliche, kraftvolle Genialität, verbunden mit einer
üvoramatiſchen Sprache, daß man ſtets unter dem
nne eines Dichters von Gottes Gnaden ſteht. Neben
Schönheit der Sprache ſind es die Harmonie und jenes
kantiken Kunſt eigenes Maßhalten, die an dieſem
kauna klaſſiſch anmuten, wenn ihm das antike Gewand
icht nur äußerlich umgehängt iſt. In mehr als einer
nſicht erinnert es an Goethes Iphigenie.
IIm Mittelpunkte des Dramas ſteht die Vertreterin
Titelrolle, einer der herrlichſten Frauengeſtalten Grill=
Pzurs, eine große tragiſche Rolle, würdig großer
miltlerinnen, die ihr Talent von jeher gern an ihr ge=
ſſem
haben. Frl. Alſen wuchs mit ihrer Aufgabe und
lehgen in dieſer Rolle, in der ſie den Stil der hohen

Tragödie in Sprache, Bewegung und Spiel mit künſtleri=
ſchem
Takte zu wahren wußte, ſozuſagen als eine ganz
andere Darſtellerin, als in kleineren, ihr weniger zuſagen=
den
Rollen. Hinſichtlich der einheitlichen, harmoniſchen
Ausgeſtaltung der Rolle und der ſprachtechniſchen Behand=
lung
des ſchönen Pathos übertraf ihre Sappho noch die
Medea. Beſonderes Lob verdient noch die im Tone der
ſchon Weltentrückten und Verklärten geſprochene, im klaſſi=
ſchen
Stil gehaltene Abſchiedsſzene, die zu dem Schönſten
gehört, was Grillparzer gedichtet hat. Frl. Alſen erntete
für ihre intelligente und ſympathiſche Darſtellung der Rolle
reichen Beifall.
Die Rolle des als Liebhaber der Sappho mit ihr un=
ſterblich
gewordenen Jünglings Phaon ſpielte Herr
Ehrle mit der dieſem Charakter entſprechenden jugend=
lichen
Impulſivität und Leidenſchaft. Ein Darſteller, der
beides nicht beſitzt und zwiſchen den verſchiedenen Emp=
findungsausbrüchen
dieſes von der Schwärmerei zur
wahren Liebe erwachten Jünglings nicht zu vermitteln
weiß, kann in dieſer ſchwierigen Rolle manches verderben.
Frl. Horn als Melitta nahm beſonders durch ihr helles
und weiches, dem kindlichen Charakter des unſchuldigen
und unbewußten Mädchens entſprechendes Organ für ſich
ein und ſprach auch recht hübſch und mit Wärme
Die Melitta gehört zu den empfindlichen weiblichen Rol=
len
, denen eine allzu große Routine und eine berechnende
Naivität leicht ſchaden. Hier macht faſt alles die Perſön=
lichkeit
. Sehr eindrucksvoll ſprach Herr Heinz als vor=
züglicher
Rhamnes den Fluch gegen Phaon.
Die ſchöne Aufführung fand bei dem Publikum eine
ſehr beifällige Aufnahme.

[ ][  ][ ]

Seite des Hauſes. (Präſident Dr. Kaempf rügt nach=
träglich
eine vom Abg. Vogt=Hall getane Bemerkung, die
eine perſönliche Spitze gegen den Abg. Gothein gehabt
hat.)
Nach einigen perſönlichen Bemerkungen wird die
Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr pünktlich vertagt.
Vorher kurze Anfragen.
Abg. Baſſermann (natl., zur Geſchäftsordnung)
Ich ſtelle feſt, daß der Abg. Heſtermann ſeine heutige Rede
weder im Namen noch im Auftrag der Fraktion gehal=
ten
hat. Die Fraktion hat alsbald die Konſequenz gezogen
und durch einſtimmigen Beſchluß das Ho=
ſpitantenverhältnis
mit Herrn Heſter=
mann
gelöſt. (Anhaltende Heiterkeit.)
Schluß ½7 Uhr.

Die angebliche Erwerbung
der Putilow=Werke durch Krupp.

* Petersburg, 29. Jan. Angeſichts der von der
franzöſiſchen Preſſe lebhaft beſprochenen Pariſer Gerüchte,
daß die Putilow=Werke angeblich von der Firma
Krupp mit Unterſtützung der Deutſchen Bank gekauft wor=
den
ſind, iſt die Petersburger Telegraphen=
Agentur ermächtigt, dieſe Gerüchte kategoriſch
zu dementieren. Selbſt falls die Abſicht auftauchen
ſollte, das Kapital der Putilow=Werke zu erhöhen, könnte
ſicherlich niemals weder direkt noch indirekt von einer Be=
teiligung
des genannten Hauſes die Rede ſein, das nie=
mals
zu einer Beteiligung zugelaſſen werden könnte.
* Paris, 29. Jan. Der konſervative Deputierte und
Obmannſtellvertreter des Kammerausſchuſſes für Auswär=
tige
Angelegenheiten, Denis Cochin, teilte heute vor=
mittag
dem Miniſter des Aeußern, Doumergue, mit, daß
er die Abſicht habe, an ihn eine Anfrage über die
Gerüchte, betreffend den Ankauf der Puti=
low
=Werke, zu richten. Doumergue erwiderte, daß
er ſabald die von ihm verlangten Auskünfte eingetroffen
ſeien, von der Kammertribüne die Anfrage Cochins be=
antworten
werde. Bisher hat Botſchafter Delcaſſé auf
die Depeſche Doumergues lediglich antworten können, daß
er ſich gegenwärtig damit beſchäftige, Auskünfte einzu=
holen
, die er dann ſo raſch als möglich übermitteln werde.
* Paris 29. Jan. Hieſigen Blättern zufolge er=
klären
die ruſſiſchen Banken, welche wegen der Kapi=
talsvermehrung
der Putilow=Werke mit
einer deutſchen Gruppe in Unterhandlungen getreten ſind
ihre Haltung damit, daß die franzöſiſche Gruppe, an
welche man ſich in dieſer Angelegenheit wiederholt ge=
wandt
habe, ihre Antwort ſtets aufſchob und daß
hierdurch ſchließlich die Putilow= Werke in eine
ſchwierige Lage gerieten. Ferner wird hervor=
gehoben
, daß das von den Petersburger Banken im Ein=
vernehmen
mit der deutſchen Gruppe gemachte Anerbieten
einen nichtamtlichen Charakter habe und daß deshalb
weder die ruſſiſche noch die franzöſiſche Regierung in der
Lage war, ſich mit der Sache zu befaſſen. Man gebe zu,
daß die franzöſiſchen Kreditinſtitute durch ihr Zaudern
vielleicht den Deutſchen in die Hände gearbeitet haben,
aber man ſei der Anſicht, daß die ruſſiſchen Bankiers und
Induſtriellen nicht das Recht haben, die Erzeugung ruſſi=
ſchen
Kriegsmaterials unter die deutſche Kontrolle gelan=
gen
zu laſſen und daß ſie im Hinblick auf das franzöſiſch=
ruſſiſche
Bündnis nicht berechtigt ſeien, einer deutſchen
Gruppe die Fabrikationsgeheimniſſe der franzöſiſchen In=
duſtrie
preiszugeben.
* Paris, 29. Jan. Der Temps ſchreibt zu der An=
gelegenheit
der Putilow=Werke: Geradezu unfaß=
bar
iſt es, daß Rußland in dem Augenblick, wo es vom
franzöſiſchen Markte 600 Millionen Francs für ſein wirt=
ſchaftliches
und militäriſches Rüſtzeug erhält, ſeinen fran=
zöſiſchen
Bundesgenoſſen weder in amtlicher Weiſe noch
durch Vermittelung der Banken davon verſtändigt hat, daß
die Putilow=Werke 50 Millionen Francs zur. Erhöhung
ihres Kapitals brauchen. Derartige Zwiſchenfälle ſind,
ſelbſt wenn ſie in befriedigender Weiſe geregelt werden
ſollten, für den guten Ruf des franzöſiſch=ruſſiſchen Bünd=
niſſes
bedauerlich. Die nationaliſtiſche Liberté benutzt
die Angelegenheit zu einem Angriff gegen das Miniſte=
rium
Doumergue, indem ſie behauptet, daß das Kabinett
Barthou bereits vor vier Monaten von der
Sache Kenntnis gehabt und ſich bemüht habe, die
Anſtrengungen der deutſchen Gruppe zum Scheitern zu
bringen. Doumergue und ſeine Kollegen ſeien von ihren
Vorgängern rechtzeitig verſtändigt worden, und es werde
feſtgeſtellt werden müſſen, durch weſſen Nachläſſigkeit oder
Schwäche die Sache ſoweit gedeihen konnte.

Vom Balkan.

* Rom 29. Jan. Zu der Zwölfinſelfrage
ſchreibt der Corriere d’Italia: Italien wünſcht nichts
mehr als eine wirkſame Intervention Sir
Edward Greys bei der Pforte in dem Sinne
daß er ſie auffordert, der ſogenannten panislamitiſchen
Bewegung, die ſich in Konſtantinopel organiſiert, Einhalt
zu tun, und die Verhandlungen über die von Italien ge=
forderten
wirtſchaftlichen Kompenſationen zu erleichtern.
Dabei dürften eventuelle Eiſenbahnanſchlüſſe an die noch
zu bauende Adalia=Linie, die nach den Konventionen von
1905 noch in die engliſche Einflußſphäre fällt, nicht ver=
hindert
werden. Die Anweſenheit der italieniſchen Dele=
gierten
bei der Dette Ottomane in London wird hierfür
von Nutzen ſein.
* Athen, 29. Jan. Die hieſigen offiziellen Kreiſe
beſprechen die Begegnung, die zwiſchen dem
Prinzen Ferdinand von Rumänien und
dem ariechiſchen Miniſterpräſidenten bei
dem Diner in der rumäniſchen Geſandtſchaft in Berlin
ſtattgefunden hat, günſtig und meſſen ihr eine große Be=
deutung
.bei.

Zur Lage in Mexiko.

* Neu=York 29. Jan. Der Vertreter der Aſſo=
ciated
Preß in Waſhington telegraphiert, daß die For
derung der mexikaniſchen Inſurgenten
ihnen die Erlaubnis zum Ankauf von Waf=
fen
in den Vereinigten Staaten zu erteilen, bald be=
willigt
werden könne. Faſt das ganze Kabinett,
viele Mitglieder der Kommiſſion für auswartige Ange=
legenheiten
im Senat und viele Führer der Kongreßpartei
ſeien bereit, die Erlaubnis zu geben. In dieſem Falle
würde Präſident Wilſon das durch die letzte Proklamation
verfügte Ausfuhrverbot für Waffen auf=
heben
. Die Notifizierung der Nichbezahlung der
Schuldenzinſen und die Erklärung der Inſurgenten, den
Kampf auf die volkreichen Bezirke Mittelmexikos auszu=
dehnen
, ſeien Gründe für die neue Entwickelung der ame=
rikaniſchen
Politik. Die Behörden glauben, daß, wenn
man beiden Teilen die gleichen Möglichkeiten gäbe, Waf

fen einzuführen, die Revolution bald zugunſten der In=
ſurgenten
beendet ſein würde.

Vermiſchtes.

Theologenzunahme. Die Zahl der Stu=
denten
der evangeliſchen Theologie hat in Deutſchlund
mehrfach ſtark geſchwankt. Von 1502 im Winter 1876/77
ſtieg ſie auf 4793 im Sommer 1888; ſeitdem ſank ſie be=
ſtändig
bis auf 2035 im Winter 1903/04 und das Andauern
einer geringen Zahl ließ hier und da einen ſchlimmen
Mangel an Pfarrern befürchten. Seit Oſtern 1912 iſt aber
das vorher langſame Anſteigen der Zahl in ein
raſches Wachstum übergegangen; ſie ſtieg im Sommer
1912 erſtmalig wieder über 3000 (auf 3340, gegen 2811 im
Sommer vorher), im Sommer 1913 auf 3842 und hat ſich
auch im laufenden Winter vermehrt, wenn auch natur=
gemäß
nicht ſo beträchtlich, da die Hauptverſchiebungen
immer zu Oſtern eintreten. Die Geſamtzahl beträgt jetzt
3949; auf die einzelnen Univerſitäten verteilt ſie ſich wie
folgt: Berlin 670, Leipzig 518, Halle 443, Tübingen 360,
Marburg 246. Erlangen 238, Göttingen 223, Breslau 167,
Heidelberg 166, Königsberg 162, Bonn 138. Greifswald
136, Jena 126, Straßburg 101, Gießen 90, Kiel 77, Roſtock
44. Da erfahrungsgemäß noch einige nachträgliche Imma=
trikulationen
erfolgen wird die Zahl ſchon jetzt nicht viel
hinter 4000 zurückbleiben; beſonders erfreulich iſt auch
das Wachstum mancher ausgeſprochener Provinzialfakul=
täten
. Die Eröffnung einer neuen evangeliſch= theologi=
ſchen
Fakultät in Münſter, die bekanntlich im Herbſt d. J.
erfolgen ſoll, iſt angeſichts dieſer Sachlage doppelt be
rechtigt.
Quartett=Liedertag Frankfurt a. M.
Man ſchreibt uns: Wie ſchon ſeit einer Reihe von Jahren,
findet auch in dieſem Jahre ein Quartett=Liedertag in
Süddeutſchland ſtatt, und zwar wurde das bekannte Süd=
deutſche
Doppelquartett in Frankfurt a. M. durch das Los
beſtimmt, die diesjährige Veranſtaltung zu übernehmen
und zu leiten Der Zweck dieſes alljährlich wiederkehren=
den
Quartett=Liedertages iſt, die in Süddeutſchland be=
ſtehenden
Gefangsquartette und Quartettvereine einander
näher zu bringen, um in friedlichem Wettbewerb das
deutſche Volkslied, ſowie den Kunſtgeſang zu pflegen. Die
diesjährige Veranſtaltung in den bewährten Händen des
Süddeutſchen Doppelquartetts verſpricht, ſoweit ſich die
Vorarbeiten jetzt ſchon überſehen laſſen, eine ganz vorzüg=
liche
zu werden. Zugelaſſen werden: Quartette, Doppel=
quartette
und kombinierte Quartette bis zu 16 Mann. Am
Schluſſe der Veranſtaltung wird die Verloſung des nächſt=
folgenden
Quartett=Liedertages vorgenommen und findet
derſelbe jeweils dort ſtatt, wo das betreffende Quartett,
auf welches das Los fällt, ſein Domizil hat. Das Quartett,
welches den Quartett=Liedertag zuletzt veranſtaltete, ſchei=
det
laut Beſtimmung jeweils bei der nächſten Verloſung
aus, ſo daß jedem beteiligten Verein Gelegenheit geboten
iſt, dieſen Tag in ſeinen Mauern zu veranſtalten.

Muſik.

Die neueſte Nummer der populären Zeitſchrift
Muſik für Alle beſchließt den Reigen der volkstüm=
lichen
Meiſteropern Lortzings mit dem Waffenſchmied
In chronologiſcher Form wird das entzückende melodiöſe
Werk in leicht ſpielbarem Klavierſatz wiedergegeben. Neben
den Enſembles, Chorſtücken, finden wir die ſo populär
gewordenen Arien. Das Waffenſchmied=Heft iſt ebenſo wie
die früheren Lortzing=Hefte (Zar und Zimmermann, Wild=
ſchütz
, Undine) zum Preiſe von 50 Pfg. in allen Buch= und
Muſikalienhandlungen, ſowie direkt vom Verlage Ullſtein
& Co., Berlin SW. 68, Kochſtraße 2226, erhältlich.

Literariſches.

Moderne Villen und Landhäuſer.
Format 24X32, 285 Seiten mit 510 Abbildungen, ſowie
mehreren Farben= und Lichtdrucktafeln. Mit einleitendem
Lext von Dr. Richard Klapheck=Düſſeldorf. Verlag von
Ernſt Wasmuth, A.=G., Berlin W. 8. Preis in Leinen=
band
10 Mark. Dieſes Werk, welches ſoeben im Verlage
von Ernſt Wasmuth in Berlin zur Ausgabe gelangte, ent=
hält
eine ſorgfältig ausgewählte Sammlung moderner
Villen und Landhäuſer. Alle Typen vom herrſchaftlichen
Landſitz bis zum Arbeiterwohnhaus der Gartenſtadt ſind
darin in muſtergültigen Beiſpielen vertreten. Dieſe
Sammlung dürfte nicht nur dem praktiſchen Architekten,
ſondern allen denen willkommen ſein, welche mit dem Ge=
danken
umgehen, ſich ein Heim zu bauen, das die An=
nehmlichkeiten
des Landlebens gewährt, aber gleichzeitig
die Möglichkeit bietet, in kurzer Zeit die Stadt zu erreichen.
Die Zahl der Stadt=, beſonders der Großſtadtbewohner,
deren Herz dieſer Wunſch erfüllt, iſt Legion. Für ſie iſt
dieſes Buch wie geſchaffen Pläne zu ſchmieden, Vergleiche
anzuſtellen und eine Wahl zu treffen. Möge das treffliche
Werk, das dem Leſer die Bau= und Wohnkultur der Ge=
genwart
in Bild und Wort in ſo erſchöpfender Weiſe vor
Augen führt, in den Kreiſen der Architekten und Bau=
luſtigen
die Verbreitung finden, welche es verdient.
** Regel, Fritz, Prof. Dr. Argentinien.
178 S. 36. Abb. auf 20 Taf. 1 Stadtplan und 3 Karten.
(Angewandte Geographie. IV. Serie, 10. Heft.) Frank=
furt
a. M. Heinrich Keller 1914. Unter den ſüdamerika=
niſchen
Republiken ſteht Argentinien zweifellos für
Deutſchland im Vordergrund des Intereſſes, da Deutſche
nicht nur an ſeiner Entdeckung und Erſchließung einen
tätigen Anteil genommen haben, ſondern auch das Deut=
ſche
Reich und ſeine Angehörigen durch mancherlei Han=
dels
= und ſonſtige Beziehungen an der wirtſchaftlichen
Entfaltung des aufblühenden Landes beteiligt ſind. Die
Entſendung einer beſonderen Deputation unter von der
Goltz zur argentiniſchen Jahrhundertfeier hat davon auch
vor der Oeffentlichkeit Zeugnis abgelegt. So iſt es mit
beſonderer Freude zu begrüßen, wenn eine ſo gewandte
Feder, wie die Regels, verſucht, uns in kurzen Strichen
ein Bild der Wirtſchafts= und Kulturgeographie des jun=
gen
Landes und ihrer Grundlagen zu zeichnen. Es iſt
gelungen, auf Grund einer ſehr reichhaltigen, in dem Buch
verarbeiteten Literatur ein klares Bild der argentiniſchen
Verhältniſſe zu geben, das jedem, der ſich aus irgend=
einem
Grunde für das Land intereſſiert, willkommen ſein
muß. Beſonders hervorgehoben muß werden, daß über=
all
auf die deutſchen Beziehungen zu Argentinien hinge=
wieſen
iſt, und daß ein warmer, vaterländiſcher Geiſt das
Buch durchweht, was ſich auch in der Beifügung eines be=
ſonderen
Abſchnitts: Die Deutſchen in Argentinien und
die deutſchen Intereſſen daſelbſt, ſchon äußerlich zeigt. Die
Bilder und Karten ſind ſehr zweckmäßig ausgewählt und
gut geraten.
Die Zeitungs=Reklame iſt zweifellos das ſicherſte
Mittel, das der Induſtrie und Handelswelt zur Hebung
des Abſatzes ihrer Erzeugniſſe und Waren zu Gebote ſteht.
Bei der Schwierigkeit, auf dem weiten Gebiete des
Reklameweſens ſtets das Richtige und Zweckmäßige zu

treffen, iſt es für alle Inſerenten von ganz beſonderem
Werte, einen zuverläſſigen Führer und Berater zur Ver=
fügung
zu haben. Dieſe Aufgabe erfüllt erfahrungsgemäß
der bewährte Zeitungs=Katalog der Annon=
cen
=Expedition Rudolf Moſſe, der in 47. Auf=
lage
ſoeben erſchienen iſt. In einem ſtattlichen, vorneh=
men
Bande enthält der Katalog, mit gewohnter Sorgfalt
auf Grund des neueſten Materials bearbeitet, die Zeituns
gen und Zeitſchriften, für welche die Annoncen=Expedition
Rudolf Moſſe Anzeigen annimmt. Mit dem Katalog zu=
gleich
erhalten die Geſchäftsfreunde der Firma Rudolf
Moſſe wiederum eine elegante Schreibmappe, deren In=
halt
ein Notizkalender für jeden Tag des Jahres und für
jeden Geſchäftsmann nützliches Material bilden.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telege. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 29. Jan. Im Bundes rat wurde dem
Antrag des Herzogtums Sachſen=Meiningen, betreffend
Prägung von 1000 Kronenſtücken mit dem Bildnis des
Herzogs von Sachſen=Meiningen, zugeſtimmt und die Wahl=
der
Mitglieder des Börſenausſchuſſes vollzogen. Dem
Entwurf der Bekanntmachung, betreffend den Zinsſuß für
die verſicherungstechniſchen Berechnungen der Reichsver= für Angeſtellte, der Vorlage, betreffend die
Ergänzung der Ausführungsbeſtimmungen zum Kaligeſetz
nd dem Entwurf eines Luftverkehrsgeſetzes, wurdezu
geſtimmt.
* Berlin, 29. Jan. Nach einer Meldung von Lloyds
Agentur berichtete der neue Turbinendampfer Ville de
Liege aus Dover, er ſei nachts in dichtem Nebel
mit dem engliſchen Confield=Turbinen
dampfer zuſammengeſtoßen, der arg beſchädigt
vorden ſei.
* Wien, 29. Jan. Die Sitzung des Abgeord
tetenhauſes wurde durch die Reden der tſchechiſchen
Agrarier und der tſchechiſchen Radikalen zur formalenGe=
ſchäftsbehandlung
ausgefüllt. Dadurch wurde ein Einn
ehen auf die Tagesordnung, zweite Leſung des Budget
proviſoriums verhindert. Nächſte Sitzung morgen.
* Wien, 29. Jan. Der griechiſche Miniſterpräſiden
Venizelos iſt heute nachmittag hier eingetroffen
* Peſt, 29. Jan. Der Landesinduſtrieverein
lehnte es ab, ſich dem zu bildenden deutſch=öſter
eichiſch=ungariſchen Wirtſchaftsbund an
zuſchließen. Vizepräſident von Ullmann begründete
en Entſchluß damit, daß Deutſchland Ungarn gegenüben
eine Wirtſchaftspolitik befolge, die kaum als freundſchaft
lich bezeichnet werden könne. Das Syſtem her Ein
uhrſcheine richte ſich gegen den ungariſchen Getreides
import. Die Praxis der Gerſtenverzollung werde ſoge=
handhabt
, daß man für ungariſche Gerſte immer vier Mark
Zoll bezahle, während Rußland ſeine verſchiedenen Ger=
ſtenſorten
mit 1,30 Mark verzollt. Es ſei daher nicht im
ungariſchen Intereſſe gelegen, ſich durch den Anſchluß an
den Wirtſchaftsbund gegenüber Deutſchland die Hände zu
binden.
* Eſſegg, 29. Jan. Die vierköpfige Familis
des penſionierten Hilfsämterdirektors Koß iſt tet auf=
gefunden
worden. Durch Berſten eines Gass
ohres auf der Straße war Leuchtgas ausgeſtrömt und
n die Wohnung eingedrungen
* Haag, 29. Jan. Hier wurde eine Akademie für
internationales Recht mit dem Kapital des Rek=
tors
Goedkoop und den Aſſerſchen Erben gegründet. Die
beträchtlichen Unkoſten werden durch einen großen Säh=
resbeitrag
der Carnegieſtiftung gedeck. Die
Akademie wird in der Bibliothek des Friedenspalaſtes
untergebracht. Die wiſſenſchaftliche Leitung wird von
einem internationalen Komitee ausgeübt, das ſich aus den
früheren Präſidenten des Inſtituts für internationales
Recht zuſammenſetzt.
* Paris 29. Jan. Die Bank von Frankreich
at ihren Diskont von 4 auf 3½ Prozent ermäßiat.
* Paris, 29. Jan. Nach einer offiziöſen Meldung
imfaßt der erſte Abſchnitt der ruſſiſchen Eiſen=
bahnanleihe
einen Nominalbetrag von 665 Mil=
lionen
Franken, welches einem tatſächlichen Betrag
von 600 Millionen entſpricht.
* Paris, 29. Jan. Der Deputierte von Lunéville,
Mecuillet, teilte dem Unterſtaatsſekretär des Krieges,
Marginot, mit, daß er ihm über die geſundheitlichen
Waſſerverſorgung der Garniſon. Lunéville
nterpellieren werde. Den Blättern zufolge iſt
unter der Garniſon von Verſailles und des Lagers von
Satery in der letzten Zeit eine ungewöhnlich große
Zahl von Todesfällen infolge von Lungenentzün=
dung
vorgekommen.
* Madrid, 29. Jan. Anibal Murillo Gra
von Cartagena iſt zum Botſchafter in Peters
burg ernannt worden.
* Petersburg, 29. Jan. Der Kaiſer hat den fran
zöſiſchen Botſchafter Delcaſſé in Abſchien
audienz empfangen.
* Dar=es=Salaam, 29. Jan. Die Arbeiten für die im
Auguſt hier ſtattfindende deutſch=oſtafrikaniſche
Landesausſtellung nehmen einen guten Fortgang
Auf dem prächtig gelegenen Ausſtellungsplatz herrſcht eine
rege Bautätigkeit. Die Beteiligung aus dem Schutzgebiel
ſelbſt, wieraus den Nachbarkolonien, der Heimat und Bel=
gien
verſpricht vollen Erfolg.
* Luederitzbucht, 29. Jan. Die detachierte Die
viſion erreichte auf ihrer atlantiſchen Reiſe die
ſüdlichſte Station ihrer weſtafrikaniſchen Küſtenfahrt. Die
Linienſchiffe Kaiſer und König Albert liegen vol
Luederitzbucht, der Kreuzer Straßburg vor Kapſtadt=
Die Fahrt nach dieſem Hafen war zunächſt vom Wettel
begünſtigt, ſo daß mannigfache militäriſche Uebungen und
Erprobungen erledigt werden konnten. Bei Swakopmundg
wo die Linienſchiffe vorübergehend ankerten, wurde freilich
ein heftiger Wind in Stärke neun mit entſprechend hoher=
See angetroffen. Die ſtarke Brandung erſchwerte den Ver=
kehr
mit der Küſte. Die begeiſterte Aufnahmean
Land fand ihren Höhepunkt am Geburtstage des
Kaiſers.
* Schanghai, 29. Jan. (Reuter.) Die China=Inland
Miſſion erhielt Telegramme aus Liuanchow in Anhoi, wo
nach eine auf 2000 Mitglieder geſchätzte Räu=
berbande
faſt die ganze Stadt geplün=
dert
und verbrannt habe. Der britiſche Miſſional
iſt mit Frau und Kindern nach Luchow geflüchtet. Die
römiſch=kothiſchen Miſſionare ſollen ſich noch in Liuan=
chow
befinden und unverſehrt ſein. Wahrſcheinlich han
delt es ſich um die Räuberbande Weißer Wolf, die kürz=
lich
Oſthonon geplündert hat.

Die Revolution auf Haiti.
* Port=au=Prince, 29. Jan. Hier wird gemen
daß die Truppen am Freitag zu erwarten ſeien. DieOrd
nung dürfte dann wiederhergeſtellt werden. Nachtsn

[ ][  ][ ]

lnan unbedeutendes Schießen. Die Deutſchen
ſeffinden ſich unter dem Schutze der ausgeſchiff=
lenn
Landungskorps außer Gefahr.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Tiefer Druck bedeckt andauernd Nordeuropa, deſſen
utsläufer über das Feſtland ziehen und trübes, mildes
Letter und einzelne Niederſchläge verurſachen. Wir ha=
lſent
morgen noch keine weſentliche Aenderung unſerer
Litterung zu erwarten.
Ausſicht in Heſſen für Freitag den 30. Januar:
vorwiegend wolkig, vereinzelt Niederſchläge, etwas wär=
m
r. weſtliche Winde.

Schneebericht.

Felsberg, 50 Zentimeter lückenlos, lockerer
Lichnee, Neunkirchen, 55 Zentimeter, lückenlos, lockerer
Uichnee, Rodel= und Skibahn gut, Reichelsheim, 10 Zenti=
licter
, lückenlos, lockerer Schnee, Lindenfels 28 Zentimeter,
ükenlos, lockerer Schnee, Beerfelden, 35 Zentimeter,
üſkenlos, lockerer Schnee, Rodelbahn gut.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Hehelole
Grünkemmehl
iſt bei allen Hausfrauen zur
Bereitung aromatiſcher, leicht
verdaulicher Suppen beliebt.

Dr. Kuhns Nußöl, 1.20, 0.60
Graue Haare Färbe=Pomade Nutin, 2.00, 1.00,
giftfrei. Franz Kuhn, Kron.=Parf., Nürnberg.
Hier: F. B. Grodhaus, Seifenfabr. a. weißen
lu rm, ſowie in Apotheken, Drog. u. Parfüm. (IX,3161
Aus dem Geſchäftsleben.
Die neuen Proſpekte des Reiſebureaus Thos
Look u. Son in Frankfurt a. M. über Winter=
ſorert
, Reiſen in Aegypten und Paläſtina, ſowie über Ge=
ielf
ſchafts= und unabhängige Akkord=Reiſen ſind erſchienen
lno werden von der Firma allen Intereſſenten auf Ver=
ſanrgen
zugeſandt. Das Akkord=Reiſeſyſtem eignet ſich ganz
henondres für kleine Geſellſchaften, Familien und Ehepaare,
Und dasſelbe erfreut ſich bei dem reiſenden Publikum gro=
lle
Beliebtheit, da es angenehmes und ſorgenfreies Reiſen
Leitattet, ſo daß ſich der Reiſende ganz dem Genuſſe der
teſſe hingeben kann, indem von dem Reiſebureau bei einer
Akkordreiſe die umfaſſendſten Vorbereitungen im voraus
legroffen werden, wie: Hotelunterkunft, Beſtellung von
agen nebſt orts= und ſprachkundigen Führern zur Be=
lattigung
der verſchiedenen Städte und deren Sehenswür=
lichkeiten
uſw. Die große Zahl der eigenen Bureaus
ſſieſer Firma, welche ſich an allen Hauptverkehrsplätzen be=
Unden, ſetzt ſie in die Lage, welche von keinem anderen
lteiſeunternehmen noch erreicht wurde, alle Vorkehrungen
liess ſelbſt zu treffen und für deren gute Ausführung
tlieſt Sorge zu tragen.
Die Benzwerke Gaggenau haben außer den
rdder Fertigſtellung begriffenen 10 Feuerwehr=Fahrzeugen
it die Berufs=Feuerwehr Kaſſel und 3 Fahrzeugen für
ie Berufs=Feuerwehr Leipzig in letzter Zeit einige weitere
kamaufträge erhalten, u. a. je eine Spritze für die Berufs=
fauerwehren
Köln, Wiesbaden, Lübeck, ferner für Gelſen=
rchhen
eine Feuerſpritze und eine Drehleiter. Auch in der
Wrivat=Induſtrie und im Ausland behaupten ſich Benz=
öhggenau
=Feuerwehrfahrzeuge erfolgreich.

Wir verweiſen ausdrücklich auf den der
heutigen Nummer beiliegenden Proſpekt der
Harnatogenwerke Bauer & Cie., Berlin S. W. 48,
vormit auch eine Gratisprobe des bewährten Mittels,
broie belehrende Broſchüren angeboten werden. (IV,3123.

ir die durch Sturm und Unwetter geſchädigten Be=
wohner
der Oſtſeeküſte ſind weiter eingegangen:
H. 1 . W. K. 0.50 . K. H. 0.50 . Ungen. 1 .
ech. Oberforſtrat Dittmar 54. Frau M. B. 3. Kammerherr
Bellersheim 10 . Greim 2 . M. G. 2 . M. Wenck 5 .
1.60 geſammelt von folgend genannten Schülern der
Unttertertia 3 des Realgymnaſiums zu Darmſtadt: Pabſt
10 , Roether 50 , Schemel 30 , Stamm 30 , Keßler
0Z, Merlau 30 , Berger 50 , Rullmann 40 , Stiepel
0Z, Schupp 50 , Wurretz 50 , Andreß 50 , Schnelle
Des, Fuhrländer 50 , Haury 50 . Dörr 2 , Unge=
ſamnt
30 , Heß 50 , Burger 50 , Sting 50 , Müller=
hikkler
40 , Bärtcky 40 , Berbert 10 , Barth 10 ,
ildsermann 30 . Freifrau M. von Schenk 5 . Frau
. Rodemer 2 . Sanitätsrat Birnbaum 10 . W.
P. 2 . E. von Sch. 4 . M. R. 0.50 . H. Sch.
50 . Fr. von Cronenbold 20 . Ungenannt 2 .
3 . E. R. 2 . Frl. Weiß 1 . Ungenannt 3 .
J). T. 2 . Ungenannt 1 . E. R. 3 . S. 3 .
zuſſammen 105.60 , mit den bereits veröffentlichten
1.75 zuſammen 850.35 .
Richtigſtellung: Frau Moeſſner 20 , nicht
e veröffentlicht 3 .
Mit herzlichem Danke an alle Wohltäter verbinden
di: die Bitte um weitere gütige Zuwendungen.
Darmſtädter Tagblatt
Geſchäftsſtelle.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Alſter von Savannah kommend,
25. Jan. 1 Uhr 30 Min. nachm. in Hamburg. Bul=
garia
, von Baltimore kommend, 25. Jan. 2 Uhr
30 Min. morgens in Hamburg. Dortmund, von
Neuorleans kommend, 25. Jan. von Norfolk. Ham=
burg
nach Neu=York, 26. Jan. 12 Uhr 30 Min. mittags
von Boulogne. Piſa nach Neu=York und Newport
News, 24. Jan. 11 Uhr morgens Dungeneß paſſiert.
Preſident Grant nach Neu=York, 24. Jan. 12 Uhr
50 Min. mittags Scilly paſſiert. Preſident Lincoln
von Neu=York kommend, meldet drahtlos, am 26. Jan.
11 Uhr abends in Plymouth zu ſein. Weſtindien,
Mexiko: Corcovado, von Mexiko und Havanna kom=
mend
, 26. Jan. 7 Uhr 50 Min. morgens auf der Elbe.
Dania 25. Jan. in Veracruz, ausgehend. Frankenwald
nach Havanna und Mexiko, 25. Jan 5 Uhr nachm. von
Bilbao. La Plata von Weſtindien kommend, 24. Jan.
7 Uhr abends von Havre. Venetia, von Weſt=
indien
kommend, 25. Jan. 12 Uhr 30 Min. mittags
Lizard paſſiert. Ypiranga nach Mexiko, 25. Jan. in
Havanna. Oſtaſien: Bethania nach der Weſtküſte
Amerikas, 24. Jan. Teneriffa paſſiert. Dacia nach
Braſilien, 25. Jan. 4 Uhr nachm. in Vliſſingen. Sevilla‟,
von dem La Plata kommend, 25. Jan. 10 Uhr morgens
Queſſant paſſiert. Siegmund nach Nordbraſilien,
24. Jan 8 Uhr morgens in Leixoes. Troja nach
Braſilien, 25. Jan. 6 Uhr abends von Vliſſingen.
Valencia nach Nordbraſilien, 26. Jan. 6 Uhr morgens
Dover paſſiert. Südamerika, Weſtküſte Amerikas
Aleſia‟, 24. Jan. 10 Uhr abends von Liverpool nach
Port Said. Andaluſia 23. Jan. 12 Uhr miltags von
Kobe nach Moji. Bayern 24. Jan. 11 Uhr morgens
Gibraltar paſſiert, ausgehend. Bermuda 24. Jan.
2 Uhr nachm. von Yokohama nach Kobe. Braſilia
24. Jan. 7 Uhr morgens Gibraltar paſſiert, heimkehrend.
C. Ferd. Laeisz 24. Jan. 8 Uhr morgens von Penang
ach Colombo. Fürſt Bülow 25. Jan. nachm. von
Port Said nach Marſeille. Iſtria‟ 25. Jan. vön Malta
ach Havre O. J. D. Ahlers 26. Jan. in Schanghai,
usgehend. Preußen 25. Jan. 2 Uhr nachm. von
Yokohama nach Kobe. Segovia 24. Jan. 2 Uhr
nachm. Gibraltar paſſiert, heimkehrend. Sileſia‟ 25. Jan.
von Schanghai nach Hongkong. Spezia 26. Jan.
norgens in Penang, ausgehend. Uckermark 24. Jan.
1 Uhr morgens Gibraltar paſſiert, heimkehrend. Ver=
ſchiedene
Fahrten: Almeria 25. Jan. von Buſhire.
Cleveland, Orient= und Indienfahrt, 24. Jan. 2 Uhr
nachm. von Funchal. Liberia 24. Jan. in Bombay,
ausgehend. Vergnügungsdampfer Meteor, erſte Mittel=
meerfahrt
, 25. Jan. 2 Uhr nachm. in Algier. Numantia‟
nach Perſien, 25. Jan. von Suez. Slavonia 23. Jan.
von Monrovia, heimkehrend. Steiermark von Weſt=
afrika
kom., 26. Jan. 1 Uhr 30 Min. morg. Dover paſſiert.

Familiennachrichten.

(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Nachricht, daß unſere liebe
Schweſter, Schwägerin und Tante (3128
Sophie Herrmann
heute abend 10 Uhr nach kurzer Krankheit
ſanft verſchieden iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 28. Januar 1914.
Die Beerdigung findet Samstag nachmittag
2½ Uhr, vom Sterbehauſe Ernſt=Ludwigſtr. 21
aus, ſtatt. Einſegnung ¼ Stunde vorher.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Geſtern abend entſchlief im Alter von 22
Jahren nach langem, ſchwerem, mit großer
Geduld ertragenem Leiden unſere unvergeßliche,
treue Tochter, Schweſter und Enkelin, meine
liebe Braut
(3156
Anna Baas.
Darmſtadt, Landau, 29. Januar 1914.
Riegerplatz 11.
In tiefer Trauer:
Familie Jacob Baas,
A. Wüſt.
Die Beerdigung findet Sonntag, 1. Febr., nach=
mittags
3¼ Uhr, vom Sterbehaus aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Heute entſchlief nach langem, ſchwerem
Leiden unſere gute Mutter, Schwiegermutter
und Großmutter
(1138
Anna Muhl
geb. Willenbücher
Witwe des Geh. Regierungsrats i. P.
Georg Muhl
im dreiundſiebzigſten Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Lina Otto, geb. Muhl,
Elſe Hoffmann, geb. Muhl,
Karl Muhl, Gerichtsaſſeſſor,
Wilhelm Muhl, Regierungsaſſeſſor,
Dr. Eduard Otto, Direktor, Geh. Schulrat,
Willy Hoffmann, Oberingenieur,
Aline Muhl, geb. Lambrecht,
Helene Orth
und fünf Enkel.
Darmſtadt und Berlin=Lichterfelde,
29. Januar 1914.
Die Einſegnung findet Samstag, 31. Januar,
um 3 Uhr nachmittags, in der Friedhofs=
kapelle
ſtatt.
Kondolenzbeſuche und Blumenſpenden dankend
verbeten.

Danksagung.
Für die uns bewiesene überaus zahlreiche
und herzliche Anteilnahme bei dem Ableben
unseres unvergesslichen Sohnes, Bruders,
Schwagers und Onkels
Herrn
Hans Haas
Sous-Chef bei der Credit-Anversois
in Brüssel
sagen wir allen Verwandten, Freunden, Be-
kannten
und besonders noch seinen früheren
Vorgesetzten, Kollegen und Kameraden, so-
wie
allen Denen, die ihm die letze Ehre er-
wiesen
, unseren innigsten Dank.
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Philipp Haas.
Darmstadt, den 29. Januar 1914.
Frankfurterstr. 19.
(3155

Tageskalender.

Freitag, 30. Januar.
Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende gegen
10¼ Uhr (Ab. D): Rigoletto.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr Neckarſtraße 22.
Zuſammenkunft des Odenwaldklubs um 8½ Uhr im
Klublokal.
Bierabend des Vogelsberger Höhenklubs in der
Brauerei Fay.
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.

Samstag, 31. Januar.
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Ober=Ramſtädter
Gemeindewald (Zuſammenkunft in der Griesbach auf
dem Waſchenbach-Ober=Ramſtädter Weg).
Jagdverpachtung um 2 Uhr im Rathaus zu Nie=
dernhauſen
.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

(III,3064

[ ][  ][ ]

1 Satz Schüsseln
6 Stück

Auffallend billig!

1 Kart. Briefpapier
220
1 Glas Tinte
1Dtz. Stahlfedern
zusammen

1 Stück Kernseife
60 Klammern
1 Markttasche
zusammen

3 Dos. Schuheréme
1 Wichsbürste
1 Auftragbürste
zusammen

Wäsche

Toilette-Artikel

Kurzwaren

3 Pakete 300 Bogen
Butterbrot-Papier

fettdicht . 0 2 1 Frottiertuck
40X80 cm
t. 30 2

Zahnbürste
1 Karton Zahnpulver zusammen 38 1 Zeilnloid-Seifendose
1 Stück Toilette-Seife Zusammen 38 Tollette-Kasten mit Spiegel 38 Enorm
billig: 5 Rolien Kiosettpapier 38 Haarbürste
1 Frisierkamm
1 zusammen 15 Wellenscheere
1 Frisierlampe
Aufsteckkamm
1 Paar Seitenkämme gnamnen. 3 Karton, enthaltend:

12 Stück Blumenfettseife 88 1 Karton, enthaltend:
1 Seifendose, Zelluloid
Zahnbürste mit Halter
1 Zahnpulverdose eten 6 6 2 Flaschen echtes Kölnisches Wasser
88 1 Garnitur, bestchend aus:
1 Handspiegel
1 Frisierkamm
1 Staubkamm
1 Seifendose 2e 8 Lebensm
¼/ Pfund Kakao
1 Paket Eiswaffeln ittel
Zusammen 38 8 Päkete Friedrichsderfer Zwieback 65
2 Pakete Puddingpulver
1 Puddingform (Fischform) zusammen 65 1 Pfund Malzgerste
Pfund Würfelzucker
Pfund Volksbisquit
1 Tafel Schokolade zusammen 3 1 Flasche Kognak-Verschnitt oder

1 Flasche Likör 38 Enorm billig:
1 Dose Bohnerwachs
1 Abwaschbürste
zusammen 38 1 Faket Streichhölzer
1 Stück Kernseife zusammen 38 ½ Dutzend Wischtücher. 65 1 Scheuertuch
3 Pakete Seifenpulver
2 Pakete Seifensand zusammen 8 5 Dutzend Druckknöpfe
3 Dutzend Kragenstäbe zusammen 38 ½ Dutzend Schuhriemen
1 Rolle Garn
2 Stück Schnur zusammen 30 5 Pakete Haarnadeln
5 Pakete Lockennadeln
1 Frisierkamm
1 Staubkamm zusammen 30 1 Stück Nahtband
3 Dutzend Taillenstäbe
1 Stück Taillenband
1 Hakenleiste zusammen 95 6 Meter Besenlitze
1 Zentimeter
3 Brief Stecknadeln
1 Brief Nähnadeln
1 Rolle Reihgarn zusammen 35 10 Meter Ringband
5 Meter Rouleauxkordel zusammen 88 Modewaren 1 eleganter Spachtel-Blusenkragen 38 1 Sammet-Gummigürtel 38 1 Lackgürtel
1 Meter Taffetband zusammen 38 1 Brustlatz, gestriokt 38 1 Kindermütze 38 1 Knaben- oder Mädchen-Südwester
oder Ledertuch in Stofl 65 1 Blusenkragen
1 elegantes Jabot Zusammen 65 1 Anstecker (Seidenröschen)
1 Jabot
1 Fl. Parfüm Zusammen 86 1 Kinder-Matrosenkragen
1 Lavallier zusammen 66 Riesta
billig: 1 schwarzer Damenpelz 68 1 Krimmer-Stola 88 1 Kinder-Garnitur, Pelz und Muff 88 Besonders bill
1 Bettvorlage, imit. Perser ig? 88 1 Linoleum-Vorlage, 65X90 cm 88 1 grosse gekleidete Puppe 88 1 Haussegen, gerahmt unter Glas 88 1 elegante Untertaille mit Stickerei 38 4), Meter Feston 38 e 1 Korsettschoner 38 1 Kinderfäckchen
1 Kinderlätzchen
zusammen 65 1 Kissenbezug, auf 3 Seiten ausgebogt. 65 Dutzend Taschentücher 63 1 Damenhemd, weiss, Achselschluss 1 Damenhose, weiss Cretonne 88 mit
Lauffallend
bilig: 1farb. Anstandsrock volant 66 1 Oxford-Damenhose 88 4½Meter Wäsche-Stickerei 88 1 Kinderkleidchen mit Aermel, gestrickt 88 1 Dutzend Taschentücher, weiss 88 Enorm billig!
½ Dutzend Batist-Taschentücher
mit Hohlsaum und gestickten Buchstaben 66 1 Tischtuch 100X120 cm 1 elegantes Damast-Milieu 88

Herren-Artikel

Paar Herren-Hosenträger 384 1 Taschen-Feuerzeug
3 Feuersteine 1 farbiges Serviteur mit Umlegkragen 38 8 Papierkragen
3 Papier-Serviteurs
6 Kragenknöpfe zusammen 30 1 Stehkragen
1 Selbstbinder zusammen 1 Paar Manschetten und
1 Paar Manschettenknöpfe zusammen 1 Garnitur, bestchend aus:
1 farbigem Vorhemd
1 Paar Manschetten zusammen 00 1 Paar Hosenträger, Eudwell imitiert 1 Dutzend Papier-Umlegkragen
½Dutzend Papier-Serviteurs
1 Paar Papier-Manschetten zusammen 00 1 eleganter Spazierstock 3 Gummi-Umlegkragen
1 Gummi-Vorhemd
1 Deckkrawatte zusammen 1 Paar Manschettenknöpfe, echt versilbert 8 [ ][  ][ ]

Le

1 elegantes
Balltuch
reine Seide . . . Stück. 68

1 Glühstrumpf
1 Gaszylinder
1 Zylinderputzer

1Aluminium-
Kochtopf
18 cm, mit Deckel,

Sehr vorteilhaft!

1 Zinkeimer
1 Putztuch
3 Pak. Seifenpulver
zusammen

1 Kokosbesen
1 Schrubber
1 Handwaschbürste
zusammen

1 Butterdose
1 Geleedose
1 Zuckerdose
zusammen

Papierwaren

Rolle Schrankpapier
0 Meter Küchenspitze
Karton Reissnägel

zusammen

Wachstuchwandschoner
Karton Reissnägel

zusammen

Tintenlöscher
Tederhalter

zusammen

Schreibzeug

38

Sostkarten-Album
Ausichtskarten

zusammen

33

Geschäftskouverts

38

Soeste-Album

38

Papier-Servietten
Papier-Tischläufer
Tchotographie-Album
Kscklamemarken- oder
B heriefmarken-Album

zusammen

65

65

65

Märchenbuch
zusammen
i Heilderbuch
Brlekbogen
h Kuverts und 10 Ansichtskarten zusammen

Besonders billig!
IIKassette Briefpapier, 50 Bogen, 50 Kuverts,
ILeinen gefüttert

KTeavidis Kochbuch
Krieforduer

rSstkarten-Album für 300 Karten

88
88 c

Rollen Klosettpapier

88 c
88

MHaushaltungsbuch, vorgedruckt für 2 Jahre 88 rikotagen, Strümpfe und
Handschuhe PPuar Damenhandschuhe, gestrickt 38 Eaar Herren-Socken 38 IFsar Damenstrumpfhalter 38 Auffallend billig:
Maar Damenstrümpfe 38 Araar Damenhandschuhe, Wolle, gestrickt 65 Daar Kameelhaarsocken, plattiert 65 MLtüb- und Seelhose 65 c Karsett mit Spiralfedereinlage
88 Uffarmal-Jacke oder
Allarmal-Hose für Herren 86 Riesig billig:
Leiform-Schürze mit Besatz 88 Mlusen-Schürze, waschecht 3 Wüchertasche, Ledertuch
iriffelkasten
Mlriffel
zusammen 65

Bürsten- u. Korbwaren
Brotkorb mit Majolika-Einlage
38

1 Schenerbürste und 1 Schrubber

1 Glanzbürste, 1 Schmutzbürste,
1 Auftragbürste

Zusammen 38 e

zusammen

1 Wäscheleine
60 Klammern

zusammen

1 Federwedel
1 Teppichklopfer

zusammen

38

1 Klosettbürste
3 Rolleu Klosettpapier

Auffallend billig

zusammen

1 Bürstentasche, Bast
1 Kleiderbürste zusammen 655 1 Kokosbesen mit Stiel
Abwaschbürste zusammen 65 Fensterleder
1 Teppichklopfer
Federwedel zusammen 65 1 Rosshaar-Staubbesen oder
1 Rosshaar-Handbesen 88 Billig!

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1 Kleiderbürste
1 Schmutzbürste
1 Abwaschbürste
1 Handwaschbürste
Auftragbürste rden tägl. Gebrauch
zusammen Marktasche
1 Wäscheleine
120 Wäscheklammern zusammen 66 4 Paar Gummi-Absütze 88 Glaswaren
6 Bierbecher 38 1 Butterdose, 4 Glasteller zusammen 38 1 Zuckerschale auf Fus
1 Geleedose zusammen (50 1 Butterdose
1 Geleedose
6 Glasteller zusammen 65, 1 Rahmservice, Steilig 65 1 Fruchtschale auf Fuss
3 Glasteller zusammen 63, Ftelige
1 Bierservice a. bemalt, sonst 1.75 88 6 Köner 88 6 Bierbecher, 1 Tablett Zusammen 88 1 Fischglocke mit Ständer 88 1 Likörservice, Steilig 88

Küchengeräte

6 Tassen, weiss, gross

38

1 Spirituskocher, 1 Tablett zusammen 38 1 Besteckkorb, gross 38 1 Durchschlag 38 1 Brotkorb, Jackiert, rund oder oval 38e 1 Teebüchse, Delftdekor 38 1 Wichskasten
2 Dosen Schuheréme
1 Auftragbürste zusammen 1 Kartoffeſprosse 65 65s
1 Kaffee- oder Zuckerbüchse, Aluminium Bundform, 22 cm. verzinnt. 65 6 Esslöffel und 6 Gabein 65 1 Meserputzbank
Bogen Schmirgelpapier
3 Küchenmesser zusammen 85 1 Aluminium.-Tapflappenbehälter 88 . Sehr preiswert!
1 Wärmflasche 88 1 Zinkelmer
1 Putztuch
3 Pakete Seifenpulver zusammen 1 Plärteisen, 1 Aermelbügelbreit usammen 88 e 1 Fenster-Eimer, Emallle 1 Ofenvorsetzer, 1 Kollenschaufel- Zusammen 88 Riesig billig!
1 Putzschrank 88 1 eiserner Bräter, opal oder rund 88 Porzellan u. Steingut
*38
1 Nachttopf 1 Schüssel und 1 Pleischplatte 38 1 Kaffeekanne, echt Porzellan
1 Milchkanne zusammen 8 1 Schüssel, gros, Zwiebelmuster 1 grosse Waschschüsel
1 Waschlappen
245
1 Stück Seife zusammen )

1 Suppenterrinne mit Deckel
3 Esslöffel

zusammen

1 Sauaiöre und eine Fleischpfarte
1 Kaffeeservice, Steilig, Porzellan

1 Satz, 6 Stück Milchkannen, dekol

88

1 Tablett mit 1 Kaffeekanne
1 Milchkanne
2 Tassen
1 Zuckerschale echt Porzell. 1 Salz- und 1 Mehlmetze 88 12 tiefe Teller 88e 1 Elerserpige, Steilig, dekoriert [ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde! In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Dachshund. 1 Foxterrier, 1 Wolfshund
(zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags
(3126
10 Uhr, ſtatt.

Deubau einer Kaserne für eine
Junker Kompagnie in Darmstadt.

Die Erd=, Maurer= und Asphaltarbeiten ſowie die Maſſivdecken
und Betonarbeiten zum Neubau des Mannſchaftsgebäudes ſollen in
2 Loſen öffentlich vergeben werden.
Los I Erd=, Maurer= und Asphaltarbeiten
Los II Maſſivdecken und Betonarbeiten.
Die Zeichnungen und Bedingungen liegen im Neubaubüro der
Funkerkaſerne am Dornheimer Weg während der Dienſtſtunden vor=
mittags
von 8 bis 12½ und nachmittags von 3 bis 6 Uhr aus.
Dortſelbſt können die Verdingungsunterlagen für Los I zum Preiſe
von 1,50 Mk. und für Los II zum Preiſe von 4,00 Mk. oder gegen
poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung dieſer Beträge bezogen werden.
Die ausgefüllten Angebote nebſt den vorgeſchriebenen Proben
ſind verſiegelt mit entſprechender Aufſchrift verſehen bis zum 14. Feb=
ruar
ds. Js., für Los I vormittags 10 Uhr und für Los II vor=
mittags
10½ Uhr an vorgenanntes Neubaubüro poſt= und beſtell=
geldfrei
einzuſenden, zu welchem Zeitpunkte die Eröffnungen erfolgen.
Die Zuſchlagsfriſt beträgt 28 Tage.
Militär=Bauamt.
(IV3151

Bekanntmachung.

Die Voranſchläge der Gemeinde Nieder=Ramſtadt, des
Elektrizitäts= und Waſſerwerks daſelbſt für das Jahr 1914
liegen vom 31. Januar 1914 an während der Dauer einer Woche auf
unſerem Bureau zu Jedermanns Einſicht offen. Einwendungen
gegen die Voranſchläge ſind während der Offenlegungsfriſt ſchriftlich
oder zu Protokoll bei uns vorzubringen. Es iſt vom Gemeinderat
die Erhebung einer Umlage beſchloſſen, zu der auch die Ausmärker
herangezogen werden.
Nieder=Ramſtadt, 29. Januar 1914.
(3130
Großh. Bürgermeiſterei Nieder=Ramſtadt.
Appel.

Autz= und Brennholz=Verſteigerung.

Montag, den 2. Februar ds. Js.,
werden im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Prömſter, nachver=
zeichnete
Holzſortimente öffentlich meiſtbietend an Ort und Stelle
verſteigert. Es gelangen zum Ausgebot:
a) Nutzholz.
29 Stück Kiefern=Stämme v. 1949 cm Durchm. u. 3,614,2 m Länge
3347
4 11,8
15. Buchen=
6. Fichten= 0,93fm 8 St. Lärchenderbſt. 0,59 fm
54 Fichten=Derbſt. 2,58 120 Lärchenreisſt. 0,08
b) Brennholz
76,4 rm Buchen=Scheiter
18,5 rm Buchen=Stockholz
Knüppel 1890 Stück Wellen
21,4
47 Kiefern=Scheiter
910 Kiefern=
Knüppel
47
26,2 rm Stockholz
Eichen=Scheiter
0,6 Fichten=
Ferner aus dem Diſtrikt Schleifberg (nicht an Ort und Stelle)
9 rm Eichen=Rundſcheiter 1,25 m lang
2
Zaunpfoſten 2,25
Brennholz.
5,2 rm Eichen=Scheiter
2 rm Buchen=Scheiter
Knüppel
3,2
16,7
Knüppel
Reiſig
6,2
Birken=
3,6 Kiefern=Scheiter
Kiefern=
2,4
Stockholz
Die Zuſammenkunft der Steigerer findet auf der Kreuzung
des Strohwegs und der Dieburger Straße vormittags um 9½ Uhr
ſtatt. Nähere Auskunft erteilt Forſtwart Döring in Eberſtadt
Seeheimer Straße 20.
(3111fs
Eberſtadt, den 27. Januar 1914.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.

Aufforderung.

Forderungen an die Sängerſchaft Askania e. V. ſind bis
zum 5. Februar 1914 an den unterzeichneten Liquidator ſpezifiziert
einzureichen.
Darmſtadt, 28. Januar 1914.
Georg Krug, Bureauvorsteher
Mollerſtr. 7, 1. Stock.
3077df)

Vorſchule des Großh. Realgymnaſtums und der
beiden Großh. Ober=Realſchulen zu Darmſtadt.
Anmeldungen für das Oſtern 1914 beginnende Schuljahr
werden für ſämtliche Vorſchulklaſſen Mittwoch, den 4. Februar
und Donnerstag, den 5. Februar, vormittags von 101 Uhr, im
Realgymnaſialſaalgebäude (Eingang durch das Portal vom Kapell=
platz
aus) entgegengenommen. Geburtsſchein und Impfſchein ſind
dabei vorzulegen.
(3132a
Die Großherzogliche Direktion.
Münch, Geheimer Schulrat.

Norschule derpeiden Eymnasten zu Darmstadt
Aufnahme zu Ostern 1914.
Anmeldungen erſuche ich Montag, den 2. u.
Dienstag, den 3. Februar, vormittags von
101 Uhr, im Direktorzimmer des Ludwig=Georgs=
Gymnaſiums (Karlſtraße 2) zu machen.
Dabei ſind Geburtsſchein und Impfſchein vorzulegen.
Darmſtadt, den 21. Januar 1914.
(2858omf
Dr. Mangold, Geh. Schulrat.

Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene,
kauft fortwährend zu den höchſten
Preiſen.
(1736a
G. Kanzler, Friſeur, Marktſtr. 3.

ähmaſchineu=Reparaturen
alle Fabrikate ſchnell v. billig.
Chr. Debus, Mechaniker,
Nieder=Ramſtädterſtraße 57a.
*2245) Telephon 1737
Sügeloten u. Petroleumkocher, wie
neu, bill. Gartenſtr. 18, III. (*2216

Preiſe für Fleiſch in der
Stadt Darmſtadt
am 5. Januar 1914

(Mitgeteilt von der Großh. Zentral=
ſtelle
für die Landesſtatiſtik.)
(Häufigſter Preis in 3 pro Pfund)
Ochſenfleiſch mit Beilage . 96
. 86 u. 90
Rindfleiſch
Kuhfleiſch
. . 82)
Kalbfleiſch
100
Hammelfleiſch
100
Schweinefleiſch
90
Leberwurſt, gewöhnliche
76
Blutwurſt
76
Geräucherter Speck
120
Schweineſchmalz, inländ. .
80
*) Durchſchnittspreis.
Die Erhebung erſtreckte ſich auf
45 Metzgereien und zwar auf 24,
in denen Ochſen=, Rind= oder Kuh=
fleiſch
, auf 18, in denen Kalbfleiſch,
uf 7, in denen Hammel= u. auf 18,
in denen Schweinefleiſch verkauft
wurde.

Preiſe für Fleiſch in der
Stadt Darmſtadt
am 20. Januar 1914.

Mitgeteilt von der Großh. Zentral=
ſtelle
für die Landesſtatiſtik.)
(Häufigſter Preis in 3 pro Pfund)
Ochſenfleiſch mit Beilage . . 96
Rindfleiſch 86 und 90
Kuhfleiſch
84)
Kalbfleiſch
100
,
Hammelfleiſch ,
100
Schweinefleiſch,
90
Leberwurſt, gewöhnliche
76
Blutwurſt,
76
Geräucherter Speck
120
Schweineſchmalz, inländiſches 80
*) Durchſchnittspreis.
Die Erhebung erſtreckte ſich auf
45 Metzgereien, und zwar auf 25,
in denen Ochſen=, Rind= oder Kuh=
fleiſch
, auf 18, in denen Kalbfleiſch,
uf 7, in denen Hammel= und auf
17, in denen Schweinefleiſch ver=
kauft
wurde.

Bekanntmachung.

Freitag, 13. Februar 1914,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Valentin Ganß=
mann
und deſſen Ehefrau Marie,
geb. Nöller, dahier zugeſchriebenen
Liegenſchaften:

Flur Nr. qm
VI 400 44 Grasgarten
Weinbergſtr.,
VI 401 607 Hofreite daſelbſt
Nr. 14,
VI 402 36 Grasgarten da=
ſelbſt
,
VI 403 42 Grasgarten da=
ſelbſt
,
VI 404 543 Grabgarten da=
ſelbſt
,

in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
(K95/13
Darmſtadt, 31. Dezember 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (IX,248

Bekanntmachung.

Freitag, 6. März 1914,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die dem k. k. Rat a. D. Her=
mann
Edler von Suttner=Erenwin
und deſſen Ehefrau Minna, geb.
Meyer=Nebel, zu Darmſtadt, ge=
hörige
Liegenſchaft:

Flur Nr. qm
24 595/100 315 Hofreite Nieder=
Ramſtäderſtr.
Nr. 152,
685 Grasgarten da=
ſelbſt
,

in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
(K5/14
Darmſtadt, 28. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (IX,3136

Bekanntmachung.

Freitag, 6. März 1914,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die dem Georg Wilhelm
Geiger I. und deſſen Ehefrau, geb.
Heinz, in Darmſtadt, gehörige
Liegenſchaft:

Flur Nr. qm
910 294 Hofreite Beſſun=
gerſtraße
Nr. 18,

in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
Nr. 1, zwangsweiſe
verſteigert werden.
Darmſtadt, 29. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (IX,3158

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. . . von Mk. 4.25 an
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Stadtverordnetenverſammlung.

21. Sitzung.
St. Darmſtadt, 29. Januar.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die Ver=
ſammlung
um ¾44. Uhr und macht vor Eintritt in die
Tagesordnung folgende
Mitteilungen:
Zu Vorſitzenden und ſtellvertretenden Vorſitzenden
haben gewählt: der Feuerlöſch=Ausſchuß die
Herren Göbel und Wittmann, der Verkehrs= Aus=
ſſchuß
die Heren Saeng und Kahn, der Sozialpoli=
itiſche
Ausſchuß die Herren Dr. Kolb und Saeng, der
Finanz=Ausſchuß die Herren Dr. Bender und Dr.
Noellner, der Hochbau=Ausſchuß die Herren Witt=
umann
, Markwort und Sames.
Der Vorſitzende gibt dann Kenntnis von einer
WBeſchwerde über den Zuſtand der Darmſtraße zwiſchen
Beck= und Heidenreichſtraße, ſowie von den ſeitens der
Stadtverwaltung inzwiſchen getroffenen Maßnahmen.
Weiter von einer Eingabe, die ſich mit der Renovierung
des Rathauſes befaßt.
Die Direktion der Heſſ. Eiſenbahn=
Alktien=Geſellſchaft hat einen Geſamtplan über
oie Neuordnung der Halteſtellen der Straßenbahnen
zur Einſichtnahme vorgelegt. Die Neuerung beſteht im
uveſentlichen darin, daß die Halteſtellen künftig vor die
un der Fahrtrichtung zu kreuzenden Querſtraßen gelegt
uverden.
Stadtv. Linck erſucht, den Straßenbahnſchaffnern
wurchweg bei der Kälte, wie ſie in den letzten Wochen
errſchte, warme Schuhe und Kaffee zu verabfolgen.
Stadtv. Delp möchte das Augenmerk auf den Zuſtand
heer Eckhardtſtraße richten. Stadtv. Herbert fragt an,
lb und was geſchehen ſei, die Stadt Darmſtadt in die
Ortsklaſſe B zu überführen. Der Vorſitzende berichtet dar=
über
in dem Sinne der ſchon gelegentlich der Stadtver=
trdnetenwahlen
erlaſſenen Veröffentlichungen. Er weiſt
terner darauf hin, daß die Anſichten über die Höhe der
Wohnungsmieten in Darmſtadt auseinandergehen.
Stadtv. Hammann fragt, ob nicht, wie früher, eine
regelmäßige Veröffentlichung der Fleiſch= und Wurſtpreiſe
arfolgen könne. Bürgermeiſter Mueller bemerkt
hierzu, daß das Polizeiamt die fernere Veröffentlichung
unterlaſſen hat, weil die Metzger=Innung unter der Be=
gründung
, daß ſie keinerlei Einfluß auf die Preisgeſtal=
nung
hat, die Unterlagen dazu nicht mehr lieferte. Doch
reird, da die Veröffentlichung tatſächlich notwendig iſt,
känftig nach den Feſtſtellungen der Zentralſtelle für die
Landesſtatiſtik eine ſolche erfolgen. Stadtv. Herbert
ſtellt nochmals feſt, daß die teuren Wohnungen in Darm=
ſtadt
unbedingt die Ortsklaſſe B rechtfertigen. Stadtv.
v Heſſert ſtellt feſt, daß die Wohnungen in Darmſtadt
nicht teurer, ſondern billiger geworden ſind. (Oho! Heiter=
khit
.)
Die Lohnbeſchlagnahme Arbeitsloſer.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing führt aus: Die Stadt=
verwaltung
hat auf Grund der Beſchwerde des Herrn
Ettadtverordneten Dr. Fulda über das Vorgehen der
Zttadtkaſſe bei der Beſchlagnahme von Arbeitslöhnen der
Motſtandsarbeiter die Verhältniſſe auf das eingehendſte
atprüft und auch bereits dem Sozialpolitiſchen Ausſchuß
hverüber Vorlage gemacht. Es iſt folgendes feſtzuſtellen:
Die Stadtkaſſe hat ſich genau an die An=
oirdnungen
der ſtädtiſchen Verwaltung ge=
halten
, die dahin gehen, daß bei allen bei der Stadt
eingeſtellten Notſtandsarbeitern ſchuldige Steuerrückſtände
nr Wege von Ratenzahlungen von 50 Pfg. bis 1 Mk. in
Aözug gelangen. Auch bei den vollwertigen Arbeitskräf=
en
, die hier als Notſtandsarbeiter nicht in Betracht kom=
men
und bei den Unternehmern zur Einſtellung gelang=
en
, iſt die Verwaltung bereit, auf Antrag in jedem ein=
ennen
Falle nach Prüfung der Verhältniſſe ſchonend vor=
uggehen
. Sie hat ſich auf Vorſchlag des Herrn Stadt=
arordneten
Delp mit den Arbeitgebern in dieſer Be=
iehung
in Verbindung geſetzt, auch an das Miniſterium
i: Geſuch gerichtet, wonach nicht nur bei der Gemeinde=
rater
, ſondern auch bei der Staatsſteuer in dieſen Fällen
chonend vorgegangen werden ſoll.
Der Vorſitzende ſtellt ferner feſt, daß die Stadtver=
valtung
in dieſer Angelegenheit keineswegs bureaukra=
iſich
vorgehe und daß Geſuche um Steuerſtundung in ent=
eygenkommendſter
Weiſe behandelt werden. Es iſt ange=
rüebt
worden, auch bezüglich der Staatsſteuer in gleicher
Beiſe vorzugehen.
Beig. Ekert berichtet zu einem Eingeſandt im Tag=
lttt
, daß die Störung der Beleuchtung der Nieder= Ram=
ätoter
Straße teilweiſe auf mutwillige Beſchädigung
un ückzuführen war. Die Heag iſt erſucht worden, möglichſt
ir Abhilfe zu ſorgen.
Es wird dann in die Tagesordnung eingetreten.
Baudispensgeſuche.
Stadtv. Wagner führt aus: Wegen Errichtung
imes weiteren Landhauſes auf dem Gebiete
er Gemeinnützigen Gartenſtadt=Genoſſenſchaft am Hein=
Uauwingertsweg wird um Geſtattung einer Ausnahme
on: § 5 des Ortsbauſtatuts (Zulaſſen des Bauens außer=
ſub
des genehmigten Bebauungsplanes) nachgeſucht. Der
Ubverbürgermeiſter befürwortet das Geſuch, wenn die glei=
Lr: Bedingungen eingehalten werden, die bei den Bau=
eſnuchen
der anderen Mitglieder der Genoſſenſchaft vor=
ſehrieben
worden ſind.
Für den Hotelneubau am Hauptbahnhof
die Einrichtung von bewohnbaren Räumen oberhalb
Kehlgebälks unter der Bedingung geſtattet worden,
die Lichtöffnungen (Dachgauben) eine beſtimmte
öße erhalten. Die Bauleitung konnte dieſe Oeffnungen
er nur in etwas kleineren Maßen anbringen und bittet
n) Gutheißung. Das Baupolizeiamt empfiehlt dies in
hbeetracht, daß die betreffenden Räume durch die kleine=
n
) Gauben ausreichend beleuchtet ſind und ihre Vergrö=
nung
auch aus äſthetiſchen Gründen nicht wünſchenswert
ſcheint. Der Branddirektor befürwortet ebenfalls Ge=

nehmigung des vorliegenden Geſuchs. Der Oberbürger=
meiſter
ſchließt ſich der Anſicht der beiden Stellen an.
Für den Neubau Saalbauſtraße 19 wird um
Befreiung von den Beſtimmungen des § 69 der Ausfüh=
rungsverordnung
zur Allgemeinen Bauordnung ( Schwä=
chung
der Brandmauer durch eine Niſche) nachgeſucht. Bau=
polizeiamt
und Stadtbauamt haben gegen die Befreiung
keine Bedenken. Die Verwaltung beantragt Befürwortung
des Geſuchs. Sämtlichen Ausſchußanträgen wird zuge=
ſtimmt
. Ueber die
Aufſtellung eines Kabelverzweigers
referiert Stadtv. Lindt: Die Kaiſerl. Oberpoſt=
direktion
beabſichtigt, in der Stadthaus=Hofreite einen
Kabelverzweiger aufzuſtellen und in den zwiſchen der
Stadthaus=Hofreite und der Hofreite Rheinſtraße 14 füh=
renden
Reul von der Straße nach dem aufzuſtellenden
Kabelverzweiger einen Zementrohr=Kanal zu verlegen.
Die Verwaltung beantragt, die nachgeſuchte Erlaubnis
in jederzeit widerruflicher Weiſe gegen Ausſtellung eines
Reverſes durch die Poſtverwaltung zu erteilen. Die Ver=
ſammlung
ſtimmt zu.
Einwendung gegen die Herſtellung eines
Fußſteiges.
Stadtv. Wagner: Die Stadtverordneten= Verſamm=
lung
hat am 13. November 1913 die Herſtellung eines
Zementplattenfußſteiges auf der Süd=
ſeite
der Kaupſtraße zwiſchen Arheilger Straße
und Pankratiusſtraße beſchloſſen. Es haben 3 Grund=
beſitzer
gegen die geplante Herſtellung Einſpruch erhoben
mit der Begründung, daß ein Bedürfnis für einen Fuß=
ſteig
nicht vorliege. Es wird beantragt, die Einwendun=
gen
als unbegründet abzuweiſen und den Fußſteig aus=
zuführen
. Die Verſammlung ſtimmt zu.
Ueberſchreitung der Fluchtlinie.
Stadtv. Lindt: Der Eigentümer der Hofreite
Rhönring 1 beabſichtigt, die Einfriedigung dieſes An=
weſens
zu erneuern und dabei die beiden Torpfeiler in
der Frankfurter Straße etwas in den Fußſteig vorſpringen
zu laſſen. Verkehrsintereſſen werden hierdurch nicht be=
rührt
. Es wird Genehmigung des Geſuchs gegen Aus=
ſtellung
des üblichen Reverſes unter dem Vorbehalt ſteter
Widerruflichkeit beantragt. Die Verſammlung ſtimmt zu.
Von der Ausſtellung Darmſtadt 1914.
Beig. Ekert führt aus: Zu Zwecken der diesjährigen
Ausſtellung der Künſtlerkolonie auf der
Mathildenhöhe ſoll, wie bei früheren Ausſtellungen, ſtädti=
ſches
Gelände, der Platanenhain und Olbrichweg, mit=
benutzt
und deshalb für die Dauer der Ausſtellung dem
öffentlichen Verkehr entzogen werden. Da die hinter dem
ſtädtiſchen Ausſtellungsgebäude gelegenen Gebäude bei
der Ausſtellungeebenfalls Verwendung finden ſollen, wird
eine Verbindung zwiſchen dieſen Ausſtellungsteilen er=
forderlich
ſein, die durch einen Niveauübergang
über den Olbrichweg geſchaffen wird. In der
Mitte dieſes Uebergangs werden Tore angeordnet, nach
deren jedesmaligem Oeffnen Fußgänger und Fahrzeuge
die Schranke paſſieren können. Solange eine Beſichtigung
der Ausſtellung nicht geſtattet iſt, bleiben die Tore voll=
ſtändig
geöffnet. Die Stadtverwaltung will dem Geſuch
der Leitung der Ausſtellung entſprechen, wenn ſie ſich ver=
pflichtet
, nach der Ausſtellung den jetzigen Zuſtand koſten=
los
wieder herzuſtellen. Der Antrag wird angenommen.
Vermietung eines Pavillons als Milch=
verkaufshäuschen
.
Stadtv. Markwort: Der Pavillon auf der Nord=
ſeite
des Hallenſchwimmbades ſoll jetzt ſeinem bereits bei
der Erbauung ins Auge gefaßten Zweck. als Milchver=
kaufshäuschen
zu dienen, zugeführt werden. Der
Verein gegen den Mißbrauch geiſtiger Getränke hat ſich
jetzt bereit erklärt, den Pavillon gegen einen jährlichen
Mietbetrag von zunächſt 150 Mark jährlich zu mieten. Der
Oberbürgermeiſter beantragt Genehmigung dieſer Ver=
mietung
. Die Verſammlung ſtimmt zu.
Mietherabſetzung.
Stadtv. Kahn: Eine in der ſtädtiſchen Hofreite Lin=
denhofſtraße
5 vermietete Einzimmerwohnung will der
Mieter nur dann weiterbehalten, wenn die Miete von
monatlich 12 Mark auf 10 Mark herabgeſetzt wird. Da
die Koſten einer im Falle der Neuvermietung notwendi=
gen
vollſtändigen Wohnungsherſtellung den einjährigen
Mietausfall bedeutend überſteigen, wird Herabſetzung der
Miete auf 10 Mark monatlich beantragt. Die Verſamm=
lung
ſtimmt zu.
Die Knaben=Arbeits=Anſtalt
hat den ſüdlich der Darmſtraße gelegenen Teil ihres Gar=
tens
an die Peſtalozziſchule zur Einrichtung eines Schul=
gartens
gegen 50 Mark jährliche Pacht abgetreten. Hier=
für
wurde ihr ein Teil der an ihren Garten anſtoßenden
ehemaligen Kausſchen Wieſen für den gleichen Pachtzins
überlaſſen. Dieſes Gelände ſoll gegen die Wieſen in ein=
facher
Weiſe eingefriedigt werden, was 255 Mark koſten
ſoll. Nach dem Bericht des Stadtv. Bormet ſtimmt die
Verſammlung zu.
Zur Unterbringung von Schulklaſſen
der Knaben=Mittelſchule I hat die Stadt von Herbſt 1911
ab einen Saal und ſpäter zwei Säle in dem der iſraeli=
tiſchen
Religionsgeſellſchaft gehörigen Hauſe Ecke Grafen=
und Bleichſtraße gemietet. Da dieſe Säle noch für län=
gere
Zeit benötigt werden, war der Abſchluß eines Miet=
vertrages
mit der Hauseigentümerin erforderlich, deſſen
Genehmigung beantragt wird. Die Miete beträgt monat=
lich
20 Mark pro Saal, für die Mitbenutzung der Dampf=
heizung
ſind 100 Mark pro Saal und Winter zu zahlen.
Die Verſammlung ſtimmt zu. Referent: Stadtv. Dr.
Oſann.
Die elektriſche Bahn ins Martinsviertel
Herr Beig. Ekert hat eine ausführliche Vorgeſchichte
des Projekts der Errichtung einer elektriſchen Bahn in das
Martinsviertel vorgelegt, über die er ſich auch in münd=
lichem
Vortrag noch eingehend verbreitet. (Siehe auch be=
ſonderen
Artikel auf Seite 3.) Stadtv. Dr. Oſann
möchte den Tag, der endlich die Erfüllung dieſes lang=
jährigen
Wunſches bringt, wohl als einen Freudentag für
das Martinsviertel und für die Stadtverwaltung über=
haupt
bezeichnen. Er erörtert dann ebenfalls kurz die Vor=
geſchichte
der verſchiedenen Projekte und die Tätigkeit der
Stadtverordnetenverſammlung dazu. Man darf überzeugt
ſein, daß die Linienführung ins Martinsviertel ſowohl
für deſſen Bewohner wie auch für die Straßenbahn ſelbſt
ſich ſehr rentabel geſtalten wird. Es iſt zu hoffen, daß die
Bewohner des Martinsviertels nunmehr zufrieden geſtellt
werden. Stadtv. Hammann dankt ebenfalls für das
endliche Zuſtandekommen des Projektes, doch meint er, die
Linie könne erſt dann rentabel geſtaltet werden, wenn ſie
vom Schloßgartenplatz nach dem Riegerplatz durchgeführt
wird. Es müſſe doch gelingen, hiec den Widerſtand der
Heag noch zu brechen.

Stadtv. Ritzert ſchließt ſich dem Dank ebenfalls an
und bittet, die Beſchaffung des Materials möglichſt zu be=
ſchleunigen
, eventl. durch eine Erhöhung der Preiſe; da
es ſonſt bis zu dem Termin ſchwerlich wird beſchafft werden
können. Stadtv. Delp kann ſich mit den Vorſchlägen,
die der Referent vorgebracht hat, nicht einverſtanden er=
klären
. Vorteilhafter wäre die Linienführung geweſen
durch Rhönring, Riegerplatz, Liebfrauenſtraße, Schloßgar=
tenplatz
, oder Frankfurterſtraße, Bismarckſtraße direkt zum
Bahnhof. Er bittet, dieſe Wünſche bei der Heag zu be=
fürworten
. Der Vorſitzende Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſſing erinnert angeſichts dieſer allgemeinen Aner=
kennung
der Tätigkeit der Verwaltung daran, daß gewiſſe
Herren gelegentlich der Stadtverordnetenwahlen ſtets be=
hauptet
haben, daß die Verwaltung nichts getan hat und
daß er, Redner, ſogar Gegner des Projekts ſei. Die Füh=
rung
durch den Riegerplatz bedarf eines beſonderen Pro=
jekts
. Stadtv. Saeng bittet ebenfalls um Beſchleuni=
gung
der Arbeit, beſonders der Platzgeſtaltungen am
Theater uſw. Der Oberbürgermeiſter berichtet
noch kurz über die Platzgeſtaltung. Die Vorlage
wird dann einſtimmig angenommen.
Der Oberbürgermeiſter teilt noch mit, daß die Vorlage
nunmehr 400000 Mark erfordert.
Der neue Gaspreistarif.
Stadtv. Saeng führt aus: Der am 1. April I. J. in
Kraft tretende neue Gaspreistarif ſieht eine Ermäßigung
des Preiſes für gewerbliche, Kraft= und Heizzwecke vor,
wobei jedoch beſtimmt iſt, daß ſich der ermäßigte Preis
auch auf das Beleuchtungsgas erſtrecken ſoll, das durch
eine beſchränkte Zahl von Lampen in den Räumen, in
denen man Gas für gewerbliche Zwecke verwendet, ver=
braucht
wird. Der nunmehr zur Genehmigung unterbrei=
tete
Zuſatz zum Preistarif beſtimmt hinſichtlich der erlaub=
ten
Lampenzahl das Nähere. Stadtv. Dr.=Ing. Heyd
regte an auch der geſamten gewerblichen Beleuchtung den
verbilligten Tarif zugute kommen zu laſſen. Stadtv.
Ritzert weiſt demgegenüber auf die Schwierigkeit der
Abgrenzung hin, ebenſo Stadtv. Dr. Noellner, der dar=
auf
hinweiſt, daß Darmſtadt unter den heſſiſchen Städten
wohl den billigſten Gastarif hat. Nach weiteren Aus=
führungen
des Stadtv. L. Lautz wird der Antrag an=
genommen
.
Die Eingabe des Vorſtandes der Freien
Vereinigung der Darmſtädter Spengler=
meiſter
und Inſtallateure
wegen angeblicher Schädigung ihres Gewerbes durch die
von der Stadtverwaltung geplanten Maßnahmen zur
Hebung des Gasverbrauches wird nach ſtattgehabter Vor=
beratung
in der Gaswerksdeputation in einer der nächſten
Sitzungen der Stadtverordneten=Verſammlung zur Ver=
handlung
kommen. Die Angelegenheit konnte ſeither noch
nicht erledigt werden. Die Abſetzung des Gegenſtandes
von der Tagesordnung der Stadtverordneten=Verſammlung
entſpricht auch den Wünſchen der Inſtallateure, die noch
vor der Entſcheidung durch die Stadtverordneten= Ver=
ſammlung
gehört werden ſollen.
Aenderung des Bädertarifs für das
Hallenſchwimmbad.
Es wird beantragt, den Tarif des Hallenſchwimmbades
dahin zu ergänzen, daß der Vorteil der ermäßigten Mo=
natskarten
(Preis 2,25 Mk.) nicht nur Studenten, ſondern
auch Schülern und Schülerinnen ſtaatlicher und gemeind=
licher
, ſowie ſtaatlich anerkannter Schulen, auch der Fort=
beldungsſchule
, zuteil wird. Auch ſoll eine allgemeine Mo=
natskarte
, wie ſolche bisher für die Frauenſchwimmbäder
im Preiſe von 2,75 Mk. beſtand, fernerhin für das Män=
nerſchwimmbad
zum Preiſe von 3 Mk. ausgegeben werden.
Ferner wird beantragt, die Medizinalbäder grundſätzlich
auch auf Schwefel= und Sauerſtoffbäder auszudehnen und
hierüber demnächſt näher zu befinden. Referent Stadtv.
Dr. Bender. Stadtv. Delp ſpricht den Wunſch aus,
den Volksbadetag von Dienstag wieder auf Samstag zu
verlegen. Stadtv. Dr. Bender ſtellt dieſe Ausfüh=
rungen
dahin richtig, daß ja nur die billigen Wannen=
bäder
auf Dienstag verlegt wurden. Beig, Ekert weiſt
darauf hin, daß ſich die Verlegung ſehr gut bewährt hat.
Nach weiteren Ausführungen der Stadtvv. Saeng und
v. Heſſert wird der Antrag angenommen.
Eine Ortsſatzung über Steuerbefreiung.
Die Herren Stadtverordneten Henrich und Konſ. und
Dr. Fulda und Konſ. haben vor längerer Zeit beantragt,
Steuerbefreiungen im Sinne des Artikels 59 des Ge=
meindeumlagengeſetzes
durch Ortsſatzung auszuſprechen.
Wegen der nicht zu überſehenden Wirkungen des neuen
Gemeindeumlagengeſetzes war der Erlaß einer derartigen
Ortsſatzung mit Wirkung vom Steuerjahr 1913= ab nicht
möglich. Der Oberbürgermeiſter legt jetzt den Entwurf
einer Ortsſatzung vor, die Steuerbefreiungen gemäß Ar=
tikel
59, Ziffer 2 und gemäß Ziffer 3, ſoweit es ſich um
Einkommen unter 500 Mark handelt, mit Wirkung vom
1. April 1914 ab vorſieht. Es referierte Stadtv. Henrich.
Zu dem vorgelegten Entwurf bemerkt die Verwaltung
das Folgende: Die Städte Mainz und Gießen haben
gleichfalls ſeither eine zuwartende Haltung eingenommen.
Worms hat eine Ortsſatzung erlaſſen, die dem Darmſtädter
Entwurf entſpricht. Für die Beſteuerung elternloſer min=
derjähriger
und erwerbsunfähiger Perſonen, deren Ver=
mögen
bei einem jährlichen Geſamteinkommen von weni=
ger
als 750 Mark den Betrag von 10000 Mark nicht er=
reicht
, iſt der Ausfall auf 1243 Mark berechnet worden. Da
dieſe Befreiung ſchon ſeither teilweiſe beſtand und hier
wirtſchaftlich ſchwache Perſonen in Frage ſtehen, hat ſich
die Verwaltung im Anſchluß an den ſeitherigen Rechts=
zuſtand
für dieſe Beſteuerung ausgeſprochen. Die nie=
deren
Einkommen der Einkommensklaſſe bis zu 500 Mark
ausſchließlich ſollen gleichfalls von der Gemeindeſteuer vom
Einkommen befreit werden, um eine Gleichförmigkeit mit
der Einkommenſteuer des Staates herbeizuführen Dieſe
Befreiung ergibt einen Steuerausfall von annähernd 3000
Mark. Wollte man weitergehen, ſo würde ſich der Aus=
fall
ſteigern bei Befreiung der Klaſſen
bis 600 Mark ausſchl. auf 11335 Mark
750
33000 und.
900
58 233
Die Verwaltung erklärt hierzu, daß die finanzielle
Lage der Stadt Darmſtadt eine Befreiung für Einkommen
von 600900 Mark nicht geſtattet. Dieſe Angelegenheit
ſoll jedoch, einem geſtellten Antrage zufolge, nochmals im
Laufe dieſes Jahres zur Entſcheidung geſtellt werden,
nachdem die ſeitens des ſozialpolitiſchen Ausſchuſſes ver=
angten
weiteren Berechnungen von Großh Finanzamt
aufgeſtellt ſind.
Stadtv. Aßmuth tritt für die Befreiung der Ein=
ommen
bis zu 900 Mark ein. Oberbürgermeiſter Dr.
läſſing tritt den Ausführungen des Vorredners, die
Stadt habe nur Geld für dynaſtiſche Intereſſen und nicht
für den kleinen Mann, ganz energiſch entgegen und be=
zeichnet
dieſe Behauptung als Entſtellung der Wahrheit.

[ ][  ][ ]

Es ſei ein Fehler geweſen, wenn man bei der Aufhebung
des Oktrois glaubte, die Lebensmittelpreiſe würden da=
durch
eine Verbilligung erfahren. Stadtv. K. Lautz
tritt dem entgegen; eine Verbilligung wäre wohl einge=
treten
, wenn nicht das Oktroi eine Wiedergeburt in den
Schlachtgebühren gefunden hätte. Stadtv. L. Lautz be=
merkt
daß man an den Preiſen keinen Anhaltspunkt zum
Vergleich habe denn die Qualität ſei ganz erheblich von
den früheren Waren verſchieden. Es ſprechen weiter die
Stadtv. Friedrich und Aßmuth. Hierauf wird der
Antrag angenommen.
Abänderung der Wochenmarktordnung
Die beſtehende Wochenmarktordnung iſt veraltet. Es
wurde daher von Großh. Polizeiamt eine neue Marktord=
nung
entworfen, der von der Verkehrsdeputation mit eini=
gen
Abänderungen und Zuſätzen zugeſtimmt wurde.
Referent Stadtv. K. Lautz: Als neu iſt die Beſtim=
mung
hervorzuheben, daß bei jedem Verkaufsſtand ein
Korb bereitzuſtellen iſt, in welchem die beim Marktgeſchäft
entſtehenden Abfälle geſammelt werden müſſen. Butter
und Schmierkäſe dürfen nur mit kleinen, reinen, zu keinem
anderen Zweck vorher gebrauchten Holzſtäbchen gekoſtet
werden. Stadtv. Saeng wünſcht eine ſtrengere Auf=
ſicht
über den Hauſierhandel, ebenſo bringt er Wünſche über
die Beſtimmungen bezüglich des Großhandels zum Aus=
druck
. Da noch verſchiedene Wünſche geäußert werden, be=
ſchließt
die Verſammlung, die Marktordnung zu genehmi=
gen
, und die Deputation wird beauftragt, evtl, die ent=
ſprechenden
Zuſätze und Abänderungen vorzunehmen.
Der Voranſchlag über die Verwaltungs=
koſten
der ſtädtiſchen Sparkaſſe
für das Geſchäftsjahr 1914 (1. Januar bis 31. Dezember
1914) ſchließt mit 78310 Marl ab. Genehmigung wird
beantragt. Dieſe wird erteilt nach dem Referat des
Stadtv. Bormet.
Der Voranſchlag der Pfennigſparkaſſe
Darmſtadt
für das Kalenderjahr 1914 ſchließt in Einnahme und Aus=
gabe
mit 64717 Mark ab. Die Verwaltungskoſten betra=
gen
1200 Mark. Gegen die einzelnen Anſätze iſt nichts zu
erinnern. Genehmigung wird beantragt, die nach dem
Referat des Stadtv. Bormet erteilt wird.
Die kirchlichen Umlagen für 1914.
An Kirchenſteuern ſind für 1914 zur Erhebung bean=
rragt
:
1. Durch die vereinigte evangeliſche Zivilgemeinde
Darmſtadt unter Beibehaltung des vorjährigen Ausſchlag=
ſatzes
124800 Mark.
2. Durch die katholiſchen Kirchengemeinden St. Lud=
wig
und St. Eliſabeth Darmſtadt 36000 Mark.
3. Durch die katholiſche Kirchengemeinde St. Martin
Beſſungen 11000 Mark, unter Zugrundelegung eines nicht
weſentlich höheren Zuſchlagſatzes als 16 Prozent.
4. Paulusgemeinde 35500 Mark.
5. Petrusgemeinde 24000 Mark.
Die Anträge werden zur Genehmigung empfohlen.
Die Genehmigung wird nach dem Referat des Stadtv.
Bormet erteilt.
Rechnungsabſchluß des Ohlyſtifts.
Die Kaſſe der Erziehungsanſtalt Ohlyſtift in Grä=
fenhauſen
hat für das Jahr 1912 infolge des durch die all=
gemeine
Teuerung bedingten Mehrbedarfs an Lebensmit=
teln
, Kleidung uſw. mit einem Fehlbetrag von 1472,86 Mk.
abgeſchloſſen, den das Kuratorium der Anſtalt bittet, aus
ſtädtiſchen Mitteln zu decken. Die Anſtalt hat ſeither ſchon
aus den Ueberſchüſſen der Sparkaſſe einen jährlichen
ſtädtiſchen Beitrag erhalten, ohne den der Betrieb der
ſegensreich wirkenden Anſtalt nicht aufrecht echalten wer=
den
kann. Nachdem durch die inzwiſchen erwirkte Er=
höhung
des Pfleggeldes und ſonſtige Maßnahmen von
1913 ab die Mittel gegeben ſcheinen, um bis auf weiteres
den Anſtaltsbetrieb ohne weiteren ſtädtiſchen Zuſchuß zu
ermöglichen, wird beantragt, den beim Kaſſenabſchluß 1912
entſtandenen Fehlbetrag durch einen einmaligen Zuſchuß
aus der Stadtkaſſe zu decken. Dem wird zugeſtimmt nach
dem Referat des Stadtv. Bormet.
Aenderung der Beſtimmungen über den
Achtuhrladenſchluß.
Der Vorſtand des Detailliſtenvereins hat bei Großh.
Kreisamt den Antrag geſtellt, es möge die Verkaufszeit
an den Vorabenden aller Sonn= und Feſttage allgemein
bis um 9 Uhr verlängert werden. Seither war die Aus=
nahme
allgemein nur für die Samstag=Abende zugelaſſen.
Dadurch wurden für Silveſter immer beſondere Eingaben
notwendig. Die Aenderung ſoll hier Abhilfe ſchaffen.
Nach der Reichsgewerbeordnung ſind die Gemeindebehör=
den
zu dem Antrag zu hören. Dem Antrag wird nach
dem Referat des Stadtv. Saeng zugeſtimmt.
Bekämpfung der Schnakenplage.
Stadtv. Dr. Bender referiert über die geplanten
Maßnahmen zur Bekämpfung der Mücken= und Schnaken=
plage
. Für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Schna=
kenplage
im Winter iſt in Ausſicht genommen, die Kellec
mit Inſektizit zu beſpritzen und zwar ſoll dies durch an=
gelernte
Arbeitsloſe erfolgen. An Koſten ſind angeſetzt
für 12 Mann an 25 Tagen à 4 Mark 1200 Mark, 300
Mark für Inſektizit und 100 Mark für ſonſtige Auslagen
Es wird beantragt, dieſe Koſten auf die Stadtkaſſe zu
übernehmen und ferner dem Verein zur Bekämpfung der
Schnakenplage mit dem Sitz in Karlsruhe, beizutreten.
Der Jahresbeitrag beträgt 30 Mark. Die Verſammlung
ſtimmt dem zu nach den Ausführungen des Oberbür=
germeiſters
und des Stadtv. v. Heſſert.
Hiermit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitz=
ung
erledigt.

Die heſſiſche Staatsſchuld,
ihre Verzinſung und Tilgung.

Einer in der letzten Sitzung des Finanzausſchuſſes
von deſſen Vorſitzenden, Abg. Dr. Oſann, vorgelegten
intereſſanten Ueberſicht über die Heſſiſche Staats=
ſchuld
, Verzinſung und Tilgung, entnehmen
wir folgendes:
Nach dem Hauptvoranſchlag für 1914 ſetzten ſich die
Staatsſchulden wie folgt zuſammen:
1. Eiſenbahnſchuld:
a) zur Erwerbung der Heſſiſchen
Ludwigsbahn . .
196 322 700, Mk.
b) für ſonſtige Eiſenbahnzwecke . . 162915800,
zuſammen 359 238 500, Mk.
Von der zur Erwerbung der Ludwigsbahn aufgenom=
menen
Schuld ſind verzinslich:
zu 3 Prozent .
179 216 100, Mk.
zu 4 Prozent
.. , ,
17 106600,
zuſammen 196 322700, Mk.

Von den für ſonſtige Eiſenbahnzwecke aufgenomme=
nen
Schulden ſind verzinslich:
zu 3 Prozent .
26 508 700, Mk.
zu 3½ Prozent
92813 700,
zu 4 Prozent .
43 593 400,
zuſammen 162915800, Mk.
2. Für andere als Eiſenbahnzwecke aufgenommene Schuld
(einſchließlich Kautionen 171 Mk.) 72621809, Mk.
Hiervon verzinslich:
zu 3 Prozent
35 515 766, Mk
zu 3½ Prozent
15 834 800,
zu 4 Prozent
28 271072,
zuſammen 79621638, Mk
Hierzu Kautionen
171,
zuſammen 79621809, Mk.
3. Reſtkaufſchilling für den Erwerb der Iſenburgſchen Be=
ſitzungen
im Kreiſe Offenbach zu 3½ Prozent ver=
zinslich

. . . . 3041 700, Mk.
4. Landeskreditkaſſenſchuld
zu 3½ Prozent verzinslich . . .
12699 200, Mk.
Die Staatsſchuld beträgt ſonach:
1. Für Eiſenbahnzwecke
359 238 500, Mk.
2. Für andere Bedürfniſſe des Staates 79621809,
3. Für Iſenburgiſche Beſitzungen
3041 700,-
4. Für Landeskreditkaſſe . .
12699 200,
zuſammen 454 601 209, Mk.
Hierauf ſind anzurechnen:
a) die für 1911 u.
1912 vorzuneh=
mende
Tilgung
von nom. . . 3 180 800, Mk.
b) die für 1913
vorgeſeh. Til=
gung
von nom. 1410600,
c) die für 1914
vorgeſehene Til=
gung
von nom. 1713 100, 6304500, Mk.
Sonach Geſamtſchuld 448 296 709, Mk.
An Zinſen ſind für 1914 erforderlich:
Für die Eiſenbahnſchuld von
359 238 500, Mk.
. . . 11848 223, Mk.
für die anderen Zwecken dienende
Schuld von 79621809, Mk.
2 665 914,
für die Schuld der Iſenburgiſchen Be=
ſitzungen
von 3041700, Mk.
104832.
für die Landeskreditkaſſenſchuld von
12699 200, Mk. . .
444 472, ,
zuſammen 15063 441, Mk.
Hierauf ſind anzurechnen:
Die Zinſen von dem
aus 1911 und 1912 ver=
fügbaren
, in 1913 noch
zu tilgenden Betrag
von 2862700, Mk.
(nom. 3 180 800, Mk.) 105 920, Mk.
Die Zinſen von den in
1913 zur Tilgung vor=
geſehenen
1269500,
Mk. (nom. rund
46972, 152892,
1410600 Mk.)
Geſamtbedarf an Zinſen 14910 549, Mk.
Die Tilgung der Staatsſchuld hat nach dem Geſetze
vom 17. Juli 1912, das am 1. April 1913 in Kraft trat,
zu erfolgen. Nach Artikel 1 und 5 ſind die Tilgungsſätze:
1. Für die bis zum 1. April 1913 begebene geſamte Staats=
ſchuld
und für die von dieſem Tage an neuaufzuneh=
mende
Eiſenbahnſchuld
½ Prozent des Nennbetrages der Eiſenbahnſchuld,
½ Prozent des Nennbetrages der ſonſtigen Schuld;
2. für die vom 1. April 1913 ab für andere als Eiſenbahn=
zwecke
aufzunehmende Staatsſchuld mindeſtens 1 Pro=
zent
der für werbende Zwecke aufgewendeten,
mindeſtens 2 Prozent der im übrigen auf Anleihe zu
nehmenden Beträge.
Die Tilgung erfolgt aus den Reineinnahmen aus den
Staatseiſenbahnen.
Die Tilgungsbeträge berechnen ſich ſonach dahin:
1.½ Prozent der Eiſenbahnſchuld (zu
Beginn 1914) von 359 238500 Mk. . . 1 197462, Mk.
2.½ Prozent der ſonſtigen Schuld (zu
Beginn 1914) von rund 65 751 400 Mk. 526011,
zuſammen 1723 473, Mk.
Oben war die andere als für Eiſen=
bahnzwecke
aufgenommene Schuld be=
rechnet
mit
79 621809, Mk.
, 2

Hiervon gehen ab:
die zugunſten der
Landes= Hypotheken=
bank
aufgenommene
Anleihe Serie VIII 9500 000, Mk.
die Hälfte der An=
leihe
Serie XV da
die zweite Hälfte die=
ſer
Anleihe erſt in
1914 begeben wird 4231300, 13731300,
65 890 509, Mk.
Hierzu die Schuld für die Iſenburgi=
3041 700, Beſitzungen . . . .
68 932 209, Mk.
Ab die Tilgung aus 1912 (einſchließlich
3 180800,
des Reſtbetrags, aus 1911) . .
65 751 409, Mk.
rund 65751 400
. . . . . 1723 473 Mk.
Es wären alſo zu tilgen
Zur Tilgung ſind zu verwenden:
Nach Art. 3 des Geſetzes
die aus Staatsrentenka=
pitalien
verfügb. Mittel 120 600, Mk.
Abträge auf die Vor=
ſchüſſe
der Hauptſtaats=
kaſſe
an den Erneue=
rungsfonds
Bad= Nau=
heim
und an den Do=
mänenergänzungsfonds
300000,
Verminderung der Til=
gungsſumme
für 1914
nach Art. 13 des Til=
gungsgeſetzes
.
. 400000, 820600, Mk.
902873, Mk.

Nun iſt aber in Artikel 13 Abſatz 2 vorgeſchrieben, de
die Tilgungsſumme durch die Verminderung der Tilgug
in den Jahren 19131917, und zwar mit
500 000 im Jahre 1913
400000
1914
300000
1915
200000
1916
100000
*1917
in keinem dieſer Jahre unter die Beträge herabſinken da
die aus Eiſenbahneinnahmen nach Artikel 6 des Geſetz
vom 3. Oktober 1896 und erſparten Zinſen fließen.
muß alſo geprüft werden, wie ſich die Tilgung nach de
ſem Geſetze vom 3. Oktober 1896 berechnet; nach ihm
zur Tilgung zu verwenden:
1. der im Art. 6 vorgeſehene Betrag . . 600000, M
2. die infolge von Tilgungen erſparten
Zinſen:
aus 1900/011910
299 219,78
aus 1911 und 1912 . .
97483,63
aus 1913
36 515,63
,.
1033 219,04
Da ſonach dieſer Betrag von 1033 219,04 Mark höh
iſt als der oben errechnete von 902873 Mark ſo muß
ſterer nach Artikel 13 Abſatz 2 des Tilgungsgeſetzes ei
geſtellt werden.
Es ſind ſonach für 1914 zur Tilgung vorzuſehen:
1. die aus Staatsrentenkapitalien verfüg=
baren
Mittel
120 600, M
2. die Abträge von Bad=Nauheim und
dem Domänenergänzungsfonds
300000,
3. zur Tilgung der vom 1. April 1913 be=
gebenen
geſamt. Schaatsſchuld und die
von dieſem Tage an neuaufgenom=
mene
Eiſenbahnſchuld
1033 219,04
4. zur Tilgung der am 1. April 1913 zu
begebenden ſonſtigen Schuld:
1913 396 500,.
1914 302000,
698 500,
Hiervon 2 Prozent, da es ſich um nicht
werbende Schuld handelt
13970.
5. 1 Prozent des aus der Eiſenbahnein=
nahme
zu tilgenden, bis zum 1. April
1914 begebenen Teiles d. Anleihe XV.
von 4 231300 Mk. (1 Prozent, da es
ſich um werbende Schuld handelt)
42313,
6. Abträge auf die Vorſchüſſe an die Do=
mänenverwaltung
für Straßenbauten 30000,
7. desgl. an die Klenganſtalt Gammels=
bach

7755,-
8. desgl. an die Schulverwaltung für das
Seminargebäude in Bensheim . . . 957,
zuſammen 1541814,04
Hiervon ab Tilgung der Schuld für
die Iſenburgiſchen Beſitzungen (da
auch die Schuld hier nicht berückſichtigt
ſiſt) .. . . . . . . . . 187700,
1354114,04 M
oder rund als Geſamtbetrag der Til=
1354 100,
Der Vollſtändigkeit wegen ſei noch berechnet, welch
Betrag hiernach nach Artikel 13 Abſatz 3 des Tilgunn
geſetzes dem Reſtefonds Kapitel 1 des Hauptvoranſchla
aus der für 1914 erſparten Tilgungsſumme von 400 Ch
Mark zufließt.
Aus den Rein=Einnahmen der Eiſenbahn würden 1
Tilgung zu verwenden ſein:
1. Nach Artikel 13 des Tilgungs=
1 723 473,
geſetzes
abzüglich der Staatsrentenkapitalien
120 600, Mk.
mit
Abträge der Vorſchüſſe
von Bad=Nauheim u.
des Domänenergän=
3001000, 420 600,
zungsfonds . .
1302873,
2. Nach Artikel 5 Abſatz 4 des Tilgungs=
42313,
geſetzes . .
,,
1345 186,
Es wurden aber nur zur Tilgung verwendet:
obenberechnete Tilgung
nach dem Ludwigs=
bahngeſetz
vom 3. Ok=
1033 219,04 Mk.
tober 1896
nach Art. 5 Abſ. 4 des
42313, 1075 532,04
Tilgungsgeſetzes .
ſodaß dem Reſtefonds Kap. 1 zufallen: 269653,96
Zuſammenfaſſend ſei nochmals aufgeführt=
Geſamtſchuld zu Ende des Etats=
jahres
1914 . . . . . . . . . . 448 296 709.
Bedarf an Verzinſung für 1914 . . . 14910549,
Bedarf an Til=
gung
für Til=
1354 100, Mk.
gung 1914
Hierzu für Tilgung
der Schuld für die
Iſenburgiſchen Be=
ſitzungen
. . . . 187700. Mk. 1541800,

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Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 30. Januar:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 15 Min.
Samstag, den 31. Januar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 5
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religion
geſellſchaft.
Samstag, den 31. Januar:
Vorabend 4 Uhr 45 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmitte
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 5 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 1. Februar,
Morgens 6 Uhr 50 Min. Nachmittags 5 Uhr.

Verlegung des Graditzer Geſtüts.
* Berlin, 29. Jan. Im Abgeordnetenhauſe iſt
Verlegung des Graditzer Geſtüts nach Alten
feld (Regierungsbezirk Kaſſel) beſchloſſen worden.

[ ][  ][ ]

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Das Tippfräulein.
Roman von Gertrud Stokmans.
(Nachdruck verboten).

Offenbar gewährte es der Gräfin eine tiefe und heim=
icge
Genugtuung, den Schmuck, den ſie ſo ſehr liebte, wie
hme Erſparniſſe an einen ſicheren Ort zu bringen, von
eim niemand eine Ahnung hatte. Daß ein ſolcher exi=
fuerte
, glaubte Gabi getroſt annehmen zu dürfen. Die
hlimme Gräfin war ein Charakter. Sie tat nichts halb,
velder im Guten noch im Böſen, und die Reue und Angſt,
on denen das Teſtament berichtete, waren gewiß ganz
cht geweſen. Weshalb ſollte ſie da das ſelbſtauferlegte
offer nicht gebracht und nach und nach ein Vermögen für
ie von ihr ſo ſchwer geſchädigten Wardenburgs zuſam=
nmgebracht
haben? Die Auffaſſung des Oberjäger=
retiſters
, daß die Tücke dieſer gefährlichen Frau bis übers
rab hinaus reiche, erklärte ſich durch ſeine trüben per=
öullichen
Erfahrungen, aber Gabi vermochte dieſe nicht
unteilen. Hätte eine Krankheit den Tod der ſchlimmen
rääfin eingeleitet, wie ſie ſelbſt wohl erwartet, wäre ge=
i
; alles in beſter Ordnung geweſen. Dann hätte ſie
Aletzter Stunde noch die Stätte bezeichnet, an der ihr
emmächtnis und der Familienſchmuck ruhten, und nach
ſeper Richtung hin die nötige Aufklärung gegeben. Statt
iſſen nahm ſie ihr Geheimnis unfreiwillig mit ins Grab,
r Schein war gegen ſie, und die Richtigkeit ihrer An=
ibeen
wurde angezweifelt. Gabi konnte ſich genau vor=
ellen
, wie alles gekommen war, und mit dem feſten Vor=
tz
, die ſchlimme Gräfin noch nachträglich von dieſem
ißllichen Verdacht zu befreien, ſchlief das junge Mädchen
dllich gegen Morgen ein.
*Der nächſte Tag brachte ihr eine unangenehme Ueber=
icgung
. Als ſie den Wunſch ausſprach, in das gelbe

Zimmer überzuſiedeln, erklärte ihr die Mamſell, der
Hausherr habe ſeine Anſicht geändert und den Befehl ge=
geben
, die jungen Mädchen ein= für allemal im Wirt=
ſchaftsflügel
unterzubringen. Die Frau Gräfin, ſeine
Tochter, finde es nicht paſſend, daß ſie zu einer Zeit, wenn
ſo viele Gäſte im Hauſe ſeien, ganz allein in dieſem ent=
legenen
Teile des Schloſſes wohnten, und wegen der
Mahlzeiten, die ſie doch im Wirtſchaftsflügel einnehmen
müßten, ſei es auch beſſer und bequemer ſo. Uebrigens
ſei das gelbe Zimmer ja zurzeit unverſchloſſen, und wenn
Fräulein Schacht der ſchlimmen Gräfin dann und wann
einen Beſuch abſtatten wolle, ſo ſtehe ihr dies vollkommen
frei.
Gabi war zuerſt darüber enttäuſcht, tröſtete ſich aber
dann mit dem Gedanken, daß ſie mitunter eine Stunde
Zeit finden würde, in der ſie ihre Nachforſchungen unbe=
merkt
anſtellen könne, und in gewiſſer Weiſe gewährte
ihre jetzige Umgebung wirklich einen Schutz und Halt.
Auch eine andere Erwägung ſprach noch zugunſten ihres
jetzigen Zimmers. Im Wirtſchaftsflügel ließ ſich häufig
der intereſſante Oberinſpektor ſehen Zuweilen wurde
ſie ſchon früh am Morgen durch ſeine ſcharfe, befehlende
Stimme geweckt, und das Bewußtſein ſeiner Nähe hatte
merkwürdigerweiſe etwas Beruhigendes für ſie, während
ſie den forſchenden Blick ſeiner Augen fürchtete und jede
direkte Begegnung mit ihm vermied. Daß eine ſolche ihr
gerade an dieſem Tage bevorſtand, ahnte ſie nicht.
Ganz allein ſaß ſie bei ihrer Arbeit im Archiv, als
ſich zu ganz ungewohnter Stunde die Tür öffnete und
Herr von Wardenburg erſchien. Er war, wie gewöhnlich
im Reitanzug und ſah bildhübſch und ſchneidig aus. Mit
kurzem Gruß trat er ein, ſetzte ſich an den Arbeitstiſch des
Generals und begann, ſcheinbar eifrig eine Berechnung
aufzuſtellen. Innerlich war er aber nicht bei der Sache.
Zu ſeinem Aerger und Verdruß hatte er ſich mit Gabis

Identität immer wieder beſchäftigen müſſen und ſie häu=
fig
heimlich beobachtet. Nun konnte er die Ungewißheit
nicht länger ertragen. Die Abweſenheit des Generals er=
möglichte
ihm heute eine ungeſtörte Unterredung mit dem
fleißigen Tippfräulein, und dieſe Gelegenheit ſollte nicht
ungenutzt vorübergehen. Er wollte es diesmal mit einer
Ueberrumpelung verſuchen, und ſich plötzlich zu ihr wen=
dend
, rief er leiſe und dringend: Gräfin Gabi Garten=
hauſen
ich bitte!
Das Experiment gelang. Ihr Kopf flog herum, ihre
Wangen färbten ſich, und ehe ſie zur vollen Erkenntnis
ihrer Lage kam, ſtand er ſchon vor ihr.
Sie ſind es alſo doch! ſagte er hart und laut, und
ſeine blauen Augen flammten ſie zornig an. Was ſoll die
Komödie? Wußten Sie, daß ich hier in Hellborn ſei?
O, Gott, nein, rief ſie erſchreckt, wie ſollte ich wohl?
Wir vermuteten Sie in einem anderen Weltteil. Hätte
ich von Ihrem Hierſein etwas geahnt, ich wäre nimmer=.
mehr hierhergekommen?
Und weshalb reiſten Sie nicht ab, als Sie meine ver=
abſcheuungswürdige
Wenigkeit entdeckten?
Weil ich hier in gewiſſer Weiſe gebunden bin. Ich
habe Fräulein Flotts Vertretung feſt übernommen und
kann nicht nach Belieben kommen oder gehen.
Mir ſcheint, ein Modus ließe ſich ſchon finden, wenn
Sie nur wollten.
Ich will aber nicht!
Aha, das iſt des Pudels Kern. Sie waren ſchon im=
mer
entſetzlich eigenſinnig, Gräfin.
Und bin es jetzt erſt recht. Im übrigen darf mein
Name in dieſen Räumen nicht genannt werden. Ich heiße
ier einfach Fräulein Schacht.
Schacht von Gartenhauſen, murmelte er ingrimmig,
daß ich darauf nicht gleich verfallen bin. Barſch fragte
er dann: Was ſoll das Inkognito?

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Und weshalb nahmen Sie überhaupt eine ſolche Stel=
lung
an?
Aus Laune, Langeweile, Abenteurerluſt, was Sie
wollen; daß die Motive keine edlen und vernünftigen
waren, ſetzen Sie ja doch ohnehin voraus.
Er nickte. Sie langweilten ſich alſo in Berlin?
Ja, mitunter. Mein Leben erſchien mir dann wie ein
Kinematographentheater, in dem man bei glänzender Be=
leuchtung
immer die gleichen Bilder zeigt.
Sie konnten ja heiraten, Gräfin, ſich neue Pflichten
und Freuden ſchaffen.
Gewiß, meinte ſie, aber auch da war mein bekannter
Eigenſinn mir immer hinderlich. Es gefiel mir keiner.
Ich wollte auch lieber arbeiten.
Wardenburg blickte mit finſterer Miene zu ihr hin=
über
. Was ſagen Ihre Brüder denn zu dieſer Verwand=
lung
und Vermummung?
Sie lachte. O, die ſind natüklich außer ſich und be=
ſchwören
mich täglich, zu ihnen zurückzukehren.
Beſonders, nachdem ſie erfuhren, daß dieſer entſetz=
liche
Menſch, der Werner Wardenburg, auch hier ſei
Gabi machte eine Bewegung der Abwehr. Nein, die=
ſer
Grund ſpricht nicht mit. Sie wiſſen nichts. Ich ver=
gaß
, Sie in meinen Briefen zu erwähnen.
Sie vergaßen! Er lachte ſpöttiſch. Das glaube ich
Ihnen nicht. Meine Anweſenheit iſt Ihnen dazu doch zu
fatal.
Alſo gut, es war Abſicht. Ich hielt es für klüger, dar=
über
zu ſchweigen.
Darin gebe ich Ihnen recht und bezweifle nicht, daß
Sie es bitter bereuen, nach Hellborn gekommen zu ſein.
Sie ſchüttelte den Kopf. Keine Spur, Herr von War=
denburg
. Ich ſegne meinen Einfall und habe Fräulein
Flott gebeten ,noch recht lange fortzubleiben.

Minicht
Ja, ich ſpreche die Wahrheit.
Dann gibt es wohl einen ganz beſonderen An=
ziehungspunkt
für Sie in Hellborn?
Vielleicht, Herr von Wardenburg. Jedenfalls habe
ich mich hier ſehr gut eingearbeitet und gedenke noch
nebenbei einige Aufgaben zu erfüllen, welche mit der
Schreibmaſchine nichts zu tun haben.
So? Wenn ich nun aber Ihr Geheimnis verrate und
den Leuten ſage, wer ſich hier als beſcheidenes Tippfräu=
lein
eingeſchlichen hat und die Geheimniſſe der Familie
Haſſelmann belauſcht, was dann, meine Gnädigſte?
Gabi ſah ihn furchtlos an. Ich habe mich nicht ein=
geſchlichen
, ſagte ſie ruhig, wenigſtens nicht im ſchlimmen
Sinne, und die Geheimniſſe, die ich belauſche, erfährt jedes
andere fremde Mädchen in meiner Lage auch. Mit den
Gäſten komme ich wenig oder gar nicht in Berührung,
und mit dem General und ſeiner Schweſter habe ich nur
beruflich zu tun. Wenn Sie mich bloßſtellen wollen, ſo
kann ich das natürlich nicht hindern, ſondern nur beklagen.
Ich habe aber eine viel zu hohe Meinung von Ihnen und
Ihrer angeborenen Ritterlichkeit, um eine ſolche Möglich=
keit
überhaupt ernſtlich in Erwägung zu ziehen.
Eine hohe Meinung, wiederholte Wardenburg bitter.
Mir ſcheint, Gräfin, als wir vor ſieben Jahren ausein=
andergingen
, war der Wert meiner Perſönlichkeit in Ihren
Augen außerordentlich gering.
Ja, das war er, meinte ſie ehrlich, und blieb es auch
all die Jahre hindurch, aber ſeit ich hier bin, hat meine
Meinung ſich plötzlich geändert. Ihr damaliges Verhalten
iſt mir allerdings nach wie vor rätſelhaft, aber Ihre hie=
ſige
erfolgreiche Tätigleit flößt mir aufrichtige Bewun=
derung
ein, und ein Geſpräch zwiſchen Ihnen und der
gretig Treſſenſtein, das ich in meinem Krautgärtlein zu=

ſellg mi auberie, ieß mih mn eiſtenat die gaißt
Schwere Ihres Schickſals ahnen.
Sein Geſicht verfinſterte ſich wieder unter ihren Won
ten, und aufſpringend ſagte er ſchroff: Ich brauche weds
Ihre Bewunderung noch Ihr Mitleid, Gräfin. Mei=
Leben gefällt mir ſo, wie es iſt, und Ihren Verſicherunge
kann ich nicht glauben. Wenn Sie wirklich Vertrauen
mir hätten, würden Sie mir gegenüber freiwilligd
Maske gelüftet haben. Sie mußten ſehen, wie ſtörend un
qualvoll die Ungewißheit für mich war. Statt deſſe=
brauchen
Sie jede Vorſicht und Liſt, um mich immer wi=
der
irre zu führen, und ich kam mir während der letzte
acht Tage vor wie ein Narr.
Gabi errötete heftig und ſenkte ſchuldbewußt de
Blick. Sie dürfen nicht zu ſtreng urteilen, meinte ſie,U
müſſen mir verzeihen. Ich war ſo erſchrocken über unſ=
wunderbares
, ungeahntes Zuſammentreffen, ſo verwit
und ſo unſicher, daß ich zuerſt nicht wußte, was ich
ſollte. Zu einem offenen Bekenntnis war ich zu feig
Ich mußte mich erſt an die Situation gewöhnen. Mitd
Zeit hätte ich aber den Mut gefunden, Ihnen die Wah
heit zu ſagen, und wenn Sie nun, da Sie alles wiſſen
erraten haben, mein Inkognito nicht nur dulden, ſonde
ſchützen wollen, werde ich Ihnen von Herzen dankb
ſein.
Schützen? wiederholte er ſchroff. Fällt mir gar
ein. Alles, was ich verſprechen kann und will iſt,
ſchweigen, obgleich mir auch das ſchon als Unrecht
ſcheint. Wenn Sie durch dieſe tolle Sache in e
legenheit kommen, rechnen Sie nicht auf mich.Geg
Fräulein Flotts Stellvertreterin habe ich keine Verpflic
tungen, und tritt eine Kriſe ein, verhalte ich mich
kommen neutral.
(Fortſetzung folgt.)

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der Neu=Guinea=Compagnie
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von 425 493 Mark auf. Aus dem Reingewinn von 643 303
Mark ſoll in der für den 16. Februar einzuberufenden
Generalverſammlung die Verteilung einer Dividende von
fünf Prozent vorgeſchlagen werden. Außerdem ſoll der
Generalverſammlung der Antrag, der Inhaberin der Ge=
nußſcheine
ein Angebot auf Einlöſung der Genußſcheine
durch Zahlung von einer Mark zu machen, unterbreitet wer=
den
, worüber gleichfalls eine auf den 16. Februar einzu=
berufende
Verſammlung der Genußſcheininhaber zu be=
ſchließen
hat. Danach findet am gleichen Tage eine außer=
ordentliche
Generalverſammlung ſtatt, der der Beſchluß
der Genußſcheininhaber unterbreitet wird. Dieſe außer=
ordentliche
Generalverſammlung ſoll außerdem noch Be=
ſchluß
faſſen über die Gleichſtellung der noch ausſtehenden
47000 Mark Stammaktien mit Vorzugsanteilen und über
die Erhöhung des Grundkapitals von 7,5 Millionen auf
11 Millionen Mark. Die neuen Anteile ſollen einem Bank=
konſortium
zum Parikurſe zuzüglich Speſen mit der Maß=
gabe
überlaſſen werden, daß das Konſortium verpflichtet
ſein ſoll, drei Millionen neue Anteile den alten Anteils=
inhabern
zu einem um zwei Prozent erhöhten Preiſe zum
Bezuge im Verhältnis von 5: 2 anzubieten.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Schweine=
markt
am 28. Januar. Auftrieb durch Händler 165
Schweine. Preis (Schlachtgewicht pro 50 Kilogramm)
1. Qual. 71 Mk., 2. Qual. 70 Mk., 3. Qual. 69 Mk. Markt=
verlauf
: Mäßig rege, Ueberſtand. Schweinemarkt am

29. Januar. Auftrieb durch Händler 186 Schweine. Preis
(Schlachtgewicht pro 50 Kilogramm) 1. Qual. 71 Mk.,
2. Qual. 70 Mk., 3. Qual. 69 Mk. Marktverlauf: Ruhig,
Ueberſtand. Kälbermarkt am 29. Januar. Auftrieb
durch Händler 176 Kälber. Preis, je nach Qual. ( Lebend=
gewicht
pro 50 Kilogramm) 5062 Mark. Marktverlauf:
Drückend.
Frankfurt a. M., 29. Jan. Schlachtvieh=
markt
. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: 1719 Schweine.
Preiſe für 1 Zentner Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in
Mark: a) Fettſchweine über 3 Zentner Lebendgewicht 52½
bis 55 (6668), b) vollfleiſchige Schweine über 2½ Zent=
ner
Lebendgewicht 5254 (6567), e) vollfleiſchige
Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 5255 (6568),
d) vollfleiſchige Schweine bis zu 2 Zentnern Lebendgewicht
5255 (6567). Marktverlauf: Geſchäft langſam, Ueber=
ſtand
.
Frankfurt a. M., 28. Jan. ( Kartoffel=
markt
.) Kartoffel en gros 4 Mk., en detail 55½ Mk.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Jedermann wird es begreiflich finden, daß die
Reichs=, Staats= und Gemeindebureaus auf Kaiſers und
Großherzogs Geburtstag geſchloſſen bleiben und den Be=
amten
dieſe Feiertage gönnen. Aber man fragt doch von
vielen Seiten erſtannt: Wie kommt es, daß auch das
Städt. Schwimmbad ſchließt, gerade an dieſen
Tagen, an denen die Genannten, ſowie auch alle Lehrer.
Schüler und Studenten frei haben und gerne ein Reini=
gungs
= oder Schwimmbad nähmen, wie auch die Schwimm=
bad
=Abonnenten in ihrem Rechte auf ihr tägliches
Schwimmbad geſchädigt werden? Am letzten Diens=
tag
kamen dieſe und andere Badegäſte ſehr zahlreich an
die verſchloſſene Badehauspforte und gingen mit
ihrem Badezeug ſcheltend und mürriſch wieder heim. Hier=
durch
wird doch nur die Einnahme an zwei der voraus=
ſichtlich
günſtigſten Tagen ohne einen berechtigten Grund
edeutend geſchädigt und die ſtädtiſche Zulage von jähr=
lich
7090000 Märk vergrößert. Die Bürgermeiſterei
machte auch bekannt, daß nur die ſtädtiſchen Bureaus
und dazu gehört doch das Städtiſche Badehaus nicht
geſchloſſen bleiben! Man gibt ſich daher der Hoffnung
hin, daß die Großh. Bürgermeiſterei aus den genannten
und auch aus hygieniſchen Gründen anordnen wird, daß
dieſer in keiner anderen Stadt vorliegende Mißſtand be=
ſeitigt
wird.
Ein Schwimmbad=Abonnent im Namen Vieler.

Zeitungsberichten zufolge und nach Erkundigun=
gen
auf dem Lande ſinkt das Schweinefleiſch fortgeſetzt im
Preiſe. So beträgt der Preisunterſchied zwiſchen Januar
1913 und Januar 1914 volle 20 Pfg. pro Pfund. Woran
es liegt, daß dieſe Verbilligung nicht auch den Konſumen=
ten
zugute kommt, ſondern einzig und allein den Herren
Großhändlern und Metzgern, dieſe Frage beantwortet uns
vielleicht die löbliche Metzger=Innung, die ja ſonſt bei der
geringſten Preisſteigerung ſo getreulich ihres Amtes wal=
tet
im Diktieren der Preiſe. Wo bleibt da die ausglei=
chende
Gerechtigkeit? In den Städten ringsum hat man
die Fleiſchpreiſe heruntergeſetzt, weshalb in Darmſtadt
nicht?

Erwiderung auf das Eingeſandt in der Nr. 27 vom
27. Januar 1914 dieſes Blattes. Das Unglaubliche es iſt
Ereignis! Aus bürgerlichen Kreiſen erſcheinen Angriffe
gegen die im Kampfe für die bürgerlichen Intereſſen
ſtehenden vereinigten Frauenvereine! Der ſtimmrechtss
feindlichen Hausfrau, die ſich in das Wahllokal in der
Blumenthalſtraße bemüht hat, um die Unfähigkeit der
Stimmrechtsfrauen gelegentlich der Ortskrankenkaſſen=
wahlen
auf ſich wirken zu laſſen, diene folgendes zur Be=
reicherung
ihrer Kenntniſſe: Der Verein für Frauenſtimm=
recht
hat ſich an dieſem Kampfe offiziell überhaupt nicht
beteiligt, da er durch ſeine Satzungen zu unbeding=
ter
Neutralität verpflichtet iſt. Der Verein mußte hier die
Führung den auf nationalem Boden ſtehenden vereinig=
ten
Frauenvereinen überlaſſen, und ſind dieſe, und nicht
die Stimmrechtsfrauen, durch die abfällige Kritik, mit der
die Einſenderin ihr Gemüt erleichtert hat, getroffen. Die
Unterzeichnete fühlt ſich trotzdem verpflichtet, feſtzuſtellen,
daß den Führerinnen der Frauenvereine für ihre Betä=
tigung
das größte Lob gebührt. Trotzdem ſie vor eine
ganz neue Aufgabe geſtellt waren, ſind ſie derſelben in=
jeder
Hinſicht gerecht geworden. Daß ſie dabei aus den
bürgerlichen Frauenkreiſen heraus ſo wenig Unterſtütz=
ung
gefunden haben, gereicht doch nur denjenigen zur Un=
ehre
, die ſie mit erſchreckender Verſtändnisloſigkeit im
Stiche gelaſſen haben. Zur Beruhigung ſei der verehrten
Einſenderin noch mitgeteilt, daß faſt ſämtliche Führerin=
nen
der Frauenvereine, welche hier in Betracht kommen,
keine Anhängerinnen des Frauenſtimmrechts ſind und uns
ſerem Verein nicht als Mitglieder angehören. Doch es
würde zu weit führen, den von keinerlei Sachkenntnis ge=
trübten
Anſichten dieſer für die Rechtloſigkeit der Frauen
ſo ſehr begeiſterten Hausfrau über die Verhältniſſe in der
hieſigen Frauenbewegung weitere Aufklärung zu geben,
Nur noch eins möge ſie ſich geſagt ſein laſſen: Iſt es recht,
nach ſeinen Schweſtern, die die größten Opfer an Zeit
Kraft, Geld und Bequemlichkeit zum Wohle der Allgemein=
heit
gebracht haben und noch bringen, mit Steinen zu
verfen? Warum vertritt die Angreiferin ihre Anſichten
nicht mit ihrer Perſon? In unſeren öffentlichen Frauen=
verſammlungen
iſt ihr reichlich Gelegenheit gegeben. Dont
erwarten wir ſie zu weiterer Auseinanderſetzung.
A. Walz,
Vorſitzende d. Ortsgr. D. für Frauenſtimmrecht=

Literariſches.

Heſſiſche Chronik. Monatsſchrift für
milien= und Ortsgeſchichte in Heſſen und Heſſen=Naſſau=
Begründet von De. Herm. Bräuning=Oktavio. Heraus=
gegeben
von Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl. Drittert
Jahrgang. Heft 1, Januar 1914, hat folgenden Inhaltu
Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl: Guſtav Baurs Rele=
gation
(1836). Amalie Schädel: Kriegsdrangſale in einen
oberheſſiſchen Pfarrhaus vor hundert Jahren. Profeſſon
K Henkelmann: Profeſſor Dr. Franz Faver Stoll. Marien
Ullrich: Aus dem Leben meines Großvaters Friedr. Küm=
mell
III. Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl: Beiträge zu
einer heſſen=darmſtädtiſchen Lehrermatrikel. VI. Bücher=
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enthält, im Gegenſatz zu dem
gewöhnlichen Brot, alle wert=
vollen
Beſtandteile der Korn=
frucht
, die durch eine lange
Backzeit zu vollſter Aus=
nützung
erſchloſſen werden.
Voll=Brot
wird von zahlreichen Aerzten
u. Hygienikern gegen Darm=
trägheit
, Verdauungsſtörun=
gen
, Blinddarmentzündung,
Zuckerkrankheit, Fettleibigkeit,
Bleichſucht, Zahnkrankheiten
u. a. empfohlen.
Nachſtehend Auswahl her=
vorragender
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wechslung
iſt wichtig, man
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35 und 65
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35 und 65
Vollweizenbrot,
hefefrei . 30 und 50
Eiſenkraftbrot . . 30
Nußſchrotbrot . . 35
Bananenbrot. . . 35
Früchtebrot . . . 35
Delikataß= Früchte=
brot
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Simonsbrot 30 u. 60
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Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

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78,20
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pneuß. Schatzanweiſg. 100,00
,1 do. Conſols . . . 87,60
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idv. bo.
B4d. Staatsanleihe . . 97,40
92,40
de.
do.
64 hr. Eiſenbahnanleihe 97,00
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do.
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Han mburger Staatsanl. 97,80
lſſ. Staatsanleihe . . 97,75
I do. (unk. 1918) 97,10
85,00
do.
75,00
do.
77,90
lrüchſiſche Rente .
Waärttemb. (unk. 1921) 98,80
do. p. 1875 93,170
eullgaren-Tabak=Anl. 95,50
Briechen v. 1887
Mstealiener Rente . . . . 101,00
OOeſterr. Silberrente 88,20
hio. Goldrente . . . 89,70
wio. einheitl. Rente . 83,80
Monrtug. unif. Serie I 62,00
do. unif. Serie III 64,10
9,75
Mdo. Spezial .
Mlernänier v. 1903
tav. v. 1890 . . 94,20
tso. v. 1905 . . 85,60
87,75)
Auſſſen v. 1880 .
91,0
be. v. 1902
do. v. 1905 .
98,90
eSchweden .
ibier amort v. 1895 78,60
Münk. Admin. v. 1903 77,00
Mr. uniſiz. v. 1903 1.
ar. Go drente . . . 85,00
. Staatsrente . . 82,90

Zf.
In Proz
5 Argentinier .
.100,00
do.
82,50
4½ Chile Gold=Anleihe. 90,60
5 Chineſ. Staatsanleihe.
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . . 92,00
5 Innere Mexikaner. . . 67,25
3
do.
45,00
4 Gold=Mexikaner v. 1904 69,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 84.90
3½ Buenos Aires Prov. 69½
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
.135,20
7 Nordd. Lloyd. . . . . 115,50
6½ Südd. Eiſenb.=Geſell. 122,80
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5½ Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 11600
6 Baltimore und Ohio 98,57
7½ Schantungbahn 133,00
8 Luremb. Prince Henri 159,75
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 21½
6 Pennſylvania R. R. . 116,10
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger. . . 67,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 581,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

. . 265,00
30 Farbwerke Höchſt. . . 631,00
20 Verein chem Fabriken
Mannheim . . . . 348,00
10 Cement Heidelberg. . 149,50
33 Chem. Werke Albert 442,00
12 Holzverkohl. Kon=
ſtanz
. . .
.. 317,10
6 Lahmever . . . . . . . 123,00

Lehte
In dws,
Divid.
8 Schuckert, Nürnberg . . 149,50
12 Siemens & Halske . 216,80
14 Bergmann Electr. . . 127,25
11 Deutſch.Ueberſee Eleetr. 174,80
0 Gummi Peter . . .
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 364,00
9 Maſchinenf. Badenia 132,00
0 Wittener Stahlröhren,
10 Steana Romana Petr. 149,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 226,00
12.83 Bad. Zucker=Wag=
209,30
häuſel . .
0 Neue Boden=A. A.=Geſ. 90,50
0 Südd. Immobilien . 59,20
1 Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 167,75
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 222,40
10 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 135,20
10 Gelfenkirchener . . . . 193,25
11 Harpener . . . . . . . 184,70
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 239,90
3 Oberſchl. Eiſen=Inb.=
Caro .
. 64,50
8 Laurahütte . . . . . . 158,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 149,50
Weſteregeln 191,50
13
5 South Weſt Africa . 120,25
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 84,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 92,10
4 Eliſabethbahn, freie .. 89,40
4 Franz=Joſefs=Bahn . . 87,00
3 Prag=Duxer . . . . . . 73,00
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 88,25
76,60
do.
3
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,40
4 Oeſt. Südb. (Lomb.). .

Zn Po.
8t.
29/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,50
3 Raab=Oedenburg . . . 77,50
4 Kronprinz Rudolfbahn 86,50
4 Ruſſ. Südweſt . . . . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,00
do.
86,80
4 Wladichawchas . . . . 87,00
4 Riäſan Koelow . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . . 68,10
do.
4½
24 Livorneſer . . . 71,40
3 Salonique=Monaſtir. . 62,50
4 Bagdadbahn . . . . . . 79,40
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 91,80
4 Miſſouri=Vacific
4 Northern=Pacific . . . 94,60
4 Southern=Pacific . . . 92,40
5 St. Louis und San
Franeiseo . . . . . 101,00
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 189,00
7½ Beraiſch Märkiſche
Bank.
*146,00
9½ Berlin. Handelsgef. . 1595
6½ Darmſtädter Bank . 119,75
12½, Deutſche Bank. . . 255, 10
6 Deutſche Vereinsbank . 121,25
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,25
10 Diskonto=Kommandit 193,10
8½ Dresdener Bank . . 154,75
10 Frankf. Hypoth.=B. 214,50
6½ Mitteld. Kreditbank 115,50
7 Nationalb. f. Deutſchl. 118,50
7 Pfälziſche Bank . . . 126,50
6.95 Reichsbank . . . . . 139,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 131,00
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 102,50
7½ Wiener Bankverein . 137,90
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.: Bank
S. 16 u. 17 . . . 94,504

In Pros,
3½ Frankſ. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . 850)
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 23,50
4 Hamb. Hypoth.=Bunk . 95,00
74,00
do.
3
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,30
84,40
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
86.50
S. 12, 13, 16 . .
S. 14, 15, 17, 24/26
36,50
1823 . . .
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
84,40
S. 1 u. 2, 68
S. 35
. 84,40
. 84,40
S. 911.
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
84,50
do.
31
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917). . 93,80
3½ do. (unk. 1914). . 84,10
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 26,90
do.
86,50
3½
Städte=

Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 95,00
3½ do.
95,70
4 Frankfurt. .
96,25
3½ do.
94,30
4 Gießen .
86,50
3½ do.
. 93,80
4 Heidelberg
3½ do.
86,70
4 Karlsruhe .
94,60
3½ do.
85,50
4 Magdeburg
4 Mainz
3½ do.
85,60
4 Mannheim
94,40
3½ do.
85,70
4 München .
96,30
3½ Nauheim
830
4 Nürnberg
95,70
3½ do.
85,00
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18.
Zu bes.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden
95,80
3½ do.
4 Worms
-
3½ do.
-
4 Liſſabonner v. 1888 . 75,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 176,00
3½ Cöln=Mindner . 100 142,00
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madricer . . Fs. 100 77,50
4 Meininger Pr.=Pfand=
143,20
briefe ..
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,00
3 Oldenburger:..
2½ Raab=Grazer ſl. 150
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Braunſchweiger Tlr. 20 206,10
Freiburger .
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Fs. 45
Mailänder .
Fs. 10
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Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl. 100 573,00
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Ruſſiſche Roten . . . . . 215,0
Schweizer Noten . . . . . 81,30
Reichsbank=Diskonto . . . 4
Reichsbank=Lomhard Zéſ. 5½%

[ ][  ]

Ernst-
Ludwigstr. 23

am Bismarck-
denkmal
.

Ab Samstag, den 31. Januar bis Dienstag, den 3. Februar:
Nur 4 Tage!
Erstaufführungsrecht
Nur 4 Tage!
Mit Aufwendung hoher Unkosten ist es mir gelungen, für den Weltschlager:
Der König der Lüfte
Grandioses Schauspiel in 5 Akten
das alleinige Premierenrecht für Darmstadt zu erwerben.
Geradezu verblüffend wirken in diesem Bilde die Feinheit und raffinierte Eleganz in Darstellung und Ausstattung,
und die Neuheit der Idee stempelt dieses Stück zu einer Sehenswürdigkeit, die alles bisher Dagewesene in den
Schatten stellt.
Szenen aus dem grossen Meisterwerk werden jetzt schon in einem Vorfilm zur Vorführung gebracht.
Textbücher über den Film sind jetzt schon für 10 Pfg. an der Kasse zu haben.
(3172

Bruiſche Meiebrnsgeſenſchaft.

Montag, den 2. Februar, abends 8¼ Uhr pünktlich,
im Saale des Muſik=Vereins, Steinſtraße 24
Zuſammenkunft der alten und neuen Mitglieder
zwecks Bildung einer
Ortsgruppe Darmſtadt.
Referat des Hrn. Baron de Deufville Franfurt a. M.
über den Stand der Friedensbewegung, Fort=
ſchritte
und Reſultate des internationalen
Schiedsgerichts und über die Beſtrebungen
:: der internationalen Verſtändigung. ::
Freie Ausſprache.
Frauen beſonders willkommen
Eintritt frei für jedermann.
(3115
Ludwigshohe.

Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.

Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.
ſind zu haben im Verkehrsburegu und an der Kaſſe.
(B271

FRANKFURT a. M.
der erste u. größte
Carfe europ. 2 Manegen-
mit
gigant.
Lufraum und CIRCU8
gr. Rennbahn.

Das gewaltigste u. vielseifigste Vergnügungs-
Etabl. das je auf dem Continent geschen wurde

Festspiele ab 31. Jan. in der Festhalle.

soo Mitwirkende 3 Kapellen
300 Pferde, 250 Menag. Tiere Atraktions-Aummern
pro Vorstellung. Dus größte
Circus-Programm der Welt! 80

In 2 Manegen

d. größt. die im Eireusbetriebe
Gblich, treten u. v. a. auf:

fier und Frau Gireiter farre
Massen-Pferde-Dressuren
zu 2, 4. 6, 8, 10, 12, 15, 18, 2½, 24, 30, 50, 60, 75
Rasse-Pferde auf einmal in d. Manege zu schen.
Ad. Blumenfeldl ſr. Haralls, dergeheim-
mit
mod. Pferdedress.nisvoll. Binghalese
Mile. Madigan, elegante Pferdedresseuse.
50 Towbos, Conbon-Grig-Mmulaten, Reger-ind.
100 Rockpferde,
Wild-West Pratrieoferde etr.

Beduinen und Araber-
auf
ihren Kamelen und Pferden. Kriegsseiele.

Chinesen. Frupoe. Sun-hun-Khang.
Orlando-Karenko Heiter-Fruppe

in ihrem konkurrenzlosen Akrobatik-Reit-Akt.

Tacherkessen Mexikaner
Reiter, Lpubn Hataftzg. Sportspiele, 5 Personen
3 TIGERGRACIEN 3
dje austral. schwarz-weih gefleckt. Akrobatinnen
3 Tucher Jockey-Aht 1 A facher Jorkey-Aif.
der Leonard- Truppe derGeschw Biumenfeld

Gastspiel v. Mons. Houcke
Dirckt. des Nouveau-Cirque in Paris
mit seinen franz. Reitkünstlern.
Herrenin divers.
entebckt. Ohne.
15 zatel Rieitern. ſ30 Poſo zu Pferde

dtoſſtähne Aſro=2 P Jocken u. Reiterin.
15 psten zu Pferde 120 aller Nationen

Ueberfahren ein. iebend. Menschen
v. einem 2400 kl schwer. 70 Ps Auto mit 4.
Insussen in vollster rasend. Fahrt ausgef. von
dem Meger Ar Sob Rochefeller

Kegelpartie zu Pferde
Schulpferd und Ballerine

bſpfeſpunkt menschl. Kraft. Glaciatoren-Spiele
Planeten-Trio

6 dressierte Kühe 6
Dressiert u. vorgef. v. Mile. vellta del Oro

Gob Armstrong vom Eire. Karnum Balle mit
Seinen phänomen. Atbletensnielen

Dress. Gänscherde d. 1Eine Schaar tolſ. überm.
Lrig.-Gonn Reinsch Elovn, Aug. Soahmach

Im gewaltigen Luftraum
Die Champions d. hoh. Seiles Binder-Familie
Gröht. Damen-buft-Aht Tfik REMEI. S
Mr. Gulfr. S der S. Stade
Een 2 Albriele
Die Könige der Lüfte

Ml Ei-rure

die besten amerik. Artisten an flieg. Frapezen
Dinbold, d. verwegene Amerikaner m. zein.
aus d. höchsten Höhe d. Circuskuppel auf ein.
Fahrrade ausgeführten Todessprung
Rennen in der großen Bahn 6
ſtom. wagen=Rennen bamen=fündermis=ſeiten

20 Römisches Stehend-Reiter-Kennen.
00

Pennie- und Afen-Hennen ſl Elouns-Rennen
und vieſes undere mehr1 un35
d. enorm. R
V. N.0.50 3.-
Trotz Spezen Billige Preise ohne Steuer)
Bilietvorverkauf i. d. Cigarrengesch. G. M. Holz

(II,3116

Emmladung zum Vortrag

(mit Lichtbildern)

des Herrn Oberlentnant a. D. Dr. Schultze von Berlin
über:
Mit Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg vom
Kongo durch Neu=Kamerun bis zum Tſchadſee‟
am Mittwoch, den 4. Februar 1914, abends
8 Uhr, im Saale des Hotel zur Traube
veranſtaltet von der Abteilung Darmſtadt der Deutſchen
Kolonialgeſellſchaft, unter Anſchluß der Kreisgruppe
Darmſtadt des Deutſchen Flottenvereins.
Eintrittskarten zu 50 Pfg. (Studenten, Schüler und Schüler=
innen
zu 20 Pfg.) ſind in den Buchhandlungen von Bergſtraeßer
und Waitz, ſowie abends an der Kaſſe zu haben. Die Mitglieder obiger
Vereine haben freien Eintritt.
(3168fm

Eichtondervornag

von Pfarrer Deggau=Beedenkirchen
zum Beſten des Diakoniſſenhauſes Eliſabethenſtift über
Eduard von Gebhardt
im Kaiſerſaale Montag, den 2. Februar, abends 8 Uhr.
Reſervierte Plätze zu 1 Mk. und unnumerierte Plätze zu 50 Pfg.
ſind an der Pforte des Eliſabethenſtiftes (Erbacherſtr. 25) und abends
an der Kaſſe zu haben.
(3113fgo

scher Deznkstercm Sudost.
Einladung

ichen Hauytversannlung

auf Montag, den 9. Februar, abends ¾/ 9 Uhr
in den Friedrichshof
Ecke Rossdörfer- und Stiftstrasse.

Tagesordnung: 3. Vorstandswahl.

1. Jahresbericht.
2. Rechnungsablage.
4. Wünsche und Anträge.
Anträge sind an den Vorsitzenden B. Finger, Heinrich-
strasse
, zu senden.
(3 29

eeen

Kaneeskenzert

im Hotel Hess‟.

(2756a

A A A

W

Perkeo-Saal.
Täglich abends 8 Uhr: Grosse humoristische (3030a
Ensemble-Konzerte mit Gesung und Tanzeinlagen

Lachstürme

wird

Enlgelen

Luſtſpiel in 4 Akten
mit

Asta Nielsen
erregen. 3137
Morgen Premiere

im

Reſiden
Theater

Großherz. Hoftheaten

Restaurat. Zur Reichskrone
Mühlstrasse 5. (*2231fs
Samstag, den 31. Januar
Metzel=

suppe

Letzie 2 Tag 8.
e! Okr HLUTT3e)va ka
U
di

Hacht

Freitag,
30. Januar

Die Tango-Tanz-Posse
Nu schlägt’s 13

Empfehle in grosser Auswahl
und zu billigen Preisen la Hafer-
mastgänse
, p. Pfund 90 Pfg.,
junge Enten, 3.504 Mk., Junge
Hahnen von 13 Mk., deutsche
Poularden in felnster Qualität.
Suppen- und Brathühner von
1.50 Mk. an.
(276a
Verkauf Freitags Karlstr. 22,
Hof, Schröder.

in 3 Akten
von Max Walden und
Hugo Busse.
Eine Lachbombe.

Im II. Akt: (3173
der Original-Tango
getanzt v. Resi Krizek und
Heinz Oehlerking
sowie gr. Tango-Finale, aus-
geführt
v. ganzen Personal.

Daſſenſchr., Rohrplattenkoffer,
K Lüſter, 5 u. 3flammig, abzug.
Hinrichſtraße 126.
*2228

Vorverkauf und Preise wie bek.

Aufang 8 Uhr.

friſchen Käsekuches
Heute u. Datscher. Bäckern

Freudenberger Mainzer
Nachfolg., Bleichſtr. 13. (*228i

Freitag, den 30. Januar 1914.
101. Abonnem.=Vorſtellung. D 29
Rigolet to.
Oper in 4 Akten von J. Verdil
Muſikal. Leiter: P. Ottenheimer
Spielleiter: Otto Nowack.
Perſonen:
Herzog von Man=
tua

Aug. Globerguſ
Rigoletto, ſ. Hof=
narr

. Guſt. Kirchben=
a
. G.
Gilda, deſſ. Tocht. Olga Kallenſenl
Graf v. Monterone Cl. Kaſſelmamn
a. G.
Graf v. Ceprano Hans Bertram
Die Gräfin, ſeine
Gemahlin .
Clement. Feiſt
Marullo, Kavalier Otto Semper
Borſa, Höfling . Karl Bernhardl
Sparafucile, ein
. L. Schützendom
Bravo
Maddalena, ſeine
. Anna Jacobs
Schweſter .
Giovanna, Gildas
Geſellſchafterin . Lydia Riethof.
Ein Gerichtsdien. Br. Waigandt
Ein Page . . . Hede Schaub
Chöre: Robert Preuß.
Die vorkommenden Tänze, arrang!
von Hedwig Ehrle, werden aus
geführt von den Damen des Corpo
de Ballet.
Krank: Annemarie Liſchke.
Preiſe der Plätze (Gewöhnlt
Preiſe): Sperrſitz: 1.13. Reihlg
4.20 , 14.20. Reihe 3.40
Parterre: 1.5. Reihe 290
6.8. Reihe 2.35 , Proſzeniumös
loge 6.2) , Mittelloge 6.20 5
Balkonloge 5.20 , 1. Rang 4.70
2. Rang: 1.6. Reihe 2.70 , 7. Ull

2. Galerie 0.75 .
Kartenverkauf: an der Tagess

Uhr

ſtellung. (Im Verkehrebüro wes
den auch telephoniſch Kartenbes
ſtellungen entgegengenommen
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ U. Ende gegen 10½ Uhn
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Samstag, 31. Jan. (Kein
Vorſtellung.)
Sonntag, 1. Febr. 102. Ab.=Vſttl

B 25. Neu einſtudiert: De
Opernball. Gewöhnl. Preiſes,

Anfang 7 Uhr.
Montag, 2. Febr. Außer Am
24. Volksvorſtellung zu ermäßigte:
Preiſen. Die ſpaniſche Fliege-
Anfang 7½ Uhr. Vorverkauf bi:
einſchl. Montag, 2. Febr., im Vem
fehrsbüro (Ernſt=Ludwigsplatz.
Verkauf der etwa noch verhand
Karten am Tage der Vorſtellung
auch an der Tageskaſſe im Hoff=
theater
zu den übl. Kaſſeſtunden=
Dienstag, 3. Febr. 103. Ab.=Vſt.
A 27. Der Feldherrn
hügel. Gewöhnl. Preiſe. Anz
fang 7½ Uhr.