Abonnementspreis
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
imren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
tr. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
ftr Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
176. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Reichstag erklärte in ſeiner geſtrigen Sitzung die
Wahlen der Abgeordneten Vietmeyer (Wirtſch.
Vgg.) und v. Kröcher (konſ.) für ungültig.
die Wahlprüfungskommiſſion des
Reichs=
tages beſchloß abermals, die Wahl des
nationallibe=
ralen Abgeordneten Kölſch (Offenburg=Kehl) für
un=
gültig zu erklären.
ſter franzöſiſche Flieger Audemars hat den
Weiterflug nach Berlin aufgegeben.
ſöffiziös wird mitgeteilt, daß kein Waffenſtillſtand
zwiſchen Bulgarien und der Türkei
abge=
ſchloſſen, ſei, ſondern daß es ſich um eine für einige Tage
mündlich vereinbarte Waffenruhe handelt, die
bei=
den Teilen ermöglichen ſoll, ihre Toten zu beerdigen.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
8 April 1813: Napoleon empfängt in Mainz die
Be=
hörden.
Der Fürſt=Primas Dallberg erhält Audienz.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.
Bundesratsmitglieder im
Reichstage.
*⁎* Der Unterſtaatsſekretär Zimmermann zweifelte
im Dienstag im Reichstage an, ob eine Kritik des
Präſi=
ſeten einem Bundesratsbevollmächtigten gegenüber
zu=
ſiſſig ſei. Vizepräſident Paaſche ließ die Frage offen,
ſidem er erklärte, er habe keine Kritik geübt, ſondern
jur einen Wunſch ausgeſprochen. Der Reichstagsbericht
ilt darüber folgendes mit:
Unterſtaatsſekretär Zimmermann ſagte: Wenn der
bg. Dr. Müller=Meiningen rügt, daß unſere Diplomaten
i wichtigen Gelegenheiten nicht auf ihren Poſten waren,
bitte ich, zu bedenken, daß die Beamten ja auch nur
Penſchen ſind, ſie brauchen auch Urlaub und Erholung.
Binn wir den Botſchafter v. Wangenheim nicht ſofort von
ſthen nach Konſtantinopel geſandt haben, ſo lag das
ran, daß er in Athen dringende Aufgaben zu erledigen
Lite, die er nicht abgeben konnte. Das iſt doch
verſtänd=
ſch und wird hoffentlich auch Herrn Dr. Müller=
Meinin=
n einleuchten. (Unruhe.)
Vizepräſident Dr Paaſche: Ich habe den Herrn
Lundesratsbevollmächtigten bei ſeiner Rede nicht
unter=
kechen wollen, aber ich möchte doch glauben, daß es nicht
in Platze iſt, einem Abgeordneten, der gewiſſenhaft ſeine
licht erfüllt. vorzuwerfen, daß ſeine Berichterſtattung
f Klatſch und Tratſch aufgebaut iſt. (Lebhafter Beifall
Iks.)
Unterſtaatsſekretär Dr Zimmermann: Ich weiß
ſcht, ob eine derartige Kritik des Herrn Präſidenten
tgenüber einem Bundesratsbevollmächtigten zuläſſig iſt.
Pebhafte Unruhe auf der Linken. Sehr richtig! rechts.)
Vizepräſident Dr. Paaſche: Ich habe keine Kritik
übt, ſondern nur den Wunſch ausgeſprochen, nicht in
rartigen Ausdrücken gegen einen Abgeordneten
vorzu=
hen. Damit habe ich meine Beſugniſſe als Präſident
Icht überſchritten. (Lebhafter Beifall links, Unruhe
lſchts.)
Man wird ſich noch erinnern, daß kürzlich der
Reichs=
ſgspräſident gegen den bayeriſchen
Militärbevollmächtig=
einſchritt , und daß eine ſolche Maßregel auch ſchon
fgen andere Beauftragte des Bundesrats vorgekommen
wie ſich vor einiger Zeit auch Herr Kraetke eine
Rekti=
ſierung ſeitens des Präſidenten gefallen laſſen mußte,
Ane daß die Betroffenen die Befugnis des Präſidenten
Zweifel gezogen hätten. Es wäre erwünſcht, wenn
ſeſe Frage einmal zur Entſcheidung käme.
Der Artikel 9 der Reichsverfaſſung beſagt nur, daß
des Mitglied des Bundesrat das Recht habe, im
Reichs=
lge zu erſcheinen und auf Verlangen jederzeit gehört zu
ſerden, um die Anſichten ſeiner Regierung zu vertreten.
ſnd im Artikel 28 heißt es: „Der Reichstag regelt ſeinen
ſſchäftsgang und ſeine Diſziplin durch eine
Geſchäftsord=
ſing.‟ Daß die Bundesratsmitglieder, wenn ſie im
Pichstage anweſend ſind, der Diſziplin des Präſidenten
ſtterliegen, iſt in der Verfaſſung nicht geſagt; dieſe
ent=
hlt aber auch keine Beſtimmung über das Gegenteil,
wes=
die Rechtslage ſtreitig iſt. Aber der Geſetzgeber hat
möglich gewollt, daß ein Bundesratsbevollmächtigter
n ſeinem Recht, im Reichstage zu ſprechen, nach Be=
Aben ſelbſt einen ungehörigen Gebrauch machen und ſagen
m=, was er will und was gegen die Ordnung des
Hau=
werſtößt ; vielmehr ging der Geſetzgeber von der
Vor=
sſetzung aus, daß auch die Mitglieder des Bundesrats
ſich während ihrer Anweſenheit im Reichstage der
Ge=
ſchäftsordnung und dem Brauche des Hauſes anpaſſen.
Auf deſſen Ordnung hinzuweiſen, muß der Präſident
jedem gegenüber das Recht haben, wenn er auch nicht in
der Lage iſt, die ihm zu Gebote ſtehenden
Diſziplinarmaß=
regeln gegen Bundesratsmitglieder in Ausführung zu
bringen.
Fürſt Bismarck hat ſich übrigens in einem ſpeziellen
Falle die Rektifizierung durch den Reichstagspräſidenten
kurzerhand verbeten.
Nachbarn.
— Als der Reichskanzler in ſeiner Rede über
die auswärtige Politik von dem in Frankreich
augenblicklich ſich zeigenden Chauvinismus
ge=
ſprochen hatte, warf man ſich jenſeits der Vogeſen
gewal=
tig in die Bruſt und tat ſehr entrüſtet. Man behauptete
kühnlich, daß es einen Chauvinismus in Frankreich nicht
gäbe, und daß Herr von Bethmann Hollweg dieſe
Wen=
dung nur gebraucht habe, um damit die Militärvorlagen
ſchmackhafter zu machen. Kaum acht Tage waren ins
Land gegangen, als ſich der Zwiſchenfall von
Nancy ereignete, wo man harmloſe Deutſche in der
gröblichſten Weiſe beſchimpfte und ſogar auch mißhandelt
haben ſoll. Alles das iſt in einem Lande geſchehen, deſſen
Volk ſich ſeiner Höflichkeit und Gaſtfreundſchaft zu
rüh=
men pflegt. Es muß zugegeben werden, daß mehrere
Pa=
riſer Blätter ſich dieſer Vorgänge ſchämen und die
De=
monſtranten ſcharf verurteilen, aber das ſind leider
Aus=
nahmen.
Es läßt ſich nicht leugnen, daß ſolche Vorkommniſſe,
wie die in Nancy, ein recht bedenkliches Zeichen ſind, denn
es handelt ſich hierbei keineswegs um einen vereinzelten
Fall, ſondern er kennzeichnet auf das ſchärfſte die
augenblicklich in Frankreich herrſchende
Stimmung des Volkes gegen Deutſchland. Es
han=
delte ſich in Nancy nicht um bloße Exzeſſe gegen deutſche
Staatsangehörige, ſondern um einen Ausbruch des
Deut=
ſchenhaſſes, eine Beleidigung der deutſchen Nation. Und
darum ſchon war es angezeigt, daß die
Reichsregie=
rung mit aller Energie vorgeht und von der franzöſiſchen
Regierung eine genaue Unterſuchung des Falles verlangt,
und daß der deutſche Botſchafter angewieſen wurde, gegen
den Mangel an Schutz für deutſche Untertanen in
Frank=
reich Beſchwerde einzulegen. Es ſteht zu erwarten, daß
die franzöſiſche Regierung dem Verlangen entſprechen
wird. Die Sache mag den leitenden Stellen in Paris
recht unangenehm ſein, indeſſen wird ihnen kaum etwas
anderes übrig bleiben, als die Konſequenzen zu ziehen,
wenn ſie nicht Deutſchland beleidigen wollen.
Der Zwiſchenfall wird ſomit ſicherlich ſeine
Erledi=
gung an ſich finden, vergeſſen wird man ihn aber nicht ſo
ſchnell, denn er iſt zu charakteriſtiſch für die chauviniſtiſche
Stimmung in Frankreich, deren Beſtehen man wohl nicht
mehr abzuleugnen wagen wird. Im Reichstage hat man
bereits den Franzoſen die Antwort erteilt, und man wird
wohl in Frankreich ſelbſt nicht erwartet haben, daß ſie
ſehr liebenswürdig ausfallen könnte. Als Zeichen der
Zeit kann der Zwiſchenfall von Nancy nur dazu beitragen,
die Wehrvorlagen zu unterſtützen und ihre Aufbringung
im Reichstage zu erleichtern.
Deutſches Reich.
Die Heeres= und Deckungsvorlagen
im Ausſchuß. Die Wehrvorlagen und die
Steuer=
entwürfe ſind Blättermeldungen zufolge dem
Haushalts=
ausſchuſſe überwieſen und die Wünſche auf Einſetzung
eines beſonderen Ausſchuſſes nicht berückſichtigt worden.
Man fürchtete, wie verlautet, Schwierigkeiten bei der
Wahl des Vorſitzenden dieſes Sonderausſchuſſes. Denn
als ſtärkſte Fraktion hätten die Sozialdemokraten den
Vorſitz beanſprucht. Dazu waren aber die bürgerlichen
Parteien gerade bei dieſen nationalen Vorlagen
keines=
wegs geneigt. So wird alſo der Haushaltsausſchuß die
Arbeit in die Hand nehmen, und zwar unter dem Vorſitz
ſeines ſtändigen Leiters Dr. Spahn. Die Arbeiten
wer=
den noch in dieſer Woche begonnen werden, und zwar
zu=
nächſt mit den Wehrvorlagen. Dann wird man ſich mit
dem Wehrbeitrag beſchäftigen. Mit dieſen beiden Fragen
beabſichtigt man, wie weiter gemeldet wird, bis zum
30. April fertig zu werden. Der Vorſchlag, den Ausſchuß
auch in den Pfingſtferien tagen zu laſſen, findet keinen
Anklang. Nach Pfingſten wird der Reichstag noch etwa
vierzehn Tage zu arbeiten haben, damit aber erſt nach den
Urwahlen zum preußiſchen Landtag, alſo nach dem 16. Mai,
beginnen. Man nimmt an, daß die bürgerlichen Parteien
in dieſer Zeit Wehrvorlage und Wehrbeitrag
verabſchie=
den, der Verlängerung der Zuckerſteuer und des„
Grund=
ſtückumſatzſtempels zuſtimmen und ſich dann auf eine
Be=
ſitzſteuer allgemein einigen werden, deren nähere
Feſt=
legung erſt im Herbſt erfolgen ſoll. Die Fortſchrittler
wer=
den der Kommiſſion zwei völlig ausgearbeitete
Geſetzent=
würfe vorlegen, einen über die Erbſchaftsſteuer und einen
anderen über eine Reichsvermögensſteuer.
Schutz deutſcher Intereſſen in
Ru=
mänien. Die vom Handelsvertragsverein in der
Handelskammer Frankfurt veranſtaltete Sitzung
deut=
ſcher Exporteure nach Rumänien war von etwa
fünfzig Herren beſucht. Sie tagte unter Vorſitz
des Geheimen Kommerzienrats Andrege. Man beſchloß,
einen deutſchen, mit den rumäniſchen Verhältniſſen genau
vertrauten kaufmänniſchen Sachverſtändigen als
gemein=
ſamen Vertrauensmann der deutſchen Intereſſenten in
Bukareſt einzuſetzen. Die Koſten ſollen zunächſt für zwei
bis drei Jahre durch einen Garantiefonds gedeckt werden,
für den ſofort Zeichnungen erfolgten. Ein proviſoriſches
Komitee wurde gewählt, das dem Handelsvertragsverein
bei den weiter in der Angelegenheit zu tuenden Schritten
beratend zur Seite ſtehen und zunächſt insbeſondere mit
dem in Ausſicht genommenen Herrn noch direkte nähere
Fühlung nehmen ſoll. Allen an Rumänien intereſſierten
Firmen ſoll durch Zirkular Mitteilung von den gefaßten
Beſchlüſſen gemacht und Beteiligung an der Aktion
em=
pfohlen werden.
— Die Zivilliſte des Königs von
Würt=
temberg. Der Finanzausſchuß der württembergiſchen
Abgeordnetenkammer beriet die Erhöhung der Zivilliſte
des Königs. Der Entwurf wurde mit 12 gegen 3
Stim=
men angenommen, nachdem die Krone die Zuſicherung
ge=
geben hatte, daß die königlichen Anlagen zwiſchen
Stutt=
gart und Cannſtatt nicht überbaut werden. Die
Plenar=
beratung des Entwurfes wird vorausſichtlich am Freitag
ſtattfinden.
Die Anhaltiſche Regierung und die
ſozialdemokratiſche Jugendbewegung. Die
Regierung des Herzogtums Anhalt, die bereits in dieſer
Seſſion dem Landtag einen Geſetzentwurf über die
Förde=
rung der nationalen Jugendpflege unterbreitet hat, geht
jetzt auf dem Verwaltungswege gegen die Verſuche der
Sozialdemokratie vor, die Schuljugend für ihre Zwecke
zu gewinnen. Sie hat folgende Anordnungen erlaſſen:
1. Den Schulkindern iſt die Bildung von Vereinen
und Vereinigungen irgendwelcher Art, der Beitritt zu
Vereinen und Vereinigungen, die Teilnahme an deren
Veranſtaltungen, an Umzügen und ſonſtigen öffentlichen
Kundgebungen, ſowie an politiſchen und agitatoriſchen
Maßnahmen verboten. Als Vereinigung ſind
insbeſon=
dere Schülerkränzchen, gleichviel ob ſie unter dieſer oder
einer anderen Bezeichnung von den Schulkindern ſelbſt.
ihren Eltern oder anderen Perſonen gegründet ſind oder
geleitet werden, zu verſtehen. 2. Ausnahmen können von
den Rektoren und Ortsſchulinſpektoren — bei den
katho=
liſchen Konfeſſionsſchulen von deren Vorſtehern —
zuge=
laſſen werden. Die Genehmigung iſt jedoch unter allen
Umſtänden zu verſagen zur Beteiligung an: a) politiſchen
Vereinen und deren Veranſtaltungen, b) anderen
Ver=
einen, Umzügen und ſonſtigen Veranſtaltungen und
Maß=
nahmen, wenn dadurch eine Beeinfluſſung der
Schulkin=
der in politiſcher oder vaterlandsfeindlicher Beziehung
oder in einer ſonſtigen, mit dem Erziehungswerke der
Schule in Widerſpruch ſtehenden Weiſe zu befürchten iſt.
3. Die Rektoren und Ortsſchulinſpektoren haben entweder
ſolbſt oder durch die unterſtellten Lehrperionen die
An=
ordnung alljährlich bei Beginn des neuen Schuljahres
be=
kannt zu geben und darüber zu wachen, daß ſie von den
Schulkindern befolgt wird Zuwiderhandelnde
Schulkin=
der ſind zunächſt zu verwarnen, im Wiederholungsfalle
iſt gegen ſie mit Arreſtſtrafen vorzugehen. Gegen
Schul=
kinder der gehobenen Volksſchulen iſt bei fortgeſetzter
Zu=
widerhandlung und Erfolgloſigkeit der Arreſtſtrafen die
Verweiſung an die niederen Volksſchulen zu beantragen.
Ausland.
Frankreich.
Die dreijährige Dienſtzeit. Der frühere
Kriegsminiſter Millerand veröffentlicht in der Zeitſchrift
La Lecture pour Tous einen Artikel über die dreijährige
Dienſtzeit, in dem es heißt: Beſonders geſcheite Leute
er=
klären, daß man den dreijährigen Dienſt weder für die
Kavallerie allein, noch für die geſamte Armee einführen
könne, wenn auch nur die geringſten Difſerenzen
zugeſtan=
den würden, denn das franzöſiſche Volk ſei von einer
ſol=
chen Gleichheitswut beſeſſen, daß von einem Syſtem,
wel=
ches nicht das gleiche Recht für alle in ſich ſchließe, nicht
die Rede ſein könne. Möge alſo lieber Frankreich als der
Grundſatz der unantaſtbaren Gleichheit zugrunde gehen.
Es heißt, dieſes von geſundem Menſchenverſtand erfüllte
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Nummer
Land beleidigen, wenn man ihm ſo gefährlichen Unſinn
unterſchiebt. Die Leute, die ſo ſprechen, ſind die
Schmeich=
ler, aber nicht die Diener des Volkes. Es handelt ſich
darum, die für die nationale Verteidigung notwendigen
und hinreichenden Maßnahmen zu ergreifen, alles, was
unerläßlich iſt, aber nur das Unerläßliche. Der ſchlimmſte
Fehler wäre es, den Bedürfniſſen des Augenblicks nur mit
einer Kundgebung ohne nachhaltige Wirkung entſprechen
zu wollen.
Rußland.
Die Reichsduma nahm in der heutigen
ge=
ſchloſſenen Abendſitzung folgende Geſetzentwürfe in
drit=
ter Leſung an: Feſtſetzung des Rekrutenkontingents für
1913, Anweiſung von Geldmitteln für den Etat von 1913
zur Unterſtützung in Vervollſtändigung des Beſtandes
der Artillerie an Geräten und Material, ſowie
Vervoll=
kommnung der Landesverteidigung und endlich den
Er=
gänzungskredit für das Marineminiſterium, um die Koſten
der Ankäufe von Ländereien zu decken.
Vereinigte Staaten.
Die Tarifvorlage. Der demokratiſche
Partei=
ausſchuß hat definitiv beſchloſſen, Rohwolle auf die
Frei=
liſte des Zolltarifs zu ſetzen. Der Vorſitzende der
Budget=
kommiſſion des Repräſentantenhauſes Underwood ſprach
die Zuverſicht aus, daß die Tarifvorlage von dem
Partei=
ausſchuß des Repräſentantenhauſes in einem oder zwei
Tagen ohne wichtige Amendements angenommen werde.
Der Landbeſitz, in Kalifornien. Die
Ge=
ſetzesvorlage über den Landbeſitz der Ausländer beſtimmt
in ihrer jetzigen Form, daß kein Ausländer Land beſitzen
darf, der nicht ſeine Abſicht erklärt hat, das
Staatsbürger=
recht zu erwerben. Die Zweite Kammer hat den Entwurf
angenommen.
Japan.
Die neue Anleihe. Es wird amtlich beſtätigt,
daß die neue Anleihe zu 5 Prozent verzinſt werden
ſoll.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 18. April.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Mittwoch den Generalleutnant
Riedel, Kommandeur der 7. Diviſion in Magdeburg,
den Generalmajor z. D. v. Hahn, den Oberſtleutnant
v. Crüger, Kommandeur des 2. Großh. Heſſ. Feld=
Artillerie=Regiments Nr. 61, den Leutnant Zühlsdorff
von demſelben Regiment, den Rittmeiſter Witt,
Eskadron=
ch
ch=
im Garde=Dragoner=Regiment (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 23, den Oberleutnant Schnitzer, ſowie die Leutnant=
Poensgen, Lafrenz und Bölling von der Reſerve des
Leib=Dragoner=Regiments (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24, den
Pfarrer Hartmann von Egelsbach, den Pfarrer Göckel
von Ober=Ofleiden, den Betriebsleiter Zarges von Groß=
Gerau, den Finanzamtmann Löffler, den Stadtpfarrer
Velte, den Profeſſor Pfannmüller, den Poſtſekretär
Keller, den Pfarrer Floel von Langen, den Privatdozent
Dr. phil. Thomae, den Kunſtmaler Pellar, den
Kommerzien=
rat Stinnes von Mannheim; zum Vortrag den
Staats=
miniſter v. Ewald, den Finanzminiſter Braun, den
Mi=
niſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den
Ober=
jägermeiſter Frhrn. van der Hoop, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld, den Ordenskanzler
Oberſt z. D. Frhrn. Röder v. Diersburg, den
Ober=
bürgermeiſter Dr. Gläſſing.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben verliehen: das Ritterkreuz 1. Klaſſe
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen dem
Rittmeiſter v. Schmelzing u. Wernſtein, Adjutanten
des Generalkommandos des III. Armeekorps, ſeither
Eskadronchef im Garde=Dragoner=Regiment (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 23.
* Finanzperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den Finanzamtmann bei dem
Finanzamt Darmſtadt I, Chriſtian Weiſel zu
Darm=
ſtadt zum Vorſtand des Finanzamts Schotten, den
Steuerkontrolleur Finanzaſſeſſor Alfred Kröll zu
Lauterbach zum Finanzamtmann, den Steuereinnehmer
des Steueramts Lampertheim, Wilhelm Bäumer zu
Lampertheim, zum Steuerkontrolleur, ſämtlich vom 1. Mai
d. J. ab, ferner den Hauptſteueramtsaſſiſtenten bei dem
Hauptſteueramt Mainz, Karl Orth zu Mainz, zum
Reviſionskontrolleur bei dem Hauptſteueramt Darmſtadt
ernannt; der Finanzamtsgehilfe bei dem Finanzamt
Darmſtadt I, Johannes Hildenbeutel zu
Darm=
tadt, wurde auf ſein Nachſuchen und unter Anerkennung
einer langjährigen treu geleiſteten Dienſte vom 1. Mai
d. J. ab in den Ruheſtand verſetzt und ihm aus dieſem
Anlaß der Charakter als Kanzleirat verliehen. — Wilhelm
Walther aus Mainz wurde zum Schreibgehilfen be
dem Hauptſteueramt Mainz ernannt.
* Juſtizperſonalien. Se. Königl. Hoheit der Groß
herzog haben den Oberamtsrichter bei dem Amis”
gericht Groß=Umſtadt, Geheimen Juſtizrat Ludwig Ebe
auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner
lang=
jährigen treuen und erſprießlichen Dienſte, mit Wirkung
vom 1. Mai 1913 in den Ruheſtand verſetzt und ihm das
Ehrenkreuz des Verdienſtordens Philipps des
Groß=
mütigen verliehen; den Notar mit dem Amtsſitz in
Oppenheim Friedrich Karl Bohn zum Notar mit dem
Amtsſitz in Nieder=Olm mit Wirkung vom 1. Mai 1913
ernannt. — Ernannt wurde Karl Ritter in Langen
zum Schreibgehilfen am Amtsgericht Langen.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Regierungsbaumeiſter Eugen Berck aus
Darmſtadt zum Betriebsleiter der techniſchen Werke der
Badeanſtalt Bad Nauheim; ferner wurde ernannt der
Forſtreferendar Heinrich Kolb zu Darmſtadt zum
Forſt=
aſſeſſor.
* Erledigte Stellen. Die Stelle je eines
Finanz=
amtmanns bei den Großh. Finanzämtern
Darm=
ſtadt I und Bingen, die Stelle des
Finanzamts=
gehilfen bei Großh. Finanzamt Darmſtadt I, die
Stelle des Forſtwarts der Forſtwartei Langd,
Ober=
förſterei Eichelsdorf.
Militärdienſtnachrichten. Klug (Worms),
Halfter (II Darmſtadt, Unterapotheker des
Beur=
laubtenſtandes, zu Oberavothekern befördert.
* Im Silberkranz. Die Eheleute Heinrich Fraas
feiern am Sonntag das Feſt der ſilbernen Hochzeit.
Die Vereinigten Bezirksvereine hielten am
Mitt=
woch abend im „Prinz Carl” die erſte
Quartalsver=
ſammlung für 1913 unter dem Vorſitz von Sanitätsrat
Dr. Kolb ab, Außer den faſt vollzählig erſchienenen
Vorſtänden der einzelnen Bezirksvereine waren auch viele
Stadtverordnete anweſend. Nach Verleſung des letzten
Protokolls wurden die aus jedem der 7 Bezirksvereine
ge=
wählten zwei ſtimmführenden Mitglieder für das Jahr
1913 bekannt gegeben. Es ſind dies: Finger und Saeng
für Südoſt, Werner und Kugel für Beſſungen, Schupp und
Schäfer für Mathildenhöhe, Link und Lehrbach für
Alt=
ſtadt, Sames und Götz für Johannesviertel, Dr. Kolb
und Köhler für Innenſtadt und Möſer und Bornemann
für Martinsviertel. Nach dem Bericht des Vorſitzenden
fanden in 1912 vier Sitzungen ſtatt, die gut mit Vorträgen
über brennende Tagesfragen verbunden waren, ſo über
Gemeindeſteuer, Gartenſtadt und Waſſergeld. Zu der
Gartenſtadtfrage wurde noch bemerkt, daß innerhalb der
bewohnten Stadtteile noch Plätze vorhanden ſeien, die
zu Wohnungen für 55000 Perſonen ausreichten. Auf
die allgemeinen Verhältniſſe übergehend, bezeichnet es der
Vorſitzende als befriedigend, daß ſeit Jahren in
Darm=
ſtadt keine Steuererhöhung nötig geworden ſei. Doch ſei
es ſehr fraglich, ob dies auf die Dauer möglich ſei, um
ſo mehr, als der Staat einen weiteren Teil der
Schul=
laſten auf die Städte abwälzen wolle. Für Darmſtadt
mache dies 88000 Mk. im Jahre mehr. Die neuen
Filial=
uſw. Steuern der Stadt ſeien in ihrer Wirkung noch nicht
abſehbar, im Voranſchlag ſeien ſie mit 125000 Mark
Er=
trag eingeſtellt. Ein Schmerzenskind der Stadt ſeien wir
ja los, die Elektriſche, womit der bisherige Zuſchuß
weg=
falle, doch ſeien wir damit auch das gutrentierende
Elek=
trizitätswerk losgeworden. Viel angefeindet worden ſei
die Erhöhung der Beſoldungen der ſtädtiſchen Beamten.
allein man hätte damit nicht zurückbleiben können. Vie
umſtritten worden ſei auch die Anlage des Waldfriedhofs
und doch müſſe dieſer als eine gute Idee bezeichnet
wer=
den, obgleich er freilich im Augenblick viel Geld koſte. Viel
Geld koſten auch die verſchiedenen Straßendurchbrüche
Dem in Ausſicht ſtehenden Märchentheater ſolle man mit
Vorſicht gegenübertreten. Sodann werden die
ſozialpoli=
tiſchen Maßnahmen der Stadt erwähnt, die ſich in vielen
Unterſtützungen betätigen. Beſonders erwähnenswert
ſeien die Maßnahmen gegen die Fleichteuerung, wodurch
aber leider ein ganzer Gewerbeſtand ſchwer in ſeiner
Exi=
ſtenz getroffen würde. Vielleicht könnte für die Folge
erwogen werden, ob man nicht zweckmäßiger der ärmeren
Bevölkerung einen gewiſſen Zuſchuß zu dem vom Metzger
zu kaufenden Fleiſch geben ſolle. Eine weitere ſoziale
Tätigkeit ſoll demnächſt Platz greifen, indem in den
Volks=
ſchulen an ſolche ärmeren Kinder warmes Mittageſſen
ver=
abfolgt wird, deren Eltern keine Gelegenheit haben, am
Mittag nach Hauſe zu kommen. Dieſes ſei wohl beſſer als
Lehrmittelfreiheit, bei der ſehr ſchwer die Grenze zu ziehen
ſei; allen Kindern dieſe zu bewilligen, gehe zu weit. Die
Frage der Beſchaffung zweiter Hypotheken werde durch
die Stadt geprüft, doch ſei die Riſikoübernahme für die
Stadt jedenfalls eine ſehr große. Ein der Stadtverwal
tung vorliegender Antrag befaſſe ſich mit der
Arbeits=
loſenverſicherung. Hiernach ſolle dieſe nach Art der
In=
validenverſicherung durchgeführt werden. Eine weitere
Frage von Bedeutung ſei für die Stadt die Verwertung
des Geländes am neuen Bahnhof, die vielleicht noch Jahre
dauern könne. Leider habe die Stadt im letzten Jahn
eine Bevölkerungsabnahme zu verzeichnen, obwohl die
Zahl der Eheſchließungen geſtiegen ſei. Zum Schluß
er=
mahnte der Vorſitzende die einzelnen Bezirksvereine zum
treuen Mit= und Zuſammenarbeiten, ohne Anſehen von
Partei= und Religionszugehörigkeit, zum Beſten der Stadt
und ihrer Einwohner. Reicher Beifall lohnte den
Vox=
trag. Der Kaſſenbericht verzeichnet 255,30 Mark in
Einnahme und 57 Mark in Ausgabe, und wird unter
Ent=
laſtung des Rechners genehmigt. Die Vorſtands
wahl ergab Wiederwahl der Herren: Dr. Kolb als
Vor=
ſitzender, Kugel als Schriftführer und Wenchel als Rech
ner. Ueber den Beitritt zum Feſthausverein
mit 100 Mark Jahresbeitrag entſpinnt ſich eine kurze Auss
ſprache. Vier Bezirksvereine ſind dafür, drei dagegen
Es wird beſchloſſen, den Gegenſtand auf ein Jahr zu
ver=
tagen. Der letzte Punkt der Tagesordnung hieß „
Mar=
tinsviertel” und betraf die bekannten Vorgänge und
Spal=
tung in dem dortigen Bezirksverein und die Gründung
eines neuen Bezirksvereins. Die Redner aller
Bezirks=
vereine betonten, daß kein Grund zur Bildung eines neuen
Vereins beſtehe. Nach reichlicher Ausſprache wurde eine
Kommiſſion gewählt, die eine gütliche Einigung
herbei=
zuführen verſuchen ſoll.
* Vereinigung der Freunde des humaniſtiſchen
Gym=
naſiums. Man ſchreibt uns: Auf Veranlaſſung der
hieſi=
gen „Vereinigung der Freunde des humaniſtiſchen
Gym=
naſiums” wird am 25. April Univerſitätsprofeſſor D.
Immiſch im Fürſtenſaal über die Bedeutung des
Gymna=
ſiums für die Gegenwart ſprechen. Profeſſor Immiſch iſt
ſeit einer Reihe von Jahren Vertreter der
Altertums=
wiſſenſchaft an der Landesuniverſität und erfreut ſich bei
ſeinen zahlreichen Schülern einer beſonderen Beliebtheit.
Ausgerüſtet mit gediegener Gelehrſamkeit, hat er auch für
die Schule allzeit ein warmes Herz bewieſen. Das mag
daher kommen, daß er aus einer Lehrersfamilie ſtammt
und ſelbſt einige Jahre an einem Leipziger Gymnaſium
unterrichtet hat. So beziehen ſich ſeine wiſſenſchaftlichen
Veröffentlichungen hauptſächlich auf die Schriftſteller, die
auch im Gymnaſium an erſter Stelle ſtehen, auf Homer und
Plato, und im Schulſtreit iſt er ſchon wiederholt als
Vor=
kämpfer des Gymnaſiums aufgetreten. Da die
Schul=
reformer der verſchiedenen Richtungen in den letzten
Jah=
ren hier in Darmſtadt wiederholt zu Wort gekommen ſind,
ſo wird es allgemein intereſſieren, wenn die Frage auch
einmal von der anderen Seite beleuchtet wird. Näheres
wird durch Anzeige bekannt gegeben.
* 1813=Feier der Freien Studentenſchaft. Einem
Be=
dürfnis nicht nur akademiſcher, ſondern auch vieler andes
rer Kreiſe entgegenkommend, veranſtaltet der Ausſchuß
der Freien Studentenſchaft im Laufe des Mai eine
Vor=
tragsfolge zur Feier der nationalen Gedenktage von 1813.
Er eröffnet damit den Reigen der 1813=Veranſtaltungen in
Darmſtadt; bekanntlich plant ja auch die Stadt für den
Oktober eine Jahrhundertfeier. Für dieſe allgemeine
Feier, die hoffentlich, der großen Sache Rechnung tragend
recht würdig in Szene geſetzt werden wird, bildet die
Ver=
anſtaltung der Freien Studentenſchaft eine paſſende
Er=
gänzung. In vier Vorträgen ſollen die ſchaffenden und
wirkenden Kräfte und die führenden Geiſter: Denker,
Dichter, Staatsmänner und Kämpfer der Erhebungszeit
behandelt, ſowie der geiſtige Untergrund, auf dem ſich das
monumentale Befreiungswerk aufbaute, dargelegt
wer=
den. Für die Vorträge ſind berufene Redner gewonnen.
Der bekannte Straßburger Profeſſor Dr. Theobald Zieg
er wird im erſten Vortrage, am 2. Mai, „Die geiſtiger
Vorausſetzungen der großen Zeit vor 100 Jahren”
behan=
deln, der Kultur= und Literarhiſtoriker Profeſſor Dr.
Ar=
nold E. Berger=Darmſtadt am 6. Mai das Themas
„Der moderne Staatsgedanke und der Freiherr vom
Stein”; der Hiſtoriker Geheimrat Profeſſor Dr. Ulmann
(früher Greifswald) ſpricht am 23. Mai über den
eigent=
lichen Gang der Befreiungskämpfe und endlich der
be=
kannte Schiller= und Körnerbiograph Profeſſor Dr. Kar=
Berger=Darmſtadt am 27. Mai über: „Dichter und
Dichtung der Befreiungskriege‟. Es erübrigt ſich, auf den
großen Wert hinzuweiſen, den die Veranſtaltung für jeden
beſitzt, auf die Möglichkeit, ein klares, wiſſenſchaftliches
und umfaſſendes Bild von jener Zeit zu bekommen die
in dieſen Jahren ſo viel in Wort und Bild gefeiert wird=
Die franzöſiſche
Kriegserklärung von 1870
in neuem Licht.
** Die Sitzung der franzöſiſchen Kammer vom 15.
Juli 1870, in der der Krieg mit Preußen beſchloſſen wurde,
iſt als der entſcheidende Ausgangspunkt ſo folgenſchwerer
Ereigniſſe ſchon öfters dargeſtellt worden; aber der Bericht
eines Augenzeugen der den Vorgängen nicht als
Mitſpieler, ſondern als ruhiger Beobachter objektiv folgen
konnte, iſt von höchſtem Intereſſe, zumal wenn dadurch
neues Licht auf die für Frankreich ſo verhängnisvolle
Ent=
ſcheidung zum Kriege fällt. Dies iſt der Fall in den
Er=
innerungen des langjährigen Chefs der offiziellen
Par=
lamentsberichterſtatter der franzöſiſchen Kammer
Ana=
tole Claveau, der mehr als ein halbes Jahrhundert
lang die wechſelvollen Szenen im Palais Bourbon mit
aufmerkſamem Blick hat an ſich vorüberziehen laſſen. Der
erſte ſoeben erſchienene Band ſeiner inhaltsreichen
Auf=
zeichnungen geht bis zum Ende des zweiten Kaiſerreiches,
und natürlich beſchäftigen uns vor allem die
parlamen=
tariſchen Ereigniſſe, die dem Kriege voraufgingen, und
unter dieſen wieder jene vielbeſprochene Sitzung vom 15.
Juli.
Claveaus Berichte dürfen als eine wichtige
geſchicht=
liche Quelle gelten, denn er handelt nach der Regel, die er
ſich aufgeſtellt hat: „Ich erzähle nichts, was ich nicht ſelbſt
geſehen und gehört habe. Und wenn man mich nicht
be=
ſchuldigt durch meine Augen und Ohren getäuſcht zu ſein,
ſo iſt mein Bericht nicht anfechtbar.” Er hat auch
abſicht=
lich die wichtigſte Darſtellung dieſer aufregenden Tage
das große Werk eines der Hauptbeteiligten, des
Miniſter=
präſidenten Emile Ollivier, nicht geleſen, um durch nichts
beeinflußt zu werden. Es iſt daher von Wichtigkeit, die
beiden Schilderungen miteinander zu vergleichen, um zu
ſehen, wo die Erzählung des unbefangenen Beobachters
von der Darſtellung des Mithandelnden, der ſich
vertei=
digen will, abweicht. Eine ſolche Gegenüberſtellung unter
nimmt A. Albert=Petit im Journal des Débats und
kommt dabei zu ſehr intereſſanten Reſultaten. Ollivier
vertritt bekanntlich die Auffaſſung, daß er ſtets den
Frie=
den gewollt habe und nur durch das Uebergewicht der
öffentlichen Meinung in Paris und in der Kammer zum
Kriege gedrängt worden ſei. In der Kammerſitzung vom
15. Juli trat er aber ſofort mit einer Erklärung hervor,
die einer Kriegserklärung gleichkam. Das iſt „die Antwort
auf Bismarcks Ohrfeige.‟ Dieſe Erklärung wird mit
enthuſiaſtiſchem Beifall von „faſt” der ganzen Kammer
be=
grüßt. Sie endete mit einer Forderung, einen Kredit vor
50 Millionen zu bewilligen, wodurch die Kammer ihr
Emp=
finden über den Kern der Frage d. h. über den Krieg
ſelbſt, ausdrücken ſollte. Die Abſtimmung erfolgte durch
Sitzenbleiben und Aufſtehen. Nach Olliviers Darſtellung
ſollen einige Vertreter der Linken, die ſich nicht erhoben
hatten und damit gegen den Krieg proteſtierten, von der
Majorität „wie Preußen” behandelt worden ſein.
Cla=
veau weiß nichts davon. Dann nimmt Thiers das Wort.
Als alter Parlamentarier hatte er augenblicklich den
Feh=
ler in der Argumentation des Miniſters herausgefunden.
Die Regierung ließ es, nachdem ſie über den Kern der
Sache durch den Rücktritt des Hohenzollern=Kandidaten
eine Genugtuung erhalten hatte, über eine Frage der
Eigenliebe, aus „Empfindlichkeit” zum Bruch kommen.
Das hieß ſich vor den Augen Europas ins Unrecht ſetzen.
Man ſchritt wegen einer beleidigenden Depeſche zum
Kriege. Hatte man ſie wenigſtens, dieſe Depeſche:
Man brachte ſie der Kammer nicht zur
Kennt=
nis. Thiers verlangte Mitteilung dieſer Depeſche, die ganz
Europa kennt, wie er ſagte, aber der Kammer unbekannt
iſt. Ollivier ſah, daß ſich am Schluß von Thiers Rede „
un=
geduldiges Murmeln” hören ließ. Claveau regiſtriert die
Dann
Rufe des Marquis de Piré: „Nach Koblenz!”
nimmt der Miniſter das Wort, ohne die Emſer Depeſche
mitzuteilen, die er nicht hatte, und hält jene Rede mit dem
„leichten Herzen‟ Daraufhin wird die Sitzung
unter=
brochen, und dann beſteigt Ollivier wieder die
Redner=
tribüne, um in Ermangelung der Depeſche Bismarcks die
beiden Depeſchen Benedettis, die den Vorgang behandeln
mitzuteilen. Ollivier ſpricht in ſeinem Werk von dieſer
zweiten und doch ſehr wichtigen Rede nicht. Benedetti
teilt in dieſen Depeſchen die befriedigenden Verſicherungen
mit, die der König gegeben habe; in der zweiten ſpricht er
davon, daß der König es ablehnte, auch Zuſicherungen für
die Zukunft zu machen: „Der König hat eingewilligt wie
mir noch ſein Geſandter im Namen Seiner Majeſtät ſagte
ſeine vollſtändige und bedingungsloſe Zuſtimmung zu dem
Verzicht des Prinzen zu geben; er kann nicht mehr tun.
Von dem beleidigenden Ton, den man aus der Emſer
Depeſche herauslas, iſt alſo in den der Kammer
mitge=
teilten Depeſchen Benedettis nichts zu finden. Hatten
dem=
nach Thiers, Arago Grévy, Jules Favre unrecht wem
ſie ſagten, man entfeſſele den Krieg um einer unwichtigen
Frage der Eigenliebe willen und ohne ſelbſt die Texte
gegenübergeſtellt zu haben? „Das iſt die Sprache, die man
in Berlin führt,” ſchrie man Thiers zu. „Viele preußiſche
Bataillone ſind nötig, um unſerm Land ſo viel Unheil
an=
zutun, wie Sie es tun,” fügte der Baron Jéröme David
hinzu. „Hat Frankreich wirklich eine Beleidigung
er=
litten? Man muß unbedingt die Depeſchen ſehen,” erklärte
Favre. Auf all dies bemerkt Ollivier in ſeiner
Darſtell=
ung: „Man hinderte mich am Antworten.‟ Das iſt
un=
richtig. Er hatte auf die erſte Rede Thiers zweimal
ge=
antwortet, und wollte nun nur nicht nach der zweiten Rede
Thiers die logiſchen Schlüſſe ziehen, die die Gegner des
Krieges zogen. „Durch das Zurückziehen der Kandidatur,”
ſagte Thiers, „hatte Preußen eine verdiente Schlappe
er=
litten. Was brauchten wir noch mehr? Einen Krieg mit
Worten? Einen Etiketten=Konflikt?” Unglücklicherweiſe
wurden dieſe Stimmen überhört: man entſchied ſich mit
159 Stimmen gegen 84 für die Regierung. Die bedeutende
Minorität beweiſt aber, daß die Gründe Thiers nicht ohne
Eindruck geblieben waren. Doch auch jetzt zwang die
fran=
zöſiſche Regierung noch nichts, es zum Aeußerſten kommen
zu laſſen; ſie hatte die Depeſchen ihres Geſandten in der
Hand die die Sache auf das richtige Maß zurückführten;
Benedetti ſelbſt war ſeit dem Morgen des 15. Juli in
Paris, und die Majorität der Kammer war nicht ſo groß,
daß ſie nicht Vernunft angenommen hätte wenn man
ihr=
nur Vernunft gepredigt hätte. Dem Miniſterpräſidenten
war keineswegs wie er ſpäter behauptete, der Mund
ge=
ſchloſſen; er wollte ihn nur nicht öffnen.
Nummer 90.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Seite 3.
* Zum Beſſunger Kirchenbau ſchreibt man uns:
Es iſt ein dringendes Bedürfnis geworden, im Stadtteil
Weſſungen ein würdiges katholiſches Gotteshaus zu er=
Dauen. Seit Jahren iſt ſchon dafür geſammelt worden,
Ooch reichen die Mittel noch lange nicht dazu, den Bau
vermöglichen zu können. Deshalb ſtehen wir vor der
wingenden Notwendigkeit, eine größere Veranſtaltung
au unternehmen. Ihre Durchlaucht die Fürſtin
Iſen=
ourg=Birſtein hat ihre Protektion gütigſt zugeſagt,
Damen und Herren aus allen Kreiſen haben ihre
Mit=
wirkung bereitwilligſt zugeſichert. Die Veranſtaltung ſoll im
Stil eines Kirchweihfeſtes ſtattfinden, mit allerlei Verkaufs=
und Beluſtigungsſtänden; auch für den künſtleriſchen Teil
änd gute Kräfte hieſiger Stadt gewonnen. Es mußte
des=
galb der geräumige Saal der Turnhalle genommen
werden. Das Feſt findet Sonntag, den 27. April, ſtatt
Wir richten an alle unſere Mitbürger, insbeſondere an
oie Mitglieder der drei hieſigen katholiſchen
Pfarr=
gemeinden, die herzliche und dringende Bitte, uns bei
wieſem Unternehmen mit ihrem ſchon ſo oft bewährten
WWohltätigkeitsſinn kräftig zu unterſtützen. Wir bitten,
Heldgaben, ſowie Stiftungen für die verſchiedenen Büffets,
Konditorei, Verkaufsſtände, Tombola an die
Vor=
ſtandsdamen abzugeben, reſp. anzumelden und werden
Schenkungen ſchon jetzt mit großem Dank
entgegen=
nenommen. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Konzert. Für das Konzert des Lutherchors, das
am Dienstag, den 29. April, abends, im großen Saale
des Städtiſchen Saalbaues ſtattfindet, hat der
Karten=
verkauf bei der Hofmuſikalienhandlung H. Arnold,
Wilhelminenſtraße 9, begonnen. (Näheres ſiehe heutiges
Inſerat.)
Deutſcher Wehrverein. Die Nachfrage nach den
Karten zu dem Vortrag des Herrn General Keim am
L. April iſt derart rege, daß es ſich empfiehlt, ſich
als=
hald mit Karten an den bekannten Vorverkaufsſtellen
au verſehen. Insbeſondere ſind die reſervierten Plätze
z- 1 Mk. und 50 Pfg. nahezu vergriffen.
* Odenwaldklub. Heute Freitag abend findet im
Vor=
ſiaal zum großen Saal des Schützenhofes ein Bierabend
ſpatt. Zahlreiche Beteiligung der Klubgenoſſen iſt dringend
arwünſcht. — Bezüglich der am nächſten Sonntag
ſtatt=
undenden Wanderung ins Neckartal ſei noch
mitge=
jeilt, daß es ſehr zweckmäßig iſt, die Wanderkarten,
far=
hügen Skizzen und Tiſchkarten im Vorverkauf bei
Heerrn Robert Bergmann zu löſen, da die Abfahrt ſehr
ſtühzeitig erfolgt.
m. Die Durchbruchsarbeiten an den Bahnhöfen. Der
echöpfbagger am alten Bahnhofe iſt eben
zuviſchen dem Stationsgebäude der Main=Neckarbahn und
der Feldbergſtraße tätig. Das ganze Terrain, auf dem
de Maſchinenhalle ſtand und das vorher planiert worden
ſar, iſt bald abgetragen. Die Schöpfarbeiten geſtalten ſich
an dieſem Platze ungemein ſchwieriger, als im nördlicher
glelegenen Teile des aufgeſchütteten Bahndammes, denn
de harten Erdmaſſen ſetzen dem Bagger großen
Wider=
ſſtand entgegen. Oft muß der Schöpfbagger zweimal
an=
ſatzen, um eine volle Laſt heben zu können. Die äußerſt
ſſtark gebaute Maſchine gerät in ſtarkes Schwanken, aber
lumabläſſig wird ein Teil der ſtarren Erde nach dem
ande=
ran auf den Laſtzug gehoben. — Die Arbeiten zur
Her=
ſſtoellung der Straßenverbindung zwiſchen
*leichſtraße und Griesheimer Weg ſind ir
lviollem Gange. Der neuen Straße mußten etwa zwölf
lſſcgöne Bäume um den ſeitherigen Standplatz des Liebig=
Tenkmals zum Opfer fallen. Die Randſteine ſind auf der
einen Straßenſeite ſchon geſetzt. Es werden hierzu ſolche
binutzt, welche aus dem wegfallenden Straßenteil
her=
rühren. Der neue Anteil der Straße muß tiefer gelegt
werden, um das Niveau der zu verbindenden Straßen zu
ſſenreichen. Auf dem alten Bahnkörper werden durch
Geo=
lmeter Vermeſſungen für die neue Verbindungsſtraße
vor=
llgn nommen.
C
Hundevergiftungen. Die amtlichen
Unter=
ſüchungen haben ergeben, daß die bekannten
Vergif=
ſtungen zahlreicher Hunde mit Strychnin, das in Blut=
Anrurſt verarbeitet war, bewerkſtelligt worden ſind. Trotz
lalller Bemühungen der Polizei iſt man dem Täter bis
lieszt noch nicht auf die Spur gekommen. Für die Er
nfittelung des Täters haben hieſige Jagd= und
Hunde=
ve reine mehrere Belohnungen im Geſamtbetrage
von 130 Mk. ausgeſetzt. Das Intereſſe an der
Feſt=
ſſtiellung der Täterſchaft iſt ſo allgemein, daß nur
ge=
niünſcht werden kann, daß jeder, der begründeten
Ver=
dercht nach irgend einer Richtung hin hat, dem
Polizei=
ammt, Hügelſtraße 31, hiervon Mitteilung macht.
Schlägerei. Am Mittwoch abend gegen 11 Uhr
eittſtand auf dem Ludwigsplatz zwiſchen mehreren
Burſchen eine Schlägerei.
Hierbei wurde ein
Burſche durch mehrere Stichwunden am Kopfe ſchwer
verletzt und mußte nach dem Städtiſchen Krankenhaus
verbracht werden.
§ Kellerbrand. Im Hauſe Friedrichſtraße Nr. 21
iſt Mittwoch abend gegen 10 Uhr ein Kellerbrand
ausgebrochen, welcher durch die herbeigerufene
Feuer=
wehrwache alsbald nach ſeinem Entſtehen abgelöſcht
wurde.
Offenbach, 17. April. In der Bahnhofsfrage
fand geſtern nachmittag im hieſigen Kreisamtsgebäude
eine Beſprechung ſtatt, an der Miniſter Dr. Braun,
Geheimer Oberfinanzrat Dr. Rohde, die
Landtagsabge=
ordneten Ulrich und Eißnert, Vertreter des Kreisamtes,
der Handelskammer, der Stadtverwaltung, ſowie
Mitglie=
der der von der Stadtverordneten=Verſammlung eingeſetz
ten Bahnhofskommiſſion teilnahmen. Es handelte ſich un
eine Ausſprache über die inzwiſchen geführten
Verhand=
lungen des Finanzminiſters mit der Eiſenbahnverwaltung
über die Kompenſationsvorſchläge wegen des Nichthaltens
einiger Züge auf dem Offenbacher Hauptbahnhof.
Erlenbach, 17. April. Die ſofort von der Staatsan
waltſchaft Darmſtadt vorgenommene Unterſuchung
wegen des Selbſtmordes des Rechners
des Spar= und Kreditvereins hat ergeben, daß
bei der Kaſſe anſcheinend alles in der richtigen Ordnung
iſt. Die Bücher ſind, ſoweit feſtgeſtellt werden konnte,
richtig geführt und der Abſchluß ſtimmte mit dem
vorhan=
denen Kaſſenbeſtand von ziemlich 1000 Mark. Der Rechner
der auch Bürgermeiſter war, lebte in geordneten
Ver=
mögensverhältniſſen. Seine Tat wird allgemein darauf
zurückgeführt, daß der Verein, den er zum Blühen brachte,
durch die Genoſſenſchaftskriſe viele Mitglieder verlor.
Dies hat ſich anſcheinend der Mann ſehr zu Herzen
ge=
nommen. Eine eingehende Reviſion der Kaſſe wird noch
vorgenommen.
Mainz, 17 April. Am 29. März erließ die Staats
anwaltſchaft ein Ausſchreiben über einen in der Nacht auf
den Oſtermontag auf der Straße vom Gonſenheimer Tor
nach Gonſenheim angeblich verübten Ueberfall au
den Kanonier Lenz von der dritten Batterie des
Feldartillerie=Regiments Nr. 27. Lenz hatte angegeben
daß er durch einen Revolverſchuß verletzt worden ſei und
ihm der Dieb 48 Mark geſtohlen habe. Jetzt ſtellt ſich
heraus, daß der „Ueberfallene” die ganze Geſchichte
erdichtet hat. Er hat zugegeben, daß er ſich den
übrigens ungefährlichen Schuß ſelbſt beigebracht
und daß er das Geld verloren hat. Wahrſcheinlicher wird
es ſein, daß er das Geld verjubelt hat. Näheres wird die
Unterſuchung ergeben.
Worms=Pfiffligheim, 17. April. Gegenwärtig werden
Arbeiten vorgenommen zur Erhaltung des
Luther=
baumes. Der Stamm iſt bekanntlich ausgemauert.
Aus Rheinheſſen, 17. April. Der
Zuckerrüben=
krieg hat für die Rübenpflanzer mit einem
allge=
meinen Fiasko geendet. In der letzten Woche noch
haben hunderte von Landwirten, nachdem einige Orte der
allgemeinen Parole zur Nichtanpflanzung untreu
gewor=
den waren, ſchleunigſt ihre bereits für den Frucht= und
Futterbau beſtimmten Felder noch mit Rüben eingeſät. Sie
bauen nun doch für den anfangs von den Fabriken
vorge=
ſchlagenen Preis von 1,10 Mark per Zentner. Die Fabriken
haben ihre Drohung, alle Rübenpflanzer auszuſchließen,
die bis zum 1. April nicht den Akkord erneuern, nun doch
nicht verwirklicht, ſondern alle zur Lieferung zugelaſſen
(*) Gießen, 16. April. Das
Provinzialwaſſer=
werk Inheiden hat in ſeinem erſten Geſchäftsjahr
ſehr günſtig abgeſchnitten, die außerordentliche Rücklage
beträgt rund 150000 Mark, der Gewinn 260000 Mark. Das
Jahr 1913 ſieht eine Einnahme von 801700 Mark vor,
darunter ſind 799000 Mark von Frankfurt für Waſſer;
der Reingewinn iſt zu 212700 Mark veranſchlagt. Der
Be=
trieb und die Unterhaltung des Werkes und des
Rohr=
ſtrangs nach Frankfurt koſten im Jahr 147300 Mark.
Friedberg, 16. April. Am 15. und 16. April hielt der
evangeliſche Pfarrverein im Großherzog
tum Heſſen ſeine gut beſuchte 23.
Hauptver=
ſammlung ab. In vollſter Einigkeit verliefen die
reichhaltigen Verhandlungen. Der Vorſitzende Kirchenrat
Schrimpf=Darmſtadt erſtattete den Jahresbericht, der
von eifriger Arbeit Zeugnis ablegte. Man gedachte ehrend
der verſtorbenen Vereinsmitglieder Kirchenrat Fiſcher
Pfarrer Happel, Kirchenrat D. Fronhäuſer, Dekan Stork,
Pfarrer Luhl, L. Schneider H. Bernbeck und Dekan
Schmidt, ſowie des Juſtizrats Dr. Lucius, der dem Verein
noch bei letzter Verſammlung gedient hatte. Es wird ein
geſchäftsführender Vorſtand aus dem Vorſitzenden und
Schriftführer ernannt. Dekan Röschen legte Rechnung ab,
welche 3917 Mark Ausgaben, 5172 Mark Einnahme
auf=
wies. Der Schriftleiter Fritſch=Ruppertsburg brachte
ſein Referat über das Kirchenblatt, das 13,25 Prozent
Vereinsmitglieder als Mitarbeiter hatte. Die Wohlfahrts
einrichtungen wie Sterbekaſſe und Hilfskaſſe ſchilderte
De=
kan Röschen. Dekan Fink brachte die Punkte des von
der Kommiſſion des Landeslehrervereins ausgearbeiteten
Entwurfs eines Volksſchulgeſetzes, welche Kirche und
Pfarrer betreffen. Es wird eine Kommiſſion ernannt,
dazu Stellung zu nehmen und diejenige des Vereins zu
präziſieren. Pfarrer Dittmar referierte über eine zu
ſchaffende „Hausbibel”. In einer gut beſuchten
Abend=
verſammlung hielt Pfarrer Sattler=Staden einen
intereſſanten Vortrag über „Religiöſe Kunſt der
Gegen=
wart” Von ſeiten des Kreisamts, der Stadt und
Pre=
diger=Seminars wurden herzliche Begrüßungen
ausge=
ſprochen und erwidert. Der Kirchengeſangverein ſang
unter Pfarrer Klebergers Leitung prächtige Lieder
Ein Kandidat und 3 Seminariſten ſpielten einige ſchöne
Streichquartette. Am Mittwoch morgen wurden die
Ver=
handlungen fortgeſetzt. Der Vertreter des
Kirchenregi=
ments Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen Prof
D. Dr. Schwan und Pfarrer Weber=Sindlingen
kamen im Namen des Oberkonſiſtoriums, der evangeliſchen
Fakultät und des naſſauiſchen Pfarrvereins. Profeſſor
Schian hielt einen packenden Vortrag: „Welche Aufgaben
ſtellen die patriotiſchen Gedenktage beſonders die des
Jah=
res 1813, an die Pfarrer?” Reicher Beifall und lebendige
Diskuſſion dankten ihm. Dekan Gußmann präziſierte die
Stellung des Vereins zu einem Teil des Strafgeſetz=
Ent=
wurfes. Der Verein ſprach ſich auch für Hinaufſetzung des
Strafalters vom 12. auf das 14. Lebensjahr aus, in der
Erwartung, daß die in dieſen Jahren Straffälligen unter
Zwangserziehung kommen. Pfarrer Fritſch ſprach im
Namen der Sonntagskommiſſion, ermunterte zu wackerer
Arbeit für Sonntagsruhe und beklagte ihre Störung. Aus
der Verſammlung wurde bittere Klage geführt, daß am
erſten Pfingſttag die Feiertagsruhe geſtört werden wird
durch den großen Prinz=Heinrich=Flug. Pfarrer Lehr
Oberrosbach wird in die Sonntagskommiſſion gewählt.
Eine ausführliche Geſchäftsordnung für die
Vertrauens=
männer des Vereins wird von Dekan=Stellvertreter Brill
vorgeſchlagen und angenommen. Nachdem die Jahresver
ammlung der Hilfskaſſe und Sterbekaſſe durch die Pfarrer
Stork=Neckarſteinach und Nebel=Laubach abgehalten,
be=
ſchloß ein gemeinſames Mittagsmahl, das gut beſucht
war, die ſchön verlaufene Tagung.
Alsfeld, 17. April. In der
Stadtvorſtands=
ſitzung wurde beſchloſſen, das hieſige Hoſpital
wie=
der ſeinen früheren ſtiftungsgemäßen Beſtimmungen zuzu
führen. Das Hoſpital, das gegenwärtig die Armenwohn
ungen enthält, war früher ein Auguſtinerkloſter. Es
wurde der Stadt von Philipp dem Großmütigen geſchenkt
und ſollte als Wohnung für unvermögende kranke Leute
benutzt werden. Es bleibt bei ſeiner ſeitherigen
Verwen=
dung, bis andere Armenwohnungen geſchaffen ſind. Dem
Volkskindergarten ſoll die alte Stadtſchule überlaſſen
wer=
den. Dagegen leiſtet die Stadt nicht mehr den ſeitherigen
Barzuſchuß von 800 Mark jährlich.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 17. April. Nach einer
An=
weiſung des Zivilkabinetts hat das Kultusminiſterium
verfügt, daß am Hochzeitstage der Prinzeſſin
Viktoria Luiſe, am 27. Mai, in allen Schulen
Preu=
ßens der Unterricht ausfallen ſoll. Dieſelbe Beſtimmung
gilt auch für den Tag des Regierungsjubiläums des Kai
ſers, für den 17. Juni. — Der Polizeipräſident
von Berlin hat an die Schutzmannſchaft folgende
Anwei=
ſung erlaſſen: Der Schutz eines Verbrechers gegen das
Publikum iſt erſt die letzte der den verhaftenden Beamten
zufallenden Aufgaben. — Da es als ziemlich ſicher gelten
kann, daß der Zirkus Schumann für die Zwecke Max
Rein=
hardts umgebaut wird, iſt ein Konſortium damit
beſchäf=
tigt, den ſchon längere Zeit bearbeiteten Plan der
Er=
richtung eines neuen großen
Zirkusunterneh=
mens zu verwirklichen, das durch ein hieſiges Bankinſti
tut finanziert werden ſoll. Eine Reihe von Grundſtücken
am Schiffbauerdamm in der Gegend des Leſſingtheaters
hat ſich das Konſortium bereits geſichert.
Frankfurt a. M., 17. April. Zur Giftmordaffäre
Hopf wird der Frankf. Ztg. aus Wien gemeldet: Die
Polizei ſtellte feſt, daß der unter dem Verdacht des
Gift=
mordes verhaftete Fechtmeiſter Hopf ſeit dem Juli des
vorigen Jahres aus dem Wiener bakteriologiſchen
Labo=
ratorium der Profeſſoren Rudolf Kraus und Prybram
unter dem Titel eines Leiters eines chemiſchen, pharma=
Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Dr. H. „Parſifal” in Zürich. Ueber die erſte
Autfführung von Richard Wagners „Parſifal” im Zü
richer Stadttheater ſchreibt man uns: Die
Auf=
fühhrung bedeutete einen vollen Erfolg. Die durchaus
wür=
digge Weiſe, in der das bisher Bayreuth vorbehaltene
Bühnenweihfeſtſpiel zur Darſtellung gebracht wurde, und
ſtcht. minder der tiefe Eindruck, den das Werk bei den das
Haus bis auf den letzten Platz füllenden Zuſchauern
aus=
loſte hat bewieſen, daß die bekannten
Entweihungsbe=
fürrchtungen keineswegs unter allen Umſtänden begründet
ſiünd. Der in allen Teilen liebevoll durchgeführten Vor
bareitung — man hatte ſogar dem Zuſchauerraum eine
eigene bläulich=gedämpfte Beleuchtung gegeben — iſt es
zu danken, daß dieſe erſte deutſche Aufführung außerhall
Bayreuths bei der ſich das Publikum pietätvoll jedes
lau=
tem Beifalls enthielt, von einer weihevoll ernſten
Stim=
mung getragen war, wie ſie in Bayreuth ſelbſt nicht
wäürdevoller ſein kann. Einen bedeutenden Anteil an dem
Efefolg haben die von Guſtav Gamper in Bern
ent=
worfenen und von Albert Isler für den
Bühnen=
gebbrauch hergeſtellten Dekorationen. Die von herbſtlich
gelldenem Licht übergoſſene Waldlandſchaft des erſten
Auf=
zugges, die in eine freie Gebirgslandſchaft umgewandelte
Bſt umenaue des dritten, der in fein abgedämpften Tönen
geſhaltene Zaubergarten Klingſors und die ihm kontraſt
reſich folgende Einöde, das ſind landſchaftliche Bilder von
eimem intimen und doch eindringlichen Reiz, der einen un
usslöſchlichen Eindruck hinterläßt. Die Krone der
Büh=
iembilder ſtellt indeſſen doch der in mattem Gold
geheim=
uisvoll erſtrahlende hohe Kuppelbau des Gralsſaales dar
Die das Orcheſter unter Kapellmeiſter Dr. Lothar
empters Leitung ſich ſeiner großen Aufgabe vollauſ
getwachſen zeigte, ſo waren auch in den Solopartien
zu=
neeiſt gute, teilweiſe vorzügliche Leiſtungen zu verzeichnen.
daus Züricher Stadttheater und ſein künſtleriſcher Leiter,
irektor Alfred Beucker nicht minder Oberregiſſeur
hans Rogorſch und Kapellmeiſter Dr. Kempter ſamt
em ihnen unterſtellten Kräften haben eine künſtleriſche
ſkat mit dieſer erſten „Parſifal”=Aufführung vollbracht, die
hmen im deutſchen Kunſtleben noch lange unvergeſſen
eiben dürfte.
— Die Aufſtellung der Büſte Richard
Wagners in der Walhalla. Als Tag für die
Auf=
ſtellung der Büſte Richard Wagners in der Walhalla iſt,
wie ſchon mitgeteilt, der 29. Mai beſtimmt. Zugleich hat
der Prinz=Regent den Prinzen Ruppprecht mit ſeiner
Ver=
tretung bei dieſer Feier beauftragt. Zu der Feier in der
Walhalla werden, außer für die Familie Wagner, wie bei
früheren Gelegenheiten, keine offiziellen Einladungen
er=
gehen. Die Feſtſetzung des Programms im einzelnen für
die Feier in der Walhalla wird ſpäter bekannt gegeben
werden. Um die Aufſtellung der Büſte Richard Wagners
in der Walhalla auch in Regensburg würdig zu begehen,
hat ſich unter dem Vorſitz des Regierungspräſidenten
Frhrn. v. Aretin ſchon vor einiger Zeit ein Komitee
ge=
bildet. Dieſem iſt es gelungen, durch Verhandlungen mit
den Künſtlern, dem Orcheſter und dem Chor des
Hof=
theaters in München die Aufführung von Richard
Wag=
ners „Meiſterſinger” am 28. Mai im Regensburger
Stadt=
theater ſicherzuſtellen. Die Durchführung der „
Meiſter=
ſinger”=Aufführung iſt in erſter Linie der Munifizenz des
Fürſten Albert von Thurn und Taxis zu verdanken, der
auch das Protektorat über die Regensburger Aufführung
übernahm.
ml. Arthur Nikiſchs Wagner=
Erinne=
rungen. Arthur Nikiſch, der berühmte Dirigent weilt
zurzeit in London, wo er mit der Vorbereitung für die
Aufführungen des „Nibelungenringes” beſchäftigt iſt, die
er in Covent Garden leiten wird. Er wurde bei der
Ge=
legenheit von einem Berichterſtatter der Daily Mail
inter=
viewt, dem er über ſeine künſtleriſche Tätigkeit unter
Richard Wagner die folgenden intereſſanten Mitteilungen
machte „Zu Beginn des Jahres 1872,” erzählt Nikiſch,
„war Wagner nach Wien gekommen. Für mich hatte dieſes
Erſcheinen des Meiſters in Wien die Bedeutung des
Nahens eines allmächtigen Königs. Ich war damals
Schüler der Violinklaſſe des Wiener Konſervatoriums.
Wir wußten, daß Wagner nach Wien kam, um dort
Bruch=
ſtücke aus ſeinen Werken zu bringen. Ich hatte als 16
jäh=
riger Jüngling meinen Platz unter den erſten Violinen
des Orcheſters. Im Laufe des Jahres hatte ich nochmals
die Ehre, unter Wagner zu ſpielen. Den Anlaß bot die
denkwürdige Aufführung von Beethovens „Neunter
Sym=
phonie” am Tage der Grundſteinlegung des Bayreuther
Feſtſpielhauſes, das ſeither das Mekka der muſikaliſchen
Welt geworden iſt. Da ich das jüngſte Mitglied des Or=
cheſters war, mußte ich diesmal am Pult der zweiten
Geigen Platz nehmen.
Zeitungsſtatiſtik. Der Verkehr beim
Poſtzeitungs=
amt in Berlin umfaßt, wie das neueſte Archiv für Poſt
und Telegraphie mitteilt, faſt ein Drittel des
Zeitungs=
verkehrs im ganzen Reichspoſtgebiet. Beim
Poſtzeitungs=
amt werden jetzt täglich 1,4 Millionen
Zeitungs=
nummern verſchickt, die in 53000 Zeitungsbunden
ver=
packt werden. Zum Verpacken und Verſenden der
Zei=
tungen werden im Durchſchnitt täglich 55000
Streifbän=
der, 24000 Bogen Packpapier und 4300 Zeitungsſäcke
ge=
braucht. Das Gewicht dieſer Zeitungen beträgt
durch=
chnittlich täglich 130000 Kilogramm. Die vom
Poſtzei=
tungsamt alljährlich herausgegebene Zeitungspreisliſte,
die 1823 erſtmalig erſchien und damals 474 Zeitungen
ent=
hielt, umfaßt jetzt 14500 Zeitungen und Zeitſchriften,
darunter 11300 in deutſcher und 3200 in fremder Sprache.
Von dieſen Zeitungen erſcheinen 10650 im Deutſchen
Reich.
ml. Das kleinſte Automobil der Welt. Die Königin=
Witwe Alexandra von England hat als Weihnachtsgabe
für den Prinzen Olaf von Norwegen ein
Miniaturauto=
mobil bauen laſſen, das die Auszeichnung hat, als der
kleinſte Kraftwagen der Welt dem praktiſchen
Verkehrs=
zweck zu dienen. Das niedliche Fahrzeug, das in dieſen
Tagen in Marlborough Hauſe abgeliefert wurde und un
verzüglich die Reiſe nach Norwegen antreten wird, wiegt
175 Kilogramm, hat eine Radbaſis von rund 1½ Meter
und mißt in der Höhe etwa 60 Zentimeter. Es zeigt ſo
Ausmaße, die etwa ½ der Größe des kleinſten Typs
der gebräuchlichen Autos entſprechen. Es iſt auf die
Höchſtgeſchwindigkeit von 11,2 Kilometer pro Stunde
be=
chränkt, da Königin Alexandra von einer erhöhten Fahr
geſchwindigkeit Gefahren für den kleinen Automobiliſten
beſorgt. Der Wagen enthält zwei Sitze für kleine Kinden
und am Hinterteil einen angeordneten Sitz für ein drittes
Kind. Wie ſeine großen Genoſſen hat auch das
Kinder=
automobil elektriſch erleuchtete Vorder= und
Schluß=
laternen.
Das Grammophon als Kirchenſänger. Eine
ameri=
kaniſche Geſchichte, die „das Neueſte auf dieſem Gebiet‟
darſtellt, erzählt der Méneſtrel. Der Vorfall ſpielt in einer
großen Stadt der Vereinigten Staaten, und der Held iſt
Seite 4
Garmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Nummer 90.
zeutiſchen und bakteriologiſchen Laboratoriums in
Frank=
furt a. M. 15 Sendungen von Reinkulturen von
Cho=
lerabazillen bezogen hat. Heute wurde die geſamte
auf die Geſchäftsverbindung mit Hopf ſich beziehende
Korreſpondenz beſchlagnahmt. Die Frankfurter Polizei
wurde davon verſtändigt.” — Zu den von Hopf verklagten
Blättern gehörte auch das Höchſter Kreisblatt, das
fol=
gende Erinnerung aus der damaligen
Gerichts=
verhandlung auffriſcht: Es mögen ſechs oder acht
Jahre her ſein, da brachte das Kreisblatt eine Notiz aus
Niederhöchſtadt, wonach gegen einen dort wohnhaften
Drogiſten H. ein Ermittelungsverfahren eingeleitet ſei,
weil er im Verdacht ſtände, ſeine erſte Frau durch Gift
aus dem Wege geräumt zu haben. H. klagte daraufhin
gegen unſer Blatt, und es kam am hieſigen Schöffengericht
zu einem Termin, der mit einem Vergleich endigte.
An=
dere Zeitungen, welche die Notiz ebenfalls gebracht hatten
und es auf eine Gerichtsentſcheidung ankommen ließen,
wurden beſtraft. Bei den damaligen Verhandlungen in
Höchſt ſtellte ſich unſerem angeklagten Redakteur eine Dame
als die zweite Gattin des H. vor und riet dringend,
uns auf einen Vergleich mit H. nicht einzulaſſen, denn
was im Kreisblatt geſtanden habe, ſei buchſtäblich wahr.
Er trachtete auch ihr (der zweiten Frau) mit Gift nach
dem Leben, und darum habe ſie ſich von ihm getrennt,
um nicht das Schickſal ihrer Vorgängerin zu teilen.
Frü=
her ſei ſie kerngeſund geweſen, aber nun ſei ſie durch die
Manipulationen Hopfs körperlich ſo heruntergekommen,
daß ſie weder Speiſe noch Trank vertragen könne. Erſt
ſcitdem ſie von H. weg ſei, fühle ſie ſich wieder beſſer. Wir
legten damals dieſen ungeheuerlichen Beſchuldigungen der
aufgeregten Dame kein großes Gewicht bei; heute aber
nachdem man erfährt, daß die junge kräftige Frau
eben=
falls kurz darauf geſtorben iſt, und daß H. zugeſtanden
hat, auch ſeiner dritten Frau mit Gift zugeſetzt zu haben,
gewinnt die Sache ein anderes Ausſehen, und es iſt nur
zu bedauern, daß die damaligen Preßprozeſſe alle ſo
gün=
ſtig für Hopf ausgegangen ſind, daß die
Staatsanwalt=
ſchaft keinen Grund zu ernſterem Einſchreiten fand.
Bad Homburg, 16. April. Der Kaiſer begab ſich
heute nachmittag mit Gefolge und mit den Gelehrten,
welche zur heutigen Frühſtückstafel geladen waren, im
Automobil nach der Saalburg, wo er um 2½ Uhr auf dem
Platze eintraf, auf dem die Pioniere unter Befehl des
Hauptmanns Stiller bei den Schanzarbeiten beſchäftigt
waren. Das Wetter war ſchön. Die Schulen Homburgs
und ein zahlreiches Publikum begrüßten den Kaiſer mit
Hurrarufen. General Hildemann hielt zunächſt einen
längeren Vortrag über die Art und die Ziele der
Schanz=
arbeiten. Die Schanzarbeiten wurden darauf eingehend
beſichtigt, und der Kaiſer unterhielt ſich längere Zeit mit
den anweſenden Herren. Um 4 Uhr wurde eine
Prome=
nade nach dem Dreimühlenbronn unternommen worau
der Kaiſer ſich zum Kaſtell Saalburg begab. Er befahl
daß nunmehr die Schulen zur Beſichtigung der Schanze
herangelaſſen würden. Gleichzeitig erſchien über dem
Uebungsplatz das Zeppelinſchiff Viktoria
Luiſe‟ Der Kaiſer führte hiernach die geladenen Herren
durch das Kaſtell und das Saalburgmuſeum. Später
wurde von dem Kaiſer und ſeinen Gäſten der Tee in den
oberen Räumen des Saalburgreſtaurants eingenommen.
Die Kaiſerin und die Prinzeſſin Viktoria Luiſe, welche
heute nachmittag zunächſt den Prinzen Ernſt Auguſt nach
Frankfurt geleitet hatten und darauf das Senckenbergiſche
Inſtitut beſichtigt und bei der Prinzeſſin Friedrich Karl
von Heſſen den Tee genommen hatten, erſchienen dann
auch noch auf der Saalburg. Die Majeſtäten kehrten dann
nach Homburg zurück.
München, 16. April. Der Herzog und die
Her=
zogin von Cumberland mit der Prinzeſſin Olga
ſind heute abend hier eingetroffen. Die Weiterreiſe nach
Gmunden findet am Freitag ſtatt. Prinz Ernſt Auguſt
von Cumberland iſt heute abend, von Homburg v. d. Höhe
kommend, ebenfalls hier eingetroffen.
Stuttgart, 17. April. Nach amtlichen Feſtſtellungen
ſtellt ſich der Froſtſchaden in den Weinbergen
je weiter die Unterſuchung vordringt, als immer größere
heraus und bedeutet in manchen Gegenden geradezu eine
Kataſtrophe für den Herbſt 1913. Es ſind im allgemeinen
alle Triebe, die ſchon an der Sonne waren, erfroren und
durch das lange Anhalten des Froſtes wurden auch die
Nebentriebe vernichtet. Es wurden nicht nur einzelne
Teile des Landes betroffen, ſondern das ganze
Weinbau=
gebiet iſt von dem Froſtſchaden heimgeſucht worden. So
viel iſt ſicher, daß zu dem Obſtſchaden ſich ein ebenſo hoher
Weinbauſchaden geſellt.
Karlsruhe, 16. April. Das Schwurgericht
ver=
urteilte heute den 20jährigen Gelegenheitsarbeiter Guſtav
ein Methodiſtenprediger, der eine Neuerung eingeführt
hat, die ſo manche Nachfolge finden dürfte. Der brave
Mann befand ſich eines Tages in furchtbarer Verlegenheit,
denn ſeine Chorſänger, die er zum Gottesdienſt dringend
brauchte, hatten im letzten Augenblick geſtreikt, und er
wußte nicht, wo er Erſatz hernehmen ſollte. Plötzlich
kommt ihm ein rettender Gedanke; er ſchickt ſeinen Küſter
zu einem Grammophonfabrikanten, läßt einen Apparat
mit möglichſt ernſten und würdigen Platten kommen und
ſetzt ihn ſogleich in Tätigkeit. Die Andächtigen der
Ge=
meinde ſcheinen zunächſt durch dieſen merkwürdigen
Chor=
geſang, der ſich von der gewohnten Form merklich
unter=
ſchied, in ein nicht geringes Erſtaunen verſetzt worden zu
ſein. Aber der Paſtor beruhigte ſie von der Kanzel aus
und erklärte, die Neuerung ſei nur proviſoriſch. Und
wirklich war ſeine ingeniöſe Idee von Erfolg gekrönt. Als
die Chorſänger ſahen, daß der Paſtor ſich zu helfen wiſſe
und daß es auch ohne ſie gehe, verzichteten ſie auf ihre
ge=
ſteigerten Forderungen und ſangen am nächſten Sonntag
wieder wie gewöhnlich beim Gottesdienſt. Der Paſtor
aber empfiehlt nun ſeine Methode allen den Geiſtlichen,
denen ihre Sänger durch einen plötzlichen Streik
über=
triebene Vorteile abzwingen wollen.
* Die Beller des Finanzminiſters. Es gibt eine
Anzahl kleiner Berufe, die ein großer Teil der Menſchheit
nicht kennt, weil ſie oft nicht einmal einen Namen haben.
In Paris z. B. gibt es, wie der Corriere delle Puglie
wiſſen will, einen Beruf, der an Originalität nichts zu
wünſchen übrig läßt und der großen Menge trotzdem
gänz=
lich unbekannt ſein dürfte. Es handelt ſich um ein „Amt”
das der Finanzminiſter, der es zu vergeben hat, recht gut
bezahlt, obwohl es an keiner Stelle ſeines Etats beſonders
vermerkt iſt. Es iſt das Amt der . . . nächtlichen Beller
Dieſe merkwürdigen Herren ziehen während der Nacht
kreuz und quer durch Paris. Von Zeit zu Zeit bleiben ſie
vor einem Hoftor ſtehen und . . . bellen, bald wie große
Neufundländer, bald wie kleine Kläffer. Wenn ein Hund
im Hauſe iſt, antwortet er ſofort, und der Beamte hat nun
nichts weiter zu tun, als ſich die Nummer des Hauſes zu
merken. Tags darauf wird unterſucht, und wenn ſich
her=
ausſtellt, daß der Eige itümer des Hundes die Hundeſteuer
nicht bezahlt und ſeinen Köter verheimlicht hat, folgt
ſo=
fort die gerechte Strafe, die in dieſem Falle eine hohe
Geld=
ſtrafe iſt. Es wird erzählt, daß der ſchlaue Fiskus auf
dieſe Weiſe ſchon zu recht hübſchen Sümmchen
gekom=
men ſei, .
Kleile aus Brötzingen wegen Mordes zum Tode.
Kleile hatte am 14. Januar d. J. ein 11jähriges Mädchen
abends in die elterliche Wohnung gelockt und es erdroſſelt.
Die Leiche hatte er am anderen Tage in einen Sack
ver=
packt und im Garten der elterlichen Wohnung vergraben,
wo ſie erſt vier Tage ſpäter entdeckt wurde.
Speyer, 16. April. Ueber die hier erfolgte
Verhaft=
ung eines franzöſiſchen Hauptmanns unter
dem Verdacht der Spionage wird gemeldet: Es handelt
ſich um den franzöſiſchen Geniekapitän De Morel, der bei
einem Genieregiment in Nancy ſteht. Er war bereits
am Mittwoch in Speyer eingetroffen und hatte ſich dort
durch Beſichtigung der Schiffsbrücke verdächtig gemacht.
Die Polizei ließ De Morel in dem Hotel, in dem er
Wohn=
ung genommen hatte, beobachten. Als aus Metz und
Mainz gemeldet wurde, daß ſich der Offizier auch dort
aufgehalten habe, wurde zu ſeiner Verhaftung geſchritten
Der Verhaftete iſt vorläufig von mehreren höheren
Offi=
zieren vernommen worden, jedoch konnte ihm außer der
Beſichtigung der Schiffsbrücke nichts nachgewieſen
wer=
den. Ueber ſeine Beſchwerde wegen der Verhaftung iſt
eine Entſcheidung noch nicht getroffen worden. Es wird
ihr auch nicht ſtattgegeben werden, ehe die Unterſuchung
definitiv abgeſchloſſen iſt.
Bonn, 16. April. Bei der Beerdigung der
Frau Wilhelm Pfeill auf dem hieſigen alten
Fried=
hof kam es zu einem peinlichen Zwiſchenfall.
Als der Kommerzienrat Urſprung aus Barmen der
Ver=
ſtorbenen einige Abſchieds= und Gedächtnisworte
wid=
mete, trat der Schwiegerſohn der Verſtorbenen,
General=
muſikdirektor Profeſſor Schillings=
Stutt=
gart, hinzu und verbat ſich dem Kommerzienrat gegen
über im Namen der Hinterbliebenen das Reden und rief
laut nach der Friedhofspolizei. Der Kommerzienrat ſprach
ruhig weiter. Aus der großen Zahl der Neugierigen
und Leidtragenden hörte man laute Entrüſtungsrufe gegen
Profeſſor Schillings. Als dieſer den Friedhof verließ,
wiederholten ſich die Kundgebungen gegen ihn in
ver=
ſtärktem Maße.
Halle, 17. April. Die hieſige Polizei, die im vorigen
Jahre zum erſten Male den Maiumzug geſtattete,
ver=
bot ihn in dieſem Jahre, weil infolge des
Himmelfahrts=
tages Verkehrsſtörungen zu befürchten ſeien.
Hamburg, 17. April. Der Kalauer Bürgermeiſter Karl
Weiſe der vor kurzem ſein Amt niederlegen mußte,
weil ihm Betrügereien zur Laſt gelegt wurden, wurde
geſtern in Hamburg ermittelt und verhaftet.
Geeſtemünde, 16. April. Bei einem Großfeuer in
der Geeſtemünder Herings=Hochſeefiſcherei=Geſellſchaft
wurde das Hauptbetriebsgebäude am Fiſchereihafen
ein=
geäſchert. Der verurſachte Schaden beträgt ungefähr
600 000 Mark.
Lübeck, 17. April. Ueber die Mecklenburger Chauſſee
bei Stürk war geſtern abend in Mannshöhe ein ſtarkes
Seil geſpannt. Fußgänger bemerkten das Hindernis
und beſeitigten es.
Poſen, 17. April. Die Anklageſchrift für den am
2. Mai beginnenden Prozeß gegen Frau Dr.
Blum, die ihren Ehemann, den Archäologen beim
Kai=
ſer=Friedrich=Muſeum in Poſen, bei einem Ausfluge nach
Unterberg erſchoß, iſt jetzt der Angeklagten zugeſtellt
wor=
den: ſie lautet auf Mord. Das Urteil der drei ärztlichen
Sachverſtändigen geht dahin, daß § 51 des Str.=G.=B.,
Ausſchluß der freien Willensbeſtimmung, auf die
Ange=
klagte nicht zutrifft.
Paris, 16. April. Bezüglich des angeblichen
Vor=
alles in einem Theater in Grenoble wird vom
franzöſiſchen Miniſter des Innern erklärt, daß nach den
ihm zugekommenen Mitteilungen ſich in dem erwähnten
Theater keinerlei Zwiſchenfall der von einigen hieſigen
Blättern geſchilderten Art zugetragen hat. (?)
Paris, 17. April. In der vergangenen Nacht wurde
im Boulogner Wäldchen von Wächtern in einem Graben
ein umgeſtürztes Auto gefunden, deſſen Kiſſen
Blutſpuren trugen. Auf dem Boden des Wagens lag ein
Büſchel Frauenhaare. Die Polizei hat eine Unterſuchung
eingeleitet, um feſtzuſtellen, ob es ſich um einen Unfall oder
um ein Verbrechen handele.
Lille, 16. April. Nach einer Blättermeldung erhoben
die Zöglinge der höheren Staatsgewerbeſchule
gegen ihre Behandlung und ihre Koſt lärmenden
Ein=
ſpruch, verbarrikadierten ſich in einem Hörſaal und ſtießen
gegen ihre Profeſſoren grobe Beſchimpfungen aus. Auch
die Mahnungen des herbeigerufenen
Departementspräfek=
ten blieben fruchtlos, ſo daß dieſer die Tür des Hörſaales
ſprengen laſſen mußte. Gegen die Zöglinge wird eine
ſtrenge Unterſuchung eingeleitet werden.
London, 17. April. Infolge eines
Maſchinen=
defektes in den Elektrizitätswerken von
Greenwich, die den Strom für das rieſige
Straßenbahn=
netz Londons liefern, kam der geſamte
Straßenbahn=
verkehr Londons am Montag morgen von 9 Uhr
ab auf ungefähr zweieinhalb Stunden zum Still
ſtand. Außergewöhnliche Szenen ſpielten ſich auf vielen
Strecken ab. Die Höchſtzahl aller Wagen war im Betrieb
und alle waren bis auf den letzten Platz angefüllt mit
Leu=
ten, die ins Geſchäft fuhren. Kurz vor 9 Uhr blieben die
Maſchinen in Greenwich und mit ihnen ſämtliche
Elektri=
ſchen ſtehen. Geduldig warteten die Paſſagiere auf die
Fortſetzung der Fahrt, aber ſchließlich ſtürmte alles in die
Untergrundbahnen und auf die Omnibuſſe, die in kurzer
Zeit überfüllt waren. Hunderte mußten den Weg in die
Stadt zu Fuß zurücklegen. Die langen Linien von
ſtill=
ſtehenden Straßenbahnwagen boten einen eigenartigen
Anblick. In einer der belebteſten Gegenden im Stadtteil
Holborn hatte ſich eine Wagenburg von 200 großen Wagen
angeſammelt.
Konſtantinopel, 17. April. Eine offizielle Mitteilung
über die Exploſion in Erzingjan beſagt: Das
Haus, in dem ſich die Bomben befanden, iſt in die Luft
ge=
flogen, andere benachbarte Häuſer wurden gleichfalls
zer=
ſtört. Die Behörde hat eine Unterſuchung eingeleitet, zu
der auch der armeniſche biſchöfliche Vikar hinzugezogen
wurde. Unter den Trümmern fand man eine große
eiſerne Bombe, zehn Handbomben, eine Büchſe mit
Dynamit, vier alte Kanonenkugeln, ein Gewehr, einen
Revolver ſamt Patronen. Zwei weitere Bomben und
zwei Behälter mit Schrapnells und Patronen wurden in
einer dem Eigentümer des in die Luft geflogenen Hauſes
gehörigen Schenke verborgen gefunden. In einem
ande=
ren armeniſchen Hauſe beſchlagnahmte man zwei Gewehre
ſowie ſieben Revolver. Die Unterſuchung wird fortgeſetzt
Seitens der Behörden ſind alle Vorſichtsmaßregeln
ge=
troffen worden. Der armeniſche biſchöfliche Vikar und
die Mitglieder des armeniſchen Gemeinderates ſprachen
namens ihrer Gemeinden dem Gouverneur ihr Bedauern
über das Atientat aus das ſie verurteilen und dankten für
Maßnahmen zur Verhütung von Unruhen.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt 17. April. Der
Finanzaus=
ſchuß der Zweiten Kammer trat heute vormittag
unter Vorſitz des Abg. Dr. Oſann zur Fortſetzung ſeiner
Beratungen zuſammen. Zunächſt wurde in Anweſenheit
des Chefs der Forſtabteilung, Geh. Rat Wilbrand,
die Regierungsvorlage, betr. Forſtnutzungen
be=
raten und im Weſentlichen genehmigt. Es handelt ſich in
der Vorlage um Forſtnutzungen und Forſtrechte der
Ge=
meinde Trais a. d. Lumbda, die gegen entſprechende Ent
ſchädigung an den Staat abgetreten werden ſollen. Weiter
wurde mit der Regierung über den Antrag Joutz, betr.
Staatswaldungen, beraten. Der Antrag bezweckt
bekanntlich, den größten Teil der Oberförſterſtellen mit
Forſtwarten zu beſetzen, die auf der Akademie ihre Aus
bildung dafür erfahren haben. Der Regierungsvertreter
legte eingehend die Gründe gegen dieſen Antrag dar und
betonte, daß es notwendig ſei, die großen Forſtbezirke mit
ihren bedeutenden Werten von akademiſch vorgebildeten
Beamten verwalten zu laſſen. Auch verſchiedene
Ausſchuß=
mitglieder wandten ſich gegen den Antrag; es wurde u.
darauf hingewieſen, daß bereits im vorigen Jahr nach den
Vorſchlägen der Regierung eine weſentliche Vereinfachung
in der Forſtverwaltung eingetreten iſt. Ein Beſchluß
wurde über den Antrag Joutz noch nicht gefaßt. Ein
an=
derer Antrag Joutz, betr. die Tiefbauämter, ſoll erſt ge
legentlich der Reorganiſation des Bauweſens mitbergten
werden. Zu den verſchiedenen Anträgen von Mitgliedern
des Hauſes waren die Antragſteller zur Vertretung ihrer
Anträge eingeladen. Abg. Senßfelder befürwortete
ſeinen Antrag über die Verbeſſerung der
Verkehrsverhält=
niſſe der Gemeinde Geinsheim, Abg. Mergell legte di
Notwendigkeit der Bahnverbindung Reichelsheim-Fürth
näher dar; Abg. Schott befürwortete ſeinen Antrag
be=
züglich der Reblausbekämpfung. Abg, Soherr
begrün=
dete ſeinen Antrag, betr. die Gleichſtellung des
Lehrerper=
ſonals in Bingen mit der übrigen Lehrerſchaft und Abg
Kredel begründete den Antrag auf Entſchädigung für
Waſſerſchäden in den Gemeinden Unter=Sensbach und
Hil=
tersklingen. In der Ausſprache darüber zeigte ſich der
Ausſchuß bereit, eine Entſchädigung zu befürworten, j2
doch nur in ſo weit, als damit auch wirkliche Verbeſſe
rungen zwecks Verhütung ähnlicher Waſſerſchäden erreicht
werden können. Auch hierüber wurden indes vom
Aus=
ſchuß noch keine Beſchlüſſe gefaßt. Die Anträge Ulrich,
Hauck und Schönberger betr. die Volksſchul
aſten wurden vorläufig von der Beratung zurückgeſtellt,
bis die ſeitens der nationalliberalen Fraktion von der
Re=
gierung gewünſchte Denkſchrift über die Höhe der Koſten
im Fall einer Uebernahme der Volksſchullaſten auf den
Staat der Kammer vorgelegt ſein wird. —
Die
Weiter=
beratung des Finanzausſchuſſes erfolgt am Freitag
vor=
mittag.
Der Nieder=Modauer Banks
krach vor der Strafkammer.
Zehnter Verhandlungstag.
g. In der geſtrigen Verhandlung wurde der Zeuge
Daniel Perron von Nieder=Modau, zunächſt unbe
eidigt, vernommen. Der Zeuge wurde 1902 zum Kon
trolleur gewählt, wodurch er Vorſtandsmitglied des
Ver=
eins wurde. Er beſtätigt vollſtändig die Angaben ſeines
Bruders des geſtern vernommenen Philipp Perron IV.
daß Ihrig bei dem erſten gemeinſamen Beſuch geſagt habe
einen ſolchen verdienten Genoſſenſchafter ſolle man nicht
zur Anzeige bringen. Beim zweiten Beſuche habe er ver
anlaßt, daß ſie vor dem Beſuch beim Staatsanwalt erſt
noch bei Ihrig vorſprachen. Ihrig habe geſagt, ſie brau
chen nicht hinzugehen, er habe die Anzeige ſchon erſtattet,
er käme von der Staatsanwaltſchaft. Sie hätten dann
immer auf die Verhaftung Adams gewartet. Der zweile
Beſuch bei Ihrig habe vor der Flucht Adamsſid
abgeſpielt. Zeuge hat immer geglaubt, daß die von
ihm ausgeübte Kontrolle genüge. Erſt der Reviſor Neff
habe ihm geſagt, daß ſeine Kontrolle keinen Wert habe
und dem Adam freie Hand bei ſeinen Manipulatione
ließ. 1905 habe er erfahren, daß Wechſel auf die Kaſſe im
Umlauf ſeien, die nicht rechtmäßig in den Verkehr
gebracht waren. Adam habe ſich erſt durch die
Dro=
hung mit der Staatsanwaltſchaft bewegen laſſen, zu
ge=
ſtehen, daß etwa für 90000 Mark Wechſel kurſierten. Man
habe damals nicht ſoviel Wert auf die Wechſelgeſchäfte
gelegt, da Adam als ſehr reicher Mann galt. Man habe
auch von Bauſpekulationen Adams gehört. Da Adam das
feierliche Verſprechen gab, keine Wechſel mehr in
Ver=
kehr zu bringen und keine Spekulationen zu machen, ließ
man ihn als Rechner im Amte. 1908 habe Ihrig dem
Verein mitgeteilt, daß wieder Wechſel im Verkehr waren
Als ſich der Verein weigerte, die Wechſel einzulöſen, habe
Ihrig geſagt, dann gebe es eine Wechſelklage, denn die
Wechſel hätten die Unterſchriften zweier dazu berechtigter
Vorſtandsmitglieder. Die Höhe dieſer Wechſelſumme
habe man nicht erfahren. Der Vorſtand beſchloß dann im
Juli 1908, für 320000 Mark Wechſel einzulöſen, nachden
Juſtizrat Kleinſchmidt die Sicherheiten geprüft habe.
Dar=
auf habe dann Ihrig verlangt, daß Adam und
Roßmann=
aus dem Vorſtand ausſcheiden. Um kein Aufſehen
erregen, habe man Adam zum Kontrolleur gewählt. Man
war wohl allgemein der Meinung, daß Adam nicht mehr
Unterſchrift leiſten konnte, wenn er nicht mehr Rechner
war, welche Annahme natürlich irrig war.
Auf die Frage des Vorſitzenden, warum Ihrig noch
die Bürgſchaftsurkunde über 182000 Mark ſich auch von
Adam und Roßmann unterſchreiben ließ, die doch nach
ſeiner Meinung unter allen Umſtänden entfernt werden
mußten, antwortet Ihrig, daß die Urkunde alle
Unter=
ſchriften der Vorſtandsmitglieder tragen müſſe, die im
Vereinsregiſter eingetragen waren. Dann wollte die Bank
auch Zwangsmittel in der Hand haben, um gegen Adam
und Roßmann vorzugehen, denn es war vollſtändig
un=
möglich, gegen dieſe beiden etwas zu unternehmen, da ſie
in Nieder=Modau als Herrgötter galten. Das Vertrauen
des Zeugen Perron in Adam wurde auch nicht erſchüttert,
als 1909 bekannt wurde, daß eine Urkunde von 10000 M.
durch Adam gefälſcht war. Später, etwa Frühjahr 1910,
entdeckte Zeuge auch, daß eine Anerkenntnis des Pallmann
über 75000 Mark Wechſelſchulden gefälſcht war. Es war
damals beſchloſſen worden, dem Pallmann eine
Aner=
kenntnis für 75000 Mark Wechſelſchulden abzuverlangen.
Er, Perron, habe dieſe Anerkenntnis dem Adam gegeben,
der die Angelegenheit erledigen wollte, Als er ſpäter dem
Pallmann die Urkunde vorlegte, ſagte Pallmann ſofort,
das habe ich nicht geſchrieben, das hat Philipp getan.
Auch ſtellte ſich 1911 heraus, daß Adam auch die
Unter=
ſchrift eines Ortsgerichtsmannes unter einer Hypothel
Pallmann über 30000 Mark gefälſcht hat. Bis Auguſt
1909 habe Beck an Adam 27000 Mark gezahlt. Der
Vor=
ſtand habe damals noch nicht gewußt, wie hoch die
Aus=
zahlungen waren. Man habe dann beſchloſſen, dem Beck
zu verbieten, an Adam noch Geld abzuliefern. Er ſelbſt
habe dem Beck ſchon vorher wiederholt geſagt, er ſolle
nichts an Adam auszahlen, das tut nicht gut. Er habe
Nummer 90.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Seite 5.
gedacht, daß Beck als Rechner wiſſen mußte, daß Adam
kein Kredit eingeräumt war.
Beck ſei gegen ihn ſtets rigoros vorgegangen, er durfte
nichts ſagen. Beck habe immer geſagt: Ihr Bauern
ver=
ſteht nichts davon! Geht auf Eure Felder! Ich bin
Ge=
noſſenſchafter vom Kopf bis zur Zehe. Angeklagter Beck
beſtreitet dieſe Aeußerungen, er habe ſtets mit dem
Kon=
trolleur in gutem Einvernehmen geſtanden. Als die
Fäl=
ſchungen Becks ſich herausſtellten, habe man ſich auch von
Beck Sicherheiten geben laſſen, durch eine Bürgſchaft und
eine Lebensverſicherung. Bald danach ging Beck fort. Als
der Reviſor Müller den Verluſt von 275000 Mark
feſtge=
ſtellt habe, erklärten ſich die Vorſtands= und
Aufſichtsrats=
mitglieder erſt zur Uebernahme der Schuld bereit, als
Ihrig erklärt habe, ſie brauchten nichts zu zahlen, das
werde nach und nach abgetilgt. Die Genoſſenſchaftsbank
werde auch ein Darlehen zur Verfügung ſtellen. mit dem
größere Verdienſte gemacht werden könnten. Man habe
dann beſchloſſen, daß der Verluſt durch den Vereinsgewinn
abgeſchrieben werden ſolle. Er bemerkte zum Angeklagten
Ihrig, das werde mindeſtens dreißig Jahre dauern, bis
der Verluſt abgetilgt iſt. Ihrig ſagte darauf, wenn alle
zuſammenhalten, dann geht alles ganz gut. Daß die
275000 Mark als perſönliche Schuld gelten ſollen, habe
niemand geglaubt. Die Höhe des Verluſtes iſt der
Gene=
ralverſammlung nicht mitgeteilt worden. Ihrig habe nur
nach dem Verleſen der Bilanz geſagt, alle uneinbringlichen
Poſten ſeien übernommen worden. In der gemeinſamen
Sitzung des Vorſtands und Aufſichtsrats habe der Reviſor
Müller zu Ihrig geſagt: Sagen Sie es der Verſammlung
Punkt für Punkt, gerade ſo wie es iſt. Bei der Verleſung
der Bilanz in der Generalverſammlung ſeien die 275000
Mark als Schuldſchein in die Erſcheinung getreten. Eine
nähere Mitteilung hierüber habe er nicht gehört. Nach
ſeiner Ueberzeugung hätte kein Menſch die Schuldurkunde
iber 275000 Mark unterſchrieben, wenn geſagt worden
wäre, daß dieſe Summe verzinſt werden ſollte und die
Unterſchreiber mit ihrem ganzen Vermögen dafür haften.
Die Regreßklage gegen Adam wurde damals auch
be=
ſchloſſen. Die Zedierungsurkunde der Schuldurkunde über
275000 Mark habe er unterſchrieben, weil Ihrig es
verlangte. Gedanken darüber habe er ſich nicht
ge=
macht; ſie hätten unendliches Zutrauen zu Ihrig gehabt
Es habe erſt geheißen, ſelbſtverſtändlich müßten die 275000
Mark verzinſt werden, als Sicherheiten dafür abgetreten
werden ſollten. Früher ſei von keiner Seite etwas
darüber geſagt worden. Was eine Abtretung bedeute,
habe er ſich damals nicht klar gemacht.
Auf die Frage des Juſtizrat Hallwachs. ob Zeuge
Perron oder ſeine Frau mit der Konkursverwaltung einen
Prozeß führt wegen einer Hypothek von 50000 Mark,
ver=
weigert Zeuge zunächſt die Antwort. Auf Vorhalt des
Vorſitzenden gibt er dann zu. daß ſeine Frau einen
Pro=
zeß führt wegen einer Hypothek von 50000 Mark, die er
ihr eintragen ließ zur Sicherung des eingebrachten Gutes.
Der Prozeß ſei in erſter Inſtanz verloren, in zweiter
In=
ſtanz ſchwebt er noch. Sollte ſie auch in zweiter Inſtanz
abgewieſen werden, ſo wäre ſein ganzes Vermögen
ver=
loren. Er verſteuerte 98000 Mark.
Um 1 Uhr wird die Verhandlung auf Freitag vertagt.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 17. April. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 1 Uhr 5 Minuten.
Die zweite Beratung des Etats für den Reichskanzler und
die Reichskanzlei
wird fortgeſetzt. Zunächſt wird über die
ſozialdemokra=
iſche Reſolution betreffs Reform des Wahlrechts,
bei deren Abſtimmung ſich geſtern abend die Beſchlußun=
Fähigkeit des Hauſes ergab, nochmals abgeſtimmt. Wie=
Der bleibt das Bureau zweifelhaft; es muß abermals
Hammelſprung erfolgen. Für die Reſolution ſtimmen
1139, dagegen 140 Abgeordnete. Die Reſolution iſt
ab=
gelehnt.
Die freiſinnige Reſolution auf Schaffung von
Beamtenausſchüſſen in den Reichsbetrieben wird
ange=
mommen. Damit erledigt ſich die Reſolution der
Wirt=
chaftlichen Vereinigung. Angenommen wird ferner eine
Reſolution der Fortſchrittler auf Aenderung des
Diſzipli=
narverfahrens für Beamte. — Der Reſt des Etats des
Reichskanzlers und der Reichskanzlei wird ohne Debatte
grledigt. — Es folgen
Wahlprüfungen.
Abg. Weſtarp (konſ.) beantragt Abſetzung dieſes
Begenſtandes von der Tagesordnung. Es ſei
empfehlens=
wwert, alle ſpruchreifen Wahlprüfungen
zuſammenzuneh=
men, und dazu gehöre auch die Wahl des Abg. Kölſch
natl.) und des Abg. Haupt (Soz.). — Abg. Haaſe
Soz.) bittet, dieſen Antrag abzulehnen. Wahlprüfungen
hollten ſo ſchnell wie möglich erledigt werden. — Abg.
Neumann=Hofer (Vp.): Es ſollte doch vermieden
wwerden, einen Kuhhandel eintreten zu laſſen. Nach
weite=
nen Bemerkungen zur Geſchäftsordnung der Abgg. Graf
Weſtarp, Bebel und Neumann=Hofer wird über den
An=
trag des Grafen Weſtarp auf Abſetzung der
Wahl=
rüfungen von der Tagesordnung abgeſtimmt. Das
Reſultat bleibt auch in dieſem Falle zweifelhaft. Es muß
dbermals Hammelſprung erfolgen; dieſer ergibt, daß 137
lbgeordnete für und 163 dagegen ſtimmen. Der Antrag
iſt abgelehn t. Das Haus tritt ſomit in die
Be=
uatung der Wahlprüfungen ein.
Ueber die Wahl des Abg. Vietmeyer (Wirtſch
1gg.) beantragt die Wahlprüfungskommiſſion
Beweis=
erhebung zu veranſtalten. Dagegen beantragen die
Fort=
achrittler Ungültigkeit der Wahl. Abg. Dr. Neumann
eofer (Vpt.): Die Wahl Vietmeyers muß unbedingt
ftür ungültig erklärt werden. Eine große Anzahl von
SStimmen ſind für den Gegenkandidaten Nuſchke=Berlin=
Löteglitz abgegeben worden. Sie wurden für ungültig
er=
kärt, weil in einer amtlichen Bekanntmachung der
Land=
rmt ſelbſtändig das Wort Steglitz geſtrichen hatte. Daraus
eirgibt ſich die Ueberlegenheit des Gegenkandidaten, und
die Wahl muß für ungültig erklärt werden. — Abg. Dr.
ſifleger (Zentr.): Ich bitte, den Antrag abzulehnen.
Unnregelmäßigkeiten ſind nicht vorgekommen. — Abg.
Her=
o g (Wirtſch. Vgg.): Eine Wahlbeeinfluſſung kann in den
Vorgängen nicht erblickt werden. Ich bitte, es bei dem
Beſchluß der Kommiſſion zu belaſſen. — Abg. Dr.
Neu=
nann=Hofer (Vp.): Der ſpringende Punkt iſt, daß
eis ſich nicht um ein privates Schreiben, ſondern um eine
Bekanntmachung des Landrats handelte. — Abg.
Stadt=
haagen (Soz.): Bei der Streichung des Wortes Steglitz
vor Berlin iſt lediglich darauf ſpekuliert worden, die
Lsähler vor einem Berliner graulich zu machen. Wir ſind
fürr Ungültigkeitserklärung. — Abg. Behrens (Wirtſch.
Vgg.): Irgend ein Zweifel über die Perſon des
Gegen=
kandidaten beſtand nicht. Vielleicht iſt das Wort Steglitz
nur infolge eines Druckfehlers fortgeblieben. (Heiterkeit.)
Abg. v. Brockhauſen (konſ.): Irgend ein Verſtoß
liegt nicht vor. Wir lehnen den freiſinnigen Antrag ab.
Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Dr.
Neumann=
bofer (Vp.). Schwarze=Lippſtadt (Zentr.), v. Brockhauſen
(konſ.) und Herzog (Wirtſch. Vgg.) wird über den Antrag
der Kommiſſion abgeſtimmt. Auch diesmal bleibt das
Reſultat zweifelhaft. Es muß zum dritten Male
Ham=
melſprung erfolgen. Für den Kommiſſionsantrag auf
Beweiserhebung ſtimmen 148 Abgeordnete, dagegen 157.
Der Antrag iſt ſomit abgelehnt. In einfacher
Abſtim=
mung wird ſodann über die Gültigkeit der Wahl
Viet=
meyers abgeſtimmt. Das Ergebnis iſt die
Ungül=
tigkeitserklärung.
Es folgt die Wahlprüfung des Abg. v. Kröcher
(konſ.): Die Kommiſſion beantragt, die Wahl für ungültig
zu erklären. Abg. Dr. v. Veit (konſ.): Wir können eine
amtliche Wahlbeeinfluſſung nicht erkennen darin, daß
irgend eine Perſon, die einen Wahlaufruf unterzeichnet,
ihren Titel, wie Amtsvorſteher, ihrem Namen hinzufügt.
Da müßten noch andere Merkmale tatſächlicher
Wahlbe=
einfluſſung hinzukommen. Dafür hat aber die
Kommiſ=
ſion keine Tatſachen ermitteln können. Dieſelbe Frage iſt
im Jahre 1904 hier ſchon behandelt worden, als es ſich
um die Wahlprüfung des Abg. Blumenthal handelte.
Da=
mals hat der Abg. Payer denſelben Standpunkt vertreten,
den ich Ihnen heute klarlege. (Hört! hört! rechts.) Auch
die Wahlprüfungskommiſſion hat früher dieſelbe Anſicht
vertreten, wie auch ſpäter die Abgg. Kopſch und Mugdan
hier im Hauſe. Der Aufruf, um den es ſich im
vorliegen=
den Falle handelt, wurde vor der Hauptwahl
veröffent=
licht und nicht vor der Stichwahl. Ich kann nun nicht
an=
ehmen, daß die Wirkung dieſes Aufrufes noch bis zur
Stichwahl vorgehalten hat. Wir beantragen allerdings
nicht Gültigkeitserklärung, wohl aber Zurückverweiſung
an die Kommiſſion. — Abg. Stupp (Zentr.): Wir ſind
der Anſicht, daß es ſich hier um einen Verſtoß der
Be=
amten handelt, die ihren Amtscharakter unter den Aufruf
geſetzt haben. Ich bitte Sie, dem Antrage der Kommiſſion
entſprechend zu entſcheiden. — Abg. Dr. v. Veit (konſ.):
Ein Mißbrauch der Amtsgewalt der Amtsvorſteher liegt
nicht vor. Die ländliche Bevölkerung iſt es gar nicht an=
— Die
Zurück=
ders gewöhnt. (Große Heiterkeit links.)
verweiſung an, die Kommiſſion wird abgelehnt und die
Wahl Kröchersfür ungültig erklärt. — Es
folgt die
zweite Leſung des Militäretats.
Abg. Gans Edler zu Putlitz berichtet über die
Verhandlungen der Budgetkommiſſion. Die Kommiſſion
beantragt mehrere Reſolutionen: Statiſtik über
Beförde=
rung der Einjährig=Freiwilligen zu Reſerveoffizieren
unter Berückſichtigung der Konfeſſion; ferner den in
Be=
tracht kommenden Fürſten und Prinzen als die
Anſchau=
ung des Reichstages zum Ausdruck zu bringen, daß bei
der jetzigen ungeheueren Laſtenvermehrung ein Verzicht
auf zahlreiche Adjutantenſtellen dringend gewünſcht
wer=
den muß, und Vorbereitungen zu einer entſprechenden
Verminderung der Zahl der perſönlichen Adjutanten zu
treffen. Die Duellfrage ſoll eine beſondere Kommiſſioy
beſchäftigen. — Abg. Schöpflin (Soz.): Allen
Refor=
men ſetzt die Heeresverwaltung entſchiedenſten Widerſtand
entgegen. Das zeigt ſich beſonders in der Duellfrage. Seit
einem Vierteljahrhundert iſt kein Jude bei uns
Reſerve=
offizier geworden. An Intelligenz dürfte es dieſen
Offi=
ziersaſpiranten nicht fehlen. Ebenſo verfährt man auch
mit Diſſidenten. Wir verlangen in einem unſerer
An=
träge, daß kein Angehöriger des Heeres wegen ſeiner
reli=
giöſen oder ſeiner politiſchen Ueberzeugung irgend welche
Zurückſetzung erfährt. Die Kontrollverſammlungen
wer=
den häufig von Bezirksoffizieren zur Beſchimpfung der
Mannſchaften und zur politiſchen Agitation benutzt, gegen
die wir aufs ſchärfſte proteſtieren müſſen. Immer wieder
müſſen wir die Forderung erheben, daß die
Militärver=
bote gegen die Gaſtwirtſchaften und Geſchäftsleute
beſei=
tigt werden. Dieſer Militärboykott iſt um ſo weniger
berechtigt, als die Militärlaſten für den Mittelſtand immer
größer werden. Bemerkenswert iſt das einer
württember=
giſchen Militärkapelle erteilte Verbot, bei einer von dem
ſozialdemokratiſchen Bildungsausſchuß veranſtalteten
Vor=
ſtellung der „Fledermaus” mitzuwirken. Die
Soldaten=
mißhandlungen und Beſchimpfungen ſeitens verſchiedener
Offiziere und Unteroffiziere ſind durchaus nicht zu billigen.
Die Soldatenmißhandlungen fallen ſtets dem betreffenden
Kompagniecheſ zur Laſt. Beſonders die Garde und das
Gardedukorps machen keine Ausnahme von dieſer Schmach.
Wenn wir dafür eintreten, daß ſolche Scheußlichkeiten und
Soldatenmißhandlungen aufhören, verfolgen wir nur
kul=
turelle Zwecke. — Abg. Ablaß (Fortſchr. Vpt.): Auch wir
bekämpfen die Soldatenmißhandlungen unter allen
Um=
ſtänden. Die Reſerveoffiziere dürfen nicht in ihren
bür=
gerlichen Rechten beeinträchtigt werden. Man macht ſie zu
Bürgern zweiter Klaſſe und hat damit doch nicht den
ge=
wünſchten Zweck erreicht, denn wenn den Reſerveoffizieren
unterſagt wird, einen Freiſinnigen zu wählen, dann
för=
dert man die Wahlen von Sozialdemokraten. Wir müſſen
auch verlangen, daß Militärgerichtsverhandlungen,
be=
ſonders ſolche über Soldatenmißhandlungen, öffentlich
geführt werden. Ferner müſſen wir die Forderung
wie=
derholen, daß auch jüdiſchen Offiziersaſpiranten die
Mög=
lichkeit gegeben werden ſoll, Reſerveoffizier zu werden.
Von einer Gefährdung des Offizierkorps kann dabei nicht
die Rede ſein. Auch die Beſtimmungen über die
Verſtüm=
melungszulagen müſſen reformiert werden. Wenn wir
darauf hinarbeiten, unſere Armee auszugeſtalten, dann
müſſen wir aber auch verlangen, daß das gleiche Recht für
alle in allen Einzelheiten zur Geltung kommt.
Kriegsminiſter von Heeringen: Bezüglich der
Anfrage des Herrn Vorredners über meine Stellung zu
der Frage der politiſchen Betätigung der Offiziere des
Beurlaubtenſtandes brauche ich wohl nur auf eine Rede
meines Vorgängers im Jahre 1909 hinzuweiſen. Er ſagte
da u. a.: Den Reſerveoffizieren muß die volle Freiheit in
volitiſcher Beziehung gewahrt bleiben, wenn deren
Ver=
folgung innerhalb der ſtaatserhaltenden Parteien
ge=
ſchieht, ſoweit es keine Grenze gibt, und das iſt die
poli=
tiſche Betätigung zugunſten der Sozialdemokratie, Eine
derartige Betätigung darf nicht ſtattfinden. Meine
Her=
ren, das iſt der Standpunkt, auf dem ich auch heute ſtehe.
Unſere nationale Armee ſteht auf nationaler Grundlage,
und da dürfen wir nicht dulden, daß deren Führer ſich
antinational betätigen. Ueber den Fall des Amtsrichters
Knittel kann ich mich nicht ausführlich ausſprechen, da noch
kein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Darauf möchte ich
aber doch hinweiſen, daß die Ueberführung eines
Reſerve=
offiziers zur Landwehr niemals als Maßregelung oder
als Strafe wegen politiſcher Geſinnung erfolgt iſt. Wenn
das dort trotzdem geſchehen iſt, ſo ſind die engen
Bezieh=
ungen zu berückſichtigen, die die Reſerveoffiziere zu den
aktiven Offizieren haben. Dadurch können unter
Umſtän=
den leicht Reibungen entſtehen und in das Offizierkorps
könnte dann die Politik hineingebracht werden. Das
wol=
len wir vermeiden. Die Anſichten über die politiſche
Geſinnung des Amtsrichters Knittel, die in der
Oeffent=
lichkeit verbreitet waren, mußten auch dem
Bezirksoffi=
zier zu Ohren kommen. Er hätte ihm unbedingt
einen Schutz angedeihen laſſen ſollen. Ich wenigſtens hätte
das getan. Daß der Offizierserſatz auch aus den
unter=
ſten Kreiſen genommen werden ſoll, halte ich nicht für
an=
gebracht, da die Offiziere ja Führer und Lehrer der Sol=
daten ſein ſollen. Wir können deshalb nur die beſſeren
Kreiſe hinzuziehen. (Lebhafter Widerſpruch bei den Soz.
Darin liegt noch kein Kaſtengeiſt. Es kommen ja auch
viele Kinder von Kaufleuten und Beamten hinein. Wenn
Herr General v. Prittwitz nach dem Abſchied von der
Front ein rückblickendes Lebenswerk gibt, ſo iſt es mir
verſtändlich, daß er auch von antideutſchen Strömungen
in Elſaß=Lothringen ſpricht. Daß Lücken im
Sanitäts=
weſen beſtehen, iſt zuzugeben, doch iſt die Geſundheit und
die Sicherheit der Armee nicht gefährdet. Da die Stellen
in der Kaiſer=Wilhelms=Akademie vermehrt ſind, hoffen
wir, daß die Lücken bald ausgefüllt ſind. Wir erhalten
oftmals Anfragen über den Geſundheitszuſtand unſerer
Armee. Aus den Erhebungen im Auslande wiſſen wir,
daß unſer Geſundheitszuſtand kein beſſerer ſein kann. Es
iſt keine Rede davon, daß die Sanitätsoffiziere von dem
Offizierkorps über die Achſel angeſehen werden. Die Miß
handlungen haben außerordentlich abgenommen. Ich bitte,
daß mir ſolche Fälle mitgetilt werden, damit uns
Go=
legenheit gegeben wird, die ſich ergebenden Mißſtände
ab=
zuändern. Um die Mißſtände auf den
Kontrollverſamn=
lungen abzuſtellen, iſt angeordnet worden, daß
außer=
dienſtliche Dinge nicht beſprochen werden ſollen. Die
Krie=
gervereine gehören nicht zu meinem Reſſort. Sie werden
ſtets von der Zentralſtelle darauf hingewieſen, politiſche
Angelegenheiten nicht zu beſprechen. Beſchwerden werden
von uns ſtets geprüft. Die Verwendung von Soldaten
bei Streiks ſoll nur eintreten, wenn wichtige
Staatsinter=
eſſen im Spiele ſtehen. Die Ziffern über
Soldatenmiß=
handlungen, namentlich im Vergleich zum Ausland, gehen
immer mehr zurück. Es iſt nicht nötig, daß wir hier
im=
mer ſchmutzige Wäſche waſchen. Nennen Sie uns die
Fälle, dann ſchreiten wir auch ein. (Lebhafter Beifall.
Württembergiſcher Generalmajor von Grävenitz:
Wenn einer Militärkapelle verboten worden iſt, bei einer
ſozialdemokratiſchen Veranſtaltung zu konzertieren, ſo lag
dies daran, daß Soldaten überhaupt die Teilnahme an
ozialdemokratiſchen Veranſtaltungen unterſagt iſt.
Sächſiſcher Generalmajor Freiherr Leuckart von
Weißdorf: Ich möchte doch den Anſchein zerſtören, als
habe Oberleutnant von Beck, als er ſich in einer
Aeußer=
ung über die Volksſchullehrer ausſprach, dies auf
Ver=
anlaſſung ſeines Vaters, des Kultusminiſters. getan. Die
Ziffern der Soldatenmißhandlungen ſind auch in Sachſen
im Rückgange begriffen. Wo wirkliche Mißhandlungen
vorgekommen ſind, ſind wir auch ſtets für ſtrenge
Beſtraf=
ung eingetreten.
Abg. Popſich (Pole): Wir wollen mitarbeiten an
der Moderniſierung des Heerweſens, aber dann müſſen
wir auch Gerechtigkeit verlangen. Auch wir wenden uns
gegen die Soldatenmißhandlungen. — Abg. Liz. Mumm
(Wirtſch. Vgg.): Auch wir verurteilen die
Soldatenmiß=
handlungen. Mit der Zulaſſung von jüdiſchen
Offiziers=
aſpiranten zum Offizierkorps ſind wir nicht einverſtanden.
Wir wollen es dem Offizierkorps ſelbſt überlaſſen, ſich
ſeine Mitglieder zu wählen.
Nächſte Sitzung Freitag 1 Uhr. — Schluß 6 Uhr
30 Minuten.
* Berlin. 17. April. Die
Budgetkommiſ=
ſion des Reichstags beſchäftigte ſich faſt die ganze
Sitzung mit der in der Regierungsvorlage vorgeſchlagenen
Regelung der Rationen und Pferdegelder. Nach einer
ehr lebhaft geführten Debatte wurde die
Regierungsvor=
lage gegen die Stimmen der Nationalliberalen und
Kon=
ſervativen abgelehnt. Mit derſelben Mehrheit wurde der
nationalliberale und konſervative Antrag auf
Beibehal=
tung des bisherigen Zuſtandes abgelehnt. Angenommen
wurden die Anträge des Zentrums, die einen Abſtrich von
rund 800000 Mark herbeiführen.
Luftfahrt.
* Metz 17. April. Der Leiter der hieſigen
Flieger=
truppe, Major Siegert erledigte in 48 Stunden durch
Benutzung einer Flugmaſchine eine Beſichtigung der
Flie=
gerſtationen Frankfurt und Müſhauſen von Metz aus. Die
Führung des Flugzeuges auf dieſem 500 Kilometer langen
Wege lag abwechſelnd in den Händen des Oberleutnants
Donnevert und des Leutnants Weyer.
Paris-Berlin.
** Um den Pommery=Pokal wurden am
Mittwoch früh zwei neue Flüge von Paris nach Berlin
um die am 1. Mai fällige Prämie in Höhe von
5700 Francs angetreten. Um 5 Uhr früh ſtartete zunächſt
Pierre Daucourt, der derzeitige Inhaber des
Pommery=Pokals, mit einem Borel=Eindecker, der mit
einem 50 PS.=Gnome=Motor ausgeſtattet iſt, auf dem
Flug=
felde von Chateau Fort bei Verſailles in der Abſicht, über
Lüttich und Hannover Berlin zu erreichen. Er mußte den
von ihm ſelbſt im Wettbewerb um den Pommery=Pokal
aufgeſtellten Diſtanzrekord von 852,3 Kilometer verbeſſern,
da die prämiierten früheren Leiſtungen beim Wettbewerb
um eine neue Prämie jedesmal überboten werden
müſ=
en. Daucourt wählte den Weg über Lüttich wo er
um 7 Uhr 40 Minuten wohlbehalten eintraf, alſo nach
einem Flug von 2 Stunden 40 Minuten. Erſt nach faſt
zweiſtündigem Aufenthalt begann er die Weiterreiſe um
halb 10 Uhr und ſetzte ſeinen Flug ununterbrochen bis
Hannover fort, wo er abermals eine Zwiſchenlandung
ausführte, die aber nur ganz kurze Zeit dauerte, denn
ſchon 3 Uhr 38 Minuten trat er zum Weiterflug nach
Ber=
lin an. Dieſe Strecke legte Daucourt gleichfalls in einem
Fluge zurück, denn nach faſt genau drei Stunden landete
er 6 Uhr 39 Minuten glatt auf dem Flugplatz
Johannis=
thal, wo er von den zahlreich anweſenden Fliegern und
Zuſchauern jubelnd begrüßt wurde. Major von
Tſchudi, der Direktor des Flugplatzes, und E. v.
Gor=
riſſen, der Vorſitzende des Bundes deutſcher
Flugzeug=
führer, beſtätigten als Sportzeugen die Ankunft des
Flie=
gers, dem es ſomit als Erſten geglückt iſt, den Flug Paris
Berlin an einem Tag zurückzulegen. Er hat ſeinen Rekord
um den Pommery=Preis bei weitem überboten, denn die
von ihm gewählte Strecke über Lüttich iſt noch weiter als
die im Vorjahre von Audemars zurückgelegte Strecke von
Paris über Wanne, Hannover, nach Berlin von zirka 950
Kilometern. Die genaue Diſtanz des Fluges iſt noch nicht
ausgerechnet, dürfte ſich aber auf mehr als 1000 Kilometer
belauſen.
Der Schweizer Flieger Audemars ſtartete morgens
5 Uhr 25 Minuten mit einem Morane=Saulnier=Eindecker,
der gleichfalls von einem 50 PS.=Gnome=Motor
ange=
trieben wird. Audemars erreichte um halb 8 Uhr Mezie
res, von wo er nach kurzem Aufenthalte nach Gelſenkirchen
weiterflog. Auf dem Flugplatz Gelſenkirchen=Eſſen=
Rott=
hauſen traf er kurz vor 11 Uhr vormittags wohlbehalten
ein. Er machte dort mehrſtündige Raſt. um am
Nachmit=
tag den Flug nach Berlin fortzuſetzen. Nachdem der Pilot
Wetterprognoſen eingeholt hatte, entſchloß er ſich kurz nach
¼4 Uhr zum Weiterflug nach Berlin über Hannover. Ba
reits nach kurzem Fluge kehrte er aber zurück und gab
den Weiterflua auf. Audemars gedenkt am Don=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Nummer 90.
nerstag Berlin zu erreichen, um ſich dann um den von der
Zigarettenfabrik Batſchari=Baden=Baden ausgeſetzten
Preis von 10000 Mark zu bewerben, der für den Flieger
beliebiger Nationalität beſtimmt iſt, der an einem Tage
(eine Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde na.
Sonnenuntergang) die Strecke Berlin-Paris zurücklegt.
* Berlin, 17. April. Der geſtern abend gelandete
franzöſiſche Flieger Daucourt war geſtern morgen um
halb 6 Uhr in Chateau Forts bei Paris aufgeſtiegen. In
Lüttich war er um 7 Uhr 30 Min. Nach ſeinem zwei
Stunden ſpäter erfolgten Aufſtiege gelangte er in kaum
einer halben Stunde nach Köln. Er bekam ſo ſcharfe Böen
daß er niedergehen zu müſſen glaubte. Er kletterte aber
bis 2500 Meter in die Höhe und fand dort verhältnismäßie
ruhige Luftſtrömungen. Als er gegen 1 Uhr in der Ferne
Hannover liegen ſah, gewahrte er auch einen Flieger in
der Luft und fand ohne Mühe den Flugplatz, wo er
freundlich aufgenommen wurde. Sein Eindecker
wurde wieder in Ordnung gebracht. Gegen 4 Uhr, als
der Wind ſich etwas gelegt hatte, flog er weiter. Er flog
in der Hauptſache der Bahnſtrecke Hannover-Berlin nach
und kam bald nach 6 Uhr in die Nähe des Flugfeldes
Döberitz. Durch Winken zeigte man ihm die Richtung; er
flog zuerſt falſch und machte einen weiten Bogen um
Ber=
lin. Endlich ſah er einen Eindecker in der Luft. Seine
Abſicht, weiter zu fliegen, mußte Daucourt wegen
Erſchöp=
fung aufgeben. Die zurückgelegte Strecke beträgt 900 Klm.,
die er in achteinhalb Stunden, nur die Fugzeit gerechnet,
durchmeſſen hatte.
Die Morgenpoſt ſchreibt: Daucourt wurde no=
Beendigung des brillanten Fuges mit großem
Ju=
bel (!) von einer zahlreichen Menſchenmenge auf dem
Berliner Flugplatz empfangen. Der Stockfranzoſe,
der kaum ein Wort Deutſch verſteht, iſt von Deutſchen wie
ein Sieger gefeiert(!) worden. Wenn er in
ſein Vaterland zurückkehrt, wird er berichten können, wie
man innerhalb der ſchwarz=weiß=roten Grenzpfähle tüchtige
Leiſtungen ehrt auch wenn der, der ſie vollbracht hat, ein
Franzoſe iſt.
Wanne, 17. April. Der franzöſiſche Flieger
Audemars hat heute morgen den Weiterflug nach
Ber=
lin aufgegeben und ſchafft ſeinen Apparat mit der
Bahn nach Paris zurück.
Ballonunglück.
* Noiſſi=le=ſec, 17. April. Ein Freiballon mit
5 Perſonen, darunter 2 Offiziere, iſt heute nachmittag
3 Uhr explodiert. Zwei Perſonen wurden getötet.
* Paris, 17. April. Ein Ballon mit 5 Paſſagieren
erſchien heute nachmittag über St. Cloud. Es war ein
Militär=Kugelballon, in dem ſich auch 2
Offi=
ziere befanden. Er wurde in regneriſchem Wetter kurz vor
3 Uhr mit raſender Geſchwindigkeit über Paris
hinweg=
getrieben. Man bemerkte, wie der Ballon gegen einen
Fabrikſchlot getrieben wurde. Die Einwohner von
Noiſſi=le=ſec hörten dann eine furchtbare
Explo=
ſion, und der Ballon ſauſte zerfetzt zu
Boden. Man fand 5 Männer blutend vor, davon waren
bereits zwei tot, die anderen hatten ſchwere
Ver=
letzungen.
Der Ozeanflug.
* Las Palmas, 16. April. Die Ballonfüllung
des „Suchard” war um 2 Uhr beendet. Man begann,
Waſſer und Lebensmittel für 25 Tage in der Gondel zu
verſtauen und Sandballaſt einzunehmen. Kapitän
Bruk=
ker wird von zwei Deutſchen, dem Ingenieur Krüger und
dem Mechaniker Peter, begleitet werden. Er iſt überzeugt,
falls die meteorologiſchen Verhältniſſe den Aufſtieg bald
geſtatten, noch vor dem 28. April Barbados oder Trinidad
erreichen zu können.
Der Vorfall in Nancy.
* Paris, 16. April. Aus Nancy wird gemeldet,
daß an der von der Regierung angeordneten Unterſuchung
die Staatsanwaltſchaft, ſowie die ſtaatliche und
die ſtädtiſche Polizei teilnehmen. Einige der am meiſten
kompromittierten Leute ſeien bekannt. Da jedoch bei den
Nancyer Behörden keinerlei Strafanzeige erſtattet wurde,
hatten dieſe bisher keinen Grund, irgendwie vorzugehen.
* Nancy, 16. April. Der Direktor der
Kontroll=
abteilung im Miniſterium des Innern, Staatsrat
Ogier, begab ſich heute vormittag zur Präfektur und
empfing dort die Organe der ſtaatlichen Polizei in Nancy:
Oberkommiſſar Defresne, Spezialkommiſſar Weiß und den
Polizeikommiſſar des dritten Arrondiſſements, Nay, der
die Unterſuchung über den Vorfall am
Sonntagabend geführt hat, und den
Spezialkommiſ=
ar Peney, welcher an der Unterſuchung teilgenommen
hat. Nay und darauf verſchiedene Spezialkommiſſare
ver=
hörten nacheinander verſchiedene Zeugen, deren Ausſagen
miteinander übereinſtimmen.
* Paris, 16. April. Der Generalrat des
Rhonedepartements ſprach infolge des Vorfalles
in Nancy einſtimmig den Wunſch aus, die Regierung
möchte, wenn die zur öffentlichen Kenntnis gekommenen
Berichte ſich als zutreffend erweiſen ſollten, der
Wieder=
holung derartiger Vorkommniſſe vorbeugen oder
ſie energiſch unterdrücken, denn, wenn ſie auch an ſich ohne
Bedeutung wären, ſo gäben ſie doch zu leidenſchaftlichen
Erörterungen Anlaß, durch die der internationale Ruf der
franzöſiſchen Höflichkeit geſchädigt werden könne.
* Paris, 17. April. Aus Nancy wird gemeldet:
Die zwei ſtädtiſchen Schutzleute, die auf dem
Nancyer Bahnhof den Dienſt verſahen, als die Deutſchen
den Zug nach Metz beſtiegen, ſchritten erſt ein, als die
Manifeſtanten in das Abteil der Deutſchen eindrangen.
Da die Schutzleute es unterlaſſen hatten, ihren
Vorgeſetz=
ten den Fall zu melden, richtete der Zentralkommiſſar von
Nancy an den Bürgermeiſter das Erſuchen, die beiden
Schutzleute zu beſtrafen.
— Berlin, 17. April. Herr Teichmann=
Ilmenau teilt telegraphiſch über die Vorfälle in
Nancy mit: Als die Menge uns im Warteſaal bemerkte,
kam ſie hinzu und ſagte: Ach, da ſind noch zwei Deutſche
und traten in den Saal. Hier waren keine Offiziere,
ſon=
dern nur Feldwebel. Man hat mir den Hut vom Kopfe
geſchlagen und ihn zertreten. Daß man mich zwang, auf
die Knie niederzugehen, iſt nicht wahr, ſondern man nötigte
mich nur, das Militär zu grüßen. Wir haben uns nicht
gewehrt, ſondern nur wiederholt gefragt, was wir ihnen
getan hätten. Darauf hat man nur geſagt, wir wären
Deutſche und den Franzoſen in Metz gehe es genau ſo.
Dann folgte die Menge noch in den Bahnzug nach, wo ſich
die geſchilderten Szenen abſpielten.
Der zu den in Nancy beſchimpften Deutſchen
gehörende Berliner Architekt Segerbarthold erklärt
in einem Brief aus Metz: Man hat uns ins Geſicht
ge=
ſchlagen, die Hüte zerriſſen und Schirme und Stöcke
zer=
brochen. Hilfe war bei den Poliziſten und den
Bahn=
beamten unmöglich, dieſelben waren ſelbſt gegen uns, und
das ſchönſte iſt: das alles iſt in einem
reichsdeut=
ſchen Eiſenbahnwagen paſſiert.
* Nancy 17. April. Staatsrat Ogier
ver=
nahm geſtern abend die Mehrzahl der Beamten, die den
Zwiſchenfällen am Montag beigewohnt hatten. Ihre
Er=
klärungen ſtimmen ſämtlich darin überein, daß keinerlei
Gewalttätigkeit gegen die Deutſchen verübt worden iſt.
Die Vernehmungen ſind noch nicht beendet. Ogier wird
heute vormittag durch andere Bahnhofsbeamte gewiſſe
Einzelheiten noch näher beſtimmen laſſen. Der
Polizei=
kommiſſar hat das Protokoll bei dem Staatsanwalt und
dem Generalſtaatsanwalt eingereicht.
Paris, 17. April. Wie das Theaterblatt Comoedia
meldet, haben die Behörden beſchloſſen, das im
Nan=
cyer Tingeltangel geſungene Spottlied auf
Zeppelin in ſämtlichen Theatern und Tingeltangels an
der Oſtgrenze zu verbieten. Ferner ſei auf
Anord=
nung des Miniſters des Innern die Aufführung des
Schauſpiels „Coeur de francaiſe” in Lunéville, Verdun
und Nancy unterſagt worden, da während der
Aufführ=
ung dieſes Stückes im Nancyer Theater beim Erſcheinen
der deutſche Uniformen tragenden Schauſpieler von den
Beſuchern lärmend demonſtriert wurde.
Die Erkrankung des Papſtes.
* Rom 16. April. Der Corriere d’Italia ſchreibt:
Dr. Amici, der ſich jeden abend ſtändig in dem an das
Ge=
mach des Papſtes anſtoßenden Zimmer aufhält, habe
auf Anfrage beſtätigt, daß er für die Geneſung des
Papſtes gute Hoffnung hege, die auch von Dr. Marchia=
Fava geteilt würde. Der Papſt, deſſen Geiſt vollſtändig
klar iſt, unterhielt ſich mit ſeiner Umgebung, nahm auf
nordnung ſeiner Aerzte Nahrung zu ſich und ruhte ein
wenig. Dr. Amici ſtattete um 2 Uhr nachmittags dem
Kranken wieder einen Beſuch ab und ſtellte keine
Verände=
rung feſt. Dr. Amici erklärte, das Fehlen einer
Ver=
ſchlimmerung ſei gleichbedeutend mit einer leichten
Beſſe=
rung. Der Puls war normal, das Herz arbeitet gut; die
Körpertemperatur beträgt 36,8 Grad. Corriere d’Italia
fügt hinzu, daß die Temperatur im letzten Augenblick um
einen Strich geſtiegen ſei, doch ſei Dr. Amici deshalb nicht
beſorgt geweſen. Nach dem Giornale d’Italia iſt die
Krankheit des Papſtes eine wirkliche Influenza bei
der die Luftwege in Mitleidenſchaft gezogen ſind, jedoch
keine Lungenentzündung. Eine Wendung in der
Krank=
heit müſſe bald eintreten, denn das Andauern des
gegen=
wärtigen Zuſtandes würde Gründe für eine ungünſtige
Prognoſe abgeben. Das Blatt fügt hinzu, der Papſt habe
bis 5 Uhr nachmittags kein Fieber gehabt; das
Allgemein=
befinden ſei befriedigend. Der Kranke habe Nahrung zu
ſich genommen und habe mit ſeiner Schweſter und ſeiner
Nichte geplaudert. Wie es ſcheint, wird der Bruder des
Papſtes Angelo ſeine Reiſe nach Rom noch aufſchieben.
* Rom 16. April. Ein von dem Leibarzt des
Pap=
ſtes unterzeichnetes Bulletin, das heute mittag
veröffent=
licht worden iſt, ſpricht von einer Verſchlimmerung
im Geſundheitszuſtand des Heiligen Vaters. Eine
neuer=
liche Unterſuchung des Urins hat ergeben, daß ſich in
dem=
ſelben große Mengen Albumin befinden.
Rom, 17. April. Die Schwäche des
Pap=
ſtes iſt ſo groß, daß ſtündlich das Schlimmſte
befürch=
tet wird. Alle günſtigen Erſcheinungen ſind nur relativer
Art. Die Infektion ſchreitet dauernd fort und zerſtört die
Lunge. Die Zuverſicht des Patienten iſt erloſchen.
* Rom, 17. April. Heute früh 7½ Uhr erſchienen
die Schweſtern und die Nichte des Papſtes im Vatikan;
zur ſelben Zeit traf auch Dr. Marchia=Fava ein. Als
Breſſan um 8¼ Uhr den Vatikan verließ, um die Meſſe zu
leſen, berichtete er, der Papſt habe eine ruhige Nacht
ver=
bracht; ſeine Beſſerung laſſe gutes erhoffen. Marchia=Fava
und Amici verließen den Vatikan um 8.20 Uhr. Wie es
heißt, hat der Papſt in der Nacht mehrere Stunden
ge=
ſchlafen; Dr. Amici, der wie gewöhnlich, in einem
Neben=
zimmer die Nacht verbrachte, wurde während der ganzen
Nacht nicht gerufen.
* Rom 17. April. Das heute morgen ausgegebene
Bulletin lautet: Die Nacht iſt ruhig mit einer ganz
leichten Beſſerung verlaufen. Heute morgen betrug die
Temperatur 36,6 Grad. In den Bronchiten iſt eine
Beſſe=
rung eingetreten.
Der belgiſche Generalſtreik.
* Bremen 16. April. Nach Nachrichten, welche
dem „Norddeutſchen Lloyd” aus Antwerpen
zuge=
gangen ſind hat ſich die Lage im dortigen Hafen
der=
art gebeſſert, daß morgen auf den zurzeit in
Ant=
werpen liegenden Lloyddampfern „Schwaben”, „
Thürin=
gen” und „Borkum” mit allen Luken gearbeitet werden
kann. Der Lloyddampfer „Sierra Ventana” war heute
morgen fertig geladen und konnte demgemäß mittags
fahr=
planmäßig ſeine Reiſe nach Südamerika fortſetzen.
Brüſſel 16. April. Nach den heute nachmittag
vorliegenden Berichten hat ſich die Situation in der
Borinage nicht geändert. Nur bei einigen kleinen
In=
duſtrien iſt eine leichte Zunahme der Arbeit zu
verzeich=
nen. Aus Charleroi wird gemeldet, daß dort heute
4000 Mann mehr ſtreiken als geſtern. Man zählt 34500
ſtreikende Bergarbeiter, 23500 metallurgiſche Arbeiter,
6200 Arbeiter der Glashütten und 4400 Streikende
ver=
ſchiedener Induſtrien. — Aus La Louviere wird
ge=
meldet, daß heute nachmittag 3 Uhr von 51500 Arbeitern
nur 5000 arbeiteten und zwar ſind das meiſt Arbeiter, die
die Gruben und die Fabriken in Stand halten. In dem
Bezirk ſind fünf Fälle feſtgeſtellt, bei denen Arbeitswillige
beläſtigt wurden. Einie Abendblätter geben die
Geſamt=
zahl der Streikenden auf über 300000 an.
* Brüſſel, 17. April. In Gent haben geſtern
einige Fabriken aus Mangel an Rohware den Betrieb
einſtellen müſſen. Die große Manifeſtation, die
nachmit=
tags ſtattfand, iſt ohne Zwiſchenfall verlaufen. In
Ant=
werpen befürchtet man ebenfalls, daß der Verkehr im
Hafen in einigen Tagen faſt ganz ſtocken wird, weil keine
Waren zum Verladen da ſind. — Aus Mons wird
ge=
meldet daß in der Provinz Hennegau geſtern ſtreikten:
86 400 Bergarbeiter von 96800, 43600 Arbeiter der
me=
tallurgiſchen Induſtrie von 60 100, 18600
Glashütten=
arbeiter von 21600, 16900 Steinſchläger von 19100 und
9000 Arbeiter, die anderen Induſtrien angehören, von
17600. Im ganzen ſtreiken alſo 174000 Arbeiter von
205 200.
Der Balkankrieg.
Kein Waffenſtillſtand.
HB. Konſtantinopel, 17. April. Die vom
Aus=
lande hierher gelangte Meldung, daß zwiſchen den
Krieg=
führenden auf dem Balkan ein zehntägiger Waffenſtillſtand
abgeſchloſſen ſei, hat hier einige Ueberraſchung
hervorge=
rufen. Die Meldung greift den Ereigniſſen voraus. Es
handelt ſich in Wirklichkeit nur um eine Waffenruhe für die
Dauer einiger Tage, die zwiſchen dem türkiſchen
General=
ſtabschef Izzet Paſcha und dem Oberkommandierenden
der bulgariſchen Tſchataldſcha=Armee, General Sawow,
mündlich vereinbart worden iſt und deren hauptſächlichſter
Zweck es iſt, Türken wie Bulgaren Zeit zur Beſtattung
ihrer Toten zu geben. General Izzet Paſcha iſt hier
ein=
getroffen und hat geſtern eine längere Konferenz. in dem
Kriegsminiſterium gehabt.
Türkiſche Anerkennung der Haltung Deutſchlands.
* Konſtantinopel, 16. April. Ismail Halki Bey
Babanſahdeh widmet im heutigen Tanin der Haltung
Deutſchlands warme Worte des Dankes undder
Anerkennung. Die deutſche Regierung und die
öffent=
liche Meinung Deutſchlands hätten ſich durch ein beſon
ders taktvolles Benehmen gegenüber dem Unglück der
Tür=
kei ausgezeichnet. In der Zeit der großen Kataſtrophe ſeit
es der Reichskanzler geweſen, der in entſchiedener Sprache
die Notwendigkeit des Beſtandes des Osmaniſchen Reichs
betont habe. Deutſchland habe für die Türkei nicht das
Schwert ziehen können, es hätte ſeine Politik mit Rückſicht
auf ſeine Intereſſen wählen müſſen. Im Gegenſatz zu
ihm hätten aber die Mächte, die ältere Intereſſen im Orient
haben, den Mund aufgetan, um die Türkei zu ſchmähen.
Hakki bemerkt dann über die von Deutſchland in der
Friedensfrage verfolgte Politik, dieſe ſei im
Ver=
gleich zu der der anderen Mächte wohlwollender geweſen,
Deutſchland habe in der Frage der Grenzen und
Kriegs=
entſchädigung am meiſten von allen Mächten das Inteeſſe
der Türkei verfochten und ihr gegenüber die gleiche
Halt=
ung bewahrt wie in Betreff Rumäniens. Nachdem Hakki
die Hoffnung ausgeſprochen hatte, Deutſchland werde mit
den anderen Mächten bei den Friedensverhandlungen den
Standpunkt der Türkei vertreten, zitiert er die wohlwols
lenden Worte, die Staatsſekretär von Jagow vor kurzem
in Hinſicht auf die Hilfe geſprochen hat, die Deutſchland
der nach dem Kriege ſich wieder aufraffenden Türkei zu
leiſten gedenkt. Hakki ſchließt: „Die Türkei ſtößt nicht die
helfende Hand zurück. Wir ſind gewohnt, den kleinſten
Freundſchaftsdienſt in dem größten Maße zu vergelten.
Der ſerbiſch=bulgariſche Bündnisvertrag.
* Belgrad, 16. April. Das Regierungsorgan
Samuprava ſtellt in Erwiderung auf einen Artikel des
bulgariſchen Regierungsblattes Mir über den
ſerbiſch=
bulgariſchen Bündnisvertrag feſt, daß neben
dem Prinzip „pacto ſunt ſervanda” auch das Prinzip
grebus ſie ſtantibus” beſtehe, das, wie der Verlauf des
Krieges zeigte, auf den ſerbiſch=bulgariſchen Vertrag an
gewendet werden müſſe. Das Blatt ſchreibt: Gerade, weil
Serbien die Innehaltung des Bündniſſes wünſcht, muß
es auf einer Reviſion des Vertrages beſtehen, da es nicht
angeht, daß eine Partei zum Nachteil der Verbündeten
den Löwenanteil aus dem Vertrage zieht, der unter
an=
deren Vorausſetzungen abgeſchloſſen iſt, als die im
Ver=
laufe des Krieges tatſächlich eingetretenen. So erfolgte
die erſte Abänderung des Vertrages auf Wunſch und im
Intereſſe Bulgariens. Es blieb aber nicht bei dieſer
ein=
zigen Abänderung. Was die mazedoniſche Bevölkerung
anlangt, wurde es jetzt auch den Fremden offenkundig,
daß die Behauptung Bulgariens, dieſe Bevölkerungſei
bulgariſch, unbegründet war. Es zeigte ſich vielmehr, daß
faſt alle kulturellen und ſlawiſchen Denkmäler und alle
Volksſitten in Mazedonien ſerbiſchen Urſprungs ſind.
Ein Kollektivſchritt der Großmächte in Cetinje.
* Cetinje, 16. April. (Amtlich.) Die Vertres
ter der Graßmächte unternahmen heute vormittag
einen Kollektivſchritt indem ſie die in Sofia, Bel
grad und Athen bereits überreichte Antwortnoteder
Mächte auf den jüngſten Gegenvorſchlag der Verbündeten
dem Miniſter des Aeußern übermittelten. Hierauf mach
ten die Vertreter der Mächte dem Miniſter Mitteilung von
der für Albanien feſtgeſetzten Nord= und Nordoſtgrenze
Der Miniſter nahm von der Mitteilung Kenntnis, dankte
und erklärte, er werde ſie dem Miniſterrate unterbreiten
und ſich mit den Verbündeten wegen der Antwort ins Eing
vernehmen ſetzen.
* Paris, 16. April. Dem Temps wird aus
tinje gemeldet, der König Nikita habe dem
diplö=
matiſchen Korps erklärt, daß die Blockade nicht genügen
werde, um ihn zur Aufhebung der Belagerung von
Stu=
tari zu veranlaſſen, und daß es einer Landung von
inter=
nationalen Truppen bedürfe, um ihn dazu zu zwingen,
Der Fall Palitſch.
* Belgrad, 16. April. Das Preßbureau meldet
us Djakowa: Die gemiſchte Kommiſſion, die den Fall
Valitſch unterſucht hat, unterzeichnete am 15. April ein
Protokoll, in dem feſtgeſtellt wird, die Kommiſſion habe
eine überzeugenden Beweiſe gefunden, daß Palitſch im
Gefängnis auf Veranlaſſung der montenegriniſchen
Be=
hörden geſchlagen und mißhandelt wurde. Auch ſei kein
Beweis dafür erbracht, daß Palitſch von ſeiner
montene=
griniſchen Militäreskorte mit Vorbedacht ermordet worden
ſei. Die Kommiſſion konnte nichts feſtſtellen, was die
An=
gaben der montenegriniſchen Behörden, daß Palitſch ein
zig und allein infolge ſeines Fluchtverſuches erſchoſſen
wurde, entkräftet hätte. Die Kommiſſion verfolgt jetzt ihre
Aufgabe weiter und die Angelegenheit der Bekehrung
gen zur Orthodoxie.
Die Finanzkonferenz in Paris.
* Paris, 16. April. An den Anfangs nächſter Woche
beginnenden internationalen Verhandlungen zur
Rege=
lung der Finanzverhältniſſe zwiſchen der
Türkei und den Balkanſtaaten nimmt als
Ver=
treter der deutſchen Regierung Miniſter Dr. Freiherr
von der Lanken=Wakenitz teil. Als finanzieller
Sachverſtändiger ſind von der deutſchen Regierung
er=
nannt: der deutſche Vertreter bei der Dette Publique,
R. Pritſch, ferner Dr. Paul von Schwabach, Che
des Bankhauſes S. Bleichröder, und Wirklicher
Legations=
rat Dr. Helfferich, Direktor der Deutſchen Bank.
* Paris, 17. April. Das Echo de Paris erfährt von
einem Mitglied der in Paris zuſammentretenden
Fi=
nanzkonferenz, daß an der Spitze der franzöſiſchen
Vertreter ein hervorragender Staatsmann ſtehen werde, der
zugleich den Vorſitz in der Konferenz führen dürfte. Unter
anderem werden diesbezüglich die ehemaligen
Miniſter=
präſidenten Briand und Ribot genannt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Straßburg, 17. April. In der
Budgetkommiſ=
ion der Zweiten Kammer des Landtags ſunden
heute vormittag erneute Beratungen über die
Beamten=
beſoldungsvorlage ſtatt, die von der Erſten Kammer an
die Zweite Kammer zurückverwieſen worden war. Die
Budgetkommiſſion akzeptierte die Beſchlüſſe der Erſten
Kammer nicht, ſondern ſtellte auf Antrag des Zentrums
ſämtliche Beſchlüſſe der Zweiten Kammer wieder her,
ſo=
weit die Gehaltsklaſſen 36 bis 40, welche die höheren und
höchſten Beamten umfaſſen, in Frage kommen. Die
Fori=
ſchrittliche Volkspartei enthielt ſich der Abſtimmung.
Nummer 90.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Seite 7.
* München, 17. April. An der gemeinſamen
Huldi=
gung der deutſchen Städte zum
Regierungs=
ubiläum des Kaiſers, die auf Anregung der
Vor=
andſchaft des bayeriſchen Städtetages veranſtaltet wird,
beteiligen ſich ſämtliche unmittelbaren Städte des
König=
ri ichs Bayern. Der Geſamtwert der Stiftungen, welche
ſie aus dieſem Anlaß errichten, beträgt rund 1650000
ark. Alle Stiftungen, mit Ausnahme von zweien,
die=
nen zur Fürſorge für bedürftige Veteranen.
Stuttgart, 17. April. Angeſichts des großen
Scha=
dins, der durch den Froſt in den Obſtanlagen und den
seinbergen verurſacht wurde, hatte die Regierung ſchon
nach der erſten Froſtnacht Erhebungen über den Umfang
s Schadens eingeleitet. Je nachdem das Ergebnis
aus=
lllt, wird die Frage geprüft werden, ob und welche
Maß=
nihmen zur tunlichſten Linderung der nachteiligen
Fol=
gan des Naturereigniſſes zu treffen ſind
* Hamburg, 17. April. Heute vormittag fand die
Beiſetzung Hagenbecks auf dem Ohlsdorfer
Fried=
hhief ſtatt. Unter den Leidtragenden befand ſich der
preu=
ſſche Geſandte Legationsrat v. Bülow, der im Auftrage
es Kaiſers einen Kranz am Sarge niederlegte. Die
Ge=
uchtnisrede hielt Propſt Peterſen=Segeberg, ein alter
zeund des Verſtorbenen.
* Wien, 17. April. Die behördlichen Feſtſtellungen
ggaben, daß die in den Berichten über die
Giftmord=
ſitgelegenheit des ehemaligen Drogiſten Hopf=
Sankfurt a. M. aufgeſtellte Behauptung, der Mörder habe
die Bakterienkulturen aus Wien bezogen, den Tatſachen
ütſpricht. Die Bakterien ſtammen aus dem Kralſchen
ehboratorium in Wien, das ſeit Mitte 1912 mit Hopf in
vorbindung ſtand.
London, 17. April. Die Bank von England
hät den Diskont auf 4½ Prozent ermäßigt.
Berlin, 17. April. Unter dem Vorſitz des
Ober=
hürgermeiſters fand heute vormittag eine Sitzung der
ge=
uisſchten Deputation zur Beratung der
Maß=
geln gegen die Lebensmittelteuerung
tiatt. Man beſchloß, die Einfuhr ruſſiſchem
leiſches fortzuſetzen.
— Poſen, 17. April. In Gola (Kroat.=Slawonien)
rankten an Paratyphus 2 Familien. 38 Perſonen ſind
usgeſamt erkrankt.
Cherbourg, 17. April. In einem Hoſpital
gläft ein junger Mann von 22 Jahren ſeit zwei
Mo=
ten ohne Unterbrechung. Er hat jede Empfindung
ver=
lolgen und wird künſtlich ernährt. Er bewegt ſich, wenn
laut angerufen wird. Ein Kräfteverfall iſt noch nicht
ingetreten.
London, 17. April. Der öffentliche Verwalter,
wel=
har die Geſchäfte des verſchwundenen
amerika=
ſchen Bankiers Martin in die Hand genommen
at, hat ermittelt, daß die Firma Martins einem
Lon=
imer Bankhauſe eine Viertelmillion ſchulde. Demnach
Eint Martin ſich aus geſchäftlichen Gründen verborgen
lu halten oder Selbſtmord verübt zu haben.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Motorwagen-Fahrrader.
Henbeene Geneeen egtetete.
Wertreter: Haas & Bernhard, Rheinstr.
Miteſſer, Pickel, Sommerſproſſen.
Flechten Aerzte empfehlen Dr. Kuhns
Glyzerin=Schwefel=Milch=Seife, 80 u. 50, Créme
—. F. Kuhn, Kr.=Prf., Nürnberg. Hier:
Grod=
lams, Seifenf. a. w. Turm u. i. Apoth., Drog. u. Parf. (V,9200
1eber Verbilligung der elektriſchen Beleuchtung
wird uns geſchrieben: Es dürfte von Intereſſe ſein,
alz die Preiſe für Osram=Draht=Lampen bedeutend
enabgeſetzt worden ſind. Damit dürfte die Verbreitung
lieyles Fabrikates, das infolge ſeiner Qualität in der
anizen Welt bekannt iſt, eine ganz erheblich weitere
usdehnung erfahren.
Telegramm.
Die Firma „Zur Brillanten=Königin” iſt
zum 1. Mal zur Meſſe hier eingetroffen und hat
wunderſchöne Schmuckſachen, ſowie Pariſiana=Brillanten
mit ihrem unerreichbaren Schliff, Feuer, Glanz und
Halt=
barkeit in modernem Stil mitgebracht, wodurch ein Beſuch
nur zu empfehlen iſt. Der Verkaufsſtand befindet ſich
nur 1. Reihe, mit dem Rücken zum Porzellanmarkt,
erkenntlich am Firmenſchild.
(*10515
Else Glöckner
Adam Emil Mohr
VERLOBTE
Reichenbach
(*10492
Mainz
Todes=Anzeige.
Geſtern abend entſchlief ſanft unſer guter
Vater und Schwiegervater
(*10514
Großh. Hess. Steuerrat i. P.
Ottd Won
im Alter von 86 Jahren.
Frankfurt, den 17. April 1913.
Else Hoch, geb. Wolf,
Franz Hoch.
Die Beerdigung findet in Darmſtadt Samstag,
den 19. April, nachmittags 3 Uhr, von der
Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nachmittag 3 Uhr verſchied ſanft
in=
folge eines Herzſchlags im 68. Lebensjahre
unſer guter Vater, Schwiegervater, Bruder,
Schwager und Onkel
(9226
Weinhändler
Georg Schmitt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Georg Schmitt.
Anna Wagner, geb. Schmitt.
Chriſtian Wagner.
Darmſtadt, Fulda, den 17. April 1913.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. April,
nachmittags ½3 Uhr, vom Portale des
Fried=
hofs aus, ſtatt.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religiousgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 18. April:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 15 Min.
Samstag, den 19. April
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbatausgang
8 Uhr 15 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 19. April:
Vorabend 6 Uhr 55 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
Uhr 30 Min. Sabbatausgang 8 Uhr 15 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 20. April, an:
Morgens 6 Uhr 15 Min. Nachmittags 6 Uhr 45 Min.
Kurſe vom 17. April 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das nordweſtliche Tief hat ſich wenig verändert,
aber Randgebilde in unſeren Bezirk entſandt; wir haben
daher heute morgen trübes bis nebeliges Wetter. Die
einſetzenden Südwinde bewirkten ein ſtarkes Anſteigen
der Temperaturen. Niederſchläge ſind in Deutſchland
verbreitet, aber in unerheblicher Menge gefallen. Das
allende Barometer zeigt an, daß wir morgen mit dem
Einfluß von Teiltiefs zu rechnen haben.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 18. April:
Wolkig, Regenſchauer, Temperatur wenig geändert,
windig.
Tageskalender.
Phonola=Konzert um 8 Uhr im Arnoldſchen
Muſikſaal (Ecke Mühl= und Erbacherſtraße).
Städtiſche Leſe= und Bücherhalle,
Louiſen=
ſtraße 20. Die Leſehalle iſt geöffnet an
Wochen=
tagen von 10—2 und von 6—9 Uhr, Sonntags von
11—1 und von 6—9 Uhr. Bücherausgabe findet
ſtatt an jedem Wochentage von ½11 bis ½1 Uhr und
abends von 6 bis 9½ Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
3f.
In Proz
3½ Offenbach . . . . . . 89,00
4 Wiesbaden . . . . . . 97,00
87,60
do.
3½
4 Worms . . . . . . . . 95,20
88,05
do.
3½
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe
4 Badiſche . . Tlr. 100 172,00
3½ Cöln=Mindner 100 138,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,30
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 175,50
3 Oldenburger . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 113,00
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . .
Braunſchweiger Tlr. 20 196,80
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Js.45 —
do. . . . . Js. 10 —
Meininger . . . . . fl. 7
Oeſterreicher v. 1864fl. 100 557,50
do. v. 1858fl. 100 469,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 164,00
Gold, Silber und
Banknoten.
20,42
Engl. Sovereigns . . .
20 Franks=Stücke . . . . 16,25
Amerikaniſche Noten . . . 4,19
Engliſche Noten . . . . . 20,45
Franzöſiſche Noten. . . . 81,05
Holländiſche Noten. . . . 168, 85
Italieniſche Noten . . . . 79,65
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,95
87,00 Reichsbank=Diskonto.
Reichsbanz
Zi
In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
86,00
S. 19 . . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . ..
. . . 97,0
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,00
86,50
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 98,70
86,20
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
98,30
S. 12, 13, 16 .
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23 . . . . . . . . . 98,30
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Banl
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 86,20
S. 3—5 . . . . . . . . 86,00
S. 9—11
86,10
4 Meininger Hyp.=Bank 97,40
3½
do.
85,90
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,70
3½ do. (unk. 1914) . . 85,80
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 98,50
86.60
do.
3½
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt . . . . . . 96,10
31
do.
4 Frankfurt. . . . . . . 98,00
3½
95,50
do.
4 Gießen . . . . . . . . 95,00
3½
do.
4 Heidelberg . . . . . . 95,50
87,50
31
do.
4 Karlsruhe . . . . . . 96,00
31
87,20
do.
4 Magdeburg. . . . .
-
31
do.
4 Mainz . . . . . . . . 96,40
86,60
3½
do.
4 Mannheim . . . . . . 97,30
87,50
3½
do.
4 München . . . . . . . 98,60
3½ Nauheim . . . . . .
4 Nürnberg. . . . . . . 96,00
3½
do.
4 Offenbach . . . . ..
In Prot,
2¾1 Oeſt. Südb. (Lomb.) 54,00
76,60
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 91,90
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 86,90
4½ Moskau=Kaſan . . . 94,75
do.
4 Wladichawchas . . . . 87,00
4 Rjäſan Koslow . . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 73,30
do.
68,60
24! Livorneſer . .
3 Salonique=Monaſtir . 62,
2g
4 Baadadbahn .
80,30
½ Anatoliſche Eiſenb.. 93,80
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 70,20
4 Northern=Paciſic . . .
4 Southern=Pacific . . . —
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 81,10
5 Tehuantepec . . . . . . 95,90
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
-
Untern. Zürich
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 145,70
9½ Berlin. Handelsgeſ.
6½ Darmſtädter Bank . 116,25
12½ Deutſche Bank . . . 249,00
6 Deutſche Vereinsbank . 116,80
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 112,75
10 Diskonto=Kommandit 185,00
152,30
8½ Dresdener Bank
10 Frankf. Hypoth.=B. 208,80
6½ Mitteld. Kreditbank 115,25
Nationalb. für Deutſchl. 117,90
7 Pfälziſche Bank. . . . 123,50
8,95 Reichsbank . . . . 135,00
Rhein. Kreditbank. . . 128,50
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 116,50
7½ Wiener Bankverein . 130,10
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 97,30
Letzte
In Proz.
T ivid
8 Schuchert, Nürnberg 151,10
12 Siemens & Halske .226,75
5 Beramann Electr. . 126,50
10 Deutſch.Ueberſee Electr. 168, 10
0 Gummi Peter . . . . 74,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 64,00
30 Adler=Fahrradwerke
.. . 569,00
Kleyer .
9 Maſchinenf. Badenia 147,00
0 Wittener Stahlröhren 181,00
9 Steana Romana Petr. 153,80
15 Zellſtoff Waldhof . . 251,00
12,83 Bad. Zucker=Wag=
198,00
häuſel. . . . .
O Neue Boden=A. A.=Beſ. 87,00
0 Südd. Immobilien 54,75
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 177½
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 220,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 165,90
10 Gelſenkirchener . . . . 192,25
9 Harpener . . . . . . . 199,80
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 267,00
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 89,50
6 Laurahütte . . . . . . 177,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 149,50
Weſteregeln 196,00
13
7½ South Weſt Africa 131,10
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 87,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,00
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,25
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Durer . . . . . . 73,50
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 91,10
75,00
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,50
do.
In Prot.
Zf.
5 Argentinier . . . . . . 100,50
84,60
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 92,00
5 Chineſ. Staatsanleihe. 100,30
41
92,30
do.
4½ Japaner . . . . . . . 92,30
5 Innere Mexikaner . . . 90,50
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 81,30
5 Gold=Mexikaner . . . . 97,90
3 Buenos Aires Provinz 68,60
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 149,90
7 Nordd. Lloyd . . . . . 121,10
3½ Südd. Eiſenb.=Bef..
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . . 116,75
6 Baltimore und Ohio . 99,75
6 Schantungbahn . . . . 134,40
8 Luxemb. Prince Henri
do. Goldrente . . . 90,500 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 26,00
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v. 1905 . . 87,70
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Nummer 90.
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Seite 10
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Nummer 90.
gewinnt die
vortreffliche
Qualitäts-
SOEIMA
Cigarette
1UE
1.974
Luftfahrt.
Das internationale Waſſerflugzeug=Meeting von Monaco,
das in dem erſten Teil des Hauptwettbewerbes ein
voll=
ſtändiges Fiasko erlebte, brachte auch am zweiten Tage
keinerlei beachtenswerte ſportliche Leiſtungen. Es war für
dieſen letzten Tag der 500=Kilometer=Flug angeſetzt
wor=
den, für den 25000 Fr. an Preiſen vom Internationalen
Sportingklub von Monaco zur Verfügung geſtellt worden
waren. Es bewarben ſich vier Flieger, und zwar Bregi
auf Breguet, Eſpanet auf Nieuport, Gaubert auf Maurice
Farman und Prevoſt auf Deperduſſin. Nur Bregi kam
zlatt vom Start; alle übrigen hatten große
Schwierigkei=
ten, vom Waſſer frei zu kommen und verloren viel Zeit.
Endlich waren alle auf der Reiſe keiner der Konkurrenten
erfüllte die Bedingungen. Prevoſt gab nach 30 Kilometern
auf, Eſpanet nach 190 Klm., Bregi nach 260 Klm. und
Gaubert nach 270 Klm. Man erwartet, daß die
ausgeſetz=
ten Preiſe trotzdem zur Verteilung gelangen werden.
Die=
ſes Ergebnis des Waſſerflugzeugmeetings kann eine
abſo=
lute Enttäuſchung genannt werden. Urſprünglich waren
26 Maſchinen für die Wettbewerbe angemeldet, 16 fanden
ſich in Monaco ein; von dieſen glückte es ſieben, die
Vor=
wettbewerbe zu erfüllen. Wie berichtet, erlitten faſt alle
mehr oder weniger ſchwere Havarien, ſpeziell auf dem 80
Kilometer langen Fluge Monte Carlo-Beaulieu-San
Remo-Monte Carlo, der ſchließlich abgebrochen wurde.
Es blieben ſo nur noch am letzten Tage dieſe vier
Konkur=
renten übrig, die ihre Maſchinen wieder einigermaßen
hatten gebrauchsfähig machen können. Zu dieſem Fiasko
kam am letzten Tage noch der Todesſturz des franzöſiſchen
Aviatikers Gaudart, der ohne Begleitfahrzeuge außer
Kon=
kurrenz zu einem Probeflug mit ſeinem ſelbſtkonſtruierten
D’Artois=Doppeldecker aufgeſtiegen war und mit ſeiner
unausprobierten Maſchine aus geringer Höhe abſtürzte
und in den Fluten verſank, bevor ihm Hilfe gebracht
wer=
den konnte. Der verunglückte Flieger war 28 Jahre alt
und hatte im Jahre 1910 das Führerdiplom erworben.
Paris, 17. April. Wie aus Monte Carlo
gemeldet wird, hat im internationalen Wettflug für Waſ=
ſerflugzeuge der Franzoſe Maurice Prevoſt den erſten
Preis davongetragen, indem er 200 Kilometer in 2
Stun=
den 2 Minuten 29 Sekunden zurücklegte.
Sport, Spiel und Turnen.
sr. Pferde=Rennen. Le Tremblay, den 16. April.
Prix Vertugadin; 3000 Francs, Diſtanz 1000 Meter:
1. Monſ. W. Flatmans Palatin (Bellhouſe), 2. Menuett II
(J. Reiff), 3. Louiſiane (Lemmel). Tot. 68:10, Pl. 28, 25,
32:10. Unpl.: Ma Lulub Girl, Seia Eva, Sophie,
Luza=
nille, Adair, Baiſe, Dourgne II, Vade Mecum. 3—1½ Lg.
Prix Fair=Helen; 5000 Francs, Diſtanz 2150 Meter:
1. Monſ. Jean Sterns Saperlipopette (Garner), 2.
Ra=
vaude (Sharpe), 3. Revolte (N. Turner). Tot. 28110,
Pl. 15, 98, 88:10. Unpl.: Madelon, Huelva II, Weihnacht,
La Meije, Samara, Chaveche. 2—1 Lg. — Prix Ruy=Blas:
3000 Francs, Diſtanz 2000 Meter: 1. Mr. Ch. Kohlers
Surſum (O'Neill), 2. Au Revoir (Garner), 3. Ophelie III
(J. Bara). Tot. 25:10, Pl. 12, 12, 40:10. Unpl.: File
Par=
tout (4), Pet. Normande, Caradora, Kalmouk II,
Ascety=
lene. 2—8 Lg. — Prix Edgard Gillois; 20000 Francs,
Diſtanz 3800 Meter: 1. Monſ. E. Kanns Saint Ange III
(J. Childs), 2. Wagram II (O'Neill), 3. Lilium (J. Reiff).
Tot. 26:10. Drei liefen. 3—1 Lg. — Prix Vervacques:
4000 Francs, Diſtanz 2300 Meter: 1. Monſ. de Berteux'
Verwood (J. Childs), 2. Ninive IV (A. Woodland),
3. Saint Alban (Guilliani). Tot. 10110. Drei liefen.
—3 Lg. — Prix Slapdaſh; 4000 Francs, Diſtanz 2000
Meter: 1. Monſ. E. de St. Alarys Rond d’Orleans (M.
Henry), 2. Infortune (Kenndy) 3. Camyre (Bara). Tot.
55:10, Pl. 16, 14, 40:10. Unpl: Rouble, La Begude, Le
Bouddha, Pampero, Quorum II, African King ½ Lg
bis Hals.
Trabrennen zu Mariendorf. Preis von
Neukölln; 1800 Mark, Diſtanz 2200 Meter: 1. Herrn G.
Seegers E. S. (W. Lemzer), 2. Rotdorn (Wiltſhire),
3. Dragoman (Ch. Mills). Tot. 50110, Pl. 14, 13, 13:10.
Unpl.: Franz Allen (4), Thekla III, Artus=Tochter,
Nina R, Oreade, Landluft, Leonidas. Leicht 1—1 Lg.
Ritterſporn=Preis; 2000 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Stall
Germanias Caruſo (Wiltſhire), 2. Linda Scott (G.
Treu=
herz), 3. Abendwind (F. Schmidt). Tot. 23110, Pl. 14, 14,
17110. Unpl.: Peonie (4), Floreat, Fuscus I, Angeli,
Martha, Medium Crown, Erling, Coeur Dame, Paloma,
Preis von Regensburg;
Anina. Kampf, 1—10 Lg.
2500 Mark, Diſtanz 2500 Meter: 1. Stall Klausners
Pa=
prika (Großmann), 2. Quercus (Wiltſhire), 3. Baumeiſter
(Paſſow). Tot. 26110, Pl. 11, 11110. Unpl.: Minze.
Sicher 1—10 Lg. — Preis der Diana; 5000 Mark, Diſtanz
2600 Meter: 1. Herrn A. Reſes Lady Alentell (Foſter),
2. Farzana (Ch. Mills), 3. Ranke (Wiltſhire). Tot. 31110,
Pl. 11, 10, 10110. Unpl.: Angra Pequena (4), Traube,
Ananas, Fauvette. Leicht 2—3 Lg. — Crocus=Preis; 1200
Mark, Diſtanz 2500 Meter: 1. Herrn W. Heins Jor (Herr
Porner), 2. Biruta (Beſ.), 3. Brownie (Beſ.). Tot. 16:10,
Pl. 14, 20, 15:10. Unpl.: Sarenka, Odaliske, Hofmeiſterin,
Balleteuſe. Ueberlegen 3—2 Lg. — Preis von Budapeſt;
2600 Mark, Diſtanz 2500 Meter: 1. Herrn C. Rasmuſſens
Dr. Lew (Ch. Mills), 2. Miß Good (Wiltſhire), 3.
Mo=
cona (Doelemann). Tot. 26:10, Pl. 12, 14, 14:10. Unpl.:
Admiral C, Teddy Worthy, Raden, Star Brook. Ueber=
Preis von Lichtenrade; 2200 Mark,
legen 3—2 Lg.
Diſtanz 2400 Meter: 1. — Herrn W. Heins A. S. (W.
Lem=
zer), 1. — Herr Morgans Pfeffer (Sclayer), 3. Herbert
(Weiſe). Tot. 8:10, Pl. 12110 (A. S.), Tot. 20110, Pl.
14:10 (Pfeffer). Unpl.: Sportsmädel, Irländer, Eiche.
Tot. Rennen. 2 Lg.
Mülhei m=Duisburg, 16. April. Erſtes
Ren=
nen: 1. Waddles (Gädicke), 2. Faraga (Hoffmann), 3. Du
blin Fuſilier (Ludwig). Tot. 23110, Pl. 13, 14, 20:10.
Unpl.: Nowham, Fatia, Negra, Forſt (angeh.), Footmark,
Engadin. 1½—½—3 Lg. — Zweites Rennen: 1. Florim
Robertet (v. Hatten), 2. Marius IV (Lt. Maune), 3.
Gueſ=
ſurttia (v. Bock und Polach). Tot. 18:10
— Drittes
Ren=
nen: 1. — Boiling Hot (Sumptor), 1. — Potoskaff (Kühl),
3. Uranus (K. Fanta). Tot. 10:10, Pl, 13:10. Tot. 21:10,
Pl. 13, 20:10. Unpl.: Topchidero, Hongroiſe, Brunenia,
Greyman, Juriſt, Leipzig. ½—
¾ Lg.
Viertes
Reu=
nen: 1. Aſa (Lt. v. Moßner), 2. Forerunner II (v.
Wan=
genheim), 3. Melinda (Lt. Meyer). Tot. 15:10. Drei liefen.
4—15 Lg. — Fünftes Rennen: 1. Anleihe (Raſtenberger),
2. Daruvar (Sumpter), 3. Pilgrim (Kühl). Tot. 22:10,
Pl. 11, 13, 11:10. Unpl.: Coco, Denkſchrift, Knappe,
Felixeſto (4). ¾—1½ Lg. — Sechſtes Rennen: 1.
Tene=
dos (v. Bock und Polach), 2. Santois Cherry (Lt. v.
Moß=
ner), 3. Firſt Flutter (Lt. Maune). Tot. 18:10. Drei lie
fen. 4—5 Lg. —
Siebtes Rennen: 1. Roſa Caninia (Lt.
Demnig), 2. Talisman (Lt. v. Moßner), 3. Sea Squaw
(Beſ.). Tot. 63:10, Pl. 17, 16, 14:10. Unpl.: Door Mat,
Jägersmann, Ibyeus, Heidenkind. 3 Lg.-Hals.
Literariſches.
Die Berufsvormundſchaft und ihre
Probleme von Berufsvormund Niestroj. Verlag
von Guſtav Ziemſen, Berlin SW. 29, Preis geb. 3 Mk.
Das Buch iſt ein Leitfaden und unentbehrliches
Nach=
ſchlagewerk für Berufsvormünder, Vormünder, Juriſten,
Geiſtliche, Verwaltungsbeamte, Lehrer, Wohlfahrts=
Er=
ziehungs= und Fürſorgeanſtalten und Vereine — für alle,
die irgendwie mit der Berufsvormundſchaft in Berührung
kommen. Die Arbeit verdient, daß ſie von allen dieſen
be=
ſchafft wird und ſo die weiteſte Verbreitung findet.
Die Bücher= und Bilanzkontrolle wird bei größeren
Induſtrie=, Fabrik= und Handelsunternehmungen immer
mehr zu einer ſtändigen und ſegensreichen Einrichtung.
Der Wert einer Bilanzprüfung ſteigt mit der Genauigkeit
der Reviſion. Das von Curt Porzig, Prokuriſt der
Jas=
matzi Akt.=Geſ. in Dresden, ſoeben erſchienene Buch: Die
Technik der Bücher= und Bilanzreviſion
(Muthſcher Verlag, Stuttgart, Preis 1 Mk., Porto 10 Pfg.)
gibt eine treffliche und zugleich anſchauliche Anleitung zur
ſicheren Prüfung von Bilanzen
Wer ſich ein Pariſer Koſtüm faſt umſonſt
ver=
ſchaffen will, der nehme die neueſte Nummer des
tonan=
gebenden Weltmodenblatts Große Modenwelt, mit
Fächervignette, Verlag John Henry Schwerin, Berlin W.
57, zur Hand, ſuche ſich ein paſſendes Modenbild aus den
wundervollen Genrebildern aus, die dies ausgezeichnete
Blatt bringt, und fertige ſich das Koſtüm mit Hilfe des
muſtergültigen Schnittbogens ſelbſt an. Was
Reichhaltig=
keit, Vornehmheit und Billigkeit anbetrifft, iſt heute
die=
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ſtellen. Abonnements auf Große Mobenwelt zu 1 Mark
vierteljährlich (wofür 6 Nummern geliefert werden)
neh=
men ſämtliche Buchhandlungen und Poſtanſtalten
ent=
gegen. Gratis=Probenummern bei erſteren und durch den
Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57.
Nummer 90.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Grofh. Polzelamte Darmſadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Foxterrier. 1 Dobermann, 1 Kriegshund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(9202
Bekanntmachung.
Die hauptſächlich unter der Schuljugend vielfach verbreitete,
nicht ſcharf genug zu verurteilende Unſitte, Gebäude,
Einfriedig=
ungen ꝛc., namentlich ſolche mit friſchem Anſtrich, durch Beſchmieren
mit Kreide, Schmutz uſw. zu verunreinigen, hat in letzter Zeit
wie=
der überhand genommen.
Wir ſehen uns daher veranlaßt, vor ſolchen Ausſchreitungen
erneut eindringlichſt zu warnen, ſowie an Lehrer, Eltern,
Vormün=
der uſw. das dringende Erſuchen zu richten, die ihrer Obhut
unter=
ſtellten Kinder mit allen ihnen zu Gebote ſtehenden Mitteln von
der=
artigem Unfug abzuhalten.
Das Aufſichtsperſonal iſt angewieſen, die Schuldigen im
Be=
tretungsfalle unnachſichtlich zur Anzeige zu bringen, im Falle der
Strafunmündigkeit der betreffenden Kinder aber die Beſtrafung ihrer
Eltern, Vormünder uſw. nach §44 des Polizeiſtrafgeſetzes herbeizuführen.
Darmſtadt, den 15. April 1913.
(9110ds
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Oktroi für Brennholz.
Die Schießhausſtraße, der Heinrichswingertsweg, die
Lands=
kron=, Moosberg= und Ludwigshöhſtraße ſind für oktroipflichtige
Gegenſtände geſperrt.
Zur Erleichterung der Holzabfuhr wird hiermit den Bewohnern
des ſüdlichen Stadtteils geſtattet, dieſe Straßen zu benutzen, wenn
ſie den Oktroi beim Hinausfahren in den Wald an die Erhebſtelle
in der Klappacher Straße auf Grund des Abfuhrſcheins entrichten,
ſo daß beim Einfahren in die Stadt die Fuhrleute im Beſitze der
Quittung ſind, die den ſtädtiſchen Aufſichtsbeamten auf Verlangen
vorzuzeigen iſt.
Der Oktroi für das durch die Beſſunger Straße in die Stadt
einzuführende Holz iſt vorher an die Oktroierhebſtelle Heidelberger
Straße 112 zu entrichten.
Für das Holz, das nicht in die Stadt eingebracht, ſondern
auf die in der Gemarkung Darmſtadt liegenden Grundſtücke geſetzt
wird, iſt ebenfalls der Oktroi beim Hinausfahren in den Wald zu
entrichten.
Gegen Zuwiderhandelnde wird auf Grund des Oktroi=
Regle=
ments Anzeige erhoben.
(8485a
Darmſtadt, den 5. April 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
Vergebung
von Bauarbeiten.
Nachſtehende Arbeiten für den Neubau der Preßhefe=Fabrik
des Herrn Fabrikanten J. Pleſer in Eberſtadt ſollen vergeben
werden:
1. Grabarbeit, ca. 1300 cbm Erdaushub.
Beton= und Zementarbeit, ca. 650 cbm Stampfberon.
3. Maurerarbeit, ca. 1084 cbm Backſteinmauerwerk.
4. Asphaltarbeit, ca. 125 qm Asphaltiſolierung.
5. Zementſteinlieferung, ca. 10 cbm.
6. Zimmerarbeit, ca. 86,50 obm Holzlieferung.
7. Dachdeckerarbeit, ca. 840 qm Schieferdeckung.
. Spenglerarbeit, ca. 198 lfd. m Hängerinnen.
9. Trägerlieferung, Schmiedearbeit und Eiſenkonſtruktion
rund 111000 kg Träger.
10. Eiſenbetonarbeit, ca. 1600 qm Decken.
Zeichnungen und Bedingungen liegen bei der Bauleitung zur
Einſicht offen, woſelbſt Verdingungsunterlagen gegen Vergütung der
Selbſtkoſten abgegeben werden.
Angebote mit entſprechender Aufſchrift verſehen, ſind bis
Samstag, den 26. ds. Mts., abends 6 Uhr, beim Unterzeichneten
einzureichen.
Darmſtadt, den 17. April 1913.
(9214
Die Bauleitung:
Schießhausſtraße 53
Peter Müller, Architekt,
Telephon 54.
Bekanntmachung.
Die durch das Ableben des Herrn Flehinger freigewordene
Stelle eines Rechners der hieſigen israelitiſchen Religionsgemeinde
voll wieder beſetzt werden.
Bewerber, welche unſerer Gemeinde angehören müſſen, wollen
ſich bis 25. d. Mts. ſchriftlich bei dem unterzeichneten Vorſtande
melden.
Die Bedingungen können auf dem Gemeindebureau,
Friedrich=
ſtraße 2, während der üblichen Bureauſtunden eingeſehen werden.
Darmſtadt, 17. April 1913.
(9209
Der Vorſtand
der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Intereſſenten, daß nach
em Ableben unſeres Gemeinderechners, Herrn Flehinger, die erledigte
fechnerſtelle bis zur Wiederbeſetzung von Herrn Rechnungsrat
Weckenhaub verſehen wird.
Die Kaſſe befindet ſich bis auf Weiteres im Gemeindehauſe
Friedrichſtraße 2.
Die ſeitherigen Zahltage werden beibehalten.
Darmſtadt, den 17. April 1913.
(9210
Der Vorſtand
der israelitiſchen Religionsgemeinde.
HEKMAINN WEKIHEli, Dankgeschäft
TELEPHON Nr. 2495.
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zur Spekulation an allen in- und ausländischen Börsen.
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Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom i. bis 15. April 1913:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 21.50 bis 26.50
Korn
„ 18.— „ 18.50
Gerſte
„ „ 17.50 „ 21.75
Hafer
19.50 „ 21.-
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 9 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.25
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 6.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 1.50
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.50
Heu per 50 Kilo Mk. 4.50
Darmſtadt, 17. April 1913.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Bekanntmachung.
Freitag, den 30. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Johann Georg Jacob
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
162 201 Hofreite Große
Ochſengaſſe
Nr. 1,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K8/13
Darmſtadt, 16. April 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,9195
Bekanntmachung.
Freitag, den 30. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Wirt Ludwig Hotz
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV
797 478 Hofreite
Saal=
bauſtraße
Nr. 37,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K33/13
Darmſtadt, 12. April 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,9196
Bekanntmachung.
Freitag, den 30. Mai I. Js.,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die dem Kaufmann Heinrich
Philipp Jacoby dahier
zugeſchrie=
bene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 957 161 Hofreite
Parcus=
ſtraße Nr. 5
III 958 73 Grabgarten
da=
ſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K32/13
verſteigert werden.
Darmſtadt, 15. April 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
V. 9197
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deren Abgang im Stuhl wahrgenommen wird, laſſen auf ein
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handenes Wurmleiden ſchließen, das ſich auch in Bläſſe, mattem Blick,
belegter Zunge, ſtechenden Schmerzen in den Gedärmen,
Appetit=
loſigkeit u. a. m. äußert. Das läſtige Leiden vertreibt in den meiſten
Fällen eine Kur mit wohlschmeckendem Spulwurmkrauf,
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pro Karte erhoben. Dieſe Eintrittskarten, ſowie eine beſchränkte
Anzahl numerierter Sitze zu Mk. 1.— und 50 Pfg. ſind im
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Müller & Rühle, Schutter, Schroth, Bergſtraeßer, ſowie den
Zigarrenhandlungen von Hugo de Waal, Rheinſtraße, Friehmelt,
Rheinſtraße, Loehr, Wilhelminenſtraße, zu haben.
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Der Eintritt erfolgt nur gegen Vorzeigung der Eintrittskarten.
Zu dem Vortrag ſind alle vaterländiſch geſinnten Männer=
und Frauen, Mädchen und Jünglinge eingeladen.
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etwa
200 Mitwirkende.
Zum Beſten des unter dem Protektorat
Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs ſtehenden
Bauvereins für die Reformationskirche
Dienstag, 29. April 1913, abends 8 Uhr,
im großen Saale des Städt. Saalbaues
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Orato rium fürsoli, gemischter Chor und
— Orchester, von L. Loewe.
Soliſten: Sopran: Frau Irma Hermanns=Schaffner,
Konzertſängerin aus Cöln. Alt: Frl. Elſe Diefenthäler,
Konzertſängerin von hier. Tenor: Herr Konzertſänger
W. Lamb aus Frankfurt a. M. Baß: Herr
Konzert=
ſänger Maxim. Troitzſch aus Auerbach an der Bergſtr.
Leitung: Herr Stadtorganiſt Borngäſſer.
Karten=Alleinverkauf zu Mk. 4.40, 3.30, 2.20, 1.10 in
der HofmuſikalienhandlungH. Arnold, Wilhelminenſtr. 9.
Um Störungen zu vermeiden, wird um pünktl. Erſcheinen
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Freitag, den 18. April, abends 8 Uhr.
Karten, welche zum freien Eintritt berechtigen, in
dem Magazin der Pianofortegrosshandlung
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Ecke Erbacherstrasse. (8976imdf
Bessunger Kirchenbau.
Sonntag, den 27. April, nachmittags 4½ Uhr:
im großen Saal der Turn=
Festveranstalfung gemeinde (Woogsplatz
zum Beſten des katholiſchen Kirchenbaues in Beſſungen.
Reichhaltiges Programm.
Gaben und Anmeldungen für Büfetts und Verkaufsſtände
werden ſchon jetzt dankbar angenommen von den Unterzeichneten:
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von Bothmer, Heidelbergerſtr. 132. Frau Rechnungsrat
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Das Stärkſte.
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(Nachdruck verboten).
Seit Tagesgrauen war er auch heute wieder
unter=
twegs. Brackerfurt und Elmsdahl waren das Ziel. Das
kleine Brackerfurt, dicht am Rhein gelegen, hatte er ſchon
lhinter ſich. Nun ging es auf Elmsdahl zu. Gegen
Mit=
rtag erreichte er die erſten Häuſer des Ortes. Es gab
gleich eine Menge Geſchäfte zu erledigen. Er war ſo in
AAnſpruch genommen, daß er an das ihn Bewegende, zu
OErkundigungen Drängende kaum zu denken vermochte.
Und wenn ſein Sinnen gar einmal zu ihm ſprang, dann
ſprallte es immer wieder wie in Scheu zurück, ind eine
heimliche Stimme ſagte ihm vor: Laß, laß doch — es wird
jja, wie ſtets, ſo ganz und gar nutzlos ſein!
Ein lahmes, am Stock gehendes Frauchen, ganz
ver=
huzelt und faltig im Geſicht, kam jetzt auf ſeinen Wagen
zu, der von einigen bereits befriedigten, aber noch vor
Dem Auseinandergehen zuſammen ſchwatzenden,
Käuferin=
men umſtanden war, und brachte ſein Begehr vor.
Henning verſtand die lahme Alte nicht und fragte. Ein
waar verſtändnislos blickender Augen ſah zu ihm hoch und
teine Antwort blieb aus.
Eine der Schwätzerinnen beobachtete trotz alles
In=
vereſſes an der gerade durchgehechelten Neuigkeit die
Ver=
legenheit Hennings und trat näher. . . Ach, die Boaſ'
Schlotterbeck tut koa Wort hürn, weil’s a hart aufn
Ohren is. Sie brachte ihren Mund dicht vor das Ohr des
ungſtlich mit ſeinem Stocke hin= und hertaſtenden Mütter=
chens und ſchrie: Noa, Boaſ”, was ’s ſan ſull? . . . Mkrie
Joſeph, gar niſcht tut’s verneh’m, doas loahm Weibſen
Die anderen ließen auch von ihrem Klatſch ab. Und
nun ſchrien ſchon drei, vier: Was ’s ſan ſull, Boaſ’? Nu,
ſoa redt doch! Boas, Boas!
Aber die Baſe Schlotterbeck blieb nur bei ihrem
ängſt=
lichen Taſten mit dem Stocke und ſagte kein Wort. Sie
ſchien durch das viele Schreien und Geſtenſpiel ganz und
gar verwirct und ſtand wie ein hilfloſes Kind.
Endlich riet die eine der Frauen Henning, er möchte
am beſten ein Stück weiter fahren und beim vierten Haus
links nachfragen, da wohne die Syhille Frank, zu der
ge=
höre die Baſe Schlotterbeck, die würde ſchon wiſſen.
Bei der Nennung des Namen Frank zuckte es Henning
wie ein Stich durch den Sinn. Er mußte an ſich halten,
um nicht vor Ueberraſchung laut aufzuſchreien. Der nächſte
Augenblick gab ihm ſchon ſeine Ruhe wieder. Was galt
der bloße Name Frank. Es gab ihn vielleicht hundertmal
auf der Welt, und dieſe Sybille Frank war gewiß eine
Frau, die mit der von ihm geſuchten nicht das Geringſte
zu tun hatte..
Nein, nicht das Geringſte! . . . Denn als er nun fünf
knappe Minuten ſpäter vor ihr ſtand, um zu ſagen, daß er
ſich mit der Baſe Schlotterbeck nicht verſtändigen könne
ſuchte er in dem Geſicht der blaſſen, ſtillen Frau vergeblich
nach einem Zuge, der auf eine Aehnlichkeit mit Signe
weiſen möchte. Seufzend holte er die gewünſchten Waren
vom Wagen, nahm das Geld in Empfang und ſtand nun
in heller Unentſchloſſenheit, ob er gehen oder bleiben ſolle.
Die ſtille Frau muſterte den Ratloſen mit unverkenn=
barem Intereſſe und ſteigender Unruhe. War dies
lei=
densvolle Geſicht mit den eingefallenen Wangen und dem
gequälten Ausdruck in den Augen nicht Zug —— Zag das
Geſicht der Frau, die ſie ſo deutlich in ihrem Erinnern ſah,
daß ſie ihr Bild hätte malen können?
Und trotzdem ſie ſich ſagte, daß es Torheit ſei, zu
den=
ken, einen Bruns vor ſich zu haben, ſchwirrte doch ſchon
im nächſten Augenblick, wie von einem Zwange erzeugt,
das Wort . . . „Hattinghauſen” durch den ärmlichen,
nied=
rigen Raum.
Es traf Henning wie ein körperlicher Schlag und ließ
ihn zurücktaumeln. Und die Münzen, die ſeine Rechte
umſchloſſen hielten, fielen klirrend zu Boden.
Woher kennen Sie Hattinghauſen? ſtieß er endlich
zitternd heraus. . . Und dann, nach kurzem, wild durch
ſeinen Sinn fahrenden Gedankenwirrwarr, ohne zur
Klar=
heit zu kommen: Sie ſind Signes Mutter.
Er trat einen Scheitt vor und beobachtete mit weit
geöffneten Augen die Wirkung ſeiner Worte. . . Ja, ſie
war’s! Und wenn ſie es mit tauſend Worten zu beſtreiten
verſucht hätte, das kurze, jähe Aufflammen wilder, heißer
Beſtürzung, das er in ihren Augen geſehen, wäre der
Be=
weis vom Gegenteil geweſen. Ein Beweis, unumſtößlich.
Sybille Frank taſtete ſich zu einem Stuhl hin, nahm
ſchwerfällig Platz und ſtarrte Henning an, ohne einer
Entgegnung fähig zu ſein.
Auch Henning ſprach nicht. Und wenn nicht aus dem
Munde der tauben Baſe Schlotterbeck ein angſtvolles
Stöhnen gekommen, wäre es in dem Zimmer totenſtill
ge=
weſen..
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Hennings Augen wanderten von der einen Tür des
Gemaches zu der anderen. . . Und ganz gewiß erwartete
er: in einer der nächſten Sekunden wird durch eine dieſer
Türen Signe treten. Denn ſie war ja bei ihrer Mutter,
hatte doch zu ihr gewollt. . . Und ein anderer würde auch
nicht fern ſein . .. der Mann der ſchier verſteinert
aus=
ſehenden Frau und Signes Vater. Aber das war ja
gleichgültig, ob er kam oder nicht kam. . . Nur Signe erſt
ſehen, nur ſie erſt hier wiſſen.
Aber keine der beiden Türen ging, kein Laut zerriß
die laſtende Stille, die jetzt auch nicht mehr durch der
Baſe Schlotterbeck Stöhnen geſtört wurde. Die lahme
Alte hatte ſich zur Bank am Ofen hingetaſtet und war dort
kraftlos niedergeſunken. Und als die tote Stille wie ein
Geſpenſt ſich breit machte und es Henning ſchier zu Sinn
ward, als trachte dies Geſpenſt mit dürren Händen nach
ſeinem Halſe, ihn zu umklammern, und als ſeine
Sehn=
ſucht nach Signes Geſicht wie eine lodernde Flamme über
ihm zuſammenſchlug, da fragte er, ſchrie er es heraus:
Wo iſt Signe?
Die bleiche, verängſtigte Frau auf dem Stuhl ward
ihrer fragenden, raſenden Gedanken noch nicht Herr. Nur
ſo viel glaubte ſie zu wiſſen: Jener dort ſucht ſie. Und
wenn dieſer ſie Suchende wirklich der war, für den ſie ihn
hielt, ein Bruns, dann konnte Signe nicht mehr in
Hat=
tinghauſen ſein. Wo, wo war ſie dann? Dieſes wilde,
heiß emporquellende Fragen ließ ſie eine Antwort auf
die ſoeben gehörte Erkundigung nicht geben. Nun ſchrie
ſie auch nur heraus: Wo iſt Signe?
Henning verſtand nicht. Er zwang ſich zur Ruhe und
ſagte: Sie wird ſchon kommen. Ich will warten, bis ſie
kommt. Und es breitete ſich wie ein jubelndes Frohſein
über ſeine Seele, daß er nun endlich, endlich am Ziel.
Mit einem befreienden Seufzen ging er zu Sybille Frank,
legte ſeine Hand auf ihre Schulter und ſagre freundlich:
Ich heiße Henning Bruns. Seit Wochen ſuche ich Signe
und bin unſagbar glücklich, daß ich ſie nun gefunden.
Sybille Frank beugte ſich vor, ſtarcte zu Boden und
taſtete ſich über die Stirn. Nun ſah ſie ganz klar: Signe
war aus Hattinghauſen fort. Darüber hinaus, über die
Gründe, die ſie zum Gehen bewogen, dachte ſie nichts.
Sie ſtand ſchwer auf, ſuchte einen Halt und ſagte mit toter
Stimme: Sie haben Signe nicht gefunden, Herr Bruns.
Sie iſt nicht hier.
Henning taumelte: Sie muß hier ſein. Sie wollte
mit ihrem Vater zu Ihnen..
Mit mit dem . . . ihm . . . mit dieſem Elenden?
Ich verſtehe nicht. . . Wie iſt das möglich? .
Trotz aller wilden Erregung zwang ſich Henning zu
kurzem, ſachlichem Bericht.
Schon während ſeines Sprechens brach Sybille Frank
in ein erſchütterndes Weinen aus. O, Gott! ſtöhnte ſie
dann, während Henning ſein Erzählen plötzlich abbrach,
als ſage er ſich: Wozu ſprichſt Du noch, es iſt ja alles
nutz=
los! Und nach ihrem ſtöhnenden Jammerkaut fuhr ſie
klagend fort: Ich habe mich damals mit Herzbluten von
ihr losgeriſſen, um ihr Leben unter treuer Hut und in
klarem, reinem Licht zu wiſſen. und es iſt alles
ver=
geblich geweſen. Nun irrt ſie mit dem gewiſſenloſeſten
aller Menſchen durch die Welt, wenn er ſie nicht längſt
wieder allein gelaſſen. O, mein armes Kind! Meine
un=
glückliche Signe!
Henning ſtarrte teilnahmslos vor ſich hin. Was galt
ihm dieſes Klagen aus fremdem Munde, gegenüber der
Größe ſeines eigenen Leids, das er dazu in ſeiner ganzen
Gewalt noch nicht einmal voll erfaßt! War er überhaupt
imſtande, den abgrundtiefen Sturz aller Hoffnung auch
nur annähernd zu verſtehen? Es deuchte ihn, als ſei eine
Leere in ſeinem Hirn. Noch immer war das tote Starren
in ſeinen Augen, das von der Baſe Schlotterbeck zu
Sy=
bille Frank ging und von Sybille Frank zur Baſe
Schlot=
terbeck. Eine ganze Weile im beängſtigenden Gleichmaß.
Um dann über die Gegenſtände im Zimmer zu gleiten,
als wäre ihm die Macht über ſeine Augen verloren
ge=
gangen.
Nur eins empfand er gewiß: ein raſendes,
dröhnen=
des Klopfen und Pochen hinter ſeinen Schläfen, wie von
Hämmern erzeugt. Und das Blut begann toſend durch
die Adern zu jagen. Ein Schwächegefühl, das Einſpinnen
ſeiner Sinne wie in einen Nebel machten ſich geltend. Mit
ungeheurer Anſtrengung lehnte er ſich dagegen auf. Es
gelang ihm, ſich davon frei und ſein Denken ſo weit
ge=
fügig zu machen, daß es ihm den Entſchluß gab: Ich will
fort. Ich muß fort, ſo ſchnell wie möglich, um heim zu
kommen zu meiner elenden Kammer mit dem eiſigen Bett.
Es könnte ſonſt ſein, daß mir bei noch längerem
Ver=
weilen die Kraft verloren geht, den Weg bis Ehrenberg
zurückzulegen.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 90.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 18. April 1913.
Seite 15.
n
über 34,000 ähnlich lautende ſchriftliche Anerkennungen!
Naturwiſſenſchaftlicher Verein
zu Darmſtadt.
In der 285. Sitzung ſprach Regierungsrat Knöpfel
über den
Geburtenrückgang im Großherzogtum
Heſſen.
In Deutſchland war man ſeit Jahren daran gewöhnt,
daß die Zahl der Geburten, abſolut genommen, ſtets
zu=
nahm. Man befand ſich angeſichts des zahlreichen
Nach=
wuchſes in einem ſolchen Sicherheitsgefühl, daß man auch
dann, als die Geburtenzahl im Verhältnis zur
Volks=
menge ſank, dieſer Erſcheinung noch keine beſondere
Be=
deutung beimaß. Erſt nachdem die Geburtenzahl auch
ab=
ſolut zurückging, wurden die Stimmen, die auf die
bedenk=
liche Seite dieſer Erſcheinung aufmerkſam machten, nicht
mehr überhört. Dieſe Zeit trat im Großherzogtum Heſſen
mit dem Jahr 1907 ein (im Deutſchen Reich ungefähr
gleichzeitig). Die Zahl der Lebendgeborenen in Heſſen ge
ſtaltete ſich ſeitdem in den einzelnen Jahren 1906 bis 1912
wie folgt: 37615 — 36 979 —
37359 — 36 299 — 34670
33 209 — 32339. Die Geburtsziffern, d. h. die Zahl
der Lebendgeborenen auf 1000 Einwohner, berechnen ſich
für die gleichen Jahre auf 31 — 30 — 30 — 29 — 27 — 26
25. — Die Geburtenhäufigkeit hat ſich alſo in
den letzten 6 Jahren um 20 Prozent vermindert. Es
ent=
ſtehen nun die Fragen: Wird der Geburtenrückgang
weiterhin anhalten und bei welchem Tiefſtand kann von
einer wirklichen Gefahr die Rede ſein? Die
Geburts=
ziffern waren in den letzten 90 Jahren manchen
Schwan=
kungen ausgeſetzt, aber niemals zeigte ihre Kurve einen
ſolchen Tiefſtand wie gegenwärtig. Der höchſte Stand
war in den 1870er Jahren mit einer Ziffer von 38 erreicht.
Es wird allgemein angenommen, daß ſich der
Geburten=
rückgang zuerſt bei den höher geſtellten Volksklaſſen
ein=
geſtellt hat, und zwar durch gewollte Beſchränkung der
Kinderzahl. Es läßt ſich dies beſonders gut bei der
jüdi=
ſchen Bevölkerung zahlenmäßig nachweiſen. Deren
Ge=
burtsziffer (auf 1000 Perſonen der jüdiſchen Bevölkerung
berechnet) betrug im Zeitraum 1876/80 31, heute 1906/10
nur noch 19, iſt alſo ungefähr ſo groß wie die des
fran=
zöſiſchen Volkes. Allerdings iſt auch die Sterbeziffer der
Juden in der gleichen Zeit von 18 auf 14 gefallen.
Trotz=
dem iſt der Geburtenüberſchuß von 13 auf 5 geſunken.
Es beweiſt dies, daß ein ſtarker Geburtenrückgang
durch ein gleichzeitiges Sinken der Sterblichkeit nur zum
Teil aufgehoben werden kann. Das Vorbild, das die
ſozial höher ſtehenden Volksſchichten hinſichtlich der
Kin=
derbeſchränkung abgeben, wird von den unteren Volks=
klaſſen nachgeahmt. Die Geſamtbevölkerung hat heute
un=
gefähr die gleiche Geburts= und Sterbeziffer, die die
jü=
diſche Bevölkerung vor ungefähr 30 Jahren hatte. Es
iſt nicht unwahrſcheinlich, daß die Geſamtbevölkerung
den=
ſelben Entwicklungsgang durchmachen wird, den die
Ju=
den bezw. die ſozial höher ſtehenden Klaſſen vorgezeichnet
haben. Dieſer Entwicklungsgang würde ſich auch decken
mit demjenigen, den man beim franzöſiſchen Volk ſchon
lange zu beobachten Gelegenheit hatte. — Ein Unterſchied
der Geburtenhäufigkeit iſt nicht bloß bei den verſchiedenen
ſozialen Schichten des Volkes zu bemerken, ſondern auch
bei den einzelnen Religionsgemeinſchaften. Die
verhält=
nismäßig größte Geburtenhäufigkeit hat die katholiſche
Bevölkerung, dann folgt die evangeliſche und zuletzt in
weitem Abſtand die jüdiſche. Dieſelbe Reihenfolge gilt,
nebenbei bemerkt, auch für die Säuglingsſterblichkeit: ſie
fällt mit ſinkender Geburtsziffer. Vom Geburtenrückgang
wurde keine der drei Glaubensgemeinſchaften verſchont.
Es beſteht auch ein Gegenſatz zwiſchen Stadt und Land.
Die ländliche Bevölkerung iſt im allgemeinen
geburten=
reicher als die ſtädtiſche, aber ein Rückgang zeigt ſich hier
wie dort. Sehr lehrreich iſt es, zu unterſuchen, welche
Al=
tersklaſſen der Ehefrauen an dem Geburtenrückgang am
meiſten beteiligt ſind. Für keinen anderen deutſchen Staat
liegt hierüber ſo detailliertes Zahlenmaterial vor wie für
Heſſen.
Es ergibt ſich, daß die Ehefrauen um ſo mehr
an dem Geburtenrückgang Anteil nehmen
je älter ſie ſind. Es iſt dies auch ſehr erklärlich. Denn
wenn die Geburtenfreudigkeit überhaupt abnimmt, ſo iſt
es natürlich, daß dies bei den älteren Frauen mehr in Er
ſcheinung tritt als bei den jüngeren. Setzt man die
Frucht=
barkeit der Ehefrauen in den einzelnen Altersklaſſen gleich
100, ſo iſt dieſe eheliche Fruchtbarkeit während der letzten
30 Jahre in der Altersklaſſe von 25 bis 29 Jahren auf 75
und in der Altersklaſſe von 35 bis 39 Jahren aber auf
59 zurückgegangen. Geographiſch betrachtet, zeichnet ſich
die Provinz Starkenburg durch die verhältnismaßig höchſte
Geburtsziffer aus; dann folgt Rheinheſſen und zuletzt
Oberheſſen. Geht man auf die einzelnen Gemeinden
zu=
rück, ſo gilt im allgemeinen, daß am geburtsfreu
digſten die Induſtriebevölkerung iſt, dan
folgt die ländliche Bevölkerung und zuletzt die ſtädtiſche.
Die höchſten Geburtsziffern des Großherzogtums finden
ſich in den Induſtrieorten des Rieds, in den Gemeinden
der Umgebung von Mainz, Offenbach und Worms.—
Vorerſt iſt die Wirkung des Geburtenrückgangs noch nicht
groß, aber die Gefahr beſteht darin, daß der Rückgang
vorausſichtlich immer weiter fortſchreitet und daß es kaum
Mittel gibt, ihm wirkſam zu begegnen. Ein ſchwacher
Troſt iſt es, daß ſich der Geburtenrückgang bei allen
Kul=
turvölkern mit Ausnahme der ſlawiſchen Raſſe bemerkbar
macht. Ueberblickt man die vorgetragenen Einzelheiten
ſo kann man ſich der Einſicht nicht verſchließen, daß das
deutſche Volk auf Bevölkerungszuſtände losſteuert, wie ſie
in Frankreich herrſchen und daſelbſt ſo überaus beklagt
werden. Die Urſachen des Geburtenrückgangs ſind ſehr
mannigfaltig. Vor allem iſt in der Bevölkerung der
Wunſch weitverbreitet, ein Zugroßwerden der Familie zu
verhüten, weil die Anſprüche, die heute ein jeder an die
Lebenshaltung ſtellt, ſich mit dem Beſitz einer größeren
Kinderzahl nicht vereinbaren laſſen. Man geht deshalb
mehr und mehr zur bewußten Geburtenregelung, zuc
Rationaliſierung des Geſchlechtslebens, über. Wir leben
im Zeitalter der Furcht vor dem Kind
Die Ausführungen des Vortragenden wurden durdh
Vorzeigen ſelbſtangefertigter Wandtafeln auf das
treff=
lichſte unterſtützt. — Sanitätsrat Dr. Hoffmann
be=
merkt hierzu, daß, wenn der Geburtenrückgang auch
frag=
los in erſter Linie ein gewollter und beabſichtigter iſt, in
geringem Maße auch phyſiologiſche Momente als Urſache
angeſprochen werden können. Er erwähnt zunächſt den
Einfluß der Zunahme des Stillens, da während der
Stillperiode eine Konzeption nur ſehr ſelten eintritt, wenn
ſie auch nicht völlig ausgeſchloſſen iſt. Auf dieſe Urſache
weiſt auch der Umſtand hin, daß da, wo die
Säuglings=
ſterblichkeit am geringſten iſt, wo alſo am meiſten und
längſten geſtillt wird auch der Geburtenrückgang am ſtärk
ſten ausgeſprochen iſt. Eine weitere phyſiologiſche Urſache
iſt die Zunahme der Geſchlechtskrankheiten, die die
Frucht=
barkeit vielfach ungünſtig beeinfluſſen und oft zur
Sterili=
tät führen. Es iſt zu hoffen, daß die Belehrung der
heran=
wachſenden Jugend über die Bedeutung und über die
Ge=
fahren, die die Geſchlechtskrankheiten nicht allein für das
Individuum, ſondern auch für die Familie und den Staat
im Gefolge haben, hier Beſſerung ſchafft. Wie groß auch
der Einfluß akuter Krankheiten auf die Geburtsziffer ſein
kann, dafür hat die Influenza=Epidemie des Jahres 1890
im Großherzogtum Heſſen ein treffendes Beiſpiel
gelie=
fert. Die Influenza trat damals im Großherzogtum
ge=
nau am 1. Januar 1890 plötzlich auf und herrſchte im
Monat Januar in erſchreckender Ausdehnung. Im
Ok=
tober 1890 zeigte darauf die Geburtsziffer einen ſo rapiden
und ſo bedeutenden Abfall wie nie zuvor und nie nachher.
Vorträge.
* Rechtſprechung in Impfſachen. Am
Dienstag, 15. April, ſprach Herr Rechtsanwalt Spohr
aus Gießen im „Fürſtenſaal” über den Gegenſatz, in dem
ſich die heſſiſche Rechtſprechung in Impfſachen zur
preußi=
ſchen bewegt. Das Oberlandesgericht Darmſtadt und die
heſſiſchen Behörden erklären: das Reichsimpfgeſetz kennt
keinen unmittelbaren Zwang zwecks Durchführung der
Impfung, während das preußiſche Oberverwaltungsgericht
Berlin als höchſte Verwaltungsinſtanz für Preußen in
zahlreichen Urteilen ſeit 20 Jahren den gegenteiligen
Standpunkt feſthält und den unmittelbaren Zwang für
zu=
läſſig erklärt. Noch in anderen Punkten beſteht ein ſcharfer
Gegenſatz zwiſchen Heſſen und Preußen. Heſſen, insbe
ſondere das Darmſtädter Oberlandesgericht, verwirf
die Zuläſſigkeit unmittelbaren Impfzwanges; es kennt
nur die indirekte Erzwingung der Impfung durch die
Strafbeſtimmungen des Impfgeſetzes; Preußen dagegen
hält den unmittelbaren Impfzwang, die gewaltſame, mit
Hilfe der Polizei, der Gendarmerie, eventuell des Militärs
erfolgende Zuführung zur Impfſtelle und gewaltſame
Impfung für zuläſſig. Heſſen erklärt immer und immer
wiederholte und bis zum zuläſſigen Höchſtmaße
wieder=
holte Beſtrafung für zuläſſig. Preußen geht dem aus dem
Weg; ſeine Verwaltungsbehörden ſtellen keine
wiederhol=
ten Strafanträge mehr, ſondern bedienen ſich des
unmittel=
baren Zwanges. Heſſen hält die Eltern, wenn der
Impf=
arzt ein vorgelegtes ärztliches Atteſt nicht gelten laſſen
will, für verpflichtet, entweder impfen zu laſſen oder die
Entſcheidung des Impfarztes herbeizuführen; Preußen
er=
klärt in einer Reihe von Entſcheidungen, die Eltern hätten
ihrer Pflicht mit Vorlage eines ärztlichen Atteſtes genügt;
wolle der zuſtändige Impfarzt dasſelbe nicht anerkennen,
ſo ſei es Sache der Behörden, die Entſcheidung des
Impf=
arztes herbeizuführen, nicht der Eltern.
In Wahrheit ergibt unbefangene Prüfung des
Impf=
geſetzes folgende Schlußſätze: 1. Die geſetzgebenden
Ge=
walten von 1874 wollten, daß nur im äußerſten Notfalle,
einer Epidemie, der unmittelbare Zwang zuläſſig ſei. —
2. Wiederholte Beſtrafung widerſpricht dem Grundſatz
ne bis in idem.‟) — 3. Das Zeugnis des Arztes nach dem
ein Kind nicht ohne Gefahr geimpft werden kann, kann
nicht durch die bloße entgegengeſetzte Anſicht des
Impf=
arztes außer Kraft geſetzt werden.
An dieſe Ausführung ſchloß ſich eine Betrachtung der
Impfung und ihrer Folgen nach ſtaatsbürgerlicher
bakteriologiſcher, mediziniſcher, ethiſcher und geſchichtlicher
Seite.
*) Dieſer Grundſatz, daß in einer Sache, die
rechts=
kräftig erledigt iſt, nicht nochmals verhandelt werden
und nicht zum zweiten Male auf Strafe erkannt werden
kann, wird von den Gerichten auf den Fall der
Impfunter=
laſſung nicht bezogen, da in jeder Unterlaſſung ein
neuer Fall der Umgehung geſetzlicher Vorſchriften
er=
blickt wird, weil jedesmal eine neue amtliche
Aufforder=
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