Darmstädter Tagblatt 1913


10. April 1913

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176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

der Reichstag beendete geſtern die General=
debatte
über die Wehrvorlage, worauf die
Vorlage der Budgetkommiſſion überwieſen wurde. So=
dann
wurde die Generaldiskuſſion über die
Deckungsvorlage mit einer Rede des Stats=
ſekretärs
Kühn begonnen.
Prinz Heinrich von Preußen iſt am Montag
abend von Kiel nach England abgereiſt.
Das Herzoaspaar von Cumberland iſt geſtern
mittag in Frankfurt a. M. eingetroffen und reiſt
heute vormitag nach Homburg.
Die letzten Nachrichten über das Befinden des
Papſtes lauten beunruhigend.
In einer außerordentlichen Tagung des Kongreſſes
der Vereinigten Staaten verlas Präſident
Wilſon eine Botſchaft.
In Peking wurde am Dienstag das erſtechineſiſche
Parlament eröffnet.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.

Die internationale Hotel=
Hochſchule.

** Die im vorigen Jahre von der Hauptverſamm=
lung
des internationalen Hotelbeſitzervereins beſchloſſene
Gründung einer internationalen Hotelhochſchule, durch
welche dem Bedürfnis der praktiſchen und theoretiſchen
Ausbildung der Angeſtellten des Hotelweſens abgeholfen
werden ſoll, geht nunmehr ihrer Verwirklichung entgegen,
nachdem zwiſchen dem Bildungsausſchuß des genannten
Vereins und der Stadt Düſſeldorf eine Verſtändigung
darüber erfolgt iſt, daß dieſe Stadt Sitz der Schule werden
ſoll und dafür erhebliche Auſwendungen zu machen ſich
verpflichtet hat. So wird ſie die Errichtung eines Schul=
gebäudes
übernehmen und auch einen Teil der Koſten des
geſamten Schulbetriebes tragen, vorläufig aber zur pro=
viſoriſchen
Unterbringung der Schule die erforderlichen
Räume zur Verfügung ſtellen.
Welchen Namen die Anſtalt führen ſoll, darüber wird
erſt die Entſcheidung fallen; die Bezeichnung unterliegt
der Genehmigung der Staatsbehörde. Die Schule ſtellt
einen ganz neuen Typus einer Fachſchule dar, ſie iſt nicht
zu verwechſeln mit den ſchon beſtehenden Hotelfachſchulen
und ſonſtigen Unterrichtsanſtalten für das Hotelgewerbe,
und ſie ſoll den Charakter einer Hochſchule erhalten. Als
Lehrfächer ſind außer dem eigentlichen Hotelweſen vor=
geſehen
: Volkswirtſchaft, Nahrungs= und Genußmittel=
lunde
, Hotel= und Fremdenrecht, Hotelbauten, fremde
Sprachen. Die Ausbildungszeit dauert vier Semeſter, wo=
für
von den Schülern ein Schulgeld von 300 Mark er=
hoben
wird. Zunächſt rechnet man mit einem Beſuche von
50 Schülern, doch dürfte ſich dieſe Zahl ſpäter erheblich
fteigern.
Solche Unternehmungen, wie das hier beſchloſſene,
liegen ganz im Zeichen unſerer Zeit, welche trotz der Vor=
herrſchaft
des Materialismus auf den meiſten Gebieten
ſich doch nicht aller ideellen Regungen entäußert hat, ihm
vielmehr zielbewußt eine der geiſtigen Vertiefung und
Charakterbildung zugewandte Strömung entgegenſetzt.
Alle dieſe Schöpfungen dienen dazu, das Erwerbsleben
zut den höchſten Stufen techniſcher Vervollkommnung em=
porzuheben
und dem einzelnen Gliede zugleich durch Er=
weiterung
ſeines geiſtigen Blickes die Möglichkeit ſelbſtän=
dägen
Schaffens nach verbeſſerten Grundſätzen und Metho=
den
zu gewähren. Es kann nicht fehlen, daß aus der
Düſſeldorfer Anſtalt einmal die Elite der Angehörigen des
Hotelierberufes hervorgehen wird.

die Aufnahme der Kanzlerrede
in Frankreich.

Der Pariſer Temps zieht folgende Lehre aus der
Rede des Reichskanzlers: Der Reichskanzler hat eine Rede
lgehalten, die wir nicht genug loben können, denn ſie ent=
hält
zahlreiche Lehren für Frankreich, und Frank=
freich
wird ſich dieſelben zunutze machen. Die Rede be=
lleuchtet
wunderbar, was wir bereits wußten; man wird
jetzt beſſer begreifen, was Miniſterpräſident Barthou zur
Verteidigung der dreijährigen Dienſtzeit geſagt hat. Der
Reichstag hat eine Rede gehört, welche zwei Fliegen mit
eintem Schlage trifft, denn ſie wird die Annahme zweier
Militärvorlagen herbeiführen der deutſchen und
der franzöſiſchen.

Verſchiedene Boulevardblätter werden nicht müde, ſich
an Deutſchland zu reiben und uns als Friedensſtörer hin=
zuſtellen
. Im übrigen aber läßt ſich nicht verkennen, daß
auch durch die Regierungskreiſe jetzt ein mehr oder
minder antideutſcher Zug geht, wenn vielleicht dies auch
mit Rückſicht auf die dortige Militärvorlage bis zu einem
gewiſſen Grade zu verſtehen iſt. So iſt wohl auch die Rede
zu verſtehen, welche der Kriegsminiſter Etienne beim
Bankett der Reſerveoffiziere in Rouen gehalten hat. Er
führte die franzöſiſche Militärvorlage auf die Rüſtungen
des Dreibundes zurück und bemerkte, daß man unter die=
ſen
Umſtänden nicht untätig bleiben könnte. Der fran=
zöſiſche
Truppenbeſtand ſei zurzeit ungenügend, und um
Wandel zu ſchaffen, habe die Regierung die dreijährige
Dienſtzeit vorgeſchlagen, deshalb nenne man die Fran=
zoſen
Chauviniſten. Dieſer gegen Herrn v. Bethmann
Hollweg geführte Hieb muß wirkungslos abprallen, denn
mit dem Chauvinismus hat der Reichskanzler ganz andere
Kreiſe gemeint als die, denen Herr Etienne nahe ſteht.
Der Miniſter ſchloß mit den Worten: Frankreich wolle eine
ſtarke Armee nicht allein zur Verteidigung, ſondern auch,
um im Kriegsfalle ſiegen zu können. Dieſe Rede deutet
immerhin auf eine etwas gereizte Stimmung auch bei den
maßgebenden Kreiſen des weſtlichen Nachbarreiches, und
ſie zeigt, daß es wirklich not tut, unſeren militäriſchen
Schutz zu verſtärken, um nicht eines Tages unliebſam
überraſcht zu werden. Es iſt wohl auch nicht von ungefähr,
daß Herr Delcaſſé, der erſt einige Wochen in Peters=
burg
ſeines Amtes als Botſchafter der franzöſiſchen Re=
publik
waltet, in den nächſten Tagen zu einem vierzehn=
tägigen
Urlaub nach Frankreich reiſt. Man weiß, daß der
Genannte alles andere als ein Deutſchenfreund iſt, und er
hat es aus dieſem Grunde bereits verſtanden, ſich an der
Newa einen maßgebenden Einfluß zu ſichern. Er wird
während ſeines Pariſer Aufenthaltes wohl nicht verfeh=
len
, zu verſuchen, bei den Machthabern an der Seine etwas
Dampf aufzumachen und die franzöſiſche Regierung in er=
höhtem
Maße für etwaige ruſſiſche Wünſche zu gewinnen.

Die Botſchaft des Präſidenten
Wion,

* Präſident Wilſon verlas in dem zu einer
außerordentlichen Tagung zuſammengetretenen Kon=
greß
eine Botſchaft. Die Wiederaufnahme der Ge=
wohnheit
, von welcher man ſeit einem Jahrhundert ab=
gekommen
war, daß der Präſident in Perſon ſeine Bot=
ſchaft
vor dem Kongreß verlas, hatte nach dem Kapitol
ein vornehmes Publikum gezogen, das dieſem neuen Er=
eignis
beiwohnen wollte. Die Diplomatenloge war über=
füllt
, und Vertreter aller fremden Höfe waren anweſend.
In der Botſchaft betonte Präſident Wilſon, daß die
außerordentliche Seſſion den Zweck habe, die Erleich=
terung
der dem Volkeaufgebürdeten Laſten
zu beſchleunigen, zugleich der Ungewißheit ein Ende zu
machen, worin die Geſchäftswelt hinſichtlich der künftigen
Zölle ſchwebe. Die Botſchaft führt dann aus: Schon lange
waren wir von dem beſcheidenen Begriff des Schutzes der
heimiſchen Induſtrie zu dem Gedanken fortgeſchritten, daß
die Induſtrie ein Anrecht auf die direkte För=
derung
(Patronage) durch die Regierung habe,
bewußt oder unbewußt bauten wir ein Syſtem von Privi=
legien
auf, die Befreiung vom Wettbewerb, daß jeder, auch
roheſten Form von Kombination, eine Schaffung von
Monopolen leicht machte. Wir müſſen alles abſchaffen,
was nach Privilegien oder künſtlicher Begünſtigung aus=
ſieht
, wir müſſen unſeren Geſchäftsleuten und Produzen=
ten
als Anſporn die ſtändige Notwendigkeit auferlegen,
leiſtungsfähig, wirtſchaftlich, unternehmend, Meiſter im
Wettbewerb, tüchtigere Arbeiter und Kaufleute als irgend
wer in der Welt zu ſein. Abgeſehen von den lediglich im
Intereſſe der Staatseinkünfte auf Artikel, die wir nicht
produzieren und auf Luxusartikel gelegten Zöllen, ſollen
die künftigen Zölle nur bezwecken, eine leiſtungs=
fähige
Konkurrenz zu ſchaffen, den Geſchäftsgeiſt
Amerikas im Konkurrenzkampfe mit den übrigen der Welt
zu ſchärfen. Wir müſſen in unſeren Zollgeſetzen und in
unſerem Zollſyſtem Aenderungen treffen, die freiere und
geſundere Entwicklung, die nicht eine Umwälzung oder
Verwirrung zum Ziel haben kann. Wir müſſen unſeren
Handel, beſonders unſeren Außenhandel, aus=
bauen
. Wir benötigen Märkte und ein erweitertes Ar=
beitsfeld
mehr als je. Wir müſſen auch die Induſtrie
ausbauen, müſſen ihr an Stelle künſtlicher Stimulation
Freiheit geben, aber nur inſoweit, als dadurch aufgebaut

und nicht niedergeriſſen wird. Am Schluß der Botſchaft
ſagte der Präſident, er werde vielleicht ſpäterhin die Auf=
merkſamkeit
des Kongreſſes auf Reformen lenken, wel=
chen
Tarifänderungen unmittelbar folgen oder ſich
ihnen anſchließen ſollten. Die hauptſächlichſte dieſer Maß=
nahmen
ſei die Reform der Bank=Währungsgeſetze.

Deutſches Reich.

Die Parteien und die Deckungs=
frage
. Nach der parteiamtlichen Nationalliberalen
Korreſpondenz hält die Nationalliberale Partei an der
Forderung einer allgemeinen Beſitzſteuer feſt; die Nach=
richtenſtelle
ſchreibt: Die Fraktion wird in der Deckungs=
frage
nach wie vor an der Forderung einer allgemeinen
Beſitzſteuer (Vermögens= oder Erbſchaftsſteuer) feſthalten.
Sie kann in der Vorlage der Regierung eine Erfüllung
ihrer Forderung nicht erwirken. Die Fortſchrittliche
Volkspartei hat beſchloſſen, die ſogenannte Veredelung der
Matrikularbeiträge an ſich nicht zu bekämpfen, wohl aber
die Erhöhung der bisherigen Matrikularbeiträge um 1,25
Mark, weil nach der Faſſung der Regierungsvorlage die
Entſcheidung über die Aufbringung dieſer Mehrbeiträge
in die Einzellandtage verlegt wird. An Stelle der Er=
höhung
der Matrikularbeiträge wird die Fortſchrittliche
Volkspartei in erſter Linie eine Erbanfallſteuer und in
zweiter Linie eine quotiſierte Reichsvermögensſteuer be=
antragen
. Das Zentrum ſtimmt nach den bisherigen
Aeußerungen ſeiner Preſſe zwar der einmaligen Ver=
mögensabgabe
zu, wird aber die Einführung einer Staffe=
lung
, die mit niedrigerem Satz als 0,5 Prozent beginnt,
und nicht über 1 Prozent ſteigt, verlangen; es wird ferner
die Hinaufſetzung der unteren Vermögensgrenze von 10000
Mark, ſowie die ſtärkere Heranziehung der großen Ein=
kommen
, vielleicht ſchon von 20000 Mark aufwärts, an=
regen
. Hingegen ſollen ſich die Bedenken gegen die ver=
edelten
Matrikularbeiträge mit dem Sicherungsgeſetz zur
Einführung einer Beſitzſteuer in den Einzelſtaaten lebhaft
vermehrt haben. Das Erbrecht des Staates bekämpft die
Partei nach wie vor.
Der Wahlprüfungsausſchuß, des
Reichstags verhandelte über eine grundſätzliche
Frage, und zwar unter Zuziehung eines Regierungskom=
miſſars
. Es handelt ſich um die Entſcheidung darüber,
ob die in die Wählerliſte eingetragenen Wähler bei einer
Nachwahl zur Ausübung des Wahlrechts auch dann be=
rechtigt
ſind, wenn ſie inzwiſchen ihren Wohnſitz verlegt
haben. Der Ausſchuß beſchloß mit 12 gegen 2 Stimmen,
dieſe Frage, die aus Anlaß der Prüfung der Wahl des
Abgeordneten von Halem=Schwetz akut geworden iſt, dem
Plenum zur Entſcheidung zu übertragen.
Die Erhöhung der Veteranenbei=
hilfen
. Gelegentlich der Beratung der Budgetkommiſ=
ſion
über die Beihilfen an hilfsbedürftige Veteranen hat
der Reichsſchatzſekretär ſich bereit erklärt, höhere Mittel
zur Unterſtützung der alten Krieger bereitzuſtellen. Ein
entſprechender Geſetzentwurf iſt im Reichsſchatzamt in den
Hauptzügen fertiggeſtellt und dürfte demnächſt an den
Bundesrat gelangen. Die wichtigſte Beſtimmung des
Entwurfs iſt die Erhöhung der Beihilfen von 120 M. auf
150 M. jährlich. Nach dem Stande vom 1. März 1913
beziehen gegenwärtig 245000 Kriegsteilnehmer Beihilfen;
eine Erhöhung der Beihilfe um 30 Mark bedeutet ein
jährliches Mehrerfordernis von 7¼ Millionen Mark. Es
beſteht die Abſicht, die Vorlage bald an den Reichstag
zu bringen, damit ſie gemeinſam mit den Wehrvorlagen
verabſchiedet werden kann. Das Mehrerfordernis muß
aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden, da das
Leuchtölgeſetz, aus deſſen Erträgniſſen die Mittel genom=
men
werden ſollten, nach den bisherigen Beſchlüſſen die
notwendigen Ueberſchüſſe nicht ergeben wird.
Gegen die Errichtung einer Ham=
burger
Univerſität. Die Hamburger Handels=
kammer
wendet ſich in einer ausführlich gehaltenen Er=
klärung
gegen die geplante Errichtung einer Univerſität
in Hamburg. Es liege kein Bedürfnis dafür vor. Eine
Univerſität würde mehrere Nachteile für Hamburg mit
ſich bringen. So würde ſie den Schwerpunkt des öffent=
lichen
Lebens zuungunſten von Handel, Schiffahrt und
Induſtrie verſchieben. Sie würde das Vorleſungsweſen
und das Kolonialinſtitut in eine nebenſächliche Stellung
drängen und daher verkümmern laſſen, auch das ohnehin
unzureichende höhere Schulweſen in Hamburg unter ihrem
Uebergewicht leiden laſſen. Zudem würde die Univerſität
mit ihren zwei Fakultäten doch nur eine unvollſtändige
Einrichtung ſein und Hamburg kaum zum Ruhme ge=
reichen
. Endlich würde ſie den Staatshaushalt ungemein

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

Nummer 83.

belaſten. An Stelle der Univerſität ſollte ein weiterer
Ausbau des allgemeinen Vorleſungsweſens und des Ko=
lonialinſtituts
mit nicht überhaſteter Entwickelung treten.
Wenn dieſe Einrichtung über das Gebiet der Kolonien
hinauswachſen und ihre Wirkſamkeit auf überſeeiſche Ver=
hältniſſe
ausdehnen würde, ſo würde damit eine Einrich=
tung
getroffen werden, die der Wiſſenſchaft dienen und
ſich dabei doch in die beſonderen hamburgiſchen Verhält=
niſſe
organiſch einfügen würde.

Ausland.

Schweiz.
Anleihe. Der Bundesrat genehmigte den Vertrag
zwiſchen der Eidgenoſſenſchaft und dem ſchweizeriſchen
Bankenſyndikat, betreffend die Uebernahme einer Anleihe
von 31½ Millionen Francs. Zur Emiſſion gelangen 30
Millionen. Die Feſtſetzung der Uebernahme des Emiſſions=
kurſes
erfolgt durch den Vorſtand des Bankenſyndikats.
Die Zeichnung findet vorausſichtlich am 25. April ſtatt.
Belgien.
Der bevorſtehende Generalſtreik. We=
gen
des am Montag beginnenden Generalſtreiks wurden
die Brüſſeler Garniſon und die Flandernſchen Regimenter,
die zu Felddienſtübungen ausziehen ſollten, zurückgehal=
ſten
. Die Schulen werden geſchloſſen und ſollen den Bür=
gergarden
und den Gendarmen zu Unterkunftsräumen
dienen. Die ſtädtiſchen Arbeiter proteſtierten dagegen
daß der Bürgermeiſter ihnen die Teilnahme an dem Streik
verbot. In Antwerpen wurde das Abhalten von Ver=
ſſammlungen
unter freiem Himmel verboten. Im Kohlen=
ſgebiet
des Borinage wird auf ſämtlichen Kleinbahner
geſtreikt werden, doch ſollen die zur Erhaltung des Koh=
lenbergwerks
nötigen Arbeiten geleiſtet werden. Die Un=
ruhe
in Brüſſel wie im ganzen Lande wächſt ſehr.
Vereinigte Staaten.
Die Tarifreviſion. Die Ausführungsbeſtim=
mungen
zu der Tarifbill ſind teils äußerſt draſtiſch. Von
vielen Seiten wird erklärt, daß die Vorteile, die den Im=
ſporteuren
durch die Zollreduktionen erwachſen, durch ſchi=
kanöſe
Ausführungsbeſtimmungen ausgemerzt werden.
In der Tarifbill wird das gegenwärtige Syſtem der
Klaſſifizierung und Abſchätzung zwecks Verhütung des
Zollbetruges verſchärft. Für den Zollbetrug ſind ſchwere
Strafen vorgeſehen. Die Zollabſchätzer erhalten größere
Befugniſſe für die Vernehmung von Zeugen und die Prü=
ffung
von Zolldokumenten. Die Beſtimmung ermächtigt das
Schatzamt, Waren von der Einfuhr auszuſchließen, falls
der ausländiſche Fabrikant beim Verfrachten dem im Aus=
lande
weilenden Spezialagenten des Schatzamtes einen
Einblick in die Geſchäftsbücher und andere Dokumente,
welche ſich auf die Klaſſifizierung und den Wert ſolcher
Waren beziehen, verweigert. Für Waren, die hier zu
einem niedrigeren Verkaufspreiſe als am Heimatsmarkte
abgeladen werden, iſt ein Aufſchlagszoll (Dumpingduty)
vorgeſehen.
Die Einführung der direkten Wahl der
Senatoren iſt tatſächlich eine Beſtimmung der ameri=
kaniſchen
Verfaſſung geworden, nachdem die geſetzgebende
Körperſchaft von Connecticut vor kurzem dieſe Abände=
rung
ratifiziert hat und dadurch die 36 Staaten die er=
fforderliche
4=Majorität für die Beſtimmung ausgeſpro=
chen
haben. Es bleibt nur noch übrig, daß die Gouver=
neure
dieſer Staaten den Staatsſekretär Briot davon be=
nachrichtigen
, der dann die Proklamation, welche die Ab=
länderung
verkündet, erlaſſen wird.
Marokko.
Angriffauf Tetuan? Wie aus Caſablanca ge=
meldet
wird, verſuchte der Prätendent El Hiba, im geſam=
ten
Atlasgebiet Anhänger um ſich zu ſcharen, indem er auf
den Märkten den heiligen Krieg verkünden läßt. Der Kaid
der Anflus iſt ſeinerſeits bemüht, in der Gegend von Aga=
dir
eine Harka zu verſammeln. Nach einer Blättermel=
dung
aus Tetuan ſollen die Kaids der Rifſtämme eine
Harka aufgebracht haben, die dank den Verſtärkungen aus
dem Innern an 20000 Mann zählen ſoll. Die Harka, die
angeblich mit Mauſergewehren ausgerüſtet und mit reich=
licher
Munition verſehen iſt, plane einen nächtlichen An=
griff
auf Tetuan und erforderlichenfalls eine Belagerung

dieſer Stadt. In Tetuan lägen zwar über 7000 Mann
ſpaniſcher Truppen, doch ſei die Bevölkerung ſehr beun=
ruhigt
, da ſie befürchte, daß ein Teil der Eingeborenen im
Augenblick des Angriffs einen Aufſtand anzetteln könnte
China.
Eröffnung des erſten chineſiſchen Par=
laments
. Am Montag iſt das erſte chineſiſche Parla=
ment
eröffnet worden. Auf den mit Triumphbögen ge=
ſchmückten
Straßen drängte ſich eine dichte Menſchenmenge.
Die gemeinſame Eröffnungsfeier des Senats und des Re=
präſentantenhauſes
fand unter dem Salut der Geſchütze im
Abgeordnetenhauſe ſtatt. Anweſend waren 500 Volksver=
treter
von im ganzen 596 und 177 Senatoren von im gan=
zen
274. Die Galerien waren von chineſiſchen und fremden
Beſuchern dicht beſetzt. Der Senior des Repräſentanten=
hauſes
begrüßte die Verſammlung und erklärte das Par=
lament
für eröffnet. Unter großer Begeiſterung wurder
alsdann beide Häuſer auf Samstag vertagt. Juanſchi=
kais
Botſchaft an das Parlament wurde, da ſeine Präſi=
dentſchaft
nur eine proviſoriſche iſt, nicht öffentlich verleſen.
Er ſpricht darin dem Parlament ſeine herzlichſten Glück=
wünſche
zu ſeiner Eröffnung aus und die Hoffnung, daß
die Republik 10000 Jahre dauern möge. Der ameri=
kaniſche
Geſchäftsträger hat China mitgeteilt, die Ver=
einigten
Staaten würden die chineſiſche Republik aner=
kennen
, nachdem die Parlamentsbeamten ernannt und ſich
das Parlament für beſchlußfähig erklärt habe. Braſilien
und Mexiko werden in Uebereinſtimmung mit den Ver=
einigten
Staaten handeln.

* Simon Kopper . Das Gouvernement von
Deutſch=Südweſtafrika gibt bekannt, daß Simon Kopper
am 31. Januar d. J. auf ſeinem Wohnſitz in Betſchuana=
land
geſtorben iſt. Die Meldung iſt dem Gouvernement
amtlich von dem High Commiſſioner von Südafrika zuge=
gangen
. Der alte Widerſacher der deutſchen Herrſchaft hat
ein Alter von etwa 70 Jahren erreicht. Seitdem er in=
folge
des Aufſtandes vom deutſchen Boden verdrängt war,
lebte er mit den ihm treu gebliebenen Hottentotten unter
engliſchem Schutz in der Kalahari. Sein Wohnſitz war der
Sammelpunkt aller unzufriedenen Elemente, die aus
irgend welchen Gründen Urſache hatten, ſich jenſeits der
deutſchen Grenze der ſtrafenden Gerechtigkeit zu entziehen.
Noch im Herbſt vorigen Jahres hatte er mehrere bewaffnete
Räuberbanden zum Zwecke des Vieh= und Menſchenraubes
über die deutſche Grenze geſandt. Die Wachſamkeit der
deutſchen Schutztruppe vereitelte jedoch dieſe Pläne. Die
Hauptbande wurde aufgegriffen, die Anführer zum Tode
verurteilt und die übrigen zur dauernden Zwangsarbeit
nach Kamerun befördert.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 10. April.

* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herr=
ſchaften
begaben ſich am Dienstag abend 7 Uhr mit
Gefolge im Auto nach Mainz, wohnten daſelbſt im
Stadttheater der Wohltätigkeitsvorſtellung des Allge=
meinen
Deutſchen Frauen=Vereins vom Roten Kreu;
an und kehrten 11 Uhr 10 Min. wieder nach Darmſtadt
zurück. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen geſtern den Generalmajor Noeldechen,
Inſpekteur der 1. Fuß=Artillerie=Inſpektion in Berlin, den
Poſtſekretär Hofmann von Jugenheim a. d. Bergſtr., den
Eiſenbahn=Oberſekretär Fink von Mainz, den Ober=
Militär=Intendanturſekretär Hemmerling bei der Inten=
dantur
der Großh. Heſſ. (25.) Diviſion, den Miniſterial=
ſekretär
beim Staatsminiſterium Dr. Heß, den Regierungs=
aſſeſſor
Freiherrn Löw von und zu Steinfurth von
Bensheim, den Kaufmann Reber von Langerfeld bei
Barmen; zum Vortrag den Staatsminiſter v. Ewald,
den Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den
Kabinettsſekretär Dr. Wehner.
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben verliehen: das Komturkreuz
1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
dem Generalmajor Noeldechen, Inſpekteur der 1. Fuß
Artillerie=Inſpektion, ſeither Kommandeur der 25. Feld=
Artillerie=Brigade (Großh. Heſſiſchen); das Allgemeine
Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für Verdienſte dem
Vizefeldwebel a. D. Riemann, ſeither Hoboiſt im
Infanterie=Regiment Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 116; dem Geheimen Oberrechnungsrat Dr. Guſtar
Siebert zum 8. April die Krone zum Komturkreuz
2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
und dem Gemeindeeinnehmer Johann Philipp Bauer
zu Meßbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In=
ſchrift
Für treue Dienſte‟

* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Bahn=
wärter
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Philipp Walther zu Erbach i. O. mit Wirkung
vom 1. Mai d. Js. an.
* Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen. Wie
mitgeteilt wird, ſind bei der Landesverſicherungsanſtalt
Großh. Heſſen im Monat März 1913 352 Anträge ein=
gegangen
, und zwar: 260 Anträge auf Invaliden= und
Krankenrente (J. u. K.), 18 Anträge auf Altersrente (A.),
26 Anträge auf Witwen= und Witwerrente (W.), 34 An=
träge
auf Waiſenrente (O.), 14 Anträge auf Witwengeld
(Wg.). Unerledigt wurden in dieſen Monat übernommen
520 Anträge, ſo daß 872 Rentengeſuche in Bearbeitung
ſtanden. Es fanden Erledigung: 326 Anträge durch Be=
willigung
(255 J., 7 K., 21 A., 12 W., 6 Wg., 25 O.),
6 Anträge durch Anwartſchaftsbeſcheid (§§ 1258 und 1743
R. V.O.), 49 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet
(39 J., A., 6 W., Wg., 4 O.), 22 Anträge durch andere
Weiſe Zurücknahme uſw. (14 J., 6 A., W., 2 Wg.,
O.), zuſammen 403 Anträge, ſo daß 469 als unerledigt
auf den Monat April laufenden Jahres übernommen wer=
den
mußten. In welchem Umfange die Landesverſiche=
rungsanſtalt
Großh. Heſſen Heilverfahrenskoſten für ihre
Verſicherten übernimmt, ergibt ſich aus nachſtehenden Er=
läuterungen
: Ende März 1913 waren in den nachverzeich=
neten
Anſtalten verſicherte Perſonen unterge=
bracht
: 1. Ernſt Ludwig=Heilſtätte bei Sandbach 122,
2. Eleonoren=Heilſtätte bei Winterkaſten 51, 3. Göttmann=
ſche
Anſtalt in Reichelsheim i. O. 28, 4. Bad Nauheim 37,
5. Bad Orb 17, 6. Dr. Loſſenſche Anſtalt in Darmſtadt 4,
7. Verſchiedene Anſtalten, wie Krankenhäuſer, Kliniken
und dergleichen mehr 12, zuſammen 271.
g. Strafkammer. Vor der Strafkammer II hatte ſich
geſtern der Händler Georg Büdesheim aus Griesheim
wegen Beleidigung und Urkundenfälſchung zu verantwor=
ten
. Der Angeklagte hatte Lieferungen für die Militär=
behörde
, wobei ihm ein Konkurrent ſehr läſtig wurde. Er
ließ nun, um dieſen Konkurrenten unſchädlich zu machen,
durch ſeinen minderjährigen Sohn Briefe an die ver=
ſchiedenen
Regimenter ſchreiben, durch die der Konkurren=
möglichſt
herabgeſetzt werden ſollte. Das Gericht ver=
urteilte
den Angeklagten Büdesheim zu ſechs Mona=
ten
und den Sohn zu einer Woche Gefängnis.
Zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der
Provinz Starkenburg am Mittwoch, den 16 April,
vormittags
½ Uhr, iſt folgende Tagesordnung feſt=
geſetzt
: 1. Antraa des Kreisamts Darmſtadt wegen
Unterſagung des Trödlergewerbes der Eliſe Saß von
Darmſtadt. 2. Geſuch der Marie Fuchs geb. Brüſſer=
mann
aus Darmſtadt um Erlaubnis zum Betriebe einer
Schankwirtſchaft im Hauſe Grafenſtraße Nr. 2. 3. Klage
des Gemeinderatsmitglieds Dr. med. Ehrmann zu Gerns=
heim
gegen die Entſcheidung des Kreisausſchuſſes des
Kreiſes Groß=Gerau vom 30. Januar d. J. 4. Klage
des Ortsarmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den
Ortsarmenverband Bieber wegen Erſatz von Kranken
hauspflegekoſten für die Kinder Thereſe und Marie
Schmidt.
Landwirtſchaftskammer für das Großherzog=
tum
Heſſen. Unter dem Vorſitz des Oekonomierats
Walter=Lengfeld fand eine Sitzung des Vorſtandes
der Landwirtſchaftskammer für das Großherzogtum
Heſſen ſtatt. Nach eingehenden Referaten des Mitglieds
Krapp und des Rechtsanwalts Meiſel wurde be=
ſchloſſen
, dafür einzutreten, daß in allen Kreiſen neben
den geſetzlich vorgeſchriebenen allgemeinen Ortskranken=
kaſſen
auch Landkrankenkaſſen zu errichten ſeien.
Man ging von der Anſicht aus, daß die Organiſation
der Landkrankenkaſſen dem landwirtſchaftlichen Intereſſe
mehr entſpräche, als die der allgemeinen Ortskranken=
kaſſen
. Die Veranſtaltung einer Studienreiſe Ende
Juni oder Anfang Juli d. Js. nach Hannover und
Oldenburg wurde genehmigt. Zum Deutſchen Wein=
bauverband
wurden als Vertreier gewählt die Herren
Oekonomierat Hahn=Heßloch, Emil Schätzel=Selzen,
Bürgermeiſter Römer=Erbes=Büdesheim und General=
ſekretär
Leithiger. Von Beſchickung der von dem land=
wirtſchaftlichen
Verein Frankfurt für 1913 in Ausſicht
genommenen Ausſtellung von Ziegen wird ſeitens der
Landwirtſchaftskammer Abſtand genommen.
* Geheimer Oberſchulrat i. P. Greim P. Am Diens=
tag
abend ſtarb im Alter von 88 Jahren der in weiten
Kreiſen bekannte und hochgeſchätzte Geh. Oberſchulrat i. P.
Friedrich Wilhelm Greim, der ſich noch bis zu=
letzt
einer guten Geſundheit und geiſtigen Friſche
erfreute. Der Verſtorbene wurde am 12. Mai
1824 zu Mommenheim (Kreis Oppenheim) als
Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Er ſtudierte
in Gießen und Marburg Theologie und machte im Jahre
1849 ſein Staatsexamen, von Januar bis November 1850
war er dann Pfarrvikar in Feil in der bayeriſchen Pfalz,
März bis November 1851 Pfarrverweſer zu Dorn=Dürk
heim, Kreis Worms, März 1852 bis April 1857 Pfarr
vikar zu Selzen, Kreis Oppenheim, Januar bis Dezember
1858 Lehrer an der höheren Mädchenſchule zu Offenbach
Januar 1859 bis Oktober 1860 proviſoriſcher Lehrer an
der Realſchule zu Offenbach, November 1860 bis Mitte
Oktober 1863 erſter Lehrer und Direktor der Realſchule zu
Alsfeld und Oktober 1863 bis Juli 1874 Direktor der Real=

Hochwanderungen in
Spitzbergen.

C.K. Wenn ich zurückſchaue auf die Landſchaften, die
ich in den verſchiedenſten Teilen der Welt geſehen habe,
ſo glaube ich, daß einige von denen, die mir im Innern
von Spitzbergen entgegentraten, zu den allerſchönſten ge=
hören
. Mit dieſen Worten feiert der große engliſche
Forſchungsreiſende und Geograph Sir Martin Con=
way
im Windſor Magazine die Alpenwelt Spitzbergens
jenes arktiſchen Landes, das gerade in den letzten Wochen
wieder ſo viel genannt worden iſt. Die Gebiege, die ſich
im Norden und Süden erheben, ſind verhältnismäßig
klein. Bis zu dem Meeresſpiegel, über den ſie ragen, ſind
ſie mit Schnee bedeckt, aber 6000 Fuß iſt wohl die größte
Erhebung des Landes, und die gewöhnliche Höhe der
Bergketten liegt zwiſchen 34000 Fuß. Aber wenn man
bedenkt, daß die Schneelinie der Alpen im Sommer etwa
10000 Fuß hoch liegt, ſo wird man einſehen, daß dieſe
Gebirgsketten mit den Alpen nur dann verglichen werden
könnten, wenn man annähme, die Alpen wären bis an
den Rand ihrer Sommerſchneelinie ins Meer verſunken.
Jede alpine Hochtouriſtik entwickelt ſich ja erſt im Bereich
des ewigen Schnees, und ſo können es denn die Höhen
von Spitzbergen mit den Alpen wohl aufnehmen.
Die Bergketten dieſes arktiſchen Gebietes ſind ſehr
viel enger aneinandergedrängt, als die der Alpen. Kette
ſtreckt ſich neben Kette hin in einer Entfernung von 3
Kilometer, ſo daß man, wenn man auf einer hohen Spitze
ſteht, eine erſtaunliche Menge von Berggipfeln um ſich
ſieht, ein grandioſes Panorama, für das weder die Alpen
noch eine andere große Gebirgskette eine Parallele bietet.

Es iſt, wie wenn die ungeheure Welt des Himalaja auf
ein Fünftel verkleinert und dann von einem einzigen
Gipfel aus ſichtbar gemacht worden wäre. Auch die Berge
des Südpolarkreiſes die in letzter Zeit entdeckt wurden
bieten keinen Vergleich mit dieſem wildzerklüfteten Gebiet.
Zwiſchen dieſer Unzahl von Spitzen findet ſich natürlich
die Gelegenheit für Hochtouriſtik jeder Art. Da gibt es
nadelſpitze Felſen, deren Anhänge ſteil und zerriſſen nie
derſtürzen, runde Kuppeln, Pyramiden, kurz Erhebungen
jeder Art und Form. Und jeder Gipfel iſt noch unberühr
vom Menſchenfuß, ſo daß der Bergſteiger nur zwiſchen den
Neuheiten zu wählen hat und das Glück der Eroberung
jungfräulicher Höhen vollauf koſten darf. Reiſen im In=
nern
von Spitzbergen iſt freilich keine leichte Arbeit. Man
muß all ſeine Habe auf einem Schlitten mit ſich ziehen,
und die Schlitten haben das denkbar ungünſtigte Terrain
zu überwinden. Innerhalb von 14 Tagen waren Con=
way
immer ſeine Schlitten zerbrochen. Die Gletſcher ſind
in ihrem unteren Lauf durch unentwirrbare Labyrinthe
von Spalten in Eistürme zerſpalten, und nur mit größter
Schwierigkeit läßt ſich ein Weg in dieſen gefährlichen Irr=
gärten
finden. Weiter oben hält dann den Touriſten ein
mit Waſſer vollgeſogener Boden feſt, da ſich der Winter=
ſchnee
durch das langſame, aber beſtändige Tauen im
Sommer in eine Art tiefen naſſen Schlammes verwandelt
hat, der auch nicht die leichteſte Laſt trägt. Drei bis vier
Kilometer weit watet man ſo bis an die Knie oder an die
Bruſt durch eiskalten Schlamm. Hier und da ſind große
Abflußſtröme zu kreuzen, deren Bett von blauem Eis
außerordentlich ſchlüpfrig iſt. Aber noch höher oben ver=
ſchwinden
dann all dieſe Unannehmlichkeiten, und den
Wanderer umfängt ein weites Bereich von ſchönem feſten
Schnee oder körnigem Eis, auf dem man mit Schiern vor=
trefflich
vorwärts kommt. Von einem geeigneten Lager

aus hat man nun Muße, die märchenhafte Schönheit die=
ſer
Szenerie zu bewundern. Da erhebt ſich auf der einen
Seite eine Felſenkette in wunderſamſter Leuchtkraft der
Farben, gebadet in ein helles Roſa und ein blendendes
Grün. Und dieſes koloriſtiſche Wunder iſt umrahmt von
der ſtrahlenden Weiße ewigen Schnees.
Die herrlichſte Tour, an die ich mich in Spitzbergen
erinnere, war der Aufſtieg auf den höchſten damals bekann=
ten
Gipfel, den Mount Hedgehog. Er ſcheint gerade auf
dem Rande des Meeresſpiegels zu ſtehen und ſteigt in
einem großen Sprung über 5000 Fuß empor. Durch einen
dichten Nebel klommen wir hinan, und ſtanden dann plötz=
lich
im reinſten lichteſten Sonnenſchein, in der einſamen Höhe
nur umringt von all den Spitzen umher. Die Sonne zu
unſern Häuptern malte in dem wogenden Nebelmeer ein
wechſelndes Spiel der wunderſamſten Lichter und glü=
hendſten
Farben, die dann wieder von tiefen blauen Schat=
ten
verſchluckt wurden. Kein Wind, noch irgendein Laut
waren in der Luft, nur ein einziges endloſes Summen,
wie das Schwärmen einer ungeheuren Bienenſchar, und
dies Geräuſch wurde verurſacht von dem unaufhörlichen
Niederfallen kleiner Eiszapfen, die durch den Sonnen=
ſchein
von der Eismaſſe abgetaut wurden und mit einem
ganz zarten Geklirr in kleinſte Teilchen zerſprangen. Ein
Jahr oder zwei ſpäter traf ich dasſelbe Phänomen auf
einem Berg in Feuerland an. Ich habe niemals etwas
Aehnliches in den gemäßigten Zonen der Welt gefunden.
Conway hält Spitzbergen für ein ausgezeichnetes Feld der
Hochwanderungen. Dies Land wird niemals eine Tou=
riſtengegend
werden, wie es die Alpen nun ſind; dazu hat
die Küſte ein zu ſchlechtes Klima, und das Innere iſt
kaum zugänglich. Der echte Bergſteiger, dem es um Hoch
touren zu tun iſt, hat alſo dieſe wundervolle Gebirgswelt
ganz für ſich.

[ ][  ][ ]

Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913,

Seite 3.

chule zu Offenbach. Im Auguſt 1874 wurde er vortragen=
der
Rat im Miniſterium des Innern, Abteilung für
Schulangelegenheiten, mit dem Amtstitel Oberſchulrat.
Im Jahre 1880 erhielt er den Charakter als Geh. Ober=
ſchulrat
. Seit dem 1. April 1895 lebte Greim im Ruhe=
ſtande
. Er war Inhaber 1. des Komturkreuzes zweiter
Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen,
und 2. des Militär=Sanitätskreuzes und der Kriegsdenk=
münze
für Nichtkombattanten. Von 1870 bis 1873 war er
Landtagsabgeordneter und hat einen hervorragenden An=
eil
am Zuſtandekommen des heſſiſchen Volksſchulgeſetzes.
Er ruhe in Frieden!
Der Titel Hoflieferantin wurde verliehen an Fräul.
lnna Baeck hierſelbſt Eichbergſtraße 25. Frl. Baeck
hat bekanntlich das Konfektionsgeſchäft der Frau Klara
Bley vor einigen Jahren käuflich übernommen.
Zur Nationalſpende für das Kaiſerjubiläum
zum Beſten der chriſtlichen Miſſionen in den deutſchen
Schutzgebieten iſt, wie wir vernehmen, von Pfarrer a. D.
Leydhecker in Auerbach eine Gabe von 10000 Mk.
gezeichnet worden.
Der Ortsgewerbeverein hielt am Dienstag abend
unter dem Vorſitze des in letzter Generalverſammlung neu
gewählten Herrn Stadtverordneten Sames eine gut=
beſuchte
Vorſtandsſitzung mit reichhaltiger Tages=
rdnung
ab. Nach Wahl verſchiedener Kommiſſionen zur
Förderung einzelner Vereinsangelegenheiten wurde die
Frage der Zuſtellung des Gewerbeblattes durch die Poſt
erörtert. Verſchiedene, ſich als notwendig erwieſene
Satzungsänderungen wurden durchberaten und zur Be=
ſchlußfaſſung
hierüber eine außerordentliche Ge=
teralverſammlung
im Oktober dieſes Jahres feſt=
gelegt
. Zur Frage der Verlegung bezw. Aufhebung der
ür die Krankenkaſſen und Invalidenverſicherung beſtehen=
en
gemeinſamen Meldeſtelle (Waldſtraße 6) ſetzte der
Vorſtand die Beratung aus bis Entſcheidung darüber ge=
roffen
iſt, ob eine Landkrankenkaſſe errichtet werden ſoll
der nicht. Aus der Eckhardtſtiftung zur Förderung der
rheoretiſchen und praktiſchen Ausbildung junger Gewerbe=
reibenden
wurde einem Schüler der Gewerbeſchule ein
Stipendium bewilligt. Dem Voranſchlag für 1913, in
Sinnahme und Ausgabe mit 3050 Mark abſchließend,
ourde zugeſtimmt. Eine eingegangene Beſchwerde über
die Art und Weiſe der Nutzholzverſteigerung (Stadtwald),
vie ſie vor kurzem von der Großh. Oberförſterei Darm=
ttadt
zum Nachteile des Kleingewerbe= und Handwerker=
tandes
gehandhabt wurde, veranlaßte eine eingehende
lusſprache; es ſoll die Angelegenheit weiter verfolgt
verden.
Lehrerſängerchor. Auf das am Samstag im
ſtädtiſchen Saalbau ſtattfindende Konzert mit Frau
Paula Werner=Jenſen aus Berlin als Soliſtin
ei hiermit nochmals aufmerkſam gemacht. Näheres iſt
us dem Anzeigenteil der heutigen Nummer zu erſehen.
Der Darmſtadter Vortragsverband veran=
taltet
am Donnerstag, den 17. April, zur Vorfeier von
ichard
Vagners 100 jährigem Geburtstag einen
Parſifal=Abend, deſſen Reinertrag der hier ſeit 15 Jahren
eſtehenden Männerortsgruppe der Richard Wagner=
ipendienſtiftung
zugute kommen ſoll. Redner des
lbends iſt der als vorzüglicher Wagnerkenner bekannte
Profeſſor Dr. Gotthold Heuning aus Leipzig, der
ine Ausführungen durch muſikaliſche Erläuterungen
m Klavier und Vorführung der Bayreuther Parſifal=
Oekorationen in Lichtbildern unterſtützen wird.
Deutſcher Wehrverein. General Keim befindet
ch auf dem Weg der Beſſerung und kommt nun am
2. April nach Darmſtadt. Der Vortrag über: Welt=
lage
und Wehrfragen findet an dieſem Tage im Saale
der Turngemeinde, Woogsplatz, ſtatt Schon jetzt können
Karten und eine beſchränkte Anzahl numerierter Sitze
u etwas erhöhtem Preiſe im Verkehrsbureau und bei
der Geſchäftsſtelle des Deutſchen Wehrvereins, Wilhel=
ninenſtraße
14, bezogen werden. (Näheres folgt durch
Unzeige.)
Abendunterhaltung. Die Abteilung Geſelligkeit
er Kaufmänniſchen Stenographengeſellſchaft Gabels=
berger
veranſtaltet am Sonntag, den 13. April, im
Kaiſerſaal eine Abendunterhaltung mit anſchließendem
anz. Für den 1. Teil der Feſtfolge haben ihre Mit=
wirkung
zugeſagt: Frl. Wilhelmine Eichner vom Stadt=
Heater in Heilbronn, die Singmannſchaft der Turn=
emeinde
und Herr Philipp Mechler. (Näheres ſiehe
ſie Anzeige.)
Vogelsberger Höhenklub. Kaum iſt das alte
Wanderjahr reich an Erfolgen zur Neige gegangen, ſo
idt auch ſchon der hieſige
Zweigverein zur erſten
Wanderung im neuen ein. Dieſe führt von Ober=

Ramſtadt über Ernſthofen nach Neunkirchen, von dort
zum Kaiſerturm und hinab an der Eleonorenheilſtätte
vorbei nach Lindenfels, der Perle des Odenwaldes
und nach dem Endziel Fürth zu. Wie bei den ſeit=
herigen
Wanderungen dürfte es an Ueberraſchungen
auch diesmal wohl nicht fehlen und darum Friſch auf
zur fröhlichen Wanderſchaft!
§ Ueberfahren. Am Montag mittag gegen 12 Uhr
wurde an der Ecke der Ober= und Schloßgaſſe ein ſechs
Jahre alter Knabe von einem Fuhrwerk uberfahren.
An den erlittenen inneren Verletzungen iſt der Knabe
noch an demſelben Abend gegen 11 Uhr im Städtiſchen
Krankenhaus geſtorben.
§ Hundefang. Im März wurden durch den hieſigen
Polizei=Hundeaufſeher 37 Hunde eingefangen. Hiervon
ſind 24 Hunde von ihren Eigentümern wieder ausgelöſt
worden, 6 Hunde wurden verkauft und 7 Hunde mußten
getötet werden.

Heimverband Darmſtadt.

nn. Unter dem Vorſitz der Frau Sanitätsrat Dr.
Hüffell hielt der Heimverband Darmſtadt am
Mittwoch nachmittag um 3 Uhr im Rathausſaal ſeine erſte
Jahresverſammlung ab, die von den Mitgliedern
gut beſucht war. Als Beirat des Verbandes wohnte Herr
Bürgermeiſter Mueller den Verhandlungen bei. Nach
herzlicher Begrüßung der erſchienenen Damen erſtattete
Frau Sanitätsrat Dr. Hüffell den Jahresbericht. Am
26. April vorigen Jahres konnte das erſte Heim in der
Annaſtraße (Haus Schneider) eröffnet werden. Ein Ge=
fühl
der Erleichterung beherrſchte alle, daß es möglich war,
nicht nur die Einrichtung des erſten Hauſes vorzubereiten,
ſondern auch älteren, alleinſtehenden Damen eine gute
Unterkunft und ein vorzüglich eingerichtetes Heim zu bie=
ten
. Die Zahl der Heimverbandsmitglieder hat bereits
das erſte Hundert überſchritten, und zahlreiche Einrich=
tungsgegenſtände
wurden dem neuen Heim überwieſen,
wofür den Spendern wärmſter Dank ausgeſprochen wird.
Auch dem Arbeitsausſchuß und denjenigen, die ſich um die
Verwaltungsangelegenheiten verdient gemacht, ſei öffent=
lich
gedankt. Das Mobiliar iſt gegen Feuerſchaden mit
4000 Mark verſichert. Das Heim iſt auch gegen Einbruch
verſichert. Der von Fräulein Ploch vorgetragene Kaſ=
ſenbericht
für 1912 ergibt 7574,76 Mark in Einnahme
und 6225,08 Mark in Ausgabe. Die Rechnung war Herrn
Bürgermeiſter Mueller zur Prüfung übergeben und
wurde für richtig befunden. Der Voranſchlag für
1913 wird mit 8900 Mark in Einnahme aus dem Pen=
ſionspreis
der Heim=Inſaſſen und die Ausgaben auf 8660
Mark feſtgeſetzt. Der Voranſchlag des Heimvereins 1913
wird mit 380 Mark in Einnahme und 59 Mark in Aus=
gabe
genehmigt. Die Vorſitzende dankt der Rechnungs=
führerin
, Fräul. Ploch, und auch der Heim=Vorſteherin in
herzlichen Worten für treue und uneigennützig geleiſtete
Arbeit. Sie teilt dann mit, daß vierzig bis fünfzig An=
meldungen
für Aufnahme in das Damenheim vorliegen.
Wegen Platzmangel konnten bisher nur 6 Damen Unter=
kunft
finden. Frau Ramſpeck, als eine der erſten Be=
wohnerinnen
des Heims, berichtete ſodann über die Ein=
richtung
des Heimes und über die vortreffliche Aufnahme
und das angenehme und harmoniſche Verhältnis der Be=
wohner
untereinander.
Eine längere Beſprechung veranlaßte die Errich=
tung
eines weiteren Heims. Man habe nicht
die Abſicht, bei dieſem einen Heim ſtehen zu bleiben. Eine
Unterſtützung der Stadt und des Staates ſei aber
nötig, um es auch beiden Geſchlechtern bewohnbar zu ſchaf=
fen
. Beſonders die Stadt Darmſtadt müſſe ein Intereſſe
an der guten Unterbringung alteingeſeſſener Bürger im
Alter haben, wozu das ſtädtiſche Pfründnerhaus ſich heute
nicht mehr eigne. Auch wohlhabende Bürger Darmſtadts
dürften die Beſtrebungen des Heimverbandes wohlwollend
und pekuniär unterſtützen. Sei dieſes der Fall, dann könne
man an den Bau eines Eigenheims für beide
Geſchlechter herantreten. Auch Herr Bürger=
meiſter
Mueller ſteht dieſem Plan ſympathiſch gegenüber,
empfiehlt aber, erſt der Erwerbung oder Ermietung eines
weiteren Heims näherzutreten. Die Verſammlung be=
ſchließt
in dieſem Sinne.

C Eberſtadt, 9. April. Unweit der Kreuzung des
neuen Frankenſteiner Wegs mit der alten Dieburger
Straße wird eine neue Forſtwartwohnung er=
baut
bezw. die bisherige Forſtwartei auf dem Franken=
ſtein
in das neue Gebäude am Fuße des Berges verlegt
werden. Die Arbeiten ſind ſeitens des Großh. Hochbau=
amtes
zurzeit ausgeſchrieben. Der bisherige Förſter auf

dem Frankenſtein, Herr Klöpper, der in den Ruheſtank
getreten iſt, führt die Reſtauration auf dem Berge weiter,
wodurch ein allgemeiner Wunſch der zahlreichen Beſucher
des prächtigen Ausſichtspunktes erfüllt iſt.

Crumſtadt, 9. April. Man ſchreibt uns verſpätet:
Am Sonntag kam in unſerm rührigen Volks= und Heimat=
verein
Schillers Glocke vertont von Romberg, unter
trefflicher Leitung unſeres verdienſtvollen Herrn Pfarrers
Schäfer in einer für örtliche Verhältniſſe geradezu
muſtergültigen Weiſe zur Aufführung. Ganz herrlich klan=
gen
die Chöre; beſonders waren der äußerſt ſchwierige
ſog. Frauenchor und der Revolutionschor von hervorra=
gender
Wirkung auf die Zuhörer. Man kann dem Chor, der
nahezu 100 Perſonen zählte und ſich in einmütiger Weiſe
us Mitgliedern ſämtlicher hieſiger Geſangvereine zu=
ſammenſetzte
, die größte Anerkennung zollen. Ebenſo gut
gelangen auch das von Chormitgliedern geſungene Solo=
quartett
für vier Männerſtimmen und dasjenige für vier
gemiſchte Stimmen; auch das Duett für zwei Männer=
ſtimmen
ſei lobend erwähnt. Beſonders aber ſei der
Soliſten gedacht, die ſämtlich Crumſtädter waren, denn
wie alle übrigen iſt auch Herr Dr. Dannenberger
der mit ſeiner wohlgeſchulten, angenehmen Stimme die
Tenorpartie übernommen hatte, geborener Crumſtädter.
Fräulein Schaffner die über eine ſchöne Sopran=
ſtimme
verfügt, ſang ihre Partie in tadelloſer Weiſe. Eben=
ſo
beherrſchte Herr Volk, dem die umfangreiche Rolle
des Meiſters zugeteilt war, mit einem markigen Bariton
ohne jegliche Ermüdung bis zum Schluſſe dieſe Rolle.
Die Klavierbegleitung des ganzen Werkes lag in Händen
der Frau Poſtmeiſter Donat, einer Dame von nahezu
70 Jahren, die ſich aber ihrer Aufgabe äußerſt gewandt
und ſicher entledigte. Unterſtützt wurde ſie von einem
kleinen Streichorcheſter und Flöte, das ebenfalls viel zum
guten Gelingen des Werkes beitrug. Dem Leiter des Gan=
zen
, Herrn Pfarrer Schäfer, wurde ein mächtiger Lor=
beerkranz
überreicht, von dem er in ſinniger Weiſe Zweige
allen hervorragenden Mitwirkenden überreichte. Der
Abend war durch zwei Sätze aus einer Haydnſchen Sin=
fonie
, geſpielt mit Klavier vierhändig und Streichorcheſter,
eröffnet worden. Ferner hatten ſich noch einige Künſtler,
die von früheren Veranſtaltungen her im beſten Anden=
ken
ſtanden, zur Verfügung geſtellt.
* Goddelau, 9. April. Soeben wird unter Aufſicht
der hieſigen Bahnmeiſterei am Stockſtädter Bahnhof ein
etwa 700 Meter langes drittes, ſogenanntes Ueber=
holungsgeleiſe
, gelegt und zugleich eine Unterfüh=
rung
errichtet. Im Laufe der Zeit ſollen auch die übrigen
Stationen dieſer Strecke mit Unterführungen verſehen
werden.
Offenbach, 9. April. Geſtern nachmittag geriet in der
äußeren Waldſtraße das ſechsjährige Söhnchen des Ger=
bers
Heinrich Keil, Waldſtraße 168, unter das Auto einer
hieſigen Metallwarenfabrik. Das Kind, das plötzlich in
das Auto hineingelaufen ſein ſoll, wurde von dem Kot=
flügel
erfaßt, und zur Erde geſchleudert, wobei es ſich
chwere innere und äußere Verletzungen
zuzog. Es wurde in das Städtiſche Krankenhaus ver=
bracht
. Den Chauffeur ſoll keine Schuld treffen.
B Heppenheim, 8. April. Heute vormittag 11 Uhr
trug ſich in der Müllerei von Philipp Schäfer dahier ein
tödlicher Unglücksfall zu. Der 64jährige ver=
heiratete
Müllergeſelle Nikolaus Gölz von Bensheim,
der in dem erwähnten Betrieb ſeit drei Tagen beſchäftigt
iſt, wollte mit dem Fahrſtuhl nach unten fahren. Hierbei
lehnte ſich Gölz zu weit vor und wurde mit dem Kopfe
zwiſchen Fahrſtuhl und Umfaſſungsmauer eingeklemmt,
Der Tod trat ſofort ein. Seit einigen Tagen iſt eine
Abteilung des Telegraphen=Bataillons Nr. 4
in Karlsruhe, beſtehend aus einem Offizier, fünf Unter=
offizieren
und 35 Mann, hier einquartiert. Der Aufent=
halt
dauert bis zum 15. dieſes Monats. Die Truppe iſt
mit dem Telegraphenbau der Main=Neckarbahn entlang
beſchäftigt.
W. Lampertheim, 9. April. Geſtern fand im Ortsge=
werbeverein
die feierliche Ueberreichung der Ge=
ſellenbriefe
ſtatt. Es hatten an der Prüfung teilge=
nommen
: 2 Kleidermacherinnen, 1 Bäcker. 1 Friſeur, 2
Schreiner, 2 Schuhmacher, 1 Spengler, 1 Wagner und 2
Zimmerleute.
Lampertheim, 9. April. In dem Sägewerk von Jan=
ſon
im Induſtriehafen wurde einem Taglöhner durch ein
umſtürzendes ſchweres Brett die Schädeldecke ein=
geſchlagen
. Er ſtarb alsbald.
Viernheim. 9. April. Der Aufſichtsrat und der Vor=
tand
des hieſigen Kreditvereins erlaſſen folgende
Bekanntmachung: Seit einigen Tagen werden Gerüchte
über unſere Kaſſenverhältniſſe verbreitet, die geeignet ſind,

Großherzogliches Hoftheater.

Dienstag, 8. April.
Der Barbier von Sevilla.
W-l. Roſſinis liebenswürdige und graziöſe Oper Der
Barbier von Sevilla ging heute zum zweiten Male in
dieſer Saiſon mit dem gewohnten Erfolge in Szene. Die
Titelpartie ſang wieder Herr Weber mit glänzendem
Gelingen, und die des Baſilio hatte Herr Stephani
wieder übernommen, der dieſe durch die neue Leitung einer
Peviſion unterzogene Partie mit prächtigem Humor und
Organ ſang. Frau Kallenſee hat die Roſine hier ſchon
lei ihrem Gaſtſpiel mit Erfolg geſungen und zeichnete ſich
autch heute durch die geſchmackvolle Art ihres Vortrages
umd die müheloſe Beherrſchung der Koloratur aus, wenn
ihre Stimme auch, namentlich in der höheren Lage, etwas
verſchleiert war. Herr Globerger, der den Almaviva
erſtmalig ſang, erfreute durch die ſaubere und ſchöne Ton=
emtfaltung
,. beſonders am Anfang der Vorſtellung, legte
ſich dann aber ſtimmlich etwas Zurückhaltung auf. Die
ſolle des geprellten Doktors ſpielte und ſang Herr
Schützendorf mit vielem Humor. Mochte er im all=
gemeinen
auch etwas zu jugendlich=temperamentvoll ſein
urnd im einzelnen zu ſtark auftragen, ſo war die Leiſtung
als Ganzes doch ein Beweis achtunggebietenden Könnens
und eines wirklichen, für das komiſche Fach prädeſtinierten
alentes. Die müſikaliſche Leitung hatte Herr Lert, die
Regie Herr Riechmann.
Das laute Soufflieren zu Anfang der Vorſtellung
und das die Blitzerſcheinungen begleitende klappernde Ge=
rauſch
wirkten ſtörend.

Feuilleton.

Die Inſel des Schreckens bei Adrianopel. Ein er=
ſchütterndes
Bild von dem grauenvollen Schickſal der in
Adrianopel dahinſiechenden kranken türkiſchen Soldaten
entrollt der franzöſiſche Korreſpondent Ludovic Naudean
irn Journal. In Begleitung des gegenwärtig in der er=
ſoberten
Stadt weilenden ehemaligen franzöſiſchen Kriegs=
müniſters
Meſſimy und einiger bulgariſcher Generalſtabs=
ffiziere
hat Naudeau die im Norden Adrianopels

liegende ſumpfige Tundſchainſel beſucht, die Inſel des
Schreckens. In dieſer durch zwei Brücken mit der Stadt
verbundenen Inſel waren urſprünglich die bei der Ein=
nahme
Adrianopels gemachten türkiſchen Gefangenen
untergebracht. Die bulgariſche Heeresleitung, die ſich
außerſtande ſah, über Nacht den Proviant für 60000
hungernde türkiſche Soldaten herbeizuſchaffen, hat zwar ſo
ſchnell als möglich mit dem Abtransport der Kriegsge=
fangenen
nach Bulgarien begonnen, und die letzten noch
marſchfähigen Türken ſind inzwiſchen nach Bulgarien
unterwegs: aber das Schickſal der Kranken die zurückge=
blieben
ſind, iſt entſetzlich. Was zwiſchen den beiden
Armen der Tundſcha blieb, iſt nur eine Nachhut jammern=
der
und ſtöhnender Geſpenſter, ſo berichtet der Franzoſe;
1000 oder vielleicht 2000 lagen hier auf dem feuchten
Boden, ſie ſind nicht transportfähig, es ſind Sterbende, die
inmitten von Toten auf Erlöſung harren. Die Cholera
iſt es die dieſe letzten türkiſchen Verteidiger unaufhaltſam
dem Tode zutreibt; aber nicht die Cholera allein. Gewiß,
auch ſie fordert in dieſer Schar der Todgeweihten ihre
Opfer; aber die Aerzte, Bulgaren wie Türken, erklären,
daß dieſe Gefangenen zum größten Teile der körperlichen
Erſchöpfung erliegen; ausgehungert bietet ihr Körper keine
Widerſtandsfähigkeit, die fürchterlichen kalten Nächte im
Freien tuen ihr Uebriges, und die giftigen Nebel, die kalt
im Morgengrauen aus den Sümpfen aufſteigen, ſind die
einzige. Nahrung dieſer Unglücklichen. Auf der Inſel
ſtehen einige Platanenbäume Bis zur Höhe von 3 Meter
ſind ſie vollſtändig kahl: in den Tagen nach der Uebergabe
riſſen die verzweifelten, verhungernden Gefangenen die
Blätter und Aeſte ab, um ſie zu verſchlingen, da kein Biſſen
Nahrung zu erhalten war. Kein Wunder, daß unter die=
ſen
Erſchöpften die Cholera, die Ruhr und der Typhus
auftraten und eine furchtbare Ernte hielten. Die Tund=
chainſel
iſt heute ein Krankheitsherd geworden, die Aerzte
rechnen nicht mehr damit, auch nur einen Lebenden dem
Tode zu entreißen. Und wie war das möglich? Wie
konnten die Eroberer dieſe unglücklichen, hilfsbedürftigen
Menſchen dem Hungertode in die Arme treiben? Nur
eine Antwort gibt es: die eiſerne Notwendigkeit des
Krieges Es war nicht möglich, ſo plötzlich die gewaltigen
Nahrungsmittelmengen heranzuſchaffen, die notwendig
geweſen wären. Die Bahnbrücke war geſprengt, der Ver=
kehr
gelähmt. Und vor der Wahl, die eigenen Soldaten

oder einen Teil der Gefangenen hungern zu laſſen, mußte
das grauſame Geſetz der Selbſterhaltung den Bulgaren
den Vorzug geben. Vae Vietis! Das iſt der Krieg, der
Krieg in ſeiner ganzen Ungeheuerlichkeit.
* Zur Pſychologie der Suffragetten ſchreibt ein an=
geſehener
Pfychiater der Frkf. Ztg.: Ein ſtark hyſteri=
ſcher
Zug geht auch in England durch dieſe Bewegung,
aufgebaut auf unbefriedigte weibliche Inſtinkte, objektlos
gebliebenes Talent zur Aufopferung, gefühlsmäßige Ver=
ſtiegenheit
, kurz auf Altjungfertum (welches übrigens
durch die Ehe nicht immer ausgeſchloſſen wird). Bisher
waren die Aeußerungsformen der Bewegung noch relativ
harmlos, zum Teil beluſtigend. Die neueſten Streiche er=
innern
aber an ernſter zu nehmende Vorbilder: an die
Petroleuſen der Kommune und die Heldinnen des Revo=
lutionstribunals
. Was uns dabei unverſtändlich bleibt,
iſt die Hilfloſigkeit der Behörden dieſen
Damen gegenüber, die mit dem aus Rußland übernom=
menen
Mittel des Hungerſtreiks im Falle der Verurteilung
ihre Freilaſſung aus dem Gefängnis erzwingen. Ich kenne
die Beſtimmung des engliſchen Strafvollzuges nicht ge=
nügend
, um zu wiſſen, welche Möglichkeiten zur Remedur
gegeben wären. Wenn es wirklich keine gäbe, wäre wohl
der Hungerſtreik ſchon länger bei den Sträflingen in Ueb=
ung
. Bis zum Beweis des Gegenteils muß man wohl
annehmen, daß dabei eine ſpezifiſch engliſche Auffaſſung
vom Ladytum eine Rolle ſpielte, die den Gefängnisver=
waltungen
die Pflicht auferlegt, ſich gentlemanlike zu
benehmen. Bei uns wäre die Frage ſehr raſch er=
ledigt
. Ein Gefangener, der die Nahrung verweigert,
würde vom Arzt unterſucht, je nach ſeinem Zuſtand in eine
Irrenanſtalt oder in die Krankenabteilung des Gefäng=
niſſes
überwieſen und hier oder dort nach ärztlichem Er=
meſſen
, eventuell zwangsmäßig, mit dem Magen=
ſchlauch
gefüttert werden; eine Prozedur, die zwar für
alle Beteiligten nicht reizvoll, bei richtiger Technik aber
ungefährlich iſt, wie die täglichen Erfahrungen aller Irren=
anſtalten
beweiſen. Auch den hyſteriſchen Hyänen würde
die Magenſonde ſicherlich keinen Schaden antun. Die wil=
den
Auswüchſe der Suffragetten=Bewegung wären ſehr
raſch zu beſeitigen, wenn man den Damen jede Reklame=
möglichkeit
und damit der ganzen Bewegung die Reſonanz
abſchneiden würde: keine Berichte über ihre
Taten in der Preſſe, keine Berichteüber Ge=

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

Nummer 83.

das Anſehen der Kaſſe aufs ſchwerſte zu ſchädigen. Wir
haben keinen Grund zu leugnen, daß uns aus unſerer
Verbindung mit der Landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaft in Darmſtadt ein Verluſt
entſteht. Dieſer kann jedoch mit Leichtigkeit von der
Kaſſe ſelbſt aus ihren eigenen Mitteln gedeckt werden.
Von einem Verluſt der Mitglieder kann keine Rede ſein,
auch nicht ein Pfennig wird verloren gehen. Gleichzeitig
gibt der Verein die letztjährige Bilanz bekannt. Hier=
aus
iſt zu erſehen, daß der Geſamtumſatz 1597059 Mark
betrug. Der Verein hatte einen Reingewinn von 5015
Mark. Am Ende des Jahres zählte die Kaſſe 766 Mit=
glieder
.
Biblis, 9. April. Die Bibliſer Genoſſen=
ſchaft
beſitzt fünf Aktien der Genoſſenſchaftsbank zu 1000
Mark. Dieſer Verluſt von 5000 Mark, ſollte er in vollem
Umfange zu beklagen ſein, wird von den eigenen Betriebs=
mitteln
(Reſervefonds und Betriebsrücklage) gedeckt wer=
den
. Ein Verluſt der Spareinleger oder der Verluſt ſon=
ſtiger
Gelder iſt nicht zu befürchten.
Mainz, 9. April. Während die Aprikoſenbäume, deren
Blüte jetzt ſchon allenthalben beendet iſt, auf den hochge=
legenen
Teilen der hieſigen Gemarkung ein vorzügliches
Ausſehen zeigen und ſehr reiche Fruchtanſätze aufweiſen,
ſtehen Tauſende von Bäumen in der Niederung ohne jeg=
lichen
Fruchtanſatz völlig kahl da. Wie ſich jetzt heraus=
ſtellt
, ſind die Blütenknoſpen dieſer Bäume, die
ſchon zu Ende Februar und Anfang März ſehr weit vor=
geſchritten
waren, bei der damaligen Froſtperiode total
erfroren. Die Gründung eines Richard Wag=
ner
=Vereins iſt geſichert, nachdem eine Reihe von
Mainzer Damen und Herren ihren Beitritt angemeldet
haben. Auch die bisher an auswärtige Zweigvereine an=
geſchloſſenen
Mitglieder des Allgemeinen Richard Wag=
ner
=Vereins dürften nun vollzählig zu der hieſigen Orts=
gruppe
übertreten.
Mainz, 9. April. Einen guten Fang machte geſtern
abend die Kriminalpolizei am hieſigen Hauptpoſtamt. Im.
Laufe des Nachmittags waren mit dem von Frankfurt
kommenden Poſtzuge zwei Poſtanweiſungen hier
eingetroffen, von denen die eine auf 1100 Mark, die andere
auf 1000 Mark lautete. Die Beträge ſollten poſt=
lagernd
erhoben werden. Durch einen Betrug wäh=
rend
der letzten Tage aufmerkſam gemacht, ſchöpfte der
dienſttuende Poſtaſſiſtent Verdacht und fragte ſofort tele=
graphiſch
in Frankfurt a. M., wo die beiden Poſtanwei=
ſungen
aufgegeben worden waren, an, ob dort die beiden
mit ihren Nummern bezeichneten Anweiſungen vorſchrifts=
mäßig
verbucht und eingetragen ſeien. Sofort traf die
Antwort ein, daß dies nicht der Fall, die beiden An=
weiſungen
alſo fingiert ſeien. Die hieſige
Poſtverwaltung benachrichtige daraufhin ſofort die Kri=
minalpolizei
, die auch alsbald drei Beamte ſchickte
Die Kriminalpoliziſten verteilten ſich unauffällig an ver=
ſchiedenen
Schaltern und im freien Raum des Poſtgebäu=
des
. Als kurz nach 6 Uhr ein fein gekleideter Herr im
Zylinder erſchien und nachfragte, ob nicht zwei Poſtan=
weiſungen
poſtlagernd an ihn aus Frankfurt eingetroffen
ſeien, ſprangen auf ein von dem Schalterbeamten gegebe=
nes
Zeichen ſofort die Kriminalbeamten auf den Herrn zu
und nahmen ihn feſt. Der völlig überraſchte Gauner hatte
zwar noch die Dreiſtigkeit, ſich über das Verhalten der ſich
als Kriminalpoliziſten legitimierenden Beamten zu be=
ſchweren
, geſtand aber zuletzt den beabſichtigten Betrug
zu. Er wurde als der 40 Jahre alte in Frankfurt geborene
Eiſenbahnaſſiſtent Raſch ermittelt.
In einer
Wohnung eines Hauſes in der Illſtraße entſtand geſtern
abend kurz vor 10 Uhr eine Gaserploſion, bei der
eine Zwiſchenwand umgeriſſen und ſonſtige
Schäden in der Zwiſchenwand angerichtet wurden. Die
Urſache der Exploſion iſt noch nicht aufgeklärt.
Bingen, 9. April. Obgleich die Vorbereitungen zum
Bau der neuen Rheinbrücke bei Rüdesheim ſo
gnt wie erledigt ſind, laufen jetzt noch Proteſtebei
der Eiſenbahnverwaltung ein. Die Stadtver=
ordnetenverſammlung
von Rüdesheim hat ſich mit der
Lage der Brücke zufrieden gegeben, dagegen den Beſchluß
gefaßt, gegen die Linienführung Geiſenheim-Rüdesheim
Widerſpruch zu erheben. Auch die gemeinſame Vorſtands=
ſitzung
des Hausbeſitzer= und Verkehrsvereins in Rüdes=
heim
faßte den Beſchluß, gegen die Linienführung beim
Magiſtrat Widerſpruch zu erheben. Auf der rechtscheini=
ſchen
Seite bis zur Rüdesheimer Aue ſind jetzt einzelne
Abmeſſungen der Brücke bekannt gewor=
den
. So ſollen die beiderſeitigen Fußwege der Brücke
1,5 Meter breit werden. Die Höhe der Brücke, vom Waſ=
ſerſpiegel
aus gemeſſen, iſt auf 17,10 Meter feſtgelegt.
Hierbei iſt jedoch das Gitterwerk nicht einbegriffen. Der
erſte Brückenpfeiler auf der rechtsrheiniſchen Seite kommt

hinter den Hafendamm, der zweite in den Rhein ſeitlich
von der Hafeneinfahrt, der dritte etwa 175 Meter vom
Ufer entfernt und der vierte an die Rüdesheimer Aue
Die einzelnen Spannweiten betragen 84,70 Meter, 196,40
Meter und 92,55 Meter
Stammheim, 9. April. Aus Lebensüberdruß
verſuchte ſich der Landwirt Fauſt letzthin wiederholt zu
entleiben, wurde aber jedesmal daran gehindert. Geſtern
gelang es ihm, ſich unbemerkt zu erhängen. Als man
ihn fand, war er bereits tot
Aſſenheim, 9. April. In der hieſigen Lehmgrube
ſtürzte eine Lehmwand ein, begrub einen Acker=
knecht
, der gerade an der Stelle arbeitete unter ſich und
tötete ihn.

richtsverhandlungen und vor allem keine er=
zwungenen
Freilaſſungen mit der nachfolgenden renom=
mierenden
Verwertung. Einſtweilen indeſſen ſcheint in
England der Ekel über das ganze Treiben noch nicht ſtark
genug zu ſein, um zur Verordnung der allein wirkſamen
pſychologiſchen Heilmittel zu ſchreiten.
Blumen auf dem Meere. Am 13. April werden
von New=York aus drei Frauen ſich einſchiffen, die ſeiner=
zeit
durch den Untergang der Titanic ihre Gatten
verloren haben: Frau Jacques Futrelle, Frau Henri B.
Harris und Frau Georges Thorne. Und zwei Tage ſpä=
ter
, am Jahrestage jener Schiffskataſtrophe, werden
ſie an der Stelle, wo ein Jahr früher die Titanic von
den Fluten verſchlungen wurde, ihrer Männer gedenken
Es ſollen an jener Stätte Blumenkörbe in das Waſſer
hinabgeſenkt werden, der Schiffsgeiſtliche wird vorher eine
kurze Andacht abhalten, die Maſchinen werden ſtoppen,
und dann wird dasſelbe Lied ertönen, das einſt beim
Untergang der Titanic erklang: Näher zu Dir, mein
Gott. Der Plan zu dieſer Totenandacht auf hohem
Meere iſt von Frau Harris und Frau Futrelle ausge=
gangen
. Frau Futrelle pflegte bis vor kurzem regelmäßig
an die Meeresküſte zu gehen und ſcharlachrote Blumen in
die Wellen zu werfen, denn das waren die Lieblings=
blumen
ihres Mannes, und in ſeinem letzten Briefe hatte
er noch von ihnen erzählt. Die drei Damen fordern alle
anderen Witwen auf, ſie zu begleiten und das Grab der
Titanic mit Blumen zu ſchmücken.
* Die Katze als Brandſtifterin. In Grung brannte
die Beſitzung des Häuslers Ewald Steinert, beſtehend in
Wohnhaus und Stallgebäude, Gedingehaus und Scheuer,
vollſtändig nieder. Im Küchenofen hatte ſich eine Katze
auf der Aſche ihr Wärmeplätzchen auserſehen, wobei das
Fell in Brand geriet. Das Tier flüchtete in ſeiner Angſt
in die Scheune und ſteckte das Stroh in Brand. Das
Feuer griff ſchnell um ſich, ſo daß von den Gebäuden
nichts zu erhalten war. Die Feuerwehren beſchränkten ſich
auf den Schutz der Nachbargebäude.
* 50 Pfennig für das Leben der Frau. In der Leip=
ziger
Straße in Weißenfels fiel eine Frau in die Saale
und wäre beſtimmt ertrunken, wenn nicht im letzten Augen=
blick
der erſt 16 Jahre alte Sohn des Gaſtwirts Kind ſie
mit ſchwerer Mühe herausgezogen hätte. Von dem Ehe=
gatten
der Geretteten erhielt der tapfere Junge 50 Pfennig.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 8. April. In einer ge=
heimen
Mitgliederverſammlung der im Verbande der
Schneider und im Hirſch=Dunckerſchen Gewerkverein or=
ganiſierten
Herrenkonfektionsſchneider Groß=
Berlins wurde heute in geheimer Abſtimmung mit 358
gegen 251 Stimmen beſchloſſen, am heutigen Mittwoch die
Arbeit zu den von den Vertretern der kämpfenden Par
teien vereinbarten Bedingungen wieder aufzunehmen. Der
neue Tarifvertrag, der für vier Jahre gilt, ſieht Lohn=
erhöhungen
von durchſchnittlich 7 bis 10 Prozent vor.
Mit dem Verſammlungsbeſchluß iſt der ſeit Wochen be=
ſtehende
Streik beendet und die Gefahr einer Ausſperrung
aller organiſierten Herrenkonfektionsſchneider in ganz
Deutſchland beſeitigt. Am Samstag teilte die 30jährige
Frau Martini in Wilmersdorf der Polizei mit,
daß ſie den 35jährigen früheren Gutsbeſitzer Kulpe, dem
ſie die Wirtſchaft führte, in ſeinem Schlafzimmer tot auf=
gefunden
habe. Der Befund ergab, daß der Tod durch Er=
ſchießen
eingetreten war. Da keine Anhaltspunkte für ein
Verbrechen vorlagen, wurde der Selbſtmord des Mannes
angenommen. Frau Martini ſtützte dieſe Annahme durch
Mitteilungen über zerrüttete Vermögensverhältniſſe. Nach=
trägliche
Einläufe bei der Polizei verdächtigten die Frau,
daß ſie den Kulpe aus Eiferſucht erſchoſſen habe. Frau
Martini wurde feſtgenommen. Sie leugnet die Tat. Die
Piſtole, durch die Kulpe den tödlichen Schuß erhielt, war
zwei Tage vorher von der Frau bei dem Leihamt ausgelöſt
worden. Heute abend gegen 11 Uhr kam es im Zir=
kus
Carré, der zurzeit in Neukölln Vorſtellungen gibt,
zu einer aufregenden Szene. Der Direktor führte
ſechs Pferde vor, wobei plötzlich eines von dieſen, durch
irgend einen Umſtand erſchreckt, aus der Reihe brach und
in das Publikum hineinſprang. Die entſetzten Zuſchauer
flüchteten, während das immer wilder werdende Pferd
durch die Sitzbänke brach und nur mit Mühe von den An=
geſtellten
gefaßt und beruhigt werden konnte. Bei der
Panik, die im Zirkus entſtand, wurden teils durch das
Pferd, teils durch die flüchtende Menge eine große Anzahl
Perſonen, wie es heißt etwa 30, verletzt, glücklicher=
weiſe
bis auf einen, einen Kaufmann, leicht. Letzterer
mußte in einer Droſchke in ſeine Wohnung geſchafft wer=
den
. Die Vorſtellung wurde nach dem Vorfall fortgeſetzt,
doch hatte etwa die Hälfte der Zuſchauer den Zirkus ver=
laſſen
.
Frankfurt, 9. April. Der Herzog von Cumber=
land
iſt heute nachmittag 1 Uhr in Begleitung ſeiner
Gemahlin und ſeiner Tochter, der Prinzeſſin Olga
hier eingetroffen. Es fand kein offizieller Empfang ſtatt.
Am Zug hatten ſich nur die nächſten Verwandten einge=
funden
: das Prinzenpaar Mar von Baden, das Prinzen=
paar
Friedrich Karl von Heſſen und Prinzeſſin Viktoria
Luiſe mit ihrem Bräutigam, dem Prinzen Ernſt Auguſt
von Cumberland. Die fürſtlichen Damen trugen, wegen
der Hoftrauer um den König von Griechenland, alle
Trauerkleidung, der Herzog war in Zivil, ebenſo ſein
Sohn. Das Herzogspaar nahm in einem Automobil Platz
das die Standarte der preußiſchen Prinzeſſinnen und die
herzogliche Standarte trug; im gleichen Wagen ſaß das
Brautpaar. Die herzogliche Familie wohnt während ihres
hieſigen Aufenthalts im Frankfurter Hof, in den gleichen
Appartements die vor kurzem der Kronprinz innehatte.
Im ganzen ſind für 21 Perſonen Zimmer beſtellt. Im
Laufe des Nachmittags erfolgte ein Beſuch bei der Land=
gräfin
von Heſſen. Ferner iſt eine Beſichtigung des Schloſ=
ſes
Rumpenheim bei Hanau vorgeſehen. Am Abend weilt
die herzogliche Familie beim Prinzenpaar Friedrich Karl.
Die Abreiſe nach Homburg erfolgt Donnerstag vormittag
11 Uhr 24 Minuten im Extrazug.
Bad Homburg, 9. April. Der Kaiſer machte heute
vormittag einen Spaziergang und beſuchte im Verfolg des=
ſelben
die Hohe Mark. Die Prinzeſſin Viktoria
Luiſe und der Prinz Ernſt Auguſt ſind heute in
Frankfurt zur Frühſtückstafel bei dem Prinzen und der
Prinzeſſin Friedrich Karl von Heſſen geladen.
Morgen mittag 11.50 Uhr treffen hier der Herzog
und die Herzogin von Cumberland mit Sonder=
zug
ein, mit ihnen Prinzeſſin Olga, Herzogin zu Braun=
ſchweig
und Lüneburg, und Prinz und Prinzeſſin Max von
Baden. Im Gefolge der Cumberländiſchen Herrſchaften
befinden ſich Hofdame Gräfin v Kielmannsegg, Hofdame
Baronin v Hinüber, Geheimrat Baron v. d. Wenſe, Haus=
marſchall
Graf Grote und Kammerporſteher Major a. D.
Mertens.
Straßburg, 9. April. In der Landesirrenan=
ſtalt
Stephansfeld wo der frühere
Zahl
meiſteraſpirant Wolter wegen ſeiner Alarmie=
rung
der Straßburger Garniſon zur Beobachtung ſeines
Geiſteszuſtandes untergebracht iſt, wurde der Verſuch ge=
macht
, Wolter zu befreien. Ein Automobil fuhr vor der
Anſtalt vor, dem zwei Inſaſſen entſtiegen und ein gefälſch
tes Schreiben der Straßburger Staatsanwaltſchaft vor
wieſen. Sie gaben an. Wolter zur Vernehmung nach
Straßburg bringen zu müſſen. In der Anſtalt ſetzte man
ſich telephoniſch mit der Staatsanwaltſchaft in Verbindung.
Daraufhin ſtellte es ſich heraus, daß die beiden Befreier
das Schreiben gefälſcht hatten. Die beiden Automobiliſten
entkamen. Schon vor einigen Wochen war der Verſuch
gemacht worden, Wolter aus dem Straßburger Hoſpital
zu befreien
Dortmund, 9. April. Im hieſigen Gerichtsgefängnis
wurde der 20 Jahre alte Arbeiter Schweckendick ent
hauptet, der am 18. Auguſt gemeinſchaftlich mit dem
Arbeiter Bachmann den Schneidergeſellen Lefath in einem
Wäldchen bei Dortmund ermordete und beraubte. Bach=
mann
, der bei Begehung der Tat noch nicht 18 Jahre alt
war, wurde ſeinerzeit zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt.
Hamburg, 9. April. Der Rieſendampfer Im=
perator
wird am 21. April den Hamburger Hafen ver=
laſſen
und nach ſeinem Liegeplatz auf der Unterelbe ab=
gehen
, um dort Kohlen und Proviant einzunehmen. Am
26. April ſoll eine Probefahrt von einem Tag unternom=
men
werden.
Kiel, 8. April. Die Strafkammer verhandelte gegen
den früher in Kiel, zuletzt in Köslin tätig geweſenen Re=
gierungsaſſeſſor
Lewicki wegen Erpreſſung und
Betruges, begangen an einem hieſigen Fabrikanten.
Lewicki ließ ſich, als er den Polizeipräſidenten im Vor=
ahre
vertrat, von einem Fabrikanten, gegen den die Unter=
ſuchung
wegen Spionageverdachts ſchwebte, 141000 Mark

auszahlen, indem er angab, dieſe als Schmiergelder be=
nutzen
zu wollen. Lewicki, der 80000 Mark Schulden
hatte, verbrauchte das Geld für ſich. Das Gericht ver=
urteilte
ihn in mehrſtündiger Verhandlung zu drei Jahren
Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverluſt. Bei der Ver=
handlung
wurde die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen.
Graz (Steiermark), 9. April. In die Villa der
Gräfin Hartenau drangen nachts Diebe ein und
entwendeten Schmuckſachen und Juwelen von ſehr großem
Werte. Von den Dieben fehlt bisher jede Spur.
Peſt, 8. April. Nach einer Blättermeldung wurde vor
einigen Tagen ein angeblicher ruſſiſcher Spion namens
Bravura verhaftet. In ſeiner Wohnung wurden zahl=
reiche
Feſtungspläne und militäriſche Notizen, ſowie eine
weitverzweigte chiffrierte Korreſpondenz gefunden. Bra=
vura
verfügte über bedeutende Geldmittel, die durch eine
franzöſiſche Bank angewieſen wurden. Man vermutet, daß
Bravura, der aus Petersburg gebürtig iſt und dem ruſſi=
ſchen
Militärſtande angehört, zahlreiche Mitſchuldige hat
doch ſtellt er jede Spionageabſicht in Abrede. Die Polizei
beobachtet vollkommenes Stillſchweigen.
Brüſſel, 8. April. Infolge der Gerichtsentſcheidung
über die Erbanſprüche der Töchter König Leopolds dürfte
die Eröffnung des Konkurſes über das Vermö=
gen
der Prinzeſſin Luiſe unmittelbar bevor=
ſtehen
. Und zwar wird das Verfahren jedenfalls in Paris
eröffnet. Die Schulden der Prinzeſſin werden auf 17 Mil=
lionen
Fr. geſchätzt, indeſſen dürften ſie ſich bei einer Prü=
fung
dieſer Forderungen durch den Konkursverwalter ſehr
weſentlich verringern. Aus dieſem Grunde halten die An=
wälte
der Prinzeſſin ein Konkursverfahren durchaus im
Intereſſe der Prinzeſſin ſelbſt. Man rechnet auch damit,
daß die Verwandten der Prinzeſſin eine unpfändbare
Lebensrente zur Verfügung ſtellen werden in Höhe von
etwa 100000 Fr. Beſonders die Prinzeſſin Klementine,
die Gattin des Prinzen Viktor Napoleon, die durch An=
nahme
des Kompromiſſes, den die belgiſche Regierung zur
Regelung des Erbſchaftsſtreites vorgeſchlagen hatte, drei
Millionen mehr erhielt als ihre Schweſter, ſoll bereit ſein,
der Prinzeſſin Luiſe beizuſpringen. Uebrigens hat letztere
noch eine anſehnliche Erbſchaft zu erwarten, und zwar
von ihrer Tante, der Kaiſerin Charlotte, der unglücklichen
Witwe Maximilians, die bekanntlich in geiſtiger Umnach=
tung
lebt und jetzt im 74. Lebensjahre ſteht. Es wird
behauptet, daß von ihrem Vermögen acht Millionen Fr.
der Prinzeſſin zufallen werden.
London, 9. April. Laut Daily Expreß iſt ein An=
ſchlag
der Wahlweiber entdeckt worden. Sie woll=
ten
das große Ereignis der Fußballſaiſon, den Final Cup,
am 19. April, durch Sprengung der Tribünen während
einer Nacht vereiteln.
Die bedeutende Führerin der
Frauenſtimmrechtsbewegung, Miß Annie Kenny, iſt
heute nachmittag unter der Anklage der Aufreizung ver=
haftet
worden.

Die Beſoldung der Oberlehrer
in Heſſen.

Der Heſſiſche Oberlehrerverein hat
nachſtehende Eingabe an die Regierung und die bei=
den
Kammern gerichtet:
Wir bitten, endlich auch in Heſſen, wie das faſt in
allen deutſchen Bundesſtaaten ſchon ſeit Jahren durchge=
führt
iſt, die Oberlehrer in ihrem Gehalt den richterlichen
Beamten an den Amts= und Landgerichten, die Direktoren
der höheren Lehranſtalten mindeſtens den Landgerichts=
direktoren
gleichzuſtellen. Dieſe Bitte enthält eine von
der geſamten Oberlehrerſchaft Deutſchlands ſchon ſeit
Jahrzehnten vertretene grundſätzliche Forderung, deren
Vertretung der deutſche Oberlehrerſtand als Ehrenſache
anſieht.
Was die Gleichſtellung der Oberlehrer mit den Amts=
und Landrichtern betrifft, ſo beziehen wir uns im allge=
meinen
auf die Begründungen, die dafür in der Denk=
ſchrift
des Verbandes akademiſch gebildeter Lokalbeamten
in Heſſen über die neue Beſoldungsordnung vorgebracht
ſind. Im beſonderen möchten wir nochmals darauf hin=
weiſen
, daß die neue heſſiſche Regierungsvorlage zwar
eine Gleichſtellung der Oberlehrer mit den Amtsrichtern,
nicht aber mit den Oberamtsrichtern und Landrichtern
vorſieht, und ausdrücklich betonen, daß wir uns mit einer
ſolchen teilweiſen oder vielmehr nur ſcheinbaren Gleich=
ſtellung
keineswegs zufrieden erklären können. In den
deutſchen Bundesſtaaten, in denen die Gleichſtellung durch=
geführt
iſt
und das ſind, wie geſagt, faſt alle Bundes=
taaten
?) kommt es nicht vor, wie das nach der Vor=
lage
der Fall ſein würde, daß die Oberlehrer das Höchſt=
gehalt
der Oberamts= und Landrichter überhaupt nicht
erreichen können. Wir bitten alſo um eine völlige Gleich=
ſtellung
, das heißt um Gleichſtellung der Ober=
lehrer
mit den Amts= und Landrichtern. Eine
ſolche iſt um ſo mehr gerechtfertigt, als die Be=
fördeungsmöglichkeit
der Oberlehrer im
Vergleich zu den Juſtizbeamten eine außerordent=
lich
geringe iſt. Selbſt wenn die Gleichſtellung nach
unſerer Bitte durchgeführt wäre, alſo die Oberamts= und
Landrichterſtellen nicht als gehobene aufzufaſſen wären,
was ſie nach der Regierungsvorlage tatſächlich den un=
ſeren
gegenüber ſind, wäre die Beförderungsmöglichkeit
der Juſtizbeamten imer noch 2¼mal ſo groß als die
unſere. Außerdem können die Juſtizbeamten in viel
höhere Stellen vorrücken als die Oberlehrer. In der Ge=
haltsklaſſe
74, der höchſten, in der ſich noch Beamte aus
dem Oberlehrerſtand befinden, ſind 33 Juſtizbeamte, d. h.
14 Prozent von ſämtlichen, dagegen nur 3 ehemalige Ober=
lehrer
, d. h. 0,6 Prozent. Alſo befinden ſich in dieſer
Klaſſe über 20mal weniger Oberlehrer als Juſtizbeamte.
In den noch höheren Gehaltsklaſſen, in denen es keine
ehemaligen Oberlehrer mehr gibt, befindet ſich immer noch
eine ganze Reihe Juſtizbeamten, nämlich 3 Prozent.
Für die Direktoren der höheren Lehr
anſtalten ſind in der Regierungsvorlage drei Gehalts=
klaſſen
vorgeſehen: 1. Direktoren der Realſchulen 5800 bis
7000 Mark, 2. Direktoren der Vollanſtalten zu Laubach,
Büdingen, Alsfeld und Heppenheim 62007000 Mark,
3. Direktoren der übrigen Vollanſtalten 62007400 Mark.
Danach würde nicht einmal die höchſte Klaſſe (3.) das
Höchſtgehalt der Amts= und Landgerichtsdirektoren errei=
chen
, für die 6200 bis 7600 Mark vorgeſehen ſind, und die
übrigen Schuldirektoren würden nur die Höchſtgehalts=
ſätze
der Oberamtsrichter und Landrichter erreichen. Die
Oberamtsrichter würden ſogar noch beträchtlich beſſer ge=
ſtellt
ſein, da ſie eine Dienſtzulage von 300 Mark beziehen
ſollen. Der Oberamtsrichter in Darmſtadt II und die
Vorſitzenden der Kammer für Handelsſachen in Darm=
ſtadt
und Mainz Höchſtgehalt 7000 Mark 500 Mark
Dienſtzulage würden ſogar höher ſteigen als die höchſt=
beſoldeten
Schuldirektoren. Nach dieſem Vorſchlage iſt

*) Reich und Preußen, Sachſen, Württemberg, Bayern,
Baden, Oldenburg, Braunſchweig, Waldeck, Schaumburg=
Lippe, Reuß j. und ä. Linie, Schwarzburg= Sondershau=
ſen
, Sachſen=Weimar, Hamburg, Lübeck.

[ ][  ][ ]

Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.
Seite 5.

das Verhältnis der Gehälter der Schuldirektoren zu den=
jenigen
der richterlichen Beamten ein ſo ungünſtiges,
wie es im ganzen Reiche nicht mehr vorkommt
Nur in Baden, Anhalt und Mecklenburg=Schwerin ſind
die Direktoren der Vollanſtalten ſchlechter geſtellt als die
Landgerichtsdirektoren, aber auch in dieſen Staaten kommt
es nicht vor, daß ein Oberamtsrichter oder ein Land=
gerichtsrat
in ſeinem Höchſtbezug über einen ſolchen Direk=
tor
ſteigt. Dagegen ſind die Direktoren der Vollanſtalten
den Landgerichtsdirektoren vollkommen d. h. im An=
fangs
= und Endgehalt gleichgeſtellt in Oldenburg,
Reuß j. Linie und Sachſen=Altenburg, im Endgehalt
gleichgeſtellt und das iſt das weſentliche in Preußen
und Braunſchweig, und beſſer geſtellt als die Land=
gerichtsdirektoren
in Sachſen und Bayern. In Sachſen
erreichen ſie das Höchſtgehalt der Landgerichtspräſiden=
ten
, in Bayern beziehen ſie im Anfangsgehalt 800 Mark
und im Endgehalt 1200 Mark mehr als die Landgerichts=
direktoren
, Oberlandesgerichtsräte und Oberſtaatsanwälte.
Demnach wird man unſere Bitte ſchwerlich für unbeſchei=
den
halten können, die Direktoren der neunklaſſigen An=
ſtalten
den Amts= und Landgerichtsdirektoren gleichzu=
ſtellen
, und zwar alle, auch diejenigen der Vollanſtalten
zu Laubach, Büdingen, Alsfeld und Heppenheim. In der
Schülerzahl mit Ausnahme vielleicht von Laubach iſt
es nicht begründet, die letzteren zurückzuſetzen. Im übri=
gen
gilt hier, was die Regierungsvorlage zur Begründ=
ung
der Gleichſtellung der Oberamtsrichter mit den Land=
richtern
im Höchſtgehalt vorbringt. Auch hier empfiehlt
es ſich, die Direktoren an den kleineren Plätzen nicht ſchlech=
ter
zu ſtellen als die anderen, weil das für ſie einen An=
reiz
ſchafft, in ihren Stellen dauernd zu verbleiben
Auch die Direktoren der Realſchulen ſind
nach der Regierungsvorlage in ihren Gehältern im Ver=
gleich
zu den richterlichen Beamten zu ungünſtig geſtellt.
Nur in Mecklenburg=Strelitz finden ſich hier ähnliche Ver=
hältniſſe
. In Baden ſind zwar die Höchſtgehälter der
Direktoren der Nichtvollanſtalten denen der Oberlehrer
und der Richter an Amts= und Landgerichten gleich, in
allen anderen Staaten aber überſteigen ſie mehr oder min=
der
im Höchſtgehalt die Richter an den Amts= und Land=
gerichten
. Nach der neuen Regierungsvorlage aber würde
faſt ein Drittel ſämtlicher richterlicher Beamten an den
Amts= und Landgerichten nämlich alle Oberamtsrichter
und drei Landgerichtsräte im Höchſtgehalt höher kom=
men
als die Direktoren der Realſchulen. Wir empfinden
das als eine unbillige Minderbewertung der von unſeren
Standesgenoſſen geleiſteten Arbeit. Eine mäßige Er=
höhung
des Endgehaltes der Direktoren an den Real=
ſchulen
rechtfertigt ſich auch aus dem Grunde, weil bei
einer allzu großen Spannung in den Höchſtgehältern der=
Direktoren an den Vollanſtalten und derjenigen an den
Realſchulen die letzteren danach ſtreben werden, mögli
raſch an eine Vollanſtalt zu kommen. Das würde alſo
einen beſchleunigten Wechſel in den Realſchuldirektoren=
ſtellen
zur Folge haben, was nicht im Intereſſe dieſer
Schulen liegt.
Wir bitten alſo, die völlige Gleichſtellung der Ober=
lehrer
mit den Richtern an den Amts= und Land=
gerichten
,
die Gleichſtellung der Direktoren an den Vollanſtalten
mit den Landgerichtsdirektoren,
eine Verminderung der Spannung in den Höchſtgehäl=
tern
der Realſchuldirektoren und der Direktoren an den
Vollanſtalten
bewirken zu wollen, und ſind der Anſicht, daß für uns in
Heſſen dieſe Fragen am beſten und zufriedenſtellendſten
zu löſen ſind, wenn wir uns hierbei der vorbildlichen
preußiſchen Gehaltsordnung im weſentlichen anſchließen.

Der Nieder=Modauer Bank=
krach
vor der Strafkammer.

Dritter Verhandlungstag.
g. Die Vernehmung des Angeklagten
Moſes Jſaak
wird fortgeſetzt. Er gab im Anſchluß an das Arrange=
ment
Kreditbank=Genoſſenſchaftsbank an, daß auf Anreg=
ung
des Angeklagten Ihrig auch eine Ablöſung ſeiner an=
deren
Verbindlichkeiten vorgenommen werden ſollte. Nach
längeren Auseinanderſetzungen gibt er dann zu, daß es
möglich ſein könne, daß die Anregung dazu von ihm aus=
gegangen
ſei. Seine Hinterlegung bei den Ban=
ken
, beſonders bei der Elſäſſiſchen Bank in Pfandbriefen
betrugen damals 1100000 Mark, für die er perſönlich haft=
bar
war. Nachdem durch das Arrangement mit der Ge=
noſſenſchaftsbank
etwa 500000 Mark abgelöſt worden
waren, blieben noch rund 566000 Mark Verbindlichkeiten,
zu deren Ablöſung dann die Verkaufs= und Verwertungs=
geſellſchaft
in Frankfurt a. M. gegründet wurde. Jſaak
beſtreitet, daß er bei der Gründung dieſer Geſellſchaft mit=
gewirkt
oder ſie angeregt habe. Er muß dann aber zu=
geben
, daß er im Dezember 1908 an ſeinen Vertreter ein
Schreiben richtete, in dem er ſagte, man gründe eine Ge=
ſellſchaft
, die meine Verbindlichkeiten abnimmt. Welchen
Zweck die Geſellſchaft hatte und wer die Gründer waren,
will er nicht wiſſen. Er wiſſe aber, daß die Geſellſchaft
bald nach ihrer Gründung ſeine Sanierung unternahm.
Durch einen Vertrag vom Februar 1910 trat er ſein ge=
ſamtes
Vermögen, Forderungen, Haus= und Grundbeſitz
und Wertpapiere ab. Außerdem zahlte ſein Schwager und
ſein Bruder noch 50000 Mark in die Geſellſchaft. Er ſelbſt
gab ſeine Lebensverſicherung hinein, und ſeine Verwand=
ten
übernahmen außerdem die Bürgſchaft für die Prä=
mienzahlung
. Aber ſchon vor dieſem ſchriftlichen Vertrage
ſeien von der Geſellſchaft Engagements von ihm über=
nommen
worden. In dem Vertrage wurde feſtgelegt, daß
ein etwaiger Ueberſchuß dem Iſaak nicht, ſondern der Ge=
ſellſchaft
zugute kommen ſolle. Er habe damals ausge=
rechnet
, daß ein Ueberſchuß von 200000 bis 300000 Mark
herauskommen müßte. Auf die Frage des Vorſitzenden,
warum er dann ſein geſamtes Vermögen abgetreten habe,
kann er nur antworten, daß er ſeine Engagements los ſein
wollte.
Auf die Frage des Sachverſtändigen Regierungsrat
Baſtian, ob er nicht bei Abſchluß des Vertrages mit der
V.=V.=G. noch Engagements in Minen= und Eiſenbahn=
Shares hatte und warum dieſe eventuell im Vertrage
nicht aufgeführt worden ſind, ſagt Jſaak, daß er ſeines
Wiſſens damals keine Engagements mehr hatte. Regie=
rungsrat
Baſtian bemerkte, daß er in einem Reviſions=
bericht
der V.=V.=G. die Bemerkung gefunden hat, die
Sharesengagements Iſaaks an der Londoner Börſe hät=
ten
einen Verluſt ergeben. Dies war längere Zeit nach
dem Vertrag Iſaaks mit der V.=V.=G. Jſaak gibt an, er
habe bei der Geſellſchaft den Antrag geſtellt, das Konto
zu übernehmen. Auf die Frage, aus welchem Grunde er
den Antrag geſtellt habe, antwortet IJſaak nur, er wollte
auch von dieſem Engagement befreit ſein, da die Shares

ſehr billig geworden ſeien. Das Geld zu dieſen Speku=
ationen
habe er von ſeinen Verwandten erhalten.
Es wird ſodann zur Vernehmung des Angeklagten
Heinrich Beck
geſchritten. Er ſchildert zunächſt ſeine Vorbildung. Er
war bis zu ſeiner Militärzeit beim Zentralkirchenfonds
tätig, wo er die Buchführung und Rechnungsaufſtellung
ausführte. Nach ſeiner Entlaſſung vom Militär kam er
1902 auf Veranlaſſung des Geheimerats Haas in den
Genoſſenſchaftsverband, wo er zunächſt auf dem Burean
beſchäftigt wurde. 1904 kam er nach Abſolvierung eines
Kurſes für Reviſionsbeamte in die Reviſionsabteilung, zu=
nächſt
als Reviſionsaſſiſtent. 1906 ſtellte er im Auftrag
des Genoſſenſchaftsverbandes auf Wunſch der Nieder=
Modauer Kaſſe die Bilanz für 1905 auf. Hierfür erhielt
er nur Diäten und ſein Gehalt durch den Verband. Er
hatte hier mehrere Wochen zu tun gehabt, die Arbeit war
ſehr kompliziert, da die Bilanz von 1904 von dem Lehrer
Adelberger nach Kontoauszügen geſtellt war, die oft Ad=
ditionsfehler
aufwieſen. Auf Fragen ſeinerſeits erwiderte
Adelberger, daß die Bilanz durch Ab= und Zuſchrei=
bungen
ſtimmend gemacht wurde. Die von
ihm, Beck, aufgeſtellte Bilanz von 1905 ſei nach den Unter=
lagen
in Ordnung und richtig geſtellt geweſen. Ob die
Unterlagen geſtimmt hätten, habe er nicht geprüft, das
ei ſeiner Meinung nach eine innere Ver
waltungsangelegenheit. Die Bilanz von 1905
chloß mit einem Gewinn ab. Für 1906 ſtellte er die Bilanz
im Auftrage des Adam privatim auf, wofür er 1100 Mark
erhielt. Er ſei faſt jeden Samstagnachmittag und Sonntag=
vormittag
während dreiviertel Jahre in Nieder=Modau
geweſen und habe die Bücher mehrere Wochen in ſeinem
Hauſe gehabt. Es hätten ſich ſehr viel Anſtände gezeigt,
die ziemlich alle erledigt wurden. Nur die Anſtände, daß
über ein Teil von Zeſſionen, ſowie vorausbezahlten Kauf=
ſchillingen
ein Konto nicht beſtand, konnte nicht beſeitigt
werden, da die Urkunden nicht da waren. Er habe die
Summen deshalb ſo eingeſtellt. Für die Bilanz von 1907
habe er auch die Vorarbeiten geleiſtet. In die Bilanz von
1907 wurde die Bezeichnung Zweifelhafte Forderungen
durch das gleichbedeutende dubioſe erſetzt. Dieſe Du=
bioſe
wurde zum vollen Wert in die Bilanz eingeſtellt.
Beck glaubte ſich dazu berechtigt, denn hierüber ſein ein Vor=
ſtands
= und Aufſichtsratsbeſchluß herbeigeführt worden.
Der Bericht des Angeklagten Beck an den Genoſſenſchafts=
verband
, der über die Verſammlung vom September 1906
berichtete, in der die Verhältniſſe der Kaſſe neugeregelt
wurden, und mit Rückwirkung vom 1. Januar 1906 der
Zinsfuß für Schuldſcheine und Darlehen erhöht wurde
und ein Gewinn von 1905 herangezogen wurde, iſt ſeitens
des Verbandes mit der Bezeichnung ad acta verſehen.
Am 1. April 1908 wurde er Rechner des Nieder=Modauer
Vereins, nachdem Adam auf Veranlaſſung der Genoſſen=
ſchaftsbank
und des Genoſſenſchaftsverbandes ſein Amt
niederlegen mußte, da er auf die Anfragen und Aufforde=
rungen
nach Sicherheiten und Urkunden gar keine oder nur
unzureichende Antworten erteilte.
Kurz nach ſeinem Amtsantritt habe er einen Aufſichts=
rats
= und Vorſtandsbeſchluß erwirkt, daß er für die von
ihm aufgeſtellten Bilanzen von 1905, 1906 und 1907 nicht
haftbar gemacht werden ſolle. Er wollte dies aus dem
Grunde bewirkt haben, weil er nicht wußte, ob die Unter=
agen
zu dieſen Bilanzen richtig ſind. Es habe im Auf=
ſichtsrat
und Vorſtand niemand etwas bei dieſem Ver=
langen
gefunden und nach den Beweggründen gefragt,
daß er für Arbeiten, die er ſelbſt gemacht hat, nicht ver=
antwortlich
ſein will. Daß Adam zum Kontrolleur ge=
wählt
wurde, habe er nicht angeregt jedenfalls ſei dies
aus Mitgliedskreiſen geſchehen. Er habe der Wahl aber
zugeſtimmt. Bei der Uebergabe der Kaſſe waren 40 Marl
Kaſſenbeſtand vorhanden. Er habe zunächſt längere Zeit
zu tun gehabt, die Urkunden zuſammenzuſuchen. Die
Schuldverſchreibungen hätten im Tanzſaal frei auf Tiſchen
gelegen, ſelbſt auf dem Boden hätte er Urkunden gefunden.
Bei Neuanlegung der miſerabel geführten Bücher habe er
dann noch verſchiedene Anſtände gefunden, wie Nichtein=
tragung
von Zeſſionen und Einſtellung von großen Zins=
rückſtänden
und anderes. Von den Reviſionsberichten von
1905 und 1906 habe er keine Kenntnis gehabt, auch 1908
noch nicht von der Mißwirtſchaft im Verein. 1908 teilte
die Genoſſenſchaftsbank der Nieder=Modauer Kaſſe mit,
daß Wechſel in Höhe von 320000 Mark im Lauf ſeien, die
von Nieder=Modau akzeptiert ſind. Schon am 1. März
1905 hatte der Aufſichtsrat mit Entrüſtung davon Kennt=
nis
genommen, daß Wechſel in Höhe von 90000 Mark an
Pallmann und Roßmann für die Kaſſe akzeptiert worden
waren. Mit dieſer Summe wurde damals das Konto des
Adam und Pallmann belaſtet, und das Geld ſollte mit 6½
Prozent verzinſt werden. Als dieſe neuen Wechſel be=
kannt
wurden, beauftragte die Kaſſe die Genoſſenſchafts=
bank
, Recherchen über dieſe Wechſel anzuſtellen. Adam
den er fragte, gab zu, daß er die Wechſel unterſchrieben
habe. Bürgermeiſter Roßmann, der ja ſelbſt ſtets be=
trunken
geweſen ſei, habe geantwortet: Ich habe Wechſel
unterſchrieben, ohne das geringſte Bedenken. Ich habe ja
von Wechſelgeſchichten keine Ahnung. Daß die Unter=
ſchrift
Roßmanns gefälſcht war, wußte natürlich er nicht
und auch nicht die Genoſſenſchaftsbank. Er habe ſpäter
eine Auskunft über die angeſtellten Recherchen nicht er=
halten
, wohl aber glaubte er, daß ſich Ihrig von Pallmann
Sicherheiten geben laſſen würde. Die Genoſſenſchaftsbank
erhielt dann auch den Auftrag von Nieder=Modau, die
Wechſel einzulöſen.
Im Mai 1907 habe er dann feſtgeſtellt, daß ein Kaſſen=
vorrat
von 12000 Mark beſtehen müßte. Er habe damit
das Konto des Adam belaſtet, womit er die Summe für
die Kaſſe geſichert gehalten, denn Adam galt für ſehr reich.
Der Kaſſenvorrat der garnicht da war
wurde in die Aktiva eingeſtellt. Er, Beck, habe
das für berechtigt gehalten. Im Jahr 1909 ſtellte er für
die Bilanz von 1908 feſt, daß ſich durch die uneinbring=
lichen
Forderungen, ein Verluſt für den Verein in Höhe
von 260000 Mark ergab. Selbſt wenn dieſe Summe noch
als Aktiva eingeſtellt worden wäre, kam eine Unterbilanz
von 14000 Mark heraus. Es wurde daraufhin mit dem
Angeklagten Ihrig Rückſprache genommen und man ſei
ſich darüber einig geweſen, daß die Kaſſe gehalten werden
müſſe und gehalten werden könne. Da der Verluſt durch
die Nachläſſigkeit des Vorſtandes und des Aufſichtsrats
ermöglicht wurde, ſollten dieſe auch perſönlich und ſoli=
dariſch
dafür haften. In einer Verſammlung von Vor=
ſtand
und Aufſichtsrat des Vereins im November 1909
wurde dann beſchloſſen, daß die Mitglieder des Vor=
ſtandes
und Aufſichtsrats eine Schuldurkunde über 275000
Mark unterſchreiben ſollten, durch die ſie ſich verpflichten,
die Summe bis 1919 auf Anfordern ohne Kündigung zu
zahlen. Es wurde dann weiter beſchloſſen, wie Beck an=
gibt
, auf Vorſchlag des Angeklagten Ihrig, dem Aufſichts=
rat
und Vorſtand aus dem Verdienſt des Vereins jährlich
5000 Mark zu überweiſen, welche Summe aber nicht aus=
gezahlt
, ſondern zur Tilgung jener Schuldſumme von 275000
Mark verwandt werden ſollte, Auf Vorhalt des Vorſizenden
gibt Beck zu, daß den Mitgliedern des Aufſichtsrats weiter=

hin außerdem für jede Sitzung 3 Mk. gezahlt wurde für ihre
Tätigkeit. Ihrig hätte auch verſprochen, wenn die Schuld=
anerkenntnis
unterſchrieben werde, könnte er auch aus
einem Fonds dem Verein Summen zur Verfügung ſtellen.
Nachdem der Schuldſchein unterſchrieben war, erſchien die
Summe von 260000 Mark, die bisher als uneinbringliche
Forderungen in den Aktiven der Bilanz ſtanden, wieder
in der Aktiva. Auf die Frage des Vorſitzenden, ob
das noch eine richtige Bilanz ſei, antwortete Beck,
dasſei eine eigene Frage.
Wie aus einem Brief hervorgeht, wurde nach einer
Beſprechung Becks mit Pallmann P. aus dem Wechſelkonto
Pallmann=Adam ausgeſchieden und Adam haftete von da
allein für die Wechſelſumme. Aus welchem Grund das
geſchah, könne er nicht ſagen. Das Konto Adams bei dem
Nieder=Modauer Verein betrug damals etwa 366000
Mark.
Bei der Generalverſammlung wurde nichts davon er=
wähnt
, daß der Verluſt eine ſolche Höhe erreicht hatte, es
wurde nur mitgeteilt, daß ein Verluſt entſtanden ſei, der
vom Vörſtand und Aufſichtsrat übernommen worden ſei
Auch von der hohen Belaſtung Adams wurde der Gene=
ralverſammlung
nichts mitgeteilt. In der gemeinſamen
Sitzung wurde noch beſchloſſen, Adam zur Uebergabe von
Sicherheiten und Beibringung von anderweitigen Liegen=
ſchaften
zu veranlaſſen. Die Bemühungen wären ohne
Erfolg geweſen
Im Laufe der Jahre 1908 und 1909 habe er ein
Kaſſenmanko von 2000 Mark gehabt, es ſei ihm deshalb
ein Kredit von 2000 Mark bewilligt worden. Da ihm ſonſt
noch Ausgaben im Intereſſe des Vereins erwachſen ſeien,
hat er den Kredit um 3000 Mark überſcheitten. Um dies
zu verdecken, fälſchte er das Protokoll über die Vorſtands=
ſitzungen
. Dieſe Fälſchung gibt Beck zu. Er will dieſes
Beld nur im Intereſſe der Kaſſe verbraucht haben. Ferner
wird Beck zur Laſt gelegt, Adam 1908 und 1909 noch 27000
Mark ausgezahlt zu haben. Er habe dies getan, weil ihm
Adam ſagte, er brauche Geld für die Engagements mit
Pallmann, dann habe er ein Haus gebaut, und auch hier=
für
habe er Gelder verlangt. Drei Meiſter, die an dem
Haus arbeiteten und Geld verlangten, ſeien Aufſichtsrats=
mitglieder
geweſen. Alle Zahlungen an Adam erfolgten
gegen Quittung. Eine Quittung von Adam vom 5. Sep=
tember
1908 über 350 Mark änderte er auf 550 Mark ab,
weil er bei Kaſſenſchluß ein Kaſſenmanko von 200 Mark
feſtſtellte und ſich dann entſann, daß er Adam 550 Mark
ausgezahlt habe. Die Aenderung in den Büchern erfolgte
erſt längere Zeit danach. Beck erklärt, er halte ſich
für berechtigt, eine Quittung, die er in Hän=
den
habe, abzuändern, da er genau wußte, daß er
550 Mark ausgezahlt habe. Auf den Gedanken, ſich die zu=
viel
gezahlten 200 Mark von Adam zurückgeben zu laſſen,
iſt er anſcheinend aus leicht begreiflichen Gründen nicht
gekommen. Ferner ſoll Beck nach Notizen Adams dem
Adam in mehreren Fällen weniger Geld gegeben haben,
als er ſich Quittungen ausſtellen ließ, oder Adam mußte
auch Quittungen ausſtellen, ohne daß er Geld erhielt.
Beck beſtreitet das ganz entſchieden.
Gegen 2 Uhr wird die Verhandlung auf Donnerstag
vertagt.

Die Ausſtellung für
Geſchäftsbedarf und Reklame.

M. St. Frankfurt, 9. April.
Die Ausſtellung für Geſchäftsbedarf und Reklame, die
morgen, Donnerstag, in der Feſthalle in Frankfurt a. A
eröffnet wird, war heute nachmittag den Vertretern der
Preſſe in einer Vorbeſichtigung zugänglich. War die
Ausſtellung ſelbſt, ſoweit die einzelnen Stände in Frage
es wurde überall
kommen, auch noch höchſt unfertig,
noch mit Hochdruck gearbeitet ſo läßt die Vorbeſichti=
gung
doch die Feſtſtellung zu, daß die Ausſtellung die um=
fangreichſte
und erſchöpfendſte iſt, die je in einer deutſchen
Stadt gezeigt wurde, und ſie liefert den Beweis, wie un=
gemein
fortgeſchritten unſere deutſche Induſtrie auf den
in Frage kommenden Gebieten iſt. Vielfach, ja faſt durch=
weg
, iſt ſie imſtande, die Konkurrenz mit dem Auslande,
hier vor allem mit Amerika, das als klaſſiſches Land prak=
tiſcher
Arbeit allerdings bahnbrechend war und auch noch
heute führend iſt, erfolgreich aufzunehmen. Wie faſt auf
allen Gebieten, hatten auch auf dem der maſchinellen Bu=
reaubedarfartikel
deutſche Ingenieure und Techniker die
Erfindungen des Auslandes vertieft und mit der deut=
ſchen
Gründlichkeit und Zuverläſſigkeit ausgebaut. Und
noch eins iſt es, was dieſe Ausſtellung eklatant erweiſt,
den Aufſchwung unſeres Buchgewerbes und aller ver=
wandten
Zweige, wie Plakate, Druckſachen aller Art,
Packungen und Reklamen, den die letzten Jahre brachten,
ſeit die Beſten unſerer Künſtler ſich in den Dienſt des
Kunſtgewerbes ſtellten. Die faſt 200 Firmen umfaſſende
Liſte der Ausſteller iſt Beweis dafür, in welcher Groß=
zügigkeit
und Vielſeitigkeit auf dieſer Ausſtellung alles
das vertreten iſt, was die einſchlägigen Induſtrien fün
Betriebe jeder Art, ſowohl in bezug auf mechaniſche Hilfs=
mittel
, wie für zweckmäßige Geſtaltung des Buchungs= und
Kundenweſens, der Organiſation des Innen= und Außen=
betriebes
und ſeiner Kontrolle, ſowie der Propagierung
von Produkten und Einrichtungen zum Zwecke ihrer Ver=
breitung
auf den Markt bringen. Ein umfaſſendes, viel=
verzweigtes
Betätigungsfeld umſchließt heute der Begriff
Geſchäftsbedarf und Reklame Kein Beruf und keine
Verwaltung die ihrer entraten, und deshalb auch niemand,
der an dieſer Ausſtellung vorübergehen, und darauf ver=
zichten
könnte, kennen zu lernen, was unſer Berufsleben
erleichtern und angenehmer geſtalten. Mühe, Zeit und
Geld ſparen und unſeren Wirkungskreis erweitern ſoll.
Viele bedeutſame Fragen wird jeder Arbeitende in dieſer
Ausſtellung beantwortet finden, die tief in ſeinen Inter=
eſſenkreis
greifen. Organiſation und Arbeitseinteilung
beherrſchen jeden Betrieb, ſei er nun behördlicher, kauf=
männiſcher
oder induſtrieller Natur. Die Ausſtellung
zeigt die Mittel, die eine auf dieſen Gebieten raſtlos ſchaf=
fende
Induſtrie ſchafft und zeigt uns, ſie zu nützen.
Ergänzt wird die Ausſtellung durch eine Kollektiv=
Ausſtellung des Vereins Deutſcher Reklame=
fachleute
, die in zwei Abteilungen, je eine für
Reklame=Produzenten und Reklame= Ver=
braucher
zeigt, welche Höhe heute dieſe modernſte Er=
cheinung
unſeres Verkehrs= und Wirtſchaftslebens er=
klommen
hat, und in welcher Vielfältigkeit der Formen
ſie Anwendung findet.
Die Ausſtellung iſt ſehr überſichtlich arrangiert und
hat in der gleichmäßigen Innenaufteilung der prächtigen
Feſthalle in offene und gedeckte Stände eine ſympathi=
ſche
äſthetiſche Löſung gefunden. Die geſamte Reklame=
abteilung
iſt in den oberen Räumen untergebracht. Sie
bringt als Neuerung auf dem Ausſtellungsgebiete auch
einige Kollektionen des geſamten Reklamematerials ein=
zelner
Firmen.
In den ſeitlichen großen Parterreräumen iſt eine
Sonderausſtellung aus Buchgewerbe und Gra=
phik
arrangiert, die von Herrn Klingſpor=Offenbach

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

mit ausgezeichneter Sachkenntnis und künſtleriſchem Ge=
ſchmack
ausgewählt iſt. An dieſer Abteilung iſt eine
große Anzahl erſter deutſcher Verleger und Künſtler be=
teiligt
. Sie zeigt in hervorragenden Beiſpielen Buch=
kunſt
, Buchbinderkunſt und Gelegenheitsdruckſachen. Der
Zuſammenhang dieſer Abteilung mit Geſchäftsbedarf und
Reklame iſt nur ſcheinbar loſe. Denn eigentlich gab das
moderne Buchdruckgewerbe, dem die Künſtler zuerſt ihr
Können widmeten, die Grundlage zu der ganzen moder=
nen
Bewegung. Eine der koſtbarſten und ſchönſten Grup=
pen
dieſer Abteilung iſt die Auswahl von Erzeugniſſen
der Ernſt=Ludwig=Preſſe (Profeſſor Kleukens)
auf der Künſtlerkolonie, der Privatdruckerei des Groß=
herzogs
. Sie liefert natürlich in erſter Linie in höchſtem
Maße Luruskunſt. Aber dieſe Luxuskunſt iſt von höchſter
Bedeutung für das ganze Buchgewerbe, weil ſie neue
Wege zeigt auch zur Veredelung wohlfeiler Druckerzeug=
niſſe
. Köſtliche Buchwerke ſandte in reicher Kollektion auch
der Inſelverlag, der Verlag Müller=München und viele
andere deutſche Verleger, die mit der Förderung künſtle=
riſcher
Buchausgaben und Drucke eine dankenswerte Kul
turaufgabe leiſten. Tatſächlich haben wir auch hierin ſchon
England, das bisher führend auf dieſem Gebiete war
anerkanntermaßen überflügelt. Außer Büchern und Ein=
bänden
, darunter ſolche von 1000 und mehr Mark Wert
ſind an intereſſanten Einzelſtücken hier ausgeſtellt: genaue
Kopien der Schenkungsurkunde der Hohkönigsburg des
Kaiſers, des Ehrendoktordiploms der Gießener Univerſi=
tät
für den Großherzog, Speiſenkarten und Einladungen
des Großherzogs, Exlibris der deutſchen Kronprinzeſſin,
köſtliche Neudrucke alter Gudrunausgaben, eine kleine,
aber ungemein wertvolle und intereſſante Sammlung eng
liſcher Drucke. Von namhaften deutſchen Künſtlern ſind
vertreten mit größtenteils hervorragenden und vorbild=
lichen
Entwürfen zu Exlibris, Buchſchmuck, Wappen=
büchern
, Schriften uſw. Thoma, Max Klinger, Ciſſarz,
Behrens, Melchior Leichter, Otto Greiner, Baſtanier, Uhde,
Volkmar, Schröter (Karlsruhe). Die Wiener Werkſtätten,
Otto Hupp, Rudolf Koch, Eckmann, u. v. a. Die Liſte iſt
bei weitem nicht erſchöpfend.

Luftfahrt.

Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
* Am Mittwoch wurden von den Darmſtädter Fliegern
größere Ueberlandflüge ausgeführt. Zwi=
ſchen
6 und 7 Uhr morgens ſtieg Leutnant Sommer mit
Leutnant v. Bornſtedt auf zu einem Ueberland
flug nach Mainz. Die Fahrt der 45 Kilometer langer
Strecke dauerte 30 Minuten. Der Flieger landete in
Mainz auf dem Großen Sand‟ Die Rückfahrt nach
Darmſtadt erfolgte eine halbe Stunde nach der Landung
ebenfalls in 30 Minuten. Ferner flog Leutnant Koch
mit Oberleutnant Ludewigüber Mainz nach Hei=
delberg
, wo ſie glatt landeten. Leutnant Koch bleibt
bis Donnerstag in Heidelberg, um am Donnerstag den
Weiterflug anzutreten. Der Pilot beabſichtigt einen
größeren Ueberlandflug von 300 Kilo=
metern
um ſich das dritte Pilotenzeugnis zu erwerben.
Der Weg des Fluges iſt noch nicht feſtgelegt. Leutnant
Reinhardt mit Leutnant Ritter führte einen
Ueberlandflug nach Deidesheim aus; ſie ſind
dort ebenfalls glatt gelandet. Dieſe Flieger werden eben=
falls
am Donnerstag die Rückfahrt nach Darm=
ſtadt
antreten.

Die Wahrheit über Lunéville.

* Die Tägliche Rundſchau iſt in der Lage, die Mit=
teilung
eines militäriſchen Teilnehmers an
der Fahrt des Z. 4 zu veröffentlichen, wonach die
ganze Angelegenheit noch viel ſkandalöſer erſcheint, als
ſonſtige private Darſtellungen es ahnen ließen. Es iſt
wirklich völlig unverſtändlich, warum man (bei Nordoſt=
wind
!) ſtundenlang ohne Orientierung an der Grenze
herumfuhr, ſtatt nach Deutſchland hineinzugehen, zumal da
nicht Metz, ſondern Baden=Oos der befohlene Landungs=
ort
war. Entgegen den bisherigen offiziellen Meldun=
gen
wird übrigens in unſerer Mitteilung erneut der
Mangel an Betriebsſtoff hervorgehoben, und zum erſten=
mal
die Feſtſtellung gemacht, daß kein Deutſcher von der
Beſatzung des Z. 4 an Bord durfte, während die Fran=
zoſen
ſcharenweiſe ſich darin zu ſchaffen machten! Die
Mitteilung lautet: Was die Fahrt des 3. 4 anbetrifft
ſo ſteht ſoviel feſt: Das Schiff hatte nur für ſechs Stun=
den
Benzin an Bord. Man hatte von 8 Uhr vormittags
bis nach 12 Uhr, als man erkannte, daß man in Frankreich
war, keine Orientierung. Man verſuchte gegen 9 Uhr, um
ſich zu orientieren, tiefer zu gehen, ſtellte aber feſt, daß
die Wolken ſehr tief lagen, teilweiſe bis auf 100 Meter
über der Erde. Es wurden Schüſſe gehört, und man lan=
dete
, weil man keine Betriebsſtoffe mehr hatte und auch,
hätte man ſolche noch gehabt. Verwickelungen vermeiden
wollte. Mit der mangelhaften Ausrüſtung an Betriebs=
ſtoffen
bei einer Höhenfahrt, die doch nur Zweck hat be
voll ausgerüſtetem Schiff, und dem ſtundenlangen Fahren
ohne jede Orientierung, weiß man beim beſten Willen
nichts anzufangen. So etwas darf nicht unter keinen
Umſtänden vorkommen! Die Beſatzung wurde wie in
Feindesland behandelt. Niemand durfte das Schiff mehr
betreten. Poſten mit aufgeplanztem Seitengewehr waren
an jeder Gondel aufgeſtellt und hatten der Beſatzung den
Zutritt zu verwehren. Dieſe mußte zuſehen, wie Scharen
von Neugierigen, Militär= und Zivilperſonen, das Schiff
betraten, ſich genau umſahen, photographierten und Meſ=
ſungen
vornahmen. Der Diviſionskommandeur wollt
die Offiziere in ſeiner Wohnung verpflegen und unter
bringen, dieſes Anerbieten wurde dankend abgelehnt. Dar=
auf
wurde der Beſatzung Eſſen an das Schiff gebracht. Die
ganze Beſatzung, einſchließlich der Abnahmekommiſſion
blieb über Nacht im Freien. In die Gondeln durfte ſie
nicht. Das Verhalten der Offiziere und Beamten war we=
der
kameradſchaftlich noch ritterlich. Die Beſatzung wurde
faſt verächtlich und ohne jede Achtung behandelt.
Eine bittere Ergänzung zu dieſer Ausſage bringt die
Illuſtrierte Pariſer Zeitung Excelſior die auf der Titel=
ſeite
eine große Photographie aus der hinteren Gondel des
Zeppelin veröffentlicht. Zum erſtenmal gewinnt man hier
einen genauen Ueberblick über die Anordnung und Lage=
rung
der Motoren und der Propeller; und die techniſchen
Angaben, die dieſe ſehr anſchauliche Aufnahme begleiten
laſſen keinen Zweifel darüber, daß man den Zeppelin nicht
nur durchſucht, ſondern auch ſehr gründlich auf ſeine
Eigentümlichkeiten hin unterſucht hat. In dem begleiten=
den
Artikel werden die Zeppeline mit unverhohlener und
rückhaltloſer Anerkennung als wahre Wunder der Prä=
ziſion
genau geſchildert und beſchrieben. Der Zwiſchen=
fall
, der es uns ermöglicht hat, die mechaniſchen Wunder
des Zeppelin aus der Nähe zu betrachten, hat uns bewie=
ſen
, daß wir auf dem Gebiete der Lenkballons im Ver=
gleich
mit den Deutſchen noch Anfänger ſind. Es iſt über=
flüſſig
, darauf einzugehen, welchen Wert die genaue Kennt=
nis
der Anatomie der deutſchen Luftſchiffe für uns ge=
winnen
kann.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 9. April. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1 Uhr 4 Minuten. Die
erſte Beratung der Wehr= und Deckungsvorlagen
wird fortgeſetzt. Abg. Doormann (Fortſchr. Vpt.):
Unſere Stellung zu der Vorlage iſt von meinem Partei=
freunde
Dr. Müller=Meiningen ausführlich und auch
deutlich genug dargeſtellt worden. Die Materie iſt ſehr
dürftig begründet; dies beſtärkt uns darin, daß die Vor=
lage
ſachlich geprüft werden muß. Es iſt nicht richtig
daß Dr. Müller den Generalſtab gegen das Kriegsmini=
ſterium
hat ausſpielen wollen. Er hat lediglich auf das
gefährliche Treiben eines Teiles der konſervativen Preſſe
hinweiſen wollen. Auch war es nicht richtig vom Kriegs=
miniſter
, in ſeiner letzten Rede darüber hinwegzugehen,
daß die Militärbehörden und die Diplomatie von den Er=
eigniſſen
auf dem Balkan ſich haben überrumpeln laſſen.
Wir billigen die Erhöhung der Dienſtprämie für Unter=
offiziere
, verlangen aber auch die Ausdehnung dieſer
Einrichtung auf die Marine. Einzig Widerſpruch er
heben müſſen wir gegen die Anwendung der Militärver=
ordnungsverhältniſſe
auf Perſonen, die nach dem Offi
zier=Penſionsgeſetz verabſchiedet werden. Die Zahlen ſind
auch nicht richtig, die hier angegeben werden, wonach noch
mehr Dienſttaugliche vorhanden ſind, als jetzt angeforder
werden. Es wird notwendig ſein, einen großen Teil be
dingt tauglicher Perſonen einzuſtellen; gefordert werden
muß deshalb, daß auch in Zukunft eine peinliche Korrekt
heit beim Aushebungsgeſchäft obwaltet. Es ſind große
Opfer, die dadurch den einzelnen Familien auferlegt wer=
den
, daß ihnen mehr Söhne als bisher durch den Militär=
dienſt
entzogen werden. Da wären verſchiedene Erleich
terungen: Abkürzung der Dienſtzeit, Beurlaubungen uſw.,
am Platze. Hoffen wir, daß die Opfer, die uns durch dieſe
Vorlage auferlegt werden, durch die erhöhte Sicherheit des
Reiches und durch erhöhten Schutz der Volkswirtſchaft auf=
gewogen
werden.
Generalleutnant Wandel: Die Frage der Aufbring=
ung
des Rekrutenerſatzes, wie es die Vorlage fordert, iſt
von der Militärverwaltung eingehend geprüft worden
Dieſe Prüfungen ergaben zweifellos, daß es möglich ſein
wird, ohne irgendwelche Herabſetzung der Anforderungen
an die körperliche Beſchaffenheit die geforderte Zahl der
Rekruten ganz zu ſchaffen. Die Beſtimmungen für die
Aufbringung des Erſatzes ſind 1893 gegeben und bis heute
iſt nichts daran geändert worden. Damals wurde nur
das Körpermaß etwas heruntergeſetzt. (Aha! links.) Ein
verringertes Körpermaß iſt kein Schaden für den Militär=
dienſt
, im Gegenteil, oft ein Vorteil. Während bei den
Franzoſen 82 Prozent der Wehrſähigen ausgehoben wer=
den
, ſind es bei uns nur 58 bis 59 Prozent. Hinſichtlich
der Reklamationen iſt beabſichtigt, irgendeine Aenderung
in dem bisherigen Verfahren nicht eintreten zu laſſen.
Abg. Hägy (Elſ.): Die Vorlage läßt ſich nur erklä=
ren
als die Forderung eines Volkes, das ſich in ſeiner
Exiſtenz bedroht ſieht. Daß dies der Fall iſt, können wir
in Elſaß=Lothringen nicht anerkennen. Wir glauben nicht
an einen Weltkrieg. Die Bevölkerung Elſaß=Lothringens
hat ſich gegen jede Kriegstreibereien ausgeſprochen, und
gerade nationaliſtiſche bekannte Politiker haben an dieſer
Friedenskundgebung teilgenommen. In Frankreich ſind
dieſe Kundgebungen ſicher nicht ohne Eindruck geblieben.
Es hat ſich in der Lage nichts geändert. Es hat ſich nichts
ereignet, was einen Zweifel an der Wehrfähigkeit des
Deutſchen Reiches hervorrufen könnte. Auch die Begründ=
ung
der Vorlage hat unſeren Standpunkt nicht ändern
können. Es iſt durch die Vorlage nur ein Moment der
Beunruhigung in die Bevölkerung hineingetragen wor=
den
, das nicht dem Frieden dient. Im Intereſſe des Rei=
ches
und der Erhaltung des Weltfriedens iſt mit der Ab=
lehnung
der Vorlage am beſten gedient. (Beifall bei den
Elſäſſern.)
Abg. Werner=Hersfeld (Rfpt.): Im Gegenſatz zu
dem Vorredner bin ich der Anſicht, daß die Vorlage eine
Notwendigkeit iſt. Nach den Ausführungen der Abgeord=
neten
Dr. Müller=Meiningen und Doormann müßte man
annehmen, daß ſie ſtrickte Gegner der Vorlage ſind. Aber
ſchließlich werden ſie ſich noch bekehren. Wenn auch die
Regierung in Frankreich den Frieden will, ſo muß man
doch mit der Volksſtimmung rechnen, und deshalb iſt es
gut, wenn wir uns beizeiten vorſehen. Dieſe Vorlage iſt
keine Bedrohung unſerer Nachbarn, ſondern nur eine
Sicherſtellung unſeres Reiches. Das Slawentum erfor=
dert
unſere vollſte Aufmerkſamkeit. Bedenklich iſt das
Vorgehen der Balkanſtaaten. 1911 konnte noch niemand
die Vorgänge vorausahnen, und auch jetzt iſt charakteri=
ſtiſch
die kühne Sprache des Königs von Montenegro, des
Souveräns aller Hammeldiebe. (Stürmiſche Heiterkeit.)
Präſident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen der Aeußer=
ung
zur Ordnung. (Erneute ſtürmiſche Heiterkeit.
Abg. Dr. Frank=Mannheim (Soz.): Das Vorgehen
der Regierung gleicht dem des Bauernburſchen, der am
Tiſche ſein Meſſer wetzt und behauptet, nur friedliche Ab=
ſichten
zu haben. (Sehr gut!) Wir hätten die Vorlage
nicht bekommen, wenn wir nicht das Jubiläumsjahr
hätten. Ich will den Vergleich mit 1813 nicht weiter
ſpinnen, wenn auch der Reichskanzler und der Kriegs=
miniſter
ſicher nichts dagegen haben würden, wenn ich ſie
mit Freiherrn vom Stein und Scharnhorſt vergliche. ( Hei=
terkeit
.) Einen Napoleon haben wir nicht. Wir müßten
ſchon auf die Serben oder den ſchon erwähnten König
Nikita zurückgreifen. (Große Heiterkeit.) Die Begründ=
ung
mit der Slawengefahr iſt nicht durchſchlagend. Geſtern
iſt das Parlament der chineſiſchen Republik eröffnet wor=
den
. Vielleicht kommt bald der Tag, wo Rußland ſich
größere Sorge um ſeine Oſtgrenze machen muß, als wir
jetzt. (Sehr gut!) Es wird geſagt, die Vermehrung des
Heeres ſolle gegen die Sozialdemokratie wirken; das iſt
ein Kinderglaube. Wenn 60000 Sozialdemokraten ein=
gezogen
werden, ſo kommen 80000 wieder aus den Ka=
ſernen
heraus. (Sehr gut!) Das Zentrum bewährt ſich.
wie überall, ſo auch bei uns wieder als die beſte Schutz=
truppe
für den Militarismus. Eine Reichstagsauflöſung
würde uns nicht dezimieren. Wir haben bei der vorletzten
Wahl nur verloren, weil wir mit dem Zentrum gingen.
(Große Heiterkeit.) Die beſte Sicherung des Reiches iſt ein
einheitliches Recht, ein beſſeres preußiſches Wahlrecht, wie
der beſte Grenzſchutz gegen Rußland eine polenfreund=
liche
Politik iſt. (Sehr richtig!) Das militäriſche Recht
muß reformiert werden. Jeder Offizier, der ein Duell
annimmt, ſollte mit ſchlichtem Abſchied entlaſſen werden.
Die Mitalieder der regierenden Häuſer ſollten der allge=
meinen
Wehrpflicht unterworfen werden. Das Einjähri=
genprivilegium
iſt zu beſeitigen. Auch die Rechtsfeſtlegung
für die Reſerveoffiziere iſt zu fordern. Die politiſche
Ueberwachung iſt bezeichnend, ſie dehnt ſich ſogar auf Ab=
geordnete
und Präſidenten aus. (Hört, hört!) Das ein=
zige
Intereſſe an der Rüſtung hat das Rüſtungskavital;
deshalb iſt es an der Zeit, die Waffenfabriken in die Regie
des Reiches zu nehmen. Das beſſere Verhältnis zu Eng
land iſt zu begrüßen. Es wäre richtig, wenn die Einlad=

ung der Schweiz zu einer Verſtändigungskonferenz ange=
nommen
würde. Das Volk würde ſchon bei einem Feier=
abendjahr
aufatmen. Die Vernunft wird ſich ſchließlich
doch noch zu einer europäiſchen Großmacht auswachſen
Mit uns werden dann auch die bürgerlichen Kreiſe arbei=
ten
. Hinter uns ſtehen dann zwei Kulturnationen und
wir arbeiten zum Segen des Vaterlandes. (Lebh. Beifall
bei den Soz.)
Abg. Häusler (Ztr.): Bei der derzeitigen politi=
ſchen
Lage und bei den geographiſchen Verhältniſſen un=
ſeres
Vaterlandes iſt neben einer ſtarken Flotte auch ein
ſtarkes Landheer die Grundlage für unſere nationale Exi=
ſtenz
. Der einzig ſtichhaltige Grund für die Vorlage iſt
der, daß die allgemeine Wehrpflicht, die jetzt mehr oder
weniger bloß auf dem Papier ſteht, durchgeführt werden
ſoll, da das Heer nicht gleichen Schritt mit der Bevölker=
ungszunahme
gehalten hat. Was nützt aber ein Quin
quennatgeſetz, wenn fortgeſetzt neue Heeresvorlagen kom=
men
? (Sehr richtig! bei den Soz.) Es gibt nur einen
Weg, der wirklich gangbar iſt, um die Ungleichheiten zu
beſeitigen, nämlich die weitere Verkürzung der Dienſtzeit,
die Abſchaffung der dreijährigen Dienſtzeit bei der Ka=
vallerie
und des Einjährigenprivilegs. (Hört, hört! bei
den Soz.) Die geſetzliche Feſtlegung einer längeren Ur=
laubszeit
iſt zu erwägen. Bei Verkürzung der Dienſtzeit
würde die Schlagfertigkeit nicht behindert. In bezug auf
die Marſchfähigkeit und Schießleiſtung iſt das ſchweize=
riſche
Heer uns überlegen. (Hört, hört! bei den Soz.) In
erſter Linie muß die Ausbildung ſich auf das Kriegs=
mäßige
beſchränken, dann findet ſich die Gelegenheit für
die Verkürzung der Dienſtzeit. Es würde der Welt impo=
nieren
, wenn wir die Wiedereinführung der dreijährigen
Dienſtzeit in Frankreich mit einer Herabſetzung unſerer
Dienſtzeit beantworten würden. (Lebhafte Zuſtimmung
bei den Soz.) Eine dreimonatige Ausbildung der Erſatz=
reſerve
iſt dringend zu verlangen. Es iſt nicht richtig, daß
die Erſatzreſerve keinen Wert hätte. Das Jahr 1870 und
der Balkankrieg beweiſen das Gegenteil. Auch hat man
vor 100 Jahren die beſten preußiſchen Erfolge mit den
ſogenannten Krümpern erzielt. Gute Finanzen ſind die
erſte Bedingung für die Erfolge im Zukunftskrieg. Die
Steuerkraft muß geſchont werden, um einen Reſervefonds
zu haben. Bei uns aber iſt die Steuerkraft tatſächlich ſchon
überſpannt. Die Löhnung unſerer Soldaten iſt trotz der
lukrativen Aufbeſſerung im vorigen Jahre (Heiterkeit) ſc
dürftig, daß jeder Vater für ſeinen Sohn noch perſönliche
Opfer bringen muß. Durch die Streichung der überflüſſi=
gen
Pferderationen, der vielen Funktionszulagen uſw.
laſſen ſich viele Millionen erſparen. Auch die Sinekuren
müſſen beſeitigt werden. Die Schießübungen müſſen ein=
geſchränkt
werden. Unſere Truppenübungsplätze koſten
viele Millionen. Der Lurus im Offizierkorps und mit
den Uniformen muß beſeitigt werden. Ohne eine Revi=
ſion
in dieſer Hinſicht iſt für meine Perſon eine neue
Heeresſteuer undiskutierbar. (Lebh. Hört, hört! bei der
Soz.) Ich erkenne den Pflichteifer im Heere an, aber
dennoch iſt vieles zu ändern. Die Vorurteile müſſen
ſchwinden, auch hinſichtlich der jüdiſchen Vorgeſetzten.
(Hört, hört!) Alle Mißſtände, die ſich im Frieden heraus
ſtellen, müſſen beſeitigt werden, da ſie im Falle eines Krie=
ges
einen ungünſtigen Einfluß, ausüben können. (Der
Reichskanzler betritt den Saal.) Wir müſſen auch
auf die Hebung der ſittlichen und religiöſen Anſchauun=
gen
im Heere dringen. Da möchte ich den Reichskanzler
fragen, wie er ſich zu der Erklärung des Kriegsminiſters
ſtellt, und ihn bitten, uns zu ſagen, ob ein Angehöriger
des Offizierſtandes, der den Geboten Gottes und des
Staates entgegen einen Zweikampf annimmt, noch fer
ner für die Verwendung in der Armee geeignet iſt?
(Bravo! im Zentrum.) Unſere Intendanturen arbeiten zu
ſchwerfällig. Auch der Aerztemangel iſt ſchwer empfind=
lich
. (Zurufe bei den Konſ.) Auf Ihren (nach rechts)
Beifall verzichte ich. (Lebhaftes ſtürmiſches Bravo! bei
den Soz.) Die Fortſchritte in der Bewaffnung des Aus=
landes
müſſen bei uns ſtreng berückſichtigt werden. Die
Veteranenfürſorge liegt bei uns ſehr im Argen.
Kriegsminiſter v. Heeringen: Meine Herren, wenn
die Vorlage von den verſchiedenen Rednern kritiſch ge=
prüft
worden iſt, ſo kann ich wohl ohne Uebertreibung
ſagen, es trifft nicht alles zu. Ich ſtehe auf einem gan
anderen Standpunkt. (Heiterkeit.) Für uns kommt ledig
lich die Schlaafertigkeit unſeres Heeres in Frage. Was
die größeren Koſten unſerer Armee im Vergleich zur fran=
zöſiſchen
anlangt, ſo kommt dies von der beſſeren Löhnung
und Unterbringung unſerer Soldaten. Reichtümer hat
noch kein Offizier bei uns erworben. Unſere Organiſa=
tion
und Formation des Heeres koſtet ebenfalls viele Mil=
lionen
. Eine Reduktion der inaktiven Offiziere iſt nicht
möglich. Das Material der Artillerie genügt durchaus.
Die Ausſtellungen hiergegen, die bereits erhoben worden
ſind, beſonders gegen die Ausbildung, halte ich für ſehr
bedenklich, wenn ſie im Auslande bekannt werden. Daß
unſere Artillerie ſchnellſtens marſch= und ſchießfertig iſt
das ſind die einzigen Momente, die bei der Ausbildung
dieſer Truppe befolgt werden. Die Dienſtzeit iſt nicht zu
lang. Man kann mit weniger Zeit unmöglich die Aus=
bildung
der Soldaten vornehmen; je länger die Aus
bildungszeit, um ſo beſſer wird das Soldatenmaterial
werden. Ich glaube, der kleinere Teil ſind nicht die Vor=
teile
der Vorlage, ſondern vielmehr die Schwächen. Wenn
Frankreich jetzt die dreijährige Dienſtzeit für die . Ka=
vallerie
verlangt, ſo beweiſt das, daß man eingeſehen hat,
daß eine Ausbildung der Soldaten in dieſer kurzen Zeit
eben nicht möglich iſt. Die Erſatzreſerve hat noch niemals
größere Erfolge zu verzeichnen gehabt, als wohl in der
Zeit der Schlacht von Dennewitz, wo man das Gewehr
umdrehte und mit dem Kolben dreinſchlug mit den Wor=
ten
: So flutſcht et better.
Bayeriſcher Generalmajor v. Wenninger: Der
Herr Abgeordnete Häusler hat zweifellos ein ſachverſtän=
diges
Urteil gehabt. Wenn er aber während ſeiner aktiven
Dienſtzeit geſagt hätte, ein bis zwei Stunden genügten
zur Dienſtbeſichtigung, ſo würde er es nicht zum General
gebracht haben. Er beſaß ſachverſtändiges Urteil. (Zuruf:
Beſitzt!) Nein, beſaß er, denn nur die Artillerie kannte er
aus eigener Erfahrung. Dieſes Urteil wurde abgeſchloſſen
als er zur Dispoſition geſtellt wurde. Die Infanterie und
Kavallerie kennen zu lernen hatte er keine Gelegenheit ge=
habt
, und er konnte ſich deshalb auch kein Urteil bilden.
Herr Häusler gab zu, daß die Artillerie gewaltige Fort=
ſchritte
gemacht hat. Durch dieſe Aeußerung iſt es klar
bewieſen, daß der Herr kein ſachverſtändiges Urteil ab=
geben
kann. Dieſe Feſtſtellungen muß ich machen ange
ſichts der Tatſache, daß die Aeußerungen des Herrn Häus=
ler
als ſachverſtändiges Urteil aufgefaßt wurden. ( Gro=
ßer
Lärm. Unruhe.) Vizepräſident Dove: Hier ſind die
Herren nur Abgeordnete, Sie können alſo nicht von Sach
verſtändigen ſprechen. (Sehr richtig links.) v. Wennin=
ger
fortfahrend: Ich glaubte dieſe Bezeichnung aus einem
Gefühl der Wohlanſtändigkeit gebrauchen zu können. Ich
habe hier nicht als Bundesratsvertreter Bayerns,
ſondern als Angehöriger der Armee geſprochen.
Abg. Laux (bayer. Bauerbund): Der Herr General=
major
ging ohne Zweifel in ſeinem Tone zu weit, er bätte

[ ][  ][ ]

bedenken ſollen, daß der Herr nicht mehr General, ſondern
Abgeordneter iſt. Abg. Häusler hätte bedenken ſollen,
daß jedes Wort von den Hetzern in anderen Ländern an=
ders
ausgelegt wird, als es gemeint iſt. Wir werden
alles Notwendige bewilligen, alles Ueberflüſſige aber
ſtreichen.
Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Nicht
der letzte Teil der Debatte hat mich veranlaßt, nochmals
das Wort zu ergreifen, ſondern das Bedürfnis, zwei
Punkte, die geſtern und heute erwähnt wurden, kurz richtig
zu ſtellen: Zunächſt muß ich der Auslegung meiner
Aeußerung entgegentreten, die dahin geht, ich hätte das
Slawentum und Germanentum in Gegenſatz gebracht. Ich
betone, daß ich von panſlawiſtiſchen Strömungen geſpro=
ſchen
habe. Man konnte nicht vorausſehen, daß im gegen=
wärtigen
Balkankrieg der panſlawiſtiſche Gedanke eine
markante Rolle ſpielen könnte. Ich will aber auf den Stand=
punkt
des Teils der Publiziſten näher eingehen, die be=
haupten
, ich hätte eine Auseinanderſetzung zwiſchen Sla=
wentum
und Germanentum gefordert. Ich habe gegen
dieſes Schlagwort Widerſpruch eingelegt, ich habe ein=
gehend
davor gewarnt und wiederhole dieſe ernſte Warn=
ung
noch einmal. Die ernſten Mahnworte ſind verwechſelt
worden. Ich habe von panſlawiſtiſchen Strömungen ge=
ſprochen
. Dieſe Strömung iſt aber nicht mit Völkern
identiſch. Angehörige der germaniſchen Raſſe ſind in gro=
ßer
Zahl in alle Länder verſtreut, das iſt auch der Fall
hei den Slawen, deshalb kann davon keine Rede ſein. Un=
wahr
und unrichtig und um deswillen iſt es unrichtig, weil
es zwiſchen uns und Rußland einen Gegenſatz nicht
gibt. Darum ſchädigt dieſes Schlagwort auch unſere Be=
ziehungen
zu unſerem Nachbarreich Rußland. Der zweite
Grund, weshalb ich das Wort ergriffen habe, iſt der,
daß hier von verſchiedenen Rednern eine ganz verkehrte
Darſtellung über die Entſtehung der Wehrvorlage gegeben
worden iſt. Sie iſt weder auf das Drängen des Wehr=
vereins
hin, noch durch eine Kapitulation meines Nach=
varn
, des Herrn Kriegsminiſters, und meiner Perſon vor
dem Generalſtabschef entſtanden, ſondern in Würdigung
der geſamten politiſchen und militärpolitiſchen Verhält=
niſſe
. Bereits im November vorigen Jahres war ich von
der Notwendigkeit einer Ergänzung unſerer Rüſtungen
überzeugt. Auf Grund dieſer Ueberzeugung, die auch von
dem Herrn Kriegsminiſter und dem Generalſtabschef ge=
eilt
wurde, wurden die Vorarbeiten in Angriff genom=
men
. Daß wir mit dieſen Vorarbeiten nicht ſofort an die
Oeffentlichkeit getreten ſind, meine Herren, das brauche
ich wohl nicht zu erklären. Unſer Entſchluß ſtand damals
eſt, denn wir hatten die Verantwortlichkeit erkannt, die
Sicherheit des Reiches in der Zukunft ſicher zu ſtellen. Der
Eindruck, der mir aus den Reden geworden iſt, geht dahin,
ſich wohl die große Mehrheit der Parteien dieſes
ohen Hauſes bei dem kommenden Entſchluß von
dem Gefühl der gleichen Verantwortlichkeit leiten laſſen
wird wie wir. (Lebh. Beifall.)
Hiermit ſchließt die Debatte, da die Rednerliſte er=
ſchöpft
iſt. Zur perſönlichen Bemerkung ergreift noch ein=
ial
das Wort Generalmajor v. Wenninger: Ich er=
Kreife nochmals das Wort, weil ich das Bedürfnis habe,
ramens des bayeriſchen Offizierkorps mein tiefſtes Be=
dauern
zum Ausdruck zu bringen, daß Herr Häusler
mit ſeiner Rede nicht den Beifall ſeiner Partei, ſondern
rur den der Sozialdemokraten gefunden hat. (Lärm bei
den Soz.) Die Debatte wird nochmals eröffnet. Abg.
Ledebour (Soz.): Ich muß die energiſchſte Verwahr=
ung
einlegen gegen derartige Bemerkungen, die einem
Abgeordneten das Merkmal der moraliſchen Minderwer=
tigkeit
auferlegen ſollen. Daß der Abg. Häusler nicht den
Beifall ſeiner Partei gefunden hat, ging Herrn v. Wen=
ſinger
gar nichts an. Alle Parteien müſſen bei einiger
Selbſtachtung mir zuſtimmen. Generalmajor v. Wen=
n
inger: Dieſe Worte beweiſen die Richtigkeit meiner
Ausführungen. (Lärm bei den Soz.) Abg. Frank=
Mannheim (Soz.): Die letzten Worte bieten eine treffende
Flluſtration für die Anmaßung militäriſcher Kreiſe, die
felbſt nicht vor einer Perhorreszierung des Parlaments
urückſchrecken. (Vizepräſident Dove: Das iſt nicht ge=
chehen
.) Frank fortfahrend: Aber verſucht worden
Dieſe Ausführungen ſollten doch nur den Zweck haben,
dem Abg. Häusler als Mitglied des Heeres außerhalb des
Hauſes Schwierigkeiten zu ſchaffen. Dieſe Anmaßung, in
die Stimmung des Parlaments einzugreifen, weiſe ich
zutrück. (Beifall b. d. Soz. Zuruf: Das Zentrum ſchweigt.)
Die Debatte iſt hiermit geſchloſſen. Die Vorlage wird
am die Budgetkommiſſion verwieſen.
Es beginnt die
Generaldiskuſſion über die Deckungsvorlagen.
Staatsſekretär Kühn: Für die erforderliche neue
Geeresverſtärkung ſind für 1913 bis 1915 faſt 1000 300000
Mark aufzuwenden. Wäre dieſe Summe zu dem Zeit=
punkt
unſerer finanziellen und gewerblichen Sanierung
erforderlich geworden, ſo hätte man ernſte Bedenken
haben müſſen, eine Milliarde für dieſe Verſtärkungen be=
teit
zu ſtellen. Nicht die patriotiſchen Erinnerungen an
1813, die ich durchaus nicht verkennen will, waren die Ver=
anlaſſung
, daß wir auf die einmalige Vermögensabgabe
zurückgekommen ſind. Eine Anleihe aufzunehmen, war
uns unmöglich, wenn wir nicht in die alte Schuldenwirt=
ſchaft
zurückkommen wollten und nicht die künftigen Ge=
nerationen
belaſten wollten, die ebenſo militäriſche Auf=
gaben
zu erfüllen haben. Durch die Vermögensabgabe
brauchen wir nicht an eine Verzinſung und Tilgung der
Summe herantreten. Die Vermögensabgabe erzielt, alle,
untter Vorantritt der Bundesfürſten, haben teil daran,
ine gerechte und wenig fühlbare Belaſtung der beſitzen=
den
Kreiſe, verbunden mit Einheitlichkeit und Einfachheit
der Erhebung. Der Wehrbeitrag und ſeine Bedeutung
werden im weſentlichen anerkannt. Der Gedanke würde
ſeiner entſprechenden vaterländiſchen Bedeutung entkleidet,
venn auch nur die Möglichkeit einer Wiederholung gege=
ben
wäre. Das Jahr 1913 ſoll einen Markſtein in der Ge=
ſchichte
des Heer= und Finanzweſens darſtellen. Die Re=
gberung
legt Ihnen in §§ 1 und 2 den Geſetzentwurf einer
beſonderen Beſitzſteuer vor, der im weſentlichen zur
Seckung der dauernden Ausgaben in Höhe von 80 Millio=
nen
dienen ſoll. Eine reine Reichsvermögensſteuer mußte
ausſcheiden, nicht nur für jetzt, auch für ſpäter, da wir
den Bundesſtaaten ihre Einnahmequellen aus der Ein=
komenſteuer
ohne Schädigung der eigenen Aufgaben nicht
entziehen dürfen. Eine Ausdehnung der Erbſchaftsſteuer
chien uns auch nicht geraten. Die Beſitzſteuer wird dem
Reich 80 Millionen bringen; ſie tritt am 1. April 1916 in
Kraft, allerdings nur in denjenigen Bundesſtaaten, die
bis zu dieſem Tag beſondere Geſetze in dieſer Richtung
nicht beſchloſſen haben. Ich glaube daß die Anordnung
der Ler Baſſermann=Erzberger entſpricht. Neben der
Beſitzſteuer erſchien uns weiter erforderlich die Einführung
der Stempelabgabe für Aktien=Geſellſchaften und Ver=
ſicherungsverträge
. Als letzter Deckungsentwurf kommt
ſchließlich der Entwurf über das Erbrecht des Staates
ferner die Weiterbeibehaltung der Grundwechſelabgabe
und der Zuckerſteuer für einige Jahre. Neben der Ein=

führung von neuen Steuern hielten wir im Intereſſe der
Schlagfertigkeit des Heeres die Schaffung einer größeren
Metallreſerve (Gold= und Banknoten) für nötig, was
wohl allgemeine Zuſtimmung finden wird. Zugeſtehen
wird jeder, der die Vorlage gewiſſenhaft prüft, daß
Deckung für die Koſten der Heeresverſtärkung erforder=
lich
iſt und daß die gemachten Vorſchläge nach Möglich=
keit
den gerechten Wünſchen des Volkes entſprechen. Der
föderative Charakter des Reiches muß unter allen Um=
ſtänden
gewahrt werden. Der Ausbau unſeres Heeres
hat ſich als notwendig erwieſen. Das geſchieht letzten
Endes doch nur, um dem Reiche die ſichere Wehr eines
kriegsbereiten Heeres zu geben, zur Sicherheit, Wohlfahrt
und Größe unſeres gemeinſamen Vaterlandes. (Lehhafter
Beifall.)
Hierauf wird die Weiterberatung auf Donners=
tag
pünktlich 1 Uhr vertagt. Schluß gegen 6 Uhr.
* Berlin 9. April. In der Budgetkommiſ
ſion des Reichstages erklärte der Kriegsminiſter
auf eine geſtrige Anfrage des Zentrums über die Duell=
Frage, daß ſeit dem Jahre 1897 aus nichtigen Gründen
kein Duell mehr zuſtande gekommen ſei. In dieſer Be=
ziehung
ſei in erfreulicher Weiſe eine Wandlung der An=
ſchauungen
in dem Offizierkorps eingetreten. Seit dem
Jahre 1897 ſeien 71 Duelle durch Vermittelung des Ehren=
rates
bezw. durch allerhöchſte Entſcheidung verhindert wor=
den
. Auf eine Anfrage bezüglich des Falles des Grafen
Königsmarck erklärte der Kriegsminiſter, daß vor der Be=
endigung
des gerichtlichen Verfahrens gegen den Grafen
Königsmarck das militäriſche Ehrengericht nicht in Funk=
tion
treten könne.
* Berlin, 9. April. In der Budgetkommiſ=
ſion
des Reichstages wünſchte ein Mitglied der
Fortſchrittlichen Volkspartei zu wiſſen, wieviel jüdiſche
Einjährige in dem letzten Jahre zu Offiziersaſpiran=
ten
befördert oder zu Reſerveoffizieren gemacht worden
ſeien. Der Kriegsminiſter erwiderte, eine Statiſtik darüber,
wieviel jüdiſche Einjährige zu Offiziersaſpiranten beför=
dert
würden, beſtehe nicht. Jeder qualifizierte Einjährige,
gleichviel welcher Konfeſſion, könne nach den beſtehenden
Vorſchriften befördert werden. Ein Zentrumsredner unter=
ſtützte
das Verlangen nach der Vorlage einer Statiſtik
Gegenüber der Klage, daß die Juden in den Kadetten=
anſtalten
keine Aufnahme fänden, führte der Kriegsmini=
ſter
aus, daß es ſich hier um chriſtliche Erziehungsanſtalten
handle. Der Schluß der Zentrumsreſolution, betr. eine
Statiſtik über den Reſerveoffizier=Erſatz, wurde ange=
nommen
.

Die Erkrankung des Papſtes.

* Rom, 8. April. Alle Kardinäle und das diplo=
matiſche
Korps verlangen Nachrichten über den Zuſtand
des Papſtes. Die Kardinäle de Lai, Gennari, delle
Volpe, die Botſchafter von Oeſterreich=Ungarn und Italien,
der ſpaniſche Geſandte, der bayeriſche Geſandte, der Groß=
meiſter
des Maltheſerordens begaben ſich zum Staatsſekre=
tär
Merry del Val und baten um Nachricht. Die Schweſtern
und die Nichte des Papſtes beſuchten dieſen um 4 Uhr
30 Min. und unterhielten ſich bis 8 Uhr abends mit ihm.
* Rom, 8. April. Die Blätter beſchäftigen ſich ein=
gehend
mit der Erkrankung des Papſtes. Die
Tribuna ſchreibt, der Papſt wäre von der letzten Krank=
heit
noch nicht völlig wiederhergeſtellt. Man hätte ihn
Empfänge, wenn auch in beſchränkter Zahl, wieder auf=
nehmen
laſſen, nur weil er ſeine Untätigkeit bedauerte.
Dies ſei für die gegenwärtige Erkrankung mit von Ein=
luß
geweſen. Seit einiger Zeit ſei eine große Herz=
chwäche
und Unregelmäßigkeit in der Herztätigkeit feſt=
geſtellt
worden. Auch ſeien neuerdings Eiweiß im Urin
und deutliche Anzeichen dafür feſtgeſtellt worden, daß die
Nieren in Mitleidenſchaft gezogen ſeien.
* Rom, 8. April. Das Giornale d’Italia verzeichnet
eine Verſion, wonach der Papſt geſtern abend einen
Ohnmachtsanfall erlitten habe, fügt jedoch hinzu,
daß eine andere Verſion, wonach der Papſt Schüttelfroſt
verſpürte und ihn ein Fieber befiel, größeren Glauben ver=
diene
. Prof. Marchia=Fava ſtellte feſt, daß die Er=
krankung
keinen beunruhigenden Charakter trage. Das
Blatt ſagt weiter: Der Papſt iſt ſo deprimiert, daß der
Beſuch ſeiner Schweſtern ihn ſehr bewegt. Abends ver=
ließ
die ältere Schweſter den Vatikan mit Weinen und ge=
öteten
Augen. All dies macht großen Eindruck im Vati=
kan
. Die Pilger, die nach der Wiederherſtellung des
Papſtes empfangen werden ſollten, begaben ſich in die Ba=
ſilika
von St. Peter, um gemeinſame Gebete für die Ge=
ſundung
des Papſtes abzuhalten.
Rom, 8. April. Zwiſchen 7 und 8 Uhr beſuchten
die Aerzte Marchia=Fava und Amici wiederum den Papſt.
Man verſichert, daß ſie eine Beſſerung in ſeinem Be=
inden
feſtgeſtellt hätten. Die Temperatur hält wenig über
37 Grad.
* Rom 9. April. Die Vita ſchreibt: Das Fieber
hält ſich beim Papſte auf 38 bis 38½ Grad, die Atmung,
die ein beunruhigendes Symptom bot, iſt jetzt zufrieden=
tellender
. Vor der heutigen genauen Unterſuchung und
Anwendung beſtimmter Medikamente läßt ſich über die
Schwere der Krankheit nichts ſagen. Der Vita zufolge
handelt es ſich um Nierenentzündung.
Rom 9. April. Der Papſt verbrachte eine ſchlaf=
loſe
, ziemlich unruhige Nacht. Gegen 11 Uhr ve=
merkte
Dr. Amici, welcher im Nebenzimmer wachte, daß
die Temperatur auf über 38 Grad geſtiegen war. Indeſſen
war der Papſt heute früh fieberfrei. Die Doktoren
Marchiafava und Amici machten dem Papſt einen einſtün=
digen
Beſuch. Der Papſt iſt ſehr ſchwach und verweigert
die Nahrungsaufnahme. Seine Umgebung überredete
ihn mit Mühe, wenigſtens Milch und Eier aufzunehmen.
Die Audienzen ſind für den ganzen April abgeſagt worden.

Der Balkankrieg.

Zur Lage.
* Wien, 9. April. Das Fremdenblatt folgert aus
den Aeußerungen der leitenden Staatsmän=
ner
insbeſondere aus den Reden Saſonows, di San
Ziulianos, Bethmann Hollwegs und Greys daß die Hoff=
nung
gerechtfertigt ſei, daß ſich das Ziel, das ſich die Poli=
tik
Europas geſetzt hat, mit der nötigen Geduld und Zähig=
keit
auch tatſächlich in Frieden erreichen laſſe. Das Frem=
denblatt
konſtatiert befriedigt, daß Oeſterreich=Ungarn ſich
mit ſeinem Standpunkte und der Entſchloſſenheit, die Ver=
eitelung
der einmal gefaßten europäiſchen Beſchlüſſe nicht
zuzulaſſen, in voller Uebereinſtimmung mit den Groß=
nächten
befindet, woraus die Schlußfolgerung gezogen
werden könne, daß trotz aller Hemmungen und Schwierig=
eiten
der auf die Erhaltung des Friedens gerichtete Wille
Europas ſich bis ans Ende ſiark genug erweiſen werde,
um alle illegitimen Widerſtände und leichtſertigen Pro=
vokationen
in die gebührenden Schranken zu bannen.

* Wien 9. April. Die Reichspoſt erfährt: In maß=
gebenden
Kreiſen wird die Lage ſeit geſtern optimi=
tiſcher
beurteilt. Die Ausſchiffung der ſerbiſchen Trup=
pen
in Saloniki erfolgte auf die Initiative der ſerbiſchen
Regierung welche auch weitere Nachſchübe von Truppen
und Munition nach Skutari nicht mehr machen will. In
der Antwort auf die Vorſtellungen der Großmächte er=
ſuchte
Serbien auch um eine genaue Bekanntgabe der feſt=
geſetzten
Grenzen Albaniens, der Wunſch ſoll erfüllt wer=
den
. Man knüpft daran die Erwartung, daß Serbien dann
auch die Konſequenzen ziehen und Albanien räumen wird.
Es wird beſtätigt, daß die montenegriniſche Regierung die
offene Order der Pforte an Eſſad Paſcha über den Abzug
der Zivilbevölkerung von Skutari mit dem Hinweis auf
militäriſche Gründe nicht durchließ.
Die Kundgebung gegen Montenegro.
* Petersburg, 8. April. Wie die Petersburger
Telegraphen=Agentur meldet, iſt die Note über die Hal=
tung
der ruſſiſchen Regierung bei der Flot=
tendemonſtration
gegen Montenegro, welche
in auswärtigen Blättern am 6. April veröffentlicht und
dem ruſſiſchen Miniſterium des Aeußeren zugeſchrieben
wurde, erfunden.
London, 9. April. Die Daily Mail ſchreibt: Es
iſt eine Frage für die beteiligten Mächte, ob ſie nicht ſelbſt
nach der Herausforderung Montenegros
König Nikolaus eine goldene Brücke bauen und ihm durch
eine handgreifliche Kompenſation einen ehrenvollen Rück=
zug
ermöglichen könnten, vorausgeſetzt, daß er bereit wäre,
auf Skutari zu verzichten und ſeine Truppen von der Be=
lagerung
der Stadt zurückzuziehen, könnte man ihm eine
Summe Geldes anbieten, die es ihm ermöglichen würde,
die Verluſte, die ſein kleiner Staat während des Krieges
erlitten hat, wettzumachen und das Landgebiet, das ihm
zufallen wird, zu entwickeln. Das iſt vielleicht kein hero=
iſcher
Kurs für die Mächte, aber, um ein größeres Unheil
zu verhüten und dem Frieden den Weg zu ebnen, würde
das europäiſche Konzert gut beraten ſein, wenn es in die
Taſche griffe.
Die Botſchafter=Konferenz in London.
* London, 8. April. Wie das Reuterſche Burequ
erfährt, wird die Botſchafter=Vereinigung, die
heute im Auswärtigen Amte zuſammentrat und über zwei
Stunden dauerte, vor Freitag nachmittag nicht mehr zu=
ſammentreten
. Die Botſchafter trafen die Entſcheidung
über die Bedingungen der Antwort, die die Mächte
den Balkanſtaaten als Antwort auf ihre letzte Note
überreichen werden. Im Laufe des Abends ſandten die
Botſchafter Telegramme an ihre Regierungen, in denen
ihre Entſcheidungen dargelegt werden. Es beſteht Grund
zu der Annahme, daß die den Balkanverbündeten bereits
mitgeteilten Entſcheidungen der Mächte unverändert
geblieben ſind, und daß dieſe aus der Antwort her=
vorgehen
. In den zuſtändigen Kreiſen wird betont, daß
die wirkliche Frage die ſei, ob die Kriegführenden den
Frieden wünſchen. Im bejahenden Falle, ſo wird erklärt,
ſollte wohl keine Schwierigkeit beſtehen, den Frieden zu=
ſtande
zu bringen. Es ſollen zwei Vorſchläge finanziellen
Charakters gemacht werden, die einen gewiſſen Einfluß
auf die montenegriniſche Regierung haben dürften. Aber
über keinen dieſer Punkte iſt eine genaue Auskunft zu er=
halten
. Der montenegriniſche Friedensdelegierte hatte
heute eine Unterredung mit dem franzöſiſchen Botſchafter
und beſuchte ſpäter Sir Artur Nicolſon im Auswärtigen
Amte.
Auslaſſungen König Nikitas.
* Die National=Zeitung hatte ſich an König Nikolaus
von Montenegro mit der Frage gewandt, wie er ſich
gegenüber dem Einſpruch der Großmächte gegen die Be=
lagerung
Skutaris zu verhalten gedenke. Der König ant=
wortete
mit nachſtehendem Telegramm: Cetinje, 7. April.
Auf Ihre heutige Anfrage wollen Sie folgendes zur
Kenntnis nehmen: Wir hegen die tiefſte Ueberzeugung,
daß unſere Sache vor Gott und den Menſchen gerecht iſt.
Wir wünſchen dem albaniſchen Volk alles Gute und wollen
mit ihm im beſten Einvernehmen als gute Nachbarn leben.
Die Stadt Skutari iſt jedoch der uralte Sitz unſerer =
nige
geweſen. Skutari iſt für unſere nationale und wirt=
ſchaftliche
Entwickelung unentbehrlich, und wir werden nur
einer großen Uebermacht gegenüber auf dieſe Perle des
Landes verzichten.
20 Millionen in bar ſtellen auch
eine gewiſſe Uebermacht dar, der man ſich beugen kann,
wenn man will. Nach einer anderen Mitteilung, die
ber wenig Glauben verdient, habe König Nikita erklärt,
daß er, falls man ihn mit Gewalt an der Fortſetzung der
Belagerung Skutaris hindern werde, ſich zur Abdankung
gezwungen ſehe. Wie der Temps weiter meldet, ſollte
König Nikolaus hinzugefügt haben, daß in dieſem Falle
das montenegriniſche Volk ſich unter ſerbiſche Oberhoheit
ſtellen ſolle. (2)
Letzte Nachrichten.
H. B. Wien, 9. April. Der Pariſer Korreſpondent
der Neuen Freien Preſſe erfährt von unterrichteter Seite,
daß die Mächte die Regierungen von Petersburg und
Rom, die in der jetzigen Kriſe ihre freundſchaftliche Ge=
ſinnung
zu Montenegro gezeigt haben, mit der Miſſion
betrauten, perſönlich Verhandlungen mit =
nig
Nikita einzuleiten, in denen für Montenegro fi=
nanzielle
und territoriale Vorteile in Ausſicht geſtellt wer=
den
, die König Nikita nur dann ablehnen könnte, falls er
ſeine perſönliche Eitelkeit und das beſchränkte Intereſſe
für die Popularität der Dynaſtie über die wirtſchaftlichen
Intereſſen ſeines Landes ſtellt. Man glaubt aber hier an=
nehmen
zu können, daß es der montenegriniſchen Regie=
rung
gelingen wird, den Eigenſinn ihres Souveräns zu
brechen, und daß die montenegriniſche Frage nunmehr
ihrer endgültigen Löſung entgegengeführt wird. Auch die
ſerbiſche Regierung wirkt in Cetinje auf dieſe friedliche
Löſung hin. Man weiß hier, daß Serbien, das ſeinen
Alliierten mit Soldaten unterſtützte, ihm kürzlich eine An=
leihe
verweigert hat, und daß ferner Serbien in Cetinje
darauf hingewieſen hat, daß es durch die Blockade ver=
hindert
ſei, die montenegriniſche Belagerungs=Armee vor
Skutari durch Truppen zu verſtärken. Alle dieſe Momente
wirken zuſammen, um ein Nachgeben des Königs Nikita
vorausſehen zu laſſen.

Literariſches.

Durch ganz Europa geht unverkennbar eine Woge
nationaler Erhebung, weltgeſchichtliche Probleme tauchen
auf, und aufs große Ganze richtet ſich der Blick beſorgter
Vaterlandsfreunde. Die geſchichtlichen Ereigniſſe der Ver=
gangenheit
werden wieder lebendig beſonders jener
Epoche, die die Grundlage der heutigen politiſchen Ent=
wvicklung
geworden iſt. Unter Beeinflußung ſolcher Ver=
hältniſſe
ſchrieb Hermann Stegemann ſeinen Roman Die
Krafft von Illzach, der in dem ſoeben erſchienenen Heft
14 der Gartenlaube ſeinen Anfang nimmt und allen
Reichsdeutſchen willkomen ſein muß. Der Roman verſetzt
uns zunächſt in die Tage der Mobilmachung 1870, ſchil=

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

Nummer 83.

dert mit der Kraft und Plaſtik eines Zola verſchiedene
Schlachtenſzenen und ſtellt dar, welche inneren Kämpfe
und äußeren Lebensſchickſale der Krieg 187071 über eine
Familie von ſtarker Kultur und Eigenart gebracht hat, die,
im Elſaß angeſeſſen, nun durch den Krieg und ſeine Fol=
gen
bis an die Wurzeln ihres Daſeins ihres Denkens und
Fühlens erſchüttert wurde. Es entſtand eine vaterländiſche
Dichtung, die zeigt. wie eine gewaltige Zeit Menſchen
reifen laſſen und zu ſittlich und national hochſtehenden
Perſönlichkeiten entwickeln kann.
Lehrbuch des Schachſpiels, Einführung
in alle Zweige des Schachſpiels, als Spielgeſetze, Spiel=
eröffnungen
, Kombinationen des Mittelſpiels ( Fehler=
ausnutzungen
), Endſpiele, Spielpraxis (Meiſterpartien)
und Kompoſitionen (Probleme und Studien) von J. Ber=
ger
. Zweite, umgearbeitete Auflage des Katechismus des
Schachſpieles. (Max Heſſes illuſtrierte Handbücher, Band
26.) Max Heſſes Verlag, Leipzig, 1912. Preis 1,50 Mk.
Dieſes Buch hat in der erſten Auflage eine gute Aufnahme
gefunden. In der neuen Auflage hat der Autor alle ſeit=
herigen
Fortſchritte in der Schachtheorie berückſichtigt und
insbeſondere auch dem Anfänger das Studium des Buches
im erſten Teile durch Einfügung von Diagrammen und
durch ausführliche Erklärungen erleichtert.

Stimmen aus dem Publikum.

Für
dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
röffentlichungen und
örund des § 21 Abſ. 2 des
keinerlei Verantwortung für ſie bleibt auf
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Ueber die Kartenausgabe für den Zuhörerraum in
der Verhandlung gegen Adam und Genoſſen wird lebhafte
Klage geführt, da zu wenig Karten, wie man uns ſagte,
mur 50 Stück, ausgegeben werden dürfen. Um dieſe
wenige Karten wird ſich faſt geriſſen und man muß über=
haupt
von Glück ſagen, wenn man eine ſolche erhaſcht.
Landleute, die es am meiſten angeht und die extra hierher=
kommen
, mußten länger wie ¼ Stunde vor der Haus=
verwaltersloge
im Gedränge warten, bis ſich jemand in
der Loge ſehen ließ, und ſchließlich mußten ſie unverrich=
ſteter
Weiſe abziehen. Der Zuhörerraum iſt doch groß ge=
nug
für 80 Sitzplätze. Warum ſorgt man nicht für weitere
Sitzgelegenheit und warum gibt man die Frauenplätze
nicht frei, da Frauenkarten faſt gar keine verlangt werden.
Das Publikum hat ein großes Intereſſe an dieſem Nieder=
Modauer Bankkrach und dementſprechend müßte die Be
hörde alles tun, daß möglichſt viele Zuhörer den Verhand=
lungen
beiwohnen können.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)
* Köln, 9. April. Unter Teilnahme von über 200
VVereinen und in Gegenwart des Oberpräſidenten von
Rheinbaben, der Spitzen der Militär= und Zivilbehörden
von Köln, der Regierungspräſidenten von Aachen und
Düſſeldorf, der Oberbürgermeiſter von Aachen und Bonn,
von Vertretern der Rheiniſchen Adelsgenoſſenſchaft, der
evangeliſchen und jüdiſchen Geiſtlichkeit und von Reichs=
und Landtagsabgeordneten fand heute die feierliche
Inthroniſation des Erzbiſchofs von Köln,
Dr Felix v. Hartmann, ſtatt.
* Königſee, 9. April. In der vergangenen Nacht ent=
ſtand
in dem benachbarten Ort Unterhain Feuer. Es
brannten ſechs Wohnhäuſer und zehn Nebengebäude nie=
der
. Der angerichtete Schaden iſt ſehr groß. Die Ur=
ſache
iſt unbekannt.
* Chriſtiania, 9. April. Das Blatt Tidens Tegn mel=
det
aus Spitzbergen vom 8. April: Die Expedi=
tion
Staxrud iſt jetzt marſchfertig. Staxrud ging
heute hier mit 16 Hunden ab. 5 davon waren von Green
Harbour. Loſer Schnee verzögert das Vorwärtskommen,
da aber ſämtliche Hunde friſch ſind, kommt er trotzdem
ſchnell vorwärts. Die Expedition geht die Innenſeite der
Adventbay entlang, um mit der aus der Wydebay an=
gekommenen
ein Zuſammentreffen zu ermöglichen. Mor=
gen
früh geht der Reſt der Expedition mit ſämtlichen 20
Renntieren ab. Beide Expeditionen vereinigen ſich vor
der Adventbay und wenden ſich dann nordwärts. Die
Hertha war geſtern ſegelfertig, der Sturm trieb jedoch
das Eis gegen Green Harbour, ſo daß das Schiff nicht
hinauskam. Wenn die Kälte andauert, friert das Schiff
lein.

2
24
. . 3.2W.

2

Trauer-Kleider, TrauerLostüme
3
Trauer-Blausen, Tauer-Rödke ,
Trauer-Mäntel, Trauer-Stoffe
Inereicher Auswahl!
Rnderungen sofart
Gebr. Höstein.
Ludmigsplatz.
1. 2

(840

Hea
4

464a

Neue Kraft durch Bioson!

Ich trank Bioſon zur Kräftigung und Bluterneuerung bei
Blutarmut u. allgemeiner Schwäche u. habe damit den denk=
bar
beſten Erfolg erzielt. Mein Allgemeinbefinden beſſerte
ſich merklich, Kraft u. Energie nahmen weſentlich zu. C.
Wieder, Schweidnitz, Unt. Wilhelmſtr. 22. Unterſchrift be=
glaubigt
: 8. Jan. 1913, Groeger, Kgl. Notar. Bioſon nur echt
in großen Paketen à 3 Mk. in Apotheken, Drogerien. (III,8564

Sie kennen doch alle Juſtus von Liebig?
Den berühmten Chemiker? Nun, kein Geringerer als er
at vor 74 Jahren den hohen Wert der Sodener Ge=
meindeheilquellen
nachgewieſen. Vornehmlich aus zweien
der wichtigſten dieſer Quellen werden Fays ächte Sodener
Mineral=Paſtillen hergeſtellt, und die längſt anerkannte
Wirkſamkeit der Fay’ſchen Paſtillen bei allen Katarrhen
der Luftwege, Heiſerkeit, Huſten, Indispoſition erklärt ſich
damit von ſelbſt. Man achte aber auf den Namen Fay u.
weiſe Nachahmungen zurück. Beſonderes Kennzeichen:
Amtliche Beſcheinigung des Bürgermeiſter=Amtes Bad
Soden a. T. auf weißem Kontrollſtreifen.
(I,8550

Nur veringe Kurkosten

erfordert eine Trinkkur mit Kasseler
Hafer-Kakao. (Nur echt in blauen
Kartons für 1 M., niemals lose!)

Magen- und Darmleidenden

wird der rechtzeitige und regel-
mäßige
Genuß dieses anerkannten
Kräftigungsmittels ärztlich verordnet.

(I,8549

Wann Der Stadtauflage heutiger Ausgabe tiegt ein
Proſpekt bei der Firma Müller & Ober
(Inh. A. Ober), Großh. Hoflieferanten, Karlſtraße 30
derſelbe bildet einen Auszug aus dem Hauptkatalog 1913
der Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer, A.=G., Frank=
(8568
furt a. M., worauf hiermit hingewieſen wird.

Familiennachrichten.

Statt Karten!

(*9778

Frieda Hohlfeld
Willi Gunder
VERLOBTE

Oberwaldhaus

Am Woog

Statt Karten!

Die glückliche Geburt eines Sohnes be-
ehren
sich anzuzeigen
(*9790

Bauinspektor Reuling
und Frau Eugenie, geb. Reiss.
Darmstadt, den 9. April 1913.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)

Geſtern nachmittag 6 Uhr entſchlief ſanft
unſer guter, lieber Vater
(B8571

Herr

Friedrich Waneim Grom

Geheimer Oberschulrat i. P.
Darmſtadt, 9. April 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Professor Dr. Greim,
Mathilde Greim.

Die Beerdigung findet Freitag, 11. April,
vormittags 11 Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
Blumenſpenden und Kondolenz=
beſuche
dankend abgelehnt.

Geute abend verſchied unerwartet mein innigſt=
geliebter
, treuer Gatte, unſer guter Vater,
Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager

Herr

Generaldirektor der Firma Cornelius Heyl
Ritter hoher Orden
im nahezu vollendeten 62. Lebensjahre.

Worms, Bensheim, Heidelberg,
den 7. April 1913.
(8581

Im Namen der Hinterbliebenen:
Katharina Hochgeſand, geb. Müller,
Guſtav Hochgeſand, Großh. Regierungs=
baumeiſter
,
Dr. med. Julius Hochgeſand,
Emmi Hochgeſand,
Chriſtel Hochgeſand, geb. Nebel,
Martha Hochgeſand, geb. Nebel,
und 2 Enkelkinder.

Die Beerdigung findet Donnerstag, 10. April,
3 Uhr nachmittags, vom Trauerhauſe Sieg=
friedſtraße
7 aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.

Allen Verwandten, Freunden und Be=
kannten
die traurige Nachricht, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, meine innigſt=
geliebte
Frau, unſere herzensgute Mutter,
Tochter, Schweſter, Schwägerin und Tante

Frau Marle Vhrath

geb. Wallbott

heute abend 10 Uhr nach langem, qualvollem
Leiden zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.

In tiefer Trauer:
Philipp Vollrath,
Hedwig Vollrath.
Darmſtadt; den 8. April 1913.

Die Beerdigung findet Freitag, den 11. April,
vormittags 11 Uhr, vom Trauerhauſe Mühl=
ſtraße
17½ aus, ſtatt.
(8577

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Das Hochdruckgebiet im Weſten hat ſich weiter ver=
flacht
; weſtlich von Skandinavien iſt eine Depreſſion er=
ſchienen
. Ueber Mitteleuropa lagert normaler Druck, der
ſich noch zu verſtärken ſcheint. Geſtern war es in Deutſch=
land
noch trüb, aber meiſt trocken. Ueber Nacht heiterte
es vielfach auf. Wir dürften jedoch langſam unter den
Einfluß der nördlichen Depreſſion kommen.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, 10. April:
Wolkig, meiſt trocken, milder.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr, Ende vor 10
Uhr (außer Abonnement): Das Rheingold
Verſammlung des Vereins der Hundefreunde Darm=
ſtadt
und Umgegend um 9 Uhr im Perkeo
Konzerte: Rummelbräu um 8 Uhr. Bürgerkeller
um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 11. April.

Hofreite=Verſteigerung des Wilhelm Hermann
(Wendelſtadtſtraße 13) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Acker=Verſteigerung des Hch. Philipp Jacoby um
10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 und 3 Uhr
in der Ludwigshalle.
Dünger=Verſteigerung um 9 Uhr in der Dra=
goner
=Kaſerne (Regt. Nr. 24).
Faſeleber=Verſteigerung um 11 Uhr im Hauſe
des Faſelhalters Laumann zu Meſſel.
Holzverſteigerung um 9½ Uhr bei Wilhelm Gru=
ber
Witwe zu Thomashütte.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Imimmmiar
II,8321

118

[ ][  ][ ]

Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

Seite 9.

estaurant
nmelbrat
Heute Donnerstag Künstler-Konzert!
(8588

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Lebend

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Weſerſalm
Silberſalm
Seezungen
Rotzungen
Steinbutt
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Karpfen
Schleien
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Forellen
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Telephon 40.

Am Dienstag mitag 1. Uhr
wurde auf dem Wege von der
Bockshaut, Kirchſtraße, bis
Ludwigsplatz ein
Portemonnaie mit
Inhalt verloren
Der Finder iſt erkannt und
wird gebeten, dasſelbe im Fund=
büro
Hügelſtr. abzugeb., andern=
(*9702
falls Anzeige erfolgt.

Lehrersängerchor.
Samstag, 12. April, abends 8 Uhr,
im Städtiſchen Saalbau:
II. Winter=Konzert.
Mitwirkende: Frau Paula Werner-Jensen
aus Berlin (Alt)
Leitung: Herr Wilhelm Borngässer.
Karten zu 3, 2 und 1 Mark in der Hofmuſikalienhandlung von
Schutter, Eliſabethenſtraße, und im Verkehrsbureau.
Die Mitglieder des Volksbildungsvereins erhalten im Verkehrs=
bureau
Karten zu bedeutend ermäßigten Preiſen.
(8580

Oeffentliche Wirteversammlung
Freitag, den 11. April 1913, nachmittags 4 Uhr,
bei Kollege Bitsch, Bleichstrasse 17.
Tagesordnung:
Die Lage im Gaſtwirtgewerbe.
Referent Kollege v. d. Heyden aus Köln.
(8547df
Zahlreichen Beſuch erwartet
Der Einberufer.

V. II. C.
Zweigverein
Darmstadt.
Sonntag, 13. April:
1. Wanderung
Ober-Ramstadt- Neun-
kirchen
-Lindenfels-
Fürth.
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6 Stunden.
Abf. vorm. 657 Uhr vom Ostbahnh.
Rückk. abends 854 Uhr am Hptbh.
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S Sonntag Nachmittag 4 und
abends 8 Uhr. (7805a
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Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, den 10. April 1913.
Außer Abonnement.
Frühlings-Festspiele.
II. Abend.
Das Rheingold.
Perſonen:

Wotan,
3 .

Donner,
Froh,
Loge, 15

Fricka,
Freig, 132.
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Rieſen
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Mime, 7 lungen Karl Bernhardt
Woglinde,
2
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Beſſungerſtraße 34.
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Alberich, Nibe= L. Schützendorf
Olga Kallenſee
§ Kathar. Jüttner
Anna Jacobs
Wotan: Fritz Feinhals,
Kgl. Kammerſänger, vom Hof=
theater
in München,
* Loge: Heinrich Henſel,
Gr. Bad. Kammerſänger, vom
Stadttheater in Hamburg,
Fricka: Cäcilie Rüſche=
Endorf, Kgl. Kammerſängerin,
Stadttheater in Leipzig,
vom
* Faſolt: Wilh. Fenten,
vom Gr. Hof= und National=
theater
in Mannheim,
Es findet keine Pauſe ſtatt.
Anfang 7 Uhr. Ende vor 10 Uhr.
Kartenverk. v. 9½ 1½ u. v. 6 U. an.
Der Beginn der Vorſtellung wird
durch Fanfaren angezeigt.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Freitag, 11. April. Außer Ab.
26. Volksvorſtellung zu ermäßigten
Preiſen. Die fünf Frank=
furter
. Anfang 7½ Uhr.
Samstag, 12. April. Keine
Vorſtellung.
Sonntag, 13. April. Außer Ab.
Frühlings=Feſtſpiele.
III. Abend. Der Ring des
Nibelungen. Erſter Tag:
Die Walküre‟. Erhöhte Pr.
Anfang 6 Uhr.
Aus dem Spielplan.
Montag, 14. April. 155. Abonn.=
Vorſt. C 39. Ibſen=Zyklus.
III. Abend. Nora. Kleine
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Dienstag, 15. April. 156. Ab.=
Vorſtell. A. 39. Tiefland.
Gew. Preiſe. Anfang 7½ Uhr.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

Nummer 83

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Betreffend die Ephraim Löb Bentheim=Stiftung.
Aus obenbezeichneter Stiftung ſind zurzeit mehrere bare Aus=
ſtattungen
nach Befinden des Vorſtandes an ſolche bedürftige Per=
ſonen
weiblichen Geſchlechts im Alter über 20 Jahren zu vergeben,
die in gerader Linie von Ephraim Löb Bentheim von Darmſtadt,
Abraham Löb Bentheim von Sprendlingen, Gumpel Löb Bentheim
von Meſſel, Simon Löb Bentheim von Groß=Bieberau abſtammen,
verlobt ſind, oder ſeit dem 1. April 1903 ſich verheiratet haben.
Bewerberinnen wollen ſich bei dem Unterzeichneten, indeß nur
ſchriftlich, binnen 4 Wochen melden, unter Beifügung beglaubigter
Nachweiſe
über ihre Abſtammung; 2. über ihr Alter; 3. über die ſtatt=
gehabte
Verlobung und die Zuſtimmung der Eltern oder des Vor=
mundes
, eventuell auch die vollzogene Verehelichung; 4. über ihre
Bedürftigkeit; 5. darüber, daß ſie der moſaiſchen Religion treu
geblieben ſind.
(8565ds
Darmſtadt, den 31. März 1913.
Der Vorſtand der Ephraim Löb Bentheim Stiftung.
Dr. Richard Oppenheimer, Rechtsanwalt

An die Mitglieder und Spareinleger des Leih=
und Sparvereins, e. G. m. u. H., Weiterſtadt.

Zur Hufkiarung.
Um allen irrigen Auffaſſungen und Gerüchten zu begegnen,
erklären wir hiermit, daß unſere Kaſſe bei der Landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaftsbank A.=G. zu Darmſtadt nur als Aktionärin mit
1 Aktie zu 1000 Mk. auf das Grundkapital beteiligt iſt, ſowie daß
bei derſelben ein Guthaben von uns mit 9000 Mk. ohne jede weitere
perſönliche Haftung für deren Verbindlichkeiten ſteht.
Weiterſtadt, 8. April 1913.
Für den Vorſtand:
8582)
Krämer.

Verſteigerungs-Anzeige.

Freitag, den 11. April I. J., vorm. 9 Uhr u. nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich auf Antrag der Erben aus einem Nachlaß im Ver=
ſteigerungslokal
Ludwigshalle, Obergaſſe 12,
nachſtehend verzeichnete Gegenſtände an den Meiſtbietenden gegen
bare Zahlung, als:
1 Diwan, 2 Sofas, 1 Sofa m. 6 Stühl., 2 Spiegelſchr., 1Vertiko,
1 Bücherſchrank, 2 Kommoden, 2 Pfeilerſchränkchen, 1 Büfett,
1 Spieltiſch, verſchiedene andere Tiſche, 1 Schreibtiſch, 1 pol.
2tür. Kleiderſchrank in nußb., 1 Kleiderſchrank in Eichenholz,
6 verſchiedene 1= u. 2tür. Kleiderſchränke, 2 Küchenſchränke,
Tiſch und Stühle ꝛc., 4 komplette Betten, 2 Waſchkommoden
und Nachtſchränkchen, 1 Schaukelſeſſel und verſchiedene
andere Seſſel, Teppiche, Vorhänge, Spiegel und Bilder,
2 Pendülen, Vaſen, Nippſachen, 1 Kinderſportwagen,
1 Dauerbrandofen, ſaſt neu, und 1 Partie Porzellan,
Wäſche und anderes mehr.
(8329id
Darmſtadt, den 8. April 1913.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, 10. April 1913, nachmittags 3 Uhr
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 öffentlich zwangs=
weiſe
gegen Barzahlung:
a) beſtimmt: Eine große Partie Herren= und Damenhand
ſchuhe.
um 4 Uhr beſtimmt: 1 großes Oelgemälde ( Land=
chaft
) mit Goldrahmen, 1 Standuhr mit Marmor=
ſockel
und 1 Bild mit Muſikwerk.
)vorausſichtlich: 2) Pianinos, 4 Schreibtiſche, 12 Sofas=
8 Diwans, 3 Trumeaux, 8 Kleider=, 2 Spiegel= und 2 Glas
ſchränke, 10 iriſche Oefen, 1 Kaſſenſchrank, 1 Nähmaſchine‟
2 Fahrräder uſw.
(8544
Darmſtadt, den 9. April 1913.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.

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perk., oder gegen kleines Sofa oder 7 v. Möbeln ſow. alle Schreinerarb.
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Bekanntmachung.

In unſer Handelsregiſter B wurde heute eingetragen die Firma
Automatiſche Cigarrenrolltiſch Compagny, Geſellſchaft mit beſchränkter
Haftung zu Pfungſtadt. Gegenſtand des Unternehmens iſt die Her=
ſtellung
und der Vertrieb der automatiſchen Cigarrenrolltiſche, die für
den Kaufmann Wilhelm Gernsheimer zu Viernheim zur Patentierung
angemeldet ſind, und die Herſtellung von Cigarren und deren Ver=
trieb
. Das Stammkapital der Geſellſchaft beträgt 20000 Mark. Auf
das Stammkapital leiſtet der Geſellſchafter Wilhelm Gernsheimer
eine Stammeinlage von 10000 Mark, die Geſellſchafterin Binchen
Stern eine ſolche von ebenfalls 10000 Mark. Der Geſellſchafter
Wilhelm Gernsheimer bringt als ſeine Einlage die Lizenz des ihm
durch Gebrauchsmuſter geſchützten automatiſchen Cigarrenrolltiſches
G 32293 ein, der auch bereits für ihn zum Patent angemeldet iſt,
erteilt mithin der Automatiſchen Cigarrenrolltiſch Compagny G. m.
b. H. das Recht, die ihm geſchützten automatiſchen Cigarrenrolltiſche
herzuſtellen und zu vertreiben. Der Wert dieſer Einlage wird auf
10000 Mark feſtgeſetzt, ſo daß die Geſamteinlage des Geſellſchafters
Wilhelm Gernsheimer geleiſtet iſt. Geſchäftsführer ſind:
Kaufmann Wilhelm Gernsheimer in Viernheim und Frau
Binchen Stern geb. Plaut, in Gütern getrennte Ehefrau des Metzgers
Wilhelm Stern in Pfungſtadt. Der Geſellſchaftsvertrag iſt am
26. Februar 1913 feſtgeſtellt. Die Geſellſchaft iſt errichtet zunächſt
auf die Dauer von zwei Geſchäftsjahren. Geſellſchafter ſind die
beiden Geſchäftsführer. Wird die Geſellſchaft von einem der beiden
Geſellſchafter nicht ſpäteſtens am 1. Oktober 1914 auf den 31. De=
zember
1914 gekündigt, ſo wird ſie von da an auf unbeſtimmte Zeit
feſtgeſetzt. Während ſie vor dem 1. Januar 1915 nur in der hier
vorgeſehenen Weiſe und nur auf den 31. Dezember 1914 kündbar iſt,
iſt ſie von da an mit vierteljährlicher Kündigungsfriſt auf den Schluß
des Geſchäftsjahres kündbar. Das Geſchäftsjahr iſt das Kalender=
jahr
. Das erſte Geſchäftsjahr beginnt mit der Eintragung der Ge=
ſellſchaft
und endet am 31. Dezember 1913. Geſchäftsanteile der Ge=
ellſchaft
ſind nur mit Zuſtimmung aller Geſellſchafter veräußerlich.
Die Geſellſchaft wird durch die beiden Geſellſchafter Wilhelm Gerns=
heimer
und Binchen Stern zuſammen als Geſchäftsführer vertreten.
Die Geſchäftsführer können nur zuſammen Willenserklärungen für
die Geſellſchaft abgeben. Die Beſtellung der Geſchäftsführer iſt nur
aus wichtigen Gründen widerruflich. Stirbt einer der Geſellſchafter,
ſo haben deſſen Erben unverzüglich einen Bevollmächtigten zu be=
ſtellen
, der in ihrer Vertretung an die Stelle des verſtorbenen Geſell=
chaſters
tritt. Solange dieſer Bevollmächtigte nicht zum Geſchäfts=
führer
beüellt iſt, vertritt von dem Tode eines Geſchäftsführers an
der überlebende Geſchäftsführer die Geſellſchaft allein. Die Geſell=
chaft
wird außer durch die Kündigung oder durch Auflöſungsbeſchluß
der Geſellſchafter auch aufgelöſt, wenn einer der beiden Geſellſchafter
in Konkurs verfällt.
(8600
Darmſtadt, den 4. April 1913.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Stamm=, Nutz= und Brennholz=Verſteigerung.

Montag, den 14. April und Dienstag, den 15. April I. J. 10 Uhr anfangend, werden im Klein=Zimmerner
Gemeindewald folgende Holzſortimente öffentlich meiſtbietend ver=
ſteigert
:
Stamm= und Nutzholz:
4 Eichen
3,82 Feſtmeter Inhalt
48,34
220 Fichten
,
18 Lärchen
4,41
181 Derbſtangen 6,68
,

Brennholz:
Scheiter, rm: 17 Buchen, 3 Eichen, 56 Kiefern, 1 Lärche.
Knüppel, rm: 14 Buchen, 3 Eichen, 155 Kiefern, 2 Birken.
Wellen: 735 Kiefern, 350 Buchen, 80 Eichen.
Stöcke, rm: 4 Buchen, 11 Eichen, 21 Kiefern.
Zuſammenkunft bei Herrn Gaſtwirt Heberer am Bahnhof.
Bemerkt wird, daß am erſten Tag nur Stammholz zum Ausgebot
kommt.
Klein=Zimmern, am 7. April 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Klein=Zimmern.
Kiefer.
(8605ds

Großer freihändiger Möbelverkauf
im Auktions= und Möbelhaus
Telephon 1774 Bleichſtraße Nr. 1 Telephon 1774
Aus hochherrſchaftl. Hauſe weg. Wegzug zu Verſteigerungspreiſen:
1 Speiſezimmer=Einrichtung
1 Büfett in Nußb. geſchn., 1 Ausziehtiſch, 6 Stühle, 1 Ser=
viertiſch
, 1 Lederſeſſel, 1 Regulator, 1 Vitrine,
1 Schlafzimmer=Einrichtung
2 komplette Betten mit Sprungfedermatratzen, 3teil. Roß=
haarmatratzen
, Waſchkomode mit Spiegel, 2 Nachttiſche,
Kommode, alles nußb. poliert,
2 hochelegante Salons
Sofa mit Seſſel und Eckſeſſel, Seidenbezug und Silber=
beſchlag
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Prachtſtück, Kleider=, Spiegel= und Bücherſchränke, Nähtiſche,
1 Speiſezimmer, eich., Büfett, Kredenz. Ausziehtiſch, 6 Leder=
ſtühle
, Herren= u. Damenſchreibtiſche, Toilettentiſch, Lederſeſſel,
12 Eßzimmer= und and. Stühle und=Tiſche, Kommode, Diwan,
Sopha, Sekretär, Vertikow, Spiegel, Teppiche, Wollvorhänge,
5 echte Perſerteppiche, Klubſeſſel, Notenſtänder, Büfett, 10 kompl.
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[ ][  ][ ]

3 42.
Donnerstag, 10. April.
1913.

Bekanntmachung.

In dem Kabinettsgut Kranichſtein ſind binnen 3 Wochen nach amtstierärzt=
licher
Feſtſtellung der Abheilung der Krankheit Neuerkrankungen an Maul= und
Klauenſeuche nicht vorgekommen. Da die Desinfektion vorſchriftsmäßig ausge=
führt
und durch den beamteten Tierarzt abgenommen worden iſt, gilt die Seuche
gemäß § 176 der Ausführungsvorſchriften des Bundesrats zum Reichsvieh=
ſeuchengeſetze
vom 7. Dezember 1911 als erloſchen. Die mit Bekanntmachungen
vom 3. und 4. März ds. Js. (Amtsverkündigungsblatt Nr. 27 vom 6. März
ds. Js.) erlaſſenen Anorduungen werden hiermit aufgehoben.
Darmſtadt, den 8. April 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

An die Ortspolizeibehörden des Kreiſes.

Sie wollen die vorſtehende Bekanntmachung auf ortsübliche Weiſe veröffent=
lichen
. Aufgehoben ſind nicht nur die angeordneten Sperrmaßnahmen, ſondern
auch das Verbot des Handels mit Klauenvieh ohne vorgängige Beſtellung,
ſowie das Verbot der Abhaltung der hieſigen Zuchtviehmärkte.
8559
Darmſtadt, den 8. April 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.

Nach einer Mitteilung des Reichsamts des Innern wird im laufenden Jahre
der öffentliche Reichswetterdienſt (Sommerdienſt), ebenſo wie in den Vorjahren, am
1. Mai beginnen und bis Ende September dauern.
(8545
Darmſtadt, den 5. April 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Am 1., 3., 4., 7., 8., 10., 11, 14., 15., 17., 18., 21., 22., 24., 25., 28. und 29. April
1913 von 7½ Uhr vormittags bis zum Einbruch der Dunkelheit wird Schießen ab=
gehalten
.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:

und Waldofad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg=Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertwieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei=
Verordnung Kreisamt Darmſtadt vom 25. September 1909), was zur allgemeinen
Kenntnis gebracht wird.
Darmſtadt, den 19. März 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V: Dr. Reinhart.
(7555a

Bekanntmachung.

Der Georg Sinner in Griesheim beabſichtigt auf dem Grundſtück Alte Darm=
ſtädterſtraße
54 zu Griesheim ein Schlachthaus zu errichten.
Pläne und Beſchreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erſcheinen dieſes
im Darmſtädter Tagblatt an gerechnet, auf dem Büro der Großh. Bürgermeiſterei
Griesheim zur Einſicht der Intereſſenten offen.
Etwaige Einwendungen ſind binnen dieſer Friſt bei Meidung des Ausſchluſſes
bei der Großh. Bürgermeiſterei Griesheim vorzubringen.
Darmſtadt, den 7. April 1913.
(8583
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Erweiterungsarbeiten
am Bahnhof Roßdorf fertiggeſtellt ſind.
Termin zur landespolizeilichen Abnahme der Arbeiten iſt beſtimmt auf:
Dienstag, den 22. April 1913, nachmittags 3 Uhr 53 Minuten
an Ort und Stelle.
Einwendungen gegen die planmäßige Ausführung der Erweiterungsarbeiten
ſind bei Meidung des Ausſchluſſes in dem landespolizeilichen Abnahmetermin vor=
zubringen
.
Darmſtadt, den 7. April 1913.
(8584
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Volizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: Inpolizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 deutſcher Schäferhund. 1 Pinſcher (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
gelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
(8556
dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung.

Da wir in Erfahrung gebracht haben, daß in dem
Friſeur= und Barbier=Gewerbe
der Betrieb= an Sonn= und Feſttagen wiederholt über die zuläſſige
Zeit hinaus ausgedehnt worden iſt, ſowie daß Gehilfen, Lehrlinge
und Arbeiter in dieſen Betrieben an den genannten Tagen länger
als zuläſſig beſchäftigt worden ſind, ſehen wir uns veranlaßt, erneut
auf die
Bekanntmachung des Großherzogl. Kreisamts
Darmſtadt vom 4. Mai 1908,
die den Betrieb in dem Friſeur= und Barbiergewerbe an Sonn= und
Feſttagen, ſowie die Beſchäftigung von Arbeitern in dieſem Gewerbe
an den genannten Tagen regelt, hinzuweiſen. Wir bemerken dazu,
daß nach der Rechtſprechung, insbeſondere des Oberlandesgerichts
Darmſtadt nach Eintritt der für den Schluß des Betriebs feſt=
geſetzten
Stunde (12 Uhr) auch dasjenige Publikum nicht mehr
bedient werden darf, welches zwar ſchon in den Geſchäfts=
räumen
der Friſeure und Barbiere anweſend iſt, mit deſſen
Bedienung aber zu der genannten Zeit noch nicht begonnen
worden iſt. Wir machen weiter darauf aufmerkſam, daß die Be=
kanntmachung
auch diejenigen Friſeure und Friſeuſen betrifft, welche
kein offenes Ladengeſchäft haben. Schließlich weiſen wir die Arbeit=
geber
noch auf die Beſtimmungen des § 162 Ziffer e der heſſi=
chen
Ausführungsverordnung zur Gewerbeordnung hin, welcher
beſagt: Wenn die Sonntagsarbeiten länger als 3 Stunden dauern,
ſo ſind die Arbeiter entweder an jedem dritten Sonntag für volle
36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntag mindeſtens in der Zeit
von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends oder in jeder Woche während
der zweiten Hälfte eines Arbeitstages, und zwar ſpäteſtens von
1 Uhr nachmittags ab, von jeder Arbeit freizulaſſen. Wenn die Arbeiter
durch die Sonntagsarbeit am Beſuch des Gottesdienſtes gehindert
werden, ſo iſt ihnen an jedem dritten Sonntag, die zum Beſuch des
Gottesdienſtes erforderliche Zeit frei zu geben.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe auf Grund der §§ 105b, e
und e der Gewerbeordnung erlaſſenen Beſtimmungen, ſowie gegen
die Vorſchriften der nachſtehenden Bekanntmachung werden nach
§ 146a Abſ. 1 der Gewerbeordnung mit Geldſtrafe bis zu 600 Mk.,
im Unvermögensfalle mit Haft beſtraft.
Wer Arbeitern an
Sonn= und Feſttagen in unzuläſſiger Weiſe Beſchäftigung gibt und
bereits zweimal wegen einer Zuwiderhandlung gegen die diesbezüg=
lichen
Vorſchriften rechtsträftig verurteilt worden iſt, wird nach
§ 146 a Abſ. 2 der Gewerbeordnung, falls die Straftat vorſätzlich
begangen wurde, mit Geldſtrafe von 50 bis 1000 Mk. oder mit
Haft beſtraft.
(8450mds
Darmſtadt, den 5. April 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Betreffend: Antrag der Friſeure, Barbiere und Perückenmacher zu
Darmſtadt auf Erlaß einer Anordnung gemäß § 41b der
Reichsgewerbeordnung.
Nachdem bei der Abſtimmung ſich die Mehrheit der Beteiligten
dem ſeitens einer Anzahl von in Darmſtadt wohnhafter Friſeure,
Barbiere und Perückenmacher geſtellten Antrag (ſiehe unſere Bekannt=
machung
vom 12. März ds. Js., Tagblatt! Nr. 64) angeſchloſſen hat,
beſtimmen wir hiermit unter Abänderung der ſeither gültigen Beſtim=
mungen
für die Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt auf Grund des
§ 41b der Gewerbeordnung und des §85 der Ansführungsanweiſung
zur Gewerbeordung mit Wirkung vom 15. Mat 1908 folgendes:
I. Die Beſchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern
im Barbier= und Friſeur=Gewerbe iſt
1. verboten am zweiten Weihnachts=, Oſter= und Pfingſttage
mit Ausnahme der Arbeiten bei der Vorbereitung von öffent=
lichen
Theatervorſtellungen oder Schauſtellungen,
2. geſtattet an den übrigen Sonn= und Feſttagen
a) außerhalb der Betriebsſtätte bis mittags 12 Uhr,
b) innerhalb der Betriebsſtätte von 9 Uhr vormittags bis 12
Uhr mittags,
c) innerhalb und außerhalb der Betriebsſtätte bei der Vor=
bereitung
von öffentlichen Theatervorſtellungen oder Schau=
ſtellungen
, ſowie in der Karnevalszeit (vom 1. Januar bis
Faſtnacht) während der Zeit von 69 Uhr nachmittags.
II. Ein Betrieb in dem Friſeur= und Barbier=Gewerbe dans
nur inſoweit an Sonn= und Feſtragen ſtattfinden, als eine
Beſchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern
geſtattet iſt.
Darmſtadt, 4. Mai 1908.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

Bekanntmachung.

Betr.: Polizeiliche Schutzmaßregeln in den bei Darmſtadt ge=
legenen
Waldungen.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß mit Wirkung
vom 15. April l. J. der Sicherheitsdienſt in der Waldumgebung der
Stadt, gleichwie in den Vorjahren, wiederum in Kraft tritk. Der
Auffichtsdienſt wird von 7 Forſtaufſehern ausgeübt, welche die Uni=
form
der ſtaatlichen Forſtwarte tragen und mit Gewehr ausgerüſtet
ſind. Ihre Aufgabe iſt die ſtändige Beaufſichtigung der die Stadt
umgebenden Waldungen unter beſonderer Berückſichtigung der von
dem Publikum begangenen Spazierwege.
Da den Forſtaufſehern die polizeiliche Ueberwachung der Wald=
umgebung
obliegt, ſind ſie von dem Großh. Kreisamt eidlich als
Polizeibeamte auf den Polizeiſchutz verpflichtet und im Beſitz einer
von dem unterzeichneten Polizeiamt ausgeſtellten Ausweiskarte.
In der Ueberzeugung, daß durch die ſtändige polizeiliche Ueber=
wachung
der Waldungen eine erhöhte Gewähr für die Sicherheit der
Spaziergänger gegeben iſt, richten wir hiermit an die Einwohnerſchaft
die Bitte von etwaigen verdächtigen Wahrnehmungen in den Wäldern
die Forſtaufſeher oder das unterzeichnete Polizeiamt in Kenntnis
ſetzen zu wollen.
Darmſtadt, den 4. April 1913.
(8380ids
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Ausführung von Gasanlagen im Innern der
Gebäude und Grundſtücke.

Die Einrichtung von Gas=Beleuchtungs=, Heiz= und Kraft=
Anlagen im Innern der Gebäude und Grundſtücke, welche an das
Rohrnetz des ſtädtiſchen Gaswerks angeſchloſſen werden ſollen, ſowie
die Vornahme von Erweiterungen, Veränderungen und Reparaturen
darf nur durch ſolche Inſtallateure erfolgen, die vom Herrn Ober=
bürgermeiſter
eine ſchriftliche Erlaubnis hierzu erhalten und ſich ver=
pflichtet
haben, alle dieſe Einrichtungen unter Zugrundelegung und
gewiſſenhafter Beobachtung der hierfür erlaſſenen Beſtimmungen und
Vorſchriften auszuführen.
Dieſe Erlaubnis iſt folgenden Firmen erteilt:
Gottfried Beck, Karlſtr. 39.
Hugo Kötting, Liebfrauenſtr. 75.
Gebr. Becker Nachf., Grafen=
Wilh. Krätzinger, Ludwigſtr. 11.
ſtraße 27.
Chriſt. Landzettel, Kaupſtr. 7.
Heinrich Becker, Brandgaſſe 2.
Ludwig Lautenſchläger, Neckar=
ſtraße
26.
Lud. Breitwieſer, Nieder=Ram=
Ernſt Lorey, Karlſtr. 56.
ſtädterſtr. 54.
Heinr. Brunner, Eliſabethenſtr. 33. Ludw. Luck, Heidelbergerſtr. 59.
KarlDarmſtädter, Sandbergſtr. 66 V. Marquardt u. Ph. Wamſer,
W. Eberhardt, Nieder=Ram=
Dieburgerſtraße 54.
Phil Maul, Heidelbergerſtr. 19.
ſtädterſtr. 11.
Fr. Ewald (Inh. Fr. Wenz)
Müller u. Dilling, Kaſinoſtr. 27.
Soderſtraße 49 und 54.
Gg. Neumann, Heidelbergerſtr. 117
Theodor Fey, Kranichſteinerſtr. 8a. Aug. Neumeyer Wwe., Große
Ochſengaſſe 22.
Georg Aug. Fink, Rhönring 53.
Ludwig Fiſcher, Langgaſſe 21.
Heinr. Ningler, Landwehrſtr. 47.
Bernhard Gans, Rheinſtr. 47.
Jakob Nohl, Martinſtr. 24.
Heinrich Pauli, Orangerie=Allee7.
Franz Geiger, Karlſtraße 36.
Wilh. Gelſius, Fuhrmannſtraße 6. Ludwig Pohl, Heinheimerſtr. 15.
Jakob Glock, Langegaſſe 9.
F. W. Preußner, Bleichſtr. 40.
Guſtav Göckel, Kariſtr. 12.
Karl Rockel Nachf. (Inh. Georg
Alexander Guntrum, Stiftſtr. 52.
Momberger), Schützenſtr. 4.
G. W. Roth, Moosbergſtr. 97.
Philipp Handſchuch, Schloß=
Philipp Roth, Mühlſtr. 17.
gartenſtraße 37.
Ludwig Heppenheimer, Luiſen= J. Rühl, Saalbauſtr. 24.
Phil. Schäfer, Landwehrſtr. 29.
ſtraße 2.
Wilh. Heppenheimer, Kiesſtr. 80. Friedr. Schiller, Tannenſtraße 7.
Karl Schreiner. Soderſtr. 48.
Kurt Hiſſerich, Bleichſtr. 28.
Karl Hoffmann, Wienersſtr. 44. Franz Schulz, Karlſtr. 104½.
Balth. Ittmann, Liebfrauenſtr. 89. Heinrich Schwarz, Kiesſtr. 36.
Leonh. Sommer, Roßdörferſtr. 3.
Hermann Jung, Bleichſtr. 11.
Wilh. Stauß, Inſelſtraße 21.
Karl Jung, Kaplane gaſſe 17.
Karl Tänzer, Marktplatz 7.
Philipp Jung, Alexanderſtr. 9.
Karl Kämmerer, Parcusſtraße 10. Michael Vollrath, Nieder= Ram=
ſtädterſtraße
51.
Gg. Kaiſer, Rheinſtr. 5.
Rob. Kaiſer, Landgraf Georgſtr. 8. Hch. Waldſchmidt, Ludwigshöh=
traße
21.
Georg Keil, Eliſabethenſtr. 36.
Otto Wamboldt, Heerdweg 2.
Auguſt Keller, Kaupſtr. 45.
Joh. Waſſer, Alexanderſtr. 7.
Adolf Kling, Grafenſtr. 35.
Ludw. Kling & Co., Rheinſtr. 17. Val. Wedel, Beckerſtraße 7.
Klink E= Rettberg, Ludwigspl. 8½.Karl Wenz, Wendelſtadtſtr. 39.
Albert Klöpfer, Beſſungerſtr. 84.Karl Zahrt, Hofſtallſtraße 8.
Phil. Kraus Nachf. (Inh. Adam
Bender), Karlſtraße 51.
Darmſtadt, den 2. April 1913.
Städtiſche Gaswerks=Verwaltung.
(8052si
Friedrich.

druteier, rebhuhnf. Italiener, u.
1 junger Zuchthahn bill. abzug.
(*3271sd
Stiftsſtraße 20.

Khalselongue, neu, verſt., 25 Mk.
tr.,
P. Friese, Tapeziermſtr.
Pankratiusſtr. 69. (29546aid

Konkursverfahren.

Ueber den Nachlaß der Georg
Seibel II. Witwe, Eliſabete, geb.
Darmſtädter, in Pfungſtadt, wird
heute, am 8. April 1913, nachmit=
tags
4¾ Uhr, das Konkursverfah=
ren
eröffnet.
Der Amtsgerichtstaxator Ernſt
Wolff in Darmſtadt wird zum
Konkursverwalter ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
1. Mai 1913 bei dem Gerichte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten
oder die Wahl eines anderen Ver=
walters
, ſowie über die Beſtellung
eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132
der Konkursordnung bezeichneten
Gegenſtände und zur Prüfung der
angemeldeten Forderungen auf.
Montag, den 5. Mai 1913,
vormittags 9 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Neues Gerichtsgebäude, Erdge=
ſchoß
, Zimmer Nr. 104, Termin an=
beraumt
.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur Konkurs=
maſſe
etwas ſchuldig ſind, wird
aufgegeben, nichts an den Nachlaß
zu verabfolgen oder zu leiſten,
auch die Verpflichtung auf=
erlegt
, von dem Beſitze der Sache
und von den Forderungen, für
welche ſie aus der Sache abgeſon=
derte
Befriedigung in Anſpruch
nehmen, dem Konkursverwalter bis
zum 1. Mai 1913 Anzeige zu
(8601
machen.
Großherzogl. Amtsgericht II
zu Darmſtadt.

(2)0
Dunger=Herkauf.

Samstag, den 12. April, von
9½ Uhr vormittags ab
wird auf dem hinteren Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne in Darm=
ſtadt
die Matratzenſtreu einer
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

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Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

Seite 13.

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Und als ſie Hand in Hand ins Haus getreten waren
und ſo nun die Treppe hinanſtiegen, ſagte Signe: Ich
möchte eine ernſte Sache mit Dir beſprechen, Henning.
Willſt Du ſo gut ſein und mir dazu Gelegenheit geben?
Ihr gemeſſener, feierlicher Ton machte ihn ſtutzig.
Aber er fragte nichts, ſondern erklärte ſich ſofort bereit.
Je höher ſie die Treppe hinankamen, deſto wunder=
licher
wurde es Signe zu Sinn. Der liebe Flur mit all
ſeinen vielen lieben Kleinigkeiten: dem Knarren der
Treppenſtufen, dem geſchweiften Lauf des Geländers, der
dunkel gebeizten Täfelung der Decke, dem breiten Sonnen=
goldbande
vom oberen Flurfenſter her und dem Hausrat
an den Wänden dies und vieles noch umfing ſie mit
vertrautem Gruß, ſchmiegte ſich ihr in die Seele wie eines
lieben Liedes Klang. Alles, was hinter ihr lag, deuchte
ſie ein wüſter, quälender Traum, und ihr zur Seite lachte
wieder die reine, klargoldene Wirklichkeit.
Nun war ſie oben, und Hennings Frage: Wo möch=
teſt
Du mit mir ſprechen? riß ſie aus dem ſüßen Taumel
einer flüchtigen Spanne Zeit.
Wo es Die recht iſt, erklärte ſie mit leiſe wankender
Stimme.

Er hften diemioſte ir und ies ſein der Ziumer
treten, das er einſt mit Gerhard geteilt hatte und jetzt
allein benutzte. Von Signe vor Tagen gepflückte bunte
Herbſtblätter aus dem Garten ſtanden in einem blauge=
rifften
Krug aus Steingut auf dem Tiſch und waren vom
Glanz der Mittagsſonne überſchüttet. Drüben an der
Wand machte ſich das ſchwarze Lederſofa breit. Dort
nahm Signe Platz. . . Henning fuhr es im Verknüpfen
von Tatſachen erinnernd durch den Sinn: Genau auf der=
ſelben
Stelle ſaß auch Gerhard an dem Abend vor ſeiner
Abreiſe. Er ging mit über die Bruſt gekreuzten Armen
zu einem der Fenſter und lehnte ſich dort leicht an.
Nun ſchütte Dein Herz aus, kleine Signe. Er lächelte
ihr zu und dachte voll neuer Sorge: Wie gequält alles an
ihr ausſieht.
Zunächſt war ihr nach einem kurzen Schweigen be=
ginnendes
Erzählen ein ängſtliches Zaudern und ein
ſcheues Suchen nach Worten. Erſt als ſie eine Weile ge=
ſprochen
, redete ſie fließender. Sie verſuchte es, ihm ver=
ſtändlich
zu machen, wie unendlich komplizierr ihre Gefühle
ſeit Tagen ſeien, wie unausſprechlich ſie gelitten, wie ſie
ein wehes Herzbluten über das andere gehabt. Wie ſie
noch litt.
Henning ſtand längſt mit geſenktem Kopf und ſpürte
das drängende Treiben ſeines zum Herzen anſtrömenden
Blutes. Er wußte noch nicht, wie ſie hinauswollte, aber er

enſand duniet, deß ſie ihn öinen uegent eines Er.
ſchütterndes offenbaren müſſe.
Für Sekunden ſchwieg ſie jetzt. Wie dieſe Stille be=
klemmend
, den Atem erwürgend, in dem Raum laſtete.
Das heitere Sonnenlicht ſchwand plötzlich auch. Schien
wie hinweggetrunken und aufgeſogen. Die bunten Blät=
ter
in dem blaugerifften Steinkrug ſtanden im koten Grau
wie etwas Geſtorbenes.
Und nun wanderte der Klang von Signes Stimme
erneut durch dies graue, ſtille Zimmer. Sie war matt,
farblos, dieſe Stimme, ſchwankte zitternd wie eine vibrie=
rende
Harfenſaite, war nicht wie etwas, das aus jungem
Munde kam, ſondern berührte wie etwas Altes, Müdes,
Gebrochenes.
Sieh, Henning, es war alles ſo gut und friedſam
und freundlich um mich her. Es hatte alles einen ſo
hellen, klaren Klang. Ich war froh und glücklich. Und
nun? . . . Nun iſt alles ſo ganz, ganz anders. Wie es
iſt, das kann ich Dir nicht ſagen. Dafür habe ich kein
Wort. Ich weiß, daß ich nicht in dies Haus gehöre. Was
mich ſo ſtark und feſt mit ihm und euch allen verband, hat
ſich gelöſt. . . Ein Stärkeres iſt über Nacht gekommen
und hat andere Bande geknüpft. Und das Stärkere treibt
mich nun aus dieſem Hauſe, zieht mich hinweg. Ich muß
fort, Henning.
Sie hatte ſich erhoben und ſtand linnenbleich gegen

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1913.

Nummer 83.

das Lederſofa gelehnt. Ihre Augen waren ohne Glanz
und hingen wie tot an ſeinem Geſicht.
Er konnte noch nicht widerſtehen, ließ die Arme ſchlaff
ſinken lund trat einen wankenden Schritt vor. Signe
ſagte er nur, wie nach verſchloſſenen Wahrheiten taſtend,
wie in einem Bemühen, die Fäden, von denen ihe Tun
ausging und die verworren vor ſeinem Geiſte hingen, in
die ſtarke Hand des Verſtehens zu bekommen. Und end=
lich
: Wie kannſt Du das wollen! Warum willſt Du fort?
Ich ſagte es ſchon: das Stärkere zwingt mich. Ich bin
keine Bruns, ſondern eine Frank . . . Signe Frank, Hen=
ning
! Ich wäre geblieben, ſoſern ich nur von dieſer Signe
Frank erfahren. Aber nun, da ich weiß, daß es auch einen
Stephan Frank gibt, einen, der ein unſagbar elendes
Leben mit ſich herumſchleppt, und eine blaſſe, verhärmte
Frau auf der Welt iſt, die ein heimliches Sehnen nach
ihrem verlorenen Kinde trägt, muß ich fort zu dieſen bei=
den
. Und ich will auch fort, Henning. . . Ich glaube, Du
verſtehſt mich nicht, ich ſehe, daß Du den Kopf ſchüttelſt
und die Stirn krauſt. . . So habe ich mich alſo doch wohl
getäuſcht, als ich hoffte, bei Dir Entgegenkommen zu
finden.
Sei nicht hart, Signe. Ich bemühe mich, Dich zu
verſtehen, obwohl, wie Du Dir ſagen mußt, damit etwas
ſurchtbar Schweres von mir verlangt wird. Wenn Du
mich ſo völlig hoffnungslos ſiehſt, hat das ſeinen Grund
vor allem in etwas anderem, das mir als Pflicht auf die
Seele gebunden iſt. Du darfſt nicht fort, Signe.
Sie ſah ihn verſtändnislos an. Ach, Henning, gib
mir nicht neue Rätſel auf. Sprich offen.
Forſche nicht. Aber wiſſe: ich muß alles verſuchen,
Dich zum Bleiben zu bewegen.
Und es wird alles nutzlos ſein.
Signe! Er rief es ganz laut und packte ſie an den
Handgelenken, faſt roh, preßte ſie und ſah ihr in die angſt=
voll
geöffneten Augen.
Sie beugte ſich zitternd zurück, ſtand nun mit weit

nach hinten geneigtem Oberkörper vor ihm und empfand
den Druck an ihren Gelenken als einen brennenden
Schmerz. Ihre Lippen waren nicht geſchloſſen. . . Wie
leuchtende Korallen glühten ſie in ihrem ſchlohweißen Ge=
ſicht
. Und ein feiner, ſüßer Atem ging in raſchen Stößen
über ſie.
Henning ſpürte ihn. Das Brennen, das ſchon geſtern
in ſeinem Blute aufgeflammt, kam jetzt in noch ſtärkerem
Maße wieder. Es goß ihm etwas unſagbar Seliges in
die Adern, machte, daß er faſt von Sinnen ward. . . Ja,
war er von Sinnen?
Eben hatte er ſich noch mit breitmachender Deutlich=
keit
ſeines gegebenen Wortes erinnert, dem fernen Bru=
der
das Herz Signes zu hüten . . . und nun . . . war ſein
eigenes Begehren nach dieſem Herzen entflammt!
Wirklich, er war wie in einem Taumel, kam zu keiner
Hielt nur immer noch Signes Handgelenke
Klarheit.
umklammert . . . daß ſie nun aufſchrie und laut ſeinen
Namen rief.
In demſelben Augenblick ging die Tür. . . Henning
fuhr herum, als fühle er ſich bei etwas Unerlaubtem er=
tappt
, und gab Signe bei dieſer Bewegung frei. Sie ſtand
zitternd, am ganzen Leib bebend und richtete ihre Augen
auf Frau Barbara, die eben ins Zimmer trat und die Tür
hinter ſich ſchloß.
In ihren Augen ſtand ein forderndes Fragen. Hen=
ning
ließ es gar nicht ſo weit kommen, daß es auch ihre
Lippen formten. Er begann, wie um ſeine Erregung zu
ſänftigen, ein Auf und Ab in dem Zimmer und wieder=
holte
mit kurzen Worten, was ihm Signe ſoeben offenbart.
Signe hatte ſich in eine Ecke des Sofas geſchmiegt und
den Kopf auf die Lehne gelegt. Ein heißes, trockenes
Schluchzen war hörbar.
Während Henning ſprach, hatte ſeine Mutter, nach
einem Halt ſuchend, die Hände auf die Tiſchpratte geſtützt.
Sie fühlte ein immer ſchnelleres Hämmern ihres Herzens
und fand kein Wort, als der Sprecher geendet. Nur ihre

Augen redeten. Sie waren mit dem Ausdruck elenden
Unglücklichſeins auf die faſſungsloſe Signe gerichtet. Und
nun kam ſie langſam um den Tiſch herum, näherte ſich der
Schluchzenden und beugte ſich über ſie. Signe! ſagte ſie
ganz leiſe, mit wie zerſprungen klingender Stimme.
Ganz langſam richtete ſich das junge Mädchen in die
Höhe und ſah das über ihr Haupt geneigte Geſicht mit den
jammervollen Augen. Warum macht ihr es mir ſo unſag=
bar
ſchwer? ſtöhnte ſie. Stoßt mich doch liever aus dem
Hauſe. Ich muß ja fort.
Und wohin willſt Du, Signe?
Zu meiner Mutter, gemeinſam mit meinem Vater
Wir wollen ſie ſuchen. Sie iſt fort.
Und wenn Du Deine Mutter nun nicht findeſt?
Oh, ich muß ſie finden. Ich will mir die Füße wund=
laufen
, um zu ihr zu kommen, ich will, wenn es ſein muß,
bis ans Ende der Welt gehen.
Du armes, unglückliches Kind, brach Frau Barbara
in heißes Weinen aus. Die Sünde Deines Vaters zer=
bricht
Dein Leben, macht Dich elend, treibt Dich in die
Irre. Ich beklage Dein Geſchick aus tiefſter Seele.
Beide Arme ſchlang ſie um Signe und zog ſie an ſich.
Und da vergaß die Geliebkoſte, daß ſie nicht am Herzen
ihrer Mutter ruhte. Die alte, verſinkende Zeit kehrte wie=
der
, breitete über die Gegenwart einen verdunkelnden
Schleier und verſtattete es, daß ſie auch dieſe Frau noch
einmal Mutter nannte.
O meine Mutter! ſtieß ſie leidenſchaftlich heraus und
barg ihr Geſicht an Frau Barbaras Bruſt.
Henning war ſeiner Bewegung nicht mehr Herr, er
wandte ſich der Tür zu und verließ das Zimmer in Haſt.
Der harte Klang der ſich hinter ihm ſchließenden Tür
ließ die ſich eng umſchlungen Haltenden auseinander=
fahren
. Sie ſahen ſich erſchrocken in die Augen.
(Fortſetzung folgt.)

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Nummer 83.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 10. April 1915.

Seiterrw.

Mundwasser

Luftfahrt.

sr. Der Höhenweltrekord für Flugmaſchi=
nen
, der am 1. März dieſes Jahres von dem Cheſpiloten
der Bleriot=Werke, Perreeyon, bei Buc aufgeſtellt wurde,
iſt von der Sport=Kommiſſion des Franzöſiſchen Aero=
Klubs offiziell mit 5880 Metern anerkannt worden.
sr. Eine neuartige Ballonverfolgung,
bei der gleichzeitig Luftkreuzer, Flugzeuge und Automobile
in Aktion treten ſollen, veranſtaltet der Frankfurter Ver=
ein
für Luftſchiffahrt am 19. April. Die Aufgaben für
dieſen intereſſanten Wettbewerb hat das General=
kommando
des 18. Armeekorps geſtellt. Der Uebung liegt
folgende Idee zugrunde: Aus einer belagerten Feſtung
lin dieſem Falle Frankfurt a. M.), die in einem Umkreiſe
von zirka 10 Kilometern eingeſchloſſen iſt, ſteigen Frei=
ballone
auf, um die feindlichen Truppen zu überfliegen
und Nachrichten aus der Feſtung zu befördern. Sobald
Die Freiballone ſichtbar werden, machen ſich je drei Auto=
rnobile
für jeden Ballon an die Verfolgung, ferner auch
Militärflugzeuge und ein Motorluftſchiff. Die Automo=
Hile müſſen die Ballone bei der Landung erreichen, bevor
die Inſaſſen eine Telegraphenſtation aufſuchen können.
Die Flugzeuge und die Führer des Luftſchiffes ſollen ver=
ſuchen
, die Freiballone zu überfliegen, und zwar in einer
Höhe in der ihnen möglich iſt, auf den Polen der Ballone
angebrachte Ziffern zu leſen. Glückt es den Verfolgern
micht, dieſe Bedingungen zu erfüllen, ſo gelten die Frei=
ballone
als Sieger.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Pferde=Rennen. Wiesbaden, 8. April. 1. Ren=
rten
: 1. Flottweg (B. Streit), 2. Kylander ( Unterholz=
rier
), 3. Mattiakum (Kühl). Tot. 30110, Pl. 16, 19110.
Inpl.: Erika, Rodoſto (4). 1¾46 Lg. 2. Rennen:
1. Jor (Lt. v. Moßner), 2. Cape Florizel (Lt. Knel),
3, Llanludno (Lt. Wittmack), 3. Douce Amie (Lt.
GBraf Holck). Tot. 18:10, Pl. 12, 15, 45, 11.10. Unpl.:
Sunbath (gef.), Piece d’Or, Prince Albert Il (gef.), Sa=
ville
, Over the Matter, Saint Fabian, Allesley. 25 Lg.
bis tot. Rennen. 3. Rennen: 1. Commandant (B.
Streit), 2. Earl (E. Francke), 3. Goldgräber (Dyhr).
Tot. 39110, Pl. 24, 74:10. Unpl.: Rrato (4), Abendſtern,
Diana. 432 Lg. 4. Rennen: 1. Saint Ferreol ( Be=
ſitzer
), 2. Holdfaſt (Leutn. Graeff), 3. Druid Hill (Leutn.
Graf Bredow). Tot. 45.10, Pl. 19, 42, 38.10. Unpl.: Old
Rum, Sartorys, Choiſy le Roi, Colclough II, Runbir,
Braw Ladie. 1½12 Lg. 5. Rennen: 1. Iriſh Lad
B. Streit), 2. Cypris II (Gädicke), 3. Marette (Kügl).
Tot. 45:10, Pl. 16, 13, 26:10. Unpl.: Kitty X., Solide,
Electrique, Banagher II, Dame des Pres (4), Milon II.
34 Lg. 6. Rennen: 1. Ozean (Dyhr), 2. Ordnung
Kühl), 3. Bilbao (Gädicke). Tot. 51:10, Pl. 19, 24:10.
Unpl.: Aegir (4), Sigurd (4). 1 Lg.-Kopf4 La.
Rennen: 1. Black Swan (Herr Purogld), 2. Sunbath
Leutn. Graf Holck), 3. Proſpero (Leutn. v. Moßner).
Tot. 25:10, Pl. 12, 16. 12:10. Unpl.: Ukas, Mielleux (4),
Haematite, J. H. L., Rax. 1 Lg.-Hals.
Hannover. Gulliver=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz
500 Meter: 1. Dr. Lemckes Kalchas (Cleminſon), 2. Lock=
uf
(Torke), 3. Eccolo (Raſtenberger). Tot. 14110. Drei
liefen. Sehr ſicher, Kopf-2 Lg. Bennigſen=Rennen;
5.500 Mark, Diſtanz 1500 Meter: 1. Herrn V. Herſeldts
Wunderhold (Torke), 2. Siegmund (Piplies), 3. Berber
Raſtenberger). Tot. 34:10, Pl. 15, 17110. Unpl. Miß
Quick (4), Cody. Sicher, 11
2 Lg. Kaltenweider
Jagdrennen; Ehrenpreis und 2000 Mark, Diſtanz 3200
Meter: 1. Leutn. Weidemanns Myman (Leutn. v. Moſch),
Country Couſin (Leutn. v. Stammer), 3. Miß Fife
Leutn. Frhr. v. Zobel). Tot. 382:10, Pl. 42, 14, 15:10.
Unpl.: Heidenkind (4), Water Ouzel, Brookdale, Snow=

dons Knight. Sehr leicht, 446 Lg. Blitz=Rennen;
10000 Mark, Diſtanz 1100 Meter: 1. Herrn W. Linden=
ſtädts
Rahana (Burns), 2. Julius Cäſar (Slade), 3.
Granville (Smith). Tot. 56:10, Pl. 19, 25, 26:10. Unpl.:
Kis=betyar (4), Traum, Iſa, Norton Con, Rubi Mac
Kie, King Baſalt. Leicht, ½1 Lg.-Kopf. Pokal;
Goldpokal und 6000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn
F. C. Krügers Lavaliere (Raſtenberger), 2. Rejoice
(Slade), 3. Konſequenz (Jeſſop). Tot. 68:10, Pl. 18, 15,
24:10. Unpl.: Bignonne (4), Hongrie, Jack Horner, Fox,
Chutbeh, Götterſage, Doktor. Leicht, 211 Lg. Orca=
dian
=Jagdrennen; Ehrenpreis und 3500 Mark, Diſtanz
4000 Meter: 1. Leutn. Frhr. v. Cramms und Leutn.
v. Werlhofs Blondel (Leutn. v. Raven), 2. Kebty (Leutn.
Loog), 3. Tory Hill (Hptm. Schönberg). Tot. 22110, Pl.
13, 16, 35:10. Unpl.: Voigt (4), Schwärmerin. Lucky Jap,
Poſſible (angehalten). Gegenwehr, ¾¾4 Lg.
sr. 12. Deutſches Turnfeſt in Leipzig. Nach den bis=
herigen
Meldungen beabſichtigen nicht weniger als 35000
Turner an den allgemeinen Freiübungen des Turnfeſtes
teilzunehmen. Da aber nur für die Hälfte auf dem gro=
ßen
Freiübungsplatz Raum vorhanden iſt, ſollen die
jedenfalls das größte Kontingent ſtellenden ſächſiſchen
Turner ihre Uebungen an einem anderen Tage vorführen.
Auch Truppenteile aller Waffengattungen werden ſich
an dem Deutſchen Turnfeſt beteiligen. Die Leitung die=
ſer
Turnübungen hat das Königlich Sächſiſche General=
Kommando des 19. Armeekorps ſelbſt in die Hand genom=
men
. Militäriſche Vorführungen, die Freiübungen, Fech=
ten
, Schützenlaufen und Fußballwettkämpfe umfaſſen, fin=
den
am letzten Tage des Feſtes, nämlich Mittwoch, den
16. Juli, ſtatt.
sr. Fußball. Die Fußball=Meiſterſchaft.
Nach den Ergebniſſen des Sonntags ſtehen nunmehr die
Meiſter ſämtlicher deutſcher Landesverbände feſt. Es fehlt
Norddeutſchland, das ſich aber diesmal nicht an den
Kämpfen um die Deutſche Fußball=Meiſterſchaft beteiligt
und außerdem durch den auf alle Fälle ſpielberechtigten
bisherigen deutſchen Fußball=Meiſter Holſtein=Kiel ſowieſo
vertreten wird In der Vorrunde am 20. April ſtehen ſich
zunächſt die Berliner Viktoria und der Meiſter des
Baltiſchen Raſen= und Winterſport=Verbandes, Pruſſia
Samland=Königsberg, gegenüber. Hier iſt an einem
Sieg der Berliner nicht zu zweifeln. Ungewiß iſt dagegen
der Ausgang aus dem Zuſammentreffen des ſüddeutſchen
Meiſters Stuttgarter Kickers mit dem Meiſter des weſt=
deutſchen
Spielverbandes, Duisburger Spielverein in
Frankfurt a. M. Der Sieger aus dieſer Begegnung, fer=
ner
Holſtein=Kiel, die Berliner Viktoria und der in der
Vorrunde ſpielfreie Meiſter von Mitteldeutſchland, Verein
für Bewegungsſpiele=Leipzig, werden ſich dann am 27.
April in der Zwiſchenrunde treffen. Das Endſpiel um die
Deutſche Meiſterſchaft findet dann am Pfingſtſonntag
ſtatt.
sr. Lawn=Tennis. Das Lawn=Tennis= Tur=
nier
um die Meiſterſchaft von Frankreich
auf gedeckten Plätzen wurde in Paris beendet. Die Mei=
ſterſchaft
gewann auch in dieſem Jahre wieder Gobert, der
in der Schlußrunde auf Laurentz traf, den er mit 6:3, 4:6,
6:2, 6:4 ſchlagen konnte.
sr. Ringen. Der polniſche Meiſterringer Cyganie=
wicz
traf in Boſton mit dem Deutſch=Ruſſen Georg
Lurich in einem Match im Catch=as=catch=can=Stil zu=
ſammen
. Der Kampf endete überraſchenderweiſe nach ein=
ſtündiger
Dauer unentſchieden. Kurz vorher hatte Lurich,
der ſich zurzeit in ausgezeichneter Form befindet, den
Franzoſen Cazeaux in Kanſas City zweimal hintereinan=
der
beſiegt. Man beabſichtigt in Amerika, Lurich nun=
mehr
dem amerikäniſchen Catch=as=catch=can=Weltmeiſter
Frank Gotch gegenüberzuſtellen, der im Kampf um dieſen
Titel bereits Georg Hackenſchmidt und Cyganiewicz be=
ſiegte
.
sr. Das internationale Motorboot=Meeting von Mo=
naco
wurde mit 3 Regatten fortgeſetzt. Am Vormittag
ſtarteten zunächſt die Boote der engliſchen 21 Fuß=Klaſſe
um den Preis des Mittelmeeres in einem 50 Kilometer=
Rennen, und zwar blieb Angela II in 1 Stunde 8 Mi=
nuten
59 Sekunden Sieger. Den 2. Preis holte ſich Fugi=
Yama in 1111:42, den 3. Sieg Dyack in 1116:27. Im
ganzen waren 14 Boote geſtartet. Ferner bewarben ſich
die großen Kreuzer der 5. Klaſſe um den Preis der Ri=
viera
über 50 Kilometer. Sieger blieb Flambeau in
1.09:55,3 mit weitem Vorſprung vor Nunia in 1:55114.
Nachmittags konkurrierten die Gleitboote um den Preis
von Monaco. Es kamen 4 Boote an den Start. Von

bieſen ſchied ader Sanios noch vor Beginn des Reunens
aus, da der Magnet=Apparat verſagte. Von den übrigen
übernahm Vonna die Führung vor Le Quatre und Sun=
beam
. Nachdem die Boote bereits 1½ Runden zurück=
gelegt
hatten, kam auch Santos nach erfolgter Reparatur
wieder aus dem Hafen heraus und nahm trotz des Zeit=
verluſtes
das Rennen noch auf. Da auch Vonna inzwi=
ſchen
Motor=Havarie erlitten hatte, konnte Santos gegen
dieſe das verlorene Terrain gut machen. Die beiden an=
deren
Boote, von denen Le Quatre führte, ſchienen ſchon
das Rennen zu gewinnen. Kurz vor dem Ziel gelang es
dann dem ſchnellen Santos doch noch, den Sunbeam zu
erreichen und um 300 Meter zu ſchlagen. Le Quatre
beendete die 50 Kilometer in 53 Minuten 56 Sekunden,
Santos gebrauchte, die Startverſpätung eingerechnet,
5831, Sunbeam 59:26112. Gleichzeitig mit den Motor=
booten
ſtarteten auch die Waſſerflugzeuge, die mehrfach
Havarie erlitten. Vor allem wurde die Maſchine des Pi=
loten
Janoir bei einer Gleitflug=Landung ſchwer beſchä=
digt
. Der Deperduſſin=Apparat von Devienne verlor bei
der Landung einen Schwimmer. Labouret überſchlug ſich
mit ſeinem Aſtra=Zweidecker bei dem Niedergang auf dem
Waſſer und mußte den ſchwer beſchädigten Apparat aus
dem Wettbewerb zurückziehen. Prévoſt hatte gleichfalls
Havarie beim Niedergehen auf dem Waſſer. Das Höhen=
ſteuer
ſeines Apparates wurde zerbrochen, doch kann der
Schaden leicht repariert werden. Im allgemeinen hat ſich
gezeigt, daß das Niedergehen mit den Flugmaſchinen auf
dem Waſſer den Fliegern die größten Schwierigkeiten
bereitete.

Kongreſſe und Verbandstage.

Limburg a. d. Lahn, 7. April. Geſtern fand
hier die 16. Jahresverſammlung des Main=
Weſer=Gaues im Deutſchnationalen Hand=
lungsgehilfen
=Verban de ſtatt. Vertreten
waren 48 Ortsgruppen durch über 150 Mitglieder. Im
Auftrage des Gauvorſtandes erſtattete Vorſteher Herr Jul.
Schellin=Frankfurt a. M. den Jahresbericht. Aus ihm
geht hervor, daß der Gau und ſeine Ortsgruppen in ſozial=
politiſcher
Beziehung im Vorjahr ungemein rührig waren.
Alle Fragen der kaufmänniſchen Standespolitik, wie
Sonntagsruhe, Ladenſchluß, Samstagfrühſchluß, Er=
holungsurlaub
und Stellenvermittelung, wurden geför=
dert
, die Frauenarbeit durch koſtenloſe Verbreitung eines
Berufswegweiſers und durch die Forderung der Haus=
wirtſchaftsſchulen
, ſowie Ablehnung weiblicher kaufmän=
niſcher
Fortbildungsſchulen in ihren ſchädlichen Wirkungen
bekämpft, und über die neuen Verſicherungsgeſetze in zahl=
reichen
Verſammlungen Aufklärung verbreitet. Bei den
Angeſtelltenverſicherungswahlen erzielte der Gau 152 Sitze
gegenüber 99 des 58er und Leipziger Verbandes zuſam=
mengenommen
. Der planmäßigen Jugendpflege im vater=
ländiſchen
Sinne wurde beſondere Aufmerkſamkeit durch!
zwei gut verlaufene Jugendtage und zu beruflicher Tüch=
tigkeit
durch Unterrichtskurſe und Vorträge geſchenkt. Ende
1912 zählte der Gau 6234 Mitglieder, einſchließlich 791
Jugendlichen in 63 Ortsgruppen. Der in Einnahme und
Ausgabe mit 6280 Mark balanzierende Voranſchlag für
1913 wurde glatt genehmigt; ebenſo vollzogen ſich die Er=
ſatzwahlen
zum Vorſtande einmütig. Ein Antrag des
Gauvorſtandes, die Jugendpflege noch weiter auszuge=
ſtalten
, wurde einſtimmig angenommen und Wilh. Gieße=
Frankfurt als Jugendwart für Heſſen und Naſſau beſtellt.
Nachdem Wiesbaden als nächſtjähriger Tagungsort ge=
wählt
war, hielt Bott=Hamburg einen gehaltvollen Vor=
trag
über die Ertüchtigung des Handlungsgehilfenſtan=
des
, in welchem den Führern der Ortsgruppen Mittel und
Wege gezeigt wurden, den Handlungsgehilfenſtand fort=
laufend
berufstüchtiger zu machen. Dieſer Vortrag bil=
dete
die Ergänzung zu einem pädagogiſchen Lehrgang,
der ſchon am Vormittage mit mehr als 40 Teilnehmern
ſtattgefunden hatte. Darauf ſprach Schellin=Frankfurt
über das Thema: Was ſind wir in Heſſen und Naſſau
dem Verbandstage in Frankfurt a. M. ſchuldig? indem
er für einen lebhaften Beſuch der geſamten Handlungs=
gehilfenſchaft
aus Heſſen und Naſſau zu dem großen Deut=
ſchen
Handlungsgehilfentage vom 14. bis 16. Juni in
Frankfurt a. M. plädierte. Der Vertreter der Verwaltung,
Richard Döring=Hamburg, hielt alsdann eine begeiſtert
aufgenommene Schlußrede. Der in großer Einmütigkeit
und Begeiſterung verlaufenen Tagung folgte ein Feſtabend
der Ortsgruppe Limburg im D. H.=V., der in allen Teilen
wohl gelang.


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Es besitzt zwar nicht die Eigenschaft an Stellen, wo
überhaupt keine Haarwurzeln vorhanden sind, Haare zu
erzeusen (denn ein solches Mittel zibt es nicht,
wennschon dies von manehen auderen Uineturen in den
Zeitungen fälschlich behauptet wird)- wohl aber stärkt
es die Kopfhaut und die Haarwurzeln derartig, dass das
Ausfallen des Haares in kurzer Zeit aufhört und sich
aus den Wurzeln, so lange diese eben noch nicht abge-
storben
sind, neues Haar entwickelt, wie dies bereits
durch zahlreiche praktische Versuche fe
gestellt ist.
Auf die Farbe des Haares hat dieses Mittel keine
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Bad=Nauheim,

Jetzt, im Frühling, wores mit jedem Tag, ja, mit
jteder Stunde draußen in der Natur ſchöner wird, wo
alles anfängt zu grünen und zu blühen, da regt ſich in uns
Menſchen die Reiſelnſt. Der vergangene Winter iſt, wenn
auch nicht ſehr kalt, ſo doch ganz beſonders lang geweſen,
da der Herbſt mit kalten Regentagen ja ſchon im Auguſt
einſetzte. Um ſo mehr verlangen wir jetzt nach Wärme
und ſonnigen Tagen und die Sehnſucht ſteigt in uns auf,
einen ſchönen Ort aufzuſuchen, wo wir ſie recht ausgiebig
genießen und uns der jungen Frühlingspracht erfreuen
können. Wer in einer großen Stadt wohnt und ſtets um=
geben
iſt von dem Getriebe und der Haſt des modernen
Lebens, oder wer einen aufreibenden, anſtrengenden Be=
auf
hat, der ſollte, wenn er es eineichten kann, ſich öfter
eine kleine Ausſpannung gönnen. Dies wird für ſeine
WGeſundheit von größerem Wert ſein als ein einmaliger
längerer Urlaub. Zu dieſer Erkenntnis iſt man in den
letzten Jahren immer mehr gekommen. Um einen Platz
zum Ausruhen zu finden, dazu iſt keine lange Reiſe nötig.
Beſonders wir in Mittel= und Süddeutſchland ſind ſo reich
jan Naturſchönheiten, wohin wir auch ſchauen, daß es
nur eines ausſchlaggebenden Hinweiſes auf einen be=
ſtimmten
Erholungsort bedarf, um uns der Qual der
Wahl zu entheben. Wir erwähnen darum heute die präch=
itige
Wetterau, die eine köſtliche Perle birgt: Bad= Nau=
heim
.
Nicht in ſeiner Eigenſchaft als weltberühmtes Bad,
als das Ziel Tauſender, die ihm alljährlich zuſtreben, um
Heilung oder Erleichterung von ihren Leiden zu ſuchen,
möchten wir es heute ſchildern, ſondern nur als idealen
Platz zum Ausruhen, zum Sichfreuen an der wieder=
erwachenden
Natur. Denn hierzu bietet Bad=Nauheim
Gelegenheit in reichem Maße. Herrlich gelegen am Fuße
des Johannisberges, vereinigt es alle nur erdenklichen
Vorzüge. Im Laufe der letzten Jahre, die ihm mit einem
Aufwand von 10 Millionen ſeitens des heſſiſchen Staates

eine vollſtändige Neu= und Umgeſtaltung der Badeein=
richtungen
gebracht haben, hat es ſich zu einer regelrechten
Gartenſtadt herausgebildet. Ein Garten iſt das ganze
Bad=Nauheim. Ein Ganten von ſo herrlicher grüner
Pracht und dabei von ſo natürlicher, ſo angenehmer un=
gekünſtelter
grüner Herrlichkeit, daß Auge und Sinn dieſe
Schönheit mit unendlichem Behagen aufnehmen. Der
Park, der im Laufe des letzten Herbſtes und Winters ver=
größert
worden iſt, umfaßt jetzt 400 Morgen und iſt da=
mit
der größte Kurpark in ganz Deutſchland. Er iſt wun=
derſchön
gepflegt, hat einen Raſen von ſaftiger grüner
Schönheit, herrliche Laubbäunne und Buſchwerk und als
beſondere Zierde einige Blutbuichen, deren blaurotes Laub
in die grüne Pracht einen abſonderlich ſchönen Ton bringt.
Seine Wege ermöglichen infolge ihrer vorzüglichen In=
ſtandhaltung
das Spazierengehen bei jeder Witterung, da
ſie auch nach ſtarken Regengüſſen ſchnell abtrocknen. Ge=
radeſo
vorzüglich ſind die Prongenaden in dem ſich direkt
an den Park auſchließenden Framenwald. Der Johannis=
berg
bietet einen entzückenden Ausblick auf die Höhen
des Taunus, in die Wetterau und auf Friedberg mit ſeinem
alten Schloß, in dem im Jahre 1910 die ruſſiſche Zaren=
amilie
mehrere Monate zubrachte. Bad=Nauheim iſt be=
kanntlich
ein Lieblingsaufenthalt vieler Fürſtlichkeiten,
und die Saiſon 1912 iſt durch die 4½wöchige Anweſenheit
der deutſchen Kaiſerin eröffnet worden.
Die Konzerte des bekannten Winderſtein=Orcheſters
haben in dieſem Jahre bereits am 6. April begonnen, die
offizielle Saiſon wird am 16. April eröffnet. Die präch=
tigen
Tennisplätze und der Golfplatz beides Muſter=
anlagen
harren der Spieler. Auch in dieſem Sommer
ſollen wieder große Tennis=, Golf= und Hockey=Turniere
ſtattfinden.
Die Schönheiten des in friſchem frühjahrlichem Schmuck
prangenden Bad=Nauheim ſind den Bewohnern der nähe=
ren
Umgegend noch lange nicht genügend bekannt und
überraſchen jeden aufs freudigſte, der ſie zum erſtenmal
ſieht. Und wer Bad=Nauheim einmal aufgeſucht und in
der kräftigen, reinen Luft, der wohltuenden Ruhe und
wundervollen Umgebung ſeine Nerven geſtärkt hat, der iſt
ſicher nicht zum letztenmal hier geweſen.

Handel und Verkehr.

Im Reichspoſtgebiet
Poſtſcheckverkehr.
iſt die Zahl der Kontoinhaber im Poſtſcheckver=
kehr
Ende März 1913 auf 78421 geſtiegen ( Zu=
gang
im Monat März 965). Auf dieſen Poſtſcheck=
konten
wurden im März gebucht 1440 Millionen Mark
Gutſchriften und 1438 Millionen Mark Laſtſchriften. Das
Geſamtguthaben der Kontoinhaber betrug im März durch=
ſchnittlich
169 Millionen Mark. Im Verkehr der Reichs=
poſtſcheckämter
mit dem Poſtſparkaſſenamt in Wien, der
Poſtſparkaſſe in Budapeſt, der luxemburgiſchen und bel=
giſchen
Poſtverwaltung, ſowie den ſchweizeriſchen Poſt=
bureaus
wurden 7,2 Millionen Mark umgeſetzt, und
zwar auf 2810 Uebertragungen in der Richtung nach und

auf 13 410 Uebertragungen in der Richtung aus dem
Auslande.
H. Frankfurt a. M., 7. April. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Der Wochenmarkt zeigte im allgemeinen
einen ruhigen Verkehr. Während Landweizen in guter
Qualität geſucht war und dafür die vorwöchigen Preiſe
ſchlank bewilligt wurden, lag Landroggen bei reichlichem
Angebot flauer, bei indes mäßigen Umſätzen. Hafer und
Mais blieben ſtill und unverandert, Braugerſte wurde
billiger oferiert, wogegen für Kleie beſſere Frage beſtand.
Die Forderungen für Mehl ſind etwas echöht. Der
Mannheimer Getreidemarkt iſt feſt bei an=
ziehenden
Preiſen. An der Berliner Produkten=
börſe
war Getreide feſt auf die Heraufſetzung der Aus=
ländiſchen
Offerten, ſowie auf Käufe der Kommiſſionäre
und Importeure. Das Inlandsangebot war zurückhalten=
der
, beſonders in guten Sorten! Die neu ankommende
Ware iſt vielfach unkontraktlich und man fürchtet, daß die
Erledigung der Maiverpflichtungen Schwierigkeiten begeg=
nen
wird. In Hafer war die Haltung auf Deckungen und
die ſtarke Nachfrage für den Export hier eine feſte. Nach
den letzten Kabelnachrichten von den amerikaniſchen
Getreidemärkten (New=York und Chicago), war
Weizen und Mais nach mehrfachen Schwankungen ſchließ=
lich
anſehnlich beſſer auf ungüſtige Berichte aus Argen=
tinien
, feſtere Notizen von Winnipeg und den, der Hauſſe
günſtig lautenden Viſible Supply=Ausweis. Beſonders
waren die Maitermine höher. Die ſichtbaren Weizenvor=
räte
ſind dort in dieſer Woche von 62,62 Mill. Buſh. auf
60,49 Mill. Buſh. und die Maisvorräte von 21,49 Mill.
Buſh. auf 19,73 Mill. Buſh. zurückgegangen, während in
der gleichen Zeit in Kanada die Weizenvorräte von 25,22
Mill. Buſh. auf 26,01 Mill. Buſh. geſtiegen ſind.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen, hieſiger und Wetterauer 20,8021, Nord=
deutſcher
20,8021, Kurheſſiſcher 20,8021, Ruſſiſcher
23,5025, Kanſas 23,7524,25, Rumäniſcher 23,5024,75,
Redwinter 23,7524,25, Manitoba 2324, Laplata 23,75
bis 24,25, Walla Walla 23,7524,25; Roggen hieſiger
17,3517,45, Bayeriſcher (Pfälzer) 17,3517,50, Ruſſiſcher
19,5019,75, Rumäniſcher 19,2519,50, Amerikaniſcher ;
Gerſte Pfälzer 1718, hieſige und Wetterauer 1718,
Riedgerſte 1718, Fränkiſche 1718, Ungariſche ;
Hafer, hieſiger 17,5018,50, Bayeriſcher 17,5018,50,
Ruſſiſcher 18,5019,50, Rumäniſcher 18,5019,50, Ameri=
kaniſcher
17,2518,25; Mais mixed 1515,25, Ruſſiſcher
15,5015,75, Donaumais 15,2515,50, Rumäniſcher 15,50
bis 15,75, Laplata 1515,25, Weißer Mais 15,2515,50,
Weizenſchalen 10,5010,75, Weizenkleie 10,5010,75, Rog=
genkleie
10,7511, Futtermehl 1416, Biertreber getrock=
net
13,5014, Futtergerſte 16,3516,60; Weizenmehl,
hieſiges (Baſis ab Mannheim) Nr. 0 31,2531,75, feinere
Marken 3232,25, Nr. 1 3030,25, feinere Marken 30,50
bis 30,75, Nr. 2 28,7529, feinere Marken 2929,25, Nr. 3
2727,75, feinere Marken 27,5027,75, Nr. 4 2424,25,
feinere Marken 24,5024,75; Roggenmehl, hieſiges!
Nr. 0 2727,25, Nr. 1 24,7525, Nr. 2 21,7522.

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Auszug aus dem Hauptkatalog 1913
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Adler Export 1913

Adler Tourenrad Nr. 54N

Rahmen mit Außenlötung, regulär 59,5 cm; hoch 64,5 cm; nieder
54,5 cm. Runde obere Hinterradstreben direkt an die Muffe angelötet.
Sattelstütze mit Expanderklemmung. Tretkurbeln mit Keilbefestigung.
Vernickeller Vordergabelkopf. Staubdichte, ölhaltende Kugellager
mit Kugelhaltung. ½‟ Rollenkeite mit ½‟ Gliedern.

Rahmen: regulär 59,5 cm; hoch 64,5 cm; nieder 54,5 cm. Adler-
Tretlager mit vorteilhaftester Anordnung des Kugellaufs. Kurbein
mit ovalem Querschnitt. Runde Hinterradstreben. Lenkstange
mit Innenklemmung. Außenlötung. Vernickelter Vordergabelkopf.
Staubdichte, ölhaltende Kugellager mit Kugelhaltung. 3/6 Rollen-
kette
mit 5/‟ Gliedern.

Draht- oder Wulst-Pneumatiks folgender Marken nach Wunsch: Centaur-, Centrum-, Gloria-, Phönix-, Stoeckicht-Extra-
Prima-, Stoeckicht-Resolut-, Dunlop-Prima, Continental-Prima-, Excelsior-Prima-, Harburg-Wien-Prima-Pneumatiks.

Adlerwerke vorm. Heinrich Klever A. G.

Ueber 5000 Arbeiter.
Frankfurt a. Main.
Gegründet 1880.
Fabrikation: Fahrräder, Automobile, Schreibmaschinen.
Kgl. Preuss. Staatsmedaille in Gold für gewerbliche Leistungen.
Weltausstellung Brüssel 1910: Zwei Grands Prix. Weltausstellung Turin 1911: Vier Grands Prix.
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Inh. A. Ober
MULLER & OBER,
Großherzogliche Hoflieferanten
Karlstraße 30
Fernsprecher 2498 DARMSTADT

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Prima-, Stoeckicht-Resolut-, Dunlop-Prima-, Continental-Prima-, Excelsior-Prima-, Harburg-Wien-Prima-Pneumatiks.
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Adler Tourenrad Nr. 55N

Rahmen regulär 59,5 cm, hoch 64,5 cm, nieder 54,5 cm, extrahoch
69,5 cm. Adler Tretlager mit vorteilhaftester Anordnung des Kugel-
laufs
. Obere und untere Hinterradgabel aus durchlaufenden Röhren
mit Steg, gefällige Form. Lenkstange mit Innenklemmung. Ver-
nickelter
Vordergabelkopf. Staubdichte, ölhaltende Kugellager mit
Kugelhaltung. 3/16 Rollenkette mit 5/‟ Gliedern (auf besonderen
Wunsch mit ½‟ Rollenkette mit ½‟ Gliedern).

M
Adler Nr. 56N
Moderner Straßenrenner mit abfallendem Rohr

Adler Tretlager mit vorteilhaftester Anordnnug des Kugellaufs.
Obere und untere Hinterradgabel aus dürchlaufenden Röhren mit Steg,
gefällige Form. Lenkstange mit Innenklemmung. Vernickelter
Vordergabelkopf. Staubdichte, ölhaſiende Kugellager mit Kugel=
haltung
. 18% Rollenkette mit ½% Gliedern. Doppeldickendspeichen.

Adler Straßenrenner Nr. 57N

Rahmen regulär 50,5 cm, hoch 64,5 cm, nieder 54,5 cm, extrahoch
60,5 cm. Adler Tretlager mit vorteilhaftester Anordnung des Kugel-
laufs
. Obere und untere Hinterradgabel aus durchlaufenden Röhren
mit Steg, gefällige Form. Lenkstange mit Innenklemmung. Vorder-
rad
-Felgen-Bremse. Vernickelter Vordergabelkopf. Westwood-
Stahlfelgen, vernickelt, mit schwarzen, rot eingefaßten Mittelstreifen.
Doppeldickendspeichen. Staubdichte, ölhaltende Kugellager mit
Kugelhaltung. ½‟ Rollenkette mit ½2 Gliedern. Doppelte Silber-
linien
und Emaille-Schild.

Unser Distance- und Bahn-Renner hat sich bei zahlreichen Dauerrennen
hervorragend bewähn. Der etwas kürzere Hinterrahmen läßt die
Montage von Kettenrädern bis zu 56 Zähnen zu. Rahmen regulär
58,5 cm, hoch 63,5 cm, nieder 54,5 cm. Gewicht in Bahnrennaus-
statlung
mit Sattel und Pedalen ca. 11 kg. Schmales Glockenlager.
Obere und untere Hinterradgabel aus durchlaufenden Röhren mit Steg,
gefällige Form. Lenkstange mit Innenklemmung. Westwood- Stahl-
felgen
. Auf Wunsch wird diese Maschine auch mit Holzfelgen ohne
Aufpreis geliefert. Doppeldickendspeichen. Staubdichte, ölhaliende
Kugellager mit Kugelhaltung. 1/‟ Rollenkette mit ½‟ Gliedern.

Adler Nr. 57N

Adler Nr. 58N Distance- u. Bahnrenner

Feines Luxusrad in Touren- und Halbrenn-Ausstattung

Rahmen regulär 50,5 cm, hoch 64,5 cm, nieder 54,5 cm, extrahoch
69,5 cm. Adler Tretlager mit vorteilhaftester Anordnung des Kugel-
laufs
. Obere und untere Hinterradgabel aus durchlaufenden Röhren
mit Steg, gefällige Form. Lenkstange mit Innenklemmung. Ver-
nickelter
Vordergabelkopf.
Staubdichte, ölhaltende Kugellager mit
Kugelhaltung. 1/‟ Rollenkette mit ½‟ Gliedern. Doppeldickend-
speichen
.

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Adler Nr. 59N
Geschäfts-Zweirad.

Adler Fahrräder
mit Rettenkasten.

Rahmen regulär 59,5 cm; hoch 64,5 cm; nieder 54,5 cm. Lieferbar
in farbiger Emaillierung und mit Firmenschild in folgenden Farben:
hellgrün, dunkelgrün, mittelblau, hellrot, dunkelrot, hellbraun, dunkel-
braun
, schwarz. Andersfarbige

Auf Wunsch liefern wir die Adler
Damenräder 61N, 62N (nur mit
schwarz emailliertem Blech in

Emaillierungen auf Wunsch.
Adler Tretlagermit vorteilhaftester
Anordnung des Kugellaufs.
Obere und untere Hinterradgabel
aus durchlaufenden Röhren mit
Steg, gefällige Form. Lenk-
stange
mit Innenklemmung.
Staubdichte und ölhaltende Kugel-
lager
mit Kugelhaltung. 3/16
Rollenkette mit 5/‟ Gliedern,
extra stark.

Adler Damenrad Nr. 60N

Herrenräder 55N, 56N, 57N, Adler
28 Rädern) mit Kettenkasten aus
hocheleganter Ausführung. Die
Maschinen mit Kettenkasten haben
ausschließlich Kettenräder mit
44 Zähnen und Ketten mit ½"
Gliedern. (Nachträglich kann ein
Blechkettenkasten beiden oben an-
geführten
Modellen nur angebracht
werden, wenn das betreffende
Fahrrad speziell hierfür passend
bestellt wurde.

Räder nieder 66 cm ( 26%: regulär und hoch 71 cm
Rahmen regulär 55,5 cm; hoch 61,5 cm; nieder 49,5 cm.
(28). Kleiderschutz. Adler-Tretlager mit vorteilhaftester Anordnung des Kugellaufs. Kurbeln mit ovalem
Querschnitt. Runde Hintergabelstreben. Lenkstange mit Innenklemmung.
Außenlötung. Vernickelter
Vordergabelkopf. Staubdichte, ölhaltende Kugellager mit Kugelhaltung. ½‟ Rollenkette mit ½ Gliedern.

Adler Damenrad Nr. 6170

Adler Damenrad Nr. 627
Luxusrad.
Feines

Rahmen regulär 55,5 cm; hoch 61,5 cm; nieder 49,5 cm; extrahoch
66,5 cm. Räder nieder 66 cm ( 26% regulär, hoch und extrahoch
71 cm ( 28). Kleiderschutz. Celluloid-Kettenschutz. Adler-
Tretlager mit vorteilhaftester Anordnung des Kugellaufs. Rahmen
doppeltgeschweiſt. Obere und untere Hinterradgabel aus durch-
laufenden
Röhren mit Steg, gefällige Form. Lenkstange mit Innen-
klemmung
. Vernickelter Vordergabelkopf. Staubdichte und 51 Kugellager m. Kugelhaltung. 1s‟ Rollenkette m. ½‟ Gliedern.

Rahmen regulär 55,5 cm; hoch 61,5 cm; nieder 49,5 cm; exlrahoch
66,5 cm; Räder nieder 66 cm ( 26%); regulär hoch und extra-
hoch
71 cm ( 23). Kleiderschutz. Celluloid-Kettenschutz.
Adler-Tretlager mit vorteilhaftester Anordnung des Kugellaufs.
Rahmen doppelt geschweift. Obere und untere Hinterradgabel aus
durchlaufenden Röhren, mit Steg, gefällige Form. Lenkstange mit
Innenklemmung. Vorderrad-Felgenbremse. Vernickelter Vorder-
gabelkopf
. Westwood-Stahlfelgen, vernickelt, mit schwarzen, rot
eingefassten Mittelstreifen. Staubdichte und ölhaltende Kugellager
mit Kugelhaltung. ½‟ Rollenkette mit ½‟ Gliedern. Doppelte
Silberlinien und Emaille-Schild. Doppeldickendspeichen.

Draht- oder Wulst-Pneumatiks folgender Marken nach Wunsch: Centaur-, Centrum-, Gloria-, Phönix-, Stoeckicht-Extra-
Prima-, Stoeckicht-Resolut-, Dunlop-Prima-, Continental-Prima-, Excelsior-Prima-, Harburg-Wien-Prima-Pneumatiks

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Adler Rettenlos No. 10

für Damen

Einfach geschweiſter Rahmen. Obere Hinterradgabel mit ovalem Quer-
schnitt
der Rohre. Lenkstange mit Innenklemmung. Vernickelter
Vordergabelkopf. Doppeldickendspeichen. Westwood-Stahlfelgen.
Staubdichte, ölhaltende Kugellager mit Kugelhaltung in allen Lagern.
Doppelle Silberlinien.

Adler Rnabenrad No. 10

Rahmen regulär 47,5 cmn, nieder 41,5 cm. Räder nieder 61 cm ( 24,
regulär 66 cm ( 26%). Doppel-Glockenlager. Untete Hinterrad-
gabel
aus durchlaufenden ovalen Röhren mit Steg. Oihaltende
Kugellager. ½‟ Rollenkeite mit ½‟ Gliedern. Lenkstange mit
Innenklemmung.

Adler Mädchenrad No. 11

Rahmen regulär 47,5 cm, nieder 41,5 cm. Räder meder 61 cm ( 24),
regulär 66 cm ( 26%). Zelluloid-Rettenschutz. Doppel- Glocken-
lager
. Rahmen einfach geschweiſt. Untere Hinterradgabel aus
durchlaufenden ovalen Röhren mit Sieg. Olhaltende Kugellager.
½‟ Rollenkette mit ½ Gliedern, Lenkstange mit Innenklemmung.
Draht- oder Wulst-Pneumatiks folgender Marken nach Wunsch: Centaur-, Centrum-, Gloria-, Phönix-, Stoeckicht-Extra-
Prima-, Stoeckicht-Resolut-, Dunlop-Prima-, Continental-Prima-, Excelsior-Prima-, Harburg-Wien-Prima-Pneumatiks-

Adler Transport-
Dreirad No. 9

Räder 71 cm ( 28). Tragfähigkeit ca. 150 kg außer dem Fahrer.
Gepäckrost oder Pritsche aus Holz. Rostdimensionen: reguläre
Größe 80 cm lang und 70 cm breit. Doppel-Glockenlager. Justierbare
Kugellager für die Hauptachse. Staubdichle, ölhaltende Kugellager für
Vorderrad, Tretlager und Pedale. ½% Rollenkette mit 1 Gliedern,
Nachspannen der Kette mittels Exzenter. Mit Dunlop-Continental-
Excelsior-Harburg-Wien- oder Stoeckicht-Transport-Pneumatik.

Adler Transport-Dreirad No. 10

80 cm lang u. 70 cm breit. Tretkurbel mit Keilbefestigung. Justierbare
Kugellager für die Hauptachse. Staubdichte, ölhaltende Kugellager für
Vorderachse, Tretlager und Pedale. ½‟ Rollenkeite mit 1 Gliedern.
Nachspannen der Kette mittelst Exzenter. Mit Dunlop-Continental-
Excelsior-Harburg-Wien- oder Stoeckicht-Transport-Pneumatik.

Richard Pet rsen, Großbuchdruckerei, Hannover-Ricklingen.