176. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
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monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
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ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
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werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Reichstag iſt am Samstag bei der Behandlung
von Petitionen über die Parſifalpetition ohne
Debatte zur Tagesordnung übergegangen.
Die Vertreter der Mächte überreichten am Sonntag
abend in Sofia deren Antwort. Die Nordd. Allg.
Ztg. hebt die Geſchloſſenheit der
europäi=
ſchen Diplomatie in den zu behandelnden
Fra=
gen hervor.
In Nancy wurden deutſche Kaufleute von dem
fränzöſiſchen Pöbel, der in ihnen preußiſche Offiziere
vermutete, beſchimpft und mißhandelt.
Der Generalſtreik der Arbeiter in Belgien hat
geſtern begonnen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.
Offiziöſe Kundgebungen zur
Wehrvorlage.
* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung ſchreibt zur
erſten Leſung der Wehrvorlage:
Die erſte Leſung der Wehrvorlage gab
über die prinzipielle Stellung des Reichstages klare
Aufſchlüſſe. Keine der bürgerlichen Parteien wird die
Verantwortung für eine Ablehnung der Wehrforderungen
übernehmen. Der Reichstag iſt vielmehr bereit, im
Ver=
ein mit den verbündeten Regierungen die Verſtärkung
un=
ſerer Armee durchzuführen. Das iſt von den Rednern der
verſchiedenen Parteien ſchlicht und ernſt, ohne Pathos,
zum Ausdruck gebracht worden, nicht aus einer
hoffnungs=
loſen Reſignation heraus, wie man es von
ſozialdemokra=
tiſcher Seite gern darſtellen wollte, ſondern in der
Er=
kenntnis einer vaterländiſchen Notwendigkeit,
die ein friſches. tatkräftiges Handeln erfordert. Niemand
hat dabei die Opfer, die unſerem Volke zugemutet werden
müſſen, leicht genommen. Die Verhandlungen wurden
von dem Gedanken beherrſcht, daß wir der Zukunſt mit
ruhigem Gewiſſen nur entgegengehen können, wenn wir
uns ſo ſtark machen, als wir es vermögen. Gewiß iſt auch
manches kritiſche und abfällige Wort geſprochen worden.
Die große Linie der Geſamtauffaſſung, zu der ſich die
Par=
teien mit dem Reichskanzler zuſammenfanden, iſt aber
da=
durch nicht verwiſcht worden. Dies feſtſtellen zu können,
iſt für jeden Patrioten eine Genugtuung und Freude.
Die Beratung der Deckungsvorlage, heißt
es weiter, leitete der Schatzſekretär mit einer eingehenden
Begründung ein. Den Wehrbeitrag rechtfertigte er
gegenüber einer Anleihe damit, daß in dem gegenwärtigen
SStadium der Finanzentwicklung nicht der Sanierungsprozeß
der Reichsfinanzen kurz vor ſeiner Vollendung durch die
Aufnahme neuer Schulden aufgehalten werden dürfe.
Ver=
zinſung und Tilgung der Anleihe würden außerdem neue
bbeträchtliche Steuern notwendig machen. Auch vom
volks=
wirtſchaftlichen Standpunkt machte der Schatfekretär ſtarke
Bedenken gegen eine Milliardenanleihe geltend. Sie könnte
grur zu einem außerordentlich niedrigen Kurſe begeben
wverden und würde die ſonſtigen Schuldpapiere des
Rei=
ches und der Bundesſtaaten ſtark in Mitleidenſchaft ziehen.
IIn bezug auf die Deckung der dauernden
Aus=
gaben hob er die Gründe hervor, aus denen auf eine
Hirekte Reichsbeſitzſteuer verzichtet und der Weg über die
Bundesſtaaten gewählt wurde. Nach den Vorſchlägen der
Reichsregierung werde die Heranziehung der beſitzenden
Klaſſen zu den Reichslaſten erreicht, ohne daß die
Bundes=
ktaaten gezwungen würden, ihr Syſtem der direkten
SSteuern behufs Anpaſſung an eine für ihre Verhältniſſe
richt geeignete Steuerreform umzuformen, und ohne daß
grundſätzlich die Grenze zwiſchen den dem Reiche und
Den Bundesſtaaten vorbehaltenen Steuergebieten verſcho=
Den werde. Da nach der Finanzreform von 1909 diesmal
wie Verbrauchsabgaben nicht wieder zur Vermehrung der
Einnahmen herangezogen werden könnten, kämen neben
per ſtarken Heranziehung des Beſitzes nur Verkehrsſteuern
n Betracht. Die Vorlage mußte ſich dabei auf ſolche
Stempel beſchränken, deren Uebertragung an das Reich
nuch durch beſondere Intereſſen der Beteiligten geboten
war. Eine Ergänzung dazu ſoll die Beibehaltung der
Zuckerſteuer in der bisherigen Höhe und die
Grundwechſel=
ubgabe bis 1917 bilden. Das vorgeſchlagene Erbrecht des
Staates entſpricht etwa in abgemilderter Form der
Vor=
tage von 1908 und ſei gerade kürzlich noch von
hervor=
agenden Gelehrten aller Parteien gefordert worden.
Für den Grundgedanken des
Wehrbei=
t rages haben ſich alle Parteien ausgeſprochen.
Keiner der Redner iſt für eine neue Milliardenanleihe
ein=
getreten. Nur iſt mehrfach der Wunſch hervorgetreten, daß
er Wehrbeitrag mehr als vorgeſchlagen der
Leiſtungs=
ähigkeit der Steuerpflichtigen angepaßt werde;
ein=
mal ſoll der Steuerfuß geſtaffelt werden, dann die kleinen
Vermögen geſchont und dafür die Einkommen auch unter
50000 Mark herangezogen werden, wovon die Vorlage
aus ſteuertechniſchen Bedenken bisher Abſtand nehmen zu
niſſen glaubte. Hervorgehoben zu werden verdient der
Vorſchlag der Nationalliberalen, daß die niedrige
Ver=
mögensgrenze zwar beibehalten werden ſolle, aber auf
Antrag der Steuerpflichtigen bei der niedrigſten
Ver=
mögensſtufe Befreiung vom Wehrbeitrag eintreten kann,
wenn dem Vermögen ein großes Einkommen nicht zur
Seite ſteht. Auch die Heranziehung der juriſtiſchen
Per=
ſonen zum Wehrbeitrag fand eine lebhafte Erörterung.
Von verſchiedenen Seiten wurde die Ausdehnung dieſer
Beſtimmungen auf die Vermögen der toten Hand und
der Gewerkſchaften gewünſcht. Im ganzen gaben
jedenfalls alle Parteien zu erkennen daß ſie ernſtlich an
der weiteren Ausgeſtaltung des Wehrbeitrages mitarbeiten
wollen. So wird dieſer Teil der Deckungsvorlage in der
Kommiſſion ſicherlich eine große Mehrheit finden.
Bei der Deckung der dauernden Ausgaben
wird vor allem die Frage der Beſteuerung des
Be=
ſitzes der Gegenſtand eingehender Beratungen der
Kom=
miſſion ſein. Zunächſt haben es die Parteien vermieden,
eine entſcheidende Stellung zu dieſer Frage einzunehmen.
Dem Vorſchlage der Regierung, die Beſihſteuer auf dem
Wege über die Einzelſtaaten zu erheben, ſtimmten die
kon=
ſervativen Parteien zu. Der Zentrumsredner Speck erhob
zwar gegen die Veredelung der Matrikularbeiträge
Be=
denken, doch ſieht auch er in der Regierungsvorlage die
Grundlage zu weiteren Beratungen. Die
Nationallibera=
len wünſchen nach wie vor die Einführung einer direkten
Reichsbeſitzſteuer. Auf eine beſtimmte Form derſelben
haben ſie ſich nicht feſtgelegt. Die Fortſchrittliche
Volks=
partei kündigte an, daß ſie zunächſt die Erbanfallſteuer
vorſchlagen werde aber auch bereit ſei, einer
Reichsver=
mögensſtener zuzuſtimmen.
Das Erbrecht des Staates fand bei den
rechts=
ſtehenden Parteien ſtarken Widerſtand. Die Uebertragung
der Stempel auf Verſicherungs= und Geſellſchaftsverträge
gab zwar teilweiſe zu lebhaften Bedenken Anlaß, doch
ſcheint eine Mehrheit für dieſelbe im Reichstage
vorhan=
den zu ſein Die Abſicht der Regierung, die Herabſetzung
des Grundſtücksumſatzſtempels hinauszuſchieben, ſtieß bei
dem Zentrum wie bei den liberalen Parteien auf
Wider=
ſtand. Der Beibehaltung der Zuckerſteuer in der bisherigen
Höhe neigt man allſeitig zu. Trotz der eingehenden
Kri=
tik, welche die Vorſchläge der Regierung gefunden haben,
läßt ſich doch erkennen, daß die bürgerlichen Parteien mit
gutem Willen an die Löſung der Deckungsfrage
heran=
freten werden.
Weiter wendet ſich die Norddeutſche Allgemeine Zeitung
dagegen, daß daraus, daß der Geſetzentwurf über den
Wehrbeitrag über die Steuerpflicht oder=
frei=
heit der Landesfürſten ſchweigt, gefolgert wird,
daß dieſe geſetzlich verpflichtet ſeien, den Wehrbeitrag zu
zahlen. Daß dieſe Auffaſſung irrig ſei, gehe bereits aus
der dem Entwurf beigegebenen Begründung hervor in der
es auf Seite 20 heißt: „Die Landesfürſten und
Landes=
fürſtinnen, die der direkten Beſteuerung durch das Reich
nicht unterliegen, erklärten ſich gleichwohl bereit, ſich an
dem vaterländiſchen Opfer des Wehrbeitrags zu
be=
teiligen.” Nach der Auffaſſung der verbündeten
Regie=
rungen ſind, ſchreibt das Blatt, die Landesfürſten nach
dem geltenden gemeinen deutſchen Staatsrecht von der
Entrichtung jeglicher direkten Reichsſteuer befreit. Aus
der Stellung des Monarchen als Verkörperung der
Sou=
veränität folgt, daß der Monarch der Beſteuerung nicht
unterworfen iſt. Die Bundesfürſten ſind in ihren Staaten
die Träger der Staatsgewalt: als ſolche ſind ſie und die
Senate der freien Städte in ihrer. Geſamtheit die Träger
der Reichsſouveränität. Sie können deshalb
grund=
ſätzlich einer perſönlichen direkten Reichsteuer nicht
unterworfen werden.
Der Gerichtshof für
Wahl=
prälungen.
* Zur Errichtung eines beſonderen Gerichtshofes für
die Wahlprüfungen des Reichstages verlautet aus
par=
lamentariſchen Kreiſen: Die vom Reichstage der
Ge=
ſchäftsordnungskommiſſion überwieſene Reſolution
der nationalliberalen Fraktion, die
Wahl=
prüfungen in Zukunft von einem beſonderen Gerichtshof
vornehmen zu laſſen, wird vorläufig die
Geſchäftsord=
nungskommiſſion noch nicht beſchäftigen, da die Frage
noch Gegenſtand von Fraktionsbeſprechungen ſein wird,
zumal bei der zweiten Leſung des Etats des Reichstages,
der etwas plötzlich auf die Tagesordnung geſetzt worden
war, die Fraktionen zu der Materie kaum Stellung
genom=
men hatten. Mit Ausnahme der nationalliberalen
Frak=
tion ſind die Meinungen in den Fraktionen
über dieſe Frage ſehr geteilt. Man glaubt kaum,
daß ſich im Reichstag eine Mehrheit finden wird, die ein
ſo wichtiges Recht des Reichstags ohne weiteres abgeben
ſollte. Der Errichtung eines beſonderen Gerichtshofes
ſtehen auch Bedenken der Regierung gegenüber. Die
Re=
gierung wünſcht auf keinen Fall eine weitere Belaſtung
des Reichsgerichts und es ſoll u. a. der Vorſchlag gemacht
werden, die Befugniſſe der Wahlprüfungskommiſſion zu
erweitern, indem die Kommiſſion berechtigt ſein ſoll,
Be=
weiserhebungen ſelbſt zu veranſtalten und die endgültige
Entſcheidung der Wahlprüfungskommiſſion vorzubehalten
und ſie dem Plenum zu nehmen, da die Prüfung im
Ple=
num nicht nach juriſtiſchen Grundſätzen erfolgt, ſondern
eine reine Machterſcheinung iſt, die von der Beſetzung des
Hauſes abhängig iſt. Es darf aber als zweifelhaft gelten,
daß ſich das Plenum des Reichstags mit dieſem Vorſchlag
einverſtanden erklären ſollte. Die Löſung der Materie
liegt überhaupt noch im weiten Felde.
Deutſches Reich.
Nach den Dispoſitionen des
Reichs=
tages ſoll in dieſer Woche nach Erledigung der
Steuer=
vorlagen mit der zweiten Etatsleſung fortgefahren
wer=
den und dieſe in der nächſten Woche abgeſchloſſen werden.
Es ſind noch zu beraten der Militäretat, der Etat des
Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes und der Etat
des Reichsſchatzamts. Die dritte Leſung des Etats wird
in der übernächſten Woche erfolgen. Außerdem ſollen noch
einige andere Gegenſtände zur Beratung kommen. Der
Reichstag will ſpäteſtens am 30. April in die
Pfingſt=
ferien gehen und die weitere Beratung der Heeres= und
Steuervorlage in der letzten Maiwoche wieder aufnehmen.
Um die Jeſuiten. Die Tägliche Rundſchan
ſchreibt: In Zentrumskreiſen wird es ſo dargeſtellt, als ob
die neuen Ermittelungen in der Jeſuitenfrage, die
gegen=
wärtig vom Reichsamt des Innern vorgenommen werden,
eine Vorbereitung für die Verhandlungen ſeien, die im
Bundesrat über den Beſchluß des Reichstages, das
Je=
ſuitengeſetz aufzuheben, ſtattfinden würden. Dieſe
An=
nahme iſt, wie wir mitteilen können, nicht ganz zutreffend.
Der die Beſeitigung des Jeſuitengeſetzes fordernde
Bo=
ſchluß des Reichstages iſt dem Bundesrat ſeinerzeit
zuge=
gangen und geſchäftsordnungsmäßig dem Juſtizausſchuſſe
überwieſen worden. Sich mit dem Beſchluſſe näher zu
be=
ſchäftigen, hatte der Bundesrat bisher keine Veranlaſſung.
Einige Wochen, bevor der Reichstag dieſen Beſchluß faßte,
hat der Bundesrat die bekannte Auslegung des
Jeſuiten=
geſetzes gegeben. Durch dieſen kurz vorher erfolgten
Be=
ſchluß des Bundesrats iſt für dieſen der die Beſeitigung
des Jeſuitengeſetzes fordernde Beſchluß des Reichstages
erledigt. Der Juſtizausſchuß des Bundesrats wird daher
den Beſchluß des Reichstages zu den Akten ſchreiben.
Da=
mit nun im Bundesrat neue Verhandlungen über die
Je=
ſuitenfrage ſtattfinden, iſt ein neuer dahingehender Antrag
erforderlich, und die Ermittlungen, die das Reichsamt des
Innern pflegt, dienen augenſcheinlich dazu, um einen
ſol=
chen erneuten Antrag, wahrſcheinlich Preußens,
vorzube=
reiten. Liegt erſt ein ſolcher neuer Antrag vor, dann
hätte der Bundesrat wiederum ſich über das
Jefuiten=
geſetz und deſſen Fortbeſtehen ſchlüſſig zu werden. Das
Intereſſante an der Sache wäre demnach der Umſtand,
daß in Preußen, d. h. bei der preußiſchen Regierung, aus
irgendwelchen Gründen heute ein Bedürfnis beſtünde, die
Jeſuitenfrage von dieſer Stelle aus wieder zur Sprache
zu bringen.
— Das Staatsangehörigkeitsgeſetz liegt
dem Reichstage ſeit langer Zeit vor. Das Geſetz iſt vom
Reichstage wiederholt gefordert worden und bei ſeinem
Erſcheinen lebhaft begrüßt worden. Die mit ſeiner
Be=
ratung vertraute Kommiſſion hat ihre Beratungen ſeit
längerer Zeit abgeſchloſſen. Verſchiedene Differenzen, die
zwiſchen der Auffaſſung der Regierung und des
Reichs=
tages beſtanden, ſind in der Kommiſſion beigelegt
wor=
den. Der Verabſchiedung des Geſetzes ſteht deshalb nichts
im Wege. Die Regierung hat deshalb den Vorſchlag
ge=
macht, dieſes Geſetz noch vor Pfingſten zu verabſchieden,
da nach der Verabſchiedung noch umfangreiche Vorarbeiten
nötig ſind, ehe das Geſetz in Kraft treten kann.
Wahr=
ſcheinlich wird der Reichstag dieſem Wunſche nachkommen.
Die Reichsverſicherungsanſtalt für
Angeſtellte hat jetzt begonnen, ihr bereits nach vielen
Millionen zählendes Vermögen für ſoziale und
wohl=
tätige Zwecke in Form von Darlehen zu vergeben. Bei
der Ausleihung kommen vornehmlich Gemeinden in
Be=
tracht, die das Darlehen für die Errichtung von
Kranken=
häuſern, Schulgebäuden, Armen= und Siechenanſtalten und
ähnlichen Einrichtungen aufwenden wollen.
Genoſſen=
ſchaften und anderen Vereinigungen und Korporationen
werden von der Anſtalt ebenfalls Darlehen gewährt,
ſo=
fern es ſich um Fürſorgezwecke handelt und genügende
Sicherheit geboten wird. Unter den erſten Gemeinden, die
von der Reichsverſicherungsanſtalt für einen Schulhaus=
Neubau ein Darlehen erhält, befindet ſich Tempelhof bei
Berlin, dem 500000 Mark bewilligt worden ſind. Den
Reſt von 300000 Mark gibt die Landesverſicherung.
Das „geiſtige Deutſchland‟. Eine
Bek=
liner ganz moderne Wochenſchrift hat eine Erklärung gegen
die neue Wehrvorlage angeregt, die folgendermaßen
lautet:
Die Wehrgeſetze die dem deutſchen Volke jetzt
zuge=
mutet werden, widerſprechen dem Kulturgewiſſen und
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913,
Nummer 87.
kompromittieren Deutſchland vor der Geſchichte. Weit
ent=
fernt, eine Friedensgarantie zu ſein, reizen dieſe
Wehr=
geſetze vielmehr die übrigen Staaten zu neuem Wettrüſten
und erſchweren die friedliche Annäherung der Nationen.
Da die Wahrſcheinlichkeit leider nicht beſteht, daß der
Reichstag die Wehrvorlage ablehnt, ſei hier feſtgeſtellt, daß
das geiſtige Deutſchland ſich ſeiner ſogenannten
Volks=
vertretung ſchämt.
Hierzu bemerkt die Köln. Ztg.: Unter den etwa 60
Schriftſtellern, die dieſe Erklärung unterzeichnen, befinden
ſich Frank Wedekind, Alfred Kerr, Franz Blei, Peter
Scher, Dr. S. Friedländer und Heinrich Mann. Die
Er=
klärung iſt das kraſſeſte Beiſpiel weltfremder
Aeſtheten=
überhebung, das vom jüngſten literariſchen Deutſchland
ſeit langer Zeit geleiſtet worden iſt. Es genügt, dieſe
Kul=
turleiſtung tiefer zu hängen. Glücklicherweiſe hat dieſer
Kaffeehausnihilismus in Deutſchland jetzt und künftig
nichts zu ſagen. So mögen denn ſeine Vertreter ihre
Kundgebung erlaſſen, die nicht einmal die Luft erſchüttert.
Sollte ihnen aber das Leben in dem rückſtändigen
Deutſch=
land infolge des neuen Wehrgeſetzes zu unangenehm
wer=
den, ſo empfehlen wir ihnen, nach einem Lande
auszu=
wandern, wo man in der friedlichen Annäherung weiter
vorgeſchritten iſt. Wir fürchten nur, ſie müßten bis in
Gegenden ziehen, wo die Kultur noch nicht einmal
Nacht=
cafés hervorgebracht hat, und wo nicht einmal der
Sim=
pliziſſimus geleſen wird.
— Bayern und die Verkehrsbeamten.
Die Arbeiten für die neuen Beſtimmungen über die
Auf=
nahme in den Dienſt der bayeriſchen Staatseiſenbahnen
ſind nunmehr ſoweit fortgeſchritten, daß einzelne Teile
demnächſt in Kraft geſetzt werden können. Darunter
be=
findet ſich eine für den geſamten Bereich der
Verkehrsver=
waltung einzuführende Beſtimmung, die ſich auf die Frage
der gemeinſamen Arbeitseinſtellung bezieht. Die
Ver=
kehrsverwaltung verlangt künftig vom Perſonal der
Ver=
kehrsverwaltung und den Werkſtättenarbeitern den
unbe=
dingten Streikverzicht durch Revers und das gleichzeitige
Verſprechen, keinen Gewerkſchaften anzugehören, die
die=
ſes Streikrecht in Anſpruch nehmen, wie es die freien
Ge=
werkſchaften nach Auffaſſung der Regierung tun. Die
bayeriſche Regierung entſpricht damit jener Forderung
der Mehrheit des bayeriſchen Landtags, die vor anderthalb
Jahren zu einem Landtagskonflikt in Bayern, zur
Auf=
löſung der Abgeordnetenkammer und zum Sturz des
Mi=
niſteriums von Podewils geführt hat.
Die braunſchweigiſche Frage. Der
Berliner Lokal=Anzeiger ſchreibt aus Berlin: Die
Ge=
rüchte, die den Beſuch des Reichskanzlers in Homburg mit
einer unmittelbar bevorſtehenden Neuregelung der
braun=
ſchweigiſchen Thronfolgefrage in Verbindung bringen,
eilen den Tatſachen voraus. Daß in der Unterredung des
Herzogs mit dem Reichskanzler auch die braunſchweigiſche
Frage erörtert wurde, hat eine große Wahrſcheinlichkeit
für ſich, nicht aber die Annahme, daß dieſe etwaige
Er=
örterung bereits zu einer völligen Löſung geführt hätte,
ſo daß demnächſt ſchon dem Bundesrat ein neuer Antrag
wegen dieſer Angelegenheit zugehen könnte.
Ausland.
Italien.
Kredit für Schiffsneubauten. Nach der
Italia wird der Marineminiſter bei der Wiedereröffnung
der Kammer Ende April einen außerordentlichen, auf
mehrere Jahre zu verteilenden Ergänzungskredit von 200
Millionen Lire für den Bau von Ueberdreadnoughts
ein=
bringen.
Frankreich.
Poincarés Beſuch in England. Die Libre
Parole äußert ſich heute zu der bevorſtehenden Reiſe des
Präſidenten Poincaré nach England folgendermaßen:
„Der Beſuch Poincarés in London kommt uns
ziem=
lich unerwartet. Man wird allſeitig ſagen, daß er
aber=
mals eine klare Beſtätigung der Intimität der
engliſch=
franzöſiſchen Beziehungen iſt. Das iſt durchaus nicht
rich=
tig. Wenn man die Wahrheit ſagen will, muß man
er=
klaren, daß die Reiſe dem Zweck dienen ſoll, in den
Be=
ziehungen der beiden Länder die etwas erkaltete Intimi=
tät wieder herzuſtellen. Alle, die in den politiſchen
Ange=
legenheiten auf dem Laufenden ſind, wiſſen, daß ſeit
eini=
ger Zeit eine gewiſſe Verſtimmung zwiſchen Paris und
London herrſcht. Auch hat England als befreundete Macht
dem Präſidenten der Republik, Poincaré nicht offiziell
gratuliert. Es geht daraus hervor, daß die
Perſön=
lichkeit unſeres Präſidenten einen Teil der Schuld an der
Verſtimmung trägt. Das rührt von der Intervention
Poincarés im vergangenen Oktober her, als er noch
Mi=
niſterpräſident war. Dieſer Interventionsvorſchlag kam
ſeinerzeit zu ſpät und wurde in England unangenehm
empfunden. Das iſt aber nicht alles. Man muß vor
al=
lem überlegen, daß die engliſche Regierung radikal und
riedensfreundlich iſt. Die engliſche Regierung fürchtet
internationale Komplikationen und iſt beſorgt über das
Erwachen des nationalen kriegeriſchen Geiſtes in
Frank=
reich, an dem zweifelsohne Poincaré einen Teil der
Schuld trägt. Seinerzeit iſt Churchill nach Frankreich
ge=
ſandt worden, um Frankreich zu beruhigen. Zwei
Er=
klärungen im engliſchen Unterhauſe ſind gleichzeitig als
kal=
ter Waſſerſtrahl an die Adreſſe der Mächte gerichtet
wor=
den, die von einem militäriſchen Zuſammengehen
Eng=
lands und Frankreichs träumten. Die deutſche
Rüſtungs=
vorlage hat ſchließlich nicht zum wenigſten Unruhe unter
den engliſchen Friedensfreunden hervorgerufen. Das iſt
die augenblickliche Lage, die Poincaré wieder verbeſſern
ſoll.”
Eine Zwei=Milliarden=Anleihe. Nach
Meldungen Pariſer Blätter ſteht die Begebung einer
franzöſiſchen Rieſen=Anleihe nahe vor dem Abſchluß.
Während von einer Seite der Anleihebetrag auf
600 bis 2000 Millionen geſchätzt wird, gilt es nach
einer anderen Meldung bereits als feſtſtehend, daß die
Anleihe den Betrag von 2 Milliarden Francs erreichen
wird, und zwar zum Zinsſatz von 3½ v. H. Hiervon
würden 1 Milliarde Francs dem Staatsſchatz zur
Ver=
fügung geſtellt werden, 500 Millionen Francs dem
Kriegs=
miniſterium, 300 Millionen Francs für Marokko und 200
Millionen Francs für Indochina Verwendung finden.
Belgien.
Vor dem Generalſtreik. Die Verteilung des
Militärs in den verſchiedenen Induſtriezentren hat ſich
am Samstag und Sonntag nach vorliegenden Berichten
ohne Zwiſchenfälle vollzogen. In faſt allen Städten wird
man vorerſt darauf verzichten, die Bürgergarde zu
mo=
biliſieren. Es ſoll daran erſt gedacht werden, wenn
tat=
ſächlich die Notwendigkeit durch die Ereigniſſe ſich ergibt.
Montag vormittag wurden in verſchiedenen
Induſtriege=
bieten in faſt alle Fabrikbetriebe Militärwachen gelegt, die
die Aufgabe haben, die Arbeitswilligen während des
Ge=
neralſtreiks zu ſchützen.
Japan.
Die antijapaniſche Geſetzgebung in
Kalifornien. Der Miniſter des Aeußern hat den
japaniſchen Botſchafter in Waſhington Inſtruktionen
er=
teilt, bei der amerikaniſchen Regierung wegen der
anti=
japaniſchen Geſetzgebung in Kalifornien förmlich
Vor=
ſtellungen zu erheben.
* Das politiſche Teſtament König
Georgs. In ſeinem politiſchen Teſtament trifft König
Georg zunächſt Beſtimmungen über ſein Eigentum und
bittet dann ſeine Kinder, ſtets einig zu ſein. An den
König Konſtantin richtet er folgende Worte: „Liebe Dein
teures, kleines Vaterland und diene ihm ebenſo wie Dei
nem teuern Volke, habe Vertrauen zu ihm, damit Deine
Brüder dem gleichen Beiſpiel folgen.‟ Er fährt fort mit
dem Ratſchlag, mutig zu ſein, aber auch geduldig; denn er
regiere ein ſüdliches Volk, deſſen Zorn und Erbitterung
leicht entflammt ſind und das dann in einem ſolchen
Augenblick Dinge ſagen oder tun kann, die es
wahrſchein=
lich am nächſten Tage vergeſſen hat. Der König muß es
vorziehen, lieber ſelbſt innerlich zu leiden, als daß Volk
und Land leiden. Das Intereſſe des Landes und des
Volkes geht jedem anderen Intereſſe voran. König Georg
legt dann ſeinem Sohn ans Herz, ſeine geliebte Mutter
zu lieben und zu ſchützen und ſeinen Kindern eine geſunde
und griechiſche Erziehung zuteil werden zu laſſen. Sie
müßten vor allem Hellenen ſein und nichts anderes,
König Georg bittet dann jeden, dem er Unrecht zugefügt
haben ſollte, um Verzeihung und erklärt, ſeine teure
Gat=
tin bis zum letzten Atemzuge geliebt zu haben. Er ſegnet
zum Schluß alle und bittet Gott, ſein kleines geliebtes
Griechenland zu erhalten.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 15. Aprih
Fritz Limmer=Ausſtellung.
Muſterhafte Photographien.
Im Ehrenſaal des Städtiſchen Ausſtellungshauſes hat
Herr Profeſſor Dr. Fritz Limmer von der Techniſchen
Hochſchule eine etwa 120 Stücke umfaſſende Kollektion von
photographiſchen Aufnahmen ausgeſtellt, die faſt durchweg
ſowohl vom techniſchen als auch vom künſtleriſchen
Stand=
punkt aus als muſtergültig angeſprochen werden dürfen.
Es ſind Bilder von Alt=Braunſchweig, Goslar und
Hildes=
heim, alſo aus den mit intereſſanteſten und an verſteckten
Schönheiten des Straßenbildes und der Einzelarchitektur
reichſten Städten. Sämtliche Bilder ſind
Momentaufnah=
men aus freier Hand. Als Aufnahmeapparat wurde eine
Spiegelreflexkamera (9:12 Zentimeter) mit Heliar (18
Zentimeter Brennweite) verwendet. Die Vergrößerungen
ſind auf Bromſilberpapier ausgeführt. Die Bilder ſind
Sepia getönt. Soweit es für eine beſſere bildmäßige
Wir=
kung erforderlich war, ſind die Vergrößerungen leicht
un=
ſcharf gehalten
Den Gründen und Bedingungen der Aufnahme
ent=
ſprechend, iſt die Bildwirkung verſchieden. Teils galt es
nur der Fixierung ſchöner, idylliſcher Straßen und auch
Landſchaftsbilder, teils der Herausarbeitung
architektoni=
ſcher und künſtleriſcher Bedeutung und teils der Gewinnung
überzeugend ſprechenden Anſchauungsmaterials in bezug
auf Heimatſchutz, und ſchließlich zum Teil dem rein
pho=
tographiſchen Intereſſe, indem hier vorbildlich, vielfach
auch an Beiſpiel und Gegenbeiſpiel gezeigt wird, wie man
gute und ſchöne Aufnahmen zu machen hat und welch
hüb=
ſche Bildwirkung ſich bei richtigem Ausſchnitt, vorteilhaft
gewählter Beleuchtung und richtiger Wahl des
Standpunk=
tes zum Objekt ſich durch die Kamera erzielen läßt. Aus all
dieſen Gebieten enthält die Kollektion eine vortreffliche
Auswahl. Den Laienbeſucher wird naturgemäß in erſter
Linie die Bildwirkung feſſeln und intereſſieren, die
übri=
gens auch in den Zweckaufnahmen nicht außer Acht gelaſſen
wurde. Da fällt zunächſt die Selbſtverſtändlichkeit und
Natürlichkeit der Aufnahmen aus, in denen ſtreng jedes
Geſtellte” was immer tötend wirkt, vermieden iſt. Wo
Staffage mit hineingezogen iſt, ſpiegelt ſie das
Straßen=
leben in völliger Freiheit und Ungezwungenheit wider=
Man ſieht deutlich, keines der ſpielenden Kinder, keiner
der=
haſtenden Paſſanten uſw. hat eine Ahnung davon, daß er
in dieſem Moment auf die Platte gebannt wird. Dadurch
wird das friſch pulſierende Leben widergeſpiegelt. Eine
große Rolle in der Bildwirkung ſpielt auch die
Beleuch=
tung. Sämtliche Aufnahmen ſind im ſonnenreichen Juni
gemacht worden, und trefflich iſt die Wirkung des
Sonnen=
lichtes ſtudiert am Morgen, Mittag und in den
Abend=
ſtunden. In Beiſpiel und Gegenbeiſpiel ſieht man am
gleichen Objekt die Wirkung der verſchiedenen
Beleuch=
tung. Und ſehr geſchickt iſt in vielen Aufnahmen ein den
Vordergrund belebender und die Tiefe betonender
Sonnen=
ſchein ausgenutzt, wo es ſich um Straßenbilder handelt;
in anderen Bildern wieder zur ſchärferen Herausarbeitung
feiner Architekturen, Schnitzereien und Bildhauerarbeiten.
Von kultureller Bedeutung werden die Aufnahmen, die im
Intereſſe des Heimatſchutzes gemacht ſind. Mehr noch
wie in der Straße ſelbſt, fällt im Bilde die Scheußlichkeit
auf, die ſtets da zu finden ſein wird, wo man etwa in
idylliſche Straßen mit prächtigen alten, reich gezierten
Giebelhäuſern einen modernen Warenhausbau ſtellt. So
wirken dieſe Bilder begangener Sünden abſchreckend und
auch wohl beſſernd. Herr Prof. Limmer hat viele ſolcher
Aufnahmen den Behörden unterbreitet.
Auf Einzelheiten der intereſſanten Ausſtellung
einzu=
gehen, verbietet uns der Raum. Sicher enthält ſie eine
Fülle von Intereſſantem und Sehenswertem.
St.
Die Ausſtellung wird vom Mittwoch, den 16. April, ab
im Ehrenſaal des Städtiſchen Ausſtellungsgebäudes auf
der Mathildenhöhe täglich von 10 bis 1 Uhr und von 2 bis
5 Uhr zu beſichtigen ſein. Der Eintritt iſt frei.
* Vom Hofe. Die Fürſtin=Mutter zu Erbach=
Schön=
berg iſt am Samstag nachmittag 5 Uhr 46 Min. zum
Beſuch im Neuen Palais eingetroffen. (Darmſt. Ztg.)
* Erledigte Stelle. Die mit einem katholiſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu Hartenrod,
Kreis Genzenbeim
* Perſonalien der Heſſ.=Preuß. Eiſenbahngemeinſchaft
Bahnmeiſter Grünewald wurde nicht von Darmſtadt
nach Barop, ſondern unter Beförderung zum Bahnmeiſter
erſter Klaſſe nach Caſtrop (Dir.=Bez. Eſſen) verſetzt.
* Auszeichnung. Regierungsrat Knöpfel in
Darmſtadt wurde die Ehrenurkunde für wiſſenſchaftliche
Mitarbeit an der Internationalen Hygiene=Ausſtellung
Der Weg der Porträtmalerei.
Früher gab es in den meiſten Städten bedeutende
meiſt ganz tüchtige, aber mehr handwerkliche
Bildnis=
malerei. Die Entwicklung der
Bildnisphotogra=
phie, die zu Anfang der vierziger Jahre aufkam, hatte
unmittelbar den verhängnisvollſten Einfluß auf die
Malerei, denn um dieſe Zeit begann die Bildnismalerei
ſelbſt vor der Photographie zurückzuweichen.
Um 1890 iſt man ſogar ſo weit, daß ſelbſt die
wohl=
habendſten Leute es als einen ſündhaften Luxus oder
gar als eine Anmaßung anſehen, ſich malen zu laſſen. Es
gab reiche Städte, in denen um 1890 kein Bildnismaler
mehr ſeine Nahrung fand.
Die für die Bildnisphotographie aufgewandten
Mit=
tel überſteigen dagegen jede Schätzung; im kleinſten Neſt,
wo kein Maler ſein Leben friſten konnte, pflegte ein
wohl=
habender Photograph zu ſitzen und alle Stände, vom
Fürſten bis zum Dienſtmädchen, ſich tributpflichtig zu
machen.
Die Photographie hat jedoch noch viel mehr auf dem
Gewiſſen als die Vernichtung der Bildniskunſt in ihren
verſchiedenen Formen, wie Miniatur, Lithographie und
Oelmalerei; ſie hat Geſinnung zerſtört. Wenn es
möglich wäre, die Liebe zum Bildnis beim Publikum
wieder anzufachen, ſo wäre unſerer Malerei der feſte
Bo=
den der Menſchendarſtellung zurückgewonnen, denn das
Bildnis umfaßt alle Mittel der Malerei. Es kann
monu=
mental und intim ſein, es kann alle Pracht der
großartig=
ſten und alle Behaglichkeit der einfachſten Innenräume und
die ganze Landſchaft mit allen ihren Formen und
Stim=
mungen in ſeinen Bereich ziehen.
Dieſes wichtigſte Gebiet war aber den führenden
deut=
ſchen Künſtlern der jüngeren Generation ſo gut wie
ver=
ſchloſſen. Je beſſer die Bildniſſe waren, die ſie aus dem
Kreiſe der Familie und Freunde malten, je weniger ge
fielen ſie, denn das Publikum konnte Wahrheit und
Ehr=
lichkeit nicht mehr vertragen. Es verſagte am allereheſten,
wenn ein Verſuch gemacht wurde, ihm das Werk eines nicht
im Banne alter Kunſt ſchaffenden Meiſters näher zu
bringen.
In den beiden letzten Jahrzehnten wird es kaum
beſſer, obwohl das Intereſſe des deutſchen Volkes an
die=
ſem Teile der Kunſt, entſprechend zunehmender Volkszahl,
zunehmenden Geſchmackes und zunehmenden Reichtums
hätte groß ſein können. Obwohl die großen franzöſiſchen
Impreſſioniſten faſt ohne Ausnahme als Porträtiſten
be=
gannen, um als Landſchafter zu enden, wurde von unſern
Malern dieſes Gebiet nicht oder nur wenig gepflegt, meiſt,
weil Anregung und Auftrag mangelten.
Trotzdem die Leiſtungen der Berufsphotographen heute
gute künſtleriſche Elemente umſchließen, ſcheint das
Inter=
eſſe des Publikums an der Bildnismalerei wieder zu
wachſen. Dieſes Intereſſe wäre wahrſcheinlich um vieles
erheblicher, wäre nicht bei reichen Leuten Scham, man könne
für eitel und ſelbſtgefällig angeſehen, und Angſt, man
könne für einen Protz gehalten werden, zu überwinden.
Aber auch über die Art und Güte des Angebots durch
die Porträtiſten läßt ſich ſtreiten. Einer, der ſich’s leiſten
kann, will nicht für ſein ganzes Leben in „allermordernſter
Aufmachung” in einer ziemlich unkultivierten lauten
Far=
bigkeit, auf ſeine Mitmenſchen herabſchauen.
Man fragt auch vergebens, warum ſich unſere
deut=
ſchen Ariſtokraten der Geburt und des Geldes durchaus
von Zorn, Sargent, oder gar von Herkomer,
Laszlo und Gandara malen laſſen müſſen, die dieſe
Aufträge herzlich äußerlich erledigen. Der Geſchmack
dieſer Ariſtokraten ruht auf van Dyck, von dem die in
die=
en Kreiſen geliebte engliſche Bildnismalerei des 18.
Jahr=
hunderts herkommt; von van Dyck im Guten und im
Böſen beeinflußt ſind Gainsborough, Reynolds,
Rom=
ney, Lawrenſe und Raebſirn. Zwar talentvoll und guter
Herkunft, aber trotzdem auf dem Niveau liebenswürdiger
Koſtümieres.
Porträts ſolcher Art widerſprechen allen gerechten
Vorſtellungen von der Art des Volkes, das in allen ernſten
Fragen europäiſcher Kultur voranſchritt. Man denkt ſich
den Deutſchen, ob als Kaufmann, Induſtriellen oder
Ge=
lehrten, nüchtern, praktiſch, auf reale Dinge gerichtet, ſtreng
organiſiert, präziſe und lobt ſeine Ehrlichkeit; man kennt
ſeine Liebe zur Natur, zur natürlichen Lebensführung, zur
Heimat
Warum ſollte man nicht die Treue des
Deut=
ſchen zu ſich ſelbſt in der deutſchen Bildniskunſt
finden?
In der Gegenwart ſcheinen Liebermann, Corinth und
Slevogt viele Forderungen zu erfüllen. Bei dieſen
Mei=
ſtern iſt charakteriſtiſch, daß ſich zu ihnen faſt nur Menſchen
drängen, die nichts auf Schönheit geben: Männer, mit
ausgeprägten Zügen, ältere Damen, die alle Koketterie
verlernt haben. Jedes Geſicht wird zu einem Kampfplatz,
und in Wahrheitsliebe und Ausdruck geht man nicht ſelten
bis an die Grenze des Grotesken. So hat man im
moder=
nen Deutſchland in einer neuen Weiſe die reine Malkunſt
im Sinne des Franz Hals wieder hergeſtellr.
Liebermanns rückſichtsloſe Energie, Slevogts ſtarke
maleriſche Begabung, Corinths fauſtiſche Bravour,
Lam=
bergers ſchmiſſige Lenbachart, Klimts einſeitiger, aber doch
raffinierter Geſchmack, des ſpäten Trübners impoſante
Wucht, Habermanns meiſterhafte Delikateſſe, Bantzers
bodenſtändige Art, Kalckreuths ehrlich geſunder, aber
haus=
backener Naturalismus ſind anerkannt; die geſchichtliche
Wertung dieſer noch nicht hiſtoriſch gewordenen Dinge iſt
faſt unmöglich. Neben dieſen Malern ſtehen andere, die
in lauter Farbigkeit ſchwelgen. Man glaubt den Bildern
dadurch eine beſondere Wirkung zu ſichern, daß man ihnen
die ſtarken, unvermittelten Farben von Plakaten gibt;
unſere Zimmer ſind aber keine Litfaßſäulen.
Es iſt ein Kulturfehler, daß ſich die Kunſt heute nur
an ſehr Wenige wendet; tatſächlich hat die Kunſt viel
ver=
loren, ſeitdem ſie nicht mehr imſtande iſt, ſich gleichzeitig
an die Kenner und an das Volk zu wenden. So iſt das
Schickſal der Kunſt heute mehr denn je durch den Geſchmack
des kleinen Konſumentenkreiſes bedingt. Sie kann nur
blühen, wenn es neben den Gönnern auch Kenner gibt.
Bildniſſe ſollen in ſchöner Fleckenwirkung
ſich dem tönigen Enſemble geſchmackvoll eingerichteter
moderner Wohnräume einfügen. Die Sucht, in ganz
großen Formaten ſich auszutoben, iſt einem geſunden, ver=
Nummer 87.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Seite 3.
Dresden 1911 verliehen. Die Urkunde iſt eine prächtige
Madierung von Max Klinger.
90. Geburtstag. Die Witwe des früheren
üm Jahre 1883 verſtorbenen Hofkapellmeiſters Guſtav
Schmidt vollender am 18. April ihr 90. Lebensjahr in
Zeiſtiger und körperlicher Friſche.
*e
Arbeitsjubiläum. Herr Georg Friedrich
begeht heute in der Eiſenbahn=Zentralwerkſtätte ſein
40jähriges Arbeitsjubiläum.
*
Die Zentralkaſſe der heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Benoſſenſchaften, e. G. m. b. H., verſendet das Statut
Der Zentralkaſſe an die Genoſſenſchaftsvorſtände.
Dem beigefügten Rundſchreiben entnehmen wir folgendes:
Der Königliche Bankdirektor bei der Preußiſchen Central=
Benoſſenſchaftskaſſe zu Berlin, Herr Mager, iſt durch
den Aufſichtsrat auf unbeſtimmte Zeit zum Direktor der
Zentralkaſſe gewählt worden. Darf ſchon aus der
Tat=
ache, daß die Preußiſche Central=Genoſſenſchaftskaſſe
und 6 Millionen Mark nach Heſſen gegeben hat, geſchloſſen
verden, daß man in Berlin weiß, welche Kräfte trotz allen
Mißgeſchicks hinter dem heſſiſchen Genoſſenſchaftsweſen
tehen, ſo darf wohl auch der Entſchluß des Herrn Mager,
der die heſſiſchen Verhältniſſe aus perſönlicher
Anſchau=
ung kennt, ohne jede Uebertreibung als Vertrauensbeweis
aufgefaßt werden. Wie wir bereits mitgeteilt haben,
be=
rägt der Geſchäftsanteil 500 Mark und die darauf
even=
uell entfallende Haftſumme 1000 Mark. Es liegt in
die=
er Konſtruktion eine Kombination zwiſchen
Aktiengeſell=
chaft und Genoſſenſchaft vor. Der verhältnismäßig hohe
Geſchäftsanteil von 500 Mark entſpricht dem Charakter
der Aktiengeſellſchaft, die Haftſumme dem der
Genoſſen=
chaft. Vorbehaltlich der Zuſtimmung unſeres
Aufſichts=
ats gedenken wir für je 5000 Mark Kredit in laufender
Rechnung die Beteiligung mit einem Geſchäftsanteil, für
e 10000 Mark Wechſelkredit die Beteiligung mit zwei
Ge=
chäftsanteilen zu fordern. Als Zinsſätze ſchlagen wir
vem Aufſichtsrat vor: a) für den Verkehr in laufender
Rech=
nung: für Guthaben 4½ Proz., für Schulden 5½ Proz.
Aln Proviſion werden wir berechneen: ½ Proz. von der
eweils größeren Seite oder dem mittleren Schuld= oder
Buthabenbetrag; b) im Wechſelverkehr: für Diskontwechſel
jeder Art, die wir hereinnehmen, den Wechſelzinsſatz der
Reichsbank, 6 Prozent. Eine Proviſion berechnen wir
nei der Diskontierung nicht. Wir begnügen uns mit dem
Proviſionsertrag, den uns das Diskontgeſchäft dadurch
ringt, daß es über das proviſionspflichtige Konto der
lau=
renden Rechnung geleitet wird. 130 Genoſſenſchaften ſind
eute (12. April) bereits als Mitglieder bei der neuen
Zen=
gralkaſſe gerichtlich eingetragen. 20 Beitrittserklärungen
iegen vor, weitere gehen ſtündlich ein.
— Die Freiwillige Sanitäts=Hauptkolonne vom Roten
Kreuz Darmſtadt hielt am Sonntag abend in Gegenwart
hrer Führerſchaft und zahlreicher Freunde im Kaiſerſaal
Eine ſehr ſtark beſuchte Verſammlung ab, in welcher
en anläßlich des 25jährigen Jubiläums der Kolonne neu
arnannten Ehrenmitgliedern, den Herren
Oberkonſiſtorial=
nräſident D. Nebel, Prdvinzialdirektor Fey, Major
Maaß, Sanitätsrat Dr. Markel, Oberbahnaſſiſtent
Zaß und Kreisamtmann Emmerling in Worms
eine künſtleriſch ausgeſtattete Ehrenurkunde
über=
reicht und andere Auszeichnungen verliehen wurden. Der
Solonnenführer, Herr Hauptmann à. 1. s. Lotheißen,
der die Verſammlung mit einem dreifachen Hurra auf den
Schirmherrn der Kolonne, den Großherzog Ernſt Ludwig,
cröffnete, begrüßte in herzlicher Weiſe die erſchienenen
Ehrenmitglieder und wies darauf hin, daß die kunſtvollen
Ehrenurkunden in Schrift und Entwurf ausſchließlich von
Mitgliedern der Kolonne angefertigt worden ſind. Herr
Oberkonſiſtorialpräſident D. Nebel dankte der
Kolonnen=
ffhrung für das ſchöne, ehrenvolle Schmuckſtück und gab
ziner Freude darüber Ausdruck, daß ſich ſo viele Kräfte
der guten Sache des Roten Kreuzes widmeten und bereit
ſrien, im Frieden wie im Kriegsfalle, ſich unter dieſer
ahne dem ſchönen Werk der Nächſtenliebe zu weihen. Der
Eedner ſchloß mit einem dreifachen Hoch auf die Kolonne.
Kerr Provinzialdirektor Fey dankte gleichfalls für die
ſchöne Urkunde, die den Beſtrebungen der Kunſtſtadt
Darm=
ſradt würdig ſei und führte aus, die jüngſte
Jubiläums=
ſpier der Kolonne habe gezeigt, welch hoher Wertſchätzung
und Sympathien ſie ſich in der Darmſtädter Bevölkerung
wie bei den Behörden zu erfreuen habe. Sie dürfe auch
in der Tat ſtolz ſein auf ihre Erfolge. Redner erinnerte
dearan, wie es früher mit dem Kranken= und
Unfalltrans=
rort hier beſtellt war. Als er, Redner, im Jahre 1892
Wolizeivorſtand in Darmſtadt war, habe er ſelber mit
an=
eeſehen, wie ein Krankentransport mit Hilfe eines
Dienſt=
mannskarrens hätte ausgeführt werden müſſen, und wie
der Transport von Verunglückten ins Krankenhaus oft mit
den größten Schwierigkeiten verknüpft war. Dieſe
Vor=
ſä lle hätten ihm Veranlaſſung gegeben, dem
Krankentrans=
rort ſeine Aufmerkſamkeit zuzuwenden, und daher ſtamme
artch ſein Intereſſe für die Kolonne. Ihr Rettungsdienſt
ſei eine unerläßliche Einrichtung für Darmſtadt geworden,
und er hoffe, daß auch im Kreis Darmſtadt noch mehr als
bisher für die Förderung der Krankentransporte geſorgt
werden würde. In der Bevölkerung werde die Tüchtigkeit
und ſegensvolle Leiſtung der Kolonne voll anerkannt, und
das komme beſonders daher, weil ihre Mitglieder von dem
Geiſte der Diſziplin und dem Gefühle des
Zuſammenhal=
tens und der Treue beſeelt ſind, das vor allem in der
ge=
ſchickten Leitung und Tüchtigkeit ihrer Führerſchaft ſeinen
Grund habe. Mit dem Wunſche, daß die Kolonne allezeit
eine ſo tüchtige Leitung haben möge, ſchloß Redner mit
einem dreifachen Hurra auf die Führerſchaft, mit Herrn
Lotheißen an der Spitze. Es folgte dann weiter noch die
Verleihung von Ehrenurkunden an die
Her=
ren: Ehren=Kolonnenführer Stabsquartiermeiſter
Land=
zett el, Ehren=Kolonnen=Stellvertreter Silz
Ehrenzug=
führer Stier und Ehrenzugführer=Stellvertreter
Krai=
ter während den Kameraden Georg Griesheimer,
Adam Jockel und Martin Wiſſenbach für 5jährige
tadelloſe Dienſtführung ebenfalls ſchön ausgeſtattete
Ge=
denkblätter überreicht wurden. Herr Kolonnenführer=
Stell=
vertreter Phil. Vogel gedachte ſpäter dankbar der
Ver=
dienſte, die ſich Herr Oberſtabsarzt Dr. Langfeld als
ärztlicher Inſtruktor der Kolonne erworben habe, und dieſe
brachte ihren Dank in einem dreifachen Hoch aus, wogegen
der Geſeierte verſicherte, daß er auch in Zukunft ſeine
Tätigkeit der ärztlichen Ausbildung der Kolonne widmen
werde. Wie aus dem erſtatteten Kaſſenbericht hervorging,
hat das Jubiläum der Kolonne auch einen ſchönen
peku=
niären Erfolg gebracht, indem zahlreiche Korporationen
und Privatperſonen freiwillige Beiträge ſpendeten, die
zum Teil zur Stärkung der aus der Kolonne heraus
ge=
gründeten Unterſtützungsfonds dienen ſollen. Neben dem
Dank an den Vorſitzenden der Finanzkommiſſion, Herrn
Oberleutnant v. Olberg, wurde auch der Darmſtädter
Preſſe für ihre freiwillige Unterſtützung der Beſtrebungen
der Kolonne ein dreifaches Hoch gewidmet. Nachdem der
Kolonnenführer dann noch nähere Mitteilungen über die
erfreuliche weitere Ausgeſtaltung des Rettungsdienſtes in
Darmſtadt gemacht und Herr Major Maaß in launiger
Weiſe ſeine Erfahrungen auf dem Gebiete des Roten
Kreuzes geſchildert, blieb die Verſammlung noch längere
Zeit in geſelliger Unterhaltung vereint.
* Turngemeinde Beſſungen. Am Samstag hielt die
Turngemeinde Beſſungen in ihrem Vereinshaus,
Heidel=
bergerſtraße 131, ihre Hauptverſammlung ab. Der
1. Sprecher, Herr Profeſſor Kiſſinger, eröffnete die
Ver=
ſammlung mit einem Rückblick auf das abgelaufene Jahr,
gedachte der Verſtorbenen, die in der üblichen Weiſe
ge=
ehrt wurden, und führte weiter aus, daß der Geſchäftsgang
im allgemeinen ein ruhiger und ſteter war. Nach den
Be=
richten der einzelnen Ausſchüſſe und des Voxſtandes
waren die Leiſtungen der Turnmannſchaft hervorragend,
ſind doch Gau= und Kreisfeſt wieder mit Erfolg beſucht
worden; auch der Zugang von Zöglingen war in dieſem
Jahre recht zahlreich. Einer ſehr regen Beteiligung
er=
freut ſich die Mädchen= und Frauen=Abteilung, ſowie das
Schülerturnen. Eine regelmäßige und gute Beteiligung,
ſowie auch gute Geſamtleiſtung hat die Singmannſchaft
zu verzeichnen. Der Stand der Gemeinde iſt zurzeit
ins=
geſamt 498 Mitglieder und 86 Zöglinge. Die Ueberſicht
über die Rechnung und der Voranſchlag laſſen, wie
ge=
wohnt, die gute und fachmänniſche Bearbeitung erkennen,
ſo daß in dieſem Jahre aus dem erzielten Ueberſchuß
ver=
ſchiedene Anteilſcheine zur Rückzahlung ausgeloſt werden
konnten. Auch ſind bis jetzt von den Laſten des Hauſes
0 610 Mark als eine ſich jährlich ſteigernde Summe
ge=
tilgt worden, ſo daß in abſehbarer Zeit das Anweſen
völlig freies Eigentum der Gemeinde ſein wird.
Pro=
feſſor Kiſſinger überreichte die Ehrentafeln für 25jährige
Mitgliedſchaft an die Turner Georg Caſtritius, Heinrich
Mayer, Otto Meß und Friedrich Schönberger, und gab
gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß die Zuneigung
und Mitgliedſchaft zur Turngemeinde noch recht lange
dauern möchte. In der nun folgenden Wahl des
Vor=
ſtandes und der Ausſchüſſe wurden die beiden ſehr
be=
währten Leiter und Sprecher der Turngemeinde, Hert
Profeſſor Kiſſinger und Herr Karl Darmſtädter, ſowie
auch der Rechner, Herr Emil Bracher, einſtimmig
wieder=
gewählt, wie auch die übrigen Aemter in beſte Hände
kamen. Im Namen der Gemeinde ſprach Herr Dr. Nahm
dem Vorſtande für die gute und umſichtige Leitung den
Dank aus.
Kriegerverein Darmſtadt. Das 1. diesjährige
Vereinsſchießen fand Sonntag nachmittag, um 2 Uhr
be=
ginnend, auf Stand 6 der Militär=Schießſtände ſtatt.
Trotz zweifelhaften Wetters war die Beteiligung recht
gut. Geſchoſſen wurde aus einer Entfernung von 150 m
auf Ringſcheibe und wurden hierbei durchgehends gute
Reſultate erzielt. Eine vom Verein geſtiftete
Ehren=
ſcheibe erſchoß Kam. Gg. Bender. Die Uebungs=Schießen
werden nun öfters in Abſtänden von ca. 14 Tagen ſtatt=
finden. Am Ende des Schießjahres findet ſodann ein
Preisſchießen ſtatt, wobei die Teilnahme durch
Be=
teiligung an den Uebungs=Schießen bedingt iſt. Auch
kommen am Ende der Schießperiode an die Schützen,
welche die höchſten Ringzahlen erſchoſſen haben, wertvolle
Ehrenpreiſe ur Verteilung.
* Vogelsberger Höhenklub. Obſchon Frau Holle am
Samstag die Erde mit einer leichten Schneedecke überzog
und Schneegſtöber andauernd vorüberzogen, hatten ſich
zur fröhlichen Wanderfahrt doch wagemutige
Klub=
chweſtern und =brüder eingefunden, die ſich ſelbſt von dem
inzwiſchen eingetretenen Froſt nicht abſchrecken ließen. Die
Bahn brachte die Teilnehmer, nebenbei bemerkt, 117 an
der Zahl, nach Ober=Ramſtadt. Von hier führte der Weg
durch das an Naturſchönheiten reiche Modautal nach
Ernſthofen. Nach kurzer Frühſtücksraſt gelangte man,
nachdem vorher noch eine tüchtige Schneeballſchlacht
aus=
gefochten war, über Webern durchs kleine Felſenmeer nach
Lützelbach und von dort nach Neunkirchen. Von da ging
es nun weiter durch die prächtige Winterlandſchaft zum
Kaiſerturm, hinab nach Winterkaſten und am
Bismarck=
turm vorbei nach Lindenfels. Hier hatte Herr Lehrer
Zinßer von Lindenfels die Liebenswürdigkeit, die
Wan=
derer mit der Geſchichte der Ruine und Stadt
Linden=
fels vertraut zu machen, und ihm ſei an dieſer Stelle für
ſeine kurzen, trefflichen Darlegungen der Dank ſeiner
Zu=
hörer abgeſtattet. Im Schneetreiben wurde hierauf dem
Endziel Fürth zugeſtrebt, wo in den gaſtlichen Hallen des
„Halben Mondes” deſſen vorzügliche Küche hier ganz
be=
ſonders hervorgehoben ſei, noch einige gemütliche
Stun=
den verlebt wurden. Die Wanderung nahm trotz der
Un=
bilden der Witterung einen ganz ausgezeichneten Verlauf
und kann ſich den früheren würdig zur Seite ſtellen. Und
darum: Friſchauf zur Maiwanderung ins Rheingau!!
* Verein Braunshardter Heim. Wie ſchon durch
Anzeige bekannt gegeben wurde, findet heute Dienstag.,
den 15. April, nachmittags 4½ Uhr, im
Strafkammer=
aal des neuen Gerichtsgebäudes in Darmſtadt,
Mathildenplatz 12, die ordentliche
Mitgliederverſamm=
lung des Vereins Braunshardter Heim unter dem Vorſitz
Ihrer Durchlaucht der Fürſtin Marie zu Erbach=
Schön=
berg ſtatt. Die Arbeit des Vereins ſtellt ein mächtiges
Stück der bewahrenden und rettenden Jugendfürſorge
in unſerem Großherzogtum dar. Der Beſuch der
Ver=
ſammlung ſei deshalb warm empfohlen.
* Der Verein für Verbreitung von Volksbildung
gibt ſeinen Mitgliedern und angeſchloſſenen Vereinen
bekannt, daß Saalkarten für den Vortrag des
Darm=
ſtädter Vortragverbands am 17. d. Mts. im Kaiſerſaal
über „Richard Wagners Parſival” zu bedeutend
ermäßigten Preiſen am Verkehrsbureau bei Vorzeigen
der Mitgliedskarte ausgegeben werden.
Deutſcher Wehrverein. Der angekündigte
Vor=
trag des Herrn Gene almajor Keim, des Begründers
und Vorſitzenden des Deutſchen Wehrvereins, findet
nunmehr am Dienstag, den 22. April abends, im großen
Saal der Turngemeinde (Woogsplatz) ſtatt. General
Keim, als alter Heſſen=Darmſtädter vielen bekannt, hat
als Gegenſtand ſeines Vortrags gewählt: „Weltlage
und Wehrfragen”. Indem auf die demnächſtigen
Anzeigen in den Blättern verwieſen wird, bemerkt man,
daß zur Deckung der Unkoſten ein Eintrittsgeld von
25 Pfg. pro Karte erhoben wird und daß der Eintritt
nur gegen Vorzeigung ſolcher Karten geſtattet iſt. Da
bei der Perſönlichkeit des Vortragenden und dem
Gegen=
ſtand des Vortrags ein ſtarker Andrang zu erwarten iſt,
nicht jedermann aber über die Zeit verfügt, um
ent=
ſprechend früh ſich einzufinden, ſo wird eine beſchränkte
Anzahl numerierter Sitze zu 1 Mk. und 50 Pfg. an den
gleichen Vorverkaufsſtellen ausgegeben. Es empfiehlt
ſich daher, ſich alsbald mit dieſen Karten zu verſehen.
Der Reinertrag der Veranſtaltung fließt den Zwecken
des Deutſchen Wehrvereins zu. Es wird ausdrücklich
darauf aufmerkſam gemacht, daß Frauen und Mädchen
Zutritt zu dem Vortrag haben. Bei dem Intereſſe, daß
gerade die deutſche Frau an dem Ausbau der Wehrpflicht
hat, der die älteren Jahrgänge im Kriegsfall entlaſtet,
iſt die zahlreiche Beteiligung von Frauen und Mädchen
erwünſcht.
Der Kaufmänniſche Verein Darmſtadt iſt in
der angenehmen Lage, ſeinen Mitgliedern vor Schluß
der Winterſaiſon nech einen intereſſanten Vortrag bieten
zu können von Herrn Profeſſor Dr. Henning aus
Leipzig über Richard Wagners „Parſifal” Gerade
jetzt, wo man darüber ſtreitet, ob die Schutzfriſt für
dieſes — wohl das bedeutendſte Werk — des Meiſters
verlängert werden ſoll oder nicht, dürfte es von
be=
ſonderem Wert ſein, ſich über dasſelbe eingehend zu
unterrichten. (Sih. Anzeige)
C. Der Nachwinter. Die ſo jäh hereingebrochene
Kälte=
periode bei einer bereits weit vorgeſchrittenen Vegetation
iſt die Folge einer beſonders im Frühling häufigen Luft=
ninftigen Zug gewichen; man hat erkannt, daß in unſerer
Leit der natürliche Raum für Bildniſſe das Zimmer des
Privatmannes iſt, mit deſſen Wandgröße das Format im
Enklange ſtehen muß; daß ein Porträt dann am
wohl=
trendſten auf das Auge wirkt, wenn es das Allzugrelle
vormeidet.
So ſchuf Ueberlegung und ein ſicherer Inſtinkt
eigent=
licch das bürgerliche Porträt, das den Keim des
Lebens ſowohl in praktiſcher, als auch in künſtleriſcher
Hin=
ſichht in ſich trägt. Und wenn geſunde, kernig=kraftvolle
Oerke nichts von dem äſthetiſchen Hautgout, von der
kapri=
zööſen Ueberfeinerung haben, die der Gourmetgeſchmack
von heute bevorzugt, ſo reden ſie dafür eine Sprache, die
allle Zeiten, auch die entfernteſten, noch verſtehen
werden.
Das bürgerliche Porträt iſt urdeutſch. Ungebrochen
dautſch der künſtleriſchen Geſinnung nach iſt von unſeren
drei großen Meiſtern Grünewald, Dürer, Holbein nur der
erſſte: Dürer liebte Italien, Holbein lebte viel in England.
hiolbein iſt beſonders in ſeinen Bildniſſen in der
Me=
die der Linien und dem ausgeglichenen Wohllaut des
Kplorits, ſowie in der kühlen Sachlichkeit beiden
Kunſt=
ganoſſen überlegen, von denen ihn Dürer durch
Tief=
gründigkeit des künſtleriſchen Gedankens und durch die
Ktraft des Rhythmus noch übertrifft. Man findet in
Tüirers Porträts deutſche Mannhaftigkeit und deutſchen
ertmor, deutſches Gemüt und deutſchen Tiefſinn; man
fndet auch Geſchmack und formale Schönheit. Auch
Cra=
uch war der Interpret von Dingen, die ewig mit dem
Leutſchtum verbunden ſcheinen. Treuherzigkeit und
pro=
imzielle Gemütlichkeit verbinden ſich in ſeinen Bildniſſen
zu einem komiſchen und doch ſehr herzigem Ganzen.
Im Wandel der Zeiten hat Waldmüller dem
korträt eine moderne Faſſung gegeben. Mit ſpitzem Pinſel
und zeichneriſcher Schärfe ſchreibt er die Umriſſe hin. Die
onnegebadete Helligkeit ſeiner Bilder iſt etwas Einziges
der Kunſt jener Jahre. Wie einſt Holbein wirft er mi
erblüffender Sicherheit die Charaktere hin und wirkt
urch ſeine fröhliche Farbigkeit und weiche Grazie.
Leibl und der junge Trübner bildeten fort, was dieſe
hinterließen. In Wilhelm Leibl haben wir den großen
Meiſter der Malkunſt, den Deutſchland im 19. Jahrhundert
hervorbrachte. Er zeigte, was auf den Schultern von
Holbein und Dürer malen heißt und machte ſo das
Erd=
reich wieder urbar für reine Malerei. In ſeinen Bildern
iſt echt, wahr, unverfälſcht das Leben von Menſchen
ge=
ſchildert. Er machte aus Bauern Weſen von Fleiſch
und Blut, knochig=herbe Individualitäten. Er ging
ſeinen Weg mit jener ſchroffen Entſchiedenheit wie nur
die Großen ſie haben. Nie ſah er auf den Beifall der
Menge, nie hat er dem Modegeſchmack gedient.
Von demſelben hohen künſtleriſchen Ernſt war der
junge Trübner beſeelt; auch er blickte mit ehrlichem,
andächtig frommem Auge in die Natur und trug dazu bei,
der vergeſſenen Kunſt des Malen=Könnens einen Boden in
Deutſchland zu bereiten. Geſunde Natürlichkeit und
kraft=
volle Schlichtheit ſind die Kennzeichen ſeiner Bildniſſe;
ſie ſind ausgezeichnet durch ſtrenge Sachlichkeit in Farbe
und Poſe und durch unerhörte Meiſterſchaft der Mache.
Goethe ſagt treffend in den „Wahlverwandtſchaften”.
daß man niemals mit einem Porträt zufrieden iſt von
Perſonen, die man kennt; die Porträtmaler ſollen einem
eden ſein Verhältnis zu den Perſonen, ſeine
Neig=
ung und Abneigung mit in ihr Bild aufnehmen; ſie ſollen
nicht bloß darſtellen, wie ſie einen Menſchen faſſen,
ſon=
dern wie jeder ihn faſſen würde. Die neueſte
Beweg=
ung in der bürgerlichen Bildnismalerei ſucht die alten
Formen zwar nicht zu zerbrechen, ſich aber ihrer zu
erweh=
ren. Man hat das Bewußtſein gewonnen, daß die Alten
nur in ihrem Geiſte verſtanden, nicht in ihren Manieren
geiſtlos wiederholt werden ſollen.
So werden Dürers Worte: „Denn wahrhaftig ſteht
die Kunſt in der Natur, wer ſie heraus kann reißen, der
hat ſie, mit neuer Macht lebendig”; und mehr denn je
haſſen wir hohlen Pathos und freuen uns der
Menſchen=
deutung der Alten — Holbein Dürer — und der Jungen
Leibl, Trübner — und halten Ausſchau unter den
Jüngſten, die mutig genug dieſe Linie fortſetzen.
Zufällig ſind zurzeit in Schneiders Kunſtſalon
in Frankfurt am Main Bildniſſe eines jungen
Wieners ausgeſtellt, der berufen ſcheint durch ſeine
unbedingte Redlichkeit und durch die beſtimmte
Begabung dem hier als richtig geſteckten Ziel
Viktor Hammer war
entgegenzugehen.
ſchon in der letzten Sommerausſtellung der Wiener Sezeſ
ſion viel beachtet: tatſächlich führt er auch eine ganz
be=
ſtimmte Linie weiter; er fühlt ſich zu Holbein, Waldmüller,
Leibl, Trübner hingezogen und verſucht wie dieſe Meiſter,
die Dargeſtellten möglichſt ſcharf zu charakteriſieren. Man
ſieht, daß nicht Uebertreibung und nicht ſymboliſierende
Charakteriſierung, ſondern Wahrheit, in anſtändigem Tone
hervorgebracht, ebenſo wirkſam iſt, wie wenn ſie, den
Lärm der Zeiten übertönend, laut hinausgebrüllt wird.
Eine gewiſſe Gleichmäßigkeit in der Anſchauung kann
als Konvention ausgelegt werden; dieſe Gleichmäßigkeit
iſt aber tiefer fundiert. Es ſoll kein Momentbild ſein,
ſondern ein möglichſt zuſammenfaſſendes Urteil über
den Dargeſtellten, eine Schilderung ſeines Weſens mit
einem gewiſſen Ernſt und einer gewiſſen Feierlichkeit.
Hammer verlangt von ſeinem Modell Aufrichtigkeit und
Unbefangenheit, und darttm iſt nichts vorhanden, was
er=
innert an Schönermachen, Embellieren, Idealiſieren und
was dergleichen Umſchreibungen für den Begriff
Eitel=
keit ſind.
Bei näherer Betrachtung fällt eine große
Verſchieden=
heit in den Stellungen der Dargeſtellten auf, wie
über=
haupt ein großer Teil der Aehnlichkeit des Gemalten im
richtigen Herausbringen der Eigenbewegung
der=
ſelben begründet iſt. Sie iſt das Primäre, das, was
un=
bedingt aufbauend und wichtig iſt, und muß in den Raum
geſetzt und zum Bilde gerundet werden. Dem Modell wird
keine Stellung aufgezwungen, ſondern der Maler richtet
ſich ganz nach ihm. Der Künſtler ſcheint die
Dargeſtell=
ten in ihrem perſönlichen Moment erfaßt zu haben; man
beachte nur die jedesmalige Auffaſſung von Kopf und
Händen.
Wir wollen vorläufig damit zufrieden ſein, daß es
ſich allenthalben reat und daß als bürgerliche Maler im
Sinne der altdeutſchen Porträtiſten berufene Kräfte
vor=
handen ſind, die höchſt ſympathiſche Schlichtheit der
Auf=
faſſung, kraftvolle Sicherheit der Ausführung und herbe
Dr, L. O.
Klarheit des Kolorits zeigen.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Nummer 87.
druckverteilung, die kalte Nord= und Nordweſtwinde
her=
vorruft. Die Nächte ſind meiſt heiter, wodurch die
Aus=
ſtrahlung gefördert wird, und die Tage wolkig mit
ge=
legentlichem Schneegeſtöber, ſo daß die Temperatur ſinken
muß und die Nachtfröſte unausbleiblich ſind. Letztere
be=
gannen in Darmſtadt am letzten Samstag mit einem Grad
Celſius und verſtärkten ſich am Sonntag auf 3,8 Grad
während die folgende Nacht ſchon etwas gelinder war
—3,2). Zu dieſer Temperaturerniedrigung trug ferner
eine Schneedecke von anfangs ſechs Zentimeter Höhe bei,
die erſt am Montag ſchwand. Die Magnolien und
ver=
einzelt auch junges Nuß=, Kaſtanien= und Buchenlaub ſind
erfroren. Inwieweit die Obſtblüte Schaden gelitten hat,
läßt ſich wohl erſt in einigen Tagen beurteilen. Dieſe
Vorgänge erinnern lebhaft an die Jahre 1902 und 1903.
Wie im gegenwärtigen Jahr, hatte auch das Jahr 1903
einen ungewöhnlich milden März, dem ein abnorm kühler
April folgte, der vom 13. bis 16. Schneefälle und Froſt
brachte. Im Jahre 1902 gab es ſogar am 7. und 8. und
14. und 15. Mai noch Schnee und Froſt, und ſelbſt in
Darm=
ſtadt, das ſeit 1850 keinen Maifroſt gehabt hatte, ſank am
8. das Thermometer unter den Gefrierpunkt. — Geſtern
hörten die Schneefälle auf und die Temperatur ſtieg bis
auf 6 Grad. Für heute ſtellt der amtliche Wetterbericht
weitere Beſſerung in Ausſicht.
** Mazdaznan=Kochkurſus. In der kommenden Woche
wird Fräulein Hedwig Ammann=Leipzig Vorträge
halten über richtige Zuſammenſtellung der
Speiſen bei praktiſcher Vorführung von Koſtproben
Die heilſamen Wirkungen der Diät werden beſprochen hin
ſichtlich der verſchiedenen Temperaturen, ſodann für
Kopf=
arbeiter, für körperlich Arbeitende, für Mütter und
Kinder, bei akuten und chroniſchen Krankheiten; ſerner
für die Jahreszeiten. Es werden die nachteiligen Folgen
ungeeigneter Zuſammenſtellungen der Nahrung, ſowie der
Ueberernährung betrachtet werden. Dem Wirkungskreis
der Frau wird eine große Bedeutung beigemeſſen.
Nähe=
res wolle man dem Anzeigenteil entnehmen.
* Kinotheater. Olympia=Theater. Von heute
bis einſchl. Freitag bringt das Olympia=Theater ein ganz
außergewöhnlich zuſammengeſtelltes Programm: Zwei
große Schlager: „Die gelbe Roſe” ein Drama aus der
Verbrecherwelt, und „Lincoln als Deckenläufer” in 3 Akten.
Ein ſpannendes und tief ergreifendes Drama iſt „Der
Far=
mer und der hungernde Vogel‟ Die Gaumontwoche tritt
wieder als der ſchnellſte Berichterſtatter im Bild auf.
Herr=
liche Naturaufnahmen und Humoresken vervollſtändigen
das Programm. (Siehe Anz.)
Pfungſtadt, 14. April.
Im Krieger= und
Militärverein ſprach geſtern nachmittag Herr Lehrer
Steinacker von Schaafheim, über „Die heſſiſche
Di=
viſion im Kriege 1870/71‟ In lebendigen Worten ließ
der Redner ein Bild der Geſchehniſſe von 1870/71 an denen
die heſſiſchen Truppen beteiligt waren, vor dem geiſtigen
Auge der Veteranen und ſonſtigen Zuhörer vorüberziehen.
Packende Schilderungen aus den Kampfen bei Gravelotte,
an der Loire und über die kühn durchgeführte Erſtürmung
des Schloſſes Chambord weckten nochmals die Erinnerung
der tapferen Mitſtreiter an jene Erlebniſſe. Der
Vor=
ſitzende des Kriegervereins, Herr Bürgermeiſter Lang,
dankte dem Vortragenden und gab an der Hand des vom
Oberſten Becker verfaßten Werkes noch einige näheren
Er=
läuterungen über den Anteil der heſſiſchen Truppen am
Feldzuge von 1870/71
Gernsheim, 14. April. Die Eiſenbahnverwaltung hat
jetzt ihre Pläne für den Umbau unſeres
Emp=
fangsgebäudes fertiggeſtellt, die weſentliche
Ver=
beſſerungen des ſeitherigen Zuſtandes: der Dienſtzimmer,
Warteſäle und Gepäckabfertigung vorſehen.
Offenbach, 14. April. Der 21 Jahre alte
Handlungs=
gehilfe Ludwig Melchior der bei der Firma Gebrüder
Schmaltz in der Frankfurterſtraße angeſtellt war, iſt nach
Unterſchlagungen in Höhe von 10000 Mark
ſüchtig geworden. Sein Aufenthalt konnte bis
jetzt noch nicht feſtgeſtellt werden. — Die auf dem hieſigen
Markt regelmäßig anweſende Eier= und Butterhändlerin
Frau Hamburger aus Dörnigheim iſt ſeit Samstag
abend verſchwunden. Die Frau, die nach Hauſe
fahren wollte, wurde am Samstag abend auch in Hochſtadt
von ihrem Manne abgeholt, um ſich in deſſen Begleitung
nach Dörnigheim zu begeben. Dort ſind aber beide nicht
angekommen. Da die Frau das Marktgeld bei ſich führte,
ſo befürchtet man, daß beide einem Verbrechen zum
Opfer gefallen ſind.
Höchſt, 14. April. Unter dem Vorſitze des
Gemeinde=
rechners Lang von Erbach tagte im Gaſthauſe „Zum
Löwen” in Höchſt i. O. eine ſehr zahlreich beſuchte Ge=
meinderechner=Verſammlung des Kreiſes
Erbach. Kontrollinſpektor Simon von der
Landesver=
ſicherungsanſtalt des Großherzogtums Heſſen hatte in
liebenswürdigſter Weiſe das Referat übernommen und
entledigte ſich ſeiner Aufgabe in über zweiſtündigem
Vor=
trage über Unklarheiten in der neuen
Reichsverſicherungs=
ordnung mit großer Sachkenntnis. Alle Anfragen, welche
aus der Mitte der Verſammlung an ihn gerichtet wurden,
beantwortete er in eingehender Weiſe. Von dem
Vor=
ſitzenden und auch vom Rechner Luſt von Erlenbach wurde
der Wunſch geäußert, daß von Zeit zu Zeit noch weitere
ſolche Vorträge ſtattfinden ſollten, was von der
Verſamm=
lung mit großer Begeiſterung aufgenommen wurde.
In=
ſpektor Simon betonte noch zum Schluſſe, daß er gerne
be=
reit ſei, derartige Vorträge im Intereſſe der
Verſammel=
ten zu halten, Der Vortrag wurde von den Anweſenden
mit großem Beifall aufgenommen. Der Vorſitzende ſchloß
hierauf mit Worten des Dankes an den Vortragenden die
ſehr anregend verlaufene Verſammlung und erhoben ſich
zum Zeichen der Anerkennung, die Anweſenden von ihren
Sitzen.
W. Lampertheim, 13. April. Der Durchbruch im
hieſigen Hafen iſt jetzt vollendet. Die Kähne, die
ſeither in der Richtung Mannheim kamen, mußten zur
Weiterfahrt wieder ins freie Waſſer geſchleppt werden.
Durch die Durchfahrt wird den kleinen Schiffen und
Nachen ein größerer Zeitverluſt erſpart werden.
Mainz, 13. April. Am Sonntag mittag um 12 Uhr
begaben ſich 160 Mann Pioniere aus Mainz nach
Obernheim, wo ſie gegen 5 Uhr eintrafen. Die Pioniere
ſollen dort in Gegenwart des Kaiſers
Schanz=
arbeiten nach römiſchem Muſter vornehmen. Am
Montag früh werden ſie um 6 Uhr ausrücken und um 8 Uhr
ihre Arbeiten in der Nähe der Saalburg beginnen. Die
Führung der Truppe iſt General Hildmann, Oberſt
Dreißig und Hauptmann Stiller anvertraut; außerdem
werden an dem Unternehmen noch weitere neun Offiziere
teilnehmen. In Begleitung der Mannſchaften befinden ſich
fünf Gerätewagen und Feldküche. Die Arbeiten werden
vorausſichtlich mehrere Tage in Anſpruch nehmen. Sobald
der Umſang eines fingierten Lagers abgeſteckt ſein wird,
ſoll dies durch einen Wall verſchanzt werden. Der
Gra=
ben war bei den Römern ungefähr doppelt ſo breit wie
tief und lief unten ſpitz zu. An der Saalburg war der
Graben 18 römiſche Fuß — 5 Meter — breit und 9 bis
10 römiſche Fuß tief. Der Erdwall war ungefähr 3,5
Me=
ter hoch und mindeſtens ebenſo breit, um die Verteidiger
zu faſſen und nötigenfalls Türme und Geſchütze tragen
zu können. Verſtärkt wurde er auch durch Raſenbelag und
Bruſtwehren; letztere beſtanden aus geflochtenen
Deck=
ſchirmen mit Zinnen, die den ganzen Mann deckten,
wäh=
rend die Deckſchirme etwa bis zur Bruſt reichten. Die
Reiſigbündel für das Flechtwerk werden ſich unſere
Pio=
niere aus dem dortigen Gehölze verſchaffen müſſen.
Mainz, 14. April. Mit Beginn des
Sommer=
fahrplans ungünſtigſten Falles einige Tage ſpäter,
erhält die Stadt Mainz die direkte Verbindung
mit dem Rheingau. In früheren Jahren gab es von
Kaſtel aus viele direkte Rheingauzüge, die infolge der
neuen Verkehrsregelung durch Erbauung des Bahnhofs
Biebrich=Oſt wegfielen Von Mainz aus direkte Züge zu
fahren, war unmöglich, da die Geleiseinrichtungen in
Biebrich=Oſt nicht genügten. Das iſt jetzt geändert worden
und der Umbau wird in wenigen Tagen vollendet ſein.
Die Züge halten aber nicht in Biebrich=Oſt, wo kein
ge=
nügender Bahnſteig vorhanden iſt, ſondern in Biebrich=
Weſt. Man wird jedenfalls zunächſt einen
Trieb=
wagenverkehr einrichten, der ſich leicht in Zugverkehr
umwandeln läßt. Die Zahl der Züge wird nach beiden
Richtungen zunächſt gering ſein. Die
Eiſenbahnverwal=
tung legt großen Wert auf die Inbetriebnahme der neuen
Strecke am 1. Mai oder Anfang Mai, damit die Züge noch
in alle Fahrpläne aufgenommen werden können. Die
Pro=
teſte aus Wiesbaden gegen die Schaffung direkter Züge
Mainz=Rheingau waren ſehr gering, ſie hörten ganz auf,
als bekannt wurde, daß vollſtändig neue Züge geſchaffen
werden, Wiesbaden alſo kein beſtehender Zug
weggenom=
men wird. So darf man hoffen, daß die neue Verbindung
für Mainz und ſeine Bewohner die erwarteten Vorteile
bringen wird.
Sörgenloch, 13. April. Durch den elektriſchen
Strom lebensgefährlich verletzt wurde ein
hieſiger Maler, der mit dem Anſtreichen der Maſten der
Hochſpannleitung beſchäftigt war. Er kam durch ſeinen
Pinſel mit den Drähten in Berührung, wurde ſo vom
Strom getroffen und ſtürzte von der Höhe ab. Außer
ſchweren Brandwunden erlitt er ſehr bedenkliche innere
Verletzungen, ſo daß an ſeinem Aufkommen
ge=
zweifelt wird.
Worms, 14. April. Der mit einer ſchweren
Kopfver=
letzung geſtern in dem Weinberg an der Speyererſtraße
aufgefundene Gärtner und Wingertsmann, der ſich die
Verwundung beim Spatzenſchießen zugezogen hat, iſt im
Städtiſchen Krankenhaus ſeiner Verletzung erlegen.
In der Hagenſtraße, nächſt der Römerſtraße, wurde.
geſtern abend der 27 Jahre alte Fuhrmann Fritz Koch
aus Dittelsheim auf der Straße liegend aufgefunden. Er
klagte über heftige Leibſchmerzen, was er auf den
Genuß von Büchſenbohnen zurückführte. Da ſich inzwiſchen
Vergiftungserſcheinungen einſtellten und er
ſich nicht weiter bewegen konnte, wurde er ins Städtiſche
Krankenhaus gebracht. Beim Auspumpen des Magens
kamen tatſächlich Bohnen zum Vorſchein, die Koch geſtern
in ſeiner Heimat Dittelsheim gegeſſen haben will.
In=
zwiſchen hat ſich Bewußtloſigkeit eingeſtellt. Ob indes
Lebensgefahr beſteht, läßt ſich noch nicht ſagen.
Genſingen, 14. April. Die Nahebrücke zwiſchen
Genſing en und Langenlonsheim wird nun
demnächſt zur Tatſache werden, nachdem der Gemeinderat
von Genſingen ſeine Genehmigung erteilt
und die Koſten bewilligt hat. Die Brücke erhält zwei
Pfeiler, mit einer lichten, mittleren Spannweite von 46
Meter, während die rechte und linke Spannweite je 25.
Meter beträgt. Die Brücke wird demnächſt öffentlich
aus=
geſchrieben und noch in dieſem Jahre erbaut werden. Die
Koſten trägt die preußiſche und heſſiſche Seite je zur Hälfte.
Kunſtnotizen.
(eber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Konzert des Haynſchen Frauenchors.
Am 21. April hält der Haynſche Frauenchor im
Kaiſer=
ſaal ſein diesjähriges Konzert ab. Der Chor, der im
vori=
gen Jahre durch ein größeres Konzert die allgemeine
Auf=
merkſamkeit auf ſich lenkte und dem Kritik und Publikum
warme Sympathie und Anerkennung entgegenbrachten,
wird auch in dieſem Jahre durch ein fein ausgewähltes
Konzert=Programm erfreuen. Der Chor hat ſich inzwiſchen
unter der umſichtigen Leitung ſeines Dirigenten, Herrn
Hans A. Hayn, bedeutend entwickelt, ſo daß auch
die=
ſes Konzert vielſeitiges Intereſſe erwecken wird. Als
Soliſt des Abends wurde Herr Kammerſänger Weber
gewonnen. Da man den allverehrten Künſtler als Lieder=
und Konzertſänger in Darmſtadt ſchon längere Zeit nicht
mehr hörte, ſo ſteht den Beſuchern ein ganz beſonders
genußreicher Abend in Ausſicht. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 13. April. Auch am
Sonn=
tag hat die eiſige Witterung, die in weiten Teilen
Deutſchlands und auch im Auslande ſeit einigen Tagen
einſetzte, angehalten. Die Temperaturen gingen
ſtellen=
weiſe bis auf 10 Grad Kälte herunter. In Werder und
Kaputh, ſowie in der Gartenſtadt Guben ſah es geſtern
abend traurig aus. Von einer Baumblüte war nur noch
ſehr wenig zu bemerken. Die Blüten bedeckten den Boden
Die Obſtzuchter werden ſich an den Nordweſtſturm noch
lange erinnern. Er hat ihnen auf Jahre hinaus Schaden
zugefügt. Zahlreiche alte Gartenbäume ſind dem Sturm
zum Opfer gefallen. — Direktor Juppa, der bis zu dem
vor wenigen Tagen erfolgten Zuſammenbruch die
Leitung des Appollo=Theaters führte, iſt geſtern
infolge plötzlich aufgetretener Geiſteskrankheit nach einem
Sanatorium gebracht worden. — Wegen Familienſtreits
ſuchte ſich geſtern in der Lothringer Straße die 22 Jahre
alte Metallſchleiferfrau Weber mit ihren beiden Kindern
im Alter von zwei und drei Jahren durch Leuchtgas
zu vergiften. Sie wurde beſinnungslos auf dem
Fußboden der Küche mit dem Gasſchlauch im Munde
auf=
gefunden. Die Kinder erholten ſich bald wieder. Die
Mutter wurde nach der Charité gebracht. Sie hatte ſich,
wie die Ermittelungen ergaben, auch einen Revolver
ge=
kauft, den ſie aber nicht benutzen konnte, da ihr das Ent=
Zu dem angeblichen
ſichern der Waffe nicht gelang.
Schülermord in Charlottenburg verlautet, daß
das unter Mordverdacht verhaftete Dienſtmadchen Heinrich
aus Rummelsburg geſtern nach Berlin übergeführt und
in Moabit ſofort von dem zuſtändigen Staatsanwalt
ver=
nommen wurde. Viel Neues brachte die Vernehmung
nicht. Die H. mußte anerkennen, daß ſie vor dem
Rum=
melsburger Unterſuchungsrichter das Geſtändnis ſelbſt
ab=
gelegt und auch das darauf bezügliche Protokoll
unter=
ſchrieben hat. Wie auch bei dem letzten Verhör vor dem
Rummelsburger Unterſuchungsrichter blieb ſie geſtern da=
Konzerte.
Der Sängerchor des Darmſtädter
Leh=
rervereins hatte zu ſeinem zweiten Winterkonzert am
Samstag abend, das leider nicht den ſonſt gewohnten
zahlreichen Beſuch zu verzeichnen hatte, als Soliſtin die
Konzertſängerin Frau Paula Werner=Jenſen aus
Berlin gewonnen. Die Künſtlerin iſt in den Konzertſälen
Darmſtadts wie auch als Bühnenſängerin ſeit Jahren
beſtens bekannt und wurde dementſprechend ſchon beim
Erſcheinen mit lebhaftem und herzlichem Beifall
empfan=
gen. Sie ſang das Lied der Dalila (Saint=Saéns), drei
Lieder von H. J. Moſer und zwei Lieder von P
Schein=
pflug. Eine Auswahl, die den überraſchend ſchönen und
reichen Stimmitteln Gelegenheit zur Entfaltung ihres
Glanzes bot und auch die vorzügliche Sanges kunſt in
allen Variationen zeigte. Frau Werner=Jenſens Alt iſt
von ungewöhnlicher Tiefe und prachtvoller dunkler, weicher
Klangfarbe. Ihre auf vorzüglicher Schule baſierende
Ge=
ſangs= und Atemtechnik meiſtert trefflich das ſchöne Organ,
und ausgeprägtes künſtleriſches Empfinden eint mit
ſeelen=
vollem Vortrag und reſtloſer Erſchöpfung des Textgehaltes
der Geſänge in dieſem ſich zu einer Wirkung, die der
Künſtlerin von vornherein alle Herzen gewinnt und ihren
Geſang zu einem reinen äſthetiſchen Genuß erhebt. Das
Lied der Dalila litt im Vortrag ein klein wenig unter
einer leichten Befangenheit, war aber geſanglich eine
durchaus einwandsfreie Leiſtung. In dem poeſievollen,
zart geſungenen Lied „Die Stimme des Abends” von
Moſer, dann in dem temperamentvollen Lied des
Schiffer=
mädels und mehr noch in dem m. E. am beſten gelungenen
„Johannesfeuer” von Scheinpflug erwies ſich die
Künſt=
lerin dann als Meiſterin des Vortrags und der
Nüan=
cierung im Geſang. Der rauſchende und dankbare, aber
auch verdiente Beifall veranlaßte ſie zu mehreren Zugaben
die u. a. aus dem „Hohen Lied” von Arnold Mendelsſohn
das köſtlich geſungene Stark wie der Tod iſt die Liebe‟
brachte. Wir möchten der Hoffnung Ausdruck geben, der
ſympathiſchen Künſtlerin bald wieder in Darmſtadt zu
be=
gegnen.
Das Programm war im übrigen vornehmlich dem
Volkslied gewidmet. deſſen Pflege ſich der Lehrerſängerchor
mit Recht beſonders angelegen ſein läßt. Es bedarf bei
den doch faſt durchweg geſchulten Sängern kaum der Be=
tonung, daß die Chorgeſänge auf hoher künſtleriſcher Stufe
ſtanden. Mit feinem Verſtändnis für den Charakter der
Dichtungen und die muſikaliſchen Schönheiten der
Kompo=
ſitionen hatte Herr Wilhelm Borngäſſer, der
lang=
jährige Dirigent des Chors, die Geſänge einſtudiert, und
mit Verſtändnis und Takt leiſteten die Sänger ihm
Ge=
folgſchaft, ſo daß der ſtarke Beifall, der jedem Vortrag
folgte, wohlverdient war. Der Abend brachte die drei
Männerchöre: „Herzlich tut mich erfreuen”, „Innsbruck, ich
muß dich laſſen” Madrigale, bearbeitet von Max Reger
bezw. Hugo Jüngſt, und „Frühlingslied” (mit Klavier)
von Fr. Schubert, dann Fr. Schuberts „Geſang der
Geiſter über den Waſſern” (achtſtimmg), die vier
Volks=
lieder für Männerchor: „Rot Röslein”, „Ständchen”. „
Jä=
gers Morgenbeſuch” und „Bunte Blumen” ſämtlich
bear=
beitet von Hugo Jüngſt, und zum Schluſſe drei
Volks=
lieder für Männerchor aus dem „Volksliederbuch”,
her=
ausgegeben auf Veranlaſſung Sr. Majeſtät des deutſchen
Kaiſers Wilhelm II.: „Horch, was kommt” bearbeitet von
Philipp Wolfrum. „Standchen”, bearbeitet von Ottomar
Neubner, und „Liebesentzücken” bearbeitet von Georg
Schumann. Am Flügel wirkte mit künſtleriſchem
Verſtänd=
nis Herr Auguſt Niebergall von hier.
M. St.
mm. Die vierte Matinee der
Kammer=
muſikvereinigung der Herren Hofrat W. de Haan,
Hofkonzertmeiſter Ernſt Schmidt, Konzertmeiſter
Schnurrbuſch, Hofmuſiker Gims und Andrä
be=
ſchloß am Sonntag im Muſikvereinsſaale die
Kammer=
muſikvorträge dieſes Winters. Das ſelten gehörte
Streichquartett von Giuſeppe Verdi, das einzige
des Komponiſten, ſtand am Anfang des Programms und
es iſt gewiß für jeden Muſikfreund recht intereſſant, auch
ein Kammermuſikwerk des fruchtbaren melodienfreudigen
Opernkomponiſten zu hören. Von den vier Sätzen
ent=
ſpricht dem ſtrengen Kammerſtil am meiſten der erſte; doch
ind am gefälligſten die beiden Mittelſätze, das tanzartige
Andantino und das prickelnde Preſtiſſimo. Verdi, der
Meiſter in der Behandlung der geſangvollen Melodie,
liebt es nun einmal, die Kantilene in größter Breite
aus=
zudehnen und ſchreibt für die einzelnen Inſtrumente recht
dankbar. Deshalb iſt das Werk, in welchem man freilich
keine allzu tiefſinnigen und philoſophiſchen Reflexionen
ſuchen wird, im Ganzen recht wohlklingend und gefällig.
Während man gegenwärtig in
Kammermuſikauffüh=
rungen faſt nur Inſtrumentalwerke vorzutragen pflegt
liebte man es früher, Vokalſachen, wie Kammerduette,
Kammerkantaten und Madrigale, überhaupt alles, was
nicht durch eine Handlung an die Bühne gebunden
war=
aufzuführen. Mit Glück hat ſich dieſer alten Uebung auc
einer unſerer jetzt lebenden beſten Melodiker, Waldema
von Baußnern, angenommen. Seine „Sechs
Kam=
merlieder” für Sopran, Flöte, Klarinette und
Streichquar=
tett, die in der Matinee zu Gehör kamen, zeichnen ſich
durch eine ins einzelne gehende kunſtvolle Ausgeſtaltung
und Durchführung der muſikaliſchen Gedanken aus und
gehören zu den wertvollſten Kammerſtücken. Frau Sophie
Schmidt=Illing ſang die Lieder mit vollendeter
Sicherheit, und ihre vorzügliche Ausſprache der franzöſi
ſchen und italieniſchen Worte trug viel zur
Verſtändlich=
keit derſelben bei. Ihre hohen. reinen Soprantöne
ver=
einten ſich beſonders bei dem zarten „Se tu m’ami” (
Per=
goleſe) mit den weichen Flöten= und Klarinettenmelodien
zu einem dem Saitenquartett gegenüberſtehenden
reizvol=
len Terzett. Von den deutſchen Liedern erinnerte das
hei=
tere erſte in ſeiner Inſtrumentalbegleitung ſehr an die
klangfrohe deutſch=ungariſche Heimat des Tonſetzers,
wäh=
rend das zweite („Die ſtolze Schönheit”) in dem ſatten
farbenreichen Ausdruck ſeiner Tongänge und wahrhaft
ſchönen Harmonien zu dem Schönſten gehört, was in
dieſem Stil erfunden werden kann. Die Herren
Kammer=
muſiker Köhler und Winkler führten mit den
Quartettiſten die Begleitung mit der größten
Anpaſſungs=
fähigkeit und ſoliſtiſchem Ausdruck aus; die Inſtrumente
klangen zur Singſtimme wie ein ideales Begleitinſtrument.
Der Künſtlerin Frau Schmidt=Illing wurde mehrfacher
Hervorruf zuteil.
Den Schluß bildete R. Schumanns Trio, op. 63,
für Klavier, Violine und Violoncell, von den Herren
Hof=
rat de Haan, Schmidt und Andrä ſtimmungsvoll
ausgeführt, deſſen Adagio am meiſten Eindruck machte.
Dieſe letzte Matinee war mit ihrem gut gewählten.
und vielſeitigen Programm ein hübſcher Abſchluß, der
Veranſtaltungen, die in ihrer jetzigen Zuſammenſetzung
ſo viel Schönes gebracht hatten und ſo gut zuſammen
wirk=
ten. Herrn Hofkonzertmeiſter Schmidt wurde eine hübſche
Blumenſpende als Zeichen der Verehrung gicht
Nummer 87.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Seite 3.
bei, daß ihr Geſtändnis falſch ſei und Ernſt Tiemann aus
ihr nicht bekannten Gründen Selbſtmord verübt habe.
Sie habe lediglich ihrem Verlobten, dem angeblichen
Möbelhändler Schwarz, zu Gefallen den ihr von dieſem
ſuggerierten Mord eingeſtanden. Weiteres war vorläufig
In der
aus der Verhafteten nicht herauszubringen.
Nacht erbrach ein in der Drogenabteilung beſchäftigter
Angeſtellter des Warenhauſes Tietz am
Alexander=
platz in der Goldwarenabteilung Schränke und
Verkaufs=
tiſche und raubte für mehr als 20000 Mark Goldwaren
und Juwelen. Darauf ließ er ſich an einem in der
Sport=
abteilung entwendeten Strick hinab und entkam. Auf die
Ergreifung des Täters ſind 200 Mark, auf die
Herbeiſchaf=
fung der geſtohlenen Waren 300 Mark Belohnung von der
Direktion des Warenhauſes ausgeſetzt.
Saalburg, 14. April. Der Kaiſer verweilte heute
längere Zeit auf der Saalburg, in deren Nähe von
Main=
zer Pionieren heute damit begonnen wird, eine alte
römi=
ſche Schanze aufzuwerfen.
Straßburg i. E., 14. April. Nach einem Gutachten des
Vorſtehers der Pſychiatriſchen Klinik in Straßburg wurde
der frühere Zahlmeiſteraſpirant Wolter, der
Urheber des falſchen Kaiſer=Alarms, für dauernd
irrſin=
nig erklärt. Wolter iſt bereits für dauernd in einer
Irrenanſtalt untergebracht.
Landau (Pfalz), 14. April. Als am Sonntag
nach=
mittag der Streckenarbeiter Johannes Hochdörfer aus
Nußdorf auf der Strecke Landau- Böchingen der
elektri=
ſchen Oberlandbahn Schnee ſchaufelte, wurde er von
einem elektriſchen Wagen erfaßt und bis nach
Böchingen geſchleift, wo man ihn am Wagen hängend
vor=
fand. Schwer verletzt wurde er ins Krankenhaus nach
Landau gebracht, wo er nach wenigen Stunden verſtarb.
Germersheim, 13. April. Freitag abend wurde in
Speyer ein beſſer gekleideter Herr durch zwei
Kriminal=
ſchutzleute an der Rheinbrücke beobachtet. Sein auffälliges
Gebaren veranlaßte die Schutzleute, ihm zu folgen und
ihn im „Rheiniſchen Hof” zu verhaften. Es wurde
nichts bei ihm von Bedeutung gefunden, doch wurde
feſt=
geſtellt, daß der Verhaftete ein franzöſiſcher
Pionieroffi=
zier iſt. Weiter wurde feſtgeſtellt, daß er Freitag
nachmit=
tag 4 Uhr 30 Minuten mit Fahrkarte zweiter Klaſſe von
Mainz kommend in Germersheim eingetroffen, dort aber
wieder 5 Uhr 32 Minuten nach Speyer gefahren ſei. Mit
dem Offizier ſoll noch eine andere Perſon mit Fahrkarte
vierter Klaſſe von Mainz aus in die Pfalz gefahren ſein,
wahrſcheinlich ein Diener oder Helfershelfer.
Hamburg, 14. April. Heute morgen wurde in ihrer
Wohnung die 32jährige Schneiderin Luiſe Schiche tot
aufgefunden. Nach dem Befund der Polizei iſt der
Tod durch Erſticken herbeigeführt worden. Der Mord muß
in der Nacht zum Sonntag erfolgt ſein. Spuren ſind nicht
vorhanden.
Magdeburg, 14. April. Dem franzöſiſchen
De=
putierten Compére=Morel, der heute in zwei
ſozialdemokratiſchen Verſammlungen über den „Kampf
des franzöſiſchen Proletariats” ſprechen wollte, wurden
bei ſeiner Ankunft am Samstag vom Polizeipräſidenten
die Anſprachen, ſowie das Erſcheinen in den
Verſamm=
lungen unter Androhung ſofortiger Ausweiſung
ver=
boten. Vor dem Verſammlungslokal wurde ihm das
Verlaſſen der Autodroſchke nicht geſtattet, vielmehr wurde
er und der Chefredakteur der Volksſtimme, Bader, zum
Polizeipräſidium gebracht, wo ihnen bedeutet wurde, daß
auch der Garten des Lokals als zum Verſammlungsort
gehörig betrachtet werde. Da für heute abend eine
Ge=
neralverſammlung der eingeſchriebenen‟ Parteimitglieder
feſtgeſetzt wurde, erhielt der franzöſiſche Deputierte
nach=
mittags eine Verfügung, wonach das Verbot gegen ſein
Auftreten ſich auch auf nichtöffentliche Verſammlungen
erſtrecke. Compöre=Morel, der polizeilich überwacht
wurde, fuhr darauf nach Braunſchweig, wo er am
Montag in einer öffentlichen Verſammlung reden ſoll.
Wien, 14. April. Das von Sturm begleitete Schnee=
und Froſtwetter, das auch geſtern andauerte, richtete
in zahlreichen Gegenden ſchwere Schäden in Obſt=, Wald=
und Gartenkulturen an. Ein beſonders heftiger
Schnee=
ſturm wütete in den Bergen. Zahlreiche Touriſten
er=
froren die Glieder, ſo daß ſie in den Schutzhütten
behan=
delt werden mußten. — Der Schneeſturm hat im
Stadt=
gebiet Peſt ungeheueren Schaden angerichtet. 1200
Tele=
phonleitungen ſind außer Betrieb geſetzt. Der
Telegraphen=
verkehr zwiſchen den Eiſenbahnſtationen und der Direktion
iſt teilweiſe geſtört. Von den unterirdiſchen Leitungen
ſind nur 12 intakt. Die Ausbeſſerungsarbeiten werden
mehrere Tage in Anſpruch nehmen.
Nancy, 14. April. Sechs junge Deutſche die
durch Murren in einem hieſigen Café die Vorſtellung des
Stückes „Ulan Fritzle” geſtört hatten und nachher die
fran=
zöſiſche Armee verſpottet haben ſollen, wurden aus dem
Lokal verwieſen. Die Menge nahm lebhaft Stellung
gegen die Deutſchen und zwang ſie, in dem Warteſaal des
Bahnhofes zu bleiben, bis der erſte Zug nach Metz abging.
Es wird behauptet, daß es ſich um deutſche Offiziere
handelte.
New=York, 12. April. Ceferino Men de z, der
kürzlich gewählte konſervative Bürgermeiſter von Cien=
fugos in der Provinz Santa Clara auf Kuba, iſt geſtern
von einer Bande ermordet worden, die ihm auf der
Straße auflauerte. Er wurde durch Schüſſe buchſtäblich
durchlöchert. Das Motiv der Tat ſoll politiſcher Natur
ſein. Sechs der Tat verdächtige Perſonen wurden bereits
verhaftet. Die Behörden ſind der Anſicht, daß der Mord
zu einem blutigen Streit zwiſchen den Konſervativen und
Liberalen Anlaß geben wird.
Täbris, 13. April. Die deutſche Kolonie feierte geſtern
die Vollendung des Baues der deutſchen
Teppich=
fabrik. Der deutſche Handelsagent wies in ſeiner Rede
auf die Bedeutung der Fabrik für die Entwickelung des
deutſchen Handels in Aſerbeidſchan hin.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 13. April. Der
Sonderaus=
ſchuß der Zweiten Kammer für die Reviſion der land
ſtändiſchen Geſchäftsordnung ſetzte geſtern ſeine
erſte dilatoniſche Beratung über den abgeänderten
Geſetz=
entwurf fort, in welcher auch die zweite Hälfte von Art. 39
ab mit den vorgeſchlagenen Abänderungen eingehend
durchgeſprochen wurde. Beſondere prinzipielle
Beſtim=
mungen wurden dabei nur wenig in Ausſicht genommen.
Einer eingehenden Erörterung wurden namentlich die
Vorſchriften über die Diſziplinarbefugniſſe des
Kammer=
präſidenten während der Kammerverhandlungen
unter=
zogen, zu denen bekanntlich ein Antrag der Fraktion des
Bauernbundes auf Erweiterung der Machtbeſugniſſe des
Präſidenten vorliegt; auch die Diätenfrage wurde
beſpro=
chen und beſonders darauf hingewieſen, daß die
Tagegel=
der für die Abgeordneten in Heſſen den Bezügen in den
anderen Bundesſtaaten gegenüber recht minimal ſind, und
daß auch die Ungerechtigkeit der ſeitherigen Beſtimmung,
wonach den in Darmſtadt wohnenden Abgeordneten
keiner=
lei Vergütung gewährt wird, beſeitigt werden ſollte.
Irgendwelche Beſchlüſſe wurden jedoch in dieſer Sitzung
noch nicht gefaßt. Zum Referenten für die Vorlage iſt
Ab=
geordneter Dr. Schmitt beſtellt worden, der bis Anfang
Mai die bei der erſten Beratung hervorgehobenen
Abſich=
ten und Abänderungsvorſchläge für den neuen
Geſetzent=
wurf näher formulieren wird. Am 7. Mai ſoll alsdann eine
zweite Leſung der Vorlage im Sonderausſchuß erfolgen.
Der Nieder=Modauer
Bank=
krach vor der Strafkammer.
Siebenter Verhandlungstag.
g. Am geſtrigen Verhandlungstage wurde zunächſt
Herr Kreisaſſiſtenzarzt Dr. Beſt als Sachverſtändiger
über den Geſundheitszuſtand des Angeklagten Beck
ver=
nommen. Beck habe im vorigen Jahre im
Unterſuchungs=
gefängnis mehrere Anfälle von Herzkrämpfen gehabt. Beck
ſei ſchwer herzleidend und hochgradig nervös. Es ſei
möglich, daß dieſe Nervoſität die Veranlaſſung war, daß
Beck ſich manche Vergeßlichkeiten zuſchulden kommen ließ.
Sodann wurde in der Vernehmung des Zeugen Reviſor
Müller fortgefahren: Beck habe an rückſtändige
Schuld=
ner Mahnbriefe geſchrieben, ohne daß er Kopien davon
zurückbehalten habe. Er habe überhaupt viel überflüſſige
Arbeit geleiſtet. In die Bilanz für 1909, als der
Fehl=
betrag von 327000 Mark ſich ergeben hatte, ſollte eine
Summe von 60000 Mark eingeſtellt werden zur Tilgung
der Schulden, die von der Genoſſenſchaftsbank zur
Ver=
fügung geſtellt werden ſollten. Der Angeklagte Ihrig
habe geſagt, man ſolle nicht die Summe von 267000 Mark
einſtellen. Die Summe ſei zu rund. Ihrig erklärt dieſe
Aeußerung damit, er wollte nicht, daß eine runde Summe
eingeſtellt werden ſollte, ſondern der Verluſt, der
tatſäch=
lich feſtgeſtellt war. Die Summe von 60000 Mark wurde
1909 eingeſtellt, 1910 aber nicht mehr. Zeuge Reviſor
Müller gibt dann eine Aeußerung des Angeklagten
Ihrig wieder, die etwa lautete: Wenn ich nur erſt einmal
die Bank geſichert habe, dann iſt es mir egal, was aus
Nieder=Modau wird. Der Rechner Neff ſei auf ſeine
An=
regung noch angeſtellt worden, weil Beck nicht ſeine Pflicht
ſo erfüllte, wie er ſollte. Die Uebernahme des Verluſtes
von 52000 Mark erfolgte auf Anregung von Ihrig, der in
ſeinem Vorſchlag beantragte, den Schuldſchein der Bank
in Depot zu geben. Das ſtehe nach der Angabe des
Ange=
klagten Ihrig nicht in Widerſpruch damit, daß der Schein
päter als Sicherheit abgetreten wurde, denn in den
Sta=
tuten der Bank, die auch von Nieder=Modau anerkannt
worden ſeien, ſtehe ausdrücklich, daß alle Depots der
Ge=
noſſenſchaften, die ſich bei der Bank befinden, gleichzeitig
als Sicherheiten gelten. Auf Befragen durch Reg.=Rat
Baſtian gibt Zeuge an, bei der Schuldanerkennung über
275000 Mk., ſei wohl niemand vom Vorſtand und
Aufſichts=
rat der Meinung geweſen, daß ſie etwas aus ihrer
Taſche bezahlen müßten. In einem Geheimbericht an
Be=
heimerat Haas hat Zeuge ausgedrückt, die ganze
Behand=
lung des Nieder=Modauer Vereins durch die
Genoſſen=
ſchaftsbank ſehe nicht nach einer Hilfe aus. Ferner, daß
die V.=V.=G. der Genoſſenſchaft ſehr nützlich ſein könnte, wenn
ihr für ihre Hypotheken bares Geld gegeben würde, anſtatt
der ſchlechten Pfandbriefe. Der Angeklagte Ihrig gibt
die Erklärung ab, daß nach ſeiner Auffaſſung die
Unter=
ſchreiber der Schuldurkunde von 275000 Mark dem
Ver=
ein gegenüber hafteten, der Verein wiederum zedierte den
Schein an die Genoſſenſchaftsbank, ſo daß der Verein
wohl berechtigt war, die 275000 Mark in die Aktiva
einzu=
ſtellen.
Die Vernehmung des Zeugen Rechtsanwalt Dr. Th.
E. Hofmann, des Konkursverwalters, entrollt das
geſamte Elend, das durch die Mißwirtſchaft über Nieder
Modau hereingebrochen iſt. Er führte aus: Er hatte zu
nächſt Bedenken, die Bücher ohne weiteres als
ge=
nau und zuverläſſig anzunehmen. Es wurden deshalb
den Schuldnern Schuldanerkenntniſſe zugeſandt. Das
Ergebnis bewies, daß die Bücher nach dem Stand vom 19.
Dezember 1911, dem Tag der Konkurseröffnung, im
weſent=
lichen durchaus in Ordnung waren. Bei der Aufſtellung
der Konkursbilanz wurden bei den verſchiedenen
Forde=
rungen entſprechende Abſchreibungen vorgenommen, vor
allem bei der Forderung an die Mitglieder. Der
Geſchäfts=
anteil der Kreditbank im nominellen Betrag von 100000
Mark wurde auf 50 Prozent abgeſchrieben. Nach dieſen
Abſchreibungen betrug die Aktiva 926 970,50 Mark. In die
Paſſiva waren einzuſtellen Spareinlagen von 1635000
Mark, die Forderung der Genoſſenſchaftsbank 369000 und
Ausfallsforderungen der V.=V.=G. von 443857 Mark u. a
für die Hypothek Darmſtädter Hof in Höhe von 4560
Mark. Die Paſſiven betrugen insgeſamt 2521019 Mark,
ſo daß ein Verluſt von 1594048,93 Mark beſtand. Dieſe
Konkursbilanz wurde Ende April vom Amtsgericht
Rein=
heim genehmigt und darauf die Vorſchußzahlungen der
Mitglieder feſtgeſtellt. Es waren damals 196 haftpflichtige
Mitglieder vorhanden. Es wurde feſtgeſtellt, daß
zweifel=
los das geſamte Vermögen der Vereinsmitglieder nicht
hinreichen würde, den Verluſt zu decken. Deshalb wurde
vorgeſchlagen, alle Mitglieder zur Zahlung von 200000
Mark, dem Vermögen des reichſten Mitgliedes
heranzu=
ziehen. Dieſer Vorſchlag wurde am 10. Mai 1912 vom
Konkursgericht gebilligt und als vollſtreckbar erklärt. Die
Folgen dieſes Beſchluſſes waren, daß man panikartig
be=
gann, alles mögliche beiſeite zu ſchaffen, nachdem ſchon im
Auguſt 1911 von verſchiedenen Mitgliedern mit derartigen
Schiebungen vorgegangen worden war. Alle dieſe
Schie=
bungen mußten ſämtlich durch Prozeſſe angefochten
wer=
den, die faſt durchweg in erſter Inſtanz gewonnen
wur=
den. Die Konkursverwaltung hatte das Beſtreben, zu
ver=
hüten, daß die Leute von Haus und Hof vertrieben
wer=
den. Dies wurde durch Verhandlungen angeſtrebt. Dieſe
Verhandlungen hätten ihm die traurigſten Erfahrungen
gezeigt und wären jedenfalls die traurigſten geweſen, die
er je geführt habe. Von ihm ſeien dann Regreßklagen
gegen Genoſſenſchaftsbank, Ihrig und V.=V.=G.
einge=
reicht worden. Dieſe Klagen habe er eingereicht, weil er
den Eindruck bekommen habe, daß die Genoſſenſchaftsbank
und Direktor Ihrig den Kreditverein nicht in der richtigen
Weiſe beraten habe, weil ſie durch fortgeſetzte
Bilanzver=
ſchleierungen den Verein geſchädigt haben, denn bei
rich=
tiger Bilanzaufſtellung hätte der Nieder=Modauer Verein
ſchon mindeſtens nach der Bilanz vom 31. Dezember 1909
Konkurs anmelden müſſen, was aber durch die
Bilanzver=
ſchleierung verhindert worden ſei. Durch die
Verhinde=
rung des Konkurſes habe, wie er in der Klagebegründung
ausführte, die Genoſſenſchaftsbank ſich die Möglichkeit
verſchafft, ihre Forderungen, die ſich nach der Bilanz vom
31. Dezember 1909 auf rund 1 272000 Mark belaufen haben,
nach und nach bis Ende 1911 zu ermäßigen bis auf 369000
Mark. Ferner ſei der Verein durch die Einlöſung der
Wechſel Adam=Roßmann geſchädigt worden. Die dann
mit dem Vertreter der Genoſſenſchaftsbank geführten
Ler=
ſtändigungsverhandlungen führten im Dezember 1912 zu
einem Vergleich, durch den die Forderung der Bank, die
urſprünglich 369000 Mark betragen habe, ſich aber durch
verſchiedene Richtigſtellungen auf rund 350000 Mark
ſchließlich belief, auf 130000 Mark ermäßigt wurde, gegen
Uebergabe einer Hypothek von 20000 Mark. Ferner
über=
nahm die Genoſſenſchaftsbank die Engagements mit der
V.=V.=G., wofür ihr der Geſchäftsanteil der V.=V.=G.
übereignet wurde. Dadurch wurde die Paſſiva des
Kon=
kurſes um rund 650000 Mark verbeſſert, die
Ueberſchul=
dung betrug alſo noch rund 1 Million Mark, es mußte
demnach noch immer das geſamte
Ver=
mögen der Mitglieder in Anſpruch
genom=
men werden. Die Verbeſſerung kam nach der
Kon=
kursordnung lediglich den Spareinlegern zugute. Das
Vermögen Iſaaks und Pallmanns wurde nicht
herange=
zogen, weil man erſt die Feſtſtellungen des Prozeſſes
ab=
warten wollte, dann müſſe auch wohl die
Zahlungsfähig=
keit des Jſaak geprüft werden. Durch die Mitgliedſchaft
des Konſumvereins Nieder=Modau bei dem Spar= und
Kredit=Verein wurden von den 60 Mitgliedern noch 30,
die nicht Mitglieder des Spar=und Kredit=Vereins waren,
in den Konkurs hereingezogen. Zu dieſen Mitgliedern
gehörte auch Pallmann. Die Mitgliedſchaft Pallmanns
wird von deſſen Nachlaßpfleger beſtritten., da P. ſich wohl
Feuilleton.
* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Emil
Preetorius=München iſt das neueſte (März=)
Heft der Berliner Zeitſchrift Das Plakat
gewid=
met; zahlreiche, vortreffliche Abbildungen (zum
Teil mehrfarbige Sonderdrucke) und ein
ausführ=
licher Text beleuchten des Künſtlers Leiſtungen auf dem
Gebiete des Inſerat= und Plakatweſens ſowie verwandten
Gebieten. — Ueber den gleichen Künſtler bringt das
inter=
nationale, in mehreren Sprachen erſcheinende Organ,
Do=
kumente des Fortſchritts, eine prägnante, durch
charakte=
riſtiſche Bildbeiſpiele illuſtrierte Publikation, die
Pree=
torius als eine der ſtärkſten Erſcheinungen unter den
mo=
dernen Buchilluſtratoren würdigt. — Die
Ausſtel=
llung des Deutſchen Künſtlerbundes in
Mannheim, findet in dieſem Jahre in ſämtlichen
Räumen der mächtig aufſtrebenden ſtädtiſchen Kunſthalle
zu Mannheim ſtatt. Die Eröffnung erfolgt am 4. Mai
die Ausſtellung ſelbſt wird bis zum Oktober dauern. Wie
man uns aus Mannheim ſchreibt, ſind über 2000 einzelne
Kunſtwerke angemeldet worden — ein Reſultat, das um
ſo bemerkenswerter iſt, da die Mannheimer Ausſtellung
rmit der Konkurrenz ähnlicher Ausſtellungen in Düſſeldorf,
Leipzig, Kaſſel, Stuttgart und Baden=Baden zu kämpfen
lhat, ganz abgeſehen natürlich von Berlin und München.
In die Jury, die in dieſen Tagen zuſammentritt, wurden
ffolgende Herren gewählt: Max Clarenbach, Profeſſor
Hagen, Graf von Kalckreuth, Geh. Rat Kuehl, Profeſſor
Stuck, Profeſſor Grethe, Profeſſor Hahn, G. Klimt,
Pro=
ffeſſor Liebermann. Profeſſor Trübner, Profeſſor von
Habermann, Dr. Ferd. Hodler, Geh. Rat Klinger,
Pro=
ffeſſor Slevogt, Profeſſor Tuaillon. — Leopold
Reich=
ſwein der erſte Kapellmeiſter des Karlsruher
Hof=
ttheaters, hat ſein Entlaſſungsgeſuch als erſter Fefkapell=
meiſter eingereicht, nachdem er für den jetzt das
Mün=
chener Hoftheater leitenden Bruno Walter vom 1. Auguſt
als Kapellmeiſter der Wiener Hofoper verpflichtet worden
iſt. Die Genehmigung ſeines Entlaſſungsgeſuchs durch
Jenny v
Bary=
den Großherzog ſteht noch aus.
Douſſin, die ausgezeichnete Münchener Bildhauerin,
die Gattin von Kammerſänger Prof. A. v. Bary, hat
ſo=
eben den Auftrag erhalten, für die Aula der Münchener
Univerſität eine Büſte des Prinz=Regenten Ludwig von
Bayern zu ſchaffen. Es iſt wohl das erſtemal, daß ein
ſolcher offizieller Auftrag in die Hände einer Künſtlerin
ge=
langte. Zwei neue Arbeiten der Frau v. Bary, Büſten
Richard Wagners, wurden vor kurzem im Hoftheater in
Braunſchweig und im Stadttheater in Magdeburg auf=
Die Parſifal=Premiere in Zürich
geſtellt.
übte auf das Publikum eine tiefgehende Wirkung aus.
Die Aufführung dauerte von 4 Uhr nachmittags bis 9½
Uhr abends.
CK. Die Dame mit der Flötenſtimme. Für „die
höchſte Stimme in England” hat der bekannte
Geſang=
lehrer Sir George Power die Stimme von Patricia
Plowman erklärt, einer jungen Sängerin, die demnächſt in
einem Konzert vor die Oeffentlichkeit tritt. Ihr Organ
wird in der ganzen muſikaliſchen Welt Aufſehen erregen,
denn es umfaßt drei Oktaven und reicht vom hohen A bis
zum E im Alt. Die reizende junge Irin iſt ſelbſt am
mei=
ſten überraſcht über das Stimmwunder, das man an ihr
entdeckt hat, und äußerte ſich darüber zu einem
Korreſpon=
denten: „Ich habe immer ſehr gern geſungen, und da ich
einen ſchönen, ſehr hohen Sopran hatte, ſo wollte ich mir
ein Taſchengeld verdienen durch Singen bei Diners und
Feſtlichkeiten. Das war vor etwa einem Jahr, und
da=
mals kam ich bis zum hohen A. Da hörte mich mein
Muſik=
lehrer zufällig und ſagte, daß in meiner Stimme große
Möglichkeiten läger. Er führte mich zu Sir George
Power, und nun kam die große Ueberraſchung. Nachdem
ich eine kurze Zeit ſtudiert hatte, gewann meine Stimme
außerordentlich an Ausdehnung. Heute erreiche ich
mühe=
los das E in Alt, und wenn ich noch zwei weitere Noten
gewinne, dann habe ich drei Oktaven.” Beſonders wird
der warme rührende Ton dieſer „Flötenſtimme” geprieſen,
und die engliſchen Blätter betonen, daß nun die „
unſing=
bare” Partitur der Königin der Nacht in Mozarts
„Zauberflöte” zum erſten Male von einer engliſchen
Stimme in der vorgeſchriebenen Höhe geſungen werden
wird.
Die ſieben Todſünden des modernen jungen
Mannes. Die franzöſiſche Zeitſchrift, Der Pariſer
Ge=
ſchmack, hat den jungen Damen ihres Leſerkreiſes die
fol=
gende ſchickſalsſchwere Frage vorgelegt: „Welches ſind
die ſieben ſchlimmſten Fehler des modernen jungen
Man=
nes?” und eine ſehr große Anzahl Antworten erhalten.
Das Reſultat, das einen intimeren Einblick in die
An=
ſchauungen der modernen Damen, als in die der jungen
Männer gewährt, ſtellt den Egoismus als den größten
Fehler des ſtärkeren Geſchlechts hin. 10011 Stimmen
nannten dieſes Laſter. An zweiter Stelle ſteht die
Faul=
heit, auf die ſich 7412 Stimmen einigten. Die
Gecken=
haftigkeit erhielt 7405 Stimmen, die Au
sſchweiſ=
ung 6401, die Spielleidenſchaft 6317. Als ſechſte
Todſünde käme die Unmäßigkeit mit 5091 Stimmen
und als ſiebente der Mißbrauch des Sports mit
5044. Sehr viel kleinere Stimmzahlen ſind dann noch auf
Unbeſtändigkeit, Geiz, Feigheit und Eiferſucht gefalle.
Mit an letzter Stelle ſtehen Schlechtigkeit und Dummh. t.
Das junge Mädchen von heute verdammt vor allem
Egoismus und Faulheit, weil ſie die Haupthinderniſſe
ind, die der Frau das luxuriöſe und behagliche Leben
un=
möglich machen. Der Mann ſoll möglichſt wenig an ſich
denken und möglichſt viel für die Frau arbeiten. Deshalb
treten die eigentlichen Charakterfehle ig arſer Liſte der
männlichen Todſünden zurück,
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Nummer 87.
als Mitglied beim Konſumverein angemeldet habe, aber
ſeine Aufnahme erſt nach ſeinem Tode beſchloſſen wurde.
Dieſer Einwand ſei in erſter Inſtanz abgewieſen. Es
wird aber von dem Nachlaßpfleger Berufung verfolgt.
Von dem Vermögen Adams war nichts
zur Konkursmaſſe heranzuziehen, da deſſen
Liegenſchaften hypothekariſch belaſtet ſeien, ſo viel er wiſſe,
zugunſten der V.=V.=G. Ueber das Vermögen der Witwe
Roßmann ſei der Konkurs verhängt worden, das
Ver=
fahren ſchwebt noch, da die Durchführung außerordentlich
erſchwert wird durch die Auseinanderſetzungen mit den
Erben. Seiner Auffaſſung nach habe die
Genoſſenſchafts=
bank Opferwilligkeit nicht bewieſen
Um 1 Uhr wird die Verhandlung auf Dienstag
ver=
tagt.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 14. April. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Minuten mit folgenden
Worten: Wie Ihnen bekannt iſt, meine Herren, iſt geſtern
gegen Seine Majeſtät den König von Spanien, einer
Na=
tion, mit der wir uns in den beſten freundſchaftlichen
Be=
ziehungen befinden, ein fluchwürdiges Attentat verübt
worden. Ich bin ſicher, in Ihrer aller Namen zu ſprechen,
wenn ich der Freude darüber Ausdruck gebe, daß Seine
Majeſtät unverſehrt geblieben iſt. (Bravo!) Sie haben
ſich von Ihren Sitzen erhoben. Ich konſtatiere das. (Die
Sozialdemokraten waren ſitzen geblieben.)
Hierauf beginnt die
zweite Beratung des Etats für das Auswärtige Amt.
Abg. Baſſermann berichtet über die
Verhand=
lungen in der Kommiſſion. Die Kommiſſion beantragt
u. a. folgende Reſolutionen: 1. Den Reichskanzler zu
er=
ſuchen, Maßnahmen zu treffen, durch welche der Zugang
zum diplomatiſchen Dienſt den Befähigten ohne Rückſicht
auf ihre Vermögensverhältniſſe ermöglicht wird. 2. Den
Reichskanzler zu erſuchen, mit dem nächſtjährigen
Reichs=
haushaltsetat eine Denkſchrift über den Ausbau des
orien=
taliſchen Seminars zu einer deutſchen Auslandshochſchule
vorzulegen. 3. Den Reichskanzler zu erſuchen, mit dem
nächſten Reichshaushaltsetat eine Denkſchrift über die
deutſchen Schulen im Auslande vorzulegen.
Staatsſekretär v. Jagow: Ueber die
Entſtehungs=
geſchichte des Balkanbundes habe ich bei der Beratung des
Auswärtigen Etats in der Kommiſſion Auskunft erteilt.
An dieſer Stelle auf das Thema näher einzugehen, möchte
ich mir verſagen, da die Frage nach Lage der Dinge wohl
nur noch hiſtoriſches Intereſſe bietet. Der Auffaſſung, daß
die deutſche Diplomatie in der Balkankriſe verſagt habe,
vermag ich mich nicht anzuſchließen. Wann und ob ein
Krieg ausbricht, meine Herren, iſt meiſt ein Rateſpiel, das
auch die Nächſtbeteiligten nur in den ſeltenſten Fällen zu
löſen wiſſen werden. Der Zeitpunkt des Kriegsausbruchs
konnte von uns ebenſowenig wie von den Diplomaten
der übrigen Großmächte vorausgeſehen werden. Wenn
wir bis zum letzten Augenblick hofften, daß ſich das ſeit
geraumer Zeit drohende elementare Ereignis verhüten
laſſen würde, ſo will ich gern zugeben, daß hierbei bis zu
einem gewiſſen Grade der Wunſch der Vater des
Ge=
dankens geweſen ſein mag. Vorzeitig aber ſich zum
An=
walt des Peſſimismus zu machen, können wir uns in
ſol=
chen Fällen ſchon mit Rückſicht auf das Wirtſchaftsleben
Deutſchlands nicht erlauben, dem eine vielleicht unnötige
Beunruhigung unter allen Umſtänden erſpart bleiben muß.
Die Chancen für eine baldige Wiederherſtellung des
Frie=
dens am Balkan haben ſich im Laufe der hinter uns
liegen=
den Wochen in erfreulicher Weiſe vermehrt. (Beifall.) Die
Antwort der Mächte auf die letzte Note der Verbündeten
wird jetzt in den Hauptſtädten der Balkanſtaaten überreicht.
Wir haben Anlaß, zu hoffen, daß ihr eine günſtige
Auf=
nahme beſchieden ſein wird. Die Skutari=Frage, die
zeit=
weiſe einen bedrohlichen Charakter annahm, dürfte dank
der einmütigen Haltung der Großmächte das akute
Sta=
dium überwunden haben, dank der Einmütigkeit der Mächte
bei der Flottenaktion. (Erneuter Beiſall.) Serbien hat
be=
reits angekündigt, daß es ſeine Truppen zurückziehen will
Ein Verdienſt um die Klärung der Lage gebührt der
ruſſi=
ſchen Regierung, die mit dem kürzlich ausgegebenen
Com=
munigué erneut ihren feſten Willen dokumentiert hat, ſich
von den in London gefaßten Beſchlüſſen nicht zu trennen.
Es darf gehofft werden, daß Montenegro ſich unter den
gegebenen Umſtänden in das Unabänderliche fügen und
dem Willen Europas Rechnung tragen wird. Die
Peters=
burger Verhandlungen über den rumäniſch=bulgariſchen
Konflikt nähern ſich dem Abſchluß und dürften zu einem
für beide Teile annehmbaren Ergebnis führen. Wenn
wir bei den Verhandlungen nach Kräften für die
rumäni=
ſchen Wünſche eingetreten ſind, ſo wurden wir hierzu
ein=
mal durch die lanajährigen freundſchaftlichen Beziehungen
veranlaßt, die zwiſchen uns und Rumänien beſtehen,
ſo=
dann war für uns die Erwägung maßgebend, daß
Ru=
mänien der einzige Staat am Balkan war, der den
Wün=
ſchen Europas Gehör geſchenkt und auf ein kriegeriſches
Eingreifen verzichtet hat. Rumänien iſt unter der weiſen
Regierung des Königs Karol bisher immer ein Element
des Friedens und der Regierung geweſen. Auf
Einzel=
heiten einzugehen, muß ich mir verſagen, da die
Verhand=
lungen ſchweben. Den Gang der Ereigniſſe am Balkan
zu hindern, lag nicht in unſerer Macht und war nicht
unſere Aufgabe. Wir werden aber dafür eintreten, daß
bei der endgültigen Liquidation des Krieges unſere
finan=
ziellen und Handelsintereſſen nach Möglichkeit vor Schaden
bewahrt bleiben. Die Balkanſtaaten, die in dieſem Kriege
einen Beweis nationaler Kraft gegeben haben, werden es
ſich ſicherlich angelegen ſein laſſen, nach Friedensſchluß mit
dem gleichen Ernſt und der gleichen Entſchloſſenheit an die
kulturelle Erſchließung der eroberten Gebiete zu gehen.
Auf Deutſchlands Mitarbeit können ſie hierbei zählen. Die
Türkei, die mit ſchweren Wunden, aber ehrenvoll aus dem
Kampfe hervorgeht, findet in reichen und erſt zum Teil
erſchloſſenen aſiatiſchen Gebieten ein weites Feld für neue
Kräftigung und Erſtarkung. Wir hoffen, bei den noch
be=
vorſtehenden Verhandlungen Gelegenheit zu haben, an
un=
ſerem Teile daran mitzuarbeiten, daß der Türkei die
Er=
füllung dieſer Aufgaben nicht erſchwert wird. (Beifall.
Abg. Bernſtein (Soz.): Wir erkennen an, daß der
Reichskanzler, wie er es neulich betonte, den Frieden will.
Es wäre ja auch unglaublich, wenn von unſerem
leiten=
den Staatsmann nicht der Friede gewünſcht würde, wie
er es in ſeiner beruhigenden Rede beſonders hervorheben
zu ſollen glaubte. Er hat aber damit ein gut Teil ſeiner
Begründung der Wehrvorlagen aus der Hand gegeben.
Daß ſich die Balkanvölker gegen die Türkei erhoben haben,
war das überraſchend? Es war kein Zuſall, es war die
notwendige Folge einer Reihe von Ereigniſſen, an
denen unſere auswärtige Politik nicht unbeteiligt
war. Wir begrüßen es, daß die Balkanvölker
be=
freit ſind, im Intereſſe der Balkanvölker und des
türkiſchen Volkes ſelbſt, das niemals zu einer
vernünftigen Entwicklung gekommen wäre. Mit
ſei=
nem Vorgehen in der Tripolisaffäre hat Italien ein
ſchlechtes Beiſpiel gegeben; es war ſelbſtverſtändlich, daß
die Balkanvölker alsbald dieſem Beiſpiel folgen würden.
Zuzugeben iſt, daß das europäiſche Konzert den Weltkrieg
vermieden hat, aber es iſt ein trauriges Zeichen, daß das
überhaupt noch betont werden muß. Bei der Neuregelung
der Dinge auf dem Balkan iſt auch dafür zu ſorgen, daß
die Inſeln entſprechend der Nationalität ihrer
Bevölke=
rung verteilt werden. Die armeniſche Frage muß ſchnell
geregelt werden. An den Zuſtänden ſind nur Deutſchland
und Rußland ſchuld, die aus Rückſicht auf die türkiſche
Freundſchaft von energiſchen Schritten ſich abhalten ließen
Der Berliner Vertrag iſt in vielen Punkten noch nicht er
füllt. Auch Rumänien muß angehalten werden, dem
Ber=
liner Vertrage zu entſprechen, namentlich hinſichtlich der
dortigen Juden. Bezüglich Chinas ſollten wir der klugen
Politik des neuen Präſidenten der Vereinigten Staaten
folgen und die neue Republik China alsbald anerkennen
Den Werbeverſuchen der franzöſiſchen Fremdenlegion auf
deutſchem Boden muß ſcharf auf die Finger geſehen
wer=
den, beſonders, wenn es ſich um Minderjährige handelt.
Der Verwahrung Englands gegen die Auslegung des
Panamakanalvertrages müſſen wir uns anſchließen. Was
wir immer erklärt haben, daß unſere Intereſſen denen
Englands nicht entgegengeſetzt ſeien, wird jetzt von allen
Seiten anerkannt. Trotzdem wird weiter gerüſtet, nur im
Intereſſe und auf Betreiben der Panzerplattenfabrikanten.
Wir verlangen, daß die deutſche Regierung gegenüber den
Abrüſtungsvorſchlägen ſich nicht ablehnend verhält. Auch
mit Frankreich wollen wir in Frieden leben. Das iſt auch
der Wille der Mehrheit des franzöſiſchen Volkes. Leider
iſt das Verhältnis zwiſchen den beiden Nationen durch
die neuen Wehrvorlagen erheblich verſchlechtert worden.
An dem Gegenſatz zwiſchen Germanentum und
Slawen=
tum iſt bloß unſere Polenpolitik ſchuld.
Abg. Fürſt zu Löwenſtein=Wertheim=Roſenberg
(Ztr.): Wir wünſchen, mit allen Nationen in Eintracht und
Frieden zu leben. Deshalb wird auch die Polenpolitik
von uns nicht gutgeheißen. Der Kommiſſions=Reſolution
über die Zuziehung Befähigter zum diplomatiſchen Dienſt
ſchließen wir uns voll an. Im Intereſſe unſeres
Han=
dels ſollte, wenn China als Republik anerkannt werden
ſollte, dies möglichſt bald geſchehen. Gegen die weitere
Belagerung von Skutari müſſen wir Proteſt erheben, denn
das iſt kein Krieg mehr gegen die Türkei, ſondern gegen
Albanien. Erfreulich iſt die Entſpannung zwiſchen
Deutſch=
land und England. Unſere Bundestreue zu Oeſterreich
iſt nicht ein Produkt der Tätigkeit eines Staatsmannes
ſondern ſie beruht auf alter, hiſtoriſcher, natürlicher
Grund=
lage. Wenn wir in letzter kritiſcher Zeit wiederholt
Oeſter=
reich zur Seite geſtanden haben, ſo kann auch für uns die
Zeit kommen, wo wir der Treue eines Bundesgenoſſen
bedürfen. — Abg. v. Richthofen (natlib.): Auch wir
halten die Politik, daß wir treu an der Seite Oeſterreichs
ſtehen, für richtig. Es iſt aber nicht geraten, die
arme=
niſche Frage anzuſchneiden, ſonſt kann Rußland Gelegen
heit haben, ein Wörtchen mitzuſprechen. Die Fortſetzung
des Krieges ſcheint mir viel mehr eine Preſſion auf die
Mächte zu ſein, denn wohl keine Macht hat nicht mit den
wirtſchaftlichen Intereſſen unter der Fortdauer des
Krieges zu leiden. Eine Einigung über die
Bagdad=
bahn iſt nötig. Die Folge wäre jedenſalls eine
weitere Entſpannung zwiſchen England und
Deutſch=
land. In China ſtehen große Handelsintereſſen für uns
auf dem Spiel. Amerika hat ein großes Intereſſe an
guten handelspolitiſchen Beziehungen zu Deutſchland. Wir
haben deshalb das Vertrauen, daß Amerika dieſe
Be=
ziehungen nicht ſchädigt. In der Diplomatie kommt es
uns nur darauf an, daß nur die Tüchtigſten zum
diploma=
tiſchen Dienſt herangezogen werden. Die Kommiſſions=
Reſolution iſt deshalb die conditio sine qua non unſerer
Forderungen. Ohne ſie iſt eine Reform unſeres
diploma=
tiſchen Dienſtes nicht durchführbar. Es iſt in der
öffent=
lichen Meinung die Anſicht vertreten, wenn unſere
Diplo=
matie immer richtig vorgegangen wäre, wären die neuen
Wehrvorlagen nicht nötig geweſen. Die Oeffentlichkeit
muß von der Politik der Regierung unterrichtet werden,
damit man auch im Auslande ſieht, daß die Nation hinter
der Politik der Regierung ſteht.
Staatsſekretär v. Jagow: In China iſt ſoeben ein
Parlament zuſammengetreten, deſſen Arbeiten wir beſten
Erfolg wünſchen. Die Anerkennung der Republik kann
aber erſt erfolgen, wenn die Verhältniſſe in China zu
einem gewiſſen Abſchluß gekommen ſind. Es iſt auch geſagt
worden, daß die Anerkennung abhängig gemacht werden
ſolle von der Annahme der Anleihe. Beide Dinge haben
durchaus nichts miteinander zu tun. Wenn der erſte
Prä=
ſident gewählt worden iſt, dann werden wir auch Cbina
anerkennen. Wenn unſer Handel mit China beſondere
Fortſchritte nicht gemacht hat, ſo liegt das einmal an der
allgemeinen Stagnation, andererſeits auch an den
deut=
ſchen Kaufleuten, die das Deutſche nicht zur Geltung
brin=
gen. Die Forderungen nach weiteren Konſulaten werden
von uns ſtets wohlwollend geprüft werden. So iſt in
dieſem Etat ein Konſulat für Shanghai gefordert; die
Er=
richtung eines Konſulats in Jünnanfu iſt in Erwägung
ge=
zogen. Die Förderung des Schulweſens wird von uns
ſtets durchgeführt. So unterſtützen wir ſieben chineſiſche
Sprachſchulen, eine mediziniſche und eine techniſche Schule.
Es iſt von einer Kriſis im Schulweſen geſprochen worden.
Die Lehrer der Schulen ſind Volksſchullehrer, die hier auf
dem orientaliſchen Seminar vorgebildet ſind. Während
dieſer Vorbildungszeit erhalten ſie 2000 Mark pro Jahr.
In den erſten Jahren erhalten ſie in China 6—7000 Mark,
in den weiteren Jahren 7—9000 Mark. Dieſes muß als
ausreichend bezeichnet werden. Von den 15 beſchäftigten
Lehrern habe nur zwei Herren erklärt, nach Ablauf ihrer
Periode den Vertrag nicht zu erneuern, weil die Bezüge
nicht ausreichend ſeien. Daß ſie nicht übermäßig ſind,
das trifft auch für andere Auslandsſchulen zu und das
be=
ruht wiederum darauf, daß uns die nötigen Mittel fehlen.
Wir hoffen, in den nächſten Etat die nötigen Mittel
ein=
tellen zu können. Der Herr Vorredner hat die Frage der
Mongolei angeregt. Ich hoffe, daß dort eine Löſung
ge=
funden wird, die unſeren nicht ſehr großen, aber
entwick=
lungsfähigen Handel fördert.
Abg. Dr. Heckſcher (Fortſchr. Volkspt.): Wir hoffen,
daß die Zeit nicht mehr allzu fern iſt. wo England und
Deutſchland Schulter an Schulter marſchieren bei der
Lö=
ung von wichtigen Weltfragen. Es freut uns, daß der
Dreibund eine unverwüſtliche Lebenskraft gezeigt hat.
Unſer Verhältnis zu Frankreich kann nicht beſſer werden,
ſolange noch Blätter wie der Matin ihr kulturſchädliches
Hetzen, ihr Hetzen um jeden Preis fortführen. Bei der
Frage der Mongolei ſind wir leider ebenſo ausgeſchloſſen
wie bei der Frage der Anleihe. Mit der Kommiſſions=
Reſolution über den diplomatiſchen Dienſt, die eine herbe
Kritik darſtellt, ſind wir einverſtanden. Das deutſche Volk
will nicht, daß es bei dem europäiſchen Konzert im
Tanz=
ſaal Mauerblümchen bleibt.
Unterſtaatsſekretär Zimmermann: Wir bedauerr
ſehr, daß wir in China noch etwas zurückſtehen, das kommt
aber daher, weil die anderen Nationen ſchon Jahrzehnte
vor uns dageweſen ſind, und weil der deutſche Kaufmann
das Deutſche nicht genügend zur Geltung bringt. Daß uns
nicht genügend Mittel zur Verfügung ſtanden, iſt natürlich
für unſeren Handel auch von Nachteil geweſen. Zuzugeber
iſt, daß wir hinſichtlich der Handelsſachverſtändigen nicht
beſonders günſtig daſtehen. Die Schaffung neuer Stellen
in Tientſin iſt erfolgt. Bezüglich der Anwerbung der
Deutſchen zur franzöſiſchen Fremdenlegion iſt uns die
Sache ſehr erſchwert, daß Frankreich alle
Reklama=
tionen, die ſich auf Perſonen über 18 Jahre beziehen.
unbeantwortet läßt, aber trotzdem gehen wir jedem
einzelnen Falle genau nach. — Abg. Erzberger (Ztr.):
Unſere Etatspoſten für kulturelle Zwecke ſind nicht groß
genug; man muß in der Beziehung großzügiger vorgehen.
Ich bin für die Erklärung des Herrn Staatsſekretärs ſehr
dankbar, daß in der Diplomatie Protektion ausgeſchloſſen
iſt. Das orientaliſche Seminar müßte zu einer
Auslands=
hochſchule ausgebildet werden.
Darauf wird die Weiterberatung auf Dienstag 1 Uhr
vertagt. Schluß ¾7 Uhr.
Luftfahrt.
Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
* Am Sonntag führte der Mainzer Pilot
Traut=
wein auf ſeiner Gödecker=Taube mit dem Schirrmeiſter=
Anwärter Sergeant Braun als Paſſagier mehrere
Platz=
flüge aus und landete aus 500 Meter Höhe in einem ſteilen
Gleitfluge. — Leutnant Sommer flog mit Hauptmann
von Dewall am 11. April nach Heidelberg. Sie legten
die Strecke mit dem Winde in 26 Minuten zurück. Es
wurde ſomit eine Stundengeſchwindigkeit von 130
Kilo=
metern erreicht. Leutnant Sommer iſt geſtern
nachmit=
tag von Heidelberg hier angekommen mit
Oberleut=
nant v. d. Hagen als Paſſagier. Die Rückfahrt erfolgte
in 42 Minuten. — Am Montag nachmittag führte Pilot
Trautwein mehrere Schauflüge aus. — Abends
gegen 7 Uhr landete, von Heidelberg kommend, auf dem
Flugplatze Leutnant Koch mit Oberleutnant Ludewig.
Der Flug dauerte über eine Stunde; der Flieger hat
ſo=
mit einen Ehrenpreis der
Nationalflug=
pende erworben. Er landete in glattem Gleitfluge.
Die Fahrt führte in Höhen bis zu 900 Meter.
* Frankfurt a. M., 14. April. Das Luftſchiff
„Viktoria Luiſe” iſt heute vormittag 8 Uhr 10 Min.
zu einer anderthalbſtündigen Werkſtättenfahrt aufgeſtiegen.
* Danzig, 14. April. Der Kronprinz empfing
heute den auf ſeine Veranlaſſung hierher gekommenen
Führer des „Z. 4‟, Kapitän Gluud, der längere Zeit
bei dem Kronprinzen verweilte. Gluud iſt abends nach
Friedrichshafen zurückgekehrt.
Sporf, Spiel und Turnen.
* Die Mittelrheiniſche Vorturner=Vereinigung hielt
geſtern in dem neuen Heim der Turngemeinde B
ocken=
heim ihre 20. Zuſammenkunft. Es hatte diesmal die
zweite Gruppe von den 24 der Vereinigung angehörenden
Turnvereinen des Mittelrheinkreiſes der Deutſchen
Tur=
nerſchaft Vereinsriegen vorzuführen, und man kann ſagen,
daß der Zweck dieſer Vorführungen, turneriſche Anregung
zu geben und Neues zu zeigen, auch diesmal vollſtändig
erreicht wurde. Die der obengenannten Gruppe — jede
Gruppe beſteht aus acht großen leiſtungsfähigen Vereinen
angehörenden Vereine führten nach der Durchübung
der allgemeinen Freiübungen zum Deutſchen Turnfeſt in
Leipzig ihre Riegen nacheinander vor, und zwar turnten:
1. Bockenheimer Turngemeinde, Uebungen mit
gegenſeiti=
ger Unterſtützung; 2. Turnverein Offenbach, Freiübungen;
3. Turngeſellſchaft Offenbach, Barren; 4. Turngemeinde
Darmſtadt, Hochreck; 5. Bornheimer Turngemeinde,
Keu=
lenſchwingen; 6. Turnverein Mainz von 1817, dreifacher
Barren; 7. Turngemeinde Worms, Barren; 8.
Turnver=
ein Biebrich, Stabwindübungen. Sämtliche Riegen haben
ihr Beſtes geboten, und manches Eigenartige und
Zweck=
entſprechende wurde gezeigt. Ein Kürturnen am Reck und
Barren, wobei Vorzügliches geleiſtet wurde, gab den
vielen Zuſchauern einen Beweis von turneriſcher
Lei=
ſtungsfähigkeit und Körpergewandtheit. Nach den
Vor=
führungen vereinigten ſich die Teilnehmer zu einem
ge=
meinſamen Mittagsmahl, nach welchem eine Beſprechung
des gezeigten Uebungsſtoffes im allgemeinen und eine
ſolche innerer Angelegenheiten der Vereinigung ſtattfand.
Die Turngemeinde Darmſtadt, die mit ihrer
erſten Riege mit an der Spitze der geübteren Turner des
Mittelrheinkreiſes ſteht, zeigte äußerſt ſchwierige
Uebungs=
gruppen am Hochreck und hat mit ihrer Vorführung wohl
das Augenmerk aller Beteiligten und Zuſchauer auf ſich
gelenkt. Aber nicht allein im Turnen, ſondern auch im
Schwimmen beſitzt ihre Mannſchaft einen guten Ruf; dies
beweiſt eine Einladung des Gaues Frankfurt der
Deut=
ſchen Turnerſchaft zu dem am 27. April dieſes Jahres im
Städtiſchen Hallenſchwimmbad in Frankfurt a. M.
ſtatt=
findenden großen Schauſchwimmen, bei dem eine
beſon=
dere Programmnummer für die weithin als vorzügliche
Waſſerſpringer bekannten Turner der Darmſtädter
Turn=
gemeinde vorgeſehen iſt. Auch bei dem
Staffettenſchwim=
men und Waſſerballſpielen wird ſich ihre Mannſchaft be
teiligen.
Der Vorfall in Nancy.
* Metz 14. April. Zu dem Vorfall in Nancy
erhält die Lothringer Zeitung folgende Darſtellung, die
von einem der beteiligten deutſchen Herren ſtammt,
Zwei Vertreter großer deutſcher Firmen aus Sachſen, die
zurzeit in Metz weilten, begaben ſich geſtern nach Nancy,
um ſich die Stadt anzuſehen. Nachdem ſie in einem Hotel
geſpeiſt hatten, begaben ſie ſich in das Kaſino, wo auch
Vorſtellungen gegeben wurden, nachdem ihnen bereits im
Laufe des Tages mehrfach zugerufen worden war: „Das
ſind preußiſche Offiziere!” weiter jedoch waren ſie nicht
beläſtigt worden. Nach der Vorſtellung, gegen 1 Uhr
nachts, begaben ſie ſich zum Bahnhof, um mit dem
erſten Zuge nach Metz zu fahren. Sie nahmen in dem
Warteſaal 2. Klaſſe Platz, hatten ſich aber kaum
niederge=
laſſen, als ſie draußen auf dem Bahnſteig großen
Lärm hörten. Einer von ihnen begab ſich an die Tür
und ſah, daß zwei deutſche Herren in deren
Ve=
gleitung ſich eine Dame befand, von einer Menge beläſtigt
wurden, die ihnen u. a. „Preußiſche Offiziere” zurief. Die
beiden Reiſenden zogen ſich in den Warteſaal zurück, aber
die Menge hatte ſie bemerkt, drang ihnen nach, beläſtigte
und beſchimpfte ſie in unerhörter Weiſe und ſchlug ſie.
Mehrere aus der Menge, die ſich offenbar nicht aus
Ar=
beitern, ſondern aus den beſſeren Ständen rekrutierte,
ſetzten ſich neben die beiden, zwangen ſie, ſich auf die Knie
niederzulaſſen, und ſchlugen einem den Hut vom Kopf.
Außerdem ſchlugen ſie ihn mit ſeinem Schirm, während
die Menge im Saal andauernd rief: „Preußiſche
Offi=
ziere, fort nach Metz! Ihr waret in Luneville beim
Zeppe=
lin!” Man zwang ſie den Hut abzunehmen und
franzöſi=
ſche Offiziere, die gleichfalls anweſend waren, zu geüßen.
Schließlich flüchteten ſich die beiden Herren auf den
Bahn=
ſteig, ſuchten um Hilfe und riefen nach der Polizei, allein
vergebens, bis ſchließlich ein Bahnbeamter, anſcheinend
der Stationsvorſteher, ſich ihrer erbarmte und ſie in den
Metzer Zug geleitete. Aber auch hier drang ihnen die
Menge nach, die inzwiſchen auf 200 Perſonen angewachſen
war, und ſetzte ihnen wieder arg zu. Sie wurden ge=
Nummer 87.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Seite 7.
ſtoßen geſchlagen, angeſpien und
be=
ſchimpft wiederholt ins Geſicht geſchlagen und
dem anderen wurde gleichfalls ſein Hut zerſchlagen.
Immer aber kam in ihren Schimpfworten zum Ausdruck,
daß ſie Offiziere vor ſich zu haben glaubten. Die beiden
Herren beteuerten wiederholt, daß ſie Kaufleute und keine
Offiziere ſeien, aber vergeblich. Die Beſchimpfungen
und Mißhandlungen wurden etwa eine halbe
Stunde fortgeſetzt, bis ſchließlich wieder der Stations
vorſteher erſchien und das Publikum zum Verlaſſen des
Wagens aufforderte. Darauf zog ſich die Menge immer
noch ſchimpfend, aus dem Abteil zurück. Vor dem Wagen
lefanden ſich mehrere franzöſiſche Offiziere und Soldaten,
aber niemand machte den Verſuch, die Menge zur Ruhe zu
mahnen. Die beiden Kaufleute, die wenige Minuten
ſpa=
ter mit dem Zuge nach Metz abfuhren, beteuern, daß ſie
von Anfang an mit keiner Gebärde auf die Spötteleien
und ſpäteren Angriffe reagiert, alſo durchaus keinen
An=
laß zu einem feindſeligen Vorgehen gegeben hätten.
* Metz, 14. April. Die Anſicht, daß es ſich bei den in
dem vorſtehenden Bericht genannten Herren, in deren
Be=
gleitung ſich eine Dame befand, um deutſche
Offi=
ziere gehandelt haben könnte, iſt ſehr unwahrſcheinlich.
An zuſtändiger militäriſcher Stelle iſt wenigſtens bisher
über den Vorfall noch nichts bekannt.
Das Attentat auf den König
Alfons.
Der Hergang des Attentats.
* Madrid, 13. April. (Ausführliche Meldung.)
Als der König geſtern mittag von der Parade in
Be=
gleitung des Generalſtabes nach dem königlichen Schloß
zurückkehrte, ſtürzte plötzlich an der Ecke der Straßen Pascr
de Recoletos und Calle de Alcala in der Nähe der Bank
von Spanien ein Individuum, der ſich in der erſten Reihe
des auf dem Trottoir ſtehenden Publikums befunden hatte,
raſch auf das Pferd des Königs zu, ergriff die
Zügel mit der linken Hand und zog mit der Rechten einen
Revolver aus der Taſche. Der König, der ſofort
erkannte, daß ein Anſchlag auf ihn verübt werden ſollte,
brachte ſein Pferd zum Aufbäumen, genau in
dem Augenblick, indem der Angreifer auf ihn feuerte. Dank
der Kaltblütigkeit und der hervorragenden Reitkunſt des
Königs traf die Kugel ſtatt den König die Bruſt des Pfer
des. Der Täter ſchickte ſich an, zum zweiten Male
zuſchießen, als ſich ein Polizeibeamter auf ihn ſtürzte
und ihn zu Boden warf, wo er ihn feſthielt, ohne indeſſen
tverhindern zu können, daß dieſer nochmals auf den König
anſchlug (!) und zwei Schüſſe abgab. Die Schüſſe
verfehl=
tten ihr Ziel. Der erſte Schuß gegen den König ſchwärzte
den Handſchuh ſeiner linken Hand. Gleich nach dem Knall
richteten alle Generale und Generalſtabsoffiziere, die den
König wie gewöhnlich in einer beſtimmten Entfernung
be=
gleiteten, ihre Pferde gegen die Menge und ritten auf
bei=
den Seiten der Straße auf den Bürgerſteig hinauf und
räumten ſo das Terrain, worin ſie bald von Soldaten der
ſköniglichen Eskorte unterſtützt wurden. Das durch die
Schüſſe verurſachte Gedränge der Menſchen
ver=
ſmehrte ſich noch, als ſich das Publikum den Pferden
gegen=
ſüber ſah. Mehrere Perſonen wurden niedergeriſſen und
mit Füßen getreten. Im ganzen ſind 11 Leute, meiſtens
FFrauen, ernſtlich verletzt worden. Sobald der König
ſſah, daß der Angreifer von Gendarmen und
Polizeibeam=
nen unſchädlich gemacht worden war, richtete er ſich in den
Steigbügeln auf, begrüßte die Menge militäriſch und rief
qnit vibrierender Stimme: Es lebe Spanien. Die
enge nahm den Ruf mit begeiſtertem Beifall auf. Auf
ldie Fragen, womit die Umgebung auf den König ein
ſſtürmte, antwortete dieſer ohne die geringſte Aufregung
jim Geſichte, lächelnd: Meine Herren, es iſt nichts! Dann
ſſchwang er ſich wieder elaſtiſch in den Sattel und ritt zum
Palais weiter unter donnernden Beifallskundgebungen
der Menge, die bis zur Ankunft im Palais nicht
nach=
ließen.
Als der König in das Schloß eintrat, erwartete ihn
ldie Königin, der er ganz heiter den Zwiſchenfall, der
ſſich ſoeben abgeſpielt und ihn aufgehalten hätte, erzählte
Die Königin, die noch keine Kenntnis davon hatte, war
ſſehr bewegt. Zehn Minuten ſpäter waren die beiden
ggroßen Plätze vor dem Palais ſchwarz von Menſchen. Alle
Schichten der Bevölkerung waren von dem gleichen
Wunſche getrieben, den König zu begrüßen, deſſen
Kalt=
blütigkeit die Nation vor einem Trauertage bewahrte. Der
önig zeigte ſich dann auch auf dem Balkone und wurde
mit unbeſchreiblichem Jubel begrüßt; bald
ſwpurden auch Hochrufe auf die Königin laut. Der König
kehrte in ſeine Gemächer zurück, holte die Königin und
er=
ſſchien mit ihr zuſammen auf dem Balkon. Von neuem
Gbrach der Jubel los. Die Kundgebungen dauerten noch
lange Zeit, nachdem ſich der König vom Publikum
verab=
ſſchiedet hatte.
Während dann dem Täter, einem 26jährigen aus
Katalonien gebürtigen Zimmermann von den
Polizei=
beamten Handſchellen angelegt worden waren, verſuchte
Die empörte Volksmenge, ihn zu lynchen. Es koſtete
den Beamten große Mühe, ihn den Fauſtſchlägen und den
wrohend erhobenen Stöcken zu entziehen. Sie mußten ihn
deshalb in das nächſte Haus bringen, wo ihn ein
Zellen=
wagen abholte, und ins Gefängnis brachte. Nach den
letz=
ten Nachrichten wurden vier Verhaftungen vorge
mommen; neben dem Täter und eines ihn begleitenden
In=
wividnums, das anſcheinend franzöſiſcher Herkunft iſt, noch
ein Mann, anſcheinend ein Spanier, der einen Revolver
in der Hand hielt, in der Nähe der Bank verhaftet
wor=
den. Endlich wurde ein Frau vernommen, worüber
Ein=
zelheiten noch nicht vorliegen konnten.
Der Täter
ſoll im Laufe des erſten Verhörs erklärt haben
Daß ihm der Gedanke zu dem Anſchlag gekommen
ei, als er den König vorbeireiten ſah. Da er die Waffe
n der Taſche hatte, habe er ſie gefaßt und von einer
un=
viderſtehlichen Gewalt getrieben, habe er dann geſchoſſen.
Der Mann, der in der Nähe der Bank ergriffen wurde,
werweigert jede Auskunft. Der dritte auf dem Platz des
Attentats verhaftete, der ein franzöſiſcher Lehrer ſein ſoll,
ſcheint in keinerlei Beziehung zu dem Attentat zu ſtehen.
Der Täter heißt Rafael Sanchez Alegret der
Mann, der auf dem Attentatsplatze verhaftet wurde, heißt
Pedro Pa= Seine Nationalität iſt noch nicht feſtgeſtellt.
Er ſpricht franzöſiſch, ſpaniſch und portugieſiſch gleich gut.
Die feſtgenommene Frau ſoll die Geliebte des Täters ſein.
Sie wurde in ihrer Wohnung verhaftet und erklärte, ſie
kenne den Urheber des Anſchlags ſeit acht Tagen. Von
einen Plänen habe ſie nichts gewußt.
Der Urheber des Anſchlags iſt durch einen Säbelhieb
teines Polizeibeamten verletzt worden. Er leiſtete
eeinen derartigen Widerſtand, daß vier Beamte ihn halten
mnußten. Er trug ferner einen Tiſchlermeiſel und mehrere
Patronen bei ſich, die er fortzuwerfen verſuchte als er ſich
verhaftet ſah. Der Spanier, der vor dem Bankgebäude
verhaftet wurde, iſt freigelaſſen worden. Es iſt ein
pen=
ſionierter Hellebardier der königlichen Wache und iſt als
Ehrenmann bekannt. Er wurde feſtgenommen, als er
her=
beieilte, um dem König zuzujubeln. Er trug keinen Re
volver, hielt aber eine Hand in der Taſche ſeines Rockes.
* Madrid, 14. April. Der verhaftete Anarchiſt
Alegret erklärte im Laufe ſeines Verhörs wiederholt,
er habe die Hinrichtung Ferrers rächen wollen. Man fand
bei ihm mehrere auf Ferrer bezügliche Zeitungsartikel und
eine Poſtkarte mit einem Frauenporträt, die die von ſeiner
Hand geſchriebenen Worte trug: „Henriette, wenn Du
mich liebſt, ſo räche meinen Tod!” „Es lebe die Anarchie!”
Alegret iſt verheiratet, aber kinderlos. Er geſtand, daß er
den Revolver vor kurzem in einer Pfandleihanſtalt gekauft
habe. Nach einer anderen Verſion habe Alegret die
Be=
hauptung aufrechterhalten, daß ihm der Gedanke an die
Tat erſt im Augenblick, des Vorbeireitens des Königs
ge=
kommen ſei. Im Verlaufe des Verhörs ſoll er geſagt
haben, er ſei glücklich darüber, daß der König unverletzt
ſei. Aus ſeinen weiteren Geſtändniſſen geht hervor, daß
er alles mögliche, darunter auch philoſophiſche Schriften
geleſen und falſch verſtanden hat. Er wird jedoch keines
wegs als geiſteskrank angeſehen, da er die an ihn
gerichte=
ten Fragen in klarer Weiſe beantwortete. Er gibt ſich auch
bezüglich der Folgen, die ſein Verbrechen für ihn haber
wird, keiner Selbſttäuſchung hin. Der verhaftete
fran=
zöſiſche Sprachlehrer ſoll Pierre Pa oder auch Bach heißen.
Man glaubt, daß er bald freigelaſſen werden wird, da die
Polizei über ihn nur gute Auskünfte erhalten habe. Das
Gerücht, daß Pac im Augenblick ſeiner Verhaftung einen
Revolver in der Hand gehabt habe, wird als unrichtig
be=
zeichnet. Er trug den Revolver in der Rocktaſche. Auch
ein penſionierter Türſteher des königlichen Palaſtes wurde
verhaftet, jedoch alsbald freigelaſſen, da ſich herausſtellte,
daß er im Augenblick des Anſchlags auf den König
zuge=
eilt war, um ihm zuzujubeln.
* Madrid, 23 April. Raphael Sanchez Alegret
der den Anſchlag auf den König verübte, iſt in Barzelona
geboren. Als er wegen anarchiſtiſcher Umtriebe aus
Frankreich ausgewieſen worden war, begab er ſich vor
anderthalb Monaten nach Barzelona. Vor einem Monat
kam er nach Madrid, um Arbeit zu ſuchen. Dieſe fand er
in einer Tiſchlerwerkſtätte, wo er bis Freitag arbeitete
An dieſem Tage ließ er ſich ſeinen Lohn auszahlen und
verſchwand. — Die Polizei fand bei Alegret einen an
ſeine Frau gerichteten Brief vor, in welchem es heißt: „Du
biſt der geiſtige Urheber meiner Tat. Wenn Du mir
ge=
ſchickt hätteſt, um was ich Dich bat, wäre das Attentat,
deſſentwegen ich erſchoſſen werde, nicht geſchehen. Wenn
Du dieſen Brief erhältſt, iſt die Tat bereits getan.” Alegret
wurde zweimal verhört. Er erklärte, er habe die Tat
allein vollbracht, und zwar aus Gründen, die er nicht
nennen wolle. In das Gefängnis zurückgebracht,
verwei=
gerte er die Nahrungsaufnahme und verlangte, ſo bald
als möglich erſchoſſen zu werden.
* Madrid, 14. April. Der Mann der auf dem
Attentatsplatz verhaftet wurde, iſt der franzöſiſche
Sprachlehrer Bach. Mehrere Perſonen verſicherten dem
Unterſuchungsrichter, daß Bach ein von allen ſeinen
Be=
kannten geachteter Mann und keineswegs ein Anarchiſt ſei.
Letzte Nachrichten.
Madrid 14. April. Seit mehreren Tagen waren
hier Gerüchte im Umlauf, daß heute ein Attentat
auf den König ausgeführt würde. Es heißt, die
Re=
gierung habe anonyme Drohbriefe erhalten. Im
Retiro=
park ſei am Tage vor dem Attentat am 31. Mai 1906 ein
auf einem Baum befindliches Plakat geſehen worden,
wor=
auf ſtand: Am 13. April um die 13. Stunde wird König
Alfons XIII. ſterbend aufgefunden werden. Die Polizei
hatte außerordentliche Vorſichtsmaßregeln getroffen. Selbſt
in einer nur von Offizieren bewohnten Fremdenpenſion
war an jedes Fenſter ein Geheimpoliziſt geſtellt worden.
Die Erkrankung des Papſtes.
* Rom, 13. April. Das Abendbulletin über das
Be=
finden des Papſtes lautet: Der Papſt verbrachte den
Tag ruhig; am Nachmittag ſtieg das Fieber auf 38,5 Grad,
abends zeigte ſich eine Verminderung desſelben. Die
Bronchitis= und Influenzaerſcheinungen ſind unverändert.
Das Allgemeinbefinden iſt zufriedenſtellend. gez.:
Marchia=
fava. Amici. — Der Beſuch der Aerzte beim Papſte
dauerte ſehr lange; ſie waren gegen 6 Uhr 30 Minuten
ge=
kommen und verließen den Vatikan um 7 Uhr 45 Minuten
nachdem ſie das Bulletin verfaßt hatten. Während der
Papſt ſich geſtern geweigert hatte, irgendwelche
Nahrungs=
mittel zu ſich zu nehmen, nahm er heute herzſtärkende
Mittel. Die Schweſter des Papſtes Anna weilt ſeit den
Morgen am Bette des Papſtes und wird von ihrer
Schweſter Marie und ihrer Nichte Gilda liebevoll
unter=
ſtützt. Die Stimmung des Papſtes iſt gut. Dieſe Nacht
wird Dr. Amici in dem an das Gemach des Papſtes
an=
ſtoßenden Zimmer wachen.
Rom. 14. April. Profeſſor Marchiafava
be=
gab ſich heute morgen um 7 Uhr 30 Minuten in den
Vati=
kan. Der Papſt verbrachte die Nacht ruhig und ſchlie
einige Stunden. Die Temperatur betrug heute morgen
36,8 Grad. Die Krankheitserſcheinungen in den Bronchien
beſſern ſich; das Allgemeinbefinden iſt gut.
Der Generalſtreik in Belgien.
* Brüſſel, 14. April. Nach den bis mittags
vor=
liegenden Nachrichten wird in den Gebieten von Charleroi
in den Gruben faſt vollſtändig mit wenig Ausnahmen
geſtreikt. In der metallurgiſchen Branche iſt der
Aus=
ſtand nur partiell, und in der Glasbläſerei wird der Streik
erſt morgen beginnen. Die Gendarmen und die Truppen
patrouillieren in der Gegend. Bis heute hat ſich kein
Zwiſchenfall ereignet. Aus La Louviere wird gemeldet
daß etwa 35000 Mann ſtreiken, die ſich namentlich aus
Grubenarbeitern zuſammenſetzen. Die Trambahnen
ver=
kehren noch heute, dann aber erwartet man die Einſtellung
des Betriebes. Aus Lüttich wird gemeldet, daß in den
Kohlengruben der Umgegend die übergroße Zahl der
Ar=
beiter ſtreikt. In der nationalen Waffenfabrik ſind von
3500 Arbeitern nur 1400 erſchienen. Aus dem Borinage
wird gemeldet, daß in dem Bezirk von Mons bis heute
allein 35000 Grubenarbeiter ſtreiken. In der
Eiſenindu=
ſtrie ſtreiken 3000 Perſonen. In den Färbereien iſt der
Streik vollſtändig. In den Tabgkfabriken feiert die Hälfte
des Perſonals. In der keramiſchen Branche ruht die
Ar=
beit vollſtändig. In den Sprengſtoff=Fabriken zählt man
20 Prozent Streikende. Die in Belgien wohnhaften
Ar=
beiter, die in Frankreich Beſchäftigung gefunden haben,
ſind heute früh dorthin abgereiſt. Aus Gent wird
ge=
meldet, daß die Wegearbeiter ſtreiken, daß aber in den
Flachs= und Baumwollſpinnereien und Webereien die
größte Zahl der Arbeiter ſich dem Streik bis jetzt nicht
angeſchloſſen hat. In der Metallbranche dieſer Gegend iſt
aber der Streik vollkommen. Zwiſchenfälle werden bis
jetzt nicht gemeldet, nur ein kleiner Akt von Sabotage aus
der Gegend von La Louviere.
* Brüſſel, 14. April. Nach zuverläſſigen Meldun
gen haben die Arbeiter der Möbelbetriebe bis heute
in voller Zahl ihre Arbeit aufgenommen. In den großen
induſtriellen Betrieben Brüſſels feiert nur etwa ein
Drit=
tel der Arbeiter.
H. B. Brüſſel, 14. April. Der Streik in den
Kohlengruben wird tatſächlich ein Generalſtreik
wer=
den. Sehr ſchwierig wird ſich die Lage im Hafen von
Ant=
werpen geſtalten. Es heißt, daß die Hafenarbeiter ſämtlich
in den Streik eintreten werden. Die Frachtbeförderung
zu Schiff nach Antwerpen iſt bereits völlig eingeſtellt. Auch
der Paſſagierverkehr wird kaum aufrecht erhalten werden
können. Von der Textilinduſtrie wird ſich nur ein Teil
der Arbeiter dem Ausſtand anſchließen. — Die
ſozialdemo=
kratiſche Parteileitung gibt ſich die größte Mühe, die
Strei=
kenden zur Ruhe zu mahnen. Alle Reſtaurants und Cafes
werden um 7 Uhr geſchloſſen. In Brüſſel veranſtaltet die
Partei vormittags und nachmittags Konzerte und
Vor=
träge, um die Arbeiter von der Straße fern zu halten und
Zuſammenſtöße mit dem Militär zu vermeiden.
Der Balkankrieg.
* Berlin, 13. April. Die Norddeutſche Allgem.
Zeitung ſchreibt: Auf die Vorbehalte, an die der Balkan
bund die Annahme der europäiſchen
Friedens=
vermittelung geknüpft hat, iſt von den Großmächten
eine gemeinſame Antwort beſchloſſen worden, die den
Bal=
kanregierungen durch die Geſandten der ſechs Mächte in
Form eines amtlichen Geſamtſchrittes mitgeteilt wird
Aus dem Inhalt der Mitteilung, wie aus der Art der
Ueberreichung werden die Empfänger von neuem entneh
men, daß die Mächte ſich, bei allem Entgegenkommen, die
Entſcheidung über weſentliche Punkte der
Friedensbedingungen nicht aus der Hand nehmen
laſſen und daß ſie für die Ausführung ihrer Beſchlüſſe
ein=
mütig zuſammenſtehen. Nach den Erklärungen des Reichs
kanzlers und Sir Edward Greys und nach den vom
ruſſi=
ſchen Miniſterium des Aeußern veröffentlichten
dankens=
werten, überall gut aufgenommenen Darlegungen iſt die
Geſchloſſenheit der europäiſchen
Diplo=
matie für die Behandlung der ihr vorbehaltenen
Fra=
gen nicht mehr anzuzweifeln. Auch die Ausgeſtaltung der
internationalen Flottenkundgebung zu einer bis zur Drin=
Mündung reichenden effektiven Blockade beweiſt, daß die
Großmächte ihren Willen zu einem gemeinſamen Handeln
in die Tat umſetzen. In der albaneſiſchen Frage iſt ein
endgültiger Verzicht Montenegros und Serbiens auf die
Eroberung von Skutari noch nicht erkennbar, doch werden
die diplomatiſchen Bemühungen fortgeſetzt, um den
An=
griffen ein Ende zu machen und Skutari, entſprechend den
Beſchlüſſen der Großmächte, für Albanien zu ſichern.
Die Antwort der Mächte.
* Sofia 13. April. (Agence Bulgare.) Die
Ver=
treter der Mächte überreichten heute abend deren
Antwort. Die Antwort beſagt: Die Mächte nehmen
mit Befriedigung Kenntnis von der Geneigtheit der
Ver=
bündeten zur Einſtellung der Feindſeligkeiten und
ant=
worten auf die vier Punkte der Note der Verbündeten in
folgender Weiſe: Der erſte Punkt begegnet keiner Einwen
dung; was den zweiten Punkt betrifft, machen die Mächte
darauf aufmerkſam, daß, da das Schickſal der Aegäiſchen
Inſeln der Entſchließung der Mächte vorbehalten worden
ſei, dieſer Punkt nur unter dem Vorbehalt zugelaſſen
wer=
den könne, daß bezüglich einiger dieſer Inſeln noch
Be=
ſchluß zu faſſen ſei. Bezüglich des dritten Punktes erklären
ſich die Mächte bereit, ſchon jetzt den Verbündeten die
Nord= und Nordoſtgrenze Albaniens bekannt zu geben:
die Südoſt= und Südgrenze werde den Verbündeten
mit=
geteilt werden, ſobald ſie feſtgeſetzt ſein werden; was den
vierten Punkt anbetrifft, ſo ſind die Mächte, da die Löſung
aller Finanzfragen einer techniſchen Kommiſſion in Paris
vorbehalten worden iſt, an welcher Delegierte der
Krieg=
führenden teilnehmen werden, der Anſicht, daß für den
Augenblick kein Grund vorliegt, das Prinzip der
Kriegs=
entſchädigung zu er Ftern. — Miniſterpräſident Geſchow
erwiderte, er werde ſich mit den Verbündeten ins Einver
nehmen ſetzen.
Die „Liquidierung der Balkankriſe‟.
* Sofia 14. April. Das Blatt Mir ſchreibt: Die
Fortſchritte in den
Friedensverhandlun=
gen und die Ohnmacht der türkiſchen Armee ſchließen die
Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten aus; aber das Ende
des Krieges gegen die Türkei bringt nicht eine vollſtändige
Liquidierung der Balkankriſe. Der bulgariſch=rumäniſche
Streitfall wird, wie wir glauben, eine raſche, beide Teile
befriedigende Löſung erhalten. Die Balkankriſe wird
aber einen dauernden Frieden finden. Die Stärke
Bul=
gariens verbürgt dies. Die Verträge mit den
Verbün=
deten bilden eine weitere Büraſchaft, denn kein
Balkan=
ſtaat wird ſich des öffentlichen Skandals ſchuldig machen
wollen, durch Nichtausführung ſeiner Verpflichtungen, ins
beſondere im Hinblick auf das gemeinſame Intereſſe an
der Aufrechterhaltung des Bündniſſes. Wir rechnen auch
auf die Freundſchaft aller Mächte hinſichtlich der Kriſe nach
dem Kriege.
Verträge Bulgariens und Serbiens mit Griechenland.
* London 12. April. Reuter erfährt zu den von
Danew in der geſtrigen Verſammlung der
Progreſſiſten=
partei erwähnten Verträgen, die Bulgarien mit
Serbien und Griechenland abgeſchloſſen hat,
fol=
gendes: Der in präziſen Ausdrücken gehaltene Vertrag mit
Serbien gibt wenig Gelegenheit zu Streitiakeiten bei der
Auslegung. Sollten jedoch Streitigkeiten ſich ergeben, ſo
iſt feſtgeſetzt, daß der Schiedsſpruch dem Kaiſer von
Ruß=
land unterbreitet werden wird. Das Abkommen mit
Grie=
chenland iſt infolge der verfrühten Kriegserklärung in
ziemlicher Eile abgefaßt und enthält keinerlei
Feſtſetzungen betreffs des Schiedsſpruches. Man
kann indeſſen annehmen, daß die Abarenzung des neuer
Gebietes auf die Grundlage der von jedem der Beteiligten
gemachten Anſtrengungen und gebrachten Opfer mit großer
Genauigkeit von ſtatten gehen wird.
Eine montenegriniſche Erklärung zum ruſſiſchen
Communiaué.
* Cetinje, 14. April. Das amtliche Blatt Glas
Crnagora erklärt in einer Beſprechung des ruſſiſchen
Com=
muniqués: Wir bedauern, einige Stellen hervorheben zu
müſſen, die nur unſere Vorausſetzungen beſtätigen, daß
die ruſſiſche Diplomatie nicht über genaue Informationen
verfügt. Wir erinnern zum Beiſpiel an die Stelle,
wo=
nach der König den Rat erhalten habe, von der Verfolgung
perſönlicher Zwecke abzuſtehen und die Montenegriner nicht
dazu zu verurteilen, unnütze Opfer zu bringen. Sicherlich
wird der König nicht geneigt ſein, in dieſen Worten eine
Aufreizung des Volkes gegen ſeinen Herrſcher zu erblicken
denn das ſtünde mit allen Geſetzen der Moral in Wider=
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
ſpruch. Wir ſchreiben denn auch dieſem Paſſus in dem
beſagten Communiqué dem vollſtändigen Mangel an
In=
formationen im ruſſiſchen Miniſterium des Aeußern zu.
In Montenegro iſt der Wille des Volkes idenliſch mit dem
des Herrſchers. Ihre gemeinſamen Beſtrebungen haben
einzig und allein Ehre und Wohl des Vaterlandes zum
Ziele. Was die Behauptung anbelangt, daß der Konig
Rußland in einen europäiſchen Krieg hineinziehen wolle,
ſo erklären wir im Gegenſatz hierzu, daß der König nicht
aufgehört hat, Rußland zu bitten, ſich nicht in einen Krieg
einzig und allein, um Montenegro zu Hilfe zu kommen,
einzulaſſen. Amtliche Dokumente, wie das vom 14. Febr.
und 12. März, könnten dies zur Genüge beweiſen. Wir
würden der Kaiſerlichen Regierung auch dankbar ſein,
wenn ſie uns die Dokumente nennen wollte, die ihre
Be=
hauptung bekräftigen könnten. Montenegro iſt mit der
Kaiſerlichen Regierung eines Sinnes, wenn ſie erklärt
daß kein Tropfen ruſſiſchen Blutes vergoſſen werden darf,
wenn es nicht die Intereſſen des ruſſiſchen Vaterlandes
erheiſchen. Auch Montenegro hat niemals das Blut ſeiner
Söhne vergoſſen, außer wenn die Ehre und das Heil des
Vaterlandes und ſeine nationalen Ueberlieferungen und
ſeine ruhmreiche Vergangenheit es forderten. Das
Wohl=
wollen, das der Kaiſer Montenegro bewieſen hat, indem er
es durch Getreideſendungen für die Bedürfniſſe des
Krie=
ges unterſtützte, hat das montenegriniſche Volk tief gerührt,
wie nicht minder die heißen Sympathien, die das ruſſiſche
Volk, alle Klaſſen der Geſellſchaft in brüderlicher
Begei=
ſterung umfaſſend, nicht aufhört, Montenegro zu bezeugen.
Vor Skutari.
HB. London, 14. April. Wie übereinſtimmend aus
Cetinje gemeldet wird, hat der Abmarſch der
Ser=
ben von Skutari auf die Stimmung in Montenegro
eine tiefe deprimierende Wirkung gehabt. Die Regierung
verſichert zwar, die Belagerung werde fortgeſetzt, jedoch
gilt die Partie allgemein als verloren. Ueberall hört man
die bitterſten Vorwürfe gegen den König.
HB. Paris, 14. April. Der Abzug der
monte=
negriniſchen Truppen von Skutari wird hier
heute erwartet. Nahrungsmittel für die Bevölkerung ſind
hereits unterwegs. Die Stadt dürfte, wenn es wirklich
zum Abzug der Montenegriner kommt, an eine Vertretung
der europäiſchen Mächte übergeben werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)
* Wiesbaden, 14. April. In einem hieſigen Hotel
erſten Ranges wurden der ſeit einigen Tagen hier zur Kur
weilenden Baronin Dirgart aus Schlebuſch bei Köln, als
ſie einen Augenblick das Hotelzimmer verlaſſen hatte,
Brillanten und Schmuckſachen im Werte von 12000
Mark von einem internationalen Hoteldieb geſtohlen.
Von dem Täter fehlt jede Spur.
* Kuſel, 14. April. In einer Wirtſchaft in Bedesbach
an der Glan nahm der erſt ſeit vier Wochen angeſtellte
Stationsgehilfe Fetterroll ein Gewehr des
Schützen=
vereins zur Hand, um zu ſchießen. Das Gewehr entlud
ſich und die Kugel drang dem Unglücklichen in die Schläfe,
was ſeinen baldigen Tod zur Folge hatte. Er
hinter=
läßt eine Frau mit drei Kindern.
Hamburg, 14. April. Die ſtreikenden
Boh=
rer der Vulkanwerft haben heute die Arbeit
wieder aufgenommen. Der Rieſendampfer „
Im=
perator” wird, wie ſeit langer Zeit vorgeſehen iſt, am 22.
April ſeine Fahrt nach Kuxhaven antreten.
HB. Berlin, 14. April. Karl Hagenbeck Senior,
der Inhaber des weltbekannten Tierparks in Stellingen
liegt im Sterben. Die Aerzte haben ihn ſeit 11 Uhr
vor=
mittags aufgegeben. Sein Ableben iſt ſtündlich zu
erwar=
ten. Der Kaiſer hat durch den preußiſchen Geſandten ein
Nelkenbukett überreichen laſſen. Gleichzeitig ließ er ſich in
einem Schreiben nach dem Befinden ſeines geliebten
Freundes erkundigen.
HB. Berlin, 14. April. Das in der Angelegenheit der
Charlottenburger Gymnaſiaſten=Affäre
verhaftete Dienſtmädchen Heinrich, die aus Rummelsburg
in Pommern nach Berlin gebracht wurde, iſt nach
eingehen=
dem Verhör heute aus der Haft wieder entlaſſen
wor=
den, nachdem ſich herausgeſtellt, daß ſie mit dem Tode des
Gymnaſiaſten nicht in Verbindung gebracht werden konnte.
HB. München, 14. April. Aus allen Teilen Bayerns
laufen Nachrichten über den ſeit Freitag andauernden
gro=
ßen Schneeſturm ein. Im Bayeriſchen Wald und im
Fichtelgebirge hat der Schneeſturm große Verheerungen
angerichtet. An vielen Stellen liegt der Schnee einen
hal=
ben Meter hoch. Auch in vielen Gegenden Tirols hat der
Sturm beträchtlichen Schaden angerichtet.
Nummer 8r.
Ich brauche morgens eine volle Stunde,
ehe ich den Hals leidlich frei bekomme, wenn ich einmal
meine Sodener nicht zur Hand habe. Benütze ich
Sodener — ich gebrauche Fays ächte Sodener, weil die
aus den Gemeinde=Heilquellen ſtammen, die zur Kur
ge=
braucht werden — dann ſchafft mir eine einzige Paſtille
volle Erleichterung, und in einem Viertelſtündchen iſt die
Kehle rein. Fays ächte Sodener koſten 85 Pfg. und ſind
überall zu haben. — Beſondere Kennzeichen: Der Name
„Fay” u. weißer Kontrollſteifen mit amtlicher
Beſcheinig=
ung des Bürgermeiſter=Amtes Bad Soden a. T. (I.8927
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strasse 33, sowie in Apoth., Drog. u. Parf. (V,5371
Familiennachrichten.
Anſtatt jeder beſonderen Anzeige.
Am 13. April wurden wir durch die
glück=
liche Geburt eines geſunden
Jun gen
erfreut.
(*10122
Professor Dr. Wilhelm Pinder
und Frau Erny, geb. Stentzel.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
an unſerem ſchweren Verluſte ſagen herzlichen
Dank
(8938
die trauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.:
Angelika Ahl,
geb. Mahr.
Darmſtadt, den 12. April 1913.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während der Krankheit und dem Hinſcheiden
meiner lieben Frau, unſerer lieben Tochter,
Schweſter, Schwiegertochter, Schwägerin u. Nichte
Frau Marie Erdmann
ſagen wir Allen, beſonders Herrn Diviſionspfarrer
Liedtcke für ſeine troſtreichen Worte, ſowie den=
Herren Offizieren, Unteroffizieren und
Mann=
ſchaften des Bezirks=Kommandos II, ferner für
die zahlreichen Blumenſpenden unſeren
tiefgefühl=
teſten Dank.
(B8954
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Emil Erdmann, Bez.=Feldw.,
Familie Gg. M. Fischer.
Darmſtadt, den 14. April 1913.
een
Oeene
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
am Grabe unſerer lieben Mutter, Großmutter,
Urgroßmutter und Tante
(8984
Frau Dorothea Freund
Lehrer-Witwe
geb. Spengler.
ſagen wir Allen herzlichen Dank.
Familie Ph. Göbel.
J. Trautmann.
K. Kopp.
H. Pons.
Arheilgen, Egelsbach, 12. April 1913.
Wetter.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 15. Aprili
Bewölkung allmählich zunehmend, leichte Niederſchläge,
wärmer.
Tageskalender
Großh. Hoftheater. Anfang 7½ Uhr, Ende nach
10 Uhr (Ab. A): „Tiefland”
Konzert zum Beſten der Kinderbewahranſtalten der
Johannesgemeinde um 8 Uhr in der Johanneskirche.
Vorträge von Dr. jur. Spohr und Wegener um
Uhr im „Fürſtenſaal” (Impfzwangsgegner=Verein).
Verſammlung des Vereins Braunshardter Heim um
4½ Uhr im neuen Gerichtsgebäude, Saal 303.
Monatsverſammlung des Deutſchen und öſtere
Alpenvereins um 8½ Uhr im „Kaiſerfaal”
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. — „Perkeo”um
8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 16. April.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerc
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadh
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 87.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Seite 9.
InProt.
86,00
92,50
Kurſe vom 14. April 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
In Proz.
Staatspapiere.
Diſche. Reichsſchatzanw. 99,30
„ Deutſche Reichsanl. . 86,80
76,60
do.
Preuß. Schatzanweifg. 99,10
do. Conſols . . . 86,80
76,90
do.
do.
Bad. Staatsanleihe . . 98,00
92,00
do.
85,60
do.
Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,
85,60
do.
75,75
do.
Hamburger Staatsanl. 98,70
Heſſ. Staatsanleihe . . 98,60
do. do. (unk. 1918) 98,20
85,70
do.
do.
74,2
Sächſiſche Rente.
77,70
Württemberger v. 1907 93,95
do. v. 1875 93,60
Bulgaren=Tabak=Anl. 99,50
Griechen v. 1887 . . 55,70
//. Italiener Rente
Oeſterr. Silberrente —
do. Goldrente . . . 90,20
do. einheitl. Rente . 83,75
Bortug. unif. Serie I 62,90
do. unif. Ser. III 65,65
do. Spezial . . .
Numänier v. 1903 . . 99,60
v. 1890 . . 92,70
do.
do.
v. 1905 . . 88,00
Ruſſen v. 1880 . . . . 89,20
do. v. 1902 . . . . 90,0)
bo. v. 1905 . . . . 99,70
Schweden . . . . . . 87,00
Serbier amort. v. 1895 81,30
Türk. Admin. v. 1903 77,10
Türk. uniſiz. v. 1903 86,50
Ungar. Goldrente . . . 85,70
do. Staatsrente. . . 82,70
Zf.
5 Argentinier . . . . . . 100,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 92,00
5 Chinef. Staatsanleihe. 100,50
41
do.
4½ Japaner . . . . . . . 92,10
5 Innere Mexikaner . . . 90,50
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 81,30
5 Gold=Mexikaner . . . . 97,60
3 Buenos Aires Provinz 68,25
Aktien inländiſ her
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 149,90
7 Nordd. Lloyd . . . . . 117,7)
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 126,50
Aktien ausländiſcher
Transvortanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . . 116,30
6 Baltimore und Ohio . 1001,
6 Schantungbahn . . . . 134,75
6½ Luxemb. Prince Henri 166,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 25,80
6 Pennſylvania R. R. . 117,50
Letzte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
4 Brauerei Werger . . 64,00
25 Bad. Anilin= u. Soda
Fabrik . . . . . . 568,60
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim . . . .
252,00
30 Farbwerke Höhſt
649,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 330,00
10 Cement Heidelberg . . 147,20
30 Chem. Werke Albert 454,00
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 347,00
5 Lahmeyer. . . . . . . 123,05
Letzie
In Proz.
Tivit
8 Schuchert, Nürnberg 149,30
12 Siemens & Halske .220,00
5 Veramann Electr. . 122,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 167,50
0 Gummi Peter . . . . 73,75
0 Kunſtſeide Frankfurt 63,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 577,50
9 Maſchinenf. Badenia 156,0C
0 Wittener Stahlröhren —
9 Steana Romana Petr. 152,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 247,25
12½ Bad. Zucker=Wag
199,40
häuſel. . . .
O Neue Boden=A. A.=Beſ. 85,00
3 Südd. Immobilien 53,50
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 177,25
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 219,75
11 Deuiſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 164,50
10 Gelſenkirchener . . . . 197,60
9 Harpener . . . . . . . 193½
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 265,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,50
6 Laurahütte . . . . . . 176,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 206,50
13
7½ South Weſt Africa 134,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 87,30
Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,10
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,50
3 Prag=Durer . . . . . . 73,70
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 91,20
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,50
do.
75,90
In Prot.
Bf.
2¾ Oeſt. Sübb. (Lomb.) 53,80
3 Raab=Oedenburg
76,70
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 87,00
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,10
87,10
do.
4 Wladichawchas . .
87,40
4 Rjäſan Kozlow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . 73,30
4½
do.
24 Livorneſer
. 68,40
3 Salonique=Monaſtir . 62,
80,25
4 Baadadbahn .
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 93,80
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 70,50
4 Northern=Paciſic . . . 97,00
4 Southern=Paciſic . .
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 81,10
5 Tehuantepec . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 188,00
7½ Bergiſch=Märkiſche
145,00
Bahn . . . .
9½ Berlin. Handelsgeſ. .163,46
6½ Darmſtädter Bank . 116,90
12½ Deutſche Bank . . . 250½
6 Deutſche Vereinsbank . 116,80
6½ Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . .
112,70
10 Diskonto=Kommanbit 184,90
8½ Dresdener Bank
151,90
10 Frankf. Hunpth.=B. 208,00
6½ Mitteld. Kreditbank 115,25
7 Nationalb. für Deutſchl. 116,25
7 Pfälziſche Bank . . . . 123,50
5.86 Reichsbank . . . . 135,25
7 Rhein. Kreditbank. . . 128,90
5½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 115,25
7½ Wiener Bankverein . 129,10
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 97,50
In Proz.
Zf.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
86,00
S. 19. . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
97,00
S.52 . . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,00
86,50
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 98,70
3½
86,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Ban
98,20
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23. . . . . . . . . 98,30
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Ban
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 86,20
S. 3—5 . . . . . . . . 86,00
86,10
S. 9—11 . . . .
4 Meininger Hyp.=Bank 97,40
31
86,10
do.
4 Rhein. Hyvothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,00
3½ do. (unk. 1914) . . 86,20
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 98,50
3½
do.
86,50
Städte=
Obligationen.
96,50
Darmſtadt . . . .
31
86,80
do.
4 Frankfurt. . . . . . . 98,10
95,50
3½
do.
4 Gießen . . . . . . . . 95,10 Türkiſche . . . . Fs. 400 159,00
3½
do.
4 Heibelberg . . . . . . 96,00
3½
87,50
do.
Karlsruhe . . . . . . 96,00 Engl. Sovereigns . .
.
4 Magdeburg. . . . . . —
31
do.
4 Mainz
.... —
3½
do.
4 Mannheim . . . . . . 96,20
do.
31
98,50
4 München . . . . .
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 96,00
31
87,00
do.
4 Offenbach.
.
Zf.
In Proz.
Offenbach . . . . . . 89,00
4 Wiesbaden . . . . . . 98,20
3½ do.
4 Worms . . . . . . . . 95,20
do.
3½
88,00
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 172,50
3½ Cöln=Mindner 100 138,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe .
3 Oldenburger . . . .
½ Raab=Grazer fl. 150 —
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 85,20
Braunſchweiger Tlr. 20 196,60
Freiburger . . . . Fs. 15
Mailänder . . . . Fs. 45 —
do. . . . . Fs.10 —
Meininger . . . . . fl. 7 —
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 550,00
do. v. 1858fl. 100 474,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Gold, Silber und
Banknoten.
20,44
20 Franks=Stücke . . . . 16,24
Amerikaniſche Noten . . . 4,19
—Engliſche Noten . . . . . 20,46
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 168,85
79,65
Italieniſche Noten . .
87,501 Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,95
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Bsf. 7
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit
Spiral-
federmatratze,
weiss lackiert
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit Spiralfedermatratze
und doppelt abschlagbaren 4
Seitenteilen,
weiss lackiert 15.5d
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit Spiralfedermatratze,
doppelt abschlagbaren
Seitenteilen und
Messing-
knöpfen .
. . 20.25
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit Spiralfedermatratze
und doppelt abschlagbaren
Seitenteilen,
weiss lackiert 17500
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit Spiralfedermatratze
und doppelt abschlagbaren
Seitenteilen,
weiss lackiert 21.50
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit Spiralfedermatratze
und doppelt abschlagbaren
Seitenteilen sowie mit
Messingknöpfen . . . 29.50
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit doppelter
Spiral-
federmatratze und dopp.
abschlagbaren Seitenteilen
und Messingknöpfen . . 29.00
Kinderbettstelle
wie Abbildung mit Spiralfedermatratze
und doppelt abschlagbaren 9
Seitenteilen,
weiss lackiert 22.75
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Nummer 87.
Frankfurt a. M.
Bezugsangebot von Mk. 730 000.— neuen Aktien.
Die ordentliche Generalversammlung unserer Aktionäre vom 12. März 1913 hat beschlossen, das
Grundkapital von derzeit Mk. 3 650000.− durch Zusammenlegung von je 5 auf je 2 Aktien auf
Mk. 1 460000.— herabzusetzen und durch Ausgabe von 1540 neuen, vom 1. Januar 1913 ab
dividenden-
berechtigten Inhaber-Aktien à Mk. 1000.— um nom. Mk. 1 540 000.— auf Mk. 3 000 000.— unter Ausschluss des
gesetzlichen Bezugsrechts der Aktionäre wieder zu erhöhen.
Die neuen Aktien sind von der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken A.-G., Elberfeld, mit der
Verpflichtung übernommen worden, hiervon einen Teilbetrag von Mk. 730000.− den alten Aktionären
zum Kurse von 103% zuzüglich 4% Stückzinsen vom 1. Januar 1913 derart zum Bezuge anzubieten, dass
auf nom. Mk. 5000 alte oder nom. Mk. 2000 in Gemässheit des obigen Beschlusses zusammengelegte Aktien
eine neue Aktie von Mk. 1000 bezogen werden kann. Wir fordern unsere Aktionäre auf, das
Bezugs-
recht unter folgenden Bedingungen auszuüben:
1. Auf je nom. Mk. 5000 alte oder nom. Mk. 2000 zusammengelegte alte Aktien kann eine neue
Aktie von nom. Mk. 1000 zum Betrage von Mk. 1030.— zuzüglich 4% Stückzinsen vom 1. Januar
1913 bis zum Zahlungstage bezogen werden. Das Bezugsrecht ist bei Vermeidung des Verlustes
auszuüben in der Zeit vom 7. bis 23. April d. J. einschliesslich
in Darmstadt bei der Bank für Handel und Industrie,
in Frankfurt a. M. bei der Filiale der Bank für Handel und Industrie,
bei Herrn E. Ladenburg,
in Heilbronn bei den Herren Rümelin & Co.,
während der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstunden.
2. Bei der Anmeldung sind diejenigen Aktien, auf welche das Bezugsrecht ausgeübt werden soll,
ohne Dividendenscheine, mit Anmeldeschein in doppelter Ausfertigung und arithmetisch geordnetem
Nummernverzeichnis zur Abstempelung einzureichen. Formulare sind bei den Anmeldestellen
erhältlich. Der eine dieser Anmeldescheine, von der Anmeldestelle unterzeichnet, dient dem
Einreicher als Quittung und Legitimation zum späteren Bezug der neuen Aktien.
Gleichzeitig sind für jede zu beziehende neue Aktie von nom. Mk. 1000.− 1030
— Mk. 1030.− sowie 4% Stückzinsen vom 1. Januar 1913 bis zum Zahlungstage und der Schlusse
scheinstempel bar zu zahlen, worüber auf dem Anmeldeschein quittiert wird.
3. Die eingereichten alten Aktien werden nach der Abstempelung zurückgegeben.
4. Die Ausgabe der neuen Aktien findet bei derjenigen Stelle, bei der die Anmeldung erfolgt ist,
gegen Rückgabe des quittierten Anmeldescheins an einem noch besonders bekannt zu machenden
Zeitpunkt statt.
5. Die Anmeldestellen sind bereit, behufs Regulierung von nicht durch Mk. 5000.− bezw.
Mk. 2000.— teilbaren Aktienbeträgen den An- und Verkauf von Aktien oder Bezugsrechten
zu vermitteln.
Kelsterbach a. M., im April 1913.
Vereinigte Kunstseide-Fabriken Actiengesellschaft
Der Vorstand:
Long.
Dr. Pemsel.
(7879a
Kelsterbach a. M.
Die Generalversammlung unserer Aktionäre vom 12. März 1913 hat beschlossen, das Grundkapital
von nom. Mk. 3 650 000.— um nom. Mk. 2 190 000.— durch Zusammenlegung von je 5 Aktien in 2 auf nom.
Mk. 1 460000— herabzusetzen. Wir fordern in Gemässheit dieses Beschlusses unsere Aktionäre auf,
ihre Aktien nebst Erneuerungsscheinen und Dividendenscheinen pro 1913 und ff. bis spätestens 3. Juli a. c.
bei den nachverzeichneten Stellen einzureichen:
in Darmstadt bei der Bank für Handel und Industrie,
in Frankfurt a. M. bei der Filiale der Bank für Handel und Industrie,
bei Herrn E. Ladenburg,
in Heilbronn bei den Herren Rümelin & Co.
Von je eingereichten 5 Aktien werden 3 als ungültig zurückbehalten, die andern 2 dem Einreicher
mit dem Stempelaufdruck „Gültig geblieben gemäss Beschluss der Generalversammlung vom 12. März 1913‟
zurückgegeben.
Die Aktien müssen mit einem arithmetisch geordneten Nummernverzeichnis in doppelter Ausfertigung
eingereicht werden, wozu Formulare bei den genannten Stellen erhältlich sind. Eines dieser
Nummern-
verzeichnisse, von der Annahmestelle unterzeichnet, dient dem Einreicher als Quittung und Legitimation
zum späteren Empfang der gültig gebliebenen Aktien.
Soweit von Aktionären eingereichte Aktien die Zahl 5 nicht erreichen, der Gesellschaft aber zur
Verwertung für Rechnung der Beteiligten zur Verfügung gestellt werden, sind von je 5 solcher Aktien
3 als ungültig zurückzubehalten und 2 als gültig geblieben zu erklären. Letztere werden zum
Börsen-
preis und in Ermangelung eines solchen durch öffentliche Versteigerung verkauft, der Erlös wird den
Beteiligten anteilig zur Verfügung gestellt.
Aktien, die bis zum 3. Juli nicht eingereicht werden, sowie eingereichte Aktien, welche die zum
Ersatz durch neue Aktien erforderliche Zahl nicht erreichen und der Gesellschaft nicht zur Verwertung
zur Verfügung gestellt werden, werden für kraftlos erklärt; an Stelle von je 5 für kraftlos erklärten
Aktien werden 2 neue Aktien ausgegeben. Letztere werden für Rechnung der Beteiligten zum
Börsen-
preis und in Ermangelung eines solchen durch öffentliche Versteigerung verkauft; der Erlös wird den
Beteiligten nach Verhältnis ihres Aktienbesitzes anteilig zur Verfügung gestellt.
Der Termin für die Aushändigung der gültig gebliebenen Aktien wird seinerzeit noch bekannt
gegeben werden.
Wir fordern hierdurch gemäss § 289 H. G. B. unsere Gläubiger auf, ihre Ansprüche anzumelden
Kelsterbach a. M., im April 1913.
Vereinigte Kunstseide-Fabriken Aotiengesellschaft.
Der Vorstand:
Dr. Pemsel.
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
3 41.
Dienstag, 15. April.
1913.
Bekanntmachung.
Die Führung von Lohnbüchern war für die Kleider= und Wäſchekonfektion bisher
durch die Bekanntmachung vom 9. Dezember 1902 (Reichsgeſetz=Blatt S. 295) geregelt.
Daneben iſt über die Einrichtung der Lohnbücher durch den Reichskanzler
Beſtim=
mung getroffen worden (ſiehe unſere Bekanntmachung vom 30. Januar 1903 Kreisblatt
Nr. 30 vom 5. Februar 1903)). Die Mängel dieſer Regelung haben nach eingehenden
Unterſuchungen Anlaß gegeben, zunächſt die geſetzlichen Grundlagen ſo abzuändern, wie
es für eine zweckmäßige Ausgeſtaltung der Lohnbücher erforderlich ſchien, indem durch
Artikel 1 des Geſetzes vom 27. Dezember 1911 die Vorſchriften in §§ 114a, 114b der
Gewerbeordnung neugeſtaltet wurden. Unter Beibehaltung der Befugnis des
Bundes=
rats, für beſtimmte Gewerbe Lohnbücher oder Arbeitszettel vorzuſchreiben, iſt ihm
da=
durch weiter übertragen worden, die zur Ausführung erforderlichen Beſtimmungen,
namentlich über Art und Zeit der Eintragungen, in das Lohnbuch zu erlaſſen, ſoweit
nicht ſchon die neue Faſſung des Geſetzes hierüber erweiterte Vorſchriften enthält. Dem
Unternehmer bleibt fortan überlaſſen, wie er im übrigen unter Beachtung der geſetzlichen
Vorſchriften und der Beſtimmungen des Bundesrats die Lohnbücher einrichten will.
Auf dieſer neuen geſetzlichen Grundlage ſind nunmehr die in der unten
abgedruck=
ten Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 14. Februar 1913 (Reichsgeſetz=Blatt S. 97)
enthaltenen Beſtimmungen beſchloſſen worden, die am 1. Juli 1913 in Kraft
und an die Stelle der Beſtimmungen vom 9. Dezember 1902
treten.
Indem wir hierauf aufmerkſam machen, bemerken wir zu den einzelnen
Beſtim=
mungen das Folgende:
Zu § 1. Die Worte: „Kleider= und Wäſchekonſektion” in Zeile 6 der
Bekannt=
machung vom 9. Dezember 1902 haben zu Zweifeln über den Geltungsbereich der
Be=
ſtimmungen Anlaß gegeben. Sie ſind als eine Einengung der vorhergehenden Worte
„Anfertigung oder Bearbeitung von Kleidern und Wäſche im großen” aufgefaßt
wor=
den. Um dieſe Zweifel auszuſchalten, iſt in § 1 Abſatz 2 eine genaue Begriffsbeſtimmung
aufgenommen.
Zu§ 2. Die Frage, ob auch für die in der Arbeitsſtätte des
Arbeit=
gebers beſchäfligten Arbeiter Lohnbücher zu führen ſind, war nach den Motiven der
früheren Beſtimmungen zu bejahen. Nach den neuen Vorſchriften bedarf es für dieſe
Arbeiter, inſoweit ſie ausſchließlich gegen Zeitlohn beſchäftigt werden, in Zukunft
des Lohnbuches nicht. Selbſtverſtändlich iſt aber in Betrieben, in denen in der Regel
mindeſtens 20 Arbeiter beſchäftigt werden, den Arbeitern bei der regelmäßigen
Lohn=
zahlung ein ſchriftlicher Beleg (Lohnzettel, Lohntüte, Lohnbuch uſw.) über den Betrag
des verdienten Lohnes und der einzelnen Arten der vorgenommenen Abzüge
auszu=
händigen (§ 134 Abſatz 2 der Gewerbeordnung.)
Zu§ 3. Zur Beſeitigung von Zweifeln darüber, für welche Perſonen
Lohn=
bücher zu führen ſind, haben in Abſatz 2 die für die §§ 114a bis 119a maßgebenden
Vorſchriften des § 1101 der Gewerbeordnung Aufnahme gefunden, in denen die
Perſonen, welche den Arbeitern gleichzuachten ſind, näher bezeichnet werden. Von
einer beſonderen Beſtimmung über die Stellung der ſogenannten Zwiſchenmeiſter
iſt abgeſehen worden, in der Annahme daß bei Anwendung der Beſtimmungen
ledig=
lich die Auslegung, die § 119b der Gewerbeordnung gefunden hat, maßgebend ſein
müſſe, wonach nur diejenigen Perſonen, die wirtſchaftlich in einer gleichen Lage ſich
befinden, wie die eigentlichen Lohnarbeiter, bei denen das Merkmal der wirtſchaftlichen
Abhängigkeit charakteriſtiſch iſt, zu den Arbeitern im Sinne der Beſtimmungen zu
zäh=
len ſind.
Zu § 9. Als Betriebsbeamte ſind die im § 133a der Gewerbeordnung näher
bezeichneten Perſonen anzuſehen. Die Vollmacht wird, auch wenn ſie ſtillſchweigend
oder mündlich erteilt iſt, als genügend anzuſehen ſein. Die Verwendung des
Tinten=
ſtifts und, ſoweit es ſich nicht um die Unterzeichnung handelt, eines farbigen
Stempel=
drucks entſpricht den Wünſchen der Intereſſenten.
Zu §§ 10 und 11. Die Ausnahme für die Eintragung des Lohnſatzes bei
Anfertigung eines erſtmalig herzuſtellenden Muſters entſpricht einem Bedürfnis, das
nicht ſowohl in der Damen= und Wäſchekonfektion, ſondern namentlich auch in der
Knabenkleiderkonfektion und in der Fabrikation von Livreen und Sportartikeln
hervor=
getreten iſt. Die Ausnahmebeſtimmung im § 11 beruht auf der Erwägung, daß bei
der Wäſchekonfektion eine mehrmalige Ausgabe von Arbeit an einem Tage vielfach
üblich iſt und die Eintragung der einzelnen Arbeitsübertragungen eine übergroße
Mühewaltung verurſachen würde, von der bei feſtſtehenden und durch Anſchlag
bekannt=
gegebenen Lohnſätzen unbedenklich abgeſehen werden kann.
Zu § 12. Die vorläufige Verwendung von Arbeitszetteln
ent=
ſpricht den Wünſchen der Intereſſenten. Einem weitergehenden Wunſche, an Stelle
des Lohnbuches auch Arbeitszettel zuzulaſſen, wurde nicht entſprochen, weil bei den
Lohnbüchern die Gefahr des Verlierens einzelner Beſcheinigungen bis zu einem
gewiſſen Grade vorgebeugt iſt. Es wird Sache der Gewerbeaufſichtsbeamten ſein, der
mißbräuchlichen Benutzung von Arbeitszetteln vorzubeugen und die
Durch=
führung der Vorſchrift zu überwachen, wonach ſpäteſtens bei der nächſten Abrechnung
unter Uebertragung der Angaben in den Lohnzetteln die Eintragungen in das
Lohn=
buch nachträglich zu bewirken ſind.
Darmſtadt, den 9. April 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
(9819
Bekanntmachung.
betreffend Lohnbücher für die Kleider= und Wäſchkonfektion vom 14. Februar 1913.
Auf Grund der §§ 114a, 114b der Gewerbeordnung hat der Bundesrat beſchloſſen:
Für die Betriebe der Kleider= und Wäſchekonfektion wird die Führung von
Lohnbüchern vorgeſchrieben.
Zur Kleider= und Wäſchekonfektion gehören alle Betriebe in denen die
An=
ffertigung oder Bearbeitung von Männer= und Knabenkleidern (Röcken, Hoſen, Weſten,
Mänteln und dergleichen), Frauen= und Kinderkleidung (Mänteln, Kleidern, Umhängen
rund dergleichen), ſowie von weißer oder bunter Wäſche im großen erfolgt, Anfertigung
roder Bearbeitung im großen liegt auch vor, wenn zwar in dem einzelnen Betriebe
ſſelbſt nur eine beſchränkte Stückzahl der Ware angefertigt oder bearbeitet wird, wenn
ſiedoch der Unternehmer, für den der Betrieb arbeitet, die Ware in Maſſen herſtellen läßt.
§ 2.
Für die ausſchließlich gegen Zeitlohn in der Arbeitsſtätte des Arbeitgebers
Wbeſchäftigten Arbeiter bedarf es unbeſchadet der Vorſchrift in § 134 Abſatz 2 der
Gewerbeordnung der Führung eines Lohnbuches nicht.
§ 3.
Die Lohnbücher müſſen Namen, Firma und Niederlaſſungsort des Arbeitgebers,
ſſowie Namen und Wohnort des Arbeiters enthalten.
Den Arbeitern ſtehen diejenigen Perſonen gleich, welche für beſtimmte
Gewerbe=
ſtreibende außerhalb der Arbeitsſtätten der letzteren mit der Anfertigung gewerblicher
VErzeugniſſe beſchäftigt ſind, und zwar auch dann, wenn ſie die Roh= und Hilfsſtoffe
Felbſt beſchaffen (§ 119b der Gewerbeordnung).
In die Lohnbücher ſind von dem Arbeitgeber oder einem dazu
bevollmäch=
tigten Betriebsbeamten einzutragen:
1. der Zeitpunkt der Uebertragung von Arbeit, Art und Umfang der Arbeit,
bei Akkordarbeit die Stückzahl;
2. die Lohnſätze:
3. die Bedingungen für die Lieferung von Werkzeugen und Stoffen zu den
Arbeiten;
4. der Zeitpunkt der Ablieferung, ſowie Art und Umfang der abgelieferten Arbeit;
5. der Lohnbetrag unter Angabe der etwa vorgenommenen Abzüge;
6, der Tag der Lohnzahlung;
7. die Bedingungen für die Gewährung von Koſt und Wohnung, ſofern Koſt
oder Wohnung als Lohn oder Teil des Lohnes gewährt werden ſoll (§ 114a
Abſ. 1, 2 der Gewerbeordnung).
Im übrigen ſind noch ſolche Eintragungen zuläſſig, welche ſich auf die
über=
ragenen Arbeiten und die dafür vereinbarten oder gezahlten Löhne beziehen (§ 114a
AAbſatz 3 der Gewerbeordnung).
§ 4.
Die Eintragungen dürfen nicht mit einem Merkmal verſehen ſein, welches den
Inhaber des Lohnbuches günſtig oder nachteilig zu kennzeichnen bezweckt.
Die Eintragung eines Urteils über die Führung oder die Leiſtungen des Arbeiters
und ſonſtige durch dieſe Bekanntmachung nicht vorgeſehene Eintragungen oder
Ver=
merke in oder an dem Lohnbuch ſind unzuläſſig.
Den Arbeitgebern und den von ihnen zur Vornahme der Eintragungen
bevoll=
mächtigten Betriebsbeamten iſt unterſagt, die Lohnbücher mit Merkmalen zu verſehen,
Sohnbuchs nicht
erſichtlichen Weiſe zu kennzeichnen (§ 114a Abſatz 4 der Gewerbeordnung).
§ 5.
Die Lohnbücher müſſen für die nach § 3 Abſatz 3 vorgeſchriebenen Eintragungen
geſonderte Spalten haben. Für die nach § 3 Abſatz 4 zugelaſſenen weiteren
Ein=
tragungen ſind, wenn ſolche Eintragungen erfolgen ſollen, gleichfalls beſondere Spalten
vorzuſehen.
Dem Arbeitgeber bleibt geſtattet, die einzelnen Spalten in mehrere Unterſpalten
zu zerlegen.
§ 6.
Sind die Bedingungen für die Lieferung von Werkzeugen und Stoffen, ſowie
für die Gewährung von Koſt und Wohnung (§ 3 Abſatz 3 Nr. 3, 7), dauernd oder
für einen längeren Zeitraum feſtgeſetzt, ſo iſt geſtattet, ſie an Stelle der durch § 5
vorgeſchriebenen Eintragung in Spalten in einem beſonderen Teile des Lohnbuchs
vor den Eintragungen über die einzelnen Aufträge aufzuführen.
§ 7.
In den Lohnbüchern ſind die §§ 115 bis 119a Abſatz 1, § 119b der
Gewerbe=
ordnung abzudrucken (§ 114b Abſatz 3 der Gewerbeordnung).
§ 8.
Im übrigen bleibt die Einrichtung des Lohnbuches, auch hinſichtlich der Zahl
und Anordnung der Spalten, ſowie hinſichtlich der Größe und Zahl der Seiten, dem
Ermeſſen des Arbeitgebers überlaſſen; insbeſondere kann er für die Unterzeichnung der
Eintragungen Spalten vorſehen.
§ 9.
Vorbehaltlich der Ausnahmen in den §§ 10 bis 12 ſind die Eintragungen gemäß
§ 3 Abſatz 1, Abſatz 3 Nr. 1 bis 3, 7 vor oder bei der Uebergabe der Arbeit, die
gemäß § 3 Abſatz 3 Nr. 4 bei der Abnahme der Arbeit, die gemäß § 3 Abſatz 3 Nr. 5, 6
bei der Lohnzahlung zu bewirken und von dem Arbeitgeber oder einem dazu
bevoll=
mächtigten Betriebsbeamten zu unterzeichnen (§ 114b Abſatz 2 der Gewerbeordnung).
Die vorgeſchriebenen Eintragungen einſchließlich der Unterzeichnung ſind mit
Tinte oder Tintenſtift zu bewirken. Die Verwendung eines farbigen Stempeldrucks
iſt, ſoweit es ſich nicht um die Unterzeichnung handelt, zuläſſig.
§ 10.
Soll die Anfertigung eines erſtmalig herzuſtellenden Muſters übertragen und
kann der Lohnſatz für dieſes nicht im voraus berechnet werden, ſo darf die Eintragung
des Lohnſatzes bis ſpäteſtens zu dem Zeitpunkt verſchoben werden, in welchem der
Lohn ermittelt oder ausgezahlt wird.
§ 11.
Soweit in den Betrieben, in denen die Anfertigung oder Bearbeitung von
weißer oder bunter Wäſche im großen erfolgt, die Lohnſätze durch einen in den
Arbeits=
räumen angebrachten gut lesbaren Anſchlag bekannt gegeben ſind, dürfen für die in
dieſen Räumen beſchäftigten Arbeiter die Eintragungen in das Lohnbuch gemäß § 3
Abſatz 3 Nr. 1 bis 6 nach dem Geſamtbetrage der im Laufe eines Tages an den
Arbeiter ausgegebenen Arbeiten bewirkt werden. Die Eintragungen müſſen ſpäteſtens
bis zum Beginne der Arbeit am folgenden Tage vorgenommen werden.
§ 12.
Wird die Arbeit dem Arbeiter zugeſandt oder kann das Lohnbuch bei Uebergabe
der Arbeit troßz Aufforderung nicht vorgelegt werden, ſo dürfen die Eintragungen in
das Lohnbuch vorläufig inſoweit unterbleiben, als die Uebertragung der Arbeit mittels
Arbeitszetteln erfolgt, in denen die im § 3 Abſatz 3 Nr. 1, 2 und, ſofern nicht von der
Beſtimmung im § 6 Gebrauch gemacht iſt. auch die im § 3 Abſatz 3 Nr. 3
vorge=
ſchriebenen Eintragungen enthalten ſind. Dieſe Eintragungen miſſen von dem
Arbeit=
geber oder einem dazu bevollmächtigten Betriebsbeamten unterzeichnet ſein.
Die Eintragungen in das Lohnbuch ſind, ſobald der Arbeiter ſelbſt Arbeit liefert
oder abholt, ſpäteſtens jedoch bei der nächſten Abrechnung unter Uebertragung jener
Angaben nachträglich zu bewirken.
§ 13.
Das Lohnbuch oder der Arbeitszettel iſt von dem Arbeitgeber auf ſeine Koſten
zu beſchaffen und dem Arbeiter ſofort nach Vollziehung der vorgeſchriebenen
Ein=
tragungen koſtenfrei auszuhändigen (§ 1145 Abſatz 1 Satz 1 der Gewerbeordnung).
§ 14.
Die Arbeitgeber haben von den Lohnbüchern, welche ſie verwenden, zwei Abdrücko
der Ortspolizeibehörde ihrer Niederlaſſung vor der erſtmaligen Verwendung
einzu=
reichen.
§. 15.
Die vorſtehenden Beſtimmungen treten am 1. Juli 1913 in Kraft und an die
Stelle der Beſtimmungen vom 9. Dezember 1902, betreffend die Einführung von
Lohn=
büchern für die Kleider= und Wäſchekonfektion (Reichs=Geſetzblatt S. 295).
Berlin, den 14. Februar 1913.
Delbrück.
Bekanntmachung.
Die Kreisſtraße von Darmſtadt nach Roßdorf iſt wegen Einwalzen der
Fahr=
bahn und zwar vom Alten Roßdörfer Weg bis Beſſunger Forſthaus von Freitag.
den 25. d. Mts. ab auf 1 Woche und von km 8,0—9,0 (Ortsdurchfahrt Roßdorf)
von Mittwoch, den 30. d. Mts. ab auf 1 Woche für Fuhrwerke, Automobile und
Motorräder und dergl. geſperrt.
Die Großh. Bürgermeiſterei Roßdorf und die in der Umgebung gelegenen
Bürgermeiſtereien wollen Vorſtehendes auch in ortsüblicher Weiſe bekannt geben.
Darmſtadt, den 9. April 1913.
(8750si
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Am 1., 3., 4., 7., 8., 10., 11, 14., 15., 17., 18., 21., 22., 24., 25., 28. und 29. April
1913 von 7½ Uhr vormittags bis zum Einbruch der Dunkelheit wird Schießen
ab=
gehalten.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
„ Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
„ Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
„ Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über
Milches=
wieſe-Sauwieſe-Schreibertwieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafelnabgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei=
Verordnung Kreisamt Darmſtadt vom 25. September 1909), was zur allgemeinen
Kenntnis gebracht wird.
Darmſtadt, den 19. März 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(7555a
J. V: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß die II. Abteilung des
Feld=Artillerie=Regiments Nr. 84
Mittwoch, den 16. April 1913
ein Schießen mit ſcharfer Munition in der Zeit von 1—5 Uhr nachmittags
ab=
halten wird, mit Schußrichtung von Wolskehlen nach dem Griesheimer Haus. Die
Straßen Darmſtadt-Eſchollbrücken, Griesheim-Eſchollbrücken, Griesheim-Pfungſtadt,
Griesheim-Eberſtadt werden während der angegebenen Zeit für jeden Verkehr
geſperrt.
Es kommt vor, daß einzelne Geſchoſſe nicht platzen (krepieren). Falls ſolche
Geſchoſſe gefunden werden, ſind ſie unter keinen Umſtänden zu berühren; die
Fund=
ſtelle iſt weithin deutlich zu bezeichnen und dem, genannten Truppenteil oder der
Kommandantur des Truppenübungsplatzes Mitteilung zu machen, von welchen
Stellen das Sprengen der Geſchoſſe veranlaßt wird.
Der Finder erhält einen Finderlohn von 0,50 Mk. für Geſchoſſe ohne Zünder
(8945
Mk. für Geſchoſſe mit Zünder.
und 1.
Darmſtadt, den 12. April 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Nummer 44.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Dienstag, den 15. April 1913.
Bekanntmachung.
Wir machen die Beſitzer derjenigen Pferde und Fahrzeuge, welche bei der
Aus=
hebung im Falle einer Mobilmachung zu geſtellen ſind, bereits im Frieden ausdrücklich
auf folgende geſetzlichen Beſtimmungen aufmerkſam:
1. Uebertretungen der hinſichtlich der Stellung der Pferde zur Aushebung
ge=
troffenen Anordnungen werden nach § 27 des Kriegsleiſtungsgeſetzes vom
13. Juni 1873 mit Geldſtrafe bis zu 150 Mark geahndet.
2. Pferdebeſitzer, welche ihre geſtellungspflichtigen Pferde nicht ungeſäumt und
voll=
ſtändig vorführen, haben außer der geſetzlichen Strafe zu gewärtigen, daß auf
ihre Koſten eine zwangsweiſe Herbeiſchaffung der nicht geſtellten Pferde
vor=
genommen wird.
3. Der Verkauf eines Pferdes vor erhaltener Geſtellungsaufforderung entbindet
nicht von deſſen Geſtellung, ſofern die Ablieferung an den neuen Erwerber noch
nicht erfolgt iſt. Eine Ausnahme findet nur ſtatt, wenn nachweislich der
Ver=
kauf an die Militärbehörde, an Offiziere, Sanitätsoffiziere oder Militärbeamte,
welche ſich ihre Pferde für die Mobilmachung ſelbſt beſchaffen, erfolgt war.
Von Bekanntgabe des Mobilmachungsbefehls bis nach Beendigung der
Pferde=
aushebung iſt jede Ausführung von Pferden in andere Kreiſe oder Ortſchaften
verboten. Zuwiderhandlungen werden für jeden einzelnen Fall mit der in § 27
des Kriegsleiſtungsgeſetzes vom 13. Juni 1873 vorgeſehenen Strafe geahndet.
Eine Ausnahme von dem Verbote findet nur ſtatt, wenn nachweislich der
Ver=
kauf an Militärbehörden des Aushebungsbezirks oder an ſolche Offiziere, Sa=
nitätsofiziere oder Militirbeamte, welche ſich die Pferde für die Moblmachung
ſelbſt beſchaffen, geſchehen iſt.
5. Bei der Vorführung müſſen die Pferde durch den Beſitzer verſehen ſein mit:
Halfter, Trenſe, zwei mindeſtens zwei Meter langen Stricken und gutem
Huf=
beſchlag. Der Wert dieſe Stücke iſt in der Taxe mitenthalten. Fehlt eines
der=
ſelben, ſo werden die dadurch entſtehenden Koſten bei der Taxſumme in Abzug
gebracht.
6. Pferde, welche als brauchbar ausgewählt, aber zunächſt nicht abgenommen
wer=
den, ſind von den Beſitzern, bei Meidung der unter 1 erwähnten Strafe, auf
drei Wochen, vom Tage der Aushebung an gerechnet, zur Verfügung der
Militärbehörde zu halten. Bis zur förmlichen Abnahme haben die Beſitzer oder
deren Beauftragte die Pferde zu beaufſichtigen und auf eigene Koſten zu
ver=
pflegen. Wenn die Beſitzer dieſer Verpflichtung nicht genügen, werden die
da=
durch entſtandenen Koſten bei Auszahlung der Taxſumme in Abzug gebracht.
7. Bei den bereits früher gemuſterten Pferden ſind an den Halftern auf der linken
Seite die Beſtimmungstäfelchen, welche die Deſignation der letzten Muſterung
aufweiſen, zu befeſtigen.
8. Schläger und biſſige Pferde ſollen ausdrücklich als ſolche bezeichnet werden, um
Unfällen vorzubeugen.
Darmſtadt, den 8. April 1913.
(8917
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Foxterrier. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um
10 Uhr, ſtatt.
(8939
Bekanntmachung.
Wegen Ausführung doppelter Gleisanlagen wird der zwiſchen
Ernſt=Ludwigs= und Luiſenplatz liegende Teil der Rheinſtraße von
Montag, 14. ds. Mts. an bis auf Weiteres für Fuhrwerks=, Auto=
und Radfahrerverkehr geſperrt.
Für den nördlichen Stadtteil wird der Fuhrwerksverkehr durch
die Zeughausſtraße, für den ſüdlichen Stadtteil durch die Ernſt=
Ludwigſtraße geleitet.
Auf demſelben Wege vollzieht ſich auch die An= und Abfahrt
der Theater=Wagen.
Darmſtadt, 11. April 1913.
(8901oim
Großherzogliches Polizeiamt
Gennes
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 16. April 1913, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokal Rundeturmſtraße 16 (Reſtauration „zur
Roſenhöhe”) dahier folgende Pfänder:
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Angebote ſind bis
Samstag, 19. April 1913,
vormittags 10 Uhr,
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einzureichen.
Darmſtadt, 11. April 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.
An unſer Handels=Regiſter, Ab=
) teilung A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 4. April 1913.
Neu eingetragen die Firma:
Wilhelm Mahr,
Darm=
ſtadt.
Inhaber: Wilhelm Mahr,
Zim=
mermeiſter in Darmſtadt.
Am 8. April 1913.
Gelöſcht die Firma:
Friedrich Amelung,
Darm=
ſtadt.
Hinſichtlich der Firma:
W. Mahr, Darmſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf:
1. Kaufmann Albert
Feucht=
wanger,
2. Werkführer Heinrich Heyl,
beide in Darmſtadt, als perſönlich
haftende Geſellſchafter
überge=
gangen.
Offene Handelsgeſellſchaft.
Die Geſellſchaft hat am 1. April
1913 begonnen.
Zur Vertretung der Geſellſchaft
iſt nur Albert Feuchtwanger
er=
mächtigt.
Der Uebergang der in dem
Be=
triebe des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderungen
iſt bei dem Erwerbe des Geſchäfts
durch Albert Feuchtwanger und
Heinrich Heyl ausgeſchloſſen:
Die Firma iſt geändert in:
Darmſtädter Holzinduſtrie
W. Mahr Nachf. (8929
Darmſtadt, 12. April 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
In den Waldungen der Stadt
Darmſtadt iſt das Befahren der
Wege und Schneiſen mit Auto
und Motorrad verboten.
Nur die öffentlichen Straßen:
Dieburger=, Roßdörfer= u. Erbacher=
Straße ſind für Kraftfahrzeuge
(8776a
erlaubt.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Dünger=Verkauf.
Donnerstag, den 17. April, von
950 Uhr vormittags ab
wird auf dem vorderen Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne in
Darm=
ſtadt die Matratzenſtreu einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
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verſteigert.
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Aufgebot.
Der Johannes Ortmann in Darmſtadt, vertreten durch die
Rechtsanwälte Staedel und Kalbhenn in Darmſtadt, hat das
Auf=
gebot von drei Anteilſcheinen der Privilegierten Schützengeſellſchaft,
Nr. 386, 387 und 425 vom 1. Juli 1902, über je 100 Mk., beantragt.
Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, ſpäteſtens in dem
auf Dienstag, den 18. November 1913, vormittags 10 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gericht, Neues Juſtizgebäude, Zimmer
Nr. 201, anberaumten Aufgebotstermine ſeine Rechte anzumelden
und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der
Urkunde erfolgen wird.
(8894oim
Darmſtadt, 8. April 1913.
Großherzogliches Amtsgericht I.
eine Ziehungsverlegung!
Ziehung am 14. und 15. Mai 1913.
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Nummer 87.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
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Das Stärkſte.
Roman von Fritz Gantzer.
(Nachdruck verboten).
28)
Frau Barbara litt unſäglich. Sie ſtand wochenlang
unter dem Eindruck, den ein plötzliches Sterben mit ſich
bringt. Es kamen Stunden, in denen ſie ruhelos, wie
ſuchend, durch das ganze Haus wanderte, in jedes Zimmer
ſah, um zuletzt immer in den Raum zu treten, den Signe
als Schlafzimmer benutzt hatte. Sie verriegelte die Tür
hinter ſich, ging eine Weile ruhelos auf und ab und
be=
gann ſchließlich damit, in einem der Käſten oder
Schub=
fächer, die Signes Sachen bargen, planlos zu ſuchen und
zu ordnen. Bis ſie am Ende immer ein heißes, wehes
Weinen ankam, das ihren Kopf ſenkte und die Stirn auf
idas harte Holz des Kaſtens zwang.
An einem ſtillen Sonntag nachmittag, etwa drei
Wo=
ichen nach Signes Scheiden, als ſchon die graue
Dämme=
rrung in das Haus ſchlich und es ſo öde und tot in ihm
twar, als ſei alles Leben in ihm geſtorben, trieb die
Un=
rruhe Frau Barbara wieder zu einer ſolchen Wanderung.
Sie ſtieg diesmal ſogar bis zum Hausboden hinauf. In
eeiner verſtaubten und von Spinnenfäden behangenen
Dachkammer fand ſie die alte Familienwiege. Sofort kam
ähr das Bednken an: In ihr hat auch Signe einſt
ge=
ſſchlafen. Scharf und lebendig erinnerte ſie ſich der Zeit.
aalle ihre Sorge und Obhut, die ſie an das Kind gewandt,
krieb ſich ihr drängend zu Sinne. Und ihre Liebe hob an.
die Sehnſucht nach der Verlorenen zu ſchüren, daß ſie
fflammend auflohte.
Sie ſchritt wankend näher und ſtützte ſich ſchwer auf
das verſtaubte, wurmſtichige Holz der Wiege. Stand lange
ſo und wurde des mählichen Herbeiſchleichens der Dunkel=
Heit nicht gewahr. Ein Name ging von Zeit zu Zeit über
ihre Anden, wie ein weher, leiſer Schrei geſormt. und
endlich ſprach ſie auch das aus, was ihr ſchon ſeit
Minu=
ten durch den Sinn rann: „Ich muß ſie wieder haben,
ſonſt. . .
Sterben vielleicht? Ja, es konnte ſchon ſein, daß ſie
an dem Verluſt zugrunde ging. . .
Sie ſtand mit ihrer Sehnſucht, mit der Zerriſſenheit
ihrer Seele nicht allein. So, wie ſie, litt auch Henning.
Ja, er litt noch bei weitem mehr.
Jenes letzte Zuſammenſein mit Signe, das ihn zu
ſeinem Ende hin mit der Fülle nicht völlig geklärter
Emp=
findungen überſchüttet, wo es ihm geweſen, als blende
ihn ein greller Lichtſtrom, war zum Brennpunkt ſeiner
Gedanken geworden. Sie hingen dem Wunderbaren jener
Stunde nach, waren wie verwachſen mit ihm und kamen
nicht zur Klarheit. Erſt als er allein vom Bahnhof
heim=
ging, ſein Bemühen, Signe zurückzuholen, erfolglos
ge=
weſen war, packte ihn ein plötzliches Verſtehen mit voller
Wucht: Es iſt Deine Liebe, die Signe folgt, die ihr in
die unbekannte Ferne hinein das Geleit gibt. Eß iſt
Deine Liebe, die Dich erzittern läßt,, die Dir einen Jubel
und einen Jammer gibt. Nicht die alte Liebe, wie ſie
bisher in Dir war, die Liebe zu der Schweſter. Nein,
die andere, höhere, brennende. Die Liebe, die Geſchlecht
zu Geſchlecht bannt.
Ein Name zuckte Henning durch den Sinn. Der Name
des Bruders. Deſſen Begehren ſtand auch nach Signe.
Viel eher ſchon, denn Henning von dem ſeinen gewußt.
Und das bindende Wort von einſt.
Das tat ein Zwiefaches. Es ſtieß ſeine eigene Liebe
mit überlegenen Fäuſten und dem harten Auffahren: Du
darfſt nicht begehren! in einen dunklen Abgrund, in dem
das Entſagen ſeine Wohnſtätte hatte, und wies ihn mit
gewiſſem Finger die Erfüllung des gelobten Verſprechens.
er ſrändſe ſch egen des eiſe legtinig, bechen
lang. Lehnte ſich mit heißem Blute auf. Dem ſtarren: Du
darfſt nicht! hielt er ein: Ich will aber! entgegen. Aber
am Ende unterlag er doch., Und auch das andere blieb
Sieger. Zwar ſagte er ſich unzählige Male vor: Ich bin
mit dem Gehen Signes meines Verſprechens los und
ledig und kann Gerhard einſt nur noch ſagen: So kam’s!
— Es half nichts: Was er zuerſt, überlegen lächelnd, weit
von ſich gewieſen, kam immer wieder und ſtändig gewiſſer
hinzu und forderte zuletzt herriſch: Du mußt ſie wieder
heimholen!
Wochenlang trug er ſich mit dieſem Gedanken und
zer=
grübelte ſich den Kopf. Er war zerfahren, verſäumte die
pünktliche und gewiſſenhafte Erfüllung ſeiner Pflichten und
mußte ſich häufig ein verwundertes Kopfſchütteln oder
wohl gar ein ärgerliches Zurechtrücken durch Herrn Kröger
gefallen laſſen. Was beides nicht half. Henning Bruns
blieb der verworrene, konfuſe Träumer.
Der ſtille, graue Sonntagnachmittag, der Frau
Bar=
bara in der verſtaubten Dachkammer fand, ſah Henning
ruhelos durch ſein Zimmer wandern. Seit Tagen ſtand
der Entſchluß in ihm feſt: Ich will fort, ich muß verſuchen,
Signe wenigſtens zu finden. Was darüber hinaus ſein
würde: ob es ihm gelingen möchte, ihren Aufenthalt
über=
haupt ausfindig zu machen und ſie zur Rückkehr zu be4
wegen, wie wohl Vater und Mutter zu ſeinem Vorhaben
ſtehen würden, das alles erwog er noch nicht.
Er nahm ſich vor, ſein Vorhaben zunächſt mit der
Mutter zu beſprechen. Wenn er überhaupt bei einem
Menſchen Verſtändnis dafür fand, ſo war ſie der einzige.
Außerdem hoffte er auch, von ihr einen Fingerzeig zu
erhalten, wohin er ſich mit ſeinen Nachforſchungen wenden
müſſe.
Als er ſich entſchloß, ſeine Mutter ſofort aufzuſuchen,
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Nummer 87.
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war es ſchon faſt dunkel im Zimmer. Er trat auf den
Flur. Von der Bodentreppe herab kam ein müder,
lang=
ſamer Schritt. Halb erſchrocken blieb er ſtehen und
war=
tete. Dann erkannte er in der ſich aus der Dunkelheit
löſenden Geſtalt, über die etwas gramvoll Gebeugtes
ge=
ſchüttet war, ſeine Mutter. Auch ſie wurde ſeiner nun
anſichtig und nannte fragend ſeinen Namen.
Ja, Mutter, ich wollte eben zu Dir. Möchteſt Du mir
in einer ernſten Angelegenheit für kurze Zeit Gehör
ſchenken?
Sie bejahte ohne verwunderte Fragen.
Als ſie ſich in der Dunkelheit des ſchmalen Raumes
gegenüberſtanden, ſagte Henning: Es betrifft Signe. Nimm,
bitte, Platz, und höre mir zu.
Sie kam ſeiner Aufforderung ſchweigend nach und
ſetzte ſich auf das Lederſofa. Ein leiſes Seufzen ging über
ihre Lippen, und eine heiße Unruhe kroch ſachte zu ihr
heran. Henning war in allen ſeinen Bewegungen von
einem ſolchen ſteifen, gemeſſenen Ernſt, durchquerte noch
immer, ohne zu ſprechen, das Zimmer und ſchien eine in
ihm tobende Bewegung nur mit Mühe in ruhigere
Bah=
nen zu leiten. Was war das mit ihm?
Ehe ſie eine beabſichtigte Frage tun konnte, kam er ihr
mit ſeinem endlichen Sprechen zuvor. Er redete von
ſei=
nem Plan, Signe ſuchen zu wollen, und gab als Grund
an, daß er Gerhard einſt verſprochen habe, ihm Signe zu
hüten. Von ſeiner eigenen Liebe ſagte er kein Wort. Als
nach ſeinem zuletzt immer haſtiger gewordenen Reden
keine Entgegnung kam, Frau Barbaras Kopf nur noch
tiefer ſank, fragte er: Du haſt mich doch verſtanden,
Mutter?
Sie bejahte nur.
Aber Du ſtimmſt meinem Vorhaben nicht zu?
Die ſchweigſame Frau richtete ſich feſt auf und ſuchte
Hennings Geſicht. Aber die matte Dunkelheit verhinderte
das gewiſſe Erkennen ſeiner Züge. Ich muß mich erſt
zurechtfinden, Henning, ſagte ſie erſt nach Sekunden mit
einer Stimme, der man das Bemühen an dem ſtockenden,
taſtenden Sprechen anmerkte. Es iſt ſo viel Neues, was
Du mir da geſagt haſt, ſo viel nicht Geahntes und
Er=
wartetes . .. und wohl auch noch viel, was mir verborgen
geblieben iſt. Gerhard liebt Signe. Und Du willſt
ſeinet=
wegen nach ihr ſuchen? . . . Sagé, treibt Dich nur dies,
oder . . .?
Nur dies, Mutter, unterbrach er mit heiſerer, gepreßter
Stimme.
Frau Barbara war nicht überzeugt. Ihr feines
Empfinden ging Fäden nach, die zur wahren Urſache des
Entſchluſſes Hennings führten. Warum verſchwieg er ihr
den wahren Grund? War er ſich ſelbſt noch nicht klar?
Oder ſah ſie doch falſch?
Sie ſtrich ſich mit einer müden Bewegung über die
Stirn. Ach, Henning, es iſt ja zwecklos, was Du vorhaſt.
Es gibt immer größere Wirrniſſe und Verwicklungen. Und
haſt Du ſchon an die Schwierigkeiten gedacht, die ſich
Dir entgegenſtellen werden?
Ich fühle den Mut, alles zu überwinden, erklärte er
feſt.
Sie bewegte leiſe den Kopf und hob die Hand matt.
Deine Kühnheit wird an der Stärke der Verhältniſſe
ſchei=
tern. Glaubſt Du, daß Dich Dein Vater gehen ließe? Und
wo wollteſt Du Signe finden? Ich weiß nur, daß ihre
Mutter in die Nähe von Köln zu gehen beabſichtigte. Und
ſelbſt, wenn Du ſie bei ihr fändeſt: meinſt Du, Du würdeſt
ſie heimbringen? Sie folgte einem ſtarken Drange, als
ſie uns verließ. Einem ſtärkeren, als es der war, der ſie
zu uns zog.
Aber wenn nun das Stärkſte käme, Mutter: Signes
Liebe zu .
Ich weiß, ſchnitt Frau Barbara in Haſt ab. Und wenn
Du dieſe Liebe vergebens bei ihr ſuchteſt? Sie läßt ſich
doch nicht erzeugen, ſondern muß aus dem Herzen heraus
geboren werden. Das könnte wohl ſein! Aber ob
Signe=
dann heimkäme? . . . Darf ſie überhaupt je wieder heim?
Du weißt, Dein Vater . . .
Du nimmſt mir alle feſte Zuverſicht, Mutter, ſtöhnte
Henning in Qual. Du ſtößt mich in eine Fülle von
Zwei=
feln. Und gerade bei Dir hoffte ich auf volles
Ver=
ſtändnis.
Du beſitzeſt es auch. Niemand ſehnt Signe mit
heiße=
rer Inbrunſt zurück, niemand fühlt ihren Verluſt
ſchmerz=
licher denn ich. Ich möchte am liebſten ſofort ſelbſt gehen,
ſie zu ſuchen und heimzuholen. Aber . . . ach, Henning,
dieſe lange Reihe grauer, bitterer Aber. Sie machen alles
tot. Sie ſind wie kaltherzige Mörder, die mitleidslos mit
beiden Händen erwürgen. Geh! möchte ich Dir ſagen.
Geh ſofort! Und dennoch muß ich raten: Bleib, bleib!
Du haſt Unmögliches im Sinn.
Sie war aufgeſtanden und hatte ſich Henning
ge=
nähert. Wir ſind eines Sinnes, ſagte ſie, weiter redend,
während ſie die Hände auf ſeine Schultern legte. Signe
iſt uns beiden teuer, und wir würden unendlich viel darum
geben, ſie wieder zu haben. Bedenke aber, daß es kaum
einen Weg gibt, der über die vom Schickſal geriſſene Kluft
führt, auf welchem Du ſie wieder zu uns herüberholen
könnteſt. Es muß nun alles bleiben, wie es iſt.
Ihre Stimme klang zitternd aus. Gleich einem
hei=
ßen Weinen. Sie zog Henning feſt zu ſich heran und lehnte
ihren Kopf auf ſeine Schulter.
Aber wir leiden doch unter der grauen Oede dieſes
Ge=
trenntſeins, ſtieß er leidenſchaftlich hervor, ohne zu
be=
denken, daß er ſich damit vollends verriet.
Ja, und ich weiß jetzt, wie unſagbar bitter beſonders
Du ... Henning . . . Du ... mit Deiner Liebe, mein Kind.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 87.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
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Seite 18,
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Nummer 87.
Sport, Spiel und Turnen.
* Pferderennen. Karlshorſt. Wilmersdorfer
Jagd=
rennen; 4000 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Hrn. M.
Leh=
manns Schönbrunn (Kocholaty), 2. Vagabund (Fibr), 3.
Frühwach (Stübing). Tot. 35.10, Pl. 16, 18, 26:10. Unpl.:
Dahme (4), Moſel, Angola, Hildur, Abelard,
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münz, Carol, Durch. Sehr leicht 3½ Lg.-Hals.
Dem=
miner Jagdrennen, Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz
3600 Meter: 1. Hauptm. Kleinſchmidts Waldtraut (Lt. Graß
Baudiſſin), 2. Emſig I (Lt. Graf Schmettow), 3. Tory
Hill II (Hauptm. Schönberg). Tot. 60:10, Pl. 25, 34, 36:10.
Unpl.: Criſtalloide (4), Lokman, Toma, Torquemado,
Macphearſon, Boom de Ay, Landesvater, Mongole.
Ueber=
legen 2—1½ Lg. — Großes Berliner Hürdenrennen, 15000
Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Hrn. W. Dodels Kentucky
(Printen), 2. Flittergold), 3. Triglav (Brederecke). Tot,
145:10, Pl. 46, 27, 24110. Unpl.: Emma, Olivia (4),
Chi=
card (6), Bona (5), Reichsritter (gef.), Talmont, Grace,
Maſter Bowes, Roſette IV, The Flaming Tinman. Sicher
½ Lg.-Hals—½ Lg. — EichenJagirennen; Ehren
preis und 3800 Mark. Diſtanz 3400 Meter: 1. Hrn. Schultzes
Reveuſe (Lt. Frhr. v. Berchem), 2. Ritterſchlag (Lt. Frhr
v. Buddenbrock), 3. Oberbayer (Lt. Graf Baudiſſin). Tot.
14:10, Pl. 12, 19:10. Unpl.: Menelik (4), Gefa Kanter
7—1—2 Lg. — Reſidenz=Jagdrennen; Ehrenpreis und
10000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Hrn. Ziethens Muſchy
(Theilen), 2. Old Port (Newey), 3. Sartorys (Weishaupt)
Tot. 98:10, Pl. 21. 19, 18:10. Unpl.: The Sinner (gef.)
Dame des Pres (angeh.), 17 (4), Five oClock. Kanter
10—6—4 Lg. — Blumenhof=Jagdrennen; Ehrenpreis und
3000 Mark, Diſtanz 3400 Meter: 1. Hrn. v. Oertzens
Ju=
bilee Juggins (Lt. Frhr. v. Zobel), 2. Quids (Lt. v.
Pla=
ten), 3. Mark Gamp (Hr. Purgold). Tot. 41:10, Pl. 18
17.10. Unpl.: Brookdale (4), Chanoine, Lisnagapven.
Kampf ½ Lg.-Hals.
Jahres=Jungfern=Jagdrennen;
2200 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Fürſt R. zu Dohnas
Nelusko (Lufta), 2. Melton Pet (Naſh), 3. Jeſſonda
(Adolf). Tot. 69110, Pl. 20, 30, 19:10. Unpl.:
Kaſſan=
der (4), Kabale I, Waldfried, Allgeſchwind, Venezia, Adieu,
Liliput, Sälde. Leicht 2—1—3 Lg.
Trabrennen in Hamburg-Farmſen, 13. April.
Erſtes Rennen: 1. Flirt (Knöpnadel), 2. Karlchen lauf
(Schlingmann), 3. Nicolette (Fiſcher). Tot. 34:10, Pl. 14,
16, 49:10. Unpl. Maudeto, Quappe (4), Guſchi Alentell
Bice, Lady Electwood, Seneſchall, Glücksbub. 4—½ Lg.
Zweites Rennen: 1. Safe (Schurrmann), 2.
Sonnen=
ſtrahl (Oſterhof), 3. Rivale (Schöncock). Tot. 25.10, Pl.
14, 17, 19:10. Unpl.: Seriana, L. St., Magdalena, Chiffa
Aconit. 10—½ Lg. — Drittes Rennen: 1. Schampus
(Beſ.), 2. Aglaya (Knöpnadel), 3. Dr. Ruſſian (Enſing)
Tot. 53:10, Pl. 18, 39, 14:10. Unpl.: Alentell jr., Erſter
Buchholzer, Silveſter II, Queruſſina, Dante. ¾—2 Lg.
Viertes Rennen: 1. Dr. Lew (A. Mills), 2. Aframont (E.
Treuherz), 3. Hagel (Oſterhoff). Tot. 15:10, Pl. 13, 18110.
Unpl.: Hartcourt, Heritier. 2—½ Lg. — Fünftes
Ren=
nen: 1. Patriot I (Maidment), 2. Mine (Heitmann jr.)
3. Burgſtern (Neuenfeld). Tot. 82:10, Pl. 20,13, 11.10.
Unpl.: Pr. Alentell, Nubinne, Nachtlicht, Senior.
Lg. — Sechſtes Rennen: 1. Radau H. (Beſ.), 2. Aſta (Beſ.),
3. Parmene (Hr. Lang). Tot. 18:10, Pl. 15, 20:10. Unpl.:
Novelliſt, Freddy I, Danilo (4). 5 Lg.-Hals. —
Sieben=
tes Rennen: 1. Heinerle (Fiſcher), 2. Perle Pinkerton
(Gehrkens), 3. Quendel (Knabe). Tot. 38:10, Pl. 13, 11
28:10. Unpl.: Schuldnerin, Czar, Benito (2) (keine
Wet=
ten angenommen), Mimulus, Carmen II, Lieschen P.,
Spinne. Hexenmeiſter. 1—2 Lg.
Der Große Preis von Bielefeld ein
Jagd=
rennen im Werte von 10000 Mark, endete mit dem ſicheren
Siege von Bilbao, anderthalb Längen zurück endete Niſſa
die Zucht nach Kampf mit einer halben Länge um das
zweite Geld ſchlug. Die favoriſierte Germania I wurde
nur Vierte. Den Ehrenpreis des deutſchen Kronprinzen
im Kronprinz Wilhelm=Jagdrennen gewann Lt. Knel mit
Hold Up. II. Leider ereignete ſich im Sparemberg=
Hür=
denrennen ein ſchwerer Sturz, bei dem Jockei Jentſch einen
Beinbruch erlitt. Die Reſultate waren: Erſtes Rennen:
1. Grasmücke (Kühl), 2. Felix eſto (Hammer), 3.
Herbſt=
zeitloſe (Schuller). Tot. 24:10, Pl. 14, 42, 20110. Unpl.:
Traviata (4), Adriano, Junggeſelle, Boulanger. 10—6
Lg. — Zweites Rennen: 1. Plantagruel (Gädicke), 2
Schneekoppe (Kühl), 3. Caſſerole (Wille). Tot. 14:10, Pl.
12, 17, 32110. Unpl.: Sternbild (4), Ricarda, Juan
dAu=
ſtria (gef.), Hades (gef.), Petrucchiv. 1½—3 Lg. —
Drit=
tes Rennen: 1. Flint (Lt. Graf Holck), 2. Solid Silver
(Beſ.), 3. Raubeitter (Lt. Braune). Tot. 23:10, Pl. 12
18, 12110. Unpl: Door Mat (ausgebr.), Fiarhill,
Habs=
burg, Prince Albert II, Leggah, Tongs. 3—8 Lg.
Großer Preis von Bielefeld; Ehrenpreis und 10000 Mark,
Diſtanz 3800 Meter: 1. Hrn. W. Hagemanns Bilbao (E.
Francke), 2. Niſſa (Miſchon), 3. Zucht (Kühl). Tot. 42110,
Pl. 25, 22. 26:10. Unpl.: Germania I (4), Lümmel I La
Turbie, Dollarprinzeſſin, Spezi, Conſtantin, Ops,
Ober=
leutnant, Revolte, Donatello. 1½—1½ Lg. — Kronprinz
Wilhelm=Jagdrennen; Ehrenpreis und 3000 Mark, Di
ſtanz 3600 Meter: 1. Hrn. G. Eichholz’ Hold Up II (Lt.
Knel), 2. Ormsby (Lt. v. Falckenhauſen), 3. Beatrice B
(Lt. v. Raven). Tot. 48:10, Pl. 23, 28, 33110. Unpl.:
Vil=
lanaccio, Eſto (4), Tempete III, Choiſy le Roi, Fifth Ace.
2½—1½ Lg. — Sechſtes Rennen: 1. Kale (Kühl), 2. Fliege
(R. Francke), 3. Zero I (Piplies). Tot. 15110, Pl. 11, 14
12:10. Unpl.: Beaufort III, Mitron (4), Reſy, Werra II,
Argile I, The Compaß. 1½ Lg.-Hals.
Trabrennen zu Mariendorf. Preis von
Tempelhof; 1800 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Hrn. A.
Rungenhagens Oreade (Weiß), 2. Sportsman (Wiltſhire),
3. Artus’ Tochter (Rigius). Tot. 41:10, Pl. 19, 17, 115:10.
Unpl.: Traube (4), Citrus, Markgraf, Apfel, Landluft,
Dragoman, Sarenka (disqu.). Ueberlegen 10—4 Lg.
Preis von Ruhleben; 1800 Mark, Diſtanz 2300 Meter: 1.
Hrn. A. Roſes Mikado (Foſter), 2. Edith Ingrain (Fitzen),
3. Nina R (Dieffenbacher). Tot. 84:10, Pl. 19, 17, 29110.
Unpl.: Morgana, Queen (4), Oranier, Halloh, Quarz,
Besca. Leicht 4—4 Lg. — Junioren=Preis; 4000 Mark,
Diſtanz 1800 Meter: 1. Hrn. B. Burchardts Siegmund
(W. Lemzer), 2. Hans Medium (Tatzky), 3. Margarethe
Medium (Großmann). Tot. 90110, Pl. 46, 28, 49110.
Unpl.: Linda Scott, Schorchl, Mea, Annona (disqu.), Ra=
bato (4). Sicher 1½—1 Lg. — Preis des Mars; 5000
Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Monſ. C. Tiedemanns
Jarriverai (Ch. Mills), 2. Ricinus (Wiltſhire), 3. Meum
(Lautenberger). Tot. 13:10, Pl. 13, 18:10. Unpl.:
Oſter=
friedrich (disqu.), Fuchsmajor (4), Tmin. Leicht 2—3 Lg.
Wainſcott=Preis; 2500 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1.
Hrn. J. Diekhöfers Nathalie (W. Freundt), 2. Long Ago
(Lautenberger), 3. Rotdorn (Wiltſhire). Tot. 45.10, Pl.
18, 17110. Unpl. Thymotee, Rätſel. Sicher ¾—4 Lg.
Preis von Wien; 2600 Mark, Diſtanz 2600 Meter: 1. Hen.
F. Arndts Chelſea (Ch. Mills), 2. Miß Good (Wiltſhire),
3. Teddy Worthy (W. Lemzer). Tot. 21110, Pl. 17, 41:10
Unpl.: Admiral C, Herode. Sehr leicht 3—Hals. — Preis
von Marienfelde; 2200 Mark, Diſtanz 2600 Meter: 1. Hrn.
A. Bredows Ernſt Albert H (Ch. Mills), 2. Sect (
Doele=
mann), 3. Pfeffer (Schlayer). Tot. 25.10, Pl. 14, 20, 15.10
Unpl.: Quillaja, Unfug, Idol, Irländer, Hofmeiſterin.
2—½. Lg.
Großes Magdeburger Handikap. Saphir=
Rennen; 4000 Mark, Diſtanz 1350 Meter: 1. Graf
Seyd=
litz=Sandreczkis Sybille (Lane), 2. Planet (H.
Teich=
mann), 3. Rechtsanwalt (Weatherdon). Tot. 24:10, Pl. 12,
14, 13:10. Unpl.: Lermoos (4), Palatin, Salta, Cody
Jeune Elegante, Fife Honours. Sicher 1—2 Lg. — Fels=
Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1350 Meter: 1. Herre
Lindenſtaedts Oranier (Burns), 2. Drakon (Schläfke),
3. Jeune fille (Blades). Tot. 25:10, Pl. 15, 15:10. Unpl.:
Erle (4), Berber. Sicher 1—½ Lg. — Flieger=Handikap;
1000 Meter, 6000 Mark: 1. Herrn E. F. Guetſchows
Ro=
ſenkavalier (Oleynik), 2. Konſequenz (Schläfke), 3. Don
nerwetter (Raſtenberger). Tot. 35:10, Pl. 14, 14, 23110
Unpl.: Saul, Kis=betyar, Baſalt II, Ovation, Reklame,
Norton Con. Kampf, Kopf-Kopf. — Großes
Magdebur=
ger Handikap; 20000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. — Hrn.
W. Lindenſtaedts Rahana (Burns), 1. — Graf Reventlows
Sultan Saladin (Smith), 3. Livadia (Schläfke). Tot.
50:10 (Rahana), 37110 (Sultan Saladin). Pl. 31, 23,
57110. Unpl.: Carino (4), Spion, Eccolo, Zandvoort,
Colleoni, Margarethe, Kakadu I. Totes Rennen-½ Lg.
Nuage=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1350 Meter: 1. Hrn.
von Schmieders Türkenbund (O. Müller), 2. Tannhäuſer
(Burns), 3. Maximilian (Slade). Tot. 39110. Pl. 18
24:10. Unpl.: Domherr, Louvre, Haeckel. Strohblume
nahm am Rennen nicht teil, die Einſätze auf die Stute
wurden zurückbezahlt. Leicht 2—1 Lg. — Gulliver=
Ren=
nen; 5000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Graf Seydlitze
Sandreczkis Imperator (Lane), 2. Jasmin (Bullock),
3. Loge (Torke). Tot. 84:10, Pl. 23. 12, 24:10. Unpliz
Sara Condor, Perugino, Orlow. Sicher 1—1½ Lg. —
Dolomit=Rennen; 4000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Hrn.
von Schmieders Nachtſchatten (O. Müller), 2. Ninive
(Torke), 3. Courier (Raſtenberger). Tot. 15:10. Drei
liefen. Ueberlegen 3 Lg.
Rennen zu Paris. Prix des Marronniers;
5000 Francs, Diſtanz 1800 Meter: 1. Monſ. E. de St,
Alarys Navailles (M. Henry), 2. Clopotar (O'Neill), 3.
Bade Bee (Sharpe). Tot. 54:10, Pl. 30, 27110. Unpl.
M. de Sauderie (4), Frerot, Hallorie, Harry de Windt,
1—1½ Lg.
Prix La Bourſe; 10000 Francs, Diſtanz
2200 Meter: 1 Monſ. Ed. Rothſchilds Predicateur
(ONeill), 2. Oppott (Marſh), 3. Romagny (M. Henry),
Tot. 54:10, Pl. 31, 38:10. Babette (4), Patrick, Agenda.
4—3 Lg. — Prix Juigne; 20000 Francs, Diſtanz 2000
Meter: 1. Monſ. Mart. de Hos El Tango (J. Childs), 2
Pere Marguette (Bellhouſe), 3. Vulcain VI (Ch. Childs),
Tot. 50110, Pl. 19, 21, 17.10. Unpl.: Bruleur (4),
Scamon=
nee, Ramago, Garde a Vous, Friolet. Michelin, In Pace,
Colmoulins, Chriſtian, Ice Brook, Rabble, Pelargonium,
Le Monaſtere, Murillo. 2—1 Lg. — Prix de Barbevillen
6000 Francs, Diſtanz 3000 Meter: 1. Monſ. A. Aumonts=
Hardie II (M. Henry), 2. Ukaſe II (J. Childs), 3. Le
Lorrain Sharpe). Tot. 44:10, Pl. 13, 11:10. Unpl.
Clairville (4), Sea Lord, Fille de Boheme. ½—5 Lg.
Prix Perplexite; 15000 Francs, Diſtanz 2000 Meter: 1.
Monſ. d’Hartcourts Amadou (Garner), 2. Manthorpe
(Mac Gee), 3. Le Chardon (Sharpe). Tot. 37110, Pl. 16,
17, 34:10. Unpl.: Floraiſon, Qui, Albanais, Bavard III,
Seite 19.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
Dauni, Sainte Gomme. 2—3 Lg. — Prix de Villeron;
8000 Francs, Diſtanz 2200 Meter: 1. Monſ. San Miguels
Charing Croß III (G. Stern), 2. Malappris (G.
Bartho=
lomew), 3. Saint Dizier (Sharpe). Tot. 65:10, Pl. 25,
45, 28:10. Unpl.: Pendragon, Le Cardeur, Lady
Mac=
beth, Siva II, Gamain, Maillerie, Raveyer, Soleil d’Or,
Le Bouffon, Don Ramire, Garennement, La Tourelle.
1½ Lg.
sr. Radrennen. Köln a. Rh. Großer
Frühlings=
preis 100 Kilometer in 2 Läufen; 1. Lauf, 30 Kilometer:
1. Linart 22:16, 2. Miquel 220 Meter, 3. Günther 320
Me=
ter, 4. Saldow 380 Meter zurück. 2. Lauf, 70 Kilometer:
Günther 52:24,4, 2. Saldow 500 Meter, 3. Linart 5000
Meter, Miquel aufgegeben. Geſamtklaſſement: 1. Günther
99,680 Kilometer, 2. Saldow 99,120 Kilometer, 3. Linart
95,000 Kilometer, 4. Miquel. — Hauptfahren: 1.
Schür=
mann, 2. Wegener, 3. Kudela. Vorgabefahren: 1.
Schür=
mann (0 Meter), 2. Finn (20 Meter), 3. Wegener (0
Me=
ter). — Tandemhauptfahren: 1. Schürmann=Wegener,
2. Peter=Kndela, 3. Rudel=Finn.
Die Straßenfernfahrt Leipzig-
Dres=
den-Leipzig über 200 Kilometer ging am
Sonn=
tag bei ſchneidend kaltem Winde, aber vorzüglichen
Stra=
ßenverhältniſſen, vor ſich. Es ſtarteten 61 Berufsfahrer
und 100 Amateure, denen um 6 Uhr 15 Minuten morgens
in gleichmäßigen Abſtänden der Start gegeben wurde. Den
Wendepunkt in Dresden erreichte die Spitzengruppe,
be=
ſtehend aus Bauer, Frantz, Siewert, Huſchke, Weiſe und
Kotſch, nach 2Aſtündiger Fahrzeit. Eine zweite Gruppe,
beſtehend aus Fahle, Ludwig, Großkopf und Aberger, folgte
wenige Minuten ſpäter. Auf der Rückfahrt ſchoben ſich
vor Oſchatz Schenkel und Fahle nach vorn in die
Spitzen=
gruppe, in der am Ziel in Leipzig die Plätze durch einen
ſcharfen Endkampf erſochten wurden. Schenkel=Leipzig
ſiegte auf Continental=Pneumatik in 6 Stunden 15
Minu=
ten 09 Sekunden, Zweiter Franz=Fichern dichtauf, Dritter
Bauer=Charlottenburg dichtauf, Vierter Weiſe=Berlin,
Fünfter Fahle=Trebbin, Sechſter Kotſch=Kyritz, Siebter
Siewert=Berlin, Achter Großkopf=Nürnberg. — Fahle war
im Endſpurt angeblich infolge Schneidens von Bauer zu
Fall gekommen. Er legte gegen Bauer Proteſt ein, der
aber noch der Entſcheidung harrt. Das Reſultat in der
Amateurklaſſe war: 1. Brenne=Leipzig 6:44:19, 2. Lemnitz=
Leipzig 6:56:30, 3. Panneberger=Leipzig 6:58:21.
Von der Bobſleighbahn im Taunus. Das Projekt
des Baues einer Bobſleighbahn im Taunus, über das
wir vor einiger Zeit berichteten, iſt nunmehr ſoweit
ge=
diehen, daß die Gründung des Bobklubs, der den
Bau und die Unterhaltung der Bahn übernimmt,
dem=
nächſt ſtattfinden ſoll. Die Verſammlung, die hierüber zu
beſchließen haben wird und zu der alle Bob= und auch
Nichtbobfahrer und Bobfahrerinnen, die ſich für den Plan
intereſſieren, freundlichſt eingeladen ſind, iſt auf
Donners=
tag, den 17. April d. J., abends 8½ Uhr, in das
Klub=
zimmer der Stadtküche, Karl Bueroſe, Frankfurt a. M.,
Schillerſtraße 30, einberufen. Anmeldungen zu dieſer
Verſammlung ſind an Herrn Eugen Wetzel, Frankfurt
a. M., Kaiſerſtraße 30, zu richten.
sr. Fußball. Deutſche Fußball=
Meiſter=
chaft. Das erſte Vorrundenſpiel führte in Berlin auf
dem Union=Platz vor zirka 2000 Zuſchauern in Viktoria=
Berlin und Pruſſia=Samland=Königsberg, den
Vertre=
tern des Verbandes Brandenburgiſcher Ballſpiel=Vereine
und des Baltiſchen Raſenſport=Verbandes zwei ſehr
un=
gleiche Gegner zuſammen. Der Berliner Meiſter Viktoria
erwies ſich trotz ſeines mäßigen Spieles um eine Klaſſe
dem baltiſchen Meiſter überlegen. Die Königsberger Elf
zeigte wohl eifriges Spiel, konnte aber gegen die techniſch
beſſeren Berliner nicht aufkommen und mußte ſich faſt
nur auf die Verteidigung beſchränken. Bis zur Pauſe
er=
zielte Viktoria durch Worpitzky und Arndt drei Tore, ein
weiteres verſchuldete vorher der ſonſt ganz annehmbare
Torwächter der Königsberger. Die zweite Spielhälfte
zeigte die gleiche Ueberlegenheit der Berliner Mannſchaft,
die durch Worpitzky und Arndt zwei weitere Tore erreichte.
Ein Durchbruch der Königsberger brachte infolge der zu
weit aufgerückten Verteidigung Viktorias das einzige Tor
für Pruſſia=Samland, ſo daß Viktoria mit 611 ſiegte.
Gewinnanszug
der
2. Prenßiſch=Küddentſchen
(228. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotterie
4. Klaſſe 2. Ziehungstag 12. April 1913
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und I.
war wieder außerordenklich gemütlich, wir
haben einen guken Durſt entwickelk und go
die Lufk war zum Schneiden. Daß ich S
froßdem keinen rauhen Halshabe, danke ich
En
den Wybert=Tabletten, die ich gleich beim
Heimkommen und heute früh genommen habe. Sie machen den Hals frei
und benehmen auch den üblen Geſchmack im Mund. Die Schachtel koſtet
in allen Apotheken und Drogerien 1 Mark und hält lange vor.
Ehne Gewahr u. St.k. ſ. 3),
(Lachdnc verdoen)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
192 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 60000 Mk. 93204
2 Gewinne zu 40000 Mk. 80479
2 Gewinne zu 15000 Mk. 136059
2 Gewinne zu 10000 Mk. 222671
2 Gewinne zu 5000 Mk. 169924
4 Gewinne zu 3000 Mk. 69515 100125
10 Gewinne zu 1000 Mk. 4834 27293 37448 205212
219674
20 Gewinne zu 500 Mk. 63561 66257 119490 124776
139349 180703 207198 221498 224760 224891
70 Gewinne zu 400 Mk. 17359 21263 22947 27897
31406 31583 41004 66093 72209 76240 82744 85469
95763 112487 122986 123059 130118 138558 148832
157929 158117 164567 178235 178521 191877 193684
199332 203503 204136 205704 207292 218879 222411
226815 228437
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
192 Mk. gezogen:
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Seite 20.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 15. April 1913.
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