Darmstädter Tagblatt 1913


09. April 1913

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176. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 28 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Das Herzogspaar von Cumberland wird am
10. April in Homburg eintreffen und bis zum 12.
April als Gäſte des Kaiſerpaares dort bleiben.
Der Großherzog von Mecklenburg=Schwerin
hat den außerordentlichen Landtag zur Be=
ſprechung
der Verfaſſungsänderung auf den
6. Mai nach Schwerin einberufen.
*
Der frühere franzöſiſche Staatsmann und Botſchafter
Conſtans iſt in Paris im Alter von 80 Jahren ge=
ſtorben
.
Im engliſchen Unterhauſe beantwortete Grey
eine Anfrage betreffend die Flottendemonſtra=
tion
.
*
Dem ameikaniſchen Repräſentantenhauſe
iſt die Tarifvorlage zugegangen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.

Die Rede des Reichskanzlers.

** Die Rede, mit welcher der deutſche Reichskanz=
ler
am Montag die erſte Leſung der Heeresvorlage
einleitete, machte einen tiefen Eindruck, denn ſie enthüllte
den ganzen Ernſt der politiſchen Lage, welcher die Re=
gierung
bewogen hat, mit ihrem umfangreichen Vorſchlage
einer Verſtärkung unſerer Wehr hervorzutreten. Herr von
Bethmann Hollweg gab keineswegs ſenſationelle Enthül=
lungen
, mit denen er etwa den Beweis für die Notwendig=
keit
der Heeresvorlage zu erbringen ſuchte, nein, er führte
dieſen Beweis ganz ſchlicht und ohne Uebertreibung an
der Hand von Tatſachen, denen niemand einen Zweifel
entgegenzuſetzen vermag. Er malte nicht das Kriegs=
geſpenſt
an die Wand, gab ſogar hie und da beruhigende
Verſicherungen für die Gegenwart, und doch wirkten ſeine
Ausführungen ſo überzeugend, daß wohl alle bürgerlichen
Parteien im Prinzip zugeſtimmt haben und ſich der ſchwe=
ren
Verantwortung nur noch mehr bewußt geworden ſind,
die ſie trifft, wenn ſie der Regierung ihre Unterſtützung
verſagen.
Der Sicherung der Zukunft Deutſchlands gilt die Hee=
resvorlage
, ſo ſagte der Kanzler und betonte damit den
ungeheuren Wert, welcher der Durchführung des Werkes
beizumeſſen iſt. Wir waren es bisher gewohnt, von dieſer
Stelle friedliche Verſicherungen zu hören, daß Deutſchland
mit allen Völkern im beſten Einvernehmen ſtehe und dergl.
mehr. Es ſchadet nicht, daß der öffentlichen Meinung ein=
mal
die Augen geöffnet wurden über das, was uns die
Zukunft bringen kann. Denn darauf müſſen wir vorbe=
reitet
ſein, wenn auch die Gegenwart noch keine direkten
Gefahren in ſich birgt. Es wird nach der Verſicherung des
Kanzlers kein großer europäiſcher Krieg kommen, in den
wir nicht verwickelt ſein werden, und darauf müſſen wir
uns gefaßt machen. Niemand weiß, ob überhaupt ein ſol=
cher
Krieg kommt, aber wir dürfen uns durch ihn nicht
überraſchen laſſen, zumal wir dadurch, daß am Balkan an
die Stelle der Türkei ſlawiſche Staaten treten, in einem
Kampfe zwiſchen Slawentum und Germanentum ungün=
ſtiger
geſtellt worden ſind. Dieſer Kampf zwiſchen den
beiden Raſſen ſpielt überhaupt in der Rede des Kanzlers,
welcher augenſcheinlich unter dem friſchen Eindruck der
panſlawiſchen Demonſtrationen in Petersburg ſtand, eine
große Rolle. Herr v. Bethmann Hollweg hält es offenbar
mindeſtens nicht für ausgeſchloſſen, daß in Rußland, mit
deſſen Herrſcher und Regierung wir gegenwärtig die beſten
Beziehungen unterhalten, einmal die panſlawiſtiſche Strö=
mung
ans Ruder kommt. Darin liegt aber eine erhebliche
Gefahr. Aehnlich iſt es mit Frankreich, mit dem wir in
guten Beziehungen leben und auch immer leben könnten,
wenn man in Paris ebenſo dächte wie wir. Aber auch
hier ſoll man nicht den Tag vor dem Abend loben, denn,
wenngleich das franzöſiſche Volk in ſeiner Geſamtheit nicht
zum Kriege drängt, ſo betreiben doch die chauviniſtiſchen
Elemente eine bedrohliche Wühlarbeit, deren Erfolg ſich
nicht abſehen läßt. Und da Deutſchland, wie kein anderer
Staat, zwiſchen der ſlawiſchen Welt und den ihr verbün=
deten
Franzoſen eingekeilt iſt, ſo bedürfen wir der vollen
Ausnutzung unſerer Wehrkraft.
Beſonders bemerkenswert in der Kanzlerrede iſt die
freundliche Sprache gegenüber England, und man erhält
den Eindruck, daß die Beziehungen Deutſchlands zu dem

britiſchen Reiche erheblich wärmer geworden ſind. Einen
freundlichen Punkt in den Ausführungen bildete auch die
Betonung der Solidarität der Mächte in den Balkan=
wirren
. Deutſchland will mit aller Welt in Frieden leben,
und auch mit verſtärkter Wehr wird es niemand mutwillig
angreifen davon dürfen ſich alle Mächte nach der Kanz=
lerrede
erneut verſichert halten.
Preßſtimmen zur Kanzlerrede.
* Berliner Lokalanzeiger: Das für uns
wichtigſte ſcheint zu ſein, was der Kanzler über Frankreich
ſagte, denn wenn es auch richtig iſt, daß man ähnlichen Ge=
danken
ſchon öfter in letzter Zeit geleſen und gehört hat,
von dem leitenden Staatsmann des deutſchen Volkes hat
man ſie zum erſtenmal gehört. So wenig wie der Inhalt,
war der Ton der Kanzlerrede dazu angetan, irgend jemand
zu reizen. Nach dem Kanzler nahm der preuhiſche Kriegs=
miniſter
v. Heeringen das Wort Er vermochte jedoch die
Aufmerkſamteit des Hauſes nur in geringem Grade zu
feſſeln. Einmal war er nur ſchwer zu verſtehen, und
dann mußte er ſich die wichtigſten Argumente für die Be=
ratung
in der Kommiſſion aufſparen. Es iſt nichts von
Hurrapatriotismus zu ſpüren, ſondern aus wahrer Vater=
landsliebe
bewilligen die bürgerlichen Parteien, was ſie
auf Grund ernſter Erwägungen für notwendig erachtet
haben. Berliner Tageblatt: Eine Diplomatie,
die immer nur nach neuen Kanonen ruſt, dankt ab. Herr
v. Bethmann Hollweg weiſt gern auf die Schädlichkeit der
demokratiſchen Ideen hin. Mit der feudalen konſervativen
Ideenloſigkeit kommen wir auch nicht weit. Herr v. Beth=
mann
Hollweg hat wie ein Mann geſprochen, der noch
letzthin verſicherte: Glaubt mir, ich meine es gut! Nicht
von Herausforderungen kann die Rede ſein, aber eine For=
derung
zieht, und das hat Herr v. Bethmann Hollweg ver=
ſchwiegen
immer noch andere Forderungen nach. Ber=
liner
Neueſte Nachrichten: Die defenſive Stim=
mung
, wie wir aus zahlreichen Reden unſerer verantwort=
lichen
Stäatsmänner ſeit langem gewohnt ſind, durchzieht
auch wieder die Worte des Reichskanzlers. Alles in allem
hat er mit der Ehrlichkeit, die ihn auszeichnet, unſere Welt=
lage
gereichnet, ſo wie ſie ſich aus den Tendenzen unſerer
altangeſtammten Auslandspolitik und den Erforderniſſen
des kritiſchen Augenblicks ergibt. Kreuzzeitung:
In den Kommiſſionsberatungen dürfte der zweite Umſtand,
den der Kanzler anführte, daß nämlich unſere möglichen
Gegner ganz enorme militäriſche Anſtrengungen gemacht
haben und noch machen, noch ſtärker zur Geltung kommen,
weil dieſe Tatſachen dort im einzelnen belegt werden kön=
nen
und weil ſie der großen Mehrheit doch noch nicht ſo
zum Bewußtſein gekommen iſt. Deutſche Tages=
zeitung
: Wohl noch niemals hat der Reichskanzler ſo
geſchickt und ſo eindrucksvoll und ſo wirkſam geſprochen,
wie geſtern. Einer Politik die dieſe Worte immer nach
allen Richtungen und in allen Fällen in die Tat umſetzt,
werden wir gern und freudig folgen. Wenn auch geſtern
nicht alle Parteien zu Worte gekommen ſind, ſo läßt ſich
ſchon jetzt ſagen, daß die Heeresvorlage ohne weſentliche
Aenderungen und Streichungen angenommen werden wird.
Tägliche Rundſchau: Der Reichskanzler hat es
verſtanden, ohne die viel zu viel gebrauchte Friedens=
beteuerung
noch einmal hervorzuholen, vor Europa den
hiſtoriſchen und faſt auch mathematiſchen Beweis zu lie=
fern
, daß wir dem Frieden der Welt dienen, er hat aber
auch gezeigt. daß der Friede nicht von uns allein abhängt,
und daß wir geſonnen ſind, den uns aufgenötigten Krieg
zu ſchlagen im Vertrauen auf die Tüchtigkeit und Tapfer=
keit
unſeres Heeres Voſſiſche Zeitung: Die Ver=
weiſungen
auf den Panſlawismus und den Chauvinismus
waren früher ſo gut möglich geweſen wie heute. Zu dem
Erfreulichſten der Rede des Reichskanzlers gehört daß,
wie er meint das Vertrauen zwiſchen England und
Deutſchland wieder keimt. Eine Stärkung ſeiner Wehr=
kraft
wird Deutſchland vornehmen. Zu ihrer Bewilligung
wird der Reichstag bereit ſein, obwohl der Reichskanzler
ſie geſtern nur unzulänglich zu begründen vermochte. Die
Rückſicht auf die Steuerzahler erheiſcht die Ablehnung alles
Ueberflüſſigen, die Rückſicht auf die Sicherheit des Vater=
landes
die Genehmigung alles Notwendigen. Ber=
liner
Morgenpoſt: Herr v Bethmann Hollweg ent=
hielt
ſich der geſchwollenen Zentenarphraſen, die in dieſen
Tagen im Schwange ſind. So mag man der Kanzlerrede
ſchon Lob nachſagen, auch vielleicht, da ſie auf den Frie=
denston
geſtimmt war Aber er will uns einreden, daß
man ſich gegen das Panſlawiſtengeſchrei und das Chauvi=
niſtengeſchrei
mit mehr als 100 000 neuen Soldaten wapp=
nen
müſſe.

Aus Wien, 7. April, wird berichtet: Die heutige Rede
des Reichskanzlers hat hier in allen Volkskreiſen durch ihre
überaus klare und in keinem Punkte mißzuverſtehende
Darſtellung der europäiſchen Situation tiefſten Eindruck
gemacht. Man erfaßt ſie ganz allgemein als ein ſeltenes
Dokument für die Notwendigkeit, daß alle Kräfte des
Volkes zuſammengefaßt werden müſſen, um ſeine Exiſtenz
gegen alle Eventualitäten der Zukunft ſicherzuſtellen. Mit
aufrichtiger Befriedigung entnimmt man aus der Rede
des Reichskanzlers, daß Deutſchland ſich in der durch den
Balkankrieg entſtandenen Kriſe ſtets auf einer Linie mit
Oeſterreich=Ungarn befunden habe, und begrüßt beſonders
die erneute Feſtſtellung, daß die deutſche Bundestreue gegen
die Monarchie ſelbſtverſtändlich auch über die diplomatiſche
Vermittlung hinausreicht. Dabei empfindet man es mit
lebhafter Genugtnung, wie der Reichskanzler trotz ſeiner
durch die allemeine Situation bedingten hochernſten
Worte auf die im Dreibund gegebenen Friedensgarantien
hinweiſt und ausdrücklich betont, Deutſchland mache die

Vorlage nicht, weil es den Krieg, ſondern weil es den
Frieden haben will.
Sämtliche Wiener Blätter beſprechen die Rede
des Reichskanzlers und geben dem nachhaltigen Eindruck,
welchen ſie in allen Kreiſen der Bevölkerung gemacht hat,
beredten Ausdruck. Das Fremdenblatt ſchreibt: Mit
Klarheit und Entſchiedenheit, welche keiner Frage der
Gegenwart aus dem Wege ging, gibt der Reichskanzler
von Bethmann Hollweg ein treffendes Bild der geſamten
politiſchen Situation. Ohne Uebertreibung und ohne Ab=
ſchwächung
in männlicher Geradheit und Offenheit ſagt
der Reichskanzler heraus, wie die Dinge ſtehen. Das
Neue Wiener Tagblatt ſagt: Wir in Oeſterreich
fühlen uns eins mit ſeinem Gedankengange. Der Reichs=
kanzler
trat geſtern Hand in Hand mit Oeſterreich vor die
Welt. Die Harmonie zwiſchen Wien und Berlin in der
Auffaſſung der Weltfrage drängt geradezu zu dieſer In=
nigkeit
in der Bekräftigung des Treuzurſeiteſtehens. Es
iſt doch auch etwas Schönes um die Kraft, welche fried=
fertig
iſt, weil ſie ſich nicht fürchtet, weil ſie ihrer Stärke
ſich bewußt iſt und treue Freunde ihr eigen nennt. Dieſe
Kraft iſt der Dreibund der dem Frieden Europas freudig
dient. Die Neue Freie Preſſe: Der Reichskanz=
ler
ſprach mit großer Offenheit über die Strömungen
in Frankreich und Rußland. Die Rede wird dort zum
Nachdenken einladen, darüber, ob ſich der nicht zuweilen
die Finger verbrennt, der glaubt, ohne Schaden mit dem
Feuer ſpielen zu dürfen. Die Reichspoſt: Eine tap=
fere
Entſchloſſenheit liegt in den Worten des Reichskanz=
lers
; eine Entſchloſſenheit, die auch die Nachbarn ver=
ſtehen
werden, an die ſie gerichtet ſind. Darauf baut ſich
die Hoffnung, daß gerade dieſe kräftige Bekundung deut=
ſcher
Bereitſchaft, alles einzuſetzen für des Reiches Ruhm,
Ehre und Exiſtenz, als eine wahre Friedenstat wirken
wird, zum Segen für ganz Europa.
Die Rede des deutſchen Reichskanzlers hat in politi=
ſchen
Kreifen Italiens einen ſtarken Eindruck gemacht.
Man hält ſie für durchaus friedlich. Beſonders angenehm
fällt der warme und vertrauensvolle Hinweis auf die guten
Beziehungen zu England auf. Die Blätter Vita und Po=
polo
Romano ſprechen die Ueberzeugung aus, die Rede
des Reichskanzlers werde eine Klärung der allgemeinen
Lage herbeiführen und dazu beitragen, den beſtehenden.
Verwicklungen ein raſches Ende zu bereiten.

Die Rede des Reichskanzlers wird von der geſamten
Pariſer Preſſelebhaft erörtert und von verſchiedenen
Blättern insbeſondere als ein neuer Beweis für die Not=
wendigkeit
der franzöſiſchen Heeresver=
ſtärkung
bezeichnet. Der Figaro ſchreibt: Die Wirk=
lichkeit
entſpricht ſo wenig dem vom Reichskanzler etwas
allzu ſchwarz in Schwarz gemalten Bilde. Wie in Ruß=
land
, ſo hegt auch die öffentliche Meinung Frankreichs kei=
neswegs
die kriegeriſchen Ideen, die man ihm lediglich
für die Zwecke einer allgemeinen Beweisführung zuſchreibt.
In Frankreich gibt es jene chauviniſtiſche Stimmung, jene
abſolute Sicherheit des Sieges nicht, von der der Reichs=
kanzler
mit Unrecht ſprach. Man darf aus dem Umſtande,
daß einige Pariſer Bühnen patriotiſche Stücke aufführen.
nicht den Schluß ziehen, daß das geſamte franzöſiſche Volk
ſich eifrig für die Revanche vorbereitet. Das nationale
Empfinden Frankreichs iſt durch die Agadirkriſe entfaltet
worden und für dieſe Kriſe iſt Frankreich gewiß nicht ver=
antwortlich
. Die große Mehrheit der Franzoſen wünſcht
mit aller Entſchiedenheit den Frieden, aber einen wür=
digen
, ſtolzen Frieden, Hat der Zeppelin=Zwiſchenfall nicht
in glänzender Weiſe die Korrektheit und Höflichkeit der
franzöſiſchen Regierung und die vollſtändige Ruhe des fran=
zöſiſchen
Bürgertums gezeigt? Deutſchland will ſich den
Ueberſchuß ſeiner Bevölkerung zunutze machen. Das iſt
ſein gutes Recht und niemand kann es deshalb tadeln.
Aber es iſt auch das Recht und die Pflicht ſeiner öſtlichen
und weſtlichen Nachbarn, aus einer ſo außerordentlichen
Heeresvermehrung die Schlußfolgerung zu ziehen und ihre
eigenen Militärkräfte in demſelben Maße zu erhöhen.
Republique Franeaiſe: Die Sozialiſten Frank=
reichs
werden von der Rede entzückt ſein. Der Reichs=
kanzler
hat von ihnen einige ihrer Argumente entliehen,
indem er dem Reichstag wie er es nannte die ge=
fährliche
Seite des Wiedererwachens des franzöſiſchen Na=
tionalgefühls
zeigte. Franee: Herr v. Bethmann
Hollweg weiß beſſer als irgend wer, daß wir nicht ſo un=
vernünftig
ſind. Aber er hat es vorgezogen, von unſerer
kriegeriſchen Stimmung zu ſprechen, wohl wiſſend. daß er
damit unſeren Sozialiſten ein Mittel in die Hand aibt, um
das Geſetz über die dreijährige Dienſtzeit zu bekämpfen.
Lanterne: Um ihre Wehrvorlage zu rechtfertigen,
richten die Deutſchen das Schreckgeſvenſt eines kriegeriſchen
und chauviniſtiſchen Frankrrich auf. Das iſt bloße Ein=
bildung
, und wenn Deutſchlord den Beweis dafür haben
will, braucht es bloß jeine Wehrvorlage zurückzuziehen.
und die franziſtiſche Regierung wird ancſ ohne den Druck
der öffentlichen Meinung die ihre zurückziehen. Aber der
Reichstag wird alles bewilligen, was man von ihm ver=
langt
, und deshalb muß Frankreich ſolche Kraftanſtrengung
Autorité: Falls
mit einer gleichen beantworten.
nach dieſer Rede das franzöſiſche Parlament noch zögert,
die uneingeſchränkte dreijährige Dienſtzeit zu bewilligen,
dann würden ſich ſeine Mitglieder einfach des Hochveprats
ſchuldig machen und die Todesſtrafe verdienen Epeie=
ment
: Die Logik hätte es verlangt, daß die Schlußfol=
gerung
in der Rede des Reichskanzlers auf Einſchränkung
der Rüſtung gelautet hätte. Leider iſt die Schlußfolgerung
ein Aufruf an das deutſche Volk. neue Militärlaſten auf
ſich zu nehmen. Frankreich ſieht ſich deshalb in die Not=
wendigkeit
verſetzt, ſich nicht an die Worte des Reichskanz=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Nummer 82.

lers, die übrigens ausgezeichnet waren, ſondern an die
Taten zu halten. Aurore: Die Stelle über die inter=
nationale
Politik kann nur gebilligt werden. Die Ent=
ſcheidungen
der Londoner Konferenz müſſen nach der An=
ſicht
des Reichskanzlers möglichſt raſch ausgeführt wer=
den
. Dieſe Auffaſſung haben wir immer geteilt. Das iſt
auch die einzige Haltung, die zum Abſchluß des Friedens
führen kann.
Auch die engliſche Preſſe widmet der Rede
ausführliche Beſprechungen. Die Times ſchreibt: Der
deutſche Reichskanzler hat von der augenblicklichen Lage
im weſentlichen die gleiche Auffaſſung wie Sir Edward
Grey. Der Reichskanzler ſprach ſeine wohlverdiente An=
erkennung
für die außerordentliche Hingabe und den ver=
ſöhnlichen
Geiſt aus, die der Staatsſekretär in der Leitung
der Beſprechungen der Botſchafter bewieſen hat, und daß
Deutſchland ſich in demſelben Sinne bemüht habe. Das
halten wir für abſolut richtig, und weil Deutſchland ſo
gehandelt hat, iſt die Erhaltung des europäiſchen Friedens
möglich geweſen. Der Kanzler betont ebenſo deutlich wie
Sir Edward Grey, daß es nicht viel Zweck hat, ein Ab=
kommen
zu ſchließen, wenn es nicht durchgeführt werden
ſoll. Natürlich und mit Recht ſchwieg er über den einzu=
ſchlagenden
Kurs; aber er ſagte es klar, daß die Haltung,
die die Verbündeten gemeinſam einnehmen, von den
Mächten geprüft werden ſoll. Zunächſt müſſen die Lon=
doner
Beſchlüſſe mit aller Schleunigkeit durchgeführt wer=
den
und nur dann werden ſich nach dem Urteil des Kanz=
lers
friedliche Löſungen für die ausſtehenden Fragen fin=
den
laſſen. Es iſt zu hoffen, daß ſich dieſe Prophezeiungen
erfüllen mögen. Daily Chronicle: Herr v. Beth=
mann
Hollweg ſprach in liebenswürdiger Weiſe ſeine
Anerkennung für Sir Edward Grey aus; ſeine Worte über
die Rolle Großbritanniens waren durchaus herzlich ge=
halten
. Es liegt kein Grund zu der Annahme vor, daß,
indem Sir Edward Grey dieſe Anerkennung verdient hat,
er ein Jota von der Achtung einbüßt, mit der die britiſche
Diplomatie in Paris und Petersburg betrachtet wird, und
das iſt ſicher eine ſchöne Leiſtung. Daily News ſagt:
In ſeiner geſtrigen Rede ſprach der Reichskanzler über
den Vorſchlag Churchills in Ausdrücken, die zwar nicht
bindend, aber durchaus verſchieden von den Aeußerungen
waren, mit denen derartige Vorſchläge vor zwei oder drei
Jahren aufgenommen wurden, und er ſprach mit Enthu=
ſiasmus
von den beſſern Beziehungen der beiden Länder.
Daily Telegraph bezeichnet die Rede des Reichs=
kanzlers
als eine der charakteriſtiſchſten öffentlichen Erklä=
rungen
, die ein leitender europäiſcher Staatsmann ſeit
langer Zeit gemacht hat. Das Blatt ſchreibt: Eine Rede
wie dieſe: offen, furchtlos und ſtaatsmänniſch, iſt nach
unſerer Meinung von dem größten Wert in der gegenwär=
tigen
Lage, ſowohl durch das Lob, das ſie den wohl über=
legten
und gut geführten diplomatiſchen Bemühungen
zollte, als auch durch die Mahnungen, die ſie an die deut=
ſche
Nation richtete. Die Worte des Reichskanzlers tragen
dazu bei. die Atmoſphäre zu klären und damit die wichtig=
ſten
Probleme klarer zu definieren. Es iſt nicht der Fehler
des Herrn von Bethmann Hollweg, wenn wir jetzt nie
verſtehen, wie die Lage Deutſchlands iſt, welche Ziele es
verfolgt und gegen welche Gefahren es ſich zu ſichern ſucht

Sir Edward Grey über die
Flottendemonſtration.

* Im engliſchen Unterhauſe beantwortete Grey eine
Anfrage über die Flottendemonſtration, indem
er ſagte:
Zwei britiſche Kriegsſchiffe begaben ſich nach der mon=
tenegriniſchen
Küſte, um an der internationalen Flotten=
demonſtration
teilzunehmen. Oeſterreichiſch=ungariſche,
franzöſiſche ,deutſche und italieniſche Kriegsſchiffe befin=
den
ſich zu demſelben Zwecke dort. Der rangälteſte bri=
tiſche
Marineoffizier iſt angewieſen, ſich mit den rangälte=
ſten
Marineoffizieren des internationalen Geſchwaders zu
verbinden und mit ihnen alle Schritte zu beraten, welche
möglich ſind, um auf die montenegriniſche Re=
gierung
einen Druck auszuüben, daß ſie die
Entſcheidung der Mächte annimmt. Eine Landung von
Marineabteilungen, Feldgeſchützen oder ein Bombarde=
ment
wird nicht vorgenommen, ohne daß wei=
tere
Inſtruktionen erteilt ſind. Die Haltung der
ruſſiſchen Regierung, die keinen Mangel von
Schiffen hat, wurde in einem vom 2. April veröffentlich=
ten
Communiqué erklärt; dasHaus wird vielleicht geſtatten,
einige Erklärungen über das Ziel der Flottendemonſtra=
tion
zu geben und darüber, wie und warum die briti=
ſche
Regierung daran teilnahm. Wir nehmen daran
teil, weil wir mit den anderen Großmächten an dem Ueber=
einkommen
beteiligt ſind, das durch die Flottendemonſtra=
tion
aufrecht erhalten werden ſoll. Das Uebereinkommen
beſteht darin, daß Albanien autonom werden ſoll. Wir
ind willens, hieran teilzunehmen, weil die Albaneſen
in der Raſſe und in der Sprache und im großen Umfange
auch in der Religion ein Volk für ſich bilden. Der Krieg,

der gegen ſie geführt wird, hörte lange auf, von irgend
einer Tragweite für den Krieg zwiſchen der Türkei und
den Verbundeten oder ein Befreiungskrieg zu ſein. Die
Operationen der Montenegriner gegen
Skutari ſind ein Teil des Eroberungskrieges, und es
liegt kein Grund vor, warum die Sympathien, die für
Montenegro oder andere Länder, die für ihre Freiheit oder
für ihre nationale Exiſtenz kämpfen, nicht auch für die
albaneſiſche Bevölkerung Skutaris und ſeiner Umgebung,
die hauptſächlich aus Katholiken und Mohammedanern
beſteht, die für ihr Land, Religion, Sprache und Leben
kämpft, ausgedehnt werden ſollen. Aus dieſen Gründen
zögerte die britiſche Regierung nicht, an dem Ueberein=
kommen
der Michte betreffend Albanien teilzunehmen.
Das Uebereinkommen der Mächte kam nach langen, mühe=
vollen
diplomatiſchen Anſtrengungen zuſtande, und es
wurde entſchieden, daß das Küſtengebiet und Skutari
Albanien zufallen ſollten, während Ipek, Prizrend und
Dibra. und nach vielen Verhandlungen Djakowa, von
Albanien ausgeſchloſſen werden ſollen. Bei dem Ueber=
einkommen
bleibt ein weites Landgebiet als Frucht ihrer
Siege zur Verteilung zwiſchen Serbien und Montenegro
übrig.
Das Erzielen des Uebereinkommens war
weſentlich für den Frieden Europas. Nach meiner Mein=
ung
iſt es zur rechten Zeit getroffen worden, um den
Frieden zwiſchen den Großmächten zu er=
halten
. Daß das Uebereinkommen durch die internatio=
nale
Aktion aufrecht erhalten werden ſoll, bleibt für die
Fortdauer des Friedens weſentlich. Die britiſche Regie=
rung
hat kein direktes Intereſſe an den Einzelheiten des
Uebereinkommens. Wir würden uns aller Wahrſcheinlich
keit nach nicht einem Uebereinkommen widerſetzen, welches
die Zuſtimmung der näher intereſſierten Mächte gefunden
hat. Aber weil wir glauben, daß das Uebereinkommen in
den Hauptlinien in Uebereinſtimmung ſteht mit der
Menſchlichkeit, Freiheit und Gerechtigkeit und weil wir
wiſſen, daß der Friede Europas auf der Aufrechterhaltung
der Eintracht zwiſchen den Mächten beruht, die in dieſem
Gebiet am nächſten intereſſiert ſind, deswegen hielten wir
es für richtig durch die Teilnahme an dem Ueberein=
kommen
übernehmen wir eine ehrenvolle Verpflichtung
an der internationalen Aktion teilzunehmen, die ſich jetzt
vollzieht, um das Uebereinkommn aufrecht zu erhalten
und ihm Reſpekt zu verſchaffen. (Beifall.) Auf die Frage
des Liberalen David Maſon, wie Grey die Haltung
der Regierung mit der Neutralitätserklär=
ung
vereinbaren könne, erwiderte Grey: Wie ich ſchon
agte, iſt das, was in Albanien vor ſich geht, kein Be
freiungskrieg, ſondern ein Eroberungskrieg, der
auch ſchon lange aufgehört hat von irgend einer Tragweite
für den Krieg zwiſchen der Türkei und den Verbündeten
zu ſein. Die Großmächte haben ſich über die Grenzen
Albaniens geeinigt und wir ſind willens und gebunden,
an der internationalen Aktion teilzunehmen.
Mehrere Abgeordnete drangen in Asquith, er ſolle
Gelegenheit zu einer Diskuſſion über die Frage geben.
Asquith erwiderte, es ſei ſehr zweifelhaft, ob eine Dis=
kuſſion
in dieſem Augenblick im öffentlichen Intereſſe
liege. Wenn im Hauſe der Wunſch nach einer Diskuſſion
vorhanden ſei, ſo könne ſie am Donnerstag ſtattfinden.
Wenn auch die Regierung weit davon entfernt iſt, eine
Diskuſſion vermeiden zu wollen, ſo glaube ich nicht, ſchloß
Asquith, daß im Hinblick auf die großen und ſehr deli=
katen
Intereſſen, die auf dem Spiele ſtehen, ſich ein Vor=
teil
von der Diskuſſion ergeben würde.
Bonar Law erklärte namens der Oppoſition, daß
er die Debatte als ſehr wenig wünſchenswert betrachte.
Maſſon beantragte Vertagung des Hauſes, um ſofor=
tige
Gelegenheit zur Diskuſſion zu geben. Nur 15 Mit=
glieder
der Liberalen und der Arbeiterpartei unterſtützen
ihn, und da die Geſetze des Hauſes vorſehen, daß 40 Mit=
glieder
einen derartigen Antrag unterſtützen müſſen, findet
eine Debatte nicht ſtatt.

Deutſches Reich.

Die bayeriſche Regierung und die
Wehrvorlagen. Die Bayeriſche Staatszeitung wür=
digt
in ihrem Montag=Artikel die Haltung, die die Preſſe
und die Parteien gegenüber den Wehr= und Deckungs=
vorlagen
einnehmen, kommt hierbei auch auf die Stellung=
nahme
der bayeriſchen Regierung im Bundesrat zu ſpre=
chen
und ſchreibt u. a.:
Auch die Bayeriſche Staatszeitung beteiligte ſich an
den Erörterungen über die Wehr= und Deckungsvorlagen
und ihre Darlegungen ließen keinen Zweifel, welche Hal=
tung
die bayeriſche Regierung im Bundesrat zur Frage
der Verſtärkung der Wehrmacht Deutſchlands einnahm
Das Deutſche Reich hat ſich ſeit ſeinem Beſtehen als von
aufrichtiger und wirkſamer Friedensliebe beſeelt erwieſen.
Aller Friedfertigkeit ungeachtet muß Deutſchland Umſchau
halten, wie die Dinge auswärts ſtehen. Die Rechnung,
die wir bisher über unſere eigene Stärke und über die
unſerer vorausſichtlichen Gegner aufzuſtellen gewohnt

waren, ſtimmt nicht mehr. Wenn in ihrer Geſamtheit auch
nicht unbedenklich, geben die Verhältniſſe im europäiſchen
Südoſten, in Frankreich und Rußland Deutſchland keinen
Anlaß zur Furcht, wohl aber bergen ſie für das deutſche
Volk die Mahnung, die ihm innewohnende Kraft zur rech=
ten
Zeit zur Entfaltung zu bringen und dadurch nicht min=
der
den Frieden wie die eigene Stellung zu ſichern. Mag
die kommende Prüfung der Wehr= und Deckungsvorlagen
noch ſo gründlich, mag die Kritik an den Einzelheiten noch
ſo eingehend und mag die Haltung der bürgerlichen Par=
teien
gegenüber dem einen oder dem anderen Teil der
Vorlage noch ſo ablehnend ſein, es wird ſich eine Mehr=
heit
zuſammenfinden, die das angeſtrebte Ziel für groß und
bedeutungsvoll genug hält, um ſich auf dem Boden gemein=
ſamer
vaterländiſcher Intereſſen zuſammen zu finden.
Die vereinigten Arbeitgeber= Ver=
bände
. Eine für die deutſchen Arbeitgeber hochbedeut=
ſame
Gründung hat ſich, wie ſchon kurz gemeldet, am
5. April in Berlin vollzogen. Die bisherigen Zentral=
organiſationen
, nämlich die Hauptſtelle deutſcher Arbeit=
geberverbände
und der Verein deutſcher Arbeitgeberver=
bände
, haben ſich zu einem neuen zentralen Verbande,
der Vereinigung der deutſchen Arbeitgeberverbände, zu=
ſammengeſchloſſen
. Mit dieſer Zuſammenlegung wird
der Schlußſtein in der Entwicklung der deutſchen Arbeit=
geberverbände
gelegt. Die beiden zentralen Organiſatio=
nen
beſtanden ſeit dem Jahre 1904 nebeneinander und hiel=
ten
ſich an Stärke ungefähr die Wage. Bisher waren ſie
durch einen Kartellvertrag verbunden, nunmehr iſt an
Stelle deſſen eine völlige Vereinigung getreten. Dadurch
werden die Abwehrbeſtrebungen der deutſchen Arbeitgeber=
verbände
auf eine einheitliche Grundlage gebracht. Die
Satzungen der Vereinigung der deutſchen Arbeitgeberver=
bände
, die durch eingehende Vorverhandlungen feſtgeſetzt
waren, wurden in der gründenden Verſammlung einſtim=
mig
angenommen. Es wurde beſchloſſen, die neue Ver=
einigung
ſofort in Wirkſamkeit treten zu laſſen. Es kon=
ſtituierte
ſich deshalb am gleichen Tage der vorläufige Vor=
ſtand
der neuen Vereinigung und wählte aus ſeiner Mitte
zum erſten Vorſitzenden Fabrikbeſitzer Garvens=Hannover
und zum zweiten Vorſitzenden Landrat a. D. Rötger=
Berlin.
Veteranenunterſtützung. Der weimari=
ſche Landtag hat beſchloſſen, den Reichstagsbeſchluß für
die Veteranenunterſtützung nicht abzuwarten, ſondern
größere Mittel zur ſofortigen Hilfe bereit zu ſtellen.
Die mecklenburgiſche Verfaſſungs=
frage
. Das Schweriner Regierungsblatt gibt bekannt,
daß der Großherzog den außerordentlichen Landtag am
6. Mai nach Schwerin einberuft. Als einziger Gegenſtand
gelangt zur Beſprechung die Aenderung der beſtehenden
Verfaſſung.
Die Sozialdemokraten und das
Budget. Die Haltung der Sozialdemokratie im ſchwarz=
burg
=rudolſtädtiſchen Landtag, die kürzlich die Zivilliſte,
die Ausgaben für Orden und Ehrenzeichen und ſchließlich
das geſamte Budget bewilligt haben, hat den Reviſio=
niſten
in Baden Mut gemacht, wieder einmal gegen den
Stachel der norddeutſchen Radikalen zu löken. Auf Grund
der Vorgänge in Schwarzburg=Rudolſtadt erhebt der ſo=
zialdemokratiſche
Volksfreund die Forderung, den auf
dem Magdeburger Parteitag gefaßten unglückſeligen Be=
ſchluß
wegen Ablehnung des Budgets ſo bald als möglich
aufzuheben. Der Rudolſtädter Fall zeige klar und deut=
lich
, daß der Magdeburger Beſchluß praktiſch undurchführ=
bar
ſei. Die Demonſtration mit der Budgetablehnung
gehe eben nur ſo lange, als die ſozialdemokratiſche Partei
nicht die Verantwortung für die Folgen einer ſolchen nutz=
loſen
Demonſtration zu tragen habe. Die Ablehnung des
Etats bringe keine Regierung in Verlegenheit, im Gegen=
teil
gebe ſie nur, ſo wie die Dinge heute in Deutſchland
lägen, willkommene Gelegenheit zur Rückwärtsrevidie=
rung
der Verfaſſung. Nach Anſicht des Volksfreundes
beobachtet der Teil der ſozialdemokratiſchen Parteipreſſe,
der ſich vor zwei Jahren nicht genug über den Diſziplin=
bruch
der Badener entrüſten konnte, völliges Stillſchwei=
gen
über den Rudolſtädter Diſziplinbruch. Der Volks=
freund
gibt ſeiner aufrichtigen Freude über dieſen Fort=
ſchritt
in der politiſchen Erkenntnis Ausdruck, erklärt es
aber für unrecht, zweierlei Recht für die parlamentariſchen
Vertreter feſtzuſtellen. Deshalb müſſe der Magdeburger
Beſchluß ſo bald wie möglich aufgehoben werden.

Ein Geſpräch mit König
Mikolaus.

C) In einem eingehenden Geſpräche mit einem Spe=
zialkorreſpondenten
der Pall Mall Gazette hat König
Nikolaus von Montenegro ſich darüber geäußert, wie er
und ſein Volk die Ereigniſſe beurteilen und beurteilen
müſſen, die jetzt in der ganzen Welt ſo viel Unruhe und
Unſicherheit hervorrufen. Nach der Angabe des Beſuchers
ſtimmen dieſe Aeußerungen in der Tat mit allem überein,
was der Korreſpondent im Geſpräch mit Bewohnern und
mit dem Volke vernommen hat. Der König, der von den
Anſtrengungen des Winterfeldzuges gebräunt iſt, empfing
ſeinen Gaſt in der charakteriſtiſchen Nationaltracht Mon=
tenegros
. Als ich zu regieren begann, ſo erzählte Ni=
kita
, war ich faſt noch ein Junge. Und ſeitdem lag ich
ſtets mit den Türken im Kampfe. Warum? Weil ſie uns
das fruchtbarſte Land fortnahmen, das unſere Vorväter
vor 300 Jahren beſaßen, und weil mein Volk nicht auf
dieſen Felſen leben kann, die Sie hier ringsum erblicken.
Die Welt verurteilt mich, daß ich Unruhe hervorrufe, aber
die Welt vergißt, daß meine Untertanen jenes fruchtbare
Land wiedererhalten müſſen, wenn wir weiterleben wol=
len
. Ja, jenes Land am Zeta=Tal iſt für uns eine Frage
von Leben oder Sterben. Denn die modernen Verhältniſſe
drängen zur Induſtrie und zum Ackerbau. Die Zeit iſt
gekommen, in der wir das Schwert niederlegen und die
Pflugſchar ergreifen müſſen. Aber wir müſſen etwas
haben, das wir pflügen können. Auf Felſen können wir
nicht Mais und Weizen wachſen laſſen. Seit mehr als
drei Jahrhunderten hat die Türkei die beſten Teile jener
Gegenden beſetzt, die unſeren Vorvätern gehörten. Und
ſeit jener Zeit haben wir darum gerungen, dieſen Beſitz

zurückzuerlangen. Und darum verſichere ich Ihnen: ich
und mein Volk, wir wollen das Land, das wir während
dieſes Krieges zurückerobert haben, auch behalten. Und
wir wollen Skutari nehmen, denn es iſt der Schlüſſel zu
dieſem Lande; wir wollen es nehmen und auch behalten.
Wie alt ich auch bin und wie ſehr Kämpfe mir zur Ge=
wohnheit
geworden ſind niemals begegnete ich in meinem
Volke einer ſolchen Entſchloſſenheit, wie während dieſes
Krieges. Denn ſie wiſſen nur zu gut, daß es beſſer iſt,
kämpfend zu ſterben, als ſo weiter zu leben, wie wir bis=
her
leben mußten.
Mit beſonderem Nachdruck fuhr der König fort: Was
Skutari anbetrifft, ſo war es unſer, ehe die Türken es
uns nahmen. Meine Ahnen ſind in jener Stadt begraben,
und ſelbſt die Kirchen Skutaris wurden von ihnen erbaut.
Die Albaner ſind nie ein geeinter Staat geweſen. Selbſt
Skander Beg. ihr Held, herrſchte nur über einen kleinen
Stamm. Selbſt in religiöſer Beziehung ſind ſie nicht ge=
eint
: dieſe ſind Mohammedaner und jene Chriſten. Und
die Tatſache, daß ſie ſich in Skutari niedergelaſſen haben,
kann unſeren Anſpruch auf das, was wir einſt verloren,
nicht ſchwächen. Wenn die Türken aus Europa verdrängt
werden, muß das Land, das wir wiedererobert haben
und das ſie uns genommen hatten, als ſie ſtark genug
waren, wieder uns gehören. Wir fordern nicht mehr, wir
kämpfen nur, um unſer Eigentum zu bewahren. Ob ich
glaube, daß ein europäiſcher Krieg möglich iſt? Ich will
keinen Krieg. Ich bin für den Frieden. Aber wir kämpfen
hier um unſer nacktes Leben; wir führen unſern letzten
entſcheidenden Kampf gegen den Tod und den Hunger.
Und ich glaube, daß die Welt unſer Volk genug kennt, um
zu wiſſen, daß wir um den Sieg oder um die Vernichtung
kämpfen. Ein allgemeiner Friede kann nie auf Ungerech=
tigkeit
und nationaler Not aufgebaut werden. Wir Mon
tenegriner wiſſen, was ein Krieg bedeutet, denn ſeit fünf

Jahrhunderten haben wir nichts anderes erlebt. Aber wir
wiſſen, wofür wir kämpfen. Und das iſt ein Grund, wes=
halb
ich einen europäiſchen Krieg als im Bereiche der
Möglichkeit anſehe. Der Fall Skutaris iſt eine Frage
weniger Tage. Es kann ſich nicht viel länger halten. Es
iſt ſchmerzlich, daß wir die Stadt beſchießen müſſen, aber
beim beſten Willen iſt das nicht zu vermeiden. Skutari
wird meine künftige Hauptſtadt ſein. Sie ſehen, Cetinje
iſt eine kleine Stadt und ſo gebaut, daß es ſich nicht ent=
falten
kann. Wir werden ſofort damit beginnen, Skutari
mit den anderen Städten durch Straßen und ſpäter durch
Eiſenbahnen zu verbinden. Das iſt eine meiner erſten
Aufgaben. Man hat mich beſchuldigt, den Balkankrieg
begonnen zu haben, als wäre es ein geſtern gefaßter Plan
geweſen. Aber ſtets war es das Ziel und die Sehnſucht
der Balkanvölker, die Türken aus Europa zu verdrängen.
Dieſer Krieg iſt nur eine teilweiſe Erfüllung eines Trau=
mes
, den wir durch Jahrhunderte der Unterdrückung
träumten.
Der wirkliche Kriegsgrund, der mich zum Kampf trieb,
war folgender: Nach den Maſſakres von Berane forderte
ich die türkiſche Regierung auf, die Blockhäuſer zu räu=
men
, die ſie auf meinem Gebiete beſetzt hatten. Ich wie=
derholte
dieſe Forderuna mehrmals ohne Erfolg. Schließ=
lich
verlangte ich eine Antwort binnen vierzehn Tagen.
Ich erhielt keine. Ich forderte von neuem; wieder ohne
Erfolg. Dann, als ich wußte, daß ſie mit mir ſpielten,
führte ich meine Truppen gegen ſie. Der König hielt
inne und verſank in Nachdenken. Dann aber ſchaute er
auf und ſaate: Ich bin auf meine Leute ſtolz. Sie kämp=
fen
wie Lömen. Ich babe viele Kämpfe geſehen, aber nie
beſſere Leiſtungen als jene, die auf dem Bardanjolt und
dem Taraboſch vollbracht wurden.

[ ][  ][ ]

Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Seite 3.

Ausland.

Schweiz.
Der Gotthardbahnvertrag. Die Kommiſ=
ſion
des Ständerats für den Gotthardbahnvertrag hat am
Montag ihre Schlußſitzung abgehalten. Es wurde mit 12
Stimmen gegen eine die Ratifizierung beſchloſſen. Der
Ständerat begann darauf die Beratung des Vertrages.
Die Debatte wird wahrſcheinlich Mittwoch zu Ende ge=
führt
.
Italien.
Das Verſicherungsmonopol. Die vor
einem Jahre im Parlament, in der Preſſe und auch in
diplomatiſchen Verhandlungen lebhaft umſtrittene Ver=
ſtaatlichung
des Lebensverſicherungsgeſchäfts in Italien
iſt nunmehr durchgeführk und ſeit Anfang des Jahres
1913 iſt das National=Verſicherungsinſtitut im Betrieb.
Die Tageszeitungen teilen heute das Ergebnis des erſten
Vierteljahres des ſtaatlichen Verſicherungsbetriebs mit
und glauben daraus die Zuverſicht auf dauernde gute Er=
folge
dieſes neuen Staatsmonopols ſchöpfen zu dürfen.
Das Geſamtergebnis der drei Monate beziffert ſich auf
Verſicherungsabſchlüſſe in der Höhe von 64½ Millionen,
und man darf darin wohl mit Recht einen Beweis des
Vertrauens der Bevölkerung auf das ſtaatliche Verſiche=
rungsweſen
erblicken, wenn auch einſchränkend der Ein=
wand
erhoben werden kann, daß dieſes Vertrauen er=
zwungen
iſt, weil ja nach dem Geſetz vom Jahre 1912 kein
Italiener mehr Verſicherungen bei fremden Anſtalten ab=
ſchließen
kann. Den ſtärkſten Anteil an dem Ergebnis hat
die Provinz Mailand mit 9 Millionen, Rom folgt gleich
danach, weiterhin Neapel mit 7¼ Millionen. Wider Er=
warten
haben auch die ſüdlichen Provinzen im allgemeinen
trotz ihrer wirtſchaftlichen Rückſtändigkeit eine anſehnliche
Beteiligung aufzuweiſen, namentlich die Provinzen Ca=
tania
, Salerno, Caſerta, Potenza, Coſenza, Lecce und
Reggio. Das mittlere Bürgertum und die kleinen Leute
ſollen beſonders eifrig von der neuen Einrichtung Ge=
brauch
gemacht haben, und die Blätter glauben jetzt ſchon
ſagen zu dürfen, daß die ſeinerzeit bei der parlamentari=
ſchen
Erörterung erhobenen Bedenken gegen das Inſtitut
durch die Tatſachen widerlegt worden ſind.
Spanien.
Der Religionsunterricht an den Volks=
ſchulen
. Der Rat für das öffentliche Unterrichtsweſen
behandelte die Frage des Religionsunterrichts an den
Volksſchulen. Der Kommiſſionsbericht wurde mit 31 ge=
gen
20 Stimmen angenommen. In dem Bericht heißt es
in Artikel 1: Der Religionsunterricht wird in den Volks=
ſchulen
in der gleichen Weiſe erteilt wie bisher. Ar=
tikel
2: Ausgenommen von der Teilnahme am Religions=
unterricht
ſind Kinder, deren Väter einer anderen Reli=
gion
als der katholiſchen angehören, ſowie Kinder, deren
Väter, obwohl Katholiken, den Wunſch nach Befreiung
vom Religionsunterricht ausdrücken und ſich verpflichten,
den Kindern dieſen Unterricht zu Hauſe zu erteilen.
Vereinigte Staaten.
Die Tarifreviſion. Die Tarifvorlage iſt dem
Repräſentantenhauſe zugegangen. Der Ausfall an Zoll=
einnahmen
, der durch die Verminderung der Zollſätze ver=
urſacht
wird, ſoll durch eine Einkommenſteuer eingebracht
werden, von der man 100 Millionen Dollar erwartet. Die
Vorlage ſieht die ſofortige Reduktion des Zuckerzolles um
25 Prozent und den völligen Wegfall des Zuckerzolles von
1916 ab vor! Rohwolle wird ſofort zollfrei. Die Zollſätze
aller Waren ſind erheblich verringert worden. Bei der Ein=

kommenſteuer ſind alle Einkommen unter 4000 Dollar aus=
genommen
. Einkommen bis zu 20000 Dollar zahlen
1 Prozent, ſolche von 2050000 Dollar 2 Prozent, ſolche
von 50100000 Dollar 3 Prozent, Einkommen über
100000 Dollar 4 Prozent. Die Vorlage hebt die beſtehende
Maximal= und Minimalbeſtimmung auf. Die neuen Zoll=
ſätze
bilden den Maximaltarif. Der Präſident wird er=
mächtigt
, über gegenſeitige Verträge zu verhandeln und
Ländern, welche die amerikaniſche Zufuhr begünſtigen, Zu=
geſtändniſſe
zu machen. Underwood ſagte, daß die allge=
meine
Herabſetzung der Tarife die Ausdehnung des ame=
rikaniſchen
Handels auf dem Weltmarkte fördern werde,
und erklärte, die künftige Entwicklung der großen ameri=
kaniſchen
Induſtrie liege über See.

* Paris, 8. April. Die deutſche Kolonie ver=
anſtaltete
geſtern abend im Palais d’Orſay ein Feſtmahl
zu Ehren des zum preußiſchen Geſandten in Darm=
ſtadt
ernannten Botſchaftsrates Freiherrn von der
Lancken=Wakenitz. Im Namen der ſehr zahlreich
erſchienenen Landsleute gab Herr Beſſel unter allgemei=
nem
lebhaftem Beifall der Sympathie und Wertſchätzung
Ausdruck, die ſich Freiherr von der Lancken und ſeine Ge=
mahlin
durch ihre opferwilligen Bemühungen um alle
gemeinnützigen und wohltätigen Werke des hieſigen
Deutſchtums erworben hatten. Botſchafter Freiherr von
Schoen gedachte in eindrucksvoller Rede der ſo erfolgreichen
diplomatiſchen Tätigkeit von der Lanckens, der in wich=
tigen
und ſchwierigen Zeitläuften Kaiſer und Reich über=
aus
erſprießliche Dienſte erwieſen habe, und einen glän=
zenden
Beweis dafür bilde, daß die von mancher Seite
gegen die deutſche Diplomatie erhobenen Vorwürfe unge=
rechtfertigt
ſeien. Freiherr von der Lancken dankte be=
wegt
für die ihm zuteil gewordene Ehre und verſicherte,
daß er der deutſchen Kolonie ſtets und überall ein treues
Andenken bewahren werde.
* Paris, 7. April. Heute nachmittag iſt in Paris
der bekannte franzöſiſche Staatsmann Conſtans im
Alter von 80 Jahren geſtorben. Er war in Beziers
(Dep. Herault) am 3. Mai 1833 geboren. Im erſten Mini=
ſterium
Freyeinet vom 29. Dezember 1879 wurde er Unter=
ſtaatsſekretär
im Miniſterium des Innern, im erſten Mi=
niſterium
Ferry (September 1880 bis November 1881)
Miniſter des Innern. Im Jahre 1886 ging er als außer=
ordentlicher
Geſandter nach China, 1887 als Generalgou=
verneur
nach Indo=China. Im Kabinett Tirard (Februar
1889 bis März 1890) war er Miniſter des Innern, ebenſo
im Kabinett Freyeinet (März 1890 bis Februar 1892).
Ein zweitesmal war Conſtans wiederum Miniſter des
Innern, als der Herzog von Orleans im geheimen nach
Paris gekommen war, um ſich als gemeiner Soldat in die
Armee einſtellen zu laſſen. Conſtans ließ den Herzog feſt=
nehmen
und ſetzte deſſen Verurteilung auf Grund jenes
Sondergeſetzes durch, das den Angehörigen derjenigen
Familien, die früher in Frankreich geherrſcht haben, den
Zutritt auf franzöſiſchem Boden verbietet. Es iſt bekannt,
welche Rolle Conſtans ſpäter als Botſchafter Frankreichs
in Konſtantinopel geſpielt hat, wo er ſich als der eifrigſte
Bekämpfer des wachſenden deutſchen Einfluſſes erwies.
Seit 1908 hatte ſich Conſtans von der Politik vollſtändig
zurückgezogen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 9. April.

Vom Hofe. Prinz Adalbert zu Schleswig=
Holſtein iſt am Montag nachmittag 2 Uhr 53 Minuten
nach England abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Vorſitzenden des Heſſiſchen
Apothekervereins Medizinalrat Dr. Emil Vogt in
Butzbach das Ehrenkreuz des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen, dem Betriebsleiter der Oelfabrik Groß=
Gerau-Bremen, Wilhelm Zarges I zu Groß=Gerau,
das Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen mit der Krone, und der ſeitherigen Ge=
meindehebamme
zu Spachbrücken Katharina Kreiſel

die Silberne Verdienſtmedaille des Ludewigs=Ordens
verliehen.
* Erledigte Stellen. Eine mit einem katho=
liſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der Ge=
meindeſchule
zu Dalheim, Kreis Oppenheim; je
eine mit einem evangeliſchen Lehrer zu beſetzende
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Beuern, Kreis
Gießen, mit der Organiſtendienſt verbunden iſt; an der
Gemeindeſchule zu Grüningen, Kreis Gießen; dem
Gemeindevorſtand ſteht das Präſentationsrecht zu, mit
der Stelle iſt Organiſtendienſt verbunden; an der Ge=
meindeſchule
zu Lindheim, Kreis Büdingen; an der
Gemeindeſchule zu Radmühl, Kreis Lauterbach, deren
Inhaber eine Ortszulage bewilligt werden kann; an der
Gemeindeſchule zu Metzlos, Kreis Lauterbach, mit
der Kantordienſt verbunden iſt, dem Inhaber der Stelle
kann eine Ortszulage bewilligt werden; an der Ge=
meindeſchule
zu Gunzenau, Kreis Lauterbach, mit
der Organiſten=, Lektor= und Kantordienſt verbunden iſt,
deren Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden;
an der Gemeindeſchule zu Hartershauſen, Kreis
Lauterbach, mit der Organiſten= und Lektordienſt ver=
bunden
iſt, dem Herrn Grafen zu Schlitz genannt von
Görtz ſteht das Präſentationsrecht zu. Die Stelle des
Oberförſters der Oberförſterei Romrod.
Perſonalien von der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſen=
bahngemeinſchaft
. Mit Ermächtigung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs wurde dem Großh.
Regierungsbaumeiſter des Eiſenbahnbaufaches, Wilhelm
Rau aus Kalk, ſowie dem Großh. Regierungsbaumeiſter
des Maſchinenbaufaches, Georg Dreßel aus Nürnberg
die etatsmäßige Stelle eines Regierungsbaumeiſters mit
Wirkung vom 1. April verliehen; den Eiſenbahnaſſiſtenten
Adolf Schmidt zu Worms wegen geſchwächter Geſundheit
vom 1. Juli an in den Ruheſtand verſetzt; ferner wurden
in den Ruheſtand verſetzt die Bahnwärter Vincenz
Leitſch zu Nieder=Olm vom 1. April, Valentin
Grun zu Albig, Philipp Hecker zu Laubenheim
a. Rh., Adam Rühl zu Mainz=Mombach, Johann
Mattes zu Weiſenau, der Weichenſteller in der Heſſiſch=
Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft Adam Müller III.
zu Mainz. vom 1. Mai an.
* Militärdienſtnachrichten. Prinz zu Solms=
Hohenſolms=Lich, Major und Kommandeur der
Leib=Eskadron des Regiments der Gardes du Corps, zum
Stabe des Huſaren=Regiments König Wilhelm I. (1
Rhein.) Nr. 7 verſetzt. Noeldechen, Generalmajor und
Kommandeur der 25. (Großh. Heſſ.) Feldart.=Brigade, zum
Inſpekteur der 1. Fußartillerie=Inſpektion ernannt.
* Der neue preußiſche Geſandte am heſſiſchen Hofe
und bisherige Botſchaftsrat in Paris, Freiherr von der
Lancken, wird Anfang Juni die Geſchäfte hier über=
nehmen
. Zurzeit iſt er, wie wir ſeinerzeit mitgeteilt haben,
für die Internationale Kommiſſion, die in Paris zur
Prüfung der durch die Veränderungen auf dem Balkan
aufgetauchten Fragen zuſammentreten wird, zur Vertre=
tung
des Deutſchen Reiches beſtimmt.
* Zur Kriſis im heſſiſchen Genoſſenſchaftsweſen. Die
kürzlich neugegründete Zentralkaſſe der heſſi=
ſchen
landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaf=
ten
hat, wie auswärtige Blätter zu berichten wiſſen
(die hieſigen Blätter zu unterrichten, hielt man nicht
für notwendig. Die Red.), den Kgl. Bankinſpektor bei
der Preußenkaſſe, Herrn Mager, für die erſte Direktor=
ſtelle
gewonnen. Herr Mager iſt Heſſe und war von 1889
bis 1895 Reviſor bei dem Verband der heſſiſchen landwirt=
ſchaftlichen
Genoſſenſchaften, von 1895 bis 1903 Direktor
der Provinzial=Genoſſenſchaftsbank für Schleſien und ge=
ſchäftsführendes
Vorſtandsmitglied des Provinzialverban=
des
ſchleſiſcher landwirtſchaftlicher Genoſſenſchaften zu
Breslau. 1903 wurde Herrn Mager die damals neuge=
ſchaffene
Stelle eines Bankinſpektors bei der Preußenkaſſe
übertragen. Herr Mager hat ſofort in Heſſen die Arbeit
aufgenommen.
Vom Großh. Hoftheater. Am Donnerstag geht auf
Allerhöchſten Befehl bei feſtlich erleuchtetem Hauſe zur Er=
öffnung
des zweiten Teils der Frühlings=Feſtſpiele Das
Rheingold in Szene. Die muſikaliſche Leitung des Vor=
abends
der Nibelungen=Trilogie hat Hofkapellmeiſter Leo
Blech=Berlin inne, Kammerſänger Feinhals von Mün=
chen
ſingt den Wotan, Kammerſänger Heinrich Henſel von
Hamburg den Loge, Kammerſängerin Cecilie Rüſche= En=
dorf
, deren großer Erfolg als Iſolde ſie hier mit
eins in den Mittelpunkt des Intereſſes geſtellt hat, ſingt

Großherzogliches Hoftheater.

Montag, 7. April.
Die Wildente.
W-l. Als zweites Stück in dem Ibſen=Zyklus gelangte
heute deſſen fünfaktiges Schauſpiel Die Wildente‟
zur Aufführung. Wir haben uns anläßlich der erſten Auf=
führung
dieſes Stückes ausführlicher darüber ausgeſpro=
chen
und können im weſentlichen nur wiederholen, was
wir damals geſagt haben. Der Titel des Stückes gründet
ſich auf folgende Ausführungen des alten Jägers Ekdal:
Die Wildenten ſtechen auf den Grund, beißen ſich feſt in
Tang und Algen und all dem Teufelskram, den es da unten
gibt. Und dann kommen ſie niemals wieder herauf. Die
Wildente iſt dem Verfaſſer alſo das Symbol für die im
Sumpf zugrunde gehenden Menſchen, die daraus nicht
wieder emporkommen können.
Die Wildente behandelt wie Nora das Ehepro=
blem
und will den ſittlichen Grundſatz zur Geltung brin=
gen
, daß eine wahre Ehe nur auf Grund gegenſeitigen
vollkommenen Vertrauens und völliger Aufrichtigkeit mög=
lich
iſt. Das iſt wahr, edel und ſchön, aber in den Mitteln
der Beweisführung vergreift ſich Ibſen auch hier. Der
Umſtand, daß Gregor mit ſeinen idealen Forderungen
an das Leben Fiasko macht und die Gegner dieſer idealen
Anſchauung (der alte Werle und Relling) in letzter Linie
Recht behalten, läßt uns zu dem Schluß kommen, daß
Ibſen als Peſſimiſt dieſe idealen Forderungen habe ver=
neinen
, um nicht zu ſagen, verſpotten wollen. Aber dieſer
Verneinung fehlt anderſeits wieder die Beweiskraft, da
der Träger der Hauptidee, Gregor, mehr ein Idiot, als
ein Idealiſt, ein Phantaſt und ein Rechtlichkeits=, Quack=
falber
iſt, der unmöglich ernſt zu nehmen iſt und eher in
eine Anſtalt für harmloſe Irre, als ſonſtwohin gehört
Daß die zweite Perſönlichkeit, welche die idealen Forde=
rungen
erfüllen ſoll, der närriſche Hjalmar, die denkbar
Ungeeignetſte und Unfähigſte dazu iſt, ſieht jeder Menſch
von vornherein ein, nur nicht der, welcher es einſehen
muß, nämlich Gregor, der Phantaſt, der ſein Experiment
mit ihm macht und darüber ein Familienleben zerſtört und
ſeine Schweſter in den Tod treibt. Um dieſe beiden Toren
ad absurdum zu führen, bedarf es nicht eines ſolchen
Apparates; es verlohnt ſich kaum der Mühe und das
wollten wir ſagen beweiſt gar nichts. Nur wenn man
das Stück als Satire auffaßt, fallen die Bedenken.
Das Stück iſt unerquicklich, peinvoll und verſtimmend.
Das niederdrückende Milieu des Pauperismus in der

Dachkammer, die entſetzliche Proſa des Lebens mit ihren
alltäglichen Sorgen im Kampfe um die Exiſtenz, das Sich=
Verbohren in des Lebens ausgegrübelte Miſere und vor
allem den troſtloſen Peſſimismus, aus dem entweder
völlige Reſignation oder gänzliche Verneinung des Lebens
die einzige Rettung bilden, muß man aus ethiſchen und
äſthetiſchen Gründen verurteilen und von ſich weiſen. Jeder
trägt den Maßſtab für die Bewertung ſolcher Lebensfreude
ertötenden Stücke in ſich, wenn er ſich Rechenſchaft darüber
gibt, welche Eindrücke er von der Aufführung empfängt
und behält.
In der Darſtellung der Rolle des eitlen und renom=
miſtiſchen
Halbnarren Hjalmar befleißigte ſich Herr Jür=
gas
einer anerkennenswerten Zurückhaltung, ſo daß es
Momente gab, wo man ihn ernſt nehmen konnte. Den
Phantaſten Gregor Werl, der eine ſo traurige Rolle in
dem Stücke ſpielt und deſſen Lebensaufgabe es iſt, der
Dreizehnte bei Tiſche zu ſein, charakteriſierte Herr Ehrle
mehr als einen melancholiſchen Schwächling, denn als
einen Fanatiker. Sehr gut war Herr Baumeiſter als
Werle. Fräulein Heumann zeichnete die unglückliche
Gina, in der ſich das ganze Elend des Stückes verkörpert,
mit kräftigen realiſtiſchen Strichen; für den armen alten
Ekdal, in dem das Unglück zum Spotte wird, war Herr
Weſtermann der berufenſte Vertreter. Sehr hübſch
wenn auch mit etwas ſtarken Unterſtreichungen, ſpielte
Fräulein Art’l die Rolle der vierzehnjährigen Hedwig,
der einzigen Lichtgeſtalt in dieſer drückenden Atmoſphäre
Die Alkoholiker Relling, der Arzt mit dem praktiſchen
Verſtande, und Molvig, der verkommene Theologe, wur=
den
durch die Herren Heinz und Peterſen charakte
riſtiſch verkörpert und dargeſtellt. Die kleine Rolle der
Frau Sörby, die das Enſemble der ſchiffbrüchigen Exi=
ſtenzen
des Stückes vervollſtändigt, ſpielte Frl. Alſen.
Die Regie führte wieder Herr Valdek.

Konzerte.

mm. Am Montag veranſtaltete im Städtiſchen Saalbau
der Mozartverein ſein zweites diesjähriges Kon=
zert
im 70. Vereinsjahre ſeines Beſtehens. Für den ſeit
lange als ſehr tüchtig bekannten anſehnlichen Vereinschor
war das umfangreiche Programm an ſich ſchon eine große
Leiſtung, denn es enthielt nicht weniger als fünf große
Chorwerke mit Orcheſterbegleitung, die an Ausdauer der
Sönger und Umfang der Stimmen die höchſten Anfor=
derungen
ſtellen. Aber auch der Geſangsſoliſtin, Frau Kam=
merſängerin
Anna Schnaudt=Erler aus München.

war eine nicht weniger große und bedeutende Aufgabe zu=
teil
geworden durch Uebernahme der Altſolopartie in ein=
zelnen
Chorwerken, die ſie mit dem ganzen Aufgebot ihrer
gewaltigen Stimmittel bewältigte. Von L. van Beethoven
waren die beiden erſten Programmnummern, drei Stücke
aus Die Ruinen von Athen (Opus 113) in der Bear=
beitung
von Richard Heuberger, in der ſich der bekannte
Türkiſche Marſch beſonders hübſch abhob und auch der
Chor mit Kraft und Begeiſterung wirkte. Der folgende
Sologeſang mit Orcheſter An die Hoffnung (Opus 94)
wurde von Frau Schnaudt=Erler dramatiſch belebt und
ſtimmungsvoll geſungen. Die drei Lieder von Schubert
für Altſolo welche ſpäter folgten, wirkten beſonders in
der geſchickten Inſtrumentierung von Bleyle und Mottl,
namentlich (von letzterem) Der Tod und das Mädchen
und Die Allmacht bei der die Klangfarben des Orcheſters
dem Vortrag Kraft und Glanz verliehen. Die vorzüglichen
Leiſtungen der Künſtlerin fanden ungeteilte Bewunderung,
ihre Auffaſſung und die gediegene Ausdrucksfähigkeit muß
beſonders anerkannt werden.
Von den Werken für Männerchor waren zwei Num
mern zum erſtenmal zu Gehör gebracht worden. Der Ge=
ſang
der Geiſter über den Waſſern für achtſtimmigen
Chor von Schubert war, mit einer Bearbeitung für großes
Orcheſter von Siegmund v Hausegger verſehen, von impo=
ſanter
Wirkung. Die größte Kraftentfaltung wurde wohl
in dem ſehr ſchwierigen Prometheuschor (Opus 25) von
Karl Bleyle erreicht, einem ſehr modernen, ausdrucksvollen
Kunſtwerk, in welchem freilich der Komponiſt ſtellenweiſe
die Grenzen des muſikaliſch Schönen ſtreift, um nur eine
charakteriſtiſche Tonmalerei auszuführen. Daß er aber
auch wohlklingende Effekte kennt, zeigte ſein ſchon bekann=
tes
Opus 26: Ein Harfenklang mit Altſolo. Den Be=
chluß
des genußreichen Abends bildeten zwei Chöre aus
Goethes Pandora von Arnold Mendelsſohn, von denen
der Geſang der Hirten (unter Mitwirkung von Altſolo)
beſonders durch ſeine naturfriſchen Orcheſterklänge erfreut.
In dem Hämmerchortanz wirkten außer Herrn Konzert=
ſänger
Franz Müller noch die Vereinsmitglieder
Kugler, Roth und Jung mit.
Im Verlaufe des Abends wurde dem Vereinsvor=
ſitzenden
, Herrn W. Pfeil, der 45 Jahre dem Mozartchor
angehört, mit einer ehrenden Anſprache durch Herrn
Scriba ein prachtvoller Ehrenkranz überreicht. Chon
und Orcheſter (die Großh. Hofkapelle) hielten ſich unter der
ruhigen und ſicheren Leitung des bewährten Dirigenten,
Herrn Großh. Kapellmeiſters Frdr. Rehbock, vorzüglich,

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Nummer 82.

die Fricka und Wilhelm Fenten von Mannheim ſingt den
Faſolt. Die genannten Gäſte ſind in der Mehrzahl auch
in Bayreuth und in den Wagner=Feſtſpielen des Münche=
ner
Prinz=Regenten=Theaters in den von ihnen hier ver=
tretenen
Partien tätig. Am Donnerstag beginnt der Ein=
zelverkauf
für die vier Abende des Ring des Nibelungen
Am Sonntag gelangt als Fortſetzung der Feſtſpiele auf
Allerhöchſten Befehl Die Walküre bei feſtlich erleuchtetem
Hauſe zur Aufführung. Neben dem muſikaliſchen Leiter
des Abends Leo Blech ſind von Gäſten noch tätig Kam=
merſänger
Henſel, der den Sigmund ſingt, Kammerſänge
Feinhals, der den Wotan ſingt und Kammerſängerin
Rüſche=Endorf als Brünhilde. Das Rheingold beginnt
um 7 Uhr, der Anfang der Walküre iſt auf 6 Uhr ange=
ſetzt
. Am Freitag wird Karl Rößlers erfolgreiches Luſt=
ſpiel
Die fünf Frankfurter bei aufgehobenem Abonne=
ment
zu ermäßigten Volksvorſtellungspreiſen wiederholt
werden. Der Vorverkauf findet bis einſchließlich Don=
nerstag
im Verkehrsbureau ſtatt, am Tage der Vorſtellung
ſind Karten an der Tageskaſſe des Großh. Hoftheaters er=
hältlich
.
* Eine Ehrengabe. Noch nachträglich wurde unſer
alter Kriegsveteran Herr Ph. Mohr, Wachtmeiſter i. P.
welcher am 27. v. M. ſeinen 90. Geburtstag feierte, von dem
von ſeiner Reiſe zurückgekehrten Präſidenten der Haſſia‟
Herrn Generalmajor Frhrn. v. Heyl, in ſeiner Wohnung
beſucht und ihm ein namhaftes Geldgeſchenk überwieſen.
* Goldene Hochzeit begingen am Montag in voller
Rüſtigkeit Herr Klavierſtimmer W. Schröer und Frau.
* Die Kriegerkameradſchaft Haſſia verſendet ſoeben
ihren vom erſten Schriftführer Dr. Vogt erſtatteten Jah=
resbericht
über das 38. Verbandsjahr 1912,
der zunächſt die Rechnungsablage über die Verbandskaſſe
und ſämtliche Stiftungen enthält und in der Einleitung
auf die Notwendigkeit einer noch größeren Verbreitung
der Verbandszeitung hinweiſt, deren Auflage von 12000
auf 18000 geſtiegen iſt. Die Sonderkommiſſion hat dem
Geſamtpräſidium folgenden Antrag an die Mitgliederver=
ſammlung
unterbreitet: Vom 1. Januar 1914 an wird
jedem Verein die Verbandszeitung in einer ſeiner Mit=
gliederzahl
entſprechenden Anzahl von Exemplaren zuge=
ſtellt
unter Erhöhung des jährlichen Verbandsbeitrages
um 1 Mark für jedes Mitglied. Die Verſandkoſten werden
von den Vereinen getragen. Das Präſidium erwartet, daß
dieſer Antrag mit allen Kräften unterſtützt wird. Im
Jahre 1912 ſind dem Landesverband 11 Vereine mit 461
aktiven und 31 paſſiven Mitgliedern neu beigetreten, alles
ereine, die im Laufe des Jahres entſtanden ſind. 5 die=
ſer
Vereine ſind Spezialwaffenvereine, 3 davon allein in
Mainz gegründet. Der Beſtand der Haſſia am Schluſſe
des Vereinsjahres ergab folgende Zahlen: 979 Vereine
mit 63 917 aktiven (Ende 1911: 63085) und 6413 paſſiven
E(Ende 1911: 6338), zuſammen 70330 (Ende 1911: 69 575)
Mitgliedern. Der Zuwachs beziffert ſich ſonach auf 755
Mitglieder. Das Vermögen beträgt jetzt insgeſamt
301 587,07 Mark, was gegenüber dem Stand von 1911 ein
Mehr von 16 277,72 Mark bedeutet. Die Vereine beziffer=
iten
ihr Kapitalvermögen Ende 1912 auf 660 415 Mark ge=
gen
647 299 Mark am Schluſſe des Jahres 1911. Die Haſſia=
iſterbekaſſe
ſchreitet in ihrer Entwicklung ruhig fort. Das
Jahr 1911 ſchloß ab mit einem Stand von 19523 ner=
ſicherten
Perſonen und 4974312 Mark Verſicherungskapi=
tal
. Zurzeit hat die Sterbekaſſe einen Stand von 22702
Perſonen und 5 836 915 Mark Verſicherungskapital. Sterbe=
gelder
wurden im Jahre 1912 ausgezahlt in 233 Fällen
44 026,86 Mark, im ganzen bis jetzt ſeit Beſtehen der Kaſſe
(1. Oktober 1907) 114183,86 Mark. Die Mitglieder=
verſammlung
fand am 15. und 16. Juni in Nieder=
Olm ſtatt. Für 1913 iſt ſie auf Sonntag, den 1. Juni, nach
Hirſchhorn am Neckar einberufen; Tagesordnung und An=
träge
ſind dem Bericht beigegeben. Der Voranſchlag
ſchließt mit 76 722,14 Mark ab. Für Wohltätigkeitszwecke
ſtehen im Jahre 1913 zur Verfügung: Für Unterſtützung
laut Voranſchlag (einſchließlich Zinſen der Prinz Ludwig=
Stiftung) 14500 Mark, für Veteranenunterſtützungszulagen
5800 Mark, für Konfirmationsbeihilfen 5502 Mark, für Le=
bensverſicherungspolizen
aus der Ernſt Ludwig= Eleono=
ren
=Stiftung 548 Mark, zuſammen 26 350 Mark.
* Der Lehrerſängerchor veranſtaltet Samstag, den
12. April, abends 8 Uhr, im Saalbau ſein 2. Winter=
konzert
. Seiner Gewohnheit gemäß widmet er ſich in
dieſem Konzert hauptſächlich dem Volkslied. Es werden
darum die Klänge von Liebesweh und Liebeswonne,
von Scheiden und Meiden vorherrſchen, und manch ver=
trauter
Bekannter wird darunter ſein, ſo auch das
immer wieder gern geſungene und gehörte Innsbruck
ich muß dich laſſen‟ Dazwiſchen wird auch Schubert,
der vom Chor ganz bevorzugte Meiſter, zu Gehör
kommen und mit dem Frühlingslied, das in ſeinen
heiteren Harmonien wie ein heller ſtrahlender Frühlings=
tag
anmutet, und mit dem Geſang der Geiſter über
den Waſſern vertreten ſein. Die Soliſtin des Abends
Frau Werner=Jenſen aus Berlin, in unſerer Stadt rühm=
lichſt
bekannt aus der Matthäus=Paſſion, wird eine
ſehr wertvolle Bereicherung des Programms bringen

und mit ihrem wundervollen Alt den Hörern höchſtes
Genießen bereiten.
Der Richard Wagner=Verband deutſcher
Frauen, der bereits in 40 blühenden Ortsgruppen über
ganz Deutſchland verbreitet iſt und unter dem Protektorat
der deutſchen Kronprinzeſſin ſteht, hat nun auch in
unſerer Stadt eine Ortsgruppe erhalten. Auf Anregung
der Frau Major Selzam ſind im November vorigen
Jahres eine Anzahl Damen zu einem vorbereitenden
Vorſtand zuſammengetreten und haben in ſtillem Wirken
bereits 50 Mitglieder mit feſten Jahresbeiträgen ge=
worben
. Auch Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin
iſt der Ortsgruppe als Mitglied beigetreten. Als erſte
Rate konnten dem Richard Wagner=Stipendien=Fonds
bereits 200 Mk. überwieſen werden. Dieſer im Sinne
Wagners gebildete Fonds, der die Höhe von etwa einer
Million erreicht hat, gewährt bekanntlich Unbemittelten
die Mittel zum Beſuche der Feſtſpiele in Bayreuth. Um
möglichſt allen die Mitwirkung an dieſem idealen Hilfs=
werke
zu ermöglichen, wird ſchon jeder Jahresbeitrag
von 1 Mk. an dankbar angenommen. Aus der gleich
zeitig erſcheinenden Anzeige werden die Namen der Vor=
ſtandsmitglieder
erſichtlich, die zur Annahme von Bei=
rittserklärungen
, ſelbſtverſtändlich auch von Herren,
jederzeit bereit ſind,
Der Stolze=Schreyſche Stenographenverein hielt im
Fürſtenſaal ſein 25jähriges Stiftungsfeſt mit Ball ab, das
einen glänzenden Verlauf nahm. Das in allen Teilen gut
aufgeſtellte Programm bot den Feſtteilnehmern einige recht
genußreiche Stunden, und der darauf folgende Ball hielt
die Anweſenden bis zur frühen Morgenſtunde zuſammen.
Pramiiert. Bei der am 5. und 6. April in
Düſſeldorf ſtattgefundenen Internationalen Ausſtellung
von Hunden aller Raſſen gingen folgende Mitglieder
des Vereins der Hundefreunde von Darmſtadt und
Umgegend mit ihren ausgeſtellten Hunden ſiegreich her=
vor
. Herr Oeſtreicher für Bernhardiner mit 2 I. und
2 Ehrenpreiſen, Herr Klippel=Griesheim für Dobermann=
pinſcher
mit 1 I. und 1 III. Preis.
Hotel Heß. Am Donnerstag, den 10. April, ver=
anſtaltet
die Kapelle Otto im Hotel Heß einen Klaſſiker=
Abend. Zum Vortrag kommen unter anderem: Joſeſ
Haydn, das berühmte Kaiſer=Quartett; Konzert für
zwei Violinen und Klavier von Mozart; Aufforderung
zum Tanz (Karl Maria von Weber); Klavier=Quartett
von Mozart, Andante con Variatione aus dem C-moll
Trio von L. v. Bee honen.
* Kinotheater. Das Union=Theater ( Kunſtlicht=
ſpiele
Rheinſtraße 6) iſt in den wenigen Monaten ſeines
Beſtehens verſtaunlich raſch das beliebteſte Etabliſſement
für die Kinobeſucher geworden, die auf ein gediegenes
Programm Wert legen. Daß es die Direktion daran auck
nicht fehlen läßt, beweiſt wieder das Programm der zwei=
ten
Hälfte dieſer Woche, das heute erſtmalig vorgeführt
wird. Da iſt zunächſt das italieniſche Liebes= und Lebens
drama Das Herz vergißt nicht zu nennen. Neben dem
gediegenen Inhalt lernen wir hier auch die ſchöne Lagu=
nenſtadt
Venedig, in der das Drama ſpielt, kennen Nack
dem wilden Weſten führt uns das ergreifende Drama
Herz und Pflicht und das Journal zeigt uns die
Neuigkeiten der letzten Woche im Bild. Die Naturauf=
nahmen
ſind belehrend, ohne dabei unintereſſant zu ſein,
während unter den üblichen Humoresken Moritz am Tele=
phon
und Der Cowboy ſucht Engagement wohl den
Vogel abſchießen werden.

Feuilleton.

* Ein feiner Brief. Mit einer ſeltſamen Beleidigungs=
geſchichte
hatte ſich jüngſt das Schöffengericht Nürnberg
zu befaſſen. Ein Mieter war ausgezogen, und ſein Abzug
war nicht ganz freundlich geweſen. Die Vermieterin be=
auftragte
einen Malermeiſter mit dem Tünchen der Woh=
nung
. Der fand in der Wohnung ganze Kolonien von
Wanzen, und er ließ ſeinen Lehrbuben Jagd darauf
machen, und dieſer erbeutete weit über 1000 Wanzen. Von
dieſen ſteckte der Malermeiſter über 200 in ein Fläſchchen
und ließ es durch ſeinen Lehrbuben dem ausgezogenen
Mieter mit einem ſchönen Gruß überſenden. Der Mieter
hatte Sinn für Humor und opferte einmal einen freien
Sonntag zur Ausführung eines ganz eigenartigen Ge=
dankens
. Er ſetzte ſich hin und ſchrieb ſeiner früheren
Hausfrau einen Brief. Darin kam auffallend oft das Wort
Wanze vor. Das Wort ſchrieb er aber nicht hin, ſondern
ſſo oft es vorkam, klebte er an deſſen Stelle eine große,
echte Wanze auf das Papier. So lautete der Brief: An
die Wirtin W W W W Heim. Andurch ſende ich Ihnen
die mir zugeſchickten W W wieder zurück mit dem Be=
merken
, daß ich Sie an dem einzigen Reichtum, den Sie
haben, nicht ſchmälern will. Hätten Sie die W W von
den anderen Wohnungen noch mitgeſchickt, ſo hätte ich mit
den W W eine W W Ausſtellung veranſtaltet und Ihnen
einen W W Preis zugedacht uſw. Verachtungsvollſt!
Einer, der Sie kennt. NB. Bitte einrahmen. Die
Vermieterin verklagte den Briefſchreiber. Den koſtete der
Spaß 50 Mark.
* Das muß ein großer Ochſe ſein! Eine Erfahrung,
die ich, ſo ſchreibt jemand dem Erfurter Allg. Anzeiger
neulich machen mußte, erinnert mich an eine kleine Ge=
ſchichte
, die der bekannte Kunſthiſtoriker Herman Grimm
in ſeinen Vorleſungen zu erzählen pflegte. Grimm machte
einſt mit einem anderen Kunſtgelehrten zuſammen eine
Studienreiſe durch Süddeutſchland. Dabei wurden ſie
eines Tages in die Villa eines reich gewordenen Brauers

verſchlagen. Man nahm ſie gut auf und bewirtete ſie aufs
beſte. Als der Hausherr hörte, daß ſeine Gäſte Kunſt=
wiſſenſchaftler
ſeien, führte er ſie vor ein großes Gemälde,
das er für einen Rubens hielt. Der alte Grimm betrachtete
das Bild längere Zeit und ſagte dann in ſeiner beſchei=
denen
Art: So weit ich Rubens kenne, iſt das kein
Rubens! In Wahrheit war es eine völlig wertloſe
Kopie. Da wurde der frühere Brauer puterrot und rief:
Das muß ein großer Ochſe ſein, der nicht gleich ſieht, daß
das ein echter Rubens iſt! Die beiden Kunſthiſtoriker
ſtanden da wie die begoſſenen Pudel. Herman Grimm
pflegte ſeine Erzählung mit folgenden Worten zu ſchlie=
ßen
: Meine Herren! Man gilt nur ſo lange etwas bei
Künſtlern und Kunſtfreunden, als man ihnen ſchmeichelt.
Widerſpricht man ihnen aber oder tadelt man ſie, ſo iſt
man ein Ignorant und Dummkopf. Das iſt eine Erfah=
rung
, die Sie alle einmal machen werden; beſonders die=
jenigen
unter ihnen, die ſich als Kunſtkritiker betätigen
wollen. Allein, meine Herren, daraus darf man ſich nichts
machen!
* Eine Hochzeit mit Hinderniſſen. In Sillingen bei
Karlsruhe wurde dieſer Tage ein im vollen Staat erſchie=
nenes
Brautpaar nicht getraut, weil der Bräutigam in
Karlsruhe noch einen Tag auszuhängen hatte. Eine
telephoniſche Anfrage beſtätigte das geſetzliche Hindernis.
Des Brautpaares und der Hochzeitsgeſellſchaft bemächtigte
ſich tiefe Niedergeſchlagenheit; das Feſtmahl ſtand bereit,
aber niemand wollte anbeißen. Der würdige Pfarrer
aber, der ſich auch ſchon gerüſtet hatte, wußte Rat. Er lud die
ganze Geſellſchaft aufs freundlichſte ein, in ſeine Kirche
zu kommen, und hielt eine ſchöne Hochzeitspredigt. In
eindringlichen Worten ermahnte er die Verſammelten, die
Feſtesſtimmung nicht abzutun und ja keine Traurigkeit
aufkommen zu laſſen. Man ſolle ruhig heute Hochzeit
feiern und die Trauung morgen nachholen. Und ſo ge=
ſchah’s
auch. In Saus und Braus wurde das Hochzeits=
mahl
gehalten, und tags darauf ſchritten die noch nicht
Vermählten züchtiglich zum Traualtar, nachdem ſie der
Bürgermeiſter zuſammengetan hatte.

Beratungsſtelle für Alkoholkranke.

* Der Bericht der Beratungsſtelle für Alkoholkranke
in Darmſtadt über ihre Tätigkeit im Jahre 1912 (zweites
Geſchäftsjahr) iſt ſoeben erſchienen. Es heißt darin: Das
zweite Geſchäftsjahr eröffnete die Beratungsſtelle mit
Maßnahmen, die darauf abzielten, die neue Einrichtung
bei der Bevölkerung der Stadt immer mehr einzubürgern
und ihr dadurch einen größeren Zuſpruch zu ſichern. Zu
dem Zwecke wurden an eine größere Anzahl hieſiger Be=
hörden
, Krankenkaſſen, Fabriketabliſſements und derglei=
chen
zum Aufhängen in Wartezimmern, Fabrikräumen
uſw. beſtimmte Plakate abgegeben, in denen auf die Be=
ratungsſtelle
hingewieſen wird. Auch wurde die hieſige
Preſſe erſucht, auf die Einrichtung von Zeit zu Zeit an
geeigneter Stelle aufmerkſam zu machen. Als Helfer oder
Helferinnen beteiligten ſich an der Arbeit Mitglieder 1. des
Alkoholgegnerbundes, Ortsgruppe Darmſtadt, 2. des
Blaukreuzvereins hier, 3. der Loge Heſſens Hoffnung
Nr. 1514 des internationalen Guttemplerordens, 4. des
Kreisvereins Darmſtadt gegen den Mißbrauch geiſtiger
Getränke, 5. des Vereins abſtinenter Frauen hier. Aud
das Gemeindepflegeſeminar des Heſſiſchen Diakoniever=
eins
hier lieh ſeine Unterſtützung. AlsFürſorgearzt ſtand der
Beratungsſtelle auch im abgelaufenen Jahre der ärztliche
Berater der Landesverſicherungsanſtalt, Herr Kreisaſſi=
ſtenzarzt
Dr. med. Beſt, zur Seite. Die Tätigkeit in der
Sprechſtunde vollzog ſich in der Hauptſache in der gleichen

Weiſe, wie ſie im vorjährigen Geſchäftsbericht näher dar=
gelegt
worden iſt. Hier fand manche gequälte Trinker=
ehefrau
und mancher andere ſorgenvolle Anverwandte Ge=
legenheit
zu befreiender Ausſprache und unterzog ſich
dann mit neuem Mute der ſchweren Aufgabe, die daheim
ſeiner wartete. Hier berichteten die Helfer und Helfe=
rinnen
von ihren Erfolgen und Mißerfolgen, vor allem
aber und das iſt ein ſehr wichtiger Zweck der Sprech=
ſtunde
und der Beratungsſtelle überhaupt tauſchte man
hier die in der praktiſchen Arbeit gemachten Erfahrungen
aus und beriet gemeinſam darüber, wie dieſer oder jener
ſchwierige Fall weiter zu behandeln ſei.
Im Laufe des zweiten Geſchäftsjahres wurden im
ganzen 45 Alkoholkranke, 40 männliche und 5 weibliche,
zur Kenntnis gebracht, die Inanſpruchnahme der Berat=
ungsſtelle
iſt damit gegen das erſte Jahr, in dem 33 Trin=
ker
gemeldet wurden, um 12 Fälle geſtiegen. Die Anmeld=
ung
erſolgte in 13 Fällen durch die Ehefrau, in 1 Fall
durch den Ehemann, in 3 Fällen durch andere Verwandte,
in 12 Fällen durch Behörden und öffentliche Anſtalten,
in 11 Fällen durch Privatperſonen und in 5 Fällen durch
den Trinker ſelbſt. Hiernach gingen auch im zweiten Be=
richtsjahre
die meiſten Anmeldungen von den Ehefrauen
aus, die ja das Trinkerelend am bitterſten empfinden; be=
merkenswert
iſt auch, daß die Inanſpruchnahme der Berat=
ungsſtelle
durch die Trinker ſelbſt eine Zunahme von 2 auf
5 erfahren hat.
Eine ſehr ernſte Sprache redet die Feſtſtellung, daß
von den gemeldeten 45 Trinkern 20 bereits ein oder meh=
rere
Male mit Haſt oder Gefängnis vorbeſtraft waren.
Dabei ſei bemerkt, daß nur diejenigen Vorſtrafen. notiert
wurden, die ſich aus den eingezogenen Akten ergaben oder
offen zugeſtanden wurden. Es iſt ſehr wohl möglich, daß
in dem einen oder anderen Falle Vorſtrafen verſchwiegen
wurden und auf anderem Wege nicht feſtgeſtellt werden
konnten. Bei den Vorſtrafen ſtehen Körperverletzung,
Widerſtand gegen die Staatsgewalt, Eigentumsdelikte
und Ruheſtörung obenan. Hervorgehoben ſei noch, daß
4 der Gemeldeten bereits zeitweiſe in Irrenanſtalten
untergebracht und 2 wegen Trunkſucht entmündigt wor=
den
waren. Im ganzen wurden während des Jahres
1912 6 der gemeldeten Perſonen in Trinkerheilſtätten
untergebracht. Die Unterbringung erfolgte in 5 Fällen
in der Heilſtätte Burgwald bei Eberſtadt, die Koſten trug
mit Ausnahme von 2 Fällen die Landesverſicherungs=
anſtalt
Großh. Heſſen. Vier dieſer Pfleglinge kamen vor
Schluß des Jahres 1912 zur Entlaſſung, ſie wurden als=
bald
wieder in Fürſorge übernommen, und es konnten 2.
davon einem hieſigen Abſtinenzverein als Mitglieder zu=
geführt
werden. Von den beiden anderen Entlaſſenen
hält ſich der eine auch ohne Vereinsanſchluß gut, wäh=
rend
der andere, der übrigens die Heilſtätte auch vorzeitig
verlaſſen hat, eine weſentliche Beſſerung nicht erkennen
läßt. Viele Schwierigkeiten verurſachte auch im abgelau=
fenen
Jahre wieder die Frage der Arbeitsvermittelung,
die in der Regel auch bei der Entlaſſung der Pfleglinge
aus der Heilſtätte brennend wird, und von deren befriedi=
gender
Löſung auch ſonſt in zahlreichen Fällen ſo ſehr viel
abhängt.
Die Rettungsarbeit an den Trinkern wäre einſeitig
und wenig befriedigend, wenn ſie nicht eine notwendige
und ſehr erſprießliche Ergänzung fände in der Fürſorge
für die Frauen und die Kinder der Trinker. Zur Betätig=
ung
auf dieſem Gebiete ſind beſonders die weiblichen
Hilfskräfte der Beratungsſtelle berufen, ihnen erwächſt in
der Unterſtützung und Beratung der Trinkerehefrauen bei
der Führung des Haushaltes und der Erziehung der Kin=
der
ein weites und dankbares Arbeitsfeld.
Ziehen wir nun, ſo heißt es am Schluſſe, die Summe
deſſen, was das abgelaufene Jahr uns gebracht und ge=
lehrt
hat, ſo ſteht zunächſt das eine feſt, daß es der Be=
ratungsſtelle
auch im zweiten Jahre ihres Beſtehens an
Arbeit nicht mangelte. Wir haben uns dieſer Arbeit, ſo=
weit
es in unſeren Kräften ſtand, gern unterzogen, ſind
uns aber auch darüber klar, daß wir nicht all den Wün=
ſchen
und Hoffnungen derer gerecht werden konnten, die
unſere Hilfe angerufen haben. Dies gilt beſonders, wie
ſchon angedeutet wurde, für die Frage der Arbeitsver=
mittelung
. Ob es uns gelingt, dieſe Frage in abſehbarer
Zeit befriedigend zu löſen, ſteht dahin; jedenfalls wird
es nur dann möglich ſein, wenn in der Allgemeinheit
insbeſondere bei den Arbeitgebern, unſere Beſtrebungen
mehr gewürdigt und unterſtützt werden.
Der Geſchäftsbericht wird an Intereſſenten koſtenlos
abgegeben.

Verkehrs=Ausſchuß der Bergſtraße.

Am Samstag trat der Engere Ausſchuß des
Verkehrs=Ausſchuſſes der Bergſtraße im Hotel Zum
Löwen in Zwingenberg zu einer Sitzung zuſammen, die
von Vertretern aus Auerbach, Bensheim, Darmſtadt,
Jugenheim, Heppenheim, Lindenfels, Seeheim und Zwin=
genberg
ſehr zahlreich beſucht war. Der Vorſitzende, Herr
Rentner Sieben=Auerbach, eröffnete die Sitzung um
1 Uhr. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde,
gedachte der Vorſitzende in warmen Worten der Verdienſte
des verſtorbenen Herrn Bürgermeiſters Dr. Frenay=
Bensheim. Zur Ehrung ſeines Gedächtniſſes erhoben ſich
die Anweſenden von ihren Sitzen. Der Vorſitzende ver=
las
einen Brief des 2. Vorſitzenden, Herrn Lehrer Weide=
Jugenheim, worin er ſeine Amtsniederlegung mitteilt in=
folge
ſeiner Verſetzung an das Realgymnaſium in Darm=
ſtadt
. Der Vorſitzende ſprach ſein lebhaftes Bedauern
aus, die tüchtige Kraft des Herrn Weide verlieren und
entbehren zu müſſen. Der nächſten Generalverſammlung
bleibt die Wahl eines 2. Vorſitzenden und Schriftführers
vorbehalten.
Der nächſte Punkt der Tagesordnung galt der Be=
richterſtattung
des ſtellvertretenden 1. Vorſitzenden, Herrn
Baron v. Schad=Bensheim, über ſeine Erfahrungen
bei der Behandlung der Anfragen während ſeiner ½jäh=
rigen
Amtsperiode. In längerem Vortrage ſtellte Herr
v. Schad feſt, daß die Erledigung der zahlreichen Anfra=
gen
zu wünſchen übrig ließ. Es würden zu vielen Perſo=
nen
, vor allem auch gewerbsmäßigen Vermittlern uſw.,
die Adreſſen der ſich um Anſiedelung an der Bergſtraße
informierenden Perſonen mitgeteilt, ſo daß dieſe mit Ant=
worten
und Offerten förmlich überſät würden, und ſei dar=
über
geklagt worden, daß ſie von einzelnen Agenten ge=
radezu
beläſtigt würden und infolgedeſſen ihre Abſicht,
an die Bergſtraße zu ziehen, aufgegeben hätten. Da die=
ſer
vom Verkehrs=Ausſchuß nicht gewollte Erfolg, der
einem Mißerfolg gleichkommt, nur einem zu großen Eifer
der einzelnen Orte zuzuſchreiben iſt, wurde nach längerer
und eingehender Diskuſſion beſchloſſen, daß die den Ver=
trauensmännern
in den einzelnen Orten zugeſtellten An=
fragen
nur von ihnen allein zu erledigen, nicht weiter zu
geben und von ihnen als eine vertrauliche Angelegenheit
zu behandeln ſei. Es ſoll hierdurch eine Beläſtigung der
Intereſſenten vermieden und das Vertrauen zu der ge=
meinnützigen
Arbeit des Verkehrs=Ausſchuſſes geſtärkt wer=
den
. Im nächſten Punkt der Tagesordnung legte der
Vorſitzende die vor einigen Tagen erſchienene Nummer

[ ][  ][ ]

Nummer 82

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

der Woche vor, die den Artikel über die Bergſtraße ent=
hielt
. Wenn auch feſtgeſtellt und anerkannt werden muß, daß
der Artikel auf Fernſtehende einen vorzüglichen Eindruck
gemacht hat, ſo iſt es doch ſehr bedauerlich, daß das Blatt
ſich an das mit ihm getroffene Abkommen nur recht wenig
gehalten hat, ſo daß einzelne Orte ſich in ihren Inter=
eſſen
empfindlich benachteiligt fühlen. Da dieſer Artikel
aber nur in gewiſſem Sinne als eine Leiſtung des Ver=
kehrs
=Ausſchuſſes anzuſehen iſt, da derſelbe die Vorver=
handlungen
mit dem Blatt wohl eingeleitet hat, aber die
Einzelheiten den einzelnen Orten vollſtändig ſelbſtändig
überlaſſen hat, ſo trifft ihn keine Verantwortung und
haben die einzelnen Orte ihre Beſchwerden bei dem Ver=
lage
ſelbſt vorzubringen und zu vertreten.
Das Internationale öffentliche Verkehrs=Bureau in
Berlin, Unter den Linden, ein ſehr bedeutendes Unter=
nehmen
, hat einen Artikel über die Bergſtraße eingeſandt,
den es in zirka 400 deutſchen Zeitungen koſtenlos für uns
zur Aufnahme bringen will. Das Anerbieten wird freu=
dig
begrüßt. Das Inſtitut hatte bereits im vorigen
Jahre einen ähnlichen Artikel mit gutem Erfolge in die
Zeitungen gebracht und haben wir mit großer Aufmerk=
ſamkeit
die guten Beziehungen, die uns mit dieſem In=
ſtitut
verbinden, gepflegt. Den Verhandlungen, die ſich
bis gegen 7 Uhr hinzogen, wurde erfreulicherweiſe das
größte Intereſſe entgegengebracht.

Der Obſt= und Gartenbau=Verband für den
Kreis Darmſtadt

hielt im Saale des Bergſträßer Hofes zu Eberſtadt
ſeine diesjährige Generalverſammlung ab. Nach erfolgter
Rechnungsprüfung, Erteilung des Jahresberichtes Ge=
nehmigung
des vom Vorſtande aufgeſtellten Voranſchlages
wurde im Arbeitsplan unter anderem eine Prämiierung
von Obſtpflanzungen beſchloſſen; prämiiert werden a)
Pflanzungen von 315 Jahren, b) ſolche von 15 und mehr
Jahren, e) Pflanzungen an Hauswänden, Mauern ꝛc.,
d) Beerenobſtanlagen. Für die Prämiiern=
ſind
240
Mark vorgeſehen.
Weiter wurden an Belehrungsausflügen in Ausſicht
genommen: 1. Beſuch der Obſtausſtellung und Obſtbau=
ſchule
in Friedberg, 2. Beſichtigung von Obſtanlagen ꝛc.
bei Heidelberg, 3. Beſichtigung der Kulturen von Seibert
und Kaiſer=Roßdorf. Angeregt wurde ein Beſuch der geo=
logiſchen
Sammlungen des Großh. Landesmuſeums.
Hieran ſchloß ſich der Vortrag des Herrn Großh. Vor=
ſtehers
Haug von der Großh. landwirtſchaftlichen Winter=
ſchule
Darmſtadt, Ueber die Abhängigkeit des Gedeihens
der Obſtbäume ꝛc. von der Bodenſchichtung. Die Aus=
führungen
zerfielen in 2 Hauptteile: Der Boden und
ſeine Entſtehung und die Pflanze, bezw. das Pflanzen=
leben
. Anſchließend an die wiſſenſchaftlichen Annahmen
über dle Entſtehung der Erde, ihre Erkaltung und Ober=
flächengeſtaltung
wurden die Urſachen der Bildung der
verſchiedenen Geſteins= und Bodenſchichten erklärt. Der
Boden beſtehe aus 2 Teilen: Dem Bodengerüſt und den
Bodennährſtoffen. Erſteres beſtimmt die phyſikaliſchen
Eigenſchaften, während die Bodennährſtoffe den augen=
blicklichen
Reichtum des Bodens an Pflanzennahrung dar=
ſtellen
. Von größter Wichtigkeit ſeien die biologiſchen oder
Lebensvorgänge, die ſich beſonders im Humus abſpielen
und dazu beitragen, die abgeſtorbenen Reſte des Tier= und
Pflanzenreiches wieder zu aufnehmbarer Pflanzennahrung
umzuwandeln und den Boden beſonders an Stickſtoff un=
mittelbar
zu bereichern. Der praktiſche Landwirt und
Gärtner müſſe, wenn er ſparſam wirtſchaften und den
Boden ausnützen wolle, auf eine möglichſte Anreicherung
des Bodens an Humus bedacht ſein. Eine zu ſtarke künſt=
liche
Düngung wirke auf die biologiſchen Vorgänge nach=
teilig
und werde daher teuer ſein. Die Bedeutung des
Humus für gleichmäßige Waſſerzufuhr ſei für ſchwere und
leichte Böden gleich groß. Die Düngung ſolle daher ſo=
weit
als irgend möglich mit Stallmiſt, Kompoſt, Grün=
dünger
und anderem organiſchem Dünger ausgeführt wer=
den
, da gerade dadurch auch unzählige Mikroorganismen
dem Boden zugeführt werden.
Durch Vorführung von Lichtbildern, welche beſonders
das Wurzelwachstum der Obſtbäume unter verſchiedenen
Verhältniſſen des Ober= und Untergrundes zeigten, fan=
den
die Ausführungen eine ſehr überzeugende Unterſtütz=
ung
. Zu dem führte auch Herr Kreisobſtbau=Inſpektor
Bieſterfeldt=Offenbach, unſerer Einladung folgend
mehrere Wurzelaufnahmen mit einſchlägigen Erklärungen
vor. Weiter vermehrte Herr Regierungsrat v. Werner
die Lichtbildervorführung durch eine Anzahl Dreifarben=
bilder
von Einzelpflanzen und =blüten, ſowie ſüdländi=
ſchen
Vegetationsgruppen.
Die Anweſenden folgten ſowohl den Ausführungen
des Redners, als auch deſſen Vorführungen und den der
beiden anderen Herren mit geſpannteſter Aufmerkſamkeit
und zollten reichen Beifall.

Bensheim, 8. April. Die nach dem Brande des Hau=
ſes
Kraſt aufgefundene Leiche iſt als die des 38jährigen
Fuhrmanns Karl Leis erkannt worden, der in dem Hauſe
die Nacht geſchlafen hat. Der 29jährige Kutſcher Arnold
wurde bei den Rettungsarbeiten ſo ſchwer verletzt, daß
er noch geſtern ſeinen Verletzungen erlegen iſt.
Offenbach, 8. April. Die dreijährige Elſe Schnepp,
die am Samstag abend von der Lokalbahn überfahren
wurde, iſt nun ebenkalls ihren ſchweren Verletz=
ungen
im Krankenhaus erlegen.
Mainz. 7. April. Am 6. April waren es 75 Jahre,
daß der Mainzer Humoriſt und Dichter Friedrich Len=
nig
geſtorben iſt. Dem zum Gedächtnis wurde an ſeinem
Geburtshauſe am Marktplatz eine Gedenktafel ent=
hüllt
, die der Mainzer Karnevalverein geſtiftet hat.
Worms, 8. April. Herr Generaldirektor Hoch=
geſand
iſt plötzlich an den Folgen eines Schlaganfalls
geſtorben. Dieſe Nachricht wird in der ganzen Bür=
gerſchaft
, die den Verblichenen wegen ſeiner vorzüglichen
Charaktereigenſchaften allgemein hochſchätzte, tiefes Be=
dauern
und aufrichtige Trauer erwecken.
Oppenheim, 8. April. Vom Telegraphen= Ba=
taillon
Nr. 4 in Karlsruhe trafen geſtern nachmittag
2 Offiziere und 25 Mann ein, um hier eine dreitägige
Uebung abzuhalten.
Nieder=Ingelheim, 8. April. In der Nähe des Bahn=
hofs
Ingelheim hat ſich der 70jährige Taglöhner Johann
Schmidt von Ober=Ingelheim, der in der Griesmühle
beſchäftigt war, heute nacht überfahren laſſen. Das
linke Bein wurde ihm abgefahren und er erlitt außerdem
noch ſchwere Verletzungen, an deren Folgen er ſtarb.
Per Grund zu dem Selbſtmord ſoll Lebensüberdruß ge=
weſen
ſein.
Gießen, 8. April. Der 24jährige Maſchinenſchloſſer
Ludwig Beimborn kam in Wieſeck in dem Transfor=
matorenhäuschen
der Starkſtromleitung zu nahe und war
ſofort tot.
Nieder=Mockſtadt, 8. April. Man ſchreibt uns:
Aus Furcht vor Strafe in den Tod gegangen iſt der
11jährige Otto Bretthauer von hier. Sein kleines Schwe=

ſterchen, auf das er achtgeben ſollte, hatte eine Fenſter=
ſcheibe
zertrümmert, weshalb ihm von ſeiner Mutter eine
geringfügige körperliche Züchtigung zuteil geworden war.
Daraufhin hatte ſich der Junge, ohne daß man darauf
acht gegeben hätte, entfernt und war während der Nacht
nicht nach Hauſe gekommen. Am anderen Tage ſuchte man
überall vergeblich nach ihm. Am Sonntag ließ man dann
die bekannte Polizeihündin Lady des Herrn Wacht=
meiſters
Wiener von Nidda kommen die auch ſofort die
Spur des Jungen ſchnurſtracks bis Nidda aufnahm. An
derſelben Stelle, wo ſie laut gab, gelang es auch, die
Leiche des unglücklichen Jungen zu bergen, der aus
Furcht vor Strafe von ſeiten des Vaters in der Nidda
ein naſſes Grab geſucht hatte. Heute, an ſeinem 11. Ge=
burtstage
, wurde er zu Grabe getragen.
(*) Büdingen, 7. April. Das hieſige größte Geldinſtitut,
Vorſchuß= und Kreditverein, erzielte im abge=
laufenen
Geſchäftsjahr einen Umſatz von über 2½ Mil=
lionen
Mark und einen Reingewinn von 20000 Mark.
Bei Beginn des Jahres 1912 zählte die Kaſſe 760, am
Jahresſchluß 767 Mitglieder. Die Generalverſammlung
hat die Genoſſenſchaft mit unbeſchränkter Haftpflicht in
eine ſolche mit beſchränkter Haftpflicht umgewandelt.
Schotten, 8. April. Nach dem Gießener Anzeiger
fand man in einem in der Nähe von Schotten liegenden
Schutzhäuschen die Leichen des Laboranten Bern=
hard
Serth und deſſen Frau aus Frankfurt a. M. er=
ſchoſſen
auf. Der Grund zu der Tat iſt unbekannt.

Kunſtnotizen.

(eber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Der Richard Wagner=Verein wird auf ſeinem
heute abend veranſtalteten letzten Vereinsabend
dieſes Winters das Darmſtädter Publikum mit einem der
begabteſten und vielſeitigſten deutſchen Komponiſten un=
ſerer
Tage bekannt machen, dem Freiburger Tondichter
Julius Weismann. Es liegen aus ſeiner fleißigen
Feder ſchon nahezu hundert Lieder, eine Reihe von Chor=
werken
für gemiſchten und Männerchor, Kammermuſik=
nummern
, Stücke für Klavier und Violine und eine Sin=
fonie
in H-moll vor, die ſämtlich von ſtarker Begabung
und echtem künſtleriſchem Streben Zeugnis geben. Einer
ſeiner Kritiker ſchrieb über ihn ſehr richtig: Weismann iſt
kein Tonſetzer, ſondern ein Tondichter. Gewiß kann er
alles, die Satzkunſt hat er von Grund aus gelernt, geübt
und beherrſcht ſie; ſeine Phantaſie nennt ihm unzählige
Melodien, an ſinnvollen Wendungen fehlt es ihm nicht;
er vermag die Stimmung nicht nur zu ſchaffen, ſondern
auch zu vertiefen und feſtzuhalten. Der Born ſeiner Muſik,
einer Muſik ohne Hintergedanken und blaſſe Abſichten, iſt
das deutſche Gemüt, das lieben will, das das Träumen
nicht laſſen kann, deſſen Treue feſt iſt wie der Stamm der
knorrigen Waldeiche. Weismann iſt ein Romantiker ein
Muſiker mit dem wiedergefundenen Wunderhorn. Zu
der heutigen Wiedergabe ſeiner Schöpfungen werden ſich
mit dem Komponiſten die Konzertſängerin Fräulein Carola
Hubert, die Geigerin Fräulein Anna Hegner und der
Violoncelliſt Lennart von Zweygberg, ſämtlich Kunſtkräfte
von anerkanntem Rufe, vereinen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 7. April. Ein verhäng=
nisvoller
Unfall, der noch der Aufklärung bedarf,
hat ſich in der Nacht in einem Hauſe zu Schöneberg abge=
ſpielt
. Dort ſtrömte aus dem Gasherd in der Küche, in
der zwei Verkäuferinnen und die Köchin ſchliefen, Gas
aus Als der Schlächtermeiſter morgens ſeine Angeſtellten
wecken wollte, fand er die drei Mädchen leblos auf. Zwei
von ihnen waren bereits tot, während bei der dritten Wie=
derbelebungsverſuche
von Erfolg waren. Die drei Mäd=
chen
lagen auf ihren Betten, während der Schlauch, der
den Gasherd mit der Rohrleitung verbindet, abgeriſſen
war. Die polizeilich eingeleitete Unterſuchung ergab, daß
der Gasſchlauch erſt in der Nacht von dem Zuführungsrohr
heruntergeriſſen worden war. Man glaubt, daß eines der
Mädchen ſich während der Nacht von ſeinem Lager erhoben
und den Schlauch in der Schlaftrunkenheit abgeriſſen hat.
Das eine der Mädchen war Schlafwandlerin und verließ
häufig das Bett, ſogar die Küche, ohne am nächſten Mor=
gen
etwas von ihren nächtlichen Gängen zu wiſſen. Im
Hauſe ihrer Eltern hatte ſie auch einmal nachts den Gas=
hahn
ihrer Lampe geöffnet und wurde am nächſten Morgen
beſinnungslos aufgefunden. Geſtern nachmittag wurde
in einem erſtklaſſigen hieſigen Hotel aus dem Zimmer
eines dort wohnenden ruſſiſchen Grafen ein Käſtchen mit
Juwelen im Werte von 10000 Mark und ein Porte=
monnaie
mit barem Geld von unbekannten Hoteldieben
die anſcheinend einer internationalen Diebesbande ange=
hören
, entwendet. Auf die Herbeiſchaffung der Pretio=
ſen
hat der Beſtohlene 10 Prozent des Wertes als Beloh=
nung
ausgeſetzt. In ihrer Wohnung in Wilmersdorf
verſuchten geſtern der Kaufmann Hirſchberg und ſeine
Frau, ſich mit Lyſol zu vergiften. Beide wurden
bewußtlos aufgefunden. Hirſchberg iſt geſtorben. Man
hofft die Frau am Leben zu erhalten. Als Grund wird
eine ſchwere Krankheit des Mannes angegeben.
Frankfurt, 8. April. Die Geſchäfts= Ausſtel=
lung
in der Feſthalle, die am kommenden Don=
nerstag
eröffnet werden ſoll, wird die umfangreichſte Aus=
tellung
ſein, der die Rieſenhalle bisher Unterkunft ge=
währt
hat. Seit Oſtern ſind hunderte von Händen be=
ſchäftigt
, um die großzügigen Einbauten fertigzuſtellen,
und die Stände für die 200 Ausſteller herzurichten, denn
die Ausſchmückung wird diesmal nicht den einzelnen über=
laſſen
. Nach den Plänen des Stadtbaumeiſters Grörich
iſt ein einheitlicher, gefälliger Rahmen geſchaffen worden,
der nunmehr der Vollendung nahe iſt, und der Ausſtel=
lungsobjekte
harrt, die die Ausſteller nur hineinzuſetzen
haben. So wird das Bild, das die Feſthalle am 10. April
ihren Zuſchauern bieten wird, auch für denjenigen neu und
feſſelnd ſein, der ſie ſchon in mancherlei Gewand geſehen
hat.
Frankfurt, 8. April. Graf Zeppelin, der ſeit
Sonntag hier weilte, und im Frankfurter Hof mit Direktor
Colsmann und dem Kapitän Gluud und anderen nam=
haften
Luftſchiffern konferiert hatte, reiſte heute mittag
12.50 Uhr über Heidelberg nach Stuttgart.
Saarbrücken, 8. April. Die neun Jahre alte Tochter
Erna des Anſtreichermeiſters Kretſchmar in dem benach=
barten
Heusweiler, die ſeit dem 1. März ds. Js. ver=
ſchwunden
war, wurde geſtern nachmittag in einem Bach,
der Heusweiler durchfließt, ermordet aufgefun=
den
. Die Leiche ſteckte in einem Salzſack. Unter dem
Verdacht, das Mädchen getötet zu haben, befindet ſich ein
Sohn des Metzgermeiſters M. aus Heusweiler ſeit dem
Verſchwinden des Mädchens in Unterſuchungshaft.
Kempten, 7. April. In Rettenbach brannte
am Samstag nacht das Anweſen des Maurers Abrell
nieder. Bei dem Verſuch, ſeine drei Kinder im Alter von
6 bis 11 Jahren zu retten, verbrannte Abrell mit die=
ſen
. Die Frau iſt infolge des Unglücks ſchwer krank.
Merlenbach, 8. April. Bei einer geſtern abend zwiſchen
6 und 7 Uhr erfolgten Exploſion in der hieſigen neu=

errichteten Sauerſtoffabrik wurde der Werkmeiſter und
zwei Arbeiter getötet und ein Arbeiter ſchwer verletzt.
Die Gebäude wurden vollſtändig zerſtört.
Altenſteig, 8. April. Geſtern nachmittag brach in der
von vier Familien bewohnten ſogenannten alten Kaſerne‟
Feuer aus, das ſo raſch um ſich griff, daß nichts mehr
gerettet werden konnte. Eine alte lahme Frau, die bei
einer in dem Hauſe wohnenden Familie in Pflege war,
konnte nicht mehr das Freie erreichen und kam in den
Flammen um. Auch der Hausbeſitzer Karl Tafel iſt
bei dem Verſuch, noch etwas zu retten, verbrannt. Zwei
andere Perſonen erlitten ſchwere Brandwunden. Eine
von ihnen ſchwebt in höchſter Lebensgefahr. Nach kurzeu
Zeit hatten auch die beiden Häuſer des Schuhmachers
Birkle und des Glaſers Lutz Feuer gefangen. Das erſtere
brannte bis auf den Grund nieder, während das andere
noch zum Teil gerettet werden konnte. Durch die große
Hitze hatten in dem verhältnismäßig engen Gebietsviertel
ſechs weitere Häuſer Feuer gefangen und auch das Stadt=
pfarrhaus
war in großer Gefahr. Der Schaden iſt bedeu=
tend
. Das Feuer ſoll durch ſpielende Kinder entſtanden
ein.
Peſt, 7. April. In dem Prozeß gegen die Ex=
abgeordneten
die gegen den Miniſterpräſidenten
und den Ackerbauminiſter Tintenfäſſer und anderes ſchleu=
derten
, wurden Zakarias zu 30 Tagen Gefängnis und 500
Kronen Geldſtrafe, Hoffmann und Beck zu 15 Tagen Ge=
ängnis
und 300 Kronen Geldſtrafe verurteilt. Vier An=
geklagte
wurden freigeſprochen. Die Verteidiger und der
Staatsanwalt legten Berufung ein.
Bay City (Oregon), 7. April. Beim Kentern des Ham=
burger
Viermaſters Mimi bei Aſtoria ſind 18 Per=
ſonen
ertrunken. Nachdem die Rettungsmannſchaft
der Station Garibaldi faſt 24 Stunden vergeblich gegen
den heftigen Sturm angekämpft hatte, gelang es ihr heute
rüh um 5 Uhr. Kapitän Weſtphal und den Kapitän
Fiſher, den Präſidenten der Portland Engineering Corpo=
ration
, ſowie zwei Matroſen zu retten.

Der Nieder=Modauer Bank=
krach
vor der Strafkammer.

Zweiter Verhandlungstag.
g. Die Verhandlung gegen Adam und Genoſſen
nahm geſtern mit der Vernehmung des Angeklagten
Moſes Jſaak
ihren Fortgang. Dieſer ſchilderte anfangs in erregter,
lebhafter Rede ſeine Verhaftung am 6. März 1912 und
die Ausſagen des Adam, die nach ſeiner Behauptung
zu ſeiner Verhaftung geführt hatten. Adam habe aus=
geſagt
, er habe ſich Hypotheken des Vereins im Werte
von über 60000 Mark angeeignet und für ſeine Zwecke
verwendet. Auf den Vorhalt des Vorſitzenden, daß ihm
dies die Anklage gar nicht zur Laſt lege, beginnt er den
Anfang ſeiner Geſchäftsverbindung mit Pallmann und
ſeiner Bauſpekulationen zu ſchildern. Ende 1899 oder
Anfang 1900 ſei er mit Landsberg, Vogel und Roth in
Verbindung getreten. Von dieſem Konſortium wurde
ein größerer Baukomplex im Martinsviertel erworben
und die einzelnen Grundſtücke wurden zur Bebauung an
Bauunternehmer abgegeben. 1904 ſei er durch die großen
Aufregungen dieſer Spekulation ernſtlich krank geworden,
und er habe deshalb dem Roth erklärt, er mache nicht
mehr mit, er ſchließe ab, Roth ſolle das Reſtgelände über=
nehmen
. Bereits vorher, 1902, ſeien von den Bauunter=
nehmern
viele Wechſel von Nieder=Modau überreicht
worden. Er habe damals noch keinerlei Beziehungen zu
Nieder=Modau und zu Pallmann gehabt. 1902 ſei Lands=
berg
aus dem Baukonſortium ausgeſchieden und Vogel
1905. Er, Jſaak, habe die Verpflichtung gehabt, das ganze
Baukapital dem Konſortium zur Verfügung zu ſtellen.
Die erſte Anzahlung für die Grundſtücke betrug 40000
Mark, nach und nach wurden dafür 100000 Mark einge=
zahlt
. Als 1905 Vogel aus dem Konſortium ausſchied
zahlte ihm Iſaak von dem ausgerechneten Gewinn von
206000 Mark ſeinen Teil von 68000 Mark. Dieſen ange=
nommenen
Nutzen habe er ſpäter wieder eingeklagt, als
ſich herausſtellte, daß kein Gewinn, ſondern ein Verluſt
von rund 900000 Mark entſtand. Jſaak ſagte dann dem
Roth, er mache unter keinen Umſtänden mehr mit. Er
habe damals bereits 150000 Mack Baugelder bezahlt ge=
habt
. Roth ſolle den Reſt der Grundſtücke übernehmen,
er, Iſaak, ſei auch bereit, ihm perſönlich Baukapital bis
zur Höhe von 60 Prozent vorzuſchießen. Roth erwiderte
auf dieſes Angebot, für ihn allein wäre es zu viel, aber
Pallmann wolle die Hälfte mit übernehmen, wenn er
Baukapital bis zu 100 Prozent zur Verfügung ſtelle.
Insgeſamt haben ſeine Ausgaben für dieſe Grundſtücks=
ſpekulation
ohne die Baugelder beinahe eine Million
betragen, doch ſeien von 19011904 etwa 1 bis 1½ Millio=
nen
eingegangen, und zwar durch die Realiſierung der
Hypotheken der erbauten Häuſer. Pallmann begründete
eine Forderung von 100 Prozent Baugelder damit, daß
es ihm nicht einfalle, aus ſeinem Geſchäft auch nur einen
Pfennig für dieſe Spekulation zu ziehen. Der Vertrag
mit Pallmann wurde dann am 25. März 1904 abge=
chloſſen
. Pallmann habe ihm zur Beſchaffung der Bau=
ſummen
Akzepte auf Nieder=Modau ausgehändigt, die er
zum Teil behalten, zum Teil diskontiert hade. Ende 1905
ei das Engagement mit Nieder=Modau verſchwun=
den
. Von 1906 bis 1908 ſeien von ihm nach Reali=
ſierung
der Hypotheken für 170180000 Mark Wechſel be=
zahlt
worden. Die Wechſel behielt er für ſich, trotzdem
er ſich Nieder=Modau gegenüber verpflichtet hatte, die er=
ledigten
Wechſel einzuſenden. Eine ſtichhaltige Erklärung
kann er dafür nicht geben.
Bezüglich des regen Wechſelverkehrs Pallmanns mit
Nieder=Modau habe er den Angaben des P. volles Ver=
trauen
entgegengebracht. P. habe nicht nur ihm, ſondern
auch den verſchiedenen Banken, bei denen er dieſe Wechſel
unterbrachte, zur Begründung dieſes umfangreichen Kre=
dits
angeführt, er habe dem Nieder=Modauer Verein frü=
her
große Gefälligkeiten erwieſen, deshalb habe ſich auch
die Kaſſe zur Einräumung eines Kredits verpflichtet. Auch
auf wiederholten Vorhalt kann er nur antworten, daß
er ſich niemals Gedanken darüber gemacht habe, ob wohl
die Beziehung des P. zur Nieder=Modauer Kaſſe in Ord=
nung
ſei. Er weiß aber auch keinen einzigen Vorteil
für die Nieder=Modauer Kaſſe durch dieſen Wechſelver=
kehr
anzugeben, worüber er ſich doch als früherer Bankier
und verſierter Geldmann Gedanken machen mußte. Nach
ſeinen Angaben waren ſtets für 300000 Mark Wechſel im
Lauf, die nur zum Teil prolongiert wurden, die meiſten
Wechſel beſanden ſich in ſeinem Beſitz und er habe ſie nur
nach Bedarf diskontiert. Die Prolongationen habe ſt ts
P. beſorgt. Dieſem habe er nur ein oder zwei Tage vor
der Fälligkeit ſtets davon Kenntnis gegeben, daß ein
Wechſel prolongiert werden müſſe. Daß P. dieſe Pro=
longationswechſel
ſelbſt ausſtellte, habe er nicht gewußt.
Er ſelbſt ſei auch niemals mit der Nieder=Modauer Kaſſe
in direkte Verhandlung getreten. Bezüglich der Unter=

[ ][  ][ ]

Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Nummer 82.

bringung einer Hypothek von 180000 Mark für den
Darmſtädter Hof kam zwiſchen Pallmann, Jſaak und
dem Nieder=Modauer Verein ein Arrangement zuſtande,
nachdem ſich Jſaak Pallmann gegenüber verpflichtet hatte
ffür die Unterbringung der Hypothek Sorge zu tragen.
Iſaak gibt an, daß er keinerlei Intereſſe an der Uner=
bringung
der Hypothek hatte, was aber im Widerſpruch
damit ſteht, daß er ſich verpflichtete, auf Proviſion für die
Unterbringung der Wechſel der Nieder=Modauer Kaſſe zu
verzichten, und daß er für ſich und für ſeinen Schwieger=
vater
Bürgſchaft für die Sicherheit der Hypothek einging.
Hierzu liegt nun noch ein Brief Iſaaks von Adam vor
in dem er ſchreibt, daß er das Delkredere des Adam aus
dem Arrangement Adam=Lorenz übernehme, wenn Adam
für dieſe Hypothek vom Darmſtädter Hof die Bürgſchaft
übernehme. Adam war, wie erinnerlich, bei der Sa=
nierung
Lorenz die Verpflichtung der Uebernahme von
ein Fünftel der Schulden eingegangen. Später hatte
Iſaak gegen Uebernahme des Kaufbriefes die Schuld=
ſumme
als eigene Schuld anerkannt. Da für Adam ſo
mit die Bürgſchaft erledigt war, kann Jſaak eigentlich
jenen Brief nur in der Abſicht eines Betrugs geſchrieben
haben, nämlich in Adam den Anſchein zu erwecken
als beſtände jene Bürgſchaft für die Schuld des Lorenz
noch. Adam beſtätigt auch, daß in ihm dieſer Eindruck
durch den Brief erweckt wurde. Eine Erklärung für die
Aeußerung in dem Brief, Jſaak würde das Delkredere des
Adam im Falle Lorenz übernehmen, kann Jſaak nicht
geben. Er gibt an, er habe in den Pallmann in der Sache
volles Vertrauen geſetzt. Dieſer wird ihm wohl einen
plauſiblen Grund angegeben haben, das zu ſchreiben,
denn daß es auf Anraten des Pallmann geſchehen ſei,
wiſſe er noch. Aber was P. für einen Grund angab, könne
er heute nicht mehr ſagen. Jedenfalls hätten ſie nicht die
Abſicht gehabt, den Adam zu betrügen.
Iſaak verneint die Frage des Vorſitzenden, ob er ſchon
1905 mit der Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsbanl in
Verbindung geſtanden hat, auf das entſchiedenſte. Schließ=
lich
muß er dann zugeben, daß er von dieſer Bank damals
Wechſel für 75000 Mark einlöſte. Iſaak meinte darauf,
dies müſſen Wechſel an die Genoſſenſchaftsbank geweſen
ſein, die ſein Giro trugen. Er ſchildert dann einen Fall,
wie ihn Pallmann um einen Kaufbrief über 70000 Mark
geprellt habe. P. habe damals zu ihm geſagt, er werde
ihm den Kaufbrief durch die Nieder=Modauer Kaſſe zu
Geld machen und ihm dann das Geld geben. P. aber habe
dieſe Urkunde der Reinheimer Kaſſe zediert. Als er,
Iſaak, bei Pallmann wegen des Geldes drängte, gab ihm
P. zwei Wechſel auf die Nieder Modauer Kaſſe im Betrage
von 68000 Mark. Dieſe Wechſel ſeien zunächſt von ihm
bei der Elſäſſiſchen Bank hinterlegt worden und der Be=
trag
ſeinem Konto gutgeſchrieben. Als dieſer Wechſel dann
fällig war, mußte er ihn einlöſen. Auf dieſe Weiſe ſei er
um den Kaufbrief gekommen. Jſaak kommt dann auf
die Abwickelung der ſich 1908 entwickelnden Kriſe in ſeinen
Vermögensverhältniſſen zu ſprechen, und auf die im Jahre
1907 beginnende Verbindung mit der Landwirtſchaftlichen
Kreditbank in Frankfurt a. M. Die Bank ſei im Auguſt
1907 an ihn herangetreten, er möchte doch in höchſtens drei
Tagen Pfandbriefe des Inſtituts unterbringen. Er er=
klärte
ſich auch bereit, der Kaſſe 400000 Mark zur Verfüg=
ung
zu ſtellen. Er erhielt darauf Pfandbriefe für 600000
Mark, die er im November 1907 bei der Elſäſſiſchen Bank
in Frankfurt hinterlegte, die ihm den Wert gutſchrieb. Er
brachte dann noch nach und nach 45 Millionen Mack
Pfandbriefe der Kreditbank unter und zwar zu einem
Kurſe von 101, auf dem damals noch bis Anfang 1908 dieſe
Wertpapiere geſtanden haben ſollen. Es wird hier dem
Angeklagten zur Laſt gelegt, daß er mittelbar der Nieder=
Modauer Kaſſe Pfandbriefe zu einem ungerechtfertigt
hohen Kurs aufgehängt habe
Im Januar 1907 verlangte die Aſchaffenburger Zweig=
ſtelle
der Bayeriſchen Handelsbank, die damals für 105 000
Mark Wechſel des Nieder=Modauer Vereins mit den Un=
terſchriften
Pallmanns und Jſaaks im Beſitz hatte und
Mißtrauen in die ganzen Transaktionen gefaßt hatte, die
Bilanz der Nieder=Modauer Kaſſe. Pallmann
hat ſich nun anſcheinend an die Kaſſe um eine Bilanz ge
wendet, denn in einem verleſenen Schreiben des P. an
Iſaak teilt er dieſem mit, daß ſich die Kaſſe weigere, eine
Bilanz herauszugeben. Darauf ſchrieb Iſaak, es könnte
eine Bilanz eingereicht werden, doch müßten die Wechſel
von 105000 Mark, die er näher angab, in die Bilanz ein=
geſtellt
werden. Dieſe Aeußerung könnte doch, wenn ſie
überhaupt einen Sinn haben ſoll, nur heißen, es ſolle eine
Bilanz hergerichtet werden, in der die Wechſel eingeſtellt
werden, damit das Mißtrauen der Handelsbank beſeitigt
werde, denn die Bank wollte doch nicht eine zukünftige
ſondern die bereits veröffentlichte Bilanz haben. Es ent=
ſtehen
bei der Erörterung dieſer Frage größere erregte
Kontroverſen zwiſchen dem Angeklagten und dem Vor=
ſitzenden
, ſowie einem Beiſitzer, denn Jſaak, der ſonſt au
jede Frage ſofort eine paſſende Antwort hatte, iſt hierbei
anfangs verblüfft ob der ihm dämmernden unangenehmen
Konſequenz, und verſucht, wie er es fortwährend tut, vor
der Sache abzuſchweifen. Auf die Frage des Sachverſtän
digen, Regierungsrat Baſtian, wer mit den Wechſeln
im Soll hätte belaſtet werden müſſen, antwortete Jſaak
nach einigem Beſinnen, dies hätte natürlich Pallmann ſein
müſſen, während er ſonſt ſtets behauptet hatte, er ſei im
Glauben geweſen, die Wechſel ſeien Gefälligkeitswechſel.
Weiter ſtellt Herr Regierungsrat Baſtian feſt, daß die
Pfandbriefinſtitute in die Geſtaltung des Kurſes ſtets ſelbſt
eingreifen. Es könne demnach Iſaak nicht zur Laſt gelegt
werden, daß er den Kurs künſtlich gehoben habe. Aber
er müſſe doch den Angeklagten fragen, ob er nichts dabe
gefunden habe als ein alter Bankfachmann, daß die Land=
wirtſchaftliche
Kreditbank in Frankfurt wiederholt an ihn
herantrat mit dem Erſuchen, ihr binnen drei Tagen Geld
zu beſchaffen. Daß dies immer wieder und in der Höhe
von 4 bis 4½ Millionen Mark geſchah, hätte dem Ange
klagten auffallen müſſen. Jſaak meinte, daß er dabei gar
nichts gefunden habe.
Es kommen dann die Einzelfälle zur Sprache, die zur
Geſchäftsverbindung mit der Genoſſenſchaftsbank führten.
Auf einen Artikel der Frankfurter Zeitung hin, der ſich
mit der Kreditbank beſchäftigte, wurden Iſaak von der
Elſäſſiſchen Bank Vorhaltungen gemacht wegen der geo=
ßen
Poſten von Pfandbriefen dieſes Inſtituts (für 650 000
Mark). Er wollte dann ins Reine mit den Banken kom=
men
und ſuchte ein Arrangement zwiſchen der Genoſſen=
ſchaftsbank
und der Kreditbank, das nachher ohne ihn
zwiſchen den beiden Banken zuſtande kam. Hierbei machte
er erſtmalig den Vorſchlag, daß der Genoſſenſchaftsbank
55000 Mark zur Verfügung geſtellt werden für eventuelle
Verluſte der Nieder=Modauer Kaſſe. Am 22. Juli 1908
ſtellte er bei der Genoſſenſchaftsbank den Antrag auf An=
nahme
einer Hypothek, von der ein bedeutender Nachlaß
gewährt werde. Von dieſem Nachlaß ſollten dem Nieder=
Modauer Verein ebenfalls 35000 Mark zugute kommen
und in einem Fall am 5. Auguſt 1908 noch rund 10000
Mark. Auf die Frage des Vorſitzenden, weshalb er dies
alles dem Nieder=Modauer Verein zuführen wollte, gibt
Iſaak die unerwartete Antwort, er glaubte dadurch die

Genoſſenſchaftsbank geneigter zur An=
nahme
der Hypotheken machen zu können
da er wußte, wie ſehr der Zuſammenbruch der Nieder=
Modauer Kaſſe die Genoſſenſchaftsbank berühren nußte.
Das veranlaßte den Vorſitzenden zu der verſtändlichen
Aeußerung: So, und ich hatte angenommen, daß Sie be=
abſichtigten
, damit wenigſtens einen kleinen Teil zur Min
derung des Elends beizutragen, das jedenfalls nicht ohne
Ihr Verſchulden über Nieder=Modau hereingebrochen iſt.
Iſaak erklärt zum Schluß, daß der Nieder=Modauer
Verein niemals durch ſeine Geſchäfte in Mitleidenſchaf=
gezogen
worden ſei, und wenn von der Kaſſe Bürgſchaften
für ſeine Auseinanderſetzungen mit Kreditbank und Ge
noſſenſchaftsbank übernommen worden ſeien, ſo ſei dies
jedenfalls auf ſeparate Verhandlungen der Genoſſenſchafts=
bank
mit Nieder=Modau zurückzuführen.
Sodann wird die Verhandlung gegen 1 Uhr auf
Mittwoch 8½ Uhr vertagt.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 8. April. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1 Uhr 1 Minute. Die
erſte Beratung der Wehr= und Deckungsvorlage
wird fortgeſetzt. Abg. Baſſermann (natl.): Wenn der
Reichskanzler betont hat, daß ein Weltkrieg doch einmal
ausbrechen könnte, in dem es ſich um Exiſtenzfragen der
Völker handeln würde, ſo bin ich der Anſicht, daß dieſe
Darſtellung von einem Gefühl der Zuverſicht getragen
wurde, daß unſere Armee ihre völlige Schuldigkeit tun
würde. Es war berechtigt, dieſe ganzen Ausführungen
frei von Optimismus und im Vertrauen zu unſerer Nation
und unſerem Heer zu machen. Wenn dieſe Ueberzeugung,
daß eine weitere Rüſtung nötig ſei, auch vielleicht etwas
ſpät Platz gegriffen hat, und der Entſchluß, dieſe Vorlage
zu machen, erſt ſpät gefaßt worden iſt, ſo kann es doch
immerhin ein guter Entſchluß ſein, wenn in der Tat der
internationalen Lage damit Rechnung getragen ward. Auch
wir empfinden den Kontraſt in der Haltung der Regierung,
finden ſie aber erklärlich, wenn wir auch die Veröffent=
lichung
in der Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung nicht
als ganz vorſichtig anerkennen können. Trotz der fort=
geſetzten
Verſchlechterung der politiſchen Lage iſt Deutſch=
land
mächtig aufgeblüht und vielen ein unbequemer Kon=
kurrent
auf dem Weltmarkt geworden. Die Erfolge unſe=
rer
Diplomaten ſind nicht wegzuleugnen, und erfreulick
iſt die Zuſage, daß eine Reform in der diplomatiſchen
Karriere vorgenommen werden ſoll. Unſere Lage iſt un
ſo ſchwerer, als Oeſterreich durch die Balkanwirren ge=
nötigt
iſt, einen großen Teil ſeines Heeres an der ſüd= öſt=
lichen
Grenze bereit zu halten und Italien immer noch in
Tripolis engagiert iſt. Es iſt von Chauvinismus geſpro=
chen
worden. Dieſer iſt die unberechtigte Uebertreibung
des Nationalgefühls. Bei der panſlawiſtiſchen Bewegung
handelt es ſich um eine Raſſen= und Volksbewegung in
dem bekannten alten Zuge nach dem Weſten. Das iſt eine
Gefahr, die von allen Politikern eingeſehen werden muß
Bei Beurteilung der Vorgänge in Frankreich hat Herr
Haaſe es leider unterlaſſen, uns zu erzählen, welchen Emp=
fang
Jaurés erfahren hat, als er gegen die dreijährige
Dienſtzeit eintrat. Frankreich gegenüber hat Deutſchland
ſtets eine Friedenspolitik getrieben, trotz vielſacher Kon=
fliktsſtoffe
. In der ganzen Welt ſehen wir eine groß=
zügige
imperaliſtiſche Bewegung, die in der Erſtarkung der
Flotten und Heere zum Ausdruck kommt. In der Erwer=
bung
von Kolonialbeſitz iſt Deutſchland ſehr langſam vor=
angegangen
. Intenſiv fortgeſchritten ſind wir nur auf den
Gebiet der Militär= und Steuervermehrung. Die Rei=
bungsflächen
haben ſich ſeit den letzten Dezennien erheb=
lich
vermehrt, die Kriegsgefahr iſt eine permanente ge=
worden
. Ich erinnere an Marokko und Agadir, an die
Angliederung Bosniens an Oeſterreich und jetzt an den
Balkankrieg. Unſere Ziele gehen dahin, an der Adria
Serbien keinen Hafen einzuräumen, weil daraus ſehr bald
ein ruſſiſcher Kriegshafen entſtehen würde. Dann wollen
wir ein unabhängiges Albanien. Der Tadel, daß wir treu
an Oeſterreichs Seite geſtanden haben, iſt ungerechtfertigt.
Dieſe Bundestreue iſt der Grundzug unſerer Politik, ſie
bewegt ſich im Rahmen der alten Bismarckſchen Traditio=
nen
. Auch wir begrüßen die Beſſerung in den Beziehun=
gen
zu England. Niemand in Deutſchland denkt daran,
Englands Weltſtellung und Englands Seegeltung anzu=
taſten
. (Sehr richtig!) Nur durch die wirtſchaftliche Ent=
wicklung
Deutſchlands iſt uns die Notwendigkeit erwachſen,
eine Kriegsflotte zu ſchaffen, aber nicht zum Angriff. Die
denkwürdige Erklärung des Großadmirals von Tirpit
hat einen Widerhall bei den engliſchen Staatsmännern
gefunden, in deren Reden mit Befriedigung ein ganz an=
ders
gewordener Ton zu finden iſt. Nun ein paar Be=
merkungen
zur Militärvorlage ſelbſt. (Heiterkeit.) Ich
habe ſchon bei früheren Gelegenheiten darauf hingewieſen,
daß wir mit den früheren Vorlagen nicht ganz einverſtan=
den
waren, daß wir vielmehr das Vorhandenſein von
Lücken bemerken mußten. Die jetzige Vorlage iſt nicht le=
diglich
ein Ergebnis der politiſchen Lage, es ſollte viel=
mehr
auch früher Verſäumtes nachgeholt werden. Wenn
der deutſche Generalſtab an die Kriegsverwaltung heran=
getreten
iſt und erklärt hat, daß er die Verantwortung für
den derzeitigen Umfang der Armee nicht mehr übernehmen
könne, ſo war das ſein gutes Recht und ſeine Pflicht.
Dieſe Vorlage will die allgemeine Wehrpflicht durchführen.
Daraus müſſen wir die Konſequenzen ziehen, auch in be=
zug
auf die Unteroffiziere und Offiziere, Munition und
die Unterbringung der Truppen. Wir wollen jetzt den
Scharnhorſtſchen Gedanken verwirklichen, der auch in die
Reichsverfaſſung übergegangen iſt, daß jeder Wehrfähige
wehrpflichtig iſt, und daß ſich niemand vertreten laſſen
kann. Dabei iſt die Militärverwaltung nicht den Weg ge=
gangen
, neue Armeekorps aufzuſtellen, ſondern eine Ver=
ſtärkung
im allgemeinen durchzuführen. Richtig iſt die
Vorlage namentlich hinſichtlich der Vermehrung der In=
fanterie
und Artillerie. Bei der Neuregelung des bürger
lichen Strafrechts ſollte auch das Militärſtrafrecht revidiert
werden. (Sehr richtig!) Zur Vorbereitung zu dem Rich=
terumt
ſeilten für die Offiziere, die der Rechtſprechung
völlig fern ſtehen, Informationskurſe eingerichtet werden.
Gegen die Mißhandlungen iſt mit großer Energie von der
Militärverwaltung eingeſchritten worden. Das muß wei
ter geſchehen angeſichts der vielen neuen Rekruten, bei de=
nen
auch mal ein körperlich und geiſtig Minderwertiger
unterlaufen kann. Bei der Beförderung ſollte kein Unter=
ſchied
gemacht werden nach religiöſen Rückſichten und hin=
ſichtlich
der Bevorzugung des Adels. Bei der Garde iſt
es etwas beſſer geworden, aber bei vielen Linien= Regimen=
tern
iſt es ſchlechter geworden. Die Offiziere ſollten nicht
zu lange den Entbehrungen in den Grenzgarniſonen unter=
worfen
werden. (Sehr richtig!) Die wirtſchaftliche Ent=
wickelung
Deutſchlands hat uns zu Weltkonkurrenten ge=
macht
, ſie hat aber auch die Reibungsflächen vermehrt, da
wir mehr als früher zu verteidigen haben. Wir billigen
angeſichts der Weltlage die Stärkung unſerer Wehrmacht
als ein Gebot der Selbſterhaltung. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Graf v. Kanitz (konſ.): Wir erkennen es für
eine Notwendigkeit an, unſer Heer zu verſtärken, um uns
unſere Feinde vom Halſe zu halten. Das bezeichnen Sie

(zu den Sozialdemokraten) als Rüſtungswahn. Daß Ihre
Anſicht keinen Widerhall im Volke findet, beweiſen die
mißglückten Proteſtverſammlungen (Sehr gut!) und das
beweiſt auch der Umfall Jaurés, dem zugerufen wurde:
Berlin. Sorgen wir, daß die Franzoſen niemals nach
Berlin kommen. Glauben Sie nicht, daß wir leichten Her=
zens
an die Vorlage herangehen. Von Hurraſtimmung
kann keine Rede ſein. Wir erkennen die koloſſalen Opfer
an Gut und Menſchenkräfte an, die der Arbeit durch den
Militärdienſt entzogen werden. (Sehr richtig!) Die An=
ſtrengungen
der Franzoſen in der Rüſtung ſind gewaltig.
Es wäre ein Verbrechen, wenn wir unſere große Macht
und unſeren Vorſprung in der Wehrfähigkeit, nicht aus=
nützen
würden. (Sehr richtig!) Wir ſind dem Reichs=
kanzler
dankbar, daß er dieſe Vorlage eingebracht hat. Das
müſſen wir auch einmal ausſprechen. (Lebhaftes Bravo
rechts.) Es ſoll ein Friedenswerk ſein und wird auch den
Frieden ſichern. An unſerer Friedensliebe iſt nicht zu
zweifeln. Wir wollen aber lieber eine Milliarde opfern,
als uns der Gefahr einer Niederlage ausſetzen. Die Vor=
herrſchaft
der engliſchen Seemacht im Mittelmeer iſt für
unſere Verhältniſſe ſehr günſtig, wenn nur immer darauf
geachtet wird, daß das Mittelmeer freie Bahn für alle Na=
tionen
bleibt. Mag Skutari fallen und die Tſchataldſcha=
linie
erſtürmt werden, mag die Türkei ihren ganzen euro=
päiſchen
Landbeſitz außer Konſtantinopel verlieren, ſo wird
immer noch keine Ruhe auf dem Balkan geſchaffen ſein.
Dann geht der Streit unter dieſen Völkern erſt los. So=
lange
wir die Stärkeren ſind, wird uns der Frieden er=
halten
bleiben. Deshalb können wir erwarten, daß dieſe
Vorlage hier möglichſt einmütig angenommen wird und
daß wir bereit ſind, das Opfer zu bringen, das das Vater=
land
von uns verlangt. Möge das Jahr von 1913 an
Opferwilligkeit nicht zurückſtehen gegen das Jahr von
1813. (Lebhafter, ſich wiederholender Beifall rechts.
Abg. Dr. Müller=Meiningen (Fortſchr. Volkspt.):
Der letzte Satz des Grafen Kanitz ſtimmt nicht ganz mit
dem überein, wenn er ſagte, daß von einer Hurraſtimmung
keine Rede ſein kann. Eine Hurraſtimmung habe ich eigent=
lich
nur in der Spahnſchen Rede bemerkt. (Heiterkeit.)
Er war hurraſtimmiger als Graf Kanitz und Baſſermann.
Die Darlegung der Motive zu dieſer Vorlage ſtehen in um=
gekehrtem
Verhältnis zu der Bedeutung des Geſetzes, und
eine derartige Motivierung, wie ſie der Kriegsminiſter
geſtern gegeben hat, iſt im parlamentariſchen Leben noch
nicht dageweſen. Das war ein ſtarkes Stück. Die Vorlage
iſt in wenig Wochen zuſammengeſchrieben und deshalb
etatsrechtlich völlig unüberſichtlich und tendenziös. Win
haben uns zu fragen: Iſt eine ſolche ungeheure Koſten=
erhöhung
und Heeresvermehrung unbedingt notwendig?
Und dann: Werden nach all dieſen Forderungen Menſchen
und Ausrüſtungsmittel ſo angewendet, daß der Zweck des
Geſetzes, das heißt, die Sicherung des Reiches, auf die
beſte und billigſte Weiſe tatſächlich erreicht werden? Nur
die Sicherheit des Reiches kann maßgebend ſein für den
Bedarf an den vielen Menſchen, die aus der Wirtſchaft
und den Familien herausgeriſſen werden. Da kann es
nicht heißen: Alles ablehnen oder alles annehmen. Wir
müſſen genau prüfen. Wir ſind von den Balkanereigniſſen
völlig überrumpelt worden. Unſere Militärverwaltung
und Diplomatie hat von den Rüſtungen und der Verpro=
viantierung
Bulgariens nichts gemerkt. (Sehr gut!) Sol=
len
die Rüſtungen immer ſo weitergehen, ſollen wir im
nächſten Jahre eine neue Flottenvorlage erhalten und wo=
möglich
wieder eine Heeresvorlage? (Bewegung.) Die
Rede des Reichskanzlers war mir ſehr ſympathiſch. Er be=
kam
das Kunſtſtück ſertig, beruhigend zu wirken und eine
Milliardenforderung zu ſtellen, aber eine Begründung für
die Vorlage hat die Rede nicht enthalten. Leider hat der
Reichskanzler unſerer Reſolution auf Abkommen bezüglich
der Beſchränkung der Rüſtungen abgelehnt und es damit
den anderen Völkern unmöglich gemacht, mit ſolchen Vor=
ſchlägen
hervorzutreten. Den internationalen Kriegs=
hetzern
, dem Treiben der Chauviniſten ſollte von allen
Parteien entgegengetreten werden. An einen Angriffs=
krieg
aus Eroberungsgelüſten denkt niemand bei uns; nur
Narren oder Verbrecher denken daran. Wir haben genug
an unſeren Polen und Wetterlés. (Heiterkeit.) Aber wir
wollen keinen Fuß deutſchen Bodens abtreten. (Bravo!)
Man ſollte das Andenken der Helden von 1813 nicht durch
Straßenkundgebungen proſtituieren. Mag man dieſe
Enthuſiaſten bei der Aufbringung der Deckung für die
Heeresvorlage privilegieren mit der dreifachen Zahlung
der Wehrſteuer, dann würde dabei wohl der Patriotismus
abflauen. Auch die Haltung der Preſſe iſt zu verurteilen,
die bemüht iſt, unſere Armee und ihre Ausrüſtung herab=
zuſetzen
. Das machte denn auch einen entſprechenden auf=
munternden
Eindruck in Frankreich und Rußland. Die ge=
forderten
Soldaten erſcheinen als eine Erſchwerung des
Gedankens der allgemeinen Wehrpflicht. Der Gedanke der
allgemeinen Wehrpflicht wird zur Wirklichkeit, wenn ſie
das deutſche Volk wünſcht und ſie kommt erſt zur Geltung
in dem Augenblick, wenn man dafür eintritt, daß die Ju=
gend
ſchon in der Schule einer ſyſtematiſchen Erziehung
unterworfen wird. Selbſtverſtändlich müſſen die politiſche
Entwickelung und hinſichtlich der Ausbildung die neueſten
Erfahrungen berückſichtigt werden. Die Kavallerie hat
heute nicht mehr die Bedeutung, die ſie früher gehabt hat,
wir müſſen uns deshalb eine genaue Prüfung der Forde=
rungen
in dieſer Beziehung vorbehalten. Zu erwägen
iſt ferner, ob wir nicht mehr Inſpekteure haben als zur
Ausbildung der Truppen unbedingt notwendig ſind. Das
jetzige perſönliche Syſtem muß beſeitigt werden. Der Un=
teroffiziersſtand
muß durch beſſere Behandlung gehoben
werden. Das Offizierskorps ſollte durch die Einrichtung
der Feldwebelleutnants entlaſtet werden. Gegen eine Ver=
mehrung
der Kadettenanſtalten und der Unteroffiziersvor=
ſchulen
ſind wir prinzipiell. Wir werden überhaupt auf
möglichſte Sparſamkeit hinwirken. Die feinen Regimen=
ter
verſtoßen gröblich gegen den kameradſchaftlichen Geiſt
im Heere. Wo es die Verhältniſſe erfordern, daß die
Friedenspräſenz erhöht werden muß, vertrauen wir der
Militärverwaltung, daß ſie nichts verabſäumt. Wo iſt die
Reform des Militärſtrafrechts? Wenn wir das Heer ſtark
erhalten wollen, dann müſſen wir vor allem Reformen
im Innern durchführen. Wo bleibt die Reform des
Eorengerichtshofes? Wir Liberale achten Preußen als beſte
Gewähr deutſcher Selbſtändigkeit. Aber man darf ſich
auch dort nicht Reformen verſchließen und ſich beſonders
nicht wehren gegen innere Reformen im Heer. Sie ſchaf= den wirkſamſten Schutz der Armee und der Monarchie
und ein zufriedenes, ſchlagfertiges Heer iſt die beſte Ge=
währ
für den politiſchen und kulturellen Fortſchritt des
deutſchen Volkes. (Lebhafter Beifall bei den Freiſinnigen
und Nationalliberalen.)
Kriegsminiſter v. Heeringen: Das deutſche Offi=
zierkorps
ſteht feſt auf dem Boden, auf dem es aufgewach=
ſen
iſt. (Heiterkeit.) Es wird beim Ernſtfalle zeigen, daß
es ſeine Schuldigkeit tut. Darum können wir volles Ver=
trauen
zu unſerer Wehrmacht haben. In den Grörterungen
über Zwiſtigkeiten zwiſchen Kriegsminiſter und General=
ſtab
ſteckt ſehr viel Klatſch. Dazu gehören auch die Ge=
rüchte
, der Abſchied des General=Inſpekteurs des Verkehrs=
weſens
ſei die Folge einer Preßkampagne. Aber weder
dieſer Fall noch andere vorgebrachte Fälle haben mit einer
Preßkampagne etwas zu tun. Daß vom früheren Kriegs=
miniſter
geſagt worden ſei, mit früheren Vorlagen ſeien
unſere Bedürfniſſe für alle Zeiten gedeckt, iſt nicht richtig.

[ ][  ][ ]

Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Seite 7.

Das kann niemand ſagen. Sie können immer nur den be=
ſtehenden
militäriſchen und ſonſtigen Verhältniſſen ent=
ſprechend
ſein. Wir haben den jetzigen politiſchen Ver=
hältniſſen
Rechnung getragen und Ihnen die Vorlage ge=
macht
. Wenn es nicht Notwendigkeiten geweſen wären,
hätten wir es nicht verlangt. (Beifall.)
Abg. v. Seyda (Pole): Wenn wir die Vorlage an=
nehmen
wollten, würden wir unſere Selbſtachtung ver=
lieren
. In dieſem Augenblick, wo Millionen für die Polen=
politik
gefordert werden. Wir haben keinen Schutz mehr
im Reiche. Mitten im Frieden werden wir enteignet.
Abg. Scheideman (Soz.): Alles was bisher ge=
agt
worden iſt, beſonders von Herrn Kanitz, ſind alles
Momente gegen die Vorlage. Der Abgeordnete Müller=
Meiningen und ſeine Partei ſollten denn auch die Konſe=
zuenz
ziehen und die Vorlage ablehnen. Bismarck hätte
uns ſo etwas nicht zugemutet. Das liegt aber nur an der
Lauheit der bürgerlichen Oppoſition. Solange ſie nicht
energiſch wird, tut die Regierung doch was ſie will. Der
Reichskanzler hat die Sachlage ſo dargeſtellt, als hätten
wir Angſt vor den Serben. (Heiterkeit.) Wir ſollten uns
fragen, ob das Bündnis mit Oeſterreich=Ungarn Wert für
uns hat, beſonders macht dies eine unglückliche Wendung
des Reichskanzlers nötig, der ſagte, Oeſterreich=Ungarn mit
ſeinen Tauſenden von Slawen ſei das bewährte Bollwerk
des Germanentums gegen das Slawentum. Wenn die
Vorlage angenommen wird, brauchen wir nicht erſtaunt zu
fein, wenn Frankreich alle möglichen Vorſichtsmaßregeln
treffen wird. Ueber die Vorwürfe, wir ſeien Vaterlands=
ſeinde
, können wir nur mitleidig lächeln. Die deutſche
Wehrvorlage und die zur Begründung beigegebenen Ge=
danken
ſind in keiner Beziehung ſtichhaltig. Wir, die wir
aus dem Volk ſtammen, kennen den Schaden, wenn der
Sohn dem Geſchäft oder der Wirtſchaft des Vaters auf
mehrere Jahre entzogen wird. Die neuen Soldaten ſollen
einen Schutz gegen das Slawentum bilden, aber dafür wird
für jeden Arbeiter, der aus ſeiner Arbeit herausgezogen
wird, ein Ausländer herangezogen. Das iſt wirtſchafts=
politiſch
ein unglaublicher Vorgang. Wir ſehen nicht in der
fortwährenden unabſehbaren Erhöhung der Friedensprä=
ſenz
eine Gewähr des Friedens, ſondern wir werden in
unſerer Weiſe weiter arbeiten und der Tag wird kommen,
wo ſich die Franzoſen und die Deutſchen einander ver=
trauensvoll
die Hand reichen. Das iſt dann der Tag un=
ſeres
Triumphes. Dann iſt der Welt der Weg offen zur
Freiheit und der Kultur. (Beifall bei den Sozialdemo=
kraten
.)
Abg. Erzberger (Ztr.): Für ſeine Anklagen wird
der Vorredner auch den Richter finden, dieſer aber wird
ihm unrecht geben. (Sehr richtig! Widerſpruch bei den
Soz.) Wir bewilligen nicht dem Regierungsſyſtem die
Gelder, ſondern dem deutſchen Volke. Den Anregungen
des Vorredners kann ich nicht beitreten. Zuzugeben iſt,
daß Oeſterreich auf dem Balkan und Italien in Nordafrika
ſehr ſtark engagiert ſind, doch können wir nicht auf ihre
Bundesgenoſſenſchaft verzichten. Wir können bei einem
künftigen Weltkriege nicht ganz auf uns angewieſen ſein
niemand kann wiſſen, ob er nicht bald komme; ein Krieg
Deutſchlands ohne Bundesgenoſſen könnte dann nur mit
einer Zertrümmerung Deutſchlands enden. Wir können
auf eine ſchlagfertige Rüſtung nicht verzichten, wenn wir
weiter geachtet daſtehen wollen. Die Unterhaltungskoſten
für Heer und Marine ſind nicht anders als Prämien
für die Verſicherung des Landes anzuſehen. Untaugliche
wollen auch wir nicht herangezogen wiſſen. Wenn auch bei
Vermehrung des Mannſchaftsſtandes die Offiziere und
Unteroffiziere ebenfalls vermehrt werden müſſen, ſo ſehe
ich nicht ein, weshalb auch die Beamten in dem Maße
vermehrt werden ſollen, wie es die Vorlage fordert. Was
der Vertreter der polniſchen Fraktion geſagt hat, iſt be=
rechtigt
, das darf aber doch nicht davon abhalten, die Vor=
lage
zu bewilligen, wenn wir den Oſten des Vaterlandes
chützen wollen. Wir müſſen uns natürlich vorbehalten,
die Forderungen der Vorlage eingehend zu prüfen. Er=
ſparniſſe
ſind noch an vielen Stellen zu machen. So iſt es
ein alter eigener Wunſch der Offiziere, auch im Frieden
die Felduniform tragen zu dürfen. Beſonders an der
Garderobe könnte viel geſpart werden. Heute iſt die
Garderobe eines Offiziers ſo groß wie die einer Schau=
ſpielerin
. Die Ausbildung der Soldaten könnte noch viel
energiſcher betrieben werden. So könnten die vielen
Mannſchaften, die durch Bewachen von undewohnten
Schlöſſern feſtgelegt werden, viel beſſer zum Dienſt heran=
gezogen
werden. Vielleicht kommt ein Vertrag mit der
Wach= und Schließgeſellſchaft billiger. (Heiterkeit.) Auch
bei den Muſikkapellen könnte viel geſpart werden, vielleicht
auch bei dem Burſchenweſen. Die ſtrengen Arreſtſtrafen
ſollten abgeſchafft werden. Den Landwirten ſollte zur
Milderung der Mehraushebung Entgegenkommen gezeigt
werden und den Soldaten ein 46wöchiger Heimats=
urlaub
gewährt werden. Die uns vorliegende Vorlage
ſoll nicht zum Kriege führen, ſondern eine Armee ſchaffen.
die bereit iſt, zum Schutze des Vaterlandes. (Beifall bei
dem Zentrum.)
Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch
1 Uhr vertagt. Schluß 7 Uhr 15 Minuten.

* Berlin, 8. April. In der Budgetkommiſ=
ſion
des Reichstages brachte ein Mitglied der Na=
tionalliberalen
den Fall des Oberſten Hennig zur Sprache,
der in Zweibrücken einen Journaliſten geohrfeigt hatte
und dafür zu 50 Mark Geldſtrafe verurteilt worden war
Der Redner fand es unbegreiflich, daß ein Offizier trotz=
dem
befördert wird. Der bayeriſche Militärbevollmäch=
tigte
hielt die Frage für eine bayeriſche Angelegenheit,
für die der bayeriſche Landtag zuſtändig ſei.

Luftfahrt.

Zur Irrfahrt des Z. 4.
* Berlin, 7. April. Der offizielle Bericht
des Luftſchifführers über die Fahrt des
Luftſchiffes Z. 4 am 3. April lautet: Die Wetter=
nachrichten
, die die Zeppelinbaugeſellſchaft vor Antritt
der Fahrt, die als Höhenprüfungsfahrt nach dem Hafen
Baden=Oos geplant war, eingeholt hatte, lauteten derart,
daß die Fahrt unbedenklich angetreten werden konnte.
Das Schiff geriet bald nach der Abfahrt in ſtarken Nebel
und Schneetreiben und wurde in dieſer Nebelſchicht, die
die Orientierung weder nach der Erde noch nach der
Sonne zuließ, durch ſtarken öſtlichen Wind verſchlagen.
Als die Beſatzung die Orientierung wieder aufnehmen
konnte, befand ſich das Schiff bereits über franzöſiſchem
Boden. Es wurde nunmehr ſofort zur Landung geſchrit=
den
, um jeden Verdacht der Spionage auszuſchließen. Die
Landung erfolgte auf dem Exerzierplatz bei Lunéville, der
nächſten Garniſonſtadt. Der Wiederaufſtieg des
Schiffes wurde ohne vorherige Erlaubnis der
franzöſiſchen Regierung zunächſt ver=
boten
. Das Verbot wurde dadurch unterſtützt, daß die
Zündkerzen der Motoren entfernt wurden.
Es fand eine Unterſuchung des Schiffes und
die Vernehmung der Beſatzung ſtatt, in deren

Verfolg die Freilaſſung des Schiffes und der Beſatzung
genehmigt wurde. Die Offiziere wurden auf der Rück=
fahrt
mit dem Automobil bis zur Grenze verwieſen.
Einige Leute der Beſatzung der hinteren Gondel wollen
bemerkt haben, daß auf das Schiff geſchoſſen wurde. Dies=
bezügliche
Wahrnehmungen am Schiffe wurden nicht ge=
macht
, auch in der vorderen Gondel wurde von dem
Schießen nichts bemerkt. Wenn auch die Bevölker=
ung
ſich den Inſaſſen und dem Schiffe gegenüber un=
freundlich
verhielt, ſo verdienen im Gegenſatz hierzu
die Maßnahmen der franzöſiſchen Regierung, insbe=
ſondere
der Militärbehörden, die zur ſchnellen
Freilaſſung des Schiffes führten, Anerkennung. Es
ſei hinzugefügt, daß die Unterſuchung des Schiffes durch
Offiziere, darunter auch durch General Hirſchauer, dem
Inſpekteur des franzöſiſchen Fliegerweſens, erfolgte. Un=
ſere
Offiziere, die der Unterſuchung beiwohnten, ſind der
Anſicht, daß man aus dieſer Unterſuchung nicht ſchließen
dürfe, daß Frankreich nunmehr in der Lage ſei, uns die
Zeppelinſchiffe nachzumachen.

Die deutſche Spitzbergen=Expedition.

* Green=Harbour, 7. April. Heute nacht iſt
vom Kapitän Ritſcher folgendes Telegramm angelangt:
Der Eislotſe iſt mit drei Matroſen in der
Adventbai angelangt. Rüdinger und Rabe befinden
ſich an Bord des geſtrandeten Expeditionsſchiffes in der
Treurenbergbai, Koch Stave iſt dort an Bord geſtorben,
Dettmer, Möſer und Eberhardt werden immer noch ver=
mißt
.
* Kriſtiania, 8. April. Nach Telegrammen
welche Tidens Tegn und Aftenpoſten erhielten, befinden
ſich die in der Advenbai angekommenen vier
Mitglieder der deutſchen Expedition, der Lotſe
Stenerſen, der Steuermann Sotvold, Jörgen Jenſen und
Julius Jenſen in erſtaunlich guter Verfaſſung. Außer
dem Koch Stabe iſt auch der Flugtechniker Eberhard ge=
ſtorben
. Dr. Rüdiger und der Kunſtmaler Rebe ſind in
dem Hauſe der ſchwediſchen Gradmeſſungs=Expedition
Treurenberg, alſo unmittelbar in der Nähe des geſtran=
deten
Expeditionsſchiffes, untergebracht, wo für beide ge=
nügend
Proviant bis Juli vorhanden iſt. Von Leutnant
Schröder iſt keine Spur gefunden worden.
* Croß=Bai, 8. April. Die Expedition Dr.
Wegeners iſt am 25. März von der Wijdebucht wegen
Proviantmangel hierher zurückgekehrt.

Der Balkankrieg.

Die Flottenkundgebung der Mächte.
* Wien 7. April. Wie verlautet, liegt nach der
neuerlichen Ablehnung der in dem Telegramm des Vize=
admirals
Burney ausgeſprochenen Forderungen
der Großmächte durch Montenegro die Entſcheidung
über die von der internationalen Flotte zu unternehmen=
den
Schritte nunmehr dem Admiralsrat ob, deſſen Mit=
glieder
im Beſitze der notwendigen Inſtruktionen ihrer
Regierungen ſein dürften. Zunächſt handele es ſich darum,
die Blockade für effektiv zu erklären und ihre Aus=
dehnung
zu beſtimmen. Da der Widerſtand Montenegros
in hervorragendem Maße durch die in Zahl und Kriegs=
material
vor Skutari weit überwiegende Beteiligung
Serbiens genährt wird ſei anzunehmen, daß die Admira=
lität
einen Beſchluß faſſen werde, wonach die Blockade auch
die weitere Ausſchiffung ſerbiſcher Truppen verhindern
wird.
* Wien, 7. April. Die Neue Freie Preſſe erfährt
von beſonderer Seite: Unter den Mächten ſind Verhand=
lungen
im Zuge betreffs Ausdehnung der Blockade
auch auf die nordalbaniſchen Häfen San Giovanni di
Medua und Durazzo. Insbeſondere iſt Oeſterreich= Un=
garn
in dieſer Richtung bemüht und hat die Initiative
ergriffen. Die Dreibundmächte ſprachen ſich bereits für
den Antrag Oeſterreichs aus, die Zuſtimmung der Staaten
der Tripel=Entente liegt noch nicht vor, doch wird ſie er=
hofft
, da die Gefahr vorliegt, daß in jenen beiden Häfen
noch Truppen und Munition für die Belagerung Skutaris
einlaufen können. Die ernſten Vorſtellungen bei Serbien
dauern fort.
* Wien 7. April. Die Neue Freie Preſſe meldet
aus Sutomore von 5 Uhr nachmittags: Die Blockade
hat noch nicht begonnen, vorläufig dauert noch die
Flottendemonſtration an. Der engliſche Vizeadmiral Bur=
ney
wartet die weiteren Befehle ſeiner Regierung ab. Ein
öſterreichiſcher und ein engliſcher Kreuzer ſind heute mor=
gen
zu einer Rekognoszierung ausgelaufen, welche ſich bis
Korfu erſtrecken ſoll. Bisher iſt weder beſtimmt ob und
wann die Blockade beginnen, noch, ob es eine Friedens=
oder
Kriegsblockade ſein wird.
* London 7. April. Aus amtlichen Kreiſen erfährt
das Reuterſche Bureau, daß jetzt vorgeſchlagen wird, bin=
nen
dreier Tage die Blockade zu beginnen, falls
Montenegro ſich dem Wunſche der Mächte nicht fügt. Die
Botſchafter halten morgen ihre letzte Sitzung ab. Sir
Edward Grey wird in ein oder zwei Tagen London ver=
laſſen
.
Paris, 8. April. Dem Echo de Paris wird aus
Cetinje gemeldet, daß gegenwärtig zwiſchen den Kabinet=
ten
von Rom und Petersburg Verhandlungen ſchweben
betreffs Feſtſtellung der finanziellen und territorialen Ent=
ſchädigungen
, durch welche Montenegro bewogen wer=
den
könnte, auf den Beſitz von Skutari zu ver=
zichten
.
* London, 7. April. Die Weſtminſter Gazette
chreibt: Wenn heute oder morgen der Fall Skutaris
gemeldet wird, werden die Mächte hoffentlich Ruhe be=
wahren
und allen Parteien Zeit laſſen, das Ergebnis
ruhig zu überdenken. Das Mächtekonzert iſt nicht ohn=
mächtig
, ſelbſt, wenn König Nikolaus Skutari zeitweilig
behält. Kein Mitglied des Konzerts iſt gezwungen, ihn
durch eine militäriſche Expedition zu vertreiben. Es wird
vielmehr genügen, den Druck auf die Häfen fortzuſetzen
und Gebiete, die ſonſt an Serbien und Montenegro ge=
fallen
wären, zu behalten, bis wir ſchließlich die Abſichten
des ganzen Balkanbundes kennen.
Die Antwort Serbiens.
* Belgrad, 7. April. Wie ein heute veröffentlichtes
halbamtliches Communiqué beſagt, erklärte die ſer=
biſche
Regierung in Beantwortung der Note der
Großmächte zur albaneſiſchen Frage, daß ſie die ſerbi=
ſchen
Truppen vor Skutari nach dem Friedensſchluß oder
ach der Einnahme Skutaris, die ſerbiſchen Truppen aus
Albanien nach der Bekanntgabe der Grenzen zurückziehen
werde. Der Forderung einer Garantie für die Moham=
medaner
und Katholiken könne die ſerbiſche Regierung
nicht entſprechen, weil dieſe Forderung den Rechten der
ſtaatlichen Souveränität widerſpreche und weil die Ver=

faſſung genügende Bürgſchaft für die weiteſte Glaubens=
freiheit
biete.
Vor Skutari.
* Cattaro, 7. April. Nach zweitägigem Bom=
bardement
von Skutari wurde heute zum allge=
meinen
Angriff geſchritten. Schon morgens wütete
ein Artillerieduell. Die Türken antworten vom Taraboſch
ehr ſchwach. Man nimmt an, daß ſie bei den letzten Ge=
echten
ſehr große Verluſte erlitten haben. In der Stadt
hörte man nach 10 Uhr morgens ziemlich heftiges Gewehr=
feuer
. Man vermutet, daß von unzufriedenen Arnauten
eine Meuterei inſzeniert wurde. In amtlichen Kreiſen
in Cetinje hält man dieſen Sturm für den letzten, der auf
die Stadt unternommen werden muß.

Literariſches.

Verhandlungen des dritten deutſchen
Jugendgerichtstages. 10.12. Oktober 1912.
Herausgegeben von der deutſchen Zentrale für Jugend=
fürſorge
. (170 Seiten.) 1913. gr. 8. Preis 3 Mk. Verlag
von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin. Kurz vor Beginn
der Tagung veröffentlichte die Reichsregierung den Ent=
wurf
eines Jugendgerichtsgeſetzes. Zu ihm mußte der
Jugendgerichstag Stellung nehmen. Daß er dem Ent=
wurfe
im weſentlichen zuſtimmen konnte, iſt hocherfreulich.
Um ſo mehr dürften ſeine Vorſchläge auf Erweiterung
des Rahmens der Geſetzesvorlage beachtenswert ſein. Der
dritte deutſche Jugendgerichtstag hat die Erreichbarkeit
dieſer Vorſchläge feſt im Auge behalten.
Ueberraſchendes, Poeſievolles, Kleidſames für jede
Frau bringt Heft 3 des Pariſer Chie Aus der
variationenreichen Mode der Saiſon, die alle Stilarten
durcheinander wirbelt, hat dieſes Heft das wahrhaft Stil=
volle
in entzückender Auswahl zuſammengefaßt. Kann
es z. B. etwas Aparteres und Reizenderes geben, als das
Straßenkleid im Robespierreſtil aus grün=rotgeſtreiftem
Wollſtoff? Etwas Kleidſameres als den dazu paſſenden
Robespierrehut? Wie vornehm, wahrhaft diſtinguiert wirkt
das Nachmittagslleid aus roſenholzfarbenem Kaſchmir!
Das champignonfarbene, rautendeleinartig pliſſierte Ko=
ſtüm
mit der terrakottafarbenen Jacke und dem vive=
gebogenen
Hut iſt es für junge Mädchen nicht das
Poetiſchſte und Auserleſenſte, das ſich denken läßt?
Dazu Dinertoiletten und Abendmäntel Wunderwerke!
Probeabonnement bei der nächſten Buchhandlung oder
Poſt oder direkt bei Guſtav Lyon, Berlin SW. 68, Schützen=
ſtraße
8. Jahres=Abonnement, 12 Hefte, 4,50 Mk., vier=
teljährlich
1,20 Mk.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Burgau.)
* Straßburg, 8. April. Die Erſte Kammer des
Landtages erledigte in ihrer heutigen Vormittags=
ſitzung
in zweiter und dritter Leſung das Bergwerksgeſetz,
wobei entgegen der Regierungsvorlage, die eine Staffel=
ung
wünſcht, die Abgaben nach einem feſten Prozentſatz
erhoben werden. Außerdem wurden das Beamtenbeſold=
ungsgeſetz
, ſowie das Lehrerbeſoldungsgeſetz in dritter
Leſung verabſchiedet.
* Elberfeld, 8. April. Die Obduktion der Leiche des
an Fleiſchvergiftung geſtorbenen Italieners hat
ergeben, daß es ſich um eine typhusartige Darmerkrank=
ung
handelt. Die Unterſuchung der Ausſcheidungen der
übrigen Erkrankten hat das Vorhandenſein von Para=
yphusbazillen
ergeben, die auch in den Reſten des ge=
noſſenen
Pferdefleiſches gefunden wurden.
* Gmunden, 8. April. Das Herzogspaar und
die Prinzeſſin Olga von Cumberland mit Gefolge
ſind heute vormittag im Sonderzuge über Nürnberg nach
Frankfurt a. M. zum Beſuche des deutſchen Kaiſerpaares
in Homburg v. d. H. abgereiſt.
* Rom, 8. April. Der Papſt, deſſen Geſundung noch
nicht vollſtändig war, iſt neuerlich erkrankt. Es
wird verſichert, daß die am 4. April lombardiſchen Pil=
gern
gewährte Audienz und die geſtrige den Papſt ſtark
ermüdeten, obwohl er vorſichtigerweiſe keine Reden hielt.
Die Aerzte rieten dem Papſt, ſich längere Zeit Schonung
aufzuerlegen, doch wollte dieſer die Audienzen nicht aus=
fallen
laſſen. Auch wünſchte er, die Konſtantin=Feiern
durch die bekannte Rede zu eröffnen. Der Gang des
Papſtes durch den Saal der Seligſprechung, wo es ſtets
kalt zu ſein pfleat, trug zur Verſchlimmerung ſeines Zu=
ſtandes
bei. Wirklich hatte der Papſt geſtern nach der
Audienz Fieber. Der Doktor Marchia Fava wurde abends
nach dem Vatikan gerufen, wo er zuſammen mit dem
Doktor Amici eine lange Unterſuchung vornahm. Mar=
chia
Fava verließ dann den Papſt, während Amici die
ganze Nacht bei ihm wachte. Heute früh beſuchte Fava
wiederum den Papſt, der zu Bette liegt; der Beſuch
dauerte eine Stunde. Die Schweſtern des Papſtes wur=
en
von ſeiner Erkrankung benachrichtigt und beſuchten
ihn heute. Die für heute angeſetzten Audienzen ſind ab=
geſagt
worden.
London, 8. April. Heute vormittag erſchreckten
Suffragetten die Stadt, indem ſie eine alte Kanone
aus Sebaſtopol, die vor dem unteren Eingang vom
Dudlephouſe ſteht, abfeuerten. Auf der Kanone fand man
die Inſchrift: Votes for women!
* Helſingfors, 8. April. Der Landtag hat in drit=
ter
Leſung mit 146 gegen 40 Stimmen die Vorlage ange=
nommen
, welche den ruſſiſchen Staatsangehörigen den
Betrieb eines Gewerbes in Finnland erlaubt. Auch die
Vorlage, welche Ruſſen zur Teilnahme an der Kommunal=
verwaltung
zuläßt, wurde endgültig angenommen.
* Athen, 8. April. In der Nähe von Kalavryta
(Achaja=Peloponnes) ſind durch eine Senkung des
Bodens und einen Bergrutſch die Dörfer Skivena und
Triolos verſchüttet worden. Da ſich die meiſten
Einwohner außerhalb der Dörfer befanden, wurden nur
drei Frauen getötet.
IIB. Berlin, 8. April. In dem Spieler=Prozeß
gegen Stallmann und Genoſſen beantragte der
Staatsanwalt nach zweiſtündiger Rede gegen Stallmann
wegen verſuchten Betruges 2 Jahre Gefängnis, 6 Mo=
nate
ſollen ihm auf die Unterſuchung angerechnet wer=
den
, gegen Niemela wegen verſuchten Betruges 3 Jahre
Gefängnis und gegen Kramer wegen verſuchter Erpreſſung
3 Jahre Gefängnis. Das Urteil dürfte erſt in einigen
Tagen geſprochen werden.
HB. Berlin, 8. April. Eine wilde Automobil=
fahrt
hat heute nacht in Reinickendorf ſchwere Folgen
gehabt. Der Kraftwagenbeſitzer Albert Prieſe, der in
mehreren Wirtſchaften gezecht hatte, lud in einem Lokal
5 Perſonen zu einer Vergnügungsfahrt in ſeinem Auto
ein. Bei der Fahrt überſah er ein Hindernis und der
Wagen ſchlug um. Ein Tiſchler wurde ſchwer verletzt und
verſtarb kurze Zeit darauf. Prieſe wurde feſtgenommen

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Nummer 82.

HB. Frankfurt a. M., 8. April. Der Auktionator
Knapp, der vor mehreren Wochen nach Unterſchlagung
von 50000 Mark aus Homburg verſchwunden war, iſt
heute nach ſeiner Rückkehr aus der Schweiz mit ſeiner Ge=
liebten
hier verhaftet worden. Das Paar war voll=
ſtändig
mittellos.
HB. Bad Homburg v. d. H., 8. April. Der Kaiſer
hörte heute morgen einen Vortrag des Chefs des Mili=
tärkabinetts
, von Lyncker, und arbeitete ſpäter mit dem
Vertreter des Auswärtigen Amtes, Herrn von Treutler
Am 23. April tritt der Kaiſer eine militäriſche Inſpektions=
reiſe
nach Straßburg und Metz an. Die Kaiſerin verlegt
am 2. Mai mit ihrem Hofſtaat ihren Hofhaushalt von
Homburg nach Wiesbaden. Wie verlautet, findet wäh=
rend
des Aufenthaltes des Herzogs von Cumberland in
Homburg die Verlobung des Prinzen Adalbert von Preu=
ßen
mit der Prinzeſſin Olga von Cumberland ſtatt.
Köln, 8. April. Von der Ueberſchwemm=
ung
in Nordamerika berichtet der Vertreter der
Köln. Ztg., daß im Staate Ohio, wo die deutſche Bevölke=
rung
außerordentlich zahlreich iſt, allein 30 Städte
und Dörfer und zahlloſe Bauerngehöfte furchtbar
zugerichtet worden ſind. Als Haupturſache gilt ein
dreitägiger Wolkenbruch
Krefeld, 8. April. Hier ſtieß heute eine Kraft=
droſchke
mit einem Laſtwagen zuſammen. Die
Inſaſſen wurden herausgeſchleudert; der Beſitzer der
Droſchke, von Bers, und der Chauffeur wurden lebens=
gefährlich
verletzt, vier andere Perſonen leichter.
Beuthen, 8. April. Heute früh warf ſich die Frau
des Arbeiters Felix Ortzega vor einen einlaufen=
den
Perſonenzug. Die Unglückliche wurde zer=
ſtückelt
. In ihrer Wohnung wurden ihre 4 Kinder im
Alter von 2 bis 6 Jahren erhängt aufgefunden.

Briefkaſten.

Militär. Wenn es ihm die Mittel erlauben und
er das Einjährigen=Zeugnis beſitzt, braucht er nicht als
Staats=Einjähriger zu dienen.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Wie man ſich ein faſzinierendes, perſönl. Parfümver=
ſchaffen
kann. Deſſen Selbſtherſtellung i. Hauſe. Trot
der vielen auf dem Markte befindl. Parfüms iſt jede Dame
beſtändig der Unannehmlichkeit ausgeſetzt, ihr Lieblingspar=
füm
, das ſie gewiſſermaßen als ihr eigenes betrachtet, bei an=
deren
Leuten wahrnehmen zu müſſen. Weniger Bemittelte
können zudem die teuren Kriſtallflakons, die farbig. Seiden=
bändch
. nicht erſchwingen, welche den Preis der an u. für ſich
teuren, mod. Parfüms nur noch weiter in die Höhe ſchraub.,
u. müſſen daher entweder zu minderw. Präpar. greifen, die
leider nur zu leicht als ſolche zu erkennen ſind, oder aber von
einem Parfüm ganz abſehen. Nun iſt einmal nichts Anderes
imſtande, einer Frau jenen undefinierbaren Reiz zu verleih.,
wie ihn der zarte Duft eines von gut. Geſchmack zeug. Par=
füms
um ſich webt. Nach verſch. Experimenten entdeckte nun
ein wohlbek. Spezialiſt eine Kombination, die einzig in ihrer
Art daſteht; ſie iſt auf verſch. Blumeneſſenz. baſiert u. beſitzt
die ſeltene Eigenſchaft, ſich der Haut in individuell. Weiſe an=
zupaſſ
., derart, daß ſich bei jed. Dame ein ganz perſönl. Par=
füm
entwickelt. Das Rezept dazu iſt eigentl. ganz einfach, die
benötigten Beſtandteile kann man in jed. größ. Apotheke od.
Drog. erhalt. u. die Herſtellung des Parf zuhauſe wie folgt
ſelbſt vornehmen: Man miſche 20 gr. Petalias=Extrakt mit
85 gr. reinem (90%igen) Alkohol u. füge dann nacheinander
3 gr. einfache Benzoétinktur u. 10 gr. Roſenwaſſer zu. So
erhält man beinahe ½ Liter derartig ſtark konzentriert. Par=
füm
, daß ein einziger Tropfen völlig hinreicht, um einen
lange anhaltenden Effekt hervorzubringen, einen feinen in=
definierbaren
Duft, der auf der Haut einer Brünetten an
Nelken, Roſen und Cyklamen erinnert; bei einer Blondinen
gleicht der erzielte Duft dagegen mehr Veilchen, Flieder oder
Maiglöckchen. Es beſteht aber keine beſtimmte Regel, das
Parfüm entwickelt vielmehr je nach der Haut eine verſchie=
denartige
zum Weſen der betreffenden Dame paſſende
Nüance, alſo ein ganz individuelles Parfüm.
(8317

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Zur geſl. Beachtung
Wanrene
Daut
Hes Ur
unſerer Geſchäftsſtelle Rhein=
ſtraße
23 befindet ſich der Ein=
gang
zu derſelben durch das
Hoftor rechts.
Darmſtädter Tagblatt‟

dine Quelle ſteter Sorge für Mütter ſind ſchwäch=
liche
, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder
Es kommt bei dieſen hauptſächlich darauf an, die Vei=
dauungskräfte
anzuregen und den Allgemeinzuſtand des
Körpers zu heben, wozu eine leicht verdauliche, aber gut
ernährende Koſt erforderlich iſt. Kufeke‟= Nahrung
entſpricht dieſen Anforderungen und yereinigt hiermit den
Vorzug des Wohlgeſchmackes und der Ausgiebigkeit. (II,8398

Aindfleiſch=Ragout. (Reſte=Verwendung). 6 Perſonen,
9i.
Stunde. In 80 Gramm Butter röſtet man
2 Löffel Mehl, verkocht dies mit Fleiſchbrühe oder Waſſer
zu einer ſeimigen Sauce, der man eine Handvoll kleine
Zwiebeln, etwas Eſtragoneſſig, Lorbeerblatt, Pfeffer=
körner
und Nelken hinzufügt. Nach einer halben Stunde
rührt man die Sauce durch ein Sieb, macht ſie wieder
heiß, gibt eine kleine, in feine Scheibchen geſchnittene
Salzgurke, ſowie zwei Löffel Perlzwiebeln dazu und
mengt 11½ Teelöffel Maggis Würze darunter. Das
in Scheiben zerlegte Fleiſch läßt man in der Sauce gut
heiß werden, aber nicht mehr kochen. Paſſende Beilage:
Gebratene oder durchgerührte Kartoffeln.

Auf den der Stadtauflage heutiger Ausgabe
beiliegenden farbigen Kartenproſpekt wird
hiermit hingewieſen.
(8401

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter: Adolph= Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Eincinnati von Genua nach New=York
3. April 6 Uhr 30 Min. abends von Neapel. Piſa
2. April 6 Uhr morgens von Portland Me. Belgia‟
von Boſton und Baltimore kommend, 6. April 3 Uhr
15 Min. nachm. in Hamburg. Patricia 5. April 10 Uhr
morgens von New=York direkt nach Hamburrg. Ham=
burg
5. April 11 Uhr morgens von New=York
nach dem Mittelmeer. Kaiſerin Auguſte Victoria‟,
von New=York kommend, 6. April 5 Uhr nachm. in Ham=
burg
. Willehad, von Portland Me. kommend, 6. April
nachm. in Hamburg. Oſtaſien: Aragonia von New=
York, 3. April von Malta nach Port Said. Segovia‟
2. April nachm. von Algier nach Port Said. Sileſia‟
2. April 5 Uhr nachm. von Singapore nach Colombo.,
Verſchiedene Fahrten: Cleveland zweite Weltreiſe,
3. April 7 Uhr morgens in Rangoon. Nicomedia‟
1. April 1 Uhr nachm. von Rangoon. Swakopmund
3. April 11 Uhr 30 Min. abends in Hamburg. Togo
von Weſtafrika kommend, 2. April von Las Palmas.
Nordd. Lloyd, Bremen. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
Kronprinzeſſin Cecilie 1. April 12 Uhr mittags von
New=York nach Bremen abgegangen König Albert
3. April 11 Uhr vorm. von Genua abgegangen.
Barbaroſſa 2. April 2 Uhr vorm. in Bremerhaven
angekommen. Wittekind 4. Aprii 8 Uhr nachm. von
Bremerhaven. Bremen 2. April 6 Uhr vorm. in
Bremerhaven angekommen. Derfflinger 3. April 4 Uhr
nachm. von Genua. Lützow 2. April 3 Uhr nachm. in
Hongkong angekommen. Prinz Ludwig 3. Apri
12 Uhr mittags von Genua abgegangen. Goeben
4. April 11 Uhr vorm. in Antwerpen angekommen.
Scharnhorſt‟ 2. April 11 Uhr dorm. Gibraltar paſſiert.
Javorina 2. Aprl 4 Uhr nachm. von Durban. Greifs=
wald
2. April 4 Uhr nachm. von Port Pirie abge=
gangen
. Elſaß 2. April 6 Uhr nachm. von Melbourne
nach Bremen. Helgoland 3. April 1 Uhr nachm. in
Meibourne angekommen. Ganelon 3. April 10 Uhr
vorm. von Las Palmas abgegangen. Schleſien
4. April 11 Uhr vorm. in Antwerpen angekommen.
Borkum 4. April von Antwerpen nach Bremen.
Coburg 2. April von Funchal nach Liſſabon abge=
gangen
. Willehad 4. April von Rotterdam nach
Bremen abgegangen. Piſa 2. April von Portland nach
Bremen. Barcelona 3. April in Portland angekommen.
Belgic 2. April von Rotterdam nach Portland ab=
gegangen
. Therapia 4. April in Hamburg. Würz=
burg
4. April in Bremerhaven angekommen. Crefeld‟
2. April von Liſſagon nach Braſilien abgegangen.
Altair 3. April von Liſſabon nach Braſilien. Prinz
Heinrich 2. Aprtl 4 Uhr nachm. von Marſeille. Schles=
wig
3. April 7 Uhr vorm. in Alexandrien. Manila
3. April von Makaſſer nach Singapore abgegangen.
Prinzregent Luitpold 2. April 2 Uhr nachm. von
Alexandrien nach Marſeille abgegangen.

Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die traurige Mitteilung, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, unſere innigſt
geliebte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante
N
Frau Eleonore Metzger
geb. Raab
Witwe des Lokomotivführers Philipp Metzger
nach langem, ſchwerem Leiden in ein beſſeres
Jenſeits abzurufen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Mathilde Metzger,
Friedrich Metzger,
Suſanna Spieß, geb. Metzger,
Carl Spieß, und Enkel.
Darmſtadt, den 8. April 1913.
Die Beerdigung findet Donnerstag, 10. April
3 Uhr nachmittags, vom =Portale des Friedhofes
aus, ſtatt.
(8535

Todes=Anzeige.
Dem Herrn über Leben und Tod hat es
gefallen, unſeren geliebten Sohn, Bruder,
Schwager und Onkel
(8470
acob Dicker
Postassistent
auf ſeiner beruflichen Ausreiſe nach Oſtaſien,
anläßlich welcher er in Orinsk (Sibir.) an
Scharlach erkrankte, im 26. Lebensjahre in die
beſſere Heimat abzurufen.
Darmſtadt, Birkweiler, Godram=
ſtein
, 6. April 1913.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen.

Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres Mit=

glieds und Feldzugskameraden
Hrn. Leutn. a. D. Peter Lommel,
findet am Donnerstag, den 10. ds. Mts., nach=
mittags
5¼ Uhr, von der Friedhofskapelle
des Darmſtädter Friedhofs aus, ſtatt. (8530
Wir erſuchen die Kameraden von Ramdohr
bis Schulz, ſowie des 2. Bezirks, ſich dort zu
verſammeln.
Der Vorſtand.

Dankſagung.
Für die überaus vielen Beweiſe herzlicher
Anteilnahme anläßlich des Hinſcheidens unſeres
unvergeßlichen
(8480
Herrn
Emanuel Ehrmann
ſagen innigſten Dank
die trauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.: Berthold Ehrmann.
Darmſtadt, Bad=Kiſſingen, Kitzingen (Bayern),
den 8. April 1913.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Hochdruckgebiet im Nordweſten hat ſich etwas
verflacht Die Depreſſion iſt weiter oſtwärts gezogen. Bei
ihrer Wanderung durch Deutſchland brachte ſie vielfach
leichte Regen. Infolge der einſetzenden Nordwinde ſind
die Temperaturen überall gefallen und liegen in Heſſen
unter dem normalen Mittel. Wir werden, da der Druck
in Deutſchland ſteigt, meiſt mit Hochdruckeinfluß zu rech=
nen
haben.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, 9. April: Wech=
ſelnd
bewölkt, meiſt trocken, kühl; Nordwind.

Tageskalender.

Julius Weismann=Abend um 8 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz (Richard Wagner=Verein).
Verſammlung des Heimverbandes Darmſtadt um
3 Uhr im Rathausſaal.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Bürgerkeller um
8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 10. April.

Hofreite=Verſteigerung des Joh. Georg Klenk
Hohler Weg 20) um 9 Uhr auf dem Ortsgericht I
Pferde=Verſteigerung um 10 Uhr in der Train=
kaſerne
(Eſchollbrückerſtraße).
Holzverſteigerung um 9½ Uhr in der Laumann=
ſchen
Wirtſchaft zu Meſſel.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.


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36
ungebleicht 1. . .
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5
gebleicht . . . .
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Protektorin: Ihre Kaiſerl. Hoheit die Kronprinzeſſin.
Ortsgruppe Darmſtadt.
Vorſtand:
Frau Major Selzam, I. Vorſitzende.
Ihre Exz. Frau General Hahn, II. Vorſitzende.
Frau Dr. W. Merck.
Frau Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing.
Fräulein Ethel.
Frau Oberſt von Helldorff.
Frau Dr. Leydhecker.
Herr Pfarrer Vogel.
(8400mm
Herr Major Selzam.
Die Genannten nehmen Anmeldungen zum Beitritt zur Orts=
gruppe
entgegen.
(Jahresbeitrag von 1 Mk. an.)

Einladung

0/
zu der am Donnerstag, den 10. d. M.,
abends 9 Uhr, ſtattfindenden Mitglieder
8
Everſammlung. Vereinslokal: Perkeo.
Tagesordn.: Verſchiedenes. Der Vorstand.
mn
Der Verein bezweckt die Zucht und Ein=
führung
raſſereiner Hunde zu fördern, Zu=
ſammenhang
und Verkehr unter den Lieb=
habern
und Züchtern zu vermitteln durch
S
regelmäßige monatliche Verſammlungen,
Stiften von Preiſen, uſw. Koſtenloſe
40ro
Vermittlung bei An= und Verkauf von
Hunden uch ſer Nichtmitglieder); Nachweis von Deckrüden. Aerzt=
licher
Beiſtand: Herr Dr. Siegesmund. Jahresbeitrag Mk. 5.
Beitritts Erklärungen und Anfragen z. H. des Herrn L. Kapfen=
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[ ][  ][ ]

Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

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[ ][  ][ ]

Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

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laufen

1 zahmes Eichhörnchen.
(8486

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteige=
rung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag,
vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(8471

Bekanntmachung.

In den letzten Tagen ſind auf dem Gelände Böllenfalltor=
Altes Schießhaus mehrfach Hunde von Spaziergängern ganz plötzlich
und unter Erſcheinungen verendet, die den Verdacht rechtfertigen,
daß in jener Gegend Giftbrocken liegen.
Wir warnen daher davor, Hunde in jener Gegend frei laufen
zu laſſen, und bitten jedermann, der ſachdienliche Angaben über dieſe
Erſcheinungen machen kann, um baldgefl. ſchriftliche oder mündliche
Mitteilung ſeiner Beobachtungen an uns.
Darmſtadt, den 5. April 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
(8303oim
Gennes.

Bekanntmachung.

Wir ſehen uns veranlaßt, die nachſtehende Polizeiverord=
nung
für die Stadt Darmſtadt, betreffend die Ver=
hütung
von Geſundheitsgefahren bei dem Betriebe
von Bäckereien, vom 12. April 1897 und 21. März 1899
erneut bekannt zu machen. Dabei weiſen wir beſonders auf die
§§ 4 und 6 dieſer Verordnung hin. Die Schutzmannſchaft iſt ange
wieſen, auf die genaue Befolgung der genannten Verordnung zu achten
Darmſtadt, den 2. April 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Polizeiverordnung

für die Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt,
betreffind die Verhütung von Geſundheitsgefahren bei dem Betriebe
von Bäckereien.
Vom 12. April 1897 und 21. März 1899.
§ 1. Die in Bäckereien den Arbeitern (Geſellen, Gehilfen und
Lehrlingen) zugewieſenen Schlafräume müſſen entweder ordnungs=
mäßig
unterkellert oder gegen die Bodenfeuchtigkeit anderweit aus=
reichend
geſchützt ſein, ſowie mit trockenem (feſtgedielten, zementierten
oder aſphaltierten) Fußboden verſehen ſein. Für jeden Arbeiter muß
ein Luftraum von mindeſtens 10 Kubikmeter in jedem Schlafraum
vorhanden ſein. Die Schlafräume müſſen mit Fenſtern verſehen ſein,
welche die direkte Luftzuführung von außen ermöglichen. Auf den
Kopf der zuläſſigen höchſten Zahl von Bewohnern ſoll mindeſtens
¼ Luadratmeter Fenſteröffnung vorhanden ſein.
§ 2. Für jeden Arbeiter muß in dem Schlafraum eine be=
ſondere
Lagerſtätte und entweder in dem Schlafraum oder in einem
neben demſelben gelegenen Raume eine beſondere Waſchvorrichtung
vorhanden ſein. Schlafräume, Lagerſtätten und Waſchvorrichtungen
ſind ſtets in einem, den ordnungsmäßigen Gebrauch ermöglichenden
ſauberen Zuſtande zu erhalten.
§ 3. (Aufgehoben.)
§ 4. Mehl und Backwaren ſind in geeigneten Be=
hältern
aufzubewahren und zu transportieren, ſowie gegen
Verunreinigung ausreichend zu ſchützen. Insbeſon=
dere
müſſen die zum Transport der Backwaren
dienenden Körbe, Mahnen uſw. ſtets in reinlichſtem Zu=
ſtande
erhalten werden und dürfen nicht zur Auf=
bewahrunganderer
Gegenſtändeverwendet werden.
Ebenſo muß ſich das die Backwaren herumtragende Per=
ſonal
beſonderer Reinlichkeit auch in der Kleidung
befleißigen und bei dem Transport jede Verun=
reinigung
der Backwaren durch Ueberdecken der Körbe
mit reinen Decken von heller Farbe vermeiden.
§ 5. In jeder Backſtube muß eine an die ſtädtiſche Waſſerleitung
unmittelbar angeſchloſſene Waſcheinrichtung vorhanden ſein, welche
das Abſpülen der Hände und Arme ermöglicht.
Sind die räumlichen Verhältniſſe der Backſtube derartig, daß für
die Anbringung der Waſchvorrichtung kein geeigneter Platz vorhanden
iſt oder daß die in der Backſtube aufgeſtellten oder gebrauchten Back=
materialien
oder Geräte bei Benützung einer daſelbſt angebrachten
Waſchvorrichtung der Gefahr einer Verunreinigung ausgeſetzt würden
ſo iſt die Waſchvorrichtung in dem Backhauſe, inſofern dieſes unmittel=
dar
an die Backſtube anſtößt, oder, wenn dies untunlich iſt, in einem
unmittelbar an die Backſtube anſtoßenden, jederzeit leicht zugänglichen
Raum anzubringen.
§ 6. Der Arbeitgeber darf keinen Arbeiter beſchäftigen,
welcher an einer anſteckenden und ekelerregenden Krankheit leidet.
Tritt eine ſolche Krankheit bei einem im Dienſt befindlichen Arbeiter
ein, ſo iſt von dem Erkrankten die Arbeit im Bäckereigewerbe bis zur
vollſtändigen Heilung einzuſtellen. In dieſem Falle ſind die Lager=
ſtätten
und die ſonſt vom Arbeiter benutzten Gegenſtände gehörig zu
reinigen und, ſoweit nötig, in der ſtädtiſchen Desinfektionsanſtalt zu
desinfizieren.
§ 7. Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Beſtimm=
ungen
werden falls nicht andere geſetzliche Beſtimmungen, ins=
beſondere
diejenigen des Geſetzes vom 1. Juli 1893, betreffend die
polizeiliche Beaufſichtigung der Mietwohnungen und Schlafſtellen,
verletzt ſind mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark beſtraft.
Sofern infolge obiger Vorſchriften eine bauliche Veränderung
vorgenommen, oder eine beſondere Einrichtung getroffen werden muß,
tritt eine Strafbarkeit erſt ein, wenn eine von der Polizeibehörde
(8265oi
hierfür geſetzte angemeſſene Friſt fruchtlos verſtrichen iſt.

Bekanntmachung.

Da wir in Erfahrung gebracht haben, daß in dem
Friſeur= und Barbier=Gewerbe
der Betrieb= an Sonn= und Feſttagen wiederholt über die zuläſſige
Zeit hinaus ausgedehnt worden iſt, ſowie daß Gehilfen, Lehrlinge
und Arbeiter in dieſen Betrieben an den genannten Tagen länger
als zuläſſig beſchäftigt worden ſind, ſehen wir uns veranlaßt, ekneut
auf die
Bekanntmachung des Großherzogl. Kreisamts
Darmſtadt vom 4. Mai 1908
die den Betrieb in dem Friſeur= und Barbiergewerbe an Sonn= und
Feſttagen, ſowie die Beſchäftigung von Arbeitern in dieſem Gewerbe
an den genannten Tagen regelt, hinzuweiſen. Wir bemerken dazu
daß nach der Rechtſprechung, insbeſondere des Oberlandesgerichts
Darmſtadt, nach Eintritt der für den Schluß des Betriebs feſt=
geſetzten
Stunde (12 Uhr) auch dasjenige Publikum nicht mehr
bedient werden darf, welches zwar ſchon in den Geſchäfts=
räumen
der Friſeure und Barbiere anweſend iſt, mit deſſen
Bedienung aber zu der genannten Zeit noch nicht begonnen
worden iſt. Wir machen weiter darauf aufmerkſam, daß die Be
kanntmachung auch diejenigen Friſeure und Friſeuſen betrifft, welche
kein offenes Ladengeſchäft haben. Schließlich weiſen wir die Arbeit=
geber
noch auf die Beſtimmungen des § 162 Ziffer e der heſſi=

ſchen Ausführungsverordnung zur Gewerbeordnung hin, welcher
eſagt: Wenn die Sonntagsarbeiten länger als 3 Stunden dauern,
ſo ſind die Arbeiter entweder an jedem dritten Sonntag für volle
36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntag mindeſtens in der Zeit
von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends oder in jeder Woche während
der zweiten Hälfte eines Arbeitstages, und zwar ſpäteſtens von
1 Uhr nachmittags ab, von jeder Arbeit freizulaſſen. Wenn die Arbeiter
durch die Sonntagsarbeit am Beſuch des Gottesdienſtes gehindert
werden, ſo iſt ihnen an jedem dritten Sonntag die zum Beſuch des
Gottesdienſtes erforderliche Zeit frei zu geben.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe auf Grund der §§ 105b, e
und e der Gewerbeordnung erlaſſenen Beſtimmungen, ſowie gegen
die Vorſchriften der nachſtehenden Bekanntmachung werden nach
§ 146a Abſ. 1 der Gewerbeordnung mit Geldſtrafe bis zu 600 Mk.,
im Unvermögensfalle mit Haft beſtraft. Wer Arbeitern an
Sonn= und Feſttagen in unzuläſſiger Weiſe Beſchäftigung gibt und
bereits zweimal wegen einer Zuwiderhandlung gegen die diesbezüg=
lichen
Vorſchriften rechtskräftig verurteilt worden iſt, wird nach
§ 146a Abſ. 2 der Gewerbeordnung, falls die Straftat vorſätzlich
begangen wurde, mit Geldſtrafe von 50 bis 1000 Mk. oder mit
Haft beſtraft.
(8450mds
Darmſtadt, den 5. April 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Betreffend: Antrag der Friſeure, Barbiere und Perückenmacher zu
Darmſtadt auf Erlaß einer Anordnung gemäß § 41b der
Reichsgewerbeordnung.
Nachdem bei der Abſtimmung ſich die Mehrheit der Beteiligten
dem ſeitens einer Anzahl von in Darmſtadt wohnhafter Friſeure,
Barbiere und Perückenmacher geſtellten Antrag (ſiehe unſere Bekannt=
machung
vom 12. März ds. Js., Tagblatt‟ Nr. 64) angeſchloſſen hat,
beſtimmen wir hiermit unter Abänderung der ſeither gültigen Beſtim=
mungen
für die Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt auf Grund des
§ 41 b der Gewerbeordnung und des § 85 der Ausführungsanweiſung
zur Gewerbeordung mit Wirkung vom 15. Mai 1908 folgendes:
I. Die Beſchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern
im Barbier= und Friſeur=Gewerbe iſt
1. verboten am zweiten Weihnachts=, Oſter= und Pfingſttage
mit Ausnahme der Arbeiten bei der Vorbereitung von öffent=
lichen
Theatervorſtellungen oder Schauſtellungen,
2. geſtattet an den übrigen Sonn= und Feſttagen
a) außerhalb der Betriebsſtätte bis mittags 12 Uhr,
b) innerhalb der Betriebsſtätte von 9 Uhr vormittags bis 12
Uhr mittags,
c) innerhalb und außerhalb der Betriebsſtätte bei der Vor=
bereitung
von öffentlichen Theatervorſtellungen oder Schau=
ſtellungen
, ſowie in der Karnevalszeit (vom 1. Januar bis
Faſtnacht) während der Zeit von 69 Uhr nachmittags.
II. Ein Betrieb in dem Friſeur= und Barbier=Gewerbe darf
nur inſoweit an Sonn= und Feſttagen ſtattfinden, als eine
Beſchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern
geſtattet iſt.
Darmſtadt, 4. Mai 1908.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

Bekanntmachung,

betreffend: Frühjahrsmeſſe 1913.
Auf Grund von § 366,10 R. St. G. B., Art. 264 Pol. St. G. B.
und Artikel 129b, Abſ. 2, der Städteordnung wird wegen der Früh=
jahrsmeſſe
für die Zeit vom 10. bis 24. April ds. Is einſchließ=
ich
angeordnet:
1. Der zwiſchen Mühl= und Stiftſtraße liegende Teil der Linden=
hofſtraße
iſt für Fuhrwerke geſperrt
2. Auf den das Meſſe=Gelände umgebenden Straßenteilen darf
nur im Schritt gefahren oder geritten werden.
3. Durch die Reihen der Schau= und Verkaufsbuden darf weder
gefahren noch geritten noch geradelt werden.
Darmſtadt, 4. April 1913.
(8302oim
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Oktroi für Breunholz.

Die Schießhausſtraße, der Heinrichswingertsweg, die Lands=
kron
=, Moosberg= und Ludwigshöhſtraße ſind für oktroipflichtige
Gegenſtände geſperrt.
Zur Erleichterung der Holzabfuhr wird hiermit den Bewohnern
des ſüdlichen Stadtteils geſtattet, dieſe Straßen zu benutzen, wenn
ſie den Oktroi beim Hinausfahren in den Wald an die Erhebſtelle
in der Klappacher Straße auf Grund des Abfuhrſcheins entrichten
ſo daß beim Einfahren in die Stadt die Fuhrleute im Beſitze der
Quittung ſind, die den ſtädtiſchen Aufſichtsbeamten auf Verlangen
vorzuzeigen iſt.
Der Oktroi für das durch die Beſſunger Straße in die Stadt
einzuführende Holz iſt vorher an die Oktroierhebſtelle Heidelberger
Straße 112 zu entrichten.
Für das Holz, das nicht in die Stadt eingebracht, ſondern
auf die in der Gemarkung Darmſtadt liegenden Grundſtücke geſetzt
wird, iſt ebenfalls der Oktroi beim Hinausfahren in den Wald zu
entrichten.
Gegen Zuwiderhandelnde wird auf Grund des Oktroi= Regle=
ments
Anzeige erhoben.
(8485a
Darmſtadt, den 5. April 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.

Verſteigerung im ſtädliſchen Leihamt.

Montag, den 21. April 1913, von nachmittags 2 Uhr ab,
beginnt die Verſteigerung im ſtädt. Leihamt, Kirchſtr. 9 dahier.
Es kommen zum Ausgebot:
Montag, den 21. April, von nachmittags 2 Uhr ab: Weißzeug
und Kleidungsſtücke;
Dienstag, den 22. April, von nachmittags 2 Uhr ab: Gold, Silber,
Brillanten, Uhren, Ringe;
Mittwoch, den 23. April, von vormittags 9 Uhr ab: Photo=
graphiſche
Apparate, Muſikwerke, Geigen, Zithern, Operngläſer,
Ferngläſer und Reißzeuge;
an demſelben Tage, von nachmittags 2 Uhr ab: Weißzeug
und Kleidungsſtücke;
Donnerstag, den 24. April, von vormittags 9 Uhr ab: Weißzeug
und Kleidungsſtücke;
an demſelben Tage, von nachmittags 2 Uhr ab: Fahrräder,
Nähmaſchinen, Regulateure, Wanduhren, Weißzeug und
Kleidungsſtücke;
Freitag, den 25. April, von vormittags 9 Uhr ab und von nach=
mittags
2 Uhr ab: Gold, Silber, Uhren, Ringe und dergl.
Die zur Verſteigerung heranzuziehenden Pfänder ſind folgende
Nr. 1 bis einſchl. Nr. 26018 und Nr. 91077 bis einſchl. Nr. 100000.
Die Verſteigerung findet gegen ſofortige Barzahlung ſtatt.
Die Auslöſung verfallener Pfänder hat bis längſtens Samstag, den
19. April 1913, vormittags 12 Uhr, zu erfolgen.
Der ſofortige Wiederverſatz ausgelöſter, verfallener Pfänder
kann vom 16. April I. J. ab großen Andrangs wegen nicht
mehr ſtattfinden.
Darmſtadt, den 7. April 1913.
Die ſtädtiſche Leihamts=Verwaltung.
(8472a
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Verkauf von Matratzenſtreu

Am Freitag, den 11. April,
wird die Matratzenſtreu einer
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vallerie
=Kaſerne an der Holzhof=
allee
verſteigert.
(8467
Der Verkauf beginnt um 9 Uhr
vormittags.
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Srrausstedern, Prearedsen

5415a)

Einzel-Verkauf
zu Engros-Preisen.

Bekanntmachung,

die Abzahlungsgeſchäfte betreffend.
Nachſtehend bringen wir das Reichsgeſetz, betreffend die Ab=
zahlungsgeſchäfte
, vom 16. Mai 1894, wiederholt zur Kenntnis.
(8264oi
Darmſtadt, den 2. April 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutſcher

Kaiſer, König von Preußen ꝛc. ꝛc.
verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zuſtimmung des
Bundesrats und des Reichstags, was folgt:
§ 1. Hat bei dem Verkauf einer dem Käufer übergebenen be=
weglichen
Sache, deren Kaufpreis in Teilzahlungen berichtigt werden
ſoll, der Verkäufer ſich das Recht vorbehalten, wegen Nichterfüllung
der dem Käufer obliegenden Verpflichtungen von dem Vertrage zu=
rückzutreten
, ſo iſt im Falle dieſes Rücktritts jeder Teil verpflichtet,
dem andern Teil die empfangenen Leiſtungen zurückzugewähren. Eine
entgegenſtehende Vereinbarung iſt nichtig.
dem Vorbehalte des Rücktrittsrechts ſteht es gleich, wenn der
Verkäufer wegen Nichterfüllung der dem Käufer obliegenden Verpflich=
tungen
kraft Geſetzes die Auflöſung des Vertrages verlangen kann.
§ 2. Der Käufer hat im Falle des Rücktritts dem Verkäufer
für die infolge des Vertrags gemachten Aufwendungen, ſowie für
ſolche Beſchädigungen der Sache Erſatz zu leiſten, welche durch ein
Verſchulden des Käufers oder durch einen ſonſtigen von ihm zu ver=
tretenden
Umſtand verurſacht ſind. Für die Ueberlaſſung des Ge=
brauches
oder der Benutzung iſt deren Wert zu vergüten, wobei auf
die inzwiſchen eingetretene Wertminderung der Sache Rückſicht zu
nehmen iſt. Eine entgegenſtehende Vereinbarung, insbeſondere die vor
Ausübung des Rücktrittsrechts erfolgte vertragsmäßige Feſtſetzung
einer höheren Vergütung, iſt nichtig.
Auf die Feſtſetzung der Höhe der Vergütung finden die Vor=
ſchriften
des § 260, Abſ. 1 der Zivilprozeßordnung entſprechende An=
wendung
.
§ 3. Die nach den Beſtimmungen der §§ 1, 2 begründeten
gegenſeitigen Verpflichtungen ſind Zug um Zug zu erfüllen.
4. Eine wegen Nichterfüllung der dem Käufer obliegenden
Verpflichtungen verwirkte Vertragsſtrafe kann, wenn ſie unverhältnis=
mäßig
hoch iſt, auf Antrag des Käufers durch Urteil auf den ange=
meſſenen
Betrag herabgeſetzt werden. Die Herabſetzung einer ent=
richteten
Strafe iſt ausgeſchloſſen.
Die Abrede, daß die Nichterfüllung der dem Käufer obliegenden
Verpflichtungen die Fälligkeit der Reſtſchuld zur Folge haben ſollte,
kann rechtsgültig nur für den Fall getroffen werden, daß der Käufer
mit mindeſtens zwei aufeinander folgenden Teilzahlungen ganz oder
teilweiſe im Verzug iſt und der Betrag, mit deſſen Zahlung er im
Verzug iſt, mindeſtens dem zehnten Teile des Kaufpreiſes der über=
gebenen
Sache gleichkommt.
§ 5. Hat der Verkäufer auf Grund des ihm vorbehaltenen
Eigentums die verkaufte Sache wieder an ſich genommen, ſo gilt
dies als Ausübung des Rücktrittsrechts.
§ 6. Die Vorſchriften der §§ 1 bis 5 finden auf Verträge,
welche darauf abzielen, die Zwecke eines Abzahlungsgeſchäfts (§ 1)
in einer anderen Rechtsform, insbeſondere durch mietweiſe Ueber=
laſſung
der Sache zu erreichen, entſprechende Anwendung, gleichviel
ob dem Empfänger der Sache ein Recht, ſpäter deren Eigentum zu
erwerben, eingeräumt iſt oder nicht.
§ 7. Wer Lotterieloſe, Inhaberpapiere mit Prämie (Geſetz vom
8. Juni 1871, Reichs=Geſetzblatt S. 210) oder Bezugs= oder Anteil=
ſcheine
auf ſolche Loſe oder Inhaberpapiere gegen Teilzahlung ver=
kauft
oder durch ſonſtige auf die gleichen Zwecke abzielenden Verträge
veräußert, wird mit Geldſtrafe bis zu fünfhundert Mark beſtraft.
Es begründet keinen Unterſchied, ob die Uebergabe des Papiers
vor oder nach der Zahlung des Preiſes erfolgt.
§ 8. Die Beſtimmungen dieſes Geſetzes finden keine Anwen=
dung
, wenn der Empfänger der Ware als Kaufmann in das Handels=
regiſter
eingetragen iſt.
§ 9. Verträge, welche vor dem Inkrafttreten dieſes Geſetzes
abgeſchloſſen worden ſind, unterliegen den Vorſcheiften desſelben nicht.
Urkundlich Unſerer Höchſteigenhändigen Unterſchrift und bei=
gedrucktem
Kaiſerlichen Inſiegel.
Gegeben Prökelwitz, den 16. Mai 1894.
(L. 8) Wilhelm.
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Gallensteine.
Hätte ich doch früher gewußt, daß die Dun=Präparate ein ſo mild
wirkendes und doch ſo vorzügliches Mittel gegen Gallenſteine
ſind. Ich litt ſo unausſprechlich an Gallenſteinkoliken, daß ſchließlich
nichts anderes übrig blieb, als die Gallenblaſe herausnehmen zu
laſſen. Leider war die Folge davon eine ſchreckliche. Nachdem die
Wunde vernarbt war, kamen die Koliken wie zuvor, ja noch furcht=
barer
. Nach jeder Mahlzeit bekam ich Magenkrämpfe und Erbrechen,
ſo daß ich bis faſt zum Skelett abmagerte. Mein Zuſtand war ein
hoffnungsloſer und qualvoller, und als ich wieder operiert werden
ſollte, ließ ich es nicht zu und griff zu den Dunpillen. Gleich=
zeitig
legte ich mir ein etwa 20 cm breites Dunpflaſter wie einen
Gürtel um den Leib. Wie ein Wunder verſpürte ich faſt augen=
blicklich
Linderung, die Krämpfe und das Erbrechen ließen nach
und ich konnte wieder beſſer eſſen. Nach 34 Wochen hatte ich
bereits 10 Pfund zugenommen. Nach einigen Wochen bekam ich
noch einmal 2 Tage lang heftige Kolik, wobei der zurückgebliebene
Gallenſtein, der bei der Operation nicht gefunden worden war,
abging. Von dieſem Tage an, während ich Pillen und Salbe weiter
nehme, habe ich bereits 1 Jahr lang weder Koliken, noch Krämpfe,
noch Erbrechen uſw. gehabt und außerdem weitere 25 Pfund zu=
genommen
, ſo daß ich mein altes Gewicht wieder habe und alle
ſchweren Hausarbeiten wie früher verrichten kann, ja daß ich mich
noch lebensfroher und geſünder fühle. Im vergangenen Sommer
haben die Dunpillen und=Salbe meinen Jungen Max, als er an
Maſern erkrankte, innerhalb 3 Tagen wiederhergeſtellt, desgl. ſpäter
bei einem Anfall an Diphtherie und Halsentzündung. D. S. (1.30),
D. P. (1.30), D. Z. (2.00).
Darmſtadt, 22. 9. 1912.
Frau L. Müller. (Unterſchrift ortsgerichtlich beglaubigt.
Zu haben in Apotheken oder durch Vermittlung der Fabrik
Hans Heiß, Darmſtadt, Roßdörferſtraße 22. Proſpekt koſtnlos
und frei.
(VII1748
dt.
Cert
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v.
Ged. gerr. 6.
itait=
Cer. F
Arsoh. 6;
e. Ggtad. 1,
Violl.
rei 21 Seb. 2. 12
etst
mai
rat. res. Pf
*8.
Gerat 6.
Vittell. 5
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L. G
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Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

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Ganz langſam ging ſie über den Markt. So ſchlep=
pend
waren die Schritte der hurtigen Signe wohl kaum je
geweſen. Und ihr Denken kam auch nicht voran. Es zeigte
ſich träge und zähe, ließ friſche Ueberlegung nicht zu. Es
blieb nur immer bei dem einen: Nun wird ſich mein Leben
ganz anders geſtalten. Sie war nicht froh, nicht trübe ge=
ſtimmt
. Eine öde, tote Gleichgültigkeit hatte ſich ihrer be=
mächtigt
.
Erſt als ſie in die Nähe des Krankenhauſes, in die
Grimnitzer Vorſtadt kam, wurde ihr Gang lebhafter; denn
ſie bedachte: Nun bin ich bald bei meiner Mutter! Ein
Stück vor ihr erblickte ſie jetzt auch ihren Vater.
Stephan Frank hatte ſich während des ganzen Weges,
den ihm Signe vorher kurz beſchrieben, kaum einmal um=
geſehen
. Wozu auch? Signe nachkommen? Pah, die
würde ſich hüten. Sie war gewiß froh, daß ſie ihn mit
guter Gelegenheit losgeworden. Und nun ſieh, was Du
machſt, alter Sünder! Na, natürlich, jetzt nahm man die
Zuflucht zum letzten Freunde, dem Strick, ſuchte ſich einen
ſtillen Winkel und
Da vernahm er den raſchen Schritt hinter ſich und
blickte ſich nun doch um. Nicht möglich! Sein Auge weitete
ſich im ſtarren Ueberraſchtſein, und durch ſeinen Sinn zuckte
es: Das hätte ich nicht gedacht . . . nein, nimmermehr
gedacht!

Eiche aigleg ſeine Beſtrnng, Sie ner mit ümr
ihren Sinnen ſchon bei dem, was die nächſten Minuten
bringen würden, und haſtete nur noch heraus, daß er drau=
ßen
warten möchte. Sie wollte das Zuſammenſein mit
der blaſſen, ſtillen Frau zuerſt allein haben, ohne jeden
Zeugen.
Stephan Frank nickte gleichmütig und ſetzte ſich auf
einen Pfeilervorſprung der das Krankenhaus von der
Straße abſchließenden Mauer und wartete.
Keine fünf Minuten ſaß er ſo, den Oberkörper weit
nach vornüber gebeugt und die Augen ſtier auf eine kleine
Siedlung roſabehauchter Gänſeblümchen gerichtet, über
denen ein heller Sonnenfleck lag. Da klang die Eiſenpforte
neben ihm ſchon wieder, und Signe kehrte zurück.
Als er in ihr Geſicht ſah, fuhr er hart in die Höhe und
ſtarrte ſie an. Sie ſchien eine völlig andere geworden in
ihrer ganzen Haltung und in ihrem ganzen Weſen. Wie
vernichtet und zerſchlagen ſtand ſie vor ihm, wie jemand,
der im nächſten Augenblick zuſammenzubrechen droht. Sie
mußte ſich auch gegen die Mauer lehnen und ſagte nun
endlich tonlos: Mutter iſt nicht mehr hier, ſeit geſtern
abend. Niemand weiß, wohin ſie gegangen. O Gott,
warum auch das noch!
Stephan Frank ſchien weniger erſchüttert. Er er=
widerte
zunächſt gar nichts und blickte lange ins Leere.
Dann kam ihm wohl ein Bedenken, das ihn befriedigte.
Wenigſtens flammte ſekundenlang etwas Heißes, Gieriges
in ſeinen Augen auf. Wir wollen ſie ſuchen, Signe!
Mein Gott, wo? Wo ſollen wir ſie ſuchen?

Kenſie Dich nicht Des wer der aiſe bälrich=
tröſtende
Ton, der aus ſeinem Munde kam. Ich kann es
mir denken, wohin ſie gegangen iſt. Weit fort, und wir
müſſen eine weite Reiſe machen. Aber ich habe keinen
roten Pfennig Reiſegeld.
Er hätte das nicht zu verſichern brauchen, Signe wußte
es ohnehin. Sie nickte müde und ſah ſeine lauernden
Augen auf ſich gerichtet. Das wirſt Du natürlich geben
können, denn Deine Pflegeeltern werden Dich nicht ohne
Geld aus dem Hauſe laſſen. Vielleicht beſitzeſt Du auch
etwas Erſpartes?
Signe redete immer noch nicht. Sie ſann nur darüber
nach, warum ſie plötzlich nicht mehr ſo mutig und ent=
ſchloſſen
dem Neuen entgegenzugehen vermochte, wie noch
vor kurzem. Ja, ſie meinte Furcht zu empfinden bei dem
Gedanken, mit ihrem Vater allein in die Welt zu gehen.
War das ihre Liebe? War das ihre Sehnſucht nach
ihres Leibes Urſprung? Nein, es galt, nun doppelt tapfer
zu ſein, alles daran zu ſetzen, um die Mutter zu finden.
Oder iſt es Dir leid mit einem Male? fragte Stephan
Frank endlich in ihr Schweigen hinein. Weil Du gar
nichts mehr ſagſt und ganz elend ausſiehſt.
Da ſtraffte ſie ihren jungen Körper tapfer auf 1ad
ſagte entſchloſſen: Nein, es iſt mir nicht leid. Und nun
wollen wir zuerſt in die Stadt zurück.
Gemeinſam gingen ſie. Signe hatte, Bedenken, Er=
wägungen
, Empfindungen aller Art als etwas Ueberflüſſi=
ges
beiſeite geſchoben. Sie kümmerte ſich um nichts von
alledem, was ihr auf dieſem Wege an Neugier, Hohn und

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913,

Nummer 82.

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eklen Reden vor die Füße fiel. Sie ſah geradeswegs in
die helle Sonne und entſchied mit klarem Sinn über das,
was nun zuerſt geſchehen müſſe. Sie wollte zu Bruns.
Natürlich, das mußte zu allererſt ſein. Ihr Vater ſollte
indes irgendwo bleiben. Dahin wollte ſie dann kommen.
(Und noch heute könnten ſie Hattinghauſen verlaſſen und
die weite Reiſe zur Mutter antreten. Ja, zur Mutter!
Das war das Brennende, Treibende in Signes Gedanken=
welt
. Und Geld für die weite Reiſe und für die erſte
Zeit? Sie hatte ja das Geſchenk, das ihr Pflegevater ihr
am Konfirmationstage gemacht. Ob man ihr die Mit=
nahme
dieſer Summe geſtatten, ob man ſie ſelbſt über=
haupt
gehen laſſen würde, das alles kam ihr zunächſt gar
nicht in den Sinn.
Stephan Frank taumelte und ſtolperte neben ihr her
und war mit allen ihren Plänen und Vorſchlägen einver=
ſtanden
wie ein unmündiges, urteilsloſes Kind. Nur als
ſie von ihrem Spargelde ſprach, flimmerte ein lüſternes
Leuchten in ſeinen Augen. Und jedesmal, wenn ſie an
Häuſern vorüberkamen, aus denen der Duſt von Speiſen
drang, blieb er ſtehen und ſog dieſen Duft ein wie ein
hungriges Tier.
Was tuſt Du immerfort? fragte Signe endlich im
halben Grauen.
Ich leide wahnſinnigen Hunger, Signe. Ich habe
ſeit drei Tagen nichts gegeſſen . . . gib mir etwas zu
eſſen! . . .
Er ſtieß das letzte in maßloſer Gier heraus und lehnte
ſich an eine Hauswand.
Signe blickte in ratloſer Angſt um ſich. Sie waren
ſchon in der Bandgaſſe. Drüben lag der Güldene Ring.
Und eben trat Thom Lührs vor die Tür, ſah Signe und
winkte ihr mit hellem Lächeln einen Gruß über die Straße.

ſich auf, als er ſie erblickte, und ſeine Bruſt hob und ſenkte
ſich unter einem befreienden Atemzuge. Gott ſei Dank!
ging es ihm dabei aus tiefſter Seele über die Lippen. Er
muſterte ſie während ihres langſamen Näherkommens mit
heller Aufmerkſamkeit und glaubte davon überzeugt ſein
zu dürfen, daß ſie in Angſt und Not heimkam. Er ging
ihr die letzten Schritte entgegen und lächelte ſie an, ſo, wie
man jemand anlächelt, den man tröſten und beruhigen
will. Aber er nannte ſie nicht wie ſonſt nach alter, lieber
Gewohnheit Schweſter. Seitdem er ſie geſtern abend in
ſeinen Armen gehalten und die Treppe hinangetragen,
ſeitdem er jenes heiße Brennen in ſeinem Blut gefühlt,
war etwas in ihm, das ihm mit heimlichem Raunen die=
ſes
Zeugnis für eine nicht vorhandene Blutsverwandt=
ſchaft
verbot. Und zudem wußte er ja auch, daß ſie über
das zwiſchen ihnen in Wirklichkeit beſtehende Verhaltnis
ſeit geſtern unterichtet war. Ein anderes zu tun, war ihm
indes zu verwinden nicht möglich: das alte, liebe Andie=
handnehmen
, wie es ſeit Kindertagen zwiſchen ihnen Ge=
wohnheit
war, wenn ſie es recht gut miteinander meinten
oder wenn einer dem anderen etwas beſonderes Wichtiges
zu erzählen hatte.
Dieſes Berühren der Hände wies Signe einen bisher
nicht überlegten Gedanken. Sie hatte vorgehabt, ihre noch
mit ſo mancher Ungeklärtheit und Ungewißheit über=
ſponnene
Sache zu allererſt dem Ohr Frau Barbaras zu
offenbaren. Nun entſchloß ſie ſich plötzlich anders; Hen=
ning
ſollte zunächſt davon wiſſen, mit ihm, dem guten,
lieben Kameraden wollte ſie alles beſprechen. Er ſollte
ihr ratgebend und wegweiſend helfen.
(Fortſetzung folgt.)

In ſchnellem Entſchließen eilte ſie zu ihm. Er ver=
ſtand
nicht. Der Menſch da . . . Ihr .
Ja, ja! Fragen Sie nicht, Herr Lührs. Seien Sie
barmherzig, nehmen Sie ihn vorläufig auf und geben Sie
ihm etwas zu eſſen. . . Ich komme bald wieder. . . .
Thom Lührs, der alte, immer noch wie einſt Lächelnde
verlor all ſein Lächeln, fuhr ſich über die Stirn und lehnte
ſich gegen die Pfoſten der Einfahrt. So verharrte er noch,
als Signe mit ihrem Vater über die Straße kam, ihm die
führende Hand gereicht hatte und mit freundlichen Worten
auf ihn einſprach.
Nun ſtanden beide vor ihm . .. der Zerkumpte, Ver=
wahrloſte
, Wüſte und das ſchlanke junge Mädchen mit dem
ganzen ſtillen Stolz in Haltung und Gewand und mit
dem feinen Reiz eigener Schönheit.
Thom Lührs wollte ein heimliches Fluchen in die
Scele. Aber er mußte es bannen. Dafür kam ein ſtilles
Bewundern. Und eine tiefe Rührung ſtahl ſich in ſein
empfindſames Herz. Sie iſt wie ein wunderfeiner Engel,
dachte er. Und zu Stephan Frank ſagte er: Na dann
los! Im Güldenen Ring iſt man auch nie hart wie Stein.
Signe wandte ſich mit Dank zum Gehen und eilte da=
von
.
Die beiden anderen traten auf die Einfahrt. Gerade
kam Kaſpar Bömken mit der Futterſchwinge von den
Ställen her. Er ſtutzte, legte die Hand über die Augen
und bekam das Erinnern. . . Iſt das . . . iſt das nicht . . .
Geier eins, dat is doch dieſer verfl. . . Poppenſpäler. . . . .
Henning ſtand wartend und nach Signe Ausſchau
haltend in der Haustür, als ſie endlich, bald gegen Mittag
hin, über den Markt kam. Sein ſorgenvolles Geſicht hellte

[ ][  ][ ]

Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1915.

Seite 15.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtsſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 1. bis 7. April.
In Uebereinſtimmung mit den Mitteilungen der Preis=
berichtsſtelle
konſtatieren die amtlichen Stellen im allge=
meinen
eine befriedigende Ueberwinterung der Saaten.
Zwar iſt ein großer Teil der Pflanzen wegen ſpäter Be=
ſtellung
noch ſchwach entwickelt und die ziffermäßige Be=
gutachtung
daher ungünſtiger ausgefallen als um die
gleiche Zeit des Vorjahres indes hat das in letzter Zeit
herrſchende ſchöne Frühjahrswetter ſchon viel gebeſſert.
Die Landwirte ſind jetzt vollauf mit der Feldbeſtellung be=
ſchäftigt
, und die Folge davon iſt, daß das Angebot all=
gemein
ſtark nachgelaſſen hat. Lag ſchon darin eine Stütze
für die Preiſe ſo nahm der Markt im weiteren Verlaufe
eine um ſo feſtere Haltung an, als die rege Nachfrage für
Weizen am Weltmarkt die Exportländer zur Erhöhung
ihrer Preisanſprüche veranlaßte. Argentinien hat für
ſeinen neuerdings geringer geſchätzten Ueberſchuß viel=
ſeitigen
Abſatz, da Weſteuropa ſich ſehr aufnahmefähig
zeigt, Rußland aber nach wie vor mit Offerten fehlt.
Neuere Nachrichten aus Indien lauten nicht günſtig, und
für das zurückhaltende auſtraliſche Angebot bekundet Eng=
land
um ſo mehr Kaufluſt, als das Feſtland andauernd viel
Ware ablenkt. Zu der feſten Haltung Amerikas trugen
neben gutem Exportabzug auch Klagen über die Saaten
und eine niedrige Schätzung des Statiſtikers Snow bei. In
Deutſchland beſteht für Weizen andauernd gute Verwen=
dung
zum Export, während ſich gleichzeitig mehr Kaufluſt
für fremden Weizen kund gibt. Nach beiden Richtungen
entwickelte ſich in der Berichtswoche ein ziemlich lebhafter
Verkehr. und im Lieferungsgeſchäft erfolgten Deckungen
per Mai und Käufe per Juli, ſo daß die Preiſe ſeit Diens=
tag
um 3½ bis 3¾ Mark abziehen konnten. Roggen war
anfangs infolge ſchleppenden Abſatzes und unter dem Ein=
druck
des großen Berliner Lagerbeſtandes matt, doch be=
wirkte
ſpäter ſchwaches Inlandangebot bei vermehrter Ex=
portnachfrage
Deckungen und Käufe, ſo daß gegenüber dem
niedrigen Stande der Woche ein Preisfortſchritt von 234
bis 3¼ Mark feſtzuſtellen iſt. Auch für Hafer kam im Laufe
der Woche eine feſtere Stellung zum Durchbruch. Da gute
Sorten wenig offeriert und vom Export aufgenommen
werden, wendet ſich des Intereſſe den bisher vernachläſſig=
ten
mittleren Qualitäten zu. Aber auch in dieſen hat das

Angebot nachgelaſſen. Im Lieferungsgeſchäft erfolgten
im Zuſammenhange mit Verkäufen von argentiniſchem
Hafer nach dem Balkan Deckungen. Ruſſiſche Futtergerſte
blieb vernachläſſigt bei 1 bis 1½ Mark ermäßigten For=
derungen
. Mais war wenig verändert, das Geſchäft darin
ſtill. Für inländiſches Getreide ſtellten ſich die Preiſe am
letzten Markttage wie folgt:

Roggen
Wetzen
Hafer
Königsberg .
163½ (4-3½)
-
Danzig .
206
-
162 (*1½)
Stettin . . . 191 (*1
156 (*1
165 (*2
Poſen
. 191 (*2
158 (*2
153 (*1
58
Breslau . . . 191 (*1

15
154
Berlin
. 202 (*3
162 (*1
194 (*1
Magdeburg
196 (*2
) 174 (3
) 160
-
162 (1
Halle . . . . 201 (*
184
Leipzig
180 (
. . 199 (*2
164 (*1
Dresden . . . 202 (14
161 (*1
176 (*2
Hamburg . . 202
170 (*1
185
1
7
Düſſeldorf . . 21.
17
180
Köln
214 (*5
(15
178
7*1
Frankfurt a. M. 210 (**1
174½ (3 ) 185
-
Mannheim . 215
180 ( ) 180 (
225 (
Straßburg
-
182½ (
190
München
219 (*1
174 (1 ) 173 (5

Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Mai 210,50 (P 1,75),
Peſt April 186,75 ( 1,35), Paris April 231,15 (0,40),
Liverpool Mai 168,75 (*. 2,75), Chicago Mai 141,40
(3,05), Roggen: Berlin Mai 170 (P 1,50), Hafer: Berlin
Mai 167,75 ( 1,75), Futtergerſte fr. Hamburg unver=
zollt
, ſchwim. 134(
1), Mais: La Plata ſchwim.
114,50 (0,50), Mai/Juni 111,50 (* 1), Mixed März,
April 107 (* 1) Mk.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt a=
21 Abſ. 2 des
rund des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Gegen die Naturſchändung.
Jeder freut ſich, weil der Frühling ſeinen Einzug
hält. Man wandert hinaus, namentlich Sonntags, um zu
ſchauen, wie alles grünt und blüht. Aber leider begeg=
nen
einem ſchon unterwegs Leute, die dicke Sträuße blü=
henden
Weißdornes und allerlei Blumen mitnehmen. Und

erſt dort, wo ganze Büſche weiß leuchten, z. B. auf der
Marienhöhe, ſieht man ſie emſig beſchäftigt, die ſchönſten
Zweige abzureißen. Man trägt ſie nach Hauſe, nur um
ſie bald wieder achtlos fortzuwerfen, anſtatt ſie weiter=
blühen
zu laſſen, damit noch andere ſich daran erfreuen
können. Aber für dieſe bleibt nur ein troſtloſer Anblick:
völlig zerzauſte Büſche,
W. K.
Auch in dieſem Frühjahr ergeht an alle Katzen=
beſitzer
die herzliche und dringende Bitte ihre Katzen wäh=
rend
der Nacht eingeſperrt zu halten. Es iſt bekannt, daß
nächtlicherweile in den Gärten herumwildernde Katzen
nur auf Vogelfang ausgehen und ſolche raubluſtigen
Tiere ſind dann auch untauglich zum Mäuſefangen. Im
Intereſſe unſerer gefiederten Sänger, die jetzt wieder
ihren Einzug halten und das Brutgeſchäft beginnen, ſowie
zum Schutze der jungen Vögel, die den Nachſtellungen der
Katzen wehrlos preisgegeben ſind, iſt es daher dringend
nötig, das freie Herumlaufen der Katzen, namentlich bei
Nacht und in den frühen Morgenſtunden zu vermeiden.
Unſere Singvögel ſind ſo unentbehrlich als Vertilger der
unzähligen Schädlinge in Wäldern, Obſt= und Gemüſe=
gärten
, daß man ſie garnicht genug vor jeglicher Verfolg=
ung
ſchützen kann. In vielen Städten iſt bereits eine
Katzenſteuer eingeführt, die eine erwünſchte Abnahme der
Katzen im Gefolge hatte. Herrenlos ſich umhertreibende
Katzen ſollte man jedenfalls unſchädlich machen!
Den Hausbeſitzern in der Heidelberger Straße, die
die Anbringung von Roſetten für die elektriſche
Bahn an ihren Häuſern verweigern, ſollte ohne weiteres
ein Maſt vor das Haus geſtellt werden; vielleicht gehen ſie
dann bei dieſem Anblick eher darauf ein, die Roſette zu
erlauben. Wer aber dann noch hartnäckig bleibt, der wird
ſich nie dazu verſtehen. Die Anlage der Oberleitung des=
halb
hinauszuſchieben, hat keinen Sinn; dieſe ſollte, wenn
eben von den betreffenden Hausbeſitzern kein Entgegen=
kommen
bewieſen wird, unter Verwendung einiger Maſten
nunmehr ſchleunigſt fertiggeſtellt werden, damit, wenn
man auch den weigernden Hausbeſitzern den rückſtändigen
Dampfbetrieb noch recht lange gönnen ſollte, doch im In=
tereſſe
der Allgemeinheit der elektriſche Betrieb in der
Neckar= und Heidelberger Straße baldigſt und end=
lich
eröffnet wird.

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36 8.

Mitwoch, 9. April.

1913.

Die Weltausſtellung in
San Franzisko.
Von Walter W. Schultz.

San Franzisko (Kalifornia), im März. . . .
Neapel ſehen und dann ſterben, ſagt ſtolz der Neapo=
litaner
. Kalifornia ſehen und dann leben, ruft der
Kalifornier in die Welt hinaus, und wen ſein gutes
Glück einmal nach den blühenden Gefilden dieſes wunder=
baren
Staates mit ſeinem ewigen Frühling gebracht hat,
der wird ſich ſo leicht nicht mehr von ihm trennen konnen.
In den nun kommenden Jahren richten ſich die Blicke
der ganzen ziviliſierten Welt inſonderheit auf dieſes Wun=
derland
. Im kommenden Hervſt wird das erſte Schiff
durch den Panama=Kanal fahren und damit iſt der Anfang
zu dem großen Umſchwung gegeben, der auf dem Han=
delsgebiere
erfolgen wird.
Nie zuvor hatte eine Nation ſo viel Grund, eine Feier
zu begehen und beglückwünſcht zu werden, wie die Ver=
einigten
Staaten in dieſem Falle. Das ganze Werk war
von nationalem Geiſte durchdrungen. Ein aufgegebenes
Unternehmen war es, das die Vereinigten Staaten wieder=
belebten
und mit Mut und Kraft erfolgreich weiterführten,
und jedermann wird bei vollkommener Würdigung der
Urſache und richtigen Erkennen des Ergebniſſes mit dazu
beitragen, die gebührende Würdigung dieſes Werkes durch
die Nachwelt zu ſichern. Man ſollte ſich des Umſtandes
bewußt ſein, daß die Internationale Weltausſtellung in
San Franzisko nicht bloß eine lokale oder teilweiſe, ſon=
dern
eine univerſelle Feier werden ſoll, die eine dauernde
Erinnerung zu hinterlaſſen beſtimmt iſt. Der Hauptzweck
iſt, der Welt zu zeigen, was die Vereinigten Staaten bis
zum Jahre 1915 zu leiſten imſtande waren, wenn dieſes
größte Unternehmen derſelben ausgeführt und mit großen
Lettern auf den Tafeln der Weltgeſchichte verzeichnet
werden wird. Wenn die Vereinigten Staaten fremde Na=
tionen
dazu einladen, die Feier mit ihnen zu begehen, die
ausgeſuchteſten Produkte ihrer Länder mitzubringen und
ein Jahr in Amerika zu verbringen, iſt es klar, daß den
Veranſtaltern daran gelegen iſt, ſie an dem Platze unter=
zubringen
, an dem für ihr körperliches Wohlbefinden am
beſten geſorgt iſt. Dieſen Anforderungen entſpricht San
Franzisko in vollkommenſtem Maße, denn die reiche Aus=
wahl
an vorzüglichen Lebensmitteln, das reine, ausge=
zeichnete
Waſſer, die außerordentlich günſtigen Wohnungs=
verhältniſſe
und das herrliche, gleichmäßig milde Klima
dieſer Stadt genießen einen Weltruf wie keine andere.
Eine internationale Ausſtellung iſt wiederholt als der
illuſtrative Teil in der illuſtrierten Ausgabe der Welt=
geſchichte
bis zu einem beſtimmten Zeitabſchnitte bezeich=
net
worden und iſt dazu beſtimmt, die Zenſur oder das
ſtatiſtiſche und ſupplementare Element dieſer Geſchichte in
anſchaulicher Weiſe vorzuführen. Eine Zenſur oder Stati=
ſtik
gibt gewöhnlich nur in unintereſſanten trockenen
Zahlen und Worten einen Ueberblick über Tatſachen, die
jedoch, um Beachtung zu ſinden, entſprechend illuſtriert
werden müſſen, um nicht der Aufmerkſamkeit des allgemei=
nen
Durchſchnittes der Menſchen zu entgehen.
Statiſtiken ſind wertlos für jene, die die Sprache, in
der ſie verfaßt ſind, nicht verſtehen. Bilder brauchen jedoch
keine Ueberſetzung ſie ſind univerſale, unmittelbare Ge=
dankenträger
von Urheber zu Beſchauer, auf deſſen Geiſt
ſie ſofort wirken. Das iſt die Form von Verſtändigung,
die im Dienſte einer Ausſtellung ſteht. Alle Ausſtellungen
entwickeln gleicherweiſe eine Sphäre von realer Nützlich=
keit
; aber unglücklicherweiſe hat die leichtfertige, gedan=
kenloſe
oder vermeſſene Anwendung der Bezeichnung
Ausſtellung eine vollkommen falſche Auffaſſung und
Vorſtellung herangebildet, die ſeiner wirklichen und tat=
ſächlichen
Bedeutung zuwiderläuft. Ein Jahrmarkt iſt
eine liebenswürdige und wünſchenswerte Einführung, um
die Produkte einer Gegend oder Gemeinde zur Schau zu
ſtellen und umzuſetzen; er bringt auch die Menſchen ein=
ander
näher und iſt ganz und gar, was er bezweckt. So
alſo beiſpielsweiſe war die Panamerika=Ausſtellung, die

veranſchaulichen ſollte, wie die Nationen in Nord=, Zen=
tral
= und Südamerika fortgeſchritten waren, Spezial= Aus=
ſtellungen
von Entwickelungen Verfeinerungen in beſtimm=
ten
Zweigen und Beſtrebungen, die, ſo der Oeffentlich=
keit
vorgeführt, zweifellos ihren Zweck erfüllen.
Aber eine internationale Ausſtellung iſt ein Ereignis
von ſo einſchneidender und großer Bedeutung, daß ſie
notwendigerweiſe die Würde und den Ernſt der ſie ins
Leben rufenden Nation zu veranſchaulichen hat, beſonders
ſchon aus dem Grunde, weil es der Kongreß und der Prä=
ſident
der Vereiniaten Staaten ſelbſt waren, die die Auto=
riſierung
dazu gaben. Nur drei wirkliche internationale
Weltausſtellungen wurden bis jetzt in den Vereinigten
Staaten abgehalten, und jedesmal wurde die Begeben=
heit
offiziell als ein Ereignis von größter Bedeutung ge=
ſeiert
. Die erſte wurde in Philadelphia 1876 anläßlich
der Feier der nationalen Unabhängigkeit, die zweite in
Chicago 1893 anläßlich der Feier der Entdeckung Ameri=
kas
durch Columbus und die dritte in St. Louis 1904 an=
läßlich
der Feier der erſten großen Etappe auf dem Vor=
marſche
der amerikaniſchen Nation zum Pacifiſchen Ozean
abgehalten, und die vierte, vom Kongreß und Präſiden=
ten
autoriſierte Internationale Weltausſtellung wird die
im vorliegenden beſprochene Ausſtellung ſein.
Für Europa gewinnt dieſe Ausſtellung ein beſon=
ders
hervorragendes Intereſſe, weil durch die Eröffnung
des Panama=Kanals die Handelsbeziehungen mit Süd=
amerika
, Zentralamerika und dem Orient und dadurch
auch die mit den Vereinigten Staaten eine große Um=
wälzung
erfahren werden. In ganz ſpeziellem Maße
trifft dies auf Südamerika zu; gerade mit den dortigen
aufblühenden Republiken wird ein Handelsaustauſch als
äußerſt gewinnbringend erachtet. Die Ausſtellung des
Auslandes ſollte dieſen Umſtand in beſondere Berückſich=
tigung
ziehen. Jede einzige Republik Südamerikas wird
auf der Ausſtellung in San Franzisko vertreten ſein, und
zwar in einem Maße, wie es auch nur annähernd nie zu=
vor
geſchehen iſt. Das gleiche gilt auch von Japan und
China. Japan errichtet z. B ein Gehäude, für deſſen Her=
ſtellung
von der dortigen Regierung ein und eine halbe
Million Dollars (6000 000 Mark) bewilligt wurden.
Insgeſamt wird die Ausſtellung einen Wert von
hundert Millionen Dollars repräſentieren und in einer ſo
wunderbaren Weiſe ausgeführt werden, wie ſie nur die
Tatkraft der bedeutendſten Künſtler in allen Teilen der
Welt auf den verſchiedenſten Gebieten menſchlicher Tätig=
keit
und ein unermeßlicher Reichtum ſchaffen kann.

Luftfahrt.

sr. Für die Ausbildung von Flugzeug=
führern
auf Koſten der National=Flugſpende ſind jetzt
ſeitens des Kuratoriums der National=Flugſpende die
näheren Bedingungen feſtgelegt worden. Es ſind 19 Fa=
hriken
ermächtigt worden, die Ausbildung vorzunehmen.
Für die Ausbildung kommt zunächſt die Zeit bis zum 30.
September d. J. in Frage. Es werden zwei Gruppen
von Schülern unterſchieden und zwar iſt jede der 19 Fa=
briken
berechtigt einmal 3 Herren mit abgeſchloſſener
Bürger= oder Mittelſchulbildung auszubilden, de nach
militärärtztlichem Zeugnis vorausſichtlich militärtauglich
ſind noch nicht gedient haben und ſich verpflichten, am
1. Oktober 1913 in die Fliegertruppe zur Ableiſtung ihrer
Dienſtpflicht einzutreten, ferner zwei Herren im Alter bis
zu 35 Jahren, die in ihrem militäriſchen Verhältnis Ge=
freite
, Unteroffizier Reſerve=Offizieraſpiranten oder der=
gleichen
ſind und ſich zur Ableiſtung von zwei dreiwöchent=
lichen
Uebungen bei der Fliegertruppe in den nächſten 2
Jahren verpflichten. Sobald einer dieſer Schüler das
Feldpiloteneramen beſteht, erhält die Fabrik 8000 Mark
für die Ausbildung. Außerdem iſt jeder Schüler wäh=
rend
der Ausbildungszeit durch die National=Flugſpende
gegen Unfall verſichert Ferner iſt beſtimmt worden, daß
im Gebiet der preußiſchen Heeresverwaltung junge Leute
zum Einjährig=Freiwilligen=Dienſte zugelaſſen werden
dürfen, die ſich auf dem Gebiet des Flugweſens beſonders
auszeichnen.

Nachrichen des Stunderaut: Darmſahl.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
6 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 31. März: dem Pfarrer Theodor
Hickel Stiftſtr. 16, ein S. Alfred Erwin. Am 1. April:
dem Schloſſer Heinrich Mattheß, Liebfrauenſtr. 58, ein
S. Karl. Dem Schneidermeiſter Nikolaus Heiligenthal,
Neue Ireneſtr 1, eine T. Lina Helene. Am 31. März:
dem Vizewachtmeiſter im Leibdragoner=Regiment Nr. 24,
Friedrich Paul Bauch, Eſchollbrückerſtr. 1, eine T. Irm=
gard
Luiſe Frieda. Am 28.: dem Schuhmacher Johann
Georg Mantel, Pallaswieſenſtr. 37, eine T. Eliſabeth.
Am 3. April: dem Mechaniker Sebaſtian Spahn, Schu=
knechtſtr
. 53, ein S. Friedrich. Am 4.: dem Taglöhner
Adam Volz, Große Kaplaneigaſſe 42, eine T. Anna.
Am 3.: dem Formſtecher Max Schmidt, Stiftſtr. 35,
Zwillingstöchter, Margarete Eliſabeth und Apollonia
Emilie. Am 4.: dem Schmied Max Krüger, Wendel=
ſtadtſtr
. 49 eine T. Eliſabeth Maria. Am 2.: dem Dipl.=
Ing. und Architekt Johann Bernhard Nover, Lucasweg
19, eine T. Emilie Franziska Juliane. Am 5.: dem Reſtau=
rateur
Franz Kratſch, Lauteſchlägerſtr. ½, ein S. Hans
Hermann Franz. Am 6.: dem Kaufmann Peter Münſter,
Saalbauſtr. 11, ein Sohn. Am 2.: dem Ober=Inſpektor des
Großh. Hoftheaters Ernſt Heinrich Schwerdtfeger, Hof=
theaterplatz
3, eine T. Franziska Erna Toni Am 1 dem
Zeichenlehrer Adam Link, Taunusſtr. 47, eine T. Jo=
hanna
Elfriede. Am 3.: dem Taglöhner Chriſtoph
Huthmann, Arheilgerſtr. 66, ein S. Chriſtian. Am 5.:
dem Heizer bei der Staatsbahn Johann Keil, Feld=
bergſtr
. 75, ein S. Friedrich.
Aufgebotene. Am 4. April: Metalldreher Heinrich
Engel III. zu Worfelden, mit Landwirtin Anna Marie
Diehl, hier. Schneider Jakob Götz Wll. zu Hähnlein,
und Eliſabetha Katharina Anthes zu Zwingenberg.
Bureaugehilfe beim Großh. Ober=Verſicherungsamt Joh.
Georg Reuter, Heidelbergerſtr. 126, und Agnes Raab,
Feldbergſtr. 69. Betriebsingenieur Auguſt Adam Merz,
Hügelſtr. 77, und Auguſte Eliſe Louiſe Pfeiffer zu Arns=
berg
. Buchdrucker Maximilian Fuß, Pankratiusſtr. 71,
und Verkäuferin Louiſe Jöckel, Aliceſtr. 6. Am 5.: Ser=
geant
Friedrich Johannes Reeg, hier, und Chriſtine
Schum zu König. Heizhausaufſeher Anton Hermann
Fuchs zu Ulm, und Anna Kummer zu Mannheim=
Waldhof. Am 7.: Straßenbahnwagenführer Georg
Hackenheimer zu Borbeck, und Margareta Knöll zu
Klein=Umſtadt. Kaufmann Johann Adam Hartmann,
Schloßgraben 13, und Margarete Steffen zu Lampert=
heim
.
Eheſchließungen. Am 4. April: Fabrikant Paul
Wertheimer in Bielefeld, mit Helene Kahn, hier.
Bäcker Hrch. Frutig, hier, mit Erneſtine Koch in
Höchſtenbach. Am 5.: Taglöhner Jakob Rapp III., hier,
mit Margareta Mayer in Hering. Filialleiter Hermann
Bader, mit Anna Lohn, beide hier. Sattler Chriſtian
Weiland, mit Barbara Heidenreich, beide hier. Werk=
zeugmacher
Ernſt Pathenſchneider mit Marie Büttel,
beide hier. Laborant Ludwig Steingaß, mit Amalie
Emig, beide hier. Bahnarbeiter Jakobo Körber, mit
Chriſtina Schnellbächer, beide hier Gardeunteroffizier
Ludwig Olivier hier, mit Eliſabeth Nuhn in Neu=
kirchen
. Maſchinenſchloſſer Oswald Damm, mit Katha=
rina
Gimbel, hier. Bäcker Friedrich Henkelmann, hier,
mit Eliſabetha Reiß in Eberſtadt. Poſtbote Adam
Kilian, mit Köchin Maria Grün, beide hier. Architekt
Emil Kroll in Worms, mit Anna Kramer in Pfung=
ſtadt
.
Geſtorbene. Am 4. April: Taglöhner Friedrich
Trayſer, 21 J., ev., in Auerbach, Kr. Bensheim wohn=
haft
hier Dieburgerſtr. 21. Am 3.: Schloſſer Johannes
Bechtold, 46 J., ev., in Stockſtadt, Kr. Groß=Gerau wohn=
haft
, hier Erbacherſtr. 25. Am 4.: Eva Graeber, 69 J.,
ev., Witwe von Fiſcher Jakob Graeber, in Pfaffenbeer=
furth
, hier Bleichſtr. 39. Luiſa Eliſabeth Margarete
Kögel 10 Monate, ev., T. des Eiſendrehers Chriſtian
Kögel, Feldbergſtr. 82. Geheimer Regierungsrat i. P.
Georg Muhl, 19 J., ev., Roßdörferſtr. 74. Am 6.: Großh.
Hochbauaufſeher Johann Kröhler, 47 J., ev., in Groß=
Gerau, hier Grafenſtr. 9. Eiſenbahn=Oberſekretär Karl
Peter Friedrich Winter, 56 J., ev., Landskronſtr. 53.
Katharina Schuhmacher, geb. Maurer, 67 J., ev., Witwe
von Küfer Auguſt Schuhmacher Alexanderſtr. 4.

Großh. Landesmuſeum Geöffnet: Sonn= und
Freitags von 101 Uhr, Mittwochs und Sonntags
von 35 Uhr, Eintritt frei: Dienstags, Donnerstags
und Samstags von 111 Uhr gegen Eintrittsgeld.
Großh. Porzellanſammlung im Prinz=Georgs=
Palais (Schloßgartenplatz). Geöffnet Sonntags von
111 Uhr. Eintritt 50 Pfg.
Beſichtigung des Großh. Reſidenzſchlof=
ſes
: An jedem Wochentage von 34 Uhr; Sonntags
von 111 Uhr.

Dus Guehengebler unserer Kraf,

Kämpfe mit Berufsſchwierigkeiten, Mißerfolge im
täglichen Leben zerrütten unſer Nervenſyſtem. Kranke
Nerven ſind aber die Urſachen zahlreicher Leiden und
Schmerzen, von denen der Kulturmenſch nur zu häufig
heimgeſucht wird; geſunde Nerven dagegen ſind die
Quellen eines wonnigen Kraftgefühls und ungetrübter
Lebensfreude. Geſunder Schlaf, Arbeitsluſt, Ausdauer,
Energie ſind die Kennzeichen eines geſunden Nerven=
ſyſtems
.
Das Quellengebiet unſerer Kraft, das Reſervoir aller
Energie iſt das Gehirn; hier laufen alle von außen kom=
menden
Reize ein, werden zu Wahrnehmungen, Vorſtel=
lungen
, Gedanken und Gedankenreihen verarbeitet, und
ihre Summe bildet im Verein mit der ererbten Grund=
lage
unſer Gemüt, unſeren Verſtand, unſeren Charakter,
unſere Individualität. Dies aber ſind die Wunder=
kräfte
, die unſer perſönliches ſowie ſoziales Leben geſtal=
ten
, die jedem ſeinen Wert, ſeine Stellung, ſeinen Erfolg
im Leben beſtimmen.
Natürlich bedarf das Gehirn, um den hohen Anſprü=
chen
zu genügen, einer beſonders ſorgſamen Pflege. Die
in unſeren Tagen aufs äußerſte angeſpannte geiſtige
Tätigkeit führt leicht zu Erſchöpfungszuſtänden, zur Ver=
minderung
der Arbeits= und Schaffenskraft und anderen
zum Kapitel der Neuraſthenie gehörenden Schwäche=
erſcheinungen
, die den Strebſamen oft genug kurz vorm
I.,8322
ZZiel niederwerfen.

Die rationelle Pflege des Gehirns und des übrigen
Nervenſyſtems beſteht in erſter Linie in einer zweckmäßi=
gen
Ernährung, das heißt einmal in dem Erſatz der ver=
brauchten
Nervenſubſtanz, des Lecithins, und ferner in
der allgemeinen Kräftigung des Organismus durch die
entſprechenden Nährſtoffe.
Zu dieſer wiſſenſchaftlichen Erkenntnis war man
ſchon vor Jahren gelangt, aber ihre Nutzbarmachung in
der Praxis ſtieß zunächſt leider auf enorme Hinderniſſe,
denn das Lecithin iſt ein überaus diffiziler Stoff, deſſen
Reindarſtellung mit großen Schwierigkeiten und Koſten
verknüpft iſt. Es mußte erſt ein neues Verfahren gefun=
den
werden, das die Herſtellung genügender Mengen die=
ſer
koſtbaren Nervenſubſtanz von phyſiologiſch reiner Be=
ſchaffenheit
ermöglichte.
Prof. Dr. Habermann iſt die Löſung dieſes wichtigen
Problems gelungen. Unter Anwendung ſeines patentier=
ten
Verfahrens iſt es jetzt möglich, Nervenſubſtanz=
Lecithin (Urſtoff) in phyſiologiſch reiner Form
aus dem Stoffe herzuſtellen, aus welchem z. B. das aus
dem Ei ſich entwickelnde Hühnchen Gehirn und Rücken=
mark
aufbaut, nämlich aus den Beſtandteilen des Ei=
dotters
. Führt man dieſe Nervenſubſtanz dem Körper
zu, ſo wird ſie größtenteils im Gehirn, Rückenmark und
in den Nerven zurückgehalten und zu deren Ernährung
benutzt.
Seitdem dieſe Tatſache wiſſenſchaftlich feſtgeſtellt iſt,
wird von ärztlicher Seite zur Stärkung und Auffriſchung
abgeſpannter Nerven das Biocitin in ſteigendem Maße
mit vorzüglichem Erfolg angewendet.

Aber nicht bloß die Nerven, ſondern auch der ganze
menſchliche Körper wird durch Biocitin gekräftigt und
aufgefriſcht, weil dieſes alle dem Körper nötigen natür=
lichen
Nährſtoffe nur in geläuterter, idegler und konzen=
trierter
Form enthält. Es wird deshalb ohne Anſtreng=
ung
ſelbſt von den empfindlichſten Verdauungsorganen
in ſchnellſter Weiſe zu Nährſäften umgeſetzt.
So bildet denn das Biocitin eine ideale Kraftnahr=
ung
für jeden, der einer Hebung ſeines Kräftezuſtandes
bedarf. Geiſtig oder körperlich überarbeitete, durch Krank=
heit
oder andere Urſachen heruntergekommene, blutarme,
an zehrender Krankheit (wie Tuberkuloſe uſw.) leidende
Perſonen, ſchwächliche, geiſtig oder körperlich zurück=
gebliebene
Kinder, ſtillende Mütter ſie alle finden im
Piocitin ein Kräftigungsmittel von unvergleichlicher
Wirkſamkeit. Vor allem aber iſt es das große Heer der
Nervöſen, denen das Biocitin Kräftigung und Auffriſch=
ung
des geſamten Nervenſyſtems bringt.
Lecithin nach dem patentierten Verfahren des Herrn
Profeſſors Dr. Habermann wird lediglich für Bioci=
tin
verwendet. Wir bitten daher, unbedingt minder=
wertige
Nachahmungen und loſeabgewogenes Pka=
parat
zurückzuweiſen. Biocitin iſt nur in Original=
packungen
in Apotheken und Drogerien käuflich. Falls
nicht erhältlich oder etwas anderes angeboten wird, wende
man ſich direkt an uns. Der Verſand erfolgt ohne Be=
rechnung
von Porto und Verpackungsſpeſen. Ein Ge=
ſchmacksmuſter
nebſt einer populär wiſſenſchaftlichen Ab=
handlung
über rationelle Nervenpflege ſendet auf Wunſch
koſtenlos die Biocitin=Fabrik, Berlin S. 61/69.

[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Nummer 82.

Wobnung.
S=unzeiger.
Erſcheint 2mal wöchentlich in der Auflage des Tagblatts, bietet ſomit die größte Gewähr für erfolgreichſte Bekanntmachung von Vermietungs=Inſeraten. Für den
Wohnungs=Anzeiger beſtimmte Inſerate müſſen ſtets tagsvorher bis ſpäteſtens 12 Uhr mittags zur Aufgabe gelangen. Später uns zugehende Inſerate können
nur am Schluſſe des Blattes Aufnahme finden.

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Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Seite 19.

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Seite 20.

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Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

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Seite 22.

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Seite 217..

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

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Nummer 82.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Seite 25.

Sport, Spiel und Turnen.

* Leichtathletik. Vom F. C. Olympia Darm=
ſtadt
wird uns geſchrieben: Im Anſchluß an die letzte
Notiz über Waldlauf ſoll hier auch noch auf den gro=
ßen
geſundheitlichen Wert dieſes Sports hingewieſen wer=
den
. Ohne Zweifel iſt der Lauf auf elaſtiſchem Boden,
über Gräben und Büſche, bergauf, bergab, in der friſchen
Waldluft in jeder Hinſicht kräftigend. Aber auch auf die
Erziehung kann der Sport nicht zu unterſchätzenden Ein=
fluß
haben, und zwar dadurch, daß er mannſchaftsweiſe
gepflegt wird. Man unterſcheidet beim Mannſchafts=Wald=
und=Querfeldeinlaufen zwei Arten: den offenen Mann=
ſchaftslauf
und den geſchloſſenen. Bei der erſten Kate=
gorie
darf die Ankunft der Läufer beliebig ſein, und das
Reſultat wird durch Wertung nach Punkten beſtimmt. Da=
gegen
iſt es bei der zweiten Art dem geſchloſſenen Mann=
ſchaftslauf
Bedingung, daß die Ankunft der Mannſchaft
am Ziel geſchloſſen erfolgt, d. h. die Läufer einer Mann=
ſchaft
müſſen in einem Abſtande bis höchſtens 20 Meter
ankommen. Natürlich iſt dabei ſehr große Diſziplin in
der Mannſchaft erforderlich. Die beſſeren Läufer dürfen
ihre ſchwächeren Kameraden nicht zurücklaſſen, ſondern ſie
müſſen dieſe durch gütliches Zureden unter Hinweis auf
die zu erlangende Ehre ermuntern. Als geſchloſſener
Mannſchaftslauf wird der am 20. April ſtattfindende Pro=
paganda
=Waldlauf des F. C. Olympia in der weiteren Um=
gebung
des Oberwaldhauſes ausgetragen, wo ſich für eine
ſolche Veranſtaltung ein ſehr geeignetes, abwechslungs=
reiches
und reizvolles Gelände bietet.
* Fußball. Bei dem Pokalſpiel am Sonntag haben
ſich folgende Vereine Preiſe errungen. Klaſſe A: 1. Preis
Ring= und Stemmklub Germania=Bornheim, 2. Preis
Sportklub Haſſia=Darmſtadt. Klaſſe B: 1. Preis Sportklub
Haſſia=Rüſſelsheim, 2. Preis Fußballmannſchaft der Turn=
gemeinde
=Beſſungen. 3. Preis Fußballverein Germania=
Eberſtadt, 4. Preis Fußballklub Olympia=Weiterſtadt,
5. Preis Fußballklub Alemannia=Griesheim. Klaſſe C:
1. Preis Fußballklub Kickers=Mainz. 2. Preis Fußballklub
Olympia=Hahn, 3. und 4. Preis Fußballklub Olympia=
Braunshardt, 5. Preis Sportklub Haſſia=Darmſtadt. Bei
den Olympiſchen Spielen errangen ſich nachſtehende
Herren Preiſe: Im 17 Kilometer=Wettgehen den 1. Preis
Heinrich Groß=Mainz, 2. Preis Heinrich Raab=Wolfskehlen.
Im 1000 Meter=Laufen 1. Preis Herr Georg Hofmann
von der Turngemeinde Beſſungen, 2. Preis Herr Rudolf
Eckert=Mainz, 3. Preis Herr Balth. Löbig=Münſter. Im
400 Meter=Laufen 1. Preis Herr Peter Kaltwaſſer= Darm=
ſtadt
. Im 200 Meter=Laufen 1. Preis Herr Peter Kalt=
waſſer
=Darmſtadt, 2. Preis Herr Heinrich Rühl= Gries=
heim
. Im 100 Meter=Laufen 1. Preis Herr Johann Auguſt
Löbig=Münſter, 2. Preis Herr Joh. Zugſchwerdt= Gries=
heim
, 3. Preis Herr Julius Mälzer=Münſter. Im
Fußballweitſtoß 1. Preis Chr. Liebig von der Turnge=
meinde
Beſſungen, 2. Preis Fr. Michel=Hahn bei Pfung=
ſtadt
, 3. Preis Georg Reitz=Gräfenhauſen.
sr. Pferderennen. Trabrennen zu Hamburg=
Farmſen. Erſtes Rennen: 1. Lieschen P. (Schürmann),
2. Heinerle (Fiſcher), 3. Flirt (Knöpnadel). Tot. 88:10.
Pl. 28, 21, 15:10. Unpl.: Carlchen lauf (4), Quappe, See=
ſtern
I, Mimilus, Konkurrent I, John H Spinne. 16
Lg. Zweites Rennen: 1. Winella (Wiltſhice), 2. Safe
(Schurrmann), 3. Rivale (Schönreck). Tot. 14:10. Pl. 11,

15, 25:10. Unpl.: Chiffa (4), Caeſar II, Rüpel, Saladin,
Sonnenſtrahl. 23 Lg. Drittes Rennen: 1. Dr. Klaus=
ner
(Rittm. Panſe), 2. Freddy I (Hr. Hasperg), 3. Kreſſe
(Hr. Schulze). Tot. 17110. Pl. 12, 12:10. Unpl.: Auguſt
H. ¾1 Lg. Viertes Rennen: 1. Hagel (Oſterhoff), 2
Chelſea (Ch. Mills), 3. Miß Good (Wiltſhire). Tot. 20.10.
Pl. 11, 10:10. Unpl.: Jor, Heretier. 21 Lg. Fünftes
Rennen: 1. William (Wiltſhice), 2. Burgſtern (Neuenfeld),
3. Nachtlicht (Dieffenbacher). Tot. 1630. Pl. 13, 13.10.
Unpl.: Nubinne, 21 Lg. Sechſtes Rennen: 1. Radau
H. (Fiſcher), 2. Danilo (Hr. A. Brümmer), 3. Farzana
(Enſing). Tot. 18:10. Pl. 12, 16, 12:10. Unpl.: Hexen=
meiſter
, Barmene, Noveliſt, Mine. 32 Lg. Siebentes
Rennen: 1. Dante (E. Treuherz), 2. Glücksbub ( Schurr=
mann
), 3. Maudeto (Neuenfeld). Tot. 35.10. Pl. 22,
17110. Unpl.: Aglaya ()4, Schampus (disqu.) (Alentell jr.),
22 Lg.
Hannover. Graditz=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz
1200 Meter: 1. Dr. Lemckes Kalchas (Cleminſon), 2. Nor=
ton
(Rees), 3. Fox (H. Teichmann). Tot. 12:10. Pl. 12,
21:10. Unpl.: Gavotte, Lermoos, Anleihe (4). Sehr leicht,
3 Lg. Preis von Remlin; 5000 Mark, Diſtanz 1300
Meter: 1. Herrn R. Müllers Drakon (Schläfke), 2. Berber
Raſtenberger), 3. Wunderhold (Torke). Tot. 20110, Pl.
12, 12, 15.10. Unpl.: Iren, Chutbeh, Theophil, Miß Qick,
Felix eſto. Kampf, ½ Lg.-Kopf. Eröffnungs= Jagd=
rennen
; Ehrenpreis und 2500 Mark, Diſtanz 3200 Meter:
1. Leutn. Loogs Sea Squaw (Beſ.), 2. Heidenkind (Hptm.
von Hippel), 3. Mikado (Leutn. von Stammer). Tot.
22:10, Pl. 13, 27, 18:10. Unpl.: Nowtons Knight, Ella=
nette
, Tongs, Hirondelle, Solid Silver. Ueberlegen, 32
Lg. Großes Hannoverſches Handikap; Ehrenpreis und
12000 Mark, Diſtanz 1500 Meter: 1. Herrn Buggenhagens
Jewel (Slade), 2. Eccolo (Raſtenberger), 3. Trotz
Schläfke). Tot. 176:10, Pl. 33, 14, 16:10. Unpl.: Gernot,
Spion, Napagedl, Bliktri, Dürkheim, Carino, Ops, Sene=
chal
. Leicht, 1/ Lg. Preis von Steinach; 6000 Mark,
Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn G. Kochs Candahar ( Cle=
minſon
), 2. Iſar (Torke), 2. Donnerwetter ( Raſten=
berger
). Tot. 34:10, Pl. 13, 12, 27110. Unpl.: Polonius,
Hongroiſe, Domherr, Scotch Nuggret, Strohblume, Little
Lady. Leicht, 1½ Lg. Totes Rennen. Kirchroder Jagd=
rennen
; 3500 Mark, Diſtanz 3600 Meter: 1. Leutn. v. Sal=
derns
Magiſter (Leutn. Erbprinz von Bentheim), 2.
Bracke (Leutn. von Zobel), 3. Konſtantin Leutn. von
Stammer). Tot. 30110, Pl. 20, 31110. Unpl.: Eiſen=
barth
II, Gefa II. Ueberlegen, 55 Lg. Alnok=Rennen
(für Hannoverſche Halbblüter): Erſte Abteilung: 1. Ma=
ruſchka
, 2. Neptun, 3. Delphin. Tot. 64:10, Pl. 25, 46,
16:10. Unpl.: Ahrtal, Nanny, Delykat, Geiſha, Devil,
Alexander, Kommt noch, Sereniſſimus. Zweite Abteilung:
1. Lavenius, 2. Nana, 3. Donna Maria. Tot. 22110, Pl.
22, 13, 24:10. Unpl.: Valet, Litty, Heideröschen, Mona
Lothar, Santa Klara, Couleur.
Rennen zu Saint=Cloud. Prix des Loges;
3000 Frs., Diſtanz 2200 Meter: 1. Monſ. W. K. Vander=
bilt’s
Satilla (O'Neill), 2. La Source (G. Stern), 3. Cle=
potar
(J. Reiff). Tot. 38:10. Pl. 16, 37, 15.10. Unpl.:
Joyeux Drille (4), Harpiſte, Seia Eva, Toſſin, Noba, Den=
telle
III, Fille Partout. Hals-2 Lg. Prix de La Pom=
meraye
: 6000 Frs., Diſtanz 2400 Meter: 1. Monſ. W. K.
Vanderbilt’s Reindeer (O'Neill), 2. Le Minotier (J.
Reiff), 3. Sainte Gemme (A. Woodland). Tot. 17110. Pl.

12, 19110. Unpl.: Mone Reve II (4), Frerot. 1½2 Lg.
Prix Simoniai; 8000 Frs., Diſtanz 1500 Meter: 1.
Monſ. H. B. Dureya’s Banſhee (Mac Gee), 2. Deſir II
J. Childs), 3. Fauche Le Vent (G. Stern). Tot. 40:10.
Pl. 13, 11, 11:10. Unpl.: Happy Pream (4), Jean Pierre
(5), Freeman (6), Andiamo, Gomez, Luthier. Hals-½
Lg. Prix des Belles=Vues: 3000 Frs., Diſtanz 900 Me=
ter
: 1. Comte Lair’s Belle de New=York (G. Stern), 2.
Phencienne (Gacmer), 3. France (Lemmel). Tot. 21110.
Pl. 14, 36, 34:10. Unpl.: Menuet II (4), Palatin, Bourgne
Adair, Legrene, Sainara, Rob Roy IV, Sylvange. Abis
Hals. Prix des Clacis; 5000 Frs., Diſtanz 2000 Meter:
Comte Lair’s Caſſin (J. Reiff), 2. Miſere (Kennedy),
3. Nil Bleu II (A. Woodland). Tot. 80110. Pl. 29, 16.
17110. Unpl.: Limon, Cyrinus, La Begude, Reſeda IV
Le Bouddha, Tanit II, Clairville, Gros Jean II, Eve II,
Hulda, Revolte, Coryndon. Hals-Kopf. Prit de Ma=
reil
; 5000 Frs., Diſtanz 2000 Meter: 1. Monſ. D. Kele=
kian’s
Coral II (J. Childs), 2. Jocunde V (O'Neill), 3.
Cyprine (Powers). Tot. 29110. Pl. 16, 18:10. Unpl.:
Monſeur Guerin, Curieux, Rotbold, Monnbeam. ¾3 Lg.
sr. Das internationale Motorboot= und Waſſerflug=
zeug
=Meeting von Monaco, das am Samstag nach den
Ausſtellungstagen die erſten Regatten bringen ſollte, er=
litt
durch die ungünſtige Witterung eine empfindliche
Störung. Die See ſtieg ſo hoch, daß an einen Start der
Motorboote nicht gedacht werden konnte. Das vorgeſehene
Rennen der engliſchen 21 Fuß=Klaſſe mußte daher ver=
ſchoben
werden, ebenſo mußten die Aviatiker auf Erledig=
ung
ihrer Vorprüfung verzichten. Bis zum Sonntag
hatte ſich das Wetter ſo weit gebeſſert, daß man an die
Abwicklung des Programms gehen konnte. Für die Mo=
torbote
waren drei Regatten vorgeſehen, die während des
ganzen Tages eine ſehr zahlreiche Zuſchauermenge an=
lockten
. Zunächſt ſtarteten die 3 erſten Kreuzer=Klaſſen in
einem Handikap über 50 Kilometer. Es konkurrierten. 3
Boote der erſten Klaſſe mit 10 Minuten Vorgabe, 5 Boote
der zweiten Klaſſe mit 1 Minute 30 Sekunden Vorgabe
und 6 Boote der dritten Klaſſe, die vom Mal ſtarteten.
Sieger blieb das franzöſiſche Tellier=Boot Na=Roch mit
58 Minuten 56 Sekunden. Es erreichte alſo eine Durch=
ſchnittsgeſchwindigkeit
von 51 Kilometer. Den 2. Platz
beſetzte das von Dospujols gebaute Boot Socram in
Stunde 9 Minuten 14 Sekunden. Dritter Apache 1114:54.
Nachmittags konkurrierten dann zunächſt die Boote der
ngliſchen 21 Fuß=Klaſſe gleichfalls über 50 Kilometer.
Es fanden ſich 11 Konkurrenten ein, von denen Fugi=
Yama mit 1 Std. 9 Min. 54 Sek. den Sieg behauptete
Zweiter Angela II 1:10:54. Dritter Dyack 1118:25. Zwei
Stunden ſpäter ſtarteten die Kreuzer der 4. Klaſſe zu einem
50 Kilometerrennen um den Preis der Cote d’Azur. Hier
kam auch das einzig beteiligte deutſche Boot Auette III des
Herrn Wladimir Schmitz in den Start, konnte jedoch in=
folge
Bruches der Waſſerrohrverſchraubung das Rennen
nicht beenden, in dem es im günſtigſten Falle eine Chance
auf Platz gehabt hätte. Das Rennen gewann Minehaha
in 54:17 vor Sigma, die dreiviertel des Rennens geführt
hatte und 56:47 gebrauchte. Dritter Nautilus 59221.
Von den Waſſerflugzeugen abſolvierten zwei Nieuport
mit Weymann und Eſpanet am Steuer, 1 Maurice Far=
man
unter Führung von Gaubert, 1 Aſtra unter Führung
von Labouret und 1 Borel unter Führung von Chemet
einen Teil der Vorprüfungen.

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Seite 26,

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Nummer 82.

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IV. Matinee

unter gefl. Mitwirkung von Frau Sophie Schmidt-IIIing (Sopran),
sowie der Herren Kammermusiker August Köhler (Flöte) und
PROGRAMM: G. Verdi,
Julius Winkler (Klarinette).
W. von Baußnern, 6 Kammerlieder.
Streichquartett.
R. Schumann, Klaviertrio.
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Sonntag, den 13. April, pünktlich abends 7½ Uhr,
im Kaiſer= und Fürſtenſaal, Grafenſtraße 1820:
Abend=Unterhaltung
mit Tanz.

Mitwirkende: Fräulein Wilhelmine Eichner vom Stadttheater in
Heilbronn, die Singmannſchaft der Turngemeinde Darmſtadt.
(Leitung: Herr W. Etzold) und Herr Mechler.
Zu dieſer Veranſtaltung laden wir unſere Mitglieder, ſowie
Freunde und Gönner unſerer Geſellſchaft freundlichſt ein. Beſondere
Einladungen ergehen nicht.
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82.
Nu

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.
Seite 27.

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4 Diſche. Reichsſchatzanw. 99,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 86,60
76,40
do.
4 Preuß. Schatzanweifg. 99,10
3½ do. Conſols . . . 86.90
76,40
do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 98,50
91,50
3½
do.
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,20
85,50
do.
3
75,10
do.
4 Hamburger Staatsanl. 98,85
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 98,00
4 do. do. (unk. 1918) 97,75
3½
85,55
do.
74,10
do.
3 Sächſiſche Rente. .
77,70
4 Württemberger v. 1907 93,60
3½
do. v. 1875 93,60
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 99,30
/ Griechen v. 1887 . .
3½ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente 86,30
do. Goldrente . . . 90,40
do. einheitl. Rente . 83,00
3 Portug, unif. Serie I 62,60
3 do. unif. Ser. III 65,10
do. Spezial . . . . 9,70
5 Rumänier v. 1903 . . 99,50
4 do.
v. 1890 . . 92,40
4 do.
v. 1905 . . 88,10
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,00
4 do. v. 1902 . . . . 89,50
do. v. 1905 . . . . 99,90
3½ Schweden . . . . . . 93,60
4 Serbier amort. v. 1895 80,20
4 Türk. Admin. v. 1903 77,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 86,80
4 Ungar. Goldrente . . . 85,20
4 do. Staatsrente. . . 82,20

Zf.
InProt.
5 Argentinier . . . . . . 100,40
86,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 92,2
5 Chineſ. Staatsanleihe. 101,40
4½
92,80
do.
½ Japaner . . . . . . . 92,10
5 Innere Mexikaner . . . 90,40
do,
4 Gold=Mexikanerv. 1904 82,60
5 Gold=Mexikaner . . . . 98,90
3 Buenos Aires Provinz 68,10
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 145,90
7 Nordd. Lloyd . . . . . 114,75
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 126,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol Eiſend. 69½
Einz. Mk. 408 . . 115,30
6 Baltimore und Ohio . 100,25
6 Schankungbahn . . . . 131,25
6½ Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 24,50
6 Pennſylvania R. R. . 118,80
Letzte Induſtrie=
Aktien.
Dioid.
4 Brauerei Werger
64,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . .
550,75
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

. .247,20
30 Farbwerke Höchſt . . 631,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . .
10 Cement Heidelberg . . 147,00
30 Chem. Werke Albert 455,50
14 Holzverkohlung Kon=
OR
ſtanz . . . . . . . 335,50
5 Lahmeyer: . . . . . .121,00

eräue
Seten
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8 Schuchert, Nürnberg 141,50
12 Siemens & Halske .211,00
5 Bergmann Electr. . 122,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 164,30
0 Gummi Peter . . . . 73,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 62,75
30 Adler=Fahrradwerke
.. . 556,50
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9 Maſchinenf. Badenia 158,00
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9 Steana Romana Petr. 150,20
15 Zellſtoff Waldhof . . 239,25
12½ Bad. Zucker=Wag=
239,25
häufel.
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 84,50
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Bergwerks=Aktien.
10 Aumeß=Friede . . . . 173,50
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt.
.. . . . . 213,70
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 159,75
10 Gelſenkirchener . . . . 1907
9 Harpener . . . . . . 188,75
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 257,75
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 83,00
6 Laurahütte . . . . . . 173,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 208,50
13
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 84,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,90
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,25
3 Prag=Durer . . . . . . 73,30
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 91,70
do.
74,75
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,70
do.

Sehene
2¾ Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,30
3 Raab=Oedenburg ..
76,30
4 Kronprinz Rudolfbahn 92,30
4 Ruſſ. Südweſt. . . . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,10
87,20
do.
4 Wladichawchas . . . . 86,90
4 Rihſan Koslow . . ..
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 73,20
71,20
do.
68,80
2½, Livorneſer . .
3 Salonique=Monaſtir . 62,20
80,20
4 Baadadbahn . ..
4½ Anatoliſche Eiſenb. 93,60
4 Miſſouri=Paeiſie. . . . 70,30
4 Northern=Paeiſie . . . 97,50
4 Southern=Paciſic .. . 92,80
5 St. Louis und San
Franeiseo. . . . . 91,10
5 Tehuantepec . . . . ..
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 187,00
7½ Bergiſch=Märkiſche
145,50
Bahn . . .
9½ Berlin. Handelsgeſ. .159,75
6½ Darmſtädter Bank . 116,00
12½½ Deutſche Bank . . . 246,25
6 Deutſche Vereinsbank . 115,60
6½ Deutſche Effekt.=und
W.=Bank . . . . . 118,20
10 Diskonto=Kommandit 181,50
8½ Dresdener Bank 149,25
10 Frankf. Hypoth.=B. 207,50
6½ Mittelb. Kreditbank 115,25
7 Nationalb. für Deutſchl. 115,00
Pfälziſche Bank. . . . 123,00
5.86 Reichsbank . . . . 134,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 128,50
5½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 111,90
7½ Wiener Bankverein . 127,75
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 97,50

In Proz.
(2
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 86,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . . .
. . . 97,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,00
3½
86,50
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 98,70
3½
86,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 .
98,20
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . . . . . .
98,30
3½ Heſſ.Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 86,20
S. 35 . . . . . . . . 36,00
86,10
S. 911 . . . . . .
4 Meininger Hyp.=Bank 97,40
3½
do.
86,10
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,70
3½ do. (unk. 1914) . . 85,80
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 98,50
86,60
do.
3½
Städte=
Obligationen.
96,00
4 Darmſtabt . . . . .
(3½
do.
86,50
98,00
4 Frankfurt. .
3½
95,20
do.
4 Gießen . . . . . .

3½
do.
4 Heidelberg . . . . . . 95,00
87,50
3½
do.
96,50
4 Karlsruhe
87,25
bo.
Magdeburg..

9),
do.
96,80
4 Mainz . . . . . .
87,00
3½
do.
96,10
Mannheim .. .
85,10
do,
98,80
München . . . . . .
3½ Nauheim . . . . . .
4 Nürnberg. . . . . . . 95,50
87,00
3½
do.
-
4 Offenbach . . . . . .

(c
In Proz.
3½ Offenbach . . . . . . 87,60
1 Wiesbaden . . . . . . 97,00
5½
do.
4 Worms . . . . . .. . 95.20
85,50
3½
do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 77,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100.172,00
3½ Cöln=Mindner , 100 138,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 175,60
3 Oldenburger . . . . . . 129,20
2½ Raab=Grazer fl. 150 113,40
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . ſſ. 7 35,00
Braunſchweiger Tlr. 20
Freiburger . . . . Fs. 15.
Mailänder . . . . 75.45
do. . . . . Fs.10 37,90
Meininger . . . . . fl. 7 34,60
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 563,00
do. v. 1858ff. 100 474,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 155,80
Gold, Silber und
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Engl. Sovereigns . . . . 20,41
20 Franks=Stücke . . . . 16,26
Amerikaniſche Noten . .. 419
Engliſche Noten . . . . . 20,46
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 168,70
Italieniſche Noten . . . . 79,65
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,75
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,85

Reichsbank=Diskonto. . .
Reichsbank=Lombard Zöf.=7

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Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 9. April 1913.

Nummer 82,

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mit Lackkappe, Nr. 2730

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mit und ohne Derbyschnitt *160
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Schnür-Halbschuhe
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Knopf-Halbschuhe
1360
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Boxleder-Schnürstiefel
breite Form, ohne Kappen 160 Herren-
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amerik. Form, mit u. o. Derby 180 Herren- prima
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Boxcalf-Schnürstiefel
breite Form, mit u. o. Derby 160 Herren-
Lack-Schnürstiefel
breite Form 160 Herren- prima
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ohne Kappen, f. ält. Herren 180 Herren- prima
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