Darmstädter Tagblatt 1913


26. September 1913

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Inſerate
176. Jahrgang

monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
werden
angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit=
den
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für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
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Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

In Dresden wurde geſtern die zweite Tagung des
Vereins für Denkmalpflege und Heimat=
ſchutz
eröffnet.
In Görlitz wurde geſtern die 26. Generalver=
ſammlung
des Evangeliſchen Bundes er=
öffnet
.
Der Zinngießer Straſſer, der den Major v. Lewinsky
in München ermordete, iſt geſtern früh hingerichtet
worden.
In der Dynamitfabrik von Wärtſch u. Real in Porz am
Rhein erfolgte eine ſchwere Exploſion. Zwei
Perſonen wurden ſofort getötet, fünf ſehr ſchwer, ſieben
leichter verletzt.
Ein Großfeuer entſtand in dem Dorfe Schnellbach bei
Schmalkalden. Es wurden der Gaſthof Städtle, ſowie
mehrere angrenzende Gehöfte mit allen Erntevorräten
vollſtändig vernichtet.
Im Eiſenwalzwerk der Petersburger Do=
najurewa
=Geſellſchaft entſtand im Keſſelhauſe
eine furchtbare Exploſion. 12 Perſonen wurden
verbrüht, davon 7 lebensgefährlich.
Nach der letzten Sitzung der Friedenskonferenz
in Konſtantinopel erklärten die bulgariſchen
Delegierten, es ſeien nur noch Fragen ohne Be=
deutung
zu regeln. Der Friedensvertrag würde
vorausſichtlich am 26. September unterzeich=
net
werden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Ein dritter Balkankrieg?

** Bisher konnte er durch die Verſtändigung zwi=
ſchen
Bulgarien und der Türkei vermieden werden, in ſo
bedrohliche Nähe er vor einigen Wochen auch gerückt war,
als die Türken ſich Adrianopels wieder bemächtigt hatten.
Aber nun droht er von neuem, nachdem die Albanier durch
ihren Einfall in Serbien dieſes zur Gegenwehr heraus=
gefordert
und ſehr ernſte Kämpfe an der Grenze begonnen
haben. Noch bevor das Gebiet des künſtigen Fürſtentums
Albanien endgültig feſtgeſetzt worden iſt, proteſtieren deſ=
ſen
Bewohner mit den Waffen in der Hand gegen die Ab=
grenzung
, die angeblich ihren nationalen und wirtſchaft=
lichen
Intereſſen widerſpricht und ſie zum Freiheitskampfe
zwingt, der ſich gegen Serbien und Montenegro richtet.
Erſteres hat bereits umfaſſende Maßregeln getroffen, um
die Albanier in Schach zu halten, und Montenegro wird
das gleiche tun, wenn die Maliſſoren ihre Abſicht wahr
machen ſollten, die Montenegriner aus dem ihnen auf der
Londoner Konferenz zugeſprochenen bisherigen albani=
ſchen
Gebietsteil wieder zu vertreiben. Aber, wenn es
auch unzweifelhaft gelingen wird, die Albanier zurückzu=
drängen
, ſo erleidet doch die Pazifizierung der Balkan=
halbinſel
eine neue Störung, die eventuell auch politiſche
Folgen haben kann. Schon jetzt werden in Belgrad Ver=
dächtigungen
laut, daß die Albanier in Oeſterreich=Ungarn
und Bulgarien Unterſtützung finden, daß ihnen erſteres
die Waffen, ſowie Geld, und Bulgarien die Offiziere lie=
fere
. Soweit Oeſterreich=Ungarn in Frage kommt, ſind
dieſe Vorwürfe natürlich unbegründet, aber man ſieht
doch, daß neues Mißtrauen Wurzel zu ſchlagen beginnt,
nachdem kaum das Vertrauen Platz gegriffen hatte.
Wir haben ſchon kürzlich auf die dringende Notwen=
digkeit
hingewieſen, in Albanien ſobald wie möglich de=
finitive
Zuſtände zu ſchaffen. Mit den Balkanſtaaten
wird ſich unſchwer die Vereinbarung über die albaniſchen
Grenzen abſchließen laſſen, worauf an die Regelung des
ſtaatsrechtlichen Verhältniſſes Albaniens herangetreten
werden könnte. Die Albanier müſſen ſich mit dem Ge=
danken
vertraut machen, daß nicht alle ihre Wünſche An=
ſpruch
auf Erfüllung haben, und es muß ihnen klar ge=
macht
werden, daß ihnen die ſtaatliche Selbſtändigkeit
auch Pflichten gegen Europa auferlegt. In den Kabinet=
ten
der Großmächte finden jetzt Beratungen ſtatt, wie den
albaniſchen Unruheſtiftern zu begegnen und der Gefahr
neuer Verwickelungen, eines dritten Balkankrieges, vorzu=
beugen
ſei. Man verhehlt ſich nicht die Verantwortung,
die man mit der Begründung eines Staatsweſens über=
nimmt
, welches von vornherein ſo wenig Garantien für
den Frieden mit den Nachbarn bietet. Daß etwas ge=
ſchehen
muß, um die Albanier zur Ruhe zu bringen, dar=
über
herrſcht kein Zweifel, nur über das Wie iſt man ſich

noch nicht klar. Jedenfalls ſollten die neueſten Ereigniſſe
den Großmächten eine Mahnung ſein, die albaniſche Frage
ſchleunigſt der Löſung entgegenzuführen.

Der Schutz vor gemein=
gefährlichen
Geiſteskranken.

* In der Begründung des Urteils gegen den Kna=
benmörder
Ritter, der bekanntlich zu fünf Jahren
Gefängnis und zehn Jahren Ehrverluſt verurteilt wurde,
wird feſtgeſtellt:
Der Angeklagte iſt krank, aber nicht ſo krank, daß er
nicht verantwortlich wäre. Er iſt zwar ſchuldig, aber doch
nicht ſo ſchuldig, daß ihm nicht mildernde Momente zur
Seite ſtünden. Das wird manche nicht befriedigen, na=
mentlich
vom Geſichtspunkt des Schutzes der Allgemein=
heit
aus. Der Schutz der Allgemeinheit vor
Geiſteskranken iſt heute noch nicht genü=
gend
vorhanden, wie Geh. Medizinalrat Dr. Lepp=
mann
kürzlich erſt in einer Verſammlung von Berufs=
genoſſen
unter Aufſtellung von Reformvorſchlägen ausge=
führt
hat. Wenn es darin beſſer werden ſoll, ſo kann es
nicht durch die Juſtiz geſchehen, da dieſe nur zu urteilen
hat vom Standpunkt der ſubjektiven Schuld.
Hierzu bemerkt die Köln. Ztg.: Dieſe Sätze verdienen
unterſtrichen zu werden, denn ſie rühren an einen wunden
Punkt. Joſeph Ritter wird, wenn er ſeine fünf Jahre
Gefängnis verbüßt hat, wieder auf die Menſch=
heit
losgelaſſen werden. Es iſt feſtgeſtellt, daß er
zu den Menſchen mit geſteigerten Affekten gehört, bei de=
nen
, wenn ſie erregt ſind, die Hemmungen ſehlen, die den
Normalen von der Begehung von Schreckenstaten abhal=
ten
. Ritter bildet ſomit eine Gefahr für die
Menſchheit. Es fehlt aber in Deutſchland an der
Möglichkeit, die Geſellſchaft vor derartigen Leuten zu
ſchützen, wenn ſie ſo auf der Grenze ſtehen, daß ſie nicht
als gemeingefährliche Irre in eine Anſtalt verbracht wer=
den
können. Gerade die letzte Zeit hat in Deutſchland eine
bedenkliche Häufung von Schreckenstaten
aller Art ergeben. Um ſo nötiger iſt es, daß die Schutz=
maßregeln
verſtärkt werden. Es iſt ein unerträglicher
Zuſtand, daß ein Gericht in einer Urteilsbegründung ge=
wiſſermaßen
achſelzuckend zugeſtehen muß, daß der Schutz
der Allgemeinheit vor geiſtig nicht geſunden Menſchen
heute noch nicht genügend iſt. Hier kann es nur beſſer
werden wenn das Publikum ſolche Vorkommniſſe wie den
Fall Ritter zum Ausgangspunkt energiſcher Re=
formforderungen
nimmt.
Dem Berl. Lokalanzeiger wird von ſeinem juriſtiſchen
Mitarbeiter zu dem Urteil gegen Ritter folgendes ge=
ſchrieben
: Kein Luſtmord eines gemeingefährlich Gei=
ſteskranken
, wie man an der zerſtückelten Leiche des Kna=
ben
Klähn annahm, ſondern die Affekttat eines Men=
ſchen
kam im Falle Ritter zur Aburteilung, eines Men=
ſchen
, der er mag geiſteskrank ſein, wofür frühere Tob=
ſuchtsanfälle
bis zur Zwangsjackenanlegung und religiöſe
Wahnvorſtellungen ſamt der andauernden Epilepſie ſpre=
chen
, oder nur dicht an der Grenze ausgeſprochener Un=
zurechnungsfähigkeit
ſtehen
jedenfalls eine latente
Gefahr für jeden Dritten bedeutet, mit dem Ritter
künftig nach Verbüßung der ihm zuerkannten fünfjährigen
Gefängnisſtrafe aneinandergeraten wird. Der Spruch
der Geſchworenen und das Straferkenntnis des Schwur=
gerichtshofes
ſind nach dem geltenden Recht juriſtiſch
korrekt: Affekthandlung alſo nur Totſchlag nicht Mord;
ſtark geminderte Zurechnungsfähigkeit alſo mildernde
Umſtände. Hiernach konnte der Schwurgerichtshof. das
Juriſtenkollegium des Schwurgerichts, auf keine höhere
Strafe erkennen, als auf fünf Jahre Gefängnis (§ 213
RSt6B.) Aber das Rechtsempfinden des Bubli=
kums
bäumt ſich gegen ſolche Beurteilung
der Tat und des Täters. Jemand, der ſich bei der
Arbeit und nach außen hin als ordentlicher Menſch zeiat,
ſobald er aber in Affekt gerät, nicht davor zurückſchreckt,
einen anderen zu erwürgen . .., bildet eine dauernde
Gefahr für die Geſellſchaft, ſolange er in Frei=
heit
bleibt und ſobald er aus der Zwangsinternierung
wieder in Freiheit gerät. Auf dem dritten Deutſchen Rich=
tertage
, der vor noch nicht zwei Wochen in Berlin
abgehalten wurde, war die Frage der Rechtſprechung nach
freiem Recht, d. h nicht nach dem Buchſtaben des Ge=
ſetzes
, ſondern gemäß dem Geiſt des Rechtes, eifria dis=
lutiert
worden. Im Fall Ritter wäre ein Urteil,
das bei dem geiſtig Kranken Unzurechnungsfähigkeit an=
genommen
und demgemäß die Schuldfrage verneint hätte,
wohl allgemein als Ferecht empfunden worden Denn es
hätte die Wirkung gehabt, daß Ritter als gemeingefähr=
licher
Geiſteskranker dauernd unſchädlich gemacht
worden wäre. Vor einer engliſchen Jury hätte der
Common sense der Engländer dafür geſorgt, daß eine
ſtändige Gefahrenquelle ſolcher Art beſeitigt worden wäre
ſo oder ſo. Für uns in Deutſchland aber zeiat der Fall
Ritter aufs neue wie berechtigt der Ruf nach Schutz=
maßregeln
iſt, die von der kriminal=ſoziologiſchen
Schule ſeit mehr als zwei Jahrzehnten gegen gemeinge=
fährliche
Verbrecher und auch gegen Gemeingefährliche
von geminderter Zurechnungsfähigkeit poſtuliert werden
und erſt kürzlich bei der Kopenhagener Tagung der Inter=
nationalen
Krimingliſtiſchen Vereinigung erneut gefordert
wurden. Allſeits wird anerkannt daß unſer vielfach ver=
altetes
Strafrecht auch in dieſer Richtung der Reform be=
darf
. Ein Entwurf eines neuen Strafgeſetzbuches iſt
von der Regierung vorgelegt worden. Ein Gegenentwurf
iſt von Gelehrten ausgearbeitet worden. Ein dritter Ent=
wurf
wird ietzt von einer Kommiſſion beraten. Wieviele

Entwürfe werden noch Entwürfe bleiben? Wieviele
Jahre werden noch verſtreichen, ehe die Reform zur Tat
wird? Und wieviele Menſchenleben werden vorher noch
von gemeingefährlichen Halb= und Dreiviertelsirren ge=
opfert
werden?
Die Poſt ſchreibt: Man mag ſelbſt zugeben, daß die
entſetzliche Blutat ſich als die Affetthandlung eines Men=
ſchen
von ſtark geminderter Zurechnungsfähigkeit darſtellt
und das Straferkenntnis ſomit dem geltenden Rechte ju=
riſtiſch
einwandfrei Genüge ſchafft. Das Bewußtſein, daß
die menſchliche Geſellſchaft kranken oder minder=
wertigen
Individuen vom Schlage Ritters, deren zwei=
felloſe
Gemeingefährlichkeit für ſie eine
dauernde Gefahr bildet, heute ſo gut wie ſchutzlos
gegenüberſteht, daß kein Recht und kein Geſetz es hindert,
daß ein Menſch, der im Afſeit vor keiner noch ſo furcht=
baren
Tat zurückſchreckt, nach kurzer fünfjähriger Gefangen=
ſchaft
ſich neue und vielleicht noch unſchuldigere Opfer
ſuchen kann, hat in der Tat etwas Niederſchmetterndes.
Wäre Ritter für geiſtig unzurechnungsfähig im Sinne des
§ 51 St6B. befunden worden, man hätte wenigſtens die
Beruhigung gehabt, daß er als gemeingefährlicher Geiſtes=
kranker
dauernd unſchädlich gemacht worden wäre. Ge=
minderter
Geiſteszurechnungsfähigkeit gegenüber iſt aber
der menſchlichen Geſellſchaft der Schutz bislang noch immer
verſagt. Um ſo lauter und eindringlicher wird gerade jetzt
nach dem Falle Ritter hoffentlich der Ruf nach einer
durchgreifenden Reſorm unſeres veralte=
ten
Strafrechts erſchallen. Die Allgemeinheit hat=
ein
Recht auf hinlängliche Schutzmaßregeln, die es ver=
hindern
, daß gemeingefährliche Halbirre eine ſtändige Ge=
fahrenquelle
für ſie bilden.
Die Berl. N. Nachrichten ſchreiben: Es iſt eine durch=
aus
humane Forderung, wenn Pſychovathen der
Aufſicht unterſtellt werden ſollen. Sie ſollen nicht
beſtraft, ſondern rechtzeitig unſchädlich gemacht wer=
den
zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutze ihrer
Umgebung. Wie wir uns heute daran gewöhnt haben,
jeden Fall einer anſteckenden Erkrankung, wie Pocken,
Diphtherie Scharlach, zur Anzeige zu bringen, um deren
Weiterverbreitung zu verhüten, wie in nicht allzu ſerner
Zeit auch eine Anzeigepflicht für Tuberkuloſe und gefähr=
liche
Geſchlechtskrankheiten zum Geſetz werden wird, ſo
ſollte man auch darauf beſtehen, daß all die Perſonen, bei
denen eine geiſtige Erkrankung von gemein=
gefährlichem
Charakter feſtgeſtellt iſt, zwecks
dauernder Kontrolle oder Ueberwachung von ſeiten der
Angehörigen oder der behandelnden Aerzte gemeldet wer=
den
müſſen. Nur auf dieſem Wege kann es gelingen, die
Schreckenstaten geiſteskranker Verbrecher in vielen Fällen
zu verhüten.

Deutſches Reich.

Deutſchlands Zweimilliarden= Ver=
kehr
. Während der deutſche Außenhandel bisher nur im
Verkehr mit Rußland den Betrag von 2 Milliarden Mark
überſchritten hatte, ſind im Jahre 1912 noch zwei Länder
hinzugetreten, mit denen unſer Warenaustauſch (Einfuhr
und Ausſuhr zuſammengenommen) die Summe von zwei
Milliarden erreichte, nämlich die Vereinigten Staaten von
Amerika mit 2,283 Milliarden (1586 Millionen Einfuhr
und 697 Millionen Ausfuhr), ſowie Großbritannien (ohne
Kolonien) mit 2,003 Milliarden Mark (842 Millionen Ein=
fuhr
und 1161 Millionen Ausfuhr). Der Zweimilliarden=
grenze
iſt Oeſterreich=Ungarn ebenfalls ſehr nahe gerückt,
mit welchem ſich unſer Handel auf insgeſamt 1865 Mil=
lionen
Mark (830 Millionen Einfuhr und 1035 Millionen
Ausfuhr) belief und welches in dieſem Jahre die Zwei=
milliardengrenze
ſicher auch überſchreiten wird.
Die letzte Sitzung der Strafrechtskom=
miſſion
vor ihrer Auflöſung dürfte am Samstag dieſer
Woche ſtattfinden. Gegenwärtig arbeitet die Kommiſſion,
die bisher nur an den erſten drei Tagen jeder Woche zu=
ſammentrat
, bis weit in den Nachmittag hinein, um das
Penſum bis zum Schluß der Woche zu erledigen, das die
Redaktion des letzten Teils, ſpeziell die Uebertretungen
und Vergehen, betrifft. Nach Auflöſung der Strafrechts=
kommiſſion
wird nicht, wie in der Preſſe kürzlich behauptet
wurde, eine neue Kommiſſion für das Einführungsgeſetz
zum Strafrecht zuſammentreten, ſondern die Bundes=
regierungen
werden zunächſt Stellung zu dem Vorentwurf
zu nehmen haben, was aller Vorausſicht nach längere Zeit
in Anſpruch nehmen und auch vorausſichtlich wohl Ab=
änderungen
des Vorentwurfs zur Folge haben dürfte. Die
Aufſtellung des Einführungsgeſetzes zum neuen Strafrecht
kann endgültig erſt erfolgen, wenn der eigentliche Straf=
geſetzbuchentwurf
in ſeinen Grundzügen feſtſteht. Die
Kommiſſion, die dann zuſammentreten wird, dürfte ſich
aus Vertretern der beteiligten Reſſorts und Miniſterien
zuſammenſetzen. Die Arbeiten, die das Einführungsgeſetz
erfordert, werden an ſich wiederum eine ſehr umfangreiche
Arbeitsleiſtung darſtellen, da die Reichsgeſetzgebung, ſoweit
ſie von dem neuen Strafrecht berührt wird, mit den dies=
bezüglichen
Beſtimmungen in Einklang zu bringen iſt.
U. a. gehören auch die Beſtimmungen über das Inkraft=
treten
des neuen Strafrechts, ſowie ſolche bezüglich der
Aburteilung vorher begangener Delikte in das Einfüh=

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Seite. 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226.

rungsgeſetz. Schließlich müſſen auch Motive zum neuen
Strafgeſetzbuch ausgearbeitet werden, deren Aufſtellung
noch zur Vorausſetzung hat, daß die Grundzüge der Be=
ſtimmungen
des Strafrechts fertiggeſtellt ſind.
Die landwirtſchaftliche Bodenbe=
nutzung
im Reich. Augenblicklich finden in allen
Bundesſtaaten Erhebungen über die landwirtſchaftliche
Bodenbenutzung ſtatt, für die der Bundesrat die Einzel=
heiten
feſtgeſetzt hat. Im Juni ſind Erhebungen über die
Hauptnutzung des Ackerlandes voraufgegangen; die gegen=
wärtigen
erſtrecken ſich auf die Nebennutzung. Die beſon=
dere
Bedeutung der diesjährigen Ermittelungen beſteht
darin, daß einmal im Hinblick auf die wachſende Bedeu=
tung
des feldmäßigen Gemüſebaues eine eingehendere
Erfaſſung der deutſchen Gemüſeerzeugung erreicht werden
ſoll, und daß fernerhin die Zählung der Obſtbäume er=
weitert
wird, indem ſie auf die Aprikoſen=, Pfirſich= und
Walnußbäume ausgedehnt wird. Auch das Spalier= und
Zwergobſt wird bei der Zählung berückſichtigt. Im Zu=
ſammenhang
mit der Ermittelung des Areals der Forſten
werden auch Erhebungen über den Beſitzſtand, den Ertras,
die Beſtands= und Betriebsarten der Forſten vorgenom=
men
. Nach einem Bundesratsbeſchluß vom Jahre 1892
ſollten derartige Ermittelungen zum erſtenmal im Jahre
1893 und dann weiterhin von zehn zu zehn Jahren ſtatt=
finden
. Die zweite Ermittelung der Bodenbenutzung, die
1903 hätte ſtattfinden müſſen, wurde mit Rückſicht auf die
Vorbereitungen zu den Handelsverträgen im Jahre 1900
veranſtaltet. Es hat mithin ſeit dreizehn Jahren keine der=
artige
Ermittelung mehr ſtattgefunden.
-
Die Vereinigung der Deutſchen Ar=
beitgeberverbände
hielt ihre diesjährige Geſchäfts=
führerkonferenz
unter der Leitung des Syndikus Dr. Tänz=
ler
in Jena ab. Es wurde u. a. zur Frage des Boykotts
Stellung genommen und Maßnahmen zur Abwehr dieſes
gewerkſchaftlichen Kampfmittels, das namentlich die auf
den Maſſenkonſum angewieſenen Induſtrien ſchädigt, er=
wogen
. Weiter wurde die Bedeutung der Lohnſtatiſtik für
die Arbeitgeber und Arbeitgeberverbände eingehend dar=
gelegt
.

Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.

Der Dreibund. Der Peſter Lloyd ſchreibt: Die
internationalen Ereigniſſe der letzten Zeit haben allent=
halben
Nervoſität in der öffentlichen Meinung hervorge=
rufen
, weil überall die Großmächte mit den geänderten Be=
dingungen
ihrer politiſchen und wirtſchaftlichen Beteili=
gung
am Balkan rechnen müſſen. Für die Erörterung
dieſes Themas bietet ſich daher der Publiziſtik ein unbe=
grenzter
Raum; die maßgebliche und verantwortliche
öffentliche Meinung der Monarchie und Deutſchlands wer=
den
nur im Bewußtſein ihrer Pflicht beſtärkt, durch Aus=
einanderſetzungen
und Meinungsaustauſche die Homogeni=
tät
ihrer politiſchen ſowie ihrer wirtſchaftlichen Intereſſen
herzuſtellen. Es gereicht den Staaten des Dreibundes ge=
radezu
zum Verdienſt, daß ihre Intereſſen von berufenen
Anwälten ſo beharrlich vertreten wurden, ſo daß die Er=
zielung
eines Einklanges und die Sicherung des geſchloſſe=
nen
Vorgehens erſt nach mühevollen Arbeiten gelang.
Dieſe mühevollen Arbeiten und die Schwierigkeit in der
Herſtellung der Homogenität als Schwäche des Bundes
hinzuſtellen, beweiſt das Unverſtändnis für die Eigenart
des Dreibundes und iſt jenen überlaſſen, die die Lockerung
desſelben erwarten. Doch auch dieſe verſtummten mit dem
Trinkſpruch Kaiſer Wilhelms am 18. Auguſt auf unſeren
Monarchen und der Ankündigung eines bevorſtehenden

Konopiſchter Beſuches des Kaiſers, den vielſagendſten Be=
weiſen
herzlichſten Einvernehmens zwiſchen den Nachbar=
reichen
. Hoffentlich wird künftig kein Mißton die Har=
monie
ſtören, welche nach Ueberwindung der in der erſten
Zeit aufgetauchten Schwierigkeiten neu bekräftigt wurde.
Die Südbahn. Das Wiener Fremdenblatt mek=
det
: In einer im Eiſenbahnminiſterium abgehal=
tenen
mehrſtündigen Konferenz wurde über die meiſten
der zwiſchen der Regierung und der Verwaltung der Süd=
bahn
ſchwebenden Fragen eine prinzipielle Einigung er=
zielt
. Damit iſt die Baſis gegeben für die im Laufe der
nächſten Tage mit Vertretern der franzöſiſchen Obligatio=
näre
der Südbahn beginnenden Verhandlungen. Die
franzöſiſchen Vertreter der franzöſiſchen Obligationäre
ſind eingetroffen.

Frankreich.

Unterredung mit König Konſtantin.
Der Temps veröffentlicht eine Unterredung mit dem König
Konſtantin, welcher u. a. geſagt habe: Es iſt eine ſchwie=
rige
Aufgabe, die militäriſche und politiſche Selbſtändigkeit
einer Nation zu gründen, welche ſtärker und wohlhabender
geworden iſt. Ich bin überzeugt, daß wir dieſe Aufgabe
durch eine Diplomatie der Feſtigkeit, Geradheit und Un=
abhängigkeit
erfolgreich verwirklichen werden. Unſere
Freunde und wir zählen die Franzoſen zu den beſten
werden die erſten ſein, uns dies zu raten. Man wird
ſich deshalb ſehr täuſchen, wenn man uns Tendenzen zu=
ſchreibt
, die der Sorge um unſere Entwicklung fremd ſind
Griechenland muß Herr über ſeine Geſchicke ſein und ſeine
Rolle um ſeiner ſelbſt willen durchführen.

Niederlande.

Die Opiumkonvention. Der Miniſter des
Aeußern legte der Kammer ein Orangebuch vor, in wel=
chem
mitgeteilt wird, daß die Regierung bei den Staaten,
welche bisher die Opiumkonvention nicht unterzeichneten,
Schritte unternommen hat, um ſie dazu zu bewegen.

Spanien.

Der König und die franzöſiſch= ſpani=
ſche
Entente. Der König empfing im Schloſſe Mira=
mar
in San Sebaſtian einen Vertreter des Pariſer Neu=
York Herald und erklärte dieſem auf die Frage, wie er
über die gegenwärtige Bewegung zugunſten einer fran=
zöſiſch
=ſpaniſchen Entente denke, folgendes: Seit den elf
Jahren, die ich König bin, glaube ich gezeigt zu haben,
wohin meine Sympathien gerichtet ſind. Ich kann nicht
vergeſſen, daß mein Name Bourbon ein franzöſiſcher
Name iſt. In dem ſchwierigen Werk, welches beide Län=
der
in Marokko unternommen haben, iſt ein enges Zu=
ſammenwirken
notwendig. Frankreich und Spanien müſſen
deshalb Hand in Hand gehen.
Die Lage des Staatsſchatzes. Der Finanz=
miniſter
erklärte die Lage des Staatsſchatzes für befriedi=
gend
. Die Einnahmen ſeit dem 1. Januar betrugen 50
Millionen Peſetas mehr als in dem gleichen Zeitraum des
Jahres 1912. Nach den Berechnungen werden die Geſamt=
einnahmen
für 1913 1220 Millionen betragen, die ge=
nügen
, um alle Bedürfniſſe zu decken.

Portugal.

Die Agitation der Königsfreunde. Die
Daily Mail erfährt aus Liſſabon, daß die königsfreund=
lichen
Umtriebe nicht eingeſchlafen ſind. Man fürchtet am
5. Oktober, dem Jahrestage der Republik, eine neue Be=
wegung
der Monarchiſten. Die Regierung hat alle Maß=
nahmen
getroffen, um gegen etwaige Ueberraſchungen ge=
ſichert
zu ſein. Seit Tagen werden die Regimenter in

den Garniſonen zuſammengezogen. Die Mannſchaften
haben ſcharfe Patronen erhalten, um beim geringſten An=
zeichen
eines aufrühreriſchen Putſches mit aller Entſchie=
denheit
vorgehen zu können.

England.

Der Kampf um Homerule. Fünfhundert Ulſter=
delegierte
verſammelten ſich in der Ulſterhalle zu Belfaſt
in Gegenwart Sir Carſons, des Lords von Londonderry,
Abercrons, und vieler anderer Mitglieder des Ober= und
Unterhauſes. Der Lord von Londonderry eröffnete die
Verhandlungen, welche bei verſchloſſenen Türen geführt
wurden. Nachher wurde ein ausgegebenes Communiqué
mitgeteilt, daß die Verſammlung die Artikel der provi=
ſoriſchen
Regierung genehmigte, ſowie der Zeitpunkt, an
welchem ſie in Kraft treten ſollen, mit Anordnungen über
die Art, wie man gegen etwaige Beſchlüſſe des geplanten
Parlamentes in Dublin Widerſtand leiſten könnte. Ein=
zelheiten
ſollen veröffentlicht werden, wenn das Homerule
Geſetz wird. Zugeſtimmt wurde ferner der Stiftung einer
Garantieſumme von einer Million Pfund, wovon die Mit=
glieder
des Ulſter Freiwilligenkorps entſchädigt werden
ſollen für die perſönliche Unbill, die ihnen bei der Aus=
führung
irgendwelcher Anordnungen der proviſoriſchen
Regierung zugefügt werden. Im Falle ihres Todes ſollen
die Angehörigen eine Entſchädigungsſumme erhalten. Ver=
ſchiedene
Verwaltungskomitees, darunter ein Finanz=
komitee
, wurden eingeſetzt.
Arbeitgeberſchutzverband. Die Times
melden: Eine Vereinigung, genannt Arbeitgeberſchutzver=
band
für das vereinigte Königreich, iſt gegründet worden
zu dem Zweck, die Hilfsmittel der Arbeitgeber zuſammen=
zufaſſen
, um ihre Rechte und ihre Freiheit im Verkehr mit
den Arbeitern der Trade Unions aufrecht zu erhalten. Es
wird beabſichtigt, ein Verbandsvermögen von 50 Millionen
Pfund Sterling zu ſchaffen.

Norwegen.

Die Regelung der Spitzbergenffrage. Von
diplomatiſcher Seite ſchreibt man der Deutſchen Orient=
Korreſpondenz:
Während noch immer ſeit nunmehr vier Jahren die
Diplomaten der an der Spitzbergenfrage beteiligten Staa=
ten
nach einer Formel für ihre internationale Löſung
ſuchen, hat die wirtſchaftliche Ausbeutung der Inſelgruppe
neuerdings einen Umfang angenommen, der eine endliche
und endgültige Regelung der verſchiedenen Intereſſen
dringend erforderlich macht. Der Kohlenreichtum des Lan=
des
hat in den letzten Jahren Unternehmer aus den Ver=
einigten
Staaten, England, Norwegen, Schweden und
Rußland herangezogen, die ohne jeden Rechtstitel die
großen Bodenſchätze ausbeuten und auf dieſe Weiſe Ge=
wohnheitsrechte
ſchaffen, die eine internationale Ausein=
anderſetzung
von Jahr zu Jahr mehr erſchweren. Die
Anregung zu einer internationalen Vereinbarung iſt von
Norwegen ausgegangen; ſie ſtand im Zuſammenhang mit
der Löſung der ſchwediſch=norwegiſchen Union. Die Frage
der Staatsangehörigkeit der Inſelgruppe ſtand bei den
Beratungen nicht zur Erörterung, weil alle Staaten an
dem Grundſatz feſthalten, Spitzbergen als herrenloſes Land
zu behandeln. Der Vorentwurf zu einem internationalen
Vertrage iſt dann den übrigen Mächten vorgelegt wor=
den
; über ſeinen Inhalt wird vollkommenes Schweigen
bewahrt, ſo daß alle, beſonders von ruſſiſcher Seite laut
gewordenen Kritiken an dem Vorſchlage keine Bedeutung
haben. Inzwiſchen ſind faſt drei Jahre vergangen, ohne
daß auf Grund der von den Regierungen eingegangenen
Antworten die Einberufung der in Ausſicht genommenen
Konferenz zweckmäßig erſchien. Dieſe Tatſache läßt er=
kennen
welche Schwierigkeiten die Löſung der Angelegen=
heit
bietet. Inzwiſchen haben ſich wirtſchaftliche Unter=
nehmungen
aus verſchiedenen Lägdern auf eigene Fauſt
ihre Rechte geſichert. Allen voran die Amerikaner, die ſich
an der Adventbucht feſtgeſetzt haben und von dort aus die
wertvollen Kohlenſchätze der Inſel mit der ihnen eigenen

Das Völkerſchlachtdenkmal.

Auf der Höhe von Stötteritz und Probſtheida, dort
wo vor hundert Jahren Napoleon ſich als beſiegt erkannte
und den Rückzug ſeiner Armeen anordnete, ſtrebt heute das
gewaltige Nationaldenkmal der Völkerſchlacht gen Him=
mel
. Der erſte, der die Idee ausſprach, auf den hiſtoriſchen
Gefilden Leipzigs zur Erinnerung an das gewaltige Rin=
gen
des deutſchen Volkes um ſeine Befreiung ein Natio=
naldenkmal
zu errichten, war Ernſt Moritz Arndt. Groß
und herrlich ſoll es ſein, ein Koloß, eine Pyramide, ein
Kölner Dom, und draußen ſoll es ſtehen, wo ſo viel Blut
gefloſſen iſt ſo ſchrieb der Dichter begeiſtert. Aber erſt
am 18. Oktober 1863, bei der fünfzigſten Feier der Sieges=
tage
von Leipzig, waren die von patriotiſchen Männern
eingeleiteten Vorarbeiten ſoweit gediehen, daß unter be=
geiſterter
Teilnahme von Hunderttauſenden vor Leipzigs
Toren der Grundſtein zu einem ſolchen Denkmal gelegt
werden konnte. Infolge der kriegeriſchen Ereigniſſe der
Jahre 1864, 1866 und 1870/71 wurde dieſer Grundſtein aber
bald vergeſſen, und heute kennt man ſeine Stätte nicht
mehr. Auch ein zweiter Verſuch, durch ein Denkmal das
Gedächtnis der Gefallenen der Völkerſchlacht zu ehren,
blieb erfolglos. Erſt im Jahre 1894, als der Leipziger
Architekt, Kammerrat Clemens Thieme, einen Aufruf er=
ließ
, gewann die Idee der Denkmalsgründung weiteren
Boden. Der Deutſche Patriotenbund zur Errichtung
eines Völkerſchlachtdenkmals bei Leipzig wurde gegrün=
det
, und ihm iſt es gelungen, unter zielbewußter Führung
den großen nationalen Gedanken zu verwirklichen. Am
13. Mai 1912 konnte der Schlußſtein in den Denkmalsbau
eingefügt werden.
Faſt 100 Meter hoch ragt der Koloſſalbau empor, deſſen
Maſſenwirkung noch gewaltiger wird durch die mächtigen
Erdaufſchüttungen an den Flanken und die breiten Ter=
raſſen
an der Fron An der Vorderſeite des Unterbaues
ſehen wir ein 60 Meter breites Rieſenrelief, in deſſen
Mitte die 12 Meter hohe Geſtalt des Erzengels Michael.
auf dem Kriegswagen einherfahrend, eingehauen iſt, zu
beiden Seiten begleitet von je zwei Furien, die mit ihren
Fackeln gleichſam das Schlachtfeld ableuchten. Rechts und
links von dieſen Furiengeſtalten breitet je ein Adler in
einer Breite von 10 Metern majeſtätiſch ſeine Flügel aus,
gewiſſermaßen zum Schutz und Schirm über dem deutſchen
Volke. Ueber dem Ganzen hebt ſich wirkungsvoll in 1,80
Meter hohen Lettern der altdeutſche Bittruf Gott mit
uns! ab. Das Relief verſinnbildlicht in ſeiner Geſamt=
heit
die ſiegreiche Erhebung des deutſchen Volkes. Der
Oberbau des Denkmals, zu dem breite Treppenanlagen

hinaufführen, beſteht in ſeinem Hauptteil aus einer 60
Meter hohen Kuppelhalle. Auf acht mächtige Pfeiler, in
die je eine fünf Meter hohe Maske, das Schickſal darſtel=
lend
, eingemeißelt iſt, ſtützt ſich innerhalb der Halle die
Krypta das Ehrenmal für die gefallenen Helden. Flan=
kiert
werden die Pfeiler zu beiden Seiten durch 16 ſinn=
bildlich
die Totenwacht haltende Krieger.
Die hohe Halle ſtimmt zur mächtig ergreifenden An=
dacht
. Mauern und Gewölbe, mit prächtigen Reliefbil=
dern
geſchmückt, zeugen von den Ruhmestaten unſerer
Ahnen; vier künſtleriſche, 9½ Meter hohe Koloſſalfiguren
verſinnbildlichen die edelſten Tugenden des deutſchen
Volkes: Tapferkeit, Begeiſterung, Opferfreudigkeit und
Glaubensſtärke. Der Denkmalsoberbau gründet ſich auf
vier gewaltigen Eckpfeilern, in denen Wendeltreppen und
ein elektriſcher Aufzug zu den Galerien emporführen.
Zwölf gewaltige Kriegergeſtalten, die Hüter der Freiheit
darſtellend, umſäumen den Oberbau des Denkmals. Jede
dieſer Geſtalten mißt von der Sohle bis zum Scheitel 12,6
Meter. Ein in 79 Meter Höhe liegender Umgang führt
um die mit 324 Reiterfiguren geſchmückte durchbrochene
Kuppel. An dem Umgang liegen zwölf größere Räume,
in denen ein Muſeum untergebracht iſt. Dieſes Muſeum
enthält die Modelle des Denkmals die Abſchriften der
Urkunden und ſonſtige Andenken an die Völkerſchlacht und
die Erbauung des Völkerſchlachtdenkmals. In dem höher
gelegenen Kuppelbau, zu dem von dem Muſeum aus eine
Steintreppe führt, ſind ebenfalls mehrere Zimmer vorhan=
den
. Sie ſollen zur Aufnahme von meteorologiſchen In=
ſtrumenten
und als Aufenthaltsraum für die Wetterbeob=
achtung
dienen. Auch die Plattform des Denkmals ent=
hält
noch einen großen Raum von 64 Quadratmetern
Flächeninhalt. Dieſer Raum iſt für den Aufenthalt der
Beſucher eingerichtet und gewährt einen herrlichen Aus=
blick
auf das ganze weite Gelände der Völkerſchlacht und
weit darüber hinaus. Ueber der Zinnenkrone ſchwebt ein
kuppelförmiger Helm, und den Schluß des Ganzen bildet
ein ſchwerer, viereckiger Granitblock.
Zur Ausführung des Denkmals ſind etwa 12000
Kubikmeter Granit erforderlich geweſen. Gegen 100000
Kubikmeter Stampfbeton wurden zum Bau der vier gro=
ßen
Eckpfeiler und zur Herſtellung der Fundamente ver=
wendet
. Die rieſenhaften Abmeſſungen des Denkmalbaues
werden am beſten an der Größe derseinzelnen Figuren
beleuchtet. So haben die geſpreizten Arme der Furien
am vorerwähnten Relief eine Länge von reichlich acht
Metern. Unter den verſchiedenen künſtleriſchen Figuren
im vorderen Denkmal befindet ſich auch ein Pferdekopf,
der von vorn bis hinten micht weniger als 2,80 Meter mißt.
Der Schild, auf den ſich der Erzengel Michael ſtützt, iſt

über 5 Meter hoch. Zu jedem der einzelnen Buchſtaben
der Inſchrift Gott mit uns! war ein Steinkoloß von rund
100 Zentnern erforderlich. Die Wächterfiguren, die hoch
oben am Zinnenkranz das Denkmal umſäumen, haben je
ein Gewicht von 4000 Zentnern. Nöch bedeutender ſind
die Maße der vier allegoriſchen Figuren in der Galerie
über der Krypta‟. Jede dieſer Figuren wiegt rund ge=
rechnet
5000 Zentner, ein Fuß einer ſolchen Figur wiegt
allein zirka 55 Zentner.
Die Koſten des gewaltigen Denkmalbaues belaufen ſich
auf rund 6 Millionen Mark. Dieſe Bauſumme muß aber
noch verhältnismäßig niedrig erſcheinen, wenn man bei=
ſpielsweiſe
die Koſten des Kyffhäuſerdenkmals dagegen
hält, das ſeiner Maſſe nach nur den 16. Teil des Völker=
ſchlachtdenkmals
darſtellt, aber doch eine Bauſumme von
2½ Millionen erfordert hat. Die Aufbringung der Bau=
koſten
war naturgemäß die größte Schwierigkeit, die ſich
dem Denkmalsbau entgegenſtellte. Das Verdienſt, dieſe
Schwierigkeit überwunden zu haben, gebührt allein dem
Deutſchen Patriotenbund insbeſondere ſeinem Vor=
ſitzenden
Kammerrat Clemens Thieme=Leipzig. Bei der
Gründung des Bundes war aus verſchiedenen Samm=
lungen
und Stiftungen für den Bau des Denkmals nur
ein Fonds von 23500 Mark vorhanden. Aber der Deutſche
Patriotenbund war unermüdlich im Erſinnen von Mit=
teln
und Wegen zur Förderung des Sammelwerkes und
hat in der Ausführung ſeiner Pläne Erſtaunliches geleiſtet.
Kaiſer Wilhelm ſtiftete dem Bunde einen Beitrag von
10000 Mark ihm folgten andere deutſche Fürſten mit be=
deutenden
Spenden. Deutſche Städte ſind in opferwilliger
Weiſe für das Denkmal eingetreten. So ſtiftete die Stadt
Leipzig den Denkmalsplatz mit anliegendem Gelände im
Werte von rund einer Million Mark und bewilligte außer=
dem
einen Jahresbeitrag von 10000 Mark zu den Bau=
koſten
. Rührend war der Sammeleifer der deutſchen Ju=
gend
, aus deren Sparpfennigen viele tauſende von Mark
zuſammengefloſſen ſind. Aus den Kreiſen der patriotiſch
geſinnten Bevölkerung im ganzen Reiche und im Aus=
lande
gingen erhebliche Beiträge ein. Bedeutende Sum=
men
wurden dem Bunde durch die Zulaſſung von Völ=
kerſchlachtdenkmal
=Lotterien in Sachſen geſichert
Heute reckt ſich das fertige Koloſſal=Denkmal in ur=
wüchſiger
Kraft markig und wuchtig empor, eine Irmen=
ſäule
des deutſchen Volkes, wie ſie Ernſt Moritz Arndt
vorgeſchwebt hat, ein Ehrenmal für die gefallenen Hel=
den
, ein Ruhmesmal des deutſchen Volkes und nicht zu=
letzt
ein Wahr= und Mahnzeichen für kommende Ge=
ſchlechter
.

[ ][  ][ ]

Nummer 226.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Seite 3.

Energie und Rückſichtsloſigkeit ausbeuten. Schweden, Nor=
weger
, Engländer und Ruſſen ſchloſſen ſich ihnen an, und
ein erſtaunlicher Wettbewerb hat begonnen, an dem
Deutſchland bisher nicht beteiligt iſt. Die Güte der Kohlen
ſoll hervorragend ſein und die der engliſchen Kohlen noch
übertreffen. Der Mangel an Arbeitern hat zu Arbeits=
öhnen
von außerordentlicher Höhe geführt, und trotzdem
ſcheint die Ausbeute ſehr lohnend zu ſein.

Vereinigte Staaten.

Das Konferenzkomitee für die Tarif=
bill
hat beſchloſſen, den beiden Häuſern des Kongreſſes
zu berichten, daß unmöglich eine Einigung über die vor=
geſchlagene
Steuer auf Baumwolle und Termingeſchäfte zu
erreichen ſei. Wegen der übrigen Tarifſätze ſoll Ueber=
einſtimmung
herrſchen.

* Die Erkrankung der Großherzogin
von Sachſen=Weimar. Seit etwa vier Wochen be=
findet
ſich die Großherzogin Feodora von Sachſen=Weimar
in einem Sanatorium in Konſtanz, wo ſie Heilung von
einem ſchweren Nervenleiden ſucht. Im Großherzogtum
iſt man mit Recht wegen des Verlaufes der Krankheit der
jungen, erſt 23jährigen Landesmutter beſorgt. Denn es
iſt in den letzten zwölf Jahren des Leides genug ge=
ſchehen
am Weimarer Hofe. Kerngeſund kam die junge
Meininger Prinzeſſin vor drei Jahren nach Weimar, und
raſch nacheinander ſchenkte ſie ihrem Gemahl zwei blühende
Kinder, deren jüngſtes der jetzt 14 Monate alte Erbgroß=
herzog
Wilhelm Ernſt iſt. Beide Kinder gedeihen präch=
ig
und ſind die Freude ihrer Eltern. Die Großherzogin
liebt Kinder außerordentlich, und alles, was mit der
Säuglingsfürſorge und der Kinderpflege zuſammenhängt,
erweckt ihr beſonderes Intereſſe. Unter ihrer Beihilfe
entſtand in Weimar das Feodoraheim, eine muſter=
gültig
eingerichtete Säuglingsfürſorgeſtelle und Kinder=
bewahranſtalt
. Keine Woche verging, ohne daß ſie das
Feodoraheim beſuchte und ſich dort mit den kleinen Zög=
lingen
beſchäftigte. Es ſcheint nun, daß der Grund zur
Erkrankung der Großherzogin gerade im Feodoraheim zu
ſuchen iſt. Einige Fälle von Scharlach lagen vor, und man
hatte es ſo wird erzählt unterlaſſen, die Großherzo=
gin
von den Krankenſtuben fernzuhalten. Im Juli reiſten
Großherzog und Großherzogin zu längerem Aufenthalt
nach Pontreſina, wo der Großherzog, der ein unerſchrockener
Bergſteiger iſt, einige Hochtouren unternehmen wollte.
Infolge der ungünſtigen Witterung erkrankte die Groß=
herzogin
an einer Angina. Kaum geneſen, legte ſie ſich
am Scharlach nieder, und dem Scharlach folgten die Ma=
ſern
. Die bösartige Form der Erkrankung gebot die Aus=
quartierung
aus dem Hotel in ein geräumiges Neben=
haus
. Die Krankheiten heilten, aber es blieb eine ſchwere
nervöſe Störung zurück, eine Art Pſychoſe, die vom Hof=
marſchallamt
in Weimar als nervöſe Erſchöpfung be=
zeichnet
wird. Die letzten Nachrichten vom Krankheitslager
lauten beſorgniserregend. Auf den Rat des Jenaer Pſy=
chiaters
Profeſſors Dr. Binswanger wurde das Kon=
ſtanzer
Sanatorium zum Aufenthalt gewählt. Dort wird
der Großherzog demnächſt ſeine Gemahlin beſuchen.
* Bern, 24. Sept. In einer mehrſtündigen Plenar=
ſitzung
der Internationalen Arbeiterſchutz=
konferenz
wurden die Beſchlüſſe der beiden Kommiſ=
ſionen
nochmals artikelweiſe durchberaten. Alle Abän=
derungsanträge
, ſoweit ſie materieller Natur ſind, wurden
abgelehnt und die Kommiſſionsbeſchlüſſe mit einigen
redaktionellen Aenderungen genehmigt.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 26. September.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den außeretats=
mäßigen
außerordentlichen Profeſſor an der Techniſchen
Hochſchule Dr. Adalbert Kolb zu Darmſtadt auf ſein
Nachſuchen mit Wirkung vom 16. September 1913 aus
dem Staatsdienſte entlaſſen.
* Erledigt iſt eine mit einem evangeliſchen Lehrer
zu beſetzende Schulſtelle zu Heldenbergen, Kreis
Friedberg. Mit der Stelle iſt Organiſten= und Lektoren=
dienſt
verbunden.
* Militärdienſtnachrichten. Behrend, Zahlmſtr.
vom Großh. Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feld=Art.=Regt.
Nr. 25, der Titel Oberzahlmeiſter verliehen. Traetow,
Unt.=Zahlmſtr. beim III. Bat. Inf.=Leib=Regt. Groß=
herzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, zum Zahlmeiſter er=
nannt
.
* Ordensverleihung. Se. Maj. der König von
Preußen haben dem Generaladjutanten, General der
Infanterie v. Schenck, kommand. General des XVIII.
Armeekorps, die Erlaubnis zur Anlegung des Großkreuzes

des Königlich Niederländiſchen Ordens von Oranien=Naſſau
erteilt.
g. Strafkammer I. Der 21jährige Schloſſer Heinrich
Zöller II. von Griesheim, hat am 1. Juni einen Kran=
kenſchein
fälſchlich angefertigt; wie er angibt, hatte er das
nur getan, um ſeinem Vater verheimlichen zu können,
daß er arbeitslos ſei. Die Mutter ſah den Schein iretüm=
lich
als echt an und erhob das Krankengeld von 7,50 Mark,
wogegen der Angeklagte keinen Widerſpruch erhob. Die
Strafkammer verurteilte den Angeklagten wegen Urkun=
denfälſchung
und Betrugs zu 1 Monat Gefängnis.
Der Reiſende Wilhelm Heſel von hier hatte für eine
Herforder Wäſchefirma eine Stellung als Reiſender an=
genommen
und hier ein Zimmer gemietet. Von den
Logiswirten ließ er ſich ab und zu Darlehen geben, indem
er angab, die Muſter im Werte von 50 Mark ſeien ſein
Eigentum. Von ſeiner Firma erhielt er kein Geld, da er
keine Aufträge einſandte. Heſel verließ ſchließlich unter
Hinterlaſſung ſeiner Schulden von 22 Mark und des
Muſterkoffers Darmſtadt. Wie ſich herausſtellte hatte er
ſich auch nicht polizeilich angemeldet. Das Schöffengericht
hatte ihn wegen Betrugs zu 30 Mark Geldſtrafe verurteilt.
Heſel verfolgte Berufung, von der Verhandlung war er
wegen weiter Entfernung entbunden. Der Staatsanwalt
beantragte Freiſprechung, da nicht nachgewieſen ſei, ob
Heſel von Anfang an die Abſicht hatte, das Geld nicht zu
bezahlen. Die Sache wird ausgeſetzt und die Staats=
anwaltſchaft
erſucht, nähere Ermittelungen anzuſtellen
über die Verhältniſſe, in denen ſich der Angeklagte zu jener
Zeit befand. Wegen Verbrechens nach § 176,3 des
Strafgeſetzbuches wurde der 16jährige Handelslehrling
Fr. L. von hier zu 2 Monaten Gefängnis ver=
trteilt
. Der 17jährige Kaufmannslehrling Heinrich M.
in Jugenheim hat am Faſtnachtsmontag ein Pult ſeines
Arbeitgebers mit einem falſchen Schlüſſel geöffnet und 25
Mark entwendet. Das Geld verbrauchte er zur gründ=
lichen
Teilnahme an einer Faſtnachtsfeſtlichkeit in Darmſtadt.
Der Angeklagte gibt zu, daß er ſich von einem Schloſſer
drei Schlüſſel geholt habe. Einer davon habe zu dem
Pult gepaßt. Der Schaden wurde erſetzt. Der Beſtohlene
erklärte, daß er kein Intereſſe an der Beſtrafung des
jungenMannes habe. Dieſer ſei ſtets fleißig geweſen und
er ſei mit ſeinen Leiſtungen ſehr zufrieden. Das Gericht
verurteilte den Angeklagten wegen ſchweren Dieb=
ſtahls
zu 1 Monat Gefängnis.
Wegen Diebſtahls, den er an ſeinem Landsmann ver=
übte
, hatte ſich geſtern der 24jährige Erdarbeiter Ugo de
Nicola aus Prata (Italien), vor der Strafkammer zu
verantworten. Der in Sonderbach als Steinhauer be=
ſchäftigte
Italiener Ortolani hatte ſeinen Landsmann in
Mannheim getroffen und ihm angeboten, mit nach Son=
derbach
zu kommen, wo er Arbeit bekommen könnte. Der
Angeklagte ging auch mit nach Sonderbach, übernachtete
bei ſeinen Landsleuten, ließ ſich bewirten, trat aber die
Arbeit nicht an, ſondern verſchwand am 11. Juni 1912
von Sonderbach unter Mitnahme einer goldenen Vorſteck=
nadel
, zweier Uhren und einer Meerſchaumpfeife. Er
wurde ſpäter ergriffen, leugnet aber entſchieden, jemals
den Ortolani oder die anderen Zeugen geſehen zu haben,
will auch nicht in Sonderbach geweſen ſein. Als Dol=
metſcher
fungierte, da die Zeugen nicht der deutſchen
Sprache mächtig waren, Profeſſor Leitolf. Das Ge=
richt
verurteilte den Angeklagten wegen Diebſtahls im
Rückfall zu 8 Monaten Gefängnis.
Der engliſche Weihnachtsbrauch, die Ausſchmückung der
Wohnung mit der Miſtel und die mit dieſem Brauch ver=
bundene
bedingungsweiſe Kußfreiheit bürgert ſich auch bei
uns ein, letzteres aber wohl weniger wie das erſtere. Der
Verbrauch der als Schmarotzer auf Waldbäumen wachſen=
den
Miſtel iſt infolgedeſſen im Wachſen begriffen, und es
hat ſich auch eine Ausfuhr nach England ergeben, wodurch
anſehnliche Preiſe für dieſe Schmarotzer erlangt werden.
Nach dem Forſtſtrafgeſetz iſt das Wegnehmen derjenigen
Waldgewächſe mit Strafe belegt, von denen der Wald=
eigentümer
Gewinnerträge erwartet. Der Maurer Jakob
Simon von Eberſtadt hat am 20. Dezember, unter Be=
nutzung
von Steigeiſen, Miſteln von den Bäumen ge=
holt
, weshalb er vom Schöffengericht wegen Sachbeſchä=
digung
zu 4 Mark und 1 Mark Schadenerſatz verurteilt=
wurde
. Die Amtsanwaltſchaft legte zur Erzielung eines
prinzipiellen Entſcheides Berufung gegen das Urteil ein,
da die Miſtel eine Forſtnutzung ſei, auf deren Erträgnis
der Waldeigentümer rechne. Der Angeklagte gibt an, daß
er die Miſtel nur als eine den Bäumen ſchädliche Pflanze
kenne. Er wiſſe nicht, daß die Forſtverwaltung die Miſtel
ſelbſt verwenden ſolle. Das Gericht ſetzte einen neuen
Termin an, um einen Vertreter der Forſtbehörde über
Weſen und Verwendung der Miſtel zu hören.
g. Kriegsgericht. Der Schmied Johannes Ocker
aus Albig (Kreis Alzey), der beim Artillerie=Regiment

Nr. 84 (Straßburg) diente, hatte einen Kurſus für Huf=
beſchlag
mitgemacht, nach deſſen Beendigung er ſeine
Meiſterprüfung ablegen wollte. Bei der Anfertigung ſeines
Meiſterſtückes, eines Hufeiſens, hatte er Malheur indem
ihm das Eiſen zerſprang. Da er keine Gelegenheit mehr
hatte, ein neues zu fertigen, nahm er ein an der Wand der
Schmiede hängendes Hufeiſen und legte es der Meiſter=
prüfungskommiſſion
vor. Das Kriegsgericht verurteilte
ihn zu 3 Tagen Mittelarreſt wegen Erſtattung
einer vorſätzlichen unrichtigen dienſtlichen Meldung. Es
wurden ihm mildernde Umſtände zugebilligt, da ihm noch
nicht der Meiſtertitel zuerkannt war, ſonſt hätte die Min=
deſtſtrafe
6 Monate Gefängnis betragen. Der Muske=
tier
Georg Adam Creter aus Babſtadt, der zum In=
fanterie
=Regiment Nr. 118 ausgehoben wurde, war im
Frühjahr mit einem Hohlſchleifer auf Wanderſchaft ge=
gangen
. Dieſer hatte zwei Raſiermeſſer mitgenommen,
um ſie auf der Wanderſchaft zu veräußern. Creter wußte
davon. Der Wandergenoſſe hatte wegen Unterſchlagung
eine geringe Geldſtrafe erhalten, während das Kriegs=
gericht
den Angeklagten wegen Hehlerei zu 1 Tag
Gefängnis verurteilte.
Vom Großh. Hoftheater. Man ſchreibt uns
Das Gaſtſpiel Leo Slezaks bringt am erſten
Abend die Alda
Mit dem Rhadames hat Slezak
ſeiner Zeit die Partie gefunden, die ſeinen Weltruf be=
gründete
. Die maßgebenden Kreiſe ſtehen nicht an zu
behaupten, daß Slezak in dieſer Partie den Vergleich
mit Caruſo nicht nur nicht zu ſcheuen hat, ſondern ihn
entſchieden übertrifft. Das Intereſſe für Slezaks gaſt=
weiſes
Auſtreten, wendet ſich denn auch bei uns vorzüg=
lich
der Verdi=Oper zu. Der Billettverkauf für das Gaſt=
viel
findet nunmehr bis auf weiteres täglich im Ver=
kehrsbureau
und an der Hoftheatertageskaſſe ſtatt.
* Marie Scherbarth 7. Am Mittwoch verſchied
hier Frau Scherbarth, die unſerer Hofbühne eine Reihe
von Jahren als geſchätztes Mitglied angehörte. Vom
Stadttheater in Düſſeldorf kommend, gaſtierte Frau
Scherbarth in der Spielzeit 1902/1903 als Jſabella
(Braut von Meſſina) und Mathilde (Goldfiſche‟) am
Großh. Hoftheater auf Anſtellung. Sie trat mit Beginn
der folgenden Spielperiode in den Verband des Kunſt=
inſtituts
und bewährte ſich für die Folge im Fach der
Mütter als eine zuverläſſige Stütze des Schauſpiel=
Enſembles. Namentlich in den Ibſenſchen Dramen
wird man ſich ihrer Leiſtungen gern erinnern (Helene
Alving in den Geſpenſtern, Juliane in Hedda Gabler‟
Madame Helſeth in Rosmersholm). Von einem
Schlaganfall, der die Heimgegangene vor etwa zwei
Jahren betroffen hatte, vermochte ſie ſich nicht mehr
zu erholen. Frau Scherbarth nahm zwar ihre künſt=
leriſche
Tätigkeit noch einmal auf, mußte ſich aber ſchon
nach kurzer Zeit dauernd von der Bühne zurückziehen.
Von der Künſtlerkolonie. Herr Architekt Em. Joſ.
Margold iſt vom Direktorium der Internationalen
Baufachausſtellung als Preisrichter in das Preisgericht
für Gruppe 1, Städtebau und Siedelungsweſen, berufen
worden.
Anbringung von Entſchädigungsanſprüchen aus
dem Frachtvertrag bei der Eiſenbahn. Wir machen unſere
Leſer auf die im Anzeigenteil der heutigen Nummer unſe=
res
Blattes veröffentlichte Bekanntmachung der Königl.
Preußiſchen und Großh. Heſſiſchen Eiſenbahndirektion in
Mainz aufmerkſam, nach der die Güterabfertigung Darm=
ſtadt
=Hauptbahnof vom 1. Oktober dieſes Jahres ab ver=
ſuchsweiſe
ermächtigt wird, Anſprüche aus dem Fracht=
vertrage
wegen Verluſtes, Minderung und Beſchädigung
oder wegen Verzögerung der Beförderung in dem näher
bezeichneten Umfange ſelbſtändig zu erledigen. Mit dieſer
Neueinrichtung iſt bezweckt eine Vereinfachung und Be=
ſchleunigung
des Verfahrens bei der Erledigung von Ent=
ſchädigungsanſprüchen
in den Fällen, in denen es ſich nur um
geringere Beträge handelt, alſo eine Verkehrserleichterung,
die in erſter Linie den kleineren Gewerbetreibenden, ins=
beſondere
den am Marktverkehr Beteiligten, zugute kom=
men
wird. An die Stelle des jetzt erforderlichen Schrift=
wechſels
mit dem Verkehrsamt tritt in den meiſten Fällen
aller Anſprüche der genannten Art mündliche Verhand=
lung
mit der Güterabfertigung, wodurch ſicher vielfach
eine raſchere Einigung zwiſchen dem Antragſteller und der
Eiſenbahn zuſtande kommen wird. Oft wird es der Ab=
fertigung
auch möglich ſein, dem Antragſteller die verein=
barte
Entſchädigung ſofort auszuzahlen. Lediglich die An=
bringung
der Anſprüche durch die Verkehrstreibenden muß
mit Rückſicht auf die Beſtimmungen der Eiſenbahnver=
kehrsordnung
nach wie vor ſchriftlich erfolgen. In anbe=
tracht
der mit der Neueinrichtung für das Publikum offen=
ſichtlich
verbundenen Vorteile kann man nur wünſchen,
daß die Maßnahme der Eiſenbahnverwaltung ſich während
der Verſuchszeit ſo bewährt, daß ihre dauernde Beibehal=
tung
möglich iſt.

Feuilleton.

* Fund eines Triſtanbruchſtückes in Stuttgart. Die
Unterſuchung alter Bucheinbände, in die ja oft die inter=
eſſanteſten
mittelalterlichen Handſchriftenreſte als Maku=
latur
eingebunden ſind, hat im Stuttgarter Staatsarchiv
unerwartet zur Entdeckung eines Triſtanbruchſtückes ge=
führt
. In einem Umſchlag für ein Gültverzeichnis einer
württembergiſchen Kaplaneipfründe von 1468 fand ſich das
Pergament=Doppelblatt. Es enthält einen Triſtantert, der
mit keiner der bekannten Handſchriften übereinſtimmt.
Gebhardt Mehring erklärt es in der Zeitſchrift für deut=
ſches
Altertum für ſehr wahrſcheinlich, daß die Triſtan=
handſchrift
ehemals Eigentum des Kloſters Kirchberg war,
das von Renfrizhauſen nur etwa eine Stunde Wegs ent=
fernt
liegt. Die dortigen Dominikanernonnen erhielten
in der Zimmeriſchen Chronik ein Leumundszeugnis, wo=
nach
ſie wohl für dieſes Epos der Liebe beſonderes Ver=
ſtändnis
gehabt haben können. Das Pergamentblatt ent=
hält
die Schilderung von Iſoldens Brautnacht.
* Eine Rekordfahrt eines blinden Paſſagiers. In dem
Augenblick, wo am Sonntag der Orient=Expreß in den
Pariſer Oſtbahnhof einlief, bemerkte ein Angeſtellter, der
die Schienen kontrollierte, wie ſich unter einem Wagen
eine kleine, ſchwarze, unheimliche Geſtalt loslöſte, von der
man hätte glauben mögen, ſie komme direkt aus dem In=
nern
der Erde. Neugierig, dieſen ſeltſamen dunklen
Zwerg etwas näher zu betrachten, machte ſich der Beamte
an die Verfolgung des mit erſtaunlicher Schnelligkeit da=
hineilenden
Weſens, und mit einiger Mühe glückte es ihm
auch, den Erdgeiſt zu erreichen. Als er ihn endlich zu
packen bekam, konſtatierte er, daß ſein Gefangener ins
Menſchenreich gehörte, und daß nur eine dichte Kruſte von
Kohlenſtaub und Schmutz ſein Geſicht und ſeine Kleidung
bedeckten und ihm das phantaſtiſche Ausſehen verliehen
hatten. Der auf ſo eigentümliche Art Mitreiſende des
Orient=Expreß erwies ſich als ein junger 15jähriger Ru=
mäne
, namens Jonel Standu, der ohne einen Pfennig
in der Taſche als blinder Paſſagier die Reiſe

von Bukareſt nach Paris unternommen hatte. Nach=
dem
man ihm durch gehörige Waſchungen wieder ein
menſchliches Ausſehen verliehen hatte, wurde er von dem
Polizeikommiſſar verhört und erzählte eine traurige Ge=
ſchichte
. Seit langem Waiſe, hatte er nur noch zwei Ver=
wandte
auf der Welt, einen Bruder, der als Seemann
auf der Fahrt iſt, und einen Onkel, der ſich gar nicht um
ihn kümmerte und ihn die bitterſte Not leiden ließ. Um
aus dieſem Elend herauszukommen, hatte es ſich der arme
Kerl in den Kopf geſetzt, nach Paris zu gehen, und da
er von Landsleuten gehört hatte, daß ſie ſchon kleine
Strecken zwiſchen den Achſen gratis gefahren waren, hing
er ſich an einen Kohlenwagen des Orient=Expreß und
kletterte dann hinein, wo er ſich in einer Ecke unter den
Kohlen verkroch. Halb tot vor Hunger und Müdigkeit,
faſt erſtarrt durch die Kälte, blieb er 37 Stunden in dieſer
gefährlichen und unbequemen Stellung. Selbſt der Poli=
zeikommiſſar
fühlte bei der Geſchichte ein menſchliches
Rühren; er ließ dem Jungen eine kräftige Mahlzeit brin=
gen
und empfahl ihn dann einem gemeinnützigen Unter=
nehmen
, durch das er nun die ſehnlichſt erwünſchte Arbeit
in der Sonnenſtadt erhalten wird.
ml. Verdi und die Leierkaſtenepidemie. Die Sangbar=
keit
und leichte Eingängigkeit der Verdiſchen Melodien
hat es mit ſich gebracht, daß Meiſter Verdi unter ſeiner
Popularität arg zu leiden hatte. Ein beſonderer Greuel
waren ihm die Leierkaſtenmänner, die nicht müde wurden,
ihm die Weiſen ſeiner Opern vorzududeln. Darunter litt
er insbeſondere, als er leidend im Sommer des Jahres
1885 im Bade Moncalieri zur Kur weilte. Aber er wußte
ſich zu helfen. Als er eines Tages den Beſuch eines ſeiner
Freunde erhielt, und dieſer den Wunſch äußerte, ihm die
Wohnung zu zeigen, verwies Verdi ſeinen Beſucher auf
das Zimmer, in dem ſie ſich befanden und das dem Meiſter
als Salon=, Schlaf= und Speiſezimmer diente. Ich habe
allerdings noch zwei große Räume zur Verfügung,
ſagte Verdi, aber ſie ſind zurzeit mit allerlei Gegen=
ſtänden
vollgeſtopft, die ich für die Zeit der Badeſaiſon ge=
mietet
habe. Er öffnete dabei zwei Türen und ließ die
ſtaunenden Augen ſeines Beſuchers 95 Drehorgeln be=

wundern. Bei meiner Ankunft fügte der Komponiſt
erläuternd hinzu, ſpielten alle dieſe Leierkaſten vom
frühen Morgen bis zum ſpäten Abend Stücke aus Rigo=
letto
Arda und dem Troubadour‟ Das war ſo un=
erträglich
, daß mir nichts weiter übrig blieb, als alle dieſe
Wimmerhölzer für die Saiſon zu mieten und dadurch
außer Betrieb zu ſetzen. Die Sache hat mich zwar 1800
Lire gekoſtet, aber ich habe mir um dieſen Preis wenigſtens
die Ruhe erkauft.
C. K. Die Lebensrente einer toten Katze. Dem heiligen
Bureaukratius wird von böſen Zungen nachgeſagt, daß
er auf ſeinen Gaſtſpielfahrten durch alle Kulturländer ein
Muſter an weiſer Bedächtigkeit ſei und ein unerſchütter=
licher
Anhänger der bekannten Lebensregel, die da heißt:
Eile mit Weile. Aber in keinem Lande, ſo behauptet zu=
mindeſt
der Fantaſio, fühlt ſich Sankt Bureaukratius ſo
wohl und heimiſch, wie im ſchönen Frankreich. Und als
Beweis wird folgender amüſanter Fall angeführt. Seit
vielen Jahren erſcheint in der Bilanz der Polizeipräfektur,
deren Abrechnung ſtets dem Stadtparlament zur Geneh=
migung
vorgelegt werden muß, ein eigenartiger Poſten.
Er lautet: Mou (vom Präfekten erhobener Vorſchuß):
360 Francs. Wer oder was iſt Mou? Mou iſt nicht,
Mou war: und zwar ein ſchöner Kater, der beauftragt
war, im Gebäude der Polizeipräfektur die Aufſicht über
alle Ratten und Mäuſe zu führen. Seit Jahrzehnten
wurde der Polizei für die Unterhaltung und Ernährung
der notwendigen Katzen die Jahresrente von 360 Francs
ausgeſetzt: und ſie blieb auch in Kraft, als im April 1901
Mou, der letzte der Polizeikater, eines ſeligen Todes ſtarb.
Aber trotzdem hält die Stadtverwaltung daran feſt, wei=
terzuzahlen
. und zwar aus folgenden einleuchtenden Grün=
den
: um die Rente zu ſtreichen, müßte zuerſt durch nota=
rielle
Beglaubigung und ſtandesamtliche Beſtätigung der
Nachweis erbracht werden, daß der Rentenempfänger
wirklich geſtorben iſt und nicht mehr Dienſt tut. Da es
aber kein Standesamt für Katzen gibt, iſt dieſer Nachweis
nicht zu erbringen, woraus folgt, daß bis auf weiteres.
die Rente nicht geſtrichen werden kann. . .

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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226

* Zum Nieder=Modauer Konkurs. Im Konkurs des
Spar= und Kreditvereins Nieder=Modau ſteht, dem Ver=
nehmen
nach, die Auszahlung einer Abſchlags=
dividende
bevor. Für den Konkurs einer Genoſſen=
ſchaft
mit unbeſchränkter Haftpflicht beſtimmt das Ge=
noſſenſchaftsgeſetz
, daß nur die von dem Konkursverwal=
ter
eingezogenen Aktiven, wie Kaufſchillinge und Hypo=
theken
, zu Abſchlagsdividenden für Gläubiger verwandt
werden dürfen; die Haftſummen, die von den Mitgliedern
der Genoſſenſchaft auf Grund ihrer Haftverbindlichkeit be=
zahlt
werden müſſen, dürfen dagegen erſt nach vollſtändiger
Abwicklung des Konkursverfahrens an die Gläubiger aus=
bezahlt
werden. Um den Spareinlegern des Kreditver=
eins
Nieder=Modau möglichſt bald einen größeren Teil
ihrer Spargelder zukommen zu laſſen und auch ſonſt die
Härte des Konkurſes zu mildern, hat ſich bekanntlich im
vorigen Jahre der Schutzverein für Nieder=
Modau gebildet. Mit Zuſtimmung der Gläubigerver=
ſammlung
hat die Konkursverwaltung dem Schutzverein
einen erheblichen Teil der bei ihr eingegangenen Gelder
als Darlehen zur Verfügung geſtellt. Mit Hilfe dieſer
Gelder und eines von der Darmſtädter Volksbank gewähr=
ten
Kredits war der Schutzverein bereits im Frühjahr
dieſes Jahres, nachdem der Konkurs kaum ein Jahr ge=
dauert
hatte, in der Lage, den Spareinlegern gegen Ab=
tretung
ihrer Forderungen die alsbaldige bare Auszah=
lung
von 50 Prozent ihrer Einlagen und die Ausſtellung
eines Gutſcheins für das ſich ergebende Mehrerträgnis
anzubieten. Von dem Angebot haben rund 85 Prozent der
Gläubiger Gebrauch gemacht. Es wurden bis jetzt über
600000 Mark von dem Schutzverein ausbezahlt und auf
dieſem Wege die wirtſchaftliche Not, die der Zuſammen=
bruch
der Nieder=Modauer Sparkaſſe in den Kreiſen der
Spareinleger verurſacht hatte, raſch und wirkſam
gemildert. Da durch die intenſive Betreibung des
Konkursverfahrens inzwiſchen auch erhebliche Beträge für
ausſtehende Kaufſchillinge, Hyotheken und ſonſtige Aktiven
die allein zu den konkursmäßigen Abſchlagsdividenden
verwandt werden dürfen eingegangen ſind, wird nun=
mehr
in nächſter Zeit an diejenigen Spareinleger, die ihre
Forderungen nicht an den Schutzverein abgetreten haben,
von dem Konkursverwalter eine Abſchlagsdivi=
dende
von dreißig Prozent verteilt werden.
Die in dem Konkurs zu berückſichtigenden Forderungen be=
laufen
ſich auf rund 1500000 Mark. Seitens des Schutz=
vereins
dürfte vorausſichtlich gegen Ende des Jahres eine
Abſchlagszahlung an die Beſitzer der Gutſcheine erfolgen.
Zur Flugzeugmodellausſtellung. Wie wir erfahren,
ſind zu der Ausſtellung von Flugzeugmodellen, die vom
9.12. Oktober im Ausſtellungshauſe auf der Mathilden=
höhe
ſtattfindet, die Anmeldungen von Apparaten der ver=
ſchiedenſten
Syſteme recht zahlreich über 250 einge=
gangen
, ſo daß eine ſehr intereſſante Sammlung von
Flugzeugmodellen zur Ausſtellung kommen wird. Da nicht
zur Bedingung gemacht wurde, daß die Apparate eventuell
auch praktiſch verwendbar ſein müſſen, war der Phantaſie
weiter Spielraum gelaſſen, und es wird höchſt intereſſant
ſein, zu ſehen, in welch mannigfacher Weiſe unſere flug=
begeiſterte
Jugend das Problem des Fliegens zu löſen
gedenkt. Die Ausſtellung, mit der bekanntlich auch Flug=
wettbewerbe
verbunden ſind, ſoll ja nur dazu beitragen,
das Intereſſe der Jugend für die Sache der Flugkunſt zu
wecken und zu heben und vielerlei Anregung zu geben.
Daß das gelungen iſt, beweiſt die große Zahl der Anmel=
dungen
, unter denen ſolche von weit her, u. a. Berlin,
Charlottenburg uſw., zu verzeichnen ſind.
Poſtnachricht. Anfang Oktober erſcheint
eine neue Nummer des Poſtblattes, das eine Beilage
zum Reichsanzeiger bildet, aber auch für ſich bezogen
werden kann. Im Poſtblatt, das im Reichs=Poſtamt
zuſammengeſtellt wird, ſind die wichtigſten Verſendungs=
bedingungen
und Tariſe für Poſtſendungen aller Art,
ſowie für Telegramme enthalten. Auf die ſeit dem Er=
ſcheinen
der vorangegangenen Nummer (Anfana Juli)
eingetretenen Aenderungen wird in der neuen Nummer
durch beſonderen Druck (Schrägſchrift) hingewieſen. Das
Poſtblatt kann auch neben anderen umfangreicheren
Hilfsmitteln für den Verkehr mit der Poſt und Tele=
graphie
(Poſtbücher, Poſt= und Telegraphennachrichten
für das Publikum uſw.) mit Vorteil benutzt werden,
weil es dieſe bis auf die neueſte Zeit ergänzt. Der Be=
zugspreis
des Poſtblatts beträgt für das ganze Jahr
40 Pfg., für die einzelne Nummer 10 Pfg. Beſtellungen
werden von den Poſtanſtalten entgegengenommen.
-gs. Schwerer Unfall. Geſtern vormittag kurz nach 9 Uhr
ſtürzte ein beim Telephonlegen im alten Gerichtsgebäude be=
ſchäftigter
Telegraphenarbeiter vom erſten Stock in den Licht=
hof
. Er trug eine ſchwere Kopfverletzung davon, und
wurde in bewußloſem Zuſtand durch die Rettungswache
mit dem Krankenkraftwagen in das ſtädtiſche Krankenhaus
verbracht.
gs. Vom Schlage getroffen. Mittwoch abend gegen
7 Uhr, erlitt ein junges Mädchen im Beſſunger Forſthaus
einen Schlaganfall. Der vor Ankunft der Rettungswache
erſchienene Dr. A. ſtellte den ſofort eingetretenen Tod
feſt, ſo daß die Rettungswache nicht in Aktion zu treten
brauchte.

* Orpheum. Jobs Köl ner Luſtige Bühne‟
deren Gaſtſpiel am Mittwoch, den 1. Oktober, beginnt,
bringt auch diesmal eine Reihe zugkräftiger Novitäten,
die ſicher ihre Wirkung auf die Lachmuskeln nicht verfeh=
len
werden. Die luſtigen Kölner Gäſte eröffnen ihr Gaſt=
ſpiel
mit einem ihrer größten Schlager, dem dreiaktigen
Schwank Schieber. Schieber iſt eines der tollſten
Stücke, die jemals aufgeführt wurden. Sprühender Hu=
mor
, unbeſchreibliche Situationskomik und die vorzügliche
Darſtellung vereinigen ſich darin zu einem derart zwerch=
fellerſchütternden
Ganzen, daß allabendlich tatſächlich
Tränen gelacht werden. Selbſt unter den ungünſtigſten
Verhältniſſen erzielte dieſer famoſe Schwank ausverkaufte
Häuſer und bewahrte ſeine Zugkraft ſtets ſo andauernd,
daß er auf mehr als 150 Aufführungen innerhalb des letz=
ten
Jahres zurückblicken konnte. Wer alſo einmal ſo recht
von Herzen lachen will, der lenke im kommenden Monat
ſeine Schritte nach dem Orpheum.

Die Stabsoffiziere, Hauptleute und Rittmeiſter
der Darmſtädter Truppenteile ab 1. Oktober.

* Durch mannigfache Verſetzungen und veränderte
Etats, die am 1. Oktober ds. Js. in Wirkſamkeit treten.
wird ſich der Perſonalſtand der einzelnen Offizierkorps
zum Teil nicht unweſentlich verändern. Da aber vor eini=
gen
Wochen die Herausgabe einer Zwiſchenrangliſte kaum
zu erwarten iſt, ſeien nachſtehend die Stabsoffiziere, Haupt=
leute
und Rittmeiſter der hieſigen ſechs Truppenteile auf=
geführt
:
Leibgarde=Infanterie= Regi=
ment
Nr. 115: Kommandeur Oberſt v. Helldorf; beim
Stabe Oberſtleutnant Doerr; Bataillonskommandeure
Majore v. Weſternhagen (Heinrich) II. Bataillon, v. Neid=
hardt
(Garde=Füſ.), Büsgen I Batl.; beim Stabe Majore
Schwierz, v. Weſternhagen (Thilo), v. Oidtman. Die
Hauptleute und Kompagniechefs: Graf von Büdingen.

Frhr. Röder v. Diersburg, v. Goetze, Ulrichs, Wernher,
Pabſt von Ahain, v. Sierakowski. Hofmann, v. Hombergk
zu Vach. v. Oertzen, Frhr. v. Buddenbrock=Hettersdorf,
Keim, Frhr. Gans Edler Herr zu Putlitz; die Stabs=
Hauptleute (neu eingeführt): Frhr. v. Haxthauſen, v. Han=
neken
, Frhr. v. Schütz zu Holzhauſen. 2. Garde= Dra=
goner
=Regiment Nr. 23: Kommandeur Oberſtleut=
nant
Frhr. v. Brandenſtein; beim Stabe Major Frhr. von
Bellersheim; die Rittmeiſter und Eskadronchefs: Witt, von
Harnier, v. Becker, v. Ramdohr, Thon; beim Stabe: Broi=
cher
. 3. Leib=Dragoner=Regiment Nr. 24:
Kommandeur Oberſtleutnant Zierold; beim Stabe Major
v. Teichman und Logiſchen; die Rittmeiſter und Eska=
dronchefs
: v. Kummer, Rogalla v. Bieberſtein, Graf von
Königsmarck, v. Pawel=Rammingen, Graf v. Limburg=
Stirum; beim Stabe Freyer. 4. Großh. Artillerie=
korps
Nr. 25: Kommandeur Oberſtleutnant Eggersſ;
beim Stabe Major Collmann; Abteilungskommandeure
Majore v. d. Sode, Güttich; Hauptmann beim Stabe Krug
v Nidda; Hauptleute und Batteriechefs: v Morenhoffen,
Seederer. v. Consbruch, v. Scholten, v. Britzke, Lenné;
beim Stabe v. Gilſa. 5. Feldartillerie= Regi=
ment
Nr. 61: Kommandeur Oberſtleutnant v. Crüger;
beim Stabe Maior v. Petery: Abteilungskommandeure
Majore Möller, Weichel); Hauptmann beim Stabe Wan=
gemann
; Hauptleute und Batteriechefs: v. Baumbach‟)
Lauteſchläger. Degner, Düring‟). Schultze=Jena‟) v. Wins=
kowski
. Donner; beim Stabe Frhr. v. Wangenheim. (Die
mit* Verſehenen ſtehen bei der zweiten Abteilung in Ba=
benhauſen
.) 6. Train=Bataillon Nr. 18: Komman=
deur
Oberſtleutnant Frhr. von Stetten; beim Stabe Ritt=
meiſter
Frhr. v. Rechenberg; Rittmeiſter und Kompagnie=
chefs
: Haegner, Hetzker, Wronsky, Ritter.

Ortsgewerbeverein Darmſtadt.

* Mittwoch nachmittag fand der Ausflug des Orts=
gewerbevereins
nach Offenbach ſtatt. Bei einer kleinen
Raſt im Hotel Degenhardt nahm der zweite Vorſitzende
des Gewerbevereins Offenbach. Herr Fabrikant Reut=
linger
, Gelegenheit, die Teilnehmer aufs herzlichſte zu
begrüßen. Die erſte Gruppe, unter Führung des Vor=
ſtandsmitgliedes
, Herrn Schaub von Offenbach, begab ſich
nun in die Schuhfabrik von Eugen Wallerſtein. Herzlich
begrüßt von dem Beſitzer dieſes Werkes wurde in zwei
Abteilungen die Anlage einer einaehenden Beſichtigung
unterzogen und von den liebenswürdigen Führern, den
Herren Eugen Wallerſtein und Müller, erklärt. Die Schuh=
fabrik
Eugen Wallerſtein beſchäftigt etwa 700 Angeſtellte
und ſtellt pro Tag etwa 1200 Paar feine, auf Rahmen ge=
nähte
Stiefel und Schuhe her. Die Fabrik iſt mit den aller=
neueſten
Maſchinen und Werkzeugen ausgeſtattet und der
Bau nach einem eigenartigen außerordentlich überſicht=
lichen
Syſtem konſtruiert. Die zweite Gruppe, unter Füh=
rung
des Herrn Fabrikanten Reutlinger und Dipl.=Ing.
Gabriel, begab ſich in die Maſchinen= und Werkzeug=
fabrik
Collet und Engelhard. Am Eingang wurden die
Teilnehmer in zwei Abteilungen eingeteilt, um unter lie=
benswürdiger
Führung des Herrn Generaldirektors Engel=
hard
und eines Oberingenieurs das Werk zu beſichtigen.
Mit lebhaftem Intereſſe konnte man hier die Herſtellung
von gewaltigen Werkzeugmaſchinen, als Eiſenhobelbänke,
Bohrmaſchinen. Fräßmaſchinen uſw, in ſämtlichen Sta=
dien
der Bearbeitung eingehend beobachten. Mit ſicht=
lichem
Intereſſe lauſchten die Teilnehmer den Erklärungen
der Herren Führer. Zum Schluß fand man ſich in der
Techniſchen Lehranſtalt ein, um auch dieſe muſter=
gültige
Anſtalt mit all ihren vielſeitigen Räumen und =
chern
unter Führung des Herrn Dipl.=Ing. Gabriel zu be=
ſichtigen
. Ein gemütliches Beiſammenſein mit den ſo über=
aus
liebenswürdigen Offenbachern ſchloß den wohl für
alle Teilnehmer lehr= und genußreichen Tag. Herzlichen
Dank für alles ſprach der Führer der Exkurſion den Offen=
bachern
aus und verſprach, ihnen bei ihrem Beſuch von
Darmſtadt im nächſten Jahre Gutes mit Gutem zu ver=
gelten
.

Kinderhandel.

(Zu der am 29. und 30. September in Darm=
ſtadt
ſtattfindenden Tagung der Deutſchen
Zentrale für Jugendfürſorge.)
Die Großh. Zentrale für Mutter= und Säuglings=
fürſorge
in Heſſen ſchreibt uns: In dem letzten Jahrzehnt
hat ſich die Fürſorge in ganz beſonderem Maße den Säug=
lingen
zugewandt. Sie knüpft an ältere Anregungen an,
die teils die gewaltige Säuglingsſterblichkeit gewiſſer Ge=
genden
darlegten und beſonders auf das Zurücktreten
der Bruſtnahrung für den Säugling zurückführten, teils
in praktiſcher Arbeit, wie ſeit 1883 Taube in Leipzig, den
Säuglingen in fremder Pflege und den Unehelichen, den
meiſt gefährdeten Kleinen, zu helfen ſuchten. Seit Anfang
des Jahrhunderts wuchs zuſehends das Bewußtſein un=
ſerer
Verantwortung für die kleinſten der Kinder, das
neuerdings noch durch die viel erörterte Abnahme der Ge=
burtenzahl
im Deutſchen Reiche geſtärkt worden iſt. Dar=
aus
entſtand eine allgemeine Bewegung für Säuglings=
ſchutz
, die dieſe Probleme auf zahlreichen Tagungen er=
örtert
und namentlich durch die Zentralen für Säuglings=
ſchutz
, wie die heſſiſche in Darmſtadt, ſchützend und zum
Schutz anregend gewirkt hat.
Eine beſondere Begleiterſcheinung iſt mit dieſer all=
gemeinen
Arbeit für unſere Säuglinge verbunden geweſen.
Mit ihr und durch ſie ſind uns die Augen für manche
Schäden geöffnet worden, denen dieſe Fürſorge nur teil=
weiſe
abhelfen konnte, die aber immer deutlicher in ihrer
Schwere, gerade durch dieſe Fürſorge, erkannt wurden.
Dazu gehört all das, was man heute mit dem Namen
Kinderhandel bezeichnet. Hilfloſe Mütter verſchenken
ihre Kinder oder geben ſie ohne Kontrolle für Geld fort.
Gewiſſenloſe Pflegemütter laſſen ihre Pfleglinge zugrunde
gehen, um an den einmal gezahlten Abfindungen zu ver=
dienen
oder verzweifelten Müttern zu Dienſte zu ſein. An=
dere
Kinder werden ins Ausland verſchleppt, um dort zu=
grunde
zu gehen oder ſpurlos zu verſchwinden. Gewinn=
ſüchtige
Menſchen machen ſich all dieſe Not noch zu Nutzen,
um auf ihre Weiſe durch betrügeriſche Adoptionen Vor=
teil
daraus zu erzielen. All dies und anderes iſt aber nur
möglich, weil ſo viele Not bei unehelichen Müttern und
Kindern vorhanden iſt, die ausgebeutet werden kann.
Wir brauchen alſo zunächſt für die unehelichen denn
ſie ſind es ſtets, wenn Pflegekinder mißhandelt oder ge=
tötet
werden eine Aufſicht, die lückenlos ſie alle bei ihrer
Geburt befaßt und ſie dann nicht wieder aus dem Auge
verliert. Wir bedürfen einer verantwortlichen Stelle für
ſie alle. Dieſe muß ſich vergewiſſern, ob richtig für ſie
geſorgt wird, die Mutter ſich ihrer annimmt, der unehe=
liche
Vater zahlt, die Pflege ordentlich iſt. Wo dies der
Fall iſt, genügt die bloße Feſtſtellung und Aufſicht, wo
etwas fehlt, muß dieſe Stelle alles Nötige ſelbſt tun oder
die Verpflichteten dazu anhalten, nötigenfalls die öffent=
liche
Armenpflege zur Verſorgung des Kindes angehen.
Eine ſolche Schutzeinrichtung, die auch über das ganze
Reich ausgedehnt werden und alle unehelichen Kinder um=
faſſen
kann, beſitzen wir ſchon in ziemlichem Umfang; es
iſt die Berufsvormundſchaft. Alle unehelichen Kinder be=

dürfen eines Vormundes; ihm liegen ſchon heute alle jene
Pflichten ob, die wir eben nannten, Fürſorge über Ver=
mögen
und Verpflegung des Kindes. Aber beim unehe=
lichen
Kind bedarf die Beitreibung der Alimente, die
Auswahl der Pflege und die Aufſicht ſo vielerlei Kenntnis
und Arbeit, daß ſie die meiſten Einzelvormünder erfah=
rungsgemäß
nicht leiſten können. Da wird dieſe Vor=
mundſchaft
einem Verein, einer Behörde überwieſen, kurz
einer Organiſation, die freiwillige und beſoldete Organe
hat, die ſich der Kinder annehmen. Da wird von rechts=
kundigen
Organen der Vater herangezogen, nötigenfalls
durch Prozeß und Zwangsvollſtreckung gezwungen, ſeine
Pflicht zu tun. Da erſcheinen Aerzte und geſchulte Pflege=
rinnen
mit einer Beratungsſtelle, um die Pflege zu beauf=
ſichtigen
, Mütter und Pflegemütter zu belehren und zu
unterſtützen, ſchlechte Pflegeſtellen auszumerzen. Ueber
125000 Kinder unterſtehen ſolcher Berufsvormundſchaft im
Deutſchen Reiche; in manchen Orten, z. B. Leipzig, Dres=
den
, Hamburg, Bremen, ſteht jedes uneheliche Kind bei der
Geburt unter ihr. Gute Einzelvormünder, die beſonderes
Intereſſe an ſolcher Arbeit haben, werden von der Be=
rufsvormundſchaft
geſtützt und angeleitet. Vereine und
Anſtalten arbeiten neben und mit ihnen. Aber wenn ſie
ſofort bei jedem Kind eintritt, kann ihr, ſoweit dies men=
ſchenmöglich
, keines entgehen. Dieſe Berufsvormundſchaf=
ten
haben wir in der einen oder anderen Art in den mei=
ſten
größeren und vielen kleineren Städten. Neuerdings
werden ſie auch auf dem Lande geſchaffen, wo die Sache
ſchwieriger, aber vielleicht noch nötiger iſt, denn ausbeu=
tende
Entbindungsanſtalten und ſchlechte Pflegemütter
verziehen ſich mit der zunehmenden Aufſicht aus den
Städten in Landorte. Erſt wenn ſolche Schutzeinrichtun=
gen
überall im Reiche beſtehen und die eine der anderen
die unehelichen Pflegekinder zuweiſt, haben wir die Hoff=
nung
auf lückenloſe Aufſicht, haben wir die Ausſicht, all
dem, was Kinderhandel heißt, wirklich ein Ende zu
machen, ſoweit Verbrechen überhaupt auszurotten ſind,
denn dann kann dieſer ſogenannte Handel keine Ware
mehr bekommen, mit der er ſeine unſauberen Manöver
betrieb, weil dieſe Kinder alle unter Aufſicht ſtehen.
Im Großherzogtum Heſſen haben die Städte
Darmſtadt, Offenbach und Gießen die Berufsvormund=
ſchaft
eingeführt. Auf Veranlaſſung und auf Koſten der
Großh. Zentrale für Mutter= und Säuglingsfürſorge in
Heſſen iſt ſie im letzten Jahre auf den Landkreis Darm=
ſtadt
ausgedehnt worden, wo der Berufsvormund für die
Stadt Darmſtadt die Vormundſchaft über alle un=
ehelichen
Kinder übernimmt, für die es nach Anſicht des
Vormundſchaftsgerichts erwünſcht iſt.
Die gleiche
Einrichtung wird vorausſichtlich noch im Herbſt dieſes
Jahres für die Landgemeinden des Amtsgerichtsbezirks
Offenbach getroffen werden. In allen Landgemeinden,
in denen die Berufsvormundſchaft beſteht, beſuchen die
Schweſtern der Großh. Zentrale für Mutter= und Säug=
lingsfürſorge
die Berufsmündel regelmäßig; ſie erſtatten
dem Berufsvormund über ihren Befund Bericht und er=
möglichen
ihm auf dieſe Weiſe, mit den Mündeln und
ihren Angehörigen in ſtändiger Fühlung zu bleiben. Die
Berufsvormundſchaft wird ergänzt und da, wo ſie noch
nicht beſteht, teilweiſe erſetzt durch die Pflegekinderauf=
ſicht
, die ebenfalls von den Schweſtern der Großh. Zen=
trale
als Beauftragten der Ortspolizeibehörden ausgeübt
wird. Die Tätigkeit der Mutterberatungsſtellen der
Großh. Zentrale wird noch wirkſamer gemacht durch die
Hausbeſuche der Schweſtern, welche die ihrer ſozialen
Stellung nach in Betracht kommenden Kinder, ſolange ſie
im Säuglingsalter ſtehen, die Pflegekinder aber bis zum
vollendeten ſechſten Lebensjahr beſuchen. In einzelnen
Kreiſen iſt ſie bereits derart durchgeführt, daß ſämtliche in
fremder entgeltlicher Pflege befindlichen Kinder unter 6
Jahren von der Kreispflegerin regelmäßig beſucht wer=
den
. In anderen Kreiſen war dies, namentlich wegen der
großen Entfernungen und ſchlechten Verbindungen, noch
nicht möglich; doch iſt zu hoffen, daß in nicht allzu langer
Zeit eine lückenloſe Pflegekinder=Aufſicht im ganzen Groß=
herzogtum
durchgeführt iſt. Um übrigens über alle Kin=
der
ihres Bezirkes, die für die Fürſorgearbeit in Betracht
kommen, auf dem Laufenden zu bleiben, erhalten die
Schweſtern der Großh. Zentrale von den Standesämtern
Mitteilungen über alle Geburten. Auch das Städtiſche
Krankenhaus in Darmſtadt, die Hebammenlehranſtalt in
Mainz und die Univerſitäts=Frauenklinik in Gießen ſetzen
die Großh. Zentrale regelmäßig davon in Kenntnis, wann
und wohin die dort entbundenen Mütter und ihre Kin=
der
entlaſſen werden. Die Großh. Zentrale überweiſt
dann diejenigen Kinder, die in Heſſen bleiben, der Kreis=
pflegerin
des betreffenden Bezirks, und empfiehlt diejeni=
gen
, die außerhalb Heſſens verbracht werden, den zuſtän=
digen
Vereinen oder Behörden zur Ueberwachung. Dieſe
Einrichtungen haben bewirkt, daß in Heſſen von einem
Kinderhandel kaum noch die Rede ſein kann; ſie werden
aber noch ergänzt durch den weiteren Ausbau der Be=
rufsvormundſchaft
, die allmählich auf das ganze Groß=
herzogtum
ausgedehnt werden ſoll.

-h- Von der Bergſtraße, 24. Sept. ( Weizenver=
kauf
.) Mit dem Getreidedruſch ſind die Landwirte ſo
ziemlich zu Ende. Nun ſoll aber die Frucht, beſonders der
Weizen, verkauft werden, denn die Zeit rückt heran, wo der
Pachtzins, das im Frühjahr erſteigerte Holz uſw. bezahlt
werden müſſen. Die Nachfrage nach Weizen iſt aber ſo
gering, daß dieſe Fruchtgattung wohl noch eine Zeitlang
lagern wird, bis ſie Käufer findet. Geboten wurden in
einzelnen Fällen nur 19 Mark für 100 Kilo
-h- Auerbach, 24. Sept. (Bautätigkeit.) Neben
größeren Neubauten erſtehen in dieſem Jahre hier
meiſt neue Villen und Landhäuſer teils größere Bauten,
Eine Anzahl Villen ging durch Kauf in anderen Beſitz
über. Verſchiedene Mietwohnungen wurden von aus=
wärtigen
Herrſchaften bezogen. Die Jahrhundert=
feier
am 18. Oktober wird hier durch Abbrennen
eines großen Feuers auf dem Grieſelberg und einem
Fackelzug durch die Ortsſtraßen nach dem Kriegerdenkmal
allgemein begangen. Die Feſtrede an dem Kriegerdenkmal
wird Herr Pfarrer Eßlinger halten. Die Schulkinder er=
halten
zur Feier des Tages Brezeln.
Ch. Egelsbach, 25. Sept. (Verhaftet.) Der etwa
35jährige Kaufmann N. hier wurde geſtern abend ver=
haftet
. Er wird ſittlicher Verfehlungen beſchuldigt.
Offenbach, 25. Sept. (Selbſtmord.) Der in der
Stadtgärtnerei beſchäftigte 51 Jahre alte Invalide Sch.
aus der Frühlingsauſtraße, der, wie gemeldet, einen Selbſt=
mordverſuch
machte, indem er ſich den Hals durchſchnitt,
iſt im Krankenhaus geſtorben. Der Grund zur Tat dürfte
in einem unheilbaren Leiden liegen.
Klein=Steinheim, 25. Sept. (Vom eigenen Fuhr=
werk
überfahren.) Der Fuhrmann Jakob Lorbeer,
welcher bei dem Fuhrunternehmer Kemmerer in Arbeit
ſteht, wurde geſtern von ſeinem mit Steinen beladenen
Fuhrwerk überfahren und ſchwer verletzt. Er fand
Aufnahme im Groß=Steinheimer Kreiskrankenhaus.
Mainz, 25. Sept. Der Herbſt=Pferde= und
Fohlenmarkt war gut beſucht. Schon geſtern war

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Nummer 226.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

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ein reger Handel, es wurden viele Pferde verkauft. Der
Auftrieb iſt diesmal beſſer, als beim vorjährigen Herbſt=
Pferdemarkt. Es ſind etwa 400 Pferde vorhanden. Auch
die Ausſtellung iſt gut beſchickt. Von 9 Uhr vormittags
ab ſpielte die Kapelle der 27er. Von der Prämiierungs=
kommiſſion
waren anweſend Kommerzienrat Albrecht,
Baron v. Starck=Darmſtadt, Graf zu Erbach, Gutsbeſitzer
Wechsler=Weſthofen Gutsbeſitzer Möhn=Laubenheim, Bei=
geordneter
Dr. Külb, Regierungsrat Schön, Geh. Kommer=
zienrat
Strecker, Fuhrunternehmer Auer, Direktor Dr.
Peters und mehrere Stadtverordnete. Prämiierung von
Pferden im Alter von 49 Jahren im Beſitz von Händ=
lern
: 1. Schwere Arbeitspferde, paarweiſe frei vorgeführt:
Gebr. Blum=Bodenheim einen 1. Preis mit 70 Mk., Emil
Kahn=Worms einen 1. Preis mit 70 Mk., 3. Preis mit
50 Mk. Jſak Heumann=Gau=Odernheim, Anerkennungen
mit je 30 Mk. Ferd. Kahn=Mainz und Julius Frank=
Bingen. Leichte Arbeitspferde, paarweiſe frei vorgeführt:
Gebr. Belmont=Alzey einen 1. Preis mit 60 Mk., Iſak
Heumann=Gau=Odernheim einen 2. Preis mit 50 Mk., Fer=
dinand
Kahn=Mainz einen 3. Preis mit 40 Mk., drei An=
erkennungen
mit je 20 Mk., Max Maas=Gau=Odernheim,
Gebr. Hausmann=Wachenheim und Emil Strauß=Groß=
Gerau. Schwere Wagenpferde, paarweiſe frei vorgeführt:
Gebr. Belmont=Alzey einen 1. Preis mit 70 Mk., Alfred
Michel=Schornsheim einen 2. Preis mit 50 Mk., Siegmund
Nathan u. Söhne=Ober=Ingelheim einen 3. Preis mit
40 Mk.
Mainz. 25. Sept. (Der Gonſenheimer Wald.)
Der Abſchluß des Vertrags mit Herrn von Waldthauſen,
der ihm das Forſthaus zuſpricht, ihn dagegen verpflichtet,
einen Teil ſeiner bisherigen Walderwerbungen zurückzu=
geben
, ſteht nahe bevor. Die Aenderung im Beſitzſtand
des Waldgebietes wird demnächſt eintreten. Der Förſter
auf Forſthaus Ludwigshöhe wurde davon verſtändigt, daß
er ſich nach einer Wohnung in Gonſenheim umſehen müſſe.
Es iſt zu hoffen, daß die Vertragſchließenden, der Univer=
ſitätsfonds
und Herr von Waldthauſen, ein Abkommen
getroffen haben, das keine Lücken aufweiſt und vor
weiteren Ankaufsgelüſten ſchützt.
Mainz, 23. Sept. (Verſchiedenes.)
In der
Sitzung der Stadtverordneten teilte der Vorſitzende mit,
daß der Weinbaukongreß nach jeder Richtung gut abge=
ſchnitten
habe. Es werde ein Ueberſchuß von 23000
Mark zu erwarten ſein. Der Termin zur Stadt=
verordnetenwahl
wurde auf Donnerstag, den
4. Dezember, feſtgelegt. Für die Landtagswahl,
die im nächſten Jahre ſtattfindet, wurde die Stadt mit
Mombach, Kaſtel und Amöneburg in die drei Wahlkreiſe
eingeteilt. Für eine Arbeitsloſenkaſſe und
für Notſtandsarbeiten wurden vorläufig 10000 Mark be=
willigt

Mainz, 25. Sept. (Vatermörder.) In der
Nähe von Biſchofsheim war auf freiem Felde der Guts=
inſpektor
und frühere Bauunternehmer Petri mit ſeinen
beiden Söhnen in Streit geraten, in deſſen Verlauf der
ältere der beiden Söhne eine Hacke ergriff und durch einen
Schlag den Vater ſo ſchwer verletzte, daß er bald darauf
ſtarb. Der Mörder wurde verhaftet. Er will in Notwehr
gehandelt haben.
Worms 24. Sept. (Diebiſches Volk.) Geſtern
vormittag erhielt der Hausburſche eines hieſigen Geſchäfts
von ſeinem Herrn den Betrag von etwa 340 Mark zwecks
Ablieferung bei der Reichsbank. Der Burſche iſt bis jetzt
nicht wieder zurückgekehrt, iſt alſo mit dem Gelde flüchtig
gegangen. Hker verhaftet wurde heute früh ein 25 Jahre
alter Zapfburſche aus Berlin, der, nachdem er heute nacht
in Mannheim zum Nachteile eines Wirtes 370 Mark unter=
ſchlagen
hat, hierher geflüchtet war.
Schwabenheim, 24. Sept. (Ehrlicher Finder.)
Dieſer Tage verlor auf der Jagd in der Groß= Wintern=
heimer
Gemarkung der zurzeit ſich hier aufhaltende italie=
niſche
Konſul Schuck ſeine goldene Uhr nebſt Kette im
Werte von 1200 Mark. Alles Suchen danach hatte keinen
Erfolg. Jetzt fand ſie ein Knecht und ſtellte ſie dem Ver=
lierer
wieder zu. der ihm eine Belohnung von 100 Mark
zuteil werden ließ.
Ober=Ingelheim, 25. Sept. ( Genoſſenſchaft=
liches
.) Die von der hieſigen Spar= und Darlehenskaſſe
abgehaltene außerordentliche Generalverſammlung war
wegen der wichtigen Tagesordnung gut beſucht. Herr Fr.
Freund, Vorſitzender des Aufſichtsrates, erſtattete Bericht
über den gegenwärtigen Stand der Kaſſe, ſowie die letzte
Gläubigerverſammlung der Landwirtſchaftlichen Genoſ=
ſenſchaftsbank
am 17. September. Nachdem Reſerve= und
Betriebsrücklage aufgebraucht ſind, verbleibt für die Kaſſe
noch ein Verluſt von zirka 9000 Mk. Hierauf machte Vor=
ſtand
und Aufſichtsrat der Verſammlung den Vorſchlag,
die Geſchäftsanteile von 50 auf 150 Mark zu erhöhen.
Daraufhin ſtellte ein Mitglied der Kaſſe den Antrag, die
Geſchäftsanteile auf 200 Mark zu erhöhen. Hierüber ent=
wickelte
ſich eine rege Ausſprache, an der ſich auch Ober=
reviſor
Lehr=Darmſtadt beteiligte, worauf der Vorſchlag
auf Erhöhung der Geſchäftsanteile auf 200 Mark mit allen
gegen zwei Stimmen angenommen wurde.
Guntersblum, 24. Sept. (Zwiſchen die Puffer.)
Beim Rangieren verunglückt iſt an der hieſigen Station
der Bahnarbeiter Wieder aus Worms. Beim Anhängen
eines Güterwagens kam er zwiſchen die Puffer der Wagen
und erlitt ſo ſchwere Verletzungen am Unterleib und den
Beinen, daß er nach Worms ins ſtädtiſche Krankenhaus
gebracht werden mußte.
* Gießen, 25. Sept. (Prozeß Roſenthal.) In
dem Prozeß gegen den Häuſermakler Roſenthal wegen
Betrugs in 43 Fällen und ſchwerer Urkundenfälſchung in
12 Fällen beantragte der Staatsanwalt gegen Roſenthal
vier Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverluſt, gegen
Roſenthals Schwager Bärmann wegen Beihilfe ſechs
Wochen Gefängnis.
Gießen, 25. Sept. Das Stadttheater wird im
Oktober zur Feier der endgültigen Befreiuna Deutſchlands
von der Fremdherrſchaft drei klaſſiſche Werke herausbrin=
gen
, die alle den Kampf gegen fremde Zwingherrſchaft zum
Gegenſtand haben, den Prinzen von Homburg, die Her=
mannsſchlacht
und Wilhelm Tell. Mit Kleiſts Prinz von
Homburg wird, wie ſchon bekannt gegeben, die Spielzeit
am Dienstag, 30. September, eröffnet.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Die letzten Tage von Pompeji‟ Die=
ſer
ſpannende Roman Bulwers iſt in einem ſechsaktigen
Rieſenfilm inſzeniert worden und kommt von morgen
Samstag ab im Uniontheater, Rheinſtraße Nr. 6,
zur Vorführung. Daß man es hier mit einem Kunſtwerk
zu tun hat, wird einem klar, wenn man die ein ganzes
Schaufenſter ausfüllenden Photographien in dem neben
dem Theatereingang befindlichen Schuhgeſchäft von Mül=
ler
beſichtigt. Auch mit dem kleinen Film gleichen Namens
iſt dieſer Rieſenfilm nicht zu vergleichen, wie aus den Be=
ſprechungen
der Preſſe hervorgeht. So ſchreibt die Köln.

Ztg. in ihrer Stadtausgabe u. a folgendes: Wir müſſen
geſtehen, daß es etwas Vollendeteres auf dem Gebiet der
Kinematographie kaum gibt. In ſechs Abteilungen wer=
den
uns die feſſelnden und hochdramatiſchen Szenen die=
ſes
Romans in hiſtoriſcher Treue vorgeführt, da die Bilder
an hiſtoriſcher Stätte unter Mitwirkung von Tauſenden
von Perſonen aufgenommen worden ſind. Die Pracht der
Koſtüme, die wunderbaren landſchaftlichen Bilder aus der
Umgebung von Pompeji, packende Gladiatorenkämpfe im
Amphitheater, ein furchtbarer Ausbruch des Veſuvs, der
Untergang von Pompeji üben auf die Beſucher eine tiefe,
nachhaltige Wirkung aus. Im Mittelpunkt des großen
Films ſtehen der Liebesroman des Pompejaners Glaukus
und ſeiner Geliebten Jone, die ſich ſelbſt aufopfernde Liebe
einer blinden Sklavin und die furchtbare, haßerfüllte Eifer=
ſucht
des Iſisprieſters Arbaces Von erſchütternder Wir=
kung
iſt das Schlußbild: Die Arena des Amphitheaters
iſt von Tauſenden von Zuſchauern gefüllt, die den auf=
regenden
Kämpfen der Gladiatoren mit Spannung folgen,
Glaukus, den Löwen als Opfer beſtimmt, ſteht, dem Wahn=
ſinn
verfallen, mitten in der Arena, ſchon werden die
Beſtien auf ihn losgelaſſen, da verurſacht der plötzliche Aus=
bruch
des Veſuvs eine entſetzliche Panik unter den Zu=
ſchauern
. Ein wildes, planloſes Rennen, Retten und
Flüchten vollzieht ſich vor unſeren Augen, Wahnſinn und
Schrecken auf allen Geſichtern, Tempel und Paläſte ſtürzen
zuſammen, die brennende Lava wälzt ſich vom Veſuv gegen
die Stadt und ein alühender Aſchenregen ergießt ſich auf
Häuſer und Menſchen. Hier hat der Kinematograph wahre
Wunder verrichtet. Von den Darſtellern iſt in erſter Linie
die blinde Sklavin Nidia zu nennen, deren ergreifendes
Spiel kaum zu überbieten iſt. Der Film dürfte demnächſt
das Ziel vieler Kinofreunde werden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 24. Sept. Schon ſeit gerau=
mer
Zeit verhandelte die Direktion der Berliner
Elektrizitätswerke wegen käuflichen Erwerbes
eines Braunkohlenwerkes in Halle a. S. Nun
wird dieſes Werk in den Beſitz der B. E. W. übergehen.
Die Verkaufsverhandlungen zwiſchen den Berliner Elek=
trizitätswerken
und der Aktiengeſellſchaft Braunkohlenwerk
Golpa=Jeßnitz in Halle führten zum Abſchluß. Das Werk
Golpa=Jeßnitz geht für 4 250000 Mark in den Beſitz der
Berliner Elektrizitätswerke über, die es zur Kohlenver=
ſorgung
einer zu erbauenden großen Ueberlandzentrale,
die eventuell auch die Stromlieferung für die Berliner
Straßenbahnen übernehmen ſoll, verwenden wollen.
In der geſtrigen Stadtverordnetenverſammlung zu Char=
lottenburg
teilte Bürgermeiſter Maier mit, daß der
neue Oberbürgermeiſter Scholz in einer außerordent=
lichen
Stadtverordnetenverſammlung am 15. Oktober durch
den Regierungspräſidenten eingeführt werden wird.
Der verſuchte große Bankſchwindel, über den wir
berichtet haben, iſt jetzt ganz aufgeklärt; die Schuldigen
ſitzen hinter Schloß und Riegel. Nach dem Ergebnis der
Ermittelungen handelt es ſich um einen wohldurchdachten
Plan, der dem früheren Vorſteher der Korreſpondenzab=
teilung
der Allgemeinen Elſäſſiſchen Bankgeſellſchaft, Fi=
liale
Frankfurt a. M., einem 24 Jahre alten, aus Italien
gebürtigen Georg Boretti 150000 Mark in die
Hände liefern ſollte. Boretti, der ein großer Freund von
zweifelhaften Damen iſt, und in der Halbwelt Frankfurts
viel Verkehr unterhielt, wurde am 15. Juli dieſes Jahres
von der Bank entlaſſen, bezog aber auch dann noch ein
auskömmliches Gehalt, das ihm bis zum 1. Oktober zuge=
billigt
worden war. Sein liederlicher Lebenswandel
brachte ihn auf den verbrecheriſchen Plan, der ihn mit
einem Schlage zum wohlhabenden Manne machen ſollte
Die Vorbereitungen traf er ſchon ſeit geraumer Zeit, Auch
nach ſeiner Entlaſſung hatte er noch Gelegenheit, mehr=
mals
die Bank zu beſuchen, u. a. dann, wenn er ſein Ge=
halt
abholte. Widerrechtlich eignete er ſich ein Formular
der Bank an und füllte es mit einer Schreibmaſchine der
Bank aus. Die 23 Jahre alte Wally Schredl fälſchte die
Unterſchrift unter dem mit der Schreibmaſchine ausgefüll=
ten
Bankformular und auch den mit O. Meyer unterzeich=
neten
Brief an die hieſige Deutſche Bank. Das Polizei=
bezirksamt
Berlin=Mitte entſandte, als es von dem, An=
ſchlag
Kenntnis erhielt, ſofort den Kriminalkommiſſar Dr
Riemann nach Frankfurt a. M. Dieſer fand dort unter
Tauſenden von Telegrammen auf dem Poſtamt zwei her=
aus
, die ihm die richtige Spur zeigten. Sie waren von
Boretti am 16. und 17. nach Berlin aufgegeben. Die erſte
Depeſche lautete: Brief und Geld abgeſandt, die zweite:
Komme ſofort zurück erwarte Dich nicht Bahnhof, ſon=
dern
Seidel. Beide Telegramme waren an eine Marie
Landau in einem Hotel in der Nähe des Anhalter Bahn=
hofes
zu Berlin gerichtet. Kriminalinſpektor Kaehler vom
Bezirksamt Berlin=Mitte, den Dr. Riemann telephoniſch
unterrichtete, ſtellte feſt, daß ein Mädchen namens Landau
in dem Hotel zwar gewohnt hatte, aber bereits nach der
Marienſtraße verzogen war. Er ermittelte auch bald die
Geſuchte, und nun ergab ſich, daß ſie nicht Marie Landau,
ſondern Sania Beſche heißt. Als Mithelferin kam aber
nicht dieſes Mädchen, ſondern Wally Schredl in Betracht.
Dieſe wurde dann auf Grund des ſtändigen Depeſchen=
wechſels
zwiſchen Inſpektor Kaehler und Dr. Riemann
bald ermittelt. Sie wohnte in der Kronprinzenſtraße 47
zu Frankfurt a. M., hatte aber die Stadt bereits verlaſſen,
als man ſie dort feſtnehmen wollte. Die Vermutung, daß
ſie nach Berlin gefahren ſein werde, beſtätigte ſich. Kri=
minalinſpektor
Kaehler fand ſie in der Marienſtraße bei
Fräulein Landau und brachte ſie hinter Schloß und
Riegel.
München, 25. Sept. (Hinrichtung des Mör=
ders
Straſſer.) Der Zinngießer Johann Straſſer,
der durch Urteil des Schwurgerichts München vom 3. Juli
dieſes Jahres wegen Ermordung des preußiſchen Militär=
attachés
v. Lewinsky und des Polizeioberwachtmeiſters
Bohlender zum Tode verurteilt worden war, iſt heute
früh halb 7 Uhr im Hofe des Strafvollſtreckungsgefäng=
niſſes
hingerichtet worden. Die Hinrichtung vollzog Nach=
richter
Reichhart mittels Guillotine. Der ganze Akt war
in weniger als einer Minute beendet. Seit dem Verur=
teilten
bekannt geworden war, daß der Prinz=Regent von
ſeinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht habe,
war er vollſtändig gebrochen, was ſich auch auf ſeinem
letzten Gang bemerkbar machte. Er konnte ſich kaum auf
den Beinen halten und mußte von den beiden Nachrichter=
gehilfen
geſchleppt werden.
Bayreuth, 24. Sept. (Einbruch in der Villa
Wanfried.) In der heutigen Nacht wurde, wie ſchon
gemeldet, in die Villa Wanfried eingebrochen. Den Spitz=
buben
fielen mehrere Gebrauchsgegenſtände Richard Wag=
ners
in die Hände. Unter anderem fehlen aus einem
Schreibtiſch, der mit einer Glasſcheibe verſichert war, eine
Schreibmappe mit antiker Stickerei und die mit Edelſteinen
beſetzte Schnupftabaksdoſe des Meiſters, verſchiedene gol=
dene
Doſen, ferner eine Uhr. die Ludwig II. Richard Wag=
ner
geſchenkt hatte, deren Rückſeite aus blauem Email be=
ſtand
, und die mit Edelſteinen beſetzt war. Merkwürdiger=
weiſe
haben die Einbrecher nur kleinere Gegenſtände ent=

wendet; größere wertvolle Gegenſtände ſind nicht berührt
worden. Außerdem wird eine Goldene Medaille für Kunſt
und Wiſſenſchaft vermißt, die Wagner vom König von
Württemberg verliehen worden war. Aus dem Speiſe=
zimmer
iſt, wie man bisher feſtgeſtellt hat, nichts geſtohlen
worden. Die Polizei hat noch keine Spur von den Ein=
brechern
ermittelt. Es ſteht nicht einmal feſt, ob der Ein=
bruch
von einer oder von mehreren Perſonen verübt wor=
den
iſt. Ein Polizeihund, der ſogleich auf die Fährte ge=
ſetzt
wurde, verfolgte zwar die Spur bis außerhalb der
Stadt, wo das Tier jedoch die Witterung verlor. Viel=
leicht
ſind die Verbrecher mit Hilfe eines Automobils ent=
kommen
. Die Diebe ſcheinen mit einem Dietrich die Haus=
tür
geöffnet und dann die Räume des Erdgeſchoſſes be=
treten
zu haben. Dort liegen: das Speiſezimmer, der
Muſikſaal, daneben der kleine Salon, in dem viele wert=
volle
Andenken, Kunſtgegenſtände und Nippſachen frei um=
herliegen
. Aus unverſchloſſenen Möbeln konnten die Diebe,
die offenbar gut Beſcheid gewußt haben, ſich gleichfalls
Schmuckſachen von erheblichem Werte aneignen. Doku=
mente
und Manuſkripte, die in einem eiſernen Kaſſen=
ſchrank
aufbewahrt zu werden pflegen, ſcheinen nicht ge=
ſtohlen
zu ſein.
Stuttgart, 24. Sept. (Ueberfall auf ein Dorf.)
Durch eine Schießerei die an die Mühlhäuſer Affäre
erinnert, wurden die Einwohner der im Remstale ge=
legenen
Orte Großhappach und Indersbach
geſtern nachmittag in großen Schrecken verſetzt. Gegen
5 Uhr fuhren zwei Pferdehändler auf einem einſpännigen
Fuhrwerk in den Ort hinein und feuerten am Ortsein=
gange
auf das Wohnhaus des Gemeinderats Hacker einen
ſcharfen Schuß ab. Die Kugel durchſchlug die Scheiben
eines Fenſters und drang in die Stube ein, ohne aber
jemand zu verletzen. Die Männer fuhren dann weiter
durch das Dorf und gaben noch mehrere Schüſſe ab. Nach
dieſem Ueberfall feuerten ſie in der Nähe der Löwenwirt=
ſchaft
einen weiteren Schuß ab und flohen dann nach In=
dersbach
. Hier hielten ſie im Gaſthof zum Rößl kurze Raſt
und flohen dann, als ihnen die erregten Leute von Groß=
happach
folgten. In der Nähe von Fallbach wurden ſie
von einem Landjäger verhaftet. Sie gaben an, daß ſie
nicht die Abſicht gehabt hätten, irgend jemand zu töten
oder zu verletzen; ſie hätten ſich vielmehr von einem Kol=
legen
verfolgt geglaubt und, um ſich ſeiner Angriffe zu
erwehren, die Schüſſe abgefeuert.
Sigmaringen, 24. Sept. (Die Gattin des =
nigs
Manuel.) Die junge Gattin des Exkönigs von
Portugal iſt in München, wo ſie mit ihrem Gatten die
Flitterwochen verlebt, vor einigen Tagen erkrankt und
mußte in eine dortige Krankenanſtalt gebracht werden.
Die Krankheit der Königin wird als eine vorübergehende
bezeichnet, die in einigen Tagen behoben ſein dürfte. Ent=
gegen
den bisherigen Dispoſitionen wird die Königin nach
ihrer Geneſung nicht nach Richmond auf das Schloß ihres
Gemahls reiſen, ſondern einige Zeit nach Sigmaringen
kommen, um ſich vollends zu erholen. Um irrigen Aus=
legungen
zu begegnen, wird ausdrücklich betont, daß der
König Manuel ſeine Gemahlin täglich beſucht und ſie auch
hierher begleiten wird.
Köln, 25. Sept. (Der Fremdenlegion ent=
gangen
.) Ein 17jähriger Kölner Kaufmannslehrling,
der ſich mit geringen Mitteln auf die Wanderſchaft ge=
macht
hatte, kam bis nach Pont=à=Mouſſon, wo er von der
Polizei angehalten und auf die Wache gebracht wurde.
Nachdem ihm ſeine Wertſachen und Papiere abgenommen
worden waren, wurde ihm ein Schein vorgelegt, den er
wegen Unkenntnis des Franzöſiſchen nicht unterſchrieb.
Am anderen Tage wurde er militärärztlich unterſucht, wo=
bei
ſich ſeine Dienſtuntauglichkeit herausſtellte. Bei der
Entlaſſung teilte ihm der Stabsarzt zu ſeiner Ueber=
raſchung
in deutſcher Sprache mit, daß er zur Fremden=
legion
gekommen wäre, wenn er tauglich befunden wor=
den
wäre.
Porz bei Köln, 25. Sept. (Exploſion.) Heute
morgen 7½ Uhr fand in der Fabrik der Firma Bartſch
u. Real in Eil in der Zündplättchenabteilung eine Explo=
ſion
ſtatt, deren Urſache wahrſcheinlich Selbſtentzündung
iſt. Soweit bis jetzt feſtgeſtellt iſt, wurden zwei Perſonen
getötet und vier bis fünf ſchwer verletzt. Nach einer
ſpäteren Meldung wurden bei der Exploſion der Firma
Bartſch u. Real ein Mädchen getötet und ein Meiſter der
Abteilung ſo ſchwer verletzt, daß an ſeinem Aufkommen
gezweifelt wird. Außerdem wurden vier Mädchen und
ein Junge ſchwer, vier bis fünf Mädchen leicht verletzt.
Fulda, 25. Sept. (Hiſtoriſcher Fund.) Bei den
ven Profeſſor Vonderau geleiteten Ausgrabungsarbeiten
auf dem hieſigen Domplatz wurde ein Steinſarg freigelegt
von dem man vermutet, daß in ihm der König Konrad IV
(1254), der in Fulda in der Gruft der Königskapelle beim
Dom beerdigt iſt, eingebettet worden iſt.
Hamburg, 24. Sept. (Verhaftung.) Der ſeit
Januar dieſes Jahres nach Verübung bedeutender Hypo=
thekenſchwindeleien
nach Hamburg geflüchtete Notar Bek=
ker
aus Leipzig wurde wegen verſchiedener Betrügereien,
die er unter falſchem Namen verübt hatte, verhaftet.
Altona, 24. Sept. (Räuberiſcher Ueberfalk.)
Heute nachmittag wurde die 69 Jahre alte Witwe Dora
Zingmann in ihrer Wohnung in der Großen Mühlenſtraße
gefeſſelt, geknebelt und bewußtlos aufgefunden. Der Geld=
ſchrank
war erbrochen und eine größere Barſumme, zwei
Sparkaſſenbücher und ſämtliches Silberzeug und die
Schmuckſachen ſind geraubt. Die Täter, zwei Männer, ſind
entkommen.
Königsberg, 25. Sept. (Feuer.) Auf dem Kai=
Bahnhof brannten geſtern nacht zwei große mit Getreide
und Saatgut gefüllte Schuppen nieder. Die angrenzenden
Schuppen konnten durch die Feuerwehr geſchützt werden.
Der Schaden iſt ſehr beträchtlich. Die Urſache iſt unbe=
kannt
.
Zürich, 25. Sept. (Vergiftung durch Verſehen.)
In Zug verwechſelte die 68 Jahre alte Frau Fiſcher beim
Kochen von Apfelmus Arſenik mit Staubzucker. Nach dem
Genuß der vergifteten Speiſe ſtarb ſie innerhalb drei
Stunden. Ihr Mann ſchwebt in Lebensgefahr.
Liſſabon, 25. Sept. (Verſchwörer.) Ein früherer
Polizeiagent, der in eine Verſchwörung verwickelt iſt,
wurde verhaftet. Das Hochzeitsgeſchenk der
Liſſaboner Monarchiſten für den König Manuel iſt mit
einem däniſchen Dampfer nach London abgegangen.

Gerichtszeitung.

Der Mißbrauch der Immunität.
Kolmar, 25. Sept. Die hieſige Strafkammer
verhandelt heute in einem Prozeß mit politiſchem Hinter=
grunde
, der ein bezeichnendes Licht auf die Schärfe der
Parteikämpfe in Elſaß=Lothringen wirft. Unter der An=
klage
der Beleidigung und der Körperverletzung hat ſich
der Volksſchullehrer Hildwein aus Dornach zu ver=
antworten
. Die inkriminierten Vorfälle ereigneten ſich

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226.

Anfang Mai ds. Js. auf dem Bahnhofe von Kolmar. Hild=
wein
war mit dem Juſtizrat und Landtagsabgeordneten
Kübler, einem Mitgliede der Zentrumsfraktion, in
Differenzen geraten, die aus der politiſchen Gegnerſchaft
der beiden reſultierten. Im Laufe der Polemik, die von
Hildwein wie Kübler ziemlich heftig geführt wurde, ließ
ſich letzterer dazu hinreißen, von der Rednertribüne des
elſaß=lothringiſchen Parlaments herab die weibliche Ehre
der Frau Hildwein in grober Weiſe anzugreifen. Da
Hildwein keine Genugtuung für die perſönlichen
Angriffe auf ſeine Frau erhalten konnte und Kübler gegen
ein gerichtliches Vorgehen durch die Immunität
als Landtagsabgeordneter gedeckt war, be=
ſchloß
er, zur Selbſthilfe zu greifen. In Begleitung ſeines
Kollegen Meyer ſtellte er Kübler auf dem Bahnhofe. Die=
ſer
befand ſich in Geſellſchaft ſeiner Tochter und ſeines
Schwiegerſohnes. Hildwein trug eine Reitpeitſche in der
Hand. Als Kübler ſeinen Gegner auf ſich zukommen ſah,
zog er einen Revolver aus der Taſche und legte auf Hild=
wein
an. Der, Schuß ging aber nicht los, da er in der
Aufregung vergeſſen hatte, die Sicherung zu entfernen.
Hildwein ſchlug nun einige Male mit der Peitſche auf Küb=
ger
ein. Dieſer nahm den Revolver in die linke Hand und
wollte mit der Rechten die Sicherung löſen. In dieſem
Augenblick ſprang Meyer hinzu und hielt Kübler an bei=
den
Armen feſt. Auch die Tochter Küblers legte ſich ins
Mittel und bat ihren Vater, von dem Schießen Abſtand
zu nehmen. Inzwiſchen hatte ſich eine große Menſchen=
menge
angeſammelt, die der Meinung war, daß Meyer
der Anareifer geweſen ſei und ſich auf dieſen ſtürzen wollte.
Bald klärte ſich aber der Sachverhalt auf und die Menge,
unter der ſich namentlich einige Droſchkenkutſcher hervorge=
tan
hatten, ließ von Meyer ab. Niemand machte Miene,
dem verprügelten Landtagsabgeordneten beizuſtehen.
Begreiflicherweiſe rief der Vorfall in politiſchen Krei=
ſen
großes Aufſehen hervor. Als die Angriffe Küblers
gegen Frau Hildwein bekannt geworden waren, wurde in
Wettolsheim eine Verſammlung einberufen, die zu dem
Fall Hildwein=Kübler Stellung nahm und folgende Reſo=
lution
faßte: 180 in Wettolsheim in öffentlicher Ver=
ſammlung
anweſende Bürger und Bürgerinnen ſprechen
ihre tiefſte Entrüſtung aus über die ungeheuerliche Ver=
dächtigung
, welche der Landtagsabgeordnete Kübler in der
ZZweiten Kammer des Landtags unter dem Schutze der
Immunität gegen Herrn und Frau Hildwein ausgeſprochen
hat. Sie bedauern, daß die Tribüne des Landtags zu der=
artigen
perſönlichen Ehrabſchneidungen mißbraucht wer=
den
konnte und fordern Herrn Kübler auf. ſein Mandat als
Abgeordneter für den Wahlkreis Neu=Breiſach, Andols=
heim
=Winzenheim niederzulegen. Als in der Verſamm=
lung
bekannt wurde, daß am ſelben Tage Hildwein ſeinen
Gegner verprügelt habe, wurde dieſe Mitteilung mit don=
nerndem
Beifall aufgenommen. Die heutige Verhandlung
wird übrigens nicht die einzige ſein, die der Vorfall ge=
zeitigt
hat. In verſchiedenen Blättern des Elſaß waren
Notizen über die Beteiligung des Lehrers Meyer an dem
Vorfall erſchienen, die geeignet waren, dieſen in ein ſchlech=
tes
Licht zu ſetzen. Meyer hat nun gegen eine Reihe von
Zeitungen Strafantrag geſtellt, die nach Erledigung des
heutigen Prozeſſes zur gerichtlichen Erörterung gelangen
dürften.

Luftfahrt.

* Frankfurt a. M., 25. Sept. Der Interna=
tionale
Kongreß für Luftrecht, der 1911 in
Paris und 1912 in Gent getagt hatte, trat heute in Frank=
furt
zuſammen. Vertreten ſind Frankreich durch 6, die
Schweiz durch 3. Oeſterreich durch 2, England. Belgien
und Italien durch je einen Vertreter. Aus Deutſchland iſt
der Kongreß ſehr zahlreich beſucht; auch der kommandie=
rende
General des 18. Armeekorps v. Schenck wohnte der
Eröffnung bei. Nach einer Begrüßung durch Juſtizrat
Niemeyer=Eſſen übernahm der ehemalige Unterſtaats=
ſekretär
Profeſſor Dr. v. Mayer den Vorſitz. Der Geheime
Regierungsrat Dronkel begrüßte den Kongreß im Auf=
trage
des Reichskanzlers, des Reichsamts des Innern und
des Reichsjuſtizamts. Oberbürgermeiſter Voigt namens
der Stadt Frankfurt. Präſident Dr. Spahn namens des
Oberlandesgerichts, Rektor Profeſſor Wachsmuth namens
der Akademie, und Rechtsanwalt Baron Billault=Paris
als Präſident des Comités Juridique International de
Laviation. Geh. Rat Profeſſor Dr. Zitelmann=Bonn hielt
einen Vortrag über den Luftverkehr und ſeine internatio=
nale
Regelung, und dann begannen die nicht öffentlichen
Verhandlungen über das Privatrecht der Luftfahrt. Sie
werden in franzöſiſcher Sprache geführt.

Deutſcher Rekordflug.

i* Berlin, 24. Sept. Der auf ſeinem kühnen Flug
von Mülhauſen nach Warſchau ſo arg vom Pech verfolgte
Flieger Viktor Stöffler ſcheint nun doch bei allem
Unglück noch der erfolgreichſte Bewerber um die großen
Preiſe der Nationalflugſpende geweſen zu ſein. Aller

Wahrſcheinlichkeit nach hat Stöffler auf ſeiner Fahrt nicht
nur alle vorgeſchriebenen Bedingungen erfüllt, ſondern
auch den von dem Franzoſen Guillaur aufgeſtellten Ueber=
landflug
=Weltrekord erheblich gedrückt. Direktor Zeißig
von der Aviatik=Geſellſchaft, der ſich nach Warſchau begeben
hat, teilt hierüber telegraphiſch aus Warſchau unterm
23. September folgendes mit: Nach den bisherigen
Feſtſtellungen des Polniſchen Automobil=Klubs hat Stöff=
ler
auf ſeinem Flug Mülhauſen (Elſaß)=Warſchau alle vor=
her
aufgeſtellten deutſchen Leiſtungen überboten. Die
Luftlinie zwiſchen Mülhauſen und Plonsk beträgt 1050
Kilometer. Stöffler iſt dann von Plonsk nach dem 100
Kilometer entfernten Kutnow weitergeflogen. In Kut=
now
ſtieg er wieder auf und erreichte nach weitern 50
Kilometern Plock. Da ſein Kompaß infolge eines Ge=
witters
unbrauchbar geworden war, landete Stöffler dort
und ſtieg nach einiger Zeit wieder auf. Er kam dann
nach dem 85 Kilometer entfernten Pruskow wo er wieder
niedergehen mußte. Von Pruskow endlich erreichte der
Flieger den 15 Kilometer weiter gelegenen Flugplatz
Mokotow, wo er endgültig landete. Dieſe Flüge und
Landungen ſind von dem Polniſchen Automobil=Klub er=
mittelt
und beſtätigt worden. Stöffler hat jedoch noch
zweimal niedergehen müſſen, da er ſich im Nebel verirrte
und nicht mehr wußte, wo er war. Ueber die dabei zu=
rückgelegten
Strecken, die bei einer Flugzeit von drei Stun=
den
mindeſtens 250 Kilometer betragen, werden von dem
erwähnten Klub noch Nachforſchungen angeſtellt. Nach
dieſer Mitteilung hat Stöffler in der Tat 1300 Kilometer
zurückgelegt und ſich ſo die Anwartſchaft auf den erſten
Preis geſichert. Sollte es noch möglich ſein, die von ihm
während ſeiner Irrfahrt im Nebel bedeckte Strecke zu er=
mitteln
, ſo iſt es außer allem Zweifel, daß der kühne
Flieger einen neuen Weltrekord aufgeſtellt hat. (Köln. Ztg.)

Der Mittelmeerflug.

* Paris, 25. Sept. Der Flieger Garros der
geſtern von Tunis mit einem Poſtdampfer nach Frankreich
zurückkehrte, erzählte einem Berichterſtatter, daß er wäh=
rend
ſeines Fluges über das Mittelmeer zweimal Urſache
zu ernſter Beſorgnis gehabt habe. Er ſei kaum 100 Kilo=
meter
von ſeinem Aufſtiegsort St. Raphael entfernt ge=
weſen
, als ein Beſtandteil des Motors ſich ablöſte und den
Schutzmantel des Flugzeugs einſtieß, doch arbeitete der
Motor regelmäßig weiter. Vorſichtshalber habe er ſich
jedoch der Küſte von Korſika genähert. Zwiſchen Korſika
und Sardinien habe ſich ein zweiter ähnlicher Unfall er=
eignet
, der aber keine weiteren ernſten Folgen gehabt habe.
Immerhin habe er ſich jedoch dicht an der Küſte von Sar=
dinien
gehalten, wodurch er freilich auch die zu durch=
fliegende
Strecke verlängert habe. Der bedenklichſte Teil
des Fluges habe begonnen, als er die ſardiniſche Küſte
aus dem Geſicht verloren habe. Während einer Stunde
20 Minuten ſei er zwiſchen Himmel und Meer geflogen,
vom Winde heftig geſchüttelt und von einer großen
Sonnenhitze verſengt. Alsbald habe er die tuneſiſche Küſte
geſichtet. Er habe in Biſerta landen müſſen, weil er nur
noch fünf Liter Benzin hatte.

Neue Flugzeuge.

* Paris, 25. Sept. Auf dem Flugfelde von Melun
errang geſtern ein von den Brüdern Moreau erbautes
Flugzeug, welches mit einem ſelbſttätigen Stabiliſa=
tor
verſehen iſt, den von der nationalen Luftſchiffliga ge=
ſtifteten
Preis; das Flugzeug vollführte mit einem der
Erbauer und einem Offizier als Fluggaſt, in 80 Meter
Höhe bei ſtarkem Winde mehrere Rundflüge, ohne daß
der Flieger das Steuer berührte. Wie das Journal mel=
det
, werden in den nächſten Tagen auf dem Flugfelde von
Chalon=ſur=Marne Verſuche mit einem neuen Panzer=
flugzeug
unternommen werden, das mit einem ſtark=
kalibrigen
Geſchütz ausgerüſtet iſt. Mit dieſem Geſchütz,
das ſich in einem kleinen Drehturm befindet, können unter
den verſchiedenſten Winkeln Schüſſe auch auf große Ent=
fernungen
abgegeben werden. Dieſer Zeppelin=
jäger
ſo kann man dieſes Flugzeug wegen der ihm
zugedachten Rolle nennen werde ſich dank ſeiner
Schnelligkeit den Flugkreuzern nähern und deren Feuer
wirkſam erwidern können.

Die Lebensverſicherungsanſtalten.

B. Der Verband öffentlicher Lebensver=
ſicherungsanſtalten
in Deutſchland verſendet in
dieſen Tagen ſeinen erſten Geſchäftsbericht für
das Jahr 1912, der mit 2007525 Mark bilanziert. Die
Aktiven weiſen u. a. 1 Million Mark Einlageverpflichtun=
gen
der Provinzialanſtalten, 352906 Mark Wertpapiere,

43 314 Mark Guthaben auf; die Paſſiva ein Stamm= und
Betriebskapital von 1431 179 Mark.
In dem Geſchäftsbericht wird mitgeteilt, daß im Jahre
1912 ſechs Provinzialanſtalten in Tätigkeit ge=
treten
ſind und außerdem der Verband in den anderen
Landesteilen mehrere Abteilungen für den unmittelbaren
Betrieb der Lebensverſicherung errichtet hat. Im Jahre
1913 iſt eine neue Naſſauiſche Lebensverſicherungsanſtalt
in Wiesbaden gegründet worden, während für das direkte
Geſchäft Konzeſſionen für den größten Teil des Reichsge=
bietes
erteilt wurden. Dieſe ſollen jedoch nur ein Pro=
viſorium
bis zur Errichtung eigener Verbandsanſtalten
darſtellen. Außerdem hat der Verband eine Rückverſiche=
rungsabteilung
für die Exzedenten der Einzelſtaaten ſich
angegliedert. Dieſe behält einen Teil dieſer Exzedenten
als Selbſtbehalt und vermittelt außerdem die weitere
Rückdeckung der dieſe überſteigenden Beträge.
Im Jahre 1912 ſind inerhalb des Verbandes 3347 Ver=
ſicherungen
über ein Kapital von 28 965 221 Mark zum Ab=
chluß
gelangt, ſo daß ſich einſchließlich der Verſicherungs=
ſumme
der älteren oſtpreußiſchen Anſtalt ein Beſtand
von 35662 621 Mk. Kapitalverſicherung er=
gibt
. Die Anträge des Jahres 1913 weiſen ebenfalls eine
hohe Ziffer auf, werden jedoch nicht mitgeteilt. Die
Direktverſicherung durch den Verband wies Ende
1912 123 Verſicherungen in Höhe von 1192134 Mark auf,
die zum großen Teil den Einzelanſtalten überwieſen wur=
den
. In den erſten ſechs Monaten 1913 ſind allein
in der Direktverſicherung Anträge über 5391000 Mark
Kapital zu verzeichnen geweſen. Die Direktverſicherung
hat etwas über 68000 Mark Verwaltungskoſten erfordert;
die Verwaltungsgemeinſchaft der verbundenen Anſtalten
im Verbande etwa 126000 Mark.
Der Jahresbericht führt weiter aus, daß die öffent=
lichen
Lebensverſicherungsanſtalten im Jahre 1912 mit
ihrem Reinzuwachs von über 28 Millionen Mark nur hin=
ter
drei privaten Aktien= und vier Gegenſeitigkeitsgeſell=
ſchaften
zurückſtehen. Der Verband iſt im weſentlichen eine
Verwaltungsgemeinſchaft der verbundenen Anſtalten, die
unter Hinzuziehung mediziniſcher und mathematiſcher
Sachverſtändiger die Riſikoausleſe und die übrigen ver=
ſicherungstechniſchen
Arbeiten für dieſe erledigt. Der Ver=
band
iſt bemüht geweſen, mit Hilfe ſtädtiſcher Pfandbrief=
ämter
und anderer privilegierter Kreditanſtalten die Til=
gungsverſicherung
auch für den ſtädtiſchen Haus=
und Grundbeſitz zu erſchließen. Die Verwendung von
Amortiſationsquoten zur Zahlung von Lebensverſiches
rungsprämien an den Verband und ſomit zur Entſchul=
dung
des Grundbeſitzes haben eine große Anzahl öffent=
licher
Sparkaſſen, ſowie mehrere Provinzialhilfskaſſen zu=
gelaſſen
. Weiter wendet ſich der Jahresbericht gegen die
Behauptung, daß der größte Teil der Prämieneinnahmen
der Provinzialanſtalten entgegen den urſprünglichen Ver=
prechungen
nach Berlin fließe und dem Kreditbedürfnis
der Provinzen entzogen werde. Durch die Abmachung der
Rückverſicherungsabteilung mit den Provinzialanſtalten
einerſeits und mit der Rückverſicherungsgeſellſchaft anderer=
ſeits
bleibt der größte Teil der Rückverſicherungsprämien
als Ergänzung der Prämienreſerve den einzelnen Prdvin=
zialanſtalten
zur Verwaltung überlaſſen, ſo daß nur etwa
56000 Mark Prämieneinnahmen aus den Provinzialan=
ſtalten
nach Berlin fließen. Der Verwaltungsbericht ſtellt
ferner feſt, daß das geſpannte Verhältnis zur Privatver=
ſicherung
noch fortdauert, daß der Verband aber trotz des
über ihn ausgeſprochezen Rückverſicherungsboykotts ſeine
ämtlichen Retrozeſſionen noch für viele Jahre unterge=
bracht
hat.
Für die Volksverſicherung haben die verbun=
denen
Anſtalten einen Organiſationsfonds von 300000 M.
aufgebracht, ſo daß der Verband bereits als erſter dieſen
Betrieb aufnehmen konnte. Zu ihrer Durchführung nament=
lich
auf dem platten Lande haben ſich ihm der Reichsver=
band
der Deutſchen Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften,
der Hauptausſchuß nationaler Arbeiter= und Berufsver=
bände
und andere Vereinigungen angeſchloſſen.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Schweine=
markt
am 24. September. Auftrieb durch Händler 140
Schweine, durch die Bezugsvereinigung 00 Schweine.
Preiſe: 1. Qual., ausgeſuchte Ware (Schlachtgewicht 50
Kilogramm) 82 Mk., 2. Qual. 81 Mk., 3. Qual. 80 Mk.,
Marktverlauf: lebhaſt; Ueberſtand. Schweinemarkt
am 25. September. Auftrieb durch Händler 154 Schweine,
durch die Bezugsvereinigung 00 Schweine. Preiſe:
1. Qual., ausgeſuchte Ware (Schlachtgewicht 50 Kilogramm)
82 Mk., 2. Qual. 81 Mk., 3. Qugl. 80 Mk. Marktverlauf:
rege; wenig Ueberſtand. Kälbermarkt am 25. Sep=
tember
. Auftrieb durch Händler 157 Kälber 1 Schaf.
Preiſe: (Lebendgewicht 50 Kilogramm) 5663 Mk. Markt=
verlauf
: lebhaft; geräumt.

I

Großhei zugänuites Hoftheater,

Donnerstag, 25. September.
Zum erſten Male:
Hans Sönnenſtößers Höllenfahrt.
Ein heiteres Traumſpiel in fünf Bildern von Paul
Apel. Muſik von Richard Beermann.
W-l. Der im Jahre 1872 in Graubünden geborene
Verfaſſer des heute erſtmalig hier zur Aufführung ge=
kangten
Stückes, Paul Apel, hat außer philoſophiſchen
Schriften ſchon zwei Dramen Liebe und Johannes
Cantor in den Jahren 1907 und 1908 veröffentlicht, die
im ganzen wohl unbekannt geblieben ſind. Erſt das
Traumſpiel Hans Sonnenſtößers Höllen=
fahrt
hat ſeinen Namen bekannt gemacht. Nach dem
offiziellen Programmbuch iſt unſer Hoftheater die 175.
Bühne, die das Stück zur Aufführung bringt.
Der Student der Philoſophie, Hans Sonnenſtößer,
muß ſich durch Stundengeben und Klavierunterricht die
Mittel zum Studium und zum Leben mühſam erwerben.
Er empfindet ſeine gedrückte materielle Lage, über die ihn
ſein Freund Albert oft durch Geldunterſtützungen hinweg=
hilft
, um ſo mehr. als er gern ganz ſeinem Studium leben,
namentlich aber ſich ſeiner ſchriftſtelleriſchen Tätigkeit un=
geſtört
und frei widmen möchte. Aus dieſer Lage ſcheint
ihm die Heirat mit der Tochter eines reichen Berliner
Philiſters Minchen Schmidt, die erwünſchte Befreiung zu
bringen, da er ſeine hochgehenden Pläne verwirklichen zu
können glaubt, wenn er der materiellen Sorgen enthoben
iſt. Aber Minchen, die aus der Sphäre der Pfahlbauern
ſtammt, iſt zwar ein gutes Kind, aber ein dumms Gäns=
chen
, die nicht zu ihm paßt, auch gehört ſein Herz einer
anderen, nämlich der filia hospitalis mit dem Sammel=
namen
Elſe, die für ſein geiſtiges Streben volles Ver=
ſtändnis
beſitzt.
Vor einer Abendgeſellſchaft bei ſeinen zukünftigen
Schwiegereltern ſchläft Hans auf dem Kanapee ein und

im Traume zieht das Bild ſeiner zukünftigen Ehe mit
Minchen an ſeinem Geiſte vorüber. Hiermit beginnt das
eigentliche Traumſpiel, das als Handlung in 3 Bildern
vorgeführt wird. Die Ehe mit Minchen wird ſehr un=
glücklich
, ſeine angeheiratete entſetzliche Spießer= Verwandt=
ſchaft
, noch mehr aber Minchen ſelbſt mit ihrer abſoluten
Verſtändnisloſigkeit und ihren ewigen Liebesbeteuerungen
bringen ihn zur Verzweiflung, und er befolgt ſchließlich
den Rat ſeines Freundes Albert und tötet ſie. Er wird
verhaftet, vors Schwurgericht geſtellt und zum Tode ver=
urteilt
, aber, nachdem Minchen wieder ins Leben zurück=
gekehrt
iſt. zur ewigen Ehe mit ihr begnadigt.
Aus dieſem ſchrecklichen Traum erwacht er zu einer
ſchöneren Wirklichkeit; denn Elſe kommt, ihn zu wecken,
damit er zur Abendgeſellſchaft bei ſeinen Pfahlbauern
gehe. Doch er hat genug von ihnen. Durch das ſchreck=
liche
Traumgebilde gewarnt, macht er einen Strich durch
ſeine Rechnung und läßt Minchen und die Ausſichten auf
eine ſichere Verſorgung fahren. Er hat ſein beſſeres Selbſt
wiedergefunden, und an der Seite ſeiner geliebten Elſe
winkt ihm eine ſchönere Zukunft und die Verwirklichung
ſeiner hohen Ziele.
Das Stück verfolgt keine höheren ethiſchen Ziele oder
Probleme, ſondern iſt lediglich unterhaltender Art, die oft
ſogar ans Poſſenhafte grenzt. Die Verflechtung der Wirk=
ichkeit
mit den Traumgeſtalten iſt indeſſen ſehr geſchickt.
Es ſind wirre Traumphantaſien, wie ſie jeder an ſich er=
jahren
kann, und ihre Darſtellung iſt dem Traumleben
fein abgelauſcht, das zu einer krauſen Handlung mit
Raffinement verwertet iſt. Die kurioſen Sprünge und ver=
worrenen
Einzelhandlungen müſſen eben als Traum=
erſcheinungen
beurteilt werden, denn ſonſt würde man
darüber den Kopf ſchütteln. Allerdings iſt manches reich=
lich
lang ausgeſponnen, namentlich die Hinrichtungsſzene.
Vielleicht würde ſich auch ein weniger ſtackes Auftragen,
der Farben in der Charakteriſtik empfehlen.
Die Aufführung war wohl vorbereitet und ging glatt
von ſtatten. Den Hans ſpielte Herr Ehrle mit Leben
und Humor. Eine bedeutende ſpauſpieleriſche Aufgabe

ſtellt die Rolle ihrem Darſteller im Grunde nicht. Für die
Rolle des Minchens war Frau Gothe die berufene Ver=
treterin
, die der Elſe ſpielte Frau Meißner mit natür=
licher
Wärme und Liebenswürdigkeit, als Albert legte
Herr Jannings eine beachtenswerte Probe ſeines Ta=
lentes
ab. Außer dieſen hat das Stück noch eine Anzahl
kleinerer Rollen. Charakteriſtiſch=groteske Geſtalten waren
der Rentner Schmidt, ſeine Frau und ſein Sohn, die von
Herrn Jordan, Frau Doſtal und Herrn Schneider
dargeſtellt wurden, nicht minder aber die Tante Pauline
der Frau Müller=Rudolph und der Couſin des
Herrn Heinz. Die kleineren Rollen der Gerichtsſzene
im Traumſpiel waren gut beſetzt.
Die Regie hatte Herr Harprecht, der für das tolle
Stück einen paſſenden ſzeniſchen Rahmen geſchaffen hatte
und ſich als Regiſſeur gut einführte, für die Geſtaltung des
Bühnenbildes hatten die Herren Kempin und
Schwerdtfeger Sorge getragen. Weshalb aber Hans
die Gerichtsſzene ganz dunkel geträumt hat, iſt nicht recht
verſtändlich. Auch die Hinrichtungsſzene könnte heller be=
leuchtet
ſein, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß man den
Mechanismus des vorüberſchwebenden Geiſtes erkennt.
Die Zwiſchenaktsmuſik von Richard Beermann,
die dem Traumulk entſprechend, humoriſtiſch=parodiſtiſcher
Art iſt, entfeſſelte große Heiterkeit beim Publikum.
Letzteres nahm, namentlich nach den erſten Aufzügen,
die Neuheit ſehr beifällig auf. gegen den Schluß hin flau=
ten
das Intereſſe und der Beifall ab. Nach Schluß der
Vorſtellung ereignete ſich etwas Merkwürdiges. Das ge=
ſamte
Publikum blieb ruhig ſitzen, da es nicht wußte, daß
das Stück zu Ende war; erſt das Herabgehen des eiſernen
Vorhanges verkündete das comoedia finita est. Der
äußere Grund dafür war darin zu ſuchen, daß nach den
Akten bezw. Bildern, das Haus, wie ſchon öfter, entgegen
der Bekanntmachung auf dem Zettel, nicht erleuchtet wurde
und das Publikum deshalb nicht wußte, wie viele Akte
geſpielt worden waren.

[ ][  ][ ]

Nummer 226.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Seite 7

Frankfurt a. M., 25. Sept. Schlachtvieh=
markt
. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: Rinder 114,
darunter Ochſen 31, Bullen 00, Färſen und Kühe 83, Käl=
ber
797, Schafe 355, Schweine 1620. Preiſe für 1 Zentner
Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in Mark: Kälber: a)
feinſte Maſt= (Vollm.=Maſt) und beſte Saugkälber 6680
(113117), b) mittlere Maſt= und gute Saugkälber 3665
105112), c) geringere Saugkälber 5860 (98102).
Schafe: a) Maſtlämmer und jüngere Maſthammel 4546
(9396), b) ältere Maſthammel und gut genährte Schafe
3539 (82). Schweine: a) Fettſchweine über 3 Ztr.
Lebendgewicht 61½65 (8083), b) vollfleiſchige Schweine
über 2½ Ztr. Lebendgewicht 6163 (7881), c) vollflei=
ſchige
Schweine über 2 Ztr. Lebendgewicht 6265 (8082),
d) vollfleiſchige Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgewicht
6263½ (7880). Marktverlauf: Kälber gedrückt. Schafe
rege (geräumt); Schweine mäßig rege, geringer Ueberſtand.

Vermiſchtes.

Die Wappen der deutſchen Städte,
Flecken und Dörfer. Die auf gewiſſenhaften archi=
valiſchen
und heraldiſchen Studien fußenden, auf den
neueſten Stand der einſchlägigen Wiſſenſchaft gebrachten
Zeichnungen der Wappen deutſcher Städte Flecken und
Dörfer des bekannten Heraldikers Profeſſor Otto Hupp,
die bisher der Kenntnis weiterer Kreiſe nicht zugängig
waren, weil ſie in koſtbaren und nur in wenigen Exem=
plaren
von Prachtwerken niedergelegt ſind, werden in der
Folgezeit dadurch dem geiſtigen Beſitz des ganzen deut=
ſchen
Volkes einverleibt werden, daß die Kaffee=Handels=
A.=G. (Hag) in Bremen ſich entſchloſſen hat, die rund 3000
in Betracht kommenden Wappen nach und nach in Form
von höchſt geſchmackvollen Werbemarken zu verbreiten. Die
Anregung zu dieſer kulturell wertvollen Tat ging von der
Brücke, dem internationalen Inſtitut zur Organiſierung
der geiſtigen Arbeit (Sitz München) aus die mit großer
Energie für die Umwertung der Rieſenſummen, die all=
jährlich
in den Dienſt der Reklame geſtellt werden müſſen,
in Kulturgüter eintritt.
Kinder, die auf der Reiſe 10 Jahre
alt werden. Kinder vom vollendeten vierten bis zum
zehnten Jahre zahlen auf den deutſchen Eiſenbahnen be=
kanntlich
den halben Fahrpreis. Hierzu iſt jetzt beſtimmt
worden, daß das Alter bei Antritt der Reiſe maßgebend
iſt. Dadurch wird klargeſtellt, daß Kinder Fahrpreis=
ermäßigung
auch für den Reſt der Reiſe behalten, die ihnen
nach ihrem Alter beim Antritt der Reiſe zuſtanden. Sie
können alſo während der Gültigkeitsdauer der Fahrkarte
die Altersgrenze überſchreiten. Sie haben aber keinen
Anſpruch auf die Ermäßigung, wenn die Fahrkarte für ſie
zwar vorher gelöſt, jedoch beim Antritt der Reiſe die
Altersgrenze ſchon überſchritten iſt. Dieſelben Grundſätze
gelten für jugendliche Perſonen, die Fahrpreisermäßigung
genießen.
* Drahtloſe Telephonie unter Waſſer.
Um von Kriegs= und Handelsſchiffen ohne Drah tele=
graphieren
zu können, bedurfte es bisher bekanntlich hoch=
ragender
Maſten, die als Antennen dienen mußten. Sie
bieten ein weithin ſichtbares Ziel für den Feind, und um
ſie vor deſſen Kanonen einigermaßen zu ſchützen, mußten
beſondere Hilfsmittel erfunden werden, ſei es, daß man
in ihre Baſis ſchwere Gewichte einbaute, oder daß man
ſie, wie dies in England und Japan geſchah, auf drei
Beine ſtellte. Eine Erfindung, die vor kurzem, und zwar
in Deutſchland, gemacht worden iſt wird vorausſichtlich
die Maſten überhaupt beſeitigen und den Kriegsſchiffen
der nächſten Zukunft ein völlig verändertes Ausſehen geben.
Die Maſten werden verſchwinden nichts als Schornſteine
und Panzerlürme werden über Deck zu ſehen ſein. Die
Nachrichten aber, die man bisher hoch oben auffing, wer=
den
in den unterſten Räumen des Schiffes, hinter ſeinem
Panzer, aufgefangen werden: von dort aus wird man
drahtlos durchs Meer telephonieren. Mikrotelephoniſche
Apparate ſind in einer entſprechend gebauten Kabine auf=
geſtellt
, und wie bei der drahtloſen Telegraphie werden
ſtarke Ströme ausgeſchickt, aber nicht wie bei dieſer durch
die Luft, ſondern durchs Meer hin. Durchs Meer wird
von Schiff zu Schiff geſprochen werden, gleichgültig, ob
eine Oberfläche ruhig liegt oder von Stürmen aufgewühlt
iſt, unabhängig von jenen Situationen, die die drahtloſe
Telegraphie ſtören, von Nebel und großen Temperatur=
unterſchieden
. Für Rettung aus Schiffsnot iſt die Tele=
phonie
unter Waſſer von ungeheuerer Bedeutung: kann
doch vom Schiff faſt im Moment des Unglücks nicht nur
die Nachricht, ſondern die genaue Lagebezeichnung in wei=
tem
Umkreis hinausgeſprochen werden; alle in der Reich=
weite
befindlichen Schiffe, die Empfangsſtationen an Bord=
haben
, müſſen dieſe Stimme aus der Meerestiefe verneh=
men
. Man muß, wenn man von dieſen beinahe ſchon er=
füllten
Möglichkeiten hört, an Jules Vernes phantaſtiſchen
Zukunftsroman 20000 Meilen unterm Meer denken.
Aber dieſe vor einigen zwanzig Jahren ausgedachten
Phantaſien, die damals durchaus als Utopien galten, ſind
heute von der Wirklichkeit auf ganz ungeahnte Weiſe über=
boten
, ſie ſind Alltag geworden.

Literariſches.

* Kritiſche Rundſchau, Halbmonats=Zeitung
für deutſche Kultur. Herausgeber: Hans Ludwig Held,
Verlag: Hugo Schmidt. München. Zum Leſen aller ſchön=
geiſtigen
Literatur fehlt im Sortiment die Zeit, noch mehr
für die Lektüre wiſſenſchaftlicher Werke, denen der Sorti=
menter
ohnedies im allgemeinen fremder gegenüberſteht.
Wer insbeſondere ein anſpruchsvolles Publikum zu be=
dienen
hat, wird oft mit der Abgabe eines Urteils oder
einer Inhaltsangabe in Verlegenheit kommen. Die bis=
her
erſcheinenden periodiſchen Druckſchriften werden faſt
alle in größeren Zwiſchenräumen ausgegeben, während
ein öfters erſcheinendes und dabei reichhaltiges Organ
gänzlich fehlt Hier ſoll die Kritiſche Rundſchau Ab=
hilfe
bringen. Sie wird vorerſt zweimal im Monat, am
1. und 15., erſcheinen in großem Format als Zeitung und
auf ihren acht Seiten einen Aufſatz, 7090 Beſprechungen
von meiſt neuen Büchern jeder Richtung, Referate über
Theater, Muſik und wichtige Ausſtellungen, ſowie Notizen
über Ereigniſſe des literariſchen, künſtleriſchen und gei=
ſtigen
Lebens bringen. Eine große Schar von Mitarbei=
tern
ſteht dem bekannten Herausgeber und Redakteur zur
Seite, ſo daß jedes Gebiet fachmänniſch behandelt werden
wird. Jeglicher kritikenſchreibender Dilettantismus iſt
ausgeſchloſſen. Zur ſchnellen, gründlichen Orientierung des
Sortiments und zur ſtändigen Information ſeiner Kund=
ſchaft
wird die Kritiſche Rundſchau große Dienſte leiſten
können. Durch dieſe Vorzüge und jenen, billig zu ſein,
bietet ſie ſich dem Sortiment als verläſſigſten, billigſten
Mitarbeiter an.
Im neueſten Heft der illuſtrierten Zeitſchrift . Zur
Guten Stunde finden wir ein großes, intereſſantes
Bild, das uns auf eine Welt mit drei Sonnen verſetzt.
Der bekannte=aſtronomiſche Schriftſteller Bruno H. Bürgel

belehrt uns in einer ausführlichen Abhandlung über dieſe
merkwürdigen Sonnenſyſteme und über das, was die Wiſ=
ſenſchaft
von ihnen hat in Erfahrung bringen können. Das
vorliegende Heft iſt das erſte Heft des neuen 27. Jahr=
ganges
der beliebten Familien=Zeitſchrift (Deutſches Ver=
lagshaus
Bong u. Co., Berlin W. 57. Preis des Vier=
zehntagsheftes
40 Pf.) und es iſt von einer ſolchen Reich=
haltigkeit
, ſowohl was Bilder wie Tertmalerei anbetrifft,
daß es kaum möglich iſt, auf einem knappen Raum auch
nur das Wichtigſte hervorzuheben. Zwei große Romane
bilden den Hauptleſeſtoff des Heftes. Novellen, Gedichte,
kleinere Erzählungen ſchließen ſich an. Von den zumeiſt
reich illuſtrierten, belehrenden Aufſätzen erwähnen wir
die Arbeiten Die Maske des Schauſpielers von Karl
Pauli, ein intereſſantes Feuilleton Ueber das Leben der
Fröſche, eine ſehr lehrreiche Abhandlung über die merk=
würdigen
, heute wieder in Aufnahme gekommenen Ver=
ſuche
zur Auffindung unterirdiſcher Quellen mit der Wün=
ſchelrute
. Wieder eine andere Plauderei beſchäftigt ſich
mit einigen in Theben gefundenen 4000 Jahre alten Kunſt=
werken
. Beſonderes Intereſſe verdienen Oranges präch=
tiges
Gemälde Napoleon verläßt den brennenden Kreml
zu Moskau und die dieſem Bilde beigegebene, moderne
geſchichtliche Forſchungen berückſichtigende Abhandlung
Wer hat Moskau angezündet‟. In einer Beilage Erfin=
dungen
und Entdeckungen wird das Neueſte aus dem Ge=
biet
der Naturwiſſenſchaft und Technik zur Mitteilung ge=
bracht
. Eine andere Beilage Für unſere Frauen berichtet
über alle Neuheiten in Haus, Hof, Küche und Keller. Von
den vielen Bildern erwähnen wir nur die farbige Kunſt=
beilage
A Wetter kimmt nach dem humorvollen Gemälde
von A. Roeſeler und Karl Deikers originells Bild Der
Retter in den Lüſten.
* Neu erſchienene Broſchüren: Unſer täg=
lich
Brot. Ernährungsfragen unter Betonung biologi=
ſcher
Geſichtspunkte von Fritz Kleinſorgen. Erd=Verlag,
Elberfeld. Das Vaterhaus. Wie Suchers zu einem
Vaterhaus kamen. Von Profeſſor O. Schwindrazheim,
Altona. Preis 1 Mk. Heimkultur=Verlag, Weſtdeutſche
Verlagsgeſellſchaft m. b. H., Wiesbaden. Die Revolu=
lion
in China. Von Martin Maier=Hugendubel ( Ver=
faſſer
von Die gelbe Gefahr uſw.). Mit einer Vorrede
von Profeſſor D. von Wurſter in Tübingen. Zweite Auf=
lage
. (Viertes bis ſechſtes Tauſend.) Verlag von Johan=
nes
Blanke, Konſtanz (Baden). Illuſtrierte Haus=
bibliothek
für nützliche und belehrende Beſchäftigung.
Hubert.
Herausgegeben und verfaßt von Wilhelm
Band 31: Pendeluhr. Mit 23 Abbildungen. Pößneck
i. Thür. Verlag von Hermann Schneider Nachf. Dauer=
heilung
der Herzſchwäche und der von ihr abhängigen
chroniſchen Leiden. Von Dr. med. Böſſer, Arzt in Alten=
ſchlirf
, O.=H. (Haus Am Wilden Stein). Im Selbſt=
verlag
, 1913. Wie mache ich mein Teſtament ohne
Rechtsanwalt und ohne Notar? Das Erbrecht. Gemein=
verſtändliche
Darſtellung des Geſetzes nebſt zahlreichen
Teſtamentsentwürfen und =beiſpielen. (Verfaſſer Hans
Baumgartens
Luſtig, kaufmänniſcher Sachverſtändiger.
Verlagsbuchhandlung, Saarbrücken 3; Preis 1,10 Mk.)
4. Auflage.

Vom Balkan.

Die ſerbiſch=albaniſchen Kämpfe.
* Belgrad, 24. Sept. Die für die Operationen
gegen die Albaneſen aus acht Regimentern ge=
bildete
Drina=Diviſion befindet ſich auf dem Marſche nach
der albaniſchen Grenze.
* Belgrad, 24. Sept. Das Serbiſche Preſſebureau
veröffentlicht folgendes Communiqué: Die ernſten
Ereigniſſe an der albaniſchen Grenze, von
denen geſtern die Rede war. zwangen die Regierung, ſich
mit den Mitteln zu beſchäftigen, die zum Schutze der von
Albanern angegriffenen ſerbiſchen Gebiete geeignet ſind.
Zu dieſem Zwecke wurde die Mobiliſierung der Morawa=
Diviſion angeordnet. Außerdem wurden alle Maßregeln
ergriffen, um die Sicherheit in dieſen Gegenden aufrecht
zu erhalten.
* Wien, 24. Sept. Die ſerbiſchen Vertreter
bei den Großmächten ſind beauftragt worden, den
Kabinetten mitzuteilen, daß ſich die ſerbiſche Regierung
durch die Unruhen an der albaniſchen Grenze in einer
ſchwierigen Lage befinde und ſich genötigt ſehe, mit
Waffengewalt einzuſchreiten. Die öſterreichiſche Regie=
rung
hat dieſe Mitteilung der ſerbiſchen Regierung vor=
läufig
zur Kenntnis genommen. Das Auswärtige Amt
beobachtet die Richtlinien ſtrengſter Zurückhaltung. Auch
gegenüber der franzöſiſchen Preßhetze, wonach Oeſterreich
die neueſte Balkanſituation indirekt verſchuldet habe, wird
am Ballplatz vollſtändige Apathie bewahrt.
* Paris, 25. Sept. Nach einer Blättermeldung aus
Konſtantinopel iſt die türkiſche Regierung ent=
ſchloſſen
, dem albaniſchen Abenteuer fernzubleiben.
In den letzten Tagen ſeien viele Albanier aus Konſtan=
tinopel
ausgewieſen worden.
* Wien, 25. Sept. Gegenüber den Berichten über
den Albaneſenaufſtand in Neuſerbien
empfiehlt das Neue Wiener Tageblatt möglichſte Reſerve,
Kühle und Nüchternheit bei der Beobachtung der weite=
ren
Entwickelung. Nirgends mehr als in Oeſterreich=
Ungarn habe man Grund, dieſe Vorgänge aufmerkſam
zu verfolgen, und nirgends mehr als in Wien und Rom
werde die Störung der ruhigen Konſtituierung des neuen
Albaniens bedauert. Oeſterreich=Ungarn und Italien
hätten dem europäiſchen Frieden anerkanntermaßen einen
großen Dienſt geleiſtet, als ſie trotz des großen Unbe=
hagens
ihre Unterſchrift unter das Londoner Protokoll
ſetzten. Die Durchführung der Londoner Beſchlüſſe ſei
jetzt aber auch die Grundlage für die Haltung Oeſterreich=
Ungarns; ebenſo habe Serbien ſeine Verpflichtungen zu
erfüllen. Oeſterreich=Ungarn werde den Albaneſen die
Wahrung der Ruhe dringendſt nahelegen, Serbien aber
ſolle bei den Bemühungen zur Herſtellung der Ruhe das
in London abgegrenzte Albanien reſpektieren. Jeder
Schritt über das unbedingt Nötige hinaus könne für Ser=
bien
nur neue Schwierigkeiten verurſachen. Gegenüber
der etwaigen Neigung in manchen politiſchen Zentren
des Auslandes, die Lage ſehr peſſimiſtiſch aufzufaſſen,
um den großen militäriſchen Vorkehrungen Serbiens
Nachdruck und Berechtigung zu geben, könne nur neuerlich
konſtatiert werden, daß Oeſterreich=Ungarn auf den Lon=
doner
Abmachungen beharre und vorläufig eine inter=
nationale
Komplikation nicht zu beſorgen ſei.
Bulgariſche Beſchuldigungen und Rechtfertigungen.
* Sofia, 24. Sept. Die Agence Bulgare meldet:
Die ſerbiſchen Behörden führen in den Ortſchaf=
ten
des Bezirks Radoviſchte und im ganzen übrigen
Mazedonien, deſſen Bevölkerung maſſenweiſe flüchtet, ein
Schreckensregiment ein. Hundert Flüchtlinge ſind
aus dem Strumitzabezirk hier eingetroffen und vermehren
die ſchon ſehr große Zahl von Flüchtlingen. Die bulga=
riſche
Regierung übermittelte deshalb der ruſſiſchen Ge=

ſandtſchaft, welche die ſerbiſche Regierung vertritt, eine
Note. Die griechiſchen und türkiſchen Einwohner von
Melnik, welche die griechiſchen Militärbehörden nach der
Zerſtörung ihres Eigentums gewaltſam mit ſich führten,
um ſie angeblich vor der bulgariſchen Herrſchaft zu retten.
und die in die kleine Stadt Kruſchovo im Bezirk Serres
gebracht worden waren, wollten nach Bulgarien zurück=
kehren
. Der Kommandant von Kruſchovo, Leutnant
Dimitri Djiba, verweigerte die Erlaubnis zur Rückkehr.
Er ließ einige verhaften und vor das Kriegsgericht füh=
ren
. Einer Anzahl Muſelmanen gelang es, zu entkom=
men
. Sie erzählten, daß die griechiſchen Offiziere ihnen
alles, was ſie bei ſich gehabt hätten, fortnahmen.
* Sofia, 25. Sept. (Agence Bulgare.) Mit Bezug
auf die tendenziöſen Meldungen eines auswärtigen Blat=
tes
aus Adrianopel, wonach die Verwaltung der
bulgariſchen Behörden kläglich und ungerecht ge=
weſen
ſei und die Bulaaren Gewalttaten begangen hätten,
richtete der frühere Militärgouverneur Thraziens. Ge=
neral
Vazow, an Profeſſor Miljukow ein Mitglied der
Carnegiekommiſſion, ein Schreiben, in dem er gegen dieſe
Behauptungen proteſtiert. Die Bulgaren hätten Adria=
nopel
, ſowie auch Thrazien als ziviliſiertes, von Huma=
nitätsgefühlen
beſeeltes Volk, als Befreier und nicht als
Eroberer verwaltet, das hätten der ruſſiſche Botſchafter
in Adrianopel, der engliſche General Broadwood, der mit
dem engliſchen Konſul beauftragt war, an die Gefangenen
und an die muſelmaniſche Bevölkerung nach dem Fall der
Feſtung Unterſtützungen zu verteilen, durch ihre Erklärun=
gen
bezeugt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 25. Sept. Wie aus Viktoria (Kamerunf
unter dem 24. September gemeldet wird, hat ſich dem
Staatsſekretär Dr. Solf gelegentlich ſeiner Fahrt mit
der Nordbahn am 14. September Gelegenheit geboten zur
Beſichtigung vielverſprechender Tabakpflanzungen und rei=
cher
Oelpalmenbeſtände. Vom 15. bis 23. September unter=
nahm
Dr. Solf einen Ritt über die Mboe=Ebene nach
Dſchang. Hierbei wurden überraſchend viele fruchtbare
Eingeborenenkulturen angetroffen Am 24. September
fuhr der Staatsſekretär mit dem Dampfer Henny Woer=
mann
nach Lagos. Der Geſamteindruck, den der Staats=
ſekretär
von Kamerun gewonnen hat, iſt ein äußerſt befrie=
digender
. Allein die Oelpalme ſichert die Zukunft des
Schutzgebietes. Dringend erforderlich iſt ein ſofortiger
Ausbau des Eiſenbahnnetzes.
* Kaſſel, 25. Sept. Die für die Tage der Tauſend=
jahrfeier
drohende Gefahr eines Straßenbah=
nerſtreiks
dürfte beſeitigt ſein, nachdem heute mittag
von der Direktion der Großen Kaſſeler Straßenbahn in
Gegenwart des Oberbürgermeiſters Vertretern des deut=
ſchen
Transvortarbeiterverbandes und einer Kommiſſion
der Straßenbahnangeſtellten die Erklärung abgegeben wor=
den
iſt, daß ſie nach Benehmen mit der ſobald als möglich
einzuberufenden Aufſichtsratsſitzung eine den Wünſchen
der Angeſtellten nach Möglichkeit Rechnung tragende Re=
gelung
der Lohnverhältniſſe eintreten laſſen werde.
* Stuttgart. 25. Sept. Die 3 2. Jahresver=
ſammlung
des deutſchen Vereins für Ar=
menpflege
und Wohltätigkeit wurde heute vor=
mittag
in Gegenwart des Miniſters des Innern v. Fleiſch=
hauer
eröffnet, der die Grüße und Glückwünſche des Könias
und der württembergiſchen Regierung überbrachte, wäh=
rend
die Königin durch Kabinettsrat v. Kübel vertreten
war Die Grüße der Reichsregierung und des Reichs=
kanzlers
überbrachte Geh. Regierungsrat und vortragender
Rat im Reichsamt des Innern Dr. Jung. Nachdem noch
Oberbürgermeiſter Lautenſchlager die Jahresverſammlung
begrüßt hatte, wurde in die Tagesordnung, betreffend die
Schaffung eines Reichsarmenrechts, eingetreten. Sieben
Vorträge behandeln die einzelnen Fragen des Tages.
* Hamburg. 25. Sept. Auf die Huldigungstele=
gramme
des 37. Kongreſſes für innere Miſ=
ſion
in Hamburg gingen folgende Antworten ein: Seine
Majeſtät der Kaiſer und König haben die Huldigungs=
grüße
der dort verſammelten evangeliſchen Männer und
Frauen gern entgegengenommen und haben ſich über das
freundliche Gedenken allerhöchſt Ihrer Anteilnahme an der
geſegneten Arbeit auf dem Gebiete der inneren Miſſion ge=
freut
. Seine Majeſtät laſſen herzlich danken und werden
den für die evangeliſche Kirche und das deutſche Volk ſo
bedeutungsvollen Beſtrebungen auch fernerhin tunlichſte
Förderung zuteil werden laſſen. Auf allerhöchſten Befehl
der Geheime Kabinettsrat v. Valentini. Von der Kai=
ſerin
ging folgendes Telegramm ein: Ich danke herzlichſt
für Ihr Begrüßungstelegramm. Es iſt mir eine ernſte
Pflicht, an den Arbeiten für das geiſtige Wohl unſeres
Volkes mitzuhelfen. Ich erhoffe von den Beratungen auf
dem 37. Kongreß für innere Miſſion für die Weiterarbeit,
ihre Ausdehnung und Vertiefung gute Erfolge. Auguſte
Viktoria I. R.
* Halle a. S., 25. Sept. Der ordentliche Profeſſor am
Landwirtſchaftlichen Inſtitut der Univerſität, Simon
Nathuſius, iſt im 48. Lebensjahre an den Folgen
einer Ohrenoperation geſtorben.
* Breſt, 25. Sept. Das ruſſiſche Geſchwader
iſt um 10.30 Uhr nach Kriſtianſund abgefahren.
* London, 25. Sept. In einem der erſten Hotels von
Leicheſter wurde geſtern ein Mann namens Cona Wat=
ſon
verhaftet. Er hatte in den beſten Hotels große
Mengen von koſtbaren Schmuckſachen zu=
ammengeſtohlen
.
* Paris, 25. Sept. Die 13jährige Bucklige Blanche
Hué erſchoß ſich geſtern in Abweſenheit ihrer Eltern.
Sie war ſofort tot. Das Kind war in der Schule von Ka=
meraden
verſpottet worden, was der Anlaß zu dem Selbſt=
mord
ſein dürfte.

Berlin, 25. Sept. Der Komponiſt Profeſſor Tau=
bert
, Senatsmitalied der Kgl. Akademie, feiert heute
ſeinen 75. Geburtstag. Es gratulierten u. a. die Akademie
der Künſte. Engelbert Humperdinck, Geheimrat Fried=
länder
und Profeſſor Holländer.
Charlottenburg, 25. Sept. An der Ecke der Krumme=
ſtraße
ſtießen heute vormittag zwei Automobile
ſo heftig zuſammen, daß ein vorübergehender Arbeiter
und ein Dienſtmädchen ſchwer verletzt wurden.
Frankfurt a. O., 25. Sept. Der Reaierungspräſident
hat eine Belohnung von 1000 Mark ausge=
ſetzt
für Nachrichten über den Verbleib der verſchwun=
denen
Wirtſchafterin Galle.
Peſt, 25. Sept. Ein Schäferhund verletzte die
Beſitzerin ſchwer und hierauf zwei Poliziſten. 30
Poliziſten verfolgten das anſcheinend tolle Tier und es
gelang ihnen, den Hund zu erſchießen, nachdem es noch
zwei Poliziſten gebiſſen hatte.
Paris, 25. Sept. In einer Villa in der Sommer=
friſche
Veſinet wurde eine 22jährige Dame tot in ihrem
Bette aufgefunden. Es ſtellte ſich heraus daß ſie eine
leidenſchaftliche Aethertrinkerin war und an den
Folgen einer Aethervergiftung geſtorben iſt.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226.

Briefkaſten.

E. D. Wir verweiſen Sie auf § 360, Poſ. 10, des
Reichsſtrafgeſetzbuches. Es heißt daſelbſt: Wer bei Un=
glücksfällen
oder gemeiner Gefahr oder Not von der Po=
lizeibehörde
oder deren Stellvertreter zur Hilfe aufge=
fordert
, keine Folge leiſtet, obgleich er der Aufforderung
ohne erhebliche eigene Gefahr genügen konnte, wird mit
Geldſtrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft beſtraft.
Hieraus kann abgeleitet werden, daß der Ziviliſt, der
einer entſprechenden Aufforderung eines Polizeibeamten
folgt und hierbei zu Schaden kommt, einen begründeten
Anſpruch auf Schadenserſätz hat.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Im Bereiche hohen Druckes hatten wir geſtern
heiteres, tagsüber warmes, nachts ſehr kühles Wetter;
in höheren Lagen trat Nachtfroſt ein (Lauterbach
Minimum 0,5 9. Der hohe Druck hat an Stärke zuge=
nommen
und ſich weiter ſüdwärts ausgebreitet; das
weſtliche Tief hat ſich ebenfalls verſtärkt und mit ſeinem
Kern nach Jsland verlagert. Wir werden morgen unter
Hochdruckeinfluß bleiben und mit Fortdauer der be=
ſtehenden
Witterung rechnen können,
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 26. Sept.:
Meiſt heiter und trocken, tagsüber warm, nachts kühl,
ſtellenweiſe Nachtfroſt.

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mit ihrem Wirtſchaftsgelde hauszuhalten und es
ihrer Familie mit möglichſt wenig Koſten behaglich zu
machen weiß. Solche Hausfrauen werden froh über=
raſcht
ſein, wenn ſie einmal einen Verſuch mit dem vor=
züglichen
Seeligs Kornkaffee machen. Daß er
außer durch ſeine ausgezeichnete Qualität und ſeinen
billigen Preis auch geſundheitlich große Vorzüge bietet,
wird dadurch bewieſen, daß er von den Aerzten ſehr
empfohlen wird und daß er auch in vielen Familien ge=
trunken
wird, denen es auf die Qualität ſehr, auf den
Preis aber nur wenig ankommt.

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Andaluſia 23. Sept. nachm. in Port Said, ausgehend.
Belgravia 23. Sept. 3 Uhr nachm. von Singapore nach
Colombo. Braſilia‟ 23. Sept. mittags Queſſant paſſiert,
ausgehend. Brisgavia 23. Sept. in Seattle, heim=
kehrend
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Hongkong nach Manila. Grgecia 23. Sept. 6 Uhr
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in Schanghai, heimkehrend. Spezia 23. Sept. in
Schanghai, heimkehrend. Suevia 22. Sept. 6 Uhr
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Uhr vorm. in Bremerhaven. Wittekind
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21. Sept. 8 Uhr 45 Min. von Cherbourg. Prinzeß
Alice‟ 21. Sept. 10 Uhr nachm. von Gibraltar. Bülow‟
21. Sept. 7 Uhr nachm. von Aden. Lützow‟ 23. Sept.
8 Uhr vorm. in Singapore. Prinz Ludwig 21. Sept.
12 Uhr mittags in Kobe. Gneiſenau 22. Sept. 6 Uhr
vorm. in Schanghat. Derfflinger 21. Sept. 4 Uhr
nachm. in Colombo. Kleiſt‟ 23. Sept. 12 Uhr mittags
von Port Said. Prinz Eitel Friedrich 22. Sept. 4 Uhr
morgens von Antwerpen. Seydlitz 23. Sept. 10 Uhr
vorm. von Southampton. Ziethen 21. Sept. 11 Uhr
vorm. von Fremantle. Weſtfalen‟ 21. Sept. 5 Uhr
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Sierra Ventana 22. Sept. von Liſſabon.
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Willehad‟ 21. Sept in Hamburg. Erlangen 21. Sept.
von Pernambuco. Crefeld 21. Sept. in Antwerpen.
Prinz Heinrich 22. Sept. 11 Uhr nachm. in Alexandrien.
Prinz Sigismund 22. Sept. 6 Uhr vorm. von Brisbane.
Manila‟ 22. Sept. von Makaſſar.

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Geſtern mittag 1 Uhr verſchied nach
langem, ſchwerem, mit großer Geduld er=
tragenem
Leiden meine geliebte Tochter, mein
Letztes auf der Welt
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Marie Scherbarth
Hofſchauſpielerin i. P.
Um ſtille Teilnahme bittet
in tiefer Trauer:
Sofie Jirsak.
Darmſtadt, den 25. September 1913.
Schloßgartenſtraße 67.
Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags
4 Uhr, vom Portale des Friedhofs aus, ſtatt.

Statt beſonderer Anzeige.
Tiefbewegt hiermit die ſchmerzliche Mit=
teilung
, daß heute 3 Uhr nachmittags meine
geliebte Frau, unſere gute Mutter, meine
Schweſter, Schwägerin und Tante
(19883
Berta Held
geb. Geisel aus Romrod
nach ſchwerem Leiden im 43. Lebensjahre ent=
ſchlafen
iſt.
L. Held, Kreis=Oberwachtmeiſter
und 2 Kinder,
Hrch. Geiſel und Familie.
Darmſtadt, 24. September 1913.
Die Beerdigung findet Samstag, den 27. ds.
Mts., nachmittägs 2½ Uhr, vom Eingange
des ſtädt. Friedhofs aus, ſtatt.

Eottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 26. September:
Vorabendgottesdienſt 6 Uhr 15 Min.
Samstag, den 27. September:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 7 Uhr.
Gottesdienſt für die Selichothtage: Morgens 6 Uhr 30 Min=
Ereo Roſch=Haſchonoh: Morgens 6 Uhr 15 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religionz=
geſellſchaft
.
Samstag, den 27. September:
Vorabend 5 Uhr 45 Min. Morgens 7 Uhr 45 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabbatausgang 7 Uhr.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 28. September, an:
Morgens 5 Uhr. Nachmittags 5 Uhr 30 Min.
Montag und Dienstag: Morgens 5 Uhr 15 Min.
Mittwoch: Morgens 4 Uhr 45 Min.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende 10½ Uhr
(Ab. D): Wenn ich König wäre‟
Konzert um 8 Uhr im Burgerkeller.
Bilder vom Tage (Auslage Expedition Rheinſtr. 23):
Zur Tauſendjahrfeier der Städt Kaſſel: Blick aus einem
Zeppelin=Luftſchiff auf den Kaſſeler Juſtizpalaſt. Ein
deutſcher Bahnhof in der Schweiz: der neue badiſche
Bahnhof in Baſel Ueberſicht der Gleisanlagen für der.
Perſonenverkehr Mittelbau und Haupteingang. Die
folgenſchwere Exploſionskataſtrophe in Koburg: die
Trümmer des eingeſtürzten Hauſes.
Eine große
Probemobilmachung in Dänemark.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 27. September.
Hofreite=Verſteigerung des Friedrich Eckart
(Blumenthalſtraße 69) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Dünger =Verſteigerung um 9 Uhr in der Dra=
goner
=Kaſerne (Regt. Nr. 24).
Kunſthalke am Rheintor, geöſinet Wertras von
114 und Sonntags von 104 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hoſbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für der Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

An unſere Leſer und Geſchäftsfreunde!

Das Darmſtädter Tagblatt erſcheint bereits
ab 28. September regelmäßig Honntags.
Der Bezugspreis von 60 Pfg. monatlich (1.80 Mk. vierteljährlich) frei ins Haus geliefert bleibt unverändert, es tritt alſo
Reine Erhöhung desſelben ein.
Da zufolge der geſetzlichen Beſtimmungen betreffend die Honntagsruhe das Austragen des Blattes innerhalb eines beſtimmten
Zeitraumes (69 Uhr früh) vonſtatten gehen muß, richten wir hiermit an die Abonnenten die höfliche Bitte, ihrerſeits Vorkehrungen
treffen zu wollen, die eine prompte und ſichere Zuſtellung unſeres Blattes
am Sonntag Morgen
ermöglichen, ſei es durch rechtzeitiges öffnen der Haustüren oder durch Anbringen geeigneter Briefkaſten. Unſer hieſiges, ſowie
auswärtiges Trägerperſonal iſt ſtreng angewieſen, die Zuſtellung des Blattes auch am Sonntag gewiſſenhaft zu beſorgen.
3wecks Ausgabe des Darmſtädter Tagblatts an die Schalterabonnenten iſt unſere Expedition Sonntags von 89 Uhr
vormittags geöffnet.
Unſere Inſerenten bitten wir gefl. davon Kenntnis nehmen zu wollen, daß die Annahme von Anzeigen, die für die Sonntags=
oder
Montagsausgabe beſtimmt ſind,

erfolgt.

bis Samstag Nachmittag 5 Uhr
Geſchäftsſtelle des Darmſtädter Tagblatt.

[ ][  ][ ]

Nummer 226.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Seite 9.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226.

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Nummer 226.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Septemper 1913.

Seite 41.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Hofhund. 2 deutſche Schäferhunde (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
löſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(19913

Aufnahme der Viehbeſtände in Ausführung
des Reichsviehſeuchengeſetzes.

Die Liſte der hieſigen Beſitzer von Pferden, die nach den Be=
ſtimmungen
des Ausführungsgeſetzes zum Reichhviehſeuchengeſetz bei=
tragspflichtig
ſind, liegt vom 26.= September bis einſchl. 3. Oktober
d. Js. im Stadthaus, Zimmer 56, offen.
Einwendungen ſind ebendaſelbſt während der Offenlage vor=
zubringen
.
Darmſtadt, den 24. September 1913.
(19898fsm
Der Oberbürgermeiſter
J. V.: Jaeger.

Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete.

Zum bevorſtehenden Vierteljahreswechſel bringe ich nachſtehendes
Ortsſtatut wiederholt zur Kenntnis. Wenn nicht anderes vereinbart
iſt, iſt für die Dauer der ſtatutariſchen Räumungsfriſten Mietzins
an den bisherigen Vermieter nicht zu entrichten.
(19765msm
Darmſtadt, den 20. September 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Mueller.
Auf Grund des Geſetzes vom 6. Januar 1906, betreffend die
Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete, wird auf Beſchluß der
Stadtverordneten=Verſammlung vom 31. Mai 1906, ſowie nach An=
hörung
des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung Großherzoglichen
Miniſteriums des Innern vom 2. November 1906 zu Nr. M. d. J.
37271 folgendes Orsſtatut erlaſſen, deſſen Beſtimmungen ſofort in
Kraft treten.
§ 1. Endigt das Mietverhältnis am Schluſſe eines Kalender=
vierteljahres
, ſo muß die Räumung gemieteter Wohnungsräume
durch den Mieter:
a) bei kleinen, d. h. aus höchſtens 3 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am erſten Tage des fol=
genden
Monats, ſpäteſtens 5 Uhr nachmittags,
b) bei mittleren, d. h. aus 4 bis 5 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am zweiten Tage des fol=
genden
Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags,
c) bei großen, d. h. aus mehr als 5 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am dritten Tage des fol=
genden
Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags, beendet ſein.
§ 2. Die im § 1 beſtimmten Räumungsfriſten werden nur mit
der Beſchränkung gewährt, daß.
a) bei Wohnungen, welche aus 3 bis 4 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehen, ein Zimmer,
b) bei Wohnungen, welche aus mehr als 4 Zimmern und et=
waigem
Zubehör beſtehen, zwei Zimmer
ſchon am erſten Tag des folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mit=
tags
, vollſtändig geräumt ſind.
§ 3. Kann der Mieter ſchon mit der Beendigung des Miet=
verhältniſſes
ſeinen Ueberzug in die neue Wohnung bewerkſtelligen
ſo finden die Vorſchriften der §§ 1, 2 keine Anwendung.
Hat der Vermieter auf Grund eines ihm geſetzlich oder ver
tragsmäßig zuſtehenden Rechtes das Mietverhältnis ohne Einhaltung
einer Kündigungsfriſt gekündigt, ſo ſtehen die in den §§ 1, 2 bezeich=
neten
Räumungsfriſten dem Mieter nicht zu.
§ 4. Fällt der Tag, an welchem nach den §§ 1, 2 die Räumung
ganz oder teilweiſe zu beendigen iſt, auf einen Sonntag oder einen
ſtaatlich anerkannten allgemeinen Feiertag, ſo tritt an die Stelle des
Sonntags oder des Feiertags der nächſtfolgende Werktag.
Darmſtadt, den 27. November 1906.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Morneweg.

Bekanntmachung

Vom 1. Oktober d. J. ab wird die Güterabfertigung Darmſtadt
Hauptbahnhof verſuchsweiſe ermächtigt, Anträge auf Entſchädigung
aus dem Frachtvertrage über die Beförderung von Gütern und
lebenden Tieren im deutſchen Verkehr, die wegen Verluſts, Minderung
und Beſchädigung oder wegen Verzögerung der Beförderung erhoben
werden, ſelbſtändig zu erledigen, wenn ſie die Verſand=oder Empfangs=
abfertigung
iſt und wenn der zu zahlende Entſchädigungsbetrag bei
Sendungen des Binnenverkehrs der preußiſch=heſſiſchen Staatsbahnen
den Betrag von 30 Mark für die Sendung, bei Sendungen des
deutſchen Wechſelverkehrs den Betrag von 10 Mark für die Sendung
nichtf überſteigt. Die Ermächtigung wird jedoch nur für die Fälle
erteilt, in denen nach Klarſtellung des Sachverhalts baldige Einigung
durch mündliche oder telephoniſche Verhandlung mit dem Antrag=
ſteller
erzielt werden kann.
In zweifelhaften Fällen ſowie in allen Fällen, in denen der
Anſpruch auf Vorſatz oder grobe Fahrläſſigkeit der Eiſenbahn geſtützt
wird, bleibt nach wie vor das Verkehrsamt zuſtändig, dem die Ab=
fertigung
die Sache zur Entſcheidung vorzulegen hat. Die Ermäch=
tigung
der Abfertigungsſtellen zur Zahlung einer Entſchädigung bezieht
ſich ferner nur auf die Fälle, in denen nach dem pflichtmäßigen
Ermeſſen des Vorſtehers der Abfertigung oder ſeines Vertreters eine
rechtliche Verbindlichkeit der Eiſenbahnverwaltung zur Schadlos=
haltung
vorliegt. Die Entſcheidung darüber, ob etwa aus Billig=
keitsgründen
eine Entſchädigung geleiſtet werden kann, bleibt dem
Verkehrsamt vorbehalten. Anträge auf Entſchädigungen ſind bei den
genannten Abfertigungsſtellen ſchriftlich anzubringen.
Mainz, den 20. September 1913.
Königlich Preußiſche und Großherzoglich Heſſiſche
Eiſenbahndirektion.
(IV,19947,74

(Flegel=, Maſchinen
Roggen, Hafer, Heu und Roggenſtroh platt= u. Preßlang=
ſtroh
) wird gekauft. Heu und Stroh jedoch nur nach vorheriger
Proviantamt Darmstadt.
(IV. 19908,87)
Anfrage.

Bekanntmachung.

Freitag, 7. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Johann Georg Jacob
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
113 50 Wohnhaus Holz=
ſtraße
Nr. 11,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K67/13
verſteigert werden.
Darmſtadt, 20. September 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,19890

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Durch Großh. Oberverſicherungs=
amt
iſt die Schließung der
unterzeichneten Gemeindekranken=
verſicherung
mit Wirkung des Ab=
laufs
des Jahres 1913 angeord=
net
worden.
Dies wird unter dem Hinweis
zur öffentlichen Kenntnis gebracht,
daß die Befriedigung von Gläu=
bigern
, die ihre Forderungen nicht
binnen drei Monaten nach dieſer
Bekanntmachung anmelden, ver
weigert werden kann. Für An=
ſprüche
aus der Verſicherung
gilt dies nicht.
(19944
Weiterſtadt, 25. Sept. 1913.
Der Vorſtand der
Gemeinde=Krankenverſicherung.
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Die Beleidigung, Fr. Eimer u
Frl. Hotes in Gr. Meſſel ausge=
ſproch
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dem vorhande=
nen
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in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K46/13
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, 8. September 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I
J. V.: Gauß, (V,18889
älteſter Gerichtsmann.

Bekanntmachung.

Freitag, den 3. Oktober I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Heinrich Jacoby VIII
Eheleuten dahier gehörige Liegen=
ſchaft
:
qm
Nr.
Flur
773 484 Hofreite Lieb=
II
frauenſtraße
Nr. 81,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K40/13
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 19. September 1913,
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,19578

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2.
(Nachdruck verboten.)
8.
Im Verlauf der nächſten Tage mußte es für den klei=
nen
Kreis von Sommerfriſchlern, der ſich an jedem Mit=
tag
und an jedem Abend um die Table d’hote des Gaſt=
hofs
Zur Poſt zuſammenfand, durchaus den Anſchein
gewinnen, als hätte ſich zwiſchen dem neuen Ankömmling,
deſſen verſchloſſenes und gedrücktes Weſen im allgemeinen
wenig Sympathie erweckte, und dem ſcharmanten, allbe=
liebten
Baron von Leiningen ein recht herzliches Freund=
ſchaftsverhältnis
herausgebildet. Man ſah das ſchöne
Fräulein Seyfried niemals anders als in der Geſellſchaft
der beiden Herren, die ſich ohne alle gegenſeitige Eifer=
ſucht
mit gleichem Eifer um ihre Gunſt zu bemühen ſchie=
nen
. Und wenn man auch nicht daran zweifelte, daß ſie
ſchließlich dem eleganten, heiteren Kavalier, der ſo harm=
los
liebenswürdig von ſeinen mannigfachen Reiſe= und
Sport=Abenteuern zu plaudern wußte, zuletzt vor dem
ſteifen, ſchweigſamen Gelehrten den Vorzug geben würde,
ſo hatte man doch insgeheim ſein Vergnügen an der Ge=
ſchicklichkeit
, mit der ſie ihre Freundlichkeiten zwiſchen
beiden zu verteilen wußte.
Wer unter all dieſen oberflächlichen Beobachtern hätte
denn auch ahnen ſollen, daß hier ein gemartertes Men=
ſchenherz
Stunde um Stunde die grauſamſten Qualen zu
erdulden hatte!
Schon am zweiten Abend nach ſeiner Ankunft in Len=
genbach
hatte Werner Marold in heller Verzweiflung
ſeinen Koffer gepackt, weil es ihn unmöglich dünkte, den
unwürdigen Zuſtand, zu dem er ſich durch Magda verur=

teilt ſah, länger zu ertragen. In der Frühe des nächſten
Tages hatte er abreiſen wollen, ein mit ſich ſelbſt zerfalle=
ner
, innerlich gebrochener Mann. Aber in eben dieſer
Morgenfrühe hatte er unter ſeinem Fenſter den lockenden
Klang einer weichen, dunklen Frauenſtimme gehört, die
zu ihm hinaufrief, ob er ſie auf einem Spaziergang an
den Tyburger See begleiten wolle. Und er hatte alles
ſtehen und liegen laſſen, um dem Sirenenrufe zu folgen.
Eine ganze Stunde lang hatte er bei dieſer Morgen=
promenade
das Glück genoſſen, mit ihr allein zu ſein, denn
der ſonſt unvermeidliche Herr von Leiningen hatte ſich erſt
oben am See zu ihnen geſellt. Und was Magda während
dieſer Stunde zu ihm geſprochen, mußte wohl verheißungs=
voll
genug geweſen ſein, ſeine Entſchlüſſe abermals zu
ändern. Denn von einer Abreiſe war nicht mehr die
Rede, und ſein Benehmen gegen den Baron, der ſich mit
der Offenherzigkeit eines echten Naturkindes um ſeine
Freundſchaft zu bewerben ſchien, wurde von dieſem
Augenblick an um vieles ungezwungener und freundlicher.
Die Glücksſtimmung aber, nach der ſeine Seele dürſtete,
ſtellte ſich auch jetzt nicht ein. Unabläſſig zwiſchen Zweifel
und Hoffnung hin= und hergeworfen, und ſelbſt im Augen=
blick
des Hoffens gepeinigt von einer niederdrückenden Un=
zufriedenheit
mit ſich ſelbſt, ging Werner Marold neben
den beiden allezeit fröhlichen Menſchen dahin, auf deren
Geſellſchaft er bei aller Pein, die ſie ihm zuweilen bereitete,
doch nicht für eine einzige Stunde verzichten mochte.
Wieder ſaßen die drei an einem der kleinen Frühſtücks=
tiſche
in der Veranda, als die impoſante Andreas=Hofer=
Geſtalt des echt tiroleriſch treuherzigen Wirtes zu ihnen
trat.
Der wackere Hann=Tobi, der zugleich Poſthalter von
Lengenbach war, hielt einen dickleibigen, fünfmal geſiegel=

ten Brief in der Hand und legte ihn nebſt dem Quittungs=
formular
und der eingetunkten Feder vor Werner Marold
auf den Tiſch.
Für Sie, Herr Doktor! ſagte er feierlich. Weils eine
gar ſo große Summe iſt, wollte ich’s Ihnen doch lieber
ſelbſt übergeben.
Während Werner mit raſchem Federzuge die Emp=
fangsbeſtätigung
unterfertigte, lag der Brief neben ihm
auf der Tiſchplatte, und es bedurfte für die beiden anderen
nicht mehr als eines flüchtigen Blickes, um die von einer
Kanzliſtenhand in großen Buchſtaben hingemalte Auf=
ſchrift
: Inliegend fünfzehntauſend Mark leſen zu laſſen.
Sie verhielten ſich ſchweigend, bis der Wirt ſich wieder
zurückgezogen hatte, und nur ein einziger, blitzſchneller
Blick des Einverſtändniſſes flog hinüber und herüber zwi=
ſchen
ihnen. Aber als ſie wieder allein waren, ſagte
Magda lächelnd:
Sie müſſen ja große Abſichten haben, Herr Doktor,
wenn Sie ſich mit einem ſo ausgiebigen Reiſepfennig ver=
ſehen
laſſen.
Werner, der den Umſchlag uneröffnet in die Bruſt=
taſche
geſchoben hatte, bemühte ſich, auf ihren ſcherzenden
Ton einzugehen.
Vielleicht vermuten Sie, daß ich ein ſchlechtes Gewiſ=
ſen
habe und auf dem Punkte bin, mich über Langenbach
auf den Weg nach Amerika oder Auſtralien zu machen.
Aber die Urſache dieſer Sendung iſt von weniger verfäng=
licher
Art. Sie ſtellt das Legat dar, mit dem ein vor eini=
gen
Monaten verſtorbener entfernter Verwandter mich
letztwillig bedacht hat und das der Teſtamentsvollſtrecker
mir jetzt ungeſchickterweiſe hierher ſchickt, ſtatt meine Heim=
kehr
abzuwarten.
Damit war der Gegenſtand erledigt, für den weder
Magda noch der Baron irgendwelches weitere Intereſſe
an den Tag legten, und man nahm die vorhin unter=

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226.

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brochene Unterhaltung wieder auf. Werner hatte davon
geſprochen, daß er in den nächſten Tagen eine größere
Bergtour unternehmen und ſich dazu beizeiten eines Füh=
rers
verſichern wolle. Er hatte dafür den nicht allzu
ſchwierigen Zehnerkogel ins Auge gefaßt, deſſen zackiges
Haupt man über die niedrigeren Vorberge hinweg ins
Tal von Lengenbach hinuntergrüßen ſah. Und der Baron
hatte ihm lebhaft zugeredet. Nun aber warf er beiläufig
ins Geſpräch:
Es iſt ſchade, daß Sie durchaus auf die Mitnahme
eines Führers verſeſſen ſind. Mir verderben dieſe Leute,
ſo brave und rechtſchaffene Burſchen ſie auch ſein mögen,
regelmäßig das ganze Vergnügen. Wenn Sie damit ein=
verſtanden
wären, auf dies läſtige und für geübte Berg=
ſteiger
bei dieſen harmloſen Gipfeln ganz überflüſſige An=
hängſel
zu verzichten, würde ich mit Freuden von der
Partie geweſen ſein.
Sind Sie denn Ihrer Sache ſo ſicher, Herr von Lei=
ningen
? Ich glaubte, Sie wären zum erſtenmal in dieſem
Teil der Tiroler Alpen.
Allerdings! Und auf den Zehnerkogel, den ich noch
nicht kenne, würde ich für meine Perſon darum auch ver=
zichten
müſſen. Aber ich habe mich am zweiten Tage mei=
nes
Hierſeins einer Touriſtengeſellſchaft zu einer Beſtei=
gung
der Weißſpitze angeſchloſſen, und ich habe davon
einen ſo außerordentlichen Genuß gehabt, daß ich die
Tour mit dem größten Vergnügen wiederholen würde.
Für zwei erfahrene Kraxler, die ſich aufeinander verlaſſen
können, hat die Sache durchaus keine beſonderen Schwie=
rigkeiten
.
Und doch gilt die Weißſpitze hier für einen recht böſen
Gipfel, wandte Werner ein. Ich bin bei meinem früheren
Aufenthalt ausdrücklich vor ihr gewarnt worden.

Dns eſtce ſchuiche eigen des biſchans Seiteit,
rei vielleicht? Oder weil das Geſtein hier und da etwas
brüchig iſt? Das müßte ein ſonderbarer Hochtouriſt ſein,
der ſich davon zurückſchrecken ließe. Wenn’s eine anſtän=
dige
Wette gälte, würde ich mich getrauen, ganz allein hin=
aufzugehen
.
Ich würde mich hüten, Ihnen eine ſolche Wette anzu=
bieten
. Meine eigenen Erfahrungen haben mich zur Ge=
nüge
darüber belehrt, ein wie frevelhafter Leichtſinn jede
ohne ſichere Begleitung unternommene Hochtour iſt. Aber
wenn Sie die Weißſpitze in Wahrheit nicht für übermäßig
ſchwierig und gefährlich halten, ließe ſich ja vielleicht über
Ihren Vorſchlag reden.
Selbſtverſtändlich übernehme ich keinerlei Verantwor=
tung
, beeilte ſich Herr von Leiningen zu verſichern. Am
Ende kenne ich ja auch weder Ihre Leiſtungsfähigkeit noch
Ihre Unternehmungsluſt, Herr Doktor! Ein bißchen
Geiſtesgegenwart und Courage muß man ſchon mit in
den Ruckſack packen, wenn man da hinauf will. Wem’s
nur um einen Spaziergang zu tun iſt, der bleibt beſſer da=
von
.
Sie ſollten ſich in der Tat nicht von dieſem Verführer
beſchwatzen laſſen, Herr Doktor, miſchte ſich nun auch
Magda ein. Was für einen Kraftmenſchen vom Schlage
unſeres lieben Barons vielleicht bloß ein Kinderſpiel iſt,
muß darum nicht auch gleich für jeden anderen erreichbar
ſein.
Es mochte eine aus ſeinem eiferſüchtigen Mißtrauen
geborene Tauſchung ſein, als Werner einen leiſen Bei=
klang
von Spott in ihren Worten zu hören glaubte. Aber
ihre Bemerkung hatte ihm jedenfalls das Blut ins Geſicht
getrieben, und mit einer Haſt, die deutlich genug ſeine Er=
regung
verriet, ſagte er:

Auch ohne den Ruhm eines Kraftmenſchen für mich
in Anſpruch zu nehmen, bin ich bereit, die Tour mit Ihnen
zu machen, Herr von Leiningen! Wenn Sie wollen,
ſchon morgen.
Der Baron warf durch das Fenſter einen prüfenden
Blick zum Himmel empor.
Es ſieht allerdings aus, als ob wir günſtiges Wetter
behalten würden. Und ſolche Chance ſollte man eigentlich
immer wahrnehmen. Aber ich mache Sie darauf aufmerk=
ſam
, daß wir dann ſchon am frühen Nachmittag von
hier aufbrechen müßten, um noch vor Einbruch der Nacht
die Amberger Hütte zu erreichen. Denn, wenn wir nicht
ſpäteſtens um vier Uhr morgens den Aufſtieg antreten,
haben wir wenig Ausſicht, bis zum Eintritt der Dunkel=
heit
wieder unten an der Schutzhütte zu ſein. Sie ſind
doch mit allem Erforderlichen ausgerüſtet? Einen Eis=
pickel
brauchen Sie übrigens nicht, da es ſich faſt aus=
ſchließlich
um Felsarbeit handelt.
Er fuhr fort, in der ſachverſtändigen Art eines erfah=
renen
Hochtouriſten von der beabſichtigten Partie zu ſpre=
chen
, und er war mit ſo lebhaftem Eifer bei der Sache,
daß es für Werner jetzt geradezu unmöglich geweſen wäre,
von der Verabredung zurückzutreten, ſelbſt wenn ihn die
gegebene Zuſage gereut hätte.
Und es hatte beinahe den Anſchein, als ob er ein ſol=
ches
Bedauern empfände. Denn er blieb im Gegenſatz zu
der Geſprächigkeit des Barons ſehr ſtill, beſchränkte ſich
auf die unmgänglich notwendigen Antworten, und ließ
nur immer wieder ſeine Augen mit ſeltſam nachdenklichem
und ſinnendem Ausdruck zu Magdas ſchönem, ruhig heite=
rem
Geſicht hinüberſchweifen.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 226.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Seite 15.

CGARE-E
Lnit seidensn. SammslWanasnhliserw.

Vermiſchtes.

* Der Wert alter Zeitungen. Der König der alten
Zeitungen, Robert Budd, ſo iſt auf einem Firmenſchild
in einem Vorort Neu=Yorks zu leſen. Alle Tages=
zeitungen
von 1833 bis heute werden hier verkauft. Dies
iſt die Inhaltsangabe des ſonderbaren Geſchäftes. In
einem großen Magazin ſtauen ſich hunderte von ſorgfäl=
tig
zuſammengebundenen und ſortierten Ballen von alten
Zeitungen, die mit kurzen Inhaltsangaben etikettiert ſind.
Der Zeitungskönig erzählt, daß er 7 Millionen alte Zei=
tungen
beſitze, von denen jede mindeſtens zwei Dollar

wert ſei. Sein Vernögen betrage alſ 14 Millonen
natürlich falle es niemandem ein, wie er einem Mit=
arbeiter
des Technical World verſicherte, ihm dieſe
Summe zu zahlen. Mr. Budd erhält Aufträge aus allen
Teilen der Erde beſonders von Advokaten, die irgend=
welche
wichtige Aufklärungen im Auftrage ihrer Klienten
aus alten Zeitungen ſich zu verſchaffen ſuchen. Auch
Schriftſteller nehmen oft die Zuflucht zu dem unerſchöpf=
lichen
Lager Budds. Für jede Zeitung, die über ein Jahr
alt iſt, läßt ſich der Zeitungshändler 2 Dollar und 85
Cents bezahlen. Für jedes weitere Jahr erhebt er einen
Zuſchlag von 1 Dollar 50 Cents. Er verdient alſo durch=
aus
anſtändig bei ſeinem Handel, namentlich wenn man
bedenkt, daß er ſich die Zeitungen ſehr billig verſchafft.
Er ſteht mit den größten Klubs und Reſtaurants Neu=
Yorks in Verbindung, die ihm für eine beſcheidene Summe
ihre alten Zeitungen überlaſſen. Mr. Budd erzählt, daß
er jährlich 100000 Zeitungen kaufe und 5000 verkaufe.
Wie iſt er auf dieſen ſonderbaren Geſchäftszweig ge=
kommen
? Er hat ſeine Laufbahn in Waſhington als
armer Zeitungsjunge begonnen. Als, der Bürgerkrieg
ausbrach, zog er den Heeren nach und hat in den beiden
feindlichen Lagern einen ſchwungvollen Zeitungshandel
betrieben. Nach der zweiten Schlacht von Bull Run ſag=
ten
ihm einige Offiziere, daß ſie gern fünf Dollar für eine
Zeitung zahlen würden, in der dieſe Schlacht beſchrieben
ſei. Dies gab ihm den Anſtoß zu ſeiner Geſchäfts=
gründung
. Er kehrte nach Waſhington zurück und ſam=
melte
dort von ſeinen Kollegen und in Reſtaurants die
alten Zeitungen, die er dann Offizieren und Soldaten,
die den Feldzug mitgemacht hatten, antrug. Er hatte
einen großen geſchäftlichen Erfolg. 1872 zog er nach Neu=
York, wo er ſeinen Handel in größerem Maßſtab weiter
betrieb und namentlich eifrig alte Zeitungen ſammeln
konnte. Eine Feuersbrunſt hat ihm einſt den größten Teil
ſeines wertvollen Lagers zerſtört. Vor einiger Zeit hat

ihm eine Englüinderin eine groſe Summe für das Lager
angeboten. Mr. Budd konnte ſich aber nicht von ſeinen
Lieblingen trennen.

Literariſches.

Heſſen=Nummer des Chriſtl. Kunſt=
blattes
. Ein Doppelheft dieſes Organs des Bundes
der Freunde für Volkskunſt (Auguſt=September d. J.)
bringt aus der Feder des heſſiſchen Bundesobmanns, Pfr.
Karl Sattler zu Staden, unter der Ueberſchrift: Kirchen
und kirchliche Kunſt im Großherzogtum Heſſen einen
Ueberblick über Kirchenbau, Malerei und Plaſtik innerhalb
des Gebietes der heſſiſchen Landeskirche. Der Verfaſſer
geht geſchichtlich vor, verweilend bei den Markſteinen der
Entwickelung, dabei aber z. B. auch kleinere Kirchen wür=
digend
, die ſonſt in größerem Rahmen die ihnen gebüh=
rende
Beachtung nicht finden können. Der heſſiſchen Denk=
malpflege
ein beſonderes Kapitel zu widmen, mußte ſich
der Verfaſſer bei dieſer Gelegenheit verſagen; doch zeigt
ſeine Arbeit faſt auf Schritt und Tritt, wie Kirche und
Denkmalpflege in Heſſen miteinander gehen und was ſie
ſich gegenſeitig zu danken haben. Das geht auch ſchon her=
vor
aus der ſtattlichen Anzahl von Abbildungen aus dem
Beſitze des Großherzoglichen Denkmalarchivs unter den 61
durchweg vorzüglichen Bildern. Die 69 Seiten umfaſſende
Abhandlung wird bei dem Fehlen einer beſonderen Dar=
ſtellung
über dieſes Gebiet dem von Wert ſein, dem dar=
an
liegt, den Beitrag der Kirche auf dem Gebiet der Kunſt
in ſeiner Bedeutung zu faſſen, den innerhalb des Groß=
herzogkums
einzureihen in den der Kirche Deutſchlands
überhaupt. Der Preis iſt mit 1 Mark auch angeſichts
der vielen Abbildungen niedrig bemeſſen. (Verlag für
Volkskunſt, Rich. Keutel, Stuttgart.)

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226.

Kongreſſe und Verbandstage.

37. Kongreß für Innere Miſſion.
EPD. Hamburg, 24. Sept. Wie außergewöhn=
lich
groß die Beteiligung an dem gegenwärtigen Kongreß
iſt, zeigte die geſtern bei Sagebiel veranſtaltete große
öffentliche Volksverſammlung, die von zirka
4000 evangeliſchen Männern und Frauen beſucht war und
bei der Generalſuperintendent Klingemann=Koblenz
und Paſtor Braun=Berlin in echter patriotiſcher Be=
geiſterung
über das Thema: Chriſtentum und Volks=
tum
ſprachen. In der heutigen Verſammlung ſprach
Gräfin Selma von der Groeben=Hannover über das
Thema: Wie können die durch die Frauenbewegung ge=
wonnenen
Kräfte für den Dienſt der Inneren Miſſion
nutzbar gemacht werden? Das Problem der Frauen=
bewegung
, ſo ungefähr führte die Rednerin in anſprechen=
der
Weiſe aus, iſt heute in aller Munde, aber viele ſtehen
leider heute auf dem Standpunkt: Ich kenne die Frauen=
bewegung
nicht, aber ich mißbillige ſie! Die durch die
Frauenbewegung gewonnenen Kräfte müſſen zur Mit=
arbeit
im Dienſte der Inneren Miſſion nutzbar gemacht
werden. In überzeugender Weiſe legte die Rednerin dar,
daß dazu ein verſtändnisvolles Eindringen in die Frauen=
frage
und Frauennöte, die zur Frauenbewegung führten,
Vorausſetzung iſt. Man gebe der Frau Gelegenheit, ſich
auswirken zu können im Sinne der evangeliſchen Frauen=
bewegung
, die der deutſch=evangeliſche Frauenbund ver=
tritt
. Gerade auf dem Gebiete der Sittlichkeitsfrage, dem
Kern der Frauenfrage, ſoll die Innere Miſſion mit der
chriſtlichen Frauenbewegung Hand in Hand gehen im
Kampfe um die höhere Sittlichkeit unſeres Volkes. So
wird die Innere Miſſion wervolle Mitarbeiterinnen ge=
winnen
. Als Ergänzung zu dem mit großem Beifall
aufgenommenen Vortrag ſprach Pfarrer Stock=Berlin
über: Die Frau und die evangeliſche Gemeinde‟ Leben=
dige
, bewußt evangeliſche Gemeinden brauchen wir, nicht
abgegrenzte Parochien, nicht bloße Kultgemeinden, Daran
müſſen Männer und Frauen arbeiten! Ein Bismarck hat
der Frau eine große Aufgabe im Aufbau des nationalen
Lebens gewieſen, und erſt recht gilt das im Blick auf das

kirchliche Gemeindeleben. Dieſer Dienſt an der eigenen
Kirchengemeinde ſollte für die evangeliſche Frau in aller=
erſter
Linie in Betracht kommen. Daneben ſoll ſie einen
weiten Blick haben für die großen ſittlichen Schäden un=
ſerer
Zeit, für die ihre Geſchlechtsgenoſſinnen bewegenden
Fragen. Auch der Rahmen der gegenwärtigen Verfaſ=
ſung
biete der Frau die Möglichkeit der Betätigung in der
Gemeinde, ſowie der Einordnung in die Gemeindever=
waltung
, wie ſie ja ſchon durch die Gemeinde= und Syno=
dal
=Ordnung möglich ſei. Er gedachte endlich der treuen
Arbeit der Diakoniſſen, die ſeit Jahrzehnten die Pioniere
der Liebesarbeit in den Gemeinden geweſen ſeien, und
forderte die gebildete Frauenwelt auf, auch im Kirchen=
beſuch
nicht nachzulaſſen und vor allen Dingen den Geiſt
fürbittender Liebe wach zu erhalten.
In der Diskuſſion wünſchte Pfarrer Haſſe=Eſſen
von ſeiten der Frauen etwas weniger Verteidigung. Sie
ſchaffe nur neue Angriffsflächen. Hauptpaſtor D. Hun=
zinger
=Hamburg wünſchte freie Ausſprache, die nur
der Sache förderlich iſt. Er hält die Frauenbewegung für
notwendig, ſpricht ſich aber gegen die Gewährung des
kirchlichen Wahlrechts an die Frauen aus, weil ſie nur
eine Etappe auf dem Wege der Erlangung des politiſchen
Wahlrechts ſei. Demgegenüber betonte Fräulein Paula
Müller, die Vorſitzende des Deutſch=Evangeliſchen
Frauenbundes, daß der Wunſch nach der Gewährung des
kirchlichen Wahlrechts geboren iſt aus dem Gefühl, daß
die Frauen ausgeſchloſſen ſeien aus einer Gemeinſchaft,
in die ſie gehören. Aber es ſollten keine Scheidewände
aufgeführt werden zwiſchen denen. die zuſammen arbeiten
ſollen. Dazu gehöre gegenſeitiges Verſtehenwollen. Die
Rednerin gibt die beſtimmte Erklärung ab, daß ſie die
Forderung des politiſchen Wahlrechts ab=
lehne
. Danach trat eine Frühſtückspauſe ein, worauf
D. Hunzinger über Weſen und Entſtehung der moder=
nen
Unkirchlichkeit einen 1½ſtündigen Vortrag hielt. Seine
geiſtvollen Ausführungen faßte er ſchließlich dahin zuſam=
men
: Die Gründe des allgemeinen, aber aus ſehr ver=
ſchiedenen
Typen zuſammengeſetzten Phänomens der
modernen Unkirchlichkeit ſind vor allem in geiſtigen Lebens=
ſtrömungen
zu ſuchen, welche aus allgemeiner neuzeitlicher
Kulturentwickelung hervorgegangen ſind. Die hauptſäch=
lichſten
ſind: Die Verweltlichung der Kultur und der
praktiſche Materialismus des 19. Jahrhunderts; die all=
gemeine
, durch die Aufklärung erzeugte Weltanſchauungs=
kriſis
mit ihrem naturaliſtiſchen Höhepunkt um die Wende
des Jahrhunderts; die antikirchliche Agitation und Er=
ziehungspraxis
der ſozialiſtiſchen Partei; und endlich der
moderne religiöſe Subjektivismus und Individualismus.

* Dresden, 24. Sept. Die unter dem Protektorate
des Königs von Sachſen ſtehende zweite Tagung
des Vereins für Denkmalpflege und Hei=
matſchutz
wurde im Vereinshausſaale durch einen Be=
grüßungsabend
eingeleitet. Etwa 800 Teilnehmer aus
Deutſchland, Oeſterreich und der Schweiz waren anweſend.
Als Ehrengäſte waren unter anderen erſchienen Prinz Jo=
hann
Georg, Staatsminiſter Graf Vitzthum von Eckſtaedt,
Dr Beck, Oberbürgermeiſter Dr. Beutler und die Spitzen
der ſtädtiſchen und ſtaatlichen Behörden. Der Vorſitzende
des Bundes für Heimatſchutz, Beigeordneter Rehorſt=
Köln, begrüßte die Verſammlung und verlas ein Schrei=
ben
des königlichen Kämmerers von Criegern, in welchem
der König der Tagung einen guten Erfolg wünſcht. Nach
ihm ſprach Staatsminiſter Graf Vitzthum, der die Vex=
ſammlung
im Namen der ſächſiſchen Staatsregierung be=
grüßte
, ferner Oberbürgermeiſter Beutler namens der
Stadt Dresden, Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat
Miniſterialdirektor Schmidt=Berlin, der die Grüße der
preußiſchen Staatsregierung und der deutſchen Bundes=
fürſten
überbrachte, Miniſterialrat Freiherr Förſter=Wien
im Auftrage der öſterreichiſchen Regierung und Dr. Boer=
lin
im Namen der ſchweizeriſchen Vereinigung für Hei=
matſchutz
. Hierauf ergriff Profeſſor Schumann=Dresden
das Wort zu einem Lichtbildervortrag über Dresden und

ſeine Bauten. Mit einem geſelligen Beiſammenſein ſchloß
der Abend.
* Wien, 24. Sept. Die Teilnehmer am Deutſchen
Naturforſcher= und Aerztekongreß wurden
heute abend bei Hofe empfangen. Es waren etwa 3000
Perſonen erſchienen, darunter Miniſter Graf Stürgkh mit
den Mitgliedern des Kabinetts, Statthalter Freiherr von
Bienert, Bürgermeiſter Weiskirchner, der Polizeichef, ſo=
wie
von der deutſchen Botſchaft Prinz Stolberg= Wernige=
rode
. Um 7 Uhr erſchien als Vertreter des Kaiſers Erz=
herzog
Karl Franz Joſef mit dem Prinzen von Lobko=
witz
. Der Erzherzog begrüßte zuerſt den Präſidenten,
Profeſſor Hans Horſt Meyer, dann den Miniſterpräſiden=
ten
, die Miniſter und den Prinzen Stolberg=Wernigerode.
Hierauf hielt der Erzherzog Cercle und ließ ſich zahlreiche
Teilnehmer vorſtellen. Im Saale des Muſikvereins fand
am Abend zu Ehren der Kongreßteilnehmer ein Feſtkon=
zert
ſtatt.

Sport, Spiel und Turnen.

F.=C. Olympia 1898. Am Sonntag, den 28. ds. Mts.,
findet auf dem Platz des F.=C. Olympia, an der Heidel=
bergerſtraße
, das erſte Verbandsmeiſterſchaftsſpiel ſtatt,
und zwar wird der F.=V.=Frankenthal Olympia ſeinen
Beſuch abſtatten. Vor dieſem Treffen ſpielt die zweite
Mannſchaft des F.=C. Olympia gegen die erſte Mann=
ſchaft
des F.=C.=Sprendlingen. Auch hier wird guter
Sport zu erwarten ſein. Zu dem Kronprinzenpreis in
Duisburg ſendet die leichtathletiſche Abteilung Burtſchel,
der ſich hier mit Kern=München, Rau=Berlin, Waffen=
ſchmied
=Eſſen, Heeſch und Blatzheim=Duisburg zu meſſen
hat. Der Kronprinzenpreis wird in einem 50=, 100= und
200=Meter=Lauf ausgetragen, und derjenige, der in den
drei Läufen die meiſten Punkte hat, erhält den Preis.
sr. Feſtordnung für das Deutſch=Akademiſche Olympia
in Leipzig. Die dreitägige Veranſtaltung wird am 17.
Oktober, nachmittags 6 Uhr, durch einen anderthalbſtündi=
gen
Feſtakt in der Aula der Leipziger Univerſität einge=
leitet
, bei welchem u. a. der Rektor der Univerſität, ſo=
wie
Geheimrat Kuhn, der Förderer des Sports in Leip=
zig
, eine Rede halten werden. Um 8 Uhr abends findet
dann eine Empfangsfeſtlichkeit in den Prachträumen des
Buchhändler=Hauſes ſtatt. Der 18. Oktober bringt die Ein=,
weihung des Völkerſchlachtdenkmals, während der folgende
letzte Tag dem eigentlichen Sport gewidmet iſt. Der Be=
ginn
der deutſch=akademiſchen Olympiakämpfe iſt auf 9
Uhr morgens feſtgeſetzt. Die Preisverteilung mit an=
ſchließendem
Kommers findet in der Feſthalle der Inter=
nationalen
Baufachausſtellung ſtatt.
Sr. Die Londoner Polizei=Tauziehmannſchaft, die, wie
berichtet, am Dienstag abend in Berlin auf der Durch=
reiſe
nach England eintraf, beſichtigte am Mittwoch vor=
mittag
unter Führung von Generalſekretär Hauptmann
Roesler und einigen Berliner Schutzleuten die Sehens=
würdigkeiten
der Reichshauptſtadt. Nach einer Rundfahrt
durch Berlin ging es hinaus in den Grunewald, über die
Döberitzer Heerſtraße, die das beſondere Entzücken der
Engländer erregte, nach dem impoſanten deutſchen Sta=
dion
, wo ihre Begeiſterung den Höhepunkt erreichte. Im
Innenraum fochten die Policemen gleich einen Wettkampf
im Kugelſtoßen mit einer dort bereit liegenden Kugel aus,
und erzielten Leiſtungen, die das für die Olympia= Sport=
medaille
verlangte Mindeſtmaß von acht Metern weit
überſchritten. Ihrem Wunſche, gegen die hieſigen Kolle=
gen
ein Tauziehmatch auszufechten, konnte leider nicht
entſprochen werden, da man bei der Berliner Polizei einen
Sportbetrieb wie in London mit ſeinen Polizeimeiſter=
ſchaften
im Schwimmen. Ringen, Laufen uſw. nicht kennt.
Mittags um 1 Uhr mußte bereits die Rückreiſe nach Lon=
don
angetreten werden und man verabſchiedete ſich mit
einem herzlichen Händedruck und den Worten: Auf
Wiederſehen bei den Olympiſchen Spielen 1916!

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Zwetschenkuchen.
Zutaten: 100 g Butter, 250 g Mehl,
½ Päckchen von Dr. Oetkers Backin‟,
½ Liter Milch, Zucker und Salz nach Geschmack.
Zubereitung: Die Butter rührt man
schaumig, fügt Zucker und Salz, das mit dem
Backin gemischte und gesiebte Mehl hinzu
und zuletzt die Milch. Den fertigen Teig rollt
man aus und belegt damit eine gut gefettete
Randform. Die durchschnittenen, entsteinten
Zwetschen werden auf den Teig gelegt, mit
einigen Butterflöckchen und Zucker überstreut
und der Kuchen ungefähr ¾/ Stunden gebacken.

Hasen, auch geteilt
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[ ][  ][ ]

Zur Aufklärung!

Trotzdem eine hiesige Konkurrenzfirma einen Film Die letzten Tage von Pompeji gebracht hat, haben
wir uns dennoch entschlossen, die einzig dastehende Filmschöpfung
Die letzten Tage von Pompejie
nach dem weltbekannten Roman von Edward Lytton Bulwer in unseren Spielplan aufzunehmen, einzig und allein
in der Ueberzeugung, daß unser Film den Konkurrenztilm gleichen Namens weit in den Schatten stellt und weil
wir stets nur das Beste für unser Publikum als gut genug halten.
Unser Film führt mit vollem Recht den Titel Die letzten Tage von Pompeji, nach dem welt-
bekannten
Roman von Edward Lytton Bulwer, und ist die Richtigstellung des Residenz-Theaters in Nummer 210 des
hiesigen Tagblatts nur Konkurrenzmanöver, um das Publikum irre zu führen.
Wir können mit Ruhe das Urteil den geehrten Theaterbesuchern überlassen, ob wir in unseren Ankündigungen
zuviel gesagt haben.

Morgen Samstag, den 27. September:
Beginn der Vorführung des grössten künstlerischen Ereignisses, der gewaltigsten Filmschöpfung der Saison: Monopolfilm
47
4
(22
6
Sage von venige
Daldlehten

nach dem berühmten Meisterwerk von Edward Lyton Bulwer.
6 Akte.
Spieldauer 2 Stunden.
Ueber 3000 Mitwirkende.
Alleiniges Aufführungsrecht für Darmstadt.
Dieses Kunstwerk reiht sich dem von uns bereits zweimal aufgeführten Werke Quo vadis würdig zur Seite.
Sämtliche Plätze sind numeriert und haben wir trotz der enormen Unkosten, welche uns dieser Film
auferlegt, beschlossen, keine Preiserhöhung eintreten zu lassen.
(*9809
Der Vorverkauf findet statt mittags von 111 Uhr u. von ½3 Uhr ab an der Tageskasse.
M
Täglich 3 Vorführungen: 3½, 6 und abends 9 Uhr.
Man beachte die in dem Schaufenster der Schuhfabrik Müller (neben dem Theatereingang) ausgestellten Photographien.
Vereins- und Vorzugskarten, sowie Passepartont haben in dieser Zeit keine Gültigkeit.

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Spielzeit abzugeben.
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Woog, am 25. September 1913.
Waſſerhöhe am Pegel 3,89 m.
Luftwärme 90 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 14%C.
Woogs=Polizeiwache.

Kurſe vom 25. September 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.

87.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 98,20
3½ Deutſche Reichsanl. . 84,50
75,70
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 98,20
3½ do. Conſols . . . 84,50
75,70
do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,75
92,00
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,50
83,50
do.
3½
74,00
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,50
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 98,10
4 do. do. (unk. 1918) 96,50
82,80
do.
3½
73,30
do.
76,20
3 Sächſiſche Renke.
4 Württemberg unk. 1921 97,20
do. v. 1875 92,40
5 Bulgaren=Tabak=Anl.

1¾ Griechen v. 1887
-
Italiener Renke
4½ Oeſterr. Silberrente 84,50
do. Goldrente . . . 89,60
4
do. einheitl. Rente 81,30
3 Portug. unif. Serie I
3 do. unif. Ser. III 64,60
do. Spezial . . . . 10,00
5
5 Rumänier v. 1903 . . 99,00
v. 1890 . . 91,00
do.
v. 1905 . . 88,00
4. do.
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,80
do. v. 1902 . . . . . 91,20
4½ do. v. 1905 . . . . 99,70
½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903. 79,50
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente . . . 74,70
4 do. Staatsrente. . . 82,00

In Prot=
5 Argentinier . . . . . . 98,30
4½ Chile Gold=Anleiße . 92,00
5 Chinef. Staatsanleihe. 97,80
4½
90,10
do.
4½ Japaner . . . . . . . 89,70
5 Innere Mexikaner. . . 76,80
3
49,80
do.
4 Gold=Merikanerv. 1904 77,00
5 Gold=Merikaner . . . . 92,90
3½ Buenos Aires Provinz 67,50
Aktien inländiſcher
Transvortanſtalten,
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 144,60
7 Nordd. Bloyd . . . . . 123,50
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 126,50
Aktienausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenh. 67½
Einz. Mk. 403 . . 117,25
6 Baltimore und Ohio . 94,75
22,0)
6 Schantunghahn . . .
,
8 Luxemb. Prince Henri 170,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 26,35
6 Pennſylvania R. R. .
Letzt: Induſtrie=
Aktien.
Divid.
4 Brauerei Werger
66,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . .
.. . 540,25
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . .247,50
30 Farbwerke Höhſt . . 615,00
20 Verein chen. Fabriken
Mannheim . . . . 330,50
10 Cement Heidelberg . . 145,00
30 Chem. Werke Albert 439,50
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 200.50
5 Lahmeyer. . . . . . .119,50

Letzte
InProz.
Tivid
8 Schuchert, Nürnberg 150,60
12 Siemens & Halske 215,80
5 Beramann Electr. . . 125,50
10 Deutſch.Ueberſee Electr. 165,89
0 Gummi Peter . . . . 78,00
0 Kunſtfeide Frankfurt
30 Adler=Fahrradwerk=
Kleyer . . . . . . 400,50
-
9 Maſchinenf Badeni:
0 Wittener Stahlröhren
9 Steana Romana Petr. 147,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 215,00
12,83 Bad. Zucker=Wat= ga
häuſel. . . . . . . 205,50
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 86,00
0 Südd. Immobilien . 56,00
Vergwerks=Aktien,
10 Aumetz=Fried: . . . . 167,25
14 Bochumer Berg9. u.
Gußſt. . . . . . . 222,00
11 Deutſch=Luremburg.=
Bergb. . . . . . . 145,00
10 Gelſenkirchener . . . . 181,25
9 Harpener . . . . . . . 189,75
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 257½
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 75,00
6 Laurahütte . . . . . . 169,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 141,00
Weſteregeln 187,20
13
7½ South Weſt Africa 114½
Prioritäts=
Obligationen,
3½ Südd. Eiſenb.=Beſ. 87,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 97,90
4 Eliſabethbahn, freie . . 89,00
4 Franz=Joſefs=Bahn . . 84,30
3 Prag=Duger . . . . . . 72,30
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,90
4 Oeſterr. Staatsbahn . 88,20
76,20
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,00
do
4

In Proz,
(
53,50
20) Oeſt. Sädb. (Lomb.)
77,00
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 83,80
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 85,75
4½ Moskau=Kaſan . . .
86,20
4
do.
, ,
4 Wlabichawchas . . . .
-
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Send. . 72,30
47
86,00
do.
½ Livorneſer
3 Saloniaue=Monaſtir . 63,60
4 Baadadbahn . . . . .
4½ Anatoliſche Eiſend. . 92,25
4 Miſſouri=Paciſic. . . . 90,00
4 Northern=Paciſte . . . 94,00
4 Sonthern=Paciſic . . . 91,00
5 St. Louis und San
Franeisch. . . . .
I Tehnantepee . . . . . . 92,00
Bank=Aktien.
10 Pank für elektriſche
Untern. Zſtrich . . 184, 10
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bank .
143,00
9½ Berlin. Handelsgef. .161½
6½ Darmſtädter Bank . 115,90
12½) Deutſche Bank . . . 248,50
6 Deutſche Vereinsbank . 117,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 111,75
10 Diskonto=Kommandit 184,00
149,25
8½ Dresdener Bank
10 Frankf Hyvoth.=B. 207,00
6½ Mitteld. Kreditbank 114,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 117,20
7 Pfälziſche Bank. . . . 122,30
6,95 Reichsbank . . . 134,20
7 Rhein. Kreditbank. . .127,10
3 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 107,20
7½ Wiener Bankverein . 132,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17. . . 24,3)

In Proz.
(2
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
84,50
S. 19. . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.1519, 2126 93,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 25,00
3½
84,00
do.
4 Heſſ. Zand.=Hyp.=Bank 97,20
3½
84,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
96,60
E. 12, 13, 16 ..
E. 14, 15, 17, 24/26
96,60
1823. . . . . . . .
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 84,20
S. 35 . . . . . . . . 84,00
E. 911 . . . . . .. 84,10
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
3½
84,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 93,60
3½ do. (unk. 1914) . . 83,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,70
do.
85,20
3½
Städte=
Obligationen.
-
4 Darmſtadt . . . . .
3½
86,50
do.
4 Frankfurt. . . . . . . 96,40
3½,
do.
95,70
Gießen . . . . . . .
3½
.
93,00
Heidelberg . . . . . .
3½
do.
4 Karlsruhe . . . . . . 94,40
3½
do.
86,50
4 Magdeburg. . . . .. .
zu,
.
4 Mainz . . . . . . .. 94,50
3½
do.
4 Mannheim . . . . . . 93,50
3½
do.
89,00
4 München . . . . . . . 97,40
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 95,50
3½
do.
83,50
4 Ofſenbach. .
,

In Proz.
(2
3½ Offenbach . . . . . . 87,30
4., Wiesbaden . . . . . .
do.
.
4 Worms. . . . . . . . 93,20
do.
85,50
3½
4 Liſſaboner v. 1886 . 76,80
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 180,40
3½ Cöln=Mindner , 100 136,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 111,80
3 Madrider . . Fs. 100 71,00
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 136,10
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,50
3 Oldenburger . . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 111,90
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 201,00
Freiburger . . . . F3.15
,
Mailänder . . . . Fs.45
do. . . . . Fs.10
Meininger . . . . . ſl. 7
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 568,00
do. v. 1858fl. 100 505,00
Ungar. Staats . fl. 100 384,00
Venediger . . . . Fs. 30 62,00
Türkiſche . . . . Fs. 400 166,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 26,36
20 Franks=Stücke . . . . 16,14
Amerikaniſche Noten. . . 4,19
Engliſche Noten . . . . . 20,40
Franzöſiſche Noten. . . . 80,75
Holländiſche Noten. . . . 168,40
80,20
Italieniſche Noten . .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,70
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,55
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7%

[ ][  ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. September 1913.

Nummer 226.

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Spielleiter: Otto Nowack.
Perſonen:
Moſſoul, König v.
. . . . . Otto Semper
Goa .
Prinz Kadoor, ſein
Vetter . . . . . . . Georg Weber
Aug. Globerger
Zephoris Fiſcher: Karl Bernhardt
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Neméa, Kuſine d.
Königs . . . . . . Olga Kallenſee
Zelide, Schweſter
des Zephoris . . Hede Schaub
Iſſalim, Leibarzt
des Königs . . . Franz Debus
Der Großadigar . Frz. Herrmann
Erſter
.. . Fritz Lang
. . . Br. Waigandt
Zweiter
Dritter (SP . . . Adolf Klotz
. . . Heinrich Geyer
Vierter
Ein Sklave . . . Arthur Vetter
Ort der Handl.: Goa. Zeit: 1520.
Chöre: Robert Preuß.
Die Tänze im 2. Akt, von Hedwig
Ehrle einſtudiert, werden ausge=
führt
v. Sybille Huber, Adelheid
Croneberg u. den Damen des Corps
de Ballet.
Geſtaltung d. Bühnenbildes: Hof
theatermaler Kurt Kempin u. Ma=
ſchineriedirektor
E. Schwerdtfeger
Nach d. 1. u. 2. Akte längere Pauſen.
Das Haus wird nur nach den
Aktſchlüſſen erleuchtet; die längeren
Pauſen werden durch Herablaſſen
des eiſernen Vorhangs angezeigt.
Preiſe der Plätze (Kleine
Preiſe): Sperrſitz: 1.13. Reihe
3.70 , 14.20. Reihe 3.20 , Par=
terre
: 1.5. Reihe 2.35 , 6.8.
Reihe 1.95 , Proſzeniumsloge
5.20 , Mittelloge 5.20 , Bal=
konloge
4.70 , I. Rang 4.20. ,
II. Rang: 1.6. Reihe 2.15 ,
7. u. 8. Reihe 1.75 , I. Galerie
1.15 , II. Galerie 65 .
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 9½ bis
1½ Uhr und eine Stunde vor Be=
ginn
der Vorſtellung; im Ver=
kehrsbüro
von 8 bis 1 Uhr
und von 2½ Uhr bis kurz vor Be=
ginn
der Vorſtellung. (Im Ver=
kehrsbüro
werden auch telephoniſch
Karten=Beſtellungen entgegenge=
nommen
. Telephon Nr. 1582.)
Ende 10½ U.
Anfang 7½ U.
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Samstag, 27. Sept. Auß. Ab.
Sonder=Vorſtellung. Maria
Magdalena. Anfang 8 Uhr.
(Zu dieſer Vorſtellung findet ein
Kartenverkauf nicht ſtatt)
Sonntag, 28. Sépt. Nachmitt.
2½ Uhr. Alt=Heidelberg.
Erſte Volksvorſtellung zu ermäß.
Preiſen. Vorverkauf bis einſchl.
Samstag, 27. Sept., nur im Ver=
kehrsbureau
(Ernſt=Ludwigsplatz).
Verkauf der noch vorhandenen
Karten an der Tageskaſſe im Hof=
theater
am Tage der Vorſtellung,
vormittags von 11 Uhr ab.
Abends 7 Uhr. 16. Ab.=Vorſtell.
B 4. Neu einſtudiert und neu
inſzeniert: Der Zigeuner=
baron
. Gewöhnl. Preiſe.
Montag, 29. Sept. 17. Ab.=Vſt.
D 5. Feſtvorſtellung aus Anlaß
der Tagung der Deutſchen Zen=
trale
für Jugendfürſorge. Zum
erſten Male wiederholt: Hans
Sonnenſtößers Höllenfahrt.
Gew. Preiſe. Anfang 7½ Uhr.

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