Inſerate
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176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
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verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
ſowie von unſeren Agenturen und
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den Annoncen=Expeditionen. — Bei
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das wichtigſte vom Tage.
Der Kaiſer hat geſtern ſeine Rückreiſe nach
Deutſch=
land angetreten.
Bei der Exploſion in der Kohlenzeche zu Pottsville
wurden 18 (nicht 50) Arbeiter getötet.
In einem Kohlenbergwerk bei Cadder (bei
Glas=
gow) iſt Feuer ausgebrochen; 23 Bergleute ſind
eingeſchloſſen.
In Cawnpur in Indien entſtand infolge
Nieder=
reißens einer Moſchee ein Aufruhr, bei
dem 13 Perſonen getötet und viele verwundet
wurden.
Auf der Meſſe in Paderborn löſten ſich zwei in
Aero=
planform gebaute Wagen von einem Karuſſell los
und ſtürzten in die umſtehende Zuſchauermenge. Zwei
Mädchen wurden getötet und mehrere Perſonen
ver=
letzt.
atzte Nachrichten ſiehe Seite 6.
Die Lage in Portugal.
* Als Ergänzung zu den geſtern mitgeteilten
Aus=
führungen des Pariſer Journals wird es intereſſieren,
was die Times über die gegenwärtige Lage in Portugal
ſchreibt:
Wie die Dinge gegenwärtig in Portugal liegen, ſo
ſchreibt das genannte Blatt, iſt es ſchwer, Nachrichten zu
ſammeln und zu befördern allein das, was davon dem
Zenſor manchmal entgeht, läßt erkennen, daß die
Schwie=
rigkeiten, denen die Regierung gegenüberſteht, keineswegs
in dem Maße abnehmen, wie die Zeit fortſchreitet. Die
monarchiſtiſche Gefahr iſt verſchwunden, dafür aber iſt
eine nicht geringere Gefahr entſtanden. Die
Gewerkver=
einler, denen die jüngſten Verbrechen zugeſchrieben
wer=
den, ſind nichts anderes als die wildeſten Parteigänger des
Herrn Affonſo Coſta ſelbſt. Dieſe Leute waren früher
lange Jahre in der Meinung erhalten worden, daß die
Re=
publik den Anbruch des goldenen Zeitalters bedeute Sie
arbeiteten am Umſturz der Monarchie in der
Ueberzeu=
gung, daß ſie eine herrliche Zeit von Frieden
und Ueberfluß herbeiführen würden; und nun, wo
ſie in ihren Hoffnungen getäuſcht ſind. gehen ſie zu den
Bräuchen der kontinentalen Gewerkvereine über, um ihre
Träume in die Wirklichkeit zu überſetzen. Die Ausſtände,
ſo heißt es weiter, ſeien nicht mehr beliebt infolge des
feſten Eingreifens der Regierung, und die Wühler ſeien
daher in eine ſchärfere Tonart verfallen. Im April hatte
eine Bande dieſer Entgleiſten einen Handſtreich angezettelt,
der die Regierung ſtürzen ſollte Dank der Wachſamkeit
der Geheimpolizei bekamen die Behörden rechtzeitig
Nach=
richt, und der Anſchlag wurde im Keime erſtickt. Liſſabon
aber war einige Stunden lang dem Schrecken überlaſſen.
Es wurden einige Schüſſe gewechſelt, es platzten einige
Sprengkörper, und dann wurden am folgenden Tage etwa
dreißig Verſchwörer nach den Azoren eingeſchift, um nach
einer beſchleunigten Aburteilung ins Gefängnis zu
wan=
dern. Ein ähnlicher Verſuch wurde vorige Woche
unter=
nommen und zwar mit demſelben verſehlten Ergebnis
Die Tatſache, daß bei jedem dieſer Anſchläge Offiziere des
Heeres und der Flotte beteiligt waren, und daß der
Vor=
rat an Sprengkörpern ſchier unerſchöpflich erſcheint, wie
auch ſtets Kraftwagen zur Verfügung ſtehen, ſpricht für
eine weite Verbreitung der Bewegung, deren Fehlſchläge
eher auf ungenügende Vorbereitung denn auf Mangel an
Mitteln zurückzuführen ſind.
Dr. Affonſo Coſta iſt nun ſchon etwas über ein
hal=
bes Jahr am Ruder. und während dieſer Zeit hat ſeine
Gewalt über die Regierung andauernd zugenommen. Dank
ſeiner Tatkraft, ſeiner Entſchloſſenheit und ſeiner
Regſam=
keit hat er ſeine Macht über ſeine Gegner wie über ſeine
Freunde gefeſtigt. Kürzlich als ſein Geſetzentwurf über
die Grundſteuer durch den ihm feindlich geſinnten Senat
ernſtlich bedroht war, genügte die einfache Drohung mit
ſeinem Rücktritt, um die Kritik zum Schweigen zu
brin=
gen und die Annahme der Vorlage zu ſichern. Seine
Ver=
treter in den Wahlbezirken haben es fertig gebracht, daß
für die kommenden Neuwahlen von 35
Parlamentsmit=
gliedern, wie auch für die nächſtens fälligen
Gemeinde=
wahlen ſeine Gegner es kaum wagen werden, wider ſeine
Anhänger aufzutreten. Was man auch von Dr. Aſſonfo
Coſtia denken mag, es iſt nicht zu leugnen, daß ſeine
viel=
ſeitige Betätigung während des letzten halben Jahres auf
finanziellem Gebiet Früchte getragen hat. Die neue
Grundſteuer bezweckte eine Erleichterung des Pächters auf
Koſten des Beſitzers, der Aermeren auf Koſten der
Wohl=
habenden; das Wertvollſte aber daran iſt, daß die
üppi=
gen Perſonen und Geſellſchaften, die bislang den
Steuer=
einnehmer zu umgehen oder zu beſtechen wußten, in
Zu=
kunſt zur Zahlung ihres Anteils angehalten werden. Die
Steuern ſind in ungewohnter Fülle dem Staatsſchatz
zu=
gefloſſen, gleichzeitig iſt der Ertrag der Zölle geſtiegen, mit
dem Ergebnis daß die ſchwebende äußere Schuld, die in
vergangenen Jahren die Hilfsquellen des Landes in
be=
trächtlichem Maße aufſog, nunmehr weſentlich
abgenom=
men hat. Der Bankzinsfuß iſt auf 5½ Prozent
zurück=
gegangen, und für nächſtes Jahr hat der Miniſter einen
namhaften Ueberſchuß in Ausſicht geſtellt. Dieſes
Ver=
ſprechen iſt allerdings auf Zweifel geſtoßen bei denen, die
mit portugieſiſcher Finanzwirtſchaft vertraut ſind; die
Tatſache indes bleibt beſtehen, daß die Kaufmannſchaft in
Oporto ſowohl wie in Liſſabon über einen ungewöhnlich
günſtigen Stand des Geſchäfts berichtet.
Trotz alledem bleibt die Lage bedrohlich genug
für den, der unter die Oberſchicht zu blicken vermag Ueber
der Wahrnehmung, daß die Koſten der Lebenshaltung
fortwährend aufwärts ſtreben, wird das Liſſaboner
Pro=
letariat immer unwirſcher und verliert allmählich die
Hoffnung auf das Millenium. Während ferner die
Re=
gierung die Leute von der äußerſten Richtung durch ihr
hartes Vorgehen bei Untedrückung von Unruhen reizt,
iſt es ihr nicht gelungen, ſich die Zuneigung der
gemäßig=
ten Elemente zu gewinnen, auf deren Unterſtützung ſie
auf die Dauer nicht verzichten kann. Der Bruch mit Rom
bleibt beſtehen. Man ſagt, es hätten 700 Geiſtliche ſich dem
Trennungsgeſetz gefügt, und da ſie leben müſſen, klingt
das auch glaubhaft. Abzuleugnen aber iſt nicht, daß die
Mehrzahl der Geiſtlichen unverſöhnlich bleibt, und daß
ſie es ſind, die das Vertrauen und die greifbare
Unter=
ſtützung der Volksmaſſe genießen, weil ſie ſich nicht für
Annahme des ſtaatlichen Ruhegehalts entſchließen wollen.
Daß diejenigen Monarchiſten, die noch im Lande
geblie=
ben ſind, kein Lebenszeichen geben, rührt daher, daß ſie
eingeſchüchtert und zum Schweigen und zur Untätigkeit
genötigt ſind. Die pplitiſchen Gefangenen, auf deren
trau=
riges Los vor einigen Monaten in der Times die Herzoain
Abeline von Bedfort hingewieſen hat, haben eine gewiſſe
Erleichterung erfahren, allein die längſt erhofſte Amneſtie
läßt auf ſich warten. Die Preſſe iſt geknebelt, und die
Freiheit der Rede wie auch des Gedankens wird weiterhin
in die enaſten Schranken gezwängt. Dank dieſer
Folte=
rung der Freiheit vermag Dr. Affonſo Coſta die Zügel feſt
in der Hand zu behalten.
Unter dieſen Umſtänden iſt es nicht wunderlich.
daß ſich bei den Ausländern über die Erörterung der
portugieſiſchen Angelegenheiten eine ſtarke Neigung zur
Kritik geltend macht. Man fragt mit ſteigendem Nachdruck,
ob die Männer, die ſich ſo wenig geeignet für eine geſittete
Verwaltung in der Heimat zeigen, dazu berufen ſein
kön=
nen, die ihrer Obhut anvertrauten großen Landſtriche in
Afrika zu verwalten. Es herrſche die Anſicht, der Lord
Cromer Ausdruck gegeben habe, daß der Vertrag mit
Por=
tugal gekündigt werden müſſe, wenn nicht gar noch
ſtren=
gere Maßregeln angewandt werden ſollen, die hie und da
in der Preſſe empfohlen werden. Die Times mahnt zum
Maßhalten gegenüber den alten Freunden und
Verbün=
deten, ſchließt ſich aber der Warnung an, die Lord
Lans=
downe nach Liſſabon richtete; wenn die Regierung nicht
ſorgfältia Obacht gebe, könnte es vorkommen, daß
Eng=
land zwiſchen den Verpflichtungen ſeines Bündnisvertrags
auf der einen Seite und dem immer ſtärkeren und am
Ende unwiderſtehlichen Drang der öffentlichen Meinung
auf der anderen Seite wählen müſſe.
Zum Petroleummonopol.
Das ſoeben erſchienene Heft des
Weltwirtſchaft=
ſchaftlichen Archivs (Jena, Guſtav Fiſcher) enthält eine
Abhandlung J. Mendels über die internationale
Or=
ganiſation der Petroleumgewinnung und des
Petroleum=
handels. Mendel rechnet damit, daß das deutſche
Petro=
leummonopol auf dem Wege eines Kompromiſſes
zu=
ſtande kommt, und ſchließt ſeine Unterſuchung mit
folgen=
dem Ausblick: „In der Geſchichte der internationalen
Petroleumproduktion und des internationalen
Petroleum=
handels wird ſelbſt die Einführung des Staatsmonopols
in Deutſchland, dem möglicherweiſe auch in dieſem oder
jenem Lande eine Nachahmung erſtehen kann und das
gewiſſermaßen einen Sieg der nationalen Staatsgewalt
gegenüber den wirklichen oder vermeintlichen
internatio=
nalen Tendenzen des Kapitals bedeutet . . ., doch nur
eine Etappe bedeuten. Schon zu oft haben ſich in dem
letzten halben Jahrhundert des Beſtehens der
Petroleum=
induſtrie die Dinge infolge der gerade auf dieſem
Ge=
biete ſo notwendigen und beiſpiellos erfolgreich
einſetzen=
den Energie internationaler Wirtſchaftstätigkeit geändert,
ſo daß vielleicht eine nicht allzu ferne Zukunft hier
wie=
derum mit ganz neuen Faktoren zu rechnen haben wird.
Vom Standpunkt der nationalen Wirtſchaft wäre es ja
am erfreulichſten, wenn Deutſchland, wie auf dem Gebiete
der Kohle und des Kalis, ſo auch auf dem Gebiete des
Petroleums ſelbſt ſeinen Bedarf decken könnte. Zeitweiſe
mag man dieſen Gedanken, von dem man heute wieder
nach einigen Enttäuſchungen zurückgekommen iſt, für
mög=
lich gehalten haben. Immerhin hat es beim Erdöl, deſſen
Schwerpunkt allerdings mehr und mehr von der
Leucht=
quelle zur Kraftquelle ſich verſchoben hat, an
außerordent=
lichen Ueberraſchungen nicht gefehlt, ſo daß wir gerade
hier angeſichts einer kaum halbjahrhundertlangen
Ent=
wicklung auch der wirtſchaftlichen Formen, deren
Inter=
nationaliſierung hier wie auf wenigen Gebieten
fortge=
ſchritten iſt, vor neuen, kaum vorauszuſehenden
Wand=
lungen ſtehen können.
Solange eine wirtſchaftlich notwendige, nicht mehr
zu entbehrende Kraftquelle erſten Ranges nur auf unbe=
grenztem Gebiete in nennenswerten Mengen gehoben
werden kann, ſolange die Gewinnungsgebiete zu einem
nicht geringen Teile in der Kultur noch wenig oder kaum
erſchloſſenen Gebieten liegen, werden die internationalen
Kräfte des Kapitals allein die Möglichkeit bieten, dieſe
Energieſchätze der Kulturwelt zur Verfügung zu ſtellen.”
Neue Juſtizvorlagen für den
Reichstag.
* Bei dem zuſtändigen Reichsreſſort wird eine Reihe
von Geſetzentwürfen vorbereitet die in nächſter Zeit dem
Bundesrat und dann dem Reichstage zugehen dürften.
Ein Entwurf über eine Neuregelung der
Ar=
beitsverhältniſſe der
Rechtsanwalts=
angeſtellten im Reiche iſt im Reichsjuſtizamt
be=
reits fertiggeſtellt, ſo daß anzunehmen iſt, daß die
Vor=
lage im Herbſt dem Bundesrat und im Laufe dieſes
Win=
ters dem Parlament zur Durchberatung vorgelegt werden
kann. In dem Entwurf werden in der Hauptſache die
Urlaubsverhältniſſe der Angeſtellten, die geeignete
Fort=
bildung der Lehrlinge, die Frage der Fortzahlung des
Lohnes bei unverſchuldeter Dienſtverſäumnis geregelt.
Dann wird ein Entwurf zur Abänderung des geltenden
deutſchen Wechſelrechts, der auf Grund der geſchloſſenen
internationalen Vereinbarung einer Abänderunng des
gel=
tenden deutſchen Wechſelrechts vorliegt, den Bundesrat
und danach den Reichstag im nächſten Winter beſchäftigen.
Weiter dürfte der Geſetzentwurf über die
Haftpflicht der Eiſenbahnen, der dem
preußi=
ſchen Staatsminiſterium bereits zugegangen iſt, aller
Vor=
ausſicht nach zu den geſetzgeberiſchen Aufgaben gehören,
die an das Reichsparlament im nächſten Winter
heran=
treten. In dem Entwurf iſt ſowohl die Regelung der
Perſonen= wie auch der Sachſchaden geregelt, wobei
be=
abſichtigt iſt, die Beſtimmung über die Haftung für
Per=
ſonenſchäden an Stelle der einſchlägigen Vorſchriften des
Geſetzes vom 7. Juni 1871 treten zu laſſen. Für die
Haftung für Sach= und Perſonenſchäden ſollen dieſelben
Vorausſetzungen maßgebend ſein, und bezüglich der
Haf=
tung der Straßenbahnen ſollen die
Haftungs=
grundſätze des Automobilgeſetzes in Anwendung kommen,
die milder ſind als die des Reichshaftpflichtgeſetzes, das
für Bahnen mit eigenem Bahnkörper in Betracht
kom=
men ſoll.
In Vorbereitung befindet ſich dann eine
Abände=
rung dies Zwangsverſteigerungsgeſetzes.
Es handelt ſich um den § 57 dieſes Geſetzes, und die
Er=
wägungen, die eingeleitet ſind, befaſſen ſich mit einer
Prü=
fung der Möglichkeit der Beſchränkung der
Vorausſetzun=
gen über Mietzinſen zum Nachteil des Erſtehers, wodurch
auch dem wirtſchaftlichen Nutzen der Hypothekengläubiger
gedient würde. Ob eine entſprechende Vorlage aufgeſtellt
wird und ob ſie im Laufe des Winters dem Parlament
zugehen kann, ſteht zurzeit noch dahin, da zunächſt die an
der Frage intereſſierten Kreiſe und Sachverſtändigen
ge=
hört werden ſollen, bevor ein Entwurf aufgeſtellt wird.
Schließlich wäre noch die bereits vom Bundesrat
verab=
ſchiedete Vorlage zu erwähnen, die die Hilfsrichter beim
Reichsgericht betrifft.
Ausdehnung der Sonntagsruhe
für Angeſtelle,
* Im Reichstag iſt mehrfach der Wunſch
ausgeſpro=
chen, die Schutzvorſchriften, die die Reichsgeſetzgebung in
der Gewerbeordnung und im Handelsgeſetzbuch hinſichtlich
der Handelsangeſtellten in bezug auf Sonntagsruhe,
Ar=
beitszeit, Kündigungsfriſten uſw. enthält, auch auf
an=
dere Klaſſen von Angeſtellten auszudehnen,
wie z. B. auf die Gehilfen der Rechtsanwälte, Notare
und Gerichtsvollzieher, die Angeſtellten von
Verſicherungs=
geſellſchaften, Vereinen, Auskunfteien uſw. Dieſem
Wunſche wird dem Vernehmen nach wenigſtens teilweiſe
Rechnung getragen werden. Der vom Bundesrat bereits
verabſchiedete Geſetzentwurf über die Sonntagsruhe im
Handelsgewerbe, der dem Reichstage bei ſeinem
Zuſam=
mentritt vorliegen wird, ſieht vor, daß die Vorſchriften
des Geſetzes auch auf die Geſchäftsbetriebe
der Verſicherungsunternehmer einſchließlich
der Vereine zur Verſicherung auf Gegenſeitigkeit, der
Ver=
ſicherungsagenten und Makler, der Annoncen=
Expeditio=
nen, der Stellenvermittler, der Auskunfteien, der
Spar=
kaſſen, Konſumvereine und anderer Vereine, die nach Art
des Handelsgewerbes ihre Geſchäfte betreiben,
Anwen=
dung finden ſollen. Damit wird alſo ein weiter Kreis
von Angeſtellten in bezug auf die Sonntagsruhe denſelben
Schutz genießen wie die Handelsangeſtellten. Da es ſich
bei den obengenannten Gewerbebetrieben nicht um offene
Verkaufsſtellen handelt, ſo kommt als Höchſtgrenze für die
Sonntagsarbeit eine Zeit von zwei Stunden in Betracht,
deren Lage von den zuſtändigen Behörden geregelt wird.
Wenn der Kreis der Gewerbebetriebe, auf den ſich die
Beſtimmungen des Geſetzes über die Sonntagsruhe im
Handelsgewerbe erſtrecken ſollen, enger gezogen iſt, als
er vom Reichstage vorgeſchlagen wurde, ſo hat dies ſeinen
Grund darin, daß für einzelne Gruppen von
Angeſtell=
ten eine beſondere Regelung in Ausſicht genommen iſt.
So wird beiſpielsweiſe vom Reichsjuſtizamt für die
An=
geſtellten der Rechtsanwälte und Notare auf Grund
um=
faſſender Erhebungen eine Regelung der Arbeits= und
Anſtellungsverhältniſſe vorbereitet. Für andere Gruppen
laſſen ſich Schutzvorſchriften auf dem Verordnungswege
durchführen, ſo daß eine Mitwirkung der Geſetzgebung
nicht erforderlich iſt.
Deutſches Reich.
— Starke Einwanderung nach
Deutſch=
land. Der franzöſiſche Konſul in Frankfurt (Main)
Herr Claine, hat die Aufmerkſamkeit der franzöſiſchen
Regierung auf die Tatſache gelenkt, daß die Einwanderung
von Ausländern in das deutſche Reichsgebiet während
der letzten Jahre ſtetig zunahm, während die deutſche
Auswanderung von Jahr zu Jahr geringer wurde und
im Jahre 1910 nur noch 39 auf 10000 Köpfe der
Geſamt=
bevölkerung betrug. Der Konſul hat ſeinem Bericht eine
Statiſtik beigelegt, der zu entnehmen iſt, daß die Zahl
der Einwanderer in das Deutſche Reich ſeit dem Jahre
1890, in welchem Jahre ſie mit 433000 Perſonen
be=
ziffert wurde, auf 1000259 Perſonen im Jahre 1910
an=
ſtieg. Oeſterreicher und Ruſſen bilden das
Hauptkontin=
gent, die Franzoſen ſtehen mit 35000 Perſonen an
ſieben=
ter Stelle. Für Frankreich iſt die Einwanderungsfrage
von großem Intereſſe. Man ſtudiert in Paris im
Augen=
blick die Mittel, um wohlhabende Ausländer, die eine
ge=
wiſſe Zahl von Jahren in Frankreich gelebt haben,
dauernd als ffranzöſiſche Staatsbürger dort feſtzuhalten
und in jedem Falle für in Frankreich geborene Söhne die
Erwerbung der franzöſiſchen Staatsangehörigkeit durch
alle Mittel zu erleichtern.
— Zur braunſchweigiſchen Frage erfährt
die Magdeburgiſche Zeitung aus Berlin: In der
Welfen=
frage ſind dieſer Tage wieder zu weitgehende
Mutmaßun=
gen laut geworden. An hieſiger zuſtändiger Stelle wird
erwartet, daß Braunſchweig dem im Oktober
zuſammen=
tretenden Bundesrat einen Antrag vorlegen wird,
natür=
lich nach vorheriger Fühlungnahme mit Preußen.
Even=
tuell wird Preußen ſich dem Antrag anſchließen oder einen
eigenen damit kombinieren oder einen ſolchen getrennt
vorlegen. Gegenwärtig iſt die Angelegenheit alſo noch
durchaus in vorbereitenden Stadien, und alles „Rechnen”
mit beſtimmten Terminen iſt bloße Kombination.
— Der Werftarbeiterſtreik. Die Blätter
melden aus Berlin: Der Verband der Eiſeninduſtriellen
hat, wie aus Hamburg berichtet wird, an ſeine Mitglieder
das Erſuchen gerichtet, wegen des Ausſtandes keine
Aus=
ſtändigen oder Arbeitsloſen einzuſtellen. Die
Zuwider=
handelnden werden mit den ſtatutariſch vorgeſehenen
Strafen bedroht werden. Es ſoll verhindert werden, daß
von den mit dem Ausſtande überzogenen Seeplätzen
aus=
ſtändige Arbeiter Arbeit finden und dadurch ihre
ausſtän=
digen Kollegen mit Geld unterſtützen können. Die
Arbeit=
geber wollen anſcheinend ihrerſeits durch Ausſperrung die
Betriebe wirklich ruhen laſſen. Es heißt gleichzeitig, daß
Arbeitswillige von auswärts eingetroffen und auf den
Werften eingeſtellt worden ſeien.
— Ueber die Zwiſtigkeiten innerhalb
der Sozialdemokratie ſchreibt die Norddeutſche
Allg. Zeitung in ihren Rückblicken:
„So eifrig auch diejenigen, die dem Wehrbeitrag und
der Beſitzſteuer zugeſtimmt haben, gewundene Erklärungen
abgeben, um ihre Stellungnahme zu erläutern und zu
ver=
teidigen, immer mehr gewinnt eine verdrießliche
Stim=
mung innerhalb der Partei die Oberhand. Man iſt in
einen Zuſtand der Unſicherheit, des Suchens und Taſtens
geraten. Dem Ausgleich der Meinungen darüber, wie
es die Reichstagsfraktion hätte machen ſollen, ſtehen die
geheiligten ſteifen Parteiarundſätze im Wege. Man haftet
zu ſehr an der alten Agitationspolitik, um ſich raſch und
ohne Erſchütterung innerhalb der Partei zurechtfinden zu
können. So iſt die unmittelbare Folge des Verſuches, an
dem wichtigen Problem unſerer inneren Politik, der Fi
nanzreform, einmal tätig mitzuarbeiten, daß innerhalb
der ſozialdemokratiſchen Partei Verwirrung entſteht, daß
die Angriffe derjenigen ſich mehren, die aus Liebe zur
ſyſtematiſchen Verhetzung der Volksmaſſen an den alten
Parteiſchablonen feſthalten.”
Wahlprüfungen. Das neue Deutſchland,
Wochenſchrift für konſervativen Fortſchritt, ſchreibt:
Im Reichstage ſind die Wahlprüfungen ſtets nach dem
Parteiintereſſe gehandhabt worden, aber ſo rückſichtslos
und brutal iſt doch niemals das Recht gebeugt worden,
wie in dieſem Reichstage mit der links=
ſozialdemokrati=
ſchen Mehrheit. Soweit es möglich war, ſind die
Man=
date der Rechten für ungültig erklärt worden, mit dem in
der demokratiſchen Preſſe ganz offen ausgeſprochenen
Zweck, die Mehrheit der Linken zu ſtärken. Leider iſt das
ja gelungen. Nicht weniger als vier Mandate der Rechten
ſind nach dem Grundſatz „Corriger la fortune” der Linken
zur Beute gefallen. Dagegen ſind zwei notoriſch
ungül=
tige Mandate der Linken ohne jede Scham
aufrechterhal=
ten. Die Wahlen des Sozialdemokraten Haupt und des
Nationalliberalen Kölſch, die mit wenigen Stimmen ihre
Gegner ſchlugen, wurden ſchon im Februar von der
Wahl=
prüfungskommiſſion für ungültig erklärt. Man verwies
ſie ohne zureichenden Grund an die Kommiſſion zurück
während im Falle des Herrn von Oertzen, wo tatſächlich
die Wahlprüfungskommiſſion nur die Prinzipienfrage
ent=
ſchieden, aber die ausſchlaggebende Frage gar nicht
ein=
mal erörtert hatte, ob tatſächlich ausreichend viele wirklich
Wahlberechtigte von der Eintragung in die Wählerliſte
ferngehalten waren, die Zurückverweiſung an die
Kom=
miſſion rückſichtslos abgelehnt wurde. Die
Wahlprüfungs=
kommiſſion hat nun die Ungültigkeit der Hauptſchen und
Kölſchſchen Wahl zum zweitenmal feſtgeſtellt — das
Ple=
num des Reichstages aber hat die Wahlprüfungen von
der Tagesordnung abgeſetzt, und ſo hat die Linke ihre
zwei bedrohten Mandate vorerſt gerettet. Wir erwarten
indes, daß rechtzeitig eine Niederleguna der Mandate
ſei=
tens der Herren Haupt und Kölſch erfolgt, damit die
Wäh=
ler noch während der Vertagung Gelegenheit zur Neuwahl
haben.
Ausland.
Frankreich.
Generalratswahlen. Nach den bisher im
Mi=
niſterium des Innern eingegangenen Meldungen haben
die vorgenommenen Ergänzungswahlen für eine
An=
zahl von Generalräten keine weſentlichen Aenderungen in
dem bisherigen Beſitzſtande der Parteien herbeigeführt.
Nur im Departement Var gewinnen die Sozialiſten
meh=
rere Sitze von den Radikalen. Unter den Gewählten
be=
finden ſich Miniſterpräſident Barthou, Marineminiſter
Baudin, Miniſter für öffentliche Arbeiten Chéron und der
Präſident der Deputiertenkammer Deschanel.
England.
Die Flottenmanöver ſind am 2. ds. Mts.
beendet worden. An den Uebungen nahmen nicht weniger
als 347 Schiffe und Fahrzeuge teil, und zwar: 41
Linien=
ſchiffe, 5 Schlachtkreuzer, 38 große und 28 kleine Kreuzer,
137 Zerſtörer, 22 Torpedoboote, 42 Unterſeeboote, 15 Be=
gleitſchiffe für Torpedo= und Unterſeeboote, 7 Minenleger,
6 Minenſuchfahrzeuge, außerdem der Kreuzer „Hermes”
als Begleitſchiff von 3 Waſſerflugzeugen.
Den ſtrategiſchen Manövern, die am 18. Juli
began=
nen, waren taktiſche Uebungen der Einzelverbände
vor=
aufgegangen. Den Hauptmanövern lag wie in Den
Vor=
jahren die Idee eines deutſchen Angriffes zugrunde. Es
ſollte feſtgeſtellt werden, ob es einem fremden Geſchwader
möglich ſei, eine größere Truppenabteilung unbehindert
oder doch ohne erhebliche Schwierigkeiten zu landen. Zu
dieſem Zweck wurden die geſamten Streitkräfte in zwei
Flotten geteilt: In eine blaue Verteidigungsflotte mit
230 Schiffen, die dem Admiral Sir George Callaghan
un=
terſtellt wurde, und in eine rote Angriffsflotte mit 117
Schiffen, deren Befehl der zweite Seelord, Vizeadmiral
Sir John Jellicoe, übernahm. Der Anariffsflotte waren
zur Ausführung der Landung 4 ſchnelle Transportdampfer
mit 2500 Soldaten beigegeben. Die Angriffsflotte hatte
ihre Schiffe in der Nore=Mündung verſammelt, und dieſe
am 2
2. Juli abends bei ſtürmiſchem Wetter verlaſſen. Am
24. Juli morgens erſchienen Teile der Flotte ganz
uner=
wartet in der Humbermündung bei Grimbsby und
lande=
ten dort, nach einem kurzen Gefecht mit den Truppen des
Verteidigers, 1500 Mann. Der Landungsverſuch war alſo
geglückt. Der Angreifer beſetzte elektriſche Werke, die
Eiſen=
bahn und Oeldepots. Das unerwartete Eindringen in
den Humber war der Angriffsflotte durch eine Liſt
ge=
lungen. Man hatte zwei Kreuzern durch Aufladen von
Holzſtämmen das Ausſehen von norwegiſchen Holzſchiffen
gegeben, die der Verteidiger ungehindert in den Hafen
ein=
ließ. Andererſeits hatte man mehrere Handelsſchiffe als
Kreuzer ausſtaffiert. Dieſe lockten den Verteidiger aus dem
Hafen, in den nun die Holzſchiffe einzogen, um bald darauf
die Landung vorzunehmen. Jedenfalls haben die
Manö=
ver den Beweis erbracht, daß trotz der größten
Aufmerk=
ſamkeit der Küſtenwachen einem geſchickten Feinde die
Lan=
dung einer größeren Truppenabteilung möglich iſt.
Holland.
Die Kabinettskriſis. Dr. Cort van der
Lin=
den hat, wie ſchon gemeldet, den Auftrag der Königin noch
nicht endgültig angenommen und ſich Bedenkzeit erbeten.
Eine ſtarke Mehrheit unter den ſozialiſtiſchen Führern ſetzt
inzwiſchen alle Hebel in Bewegung, um die
Sozialdemo=
kratie doch noch zur Beteiligung an der Regierung zu
ver=
anlaſſen. In Amſterdam wird der ſozialdemokratiſche
Parteivorſtand wiederum über die Einberufung eines
außerordentlichen Parteitages, der zu jener Frage
Stel=
lung zu nehmen hätte, beraten. Die innerpolitiſche Lage
iſt ſomit ungeklärt und verworren.
Spanien.
Der Textilarbeiter=Ausſtand. Nach den
letzten Nachrichten aus Barcelona haben ſich die
Ausſtän=
digen ruhig verhalten. Die Ordnung wurde in ganz
Kata=
lonien nirgends geſtört. Es ſtreiken 50000 Mann.
Trotz=
dem Montag der allgemeine Ausſtand angekündigt
wurde, glaubt man nicht, daß er zum Ausbruch kommen
wird. Die Truppen werden für alle Fälle bereit
gehal=
ten. Die Regierung kündigt an, daß ſie der Kammer
einen Geſetzesvorſchlag über die Feſtſtellung und
Feſt=
ſetzung der Löhne unterbreiten werde.
Amerika.
Die Unruhen in Venezuela. Nachrichten
aus Caracas zufolge erklärte Caſtro in einem Aufruf, der
Verrat und die Uſurpation des Präſidenten Gomez rufe
ihn aus dem Privatleben heraus. Das Verbrechen breite
ſeine furchtbaren Schwingen über das ganze Land aus. Der
brutale Blick und das treuloſe Lächeln des Gomez
er=
mutigten ſeine Anhänger, die Zerſtörung des Vaterlandes
zu vollenden. Das heroiſche Venezuela berufe ihn wieder,
um die Rechte des Landes zu verteidigen. Nach einem
Telegramm aus Willemſtad hat ſich Präſident Gomez
ent=
ſchloſſen, ſelbſt die Truppen gegen Caſtro zu führen. Der
Präſident begab ſich von Caracas nach Puerto Cabello,
von wo er ſich auf einem Kriegsſchiff nach Coro begibt.
Aus neuen Erinnerungen
an die Kaiſerin Friedrich.
** In menſchlich ergreifenden und an unbekannten
Zügen reichen Bildern entrollt in der Pariſer Revue
Catherine Kolb das Leben der Kaiſerin
Friedrich und ſchöpft in dieſer Schilderung aus einem
Schatz eigener Erinnerungen, da ſie der Fürſtin durch eine
langjährige Bekanntſchaft perſönlich nahegetreten war.
1873 wurde ſie der deutſchen Kronprinzeſſin zum erſten
Male vorgeſtellt und konnte dann eine ganze Reihe von
intereſſanten Vorgängen aus nächſter Nähe beobachten. Die
Ehe des Kronprinzenpaares war von vollendeter
Har=
monie; der Kronprinz erzählte einmal der Verfaſſerin von
dem Liebesidyll ihrer Verlobung in Schottland und fügte
hinzu: „Sie iſt der Engel meines Lebens geblieben und
ſie hat mir all meine Sorgen erleichtert. Sie iſt die
Voll=
kommenheit, die Frau geworden iſt.”
Freilich blieben Schatten, die von außen kamen, dem
Eheglück von früh an nicht erſpart; einer der ſchwerſten
entſtand aus dem Gegenſatz zu Bismarck, in dem ſich
das Kronprinzenpaar oft fühlte. Nur mühſam wurde
im=
mer wieder eine Ausſöhnung herbeigeführt. Frau Kolb
ſchildert eine Szene von einer Abendgeſellſchaft am 21. Nov.
1873, auf der Fürſt Bismarck, nachdem er lange dem
Kron=
prinzenpaar entfremdet geweſen war, zum allgemeinen
Staunen der Anweſenden erſchien. „Wir waren in einem
Salon verſammelt, der in dunkelblauem Samt gehalten
war, und warteten auf den Eintritt des Prinzen und der
Prinzeſſin, als durch eine Seitentür die Silhouette des
Kanzlers in der weißen Küraſſieruniform erſchien,
gewal=
tig anzuſchauen, wie alles, was wahrhaft groß iſt. Die
Verſammlung ſtand ſtarr vor Erſtaunen. Bismarck, der
ſich des durch ſein unerwartetes Erſcheinen
hervorgerufe=
nen Eindruckes vollkommen bewußt war, blieb ein wenig
hinter den anderen ſtehen und ließ ſeine Blicke mit einem
kleinen ſpöttiſchen Lächeln über die Eingeladenen gleiten,
wie wenn er ſich über die allgemeine Erregung luſtig
machte. Das dauerte nur ein paar Minuten; dann öffnete
ſich die Tür des Arbeitszimmers der Kronprinzeſſin, und
ſie trat in den Salon, von dem Prinzen geleitet und
ge=
folgt von ihrem Ehrendienſt. Sehr ruhig blieb ſie zuerſt
bei der nächſten Dame ſtehen, ſagte ihr ein paar Worte
und durchſchritt dann ohne jede Haſt, aber mit einer Grazie
und Würde, wie ſie nur ihr eigen waren, das Zimmer, hie
und da einige Perſonen mit einem liebenswürdigen Wort
begrüßend, und näherte ſich dann dem Kanzler. Die Unter=
haltung zwiſchen ihnen dauerte einige Minuten; Bismarck
ſchien geniert, wenn man einen derartigen Ausdruck von
einer ſo gewaltigen Perſönlichkeit überhaupt gebrauchen
kann, und zerrte während des Geſprächs an ſeinem langen
Militärhandſchuh. Die Prinzeſſin dagegen ſprach
liebens=
würdig und höflich, aber ohne Wärme und ohne einen
Augenblick ihre königliche Haltung aufzugeben. Nach etwa
fünf Minuten machte ſie dem Kanzler eine kleine
Ver=
beugung und entfernte ſich ungezwungen, die lange
Sei=
denſchleppe mit höchſter Anmut hinter ſich herziehend.
Dann trat der Kronprinz an den Miniſter heran und
ſo=
gleich änderte ſich das Bild; Bismarck, der eben noch ſo
verlegen ſchien, richtete ſich plötzlich auf, und nun war er
es, der das Geſpräch mit dem Thronfolger leitete.” Jedoch
hat ſie ſchwer darunter gelitten, daß ihr Mann durch
Bismarck (?) von der Regierung fern gehalten wurde.
Ueber dieſe Enttäuſchung und gezwungene Untätigkeit
ſuchte ſie ſich durch den Verkehr mit der geiſtigen Elite
Deutſchlands hinwegzutäuſchen, die in ihrem Salon
ver=
kehrte. Da gingen Helmholtz, Mommſen, Dubois=
Rey=
mond, die Maler Angeli und Richter u. a. aus und ein.
Bei Ranke nahm ſie Geſchichtsſtunden, und wenn ſie auch
ſeiner kühlen Objektvität in ihren Urteilen häufig eine
leidenſchaftliche Parteilichkeit entgegenſetzte, verehrte ſie
doch den großen Geſchichtsſchreiber tief. „Seine „Geſchichte
der Päpſte” war ein Buch, von dem ſie ſich ſelten trennte,
und ſie hatte dazu einen Kommentar geſchrieben, der die
Bewunderung des alten Hiſtorikers erregte, der ſonſt
da=
mit nicht ſehr freigebig war.” Von Zeit zu Zeit öffneten
ſich die Pforten ihres Palaſtes zu prächtigen und
geſchmack=
vollen Koſtümfeſten; ſo erſchien ſie auf einem
veneziani=
ſchen Feſt in der Tracht der Leonore von Gonzaga nach
dem Porträt Tizians im Palazzo Pitti, und bei der Feier
ihrer Silberhochzeit ließ ſie den Hof der Königin Eliſabeth
von England aufleben. Es war ihr letztes Feſt; dann
kamen die Sorgen, die Trauer und der Tod.
Als den erſten ſchweren Kummer bezeichnet die
Ver=
faſſerin die Entfremdung ihres älteſten Sohnes, unſeres
Kaiſers, an der ſie Bismarck Schuld gab und durch die
ihre Antipathie gegen den Kanzler in Haß verwandelt
wurde. Dann die Qual, den über alles geliebten Gatten
hinſiechen zu ſehen und an der Seite eines Sterbenden den
Kaiſerthron zu beſteigen. Aus dieſen Tagen, da ſich ihr
tragiſches Geſchick, Erfüllung und Vernichtung ihrer
höch=
ſten Hoffnungen zugleich, vollendete, teilt Frau Kolb einen
egreifenden Brief der Kronprinzeſſin mit. Sie ſpricht
zu=
nächſt vom Kaiſer: „Er arbeitet zu viel, aber er hat ja
auch ſo viel zu tun. Möge der Willen des Herrn ſich
voll=
enden. Ich bete darum mit Reſignation und Unterwerf=
ung, beſonders mit Reſignation für meinen armen
Kran=
ken. Er iſt erhaben in ſeiner Geduld, in ſeinem
Verlan=
gen, das Beſte zu geben, was er kann, während der Zeit,
die ihm noch bleibt. Ich bitte Sie nicht, an uns zu denken
und für uns zu beten; ich weiß, daß Sie es tun, und ich
bin Ihnen dankbar dafür. Wenn man ſo tief fällt, wie ich
gefallen bin, liebt man ſeine Freunde, ſoweit man
über=
haupt noch etwas lieben kann. Manchmal ſcheint es mir,
als wenn dieſer ganze Todeskampf ein Traum wäre, aus
dem ich erwachen muß, und dann packt mich die Angſt und
ich verſtehe mein Unglück in ſeiner ganzen Größe. Und
dennoch gehöre ich zu denen, die man die Glücklichen dieſer
Erde nennt! Wenn nur die, die mich beneiden oder
wenig=
ſtens beneidet haben — denn ich denke, daß das jetzt
nie=
mand mehr tut —, wüßten, wieviel die Großen
dieſer Welt oft unter ihrer hohen
Stel=
lung leiden, ſie würden ſich nicht ſo ſehr beeilen, ſie
zu richten und zu verdammen. Wir dulden ſogar dadurch,
daß wir von unſerem Leid nicht ſprechen, und ihm nicht
freien Lauf laſſen können. Unſere Verzweiflung iſt noch
der Sklave unſeres Ranges, und wir haben, was auch
komme, nur das Recht, zu fallen und zu ſterben, wie die
Könige ſterben und fallen müſſen, nämlich als Könige.”—
Wahrhaft königlich hat die Kaiſerin Friedrich ihren
Schmerz getragen. Als die Verfaſſerin ſie als Witwe
wiederſah, fand ſie ſie zwar im weißen Haar, den
wunder=
vollen Wohllaut der Stimme gebrochen, aber gefaßt und
ruhig, ja milder und weicher geworden. Ihre Abneigung
gegen Bismarck war beſänftigt, und nach ſeinem Sturze
hatte ſie ein tiefes Mitgefühl mit dem alten Kämpfer.
Gütig ſprach ſie von allen. Vergeſſen wir das
Vergan=
gene”, ſagte ſie zu der Beſucherin; „erinnern Sie ſich der
Inſchrift, die ſich in der Weſtminſter=Abtei findet:
Nescire et errare humanum est (nichts wiſſen und irren
iſt Menſchenlos). Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß
darin das einzige Urteil liegt, daß wir ein Recht haben,
zu fällen
Ihre letzte große Freude war die Wiederherſtellung
der guten Beziehungen zu ihrem Sohne, dem Kaiſer. Er
war ihr Liebling geweſen ſeit den fernen Tagen ſeiner
Kindheit, und noch ſterbend, von der Krankheit durchwühlt,
war eine ihrer letzten Bewegungen eine Liebkoſung der
Hand ihres Kindes. Schrecklich, ſchwer und qualvoll war
ihr Sterben; aber bei den entſetzlichſten Schmerzen nahm
ſie noch alle Kräfte zuſammen, um nicht zu ſchreien, indem
ſie ſagte: „Der Kaiſer hat nicht geſchrien; ich bin nicht
ebenſo mutig!‟ Doch im Leben und Sterben war ſie eine
ſtarke Frau, wie ſelten eine.
Südafrika.
Die ſüdafrikaniſche Arbeiterpartei hat
ein Manifeſt veröffentlicht, in dem ſie erklärt, die
Hoff=
nung, daß die Regierung eine dauernde Regelung der
Streitfrage ſichern werde, ſeit bitter enttäuſcht worden
durch die Weigerung der Minenherren, die Gewerkſchaften
anders als unter törichten und beleidigenden
Bedingun=
gen anzuerkennen. Trotzdem würden ſich die Arbeiter
weder zur Unterwerfung zwingen, noch zu
Gewalttätig=
keiten hinreißen laſſen.
E
*
* Die Verſicherungsfreiheit weiblicher
Staatsangeſtellten. Ueber die
Verſicherungsfrei=
heit der weiblichen Angeſtellten des Staates iſt an die in
Betracht kommenden Behörden eine für alle Beteiligten
wichtige Verfügung ergangen, in der folgendes ausgeführt
wird: Das Reichsverſicherungsamt iſt in einer
Entſchei=
dung zu dem Ergebniſſe gelangt, daß eine ledige Lehrerin
an einer preußiſchen öffentlichen Volksſchule nach § 1234
der Reichsverſicherungsordnung auch dann
verſicherungs=
frei iſt, wenn ihr nur die Anwartſchaft auf Ruhegehalt.
nicht auch auf Waiſenrente gewährleiſtet ſei. Hiernach ſind
alle ledigen weiblichen Angeſtellten des Staates, bei denen
nach den Anſtellungsbedingungen das Dienſtverhältnis
mit der Verheiratung ſein Ende erreicht und denen die
An=
wartſchaft auf Ruhegeld in der in § 1234 der
Reichsver=
ſicherungsordnung vorgeſehenen Höhe gewährleiſtet iſt,
verſicherungsfrei. Unter den gleichen Vorausſetzungen
ſind auch die weiblichen Angeſtellten anderer öffentlicher
Verbände uſw., auf die der Bundesrat gemäß § 1242 der
Reichsverſicherungsordnung die Geltung des § 1234 erſtreckt
hat, von der Verſicherung befreit. Werden
ausnahms=
weiſe Witwen mit Kindern unter zehn Jahren in einer an
ſich verſicherungspflichtigen Stellung beſchäftigt, ſo würde
ihre Befreiung allerdings erſt eintreten, wenn ihnen
An=
wartſchaft auf eine dem § 1234 der
Reichsverſicherungsord=
nung entſprechende Hinterbliebenenfürſorge gewährleiſtet
wird. Die Zuſicherung der Hinterbliebenenfürſorge für
die weiblichen Staatsangeſtellten iſt gegebenenfalls zu
be=
antragen. Der von dem Reichsverſicherungsamte
aufge=
ſtellte Grundſatz iſt auch für das Gebiet der
Angeſtellten=
verſicherung anwendbar. Nur bedarf es im Zweifelsfalle
gemäß § 9, Abſ. 3, des Verſicherungsgeſetzes für
Ange=
ſtellte vom 20. Dezember 1911 der Entſcheidung darüber,
ob den weiblichen Angeſtellten die Anwartſchaft auf
Ruhe=
geld und gegebenenfalls auf Hinterbliebenenfürſorge in
der dem Geſetze entſprechenden Höhe gewährleiſtet iſt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 5. Auguſt.
Juriſtiſche Kornwalzer.
F.C. Staats= und Juſtizminiſter Dr. v. Ewald hat,
wie ſchon kurz gemeldet, eine
Diſziplinarunterſuch=
ung gegen Gerichtsunterbeamte an Mainzer
Ge=
richten eingeleitet, die unbefugterweiſe Auszüge aus den
Verzeichniſſen der geleiſteten Offenbarungseide uſw.
an=
gefertigt und dieſe Mitteilungen an eine in Frankfurt a. M.
erſcheinende Gerichtszeitung, eine ſogenannte „Schwarze
Liſte” gegeben haben ſollen. Wie wir erfahren, hat
Staats= und Juſtizminiſter Dr. v. Ewald im März 1907
eine Verfügung an ſämtliche heſſiſchen Juſtizbehörden
ge=
langen laſſen, dahingehend, daß Namen von Perſonen,
die den Offenbarungseid geleiſtet haben uſw., nicht an
Zeitungen auch nur auszugsweiſe abgegeben werden
dür=
fen bei Meidung des Diſziplinarverfahrens. In die
Manifeſtanten= uſw. Liſten dürfte Einſicht nur dem
ge=
ſtattet werden, der ſein Intereſſe glaubhaft nachweiſe. Der
Miniſter ging bei Erlaß dieſer Verfügung von der
Er=
wägung aus, daß auf der Gerichtsſchreiberei Auszüge aus
dem Schuldner=Verzeichnis nach § 915 der Zivilprozeß=
Ordnung, d. i. die Liſte über diejenigen Perſonen, die den
Offenbarungseid geleiſtet haben oder gegen die
Haft=
befehl erlaſſen wurde, zu machen nicht angängig ſei, da
die ſchriftliche Fixierung der Namen der Manifeſtanten
und die hiermit erleichterte Veröffentlichung derſelben in
Zeitungen mit dem durch die Vorſchrift des § 915 Abſatz 2.
der Zivilprozeß=Ordnung beabſichtigten Zwecke der
Ver=
hütung einer unnötigen Bloßſtellung des Schuldners
un=
vereinbar, die Berechtigung hierzu aber aus § 915
Ab=
ſatz 3 nicht abzuleiten ſei und die ſpezielle Vorſchrift des
§ 915 Abſatz 2 „Löſchung des Eintrags nach Ablauf von
fünf Jahren” illuſoriſch gemacht werde. Auf demſelben
Standpunkt wie der heſſiſche Juſtizminiſter ſtehen die
meiſten Gerichte in Preußen, ſo z. B. in der Umgegend
die Gerichte von Wiesbaden, Hanau, Marburg uſw.,
wäh=
rend ein Gericht in der Provinz Heſſen=Naſſau und ein
bayeriſches Gericht gerade entgegengeſetzter Meinung ſind.
Dieſe beiden letzteren ſtehen auf dem Standpunkt, daß
jeder ein Recht habe, ſich aus den Schuldnerverzeichniſſen
Notizen zu machen und ſich dabei nur der von der
Juſtiz=
verwaltung aufgeſtellten Ordnung, die den Verkehr auf
der Gerichtsſchreiberei regelt, zu fügen habe. Da das
Geſetz jedermann die Einſicht in das Manifeſtanten=
Ver=
zeichnis geſtatte, ſo fehle es an jedem Grunde, einem
Ein=
ſichtnehmenden gerichtsſeitig die Entnahme von
Abſchrif=
ten und Notizen zu verbieten. Die Geſtattung der
Ein=
ſichtnahme gewährte das Recht der Kenntnisnahme. Es
treffe auch nicht zu, daß bei Geſtattung von
Notizen=
nehmen die Beſtimmungen des § 915 Abſatz 2 der
Zivil=
prozeß=Ordnung illuſoriſch gemacht werden. Dieſe
Be=
ſtimmungen hätten nur den Zweck, eine amtliche
Bekannt=
machung der aus den Verzeichniſſen ſich ergebenden
Tat=
ſachen über den im Geſetz feſtgelegten Zeitpunkt hinaus
zu hindern. Wie weit Private dieſe Tatſachen verwenden
dürfen, richte ſich lediglich nach den allgemeinen
geſetz=
lichen Schranken jedes privaten Handelns.
* Vom Hofe. Gräfin von Collalto traf am
Samstag, 6 Uhr 28 Min. abends, zum Beſuch in
Jagd=
ſchloß Wolfsgarten ein und reiſte am Sonntag abend
9 Uhr 27 Min. wieder ab. (Darmſt. Ztg.)
* Keine Audienzen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog werden am Mittwoch, den 6. Auguſt, weder
Audienzen erteilen, noch Meldungen und Vorträge
ent=
gegennehmen.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Forſtwart der Kommunal=
Forſtwartei Leihgeſtern, Förſter Johannes Seipp zu
Leihgeſtern, aus Anlaß ſeiner Verſetzung in den
Ruhe=
ſtand das Band des Verdienſtordens Philipps des
Groß=
mütigen zu dem ihm bereits verliehenen Allgemeinen
Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für treue Dienſte”
ver=
liehen.
* Pfarrperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Pfarrer Heinrich Zinn zu
Herbſtein die erſte evangeliſche Pfarrſtelle zu Pfungſtadt,
Dekanat Eberſtadt, ſowie dem Pfarrverwalter Hermann
Hechler zu Angersbach die evangeliſche Pfarrſtelle zu
Angersbach, Dekanat Lauterbach, übertragen und den
von dem Fürſten und Grafen zu Erbach=Schönberg in
Gemeinſchaft mit dem Fürſten zu Löwenſtein=Wertheim=
Roſenberg auf die evangeliſche Pfarrſtelle zu Kirch=
Brom=
bach, Dekanat Reinheim, präſentierten Pfarrverwalter
Georg Otto Müller daſelbſt für dieſe Stelle beſtätigt.
Profeſſor Bernhard Hoetger hat in der
keramiſchen Abteilung der Genter
Weltaus=
ſtellung einen Preis erhalten.
* Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Am Sonntag fand
der Familienausflug nach Weinheim ſtatt. Ein herrlicher
Sommerſonnenſchein hatte eine ſtattliche Anzahl (zirka 70)
Wanderinnen und Wanderer veranlaßt, ſich an dem
Bahn=
hof einzufinden, um den ſchönen Tag bei fröhlicher
Wan=
derung auszunützen. Der Zug 6,13 Uhr brachte die
Teil=
nehmer nach Heppenheim. Von hier ging es durch das
Erbacher Tal am kühlen Grund und auf wunderbaren
Waldwegen an der Arnoldseiche und den teilweiſe
ge=
öffneten Hünengräbern der „Lee” vorbei, nach der
Juhöhe. Vortrefflich mundete das mitgebrachte Frühſtück
und auch nicht zum wenigſten leiſteten Küche und Keller
des freundlichen und zuvorkommenden Gaſthalters, des
Herrn Höfle, ihr möglichſtes, um alle zufrieden zu ſtellen.
Nachdem Leib und Seele geſtärkt, ging es auf der Höhe
weiter nach dem Waldnerturm, weiter im ſchattigen
Walde über den Bocksberg, mit ſchönen Blicken in das
Weſchnitztal, nach der Roth=Hütte, und nach kurzer Raſt
hinab ins Birkenauer Tat zur ſchatten= und
labeſpenden=
den „Fuchsſchen Mühle‟. Nachdem nun auch noch
die=
jenigen eingetroffen waren, die den Zug 11,58 Uhr
(direkt Weinheim) benutzt hatten (auch zirka 70
Perſo=
nen) und man ſich bei gemeinſchaftlichem Kaffee friſch
ge=
ſtärkt und ausgeruht hatte, führte uns nun der angenehm
ſteigende Weg mit ſeinen prachtvollen Ausblicken durch die
Porphirwerke hinauf nach der Wachenburg. Mit
herz=
lichen Worten begrüßte uns hier im Namen der
Bau=
herren Herr Profeſſor Wienkoop der Erbauer der ſtolzen
Burg, woran ſich unter ſeiner liebenswürdigen Führung
mit Erklärungen eine eingehende Beſichtigung ſchloß
wofür ihm auch an dieſer Stelle herzlicher Dank
ausge=
ſprochen ſei. Nachdem noch der Bürgermeiſter der Stadt
Weinheim, Herr Dr. Wetzſtein, die Teilnehmer namens der
Stadt Weinheim begrüßt und jedem der Teilnehmer einen
Führer und eine Mappe mit den ſchönſten Anſichten von
Weinheim überreichen ließ, fand noch eine Erklärung der
großartigen Ausblicke ſtatt, auf die wir uns hier nicht
näher einlaſſen können. Ein fröhliches Treiben entwickelte
ſich dann in der Burgſchänke und den kühlen Räumen der
Burg, und manche Flaſche wurde geleert, um den Durſt zu
ſtillen. Weiter ging es nun abwärts nach der Burg
Wind=
eck, und nach Erklärungen über die geſchichtlichen
Bedeut=
ungen dieſes alten Bauwerks, das in den letzten Jahren
eine eingehende Renovierung erhalten hatte, ſchloß ſich
noch ein Rundgang mit Beſichtigung der ſehenswerten
Bauten der Stadt Weinheim ſelbſt an. Ein gemütliches
Beiſammenſein mit dem Weinheimer Ortsgewerbeverein
in dem Garten der „Vier Jahreszeiten” bildete den Schluß
des vorgeſehenen Programms; doch ſoll noch manch
fröh=
liche Gruppe der liebenswürdigen Einladung der fidelen
Weinheimer Folge geleiſtet haben. Alles in allem dürfte
es der Ausflugskommiſſion wieder einmal gelungen ſein,
den Teilnehmern einen ſchönen, lehr= und genußreichen
Tag bereitet zu haben, und möge es den Gäſten
Veran=
laſſung geben, dem Verein (Jahresbeitrag mit Zeitung
4 Mark) beizutreten. — Am Ende dieſes Monats findet
eine techniſche Beſichtigung an einem Wochentage ſtatt; es
erfolgt hierüber noch Näheres in den Anzeigen.
* Meiſterprüfungen. Nach dem Reichsgeſetz vom
30. Mai 1908 (dem ſogenannten kleinen
Befähigungsnach=
weis) dürfen bekanntlich im allgemeinen nur noch ſolche
Perſonen Lehrlinge anleiten, welche die Meiſterprüfung
be=
ſtanden haben. Am 1. Oktober 1913 läuft nun die Friſt ab,
bis zu welcher die Meiſterprüfung noch ohne den Nachweis
der beſtandenen Geſellenprüfung abgelegt werden kann.
Die Beſtimmungen finden gleicherweiſe auf männliche wie
auf weibliche Gewerbetreibende Anwendung. Aus dieſem
Grunde werden wohl noch viele Handwerker nach den
er=
leichterten Beſtimmungen die Meiſterprüfung ablegen und
dürfte nach den jetzt ſchon vorliegenden Anmeldungen die
Beteiligung an den Herbſt=Prüfungen eine ziemlich ſtarke
ſein. Damit ſich nun die Teilnehmer an den
Meiſter=
prüfungen die nötigen Kenntniſſe für den theoretiſchen
Teil der Prüfung leicht aneignen können, beabſichtigt der
Ortsgewerbeverein zu Darmſtadt einen weiteren
Vor=
bereitungskurſus hierfür abzuhalten. Gegenſtände des
Unterrichts werden ſein: Buchführung, Wechſellehre,
Scheck=
verkehr, Gewerbe= Verſicherungs= und
Genoſſenſchaftsgeſetz=
gebung. Der Kurſus ſoll am 3. September beginnen und
am 11. Oktober endigen. Anmeldungen hierzu werden
jetzt ſchon auf dem Sekretariate der Handwerkskammer zu
Darmſtadt. Georgenſtraße 9, entgegengenommen. Die
Teilnehmergebühr beträgt 10 Mark.
Arbeiten in ſchwindelnder Höhe. Seit geſtern iſt
man dabei, das Standbild Ludewigs I. auf dem
Monu=
ment mit einem Gerüſt zu umgeben. Das Standbild
wird einer Reinigung unterzogen.
* Die Verbreiterung der Pankratiusſtraße. Nachdem
bereits die Mauer gefallen iſt, die die Hofſtallfourage=
Magazine nach der Pankratiusſtraße zu abſchloß und
eben=
ſo das kleine Verwalterhäuschen, verkürzt man jetzt die
Zehntſcheuer um den Teil, der zur Verbreiterung der
Straße erforderlich iſt. Geſtern hat nun auch der Bäcker
das früher Rabenſteinſche Haus geräumt,
ſo daß wohl auch mit dem Abbruch dieſes Hauſes bald
be=
gonnen wird. — Von der Heag war vor einigen Tagen
die Schienenführung durch die Hochſchulſtraße mit Kreide
aufgetragen, woraus erſichtlich war, daß die Kurve beim
Hochſchulgehände nicht allzu ſcharf ausfallen wird.
* Katholiſcher Jünglingsverein. In der St.
Eliſa=
bethenkirche wurde am Sonntag die Fahnenweihe
des katholiſchen Jünglingsvereins durch den
Pfarraſſiſtenten Kaplan Eckſtein aus Dieburg
vorgenom=
men. Die Fahne ſtellt den Erzengel Michael dar und iſt
ein Zeugnis künſtleriſchen Schaffens auf dem Gebiet der
Stickerei. Sie iſt eine Stiftung edler katholiſcher
Wohl=
täter. Nach dem Gottesdienſte fand eine gemeinſame Feier
im katholiſchen Geſellenhauſe ſtatt, zu der die
Feuerwehr=
kapelle aus Gernsheim unter der tüchtigen Leitung des
Dirigenten Fiſcher den Konzertteil ſtellte. Feſtreden
hiel=
ten Kaplan Eckſtein, Quinchert und Pfarrer Fink ſowie
ein Mitglied des katholiſchen kaufmänniſchen Vereins
„Conſtantia
* Von der Wach= und Schließgeſellſchaft. Im
Monat Juli ergaben die fortlaufenden Reviſionen
unſerer Nachtwachbeamten folgende Fälle: 376 offene
Haustüren und Tore vorgefunden, 99 mal brannte Licht
in Geſchäfts= und Bureaulokalitäten, Kellern und
Bodenräumen, bezw. wurde vergeſſen, dasſelbe zu löſchen,
21 defekte Schlöſſer und Türen, ſowie ſteckengebliebene
Schlüſſel vorgefunden, 14 offenſtehende Parterrefenſter
ermittelt, 17 Hausbewohner, die ihre Schlüſſel vergeſſen
hatten, geöffnet.
* Heſſen in Amerika. Aus Eſſelborn ſtammte der in
Richmond Hill im Alter von 76 Jahren verſtorbene
Valen=
tin Paul. Als fünfjähriger Junge war der im deutſchen
Vereinsweſen wohl bekannte, aus Darmſtadt ſtammende
Konrad Hammann ausgewandert, der kürzlich in Round
Lake geſtorben iſt. In Gießen war der in Pittsburg als
bekannter Metzger im Alter von 76 Jahren verſtorbene
Karl Lampus geboren.
* Konzerte. Konzertgarten Hugenſchütz’
Felſenkeller. Mehrfacher Anregung Folge gebend,
wird heute Dienstag, den 5. Auguſt, der volkstümliche
humoriſtiſche Abend ſeine Wiederholung finden. Es ſind
nur beſſere Stücke von fröhlicher Laune und gutem, geſun=
Feuilleton.
* 125 Mark für einen Platz zum „Parſifal” Wagners
„Parſifal” wird am 1. Jan. 1914 frei, und man weiß, daß
eine Reihe deutſcher Opernbühnen ihn nunmehr den
wei=
teren Kreiſen übermitteln wird. Dieſe Weitergabe ans
deutſche Volk, um die ſo lebhaft gekämpft worden iſt, ſieht
aber doch etwas merkwürdig aus, wenn man erfährt, wie
aus Frankfurt a. M. berichtet wird. Auch das Frankfurter
Opernhaus wird das Werk zur Aufführung bringen. Aber
es teilt ſchon heute mit, daß das nur unter ganz
außer=
ordentlichen Erhöhungen der Preiſe möglich ſein wird.
Ein Platz in der Proſzeniumsloge wird 125 Mark koſten,
während der gewöhnliche Parterreplatz 15 Mark koſtet.
Das heißt alſo: „Wagners Werk dem Volke geben” Wie
das „Volk” ausſehen wird, darauf kann man einigermaßen
geſpannt ſein.
— Der Rekord einer Brieftaube. In der
internatio=
nalen Brieftaubenkonkurrenz, die am 29. Juni in Rom
begann, hat eine engliſche Brieftaube einen neuen Rekord
aufgeſtellt. Die Taube wurde zuſammen mit den übrigen
Konkurrenten am 29. Juni in Rom abgelaſſen und traf
am Dienstag abend, genau nach einem Monat Flugzeit,
in ihrem Heimatsorte Derby an. Die Entfernung von
Rom bis Derby beträgt gegen 1000 engliſche Meilen, mehr
als 1600 Kilometer, und es iſt das erſtemal, daß eine
Brieftaube dieſe gewaltige Reiſe glücklich zurückgelegt hat
In den Kreiſen der Züchter und Fachleute bezeichnet man
dieſe Leiſtung als ganz ungewöhnlich. Die Taube iſt
Eigentum eines Arbeiters namens Hudſon. Die höchſte
Leiſtung, die eine engliſche Taube bisher erreichte, war
der Flug von Mirande in Frankreich bis nach Schottland
damals brauchte der geflügelte Bote 28 Tage, um eine
Entfernung von 874 engliſchen Meilen zu überwinden. In
Amerika haben Tauben bereits größere Entfernungen
zu=
rückgelegt; aber ſie hatten doch auch geringere
Schwierig=
keiten zu überwinden; ihnen blieb der Flug über
Hoch=
gebirge und. See erſpart. Die Wetterverhältniſſe der=letz=
ten Wochen waren derart, daß von dem Ausgang des
dies=
jährigen internationalen Taubenfluges Schnelligkeits
rekorde nicht erwartet werden konnten, dafür aber die
Be=
weiſe einer ungewöhnlichen Widerſtandsfähigkeit. Die in
Derby eingetroffene Brieftaube iſt ſechs Jahre alt.
* Triſtan und Iſolde in Zittau. Eine tolle Geſchichte
beſchäftigte unlängſt die Zittauer Polizeibehörden. Ein
Ehepaar aus der Lauſitz lebte ſeit Jahren voneinander ge
trennt. In der „beſſeren” Ehehälfte aber erwachte eines
Tages die Sehnſucht, den Lebensgefährten wiederzuſehen.
Sie ſchrieb an ihn und der Ehemann erfüllte auch das
Ver=
langen ſeiner Frau. Beide trafen ſich in Zittau und
kehr=
ten, um ſich ungeſtört auszuſprechen, in einem dortigen
Kaffeehauſe ein. Der Mann beſtellte zwei Taſſen Kaffee.
Bald darauf begab ſich die Gattin in die Küche, brachte
eine Flaſche mit Inhalt zum Vorſchein und bat die
Kö=
chin, den letzteren dem Kaffee beizugeben, denn ihr Mann
leide an Magenbeſchwerden und ſei gewöhnt, nur Kaffee
mit dieſer Miſchung zu genießen. Man ſchöpfte natürlich
Verdacht und hielt die Frau für eine Giftmiſcherin. Die
Polizei wurde benachrichtigt, der Inhalt der Flaſche
unter=
ſucht. Es wurde aber feſtgeſtellt, daß der Inhalt weder
Gift noch geeignet war, jemand an der Geſundheit zu
ſchä=
digen. Die Frau wurde in ein polizeiliches Verhör
ge=
nommen und ſie erzählte jetzt eine Geſchichte vom kraſſeſten
Aberglauben. Sie habe erfahren, daß man aus
Baum=
wurzeln und Kräutern einen Trank brauen könne, der den:
fenigen, der dieſen Trank genieße, zu heißer Liebe zu
dem=
jenigen Teil entflamme, der dieſen Trank dem anderen
eingebe. Da ſie nun ihren Mann immer noch liebe und
auch ſeine Liebe zurückgewinnen möchte, ſei ſie in ihrem
Heimatdorfe zu einem 84jährigen „weiſen Manne”
ge=
gangen, von dem man wiſſe, daß er einen ſolchen
Liebes=
trank bereiten könne. Der „Weiſe” habe ihr auch für Geld
einen ſolchen Liebestrank gegeben, und nun habe ſie ſich
entſchloſſen, dieſen ihrem Manne beizubringen. Sie ſei
auch feſt überzeugt, daß er nunmehr zu ihr zurückkehren
und ihr ſeine Liebe wieder ſchenken werde. Da in
länd=
lichen Diſtrikten der Lauſitz der Aberglaube nochsſtarkever=
breitet iſt, ſo hat die Zittauer Polizeibehörde beſchloſſen,
in Zukunft derartige Fälle mit Namensnennung der
be=
teiligten Perſonen öffentlich bekannt zu geben. Man glaubt,
auf dieſe Weiſe abergläubiſche Menſchen am eheſten
ku=
rieren zu können.
ml. Der Film im Wahlkampfe. Der Kinematograph,
dem nachgerade nichts Menſchliches fremd bleibt, hat ſich
etzt, um einem „tiefgefühlten Bedürfnis” abzuhelfen, auch
in den Dienſt der Wahlpropaganda geſtellt. Der
Schau=
platz dieſes intereſſanten Ereigniſſes iſt ein kleiner Ort in
der Umgegend von Paris. Man hat hier einen Saal des
Rathauſes zum Kinotheater umgewandelt und die
ſtimm=
berechtigten Wähler der Gemeinde zur Vorführung der
Lichtbilder eingeladen. Zunächſt wurde der Kandidat für
den Generalrat auf dem Rednerpult gezeigt, wie er einer
Verſammlung von Arbeitern ſein Programm
auseinander=
ſetzt. Auf dem nächſten Bilde ſieht man den Herrn im
Ge=
ſpräch mit dem Präfekten vor ſeinem Auto. Die
Bilder=
folge wendet ſich dann der Stimmungsmache zu: ſie ſtellt
den Kandidaten dar, wie er unter die Armen Almoſen
ver=
teilt, wie er einer gebrechlichen Alten hilft, eine Holzlaſt
auf ihren Eſel zu laden, wie er mit einer Geberde
ſitt=
licher Entrüſtung einen Beutel Geld, den man ihn zum
Zwecke der Beſtechung anbietet, zurückweiſt. Dann kann
man den edlen Mann bewundern, wie er in einer elenden
Hütte neben dem Schmerzenslager eines kranken Greiſes
ſitzt, dem er tröſtend zuſpricht und dem er beim Weggehen
heimlich eine Geldbörſe aufs Bett legt. So geht es in
ſtimmungsvoller Steigerung weiter, während ein Klavier
hinter dem Vorhange ſeine gefühlvollen Weiſen ertönen
läßt. Ob das neue Verfahren des Stimmfanges Erfolg
hat, wird ſich am Tage der Wahl erweiſen.
* Wahres Geſchichtchen. Mein Freund Chotek macht?
in Salzburg eine Uebung. Eines Tages befiehlt er ſeinem
Burſchen, ihn zu einem Ausmarſch um 7 Uhr zu wecken.
Dieſer führt den Befehl aber ſchon um 5 Uhr aus und
ant=
wortet auf die erſtaunte mürriſche Frage ſeines
Vorgeſetz=
ten: „Der Herr Feldwebel hat befohlen: Die
Offiziers=
bagage=fährt um 5 Uhr ab.” (Jugend.).
dem Humor in die Vortragsordnung aufgenommen, ſo z. B.
„Nach berühmten Muſtern”, „Im Automatenſalon”, „
Rit=
ter Don Quichotte” uſw. (Siehe Anz.)
Gernsheim, 4. Aug. Die fliegende Brücke wird
wegen Ausbeſſerung vom 18. Auguſt etwa fünf Wochen
außer Dienſt geſtellt. Der Fuhrwerksverkehr
er=
folgt in dieſer Zeit mit geſchleppter Rudernähe. Der
Per=
ſonenverkehr wird mittels Nachens ohne Unterbrechung
weitergeführt
Offenbach, 4. Aug. In der Nacht vom Samstag auf
Sonntag wurden in der Nähe der Station Oberrad in
eine Weiche ein Schienenſtück von etwa 1½
Meter Länge, ferner verſchiedene größere Holzſtücke ohne
Zweifel in der Abſicht gelegt, einen Zug
zur Entgleiſung zu bringen. Die Hinderniſſe
wur=
den zum Glück rechtzeitig entdeckt. Die Frevler ſind noch
nicht ermittelt. Die Eiſenbahndirektion wird ſicher eine
namhafte Belohnung auf die Entdeckung der Täter
aus=
ſetzen, um ſo mehr, als das der vierte Frevelfall im Bezirk
Frankfurt innerhalb kurzer Zeit iſt.
Offenbach, 4. Aug. Auf der betreffenden Stelle, wo
der Eiſenbahnfrevel in Oberrad begangen wurde
waren geſtern nachmittag Kriminalbeamte mit
Polizeihunden anweſend. Letztere konnten die
Spu=
ren der Täter nicht mehr verfolgen, weil trotz ergangener
Weiſungen, ſolche Stellen ſofort abzuſperren, dies nicht
geſchehen war
Neunkirchen i. O., 4. Aug. Der Kaiſerturm
zeigt einige Stellen, an denen das Regenwetter
ein=
dringen kann. Der innere Verputz, ſowie das
Mauer=
werk leiden dadurch not. Eine Beſeitigung dieſes
Uebel=
ſtandes iſt dringend notwendig, um weiteren Schaden
zu verhüten. Der Turm wurde ſeit ſeiner Vollendung
von insgeſamt 31200 erwachſenen Perſonen und
etwa 6000 Schulkindern beſtiegen. — Unſer
Luftkurort iſt zurzeit von Kurgäſten ſehr ſtark
be=
ſucht. Die Gaſthäuſer und auch die Privatwohnungen
ſind voll beſetzt.
Lindenfels, 4. Aug. Das Burgfeſt erbrachte
dem Verſchönerungsverein eine Bruttoeinnahme
von 2200 Mk. — Auf dem Wege von Fürth nach
Weſchnitz verlor heute ein Mainzer Zahnarzt auf
einer Antotour ſeine Handtaſche mit 120 Mk.
In=
halt. Obgleich er ſofort umkehrte und nachſuchte, konnte
er die Taſche nicht wieder erhalten.
A König, 4. Aug. Zur Feier der Ankunft des 1000.
Kurgaſtes in König fand am Freitag abend in dem
feſtlich beleuchteten Kurgarten der Guſtav=Marien=Quelle
ein großes Konzert ſtatt.
Mainz, 4. Aug. Ein ſchweres Bootsunglück
trug ſich Samstag abend kurz nach 7 Uhr auf dem Rheine
zu. Der bekannte langjährige Steuermann Dietrich von
hier holte mit einem Nachen von zwei Schleppdampfern
mehrere Binger Steuerleute. Von dem erſten Dampfer
nahm er die Steuerleute Heinrich Schneider und Franz
Lipp aus Bingen, außerdem die 17jährige Tochter des
Wirtes Georg Wolf von hier, die ſeit Wochen die
ſchwer=
kranke Frau des Kapitäns auf dem Dampfer gepflegt hatte.
Der Nachen näherte ſich alsdann dem zweiten Dampfer
„Knippſcheer Nr. 3‟ Durch eine unglückliche Wendung
ge=
riet die Spitze des Nachens unter den Radkaſten des
Dampfers. Der Nachen kenterte, die Inſaſſen ſtürzten ins
Waſſer und ſchrien verzweifelt um Hilfe. Sofort kamen
von allen Seiten Boote herbei, um die Unglücklichen zu
retten. Es gelang aber nur, den alten Dietrich und
Lipp=
dem naſſen Element zu entreißen, während das Mädchen
und der 29 Jahre alte ledige Steuermann Schneider
er=
tranken. Die Leichen konnten noch nicht geländet
werden.
Guntersblum, 4. Aug. Einer unſerer hervorragendſten
Bürger, Oekonomierat Jak. Schmitt, iſt heute
im Alter von etwas über 70 Jahren geſtorben. Der
Verblichene war weit über das Weichbild unſeres Ortes
hinaus bekannt und beliebt, wovon ſeine zahlreichen
Ehren=
ämter Zeugnis geben. U. a. war der Verſtorbene lange
Jahre ſowohl Mitglied des hieſigen Gemeinderats, wie
auch Mitglied des Kreisausſchuſſes und des
Provinzial=
ausſchuſſes.
Worms, 4. Aug. Unangenehmen Beſuch hat
ſchon ſeit etwa 14 Tagen der Kreis Worms. Eine Bande
von ungefähr 90 Zigeunern hatte bekanntlich in Wies=
Oppenheim verſucht, ſich in einer dortigen Mühle häuslich
niederzulaſſen, bis das Kreisamt ſich ins Mittel legte und
die ungebetenen Gäſte mittelſt Eiſenbahn nach Straßburg
abſchob. Von dort trafen ſie aber prompt am Samstag
wieder ein mit dem Bemerken, daß die braunen Geſellen
ja in Worms anſäſſig geweſen wären. Jetzt iſt guter Rat
teuer. Vorläufig müſſen die Gäſte, die die ganze
Umgeb=
ung unſicher machen, noch behalten werden, bis man weiß,
wohin man dieſe abſchieben kann. — Am Samstag wurde
der von hier wegen Diebſtahls verfolgte Taglöhner Jakob
Fuhrmann aus Ottershauſen durch die Großh.
Gen=
darmerie Pfeddersheim feſtgenommen. Fuhrmann
hat von einem Grabe auf dem hieſigen Friedhof
verſchiedene Figuren und auf dem Friedhof zu
Frankenthal von drei Gräbern die Einfaſſungsketten
ent=
wendet. Das Diebsgut hat er an einen hieſigen
Alt=
händler verkauft, der wegen Hehlerei in Unterſuchung
ge=
zogen wurde. — Ferner wurde ein zuletzt hier wohnhafter
Hausdiener aus Frankenhagen wegen einfachen Diebſtahls
in Haft genommen.
Worms, 4. Aug. Im benachbarten Horchheim iſt
unter den Kindern eine Krankheit aufgetreten, die mit
Lähmungserſcheinungen verbunden iſt. Zwei
Kinder ſind der Krankheit bereits erlegen.
Gießen, 4. Aug. Der G. A. ſchreibt: Im Jahre
1891 erwarb der Bauunternehmer H. W. Rinn ein
Ge=
lände an der Ecke der Rodheimer und Krofdorfer, jetzt
Schützenſtraße, für 19000 Mk. Er ſchnitt zwei Bauplätze
davon ab, die er bebaute, und 1898 verkaufte er die
immer noch große Reſtparzelle an den Bankier
Grünewald für 21000 Mk. Dieſer veräußerte 1903 das
Gelände an einen gewiſſen Schmidt von der Holzinduſtrie
Mücke für den Preis von 26500 Mk., der wieder zwei
Bauplätze davon abſchnitt, dieſe bebaute und die immer
noch große Reſtparzelle an den Bankier Herz für
18600 Mk. abgab. Die Herz=Bank verkaufte 1908/09 das
Gelände an den ſpäter verkrachten Unternehmer Bill
für 21500 Mk. Der Vorbeſitzer erwarb das Gelände im
Zwangsverkauf zurück und überließ es an Borngäſſer
und Abermann & Kling für zuſammen 24500 Mk.
(*) Butzbach, 3. Aug. Im ſchönſten Feſtſchmuck
prangte heute unſere Stadt, der große Mitteldeutſche
Sän=
gerverband tagte in ihren Mauern. Das 75jährige
Stift=
ungsfeſt des Geſangvereins „Orpheus”=Butzbach ging dem
eigentlichen Sängertage voraus durch eine Feier am
Samstag abend. Dem Mitteldeutſchen
Sänger=
verband galt der heutige Hauptfeſttag, Verbandsfeſt
und vaterländiſche Gedenkfeier waren die Leitungspunkte.
Mittags traf eine größere Anzahl von Geſangvereinen
der näheren Umgebung ein, ſo daß ſich um 2 Uhr vom
Weitzler Tor ein ſtattlicher Feſtzug durch die Straßen der
Stadt zur Feſthalle bewegte. Als Gäſte waren erſchienen:
Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Uſinger=Gießen, der
Vorſitzende des Mitteldeutſchen Sängerverbandes,
Ver=
bandschormeiſter Trautmann, Schriftführer Lehrer V.
Müller=Gießen, Kaſſenwart Lehrer Römer=Großen=Linden,
Muſikdirektor Schmidt=Friedberg, Geſanglehrer Geller=
Gießen, Beiſitzer Fabrikant Velten=Lang=Göns, der
Vor=
ſitzende des Wetterau=Lahngau=Sängerbundes Lehrer
Buß=Leihgeſtern, und der Vorſitzende des Odenwälder
Sängerbundes, Dr. Siegert. Die Feier wurde eröffnet
durch den Maſſenchor mit Orcheſterbegleitung, „Hymne
von Ernſt, Herzog zu Sachſen” den Sames=Holzheim
dirigierte. Der Verbandsvorſitzende, Geheimerat Dr.
Uſinger, hielt die Begrüßungsrede, die Feſtrede
Haupt=
lehrer Storch. Nach dem Feſtakt begannen die
Geſangs=
vorträge. Das Verbandsfeſt nahm in allen Teilen einen
würdigen Verlauf.
Lich, 4. Aug. Nun ſcheint endlich die Ernte auch
hier in vollen Gang zu kommen. Das Korn, das hier
allerdings nur verhältnismäßig wenig gebaut wird, iſt
zwar ſchon größtenteils geſchnitten, aber Hafer und
Gerſte, die bei dem guten Wetter der letzten Tage raſch
heranreiften, werden in der Hauptſache erſt nächſte Woche
zum Schnitt kommen. Am weiteſten iſt noch der Weizen
zurück, der für ſich hier den größten Teil der mit
Ge=
treide bebauten Bodenfläche in Anſpruch nimmt und
be=
onders in den lehmreichen Teilen der Gemarkung
vor=
zügliche Erträge liefert, die hinter denen der beſten Lagen
der Wetterau nicht zurückſtehen. Durch die naſſe und
kalte Witlerung im Juni und Juli iſt die Ernte hier
gegen die Vorjahre um 2—3 Wochen zurück. Vergangenes
Jahr wurde hier in den letzten Julitagen ſchon Weizen
abgeſchnitten. Dazu kommt noch, daß in dieſem Jahre
die Erntearbeiten nicht ſo raſch wie gewöhnlich vonſtatten
gehen werden. Denn da es die Landwirte zumeiſt mit
Lagerfrucht zu tun haben, können ſie von den Maſchinen
nur wenig Gebrauch machen.
Bad=Nauheim, 4. Aug. Am 6. Auguſt, nachmittags
4½ Uhr, findet im Nauheimer Teich vor dem Teichhauſe
ein großes Schwimmfeſt ſtatt. Die Feſtordnung
hat der Erſte Frankfurter Schwimmklub übernommen,
deſ=
ſen Mitglieder ein Handikap für Junioren, ein
Damen=
handikap, ein humoriſtiſches Kleiderſchwimmen, ſowie ein
Einzel= und Gruppenſpringen vorführen. Bei
letzgenann=
ter Nummer wirkt wieder Weltmeiſter Fritz Nicolai mit.
Einen beſonderen Reiz übt das Feſt dadurch aus, daß die
berühmte Mannſchaft des Cercle de Natation de Bruxelles
verſchiedene Wettkämpfe, darunter zwei Stafetten und ein
Waſſerballſpiel, mit der Wettſchwimmannſchaft des Erſten
Frankfurter Schwimmklubs zum Austrag bringt. Drei
internationale Meiſter ſtellen ſich uns mit der Mannſchaft
vor: Mar Weckeſſer, der engliſche und belgiſche Meiſter im
Rückenſchwimmen, Hermann Meyboom, der 100=Meter=
Meiſter Belgiens, und J. Pletince, der franzöſiſche und
belgiſche Meiſter über lange Strecken.
F.C. Birſtein, 3. Aug. Der Heſſiſche Forſtverein
hält am 15. und 16. Auguſt d. J. in Birſtein ſeine 32.
Ver=
ſammlung ab. Unter anderem wird eine eingehende
Ausſprache darüber ſtattfinden, ob der Heſſiſche
Forſt=
verein mit Rückſicht auf die neuerdings eingeführten
offiziellen Beſprechungen der ſtaatlichen Forſtbeamten
aufzulöſen iſt.
Ilbenſtadt, 4. Aug. In unſeren Tagen des
Geburten=
rückganges verdient es, regiſtriert zu werden, daß dem
hieſigen Brauereibeſitzer Klein Zwillinge geboren
wur=
den, die mit ihren älteren Geſchwiſtern jetzt gerade das
„Dutzend” voll gemacht haben. Alle zwölf — Buben und
Mädchen in bunter Auswahl — erfreuen ſich trefflichen
Wohlbefindens.
Nieder=Rosbach, 4. Aug. Ein Arbeiter geriet den
Hochſpannungsdrähten der Ueberlandzentrale
zu nahe und blieb hängen. Er erlitt ſchwere
Brandwun=
den an den Händen und konnte nur durch Anwendung von
Gewalt den Drähten entriſſen werden.
Vilbel, 3. Aug. Der Gemeinderat beſchloß die
Her=
abſetzung des Gaspreiſes für das Waſſerwerk
von 18 auf 10 Pfg. für das Kubikmeter. Das Gaswerk
erbrachte im ſoeben abgelaufenen Geſchäftsjahr einen
Ueberſchuß von 6000 Mark. Sein Voranſchlag für 1913=
1914 ſchließt in Einnahmen und Ausgaben mit 41575
Mark ab.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 3. Aug. Die
Bevölke=
rung Berlins belief ſich Anfang Juli 1913 auf
2072 694 gegen 2078047 im gleichen Monat des
Vorjah=
res. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 3234, darunter
730 uneheliche (22,57 Prozent). Es fanden 1249
Ehe=
ſchließungen ſtatt, darunter 255 Miſchehen. Geſtorben ſind
im Monat Juni 2187 Perſonen. Unter den Krankheiten
mit tödlichem Ausgange ſtehen an der Spitze Lungen= und
Halsſchwindſucht mit 267, Krebs mit 149, Krankheiten des
Herzens mit 201 und Lungenentzündung mit 118 Fällen.
Im Alter bis zu einem Jahre ſtarben im ganzen 469
Kin=
der, das ſind 21,44 Prozent aller Sterbefälle. Auf das
Jahr und Tauſend der mittleren Bevölkerung berechnet,
betrug die allgemeine Sterblichkeitsziffer 12,83. Zugezogen
ſind 19799 Perſonen, fortgezogen 24 754 Perſonen. — Auf
dem Schaubudenplatz in der Jungfernheide
produ=
zierte ſich in der letzten Zeit ein Artiſt Radtke, der ſich fünf
Minuten unter einem Sandhaufen lebendig begraben ließ.
Der Direktor der Arena ließ den Artiſten geſtern 10
Minu=
ten unter dem Sandhaufen ausharren. Als man Radtke
herausgraben ließ, war er, wie der Berliner Lokalanzeiger
meldet, erſtickt. — Der Kaſſenbote Riſtow der
Firma Fiſchbein & Mandel, der, wie wir mitteilten, um
22000 Mark beſtohlen wurde, ſcheint das Opfer
einer internationalen Geſellſchaft von Taſchendieben
ge=
worden zu ſein. Wahrſcheinlich haben dieſe Diebe oder
einer von ihnen, das Publikum auf der Bank beobachtet
und dabei wahrgenommen, daß dieſer Bote eine große
Summe abhob und in ſeine Brieftaſche ſteckte. Der
Be=
obachter ſah denn auch wohl, daß der Bote die gefüllte
Brieftaſche in die Innentaſche ſeines Lüſterjacketts ſchob.
Ohne dieſe Wahrnehmung hätten ſie ſicher bei dieſem
ein=
fachen und unſcheinbaren Manne eine ſo große Summe
nicht vermutet. Zu der Fahrt von der Deutſchen Bank in
der Mauerſtraße nach der Reichsbank in der Jägerſtraße
benutzte der Bote einen Anhängewagen der
Straßenbahn=
linie 60, auf deſſen hintere Plattform er ſich ſtellte.
Un=
mittelbar nach ihm ſtiegen noch drei oder vier Männer auf
den Hinterperron desſelben Wagens. Durch ihr Einſteigen
entſtand ein großes Gedränge, das ohne Zweifel von ihnen
künſtlich hervorgerufen wurde und während dem der Bote
beſtohlen wurde. Einer der Diebe, die in den Fahrgäſten
vermutet werden, hat ſich dann wohl an Riſtow
heran=
gemacht, ihm unter das Jackett gefaßt und mit einem
ſchar=
fen Inſtrument von innen das Jackett an der Taſche.
etwas über dem unteren Anſatz, aufgeſchnitten. Der Riß
iſt lang genug, um die Brieftaſche, wenn ſie nur etwas
gebogen wurde, herauszunehmen. Auf die
Wiederherbei=
ſchaffung des Geldes hat die geſchädigte Firma eine
Be=
lohnung von 3000 Mark ausgeſetzt.
Straßburg, 3. Aug. In der Nacht zum Samstag
ſtellte ein patrouillierender Poſten der 2. Kompagnie
des Infanterie=Regiments Nr. 143 einen im naſſen
Gra=
ben der alten Feſtungswerke hinter der Zitadelle dort in
verbotener Weiſe fiſchenden Unteroffizier und gab
auf=
denſelben, als er trotz dreimaligen Anrufs Miene machte,
zu fliehen, und ſich nicht verhaften ließ, einen Schuß
ab. Der Unteroffizier, der Vizefeldwebel Böldt von der
4. Kompagnie des Infanterie=Regiments Nr. 143, wurde
ziemlich ſchwer am Schulterblatt verletzt und liegt im
Lazarett.
München, 3. Aug. Am Donnerstag traf auf der
Schwanthalerhöhe ein eigenartiges „Gefährte” ein: Eine
übermannsgroße Kugel im Gewichte von 8 Zentnern
wurde von einem Mann vor ſich hergerollt. Es handelt
ſich um eine Wette von 10000 Mark, die einen
Düſſel=
dorfer, Walter Hormann, verpflichtet, zu Fuß mit der
Kugel rund um Deutſchland zu reiſen. Die 10000 Mark
ollen angeblich zur Verwertung eines
Flugzeugpaten=
tes dienen. Der Kugelroller, der die Reiſe im Januar
1912 angetreten hatte, kam von Augsburg nach München.
Den hier geplanten Aufenthalt kürzte die Polizei
weſent=
lich ab. Das Stadtgebiet wurde ihm verboten, einmal,
weil das Rollen in den Straßen Münchens überhaupt
verboten iſt, dann, weil die rollende Kugel in einer
Groß=
ſtadt ein empfindliches Verkehrshindernis bildet, und
ſchließlich, weil der Mann ſein Unternehmen zur Reklamc
für den Anſichtskartenverkauf ausnützt. Hormann hatte
beabſichtigt, eine Woche in München zu verbleiben, die
verſchiedenen Stadtteile zu durchrollen und dabei ſeine
Karten zu verkaufen. Einen Ausweis über das Patent
konnte er nicht beibringen. Deshalb mußte er wohl oder
übel München nach kurzem Aufenthalt wieder verlaſſen.
Paderborn, 3. Aug. Auf der Liborimeſſe löſten ſich
infolge des Bruches einer Schraube zwei in Aeroplanform
gebaute Wagen von einem Karuſſell und ſtürzten in
Zwei Mädchen
die umſtehende Zuſchauermenge.
wurden getötet, ein Knabe ſchwer und etwa 10
Per=
ſonen leichter verletzt.
Hamburg, 4. Aug. Nach dem Berliner Tageblatt hat
der Dampfer „Kaiſerin Auguſte Viktoria”
geſtern abend bei ſeiner Abfahrt eine ſo große
Geſchwin=
digkeit eingeſchlagen, daß die hervorgerufenen Wellen
das Ufer bei den Orten Schulau und Wittenberge
weit=
hin überfluteten. Von den dort badenden Perſonen
wur=
den viele in den Strom hineingeriſſen. Zwei Perſonen
ſind ertrunken, vier wurden gegen die am Strande
liegenden Steine geworfen und trugen erhebliche
Ver=
letzungen davon. Etwa 20 Perſonen wurden leichter
verletzt.
Luxemburg, 3. Aug. Der erſchoſſene
Ludwigs=
hafener Kaſſenräuber, der, wie berichtet, in der
luxemburgiſchen Stadt Eſch an der Alzette von einem
Gendarmen durch einen Revolverſchuß
ge=
tötet wurde, iſt ein in den zwanziger Jahren ſtehender
Pole namens Zimoniak. Er erſchien am 30. Juli in dem
Konfektionsgeſchäft von Servos in Eſch und beſtellte ſich
einen Anzug. Dann kam er zum Anprobieren und trat
mit dem Zuſchneider in einen kleinen Raum im
Hinter=
grund des Ladens. Hier ſetzte er ſich zum Ausruhen auf
einen Stuhl. Dem Zuſchneider fiel es auf, daß der Kunde
den Rockkragen ſtraff zog, als er den Namen der
Kon=
fektionsfirma leſen wollte, von der der alte Rock des
Fremden ſtammte. Der Zuſchneider ging hinaus und
teilte den Gendarmen Schaack und Trierweiler ſeinen
Verdacht mit. Dieſe gingen in den Zuſchneideraum und
unterhielten ſich zuerſt unauffällig mit Zimoniak. Dann
fragten ſie nach ſeiner Herkunft und nach ſeinen
Papie=
ren. Als Zimoniak zögerte, wollten die Gendarmen ſeine
Taſchen unterſuchen. Der Pole aber ſtürmte auf die Tür
zu. Die Gendarmen hielten ihn feſt und alle drei fielen
zu Boden. Gendarm Schaack drückte den Räuber mit dem
Kopf zur Erde. Zimoniak lag auf den Knien und ſtützte
die Ellbogen auf den Boden. Es gelang ihm, ſeine
Browningpiſtole zu ziehen, die Waffe zwiſchen ſeinen
Knien weit nach hinten zu ſtrecken und zu ſchießen. Der
erſte Schuß ging fehl. Jetzt zog Gendarm Trierweiler
ſeinen Dienſtrevolver, aber im gleichen Augenblick traf
ihn ein Schuß des Verbrechers ins Knie. Trierweiler
ſchoß Zimoniak dann eine Kugel in den Rücken, worauf
der Pole noch zwei Schüſſe abfeuerte, von denen einer
ihn ſelbſt ins Bein traf, während der andere den
Gen=
darmen Schaack an der Kinnlade verletzte. Jetzt gab
Gen=
darm Trierweiler den zweiten Schuß ab, der den
Ver=
brecher auf der Stelle tötete. Man fand bei dem Toten
ein Portefeuille und eine Börſe mit etwa 1600 Mark,
ſo=
wie ein Arbeitsbuch, das auf den Namen Ramandzack und
den Geburtsort Graezove lautete. Die Polizei in Eſch
glaubt, daß ſich auch ein Komplize Zimoniaks in der
Gegend von Eſch aufhält.
Rom, 3. Aug. Das Automobil, in dem ſich die
Familie des Bankiers Pariſi befand, wurde in der
römi=
ſchen Campagna auf der Fahrt nach Anzio mehrfach
be=
choſſen. Vier Inſaſſen wurden verletzt, darunter der
31jährige Sohn Pariſis tödlich.
Paris, 3. Aug. Zu der
Perlenhalsband=
geſchichte wird gemeldet, daß ein ehemaliger Pariſer
Rechtsanwalt dem Vertreter des Lloyd, bei dem das
Per=
lenhalsband mit 3700000 Francs verſichert war, den
Vorſchlag machte, dasſelbe ausfindig zu machen, falls ihm
eine Belohnung von 1½ Millionen Francs zugebilligt
werde. Der Lloydvertreter ging auf dieſen Vorſchlag ein
und der Rechtsanwalt begab ſich zu dem Abſender des
Perlenhalsbandes, dem Juwelier Salomon, und erklärte
ihm in unverblümten Worten, daß er ihn für den Urheber
des Diebſtahls halte, und bot ihm 500000 Francs, falls
er ihm das Perlenhalsband übergebe. Salomon wies
dem ehemaligen Advokaten mit Entrüſtung die Tür.
London, 4. Aug. Sogleich nach Beginn der engliſchen
Ferienzeit haben ſich allenthalben ſchwere
Un=
glücksfälle ereignet. In Harnſea bei Hull ertranken
zwei Männer, die zwei in Ertrinkungsgefahr ſchwebende
Kinder retten wollten. In Strandhill bei Flega fanden
fünf junge Mädchen beim Baden den Tod. Die geſtrige
Automobilkataſtrophe bei Haddeſton hat insgeſamt drei
Todesopfer gefordert. Die Zahl der Verletzten wurde auf
25 feſtgeſtellt. 32 Perſonen ſind innerhalb der letzten Tage
bei verſchiedenen Unglücksfällen ums Leben gekommen.
Petersburg, 3. Aug. Das ganze ruſſiſche Dorf
Wolskaja auf Sachalin iſt an Blattern
ausge=
ſtorben. Ein einziger Greis von 72 Jahren iſt am
Leben geblieben. So lautet die kurze amtliche
Mitteil=
ung der Petersburger Telegraphenagentur, die in den
wenigen Worten die Geſchichte der Tragödie eines
gan=
zen Dorfes mitteilt. Bis vor wenigen Wochen lebten hier
ungefähr 1100 Selen, die recht und ſchlecht ihr
Auskom=
men hatten. Wie in allen anderen ruſſiſchen Dörfern
war von Sauberkeit oder hygieniſchen Maßregeln keine
Rede. Vor ungefähr einem halben Jahr bekamen
meh=
rere Kinder die Blattern. An Schutzimpfungen oder
ähn=
liche Maßregeln dachte natürlich kein Menſch, zumal die
Blattern als „heilige Krankheit” bei der abergläubiſchen
Bevölkerung gelten. Im Gegenteil. man badete ſogar
die geſunden Kinder mit kranken Kindern zuſammen,
weil dies als Heilmittel angegeben wird. Natürlich griff
die Seuche dadurch mit raſender Schnelligkeit um ſich. Im
Laufe von wenigen Tagen ſtarben Dutzende von Kindern
und Erwachſenen. Das Dorf war ſtändig von
Beerdig=
ungen und Trauerfeierlichkeiten erfüllt. Schließlich konnte
niemand mehr beerdigt werden, da auch der Pope
geſtor=
ben war. Als endlich eine Kommiſſion von der
Regier=
ung dorthin geſendet wurde, war es ihr unmöglich, eines
dieſer Häuſer zu betreten, die Sanitätskommiſſion mußte
unverrichteter Sache wieder abziehen und das Dorf
ſei=
nem furchtbaren Schickſal überlaſſen. Das Jammern und
Wehklagen verſtummte allmählich ganz und gar, das
Leben und Treiben war aus dem Dorfe verſchwunden
und die furchtbare Stille des Friedhofes hatte ſich
einge=
ſtellt. Die Häuſer wurden von der Regierung verſchloſſen,
da man nicht weiß, wie man die furchtbaren Zuſtände aus
der Welt ſchaffen ſoll. Das Dorf, das in der ganzen
Be=
völkerung ſchon jetzt den Namen „Dorf des Todes” führt,
wird vorausſichtlich verbrannt werden. Nur ein Mann
irrt irren Sinnes umher, der alte Waſſiljew.
Der Raubmord im
Eiſen=
bahnzuge.
* Darmſtadt, 4. Aug. Jetzt iſt auch der
an=
gebliche Wilhelm Heller feſtgeſtellt, der als
Ein=
brecher im Hauſe Hohenzollernſtraße 18 in Frankfurt
in Betracht kommt und außerdem noch verdächtigt wurde,
den Mord im Darmſtädter Eiſenbahnzug verübt zu haben.
Heller wurde von einem Schutzmann aufgegriffen. In
Polizeigefängnis wurde feſtgeſtellt, daß der Verhaftete der
20jährige Gärtner Paul Brennig aus Masdorf (Kreis
Liebenwerda) iſt, der wegen Manſardeneinbruch polizeilich
geſucht wird er trug Papiere auf den Namen Wilhelm
Heller bei ſich, die er geſtohlen hat. Daß er am 26. Juli
in der Hohenzollernſtraße 18 zu Frankfurt den Einbruch in
die Kochſche Wohnung verübt hat, gibt er zu.
Irgend=
welche Beweiſe, daß Brennig auch in der
Eiſenbahn= Mordſache in Betracht kommt,
ſind bisher nicht erbracht. Brennig hat mit der
Per=
ſon, welche die Uhr und Kette bei der Pfandhausnebenſtelle
von Ambroſius verſetzt hatte, keine Aehnlichkeit.
Der Kaiſer in Norwegen.
* Bergen, 3. Aug. Der Kaiſer hielt geſtern
vormittag Gottesdienſt auf der „Hohenzollern” ab und
befahl darauf mehrere Einkäufe in Bergen. Zur
Früh=
ſtückstafel waren die Mitglieder der Kaiſerlichen
Geſandt=
ſchaft und Konſul Mohr mit ihren Damen geladen. Das
Wetter iſt kühl und regneriſch.
* Bergen, 4. Aug. Der Kaiſer hatte zu der
geſtrigen Frühſtückstafel die Mitglieder der deutſchen
Ge=
ſandtſchaft mit ihren Damen geladen und für heute den
Staatsminiſter Mikkelſen. Die Abreiſe von hier erfolgte
ſchon am Nachmittag um halb 3 Uhr, die Ankunft in
Swinemünde wird am Mittwoch, den 6. Auguſt, um 9 Uhr
morgens erfolgen. Es herrſcht klares, windiges Wetter.
An Bord iſt alles wohl.
Der Krupp=Prozeße
(Vierter Tag.)
* Berlin 4. Aug. Der Vorſitzende Oberſt Hauffe
eröffnet die Verhandlung, für die die Oeffentlichkeit
wieder hergeſtellt wird, um 9.20 Uhr. Vor
Ein=
tritt in die Verhandlung legt der Zeuge Brandt ein
ſeine Frau betreffendes ärztliches Atteſt vor, welches
be=
ſagt, daß Frau Brandt ſich in einem vernehmungsfähigen
Zuſtande befinde, daß ſie aber wegen ihrer ſtarken
Ner=
voſität nur in geſchloſſenem Automobil erſcheinen könne.
Die Benutzung der Eiſenbahn ſei ausgeſchloſſen, da ſie ſich
fortwährend beobachtet fühlt. Der Gerichtshof beſchließt
das unverzügliche Erſcheinen der Frau Brandt. Ter
Ver=
handlungsführer Kriegsgerichtsrat Korren ſtellt
feſt, wie lange die Angeklagten in Unterſuchungshaft
ge=
ſeſſen haben. Außer dem Angeklagten Dröſe, gegen den
keine Unterſuchungshaft verhängt war, hätten alle anderen
Angeklagten — ausgenommen Pfeiffer — etwa einen
Mo=
nat in Unterſuchungshaft geſeſſen. Bei Pfeiffer hätte die
Unterſuchungshaft mehrere Monate gedauert.
Rechtsanwalt Barnau gab darauf folgende
Erklär=
ung ab: Der Angeklagte Hoge hat im Laufe der
vorher=
gegangenen Verhandlung mehrere Bemerkungen gemacht,
ſehr gegen meinen Willen, die nicht zur Sache gehörten, er
hat mich nun gebeten anzuführen, daß es falſch ſei, wenn
man daraus den Schluß zöge, daß er ſeine Schuld leugnen
wolle. Dies ſei nicht ſeine Abſicht geweſen. Er hat mich
ausdrücklich autoriſiert, nochmals zu betonen, daß er das
Material für fünf Kornwalzer geliefert habe und bei
ſeinem Geſtändnis verbleibe. Er gibt auch nach wie vor
zu, daß er gegen direkte dienſtliche Befehle verſtoßen habe.
Er habe allerdings das Material geliefert, jedoch im
Ver=
trauen auf die Perſon des Zeugen Brandt, der ſich ihm
gegenüber quaſi als „Krupp” aufgeſpielt habe. Die
Trag=
weite ſeiner Handlungsweiſe habe er nicht überſehen.
Es kommt die Lieferung eines Kornwalzers, der
Ma=
terial aus der Artillerieprüfungskommiſſion enthält, zur
Beſprechung. Sachverſtändiger Hauptmann Ellert: Ich
hatte ſofort den Verdacht, daß der Verräter nicht lange
Zeit zur Einſicht gehabt hat für das Aktenmaterial, ſonſt
wäre der Bericht genauer ausgeführt worden. Der
Korn=
walzer machte den Eindruck eines nur flüchtigen Einblicks.
Major Schoof ſchließt ſich dieſer Ausſage an. Vertreter
der Anklage: Es handelt ſich doch im vorliegenden Falle
gewiſſermaßen um ein Duell zwiſchen Krupp und der
Rheiniſchen Metallwaren=Fabrik. Es mußte daher für Krupp
ſehr weſentlich ſein, ſo zeitig wie möglich den Bericht der
Feldzeugmeiſterei zu erfahren. Der Sachverſtändige
be=
jaht dies. Der Vertreter der Anklage fragt weiter: Iſt es
nicht auch möglich, daß Brandt angeſichts ſeines nervöſen
Zuſtandes falſch abgeſchrieben hat? Sachverſtändiger:
Auch das iſt möglich. Es ſoll darauf über zwei Kornwalzer
verhandelt werden, deren Inhalt ſtreng geheim zu halten
iſt. Die Oeffentlichkeit wird darauf
ausge=
ſchloſſen.
Nach anderthalbſtündiger Unterbrechung wird kurz
nach 11 Uhr die Oeffentlichkeit
wiederherge=
ſtellt. Es wird zunächſt Landrichter Wetzeld
ver=
nommen, der die Vorunterſuchung im großen und ganzen
geführt hat. Der Zeuge bekundet: Ich erſchien bei Herrn
von Dewitz und hatte den Eindruck, daß man den Zweck
meines Kommens anfänglich nicht begriff. Zu Anfana
glaubte Herr von Dewitz, daß es ſich wieder um eine
Spio=
nage=Affäre handelte, bei der die Firma Krupp nur die
Rolle des beteiligten Zeugen ſpielte. Ich ließ dann den
Geheimſchrank öffnen und habe dann alles in Betracht
kommende Material in Beſitz genommen und verſiegelt.
Ich habe dann mit Herrn Direktor Eccius verhandelt
und fuhr dann wieder nach Berlin zurück, wo inzwiſchen
Herr Landrichter Metzer die Unterſuchung geführt hatte.
In Berlin begann ich dann mit der eingehenden
Ver=
nehmung des jetzigen Zeugen Brandt.
Verhand=
lungsführer: Iſt Ihnen, um mich ſo auszudrücken,
der Ueberfall in Eſſen ſo vollſtändig gelungen? Hatte die
Firma Krupp keine Ahnung? Zeuge: Ich hatte den
beſtimmten Eindruck, daß mein Kommen überraſchend
war. Verhandlungsführer: Glauben Sie das
ganze in Betracht kommende Material in Beſitz genommen
zu haben? Zeuge: Ich machte kein Hehl daraus,
daß=
hier eine ſchwere Anſchuldigung gegen einen Angeſtellten
der Kruppſchen Firma, Brandt, vorliege und daß
gewiſſer=
maßen dieſem Manne Gelegenheit gegeben werden müßte
ſich von dem ſchweren Verdacht zu reinigen. Zeuge gibt
darauf eine Darſtellung, wie er bei der Firma Krupp die
Vernehmung geführt hat. Verhandlungsführer:
Haben Sie alles Material gefunden? Zeuge: Ich
wiederhole, daß ich den Eindruck hatte, daß alles
heraus=
gegeben wurde, was in Betracht kam. Ich hatte auch
den Eindruck, daß Brandt in umfaſſender Weiſe die
Wahr=
heit geſagt habe, zumal er eingeſtehen mußte, daß es beſſer
ſei, wenn er alles zugab angeſichts des vorliegenden
ur=
kundlichen Materials. Ich habe ihn ausführlich
vernom=
men, dabei ihm hinſichtlich ſeiner Eſſenspauſen das größte
Entgegenkommen gezeigt. Ich hatte nicht den Eindruck,
daß er erſchöpft ſei oder nicht folgen könne. Auch war ich
erſtaunt, als ich von ſeiner Gedächtnisſchwäche las, die
ihn befallen haben ſoll, und von der Gehirnerſchütterung,
die er erlitten hat. Ob davon etwas in den Akten ſteht
weiß ich bei dem rieſigen Umfang, den das Material
hat, nicht. Ich hatte den Eindruck, daß Brandt die
Wahr=
heit ſage, daß er lediglich ein umfaſſendes Geſtändnis
ab=
lege. Ich hatte von ihm den Eindruck, er ſei ein guter,
wahrheitsliebender Menſch, der gefehlt hat und jetzt alles
ſagen wolle, was er auf dem Gewiſſen habe. Brandt iſt
derſelbe geblieben und behauptet nach wie vor, die reine
Wahrheit geſagt zu haben. Verhandlungsführer:
Brandt war wohl etwas gebrochen, er fühlte ſich als
Ver=
treter Krupp und wurde plötzlich verhaftet; hat er je von
Gedächtnisſchwäche geſprochen? Zeuge: Deſſen kann ich
mich nicht entſinnen; wohl äußerte er einmal
Selbſtmord=
gedanken. Seine Stimmung dürfte auch einmal im
Pro=
tokoll zum Ausdruck gekommen zu ſein. Es war nicht
angebracht, einen Arzt oder Pſychiater ſeinetwegen zu
be=
fragen, ſonſt hätte ich es getan. Ich war erſtaunt, als ich
jetzt beiſpielsweiſe von dem Schlage mit der Motorkurbel
in der Zeitung las. Auch rückſchauend konnte mir dieſer
Gedanke nicht kommen. Natürlich war er niedergeſchlagen;
er iſt ein gebildeter Mann, der aus ſeinen Kreiſen
heraus=
geriſſen wird; dieſes Unglück trifft jeden ſchwer. Ich
habe ihm zugeredet, er ſolle ſich kräftigen, und ich häbe
ihm alle Vergünſtigungen, die zuläſſig ſind, zuteil werden
laſſen. Die Beſuche ſeiner Frau habe ich mit meinem
Kollegen ſtets überwacht. Aus ſeiner Perſönlichkeit und
der der Frau Brandt glaubte ich eine gewiſſe Garantie
zu haben, daß ſie nichts unerlaubtes täten. Ein
Flucht=
verdacht lag nicht vor; Brandt war bei der Firma Krupp
angeſtellt und hatte eine Einkommen von 13000 Mark
Verhandlungsführer: Hat Brandt bei der let
ten Vernehmung keine Veranlaſſung genommen. Ihnen
zu ſagen, daß ihm bezüglich ſeiner ferneren Angaben
Be=
denken gekommen ſeien? Zeuge: Er hat dies nie getan,
ausgenommen im Falle Mühlen. Rechtsanwalt Dr.
Wirth: Iſt dem Zeugen aufgefallen, daß Brandt in der
Zeit vom März bis zu ſeiner am 17. Juni erfolgten
Ent=
laſſung eine Aenderung in ſeiner den Angeklagten Tilian
betreffenden Ausſage hat eintreten laſſen? Zeuge: Ich
kann darüber keine beſtimmte Antwort geben. Jedenfalls
hatte ich den Eindruck, daß Brandt vollſtändig geſtändig
war. Vertreter der Anklage: Mir iſt aufgefallen
daß in dieſer Prozeßangelegenheit alles, was mir nach
und nach in die Hände kam, durch die Ausſagen Brandts
mit geradezu mathematiſcher Sicherheit beſtätigt wurde
Zeuge: Brandt war immer ſehr ſchnell und richtig
orien=
tiert und fand ſich ſchnell zurecht. Ich hatte den Eindruck,
einen außerordentlich fähigen und klugen Kopf vor mir zu
haben. — Der Angeklagte Pfeiffer ſtellte im weiteren
Verlaufe der Verhandlung feſt, daß in ſeiner Wohnung
keine Hausſuchung vorgenommen worden iſt, gibt aber auf
Vorhalten des Verhandlungsführers zu, daß ſein Zimmer
im Kriegsminiſterium durchſucht worden iſt.
Der nächſte Zeuge, Landrichter Dr. Metzler, der
ebenfalls in der Vorunterſuchung tätig war, bekundet:
Brandt antwortete ſehr zögernd und überlegte oft, und ich
mußte ihm ſozuſagen „die Würmer aus der Naſe ziehen”
Ich redete ihm gut zu, und er legte ſchließlich meinem
Empfinden nach ein Geſtändnis ab; auch hatte ich ihm
vorher noch geſagt, daß er bei völliger Offenheit Anſpruch
auf die Milde des Gerichts hätte. Brandt hat mir dabei
ganz genaue Angaben gemacht und ſämtliche Perſonen
genannt, mit denen er in Verbindung geſtanden hat.
Anklagevertreter: Die Beteiligung des
Angeklag=
ten Pfeiffer intereſſierte uns beſonders. Hat Brandt von
ſeinen Beziehungen zu Pfeiffer geſprochen? Zeuge: Ich
kann mich heute nicht beſtimmt mehr beſinnen, ich glaube
aber, daß der Name Pfeiffer im Protokoll vorkommt.
Verhandlungsführer: In dem Protokoll
bekun=
det Brandt, er habe von Pfeiffer einen Spezialauszug aus
dem Militäretat erhalten. Das muß er doch aus ſich ſelbſt
geſagt haben? Zeuge: Ganz beſtimmt. Ich wußte ja
vor der Vernehmung noch gar nicht, um was es ſich
han=
delte. Er war zuerſt zurückhaltend, dann aber nannte
er die Summe, die er zur Erlangung ſeiner
Informatio=
nen ausgegeben hatte, und ſprach auch von einer größeren
Information. Alle Namensnennungen und alle Angaben
über Informationen entſprachen ſeiner eigenen Initiative.
Brandt war ſehr geknickt, doch ſonſt klar. Ich hatte den
Eindruck, daß er die Wahrheit ſagen wollte.
Der Verhandlungsführer gibt darauf
Kennt=
nis von einigen Verfügungen, die das Unterperſonal
ver=
pflichten, unter keinen Umſtänden während oder nach der
Dienſtzeit von der Heeresverwaltung bewilligte oder
be=
zahlte Preiſe zu nennen, und die weiter die Anfertigung
von Abſchriften oder Auszügen ſtrena verbieten. Die
Angeklagten geben zu. von dieſen Verfügungen Kenntnis
erhalten zu haben. Der Verhandlungsführer weiſt nun
weiter darauf hin, daß der Abgeordnete Liebknecht die
Prozeßangelegenheit im Reichstag vorgetragen habe. Das
Gericht ſtehe auf dem Standpunkt, daß durch das
Be=
kanntwerden dieſer Vorkommniſſe in der breiten
Oeffent=
lichkeit der Ruf der Heeresverwaltung in ganz erheblichem
Maße geſchädigt worden ſei. Liebknecht habe in ſeiner
Rede behauptet, daß hier ein Panama” vorliege, das
ſchlimmer ſei als das andere „Panama‟. Der
Verhand=
lungsführer ſtellte weiter feſt, welche Kornwalzer, die der
Abg. Liebknecht dem Kriegsminiſterium übermittelt hat,
auf die einzelnen Angeklagten zurückzuführen ſind. Die
meiſten werden dem Angeklagten Hinſt zur Laſt gelegt.
Mehrere Sachverſtändige geben hierauf Auskunft
über die Auswahl des mittleren Perſonals. Hauptmann
Gronemann weiſt darauf hin, daß gute perſönliche
Befähigung erforderlich iſt. Verhandlungsführer:
Daß vom Kriegsminiſterium nur beſonders befähigte
Leute genommen werden, iſt ſelbſtverſtändlich, das haben
wir ja auch bei dem Angeklagten Pfeiffer
ge=
ſehen. — Auf die Frage des Anklagevertreters ſtellt
Hauptmann Gronemann feſt, daß das Material
nur aus der Berliner Feldzeugmeiſterei ſtammen
konnte. — Oberſtleutnant Jung bekundet, daß der größte
Teil der Kornwalzer geheim zu halten war. Die Notizen,
die durch die Preſſe gingen, zwiſchen der Heeresverwaltung
und Krupp gäbe es kein Geheimnis, ſind Uebertreibungen
und ſtützen ſich auf einen Ausſpruch des Vorſitzenden der
Artillerieprüfungskommiſſion. Es geht nicht an, dieſen
Ausſpruch aus dem Zuſammenhang zu nehmen. Es gibt
ſelbſtverſtändlich Gebiete im Artillerieweſen, wo es
zwi=
ſchen der Heeresverwaltung und Krupp kein Geheimnis
geben kann. Andererſeits gibt es aber Dinge, wo dieſes
Vertrauen ein Ende findet. — Referent im
Kriegsmini=
ſterium Frahner bekundet, daß die Behauptung, Brandt
ſei im Kriegsminiſterium ein= und ausgegangen, auf das
richtige Maß zurückzuführen ſei. Brandt iſt allerdings
häufig im Kriegsminiſterium geweſen, aber nur, ſoviel
dies erforderlich war. — Das gleiche bekunden auch andere
Referenten. — Es tritt um 1 Uhr 10 Minuten eine kurze
Pauſe ein.
Nach Wiederbeginn der Sitzung bekundet Frau Brandt,
daß Tilian oder ſonſt jemand nicht ihren Mann beeinflußt
habe, etwas von ſeinen Ausſagen zurückzunehmen oder
einzuſchränken. Ihr Mann habe oft geſagt, daß er Jahre
ſeines Lebens hingeben würde, wenn er dadurch ſeine
Freunde aus ihrer furchtbaren Lage befreien könnte. Da
Widerſpruch nicht erhoben wird, wird die Zeugin
ver=
eidigt. Sie erklärt, daß ſie ſich zum Gerichtsſaal geſchleppt
habe, um zu zeigen, daß ſie ſich vor nichts zu fürchten
brauche. — Der Verhandlungsführer verkündet hierauf den
Gerichtsbeſchluß, daß die Zeugen Brandt, Puff, Dräger
und von Dewitz nicht vereidigt werden, da ſie der
Teil=
nahme verdächtig ſind.
Der Anklagevertreter beantragte im Anſchluß
an ſein ausführliches Plädoyer folgende Strafen: gegen
Tilian neun Monate Gefängnis und Dienſtentlaſſung,
gegen Schleuder acht Monate Gefängnis und
Degra=
dation, gegen Hinſt neun Monate Gefängnis und
Dienſt=
entlaſſung, gegen Schmidt ſechs Monate Gefängnis und
gegen Dröſe drei Monate Gefängnis, gegen Hoge drei
Monat Feſtungshaft und keine Dienſtentlaſſung und gegen
Pfeiffer ein Jahr Gefängnis und Amtsverluſt. Die
Zeit der Unterſuchungshaft beantragte der Anklagevertreter
nicht auf die Strafen mit in Anrechnung zu bringen.
Luftfahrt.
Ein deutſcher Freiballon in Frankreich gelandet.
* Ein mit drei Perſonen bemannter deutſcher
Ballon landete Sonntag nachmittag bei Rupten=
Voevre. Er kam von Frankfurt a. M. und war durch
den Wind nach Frankreich getrieben worden. Der
Unter=
präſekt und ein Spezialkommiſſar konſtatierten, daß der
Aeroſtat ausdrücklich ſportlichen Zwecken dient, ſtellten die
Identität der Luftſchiffer feſt und überzeugten ſich, daß
ſich an Bord nichts Verdächtiges befand. Dann wurde
den Luftſchiffern geſtattet, die Rückreiſe anzutreten,
nach=
dem ſie die nötigen Zollgebühren erlegt hatten.
*
Frankfurt, 4. Aug. Der Ballon, der am
Sonntag nachmittag in Frankreich landete, war
der Frankfurter Ballon „Juſtitia” und iſt Eigentum des
Aſſeſſors Alexander Meyer. Der Ballon war mit vier
Paſſaaieren, unter denen ſich auch der Beſitzer befand, in
Frankfurt aufgeſtiegen. Die Führung hatte Kaufmann
Julius Hahn aus Frankfurt unternommen. Bis Montag
mittag waren die vier Luftreiſenden noch nicht nach
Frank=
furt zurückgekehrt.
* Johannisthal, 4. Aug. Der geſtern abgeſtürzte
Flieger Broks iſt heute vormittag kurz nach 9 Uhr
ſei=
nen Verletzungen erlegen.
* Paris, 3. Aug. Der Flieger Guillaux, der
geſtern früh 4½ Uhr in Iſſy=les=Moulinais aufſtieg und
um 12½ Uhr nachmittags in Vittoria landete, ſetzte eine
Viertelſtunde ſpäter ſeinen Flug fort, angeblich in der
Abſicht, Caſablanca zu erreichen. Weitere
Nach=
richten über den Verlauf ſeines Fluges fehlen.
* Den Flug um den Michelin=Pokal, den
der Aviatiker Cavelier auf der Strecke von Etampes=
Gidy nun bereits ſeit vier Tagen fortſetzt, hat bisher eine
Geſamtleiſtung von 3380 Kilometer ergeben. Am letzten
Tage vollbrachte Cavelier eine Leiſtung von 788,2
Kilo=
meter. Er will ſich damit aber noch nicht begnügen,
ſon=
dern, wenn es das Wetter irgend erlaubt, ſeinen Flug noch
mehrere Tage fortſetzen.
Der neue Balkankriege
Zur Lage.
* Berlin, 3. Aug. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt in ihrer Wochenrundſchau zur
Frie=
denskonferenz in Bukareſt: Die Schwierigkeiten
dieſer diplomatiſchen Verſtändigungsarbeit werden nicht
unterſchätzt. Man darf aber nach dem Bisherigen das
Vertrauen haben, daß die Konferenz ihr Ziel erreichen
und zu Ergebniſſen führen wird, denen die Großmächte
zu=
ſtimmen können. In der Frage der Zukunft
Adria=
nopels iſt eine ſchärfere Zuſpitzung vermieden
wor=
den. Es kann begreiflich erſcheinen, daß die Stimmung im
türkiſchen Heere und der Patriotismus des osmaniſchen
Volkes zur Behauptung der vielumſtrittenen Stadt
drän=
gen. Einſichtige türkiſche Staatsmänner entziehen ſich aber
nicht der Pflicht, genau zu prüfen, ob es dem bleibenden
Intereſſe ihres Landes entſpricht, das Verhältnis
der Pforte zu den Großmächten, wie zu
Bulgarien, von dem Beſitz Adrianopels abhängig zu
machen, oder ob das Bedürfnis der Türkei nach einer
ſtra=
tegiſch vorteilhafteren Grenze nicht durch Verhandlungen
mit den Mächten unter Rückkehr auf den Boden des
Lon=
doner Vertrages zu befriedigen wäre. Die dauernde
Beſetzung Adrianopels würde den Anlaß zu einem neuen
Waffengang zwiſchen der Türkei und dem an ſeiner
Zu=
kunft nicht verzweifelnden Bulgarien fortbeſtehen laſſen.
Sie würde ein Hindernis für die von beiden gewünſchte
gute Nachbarſchaft ſein. Sie würde die Türkei zu
unab=
läſſigen militäriſchen Anſtrengungen in Thrazien und für
ſolche Zwecke zum Verbrauch von Mitteln zwingen, die
das osmaniſche Reich mit mehr Nutzen für ſeine Zukunft
anderen Aufgaben zuwenden könnte. Dies iſt die Anſicht
aufrichtiger Freunde der Türkei, und ſie deckt ſich mit dem
Urteil türkiſcher Patrioten, die über die gegenwärtigen
Umſtände hinaus die innere Erſtarkung ihres Vaterlandes
ins Auge faſſen
Die Konferenz in Bukareſt.
* Bukareſt, 3. Aug. In der geſtrigen Beratuna
der Delegierten der Verbündeten mit denen
der Bulgaren verſuchte man, zu einer Einiaung über die
beiderſeitigen Vorſchläge zu gelangen. Die Beratung
endete indeſſen ohne ein endgültiges Ergebnis. Die
Grie=
chen beſtehen weiterhin auf Kawala, ebenſo die
Bul=
garen. Die Serben ſchlagen eine neue Weſtgrenze vor,
ausgehend von dem Punkt, wo die Waſſerſcheide der
Bregalnitza und der Struma die alte bulgariſch=türkiſche
Grenze berührt, dann die Waſſerſcheide entlang im Süden
an das Tal der Strumitza und dann weſtlich anſchließend!
an die Grenze des erſten Vorſchlages. Die Bulaaren
lehnen dieſes ab. Heute vormittag wird von rumäniſcher
Seite in der Konferenz ein Vorſchlag zur Verlängerung
der Waffenruhe um drei Tage gemacht werden.
2 Velgrad. 3. Ung. Die von den bulgariſchen
Delegierten unterbreiteten
Gegenvor=
ſchläge, betreffend die zukünftige Grenzlinie, haben in
Belgrad einen ungünſtigen Eindruck hervorgerufen, weil
man in dieſem Verhalten Bulgariens eine Mißachtung
der militäriſchen Erfolge der Verbündeten, ſowie das
Be=
ſtreben erblickt, die Friedensverhandlungen zu vereiteln.
Man erwartet, daß die griechiſchen Delegierten die
bul=
gariſchen Voxſchläge in gebührender Form abweiſen
werden. eſhlet 22
Aufruhr in Indien.
* Kalkutta, 4. Aug., 2 Uhr morg. Mohammedaner
veranſtalteten hier und in anderen Städten
Proteſtver=
ſammlungen gegen die Behörde von Cawnpur, die
einen Teil einer Moſchee niederreißen ließ, um
eine Straße zu erweitern.
* Kalkutta, 3. Aug. 2 Uhr morgens. In
Cawn=
pur zogen die Mohammedaner nach einer
Maſſenver=
ſammlung in einer Prozeſſion mit zahlreichen Fahnen
zu der Moſchee und begannen, die Ziegel der eingeriſſenen
Moſchee wieder aufzurichten. Der Diſtrikts=Polizeidirektor
erſchien mit einer Abteilung Polizei, um die Menge zum
Auseinandergehen zu veranlaſſen. Die Polizei wurde
mit Steinen angegriffen und ſah ſich genötigt,
ſcharf zu feuern. 13 Demonſtranten wurden getötet
und 30 verwundet. Ein Poliziſt wurde erſchoſſen, etwa
40 Poliziſten ſind verwundet worden. Infolge der
ſchwe=
ren Ausſchreitungen wird ſich der Gouverneur=Leutnant
mit Extrazug nach Cawnpur begeben.
Grubenunfälle.
* London, 4. Aug. Nach telegraphiſcher Mitteilung
aus Glasgow iſt in einem Kohlenbergwerk bei
Cadder, etwa 12 Meilen von Glasgow, Feuer
ausge=
brochen. Man befürchtet, daß 23 Bergleute
umge=
kommen ſind.
* Pottsville, 3. Aug. Bei der Eaſt Brook
Side=Grube der Reading Coal and Iron Company
wurden geſtern durch zwei Exploſionen 18 Arbeiter
getötet. Die erſte Exploſion geſchah durch Dynamit,
die zweite durch Gas.
Landwirtſchaftliches.
* Schweinemarkt am 4. Aug. Auftrieb durch
Händler 87 Schweine. Auftrieb durch die
Bezugsver=
einigung 28 Schweine. Schlachtgewicht 50 kg. Preiſe:
I. Qualität, ausgeſuchte Ware 84 Mk., II. Qualität
83 Mk., III. Qualität 82 Mk. Marktverlauf: Rege,
geräumt.
— Frankfurt a. M., 4. Aug.
Schlachtvieh=
markt. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: Rinder 1326
Stück (einſchließlich 35 Rinder aus Oeſterreich=Ungarn),
darunter 508 Ochſen, 50 Bullen, 768 Färſen und Kühe;
Kälber 274, Schafe 148, Schweine 2327 Stück. Preiſe für
50 Kilogramm Lebendgewicht: Ochſen, vollfleiſchige,
aus=
gemäſtete, höchſten Schlachtwertes im Alter von 4 bis 7
Jahren 51—56 Mark (Schlachtgewicht 92—97 Mark), junge
fleiſchige, nicht ausgemäſtete und ältere ausgemäſtete 47
bis 50 Mark (85—91 Mk.), mäßig genährte junge, gut
ge=
nährte ältere 42—45 Mark (77—83 Mk.); Bullen,
voll=
fleiſchige, ausgewachſene, höchſten Schlachtwertes 51—53
Mark (85—88 Mk.), vollfleiſchige jüngere 48—50 Mark (83
bis 86 Mk.); vollfleiſchige, ausgemaſtete Färſen höchſten
Schlachtwertes 50—53 Mark (89—95 Mk.), vollfleiſchige,
ausgemäſtete Kühe höchſten Schlachtwertes bis zu ſieben
Jahren 47—51 Mark (87—91 Mk.), wenig gut entwickelte
Färſen 43—46 Mark (83—88 Mk.), ältere ausgemäſtete
Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 41—46 Mk.
(76—86 Mk.), mäßig genährte Kühe und Färſen 32—39
Mark (64—78 Mk.), gering genährte Kühe und Färſen 27
bis 31 Mark (61—70 Mk.); mittlere Maſt= und beſte
Saug=
kälber 62—66 Mark (105—112 Mk.), geringere Maſt= und
gute Saugkälber 56—60 Mark (95—102 Mk.); Maſtlämmer
und Maſthammel 47 Mk. (98 Mk.); vollfleiſchige Schweine
von 80—100 Kilogramm Lebendgewicht 63,5—66 Mark
(80—83 Mk.), vollfleiſchige Schweine unter 80 Kilogramm
Lebendgewicht 63—65 Mark (80—82 Mk.), vollfleiſchige
Schweine von 100—120 Kilogramm Lebendgewicht 63—67
Mark (80—83 Mk.), vollfleiſchige Schweine von 120—150
Kilogramm Lebendgewicht 63—67 Mark (80—83 Mk.). —
Marktverlauf: Am Rindermarkt in Ochſen langſamer, ſonſt
lebhafter Handel; es verbleibt Ueberſtand. Kälber werden
bei lebhaftem, Schafe bei ruhigem Geſchäftsgang
ausver=
kauft. Der Schweinemarkt verlief gedrückt und hinterläßt
Ueberſtand.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Kaiſerslautern, 4. Aug. Der Gendarm Lindner von
hier wurde heute im Walde nahe der Chauſſee bei dem
Guß= und Armaturwerk erſchoſſen, zweifellos von
einem Verbrecher, den er verfolgte. Dem Täter iſt man
kauf der Spur.
* Kufſtein, 4. Aug. Bei einer Tour von
Hinterbären=
band auf dem Kopftoerlgrad im Kaiſergebirge ſind geſtern
zwei Touriſten abgeſtürzt. Die beiden
Verun=
glückten, deren Identität noch nicht feſtgeſtellt worden iſt,
waren ſofort tot. Eine aus Bergführern beſtehende
Ex=
pedition iſt zur Bergung der Leichen aufgebrochen. Geſtern
erſchoß ſich auf der Teufelskanzel im Kaiſergebirge ein
junges Paar Der Mann, namens Wellner, ſtammt aus
Mannheim, ſeine Begleiterin Marie Fehr, angeblich aus
Dresden.
* Innsbruck, 4. Aug. Beim Edelweißſuchen ſtürzte im
Schmierntal der Rechnungspraktikant der Innsbrucker
Statthalterei Max Ritter von Woertz tödlich ab. Die
Leiche wurde heute vormittag geborgen.. Gleichfalls beim
Edelweißſuchen verunglückte im Padatſertal ein junger
Schuhmachergehilfe namens Volk tödlich.
Paris, 4. Aug. Von den Generalratswahlen
lagen bis 10 Uhr vormittags 1374 Ergebniſſe vor.
Ge=
wählt ſind 180 Konſervative, 128 Progreſſiſten, 913
Mit=
glieder der Linken, 41 Vereinigte Sozialiſten. 112
Stich=
wahlen ſind erforderlich. Die Konſervativen verlieren 37,
die Progreſſiſten 17, die Linke gewinnt 50, die Vereinigten
Sozialiſten vier.
* Waſhington, 4. Aug. Die Nachricht, daß
Groß=
britannien die Errichtung einer großen
Flottenbaſis auf den Bermuda=Inſeln in
Er=
wägung zieht, rief in den offiziellen Kreiſen großes
Inter=
eſſe hervor. Zuverläſſig wurde feſtgeſtellt, daß
Groß=
britannien über die amerikaniſchen Pläne über den Schutz
der Linien durch den Panamakanal Erhebungen angeſtellt
hat. Es iſt anzunehmen daß dies auf die Abſicht
Groß=
beitanniens hindeutet, die engliſche Schiffahrt durch den
Kanal ebenſo ſicher zu ſtellen wie im Mittelmeer. Die
offiziellen Kreiſe ſind der Anſicht, daß das neue Problem
ein gewaltiges iſt, das der Monroe=Doktrin neues Leben
zuführt und vielleicht eine vollſtändige Umwälzung in der
auswärtigen und in der Flottenpolitik der weſtlichen
Halb=
kugel bedeuten wird, zumal man der Anſicht iſt, daß die
übrigen Nationen dem Beiſpiel Englands folgen werden.
— Friedenau, 4. Aug. Im Bahnhofstunnel brach
geſtern abend 11 Uhr eine Dame, die ſich in Begleitung
eines Herrn befand, zuſammen. Es ergab ſich, daß ſie
einen Schuß in den Unterleib erhalten hatte. Die
Verletzung war ſo ſchwer, daß eine ſofortige Operation im
Krankenhaus notwendig wurde. Es handelt ſich um eine
Frau Döbel aus Berlin, die mit einem Dr. jur. aus
Steg=
litz einen Ausflug gemacht hatte, wozu das Paar in einem
Paket zwei geladene Piſtolen mitgenommen hatte. Durch
einen unglücklichen Zufall entlud ſich eine Piſtole,
(Schluß des redaktionellen Teils.)
DeSacs
Möbel=Fabrik
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Ga. Ehrhardt & Sohne
Ocksatten
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ewaben Ach c MeRecmarnger Shouen
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geführten Artikel billigste Preise!! (16501a
Familiennachrichten.
(16503
Statt Karten!
Die glückliche Geburt eines
gesunden
JUNGEN
zeigen ergebenst an
Berlin NW.
Max Wolff u. Frau
Tile-Wardenbergstr.
Anna, geb. Kahn.
26, I.
Nachruf.
Am Sonntag, den 3. August, verschied nach längerem Leiden
unser Prokurist
Herr
Saeos Oteri
Der so früh Dahingeschiedene war seit einer Reihe von
Jahren in treuester Pflichterfüllung in unserem Hause tätig.
Wir verlieren in dem so früh Entschlafenen einen bewährten
Mitarbeiter und treuen Freund, dem wir stets ein ehrendes
Andenken bewahren werden.
Im Namen der Firma Gebr. Rothschild
Sigmund Rothschild.
Darmstadt, den 4. August 1913.
(16559
Nachruf.
Unser lieber Kollege
Herr Jacob Stern
ist am Sonntag nach längerem Leiden von uns geschieden.
Er war uns stets ein bewährter, aufrichtiger Freund
und Berater, dessen Heimgang wir schmerzlich betrauern:
Sein Andenken wird von uns dauernd in Ehren
ge=
halten werden.
Das Personal der Firma
Gebr. Rothschild.
16558)
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Tieferſchüttert hiermit die ſchmerzliche
Mit=
teilung, daß geſtern abend meine heißgeliebte
Gattin, unſere herzensgute Mutter, unſere liebe
Tochter und Schwiegertochter, unſere
unvergeß=
liche Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau
Elisabeth Schenkelberg
geb. Hechler
nach ſchwerem Leiden im Alter von 37 Jahren
(16543
ſanft entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
Hauptſteneramts=Rendant Schenkelberg,
und Familie,
Familie Hechler.
Bingen a. Rh. und Darmſtadt (
Schloß=
graben 11), den 4. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. Aug.,
nachmittags 5½ Uhr, vom Portale des
Fried=
hofs zu Darmſtadt aus, ſtatt.
Danksagung.
Für die vielen Beweiſe der Anteilnahme bei
dem uns betroffenen ſchweren Verluſte, ſowie die
zahlreichen Blumenſpenden ſagen wir unſeren
herzlichſten Dank.
Ebenſo dem Herrn Pfarrer Vogel für ſeine
troſtreichen Worte am Grabe, ferner der Großh.
Garde=Unteroffiziers=Kompagnie und allen Denen,
die dem lieben Entſchlafenen die letzte Ehre er=
(16511
wieſen.
Darmſtadt, den 3. Auguſt 1913.
Frau Elisabeth Kaiser Witwe,
Familie Wilhelm Kaiser.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das nordöſtliche Tiefdruckgebiet hat ſich ſeit geſtern
verſtärkt und iſt ſüdwärts über der Oſtſee vorgedrungen,
während das Hochdruckgebiet zurückgewichen iſt. Wir
werden morgen auf der Rückſeite der Depreſſion mit
woligem, eiwas tüherem, doch meiſt trockenem Weiter
zu rechnen haben.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 5. Aug.:
Wolkig, meiſt trocken, etwas kühler.
Tageskalender.
Konzerte: Hugenſchütz Felſenkeller um 8 Uhr. — Bürger=
Keller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage in unſerer Expedition,
Rheinſtraße 23): Berlin aus der Vogelſchau, das
Reichs=
tagsgebäude und der Königsplatz mit der Siegesſäule,
Blick auf die Straße Unter den Linden (aufgenommen
aus dem Zeppelinluftſchiff „Hanſa”); zu den
Friedens=
verhandlungen der Balkanſtaaten in Bukareſt; Feier
des Reichsfeuerwehrverbandes am Völkerſchlachtdenkmal
in Leipzig; von der Eiſenbahnkataſtrophe auf Jütland.
Verſtergerungstalender.
Mittwoch, 6. Auguſt.
Verſteigerung von Geſchäftsgegenſtänden und
Uten=
ſilien um 9 Uhr Frankenſteinſtraße 33.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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eine Verkaufsstelle eröffne.
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wie die vom Hauptgeschäft.
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bester Qualität zu den billigsten Preisen zum Verkauf.
Indem ich die Einwohner dieses Stadtteiles um gefl. Zuspruch bitte, sichere
ich stets reelle und fachmännische Bedienung zu und zeichne
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werden die Herren:
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S.=R. Dr. Birnbaum, Georgenſtr. 8,
S.=R. Dr. Buchhold, Viktoriaſtr. 56,
Dr. Heyer, Hügelſtr. 57,
Dr. Koepke, Kiesſtr. 90
S.=R. Dr. Noellner, Hölgesſtr. 12,
und Dr. Sior, Hochſtr. 60,
die Güte haben, meine Vertretung
zu übernehmen. (16504im
S.-K. Dr. Habicht.
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Uen
Ab Dienstag
den 5. August 1913:
Forfsetzung unserer
Riesen-Programme
Zurückerobert
Ein Sensationsdrama in
3 Akten.
Mit diesem Film, ein
Meister-
werk deutscher
Lichtspiel-
kunst, hoffen wir dem hies.
Publikum etwas ganz
vor-
zügliches zu bieten. Schon
das Wort „Zurückerobert‟
lässt ahnen, welche
ergrei-
fende Szenen sich vor unseren
Augen abspielen. Dieser
Film wurde in seiner
Urauf-
führung in den Mozart-
Licht-
spielen in Berlin 3 Wochen
bei fortgesetztausverkauftem
Hause vorgeführt.
Kickebusch im
Schlachtengetümmel
Eine Perle des Humors.
Cololte
Eine herrliche Aufnahme aus
der schönsten Tropen-Insel.
Die Beiden
Meädmole
Dieses Drama, vortrefflich
in Szene gesetzt, hält jeden
Besucher bis zum letzten
Moment in Spannung.
Der Weg des
Todes
Grosses nordisches
Schlager-
drama in 3 Akten.
Dieses Drama, gespielt von
den ersten nordischen
Künst-
lern, beweist wieder, welches
Leben in einem Film
ver-
einigt werden kann.
Sämt-
iche Künstler haben es
ver-
standen, meisterhaft ihre
Fähigkeiten zum Ausdruck
zu bringen.
Schwedische
Gymnastik
Eine interessante Sportaufnahme
Es war so Schön
gewesen
Humoristischer Schlager.
Das schuldige Baby
Ergreifendes Drama.
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Dienstag, den 5. Auguſt 1913
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der Kapelle des Leibgarde=Regiments
Leitung: Obermuſikmeiſter H. Hauske.
Auf Wunſch wiederholt:
Humoriſtiſcher Abend —
Im Programm u. a.: „Nach berühmten Muſtern” von Scherz
„Im Automatenſalon” von Vollſted, „Don Quixote” von Rupp=
Anfang 8 Uhr.
Eintritt mit Programm 15 Pfg.
(*4793
Heute letzter Tag des Riesenprogrammes.
Täglich ab 4 Uhr
(16537
Streich-Konzert.
Ab morgen
4 grosse Sensationen ersten Ranges.
Woog, am 4. Auguſt 1913.
Waſſerhöhe am Pegel 3,80 m.
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Freitag, den 8. August 1913:
Das gelobte Land
Modernes Drama in 3 Akten.
Hauptdarsteller:
Frl. Francesca Bertinials Miss Betty Reed
Herr Amilio Chiosse als Bankier William
Gräce
Herr Albert Collo als Ingenieur Teaylow.
Leo unter dem
Pantoffel
Diese Humoreske stellt all das
bisher Gebotenein den Schatten.
Alles lacht!
Im Gebiete der Werra
Herrliche Naturaufnahme.
Der dicke Peter u.
die Schauspielerin
Schlager! Schlager! Schlager!
Caro 7.
Spannendes ergreifendes Drama.
Die zwei lustigen
Brüder
Humorist. Akrobaten.
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Z
(*4798
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am weissen Turm.
Ab heute vollständig
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aus dem Oesterreichisch-
Italienischen Krieg 1859
in 3 Akten.
Amerikanisches Drama
in 2 Akten.
der bekannte Humorist
in einer Glanzrolle
und das übrige sorgfältig
zusammengestellte
Programm. (16526
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2—3 Std. Laufdienſt oder ſonſt.
(*4783
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oder ſtundenweiſe Beſchäftigung.
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apr nimmt noch
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an, in u. außer dem Hauſe. (*4560si
Offert. unter E 60 Expedition.
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Waſchen, Putzen u. Bügeln (*4781
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(*4773
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(*4770
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und nachmittags.
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(*4808
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dem Spülen ſofort geſucht (*4814
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(16502im 8
3
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welcher ſich im Außendienſt bereits
gut bewährt hat, wird ſeitens
gut eingeführter
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tatkräftige Unterſtützung zur Seite.
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(I,16508
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bringt. — Keine
Verſicher=
ung. — Kein
Warenver=
kauf. — Vorkenntniſſe nicht
nötig, da Einarbeitung und
tatkräftige Unterſtützung
durch Stammhaus erfolgt.
Einige tauſend Mark er=
forderlich! — Keine
Kau=
tion. — Bewerbungen mit
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25
[ ← ][ ][ → ]An die Schulvorſtände der Landgemeinden des Kreiſes.
Trotz mehrfacher Warnungen durch die Behörden iſt der grobe und gefährliche
Unfug, nach vorüberfahrenden Fuhrwerken und Fahrzeugen, insbeſondere
Auto=
mobilen, mit Steinen zu werfen, noch nicht beſeitigt. Beſonders ſind die geſchloſſenen
Automobile dieſer Beläſtigung ausgeſetzz, und häufig dann, wenn die Inſaſſen mit
Rückſicht auf den Straßenverkehr durch die Ortſchaften langſam fahren.
Ebenſo ſind ſonſtige Beläſtigungen des Fuhrverkehrs, insbeſondere das
abſichtliche Stehenbleiben auf der Fahrbahn bei herannahenden Fahrzeugen,
das Anſchreien vorüberfahrender Fuhrwerke und Fahrzeuge, das Nachlaufen
und Anhängen an die Fuhrwerke ungehörig und oft ſehr gefährlich.
Dieſem Unweſen kann nur dann wirkſam geſteuert werden, wenn ihm neben
den polizeilichen Behörden auch die Schulverwaltungsſtellen mit allem Nachdruck
ent=
gegentreten.
Wenn Schulkindern die Obhut kleiner Kinder anvertraut iſt, wie dies auf dem
Lande häufig vorkommt, ſo haben dieſelben ihr beſonderes Augenmerk darauf zu
richten, daß die Kinder von der Fahrbahn wegbleiben und daß ſie die Fahrbahn nur
dann überſchreiten, wenn keine Fuhrwerke, insbeſondere keine Kraftfahrzeuge, in der
Nähe ſind.
Wir empfehlen Ihnen daher wiederholt, mit allen Mitteln der Belehrung, der
Verwarnung und, ſofern erforderlich, der Beſtrafung auf die Schuljugend entſprechend
einzuwirken und dabei namentlich auch daran zu erinnern, daß für etwa angerichteten
Schaden die Eltern im vollen Umfange aufzukommen haben würden, ebenſo wie die
Eltern auch, wie aus der nachſtehend abgedruckten Vorſchrift des Heſſiſchen
Polizei=
ſtrafgeſetzes hervorgeht, in Strafe genommen werden können.
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1913.
Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.
Auszug aus Artikel 44 des Heſſiſchen Polizeiſtrafgeſetzes.
Wenn Eltern, Vormünder oder andere Perſonen, deren Obhut Kinder unter
12 Jahren oder ſonſtige unzurechnungsfähige Perſonen (§§ 51 und 55 des Deutſchen
Strafgeſetzbuchs) anvertraut ſind, es an der erforderlichen Aufſicht über dieſelben haben
fehlen laſſen und dieſe während der Zeit, wo ſie ohne ſolche Aufſicht waren, eine mit
Polizeiſtrafe bedrohte Handlung begangen haben, ſo werden die zur Beaufſichtigung
verpflichteten Perſonen beim erſten Fall polizeilich verwarnt, im Wiederholungsfalle
aber bis zu einem Dritteile der auf die Uebertretung ſelbſt geſetzten Strafe belegt.
An die Ortspolizeibehörden der Landgemeinden und die Gendarmerie
des Kreiſes.
Sie wollen nachdrücklich darauf achten, daß von den durch die Ortſchaften
fahrenden Kraftfahrzeugen die vorgeſchriebene Fahrgeſchwindigkeit (15 Kilometer
in der Stunde) nicht überſchritten wird. Bei Zuwiderhandlungen iſt das Kennzeichen
zu notieren und Anzeige zu erheben. Auch Pferdefuhrwerke dürfen durch die Ort
ſchaften nicht übermäßig ſchnell fahren.
In engen Ortsſtraßen, desgleichen beim Bergabfahren auf ſteilen Ortsſtraßen
ſowie beim Ein= und Ausfahren in oder aus Höfen oder Häuſern und an Orten,
wo die Paſſage durch den Zuſammenfluß von Menſchen verengt wird, darf niemand
anders als im Schritt fahren oder reiten.
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1913.
(16387sid
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Am 7. und 8. Auguſt 1913, von 7 Uhr vormittags bis zum Einbruch der Dunkelheit,
wird Schießen mit ſcharfer Munition von Truppenteilen des XVIII. Armeekorps auf
dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten werden.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
„ Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
„
„ Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über
Milches=
wieſe-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei=
Verordnung Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
Darmſtadt, den 25. Juli 1913.
(16263a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 ſchottiſcher Schäferhund (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(16522
Oeffentliche Impfung.
Unentgeltliche Impf= und Nachſchautermine finden, ſolange
Be=
dürfnis, jeden Mittwoch, nachmittags von 5—6 Uhr, im
Schul=
haus in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr geborene, ſowie für
ältere mit der Impfung im Rückſtande verbliebenen Kinder ſtatt.
Darmſtadt, den 24. Juni 1913.
(14133a
Der Oberbürgermeiſter
J. V.: Jaeger.
Bekanntmachung.
Während des Umbaues am Eingang des Stadtkrankenhauſes,
Grafenſtraße Nr. 9, iſt der Hauptzugang in der Grafenſtraße geſperrt.
Der Eingang zum Krankenhauſe befindet ſich bis auf weiteres in der
Bismarckſtraße, durch das Tor neben der Sanitätswache. (16393soi
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1913.
Die Krankenhausdirektion.
I. V.: Dr. Friedrich.
5
Derſteigerungs=Anſeige.
Mittwoch, den 6. Auguſt l. Js., vorm. 9 Uhr,
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1 Oelreinigungs=Apparat; 1 Oelſpar=Apparat; 1
ſäure=
feſten großen Tontrog; 1 elektr. Flügel; 1 Motor, ½ PS.,
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transportwagen;
1 Stoßkarren, zweirädrig; 1 große
Partie Werk= und Arbeits=Tiſche, lithographiſche Pulte,
Tiſchplatten, Böcke, große und kleine Regale ꝛc.
Ferner die Kontor=Einrichtung, beſtehend aus:
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Maſchine (Adler); 1 Schreib=Maſchine (Remington)
1 Kopier=Maſchine; einfache und doppelte Stehpulte und
verſchiedene andere Pulte und Arbeits=Tiſche; 2
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1 Petroleum=Ofen und viele andere kleine
Geſchäftsgegen=
ſtände und Utenſilien.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Bezahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 2. Auguſt 1913.
(16337si
Ernst Wollf
Konkursverwalter.
GA
Verſteigen ungs-Anzeige.
Mittwoch, den 6. Auguſt1913, vormittags 11 Uhr
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1 Kartothek, 1 Tafelklavier, 1 Pianino, 1 Friſeurtoilette
1 Ballen Kaffee, 1 Hund (Dogge), Schraubſtöcke, Amboſſe,
Bohrmaſchinen, 1 Eiſenſcheere, 1 Landauer; ferner auf
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und Herrenuhren, gold. Ringe, Trauringe, ſilb.
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durch den Unterzeichneten verſteigert.
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Bekanntmachung
über die Abgabe der Steuererklärungen für das Steuerjahr 1914 betr
A. Staatsſteuer=Veranlagung.
Nach Art. 20 des Einkommenſteuergeſetzes vom 12. Auguſt
1899 hat jeder Steuerpflichtige, der ein ſteuerbares Jahreseinkommen
von 2600 Mk. oder mehr beſitzt, über den Jahresbetrag ſeines
Ein=
kommens und der etwa zum Abzug geeigneten Laſten eine
ſchrift=
liche Erklärung abzugeben.
Von der Abgabe dieſer Einkommensſteuererklärung iſt nach
Art. 21 des genannten Geſetzes, inſofern nicht im einzelnen Fall
be=
ſondere Aufforderung des Vorſitzenden der Veranlagungskommiſſion
ergeht, derjenige Steuerpflichtige befreit, welcher im unmittelbar
vor=
ausgegangenen Steuerjahr bereits zur Einkommenſteuer I. Abteilung
(Einkommen von 2600 Mark und mehr) veranlagt war, auch
in=
zwiſchen ſeinen Wohnſitz nicht gewechſelt und keine
Einkommens=
verbeſſerung erfahren hat, die ſeine Verſetzung in eine höhere Klaſſe
bedingt.
Nach Art. 2 Abſ. 3, Art. 15 und 21 Abſ. 1 des
Einkommen=
ſteuergeſetzes ſind die Vorſtände der nach Art. 2 der
Einkommen=
ſteuer unterworfenen Geſellſchaften uſw. verpflichtet, über deren
Ein=
kommen alljährlich vollſtändigen Aufſchluß zu erteilen.
Diejenigen Steuerpflichtigen, welche Einkommen aus Aktien pp.
der untenſtehenden, mit einem Teil ihres Einkommens ſchon für ſich
der Einkommenſteuer in Heſſen unterliegenden Geſellſchaften beziehen,
dürfen die Einkommensbezüge aus dieſen Aktien pp. nicht mit dem
vollen Betrag, mit dem ſie als Einkommen unter I Ord.=Nr. 9 der
Steuererklärung aufzuführen ſind, ſondern nur mit den nach den
unten verzeichneten Prozentſätzen zu berechnenden Beträgen unter II
Ord.=Nr. 1 der Erklärung in Abzug bringen.
Nach Art. 19 des Vermögensſteuergeſetzes vom 12. Auguſ
1899 hat jeder von der Kommiſſion für die Einkommenſteuer erſter
Abteilung zu veranlagende, ein jährliches Einkommen von 2600 Mk
und mehr beſitzende Betriebsunternehmer (Perſonen, die Land= und
Forſtwirtſchaft oder ein Gewerbe betreiben), der zum erſtenmale mit
Anlage= und Betriebskapital zur Vermögensſteuer veranlagt wird,
eine ſchriftliche Erklärung über das im land= und forſtwirtſchaftlichen
oder gewerblichen Unternehmen verwendete Anlage= und
Betriebs=
kapital und die es belaſtenden Schulden abzugeben.
Weiter iſt nach Art. 25 desſelben Geſetzes jeder, deſſen ſonſtiges
Vermögen (Kapitalvermögen uſw.) nach Abzug der darauf
laſtenden Schulden einen Wert von 3000 Mk. und mehr hat, bei
ſeiner erſtmaligen Veranlagung zur Vermögensſteuer zur Abgabe
einer ſchriftlichen Erklärung über dieſes Vermögen verpflichtet.
B. Gemeindeſteuer=Veranlagung.
Nach Art. 15 des Gemeindeumlagengeſetzes vom 8. Juli 1911
ſind diejenigen Perſonen, deren Anlage= und Betriebskapital
mindeſtens 3000 Mk. beträgt, verpflichtet, bei ihrer erſtmaligen
Ver=
anlagung zur Gemeindegewerbſteuer eine Erklärung über das Anlage=
und Betriebskapital abzugeben.
Ferner hat zufolge Art. 44 jeder Pflichtige, deſſen
Kapital=
vermögen mindeſtens 3000 Mk. beträgt, bei ſeiner erſtmaligen
Veranlagung zur Gemeindekapitalſteuer eine Erklärung über ſein
Kapitalvermögen einzureichen.
Diejenigen Steuerpflichtigen, welche Aktien oder Geſchäftsanteile
jeder Art der untenſtehenden, mit einem Teil ihres Anlage= und Be
triebskapitals in heſſiſchen Gemeinden zur Gewerbſteuer veranlagten
Geſellſchaften ꝛc. beſitzen, dürfen dieſe Aktien oder Geſchäftsanteile
nicht mit dem vollen Betrag, mit dem ſie als Vermögen unter
Ziffer 4 der Angaben über das Kapitalvermögen aufzuführen ſind,
ſondern nur mit den nach den unten angegebenen Prozentſätzen zu
berechnenden Beträgen wieder in Abzug bringen
In denjenigen Fällen, in denen bereits nach den für die
Staatsſteuer geltenden Grundſätzen die Pflicht zur Abgabe einer
Er=
klärung über das Anlage= und Betriebskapital oder über das Kapital
vermögen beſteht, iſt eine beſondere Erklärung für die Veranlagung
desſelben Vermögens zu den Gemeindeumlagen nicht mehr abzugeben.
Soweit Einkommen zu den Gemeindeumlagen, nicht aber
gleichzeitig zur Staatsſteuer heranzuziehen iſt, gelten die Vorſchriften
für die Abgabe von Erklärungen zur Staasſteuer ſinngemäß für
Er=
klärungen über nur gemeindeſteuerpflichtiges Einkommen.
C. Gemeinſame Vorſchriften.
Die nach Vorſtehendem erforderlichen Staats= oder
Gemeinde=
ſteuererklärungen ſind abzugeben:
1. für Minderjährige, Abweſende, ſowie für Perſonen, die aus
anderen Gründen unter Vormundſchaft oder Pflegſchaft geſtellt
ſind, von deren geſetzlichen Vertretern;
2. für juriſtiſche Perſonen (Gemeinden, Körperſchaften, Stiftungen
Anſtalten), ferner für Geſellſchaften, Genoſſenſchaften und ſonſtige
juriſtiſche Perſonen, Gantmaſſen, Erbmaſſen, ſoweit eine
Steuer=
pflicht hier überhaupt in Betracht kommt, von den geſetzlichen
oder beſtellten Vorſtänden oder Verwaltern
B. in allen anderen Fällen von dem Steuerpflichtigen ſelbſt und
zwar hinſichtlich des geſamten eigenen wie des Einkommens
und Vermögens ſeiner nicht ſelbſtändig beſteuerten Angehörigen,
ſoweit ſie nach Art. 5 des Einkommenſteuergeſetzes, Art. 10 des
Vermögensſteuergeſetzes und Art. 46 des
Gemeindeumlagen=
geſetzes bei der Beſteuerung mit ihm als eine Perſon
an=
zuſehen ſind.
Zu dieſen Erklärungen ſind die von Großh. Miniſterium der
Finanzen feſtgeſetzten und von den Bürgermeiſtereien zu beziehenden
Formulare zu verwenden; ſie ſind je nach der Wahl des Verpflichteten
offen oder verſchloſſen ſpäteſtens bis zum 30. September ds. Js.
unmittelbar bei dem Finanzamt oder bei der — zur Weitergabe an
das Finanzamt verpflichteten — Bürgermeiſterei abzuliefern, ohne daß
der Pflichtige deshalb eine beſondere Aufforderung abzuwarten hätte.
Die Einſendung der Erklärungen durch die Poſt iſt zuläſſig,
geſchieht aber auf Gefahr des Abſenders und deshalb zweckmäßig
mittels Einſchreibebriefs.
Unter Bezugnahme auf die obigen Mitteilungen fordern
wir die zur Abgabe von Steuererklärungen Verpflichteten hier
mit auf, ihre Erklärungen bei Meidung der geſetzlichen Nach
teile und der verwirkten Strafen (Hinterziehungsſtrafen in Höhe
des 4—20fachen Betrags der hinterzogenen Steuer,
Ordnungs=
ſtrafen bis zu 100 Mk.) bis zu dem angegebenen Zeitpunkt an
die Bürgermeiſtereien oder unmittelbar an uns gelangen zn laſſen.
Den Steuerpflichtigen, die nicht zur Abgabe von
Steuer=
erklärungen verpflichtet ſind, bleibt die Abgabe freiwilliger
Steuer=
erklärungen unbenommen.
Schließlich machen wir auf die durch § 68 des
Reichs=
geſetzes vom 3. Juli ds. Js. über einen einmaligen
außer=
ordentlichen Wehrbeitrag auch für Landesſteuern gewährte
Nachſicht aufmerkſam. Danach bleiben diejenigen Steuer
pflichtigen, die in der Zeit zwiſchen dem 26. Juli ds. Js. und
der demnächſtigen Veranlagung zum Wehrbeitrag bei der
Ver=
anlagung zu einer direkten Staats= oder Gemeindeſteuer
Ver=
mögen oder Einkommen anmelden, das bisher der Staats= oder
der Gemeindebeſteuerung entzogen war von der nach den
heſſiſchen Steuergeſetzen an ſich verwirkten Strafe und
Ver=
pflichtung zur Nachzahlung für frühere Steuerjahre frei. Die
jetzt bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Veranlagung zum
Wehr=
beitrag abgeſchloſſen ſein wird, ſtattfindenden Berichtigungen
früherer unrichtiger Einkommens= oder Vermögensanzeigen oder
Nachholungen unterlaſſener Steuererklärungen ziehen daher keine
Strafe und keine Steuernachzahlungen für frühere
Jahre nach ſich.
Die Großh. Finanzämter ſind im übrigen bereit, über etwaige
Zweifel an den bekannten Amtstagen Auskunft zu erteilen.
Bekanntgegeben, den 4. Auguſt 1913.
(16527a
Die Vorſitzenden der Veranlagungskommiſſionen für die Finanzämter
Darmſtadt I
Darmſtadt II
Langen
Stroh.
von Diemar.
Dörr.
Verzeichnis
der in Heſſen mit einem Teil ihrer Ueberſchüſſe zur Einkommenſteuer
und mit einem Teil ihres Anlage= und Betriebskapitals zur
Gewerb=
ſteuer veranlagten Geſellſchaften pp.
(6
12150
5
2P
Name der Geſellſchaft pp.
26 5
255
2
(55
645
Prozent
Prozent
5,0
7,48
Allgemeine Elſäſſiſche Bankgeſellſchaft in Straßburg
8,6
7,5
Bank für Handel und Induſtrie in Darmſtadt
1,0
Binding’ſche Brauereigeſellſchaft in Frankfurt a. M.
2,3
45
Bioſonwerk Benshetm G. m. b. H. in Frankf. a. M.
21,5
Bonner Bergwerks= und Hüttenverein Zementfabrik
1,7
in Oberkaſſel bei Bonn
12,76
,
1,9
Brauerei Stern A.=G. in Frankfurt=Oberrad . . .
üe
Buderus’ſche Eiſenwerke in Wetzlar
22,1
Chemiſche Fabrik Griesheim Elektron A.=G. zu
Frankfurt a. M. .
17,5 1 32,9
Chemiſche Werke vorm. H. u. E. Albert A.=G. zu
Mainz=Kaſtel .
42,07 22,2
Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft für den Nieder= u. Mittel=
27,6 17,5
rhein zu Düſſeldorf
,
Deutſche Vereisbank zu Frankfurt a. M. . . . . 4,5
Diskontoge ſellſchaft zu Berlin=
1,32 0,7
Dyckerhoff und Söhne G. m. b. H.
Portlandzement=
werke in Mainz=Kaſtel
90,67 90,6
Filter= und brautechniſche Maſchinenfabrik vorm.
73.5 1 97,3
L. A. Enzinger, Worms
Frankfurter Lokalbahn=A.=G. zu Frankfurt a. M. 20,28
6,4
90,0
Frankfurter Vorort=Terraingeſellſchaft A.=G.
90,0
Harloff, Adolf, G. m. b. H. Kaſſel, Kohlenhandlung
2,4
11,54
und Spedition in Guſtavsburg .
0,2
Harpener Bergbauaktiengeſellſchaft in Guſtavsburg
0,25
Heddernheimer Kupferwerke u. Süddeutſche
Kabel=
werke, A.=G. in Guſtavsburg
4,9
12,84
.„
Hefftſche Kunſtmühle A.=G. in Mannheim
34,45 1 48,3
Hofbierbrauerei Schöfferhof und Frankfurter
Bürger=
brauerei
24,18 8,8
Hofbrauhaus Hanau vorm. G. Ph. Nicolay A.=G.
zu Hanau
0,4
3,6
,,
Kempffſche Brauerei A.=G., Frankfurt a. M.
0,2
1,3
Landgräfl. Heſſ. konzeſſionierte Landesbank, A.=G.
zu Homburg v. d. H. .
0,5
10,43
,,,
Mainzer Aktienbrauerei
92,04 1 99,0
Mannheim=Bremer Petroleum=Aktien=Geſellſchaft zu
Mannheim
3,73 M 3,06
Maſchinenfabrik Augsburg=Nürnberg A.=G., Werk
Guſtavsburg
39,7
21,95
.. ... „
Mitteldeutſche Kreditbank
4,3
4,4
Nackenheimer Metallkapſel= und
Kellereimaſchinen=
fabrik A.=G.
75,0 1 61,4
Neptun, Waſſerleitungsſchäden= und Unfallverſicher.=
Geſellſchaft, A.=G., Frankfurt a. M.
2,4
2,4
.
8,53) 13,8
Niederländiſche Dampfſchiff=Reederei Rotterdam . .
96
Odenwälder Hartſtein=Induſtrie A.=G. . . . .
64,5
Oelfabrik Groß=Gerau=Bremen A=G.
24,971 13,42
,
Olex, Petroleum=Geſellſchaft m. b. H., Berlin . . .
3,83
3,5
Pfälziſche Bank, Ludwigshafen
3,8
5,08
Portland=Zementwerke Heidelberg und Mannheim,
A.=G. zu Weiſenau
27,8 I 32,4
Preußiſch. Rheiniſche Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft zu
Köln
15,15 17,6
64.
rovidentia, Frankfurter Verſicherungsgeſellſchaft
6,86 8,7
Rheiniſche Petroleum=Aktiengeſellſchaft, Köln,
Zweig=
niederlaſſung Mainz
4,3
14,15
„ ,
Rheiniſche Portland=Zementwerke, Köln
3,83 1 17,1
Rheiniſche Schuckertgeſellſchaft für elektr. Induſtrie,
A.=G., Mannheim
12,85 19.5.
Rhein= und Seeſchiffahrtsgeſellſchaft zu Köln . . . 23,18 1 18,9
Röderbergbrauerei A.=G., Frankfurt a. M. . . .
17,4 1 10,4
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62,66 ) 58,5
, .„ „ „ „
Schaffſtädt, H., G. m. b. H., Gießen
100
,
88,0
Scheidhauer und Gießing zu Duisburg=Wanheimerort 27,7
29,8
Schramm’ſche Lack= und Farbenfabriken, vormals
Chriſtoph Schramm, A.=G., zu Offenbach
96,16 96,1
Julius Sichel & Comp., Kommanditgeſellſchaft auf
Aktien . .
27,7
Stadermann, Friedrich, G. m. b. H., Offenbach a. M.
55,0 1 55,0
Stahl & Nölke, A.=G. für Zündwarenfabrikation in
Koſtheim .
3,08
20,9
Stellawerk, A.=G., vorm. Wiliſch & Co., Homberg a. Rh.
2,3
0,2
Strauß, David, jr., G. m. b. H., Zigarrenfabrik zu
Klein=Steinheim
74,0
79,19
Süddeutſche Diskontogeſellſchaft, A.=G. . . . . .
1,8
0,9
Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft
5,4
14,5
Süddeutſche Immobiliengeſellſchaft zu Mainz . . .
44,49 21,0
Tietz, Leonhard, A.=G., in Köln
„ „
9,03 8,6
Verein chemiſcher Fabriken zu Mannheim
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16,3
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Vereinigte Kunſtſeidefabriken, A.=G., in Kelſterbach
16,4 1 43,4
Vereinigte Malzfabriken, G. m. b. H., Worms
56, 11
53,4
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Wie wir vergeben unſern
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Roman von E. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
12
Es iſt gut, daß Sie kommen, Vater Harto, flüſterte
ſie, dieſelben Worte, mit denen auch ihr Sohn den Alten
begrüßt hatte.
Anita! ſagte er nur, aber mit eigenem Nachdruck.
Sie wußte ſofort, daß ſie ſich vergeſſen hatte, und ſich
energiſch zuſammenraffend, ſagte ſie laut: Ich habe
Be=
ſuch, wie Sie ſehen. Und ſie ſtellte vor: Der Bruder
meines Mannes, Baron von Drewensberg — Herr
Hart=
kopf, mein einziger Freund und Beſchützer.
Eberhardt antwortete ihr nicht. Mit ausgeſtreckter
Hand eilte er dem Alten entgegen: Ich freue mich von
ganzem Herzen, Sie kennen zu lernen.
Das iſt viel Ehre für einen einfachen Komödianten.
Harto heftete die kühlen Augen feſt und durchdeingend
forſchend auf Eberhardts Geſicht, das noch voll
Erreg=
ung war, aber doch ruhig ſeinem Blick ſtandhielt.
Sie haben als Ehrenmann an meines Bruders
Fa=
milie gehandelt, für mich bedarf es keiner weiteren Titel.
Ich würde ſehr glücklich ſein, wenn Sie mir von meinem
Bruder erzählen wollten. Aber ich darf Sie nicht darum
bitten, da es den Wünſchen Ihrer Pflegetochter entgegen
ſein würde. Mir iſt ſoeben die Tür gewieſen worden
und ich gehe ſelbſtverſtändlich. Zu dem alten
Familien=
groll iſt ein neuer perſönlicher gekommen, und nach
die=
ſem eine Verſöhnung wohl für lange ausgeſchloſſen. Ich
werde mich damit abfinden müſſen, ſo gut ich es vermag.
Ihrer Pflegetochter wird es keine Schwierigkeiten
be=
reiten. Sie hat es offen ausgeſprochen, daß es in ihrer
Abſicht liegt, den alten Haß nicht verſtummen zu laſſen.
Das mag ſie mit ſich ausmachen, aber ich darf nicht dulden,
daß ſie ſich dabei hinter dem Verſtorbenen verſchanzt. Ein
unverſöhnlicher Groll gegenüber allen aufrichtigen
Be=
mühungen, ihn vergeſſen zu machen, lag ganz und gar
nicht in dem Charakter meines Bruders. Ich frage Sie
auf Ihre Ehre, Herr Hartkopf, glauben Sie, daß mein
Bruder dieſen Ausgang des Familienſtreites gebilligt
oder gar ſelber herbeigeführt haben würde?
Nein, ſagte feſt der alte Mann, ohne ſich zu beſinnen.
Anita ließ ſeinen Arm los, ſie ſtand ſchwer atmend
neben ihm.
Vater Hartkopf, das erſtemal im Leben werde ich irre
an Ihnen. Sie kennen mich wie ihr leibliches Kind;
Sie verſtehen in meiner Seele zu leſen, und müſſen wiſſen,
daß ich handle, wie eine treue Frau und Mutter handeln
muß.
Mein Kind — ich bin alt! Von Sonn und Welten
weiß ich nichts zu ſagen, ich ſehe nur, wie ſich die
Men=
ſchen plagen. Der kleine Gott der Welt bleibt ſtets von
gleichem Schlag. Er lächelte müde. Sie handeln
aller=
dings, wie Sie handeln müſſen, Anita! — Und Sie, Herr
von Drewensberg, möchte ich an der Prinzeſſin Wort im
Taſſo erinnern:
„Mit breiten Flügeln ſchwebte mir das Bild
des Todes vor den Augen, deckte mir
die Ausſicht in die immer neue Welt.
Nur nach und nach entfernt’ es ſich und ließ
mich wie durch einen Flor die bunten Farben
des Lebens blaß, doch angenehm erblicken
Es hatte ſich unter ſeinen Worten ein eigener
Aus=
druck über Eberhardts Geſicht gebreitet. Sein Auge glitt
forſchend zu Anita hinüber und blieb an deren düſterem
Antlitz hängen. Es ſah aus, als ob ſie nur mühſam die
Tränen zurückhalten könnte.
Ich werde es tragen, ſagte ſie leiſe, aber entſchieden,
und vielleicht hilft mir doch eine edlere Eigenſchaft dabei
als die Gehäſſigkeit.
Eberhardt raffte ſich auf. Leben Sie wohl, ſagte er
mit unklarer Stimme. Und wenn Sie jemals bereuen
ſollten, die Freundeshand zurückgeſtoßen zu haben, ſo
rufen Sie mich, ich bin immer für Sie da — aber Sie
haben es mir unmöglich gemacht, von ſelber
wieder=
zukommen.
Sie verzog die Lipepn, ohne einen Ton hervorzubringen.
Ihre Augen blieben geſenkt. So konwe er mit einem
vollen Blick Abſchied von ihr nehmen, von den bleichen,
vornehmen Zügen, der reinen Stirn, dem ſchönen
ſchimmernden Goldhaar. Haſtig wandte er ſich ab.
Leben Sie wohl, ſagte er noch einmal und ſchritt
hinaus.
Hartkopf begleitete ihn. An der Korridor reichten ſich
die beiden Männer die Hand.
Auf Wiederſehen, ſagte der Schauſpieler. Eberhardk
blickte ihm erſtaunt ins Geſicht. Ein kleines,
verſchmitz=
tes Lächeln ſpielte um den eingeſunkenen Mund des
Alten.
Ja, wenn ich Sie wiederſehen könnte! rief
Eber=
hardt dringend. Ich möchte von meinem Bruder hören.
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Ich bin ein wortkarger Geſelle, Herr Baron, und wenig
unterhaltſam, Sie werden keine Freude am Umgang mit
mir finden.
Herr Hartkopf — ich muß Sie wiederſehen! Es klang
beſchwörend. Der Alte ſah ihm wieder ſcharf in die
Augen.
Sie müſſen? fragte er langſam.
Ja . . . Eberhardt erwiderte feſt den Blick. Ich
rnüßte am Leben verzweifeln, wenn das heute ein Abſchied
ür immer geweſen wäre.
Hartkopf ſagte nichts, aber er erwiderte Ebechardts
Händedruck. Die beiden Männer hatten ſich verſtanden.
5. Kapitel.
Wochen waren ſeit dem letzten Beſuch Eberhardts ins
Land gegangen, Anita war blaſſer und ſtiller geworden,
Aaſſer und ſtiller ſelbſt als im erſten Jahre ihrer Trauer.
Denn in jener Zeit konnte ſie ſich rückhaltslos mit voller
Seele in das Andenken an den Verſtorbenen verſenken.
Ihr wurde die Trauer durch Trauern zum Genuß. Jetzt
ber war es, als ob graue Schleier um das Bild des
Larten geſchlungen ſeien, ja, oft fuhr es ihr wie ein heißer
Schlag durch die Glieder, wenn ſie unverhofft den Augen
des Bildes begegnete — und den ganzen Tag zitterte dann
die Erregung in ihr nach. Was iſt das? fragte ſie ſich.
Wenn ich mir noch einen Vorwurf zu machen hätte! Aber
ich habe gehandelt, wie ich handeln mußte. Haſt du mir
nicht ſelber meinen Weg vorgeſchrieben, Heinz? — Du
ſel=
ber haſt es nie geduldet, daß ein anderer zwiſchen
uns trat.
Anfänglich hatte Heini dafür geſorgt, daß die
Er=
innerung an Eberhardt nicht verſtummte, als ſie aber
keine Nahrung fand, vergaß er den Onkel allmählich.
Seitdem war ſein Name nicht mehr genannt worden.
Vater Harto hatte, als Eberhardt auf
Nimmerwieder=
ſehen gegangen war, kurz gefragt: Haben Sie ſich die
Sache auch reiflich überlegt, Anita? Oder war’s nur ſolch
Ueberſchäumen? Sie wiſſen, daß Ihr Temperament dann
und wann mit Ihnen durchgeht.
Ich habe es mir die ganze Nacht hindurch, während
ich an Heinis Bett gewacht habe überlegt, Harto! Da
kann von Uebereilung keine Rede ſein.
Nun, die Sache geht mich nichts an, Sie müſſen am
beſten ſelber wiſſen, was ſie ſich ſchuldig ſind. — Und ec
erwähnte nicht mehr die Verwandten ihres Mannes.
Eberhardt von Drewensberg war verſchollen für die
Familie ſeines Bruders.
Bald nach dem letzten Beſuch Eberhardts hatte der
Kunſthändler, für den Anita die Poſtkarten und
Photo=
graphien malte, ſeine Aufträge an ſie eingeſtellt, er ſchien
ihre Mitarbeit nicht länger zu wünſchen, und Anita hatte
ſich trüben Herzens in das Unvermeidliche fügen müſſen.
Dann würde man ſich eben in Zukunft noch etwas mehr
einſchränken, jedenfalls durfte Harto, der ohnehin jeden
überflüſſigen Pfennig in Geſchenken an ſie und Heini
an=
legte, nichts erfahren. Der alte Mann wäre imſtande zu
darben, um ihr das Leben angenehm zu machen.
Aber ſchon nach einigen Tagen meldete ſich eine neue
Geſangsſchülerin bei Anita, eine hochgewachſene ſchlanke
Dame von 28 Jahren, die ſich Brigitte von Steltz nannte.
Ihr feines, blaſſes, etwas verblühtes Geſicht zeigte zwar
nicht regelmäßig ſchöne, doch ſehr ſympathiſche Züge.
Sie war mit gediegenem Geſmack, aber einfach gekleidet
und machte überhaupt den Eindruck einer vornehmen, nicht
eben in glänzenden Verhältniſſen lebenden Dame.
Um ſo mehr wunderte Anita ſich, als die Fremde
erklärte, jeden Tag eine Stunde nehmen zu wollen.
Dann behalten Sie zu wenig Zeit zum Studium
da=
heim, ſuchte ſie ihr das auszureden. Es iſt auch ſehr
an=
ſtrengend. Meine übrigen Schülerinnen kommen nur
zwei= — höchſtens dreimal in der Woche zu mir.
Meine Mutter iſt ſehr nervös, ich werde daheim nicht
viel üben können, die Stunde bei Ihnen vertritt die
Stelle deſſen. Ich bin ſchon zufrieden, wenn Sie mich
nur bei ſich ſingen laſſen, ſelbſt wenn Sie einmal nicht
Zeit haben ſollten, ſich mir zu widmen.
Nun, dachte Anita, wenn ſie durchaus darauf beſteht,
mir kann’s ja nur angenehm ſein.
Als Brigitte das erſtemal das Zimmer Anitas
be=
trat und ihr Auge das Bild Heinz von Drewensbergs
ſtreifte, zuckte ſie ſichtlich zuſammen.
Was iſt Ihnen? fragte Anita beſtürzt.
Oh, nichts! Ich war nur einen Moment erſchrocken,
als ich den Augen auf dem Bilde da begegnete. Sie ſind
ſo ſprechend naturwahr.
Ja, das Bild iſt vorzüglich und, was Sie natürlich
nicht verteilen können, frappierend ähnlich. — Es ſtellt
meinen verſtorbenen Mann dar und iſt mein Kleinod!
O bitte — verzeihen Sie, ich wollte Sie nicht
auf=
regen.
Fräulein von Steltz war ſelber aufgeregt. Mit
auf=
fallender Haſt blätterte ſie in den Notenheften und
wäh=
rend der ganzen Stunde lag eine fahle Bläſſe auf ihrem
Geſicht. Dies Benehmen war um ſo auffallender, als
Brigitte von Steltz ſonſt gerade durch die harmoniſche
Ruhe ihres Weſens einen ſo ſympathiſchen Eindruck
her=
vorrief. Etwas wohltuend Gereiftes lag über ihrer
Er=
ſcheinung. Sie hatte gewiß mancherlei Schweres im
Leben durchgekämpft, aber ſie war weder gleichgültig noch
verbittert dadurch geworden, wie ſo viele Mädchen ihres
Alters, denen das Schickſal ihre ſchönſten Hoffnungen
zer=
ſtört. Ja trotz ihres ruhigen Ernſtes überraſchte ſie dann
und wann durch eine treffende, launige oder ſcherzhafte
Bemerkung, die ſelbſt die düſtere Stirn ihrer Lehrerin
aufzuhellen vermochte.
(Fortſetzung folgt.)
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Sport, Spiel und Turnen.
er. Pferderennen. Stall Oppenheim im
Preis von Thüringen ſiegreich. Preis von
Reinhardsbrunn; 4900 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1.
Hrn E. v. Bennigſens Floh (Lane), 2. Silex (Blume),
3. Garibaldi (Slade). Tot. 14110. Pl. 12, 16110. Unpl.:
Fria. — Preis von Friedrichsroda; Ehrenpreis und 2700
Mark. Diſtanz 3200 Meter: 1. Hrn. Felix Simons Hades
(Hr. Purgold), 2. Südpol (Lt. Stellbrink), 3. Cardinal (Lt.
Freyer). Tot. 15:10. Drei liefen. Verhalten 15 Lg.
bis Hals. — Preis von Gotha; 10000 Mark, Diſtanz 1600
Meter: 1. Hrn. Buggenhagens Jewel (Slade), 2. Poltergeiſt
Sumter), 3. Carolus (Warne), Tot. 90:10. Pl. 23, 17,
26:10. Unpl.: Major Fife, Au revoir, Maruſchka, Fox,
Sy=
bille, Gräfentona, Felſenburg, Schlem. Sehr leicht 2½ Lg.
bis Hals-2 Lg. — Herzog Ernſt=Rennen; Ehrenpreis und
3700 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Graf A. Henckels
Ma=
tador (Lt. v. Keller), 2. Thereſe (Herfeld), 3. Dürkheim
(Hr. Purgold). Tot. 17110. Drei liefen. Sicher ½—½
Lg. — Preis von Thüringen; 30000 Mark, Diſtanz 1000
Meter: 1. Frhrn. S. A. v. Oppenheims Miſchief (Slade),
2. Droſſelbart, (O. Müller). 3. — Cynanit (Watts), 3.
— Einwandfrei (Lane). Tot. 36:10. Pl. 18, 15.10. Unpl.:
Orpheus Perdurabel, Grazie. Platz auf Cyanit 7110,
Einwandfrei 8:10.— Prinz Philipp=Jagd=Rennen;
Ehren=
preis und 2700 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Dr. V.
Sa=
loſchins Vorwärts II (Lt. v. Keller), 2. Contento (Lt.
Freyer), 3. Red Clover (Lt. Wittmack). Tot. 17110. Pl. 11,
13:10. Unpl.: Saville. Sehr leicht 3 Lg.-Weile.
* Der Graditzer Waldteufel im Preis
von Helenental geſchlagen. Die Expedition
mit dem hochgehaltenen Waldteufel zum Preis von
Helenental in Kottigbrunn hat mit einem Mißerfolge
geendet. Der als heißer Favorit geſtartete Waldteufel,
deſſen Laufen Graf S. Lehndorff jr. beiwohnte, konnte nur
den dritten Platz anderthalb Längen zurück hinter Aſträa
belegen, die ihrerſeits um ¾ Längen von der nach Kampf
gewinnenden Kamilla getrennt war. Der Graditzer hatte
allerdings ein ungünſtiges Rennen. Er hatte den
Start=
platz Nr. 3 erloſt, während innen von ihm Maiflower und
Zabolatin plaziert waren. Bald nach dem Start verlor
Waldteufel ſeine Poſition gegen dieſe ſchnellen und flotten
Konkurrenten und war noch in der Diſtanz rettungslos
eingeſperrt. Als er dann durch das Zurückfallen einiger
geſchlagener Pferde auf der Innenſeite einen Durchſchlupf
fand war es zu ſpät und Waldteufel konnte nur noch,
nicht mehr völlig ausgeritten, den dritten Platz vor Scamp
belegen, während die ebenfalls an der Diſtanz vorgeworfene
Kamilla des Rittmeiſters R. Söllinger (Janek) nach ſchönem
Finiſh die gleichzeitig aufrückende Aſträa ſchlug. Im
ge=
ſchlagenen Felde endeten Gallio, Primeroſe, Scamp,
Mai=
flower, Zabolatin und Aczi. Tot. 75:10. Pl. 31, 32, 26:20.
Die Eventual=Quote für den Graditzer, der im Wettring
nur pari notierte, während Kamilla und Aſträa je 511
er=
hältlich waren, betrug 21:10. Die Zeit des Siegers war
mit 1. Min. 4,1 Sek. keine beſonders ſchnelle.
* Grunewald. Werder=Preis: 4200 Mark,
Diſtanz 2400 Meter: 1. Hrn. v. Lippas Importe (Wurſt),
2. Katarakt (Prater), 3. Harriet (Weishaupt): Tot. 54:10.
Pl. 22. 99, 27110. Unpl.: Golconda (4), Caſa, Catja,
Frei=
heit, Ortilo, Kaſſala, Seekind, Sicene II, Fahnenwacht.
Ueberlegen 5 Lg.-Hals-Kopf. — Preis von Walburg;
6200 Mark Diſtanz 1200 Meter: 1. Hrn. v. Weinbergs
Nicolo (Vivian), 2. —— Raubzeug (Caſper), 2. —
Hasdru=
bal (Wurſt). Tot. 23:10. Pl. 13, 22, 18:10. Unpl.: Prinz
von Sagan (4), Fata morgana II, Godulla, Adamant,
Herzeleid, Freimut, Charleys Couſin, Finderlohn. Kampf
Kopf-tot. Rennen — 1½ Lg. — Heyden=Linden=
Erinne=
rungs=Rennen; Ehrenpreis und 15000 Mark, Diſtanz 5000
Meter: 1. Hrn, G. Nettes The General (Dodel), 2. South
(Lt. Graf Saurma), 3. Tucker (Lt. Graf Holck). Tot. 30110.
Pl. 14, 13, 17:10, Unpl.: Cherry Bob (4), Maaslieb
Mel=
ton Pet, Highbridge (ausgebr.) Pilis (angeh.),
Yame=
then, Diamond Hill. Kampf ½ Lg.—6—3 Lg. —
Römer=
hof=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Hrn U
von Oertzens Scipio Africanus (Cleminſon), 2. Villa (W.
Plüſchke), 3. Solitär (W. Bullock). Tot. 55:10. Pl. 23, 16,
16, 32110. Unpl.: Sarelta (4), Hexe, Rodoſto, Heimat,
Marius Türkenbund Barbaroſſa, Julius Cäſar,
Ven=
detta Napagedl. Sicher 1½ Lg.-Kopf—¾ Lg. — Preis
von Saarburg; Ehrenpreis und 3300 Mack, Diſtanz 3500
Meter: 1, Lt. v Zobeltitz’ Rojeſtwensky (Lt. v. Raven),
2. Rabbit (Lt. Graf Saurma), 3. The Cox (Lt. v. d. Oſten).
Tot. 122:10. Pl. 31, 21. 98:10. Unpl.: Mark Gamp (4),
Hawkins (ausgebr.), Flint (gef.), Flittergold.
Macphear=
ſon, Jaques. Leicht ¾—5 Lg.-Kopf. — Preis von Tegel;
6200 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Hrn. Buggenhagens
Santuzza (Weishaupt), 2. Chantecler Schiemann), 3.
Or=
trud (Newey). Tot. 15:10. Pl. 14, 30110. Unpl.:
Raub=
geſell, Seehund Zandvoort. Ueberlegen 3—2—1½ Lg.
Preis von Blumberg; Ehrenpreis und 4000 Mark, Diſtanz
3500 Meter: 1. Hrn. v. Tepper=Laskis Gardone (Lt. Graf
Saurma), 2. Hart (Dr. Rieſe), 3. Street Arab (Lt. v.
Pla=
ten). Tot. 14:10. Pl. 14, 18, 17110. Unpl.: Tongs,
Erz=
herzogin, Moß Trooper, Paſſing Fair. Leicht 4¼—2½ Lg.
Neuß. Erft=Flach=Rennen; 4000 Mark, Diſtanz
1600 Meter: 1. Hrn. A. v. Köppens Deſpot (H. Teichmann),
Rees), 3. Meg Dods (Kühl). Tot. 22:10.
½—3 Lg. — Stadtgarten=Hürden=Rennen;
npreis und 2500 Mark iDſtanz 2800 Meter: 1. Hrn. M.
chen’s Alladin (Lt. v. Moßner), 2. Jris (Lt. Knel), 3.
lte (Lt. Prieger). Tot. 44:10. Pl. 13. 12, 17.10. Unpl.:
ans Atout, Gresvenor Gardens, Roſy, Footmark,
Mont=
zal. 2—2 Lg.-Hals. — Heyden=Linden=Jagd=Rennen;
Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 3600 Meter: 1. Lt.
Braune’s Lynch Law (Beſ.), 2. Tempeto III (Lt.
Her=
mann), 3. The Green Hand (Lt. Knel). Tot. 20110. Pl. 15,
26:10. Unpl.: Creeper II 4—10 Lg. — Prämien=Handicap
der Luft auf; ſchnell gleitet der Strahl wieder zurück, jetzt
6000 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Lt. Rönckendorfs
Sea=
viece (H. Teichmann), 2. Arthus (Kühl), 3. Coup d’Oeil
(Barleben). Tot. 432110. Pl. 59, 22, 14:10. Unpl.: Eau
de Cologne Sunbath, Highland Fling, Hock, Ghislaine,
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Rennen; Ehrenpreis und 10000 Mark, Diſtanz 4500 Meter:
Hrn. A. Aldags Little Ben (Lt. Knel), 2. Bilbao (Lt.
v. Moßner), 3. Silver Sea (Lt. Braune). Tot. 25110. Pl.
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Eye. 2½—3 Lg. — Kölner Jagrennen; 6000 Mark, Diſtanz
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Knappe (Kreiſel), 3. Marokko (Barleben). Tot. 24110.
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Lt. Kriegs Moriam (Gädicke), 2. Spezi (Kühl), 3. Halbgott
Schuller). Tot. 161:10. Pl. 38, 15, 28:10. Unpl.: Pax,
Geri, Lamhult. 3—5—4 Lg.
Der Grand=Prix de Vichy, das mit 100000
Francs ausgeſtattete erſte große Rennen der franzöſiſchen
Bäder=Saiſon, kam am Sonntag zur Entſcheidung. An
der über 2600 Meter führenden Konkurrenz nahmen zwölf
Pferde teil. Der favoriſierte Huningue wurde von Comte
de Boisgelins Tripolette (O'Connor) nach Kampf mit
einer halben Länge geſchlagen, während drei Längen zurück
Rouble als Dritter vor Cedric endete. Tot. 47110. Pl.
20, 27, 18:10.
sr. Radrennen. Großer Preis von Berlin.
Großer Preis für Flieger: I. Lauf: 1. Rütt, 2. Otto Meyer,
eine Länge, 3. Arend, Handbreite, 4. Hourlier. II. Lauf:
1. Rütt, 2. Hourlier, ½Lg., 3. Meyer, ¼ Lg., 4. Arend.
III. Lauf: 1. Otto Meyer, 2. Rütt, ½ Lg., 3. Arend, 4.
Hourlier. Geſamtklaſſement: 1. Rütt, 4 Punkte, 2. Otto
Meyer, 6 Punkte, 3. Arend und Hourlier je 10 Punkte.
Großer Preis von Berlin für Steher, 100 Kilometer: 1.
Saldow, 1 Std. 13 Min. 36,8 Sek., 2. Stellbrink, 3940 Meter,
3. Carmen, 10,030 Meter, 4. Scheuermann, 16,350 Meter
5. Guignard. 22,460 Meter zurück. — Handicap 4000 Meter
1. Rütt (Mal), 2. Lorenz (10 Meter), 1 Lg., 3. Kops (340
Meter), 3 Lg. zurück.
* Mainz. Das Goldene Rad von Mainz bildete am
Sonntag die Hauptkonkurrenz der Radrennen zu Mainz.
Die Bahn zeigte bei dem ſchönen Wetter einen
ausge=
zeichneten Beſuch. Das Rennen wurde wegen eines
Motordefektes der Schrittmachermaſchine von Böſchlin in
zwei Läufen gefahren und brachte in beiden Läufen Jakob
Eſſer einen leichten Sieg vor Leon Vanderſtuyft reſp.
Böſchlin. Die Reſultate: 10 Kilometer=Rennen: 1.
Böſch=
lin 10:07,2. 2. L. Vanderſtuyft 25 Meter, 3. J. Eſſer 60
Meter. — 10 Kilometer=Rennen: 1. L. Vanderſtuyft 10.03,2,
2. Böſchlin 10 Meter, 3. Eſſer 80 Meter zurück. —
Gol=
denes Rad, 20 Kilometer in zwei Läufen: 1. Lauf 10 Km.:
Eſſer 10117,1, 2. L. Vanderſtuyft 250 Meter 2. Lauf
10 Km.: 1. Eſſer 10:03,1, 2. Böſchlin 5 Rd. zurück.
* Magdeburg. 100 Kilometer: Großer Preis von
Magdeburg: 1. Nettelbeck 1:34:14,4 Sek. auf Polack=Reifen,
2. Janke 2180 Meter, 3. Brummert 5600 Meter, 4.
Salz=
mann 17,980 Meter zurück. — 10 Kilometer=Rennen: 1.
Nettelbeck 8:49,3, 2. Janke 300 Meter, 3. Brummert 395
Meter, 4. Salzmann 1220 Meter.
* Paris. Auf der Pariſer Prinzenparkbahn fand
am Sonntag als Hauptnummer ein Stunden=Rennen
hin=
ter Motoren „Frankreich gegen Ausland” mit Darragon=
Parent=Seres einerſeits und A. Vanderſtuyft=Humann=Bruni
andererſeits ſtatt. Seres übernahm anfangs die Führung,
ſiel aber bald durch Reifenſchäden zurück. Der hinter ihm
iegende Parent wurde dann von Darragon überholt.
Arthur Vanderſtuyft fuhr ein gutes Rennen und rückte
bald vor Parent auf den zweiten Platz auf. Darragon
etzte ſich aber dann energiſch zur Wehr und ließ den
Bel=
zier nicht an ſich vorbei. Er gewann mit 75,330
Kilo=
meter vor A. Vanderſtuyft 74,100 Kilometer, Parent 73,000
Kilometer, Humann 70,300 Kilometer, Seres 69,600
Kilo=
meter und Bruni 66,300 Kilometer. Im Geſamtklaſſement
ſiegte Frankreich mit 217,930 Kilometer gegen 210,900
Kilo=
meter des Auslandes. Das Malfahren gewann Schilles
mit einer Länge vor Gardellin, das Prämienfahren holte
ſich Fournous mit einer halben Länge vor Schilles und
im Abonnentenfahren ſiegte Mathieux vor Sergeint u. Texier.
Luſtfahrt.
Militäriſche Luftſchiff=Nachtübung.
M. Mainz, 2. Aug. Ein intereſſantes militäriſches
Schauſpiel lockte in der Nacht vom Samstag auf Sonntag
eine ziemliche Anzahl Menſchen aus den Federn. Wie
be=
reits vor einigen Tagen bekannt gegeben wurde, fand eine
Nachtübung der Scheinwerfer Abteilung der
Mainzer Garniſon und eines Zeppelin=
Luftkreu=
zers ſtatt. Schon am Abend waren die in Betracht
kom=
menden Truppenteile ausgerückt und hatten rings um
Mainz mit ihren Scheinwerfern Stellung genommen;
ſo=
weit man es vom Ufer des Rheines aus beurteilen konnte,
ſtand ein Scheinwerfer hinter der Stadt, etwa auf der
Höhe von Finthen, ein zweiter auf der rechten Rheinſeite
hinter Kaſtel, etwa bei Erbenheim, zwei weitere am rechten
Rheinufer bei Biebrich. Außerdem waren bei Erbenheim
noch Maſchinengewehre und Ballonkanonen aufgeſtellt.
Der Uebung lag der Gedanke zu Grunde, daß ein
feind=
liches Luftſchiff den Verſuch mache, die Rheinbrücken bei
Mainz zu ſprengen und Aufnahmen des Feſtungsgeländes
zu machen, während die Mainzer Garniſon verſuchen mußte,
das Luftſchiff frühzeitig zu entdecken und durch Beſchießen
hm die Löſung ſeiner Aufgabe unmöglich zu machen oder
es gar zu zerſtören. Von 1 Uhr an etwa wurde von dem
Scheinwerfer bei Erbenheim und dem hinter der Stadt
der Himmel abgeſucht. Gegen ½2 Uhr tauchte ein
Zeppe=
lin=Kreuzer — vermutlich der in Metz ſtationierte — in
ziemlicher Entfernung ſüdlich von Mainz, etwa bei Lau=
benheim, auf. Kaum war er von den Scheinwerfern, die
weithin über den Himmel ihre Lichtbündel erſtrahlen
lie=
ßen, entdeckt, da donnerten ſchon die Kanonen gegen den
Feind. Doch ſchnell, wie es gekommen, verſchwand das
Luftſchiff wieder. Nun wurde mit verdoppeltem Eifer der
Himmel abgeſucht. Und als etwa 20 Minuten vor 3 Uhr
der Strahl des Erbenheimer Scheinwerfers wieder ſuchend
über den Himmel gleitet, blinkt weit drunten im
Rhein=
gau — nordweſtlich von der Stadt — etwas ſilberhell in
der Luft auf; ſchnell gleitet der Strahl wieder zurück, jetzt
unterſtützt von dem hinter der Stadt aufgeſtellten
Schein=
werfer — das Luftſchiff iſt wieder entdeckt. Nun flammen
auch die Scheinwerfer bei Biebrich auf, und im hellſten
Lichte ſieht man deutlich, von vier Strahlen beleuchtet, den
Zeppelin=Kreuzer, der in ſtattlicher Höhe — etwa 1000
Meter hoch — dahinzieht und dem es jetzt nicht mehr
ge=
lingt, auch nur eine Sekunde im Dunkel der Nacht
unter=
zutauchen. Raſch kommt das Luftſchiff näher — nun ſetzt
das unaufhörliche Knattern der Maſchinengewehre ein,
dazwiſchen donnern die Geſchütze, deren Widerhall dumpf
wie ein fernes Gewitter nachrollt. Doch auch auf dem
Luftſchiff iſt man nicht müßig: Leuchtkugel um Leuchtkugel
wird von Bord des Luftſchiffes herabgeſchoſſen, die
weit=
hin das Tercain erleuchten; von den Gondeln wurden
da=
bei jedenfalls photographiſche Aufnahmen des
Feſtungs=
geländes gemacht. Raſch zieht das Luftſchiff über die
Stadt hin; in mächtiger Schleife wendet es bei Hochheim,
immer im Lichte der Scheinwerfer, und kehrt über den
Rhein zurück, um ſich dann wieder, heftig beſchoſſen, über
die nördliche Eiſenbahnbrücke (Kaiſerbrücke) rheinabwärts
zu entfernen. Beim Kreuzen über der Eiſenbahnbrücke
werden auch von unten Leuchtkugeln hinaufgeſchoſſen.
Ver=
folgt von den Strahlen der Scheinwerfer verſchwindet der
Luftkreuzer wieder. Die Häuſer der Stadt entziehen ihn
unſeren Blicken; nur von Zeit zu Zeit blitzt es noch am
Horizont auf — aus den Gondeln werden immer noch
Leuchtkugeln abgeſchoſſen. Kurz vor 3 Uhr erlöſchen die
Scheinwerfer, alles wird wieder ruhig, die Signallaternen
der Brücken die während der Uebung nicht brannten,
leuch=
ten wieder auf. Drüben auf dem rechten Rheinufer hört
man die Pioniere unter dem Geſang von Marſchliedern
in ihre Kaſerne zurückkehren.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Umſtände ändern die Sache.
Von der heſſiſchen Regierung wurde bei der letzten
proviſoriſchen Gehaltsregulierung darauf verwieſen, daß
man bei Annahme der Vorlage die heſſiſchen
Volksſchul=
lehrer den preußiſchen gleichſtelle. Früher konſtatierte
man in Heſſen oft an maßgebender Stelle mit
Befriedig=
ung, daß Heſſens Lehrer materiell bedeutend beſſer
ge=
ſtellt ſeien, als ihre preußiſchen Kollegen. Man fand dies
durchaus berechtigt, weil Preußen wohl in manch anderer
Hinſicht, aber nicht in ſeiner Fürſorge für die Volksſchule
als vorbildlich anzuſehen iſt und da in dem ſich durch
günſtige Kulturverhältniſſe auszeichnenden kleinen
heſſi=
ſchen Staate für die Lebenshaltung höhere materielle
Auf=
wendungen erforderlich ſind, als in dem größten Teile
Preußens. Bezugnehmend auf oben erwähnte Aeußerung
der heſſiſchen Regierung möchten wir im Folgenden kurz
nachweiſen, daß auch bei gleichem Gehalt die heſſiſchen
Lehrer den preußiſchen noch lange nicht gleichſtehen. In
Preußen wird die Dienſtzeit von der erſten dienſtlichen
Verwendung gerechnet, ſo daß dort die Lehrer mindeſtens
zwei Jahre früher in Genuß des Höchſtgehaltes kommen
als in Heſſen. Die vor 1908 angeſtellten Lehrer haben
keine Gemeindeſteuer zu entrichten, was in Anbetracht der
in vielen Landgemeinden Heſſens beſtehenden hohen
Steuerlaſt eine erhebliche Entlaſtung bedeutet. Um
fal=
chen Auslegungen zu begegnen, ſei bemerkt, daß die
heſſi=
ſchen Lehrer eine ſolche Ausnahmeſtellung nicht wünſchen;
ihr Prinzip iſt, gleiche Rechte und gleiche Pflichten mit
den Beamten. Die Zulage für alleinſtehende und erſte
Lehrer und die Seßhaftigkeitszulage, die für einen großen
Teil der Landlehrer die verſchiedenen Gehaltsſtufen um
100 Mark erhöht, iſt in Preußen ein weiterer finanzieller
Vorteil, der auch bei Penſionierungen zum Ausdruck
kommt, die ſich für viele noch dadurch erhöhen, daß für
kirchliche Funktionen 300 Mark in Anrechnung kommen.
Dadurch wollte man auch den Unterſchied der Penſionen
zwiſchen Stadt= und Landlehrern verringern, deſſen
völ=
lige Beſeitigung einer weiteren Reform vorbehalten iſt.
Die Wohnung wird bei der Penſionierung in Preußen
be=
deutend höher angerechnet als in Heſſen; im
Regierungs=
bezirk Kaſſel z. B. auf 586 Mark, während in Heſſen nur
400 Mark vorgeſehen ſind. Wenn der Penſionsmodus für
die heſſiſchen Lehrer auch etwas günſtiger iſt, ſo wird dies
von den preußiſchen größtenteils dadurch wieder eingeholt,
daß ihnen im gleichen Alter zwei Dienſtjahre mehr
ange=
rechnet werden. Der preußiſche Lehrer hat nach 28
defini=
tiven Dienſtjahren 30 Jahre Dienſtzeit und bezieht dann
als Penſion zwei Drittel ſeines Gehalts, während der
heſſiſche in derſelben Dienſtzeit 67 Prozent bezieht alſo
Prozent mehr. Später verſchiebt ſich der Prozentſatz
zugunſten der Heſſen, da dieſe bis zum 50. Dienſtjahre
weiter ſteigen, was aber für den größten Teil der Lehrer
wertlos iſt, weil nur wenige ein ſo hohes Dienſtalter
er=
reichen. Nach den gegenwärtigen Beſtimmungen bezieht
ein alleinſtehender oder erſter Lehrer mit Organiſtendienſt
in Preußen nach 30 Dienſtjahren 2858 Mk. Penſion, in Heſſen
erhält er, wenn er das Abgangsexamen zu derſelben Zeit
machte nach der neuen Gehaltsvorlage bei ganz gleichen
Verhältniſſen nur 2520 Mark. Wenn alſo von gegneriſcher
Seite die günſtigeren Penſionsverhältniſſe der heſſiſchen
Lehrer angeführt werden, ſo iſt auch dieſes bei genauerer
Betrachtung hinfällig, wie aus den der Praxis
entnom=
menen Angaben erſichtlich iſt, da es doch vor allem auf
die betreffende Summe ankommt. Wenn die Forderung
der heſſiſchen Lehrer Einreihung in die Kategorie der
Fi=
nanzbeamten, berückſichtigt würde, hätten ſie etwa die
ma=
terielle Stellung, die ihnen im Vergleich zu ihren
preußi=
ſchen Kollegen zukommt, welche ihren gegenwärtigen
Ge=
halt ſchon vor der letzten erheblichen Preisſteigerung
be=
ſitzen und deshalb jetzt eine weitere angemeſſene
Beſſer=
ſtellung erſtreben.
Möge man im Intereſſe der Gerechtigkeit die Sache
nicht oberflächlich beurteilen und die verſchiedenen
Um=
ſtände an maßgebender Seite gebührend beachten. Mg.
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