Abonnementspreis
Inſerafe
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadf
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraßs. 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Auf Grund der amtlichen Feſtſtellungen wird ein Bericht
über den Unfall des Marineluftſchiffes
„L. 1‟ gegeben, wonach der Untergang durch nicht
vor=
auszuſehende höhere Gewalt herbeigeführt wurde.
In Dresden wurde am Samstag das neu erbaute
Königliche Schauſpielhaus in Gegenwart des
Königs und der königlichen Familie eröffnet.
In Leipzig wurde im Anſchluß an die 17 ordentliche
Generalverſammlung des Bundes der Induſtriellen ein
deutſch=öſterreichiſcher
Wirtſchaftsver=
band mit dem Sitz in Berlin gegründet. Zum
Prä=
ſidenten wurde Dr. Paaſche gewählt.
der ſozialdemokratiſche Parteitag iſt am
Sonntag in Jena zuſammengetreten.
Als Nachfolger Bebels wird Fritz Ebert dem
Parteitag als Vorſitzender der ſozialdemokratiſchen
Par=
tei vorgeſchlagen.
Am Sonntag wurde in Wieſendahl bei Stadthagen, dem
Wohnſitze Wilhelm Buſchs, ein Buſchdenkmal
enthüllt.
In Koburg wurden bei einem Hauseinſturz 6
Fa=
milien unter den Trümmern begraben.
Die chineſiſche Regierung hat die
Forde=
rungen Japans hinſichtlich der vier Vorfälle in
Nanking, die am 11. September geſtellt wurden,
an=
genommen.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
15 September 1813: Beginn der Blockade von Magdeburg.
Uebergabe erſt nach Friedensſchluß: Mai 1814.
Zur Wohnungsfrage.
Wie an anderer Stelle mitgeteilt iſt, wird
dem=
tächſt in Berlin ein Ausſchuß zuſammentreten, der
ich mit der Wohnungsfrage beſchäftigen ſoll. Die
roßen Gefahren, die die Verteuerung der Wohnungen,
as Zuſammendrängen der Wohnungen in eng
anein=
nder gebauten, vielſtöckigen Mietskaſernen, die
Ueber=
üllung hygieniſch bedenklicher Wohnungen für das
ſitt=
iche, geſundheitliche, geiſtige und ſoziale Gedeihen der
Zevölkerung mit ſich bringen, ſtellen dem Staate, den
bemeinden und der freien Vereinstätigkeit mannigfache
indsſchwierige Aufgaben. Vor allem haben die
Bau=
eſetzgebung (durch Bauordnungen) und die Baupolizei
ine durch rückſichtsloſe ſpekulative Ausnützung des Grund
ind Bodens geſchaffene zu große Bebauungsdichtigkeit zu
verhüten und die Herſtellung hygieniſch ſchädlicher und
efährlicher Wohnungen zu verhindern. Hand in Hand
nüſſen aber damit Maßnahmen zur Erweiterung des
Vohnungsangebots gehen, vor allem durch Errichtung
on Wohnungen ſeitens des Staates, der Gemeinden,
er großen Privatbetriebe für ihre Beamten und Arbeiter,
eitens gemeinnütziger Geſellſchaften und Genoſſenſchaften,
erner durch Ausbau der Verkehrsgelegenheiten (
Vororts=
erkehr, Vorortsſtraßenbahnen) mit billigen Tarifen in
ie Außenbezirke; durch eine vernünftige Bodenpolitik;
urch Hergabe von ſtädtiſchem Grund und Boden für
ffentliche und private Bauzwecke (nach dem Vorbilde von
Frankfurt a. M.. Ulm und Mannheim); durch finanzielle
nd ſteuerliche Förderung des Wohnungsbaues
gemein=
ütziger Geſellſchaften und Genoſſenſchaften (
Kreditge=
zährung, Zinsgarantie). Beſonders fördern auch die
landesverſicherungsanſtalten durch Gewährung von
Dar=
ehen den genoſſenſchaftlichen Wohnungsbau.
Das Reich hat von 1901—10 insgeſamt 39 Millionen
Nark zur Herſtellung von Kleinwohnungen für Arbeiter
nd gering beſoldete Beamte als Darlehen gewährt.
dieſe Steigerung des Wohnungsangebots muß ergänzt
derden durch Einrichtungen zur genauen Kenntnis des
Vohnungsmarktes und zur Wohnungsvermittlung. Die
rſte und ausgebildetſte dieſer Einrichtungen beſitzt
Stutt=
art in ſeinem Wohnungsamt, das
Wohnungsnach=
seis auf Grund des Meldezwanges, Wohnungsſtatiſtik
nd Wohnungsinſpektion vereinigt.
Wohnungs=
achweiſe haben Köln, Elberfeld und andere Städte.
die Ueberwachung der beſtehenden Wohnungen, die
Feſt=
ellung von Mängeln und von Ueberfüllung in
Woh=
ungen iſt Sache der Wohnungsinſpektion, die
n Deutſchland, beſonders in Heſſen und Württemberg,
erner in Bayern, Hamburg und einigen preußiſchen
städten durchgeführt iſt. Geſetzliche Vorſchriften für die
beſchaffenheit der Wohnungen, Wohnungsinſpektion uſw.,
rit denen England vorangegangen iſt, beſtehen in
Deutſch=
ind nur in Heſſen und Hamburg. Die
For=
erung nach einem Reichswohnungsgeſetz, das
das Bewohnen ungeſunder Wohnungen, zu dichten Belag
der Wohnungen verbieten und Behörden mit
Zwangs=
gewalt zur Durchführung der geſetzlichen Vorſchriften
ſchaffen ſoll, iſt bisher unerfüllt geblieben. Sie wird
vertreten durch den Deutſchen Verein für
Wohnungs=
reform, der durch Schriften und Unterſuchungen für eine
Löſung der Wohnungsprobleme arbeitet. Er veranſtaltet
deutſche Wohnungskongreſſe. Der zweite fand vom 11.
bis 14. Juni 1911 in Leipzig ſtatt.
Baugenoſſenſchaften, genoſſenſchaftliche
Unternehmun=
gen, eingetragene Genoſſenſchaften mit (meiſt)
beſchränk=
ter Haftpflicht zum Kleinwohnungsbau, ſind in
Deutſchland ſeit dem Reichsgeſetz über die beſchränkte
Haſtpflicht ſtark verbreitet. Zum Teil unter Führung
ſozialpolitiſch intereſſierter, akademiſcher uſw. Kreiſe
ſchließen ſich Kategorien beſſer bezahlter Arbeiter und
mittlerer Angeſtellter zu ſolchen Baugenoſſenſchaften
zu=
ſammen, um beſonders unter Zuhilfenahme des für ihre
Kreiſe vorbehaltenen Kredits der Invaliditäts=
Verſiche=
rungsanſtalten auf genoſſenſchaftlicher Grundlage
Wohn=
quartiere mit Zwei= und Dreizimmerwohnungen zu
er=
ſtellen.
Baugeſellſchaften gemeinnützigen Charakters (in den
70er und 80er Jahren auch mit privatkapitaliſtiſchem
Er=
werbscharalter, aber mit relativ wenig Glück) verfolgen
ebenfalls den Zweck, der Wohnungsnot der unteren
Ein=
kommensſchichten durch Bau geſunder und billiger
Woh=
nungen abzuhelfen, indem ſie mit einer mäßigen
Kapitals=
verzinſung zufrieden ſind.
Daß zur Hebung der Wohnungsnot für kleinere Leute
noch viel zu tun iſt, wird wohl von keiner Seite beſtritten.
Konſtituierung des
deutſch=
öſterreichiſchen
Wirtſchaftsver=
bandes.
* Am Freitag abend erfolgte in der Internationalen
Baufachausſtellung zu Leipzig unter dem Vorſitz des
Vize=
präſidenten des Reichstages, Geh. Regierungsrates Dr.
Paaſche, die Konſtituierung des
deutſch=
öſterreichiſch=ungariſſchen
Wirtſchaftsver=
bandes. Unter den Anweſenden befanden ſich:
Ge=
heimrat Morgenſtern vom königlich ſächſiſchen
Miniſte=
rium des Innern, königlich ſächſiſcher Geheimrat Steglich,
der öſterreichiſch=ungariſche Konſul in Leipzig, Vertreter
deutſcher und öſterreichiſcher Handelskammern, Vertreter
des Bundes öſterreichiſcher und deutſcher Induſtrieller,
des Hanſa=Bundes, des Handelsvertragsvereins und
zahlreicher wirtſchaftlicher Verbände. Insbeſondere aus
Oeſterreich erſchienen Vertreter des K. K.
Handels=
muſeums, des öſterreichiſchen Exportvereins, des
Zentral=
verbandes öſterreichiſcher Kaufleute, des
niederöſterreichi=
ſchen Gewerbevereins, des Reichsverbandes
öſterreichi=
ſcher Gewerbevereine, Vertreter von Großbanken,
öſter=
reichiſcher Staatsbahnen u. a.
Geh. Regierungsrat Dr. Paaſche wies in einleitenden
Worten darauf hin, daß die weltpolitiſchen Vorgänge des
letzten Jahres das Bündnis zwiſchen
Deutſch=
land und Oeſterreich=Ungarn reger und
herz=
licher geſtaltete, und erwähnte die außerordentlich guten
Beziehungen, die zwiſchen den beiden verbündeten
Län=
dern auf dem Gebiete der Technik, Kunſt und Wiſſenſchaft
beſtehen, und legte dar, daß ſowohl für Deutſchland wie
für Oeſterreich=Ungarn die wechſelſeitigen
Handels=
beziehungen den weſentlichſten Faktor der Volkswirtſchaft
bilden. Der deutſch=öſterreichiſche Wirtſchaftsverband ſoll
nicht nur bei der Vorbereitung handelspolitiſcher
Ver=
träge wirlſam ſein, ſondern vor allem eine Erleichterung
des Verkehrs und der Handelsbeziehungen der beiden
Länder ſich zur Aufaabe ſtellen. Dr. Paaſche wies darauf
hin, daß auch die öſterreichiſche Gruppe in Bildung
be=
griffen ſei, und daß auch Vertreter der ungariſchen
In=
duſtrie zu einer gemeinſamen Tagung mit den deutſchen
Induſtriellen im Oktober nach Berlin kommen.
Die Delegierten zahlreicher öſterreichiſcher
Korporationen erklärten ihre Zuſtimmung zu dieſem
Pro=
gramm und drückten ihre Bereitwilligkeit aus, im Sinne
der Ausführungen Paaſches für die Konſtituierung
ent=
ſprechender Gruppen in Oeſterreich=Ungarn einzutreten.
Zum Schluſſe wurde das Präſidium des Verbandes
aus folgenden Herren gebildet:
Reichstagsvizepräſi=
dent Geh. Regierungsrat Paaſche, die Geh.
Kommer=
zienräte Lehmann=Dresden und Pſchorr=München, die
Kommerzienräte Steinthal=Berlin (Deutſche Bank),
Dring=Nürnberg, Friedrichs=Potsdam, Stollwerck=Köln,
Direktor Sobernheim=Berlin (Kommerz= und
Diskonto=
bank), Dr. Streſemann=Berlin, Geh. Kommerzienrat
Gu=
genheim=Berlin, Martin Michalski, Mitglied der
Han=
delskammer Berlin. Zahlreiche angeſehene Firmen
er=
klärten ihren Beitritt zu dem neubegründeten Verband.
Leutſches Reich.
— Zuſſammentritt eines
Wohnungs=
ausſchuſſes. Auf Veranlaſſung des zuſtändigen
Reichsreſſorts ſoll im Herbſt ein Ausſchuß
zuſammen=
treten, der ſich mit einer Reihe von Fragen zu
beſchäf=
tigen haben wird, die mit der Wohnungsnot im
Zuſam=
menhang ſtehen und während der
Reichstagsverhandlun=
gen eingehend erörtert wurden. Die Aufgabe des
Aus=
ſchuſſes dürfte darin beſtehen, durch Vernehmung von
Sachverſtändigen im kontradiktoriſchen Verfahren die
wirtſchaftlichen und rechtlichen Grundlagen unſeres
Real=
kreditſyſtems, ſowie das Schätzungs= und
Beleihungs=
weſen der zu Wohnzwecken verwendeten Grundſtücke zu
prüfen, wobei beſondere Rückſicht auf die Bedürfniſſe des
Kleinwohnungsbaues zu nehmen iſt. Die etwa
feſtgeſtell=
ten Mängel, die ſich durch die Verhandlungen ergeben
würden, dürften dann zur Prüfung der Frage führen, ob
und in welcher Weiſe ſie ſich durch reichsgeſetzliche
Maß=
nahmen beſeitigen laſſen, bezw. in welcher Weiſe ſie
ſei=
tens der einzelnen Bundesſtaaten abgeſtellt werden
könn=
ten. Im engen Zuſammenhang mit der Wohnungsfrage
ſteht auch die Prüfung der Angelegenheit, ob im Kaiſerlich
Statiſtiſchen Amte eine beſondere Abteilung für
Woh=
nungsſtatiſtik zu ſchaffen iſt, welche ſich mit regelmäßigen
Veröffentlichungen befaßt, die ſich über die Ergebniſſe der
Wohnungsaufſicht, ſowie auf eine Ueberſicht über die
Lage des Boden=, Bau= und Wohnungsmarktes in den
einzelnen Bundesſtaaten verbreitet. Weiter ſchweben
Ver=
handlungen über die Frage des Ausbaues einer
Bürg=
ſchaft des Reiches und der Einzelſtaaten für zweite
Hypotheken zur Beſſerung der Verhältniſſe des
gemein=
nützigen Wohnungsweſens. In dem Reichstagsausſchuſſe
wurde ſeinerzeit beſonders betont, daß die Unterſtützung
des Reiches bei der Förderung des Wohnungsweſens
durch eine Bürgſchaftsübernahme auch Privatunternehmen
zugute kommen könnte, wodurch eine Erweiterung der
Fürſorge in dieſer Hinſicht über die Kreiſe der
Genoſſen=
ſchaften hinaus ermöglicht werde.
— Vermehrte Reichsmittel zur
Tuber=
kuloſebekämpfung. Der nächſte Reichshaushalt
dürfte in Uebereinſtimmung mit den Wünſchen des
Reichs=
tags eine Erhöhung der für die Tuberkuloſebekämpfung
bisher zur Verfügung ſtehenden Mittel beantragen.
Ge=
genwärtig wendet das Reich jährlich 100000 Mark für
dieſe Zwecke auf. Von 1902—1907 wurden alljährlich
150000 Mark bereitgeſtellt, weil damals vor allem die
Erforſchung der Tuberkuloſe erhebliche Mittel in Anſpruch
nahm. Im Jahre 1908 und 1909 wurden die Mittel auf
120000 Mark und im Jahre 1910 auf 100000 Mark
er=
mäßigt, als ſich die Verſuchsreihen zur Feſtſtellung der
Beziehungen zwiſchen menſchlicher und tieriſcher
Tuberku=
loſe, deren Bearbeitung das Kaiſerliche Geſundheitsamt
übernommen hatte, dem Abſchluß näherten. Für die
Zu=
kunft ſollen auch für die Tuberkuloſebekämpfung im
Mit=
telſtande Reichsbeihilfen zur Verfügung geſtellt werden.
Für tuberkulöſe Arbeiter und Arbeiterinnen iſt ſeit Jahhren
eine ausreichende geſetzliche und private Fürſorge
vor=
handen, nicht aber für die große Zahl tuberkulöſer, nicht
verſicherungspflichtiger Erwachſener und Kinder des
Mit=
telſtandes, obwohl auch unter ihnen die Krankheit in nicht
geringem Umfange auftritt. Das Deutſche Zentralkomitee
zur Bekämpfung der Tuberkuloſe hat die Notwendigkeit
einer ſyſtematiſchen Bekämpfung der Krankheit im
Mittel=
ſtande überzeugend nachgewieſen. Der Volksheilſtätten=
Verein vom Roten Kreuz hat eine Sonderabteilung für
Mittelſtandsheime eingerichtet.
— Stempelerhöhung. Man ſchreibt uns: Vom
1. Oktober ds. Js. ab tritt im ganzen Deutſchen Reiche
eine enorme Erhöhung des Stempels für Verträge über
die Errichtung von Geſellſchaften mit beſchränkter Haftung,
für Beſchlüſſe über Kapitalserhöhungen und
Einforderun=
gen von Nachſchüſſen ein. In den einzelnen
Bundesſtaa=
ten bewegt ſich dieſer Stempel (Errichtungsſtempel)
bis=
ber in den Grenzen von ½ Prozent bis 1½ Prozent des
Betrages des Stammkapitals oder des
Erhöhungskapi=
tals oder des Betrages der Nachſchüſſe. Vom 1. Oktober
ds. Js. ab unterliegt aber in ganz Deutſchland die
Er=
richtung von Geſellſchaften mit beſchränkter Haltung, die
bei dieſen Geſellſchaften erfolgende Erhöhung des
Stamm=
kapitals und Einforderung von Nachſchüſſen in der Form
von Verträgen oder Beſchlüſſen einem Steuerſatze von
3 Prozent des Betrages des Stammkapitals oder des
Be=
trages der Erhöhung dieſes Kapitals oder des Betrages
der eingeforderten Nachſchüſſe. Bei Geſellſchaften mit
be=
ſchränkter Haftung, die nach dem Inhalt des
Geſellſchafts=
vertrages oder auch nur tatſächlich den Erwerb oder die
Seite. 2
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Nummer 216.
Verwertung von Grundſtücken betreiben, beträgt der
Steuerſatz ſogar 5 Prozent. Neben dieſem
Errichtungs=
ſtempel unterliegt aber auch noch das Einbringen von
nicht in Geld beſtehendem Vermögen (Sacheinleyen) in
eine (Geſellſchaft mit beſchränkter Haftung bei ihrer
Er=
richtung oder in eine bereits beſtehende Geſellſchaft einem
beſonderen Stempel, dem ſogenannten
Einbringungs=
ſtempel. Dieſer beträgt vom 1. Oktober 1913 ab für im
Inland belegene Grundſtücke und Berechtigungen, für
welche die ſich auf Grundſtücke beziehende Vorſchriften
gelten, ¾ Prozent, für Patentrechte,
Gebrauchsmuſter=
rechte und ſonſtige gewerbliche Schutzrechte, ſowie
Ur=
hheberrechte aller Art ebenfalls ¾ Protzent, für bewegliche
Vermögensgegenſtände ½ Prozent, für Forderungen
½ Prozent, wobei der Wert des Entgeltes für die
Sach=
einlagen, bei Forderungen deren Wert maßgebend iſt.
Es dürfte daher Intereſſenten, die Geſellſchaften mit
be=
ſſchränkter Haftung errichten, Kapitalserhöhungen
vor=
nehmen oder Nachſchüſſe einfordern wollen, dringend
ge=
raten ſein, dies noch vor dem 1. Oktober 1913 zu tun.
— Die Unterſuchungskommiſſion für
die Rüſtungslieferungen. Im Reichsamt des
Innern ſind die Vorbereitungen für die Sitzung der
par=
lamentariſchen Unterſuchungskommiſſion für die
Rüſtungs=
lieferungen an das Reich ziemlich weit gediehen. Die
Sitzungen werden Anfang November beginnen und ſollen
im Reichstagsgebäude im Saale der Budgetkommiſſion
abgehalten werden. Die von den Parteien des
Reichs=
tages beſtimmten Teilnehmer an den Beratungen haben
ſelbſt bereits viel und umfangreiches privates Material
zur Verfügung geſtellt.
— Verbot des Waffenverkaufs. Wie die
Braunſchweiger Landeszeitung zuverläſſig erfährt, ſind
angeſichts der Vorgänge der letzten Zeit unterm 9.
Sep=
tember neue Verhandlungen der Bundesregierungen
ein=
geleitet über das Verbot des freien Waffenverkaufs durch
die Reichsgewerbeordnung.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die Lage in Böhmen. In einer
Vollverſamm=
lung des tſchechiſchen Reichsrats= und ehemaligen
Land=
tagsabgeordneten in Prag wurde eine Reſolution
ange=
nommen, durch die der Kundgebung der ſtändigen
Kom=
miſſion des Verbandes ehemaliger böhmiſcher
Landtags=
abgeordneter, die die Rückkehr zu verfaſſungsmäßigen
Zu=
ſtänden durch die ſofortige Ausſchreibung von
Landtags=
wahlen verlangt, zugeſtimmt wird. Weiter erklären ſich in
der Reſolution die Verſammelten mit dem bisherigen
Vorgehen der ſtändigen Kommiſſion ſolidariſch und bereit,
im Falle der Fortdauer der gegenwärtigen Zuſtände in
Böhmen ihre politiſche Taktik danach einzurichten.
Italien.
Das Programm der Regierung. Der
Meſſa=
gero ſchreibt, daß die Neuwahlen zur Kammer auf den
26. Oktober anberaumt ſeien. Das Programm der
Re=
gierung bleibe dasſelbe wie jetzt. Da Giolitti an dem
Grundſatze: „Freie Kirche im ſouveränen Staat” feſthalte,
ſo dürfte eine Scheidung zwiſchen ihm und dem Papſt
ein=
treten. Eine neue Steuer oder eine neue Anleihe ſei nicht
vorgeſehen, trotzdem das Marinebudget auf 300 Millionen
Mark gebracht werde und das Kriegsbudget 400 Millionen
betrage. Der Marineminiſter werde alſo jedes Jahr einen
neuen Dreadnought in Bau geben können.
Frankreich.
Die Reiſe des Königs Konſtantin nach
Paris. Der Matin will wiſſen, daß König Konſtantin
von Schloß Kronberg ſich nach England begeben werde.
Der König werde erſt nach Paris kommen, wenn
Präſi=
dent Poincaré von ſeiner Reiſe zurückgekehrt ſei. Die
Preſſe gibt ſich mit den Entſchuldigungen der griechiſchen
Regierung nicht einmal zufrieden. So verlangt z. B. die
Liberté noch eine perſönliche Entſchuldigung des Königs
Konſtantin, indem ſie ſchreibt: „Es wird Sache des
Herr=
ſchers ſelbſt ſein, die Genugtuung (Reparation), die die
franzöſiſche Meinung erwartet, noch zu vervollſtändigen.
Er wird in Paris die Gelegenheit finden, in ſeinem
eige=
nen Namen das „Mißverſtändnis” aufzuklären, für das
ſſeine Regierung und ſein Volk bereits jetzt ihm die ganze
Verantwortlichkeit zuſchieben.”
England.
Die Lage in Dublin wird immer ſchlimmer, da
die Arbeitgeber weiterhin Ausſperrungen erklären und
andererſeits mehrere tauſend Arbeiter neu in den
Aus=
ſtand treten wollen. Der Verein der Former hat ſich
ver=
pflichtet, keine Leute zu beſchäftigen. Die Mitglieder der
iriſchen Transportarbeiter=Union bleiben, ſo wie ſie jetzt
konſtituiert iſt.
Die chineſiſche Anleihe. Reuter erfährt, daß
infolge der andauernden Nichterfüllung der Bedingungen
der letzten Anleihe durch die chineſiſche Regierung die
Mächte auf dieſe einen Druck ausüben, ihre finanziellen
Verpflichtungen genauer zu beobachten. Es wird Klage
darüber geführt, daß Salz durch das ganze Land verſandt
wird, ohne daß ein Zoll dafür erhoben wird. Da die
Anleihe durch Salzzölle garantiert iſt, liegt in dieſem
Ver=
fahren ein Nachteil für die Anleihe. Vorſtellungen
wur=
den bereits vor einiger Zeit in Peking gemacht, doch iſt
bisher keine befriedigende Antwort gegeben worden.
Rußland.
Das Marineprogramm. Das große
Schiffs=
bauprojekt zur Erneuerung der ruſſiſchen Kriegsflotte, das
unter Leitung des Marineminiſters, Admirals
Rigoro=
witſch, ausgearbeitet worden iſt, wurde auf Veranlaſſung
des Premierminiſters Kokowzow vom Marineminiſter
vorläufig aus dem Reichsrat zurückgezogen. Der
Ent=
wurf unterlag einigen Umarbeitungen über die
Waſſer=
verdrängung und Ausrüſtung der zu bauenden Schiffe.
Sobald die Veränderungen vollſtändig durchgearbeitet ſind,
wird das umfangreiche Programm wieder dem Reichsrat
unterbreitet werden. Nach deſſen Begutachtung geht es
in der Herbſtſeſſion 1914 der Duma zur Beſtätigung zu;
dieſe wird kaum vor Anfang 1915 erfolgen. Unterdeſſen
werden die im Bau begriffenen Kriegsſchiffe des ſogen.
kleinen Flottenprogramms fertig ſein.
Serbien.
Eine neue konſervative Partei. In letzter
Zeit wird von der Gründung einer neuen konſervativen
Partei geſprochen, deren Führung der
Univerſitätspro=
feſſor Peritſch übernehmen ſoll. Peritſch iſt ausgeſprochen
öſterreichfreundlich. Das Programm der neuen Partei
wäre in der inneren Politik Stärkung des
Autoritätsprin=
zips, das durch die um ſich greifende Demagogie im Lande
mehr und mehr gefährdet werde, und Erhaltung eines
ſtraffen Militarismus durch Schaffung eines großen
ſtehen=
den Heeres, wenn nötig unter Verlängerung der
Dienſt=
zeit und Erhöhung des Militäretats, in der äußeren
Po=
litik Anlehnung an die Nachbarmonarchie.
Vereinigte Staaten.
Die Nordamerikaner in Mexiko. Auf
drin=
genden Antrag des Staatsdepartements bewilligte das
Re=
präſentantenhaus 100000 Dollars zur Heimſendung
be=
dürftiger United=States=Angehöriger aus Mexiko. Ein
Telegramm aus Mexiko meldet, daß der engliſche
Vizekon=
ſul die engliſche Regierung gebeten habe, ihn zur
Hilfe=
leiſtung an Engländer zu ermächtigen, die auf den Rat
Wilſons an die Nordamerikaner gleichfalls die Stadt zu
verlaſſen wünſchten.
Ching.
Die Forderungen Japans. Japan ſtellte
außer der Forderung auf Beſtrafung der Schuldigen die
Zahlung einer Entſchädigungsſumme und einer
Entſchul=
digung in Tokio noch die weitere Forderung, daß General
Changſuen ſich bei dem japaniſchen Konſul in Nanking
ent=
ſchuldigen und mit Truppen vor dem Konſulat defiliere.
Ungeachtet der Mäßigkeit der Forderungen, die der
Ein=
wirkung Englands zugeſchrieben wird, wird bezweifelt,
daß Changſuen ſie erfüllt. Dem Vernehmen nach befindet
ſich unter den japaniſchen Forderungen an China auch
die Verlängerung der Pachtung von Port Arthur auf
fünfzig Jahre.
* Pfarrer Fuchs und daspreußiſche
Kon=
ſiſtorium. Als Nachfolger des abgeſetzten Traub war
von der Reinoldi=Gemeinde in Dortmund der Pfarrer
Lic. Fuchs aus Rüſſelsheim gewählt worden. Als
Angehöriger der heſſiſchen Landeskirche hat Pfarrer Fuchs
ſich einem Kolloquium vor einem preußiſchen
Konſi=
ſtorium zu unterziehen, ehe er in den Dienſt der
preußi=
ſchen Landeskirche übernommen werden kann. Nun teilt
die Wochenſchrift Chriſtliche Freiheit folgendes mit: „Am
11. Juni iſt Pfarrer Lic. Fuchs (Rüſſelsheim) einſtimmig
zum Nachfolger Traubs an Reinoldi=Dortmund gewählt
worden. Kein Einſpruch erfolgte. Am 4. September
er=
geht das erſte Schreiben von Münſter an den Gewählten.
Faſt ein=Vierteljahr hat man gewartet. Nun wird Fuchs
in dem Schreiben gefragt, ob er ſeinerzeit die Erkläs
rung heſſiſcher Geiſtlicher gegen das
Spruch=
kollegium und ſein Verfahren im Fall Jatho
mitunter=
zeichnet habe und — bejahendenfalls — ob er etwas getan
habe, um dieſe Erklärung zu widerrufen. Von ſeiner
Antwort ſoll abhängig gemacht werden, ob ein Kolloquium
überhaupt ſtattfinde.”
* Die Eingeborenenſchulen in Kamerun,
Auf Grund der vom Gouverneur mit Zuſtimmung des
Reichskolonialamtes erlaſſenen Schulordnung vom 25.
April 1910 übt die Regierung die Schulaufſicht über
ſämt=
liche Schulanſtalten von Kamerun aus. In den
Einge=
borenenſchulen iſt als Unterrichtsſprache neben dem am
Schulorte ſelbſt herrſchenden Dialekt nur die deutſche
Sprache zuläſſig. Für die unter Leitung der Miſſionen
ſtehenden Eingeborenenſchulen iſt, ſoweit ſie auf ſtaatliche
Unterſtützung rechnen, ein beſonderer Lehrplan
vorgeſchrie=
ben. Nach dieſem werden in der Oberſtufe verlangt:
ge=
wandtes Leſen und Schreiben der deutſchen Sprache,
Fer=
tigkeit im Rechnen (gewöhnliche und Dezimalrechnung,
Prozentrechnung), ſowie die elementaren Kenntniſſe in der
deutſchen Geſchichte ſeit 1870 und in der Erdkunde
allge=
meines Wiſſen von Kamerun und Deutſchland. Zurzeit
ſind in Kamerun vier Regierungsſchulen für
Ein=
geborene vorhanden, nämlich in Duala (6 Klaſſen mit
348 Schülern), Victoria (6 Klaſſen mit 339 Schülern),
Jaunde (5 Klaſſen mit 120 Schülern) und Garua
(3 Klaſſen mit 61 Schülern). In den drei erſtgenannten
wirken etatsmäßig angeſtellte weiße Regierungslehrer,
während in Garua der Unterricht von farbigen Hilfss
lehrern erteilt wird. In der Schule von Duala kamen im
letzten Jahre 27 Schüler der erſten Klaſſe zur Entlaſſung,
die als Zollaufſeher, Kanzleigehilfen, Heilgehilfen, Hilfss
lehrer in Regierungsdienſt traten. Von den in Victoric
entlaſſenen Schülern wurden 36 in amtliche Dienſtſtellen
übernommen, 13 Schüler der Oberklaſſe gingen zur
land=
wirtſchaftlichen Schule daſelbſt über. Außer genannten
Schu=
len werden von der Regierung aber noch Handwerker
ſchulen in Buea und Duala unterhalten. Der=Wert
der in beiden Handwerkerſchulen hergeſtellten Gegenſtände
belief ſich im letzten Jahre auf etwa 40000 Mark.
Land=
wirtſchaftliche Schulen für Eingeborene beſtehen in
Vie=
toria und Dſchang. Die Schüler werden hier in der Lands
wirtſchaft, Viehzucht und Gärtnerei unterwieſen.Di
Hauptarbeit auf dem Gebiete des Kameruner Schulweſens
leiſten heute noch die Miſſionare der verſchiedeneniſt
ſionsgeſellſchaften.
Zeitungsſchau.
Ueber die Stellung der Katholiken in Deutſchland
äußert ſich in der Schrift: „Deutſchlands Weltmachte
ſtellung um die Heidenmiſſion‟ Dr. theol. Ditſcheid,Res
ligionslehrer in Koblenz. Die Schrift die mit
Genehmig=
ung des Kardinals Kopp erſchienen iſt, enthält auf Seite
18—19 folgende Sätze: „Wo zeigt ſich noch am meiſten
öffentliches allgemeines Intereſſe für philoſophiſch=
päde=
gogiſche und religiös=ſittliche Fragen? Wo hat man en
Kultusbudget wie in Preußen? Wo wird die Religion
amtlich noch am meiſten geachtet, gefördert und geſchütztt
Wo ſucht man ſtaatlicherſeits die kirchliche Autorität ſo
ehren. wie es z. B. bei der Wahl und Inthroniſation eins
Erzbiſchofs in Preußen mit feudalem Gepränge geſchieht
Wo ſteht das religiöſe Leben am meiſten in Blüte?
verhält man ſich am andächtigſten im Gotteshauſe?
Das Religiöſe beeinflußt unwillkürlich andere Gebietel
Im allgemeinen herrſcht in Deutſchland noch Sinn
fürGe=
rechtigkeit, Nächſtenliebe, Ordnung und Diſziplin, wie
kaum anderswo. Wer viel im Auslande geweſen iſt, wird
nicht umhin können, im ganzen den Ländern mit vor
wiegend germaniſcher Bevölkerung, insbeſondere
Preu=
ßen, den erſten Platz einzuräumen. . . . Es ſei hier
noch erinnert an die vornehme Art, mit der die Germanen
Amerikas jeder religiöſen Ueberzeugung begegnen; es ſei
erinnert an die gläubige Bewegung der Hochkirche in
Eng=
lland.‟ Die Bedeutung dieſer Auslaſſungen beruht nicht nun
darin, daß hier von katholiſcher Seite den romaniſchen
Völkern gegenüber den germaniſch=proteſtantiſchen nur der
zweite Platz zugewieſen wird, ſondern vor allem in dem
Umſtande, daß ſolche erfreulichen Urteile mit
Genehmig=
ung des Kardinals Kopp der Oeffentlichkeit übergeben
worden ſind.
Die Abſchaffung der Höflichkeitsformeln wird vom Ber
liner Lokal=Anzeiger wie folgt beſprochen: „Mit dem Hul
in der Hand” — dieſes zur Höflichkeit mahnende Sprich
wort, das uns in der Kindheit bis zum Ueberdruß einge
prägt worden iſt, ſcheint ſeinen Wert verloren zu haben
Schon die Tatſache, daß vor Jahren ſich ein „Antigruß
verein” bilden konnte, der nur militäriſch grüßen und das
Hutabziehen beim Gruß teils aus geſundheitlichen, teils
aus anderen Gründen verpönt wiſſen will, zeigt, wohin
der Kurs geht. Dann kamen die Beſtrebungen, im geſchäft
lichen wie im amtlichen Verkehr alle überflüſſigen Höflich
Die Geſchichte des Schirms.
(Plauderei.)
„Ei, wie gut iſt es doch, daß ich einen Schirm beſitze!”
— ſo ſagt mancher, der bei trübem, regneriſchem Wetter
durch die Straßen eilt, um ſeine Geſchäfte zu beſorgen.
Da fühlt er ſo recht, wie nützlich eigentlich doch ein ſolcher
Schirm iſt, und er kann nicht begreifen, daß es einmal eine
Zeit gegeben hat, in der man nichts, auch rein gar nichts
vom Schirm gewußt hat oder ſo doch wenigſtens
nichts von ihm wiſſen wollte.
Neu aber dürfte es wohl den meiſten Leſern ſein, daß
gerade die Völker, die heute ſo ſtolz auf ihre vielen
Er=
rungenſchaften ſind — ich meine die Engländer, Deutſchen
und Franzoſen —, erſt ſpät den Nutzen des Schirms, ja
erſt ſpät den Schirm überhaupt kennen gelernt haben.
Da ſchimpfen wir nun immer ſo viel auf die
orien=
taliſchen Völker und auf ihre rückſtändige Kultur,
und dabei vergeſſen wir ſo ganz, daß gerade von dieſen
Völkern ſo mancherlei Nützliches auf uns gekommen iſt.
So ſind ſie es denn auch, denen die Ehre zukommt, den
Schirm wohl zuerſt gekannt zu haben.
In China diente der Schirm nicht nur zum Schutze
gegen Regen und Sturm oder Sonne, ſondern ſeit Alters
iſt er dort auch ein Zeichen der Vornehmheit. Hier ſind
nämlich die Schirme, je nach dem Stand des Eigentümers,
in zwei, drei oder noch mehr Stockwerken aufgebaut; ſolche
von vier Stockwerken dürfen nur von Angehörigen des
kaiſerlichen Hauſes getragen werden.
Ganz ähnlich iſt es in Japan und Siam. In
Ja=
ſpan ſpielt beſonderseder= Panierſchirm eine große Rolle.
Ihn tragen die Tänzerinnen, die Geiſhas wenn ſie ihren
biegſamen, puppenhaften Körper im Takte hin und her
wiegen; unter ihm ruhen ſie aus, wenn ſie der Tanz müde
gemacht.
Auch bei den alten Aegypternwar der Schirmſchon
in grauer Vorzeit bekannt, und von ihnen iſt er den
Grie=
chen und Römern gebracht worden. Die Herrſcher und
vornehmen Frauen ließen ihn durch Sklaven oder
Skla=
vinnen hinter ſich hertragen, und zwar in Geſtalt
mächti=
ger Schirme, die auf Rohrſtäbe geſpannt und mit
aller=
hand bunten Bildern und Koſtbarkeiten — Federn, Gold
und Edelſteinen — geſchmückt waren.
Verfolgen wir die Geſchichte des Schirms
weiter, ſo müſſen wir vor allen Dingen erwähnen, daß er
im Mitelalter in Italien ſehr beliebt war und
beſon=
ders von den Reichen und Vornehmen geſchätzt und
ver=
ehrt wurde. Heute noch bekannt ſind ja die koſtbaren
Schirme der Dogen von Venedig, die wir auch auf
Gemälden alter Meiſter wahrnehmen; ich erinnere nur an
die Bilder Tiepolos, Kanalettos und Franzesko
Guar=
dias . . .
Unerwähnt will ich nicht laſſen, daß man den Schirm
in den ſüdlichen Ländern auch zum Aufſtellen auf Straßen
und Plätzen, da die Leute ihre Waren feilhielten, gern
benutzte und daß er ſich ſo viele Freunde erwarb. —
Anders war es mit der Kenntnis des Schirmes in den
nördlichen und mittleren Ländern Europas beſtellt. Noch
bis ins 17. Jahrhundert hinein war er in Frankreich, in
Deutſchland und in England ſo gut wie unbekannt. Seine
erſte Erwähnung in Frankreich ſtammt aus dem
Jahre 1620.
Seit dieſer Zeit wurden Schirme aus Leder gemacht,
das durchsſchwere Kupferringe zuſammengehaltenswurde.
Man kann ſich denken, daß dieſe Schirme nicht gerade leich
waren; oft wogen ſie über vier und fünf Pfund Als abe
der Schirm immer beliebter wurde, machte man ſeine Fort
handlicher, zierlicher und feiner, und ſtatt des Leder
wählte man Leinen, Taft oder Seide.
Dieſe Entwicklung des plumpen Schirms zum feine=
Schirm haben auch Deutſchland und England durck
gemacht.
In Deutſchland trugen viele Damen die ſogen
„Knicker” leichte Schirmchen, deren Obergeſtell ſchräg zur
Stock geſtellt werden konnte. Auf Jahrmärkten und Mei
ſen benützten (und benutzen heute noch) Händler un
Quackſalber Schirme von rieſigen Dimenſionen, unte
denen ſie ihre Gegenſtände zur Schau ſtellen.
Während ſich alſo ſo der Schirm in Deutſchland un
Frankreich leicht und ohne weiteres einführte, war da
anders in England.
In England wurde der Schirm überhaupt er
ſehr ſpät bekannt, und ein „Märtyrer” war nötig, ihn eit
zuführen. Dieſer „Märtyrer” war Sir Jonas
Hanwal=
ein Londoner, der ſeit dem Jahre 1750 nie ohne
Schirt=
ausging. Obwohl man Hanway auslachte, wo er ſie
blicken ließ, obwohl man ihn ärgerte, wo es nur möglit
war, hielt er daran feſt, nie — einerlei, ob es regnete odt
ob die Sonne ſchien — ohne Schirm auszugehen. Un
er hatte die Genugtuung, noch vor ſeinem Tode, der 178
erfolgte, den Schirm in aller Hände bewundern zu könne:
Heutzutage aber iſt der ganzen ziviliſierten Welt de
Schirm ſo ſelbſtverſtändlich wie das tägliche Brot, oder
doch mindeſtens wie der — Spazierſtock.
Hche r=
Nummer 216,
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Seite 3.
eitsformeln abzuſchaffen, und in manchen Bureaus ſind
e bereits bis zu einem gewiſſen Grade beſeitigt. Allein
radikal vorzugehen, hat bisher noch niemand gewagt,
ie der Verein Deutſcher Eiſen= und
Stahl=
nduſtrieller, der die Abſchaffung aller
Höflichkeits=
hraſen zum Vereinsbeſchluß gemacht hat. Dieſe
Anord=
ung tritt zum 1. Oktober in Kraft, und die Mitglieder
nd daran gebunden, ihr beizutreten. Sie machen ihren
eſchäftsfreunden von der bevorſtehenden Neuordnung
urch einen Briefbeilagezettel Mitteilung, in dem es heißt:
Einem Beſchluß des Vereins Deutſcher Eiſen= und
Stahl=
nduſtrieller folgend unterlaſſen wir in unſeren Briefen
e ſachlich unnötigen Redewendungen und
Höflichkeits=
rmeln, alſo auch die Verſicherung der ſelbſtverſtändlichen
ochachtung, und bitten, im Verkehr mit uns ebenſo zu
rfahren.” Alſo kein Lehrer, keine Schule, kein Germaniſt
der ſonſt ein gelehrter Stilverbeſſerer hat ſich zu dieſer
urchaus billigenswerten und wohltätigen Reinigung des
riefverkehrs aufgerafft, ſondern eine allerdings ſehr
an=
ſehene Vereinigung von Fabrikanten und Kaufleuten
r Eiſenbranche. Und das geſchieht in der Zeit der
Erfin=
ingen von Schreib= und Kopiermaſchinen, in der es auf
ne Handvoll Höflichkeitsphraſen nicht anzukommen
aucht.
Bekanntlich hat der Lehrer Wagener in
Mühl=
auſen ſeine Bluttat vor langer Hand vorbereitet und
re Ausführung in Gedanken ſchon viele Jahre erwogen
ierzu bemerkt unter dem Titel: Zur Pſychologie des
Ver=
echers der Schwäbiſche Merkur: „Was iſt jene
Beſchäf=
gung in Gedanken, die, je länger ſie dauert, um ſo mehr
e Gefühlswelt einnimmt, und um ſo feſter und ſtärker
n Willen zur Tat beſtimmt? Die pſychologiſche
Wiſſen=
haft des 19. Jahrhunderts hat dieſe Erſcheinung des
enſchlichen Seelenlebens genau erforſcht und experimen=
I ſicher geſtellt. Es iſt die Suggeſtion, in der
Sonder=
ſcheinung der Autoſuggeſtion. Es wird nicht
an=
hen — nach dem oben Ausgeführten wird das ohne
wei=
res klar ſein — alle auf Autoſuggeſtion beruhenden
andlungen als Handlungen des Wahnſinns zu
bezeich=
n und demgemäß den die Handlung begehenden
Men=
en außer Verantwortung zu ſtellen. Wo wäre die
renze, bei der die Verantwortlichkeit für Taten, für
ebertretungen des Moral= oder Kriminalgeſetzes
be=
nnt? Wie würde die Auswahl unter den gleicher
Hand=
ng Schuldigen getroffen, ob der eine dem Strafrichter
rfällt oder frei ausgeht, zur Verantwortung gezogen
der, weil einer Suggeſtion unterlegen, außer
Verantwor=
ng geſtellt wird. Für den Pſychologen — und nur
m Standpunkt der Pſychologie aus unterſuchen wir die
rage — liegt die Sache ſo, daß das geſteigerte, durch
ngere Zeitdauer fortgeſetzte Denken ſchließlich das
Ver=
echen zeugt, daß der alſo Denkende ein Verbrecher iſt in
inen Gedanken, ein ſchlechter Menſch, ein ſchlimmer
Geg=
r der menſchlichen Geſellſchaft, vielleicht gar ein Scheuſal
im Grunde ſeines Weſens, und alſo ſittlich
verantwort=
h vor der Allgemeinheit, ſobald die Gedanken in
Wor=
n oder Taten in die Erſcheinung treten.
Gradunter=
ziede ändern nach keiner Seite hin die pſychologiſche und
tliche Betrachtungsweiſe. Von Wahnſinn kann man bei
dieſen Fällen nicht reden.”
Stadt und Land.
Darmſtadt, 15. September.
* Vom Hofe. Prinzeſſin Andreas von
Griechen=
ind empfina am Donnerstag, 10 Uhr vormittags, in
agdſchloß Wolfsgarten Fräulein Winter, Vorſteherin
es Alicehoſpitals hier, ſowie die Oberſchweſter
Mar=
grethe Haſter und Schweſter Anna Knaf aus Gießen
nd überreichte den beiden Letzteren im Namen der
önigin=Mutter Olga von Griechenland die Rote
Kreuz=
uszeichnung. — Prinz Ludwig von Battenberg hat am
reitag in Wolfsgarten wieder Wohnung genommen.
ie Großherzogin mit der Prinzeſſin Ludwig von
attenberg begaben ſich Freitag nachmittag 4,15 Uhr
1 Auto nach Darmſtadt, beſuchten das Alice=Hoſpital
id kehrten um 7 Uhr nach Wolfsgarten zurück. Der
roßherzog begab ſich Samstag früh 5 Uhr in den
ranichſteiner Park auf Jaad. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
erzog empfingen am Samstag den Generalleutnant
D. Korwan, den Geheimerat Wilbrand, den Großh.
ammerherrn Kreisrat Freiherrn Schenck zu
Schweins=
rg von Alzey, den Landgerichtsrat Dr. Jungk von
kainz, den Hofkammerrat Engel, den Rechtsanwalt
r. F. Gaßner von Mainz, den Geometer Gunder, das
räulein Schultheis, den Ober= und Geheime Baurat
eibel von Mainz, den Rabbiner Dr. Italiener, den
rofeſſor Dr. Dittmar von Gießen; zum Vortrag den
tiniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den Vor=
und des Kabinetts Geheimerat Römheld, den Profeſſor
leukens.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß
erzog den Eichmeiſter bei dem Eichamt Gießen
riedrich Wilhelm Flohn in Gießen zum Eichmeiſter
i dem Eichamt Mainz und den Eichmeiſter bei dem
ichamt Offenbach Johann Heinrich Schmidt, z. Zt.
Mainz, zum Eichmeiſter bei dem Eichamt Gießen,
ide mit Wirkung vom 1. November 1913 an; ferner
urde der Militäranwärter Vizewachtmeiſter Karl
Becker aus Gießen vom 1. Oktober d. J. an zum
Steueraufſeher ernannt und ihm der
Steueraufſichts=
bezirk Nidda mit dem Wohnorte Nidda zugeteilt.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Alexander Muth
zu Genſingen, Kreis Bingen, eine Lehrerſtelle an der
evangeliſchen Volksſchule zu Eich, Kreis Worms; dem
Lehrer Wilhelm Wedemeyer zu Ober=Kainsbach,
Kreis Erbach, eine Lehrerſtelle an der Volksſchule zu
Pfeddersheim, Kreis Worms.
* Militärdienſtnachrichten. Im Beurlaubtenſtande.
Die nachbenannten Reſerveoffiziere werden in gleicher
Eigenſchaft verſetzt, und zwar: Zum Jäger=Regiment zu
Pferde Nr. 12 die Leutnants der Reſerve: v. Helmolt
des Drag.=Regts. Freiherr von Manteuffel (Rhein.) Nr. 5
(Friedberg), Graf v. Hacke des Garde=Drag=Regts. (1.
Großh. Heſſ.) Nr. 23 (Torgau). Zum Jäger=Regiment
zu Pferde Nr. 13 die Leutnants der Reſerve:
Schim=
melbuſch des Ulanen=Regts. Großherzog Friedrich von
Baden (Rhein.) Nr. 7 (I Darmſtadt), v. Hammacher
des Leib=Drag.=Regts. (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24 (V
Ber=
lin), Schmeltzer des Leib=Drag.=Regts. (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 24 (II Köln).
Vom Manöver. Am 12. September, abends
8 Uhr, gab Fürſt Franz Joſeph zu Iſenburg=Birſtein
im Schloſſe zu Birſtein eine Galatafel. Zahlreiche
Offiziere, unter ihnen der kommandierende General des
18. Armeekorps v. Schenck, Generalleutnant v. Plüskow,
Generalmajor Clifford Kocg von Breugel mit ihren
Stäben hatten Einladungen erhalten.
g. Der Provinzialausſchuß beſchäftigte ſich in ſeiner
Sitzung am Samstag unter dem Vorſitz von
Provinzial=
direktor Geheimerat Fey mit dem Geſuch um Erlaubnis
zum Betrieb einer Schankwirtſchaft in einem
Hauſe der Niederſtraße. Das Geſuch iſt bereits am 14. Juli
vor dem Provinzialausſchuß verhandelt worden. Damals
hatten ſich Wirtſchaftsdeputation, Gaſtwirteverein und
Polizeiamt gegen das Geſuch ausgeſprochen; ein
Bedürf=
nis liege nicht vor, da in der Entfernung von 300 Schritten
ſechs Schankwirtſchaften gleicher Art vorhanden ſeien. Der
Provinzialausſchuß hatte Beweisbeſchluß erlaſſen, ob den
drei Faktoren die Tatſache bekannt war, daß die
gegenüber=
liegende Wirtſchaft eingegangen ſei. Wirtſchaftsdeputation
und Polizeiamt blieben auf ihrem Standpunkt beſtehen,
während der Gaſtwirteverein für den Geſuchſteller iſt,
wenn die beiden anderen maßgebenden Faktoren für das
Geſuch ſeien. Der Provinzialausſchuß erkannte dahin, das
Geſuch wird abgewieſen unter Verurteilung des
Geſuchſtellers in die Koſten des Verfahrens.
Am 3. Mai 1913 fand in Rüſſelsheim
Beigeord=
netenwahl ſtatt, wobei der Führer der
Sozialdemo=
kraten, Fahrradhändler Georg Jung, mit 466 Stimmen
mit abſoluter Mehrheit gewählt wurde. Der Kreisrat des
Kreiſes Groß=Gerau beanſtandete nach dem Bericht des
Gemeindevorſtandes die Wahl und der Kreisausſchuß
ver=
ſagte dann am 13. Juni die Beſtätigung, da der Gewählte
der ſich offen als Sozialdemokrat bekennt, nicht geeignet
erſcheint, die Stelle eines mittelbaren Staatsbeamten zu
bekleiden. Er iſt nach der Landgemeindeordnung als
Ver=
treter des Bürgermeiſters berufen, die Ausführung der
ſtaatlichen Geſetze zu überwachen. Jung ſei aber als
An=
hänger einer Partei, die die Beſeitigung der ſtaatlichen
Verfaſſung bezweckt, nicht geeignet, den von ihm
bekämpf=
ten Staat zu vertreten und die Durchführung der von
ihm erlaſſenen Geſetze zu überwachen. Der Gewählte
ver=
folgte Berufung vor dem Provinzialausſchuß mit der
Begründung, daß die Nichtbeſtätigung gegen die
Verfaſ=
ſung verſtoße, die die Gleichheit aller Bürger vor dem
Geſetze gewähre. Jung war bereits im Jahre 1909
ge=
wählt worden, die Beſtätigung war am 31. Oktober 1909
vom Kreisausſchuß verſagt worden und auch von den
übrigen Inſtanzen. Der Provinzialausſchuß verſagte
auch diesmal die Beſtätigung und verwirft die
Be=
rufung unter Verurteilung des Klägers in die Koſten des
Verfahrens.
Zur Verbreiterung der Heidelberger Straße benötigt
die Stadt Darmſtadt Gelände. Da mit drei Eigentümern
eine Einigung über den Kaufpreis nicht erfolgte, beantragt
die Stadt Ausſpruch der Enteignung. Angeboten werden
6 bezw. 4 Mark für den Quadratmeter, während 15 Mark
verlangt werden. Die Lokalkommiſſion hält einen Preis
von 7 Mark für angemeſſen. Die Anlieger erklären, daß
ihnen an dem Verkauf nichts liegt. Sie ſeien bereit, einen
Tauſch mit der Stadt einzugehen. Die Sache wird
aus=
geſetzt, um einen Augenſcheinstermin abzuhalten. — Eine
weitere Streitſache, Klage des Ortsarmenverbandes
Darmſtadt gegen die Vereinigte Ortskrankenkaſſe
Darm=
ſtadt wegen Erſatz von 55 Mk. Pflege= und
Beerdigungs=
koſten für die Dienſtmagd Roſa Bender aus Roth wird
ausgeſetzt.
-g. Ferienſtrafkammer. Drei Zwangszöglinge vom
Ohlyſtift in Gräfenhauſen ſtanden am Samstag unter der
Anklage des Diebſtahls vor der hieſigen Strafkammer. Der
ſchon viermal vorbeſtrafe 19jährige Georg Keller aus
Worms hatte in Gemeinſchaft mit einem ebenfalls
vorbe=
ſtraften Schopp verabredet, der ſtrengen Zucht der
An=
ſtalt zu entweichen. Um hierzu ſich die Mittel zu
ver=
ſchaffen, kamen ſie auf einen geradezu unglaublichen
Ein=
fall. Schopp wußte, daß der Aufſeher ſeine Barſchaft ſtets
bei ſich trägt. Hierauf bauten die Beiden ihren Plan. Sie
überredeten noch zwei weitere Zöglinge zu dem Ausbruche
und in einer Nacht, als der Aufſeher wieder in dem
allge=
meinen Saal ſchlief, ſchlich ſich Keller an das Bett des Auf=
ſehers und entnahm dem Portemonnaie, das ſich in der
Hoſe befand 217 Mark. Der Aufſeher hatte ſich zur
Sicher=
heit die Hoſe unter das Kopfkiſſen gelegt. Er merkte aber
trotzdem nichts von dem raffinierten Diebſtahl. Die
übrigen drei Komplizen hatten während des Diebſtahls
Schmiere geſtanden. Schopp öffnete mit einem
zurechtge=
machten Dietrich das Tor, das in die Freiheit führte und
in derſelben Nacht noch wanderten die Vier nach
Frank=
furt. Hier vertauſchten ſie ihre Anſtaltskleidung mit
ande=
ren Kleidern. Alsdann landeten ſie nach einem Abſtecher
nach Berlin in Hamburg. Einen Tag benutzten ſie, um ſich
in Hamburg umzuſehen und das Geld auszugeben. Dann
wurden ſie von einem Schutzmann, der ſie auf dem
Haupt=
bahnhof herumlungern ſah, feſtgenommen. Nur Schopp
konnte ſich der Feſtnahme entziehen. Bei Keller, dem
Kaſſierer der Geſellſchaft, wurden nur noch 45 Mark
vorge=
funden, außerdem wurden noch verſchiedene Sachen
be=
ſchlagnahmt, die für die kindiſche Natur der Angeklagten
zeugen. In Frankfurt und Hamburg hatten ſie einen
Re=
volver gekauft, eine Uhr mit Kette, einen „Ring” Schuhe
einen „Fußball” und ein Kiſtchen Schokolade. Das
Ge=
richt verurteilte Keller zu 1 Jahr Gefängnis die
beiden anderen Angeklagten, den 17jährigen Johann
Klau und den 16jährigen Peter Seemann zu je
5 Wochen Gefängnis
Der 28jährige Verſicherungsbeamte Otto Thiele von
Magdeburg, der ſchon wiederholt vorbeſtraft iſt, kam im
Dezember vorigen Jahres nach Beerfelden zu Beſuch bei
einem ihm bekannten Kollegen, der inzwiſchen das
elter=
liche Geſchäft übernommen hatte. Dieſer hatte von dem
Vorleben des Thiele keine Ahnung und er gab ihm
ſchließ=
lich auch Beſchäftigung. Als ein Brief von Berlin auf die
Vorſtrafen des Thiele aufmerkſam machte, drängte man
ihn zur Abreiſe. Da er dazu kein Geld hatte, verſuchte er
bei Kunden Gelder einzutreiben. Er erhielt aber nur 2,40
Mark. Er behauptet nun, daß er früher zur Quittierung
Erlaubnis erhalten habe was ihm nicht widerlegt werden
konnte. Er wird deshalb nur wegen
Rückfalls=
betrugs zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt.
m. Hochherzige Stiftung. Se. Kgl. Hoheit der
Groß=
herzog haben als Protektor der Ludwig= und
Alice Stiftung für den Fonds zur Begründung
einer Lehrertöchterſtiftung eine einmalige
Zu=
wendung von 300 Mark gewährt.
m. Der Ludwig= und Alice=Stiftung ſind anläßlich ihres
50jährigen Beſtehens von den beiden Städten
Darmſtadt und Offenbach je ein Betrag von 500
Mark zur Schaffung eines Fonds für eine
Lehrertöch=
terſtiftung ſeitens der
Stadtverordnetenverſammlun=
gen bewilligt worden.
m. Lehrerkrankenkaſſe. Eine ſtattliche Anzahl heſſiſcher
Lehrer hat die Zahl der Lehrer=Wohlfahrtseinrichtungen
vermehrt. Die in Frankfurt a. M. gegründete
Lehrer=
krankenkaſſe verſichert Lehrer, deren Frauen und
Kinder, ſowie Lehrerinnen, die dem Landeslehrerverein
angehören. Der Jahresbeitrag iſt auf 16 Mark feſtgeſetzt.
Die Vergütung in Krankheitsfällen beträgt im
allgemei=
nen 70 Prozent der Unkoſten bis zur Höchſtvergütung von
240 Mark. Das Eintrittsgeld wird nach dem Lebensalter
bemeſſen.
— Poſtaliſches. Jeder Landbriefträger führt auf
einem Beſtellgang ein Annahmebuch mit ſich, welches
zur Eintraaung der von ihm angenommenen
Tele=
gramme, Wert= und Einſchreibſendungen
Poſten=
weiſungen, Zahlkarten, gewöhnlichen Pakete,
Nach=
nahmeſendungen und Zeitungsbeſtellungen, ſowie der
zur Frankierung der Sendungen, zur Beſtellung der
Zeitungen und zur Beſchaffung von Wertzeichen ihm
übergebenen Beträge dient. Ein gleiches Annahmebuch
führt jeder Inhaber einer Poſthilfſtelle für die bei
dieſer niedergelegten Wertſendungen uſw. Es iſt
zweck=
dienlich, daß die Aufgeber die Eintragung der
Sen=
dungen uſw. in die bezeichneten Annahmebücher
eigen=
händig beſorgen oder ſich wenigſtens von der Buchung
durch den Landbriefträger oder den
Poſthilfſtellen=
inhaber überzeugen. Da dieſe Beſtimmungen noch
immer nicht ausreichend bekannt ſind, werden ſie erneut
zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
Wichtig für Fernſprechteilnehmer. Nach den
Vorbemerkungen zum Teilnehmerverzeichnis auf Seite 5
Punkt 6 ſind Anträge auf Einrichtung, Verlegung und
Aufhebung von Anſchlüſſen, auf Aenderung oder
Er=
weiterung der techniſchen Einrichtungen beſtehender
Sprechſtellen, auf Aenderung der Eintragungen im
Teilnehmerverzeichniſſe ſchriftlich und frankiert
an die zuſtändige Verkehrsanſtalt zu richten.
An=
träge auf Verlegung ſind ſo früh wie
möglich zu ſtellen, damit die Leitung und die
ſonſtigen Einrichtungen für den neuen Anſchluß
recht=
zeitig hergeſtellt werden können. Den Anträgen iſt die
Genehmigung des Hauseigentümers zur Aufſtellung
von Geſtängen uſw. auf dem Gebäude, in dem die
Sprechſtelle eingerichtet werden ſoll, beizufügen.
For=
mulare zu ſolchen Genehmigungserklärungen werden
auf Wunſch von den Verkehrsanſtalten verabfolgt. Ec
iſt nicht geſtattet, die Zimmerleitung der
Fernſprech=
ſtellen mit Tapete uſw. zu überkleben. Sie darf auch
nicht mit Farbe überſtrichen werden, außer wenn ſie
aus Kabel mit Bleimantel hergeſtellt iſt.
Zimmer=
leitung, die überklebt oder entgegen dieſer Vorſchrift
überſtrichen iſt, wird auf Koſten des Teilnehmers
Feuilleton.
* Veſuverforſchung. Aus Neapel wird gemeldet: Die
ulkanologen Profeſſor Stolz und Profeſſor Jakob
unter=
ihmen im Verein mit dem Profeſſor des
Veſuvobſerva=
riums, Melladro, einen Abſtieg in den Krater des
Ve=
vs. Der Abſtieg geſtaltete ſich äußerſt gefahrvoll, da von
n Wänden des Kraters ſich fortwährend große
Geſteins=
aſſen löſten. Die drei Profeſſoren blieben acht
Stun=
n im Innern des Kraters und machten zahlreiche
inter=
ante Beobachtungen. U. a. wurde konſtatiert, daß die
ahl der Rauchſchlünde des Vulkans ſich vergrößert hat
rd daß das aufſteigende Gasquantum ein intenſives iſt.
kan berechnete, daß am Grunde des Kraters eine
Tem=
ratur von über 300 Grad herrſcht. Die gemachten
Beob=
htungen laſſen den Schluß zu, daß der Veſuv innerhalb
rzeſter Zeit wieder eine regere Tätigkeit entfalten wird.
ie drei Gelehrten wurden bei ihrer Rückkehr von einer
ößeren Anzahl Touriſten, die angſtvoll ihrer Rückkunft
rrrten, lebhaft beglückwünſcht.
ml. Der Küchenautomobilzug für die Zarreiſen. Der
aiſer von Rußland hat ſich zu ſeinem perſönlichen
Ge=
auch in Deutſchland einen Küchenautomobilzug bauen
ſſen, der beſtimmt iſt, ihm auf ſeinen Reiſen über Land
folgen. Er ſetzt ſich aus zwei Wagen zuſammen: der
gentlichen Küche und dem Begleitwagen für das Perſo=
II. Die Küche, an deren beiden Seiten zwei Plane
an=
bracht ſind, die am Haltepunkt herabgelaſſen werden
kön=
n, hat einen Spiritusherd mit fünf Brennern und
einen Kondenſator für warmes Waſſer. Sie enthält
wei=
terhin Eisſchränke, Kühlkäſten aus Metall und das
kai=
ſerliche Silberbeſteck für zwölf Perſonen. Unter dem
Wagen ſind Behälter für die Tiſche untergebracht.
Außer=
dem führt der Wagen ein mit Tiſchen und zwölf Sitzen
ausgeſtattetes Zelt mit, das von zwei Leuten in wenigen
Minuten an jedem beliebigen Platz aufgeſchlagen werden
kann. In dem anderen Wagen, der 8 bis 10 Perſonen
befördern kann, ſind weitere Behälter untergebracht, die
die Lebensmittelvorräte enthalten. Die Sitze ſind in der
Weiſe konſtruiert, daß ſie im Augenblick zu einem
untadeli=
gen Ruhebett umgewandelt werden können. Der
Küchen=
zug iſt beſtimmt, dem Zaren auf den Ausflügen, die er in
der Krim zu unternehmen gedenkt, zu dienen.
C.K. „Hier wird ſtumm raſiert‟. Die Friſeure und
Bartſchneider Londons haben ſich das Ziel geſetzt, die
Welt zu verblüffen: Sie haben beſchloſſen, künftig
wäh=
rend der Hantierung mit dem Raſiermeſſer und den
Sche=
ren unverbrüchliches Stillſchweigen zu bewahren und
da=
mit die nur allzu vielen Kunden läſtig gewordene
Tra=
dition von der Zungengewandtheit und der
Redefreudig=
keit des alten Figaro aufzuheben. Schon heute kann man
in den Fenſtern einer ganzen Anzahl von Raſierſalons
die auf den erſten Blick etwas wunderlich erſcheinende
An=
kündigung leſen: „Hier wird ſtumm raſiert” oder: „Die
Angeſtellten werden hier auf Grund ihrer Tüchtigkeit und
nicht auf Grund ihrer Zugengewandtheit engagiert”. Allen
Anpreiſungen von Haarwaſſern und Pomaden, allen
wortreichen Diskuſſionen über die Möglichkeit und die
Zweckmäßigkeit gewiſſer Haartrachten wird damit ein
Ende gemacht und das oft unerwünſchte perſönliche
Ur=
teil des Friſeurs über die von dem Kunden bevorzugte
Haartracht unterbleibt. Und Individualiſten der Friſur
werden kleine Abenteuer, wie ſie einſt Viktor Capoul, der
Pariſer Erfinder der „Coiffure Capoul” erlebte, erſpart
bleiben. Capoul mußte eines Tages ſeinem Friſeur
un=
treu werden und betrat den Salon eines wortreichen
Figaro. „Welche Form der Friſur wünſchen Sie?”
be=
gann der Haarkünſtler. „Nun,” erwiderte der Kunde,
à la Capoul natürlich” worauf der Friſeur bedenklich den
Kopf ſchüttelt und ſchließlich zu Capoul ſagt: „Hm, ich
möchte Ihnen zu dieſer Friſur nicht raten, mein Herr,
denn ich glaube nicht, daß Sie Ihnen bei Ihrer Kopfform
und Ihrer Haarfarbe ſtehen würde. . .
* Der Leichenzug. Man berichtet von der
badiſch=
ſchweizeriſchen Grenze: Ein Leichenzug bewegte ſich an
einem der letzten Tage über die ſchweizeriſche Grenze. Den
deutſchen Zollwächtern war es ſchon aufgefallen, daß ſeit
einiger Zeit merkwürdig viele Schweizer auf deutſchem
Gebiete begraben wurden. Sie nahmen ſich die Freiheit,
den Zug anzuhalten und den Sarg zu öffnen. Als ſie den
Deckel in die Höhe hoben, fanden ſie ſtatt des Toten
meh=
rere Zentner wohlverpackten Sacharins. Nun mußten
wohl oder übel auch die „trauernden Hinterbliebenen”
eine Durchſuchung ihrer Taſchen und Kleider über ſich
ergehen laſſen, und da jeder von ihnen zollpflichtige
Waren mit ſich trug, wurde der ganze Schmuggler=
Leichen=
zug feſtgenommen und hinter Schloß und Riegel geſetzt.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Nummer 216.
Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 13. September.
Butter, ½ kg,
1,30 M.
in Partien, ½ kg 1,25 M.
Eier, Stück
50
Schmierkäſe, ½ Lit. 20-2
Handkäſe, Stück . 4—10 P
Kartoffeln, Ztr. 2,50-3,00 M.
Kumpf (10 Liter) 40—45 Pf.
½ kg . . . . 4—5 Pf.
Obſt u. dergl.:
Aepfel, ½ kg . 5—16 Pf.
Zitronen, Stück . 7—8 P
Apfelſinen, Stück 8—10 Pf.
Zwetſchen, ½ kg 6—7 Pf.
100 Stück . 20—30 Pf.
Preiſelbeeren, ½ kg 30-32 Pf
Brombeer., Schopp. 14-15 Pf.
Birnen, ½ kg . 12—25 Pf.
Pfirſiche ½ kg . 50—75 Pf.
Eierſchwämme, ½kg35-40 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück . 5—6 Pf.
Endivien, Stück 4—6 Pf.
Bohnen, ½ kg . 10—16 Pf.
Radieschen, Bündel 2—3 Pf.
Rettiche, Stück . 3—6 Pf.
Meerrettich, Stück 12—30
Roterüben, Bündel 5—10
kg . . 8—10 Pf.
Zwiebeln, ½-kg. 6—7 Pf.
Tomaten, ½ kg 10—12 A
Spinat, ½ kg . 12—15 Pf.
Weißkraut, Stück 18—20 P
Rotkraut, Stück 12—25 P
Blumenkohl, Stück 10—30 Pf.
Wirſing, Stück . 5—15 Pf.
Erbſen, ½ kg . 18—20 Pf.
Kohlrabi, Stuck . 3—6 Pf
Gelberüben, ½ kg 5—10 Pf.
Gelberüben, Bündel 3—6 Pf.
Saubohnen, ½ kg 20—25 P
Schälgurken, Stück 4—15 Pf.
Einleggurken, Stück 2—3 Pf.
-
100 Stück 1,00-2,50 M.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg 0,90—1,00 M.
Enten, Stück 3,50—4,50 M.
Hahnen, Stück 1,00—2,50 M.
Hühner, Stück 2,50—3,50 M
Tauben, Stück 60—70 Pf.
3—4 M.
Haſen, Stück .
Lapins, Stück 0,90—1,00 M.
Fiſche:
Hecht, ½ kg 0,90—1,00 M
Aal, ½ kg 1,10—1,20 M.
Karpfen,
kg 70—80 Pf.
Andere Rheinfiſche,
. 35—40 Pf.
kg.
1
Rotzungen,
kg 50 Pf.
Schollen, ½ kg
50 P
Kabeſau, ½ kg 19—21
Schellfiſche, gr. ½ kg 20%
Bratſchellfiſche, ½kg 13.17P
Seelachs,
kg . . 15 P
Seehecht, ½ kg . . 25 Pf.
In den Fleiſchſtänden:
Rindfleiſch, ½ kg . 70 Pf.
Hackfleiſch, ½ kg . 76 Pf.
56 Pf
Rindsfett, ½ kg
Rindswürſtchen, Stück 15 P.
Schweinefleiſch, ½ kg 92 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
kg . .
1. M
Schwartemagen u.
Fleiſch=
wurſt, ½ kg
90 Pf.
Leber= und Blutwurſt
½ kg . . . . . 72 Pf.
fgegen neue ausgewechſelt. Die beabſichtigte Erneuerung
der Tapeten oder des Anſtrichs iſt der
Vermittelungs=
anſtalt mindeſtens drei Tage vorher ſchriftlich
bekannt zu geben, damit die Zimmerleitung zu dem
gewünſchten Zeitpunkte gegen Erſtattung der
Selbſt=
koſten abgenommen und wieder angebracht werden
kann. Anträgen auf verdeckte Führung der
Zimmer=
leitung kann Folge gegeben werden, wenn die
Teil=
nehmer geeignete Iſolierrohre auf ihre Koſten
an=
bringen laſſen. Damit die Zimmerleitung in den Rohren
zugängig bleibt oder ausgewechſelt werden kann, müſſen
die Rohre in angemeſſenen Abſtänden, am beſten an
den Ecken und Wickeln, mit herausnehmbaren
Einſatz=
ſtücken verſehen ſein. Ferner wird darauf hingewieſen,
daß die Uebertragung eines Fernſprechanſchluſſes auf
eine andere Perſon (den Geſchäftsnachfolger uſw.) ohne
Genehmigung der Telegraphenverwaltung unſtatthaft
iſt. Der erſte Inhaber des Anſchluſſes iſt ſo lange
für die Zahlung der Gebühren haftbar, als eine rechts
gültige Uebertragung auf eine andere Perſon noch
nicht erfolgt iſt.
* Schweſternkonzert. Wie uns mitgeteilt wird,
findet das Konzert zum Beſten der Barmherzigen
Schweſtern am Montag, den 6. Oktober d. J., abends
7 Uhr, im Städtiſchen Saalbau ſtatt.
* Inſtrumental=Verein. Wie aus dem Anzeigenteil
erſichtlich, hat der hieſigen Inſtrumental=Verein ſeine
Tätigkeit zur Vorbereitung ſeiner für dieſe Winterſaiſon in
Ausſicht genommenen Konzerte wieder aufgenommen.
Die erſte Probe findet bereits Dienstag, den 16.
Sep=
tember, abends 8½ Uhr, im Muſikvereinsſaal ſtatt. Es iſt
noch in friſcheſter Erinnerung, welch erfreulichen
Auf=
ſchwung die muſikaliſchen Darbietungen dieſes rührigen,
faſt ausſchließlich aus Dilettanten der hieſigen
Geſell=
ſchaftskreiſe zuſammengeſetzten Vereins unter der Leitung
ſeines neuen erſten Vorſitzenden und insbeſondere ſeines
vorzüglichen Dirigenten Herrn Direktors Wilhelm
Schmitt von der Akademie für Tonkunſt im verfloſſenen
Winter zu verzeichnen hatten, ſo daß man
begreiflicher=
weiſe die edlen Beſtrebungen dieſes Vereins allerſeits mit
wärmſter Sympathie begleitet. Es war geradezu eine
Freude, zu betrachten, wie ein jeder der Mitwirkenden ſein
Beſtes einſetzte, zum Gelingen des Ganzen ſein Scherflein
beizutragen und ſo zeigte ſich dieſe Harmonie auch bei den
geſelligen Veranſtaltungen des Vereins. In allen Kreiſen
des hieſigen Publikums ſchlummert noch eine große
An=
zahl von Dilettanten und angehenden Künſtlern, Damen
und Herren, die ein Orcheſterinſtrument ſo weit
beherr=
ſchen, daß ſie ſich den beſonderen Genuß der Mitwirkung in
einem großen Tonkörper zur Reproduktion hervorragender
Werke der klaſſiſchen und neueren Muſikliteratur nicht
ver=
ſagen ſollten, und möchten dieſelben daher die
Aufforde=
rung, dem Inſtrumental=Verein als aktives, oder doch als
inaktives Mitglied beizutreten wohl beherzigen. Je
größer das Orcheſter, deſto mächtiger auch die Wirkung.
Die Programme für die nächſten Konzerte ſind bereits in
geſchmackvoller Weiſe zuſammengeſtellt. Das erſte Konzert
dieſer Saiſon findet Mittwoch, 12. November lfd. Jahres,
im Städtiſchen Saalbau ſtatt. Unter dieſen
vielverſprechen=
den Auſpizien wünſchen wir dem hieſigen Inſtrumental=
Werein aufrichtigen Herzens weiteres Blühen, Wachſen
und Gedeihen und ſchöne Erfolge.
— Methodiſtengemeinde. Wie uns mitgeteilt wird,
findet im Lokal der Methodiſtengemeinde, Taunusſtr. 53.
am Donnerstag, den 18. Sept., ein Familienabend,
verbunden mit einer Soldatenabſchiedsfeier, ſtatt. Er
bietet ein reichhaltiges Programm von Geſangs= und
De=
klamationsvorträgen. Auch findet eine Teepauſe ſtatt.
Die Bewirtung iſt frei. Jedermann iſt willkommen.
* Großer Gefahr entronnen. Am Samstag früh wurde
am Bahnhof Birſtein ein Dienſtauto, in dem ſich Major
Siegert von der Fliegertruppe zum Flugplatz begeben
wollte von einem Eiſenbahnzuge in die Flanke getroffen
und völlig zertrümmert. Major Siegert und dem
Chauf=
feur gelang es im letzten Augenblick, ſich durch einen
ver=
wegenen Sprung zu retten. Beide Inſaſſen ſind
un=
verletzt.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bilder
ausgeſtellt: Das bei Helgoland vernichtete
Marineluft=
ſchiff „L 1‟; von der Beſatzung des vernichteten
Marine=
luftſchiffes „L 1"
— Aus dem diesjährigen Kaiſermanöver.
Der Kaiſer und ſeine Gäſte im Manövergelände. — Von
der Vermählungsfeier des früheren Königs von Portugal
mit der Prinzeſſin Auguſta Viktoria von Hohenzollern in
Sigmaringen.
Offenbach, 13. Sept.
Die
(Radiumankauf.)
Stadt Offenbach bewilligte für die Anſchaffung von 200
Milligramm Radium zur Behandlung der Krebskranken
im ſtädtiſchen Krankenhaus 80000 Mark.
S. Wiebelsbach, 12. Sept. Bei der heutigen
Ge=
meinderatswahl wurden die drei Mitglieder Joh.
Lutz I., H. Weiß und H. Herrmann faſt einſtimmig
wieder=
gewählt und zwar erſterer zum fünften und zweiter zum
dritten Male.
Rüſſelsheim. 13. Sept. (Rege Bautätigkeit.
Das laufende Jahr hat dem Orte eine ungewöhnlich rege
Bautätigkeit gebracht. Neben den umfangreichen
Neu=
bauten der Opelwerke, die der Herſtellung von
Feuer=
ſpritzen, Flugzeugmotoren und Motorpflügen dienen ſollen,
ſind ganze Straßenzüge neuer ſchmucker Beamten= und
Ar=
beiterwohnhäuſer entſtanden. Dem Wachstum der
Bevöl=
kerung trägt der Bau neuer Geſchäftshäuſer in ausgiebiger
Weiſe Rechnung. Eine Frankfurter Firma baut einen
Villenblock. Unter den Gemeindebauten ſind
hervorzu=
heben der Umbau des Seckendorfſchen Herrenhauſes zu
einem Krankenhauſe, der Rathausneubau im Park und das
große 16klaſſige Schulgebäude. Die freibleibenden
Park=
flächen werden allgemeinen Zwecken zugängig gemacht, vor
allem der Erholung. — (Ueber Beigeordnetenwahl
ſiehe unter „Provinzialausſchuß”.)
Biſchofsheim, 13. Sept. (Spurlos
verſchwun=
den.) Ein trauriger Vorfall hält die hieſige
Einwohner=
ſchaft in begreiflicher Aufregung. Einem jungen Mädchen,
das mit einem verheirateten Manne ein Verhältnis
unter=
hielt, wurden von ſeinen Eltern darüber Vorhaltungen
gemacht. Dies nahm ſich das Mädchen ſo zu Herzen, daß
es erklärte, den Tod im Waſſer ſuchen zu wollen. Es iſt
ſeitdem ſpurlos verſchwunden.
Mainz, 13. Sept. (Selbſtmord.) Geſtern früh
wurde in der Nähe des Friedhofes der 63jährige frühere
Krankenpfleger Stetten aus Nieder=Ingelheim in
bewußt=
loſem Zuſtande aufgefunden und in das Rochushoſpital
gebracht. Nach der Unterſuchung ſteht feſt, daß der Mann,
der inzwiſchen geſtorben iſt, in ſelbſtmörderiſcher Abſicht
Lyſol getrunken hat. Der Grund der Tat iſt
unbe=
kannt. — (Ein unangenehmes Verſehen) iſt den
Einwohnern von zwei Rheinorten bei der Rheinfahrt des
Deutſchen Weinbau=Verbandes unterlaufen. Während alle
anderen Orte hübſch beleuchtet waren und in einzelnen
Feuerwerk abgebrannt wurde, war dort alles dunkel. Das
erregte bei den Teilnehmern an der Fahrt Befremden.
Eine Nachfrage ergab aber, daß die Leute ihre Beleuchtung
ſchon — vorher abgebrannt hatten. Sie ließen
ſich durch zwei Schiffe, die vor den Feſtſchiffen an dem
Ort vorbeifuhren, täuſchen und brannten für ſie ihre
Be=
leuchtung ab. Als dann die Feſtſchiffe kamen, war alles in
Dunkel gehüllt.
Worms, 13. Sept. (Ankauf von Radium.) Die
Verwaktung des ſtädtiſchen Krankenhauſes hat bei der
Bank für Radium in Paris 150 Milligramm Radium
an=
gekauft und die Hälfte des Kaufpreiſes gleich angezahlt.
Bis März 1914 wird das Radium geliefert und dann die
andere Hälfte des Preiſes bezahlt, die hoffentlich auch noch
aufgebracht werden wird.
Hochheim bei Worms, 13. Sept. (Im Steinbruch
verunglückt.) In dem Steinbruch bei der
Mergel=
grube auf der „Kälb” verunglückte der 20jährige Arbeiter
Dienſt durch Abſturz, wobei er noch von nachrollendem
ſchweren Geſtein getroffen wurde. Der Schwerverletzte
wurde durch die freiwillige Sanitätskolonne nach dem
Eli=
ſabethen=Krankenhaus verbracht.
— Gundersheim. 13. Sept. (Miſſionsfeſt.) Hier
fand das Rheinheſſiſche Miſſionsfeſt ſtatt, es war ſtark
be=
ſucht, auch von auswärts. Am Vormittag werden gegen 500
Perſonen in dem ſchönen Gotteshauſe geweſen ſein, am
Mittag weit über 600. Es war faſt kein Platz mehr zu
haben. Bereichert wurden die zwei Gottesdienſte durch
die Darbietungen vom Kirchen= und Schülerchor des Herrn
Organiſten. Sinnig und prächtig hatte man den
Altar=
raum mit Blumen und Grün geſchmückt. Die Feſtpredigt
von Pfarrer Fiſcher=Großbieberau war geſtimmt auf
den Ton des Dankes (Pſalm 107). Miſſionar
Weis=
mann führte uns im Geiſte auf ſein langjähriges
Ar=
beitsfeld nach Indien und zeigte uns nicht das Glück, aber
das Unglück des Heidentums. Am Nachmittag grüßte
zunächſt Obeckonſiſtorialrat Euler die ſtattliche
Feſtge=
meinde und hieß ſie in ihren guten Tagen gedenken der
mannigfach gebundenen Heiden. Nach ihm redete ein
Gun=
dersheimer ſelbſt, nämlich der neu nach China ausziehende
Miſſionar Gräf, der in Barmen ſeine Ausbildung
emp=
fangen hat. Es iſt ſchön, daß nun auch ein Rheinheſſe
wieder einmal in den Miſſionsdienſt geht. Neben dieſem
nach China ausziehenden kam weiter ein Miſſionar zu
Wort, der bereits zehn Jahre dort gewirkt. Seine Rede
war ein friſcher kräftiger Weckruf zur treuen Mitarbeit am
großen Werk. Mit einem Schlußwort des Ortsgeiſtlichen
kam die ſchöne Feier zum Ende. 227 Mark betrug die
Kollekte.
Bingen, 13. Sept. (Selbſtmord.) Seinen
Ver=
letzungen erlegen iſt heute der Techniker van Röſſel
aus Holland. Nachdem er ſich ſchon auf dem Wege der
Beſſerung befand, wurde eine ſofortige Operation nötig
und durch die dabei eingetretenen Komplikationen trat dann
kurz darauf der Tod ein
Ober=Hilbersheim, 13. Sept.
(Mordverdacht.)
Die Witwe des am Sonntag plötzlich verſtorbenen
Land=
wirts Wilh. Lutz hat bei der Staatsanwaltſchaft Mainz die
gerichtliche Sezierung der Leiche beantragt, weil ſie den
Verdacht hegt, daß der Tod von dritter Hand gewaltſam
herbeigeführt worden iſt. Ueber das Reſultat beobachtet
die Unterſuchungsbehörde Stillſchweigen.
Friedberg, 13. Sept. (Aufgelöſte
Genoſſen=
ſchaft.) Die Landwirtſchaftliche Hauptgenoſſenſchaft
wurde aufgelöſt und die Beamten und Gehilfen entlaſſen.
Lich, 12. Sept. (Tödlicher Unfall.) Der in den
30er Jahren ſtehende verheiratete Eiſenbahngehilfe
Wende=
roth von hier geriet heute nachmittag gegen 5 Uhr auf
dem hieſigen Bahnhof zwiſchen die Puffer zweier Wagen,
die ihm den Bruſtkorb eindrückten, ſo daß der
Tod ſofort eintrat. Der Verunglückte iſt Vater mehrerer
Kinder.
Schotten, 13. Sept. (Der Kirchenumbau.) Die
Geſamtarbeiten am Kirchenumbau ſind ſoweit gediehen,
daß man mit der Fertigſtellung im Laufe dieſes Jahres
rechnet. Die Wiederherſtellung des Turmes iſt vollendet,
und man konnte heute mit dem Aufſetzen des Knopfes,
Kreuzes und Hahnes dieſe Arbeit beſchließen. Die
An=
ſprache, die Dekan Münch bei der heutigen Feier an die
Verſammlung richtete, gipfelte in dem Wunſche, daß das
wiederhergeſtellte Bauwerk zum Segen der Gemeinde
voll=
endet werden möge und daß es gelinge, die übernommene
große Bauſchuld abzutragen. Alsdann verlas der
Bau=
leiter, Regierungsbaumeiſter Metzger, die von ihm in
goti=
ſchem Schriftcharakter gefertigte, mit einer kunſtvollen
Ini=
tialleiſte verſehene Urkunde, die nun mit dem Plane der
Stadt Schotten, zwei Exemplaren des Schottener
Kreis=
blattes, einigen Photographien und Anſichtskarten, ſowie
Silber=, Nickel= und Kupfermünzen zuſammen in eine
Kupferkapſel verſchloſſen und in den Turmknopf
einge=
lötet wurde.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Konzert Raoul von Koczalski. Wie
bi=
reits mitgeteilt, findet das erſte von den drei angekündig
ten Kozerten Raoul von Koczalskis Mittwoch, den
September, 8 Uhr abends, im Saale des Hotels zur Traul
ſtatt. Wir zweifeln nicht daß unſere muſikliebenden
Krei=
ſich dieſe günſtige Gelegenheit entgehen laſſen
we=
den, den großen Künſtler zu hören, zumal, weil das Pr
gramm von beſonderem Intereſſe iſt. Es weiſt
näml=
folgende Werke auf: Sonate op. 111 von Beethoven, Etul
As-dur, Berceuſe, Valſe Cis=moll und Ballade Ascch
von Chopin, Tema con variazioni von Schubert, Arabes
und Traumeswirren von Schumann, Sonate D-moll v.
Scarlatti, Campanella von Liſzt und das neueſte We
des Konzertgebers „Images fuyantes” betitelt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 13. Sept. An der Döberitz
Heerſtraße, unweit der Grunewald=Rennbahn, auf eine
Gelände, das dem Landwirtſchaftsminiſterium gehört, ſo
eine ungewöhnlich umfangreiche kliniſche Anlag
errichtet werden. Eine Geſellſchaft hat ſich zu dieſem Zw
bereits gebildet. Aber die Beſchaffung der Mittel mac
wie die Bauwelt ſchreibt, vorläufig noch Schwierigkeite
Sind doch die Koſten auf etwa fünf Millionen veranſchla
Fünf hervorragende Direktoren von Berliner Univerſität
kliniken haben bereits die Zuſage gegeben, für 15 Jal
ihre Kranken in dem neuen kliniſchen Großbetrieb unte
zubringen. Außer Villen für die Direktoren ſind in ?
Geſamtanlage u. a. Klinikgebäude mit fünf
Operation=
ſälen, ein Erholungsheim, Empfangsgebäude, ein Apotl
kengebäude mit Direktorwohnhaus, ſowie Wirtſchafts
bäude vorgeſehen. Gegenüber dieſer Abſicht hatte die
meindeverwaltung der Kolonie Grunewald lebhaften Ei
ſpruch erhoben, indem vor allem der Befürchtung Ausdr
gegeben wurde, daß durch die umfangreichen kliniſch
Anlagen. Leichenhallen uſw. der weitere Ausbau der
Landhausſiedelung beſtimmten Kolonie erheblich bee
trächtigt, der Zuzug von Koloniſten in Frage geſtellttw.
den würde. — Zu der durch die Schuldeputation erfol
ten Wahl des Fräulein Dr. Martha Ulrich in Berlin
Schulärztin hat der Magiſtrat ſeine Zuſtimmung
teilt. Frl. Ulrich iſt die erſte Schulärztin in Berlin,
Das Deutſche Schauſpielhaus, die frühere
miſche Oper, der hübſche Barockbau an der
Weidenda=
mer Brücke, iſt an eine Hotelgeſellſchaft verkauft word
Es ſoll abgeriſſen und auf dem Platz ſoll ein Hotelneub
errichtet werden.
Spandau, 13. Sept. (In der
Notwehrerſch=
ſen.) Auf dem Exerzierplatz in der Wilhelmſtadt
Spandau wollte der Polizeibeamte Püngel einen Mat
der Schüſſe abgegeben hatte, verhaften. Letzterer erg
die Flucht und ſetzte ſich, als er von dem Beamten verfol
wurde, zur Wehr. In der Notwehr gab dieſer
Schüſſe auf den Angreifer ab, die dieſen tödlich verletzt
Groß=Moyeuvre (Lothr.), 13. Sept. (Raubanfal
Geſtern abend nach 9 Uhr kaufte ein Unbekannter ind
Spezereigeſchäft Clement eine Tafel Schokolade
ſtürzte ſich alsdann auf den Inhaber, den er mit ein
Raſiermeſſer einen tiefen Schnitt in den Hals beibrach
Als der Verletzte um Hilfe rief, eilten ſeine
Tochter=
ſeine Frau herbei, denen der Bandit die gleichen Schn
wunden beibrachte. Die Tochter lief auf die Straße 1
rief um Hilfe. Als Leute herbeikamen, war der Bau
verſchwunden und die Frau lag tot am Boden.M
weiß nicht, ob der Tod infolge des Blutverluſtes oder
folge einer Herzlähmung eingetreten iſt.
Alfeld. 13. Sept. (Wegelagerer. Bei=
Limmer Burg wurde der Lehrling Raſche, der mit ein
Fuhrwerk nach Limmer fahren wollte, von zwei Weſ
lagerern überfallen und mit ſeiner eigen
Peitſche bis zur Beſinnungsloſigkeit geſchlagen. Bei
Wegelagerern, die feſtgenommen worden ſind, fand
u=
eine Menge Wertſachen, einen Schuldſchein über 1
Mark und 2000 Mark Bargeld.
Gelſenkirchen, 13. Sept. (Großfeuer.) Die
lagen der ſeit mehr als 100 Jahren beſtehenden Wickit
ſchen Induſtrie für Holz= und Baumaterial wurden geſt
durch Feuer zerſtört. Der Schaden beläuft ſich aufm
rere 100000 Mark.
Schwerin, 13. Sept. (Unterſchlagung.)
Kaufmann Wachſenhuſen in Gnoien iſt nach Unterſch
gung von 150000 Mark geflüchtet. Er war Vertreter
Firma Fritze & Co. in Magdeburg.
Allendorf a. d. Eder. 13. Sept. (Verbrüht.)
einen Kübel kochenden Waſſers, der neben einer Dre
maſchine auf dem Felde ſtand, fiel ein einjährig
Knabe und verbrühte ſich ſo ſchwer, daß der Tod
bald eintrat.
Innsbruck, 13. Sept. (Brand eines
Zol=
magazins.) Geſtern mittag iſt das Zoll= und
Fra=
magazin in Ala in Tirol abgebrannt. Hunderte
Frachtſendungen von Paketen, den dazu gehörigen Di
menten und 5 Güterwagen ſind verbrannt. Der
Million betragende Schaden iſt durch Verſicherung ged
Graz, 12. Sept. (Das Verſchwinden d
Biſchofs Bogdanowitſch.) In der Ache
wu=
geſtern ein Fund gemacht, der den erſten Beweis de
erbringt, daß der verſchwundene ſerbiſche Patriarch B
danowitſch nicht mehr unter den Lebenden weilt. Zwiſe
Hofgaſtein und Dorf Gaſtein wurde in der Ache der Br
teil eines Hemdes gefunden, der ſich im Geſtrüpp verfan
hatte und die Buchſtaben L. B. (Lucian
Bogdanowit=
trägt. Es wurde feſtgeſtellt, daß dieſer Bruſtteil von ein
Hemde des Patriarchen herrührt. Dadurch iſt
zweifel=
erwieſen, daß der verſchwundene Kirchenfürſt in
Ache geſtürzt und ertrunken iſt, und daß
Waſſer und das Geröll der Leiche bereits die Kleid=
und Wäſche vom Körper geriſſen haben. Die
Annah=
daß der Patriarch einem Verbrechen zum Opfer gefa
ſei, erſcheint hinfällig.
Przemysl, 12. Sept. (Ueberſchwemmung.)
folge von Regengüſſen iſt der Sanfluß über ſt
Ufer getreten, mehrere Straßen und Vororte
überſchwemmt; die Militärbadeanſtalt und Pontonsn
den mitgeriſſen. Ein Soldat ertrank. Auch die Ortſe
Sadowa=Wisznia iſt teilweiſe überſchwemmt. Infolge
Beſchädigung des Bahnkörpers bei Bobrka auf der Str=
Stanislau-Lemberg-Choderow wurde der Betrieb
zwei Tage eingeſtellt. Auch aus anderen zahlreichen L.
desteilen wurden Hochwaſſerſchäden gemeldet.
Brunnen, 13. Sept. (Tragödie auf dem Vi
waldſtätterſee.) Als der Dirigent der hieſigen K
kapelle Calesgari aus Mailand heute auf einem Dam.
von Weggis nach Vitznau zur Generalprobe für ein K
zert fuhr, mußte er mit anſehen, wie ein Boot, in 1
ſein 18jähriger Sohn und deſſen ältere Schweſter vorg
gefahren waren, von der Strömung erfaßt, ge
Nummer 216.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913,
Seite 5.
den Schiffskörper geſchleudert und völlig zertrümmert
wurde. Die Tochter wurde gerettet, während der Sohn
als gräßlich verſtümmelte Leiche geborgen wurde.
Cale=
gari mußte gewaltſam daran gehindert werden, ſich in das
Waſſer zu ſtürzen. Unterdeſſen ſprang die Tochter in den
See und ertrank. Da der verzweifelte Vater einen
erneu=
en Selbſtmordverſuch machte, wurde er mit Stricken
ge=
eſſelt und in einem Automobil nach Hauſe gebracht. Er
vird unabläſſig bewacht.
Paris, 13. Sept. (Verhaftung eines
Deut=
chen.) Die Polizei verhaftete an Bord des von Dover
ommenden Paſſagierdampfers „Paſſe du Calais” den 21 Deutſchen Ludwig Wincke, der ohne
Fahr=
chein und ohne Ausweispapiere reiſte. Wincke hatte einen
Browningrevolver, 14 Patronen und zwei neue, allerdings
eere Brieftaſchen bei ſich. Er erklärte, daß er in die
Fremdenlegion eintreten wolle. Man glaubt, daß dieſe
Verhaftung mit der Angelegenheit des geſtohlenen
Perlen=
ſalsbandes in Zuſammenhang ſteht.
London, 12. Sept. (Das geſtohlene
Perlen=
ſalsband.) Heute wurden von dem
Polizeige=
icht die Verhandlungen in Sachen des
Perlenhalsban=
es fortgeſetzt. Der Diamantmakler Quadratſtein, welcher
ver Polizei bei der Suche nach dem Halsbande behilflich
jeweſen war, erklärte, daß nach Ausſage eines Gefangenen
ieſe 2400 Pfund Sterling bezahlt hätten, um in den Beſitz
ies Halsbandes zu gelangen; je 200 Pfund hätten ſie den
leiden Poſtbeamten verſprochen; jeder von beiden erhielt
ls Anzahlung 100 Pfund. Weiter ſagte der Zeuge aus,
nan erzählte ihm, daß einer der Gefangenen bei dem
diebſtahl im Café Monica 1909 einen Beutel mit Perlen
m Werte von 40000 Pfund dem Diamanthändler
Gold=
chmidt fortriß.
Gottesglaube und moderne
Weſtanſchauung.
V.
W. In ſeinem fünften Vortrage am Freitag ſprach
zerr Profeſſor D. Dr. Weinel über den
Gottes=
lauben und die Tatſache des Leidens in
er Welt. Der Sturz des alten Teufelsglaubens hat
as Problem des Leidens, das im praktiſchen Leben
auf=
aucht, erneuert. Hat das Leiden überhaupt einen Sinn?
eht man naturwiſſenſchaftlich vor, ſo läßt ſich nachweiſen,
aß der Schmerz ein wichtiges, vorwärts treibendes
Mo=
nent in der Entwickelung iſt. Fragen wir über die
Wiſ=
enſchaft hinaus, ſo kommen wir zu dem Gedanken der
Stoa, daß der Schmerz zur Erziehung der Menſchen da
ei. (Seneca.) Ob Freude oder Leid in der Welt
über=
viegt, das kann man wiſſenſchaftlich nicht nachweiſen.
Vir müſſen hier nach unſeren praktiſchen Erfahrungen im
Leben gehen, und da werden wir immer zu dem Schluß
ommen: mehr Leid, als Freude. Dieſer Schluß iſt
pſycho=
ogiſch notwendig, weil die Luſt, ſoll ſie nicht Unluſt
wer=
en, ein kurzes Moment bleiben muß. So enden wir mit
ieſem Ergebnis immer an dem Satze des Peſſimismus,
aß alles Leben ſinnloſes Leiden iſt. (Buddha,
Schopen=
ſauer, Hartmann.) Es iſt aber noch eine zweite ſittliche
Stellung dem Problem des Leidens gegenüber möglich,
kämlich der ſtoiſche Gedanke, daß jeder in der Welt eine
lufgabe zu erfüllen hat. Schließlich kommen wir ſo zu
ſer Tatſache, daß alles Leiden ſubjektiv iſt. (Buddha.)
Pas dem Menſchen nun über alles Leid hinaushilft, das
ind die Religionen, und zwar wollen alle Religionen
die=
en Dienſt tun. Neben ſeinem ſittlichen Empfinden iſt es
gerade die Art, wie der Menſch das Leiden aufnimmt und
verarbeitet, an der wir ſeine Religion erkennen können.
Der primitive Menſch ſchützt ſich durch Opfer und Zauber
vor den böſen Geiſtern, die ihm das Leid ſenden. Ihn
ehrt die Not beten. Auch heute noch iſt die Vorſtellung,
Bott durch Gebet etwas abringen zu können, verbreitet.
dieſes Beten iſt aber kein Beten im chriſtlichen Sinne.
Zeten heißt vielmehr, mit Gott ſprechen, ſein ganzes Leben
m Angeſichte Gottes führen, in ewiger Beziehung zum
wigen ſtehen. So erfüllt ſich dem Menſchen auch das
Zebet in ſeinem innerlichen Leben und tritt erſt von da aus
rach außen. Die Religionen wollen nun in verſchiedener
Leiſe den Menſchen vom Leid erlöſen; der Buddhismus,
ndem er den Trieb zur Luſt, aus dem das Leid des
Men=
hen entſteht, erſtickt; die Stoa, indem ſie den Menſchen
inweiſt auf ſeine Aufgaben in der Welt und auf das
Er=
ieheriſche des Leidens; die Myſterienreligionen der alten
Velt, indem ſie eine Erlöſung im Jenſeits verheißen.
End=
ich finden wir im Judentum und im vorderen Orient die
Vorſtellung von einer kommenden, neuen Welt verbreitet.
lle dieſe Anſichten leben auch im Chriſtentum, und doch
nterſcheidet ſich das Chriſtentum in der Erlöſung vom
eid ganz weſentlich von den anderen Religionen. Was
at Jeſus darüber geſagt und erlebt, in deſſen Leben das
eiden eingetreten iſt in furchtbarer Geſtalt? Wir ſehen,
aß er das Leiden auffaßt als einen Dienſt für die ande
en. Das Leiden zieht aus dem Menſchen die größten
kräfte, die er überhaupt haben kann: Tapferkeit,
Ent=
agung und Güte. So iſt das Leiden auch in der Welt
er Religionen ein treibender Faktor. Von der Religion
us kann der Menſch das Leid verklären und ſich darüber
inaushelfen. Nie kann ſo das Leiden, an dem ſich der
Vert des Menſchen in der Welt offenbart, weil es ein
dienſt für die anderen iſt, vom Gottesglauben abbringen.
Freilich werden Menſchen ohne Religion hier immer
wie=
er notwendig am Peſſimismus enden. Den Gedanken an
eine vollkommene Welt hat ſchon Leibniz als einen
Wider=
ſpruch in ſich abgelehnt. Vollkommen iſt nur Gott. Eine
vollkommene Welt wäre eine Wiederholung Gottes. So
kommt Leibniz zu dem Schluß, daß unſere Welt die
mög=
lichſt beſte ſei. Die menſchlichen Kataſtrophen, die zum
großen Teil auch aus Leichtſinn entſtehen, ſtellen jeden
einzelnen vor die Frage nach ſeiner perſönlichen Erlöſung.
Das bloße Aufhören des Lebens darf nicht als Leiden
gefaßt werden.
VI.
Nach Beantwortung verſchiedener Anfragen wurde im
letzten Vortrag von Herrn Profeſſor D. Dr. Weinel
zunächſt das Problem des Böſen in der Welt
behandelt. Der Sturz des Teufelsglaubens und der alten
Erklärungen für das Böſe in der Welt hat auch hier eine
Erneuerung des Problems’gebracht. Früher galt das
Böſe als eine von Ewigkeit her beſtehende Kraft, und
zwar entweder dualiſtiſch (Manichäismus) als böſes
Prin=
zip dem guten Prinzip entgegengeſetzt (Satan und Gott),
oder weſenhaft mit Gott vereint. Hier bedeutet die
ent=
wickelungsgeſchichtliche Anſchauung nun eine weſentliche
Erleichterung mit der Erkenntnis, daß das Böſe nichts
Ewiges, ſondern menſchlich iſt. Das Böſe iſt relativ (
Oſt=
wald). Die Entwickelung in Natur= und Menſchengeſchichte
zeigt, daß das Böſe entweder der Reſt
tieri=
ſcher Inſtinkte iſt. Bei der aufwärts gerichteten
Entwickelung werden häufig alte Vorſtellungen, die mit
unglaublicher Zähigkeit haften, mitgenommen auf eine
höhere Stufe, wo ſie als ſchlecht und böſe gelten müſſen.
Die neue Auffaſſung des Böſen als eine relative, nur im
Menſchen wirkende Kraft, iſt viel ernſter wie die alte,
weil wir jetzt volle Verantwortung für das Gute zu
über=
nehmen haben. Von hier aus wird auch das Problem
der Willensfreiheit berührt. Wir finden, daß wir in
einem Rätſel von Abhängigkeit und Uabhängigkeit ſtehen.
Dieſes Rätſel können wir nicht löſen, aber deshalh brauchen
wir an Gott nicht zu verzweifeln. Vielmehr gründen wir
unſeren Gottesglauben zunächſt einmal auf die ſittlichen
Tatſachen. Die Wiſſenſchaft verſagt hier, denn ſie iſt immer
Bruchſtück und einſeitig. Einſeitig iſt auch der aus der
Naturwiſſenſchaft hervorgegangene Pantheismus und die
moderne Myſtik. Beide ſtehen in der Gefahr, Gott in dem
Augenblick zu verlieren, wo ſie ihn zu beſitzen meinen.
Ihnen fehlt der Blick in die menſchliche Geſchichte, in der
ſich das Heilige über den Menſchen kund tut. Hier wird
uns bewußt, daß wir mit unſerem Leben in eine
Ent=
wickelungsbahn hineingetrieben ſind, in der wir
notwen=
dig wirkende Kräfte ſind, ob wir wollen oder nicht. Wir
fühlen, daß ein Hohes und Heiliges über uns ſteht und
daß wir ein Licht auf unſerem Lebensweg brauchen. Von
Zeit zu Zeit treten große Menſchen auf, die den Blick
aller auf ſich lenken und jeden fühlen laſſen, ſo kann ich
auch ſein, bin es aber noch nicht. So entſteht das
Schuld=
gefühl. Jeder Menſch iſt ſchuldig. Durch Scham und
Reue hindurch geſchieht die Wiedergeburt. Endlich kommt
auch die Ueberzeugung, daß der Menſch auf Erden nie
ganz vollkommen werden kann, und der Glaube, daß ſich
die Vollendung nach dem Tode erfüllen wird. So
ent=
ſteht eine Schwere und Verantwortlichkeit des Lebens,
zugleich aber eine Zuverſicht und Freude, die das
eigent=
lich Schöpferiſche im Menſchen bedeuten. Eine
Gottes=
hypotheſe jedoch, die uns kalt läßt, iſt nur eine
Welt=
anſchauung und noch keine Religion. Vielmehr iſt das
eigentlich Beſtimmende für den Menſchen die perſönliche
Offenbarung Gottes als eines heiligen Weſens, das
über den Dingen waltet. Nur auf dieſem Wege kann man
zu einem vollkommenen Gottesglauben kommen, von dem
nichts abbringen kann.
Der warme und herzliche Beifall am Schluſſe der
Vorträge war ein Zeichen tiefgefühlten Dankes, den der
Vorſitzende des Därmſtädter Lehrervereins, Herr Lehrer
Gerbig, auch in Worte kleidete mit beſonderem Hinweis
auf die große Bedeutung der Vorträge für die
Lehrer=
ſchaft, die im Unterricht mit Religion und Wiſſenſchaft
ſich auseinanderſetzen muß.
Hkademiſche Volksunterrichtskurſe.
— In dem ſehr anregend verlaufenen Vortrag
über Völkerkunde ging der Vortragende aus von
der Einteilung der Menſchheit in die drei großen Raſſen
der Kaukaſier, Mongolen und Aethiopier,
ſowie die kleineren, zum Teil ausſterbenden Raſſen der
Indianer, Malayer, Drawidas, Papuas, Auſtralneger,
Hottentotten und erläuterte ihr Weſen und Vorkommen an
Hand des von hieſigen Schulen bereitwilligſt zur
Verfüg=
ung geſtellten Karten= und Anſchauungsmaterials. Kurz
die Darwinſche Entwickelungslehre und dann die Lehre
von der Verwandtſchaft des Menſchen mit dem Affen
ſtreifend, ging der Redner zu dem uns am meiſten
intereſſierenden Zweig der kaukaſiſchen Raſſe, nämlich der
ariſchen oder indogermaniſchen
Völker=
familie, über und erläuterte durch einige Beiſpiele aus
der deutſchen, ruſſiſchen, altnordiſchen, litauiſchen,
griechi=
ſchen und lateiniſchen Sprache, ſowie dem altindiſchen
Sanskrit die Zuſammengehörigkeit der einzelnen Völker
der ariſchen Völkerfamilie und ihre Verſchiedenheit von
den anderen Raſſen, wie z. B. der mongoliſchen.
Er ſchilderte dann, wie man ſich die Schickſale der
ariſchen Völkerfamilie bis zum Eintritt in die Geſchichte
denkt, ſprach von der Teilung der Arier in die Inder und
Perſer, die Kelten und Griechen und die Gruppe der
Slawen, Litauer und Germanen.
Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, 14. September.
Lohengrin.
W-l. Die heutige Aufführung von Richard Wagners
Lohengrin”, die von Herrn Hofkapellmeiſter de Haan
eleitet wurde, ſtellte ſich der „Tannhäuſer”=Aufführung
om letzten Sonntag gleichwertig zur Seite. Die neuen
kräfte paßten ſich dem alten bewährten Enſemble aufs
eſte an, und das Ganze machte einen wohltuenden
Ein=
ruck künſtleriſcher Geſchloſſenheit. Herr Becker war
immlich ſehr gut disponiert und ſang die Titelpartie mit
onlicher Schönheit und der ihm eigenen Sicherheit und
ch gleich bleibenden Zuverläſſigkeit. Frl.
Geyers=
ach ließ als Elſa keinen Wunſch unbefriedigt und
ent=
ückte ebenſo ſehr durch die Leichtigkeit und Schönheit
hrer Tongebung wie durch die Wärme und Innigkeit
hres Vortrages. Den König ſang Herr Stephani
iit markiger Stimme und künſtleriſcher Ueberlegenheit.
für die Partie des Heerrufers ſetzte Herr Semper einen
edeutenden ſtimmlichen Fonds und ſein beſtes Können
rit Erfolg ein.
Neu beſetzt waren nur die beiden Partien des
Telra=
nrund und der Ortrud. Jene ſang zum erſten Male Herr
Jerkins, der über ein mächtiges, etwas maſſiges Organ,
ine heldiſche Erſcheinung und ein bei einem jungen
zänger imponierendes Können gebietet. So beherrſchte
er die Partie muſikaliſch vollkommen, wobei die ſehr
deut=
liche, auch faſt immer reine Ausſprache, ein nicht allen
Wagner=Sängern eigener Vorzug, beſonders angenehm
berührte. Im Vortrag wäre noch mehr ſtimmliche
Modu=
lation und im Spiel und in den Bewegungen noch mehr
Harmonie und abgeklärte Ruhe erwünſcht. Sonſt beſitzt
Herr Perkins alles Zeug für einen echten Heldenbariton.
Daß Frau Callwey eine intelligente Künſtlerin und
perfekte Sängerin iſt, bewies auch ihre Ortrud, die ſie trotz
einer Indispoſition mit ſelten gehörter ſtimmlicher Verve
und Ausdauer ſang und die vielen Sängerinnen
gefähr=
lich werdenden hohen Klippen der ſchwierigen Partie,
namentlich im 2. Akte, mühelos überwand. Mit der
lobenswerten geſanglichen Durchführung ihrer Aufgabe
ſtand das verſtändnisvolle, der perſönlichen Note nicht
er=
mangelnde Spiel in Einklang.
Das Publikum ſpendete den Künſtlern reichen
Bei=
fall. Im zweiten Akte würden wir empfehlen, den weit
vorſtehenden, etwas klotzigen und den Zuſchauern auf der
linken Seite die Ausſicht verſperrenden Balkon weiter
zurückzurücken, was zugleich den Vorteil haben würde,
daß ſich die Perſonen auf der jetzt etwas beengten Treppe
freier bewegen könnten.
Während des Sonnenaufgangs im 2. Akte wurde das
Publikum durch ein brauſendes Geräuſch, das von der
Bühne her zu kommen ſchien, geſtört und beunruhigt. Wie
ſich ſpäter herausſtellte, war es ein heftiger Gewitterregen
geweſen, der dies unerklärliche Geräuſch verurſachte.
Nach Beſchreibung der Entſtehungsgeſchichte des
franzöſiſchen und engliſchen Volkes kam er
dann auf den Werdegang des deutſchen Volkes zu
ſpre=
chen, ſchilderte, welche Veränderungen die Deutſchen
infolge des dreißigjährigen Krieges einerſeits und durch
ihre teilweiſe Vermiſchung mit den Slawen andererſeits
durchgemacht hätten und kam am Schluſſe dieſer
Betracht=
ungen zu dem Ergebnis, daß die heutigen Deutſchen wohl
als Nachkommen der Germanen anzuſehen ſeien, daß ſie
ſich jedoch nicht rein erhalten haben, ſondern daß ſie mit
fremden, und zwar beſonders mit ſlawiſchen Elementen,
durchſetzt ſind. Er fügte hinzu, daß dieſe Tatſache vom=
Raſſenſtandpunkt aus durchaus nicht unerfreulich ſei, und
bemerkte dabei, daß ja gerade die Germanen auf ihren
Zügen durch die alten römiſchen Provinzen auch die
an=
deren Stämme ſtark mit deutſchem Blute durchſetzt hätten,
ſo beſonders in Italien, Spanien und Frankreich.
Immer=
hin kann man doch auch heute noch die einzelnen deutſchen
Stämme ſehr gut unterſcheiden, ſo die Bayern, in deren
Sprachgebiete viele Ortsnamen auf „ing” endigen, von den
Schwaben, deren Ortsnamen vielfach die Endung „ingen”
aufweiſen, u. a. m.
Beſonders die Schilderung der Bevölkerung auf der
Balkanhalbinſel, auf die der Vortragende durch
die Hunnen= und Ungarn=Einfälle in Deutſchland zu
ſprechen kam, erweckte bei den Hörern reges Intereſſe. Der
Vortragende hatte die Bevölkerung der Balkanhalbinſel
ihrer Stammeszugehörigkeit nach in 6 Gruppen
einge=
teilt, nämlich die zum ariſchen Stamme gehörigen
Grie=
chen, die ſich aus Nachkommen der alten Griechen
ver=
hältnismäßig rein erhalten haben, die Serben (und
Montenegriner), die zu der ſüdſlawiſchen Völkerfamilie
zählen, die romaniſchen, aus einer Verſchmelzung der
Ur=
bevölkerung mit römiſchen Koloniſten hervorgegangenen
Rumänen, die Albanier, die ſich als Nachkommen
einer wahrſcheinlich nicht ariſchen Urbevölkerung ziemlich
rein erhalten haben, die nicht zur ariſchen Raſſe
gehöri=
gen, ſondern mongoliſchen Türken, die ihren
Stammes=
charakter ebenfalls nur wenig verändert haben, und
end=
lich die Bulgaren, die der Redner als „ſlawiſierte
Mongolen” bezeichnete und auf deren Herkunft und
Ent=
wickelung er etwas näher einging.
Das rege Intereſſe, welches gerade dieſe letzten
Aus=
führungen bei den Hörern erweckten, kam in der
Aus=
ſprache, die ſich an den Vortrag anſchloß, zum Ausdruck
und veranlaßte die Veranſtalter, noch einen weiteren
Abend beſonders für dieſe letzten Fragen in Ausſicht zu
nehmen, und zwar ſchon den nächſten Freitag, den
19. d. M. Dieſer Vortrag wird jedoch für ſich auch ein
abgeſchloſſenes Ganzes bilden, ſo daß er ohne weiteres
auch für ſolche Hörer (in der Hauptſache ſetzten ſich dieſe
aus Arbeitern und Unterbeamten zuſammen), die dem
letzten Vortrage nicht beiwohnten, verſtändlich ſein
wird, zumal Landkarte und Anſchauungsmaterial zum
beſſeren Verſtändnis beitragen.
Die Blumenpflege in Arbeiterfamilien.
Der Verein zur Förderung der
Blu=
menpflege in Arbeiterfamilien veranſtaltete
geſtern in dem Feſtſaal der Knabenarbeitsanſtalt in der
Stiftſtraße eine reichbeſchickte Blumenausſtellung
mit Preisbewerb von in Arbeiterfamilien
gepfleg=
ten Blumenpflanzen, die aus allen Kreiſen der
Bevölker=
ung ſtark beſucht war. Ausgeteilt wurden anfangs Mai
d. J. an 500 Familien in Darmſtadt je eine Gruppe
Efeu=
geranien=, Margeritte= und Zwerg=Fuchſien=Pflanzen, von
denen eine große Anzahl zum Preisbewerb ausgeſtellt
waren. Sämtliche Pflanzen waren außerordentlich gut
gepflegt und legten Zeugnis ab, mit welcher Liebe und
Sorgfalt die Blumen auch in Arbeiterkreiſen volles
Ver=
ſtändnis fanden.
Bei der Prämiierung konnten die nachſtehenden
Gruppenausſteller mit Preiſen ausgezeichnet werden:
1. Preis, 3 Mark: Anna Moder. Heinrich Moder. Ernſt
Semmler, Auguſt Gerlach, Anna Semmler, Ph.
Schnell=
bacher, Johann Steinbrecher, Marie Steinbrecher Simon
Walter, Ernſt Ruppert, Marie Ruppert, Marie Riehl,
Kath. Horn. Eliſ. Kirchner, Rudolf Henkler, Margarete
Petry, Frieda Petry. Eliſabeth Baumann. 2. Preis,
2 Mark: Guſtav Schulz. Frau Schulz, Guſtav Schneider,
Suſanne Göbel. Eliſe Burger. Ad. Miſchdörfer, Adam
Haun, Heinrich Münch, Konrad Riehl, Eliſab. Rühl, Emilie
Fiſchlein, Eliſabeth Hombrecht, Luiſe Walter, Kacl Bitſch,
Ludwig Kunz, Frau Bechtol, Auguſt Naumann, Luiſe
Henkler. Joh. Hildebrand. Minni Bitſch, Eliſabeth Rück,
Anna Balles, Geora Burger, Marie Petry, Peter Kunkel,
Anna Kunkel. 3. Preis, 1 Mark: Frau Wißmann,
Katharine Puſch, Eliſe Gunkel. Philipp Reinheimer,
Ger=
trud Reinheimer Adam Göbel, Marg. Sproß, Dina
Gö=
bel, Joh. Göbel, Friedrich Weck, Magdalena Schneider,
Maria Rück, Kath. Schmidt, Henriette Glenzler, Peter
Beilſtein, A. Semmler, Anna Hofmann. Adam Benz. Joh.
Benz. Joh. Blitz, Auauſte Gunkel, Wilhelm Cuny. Marie
Riedle, Chriſtine Münch, Marie Rühl. Emma Wollert,
Konrad Schardt, Friedr. Herzberger. Adam Flamm. Kath.
Beck, Wilh. Bindewald, Berta Bindewald. Karl Wollert,
Marg. Schuchmann, Frau Bitſch, Joh. Reiß, Joh. Staehr,
Frau Flamm, Karl Naumann. Kath. Langjahr, Anna
Horn, Margarete Würthele, Wilh. Würthele. Wilh.
Lang=
fahr, Marie Bitſch, Marie Bohn, Frieda Langjahr, Otto
holzſchuh. Joſeph Schnellbacher, Karl Rühl, Heinrich
Balles, Berta Bernhardt, Marie Keil, Heinrich Herzberger,
Frau Hoppenhold. Joh. Oßwald, Kath. Winkel, Wilhelm
Dolph. Weitere 27 Ausſteller wurden mit
Anerkennungs=
diplomen ausgezeichnet. Insgeſamt wurden 129 Preiſe
zur Verteilung gebracht.
Die Preisverteilung und Abbolung der ausgeſtellten
Pflanzen findet heute Montag vormittag von 8—12
fihr ſtatt.
Walderholungsſtätten.
* Zu einer ſinnigen Feier geſtaltete ſich die am
Sams=
tag erfolgte Schließung der beiden Walderholungsſtätten,
zu der verſchiedene Vorſtandsmitglieder, das Perſonal,
ſowie die Pfleglinge ſich in der Frauenſtätte verſammelt
hatten. Die Protektorin des Vereins, Ihre Durchlaucht
die Fürſtin Marie zu Erbach=Schönberg, war
zu ihrem Bedauern am Erſcheinen verhindert. Die
Be=
ſucher hatten die Stätte in geſchmackvoller Weiſe mit
fri=
ſchem Grün geſchmückt; auch die Langenbach=Buche prangte
im Schmucke einer Girlande. Nach einem von den
Pfleg=
lingen unter Leitung des Herrn Fiſcher wirkungsvoll
vorgetragenen Liede, das dem Abſchiede galt, ergriff der
Vorſitzende des Vereins, Herr Bürgermeiſter Mueller,
das Wort zu einer Anſprache, in der er hervorhob, daß
die jetzt in den Morgen= und Abendſtunden einſetzende
Herbſtkühle Veranlaſſung zur Schließung ſei. Trotz der
Ungunſt des Sommers könne der Verein wieder auf einen
recht ſtattlichen Beſuch zurückblicken. Beſonders
erfreu=
lich ſei es, daß die Pfleglinge ſelbſt großen Wert auf die
unbeſchränkte Gewährung und Ausnützung der ihnen ver=
Seite6e
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Nummer 216,
ordneten Kur legen und dadurch die Bedeutung der
Wald=
erholung anerkennen. Redner widmete dann Worte
herz=
lichen Dankes allen Freunden und Förderern des
Unter=
nehmens, in erſter Linie Ihrer Königlichen Hoheit der
Großherzogin, die im vergangenen Jahre 1000
Mark geſtiftet hatte, der Protektorin, J. D. der Fürſtin zu
Erbach=Schönberg, der Landesverſicherungsanſtalt,
den Krankenkaſſen und den Vereins= und
Vorſtandsmit=
gliedern. Beſonderer Dank gebühre der verdienſtvollen
Tätigkeit des Vereinsſekretärs, Herrn Ed. Schneider.
Auch den Schweſtern und dem Küchenperſonal wurde für
ſeine pflichttreue Arbeit Dank ausgeſprochen. Redner
ſchloß mit dem Wunſche, daß die Beſucher nicht nur einen
geſundheitlichen Gewinn, ſondern auch die Ueberzeugung
mit nach Hauſe nehmen möchten, daß in unſerer bewegten
Zeit der Geiſt freiwilliger und hochherziger
Liebestätig=
keit, als deſſen Schöpfung die Walderholungsſtätten gelten
können, nicht erſtorben ſei. Namens der Pfleglinge
ſtat=
tete Herr Jung den Dank für die in den
Walderholungs=
ſtätten geſchaffene Fürſorge ab. Nachdem die Pfleglinge
noch ein dem Lobe des Waldes gewidmetes Lied zu
Ge=
hör brachten, fand die recht ſtimmungsvoll verlaufene
Feier ihr Ende.
Landesgewerbeverein.
(*) Lauterbach, 14. Sept. Die
Hauptver=
fammlung des Landesgewerbevereins für
das Großherzogtum Heſſen fand geſtern und
heute in den Mauern unſeres Kreisſtädtchens ſtatt. Alle
Gewerbevereine aus den drei Provinzen hatten ihre
Ver=
treter entſandt, ſo daß der große Saal im „Johannisberg‟
kaum die Gäſte faſſen konnte. Die Tagung begann geſtern
abend mit einer Begrüßungsfeier im Saalbau. Der
Vor=
ſitzende des Gewerbevereins Lauterbach, Schloſſermeiſter
Otterbein, Bürgermeiſter und Landtagsabgeordneter
Stöpler=Lauterbach und Geheimrat Noack=
Darm=
ſtadt, der Vorſitzende des Landesgewerbevereins, hielten
Begrüßungsanſprachen. Viel Beifall fand der
Lichtbilder=
vortrag des Hauptlehrers Schindel=Alsfeld über „Bau=
und Handwerkskunſt früherer Zeiten im Bezirk
Lauter=
bach”, in welchem Bilder von Lauterbach, Alsfeld, Schlitz,
Romrod, Herbſtein gezeigt wurden. Der Geſangverein
Liederkranz und die Stadtkapelle trugen zur Verſchönerung
des Abends bei.
Die Hauptverſammlung nahm heute vormittag ½11 Uhr
unter Leitung des Geheimrats Noack=Darmſtadt ihren
Anfang. Der Vorſitzende begrüßte beſonders den
Vertre=
ter der Staatsregierung. Oberregierungsrat Gräf, den
Provinzialdirektor Dr. Uſinger, den Kreisrat von Bechtold,
den Vertreter der Handwerkskammer, der Sterbekaſſe und
den Vorſitzenden des pfälziſchen Gewerbevereins.
Ober=
regierungsrat Gräf überbrachte die Grüße und Wünſche
der Regierung! Er wies auf die Staatshilfe hin, neben
der das Handwerk auch der Selbſthilfe bedürfe, um ſeine
Lage zu verbeſſern. Die Fachſchulen müſſen von der Jugend
mehr beſucht werden, um einen tüchtigen Nachwuchs
heran=
zubilden. Die Handwerker ſollten ihre Söhne mehr dem
Handwerk zuwenden. Die Handwerkergeſetzgebung von
1897 ſoll weiter ausgebaut, den Gewerbevereinen das
Wahlrecht zur Handwerkskammer gewährt werden. Der
Vorſitzende brachte im Anſchluß an den Jahresrückblick
auf den Großherzog, den Förderer des Handwerks, ein
Hoch aus.
Dann wurde in die Tagesordnung,
ein=
getreten. Die Aufnahme weiblicher
Ge=
des
werbetreibender als Mitglieder
Landesgewerbevereins und der Ortsgewerbevereine
wird einſtimmig beſchloſſen. § 3 der Satzung ſoll eine
dahingehende Aenderung erfahren. Die Gewerbeſchulen
ſollen dafür ſorgen, daß auch die weiblichen Lehrlinge
Aus=
bildung erhalten. — Für die Tagung des
Landesgewerbe=
vereins 1914 melden ſich die Ortsvereine Erbach, Langen,
Seligenſtadt und Neu=Iſenhurg. Durch Abſtimmung
er=
hielt der Verein Erbach gegründet 1847, mithin der
äl=
teſte Gewerbeverein, die Hauptverſammlung. — Reallehrer
Kahl=Darmſtadt berichtet über die Bildung von
Fachgruppen innerhalb der Bezirksverbände. Es
wird dem Antrag des Redners gemäß beſchloſſen: Die
Bil=
dung von beruflichen Fachgruppen innerhalb der
Bezirks=
verbände iſt notwendig. Im Anſchluß an den Antrag
Gießen: „Mitteilungen über Genoſſenſchaften mit
be=
ſſchränkter und unbeſchränkte Haftpflicht” hält
Rechtsanwalt Kaufmann=Gießen einen
ſehr
lehrreichen Vortrag, der lebhaften Beifall
ern=
tete. Er weiſt beſonders auf die Gefahren für Mitglieder
von Genoſſenſchaften mit unbeſchränkter Haftpflicht und
unbeſchränkter Nachſchußpflicht hin und mahnt zur Vorſicht
bei Abmeldungen. Die Abmeldung iſt erſt geſetzlich
gül=
tig, wenn der Name amtsgerichtlich geſtrichen wird. Bei
Todesfall ſind die Erben bis Ende des Geſchäftsjahres
haftpflichtig. Die beſten Reviſoren ſind die Mitglieder,
die den Geſchäftsgang genau verfolgen. in die
Mitglieder=
verſammlungen gehen und ſtets Aufklärung fordern. Der
Vorſitzende, Geheimrat Noack, richtete an die
Verſamm=
lung die ernſte Mahnung zur Vorſicht und bittet den
Red=
ner, ſeinen Vortrag im Gewerbeverein halten zu wollen.
Der heutige kurze Vortrag erſcheint im Gewerbeblatt. —
Dem Antrag Offenbach gemäß ſoll der Einführung
ge=
werblicher Schiedsgerichte näher getreten werden.
Buch=
bindermeiſter Schmuck=Worms berichtet im Auftrag des
Gewerbevereins Worms über obligatoriſchen Beſuch der
Handwerkerzeichenſchulen mit gewerblichem
Fortbildungs=
ſchulunterricht. Die Verſammlung beſchließt, den
dahin=
gehenden Antrag Worms durch die Zentralſtelle an
maß=
gebender Stelle einzubringen. Mit dem Geſellenbrief
ſol=
len künftig in einem beſonderen Zeugnis die Ergebniſſe
der Prüfung in den einzelnen Prüfungsfächern überreicht
werden. — Der Antrag des Ortsgewerbevereins
Gie=
ßen, betreffend Verringerung des Güterumſatzſtempels”
wird nach den Ausführungen des Berichterſtatters Prof.
Dr. Krausmüller=Gießen einſtimmig angenommen.
Redner zeigt, wie der hohe Stempel in den letzten drei
Jahren die Bautätigkeit ſehr gehemmt habe zum Schaden
für das Baugewerbe und der darin tätigen
Bauhand=
werker.
Provinzialdirektor Dr. Uſinger ſpricht ſeine
Be=
wunderung über die Ausſtellung und über die Leiſtungen
der Sonntagszeichenſchulen aus und wünſcht, daß man
weiter auf dem Wege, nach der Natur zu zeichnen,
fort=
fahre. Die Verwaltungsbeamten würden gern die
Aus=
bildung des Handwerkernachwuchſes fördern. Der
Syn=
dikus der Handwerkskammer, Engelbach=Darmſtadt,
bemerkt, daß die Zentralſtelle ſich bereits mit Erfolg
be=
müht habe, daß bei den Lieferungen im Anſchluß an die
Militärvorlage die Handwerker in erſter Linie
berückſich=
tigt würden.
Mit Dankesworten ſchloß dann Geheimerat Noack
die Hauptverſammlung. Im Kaſino fand Feſteſſen ſtatt.
— Nachmittags beſichtigten die Gäſte die Ausſtellung
im Gebäude der Web= und Handwerkerſchule. Die
Aus=
ſtellung fand allgemeine Anerkennung in allen ihren
Tei=
len, ſie umfaßt drei Hauptabteilungen. Die Ausſtellung
der Weberei in den Werkſtättenräumen, die
Handwerks=
ſſchau aus der Zeit vor 100 Jahren und der Jetztzeit, und
die Schülerarbeiten, ſowohl der Gewerbeſchulen
Fried=
berg, Gießen, Nidda und Büdingen, als auch der Sonn=
tagszeichenſchulen Grünberg, Hungen, Lauterbach,
Orten=
berg, Butzbach, Schlitz, Gießen, Alsfeld, Friedberg und
Nidda.
Manöver der Großh. Heſſiſchen
(25.) Diviſion.
FC. Diviſionsſtabsquartier
Wächters=
bach, 13. Sept. Heute erreichten die Manöver der Großh.
Heſſiſchen (25. Diviſion) mit einem Kampfe um die Höhen
von Ober= und Unter=Reichenbach ihr Ende. Die verſtärkte
49. Infanterie=Brigade unter Generalmajor von
Uth=
mann hatte Auftrag, zu verhindern, daß der blaue
Geg=
ner, die verſtärkte 50. Infanterie=Brigade unter Oberſt von
Buddenbrock, bei Radmühl gegen die linke Flanke des roten
Armeekorps vorgehe. v. Uthmann verteidigte die Höhen
nach teilweiſem Infanteriegefecht durch Verſchanzungen,
wurde aber von Blau geworfen. — Drei Flugzeuge von
der Flugſtation Uthenheim, die Rot zugeteilt waren,
brach=
ten dem Führer von Rot präziſe Meldungen. — Nach dem
um 10 Uhr beendeten Gefecht nahmen die Truppen
Orts=
unterkunft, die verſtärkte 49. Infanteriebrigade bei
Wäch=
tersbach, Bad Orb, Kaſſel, Wirthheim, Soden, Salmünſter
und Umgegend, die verſtärkte 50. Infanteriebrigade bei
Schlierbach, Salmünſter, Wächtersbach, Bad Orb und
Umgegend.
Die neuen Stempelſteuern.
* Berlin, 13. Sept. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung teilt mit: Die Beſtimmungen zur
Aus=
führung der neuen Reichsſtempelabgabe
von Geſellſchaften und Verſicherungen
wurden in der geſtrigen Sitzung der Bundesratsausſchüſſe
für Zoll= und Steuerwefen beſchloſſen. Der Wortlaut
wird in den erſten Tagen der nächſten Woche im
Zentral=
blatt für das Deutſche Reich bekannt gegeben werden. Für
den Geſellſchaftsſtempel iſt ſchon jetzt auf § 8 des
Reichs=
ſtempelgeſetzes hinzuweiſen, wonach für
Geſellſchaftsver=
träge, die vor dem 1. Oktober 1913 beurkundet ſind, die
bisherigen Beſtimmungen maßgebend bleiben. Für die
Erhebung der Verſicherungsabgabe bieten die
Ausführ=
ungsbeſtimmungen den Verſicherungsgeſellſchaften eine
weitgehende Möglichkeit, von der Verwendung beſonderer
Verſicherungsſtempelbücher abzuſehen und die Abgabe auf
Grund der ſonſtigen Geſchäftsbücher oder im
Abrechnungs=
verfahren abzuführen. Den Bedürfniſſen der
Uebergangs=
zeit iſt beſondere Rechnung getragen, indem die Vorſchrift
des § 106 des Reichsſtempelgeſetzes über die
Nachver=
ſteuerung von Prämienzahlungen aus der Zeit vom 1.
April bis 30. September 1913 nur auf die innerhalb
die=
es Zeitraumes abgeſchloſſenen Verſicherungsverträge oder
Nachträge bezogen werden ſoll.
Amtlicher Bericht über den Untergang
des Marineluftſchiffes E1.
* Berlin, 13. Sept. Auf Grund der amtlichen
Feſtſtellung wird folgender Bericht über den
Unfall des Marineluftſchiffes „L. 1‟ gegeben:
Der erſte Manöverabſchnitt dauerte von Montag, den
3. September, früh bis Dienstag, den 10. September früh.
Es handelte ſich um eine Uebung der Flotte in der
Deut=
ſchen Bucht. an der das Luftſchiff „L. 1” wie der Befehl
am
lautete: „Nach Maßgabe ſeiner Leiſtungsfähigkeit
Tage teilnehmen ſollte. Abends kehrte das Luftſchiff
re=
gelmäßig nach ſeinem Standorte Fuhlsbüttel zurück. Der
Montag verlief bei ſchönem Wetter durchaus befriedigend.
„L. 1‟ leiſtete dabei ſehr gute Dienſte. Am 9. September,
um 1 Uhr 50 Minuten mittags, lief das Schiff nach
Auf=
füllung ſeines Gasvorrates aus der Halle in Fuhlsbüttel
wieder aus und ſtand gegen 5 Uhr bei Helgoland.
Nach=
her, gegen 6 Uhr, beim Untergang peilte es Helgoland in
S.=O. bis ½ O. etwas 25 Seemeilen ab. Am Dienstag
vormittag war das Wetter nach den Beobachtungen
bei der Flotte in der Deutſchen Bucht gut.
Nachmit=
tags wurde es trübe bei etwas Regen und geringen
weſt=
lichen Winden. Zwiſchen 5 und 6 Uhr friſchte der
Wind erheblich auf mit ſtarken Regenſchauern und ſprang
dabei von S=W. in nördliche Richtung um. Allmählich
kam ſtarker Seegang auf.
In Fuhlsbüttel war vor dem Auslaufen die
Wetter=
karte von Dienstag früh 8 Uhr bekannt. Die
Wettervorher=
ſage der Hamburger Seewarte für denſelben Tag lautete:
„Schwache Winde, wechſelnde Bewölkung, nachmittags
et=
was wärmer, keine oder geringe Niederſchläge. Sie wurde
mit vollem Recht als günſtig angeſehen. Auch
Pilot=
ballonbeobachtungen erwieſen nichts beſonderes. Um
9 Uhr vormittags gingen die Beobachtungen von Borkum,
Cuxhaven, Wilhelmshaven und Flensburg ein, die auch
zu Beſorgniſſen keinen Anlaß gab. Um 4 Uhr erhielt „L.
von der Flotte die keineswegs beunruhigende
Mittei=
lung, daß bei Helgoland S.=W. zu W.=Windſtärke 3 bis
4 ſei. Gegen 4 Uhr 30 Minuten ging in Fuhlsbüttel das
Sammel=Wettertelegramm, ſowie die Karte von 2 Uhr
nachmittags und die Proanoſe der Helgoländer Seewarte
für die Nacht ein. Die Prognoſe ſollte
verabredungsge=
mäß durch Funkſpruch an „L. 1‟ übermittelt werden. Sie
lautete: „Schwache bis mäßige, etwas böige Winde aus
nördlicher Richtung, wolkig, etwas kühler, trocken.” Ob
ſie das Schiff noch erreicht hat, iſt zurzeit nicht mit
Sicher=
heit feſtzuſtellen, iſt aber übrigens praktiſch belanglos, da
ſie nicht bedenklich lautete. Wie ſehr „L. 1‟ Wert auf
Wettermeldungen leate, geht im übrigen auch aus einem
Funkſpruch an die Flotte um 4 Uhr 30 Minuten nachmit
tags hervor, des Inhalts, daß der Führer von „L. 1‟ erſt
nach Empfang der Wettermeldung ſeine weiteren
Entſchlie=
ßungen treffen möchte.
Nach dem Auslaufen des „L. 1‟ aus Fuhlsbüttel wurde
Helgoland gegen 5 Uhr mit N.=W.=Kurſe ziemlich dicht
paſſiert. Etwas ſpäter traf „L. 1” auf eine dicke, aber
keineswegs bedenklich ausſehende Nebelwand, die ſchnell
näher kum. L. 1” war derartig von Wolken umgeben,
daß es das Meer zeitweiſe nicht mehr zu ſehen vermochte.
„L. 1‟ befand ſich in einer Höhe von etwa 400 Metern. Es
ſetzte plötzlich und unvermutet ein außerordentlich ſtarker
Wolkenbruch, verbunden mit orkanartigem horizontalen
und vertikalen Böen, ein, die das Schiff in wenigen
Augenblicken nach den Barometer=Ableſungen zwiſchen 200
und 1500 Meter Höhe hin und her ſchleuderten. Der
tat=
ſächliche Höhenunterſchied iſt aber ſicherlich noch größer
geweſen. Die Stärke der Böen war ſo enorm, groß, daß das
Schiff weder dem Höhen= noch dem Seitenſteuer gehorchte
und der Entſchluß zur Umkehr nicht mehr ausgeführt
wer=
den konnte. Der Kommandant gab bei jedem Abſturz
ſo=
viel wie möglich Ballaſt ab, wodurch es einige Male
ge=
lang, den Fall aufzuhalten. Der Ballaſt ging raſch zu
Ende, das Schiff wurde dauernd hin= und hergeriſſen.
Ben=
zin, ſowie Reſerve=Maſchinenteile und alle beweglichen
Gegenſtände wurden über Bord geworfen. Man war ſich
nicht im Zweifel darüber, daß eine Kataſtrophe
unausbleib=
lich war. Da das Schiff den Rudern nicht mehr gehorchte,
manövrierte der Kommandant mit den Motoren, bis ſie
zum Schluß in jeder Weiſe einwandfrei arbeiteten! Die
Verbände des Schiffes zeigten ſich den außergewöhnlichen
Beanſpruchungen durch die vertikalen und ſeitlichen Böen
durchaus gewachſen. Solange das Schiff in der Luft wi
haben alle Mechanismen einwandfrei gearbeitet, nur
bli=
ben Höhen= und Seitenſteuer infolge der unregelmäßig
Böen wirkungslos. Kurz nachdem ſämtlicher Ballaſt uſe
abgegeben worden war, ſtieß das Schiff mit dem Vorde
teile mit großer Gewalt auf das Waſſer. Es brach
mehreren Stellen auseinander, wurde gleich darauf ni
einmal emporgeriſſen und ſtürzte wieder zurück, die m
ſten ſeiner Inſaſſen unter ſich begrabend. Die
Trümm=
ſchwammen noch etwa eine halbe Stunde auf dem Waſ
vermöge des Gasinhaltes der Zellen. Eine Viertelſtun
nach dem Unfall war S. M. S. „Hannover” und der Fi
dampfer „Orion” aus Geeſtemünde zur Stelle und rettet
mit ihren Booten die Ueberlebenden.
Das Schiff hatte bei der Abfahrt an Betriebsmitte
uſw. an Bord: Waſſer in 12 Hoſen 960 Ka., Waſſer in Fe
ſern 900 Kg., Benzin 2300 Ka., Oel 200 Kg. Da un
Umſtänden auf eine längere Fahrt zu rechnen war,
Erreichen größerer Höhen nicht beabſichtigt war, iſt
Gewichtsverteilung als zweckentſprechnd anzuſehen. T
nach den Beobachtungen an Bord ohne nennenswert
Gasverluſt durch ſtrahlende Erwärmung zurückgele
Fahrt von ungefähr 4 Stunden in etwa 400 Meter He
gibt Auſtriebsverluſt 1000 Ka., Fahrt mit drei Motor
Gewichtserleichterungen in 4 Stunden 500 Kg. Das Sch
hatte alſo 500 Ka. Untertrieb und wurde dynamiſch,d.
durch die Höhenſteuerung gehalten, wodurch die Balla
reſerve durchaus normal iſt. In dieſem Zuſtande kam d
Schiff in die vertikalen Böen und gleichzeitige
Regen=
laſtung. Die Regenbelaſtung muß mit etwa 1
Kilogramm angenommen werden. Der
Auftriel=
verluſt bei einer Höhe von 1500 Metern
erg=
etwa 3300 Kg., alſo war der Geſamtzuſtand: Mel
belaſtung 50 Kg., 3300 Kg., 1200 Kg., zuſammen 5000K
verfügbarer Ballaſt 1860 Kg., daher mußten dynami
gehalten werden 5000 — 1860 gleich 3140 Ka., das iſt ſch
bei ruhigem Wetter unmöglich, bei böigem aber ganz au
geſchloſſen. Gegenüber einer ſolchen Mehrbelaſtung wür
es auch keine Rolle geſpielt haben, wenn das Schiff
ni=
mit militäriſcher Ausrüſtung verſehen geweſen wäre,
die es im übrigen von vornherein konſtruiert wordenn
und ohne die es ſeine militäriſche Aufgabe nicht erfül
kann. Die Scheinwerferanlage wog im ganzen etwa 300H
die Funkſpruch=Einrichtung etwa 200 Kg., im übrigen w.
wie ſchon im erſten amtlichen Bericht erwähnt, einT
der beſonderen für den Krieg vorgeſehenen Ausrüſtu
nicht an Bord ſo daß auch die Teilnahme von Perſor
über die etatsmäßige Beſatzung hinaus keine
Mehr=
laſtung gegen die Konſtruktionsgrundlage bedeutet.
„L. 1” war nicht als Schulſchiff, ſondern als
Krie=
luftſchiff ſo groß konſtruiert, wie der Stand der Tech
ſeinerzeit erlaubte. Es war erheblich größer und tr
fähiger als irgend eins der bis jetzt vorhandenen Lu
ſchiffe, wenn auch naturgemäß ſpäter Kriegsluftſchiffe
dieſer Beziehung Fortſchritte aufweiſen werden. Für
Abwerfen eines Teils des Benzins als Ballaſt war
beim „L. 1" zum erſten Male Einrichtungen getroffen,
kein anderes Zeppelin=Luftſchiff beſitzt. Dieſe Einrichtr
ſoll bei ſpäteren Schiffen noch mehr ausgebaut werden.
übrigen iſt eine gewiſſe Menge Benzinvorrat für die Hau
habung des Luftſchiffes und Sicherung des dynamiſch
Auftriebes unentbehrlich.
Nach den gemachten Darſtellungen mußte das Sd
alſo durchfallen. Das Verhängnisvolle und
Ausſchl=
gebende war das plötzliche Einſetzen der ganz abnormiſt
ken Vertikalböen, die das Schiff über 1000 Meter hoch
ſen und ihm dadurch über 300 Kg. Auftrieb nahmen.
Hergang der Zerſtörung iſt ganz ähnlich dem des Zep
lin=Luftſchiffes „Deutſchland 1” im Teutoburger Wal
Daß der Untergang des „L. 1" durch nicht vorauszuſehen
höhere Gewalt herbeigeführt wurde, iſt ſomit außer Zn
fel. In der Beurteilung der ihm vorliegenden Wetterm
dung iſt der Kommandant durchaus ſachgemäß verfahr=
Er ſtand im übrigen allgemein in dem Rufe eines auß
ordentlich tüchtigen und vorſichtigen Führers, der auch
Offiziere, die er auszubilden hatte, zur größten
Vorſ=
erzog. Daß die ganze Verwendung des „L. 1” von vo
herein auf dem Grundſatz größtmöglicher Vorſicht geſt
war, geht weiterhin auch aus der Anweiſung hervor,
dem Führer für die Teilnahme an den Uebungen gege
worden war: „Die Sicherheit des Schiffes geht allem
deren vor.”
Wie bei allen Unglücksfällen in der Marine, ſo
auch bei dieſem wiederum dargetan, daß Offiziere
Mannſchaften von hohem Pflichtgefühl durchdrungenſ.
und bis zum letzten Augenblick auf ihren Poſten ausgeha
haben. Aber höherer Gewalt gegenüber, wie ſie zur
und in der Luft oft eingreift, verſagt die menſchliche Ku
und auch meteorologiſche Wiſſenſchaft, die der ſchwierig
Aufgabe der Beurteilung ſo abnormen Witterungserſch
nungen zurzeit noch nicht mit Sicherheit gewachſen.
Luftfahrt.
* Baden=Oos, 13. Sept. Das Luftſchi
„Viktoria Luiſe, das heute früh um 7.22 Uhr
Frankfurt a. M. aufgeſtiegen war, iſt um 10.16 Uho
gla=
gelandet.
Baden=Oos, 14. Sept. Das Luftſchiff „V
toria Luiſe” ſtieg heute morgen mit 10 Paſſagie
zu einer Fahrt nach Stuttgart auf, wo es
½10 Uhr eintraf, um eine Viertelſtunde ſpäter auf d
Cannſtätter Exerzierplatz behufs Paſſagierwechſel
landen. Die Rückkehr mit 13 Paſſagieren erfolgte
10.05 Uhr, die Landung glatt vor der Halle um 11.45 U
München, 13. Sept. Eine außergewöhnli
Flugleiſtung hat geſtern abend der Pilot Scheu
mann, ein Flugſchüler der Flugmaſchinenwerke Guſt
Otto, gelegentlich ſeines Feldpilotenexamens vollbrag
Scheuermann unternahm bei Abſchluß der Tagesleiſtu
bei Vollmondſchein einen Ueberlandflug über die ob
bayeriſchen Seen hinweg in einer Höhe von 1500 Mete=
Große Benzinfeuer auf der Feldmochinger
Landſtre=
dienten dem Flieger bei der Rückkehr zur Orientieru
und ermöglichten es ihm, auf dem Flugplatze tr
völliger Dunkelheit in prächtigem Gleitflug nied
zugehen.
Johannisthal, 13. Sept. Der franzöſiſche Flie=
Auauſt Seguin iſt heute nachmittag 4½ Uhr auf d
hieſigen Flugplatz gelandet. Er ſtartete heute früh
Paris, um ſich um den Pommerypokal zu bewerb
der ſich noch in den Händen Brindejoncs befindet. T
Flug von Paris nach Johannisthal legte Seguin ol
Zwiſchenlandung zurück. Morgen will er nach
Rußla=
weiterfliegen.
Bukareſt, 13. Sept. Heute nachmittag ſtürz
der rumäniſche Flieger Aurel Vloica bei Boneſci
Diſtrikte Prahſoe ab und war ſofort tot.
London, 14. Sept. Der Flieger Friedrich
geſtern abend auf dem Flugplatz Hendon eingetroff
nachdem er von Calais ohne Zwiſchenlandung dort!
geflogen war.
Berlin-Paris-London.
2
* Iſſy=les Moulineaux, 13. Sept.
deutſche Flieger Friedrich iſt mit dem Konſtrukte
Nummer 216.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Seite 7.
Sttrich als Paſſagier heute vormittag 11,40 Uhr zu einem
Fluge nach London hier aufgeſtiegen.
* Calais, 13. Sept. Der deutſche Flieger
Fried=
eich landete mit ſeinem Fluggaſt Ettrich hier um
1.15 Uhr nachmittags und ſtieg, nachdem er die
Genehmig=
ing der Behörden eingeholt hatte, um 4 Uhr zum
Wei=
ierfluge nach Dover und London auf.
Cholera.
IB. Wien, 13. Sept. Vom Sanitäts=Departement
des Miniſteriums des Innern wird mitgeteilt, daß bei der
ius Bosnien in Marienbad zur Kur eingetroffenen Frau
Bronilawa=Galzinska Cholera feſtgeſtellt wurde.
In Oporzec in Galizien iſt ein Fall von Cholera mit
ödlichem Ausgange gemeldet worden. In Süd=Ungarn,
Bosnien und Kroatien, ebenſo in Serbien ſcheint die
Cho=
era immer mehr um ſich zu greifen. In den ſerbiſchen
Städten Waljewo, Schabatz, Belgrad, Uſchizo,
Kragujo=
vatz graſſiert die Cholera in heftiger Weiſe. In Agram
vurden geſtern dem kroatiſchen Landes=Sanitätsamt ſechs
eue Fälle angezeigt. Im ganzen ſind in Kroatien bisher
17Erkrankungen vorgekommen.
* Peſt, 13. Sept. In Stuhlweißenburg ſind
eſtern nachmittag zwei Kinder unter choleraverdächtigen
Erſcheinungen auf der Straße zuſammengebrochen und ins
krankenhaus gebracht worden.
Prag, 13. Sept. Bei der Marienbader
holeraerkrankung handelt es ſich lediglich um
inen ganz vereinzelten, eingeſchleppten Fall. Da alle
vorkehrungen getroffen und eine vollſtändige Iſolierung
es Falles durchgeführt wurde, beſteht nicht der geringſte
lnlaß zur Beunruhigung, insbeſondere keinerlei Grund,
Narienbad zu meiden. Uebrigens endet bereits morgen
ie fünftägige Friſt der Beobachtungszeit der Perſonen,
ie mit dem Kranken in Berührung ſtanden.
* Bukareſt, 13. Sept. Die Unterſuchung des
Jonauwaſſers bei Galatz hat ergeben, daß ſich
eine Cholera=Bazillen darin befinden. Eine Mitteilung
es Kriegsminiſteriums beſagt: Die
Choleraepide=
tie in der Armee iſt dank der getroffenen
Maßnah=
ien raſch erloſchen. Die Zahl der Toten beträgt 1500
ei einem Effektivbeſtande von 500000 Mann. Das
Kriegs=
riniſterium konnte dem Miniſterium des Innern Perſonal,
(mbulanzautomobile, Baracken, ſieben Laboratorien,
ſtedikamente, Desinfektionsmittel, tauſend Tragbahren
nd 200 Ambulanzzelte zur Verfügung ſtellen.
* Petersburg, 13. Sept. Die Gouvernements
Je=
iterinoslaw, Taurien, Tſchernigow, Kutais, die Gebiete
on Kuban und Batum, der Bezirk Suchum und die
Sstadthauptmannſchaften Sewaſtopol und Kertſch ſind für
ſolerabedroht erklärt worden.
Vom Balkan.
Die bulgariſch=türkiſchen Verhandlungen.
* Konſtantinopel, 13. Sept. Einige Botſchafter
aten der Pforte privatim, in den Verhandlungen mit
ulgarien ein Entgegenkommen zu zeigen. Es
ird verſichert, daß die letzte von der Türkei vorgeſchlagene
frenzlinie Muſtapha=Paſcha Bulgarien überlaſſe,
zwi=
hen dieſer Stadt und Adrianopel hindurchlaufe und das
ſchwarze Meer wahrſcheinlich bei Iniada erreiche.
Da=
egen beſtünden die Türken noch auf Dimotika und
Orta=
dej, während ſie auf Sufli bereits verzichtet haben.
* Konſtantinopel, 13. Sept. Wie der Vertreter
es Wolffbureaus von maßgebender türkiſcher Stelle
er=
ihrt, wird, trotzdem die türkiſch=bulgariſchen
erhandlungen ins Stocken geraten ſind, damit
ge=
echnet, daß der Abſchluß der Verhandlungen bereits am
ſontag erfolgen kann. Nach Aeußerungen aus dieſer
ruelle wird es zwar jetzt noch nicht zu einem direkten
ündnis mit Bulgarien kommen, doch werden derartig
ute Beziehungen hergeſtellt, daß dieſe nötigenfalls bis
im Frühjahr zu einem Bündnis führen können. Ob ein
rartiges Definitivum eintritt, hängt von dem Verhalten
r Griechen in der Inſelfrage ab. Schon jetzt ſieht ſich
e Regierung mehrfach gezwungen, gegen großgriechiſche
ropaganda auf dem kleinaſiatiſchen Feſtland
einzuſchrei=
n. Man befürchtet, falls die Griechen in dieſer
Propa=
inda fortfahren, die Unmöglichkeit gegenſeitiger guter
eziehungen.
* Konſtantinopel, 13. Sept. Die Konferenz
er türkiſchen und bulgariſchen Delegierten dauerte 2½
ſtunden. Ein offizielles Communiqué beſagt:
ie Anſichten über die Grenzfragen wurden ausgetauſcht,
obei die von beiden Seiten vorgelegten Entwürfe
ge=
üft wurden. Man konnte mit Genugtuung feſtſtellen,
iß man für beide Teile einer befriedigenden
öſung näherrücke. Die ottomaniſchen Delegierten
verreichten den bulgariſchen Delegierten die Entwürfe
der die Frage der Staatsangehörigkeit, die Frage des
ustauſches der Kriegsgefangenen und über weitere
Fra=
n wirtſchaftlicher Natur. — Die nächſte Sitzung findet
vermorgen. Montag, um 3 Uhr nachmittags ſtatt. —
ach der Sitzung der Friedenskonferenz erklärte ein
Dele=
erter, die Verhandlungen über die geſamte Grenzfrage
ben Fortſchritte gemacht. Es iſt möglich, daß die
Ver=
idlungen in der nächſten Sitzung zu einem Ergebnis
hren. Dimotika und Kirk=Kiliſſe bleiben noch ſtreitig.
ürkiſcherſeits glaubt man, daß die Verhandlungen nicht
r nächſtem Donnerstag zum Abſchluß gelangen könnten.
in türkiſcher Delegierter erklärte, daß grundſätzlich
zu=
geben worden ſei, daß die Pforte für den Unterhalt der
riegsgefangenen keine Zahlungen leiſten werde.
* Sofia, 14. Sept. Die von den hieſigen Kaufleuten
igeſtrebte Verlängerung des Moratoriums
irfte, da der Verlängerung durch die Sobranje Bedenken
tgegenſtehen, nicht auf geſetzlichem Wege, jedoch ſaktiſch
folgen, indem die Staatsinſtitute und Privatinſtitute
lſchweigend übereingekommen ſind allen Schuldnern
eiteſtgehende Erleichterungen und Verlängerungen der
ahlungsfriſt zu gewähren.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 13. Sept. Der deutſche Richtertag
be=
zäftigte ſich mit der Bekämpfung der Verbrechen im
zuen Strafrecht. Nach ſehr langer Erörterung, in der
tsgeführt wurde, daß der Richter nicht bloß ſtrafen,
ndern auch Verbrechen vorbeugen und die Zweckmäßigkeit
r Beſtrafung in Erwägung ziehen ſolle, gelangte eine
eihe Leitſätze zur Annahme, die in der Hauptſache
be=
gen: Das Strafrecht der Gegenwart erfordert eine
eiere Stellung des Richters, zur gerechten und wirkſamen
ekämpfung der Verbrechen, ſoll eine freiere
Stellung=
ihme des Richters, mindeſtens in der Straffrage, ferner
Abolitionsrecht und weiter im Strafrahmen verlangt
erden. Der Richter ſoll auch die ſozialen Verhältniſſe
rückſichtigenekönnen. Auf Antraa des Reichsgerichtsrates
Lobe=Leipzig wurde noch beſchloſſen: Hat der Täter
nach=
weislich in dem Glauben gehandelt, die Tat ſei erlaubt,
weil er ſich über das Geſetz oder deſſen Anwendung irrte,
und iſt der Irrtum entſchuldbar, ſo kann der Richter nach
den beſonderen Umſtänden des Falles die ordentlichen
Strafen nach freiem Ermeſſen mildern oder freiſprechen.
— Der Richtertag wurde mit einem Dank an den
Staats=
ſekretär des Reichsjuſtizamts geſchloſſen.
Cronberg, 14. Sept. Der König von
Griechen=
land hat heute früh mit ſeinen Söhnen einen
Spazier=
gang im Walde auf den Altkönig gemacht, an dem auch
Prinz Adalbert von Preußen teilnahm. Am nachmittag
folgten die Herrſchaften einer Einladung zum Tee beim
Regierungspräſidenten v. Meiſter in Homburg. — Auf
Schloß Friedrichshof fand heute Abendtafel zu 14
Ge=
decken ſtatt, an der auch Prinz Franz Joſef von
Battenberg teilnahm. — Die Prinzeſſin Viktoria
von Schaumburg=Lippe iſt heute nachmittag
nach Bonn zurückgereiſt.
* Freiburg i. B., 13. Sept. Der Exkönig
Ma=
nuel von Portugal trifft morgen mit Gefolge hier
ein und wird bis Mitte Oktober auf dem nahen Schloß
Umkirch, einer Beſitzung des Königs von Rumänien,
Wohnung nehmen.
Dresden, 13. Sept. Heute abend fand in dem
mit einem Koſtenaufwand von 2760000 Mark durch die
Architekten Noſſow und Kühne neuerbauten
König=
lichen Schauſpielhaus in der Oſtrauallee in
Gegenwart des Königs, des Kronprinzen, Mitglieder
des Königlichen Hauſes und vor einem erleſenen
Pu=
blikum die Eröffnungsvorſtellungſtatt. Der
Jubel=
ouverture von Weber und einem ſzeniſchen Prolog von
Norbert Eulenberg, folgte ein muſikaliſches Zwiſchenſpiel
von Karl Rembaur. Hierauf wurde gegeben „Robert
Guiſcard” ein Fragment von Heinrich von Kleiſt,
ſowie „Toraauer Weide” ein Einakter von Otto
Ludwig. Anweſend waren ſämtliche Staatsminiſter,
die Spitzen der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden, die
Intendanten und Direktoren der deutſchen Bühnen,
zahl=
reiche hervorragende Künſtler und Bühnenſchriftſteller,
Vertreter der Ariſtokratie, der Finanz, der Wiſſenſchaft
und der Preſſe. Das bisherige Königliche
Schauſpiel=
haus in Dresden=Neuſtadt iſt unter dem Namen „Albert=
Theater” in den Beſitz einer Aktiengeſellſchaft
über=
gegangen und ſteht unter der Leitung des Direktors Rene.
Hamburg, 13. Sept. Der Raubmörder Albers
legte heute abend ein umfaſſendes Geſtändnis ab,
daß er am 8. September die Frau Eggers in Boarfleth
zwiſchen 3 und 4½ Uhr ermordet und beraubt habe.
* Baſel, 14. Sept. Heute iſt der neue badiſche
Bahnhof ohne beſondere Feierlichkeit dem Betrieb
übergeben worden. Nachdem nachts der Umzug
voll=
endet war, verließ um 4.30 Uhr früh der Perſonenzug
Nr. 951 als erſter den neuen Bahnhof in der Richtung
auf Karlsruhe.
Louviers, 14. Sept. Bei dem Bahnübergang bei
Pitres ſtieß ein Zug mit einem von zwei Reiſenden
aus Paris beſetzten Automobil zuſammen. Die beiden
Inſaſſen des Wagens wurden getötet, das
Auto=
mobil wurde vollſtändig zertrümmert.
Lion, 14. Sept. Geſtern wurden bei einem
Ein=
ſturz auf den Gruben von Montferrat 22 Arbeiter
und ein Ingenieur verſchüttet. Es iſt gelungen, alle
zu retten.
Riga, 14. Sept. Aus Arensburg wird
ge=
meldet: Der Herausgeber der „Eſthniſchen Zeitung”
Häl, und zwei Mitarbeiter ſind auf einer Segelfahrt
auf dem Meere vernnglückt.
Mariinsk (Gouvernement Tomsk), 14. Sept. Vier
in dem hieſigen Unterſuchungsgefängnis befindliche
Inſaſſen erwürgten drei Gefängnisaufſeher und
entflohen dann.
* Kriſtiania, 13. Sept. Der deutſche
Fiſch=
dampfer „Saale”, der auf behördlichen Beſchluß
wegen Fiſchens auf verbotenen Territorien bei Finmarken
beſchlagnahmt werden ſollte, traf heute nacht um 2
Uhr hier ein, um den Lotſen zu landen und Kohlen
ein=
zunehmen. Heute früh begab ſich der Polizeimeiſter an
Bord und beſchlagnahmte den Dampfer. Im Laufe des
Vormittags fand ein gerichtliches Verhör ſtatt.
* London, 13. Sept. Eine Feuersbrunſt
zer=
ſtörte die Station Kenton in der Grafſchaft
Northumber=
land. Auf den am Tatort aufgefundenen Gepäckſcheinen
ſtanden die Worte: „Asquith iſt für den Kriegszuſtand
verantwortlich. Wendet Euch an ihn wegen des
Scha=
dens.”
* Caſtel=Sarraſin, 14. Sept. Der erſte Teil der
großen Manöver iſt ohne Vorteil für eine der
bei=
den Parteien beendet worden. Der linke Flügel der
blauen Partei, von General Pau befehligt, trua einen
leichten Erfolg davon, indem er eine feindliche Diviſion
abſchnitt. Der rechte Flügel der blauen Partei geriet
jedoch in Gefahr, weil die Stellungen zu ſehr von
Trup=
pen entblößt und den Mannſchaften außerordentliche
Anſtrengungen auferlegt worden waren, ſodaß es zur
Fortſetzung des Kampfes nötig geweſen wäre,
Verſtär=
kungen heranzuziehen. Der geſtrige Manövertag bot ein
intereſſantes militäriſches Schauſpiel, da beide Heerführer
angriffsweiſe vorgingen. Die Haltung der Truppen iſt
vorzüglich.
Santiago de Chile, 14. Sept. In der Umgebung
der Stadt iſt ein bedeutendes Kieſelgurlager
ent=
deckt worden.
W. Lampertheim. 13. Sept. Die Kreispflegerin der
Säuglingsfürſorgeſtelle Darmſtadt, Schweſter
Lydia Ruhland=Lampertheim, hielt im Saale des
„Kaiſerhofs” einen äußerſt ſtark beſuchten Vortrag ab.
Das Thema, welches noch an Bildern und ſonſtigem
Anſchauungsmaterial demonſtriert wurde, lautete: „Die
Frau im Kampfe gegen die Tuberkuloſe‟ Die Arbeit,
welche die beiden Damen der Fürſorgeſtelle
be=
reits hier, in Bürſtadt und Viernheim geleiſtet haben,
erkennt man erſt dann, wenn man bedenkt, daß die
Säuglingsſterblichkeit in den genannten Plätzen etwa
um ½ zurückgegangen iſt. Die von Herrn Dr. Müller
geleitete Beratungsſtunde im Rathauſe iſt im
Durch=
ſchnitt von ca. 40 Müttern beſucht.
H. B. Berlin, 13. Sept. Prinz und Prinzeſſin
Ernſt Auguſt von Cumberland werden, da ſich
die Prinzeſſin nicht wohl genug fühlt, ihre beabſichtigte
Reiſe nach England im Herbſt nicht antreten. Sie haben
die Einladung des Königs Georg zur Hochzeit des
Prin=
zen von Connaught ablehnen müſſen. Die Antrittsviſite
des jungen Paares in London und Sandringham iſt bis
nächſtes Jahr verſchoben worden.
— Malſch bei Wiesloch, 13. Sept. Hier brach heute
früh Feuer aus, das in kurzer Zeit ein Wohnhaus und
drei Scheuern zerſtörte. Bei den Löſcharbeiten wurden
11 Feuerwehrleute verſchüttet, von denen drei ſchwer
verletzt ſind.
* Wiesloch, 14. Sept. Wie der Wieslocher Zeitung
zu dem Brande in Malſch gemeldet wird, ſind im
ganzen 12 Feuerwehrleute durch eine einſtürzende
Mauer verſchüttet und hierbei auch mehr oder
min=
fer ſchwer verletzt worden. Einer derſelben erlitt ſogar
labensgefährliche Verletzungen, nämlich einen
Schädel=
bruch, und außerdem innere Verletzungen, doch hofft man
ihn am Leben zu erhalten. Es wird Brandſtiftung
ver=
mutet.
Bebels Nachfolger.
* Berlin, 15. Sept. Dem Vorwärts zufolge hat der
ſozialdemokratiſche Parteivorſtand einſtimmig beſchloſſen,
dem Parteitag Fritz Ebert als Vorſitzenden der Parter
en Stelle Bebels vorzuſchlagen.
Ein Wohnhaus eingeſtürzt.
* Koburg, 15. Sept. Infolge einer Gasexploſion iſt
lier um ½11 Uhr heute nacht ein Wohnhaus
einge=
ſtürzt. 6 Familien befinden ſich unter den
Frümmern. Bis jetzt, 2,30 Uhr nachts, ſind 3 Tote
und 6 Verletzte geborgen. Die Aufräumungsarbeiten
dauern fort.
Briefkaſten.
J. B. S. Zu 1. Das eigentliche Stammperſonal des
Trains ſind die Traingemeinen. Trainſoldaten gibt es,
um mehr ausgebildete Mannſchaften für den großen
Be=
darf im Mobilmachungsfalle zu haben. Zu 2. Die
Dienſt=
pflicht der Wehrpflichtigen iſt in dem Geſetz vom 13. April
1905 feſtgeſetzt. Bezüglich der Trainſoldaten vergl. auch
Heerordnung § 13, 3, bezüglich der Traingemeinen auch
Wehrordnung § 6, 3. Zu 3. Als Traingemeine werden
beſtimmt: Muskelkräftige Militärpflichtige von nicht zu
ſtarkem Knochenbau und nicht zu großem Körpergewicht,
und zwar vorzugsweiſe ſolche mit langen Beinen und
kur=
zem Oberkörper, die zum Dienſt zu Pferde beſonders
ge=
eignet ſind und körperlich und geiſtig begabt, ſowie von
guter Führung ſind. (Vergl. Heerordnung § 5, 3c.) Als
Trainſoldaten werden in erſter Linie Militärpflichtige
be=
ſtimmt, die wegen begründeter Reklamation nur ein Jahr
dienen ſollen, in zweiter Linie ſolche, die den vorſtehenden
Anforderungen nicht ganz entſprechen. Zu 4. Ein
Unter=
ſchied zwiſchen Traingemeinen und Trainſoldaten in der
Ausbildung, Bekleidung und Bewaffnung beſteht nicht.
Die befähigſten Leute der Traingemeinen werden im
zwei=
ten Dienſtjahr noch als Trainaufſichtsperſonal (Untere
offizier=Aſpiranten) ausgebildet.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
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Eeh
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Film:
(*8636
Die ferzien luge
nen
)
- Von Femlpent
ist nicht identisch mit dem von
der gesamten Presse so glänzend
beurteilten Meisterwerk nach dem
bekannten Roman v. Eduard Bulwer.
2f
O
pss „Union-Theater
hat für Darmstadt das alleinige
Aufführungsrecht des Films:
V
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Die lelzten lage von Pompell.
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913,
Nummer 216.
Familiennachrichten.
Wilhelm Heinz Augo.
eine Frau, Nettie geb. Ankers-
IV Moore, erfreute mich durch die
Geburt eines gesunden
SOHNES.
WILEI SEELIG
Kaufmann u. Leutn. d. R. im
Leib-
garde-Inf.-Reg. 115.
26, Penywern Road, LONDON S. W.
Earls Court,
10. September 1913.
19098)
Todes=Anzeige.
Heute Sonntag, 14. September 1913,
vor=
mittags 8 Uhr, iſt meine jüngere Schweſter
Amalie Purgold
unſerer Schweſter Julie im Tode gefolgt.
In Ausſicht genommen iſt Einſegnung auf
Dienstag, 16. September, vormittags 10½ Uhr,
im Sterbehauſe Hügelſtraße 26. Die Beerdigung
im Anſchluß daran auf dem Darmſtädter
Friedhof vormittags 11 Uhr. Mit der Bitte
um ſtille Teilnahme.
(19138
Darmſtadt, den 14. September 1913.
Der trauernde Bruder:
Friedrich Purgold, Geheimer Justizrat.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute mittag entſchlief ſanft nach langem,
ſchwerem Leiden unſere liebe Schweſter,
19137
Schwägerin und Tante
Frau
Katharma dreh Wce.
geb. Büchler
im 74. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 14. September 1913.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 16.
Sep=
tember, nachmittags 4½ Uhr, vom Portale des
Darmſtädter Friedhofes aus ſtatt.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Heute früh entſchlief ſanft nach langem,
ſchwerem Leiden mein lieber Mann, unſer guter
Vater, Großvater und Schwiegervater
Herr
Hermann Ubpehhermer
im 67. Lebensjahre.
Darmſtadt, Genua, Berlin,
(Landgraf Georgſtr. 62)
den 14. September 1913.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen.
J. d. Namen:
Doris Oppenheimer,
19139
geb. Ehrenstein.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 16. cr.,
nachmittags 5½ Uhr, vom Portale des iſrael.
Friedhofes aus, ſtatt.
Tageskalender.
Generalverſammlung des Vereins zum
Feier=
abend um 6 Uhr im Vereinshaus.
Proteſtverſammlung um 8½ Uhr im „Kaiſerſaal”
(Hausbeſitzerverein).
Monatsverſammlung des Vereins für Geflügel=
und Vogelzucht „Ornis” um 8½ Uhr in der „Stadt
Pfungſtadt”.
Bilder vom Tage: In der Auslage unſerer Expedition
(Rheinſtraße 23) ſind neu ausgeſtellt: Das bei
Helgo=
land vernichtete Marineluftſchiff „L 1” von der
Beſatz=
ung des vernichteten Marineluftſchiffes „L 1‟. — Aus
dem diesjährigen Kaiſermanöver. Der Kaiſer und ſeine
Gäſte im Manövergelände. — Von der
Vermählungs=
feier des früheren Königs von Portugal mit der
Prin=
zeſſin Auguſta Viktoria von Hohenzollern in
Sig=
maringen.
Patentſchriften =Auslegeſtelle in der
Ge=
werbe=Bibliothek, Neckarſtraße 3. Zeit der Benutzung:
an allen Wochentagen von 10—12½ und 3—5½ Uhr
(Samstag mittag ausgenommen).
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 16. September.
Obſt=Verſteigerung um 8 Uhr auf der Straß=
Darmſtadt-Kranichſtein bei den Ziegelhütten.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckere
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrig
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilunge
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtad
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſin
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwai
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werde
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nich
zurückgeſandt.
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Nummer 216.
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hinzu. Man gibt ſoviel kalte Milch hinzu, daß man einen glatten,
knetbaren Teig erhält, den man nach Belieben dick oder dünn auf
einem gut gefetteten und mit Mehl beſtaubten Randblech ausrollt.
Hierauf belegt man den Teig dick mit durchſchnittenen, entſteinten
Zwetſchen und bäckt ihn bei mäßiger Hitze reichlich eine halbe Stunde.
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Herrſchaftsgauner
Zentral=
heizung oder ſonſt. Nebenbeſchäft.
Ausk. b. Gärtner, Annaſtr. 16. (*8518so
Weiblich
(*5,
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19136) Wilhelminenſtr. 29.
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geſucht. Zu erfr. Exped. (*8619
r ſuchen zu mögl. baldigem Eintritt eine tüchtige,
fleißige
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Nur ſolche, die ſchon in ähnlichen Stellungen
be=
reits tätig waren, wollen Offerte einreichen bei
Geschw. Knopf, Ludwigstrasse.
19129)
Köchin., Haus=u. Alleinm. in gr.
Anz. erh. ſehrg. St., hoh. Lohn. Frau
Susanna Röse, gewerbsmäßige
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vermittlerin, Kiesſtr. 35, I. (*8604
möglichſt zum 1. Ott.
Gesucht Köchin wegen Heirat
der jetzigen. Vermittlungs=Bureau
nicht ausgeſchloſſen. Frau
Ritt=
meiſter Wätjen, Eſchollbrückerſtr. 8,
Anm. v. 16. Sept. an n. 6 Uhr. (18098gim
et
M
Einige Wlochen
die bereits in (18998a
Fabriken tätig
waren, für dauernd geſucht
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einfach kocht u. alle Hausarbeit
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vom Lande, das etwas kochen
kann, in einf., bürgerl.
Haus=
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Mäd=
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Mäd=
chen als Stütze der Hausfrau.
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küche erlern. Hans Chriſt, Hotel
„Stadt Friedberg‟, Rheinſtr. (*854180m
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evtl. a. füng. Mädch. aus beſſ. Hauſe.
Näh. Heinrichſtr. 97, I. (*8456so
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Geſüchl Lohn eine Köchin, die
ſelbſtändig kochen kann. Zu
er=
fragen Martinſtraße 35. (B19007
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zum Wecktragen geſucht. Anmeld.
jederzeit in den Ver. Geſchäftsſtell.
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Georgſtraße 36.
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kann, gute Zeugniſſe hat, für kl.
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*8601)
Kahlertſtr. 5, 1. St.
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bis 4 Uhr nachmittags.
(*8602
Zu erfragen in der Exped.
Saub. Lauffrau oder Mädchen
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geſucht. Landwehrſtr. 15. (*8626
ect Aushilfe od. Tages=
Söfort mädchen geſucht
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Saub. Lauffrau mittags von
8—10 Uhr geſ. zu einz. Dame. Erfr.
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Mädchen. Gefl. Zuſchr. unt. R 23
an die Exp. ds. Bl. erbeten. (*8580
in breiter
E filberner Taſchenhalter
wurde am Freitag nachmittag von
Stiftſtr., Wienersſtr. bis Erlenberg
verloren. Geg. Belohnung abzug.
Stiftſtraße 10.
*8618)
Nummer 216.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
cher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
nden ſich: 1 Pinſcher, 1 Kriegshund. Die Hunde können von den
igentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
eigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
ig, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(19099
Bekanntmachung,
die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe betreffend.
Aus Anlaß der Beſſunger Kirchweihe iſt am Sonntag, den
1. I. Mts., im Bezirk des V. Polizeireviers (Stadtbezirk Beſſungen)
ir alle Zweige des Handelsgewerbes die Beſchäftigung von
Ge=
ilfen, Lehrlingen und Arbeitern und der Gewerbebetrieb in offenen
erkaufsſtellen während der Zeit von 3 bis 7 Uhr nachmittags
eſtattet.
Darmſtadt, den 10. September 1913.
(19093os
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Bekanntmachung.
Die in Heſſen wohnenden und nach Heſſen zuziehenden
Ange=
örigen anderer Bundesſtaaten machen wir darauf aufmerkſam, daß
e nur bei Erwerb der heſſiſchen Staatsangehörigkeit wahlberechtigt
1 den Wahlen des Landtags ſind und daß der Erwerb der heſſiſchen
staatsangehörigkeit ein Aufgeben einer anderen Staatsangehörigkeit
icht bedeutet.
Darmſtadt, den 10. September 1913.
(19062so
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
Beſchaffung von Wahlzettelumſchlügen
für die Stadtverordnetenwahl.
Die Lieferung von 20000 Stück Wahlzettelumſchlägen ſoll
ver=
eben werden.
Bedingungen und Muſter liegen im Stadthaus, Zimmer Nr. 39,
ur Einſicht offen.
Angebote nebſt Muſterumſchlag ſind bis zum 19. ds. Mts.,
ormittags 10 Uhr, bei mir einzureichen.
Darmſtadt, den 9. September 1913.
(19022so
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.
Steuerveranlagung für 1914.
Diejenigen hieſigen Einwohner, die im Laufe des Jahres ihr
either betriebenes Gewerbe niedergelegt haben oder es vor Ende
Närz 1914 niederlegen oder an einen anderen abzutreten oder ſonſtige
veränderungen im Gewerbebetrieb vorzunehmen beabſichtigen,
wer=
en hiermit aufgefordert, dies alsbald auf dem Stadthaus, Zimmer
tr. 6, anzuzeigen, damit bei der bevorſtehenden Steuerveranlagung
arauf Rückſicht genommen werden kann.
(18125a
Darmſtadt, den 1. September 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
Parntentichernige
Der von der Stadtverordneten=Verſammlung gutgeheißene
Bebauungsplan über Aufhebung der Straße D zwiſchen
Rößler=
traße und Kirſchenallee liegt in der Zeit vom 15. bis einſchl. 30.
. Mts. auf dem Stadtbauamt, Grafenſtr. 30, zur Einſicht offen.
Einwendungen gegen den Plan ſind, bei Meidung des
Aus=
chluſſes, während dieſer Friſt daſelbſt vorzubringen.
Darmſtadt, den 11. September 1913.
(19097os
Der Oberbürgermeiſter
J. V.: Jgeger.
Bekanntmachung.
In Grundbuchſachen, betreffend die neue Flur II der
Ge=
narkung Darmſtadt, werden mündliche Anträge und Erklärungen
in jedem Mittwoch, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags
ntgegengenommen.
(19121
Die Bureauräumlichkeiten befinden ſich Mathildenplatz Nr. 15
Ecke Bismarck=, Wieſen= und Wilhelminenſtraße), 1 Stock, Zimmer Nr. 2.
Dortſelbſt ſind auch alle ſchriftlichen Anträge abzugeben.
Darmſtadt, den 12. September 1913.
Großherzogl. Amtsgericht Darmſtadt I.
25
e
Anttefrrung von Nußzkohlen und Koks.
Die Anlieferung von zwei Waggons Nußkohlen mit 200 Zentner
Inhalt für den Winterbedarf der Gemeindeſchulen, ſowie ein Waggon
Koks mit 300 Zentner Inhalt ſoll Donnerstag, den 18. d. Mts.,
vormittags 10 Uhr, auf dem Bürgermeiſtereibüro durch Submiſſion
ain den Mindeſtfordernden vergeben werden. Bedingungen liegen
zur Einſicht offen.
(19135
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Seite 11.
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Gegründet 1899
Die Handelskurse für Fortbildungsschüler beginnen am 1. Oktober.
(Der Unterricht befreit von der obligatorischen Schule.)
Privat-Handelskurse für Damen und Herren beginnen am 1. Oktober.
Einzelfächer. — Eintritt nach Wunsch. — Rechtzeitige Anmeldung erbeten. (17823a
Steuer=Erhebung.
Das III. Ziel der
Gemeinde=
ſteuern für das Rechnungsjahr
1913 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu
ent=
richten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 8. September 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (18847a
Bekanntmachung.
Montag, 20. Oktober 1. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die den Fuhrunternehmer
Emil Büttner Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur
Nr.
qm
III
549 263 Hofreite Neue
Ireneſtraße
Nr. 61,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K68/13
Darmſtadt, 13. September 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
I. V.: Ganß, (V,19120
älteſter Gerichtsmann.
In unſer Handels=Regiſter,
Ab=
a teilung A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 6. September 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Rechts=Inkaſſo=Büro,
For=
tung” Gebhardt &
Vöt=
tinger, Darmſtadt.
Die Geſellſchaft iſt aufgelöſt.
Die Firma iſt erloſchen.
Am 11. September 1913.
Hinſichtlich der Firma:
A. H. Sander Sohn,
Darm=
ſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf
Max Wolff und Otto Jahn, beide
Kaufleute in Darmſtadt, als
per=
ſönlich haftende Geſellſchafter
über=
gegangen.
Offene Handelsgeſellſchaft.
Die Geſellſchaft hat am 1. Juli
(19100
1913 begonnen.
Die Geſamtprokura der
Kauf=
leute Otto Jahn und Max Wolff
in Darmſtadt iſt erloſchen.
Darmſtadt, 12. September 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
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in Preßballen billig abzugeben.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Nummer 210,
Man
des-
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denn der Mensch lebt nicht von dem, was er isst, sondern von dem, was er verdaut.
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Tel. 1023. (16546a
Ausik=verent.
Platz-Verteilung
für den bevorstehenden Winter 1913/14.
Wünsche und Anträge auf Platzänderung für die Konzerte
sind am Montag, den 15. und Dienstag, den 16.
Septem-
ber ds. Js., bei dem Platzordner des Vereins, Herrn Rentner
Carl Jochheim, Liebigstrasse 24, Erdgeschoss, nachmittags von
—5 Uhr, vorzubringen oder bis zum 16. September schriftlich
(19095oi)
dorthin gelangen zu lassen.
Der Vorstand.
Montag, den 15. September, abends 8½ Uhr im „Kaiſerſaal”
Unter Allerhöchſtem Protektorat Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs.
8
u&
Istramentml verem Darmstaat.
Eine kleine Intereſſenten=Gruppe verlangt
tlorg außerhalb
wiederum von der Stadtverwaltung die Eröffnung eines neuen Langaarmis der Stadt
Das Weichbild Darmſtadts iſt ſchon jetzt derart ausgedehnt, daß die enormen
Verwaltungs=
koſten die Steuern der geringen und nicht zunehmenden Einwohnerzahl ungünſtigſt beeinfluſſen,
Es werden ſämtliche Steuerzahler Darmſtadts aufgefordert, gegen das Vorhaben, neue
Bauquartiere zu eröffnen, energiſch Stellung zu nehmen und zu zeigen, daß ſie nicht gewillt ſind,
für Einzelne weitere Laſten zu übernehmen. Erſcheine deshalb jeder Steuerzahler in der Proteſt=
Verſammlung.
(19032so
Gegründet 1883.
Gegründet 1883.
Wiederbeginn der Proben für die Veranſtaltungen des
Vereins während der Winterſaiſon 1913/14 im Saale des
Muſik=Vereins, Steinſtraße 24:
Dienstag, den 16. September 1913, abends 8½ Uhr.
Entſprechend vorgeſchrittene Dilettanten und angehende
Künſtler — Damen und Herren — werden hierdurch höflichſt
zum Beitritt eingeladen, deſſen Erklärung an die Adreſſe des
unterzeichneten erſten Vorſitzenden zu erfolgen hat.
Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein E. V.
Der Vorſtand:
19125)
Justizrat,Hallwachs, Hügelſtr. 47,
I. Vorſitzender.
8
Bürger=Keller
Konzert
Saion-Damen-Orchester. Dir. W. Langer.
Stets freier Eintritt. (18801a
C
tiestellung
Ges Residenz Mheaters.
Das Uniontheater ſchreibt in ſeiner letzten Annonce
vom Samstag, daß wir beabſichtigen, durch die
Vor=
führung des Films „Die letzten Tage von Pompeji” das
Publikum zu täuſchen. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß wir
geinen ſolchen Ausfall eines Herrn, welcher, jedenfalls
durch Konkurrenzneid bewogen, uns anzugreifen,
iano=
rieren. Wir haben den großen 6=Akter „Die letzten Tage
von Pompeji” bevor wir abſchloſſen, beſichtigt, wollten
aber unſeren Beſuchern nicht zumuten, ſich zwei Stunden
durch Vorführung dieſes Kilometerfilms zu langweilen.
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Nummer 216.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
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47
20. Kapitel.
Kurz vor Weihnachten war der Todestag von Anitas
Mann. Sie wollte ſein Grab beſuchen und empfand doch
eine wahre Angſt vor der Reiſe nach Berlin. Der bloße
Gedanke an die Fahrt, den Anblick der fremden Menſchen,
den Trubel und Lärm erſchreckte ſie, und wenn ſie an das
Wiederſehen mit den Freunden dachte, ging ein Schauer
durch ihre Glieder, ſo ſehr ſie ſich oft nach Brigitte ſehnte.
Dann würde alles wieder aufleben, was ſie mit ſoviel
Angſt und Mühe endlich hatte einſargen können.
Es iſt unmöglich, daß wir reiſen, ſagte Harto. Ihre
Geſundheit iſt viel zu ſchwach dazu. Der Arzt verbietet
es Ihnen.
Ich muß doch, beharrte ſie, ich muß, Harto, und wenn
ich mich hinſchleppen ſoll. Iſt es nicht traurig genug, daß
Heinz allein von den Drewenbergs in der Fremde ruhen
muß, während die Särge ſeiner Ahnen in der Gruftkapelle
ſeines Stammes verſammelt ſind, Soll da nicht einmal
ſſeine Frau ſein Grab beſuchen?
Sie ging mit Harto im Park ſpazieren, während ſie
das verhandelten, und ein bitterer Blick von ihr flog nach
der Richtung, wo die weißen Zinnen der Drewensburg
durch die ſchon kahlen Wipfel der Bäume jetzt deutlich
herüberleuchteten.
Ich werde reiſen, erklärte Harto, und Fräulein
Bri=
gitte wird mich zu Ihrem teuren Grabe begleiten. Sie
dürfen unter keinen Umſtänden fahren, Anita. Das Weſen
Hartos zeigte ein gewiſſe verlegene Haſt, aber ſie war zu
ſehr mit ihren eigenen Echanter beſchftigt und merte
nichts. Sie ſchüttelte nur ſtumm den Kopf. Bei ihr ſtand
es feſt, daß ſie reiſen würde.
Aber je näher der Tag kam, deſto mutloſer wurde ſie.
Ein wahres Fieber der Angſt vor der Berührung mit der
Welt draußen hatte ſie gepackt. Am Tage vor dem zur
Reiſe beſtimmten Termin mußte ſie ſich vor Kopfweh und
Mattigkeit legen.
Am Nachmittag erſchien Frau von
Drewens=
berg zum Beſuch bei Anita. Sie ſaß bei ihr, hielt
ihre Hand und war ganz beſonders liebreich zu ihr. Eine
Rührung und Feierlichkeit war in ihrer ganzen Art, die
Anita in ihrer nervöſen Niedergeſchlagenheit, ohne daß ſie
es wollte, die Tränen in die Augen trieb. Es war doch
faſt, als ob man meinte, daß ſie ſterben würde.
Und dem Gedanken nachgebend, ſagte ſie aus dem
Herzen heraus: Wenn ich ſterben könnte, Mama — es
wäre die beſte Löſung für alles . .. die einzige Löſung
daran habe ich noch gar nicht gedacht.
Kind, rief Frau von Drewensberg erſchrocken, wie
kannſt Du ſo gräßlichen Ideen nachhängen. Denkſt Du
gar nicht an Heini? — Und ſoll ich alte Frau auch noch
mein kaum gewonnenes Töchterchen wieder hingeben,
nach=
dem ich meine beiden Söhne verloren habe? — Zum
erſten Male ſprach ſie das aus. Es klang kein Vorwurf
aus ihrer=Stimme, nur. tiefer Schmerz.
Da richtete ſich Anita auf und ſchlang ihre Arme
wei=
nend um den Hals der Mutter. Weun ich ſterbe, wirſt Du
ihn wieder haben, Deinen Sohn ... und meinem Heini
wirſt Du eine Mutter ſein.
Frau von Drewensberg zog ſie an ſich und bettete
ihren Kopf an ihre Schulter.
Vor allen Dingen ſollſt Du jetzt erſt einmal aufhören,
Dich in Deine ungeſunden Grübeleien zu vergraben. Du
ſollſt wieder leben, dann wird Dir doch vielleicht noch ein
Ae erente er ernten.
ihrem Sohn verhelfen kannſt.
Sie ſagte kein Wort weiter, und Anita war nicht
im=
ſtande, zu ſprechen. Ein ſeltſamer Aufruhr hatte ſich in
ihrem Innern erhoben, ein Zagen und Staunen und
Hof=
fen, und über dem allen ein großes, großes Sehnen.
Sie ſaßen ſtill nebeneinander, bis endlich Frau von
Drewensberg ſagte: Steh jetzt auf, Kind, nimm Dich
zu=
ſammen. Der Aufenthalt hier im finſteren Zimmer macht
Dich nur immer kränker, komm an die friſche Luft. — Ich
habe übrigens auch einen lieben Beſuch mitgebracht, der
ſich ſchon ſehnt, Dich zu begrüßen.
Brigitte? fragte Anita aufhorchend in freudiger
Er=
regung.
Nicht Brigitte, aber einen anderen guten Freund!
Und als Anita mit geſpannter Erwartung ins
Wohn=
zimmer trat, ſprang Wolfgang von Drewensberg auf und
kam mit beiden ausgeſtreckten Händen auf ſie zugeeilt.
Couſinchen, liebes . . . ach, wie freue ich mich! — Wie
freue ich mich! Er küßte ihre Hände und tat ſich keinen
Zwang an, ſeine Seligkeit bei dem Wiederſehen zu
ver=
bergen. Haben Sie noch ein einziges Mal an den alten
Freund und Vetter gedacht, ſeitdem ſich ſoviel in Ihrem
Leben geändert hat? — Ich fürchte nein.
Sie war gerührt und beglückt durch ſeine große
ehr=
liche Freude, und das hob ſie über das Gefühl der
körper=
lichen Schwäche hinaus.
Hatte Ihnen Brigitte nicht meine Grüße beſtellt,
Wolf=
gang? fragte ſie, ſeinen Händedruck feſt erwidernd. Ich
pflege nicht Leute grüßen zu laſſen, die mir gleichgültig
ſind. Aber wie in aller Welt kommen Sie denn plötzlich
hierher?
Aus verſchiedenen Gründen, wich er aus. ZZum erſten
wollte ich mich von Ihnen verabſchieden für lange Zeit —
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
Nummer 216.
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wenn nicht für immer. . . Ich habe mich für Südweſtafrika
gemeldet und reiſe in kurzer Zeit ab.
Wolf, rief Anita erſchreckt, iſt das . . . meinetwegen?
Sie ſtockte, denn Frau von Drewensberg ſtand neben
ihnen.
Ja, Anita, was ſoll ich es leugnen! Tante weiß, wie
es um mich ſteht. Ich kann nicht ſo raſch darüber
hinweg=
kommen ..: Ich muß mein Leben mit ernſter Arbeit und
ſchweren Pflichten ausfüllen, damit ich endlich das
Ver=
geſſen lerne.”
Anita war erſchüttert. Wohin ich komme, entſteht
Un=
heil — ich muß mich ſelber verachten.
Wohin Ihr Fuß tritt, ſprießen Blumen des Glücks,
Anita! — Meinen Sie, daß ich je die Stunden in meiner
Erinnerung miſſen möchte, die ich mit Ihnen durchlebt
habe?
Mein Kind, auch der Schmerz kann ein Glück
bedeu=
ten. Das haſt Du ſelber doch reichlich erfahren, ſagte Frau
von Drewensberg und legte ihren Arm um Anita. Und
nun kommt und verbittert euch die letzten Stunden des
Zuſammenſeins nicht durch nutzloſe Klagen.
Wolf brachte tauſend Grüße von Brigitte und der
Mutter und dem Onkel General. Zu Weihnachten würden
ſie alle kommen, und wenn er dann auch leider nicht dabei
ſeindurfte, ſo würde hoffentlich doch die ganze übrige
Fa=
milie Drewensberg um den Weihnachtsbaum verſammelt
ſein. Er legte einen eigenen Nachdruck auf die ganze
Fa=
imilie=Drewensberg. Anita ſenkte die Augen und ſchwieg.
Einmal ſingen Sie mir noch ein Lied, Anita, bat
Wolfgang im Laufe des Tages. Sie bewegte fröſtelnd
die=Schultern.
Ich habe nicht mehr geſungen, ſeitdem ich im
Linden=
ſhaus bin, ich fürchte, ich habe es verlernt . . . Aber als er
am Abend wieder auf ſeine Bitte zurückkam. ſetzte ſie ſich
Schubert=Lieder, die ſie auf dem Feſt bei der Gräfin
vor=
getragen hatte. Nur das dritte: Raſtloſe Liebe, das
ver=
mochte ſie nicht zu ſingen, ſtatt deſſen ſtimmte ſie den
Früh=
lingsglauben von Uhland an. Die linden Lüfte ſind
er=
wacht, ſie ſäuſeln und weben Tag und Nacht.
Und obwohl draußen ein ſcharfer Nordoſt wehte und
erbarmungslos die letzten Reſte der Sommerpracht
ver=
nichtete, ſchien ein Abglanz der ſieghaften
Frühlingshoff=
nung des Liedes in die Herzen der Zuhörer zu ſtrahlen.
Man ſah bewegte Mienen und feuchte Augen. Und Wolf
trat mit raſchen Schritten zu Anita an den Flügel, ſah ihr
dankbar mit einem Blick, der ein heiliges Verſprechen
ent=
hielt, in die Augen und küßte ihr die Hand. Sie jedoch
neigte ſich und berührte ſeine Stirn mit ihren Lippen.
Heini aber, der ſtill auf dem Schoß der Großmutter
ge=
ſeſſen hatte, fragte ſtolz und laut in das Schweigen hinein:
Singt meine Mutti nicht fein, Großmamachen? und half
mit dieſer Bemerkung=am ſchnellſten über die Ergriffenheit
hinweg.
Am Abend reiſte Wolfgang ab und Anita rüſtete zu
ihrer Fahrt nach Berlin. Man ließ ſie ſtill gewähren. Doch
als ſie, in tiefe Trauer mit dem Witwenſchleier gekleidet,
am Morgen des Todestages ihres Mannes neben Harto
im Wagen ſaß, der ſie ihrer Meinung nach zur Bahnſtation
bringen ſollte, faßte ihr alter Getreuer herzlich ihre Hand:
Anita, Sie brauchen nicht mehr nach der fernen Stadt
zu reiſen, um das Grab Ihres Mannes zu beſuchen. Er
ruht jetzt in der Familiengruft neben ſeinen Ahnen.
Wolf=
gang hat ſeinen Sarg hergeleitet.
Sie konnte nicht antworten, die Tränen ſtürzten ihr
aus den Augen.
An Hartos Arm ſchritt ſie den mit hohen ernſten
Tan=
nen eingefaßten Weg vom Parkportal der Drewensburg
nach dem Mauſoleum. Zum erſten Male betrat ſiedi
Heimat ihres Mannes, um ſein Grab zu beſuchen. Alsſt
über die Schwelle der mit Grün und weißen Blüten aus
geſchmückten, mit brennenden Wachskerzen auf ſilberne
Kandelabern weihevoll friedlich erhellten Gruftkapelletra
zog Harto ſich ſtill zurück. Allein kniete ſie am
Sarg=
lange, lange und weinte ſich die ſchwere Laſt vonde
Seele, die ſie in der letzten Zeit faſt zu Boden gedrück
hatte.
Als ſie ſich endlich erleichtert und geſtärkt erhob, ſtan
ein hagerer, alter Herr an ihrer Seite, eine vornehme En
ſcheinung mit weißem Kaiſerbart. Er ſah ihr ſtummei
die Augen und reichte ihr die Hand mit feſtem Druck, un
als ſie demütig vor ihm in die Knie ſinken wollte, finge
ſie in ſeinen Armen auf und hielt ſie an ſeiner Bruſt,di
in lautloſem Weinen bebte.
Meine Tochter, ſagte er mit erſtickter Stimme, und ſi
erwiderte laut und feierlich: Mein Vater! Das klang wi
ein Schwur.
Er ſelber führte ſie an ſeinem Arm über die
Schwell=
des Elternhauſes ihres Mannes, wo mit der Mutter di
Bewohner des Lindenhauſes ihrer warteten. Sie
verleb=
ten einen ſtillen, der Erinnerung geweihten Tag
miteinan=
der, an dem nur der eine fehlte — Eberhardt.
Und auch heute nannte keiner ſeinen Namen, und jeden
merkte man doch an, daß er an ihn dachte und es ihn
ſchwer wurde, das nicht auszuſprechen. Anita lauſcht
wieder vergebens mit jeder Fiber. Würde noch imme
niemand von ihm ſprechen? Würde ſie nicht endlich wenig
ſtens erfahren, wo er ſich befand:
(Schluß folgt.)
[ ← ][ ][ → ] A
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ingten Oktoberheft den 17. Jahrgang. In
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tinderter Friſche bringt ſie die wertvollſten
Erſcheinun=
en der bildenden Kunſt in vornehmer, aber unparteiiſcher
uswahl. Jeder, der zu den Strömungen
unſe=
er Zeit Stellung nehmen will, findet hier das
Mate=
ial, aus dem ein eigenes Urteil gezogen werden kann.
in ſolches iſt in unſeren Tagen nicht leicht. Sehen wir
och allenthalben Kräfte tätig, deren Sinn auch dem, der
lit größtem Wohlwollen alles Jugendliche begrüßt,
zu=
ächſt einmal unverſtändlich bleibt. Da iſt es erfreulich
nd wertvoll, daß hier einmal ruhig und verſtändnisvoll
i mehreren Abhandlungen von Wilhelm Michel auf die
eibenden Mächte der neuen Bewegungen hingewieſen
zird. Die Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes in
Nannheim 1913 iſt ein treffliches Abbild vom Ringen der
jegenwart, und die vorzügliche Wiedergabe zahlreicher
ort vorgeführter Werke der Malerei und Plaſtik legt
zeugnis davon ab, daß auch die ſcheinbar grotesken
leußerungen künſtleriſchen Wollens doch ernſthaften
inne=
en Notwendigkeiten entſpringen.
Auch die neuere Entwickelung des
Kunſt=
ewerbes mit der reicheren Ornamentik iſt in dem
eueſten Hefte in einem charakteriſtiſchen Werk von Eduard
feiffer wiedergegeben, der das von den Architekten
steinbach und Lutter erbaute Kabarett „Jungmühle” in
dortmund in wunderbarer Phantaſtik ausſtattete. Die
ier vorgeführten Einzelheiten ſind nebenbei Meiſterwerke
er buchtechniſchen Veröffentlichung, bei denen Licht und
Schatten, Nähe und Ferne in verblüffender Klarheit vor
lugen treten! Solche Vorzüge ſollten eigentlich jedem
erufsphotographen gelingen. Aber wie überzeugend
virkt doch der Vorſprung, den z. B. Frank Eugéne Smith
n Leipzig in ſeiner Kunſt erreicht hat. Die hier
wieder=
egebenen bildmäßigen Aufnahmen ſind einfach
unüber=
refflich!
Eine allgemein intereſſierende Vorführung „
gutbür=
erlicher” Wohnräume, die zurzeit bei A. Wertheim in
Zerlin zu ſehen ſind, ſchließt ſich an. Die hervoragendſten
Nöbelkünſtler unſerer Zeit haben hier mitgearbeitet, um
u zeigen, daß der gute Mittelſtand an den
Errungen=
chaften des Kunſtgewerbes vollen Anteil nehmen kann
ind daß Kunſt nicht nur eine Sache der Reichen iſt! Auch
ie reine Architektur iſt diesmal ſehr ſchön vertreten durch
in entzückendes „Haus in Oberbozen” des Architekten
Narius Amonn. Umrißlinie, Licht und Schatten ergeben
ſier ohne jedes Ornament den Eindruck köſtlichſter Ruhe
ind Behaglichkeit.
Zu guterletzt kommen noch kunſtgewerbliche
Einzel=
tücke zur Darſtellung, unter denen die Stickereien von
Herta Koch durch Anmut, Phantaſie und pikante
Farben=
jebung beſonders reizvoll ins Auge fallen.
Als Ganzes genommen reiht ſich das vorliegende
Oktoberheft — ein dickes Buch, mit 150 meiſt ganzſeitigen
Illuſtrationen, darunter wunderbare farbige und
Sepiatondruckbeilagen — würdig ſeinen zahlreichen
Vor=
läufern an und bildet einen vielverſprechenden Auftakt
zum neuen Jahrgang der weitverbreiteten und führenden
Kunſtzeitſchrift, auf die wir Deutſche mit begeiſtertem
Stolz blicken dürfen!
Prof. Dr. Vetterlein=Darmſtadt.
Kongreſſe und Verbandstage.
Berlin, 12. Sept. Wie ſchon mitgeteilt, ſprach
in der heutigen Verhandlung des 3. deutſchen
Rich=
tertages Reichsgerichtsrat Dr. Lobe (Leipzig) über
das Thema: „Wie iſt den hauptſächlichſten
Kla=
gen des Volkes über den Zivilprozeß
ab=
zuhelfen?‟ Er führte aus: Die Klagen über dieſe
Einrichtung ſeien uralt und ließen ſich nicht ganz
beſei=
tigen, da ein Prozeßverfahren immer ein ſchwieriges und
koſtſpieliges Mittel bleiben werde. Aber wenn ſie, wie
heutzutage, lauter als gewöhnlich ſich erheben, dann müſſe
man verſuchen, Einrichtungen zu treffen, die übermäßige
und unnötige Beſchwernis beſeitigten oder wenigſtens
mil=
derten. Der Redner begründete dann eine Reihe von
Ab=
änderungsvorſchlägen. In der Diskuſſion forderte Geh.
Juſtizrat Amtsgerichtsrat Jaſtrow=Berlin die
Be=
ſeitigung des geformelten Eides im Zivilprozeß. Dieſer
ſei ein Kreuz für Menſchen mit engem und eine Förderung
der Menſchen mit weitem Gepiſſen. Wenn bei dem
bekann=
ten Gerichtsverfahren vor dem König Salomo es nach der
Beweisaufnahme gegangen wäre, dann hätte die
kläge=
riſche Frau, welche ihr Kind verlangte, einfach abgewieſen
werden müſſen, denn nach unſerem Zivilprozeß hätte der
Gegenpartei der Eid auferlegt werden müſſen, dieſe hätte
geſchworen und der Fall wäre erledigt geweſen.
Amts=
gerichtsrat Kade=Berlin empfahl die Verbreitung von
mehr Rechtskunde im Volke die ebenſo wirke, wie in der
Geſundheitspflege die Hygiene. Nach ſehr eingehender
Erörterung des Zivilprozeßverfahrens wurde ſchließlich
folgender Antrag angenommen: „Der deutſche
Richter=
tag erkennt die Klagen des Volkes über das Zivilverfahren
als berechtigt an. Als Abhilfe iſt die Umgeſtaltung des
Zivlprozeßverfahrens anzuſehen.” Ferner gelangten
fol=
gende Leitſätze zur Annahme: 1. Es iſt von vornherein
auf eine beſſere Scheidung zwiſchen ſtreitigen und
nicht=
ſtreitigen Rechtsanſprüchen Bedacht zu nehmen. Für
letz=
tere iſt ein einfaches, ſchnelles und billiges
Mahnver=
fahren obligatoriſch zu machen. 2. Die vorbeugenden
Mit=
tel zur Verhütung von Prozeſſen ſind auszubauen. 3. Bei
landgerichtlichen Prozeßverfahren iſt das Vorverfahren in
geeigneten Fällen vor dem Einzelrichter und zur beſſeren
Vorbereitung der Hauptverhandlung vor dem Kollegium
einzuführen. 4. Der geformelte Eid iſt durch die
Ver=
eidigung der Parteien zu erſetzen. Die Verhandlung
wurde auf Samstag vertagt.
* Breslau, 12. Sept. Der 21. Deutſche
An=
waltstag nahm nach längerer Debatte folgende Theſen
des Referenten Rechtsanwalts Friedländer=München an:
1. Freizügigkeit. Solange die dringend zu wünſchende
einheitliche Regelung des Vorbildungs= und
Prüfungs=
weſens in Deutſchland nicht erfolgt iſt kann auch die
allge=
meine Freizügigkeit innerhalb des ganzen deutſchen
Reiches nicht eingeführt werden. 2. Lokaliſierung. Den
Grundſatz der Lokaliſation (§ 8, Abſatz 1 R. A. O.)
beizu=
behalten, wenn an einem Orte mehrere Landgerichte ſind,
oder Teile eines Ortes mehreren Landgerichten zugehören,
haltens ſchuldig machte, das ihn zur Zulaſſung zur
Rechts=
anwälte auf Antrag auch bei den übrigen Landgerichten
zuzulaſſen. 3. Aenderung des § 5, Ziffer 5 R. A. O.:
Die=
ſer ſoll folgende Faſſung erhalten: Die Zulaſſung muß
verſagt werden, wenn der Antragſteller nach dem
Gut=
achten des Vorſtandes der Anwaltskammer ſich eines
Ver=
haltens ſchuldig machte, da sihn zur Zulaſſung zur
Rechts=
anwaltſchaft unwürdig erſcheinen läßt. Es empfiehlt ſich
folgende Ergänzungsvorſchrift: Politiſche,
wiſſenſchaft=
liche und religiöſe Anſichten und Handlungen können eine
Verſagung der Zulaſſung niemals rechtfertigen. 4.
Straf=
ſyſtem. Zwiſchen einem Verweis und 3000 Mark
Geld=
ſtrafe einerſeits und Ausſchließung von der
Rechtsanwalt=
ſchaft andererſeits iſt eine Zwiſchenſtrafe einzuführen. Die
Suspendierung iſt als Strafmittel zu verwerfen. Die
übrigen Theſen des Referenten, wurden teils abgelehnt,
teils zurückgeſtellt.
Luftfahrt.
sr. Schlecht belohntes Bravourſtück. Die
ſenſationellen Flüge des franzöſiſchen Fliegers Pegoud
haben naturgemäß überall Aufſehen erregt. Nachdem in
England ein Aviatiker in der Luft einen viermaligen,
allerdings unfreiwilligen Saltomortale beſchrieb und glatt
landete, hat, wie bereits berichtet, der ruſſiſche
Flieger=
leutnant Neſterowo mit einem gewöhnlichen Nieuport=
Eindecker einen ſtehenden Kreis in der Luft beſchrieben.
Dieſe Leiſtung hat jedoch für den Flieger einen bitteren
Nachgeſchmack. In militäriſchen Kreiſen erkennt man zwar
den Mut des Piloten an, ſeine Vorgeſetzten haben ihn
aber zu 30 Tagen Arreſt verurteilt, weil er in
völ=
lig unnützer Weiſe ſein Leben aufs Sviel
geſetzt hatte.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
ſeinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preſgeſeizes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich,)
— Bei Beginn der diesjährigen Theaterſpielzeit halte
ich es für angebracht, auf einen Mißſtand hinzuweiſen,
deſſen Beſeitigung von den unmittelbar Beteiligten auf
das Freudigſte begrüßt werden dürfte. Bekanntlich
ge=
nießen Studierende auf verſchiedenen Plätzen des
Hof=
theaters Preisermäßigung, und auch den Referendaren,
Philologen wie Juriſten, ſind durch das Wohlwollen der
Hoftheaterdirektion Plätze auf den letzten Reihen des
Par=
ketts mit ganz erheblicher Ermäßigung zur Verfügung
ge=
ſtellt worden. Ich frage nun: Warum läßt man nicht auch
die hieſigen Seminariſtinnen dieſer Wohltat teilhaftig
werden? Gerade bei dieſen jungen Mädchen ſind doch die
Vorausſetzungen gegeben, die man für vorliegend hielt,
als man den Studenten und Referendaren in der gedachten
Weiſe entgegenkam, von dem lebhaften Intereſſe für
Dicht=
kunſt und Muſik und der jugendlichen
Begeiſterungsfähig=
keit und finanziellen Geſichtspunkten gar nicht zu reden.
Ueberdies iſt es ja auch die zukünftige Lebensaufgabe der
Seminariſtinnen, die heranwachſende Jugend in die Werke
der Meiſter der Gedanken und der Töne einzuführen.
M. E. iſt es eine Forderung der Gerechtigkeit, ihnen in
der=
ſelben wohwollenden Weiſe zu begegnen, wie das auch den
Referendaren gegenüber geſchehen iſt; was dieſen recht iſt,
ſollte den Seminariſtinnen billig ſein. Es bedarf, wie ich
hoffe, nur dieſes Hinweiſes, um zu erreichen, was infolge
der ſo verſtändlichen — mangelnden Initiative der
Nächſt=
intereſſierten noch nicht erreicht iſt.
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 15. September 1913.
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