Darmstädter Tagblatt 1913


17. September 1913

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176. Jahrgang

monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
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den Annoneen=Expeditionen. Bei
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ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden,
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

die Ludwig= und Alice=Stiftung, Sterbekaſſe
für heſſiſche Volksſchullehrer und Unterſtützungs= und
Fürſorgekaſſe für hilfsbedürftige Lehrerhinterbliebene,
feiert heute ihr 50jähriges Beſtehen.
der ſtädtebauliche Kongreß iſt geſtern in Aachen
zuſammengetreten. Er umfaßt die Vereinigung der tech=
niſchen
Oberbeamten deutſcher Städte und den Deutſchen
Verein für öffentliche Geſundheitspflege.
die 65. Hauptverſammlung des Guſtav
Adolf=Vereins iſt geſtern in Kiel eröffnet
worden.
luf der Zeche Bruchſtraße in Langendreer wurde
durch eine Exploſion ſchlagender Wetter der Steiger
Witthüſer getötet und zwei Bergleute lebens=
gefährlich
verletzt.
luf Schacht Hermann wurden, wie aus Selm ge=
meldet
wird, beim Abbau einer Strecke drei Berg=
leute
verſchüttet. Einer wurde getötet, die beiden
anderen verletzt.
luf dem Rettungsdampfer, der in der Nähe
der Inſel Brende die Hebung eines geſunkenen Schiffes
unternahm, erfolgte eine Exploſion. Der
Dampfer ſank. Der Kapitän, ein Taucher und zwei Ma=
troſen
ertranken.
Am Montag nachmittag wurde in Bern die inter=
nationale
Arbeiterſchutzkonferenz eröffnet.
Die Verhandlungen ſind geheim.
Ein Communiqué beſagt: Da die türkiſchen und
bulgariſchen Delegierten über die hauptſäch=
lichen
Punkte der Grenze einig geworden ſind, erfolgt
die endgültige Löſung in der nächſten
Sitzung am 17. September.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Der Maſſenſtreik.

** Im Geſchäftsbericht des ſozialdemokratiſchen Par=
eivorſtandes
hat der Abgeordnete Scheidemann in Jena
ruchtüber den Maſſenſtreik geſprochen, der in letzter Zeit
ielfach erörtert wurde. Es hatte zuerſt den Anſchein, als
b die Sozialdemokratie dem Gedanken des Maſſenſtreiks
ils politiſches Agitationsmittel jetzt ernſtlich näherzutreten
zereit ſei, aber Scheidemann belehrt uns eines Beſſeren.
In den letzten Jahren ſtehen bekanntlich die Leiter der
Partei auch den einfachen Streiks zur Durchſetzung von
Lohnerhöhungen und anderen Forderungen ſehr ſkeptiſch
gegenüber, und nur in ſeltenen Fällen wird heute noch ein
rusgedehnterer Streik von den Führern ausdrücklich ge=
billigt
, weil dieſe wiſſen, daß auch die Unternehmer ge=
rüſtet
ſind und der Erfolg der Arbeitsniederlegung mei=
tens
ausbleibt; dabei werden die Organiſationen durch
Zahlung der Streikunterſtützungen erheblich geſchwächt,
ibgeſehen davon, daß die Arbeiter wirtſchaftlich herunter=
iommen
. Dieſen ablehnenden Standpunkt nimmt der Par=
eivorſtand
erſt recht gegen den politiſchen Maſſenſtreik ein.
Vorläufig wenigſtens! Im Prinzip ſtimmt man dem Ge=
danken
eines ſolchen Streiks natürlich zu, aber die Fehl=
ſchläge
, die damit in anderen Ländern gemacht worden
ind, haben unſere Obergenoſſen kopfſcheu gemacht, dieſe
vollen zu dem äußerſten Mittel erſt greifen, wenn die Ge=
währ
für ein Gelingen vorhanden ſein wird. Scheidemann
erinnerte dabei an einen Ausſpruch Bebels, wonach der
Maſſenſtreik die ultima ratio der Sozialdemokratie ſein
nüſſe, und erklärte dann weiter, dieſer Streik werde wohl
einmal zur Durchführung der preußiſchen Wahlreform in
Anwendung kommen, aber heute dürfe man dieſen Kampf
noch nicht wagen. Man kann es begreifen, daß die Par=
keileitung
vorläufig vor der großen Verantwortung zit=
tert
, die ſie mit der Inſzenierung des Maſſenſtreiks über=
nehmen
würde, und wir glauben, ſo ſicher, wie Scheide=
mann
es hinſtellte, iſt er ſich keinesfalls der Diſziplin der
Maſſen, und er iſt auch ſicherlich nicht ſo feſt davon über=
zeugt
, daß es ohne Blutvergießen abgehen würde. Die
Maſſen vollſtändig in der Hand zu haben, um Unheil ver=
hüten
zu können, erſcheint unmöglich, und wenn es auch
nach Scheidemanns Ausführungen bisher noch immer ge=
lungen
iſt, bei Arbeiterbewegungen ſchwere Komplikatio=
nen
zu vermeiden, ſo will das nichts ſagen, denn ein
Maſſenſtreik würde ungewöhnliche Situationen ſchaffen,
deren Tragweite nicht im voraus geſchätzt werden kann.
Es gibt bekanntlich innerhalb der Sozialdemokratie
eine Richtung, welche hinſichtlich des Maſſenſtreiks auf

einem anderen Standpunkt ſteht als der Parteivorſtand,
aber man darf wohl annehmen, daß deſſen Refolution von
der Mehrheit des Parteitages gebilligt werden wird.

Die Balkanverhandlungen.

Wenn die Wirren auf dem Balkan auch
ihrem Ende langſam entgegengehen, ſo gibt es doch noch
manches Bemerkenswerte, das für die weitere Ent=
wicklung
der Dinge von Entſcheidung ſein kann. Die
Verhandlungen in Konſtantinopel nehmen allem Anſchein
nach einen günſtigen Fortgang; in der Hauptſache handelt
es ſich noch um die Frage, ob Kirk=Kiliſſe oder Demotika
den Bulgaren verbleiben ſoll. Ab und zu werden freilich
Meldungen verbreitet, daß es zwiſchen den Delegierten zu
recht lebhaften Auseinanderſetzungen gekommen ſei, aber
dieſe Gerüchte wollen wenig beſagen, ſie werden von
irgendeiner Seite lanziert, die ein Intereſſe daran hat,
die Lage ſchwierig erſcheinen zu laſſen.
Im allgemeinen erwartet man die bulgariſch=
türkiſche
Verſtändigung noch gegen Ende dieſer
Woche. Ein Bündnis freilich, wie man ſicherlich erwartet
hatte, dürfte zwiſchen beiden Staaten kaum abgeſchloſſen
werden; die darauf abzielenden Wünſche der bulgariſchen
Regierung ſollen abgelehnt ſein. Uns will ſcheinen, als
ob man über derartige Fragen überhaupt bisher nicht
verhandelt hat, weil ſie viel zu verfänglicher Natur ſind,
und überdies würde man ſich hüten, wenn wirklich ein
derartiges Abkommen geſchloſſen würde, dies an die große
Glocke zu hängen. Zudem haben beide Staaten jetzt genug
Arbeit im Innern, um eine Feſtigung der Verhältniſſe
herbeizuführen Vor allen Dingen handelt es ſich um die
Regelung der Finanzen; in dieſer Hinſicht ſcheint die Tür=
kei
einiges Glück zu haben. Ueber die Tagung einer inter=
nationalen
Finanzkonferenz in Paris wegen der aus dem
Balkankriege erwachſenden Laſten iſt es ganz und gar ſtill
geworden. Die Türkei hat esſich angelegen ſein laſſen,direkt
zu verhandeln, und man ſpricht auch davon, daß es ge=
lungen
ſei, ſich den Pariſer Geldmarkt zu erhalten, freilich
nicht ohne Gegenleiſtungen. Ein franzöſiſches Konſortium
habe die Konzeſſion für den Bau einer Eiſenbahn in
Kleinaſien erhalten in einer Länge von etwa 1400 Kilo=
metern
.
Ueberhaupt dürfte der internationale Geldmarkt in
der nächſten Zeit begreiflicherweiſe von den Balkanſtaaten
in Anſpruch genommen werden, denn nach dem opfer=
reichen
Kriege braucht man dort reichlich Geld, und auch
ſonſt wird man ſich bemühen, weitere wirtſchaftliche Be=
ziehungen
anzuknüpfen, zumal ein wirtſchaftlicher Auf=
ſchwung
, wenigſtens ſoweit die Sieger in Frage kommen,
mit Sicherheit zu erwarten ſteht. Natürlich wird in den
erſten Jahren zunächſt noch eine wirtſchaftliche Depreſſion
infolge der Kriegswunden zu verzeichnen ſein, allmählich
werden die Schwierigkeiten aber behoben werden und eine
neue Aera wird ſicherlich einſetzen. In Serbien richtet
man ſich bereits weitſchauend darauf ein und hat ver=
ſchiedene
Projekte ausgearbeitet, die dem erhofften Um=
ſchwung
dienen ſollen.
Es wäre gut, wenn ſich auch bei uns in Deutſchland
die in Frage kommenden Stellen mit der Neuordnung der
wirtſchaftlichen Verhältniſſe eingehender befaſſen würden,
um auch für uns etwas herauszuſchlagen. In Belgrad iſt
ſeit einiger Zeit erſichtlich eine Stimmung zu verzeichnen,
die für Deutſchland freundlicher iſt als bisher, und man
geht wohl nicht fehl, dies nicht zuletzt auf den jetzt ab=
berufenen
Konſul Dr. Schlieben zurückzuführen, der eifrige
Vorarbeit geleiſtet hat. Für den deutſchen Handel und
unſere Induſtrie könnte dabei gar manches herausſchauen.

Deutſches Reich.

Die Verjüngung des Offizierkorps.
Zu den neuen Perſonalveränderungen in der Armee wird
der Köln. Ztg. geſchrieben: Es iſt ſchon darauf hingewieſen
worden, daß durch die großen, zum 1. Oktober eintretenden
Perſonalveränderungen im allgemeinen die wünſchens=
werte
Verjüngung des Offizierkorps erreicht iſt. Oberſten
vom Januar 1911 ſind zu Generalmajoren, Oberſtleutnants
vom April 1911 zu Oberſten, Majore vom September 1907
zu Oberſtleutnants, Hauptleute vom Mai 1904 zu Majoren
und Leutnants vom Januar 1900 zu Hauptleuten befördert
worden. Die Hauptmannscharge iſt alſo ſchon nach etwa
13½ Jahren erreicht worden. Auch in der Gleichſtellung
der einzelnen Truppengattungen im Gehaltsbezug iſt ein
weſentlicher Fortſchritt gemacht. Erhebliche Ungleich=
mäßigkeiten
beſtehen allerdings noch in der Majorscharge,
die ſogar ſoweit gehen, daß in der Erreichung des Stabs=

offiziergehalts hier faſt achtjährige Altersunterſchiede vor=
kommen
. Bei der Hauptmaſſe (der Infanterie, Kavallerie,
Artillerie und den techniſchen Truppen) wird die Majors=
charge
und zugleich damit das Stabsoffiziergehalt nach
etwa 9¼jähriger Hauptmannszeit erreicht, da die Haupt=
leute
vom Mai 1904 dazu heranſtehen. Beim Train liegen
die Verhältniſſe ſogar noch günſtiger, da hier ſchon die
Rittmeiſter vom Mai 1906 zu Majoren ohne Patent be=
fördert
worden ſind und gleichzeitig das Stabsoffizier=
gehalt
beziehen. Weſentlich ungünſtiger als bei der Haupt=
maſſe
ſind dagegen die Majore der Kriegsſchulen, Unter=
offizierſchulen
, Kadettenkorps und Bekleidungsämter ge=
ſtellt
, da dieſen nicht ſchon bei der Beförderung zum paten=
tierten
Major, ſondern erſt beim Einrücken in eine Stabs=
offizierſtelle
auch das Stabsoffiziergehalt zuſteht. So be=
ziehen
z. B. bei den Bekleidungsämtern die Majore vom
März 1912, die Hauptleute vom März 1900 ſind, noch das
Hauptmannsgehalt. Und der jüngſte der jetzt zu Majoren
beförderten Offiziere des Bekleidungsamtes kann erſt nach
acht Jahren auf ein Einrücken in eine Stabsoffizierſtelle
und den Bezug des Stabsoffiziergehalts rechnen, während
ſeine Altersgenoſſen im allgemeinen ſchon jetzt das Stabs=
offiziergehalt
beziehen. Da es ſich um ältere Offiziere
handelt, deren Penſionierung verhältnismäßig häufig in
Frage kommen wird, ſo erſtreckt dieſe Ungleichheit natür=
lich
auch ihren Einfluß auf die Penſion und die Hinter=
bliebenenbezüge
. Einen gewiſſen Ausgleich können aller=
dings
dieſe Offiziere darin finden, daß ſie bei der Er=
reichung
der Majorscharge ſich in die Front zurückverſetzen
laſſen. Aber dieſer Ausweg iſt nicht bei allen in Betracht
kommenden Offizieren gangbar. Denn bei den Offizieren
der Bekleidungsämter iſt ein ſolcher Rücktritt in die Front
beſtimmungsgemäß auch bei vollkommener Felddienſtfähig=
keit
ausgeſchloſſen. Uebrigens hat ſchon der letzte Etat
dieſen unvermeidlich vorkommenden Altersunterſchieden
Rechnung getragen, indem er zum Gehaltsausgleich in ſol=
chen
Fällen Gebührniſſe vorgeſehen hat. Jedoch iſt der
Fonds beſchränkt auf 100 Hauptmannsſtellen. Für andere
Chargen, insbeſondere für Majore, fehlt es bisher an
einem ſolchen Ausgleichsfonds. Daß er auch hier am
Platze wäre, dürfte aus vorſtehender Ueberſicht erhellen.
Die Oſtmarkenzulage. Gegenüber den Mel=
dungen
, die über die Frage verbreitet worden ſind, ob die
Oſtmarkenzulage auf die Gefahr hin, daß eine Mehrheit
des Reichstages ſie wiederum ablehnt, auch in den neuen
Reichshaushaltsplan eingeſtellt werden ſolle, wird mitge=
teilt
, daß dieſe Frage noch nicht entſchieden iſt, ſondern
ihrer Beantwortung durch den Reichskanzler noch harrt.
Das Reichspoſtamt hat die Forderung in gewohnter
Weiſe zur Einſtellung in den Etat angemeldet, das Reichs=
ſchatzamt
will aber mit Rückſicht auf die politiſche Be=
deutung
dieſer Forderung ihre Vertretung nur mit Zu=
ſtimmung
des Reichskanzlers übernehmen. Von Herrn
v. Bethmann Hollweg hängt es alſo ab, ob die Oſtmarken=
zulage
im neuen Reichshaushaltsplan wieder erſcheinen
werde. Mit Rückſicht auf das Nunquam retrorsum‟
(Niemals rückwärts), das er ſeinerzeit mit Beziehung auf
die Polenpolitik ausgeſprochen hat, wird der Kanzler wohl
nicht umhin können, dem Antrage der Reichspoſtverwal=
tung
auf Wiedereinſtellung der Forderung ſtattzugeben.
Der Wehrbeitrag der Fürſten. Dieſer
Tage ging die Nachricht durch die Blätter, daß das Reichs=
ſchatzamt
den Wehrbeitrag der Fürſten auf 25 Millionen=
geſchätzt
habe. Wie der Magdeburgiſchen Zeitung aus
Berlin geſchrieben wird, kann es ſich dabei beſtenfalls nur
um die unmaßgebliche Privatarbeit irgendeines Beamten
handeln. Die leitenden Perſonen im Reichsſchatzamt
haben ſich mit der Berechnung des Fürſtenbeitrages noch
gar nicht abgegeben, und zwar aus dem einfachen Grunde
nicht, weil dafür zurzeit noch alle ſicheren Unterlagen
fehlen. Dieſe werden erſt durch die Entwicklung des Ver=
mögensſtandes
am 31. Dezember d. J. gegeben ſein.
Nationalliberal=fortſchrittliches
Wahlabkommen in Sachſen. Das Verhältnis
zwiſchen der Nationalliberalen Partei und der Fortſchritt=
lichen
Volkspartei in der ſächſiſchen Zweiten Kammer hat
ſich bewährt. Es ſinden daher ſchon ſeit einiger Zeit zwi=
ſchen
der Nationalliberalen Partei und der Fortſchritt=
lichen
Volkspartei Verhandlungen über ein Wahlabkom=
men
ſtatt, die ſchon, obgleich die Beſprechungen noch lange
nicht abgeſchloſſen ſind, in etwa 20 Kreiſen zu einem be=
friedigenden
Ergebnis geführt haben.
Eine Landesausſtellung 1914 in
Windhuk. Bisher hatte man in Südweſtafrika nur
einige mehr oder weniger örtliche Ausſtellungen veran=
ſtaltet
. 1914 nun ſoll in Windhuk eine das ganze Schutz=
gebiet
umfaſſende Schau ſtattfinden. Sie wird am

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Seite. 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Nummer 218.

29. Mai 1914 eröffnet werden und ſoll bis zum Abend des
1. Juni dauern. Es iſt beabſichtigt, durch Verhandlungen
mit den beteiligten Behörden und Geſellſchaften den Be=
ſuchern
, auch ſolchen aus Deutſchland, die Beſichtigung der
Ausſtellung möglichſt zu erleichtern.

Ausland.

Frankreich.
Zum franzöſiſch=ſpaniſchen Bündnis.
In dem in Paris erſcheinenden franzöſiſch=ſpaniſchen
Blatte L=Eſpagne veröffentlicht der Miniſter des Aeußern
Pichon unter der Ueberſchrift Zum franzöſiſch=ſpaniſchen
Bündnis folgenden Artikel: Die Beziehungen Frankreichs
und Spaniens ſind durch die Natur diktiert. Eine breite
Landesgrenze vereinigt ſie, und wenn dieſe Grenze, durch
die großartige Kette der Pyrenäen gebildet, ein natürliches
Hindernis für Invaſionen und Kriege iſt, ſo hat das die
beiden Länder nie gehindert, ſich zu kennen, ſich zu ſchätzen
und ſich auch im Laufe ihrer Geſchichte gegenſeitig herz=
lichen
Beiſtand zu leiſten. Bald werden neue Eiſenwege
die ſteilen Bergwände durchbrechen, um die Freundſchaft
der beiden Nationen enger zu ſchließen. Von der Ver=
gangenheit
Frankreichs und Spaniens erzählen, heißt, von
dem beſtehenden wechſelſeitigen Einfluß ſprechen, den ſie
miteinander gehabt haben. Frankreich hat Spanien ſein
edles Königsgeſchlecht gegeben, Frankreich iſt der Bürge
der Zukunft Spaniens. Frankreich und Spanien arbeiten
nebeneinander in Marokko, wo ſie ſich unterſtützen. Die
Arbeit, welche die beiden Länder in Marokko unternommen
haben, wird um ſo ſichere und ſchnellere Fortſchritte
machen, je inniger ihr Zuſammenarbeiten ſein wird. Erſt
als Frankreich und Spanien dieſe geſchichtliche Wahrheit
verkannten, gab es zum größten Schaden beider Länder
zwiſchen ihnen vorübergehende Wolken. Heute ſind Völker
und Regierungen zu gut unterrichtet, um dieſe Wahrheit
jemals zu vergeſſen.
Einführung des Stahlhelms bei der
Artillerie. Das Kriegsminiſterium hat auf Grund
der bisherigen Erfahrungen beſchloſſen, den Stahlhelm
für die Offiziere und Mannſchaften der Feldartillerie ein=
zuführen
. Bei den diesjährigen Manövern zeigten ſich
die Truppenteile, die dieſen Helm zur Probe trugen, ſehr
befriedigt davon, doch wird von fachmänniſcher Seite in
Abrede geſtellt, daß man mit dem Stahlhelm ein Abwehr=
mittel
gegen Granatſplitter beſitze.
England.
Der Kanaltunnel. Die Times bringen einen
langen Artikel ihres militäriſchen Mitarbeiters gegen den
Kanaltunnel und einen Leitartikel, der die Anſicht der
maßgebenden Regierungsdepartements ausdrücken dürfte.
In dieſen Artikeln wird erklärt, die Argumente gegen den
Bau ſeien ſchlüſſig. England ſei heute relativ militäriſch
nicht ſtärker als vor wenigen Jahren, wo ſtrategiſche
Gründe ein entſchiedenes Veto gegen den Bau eingelegt
hätten. Die Times beſtreiten ſogar, daß der Tunnel wirt=
ſchaftlich
einen großen Nutzen hätte, und betonen, es fehlen
die Garantien für eine ewige Dauer der Entente.
Dänemark.
Das Budget für 1914/15. Finanzminiſter
Brandes brachte im Folkething den Voranſchlag des Bud=
gets
für 1914/15 ein. Der Voranſchlag weiſt an Geſamt=
ausgaben
etwa 105 Millionen Kronen auf, was ungefähr
demjenigen für das laufende Finanzjahr entſpricht. Die
veranſchlagten Einnahmen ſind 7 Millionen Kronen grö=
ßer
als im Vorjahre und belaufen ſich auf 119 Millionen.
Es iſt ſomit ein Ueberſchuß von rund 14 Millionen Kro=
nen
vorhanden, aber da für die Schuldenverwaltung uſw.
eine Ausgabe von 10 Millionen Kronen vorgeſehen iſt,
verbleibt nur noch ein tatſächlicher Ueberſchuß von 4 Mil=
lionen
Kronen. Die Erhöhung der Einnahmen ſetzt ſich
zuſammen aus 5 Millionen Mehreinnahmen aus Steuern
und Abgaben und 2 Millionen aus den erhöhten Einnah=
men
aus den Staatsbahnen. Das Budget des Kriegs=
miniſteriums
weiſt an Ausgaben 18¼ Millionen Kronen,
das Marineminiſterium an ſolchen 10 Millionen Kronen
auf. Die Verzinſung der Staatsſchuld nimmt 12¼ Mil=
lionen
Kronen in Anſpruch. Im übrigen ſind die veran=
ſchlagten
Ausgaben im Vergleich zu dem laufenden Fi=
nanzjahr
ziemlich die gleichen. Größere neue Forderun=
gen
irgend welcher Art weiſt der Voranſchlag nicht auf.

Ferner brachte der Finanzminiſter die Staatsrechnungs=
ablage
für das Finanzjahr 1912/1913 ein, das einen Ueber=
ſchuß
von 4,5 Millionen aufwies, während der Voran=
ſchlag
ein Defizit von über 15 Millionen Kronen vorge=
ehen
hatte. Das günſtige Ergebnis iſt teils auf große
Erſparniſſe zurückzuführen, die beim Kriegsminiſterium
3,2 Millionen Kronen betragen, teils auf erhöhte Einnah=
men
, die bei den Staatsbahnen 2,5 Millionen Kronen und
bei den Steuern 6,5 Millionen Kronen ausmachten.
Mexiko.
Demiſſion des Miniſters des Innern.
Nach einer Meldung aus Mexiko City hat der Präſident
Huerta die Demiſſion des Miniſters des Innern Urrutia
angenommen, der der Urheber des ſogenannten Ultima=
tums
war zu der Zeit, wo Linds Miſſion angekündigt
wurde.
Japan.
Die Forderungen an China. In Tokio ver=
lautet
, daß außer den bereits bekannten Forderungen Ja=
pans
noch eine weitere beſtehe, die bisher unerledigt ſei.
Die öffentliche Meinung iſt durch das Entgegenkommen
Chinas enttäuſcht, die geſamte Preſſe erachtet die Forde=
rungen
als ungenügend, beſonders die gegenüber Chang=
ſuen
. Sie wirft der japaniſchen Diplomatie Schwäche vor
und verlangt den Rücktritt des Kabinetts. Zwei japa=
niſche
Kreuzer ſind von Saſeho nach Nanking beordert
worden.

* Troppau, 15. Sept. Nach dem Jagdfrühſtück
ſetzte der deutſche Kaiſer mit den übrigen Jagdgäſten
des Grafen Lariſch=Mönnich die Jagd in der Geinitzer
Remiſe bis nachmittags 4 Uhr fort. Die Geſamtſtrecke
betrug 1825 Stück, zumeiſt Faſanen und Wildenten. Um
4 Uhr wurde die Rückfahrt nach Schloß Salze angetreten.
Um 8 Uhr abends fand im Schloß Diner ſtatt, zu dem die=
ſelben
Perſönlichkeiten zugegen waren, wie geſtern. Die
Landeshauptſtadt rüſtet ſich in großartiger Weiſe
für den Empfang des verbündeten Monarchen. Die Stra=
ßen
, die der Kaiſer paſſieren wird, ſind überaus reich ge=
ſchmückt
und geflaggt. Sämtliche Häuſer tragen überdies
grünen Girlandenſchmuck. An der Spalierbildung werden
ſich ſämtliche deutſchen Vereine in einer Stärke von unge=
fähr
2000 Mann beteiligen.
* Die internationale Arbeiterſchutz=
konferenz
wurde am Montag durch den Bundesrat
Schultheß in Bern eröffnet, die ſich mit den geſetzlichen
Vorſchriften über das Verbot der induſtriellen Nachtarbeit
jugendlicher Arbeiter und über einen Arbeitstag von höch=
ſtens
10 Stunden für die in der Induſtrie beſchäftiaten
Frauen und jugendlichen Arbeiter befaſſen ſoll. Schult=
heß
hieß die Delegierten willkommen und betonte die
Wichtigkeit des Arbeitszieles der Konferenz. Zum Präſi=
denten
wurde Schultheß, zum Vizepräſidenten der Stände=
rat
Lachenal=Genf gewählt. Die Konferenz gab ſich ein
Geſchäftsreglement, wonach die franzöſiſche Sprache zur
Verhandlungsſprache erklärt wurde, jedoch wurde jedem
Delegierten das Recht gegeben, ſich in einer anderen
Sprache auszudrücken. Neben dem offiziellen Protokoll
in franzöſiſcher Sprache wird den Delegierten ein nicht=
amtliches
Protokoll in deutſcher Sprache zur Verfügung
geſtellt. Die Verhandlungen der Konferenz und ihrer
Kommiſſionen finden in geheimen Sitzungen ſtatt. Die
Delegierten des Deutſchen Reiches bei der Arbeiterſchutz=
konferenz
ſind: Dr. Caſpar, Wirklicher Geheimer Rat im
Reichsamt des Innern. Dr. Leymann, Geheimer Regie=
rungsrat
und vortragender Rat im Reichsamt des Innern,
Frick, Geheimer Oberregierungsrat im preußiſchen Mini=
ſterium
für Handel und Gewerbe, Simon, Regierungs=
und Gewerberat bei der Regierung in Düſſeldorf; Oeſter=
reich
entſandte 5 Delegierte, darunter Profeſſor Mataja,
Geheimen Rat und Sektionschef im Handelsminiſterium,
und Ungarn zwei.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 17. September.

* Großherzogin Eleonore feiert heute ihren 42. Ge=
burtstag
, und mit ihr begeht das ganze heſſiſche Volk die=
ſen
Tag als einen Feſt= und Freudentag. Es bedarf nicht
vieler Worte, um den Gefühlen Ausdruck zu geben, die
an dem heutigen Tage die Herzen aller treuen Heſſen
bewegen. Unſere Großherzogin hat von dem Tage an, wo
ſie unſerem allgeliebten Großherzog die Hand zum Bunde
fürs Leben reichte, durch ihre hohen Frauentugenden ſich
die Liebe des Volkes zu erwerben gewußt. Sie iſt als
Gattin und Mutter das Vorbild einer deutſchen Frau und
in hoher Auffaſſung ihrer Aufgabe als Landesmutter hat
ſie die Werke der Nächſtenliebe mit wärmſtem Eifer ge=
fördert
und den Sinn für Wohltätigkeit in weiteſten Krei=

ſen geweckt. Die von unſerer Großherzogin begründete
Zentrale für Säuglingspflege und Mutterſchutz iſt für
andere Staaten vorbildlich geworden und hat reichen
Segen verbreitet. Hat ſo Großherzogin Eleonore in
der ſozialen Fürſorge für die minderbemittelten Klaſſen
unſeres Volkes die Initiative ergriffen, ſo hat ſie
auch zur Hebung der Volkswohlfahrt dauernd beigetragen.
Mit den Gefühlen der Freude und des Dankes an
dem heutigen Tage vereinigen wir den innigen Wunſch,
daß Gottes Segen unſere Großherzogin auch fernerhin auf
allen ihren Wegen begleiten möge, und daß ihr Geſund=
heit
, Glück und alles Gute in reichem Maße beſchieden
ſein mögen!
* Vom Hofe. Montag nachmittag 2 Uhr trafen
in Jagdſchloß Wolfsgarten ein die Fürſtin zu Solms=Lich
mit dem Erbprinzen Philipp, die Prinzeſſin Reinhard zu
Solms=Lich und der Graf Friedrich zu Solms=Baruth.
Die Fürſtin zu Solms=Lich mit dem Erbprinzen reiſten
um 5.04 Uhr wieder ab, während die Prinzeſſin Reinhard
zu Solms=Lich und Graf Friedrich zu Solms=Baruth in
Wolfsgarten Wohnung nahmen. Der Großherzog mit
Prinz und Prinzeſſin Andreas von Griechenland, der
Prinzeſſin Luiſe von Battenberg, ſowie das Gefolge
ind am Montag abend 6.30 Uhr, von Bad Lieben=
tein
kommend, in Wolfsgarten wieder eingetroffen.
Ferner traf hiermit ein Graf Meſſalas, Hofmarſchall der
Königin=Mutter von Griechenland, und nahm in Wolfs=
garten
Wohnung. (Darmſt. Ztg.)
* Keine Audienzen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
werden heute, Mittwoch, weder Audienzen erteilen,
noch Meldungen und Vorträge entgegennehmen.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Großherzoglichen Geſandten
und bevollmächtigten Miniſter am Königlich Preußiſchen
Hofe und Bevollmächtigten zum Bundesrat Geheimen
Staatsrat Dr.=Ing. Maximilian Freiherrn von
Biegeleben die Erlaubnis zur Annahme und zum
Tragen des ihm von Sr. Königl. Hoheit dem Groß=
herzog
von Sachſen=Weimar=Eiſenach verliehenen Groß=
kreuzes
des Hausordens der Wachſamkeit oder vom
weißen Falken erteilt und dem Landbriefträger Adam
Scholl in Fränkiſch=Crumbach das Allgemeine Ehren
zeichen mit der Inſchrift Für langjährige treue Dienſte‟
verliehen.
Se. Maj. der König von Preußen haben verliehen:den
Roten Adlerorden 4. Klaſſe: dem Stabs= und Bataillons=
Arzt Dr. Stühlinger beim 5. Großh. Heſſ. Inf.=Regt.
Nr. 168; die Königliche Krone zum Roten Adlerorden
1. Klaſſe mit Eichenlaub: v. Strantz, Gen. der Inf.,
kommand. Gen. des 5. Armeekorps (ehemals Komman=
deur
der 25. Div.); die Königliche Krone zum Roten
Adlerorden 4. Klaſſe: Kirch, Major im Großen Gen.=
Stabe (früher in der 25. Div.); den Königlichen Kronen=
orden
4. Klaſſe: Frhrn. v. Lersner, Oblt. im Leib=
Drag.=Regt. (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24.
* Hohe Auszeichnung. Profeſſor Dr.=Ing. Gold=
chmidt
, der bekannte Erfinder einer Maſchine für draht=
loſe
Telegraphie, hat vor einigen Tagen vom Kaiſer die
Auszeichnung durch den Roten Adlerorden erfahren. Da
Profeſſor Dr. Goldſchmidt noch als Privatdozent dem
Lehrkörper der hieſigen Techniſchen Hochſchule
angehört, wird dieſe Mitteilung in Darmſtadt freudige
Teilnahme hervorrufen. Zurzeit iſt der geniale Erfinder
tätig, in der in Eilwerſe bei Hannover errichteten Station
Verſuche in Verbindung mit Amerika durchzuführen, wo
eine gleiche Station errichtet und faſt fertiggeſtellt iſt. Die
Stationen benutzen zu dieſen Verſuchen ein 200 Meter
hohes Gerüſt, an dem die Drähte aufgehängt ſind. Die
bisher durchgeführten Experimente haben die höchſten Er=
wartungen
übertroffen und des öfteren hat Prinz Heinrich
von Preußen ſtundenlang den intereſſanten Verſuchen bei=
gewohnt
, ſo daß wohl auf ſeine begeiſterte Erzähkung bei
ſeinem kaiſerlichen Bruder die hohe Auszeichnung an den
Erfinder zurückzuführen iſt.
Vom Großh. Hoftheater. Das Gaſtſpiel des Kam=
merſängers
Leo Slezak findet am Freitag, den 3. und
Sonntag, den 5. Oktober, ſtatt. Der berühmte Gaſt tritt
zum erſten Male vor das Darmſtädter Publikum. Slezak
hat für ſein zweimaliges Gaſtſpiel den Rhadames in
Verdis Arda und den Walter Stolzing in Wagners
Meiſterſingern von Nürnberg gewählt. Die heutige Feſt=
vorſtellung
zur Feier des Geburtsfeſtes Ihrer König=
lichen
Hoheit der Großherzogin Die weiße Dame von
Boieldieu beginnt pünktlich um 7½ Uhr. Morgen findet
im Donnerstag=Abonnement eine Aufführung von Jo=
hann
Strauß’ beliebter Operette Die Fledermaus ſtatt.
Als Roſalinde tritt Frau Joſefine Becker gaſtweiſe auf,
die Adele ſingt zum erſten Male Frau Beling=Schäfer,
den Frank Herr Bertram. Herr Kammerſänger Weber
ſingt den Eiſenſtein, die Beſetzung der übrigen Partien iſt
vom Vorjahr bekannt. Zu dieſer Vorſtellung, die um
7 Uhr beginnt, gelten die kleinen Preiſe. Am Freitag
wird der Fauſtzyklus ſeinen Abſchluß finden. In der
onntägigen Aufführung von Weber’s Der Freiſchütz
ſingt Georg Becker zum erſten Male den Max.

Im Krater des Veſups.

** Ueber den kühnen Abſtieg in den Krater
des Veſuvs, den, wie bereits kurz gemeldet, Pro=
feſſor
Malladra vom Veſuv=Obſervatorium gemeinſam
mit zwei deutſchen Forſchern am 9. September unternom=
men
hat, berichtet der neapolitaniſche Korreſpondent des
Corriere della Sera intereſſante Einzelheiten, die ſowohl
die von den Gelehrten beſtandenen Gefahren als auch die
gewonnenen wertvollen wiſſenſchaftlichen Ergebniſſen be=
leuchten
.
Die jüngſten Beobachtungen des Kraters im Veſuv
hatten gezeigt, daß die Tiefe des Kraters, 300 Meter vom
oberen Rande entfernt, eine Art rieſige Plattform dar=
ſtellte
, die mit gewaltigen Felsblöcken beſät und von zahl=
reichen
Fumarolen durchbrochen war. Am 10. Mai d. J.
vollzogen ſich hier ſehr weitgreifende Veränderungen;
durch Einſturz und Senkungen bildete ſich ein neuer Hohl=
raum
von etwa 160 Meter Durchmeſſer und gegen 70 Meter
Tiefe. Aus der Tiefe dieſer Oeffnung ſtiegen ſtarke gas=
haltige
Dämpfe auf, und am 5. Juli brach ein Feuer=
ſchlund
auf, deſſen Widerſchein vom Meere aus wochen=
lang
beobachtet werden konnte. Am 5. Auguſt trat eine
weitere Senkung im Innern des Kraters ein, durch die
anſcheinend in einer gewiſſen Tiefe die Vulkanöffnung
teilweiſe verſperrt wurde; jedenfalls verſchwand der
Feuerſchein und es blieben nur die raſtlos aufſteigenden
dichten Rauchwolken. Die im Zuſammenhang mit dieſen
Wahrnehmungen im Innern des Veſuvs eingetretenen
weitgreifenden Verſchiebungen und Veränderungen muß=
ten
begreiflicherweiſe auf die Vulkanologen eine ſtarke An=
ziehungskraft
ausüben, und ſo eutſchloß ſich Profeſſor

Malladra, dem Drängen des Profeſſors Max Stortz von
der Münchener Univerſität und des Münchener Mineralo=
gen
Jacobi nachgebend, gemeinſam mit den beiden deut=
ſchen
Forſchern den Einſtieg zu wagen.
Er begann an der Südſüdweſtwand des Kraters und
führte von hier in einer halsbrecheriſchen Kletterpartie
über gewaltige Lavablöcke in die Tiefe hinab. Man be=
nutzte
an Eiſenringe befeſtigte Seile als Hilfsmittel und
außerdem loſe Seile, wie ſie bei Hochtouren verwendet
werden. Nach anderthalbſtündiger Arbeit war der Rand
der großen Plattform im Krater erreicht. Hier ließen
die Forſcher ihre Ruckſäcke und alle nicht unbedingt er=
forderlichen
Gegenſtände zurück, um ſich nun unter Be=
obachtung
aller gebotenen Vorſichtsmaßregeln bis zum
Rande der neu gebildeten Krateröffnung herabzulaſſen.
Sie kamen bis 370 Meter hinab, und erreichten damit die
größte Tiefe, die bisher im Krater eines aktiven Vulkans
betreten wurde. Die Oeffnung iſt völlig von den Ueber=
reſten
und Stalaktiten neuer Lava bedeckt. Ueberall fand
man neuen Lavagrus, und auf Grund dieſer Funde kann
es als gewiß gelten, daß im Juli dieſes Jahres die flüſ=
ſige
Lava über 70 Meter hoch emporgetrieben worden iſt.
Am Rande der neuen Krateröffnung war die Temperatur
unerträglich hoch, wie an der Tür eines Schmelzofens;
die drei Forſcher hatten dadurch an Händen und Geſicht
große Schmerzen zu ertragen. Der Verſuch, die Tempe=
ratur
genau zu meſſen, mißlang; als man das Eiſenge=
flecht
, das man mit dem Thermometer hinabgelaſſen hatte,
wieder emporzog, war das Eiſen verkohlt und das Ther=
mometer
verſchwunden; und bei einem zweiten Verſuche
glühte das Eiſengeflecht ab, ſo daß nur ein kurzes Stück
davon wieder emporgezogen werden konnte. Es ſcheint,
daß ſich unter der Oeffnung eine gewaltige gluterfüllte

Höhlung in ſüdweſtlicher Richtung hinzieht. Die Atmung
am Rande des inneren Kraters war infolge der aufſtei=
genden
Gaſe außerordentlich erſchwert, beſonders, wenn
Windſtöße die aufſteigenden Rauchwolken auseinander=
trieben
. In der großen gelben Fumarole im ſüdlichen
Teile der Krateröfnung konnten 330 Grad Celſius gemeſa=
ſen
werden. Nachdem zahlreiche photographiſche Auf=
nahmen
gemacht worden waren, begannen die drei wage=
mutigen
Gelehrten, die Laſt aufgeleſener Steinproben mit
ich ſchleppend, wiederum den Aufſtieg, wobei ſie unter
den nachdringenden Dämpfen beſonders ſchwer zu leiden
hatten, während ſich über ihren Häuptern immer wieder
Lavaſtöcke löſten und über ſie hinpolternd in die Tiefe
ſtürzten. Trotz der Schwierigkeiten gelang es ſchließlich,
ohne größere Unfälle den Kraterrand wieder zu erreichen;
es war 4 Uhr nachmittags, die gefährliche Expedition hatte
insgeſamt acht Stunden gedauert.
Be=
Die wiſſenſchaftliche Bedeutung der angeſtellter
Veſuv in
obachtungen liegt in der Feſtſtellung, daß der
dieſen Monaten eine Hawai=Phaſe‟
durchmacht; eine
Periode, in der die Lava beſonders flüſſig und die Tem=
peratur
ungewöhnlich hoch iſt; Erſcheinungen, wie man

ſie vor allem auf dem Kilauea=Vulkan auf Hawai beobach=
tet
. Die Senkungen im Kraterſchlunde und alle geſammel=
ten
Feſtſtellungen weiſen darauf hin, daß der Veſuv einer
neuen Ausbruchsperiode entgegengeht. Dieſes Uebergangs=
tadium
wird lange dauern, vielleicht Jahre, während
derer ſich der Berg zu neuer gewaltſamer Tätigkeit rüſtet,
Es wird die Aufgabe des Veſuv=Obſervatoriums ſein,
während dieſer Zeit die Beobachtungen mit erneutem Eifer
fortzuſetzen und ſozuſagen den Pulsſchlag des Veſuvs.
beſtändig unter Augen zu behalten, um künftige Kataſtro=
phen
, ſo weit dies möglich iſt, beizeiten vorauszuſehen.

[ ][  ][ ]

Nummer 218.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Seite 3.

D Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft. Die Ein=
nahmen
betrugen im Monat Auguſt 1913: 1. Perſonen=
verkehr
765 181 Mk. (gegen 663 614 Mk. im Auguſt 1912).
2. Güterverkehr 93 162 Mk. (89905 Mk.) 3. Neben=
einnahmen
2507 Mk. (2815 Mk.) 4. Geſamteinnahmen
860 850 Mk. (756334 Mk.)
* Miſſionsfeſt im Eliſabethenſtift. Am 21. Sep=
tember
ſoll im Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift
ein Miſſionsfeſt gefeiert werden. Im Jahre der
Nationalſpende für die Miſſion iſt es wohl am Platze,
ſich überedie Frage Rechenſchaft zu geben: Was recht=
fertigt
es, daß bier ein ganzes Volk zur Mithilfe an
einem Werke aufgerufen wird, das vor hundert Jahren
noch kaum gekannt und vor fünfzig Jahren noch eine
Arbeit kleiner Kreiſe war? Dieſe Frage wird um ſo
dringender, als vor kurzem auf dem Balkan Chriſten
und Mohammedaner ſich in blutigem Kriege gegenüber=
ſtanden
und Völker, die den Chriſtennamen tragen, ſich
mit furchtbaren Greueln befleckt haben. Angeſichts
deſſen gilt es aufs neue, feſtzuſtellen, daß das Recht
der Miſſion nur beruht auf der religiöſen und moraliſchen
Ueberlegenheit des Chriſtentums, die überall ſegensreich
zutage tritt, wo lebendiger Chriſtenglauben ſich mit der
heidniſchen oder mohammedaniſchen Völkerwelt berührt.
Im Hauptgottesdienſt um 10 Uhr predigten Pfarrer Lang
und Miſſionar Stammberg von der Leipziger
Miſſion in Deutſch=Oſtafrika. In der Nachverſamm=
lung
, mittags um 3 Uhr, will Pfarrer Hickel von
der Arbeit unſerer Miſſionsſchweſter Friederike Stein=
acker
, Miſſionar Stammberg von ſeiner früheren Arbeit
berichten.
* Wartburg=Verein Käſtchenfeſt. Man ſchreibt
uns: Den Auftakt zu dem am Sonntag, den 9. No=
vember
ſtattfindenden 12. Jahresfeſt bildete das im
Evangel. Gemeindehaus, Kiesſtraße, abgehaltene Käſtchen=
feſt
. Der große Saal des Hauſes war bis auf den
letzten Platz beſetzt und folgten alle Anweſenden dem
ſehr reichhaltigen Programm mit geſpannter Aufmerk=
ſamkeit
. Gemeinſame Geſänge, eine Begrüßungs=
anſprache
des Vorſitzenden, muſikaliſch=deklamatoriſche
Darbietungen, ſowie von der rührigen Turnmannſchaft
muſtergültig geſtellte Pyramiden erfreuten alle An=
weſenden
. Zwei Aufführungen militäriſchen Charakters
aus dem glorreichen Kriege 1870/71 atmeten recht vater=
ländiſchen
Geiſt, und alle Mitwirkenden wurden durch
reichen Beifall belohnt. Rühmlichſt erwähnt ſeien noch
die Solo=Geſänge des Herrn Beſt und die Klavier= und
Violin=Vorträge der Herren Kabey und Lein. Mit
Worten warmen Dankes ſchloß der Vorſitzende gegen
11 Uhr die in jeder Beziehung glänzend ver=
laufene
Feier.
Fortſchrittliche Volkspartei. Man ſchreibt uns:
Eine große Anzahl Vereine und Korporationen hat
ſchon zur der im November ſtattfindenden Wahl zur
Stadtverordneten=Verſammlung Stellung genommen.
Die fortſchrittliche Volkspartei hat zu dieſem Zweck für
morgen Donnerstag, abends 8¾ Uhr, im Hotel Prinz
Karl ſeine Mitglieder zu einer Verſammlung eingeladen.
Zutritt iſt nur den Mitgliedern des Vereins geſtattet
und werden dieſe erſucht, vollzählig zu erſcheinen.
(Siehe Anzeige.)
In Amerika verſtorbene Heſſen. In ſeiner
Wohnung, Nr. 536 S. Campbell Str., Louisville, Ky.,
ſtarb am 24. Auguſt 1913 an einem Herzleiden Herr
Chriſtian Glanz. Der Verſtorbene wurde am 19. Juli
1848 in Calbach, Kreis Büdingen, Heſſen=Darmſtadt,
geboren, erreichte ſonach ein Alter von 65 Jahren. Nach=
dem
er den deutſch=franzöſiſchen Krieg von 1870 und
1871 mitgemacht hatte, verheiratete er ſich im Jahre
1872 mit Maria Reichert aus Diebach am Haag, Kreis
Büdingen. Am 23. April 1898 kam die ganze Familie
nach Amerika. Aus Rocheſter, N. Y., wird unterm
28. Auguſt berichtet: Einer der bekannteſten ehemaligen
Stadtbeamten Rocheſters deutſcher Abkunft, Herr John
Alexander Paul Walter, iſt hier im Alter von
67 Jahren geſtorben. Er wurde 1846 in Seckbach am
Main in Heſſen, geboren und kam als Knabe nach den
Vereinigten Staaten, wo er im Jahre 1862 in das
105. Regiment als Muſiker eintrat, zu welcher Zeit er
16 Jahre alt war. Er nahm an zahlreichen Schlachten
des Regiments, das ſpäter mit dem 94. Regiment
konſolidiert wurde, teil und erhielt im Jahre 1875 ſeinen
Abſchied.
* Kaffee= und Leſeſtube. Man ſchreibt uns: Das
Publikum ſei darauf aufmerkſam gemacht, daß die Kaffee=
und Leſeſtube, Große Ochſengaſſe 22, bei billigſten
Preiſen alles bietet, was zur Erholung und Erfriſchung
geſund und begehrenswert iſt. Vorzügliche Getränke, Dick=
milch
, mittags gute Suppe und abends einfache, warme
Gerichte. Behagliche Leſeſtube mit reichhaltiger Bibliothek.
(Siehe Anzeige.)

* Polizeibericht. Geſtern abend gegen 11 Uhr ent=
ſtand
in einer Wirtſchaſt in der Obergaſſe zwiſchen
Gäſten ein Streit, der in Tätlichkeiten ausartete, wobei
ein Handarbeiter am Kopfe verletzt wurde.

* Kinotheater. Reſidenztheater am weißen
Turm. Es ſei auch an dieſer Stelle nochmals darauf
aufmerkſam gemacht, daß heute, anläßlich des Geburts=
tages
J. K. H. der Großherzogin ab 10 Uhr
morgens Schülenvorſtellungen ſtattfinden. Ab
4 Uhr nachmittags kommt das neue Schlagerprogramm
zur Vorführung. Uniontheater (Kunſtlichtſpiele
Rheinſtraße 6). Infolge der außerordentlich guten Auf=
nahme
, der ſich das große dreiaktige Drama Leidens=
ſtunden
zu erfreuen hatte, ſah ſich die Leitung des Union=
theaters
veranlaßt, das hervorragende Werk noch für
einige Tage zu erwerben. Neben dieſem erſtklaſſigen
Film läuft auch noch ein nicht weniger intereſſantes und
abwechslungsreiches Programm, aus dem beſonders
der Großſtadt=Schlager Noch in letzter Stunde‟
hervorgehoben ſei. Der Film iſt prachtvoll koloriert und
bringt großartige Naturſzenerien. Die Handlung, von
erſten Schauſpielkräften dargeſtellt, iſt ſpannend von An=
fang
bis zu Ende und befriedigt ſelbſt den hohe Anforde=
rungen
Stellenden. Eine Menge Humoresken, Naturauf=
nahmen
uſw. ſchließen ſich an.
* Ludwigshöhe. Heute Mittwoch nachmittag findet
unter Leitung des Obermuſikmeiſters Herrn Weber ein
Feſtkonzert ſtatt. Zur Feier des Geburtstages J. K. H.
der Großherzogin enthält das Programm mehrere dem
Tage angepaßte Werke. Bei ungünſtiger Witterung findet
das Konzert im Saale ſtatt.

19. Geſchäftsbericht der Süddeutſchen
Eiſenbahn=Geſellſchaft.
* Dem ſoeben erſchienenen Geſchäftsbericht des Ge=
ſchäftsjahres
vom 1. April 1912 bis 31. März 1913 für die
20. ordentliche Generalverſammlung der Aktionäre am
27. September entnehmen wir folgendes: Zur Verwirk=
lichung
der ſchon über ein Jahrzehnt angeſtrebten Elek=
trifizierung
der Darmſtädter Dampfſtraßen= (Vorort=)
bahnen iſt mit der Stadt Darmſtadt die Errichtung der
Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft vereinbart worden
Die dieſerhalb abgeſchloſſenen Verträge und die entſpre=
chende
Satzungsänderung wurden durch die außerordent=
liche
Generalverſammlung vom 1. April 1912 genehmigt.
Demgemäß ſind die Darmſtädter Dampfſtraßenbahnen
Eberſtadt-Darmſtadt-Arheilgen und Darmſtadt- Gries=
heim
mit allen dazu gehörigen Anlagen, Ländereien, Be=
triebsmitteln
, Rechten und Pflichten mit Wirkung vom
1. April 1912 an die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft
in Darmſtadt übergegangen. An dieſer ſind wir, nach=
dem
auf Grund vertragsmäßigen Vorbehalts 10 Prozent
des Aktienkapitals an die Rheiniſche Schuckert=Geſellſchaft
in Mannheim von uns abgegeben wurden, mit 39 Pro=
zent
des Aktienkapitals beteiligt. Die ſeitherige günſtige
Verkehrsentwickelung hat auch im abgelaufenen Geſchäfts=
jahre
auf allen unſeren Bahnen angehalten; Bregtal= und
Kaiſerſtuhlbahn hatten jedoch gegenüber dem Vorjahre
Einnahmeausfälle, erſtere durch verringerte Holztrans=
porte
und letztere durch nahezu völligen Ausfall der Obſt=
und Weintransporte infolge Mißernten. Alle anderen
Bahnen haben gegenüber dem Vorjahre Mehreinnahmen
erbracht. Die ſeit Jahren anhaltende Steigerung der
Preiſe aller Lebensbedürfniſſe erforderte eine durch=
gehende
Aufbeſſerung der Bezüge und der Dienſtalters=
zulagen
aller Angeſtellten. Durch dieſe und die höheren
Ausgaben, welche die Durchführung der neuen Verſicher=
ungsgeſetze
zur Folge haben, ſowie durch die fortwährend
ſteigenden Steuern, Abgaben und Materialpreiſe haben
ſich die Betriebsausgaben für das Berichtsjahr nicht un=
erheblich
vermehrt und werden ſich in den künftigen Jah=
ren
auch noch weiter erhöhen. Durch einen außerordent=
lichen
Beitrag zur Penſionskaſſe in Höhe von 56 782,01
Mark haben ſich die allgemeinen Geſellſchaftskoſten eben=
falls
bedeutend erhöht. Auch ſind auf Beſchluß des Auf=
ſichtsrates
die Rücklagen in die Erneuerungs= und Spe=
zial
=Abſchreibungsfonds beträchtlich, um 125354,73 Mark,
verſtärkt worden. Der Betriebsüberſchuß ſtellt ſich trotz=
dem
ungefähr auf vorjährige Höhe. Bei dieſer Sachlage
hat der Aufſichtsrat es für zweckmäßig gehalten, das reſt=
liche
Disagio auf begebene Obligationen in Höhe von
373 339 Mark, unter teilweiſer Heranziehung des Gewinn=
vortrages
, vollſtändig abzuſchreiben und für Talonſteuer
eine beſondere Rückſtellung von 108000 Mark zu machen.
Im abgelaufenen Geſchäftsjahre iſt die Herſtellung der
Zweiglinie Grünwinkel-Daxlanden der Karlsruher
Lokalbahnen begonnen und nahezu vollendet worden.
Wenige Monate nach Schluß des Berichtsjahres wurden

wir von einem herben Verluſt betroffen. Am 28. Juni
1913 verſtarb plötzlich das Mitglied unſeres Aufſichtsrates
und deſſen langjähriger Vorſitzender, Herr Geheime Kom=
merzienrat
Hedderich. Der Verſtorbene hat an der
Entſtehung und Entwickelung der einzelnen Bahnen, die
unſerem Unternehmen angehören oder bei denen wir be=
teiligt
ſind, hervorragend mitgewirkt und war Mitbegrün=
der
unſerer Geſellſchaft. Ihr Gedeihen hat Herr Hedde=
rich
mit unausgeſetztem lebhafteſten Intereſſe durch ſeine
reichen Kenntniſſe und Erfahrungen gefördert und ſich
dadurch bei den Organen der Geſellſchaft dauernde und
dankbare Erinnerung geſichert.
Das am Schluſſe des Geſchäftsjahres voll einge=
zahlte
Aktienkapital beträgt 26 Millionen Mark. Von den
ausgegebenen Schuldverſchreibungen ſind noch im Um=
lauf
21673000 Mark im Nennwert. In dem Erneuer=
ungs
=, Reſervefonds uſw. ſind insgeſamt 6396 485,94
Mark enthalten. Das Bahnanlage=Konto beziffert ſich
nach Abſetzung des vollen Verkaufspreiſes der in den
Beſitz der Heag übergegangenen Darmſtädter Dampf=
ſtraßenbahnen
(inveſtiertes Anlagekapital 1.071422,19
Mark) auf insgeſamt 43 882017,45 Mark. An Perſonal
waren auf ſämtlichen Bahnen der Geſellſchaft angeſtellt
2469, gegen 2411 im Vorjahre.
Der Aufſichtsrat beantragt, den 1932 464,02 Mark be=
tragenden
Ueberſchuß wie folgt zu verwenden: 1. 6½ Pro=
zent
Dividende auf 26000000 voll eingezahltes, dividen=
denberechtigtes
Aktienkapital 1690000 Mark, 2. Statuten=
mäßige
Tantiemen an den Aufſichtsrat 50733,96 Mark,
3. Vertragsmäßige Tantieme an die Direktion 30605,28
Mark, zum Ausgleichsfonds 80000 Mark, 5. Vortrag
auf neue Rechnung 81 124,78 Mark.

Groß=Umſtadt 16. Sept. (Kinderlähmung.) In
den letzten Tagen ſind hier mehrere Kinder an ſpinaler
Lähmung erkrankt.
Eppertshauſen, 16. Sept. (Tödlicher Unfall.)
Der 12jährige Sohn des Landwirts Erwin Müller
wollte heute nachmittag ſeinem Vater das Pferd ins Feld
bringen und fuhr über einen Bahnübergang, als gerade
ein Zug herankam. Das Pferd ſcheute, der Knabe fiel
vom Wagen und kam ſo unglücklich unter die
Räder, daß er nach einer Stunde an den Folgen der
ſchweren inneren Verletzungen ſtarb.
Neu=Iſenburg, 16. Sept. (Krieg im Frieden.)
Ein Hausbewohner fand, als er nachts heimkehrte, ſein
Haus verſchloſſen und wurde vom Hausbeſitzer nicht ein=
gelaſſen
. Darauf verſuchten die Freunde des Ausgeſperr=
ten
das Haus zu ſtürmen. Der Angriff wurde jedoch
durch das blinde Feuern des belagerten Hausherrn abge=
ſchlagen
. Die Polizei zerſtreute darauf die Belagerungs=
armee
und nahm deren Befehlshaber feſt.
Neuſtadt i. O., 16. Sept. (Mutterſchickſal.) Ein
tragiſches Geſchick iſt der Tod der 75 Jahre alten Schuh=
machermeiſterswitwe
Hermann hier. Ihre beiden Söhne
ſind ſeit 32 Jahren in Amerika und wollten ihr altes
Mütterchen noch einmal wiederſehen. Samstag nachmit=
tag
trafen ſie hier ein und fanden die Mutter als Leiche.
Siewar am Tagvorher geſtorben.
R. Heubach, 15. Sept. (Beerdigung.) Geſtern
hatte der Veteranen= und Militärverein Wilhelm ſeinem
teuren Mitgliede und Vorſtandsmitgliede Geora Wolf III.
die letzte Ehre zu erweiſen. Wohl hat die Einwohnerſchaft
einen größeren Trauerzug hier noch nicht geſehen. Herr
Pfarrer Loos=Groß=Umſtadt legte ſeiner Grabrede die
Bibelworte zugrunde: Ich habe Dich erlöſet, ich habe
Dich bei dem Namen gerufen, Du biſt mein! Darauf legte
der Präſident des Veteranenvereins, Herr Dintelmann,
einen Kranz am Grabe nieder. Er ſchilderte in kurzen
Zügen die großen Verdienſte, welche der Verſtorbene er=
worben
. Die üblichen Salutſchüſſe ſchloſſen die erhebende
Feier. (Ein ſeltenes Naturereignis) iſt
hier in dem Garten des Landwirts Jakob Schimpf XI. zu
ſehen. Ein junges Apfelbäumchen, das zum Teil
reichlich mit Früchten behangen iſt, prangt auf der anderen
Seite im weißen Blütenſchmuck.
Groß=Gerau, 15. Sept. Vermißt wird ſeit dem
9. September d. J. der Privatier Heinrich Petri, 54
Jahre alt, zu Groß=Gerau. Auf deſſen Auffindung hat die=
Ehefrau des Vermißten eine Belohnung von 100 Mark
ausgeſetzt.
Guſtavsburg, 16. Sept. (K reisturn= und Spiel=
feſt
.) Daß nicht der äußere Pomp, nicht Karuſſell und
Juxplatz, auch nicht ungezählte Liter Bier ein Feſt ſchön
machen, ſondern der Geiſt, der in den Feſtteilnehmern
wohnt und in ihrem Tun ſich kundgibt, das hat das
Kreisturn= und Spielfeſt der evangeliſchen
Jugendvereine des Kreiſes Groß=Gerau
gezeigt, das am Sonntag hier vor ſich ging. Die Wett=
kämpfe
am Nachmittag zeigten die Jugend im ernſten
Eifer um die Erlangung des Siegespreiſes. Der Jugend=

Feuilleton.

C.K. Die Krankheit der Beamten der drahtloſen Tele=
graphie
. In dem Maße, als die Einführung der draht=
loſen
Telegraphie Fortſchritte macht, mehren ſich die Fälle,
in denen Telegraphiſten der drahtloſen Stationen von
einer eigenartigen Krankheit ergriffen werden, die allen
Anzeichen nach mit der Art ihrer Tätigkeit im engſten Zu=
ſammenhange
ſteht. Das Leiden äußert ſich durch Blut=
armut
; die Symptome ſind eine auffallende Bläſſe, häufig
auftretende Kopfſchmerzen, Appetitmangel und Verdau=
ungsſtörungen
. Genauere Beobachtungen haben eine Ab=
nahme
der roten Blutkörperchen ergeben und zugleich eine
Abnahme des Hämoglobingehaltes der Blutkörperchen.
Bis zu einem gewiſſen Grade wird dieſes Leiden durch
die ungünſtige Inſtallation der drahtloſen Telegraphie=
ſtationen
auf vielen Schiffen gefördert; aber es ſcheint,
daß die Ozonbildung der Luft und die unmittelbare Nähe
hochgeſpannter Ströme auf den menſchlichen Organis=
mus
einen Einfluß ausüben, der noch nicht genügend er=
kannt
und erforſcht iſt. Man hat ähnliche Krankheitser=
ſcheinungen
auch bei den Elektrizitätsarbeitern an den
Niagarafällen feſtſtellen können, und bei in die Nähe ſtar=
ker
Dynamos gelegten Schnecken beobachtete man heftige
Muskelzuſammenziehungen.
ml. Das neueſte Rieſenhotel Amerikas. Das größte
Hotel der Vereinigten Staaten, wenn nicht in der Welt
überhaupt, wird in kurzem auf der Oſtſeite des Broadway
eröffnet werden. Das Gebäude wird 1800 Zimmer in
24 Etagen enthalten. Das Rieſenhotel iſt in weniger als
15 Monaten fertiggeſtellt und zur Aufnahme der Gäſte ein=
gerichtet
worden. Und wenn es am Neujahrstage 1914
ſeine Pforte öffnen wird, hat es einen Koſtenaufwand von
50 Millionen Mk. erfordert. Von dieſer enormen Summe
ſind fünf Millionen allein für den Bauplatz gezahlt wor=
den
. Um für das Hotel Raum zu ſchaffen, mußten zwei
Theatergebäude, ſowie eine Anzahl alter Häuſer abgeriſ=
ſen
werden. Es verdient Hervorhebung, daß ein großer
Teil des inveſtierten Kapitals in England aufgebracht
worden iſt. Das Souterrain des Gebäudes enthält die

Maſchinen=, Waſch= und Küchenräume. Dieſe bilden einen
Raum von 60 Meter Weite und rund 40 Meter Tiefe. 21
Stockwerke bleiben für die Gaſtzimmer reſerviert, von
denen 85 auf jedem Flur gelegen ſind. In den oberen
Räumen iſt das Hotelperſonal untergebracht. Die Innen=
einrichtung
und Möbelierung des Hotels hat allein nicht
weniger als vier Millionen Mark gekoſtet.
** Aus der Welt der Frau. Wie man den me=
dernen
Mantel trägt: Die drapierten Kleider
haben mit Notwendigkeit den lockeren weiten Mantel im
Gefolge. Man bedarf eines geſchmeidigen faltigen Ge=
wandes
, um die breiten Maſſen zu verbergen, und man
will zu der wogigen Steifheit des Kleides einen pikanten
Gegenſatz ſchaffen in einem läſſig umgelegten, den Gliedern
ſich anſchmiegenden Kleidungsſtück. Aus dieſem Gefühl
heraus hat bereits das Rokoko jene entzückenden Capes
und Umhänge gebracht, die man Faille, oder auf gut
Deutſch Schlender nannte und die die Begeiſterung aller
derer waren, die ſich an dem ſtarren Prunk des Reifrockes
ſatt geſehen hatten. Auch wir erleben wieder eine Re=
naiſſance
dieſer weichen, loſe umgeſchlungenen Mäntel, die
leicht um die Schultern gelegt und mit den Händen gehal=
ten
werden, mögen ſie nun aus Seide oder Pelz beſtehen,
jener Capes, die in läſſigen und doch wohl ausſtudierten
Linien am Körper niederfließen. Sehr in Mode iſt der
ſpaniſche Umhang, der kühn um den einen Arm drapiert
wird und mit dem einen Ende in romantiſchem Schwung
quer über die Schulter geworfen iſt. Daneben erſcheint
das zierlichere Cape, das an das Mäntelchen des Rokoko=
Abbé gemahnt und mit einem breiten, umgeſchlagenen
Kragen getragen wird, der den Hals frei läßt. Der Ca=
puchonmantel
feiert ſeine Triumphe mit ſeiner tief herab=
gehenden
Kapuze auf dem Rücken, an der eine kleine
Quaſte ſchaukelt, und als bequemſtes aparteſtes Kleidungs=
ſtück
erſcheint der weite Burnus mit den großen Quaſten,
die ihn umſpielen. Schwerer iſt die Pracht der koſtbaren
Pelz= und Abendmäntel; aber auch ſie werden nicht einfach
angezogen, ſondern fließen in Wellenlinien um die Ge=
ſtalt
, müſſen mit der darunter getragenen Toilette, mit
den Linien der Figur in feine Harmonie gebracht werden.
So iſt es denn nicht genug, ſolch ein ſchönes Stück zu er=

ſtehen, ſondern viel wichtiger iſt es, daß man es auch zu
tragen verſteht. Ihren Zauber und ihre Seele empfangen
dieſe Umhänge erſt durch den Geſchmack ihrer Trägerinnen,
durch die anmutige Rhythmik der Bewegungen. Die Män=
tel
müſſen mit einer gewiſſen ſorgfältig berechneten Nach=
läſſigkeit
getragen werden; ſie ſollen ausſehen, als wären
ſie raſch umgeworfen und enthüllten in der zufälligen apar=
ten
Unordnung ihrer Falten die Konturen der Kleidung
und des Körpers. Die Dame aber, die ſich auf eine ſolche
Improviſation verlaſſen wollte, würde einen plumpen
und ungefügen Eindruck machen. Frauen, die dieſe wei=
ten
Umhänge nicht zu tragen verſtehen, ſehen aus wie
ſchwerfällige Vögel, die mit grotesken Flügeln, die hier
von den in den Falten vergrabenen Armen dargeſtellt wer=
den
, mühſelig daherrudern. Man hat den weiten wulſti=
gen
Aermeln, die im vergangenen Jahre modern waren,
den Namen Pinguine gegeben; nun, an ſolche breit und
chwer wackelnde Seevögel erinnern die Damen, die die
neuen Mäntel nicht zu tragen wiſſen. Die Mondäne je=
doch
, die die Kunſt der Drapierung bei dem neueſten Klei=
dungsſtück
erfaßt hat und mit Vollendung ausübt, wickelt
ſich in die loſen vollen Falten wie ein anmutiger Vogel
in ſein herrliches Gefieder; mit den ſchlanken Händen faßt
ſie energiſch in die Stofflut hinein und weiß mit einer
einzigen graziöſen Geſte jene Linien um ſich zu geſtalten,
die ihrer Figur weiche volle Konturen verleihen. Wie eine
ſchöne exotiſche Blume wächſt dann der ſchlanke Oberkörper
aus den knapp gezogenen Falten des Mantels hervor,
während ſich die ſchwerere Fülle des Stoffes um die Dra=
pierungen
des Kleides ſammelt und durch ihre Maſſe die
grazile Feinheit noch erhöht. Die ſchwere Kunſt, den
modernen Mantel zu tragen, belohnt dann durch einen
beſonders reizvollen und pikant originellen Effekt.
Die neueſte Haartracht. Trotz all der Exzen=
trizitäten
und Bizarrerien, die die Mode entfaltet, liegt
doch in ihrem häufig verworrenen Streben der tiefere
Sinn eines harmoniſchen Stils. Die runden vollen Linien
und Wellen, die in den Roben geſucht werden, klingen
wieder in der Haartracht, die danach ſtrebt, den natürlichen
Fluß des Haares in ihren ondulierten Lagen und kompli=
zierten
Arrangements feſtzuhalten. Die bohe Friſur, die

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Nummer 218.

verein Guſtavsburg errang die Kreismeiſterſchaft im
Fauſtballſpiel und erhielt als Ehrenpreis das Bild von
A. Kampf: Die Einſegnung der Freiwilligen 1813. Das=
fſelbe
Bild zeigten in verkleinerter Wiedergabe auch die
Diplome für die Turner Bei einer ſchönen Feier nach
den Wettkämpfen legte Pfarrer Knab=Walldorf in einer
Anſprache die Ziele der evangeliſchen Jugendvereine dar
die er mit den Wocten Stark und froh kennzeichnete.
Zum Abendeſſen hatte man den jungen Gäſten Freiquar=
tiere
bei den Bürgern von Guſtavsburg beſorgt. Um
8 Uhr verſammelte man ſich wieder zu einem Familien=
abend
im Bayeriſchen Hof bei dem die Preisverteilung
ſtattfand. Bei dieſer Veranſtaltung kam die Erinnerung
an das Jahr 1813 ſtark zur Geltung, beſonders in dem
Schauſpiel Der Trommeljunge von Dennewitz das von
den Guſtavsburgern Jugendvereinlern verſtändnisvoll ge=
ſpielt
wurde. Der Poſaunenchor von Walldorf hat viel
zum Gelingen des Abends beigetragen. An dem Feſt be=
teiligten
ſich die Jugendvereine von Büttelborn, Groß=
Gerau, Guſtavsburg, Kelſterbach, Nauheim, Walldorf und
Worms-Neuhauſen.
Mainz, 16. Sept. (Weinbauausſtellung.) Die
Weinbauausſtellung wurde von 33 267 Perſonen beſucht.
Der finanzielle Abſchluß ſteht noch nicht end=
gültig
feſt, doch iſt das Ergebnis ſehr gut. Es dürften
*5000 bis 6000 Mark Ueberſchuß erzielt werden. Eine
Einigung mit Herrn v. Waldthauſen ſoll un=
mittelbar
bevorſtehen. Die Verhandlungen ſind ſo weit
gediehen, daß der Abſchluß noch dieſe Woche erfolgen
wird. Die beiderſeitigen Intereſſen, insbeſondere die der
Waldbeſucher, ſollen gewahrt ſein. Herr v. Waldthauſen
iſt wegen der Verhandlungen wieder auf ſeinem Schloſſe
eingetroffen. Der 63 Jahre alte Pfründner A. Stethen
von Nieder=Ingelheim, der in voriger Woche den Selbſt=
mordverſuch
am hieſigen Friedhof machte, indem er
Lyſol trank, iſt an den Folgen im Rochushoſpital ge=
ſtorben
.
Worms, 16. Sept. (Dem Richter entzogen.)
Heute früh gegen 6 Uhr hat ſich der 47 Jahre alte Alt=
händler
Adam Beiſel in ſeiner Wohnung, Friedrich=
ſſtraße
14, im Bette erſchoſſen. Beiſel war der Hehle=
rei
angeklaßt, weil er eine Reihe Gegenſtände, wie
Bronzefiguren und dergleichen, die ein gewiſſer Jakob
Fuhrmann aus Ottersheim hier und auswarts von Grab=
mälern
geſtohlen hatte, an ſich gebracht hat. Die Haupt=
verhandlung
ſollte heute vormittag vor der Strafkammer
Großh. Landgerichts Mainz ſtattfinden. Eine Flug=
maſchine
mit Leutnant Metzler als Führer und
Leutnant Eichhorn als Begleiter landete geſtern abend
6,40 Uhr auf dem rechtsrheiniſchen Exerzierplatz. Die
beiden Flieger waren um 4,20 Uhr auf dem Aviatik=
Pfeil=Doppeldecker B. 10 in Darmſtadt aufge=
ſtiegen
, flogen in etwa 900 Meter Höhe über Bensheim,
Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, zurück nach Mannheim,
Worms. Heute nachmittag 4 Uhr werden die beiden Flie=
ger
nach Mainz-Frankfurt wieder zurückfliegen.
* Alzey, 16. Sept. Aus Amerika wird gemeldet:
Frau Franziska Metz geb. Biſchel, die Mutter
des Kongreßabgeordneten und früheren Comptrollers
Hermann A. Metz, iſt in ihrem 84. Lebensjahre in Newark,
N. J., geſtorben. Die nunmehr Verblichene ward 1830
in Alzey in Rheinheſſen geboren. Im Jahre 1848 kam
ſſie mit ihrem Gatten Eduard Metz herüber nach Amerika,
ſder in den Reihen der 48er gekämpft und Männer wie
Karl Schurz und Franz Sigel zu Freunden hatte. Er ſtarb
fim Jahre 1885. Frau Metz war die Tochter von George
fund Veronika Biſchel. Ihr Vater ſtarb kurz nach ihrer
Geburt; die Mutter erreichte ein Alter von 80 Jahren. Als
(Frau Metz im 77. Lebensjahre ſtand, überraſchte ſie zwei
Einbrecher, welche in das Haus eingedrungen waren. Mit
ſeinem Revolver hatte ſie ſich herangeſchlichen und gab
Feuer auf die Burſchen, die ausriſſen und auch ihre Flucht
bewerlſtelligten. Die Armen verlieren in der Frau Metz
ſeine treue Freundin. Gar manche Träne hat ſie getrocknet,
manche Not gelindert. Frau Metz hinterläßt drei Söhne,
von denen der älteſte Hermann A. Metz iſt, der vier Jahre
lang das Amt des ſtädtiſchen Comptrollers bekleidete und
eben erſt wieder für den gleichen Poſten aufgeſtellt wurde.
Ober=Saulheim, 16. Sept. (Blitzſchlag.) Ein
ſchweres Unwetter zog Sonntag abend über unſer Dorf.
Der Blitz ſchlug in die Scheune des Landwirts Karl
Heyd. In kurzer Zeit war die vollſtändig mit
Frucht gefüllte Scheune abgebrannt und das
Feuer erfaßte die angrenzende Scheune des Landwirts
Philipp Freitag, die ebenfalls mit Frucht gefüllt war.
Das trockene Getreide entfeſſelte das Feuer nur noch
mehr und man hegte Befürchtungen für das ganze an=
grenzende
Gebäudeviertel. Den Bemühungen unſerer
Feuerwehr, der die völlige Windſtille und der ſtrömende
Regen zu Hilfe kamen, gelang es jedoch, das Feuer end=
lich
zu löſchen. Nur mit großer Mühe konnte das Vieh

in den beiden Gehöften gerettet werden, da auch die
Stallungen verbrannten
Gießen, 16. Sept. (Der Gießener Viehmarkt.
Der Bund der Viehhändler Deutſchlands und der ober=
heſſiſchen
Viehhändlervereine hatten auf geſtern abend ge=
meinſam
eine Viehhändlerverſammlung einberufen, die
von rund 400 Perſonen beſucht war. Der Vorſitzende des
Bundes, Daniel=Dierdorf, und der Vorſitzende des ober=
heſſiſchen
Vereins, Flörsheim=Alsfeld beſprachen die un=
haltbaren
Zuſtände des Gießener Viehmarktes. In der
daran anſchließenden lebhaften Ausſprache erklärte Ober=
bürgermeiſter
Mecum, er ſei gekommen, um die Be=
ſchwerde
des Handels entgegenzunehmen. Soweit die
Stadt Gießen als Unternehmerin des Marktes in Frage
komme, werde ſie gewiß alles tun, um Verhältniſſe zu
ſchaffen, die auch die Handelsleute zufrieden ſtellten. Es
wurde eine Kommiſſion gewählt, die mit den in Frage
kommenden Behörden, dem Miniſterium, dem Kreisamt,
der Polizeibehörde und der Stadt Gießen, ſich ins Be=
nehmen
ſetzen ſoll, um endlich Zuſtände zu ſchaffen, die
der Bedeutung des Marktes entſprechen, der einer der
bedeutendſten Umſchlagsplätze für Zuchtvieh in Mittel=
deutſchland
iſt. Ein Antrag auf Boykottierung des Gie=
ßener
Viehmarktes wurde von dem Vorſitzenden als der
Würde des Deutſchen Viehhändlerverbandes nicht ent=
ſprechend
abgelehnt.

Die Gewerbe=Ausſtellung in Lauterbach.

(*) Die Ausſtellung gibt ein reges Zeugnis für die
Wichtigkeit und ſegensreiche Wirkſamkeit der Gewerbever=
eine
und Gewerbeſchulen. Der lebhafte Beifall und die
allgemeine Anerkennung, welche die drei Hauptabteilun=
gen
fanden, ſind voll und ganz verdient.
Die Schülerarbeiten=Ausſtellung gab
den Beſuchern vielſeitige Anregung und war geeignet,
dazu beizutragen, das Intereſſe am gewerblichen Unter=
richt
zu fördern. Dieſe Abteilung war in den oberen
Sälen der Web= und Handwerkerſchule untergebracht. Der
Saal zur Linken zeigte die Schülerarbeiten der fünf ober=
heſſiſchen
Gewerbeſchulen zu Alsfeld, Büdingen, Fried=
berg
, Gießen und Nidda, beſtehend aus Aufnahmen alter
muſtergültiger Bauten und Gegenſtänden des häuslichen
Gebräuchs. Sehr ſchön waren die praktiſchen Uebungen
der Weißbinder und Dekorationsmaler, die Arbeiten aus
dem kunſtgewerblichen Zeichnen, ſowie die praktiſchen Ar=
beiten
aus dem Modellunterricht der Steinhauer, Maurer,
Zimmerer, und endlich die Holzſchnitzereien, Kunſtſchmiede=
und Metalltreibarbeiten. Das alles gab einen Einblick indas
verzweigte Unterrichtsfeld der heſſiſchen Gewerbeſchulen.
Der Saal rechts enthielt in der Hauptſache Schüler=
arbeiten
aus den Gebieten des Fachzeichnens in den
Handwerkerſchulen, den früheren Sonntagszeichenſchulen.
Wegen Mangel an Raum konnten leider nicht alle ober=
heſſiſchen
Handwerkerſchulen zur Ausſtellung zugelaſſen
werden. Hier zeigte ſich ſo recht der Fleiß von Lehrern
und Schülern, die trotz der knapp bemeſſenen Zeit recht
Bedeutendes zuwege bringen. Die Schau des Hand=
werks
aus Lauterbach und dem Riedeſelſchen Ländchen
befand ſich im unteren Stock der Webſchule. Des regſten
Intereſſes erfreute ſich die Ausſtellung Alt= Lauter=
bacher
Handwerkskunſt. Der Saal wies einen
Vorraum und drei Kojen auf. In dem Vorraum waren
mehrere Laden aufgeſtellt, welche reiche Schnitzereien und
Wappen einzelner Alt=Lauterbacher Familien trugen. Er=
wähnt
ſei beſonders das Wappen der Familie Heuſer, die
in der Stadtgeſchichte über hundert Jahre eine bedeutende
Rolle ſpielte. Die Höhe der heimiſchen Schmiedekunſt
zeigten zwei eiſerne Truhen, Arbeiten aus der Zeit um
1700; bewundert wurden die kunſtvollen, komplizierten
Schlöſſer. Mächtige Eichenſchränke zeigten mehr bäuer=
liches
Gepräge, ein anderer trug reiche Schnitzereien,
Blätter und Weintrauben. Die Vorderwand des Saales
zierten Bilder und Anſichten, darunter ſolche von Bau=
rat
Diehm (früher in Gießen), z. B. die Totenkirche, Alt=
Lauterbach und der Graben in Lauterbach. Andere waren
von Architekt Möller. Zwei alte Bilder aus der Zeit um
1800 zeigten Eiſenbach und Lauterbach. Wieder andere
Laden waren echte Renaiſſance=Arbeiten aus 1820. Auch
Gegenſtände der Alt=Lauterbacher Töpferkunſt konnte man
bewundern. Auch das altehrwürdige Himmelbett durfte
nicht fehlen. In dankenswerter Weiſe hatten zahlreiche
Familien Lauterbachs und der Umgegend, beſonders aber
die Riedeſelſche Familie, ihre Altertumsſchätze zur Ver=
fügung
geſtellt.
Jung=Lauterbachs Handwerkskunſt konnte man im
gegenüberliegenden Lehrſaal bewundern. Auch zwei aus=
wärtige
Schreinermeiſter, Rauſch=Schadges und Waſſer=
Rixfeld waren neben den Lauterbacher Handwerkern ver=
treten
. Dekorationsmaler Jul. Siemſen bringt die reiz=
vollen
alten Lädchen mit Blumen und Sprüchen wieder
neu in Umlauf. Daneben ſtanden die appetitlichen Kon=

ditorarbeiten des Herrn Duchardt. Leider ſtanden daran
die Worte: Nicht berühren! Und ſie dufteten doch ſo lieb=
lich
! Weibliche Handarbeiten hatten nur zwei Damen
ausgeſtellt. Obwohl auch in dieſer Abteilung der Raum
beſchränkt war, ſo bot ſie doch ein ungefähres Bild der
Handwerkskunſt der Gegenwart. Als den dritten Teil
der Ausſtellung muß man die Werkſtätte der Web=
ſchule
bezeichnen, in deren Raum fortgeſetzt eine ſtatt=
liche
Zahl Beſucher weilte. Handwebſtühle, Schaftmaſchi=
nen
, Kettel= und Schußſpulmaſchinen traten in Tätigkett,
Man konnte das Weben der Kraftwebſtühle ſehen, es ent=
ſtanden
hier die Gebrauchsgegenſtände und Kleiderſtoffe.
Sehr intereſſant war ein Nebenzimmer mit den fertigen
Erzeugniſſen, vom einfachen Handtuch bis zum pracht=
vollen
geknüpften Teppich. Daneben lagen die Lehrgänge
der Bearbeitung der Baumwolle, Jute, des Flachſes, der
Seide. Mit einem Wort: die Ausſtellung machte dem
Lauterbacher Ortsgewerbeverein alle Ehre.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nacht
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Nedaktion ihr Urteil vor.

* Koczalski=Konzert. Auf das heute Mitt=
woch
, 8 Uhr abends, im Saale des Hotels zur Traube
ſtattfindende erſte Konzert Raoul von Koczalskis wird
nochmals hingewieſen. Es iſt zu erwarten, daß der große
Künſtler die Elite unſerer Muſikkenner und Gönner heute
um ſich verſammelt ſehen wird.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 15. Sept. Die Blätter
melden aus Langfuhr: Die Berliner Gemeinde=
ſchüler
, die Gäſte des Kronprinzen ſind, wur=
den
geſtern abend von der Kronprinzeſſin im Garten der
Ein
kronprinzlichen Villa zum Abſchied empfangen.
heftiges Gewitter ging heute über Berlin nieder=
Der Blitz ſchlug an mehreren Stellen ein ohne zu zün=
den
. Nachdem das Gewitter ungefähr 1½ Stunden ge
dauert hatte ſetzte ein feiner Landregen ein, der den
durch das Gewitter verurſachen plötzlichen Niedergang
der Temperatur aufrecht erhielt. Ein inter natio=
naler
Lebemann und Schwindler, der unter
den Namen Fürſt Dolgoruki, Baron von Roſen u. a. m.
in aller Welt aufgetreten iſt und von verſchiedenen Straf=
behörden
geſucht wurde, fiel geſtern nach einem neuen
Schwindel der hieſigen Kriminalpolizei in die Hände.
Am Samstag abend machte ſich im Metropoltheater bei
der Premiere ein Kavalier an zwei Herren der hieſigen
Geſellſchaft heran, ſtellte ſich als Fürſt Dolgoruki vor und
beſuchte mit ihnen ſpäter ein feines Weinlokal in der
Jägerſtraße, das auch zur Nachtzeit geöffnet iſt. Die bei=
den
Herren waren hier bereits wohlbekannt, und ihr Be=
gleiter
gab ſich den Anſchein, als ob er ihr beſter Freund
ſei. So hatte denn der Wirt nicht die geringſten Beden=
ken
als der ihm ſonſt fremde Gaſt ihm die mäßige Zeche
mit einem Scheck über 1000 Mark auf den Kredit Lyonnais
bezahlte. Ohne das geringſte Mißtrauen gab er den
Ueberſchuß heraus. Erſt ſpäter erfuhr der Wirt, daß die
beiden bekannten Gäſte ihren Begleiter auch eben erſt
kennen gelernt hatten und nichts Näheres von ihm wußten,
Der Wirt zweifelte nun auch, daß der Name des Gaſtes und
der Name auf dem Scheck richtig ſei, und machte Anzeige
bei der Polizei. Dieſe ermittelte geſtern den Verdäch=
tigen
in einem anderen Nachtlokal, nahm ihn feſt und ent=
larvte
ihn als einen 1885 geborenen kurländiſchen Baron
Iwan Engelhardt, der früher in einem ruſſiſchen Regi=
ment
Offizier war, ſeitdem aber ohne Geld den Globe=
trotter
ſpielte und überall Schulden machte und Betrüge=
reien
verübte. Von München aus wurde Engelhardt ge=
ſucht
, weil er dort mehreren Landsleuten unter falſchen
Vorſpiegelungen Geld abgenommen hatte, aus ähnlichen
Gründen von Wien aus. In Berlin hat er noch eine
Rechnung wegen eines Zuſammenſtoßes mit der Polizei
wegen groben Unfuges zu begleichen. Von dem Gelde,
das ihm der Wirt herausgegeben hatze beſaß er noch
500 Mark, das übrige hat er geſtern auf der Grunewald=
rennbahn
ausgegeben. (Ein Mord im Offizier==
Kaſino.) Der Lippeſche Hofmaler Profeſſor Heinrich
Maaß, Brücken=Allee hierſelbſt wohnhaft, hat geſtenn
abend auf dem Flur des Landwehr=Offizier=Kaſinos den
Lippeſchen Kammerherrn und Rittmeiſter der Reſerve,
Lothar von Weſternhagen. Kurfürſtendamm wohn=
haft
, erſchoſſen. Ueber den Aufſehen erregenden Vorfall=
erfährt
das Depeſchenbureau Herold folgendes: Sowohl
Herr Profeſſor Maaß wie der Kammerherr von Weſtern=
hagen
waren für geſtern abend zu einer Vernehmung vor
dem Ehrenrat in das Landwehr=Offizier=Kaſino geladen
worden, und zwar nicht in einer militäriſchen Angelegen=
heit
, ſondern in einer rein privaten Sache. Profeſſor

in der Coiffüre mehr und mehr zum Siege gelangt, wird
entweder durch ein Verknüpfen, Verknoten und Umlegen
der gewellten Flechten oder durch einen helmartigen Auf=
bau
, durch das Schaffen aufgetürmter Maſſen erreicht. Die
Ponylocken über der Stirn nehmen der Friſur die Strenge
und Kälte; ſie werden noch häufig akzentuiert durch ein
über die Stirn gelegtes Perlenband. Die Verzierung der
Haartracht geſchieht bei großen Abendfriſuren durch eine
bekrönende Edelſteintiara, durch diamantenbeſetzte Bänder
und Zweige, die ſich wie Arme aus der Haarflut heraus=
heben
, oder durch Aigretten von Paradies= und Straußen=
federn
. Bandgarnierungen aus Moiré werden viel getra=
gen
oder es wiegen ſich auf dem duftigen Gewoge große
Tüllſchmetterlinge oder zarte Gebilde aus Spitzen. Ver=
ſchiedentlich
verſucht man Chignonformen in Geſtalt einer
8 zu bringen; aber die meiſten Damen ziehen dem ein
feſtes Haarneſt vor, das durch einen großen, mit Steinen
beſetzten Schildkrötenkamm gehalten wird. Die allgemeine
Hinneigung zu den Moden des 18. Jahrhunderts verleiht
den gepuderten Coiffüren einen beſonderen Reiz; ſie vaſ=
ſen
zu den Drapierungen der Röcke, den Fichus der Kor=
ſage
, den zarten Farben und den Mouchen, die die Grazie
des Rokoko anklingen laſſen.
Ein neuer Frauenſport. Das Schleudern
von leichten Wurfſpießen findet als ein anmutiger, geſun
der und der Frau beſonders angemeſſener Sport in eng=
liſchen
Damenkreiſen mehr und mehr Anhängerinnen. Die
Ausbildung der Arm= Nacken= und Bruſtmuskeln wird
dadurch beſonders gefördert, Biegſamkeit und Geſchmei=
digkeit
der Glieder erreicht, und ſo erlangen die Frauen
mit dieſer unterhaltſamen Beſchäftigung nicht nur einen
Zuwachs an Geſundheit, ſondern auch an Schönheit. Der
Champion dieſes neuen, eigentlich freilich uralten Sports,
F. A. M. Wobſter, rühmt in einem engliſchen Blatt dieſe
ideale Körperübung der Damenwelt; ſie kann in jedem
Garten oder auf einem freien Platz ausgeführt werden;
die normale Weite des Wurfes, die Frauen mit dieſen
leichten Speeren erreichen, beträgt gegen 80 Fuß; doch
haben Damen bereits ſehr bedeutende Leiſtungen in dem
Sport vollbracht.

Kunſthalle am Rheintor.

I.
Karl Thiemann=Dachau.
Nach längerer Sommerpauſe öffnete die Kunſthalle
am Rheintor wieder ihre Räume und bringt als vielver=
heißende
Einleitung der neuen Saiſon zunächſt eine Kol=
lektivausſtellung
von Karl Thiemann=Dachau. Der
junge Künſtler hat ſich vor einigen Jahren äußerſt vorteil=
haft
bei uns eingeführt mit einer Kollektivausſtellung von
Holzſchnitten, in denen er der uralten Kunſt der Japaner
in bemerkenswerter moderner Auffaſſung neues Leben
lieh. und dabei ein ebenſo offenſichtliches wie taktvoll un=
aufdringlich
bleibendes eigenes künſtleriſches Empfinden
offenbarte. Seine Holzſchnitte, meiſt auf Japan gedruckt,
waren von prägnanter Zeichnung und dabei doch von
einer Weichheit der Konturen und Zartheit im Kolorit,
daß man unwillkürlich fühlte, wie hier eine feinempfin=
dende
Künſtlernatur durch eine uralte Kunſttechnik über=
zeugend
ſich ſelbſt Ausdruck lieh. Heute zeigt Karl Thie=
mann
weitere Seiten ſeines künſtleriſchen Schaffens und
wenn wir auch nach wie vor ſeine Holzſchnitte am höchſten
bewerten möchten, ſo muß doch ohne weiteres zugeſtanden
werden, daß auch ſeine Oelgemälde, wie die Zeichnungen
und Paſtelle eine Künſtlernatur offenbaren, die ſehr weit
den Durchſchnitt überragt und machtvoll zur Höhe ſtrebt;
jedenfalls aber einen Künſtler, der nicht mit dem großen
Haufen läuft und der ſeiner eigenen individuellen Kunſt=
auffaſſung
überzeugend Ausdruck zu geben vermag.
Im Erdgeſchoß ſind die Originale etwa 30 Schwarz=
weißblätter
der für die Zentenarſchrift der Gußſtahl=
fabrik
Friedrich Krupp in Eſſen geſchaffenen Holzſchnitte
aufgehängt. Die Blätter ſind durchweg Erzeugniſſe eines
kraftvollen Zeichentalentes, deſſen klare, beſtimmend cha=
raktervolle
Handſchrift dem Bildinhalt, dem Reinkünſtleri=
ſchen
, ſtets untergeordnet ſind. Ihre Zweckbeſtimmung
iſt geſthetiſiert, ohne dadurch irgendwie beinträchtigt zu
ſein. Immerhin haftet dieſen Blättern oft der Auftrag
an. Das iſt naturgemäß, wenn die dem freien Schaf=

fen entſproſſenen Bilder des Künſtlers die Wahrheit re=
den
. Sie laſſen in ihrer hellen Farbenfreudigkeit und Na=
turverherrlichung
nicht darauf ſchließen, daß der Künſtler
ſich auch für eigenes, freies Schaffen kalte, düſtere Indu=
ſtriegebäude
gewählt hätte. Daß er trotzdem hier ſtets
auch gute Bildwirkung erzielte, ſpricht ſeinem künſtleriſchen
Takt und Geſchmack Lob, mit dem er die notwen=
dige
, durch die Architektur bedingte Symmetrie der Freiheit=
der
Kompoſition unterzuordnen verſtand. Wie anders
wirken ſchon die Schwarzweißblätter im Raum II. Sie
bilden in ihrer wohltuenden Weichheit einen trefflichen
Uebergang zu der Kollektion farbiger Holzſchnitte,
die auf die beiden Räume III und IV verteilt ſind. Hier
feiert das feine Farbenempfinden des Künſtlers, dem die
kraftvolle Handſchrift ſeiner Zeichnung untertan iſt,
Triumphe. Er iſt vielfach vom überzarten Kolorit zu kräf=
tigeren
Tönen übergegangen, und namentlich die vor=
wiegend
von warmen Farbtönen beherrſchten Blätter
ſiehe die Blumenſtücke ſind von wohltuender Wirkung=
in
dem ſeltenen Gemiſch von Kraft und Zartheit. Wie ſind
die kleinen Landſchaftsſtücke ſo voll Innigkeit in der Stim=
mung
(ſiehe Rauhreif wenn dieſem Blatte vielleicht auch
der Charakter ſeines Vorwurfs in einigem mangelt, es iſt
zu warm), ſind dieſe Blumen und Blüten ſo voll Leben
und Duft. Dabei zeigen die Blätter faſt ausnahmslos
in der Bildauffaſſung die Eigenart ihres Schöpfers. Man
ſehe die beiden Chryſanthemen, die Clivia uſw. an. Sie
zeugen davon wie ſicher und ſcharf der junge Künſtler zu
ſehen verſteht, wie er die Schönheit der Blume erfaßt
hat und ſie feſtzuhalten weiß. Im Raume IV hängen ne=
ben
einer Kollektion von Zeichnungen, die in ihrer Weich=
heit
und kompoſitionellen Eigenart wieder einen beſonde=
ren
Zweig des Kunſtſchaffens Thiemanns offenbaren, ein
paar Paſtellbildchen, von denen die Nordſee bei Kart=
wyk
voll köſtlicher Farbenſtimmung iſt, die auch in ihrer
Helle und Klarheit in wohltuendem Gegenſatz ſteht zu den
Bildern von Heyden im gleichen Raum, von denen ſpäter
die Rede ſein wird.
Köſtlich iſt der farbenfrohe, friſche Eindruck der etwa
ein Viertelhundert Bilder umfaſſenden Kollektion von
Oelgemälden im Oberlichtſaal, Blumen. Stilleben und

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Nummer 218.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Seite 5.

Maaß war um 8 Uhr geladen, während Herr von Weſtern=
hagen
um 9 Uhr erſcheinen ſollte. Er kam aber leider
4 Stunden zu früh und traf auf dem Flur des Kaſinos
mit Profeſſor Maaß zuſammen, der ſich eben aus dem
Gebäude entfernen wollte. Nach einem kurzen Wort=
wechſel
ohrfeigte Herr von Weſternhagen den Profeſſor
Maaß. Dieſer zog einen Revolver und gab auf ſeinen
Gegner einen Schuß ab der ihn ins Herz traf und ſeinen
ſofortigen Tod zur Folge hatte. Zwiſchen beiden Herren
ſchwebte ein Zivilprozeß. Wie weiter mitgeteilt wird,
iiſt der Profeſſor Maaß wieder auf freien Fuß geſetzt
worden, weil ſich ergeben hat, daß er anſcheinend in der
Notwehr gehandelt hat. Weſternhagen iſt auf ihn mit
dem Säbel eingedrungen. Die Staatsanwaltſchaft gab
Maaß aber auf, ſich zur Verfügung des Gerichtes zu
halten.
Kronberg, 16. Sept. Die Abreiſe des Königs
von Griechenland und ſeiner Familie nach dem eng=
iliſchen
Seebade Eaſtbourne erfolgt heute abend 9,10 Uhr
von dem hieſigen Bahnhofe aus. Wie dem Kronberger
Anzeiger von ofſizieller Seite mitgeteilt wird, ſteht dieſe
Zeit der Abreiſe bereits ſeit letzten Donnerstag feſt und
es kann deshald, wie mehrfach behauptet worden iſt, von
einer Verſchiebung der Reiſe keine Rede ſein.
Hamburg, 15. Sept. (Als die fürchterliche
Folge einer Lüge) ſtellt ſich nach dem am Sonntag
erfolgten Geſtändnis des Täters der vielbeſprochene
Raubmord an der Landwirtsfrau Eggers im benach=
barten
Moorfleth dar. Der junge Albers, Sohn der in der
Nachbarſchaft wohnenden Schlächtersleute Albers, war
mit einem jungen Mädchen verlobt und hatte ihr den Be=
ſitz
eines eigenen Vermögens vorgeſpiegelt, wovon die
Ausſteuer angeſchafft werden ſollte. Da die Hochzeit aber
ſchon auf den geſtrigen Sonntag angeſetzt war, mußten
die Mobilien gekauft werden. Am Mordtage war zu die=
ſem
Zweck ſeine Braut auf Beſuch in die Albersſche Woh=
nung
gekommen, und die ganze Familie wollte am Nach=
mittag
nach Altona fahren, um dort einzukaufen. Albers
entſchloß ſich nun im letzten Augenblick, um ſeiner Braut
gegenüber nicht als Lügner dazuſtehen, die Eggersſchen
Eheleute um ein Darlehen zu bitten. Er entfernte ſich
aus der Wohnung und traf die Frau Eggers ganz allein
im Keller an, wo er ihr ſeine Bitte vortrug. Die Frau
entgegnete ihm, ſie könne ihm ohne ihren Mann nichts
geben. Von einer plötzlichen Eingebung beherrſcht, hat
Albers dann die Frau gefaßt und unter einen Sack ge=
drückt
, bis ſie erſtickt war. Er hat dann die beiden kleinen
Hunde erſchlagen, weil ſie anfingen, Laute zu geben.
Darauf kehrte er wieder in den Keller zurück, und hing
die Frau an einer Pferdeleine auf, worauf er in der Woh=
nung
den Geldſchrank zertrümmerte und ihm 1800 Mark
entnahm. Dieſe ganze Reihe von Handlungen nahm etwa
anderthalb Stunden in Anſpruch. Für ſeine Abweſenheit
gab er, als er in die elterliche Wohnung zurückkam, einen
einleuchtenden Grund an. Gleich darauf fuhren alle, wie
geplant war, nach Altona. Niemand hat Albers eine un=
gewöhnliche
Unruhe angemerkt. Die Mutter, die eben=
falls
vorübergehend in Haft genommen war, iſt an der
Tat nicht beteiligt.
Brüſſel, 15. Sept. (Feuer im Packwagen.) Im
Nordbahnhof wurde heute früh ein Packwagen, der geſtern
nacht von Calais hier eingetroffen war, durch Feuer zer=
ſtört
. Der Wagen enthielt Waren von London, die nach
Deutſchland beſtimmt waren, insbeſondere Spitzen im
Werte von 5000 Francs.
Madrid, 15. Sept. (Mordprozeß.) Heute vor=
mittag
hat vor dem Kriegsgericht der Prozeß gegen
den Hauptmann Sanchez und ſeine Tochter begonnen,
welche angeklagt ſind, den Rentner Jalons in der Kriegs=
ſchule
, deren Hausverwalter Sanchez war, ermordet, den
Leichnam in Stücke geſchnitten und dieſe in die Ausgüſſe
und Waſſerrinnen geworfen zu haben. Die heutige Sitz=
ung
wurde durch die Verleſung der Anklageſchrift ausge=
füllt
, in welcher der Anklagevertreter den Hauptmann und
ſeine Tochter ſchuldig des Mordes und des Diebſtahls
der Koſtbarkeiten, welche das Opfer bei ſich trug, erklärte
und gegen den Hauptmann die Todesſtrafe, gegen ſeine
Tochter lebenslängliches Gefängnis beantragte. Die mit=
angeklagten
Hausgenoſſen dagegen, nämlich die Ordon=
nanz
des Hauptmanns und ein alter Mann frei zu
ſprechen beantragte. Die Verhandlung wird morgen
fortgeſetzt.
London 15. Sept. (Das geſtohlene Perlen=
halsband
.) Mac Certhy, einer der fünf wegen des
Diebſtahls des Perlenhalsbandes Angeklagten, wurde
heute entlaſſen. Bei der Verhandlung vor dem Polizei=
gericht
ſtellte es ſich heraus, daß im Beſitze einer der An=
geklagten
8 gekennzeichnete Zettel gefunden wurden,
welche von einem Vertreter von Lloyds Verſicherung zu
dem Zwecke gegeben wurden, um als Falle für den Ver=
käufer
des Halsbandes zu dienen.

Kiew, 15. Sept. (Kampf mit Räubern.) Als
eine Polizeiabteilung in der Vorſtadt Podol drei Räuber
zu verhaften verſuchte, kam es zu einem Feuergefecht. Ein
Räuber wurde getötet, die beiden anderen entkamen; einer
wurde verwundet. Ein Schutzmann wurde ſchwer und
einer leicht verwundet.
Jekaterinodar, 15. Sept. (Tunneleinſturz.) Auf
der Eiſenbahnſtrecke nach Noworoſſijsk, die bereits wegen
Dammunterſpülung den Betrieb einſtellen mußte, iſt zwi=
ſchen
den Stationen Gaiduk und Naja der Tunnel unweit
von Noworoſſijsk infolge von Regengüſſen eingeſtürzt.
Noworoſſijsk, 15. Sept. (Ueberſchwemmung.)
Infolge des hier niedergegangenen Platzregens der die
Straßen überſchwemmte, ſind mehrere Häuſer eingeſtürzt
auch das in der Nähe gelegene Dorf Weljaminowka
wurde überſchwemmt. Die Dorfbewohner wurden durch
Boote und durch Reiter gerettet. Mehrere Menſchen=
leben
ſind der Ueberſchwemmung zum Opfer gefallen.
Crosnyi (Kaukaſus), 16. Sept. (Exploſion.) In
dem Naphthawerk der Geſellſchaft Neft wurden durch eine
Gasexploſion drei Arbeiter getötet und
mehrere verletzt.

Manöver.
Die Schlacht bei Fiſchborn.

F.C. Hauptquartier, Birſtein, 15. Sept.
Unter der Leitung des kommandierenden Generals des
18. Armeekorps, v. Schenck, und in Anweſenheit des In=
ſpekteurs
der 7. Armeeinſpektion, Generaloberſt v. Eich=
horn
, nahmen am 15. September die Manöver des 18.
Armeekorps ihren Anfang, die ſich zwiſchen Grebenhain
und Steinau abſpielen. Die 21. Diviſion ſteht unter der
Führung ihres Kommandeurs, des Generalleutnants
v. Hollen, während die 25. Diviſion von ihrem Komman=
deur
, dem Generalleutnant v. Plüskow, geführt wird
Den Uebungen liegt die allgemeine Kriegslage
zugrunde: Eine blaue Armee geht aus Bayern zwiſchen
Speſſart und Hoher Rhön in nördlicher Richtung zurück,
rechter Flügel im Joſſa=Tal. Eine rote Armee folgt
mit einem Tagesmarſch Abſtand. Die blaue Feſtung
Mainz wird von Rot eingeſchloſſen. Die beſondere
Kriegslage für Blau iſt: Das blaue 18.
Armeekorps marſchierte auf dem rechten Flügel. Auf die
Nachricht, daß von der roten Einſchließungsarmee vor
Mainz am 13. September ſtarke Kräfte nach Nordoſten
abgerückt ſeien, wurde am 14. September durch Befehl
dess Armee=Oberkommandos die 25. Infanterie=Diviſion
über Flörsbach-Villbach auf Wächtersbach-Salmünſter
abgezweigt, während die ſtark mitgenommene zweite In=
fanterie
=Diviſion bei ihr das Generalkommando ir
die Gegend von Marjoß-Steinau gelangte. Das weſtlich
des Gebirges zurückgegangene verſtärkte Dragoner= Regi=
ment
24, dem kein Feind folgte, hatte die Gegend Geln=
hauſen
-Wirtheim erreicht.
Am 14. September abends ging an die 25. Infanterie=
Diviſion folgender Befehl: Der Feind, der uns folgt, iſt
heute mit ſeiner Vorhut bis Lohrhaupten gelangt. Nach
einer Fliegermeldung iſt der von Mainz anrückende neue
Feind aller Waffen durch Altenſtadt in Richtung Selters
marſchiert. Sein Verbleib iſt nicht feſtgeſtellt. Die Armee
wird auf dem Landrücken nordöſtlich Schlüchtern und wei=
ter
öſtlich Front machen, die zweite Infanterie=Diviſion
in Gegend Hinterſteinau-Wallroth. Es kommt darauf
an, daß dieſe Diviſion vom neuen Feind in ihrer Wieder=
formierung
nicht geſtört wird. Die 25. Infanterie=Diviſion
mit dem durch eine Batterie verſtärkten Dragoner= Regi=
ment
24 hat deshalb weſtlich des Rabenſteiner Grundes
in die Gegend ſüdweſtlich Radmühl zu rücken und von
dort aus die Flanke des Armeekorps zu decken. Die rote
21. Diviſion hatte nach ihrer beſonderen Kriegs=
lage
den Auftrag, über Altenſtadt in Richtung auf We=
nings
vorzugehen und die ſich ihr gegenüberſtellenden
blauen Kräfte zu werfen.
Nachdem die blaue 25. Diviſion heute früh 7½ Uhr
von ihrem Sammelplatz nördlich Heſſeldorf aufgebrochen
in Richtung Birſtein geſichert in der linken Flanke vor=
gerückt
und die rote 21. Diviſion ſich weſtlich Wenings ge=
ſammelt
auf Nieder=Seemen den Vormarſch angetreten
hatte, kam es bei Fiſchborn zwiſchen beiden Teilen zum
Kampf. Generalleutnant v. Plüskow hatte, um den Vor=
marſch
des roten Gegners aufzuhalten, die Höhen öſtlich
Fiſchborn beſetzt, und zwar ſtand nördlich der Straße
Fiſchborn-Ober=Reichenbach Feldartillerie=Regiment 25,
daran anſchließend ſüdlich der Straße Feldartillerie= Regi=
ment
61 in Poſition. Die Batterien eröffneten in einer
Entfernung von zirka 3000 Metern das Feuer gegen den
von Bös=Geſäß anrückenden Gegner. Die Infanterie von
Blau, Regimenter 117 und 118, ſowie die Pioniere 25
nahmen, vor der Artillerie auf der Anhöhe gedeckt. Stel=
lung
, während die Infanterie=Regimenter 116, 168 und

115 nach Nordweſten ausbogen. Die rote Artillerie, Feld=
artillerie
=Regimenter 63 und 27, war unterdeſſen in dem
Walde öſtlich von Bös=Geſäß und an der Straße Bös=
Geſäß-Fiſchborn aufgefahren und hatte das Artillerie=
feuer
von Blau erwidert. Die rote Infanterie, die Regi=
menter
81 und 80, gingen zu beiden Seiten der Straße
Bös=Geſäß-Fiſchborn vor, während die Infanterie= Re=
gimenter
88 und 87, die Pioniere 21, ſowie die Unteroffi=
zierſchule
Biebrich rechts verlängernd vorrückten. Die 25.
Diviſion wurde nach heftiger Gegenwehr von den roten
Truppen geworfen. Blau zog ſich darauf nach Radmühl
hinter den Rabenſteiner Grund zurück und bezog Biwaks
bezw. Notquartiere in der Linie Radmühl-Ulmbach,
während das ſiegreiche Rot in der Linie Ober= Reichen=
bach
Ober=Sotzbach zur Ruhe überging.

Das Exploſionsunglück in Koburg.

* Koburg, 15. Sept. Heute vormittag wurden die
verkohlten Leichen der Malersehefrau und ihres Ehe=
mannes
gefunden. Als Bewohner des eingeſtürzten Hau=
ſes
ſind 26 Perſonen gemeldet worden, darunter zehn
Kinder, von denen zwei taubſtumm waren. Bis 1 Uhr
mittags waren noch die Leichen des Schuhmachers Wohl=
leben
, deſſen Ehefrau und zweier Kinder derſelben ge=
borgen
. Zwei Kinder desſelben Ehepaares, ſowie eine
aus vier Perſonen beſtehende Familie Schild liegen noch
unter den Trümmern.
* Koburg, 15. Sept. An der Unglücksſtelle wur=
den
noch geborgen: Zwei Kinder der Familie Schild
und das Kind Alfred Hußkönig. Unter den Trümmern
liegen noch vier Kinder.
* Koburg, 15. Sept. Eine Hilfsaktion wurde
für die durch den Hauseinſturz Geſchädigten eingeleitet
Die Herzoginwitwe ſtellte Mittel bereit.
* Koburg, 15. Sept. Von den bei dem Haus=
einſturz
Umgekommenen ſind noch die Leichen der
7jährigen Charlotte Beckendorf, des taubſtummen Knaben
Alfred Alex, des Richard Schnetter und des Kindes Bauer
das ſich während der Kataſtrophe auf der Straße befun=
den
hatte und von den Trümmern erſchlagen worden war
geborgen worden. Die Aufräumungsarbeiten werden
fortgeſetzt.
* Koburg, 16. Sept. Unter den Trümmern
der Unglücksſtätte befinden ſich keine Toten mehr,
denn das vermißte Kind Wohlleben befindet ſich bei
dem Vater der verunglückten Frau Wohlleben in Neuſes.
Insgeſamt wurden 13 Perſonen getötet. In dem Land=
krankenhaus
befinden ſich noch vier Verletzte.

Automobilunfall des deutſchen Militär=
attachés
v. Winterfeld.

* Paris, 16. Sept. Wie ein Extrablatt der Preſſe
mitteilt, iſt der Militärattaché der deutſchen
Botſchaft in Paris, Major v. Winterfeld, der den
franzöſiſchen Manövern beiwohnt, das Opfer eines Auto=
mobilunfalls
geworden. Winterfeld folgte heute vormittag
den Manövern in einem Automobil mit dem franzöſiſchen
Oberſten Dupont und den Vertretern der ruſſiſchen und
der griechiſchen Armee. Beim Einlenken auf eine Brücke,
die den Kanal in der Nähe von Griſolles überſchreitet
ſchlug das Automobil um, Major v. Winterfeld wurde
aus dem Wagen geſchleudert, und der Wagen ſtürzte über
ihn hin. Er wurde ſchwer verletzt. Der griechiſche Offi=
zier
wurde leicht verletzt. Die übrigen Perſonen blieben
unverletzt.
Die Frkf. Ztg. meldet hierzu: Der Automobilunfall,
der ſich heute bei den großen franzöſiſchen Manövern er=
eignete
, wird im Kriegsminiſterium beſtätigt. Der Unfall
entſtand dadurch, daß beim Einbiegen auf die Kanalbrücke
ein Pneumatik platzte und daß der Wagen infolgedeſſen
vornübergeworfen wurde, wobei ſich das Benzin aus den
Behältern entleerte und in Brand geriet. Sämtliche vier
Inſaſſen des Automobils wurden mehr oder weniger
ſchwer verletzt. Am ſchwerſten verwundet iſt der deutſche
Major v. Winterfeld, der Brandwunden am Kopf erhalten
hat und außerdem ſchwere innere Verletzungen erlitten zu
haben ſcheint. Den Verwundeten wurde ſofort an Ort und
Stelle von den Militärärzten die erſte Hilfe zuteil. Der
Präſident der Republik Poincaré der heute vormittag au
dem Manöverfelde eingetroffen iſt, wurde ſofort von dem
Unfall unterrichtet.
* Toulouſe, 16. Sept. Der Automobil=
unfall
des deutſchen Militärattachés ereig=
nete
ſich 1½ Kilometer von Griſolles. Das Automobil
ſtürzte um und fing Feuer. Sämtliche Inſaſſen wurden
ſchnell hervorgezogen. Außer Major v. Winterfeld be=
fanden
ſich der franzöſiſche Oberſt Duvont und ein ruſſi=
ſcher
und ein griechiſcher Offizier im Wagen. v Winter=
feld
blieb bei Bewußtſein und empfing in Griſolles ärzt=
lichen
Beiſtand.
* Grenade (Dep. Haute Garonne), 16. Sept. Die
Agence Havas meldet zu dem Automobilunfall des deut=
ſchen
Botſchaftsrats v. Winterfeld: Der Unfall ereignete
ſich auf der Garonnebrücke in Griſolles. Der Wagen fuhr
in mäßigem Tempo, als ihm ein Fuhrwerk entgegenkam
das auf der Mitte der Straße fuhr. Um einen Zuſammen=
ſtoß
zu vermeiden, nahm der Chauffeur einen großen Bo=
gen
und bremſte ſtark. Das Tempo war bereits ſehr ver=
langſamt
. als ein Reifen platzte. Der Wagen lippte um,
und im ſelben Augenblick fing plötzlich der Benzinbehälter
Feuer. Die Inſaſſen der folgenden Automobile kamen
den Verunglückten zu Hilfe. Man hob v. Winterfeld ſofort
auf und trug ihn in ein Privathaus in Griſolles, wo
Militärärzte ihm die erſte Hilfe angedeihen ließen. Wie
ſie feſtſtellten. iſt der Zuſtand des Verletzten nicht ſo ernſt,
wie es zuerſt ſchien. Er hat zwei Verletzungen am Kopf,
aber keinen Bruch. Sobald Präſident Poincaré von dem
ſchweren Unfall erfuhr, ſandte er den Oberſten Aubret, um
ſich nach dem Befinden des Verletzten zu erkunden. Eine
weſentliche Gefahr war, wie der Präſident zu ſeiner Be=
friedigung
erfuhr, als er um 10 Uhr 30 Min. in L’Isca=
Indein ankam, nicht mehr vorhanden. Der Kriegs=
miniſter
Etienne telegraphierte ſofort, als er von
dem Unfall erfuhr, an das Hauptquartier, um Einzel=
heiten
über den Unfall und den Zuſtand des Verletzten
zu erfahren. Er ſetzte die deutſche Botſchaft von dem
Unfall in Kenntnis.

Arbeiterbewegungen.

* London, 16. Sept. In Dublin feiern in=
folge
des Streiks und der Ausſperrungen 10000
Mann. Da Mangel an Lebensmitteln droht, werden die
Ausſichten als ernſt bezeichnet. Zwei engliſche Eiſenbahn=
geſellſchaften
ſind in den iriſchen Streit hineingezogen
worden. Die London Northweſtern= Eiſen=
bahn
hat geſtern in Liverpool drei Arbeiter entlaſſen,
welche ſich weigerten, Güter von Dublin zu befördern;
daraufhin ſind faſt tauſend Mann in den Aus=
ſtand
getreten. Geſtern abend dehnte ſich die Bewegung
auf die Lancaſhire und Yorkſhire Eiſenbahn aus, woſelbſt

Landſchaften. Schlicht, innig und wahr erfaßt und von
erfreulich lebhafter Farbenfülle. Sie zeigen wiederum ein
neues, bedeutendes Schaffensgebiet des Künſtlers, wenn
auch der innige Zuſammenhang mit ſeiner Kunſt unleug=
bar
ſtärkſten Seite, dem Holzſchnitt, in vielfacher Beziehung
unverkennbar iſt. So vor allem in der ſtarken Betonung
der Zeichnung einesteils und in der farbigen Flächen=
wirkung
andererſeits. Die künſtleriſche Bedeutung dieſer
Oelgemälde iſt verſchieden. Während einige, noch unge=
klärt
, es offen laſſen, welche Wege den Künſtler zur Er=
reichung
des von ihm Gewollten führen werden, an=
dere
wieder über das Gewollte ſelbſt Unklarheit laſſen,
ſind wieder andere, ſo vor allem einige Blumenſtücke, in
Zeichnung und Kolorit und Kompoſition von einer be=
merkenswerten
Klarheit und Wahrheit. Die gewiſſe Härte
im Kolorit, die eigentlich nur eine ſcheinbare iſt, ſchwinde
bei längerem Schauen, wenn die intimen Schönheiten der
Farbengebung offenbar werden. Einige Landſchaften ſind
von inniger, feiner Stimmung, wie z. B. das lebhaft an
Oswald erinnernde Tauwetter wenn es auch nicht ganz
deſſen Farbenreinheit erreicht, die bei dieſem Künſtler ja
zum Prinzip geworden. Dann auch die Landſtraße bei
Dachau die bei aller Farbenſtimmung abgeklärte Kunſt
atmet, ſowie die im Kolorit noch lebhaftere, aber gleich
ſtimmungsvolle Landſchaft mit den Birken. Auch die Kon=
zentration
des Blickes auf das Bildinnere iſt in dieſen
Werken wie auch in einigen anderen nicht in allen
meiſterhaft herausgearbeitet. Friſch und freudig in der
Farbe aber ſind die Bilder alle und ſie muten ſo geſund
an, trotz, oder vielleicht gerade durch die lapidare klare
Zeichnung, die dem kraftvoll betonenden Kolorit entſpricht.
Das iſt auch noch der Fall in den geſuchten Farbenpro=
blemen
, wie ſie die Glockenblumen von dem intenſiv
blauen Hintergrund und auch der Fingerhut mit Ritter=
ſporn
verraten, die aber der Künſtler mit viel Takt und
Geſchmack zu löſen wußte. Köſtlich wirkt durch die Leucht=
kraft
der Farbe das Blumenſtück Feuerlilien
Karl Thiemann iſt noch jung, noch in der Entwicklung.
Bei gleich ernſtem Weiterſtreben darf die deutſche Kunſt
noch Viel und Gutes von ihm erwarten. Der Geſamtein=
druck
der Kollektion iſt vorzüglich, er mutet trotz des mo=
dernen
Geiſtes den dieſe Kunſt atmet, durchaus deutſch
an. Das darf hoch eingeſchätzt werden.

Hermann Heyden.
Ueber drei oder vier Räume verſtreut hängen Bilder
von Hermann Heyden, in denen ſich die ganze mo=
derne
und ein Teil der hypermodernen Entwickelung der
Malerei unſerer Zeit widerſpiegelt, in dem unklaren Ge
miſch von Können und Wollen, das nicht zuſammenklingen
will; in dem Suchen nach Neuem, wo doch die ganze eigene
Veranlagung darnach drängt, nur auf dem Gebiete des
Anerkannten, Guten, Gutes zu ſchaffen. Gewiß ſoll an=
erkannt
werden, daß auch dieſes ſcheinbar groteske Wollen
einem ehrlichen, ernſten Streben entſpringt, aber es darf
nicht verhehlt werden daß hier Irrwege gewandert wer=
den
, die nie zu den Höhen der Kunſt, nie zur Schönheit
führen. Paſſieren ſoll noch Heydens impreſſioniſtiſche Par=
tie
aus Montjoie im Treppenhauſe, ſein Porträt des Leut=
nants
W. kann ſogar noch von dem ertragen werden, der die
ganze moderne Richtung zum Teufel wünſcht. Was aber
will die Zeichnung Knabe, ein Fragment, beſagen? Was
ſoll dieſes Selbſtporträt mit dem geſucht ſchmutzig braunen
Hintergrund, dem ebenſo ſchmutzig wüſten Heiligenſchein
um das eigene edle Haupt, in deſſen Antlitz nur der über=
legene
, blaſiert verachtende Blick intereſſiert, weil er dem
Beſchauer zu ſagen ſcheint: Geh nur weiter, was verſtehſt
du von meiner Kunſt! Und doch ſteckt ein Künſtler
hinter dieſen Bildern, ein Könner, das beweiſt das Por=
trät
Profeſſor W.s, das zeigt vor allem der gelbleuchtende
Knabe im Ehrenſaal. Durch dieſes Fragment eines Kunſt=
werkes
dringt zeichneriſches Können, ein Formenbeherr=
ſchen
hindurch, das bemerkenswert iſt. Wie Hohn aber
wirkt das Bild Knabenpaar das doch farbig gemeint iſt
und gerade durch die Farbe allem Kunſtempfinden Hohn
ſpricht, wenn man es nicht humoriſtiſch nehmen will. Viel=
leicht
hat es den Maler gereizt, einen Metzgerbuben zu
malen, der ſeine Hand in Blut getaucht und ſeinem Ge=
ſpielen
damit das Geſicht verſchönt hat. Es fragt ſich nur,
ob es nicht für den Beſchauer angenehmer geweſen wäre,
wenn die Buben vorher ein reinigendes Bad bekommer
hätten, denn anders als durch Schmutz iſt dieſe Hautfarbe
doch nicht zu erklären. Und für die Beſchauer iſt das Bild
doch ſchließlich gemalt, ſonſt hätte man es beſſer unaus=
M. St.
geſtellt gelaſſen.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Nummer 218.

700 Angeſtellte ſtreiken, weil von ihnen verlangt wird,
iriſche Güter zu befördern. Der Ausſtand bei der North=
weſtern
Eiſenbahn droht ſich auszudehnen.

Der Neu=Vorker Mord.

* Neu=York, 15. Sept. Die Geiſtlichkeit forſcht
der Vergangenheit des Prieſters Hans Schmidt
nach in der Hoffnung, nachzuweiſen, daß er ein falſcher
Prieſter ſei. Sein Opfer, die 21jährige Anna Aumül=
ler
, ſtammt aus Oedenburg in Ungarn. Alles deutet
darauf hin, daß Schmidt die Wohnung nur gemietet hat,
um den Mord ungeſtört verüben zu können. Er ſagte in
ſeinem Geſtändnis vor der Polizei: Ich tötete die
Anna Aumüller, weil ich ſie ſo liebte. Sie war ſo ſchön,
und ich konnte ſie ohne mich nicht leben laſſen. Als Prie=
ſter
mußte ich bei der Kirche bleiben. Ich weckte ſie in
kunſerer Wohnung und ſagte, ich ſei gekommen, um meine
Drohung wahrzumachen. Dann zerſchnitt ich ihr mit einem
Meſſer die Kehle, zerlegte den Leichnam in ſechs Teile,
fuhr mit jedem Teil in einem Bündel nach dem Hudſon=
fluß
und warf jedes Bündel von einem Fährboot aus in
die Mitte des Stromes. Nachdem ich die Leichenteile fort=
geſchafft
hatte, wollte ich ſämtliche Spuren des Verbrechens
beſeitigen und verbrannte die blutgetränkte Matratze auf
einem leeren Bauplatz. Ich bin ſchuldig und muß büßen.
Der Gefängnispaſtor Evers erklärte, Schmidt habe ihm
geſagt, ſeine Schutzheilige, die hl. Eliſabeth, ſei ihm er=
ſchienen
und habe ihm das Blutopfer angeordnet. Zur
Entdeckung des Mordes führte der Umſtand, daß einer
der aus dem Waſſer gefiſchten Leichenteile mit einem Bett=
überzug
umhüllt war, in dem der Buchſtabe A einge=
ſtickt
war. Es gelang, die Neu=Yorker Firma zu ermitteln,
wo dieſer Ueberzug von der Anna Aumüller gekauft wor=
den
war.
* Aſchaffenburg, 15. Sept. Zu der Neu= Yor=
ker
Mordtat erfährt die Aſchaffenburger Zeitung: Die
hier wohnenden Eltern und Verwandten des Schmidt er=
fuhren
die furchtbare Tat erſt heute mittag aus der Zei=
tung
. Sie halten den Schmidt unbedingt für geiſtig
nicht normal, da in der Familie ſchon wiederholt
Fälle von Geiſteskrankheit vorkamen. Geſtern früh kam
eine von Schmidt geſandte photographiſche Karte bei ſei=
nen
Eltern an, nach der er ſich auf ein baldiges Wieder=
ſehen
und auf einen Aufenthalt in Aſchaffenburg freut.

Kongreſſe und Verbandstage.

* Leipzig, 16. Sept. Die Zentralverbände
deutſcher und öſterreichiſcher Induſtrieller
hielten in der Baufach=Ausſtellung in Leipzig eine ge=
meinſame
Verſammlung ab. Der Vorſitzende Landrat
a. D. Roetger drückte in der Begrüßungsrede die Hoffnung
aus, daß das erſte Zuſammenſein der beiden Zentralver=
bände
dem glücklichen Gedeihen der beiden großen Wirt=
ſchaftsverbände
förderlich ſein möge. Der Präſident des
Zentralverbandes öſterreichiſcher Induſtrieller, Sektions=
chef
Dr. Broſche, wies auf die feſtgefügte, unerſchütterliche
Bundesfreundſchaft zwiſchen dem Deutſchen Reiche und
der öſterreichiſch=ungariſchen Monarchie hin, ſo daß ſchon
aus dieſem Grunde ſich die Intereſſen der beiden Staaten
naheſtehen. Er hoffe, daß der Kontakt durch die gegen=
wärtige
gemeinſame Tagung ſeine Fortſetzung auf öſter=
reichiſchem
Boden finden möge. Namens der Reichsregie=
rung
begrüßte Geheimrat Heller die Verſammlung, im
Namen der ſächſiſchen Regierung Geheimrat Morgenſtern
und namens der öſterreichiſchen Regierung Regierungsrat
Kreuzbrück. Huldiaungstelegramme wurden an Kaiſer
Wilhelm, Kaiſer Franz Joſef und an König Friedrich
Auguſt abgeſandt. Die Geſchäftsführer beider Verbände
hielten darauf Vorträge über das deutſche Unternehmer=
tum
in der Gegenwart, ſowie über die deutſche und öſter=
reichiſche
Arbeiterſchutzgeſetzgebung.

Eröffnung der Generalſtadten im Haag.

* Haag, 16. Sept. Die Thronrede, mit der die
Generalſtaaten eröffnet worden ſind, ſpricht zunächſt von
den andauernd freundſchaftlichen Beziehungen zu den
Mächten und erklärt die Hoffnung für begründet, daß die
militäriſche Regierung in Achin demnächſt durch eine
Zivilverwaltung gänzlich erſetzt werden kann. Es ſoll
unverzüglich die Reviſion der Verfaſſung in Angriff ge=
nommen
werden, die erſtens allen männlichen Hol=
ländern
das Wahlrecht verleiht mit einigen Ausnahmen
und zweitens das verfaſſungsrechtliche Hindernis gegen
die Erteilung des Wahlrechtes an die Frauen beſeitigt.
Eine königliche Kommiſſion wird beauftragt, die Möglich=

keit einer allgemein befriedigenden Regelung durch Unter=
ſtützung
des privaten Unterrichts und der hierfür unerläß=
lichen
Bedingungen zu prüfen. Im Laufe der Seſſion
wird ein Geſetzentwurf vorgelegt, der bedürftigen, mehr
als 70jährigen Perſonen unentgeltlich eine Rente gewährt,
ſofern ſie während einer noch zu beſtimmenden Zeit die
Wohltätigkeitseinrichtungen noch nicht in Anſpruch ge=
nommen
haben. Das Geſetz über die Invalidität ſoll
verdreifacht und den eim Krankengeſetz Verſicherten das
Recht auf ärztlichen Beiſtand gewährt werden. Eine all=
gemeine
Einkommenſteuer, eine Abänderung der Er=
höhung
der Erbſchaftsſteuer und eine allgemeine Reviſion
der Strafprozeßordnung werden demnächſt vorgeſchlagen
werden. Zum Schutze von Niederländiſch=Indien wird
der Bau eines Kriegsſchiffes beabſichtigt, deſſen Koſten
vom niederländiſchen Budget zu tragen ſind. Die Reor=
ganiſation
der militäriſchen Streitkräfte ſoll vollendet
werden. Der Entwurf über die Eindämmung und teil=
weiſe
Trockenlegung des Zuyderſees wird einge=
bracht
werden. Die Regierung wird die letzten Ueber=
bleibſel
von Frohndienſten auf Java und Madura beſei=
tigen
, ſowie die Erziehung der Eingeborenen fördern, die
ſich den verſchiedenen Bedürfniſſen der einzelnen Bevöl=
kerungsgruppen
Niederländiſch=Indiens anpaſſen und von
den Grundſätzen religiöſer Toleranz und gegenſeitiger
Achtung der Raſſen geleitet ſein ſoll.

Darmſtadt, 17. September.
g Jubelfeier der Ludwig= und Alice=Stiftung für das
Großherzogtum Heſſen. In dieſem Herbſt blickt die unter
dem Protektorat Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs
ſtehende Ludwig= und Alice=Stiftung, der älteſte
der jetzt beſtehenden Landes=Lehrerverbände des Großher=
zogtums
, auf eine 50jährige Wirkſamkeit zurück.
Aus dieſem Anlaß ſoll im Anſchluß an die heute ſtattfin=
dende
Hauptverſammlung=eine einfache Feier im
ſtädtiſchen Saalbau veranſtaltetowerden. Der Sänger=
chor
des Darmſtädter Lehrervereins gab nun
zur Einleitung geſtern abend einen vorzüglich verlaufenen
Unterhaltungsabend, der außerordentlich zahlreich
beſucht war. Das Programm=ſah eine Reihe auserleſener
Genüſſe vor. Der Sängerchor eröffnete das Programm
mit, dem exakt vorgetragenen Schubertſchen Chor Das
Dörfchen worauf das aus den Herren Fiſcher, Hieſen=
bein
, Falkenſtein und Römer beſtehende Streichquartett
W. A. Mozarts Serenade Kleine Nachtmuſik in aner=
kennenswerter
Weiſe zum Vortrag brachte. Herr Haupt=
lehrer
Löſch, der Vorſitzende des Sängerchors des Darm=
ſtädter
Lehrervereins, begrüßte hierauf mit herzlichen
Worten die Gäſte. Es wechſelten dann Gefangs=, Klavier=
und Violinvorträge mit gemeinſam geſungenen Liedern
und Darbietungen des Sängerchors ab. Auch das Streich=
quartett
erfeute noch mehrmals durch ſeine Darbietungen,
Der
ſo daß der Abend in angenehmſter Weiſe verlief.
Perzina=Flügel wurde vom Mitgliede Herrn Karl Ar=
nold
, Pianofabrikant, Ecke der Erbacher Straße, zur Ver=
fügung
geſtellt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 16. Sept. Die B. Z. meldet aus Langen=
dreer
: Auf der Zeche Bruchſtraße wurde bei einer Ex=
ploſion
ſchlagender Wetter der Steiger Witthüſer
getötet; zwei Bergleute wurden lebensgefährlich ver=
letzt

* Berlin, 16. Sept. Nach einem Telegramm aus Bo=
naberi
vom 15. d. M. fuhr der Staatsſekretär Dr.
Solf am 12. und 13. September mit der Mittellandbahn
bis zur Bauſpitze (etwa 50 Kilometer öſtlich von Edea)
Er beſichtigte die ſanitären Einrichtungen für Bahnarbei=
ter
und beſuchte ſodann Edea. Am 14. September begab
ſich der Staatsſekretär mit der Nordbahn bis Nkongſamba,
von wo aus am 15. d. M. der Abmarſch nach Dſchang er=
folgte
.
* Marſeille, 16. Sept. Fünf Perſonen, darunter
zwei Kinder. ſind=bei einer Bootsfahrt von einer gewalti=
gen
Welle erfaßt worden und ertranken.
* Workington (England), 16. Sept. Der Schorn=
ſtein
der Werkſtätten der Workington=Iron Steel Com=
pany
iſt heute morgen eingeſtürzt. Fünf Per=
ſonen
wurden getötet, etwa 20 verletzt.
* Theodoſſija, 16. Sept. Vier Räuber raubten
einem Kaſſenboten der Internationalen Handelsbank in
einem Paſſagierzug in der Nacht 30000 Rubel, brachten
dann den Zug zum Stehen und entflohen.
* Konſtantinopel, 16. Sept. Es verlautet, in der
geſtrigen Sitzung der türkiſchen und bulgariſchen Delegier=

ten ſei die Frage der Zugehörigkeit von Kirk=
Kiliſſe zugunſten der Türkei geregelt worden,
Ueber die Dimotikafrage werde noch verhandelt.
Neu=York, 16. Sept. Aus Laredo (Texas) wird ge=
meldet
, daß die amerikaniſchen Flüchtlinge, die
auf dem Wege nach Saltillo den Rebellen in die Hände
gefallen ſein ſollten, geſund und wohlbehalten in Saltillo
eingetroffen ſind,
* San Diego (Kalifornien), 16. Sept. Ein drahtloſes
Telegramm vom Bord des Kreuzers Buffalo iſt hier
eingetroffen, demzufolge ſich dort Flüchtlinge aus
Südmexiko, darunter ſieben Deutſche und Engländer,
befinden.
Berlin, 16. Spt. Ein Schiffer aus Ketzin geriet auf=
einem
im Teltowkanal bei Adlershof ankernden Kahn mit
ſeiner Frau in Streit. Als der Sohn der Mutter zu
Hilfe eilen wollte, drang der Vater auf ihn ein. Der Sohn
fiel in das Waſſer und ertrank.
Bochum, 16. Sept. Auf dem Gehöft des Landwirts
Buchholz in Stiepel brach ein Brand aus, wobei der=
ſiebenjährige
Sohn ſo ſchwer verletzt wurde, daß er
bald darauf ſtarb. Ein Bergmann, der ihn mit eigener=
Lebensgefahr retten wollte, erlitt ſchwere Brandwunden.
Luckenwalde, 16. Sept. Im Jänickendorfer Forſt=
begegneten
geſtern der Revierförſter und der Jagdpächter
einem Mann, der auf Anruf in das Gebüſch flüchtete und
das Gewehr auf den Förſter anlegte. Dieſer ſchoß auf
den Wilddieb und tötete ihn. Es handelt ſich um
einen gewerbsmäßigen Wilddieb aus Neuendorf.
Marſeille, 16. Sept. In einem Varieté ſtürzke
eine 12jährige Japanerin von einer Leiter,
die ihr Vater balanzierte, und fiel in den Orcheſter=,
raum. Sie wurde tödlich verletzt; auch zwei Muſiker
wurden dabei ſchwer verletzt.

Zum Fall Weſternhagen.

* Berlin, 16. Sept. Der Streit zwiſchen dem Ritt=
meiſter
Weſternhagen und dem Hofmaler Maaß
(Siehe Reichshauptſtadt) hat ſeine Vorgeſchichte in einigen
Artikeln, die in der Nummer 2605 des Berliner Wochen=
blattes
erſchienen waren und die ſich mit Weſternhagen
befaßten. Weſternhagen beſchuldigte Maaß, hinter den
Artikeln zu ſtehen, worauf Maaß den Kammerherrn beim
Ehrengericht anzeigte. Als einziger Augenzeuge kommt
ein Gefreiter in Betracht. Die Unterhaltung zwiſchen den
beiden dauerte ganz kurze Zeit, als Weſternhagen den
Profeſſor Maaß ſchlug und auch ſofort der Schuß ſer=
dröhnte
. Weſternhagen ſtürzte nach dem Sitzungszimmer
und fiel mit den Worten nieder: Ich bin ins Herz getrof=
fen
! Wenige Minuten ſpäter trat der Tod ein. Maaß
iſt nach der Tat völlig zuſammengebrochen. Inzwiſchen
hatte man die Angehörigen Weſternhagens, ſeinen Bruder
und die Gattin, herbeigeholt. Es wird noch erzählt, daß
eine Titelverleihungsangelegenheit in den Streit der bei=
ben
Männer hineinſpielte, die ſich früher freundſchaftlich
näher geſtanden haben.
* Berlin, 16. Sept. Zu dem Zwiſchenfall im
Landwehroffizierskaſino wird noch gemeldet:
Der Rittmeiſter Weſternhagen, lippiſcher Kammerherr, und
Profeſſor Maaß, lippiſcher Hofmaler, wurden zu verſchie=
denen
Zeiten zur Vernehmung vor den Ehrenrat geladen,
Da Weſternhagen zu früh erſchien, begegnete er dem fort=
gehenden
Maaß auf der Treppe. Nach kurzem Wortwechſel
verſetzte der Rittmeiſter dem Profeſſor eine Ohrfeige,
worauf dieſer in der Erregung ſeinen Gegner niederſchoß.
Maaß wird ſich wahrſcheinlich wegen Ueberſchreitung der
Notwehr zu verantworten haben.

Briefkaſten.

S. G. Wenden Sie ſich doch direkt an die H. A. P. A. G.
Das iſt einfacher und geht ſchneller.
F. B., hier. Wir haben in einer ganzen Reihe von
Artikeln in jüngſter Zeit die Zahlen mitgeteilt. Es iſt
nicht angängig und nicht erwünſcht, ſie zu wiederholen.
Wenden Sie ſich an den Landeslehrerverein.
F. H. Wenden Sie ſich an die Landwirtſchaftskammer,

Wetter.

Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, den 17. Sep=
tember
: Wolkig, zeitweiſe Niederſchläge, ſüdliche bis= ſüd=
weſtliche
Winde.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Großherzogliches Hoftheater.
Dienstag, den 16. September.

Fauſt.
Dritter Abend.
W-l. Während der zweite Teil von Goethes Fauſt
Einzelheiten enthält, die zu dem Schönſten und Erhaben=
ſten
gehören, was in deutſcher Sprache gedichtet worden
iſt, iſt es, wenn man nicht etwa nur die grandioſe Schluß=
tragödie
Fauſts Tod zur Aufführung bringen will, ein
vergebliches Bemühen, das Ganze als Bühnenſtück
dem Publikum genießbar und verſtändlich zu machen. Man
geht hiermit über Goethe hinaus, der an eine Aufführung
des zweiten Teiles wohl nie gedacht hat. Nur mit Zu=
hilfenahme
der Muſik und der ſzeniſchen Kunſt, die einen
gewaltigen Apparat aufbieten muß, da es ſich hier um
erdichtete Welten und das unendliche Reich der Abſtraktion
und der Phantaſie handelt, iſt es möglich, nach dem Rezept
des Schauſpieldirektors ein ſchmackhaftes Ragout zu be=
reiten
.
die Regie war deshalb auf dem rechten Wege, wenn
ſie an dieſem Tage Proſpekte nicht und nicht Maſchinen
ſchonte und dem Publikum auf ſeiner Wanderung durch
die antike, mittelalterliche und neue Welt und auf dem
Wege vom Himmel durch die Welt zur Hölle in Geſtalt
lebensvoller ſzeniſcher Bilder einen illuſtrierten Führer
mitgab. Dieſes Prinzip hat auch die neue Regie befolgt
nur iſt ſie bemüht geweſen, in das Ganze mehr Stil
hineinzubringen, was ihr im allgemeinen auch gelungen iſt;
nur die klaſſiſche Walpurgisnacht hat uns in der früheren
Inſzenierung beſſer gefallen. Allzu zurückhaltend mit
ſzeniſchem Beiwerk darf man in dieſem myſtiſch= allegoriſch=
phantaſtiſchen
Ausſtattungsſtück nicht ſein. Man kommt
zu ſchauen, man will am liebſten ſeh’n.
Die erſte Szene mit den im Scheine der aufgehenden
Sonne erglühenden ſchneebedeckten Bergſpitzen war ſehr
wirkungsvoll und ſchön. Für die Kaiſerliche Pfalz war
lentgegen der Vorſchrift des Dichters) in allen Szenen der=
ſelbe
Saal beibehalten, ein großer, ſchmuckvoller Raum,
deſſen Hintergrund durch einen dunklen Vorhang abge=
ſchloſſen
war, der ſich für die Darſtellung des Helenaſpiels
öffnete. Der Karneval und die ſonſtigen Enſembleſzenen
waren hübſch und lebensvoll und mit Geſchmack inſzeniert.

Das Zimmer Fauſts war zu dunkel gehalten. Die Szene
der pharſaliſchen Felder in der klaſſiſchen Walpurgisnacht,
die noch mehr gekürzt worden war, war zu beengt und
der Blick auf die Bühne durch das vorn angebrachte dichte
Geſtrüpp verſperrt. Der Mond der die dunkle Landſchaft
geſpenſterhaft beleuchtete, verſchwand plötzlich, als der
Centaur Chiron anrückte, ſo daß völlige Nacht herrſchte
und man nichts von dem Ungetüm erblicken konnte. Mit
einer Variation von Mephiſtos Worten könnte man ſagen:
Denn eben, wo die Szenen fehlen,
Da ſtellt die Dunkelheit zur rechten Zeit ſich ein.
Prachtvoll war die Szene am ägäiſchen Meere, auf
die der Vollmond, an dem phantaſtiſch die Taubenſchar
der Galatheg vorüberzog, ſein fahles Licht warf, und die
in der poetiſchen Schlußſzene, vom Feuer umronnen.
völlig in rotem Lichte erglühte. Dieſe Szene, die den
Abſchluß des Abends bildete, war bei weitem die ge=
lungenſte
und ſchönſte.
Im Mittelpunkte der heutigen Aufführung ſtanden
wieder der Fauſt des Herrn Baumeiſter und der Me=
phiſto
des Herrn Weſtermann, auf die wir nach Schluß=
der
Aufführung zurückkommen werden. Die übrigen zahl=
reichen
Rollen einzeln aufzuführen, iſt kaum möglich und
auch überflüſſig, da ſie meiſtens nur epiſodiſche ſind und
ſich nur auf eine Szene erſtrecken. Größere Rollen waren
den Herren Ehrle als Kaiſer und Schneider als
Baccalaureus und Frau Gothe als Sprecherin der
Homunculus=Rolle zugefallen. In Geſangspartien waren
Frau Beling=Schäfer, Frl. Jacobs und Frl.
Liſchke beſchäftigt.
Im erſten Akt ereignete ſich ein Zwiſchenfall, der leicht
ſchlimmere Folgen hätte haben können. Herr Ehrle als
großer Pan kam den aus der Zauberkiſte Mephiſtos
emporlodernden Flammen zu nahe, ſo daß ſie ihm die linke
Wange verletzten. Er beſaß ſo viel Geiſtesgegenwart und
Energie, ſich nichts merken zu laſſen, und ſpielte ſeine
Rolle ſogar weiter, mußte aber während des Helenaſpiels
die Bühne verlaſſen und ſich in ärztliche Behandlung be=
geben
. Durch dieſen Zwiſchenfall war auch die unver=
hältnismäßig
lange Pauſe vor der nächſten Szene begrüns
det. Das Publikum hatte von dem Vorfall wohl kaum
etwas gemerkt.
Anſtatt um 10 Uhr, wie angekündigt, war die Vor=
ſtellung
infolge der längeren Pauſen erſt nach ½11 Uhr
beendet.


klimatischer Kurort in Süd-Tirdl,
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Saison September bis Juni,
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[ ][  ][ ]

Nummer 218.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Seite 7.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Hamburg vom Mittelmeer, 11. Sept.
3 Uhr 30 Min. nachm. in Neu=York. Imperator nach
Neu=York, 12. Sept. 3 Uhr 30 Min. morgens Lizard paſſiert.
Kaiſerin Auguſte Victoria von Neu=York kommend.
12. Sept. 2 Uhr morgens in Hamburg. Patricig
11. Sept. 7 Uhr morgens in Neu=York. Pennſylvania‟
11. Sept. 5 Uhr nachm. von Neu=York direkt nach Ham=
burg
. Wasgenwald‟ 11. Sept. 10 Uhr 30 Min. morgens
von Galveſton nach Havana. Amerika 13. Sept.
5 Uhr morgens in Neu=York. Pallanza nach Quebec
und Montreal, 13. Sept. 10 Uhr abends von Bremer=
haven
. Savoia 13. Sept. 5 Uhr nachm. in Savannah.
Spreewald, von Neworleans und Havana kommend,
15. Sept. 7 Uhr 25 Min. morgens auf der Elbe.
Südamerika, Weſtküſte Amerikas: Badenia 13. Sept.
morgens in Buenos=Aires. Dazia nach dem La Plata,
13. Sept. von St. Vincent. Karthago 14. Sept. von
Victoria über Teneriffa nach Hamburg. König Friedrich
Auguſt, von dem La Plata kommend, 14. Sept. 11 Uhr
abends von Vigo. König Wilhelm II. nach dem La
Plata, 13. Sept. 4 Uhr nachm. von Santos. Naſſovia‟
von Neu=York, 14. Sept. von Victoria. Rugia nach
Nordbraſilien, 13. Sept. 8 Uhr morgens in Liſſabon.
Sparta nach Braſilien, 14. Sept. 9 Uhr morgens in
Liſſabon. Verſchiedene Fahrten: Windhuk, von
Afrika kommend, 15. Sept. 8 Uhr 50 Min. auf der Elbe.

Tagestalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende gegen
10¼ Uhr (Ab. B): Die weiße Dame‟
Klavierabend von Raoul v. Koczalski um 8 Uhr
im Hotel Zur Traube‟
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Bürgerkeller
um 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.

Donnerstag, 18. September.
Hofreite=Verſteigerung des Wilhelm Klein und
Wilhelm Lohfink (Heidelbergerſtraße 100) um 10 Uhr
auf dem Ortsgericht II

Unentgeltliche ärztliche Beratungs= und
Fürſorgeſtellefür unbemittelte Lungen=
kranke
, Wilhelminenſtraße 34. Sprechſtunden jeden
Yittwoch von 1112 und 1½3 Uhr.

Druck und Periagt z. g. Piliſihe Soſtuchernchant=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
ffür den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Familiennachrichten.

Statt Karten!
Die Verlobung unserer Tochter Luise
mit Herrn Carl Frisch, Frankfurt a. M.,
beehren wir uns anzuzeigen.
Jacob Keller und Frau.
Darmstadt, den 17. September 1913.
Brauerei-Restaurant ,Hessischer Hof‟.

LUlsE KELLER
CARL FRISCH
VERLOBTE
FRANKFURT A. M.
DARMSTADT
19275)

Statt beſonderer Anzeige.
Heute vormittag entſchlief ſanft nach
ſchwerem Leiden unſere liebe Schweſter,
(19292
Schwägerin und Tante
Christiane Schuchmann
im Alter von 47 Jahren.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Familien Schuchmann u. Henning.
Darmſtadt, den 16. September 1913.
Die Beerdigung findet ſtatt am Donnerstag
nachmittag 2½ Uhr vom Eliſabethenſtift aus;
die Einſegnung ¼ Stunde vorher.

Statt beſonderer Anzeige.
Ein ſanfter Tod erlöſte am 15. September
in der Heil= und Pflegeanſtalt in Heppenheim
unſere geliebte Schweſter und Schwägerin
Fräulein Julie Nebel
von ihrem Leiden.
In tiefer Trauer:
Direktor Adolf Nebel und Frau,
(19298
Braunſchweig.
Die Einäſcherung findet am 18. September,
vormittags 11 Uhr, in Mainz ſtatt.

In der Nacht vom 14. auf den 15. September ist der Seniorchef
meiner Firma
Herr
Geh. Kommerzienrat Dr. med. h. c., Dr. ing. h. c., Dr. phil.
Louis Merck
nach kurzem Kranksein sanft verschieden. Tief betrübt mache ich
von dem grossen und schmerzlichen Verluste, den meine Firma
durch sein Hinscheiden erleidet, Mitteilung.

E. Merck

Darmstadt, den 16. September 1913,

(19270

In der Nacht von Sonntag auf Montag ist nach kurzer Krankheit
unerwartet unser hochverehrter Seniorchef
Herr
Geh. Kommerzienrat Dr. phil., Dr. med. h. c., Dr. ing. h. c.
Eouis Meick
aus dem Leben geschieden.
Aufs tiefste erschüttert beklagen wir seinen Heimgang als einen
unersetzlichen Verlust. Der Verstorbene war uns nicht nur ein allezeit
gütiger und gerechter Vorgesetzter, der uns mit seinem arbeitsfrohen
Sinn und seinem frischen, nimmermüden Schaffen stets ein leuchtendes
Vorbild gab, er stand uns auch als treuer Berater in jeder Lage mit
seinen besonderen Geistes- und Herzenseigenschaften zur Seite. Seine
wahrhaft vornehme Gesinnung bewährte sich vor allem auch in der
unablässigen Sorge für die Wohlfahrt seiner Mitarbeiter und Unter-
gebenen
. Sein Andenken wird dauernd in uns fortleben.

Die Beamten der Chemischen Fabrik E. Merck, Darmstadt.

19257)

Wir erfüllen hiermit die schmerzliche Pflicht, davon Kenntnis zu
geben, dass
Herr
Geheime Kommerzienrat Dr. Louis Nerck
erster stellvertretender Vorsitzender unserer Kammer,
nach kurzer Krankheit verschieden ist.
Herr Dr. Lonis Merck hat unserer Kammer seit dem Jahre 1898 als
Mitglied angehört und hat während dieser Reihe von Jahren sein grosses Wissen
und seine ebenso grosse Erfahrung stets bereitwillig in den Dienst unserer
gemeinsamen Bestrebungen gestellt. Hierdurch hat er dauernd Wertvolles für
uns geleistet. Ebenso hat es der Verstorbene verstanden, uns alle durch die
hervorragende Gediegenheit seines Charakters, sowie durch die ungewöhnliche
Leutseligkeit seines Wesens als treue Freunde und aufrichtige Verehrer zu
gewinnen.
Es bedeutet sein leider allzu frühes Hinscheiden für uns einen äusserst
schmerzlichen und nur schwer zu ersetzenden Verlust. Wir werden das An-
denken
des Verstorbenen stets in höchsten Ehren halten.
(19175
Die Grossherzogliche Handelskammer Darmstadt.
Der Syndikus:
Der Vorsitzende:
Dr. Human.
C. Parcus.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Nummer 218.

Weiblich

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kautionsfähig,
Junge Frau, ſucht Filiale,
gleich welcher Art. Offerten unter
(*8697im
R 56 an die Exp.

Suche f. meine 16jährige Tochter,
welche in Stenographie und Schreib=
maſchine
ausgebildet iſt, Stelle als
Anfängerin. Offert. unter R 46
an die Expedition ds. Bl. (*8882

Tücht. Schneiderin empf. ſich
in und außer dem Hauſe. Zu
erfr. Ruthsſtraße 19, I. (*8924mds

Frau, perſekt im Flicken u. Weiß=
nähen
, hat Tage frei. Karlſtr. 26,
(*8820
1. Stock.

Tüchtige Schneiderin, Witwe,
kinderlos, nimmt noch Kunden
an außerm Hauſe per Tag 2,50 Mk.
Offerten unter R 76 an die Ex=
pedition
dieſes Blattes. (*8756

Tüchtige Schneiderin empfiehlt
ſich für in und außer dem Hauſe
Grafenſtraße 22, I. (*8823ms

Dame (*3593oim

aus guter Familie, 30 Jahre, im
Kochen u. allen häusl. Arb. durch=
aus
erfahren, ſucht zum 1. Okt. evt.
ſpäter Stellung zur Führung eines
guten frauenloſ. Haush., am liebſt.
zu Kindern. Offert. u. R 28 Exped.

Fräulein ſucht Stelle zu Kin=
der
tagsüber oder nachmittags.
Näh. Mühlſtraße 24, pt. (*8832md
orfnänfain ſucht Aushilfs=
Kinderlaufeln, ſtelle oder auch
zu leidender Dame.
(*8842
Näheres Marthahaus.
Aeltere zuverl. Frauſ. v. 11 Uhrab
Beſchäftig., geht a. Waſch. u. Spül.
Gr. Kaplaneigaſſe 35, Hth., I. (*8839
Junges beſſeres Mädchen ſucht
I. St. zur ält. Dame od. ält. Herrn.
Off. u. R 73 an die Exp. (*8776
Frau geht Waſchen und Putzen.
Zu erfr. Arheilgerſtr. 48, II. (*8870
Tüchtige Köchin, 28 Jahre alt,
in ff. Küche durchaus erfahren,
ebenfalls im Haush. u. Büfett,
ſucht ſof. od. ſpäter St., gute Zeug=
niſſe
vorhanden. Gefl. Off. unter
R 84 an die Expd. (*8814mfo

Frau ſucht Laufſtelle. Näh.
Arheilgerſtr. 92, Hth.
(*8822

Einſ. Fräulein, tücht. in Küche
u. Hausweſen, auch in der Kran=
kenpflege
kundig, ſucht ſelbſtänd.
Wirkungskreis in gutem Hauſe.
Gefl. Offerten unter B90 an die
Expedition.
(*8788mds

Gon
Saüberes Mädchen
ſſucht Laufſtelle für vorm. 2 Stund.
Näh. Mühlſtraße 13, Seitenb. (19278
Zuverl. ehrliche PerſonſuchtMo=
natſtelle
Gardiſtenſtr. 6, Manſ. (*
Frau hat noch halbe Tage freiim
Waſch. Elisabethenstr. 43, Htb., Mans. (*

Junge Frau ſucht Laufdienſt.
Schützenſtr. 8, Hth., Dörſch. (*8906
Ordentl. Frau ſucht Laufdienſt,
geht auch halbe Tage waſchen u.
putzen. Holzſtr. 22, part. (*8911

Aelt., beſſ. Mädchen, welches
gut bürgerlich kochen kann u. alle
Hausarbeit verſteht, ſucht angeneh.
Stellung in kleinem Haushalt.
Näh. Kaupſtr. 29, part. (*8792md

Männlich

Junger Mann
von 18 Jahren (Pariſer), Sohn
eines Kaufmanns dort, wünſcht zur
Erlernung der deutſchen Sprache
in ein hieſiges Geſchäft als Volon=
tär
einzutreten. Penſion im Hauſe
nicht erforderlich. Auf Wunſch
könnte ein Sohn des hieſigen Ge=
ſchäftsinhabers
als Volontär in
das Pariſer Geſchäft (Engros) ein=
treten
, um dort die franzöſiſche
Sprache zu erlernen. Gefl. Off
unter R99 an die Exp. d. d. Bl.
erbeten.
(*8856msm

Gute Lehrſtelle geſucht für
meinen Sohn, 16 Jahre, mit
Einj.=Freiw. Berechtigung in größ
Engros= oder Fabrikgeſchäft. Gefl.
Zuſchriften unter § 7 an die Ex
pedition dieſes Blattes erb. (*8877

Welblich
Erſte Verkäuferin
für meine
Herren=Artikel=Abteilung
(*8869
geſucht
Arthur Sittig
Luiſenplatz 4.
Für hieſiges Durean
t
perfekn. Stenotypiſtin
mit guter Schulbildung zum ſo=
fortigen
Eintritt geſucht.
Offerten mit Gehaltsanſprüchen
u. Zeugnisabſchriften unt. R 82
an die Expedition erb. (*8789md

M
Einige Mäschen
die bereits in (18998a
Fabriken tätig
waren, für dauernd geſucht
Schuhereme-Fabrik
Pallaswieſenſtr. 153.
Tücht. Arbeiterinnen ſof. geſucht.
*8
53im) Konfektion, Schuchardſtr. 18.
Einlegerin
(*8801
ſucht C. W. Leske.
Lehrmädchen
aus achtbarer Familie gegen
ſof. Vergütg. geſucht. (18732a
G. m.
Nietschmann zua b. H.
ſohan gegen ſofortige Ver=
Lehfmäuchen gütung p. 1. Oktober
geſ. Vorzuſt. zw. 122 Uhrmittags.
Arnold Obersky, Spez. Korſett=Geſch.,
Ernſt=Ludwigſtraße 8.
(*8845
möglichſt zum 1. Ott.
Gesucht Köchin wegen Heirat
der jetzigen. Vermittlungs=Bureau
nicht ausgeſchloſſen. Frau Ritt=
meiſter
Wätjen, Eſchollbrückerſtr. 8,
Anm. v. 16. Sept. an n. 6 Uhr. (190900im
V

Keiteres tüchtiges Mädchen
das alle Hausarbeit verſehen und
bürgerlich kochen kann, zu altem
Herrn per 1. Oktober geſucht.
8674im Wittmannſtr. 27, II.
Tüchtiges Alleinmädchen,
per 1. Oktober geſucht. (19197imd
Frau Rittershaus,
Ernſt=Ludwigſtraße 26.
Tüchtiges Mädchen od. Frau
ohne Anhang in kleinen feinen
Haushalt ſofort geſucht. Näheres
in der Exped. ds. Bl. (*8629omf
Per 15. September geſucht: Ein
ſauberes Mädchen als Hotelzim
mermädchen, ein williges Mäd=
chen
für die Küche und ein Mäd=
chen
als Stütze der Hausfrau.
Selbige kann die Reſtaurations=
küche
erlern. Hans Chriſt, Hotel
StadtFriedbera‟, Rheinſtr. (*854180m
Braves ſit
das etwas
fleißiges Mddchen, kochen
kann, in kleinen Haushalt geſucht.
Grüner Weg 40.
(19258a
Jung. Alleinmädchen zu kinder=
loſem
Ehepaar geſucht. Näheres
in der Expedition ds. Bl.
(*8843
Inkleine Familie ſolid., fleißiges
Alleinmädchen mit guten Zeug=
niſſen
für 1. Oktober geſucht.
*8835)
Stiftſtraße 7, II.
f für 1. Otober ein
Gesucht tücht. Hausmädchen,
bewandert im Waſchen, Bügeln
und aller Hausarbeit. Näheres
Frankfurterſtraße 4.
(*8784mds
Ordentl., williges, jüngeres
Mädchen
vom Lande, das etwas kochen
kann, in einf., bürgerl. Haus=
halt
zu ſof. od. 1. Oktober geſucht.
Näheres in der Exped. (*8439mdfs ſtraße 15.

Gärtner, 38 J. alt, verh. i. Be=
dien
. v. Zentralheiz. vertr., geſt. a.
erſtkl. Zeugn., ſ. St. irg. w. Art.
Off. u. § 3 a. d. Exp. (*8867mf
Verh. Maun, 30 J. alt, ſucht
Stellung als Bureaudiener oder
ſonſtige Beſchäftigung. Off. unt.
§ 12 an die Expd.
(*8887
Zentralhelzungen
übernehme noch einige f. d. Winter.
Fachgemäße Bedienung. (*8794md
Schroth, Sandbergſtraße 38.

Sehr ſaubere unabh. Lauffrau
od. Mädch. morg.3 Std. u. zum Spül.
geſucht. Beckſtraße 75, 1. St. (*8783
Schulentl. Mädch. f. leichte Arb.
morg. geſucht. Hochſtr. 23, I. (*8769
Wegen Verheirat. d. Mädchens
in kleine Familie Alleinmädchen
geſucht Schulſtr. 15, 2. St. (*8866md
Kräft. anſtänd. Mädchen vd. Frau tagsüber für Haus=
arbeit
geſucht. Anmeld. Martin=
ſtraße
2, 2. St. v. 13 Uhr. (*8871

Inpartelischer Arbeitsnachweis Darmstadt.
Grafenſtraße 30, part. (Tele=
1. Gewerbliche Abtellung, phon Nr. 371). Geſchäfts=
ſtunden
von 812½ Uhr und von 2½6 Uhr.
Allgemeiner unentgeltlicher Nachweis für Arbeitgeber=
und Arbeitnehmer.
Waldſtraße 6, Zimmer Nr.6
2. Dienſtboten=Abteilung, (Telephon Nr. 371). Geſchäfts=
ſtunden
von 912 Uhr und von 36 Uhr.
(1763a
Von den Herrſchaften wird eine Einſchreibgebühr von
20 Pfg. und eine Vermittlungsgebühr von 1 Mk. erhoben.
Für Dienſtboten iſt die Benutzung der Abteilung koſtenlos.
Zentralanſtalt für Arbeits= und Wohnungsnachweis.

Laufmädchen tagsüber geſucht
(*8818
Karlſtraße 28.

für alle Hausarbeit,
Mädchen welches zu Hauſe
ſchläft, ſofort geſucht Ahaſtr. 12,
(*8885
parterre.
Zum 1. Okt. tüchtige, jüngere
60
Kochfh
die etwas Hausarbeit übernimmt,
für hieſiges Herrſchaftshaus geſ.
(19190
Off. u. K 64 a. d. Exp.
Mädch. d. koch. k. u. and. Mädch.
m. g. Zeugn. erh. ſ. g. St., hoh. Lohn.
Frau Susanna Röse, gewerbs=
mäßige
Stellenvermittlerin, Kies=
(*8881
ſtraße 35, 1. Stock.
Für ein Konſektionsgeſchäft wird
ein Mädchen geſucht nicht unter
12 Jahren von 57½ Uhr für
(*8900
Ausgänge zu beſorgen.
Bismarckſtraße 44, 1. Stock.

Fräulein
kann das Kochen gründl. erlernen.
E. Rollhäuser, Oekonom, Offizier=
kaſino
Trainbat. Nr. 18. (*8830mdf

Suche Köch., Haus= u. Kinder=
mädch
., Alleinmädch., welche koch.
u. nicht koch. können, in Herrſchafts=,
Privat= u. Geſchäftshäuſ. für hier u.
ausw. Frau Minna Dingeldein,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Eliſabethenſtr. 5. Tel. 531. (19296

welche koch, können,
Mädchen, erhalten recht gute
Stellen. Mädch., welch. ohne Haus=
frau
kleinen Haushalt beſorg. kann,
zum 1. Okt. geſucht. Dame ſucht ein
Mädchen, welches etwas nähen,
bügeln u. koch. kann. Brave Mädch.
in gute Geſchäftshäuſer. Frau Berta
Messling, gewerbsmäßige Stellen=
vermittlerin
, Ludwigſtr. 8. (*8811mdf

Suche Köch, Haus=, Alleinm., für
hier u. ausw., 1 Laufm. o. Frau über
Mittag. Johannette Weissmantel,
gewerbsmässige Stellenvermittlerin,
Karlſtraße 30, Teleph. 1909. (*8915

15jähr. Mädchen vom Lande zu
2 Damen geſucht. Näh. Exp. (*8916

Junge Dame
als Modell von Kunſtmaler geſucht.
Offerten unter R 74 an die Ex=
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dieſes Blattes.
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Weibl. Aktmoden
geſucht. Diskretion zugeſichert.
Off. u. K 80 . d. Exp. erb. (8802ms
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vertrauter junger Mann per ſofort
oder 1. Oktober geſucht. Gute
Handſchrift Bedingung. Ausführ=
liche
Offerten mit Gehaltsangabe
ſind unter § 14 an die Expedition
ds. Blattes einzureichen. (*8901md

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Verlag Joh. H. Schultz, Köln Nr. 1 88. (II, 1924s

Gut eingeführte Zigarettenfabrik
ſucht per ſofort tüchtigen
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Schriftl. Angebote an A. Breuner,
Offenbach a. M.

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einen Ober-Ter Maner
wird zum Herbſt eine kaufmänn.
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R 85 an die Exped.
(*8813mf

Mot
hor
Wel Aebraverdienſt ſucht
ſende ſof. ſeine Adreſſe unt. § 10
an die Expd. d. Bl.
(*8886ms
Schiffsjunge Kapitän
Karriere der Handelsmarine, illu=
ſtrierte
Broſchüre verſendet koſten=
los
F. Glatzel, Schiffsoffizier, Altona
Elbe) Palmaille 54, I. (II,19110
Jung. ſauberer Herrenſchneider
ſof. geſucht. Damen=Konfektion,
Kemnitzer, Nied.=Ramſtädter=
(*8678imd

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für die Wäsche-Abteilung
für sofort oder bald gesucht.
Spezial-
Geschäft Ludwig Schwab
23 Ernst-Ludwigstrasse 23.
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einen Herrn, der befähigt iſt, ſelbſtändig zu arbeiten und
eine größere Anzahl von Untervertretern einzuſtellen und
zu beaufſichtigen. Demſelben können wir die Möglichkeit
geben, ſich eine
vornehme, dauernde Exiſtenz
zu ſichern, welche ein Einkommen von 810 Mille einbringt.
(Keine Verſicherung oder dergl.) Wir reflektieren nur auf
eine Perſönlichkeit, welche ſchnelle Auffaſſungsgabe und
Unternehmungsgeiſt beſitzt und über 35 tauſend Mark
Barkapital verfügt. Offerten, nur von Herren, die obigen
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Nummer 218.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Nummer 218.

Stämmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Der Hausbeſitzerverein und das
Baugewerbe.
In der am Montag ſtattgehabten ſogenannten Pro=
teſtverſammlung
des Hausbeſitzervereins wurde ohne vor=
herige
Diskuſſion beſchloſſen, die ſtädtiſche Verwaltung
aufzufordern, jede Erweiterung des Stadtbauplans zu
unterlaſſen. Esſoll hierdurch ein Druck auf die freie Ent=
ſchließung
der Stadtverordneten ausgeübt werden, kein
neues Bauquartier für Einfamilienhäuſer zu eröffnen.
Vom rein egoiſtiſchen Standpunkt der Hausbeſitzer be=
trachtet
, keine Vermehrung der Wohnſtätten aufkommen
zu laſſen, iſt der Widerſtand leicht zu erklären. Aber es
gibt außer den Hausbeſitzern doch noch andere Menſchen,
in deren Exiſtenzintereſſe es gelegen iſt, die Neuerrichtung
von Wohnſtätten zu fördern. Außer den Mietern, welche
berechtigt ſind, Anſprüche in ſanitärer Hinſicht zu ſtellen,
kommt hier ſpeziell das Baugewerbe in Betracht, welches
vielfach auf Neubauten angewieſen iſt. Im allgemeinen
Intereſſe muß hier ein Mittelweg gefunden werden, der
auf beiderſeitige Intereſſen Rückſicht nimmt, und dies iſt
gerade die Errichtung von Einfamilienhäuſern. Es iſt
nun einmal der Zug der Zeit, das Zuſammenleben und
die Geſundheit der Familie durch die Flucht aus dem
kaſernenmäßigen Wohnen zu fördern, und hierin ſollte
man keinen gegneriſchen Zwang ausüben, der ſich ſchließlich
nur durch Wegzug in die Vororte rächt, welche das Bauen
von kleinen Wohnſtätten fördern in der Erkenntnis, daß
imach=Ausban der elektriſchen Straßenbahn der Zuzua von
bemittelten Anſiedlern gefördert wird. Die Bautätigkeit
in den Vororten iſt jetzt bereits größer als hier, und wenn
nicht zeitig hier für entſprechende Anziehung von den
Intereſſenten für Kleinwohnbau geſorgt wird, ſo wird
Darmſtadt vermittels der Straßenbahn die Laſten zu=
gunſten
der Vororte zu tragen haben. Um nun die Er=
richtung
von größeren Wohnhäuſern zu verhindern, liegt
es doch eigentlich gerade im Intereſſe der Hausbeſitzer, den
Kleinwohnungsbau zu fördern, um hierdurch zugleich zum
Beſtehen des Baugewerbes beizutragen, denn ohne all=
ſeitiges
Entgegenkommen wird die alle Kreiſe berührende
Frage nicht zu löſen ſein. Es wird ſich hierbei nicht um
den zunächſt vorliegenden Einzelfall der Gemeinnützigen
Baugenoſſenſchaft handeln, ſondern dies iſt wohl nur der
Vorläufer für ähnlichen Widerſtreit. Nach Entfernung

des Dammes der früheren Odenwaldbahn wird bis zum
Nordbahnhof ein Gelände frei, welches ſich ganz beſonders
für Kleinwohnungen eignet, und wenn auch zunächſt nur
das Baugelände längs der Frankfurter Straße eröffnet
wird, ſo wird ſich der Intereſſenſtreit ſofort wiederholen,
wenn der Hausbeſitzerverein nicht zur Erkenntnis gelangt,
daß vorſtehende Löſung diejenige iſt, welche ſeinem Be=
ſtreben
am nächſten kommt, und daß eine Behinderung der
perſönlichen Freiheit im Wohnungsweſen von keinen auten
Folgen begleitet ſeinzkann.

Luftfahrt.
Z. 1" im Gewitter.

* Breslau, 16. Sept. Das vom Kaiſermanöver
in Liegnitz zurückgebliebene Militärluftſchiff Z 1, das
geſtern abend nach 10 Uhr die Heimreiſe nach
Frankfurt a. M. antreten wollte, geriet unterwegs in
ein ſchweres Gewitter. Das Schiff kehrte alsbald wieder
nach Liegnitz zurück, konnte aber des ſtarken Sturmes
wegen nicht landen. Um dem Unwetter auszuweichen,
fuhr das Schiff nach Poſen zu weiter. Ohne Zwiſchen=
landung
iſt der Z 1 heute früh nach elfſtündiger Fahrt
wieder in Liegnitz eingetroffen und wurde in der Halle
geborgen. In Poſen, wo das Schiff nachts um 3½ Uhr
angekommen war, konnte die Landung ebenfalls des Ge=
witters
halber nicht vorgenommen werden.

Maßnahmen gegen Flieger.

H.B. Köln, 16. Sept. Infolge der Klagen über
fran zöſiſche Flieger, welche Deutſchland beſuchen,
hat das Kriegsminiſterium, wie die Kölniſche Zeitung
meldet, neue Beſtimmungen erlaſſen für die=
jenigen
franzöſiſchen Flieger, welche deutſches Gebiet
überfliegen. Die Namen der Franzoſen, die mit Reiſe=
Zeugniſſen von der deutſchen diplomatiſchen Vertretung
in Paris verſehen ſind, werden von jetzt ab dem Kriegs=
miniſterium
, den Korps=Kommandeuren und Polizeibe=
hörden
regelmäßig zur Kontrolle bekannt gegeben werden.

* Johannisthal, 16. Sept. Heute vormittag
um 11.28 Uhr landete der Flieger Stiefvater mit
Oberleutnant Zimmermann als Begleiter auf einer

Jeannintaube. Er war um 4.36 Uhr in Freiburg i. Br.
aufgeſtiegen und nach einer Zwiſchenlandung in Gotha=
um
9.10 Uhr nach Johannisthal weitergeflogen. Er bes
abſichtigt, ſofort nach Königsberg weiterzufliegen. Stief=
vater
bewirbt ſich mit dieſem Flug um die Prämie der
Nationalflugſpende.
* Johannisthal, 16. Sept. Der Flieger=
Stiefvater iſt heute vormittag 12½ Uhr mit Obers
leutnant Zimmermann nach Königsberg aufgeſtiegen.
* Mülhauſen (Elſaß) 16. Sept. Der bekannke
Mülhauſener Aviatikflieger Stöffler iſt heute nacht
12½ Uhr auf dem Habsheimer Flugplatz zum Flug nach=
Königsberg aufgeſtiegen, um ſich um den Preis der Na=
tionalflugſpende
zu bewerben. Nach einem ſoeben um
5 Uhr nachmittags eingetroffenen Telegramm iſt Stöfflea,
bei Plock an der Weichſel (Nordrußland) gelandet. Er be=
abſichtigt
weiter zu fliegen. Ob der Flieger die Strecke=
ohne
Zwiſchenlandung zurückgelegt hat, iſt aus dem Tele=
gramm
nicht erſichtlich.
* Leipzig, 15. Sept. Das Luftſchiff Sachſen
machte heute nachmittag eine Fahrt von Leipzig nach
Eiſenberg (Sachſen=Altenburg). An der Rückfahrt nach
Leipzig nahmen der Herzog Ernſt von Sachſen=
Altenburg und ſein Töchterchen, Prinzeſſin Eliſa=
beth
teil. Nachmittags 5 Uhr landete das Luftſchiff
glatt in dem hieſigen Luftſchiffhafen.
* Göttingen, 16. Sept. Heute vormittag um 8
Uhr 25 Min. iſt Seguin zum Rückfluge nach
Paris aufgeſtiegen. Er hofft ohne Zwiſchenlandung
nach Paris zu kommen.

Landwirtſchaftliches.

* Groß=Gerau, 16. Sept. Der Maſſenauftrieb
bei den hieſigen Ferkelmärkten hält an. Am letzten
Ferkelmarkt waren nämlich 1029 Tiere aufgetrieben. Die
Preiſe bewegten ſich aber dennoch in ihrer ſeitherigen
Höhe, da eine äußerſt rege Nachfrage herrſchte. Am Schluß
des Marktes war alles verkauft. Für Ferkel ſind 718
Mark, für Springer 2134 Mark und für Einleger 3745
Mark pro Stück bezahlt worden. Der nächſte Ferkel=
markt
iſt am Montag, den 22. d. M., und findet an dieſem
Tage gleichzeitig ein Krämermarkt, der diesjährige
Herbſtmarkt, ſtatt.

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[ ][  ][ ]

Nuen

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Seite 11.

Mmtiche Rachricdten des Groiſ. Polteiants Darnnapt.
Gefunden: 1 ſilberne runde Doſe. 1 Fahrradlaterne. ½ Meter
weißer Stoff. 1 Quantum Kartoffeln in einem Sack. 1 Drücker aus
Meſſing, 1 weiße geſtrickte Kindermütze. 1 Notenheft (für Klavier).
1 Paar Knabenſchuhe mit einem Paar Strümpfen, 1 weißes Taſchen=
tuch
. 2 Drücker an einer Kette. 1 kleiner Dreher. 1 kleiner ſchmaler
Samtgürtel. 1 ſechseckige Emaillebroſche. 1 Füllfederhalter. 1 Fahr=
rad
. 1 kleines ſchwarzes Portemonnaie mit Inhalt.
(19241
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Spitzhunde, 1 Foxterrier, 1 Kriegshund. 1 Pinſcher
(zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht aus=
gelöſten
Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. 10 Uhr, ſtatt. (19230

Bekanntmachung
über die Regelung des Straßenverkehrs während der
Herbſtmeſſe 1913.

Auf Grund von § 366 Ziffer 10 R. St. G. B., Art. 264 Pol. St. G. B,
und Artikel 129 b, Abſ. 2, der Städteordnung wird wegen der Herbſt=
meſſe
für die Zeit vom 18. September bis 2. Oktober ds. Js.
einſchließlich angeordnet:
1. Der zwiſchen Mühl= und Stiftſtraße liegende Teil der
Lindenhofſtraße iſt für Juhrwerke geſperrt.
2. Auf den das Meſſe=Gelände umgebenden Straßenteilen
darf nur im Schriit gefahren oder geritten werden.
3. Durch die Reihen der Schau= und Verkaufsbuden darf
weder gefahren noch geritten noch geradelt werden.
(19240mds
Darmſtadt, den 15. September 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Bauplanänderung.

Der von der Stadtverordneten=Verſammlung autgeheißene Be=
bauungsplan
über die Aenderung der Hauptzufuhrſtraße C nach
pem neuen Südbahnhof liegt in der Zeit vom 17. September bis
einſchließlich 2. Oktober ds. Js. auf dem Stadtbauamt, Grafenſtr. 30,
zur Einſicht offen. Einwendungen gegen den Plan ſind bei Meidung
des Ausſchluſſes während dieſer Friſt daſelbſt vorzubringen.
(19214mi
Darmſtadt, den 13. September 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.

neh erſicht

der Durchſchnittspreiſe von folgen=
den
Früchten und Verbrauchsgegen=
ſtänden
in der Zeit
vom 1. bis 15. September 1913.
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 20.50 bis 24.50
Korn
17. 17.75
Gerſte
18. 19.-
Hafer
18. 21.
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 9 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 6.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 1.75
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 2.50
Heu per 50 Kilo Mk. 4.
Darmſtadt, 16. September 1913.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Beiantnchauig.

Dienstag, 30. September I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die dem Georg Philipp VolzII.
zu Groß=Bieberau im Grundbuch
hieſiger Gemarkung zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 481 260 Hofreite Eckhardt=
ſtraße
35,
III 4819/10 151 Grasgarten, Vor=
garten
, da=
ſelbſt
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K4/13
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 8. Auguſt 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V,17420
älteſter Gerichtsmann.

Bekanntmachung.

Mittwoch, 1. Oktober 1. Js.,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die den Friedrich Amelung Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
238 Hofreite Lieb=
II 657
frauenſtraße
Nr. 104,
II 6579/10 42 Grasgarten, Vor=
garten
, daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K59/13
verſteigert werden.
Darmſtadt, 12. Auguſt 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V,17421
älteſter Gerichtsmann.

Lieſerungs=Bergebung.

Die Anlieferung nachverzeichneter Gegenſtände für die Zeit vom
1. November 1913 bis dahin 1914 ſoll auf dem Wege öffentlichen
Angebots vergeben werden.

1. 15000 Ko. Weizenkleien und
Schalen.
2. 400 Ztr. Stroh.
3. 600
Speiſekartoffeln.
4. 500 Mtr. Baumwollflanell.
5. 100 weiß Baumwoll=
tuch
.
6. 100 Schürzenzeug.
7
7. 100 Köper=Oxford.
8. 150 Kittelzeug.
9. 150
Druckzeug.
1 Stück Lüſter.
10.

11. 300 Mtr. Sarſenet.
12. 150
Wolletuch.
13. 400 Leinen, verſchied.
14. 20 Gummiſtoff.
15. 30 Ko. Strickwolle.
16. 200 Mtr. Putzlumpen.
17. 100 Ko. Sohlleder.
18. 1800 Petroleum.
19. 800 Seife.
20. Backwaren.
21. Fleiſchwaren.
22. Kolonialwaren, Eier, Bier uſw.

Die Lieferungsbedingungen und Muſter ſind auf dem Geſchäfts=
zimmer
des Großherzogl. Rechners und Oekonomen in der Anſtalt
am 23. und 24. ds. Mts, in den üblichen Geſchäftsſtunden einzuſehen,
außerdem können erſtere nach auswärts gegen Erſtattung der Schreib=
gebühr
geſandt werden.
Schriftliche Angebote mit der Aufſchrift Lieferungsvergebung
ſind
bis zum 6. Oktober, vormittags 11 Uhr,
entweder mit der Poſt einzuſenden oder in den im Beamtenhauſe
der Anſtalt aufgehängten Briefkaſten einzulegen.
Die einzureichenden Muſter müſſen getrennt von den Angeboten
verpackt und entſprechend bezeichnet ſein.
Eröffnungstermin 7. Oktober, vormittags 11 Uhr.
Zuſchlagsfriſt: 20 Tage.
(19291
Aliceſtift bei Darmſtadt, am 13. September 1913.
Großherzogliche Anſtalts=Verwaltung.

An die
Darmstädter Senerdch, Leschartswet, Stchegrapien- u. Stenoropisten.
Heute Mittwoch, den 17. d. Mts., abends pünktlich 8½ Uhr
findet bei freiem Eintritt im Kaisersaale‟, Grafenstraße 20, in Verbindung mit dem
Gabelsberger Stenographenverein von 1861 ein Demonstrationsabend statt, der durch
Vortrag und anschließende
praktische Ubungsstunde
den Wert der Muster-Maschinen-Schreibschule nach der Original-Underwood-Meisterschafts-
Methode zeigen soll.
Dem Fortschritt folgend, sowie in richtiger Erkenntnis des Wertes der Methode,
hatten wir uns entschlossen, am I. August d. J. eine Muster-Maschinen-Schreibschule
nach der Original-Underwood-Meisterschafts-Methode zu gründen und konnten wir mit
Genugtuung feststellen, daß sowohl Behörden wie auch kaufmännische Institute den
Wert der Methode sofort richtig erkannten.
Heute nun soll der Allgemeinheit vor Augen geführt werden, welche Fertigkeit
die Schüler in der kurzen Zeit (vom 1. August bis heute) zu erreichen vermochten,
und welche Schnelligkeit, Sicherheit und Korrektheit erzielt werden kann.
Wir können daher nur empfehlen, nicht zu versäumen, dem Abend beizuwohnen,
zumal für die Hetren Chefs wie auch für die Angestellten die Angelegenheit von
gleicher Wichtigkeit ist.
Um recht zahlreichen Besuch bittend, empfehlen wir uns
hochachtungsvoll
Hoflieferant HEINRICH ELBERT, G. m. b. H.
Abteilung: Muster-Maschinen-Schreibschule.

19259

Der Plan über die Herſtellung
einer unterirdiſchen Tele=
graphenlinie
an der Landſtraße
von Darmſtadt nach Weiterſtadt
liegt bei dem Kaiſerlichen Tele=
graphenamt
in Darmſtadt von
heute ab 4 Wochen aus. (19237
Darmſtadt, 15. September 1913.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.
Für ein geſundes u. kräftiges
Landbrot
das billig nach der Stadt gebracht
wird, werden noch Abnehmer ge=
ſucht
. Gefl. Beſtellungen unter
O. 41 durch die Expedition d. Bl.
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gen
. Näh. in der Exp. (*8673imd

[ ][  ][ ]

Seit 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Nummer 218.

Hessische
Handelslehranstalt
Fernspr. 923 Darmstadt Rheinstr. 6, II.
Schulmässiger Klassenunterricht in allen Handelsfächern.
Das Wintersemester beginnt Dienstag, 7. Oktober
Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
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Wilh. Siedersleben
gerichtlich beeidigter Bücherrevisor.
Sprechstunden Montag bis Freitag 121 und 35 Uhr.

Freunde des Italienischen
mache ich aufmerkſam, daß am 22. September, abends 7½ Uhr,
mein neuer Sprachkursus für Vorgeschrittene beginnt.
Proſpekte und Referenzen zu Dienſten.
Anmeldung und Näheres bei
C. A. Simoncelli, Lichtenbergstrasse 65
oder im Verkehrsbureau.

Anfänger-Kursus am 7. Oktober.

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Wir eröffnen im Oktober einen Kurſus zur
Ausbildung in allen Hausarbeiten (Kochen aus=
geſchloſſen
) für die eigene Wirtſchaft oder zur Aus=
bildung
als Stütze mit Zeugnis. Zahl der Schüler=
innen
iſt beſchränkt.
(*8384sm
Dauer des Kurſes ½ Jahr, Schulgeld 20 M.
Anmeldungen hierzu täglich von 1112 Uhr in der Eleonoren
Schule, Lagerhausſtraße 1, Hauswirtſchaftliches Seminar.

Unterricht im Kleidermachen
und Zuſchneiden
nach dem Syſtem der Hirſch’ſchen Akademie, Berlin
(Muſterzeichnen) und dem Syſtem der Académie de
Coupe de Paris, Paris (Abſtecken der Modelle am
Körper mit Futtermull)
erteilt
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Bismarckstrasse 48.
Beginn des Unterrichts am 15. September.

Unterricht in Weissnähen,
Handarbeiten jeder Art, sowie
Buchbinden
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für Anfänger und vorgeſchrittene Schüler erteilt in
und außer dem Hauſe (auch vormittags) gegen mäßiges
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L. Indorf, Schwanenstr. 72.
Inhaituf fur Canzkunsf.
Bringe dem geehrten Publikum zur gefl. Kenntnis, daß ich noch
Anmeldungen für die im Hotel Prinz Carl’ ſtattfindenden Herbſt=
und Winterkurſe von 115 Uhr in meiner Wohnung, Kranichſteiner=
ſtraße
44, parterre, entgegennehme. Empfehle mich für Arangements
von Feſtlichkeiten, ſowie Privatunterricht jederzeit.
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Johanna Georg, geb. Merz
(frühere Großherzogliche Hof=Solo=Tänzerin.)

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Nummer 218.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

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meſſungen
ſo unanſehnlichen Halle des Münchener Haupt=
bahnhofes
herrſchte das zur Reiſezeit unvermeidliche
Menſchengewühl, ein unabläſſiges Drängen und Durch=
einanderwogen
eiliger Leute jeden Standes und jeder
Nationalität, ein beſtändiges Haſten und Suchen und ein
Stimmengeſchwirr, aus dem ſich die Laute faſt aller euro=
päiſchen
Sprachen heraushören ließen. Namentlich vor
der Sperre des Bahnſteiges, auf dem der abendliche
Schnellzug nach Kufſtein, Innsbruck und Verona zur Ab=
fahrt
bereit ſtand, ſtaute es ſich zu einem dichten Knäuel
ungeduldiger Reiſender beiderlei Geſchlechts, die auf die
mannigfachſte Art zu erkennen gaben, daß ihnen die Ab=
fertigung
durch die beiden vielgeplagten Fahrkartenſchaff=
ner
viel zu lange währte.
Nur ein in dieſen Knäuel eingezwängtes junges
Menſchenpaar, dem man es leicht genug anmerkte, in wel=
chen
Beziehungen es zueinander ſtand, ſchien von der all=
gemeinen
Nervoſität ſehr wenig berührt.
Der Mann, von dem blonden, helläugigen Typus
des norddeutſchen Menſchenſchlages, mochte um ein ge=
ringes
über ſein dreißigſtes Lebensjahr hinaus ſein. Er
war groß und kräftig gebaut, aber die Züge ſeines klu=
gen
, bartloſen Geſichtes zeigten etwas von jener Müdig=
keit
und Abgeſpanntheit, die in unſerer raſchlebigen Zeit
den Phyſiognomien geiſtig überarbeiteter Menſchen ſo
leicht ihr beſonderes Gepräge gibt. Der braunhaarige
Kopf des dicht an ſeine Seite geſchmiegten Mädchens

reichte ihm kaum bis zur Schulter, aber das ſchmale, feine
Antlitz unter dem einfachen Hütchen war beſtändig zu
ihm emporgerichtet. Die großen, dunklen Augen, Die
ohne Zweifel den weſentlichſten Reiz dieſes Geſichtes aus=
machten
, hingen mit einem ſo warmen Leuchten inniger,
hingebender Zärtlichkeit an ſeinem Munde, als wollten
ſie in ſehnſüchtiger Erwartung die Worte vorweg nehmen,
die von dieſen Lippen kamen.
Aber es war trotzdem nur wenig, was die Beiden
während des minutenlangen Wartens miteinander ſpra=
chen
. Und es unterſchied ſich in nichts von dem, was
gemeinhin zwiſchen Liebesleuten, die unmittelbar vor
einem ſchmerzlichen Abſchied ſtehen, geredet zu werden
pflegt.
Du, wirſt mir täglich ſchreiben, nicht wahr, Werner?
flüſterte das Mädchen. Und wenn es auch nur eine ein=
zige
Zeile, nur ein kurzer Gruß auf einer Anſichtskarte
wäre. Ich würde mich ſo ſehr um Dich ängſtigen, wenn
ich einmal ohne Nachricht von Dir bliebe.
Gewiß, liebſtes Herz, gewiß! Das heißt, ſoweit es
eben möglich iſt. Hier und da wirſt Du Dich ſchon auf
eine kleine Pauſe in der Korreſpondenz gefaßt machen
müſſen. Denn droben auf den Bergen gibt es, Gott ſei
Dank, bis jetzt weder Briefkäſten noch Anſichtskartenver=
käufer
. Und da mögen leicht einmal drei oder vier Tage
verſtreichen, ohne daß ich Dir ein Lebenszeichen zu geben
vermag.
In die dunklen Mädchenaugen kam es wie ein feuchter
Schimmer, und um den kleinen Mund ging ein Zucken,
als er Antwort gab:
Ach, dieſe ſchrecklichen Berge! Ich habe ein ſolches
Grauen bei dem Gedanken an die Gefahren, denen Du
da ausgeſetzt ſein wirſt. Hätteſt Du Dich doch entſchließen

können, meinen Bitten nachzugeben und oben an unſeren
ſchönen Seeküſten Erholung zu ſuchen!
Mit einem kleinen Anflug von Ungeduld ſchüttelte der
Blonde den Kopf.
Ich würde ſie dort nicht gefunden haben glaube
mir’s doch, Liebling! Was ich brauche, iſt Ruhe und Ein=
ſamkeit
, jene erhabene Ruhe und jene erquickende Ein=
ſamkeit
, die mir eben nur das Hochgebirge gewähren
kann. Und Du haſt wahrhaftig keine Urſache, Dich um
mich zu ſorgen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die das
Schickſal mutwillig herausfordern. Auf Unternehmun=
gen
, die meine Kräfte überſteigen, werde ich mich ſicherlich
niemals einlaſſen.
Sie waren endlich bis an die Perronſperre gelangt.
Nur ein weißbärtiger alter Herr war noch vor ihnen, in
deſſen Fahrſcheinheft der Schaffner eben ein paar Blätter
mit ſeiner Kupierzange durchlochte.
Nach Verona! ſagte er dabei. Die erſte Klaſſe iſt
ganz vorn im Zuge, mein Herr!
Der alte Herr dankte hüſtelnd und legte mit anſchei=
nend
ſchon zitterigen Händen das Heft umſtändlich wieder
in ſeine Brieftaſche. Dann nahm er das kleine elegante
Köfferchen auf, das er vorhin neben ſich geſtellt hatte, und
ſchlurfte ſchleppenden Schrittes an der langen Wagenreihe
entlang.
Das junge Mädchen, an das jetzt die Reihe kam, hatke
nur eine Bahnſteigkarte vorzuweiſen, der Fahrſchein ihres
Begleiters aber lautete bis Innsbruck.
Ich werde doch den Anſchluß an die Arlbergbahn
ſicher erreichen? fragte er. Und als er die beſtätigende
Antwort des Beamten erhalten, bot er der jungen Dame
den Arm, um hier, wo ſie nicht mehr von ungeſtümen)
Menſchen umdrängt waren, wie draußen hinter der Bar=

[ ][  ][ ]


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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

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nehmen
.
Noch einmal bitte ich Dich alſo recht herzlich, liebſte
Helene, nicht Dir und mir während dieſer wenigen Tren=
nungswochen
durch eine ganz grundloſe Aengſtlichkeit das
Leben ſauer zu machen. Du weißt doch, wie dringend
Dein eigener Bruder mir zu dieſer Erholungsreiſe nach
dem arbeitsreichen Semeſter geraten hat. Und ich meine,
es könnte für niemanden angenehmer ſein, als für Dich,
mein Schatz, ſtatt des abgearbeiteten, launenhaften und
grilligen Burſchen, dem Du jetzt Lebewohl ſagſt, einen
friſchen und fröhlichen Menſchen wiederkehren zu ſehen,
wie meine geliebten Berge ihn bis jetzt noch immer aus
mir gemacht haben.
Sie ſchmiegte ſich ſo eng an ihn, als es bei der An=
weſenheit
ſo vieler fremder Menſchen nur immer geſchehen
konnte, und wieder ſuchten ihre in Liebe und Zärtlichkeit
glänzenden Augen die ſeinen.
Mir biſt Du immer recht, Werner ſo oder ſo. Aber
es iſt wahr: ich bin ein häßliches, egoiſtiſches Geſchöpf
daß ich nur an mich und an meine Sorgen denke. Ich
war ſo glücklich, daß mir Tante Hannas Reiſe nach Mün=
chen
die Möglichkeit gewährte, Dich bis hierher zu be=
gleiten
. Und nun fürchte ich beinahe, daß ich damit nichts
anderes erreicht habe, als Dich ungeduldig und verdrieß=
lich
über mich zu machen.
Mit Wärme drückte er ihren Arm an ſich und lächelte
ihr freundlich zu.
Was für eine unverbeſſerliche kleine Schwarzſeherin
Du doch biſt, Herzensſchatz! Niemand konnte den liebens=
würdigen
Zufall dieſer gemeinſchaftlichen Reiſe höher
preiſen als ich. Und mit tauſend Freuden würde ich
meine ganze Erbſchaft daran geben, wenn ich mir damit
das Glück Deiner weiteren Begleitung zu erkaufen ver=

möchte. Aber da es nun einmal nicht ſein kann, müſſen
wir uns wie ein paar recht verſtändige Menſchen mit der
unerbittlichen Notwendigkeit abfinden. Du
Er war mitten in der Rede verſtummt, und ſeine
Augen hatten ſich weit geöffnet wie die eines Menſchen,
der durch einen unerwarteten Anblick in höchſte Beſtürzung
oder in faſſungsloſes Erſtaunen verſetzt worden iſt. Das
junge Mädchen, deſſen beinahe andächtiger Aufmerkſamkeit
auch die kleinſte Veränderung auf ſeinem Geſicht unmög=
lich
hätte entgehen können, folgte unwillkürlich der Rich=
tung
ſeines eigentümlich erſtarrten Blickes. Aber ſie
konnte über den Gegenſtand, auf den er gerichtet
war, nur eine ungewiſſe Vermutung hegen, da ſich
jetzt, wo das Zugperſonal die Aufforderung zum
Einſteigen bereits hatte ergehen laſſen, in leb=
haftem
Durcheinander alles zu den Wageneingängen
des D=Zuges drängte. Vielleicht war es lediglich eine
Regung weiblichen Inſtinkts, die ihre Augen für die Dauer
einiger Sekunden an der hohen, ſchlanken Geſtalt einer an=
ſcheinend
noch jungen Dame haften ließ, deren Geſicht ſie
nicht ſehen konnte, weil die in einen langen, hellgrauen
Staubmantel gehüllte Reiſende ſich ſoeben anſchickte, den
Zug zu beſteigen.
Sie gewahrte nichts weiter, als daß die offenbar von
niemandem begleitete Dame eine wundervoll ebenmäßige
Geſtalt hatte, deren ſchöne Linien ſich deutlich unter der
loſen Hülle abzeichneten, und daß ihre Bewegungen von
anmutigſter Eleganz und Geſchmeidigkeit waren. Auch
die Ueppigkeit ihres in ungewöhnlicher Fülle unter dem
kleinen Reiſehute hervorquellenden, tiefſchwarzen Haares
war dem an raſche Beobachtung und Beurteilung der
Mitſchweſtern gewöhnten Frauenblick nicht entgangen.
Schon in der nächſten Sekunde aber hatten ſich andere Er=

ſcheinungen dazwiſchen gedrängt, und mit nur halb be=
friedigter
Wißbegier wandte ſich das junge Mädchen zu
dem noch immer ſtumm und regungslos daſtehenden blon=
den
Manne zurück.
Was haſt Du nur mit einem Male, Werner? Du
biſt ja ganz verſtört. Iſt Dir die Dame in dem grauen
Mantel bekannt?
Der Angeredete war zuſammengefahren, als ob er
unvermutet aus einer weit entlegenen Gedankenwelt in
die Wicklichkeit zurückgerufen worden wäre. Und er
machte eine halb unwillkürliche Handbewegung gegen die
Stirn hin, ehe er in offenkundigſter Verwirrung und Be=
fangenheit
erwiderte:
Die Dame ? Welche Dame? Ich weiß nicht,
von wem Du ſprichſt, Liebling! Aber es iſt wohl höchſte
Zeit, daß ich mir einen Platz ſuche. Der Zug ſcheint ja
überfüllt.
Er machte eine raſche Bewegung gegen den nächſten
Wagen hin, aber die kleine Hand ſeiner Begleiterin legte
ſich mit feſtem Druck auf ſeinen Arm, und flehend klang
ihre weiche Stimme ihm an das Ohr:
Du haſt eine unangenehme Entdeckung gemacht, Lieb=
ſter
Du biſt erregt! Warum darf ich die Urſache da=
von
nicht erfahren?
Gezwungen lachte er auf.
Du ſiehſt wahrhaftig ſchon überall Geſpenſter, Schatz!
Vielleicht hat mich eine zufällige Aehnlichkeit für einen
Moment irritiert. Aber von Erregung iſt nicht die Rede,
und es iſt nicht der Mühe wert, noch ein Wort darüber zu
verlieren.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 218.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Seite 15.

JOE
LOE

Die neute

398.

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sr. Diſtanzwettlauf Berlin-Breslau. Der Diſtanz=
wettlauf
Berlin-Breslau, der am Sonntag mit der
erſten Etappe Berlin-Zoſſen ſeinen Anfäng nahm,
führte mit einer Ruhepauſe in Zoſſen am Monkag vor=
mittag
nach Lübben. Ruppert benötigte für die etwa 50
Kilometer lange Strecke 4 Sunden 36 Minuten, dicht ge=
folgt
von Sillier, der ¾ Sekunden mehr gebrauchte. Die
nächſten Plätze belegten Adam 4143:00, H. Müller 4:45.00,
Zernick 5:17:00, Fuchs 5:18:00 ½ und Hempel 522700,
der durch eine Fußverletzung zurückgefallen war. Im Ge=
ſantklaſſement
der ganzen Etappe Berlin-Lübben (80
Kilometer) blieb Sillier Sieger mit 6 Stunden 53 Min.
½ Sek vor Ruppert 6:61, H. Müller 7:08:00¾, Adam
7112:00½. Hempel 7440. Innerhalb von 7 Stunden trafen
17 von 32 noch im Rennen befindlichen Läufern ein. Auf=
gegeben
hatte bereits in Zoſſen Nolte=Wien.
Amateurphotographie. Das zweite Septemberheft
der Photographie für Alle (Berlin, S. 61) enthält
wiederum neben muſtergültigen Reproduktionen eine
Reihe intereſſanter Artikel. Speziell ſei auf die Abhand=
lung
über Straßenbilder hingewieſen, in der wir
unter anderem folgendes leſen: Zur Aufnahme der Stra=
ßenbilder
wähle man die Sommermonate, doch ſind auch
helle Herbſt= und Wintertage günſtig; jedenfalls arbeite
man in jenen Stunden, in denen die Sonne möglichſt hoch
ſteht. Zerſtreutes Licht iſt günſtiger als =Sonnenſchein,
weil man da unabhängig vom Stand der Sonne iſt. Sind
die Lichtverhältniſſe günſtig, ſo verwende man farben=
empfindliche
Platten, im übrigen aber, namentlich bei
Aufnahmen in dunkeln Straßen, höchſtempfindliche Rapid=
platten
. Stativkameras ſind gänzlich ungeeignet, denn
noch ehe man die Kamera aufgebaut hat, pflegen ſich
ganze Trupps Neugieriger, die mit photographiert ſein
wollen und die irgendeine Bildwirkung gar nicht aufkom=
men
laſſen, zu verſammeln. Hier kommt die Spiegel=
reflexkamera
zur Geltung, aber wer in der Handhabung
einer ſolchen nicht geübt iſt, oder keine beſitzt, kommt auch
mit einer gewöhnlichen Klappkamera aus.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 9. bis 15. September.
Die in der Berichtswoche bekannt gewordene vor=
läufige
Ernteſchätzung für Preußen zeigt wider Erwarten
höhere Zahlen als im Auguſt. Ein Vergleich mit der
Auguſtſchätzung und mit den endgültigen Ergebniſſen
des Vorjahres gibt folgendes Bild: (in Tonnen = 1000
Kilogramm).
Weizen Roggen S.=Gerſte Hafer
September 2676600 9338 534 1919732 6 234124
2 561 119 8 725 225 1750 172 5780 147
Auguſt
Ernte 1912 2748 545 9804 781 1972153 5831012

Die zum erſten Male vorgenommene Schätzung für
Wintergerſte ergibt 72708 Tonnen, während für Kar=
toffeln
ein Ertrag von 35249833 Tonnen in Ausſicht ge=
ſtellt
wird gegenüber 34900598 in 1912 und 25630203
Tonnen in 1911. Trotz dieſer Zahlen war die Stimmung
in der Berichtswoche durchaus nicht matt, namentlich am
Weltmarkte machte ſich eine gewiſſe Widerſtandsfähigkeit
bemerkbar, die zum Teil mit den amerikaniſchen Verhält=
niſſen
in Verbindung ſtand. Zwar lautet die Schätzung
der amerikaniſchen Weizenernte nach dem letzten Bericht
noch etwas höher als bisher, auch ſtehen von Kanada
große Leiſtungen in Ausſicht, aber zunächſt macht ſich der
Einfluß der ſchlechten Maisernte fühlbar, das Angebot iſt
zurückhaltender und die Verſchiffungen von den atlanti=
ſchen
Häfen haben eine erhebliche Einſchränkung erfahren.
Demgegenüber hat Rußland diesmal große Mengen Wei=
zen
und Gerſte exportiert, aber das Angebot von dort iſt
keineswegs dringlich, zumal die Regierung den Land=
wirten
Vorſchüſſe gewährt. Hinzu kommt daß ſich in ver=
ſchiedenen
Gebieten Rußlands ſtarke Enttäuſchungen beim
Erdruſch herausſtellen ſollen. Frankreichs Weizenernte
ſoll nach neueren Schätzungen um mehr als 10 Prozent
hinter der des Vorjahres zurückſtehen, ſo daß wieder be=
deutende
Zufuhren vom Auslande nötig ſein werden, ein
Umſtand, der beſonders für den deutſchen Getreidehandel
von Bedeutung iſt. Zunächſt läßt das Geſchäft in dieſer
Richtung noch viel zu wünſchen übrig, da das Ausland
zu niedrige Preiſe bietet. Die Preislage hat ſich wenig
geändert, auch im Lieferungsgeſchäft boten Deckungen
den Preiſen eine Stütze. Roggen hatte wieder nur
mäßiges Angebot, das bei den Mühlen und zum Export
ſchlank Aufnahme fand. Rußland kommt wenig mit
Ware heraus. Lieferung war durch Deckungen befeſtigt,
zumal Andienungen bei den Mühlen Aufnahme fanden.
Hafer iſt in geringer Ware am Markte: das ſchwer ver=
käufliche
Material drückt auf den Wert der Lieferung.
Dagegen iſt heute Ware begehre und findet auch ſeitens
des Exports Beachtung. Es ſtellten ſich die Preiſe für
inländiſches Getreide wie folgt:
Weizen
Roggen
Hafer
Königsberg
161 (*1
Danzig . . . 200 (44 ) 159 (1
165 (2
Stettin . .
188 (4 ) 159 (1 ) 161 (2

Poſen
198
158
159 (

Breslau . . . 196
158 (
157 (1
Berlin
. 197 (*1
161 ( ½)
(1
190 (2
Magdeburg
163 (*2
(*2
193 (
Halle . . .
168
176 (

Leipzig . . . 194 (2
167
173 (1
Roſtock
. 190 (2
159 (*1
157 (1
196 (2
)1
Hamburg
64 (1
170
Hannover . . 191 (3
16
(1 j 162 (3
Düſſeldorf
200
168 (
(*2
170
Frankfurta. M..
202½ (1
169 (
175 (45
Mannheim . . 207½ (
170 (2½) 175 (
-
Straßburg.
210
-
172½(
221 (6
München
168 (2 ) 170 (3
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Sept. 198,50 (0,F0)
Peſt Okt. 185,55
3,40), Paris Sept. 222 (*0,40),
Liverpool Okt. 161,25 (*0,25), Chikago Sept. 135,95
0,40), Roggen: Berlin Sept. 162,50 (0,25), Hafer:
Berlin Sept. 160 (
3), Futtergerſte Südruſſ. frei Ham=
burg
unverzollt ſchwim. 115 (0,50), Sept. 113,25 ( 0,75),
Mais: La Plata ſchwim. 114 (), Okt./Nov. 117 () Mk.

H. Frankfurt a. M., 16. Sept. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war ſtärkeres Angebot in
Landweizen und Landroggen bei willigeren Preiſen vor=
handen
. Dabei iſt aber der Verkauf ſchwierig, da die
Klagen über Qualität andauern. Hafer ebenfalls reich=
lich
offeriert, wobei beſſere Qualitäten bevorzugt waren.
Ausländiſche Brotfrüchte ſind nicht ermäßigt. In Gerſte
und Mais, ſowie in Futtermitteln und Mehl blieb der
Verkehr geringfügig und die Preiſe kaum verändert. Der
Mannheimer Getreidemarkt iſt behauptet bei
kleinen Umſätzen. An der Berliner Produkten=
börſe
war Getreide gut behauptet auf die Zurückhalt=
ung
der Abgeber und auf die nicht nachgiebigen Aus=
landsofferten
; außerdem war das Inlandangebot mäßig
und nicht billiger. Ebenſo waren die Zufuhren gering
und fehlte es auch an Kaufluſt. Die Mühlen kaufen nur
den regelmäßigen Bedarf und der Konſum nimmt nur
das Notwendigſte auf. Hafer ſtill. Lokoware war über=
reichlich
vorhanden, der Preis aber nicht billiger. Nach
den letzten Kabelmeldungen von den amerikaniſchen
Getreidemärkten (Chikago und Neu=York) war
Weizen und Mais nach mehrfachen Schwankungen ſchließ=
lich
unter den Preiſen der letzten Tage, auf den Wochen=
ausweis
der Weltverſchiffungen, der günſtigen Ernte=
berichte
aus Illinois und den à la balisse lautenden
Viſible Supply=Ausweis. Die ſichtbaren Weizenvorräte
ſind dort in dieſer Woche von 45,32 Millionen Buſhels

auf 46.51 Millionen Buſhels und die Maisvorräte von
3,21 Millionen Buſhels auf 5,30 Millionen Buſhels ge=
ſtiegen
; auch in Kanada erhöhten ſich die Weizenvorräte in
dieſer Woche von 2,52 Millionen Buſhels auf 3,19 Millio=
nen
Buſhels.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer 20,1020,15, Nord=
deutſcher
20,1020,15, Kurheſſiſcher 20,1020,15, Ruſſiſcher
23,2523,75, La Plata 22,5023,25, Rumäniſcher 22,75
bis 23,50, Redwinter 22,7523,25, Manitoba 22,7523,25,
Kanſas 2323,25, Walla Walla 2323,25; Roggen,
hieſiger 16,6516,75, Bayeriſcher 16,7016,75, Ruſſiſcher
17,5018, Amerikaniſcher Rumäniſcher 17,5018;
Gerſte, Pfälzer 1717,50, hieſige und Wetterauer 16,75
bis 17,25, Riedgerſte 1717,50, Ungariſche 2324,50,
Fränkiſche 17,2517,50; Hafer, hieſiger 16,5017, Baye=
riſcher
16,7517, Ruſſiſcher 18,5020,50, Amerikaniſcher
17,5018,50, Rumäniſcher 18,5020,50; Mais mired
14,5014,75, Ruſſiſcher 14,5015, Donaumais 14,85 bis
14,95, Rumäniſcher 14,5015, La Plata 14,7514,85,
Weißer Mais 14,6014,80, Weizenſchalen 99,25, Weizen=
kleie
9,509,75, Roggenkleie 1010,50, Futtermehl 1214,
Biertreber, getrocknet, 12,5013, Futtergerſte 1414,25;
Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab Mannheim) Nr. 0: 31
bis 31,25, feinere Marken 31,2531,75, Nr. 1: 29,5029,75,
feinere Marken 3030,25, Nr. 2: 2828,25, feinere Marken
28,5028,75, Nr. 3: 26,5026,75, feinere Marken 2727,25,
Nr. 4: 22,5022.75, feinere Marken 2323,25; Roggen=
mehl
, hieſiges, Nr. 0: 25,5026, Nr. 1: 23,5024, Nr. 2:
20,7521.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 7. Sept.: dem Fuhrmann Ernſt
Mütz, Kiesſtr. 14, ein S. Karl. Dem Lehrer Karl
Wembacher, Lichtenbergſtr. 58, eine T. Gertrud Eliſa=
beth
. Am 8.: dem Metzgermeiſter Peter Scherer, Mühl=
ſtraße
16, ein S. Karl. Am 9.: dem Schloſſer Friedrich
Vollhardt, Wendelſtadtſtr. 48 ein S Konrad Karl.
Am 11.: dem Eiſengießereihilfsarbeiter Jakob Marx,
Erbacherſtr. 17, ein S. Wilhelm Jakob. Am 13.: dem
Schaffner und Wagenführer bei der elektriſchen Straßen=
bahn
. Georg Göttmann, Fuhrmannſtr. 8, ein S. Georg
Karl Erich. Dem Taglöhner Heinrich Funk, Linden=
hofſtr
. 8. eine T. Klara Eliſabeth. Dem Schreiner Fried=
rich
Sepp. Liebfrauenſtr. 41, eine T. Eliſabeth. Dem
Taglöhner Valentin Kraft, Große Kaplaneigaſſe 40, eine
T. Marie. Am 12.: dem Kaufmann Eduard Volz, Lud=
wigſtraße
13, ein S. Heinrich Eduard.
Aufgebotene. Am 12. Sept.: Werkführer Friedrich
Wilh. Weiſel, hier mit Anna Dorothea Hacker in
Frankfurt a. M. Metzger Karl Schertel in Heidelberg,
mit Anna Katharina Reinhard daſelbſt. Eiſengießer
Friedrich Ritzel in Glashütten. mit Milchverkäuferin
Emma Hedwig Klump Kranichſteiner Hof. Druckerei=
hilfsarbeiter
Ludwig Reubold, Eliſabethenſtr. 35. mit
Anna Ihrig, Wittmannſtr. 23. Fabrikarbeiter Philipp
Friedrich, Kaupſtr. 47, mit Dienſtbote Lina Schmidt,
Karlſtr. 64. Straßenbahnſchaffner Friedrich Wilhelm
Adam Raber, Eckhardtſtr. 1, mit Eliſab Kathar. Beil=
ſtein
in Griesheim bei Darmſtadt. Tünchergeſelle Ludwig
Burkhardt, mit Anna Sonderbeck, beide in Seeheim.
Am 13.: Reſtaurateur Georg Schäfer, hier, mit
Eva Lulay in Kirſchhauſen. Am 15.: Güterbodenarbei=
ter
Joh. Georg Winzenhöler in Offenbach a. M mit
Amalia Gliſabetha Joſt, daſelbſt. Landwirtſchafts=
lehrer
für Feldverſuche, Joh. Peter Ludwig Adolf
Spahr, hier, mit Katharina Weber in Offenheim.
Eheſchließungen. Am 13. Sept.: Schloſſer Friedrich
Luft mit Anna Seibel, beide hier. Former Hermann
Kraft mit Dorothea Fülbert, beide hier. Elektro=
mechaniker
Karl Flamm in Frankfurt-Rödelheim, mit
Marie Stein, hier. Kutſcher Konrad Fink, hier, mil
Eliſabetha Heil in Pfungſtadt.
Geſtorbene. Am 13. Sept.: Margarete Ehrhardt,
geb Büttner, 84 J., ev., Witwe des Taglöhners, Hügel=
ſtraße
77. Am 14.: Privatin Amalie Purgold, 69 J.,
ev., Hügelſtr. 26. Johann Martin Schmidtmer, 2 Mte.,
ev., S. des Schloſſers, Heinheimerſtr. 82. Am 13.: Mar=
garete
Trinkaus, geb. Reining, 38 J., ev., Ehefrau des
Fabrikarbeiters in Ober=Modau, hier, Dieburgerſtr. 21.
Am 14.: Katharine Groh, geb. Büchler, 73 J., ev., Witwe
des Wagners, Magdalenenſtr 4. Kaufmann Hermann
Oppenheimer, 67 J., iſr Landgraf=Georgſtr. 62. Am
15.: Frieda Schilling, 9 Mte., ev., T. des Fabrikarbei=
ters
in Klein=Steinheim, hier, Heinheimerſtr. 21. Am 14.:
Poſt= und Telegrapheninſpektor Franz Wolf, 60 J.,
kath. Steinſtr. 21. Am 15.: Dreher Julius Grohrock,
19 J., ev., Darmſtr. 49.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

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Nummer 218.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

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[ ][  ][ ]

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Kongreile und Verbandstage.

Gengralverſammlung des Zientralber=
bandes
der Induſtriellen.
Leipzig, 15. Sept. Der Zentralverband deut=
ſcher
Induſtrieller trat heute im Kongreßſaal der Inter=
nationalen
Baufachausſtellung zu ſeiner Delegiertenver=
ſammlung
zuſammen. Der Vorſitzende, Landrat a. D.
Röttger, verwies in ſeiner Begrüßungsanſprache auf die
Preſſehetze gegen den Zentralverband, die
aus Anlaß der Erklärung des Geſchäftsführers Dr.
Schweighoffer am 24. Auguſt auf dem 3. Reichsdeutſchen
Mittelſtandstag in Leipzig über die Solidarität der In=
tereſſen
der großen deutſchen Erwerbsſtände erfolgt ſei.
Er erklärt, daß Dr Schweighoffer dieſe Ausführungen in
vollem Einverſtändnis mit ihm als Vorſitzenden gemacht
habe. Die liberale Preſſe habe ſich hierüber entrüſtet, doch
was ſei denn unverſtändlich daran, wenn im Erwerbs=
leben
ſtehende unabhängige Männer ihre vitalſten Inter=
eſſen
zu vertreten ſuchten, und zwar vor allem gegen
eine Reichstagsmehrheit, die durch ihre Hal=
tung
in der letzten Seſſion die begründete Befürchtung
habe aufkommen laſſen, daß auch bei bürgerlichen Par=
teien
die Rückſicht auf die Wohlfahrt der Erwerbsſtände
unter Umſtänden hinter dem Parteiintereſſe zurückſteht.
Iſt es dieſen zu verdenken, wenn ſie gegen derartige Aus=
wüchſe
der Parteidoktrin ohne Rückſicht auf
Parteizugehörigkeit einen Warnungsruf ertönen laſſen?
Wir müſſen uns das Recht auf Kritik wahren. (Lebhafter
Beifall.)
Nach dem Gefchäftsbericht, den der Geſchäfts=
führer
Regierungsrat a. D. Dr. Schweighoffer erſtattete,
wurde eine Reſolution angenommen, in welcher die
Generalverſammlung erklärt, daß ſich aus den Erklärungen
des Geſchäftsführers des Zentralverbandes und des Ver=
ktreters
des Bundes der Landwirte auf dem 3. Reichs=
deutſchen
Mittelſtandstag ergebe, daß irgend welche Ab=
machungen
handelspolitiſcher Art zwiſchen den beteiligten
Verbänden nicht erörtert und noch weniger getroffen ſind.
Einem ſogen. lückenloſen Zolltarif könne der Zentralver=
band
ebenſowenig zuſtimmen wie er jemals einen Vorteil
auf Koſten der Landwirtſchaft erſtreben werde. Der Zen=
tralverband
ſei aber verpflichtet, in der Sozialpolitik mit
allen den Kreiſen enge Fühlung zu halten, welche für die
Aufrechterhaltung der Autorität des Arbeitgebers und für
wirkſamen Schutz der Arbeitswilligen eintreten. Weiter
ſprach ſich der Zentralverband gegen die Beteilig=
ung
der deutſchen Induſtrie in San Fran=
zisko
und gegen die Arbeiterſchutzkonferenz in Bern
aus; man ſprach die Hoffnung aus, daß die Regierung
dem dort geſtellten Antrag auf Verbot der Nachtarbeit
für jugendliche männliche Arbeiter von 16 bis 18 Jahren,
ſowie einer weiteren Einſchränkung der Frauenarbeit nicht
zuſtimmen werde.

Nachmittags fand im Rathauſe eine Feſtſitzung
ſtatt, zu welcher König Friedrich Auguſt von
Sachſen, ſowie die Staatsminiſter Graf Vitzthum von
Eckſtädt und Dr. Seydewitz erſchienen. Der Vorſitzende
des Zentralverbandes, Landrat a. D. Röttger, wies
in ſeiner Anſprache an den König auf die großen Ver=
dienſte
hin, die ſich der König und ſeine Vorfahren durch
die Förderung der heimiſchen Induſtrie erworben hätten
und gab einen Ueberblick über die Ziele des Zentralver=
eins
, der mit dem Verein zur Wahrung der Intereſſen
der chemiſchen Induſtrie und dem Verein zur Vorberei=
tung
von Handelsverträgen ſolidariſch arbeite und davon
überzeugt ſei, daß Induſtrie und Landwirtſchaft auf=
einander
angewieſen ſeien. Er verwies weiter auf die
Mitwirkung des Zentralverbandes an der Schaffung der
Schutzzollpolitik und betonte, daß der Verband keine Par=
teipolitik
treiben wolle. Er fordere aber entſchiedene
Maßnahmen gegen den Terrorismus und einen erhöhten
Schutz der Arbeitswilligen. Der Verband werde beſtrebt
ſein, auch ferner zum Schutz der Induſtrie und für die=
Weltmachtſtellung Deutſchlands ſich zu betätigen. Der
König dankte für die ihm gewordene Aufklärung, bezüg=
lich
der Ziele des Vereins und ſprach als Herrſcher über
ein Induſtrieland die Hoffnung aus, daß dieſe Ziele ſtets
mit Tatkraft durchgeführt werden. Die Sitzung wurde
dann geſchloſſen.

Sozialdemokratiſcher Parteitag.
S. Jena, 15. Sept. Die Verhandlungen des Sozial=
demokratiſchen
Parteitages nahmen heute vormittag unter
dem Vorſitz des Parteiſekretärs Ebert=Berlin ihren
Anfang. Er teilte mit, daß gemäß eines Beſchluſſes des
Parteivorſtandes noch die Frage des politiſchen
Maſſenſtreiks auf die Tagesordnung geſetzt worden
iſt, und daß der Abgeordnete Scheidemann bei ſeinem Re=
ferat
zum erſten Punkt der Tagesordnung über den
Jahresbericht dieſe Frage mitbehandeln ſoll. Darauf er=
hält
der Abgeordnete Scheidemann=Kaſſel das Wort zu
ſeinem Referat. Er führt aus, daß ſich trotz verſchiedener
Angriffe der Parteiausſchuß vortrefflich bewährt hätte.
Er beklagt ſich darüber daß Veranſtaltungen künſtleriſcher
und wiſſenſchaftlicher Art für die Jugend zu politiſchen
Veranſtaltungen geſtempelt wurden. Die Einrichtung
einer proletariſchen Modenzeitung ſei vom Vorſtand ab=
gelehnt
worden, da dies mit der Partei als ſolcher doch
zu wenig zu tun habe. Es herrſche, ſo führt Redner wei=
ter
aus, Mißſtimmung darüber, daß die Fortſchritte in
der Organiſation den Erwartungen nicht entſprochen
haben. Es ſei aber ſelbſtverſtändlich, daß die Mitglieder=
zahl
bei der allgemeinen Teuerung und Arbeitsloſigkeit
zurückgehe. Von einem Mißerfolg in der Organiſation
und Agitation oder von greiſenhafter Entmannung der
Fraltion, wie ſich ſächſiſche Genoſſen geäußert haben,
könne nicht geſprochen werden. Im Kampf gegen die
Kriegsgefahr hat das deutſche Proletariat in erſter Linie
ſeine Schuldigkeit getan. Es iſt aber unbegreiflich, daß
es in der Partei eigenartige Taktiker gibt, die einen Er=
folg
der Partei nicht zugeben wollen.
Die Frage des Maſſenſtreiks brachte dann eine
große Auseinanderſetzung. Jetzt iſt an einen Maſſen=
ſtreik
nicht zu denken. Noch iſt die Zeit dazu nicht gekom=
men
. Da im Parlament nichts mehr zu erreichen iſt,

ſollen, ſo verlangte man, die Maſſen auf die Straßen.
Heute ſind wir noch nicht ſo weit, um den Maſſenſtreil
raten zu können; viele ſagen indes, wir werden niemals
ſoweit kommen. Das ſind aber Narren. Wir werden den
Maſſenſtreik haben in der Stunde, da wir ihn brauchen=
Um es bei einem Maſſenſtreik aber nicht zum Blutver=
gießen
kommen zu laſſen, muß eine eiſerne Diſziplin ge=
wahrt
werden. Darum iſt die Erſchütterung der Diſziplin
durch die Verherrlichung der undiſziplinierten Maſſen un=
verſtändlich
. So wollen wir weiter arbeiten, den Blick
feſt auf das Ziel gerichtet. (Langanhaltender großer Bei=
fall
.)
Der Kaſſenbericht wird von Braun=Berlin er=
ſtattet
, der ſich darüber beklagt, daß viele Kreiſe den Ver=
pflichtungen
gegen die Hauptkaſſe nicht nachkommen.
Darauf wurde in die Debatteeingetreten. Sie erſtreckte
ſich noch über den ganzen Nachmittag. Im Vordergrund
ſtanden die Fragen, die mit dem Rückgang der ſozialdemo=
kratiſchen
Preſſe und dem Rückgang der ſozialdemo=
kratiſchen
Jugendbewegungen zuſammenhängen. Die
Hauptſchuld an dem Rückgang der Preſſe wurde
dem ſozialdemokratiſchen Preſſebureau zugeſchoben, das
in einer ganz ungenügenden Weiſe tätig ſei. Stücklen
verteidigte das Preſſebureau. Es leiſte, was es nur
könne. Es beſtehe nur aus drei Redakteuren, die augen=
blicklich
Tag für Tag 13 Stunden zu arbeiten und nur
alle 14 Tage einen freien Abend hätten (!) Von den
Preſſeorganen des Reiches und des Auslandes würde das
Preſſebureau ſo gut wie gar nicht unterſtützt; nicht ein=
mal
ſeine Briefe würden beantwortet. Dittmann= Solin=
gen
klagte darüber, daß die Gewerkſchaften ſich ſo wenig
um die Parteipreſſe kümmerten. Die Genoſſin Zetkin=
Stuttgart kam wieder mit dem alten Wunſch, die Gleich=
heit
möchte volkstümlicher ausgeſtaltet werden, und
namentlich mehr dem Bedürfnis der ſozialdemokratiſchen
Frauen Rechnung tragen. Dißmann=Frankfurt a. M. ver=
langte
, daß in Zukunſt bei Militärvorlagen die Reichs=
tagsfraktion
und die Spitzen der Parteileitung mit der
ſozialdemokratiſchen Preſſe zuſammenarbeiteten, damit ſo=
fort
ein Widerhall in den Maſſen geweckt würde, der ſich
zu Aktionen ausnutzen laſſe. Die Gründe für das
ſozialdemokratiſchen
Zurückgehen der
Jugendbewegung wurden verſchieden beurteilt.
Adolf Braun=Nürnberg behauptete, die ſozialdemokratiſche
Jugendbewegung werde viel zu ſehr bevormun=
det
. In der bürgerlichen Jugendbewegung hätten die
Jugendlichen nicht ſo ſehr das Gefühl der Bevormun=
dung
wie gerade in der ſozialdemokratiſchen Jugend=
bewegung
. Heinrich Schulz=Berlin meinte, das Vor=
wärtsſchreiten
der bürgerlichen Jugendbewegung liege ein=
zia
und allein an der Förderung, die dieſer Bewegung
durch die Verwaltungsbehörden und durch die Schule zu=
teil
werde Die Sozialdemokratie müſſe ſich auch an die
ſchulpflichtigen Kinder heranmachen, nicht um ſie zu So=
zialdemokraten
zu machen, ſondern um ſie den Anſchau=
ungen
ihrer Eltern und Verwandten anzunähern. Got=
ſchalk
=Königsberg beantragt, die Bildung des Ausſchuſſes
zum Studium der Agrarfrage nicht dem Parteivorſtand
in Verbindung mit dem Parteiausſchuß zu überlaſſen,
ſondern die Wahl dem Parteitag ſelbſt zu übertragen.
Dem Ausſchuß ſolle geſtattet werden, beſoldete Mitarbeiter
heranzuziehen.

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[ ][  ]

Seite 22

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 17. September 1913.

Nummer 218.

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Mittwoch, den 17. September, 8 Uhr,
Beethoven: Sonate op. 111. Chopin:
Etude, Berceuse, Valse, Ballade As-
dur
. Koczalski: Images fugantes.
Schubert: Tema con variazioni.
Schumann: Arabeske, Traumes-
wirren
. Scarlatti: Sonate D-moll.
Liszt: La Campanella.
Montag, den 22. Sep-
2. Abend: tember, 8 Uhr:

Chopin-Abend
Donnerstag, den 25. Sep-
3. Abend: tember, 8 Uhr:
Beethoven-Abend
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Beginn der Vorſtellungen:
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das Großſtadt=Programm.

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Mittwoch, den 17. Sept. 1913.
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Hoheit der Großherzogin.
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Die weiße Dame.
Komiſche Oper in 3 Akten von
Scribe, überſetzt von Friederike
Ellmenreich. Muſik v. Boiéldieu.
Muſikal. Leiter: P. Ottenheimer.
Spielleiter: Otto Nowack.
Perſonen:
Gaveſton, Verwal=
ter
der ehemal.
Grafen v. Avenel Alfred Stephani
Anna, ſ. Mündel . Olga Kallenſee
George Brown,
ein engl. Offizier Aug. Globerger

Dickſon, Pächter
Jenny, ſ. Frau

Otto Thomſen
Marg. Beling=
Schäfer

Margarethe, Dien.
der ehem. Grafen
von Avenel .
Annem. Liſchke
Gabriel, Knecht a.
Dickſon’s Meierei Paul Peterſen
Mac=Irton, Frie=
densrichter
.
L. Schützendorf
Ein Pächter
Adolf Klotz
Ort der Handlung: Auf dem Gut
und im Schloſſe Avenel in Schott=
land
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Preiſe): Sperrſitz: 1.13. Reihe
4.20 , 14.20. Reihe 3.40 , Par=
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: 1.5. Reihe 2.90 , 6.
Reihe 2.35 , Proſzeniumsloge
6.20 , Mittelloge 6.20 , Bal=
konloge
5.20 , I. Rang 4.70 6.
II. Rana: 1.6. Reihe 2.70 ,
7. u. 8. Reihe 2.15 , I. Galerie
1.35 , II. Galerie 75 .
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im Hoftheater von 9½ bis
1½ Uhr und eine Stunde vor Be=
ginn
der Vorſtellung; im Ver=
kehrsbüro
von 8 bis 1 Uhr u
von 2½ Uhr bis kurz vor Beginn
der Vorſtellung. (Im Verkehrs=
büro
werden auch telephoniſch
Karten=Beſtellungen entgegenge=
nommen
. Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ U. Ende gegen 10½ U.
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Donnerstag, .18. Sept. 9. Ab.=
Die Fleder=
Vorſtell.
maus. an Gee Pr. Anf. 7 Uhr.
Freit=bl Sept. 10. Ab.=Vſt.
D 3. Fanahinſtudiert: Goethe‟
Faulk=Tragödie. 4. Abend:
Der Tragödie zweiter Teil, zweite
Abteilung. Gewöhnl. Preiſe. An=
fang
7½ Uhr.
Samstag, 20. Sept. Keine Vor=
ſtellung
.
Sonntag, 21. Sept. 11. Ab.=Vſt.
A 3. Der Freiſchütz. Gew.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.

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zur Mitglieder=Verſammlung
am
Donnerstag, den 18. September 1913, abends
8¾4 Uhr, im Hotel Prinz Karl
Ecke Schul= und Karlſtraße.
Tages=Ordnung: 1. Mitteilungen.
Stadtverordnetenwahlen.
3. Verſchiedenes.
(19235
Um recht zahlreichen und pünktlichen Beſuch wird erſucht.
Der Vorſtand: Säng.

9 für Beamte, Kaufleute
Krankenkusse und Gewerbetreibende
zu Darmstadt.
Sonntag, den 21. Sept., vorm. 10 Uhr:
Ohenune-
IEg
Ausserordenrliche Generdi-Gehstilmlung
im Lokale des Mitgliedes Herrn Adam Arheilger,
Darmstadt, Schuchardstrasse.
Beratung der neuen Satzung.
Tagesordnung: wahl des Aufsichtsrats.
(18478
Der Vorstand. I. A.: C. Kaiser, Vors.

bringt in diesen Tagen ein wahres
Riesenprogramm

welches alle bisher erschienenen in den Schatten stellt.
Ganz besonders hervorzuheben ist der Film
2
Zwer Mütter
Grosses Drama in 2 Akten.
Dieser erstklassige Kunstfilm ist ein Triumph der Kinemato-
graphie
und zählt zu den wirkungsvollsten Kinostücken, die
jegeschrieben wurden, er ist ein unübertroffenes Meisterwerk u.
behandelt in künstlerisch vollendeter Weise einen dramatischen
Roman aus der modernen Gesellschaft.

Eine weitere Glanznummer ist der nordische Kunstfilm

Sünden unserer Zeit
Grosses Filmschauspiel in 2 Akten mit dem berühmten Schau-
spieler
Waldemar Psylander in der Hauptrolle.
Einer der schönsten Filmschöpfungen der Lichtspielkunst!
Handlung und Inszenieung erstklassig! Wir sehen, wie ver-
derbliche
Kräfte und Gegenkräfte wider und für das Glück
einer Ahnungslosen kämpfen, wie das Gute über das Böse
siegt, wie Ehrenhaftigkeit und Liebe über Verbrechen und
Heimtücke schliesslich triumphieren.
Ein weiteres Zugstück
Bruder und Schwester
Grosses Filmschauspiel in 3 Akten.
In fesselnden, das Interesse von Szene zu Szene steigernden
Bildern, entrollt sich uns eine Handlung von überwältigender
Wirkung, ein Drama von noch nie dagewesener Spannung und
Realistik. Das leidenschaftliche Spiel, sowie die vollendete
Regie vervollständigen das ganze zu einem unübertroffenen
Kinokunstwerk.

Als Einlage:
Ehrensache
Ein äusserst spannender Einakter.

(19286

3 brillante Humoresken 3
Wunderbare Naturaufnahmen.
IIlustrierte Wochenschau der neuesten Zeitereig-
nisse
vervollsländigen den Elite-Spielplan.

Ein Besuch Johnt. . . Künstl. Musikbegleitung


rur baldige Ubernahme eines
größeren Ausſchankes
werden kautionsfähige Pächter geſucht. Geeignete Bewerber finden
großes Entgegenkommen und wird Adreſſenangabe unter R 41 an
die Expedition dieſes Blattes erbeten.
(*8639im

e

C00
nte

i0r 38

Dpl. Ina. Hemens Herseber u. C0.
Patent- und ingenieur-Büro (14359a
Rheinstr. 19, I. Darmstadt Telefon 1695.