Abonnementspreis
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelf. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
176. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Inſerake
werden angenommen in Darmſtadt
Rheinſtraße 23 Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 24 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Prinz Heinrich von Preußen iſt am Dienstag
abend, von England kommend, nach Kiel zurückgekehrt.
Das Herzogspaar von Cumberland iſt geſtern
mittag von Karlsruhe nach Gmunden zurückgereiſt.
Im preußiſchen Abgeordnetenhauſe erklärte
der Miniſter des Innern, daß die Einführung des
Reichstagswahlrechts für den
preußi=
ſchen Landtag nicht in Frage kommen könne.
Für die Aufſtellung der Büſte Richard
Wagners in der Walhalla iſt der 29. Mai
be=
ſtimmt.
DDie franzöſiſche Regierung hat dem deutſchen
Botſchafter in Paris auf deſſen Erſuchen eine amtliche
Unterſuchung des Vorfalles in Nancy zugeſagt.
Die franzöſiſchen Flieger Audemars und
Daucourt ſind, um ſich um den Pommerypreis zu
bewerben, geſtern früh von Frankreich nach Berlin
aufgeſtiegen.
Der Prinz von Wales reiſte am Dienstag abend
von Stuttgart über Paris nach London zurück.
lie engliſche Regierung hat infolge der letzten
Anſchläge Verſammlungen von
Anhänge=
rinnen des Frauenſtimmrechts auf
öffent=
lichen Plätzen Londons verboten.
EEin griechiſcher Schiffsleutnant hat in der Nähe der
Inſel Lemnos auf dem Meeresgrunde die
Rui=
nen einer alten Stadt entdeckt.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
17. April 1813: Napoleon trifft in Mainz mit 100000
Mann ein.
Der Zwiſchenfall von Nancy
ſit: bereits Gegenſtand amtlicher Unterſuchung und
inter=
ſnationaler Behandlung geworden. Gemäß einer
Wei=
ſſurng des Berliner Auswärtigen Amtes hat die deutſche
2otſchaft in Paris am Quai d’Orſay um Auskunft
über die Vorgänge in Nancy erſucht und dabei die
Ant=
mort erhalten, daß nach dem Eingange des angekündigten
lldetaillierten Berichts beſtimmte Nachrichten gegeben
wer=
dien würden. Eine Note der Agence Havas teilt nämlich
ſams Paris mit: Der Miniſter des Aeußern
ſſempfing am Dienstag nachmittag den Beſuch des
deut=
ſchen Botſchafters, der den Zwiſchenfall von
Nancy mit ihm beſprechen wollte. Pichon teilte
dem deutſchen Botſchafter die erſten Nachrichten
Umit, die der Miniſter des Innern erhalten hat,
lund fügte hinzu, der Miniſter des Innern habe,
ſſunn ſich ausreichende Beweisſtücke über den
Zwi=
ſſchgenfall und die Umſtände, die ihn verurſacht und
be=
llgbeitet hätten, zu verſchaffen, bereits beſchloſſen, den
Sttaatsrat Ogier, Direktor der Kontröllabteilung im
Mini=
ſſtuerium des Innern, nach Nancy zu entſenden. Dieſer
Uhlehe Beamte ſolle eine Prüfung aller Tatſachen
vor=
nähmen. Da auch die beteiligten beiden deutſchen
Rei=
ſſennden bei der Metzer Polizei den Vorfall zur Anzeige
igabracht haben, iſt die objektive Feſtſtellung der
tatſäch=
lllichen Vorgänge auch von dieſer Seite amtlich in die
Wege geleitet. Es hat daher keinerlei Wert, wenn gewiſſe
Paariſer Blätter darauf bedacht ſind, den beteiligten
Deut=
lſcheen die Schuld an dem Ausbruch des Nationalhaſſes zu=
Anſſchieben. Gegen die Stichhaltigkeit dieſer Darſtellungen
fälllt die Tatſache ſehr ins Gewicht, daß der amtliche Petit
Uluariſien das korrekte Verhalten der Deutſchen als durch
ſſſeimen franzöſiſchen Geheimpoliziſten feſtgeſtellt anſieht.
ſümter ſolchen Umſtänden iſt es ſehr wahrſcheinlich, daß
Straatsſekretär von Jagow in die Lage kommt, die von
hrn angekündigten Vorſtellungen wegen mangelnden
Schhutzes der Deutſchen in Frankreich zu erheben. Iſt aber
die deutſche Regierung hierzu genötigt, dann wird ſie
ſlſioch auf die Erlangung einer Genugtuung für die
miß=
ſſſamdelten deutſchen Staatsangehörigen bedacht ſein
nüſſen.
Im Gegenſatz zu den Pariſer Blättern, die
em Vorfall benutzen, um ihren chauviniſtiſchen Tendenzen
u fröhnen und gegen die deutſchen Blätter zu hetzen,
neh=
nen andere Blätter einen ſehr vernünftigen
Pttandpunkt ein.
Der Figaro ſchreibt: Die franzöſiſche Regierung
latt weiſe gehandelt, als ſie einen hohen Beamten nach
ſuncy entſandte, damit er an Ort und Stelle eine
Unter=
uchung einleitete und möglichſt raſch die Irrtümer des
Woelizeikommiſſars von Naneh wieder gut mache, deſſen
ſoflicht es geweſen wäre, die Kundgebungen zu
verhin=
enn, und dem Mipiſter des Innern genauen Bericht zu
rüatten. Alle Verantwortlichkeiten werden feſtgeſtellt und
er: Zwiſchenfall raſcheſtens geregelt werden, denn auf
bei den Seiten beſteht aufrichtiges Beſtreben dazu. Die
deutſchen Blätter werden mit uns in dieſer Hinſicht einig
ſein und das Vorkommnis welches beklagenswert ſein
konnte, wird vielleicht, wie das von Lunéville, im
Gegen=
teil dazu beitragen, das danernde Mißverſtändnis zu
be=
ſeitigen, unter dem ſchließlich beide Länder ſchwer leiden
müſſen. — Der Petit Pariſien ſagt: Es iſt Pflicht
aller auf beiden Seiten der Vogeſen, jede
Herausforde=
rung und jede ungeziemende Kundgebung zu vermeiden.
Es iſt unſere Pflicht, unſeren guten Ruf der
Gaſtlich=
keit aufrecht zu erhalten. Solche Vorfälle, die ſorgfältig
hintangehalten werden ſollten, können nicht ernſt
genom=
men werden, und auch nicht auf den Beziehungen zweier
großer Länder laſten. — Der Matin ſchreibt: Es iſt
jedenfalls bedauerlich, daß in einer franzöſiſchen Stadt
friedliche Reiſende beſchimpft wurden, weil ſie deutſcher
Nationalität ſind. Viele Hundertauſende Ausländer
kommen nach Frankreich und beſuchen Frankreich
alljähr=
lich. Der Fremde wird hier ob er Deutſcher, Engländer
oder Amerikaner iſt, mit Rückſicht und Höflichkeit behandelt.
Die öffentliche Meinung Frankreichs könne nicht dulden,
daß man einen Fremden nur deshalb behellige, weil er
Deutſcher iſt.
Der Hanſabund und die Wehr=
und Deckungsvorlagen.
** Das Präſidium und Direktorium des
Hanſa=
bundes beſchäftigte ſich, wie ſchon mitgeteilt, in einer
beſonderen Sitzung mit den neuen Wehr= und
Deckungsvorlagen. Nach eingehenden
Verhand=
lungen wurde einmütig eine Kundgebung des
folgen=
den Inhaltes beſchloſſen:
Das Direktorium des Hanſabundes erklärt, daß die im
Hanſabund vereinigten Erwerbsſtände die
Wehrvor=
lagen, die Prüſung ihrer Notwendigkeit der Höhe nach
vorausgeſetzt, grundſätzlich akzeptieren, und
demge=
mäß, ungeachtet der jetzt ſchon auf ihnen laſtenden
erheb=
lichen Steuern, Abgaben, Stempeln und ſozialen
Belaſtun=
gen bereit ſind, für die Bewilligung der nach dieſer
Prü=
fung ſich, als notwendig ergebenden Mittel einzutreten.
Dabei ſtellt das Direktorium des Hanſabundes feſt, daß
der deutſche Gewerbeſtand, der in erſter Linie Träger
die=
ſer Laſten ſein wird, mit aller Entſchiedenheit gleichzeitig
die Erfüllung der dringendſten berechtigten Forderungen
von Handel, Gewerbe und Induſtrie, wie insbeſondere
die tatſächliche Durchführung des Grundſatzes der
Gleich=
berechtigung aller Erwerbsſtände in der Verwaltung, der
Diplomatie, der Regierung und Leitung des Staates, der
Einführung des direkten und geheimen Wahlrechts in
al=
len deutſchen Bundesſtaaten, vor allem im Intereſſe des
gewerblichen Mittelſtandes in Stadt und Land, des
geſetz=
lichen Rechts der gewerblichen Stände auf angemeſſene
Vertretung in den erſten Kammern aller Bundesſtaaten,
ſowie der Uebertragung der Veranlagung der
Einkommen=
ſteuern an von der Verwaltung unabhängige Behörden
fordert.
Was die Einzelheiten der Vorlagen betrifft, ſo iſt der
deutſche Gewerbeſtand bereit, dem zur Aufbringung der
einmaligen Koſten der Wehrvorlagen außerordentlichen
Wehrbeitrag zuzuſtimmen. Die im Hanſabund
vereinigten Kreiſe von Induſtrie, Handel und Gewerbe
müſſen aber verlangen, daß eine nach gerechten und
ein=
heitlichen Grundſätzen durchzuführende
Vermögens=
veranlagung im Reiche gewährleiſtet wird. Die
Heranziehung der Aktiengeſellſchaften und
Kommandit=
geſellſchaften auf Aktien zu dem einmaligen Wehrbeitrag
iſt eine erneute, durch nichts zu rechtfertigende
Sonderbe=
laſtung dieſer Geſellſchaften, gegen die der Hanſabund
da=
her energiſch Einſpruch erhebt. Die
Vermögensveranla=
gung des Gewerbeſtandes darf nicht nach dem Prinzip des
„gemeinen Werts” oder eines „Verkaufswerts” erfolgen.
Handel, Gewerbe und Induſtrie müſſen vielmehr
verlan=
gen, daß die nach den Grundſätzen eines ordentlichen
Kaufmanns vorzunehmende Bilanzierung, wie ſie den
Beſtimmungen des Handelsgeſetzbuches entſpricht, auch der
Ermittelung des Vermögens bei dem einmaligen
Wehr=
beitrag zugrunde gelegt wird. Andererſeits fordert der
Hanſabund, daß der ſchwer ringende Mittelſtand
durch Heraufſetzung der zu niedrig bemeſſenen
ſteuer=
freien Vermögensgrenze unter Zugrundelegung
einer Minimalgrenze des Einkommens entlaſtet werde
Der dadurch entſtehende Ausfall des Ertrags würde durch
die gerechtfertigte Heranziehung des Vermögens der
ſo=
genannten „Toten Hand” ausgeglichen werden. Ferner
iſt der Hanſabund damit einverſtanden, daß die Grenze
des ſteuerfreien Einkommens
herunter=
geſetzt werde, da bei der von der Regierung
vorgeſchla=
genen Grenze von 50 000 Mark Einkommen dieſe als eine
angeſichts des Appells an die allgemeine Opferwilligkeit
zu weitgehende Ausnahmeſtellung hoher und
leiſtungs=
fähiger Einkommen angeſehen werden muß. Um die
deutſche Volkswirtſchaft durch die Herausnahme einer
Abgabe von einer Milliarde des Vermögens nicht zu
ſchä=
digen, ſchlägt der Hanſabund vor, dieſe Abgabe in
min=
deſtens drei Terminen vorzunehmen, und
wei=
terhin die Summe von einer Milliarde Mark als
Maxi=
malgrenze des einmaligen Wehrbeitrages anzuſehen, ſo
daß ein auf Grund der erſten Veranlagung ſich etwa
er=
gebender Mehrertrag bei den nächſten Terminzahlungen
in Abzug zu bringen wäre.
Was die Vorſchläge zur Deckung der
dauernden Mehrkoſten betrifft, ſo erklärt das
Direktorium des Hanſabundes, daß die vorgeſchlagene
Er=
höhung der Matrikularbeiträge eine
Ver=
ſchärfung der Abhängigkeit des Reichs
von den Bundesſtaaten bedeutet. Eine ſolche
widerſpricht aber dem Reichsgedanken, der vielmehr eine
Verminderung dieſer Abhängigkeit verlangt und ſchon
aus nationalen Gründen vermieden werden ſollte.
Un=
annehmbar iſt der Vorſchlag, daß die durch die
Um=
lage ſich ergebenden 80 Millionen Mark ſeitens der
Bun=
desſtaaten im Wege der allgemeinen Beſteuerung von
Ein=
kommen, Ertrag oder Vermögen oder durch Beſtenerung
der Erbſchaften aufgebracht werden ſollen, wobei, unter
allgemeiner Vermögensſteuer: Stenern von Grund= und
Gebäudevermögen, Steuern von Gewerbe ſowie vom
Ka=
pitalsvermögen gleichgeſtellt werden ſollen, ſofern ſie in
Verbindung miteinander erhoben werden. So wenig der
Hanſabund an ſich der Einführung von Einkommen=,
Ver=
mögens= und Erbſchaftsſteuern in den Bundesſtaaten
ab=
lehnend gegenüber ſteht, ſo muß er doch befürchten, daß
an=
geſichts der vielſach in den Einzelſtaaten herrſchenden
ge=
werbeſeindlichen parlamentariſchen Mehrheiten wiederum
eine Privilegierung des Großgrundbeſitzes und eine
Son=
derbelaſtung von Gewerbe, Handel und Induſtrie bei einer
Erhebung von allgemeinen Beſitzſteuern eintreten kann,
zumal der Hinweis auf die Erhebung von
Haus=
beſitzerſteuern und Gewerbeſteuern zu einer ſolchen
einſeitigen Beſteuerung geradezu anreizt.
Unan=
nehmbar iſt auch die eventuell den
Einzel=
ſtaaten auferlegte Vermögenszuwachsſteuer,
weil ſie keine allgemeine und keine gerechte
Be=
ſitzſteuer darſtellt, vielmehr eine direkte Beſtrafung des
Spar= und Erwerbsſinns, und ein überaus läſtiges und
unerträgliches Eindringen in alle privaten Verhältniſſe
bedingt.
Das Direktorium des Hanſabundes verlangt,
entſpre=
chend ſeinen bisherigen Stellungnahmen, ſtatt der „
ver=
edelten” Matrikularbeiträge eine direkte Reichsbeſitzſteuer,
und zwar in erſter Linie eine Reichserbanfall:
ſteuer, welche eine gerechte, am wenigſten drückende und
vor allem ertragreiche allgemeine Beſitzſteuer ſein würde.
Der Hanſabund lehnt dagegen den Zuſchlag zur
Grund=
wechſelabgabe, den Zuſchlag zur Zuckerſteuer und die
Be=
ſteuerung der Geſellſchaftsverträge und der Verſicherungen
ab. Den Vorſchlägen über das Erbrecht des Reichs ſtimmt
das Direktorium des Hanſabundes trotz mancher
beſtehen=
der Bedenken im Intereſſe der für das Reich notwendigen
Mittelbeſchaffung zu. Die Erhöhung des
Kriegs=
ſchatzes um 240 Millionen Mark iſt zu billigen und zu
begrüßen.
In der ernſten politiſchen Lage, deren Entwicklung
ſchwer überſehbar iſt, bedeuten ein ſtarkes Her und eine
ſtarke Rüſtung die beſte Friedensbürgſchaft.
Deutſches Reich.
Wehrbeitrag und Auskunftspflicht
der Banken. Von verſchiedenen Seiten wird darüber
geklagt, daß noch keine Klarheit darüber geſchaffen iſt, ob
die Privatbanken nach den Beſtimmungen des
Geſetzent=
wurfs über den Wehrbeitrag zur Auskunftserteilung an
die Veranlagungsbehörden verpflichtet ſind. Sie würde
das Beſtreben zeitigen, erhebliche Werte im Auslande
an=
zulegen, und ferner würde durch dieſe Maßnahme das
notwendige Vertrauen zwiſchen Banken und Kundſchaft
erſchüttert. Wie eine offiziös bediente Korreſpondenz
mitteilt, ſind dieſe Befürchtungen unbegründet. Bei der
Vermögenserklärung, die aus Anlaß der Erhebung des
einmaligen Wehrbeitrages in den Bundesſtaaten
vorge=
nommen werden ſoll, kommt eine derartige
Auskunfts=
erteilung der Privatbanken an die Veranlagungsbehörden
gar nicht in Frage. Die Beſtimmungen des Geſetzes ſehen
eine derartige Auskunftserteilung nicht vor, und es iſt
ausgeſchloſſen, daß etwa Ausführungsbeſtimmungen des
Bundesrats eine derartige Vorſchrift enthalten könnten.
Ein ſolches Verfahren kann nicht durch die
Ausführungs=
vorſchriften geregelt werden, ſondern bedürfte einer
geſetz=
lichen Feſtlegung, die aber nicht vorgeſehen iſt. Bankwelt
und Kundſchaft haben demnach keinen Anlaß zu
Beſorg=
niſſen. Es iſt auch nicht anzunehmen, daß etwa im
Reichs=
tage Neigung beſtehen ſollte, in dieſer Hinſicht
verſchär=
fende Beſtimmungen über die Vermögenserklärung zu
er=
laſſen.
Die Veteranenfürſorge. Es wird
ange=
nommen, daß die Vorlage zur Erweiterung der
Vete=
ranenfürſorge, die jetzt im Bundesrat vorliegt, ſo ſchnell
zur Verabſchiedung gelangt, daß ſie noch im Laufe dieſes
Monats an den Reichstag kommen kann.
— Der Ablöſungstransport für das
Kreuzergeſchwader in Oſtaſien, 1400 Mann
ſtark, hat Dienstag nachmittag an Bord des Dampfers
„Königin Luiſe” vom Norddeutſchen Lloyd die Ausreiſe
von Bremerhaven nach Tſingtau angetreten.
Der preußiſche Kriegsminiſter zur
Duellfrage. Aus der jetzt im Druck vorliegenden Ei“
klärung des Kriegsminiſters zur Duellfrage iſt folgendes
nachzutragen:
In den wegen Duellvergehen erfolgten 53
Vexurtei=
lungen der letzten Jahre handelte es ſich in vierzehn
Fäl=
len um unerlaubten Verkehr mit Frauen, in
zweiund=
dreißig um tätliche, in ſieben Fällen um wörtliche, meiſt
ſehr ſchwere Beleidigungen. Darunter nur einmal zwi=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Nummer 89.
ichen zwel Ofizſeren. Der Zweilampf aus nichtigen
Ur=
ſachen iſt alſo ſo gut wie verſchwunden. Unter dieſen
53 Verurteilungen handelte es ſich in 36 Fällen um
Be=
leidigungen zwiſchen Offizieren und Perſonen, die den
Ehrengerichten nicht unterſtehen. In 17 Fällen war eine
Zivilperſon die fordernde. Die Mehrzahl der Ehrenhändel,
in denen es zum Duell kommt, ſpielt ſich zwiſchen
Offi=
zieren und Zivilperſonen ab. Die Geldſtrafe vermögen
wir nicht alle als ausreichende Sühne anzuſehen. Eine
wirkliche Genugtuung kann nur der militäriſche Ehrenrat
mit einem ehrengerichtlichen Verfahren oder das
militä=
riſche Ehrengericht erzwingen, deſſen Spruch in ſchweren
Fällen den Schuldigen als Nichtehrenmann ſtempelt,
wo=
durch ſich dann auch die Frage der Duelle erledigt. Es
wird keinem Offizier verdacht, wenn er ein Duell mit
einem Ehrloſen ablehnt. Die Auffaſſung, daß der
Be=
leidiger grundſätzlich ſchärfer beſtraft werden müſſe, als
der Gegner, wird von der Armee durchaus geteilt und
findet ihren Ausdruck auch in der Verordnung über die
Ehrengerichte durch die Worte, daß ein Offizier, der die
Ehre eines Kameraden in frevelhafter Weiſe verletzt, im
Heere nicht geduldet wird. Dieſe allerhöchſte
Willensmei=
nung wird in der Praxis ſtreng durchgeführt. Erfolgte
eine Beleidigung nur aus unehrenhaften Beweggründen,
o wird kein Ehrengericht einen Offizier wegen
Unterlaſ=
ſung des Duells des Mangels ehrenhafter Gefinnung
zei=
hen. Der Kaiſer, der bei keiner Gelegenheit über ſeinen
ernſten Willen, daß die Zweikämpfe immer mehr
ver=
ſchwinden ſollen, einen Zweifel gelaſſen hat, beſprach dieſe
Angelegenheit bei dem letzten Neujahrsempfang der
kom=
mandierenden Generale in dieſem Sinne und wies darauf
hin, daß eine weitere Minderung der Duelle vor allem in
der Hebung der Erziehung der Offiziere geſucht werden
müſſe. In einem darüber erlaſſenen Kabinettsſchreiben
heißt es, die Selbſtbeherrſchung in der Haltung bei voller
Wahrung der perſönlichen Friſche und Lebensfreudigkeit,
die Seine Majeſtät bei den Offizieren niemals vermiſſen
wollten, müßte als männliche Tugenden gepflegt
wer=
den. Darauf ſolle eine ernſte Selbſtarbeit und
gegen=
ſeitige kameradſchaftliche Erziehung und die Einwirkung
der Vorgeſetzten hinzielen. Meinungsverſchiedenheiten
im Beruf, die durch ſachliche Erörterungen oder
gericht=
liche Entſcheidungen zu erledigen wären, dürften durch
Schuld der Offiziere ſich nicht zu perſönlichen
Beleidigun=
gen auswachſen. — Die Erklärung des Kriegsminiſters
be=
ſagt weiter: Danach iſt nach dem ausdrücklichen Willen
Seiner Majeſtät die grundſätzliche Frage, ob ein Offizier
oder Offiziersaſpirant Gegner oder Anhänger des Duells
iſt, nicht geſtellt und es darf und braucht auch ein Offizier,
der Duellgegner iſt, lediglich deswegen nicht aus dem
Offizierkorps auszuſcheiden. Ob ein Offizier, der im
Ein=
zelfalle eine ſtandesgemäße Genugtuung verweigert,
aus=
ſcheiden muß, kann nur von Fall zu Fall entſchieden
wer=
den. Ehrengerichtlich ſoll grundſätzlich nicht gegen ihn
eingeſchritten werden.
Anträge zur Duellfrage. Im Verlaufe
der Sitzung der Budgetkommiſſion des Reichstags
bean=
tragte das Zentrum, daß gegen die Mitglieder militäriſcher
Ehrengerichte, welche den Zweikampf, die Herausforderung
dazu oder die Annahme dieſer Herausforderung verlangen,
die Strafverfolgung nach allgemeinen Beſtimmungen des
Strafgeſetzbuches durchgeführt wird. Ferner wurde die
Einführung eines neuen Paragraphen in das
Strafgeſetz=
buch verlangt, der beſagt, daß, falls ein Zweikampf durch
Ehebruch mit der Ehefrau des Gegners oder durch
Ver=
führung der Tochter oder Schweſter oder durch eine ſchwere
Beleidigung verſchuldet iſt, an Stelle Feſtungshaft auf
Gefängnisſtrafe von gleicher Dauer und den Verluſt der
bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen iſt. Die Kommiſſion
verwies dieſe Anträge an eine beſondere Kommiſſion.
— Wahlrechtsdebatte im preußiſchen
Abgeordnetenhauſe. Auf das Verlangen der
So=
zialdemokraten nach Einführung des Reichstagswahlrechts
für die Wahlen zum preußiſchen Landtag erklärte im
preu=
ßiſchen Abgeordnetenhauſe der preußiſche Miniſter des
Innern v. Dallwitz:
Um nach dem Bebelſchen Rezept die verwerflichen
ſozialdemokratiſchen Zukunftspläne zu verwirklichen, ver=
langt die Sozialdemokratie für den preußiſchen Staat die
Einführung des Reichstagswahlrechts; daher iſt es Pflicht
und Schuldigkeit der Staatsregierung, dem
entgegenzu=
treten, und alle patriotiſchen und nationalen Kreiſe auf die
hierin enthaltene Gefahr aufmerkſam zu machen. Die
Ein=
führung des Reichstagswahlrechts für Preußen iſt auch
damit begründet worden, daß ein abgeſtuftes Wahlrecht
mit dem Reichstagswahlrecht nicht vereinbar ſei. Nun,
beide Wahlrechte beſtehen ſeit mehr als 40 Jahren
fried=
lich nebeneinander. Die Anhänger des
Reichstagswahl=
rechts überſehen, ich will nicht ſagen, daß ſie es
gefliſſent=
lich verſchweigen, daß nicht nur die Wahlrechte, ſondern
auch die Aufgaben und Zuſtändigkeit des Reiches und
Preußens verſchieden ſind. In den alle Deutſchen
gleich=
mäßig berührenden großen nationalen, wirtſchaftlichen
und ſozialen Fragen haben alle Deutſchen dasſelbe
Wahl=
recht, nur nicht in den räumlich und ſachlich mehr
begrenz=
ten Materien der Landtage. Gerade dieſe Verteilung der
Zuſtändigkeit des Reiches und Preußens läßt deutlich
er=
kennen, wie unzutreffend und unberechtigt das Schlagwort
von der Entrechtung der Maſſen iſt. Jeder Preuße hat
genau ſo wie jeder Bayer oder Württemberger in allen
alle Schichten der Bevölkerung gleichmäßig berührenden
wirtſchaftlichen und ſozialen Intereſſen jetzt ſchon das
gleiche Wahlrecht. Und da in Preußen die
minderbemit=
telten Schichten immer noch ein weitergehenderes
Wahl=
recht beſitzen, als in irgend einem anderen Kulturſtaat, ſo
kann man behaupten, daß dieſes abgeſtufte Wahlrecht zum
Landtag für die Angelegenheiten der Kirche und Schule,
der direkten Steuern und der inneren Verwaltung, der
wirtſchaftlichen und kulturellen Gliederung der
Bevölke=
rung durchaus entſpricht. Jedenfalls iſt dieſes abgeſtufte
Wahlrecht eine politiſche Notwendigkeit, weil Preußen als
führender Bundesſtaat in erſter Reihe mit die
Verant=
wortung trägt für die Geſchicke des Reiches. Es iſt
ver=
pflichtet, ſich das Maß von innerer Feſtigkeit und
Wider=
ſtandsfähigkeit gegen innere und äußere Feinde zu ſichern.
deren auch das Reich, will es ſeine Machtſtellung nach
außen erhalten und ſich innen weiter gedeihlich entwickeln,
auf die Dauer nicht entraten kann. Nach alledem kann
die Einführung des Reichstagswahlrechts für den
preußi=
ſchen Landtag nicht in Frage kommen. Zutreffend hat
Fürſt Bülow 1908 dargelegt, daß das eine Schwächung
ener Grundlagen bedeute, die den preußiſchen Staat zu
dem feſten Bollwerk gemacht haben, an dem die Wellen des
Umſturzes ſich brechen werden.
— Schutz und Entſchädigung bei
Ar=
beitseinſtellungen. Angeſichts der günſtigen
Auf=
nahme, die die auf Streikverhütung und Entſchädigung
für Verluſte aus Arbeitseinſtellungen gerichteten
Beſtre=
bungen des jetzt mehr als 4000 Betriebe umfaſſenden
Deut=
ſchen Induſtrieſchutzverbandes, Sitz Dresden, namentlich
auch in den induſtriellen Kreiſen Mittel= und
Südweſt=
deutſchlands gefunden haben, iſt Anfang April d. J. eine
Zweiggeſchäftsſtelle dieſes Verbandes in Frankfurt a. M.
errichtet worden. Bereits in den erſten Tagen ihres
Be=
tehens fand die neue Zweigſtelle Gelegenheit, ſich in der
Beilegung von Streikbewegungen durch mehrtägige
Ver=
handlungen erfolgreich zu betätigen.
Ausland.
Rumänien.
Die Kammer bewilligte den Effektivſtand für das
Jahr 1914, wonach 45000 Mann für die permanenten
Ein=
heiten, 4000 Mann für nichtſtändige Kavallerietruppen und
700 Mann für die Kriegsmarine eingeſtellt werden.
Vereinigte Staaten.
Die Beratung der Tarifbill durch den
demo=
kratiſchen Caucus des Repräſentantenhauſes macht ſehr
langſame Fortſchritte, ſo daß die Vorausſage der
Partei=
führer, die Bill werde aln 1. Mai an den Senat gehen
können, ſich als unzutreffend erweiſen wird. Nach
wochen=
langen Beratungen iſt bis jetzt weniger als die Hälfte
des Geſetzes beſprochen worden. Die verſchiedenen wich=
tigen Punkte harren noch der Erledigung, ſo beſonders die
welche die Beſtimmungen für Wolle und Baumwolle zum
Gegenſtand haben.
Keine Schiffsneubauten. Während des letzz
ten Kabinettsrats wurde die Frage der Verſtärkung der
amerikaniſchen Kriegsmarine beſprochen. Staatsſekretär=
Bryan antwortete auf eine Rede des Marineminiſters
Da=
niels, der die glänzenden Erfolge der letzten Schießübung
gen hervorhob, daß er gern anhören wolle, was der
Ma=
rineminiſter über die Kriegsſchiffe zu ſagen habe, abel
niemals ſein Einverſtändnis zum Bau neuer Kriegsſchiffe
geben werde, wenn nicht etwa ein direkter Angriff auf die
Vereinigten Staaten in Frage käme. Während der
näch=
ſten vier Jahre, ſo ſagte Bryan, werde ich die
auswär=
tigen Geſchäfte in der Weiſe führen, daß es nicht nötig
ſein wird, Kriegsſchiffe in Tätigkeit treten zu laſſen.
Japan.
Die antijapaniſche Geſetzgebung Kali
forniens. Eine große Anzahl von Verſammlungen
wurde in Tokio abgehalten, um gegen die antijapaniſche
Geſetzgebung in. Kalifornien zu proteſtieren. Die
Stim=
mung iſt peſſimiſtiſch angeſichts der Haltung Kaliforniens
und der unklaren Aeußerungen der amerikaniſchen
Bundes=
behörde. In amtlicheſ Kreiſen glaubt man, daß es gegen
wärtig unnütz ſei, weitere Schritte zu tun.
* Bereits mehrfach iſt die Nachricht aufgetaucht, den
Kaiſer von Rußland werde der im Mai in Ben
lin ſtattfindenden Vermählungsfeier der Prin
zeſſin Viktoria Luiſe mit dem Prinzen Ernſtl
Auguſt beiwohnen. In unterrichteten Kreiſen gilt es nach
einer Mitteilung des Berliner Lok.=Anz. in der Tat als
durchaus nicht unwahrſcheinlich, daß Kaiſer Nikolaus
gleich dem König von England als naher Verwandter zuk
Hochzeitsfeier am deutſchen Hofe eintrifft. Es ſind dies
aber nur Vermutungen, da über die Reiſepläne des Zaren
zuverläſſige Mitteilungen vorher nicht in die Oeffentlich
keit kommen.
* Stuttgart, 15. April. Der Prinz vo
Wales iſt heute abend nach Paris abgereiſt. Der König
begleitete ſeinen Gaſt perſönlich zum Bahnhof, wo ſich
auch die Herzöge Albrecht, Robert, Ulrich und Philipp
Albrecht von Württemberg eingefunden hatten. Der Abe
chied geſtaltete ſich ſehr herzlich. Als ſich der Zug bereit
in Bewegung geſetzt hatte, tauſchte der Prinz mit dem
König und den Herzögen noch durch Winken herzliche Abg
ſchiedsgrüße aus.
* Bonny (Nigeria), 15. April. Die
Regulie=
rung an der Grenze von Kamerun, von
Tſchadſee bis zum Meer, iſt nunmehr beendet. Die Karten
und die Protokolle wurden am 12. April unterzeichnen
Die Mitglieder der Kommiſſionen kehren am 8. Mai von
Lagos aus nach Europa zurück.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 17. April.=
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Kreisvollziehungsbeamten
Johann Philipp Dörr zu Rimbach i. O. anläßlich ſeines
Eintritts in den Ruheſtand die Krone zum Silbernen
Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
und dem Feuerwehrkommandanten Paul Hoffmanſ
zu Schlitz das Silberne Kreuz des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen verliehen.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehren
an der Gemeindeſchule zu Klein=Hauſen, Kreis
Bens=
heim, Joſeph Nicolai auf ſein Nachſuchen mit Wirkung
vom 1. Juni 1913 an bis zur Wiederherſtellung ſeinel
Geſundheit und die Lehrerin an der höheren Bürgen
chule zu Schlitz Pauline Schneegans auf ihr
Nach=
ſuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treue)
Dienſte, vom 1. Mai 1913 an.
Karl Hagenbeck und ſein Werk.
Von Dr. Fritz Hellermann=Hamburg.
Hagenbeck! Dies Wort iſt über die Erſcheinung des
Mannes, der ihm Klang verlieh, hinausgewachſen, iſt ein
Begriff für uns geworden, der ſich losgelöſt hat von der
einzelnen Perſönlichkeit, um einer Zeiterſcheinung, um
einem Kulturfaktor den Namen zu geben. Und doch iſt
das Werden und die faſt univerſale Bedeutung der
Hagen=
beckſchen Schöpfung nicht zu trennen von ihrem Schöpfer,
von dem Menſchen Karl Hagenbeck. Er iſt nicht nur ihr
geiſtiger Vater, er iſt auch ihr materieller Erſchaffer,
För=
derer und Erhalter, und dem Einſatz der ganzen Tatkraft
dieſes Mannes verdankt das Werk Leben, Größe und
Stärke des Aufbaues im Inneren wie der Wirkung nach
außen.
Als Karl Hagenbeck am 10. Juni 1844 in der
Hamburger Vorſtadt St. Pauli geboren wurde, betrieb
ſein Vater ein Fiſchgeſchäft; ein kleiner Nebenerwerb war
zur Domzeit, auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt, die
Schauſtellung eines merkwürdigen Tieres. Die
Ausſtel=
lungsobjekte wirkten ſelbſt bei der damaligen
allgemei=
nen Unkenntnis und Leichtgläubigkeit in zoologiſchen
Dingen wohl zumeiſt durch ihre Komik; ſo zeigte man
einmal ein großes raſiertes Schwein
das „nackte
Schwein‟! Dann brachten Fiſcher eines Tages von ihrer
Fangreiſe ein paar Seehunde mit. Was ſollte man mit den
Tieren anfangen? Sie wurden in großen Bottichen zur
Schau geſtellt. Das ſind die Anfänge, aus denen das
ge=
worden iſt, was heute den Namen Hagenbeck über alle
Weltserklingen macht: der Tierpark in
Stellin=
gen bei Hamburg; ein gleicher Park, der in Verlin
er=
wächſt; die ideale Anlage eines rieſigen Tierparadieſes
auf Brioni; Schauſtellungen von Karawanen der
ver=
ſchiedenſten Völker; ein Tierhandel, der ſeine Agenten in
alle fünf Erdteile und in alle Zonen des Weltmeeres
ent=
ſendet und ſeine Abnehmer in jedem Kulturſtaat findet.
Aus dem Einſt das Heute geſchaffen zu haben, ein
Heute mit den weiteſten Entwickelungsmöglichkeiten, das
iſt das Lebenswerk Karl Hagenbecks. Als der Vater ihn
vor die Frage ſtellte, ob er die wohlbegründete
Fiſchhand=
lung übernehmen wolle oder zuſehen, was ſich aus dem
allmählich wachſenden Handel mit allerlei Getier machen
ließe, da hat der kaum den Knabenjahren entwo hſene
Jüngling mit raſchem Entſchluſſe das neue und gewagte
Unternehmen zu ſeiner Aufgabe gewählt. Wie es aus
kleinen Anfängen und unter manchen Mühen und
Sor=
gen in ſchwerer Arbeit, aber auch mit gutem Glück
gewach=
ſen iſt, Plan und immer weiter geſteckte Ziele gewonnen
hat, das hat Hagenbeck ſelbſt in ſeiner einzigen
literari=
chen Schöpfung, ſeinem prächtigen Werk „Von Tieren
und Menſchen”, erzählt.
Hagenbecks Name iſt zuerſt über den Kreis der zu ihm
in Beziehung ſtehenden Geſchäftswelt und über die
Gren=
zen Hamburgs hinaus durch die Schöpfung des
Stellin=
ger Tierparadieſes bekannt geworden. Nachdem der
Tierhandel ſeine ſchwere Zeit durchgekämpft hatte —
Dreſſurvorſtellungen und Wanderſchauſtellungen mußten
ihn propagieren helfen, und in ſchlechten Jahren
ermög=
lichten die neuartigen und großzügigen Völkerſchauen
eine ruhige Fortführung der Geſchäfte —, als die
Hand=
lung größeren Maßſtab erforderte, um allen Nachfragen
erecht werden zu können, genügte der Raum des mitten
in der Stadt gelegenen Geſchäftshauſes und =gartens
bald nicht mehr. Und dann wollte Karl Hagenbeck ſeinen
Lieblingsplan, den Tierſammlern und Tierfreunden eine
muſtergültige Tierparkanlage zu zeigen, nun der
Verwirk=
lichung zuführen. Die Schwierigkeiten, ein geeignetes
Terrain zu finden, wurden durch die mit großem
kauf=
männiſchem Geſchick durchgeführte Erwerbung des
Stellin=
ger Geländes beſeitigt, die Pläne reiften, und im
Okto=
ber 1902 wurde mit der Terrainbewegung begonnen.
Ganze ſechs Bäume zählte der Grundherr damals auf den
weiten Aeckern, die am 7. Mai 1907, am Tage der
feier=
lichen Eröffnung, zu einem Luſtpark mit ſchattigen Alleen,
Waſſerläufen, Gebirgsformationen, mit Tierhäuſern,
Re=
ſtaurations= und Wohngebäuden umgeſchaffen waren. Und
auch der Tag der Eröffnung bedeutete nur eine Etappe in
der Entwickelungsgeſchichte Stellingens. Neue Gelände
wurden erſchloſſen und bevölkert, die rieſige Straußenfarm
mit einem ſtattlichen Rudel von Tieren belebt, ein See
mit den naturgetreuen Nachbildungen von Urtieren
um=
geben, die Räume einer Inſektenſammlung mit ſeltſamen
Wunderweſen gefüllt. Nun iſt das Werk abgeſchloſſen und
läßt das Programmatiſche ſeiner Anlage klar erkennen.
Für den Beſucher des Hagenbeckſchen Tierparkes tritt
das kaufmänniſche Weſen der Schauſtellung faſt völlig in
den Hintergrund. Daß man hier gleichzeitig in den
Muſterlagern einer großen Handlung weilt, deren Umſatz
an Tieren jährlich Tauſende ven Exemplaren umfaßt,
empfindet man kaum und eigentlich mehr unbewußt. Was
man fühlt und dankbar annimmt, iſt der von jedem
Ge=
ſchäft getrennte und ſchöne Wille, dem unwiſſenden und
der Natur entfremdeten Menſchen in großen und
ein=
drucksvollen Yildern einen Begriff von dem Weſen und
der Entwickelung der Natur zu geben. Von den rieſigen
und ſtarren Formen der ſteingebildeten Urtiere an, die
vor ungezählten Jahrtauſenden lebten, führt Hagenbeck
den Beſucher zu dem Leben der arktiſchen Welt. Robben
und Walroſſe des Nordens, Pinguine der Antarktis, See=
löwen und Seeelefanten tummeln ſich in kalter Flut, und
in einem natürlichen Rahmen mit ihnen hauſen Eisbären
und-Renntiere, ſtolzieren Eisvögel und ſeltene
Löwen=
arten. Von ſteiler Felſenhöhe äugen Gemſen und
Stein=
böcke hernieder, wilde Ziegen klettern am ſchroffen
Ab=
hange. Ein Trupp Löwen ruht in einer Felsſchlucht, vom
Beſchauer nicht durch Gitter getrennt, ſondern durch einen
ſo kunſtvoll verborgenen Graben, daß die Schranke kaum
bemerkt wird. Auf weiten Wieſen ſind zahlloſe Arten
von Steppentieren in freier Bewegung vereint, ſo wie
ſich in der Heimat zuſammenfinden.
Das iſt die Eigenart Stellingens, das Wunder d
Schöpfung Karl Hagenbecks; in großartigen lebenden
Bildern wird dem ſtaunenden Auge die unermeßliche Fülle
der Naturgeſchöpfe in harmoniſchem Zuſammenklang mit
ihrem Heimatboden gezeigt. Dazu kommen die
Tierhäll=
er und Käfiganlagen, aus denen unſere zoologiſchen
Gäl=
ten bisher beſtehen, und die neu eingetroffenes und fül
Handelszwecke beſtimmtes Tiermaterial beherbergen
Hinzu kommt weiter eine geräumige Halle für
Dreſſur=
vorführungen und ein weiter freier Raum, auf dem eine
Völkerſchau die andere ablöſt
So ſieht Stellingen heute aus, wo ſein Schöpfer von
der Arbeit abberufen iſt, der ſein Leben gewidmet war=
Stellingen iſt das Vorbild, nach dem in Berlin ein
Hagenbeckſches Tierparadies erwächſt. In noch größerem
Maßſtab und von der herrlichen Natur zu einem wahren
Garten Eden geſchaffen, erſteht der Tierpark auf Brioni
der als eine große Durchgangsſtation für den Tierhande
und als eine Verſuchsſtation für neue Kreuzungen gedacht
iſt. Auf dem letztgenannten Gebiete hat Hagenbeck ja ſchon
namhafte Erfolge erzielt, und man darf von den weiteren
Verſuchen namentlich für den Viehbeſtand unſerer Kolg,
nien Wertvolles erwarten
Der Erfolg ſeiner Schöpfungen hat Karl Hagenbeck
in Berührung mit zahlreichen hervorragenden
Perſönlich=
keiten und gekrönten Häuptern gebracht. Namentlich
Kaiſer Wilhelm II. und ſein Haus haben für ihn ein
wal=
mes Intereſſe bekundet. Der Kaiſer hat Hagenbeck wie
derholt in Hamburg beſucht, er hat ihn oft zu ſich gerufen
und ausgezeichnet, und kaiſerlicher Initiative iſt nicht
zu=
letzt die Begründung des Berliner Tierparkes zu vere
danken.
Karl Hagenbeck iſt nicht mehr. Seine Vaterſtadt und
ſein Vaterland ſind um einen hervorragenden und
einzig=
artigen Mann ärmer. Aber ſein Werk wird beſtehen und
wachſen und ſeinen Namen der Nachwelt erhalten, wie
es ihn ſchon zu ſeinen Lebzeiten hinausgetragen hat über
die Meere als den Namen eines Großen von
hanſeati=
ſchem Unternehmungsgeiſt und deutſcher Tatkraft.
* Erledigte Stellen. Eine mit einem
evange=
ſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der Muſter
hale zu Friedberg. — Eine mit einem
evange=
cen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu Annerod
meis Gießen. Mit der Stelle iſt Organiſtendienſt
ver=
ſunden.
Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 6
vom 16. April hat folgenden Inhalt: 1.
Bekannt=
achung, Genehmigung von Schenkungen betreffend.
Betanntmachung, die Erhebung der in der Gemarkung
gotffenberg, Kreis Gießen, erwachſenen Koſten der
ſentlichen Armenpflege betreffend. 3.
Ordensver=
is ungen. 4. Ermächtigung zuc Annahme und zum
lugen fremder Orden. 5. Dienſtnachrichten. 6.
Dienſt=
ſtchebung. 7. Dienſtenklaſſungen. 8. Nachweis der
eähigung zur Uedernayme eines Kirchenamts.
Sharaktererteilungen. 10. Verſetzungen in den
Ruhe=
ſtad. 11. Sterhefäle
g. Der Provinzialausſchuß verhandelte in ſeiner
geſt=
lgeen Sitzung zunächſt über den Antrag des Kreisamts
mſtadt wegen Unterſagung des Trödlergewerbes der
li e Saß von Darmſtadt. Das Polizeiamt Darmſtadt
tte beim Großh. Kreisamt den Antrag, der Chefrau
aß die Führung des Trödlergewerbes zu unterſagen, da
ſafſachen vorliegen, die die Unzuverläſſigkeit der Ehefrau
Führung dieſes Gewerbes zur Genüge dartun. Die
hffrau, auf deren Namen das Geſchäft geführt wird, iſt
freits 24 mal vorbeſtraft, auch war ſie 1912 in Frankfurt
Pfandverſchleppung angeklagt, aber freigeſproche:)
lle: Ehemann iſt ebenfalls je einmal wegen
Eigentums=
ürgehen und Betrugs vorbeſtraft. Der Ehemann gibt
, er wolle gern auf den Trödelhandel verzichten, wenn
in nur der Möbelhandel erlaubt werde, auf den er als
Aarnter Schreiner angewieſen ſei, da er ſchwere Arbeit
ſatt leiſten kann. Der Provinzialausſchuß beſchloß, dem
narag des Kreisamts entſprechend, der Frau Saß das
röödlergewerbe zu unterſagen.
Marie
ſunchs, geb. Brüſſermann aus Darmſtadt ſucht um
Er=
ſiebnis zum Betriebe einer
Schankwirt=
haft mit Branntweinausſchank im Hauſe Grafenſtraße
ſkr. 2 nach. Das Polizeiamt verneint die Bedürfnisfrage
ſe Wirtſchaft habe zwar bereits mehrere Jahre, ſeit
Sep=
der 1906, beſtanden, war aber wiederholt geſchloſſen
Uineſen. Der letzte Wirt habe die Wirtſchaft aufgegeben,
ſſſie nach Eröffnung des neuen Bahnhofs unrentabel
worden ſei. Während zu Anfang der Bierkonſum etwa
Hektoliter monatlich betragen habe, ſei er ſpäter au
lbis 8 Hektoliter geſunken. Bedenken gegen die
Geſuch=
llerin beſtehen nicht. Wirtſchaftsdeputation der
Stadt=
rardnetenverſammlung und Gaſtwirteverein haben das
ſuch einſtimmig abgelehnt. Die letzte
Konzeſſionsin=
bbierin hat auf ihre Konzeſſion noch nicht verzichtet. Der
rwinzialausſchuß beſchloß, Beweis zu erheben über die
ſönlichen Verhältniſſe der Geſuchſtellerin und über die
ri önlichkeit des früheren Wirts.
Das Gemeinderatsmitglied Dr med. Ehrmann zu
rnsheim klagt gegen die Entſcheidung des
Kreisaus=
ſuiſes des Kreiſes Groß=Gerau vom 30. Januar. Großh
ſtiggermeiſterei Gernsheim ſtellte am 21. Dezember 1912
n. Kreisamt den Antrag, das Gemeinderatsmitglied
ſt. Ehrmann in eine Ordnungsſtrafe zu nehmen, da dieſer
weigerte, das Protokoll der Gemeinderatsſitzung, der
beigewohnt, an der Beratung und auch an den
Be=
ſlüſſen teilgenommen habe, zu unterſchreiben, trotzdem
nfiederholt vom Bürgermeiſter dazu aufgefordert wurde
rvurde ferner darauf hingewieſen, daß ſich Ehrmann
ſeverholt entfernt hat, ohne die Unterſchrift zu leiſten.
r iKreisausſchuß verhängte über Dr. Ehrmann eine
Ord=
ſiusſtrafe und beſchloß, daß die Unterſchrift des
Go=
ſſin deratsmitglieds Dr. Ehrmann durch dieſen Beſchluß
argänzen iſt. In der nichtöffentlichen
Gemeinderats=
ſutneg vom 5. Dezember 1912 ſtand die Beratung der
Ge=
ſti-verhältniſſe der Gemeindebeamten auf der
Tages=
hnung. Ehrmann ſtellte den Antrag, daß dieſe Poſitior
öffentlicher Sitzung verhandelt werde. Der Antrag,
Gehaltsverhältniſſe der Gemeindebeamten in
öffent=
lie Verhandlung zu erörtern, wurde angenommen
infolgedeſſen vom Bürgermeiſter auch aut
Tagesordnung der Sitzung vom 19. Dezember
ſtettt. Das Gehalt des Bürgermeiſters und Beige=
Pneten wurde in der Sitzung vom 5. Dezember
gepelt. Gegen das Protokoll vom 5. Dezember reichte
rmann ein Gegenprotokoll von der Gemeinderatsſitzung
19. Dezember ein, und verlangte, daß dieſes
Proto=
iin das Protokollbuch eingetragen werde. Da dies
ht erfolgte, verweigerte er auch die Unterſchrift des
ſptokolls der Sitzung vom 19. Dezember. Einen beſon
ſten. Zuſatz zum Protokoll hat Ehrmann, wie er angibt
iht verlangt. Er erklärte nur, er gäbe auch über dieſe
Bung ein Separatprotokoll ab. Da jedes
Gemeinderats=
lglied nach Artikel 112,1 der Landgemeindeordnung zur
Petſchrift des Protokolls verpflichtet iſt, ſo mußte er in
OOrdnungsſtrafe genommen werden. Der Bürger=
Mſter von Gernsheim gibt an, daß dem Antrag des Dr.
Ereann entſprechend, die Regelung der
Gehaltsverhält=
ſe der Gemeindebeamten auf die öffentliche
Tagesord=
ſig geſetzt worden ſei, aber nicht die des Bürgermeiſters
der Beigeordneten, da dieſe nach Artikel 137 der
Land=
ſtei ndeordnung eine andere Stellung einnehmen. Der
rinzialausſchuß beſchloß, die Klage des Dr. Ehr=
mann abzuweiſen unter Verurteilung in die Koſten des
Verfahrens. Der Kläger hätte verlangen müſſen, daß
ſein Widerſpruch zu einem beſtimmten Punkte protokolliert
werden müſſe. — Der Ortsarmenverband Frankfurt
a. M. klagt gegen den Ortsarmenverband Bieber weger
Erſatz von Krankenhauspflegekoſten für die Kinder The
reſe und Marie Schmidt, durch deren Behandlung im
Krankenhaus Frankfurt ein Aufwand von 66 Mark ent
ſtanden iſt. Die Sache war bereits einmal verhandelt
worden und damals Beweiserhebung darüber beſchloſſen
ob der Vater der Kinder in Bieber in Arbeit geſtanden
habe, oder aber ſelbſtändiger Arbeitgeber geweſen iſt
Schmidt hat ausgeſagt, daß er die Maurerarbeiten des
Hauſes in Bieber übernahm. Es wurde ein feſter Preis
für den Quadratmeter vereinbart und die Löhne wurden
ihm jede Woche zur Auszahlung übergeben. Auf Anraten
des Auftraggebers habe er ein Gewerbepatent erworben,
deſſer Koſten ihm erſetzt wurden. Der Provinzialausſchuß
beſchloß: die Klage des Ortsarmenverbandes Frankfurt iſt
abzuweiſen.
D. Die Diplom=Vorprüfung für alle Abteilungen an
der Techniſchen Hochſchule wird vom 16. bis einſchließlich
25. ds. Mts. abgehalten. Es nehmen daran insgeſamt 123
Studierende teil: in Architektur 20, im Bauingenieurweſen
33, im Maſchinenbaufach 43, in Papierfabrikation 2,
Elek=
trotechnik 17, Chemie 6 und Elektrochemie 2. Die
Klau=
ſurprüfung in Architektur findet am 21., die in Phyſik vom
21. bis 23. und diejenige in Chemie vom 21. bis zum
4. April ſtatt. — An der Fachprüfung der Abteilung für
Bauingenieurweſen beteiligen ſich 4 Kandidaten, 1 im
Eiſenbau, 1 im Eiſenbetonbau und 2 im Städtiſchen
Tief=
bau. Die mündliche Prüfung wird vom 21. bis 23., die
Klauſur=Prüfung vom 28. bis 30. ds. Mts. abgehalten.
D Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft. Die
Ein=
nahmen im Monat März 1913 betrugen: 1.
Perſonen=
verkehr 682137 Mk. (gegen 571934 Mk. im März 1912).
2. Güterverkehr 81813 Mk. (87515 Mk.) 3.
Neben=
einnahmen 7226 Mk. (7 38 Mk.) 4. Geſamteinnahmen
771176 Mk. (666987 Mk.).
— Heſſiſches Kinderſpielzeng. Wie wir erfahren
iſt die Fortführung der Fabrik für Heſſiſches
Kinderſpielzeug des Herrn Profeſſor Sutter
in Neuſtadt i. O. durch eine G. m. b. H. geplant. Ein
branchekundiger Kaufmann wird die geſchäftliche Leitung
übernehmen. Aus beſonderen Gründen wird es möglich
ſein, die bisherige Gläubigerſchaft an dem
Gewinn (nicht dem Verluſt) zu beteiligen. Daß
ein ſolcher Geſchäftsgewinn zu erwarten iſt, iſt nach den
Erhebungen des Komitees bei geeigneter kaufmänniſcher
Leitung nicht zweifelhaft. Der künſtleriſche Wert der
Sutterſchen Fabrikate wird allgemein anerkannt. Durdk
Weiterführung des Betriebs in der projektierten Art
wird es möglich ſein, eine kunſtgewerblich vorbildliche
Induſtrie dem Odenwald zu erhalten. Die geſchäftlichen
Erhebungen haben ergeben, daß es im Odenwald
durch=
aus möglich iſt, mit der berüh nten thüringiſchen Spiel
wareninduſtrie in Konkurrenz zu treten. Wir verweiſen
auf das Inſerat in unſerer heutigen Nummer.
* Konzert in der Johanneskirche. Zum Beſten der
Kinderbewahranſtalt der Johannesgemeinde fand am
Dienstag abend in der Johanneskirche ein gutbeſuchtes
Konzert unter Mitwirkung von Frau Schmidt=
Illing, Konzertſängerin hier, Frl. J. Senfter aus
Oppenheim, des unter Leitung von Frl. Lili Keil
ſtehenden Damenchors und des Herrn Muſikdirektors M
Klaſſert (Orgel), hier, ſtatt. Eröffnet wurde es mit
zwei Motetten von F. Mendelsſohn, die von dem
ge=
nannten Chor ebenſo wie ſpäter der 23. Pſalm von
Schu=
bert und das Requiem von Keil unter der Leitung von
Frl. Keil präzis, klangſchön und eindrucksvoll geſungen
wurden. Frau Schmidt=Illing trug die Pfingſtkantate von
J. S. Bach und einige geiſtliche Lieder mit vieler Empfin
dung und ſchönem Ausdruck vor. Frl. Senfter, die wir
hier in Konzerten ſchon als Komponiſtin kennen gelernt
haben, bewährte ſich in dem Vortrag des Adagios aus
dem E=moll=Konzert von F. Mendelsſohn, Händels
Larghetto und einer eigenen kleineren Kompoſition auch
als tüchtige und muſikaliſch fein empfindende
Violin=
ſpielerin. Herr Muſikdirektor Klaſſert erfreute die Zu
hörer durch ſein meiſterhaftes Orgelſpiel; er trug
Prä=
ludium und Fuge in C=moll von Bach und „Halleluja‟
aus Händels „Meſſias” vor und hatte außerdem die
Orgel=
begleitung für das ganze Programm übernommen.
* Für den heutigen Varſifal=Vortrag zum Beſten der
Richard Wagner=Stipendienſtiftung macht ſich ein ſo
un=
gewöhnliches Intereſſe geltend, daß der Kaiſerſaal
aus=
verkauft werden dürfte und ſich frühzeitiges Erſcheinen
dringend empfiehlt, zumal der Vortrag pünktlich um
8¼ Uhr ſeinen Anfang nimmt.
* Der Verein Heſſiſcher Ziegeleibeſitzer, E. V., hielt
eine Frühjahrsverſammlung im Saalbau ab. Der
Vor=
itzende begrüßte die vertretenen Nachbarvereine Baden
Frankfurt a M. und Wiesbaden. Die ausſcheidenden
Vorſtandsmitglieder, Herr Ziegeleibeſitzer Fritz Rücker
Weinsheim bei Worms, als Vorſitzender, und Herr Fritz
Hausmann, Mainz, als Schriftführer, wurden per
Akkla=
mation wieder gewählt. Herr Oberingenieur Wagner
hielt einen ſehr intereſſanten Lichtbildervortrag über
Transportanlagen für Ziegeleien. Herr Dr. Andres, Syn=
dikus des Verbandes Mitteldeutſcher Induſtrieller, ſprach
über Arbeitswilligenſchutz, und Herr Fritz Rücker über
die wirtſchaftliche Lage der Ziegelinduſtrie. Sämtliche
Vorträge zeigten durch den reichlich geſpendeten Applaus,
daß ſie bei der Verſammlung lebhaftes Intereſſe gefunden
hatten. Nachdem ein gemeinſchaftliches Mittageſſen in den
Räumen des Saalbaus eingenommen war, wurde die
herrliche Baumblüte der Ludwigshöhe in Augenſchein
ge=
nommen. Für die Herbſt=Wanderverſammlung wurde
be=
ſchloſſen, gemeinſam mit den befreundeten Vereinen die
Bauausſtellung in Leipzig zu beſuchen.
Bezirksverein Martinsviertel. In unſerem
Be=
richt über die Hauptverſammlung hiez es: „
In=
tereſſant waren die Mitteilungen über die neuen Pro
jekte der Linienführung der Heag für die elektriſche
Bahn nach dem Martinsviertel unter Berückſichtigung
der Wünſche der Hochſchule uſw.‟ Der Referent über
dieſe Frage, Herr Redakteur Bornemann, teilt uns mit,
daß er auf die Feſtſtellung Wert lege, daß dieſe
Mit=
teilungen weder von ihm noch überhaupt in der
Ver=
ſammlung gemacht wurden.
* Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Die
Män=
ner des Odenwaldklubs rüſten zu fröhlicher Wanderfahrt
ins liebliche Neckartal. Gerade der erſte Frühling hat
in dieſer Gegend ſeine beſonderen Reize. Die Eichenſchläge
ſind noch nicht belaubt, und ſo öffnet ſich dem entzückten
Auge überall von den Höhen aus der Blick hinunter auf
den Fluß, der von lichtgrünen Wieſen umſäumt iſt. Doch
hat auch auf den Bergen ſchon der Frühling ſeinen Einzug
gehalten. Von Eberbach gehts zuerſt den Neckar entlang,
über den Itterbach und Gammelsbach, und dann hinauf
nach Igelsbach. Eine prachtvolle Höhenwanderung führt
nun nach Schloß Hirſchhorn. Drunten im „Städtel” wird
Klubgenoſſe Holzſchuh den Frühtrunk reichen. Dann
geht=
über den Fluß, langſam die Hirſchhorner Steige hinan, mit
prächtigem Blick in Täler und auf Höhen hinauf zur
Block=
hütte. Tief unten rauſcht nun der Neckar. Schon tauchten
nahe vor uns der Dilsberg und im Hintergrunde der
Königſtuhl und der Weiße Stein auf. Durch das
an=
mutige Finſterbachtal erfolgt der bequeme Abſtieg zum
Neckarſtrand. Vom Neckarhäuſer Hof aus, wo ein kurzer
Aufenthalt vorgeſehen iſt, führt der Leinreiterweg die
Wanderſchar bis in die Nähe des Neckarſteinacher Hafens,
und dann geht’s auf neuem Pfade hinauf zum Dilsberg.
Auf der alten Bergfeſte, bei Klubfreund Zapf. wird zu
längerer gemütlicher Raſt verweilt. Der Abſtieg erfolgt
nach Neckarſteinach, dem freundlichen Schifferſtädtchen, das
im Kranze ſeiner Burgen dem Wanderer entgegenlacht.
Vorſicht, Oelfarbe! In den nächſten Tagen
be=
ginnt der Neuanſtrich der Briefkaſten, es iſt daher
Vor=
ſicht bei ihrer Benutzung geboten.
Zur Abänderung des Handwerkergeſetzes
vom 26. Juli 1897 hat der geſchäftsführende Ausſchuß des
Deutſchen Handwerks= und Gewerbekammertags zu
Han=
nover im Oktober 1912 eine Denkſchrift veröffentlicht,
in welcher alle Wünſche der Geſchäftsſtelle und der
Hand=
werks= und Gewerbekammertage zuſammengefaßt wurden.
Durch die ganze Denkſchrift geht ein einheitlicher Zug nach
Betonung des Zwanges. Die 1897 geſchaffene
Handwerks=
organiſation wird als eine Zwangsorganiſation
bezeich=
net, in welcher Handwerkskammern und Zwangsinnungen
die ihnen obliegenden Aufgaben nur dann erfüllen
könn=
ten, wenn die in der Denkſchrift behandelten Fragen im
Sinne der Antragſteller gelöſt würden. Die
Zwangs=
innung ſoll die für den Handwerker gegebene Organiſation
ſein. Dieſe Anſchauungen und die Ablehnung der ſeit
Jahren von den deutſchen Gewerbevereinen und den
freien Vereinigungen geäußerten Anträge und Wünſche
auf Verbeſſerung ihrer Stellung in der Gewerbeordnung,
hat den Vorſtand des Verbandes Deutſcher
Gewerbever=
eine und Handwerkervereinigungen veranlaßt, die
er=
wähnte Denkſchrift des Deutſchen Handwerks= und
Ge=
werbekammertags in einer ſoeben veröffentlichten
Abhand=
lung einer beſonderen Betrachtung zu unterwerfen. Es
wird hierbei nachgewieſen, daß die teilweiſe ſehr
ener=
giſche Sprache des geſchäftsführenden Ausſchuſſes zu
Han=
nover durchaus nicht im Einklang ſteht mit der Anſchauung
des geſamten deutſchen Handwerks, ſelbſt nicht aller
Hand=
werkskemmern. Dies trifft beſonders zu bei den wichtigen
Fragen des Meiſterprüfungsweſens, der Berechtigungen
der gewerblichen Unterrichtsanſtalten und des Wahlrechts
zu den Handwerkskammern. Der Vorſtand des Deutſchen
Verbandes hebt u. a. beſonders hervor, daß die Zulaſſung
zur Meiſterprüfung erſt nach Vollendung des 24.
Lebens=
jahres eine bedenkliche Erſchwerung für das deutſche
Handwerk bedeute und führt die Aeußerungen
maßgeben=
der Handwerkskammern an, die ſich gegen dieſe
Erſchwe=
rung ausſprechen. Ebenſo wird der Beweis erbracht, daß
hinſichtlich der Vergünſtigungen bei der Meiſterprüfung
infolge des Beſuches von Fachſchulen nicht alle
Handwerks=
kammern die ablehnende Stellung des Hannöverſchen
Vororts teilen. Es wird ernſtlich gewarnt vor einer Uni
ormierung des ganzen gewerblichen Prüfungs= und Aus
bildungsweſens angeſichts der außerordentlich
verſchie=
denen Entwickelung und Leiſtungsfähigkeit des Handwerks
in den einzelnen Reichsteilen, unter dem Hinweis, daß
die Induſtrie mehr und mehr ſich für ihre Zwecke der
Lehrlingausbildung ſelbſt annimmt und eine Abwendung
Feuilleton.
— Bundesrat und Dr. med. dent. Wie Berliner
tter melden, dürfte ſich der Bundesrat demnächſt mit
Frage der Verleihung des Titels Dr. med. dent.
mit anderen Wünſchen der Zahnärzte auf Grund
r erneuten Eingabe befaſſen, die die Verleihung die=
Fitels beantragt und damit den einmütigen Wunſch
geſamten zahnärztlichen Standes zur Geltung bringt.
Dozenten der Zahnheilkunde an den Univerſitäten
der Vereinsbund der deutſchen Zahnärzte erſtreben
schaffung des neuen Titels. Es beſteht die Hoffnung
die zuſtändigen Stellen im Reich und die Einzel=
Wenungen den dringenden Vorſtellungen der Zahnärzte
meehr Gehör geben werden, was insbeſondere im
Hin=
auf die kürzlich erſt erfolgte Verleihung des Titels
med. vet. für Veterinäre erwartet wird. Die Ver=
Uſim g des Titels Dr. med. dent. ſoll erfolgen auf Grund
r Diſſertation und eines Examens entſprechend den
igen Titelverleihungen. In der Eingabe wird wei=
Aübeſonders hervorgehoben, daß ein Aufgehen des Stu
Ais der Zahnheilkunde in die Vollmedizin eine Schä=
Allng des ganzen Standes und der Wiſſenſchaft bedeu=
Bwürde, und daß ein von dem ſonſtigen Studium der
irin geteilter Studiengang und ein beſonderes Examen
nubendig iſt, um der Zahnheilkunde und dem zahnärzt=
Beruf die ihr gebührende Entwickelungsmöglich=
Lilie
izu ſchaffen. Erwünſcht iſt vor allem die Hinzufügung
achten Studienſemeſters zu den beſtehenden ſieben
Seitern. Ganz beſonders wird hervorgehoben, daß
Forderungen nicht nur für den zahnärztlichen Stand,
ſürlern vor allen Dingen im dringenden Intereſſe des
Volkes liegen, deſſen Bedürfniſſe unbedingt dahin gehen,
daß der zahnärztliche Beruf weitere Ausdehnung gewinnt
und daß ſich mehr Studierende als bisher dem
zahnärzt=
lichen Studium zuwenden. Die Stellung der Fakultäten
der Univerſitäten zu der Frage der Titelverleihung iſt in
ihrer Mehrzahl gleichfalls der Verleihung des neuen
Titels günſtig. Ein Teil der Fakultäten ſteht der
Ange=
legenheit noch abwartend gegenüber, und nur wenige
haben ſich dagegen ausgeſprochen. Während die Schaffung
des Titels Dr. medl. dent. ein Recht der Krone darſtellt
und von den Landesfürſten veranlaßt wird, würde die
Frage der Hinzufügung eines weiteren achten
Studien=
ſemeſters zu den bisherigen ſieben von den Beſchlüſſen
des Bundesrats abhängig ſein.
— Forellenſtudien des Unterwaſſerphotographen. Die
Photographie unter Waſſer iſt zwar ſchon öfters mit Glück
durchgeführt worden, aber wohl niemand hat ſie bisher
ſo ſyſtematiſch und erfolgreich ausgebildet wie der
eng=
liſche Naturforſcher Dr. Francis Ward, der in einem
Fiſchteich in Ipswich ein ganzes
photographi=
ſches Atelier unter Waſſer eingerichtet hat. Dem
Gelehrten gelang es ſo, Aufnahmen von Fiſchen zu
er=
zielen, die auf das Leben der Tiere ganz neues Licht wer
fen; beſonders hat er ſich mit dem Studium der
Fo=
rellen beſchäftigt. Wie in einem Aufſatz der
Illuſtra=
tion mitgeteilt wird, iſt der Stand von dem Ward aus
feine Aufnahmen macht, von dem Waſſer nur durch eine
große dicke Glasplatte geſchieden. Für den im Teich
ſchwimmenden Fiſch erſcheint dieſes Glas als eine
un=
durchſichtige Mauer; er ſieht, ſelbſt wenn er ſo nahe an
dem Glas iſt, daß er es berührt, nichts auf der anderen
Seite und kann den Beobachter nicht entdecken, der völlig
in Dunkel gehüllt iſt. Der Beobachter dagegen ſieht auch
die kleinſten Fiſche, die in einer Entfernung von wenigen
Fuß vorbeiſchwimmen, ſo deutlich, daß er das
Vorhan=
denſein eines Glaſes völlig vergißt. Die
Unterwaſſer=
photographien Wards vermitteln u. a. wertvolle neue
Auf=
ſchlüſſe über das Leben der Forellen. So glaubte man
z. B. bisher, daß das Forellenweibchen ein Loch in den
Boden gräbt, hier ihre Eier niederlegt und ſie dann
ſorg=
fältig zudeckt, indem ſie mit ihrer Schnauze Sand darüber
bringt. Ward aber beſchreibt auf Grund ſeiner
Photo=
graphien dies Geſchäft in einer ganz anderen Weiſe. „Die
Forelle entfernt, auf der Seite liegend, die Sandkörner
um ſich herum und ſtellt ſo eine Art Graben her, in den
ſie die Eier legt. Dann wälzt ſie ſich ein wenig weiter
und wiederholt dieſe Arbeit; während ſie nun eine neue
Menge Eier in die Fortſetzung des Grabens legt, bringt
ihr Schwanz, der ſich hin und her bewegt, den vorher
ent=
fernten Sand wieder an dieſelbe Stelle, ſo daß die Eier
bedeckt ſind.‟ Die Männchen führen in dieſer Zeit furcht
bare Kämpfe auf, die auf Wards Photographien zu ſehen
ſind. „Ich beobachtete in meinem Teich,” ſo erzählt er,
„drei große Forellen, von denen eine ein Weibchen war
Eines Morgens bemerkte ich eine große Aufregung im
Waſſer, und als ich in aller Eile in meinen
Beobachtungs=
raum hinabſtieg, ſah ich zwei miteinander kämpfende Fo
rellenmännchen. So wurde ich der Zeuge eines Duells,
das 20 Minuten dauerte. Die beiden Tiere jagten
ein=
ander rund um das Baſſin, und ab und zu glückte es dem
einen, dem andern in den Schwanz zu beißen. Plötzlich
wandte ſich der eine, den ich bisher in der Defenſive
ge=
ſehen hatte, entſchloſſen gegen ſeinen Geaner, und der
eigentliche Kampf begann. Nach einigen Zuſammenſtößen
glückte es dem Stärkeren, den Schwächeren mit dem Maul
zu packen und mit großer Gewalt auf den Rücken zu
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Nummer 89.
der Lehrlinge nach dieſer Richtung zum Schaden des
Handwerks ſich bemerklich macht.
Seir zehn Jahren beantragen die in den deutſchen
Ge=
werbevereinen korporierten Handwerker eine Verbeſſerung
ihres Wahlrechts zur Handwerkskammer, wogegen der
Vorort der deutſchen Handwerkskammern aufs ſchärfſte
Stellung nimmt. Der Vorſtand des Deutſchen Verban
des zu Darmſtadt vertritt in ſeiner Denkſchrift, bei voller
Anerkennung der reichsgeſetzlichen Organiſation, nach wie
vor den Standpunkt, daß der geſamte Handwerkerſtand
und nicht allein die Innungshandwerker zur Mitarbeit
und zum Ausbau derſelben berufen ſeien; der
Zuſammen=
ſchluß des Handwerks in Innungen, Gewerbevereinen und
Handwerkervereinigungen bilde die alte bewährte
Or=
ganiſationsform des deutſchen Handwerks. Die jetzt
wie=
der ſo ſcharf ausgeſprochene Betonung der
Zwangsorga=
niſation in Innungen ſtöre den weiteren Ausbau der
Or=
ganiſation des Handwerks. Die ſegensreich wirkenden
freien Vereinigungen, die zum Teil von den
Bundesregie=
rungen ſelbſt ins Leben gerufen wurden und dort den
Handwerkskammern den Boden für ihre Tätigkeit
vorbe=
reiteten, ſeien in vielen Fragen ſtets gute und willige
Mitarbeiter der Handwerkskammern geweſen; ihnen den
gewünſchten Platz an der Sonne zu gönnen, würde eine
große, gute Tat einer weiſen Handwerkspolitik ſein und
das Anſehen der Reichsorganiſation ſtärken gegenüber den
zahlreichen Gegnern, die in den Reihen des Handwerks
noch ſtehen, und zum Teil aus politiſchen Gründen die
Kammern offen bekämpfen.
Die Betrachtung des Vorſtandes des Verbandes
Deut=
ſcher Gewerbevereine und Handwerkervereinigungen
ſchließt mit den Worten: Wenn ſich die maßgebenden
Fak=
toren bei der Neugeſtaltung der Gewerbeordnung
ent=
ſchließen könnten, auch die außerhalb der
Innungsorgani=
ſation ſtehenden Intereſſenvertretungen des Handwerker=
und Gewerbeſtandes zur Mitarbeit zu gewinnen, ſo würde
dem Fortſchritt in der Organiſation des Deutſchen
Hand=
werks ein guter Dienſt geleiſtet und bei wachſendem guten
Einvernehmen der verſchiedenen Organiſationen könnte
die berufene Intereſſenvertretung des geſamten deutſchen
Handwerks in allen wichtigen Fragen auch das geſamte
deutſche Handwerk und Gewerbe mit ſeinen großen
Ver=
bänden zur Gefolgſchaft haben.
— Auerbach, 16. April. Verſchönerungs= und
Kurverein Auerbach. Es war ein glücklicher Gedanke,
in dieſer wiedererwachten Froſtzeit noch eine winterliche
Veranſtaltung einzuſchieben. Und daß dieſer, in einem
„Extrakonzert” beſtehend, in engeren und weiteren
Kreiſen auf ſehr guten Boden gefallen iſt, das bewies der
ausverkaufte große „Krone‟=Saal. Frau Paula
Wer=
ner=Jenſen iſt uns eine liebe Bekannte, an derem
prächtigen Geſang wir uns hier ſchon mehrfach erfreuen
durften. Wir hatten die Empfindung, daß die Stimme,
ſeit die geſchätzte Künſtlerin bei uns zuletzt das Podium
betreten hatte, ſich zu weiterer machtvoller Vollkommenheit
ausgebildet hat. Warm empfundener, ſeelenvoller
Vor=
trag, vorzügliche Textausſprache verbanden ſich mit dem
prächtigen, vollen und biegſamen Stimmaterial zu einer
außerordentlich ſchönen Wirkung und erſtklaſſigen Leiſtung.
Ganz hervorragend iſt auch die vortreffliche geſangliche
Schulung, die beſonders in der „Arie der Dalila” wie
auch in der Moſerſchen „Ariette an den Frühling” mit
den zierlichen, koketten Fiorituren meiſterhaft zum
Aus=
druck kam. Eine ſehr wackere Leiſtung bot auch der
Sän=
gerchor des Darmſtädter Lehrervereins. Er
lag ſicher und feſt in der Hand des Dirigenten. Das iſt ein
Hauptvorzug eines Sängerchors, der in erſter Linie auf
das Konto des erfahrenen Dirigenten kommt. Herr
Wil=
helm Borngäſſer verſtand ſeine Sache; er wußte aus
ſeinen Sängern das Beſte herauszuholen. Die Einſätze
erfolgten bei allen Vorträgen in exakt präziſer Weiſe. Ganz
beſonders rühmend hervorzuheben wären die diskret
vor=
getragenen Piani. Speziell im Vortrag von Volksliedern
liegt die Stärke des Vereins. Letztere wurden trefflich
zum Vortrag gebracht. Mehrere der Volkslieder mußten
wiederholt werden. Auffallend gute Beſetzung hat der
Verein in den Bäſſen aufzuweiſen. Wir haben uns
ge=
freut, in dem Sängerchor des Darmſtädter Lehrervereins
einen trefflich geſchulten, ſtrebſamen Männerchor, unter
Leitung eines tüchtigen Dirigenten, hier kennen gelernt zu
haben. Die Begleitung, ſowohl der Darbietungen der
Frau Werner=Jenſen, als auch der Geſangschöre, wurde
von Herrn A. Niebergall in trefflicher Weiſe ausgeführt.
Offenbach, 16. April. Der nach Unterſchlagung von
10500 Mark flüchtig gegangene Handlungsgehilfe
Lud=
wig Melchior wurde in Luzern, wo er ſich unter
falſchem Namen in ein Hotel eingemietet hatte,
feſtge=
nommen. In ſeinem Beſitz wurden noch 8244 Mark
ge=
funden. Die Auslieferung des Flüchtlings wird auf
diplomatiſchem Wege erfolgen.
Erlenbach, 16. April. Der Bürgermeiſter Leonhard
Bitſch von Erlenbach bei Fürth im Odenwald hat ſich
geſtern erhängt. Da er zugleich Rechner der Spar=
und Darlehnskaſſe war, wird vermutet, daß
irgend etwas bei der Kaſſe nicht in Ordnung geweſen iſt.
Näheres iſt noch nicht feſtgeſtellt.
WLampertheim, 15. April. Bei den
Holzverſtei=
gerungen in der vergangenen Woche hat die Gemeinde
wieder recht anſehnliche Preiſe erzielt. Es wurden. be=
zahlt: für Buche Knüppel 8 Mk. pro Rm., für
Kiefern=
legner 13,50 Mk., Kiefernſtämme 1. Kl. 39,30 Mk., 2. Kl.
35,20 Mk., 3. Kl. 31,90 Mk., 4. Kl. 21,20 Mk. und für
Fich=
tenſtämme 22,70 Mk. und 20,10 Mk. pro Fm. — Zu dem
heutigen Ferkelmarkt waren 172 Tiere aufgetrieben.
Der Beſuch des Marktes durch auswärtige Käufer war
ſehr gut, doch wurden die Tiere nur etwa zur Hälfte
ab=
geſetzt. Die Preiſe bewegten ſich zwiſchen 40—46 Mark.
Mainz, 16. April. Von der Landebrücke der
Nieder=
länder Boote ſprang geſtern abend ein unbekannter Mann
im Alter von etwa 30 Jahren in den Rhein und
er=
trank. Die Leiche iſt noch nicht geborgen. — Auf der
Großen Bleiche wurde geſtern mittag ein
Transport=
dreirad im Werte von 600 Mk., und am Rhein ein
Hand=
karren geſtohlen. — Von der Eiſenbahnverwaltung
wird zu dem direkten Rheingauverkehr mitge
teilt: Seit einiger Zeit führt die Eiſenbahndirektion
Mainz zwiſchen Biebrich=Oſt und Biebrich=Weſt größere
Gleisumbauten aus, die dazu beſtimmt ſind, auf Grund
der Erfahrungen vorigen Herbſtes die betriebliche Lei
ſtungsfähigkeit dieſer Strecke zu heben. Die Umbauten
werden rund eine Million beanſpruchen und
noch Jahr und Tag ſich hinziehen. Jedoch iſt es möglich
geweſen, mit Hilfe von Proviſorien die hauptſächlichſten
Vorteile alsbald ſchon nutzbar zu machen. Zugleich
ergib=
ſich für Mainz die angenehme Nebenfolge, daß die bisher
der Einführung direkter Rheingauzüge
hin=
derlich geweſenen Betriebsbedenken eine ſtarke
Abſchwächung erfahren. Die Eiſenbahndirektion
Mainz hat deshalb nicht gezaudert, dieſe Züge alsbald
und zwar mit Beginn des Sommerfahrplans am
1. Maiverſuchsweiſe einzulegen. Hiermit wird
einer der ſehnlichſten Verkehrswünſche der Mainzer
Be=
völkerung in Erfüllung gehen. Die Züge halten nicht mehr
in Biebrich=Oſt, ſondern fahren von Mainz=Hauptbahnhof
direkt nach Biebrich=Weſt. Eine größere Zahl von Zügen
läßt der Stand der Umbauten zurzeit nicht zu, ſie ſcheinen
aber auch zunächſt nicht erforderlich. Im übrigen handelt
es ſich zunächſt nur um einen Verſuch.
Worms, 16. April. Zu den
Kompagniebeſich=
tigungen ſind heute eingetroffen: Exz. v. Schenck
kommandierender General, Exz. v. Plüskow.
Diviſions=
kommandeur und Generalmajor Frank, Brigade=
Kom=
mandeur. Heute früh wurden Beſichtigungen auf dem
Kaſernenhof vorgenommen. Morgen vormittag treffen die
beiden erſtgenannten Herren wieder hier ein, um an den
Geländebeſichtigungen im Roſengarten
teilzu=
nehmen. Bei dieſer Gelegenheit wird ein Bataillon in
der neuen feldgrauen Uniform antreten.
Nieder=Flörsheim, 16. April. Der Vorarbeiter
Daukenheim gebürtig aus Undenheim, der bei der
Firma Dietz am Gundersheimer Bahndamm beſchäftigt
war, erlitt heute einen ſehr bedauerlichen Unfall. Er
be=
fand ſich auf einem der leeren Erdwagen, die im hieſigen
Bahnhof zum Weitertransport bereit ſtanden; als die
Maſchine anfuhr, kam D. bei dem Ruck zwiſchen den
Wagen ſounglücklich zu Fall, daß ihm der linke
Arm zweimal überfahren wurde, der Arm mußte
amputiert werden.
Pfaffen=Schwabenheim, 16. April. Von der
elek=
triſchen, Straßenbahn Kreuznach-Sprendlingen
—St. Johann ließ ſich der 70 Jahre alte Landwirt
Ma=
thias Köthüberfahren, ſo daß der Tod alsbald
eintrat.
Gießen, 15. April. Der Zuchthausgefangene Peter
Neumann aus Pisport, welcher behufs Heilung eines
Armbruches in der Klinik untergebracht war, iſt in
ver=
floſſener Nacht entwichen. Neumann, der noch ſechs
Jahre Zuchthaus wegen Meineides zu verbüßen hat, iſt
51 Jahre alt, mittelgroß, blond, bartlos und war bekleidet
mit blau und weiß geſtreiften Anſtaltskleidern, ſchwarzem
Hut und gelben Sandalen.
Drais, 16. April. Steuernachzahlungen in
Höhe von 18000 Mark haben die Erben des verſtorbenen
Notars Johann Stenner von hier zu leiſten. Nach Er
mittelungen der Behörde iſt dies der von demſelben in
den letzten drei Jahren zu wenig gezahlte
Steuer=
betrag. Der Hauptanteil fällt an die Gemeinde
Wallertheim, dem letzten Amtsſitze des Verſtorbenen, wäh
rend die Gemeinde Drais den Betrag von 1500 Mack
Nachzahlungen erhält.
Kunſtnotizen.
Ueber Werk
künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Lutherchor. Die Tenorpartie in dem am
29. d. M. zur Aufführung gelangenden Oratorium „
Jo=
hannes Huß” von C Löwe hat an Stelle des Herrn
Kon=
zertſängers Franz Müller, der abſagen mußte, Herr Kon
zertſänger Wilhelm Lamb aus Frankfurt a. M.
übernom=
men. Wir laſſen hier einige Urteile über ihn folgen:
Herr Schilling=Ziemßen, 1. Kapellmeiſter der Frankſurter
Oper und 1. Dirigent der Bach=Gemeinde in Frankfurt a M.,
ſchreibt: „Es gereicht mir zur beſonderen Freude, Herrn
Wilh. Lamb, hier, auf ſeinen Wunſch das Zeugnis
aus=
ſtellen zu können, daß die hieſige Bach=Gemeinde in ihm
einen vortrefflichen Künſtler für die Ausführung der oft ſo
ſchwierigen Tenorpartien in den Kantaten beſitzt.” Ueber
ſeine Mitwirkung in Haydns „Jahreszeiten” leſen wir:
„Herr W. Lamb=Frankfurt a. M. verfügt über einen äußerſt
ſympathiſchen, in allen Lagen gut ausgeglichenen und
ſtimmlich vorzüglich geſchulten Tenor. Die Vortragsweiſe
war ſtets dem Inhalt angepaßt und die Ausſprache eine
muſterhafte. Es war eine Luſt, dieſen einwandsfreien
Tönen zu lauſchen.”
Die Rhein= und Nahe=Zeitung
ſchreibt über ſeine Mitwirkung in der Bruchſchen „Glocke”:
„An der Abſage zweier Soliſten wäre beinahe die
Auf=
führung der „Glocke” geſcheitert. Noch in letzter Stunde
gelang es, für die Tenorpartie Herrn W. Lamb aus
Frank=
furt a. M. zu gewinnen. Herr Lamb ſang ſeine Partie
überhaupt zum erſten Male, und zwar ohne
Orcheſter=
probe oder Klavierprobe. Der Verein iſt daher dem
Sänger für ſeine Liebenswürdigkeit zu großem Danke
ver=
pflichtet. Rückhaltlos iſt die muſikaliſche Sicherheit
anzu=
erkennen, mit der Herr Lamb ſeinen Solopart vertrat.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 15. April. Der
Hut=
nadelerlaß des Herrn Polizeipräſidenten v. Jagow,
der mit dem heutigen Tage in Wirkſamkeit getreten iſt
ſoll zunächſt mit aller Milde und Rückſicht auf die
Damen=
welt durchgeführt werden. Der Herr Polizeipräſident hat
an die ihm unterſtehenden Polizeibeamten eine
Verfüg=
ung erlaſſen. In ihr heißt es, daß die Trägerinnen
unge=
ſicherter und hervorſtehender Hutnadeln auf der Straße
ſowohl, wie auf den Straßenbahnen zunächſt nur in
höf=
licher Weiſe aufgefordert werden ſollten, entweder die
Na=
deln zu ſichern oder ſie ſoweit zurück zu ziehen, daß ſier
nicht eine Gefahr für andere Menſchen bilden.
Strafan=
zeigen ſollen nur dann erſtattet werden, wenn Damen ſich
trotz höflicher Aufforderung weigern, ihre Hutnadeln zu
ſichern. Die Feſtſtellung der Perſonalien in ſolchen Fällen
ſoll in möglichſt unauffälliger Form geſchehen. Etwaige
Siſtierungen ſollen nur dann vorgenommen werden, wenn
die betreffenden Damen es ablehnen, Namen und Adreſſe
anzugeben. — Ein Strafverfahren gegen den
Detektiv Schwarz, der in der Sache Tiemann eine
Hauptrolle ſpielte, iſt wegen Anmaßung eines öffentlichen
Amtes jetzt von der Behörde eingeleitet worden. Zugleich
mit der Behörde geht der Vater des aus der Haft ent
laſſenen Dienſtmädchens Heinrich gegen Schwarz vor. Er
hat bereits Strafantrag gegen ihn geſtellt. Seine
Kol=
legen ſind mit dem Vorgehen des Detektivs ebenfalls nicht
einverſtanden. Die Detektivinſtitute haben ſchon gegen die
Art und Weiſe ſeines Porgehens Stellung genommen,
Schwarz war früher von Beruf Tiſchler und dann Sattler
Einer der gefährlichſten Geldſchrankeinbrecher
namens Dittmar — ſein Spitzname iſt Graf
Tatten=
bach — konnte geſtern nach heftiger Gegenwehr von
Poli=
zeibeamten feſtgenommen werden. Der 27jährige
Ver=
brecher entſprang im Februar vorigen Jahres aus einer
Irrenanſtalt. Seit dem Tage fehlte jede Spur von ihm.
Der Juwelendiebſtahl im Union=Theater,
jenes eigentümliche und für die geplünderte ruſſiſche Dame
Frau Eliſabeth v. Skoſſyroff, geb. Gräfin Mavros, die
ein Juwelenvermögen in der Handtaſche trug, ſo
unange=
nehme Reiſeabenteuer wird vorausſichtlich noch in dieſem
oder anfang des nächſten Monats die Strafkammer
be=
ſchäftigen. Das Vorverfahren iſt bereits abgeſchloſſen und
die Anklage den Beſchuldigten zugeſtellt worden. Frau
v. Skoſſyroff hat den größten Teil der ihr abgenommenen
Sachen wieder bekommen, ſie iſt aber trotzdem bedeutend
geſchädigt, da die Schmuckſachen teilweiſe zerbrochen und
die Faſſungen zum Teil ſchon eingeſchmolzen waren.
Sie=
hat ſich übrigens bereit erklärt, zum Verhandlungstermin
von Wilna nach Berlin zu kommen.
Bad Homburg, 16. April. Gegenwärtig finden auf
der Saalburg, dem weitberühmten Römerkaſtell, au
Veranlaſſung des Kaiſers und unter fachmänniſcher
Auf=
ſicht Arbeiten ſtatt, die die weitgehendſte Beachtung nicht
nur in wiſſenſchaftlichen Kreiſen verdienen. Seit
Montag=
früh ſind zirka 200 Mainzer Pioniere vor der Saalburg,
nahe dem Dreimühlborn, mit einer intereſſanten
Pionjer=
übung beſchäftigt. Es handelt ſich darum, ein
römi=
ches Lager nach dem Muſter der kleinen
ausgegra=
benen Saalburgſchanzen mit einem Stück Pfahlgraben
möglichſt nach römiſchem Verfahren herzuſtellen. Ein
derartiger Verſuch, der in wiſſenſchaftlichen Kreiſen ſchon
lange gewünſcht wird, wird allein Aufklärung über ſo
viele umſtrittene techniſche Fragen der antiken
Lagerbe=
feſtigung geben können. Die Mainzer Pioniere werden
zeigen müſſen, ob ſie mit demſelben Geſchick und gleicher
Schnelligkeit ein Lager zu ſchlagen vermögen, wie ihre
römiſchen Kameraden, welche mit dem Schwert und der
Art die Welt eroberten. Der Kaiſer und der ganze Ho
nehmen daran großen Anteil, und täglich iſt die Saalburg
von zahlreichen Fremden aus allen Ländern beſucht, die
ſich ſchon jetzt zur Kur in Bad Homburg eingefunden
haben. Vor allem finden ſich die namhafteſten Vertreter
der Archäologie ein. — Auf Anordnung des Kaiſers
wer=
den die drei oberſten Klaſſen ſämtlicher höheren Schulen
von Frankfurt. Hanau, Homburg und Wiesbaden am
Don=
nerstag und Samstag Schulausflüge nach der Saalburg
veranſtalten.
Speyer, 15. April. Am Samstag wurde in Speyel
ein franzöſiſcher Genieoffizier, ein Hauvtmann, als er die
Schiffsbrücke beſichtigte, unter dem Verdacht der
werfen. Dann ließ er erſchöpft von ihm ab, und das
Opfer dieſes Duells auf Leben und Tod kam
nun langſam auf die Oberfläche des Waſſers mit dem
Bauch nach oben, um ſeinen letzten Atemzug
auszuhau=
chen, während der glückliche Sieger ſich nun dem Inhalt
und Ziel des wilden Kampfes, dem Weibchen,
zuwen=
dete.” Außerordentlich intereſſant ſind auch die
Photo=
graphien des Gelehrten, die die merkwürdigen
Bewegun=
gen der Tauchervögel veranſchaulichen. Dr. Ward wird
demnächſt ein großes Werk über Unterwaſſerphotographie
veröffentlichen.
** Ein Drama aus den ruſſiſchen Wäldern, das ſich
in dieſen Tagen in den Wäldern der Umgegend von
Aſtrachan ereignete, wird dem Wiedemoſti berichtet. Ein
Bauer namens Grusneijoff fuhr mit ſeiner Frau und
ſei=
nem vier Jahre alten kleinen Kinde im Schlitten nach
Woltſchuni. Wenige Meilen vor der Stadt wurde in den
Wäldern der Schlitten am Abend von einem Rudel
hungri=
ger Wölfe angefallen. In ihrem maßloſen Entſetzen
ver=
langte die Bäuerin, man möge den Tieren das Kind
hin=
werfen. Der Mann aber ſträubte ſich dagegen und
bearbei=
tete die Pferde mit der Peitſche. Doch bald zeigte ſich, daß
die Jagd mit dem Siege der Wölfe enden würde, die
Verfolger gewannen Terrain, und in der Angſt der
Ver=
zweiflung warf der Bauer nun doch das hilfloſe Kind
auf den Waldweg hinaus. Aber dieſer Verſuch, das Kind
zu opfern, um das eigene Leben zu retten, mißlang. Die
Wölfe ſtürmten an dem Bündel mit dem Kinde vorüber,
folgten dem Schlitten weiter und zerrten ſchließlich den
Bauer aus ſeinem Gefährt. Die Frau verlor die
Beſin=
nung und in wildem Galopp ſetzten die von Angſt
ge=
peitſchten Pferde die Fahrt fort. Als der Schlitten mit
den ſcheuen Tieren in die Stadt brauſte und endlich zum
Stehen gebracht war, fand man die Bäuerin
beſinnungs=
los auf dem Boden des Gefährtes. Die ſofort
ausge=
ſandte Rettungsexpedition ſtieß bald auf die zerfleiſchten
Ueberreſte Grusneijoffs. Als man aber den Weg weiter
zurückverfolgte, entdeckte man auf der Straße auch bald ein
kleines buntes Bündel: es war das in ſeine Tücher
ge=
hüllte Kind, das friedlich ſchlief und nicht die geringſte
Verletzung aufwies. Man brachte es in die Stadt, wo
es ſich ſchnell von den Folgen der Kälte erholte.
C.K. Colonel Aſtors Erbe. Ein Jahr nach dem
Untergang der Titanic, bei dem der amerikaniſche
Multi=
millionär John Jakob Aſtor ſein Leben verlor, ſind die
Vorarbeiten der Erbſchaftsregulierung beendet, und zum
erſten Male wird ein authentiſcher Ueberblick über die
Größe des Aſtorſchen Vermögens veröffentlicht. Es zeiat
ſich, daß das Geſamtvermögen John Jakob Aſtors einen
Wert von 77216690 Dollar repräſentiert, alſo weit über
310 Millionen Mark. Dieſes ganze Vermögen geht zum
allergrößten Teil auf den Sohn des Verſtorbenen, au
den jungen Vincent Aſtor, über; nur gegen 40 Millionen
kommen in andere Hände. Für Frau Ava Willing Aſtor
iſt ein Vermögen von 3½ Millionen Mark ausgeſetzt,
deſſen Nutznießung der Witwe regelmäßia eingeräumt
bleibt. Frau Madeline Force Aſtor bezieht auf
Lebens=
zeit den Ertrag eines Kapitals von 7 Millionen Mark
Frau Madeline Aſtor war bekanntlich die zweite Gattin
des verſtorbenen Millionärs. Bei der Ordnung des
Nach=
laſſes zeigte ſich, daß Colonel Aſtor mehrere Millionen
Dollar in Papieren angelegt hatte, die heute ſo gut wie
vollkommen wertlos ſind. Seglerkreiſe wird es
über=
raſchen, daß Aſtor für die berühmte Jacht „Roma”
ſeiner=
zeit nur 360000 Mark bezahlt hat; die Jacht war
bekannt=
lich für William B. Leeds gebaut worden und ſoll nabezu
2 Millionen gekoſtet haben. Aſtor kaufte ſie aus dem
Nach=
laß von Leeds für die angegebene, verhältnismäßig ſehl
geringe Summe. Ueberraſchend groß iſt die Menge der
Juwelen des verſtorbenen Millionärs; ſie repräſentieren
einen Wert von rund 650000 Mark. Allein ſeine
Perl=
manſchettenknöpfe koſteten 5000 Mark, und für 6
Weſten=
knöpfe, rubinenumkränzte Perlen, legte Aſtor über 7000
Mark an. Die hinterlaſſenen Kunſtwerke, unter denen
Millets „Gänſemädchen” und Corots „le Nid”
hervor=
ragen, wurden auf 1½ Millionen abgeſchätzt. Als die
Leiche Aſtors geborgen wurde, fand man in den Taſchen
gegen 10000 Mark in Papiergeld und Münzen.
* Der unſichtbare Bahnhofsportier. Jedesmal, wenn
ein Zug den neuen Zentralbahnhof in New=York
ver=
laſſen ſoll, wird die bevorſtehende Abfahrt in allen
Warte=
räumen gleichzeitig abgerufen, und ein Portier iſt es, der
dieſes Amt inne hat. Er ſtellt ſich auf den Bahnſteig vor
einen telephonartigen Apparat und ſpricht dort hinein.
Gleichzeitig hört man ſeinen Ruf dann, jedoch
außer=
ordentlich verſtärkt, in allen Warteſälen. Es iſt, wie das
Popular Electrity Magazine berichtet, ein
telephonarti=
ges Inſtrument, das den Schall übermittelt. In den
Warteſälen ſelbſt ſieht man jedoch nichts davon, denn die
Wiedergabeapparate ſind in die Wände eingebaut, ſo daß
die Stimme des Portiers aus der Luft zu kommen ſcheint.
Das Telephon, das hierbei verwendet wird, unterſcheidet
ſich erheblich von ſonſt gebräuchlichen Telephonen. Dieſe
gehören zu den Schwachſtromapparaten, der „unſichtbare
Bahnhofsportier” aber wird durch den Strom von 110
Volt in Betrieb geſetzt. An dem einen
Aufnahmeappa=
rat können beliebig viele Wiedergabeapparate angeſchloſſen
werden.
Nummer 89.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Seite 3.
Spionage verhaftet. Er befindet ſich zurzeit noch
in Haft. Der Feſtgenommene legte gegen ſeine
Verhaf=
ttung Beſchwerde beim Reichsanwalt ein, der bisher noch
nicht entſchieden hat. Ueber die Perſönlichkeit des
Ver=
lhafteten wird keine nähere Auskunft erteilt.
Karlsruhe, 16. April. Der Herzog und die
Herzogin von Cumberland mit der Prinzeſſin=
Tochter Olga haben heute mittag 2.35 Uhr mittels
Son=
derzuges die Rückreiſe nach Gmunden über München
angetreten. Auf dem Bahnhof waren erſchienen das
Großherzogspaar und das Prinzenpaar Max von Baden
mit ſeinen beiden Kindern.
Duisburg, 16. April. Auf der Gewerkſchaft Deutſcher
Kaiſer geriet heute früh 4 Uhr das hölzerne
Förderge=
rüſt in Brand und ſtürzte teilweiſe in den Schacht, wo
durch die Fördereinrichtung unterbrochen wurde. In dem
Schacht befanden ſich 15 Perſonen. Mit den Eingeſchloſ
ſenen wurde ſofort Verbindung hergeſtellt und gegen 1
Uhr vormittags konnten alle lebend geborgen
wer=
den; einige hatten Verletzungen davongetragen. Ueber
das Unglück waren anfänglich übertriebene Nachrichten
verbreitet. Man ſprach ſogar von 16 Erſtickten.
Chemnitz, 16. April. Ein Kaufmann, dem kürzlich
ein Los der Sächſiſchen Landeslotterie
an=
geboten worden war, der es aber abgelehnt hatte, verübte
Selbſtmord, als er hörte, dieſes Los ſei mit dem
Haupt=
gewinn gezogen worden.
Zittau, 16. April. Der Brand der bekannten
mecha=
niſchen Weberei von Heinze & Sohn in
Eckarts=
berg bei Zittau hat eine überraſchende Aufklärung
gefun=
den. Die Bautzener Staatsanwaltſchaft hat feſtgeſtellt, daß
Heinze den Brand angelegt hat, um in den Beſitz der
hohen Verſicherungsſumme zu gelangen. Heinze und ſein
Sohn wurden verhaftet. Frau Heinze wurde auf freiem
Fuß belaſſen.
Bregenz, 15. April. Ein im Bregenzer Walde vor
ungefahr 23 Jahren verübter Mord hat jetzt
ſeine Aufklärung gefunden. Damals war der
Mül=
lermeiſter Fleiſch von Dieben umgebracht worden. Der
Verdacht lenkte ſich auf zwei Bauern, die aber nach
ſechs=
wöchentlicher Haft wieder freigelaſſen wurden. Vor
eini=
gen Tagen gerieten dieſe zwei im Wirtshaus mit einem
gewiſſen Gottinger in Streit, in deſſen Verlauf der letztere
die Bemerkung machte, die Beiden hätten Urſache, ſich
ruhig zu verhalten. Die Staatsanwaltſchaft nahm ſich
der Sache an und ſtellte feſt, daß die Schweſter des
Gottin=
ger auf ihrem Sterbebett das Geſtändnis abgelegt hatte,
daß die beiden Bauern den Müllermeiſter Fleiſch vor 23
Jahren ermordeten und ſie gezwungen hätten, ihre Kleider
rvon Blut zu ſäubern. Die beiden Bauern namens Speirer
rund Schieber ſind nunmehr verhaſtet worden.
Paris, 16. April. Der Figaro meldet, daß der Prinz
von Wales heute abend zu kurzem Beſuche inkognito
iin Paris eintrasfen wird. Er werde auch diesmal bei
MMarquis de Breteuil wohnen.
Paris, 16. April. Nach einer Blättermeldung aus
WGrenoble kam es bei der Aufführung eines
ſogenann=
iten patriotiſchen Stückes, in dem einzelne Schauſpieler in
deutſchen Offiziersuniformen auftraten, zu
patriotiſchen Kundgebungen. Deutſche Studenten,
ie der Vorſtellung in einer Loge beiwohnten, verließen
as Theater, um keine weiteren Zwiſchenfälle
hervorzu=
rrufen. Nach einer anderen Darſtellung hätten Deutſche in
einer Loge demonſtriert und angeſichts des Einſpruchs
des Publikums das Theater verlaſſen.
Athen, 16. April. Das Marineminiſterium teilt mit,
er Schiffsleutnant Badupis habe auf dem
Meeres=
ggrunde öſtlich von der Inſel Lemnos, in der Nähe der
rauf den Karten der engliſchen Admiralität als Pharis=
Bank verzeichneten Riffe, in einer Tiefe von 5 bis 25
MMetern deutlich die Ruinen einer alten Stadt
um Umfange von etwa drei Meilen wahrgenommen. Das
Miniſterium beſchloß, wiſſenſchaftliche Forſchungen
vor=
zunehmen.
New=York, 16. April. Das Bundesgericht hat die Friſt
für die Einreichung von Entſchädigungsanſprüchen gegen
wie Ocean Steamſhip Comp. wegen des bei der „
Tita=
mic”=Kataſtrophe erlittenen Schadens in ungefähr
60 Fällen verlängert. Für ſieben Schweizer iſt die Friſt
um 30 Tage, für über 50 Einwanderer um eine Woche
werlängert worden. Die geſamten Schadenserſatzanſprüche
Getragen 11774614 Dollar in insgeſamt 585 Fällen.
Wei=
ere Anſprüche werden nicht mehr berückſichtigt.
New=York, 15. April. Der Leuchtturm zum
An=
genken an die Verunglückten der „Titanic” iſt
geute mit einer eindrucksvollen Feier eingeweiht worden.
Der Leuchtturm, der einen Radius von 12 engliſchen
Mei=
en hat, wurde von der Regierung übernommen.
Der Nieder=Modauer
Bank=
krach vor der Strafkammer.
Neunter Verhandlungstag.
g. Am geſtrigen Verhandlungstage wurde mit der
Vernehmung des Zeugen Neff fortgefahren. Zeuge gibt
an, daß Nieder=Modau für den in Anſpruch genommenen
Kredit 5½ bis 6 Prozent an die Genoſſenſchaftsbank
zah=
len mußte. Für die Wechſeldiskontierung wurde ſtets
6 Prozent angerechnet, obgleich Lombardzinsfuß
verein=
bart worden war. Der Nieder=Modauer Verein hatte
für ſeine Gelder 4½ bis 5 Prozent bekommen.
Nichtmit=
glieder hatten 5 Prozent zu zahlen, letztere waren der
größere Teil, auch die größere Summe war an
Nichtmit=
glieder ausgegeben. Die Pfandbriefe der V.=V.=G., die
ſich in Händen der Genoſſenſchaftsbank befanden, wurden
in die Aktiva der Bilanz zu Pari eingeſtellt, da vereinbart
worden war, daß die Briefe zu Pari eingelöſt werden
ſoll=
ten. Später, als man erfahren hatte, daß die V.=V.=G.
die Pfandbriefe nicht geliefert hatte, wurden ſie unter
Aus=
ſtänden bei Geſellſchaften in die Bilanz eingeſtellt; dies
ſei auf Anraten des Angeklagten Ihrig geſchehen. Durch
die Transaktion mit den Pfandbriefen der Kreditbank ſei
bares Geld nicht zur Verfügung geſtellt worden, ſondern
der bereits in Anſpruch genommene Kredit wurde damit
ge=
deckt. In einem von Beck am 1. April 1910 an die
Genoſſen=
ſchaftsbank gerichteten Briefe führt dieſer die großen
Ver=
luſte beſonders auf den Zinſenverluſt des Dubioſenkontos
von 275000 Mk. zurück. Eine Beanſtandung wegen der
Un=
verzinsbarkeit wurde von der Bank damals nicht erhoben.
Erſt Ende 1910 bemerkte Ihrig, es ſei ſelbſtverſtändlich
daß die durch Schuldanerkenntnis anerkannte und in die
Aktiva eingeſtellte Schuld auch verzinſt werden müſſe.
Dieſe Selbſtverſtändlichkeit war ſo begründet, daß Neff,
als er Zinſen bei den Mitgliedern von Vorſtand und
Auf=
ſichtsrat erheben wollte, ausgelacht und ihm die Tür
ge=
wieſen wurde. Beck habe einmal zu ihm (Zeugen Neff)
geſagt, für die Bauern brauche man ſich nicht ſo
abzu=
chuften. — Die Vernehmung des Zeugen wird vorläufig
beendet und die Beeidigung ausgeſetzt.
Nächſter Zeuge iſt Generalſekretär Haas vom
Ver=
band der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften. Der Zeuge
iſt 1905 in den Verband eingetreten. Schon damals war
man beſtrebt, die Verhältniſſe beim Nieder=Modauer
Ver=
ein zu ſanieren. Er hat die damaligen Reviſionsberichte
mit ihren mannigfaltigen Anſtänden zu Geſicht bekommen.
Es ſei ſeiner Anſicht nach alles Mögliche getan worden,
um die Mißwirtſchaft zu beſeitigen. Da es aber nicht
beſſer wurde, ſei der Verbandsdirektor Haas ſchon 1908
willens geweſen, Nieder=Modau aus dem Verband
auszu=
ſchließen, er ſei aber auf Anraten des Angeklagten Ihrig
davon abgekommen. Zeuge, der 1909 der gemeinſamen
Sitzung von Vorſtand und Aufſichtsrat und der
General=
verſammlung als Vertreter des Verbandes beiwohnte,
kann ſich nicht mehr entſinnen, wie die Schuldanerkenntnis
von 275000 Mark zuſtande kam, weiß auch nicht, in welcher
Weiſe die Bilanz vorgetragen wurde, er habe dieſen
Punkten keine Bedeutung beigelegt.
Juſtizrat v. Brentano erhebt im Namen der
Ver=
teidiger Einwand gegen die Vereidigung der
Mit=
glieder von Vorſtand und Aufſichtsrat. Wenn man dem
Angeklagten Ihrig eine ſtrafbare Handlung zum Vorwurf
mache, daß er eine Anzahl Perſonen Urkunden habe unter
ſchreiben laſſen, die nur zum Schein geweſen ſeien, dann
hätten ſich auch Vorſtands= und Aufſichtsratsmitglieder
einer ſtrafbaren Handlung ſchuldig gemacht, wenn ſie der
Generalverſammlung von den Unterſchriften nicht
Kennt=
nis gegeben haben. — Das Gericht beſchloß, über die
Beeidigung jeweils Beſchluß zu faſſen.
Zeuge Philipp Perron IV wurde 1908 Mitglied
des Vorſtandes. Vorher ſei er Aufſichtsratsmitglied ge
weſen, wovon er aber keine Ahnung hatte.
Er ſei ſtolz darauf geweſen, von dem angeſehenen
Kom=
merzienrat Ihrig als Vorſtandsmitglied empfohlen
wor=
den zu ſein, und nahm denn auch das Amt an, nachdem
er vorher einige Male abgelehnt hatte. Ihrig habe eines
Tages dem Vorſtand erklärt, daß Verluſte ſich
herausge=
ſtellt hätten, die vom Vorſtand zu decken ſeien. Als er
immer wieder Unterſchriften geben mußte, erklärt Zeuge,
habe er den Braten gerochen. Ihrig habe immer geſagt:
Sie werden doch die Kaſſe halten. Einer
Generalverſamm=
lung kurz vor dem Zuſammenbruch habe er zugerufen:
Hört Ihr ſeine ſchönen Worte? Ihrig hat immer geſagt
ſie ſollten ſich keine Sorgen machen wegen der 275000
Mark. Die Anerkenntnis für die 275000 Mark habe
Ihrig, wie er erklärt habe, nur als Rückendeckung für den
Aufſichtsrat der Genoſſenſchaftsbank gebraucht. Daß ſie
die Summe von 275000 Mark einmal bezahlen ſollten, da=
von ſei nie die Rede geweſen. Beſonders Ihrig habe
ge=
ſagt, ſie brauchten nichts zu bezahlen. Die Unterſchrift
zu der Urkunde über eine Million habe er gegeben, ohne
daß er wußte, um was es ſich handelte. Hätte er
ge=
wußt, daß die Schuldanerkenntnis über die 275000 Mark
an die Genoſſenſchaftsbank abgetreten werden ſollte, hätte
er ſie nicht unterſchrieben. Er war immer beſtrebt, das
Renommee der Kaſſe zu erhalten. Kurz vor dem
Zu=
ſammenbruch habe er ſeine Spareinlagen und eine
Sicher=
heitshypothek für zuſammen 50000 Mark verpfändet,
ebenſo habe er ſeine Schweſter dazu veranlaßt, weil er
immer der Ueberzeugung war, daß es nicht zum
Aeußer=
ſten kommen werde. Aus einem mitangehörten
Tele=
phongeſpräch habe er geſchloſſen, daß zwiſchen Ihrig und
Iſaak ein ſehr intimes Verhältnis herrſchen müſſe. In
der Generalverſammlung 1909 habe Ihrig kurz
mitge=
teilt, es ſei ein Verluſt entſtanden, der aber von
Vor=
ſtand und Aufſichtsrat gedeckt worden ſei; ſie könnten
be=
ruhigt nach Hauſe gehen. Zeuge war mit ſeinem Bruder zu
Ihrig gekommen, um ihn zu fragen, ob ſie nicht Adam
anzeigen ſollten. Ihrig ſagte, ſo etwas mache man einem
Genoſſenſchafter gegenüber nicht. Als ſie dann zum
zweitenmal nach Darmſtadt gingen, um Adam anzuzeigen.
ſeien ſie vorher wieder auf Anraten ſeines Bruders zu
Ihrig gegangen. Der habe ihnen erklärt, das brauchten
ſie nicht, er wäre ſchon bei der Staatsanwaltſchaft
an=
gezeigt. Adam könne jeden Tag geholt werden. Sie
haben dann immer gewartet, daß die Polizei kommen
würde, um Adam feſtzunehmen. Es ſei aber nichts
ge=
ſchehen, ſo daß Adam fliehen konnte. Er habe Adam
keinen Pfennig gegeben, um ihm die Flucht zu erleichtern.
Gegen 1 Uhr wird die Verhandlung auf Donnerstag
vertagt.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 16. April. Präſident Dr. Kaempf
el=
öffnet die Sitzung um 1.15 Uhr. — Die Spezialberatung des
Etats des Auswärtigen
wird fortgeſetzt. Staatsſekretär v. Jagow: Ich möchte,
meine Herren, zunächſt eine kurze Mitteilung zu dem
Vorfall in Nancy
machen. Der franzöſiſche Herr Miniſter des Aeußern hat
unſerm Botſchafter in Paris mitgeteilt, daß die bisher
vorliegenden Berichte der Behörde von Nancy noch keinen
genügenden Aufſchluß über alle Tatſachen geben und
daß die franzöſiſche Regierung daher einen hohen Staats
beamten mit der Vornahme einer gründlichen und ſtrengen
Unterſuchung betraut habe. Das Ergebnis iſt zunächſt
ab=
zuwarten. Außerdem iſt uns telegraphiſch von dem
kaiſerlichen Statthalter in Straßburg die Ueberſendung
der von den Lokalbehörden aufgenommenen Protokoll=
und die Ausſagen der Betroffenen in Ausſicht geſtellt
worden. Dieſe werden, ſobald ſie eingetroffen ſind, dem
kaiſerlichen Botſchafter in Paris zugeſandt werden, um
dort bei der Unterſuchung berückſichtigt zu werden.
Unterſtaatsſekretär Zimmermann: Ich möchte
eine Bemerkung machen zu dem Vorwurf, daß unſer
Ge=
ſandter in China nicht der chineſiſchen Sprache mächtig iſt.
Auch die Vertreter anderer Mächte beherrſchen dieſe
Sprache nicht. Ganz beſonders hat England eine Reihe
von Vertretern gehabt, die dieſe Sprache ebenfalls nicht
beherrſchten. Dazu kommt, daß gerade jetzt in der
chine=
ſiſchen Diplomatie eine Reihe von jüngeren Beamten tätig
iſt, die in Amerika ihre Ausbildung erhalten haben und
das Engliſche beherrſchen. Uns iſt vorgeworfen worden,
daß wir einige wichtige Poſten eine Zeitlang unbeſetzt
ge=
laſſen haben. Was nun gerade Konſtantinopel anbelangt.
ſo iſt der Botſchafter Freiherr v. Wangenheim am 16. Juni
von Athen abgereiſt und hat im Juli ſeinen Poſten ange
treten. In Peking ſtanden dem Freiherrn v. Mumm acht
Hilfskräfte zur Verfügung, zwei Legationsräte, ein
Attaché und fünf Dolmetſcher. Von dieſem Perſonal iſt
nur ein Dolmetſcher und ein Attaché beurlaubt geweſen.
Die betreffenden Anträge ſind von unſerm Geſandten
ſelbſt befürwortet worden. Wir glaubten, dieſen ſtattgeben
zu müſſen da doch der Geſandte zuerſt darüber zu befinden
hat, ob eine Beurlaubung möglich iſt. Ich überlaſſe Ihnen
hiermit, zu beurteilen, ob die vorgebrachte Kritik begründet
geweſen iſt. — Abg. Graf v. Mielczinski (Pole):
Wenn beim Balkankriege Greuel vorgekommen ſind, ſo
ſind ſie gewiß zu bedauern und ſcharf zu verurteilen, aber
die Greueltaten der Türken an den Chriſten ſind noch viel
ſchlimmer geweſen. Man ſollte nicht Germanentum und
Slawentum gegeneinander ausſpielen. Eine Abrüſtung
iſt dringend notwendig. Die Bekämpfung der Polen muß
aufhören. — Abg. Bernſtein (Soz.): Die Haltung der
Sonderausſtellungen deutſcher
Privatſammlungen im ſtädtiſchen
Ausſtellungshauſe.
Gemäldeſammlung Dr. Karl Lanz=Mannheim.
Es will uns bedünken, als ſei es mehr als ein bloßes
Spiel des Zufalles, daß in unſerer Zeit des Kubis= und
Futurismus, des Ueber= und Expreſſionismus, in unſerer
Zeit völliger Loslöſung, ja Verachtung der Natur in der
Malerei, eine Bewegung lebendig ward, die Werke
ver=
gangener Kunſtepochen ihrem ſtillbeſchaulichen Daſein in
Muſeen und Wohnräumen zu entreißen, ſie mitten ins
frriſch pulſierende Leben hineinzuſtellen. Es will uns
ſtcheinen, als entſprang dieſe Bewegung von ſelbſt der
wringenden Notwendigkeit, einen neuen, nein, nicht neuen,
über einen Maßſtab zu ſchaffen, der der Maſſe der
leben=
den Generation verloren gegangen in einer Zeit, da heute
chine neue Kunſtrichtung auftaucht, ausſtellungsreif erklärt
wird und mit einer vielbändigen Literatur und ſonſtigem
Orum und Dran als die einzig wahre, neue Kunſt
gepre=
igt wird, um — morgen ſchon von einer neueren, noch
errü ckteren, als veraltet verachtet zu werden. Und
das mit dem ſchließlichen Erfolge, der, wenn’s ſo weiter
geht, gar nicht ausbleiben kann, daß die Menſchheit,
ſo=
weit ſie nicht eben „vom Bau”, und die Laien ſind doch
wohl immer noch in der Mehrzahl, irre wird, nicht nur an
er Ehrlichkeit der mächtigen neuen Kunſtbewegung allein,
ſondern irre an der Kunſt überhaupt. Schon oft
iſtt die Frage aufgetaucht, wohin ſoll das noch führen?
Loie logiſche und natürliche Folge wird ja unausbleiblich
weieder die Rückkehr zur Natur ſein müſſen. Denn
moch nie hat Unnatur ſich behaupten können gegenüber der
1 nvergänglichkeit und Größe allewiger, alleinherrſchender
Patur. Welche Fülle von friſcher, freudiger, auch
opfer=
roher Schaffenskraft wird in dieſer Zeit der „Abkehr”
(Gber verſchwendet?
Daß dieſe Abkehrbewegung in der Malerei, die in
düeſem Umfange ohne Beiſpiel daſteht, eine
Gegenbeweg=
umg gebären muß, iſt klar, denn ewig bleibt im Weben
deer Natur und ewig in der von Menſchen geſchaffenen
Kultur der Kampf. Vorläufer dieſer Gegenbewegung
cheinen uns die, wenn auch noch ſchüchternen, Verſuche,
die Meiſterwerke der Vergangenheit in unſere modernen
Ausſtellungsräume zu tragen, damit ſie auf gleicher
Wahl=
ſtatt zeugen können dafür, daß die Natur ſich nicht
ver=
leugnen läßt und daß es Geſetze gibt von
Ewigkeitsgelt=
ung, die der revolutionärſte Geiſt nicht ſtürzen kann,
Ge=
ſetze der Schönheit, die nie von der Natur zu trennen
ſein werden. Nicht nur in Darmſtadt, auch anderswo regt
es ſich, und in Vorbereitung ſind retroſpektive
Ausſtellun=
gen auch in anderen Städten. Zu den großen „
Retro=
ſpektiven” die 1914 Darmſtadt haben wird, ſind die
Son=
derausſtellungen aus deutſchem Privatbeſitze, die
jetzt in kurzer Folge in Olbrichs Kunſttempel erſcheinen
werden, der Auftakt. Wir danken ſie der Initiative des
Großherzogs, der deutlich damit beweiſt, daß er
nicht nur eine umfaſſende Kenntnis der Kunſthiſtorie
be=
ſitzt und ihr reifes Verſtändnis entgegenbringt, ſondern
auch, daß ſein ganzes, auf Neuſchöpfungen in der Kunſt
jeglicher Zweige gerichtetes Streben dieſem tiefen
Ver=
ſtändnis, dieſer Liebe zur Kunſt überhaupt erſt entwuchs.
In Profeſſor Dr. Biermann, dem künſtleriſchen Beirat
in ſeinem Kabinett, fand der Großherzog eine
Perſönlich=
keit, die ſeinen Intentionen beſtens Verwirklichung zu
ſchaffen wußte.
Die Privatſammlung des bekannten Großinduſtriellen
Dr. Karl Lanz=Mannheim iſt ein außerordentlich
glücklicher und vielverheißender Anfang der
Sonderaus=
ſtellungen. Sie iſt mit außergewöhnlichem Verſtändnis
und künſtleriſchem Takt zuſammengetragen und enthält
Werke, die ein ganzes umfaſſendes Stück Kunſtgeſchichte
ſelbſt repräſentieren und die auch dem oberflächlichen
Ver=
achter der „alten Schule” Wege zeigen, die aus dem
bro=
delnden Hexenkeſſel, aus dem Labyrinth der
Gegenwarts=
erzeugniſſe einer ungeſunden Ueberkultur wieder
hinaus=
führen zu geſunden Zielen, zur Schönheit, zur Natur. Die
Sammlung macht natürlich innerhalb der Zeit, die ſie
um=
faßt, keinen Anſpruch auf Vollſtändigkeit; aber es kann
doch konſtatiert werden, daß ſie das Markanteſte der
Kul=
turperiode widerſpiegelt, ſoweit die höchſtkultivierten
Völ=
ker in Frage kommen. Ich möchte als von größter
Be=
deutung für unſere moderne Kunſt die Gruppe der
Hol=
länder anſprechen; denn zu ihnen führen die Spuren der
Entwicklung zurück, deren Gipfel wir heute erleben. Wie
groß waren ſie in der Kunſt bei aller Anſpruchsloſigkeit
und Schönheit. Und wie verſtanden ſie es, bei aller
Realität Eigenes zu geben, Kunſt zu ſchaffen. Da iſt
Rembrandt der größte Meiſter der Lichtbehandlung,
mit einem, wenn auch nicht ſeinem beſten, ſo doch für ſeine
Malerei typiſchen Davidbildnis; Franz Hals mit
einem Narrenbildnis, das unbändige Lebensfreude atmet,
nicht nur in der realiſtiſchen Darſtellung des lachenden
Schalkes, auch in der Malerei ſelbſt, in dem leuchtenden
Rot des Gewandes, in dem ganzen friſchen feinen Kolorit
Dann der Landſchaftsmaler und Radierer Jan van
Goijen mit einer ganz wundervoll erfaßten und in der
Großzügigkeit der Darſtellung meiſterhaften Landſchaft:
„Küſte von Scheveningen” die eine ſchier unerſchöpfliche
Fülle köſtlicher Einzelheiten zu einer Größe eint, die nur
ein Maler geben kann, der die Erhabenheit der unendlichen
Natur ganz erfaßt hat. Dann der Amſterdamer
Landſchaf=
ter Meinart Hobbemar aus der Ruisdaels=Schule
mit einer im Kolorit reichen Landſchaft mit Waſſerpartien
die ganz wundervoll gemalt ſind, und van Ruisdaels
ſelbſt, der der Schlichtheit der Natur ein Eigenes von
romantiſcher Schönheit einfügt; Hendrick Avercamp
mit einer kleinen figurenreichen Winterlandſchaft voller
Leben in der Darſtellung, im Kolorit den dämpfenden
Dunſtſchleier zart über das Ganze gebreitet. Auch Ger
brand van den Eckhout darf hier genannt werden,
mit einem ungemein delikat gemalten, im Kolorit und in
der ganz eigenartigen Auffaſſung großen und reichen Bild
einer badenden Diana. Man vergleiche doch einmal dieſen
herrlichen Körper, dieſe ganze Auffaſſung von Aktmalerei,
die zum höchſten Preiſe der Schönheit wird, mit einem
ähnlichen Bild der Gegenwart (die Ausſtellung in der
Kunſthalle bietet zurzeit Gelegenheit). Dann Janvan de
Capelle mit einem an wunderſamer Stimmung reichen
„Stillen See mit Schiffen” in dem die Unendlichkeit des
Meeres und des Horizontes durch einfachſte Mittel
über=
zeugt zum Ausdruck kommen. Das iſt Impreſſionismus
von edelſter Reife, de Heen, van Huijſum u. a.
ſind mit Stilleben vertreten, die Arbeiten von unendlicher
Feinheit und Schönheit darſtellen, ſoweit man eben de-
Darſtellung der Blumen und Früchte, ſo wie ſie ſind,
Schönheit zugeſteht. Mit Maes, der mit einem en
zückenden, innig und körperlich ſchlicht erfaßten
Madonnen=
bildnis, einer ſtillenden Mutter, vertreten iſt, das wie eine
Verkörperung des Mutterglückes erſcheint, und Adam
Pijnacker ſind die bedeutendſten Vertreter dieſer
Gruppe dann erſchöpft. Ihnen weſensverwandt, wenn im
Ausdruck ihres Kunſtſchaffens auch verſchieden, ſind die
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Nummer 89
Großmächte der Türkei gegenüber iſt nicht verſtändlich.
Wenn man ihr die Aegäiſchen Inſeln bei den Dardanellen
belaſſen will, ſollte ihr auch Adrianopel zum Schutze
Kon=
ſtantinopels verbleiben. Der Wortlaut des Berliner,
Ver=
trages und ſonſtige diplomatiſche Dokumente beweiſen,
daß die Großmächte verpflichtet ſind, auf Rumänien dahin
zu wirken, daß den dortigen Juden völlige
Gleichberech=
tigung eingeräumt wird. Die Anſicht des
Unterſtaats=
ſekretars, daß es für unſeren Vertreter in China nicht
not=
wendig ſei, chineſiſch zu ſprechen, weil die chineſiſchen
Staatsbeamten meiſt engliſch könnten, iſt nicht ſtichhaltig.
Er muß ſich doch der Sprache des Volkes auch anpaſſen.
Bei dem Zwiſchenfall in Nancy handelt es ſich nicht um
Vertreter des Proletariats, die die Ausſchreitungen ſich
haben zu Schulden kommen laſſen; es waren Vertreter der
ſogenannten beſſeren Geſellſchaft
Damit ſchließt die Generaldebatte. Das Gehalt
des Staatsſekretärs wird bewilligt und die
Reſo=
lution betreffend Reformen im diplomatiſchen Dienſt
an=
genommen.
Beim Kapitel Geſandtſchaften und
Konſu=
late führt Abg. v. Liebert (Reichspt.) Klage über
Miß=
handlungen zweier aus beſſerer Familie ſtammender
Schiffsjungen, die deſertiert und von den deutſchen
Behör=
den in Chile völlig unbeſchützt geblieben ſind. Es ſei
nötig, die Auslandsbehörden zu beauftragen, in Fällen
von Not die deutſchen Staatsangehörigen weiteſtgehend zu
ſchützen. Auch ſeien die Beſtimmungen der Deſertion von
Schiffsjungen, die in einem Lehr= und nicht in einem
Ver=
tragsverhältnis ſtänden, zu ändern. Den Engländern
werde ein viel weiter gehender Schutz zuteil. Insbeſondere
müßten aber Mittel zu dieſem Zwecke zur Verfügung
ge=
ſtellt werden. — Wirklicher Geheimer Legationsrat
Schmidt=Dargitz: Es iſt ſofort alles geſchehen, um
Aufklärung zu ſchaffen. Das Reſultat der Unterſuchung
liegt aber noch nicht vor. Dem betreffenden Schiffsjungen
konnte nicht rechtzeitig Mitteilung gemacht werden, weil er
es unterlaſſen hatte, bei den chileniſchen Landleuten, bei
denen er Unterſchlupf gefunden hatte, ſeine Adreſſe zurück
zu laſſen. (Schallendes Gelächter im ganzen Hauſe.) Auch
die ſpäteren Nachforſchungen um den jungen Mann in die
Heimat zurück zu befördern, ſcheiterten daran. Von der
Zentrale iſt alles geſchehen, was irgend geſchehen konnte.
Abg. Dove (Vpt.): Wenn auch nur ein Teil von dem
von Herrn v. Liebert geſchilderten Fall Tatſache iſt, ſo iſt
ein Gefühl der Empörung und maßloſen Erſtaunens
be=
rechtigt. (Lebhaftes Bravo.) Es iſt unglaublich, ſich damit
zu entſchuldigen, daß dem jungen Mann nicht geholfen
wurde, weil er gewiſſe Formalitäten nicht erfüllt habe.
Hier iſt ein kraſſer Fall des bureaukratiſchen Zopfes zu
ſpüren. Die jungen Leute waren gezwungen, zu
deſertie=
ren, und daran iſt nur übertriebener Autoritätsglaube
ſchuld. — Abg. Molkenbuhr (Soz.): Eins iſt klar
ge=
worden aus der Debatte, insbeſondere aus der Erklärung
des Regierungsvertreters: Die allfeitige Unbeholfenheit
unſeres ganzen Auswärtigen Amtes. Bei der
Neuregel=
ung der Seemannsordnung muß man auch den
Schiffs=
jungen und anderen armen Untergebenen ein größeres
Recht einräumen. — Abg. Dr. Semler (Ntl.): Das
größte Glück für die jungen Leute war, daß ſie einen
ener=
giſchen Vater hatten. Unſere Konſulate haben gewiß mit
großen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber hier liegt
bureau=
kratiſche Ungeſchicklichkeit und Hilfloſigkeit vor. Das ſind
die Kennzeichen für das Verhalten des Vizekonſuls. Der
Schiffer muß unter Anklage geſtellt weeden. Rechtlos
ſind unſere jungen Leute nicht.
Damit ſchließt die Debatte. Das Kapitel wird
be=
willigt, und die Reſolution auf Vorlegung einer
Denk=
ſchrift über den Ausbau des orientaliſchen Seminars zu
einer deutſchen Auslandshochſchule angenommen.
Zum Titel Förderung deutſcher Schul= und
Unterrichtszwecke im Auslande beantragt die
Budgetkommiſſion eine Reſolution auf Vorlegung einer
Denkſchrift über die deutſchen Schulen im Auslande.
Abg. Kuckhoff (Ztr.): Die Lehrer an den
Auslands=
ſchulen befürchten, daß ſie, wenn ſie in die Heimat
zurück=
kehren, alle Vorteile verlieren. Die evangeliſchen Schulen
werden weit mehr unterſtützt als die katholiſchen. Das
evangeliſche Gymnaſium in Madrid lehnen wir ab. Wir
können unmöglich die Beſtrebungen unterſtützen, mit
Reichsmitteln die Evangeliſierung katholiſcher Länder zu
vlämiſchen Meiſter, als deren größter Peter Paul
Ru=
bens mit einem köſtlichen farbenreichen dekorativen
Gemälde: „Amoretten mit Fruchtgewinden” vertreten iſt,
das geradezu in Staunen ſetzt ob der Friſche und
Leucht=
kraft der Farben in einzelnen Partien. Dann Jakob
Jordaens mit einem edel erfaßten Hiobsbild, van
Dyck mit einer köſtlichen Engelgruppe und einem
farben=
reichen Krönungsbild.
Die altdeutſche Schule iſt hervorragend durch den
älte=
ren Lukas Cranach mit einem leuchtenden Bildnis
des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Kurfürſt von
Mainz, als Heiliger Hyronimus, vertreten. Es leitet
hin=
über zu der ariſtokratiſchen Bildniskunſt der Engländer,
die in einer Anzahl beſonders ſchöner und wertvoller
Stücke vertreten iſt. Auch hier ſetzt die Schönheit und
Leuchtkraft der Farben, die wunderbare Zeichnung und
die feine, ausgeprägte Kunſt, zu charakteriſieren, in
Er=
ſtaunen. John Hoppner, Thomas Lawrence, John
Conſtagble, Reynolds, Peter Leley, Henry
Rae=
burn, William Beechey, George Romney u. a. ſind
als die hervorragendſten Repräſentanten ihrer
Kunſt=
epoche in der Sammlung vertreten.
Geringer an Zahl ſind die italieniſchen Meiſter, aber
ihre Gruppe enthält als eines der ſchönſten Stücke eine
Madonna mit dem Kinde von Giampietrino (
Gio=
vanni Pedrini), dem Schüler Leonardo da Vincis, und
dem reifſten Nachſchöpfer der Kunſt dieſes Großen, wenn
anders nicht die Kunſtgelehrten doch noch Recht behalten,
die dieſe Madonna dem Meiſter ſelbſt zuſchreiben. Ein
Bild von wunderbarer Schönheit, in der die Schlichtheit
und Innigkeit der Darſtellung Triumphe feiert und ſiel
mit dem Kolorit zu einer Höchſtleiſtung menſchlichen
Kön=
nens einen. Dann Andrea Solario mit einer Salome
mit dem Kopfe Johannes des Täufers, in dem die
Abge=
klärtheit, die Zeichnung und die Geſichtsfarbe des
Dulder=
hauptes wahrhaft ergreifend wirken. Die Salome hat
Solario eher als eine Heilige, denn als blutſchänderiſche
Sünderin dargeſtellt. Köſtlich iſt ihr Schmuck gemalt, der
die Königstochter repräſentiert.
Ein Bild, das die Verkörperung der Schönheit im
Weibe ſelbſt bedeutet, iſt die Jo von Francois Boucher,
mit dem das ſinnlich heitere Rokoko vertreten iſt; und
Spanien endlich repräſentiert Eugenio Lucas, der
Goya=Schüler, mit einem inhaltlich reichen Bild: „
Bür=
gerkrieg‟. — Blieben noch zu nennen Morland, Teniers,
Wienants, Brey, Brueghel, Mieris, Pouſſin, Suſtermann.
Ein Eingehen auf alle ausgeſtellten Werke müſſen wir uns
leider verſagen.
Auch wir erachten es für eine gern erfüllte Pflicht, dem
Beſitzer der Sammlung Dank zu ſagen, daß er ſeine
koſt=
baren Schätze der Oeffentlichkeit zugänglich machte.
M. St.
betreiben. Der Titel wird bewilligt und die Reſolution
angenommen. Der Reſt des Etats paſſiert ohne Debatte
Es folgt der Etat des Reichskanzlers und
der Reichskanzlei. Hierzu liegen drei Reſolutionen
vor: Die Wirtſchaftliche Vereinigung wünſcht die
Errich=
tung von Beamtenausſchüſſen bei der Reichspoſt= und
Telegraphenverwaltung, die Sozialdemokraten wünſchen
eine Reform des Reichswahlrechts, Durchführung der
Ver=
hältniswahl und Neuordnung der Wahlkreiſe. (Der
Reichskanzler betritt den Saal.) — Abg. Dr.
Grad=
nauer (Soz.): Die wictſchaftliche Entwicklung
Deutſch=
lands iſt nicht zu leugnen. Politiſch iſt es aber
zurückge=
blieben; daher iſt im deutſchen Volke von
Jubiläums=
timmung nichts zu ſpüren. Daß wir in Deutſchland in
ozialer Hinſicht nicht vorwärts kommen, daran iſt der
Reichskanzler ſchuld, dem ich den Namen „Status quo”
geben möchte. (Heiterkeit.) Mitſchuldig ſind die
Konſer=
vatipen, das Zentrum und beſonders die
Nationallibe=
ralen. Mit dem Zentrum ſcheint der Reichskanzler ein
Tauſchgeſchäft machen zu wollen: Soldaten gegen
Jeſu=
ten! Das Zentrum bewilligt Tauſende von Soldaten
und Offizieren, der Reichskanzler legt das Jeſuitengeſetz
nach Hertlingſcher Methode aus und bewilligt Tauſende
von Jeſuiten. (Huh=Rufe beim Zentrum.) Von ſich aus
hat die Regierung nichts getan. Selbſt die Wahlkiſten ſind
ihr erſt abgerungen worden. Von Großzügigkeit iſt bei
den Maßnahmen der Regierung nichts zu merken.
Ar=
beiterſchutz und Arbeiterrecht liegen noch ſehr im argen.
Man ſollte auch einmal eine Milliarde für Kulturzwecke
aufbringen! Alles läßt darauf ſchließen, daß es mit der
Fortſetzung der Sozialpolitik nichts wird. Der Fall des
Deputierten Compére=Morel in Magdeburg und
Braun=
ſchweig iſt geradezu eine Schande für die Polizeibehörde.
(Bravo bei den Sozialdemokraten. Vizepräſident Paaſche
ruft den Redner zur Ordnung. Bravo! rechts.) Die
Be=
handlung Morels und ſeiner Begleiter ſpottet aller
Be=
ſchreibung. Nab hat die Herren ſelbſt daran gehindert, zu
eſſen und zu telephonieren. (Heiterkeit.) Dabei war der
Begleiter ein Reichsangehöriger. (Hört! hört!) Wie ſteht
es da mit den konſtitutionellen Garantien?
DieWirtſchafts=
politik des Reichskanzlers führt zu andauernder
Verſchlech=
terung der Ernährungsmöglichkeit des Volkes. (
Wider=
ſpruch rechts.) Was die Arbeiterſchaft durch eigene Kraft
erlangt hat, wird durch die agrariſche Politik zu Schanden.
Wir ſollten nach amerikaniſchem Muſter die
Lebensmittel=
zölle beſeitigen und deren Ausfall durch eine
Reichsein=
kommenſteuer decken. Das wird aber nicht eher geſchehen,
als wir ein gerechtes Wahlrecht im Reich und in Preußen
haben. Das Volk wird aber nicht ablaſſen, in dieſes elende
Wahlſyſtem Breſche zu legen, wenn nicht durch die
Ver=
nunft der Regierung, dann durch Druck von unten (Lebh.
Bravo bei den Sozialdemokraten, Unruhe.) Ein
Miniſter=
verantwortlichkeitsgeſetz iſt dringend nötig. Die Zuſage,
daß ſich der Kaiſer Zurückhaltung in politiſchen Dingen
auferlegen wolle iſt nicht gehalten worden. Ich erinnere
nur an die Colignyrede und die Jahrhundertreden. Der
rausgeſchmiſſene Pächter (Glocke! Vizepräſ. Dove: Dieſe
Angelegenheit gehört nicht hierher.) Das wollte ich nur
anführen, um zu beweiſen welche Informationen der
Kaiſer zu ſeinen Reden hat. Die Auskünfte des Herrn von
Etzdorf reichen dazu nicht aus. Die Nordd. Allg. Ztg.
ver=
öffentlichte noch nach dem Fall eine kaum glaubliche
Er=
klärung. Was darin geſagt wird, trifft nicht zu. Der
Ge=
ſchäftsvertrag beweiſt ganz was anderes. Es ſtimmt auch
nicht, daß niemand bei dem Uebergang von Cadinen auf
den Kaiſer geſchädigt wurde. Im Gegenteil es wurden
die Verwandten um den Betrag von beinahe einer
Mil=
lion geſchädigt. (Vizepräſident Dover Die Einzelheiten
gehören nicht hierher Sie können nur die Feſtſtellung der
Unrichtigkeit der Notiz der Nordd. Allg. Ztg. machen. Wir
wollen bei dem guten alten Brauch bleiben, die Perſon des
Kaiſers nicht in die Debatte zu ziehen.
Lebhafter
Bei=
fall.) Abg. Gradnauer fortfahrend: Beweiſe müſſen
wir beibringen. Der Kaiſer hat uns in ſeiner Rede im
Landwehrkaſino als finſtere Mächte des Unglaubens
und als Vaterlandsfeinde hingeſtellt. (Vizepräſident
Dove: Sie haben keinerlei Beweiſe dafür, daß Sie und
Ihre Partei damit gemeint ſind.) Darüber wird wohl
hier im Hauſe niemand im Zweifel ſein. Der Kaiſer wac
auf ſeiner Reiſe nach der Schweiz ſelbſt von einem
ſozial=
demokratiſchen Offizier begleitet geweſen. Hoffentlich hat
dabei dieſe Finſternis nicht auf ihn abgefärbt. (
Vizepräſi=
dent Dove: Das iſt eine Beſtätigung deſſen, was ich
Ihnen vorhin vorgehalten habe.) Wir wollen vorwärts
drängen und daraufhin arbeiten, um die Selbſtverwaltung
unſeres Volkes zu dem von uns gewünſchten Ende zu
führen. „Es ändern ſich die Zeiten und neues Leben
er=
blüht aus den Ruinen.”
Reichskanzler von Bethmann Hollweg: Meine
Herren! Der Herr Vorredner hat ſich nach dem Stande
der Jeſuitenfrage erkundigt. Seit den Verhandlungen,
die im November vorigen Jahres über die Jeſuitenfrage
ſtattgefunden haben, iſt ein Novum eingetreten, daß der
Reichstag einen Antrag auf Aufhebung des
Jeſuiten=
geſetzes angenommen hat. Dieſer Antrag liegt dem
Bun=
desrat vor, er hat bisher noch keinen Beſchluß darüber
ge=
faßt. Anläßlich der Verhandlungen hier im Hauſe iſt
außerordentlich viel davon geſagt worden über das
Ver=
hältnis zwiſchen Reichsrecht und Landesrecht. Dies hat
mich veranlaßt, den Herrn Staatsſekretär des Innern zu
beauftragen, bei den Regierungen der Einzelſtaaten
anzu=
fragen, wie die Jeſuitenfrage dort gehalten wird, lediglich
um eine Klärung der Sachlage herbeizuführen. Daß dies
zu einem Kuhhandel benutzt werden ſoll, wie ſich der Herr
Vorredner ausdrückte, iſt mir nicht bekannt. Dann hau
der Herr Vorredner ſich nach den Vorgängen betr. den
franzöſiſchen Sozialiſten Compère=Morel erkundigt.
Ein=
zelheiten über die Vorgänge in Braunſchweig ſind mir
nicht bekannt. Auch der Herr Vertreter Braunſchweigs
beim Bundesrat, den ich deswegen befragte wußte nichts
genaues. Wenn die Sozialdemokraten glauben, gegen die
von uns eingebrachten Wehrvorlagen
Proteſtverſamm=
lungen abhalten zu müſſen, um dem Reich die nötigen
Ver=
tärkungen der Rüſtungen vorzuenthalten, ſo müſſen ſie
das ſelbſt machen. Wenn ſie fremde Hilfe holen, dann
brauchen ſie ſich nicht zu wundern, wenn wir dies zu
ver=
hindern ſuchen. Nun iſt geſagt worden, Herr Compère=
Morel wollte ja gar nicht gegen die Vorlage ſprechen,
ſon=
dern lediglich gegen den franzöſiſchen Chauvinismus. Das
wäre ja ein ſehr verdienſtvolles Werk, das gebe ich zu.
Aber die einberufenen Verſammlungen und damit auch
Lompére=Morel ſollten dazu dienen, Agitation gegen die
Wehrvorlage zu machen. Wir haben eine Verſtärkung
unſerer Rüſtungen für notwendig befunden und die
Vor=
lage wird von Deutſchen beſchloſſen, nur von Deutſchen
allein, wir brauchen keine fremden Redner darüber zu
hören, mögen ſie noch ſo kompetent ſein. Ferner iſt der
Herr Vorredner auf den Fall Sohſt zurückgekommen. Ich
glaube doch wirklich der Anſicht der großen Mehrheit des
Reichstags und der ganzen Oeffentlichkeit Ausdruck zu
geben, wenn ich ſage, Se. Majeſtät der Kaiſer haben die
Angelegenheit mit den Beteiligten befriedigend erledigt,
dann iſt für uns der Fall ebenfalls erledigt und es
ver=
dient nicht mehr, darüber zu ſprechen. (Beifall.) Der Herr
Vorredner hat dann weiter behauptet, daß ein Artikel der
Nordd. Allgem. Ztg. unrichtig ſei. Er hat auch einen
Brief Sr. Majeſtat an den früheren Beſitzer von
Cadinen=
verleſen. Ich kenne den Brief nicht. Er wird aber wohl
ſtimmen, wenn er glaubt, ihn hier mitteilen zu können,
Mir liegt hier ein Kaufvertrag vom 15. November 1898
vor. Im § 1 wird geſagt, daß das Gut käuflich übereignet
wird, im § 2 heißt es, daß ſämtliche Hypotheken und
Grundſchulden übernommen werden. Im § 5 wird die
einmalige Abfindung auf 50000 Mark feſtgeſetzt. Aus
welchem Reſſort der Artikel der Nordd. Allgem. Ztg
ſtammt, weiß ich nicht, halte aber die Behauptung,
daß die Angaben des Artikels richtig ſind,
auf
recht. Meine Herren, dann iſt im Zuſammenhang
damit auf eine Aeußerung des Kaiſers eingegangen
Er hat auf einem Bankett der Landwehroffiziere, das am
10. März, wenn ich nicht irre, ſtattfand, auf die finſteren
Mächte des Unglaubens und die Vaterlandsloſen
hinge=
wieſen. Wollen Sie beſtreiten, daß bei uns Kräfte an der
Arbeit ſind, die auf eine Zerſtörung des vaterländiſchen
Geiſtes hinarbeiten? Müſſen wir uns nicht in zahlloſen
Preßorganen Verhöhnung des Gottesglaubens gefallen
laſſen? (Zurufe: Unwahr! Unruhe!) Ich habe keine
Preß=
notizen zur Hand, ich könnte aber in kurzer Zeit Dutzende
vorbringen. Mir iſt nur ein Fall noch in Erinnerung, daß
in einem Artikel der ſozialdemokratiſchen Leipt
ziger Volkszeitung die kirchlichen Einrichtungen
der=
artig herabgeſetzt wurden, daß ich Auftrag gab, zu prüfen,
ob hiergegen nicht ſtaatsrechtlich vorzugehen ſei
Meine Herren, aber auch ohne Preßnotizen werden Sie
zugeben, wenn Sie aufrichtig ſein wollen, daß die
Sozial=
demokraten die kirchlichen Einrichtungen herabſetzen, wo
ſie nur irgend können, trotz der Toleranz, die ſie immen
predigen. Ich ſpreche nicht von den Herren hier im Haufen
ondern von ihrer Tätigkeit in der Oeffentlichkeit undi
der Preſſe, wo ſie den Gottesglauben unausgeſetzt
greifen. (Zurufe: Unwahr!) Ich glaube, die Mehrhei
des ganzen Reichstags iſt auf meiner Seite. Wennde
Kaiſer von Vaterlandsloſen ſprach, ſo tat er dies im
Sinne der großen Mehrheit des deutſchen Volkes. Denken
Sie doch daran, daß der Kaiſer ſeine Rede gehalten ha
im Anſchluß an die bekannten Debatten in der Berlinen
Stadtverordnetenverſammlung und an die Ausführunge
der ſozialdemokratiſchen Redner. Erinnern Sie ſich auch
an die Antwort, die ihnen vom Abg. Kaſſel gegeben woll
den iſt. Glauben Sie, meine Herren, daß Se. Maj.e
Kaiſer an derartigen Vorfällen ohne weiteres vorüben
gehen kann? Wenn er von finſteren Mächten geſprochen
hat, ſo dies in der Erinnerung, daß dieſe an der Arbeſt
ſind, jene Empfindungen, die zur Wiedergeburt vor 100
Jahren geführt haben, zu zerſtören. Der Kaiſer hat
dem Falle in glücklicher Weiſe dem preußiſchen und den
deutſchen Volke aus der Seele geſprochen, und das werden
Sie uns nicht verkümmern. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Lieſching (Fortſchr. Vpt.): So einverſtande
mit der geſamten Politik, daß wir ihr unter allen Um
ſtänden zuſtimmen, ſind wir leider nicht. Ueber die
Jeſuitenfrage ſollte man ſich bald entſcheiden. Die Auss
weiſung des Franzoſen Compére wäre nicht nötigg
weſen; das Vaterland wäre durch deſſen Reden nicht in
Gefahr gekommen. (Beifall bei den Soz.) Den Vorfalll
Sohſt bedauern wir; es zeigt ſich da, daß der Kaiſel
ſchlecht informiert wird. Eine Reform des Wahlrecht
muß bald vorgenommen werden, damit wenigſtensdi
ſchreiendſten Mißſtände beſeitigt werden können.el
trauen zu den Beamten erhöht deren Zuverläſſigkeit,
Abg. Morawsky (Pole): Die Polenpolitik Preußen
übt auch einen verderblichen Einfluß auf die Politikes
Reiches aus; trotzdem wird die Unterdrückungspolitik
fon=
geſetzt. — Abg. Liz. Mumm (Wirtſch. Vgg.): Unſere
olution beſchränkt ſich im Gegenſatz zu der freiſinnigen
die die Arbeiterausſchüſſe auch für die Betriebe der
Ma=
rineverwaltung fordert, lediglich auf die Reichspoſt= und
Eiſenbahnverwaltung.
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Der Abg. Lieſchü
hat eine Reform des Beamtenrechts durch Wiederaufnahn
des Disziplinarrechts gefordert. Ich kann mitteilen
daß ein Entwurf bereits im Bundesrat liegt und ich hoffe
daß der Reichstag im nächſten Winter ſich wird mit dem
Entwurf beſchäftigen können. — Ein ſozialdemokratiſch
Antrag auf Vertagung wird um 6 Uhr abgelehnt. — Ab
Hüttmann (Soz.): Die ſchlechte wirtſchaftliche Lage
zwingt die Arbeiter zu Lohnkämpfen. Erſchreckend ſind
die unverantwortlich harten Urteile im Kohlenrevier aſ
läßlich des letzten Ausſtandes. Dafür iſt der Reichskan
ler verantwortlich. Eine Verbeſſerung des Wahlrechte
durch rechtmäßige Wahlkreiseinteilung iſt unbedingtel
forderlich. Der Fall Sohſt iſt für uns und die Oeffentlicht
keit noch nicht erledigt. Die Politik der Regierung komm
nur einigen Kapitaliſten und Großgrundbeſitzern zuaue
der Mittelſtand, der Kleingewerbetreibende und der
beiter werden geſchädigt. — Nach einigen weiteren Aus
führungen des Abg. Gradnauer (Soz.) ſchließl
die Debatte. Das Gehalt des Reichskan
lers wird bew i’l l i gt.
Bei der Abſtimmung über die ſozialdemokratiſche
ſolution wegen Reform des Wahlrechts iſt das Reſulta
weifelhaft. Es findet deshalb Hammelſprung ſtatt,de
90 Stimmen für und 80 Stimmen gegen die Reſolution
ergibt. Es iſt ſomit das Haus beſchlußunfähig. Die
handlung wird deshalb abgebrochen. Nächſte Sitzung aſl
Donnerstag 1 Uhr. — Fortſetzung der heutigen
ratung, Wahlprüfung des Abg. Kröcher (konſ.), Milit
etat. — Schluß 7½ Uhr.
* Berlin, 16. April. Die von der Budgetkom
miſſion des Reichstags geforderte Umwandlung
der Stellen der Kommandeure der Bezirkskommande
Kaſſel, Dortmund, Freiburg i. B., Hildesheim und
Saal=
brücken in Stellen für penſionierte Regimentskomma
deure wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Statteden
verlangten 33 wurden nur 28 Regimentskommandeure fü
die Bezirkskommandos bewilligt.
Luftfahrt.
* Darmſtadt, 16. April. Der bekannte Eule
flieger Leutnant v. Mirbach machte nach zwei Lehr
flügen einen Stundenflug mit Leutnant Wagnel
als Paſſagier auf einer Rumplertaube, wodurch
Leutnant v. Mirbach auf dieſem Flugzeugtyp ſeiſ
Feldpilotenexamen beſtand. Der Flug führte
über Frankfurt, und es wurden bei dem Flugs
Höhen bis zu 1150 Metern erreicht.
* Berlin, 16. April. Nach dem Tageblatt ſtie
geſtern nachmittag der öſterreichiſche Oberleutnant Biek
mit Oberleutnant Titze in Leipzig auf einem Mars
Doppeldecker auf, um den Apparat nach Döberitz zu brin
gen. Infolge von Böen gelang der Aufſtieg nur langſam=
Man kam ſchließlich auf 800 Meter Höhe. Die Kälte war
außerordentlich groß, und die Tragflächen bedeckten ſich
mit Eis. Schließlich wurde der Wind ſo ſtark, daß der
Doppeldecker faſt in der Luft ſtillſtand und trotz voller
Motorleiſtung nicht vorwärts kam. Auf halbem
Wege=
gerieten die beiden Flieger in einen Schnee= und
Ha=
gelſturm. Jede Orientierung war unmöglich. Um
ſſocht die Herrſchaft über das Flugzeug zu verlieren, ging
naan mit abgeſtelltem Motor durch die Schneewolken
nie=
her und richtete 100 Meter über dem Boden den
Doppel=
icker wieder auf. Nach dreiſtündiger Fahrt erreichten
hee beiden Erſchöpften das Döberitzer Flugfeld, wo ſie ihr
Flugzeug ablieferten.
Bitterfeld, 16. April. Heute morgen 7.44 Uhr
afolgte der Aufſtieg des für die türkiſche Regie
ung beſtimmten Luftſchiffes „P. L. 9" unter
Füh=
lung des Regierungsbaumeiſters Hackſtetter zu einer
Tüfungsfahrt. An Bord befand ſich die türkiſche
Ab=
ſil hmekommiſſion. Das Luftſchiff iſt mit einem Motor
hrn 40 Pferdeſtärken, ſowie einer funkentelegraphiſchen
Frnrichtung ausgerüſtet; es beſitzt eine Geſchwindigkeit
in 11,8 Sekundenmetern. Nach zweiſtündiger Fahrt lan
ſite das Luftſchiff glatt vor der Halle. Es hatte in 16
zinuten eine Höhe von 1100 Metern erreicht und ſomit
* Abnahmebedingungen erfüllt. Das Schiff wird
dem=
tachſt mit der Bahn nach der Türkei abgeſandt.
Ein Flug Paris-Berlin.
* Paris, 16. April. Der Flieger Audemars iſt
uatte früh 5¼ Uhr von dem Flugplatz in Villacoublay
einem Fluge nach Berlin aufgeſtiegen.
Der Aviatiker Pierre Daucourt flog um 5.06
ler auf und hat um 7.40 Uhr aus Lüttich telegraphiert
ſctß er den Flug in der Richtung nach Hannover fortſetze
Nach einer anderen Meldung ſind zwei Fliege
urn Fluge Paris-Berlin aufgeſtiegen, um ſich durch
in en Flug in gerader Linie nach Deutſchland hinein um
en Pommerypreis zu bewerben. Um 5 Uhr 15 Minuten
artete der Schweizer Audemars. Der zweite Pilot
bar der Borelflieger Daucourt, der mit einer 50
pfer=
ie en Maſchine bei Verſailles zum Fluge nach Deutſchland
fartete. Er hatte die Abſicht, zunächſt nach Lüttich zu
ingen und wird verſuchen, von dort nach Hannover und
beäter nach Berlin zu gelangen.
* Wanne, 16. April. Audemars iſt um 10.57
llar auf dem Flugplatz Wanne gelandet. Das Wetter iſ
har ſtürmiſch. Audemars war um 6.20 Uhr deutſche Zeit
ſſon Villacoublay bei Paris auf einem Moran=Eindecker
ſuh geſtiegen. Er nahm die Route über Meziéres. Dort
lundete er um 7.55 Uhr und ſetzte um 8.55 Uhr ſeine Fahrt
ider Richtung nach Köln fort. Beſondere Schwierig
ligen hatte er in den Ardennen. Der ſtürmiſche Südweſt
itte den Apparat, der ſonſt der Steuerung willig ge
oochte, von der Seite und drückte ihn oft um mehrere
ſunndert Meter hinab. Audemars hat zu ſeiner Fahr
ggeſamt 3 Stunden 36 Minuten gebraucht. Die
Durch=
hrittsgeſchwindigkeit betrug 150 Kilometer. Audemars
till in einer halben Stunde wieder aufſteigen; er
beab=
chrigt, auf dem Exerzierplatz in Hannover die nächſte
ſundung auszuführen.
* Wanne, 16. April. Der heute morgen zum
Wett=
werb um den Pommerypokal vom Flugplatz
Villa=
hiöblay nach Berlin aufgeſtiegene Flieger Audemars
mach einer Zwiſchenlandung in Bonn um 11¼ Uhr auf
uns Flugplatz Wanne=Herten gelandet. Er gedenkt um
Uhr nach Johannisthal weiter zu fliegen.
H.B. Gelſenkirchen, 16. April. Der
Weiter=
g Audemars der auf dem Flugplatz in Wanne
moete, wird heute nicht mehr ſtattfinden können. Es
riſcht heftiger Wind, der den Weiterflug nicht ratſam
ſſcheinen läßt.
Die Landung in Berlin.
** Johannisthal, 16. April. Der Flieger
Dan=
urt der heute morgen in Paris aufgeſtiegen iſt, iſt
in Hannover kommend, heute abend 6 Uhr 39 Minuten
dem hieſigen Flugplatz glatt gelandet.
„Der Ozeanflug.”
= Las Palmas, 15. April. Der Ballon „Suchard‟
faaſt völlig mit Gas gefüllt. Die Vorbereitungen dauern
und ſollen nachts beendet werden. Kleine
Verſuchs=
illons werden zur Feſtſtellung der Windrichtung
aufge=
ſſan; ferner werden bei verſchiedenen meteorologiſcher
alionen des Auslandes Nachrichten über die Witterung
ſtaezogen. Lauten ſie günſtig, ſo ſteigt der Ballon
mor=
um 10 Uhr vormittags oder um 5 Uhr nachmittags
Die Polizei hat umfaſſende Abſperrungsmaßregeln
lroffen, damit nicht durch eine Unvorſichtigkeit das
alrerſtoffgas explodiert.
Zu der Frankfurter Giftmord=Affäre
rſibt das Wiesbadener Tagblatt, das ſeinerzeit auch
den Leidtragenden der Hopf=Affäre gehörte: In der
ſel eidigungsklage, die Hopf im Jahre 1907
an=
ſtrengt hatte, gab er an, ſeine erſte Frau ſei nach den
ſſtitellungen des Arztes Dr. Portsmann zu Frankfurt
. Main eines natürlichen Todes, und zwar an
durch=
hasenem Darmgeſchwür, geſtorben. Die zweite Frau aber
durchGenuß nicht einwandfreien Hirns magenkrank, wie
Arzt Dr. Zieger feſtgeſtellt habe. Das Wiesbadener
öffengericht, das ſich unter dem Vorſitz des
Gerichts=
ſtors Hiepe zunächſt mit der Sache zu befaſſen hatte,
kante auf eine Geldſtrafe von 200 Mark. wobei es „die
ßzarordentliche Schwere” der Beleidigung ſtrafſchärfend
Betracht zog. Die Strafkammer ermäßigte auf unſer
Liffung die Strafe um 100 Mk. Bei der Wendung, die
Giftmordaffäre Hopf nunmehr genommen hat, und die
r Werdacht, daß der Verhaftete in der Tat damals nicht
ſumſchuldig war, als er ſich hinſtellte, ſehr begründet
er=
inen läßt, behalten wir uns die Stellung eines An
ſlages auf Wiederaufnahme des
Verfah=
nss por, das zu unſerer Verurteilung wegen
Belei=
ſſtumg des Hopf geführt hat. „Durch die Verleumdungen
ich in meiner geſchäftlichen, moraliſchen und ſozialen
Pllung ſchwer geſchädigt und beſonders durch die
furcht=
ſe Aufregung noch geſundheitlich. Wie glauben Sie
angerichteten Schaden wieder gut machen zu können?
ßrch eine Buße? Kann eine Geldbuße Ehre,
Geſund=
uund kaufmänniſchen Ruf wiederherſtellen?” So ſchrieb
ſechs Jahren Hopf, der jetzt wegen Giftmordverſuchs
terr Schloß und Riegel ſitzt.
Die Unterſuchung des Todes der erſten
ſau des Hopf wird ſich auch dahin erſtrecken, ob er die
u durch Uebertragung von Bazillen aus dem Wege
Niu mt hat. Das von Hopf betriebene Laboratorium,
dem viele Gifte und Reinkulturen von Bazillen
vor=
ſimiden wurden, lag in der Bülowſtraße zu ebener Erde.
EEner Frau hatte Hopf den Eintritt in dieſe Räume
ſtreng unterſagt. Die Kulturen der Cholerabazillen
wur=
den in einem beſonderen Raum im Keller gefunden. Die
Bazillen befanden ſich in Metallkapſeln; zwei Kapſeln
waren noch mit Bazillen gefüllt, ſechs bereits geleert
Hopf bezog die Bazillen aus Wien. Die Wiener Firme
glaubte, es handle ſich um ein wiſſenſchaftliches Inſtitut.
Er gab als Adreſſe an: „Karl Hopf in Frankfurt a. M
bakteriologiſches Inſtitut” Auch eine ſchwarze Mask
wurde gefunden. Auf verſchiedenen beſchlagnahmten Pho
tographien iſt Hopf mit der ſchwarzen Maske vor dem
Ge=
ſicht abgebildet.
Die Erkrankung des Papſtes.
* Rom 15. April. Der heute abend um 7 Uhr
aus=
gegebene Krankheitsbericht beſagt: Die
Tempera=
tur ſtieg abends auf 38,2 Grad. Die örtlichen Erſcheinun
gen in der Bruſt und im allgemeinen der Grippe treten
etwas ſchärfer hervor, doch hält der gute Kräftezuſtand an
* Rom, 15. April. Die in dem Abendbericht
feſt=
geſtellte Verſchärfung der Krankheitserſchei
nungen des Papſtes laſſen von neuem befürchten, daf
die Bronchien in Lungenentzündung übergehen können.
Auch dieſe Nacht werden Dr. Amici und der Neffe des
Papſtes, Mſgr. Parolini, in den Gemächern des Papſtes
verbleiben.
— Rom 16. April. Der Bruder des Papſtes,
der Poſtmeiſter Angelo Sarto, iſt geſtern abend hier
ein=
getroffen. Seine Ankunft wird innerhalb und außerhalb
des Vatikans dahin gedeutet, daß die Aerzte trotz ihres
offiziellen Optimismus’ auf das Schlimmſte gefaßt ſind.
Der belgiſche Generalſtreik.
* Brüſſel, 15. April. Die Handelskammer in Ant
werpen veröffentlicht eine Erklärung, nach der der Aus
ſtand in Antwerpen nur einen Teil der
Arbeiter=
ſchaft umfaßt. Im Hafen werde gearbeitet und mehrere
Schiffe ſeien mit vollſtändiger Beſatzung abgegangen. Die
Lage werde vermutlich bald wieder normal werden.
* Brüſſel, 16. April. Nach den vorliegenden
Nachrichten iſt auch der geſtrige Abend im ganzen Lande
ruhig verlaufen. Für heute ſind in einigen
Streik=
orten Manifeſtationen angeſagt.
* Brüſſel, 16. April. In dem Lande von
Lüt=
tich wird heute eine weitere Zunahme der Zahl
der Streikenden konſtatiert. Auch in Huy nimmt
die Bewegung zu. In Antwerpen wird die Zahl der
Streikenden heute auf 15—17000 geſchätzt. Im Hafen
aber wird gearbeitet. Auch einige Schiffe gehen ab. Ir
La Louviere verkehren heute vormittag die
Tram=
bahnen, jedoch angeblich nur bis 6 Uhr abends. Di
Bahnhöfe und Plätze im Zentrum des Induſtriegebietes
werden von Truppen und Gendarmerie bewacht.
Der Balkankrieg.
Friedensausſichten.
* London, 15. April. Das Reuterſche Bureau
er=
fährt, daß, obwohl bis zum Abend noch keine amtliche
Nachricht von dem Abſchluß des
Waffenſtill=
ſtandes eingetroffen war, man in amtlichen und
diplo=
matiſchen Kreiſen glaubt, daß der Friedensſchluß
bevorſtehe und daß man annimmt, die
Friedensdele=
gierten würden ſich in kurzer Zeit wieder in London
ver=
ſammeln. Hakki Paſcha, welcher kürzlich hier wegen der
türkiſch=perſiſchen Grenze unterhandelt hat, ſoll zuſammen
mit Reſchid Paſcha und Naby Paſcha zum türkiſchen
Frie=
densunterhändler ernannt werden. Ferner wird gemeldet,
daß Nowakowitſch im Begriffe iſt, von Belgrad nach
Lon=
don abzureiſen. Ob Venizelos in der Lage ſein wird,
zu beſeitigen. In Anerkennung dieſer verſöhnlichen und
Athen zu verlaſſen, wird bezweiſelt. In bulgariſchen
Krei=
ſen iſt noch keine Nachricht darüber eingetroffen, ob Dr
Danew wieder nach London kommen wird.
Die Verbündeten und die Mächte.
* Athen, 15. April. Nach einer Mitteilung aus
guter Quelle werden die Beſprechungen zwiſchen
den Verbündeten über die Antwort auf die Note
der Mächte in zwei bis drei Tagen beendigt werden,
da=
mit die Antwort noch vor Sonntag gegeben werden kann.
* London, 15. April. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, iſt beſchloſſen worden, den Balkanſtaaten eine
gleichlautende Note der Mächte zu überreichen,
welche die nördliche und nordöſtliche Grenze Albaniens im
einzelnen bezeichnet. Dem Vernehmen nach werden die
Frage der Südgrenze Albaniens und die Frage der
Aegäi=
ſchen Inſeln erſt nach dem Friedensſchluß behandelt
wer=
den. Es wird erwartet, daß die Botſchafter in ihrer
Sitz=
ung am Donnerstag die Verwaltung Albaniens beſprechen
werden. Ueber eine Aenderung in der Haltung
Montene=
gros liegen keine amtlichen Nachrichten vor; doch wird in
diplomatiſchen Kreiſen kaum bezweifelt, daß die Frage
bezüglich Skutaris bald eine befriedigende Löſung finden
wird.
Die rumäniſch=bulgariſche Streitfrage.
* Petersburg, 15. April. Das Miniſterium des
Aeußern bringt zur Kenntnis, daß die Mitglieder der
Botſchafterkonferenz wegen der
bulgariſch=
rumäniſchen Streitfrage ſich darüber
ver=
ſtändigt haben, daß keines ohne vorherige Zuſtimmung
der Konferenz der Preſſe etwas mitteilen würde. Folglich
beruhen die Nachrichten, die darüber in den Zeitungen
er=
ſchienen ſind, nicht auf Tatſachen, müßten vielmehr als
Verſuche angeſehen werden, ein tendenziöſes Licht auf die
Arbeiten der Konferenz zu werfen. Ohne auf die
Tätig=
keit der Konferenz einzugehen, beſchränkt ſich das
Mini=
ſterium des Aeußeren darauf, zu erklären, daß Rußland
ſich hinſichtlich der erwähnten Streitfrage von Anfang an
die Aufgabe geſtellt hat, die Anſprüche und Wünſche der
einen oder anderen Partei zu fördern und eine
gegenſei=
tige Verſtändigung herbeizuführen. Dank dieſer Haltung
ſei es der ruſſiſchen Regierung gelungen, die
ge=
fährliche Spannung in den Beziehungen dieſer einander
benachbarten und religionsverwandten Staaten rechtzeitig
zu beſeitigen. In Anerkennung dieſer verſöhnlichen und
unparteiiſchen Haltung Rußlands hätten beide Parteien
die Bitte ausgeſprochen, daß die Konferenz in Petersburg
ſtattfinden möge. Ohne der Entſcheidung der Konferenz
vorzugreifen, könne das Miniſterium des Aeußern im
voraus erklären, daß Rußland, welches tatſächlich über
die Meinungen beider Parteien auf dem Laufenden ſei,
nur eine ſolche Entſcheidung unterzeichnen werde, von der
feſtſtehe, daß ſie für beide Teile annehmbar ſei.
Die Pariſer Finanzkonferenz.
* Athen, 15. April. Man will wiſſen, daß zu
haupt=
bevollmächtigten Vertretern Griechenlands in der
techniſchen Kommiſſion, die in Paris zuſammentreter
wird, um die finanziellen Fragen zu erörtern, die
der Balkankrieg nach ſich gezogen hat, Skuludis, der
ehe=
malige Vertreter Griechenlands auf der Friedenskonferenz
in London, und Valaoritis, der Gouverneur der
griechi=
ſchen Nationalbank, ernannt werden. — Die
bulgari=
ſche Regierung hat zu ihrem Vertreter auf der
inter=
nationalen Finanzkonferenz den Finanzminiſter Teodorow
ernannt.
Darmſtadt, 17. April.
* Vom Großh. Hoftheater. Siegfried Wagner
der ſich dieſer Tage in Frankfurt befand, iſt geſtern hier
in Darmſtadt angekommen und ſtattete unſerem Hoftheater
in den Mittagsſtunden einen Beſuch ab. Wie wir hören,
wollte Herr Siegfried Wagner einige Mitglieder des
In=
ſtituts kennen lernen bezw. hören. Er iſt hierauf wieder
von Darmſtadt abgereiſt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Nancy, 16. April. Der Staatsrat Ogier iſt heute
morgen hier eingetroffen und hat ſofort mit der
Unter=
ſuchung des Zwiſchenfalles vom 14. April begonnen.
* Madrid, 16. April. Der Franzoſe Bach, der im
Augenblick des Anſchlages auf den König ver
haftet worden war, iſt freigelaſſen worden.
* Auburn (New=York), 16. April. Die interna
tionale Harveſter Company verlud geſtern zwei
Güterwagen mit demontierten Maſchinen nach New=York,
von wo ſie nach Deutſchland verſchifft werden,
wo die Geſellſchaft eine Garnſpinnerei errichten will. Die
hieſige Niederlaſſung iſt wegen Arbeitsſtörungen
aufge=
geben worden. Die Geſellſchaft drohte in der letzten Woche
mit einer Verlegung des Betriebes und ſtellte ihren
aus=
ſtändigen Leuten bis vorgeſtern eine Friſt, innerhalb
wel=
cher ſie zur Arbeit zurückkehren ſollten. Dieſe leiſteten
der Aufforderung keine Folge. Darauf machte die
Ge=
die Rüſtungen und die dreijährige Dienſtzeit war.
H. B. Frankfurt a. M., 16. April. Die
Strafkam=
mer verurteilte den Redakteur Wittriſch von der
Frankfurter Volksſtimme wegen Majeſtätsbeleidigung,
be=
gangen in einem Artikel der Volksſtimme, der ſich mit der
Rede des Kaiſers im Deutſchen Landwirtſchaftsrat
be=
faßte, zu 4 Monaten Gefängnis. Verteidiger des
Angeklagten war Reichstagsabgeordneter Heine=Berlin
Auf Antrag des Staatsanwalts fand die Verhandlung
unter völligem Ausſchluß der Oeffentlichkeit ſtatt.
H.B. London, 16. April. Die Preſſe begrüßt die
Weiſung des Miniſters des Innern an den Londoner
Po=
lizeichef, Verſammlungen der Suffragetten
unter freiem Himmel innerhalb des Stadtgebietes zu
unterſagen, ſehr beifällig und weiſt darauf hin, daß,
wenn auch volle Freiheit für die Frauen gewährleiſtet
werden müſſe, die Suffragetten dieſes Anrecht verloren
hätten, weil ſie in ihren Verſammlungen zu öffentlichen
Gewalttätigkeiten und geſetzwidrigen Handlungen
auf=
fordern.
Studentendemonſtration in Paris.
H. B. Paris, 16. April. Eine große
Studenten=
demonſtration, an der auch Schüler eines Lyzeums
teilnahmen, fand geſtern in Paris gegen den Lehret
der deutſchen Sprache an der Sorbonne, Profeſſor
Millod, ſtatt. Der Profeſſor war geſtern nachmittag
gegen 5 Uhr, kurz nach beendeter Vorleſung, im Begriff
nach ſeiner Wohnung zurückzukehren, als er ſich plötzlich
von 500 Studenten und Lyzeumsſchülern umringt ſah, die
auf ihn gewartet hatten. Er wurde mit den Rufen: Nach
Berlin, nach Berlin! Nieder mit Millod! Demiſſion! Das
Elſaß wollen wir haben! uſw. empfangen. Der Lärm
dauerte über eine Viertelſtunde. Dann gelang es dem
Profeſſor mit Hilfe herbeigeholter Poliziſten, ſeinen Weg
fortzuſetzen. Die Manifeſtanten wurden von der Polizei
zerſtreut, formierten ſich aber bald wieder auf dem Boule
vard St. Michel und begaben ſich unter Vorantragung
einer Trikolore nach dem Konkordienplatz, wo ſie an der
Straßburg=Statue die Fahne aufpflanzten. Dann
zer=
ſtreuten ſich die Demonſtranten. Der unmittelbare Anlaſ
zur Demonſtration war, daß der Profeſſor einer der
Un=
terzeichner des Proteſtes aus akademiſchen Kreiſen gegen
die Rüſtungen und die dreijhrige Dienſtzeit war.
Von der Spitzbergen=Expedition.
* Chriſtiania, 16. April. Die Zeitung Tidens Tegn
meldet aus Green=Harbour auf Spitzbergen vom 15.
April telegraphiſch: Rotvold und die Brüder Jörgen und
Julius Jenſen geſtern hier angekommen. Stenerſen mit
Kapitän Staxrud nordwärts weitergegangen. Rotvold
erzählt, daß er nach Verabſchiedung von Ritſcher am
19. Dezember mit Eberhard und Stenerſen nach Norden
abgegangen. Eberhard verirrte ſich bei Bhangenhook und
wurde trotz aller Nachforſchungen und Abfeuerns von
Ge=
wehrſchüſſen nicht wiedergefunden. Nach
ununterbroche=
nem zwölfſtündigen Marſch bei ſtrenger Kälte erreichter
Beide, ſtark erſchöpft, die Hütte in Monſelbai, welche ohne
Dach, Ofen und Fenſter war. Hier warteten ſie drei
Stunden auf Eberhard. Da ſie nur etwas Proviant hatten
und ſchlecht gekleidet waren, auch das Wetter
unzuver=
läſſig geweſen, hätten ſie nicht weiter als bis
Treurenberg=
bucht gehen dürfen. Die beiden Deutſchen. Dr. Detmers
und Dr. Möſer, ſeien zum letzten Mal am 2. Oktober
ſüd=
lich von Steyhovk auf dem Marſche ſüdwärts mit
Schlit=
ten und Hunden geſehen worden. Rotvold und die
Brüder Jenſen gebrauchten elf Tage, darunter ſechs
Marſchtage, um vom Schiffe in Treurenbergbucht nach
der Adventsbai zu gelangen.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Seite 8.
Nummer 89.
Briefkaſten.
St. Das Recht an Photographien regelt das Geſetz
betr. das Urheberrecht an Werken der bildenden Künſte und
der Photographie vom 9. Januär 1907 (S. Reichsgeſetz=
Blatt Seite 7). Zu 1 der Anfrage: Die
Vervielfältig=
ung einer Photographie von Perſonen iſt einem Dritten,
der nicht Beſteller oder Herſteller der Photographie iſt
nur geſtattet, wenn die Vervielfältigung zum eigenen
Ge=
brauch und unentgeltlich erfolgt. Z u 2.: Der Beſteller von
Photographien (von Perſonen) kann das Werk
verviel=
fältigen, gleichviel, ob die Vervielfältigung zum eigenen
oder fremden Gebrauch, entgeltlich oder unentgeltlich
er=
folgt; vorausgeſetzt, daß der Photograph ſich nicht anderes
vorbehalten hat. Zu 3.: In anderen Fällen iſt die
Ver=
vielfältigung von Photographien ohne Zuſtimmung der
Photographen nicht geſtattet.
Hoffnung 333. Wir empfehlen Ihnen, es immerhin
mit einer Eingabe zu verſuchen. Wenden Sie ſich an die
Städtiſche Rechtsauskunftsſtelle.
Bioſon gibt Appetit und kräftigt.
Ich gab Bioſon zur Stärkung meinen beiden ſehr nervös
veranlagten Kindern. Nach u. nach ſtellte ſich ein geſunder
Appetit ein u. der Magen war bald ſogekräftigt, daß auch die
früheren Verdauungsbeſchwerd. nicht mehr eintraten. Frau
Carl Leucht, Ludwigsburg, Pflugfelderſtr. 50. Unterſchr
begl.: 13. Jan. 1913, K. Bezirksnotariat. Bioſon nur echt
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Weiſe nach der Waſſerkante. Dieſe beliebte
alljähr=
liche Mainzer Fahrt findet diesmal vom 9. bis
16. Juli d. Js. ſtatt. Auch dem diesjährigen Programm
iſt wiederum als weitere Bereicherung der Beſuch Lübecks
und des Oſtſeebades Travemünde eingefügt, ſo daß jetzt
mit Bremen und Hamburg alle drei deutſchen
Hanſa=
ſtädte beſucht werden. Außerdem noch Bremerhaven,
Helgoland, Friedrichsruh und ſelbſtverſtändlich auch unſer
großer Kriegshafen Kiel. Preis 98 Mk. ab Mainz, alle
Koſten, auch Unterkunft und Verpflegung, einſchließend.
Anmeldungen ſind an das Reiſebureau L. Lyſſenhop
u. Co., G. m. b. H., Mainz, zu richten. Das ausführliche
Programm iſt daſelbſt und in unſerer Expedition erhältlich.
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Frbitterte Feinde des Menſchen ſind die in ihrer
verderblichen Wirkſamkeit von der Wiſſenſchaft
immer mehr beleuchteten Bakterien. Ihnen gegenüber
iſt der Menſch faſt nur auf die Abwehr dadurch
ange=
wieſen, daß er ihnen möglichſt wenig Angriffspunkte
bietet, und das ſind vorzüglich offene Wunden uſw.
Oft bringt es jedoch der Beruf mit ſich, daß man ſich
bei aller Vorſicht eine Verletzung zuzieht und da iſt es
dann ein Gebot der Selbſterhaltung, für ſchleunige
Be=
eitigung der Wunde zu ſorgen. Hierbei iſt es von
Wert, ſofort ein geeignetes Heilmittel an der Hand zu
haben und als ſolches iſt wegen ihrer vorzüglichen
Eigenſchaften die allbewährte Rino=Salbe ſehr zu
empfehlen. Rino=Salbe heilt Geſchwüre und Abzeſſe
mit derſelben überraſchenden Leichtigkeit und Schnelle
wie Wunden und Hautverletzungen aller Art, und hat
dabei, weil völlig frei von ſchädlichen Beſtandteilen,
keinerlei ſchädliche Nebenwirkungen. Man erhält Rino=
Salbe in Doſen à 1,15 und 2,25 Mk. in den Apotheken.
Hauswirtſchaftliches.
Auf mehrere Millionen Mark könnte man die Verluſte
beziffern, welche die deutſche Volkswirtſchaft alljährlich
erleidet durch Verwendung ſcharfer und die Wäſche ſchnell
zerſtörender Waſchmittel. Die Hausfrauen wiſſen auch
aus eigener Erfahrung, wie hoch die Koſten ſind für
Neu=
anſchaffung von Wäſche infolge zu ſchnellen Verſchleißens.
Deshalb ſollte jede Hausfrau bei der Auswahl von
Waſch=
mitteln vorſichtig und beſonders mißtrauiſch ſein gegen
neuauftauchende Fabrikate. Dr. Thompſon’s
Seifen=
pulver Marke Schwan, hingegen hat ſich ſeit länger
als 30 Jahren überall bewährt, weil es garantiert
un=
ſchädlich iſt und die Wäſche nicht angreift. Ebenſo
un=
ſchädlich iſt das von den Fabriken von Dr. Thompſon’s
Seifenpulver, G. m. b. H., in Düſſeldorf in den Handel
gebrachte Bleichmittel Seifix, das einen
voll=
tändigen Erſatz für Raſenbleiche bietet.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater. Anfang 8 Uhr, Ende gegen
11 Uhr (Sonder=Vorſtellung): „Cavalleria Ruſticana”;
hierauf: „Der Bajazzo”
Vortrag von Profeſſor Dr. Henning um 8¼ Uhr im
„Kaiſerſaal” (Vortragsverband).
Konzert um 8 Uhr im „Rummelbräu”.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 18. April.
Dünger=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Dra=
goner=Kaſerne (Regt. Nr. 24).
Unser Erstling ist angekommen.
Franziska Rosa
soll ihr Name sein.
Ludwig Greif
Geschäftsführer des Rheinhessischen Beobachters
und Frau lda geb. Hirsch.
Ober-Ingelheim, 16. April 1913.
(9159
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während des Hinſcheidens unſeres lieben Sohnes,
Bruders Neffen, Vetters und Schwagers
Herrn August König
Sanitätsunteroffizier im Train=Bat. 15
Straßburg i. Elſ.
ſagen wir allen innigſten Dank. Ganz beſonders
danken wir dem Diriſionspfarrer Herrn
Strecken=
bach für ſeine troſtreiche Grabrede, Herrn Rittmeiſter
Schwerdtfeger, den Herren Offizieren, Oberärzten
und Aerzten, ſeinen Vorgeſetzten, Kameraden und
Untergebenen. Ferner danken wir dem Perſonal
des Lazarettes I für ſeine liebevolle Pflege, den
Sanitätsunteroffizieren und Soldaten, den
Unter=
offizieren und der Mannſchaft der 1. Kompagnie
des Trainbataillons Nr. 15, dem
Sanitätsunter=
offizierverein, für die hübſchen Kranzſpenden und
die zahlreiche Beteiligung, ſowie Allen, welche
dem Entſchlafenen die letzte Ehre erwieſen haben
Darmſtadt, den 16. April 1913.
(9162
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Adam König, Zugführer.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Tiefdruckgebiet, das geſtern über Island lag, hat
ſich bedeutend verſtärkt und etwas ſüdwärts verlagert. In
Deutſchland iſt es unter dem Einfluß eines Zwiſchenhochs
vielfach heiter bis dunſtig und überall trocken, während es
in England ſchon regnet. Die Temperaturen ſind wohl
geſtiegen, liegen aber immer noch unter dem Mittel. Der
Druck fällt überall, jedoch werden wir wohl nur mit Rand= der Depreſſion zu rechnen haben.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, 17. Aprilt
Wechſelnd bewölkt, vereinzelte leichte Regen, milder,
Süd=
wind.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen
ſind=
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Nummer 89.
Darmſtäcdter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
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durch geeignete maßgebende Perſönlichkeiten Seiner Maieſtät dem
Deutſchen Kaiſer, als oberſten Kriegsherrn, vorerſt zur Prüfung und
weiteren Verfügung vorlegen laſſen. Inhalt iſt ſtreng geheim. Ich
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täriſch ausgearbeiteten Punkte auch begründen zu können. Alles
übrige ſind entſtellte Behauptungen und uferloſe Verleumdungen.
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
„ 45.
Douersing, 17. April.
1913.
Bekanntmachung.
In Gemäßheit der Artikel 39 und 78 des Geſetzes
vom 8. Juli 1911 wird das Protokoll über die Sitzung
des Provinzialtags vom 15. v. Mts. zur öffentlichen
Kenntnis gebracht.
Darmſtadt, den 4. April 1913.
Der Vorſitzende des Provinzialtags.
Fey.
Protokoll
über die öffentliche Sitzung des Provinzialtags
der Provinz Starkenburg am 15. März 1913.
I. Der Vorſitzende: Großh. Provinzialdirektor Fey;
II. Provinzialbaubeamter: Baurat Baltz:
III. Direktor Dr. Tertor von der Provinzial=
Pflege=
anſtalt bei Eberſtadt;
IV. Die Provinzialtags=Abgeordneten:
1. Stadtverordneter Sames=Darmſtadt,
Stadtverord=
neter Geheimer Juſtizrat Gallus=Darmſtadt,
Rent=
ner Nungeſſer=Griesheim, Bürgermeiſter Lang=
Pfungſtadt, Bürgermeiſter Schäfer=Eberſtadt, aus
dem Kreis Darmſtadt:
2. Oekonomierat Jakob Walter XVI.=Lengfeld,
Rent=
ner Georg Bernhard Weber=Groß=Umſtadt,
Rent=
ner Wilhelm Grünewald=Babenhauſen, aus dem
Kreis Dieburg;
3. Bürgermeiſter Stegmüller=Erbach, Poſtſekretär Olt=
Höchſt, Bürgermeiſter Dingeldein=Reichelsheim.
Bauunternehmer Rein=Michelſtadt, aus dem
Kreis Erbach;
4. Bürgermeiſter Nuß=Gernsheim, Baurat Hering=
Guſtavsburg, Bürgermeiſter Hardt=Kelſterbach, aus
dem Kreis Groß=Gerau;
5. Oberamtsrichter Bierau=Fürth i. O., Bürgermeiſter
Oekonomierat Trautmann=Rimbach, aus dem
Kreis Heppenheim;
B. Bauunternehmer Forſter=Offenbach, Fabrikant
Huppe=Offenbach. Bürgermeiſter Fecher=Weißkirchen,
Bürgermeiſter Metzger=Langen, Bürgermeiſter
Kai=
ſer=Hauſen, Fabrikant Böhm=Offenbach,
Bürger=
meiſter Pons=Neu=Iſenburg, Beigeordneter Porth=
Offenbach Fabrikant Heyne=Offenbach, aus dem
Kreis Offenbach:
V. Die nicht zum Provinzialtag gehörenden
Mit=
glieder des Provinzial=Ausſchuſſes:
Oberkonſiſtorial=
rat Dr. Bernbeck=Darmſtadt, Geheimer Juſtizrat
Grünewald=Darmſtadt Geheimer Juſtizrat Dr. Lahr=
Darmſtadt, Rentner Schmidt=Offenbach;
Vl. die Kreisräte der Provinz: Geheime
Regierungsräte v. Hahn=Heppenheim und Lochmann=
Offenbach, Eckſtein=Bensheim, Dr. Wagner=Dieburg,
Freiherr v. Starck=Erbach und Regierungsrat von
Werner=Darmſtadt;
IVII. der Protokollführer: Bureauvorſteher
Bern=
auer.
Die Einladungen zur heutigen Verſammlung waren
um 5. Mär: ds. Js. an die Provinzialtags=Abgeordneten,
ſwwie die Mitglieder des Provinzialausſchuſſes und die
Wertreter der Kreisverwaltungen ergangen und außerdem
hatte die vorſchriftsmäßige Veröffentlichung in der „
Darm=
ſädter Zeitung” ſowie in den Kreisblättern der Provinz,
mit Angabe der Tagesordnung, ſtattgefunden.
Ein Exemplar jener Einladung iſt dieſem Protokoll
heigelegt. (Anlage 1.)
Die Zahl der Mitglieder des Provinzialtags
be=
tträgt 47.
Da mehr als die Hälfte der Mitglieder des
Provinzial=
lungs anweſend war, ſo lag gemäß Art 36 und 78 der
Kreis= und Provinzialordnung Beſchlußfähigkeit vor.
Es hatten ihr Fehlen entſchuldigt: Oberbürgermeiſter
cr. Gläſſing=Darmſtadt, Oberlandesgerichtsrat Dr.
Ber=
le elmann=Darmſtadt Stadtverordneter Juſtizrat Dr.
ſann=Darmſtadt, Ortsgerichtsvorſteher Müller=Darmſtadt,
d entner Schwab=Darmſtadt, Rentmeiſter Rohn=
Schwan=
lleim, Oberamtsrichter Dr Fiſcher=Lorſch, Gutsbeſitzer
Vorheimer=Lampertheim, Oekonomierat Heil=Habitzheim,
Akühlenbeſitzer Bauer=Nieder=Modau. Brauereibeſitzer
Areimer=Beerfelden, Holzhändler Horſt=Goddelau,
Kom=
merzienrat Dr. Opel=Rüſſelsheim, Oekonomierat
Ham=
mann=Biebesheim, Bürgermeiſter Lennert=Fürth i. O.,
Yentner Grünewald=Offenbach, Fabrikant Feiſtmann=
Liffenbach, Bürgermeiſter Wenzel=Hainſtadt, ſowie das
Alitglied des Provinzialausſchuſſes Beigeordneter Müller=
Eberſtadt und Kreisrat Geheimer Regierungsrat Dr.
Wallau=Groß=Gerau.
Nach Eröffnung der Sitzung und Begrüßung der
Ab=
guordneten und der Vertreter der Kreisverwaltungen durch
dan Vorſitzenden, ſtellte derſelbe die Beſchlußfähigkeit der
Verſammlung feſt und brachte die Mitglieder
Oekonomie=
rakt Walter und Bürgermeiſter Nuß, als Urkundsperſonen
n Vorſchlag. Dieſer Vorſchlag wurde von der
Verſamm=
ung einſtimmig gutgeheißen.
Der Vorſitzende gedachte hierauf der
verſtorbe=
ſuim Abgeordneten Kommerzienrat Diefenbach=Darmſtadt,
eigeordneten Egenolf=Darmſtadt, Bürgermeiſter Dr.
Frenay=Bensheim, Geheimer Juſtizrat Schmeel=Darmſtadt,
Utbürgermeiſter Zerweck=Zwingenberg, die ſtets an den
verhandlungen des Provinzialtags regen Anteil
genom=
nen und durch ihre Wirkſamkeit im öffentlichen Leben ſich
Pleibende Verdienſte erworben haben. Ihrer Tätigkeit
chrulde man ein dankbares Andenken. Er erſuchte die
Ver=
ſemmlung, ſich zum Zeichen ehrenden Gedenkens an die
Verſtorbenen von den Sitzen zu erheben, was geſchah.
Es wurde ſodann in die Tagesordnung eingetreten:
Vorlage des Verwaltungsberichtes des Provinzial=
Ausſchuſſes.
Der Vorſitzende verweiſt darauf, daß der
Verwal=
ungsrechenſchaftsbericht den Provinzialtagsabgeordneten
n Druck zugegangen iſt und führt weiter das Folgende
uss:
Zu Beginn der letzten Sitzung des Provinzialtags
n vorigen Jahre konnte ich die wirtſchaftlich und
ſinan=
ſell günſtige Lage der Provinz feſtſtellen. Ich freue mich,
las auch heute tun zu können. Was die
Finanzver=
iltniſſe der Provinz anlangt, ſo ſind dieſelben
noguernd recht gute. Trotz umfangreicher Beteiligung
n Verbeſſerung der Hauptverkehrsſtraßen insbeſondere
ltich Kleinpflaſteranlagen, haben wir einen nicht
unbeträcht=
ideen Ueberſchuß erzielt und es konnten daher ohne
Er=
öheung der Umlagen für 1913 nicht nur wiederum
ausge=
lennte Kleinpflaſteranlagen vorgeſehen werden, ſondern
s ſſind namentlich auch die Mittel vorhanden, um zu den
on: den Kreiſen vorgeſehenen Erhöhungen der Löhne
ler Kreisſtraßenwärter entſprechende Zuſchüſſe zu leiſten
nd um außerdem die ſeitherige Wirkſamkeit der Provinz
f dem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrtspflege und
vinz aufrecht zu erhalten. Die Provinzialumlagen, die
(wie in 1912) ſich auf 521000 Mark in 1913 belaufen,
be=
trugen 1909: 542000 Mark, 1910r 557000 Mark, 1911:
551000 Mark. Aus dem gedruckten Rechenſchaftsberichte
geht hervor, daß die zuletzt geſtellte Rechnung mit einem
Ueberſchuſſe von 69 562,30 Mark abſchließt. Die
Mehr=
ausgaben, die ſich bei einzelnen Etatspoſten ergeben,
wur=
den durch Mehreinnahmen und Erſparniſſe reichlich gedeckt.
In der Provinzialverwaltung war man bemüht, den
ſeit=
herigen einfachen und verhältnismäßig geringe Koſten
verurſachenden Geſchäftsbetrieb in allen Geſchäftszweigen
aufrecht zu erhalten und die Koſten, welche durch die
in=
folge der neuen Verwaltungsgeſetzgebung wachſende
Mehrarbeit entſtehen, auf ein möglichſt geringes Maß zu
beſchränken. Die letzte Rechnung ſchließt mit 998 099 Mark
in Einnahme und mit 795 710,71 Mark in Ausgabe ab, ſo
daß ein rechnungsmäßiger Reſt von 201 389 Mark
ver=
bleibt. Auf dieſem Reſte laſten indes noch verſchiedene
Ausgabepoſten, nach deren Abzug ſich der vorerwähnte
Ueberſchuß ergibt. Es iſt anzunehmen, daß die Provinz
auch für die nächſten Jahre unter Beibehaltung des
ſeit=
herigen Umlageſtandes ohne jeden Fehlbetrag auskommt,
wenn an den ſeitherigen Verwaltungsgrundſätzen
feſtge=
halten wird. Wenn wir in Betracht ziehen, daß unſere
Steuerkapitalien ſeit 1909 erheblich geſtiegen ſind, die
Um=
lagen alſo, wenn ſie mit dieſer Steigerung in gleichem
Maße ſich bewegt hätten, erheblich höher ſein könnten,
ohne daß tatſächlich die Belaſtung der Kreiſe und
Gemein=
den geſtiegen wäre, ſo können wir mit unſerem
finan=
ziellen Ergebnis wohl recht zufrieden ſein. Die
wirtſchaft=
liche Entwickelung der Provinz bewegt ſich in
aufſteigen=
der Linie und bietet recht gute Ausſichten für die Zukunft.
Die im vorigen Jahre beſchloſſene Beteiligung der
Pro=
vinz an der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft hat ſich
als durchaus vorteilhaft erwieſen. Insbeſondere macht
die Ueberlandzentrale,
wenn deren Durchführung auch von großen
Schwierig=
keiten begleitet war, günſtige Fortſchritte und die
Ueber=
zeugung, daß man es hier mit einem durchaus
groß=
zügigen Werke, das gerade auch den Landgemeinden zum
beſonderen Vorteile gereicht, zu tun hat, dringt immer
mehr durch. Kaum eine Einrichtung iſt in der Tat mehr
geeignet, dem flachen Lande einen außerordentlichen
wirt=
ſchaftlichen Aufſchwung zu ſichern. Nicht nur der
Land=
wirtſchaft, ſondern namentlich auch dem Gewerbe= und
Arbeiterſtand wird ſich dies Werk nützlich erweiſen. Der
gegenwärtige Stand der Arbeiten an der
Ueberland=
zentrale iſt nach der mir gewordenen Information
fol=
gender:
Für den erſten Ausbau in den Kreiſen Darmſtadt und
Dieburg, wofür der Aufſichtsrat der Heag 2500 000 Mark
genehmigt hat, ſind bis jetzt mit 60 Gemeinden Vertrige
abgeſchloſſen worden. Die erforderlichen Materialien für
die Hochſpannungs= und Niederſpannungsleitungen ſind
beſtellt und werden vorausſichtlich in den nächſten Wochen
angeliefert. Die Verhandlungen wegen Aufſtellung und
Führung der Hochſpannungsleitungen ſind ſoweit
ge=
diehen, daß mit der Errichtung der Maſte uſw. begonnen
werden kann. Die Gemeinde Ober=Ramſtadt, die ein
eigenes Elektrizitätswerk beſitzt und bei Durchführung der
Leitungen Bedenken hatte, hat nunmehr den vorgelegten
Vertragsentwurf genehmigt und damit das
Durchleitungs=
recht verliehen, ſo daß das Hochſpannungskabel vom
Elektrizitätswerk bis zur Ober=Ramſtädter
Gemeinde=
arenze verlegt und die Hochſpannungsleitung für 20000
Polt bis nach Groß=Umſtadt alsbald gelegt werden kann.
Die oberirdiſchen Zuführungsleitungen in den
einzel=
nen Ortſchaften des Kreiſes Dieburg werden zurzeit
be=
arbeitet Mit den Hausbeſitzern werden Verhandlungen
gepflogen. Auch das Ortsnetz für Groß=Ulmſtadt wird in
der nächſten Zeit in Angriff genommen werden. Es iſt
daher heute ſchon zu überſehen, daß Groß=Umſtadt in den
Monaten September bis Oktober mit Strom verſorgt
werden kann. Der Ausbau der übrigen, in dem Kreiſe
Dieburg gelegenen Ortſchaften, wird in der Zwiſchenzeit
fortgeſetzt, ſo daß vorausſichtlich im Laufe des Winters
1913/14 ſämtliche beteiligte Orte des Kreiſes mit
elek=
triſchem Licht verſehen ſein werden. Die Zuführung nach
den Gemeinden Richtung Weiterſtadt, Schneppenhäuſen,
Mörſelden wird zurzeit gleichſalls bearbeitet, jedoch kann
heute noch nicht beſtimmt angegeben werden wann der
Ausbau dieſer Strecke erledigt ſein wird. Weitere
Vor=
arbeiten ſind getroffen, indem die Gemeinden des Modau=
und Reichenbachertals bis nach Heppenheim den
Normal=
vertrag angenommen haben, ſo daß nach Genehmigung
der erforderlichen Mittel durch den Aufſichtsrat auch
die=
ſer Ausbau im Laufe des Winters 1913/14 in Angriff
ge=
nommen werden kann. Dieſe Strecke koſtet rund 250000
Mark Die Zuführung von elektriſcher Energie nach der
Bergſtraße iſt vorläufig zurückgeſtellt, da die von dem
Gas=
gruppenwerk Bensheim mit Gas verſorgten Gemeinden
ſich über die Zuführung elektriſcher Energie noch nicht
haben entſchließen können.
Die beſtehenden Elektrizitätswerke Lindenfels und
Reichelsheim ſind von der Heag käuflich erworben und
werden alsbald in Drehſtrom umgebaut. Die in der Nähe
von Lindenfels befindlichen Ortſchaften Schlierbach,
Ellenbach, Eulsbach ſollen bei dieſer Gelegenheit
eben=
falls mit elektriſcher Energie verſorgt werden. Wegen
weiteren Ausbaues des Ueberlandleitungsnetzes iſt
Füh=
lung genommen mit den Gemeinden in den Kreiſen
Heppenheim und Erbach. Sollten dem Ausbau des bisher
geplanten Ueberlandleitungsnetzes beſondere
Schwierig=
keiten nicht entgegentreten ſo iſt anzunehmen, daß auch
die Gemeinden des Gerſprenz= und Mümlingstals in
wenigen Jahren mit Licht verſorgt werden können. Die
Direktion der Heag iſt bemüht, in friſcher und energiſcher
Weiſe das große Werk durchzuführen. Hierbei ſie zu
för=
dern, liegt im allgemeinen Inlereſſe der Kreiſe und
Ge=
meinden. Es iſt hier ein Zuſammenarbeiten nötig und
ein Zurückſtellen kleinlicher Geſichtspunkte Für die
wirt=
ſchaftliche Entwickelung der Provinz iſt weiter von
beſon=
derer Bedeutung das
Kunſtſtraßenweſen.
Wir haben hier in unſerer Provinz an der mit den
Krei=
ſen vereinbarten Unterſcheidung von
Hauptverkehrs=
ſtraßen und Nebenſtraßen feſtgehalten. Dieſer Unterſchied
hat ſich, das muß wiederholt geſagt werden, als durchaus
praktiſch erwieſen. Wir ſtehen, was unſere
Straßenunter=
haltung anlangt, unter dem Einfluß beſonders ungünſtiger
Verhältniſſ. Der Hauptverkehr zwiſchen Nord und Süd
geht über unſere Straßen, nicht mirder ein beträchtlicher
Verkehr zwiſchen Oſt und Weſt. Für einen Teil unſerer
Straßen (im Ried) ſind die Bodenverhältniſſe äußerſt
un=
günſtige. Der durchgehende und einheimiſche Automobil=
m
Dabei benuten 3 große Automobilſabeiten (Adler, Denz
und Opelwerke) unſere Straßen zu Probefahrten. Von
Frankfurt, Mannheim und Heidelberg iſt der Verkehr von
Laſtautomobilen von beſonderer Bedeutung. Die
Laſt=
automobile ruinieren die Straßen ganz gewaltig, da die
Anhängewagen vielfach keine Gummi=Bereifung haben.
Die Provinzialdirektion hat bereits vor einiger Zeit
Großh. Miniſterium gebeten, bei dem Bundesrat
ſchär=
ſere Vorſchriſten für die Laſtautomobile (Gummibereiſung,
Gewichts= und Breiteminderung) zu erlaſſen.
Die Kleinpflaſteranlagen, mit denen man in unſerer
Provinz ſeit einigen Jahren — und zwar zuerſt in Heſſen
vorgegangen iſt, müſſen angeſichts dieſes Verkehrs, dem
die Chauſſeen mit Kleinſchlagdecke nicht Stand halten,
immer weiter gefördert werden. Es iſt den Kreiſen
außerdem empfohlen worden, für alle
Hauptverkehrs=
ſtraßen vom ſogenannten Flickſyſtem zum Walzſyſtem
überzugehen. Die Straßenunterhaltungskoſten in der
Provinz für 1913 betragen 1 033 000 Mark. Darunter ſind
42820 Mark für Verzinſung und Tilgung der für
Klein=
pflaſter aufgenommenen Kapitalien enthalten. Der
Ge=
ſamtwert der Kunſtſtraßen, an deren Unterhaltung die
Provinz ſich beteiligt, beträgt (einſchließlich Gelände und
Baumpflanzungen) rund 45 Millionen.
Kleinpflaſter=
anlagen ſind für 1913 folgende vorgeſehen:
1. Teile der Ortsdurchfahrt Auerbach und Bensheim,
2 Ortsdurchfahrt Bensheim-Gadernheim 3. Lorſcher=
Straße (Bensheim), 4. Teilſtrecke Groß=Gerau-
Mann=
heim, 5. Eberſtadt-Kühler Grund, 6. Darmſtadt-
Gries=
heim, Reſtſtrecke, 7. Groß=Gerau-Mörfelden, 8.
Heppen=
heim-Ebersberg, 9. Iſenburg-Sprendlingen, 10.
Offen=
bach-Mühlheim.
Die Provinz darf ſich
im Verkehrsweſen
jedoch nicht auf den Landſtraßenverkehr beſchränken Das
Verkehrsweſen auf den Eiſenbahnen und
Waſſer=
ſtraßen iſt für unſere Provinz, die von 3 großen
Stcö=
men begrenzt wird, gewiß noch von großer Bedeutung.
In dieſer Hinſicht iſt der Provinz weder geſetzlich noch
organiſatoriſch bis jetzt eine ausreichende Zuſtändigkeit
verliehen. Da aber die Verkehrsverhältniſſe für die
wirt=
ſchaftliche Entwickelung der Provinz von größter
Bedeu=
tung ſind, ſo muß ihnen für die Folge eine größeres
Augenmerk zugewendet werden und man darf nicht
ferner=
hin der Vereinstätigkeit alles überlaſſen. Insbeſondere
muß auch eine Fühlungnahme der Provinz mit den
Eiſen=
bahnbehörden, dem Eiſenbahnbeirate und den
Handels=
kammern angeſtrebt werden. Zu dieſem Zwecke empfiehlt
es ſich auf Grund des Art. 92 des Geſetzes vom 8. Juli
1911 eine beſondere Kommiſſion zu bilden,
welche die Intereſſen der Provinz auf dieſem Gebiete
ver=
treten ſoll. Auf dem Gebiete der
Wohlfahrtspflege
war die Provinz mit Erfolg tätig zur Herſtellung von
Ordnung und zur Verbeſſerung der Einrichtungen bei den
„Arbeits= und Herbergsſtätten für Wanderer‟. Eine neue
Wanderordnung iſt mit den Provinzen Oberheſſen und
Rheinheſſen und mehreren benachbarten Preußiſchen
Re=
gierungsbezirken beraten worden. Zur Ausgeſtaltung
des allgemeinen öffentlichen Arbeits= und
Stellennach=
weiſes wurde ein Zuſammenwirken aller
Arbeitsnach=
weisſtellen der Provinz durch den Provinzialausſchuß
ver=
anlaßt. Die Krüppelfürſorge, die Fürforge für
Tuber=
kulöſe, ſowie für epileptiſche Kinder und die auf
Be=
kämpfung der Infektionskrankheiten gerichteten
Beſtreb=
ungen werden von der Provinz gefördert. Das „
Brauns=
hardter Heim” für unterkunftsloſe Mädchen erhielt
finanzielle Beihilfe. Die Provinz leiſtet weiter namhafte
Beiträge zur Förderung des landwirtſchaftlichen
Winter=
ſchulweſens und zu der landwirtſchaftlichen
Haushal=
tungsſchule Sie fördert außerdem die Fürſorgeerziehung,
ſowie die Beſtrebungen auf dem Gebiete der
Säuglings=
bflege und des Mutterſchutzes. Endlich hat ſie für das
Lupusheim in Gießen eine finanzielle Förderung
vorge=
ſehen. Die Fürſorge für gebrechliche ſieche und alte
Per=
ſonen betätigt die Provinz in umfaſſender Weiſe in der
Provinzialpflegeanſtalt bei Eberſtadt.
In der Anſtalt wurden im Jahre 1910 = 542, in 1911
558 Pekſonen, und zwar 299 Männer und 259 Frauen,
ver=
pflegt. Der Betrieb der Anſtalt für 1913 erfordert eine
Ausgabe von 189280 Mark, die jedoch durch die
Ein=
nahmen der Anſtalt aus Verpflegungsgeld und Gärtnerei=
Betrieb bis auf 37 000 Mark wieder gedeckt werden, welch
letzteren Betrag die Provinz zuzuſchießen hat. Die
Tätigkeit des Provinzialausſchuſſes, insbeſondere in der
Rechtſprechung, iſt ſtark angewachſen. Es wurden im
gan=
zen 253 Angelegenheiten erledigt, darunter 149 im
münd=
lichen und öffentlichen Verfahren und 114 durch Beſchlüſſe
in nichtöffentlicher Sitzung.
Die Beſchäftigung in der Selbſtverwaltung iſt, das
darf ich zum Schluſſe betonen, für jieden
Verſwallungs=
beamten eine beſondere Quelle der Anregung, ſie eröfftet
für jeden Beteiligten ein weites Feld zu fruchtbringender,
befriedigender Arbeit. Die Selbſtverwaltung iſt
gleich=
zeitig das beſte Schutzmittel gegen Bureaukratismus, da
ſie die praktiſchen Anforderungen des Lebens jedem
For=
malismus vorzieht und entgegenſtellt.
Möge in der Provinz der Zuſammenhalt
der Verwaltung mit den gewählten
Ver=
tretern der Provinz ſtets ein feſter und die
Zuſammenarbeit eine einige und
zielbe=
wußte ſein, damit die Provinz an
wirt=
ſchaftlicher Kraft und gedeihlicher
Ent=
wickelung, ſowie an Einfluß in öffentlichen
Angelegenheiten immer mehr gewinne!
2. Begutachtung der Provinzialkaſſerechnung und derjenigen
der Provinzial=Pflegeanſtaltskaſſe für 1911 (Ri.).
Der Vorſitzende bemerkte daß das Ergebnis
der Rechnung mit dem Verwaltungsbericht den
Abgeord=
neten im Druck zugegangen ſei und daß das
Provinzial=
ausſchußmitglied Dr. Vernbeck mit der Vorprüſung der
Rechnungen betraut geweſen ſei. Bemerkungen ſeien nicht
erhoben worden. (Anlege 2.)
Abgeordneter Porth beantragt Trennung der.
Provinzialkaſſerechnung nach Vermögen und Verwaltungk=
Außerdem ſei es wünſchenswert, daß der Ausſchlag der
Koſten für die Provinzialpflegeanſtalt auf die einzelnen
Kreiſe, an welchen Koſten die Stadt Offenbach nicht
be=
teiligt ſei, in gleicher Weiſe aufgeführt werde, wie das
bei dem allgemeinen Ausſchlag unter a der Rubrik 1
ge=
ſchehe Es ſei nur bei Offenbach zu ſagen, abzüglich des
Steuerkapitals der Stadt Offenbach. Dadurch werde eine
klare überſichtliche Aufſtellung geſchaffen.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadr. Donnerstag, den 17. April 1913a
Der Vorfizende erwiderte, daß im Voranſchag
ſchon jetzt eine Trennung in der angedeuteten Weiſe
ſtatt=
finde wie ſich aus Rubrik Nr. 28 a—d ergebe. Die wegen
der Berechnung der Kreisbeiträge zu den Koſten der
Pflegeanſtalt gegebene Anregung ſei beachtenswert. Die
gewählte Form beruhe auf der ſeitherigen Uebung und
komme jedenfalls mit Rückſicht auf die neue
Steuergeſetz=
gebung in Zukunft in Wegfall.
Die Verwaltungsberichte werden hierauf einſtimmig
gutgeheißen.
Da ſich zu dieſem Punkte der Tagesordnung niemand
mehr zum Wort meldet, ſo ſtellt der Vorſitzende die Frage,
ob die Rechnungen, vorbehaltlich der Prüfung durch die
Oberrechnungskammer, nicht beanſtandet werden. Es
wurden von keiner Seite Beanſtandungen erhoben.
3. Feſtſtellung des Voranſchlags der Provinzialkaſſe und
desjenigen für die Provinzialpflegeanſtalt
für 1913 (Rj.).
Von dem Entwurf des Voranſchlags und ſeinen
An=
lagen iſt jedem Provinzialtagsabgeordneten ein gedrucktes
Exemplar, wie ſolches dem Protokoll beiliegt (Anlage 3),
zugeſtellt worden.
Unter Hinweis hierauf wurden von dem Vorſitzenden
die im Voranſchlag vorgeſehenen Beträge, insbeſondere
ſoweit Abweichungen gegen das Vorjahr vorliegen,
ru=
brikenweiſe vorgetragen und dabei bemerkt, daß die
Zu=
ſtimmung des Provinzialtags zu jedem einzelnen Poſten
des Entwurfs angenommen werde, wenn ſich nach
Ver=
leſen derſelben niemand zum Wort melde.
Es fanden nur bei den nachbenannten Anſätzen
An=
fragen und Erörterungen ſtatt, und es wurden die
nach=
ſtehenden beſonderen Beſchlüſſe gefaßt:
Zu Rubrik Nr. 28: Bau und Unterhaltung
von Kreisſtraßen.
A. Unterhaltung.
Abgeordneter Porth wünſcht, daß Erſparniſſe,
die bei der Straßenunterhaltung infolge der
Kleinpflaſter=
anlagen gemacht werden, zur Schuldentilgung verwendet
werden.
Abgeordneter Walter iſt damit nicht
einver=
ſtanden, weil ſolche Erſparniſſe nicht der ganzen Provinz
zugute kämen. Seiner Anſicht nach ſei es richtiger, dieſe
Ueberſchüſſe den ärmeren Kreiſen zur Beſtreitung von
Neubaukoſten zu überweiſen.
Der Vorſitzende machte darauf aufmerkſam, daß
im vorliegenden Voranſchlag über die regelmäßige
Til=
gung hinaus 23000 Mark als außerordentliche Tilgung
vorgeſehen ſeien. Der Vorſitzende weiſt noch darauf hin,
wie durch die ſtarke Benutzung einzelner Straßen durch
Laſtautos ſelbſt das Kleinpflaſter an manchen Stellen
be=
ſchädigt werde. Das ſei ein Zuſtand, der, wenn er länger
beſtehe, empfindliche Nachteile zur Folge habe. Unter
Bezug auf die Ausführungen im Verwaltungsberichte ſtelle
der Provinzialausſchuß daher folgenden Antrag:
Das Großh. Miniſterium des Innern zu erſuchen,
bei dem Bundesrat Schritte zu tun daß baldmöglichſt
Beſtimmungen über den Verkehr mit Laſtautomobilen,
insbeſondere die Vorſchrift der Gummibereifung für
Anhängewagen, ſowie Vorſchriften über
Fahrgeſchwin=
digkeit, Gewicht und Breite der Wagen erlaſſen werden,
da die gegenwärtig zugelaſſene Beſchaffenheit der
Laſt=
automobile auch ſtark gebaute Straßen, insbeſondere
Kleinpflaſteranlagen, erheblich beſchädigt, und da
außer=
dem durch übermäßige Fahrgeſchwindigkeit und Breite
der Wagen der Straßenverkehr ſtark behindert wird.
Der Antrag wurde einſtimmig angenommen.
B. Straßenneubau.
Geheimer Regierungsrat von Hahn bittet
unter Bezug auf den Beſchluß im porigen Jahre wegen
des Kreisſtraßenneubaues Bonsweiher -Juhöhe,
daß dem Kreis Heppenheim die auf den Anteil der
Pro=
vinz entfallenden Zinſen für das Anlehen zum Bau dieſer
Straße zurückvergütet werden.
Der Vorſitzende erklärt es ſtehe richtig, daß dies
ſchon im vorigen Jahre vom Provinzialtage beſchloſſen
worden ſei, es ſolle daher eine entſprechende ergänzende
Bemerkung im Voranſchlag vorgenommen werden.
Straßenneubau Mackenheim- Weiher.
Der Vorſitzende trägt vor, der
Provinzialaus=
ſchuß habe unter Abänderung des im Voranſchlage
ent=
haltenen Antrags auf eine neue Eingabe des
Kreisaus=
ſchuſſes Heppenheim und eines Gutsbeſitzers in
Macken=
heim ſich jetzt dahin ſchlüſſig gemacht, die Bedingung, daß
dieſer Gutsbeſitzer das ihm gehörige, in die neue Straße
fallende Gelände koſtenlos zur Verfügung ſtelle, fallen zu
laſſen. Dem Kreisamt Heppenheim ſolle es überlaſſen
bleiben, den Preis des Geländes, das die Gemeinde von
dem Gutsbeſitzer zu erwerben habe, zu genehmigen.
Abgeordneter Sames wünſcht zu wiſſen, wie
ſich die Koſten des Geländeerwerbes zu dem Barbeitrag
des Gutsbeſitzers von 5000 Mark ſtellen.
Baurat Baltz erklärt, daß nach dem
Kunſtſtraßen=
geſetz von 1896 die Gemeinden gehalten ſeien, das zum
Bau von Kreisſtraßen erforderliche Gelände koſten= und
laſtenfrei den Kreiſen zur Verfügung zu ſtellen. Die
Ge=
ländeſtellung ſei ſomit in erſter Linie eine
Gemeindeange=
legenheit. Seiner Anſicht nach ſei das Gelände ca. 3500
Mark wert, ſo daß zuſammen mit der baren Leiſtung von
5000 Mark, die Geſamtleiſtung des Gutsbeſitzers Metz
ge=
gebenenfalls 8500 Mark betragen würde. Bei dem
Ge=
lände komme Wieſen=, Acker= und Waldgelände in
Be=
tracht. Ob der Steinbruch, der außerdem zur Verfügung
geſtellt ſei, in größerem Umfange für den Straßenbau
be=
nutzt werden könne, ſtehe noch nicht feſt.
Abgeordneter Olt bezeichnet es als eine Härte,
wenn an den geſamten Bedingungen feſtgehalten würde.
Die Gemeinde habe die geſetzliche Verpflichtung, das
Ge=
lände koſtenfrei zur Verfügung zu ſtellen, und es würde
unbillig ſein, dieſe Verpflichtung zum Teil auf den
Guts=
beſitzer abzuwälzen.
Abgeordneter Bierau bittet, dem Projekt
un=
ter der Bedingung zuzuſtimmen, daß Gutsbeſitzer Metz
nur den Betrag von 5000 Mark leiſte und außerdem ſeinen
Steinbruch zur Verfügung ſtelle. Um die Geländefrage
brauche ſich die Provinzialverwaltung nicht zu kümmern,
weil nach dem Kunſtſtraßengeſetz die Gemeinde das
Ge=
lände ſtellen müſſe.
Abgeordneter Walter iſt der Anſicht, die
Pro=
vinz könne ſich damit einverſtanden erklären, daß die
Be=
dingung wegen der Geländeſtellung fallen gelaſſen werde
und dieſe Geländeſtellung der Gemeinde überlaſſen bleibe.
Raſchere Erledigung der Straßenbauten halte er für
wün=
ſchenswert; ebenſo wünſchenswert ſei die Bewilligung
be=
ſonderer Staatszuſchüſſe an die Kreiſe Erbach und
Hep=
penheim.
Baurat Baltz erklärte, daß ſich der Gutsbeſitzer
Metz mit der Beitragsleiſtung von 5000 Mark und
Stel=
lung des Steinbruchs einverſtanden erklärt habe.
Geheimer Regierungsrat von Hahn bittet
um Zuſtimmung zu dem Antrag des Abgeordneten Bierau.
Metz ſtelle keine übertriebenen Forderungen. Es handle
ſich hier um eine Gemeinde, die des Anſchluſſes an das
Kreisſtraßennetz noch entbehre, deshalb ſei es der
drin=
gende Wunſch derſelben, daß die Straße bald gebaut
perde. Der Kreisausſchuß habe dies auch anerkannt. Mit
Rücſicht auf die hohe Belaſung des Kreiſes Heppenheim
wäre er für Bereitſtellung der Mittel ebenſo dankbar, wie
dafür, wenn im Kreiſe Heppenheim die wenigen Straßen,
die noch zu bauen ſeien, raſcher gebaut würden.
Abgeordneter Porth hat gegen die Einſtellung
der Mittel nichts zu erinnern. Er bitte aber, für das
Ge=
lände eine beſtimmte Summe feſtzuſetzen, die nach oben zu
begrenzen ſei.
Abgeordneter Trautmann macht nochmals
darauf aufmerkſam, daß die Geländeſtellung lediglich Sache
der Gemeinde ſei und die Provinz kein Intereſſe daran
habe. Der Aufwand der Provinz und des Kreiſes
Hep=
penheim an den Baukoſten ſei ohne Einfluß auf die Frage
der Geländeſtellung.
Baurat Baltz bemerkte, daß bisher an dem
Grund=
ſatz feſtgehalten worden ſei, die verfügbaren Mittel in
erſter Linie für diejenigen Straßen zu bewilligen, die
ent=
weder bereits fertiggeſtellt oder im Bau begriffen ſeien.
Geheimer Regierungsrat von Hahn bittet,
zu konſtatieren, daß der Beitrag des Gutsbeſitzers Metz
von 5000 Mark nur Provinz und Kreis zugute komme.
Der Vorſitzende ſtellt dies feſt und bemerkte, daß
das Straßenbauprojekt Mackenheim- Weiher
wei=
ter vorgeſchritten ſei, wenn nicht der Kreisausſchuß
Hep=
penheim früher den Straßenbau abgelehnt hätte, weil die
Straße zu teuer ſei.
Dem Projekt wurde ſodann einſtimmig unter der
Vor=
ausſetzung zugeſtimmt, daß der Gutsbeſitzer Metz
a) einen Betrag von 5000 Mark leiſtet,
b) ſeinen Steinbruch für den Straßenbau koſtenlos zur
Verfügung ſtellt,
c) der Beitrag unter a nur dem Kreiſe und der Provinz
allein zugute kommt,
Die Bedingung wegen der Geländeſtellung wurde
fallen gelaſſen und das Kreisamt Heppenheim ermächtigt,
den Preis des Geländes, das von der Gemeinde zu
er=
werben ſei, zu prüfen und nötigenfalls auf das richtige
Maß feſtzuſetzen.
Straßenneubau
Lengfeld- Nieder=Klingen.
Der Vorſitzende bittet, dem Projekt unter den
im Voranſchlag vorgeſchlagenen Bedingungen
zuzuſtim=
men. Die Gemeinde Nieder=Klingen habe ſich bereit
er=
klärt, einen beſonderen Beitrag zu den Straßenkoſten von
3000 Mark außer dem geſetzlichen Beitrag zu leiſten. Die
Notwendigkeit der Straße könne nicht beſtritten werden;
über die Richtung könne man noch verſchiedener Meinung
ſein, weshalb der Provinzialausſchuß ermächtigt werden
ſolle, die Richtung feſtzuſtellen und das Projekt endgültig
zu genehmigen.
Abgeordneter Sames unterſtützt den Antrag;
er habe ſich durch perſönliche Einſichtnahme an Ort und
Stelle davon überzeugt, daß durch den projektierten
Stra=
ßenbau eine weſentliche Abkürzung des Weges zwiſchen
Nieder=Klingen und Lengfeld erreicht würde. Durch die
Ausführung der Feldbereinigung in Gemarkung
Leng=
feld ſei die Linienführung und Geländeſtellung ſehr
er=
leichtert. Bei dieſer Gelegenheit gebe er zu erwägen
an=
heim, ob es zur Vermeidung von Weiterungen nicht
zweck=
mäßig ſei, aus dem Provinzialtage Referenten zu
be=
ſtellen, die ſich mit den Straßenprojekten rechtzeitig zu
be=
faſſen, insbeſondere auch zu begutachten hätten, ob ein
Bau notwendig ſei oder nicht.
Abgeordneter Walter bemerkte, daß die
Weg=
ſtrecke als Feldweg für Lengfeld nicht nötig ſei. Für den
Ort Nieder=Klingen ſei die Straße aber von beſonderer
Bedeutung, weil durch dieſelbe eine Abkürzung von 1
Kilo=
meter nach der Bahn erreicht werde. Das ganze Intereſſe
liege auf der Seite der Gemeinde Nieder=Klingen. Mit
Rückſicht auf die Feldbereinigung wäre der baldige Bau
der Straßenſtrecke erwünſcht. Er bitte deshalb um
Zu=
ſtimmung.
Abgeordneter Böhm bemerkt er hätte
ge=
wünſcht, daß eine kleine Skizze dem Antrag beigelegt
worden wäre, um ſich über die Lage orientieren zu können.
Baurat Baltz gibt die nötigen Erläuterungen auf
Grund des Planes, der vorgelegt wird. Die Länge der
derzeitigen Straßenverbindung betrage 3,5 Kilometer.
Durch den projektierten Neubau falle 1 Kilometer weg
Das einzige Bedenken bei dem Projekt ſei die Steigung
von teilweiſe 6,25 Prozent gegenüber der ſeitherigen
Stei=
gung von 4,5 Prozent auf der beſtehenden Kreisſtraße.
Durch Ermäßigung der Steigung werde die Abkürzung des
Weges nach der Bahn weſentlich geringer.
Der Vorſitzende iſt der Auffaſſung, daß es ſich
nur darum handeln könne, zu prüfen, ob die Straße am
Südende oder am Weſtende von Lengfeld einzuführen ſei.
Durch die Einführung der Straße am Weſtende liege
vor=
ausſichtlich die Möglichkeit vor, ein neues Bauquartier in
Lengfeld zu eröffnen. Das ſolle durch den
Provinzial=
ausſchuß geprüft werden. Er bitte, dem Antrage des
Pro=
vinzialausſchuſſes zuzuſtimmen.
Die Verſammlung erteilte hierauf einſtimmig zu dem
Antrag des Provinzialausſchuſſes ihre Zuſtimmung.
Ablöſung des Brückengeldes für die
Main=
brücke Offenbach- Fechenheim.
Abgeordneter Porth bittet dem Antrage des
Provinzialausſchuſſes zuzuſtimmen. Man hoffe in
Offen=
bach, daß außer der Stadt alle ſonſt noch Beteiligten
(Staat, Kreis und Provinz) für die Ablöſung eintreten.
Die vorgeſehene Ablöſungsſumme ſolle in 41 Jahren
ab=
gerentet werden.
Die Verſammlung erklärte ſich einſtimmig mit dem
Antrage des Provinzialausſchuſſes einverſtanden.
Straßenneubau Ober=Moſſau — Spreng.
Abgeordneter Olt tritt in längeren
Ausführun=
gen für den Bau der Straße ein, deren baldiger Bau von
großer volkswirtſchaftlicher Bedeutung ſei.
Abgeordneter Stegmüller unterſtützt den
Antrag und bittet, den Bau grundſätzlich zu genehmigen.
Die Führung der Straße könne dem Kreisausſchuß und
Provinzialausſchuß überlaſſen bleiben.
Der Vorſitzende ſichert baldigſte Prüfung des
Projektes durch den Provinzialausſchuß zu, der um die
Ermächtigung gebeten habe, die Straße zu genehmigen,
ſobald dieſe Prüfung ein günſtiges Ergebnis gehabt habe.
Dem Provinzialausſchuß ſei es aufgefallen, daß der vom
Provinzialtag bereits im vorigen Jahre genehmigte Bau
der Ortsdurchfahrt Ober=Moſſau, die an das neue Projekt
anſchließe, vom Kreiſe noch nicht begonnen, vielmehr
zu=
rückgeſtellt worden ſei. Deshalb halte er um ſo mehr eine
Prüfung für nötig.
Kreisrat Freiherr von Starck hält es für
richtiger, daß über die Genehmigung des Projekts
heute durch den Provinzialtag abgeſtimmt werde,
wenn die Führung der Straße an ſich zu
Be=
denken keinen Anlaß gebe, und daß dieſe Genehmigung
nicht dem Provinzialausſchuß übertragen werde. Die
Ent=
ſchließung wegen der Erbauung der Straße ſei nach ſeiner
Anſicht lediglich Sache des Kreis= und Provinzialtages.
Der Vorſitzende entgegnet, daß der
Provinzial=
ausſchuß den obigen Antrag als Vermittlungsantrag
ge=
ſtellt habe, weil die wirtſchaftliche Notwendigkeit des
Baues der Straße noch nicht genügend nachgewieſen
ge=
weſen ſei. Hätte ſich der Provinzialausſchuß auf einen
prinzipiellen Standpunkt geſtellt, ſo hätte er das Projekt
für dieſes Jahr überhaupt zurückſtellen müſſen, was eine
Verzögerung des Ausbaues um mindeſtens ein Jahr zur
Folge hätte.
Abgeordneter Sames beantragt, das Projekt
um ein Jahr zurückzuſtellen, mit Rückſicht auf die
wider=
ſtreitenden Anſichten.
Der Vorſitzende bittet nochmals, dem Antrage
des Provinzialausſchuſſes zuzuſtimmen, um der
Ver=
zögerung um ein Jahr zu entgehen. Das Projekt werde
vom Provinzialausſchuß gewiſſenhaft geprüft und je nach
dem Ausfall der Prüfung entweder abgelehnt oder
ge=
nehmigt werden.
Die Verſammlung erklärte ſich hiermit einverſtanden
und genehmigte einſtimmig den Antrag des
Provinzial=
ausſchuſſes mit der von demſelben nachgeſuchten
Ermäch=
tigung
Abgeordneter Walter fragt an, wie esmi
dem
Straßenprojekt Neutſch-Ober=Beerbach
ſtehe.
Geheimer Juſtizrat Dr. Lahr wünſcht
eben=
falls darüber Auskunft zu erhalten. Die dortige
Bevöl=
kerung könne nicht begreifen, warum dieſe ſehr notwendige
Straßenverbindung nicht zuſtande kommen könne. Der
Umweg über Eberſtadt werde von den Leuten ſchwer
empfunden. Den baldigen Bau dieſer Straße unterſtütze
er im Intereſſe der dortigen Bevölkerung, die zu ſeinem
Gerichtsbezirk gehöre, warm.
Kreisrat Eckſtein entgegnet, daß das Projekt in
Ausarbeitung ſei. Die Arbeiten hätten ſich verzögert mit
Rückſicht auf Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen dem
Provinzialbaubeamten und dem Kreisbauinſpektor. Dazu
komme die Ueberlaſtung des Kreisbauinſpektors mit
Ar=
beiten und der Perſonalwechſel beim techniſchen Perſonal
des Kreiſes. Die Gemeinde Neutſch habe auch früher kein
Intereſſe für das Straßenprojekt gezeigt.
Baurat Baltz bemerkt, daß es ſich bei dem Projeſt
u. a. um eine ſteile Ortsdurchfahrt in Ober=Beerbach
handle, und daß deshalb die vorgeſchlagene Linienführung
für die zukünftige Straße nicht zweckmäßig ſei. Hiervon
habe man ſich bei einem gemeinſamen Ortstermin
über=
zeugt. Die Beibehaltung der bisherigen Ortsſtraße als
Ortsdurchfahrt würde infolge der verſchiedenartigen
Höhenlage der Gebäude große Koſten verurſachen und
leicht zu Entſchädigungsanſprüchen und Prozeſſen mit den
Anliegern führen. Ferner ſei die Steigung des bisherigen
Weges zu bedeutend und es ſei auch aus dieſem Grunde
eine andere Linienführung für die neue Kreisſtraße
vor=
zuſehen. Die hiernach vereinbarte Abänderung des
Pro=
jekts hinſichtlich der Ortsdurchfahrt ſei aus den von Herrn
Kreisrat Eckſtein ausgeführten Gründen noch nicht erfolgt,
weshalb eine Einſtellung in den vorliegenden Voranſchlag
nicht möglich geweſen ſei.
Der Vorſitzende bemerkt was die Provinz an
gehe, ſo werde man die Prüfung des Projektes, wenn es
vorgelegt würde, möglichſt beſchleunigen.
Umbau einer Brücke über den Meerbach in
Zuge der Straße Benshieim-Gronau=
Der Vorſitzende trägt vor, daß das
Brückenbau=
projekt, welches zu 3500 Mark veranſchlagt ſei, erſt am
10. d. M. vom Großh. Kreisamt Bensheim vorgelegt
wor=
den ſei mit dem Antrage, dasſelbe, weil eiliger Natur, dem
Provinzialtage noch vorzulegen. Nach Erläuterung durch
den Provinzialbaubeamten iſt der Brückenbau, da die
Straße Bensheim-Gronau zurzeit umgebaut wird
zweckmäßig und wegen der ungünſtigen Lage der der
zeitigen Brücke empfehlenswert. Der Provinzialausſchuß
befürwortet die Genehmigung. Der Provinzialtag iſ
mit der Vorlage einverſtanden und genehmigt das Projekt,
Zu Rubrik 33 wird der
Voranſchlag
der Provinzial=Siechenanſtalt
von Direktor Dr. Textor vorgetragen.
Provinzialausſchußmitglied Abgeord
neter Nuß bittet um Bewilligung des Betrages von
4000 Mark für Herſtellungen an den Aufzügen. Er habe
ſich durch Augenſcheinseinnahme von der Notwendigkei
der Herſtellungen überzeugt.
Abgeordneter Dingeldein fragt an, obein
der Pflegeanſtalt Geiſteskranke in leichteren
Erkrankungs=
fällen aufgenommen würden; in den Anſtalten in Gießen
und Heidesheim ſei dies der Fall. So viel ihm bekann
ſei, erhielten die Anſtalten zu Gießen und Heidesheim
wegen der Aufnahme von Geiſteskranken Zuſchüſſe des
Staates.
Direktor Dr. Textor weiſt auf § 1 des neuen
Regulativs hin. Darnach ſei die Aufnahme ruhiger
Gei=
ſteskranker jetzt zuläſſig. Die Aufnahme von ruhigen
Gei=
ſteskranken ſei auch bereits bis an die Grenze des Mög
lichen erfolgt. Vor einiger Zeit ſei die Anſtalt von zwei
Obermedizinalräten der Geſundheitsabteilung Großh=
Miniſteriums revidiert worden. Beide hätten ſich
über=
einſtimmend dahin ausgeſprochen, daß in Eberſtadt min
deſtens ſo viel Geiſteskranke untergebracht ſeien, alsi
der Anſtalt in Oberheſſen, aber mehr als in derjenigen von
Rheinheſſen. Von den ſämtlichen Inſaſſen in Eberſtadl
ſeien über 50 Prozent geiſtig nicht normale Perſonen,
daß ſich die Pflegeanſtalt in Eberſtadt in erheblichem Maße
an der Irrenfürſorge beteilige. Hierdurch werde eineen
hebliche Entlaſtung des Staates und der Armenverbände
bewirkt.
Abgeordneter Sames wünſcht, daß der
Vor=
anſchlag nach kaufmänniſchen Grundſätzen aufgeſtell
werde; namentlich vermiſſe er Abſchreibungen, wie ſie
z. B. in den ſtädtiſchen Betrieben gehandhabt würden. Auch
empfehle ſich der Anſchluß der Anſtalt an die Heag in
Intereſſe einer Verbilligung der Beleuchtungskoſten.
Geheimer Juſtizrat Grünewald fragt an
ob wegen der Aufzüge ſeinerzeit kein Vertrag mit dem
betreffenden Lieferanten abgeſchloſſen worden ſei, und oh
nicht nach dieſem Vertrage der Lieferant verpflichtet
wer=
den könne, die Aufzüge in gebrauchsfähigen Zuſtand
verſetzen.
Direktor Dr. Textor entgegnet auf die Anfrage
des Abgeordneten Sames, daß man aus den Erläuterungen
zu Rubrik 20, 21, 75 und 76 des Voranſchlages das Nötige
entnehmen könne. In keiner Heil= und Pflegeanſtalt ſei
es ſeines Wiſſens üblich, Abſchreibungen zu machen. Für
die Erneuerung der Akkumulatoren werde ein Fonds
ge=
bildet, dem jährlich 500 Mark zugeführt würden. Was die
Aufzüge anbelange, ſo habe allerdings eine Garantiepflicht
beſtanden. Sie ſeien ſeinerzeit von der Bauleitung
abge=
nommen und nicht beanſtandet worden. Als ein
Unglücks=
fall ſpäter eingetreten ſei, habe er den Gebrauch der
Auf=
züge einſtellen laſſen. Die Frage der Unbrauchbarkeit der
Aufzüge während der Garantiezeit ſei niemals akut
ge=
worden.
Abgeordneter Sames wünſcht, daß der Frage
der Abſchreibungen nähergetreten werde.
Abgeoroneter Böhm tritt den Ausführungen
des Abgeordneten Sames entgegen, da nach ſeiner Anſicht
bei Siechenanſtalten nicht mit kaufmänniſchen Grundſätzen
operiert werden könne. Soviel er wiſſe, ſei dies auch in
keiner ähnlichen Anſtalt üblich.
Abgeordneter Porth iſt der Anſicht, daß das,
was bei Krankenhäuſern möglich ſei, auch in der
Pflege=
anſtalt ausgeführt werden könne Deshalb ſtimme er der
Auffaſſung des Abaeordneten Sames zu.
Nummer 45.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Donnerstag, den 17. April 1913.
Direktor Dr. Textor hält es nicht ratſam, den
nregungen des Herrn Sames zu entſprechen, weil dann
in Vergleich mit anderen Anſtalten, die dieſe Einrichtung
ach nicht hatten, in finanzieller Hinſicht nicht mehr
mög=
ich ſei.
Abgeordneter Walter iſt der Anſicht, daß,
venn aujahrliche Abſchreibungen im Voranſchlag gemacht
verden ſollen, dieſen auch ein entſprechender Fonds
lgenübergeſtellt werden muſſe. Er frage an, ob die
der=
rtige elektriſche Beleuchtung den Anforderungen genüge.
Es wäre wünſchenswert, von kompetenter Seite zu
er=
jahren, ob es moglich ſei, die Anſtalt an die
Ueberland=
heritrale anzuſchließen und wie hoch ſich die Koſten durch
lnſchluß an die =Ueberlandzentrale belaufen würden,
ßgenüber den Koſten, die durch die eigene Licheerzeugung
räſtehen.
Direktor Dr. Textor bemerkte, daß die Frage
ſpegen des Anſchluſſes der Anſtalt an die
Ueberlandzen=
rele ſchon erörtert worden ſei. Die Koſtenfrage ſei aber
lime ſehr ſchwierige, die nur von Fachmännern beurteilt
ſv rden könne. Im techniſchen Betrieb ſtehe die
Licht=
r eugung im engen Zuſammenhange mit der Frage der
fluerung und Dampfheizung. Dermalen ſeien deshalb
(n
dem für die Feuerung vorgeſehenen Betrag auch
ſſit Koſten für die Lichterzeugung enthalten.
Der Vorſitzende bemerkte, daß die Anſtalt in
terſtadt im Vergleich zu anderen Pflegeanſtalten
außer=
rventlich billig arbeite. Die Provinzialverwaltung ſei
dem Miniſterium dahin vorſtellig geworden, daß der
wovinz Starkenburg im Hinblick auf die Beteiligung der
ſtalt an der Irrenfürſorge der gleiche Staatszuſchuß
ie den beiden anderen Provinzen bewilligt werde. Die
ſſiage, ob das Anſtaltsrechnungsweſen beſſer nach
kauf=
ſimniſchen oder nach kameraliſtiſchen Grundſätzen zu
füh=
t ſei, ſei eine beſtrittene. Zurzeit ſei jedenfalls die
ſtmeraliſtiſche Rechnungsführung einfacher und billiger.
ſie Bildung von Erneuerungsfonds ſei im allgemeinen
Siechenanſtalten nicht üblich. Die Abſchreibungen ſeien
iden Tilgungsſummen der aufgenommenen Anlehen
Anbegriffen. Die Provinzialverwaltung werde
gleich=
ſohl der Frage nähertreten und erwägen, ob die Bildung
lſnes Erneuerungsfonds, wie er aus der Verſammlung
angeregt worden ſei, im Intereſſe der Anſtalt
zweck=
mäßig ſei.
Der Voranſchlag der Provinzialkaſſe, ſowie der
Pro=
vinzialpflegeanſtalt wurde hierauf im ganzen
angenom=
men und in Einnahme und Ausgabe wie folgt feſtgeſetzt:
a) bei der Provinzialkaſſe auf:
823 462 Mk. 30/Pfg.
b) bei der Provinzialpflegeanſtalt auf: 189280 „ 18 „
bei letzterer unter Annahme eines
Zuſchuſſes der Provinz von
37141 „ 57 „
4. Ergänzungswahl der Mitglieder des Provinzial=
Ausſchuſſes.
Auf Vorſchlag aus der Verſammlung werden durch
Zuruf wiedergewählt:
a) Mitglieder:
Geheimer Juſtizrat Dr. Lahr von Darmſtadt,
Bürgermeiſter Nuß von Gernsheim,
Rentner Schmidt von Offenbach,
Bürgermeiſter Oekonomierat Trautmann von Rimbach.
b) Erſatzmänner:
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing von Darmſtadt,
Beigeordneter L. Müller von Eberſtadt.
Für das verſtorbene Mitglied, Bürgermeiſter Dr.
Frenay=Bensheim, wird Bürgermeiſter Regierungsrat Dr.
Löslein=Bensheim, auf Vorſchlag ebenfalls durch Zuruf
für den Reſt der Wahlperiode gewählt.
Der Vorſitzende kommt ſodann nochmals mit
kurzen Worten auf das Verkehrsweſen in der Provinz und
die hierfür zu bildende Kommiſſion zurück.
Abgeordneter Böhm hält das Vorgehen der
Provinz für außerordentlich zweckmäßig und im Intereſſe
einer Beſſerung der Verkehrsverhältniſſe der Provinz
ge=
legen. Er ſpricht ſeine Anſicht dahin aus, daß auf dieſem
Gebiete gerade durch ein einheitliches Vorgehen recht
Gutes erreicht werden könne.
Auf Vorſchlag des Vorſitzenden wurde zu der neu zu
bildenden Kommiſſion für Verkehrsweſen
einſtimmig die Zuſtimmung des Provinzialtags erteilt.
Der Kommiſſion ſollen nach dem Antrage des
Provinzial=
ausſchuſſes angehören:
Die Vorſitzenden der Handelskammern Darmſtadt und
Offenbach, der Handwerkskammer, die Vorſitzenden
des Darmſtädter Verkehrsvereins und des
Verkehrs=
verbandes der Bergſtraße. Der Provinzialausſchuß
erhält außerdem die Ermächtigung, die Kommiſſion
auf 12 Mitglieder zu ergänzen.
5. Angeſtelltenverſicherung des früheren Rechners und
Hausverwalters der Provinzial=Pflegeanſtalt, Ludwig
Korell zu Berlin.
Provinzialausſchußmitglied Geheimer
Juſtizrat Dr. Lahr referiert ausführlich über die
hier in Betracht kommenden rechtlichen und tatſächlichen
Verhältniſſe. Hiernach ſucht der frühere, ſeit 1. Dezember
1908 penſionierte Hausverwalter und Rechner der
Pro=
vinzial=Pflegeanſtalt, Ludwig Korell, zur Zeit zu Berlin,
um Ausſtellung einer Beſcheinigung des Inhalts nach, daß
im Falle ſeines Ablebens ſeiner Witwe und ſeinen
Kin=
dern eine Penſion, wie ſie nach den für die Staatsbeamten
maßgebenden geſetzlichen Beſtimmungen ſich berechnet,
zu=
ſtehe. Korell ſei ſeinerzeit nach den Grundſätzen angeſtellt
worden, wie ſie für die Staatsbeamten beſtünden. Art. 5
des Geſetzes vom 2. Auguſt finde deshalb hier
Anwen=
dung, ebenſo auch Art. 10 des Zivildiener=Witweninſtituts
vom 30. Juni 1886. Dem Antrage ſei ſomit Folge zu
geben.
Abgeordneter Sames fragt nach den
Grün=
den, die zu der frühzeitigen Penſionierung Korells geführt
haben.
Geheimer Juſtizrat Dr. Lahr gibt die
er=
forderliche Auskunft.
Die Verſammlung erklärt ſich alsdann mit der
Er=
teilung der beantragten Beſcheinigung einverſtanden.
Hierauf wurde die Sitzung durch den Vorſitzenden
mit Worten des Dankes geſchloſſen.
Zur Beglaubigung:
Der Vorſitzende:
Fey.
Die Urkundsperſonen:
Walter.
Nuß.
Der Protokollführer:
Bernauer.
Orts=Satzung
die Quartierleiſtungen und Naturalleiſtungen an die bewaffnete Macht im Frieden
in der Gemeinde Arheilgen.
Auf Grund des § 7 des Reichsgeſetzes vom 25. Junt 1868, die Quartierleiſtungen
ſir die bewaffnete Macht während des Friedensſtandes betreffend, und § 9 der
Inſtruk=
kſon zur Ausführung dieſes Geſetzes vom 31. Dezember 1868 und auf Grund der Geſetze
pmi 13. Februar 1875 über die Naturalleiſtungen für die bewaffnete Macht im Frieden
uid hiermit für die Gemeinde Arheilgen auf Beſchluß des Gemeinderats und mit
ſenehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom 29. März 1913 zu Nr. M. d. J. 5344
lendes beſtimmt:
§ 1.
Die Verwaltung der Einquartierungsangelegenheiten wird der von dem
erneinderat zu wählenden Einquartierungskommiſſion unter dem Vorſitz des
Bürger=
ßeſſters oder bei Verhinderung des Bürgermeiſters unter dem Vorſitz des
Beigeord=
ſtun übertragen.
Die Dienſtzeit der unſtändigen Mitglieder der Kommiſſion endet mit dem
uleenderjahr, für welches dieſelben gewählt worden ſind.
Die Zahl der unſtändigen Mitglieder der Kommiſſion wird von dem
Gemeinde=
ſtjedes Jahr neu beſtimmt.
2.
Die ganze Gemeinde, einſchließlich aller zur Gemarkung gehörigen Gehöfte uſw.,
det einen Quartierbezirk.
§ 3.
Die Einquartierungspflicht liegt allen denen ob, die in der Gemeinde eine
ſopnung haben und zur Gemeindeſteuer herangezogen werden, ebenſo Juriſtiſchen
Per=
nen, Geſellſchaften und ſolchen Perſonen, die, ohne in der Gemeinde zu wohnen, in
rGemeinde Häuſer, Grundſtücke oder Geſchäftslokale haben und für dieſe zur
meindeſteuer herangezogen werden.
Befreit von der Benutzung zur Einquartierung ſind die in § 4 Abſ. 2 des
Reichs=
ſetzzes vom 25. Juni 1868 aufgeführten Gebäude und Gebäudeteile.
Gebäude, in denen ſich mit gefährlichen oder anſteckenden Krankheiten Behaftete
ſet Wöchnerinnen oder Leichen befinden, ſollen zur Einquartierung nicht benutzt werden.
§ 4.
Bei Verteilung der Einquartierung ſoll auf die Wohnungs=, Wirtſchafts= und
ßverbebetriebsbedürfniſſe des Quartierpflichtigen Rückſicht genommen werden. Neben
lern Grundlagen foll bei der Verteilung beachtet werden, daß auf etwa je 80 Mark
meindeſteuer je ein Mann zu übernehmen iſt.
§ 5.
Den Quartierpflichtigen iſt geſtattet, die ihnen obliegende Verbindlichkeit durch
lung anderweiter Quartiere (z. B. in Wirtshäuſern uſw.) zu erfüllen, jedoch iſt
s vorher der Einquartierungskommiſſion anzuzeigen. Das zu ſtellende Quartier
üß den Anforderungen entſprechen, welche an den Quartierpflichtigen ſelbſt geſtellt
Aden können.
Für richtige Leiſtung iſt nur der Quartierpflichtige haftbar, wie auch die durch
Ausquartierung dem Quartierpflichtigen etwa entſtehenden Mehrkoſten von dieſem
ttagen ſind.
§ 6.
Weigert ſich der Quartierpflichtige, die ihm zugedachte Einquartierung zu über=
Amen, oder iſt der Quartierpflichtige zeitweilig abweſend, ſo hat die Einquartierung
deſſen Koſten anderweit zu erfolgen.
Dieſe Koſten ſind nötigenfalls auf dem für die Gemeindeeinkünfte vorgeſchriebenen
ge von den Pflichtigen beizutreiben.
§ 7.
Bei der Zuteilung der Einquartierung werden gerechnet:
Aeneral und die ihm gleichgeſtellten Chargen einſchließlich Bedienung — 30 Gemeine,
— 20
Mtabsoffizier
„
— 10 „
lauprmann oder Leutnant
,
25 ,
Afeldwebel ꝛc.
3 „
Mjähnrich oder Vizefeldwebel
2
Unteroffizier
. — 1 Gemeiner
ferd ohne Fourage
§ 8.
Werden Truppen mit Verpflegung einquartiert, ſo wird den mit Einquartierung
Lſchten Einwohnern ein von dem Gemeinderat in dem betreffenden Jahre
feſtzuſetzen=
zuſchuß zu der von dem Reiche gewährten Entſchädigung bewilligt. Dieſer Zuſchuß
ſMmit Rückſicht auf die jeweiligen Lebensmittelpreiſe bemeſſen werden und ſoll mit
Eiſchluß der von dem Reiche gewährten Entſchädigung für Mundverpflegung und
Swis pro Tag für jeden einquartierten und verpflegten Soldaten einſchließlich
Unter=
olſſier, Sergeanten und ähnliche Charge den Betrag von 1.50 Mark nicht überſteigen
Für die einquartierten Offiziere wird den Quartiergebern nur die
Reichsent=
ſohhigung gewährt.
§ 9.
Wird der Gemeinde die Stellung von Fourage oder Vorſpann angeſonnen, ſo
bilſafft die Einquartierungskommiſſion den Bedarf auf die ihr am zweckmäßigſten
enſſeinende Weiſe, möglichſt unter öffentlicher Aufforderung, aus Mitteln der
Gemeinde=
kaſſt in welche die vom Reiche zu gewährende Vergütung fließt. Nur wenn auf dieſem
Wge dem Anſinnen nicht rechtzeitig entſprochen werden kann oder die Fourage oder
daVorſpann gegen die von dem Gemeinderat hierfür zuläſſig erachtete Vergütung
nich zu erlangen iſt, wird die Kommiſſion zu der in Anſpruch genommenen Leiſtung
diibeſitzer von Fouragebeſtänden, Zugtieren und Wagen unmittelbar heranziehen, und
deaßemeinderat ſodann darüber beſchließen, ob und welcher Zuſchuß aus
Gemeinde=
miſln zu der von dem Reiche zu gewährenden Vergütung zu leiſten iſt.
§ 10.
Die Einquartierungskommiſſion iſt bezüglich der in den §§ 8 und 9 von ihr zu
Luiſin der Gemeindekaſſe zuzugeſtehenden Vergütungen an die Weiſungen des
Gemeinde=
racßgebunden.
§ 11.
Dieſe Satzung tritt mit dem 1. Mai 1913 in Kraft.
Arheilgen, den 11. April 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Arheilgen.
(9136
Benz.
Orts=Satzung
für die Quartierleiſtungen und Naturalleiſtungen an die bewaffnete Macht im Frieden
in der Gemeinde Maſchen.
Auf Grund des § 7 des Reichsgeſetzes vom 25. Juni 1868, die Quartierleiſtungen
für die bewaffnete Macht während des Friedensſtandes betreffend, und § 9 der
Inſtruk=
tion zur Ausführung dieſes Geſetzes vom 31. Dezember 1868 und auf Grund der Geſetze
vom 13. Februar 1875 über die Naturalleiſtungen für die bewaffnete Macht im Frieden
wird hiermit für die Gemeinde Malchen auf Beſchluß des Gemeinderats und
mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern vom 29. März 1913 zu
Nr. M. d. J. 5343 folgendes beſtimmt:
§ 1.
Die Verwaltung der Einquartierungsangelegenheiten wird der von dem
Gemeinderat zu wählenden Einquartierungskommiſſion unter dem Vorſitz des
Bürger=
meiſters oder bei Verhinderung des Bürgermeiſters unter dem Vorſitz des
Beigeord=
neten übertragen.
Die Dienſtzeit der unſtändigen Mitglieder der Kommiſſion endet mit dem
Kalenderjahr, für welches dieſelben gewählt worden ſind.
Die Zahl der unſtändigen Mitglieder der Kommiſſion wird von dem
Gemeinde=
rat jedes Jahr neu beſtimmt.
§ 2.
Die ganze Gemeinde, einſchließlich aller zur Gemarkung gehörigen Gehöfte uſw.,
bildet einen Quartierbezirk.
§ 3.
Die Einquartierungspflicht liegt allen denen ob, die in der Gemeinde eine
Wohnung haben und zur Gemeindeſteuer herangezogen werden, ebenſo Juriſtiſchen
Per=
ſonen, Geſellſchaften und ſolchen Perſonen, die, ohne in der Gemeinde zu wohnen, in
der Gemeinde Häuſer, Grundſtücke oder Geſchäftslokale haben und für dieſe zur
Gemeindeſteuer herangezogen werden.
Befreit von der Benutzung zur Einquartierung ſind die in § 4 Abſ. 2 des
Reichs=
geſetzes vom 25. Juni 1868 aufgeführten Gebäude und Gebäudeteile.
Gebäude, in denen ſich mit gefährlichen oder anſteckenden Krankheiten Behaftete
oder Wichnerinnen oder Leichen befinden, ſollen zur Einquartierung nicht benutzt werden.
§ 4.
Bei Verteilung der Einquartierung ſoll auf die Wohnungs=, Wirtſchafts= und
Gewerbebetriebsbedürfniſſe des Quartierpflichtigen Rückſicht genommen werden. Neben
dieſen Grundlagen ſoll bei der Verteilung beachtet werden, daß auf etwa je 50 Mark
Gemeindeſteuer je ein Mann zu übernehmen iſt.
§ 5.
Den Quartierpflichtigen iſt geſtattet, die ihnen obliegende Verbindlichkeit durch
Stellung anderweiter Quartiere (z. B. in Wirtshäuſern uſw.) zu erfüllen, jedoch iſt
dies vorher der Einquartierungskommiſſion anzuzeigen. Das zu ſtellende Quartier
muß den Anforderungen entſprechen, welche an den Quartierpflichtigen ſelbſt geſtellt
werden können.
Für richtige Leiſtung iſt nur der Quartierpflichtige haftbar, wie auch die durch
die Ausquartierung dem Quartierpflichtigen etwa entſtehenden Mehrkoſten von dieſem
zu tragen ſind.
§ 6.
Weigert ſich der Quartierpflichtige, die ihm zugedachte Einquartierung zu
über=
nehmen, oder iſt der Quartierpflichtige zeitweilig abweſend, ſo hat die Einquartierung
auf deſſen Koſten anderweit zu erfolgen.
Dieſe Koſten ſind nötigenfalls auf dem für die Gemeindeeinkünfte vorgeſchriebenen
Wege von den Pflichtigen beizutreiben.
§ 7.
Bei der Zuteilung der Einquartierung werden gerechnet:
1 General und die ihm gleichgeſtellten Chargen einſchließlich Bedienung — 30 Gemeine.
20
Stabsoffizier
— 10 „
1 Hauptmann oder Leutnant
25,
1 Feldwebel ꝛc
— 3
Fähnrich oder Vizefeldwebel
— 2
1 Unteroffizier
. — 1 Gemeiner
Pferd ohne Fourage
Werden Truppen mit Verpflegung einquartiert, ſo wird den mit Einquartierung
bedachten Einwohnern ein von dem Gemeinderat in dem betreffenden Jahre
feſtzuſetzen=
der Zuſchuß zu der von dem Reiche gewährten Entſchädigung bewilligt. Dieſer Zuſchuß
ſoll mit Rückſicht auf die jeweiligen Lebensmittelpreiſe bemeſſen werden und ſoll mit
Einſchluß der von dem Reiche gewährten Entſchädigung für Mundverpflegung und
Servis pro Tag für jeden einquartierten und verpflegten Soldaten einſchließlich
Unter=
offizier, Sergeanten und ähnliche Charge den Betrag von 2.— Mark nicht überſteigen.
Für die einquartierten Offiziere wird den Quartiergebern nur die
Reichsent=
ſchädigung gewährt.
§ 9.
Wird der Gemeinde die Stellung von Fourage oder Vorſpann angeſonnen, ſo
beſchafft die Einquartierungskommiſſion den Bedarf auf die ihr am zweckmäßigſten
erſcheinende Weiſe, möglichſt unter öffentlicher Aufforderung, aus Mitteln der
Gemeinde=
kaſſe, in welche die vom Reiche zu gewährende Vergütung fließt. Nur wenn auf dieſem
Wege dem Anſinnen nicht rechtzeitig entſprochen werden kann oder die Fourage oder
der Vorſpann gegen die von dem Gemeinderat hierfür zuläſſig erachtete Vergütung
nicht zu erlangen iſt, wird die Kommiſſion zu der in Anſpruch genommenen Leiſtung
die Beſitzer von Fouragebeſtänden, Zugtieren und Wagen unmittelbar heranziehen, und
der Gemeinderat ſodann darüber beſchließen, ob und welcher Zuſchuß aus
Gemeinde=
mitteln zu der von dem Reiche zu gewährenden Vergütung zu leiſten iſt.
10.
Die Einquartierungskommiſſion iſt bezüglich der in den §§ 8 und 9 von ihr zu
Laſten der Gemeindekaſſe zuzugeſtehenden Vergütungen an die Weiſungen des
Gemeinde=
rats gebunden.
§ 11.
Dieſe Satzung tritt mit dem 1. Mai 1913 in Kraft.
Malchen, den 11. April 1913.
Eroßherzogliche Bürgermeiſterei Malchen.
(2187
Walther.
Nummer 45.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Donnerstag, den 17. April 1913.
Bekanntmachung.
Mit Rückſicht auf die beginnenden Scharfſchießübungen der Feld=Artillerie auf
dem Truppenübungsplatz bringen wir Nachſtehendes zur allgemeinen Kenntnis:
Es wird auf unſere Polizeiverordnung vom 10. März 1908 hingewieſen,
wonach das Betreten des Truppenübungsplatzes Darmſtadt Zivilperſonen
ohne Erlaubnisſchein der Kommandantur verboten iſt.
2. Wer die bei den Uebungen der Artillerie verſchoſſene Munition ſich
wider=
rechtlich zueignet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre beſtraft (§ 291 des
Reichsſtrafgeſetzbuches).
3. Die Erlaubnis zum Suchen verſchoſſener Munition auf dem
Truppenübungs=
platz Darmſtadt wird keiner Zivilperſon erteilt.
4. Die auf dem Uebungsplatze gelegentlich gefundenen und die im
Auslauf=
gelände aufgehobenen Munitionsteile müſſen an die im Lager eingerichtete
Ab=
nahmeſtelle abgeliefert werden, welche dafür entſprechende Geldvergütung zahlt.
5. Zünder mit Zündladung, einzelne Zündladungen oder blindgegangene
Ge=
ſchoſſe dürfen unter keinen Umſtänden berührt werden, weil dies mit
Lebens=
gefahr verbunden iſt. Ein Nachgraben oder Freilegen von tiefer in die Erde
eingedrungenen Geſchoſſen iſt ſtreng verboten. Dabei iſt es gleichgültig, ob
das Geſchoß eine Granate oder ein Schrapnel, ob es mit Zünder verſehen
iſt oder nicht, ob der Finder von der Ungefährlichkeit überzeugt iſt
oder nicht. Der Finder hat zunächſt weiter nichts zu tun, als den Fund zu
melden und nötigenfalls die Stelle kenntlich zu machen.
Die Zertrümmerung der Blindgänger uſw. iſt lediglich durch die von dem
Funde in Kenntnis zu ſetzende Kommandantur zu veranlaſſen. Der Finder
erhält als Findergeld für ein blindgegangenes Geſchoß mit Zünder 1 Mk.
(Eine Mark), für einen einzelnen ſcharfen Zünder oder für ein Geſchoß ohne
Zünder 50 Pfg. (Fünfzig Pfennige). Am Geſchäftszimmer der
Komman=
dantur des Truppenübungsplatzes, ſowie am Sprengſtückſchuppen und am
Feuerlöſchgeräteſchuppen (Baracke Nr. 104) ſind Abbildungen von gefährlichen
Zündern pp. ausgehängt.
Das Betreten des Uebungsplaßes gleich nach dem Abſchießen iſt den
Zivilperſonen mit Erlaubnisſchein verboten. Es iſt dies erſt eine Stunde
nach Beendigung des Schießens — und unter keinen Umſtänden früher —
geſtattet. Denjenigen Perſonen, welche gegen dieſes Verbot verſtoßen, wird
der Erlaubnisſchein zum Betreten des Platzes entzogen.
(9132a
Darmſtadt, den 15. April 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem
Truppenübungs=
platz für die Zeit vom 19. April bis 7. Mai 1913 bringen wir hierdurch zur allgemeinen
Kenntnis.
Darmſtadt, den 15. April 1913.
(9133a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 19. April bis 7. Mai 1913.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Foxterrier. 1 Dobermann (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
(9111
ſelbſt jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung.
Die hauptſächlich unter der Schuljugend vielfach verbreitete,
nicht ſcharf genug zu verurteilende Unſitte, Gebäude,
Einfriedig=
ungen ꝛc., namentlich ſolche mit friſchem Anſtrich, durch Beſchmieren
mit Kreide, Schmutz uſw. zu verunreinigen, hat in letzter Zeit
wie=
der überhand genommen.
Wir ſehen uns daher veranlaßt, vor ſolchen Ausſchreitungen
erneut eindringlichſt zu warnen, ſowie an Lehrer, Eltern,
Vormün=
der uſw. das dringende Erſuchen zu richten, die ihrer Obhut
unter=
ſtellten Kinder mit allen ihnen zu Gebote ſtehenden Mitteln von
der=
artigem Unfug abzuhalten.
Das Aufſichtsperſonal iſt angewieſen, die Schuldigen im
Be=
tretungsfalle unnachſichtlich zur Anzeige zu bringen, im Falle der
Strafunmündigkeit der betreffenden Kinder aber die Beſtrafung ihrer
Eltern, Vormünder uſw. nach § 44 des Polizeiſtrafgeſetzes herbeizuführen.
Darmſtadt, den 15. April 1913.
(9110ds
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Verſteigerung eines
Faſel=
ochſen und Faſelebers.
Dienstag, den 22. April I. J., nachmittags 4 Uhr,
ſoll im Bureau der unterzeichneten Stelle ein abgängiger Faſelochſe
und ein abgängiger Faſeleber in öffentlicher Submiſſion verſteigert
werden,
Offerten ſind bis zu genanntem Termin unter Angabe der
Preiſe auf Lebendgewicht bei Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt
ein=
zureichen.
Nähere Auskunft erteilt Faſelwärter Kölſch.
(9101
Eberſtadt, den 14. April 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.
Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 17. April 1913, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16
öffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung:
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Damenhand=
ſchuhe, 1 Pfandſchein, 1 Bild mit Muſikwerk;
b) vorausſichtlich: 6 Büfetts, 8 Diwans, 6 Sofas,
8 Vertikos, 4 Kleider=, 2 Spiegel=, 2 Glas= und 2
Kaſſen=
ſchränke, 2 Schreibtiſche, 1 Sprechapparat mit Platten, 1 große
Partie Kokos= u. Ledermatten, Läufer, Teppiche, 1 Landauer,
1 Viktoriawagen, 1 Spitz= u. Schälmaſchine, 1
Reinigungs=
maſchine, 1 automatiſcher Trichter uſw.
Darmſtadt, den 16. April 1913.
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Der Volksbadetag für die
Wannenbäder wird gemäß
Be=
ſchluß der Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung mit Wirkung von der
laufenden Woche ab von
Sams=
tag auf Dienstag verlegt.
Der Preis für ein großes
Bade=
tuch wird mit Zuſtimmung der
Stadtverordneten=Verſammlung
mit Wirkung vom 21. I. M. ab auf
(9104
15 Pfg. feſtgeſetzt.
Darmſtadt, 14. April 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.
In unſer Handes=Regiſter,
Ab=
teilung B, wurde heute
einge=
tragen hinſichtlich der Firma:
Bank für Handel und
In=
duſtrie, Darmſtadt.
Den Bankbeamten Dr. Hans
Stirtz und Johannes Vonderheit,
beide in Darmſtadt, iſt Prokura
für die Niederlaſſungen in Berlin
und Darmſtadt erteilt.
(9135
Darmſtadt, 14. April 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
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Nummer 89.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1973.
Seite 15.
Luftfahrt.
Prinz Heinrich=Flug 1913.
— Für den Prinz Heinrich=Flug 1913 hat
die preußiſche Heeresverwaltung bereits die
Teil=
mahme von neun Offizieren in Ausſicht
ge=
ſtellt. Es ſind dies die Herren: Leutnant Blüthgen,
spahrſcheinlich auf Mars=Pfeil=Doppeldecker, Canter
auf Taube, v. Hiddeßen auf Albatros=Doppeldecker,
Freiherr v. Thuena auf Taube, v. Mirbach auf
Euler=Doppeldecker, Kaſtner und Joly auf Taube,
w. Weyer auf Aviatik und Oberleutnant Donnevert
auf Taube. Auch die bayeriſche Militärverwaltung will
Drei Offiziere zur Teilnahme an dem Flug beordern. In
Der Kategorie 3b der Ausſchreibung, Flugzeugbeſitzer,
verden vorausſichtlich ſtarten: 2 Doppeldecker der Deutſchen
Flugzeugwerke Leipzig=Lindenthal, je 1 Aviatik=Doppel=
Decker und Eindecker, 2 Euler, 1 Albatros=Doppeldecker,
Albatros=Eindecker und 1 Goedecker=Eindecker. Da der
Mennungsſchluß erſt am 25. April iſt, ſo bedürfen die
Nen=
nungen erſt der Genehmigung der Flugzeugkommiſſion
Des Deutſchen Luftfahrer=Verbandes. Die Konkurrenzen
werden noch beſonders intereſſant durch die
Teil=
nahme von Zeppelin=Luftſchiffen. An der
Alufklärungsübung am 16. Mai nimmt das Luftſchiff
Sachſen” teil. Gelegentlich des taktiſchen Aufklärungs=
Uugs am 17. Mai wird die „Sachſen” mit den Ehrengäſten
es Prinz Heinrich=Fluges an Bord die Aufklärung der
Flugzeuge begleiten.
Der Prinz Heinrich=Flug im Mai dieſes
Jahres iſt nach dem Beſchluß des Arbeitsausſchuſſes um
100 Kilometer verlängert worden, und zwar auf der drit=
ten Etappe, Koblenz=Karlsruhe, Es ſind auf dieſer Etappe
drei Kontrollſtationen geſchaffen worden, und zwar der
Rennplatz Bad Kreuznach, der Mainzer Flugplatz Großer
Sand und der Flugplatz Frankfurt a. M Durch
Paſſie=
ren dieſer Kontrollſtationen werden die Flieger ſtatt 200
Kilometer 300 Kilometer zurückzulegen haben.
Sport, Spiel und Turnen.
sr. Lawn=Tennis. Das internationale Lawn=
Tennis=Turnier in Montreux=Territet,
über deſſen Beginn wir berichteten, war vom Wetter
wenig begünſtigt. In den letzten Tagen konnte es indes
bis zu den Schlußrunden gefördert werden. Die
betei=
ligten deutſchen Spieler ſchnitten vorzüglich ab. Im
Herreneinzelſpiel ſiegte der Deutſche Froitzheim in der
Vorſchlußrunde gegen R. Kleinſchroth mit 6:3, 7.5, 6:1
und F. W. Rahe gegen H. Kleinſchroth mit 6:3, 6:2. Im
offenen Herrendoppelſpiel gewannen R. Kleinſchroth und
Froitzheim gleichfalls die Vorſchlußrunde.
Vorträge.
* Sektion Darmſtadt D. u. Oe.
Alpenver=
ein. Im dichtbeſetzten Kaiſerſaal ſprach Herr
Hofſchau=
ſpieler Hans Baumeiſter über ſeine Beſteigungen in
den Berner Alpen, die er führerlos, aber mit ſeinen ſchon
in mancher gefährlichen Lage erprobten beiden Freunden
Hubel und Hecker im Auguſt des vergangenen Jahres
ausgeführt hat. In der Bundeshauptſtadt Bern wartete
man auf beſſeres Wetter. Kaum hatte die durchbrechende
Sonne von Schänzli aus die Jungfrau in ihrer
ſchnee=
ſchimmernden Pracht erkennen laſſen, als man nach
Inter=
laken aufbrach. Von da gings hinein in die Bergwelt
des Mönchs, des Eigers und der Jungfrau, die
alljähr=
lich bei hellem Sonnenſchein von Mürren vom
Lauber=
horn oder Männlichen aus das entzückenſte
Gebirgs=
panorama für die Augen vieler Tauſende von Jochfinken
entfaltet. Unſere Bergſteiger, die es wagten, bei
unſiche=
rem Wetter den kühnen Fuß auf die Jungfrau und die
eis=
gepanzerten Wände des Finſteraarhorns zu ſetzen, ſollten
den höchſten Zauber ſiegreichen Bergſteigerglücks und die
grauſen Schrecken der entfeſſelten Naturgewalt in wilder
Eisregion erleben. Von der Scheidegg aus benutzte man
die Jungfraubahn, von der, einem Triumph der modernen
Ingenieurkunſt, der Redner eine anſchauliche Schilderung
gab. In 3396 Meter Meereshöhe erreichte man Station
Jungfraujoch. Von da gings auf die Königin der Berge:
die Ueberſchreitung der Randkluft bereitete ernſte
Schwie=
rigkeiten, da man überhängende Wächten von unten zu
durchſchlagen hatte. Aber die klare Ausſicht über die weite
Bergwelt ſchenkte den Siegern da droben (4093 Meter)
eine glückliche Stunde. Nach ſchwerem Abſtieg zum
Jung=
frau=Firn wurde der Weg nach der großartig gelegenen
Concordiahütte (2870 Meter) angetreten. Von dort
er=
reichte man am folgenden Tag über die Grünhorn=Lücke
und den Walliſer Fieſcher=Firn die Finſteraarhornhütte
(3237 Meter). Der Aufenthalt in der überfüllten Hütte
gab Gelegenheit zur humorvollen Schilderung des
Hütten=
lebens mit ſeinen Licht= und Schattenſeiten. Zwei Tage
warteten die Bergſteiger im Nebel auf beſſeres Wetter
Als ſchließlich der Proviant beinahe aufgezehrt war, und
eine Aufhellung bevorzuſtehen ſchien, ſollte der Gipfel des
Finſteraarhorns (4275 Meter) bezwungen werden. Aber
fallende Regentropfen künden Unheil. Bald iſt man mitten
im Hochgebirgsgewitter mit ſeinem unheimlichen Toben.
Der Rückzug zur Hütte muß angetreten werden. Nach
kurzer Raſt bricht man neuem auf. Bald artet der
Schnee=
ſturm zum Orkane aus. Die Richtung wird verloren.
Nach ſtundenlanger, ſchwerer Arbeit in einem Labyrinth
von Gletſcherſpalten endlich eine Fußſpur! Aber bald
er=
kennt man voll Schrecken, daß es nur die eigene Spur ſein
kann, die man nach endloſem Irren wiedergefunden hat
Grauſig tritt den Verirrten das Geſpenſt des weißen
Todes vor die Seele. Da — ein Riß in den Wolken, man
unterſcheidet eine Gebirgswand, die Grünhornhütte wird
ſichtbar! Man iſt gerettet. Auf der Concordiahütte iſt
Tod und Gefahr vergeſſen im Jungfrauhotel am
Eggis=
horn iſt man in die Menſchenwelt zurückgekehrt. Aber noch
fünf Tage tobte in der Höhe, der man glücklich entronnen
war, der Sturm und durch das Rhonetal wurde gern der
Rückweg zum Genferſee eingeſchlagen. Welche Erlebniſſe
lagen hinter den zäh ausdauernden Bergſteigern!
Den Vortrag des Redners, ſo reich an Schilderung
wechſelnder Lagen und ſo anſchaulich durch Wort und Bild,
lohnte der reiche Beifall der zahlreichen Verſammlung und
der wärmſte Dank aus dem Munde des Vorſitzenden.
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&é
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II
[ ← ][ ][ → ]Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Nummer 89.
Von Donnerstag, den 17. bis inkl. Mittwoch, den 23. April
Hausharr- u. Wrrischariswaren Woche
Während dieser Woche bringen wir grosse Mengen Haushalt- und Wirtschaftswaren zum
Verkauf, die durch Qualität und Billigkeit eine unbedingt günstige Kaufgelegenheit bieten.
Steingut und Porzellan
6 ₰
Teller, tief oder flach . . . . . .
Tassen, gross . . . . . . . . . 6 ₰
Tassen, echt Porzellan . . . . . . 10 ₰
95 ₰
Schüsselnl, Satz — 6 Stück . .
Milchgiesser, echt Porzellan, de-
.95 ₰
kor., 6 Stück im Satz .
Kaffeeservice, echt Porzellan,
. . .95 ₰
weiss, 9teilig . . . .
Kaffeeservice, dekoriert,
295
3.95,
9teilig
,
Waschgarnitur, dekoriert,
145
, . „. „
4teilig
Waschgarnitur, dekoriert,
350
5teilig, moderne Dekore . . . .
Porzellan, weiss,
Kaffekannen,
68, 50, 38, 25 ₰
Porzellan, weiss,
Milchkannen,
30, 22, 15, 9 ₰
Zuckerdosen, Porzellan, weiss . . 33 ₰
Butterdosen, weiss . . . . . . 38 ₰
Platten, oval . . . . 50, 38, 30, 25 ₰
Schüsseln S. . . . 45, 35, 22, 18 ₰
.50 ₰
Terrinen, oval mit Deckel
Eine Partie Waschkrüge u. Waschbecken
créme, grosse moderne Form, zum
Aussuchen, unter Preis . Stück
Glas
Holzwaren
Wirtschafts-Artikel
Lackierwaren
Stück 5 ₰
Wassergläser . .
Weingläser . Stück 30, 20, 15, 9 ₰
Stück 8 ₰
Bierbecher
Goldrandbecher
Stück 12 ₰
Likörgläser
Stück 7₰
Stück 35 ₰
Römer . .
Stück 8 ₰
Teller, gepresst
Compotieren . Satz se 6 Stück 95 ₰
Stück 88 ₰
Wäschetrockner
Waschbretter . . . . Stück 65 ₰
Kleiderbügel . . . . . Stück 5 ₰
Servierbretter mit Einlage . . 95 ₰
Gewürzschränke . . . Stück 60 ₰
Eierschrank für 30 Eier . . . 95 ₰
Putzschrank . . . . . . . . 1.15
58 ₰
Wichskasten .
38 ₰
Klosettpapierhalter
Blumen-Giesskannen . Stück 20₰
Sand-Seife-Soda-Gestell . . . 95 ₰
Spülbürstenblech mit 4 Bürsten
Stück 1.10
Stück 50 ₰
Blumengitter
Kaffee- oder Zuckerdose . . . 30 ₰
Briefkasten . . . . . Stück 48₰
45 ₰
Zwiebelbehälter
Klosettbürstenhafter . Stück 48₰
Stück 48 ₰
Petrolenmkannen
Während dieser Woche 10% Rabatt auf Emaille,
1. Beilage zum Darmſtädter
7 50.
Donnerstag, 17. April.
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in Serien
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dabei Spachtel, Tüll, Macramé, Klöppel (Handarbeit)
und Häkelarbeit
Stickerei-Reste!
Stickerei-Reste!
Dieser Verkauf eignet sich besonders für Ausstattungen.
Sgegggeséesesseetea22ss55932592539539.
Sefr billig: Reste
von Spitzen und Einsätzen, Tüll-
Stoffen, Spachtel-Stoffen.
c
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aasssassossssebossggsesggssgesgeedés
2 Markt 2.
9120
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Leilzahlungen geſtattet. (*9792fd
N eder=Ramſtädterſtr. 31, 1. St. r.
faſt neu, wenig
ge=
fahren, umſtände=
Führfau halber billig
ab=
zugeben. Einzuſehen
Eliſabethen=
ſtraße 43, H., 1. St. I., von 1 Uhr
nachmittags ab.
(*9805sid
Weißbinderarbeiten
werden ſofort angen., Faſſaden
zu den billigſten Preiſen hergeſtellt
Jede Arbeit unter Garantie. Näh
in der Exped. ds. Bl. (*10355ds
Taſſereiner, auffallend ſchöner,
N Jahre alter deutſcher
Schäfer=
hund, rein gelb, vorzügl. Wächter,
nicht biſſig, zum feſten Preis von
100 Mk. zu verkaufen.
*10161id)
Hohlerweg 42.
(auch einzein) gelbe
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norka, Bruteier abzugeben
B9025) Ohlyſtraße 40, 2. St.
Das Stärkſte.
Roman von Fritz Gantzer.
(Nachdruck verboten).
Das war wahrlich kein Vergnügen, hier ein Viertel=
und Kaffee, dort ein Lot Zimmet und an dritter Stelle
leirte Mengen Zucker, Reis oder Gewürz an den Mann
bringen. Aber trotzdem war Henning mit ſeiner
kätigkeit fraglos zufrieden und hatte ſich glücklich geſchätzt,
ihn Johann Balduin Möller vor etwa vierzehn Tagen
ſeinen jungen Mann „ankaſchiert”.
Eimal deshalb, weil die ſtellungsloſe Zeit ſeine
ge=
ſgen Barmittel nahezu erſchöpft und ihn vor die
Mög=
hleit, binnen kurzem obdachlos und brotlos zu ſein,
ge=
ſit hatte. Weit mehr aber noch war er dem Schickſal
s dem Grunde dankbar, daß es ihm dieſen Unterſchlupf
ſwährt hatte, weil ſeine Tätigkeit es ihm ermöglichte,
ſich Signe in einer Weiſe auf die Suche zu gehen, die
kradezu ideal genannt werden mußte.
Und wie ſüchte er nur! Ueberall fragte er, ob man
ſiht ein Ehepaar Frank kenne, das eine Tochter habe.
Ein e Augen lagen immer auf der Lauer und ſpürten dem
ſſicht jedes jungen Mädchens nach. Und wo er eine helle
ßimme vernahm, lauſchte ſein Ohr angeſtrengt, ob es
Signos Stimme ſei.
Die Leute hatten den ernſten, gemeſſenen Mann mit
In ſtets zuvorkommenden Weſen und den immer traurig
ſtenden Augen gern und gaben ihm bereitwillig jede
ſpünſchte Auskunft. Aber etwas, das ihn befriedigt,
ſt aauch nur den geringſten Fingerzeig gegeben, hatten ſie
ihm nicht zu ſagen vermocht. Immer hieß es: Nein,
ſol=
chen Namen gibt’s hier nicht! Oder: Daß ich nicht wüßte.
Vielleicht da oder dort.
Dies da oder dort blieb Hennings Hoffnung. Es
wäre ja auch töricht geweſen, den Mut ſchon nach kurzer
Zeit ſinken zu laſſen. Er hatte während der knapen
vier=
zehn Tagen kaum die Hälfte der Orte, die Balduin
Möl=
ler zu ſeinen Abſatzgebieten zählte, bereiſt. Jeder neue
Tag konnte einen Erfolg bringen. .
Eine Heimfahrt. Der magere Schimmel
trot=
tete mit ſtolpernden Füßen und hängendem Kopf durch
den tiefen Schnee und ſchleppte den Wagen mühſam hinter
ſich drein. Das flimmernde Weiß kreiſchte, und die
aus=
gefahrenen Wagenbuchſen ließen die Räder klappernd hin
und her ſchlagen. Henning ſaß weit hinten im Wagen.
Ihn fror entſetzlich. Sein Körper war wie erſtarrt. Und
ſo nun noch über eine Stunde unterwegs!
Ach ja, es war ein rechtes Elendsleben, das er da
frei=
willig auf ſich genommen und gegen das ſorgloſe,
ge=
ruhige Daſein im Vaterhauſe eingetauſcht hatte. Er
dachte oft an die Seinen und erwog häufig, wie ſie ihn
wohl beurteilen mochten. Einer verdammte ihn ganz
ſicher und hatte ſich wohl für immer von ihm losgeſagt.
Dieſe Gewißheit ſchuf eine bittere Qual in ihm.
Trotz=
dem bereute er auch jetzt, bei ruhigem Ueberlegen, den
unternommenen Schritt nicht. Er hatte einfach fort
ge=
mußt. Wie ſich ſeine Zukunft geſtalten würde, in jedem
Falle, ob er Signe fand oder nicht fand, bedachte er jetzt
noch nicht. Sie nur erſt finden! Dieſe Sehnſucht war ſo
ſtark, daß ſie alles andere überwog.
Der Tag glitt ſchnell hinab. Es war, als ſtrichen ihn
unſichtbare Hände hinweg. Schon zitterten die erſten
Sterne wie glimmende Funken auf und flimmerten mit
einem unruhigen, zuckenden Licht über der weiten, toten
Ebene. Ganz fern am Horizont ſtand über einem dunklen
Waldſtreifen die ſchmale Mondſichel wie ein zerſprungener
ſilberner Reif. Das ſah alles ſo ernſt=feierlich aus,
be=
rührte wie die ungekünſtelten Harmonien eines einfachen
Abendliedes, daß Hennings Seele, für Einwirkungen
her=
ber Poeſie beſonders ſtark emfänglich, ſeit Tagen, Wochen
gehetzten Gedankenganges zum erſten Male etwas wie
friedſame Stille verſpürte. .
Johann Balduin Möller ſtand ſchon wartend unter
der Einfahrt und empfing Henning mit nicht gerade
freundlichem Geſicht, da er mit einem früheren Eintreffen
ſeines „jungen Mannes” gerechnet hatte. Nach ſeinem
Dafürhalten kam er um eine reichliche Stunde zu ſpät.
Als der kleine, hagere Mann darüber ein paar
pol=
ternde Worte hören ließ, verſicherte Henning, daß der
ſchlechte Weg und der lahme Gaul an der Verſpätung ſchuld
trügen.
Was Herr Möller kurzerhand beſtritt. Der Weg ſei
„prächtig” und der Schimmel ein „Muſterpferd”.
Henning lächelte ſtill in ſich hinein, ſpannte wortlos
aus und ſchüttete dem müden Klepper die Krippe voll.
Nachher lud er die nicht verkauften Waren ab und machte
ſeine Rechnung mit Herrn Möller.
Der nicht geringe Erlös beruhigte den guten Mann
einigermaßen. Als er die Geldſumme einſchloß, ſagte er:
Es iſt gut, Bruns. Sie laſſen ſich nicht übel an. Wenn’s
ſo weiter geht, lege ich Ihnen am 1. April fünf Taſer zu.
en der Kelte dies fürſtiche Berſtrecher zur
Tat werden ließ, betrug Hennings Quartalsſalär vom
be=
ſagten Zeitpunkte ab ganze fünfundzwanzig Taler.
Aller=
dings eine erkleckliche Menge! Aber es war zum mindeſten
fraglich, ob der Sprung vorwärts je zuſtande kommen
würde. Denn in Ehrenberg ging die Mär, daß Herr
Johann Balduin Möller bei Verſprechungen zwar ſtets
aus vollen Säcken ſchüttete, ihre Erfüllung dagegen in
Käſten mit ſieben Schlöſſern verwahre.
Na, freuen Sie ſich denn nicht? fragte der Freigebige
endlich, als Henning nichts tat, was auf den erwarteten
Gefühlszuſtand ſchließen ließ, ſondern nur ernſt zu
Bo=
den ſtarrte, darüber nachſinnend, ob er am 1. April
über=
haupt noch bei Johann Balduin Möller ſein würde. Die
gereizt klingende Erkundigung riß ihn zurecht. Gewiß,
Herr Möller, ſehr, ſagte er zerſtreut.
Na, es ſcheint aber nicht ſo, bezweifelte der andere
mit Stirnrunzeln. Knurrte etwas von „unzufriedener
Welt” und „Sozialdemokraten” hinterdrein und ſchickte
ſeinen jungen Mann zum Veſpern nach der Wohnſtube
hinüber.
Hier ſaßen ſchon Frau Möller, eine ſtark zur
Korpu=
lenz neigende Fünfzigerin mit unordentlichen Kleidern
und ſchlecht friſiertem Haar, und Antje, die Magd, die
ihrer Herrin an Akkurateſſe nicht überkam.
Beide beachteten den Einteitt Hennings kaum.
Ma=
dame Möller ſagte nur etwas, was ſich wie „ausgefroren”
anhörte, ſchob Henning gleichmütig einen braunglaſierten
Kaffeetopf über den Tiſch und deutete mit der Spitze ihres
Meſſers ſtumm auf die rieſige Bunzlauer und das
da=
nebenliegende, ſchon für ihn geſtrichene Veſperbrot.
Das Milieu dieſer gemeinſamen Mahlzeiken war
Hen=
ning das am wenigſten Befriedigende im Hauſe Möller.
dieſe ieden beſeinnter Giſhant deht ſrichende
Drum und Dran und dieſes ſtumme Nureſſen, nur auf
das Befriedigen des Magens gerichtete Beſtreben. Er
hatte es ſchon am zweiten Tage aufgegeben, eine
Unter=
haltung in Gang zu bringen. Frau Joſephine Möller
kaute und nickte nur und Antje lächelte blöde oder kicherte
albern auf ihre Schürze hinab. Und wenn Herr Möller
der Tafelrunde ſeine Aufmerkſamkeit ſchenkte, war’s nicht
anders.
Nachher mußte Henning noch bis gegen 10 Uhr hin
in dem engen Kramladen tätig ſein, wo es nach Heringen
und grüner Seife roch und wo es immer ſehr kalt war.
So kalt, daß die einkaufenden Mädchen und Frauen nur
mit unter die Schücze gehaltenen Händen ſtanden und die
Kunden männlichen Geſchlechts konſequent die
Hoſen=
taſchen revidierten. Und jeder räſonierte: Herr Möller
könnte in dem kalten Loch doch einen Ofen ſetzen laſſen.
Er habe ja das Geld dazu.
Kam man Johann Balduin Möller einmal perſönlich
ſo, dann beſtritt er das, was den Reichtum anging, unter
tauſend ſchwerwiegenden Beteuerungen. Und hinſichtlich
des geforderten Ofens ſagte er lakoniſch: Ich friere nicht.
Warum friert ihr?
Als Henning nach dem Fortgange der letzten Käufer
die ſchwelende Oellampe über dem Ladentiſche gelöſcht
hatte, ſtieg er müde und froſtzitternd die ſchmale, ſteile
Treppe zum Hausboden hinan. Hier ſtand in einer engen
Kammer ſein Bett, das ihn ſchon wenige Minuten ſpäter
aufnahm. Aber tcotz aller bleierner Müdigkeit bannten
die eiſige Kälte, die durch die Fugen der elenden Kammer
drang, und das rieſige Heer ſeiner Gedanken den Schlaf
noch lange. Es war mit ſeinem Sinnen und Grübeln wie
mit einer großen Wirrnis, aus der man keinen Ausweg
ſundet. Ert inter dad, heant er Sanes gebahſe htn
er ſich die Stunde des Wiederfindens ausmalte, lief ei
breiter, heller Weg dahin, den er mit beſchwingtem Füß
ging und frohen, ſeligen Hexzens. Auch heute ſah erdie
ſen Weg am Ende langen quälenden Suchens. Und mit
Signes Namen auf den Lippen ſchlief er endlich ein.
So freudlos, immer nur der ſtarrnackigen Pflicht mit
den kalten Augen zur Frohn, ohne Erfolg, lief Tag un
Tag dahin. Die größte Menge der zum Intereſſenkreiſe
Balduin Möllers gehörenden Ortſchaften hatte Henning
bereits beſucht, und eine Heimfahrt war immer trübſeliger
geweſen als die andere. Die Ausſicht, Signe auf diege
hoffte Art zu finden, wurde ſtändig ungewiſſer. Da waren
nun noch: Brackerfurt, Elmsdahl, Wilſtdorf und Gramz
Und wenn’s auch hier ohne Erfolg blieb, hieß es,
Ehren=
berg verlaſſen und eine andere Gegend aufſuchen.
Wohin dann?
Eine tiefe Niedergeſchlagenheit ſtellte ſich ſchon
zuwei=
len bei Henning ein, die ihn an einen guten Ausgang nicht
mehr glauben ließ. Es koſtete ihm bereits einen großen
Aufwand an Kraft, ſeine Hoffnung immer von neuem auf
ſtarke Füße zu ſtellen. Wie müde ſeine Seele oft warl
Es deuchte ihn ſo häufig, als ob ihm alles gleichgültig ſei,
Dazu kam, daß er ſich auch körperlich nicht wohl fühlte.
Das ſtändige Unterwegs in eiſiger Kälte ertrug er auf die
Dauer ohne Schaden an ſeiner Geſundheit nicht. Schon
ſeit Tagen zerriß ihm ein trockener Huſten die Bruſt. Und
wenn er am Abend ſein eiſiges Bett aufſuchte, packte ihn
ein Schüttelfroſt, bis er ein flackerndes Brennen über ſeinen
Körper rinnen fühlte und das Blut durch die Adern räſte,
als drohte es, ſie zu ſprengen. ..
(Fortſetzung folgt.)
Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
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Saalbautheater
Direktion: Willy Roemheld.
Mittwoch, 23. April, 8 Uhr
Donnerstag, 24. April, 8 Uhr
Freitag, 25. April, 8 Uhr
Samstag, 26. April, 8 Uhr
4 Ensemble-Gastspiele!
Berliner
Operetten-Posse:
eschen
Operetten-Posse mit
Ge-
sang u. Tanz in 3 Akten
von Jean Kren.
Ge-
sangstexte von Alfred
Schönfeld. Musik von
Jean Gilbert
Preise (inil. Steuer:
3.—, 2.—, 1.50 u. 1.— Mk.
Vorverkauf: Verkehrsbüro.
Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, den 17. April 1913.
X. Sonder-Vorstellung.
Cavalleris rusticana.
Melodrama in 1 Aufzug.
Muſik von Pietro Mascagni.
Perſonen:
Santuzza, e. junge
. Milena v. Sugh
Bäuerin
Turriddu, e. junger
Karl Jahn
Bauer
Lucia, ſ. Mutter. A. Tatter, a. G.
Alfio, Fuhrmann Otto Semper
Lola, ſeine Frau. Hede Schaub
Hierauf:
Der Bajazzo.
Drama in 2 Aufzügen u. einem
Prolog von R. Leoncavallo.
Perſonen:
Canio-Baiazzo . . Georg Becker
Nedda-Colombine Olg. Kallenſee
Tonio-Taddeo . . Georg Weber
Beppo-Harlekin . K. Bernhardt.
Silvio, e. jg. Bauer Otto Semper=
.Corn. Dobski
Ein Bauer.
Zu dieſer Vorſtellung findet ein
Kartenverkauf nicht ſtatt.
Anf. 8 Uhr. — Ende gegen 11 Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Freitag, 18. April. (Keine Vorſt.)
Samstag, 19. April. (Keine Vorſt.)
Sonntag, 20. April. Außer Ab.,
Frühlings=Feſtſpiele.
IV Abend. Der Ring des
Nibelungen. Zweiter Tag:
„Siegfried‟. Erhöhte Preiſe.
Anfang 6 Uhr.
Montag, 21. April. 158. Ab.=Vſt.
B 41. Ibſen=Zyklus. IV. Ab.
Neu einſt.: „Hedda Gabler.”
Kleine Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Seite 20.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Nummer 89.
Die falſche Rechnung.
Das Verlagshaus Vita, Berlin=Charlottenburg
kün=
digt ſoeben das 25. Tauſend der Volksausgabe eines
Buches an, deſſen Geſchichte wie ein Roman klingt. Es
er=
ſchien vor etwa zwei Jahren als eine kleine Broſchüre,
irgendwo von einem bis dahin unbekannten Manne
ver=
öfffentlicht, gerade in der Hochflut der Neuerſcheinungen
und gerade auch vor einer der Hauptwahlen, — Umſtände,
die es ſcheinbar unvermeidlich zur Nichtbeachtung
ver=
dammen mußten. Jedoch Bücher haben ihre Schickſale, in
drei Monaten wurden 10000 Exemplare verkauft, das
Weſentliche ſeines Inhalts überflutete die engliſche und
amerikaniſche Preſſe, Miniſter und andere Männer in
lei=
tender Stellung bezogen ſich auf den Autor, der deutſche
Botſchafter in London machte es zum Inhalt einer
diplo=
matiſchen Note, und der verſtorbene König Eduard von
England ſelbſt übergab Exemplare davon ſeinen
Miniſtern.
Der Kritiker, der im Londoner „Daily Chronicle” die
Geſchichte dieſes Buches erzählte, verſucht auch das
Wun=
der zu erklären, „es war einfach das,” ſagt er, „daß der
Au=
tor, Herr Angell, mit einigen hundert Seiten die
beſtehen=
den Grundſätze der europäiſchen Staatskunſt erſchüttert
hat; er hatte allen ehrlichen Denkern eine neue
Anſchau=
ung über die geſamte Kriegsfrage aufgezwungen”
Was aber iſt nun in wenigen Worten der Leitgedanke
dieſes Buches, das jetzt bereits in 17 lebende Sprachen
überſetzt worden iſt? Es iſt der, daß die letzten 25 Jahre
es für eine europäiſche Großmacht unmöglich gemacht
haben, durch die Niederwerfung einer andern, durch die
Eroberung eines Landes wirtſchaftliche Vorteile zu
er=
zielen. Der Autor behauptet nicht, daß der Krieg
unmög=
lich iſt, ſondern nur, daß es unmöglich geworden iſt, auch
durch einen ſiegreichen wirtſchaftliche Vorteile zu
erreichen.
Er ſpricht dieſen ſcheinbaren Widerſinn aus, indem
er nachweiſt, daß Wohlſtand in der ökonomiſch ziviliſierten
Welt auf Kredit und Handelsverträge gegründet iſt. Wenn
aber etwa der Verſuch von Konfiskationen gemacht wird,
ſo iſt der vom Kredit abhängende Wohlſtand untergraben,
und ſein Zuſammenbruch — der des Beſiegten — ſchließt
den des Siegers mit ein.
Die moderne Finanzwirtſchaft mit ihren zahlloſen
Börſenbeziehungen und all den gleichzeitigen
Kursbeweg=
ungen, hervorgerufen durch ſofortige Kenntnis der
Ereig=
niſſe aus allen Teilen der Welt, die Verkettung
internatio=
naler Bankſyſteme mit einem ungehener verwickelten
Aus=
bau des Verkehrs, hat die moderne Welt zu einem
leben=
digen induſtriellen Organismus gemacht und hat dieſen
mit „ſenſoriſchen Nerven” ausgerüſtet, durch die ein
irgendeinem Teile zugefügter Schaden ſofort auch auf
einen anderen, ſelbſt ganz entfernt liegenden Teil
zurück=
wirkt.
Herr Angell zeigt nun, daß die politiſchen Ergebniſſe
aus dieſer Tatſache in Wirklichkeit noch nicht nutzbar
ge=
macht worden ſind — — die diplomatiſchen und politiſchen
Grundſätze, nach denen die Nationen der Welt handeln,
beachten dieſen Faktor gar nicht Der politiſche Gedanke
in Europa, welcher ſeine Ausdrucksweiſe und Grundlagen
aus römiſchen und mittelalterlichen Quellen ſchöpfte,
ig=
noriert die Tatſachen vollſtändig. Die europäiſchen
Staatsmänner nehmen noch immer an, daß militäriſche
Macht zu Wohlſtand, zur Beherrſchung des Handels und
ſomit zu ökonomiſchen und ſozialen Vorteilen führen kann,
daß das relatipe Gedeihen einer Nation in erſter Linie
von ihrer entſprechenden politiſchen Macht abhängig iſt.
Angell aber beweiſt dagegen, daß dieſe Annahme die
wirtſchaftliche Tatſache der Unmöglichkeit von
Konfiskatio=
nen in einem beſiegten Lande überſieht.
Der Reichtum eroberter Länder verbleibt in den Händen
der Bevölkerung dieſer Länder. Als Deutſchland Elſaß
annektierte, bemächtigte ſich kein einziger Deutſcher auch
nur für den Wert einer einzigen Mark elſäſſiſchen
Eigen=
tums als Kriegsbeute.
Es ergibt ſich daraus, daß politiſche und militäriſche
Macht in Wirklichkeit nichts für den Handel und ſomit für
den Wohlſtand eines Landes tun können. Die einzelnen
Kaufleute und Fabrikanten kleiner Staaten, welche keine
ſolche politiſche Macht entfalten, wetteifern erfolgreich mit
denen der Großmächte. Schweizer und belgiſche Kaufleute
verdrängen engliſche vom britiſchen Kolonialmarkt;
Nor=
wegen hat im Verhältnis zu ſeiner Bevölkerung eine
größere Handelsflotte als Großbritannien; der öffentliche
Kredit (als eine, außer andern, nicht ganz zutreffende
landläufige Bezeichnung der Sicherheit und des
Wohl=
ſtandes) kleiner Staaten, welche keine politiſche Macht
haben, ſteht oft höher als der der Großſtaaten. Von
euro=
päiſchen Staatspapieren ſtehen belgiſche dreiprozentige auf
96 und deutſche auf 82; norwegiſche dreieinhalbprozentige
auf 102 und ruſſiſche dreieinhalbprozentige auf 81.
Dieſem Ergebnis werden zwei Einwendungen
gegen=
übergeſtellt: erſtens, daß der Sieger die eroberte Provinz
zwingen könnte, ihren Kaufleuten beſonders günſtige
Han=
delsbedingungen zu gewähren. Aber Herr Angell hat
ſorg=
fältig die Reſultate der kolonialen Erfahrungen in dieſem
Punkte nachgewieſen und an Hand der Geſchichte
Spa=
niens, Portugals, Frankreichs, Hollands, Englands,
ge=
zeigt, daß, anſtatt ſolche Vorteile zu gewähren, man die
Kolonie ſelbſt notwendigerweiſe als einen kommerziellen
Verluſt anſehen mußte; und das wirkt ſo ſchnell auf die
„finanzwirtſchaftlichen Nerven” und macht die Kolonie zu
einem ſchlechten Felde für Unternehmungen und zu einem
ebenſo ſchlechten für Auswanderungen, daß es zu einem
unvermeidlichen und unwiderſtehlichen Anſturm auf das
koloniale Verwaltungsſyſtem führt, das für die Intereſſen
der Kolonie arbeiten ſoll. Wenn dieſe Reaktion zu ihrer
Wirkung ganzer Generationen bedurfte, als der
gegen=
ſeitige Verkehr langſam vor ſich ging, wie im 17. und 18.
Jahrhundert, ſo wirkt ſie heute mit augenblicklicher
Schnel=
ligkeit dank der Entdeckung der Telegraphie und des
Bank=
weſens.
Der zweite Einwurf, welcher Herrn Angells
Haupt=
gedanken gemacht wird, iſt der, daß, wenn ſelbſt der Beſitz
von Kolonien keinen wirtſchaftlichen Vorteil bedeute, eine
Eroberung doch den Vorzug habe, daß die gewonnenen
Länder ein Feld für die Koloniſation bedeuten, ſo daß
Emigranten aus dem Mutterlande dort unter denſelben
Geſetzen, ihrer eigenen Sprache, Ueberlieferungen uſw.
leben können. Aber Herr Angell zeigt, daß die
Unberühr=
barkeit des modernen Wohlſtandes es unmöglich macht,
ihnen ein fremdes Geſetz oder gar eine fremde Sprache
aufzuzwingen. Sowie der kanadiſche Geſchäftsmann nicht
aus ſeinem Geſchäft vertrieben werden kann, noch der
kang=
diſche Farmer von ſeiner Farm, ſo würde auch Kanada
als Ganzes imſtande ſein, jedem Verſuche einer
Germani=
ſierung zu widerſtehen. Somit würde Kanada nach einer
Eroberung noch eben dasſelbe Kanada ſein, als es vor der
Eroberung war. Deutſchland würde zu ihm noch faſt ir
denſelben Handelsbeziehungen ſtehen als heute, und es
würde noch genau dasſelbe Feld für Auswanderung ſein,
als es heute iſt. Er zeigt, daß nichts dem Eindeingen der
deutſchen Induſtrie und deren Einfluß in gewiſſen
Län=
dern widerſtehen kann und erklärt nebenbei, daß es nu
im Intereſſe Deutſchlands liege, der Herausforderung zun
Wettrüſten Einhalt zu tun, da dieſer Wetteifer und die
Kriegsvorbereitungen nur dazu dienen, durch die Politik
der Protektion das friedliche Vordringen des deutſchen
Einfluſſes zu ſtören.
Er zeigt ferner, daß ein weſentlicher Unterſchied bo
ſteht zwiſchen dem militäriſchen Wetteifer ziviliſierter
Großmächte, wie England und Deutſchland, und der Auf
rechterhaltung der Ordnung in halb ziviliſierten Ländert
durch militäriſche Gewalt, welche von einer ziviliſierten
Macht ausgeübt wird. England, erklärt er, mag ein nütz
liches Werk in Indien tun, weil es nötig iſt, dort Ordnun
aufrecht zu erhalten. Aber es iſt nicht nötig, daß Englat
in Deutſchland Ordnung ſchaffe oder Deutſchland in En
land, und er weiſt darauf hin, daß das wirkliche Feld für
die Anwendung deutſcher militäriſcher Macht Kleinaſie
ſei, und daß Deutſchland in dem nahen Oſten dasjenig
tun könne, was England in Indien getan hat. Mit Reck
wies deshalb der deutſche Botſchafter in London, Fürſ
Lichnowsky, erſt kürzlich bei dem Feſtmahle des Verbau
des der britiſchen Handelskammern auf das ſympathiſch
Intereſſe hin, das die von Norman Angell vertretenen Al
ſchauungen in Deutſchland gefunden hätten.
Das Obige iſt naturgemäß ein bloßer Umriß des gar
zen Inhalts, der mit wahrhaft künſtleriſcher Vollendunig
ausgearbeitet iſt; aber es genügt, das große Intereſſe zu
bezeichnen, welches das Buch für Studierende der
gegen=
wärtigen europäiſchen Probleme hat. Es iſt kein
Frie=
densbuch im gewöhnlichen Sinne des Wortes, aber ein
ſchätzenswerter Beitrag zum Verſtändnis der europäiſchen
Politik, und nach dem Ausſpruch eines Kritikers iſt es
beſtimmt, dieſelbe Wirkung auf dieſem Felde zu haben,
wie Darwins „Ueber den Urſprung der Arten” auf dem
(9110
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Nummer 89.
Seite 22.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
Handel und Verkehr.
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ſtehend aus der Deutſchen Bank, der Direktion der
Dis=
konto=Geſellſchaft in Berlin, den Bankhäuſern Lazard
Speyer=Elliſſen, Jakob S. H. Stern in Frankfurt a. M.,
der Badiſchen Bank, der Rheiniſchen Kreditbank und der
Süddeutſchen Diskonto=Geſellſchaft, A.=G. in Mannheim,
den Bankhäuſern Veit L. Homburger und F. Strauß
u. Co. in Karlsruhe, ſchloß mit der Großherzoglich
badi=
ſchen Finanzverwaltung eine 4prozentige, bis 1930
un=
kündbare Anleihe von 28000000 ab, welche demnächſt
zur öffentlichen Subſkription aufgelegt wird.
* Stuttgart=Untertürkheim. Nach dem
Jahresbericht der Daimler=Motoren=
Geſell=
ſchaft betrug die Bilanz in Einnahmen und Ausgaben
23 272 237,90 Mk. Der Aufſichtscat beantragt
Genehmig=
ung der Bilanz per 31. Dezember 1912, welche
einſchließ=
lich des Vortrages vom Vorjahre (385687,40 Mk.) mit
einem Reingewinn von 2862 442,36 Mk. abſchließt;
Ver=
wendung des Reingewinnes wie folgt: a) 4 Prozent
Divi=
dende auf das Aktienkapital von 8000000 Mk. = 320 000
Mark, b) Zuweiſung an die Arbeiter=Unterſtützungskaſſe
30000 Mk., e) außerordentliche Abſchreibungen 685 354,53
Mark, d) Zuweiſung an den außerordentlichen
Reſerve=
fonds 500000 Mk., e) Zuweiſung an den
Dispoſitions=
fonds für Wohlfahrtszwecke 100000 Mk., t) Tantieme an
den Aufſichtsrat 84 140,03 Mk., g) 8 Prozent
Superdivi=
dende auf 8000000 Mk. — 640000 Mk., Vortrag auf neue
Rechnung 502947,80 Mk.
H. Frankfurt a. M., 15. April.
Fruchtmarkt=
bericht. Am Wochenmarkt beſtand für Landweizen
beſſerer Qualität rege Nachfrage und fand die offerierte
Ware zu etwas erhöhtem Preiſe ſchlanke Abnahme. Die
Mühlen waren ſtärkere Käufer. Hingegen wurde die
reich=
lich vorhandene Quantität beſchädigter Ware nur zum
Teil abgenommen. Landroggen konnte etwas profitieren,
während Hafer trotz vermehrter Kaufluſt keine
Preisver=
änderungen gegen die Vorwoche zeigte. Ausländiſche
Brotfrüchte ſind nur knapp angeboten und dabei gute
Nachfrage vorhanden. Gerſte, Mais und Futtertartikel
ruhig und ſtetig. Die Forderungen für Mehl ſind etwas
erhöht. Der Mannheimer Getreidemarkt iſt
feſt bei unveränderten Preiſen. An der Berliner
Produktenbörſe war Getreide anfangs behauptet
auf das anhaltend kalte Wetter und die neuen Meldungen
über Froſtſchäden aus der Provinz und aus Oeſterreich.
Dann kam durchweg Abſchwächung als Realiſationen
er=
folgten, Kommiſſionäre verkauften und nur unbedeutende
Kaufaufträge von außerhalb eintrafen. Die
ausländi=
ſchen direkten Offerten waren nicht nennenswert
niedri=
ger, aber aus zweiter Hand reichlicher und billiger
offe=
riert. Weiterhin melden Berichte aus dem Inland, daß
der Nachtfroſt nur wenig geſchadet habe. Hafer war
eben=
falls billiger. Nach den letzten Kabelnachrichten von den
amerikan iſchen Getreidemärkten (Chicago
und New=York) war Weizen und Mais ſchließlich matt
auf Meldungen über günſtiges Wetter, Abgaben der
Firma Armour und die Schwäche der inländiſchen
Pro=
duktenmärkte. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in
dieſer Woche von 60,49 Millionen Buſhels auf 59,16
Mil=
lionen Buſhels und die Maisvorräte von 19,73 Millionen
Buſhels auf 17,42 Millionen Buſhels zurückgegangen.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer 21,20—21,30,
Nord=
deutſcher 21,25—21,35, Kurheſſiſcher 21,25—21,35,
Ruſſi=
ſcher 24—24,50, Kanſas 24—24,25, Rumäniſcher 24—24,25,
Redwinter 24—24,25, Manitoba 24—24,25, La Plata 23,75
bis 24,25, Walla Walla 24,50—24,75; Roggen, hieſiger
1725—17,40, Bayeriſcher (Pfälzer) 17,25—17,50, Ruſſiſcher
19,50—19,75, Amerikaniſcher — Rumäniſcher 19,25—19,50;
Gerſte, Pfälzer 18,25—18,50, hieſige und Wetterauer 18
bis 18,25, Fränkiſche 18.10—18,35, Ungariſche —,
Ried=
gerſte 18,40—18,60; Hafer, hieſiger 17—18, Bayeriſcher
17,25—18,25. Ruſſiſcher 18.50—19,50, Amerikaniſcher 17.25
bis 18,25, Rumäniſcher 18,50—19,50; Mais mixed 15 bis
15,25, Ruſſiſcher 15,25—15,50, Donaumais 15.25—15.50,
Rumäniſcher 15,25—15,50, La Plata 15—15,25, weißer
Mais 15.25—15.50, Weizenſchalen 10,50—10,75,
Weizen=
kleie 10 50—10,75, Roggenkleie 10,75—11. Futtermehl 14
bis 16. Biertreber, getrocknet, 13,50—14, Futtergerſte 16,50
bis 16,75; Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab Mannheim)
Nr. 0: 31,50—31.75, feinere Marken 32—32,25. Nr. 1: 30,75
bis 31. feinere Marken 31,25—31,50, Nr. 2: 28,75—29,
fei=
nere Marken 29,25—29,50. Nr. 3: 27.75—28. feinere
Mar=
ken 28,25—28,50. Nr. 4: 23,75—24, feinere Marken 24,25
bis 24,50; Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0: 26—26,25, Nr. 1:
24—24,25, Nr. 2: 22—22,25.
Sport, Spiel und Turnen.
Die Autofahrer!
m Zum Beginn der Fahrſaiſon gehen uns
vom Allgemeinen Deutſchen Automobil=Klub, Sitz
Mün=
chen, mit der Bitte um Veröffentlichung die nachſtehenden
Zeilen zu: Der Automobiliſt iſt leicht geneigt, nach
länge=
rem Fahren die eigene Schnelligkeit leicht zu unterſchätzen.
Um ſo mehr liegt ihm die Pflicht ob, ſich ſelbſt immer zu
kontrollieren, ob auch die Beſchränkungen, die ihm nun
einmal durch das Geſetz leider auferlegt ſind, nicht
über=
ſchritten werden. Es beſteht ſonſt die Gefahr, daß bei der
bevorſtehenden Reviſion der Automobil=Geſetze die
Be=
ſchränkungen nicht herabgeſetzt, ſondern ſogar noch
ver=
ſchärft werden. In anerkennenswerter Weiſe haben ja
ein=
zelne Verwaltungen, dem Bedürfnis entgegenkommend,
innerhalb geſchloſſener Ortſchaften größere
Geſchwindig=
keiten geſtattet, als ſie ſonſt im Geſetze feſtgelegt ſind.
Aber jüngſt hat z. B. wieder das Kgl. Polizeipräſidium
zu München auf Grund der in letzter Zeit gemachten
Be=
obachtungen eine ernſte Verwarnung veröffentlicht, nach
welcher die Sicherheitsorgane angewieſen ſind, zu ſchnell
fahrende Automobiliſten unnachſichtlich zur Anzeige zu
bringen, und auch in vielen kleinen Gemeinden iſt in
letz=
ter Zeit die Ausrüſtung der Sicherheitsorgane mit
Stopp=
uhren erfolgt, um einwandsfreie Feſtſtellungen zu
ermög=
lichen. Die Fahrer werden alſo im eigenſten Intereſſe die
hierin liegenden Warnungen beachten. Wir ſind ſtets
be=
ſtrebt, die Intereſſen der Fahrer bei den Behörden in
Schutz zu nehmen und zu fördern, bitten aber ebenſo
dringend, den Wünſchen der Behörden in loyalſter Weiſe
entgegenzukommen, die beſtehenden Geſetze zu achten und
die nach Lage der Verhältniſſe zuläſſige Geſchwindigkeit
nicht zu überſchreiten.
Ebenſo empfehlen wir jegliche Rückſichtnahme auf das
gleichfalls die Landſtraße benutzende Publikum und bitten,
das ſtarke Oelgeben wegen der Gefahr des Rauchens der
Fahrzeuge und das Oeffnen der Auspuffklappen ſpeziell
an Promenaden und lebhaften Verkehrsſtraßen zu
unter=
laſſen, das Aufwirbeln des Staubes jeweils eventuell
durch langſameres Fahren zu verringern und bei
Regen=
wetter auf Fußgänger und Radfahrer jede gebotene
Rück=
ſicht zu nehmen. Wenn dann hierdurch auch im
nichtkraft=
fahrenden Publikum allgemein anerkannt wird, daß
ſei=
tens der Motorfahrer und Automobiliſten jede mögliche
Rückſicht genommen wird, dann kann uns das in dem
Kampf, den wir gegen die rückſichtsloſen Pferdefuhrhalter,
die ſchlecht gepflegten Verkehrsſtraßen und die ſonſtigen
vielen Feinde des Automobilismus zu führen haben, eine
ſehr große Hilfe ſein.
Alſo: Vorgeſchriebene Geſchwindigkeits=Beſchränkungen
zu reſpektieren und bei unüberſichtlichen Paſſagen
beſon=
ders langſam fahren! — Wo Rückſicht auf Menſchen und
Pferde es erfordert, Auspuffklappe nicht öffnen und
even=
tuell Motor abſtellen!
Bei Staubplage und bei
naſſem Wetter langſamer fahren! — Für Fuhrwerk,
Fahr=
räder und Motorräder frühzeitige Durchfahrt, freie Bahn
laſſen!
sr. Pferderennen. Saint=Quen, 15. April. Prix
du Vendomois: 3000 Francs, Diſtanz 3400 Meter: 1. Monſ
H. Letelliers Morale (Powers), 2. Cafe Concert (
Lan=
caſter), 3. Unipar (Parfrement). Tot. 68:10, Pl. 20, 27,
17:10. Unpl.: Toutoute, La Breſche, Reignac, Jowa,
Jan=
vier, Brunehilde, Fair Ducheß, Fontanier, Farandole,
Lucienne. 1½—2 Lg. — Prix de Marchenoir; 3000 Francs,
Diſtanz 2800 Meter: 1. Monſ. P. Simeons Maſtigadour
(F. Hardy), 2. Valmajour II (Parfrement), 3. Biſe (Head).
Tot. 68:10, Pl. 16, 16, 16.10. Unpl.: Flibuſtier III, Porte
Vecchio, Pazzi, Tribun II, Horus, Hargicourt. 2—1—
Lg. — Prix de la Sologne; 3000 Francs, Diſtanz 3100
Meter: 1. Monſ. van de Poeles Azarias (Groom), 2.
Belle=
phore (Head), 3. La Fuite (F. Williams). Tot. 34:10,
Pl. 16, 17, 22110. Unpl.: Le Lierre, Sirius II, Sonnaille,
Cagoule, Magic Lantern. 2—10 Lg. — Prix de la Bauce;
4000 Francs, Diſtanz 3400 Meter: 1. Monſ. Ed. de
Leſ=
ſeps Muſard (M. Barat), 2. Nickel (Earith), 3. Leon III
(Borard). Tot. 25:10, Pl. 13, „16,„ 28:10. Unpl.:
Hydro=
mel III, Waldshut, Veuve Joyeuſe, Rochecorbon, Luna
Park II Ambil d’Orio. ½—1½ Lg. — Prix Gascon II;
10000 Francs, Diſtanz 2800 Meter: 1. Monſ. Levyliers
Corcyro (A. Carter), 2. Kildare II (W. Head), 3. Ormuzk
(R. Sauval). Tot. 30110, Pl. 14, 17, 22110. Unpl.:
Ba=
tailleur, Tripabero, Ekwanok, Shannon II, Abelard,
Ca=
vero, Monot, Wimbledon II, Ramſes, Manoir, Le
Za=
gouan. Hals-2 Lg. — Prix de I'Orleannais; 4000 Francs,
Diſtanz 3800 Meter: 1. Prince Mourouſys Retardataire
(Berteaux), 2. Golden Pheaſant (Lancaſter), 3. Stokes
(Gibbons). Tot. 163:10, Pl. 29, 17, 13:10. Unpl. Lord
Loris, Henri IV Le Balafre II, Choral, Viscos III,
Pretty Alice, Chantecler, Aveyron. 2—¾4 Lg.
Strausberg. Vogelsdorfer Flachrennen; 2000
Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Hrn. E. S. Godfreys Senecg
(Torke), 2. Schlagwerk (Roſak), 3. Geraldine (Sandmann).
Tot. 32:10, Pl. 18, 32. 24:10. Unpl. Arthemis (4), Geduld
Seetang, Quart, Haſtings, Bath Seba, Meteor. Leicht
2—½ Lg. — Annatal=Jagdrennen; Ehrenpreis und 2000
Mark, Diſtanz 3000 Meteor: 1. Hrn. W. v. Kellers und
H. Walters Nena Sahib II (Lt. Frhr. v. Berchem), 2.
Beautiful Eve (Hr. v Hatten), 3. Succinic (Lt. Erbprinz
Bentheim). Tot. 12110, Pl. 10, 11:10. Unpl.: Magnificat,
Twenty two Carat, Moos Tropper. Ueberlegen 2—2 Lg.
— Preis vom Strausſee; 2000 Mark, Diſtanz 3600 Meter:
1. Hrn. W. Blatts Sageſſe (Görke), 2. Queckſilber (Korth).
Tot. 34:10, Pl. 16, 30110. Unpl.: Baiſſe (gef.) Mortimer II
(gef.). Ueberlegen 15 Lg. — Ermunterungs=Hürdenrennen;
3000 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Graf Stauffenbergs
Sumatra (B. Streit), 2. Loreley (H. Brown), 3.
Renaiſ=
ſance (Weishaupt). Tot. 73110, Pl. 16, 14, 15:10. Unpl.:
Waldfried (4), Lyſander, Charon, Syllabe, Quarz,
Hotzen=
plotz, Bascaville, Riff. Sicher 1½—1 Lg. — Preis vom
Strauß; Ehrenpreis und 2000 Mark, Diſtanz 3600 Meter:
1. Frhrn. K. v. Unruhs Jeſſonda (Hr. Purgold), 2.
Wan=
derhold (Lt. Frhr. v. Berchem), 3. Eilig (Hr. v.
Weſtern=
hagen). Tot. 39110, Pl, 14, 13, 23:10. Unpl.: Stretenſe (4),
Baiſſe (gef.), Rojeſtwensky, Red Clover. Kampf 1½ Lg.
bis Kopf. — Preis von Eggersdorf; 2300 Mark, Diſtanz
1600 Meter: 1. Hrn. C. Grafs Rubel (Hellebrandt), 2.
Muttchen (Raſtenberger), 3. Pacifie (Gagelmann). Tot.
448:10, Pl. 84. 16, 33:10. Unpl.: Barbarina (4), Court of
June, Little Lady, Sir Lionel, Miß Quick, Iren, Silver
Rays. Electrique, Delial. Kampf Hals—1 Lg.
München=Daglfing, 15. April. Erſtes
Reu=
nen: 1. Goldlack (Neumayer II), 2. Juſtina (Weidmüller).
3. Teufelspferd (Baade). Tot. 30:10, Pl. 12, 12, 13:10.
Unpl.: Halloh, Larotti, Edelgarde, Der Mongole,
Ro=
land IV Sneigkas, Fidelias I, Miß Sphinxland,
Intri=
gant I, Maja, Fauſtinus. — Zweites Rennen: 1. Beata
Vasco (Gratzl), 2. Jupiter (Sigrin), 3. Schmuggler (
Dor=
dinger). Tot. 17110, Pl. 14, 23, 52:10. Unpl.: Treuherz,
Quido, Bobby I, Bubi I, Algeciras, Lucretia I,
Spe=
ranza, Jagell. — Drittes Rennen: 1
Marquis II
(Kreipl), 2. Eſp, du Forez (Pankratz), 3. Der Schelm
Huber). Tot. 125:10, Pl. 36, 24, 55:10. Unpl.: Hugin,
Baldrian, Atrilla IV, Dr, Mungo, Guy Bar jr., Pikant,
Cleveland. — Viertes Rennen: 1. Arkus (Sigrin), 2.
Fre=
cher Geſell (Weidmüller), 3. Freiſchütz (Beſ.). Tot. 90:10
Pl. 22, 16, 37110. Unpl.: Miß Sphillia, Sphinx Allen
Freudig, Falſt, Ellus, Dalila I, Franktireur, Mandant,
Leutnant, Benton, Electa I, Craddock, Fina, Regime
Cheribert. — Fünftes Rennen: 1. Evchen (Beſ.), 2. Ore
(Beſ.), 3. Qualio (Ferech). Tot .261:10, Pl. 54, 63, 59110
Unpl.: Lovag, Mac Fee, Edwina, Taſſo I, Amanda I,
Eric, Paganini, Pomeranze, Fauſt. Anwalt. — Sechſtes
Rennen: 1. Sandor III (Weidmüller), 2.. Dr. Queuß
(Sigrin), 3. Vulkan (Pankratz). Tot. 119110, Pl. 32, 18,
103:10. Unpl.: Coasbua, Conda, Pfarrkirchner, Qualta,
Lora I, Mac Mahon, Veſtalin, Miß Phillia, Franz,
Allon I, Darling, Girl, Weidenhofer, Ludwigsfeld.
7. Rennen: 1. Proſe Ori (Beſ.), 2. Batiſtella (Reidl),
3. Edwards (Beſ.). Tot. 22110, Pl. 12, 15, 14:10. Unpl.:
Waldſchratt, Miß Paula, Sph., Quido, Darius I, Allen
Girl.
sr. Bei dem internationalen Automobil=Bergrennen
Königſaal=Iilowitſch errangen nicht nur die deutſchen
Wagen, wie ſchon berichtet, ſondern auch deutſche
Motorräder bemerkenswerte Erfolge. Nach den jetzt
vorliegenden offiziellen Reſultaten wurden auf der 5,5
Kilometer langen Bergſtrecke von den Siegern folgende
Zeiten erzielt: Wagen 1. Klaſſe, 1,5 L. Zyl.=Inh., Tatocka
auf deutſchem Bugatti 5.09; 2. Klaſſe, 2 L. Zyl.=Inh.,
Jörns auf Opel 4:24,4; 3. Klaſſe, 2,6 L. Zyl.=Inh.,
Flader auf Preſto 4:44,3; 4. Klaſſe, 3,2 L. Zyl.=Inh.,
Du=
rand auf Cottin des Gouttes 510,3; 5. Klaſſe, 3,8 L. Zyl.
Inh., Bondy auf Praga 4140,1; 8. Klaſſe, ohne Beſchränk
ung, Grützner auf Mercedes 4:32,2; Motorräder 1. Klaſſe,
1¾ bis 3 Ps., Fritſch auf deutſchem Neckarſulm 4:49;
3. Klaſſe über 65 Kilometer, 4½ bis 6 PS., Fritſch auf
Neckarſulm 4:39,5; 4. Klaſſe über 6 Ps., Dr. Medinger
auf Puſch 4.04,2; 5. Klaſſe, Motorräder mit Beiwagen,
Havik auf Walter 6:59; 6. Klaſſe, Dreiräder, Topek auf
Walter 7:31,4.
sr. Das internationale Motorboot=Meeting von
Mo=
naco wurde mit den Schnelligkeitsprüfungen über 1
Kilo=
meter mit ſtehendem Start und eine Seemeile mit
fliegen=
dem Start zum Abſchluß gebracht. Die Teilnehmer hatten
auf einer vom Kap Martin nach den Terraſſen vor dem
Kaſino führenden geraden Strecke, alſo insgeſamt 2852
Meter, abzulaufen. Zunächſt ſtarteten die Boote der drei
erſten Kreuzerklaſſen. Hier qualifizierten ſich für den
Endlauf Socram I aus der 3. Klaſſe und Na=Roch aus
der 2. Klaſſe. Bei den Vorläufen der Kreuzer der 4. und
5. Klaſſe ſiegten Sigma IV aus der 4. Klaſſe und
Flam=
beau aus der 5. Klaſſe. Den Entſcheidungslauf gewann
dann das Despujols=Boot Sigma IV in der Geſamtzeit
von 2 Minuten 24,2 Sekunden vor Flambeau mit 2:50,8
und Na=Roch mit 3:42. Die Gleitboote und Racer
fuh=
ren getrennte Vorläufe. In der Gleitboot=Klaſſe ſiegten
Santos=Despujols und Vonna, in der Klaſſe der Racer
Sigma IV und Flambeau. Im Endlauf gewann
San=
tos=Despujols mit einer Geſamtzeit von 2:24,8, Vonna
gebrauchte 2:31,2, Flambeau 2147,8 und Sigma 2149,
Vonna konnte über die Meile mit fliegendem Start einer
neuen Weltrekord aufſtellen, und zwar mit 1:26,2, was
einer durchſchnittlichen Stundengeſchwindigkeit von 77,4
Kilometern entſpricht. Sigma IV erreichte gleichfalls über
die Meile mit fliegendem Start eine bemerkenswerte
Ge=
ſchwindigkeit. Sie fuhr die Diſtanz in 1:37, alſo mit
einer durchſchnittlichen Stundengeſchwindigkeit von 68,
Kilometern. Dem franzöſiſchen Konſtrukteur Despujols,
der bei dem Meeting ſo bemerkenswerte Erfolge erzielen
konnte, fiel mit dem Siege von Santos=Despujols der
Pokal des Fürſten von Monaco zu. Das eigentliche
Mo=
naco=Meeting iſt nun abgeſchloſſen. Es folgen nur noch
das nachträglich ausgeſchriebene 500 Kilometer=Rennen
für Waſſerflugzeuge und der Entſcheidungskampf der
Waſſerflugzeuge um den Pokal Schneider.
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Tüll und Spitzen.
Vor kurzem berichtete ich darüber, daß eine der Liebhabereien, das
Detail des Kleides anbelangend, darin beſtände, den Halsausſchnitt mit
Tüllvolants einzurahmen, eine Idee, die wir auf den Dorträts eines
Gains=
borough, Reynolds, Greuze uſw. in mannigfaltiger Ausgeſtaltung
feſt=
gehalten ſehen.
Auf der Kleidertaille ſelber ſind dieſe Volants nur „ein Hauch”, aber
man ſetzt ſie auch mehreremal übereinander und bildet dadurch flache
Hals=
rüſchen — eine Art Dierrotrüſche — die man zur Jacke trägt oder zum
Frühjahrsmantel, auch am Abend, wo ſie ein willkommenes Hilfsmittel ſind,
um das Decolleté einer
Taille ein wenig zu
ver=
bergen. Dieſe flachen, breiten
Halsrüſchen werden aus
Dudertüll hergeſtellt, in
Schwarz, Weiß ſowie bunten
Farben, die mit dem übrigen
Anzug Harmonie aufweiſen
Z
müſſen.
(28
Tüll, und zwar feiner
Brüſſeler oder Seidentüll,
C
wird auch zu Fichus verar=
Le7s
beitet, die gleich den Volants,
ee
die den Taillenausſchnitt
ein=
rahmen, ein durchaus „
alt=
engliſches” Gepräge haben,
See
und das um ſo mehr, als
man geradezu etwas darin
ſucht, dieſen Charakter
feſt=
zuhalten, erſtens durch die
gänzlich ungezwungene Linie,
die ſie aufweiſen, zweitens
(
dadurch, daß ſie entweder in
den ſpeziell an
Mädchen=
kleidern noch immer zumeiſt
hochſitzenden Gürteln
ver=
ſchwinden, oder an anderen
Gürteln, die an und für ſich
hoch gehalten ſind, und in
Nuancen, die direkt nach
den alten Bildern kopiert
ſcheinen.
Tüll, und zwar
Duder=
tüll, wird noch immer viel
für Hüte verwendet, ſei es,
daß er auf einem
Mädchen=
hut in Form von Volants
angebracht iſt, ſei es, daß
er, in mehrfacher Lage
ver=
arbeitet, den von der Mode
noch immer ſtark protegierten,
gebauſchten Hutkopf bildet,
S
ſei es endlich, daß er
hoch=
ſtehende Oeſen bildet, die in
59600
59500
dieſer Saiſon nicht
unregel=
mäßig, duftig gebauſcht,
ſondern in mehrfacher Lage und höchſt akkurat und mühevoll mit Draht
beſäumt werden, ſo daß man den Eindruck gewinnt, transparente Bänder
vor ſich zu haben.
Auch in dieſem Jahr bringt die große Modiſtin wieder Hüte heraus,
beſtehend aus einer Drahtform, die glatt mit mehrfach übereinander gelegtem
Dudertüll beſpannt iſt. Dieſe Hüte ſind als Kunſtwerke der Modiſtenarbeit
anzuſprechen, ſie werden als ſolche bezahlt und nur von Frauen getragen,
die ſich über die Haltbarkeit oder Frapilität eines Hutes nicht den Kopf zu
zerbrechen brauchen.
Tüll endlich und die hauchdünnen Imitationen der Malinesſpitzen —
durchſichtig wie ein Schleier — ſind im großen Schneideratelier unentbehrlich
zur Ausgeſtaltung eleganter Kleider wie Hochzeits= oder Neuniontoiletten.
Sogar das elegante, dunkle Nachmittagskleid weiſt manchmal Taillen auf,
die zum größten Teil aus den genannten Zutaten beſtehen. Das feſte
Futter=
leibchen iſt tief dekollettiert, und die eigentliche Taille beſteht in der
Haupt=
ſache aus dem duftigen Material, oft ſogar ganz aus demſelben; das heißt,
es iſt eine äußerſt mühevolle Kombination aus Chiffon, Tüll und Spitzen,
über die ſich in der vorderen und hinteren Mitte vom Taillenſchluß nach
aufwärts vielleicht ein auf der Baſis ſtehendes Dreieck aus dem Stoff des
Rockes legt, manchmal deren auch zwei, die ſich kreuzen, oder vielleicht auch
ein ganz hoher, drapierter Gürtel. Dieſes „Fitzelchen” dichter Stoff iſt nur
da, um die Zuſammengehörigkeit von Taille und Rock zu dokumentieren, es
beeinträchtigt in nichts den duftigen Eindruck der Taille, die Wirkung von
Tüll und Spitzen.
M. v. Suttner.
Beſchreibung zu unſeren Abbildungen.
Nr. 59244. Obwohl ſich die Vorliebe für das Drapieren jetzt faſt auf alle
Kleidungsſtücke erſtreckt, gibt es noch immer Damen, welche dieſe Mode mit großem
Mißtrauen betrachten, weil ſie meinen, die Herſtellung dieſer Dinge ſei mit größerer
Mühe und größeren Schwierigkeiten verbunden. Die Betreffenden befinden ſich jedoch
im Irrtum, denn die Raffungen ſind nichts anderes als die in Falken zuſammengefaßten
Stoffbahnen, wie das zum
Bei=
ſpiel an der unker Nr. 59244
ab=
gebildeten Negligéjacke erſichtlich
iſt. Eine derartige Jacke iſt leicht
anzufertigen, und die geringe
Mühe wird mit einem ſchönen
Reſultat belohnt. Der Schnitt
beſteht aus einem Rückteil,
Vor=
derteil, Kragen und Aermeln.
Auf dem Schnittmuſter iſt der
zu drapierende Teil genau
an=
gegeben. Material bei einer
Oberweite von 91 cm für die
91 cm lange Jacke: Von 100 cm
breitem Stoff 2,20 m. Von 70 cm
breitem Stoff für den Kragen.
Dreis des in 7 Größen
erhält=
lichen Muſters 65 Pfennig.
Nr. 59311 zeigt einen Rock,
der vorn oder hinten zu ſchließen
gearbeitet werden kann. Die
Vorderbahn iſt auf drei
ver=
ſchiedene Arten auszuführen. Im
Rückteil ſind einige Falten, die
jedoch die ſchlanke Silhouette
keineswegs beeinträchtigen. Das
Modell zeigt die gehobene
Taillen=
linie und beſteht aus 6 Teilen.
Man kann dieſen Rock ſeparat
S
oder bei Zuſammenſtellung mit
einer paſſenden Bluſe als ganzes
Kleid tragen. Material bei einer
8 Mchfe
Taillenweite von 61 cm: Von
70 cm breitem glatten Stoff 4,65m.
Dreis des in 8 Größen erhältlichen
Muſters 85 Pfennig.
Nr. 59500. Lange, im Stil
des „cut-away”gearbeitete Jacketts
erfreuen ſich weiter großer
Be=
liebtheit, und viele der beſten
Häuſer liefern Formen wie die
unter Nr. 59500 abgebildete.
ate
Ein Vorzug dieſer Jacketts beſteht
darin, daß ſie in ſehr verſchiedenen
4
Längen angefertigtwerden können.
Der vorliegende Schnitt iſt in
96 cm und 74 cm Länge
vor=
geſehen. Einen zu dieſer Jacke
paſſenden Rock zeigt Nr. 59311.
Man kann für das Jackett
Nr. 59500 ebenſogut geſtreiftes
wie glattes Material verwenden.
59533-
59311
Material bei einer Oberweite von
91 cm für das 96 cm lange
Jackett: Von 110 cm breitem Stoff 2,50 m. Dreis des in 7 Größen erhältlichen
Muſters 85 Pfennig.
Nr. 59533. Jede Frau, die ein wirklich gut ausſehendes Kleid haben möchte,
ſollte ſich ein ſolches nach Muſter Nr. 59533 anfertigen, das in allen Details modern
iſt. Für eventuellen Gebrauch iſt ein Futtermuſter vorgeſehen. Für die mit gehobener
Taillenlinie gearbeiteke Bluſe ſind zwei Arten Aermel vorgeſehen. Der Rock iſt
zwei=
oder dreiteilig und im Rücken etwas angekrauſt oder glatt. Material bei einer
Ober=
weite von 91 cm für das Kleid mit zweiteiligem Rock: Von 110 cm breitem Stoff
ohne Strich 3,55 m. Dreis des in 7 Größen erhältlichen Muſters 1 Mark.
Nr. 59600. Die modernen Kindermäntel erſcheinen auf den erſten Blick durch
die jetzt ſo viel verwendeten breiten Gürtel etwas eigenartig, bei längerer Betrachtung
gefallen ſie aber ſo gut, daß jede Mutter meint, für ihre kleine Tochter gar nichts
Beſſeres finden zu können, wie zum Beiſpiel Nr. 59600. Bei dieſem Modell empfiehlt
es ſich, Kragen, Gürtel und Manſchetten aus einem abſtechenden Material herzuſtellen.
Eine hübſche Zuſammenſtellung iſt z. B. hellblauer Stoff für den Mantel und für
Kragen, Gürtel und Manſchetten ſchwarzer Sammet, oder brauner Stoff und dunkel.
brauner Sammet, dunkelblau und weiß uſw. Nr. 59600 iſt leichtanſchließend; der große
Kragen iſt hinten viereckig. Für eventuellen Gebrauch iſt auch ein Gürtelteil
vor=
geſehen. Die Aermel können mit oder ohne Manſchetten abſchließen und ſind oben
leicht eingereiht oder glatt eingenäht und rund ausgeplättet. Material für ein
ſechs=
jähriges Mädchen: Von 120 cm breitem Stoff 1,55 m. Von 88 cm breitem abſtechenden
Stoff für den großen Kragen, die Manſchetten und den breiten Gürtel 80 cm. Preis
des in 10 Größen erhältlichen Muſters 65 Pfennig.
Seite 24.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 17. April 1913.
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