Abonnementspreis
Inſerafe
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
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gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Anterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Kaiſer iſt, von Bremen kommend, am Mittwoch um
9 Uhr 45 Minuten abends wieder in Berlin
ein=
getroffen.
Das deutſche Kronprinzenpaar trifft heute
nachmittag in Frankfurt a. M. zu den ſportlichen
Veranſtaltungen daſelbſt ein.
Der Prinz=Regent Ludwig von Bayern
und Gemahlin ſind geſtern nachmittag zum Beſuche am
kaiſerlichen Hofe in Berlin eingetroffen und feſtlich
empfangen worden.
Der Geſetzentwurf über die dreijährige
Dienſt=
zeit in Frankreich wird rückwirkende Kraft
er=
halten.
Anläßlich des Romanow=Jubiläums in
Ruß=
land wurden durch kaiſerlichen Uas 70
Miklio=
nen Rubel zu wohltätigen Zwecken geſtiſtet und
eine umfangreiche Amneſtie erlaſſen.
Die Feſtung Janina hat ſich geſtern früh den
Griechen ergeben.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Das Programm Wilſons.
*⁎* Die Spannung, mit welcher dem Programm
des neuen Präſidenten der Vereinigten
Staaten entgegengeſehen wurde, iſt gerechtfertigt
wor=
den, denn die Einführungsrede, die Wilſon am Dienstag
nach der Ablegung des Amtseides hielt, enthält eine Reihe
bedeutſamer Momente, geeignet, der Politik der großen
Republik jenſeits des Atlantic in nächſter Zukunft ein
be=
ſonderes Gepräge zu verleihen.
Von der gewaltigen materiellen und kulturellen
Ent=
wicklung der Union ausgehend, wies Wilſon zunächſt auf
die Mängel hin, an welche die beſſernde Hand zu legen ſei.
Uns in Deutſchland intereſſiert es, daß er als
verbeſſe=
rungsbedürftig in erſter Linie den amerikaniſchen Zolltarif
nannte, der das Land von dem ihm gebührenden Anteil
am Welthandel abſchneide und die Regierung zu einem
Werkzeug in der Hand privater Intereſſen mache. Mit
dieſen privaten Intereſſen ſind die Truſts gemeint, in
deren Vorteil es liegt, daß Amerika mit einer Mauer in
Geſtalt des Hochſchutzzolles umgeben wird. Dieſe Mauer
niederzureißen oder doch wenigſtens niederzulegen,
ent=
ſpricht dem Programm der Demokraten, und nach den
Worten Wilſons ſcheinen die Hoffnungen, daß mit der
Reviſion des Zolltarifs nicht mehr lange gezögert wird,
ſich erfüllen zu ſollen. In welchem Maße freilich, läßt
ſich heute noch nicht erkennen, aber Wilſon ſchränkt ſpäter
gar zu große Erwartungen ſelbſt ein, indem er erklärt,
die Wirtſchaftspolitik ſolle nicht umgeſtoßen, ſondern nur
abgeändert werden. Ein energiſcher Kampf gegen die
Auswüchſe des Truſtweſens ſcheint aber ſicher zu ſein,
wenigſtens werden deſſen unheilvolle Wirkungen in einer
Weiſe von Wilſon gekennzeichnet, daß dieſer Kampf für
unausbleiblich gehalten werden muß.
Konnten dieſe beiden Punkte des Wilſonſchen
Pro=
gramms nicht eigentlich überraſchen, ſo geſchah es um ſo
mehr mit ſeinen ſozialpolitiſchen Plänen, die
ein großzügiges Werk zu werden verſprechen, ähnlich dem,
welches im Deutſchen Reiche ſich ſeit drei Jahrzehnten ſo
ſegensreich erwieſen hat. Das wird gewaltige
Umwal=
zungen geben in der Union, wo der Grundſatz vorherrſcht:
Jeder iſt ſich ſelbſt der Nächſte!, wo ſich die Allgemeinheit
bisher wenig um das Wohl des andern kümmerte, und
wo insbeſondere der Staat es nicht für ſeine Pflicht, ja
nicht einmal für ſein Recht hielt, einzelnen Klaſſen eine
Fürſorge angedeihen zu laſſen. Dieſe galt nur ganz
all=
gemein dem Schutze des Eigentums und des perſönlichen
Rechts. Auch auf letzteren beiden Gebieten ſoll eine
Fort=
entwicklung ſtattfinden, wie denn Wilſon in ſeiner
Pro=
grammrede erklärt, nicht das Vorhandene umſtoßen,
ſon=
dern auf dem Beſtehenden weiter bauen zu wollen.
Die Worte Wilſons ſind von ſeltenem Schwung; ſie
unterſcheiden ſich dadurch von den meiſt ſehr nüchternen
Reden, welche bei gleicher Gelegenheit im Weißen Hauſe
gehalten wurden, und verraten, daß es nicht ein bloßer
Berufspolitiker iſt, der ſeinen Einzug in dasſelbe
ge=
halten hat. Er triumphiert nicht darüber, daß ſeine Partei
den Sieg davontrug, er denkt nur an die Pflichten, die
er mit der Uebernahme des Amtes auf ſich genommen hat
und zu deren Erfüllung er zum Schluß in wirkungsvollſter
Weiſe an die Unterſtützung aller ehrenhaften Männer, aller
Patrioten appelliert. Dem materiellen Sinne vieler
Yankees mögen dieſe warmherzigen Worte des neuen
Präſidenten nicht entſprechen, bei uns in Deutſchland
wer=
den ſie ſicherlich ſympathiſch berühren.
Die Militärvorlage und der
Reichskanzler.
* Die Erörterungen über die Idee der ein maligen
Vermögensabgabe gehören verſtändlicherweiſe
bisher ausſchließlich der Sache ſelbſt und ihren ſchier
un=
erſchöpflichen Folgerungen. Die bunte Reihe der letzteren
wird erſt begrenzt und danach geſichtet werden, was
da=
von für die gegebene innere Geſamtlage als ins Gewicht
fallend noch übrig zu bleiben hat, wenn alle die
Einzel=
heiten des Vorſchlags bekannt gegeben werden. Dann
dürfte aber die ſachliche Bewertung der Geſamtidee auch
dazu führen, daß das objektive Urteil hüben und drüben
dem Reichskanzler dort wieder gerechter wird, wo
die Ungeduld der öffentlichen Meinung ſich zeitweiſe recht
bitter geäußert hat. Die freikonſervative Poſt ſchreibt:
Die Stunde dient der politiſchen Erhebung und der
rückſichtsloſen Anerkennung des großzügigen Griffes, den
der Kanzler in der Veröffentlichung der Norddeutſchen
Allgemeinen Zeitung offenbart. Wer auch nur leiſe ahnt,
welche Hinderniſſe er zu überwinden hatte, um ſeine
ur=
eigenen Anſchauungen über die Wehrvorlage und über
die zur Sicherheit des Vaterlandes nach ſeiner
perſön=
lichen Anſicht gebotenen Erforderniſſe unter der
mann=
haften Aſſiſtenz des Generalſtabschefs durchzuſetzen, und
wer es ſich klar macht, mit welchem Widerſtand er auf
finanziellem Gebiet mit den Finanzverwaltungen der
Gliedſtaaten zu rechnen hatte und noch hat, der wird ſich
über den „Philoſophen” auf dem Stuhl des
Reichskanz=
lers gelegentlich einmal anders orientieren müſſen. Es
wäre ein undankbares Volk, das ihm und ſeinen
Hel=
fershelfern für die Wiederherſtellung der allgemeinen
Wehrpflicht und für die derbe Fauſt, mit der er das mit
ihr verbundene Finanzproblem anfaßt, nicht Dank wüßte.
Undankbar war aber auf die Dauer das deutſche Volk
gegenüber einer wirklich großen Tat niemals.
Aus Bundesratskreiſen wird demſelben Blatt
ge=
ſchrieben: Wer heute etwa noch daran denken wollte, den
erforderlichen Betrag auf dem Wege einer
An=
leihe zu beſchaffen, der würde damit beweiſen, daß ihm
über die Lage des Geldmarktes jede Orientierung fehlt.
Mit der Beendigung des Balkankrieges werden
zweifel=
los an den Geldmarkt aller Länder Anforderungen geſtellt
werden, wie ſie vielleicht kaum jemals dageweſen ſind.
Es wäre alſo ſchon aus dieſen äußerlichen Gründen eine
vollkommene Unmöglichkeit geweſen, die einmaligen
Aus=
gaben durch Anleihen zu bezahlen. Außerdem aber
ſcheint die Reichsregierung entſchloſſen zu ſein, trotz
die=
ſes außerordentlichen Mehrbedarfs von den ſeit der
Fi=
nanzreform des Jahres 1909 aufgeſtellten Grundſätzen
einer planmäßigen Schuldentilgung nicht abzugehen. Es
muß unter allen Umſtänden vermieden werden, daß die
neuen Heeresausgaben die Reichsfinanzen wieder in den
Zuſtand der Zerrüttung hineinbringen, aus dem ſie erſt in
den letzten drei Jahren glücklich herausgekommen ſind.
Deutſches Reich.
84000 Mann jährlich. Die neue
Militär=
vorlage ſoll nach den bisherigen Berechnungen 84000
Mann das Jahr neu anfordern. Die Heeresvermehrung
kommt zunächſt der Verſtärkung der Grenzkorps zugute.
Deshalb ſind auch bereits vor vier Tagen die
Kaſernen=
bauten, die infolge der letzten Vorlage nötig geworden
waren, auf drahtlichem Befehl bis zur Entſcheidung über
die neue Vorlage eingeſtellt worden.
Die neuen Steuern. Die Tägl. Rundſchau
meldet aus Berlin: Auf der Konferenz der Finanzminiſter
der Bundesſtaaten am Samstag und Montag wird von
einigen Bundesſtaaten der Antrag geſtellt werden, den
Schmerin=Löwitzſchen Vorſchlägen den Vorzug vor der
einen oder anderen Beſitzſteuer zu geben, weil bei ihrer
Durchführung mehr als 100 Millionen Mark für das
Reich zu erwarten ſeien, während der Ertrag der
Ver=
mögenszuwachsſteuer auf etwa 60 Millionen und der der
Erbanfallſteuer, mit der eine Wehrſteuer verbunden iſt,
auf etwa 70 Millionen Mark zu veranſchlagen ſei.
— Die Ausgabe der
Erinnerungsmün=
zen für 1913. Wie wir als Ergänzung unſerer bis=
herigen Mitteilungen hören, werden die aus Anlaß der
Jahrhundertfeier der Erhebung Preußens gegen die
fran=
zöſiſche Fremdherrſchaft bei der Königlichen Münze in
Auftrag gegebenen Erinnerungsmünzen nicht am
offi=
ziellen Feſttage, dem 10. März d. J., ſondern am 17. März
ausgegeben werden, dem Tage, an dem der Aufruf „An
mein Volk” veröffentlicht wurde. Die Geldſtücke werden
erſt allmählich im Laufe des Jahres ausgegeben, da der
volle Betrag von ſechs Millionen noch nicht zur
Aus=
prägung gelangt iſt. Die Ausgabe der
Erinnerungsmün=
zen zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Kaiſers wird
zur Zeit des Jubiläums erfolgen. Es werden gleichfalls
ſechs Millionen ſolcher Münzen geprägt, die ebenfalls je
zur Hälfte Drei= und Zweimarkſtücke enthalten werden.
Zu gleicher Zeit ſollen auch die übrigen Drei= und
Zwei=
markſtücke mit dem neuen Bildnis des Kaiſers ausgegeben
werden, das den Monarchen in Küraſſier=Uniform
dar=
ſtellt. Außer dieſen Erinnerungsmünzen ſoll noch eine
Medaille aus Anlaß des Regierungsjubiläums
ausge=
geben werden, über die das preußiſche Staatsminiſteriui
Beſchluß zu faſſen hat. Die erſte Million Dreimarkſtücke
aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Schlacht von Leipzig,
die von der ſächſiſchen Regierung in Auftrag gegeben
wurde, wird am Tage der Schlacht ausgegeben werden.
Die neue Vorlage zur Stärkung
des Deutſchtums. Der bereits mitgeteilten
Be=
gründung iſt folgendes zu entnehmen:
Durch die Siedelung und die Beſitzbefeſtigung ſind
15 258 deutſche Familien mit eiwa 92 000 Köpfen den
Provinzen Weſtpreußen und Poſen zugeführt worden,
5335 deutſche Familien mit zirka 32000 deutſchen Köpfen
in den beiden Provinzen Weſtpreußen und Poſen ſeßhaft
gemacht und 751 Familien mit etwa 45 000 Köpfen darin
feſtgehalten. Außerdem waren Ende 1912 über 50300
Perſonen deutſcher Volkszugehörigkeit auf
Anſiedlungs=
gütern und etwa 16500 in den Anſiedlungsgemeinden
als Arbeiter, Handwerker und Familienangehörige von
ſolchen wohnhaft. Der unmittelbare und mittelbare
Ge=
winn der deutſchen Bevölkerung der beiden Provinzen
durch die Siedelung und Beſitzfeſtigung iſt daher mit 150 200 000 Perſonen ſicher nicht zu hoch geſchätzt.
Ob=
wohl der wirtſchaftliche Aufſchwung der beiden
Provin=
zen beſonders dem dortigen Deutſchtum zugute gekommen
iſt. iſt es doch noch nicht ſoweit erſtarkt, daß es aus
eige=
ner Kraft den wirtſchaftlichen Machtkampf fortführt und
eine weitere ſtaatliche Förderung durch Siedelung und
Beſitbefeſtigung entbehren könnte. Dazu kommt daß ſich
das Polentum weiter kräftigt und als Ganzes Fortſchritte
macht Ein weiterer Beweis für die wirtſchaftliche
Ent=
wickelung des Polentums iſt die Gründung von 7 neuen
polniſchen Parzellierungsbanken zu den beſtehenden 24.
Einem erneuten mächtigen Vordringen des Polentums
auf allen Gebieten des öffentlichen und wirtſchaftlichen
Lebens der beiden Provinzen kann nur durch die
beharr=
liche Fortſetzung der Siedelung und Beſitzfeſtigung
be=
gegnet werden. An geeigneten Bewerbern um
Anſied=
lungsſtellen iſt kein Mangel.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der Generalſtreik in Peſt. Man glaubt in
unterrichteten Kreiſen, daß nach Lage der Dinge der
Ge=
neralſtreik auch fernerhin nicht zum Ausbruch kommen
wird. In erſter Linie iſt das ruhmloſe Ende des
ſozial=
demokratiſchen Projektes auf die Uneinigkeit im Lager der
Partei ſelbſt zurückzuführen. Die verbündeten
Oppoſitio=
nellen haben Schwierigkeiten gemacht und ſollen angeblich
ihre Unterſtützung abgeſagt haben. Auch unter den
ſozial=
demokratiſchen Führern ſollen ſtarke Gegenſätze herrſcheu.
Dazu kommt noch, daß die Berichte aus der Provinz
äußerſt ungünſtig lauteten, ſo daß man es vorzog, einem
Fiasko des mit viel Reklame angekündigten Unternehmens
auf dieſe Weiſe aus dem Wege zu gehen. Nachdem die
ſozialdemokratiſche Partei den Beſchluß gefaßt hat, von
einem Generalſtreik abzuſehen, wurde das Militär ſpät
abends aus den Straßen zurückgezogen, und bleibt in den
Kaſernen konſigniert. Falls keine Ausſchreitungen
vor=
kommen ſollten, wird das Militär überhaupt zurückgezogen
werden.
Frankreich.
Der Geſetzentwurf über die
drei=
jährige Dienſtzeit wird rückwirkende Kraft
er=
halten und Anwendung finden auch auf die augenblicklich
bei den Fahnen befindliche Jahrgänge. Die
Regie=
rung wird auf baldmöglichſter Beratung beſtehen und
aus der Annahme des Geſetzes eine Vertrauensfrage
ma=
chen. In offiziöſen Kreiſen iſt man der Anſicht, daß der
Entwurf keine grundſätzliche Aenderung des Geſetzes von
1895 bedeutet, da er den in jenem Geſetz enthaltenen
Grundſatz der Gleichheit beibehält. Artikel 33 des Geſetzes
von 1905 gab der Regierung das Recht, die unter den
Fahnen befindlichen Jahrgänge unter der Bedingung
bei den Fahnen zurückzuhalten, daß dem Parlament
da=
von Mitteilung gemacht wird. Aber die Lage hat ſich ſeit
1905 weſentlich geändert. Abgeſehen von der
unzuläng=
lichen Zahl der freiwilligen Geſtellung und der
Kapitu=
lanten wurden die für die neuen Truppenteile,
nament=
lich für die Telegraphen= und Fliegertruppe notwendigen
Elemente aus gewiſſen Kompagnien entnommen, die
da=
durch außerordentlich geſchwächt wurden. Endlich
mach=
ten die benachharten Länder bedeutende militäriſche
An=
ſtrengungen. Die Regierung ſei jetzt gezwungen, den
Ar=
tikel 33 dauernd anzuwenden und dadurch das Land
je=
desmal, wenn die Entſcheidung getroffen würde, in
Un=
ruhe zu verſetzen. Die Regierung hat es infolgedeſſen
für einſacher gehalten, auf das Recht des Artikels 33 zu
verzichten und kurz entſchloſſen die dreijährige Dienſtzeit
in das Wehrgeſetz aufzunehmen. Es heißt, das
Miniſte=
rium werde unter Stellung der Vertrauensfrage
verlan=
gen, daß die Erörterung des Geſetzentwurfes im Plenum
der Kammer noch kurz vor den Oſterferien beginne.
Viel=
fach wird die Ueberzeugung ausgeſprochen, daß der
Ge=
ſetzentwurf eine große Mehrheit finden, daß jedoch die
Debatte, in der die Sozialiſten und ein Teil der
Radi=
kalen die dreijährige Dienſtzeit energiſch bekämpfen
wer=
den, eine ziemlich langwierige ſein wird. Der
Kriegs=
miniſter hat im Hinblick auf die vorausſichtliche
Einfüh=
rung der dreijährigen Dienſtzeit die Kommandeure
mit=
tels dringenden Rundſchreibens aufgefordert, ihm
mitzu=
teilen, ob in den beſtehenden Kaſernen noch weitere
Truppenabteilungen untergebracht werden können.
Bau von Luftkreuzern. Die von dem
Kriegsminiſterium beſtellten acht großen Luftkreuzer von
20000 Kubikmeter ſollen im November oder Dezember
dieſes Jahres fertig geſtellt werden. Die franzöſiſche
Mi=
litärverwaltung wird demnach Ende dieſes Jahres über
acht große Luftkreuzer, fünf kleine Luftkreuzer und acht
Aufklärungsluftſchiffe verfügen.
Belgien.
Der Generalſtreik. In der Preſſe wird
all=
gemein angenommen, daß heute oder morgen in der
Frage des Generalſtreiks eine Einigung zwiſchen der
Re=
gierung und den in Frage kommenden Parteien durch
Vermittelung der Bürgermeiſter der Provinzhauptſtädte
zuſtande kommen werde.
Griechenland.
Das Budget iſt der Kammer vorgelegt worden.
Der Finanzminiſter erklärt, daß die Einnahmen aus den
indirekten Steuern trotz des Krieges befriedigend ſeien.
Obwohl der Ertrag der übrigen Steuern einen gewiſſen
Rückgang aufweiſe, werde das Geſamtdefizit des
ordent=
lichen Budgets nicht einen Betrag von 9 Millionen
über=
ſteigen. Die für den Krieg geforderten Kredite berechnet
der Finanzminiſter bis heute auf 151 Millionen. Der
Miniſter verlangt einen neuen Kredit von 104 Millionen
und erklärt, daß er ſich einſchränken werde, um die
Aus=
gaben für 1913 durch die Aufnahme einer Anleihe von 50
Millionen Drachmen zu decken. Er betont die
ausgezeich=
nete wirtſchaftliche Lage des Landes trotz der
Kriegs=
ereigniſſe. Obgleich der Zwangskurs theoretiſch noch
be=
ſtehe, habe der Wechſelkurs ſeit dem Ausbruche des
Krie=
ges niemals pari überſchritten. Die griechiſchen Fonds
notierten im Dezember 1912 3 Punkte über den Kurs im
Dezember 1911.
* Eine Rede des Kaiſers in Bremen.
Bei dem Frühſtück im Feſtſaal des Rathauſes hielt der
Präſident des Senats. Bürgermeiſter Dr. Barckhauſen,
eine Begrüßungsrede, in der er auf das in dieſem Jahre
ſtattfindende 25jährige Regierungsjubiläum des Kaiſers
hinwies und ſodann den Dank des Senats dafür
aus=
ſprach, daß der Kaiſer das neue Rathaus in Augenſchein
genommen habe. Er wies ferner auf die Zeit vor
hun=
dert Jahren und die Befreiung von fremden Joch unter
Preußens Führung hin. Die Rede ſchloß mit einem
dreiſachen Hurra auf den Kaiſer. Der Kaiſer gedachte
der Jahrhundertfeier mit folgenden Worten: Ich
habe in Königsberg anläßlich der Jahrhundertfeier die
erhebendſten Eindrücke miterleben dürfen, und ich bin feſt
überzeugt, daß bei dem religiöſen Sinn, der die
Hanſa=
tädte und vor allem Bremen beſeelt, es auch hier
empfunden wird, daß das, was geſchehen iſt, durch das
Eingreifen der Vorſehung, das Eingreifen Gottes,
geſchehen iſt, der die Völker demütigt, der ſie aber
auch wieder emporhebt. Was ich der Stadt Bremen
wünſche, iſt, daß ſie ſich bei dieſer Feier erinnere
an die göttliche Vorſehung die uns in dieſen hundert
Jahren dieſe Wendung gebracht hat, daß ſie ſich voll
Dankbarkeit erinnere an die große Entwickelung der
Na=
tion, an der durch die Blüte von Handel und Schiffahrt
auch Bremen großen Anteil hat. Möge die heutige
Ge=
neration ſich würdig zeigen der Vorfahren, ihnen
nach=
eifern und es ihnen gleichtun, möge auch die heutige
Ju=
gend ſich die damalige Jugend zum Vorbild nehmen in
der Hingabe an das Vaterland. Nicht in dem Beſtreben,
ſich möglichſt auszuleben, ſondern darin liegt ihre Pflicht,
für das Vaterland zu lernen und für das Vaterland zu
arbeiten. Wie damals iſt heute unſerem Volke die Auf
gabe geſtellt, ſeine Wehrhaftigkeit zu ſtärken, ſeine
Wehr=
kraft auszubauen und es den Vorfahren vor hundert
Jahren gleich zu tun an patriotiſcher Opferfreudigkeit
und Opferwilligkeit. Daß dieſe Tugenden beſonders
auch in der Stadt Bremen zu finden ſind und daß auch
Bremen das Seine dazu tun wird, in dieſer Ueberzeugung
erhebe ich das Glas auf das Wohl des Bremer Senats
und der Stadt Bremen. Ein dreifaches Hurra für
Bre=
men! — Die in Ausſicht genommene Tafelmuſik war auf
Wunſch des Kaiſers in Anbetracht des ſchweren
Un=
glücksfalles bei Helgoland ausgefallen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. März.
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberförſter der
Ober=
förſterei Storndorf, Forſtmeiſter Hermann Lauten
ſchläger zu Storndorf auf ſein Nachſuchen unter Aner
kennung ſeiner treu geleiſteten Dienſte vom 1. April d. J.
an bis zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit.
g. Schwurgericht. Das Schwurgericht verurteilte
geſtern nach nichtöffentlicher Verhandlung den am 29.
Fe=
bruar 1868 geborenen vorbeſtraften Handarbeiter Heinrich
Göttmann II. zu Eberſtadt wegen fortgeſetzten
Ver=
brechens nach §§ 177, 173 und 176,3 des Strafgeſetzbuches
zu 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren
Ehr=
verluſt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt
Bern=
hards, Verteidiger des Angeklagten war Juſtizrat
Metz III.
g. Strafkammer. Der Landwirt Heiland von
Nieder=Kainsbach verfolgt Berufung gegen ein
Schöffen=
gerichtsurteil, durch das er wegen Vergehens gegen § 3
der Milchverkaufsordnung der Stadt
Darm=
ſtadt in zwei Fällen zu je 4 Mark Geldſtrafe verurteilt
wurde. Der Angeklagte brachte in das Geſchäft ſeines
Schwiegervaters zu den vorhandenen fünf Kühen noch
zwei weitere Kühe. Der Händler, der die Milch in
Darm=
ſtadt verkaufte, und die ihm von der Polizei wegen zu
geringen Fettgehalts beanſtandet wurde, benachrichtigte
den Angeklagten von dem Sachverhalt und es erfolgte
auch ſofort Abſtellung des Uebelſtandes. Durch die
Un=
terſuchung der Milch wurde feſtgeſtellt, daß in drei
Kan=
nen die Milch einen Fettgehalt von 2,3, 2,5 und 4,5
Pro=
zent hatte. § 3 der Milchverkaufsordnung ſchreibt vor,
um möglichſt einen Fettgehalt von 3 Prozent zu erzielen
daß die Milch von mehreren vorhandenen Kühen gemengt
werden ſolle. Der Schwiegervater war bereits einmal
wegen Uebertretung jener Verordnung verurteilt, vom
Oberlandesgericht aus formellen Gründen aber
freige=
ſprochen worden. Der Angeklagte gibt nun zu, daß eine
Vermengung der Milch nicht ſtattgefunden hat. Er habe
ſich in dieſer Beziehung ganz auf ſeinen Schwiegervater
verlaſſen. Das Gericht ſprach den Angeklagten
frei, da angenommen wurde, daß er ſich darauf
ver=
laſſen hatte, daß ſein Schwiegervater die Milchbeſorgung
in der richtigen Weiſe vornehme.
Kriegsgericht. Vor dem Kriegsgericht der 25.
Diviſion ſtand geſtern der 23jährige Hilfshoboiſt Julius
Triebſch aus Sommersdorf wegen Fahnenflucht,
Einbruchsdiebſtahls, Betrugs, Unterſchlagung
uſw. Der Angeklagte diente im zweiten Jahre bei dem
Muſikkorps des Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23, und
er machte bereits im Februar 1912 einen Verſuch, ſich mit
ſeinem Dienſtkarabiner zu erſchießen. Er konnte damals
noch trotz ſeiner ſchweren Verwundung dem Tode entriſſen
werden. Er gab damals als Grund zu der Tat an, daß
er von ſeinen Kameraden immerzu mißhandelt worden
ſei. Er wurde auf ſeinen Geiſteszuſtand unterſucht, der
aber nichts ergab, was auf Geiſteskrankheit ſchließen ließ.
Er führte ſich dann bis Anfang dieſes Jahres gut. Im
Januar hatte er einen Betrag von 34 Mark für die
Korps=
kaſſe einkaſſiert, und dieſe Gelegenheit benutzte er, um
zu flüchten. Vorher brach er noch bei dem
Muſik=
meiſter ein. Er ſtieg durch das Fenſter in die Wohnung
und erbrach das Büfett, wo er 338 Mark erbeutete. Mit
dieſem Gelde flüchtete er nach Luxemburg, wo er aber
wegen ungenügender Ausweispapiere nach Deutſchland
abgeſchoben wurde. Auf dem Transport nach Darmſtadt
gelang es dann dem Angeklagten, trotz Bewachung in
Nau=
heim aus dem Eiſenbahnzuge zu entwiſchen; er wurde
aber ſpäter wieder ergriffen. Außer dieſen Straftaten
wird ihm noch zur Laſt gelegt, einen Bäckermeiſter dadurch
geſchädigt zu haben, daß er unter Angabe eines falſchen
Namens ſich zweimal für 60 Pfg. Brot geben ließ. Von
dem Gelde war bei ſeiner Feſtnahme nichts mehr
vor=
handen. Der Beſtohlene iſt aber gegen
Einbruchsdieb=
ſtahl verſichert und wieder zu einem großen Teil der
Summe gelangt. Das Gericht erkannte gegen Triebſch
auf ein Jahr Gefängnis und Verſetzung in die
zweite Klaſſe des Soldatenſtandes.
Der Reſerviſt Heinrich Beul aus Hunsangen (Kreis
Weſterburg) war des Diebſtahls angeklagt. Er hatte
ſi” bei einer Reſerveübung eine Aluminiumflaſche und
Filzüberzüge, ſowie Dienſthandſchuhe angeeignet. Er
be=
hauptete in der geſtrigen Verhandlung daß ihm ein
Ein=
jähriger geſagt habe, was liegen bleibe, könne er
mit=
nehmen. Da dieſe Angabe nicht widerlegt werden kann
und auch nicht unglaubwürdig erſcheint, beantragt der
Anklagevertreter ſelbſt Freiſpruch. Das Gericht
ſprach den Angeklagten frei.
Der Kaufmann Matthias Koch aus Saarbrücken, beim
84. Feldartillerie=Regiment, hatte ſich wegen
Urlaubsüber=
ſchreitung zu verantworten. Der Angeklagte war im
vori=
gen Herbſt als Rekrut ausgehoben und einſtweilen
be=
urlaubt. Er war dann von Saarbrücken verzogen, ohne
ſich in ſeinem neuen Wohnort anzumelden. Er konnte
deshalb erſt verſpätet eingezogen werden. Das Gericht
ſpricht die Mindeſtſtrafe von 43 Tagen Gefängnis
aus. — Der Fuhrmann Friedrich Wilhelm Bachmann
aus Köln, jetzt beim Feldartillerie=Regiment Nr. 61, ſtand
wegen Diebſtahls vor Gericht. Man hatte ihn ſchon
länger im Verdacht, die Wäſche und Dienſtzeug ſeiner
Kamcraden zu benutzen, ohne daß man ihn jemals
über=
führen konnte. Der Angeklagte, der ſchon 20 bis 25 mal
vorbeſtraft iſt, hatte ſeine Tuchhoſe zum Reparieren in
die Handwerkerſtube gegeben. Er benutzte während
die=
ſer Zeit die Hoſe eines Kameraden. Als man in ſeinem
Spind nach der Hoſe ſuchte, war ſie in ſeiner Reithoſe
verſteckt. Ein Leugnen war deshalb diesmal
ausge=
ſchloſſen. Er erhält drei Wochen ſtrengen Arreſt,
In der Ruſſiſchen Kapelle auf der Mathildenhöhe
fand geſtern aus Anlaß der 300jährigen Jubelfeier des
Hauſes Romanow Gottesdienſt mit anſchließendem
e deum ſtatt, der von dem Erzprieſter Protopopoff aus
Wiesbaden abgehalten wurde. Dem Gottesdienſt
wohn=
ten die Mitglieder der ruſſiſchen Geſandtſchaft, Mitglieder
der ruſſiſchen Kolonie, ferner als Vertreter des Große
herzogs Oberhofmarſchall v. Ungern=Sternberg, als
Ver=
treter der Militärbehörde General v. Plüskow und als
Vertreter des Miniſteriums Legationsrat Neithardt bei=
Rh. Von der Großh. Techniſchen Hochſchule. Die
nächſte Diplom=Hauptprüfung im
Maſchinen=
baufach wird im Mai d. J. abgehalten. Die
Klauſür=
prüfung findet am 5., 6. und 7. Mai ſtatt, während die
mündliche Prüſung vorausſichtlich am 19 Mai beginnen
vird. — Mittwoch abend fand im Reſtaurant „Stadt
Pfung=
ſtadt” eine allgemeine Verſammlung der
Stu=
dierenden aus Rußland ſtatt, in der über die Tagung in
Karlsruhe berichtet wurde und die Organiſation der
Stu=
dierenden aus Rußland erfolgte.
— Reichsbankſtelle. Laut dem ſoeben erſchienenen
Verwaliungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1912
betrug der Geſchäftsumſatz der hieſigen
Reichsbank=
ſtelle im Giro= und Anweiſungsverkehr: 706 871300 Mk.,
im Wechſelverkehr: 65026700 Mk., im
Lombardver=
kehr: 15 349800 Mk., zuſammen 787247800 Mk. gegen
803 477700 Mk. im Jahre 1911.
— Hanſa=Bund und Angeſtellte. In der letzten
Sitzung des Angeſtellten=Ausſchuſſes der Ortsgruppel
Darmſtadt des Hanſa=Bundes iſt nochmals über die
Frage der Gewährung von Sommerurlaub an die
An=
eſtellten verhandelt worden. Aus dem zur Verfügung
ſtehenden Material geht hervor, daß in Darmſtadt noch
eine Reihe namhafter Firmen vorhanden iſt, welche bis
jetzt keinen Urlaub an Angeſtellte gewährt haben. Nach”
Im Torpedoboot.
ml. Pfeilſchnell, in raſender Haſt, ſchießt das ſchmale
und langgeſtreckte, unheimlich ſchwarze Fahrzeug durch die
Fluten. Zwei dicke Säulen ſchwarzen, beißenden Rauches
läßt es hinter ſich; ſchäumend bäumen ſich an ſeinem Bug
die giſchtigen Meeresfluten auf, und mächtige Wellen
er=
zeugt es in ſeinem Kielwaſſer. Wer, der Waterkant fremd,
zum erſten Male ein Torpedoboot, womöglich im Sturm
und bei düſterem Himmel auf dem Marſche ſieht, dem
er=
ſcheint es beinahe wie ein Geſpenſterſchiff, ſo modern dieſes
nach allen Erfahrungen ſeemänniſcher Technik
durchgebil=
dete Eiſenfahrzeug ſich auch präſentiert.
Es iſt Nacht. Alle Lichter ſind abgeblendet; ſelbſt bei
ſchärfſtem Spähen erblickt der Beobachter des nächtlichen
Flottenmanövers nichts Lebendes an Bord. Nur die
un=
geheuren Rauchwolken, deren Schwärze ſich ſelbſt von
der dunklen Nacht abhebt, laſſen erkennen, daß unterhalb
der geſchloſſenen Deckluken Leben herrſcht. Und was für
ein Leben! Dieſes mit raſender Geſchwindigkeit
dahin=
ſchießende Ungetüum iſt eigentlich gar kein Schiff; es ſind
zwei rieſenſtarke Maſchinen, die nebſt einer Reihe anderer
Maſchinen ein ſtählerner Mantel umgibt. Es iſt kein
Schiff. geeignet, Menſchen behaglich zu beherbergen; es iſt
ein mit höchſtem Raffinement konſtruiertes
Vernichtungs=
werkzeug, und ſeine ſtärkſte Waffe bilden die beiden
Ma=
ſchinen, die Backbord= und die Steuerbordmaſchine, die dem
Torpedoboot ſeine enorme Schnelligkeit verleihen. Nur
durch ſie vermag es ſich ungeſehen den gewaltigen
Pan=
zerkoloſſen zu nähern und ſeine Verderben bringende
Waffe, den Fiſchtorpedo, mit ſeiner ſurchtbaren
Spreng=
ladung gegen ſie loszulaſſen. Doch ſelten wird ein Boot
allein den Angriff unternehmen; meiſt geht eine Flottille
in breiter Front gegen den Feind vor und erſpät den
ge=
eigneten Augenblick, um den Angriff zu wagen. Doch auf
der ſeindlichen Flotte hat man ſorgſam Wacht gehalten.
Plötzlich ſchießen in der Ferne an zwei, drei Stellen
blen=
dend helle Lichter auf, jagen in breiten Streifen, einander
überkreuzend, über die Waſſerfläche und geben die
anmar=
ſchierende Torpedobootflottille der grellen Helle der
Schein=
werfer preis. In demſelben Augenblick brüllen auch ſchon
die ſchweren Schiffsgeſchütze, und die Feuerſchlünde an
Bord der Panzerſchiffe ſpeien Verderben, bohren die
küh=
nen Boote in den Grund, wenn es dieſen nicht gelingt,
blitzſchnell beizudrehen und ihr Heil in eiliger Flucht zu
uchen. In ſolchen Augenblicken werden an die
Naviga=
tionskunſt des Kommandanten und aller ſeiner Leute die
ſchärfſten Anforderungen geſtellt; ganz gering iſt oftmals
nur der Abſtand zwiſchen den einzelnen Booten der
an=
greifenden Diviſion, und ein um eine halbe Minute
ver=
frühtes oder verſpätetes Kommando, ein falſchverſtandener
oder falſch ausgeführter Befehl kann eine Kolliſion
zwi=
ſchen zwei Booten der Diviſion im Gefolge haben. So ſind
alle Nerven der Beſatzung angeſpannt; jedermann iſt auf
ſeinem Poſten und gibt ſein Beſtes; nicht nur, weil die
Pflicht es ihm gebietet, ſondern auch, weil er weiß, daß
von ſeiner Achtſamkeit ſein Leben wie das ſeiner
Kame=
raden abhängt.
Sieht man von dem gefahrvollen Dienſt in den
Unter=
ſeebooten ab, ſo gibt es in der Marine keinen
ſchwierige=
ren Poſten als den auf einem Torpedoboot. Hier, in der
drangvoll fürchterlichen Enge, iſt der Menſch ſozuſagen
Nebenſache und Hindernis; die Maſchine iſt alles, und nur
zu ihrer Bedienung hat der Mann an Bord ſeinen
Da=
ſeinszweck. Der ihm zur Verfügung ſtehende Raum iſt
un=
geheuer eng; der Platz, den die Maſchinen und Keſſel und
die übrigen techniſchen Einrichtungen freilaſſen, dient in
erſter Linie den Kohlen, die zum Teil in den Seitenwänden
gebunkert ſind, und die zur möglichſten Erhöhung des
Al=
tionsradius in gewaltiger Maſſe an Bord ſind, ſowie der
Munition und den Proviantvorräten. Die Beſatzung muß
ſich mit ſchmalen und engen Räumen im Vorderſchiff
be=
gnügen, die zwar elektriſch erhellt, aber alles andere als
gemütlich ſind. Zu beiden Seiten des Raumes zieht ſich
eine Holzbank entlang; die Tiſche hängen an der Decke und
werden nur bei Bedarf heruntergelaſſen. An der Decke
ſind auch die Hängematten befeſtigt, die der Mannſchaft
zum Schlafen dienen. Die Offiziere haben ihre winzige
Meſſe im Hinterſchiff; ſie iſt nicht nennenswert bequemer
wie der Mannſchaftsraum; überhaupt ſind die Räume
unter Deck ſo niedrig, daß man ſtändig Gefahr läuft, mit
dem Kopf oben anzuſtoßen, ſofern man mit den
Raumver=
hältniſſen nicht ganz genau vertraut iſt. Der Weg vom
Deck ins Innere des Torpedobootes führt über eine ſchmale
Eiſenleiter, die nichts anderes iſt als ſtählernes
Sproſſen=
werk aus zwei Seitenſtangen mit Querleiſten. Die Luke,
durch die ſie hinabführt, iſt mehr als eng und kein Weg
für bequeme und beleibte Landratten. Zwiſchen dem
Ge=
wirr der Maſchinenteile führt ein mit Eiſengeländern
ein=
gefriedigter ſchmaler Gang hindurch, in dem ſich die
Ma=
ſchiniſten aufhalten. Denn bei forcierter Fahrt und
ſtür=
miſchem Seegang, wenn das Boot ſtampft und rollt, iſt
die Gefahr, in die ſich bewegenden Teile des Getriebes zu
ſtürzen, nicht gering. Trotzdem müſſen die Maſchiniſten
oft genug das ſchützende Geländer überſteigen und
unmit=
telbar neben den ſchwingenden Maſchinenteilen, den hin=
und hergehenden Kolben und rotierenden Wellen arbeiten.
Das Stampfen, Dröhnen und Toſen der mit Volldampf
arbeitenden Maſchinen übertönt jedes Wort, und deshalb,
werden die Befehle weder von Mund zu Mund, noch durch
Sprachrohr, ſondern mit Hilfe des Maſchinentelegraphen
gegeben, deſſen Scheibe jedes Kommando anzeigt. Ein
ſchrilles Glockenſignal macht jedesmal auf das neue
Kom=
mando aufmerkſam.
Gegenüber den alten, kleinen Küſtentorpedobooten, die
bis vor anderthalb Jahrzehnten faſt ausſchließlich dieſe
Waffe der deutſchen Kriegsmarine repräſentierten, bilden
die heutigen Hochſeetorpedoboote bereits reſpektable
Fahr=
zeuge. Aber mit dem größeren Deplazement ſind auch die
Maſchinen gewaltig gewachſen; die geſamten techniſchen
Einrichtungen ſind unvergleichlich komplizierter geworden
und bedürfen einer ungleich ſtärkeren Bemannung, ſo daß
ſich heute an Bord der Torpedoboote eine Beſatzung von
mehr als 80 Seeoffizieren und Mannſchaften befindet,
Der dieſen zur Verfügung ſtehende Raum iſt daher im
Verhältnis nicht nur nicht größer, ſondern eher noch
ge=
ringer als früher auf den kleinen Booten, und bei einer=
Kataſtrophe iſt die Rettung der im Innern eingepferchten
Bemannung mit außerordentlichen Schwierigkeiten
ver=
knüpft, da es beim ſchnellen Sinken des Bootes den vielen
Dutzenden von Leuten gar nicht möglich iſt, an die
Ober=
fläche zu gelangen. So iſt auch den braven Sceleuten des
untergegangenen Torpedobootes „§ 178” ihr Schiff zum
ſtählernen Sarge geworden, der ſie auf den Grund des
Meeres in den heldenhaften Seemannstod geführt he
dem der Gedanke der Errichtung von kaufmänniſchen
Erholungsheimen in Deutſchland ſowohl ſeitens vieler
Handelskammern, wie ſehr zahlreicher Einzelfirmen von
verſchiedenſtem Umfange lebhafte Anerkennung und
Unterſtützung gefunden hat, iſt wohl anzunehmen, daß
ſich die kaufmänniſchen Firmen Deutſchlands nunmehr
auch mehr und mehr mit dem Gedanken der
regel=
mäßigen freiwilligen Urlaubsgewährung an Angeſtellte
befreunden. Man darf wohl hoffen, daß auch in
Darm=
ſtadt auf eine diesbezügliche Anregung hin regelmäßige
Erholungsurlaube künftighin gewährt werden.
* Kunſtverein. Die Märzausſtellung in der Kunſthalle
bringt Kollektionen von Alfred Marxer=München,
Reinhold Ewald=Hanau, Helene Altmann=
Mün=
chen (Graphik) und Louiſe Schmidt=Frankfurt am
Main (Plaſtik). Der hieſige Maler Hermann
Schle=
el ſtellt drei größere Aquarelle aus. Einen beträchtlichen
Raum nehmen Baſeler Künſtler ein: Paul
Burckhardt mit Landſchaften, ſein Bruder Karl
Burckhardt mit Entwürfen und Studien für die von
ihm ausgeführten Metopen am Kunſthaus in Zürich,
Hermann Meyer mit Entwürfen für Kirchenfenſter,
E. W. Wolf mit Radierungen und Auguſt Suter
mit Plaſtiken. Eine größere Sammlung Gemälde, Paſtelle
und Zeichnungen von Otto H. Engel in Berlin wird
erſt in einigen Tagen aufgehängt werden.
— Der heſſiſche Bund für Heimatſchutz ergänzte in
ſeiner 1. Mitgliederverſammlung den Vorſtand,
der ſich nunmehr wie folgt zuſammenſetzt: 1. Vorſitzender
Exzellenz Braun, Finanzminiſter, 2. Vorſitzender Herr
Beh. Oberforſtrat Walther=Darmſtadt, Geſchäftsführer
Herr Rechtsanwalt Landzettel=Darmſtadt
Schatz=
meiſter Herr Baurat Wagner=Darmſtadt; ferner als
Beiſitzer die 3 Denkmalpfleger Herr Geh. Bauxat Profeſſor
Wickop (Starkenburg), Herr Geh. Baurat Profeſſor
Walbe (Oberheſſen), Herr Profeſſor Meißner (
Rhein=
heſſen); ferner Herr Profeſſor Wienkoop, Direktor der
Landesbaugewerkſchule, Herr Rechtsanwalt Dr.
Gug=
genheim=Offenbach a. M., Herr Profeſſoc Chr. Rauch=
Gießen, Herr Oberlehrer Como=Lauterbach (Oberheſſen),
Herr Profeſſor Neeb=Mainz und Herr Oberbürgermeiſter
Köhler=Worms. Man ſchritt alsdann zur Beſtellung
der Arbeitsausſchüſſe. Als eine der wichtigſten Aufgaben
des Heimatſchutzes in Heſſen erſcheint die Einrichtung von
Bauberatungsſtellen, welche die bauberatende
Tätigkeit der Behörden (Bauabteilung, Denkmalpflege,
Landwirtſchaftskammer, Kreisbauinſpektoren. Städte)
er=
gänzen ſollen. Die private Tätigkeit in Heſſen,
insbeſon=
dere auf dem Lande, liegt, ſoweit ſie nicht von wirklichen
Architekten ausgeübt wird, vielfach noch in unfähigen, zum
Teil unberufenen Händen. Hierdurch erklären ſich in Stadt
und Land die unerfreulichen Bilder, die dieſe ungeſchickten,
vielfach ganz unſachlich ausgeführten Bauwerke
hervor=
rufen. Dieſen Zuſtänden ſollen die Bauberatungsſtellen
abhelfen durch Erteilung von Rat und Auskunft und
Un=
terweiſung mit praktiſchen und guten Bauvorſchlägen. In
den Ausſchuß für Bauberatung und heimatliche Bauweiſe
wurden gewählt die Herren Geh. Oberbaurat Profeſſor
Hofmann, Geh. Baurat Profeſſor Walbe, Direktor
Pro=
feſſor Wienkoop Regierungs= und Baurat Mettegang=
Mainz und Profeſſor Eberhardt, Direktor der
Kunſtge=
werbeſchule in Offenbach a. M. Auch durch Darſtellung
von guten und ſchlechten Beiſpielen und Veranſtaltung von
Lichtbildervorträgen ſoll in der Oeffentlichkeit das
Ver=
tändnis für eine gediegene heimatliche Bauweiſe gefördert
verden; ferner ſoll angeregt werden, daß dieſen
Beſtreb=
ungen bei der demnächſtigen Reviſion der Bauordnung im
Sinne des Heimatſchutzes Rechnung getragen wird. Eine
veitere Aufgabe des Vereins iſt der Kampf gegen die
Verunſtaltung von Stadt und Land durch
auf=
bringliche und ſchlechte Reklame. Nachdem einige
Kreisämter im Wege der Polizeiverordnung namentlich
gegen den Unfug der Streckenreklame mit Erfolg
vorge=
rangen ſind, will man durch Lichtbildervorträge nach dem
Beiſpiel des Frankfurter Vereins für Heimatſchutz die
Mißſtände und Auswüchſe des Reklameweſens bekämpfen.
err Amtsrichter Schwabe in Hochheim a. M. iſt hierfür
vereits gewonnen worden. Man beriet noch über die
Ab=
aſſung eines Flugblattes, das Ziele und Aufgabe des
eſſiſchen Bundes für Heimatſchutz klarſtellen und in der
Tagespreſſe veröffentlicht werden ſoll.
K. Die Fortſchrittliche Volkspartei hier hielt am
Dienstag in der Reſtauration des Herrn Ph. Rummel,
Bleichſtraße, eine Mitgliederverſammlung ab.
Der Beſuch war außerordentlich gut und der Saal bis
ruf den letzten Platz gefüllt. Man ſchreibt uns darüber:
Herr Zöller aus Rüſſelsheim referierte über
Arbei=
erfragen in der Volkspartei in
außerordent=
ich ſachlicher, klarer und verſtändlicher Weiſe. Ganz
be=
ſonders zeigte er an Hand ſeiner gemachten Erfahrungen,
daß die Sozialdemokratie abſolut nicht der Förderer des
Wohles der Arbeiter iſt, wenn auch die Sozialdemokratie
ſich allein dazu berechtigt fühlt, die Intereſſen des
Arbei=
ers zu vertreten. Hierbei hob er ganz beſonders die
Ver=
hienſte hervor, die ſich die Volkspartei um die
Arbeiter=
frage erworben habe. Auch auf das Koalitionsrecht kam
der Referent zu ſprechen und will dies in keiner Weiſe
angetaſtet wiſſen. Die Arbeiterausſchüſſe in Fabriken
und Großbetrieben ſeien heute vielfach nur
Dekorations=
ſtücke. Ferner hob er hervor, daß die Arbeiter uſw. einzig
und allein in der Volkspartei die richtige Behandlung
er=
fahren, da nicht agitatoriſche Gründe dazu führen, für die
Arbeiterfrage einzutreten, ſondern nur die von ihr
ver=
tretene Gleichberechtigung des Menſchen. Das
Koalitions=
recht dürfe nicht mit dem Streikrecht verwechſelt werden.
In bezug auf das Streikrecht ſei jedoch ein Unterſchied zu
machen zwiſchen Angeſtellten und Arbeitern im
Privat=
betrieb und ſolchen in Gemeinde= und Staatsbetrieben.
Dem Gemeinde= und Staatsarbeiter muß das Streikrecht
dadurch entbehrlich gemacht werden, daß man durch
Schaff=
ung und richtige Zuſammenſetzung von
Arbeiteraus=
ſchüſſen deren Beſchlüſſe und Wünſche an maßgebender
Stelle berückſichtigt, und daß man das Arbeitsverhältnis
zu einem Beamtenverhältnis ausbaut. Im großen und
ganzen wurde der Streik von dem Referenten, als auch
ſpäter in der Diskuſſion entſchieden verurteilt, jedoch ließ
man nicht unerwähnt, daß die Not und die Verzweiflung
oft zu dieſem Mittel treiben. Um die Notlage des
Ar=
beiters zu beſeitigen, iſt vor allen Dingen erforderlich, den
Arbeiter zu bilden und ihn aufnahmefähig zu machen,
für ſein Wohl zu arbeiten. Alle anderen Parteien, das
Zen=
trum mit ſeinem Joſeph= und Marienverein, die
Sozial=
demokraten mit ihren Sportvereinen, werden dies alles
nicht betätigen, vielmehr ſeien dieſe Vereine nur
Schutz=
truppen der betreffenden Parteien zur Stimmenmachung.
Hervorgehoben wurde noch, daß die Arbeiterſchaft dem
Vaterlande zugeführt werden müſſe, jedoch nicht mit
Hurrarufen und ſonſtigen Mätzchen, wie es vielfach
ver=
ſucht wird.
In der überaus ausgedehnten ſich anſchließenden
Diskuſſion ſprachen zumeiſt Arbeiter. Ganz beſonders
wurde der Verzicht der Staatsarbeiter auf das Streikrecht
diskutiert und wurde lebhaft bedauert, daß
ſozialdemo=
kratiſche Abgeordnete der heſſiſchen Kammer die
Staats=
arbeiter, die freiwillig auf das Streikrecht verzichteten, als
Heuchler bezeichneten. Auch wurde noch feſtgeſtellt, daß
bei der hieſigen Eiſenbahnverwaltung den Arbeitern ſreie
Bewegung und Zeit zur Schaffung von
Arbeiteraus=
ſchüſſen und Beſuch der Sitzungen gewährt werden, jedoch
ſtehe feſt, daß Staatsarbeiter niemals ſozialdemokratiſch
ſein können. Man könne durch Beſeitigung von
Unzu=
friedenheiten bei den Arbeitern der Sozialdemokratie den
Boden entziehen und die Arbeiter dem Vaterland
zurück=
geben, wenn der Staat für die Arbeiter und Beamten
einmal ebenſo viel tue, wie er dies für die Landwirtſchaft
getan habe. Weiter ſprach in der Diskuſſion Herr
Land=
tagsabgeordneter Henrich. Er bezeichnete die
Arbeiter=
frage als tiefgehendſte ſozialpolitiſche Frage. Auch
kenn=
zeichnete er nochmals in überaus klarer Weiſe, daß der
Ausgangspunkt dieſer Frage in der Volkspartei der ſei,
ſtets für ein freies Menſchenrecht für alle einzutreten.
Unter der beſtehenden Rechtsungleichheit leidet am meiſten
die Arbeiterſchaft. Er ſtreifte nochmals kurz das
Streik=
recht der Staatsarbeiter und der Privatarbeiter und
be=
merkte, wenn die Staatsarbeiter auf das Streikrecht
ver=
zichteten, dies eine nationale Einſicht bedeute, wofür
na=
türlich eine Gegenleiſtung zu erkennen ſei. Nach einem
kurzen Schlußwort des Referenten ſchloß der Vorſitzende
die Sitzung nach 12 Uhr.
Lutherfeſtſpiele. Der Geſchäftsführende Ausſchuß
für die Jubiläums=Landesverſammlung des Evangeliſchen
Bundes und das Lutherfeſtſpiel hielt geſtern nachmittag
unter dem Vorſitz von Profeſſor Pfannmüller ſeine
Schlußſitzung ab. Es konnte dabei die
hocherfreu=
liche Mitteilung gemacht werden, daß die Einnahmen
bei=
der Veranſtaltungen ſich abzüglich aller Ausgaben auf
4848,53 Mark belaufen, wovon der Heſſiſche Hauptverein
und der Darmſtädter Zweigverein des Evangeliſchen
Bundes, der Heſſiſche Hilfsausſchuß zur Förderung der
evangeliſchen Kirche in Oeſterreich und der Verein zur
Er=
bauung einer Reformationskirche in Darmſtadt
verein=
barungsgemäß je ½ mit 1212 Mark erhalten haben. Dem
Rechner, Kanzleirat Wahl wurde einſtimmig Entlaſtung
erteilt und ſämtlichen Beteiligten, die ſich um das
glän=
zende Gelingen der Veranſtaltungen verdient gemacht
haben, ganz beſonders aber dem Herrn Vorſitzenden, der
herzlichſte und wärmſte Dank zum Ausdruck gebracht.
Der Ausſchuß beſchloß ſodann ſeine Auflöſung.
— Liederabend. Am Sonntag abend 6 Uhr, findet im
Saale der Vereinigten Geſellſchaft der zweite
Lieder=
abend von Mathilde Weber und ihren
Schülerin=
nen ſtatt. Das Programm iſt ſehr reichhaltig und
ent=
hält Soli, Duette, Terzette und Lieder für drei= und
vier=
ſtimmigen Frauenchor. Vertreten ſind die Klaſſiker und
die modernen Komponiſten bis R. Strauß und Maz
Reger. Der Liederabend findet zum Beſten der Hilfskaſſe
des Lehrerinnenvereins ſtatt. Eintritt nach Beliebgn.
(Siehe Anzeige.)
Richard Wagner=Plakette. Zu Richard Wagners
O
100. Geburtstag hat Herr Bildhauer W. Götze hierſelbſt
eine Wagner=Plakette gefertigt, die von der Prägeanſtalt
karl Pöllath in Schrobenhauſen in Bronze gegoſſen
wurde und die vielen Verehrern des großen Meiſters eine
willkommene Erinnerung an deſſen 100. Geburtstage ſein
dürfte, der ja gefeiert wird, ſoweit die deutſche Zunge
klingt. Die Plakette iſt ein kleines Meiſterwerk in ſeiner
Art und gereicht ihrem Schöpfer zur Ehre. Sie zeigt auf
der Vorderſeite das trefflich gelungene Reliefbildnis
Wagners aus des Meiſters ſpäterem Lebensalter,
um=
rahmt von einem ſtiliſierten Lorbeerkranz, der, plaſtiſch
hervortretend, gleichzeitig den Rand der Plakette bildet,
und die Inſchrift: „Richard Wagner 100. Geburtstag.”
Die Rückſeite zeigt die in der Modellierung modern
aufge=
faßte nackte Jünglingsgeſtalt eines Sängers und trägt als
Inſchrift die Worte Hans Sachs: „Ehret Eure deutſchen
Meiſter, — Dann bannt Ihr gute Geiſter‟ Die hübſche
Plakette iſt ausgeſtellt in den Erkern der
Hofmuſikalien=
handlung Gg. Thies Nachf. (Leop. Schutter),
Eliſa=
bethenſtraße, und Muſikalienhandlung Arnold,
Wil=
helminenſtraße.
Der Frauenverein der Südoſtpfarrei der evang.
Stadtgemeinde Darmſtadt E. V. veranſtaltet am
Sonntag in den Räumen des Gemeindehauſes,
Kies=
ſtraße 17, einen Familienabend. Frau
Ober=
inanzrat Balſer, Vorſitzende der hieſigen Ortsgruppe
des Allgemeinen Deutſchen Frauenvereins und zugleich
Vorſtandsmitglied des Frauenvereins für die
Südoſt=
pfarrei, wird einen Vortrag halten über „
Deutſch=
ands Frauen in großer Zeit‟. Daneben ſtellt
das Programm eine feine Auswahl guter muſikaliſcher
Darbietungen in Ausſicht: außer Chören des
Gemeinde=
geſangvereins Violinvorträge von Fräulein R. Grooß,
Klavierſoli von Fräulein W. Weinmann u. a. Zu
dem Abend ſind in erſter Linie die Mitglieder des
Ver=
eins und deren Angehörige eingeladen; doch können auch
Gäſte durch Mitalieder eingeführt werden.
* Der Zweigverein Darmſtadt der Deutſchen Freien
Architektenſchaft hielt am Mittwoch im Darmſtädter Hof,
ſeine Monatsverſammlung ab in der über den
Eintritt in den heſſiſchen Bund für Heimatſchutz
verhandelt wurde. Es entſpann ſich außerdem eine
län=
gere Debatte über die in der Tages= und Fachpreſſe
er=
ſchienenen Artikel der Handwerkskammer. Beſonders
wurde hierbei hervorgehoben, daß vor drei Jahren die
Handwerkervereinigungen von dem damaligen Verband
heſſiſcher Privatarchitekten aufgefordert worden waren,
ihre Normalpreiſe abzugeben, die als Grundlage zur
Aus=
arbeitung der Voranſchläge benutzt werden ſollten, und an
dem Entwurf gemeinſchaftlicher Verträge mitzuarbeiten,
wobei das Verdingungsweſen auch einheitlich feſtgelegt
werden ſollte. Dieſer Aufforderung haben nur einzelne
Innungen inſofern Folge geleiſtet, als ſie nur ihre
Nor=
malpreiſe gaben, ſo daß der Verband heſſiſcher
Privat=
architekten darauf angewieſen war, die Verträge ſelbſt
aufzuſtellen. Hierbei ging man von dem Geſichtspunkte
aus, daß der Architekt in erſter Linie die Intereſſen des
Bauherrn zu wahren hat. Der Vorſitzende hatte ſich nach
dem Erſcheinen der Artikel über die Tätigkeit der
Hand=
werkskammer ſofort an die Handwerkskammer felbſt
ge=
wandt, um die in Betracht kommenden Beanſtandungen
der Verträße zu erfahren, worauf kurz der Beſcheid kam,
daß die Handwerkskammer erſt das Material ſammeln
und verarbeiten müſſe, bevor ſie es der Deutſchen Freien
Architektenſchaft zur Verfügung ſtellen könne Bei dem
Punkt „Allgemeines” wurden viederum verſchiedene Fälle
von Beamten=Nebenarbeit bekannt gegeben. Eine
Aus=
prache über verſchiedene techniſche Fragen und die
Feſt=
legung der Exkurſionen für dieſen Sommer beſchloß den
Abend.
— Konzertabſage. Wegen Indispoſition der
Frau Sigrid Arnolſon kann das für den 7. März
angeſagte Konzert nicht ſtattfinden und muß auf ſpätere
Zeit verlegt werden.
Ein Darmſtädter Opfer des Torpedobootunglücks.
Das ſchwere Unglück, das die deutſche Marine während
der Uebungen bei Helgoland betraf, hat, der Darmſt. Ztg.
zufolge, auch eine Darmſtädter Familie in tiefe
Trauer verſetzt. Vorgeſtern abend traf bei dem Gießereileiter
in der Herdfabrik Gebr. Röder, Hermann Stoeſſer,
die telegraphiſche Nachricht ein, daß ſein Sohn, der
Ma=
ſchiniſtenmaat Stoeſſer, beim Zuſammenſtoß des
Torpe=
doboots „§ 178” mit dem großen Kreuzer „Yorck” das
Leben eingebüßt hat.
b. Kriegerverein Darmſtadt. Die
Mitgliederver=
ſammlung fand am Mittwoch abend im Vereinslokal
ſtatt. Der Vorſitzende, Herr Hauvtmann a. D. Waldecker,
erſtattete Bericht über die Tätigkeit des Vorſtandes ſeit
der letzten Monatsverſammlung. Bezüglich des nächſten
Punktes: Begehung einer Erinnerungsfeier an das
Jahr 1813, wurde die Verſammlung dahin ſchlüſſig,
vor=
erſt eine abwartende Stellung einzunehmen, um ſich
eventuell an einer etwa zu veranſtaltenden allgemeinen
Feier zu beteiligen, welche von ſeiten der Stadt
be=
gangen werden dürfte. Der für dieſes Jahr von der
„Haſſia” geplante Ausflug nach Metz zum Beſuche der
Schlachtfelder wurde mit Freuden begrüßt. Die Zeit,
wann der Ausflug ſtattfindet, ſowie die Preisermäßigung
und Quartierverhältniſſe werden noch frühzeitig genug zur
Kenntnis der Mitglieder gebracht werden. Die Grün
Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, den 5. März.
Zum erſten Male:
Frauerl.
Luſtſpiel in 3 Akten von Alexander Engel
und Leo Walter Stein.
W-l. Der Sohn des mehrfachen Millionärs Emil
von Wögerer in Wien hat ein junges Frauerl, Tochter
eines einfachen Hofrates, die ihren Mann über alles
liebt und ihn verwöhnt und verhätſchelt und ihm jeden
Wunſch von den Augen ablieſt und erfüllt, ehe er ihn
noch ausgeſprochen hat. Dem jungen Ehemann wird
dieſes Glück auf dem Präſentierteller” zum Ueberdruß,
es langweilt ihn, eine Frau zu haben, die niemals einen
eigenen Willen und gar keine Launen hat, und er fühlt
ſſich wegen dieſes Uebermaßes von Glück unglücklich.
Frau Stephanie merkt, daß die Liebe ihres Mannes
er=
kaltet und ſucht Rat bei einer Freundin, einer zweimal
ge=
chiedenen Frau von Payer, die ſich auf die Ehezwiſte
verſteht und ihr den Rat gibt, ihren Mann eiferſüchtig
zu machen, indem ſie ſich den Anſchein gibt, als habe
ſie einen Liebhaber, während ſie, die Freundin, die Rolle
er Geliebten bei Stephanies Mann ſelbſt übernimmt.
Die Sache droht einen ſchlimmen Ausgang zu nehmen, da
aus Spaß Ernſt wird, ſchließlich aber gewinnt Stephanie
hren Mann wieder, und auch die Freundin bekommt nach
iner moraliſchen Anwandlung nach langem Suchen ihren
dritten Mann.
Die Verfaſſer des Stückes ſind offenbar von dem
Zeiſte der franzöſiſchen Ehedramen angeſteckt. Die kleine,
herzensgute, aber über alle Maßen einfältige Frau
Ste=
phanie eheirrt zwar nur im Spaße, aber ihr Ehegatte
und die zweimal, „einmal öſterreichiſch und einmal
un=
aariſch geſchiedene” Frau Daiſy, die, eine nymphomane
Kokette, die Männer über den Haufen liebt, macht dem
Nachahmungstalent der Herrn Engel und Stein alle Ehre.
Mit jener haben ſie ohne Zweifel geglaubt, eine
„intereſſante” Rolle zuſtande gebracht zu haben, dazu
hats aber nicht gelangt. Der 2. Akt enthält eine
ſpan=
nende Schlußſzene und der 3. Akt eine beſſer gearbeitete
Szene, ein Wortgefecht zwiſchen den beiden Vätern des
jungen Ehepaares.
Dem Stücke gereichte es zum Vorteil, daß Fräulein
Gothe die Rolle des Frauerl ſpielte, in deren
Darſtel=
lung das Liebevolle und Herzliche ihres Weſens ebenſo
natürlich und überzeugend erſchienen, wie die Verſtellung
in der Eheirrungskomödie. Wenn die Rolle nicht ſo
hübſch geſpielt worden wäre, wäre ſie wohl „ſchwer zu
ertragen” geweſen. Die Frau Daiſy verkörperte und
ſpielte Fräulein Berka mit Eleganz und
ſchauſpieleri=
ſcher Routine. Die übrigen Rollen des Stückes ſtellen
den Darſtellern außer dem Dialekt keine ſchwierigeren
Aufgaben. Sie wurden von Herrn Schneider als
flotter Emil. Herrn Jürgas als vom Pech verfolgter
Liebhaber Dr. Kölbl, Herrn Semler als jugendlicher,
mit der Hand der Frau Daiſy beſtrafter Lebemann Baron
Steinburg, Herrn Weſtermann und Frau Müller=
Rudolph als gemiſchtſprachiges Elternpaar der
Stephanie, und Herrn Jordan als jovialer Vater
Emils entſprechend dargeſtellt.
In der Regie bewährte ſich Herrn Hackers Umſicht
und küvſtieriſcher Geſchmack.
Feuilleton.
Seltſame Geräuſche in Haiti. Ueber ſeltſame
Ge=
räuſche, die ſeit einiger Zeit in Haiti die Bevölkerung
leb=
haft beunruhigen, erſtattet J. Scherer im Bulletin der
Seismologiſchen Geſellſchaft einen intereſſanten Bericht.
Die Geräuſche, denen die Eingeborenen den Namen
„gouffre” beigelegt haben, werden vor allem im weſtlichen
Teile der Inſel hörbar und hier in erſter Linie in der
Um=
gebung der La Selle=Berge, eines 6—7000 Fuß hohen
Kalkſteingebirges, das manche Zeichen vulkaniſchen
Ur=
ſprungs aufweiſt. Welchen Urſprungs die Geräuſche ſind,
die dem Aberglauben des Volkes ſo viel Nahrung geben,
war bisher noch nicht zu ergründen, es iſt möglich, daß es
ſich um unterirdiſche Anpaſſungsprozeſſe der verſchiedenen
Erd= und Geſteinsgeſchichten handelt: Die Eingeborenen
bringen die unheimlichen Laute mit kommenden
Erd=
beben oder Stürmen in Verbindung. Das Geräuſch
wech=
elt in ſeiner Stärke und Art; bisweilen gemahnt es an
einen ſchwer geladenen Wagen, der über ein Pflaſter
da=
hinrollt, dann klingt das Getöſe, wie ein rollender Donner,
ſteigert ſich bisweilen zu dem Krachen einer Exploſion,
klingt wie Kanonenſchüſſe, um dann wieder abzuebben.
In den Pauſen der Dämpfung klingt das Getöſe ähnlich
wie das Rauſchen eines auf trockenes Laub fallenden
Re=
gens oder wie das Sauſen und Pfeifen eines Sturmes
im Walde. Das Unheimliche dabei iſt, daß dieſe ſeltſamen
Geräuſche bei ſchönſtem Wetter und vollkommener
Wind=
ſtille auftreten. In vieler Beziehung entſpricht das
Ge=
töſe dem Lärm, den man bisweilen bei ſehr ſtarken
Erd=
beben hört. An einigen Stellen, wo das Geräuſch eiz
dungsfeier des 29. Infanterie=Regiments, die in Trier
in den Tagen des 17.—19. Auguſt ſtattfindet, wurde
be=
kannt gegeben, und wollen ſich die Kameraden, die in
dieſem Regiment gedient haben, bei Kamerad Frick,
Paradeplatz 3, melden. An dem am Sonntag
ſtatt=
findenden 25jährigen Stiftungsfeſt des Militärvereins
Darmſtadt bittet der Vorſitzende, ſich zahlreich zu
be=
teiligen. Sammlung des Vereins um 2 Uhrf 15 Min.
Ecke Lauteſchläger= und Kranichſteinerſtraße.
— Fremdſprachlicher Vortrag. Am Mittwoch
fand der letzte der fremdſprachlichen Vorträge
ſtatt. Herr Lektor Dr. Brodart ſprach über das
Thema: „La femme au XVIII. siécle” und zwar
be=
ſonders über die Frau des 18. Jahrhunderts in
Frank=
reich. Einige Proben aus Briefen von Frauen jener
Zeit illuſtrierten die geiſtvollen, intereſſanten
Aus=
führungen des Redners, dem ſeine Zuhörer reichen
Bei=
fall zollten.
* Groß=Gerau, 6. März. Auf der Kreisſtraße nach
Langen fuhr geſtern nachmittag ein fremdes
Auto=
mobil gegen einen Baum. Die Inſaſſen,
Kauf=
mann Otto Dähne und Guſtav Rotweiler aus Bad
Herzberg in Sachſen, wurden herausgeſchleudert.
Wäh=
rend Rotweiler nur leichte Verſtauchungen und
Haut=
abſchürfungen erlitt, trug Dähne einen ſchweren
Schenkelbruch und innere Verletzungen
da=
von, die ſeine ſofortige Ueberführung in das hieſige
Kran=
kenhaus erforderlich machten.
Groß=Gerau, 6. März. Der Raddieb Rich.
Laubin=
ger aus Mannheim, der am Freitag hier abgefaßt
wor=
den iſt, ſcheint ein abgefeimter Gauner zu ſein. Er war
im Beſitze von Papieren lautend auf den Namen Karl
Kegel aus Höfen und eines anſcheinend gefälſchten
Sparkaſſenbuches über 800 Mark, auf denſelben Namen
ausgeſtellt. Auf Vorhalt behauptete nun der angebliche
Laubinger, er habe ſeine Papiere an Kegel abgetreten, um
ihm ein beſſeres Fortkommen zu ermöglichen; Kegel ſei
Deſerteur. Weitere Angaben über ſeine Perſon
verwei=
gerte der angebliche Laubinger. Der Raddieb wurde am
Montag abend in das Unterſuchungsgefängnis nach
Darmſtadt verbracht.
— Biebesheim a. Rh., 6. März. Hier fand der vom
Landwirtſchaftskammerausſchuß für Starkenburg und der
Gemeinde Biebesheim veranſtaltete Faſel=und
Zucht=
viehmarkt ſtatt, der ſehr zahlreich mit Rindvieh,
Faſel und Zuchtrindern, ſowie Ebern beſchickt war. Auch
war der Beſuch des Marktes ein ſehr guter, ſo
daß ein flotter Abſatz, insbeſondere an Faſeln, feſtgeſtellt
werden konnte. Von zirka 80 aufgetriebenen Faſeln
wur=
den 45 angekört — ein Teil der Faſel war bereits
ge=
kört — und im ganzen 32 Faſel verkauft. Die
Ankaufs=
preiſe bewegten ſich zwiſchen 460 und 635 Mark pro Stück
Mit dem Markt war gleichzeitig eine Prämiierung der
beſten Tiere verbunden.
Offenbach, 6. März. Der neue Voranſchlag für das
Jahr 1913 wird zwar unter den Ausgaben bedeutende
Mehrforderungen vorſehen, trotzdem aber braucht
zur Ausbalanzierung dieſer Mehrbelaſtungen keine
Er=
höhung der Gemeindeumlagen zu erfolgen.
Dieſe Mehrforderungen werden neben ſolchen für
Schul=
zwecke und ſoziale Fürſorgebeſtrebungen namentlich durch
die Neuregelung der ſtädtiſchen Beamten= und
Lehrerge=
hälter hervorgerufen.
Seligenſtadt, 6. März. Ein ſchwerer
Unglücks=
fall ereignete ſich auf der Braunkohlenze che
„Guſtav” bei Seligenſtadt. Der erſt ſeit kurzem verheiratete
Monteur Schneider aus Aſchaffenburg wurde von
einer herabfallenden Welle ſo ſchwer verletzt, daß an
ſei=
nem Aufkommen gezweifelt wird.
W. Lampertheim, 6. März. Die Zuckerfabrik
Frankenthal hat bekannt gegeben, daß ſie in dieſem
Jahre nicht mehr wie 1,10 Mark für Zuckerrüben zahlen
könne, da der Zuckerpreis ſtark gefallen ſei. Eine Verſtän
digung ſcheint zwiſchen der Fabrik und den
Rüben=
lieferanten nicht eingetreten zu ſein, ſondern die
Land=
wirte, die einen „Bund rübenbauender Landwirte”
ge=
gründet haben, haben bereits in einer Reihe von
Ver=
ammlungen heftig gegen jede Preisherabſetzung
prote=
ſtiert. Jedenfalls wollen die Lieferanten auf keinen Fall
weniger löſen, wie voriges Jahr. Von einem Ankauf von
Rüben ſeitens der Holländer Fabriken hört man faſt gar
nichts die Firmen halten ſich bis jetzt ganz verdeckt.
Mainz, 6. März. Aus Anlaß des 25jährigen
Re=
gierungsjubiläums des Kaiſers hat die
Stadtverordnetenverſammluna geſtern beſchloſſen, daß
unter dem Namen „Kaiſer Wilhelm=Jubiläumsſtiftung”
alljährlich ein Betrag von 25000 Mark zur Verwendung
für wohltätige Zwecke in die ſtädtiſche
Betriebs=
rechnung eingeſtellt wird; ferner wurden als Beitrag der
Stadt zu den Koſten der gemeinſamen Huldigungsadreſſe
der deutſchen Städte 500 Mark bewilligt. Die
Sozial=
demokraten enthielten ſich der Abſtimmung. — Ueber die
auf Grund der Reichsverſicherungsordnung nötig wer=
dende Regelung des Krankenkaſſenweſens
in der Stadt Mainz berichtete Stadtv. Grundmann
und ſtellte folgende Anträge: Die
Stadtverordnetenver=
ammlung möge von der Errichtung einer
Landkranken=
kaſſe und einer neuen allgemeinen Ortskrankenkaſſe für den
Stadtbezirk Mainz abſehen und ſich für die
Ausgeſtal=
tung der Ortskrankenkaſſe Mainz zur allgemeinen
Orts=
krankenkaſſe für den geſamten Bezirk des
Verſicherungs=
amtes der Stadt Mainz ausſprechen. Bei der Abſtimmung
wurden die Anträge einſtimmig angenommen.
Worms, 6. März. Eine amtliche
Lehrerver=
ſammlung des Kreiſes Worms fand unter dem
Vorſitze des Profeſſors Luley in der Neuſatzſchule ſtatt,
an der ſich die Lehrer der verſchiedenen Orte des Kreiſes
der drei oberen Klaſſen beteiligten. Als Gegenſtand der
Verhandlung ſtand auf der Tagesordnung: „Was kann
im Unterricht über das ſeither Gebotene geſchehen, um
das Wiſſen vom Deutſchtum außerhalb des Deutſchen
Reiches, der Bedeutung und der Würde unſeres Volkes
gemäß zu ſteigern und zu befeſtigen‟. Dieſes Thema
wurde in drei Teile zergliedert und in großzügiger Weiſe
von den verſchiedenen Referenten in ihren Vorträgen, die
reiche Anregung boten, erläutert. Den geſchäftlichen Teil
behandelte Lehrer Boller=Worms, den geographiſchen Teil
Lehrer Rothermel=Worms und den deutſchtümlichen
Teil Lehrer Traub=Heppenheim a. d. W. An die
Vor=
träge ſchloß ſich eine überaus anregende Ausſprache an,
an der ſich die Lehrer Hennrich=Alsheim, Rodrian=
Heppen=
heim, Boller=Worms, Hennrich=Oſthofen und Schulrat
Schmehl=Worms beteiligten.
Worms, 6. März. Das Ergebnis der erſten feſtlichen
Veranſtaltung des Frauenvereins vom Roten Kreuz für
die Kolonien iſt ein über alles Erwarten günſtiges
geweſen, und es kann dank der liebenswürdigen
Frei=
gebigkeit der Teilnehmer und zahlreichen Spenden von
Mitgliedern, die am Erſcheinen verhindert waren, die
Summevonrund 700 Mark der Aufgabe des
Heſ=
ſiſchen Landesverbandes zugeführt werden. Dieſe
Auf=
gabe, die Tilgung eines für den Kindergarten in
Swakop=
mund aufgenommenen Darlehens, iſt dem Vorſtande ſo
wichtig, daß er ſich entſchloſſen hat, die Unkoſten aus dem
kleinen Kapital zu decken, das die Abteilung Worms zur
Verfügung hat. — Ein Schurkenſtreich wurde nachts
verübt, indem in der Kämmererſtraße eine ganze Anzahl
große Schaufenſterſcheiben, die nicht durch Rolladen
geſchützt waren, mittels eines Werkzeuges, anſcheinend
Glasſchneiders, durch ruchloſe Hand beſchädigt (ge
ritzt) wurden. Der Geſamtſchaden für die betreffenden
Eigentümer beträgt mehrere 1000 Mark. Der Täter iſt
noch unbekannt.
Bechtolsheim, 6. März. Heute vormittag verſuchte
der 42 Jahre alte Kaufmann Salomon Frank von hier
ich in der Nähe von Oppenheim zu erſchießen. F
ſchoß ſich drei Kugeln in den Kopf und eine in die Bruſt,
ohne ſich jedoch lebensgefährlich zu verletzen. Der Grund
zur Tat iſt Schwermut.
Uffhofen, 6. März. Bei dem kürzlich berichteten
Alter=
tumsfund handelt es ſich um einen Gräberfund
aus der Hallſtattzeit, 400—800 Jahre vor Chriſtus
Auch wurden in der Sandgrube des Herrn Wilh.
Eſpen=
ſchied weitere Funde gemacht, bei denen es ſich um
Wohngruben aus der Steinzeit handelt.
Sämt=
iche gefundenen Gegenſtände ſind zur vorläufigen
Auf=
bewahrung in den Händen des Herrn Kaiſer, dem allein
durch ſein reges Intereſſe für Altertumsforſchung zu
ver=
danken iſt, daß dieſe Funde bekannt wurden.
Gießen, 6. März. Vor dem hieſigen
Schwur=
gericht haben heute vormittag die Verhandlungen
gegen den früheren Leutnant Ittmann vom
Fuß=
artillerie=Reaiment Nr. 3. in Mainz aus Frankfurt a. M.
wegen Duells begonnen. Das Urteil wird vorausſichtlich
heute abend gefällt werden.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnura geſchieht. behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— 6. Hofmuſik=Konzert im Hoftheater
Mit einem beſonders feſſelnden Programm beſchließt die
Hofkapelle am Montag, den 10. d. M., im Hoftheater ihre
dieswinterlichen Konzerte. In Fräulein Maria Philippi
erſcheint eine der erſten Konzert=Altiſtinnen der
Gegen=
wart. Sie iſt in Darmſtadt keine Fremde; ſo oft ſie
er=
ſchien, verlieh ihre auserleſene Kunſt der betreffenden
Auf=
führung einen außergewöhnlichen, feſtlichen Charakter.
Mit der glücklichen Wahl dieſer Künſtlerin vereinigt ſich
ein durch auswärtige Kräfte bedeutend verſtärktes
Or=
cheſter zur Wiedergabe der C=moll=Sinfonie von
Beet=
hoven, die, wie kaum eine andere, durch einen größerey
Inſtrumentalkörper zu glänzender Wirkung gelangen wird.
Eine Neuheit, die ſinfoniſche Dichtung von G. v. Keußler,
unter des Komponiſten perſönlicher Leitung. vermittelt die
Bekanntſchaft mit einem hochbegabten, vielverſprechenden
tiederrheiniſchen Tondichter. So geſtaltet ſich der Abend
zu einem würdigen Abſchluß der den Mittelpunkt der
Darmſtädter Konzertſaiſon bildenden Hofmuſik=Konzerte.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 5. März. Als Nachfolger
des verſtorbenen Oberbürgermeiſters von
Char=
lottenburg, Schuſtehrus, werden der jetzige
Ober=
bürgermeiſter von Breslau, früher zweiter
Charlotten=
burger Bürgermeiſter, Matting, Oberbürgermeiſter Körte=
Königsberg i. Pr. und Oberbürgermeiſter Rive=Halle a. d.
Saale, der Schwiegerſohn des verſtorbenen
Oberbürger=
meiſters Dr. Kirſchner, genannt. — Die geplante
Luſtbarkeitsſteuer hat die beteiligten Kreiſe
be=
greiflicherweiſe in Harniſch gebracht. Der Vorſtand des
Vereins der Saalbeſitzer von Berlin und Umgegend
be=
ſchloß, keinem Stadtverordneten künftig einen Saal zu
einer Wahlverſammlung — gleichviel, um welche Wahl es
ſich handle — zu überlaſſen. Ferner ſollen noch in letzter
Stunde neue Proteſtverſammlungen gegen Bierſteuer und
Luſtbarkeitsſteuer ſtattfinden. — Der 40jährige Bankier
Johann Noffke hat ſich geſtern in ſeiner Wohnung in
der Großbeerenſtraße 60 nach Unterſchlagung von etwa
80000 Mark erſchoſſen. Wie feſtgeſtellt wurde, hat
Noffke ſich am Gelde ſeiner Kundſchaft vergriffen. Er
betrieb ſein Bankgeſchäft unter der Firma P. Th. Noffke
eit dem Jahre 1894. — Von den beiden Arbeitern,
die geſtern unter dem Verdacht verhaftet worden waren,
das Attentat auf das Automobil des
Ju=
weliers Plunz verübt zu haben, iſt einer wieder
frei=
gelaſſen worden, da er ſein Alibi nachweiſen konnte. Auch
der andere wird wahrſcheinlich wieder freigelaſſen
werden.
Frankfurt a. M., 6. März. Der Kronprinz und
die Kronprinzeſſin nebſt Gefolge treffen am
Frei=
tag nachmittag 4 Uhr 57 Minuten zu den Preisreiten
und Preisſpringen, die am 7., 8. und 9. März
im Hippodrom ſtattfinden, hier ein. Der Kronprinz wird
ſeine ſieben Schimmel in einer beſonderen Abteilung am
Samstag nachmittag vorreiten laſſen. Am Freitag
vor=
mittag beginnen die Vorprüfungen um 10 Uhr und
nach=
mittags um 2½ Uhr. Die kronprinzlichen Herrſchaften
werden zu dieſen erſcheinen. Für Samstag und Sonntag
iſt das Hippodrom ausverkauft, während für Freitag noch
Eintrittskarten an der Kaſſe des Hippodroms erhältlich
ſind. Der Fürſt Adolf von Schaumburg=
Lippe wird am Samstag früh hier eintreffen. Die
Herrſchaften nehmen ſämtlich im „Frankfurter Hof”
Woh=
nung. Der Kronprinz bewohnt die gleichen Gemächer, die
er ſchon zweimal inne hatte. Am Samstag abend gibt der
Rennklub im großen Saale des „Frankfurter Hofes” ein
Diner zu 300 Gedecken, an dem der Kronprinz und die
übrigen Fürſtlichkeiten teilnehmen werden. Nach dem
Diner findet im großen Saale Ball ſtatt. Der Termin
der Abreiſe des Kronprinzenpaares ſteht noch nicht feſt.
Prinz Heinrich der Niederlande wird am
Samstag ebenfalls dem Preisreiten beiwohnen. Die
Großherzogin=Witwe Maria von Mecklenburg=Schwerin
trifft heute hier ein, um ihren Sohn nebſt Gemahlin,
Prinzgemahl und Königin der Niederlande, auf der
Hohe=
mark zu beſuchen. Die Schweſter des Kaiſers,
Prin=
zeſſin Adolf von Schaumburg=Lippe, trifft
ebenfalls heute nachmittag hier ein, um den
Reiterfeſt=
ſpielen im Hippodrom beizuwohnen.
Frankfurt a. M., 6. März. Geſtern abend hielt die
Fraktion der Fortſchrittlichen Volkspartei in der
Stadt=
verordneten=Verſammlung eine Sitzung ab, in der über
die Wahl des zweiten Bürgermeiſters der
Stadt Frankfurt beraten wurde. Die Mehrzahl
der anweſenden Fraktionsmitglieder vereinigte ſich auf
die Perſon des Stadtverordneten Rechtsanwalts Dr.
Heilbrunn und beſchloß, dieſen dem
Wahlvorſchlagsaus=
ſchuß der Stadtverordneten zu präſentieren.
Frankfurt a. M., 6. März. Ein Straßen kehrer
fand am Opernplatz ein Paket mit Wertpapieren im
Betrage von nahezu 30000 Mark. Es gelang bald, den
Beſitzer zu ermitteln; er hatte die Papiere von einer Bank
geholt und auf dem Wege nach Hauſe verloren.
Straßburg i. E., 6. März. Der bei Hennigsdorf
ver=
übte Anſchlag auf Automobile hat im Elſaß
Nachahmung gefunden. Auf der Staatsſtraße zwiſchen
Altdorf und Düttlenheim wurde geſtern nachmittag
zwi=
ſchen zwei Bäumen ein Drahtſeil geſpannt. Der
Autohändler Bugatti fuhr gegen das Hindernis, ohnel
bremſen zu können. Der Wagen ſtürzte um und wurde
ſchwer beſchädigt. Die Inſaſſen blieben unverletzt.
Halle a. S., 5. März. Geſtern nachmittag war dier
Königliche Lotterieeinnahme des Majors Rogge der
Schauplatz eines dreiſten Raubanfalls. In dem
Augenblick, als die Buchhalterin in Abweſenheit ihres
Chefs die eingekommenen Gelder zur Ablieferung für
die Reichsbank fertig machte, erſchien ein gutgekleideter
Mann und bat. eine alte Liſte einſehen zu dürfen. Plötz
lich packte er die Buchhalterin an der Kehle, würgte ſie
bis ſie beſinnungslos war, warf ſie in einen Nebenraum
und band ſie dort feſt. Dann raubte er das auf dem Tiſch
Lokalphänomen iſt, konnte ſeine Urſprungsſtelle ziemlich
genau feſtgeſtellt werden. Sie liegt faſt immer an der
Baſis der Felsabhänge der La Selle=Berge. Aus einem
Berichte an die Regierung ging hervor, daß das Auftreten
dieſer Geräuſche in einigen nordöſtlich von Port=au=Prince
liegenden Gemeinden und Städten ſogar zu einer
eigen=
tümlichen Verwechslung Anlaß gab; man glaubte in
die=
ſen Städten in der Nähe ſo deutlich Geſchützfeuer zu hören
daß die Garniſon alarmiert wurde und Truppen
ausge=
ſandt wurden, um in den Nachbarſtädten die Ruhe
wie=
derherzuſtellen. Der Vikar von Croix=des=Bouquets
er=
ſtattete folgenden intereſſanten Bericht: „Vom 7. bis zum
13. November war das Getöſe des „gouffre” täglich
hör=
bar, es klang aber in der Nacht ganz anders als am Tage.
Am Tage hört man das Geräuſch im Südoſten, und es
ſchien aus großen Tiefen zu kommen. Es klang wie ein
dumpfes Rollen und dann zuweilen wie das Heulen eines
Hundes. Von Zeit zu Zeit ertönte ein dumpfer Knall, der
einem fernen Kanonenſchuſſe ähnelte und dann verſtummte
auf eine Weile der Lärm. Während der Nachtzeit war das
anders, dann ſteigerte ſich das Getöſe zu einem wilden
Durcheinander, man hörte das Rollen und Krachen von
Donner, hörte Heulen und das Pfeifen und Brauſen eines
ſtürmiſchen Windes. Dabei herrſchte völlige Windſtille.
Manchmal klangen alle dieſe Arten von Geräuſche
durch=
einander. Gewöhnlich endete dieſer Aufruhr, der meiſt in
die Zeit von 7—10 Uhr abends fiel, mit einer gewaltigen
Detonation, der dann ein langes rollendes Echo folgte.
Dann wiederum klang es plötzlich, als zerſplitterten große
Glasberge und der Widerhall klang aus allen Richtungen
zurück. Oder das Getöſe gemahnte an das Fallen ſchwerer
Gegenſtände und an das lawinenartige Herabrollen von
Felsſtücken. Während der Nachtſtunden haben dieſe
Ge=
räuſche etwas ſehr Unheimliches und tragen nicht wenig
dazu bei, die ohnehin abergläubiſchen Vorſtellungen leicht
zugängliche Bevölkerung in Angſt und Schrecken zu
ver=
ſetzen.
— Eine antike Topfſcherbe als Steuerquittung. Für
die Papyrusſammlung der Berliner königlichen Muſeen
wurde vor wenigen Wochen in Aegypten eine Anzahl von
beſchriebenen Topfſcherben erworben, wie ſie als billiges
Schreibmaterial im Altertum nicht ſelten benutzt worden.
Man denke an das Scherbengericht der Athener, die auf
ſolchen Täfelchen ihr ſtrenges Urteil über die Verbannung
eines ihrer Mitbürger abgaben. Wie Dr. Plaumann in
den Amtlichen Berichten aus den königlichen
Kunſtſamm=
lungen mitteilt, bietet die Mehrzahl der neuerdings
zahl=
reich in Aegypten gefundenen Scherben ein ſehr wertvolles
Material, denn es ſind Quittungen über die
verſchieden=
ſten Steuern, die in der Zeit der ptolemäiſchen und
römi=
ſchen Herrſchaft erhoben wurden. Die Steuereinnehmer
wollten ſich möglichſt geringe Unkoſten machen und
ſchrie=
ben daher ihre Quittungen, die ſtets in der amtlichen
der griechiſchen Sprache ausgeſtellt ſind, auf Scherben, die
ſie in irgend einem Straßengraben oder auf einem
Schutt=
haufen fanden. Der Bequemlichkeit halber ſchlugen ſie ſich
wohl auch aus dieſen Tonſtücken beſtimmte Formate
zu=
recht, ſo Dreiecke oder Fünfecke. Die von Plaumann
ver=
öffentlichte Quittung ſtellt unterm 28. Juni des Jahres
98 n. Chr. feſt, daß ein Jude, namens Doſarion, Sohn des
Jeſus, die Judenſteuer mit 9 Drachmen 2 Obolen richtig
bezahlt habe. Auf Grund anderer ſolcher Oſtraka laſſen
ſich über dieſe Steuer des jüdiſchen Volkes nähere Angaben
machen. Doſarion bezahlte eine Drachme jährlich als
Noc=
malſteuer der ägyptiſchen Juden. 8 Drachmen 2
Obolen=
beträgt die Steuer, die jeder Angehörige des jüdiſchen
Volkes und Glaubens an den Tempel des Jehova in
Jeruſalem zahlen mußte. Dieſe Steuer bedeutete ſo lange
ein Privilegium, als die Juden noch ein ſelbſtändiges Volk
waren und damit ein Beitrag für den Mittelpunkt ihrer
religiöſen Gemeinſchaft, für den Hort und Stolz der
Na=
tion, geliefert wurde. Nachdem aber durch die Eroberung
von Jeruſalem die politiſche Einheit der Juden vernichtet
worden war, wurde die Steuer nicht mehr an den Temvel
des Jehova abgeführt, ſondern die hohe jüdiſche
Volks=
ſteuer, die unſer Doſarion entrichten mußte, erhob ein
römiſcher Beamter und ſein gutes Geld wurde nicht mehr
an den Tempel von Jeruſalem, ſondern an den des
Ju=
piter Capitolinus in Rom abgeführt.
* 500 Singvögel als Auswanderer. Die „
Naturge=
ſchichtliche Geſellſchaft von Viktoria” (in Britiſh
Colum=
bia) hat im letzten Herbſte 500 Singvögel in England
ein=
fangen laſſen, und dieſe 500 gefiederten Sänger haben
ſo=
eben ihre Reiſe nach der neuen Welt angetreten, wo ſie
auf der Inſel Vancouver ausgeſetzt werden ſollen. Bei
dieſer Reiſe von 9000 Kilometern Länge ſind die Koſten
durchaus nicht geſcheut worden: die Naturgeſchichtliche
Ge=
ſellſchaft hat eigens einen Vertreter nach England geſchickh
der ſeine Pflegebefohlenen dort in Empfang nimmt. Auf
dem Dampfer, der ſie zunächſt nach Kanada bringt, iſt ein
großer Raum eigens für die Vögel eingerichtet und in
ver=
ſchiedene Käfige abgeteilt worden, und für die Streithälſe,
die unter den 500 Singvögeln ſind, ſind eigene kleine
Käfige angebracht worden. Für die Ueberlandreiſe durch
Kanada iſt ein Luxuswagen gemietet worden, und daß für
Nahrungsmittel aller Art, für die Inſektenfreſſer ſowohl
wie für die Körnerfreſſer, reichlich vorgeſorgt worden iſt,
verſteht ſich wohl von ſelbſt.
* Hummer=Wanderungen. Seit zwei Jahren führt die
engliſche Regierung Unterſuchungen über die
Wanderun=
gen einzelner Meeresbewohner, der Fiſche und
Kruſten=
tiere aus, indem gefangene Tiere mit Zeichen verſehen
werden, ähnlich wie man Vögel beringt. Die Ablieferung
ſolcher Zeichen wird mit Preiſen belohnt. Der
Unterſuch=
ungsſtelle Aberdeen, die im letzten Jahre 1500 Tiere
ge=
zeichnet hatte, ſind eine ganze Reihe Zeichen eingeliefert
worden. Ein Hummer hatte z. B. in 639 Tagen die Strecke
von 155 engliſchen Meilen (248 Kilometer) zurückgelegt,
ein anderer 108 Meilen (172 Kilometer) in 144 Tagen.
liegende Geld, insgeſamt 3080 Mark. Eine Dame, die
das Kaſſenzimmer betrat, hörte die Ueberfallene ſtöhnen
und befreite ſie. Der Räuber, der noch nicht ermittelt
werden konnte, hat ſich ſchon vor einigen Tagen auffällig
im Kaſſenraum zu ſchaffen gemacht.
Paris, 5. März. Das hieſige Zuchtpolizei
gericht verurteilte zwei Anarchiſten namens Ruf
und Lervin, welche in Zeitungsartikeln und Reden zu
Plünderungen und zur Sabotage aufgereizt hatten, zu
fünf Jahren Gefängnis.
Aſtrachan, 5. Marz. 55 Fiſcher ſind auf einer
Eis=
ſcholle ins Meer getrieben worden.
Stadtverordnetenverſammlung.
20. Sitzung.
-g. Darmſtadt, 6. März.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitz=
ung um ¾4 Uhr mit folgenden
Mitteilungen.
Der Vorſtand der Ortsgruppe Darmſtadt des
Oden=
wald=Klubs hat zu ſeinem diesjährigen
Dekorier=
ungsfeſt am 8. ds. Mts. eingeladen; desgleichen der
Vorſtand des Militär=Vereins Darmſtadt zu der Feier
ſeines 25jährigen Beſtehens.
Stipendiumſtiftung.
Das „Deutſche Muſeum” in München hat mitgeteilt,
daß für die von ihm begründete Reiſeſtiftung, die den
Zweck hat, minderbemittelten, nicht in München anſäſſigen
jungen Leuten beiderlei Geſchlechts das Studium des
deutſchen Muſeums zu ermöglichen und ihnen dadurck
neue Anregung für ihren Beruf zu geben, Herr Geh
Kommerzienrat Dr. L. Merck und die Firma E. Merck
je ein Stipendium von 1500 Mark zugunſten der Stadt
Darmſtadt geſtiftet haben. Es iſt hierdurch jährlich
2 jungen Leuten aus Darmſtadt die Möglichkeit gegeben,
die Meiſterwerke der Naturwiſſenſchaft und Technik in dem
Deutſchen Muſeum aus eigener Anſchauung kennen zu
lernen. Für das Jahr 1913 iſt der Oberbürgermeiſter von
dem Muſeum um Vorſchlag geeigneter Perſönlichkeiten
erſucht worden. Die Vergebung iſt bereits in die Wege
geleitet.
Der deutſche Seefiſcherei=Verein hat in einem an den
Oberbürgermeiſter gerichteten Schreiben die Art und
Weiſe des Vorgehens der Stadt in der Einrichtung und
Fortführung der Fiſchkochkurſe als vorbildlich
be=
zeichnet und auch für ſpäterhin ſeine Unterſtützung
in Ausſicht geſtellt.
Der Vorſtand des Bezirksvereins Beſſungen bitter
wiederholt, der Durchführung der Niederſtraße zwiſchen
Heidelberger Straße und Hofgartenſtraße nähertreten zu
wollen.
Das Großh. Miniſterium des Innern hat die von der
Stadtverordneten=Verſammlung ſeinerzeit gutgeheißene
neue Satzung der ſtädtiſchen Sparkaſſe mit einigen
Aen=
derungen genehmigt. U. a. wurde die Beſtimmung des
Entwurfs, daß Gelder auch in zweitſtelligen Hypotheken
angelegt werden können, geſtrichen, weil zu berückſichtigen
ſei, daß als Sparkaſſengelder angelegte Mündelgelder
nicht anders verwendet werden ſollen, als Mündelgelder
ſelbſt, d. h. nur zu erſtſtelligen Hypotheken und ſicheren
Wertpapieren.
Den Handarbeitslehrerinnen an den ſtädtiſchen
Schulen ſollen nunmehr nach und nach, und zwar möglichſt
nach dem Dienſtalter, 24 Unterrichtsſtunden wöchentlich
zu=
geteilt werden.
Stadtv. Vaubel bittet um Auskunft über die
Ab=
holzungen am Wege nach dem Oberwaldhaus und um
Ab=
ſſtellung der Mißſtände bei den Impfungen in der
Schul=
an der Rundeturmſtraße, wo die Frauen mit den kleinen
Kindern auf dem zugigen Korridor ſtehen müſſen. Baurat
Jäger ſtellt feſt, daß es ſich bei dem Abholzen um Fich
den handle, bei denen es nicht angängig war, ſie länger
tehen zu laſſen, da viele von ihnen innerlich morſch
varen und ihr Umſtürzen zu befürchten war. Es ſei aber
vorher durch Neuanpflanzungen für Erſatz geſorgt. —
Stadtv. Möſer möchte anheimſtellen, ob es nicht
ange=
bracht wäre, jenen Waldkomplex planmäßig aufzuforſten.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing ſagt zu, daß dieſer
Anregung näher getreten werden ſoll. — Stadtv.
Vau=
bel möchte bitten, daß dabei nicht der reine
Nützlichkeits=
kandpunkt vertreten werden möge. — Für die
Entwäſſerung des Klubhauſes
auf dem Sportplatz am Kirchenweg iſt dem Golfklub
ſeinerzeit die Genehmigung zur Errichtung einer biolo
giſchen Kläranlage erteilt worden. Infolge des hohen
Grundwaſſerſtandes iſt dieſe Anlage nicht ausgeführt
wor=
den und ſoll nunmehr durch einfache Verſickerungsanlage
erſetzt werden Die Tiefbau=Deputation hat die
Geneh=
rigung dieſer Anlage empfohlen. Referent Stadtv.
Wittmann. Die Genehmigung wird erteilt.
Der Wegnach dem Oberwaldhaus.
Der Waldweg von den Hirſchköpfen nach dem
Ober=
waldhaus, über deſſen Zuſtand während des Winters
ſehr geklagt wurde, ſoll alsbald gründlich inſtand geſetzt
werden. Die Koſten hierfür betragen nach einem
Voran=
chlag der Oberförſterei 1133 Mark, deren Bewilligung
der Finanz=Ausſchuß beantragt hat, die Verſammlung
be=
willigt die Summe. Referent Beig. Ekert.
Anſchaffung eines Sprengwagens.
In dem Voranſchlags=Entwurf für 1913 iſt die
An=
ſchaffung eines Sprengwagens für die Straßenreinigung
porgeſehen. Da der Wagen bei Eintritt der heiße:
Jahreszeit zur Verfügung ſtehen muß, iſt alsbaldige
Be=
ſtellung geboten. Die Tiefbau=Deputation und der
Finanz=Ausſchuß haben die Beſchaffung durch die Firma
Hellmers in Hamburg befürwortet und Bereitſtellung des
erforderlichen Kredits befürwortet. Die Beſchaffung wird
nach dem Referat des Stadtv. Wittmann bewilligt.
Neue Schulklaſſen
Nach dem Ergebnis der Schüleraufnahmen müſſen an
den Volksſchulen zu Beginn des neuen Schuljahres
2 neue Klaſſen errichtet werden. Schul= und Finanz=
Aus=
ſſchuß befürworten die Einſtellung der erforderlichen
Mit=
ltel in den Voranſchlag für 1913. Die Verſammlung
ſtimmt nach dem Referat des Kreisſchulinſpettors Prof.
Kiſſinger zu.
Mit Beginn des neuen Schuljahres ſind an der
Eleonorenſchule 2 neue Klaſſen zu errichten und an
der Frauenſchule iſt die erſte Klaſſe ins Leben zu rufen.
Die Einſtellung der erforderlichen Mittel hierfür in den
WVoranſchlag für 1913 wird von den zuſtändigen Aus=
ſchüſſen beantragt. Auch hier referierte Prof. Kiſſinger
Die Mittel werden bewilligt. — Für die
Beſchaffung von Lehr= und Lernmitteln
für die Viktoriaſchule und die Eleonoren
ſchule ſind auf Antrag der Schuldirektionen Kredite in
Höhe von 5090 Mark bezw. 3780 Mark in den Voran
ſchlags=Entwurf für 1913 eingeſtellt worden. Da das neue
Schuljahr bereits am 34. März d. J. beginnt und es
des=
halb wünſchenswert iſt, wenn dieſe Kredite den Schulen
möglichſt frühzeitig zur Verfügung geſtellt werden, haben
die zuſtändigen Ausſchüſſe die alsbaldige Bewilligung der
genannten Summe beantragt. Nach dem Referat des
Herrn Profeſſors Kiſſinger regt Stadtv. Saeng an,
daß auch für die Bildung der minderbemittelten Mädchen
etwas mehr geſchehen möge, beſonders in
naturwiſſen=
ſchaftlicher Beziehung. — Prof. Kiſſinger ſtellt ſeſt,
daß man ſich bereits in den nächſten Jahren mit der Frage
der obligatoriſchen Mädchenfortbildung werde befaſſer
müſſen. — Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing betonte,
daß man die Mädchenfortbildung ebenfalls für
erforder=
lich halte. Nach weiteren Bemerkungen des Stadtv.
Stemmer der in Anregung bringen möchte, ob nicht
bei der Anſchaffung von Büchern für die Schulbibliotheken
und von teueren Apparaten geſpart werden könnte, und
der Stadtv. Pickert, Saeng und Bormet werden
die Summen bewilligt.
Die Vorlage der Bürgermeiſterei über die
Ergänzung des Tarifs für die Erhebung
einer Kanalbenutzungsgebühr
enthält folgende Darlegungen: Von vornherein war die
ſtädtiſche Verwaltung bei ihren Anträgen auf Ergänzung
und Ausgeſtaltung des beſtehenden Tarifs von dem
Ge=
danken geleitet, daß eine Aenderung der Tarifſätze unter
115 Mark alſo bis zu den Brandverſicherungswerten von
ausſchließlich 91000 Mark, zunächſt nicht eintreten ſolle
Mit Brandverſicherungswerten bis 91000 Mark ſind unter
den vorhandenen gebührenbelaſteten 5546 Gebäuden 5210
enthalten. ¾e der vorhandenen Gebäude oder der
weit=
aus größte Teil der Privatgebäude werden ſomit von der
beabſichtigten Gebührenänderung nicht betroffen. Bei den
Verhandlungen in dem Finanzausſchuß und der
Tiefbau=
deputation war dem Grundſatz beigepflichtet worden, daß
der Stadt für die Aufwendungen, die das Kanalnetz
jähr=
lich verurſacht, aus den für die Benutzung zu
er=
hebenden Gebühren möglichſt vollſtändiger Erſatz werden
müſſe. Dieſem Grundſatz wäre durch die Anträge
keines=
wegs entſprochen geweſen, da noch etwa 40000 Mark von
den jährlichen Aufwendungen von 160000 Mark für die
Kanäle ungedeckt geblieben wären. Der nunmehr
end=
gültige Antrag läßt gleichfalls die Gebäude mit
Brand=
verſicherungskapitalien bis 91000 Mark unberührt,
ent=
ſpricht durch häufigere Staffelung mit mäßigen
Tarif=
erhöhungen für die Gebäudewerte zwiſchen 91000
Mar=
bis 200000 Mark den Abſichten des früheren Antrages des
Herrn Stadtverordneten Sames und ſucht durch einen
Ausbau des Tarifs bis zum Höchſtbetrage von 750 Mark
die erforderlichen Mehreinnahmen zu ſchaffen. Auch be
Einführung dieſes Tarifs bleiben immerhin noch rund
31000 Mark des jährlichen Aufwandes für die Kanäle
un=
gedeckt und ſind von der Allgemeinheit durch Steuern zu
tragen.
Stadtv. Sames, als Referent der
Tiefbaudeputa=
tion, erklärt ſich mit der Vorlage einverſtanden. Er macht
dann einige Bemerkungen zu Eingeſandts die ſich mi
ſeinem Vortrag im Hausbeſitzerverein beſchäftigen. In
Darmſtadt wohne man im allgemeinen nicht in „
fürchter=
licher Enge‟ Nach ſtatiſtiſchem Material ſei Darmſtad
einer der weitläufigſt gebauten Städte; auf jede
Woh=
nung kommen nür 4,05 Einwohner, demzufolge ſind auch
die Aufwendungen, die die Stadtverwaltung für
Straßen=
herſtellung, Reinigung, Beleuchtung. Entwäſſerung,
Ver=
ſorgungsleitungen uſw. aufzuwenden hat, weit höher, wie
in Städten gleicher Größe. Er möchte feſtſtellen, daß die
Stadtverwaltung ſo viel genehmigte Bauquartiere mit
ge=
nehmigten Ortsbauſatzungen hat, daß auf dieſem Terrain
52000 Menſchen angeſiedelt werden können. Dabei ſind
große Bauquartiere, die nur Einfamilienhäuſer in offener
Bauweiſe vorſehen, und größere Terrains, bei denen
für höhere Gebäude (2½—3 Stock) ebenfalls offene
Bau=
weiſe vorgeſchrieben iſt. Bei einer Beſiedelung der
ge=
nehmigten Bauquartiere mit 52000 Menſchen (Zeitdauer
40—50 Jahre bei normaler Entwicklung) brauchen die
zu=
künftigen Bewohner nicht eingeſchachtelt zu wohnen. Was
die darniederliegende Bautätigkeit anbelangt, ſo hänge
dieſe mit ganz anderen Faktoren zuſammen, und zwar:
kaum bemerkenswerte Bevölkerungszunahme (mit 125
Wohnungen iſt der ganze Mehrbedarf für die Zunahme
gedeckt), Unrentabilität der Häuſer, teurer Geldmarkt und
eine faſt an die Unmöglichkeit grenzende Beſchaffung vor
zweiten Hypotheken, faſt vollſtändiger Stillſtand im
Um=
ſatz von Wohnhäuſern.
In der Beſprechung der Vorlage bemerkte Stadtv.
Aßmuth: Es handelt ſich bei der Vorlage nicht um
eine Neueinführung einer Steuer, ſondern um einen
Aus=
gleich der bisherigen Ungerechtigkeit, daß die großen
Ob=
jekte günſtiger daſtanden und verhältnismäßig weniger
herangezogen wurden, als die kleinen Objekte. — Stadtv
Noellner ſieht in der Vorlage nur ein
Uebergangs=
produkt und daß wir in abſehbarer Zeit dahin kommen
werden, daß dieſe Gebühr von jedem einzelnen Mieter
eingezogen wird. Dadurch würde wenigſtens an einer
Stelle einmal der Hausbeſitz entlaſtet und der Einzelne
nicht bedrückt. — Stadtv. Schupv tritt um ſo lieber für
die Vorlage ein, als ſie ja die Objekte bis 91000 Mark
Brandverſicherungstaxe nicht trifft. — Stadtv. Saeng
Ideal ſei wohl die Vorlage nicht, aber mit leichterem
Herzen könne man ihr zuſtimmen, als den in den letzten
Verſammlungen genehmigten. Sie ſtelle eine gerechte
Ver=
teilung dar. — Stadtv. K. Lautz begrüßt die Vorlage.
Er märe auch damit einverſtanden wenn dieſe Steuer von
den Mietern erhoben würde. Gäbe es doch z. B. in Kölr
ſogar eine Müllſteuer, die von den Mietern erhoben werde
Stadtv. Aßmuth möchte dagegen proteſtieren, daß
die Vorlage ein Grund für die Abwälzuna der Gebühr
auf die Mieter ſein ſolle. — Nach weiteren Ausführungen
des Stadtv. Sames wird die Vorlage einſtimmig
angenommen.
Luftfahrt.
München, 5. März. Heute vormittag ſtürzte
Leutnant Bedenk vom 17. Infanterie=Regiment bei
einem Uebungsflug auf dem Militärflieger=Uebungsplatz
in Oberſchleißheim ab. Der Offizier wurde ſchwer
verletzt unter den Trümmern des Flugapparates
her=
vorgezogen und in bewußtloſem Zuſtande in das
Münche=
ner Garniſonlazarett gebracht.
London, 5. März. Der engliſche Flieger
Geof=
rey iſt mit ſeinem Monoplan in der Nähe von Salisburt
tödlich verunglückt.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 6. März. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet um 1 Uhr 16 Minuten die Sitzung und macht
Mit=
teilung von dem Tode des Abgeordneten v. Kaphengſt
(konſ.), der geſtern fern von der Heimat nach längerem
Leiden geſtorben iſt. Das Haus ehrt das Andenken des
Verſtorbenen durch Erheben von den Plätzen.
Ein Nachtragsetat für 1912 wird in dritter
Leſung ohne Debatte verabſchiedet. Sodann wird die
zweite Leſung des Notetats vorgenommen. Der Notetat
wird nach den Beſchlüſſen der Kommiſſion ohne Debatte
angenommen. — Es folgt die Fortſetzung der zweiten
Beratung des
Kolonialetats.
Bei der Generaldebatte wird die Diamantenfrage
ausgeſchieden. Die Frage wird bei dem Spezialetat für
Südweſtafrika behandelt werden. — Abg. Erzberger
(Zentr.): Die großen Handelsintereſſen, die Verſorgung
eines großen Teiles unſerer Induſtrie mit Rohſtoffen
aller Art, die wir aus den Kolonien beziehen, namentlich
mit Baumwolle, dürften bei der Beurteilung unſerer
Ko=
lonialpolitik nicht unberückſichtigt bleiben. Dabei muß
man bedenken, daß das erſte Jahrzehnt unſerer
Kolonial=
politik unberechnet bleiben muß, weil mit der Zickzack
politik und der fortgeſetzten Kette von kolonialpolitiſchen
Fehlern keine Fortſchritte gemacht werden konnten. Nach
50 Jahren wird erſt der volle Erfolg zu erwarten ſein.
Zu beachten iſt auch, daß in Neu=Guinea neuerdings Pe
troleumquellen gefunden worden ſind, die für unſere
Wirtſchaftspolitik von Bedeutung ſein können. Auch in
der Sozialdemokratie breitet ſich das Verſtändnis für
unſere Kolonien immer mehr aus. Es muß mit der
Vor=
ſtellung endlich aufgeräumt werden, als ob wir den
Ne=
gern gegenüber es mit Feinden zu tun hätten. Der Neger
iſt ein Kind mit allen Vor= und Nachteilen. Nicht das
Verhältnis zwiſchen Freund und Feind, ſondern zwiſchen
Vormund und Mündel ſollte hier vorbildlich ſein. Der
Arbeitszwang darf nicht ſo angewendet werden, daß er
zu einer neuen Sklaverei führt. Mit Maſchinengewehren
ſollte nicht gegen die Neger vorgegangen werden. Schon
die Uniform unſerer Schutztruppe flößt ihnen einen heil
loſen Reſpekt ein. Die Anordnung ſollte getroffen
wer=
den, daß ein jeder Expeditionsführer nicht bloß ſeinem
vorgeſetzten Kommando Bericht zu erſtatten hat über eine
Expedition, ſondern auch dem einzig für Ruhe und
Sicher=
heit verantwortlichen Gouverneur im Lande. Durch
Ver=
minderung der Schutztruppen würden erhebliche
Rei=
bungsflächen beſeitigt werden. Der ſchlimmſte Feind
unſerer Koloniſation iſt der Iſlam. Man darf nicht die
Anſchauung aufkommen laſſen, als ob es der Regierung
angenehm wäre, wenn Neger Mohammedaner ſeien. Ver
fehlt iſt es, ihnen Moſcheen zu bauen; dagegen müßten die
chriſtlichen Miſſionen gefördert werden, insbeſondere
durch Zollfreiheit auf Bedarfsartikel der chriſtlichen
Lie=
bestätigkeit. Sodann müßte Vorſorge getroffen werden,
daß zur Hebung des Deutſchtums in den Kolonien nur
deutſche Miſſionare verwendet werden. Für Kamerun iſt
der Bau einer Mittellandbahn notwendig. Der Alkohol
Import ſollte am beſten rundweg verboten werden. Ein
Paradies iſt Neu=Kamerun ganz gewiß nicht; es iſt aber
nicht ſchlechter, als Kamerun vor 20 Jahren geweſen iſt.
Wir wünſchen, daß unſere Kolonialpolitik in vernünftiger
Weiſe durchgeführt wird. Entſcheidend dabei muß das
Wohl der Eingeborenen ſein.
Abg. Dr. Semler (natl.): Die Methode der
ſozial=
demokratiſchen Redner, nur von Mißſtänden in unſeren
Kolonien zu ſprechen, lief darauf hinaus, dem ganzen
deutſchen Volke unſere Kolonialpolitik zu verekeln, und
doch iſt der Aufſchwung, den unſere Kolonien in den
letz=
ten zehn Jahren genommen haben, ganz bedeutend. Das
beweiſt das jährliche Anwachſen der Ausfuhr aus den
Kolonien, an der in erſter Linie die deutſchen Arbeiter
das größte Intereſſe haben. Zu begrüßen iſt die von der
Budgetkommiſſion beantragte Reſolution auf
weiteſt=
gehende Förderung der Baumwollkultur in den
Schutz=
gebieten. Wenn man auch wünſchen muß, daß ſtellenweiſe
in der Kolonialverwaltung prompter gearbeitet werden
muß, ſo ſind die Kaufleute und Induſtriellen doch im
all=
gemeinen recht zufrieden, zumal der Staatsſekretär mit
ſeiner eigenen Perſon ſich für die Förderung der Kolonien
einſetzt. Die Tätigkeit der Schutztruppen erkennen wir in
vollſtem Maße an und hoffen, daß die Herren hier auch
ferner in Uniform erſcheinen, die draußen ihren Mann
geſtanden haben. Wo bleibt das Denkmal für die alten
Schutztruppler? (Lachen bei den Sozialdemokraten.)
Hoffentlich wird die Platzfrage für das Denkmal bald
ge=
löſt, damit auch die Sozialdemokraten von dem Denkmal
lernen können. Die Erziehung der Neger zur Arbeit iſt
notwendig. Welches Maß von Arbeit ihnen zuzumuten
iſt, iſt eine andere Frage. Mit unſeren Kolonialbahnen
haben wir große Fehler gemacht, über die wir nicht
hin=
wegkommen. Dieſe Fehler müſſen in Zukunft vermieden
werden. Wir müſſen eine Konkurrenzbahn für die
belgi=
ſche Kongobahn ſchaffen. Wir wünſchen, daß im Intereſſe
unſerer Induſtrie unſere Kolonien immer mehr erſchloſſen
werden. (Beifall bei den Nationalliberalen.)
Staatsſekretär Dr. Solf: Die Frage des
Kolonial=
kriegerdenkmals liegt mir ſehr am Herzen. Wenn jemand
in der Geſchichte ein Denkmal verdient, dann ſind es die
armen Opfer, die fern von der Heimat im afrikaniſchen
Lande einen Heldentod gefunden haben. (Lebhafte
Zu=
ſtimmung.) Die Platzfrage gehört aber nicht in mein
Reſſort, ſondern in das des Reichsamts des Innern.
Bis=
her ſind für das Denkmal 60000 Mark zur Verfügung ge
ſtellt. Im laufenden Etat werden 66000 Mark
angefor=
dert. Die Geſamtkoſten werden ſich auf 320000 Mark
be=
laufen. Gegenwärtig ſchweben Verhandlungen mit der
Stadt Berlin über die Platzfrage. Sobald dieſe Frage
geregelt iſt, und es beſteht die Ausſicht, daß ſie günſtig
ge=
regelt wird, wird ein enger Wettbewerb über den
Denk=
malentwurf ſelbſt ſtattfinden. (Lebhaftes Brayo!)
Abg. von Böhlendorff= Kölpin (konſ.): Auch wir
wünſchen einen ſchnelleren Ausbau unſerer
Kolonial=
hahnen. Die Arbeiterfrage in unſeren Kolonien iſt von
der allergrößten Bedeutung. Von einer Ausbeutung und
Unterdrückung der Neger kann keine Rede ſein. (
Wider=
ſpruch bei den Sozialdemokraten.) Der
Kommiſſionsreſo=
lution, daß in den nächſten Etat für die Schutzgebiete
höhere Ausgaben für das Schulweſen eingeſtellt werden
ſollen. ſtimmen wir zu. Beſondere Unterſtützung muß auch
den Miſſionen gewährt werden, deren gute Dienſte für die
Kolonien unbeſtreitbar ſind. Erenſo muß der Pferdezuch
große Aufmerkſamkeit gewidmet werden. Unſeren
Schutz=
truppen bringen wir das größte Vertrauen und die größte
Anerkennung entgegen. Unſere Neuerwerbung Neu=
Ka=
merun iſt nicht ſo wertlos, wie es von den
Sozialdemo=
kraten hingeſtellt wurde. Hoffen wir, daß das Jahr 191.
auch für unſere Kolonien ein günſtiges wird. (Beifall
Abg. Waldſtein (Fortſchr. Vpt.): Unſere
rechts.) —
Kolonialpolitik muß betrieben werden nach dem
Geſichts=
punkte, daß die Eingeborenen das höchſte Aktivum
unſeren Schutzgebieten ſind. Neben der Gewalt
verneurs darf eine anderweite militäriſche Macht nicht
beſtehen. Die immer ſchwerer zu löſende Arbeiterfrage in
den Kolonien läßt ſich lediglich durch humane Behandlung
der Eingeborenen beſeitigen. Wenn die Sozialdemokratic
die Kulturpartei wäre, für die ſie ſich immer ausgibt,
wäre ihre oberſte Pflicht, eine vernünftige Kolonialpolitik
zu treiben. Anſätze dazu ſind ja ſchon vorhanden. Die
veterinärpolizeilichen Maßnahmen müſſen verſtärkt
wer=
den, damit ein größerer Handelsverkehr ermöglicht wird
Unſere Muſterkolonie Togo hat alle Vorzüge und alle
Nachteile eines Muſterkindes. Es hat indes wenig
er=
zieheriſche Arbeit gekoſtet. Wie ſteht es mit der
Abſchaf=
fung der Hausſklaverei in Oſtafrika. Die Arbeiterfrage hat
für unſere Kolonien die größte Bedeutung; ſie läßt ſich am
leichteſten löſen durch eine vernünftige
Eingeborenen=
politik. Man muß mit den Eingeborenen als Menſch mit
Menſchen verkehren. — Abg. von Liebert (Reichspt.):
Wir hoffen, daß unſere Kolonien weiter den
Entwick=
lungsgang nehmen wie bisher. Die Bahnverbindung bis
an den Tanganyikaſee, die jetzt bald beendet iſt,
ermög=
licht auch den Dampferverkehr auf demſelben. Wir müſſen
dann dazu übergehen, die Bahn bis zum Viktoriaſee
fort=
zuführen. Die Arbeiteranwerbungen müſſen ſtreng
über=
wacht werden und jeder Anſchein von Sklaverei muß
ver=
mieden werden. Die Regierung muß das Prinzip
ver=
folgen, das Land durch Eiſenbahnen und Wege zu
er=
ſchließen und Muſterfarmen anzulegen. Ich habe noch
1890 das Land in einem Zuſtande vorgefunden, in dem
der Kampf aller gegen alle das oberſte Prinzip war. Das
iſt heute ſchon ſo weit beſſer geworden, daß jeder Farmer
und jeder Kaufmann ungefährdet ſeinem Handwerk
nach=
gehen kann. Das verdanken wir in erſter Linie unſerer
vorzüglichen Schutztruppe. (Lebhafter Beifall.
Hände=
klatſchen auf den Tribünen. — Der Vizepräſident rügt
dieſe Beifallsbezeugung.) Am grünen Tiſche ſehen dieſe
Dinge natürlich ganz anders aus als da draußen. Bei
Aufſtänden iſt es erforderlich, ſchnell vorzugehen, um die
Bewegung niederzuhalten. Da muß man die eiſerne Fauſt
zeigen. Daß die Baumwollkulturen in Oſtafrika nicht
ge=
deihen wollen, liegt daran, daß wir dort im Gegenteil zu
anderen Ländern zwei Regenzeiten haben, was die
Kul=
turen erheblich benachteiligt. Die Einführung der
deut=
ſchen Währung in Deutſch=Oſtafrika wäre wünſchenswert.
Von einer Unterdrückung und Ausbeutung der Neger
kann keine Rede ſein.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag um
1 Uhr vertagt. — Schluß 6 Uhr 45 Min.
Der Beſuch des
Prinzskegenten von Bayern
in Berlin.
— * Berlin, 5. März. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Der Prinz und die Prinzeſſin
Ludwig von Bayern treffen am Donnerstag zum
Beſuch des Kaiſerpaares in der Reichshauptſtadt ein. Mit
freudigem Willkommengruß werden den hohen Gäſten aus
Süddeutſchland die Herzen entgegenſchlagen. Der Prinz=
Regent nimmt jetzt den Platz ein, auf dem ſich ſein, in
vieljähriger monarchiſcher Pflichterfüllung unvergeßlicher
Vater, Prinz Luitpold, dieſes Vertrauen und Ehrfurcht
bei dem bayeriſchen und dem deutſchen Volke erworben
hatte. Die wiederholten perſönlichen Kundgebungen, die
der Kaiſer mit dem ihm in alter Freundſchaft verbundenen
Verweſer Bayerns nach dem Regierungsantritte
aus=
tauſchte, haben feſtgeſtellt, daß das innige Verhältnis
zwiſchen den Häuſern Wittelsbach und Hohenzollern
un=
erſchüttert fortdauert. Damit erfüllt ſich der Wunſch der
Nation. Das deutſche Volk will, daß die Treue, mit der
die Stämme zu einander ſtehen, in der feſten und
freund=
ſchaftlichen Zuneigung ſeiner Fürſten ein Spiegelbild
finde. Die erneute Bekräftigung bundesbrüderlichen
Empfindens, in dem Süd und Nord geeint ſind, drückt dem
Beſuch des Regentenpaares den Stempel auf. Durch
kern=
deutſche Geſinnung, ſein vielfach betätigtes eindringendes
Verſtändnis für die geiſtigen und wirtſchaftlichen
Intereſ=
ſen unſeres Volkes und durch ſtark ausgeprägtes
fürſt=
liches Pflichtgefühl erwarb ſich Prinz Ludwig das Recht,
auf die Gefühle herzlicher Verehrung, mit denen wir ihn
an der Seite ſeiner hohen Gemahlin, einer Tochter des
er=
lauchten Hauſes von Oeſterreich=Eſte, willkommen heißen
H. B. Berlin, 6. März. Der Prinz=Regent
Ludwig von Bayern iſt heute nachmittag kurz vor
drei Uhr mit Gemahlin zu ſeinem offiziellen Antrittsbeſuch
am Berliner Hofe eingetroffen. Die Ankunft der
fürſtlichen Gäſte erfolgte auf dem Anhalter Bahnhofe, wo
ſich zum Empfang der Kaiſer, in Uniform des 6.
baye=
riſchen Infanterie=Regiments, deſſen Chef er iſt, die
Kaiſerin, die eine blaue Toilette trug, Prinzeſſin
Viktoria Luiſe in weinroter Robe, die Prinzen Eitel
Friedrich, Oskar, Auguſt Wilhelm und Friedrich Leopold
eingefunden hatten. Ferner ſah man den
Reichs=
kanzler von Bethmann Hollweg in Dragoner=Uniform
mit zahlreichen Mitgliedern des Staatsminiſteriums, faſt
alle Mitglieder des kaiſerlichen Hauptquartiers, viele
bayeriſche Offiziere, den Stadtkommandanten von Berlin
und den Polizeipräſidenten von Jagow. Der Magiſtrat
der Stadt Berlin war durch Oberbürgermeiſter
Wer=
muth und dem Bürgermeiſter Reicke vertreten, die
Stadtverordneten=Verſammlung durch ihre beiden
Vor=
ſteher, Michelet und Caſſel. Auf dem Bahnſteig hatte eine
Ehrenkompagnie des 2. Garde=Regiments zu Fuß
Auf=
ſtellung genommen.
Wenige Minuten vor 3 Uhr rollte der bayeriſche
Hofzug in die Bahnhofshalle. Die Muſik ſpielte den
Präſentiermarſch und die Ehrenkompagnie präſentierte
Als der Zug hielt, ſchritt der Kaiſer, die Kaiſerin und vie
Prinzeſſin auf den Salonwagen zu, dem der Prinz=
Regent und ſeine Gemahlin entſtiegen. Der Prinz=
Regent trug die Uniform des 47. Infanterie=Regiments
in Poſen. Die Prinzeſſin Ludwig war ganz in Schwarz
gekleidet. Die Begrüßung war überaus herzlich. In
Be=
gleitung des Prinz=Regenten befand ſich der bayeriſche
Geſandte Graf Lerchenfeld, der dem Prinz=Regenten bis
Halle entgegengefahren war. Nach der Begrüßung
ſchritten der Kaiſer und der Prinz=Regent die
Front der Ehrenkompagnie ab. Im Fürſtenzimmer
über=
reichte dann Oberbürgermeiſter Wermuth im Namen
der Stadt Berlin, der Prinzeſſin Ludwig einen
pracht=
vollen Blumenſtrauß, hielt aber keine beſondere Anſprache
ſondern ſtellte nur den Bürgermeiſter Dr. Reicke und die
beiden Stadtverordneten=Vorſteher dem Prinz=Regensen
und ſeiner Gemahlin vor. Alsdann verließ das
Kaiſer=
paar mit den fürſtlichen Gäſten den Bahnhof. Der
Kaiſer und der Prinz=Regent nahmen im erſten
Gala=
wvagen Platz, der von einer Schwadron Garde=Küraſſiere
eskortiert wurde. In einem zweiten Galawagen folgten
dann die Kaiſerin und die Prinzeſſin Ludwig. Dieſer
Wagen wurde von Garde=Dragonern eskortiert. Die
Fahrt ging durch die Königgrätzerſtraße nach dem
Bran=
denburger Tor und dann die Linden entlang nach dem
Schloſſe. Die ganze Gegend hatte reichen Flaggenſchmuck
angelegt. Vorherrſchend waren Fahnen in bayeriſchen
Landesfarben. Am Pariſer Platz waren große weiße
Maſten aufgeſtellt, von denen lange Fahnen in den
baye=
riſchen Farben herabwehten. Auf dem Schloßplatz ſtand
eine Ehrenkompagnie des Alexander=Regiments. Die
Kompagnie präſentierte, Kaiſer und Prinz=Regent
ſchrit=
ten die Front ab und nahmen den Vorbeimarſch entgegen.
Dann geleiteten Kaifer und Kaiſerin ihre Gäſte in ihre
Gemächer.
Das Torpedoboots=Unglück.
* Berlin, 5. März. Nachdem der Kaiſer bereits
heute morgen bei ſeiner Abfahrt von Wilhelmshaven dem
Staatsſekretär des Reichsmarineamts telegraphiſch ſeine
Teilnahme an dem Unglück ausgeſprochen hatte, von dem
unſere Marine betroffen worden iſt, lief heute mittag von
der Kaiſerin nachſtehendes Telegramm im
Reichs=
marineamt ein: „Der ſchwere Unglücksfall, der die
kaiſer=
liche Marine betroffen und dem Vaterlande ſo viele treue
Söhne entriſſen hat, verſetzt mich in tiefe Trauer, die ich
Eurer Exzellenz in innigſter Anteilnahme zum Ausdruck
bringe. Gott möge die Hinterbliebenen bei dieſer ſchweren
Prüfung tröſten. Ich bin überzeugt, daß eine etwa
ein=
tretende Not nach Kräften gemildert werden wird. Ich
ſelbſt würde mich glücklich ſchätzen, für meinen Teil zu
helfen, wo andere Hilfsquellen verſagen.‟ — Im Laufe
des Tages folgten weitere Beileidskundgebungen, ſo von
dem däniſchen Marineminiſter, dem
Oberbür=
germeiſter Wermuth und dem Norddeutſchen Lloyd.
* Wien, 5. März. Kaiſer Franz Joſef
rich=
tete heute nachmittag anläßlich der Schiffskat
a=
ſtrophe bei Helgoland eine telegraphiſche
Bei=
leidskundgebung an Kaiſer Wilhelm. — Die Wiener
Abendpoſt ſchreibt: Die Nachricht von der Kataſtrophe
des Torpedobootes „§ 178” wird nicht verfehlen, überall
einen ſchmerzlichen Widerhall zu erwecken. Insbeſondere
in Oeſterreich=Ungarn wird das Unglück, das die
Kriegs=
flotte des befreundeten und verbündeten Deutſchen Reiches
betroffen hat, mit dem Gefühl inniger und herzlicher Teil=
nahme aufgenommen. — Auch andere Blätter ſprechen ihre
aufrichtige Teilnahme aus.
* London, 6. März. Die Times ſchreibt: Mit
tie=
fem Bedauern verzeichnen wir das ernſte Unglück, das
das deutſche Geſchwader bei Helgoland
be=
troffen hat. Die deutſche Flotte hat den Verluſt von 70.
braven Männern zu beklagen, und manches deutſche Haus
wird den Schmerz und Kummer nur durch das tröſtliche
Bewußtſein mildern, daß ſie alle in treuer Pflichterfüllung
für ihr Vaterland geſtorben ſind. Angeſichts ſolcher
Kata=
ſtrophen verſchwinden alle Unterſchiede von Nationalitäten
und verringern ſich alle Fragen von Rüſtungsrivalitäten.
England hat ſelbſt dem Meere einen zu hohen Tribut
be=
zahlt, um nicht mit dem deutſchen Volke und der deutſchen
Flotte warm in dem jetzigen Unglück mitzuempfinden.
H.B. Wilhelmshaven, 6. März. Die
ge=
retteten Mannſchaften von dem verunglückten
Torpedoboot „§ 178” die geſtern hier eingetroffen
ſind, wurden heute wieder in ihren Truppenteil eingereiht.
Die Geretteten erzählten, daß das ſtürmiſche Wetter ſchuld
daran ſei, daß ſo wenige ihrer Kameraden gerettet
wer=
den konnten. Die Beſatzung hatte bis auf wenige Leute
das havarierte Boot bereits verlaſſen und trieb
ſchwim=
mend auf dem Meere herum. Einige waren bereits in den
Rettungsbooten, wurden aber von der furchtbaren See
wieder ins Meer zurückgeſchleudert und fanden ſo den Tod.
Der Steuermann des Torpedobootes. Gudenſchwager,
wurde geſtern morgen auf einem Holzſtück treibend
auf=
gefunden. Er war nicht ertrunken, ſondern vor Kälte
er=
ſtarrt. Seine Leiche iſt die einzige, die bisher geborgen
werden konnte. Die übrigen Leichen ſind wahrſcheinlich
von der herrſchenden Strömung abgetrieben worden. Von
den Toten ſind folgende aus Süddeutſchland: Obermaat
Bauersfeld, Vater: Oberpoſtaſſiſtent in Frankfurt a. M.;
Maſchiniſtenmaat Stöſcher, Vater: Formermeiſter in
Sandau: Maſchiniſten=Obermaat Hochapfel, Vater:
Schrei=
ber in Wildungen.
* Berlin, 6. März. Von den bei dem Untergang
des Torpedobootes „§ 178‟ Verunglückten ſind
behei=
matet: in Pfungſtadt der Maſchiniſtenmaat Seibel,
in Friedberg (Heſſen) der Oberanwärter Hebauf,
in Oberlahnſtein der Oberheizer Geil, in Frankfurt a. M.
der Obermatroſe Bauersfeld, deſſen Vater
Ober=
poſtaſſiſtent iſt.
* Berlin, 6. März. Aus den bisherigen
Ermitte=
lungen über den Unfall, der den Untergang des
Tox=
pedobootes „S 178” herbeiführte, hat ſich
nach=
ſtehendes feſtſtellen laſſen: Die 11. Halbflotille gehört zu
der ſogenannten Reſerveflotille der Torpedodiviſion der
Marineſtation der Nordſee. Die Beſatzungen dieſer elſ
Boote beſtehen aus Mannſchaften im dritten Dienſtjahr
Die Boote und Beſatzungen taten im erſten Jahr als
Schulflotille, im zweiten als Manöverflotille
ununter=
brochen Dienſt und ſtellten ſomit den höchſten
Ausbildungs=
grad ihrer Waffe dar. Da zu Beginn des dritten
Dienſt=
jahres die Ausbildung der Torpedobootsbeſatzungen als
abgeſchloſſen gelten darf, werden dieſe mit Ausnahme
eines kleinen Stammes, der zu Konſervierungsarbeiten
an Bord bleibt, von den Booten heruntergenommen und
im Inlanddienſt bezw. für die weiteren Aufgaben der
Torpedodiviſion verwandt. Die Boote der Reſerveflotille
bleiben jedoch jederzeit fahrbereit und werden im Laufe
des dritten Jahres periodiſch, aber überraſchend zu
ver=
ſchiedenen Zeiten mobilmachungsmäßig bemannt, um
ſo=
fort zu einer feſtgeſetzten Uebung in See zu gehen. Eine
derartige Aktivierung der Boote der 11. Halbflotille hat am
3. d. M. ſtattgefunden, und dieſe befand ſich mit anderen
Torpedobootsverbänden in der Nordſee, um dort an
grö=
ßeren Uebungen mit dem 1. Linienſchiffsgeſchwader und
den Aufklärungsſchiffen der Hochſeeflotte teilzunehmen.
Am Abend des 4. d. M. waren bei ſtürmiſchem Wetter
die Nachtangriffe und ſonſtigen Exerzitien nördlich von
Helgoland gegen 11 Uhr beendet. Nach dem Signal des
Leiters: „Uebungen beendet” hatten ſämtliche Schiffe und
Boote die Lichter geſetzt und fuhren in Marſchformation,
bezw. als Einzelſchiffe, nach dem Ankerplatz bei
Helgo=
land. öſtlich der Düne. Die 11. Halbflotille ſtand vorn,
die Boote liefen, da ein ſehr ſchweres Wetter
aufgekom=
meu war, wegen des hohen Seeganges nur halbe Fahrt
und mußten, weil die ſchneller fahrenden Kreuzer noch
vor dem Ankerplatz von rückwärts aufkamen, der Vorſchrift
entſprechend, nach Oſten ausweichen, um den großen
Schiffen zu dem Ankermanöver Raum zu geben. Die
ge=
ſchloſſene Formation der Torpedoboote hatte infolge des
ſchweren Wetters ſich nicht ganz aufrecht erhalten laſſen
„§ 178” befand ſich zu dieſer Zeit mit ſeinem
Rotten=
führer „S 177” einige hundert Meter von ſeiner
Halb=
flotille entfernt. Als hierauf „§ 178” um auf ſeinen
Ankerplatz zu gehen, am Bug des großen Kreuzers „Yorck”
vorbeizufahren ſuchte, entſtand infolge der durch den
hoben Seegang verringerten Manövrierfähigkeit des
Boo=
tes Kolliſionsgefahr. Die kritiſche Situation wurde auf
dem „Yorck” ſofort bemerkt. Das Schiff verſuchte durch
Drehen nach Steuerbord und Rückwärtsſchlagen aller
Ma=
chinen einen Zuſammenſtoß zu vermeiden. Es gelang
jedoch nicht mehr. „§ 178” wurde dicht vor dem hinteren
Kommandoturm getroffen, legte ſich ſtark auf die Seitel
und ſank ſehr ſchnell, da wahrſcheinlich der Turbinenraum
und der Keſſelraum aufgeriſſen und vollgelaufen waren
Sämtliche in der Nähe befindlichen Schiffe und das
Tor=
pedoboot „§ 177‟ leiſteten ſofort tatkräftige Hilfe, die je
doch wegen des dunklen, unſichtigen Sturme etters und
wegen des hohen Seeganges nur geringen Erfolg hatten
15 Perſonen konnten gerettet werden. Zwei
Seeoffiziere und 68 Mann fanden den Seemannstod in
Erfüllung ihres Dienſtes. In dem derzeitigen
Komman=
danten des Bootes, Oberleutnant zur See Pies, verliert
die Torpedowaffe einen beſonders tüchtigen und
befähig=
ten Offizier, der bereits im vergangenen Uebungsjahr
das Boot ſelbſtändig gefahren und auch in ſchwierigen
Lagen die Anerkennung ſeiner Vorgeſetzten geerntet hat=
Ein abgeſchloſſenes Urteil über das beklagenswerte Vor
kommnis läßt ſich jetzt nicht geben, das wird erſt die
kriegsgerichtliche Unterſuchung in voller Klarheit bringen
Aus dem Verlauf der ganzen Angelegenheit geht
jedochbe=
reits jetzt hervor, daß es ſich um einen ſeemänniſchen Un
glücksfall, einer Kolliſion zweier Schiffe, mit denen auch bei
den beſten Einrichtungen gerechnet werden muß, handelt,
Auch das feſteſte Schiff und die beſten Maſchinen ſind
un=
zulänglich im Kampfe mit den Naturgewalten. Wenn man
nach dem Grunde des Unglücks forſcht, ſo muß zunächſt
hingewieſen werden auf das ſtürmiſche Wetter. Hoher
Seegang beeinträchtigt naturgemäß ſehr ſtark die
Manöv=
rierfähigkeit der Torpedoboote, da das Ruder nicht mit
der gewohnten Präziſion gehandhabt werden kann, ſo daß
das Boot oft nicht unbeträchtlich aus dem Kurs geworfen
wird. An Bord beſteht die Vorſchrift, daß bei
Nacht=
angriffen ſämtliche dienſtfreien Leute ihre Schlafſtellen
verlaſſen müſſen, ſobald der Feind in Sicht oder zu einem
Angriff angeſetzt wird, um bei eintretender Kolliſion nicht
im Innern des Schiffes hilflos dem Schickſal überlaſſen
zu ſein. Die unabweislichen Maßnahmen bedeuten
dem=
nach eine außerordentliche Anſtrengung der Leute und es
iſt ſelbſtverſtändlich, daß der Befehlshaber nach Beendig
Agnes Sorma=Gaſtſpiele.
„Johannisfeuer‟. — „Geſpenſter‟.
Irgend ein Schwärmer hat das Wort von ihren
„Märchenaugen” geprägt, das zum Schlagwort ward und
nun von Tauſenden nachgeſprochen wird. Die
Märchen=
augen wurden ſo gewiſſermaßen zur Kennzeichnung ihrer
künſtleriſchen Bedeutung, und als gar ein berühmter Maler
ſie tatſächlich mit großen, grundtiefen Augenſternen
ver=
ewigte, war den Märchenaugen der Sorma
Unſterblich=
keit verliehen. Und doch, ſo ſchön und ausdrucksvoll die
dunklen Augen der Künſtlerin ſind, auf ihre unendlick
große und unendlich fein nuancierte Kunſt haben ſie wenig
oder gar keinen beſtimmenden Einfluß. Allerdings ſind
ſie nicht zu ſcheiden aus dem Mienenſpiel dieſes
einzig=
artigen Geſichts, das über eine ſchier unerſchöpfliche Fülle
von Ausdrucksmitteln verfügt, das ein Seelenleben
wiederzuſpiegeln vermag, ſo daß es ſich offen und in
ſchar=
fer Klarheit dem Menſchen offenbart in unendlicher Lieve,
in rückſichtsloſer, alle Dämme niederreißender und
ſchließ=
lich doch nur ſich ſelbſt beſiegender Leidenſchaft. Der Sormc
Kunſt iſt göttlich. Gott gab allein die Natur und das
Natürliche. Er ſchuf kein Komödiantentum, mag dieſes
auch zu noch ſo hoher Kunſt ſich erheben nach menſchlichen
Begriffen. Sie iſt göttlich, weil ſie nur den Menſchen,
Gottes Ebenbild, ſpielt. Nein, nicht ſpielt, verkörpert.
Das iſt kein Spiel, was die Sorma gibt, es iſt ein
Mit=
empfinden, Mitleben der geheimſten Regungen des
Her=
zens, der Sinne und der Seele; iſt ein Mitreißen in die
alles überflutende Leidenſchaft, iſt — Leben in des
Wortes unerſchöpflichem Sinne.
So ſchuf ſie uns eine Marikke in Sudermanns
„Johannisfeuer” die eine Lebenseinheit darſtellte, gefügt
aus tiefſter Leidenſchaft der Seele und Sinne aus Feuer
und Wahrheit und aus Schmerz. So ſchuf ſie eine
He=
lene Alwing in Henrik Ibſens „Geſpenſter” wie ſie
dem großen nordiſchen Geiſteshelden wohl vorgeſchwebt
haben mag. War ſie eine Mutter ſo voll echten, wahren,
mitreißenden Seelenſchmerzes, voll jubelnden Glückes und
tiefſter Verzweiflung, voll Leben, entrana ihrer Seele
ſie Verzweiflungsſchreie von ſo erſchütternder
Ge=
twalt, daß ſie erſchauern machten vor der ſchrecken=
vollen Tiefe dieſes unendlichen Schmerzes des zu
Tode getroffenen Mutterherzens. Und dem Spiel, das
alle in Bann ſchlug, einte ſich das Organ, das ſo
leiden=
ſchaftlicher Ausbrüche gleichwie zarteſter
Herzensempfin=
dungen fähig, zu einer vollendeten Darſtellung. Und ſo
zwang ſie die Kritik zum Schweigen oder wandelte ihre
Pflicht in die ebenſo gern erfüllte des Preiſens ihrer
göttlichen Kunſt.
Es zeugt von feinem künſtleriſchen Takt, daß die
Künſtlerin nicht den von ſonſtigen Kunſtgrößen leider oft
geübten Fehler begeht, ſich mit Künſtlern in ihrem
En=
ſemble zu umgeben, die durch die eigene Größe gar zu
ſehr in den Schatten geſtellt werden. Sie brachte
Künſt=
ſer mit, die mit wenigen Ausnahmen das Prädikat
ſehr gut für ſich in Anſpruch nehmen durften. So war
vor allem Emil Steger ein „Vogelreuter
voll
echten, wahren Lebens, der die Abſichten des Dichters nicht
nur voll erfaßt hatte, fondern auch das Können beſaß,
ſeinen Intentionen reſtlos gerecht zu werden. Berthe
Hein war eine in Sviel und Maske köſtliche, rührend
naive, aber dabei doch lebenſprühende Trude. Von ihrer
Auffaſſung und Durchführung der Rolle darf das gleiche
geſagt werden, wie von dem genannten Künſtler. Der
Dritte im Bunde, wenn auch nicht ganz auf gleicher Höhe,
war Theodor Stiefenhofer als v. Hartwig.
Anna Brenken ſvielte die Weßkalnene mit dem
er=
wünſchten Erfolg, und auch die übrigen kleineren Rollen
waren entſprechend gut verteilt. — Den Oswald gab,
ſo=
weit die künſtleriſche Befähiaung ausreichte, ganz im
Sinne der Dichtung Hans Conradi, den Engſtrand
in reſtloſer Erſchövfung der Charakteriſtik Emil
Ste=
ger, den Paſtor Manders Theodor Stiefen hofer
und die Regine Alice Cron. — Als Regiſſeur fand ſich
Emil Steger mit den beengten und beengenden
Bühnen=
verhältniſſen ſchlecht und recht ab.
Ein Wort noch über das Publikum. Für die „
Ge=
ſpenſter” waren bedauerlicherweiſe gerade Beſucher der
beſſeren Plätze nicht reif. Es laa nicht an der Darſtellung.
daß teilweiſe die Wirkung eines — Luſtſviels ausgelöſt
wurde Ein anderer Teil aber — und wahrlich nicht der
ſchlechteſte — verließ das Theater mit einem Erlebnis in
Herzen das auch nicht der rauſchende Beifall
beeinträch=
tigen konnte.
M. St.
ung der Uebung ſie in ihre Hängematten ſchickte. Nur eine
geringe Anzahl Männer der Wache waren jedenfalls an
Deck. Es iſt mit Sicherheit anzunehmen, daß bei dem
außerordentlich ſchnellen Untergang des „§ 178‟ der größte
Teil der Mannſchaft unter Deck ſchlafend von dem
Un=
heil überraſcht wurde, und daß deshalb nur ſehr wenige
hatten gerettet werden können.
Die Romanow=Feier.
* Petersburg 6. März. Die Reſidenz hat
Feſt=
ſchmuck angelegt. Von dem Weiß des Schnees heben
ſich grüne Girlanden, Flaggen in den Nationalfarben und
bunte elektriſche Lämpchen ab. Die Hauptſtraßen, wie der
Newskij=Proſpekt und die Morskaja, ſowie der ganze Weg
zum Marientheater bieten ein feſſelndes Bild. Wohin das
Auge blickt, ſieht es Girlanden, von hohen Maſten wehende
Flaggen, Medaillons und Lampions; über die
Granit=
treppe zur Stadtduma iſt ein prächtiges Zelt errichtet
wor=
den, in deſſen Hintergrunde ein Koloſſalgemälde
ange=
bracht iſt, das die Wahl Michael Feodorowitſch
Roma=
nows darſtellt.
In der Peter=Paul=Kathedrale wurde in Gegenwart
des Kaiſers, der Kaiſerin und der Kaiſerin=Witwe,
der Großfürſten, der Großfürſtinnen, der hohen
Würden=
träger und der Vertreter der Stadt ein
Trauer=
gottesdienſt für die verſtorbenen Zaren
aus dem Hauſe Romanow zelebriert. Die Meſſe zelebrierte
u. a. der Metropolit von Serbien, der Patriarch von
An=
tiochia, 16 Erzbiſchöfe und Biſchöfe.
Ein kaiſerliches Manifeſt, das heute während
des Feſtgottesdienſtes in allen Kirchen Rußlands verleſen
wird, erinnert an die Ereigniſſe, die der Wahl Michael
Feodorowitſch Romanows vorangingen. Es
weiſt auf die gemeinſamen Anſtrengungen der ruſſiſchen
Zaren und aller treuen Söhne Rußlands hin, die den
ruſ=
ſiſchen Staat geſblffen hätten. Das feſt am Glauben
hängende; von heißer Vaterlandsliebe und
Opferbereit=
ſchaft erfüllte Ruſſenvolk habe alle Schickſalsſchläge
über=
ſtanden und ſei verjüngt und erſtarkt aus ſchweren Tagen
hervorgegangen. Das kleine Rußland der Moskauer
Periode ſtehe jetzt in einer Reihe mit den erſten Staaten
der Welt. Weiter hebt das Manifeſt die großen Verdienſte
der beſten Söhne Rußlands hervor, hochverehrter
Hierar=
chen und Kirchenhirten als treue Mitarbeiter der ruſſiſchen
Zaren, und die Verdienſte des ruſſiſchen Adels ꝛc. Der
Kaiſer habe gewünſcht, die Romanow=Jubiläumsfeier
würdig zu verherrlichen und deshalb Gnadenerlaſſe
an den Senat gerichtet und veröffentlichen laſſen.
Ein an den Senat anläßlich des Romanow=
Jubi=
lläums gerichteter kaiſerlicher Ukas ordnet
Maß=
mahmen zur Verſorgung der Waiſen und Landbevölkerung
vhne Unterſchied der Konfeſſion, ferner die Verwendung
von 10 Millionen Rubel aus den Mitteln der
Adelsagrar=Bank zur Vergrößerung des Grundkapitals
gegenſeitiger Unterſtützungskaſſen des Adels und 50 Mil
ionen Rubel zur Schaffung eines unantaſtbaren
Jonds zur Verbeſſerung der Lage des Ackerbaues an.
Weiter werden Steuern und Geldſtrafen verſchiedener Art
erlaſſen, Vergünſtigungen für Staatsbeamte, ihre
Jamilien Amneſtie für die bis zum 6. März begangenen
Preſſevergehen und die Wiederaufnahme der Studieren
den verfügt, die wegen der Teilnahme an verbotenen
Ver=
ammlungen relegiert worden waren, ſofern ſie nicht die
elbhaltung der Vorleſungen gewaltſam verhinderten. Auch
wird Amneſtie für gemeine und Staatsvergehen bis zum
. März verkündet, zum Tode Verurteilte werden zu
zwan=
igjähriger Zwangsarbeit begnadigt. Ruſſiſche
Unter=
ſanen, die ohne Erlaubnis im Auslande weilen, dürfen
nach Rußland zurückkehren. Strafen für Vergehen gegen
je Beſtimmungen zur Wahrung der Staatsordnung und
er öffentlichen Ordnung werden erlaſſen, den wegen
po=
ſtiſcher Unzuverläſſigkeit unter Polizeiaufſicht Stehender
wird die Zeit der Aufſicht verkürzt. — Für Finnland
vrdnet ein Gnadenerlaß an, daß 10 Millionen Rubel zum
Zau und Umbau von Heilanſtalten als
Jubiläumsſtif=
tingen verwandt, Geldſtrafen bis zu 500 finniſchen Mark
und Gefängnisſtrafen unter einem Jahr erlaſſen werden.
Umneſtie für Amtsvergehen verkündigt werden ſoll, falls
is zum 6. März der Betreffende nicht gerichtlich verfolgt,
das Urteil nicht ausgeführt, oder die Strafe nicht verbüßt
worden iſt; ſoweit aber mit der Strafe Ehrverluſt oder
Dienſtausſchluß verknüpft iſt, ſoll nur die Herabſetzung
der Strafzeit zuläſſig ſein.
HB. Berlin, 6. März. Mit einem
Feſtgottes=
dienſt in der ruſſiſchen Botſchaftskirche wurde die
Ber=
liner Feier des 300jährigen Jubiläums des Hauſes
Komanow eingeleitet. Der Botſchaftsprieſter hielt
in feierliches Tedeum. An der Feier nahm der ruſſiſche
Potſchafter mit dem Perſonal der Botſchaft teil. Ferner
Paren anweſend: Vertreter des Auswärtigen Amtes, der
preußiſchen und der däniſchen Geſandtſchaft, die Berliner
Geſchäftsträger der Balkanſtaaten und die Spitzen der
Perliner ruſſiſchen Kolonie.
Der Balkankrieg.
Zur Lage.
* Konſtantinopel, 5. März. Die Lage ähnelt
it einigen Tagen derjenigen vor dem jungtürkiſchen
Putſch. Die eigentlichen Anführer des jüngſt entdeckten
Komplottes haben einen Teil der Armee hinter ſich. Die
Mitglieder der Militärliga und der Ententiſten ſind
be=
zi glich des Friedens unzufrieden. Die Annahme eines
baldigen Friedens iſt verfrüht, da die Ententiſten
wahr=
ſcheinlich die Regierung vor Unterzeichnung des Friedens
bürzen werden. Offiziere raubten, wie zuverläſſig gemel
diit wird, vorgeſtern Nacht alle Akten und Dokumente aus
dinn Haus, in dem ſich die Unioniſten vor ihrem letzten
Staatsſtreiche zu verſammeln pflegten. Auf Wunſch der
Botſchafter ſteht zurzeit wenig Militär in Konſtantinopel.
dach weilen in der Vorſtadt Skutari noch immer 1000
kur=
ſiſiche Reiter, die ſeit Wochen an der Front ſein ſollten.
* Konſtantinop el, 6. März. Das Wiener Kor=
Lekvondenzbüreau meldet: Bei der vorgeſtern abgehaltenen
eheimen Sitzung des jungtürkiſchen
Komi=
ees kam es, wie verlautet, zu ſehr erregten
Debat=
en über die Friedensfrage. Der Exminiſter Hairi ſoll
Urklärt haben, wenn der Friedensſchluß die Notwendigkeit
er Abtretung Adrianopels ergeben ſollte, müßte das
Ka=
binett demiſſionieren. Talat Bei trat dieſer
leußerung heftig entgegen. Bisher iſt über die Frage
es Friedens kein Beſchluß gefaßt worden. Hairi verließ
ie Sitzung.
Die Vermittelung der Mächte.
* Sofia, 5. März. Die Geſandten der
Groß=
nächte machten heute mittag eine Demarche bei dem
Miniſterpräſidenten Geſchow um ihm mitzuteilen, daß
die Türkei um die Vermittelung der Großmächte zur
Her=
beiführung des Friedensſchluſſes gebeten habe
und um ihn zu fragen, ob Bulgarien geneigt ſei, die
Ver=
mittelung unter denſelben Bedingungen anzunehmen.
Geſchow dankte und erwiderte, er werde die Mitteilung
dem Miniſterrat unterbreiten und ſich mit den
Verbünde=
ten über die zu erteilende Antwort verſtändigen.
* Cetinje, 5. März. Die Vertreter der
Großmächte unternahmen heute bei dem Miniſter des
Aeußern den angekündigten Schritt, um zu fragen, ob
Montenegro die Vermittelung der Mächte für
den Abſchluß des Friedens mit der Türkei
an=
nehme. Der Miniſter ſprach ſeinen Dank für die Mittei
lung aus, erbat ſich jedoch eine Friſt für die Antwort, um
ſich mit den Verbündeten ins Einvernehmen ſetzen zu
können.
* Wien, 5. März. Von diplomatiſcher Seite wird
mitgeteilt, daß die Botſchafter der Großmächte in
den nächſten Tagen in Petersburg konferieren
werden. Die Formel, auf die ſie ſich einigen, wird den
Regierungen in Bukareſt und in Sofia als beſte Löſung
des rumäniſch=bulgariſchen Konfliktes empfohlen werden.
Dieſer Vorſchlag dürfte die Grundlage der polttiſchen
Löſung des Konfliktes bilden, ohne daß er als Schieds
ſpruch der Mächte bezeichnet werden kann.
Athen, 6. März. Die geſtrige Vermittelung der
Mächte wird hier für ausſichtslos angeſehen. Solange die
Türkei die Forderungen der Verbündeten nicht klar und
bedingungslos angenommen hätte, würde kein Friede
ge=
ſchloſſen werden.
Serbien und Bulaarien.
* Belgrad, 5. März. Die ſerbiſche Preſſe fährt fort
die Haltung der Bulgaren in der ſerbiſch=
bulgari=
ſchen Grenzfrage in der ſchärfſten Weiſe zu
bekämp=
fen. Die Angriffe richten ſich insbeſondere gegen den
bulgariſchen Abgeordneten Malinow der in der
So=
branje die Erwartung ausſpricht, daß Serbien ſeine
For=
derung fallen laſſe. Einzelne ſerbiſche Blätter greifen
auch die ſerbiſche Regierung an, indem ſie ihr den
Vor=
wurf machen, daß ſie ſich in den, die ſerbiſchen Intereſſen
in höchſtem Maße berührenden Grenzfragen zu paſſiv
ver=
halte.
Kapitulation von Janina.
HB. Berlin, 6. März. Auf der griechiſchen
Ge=
ſandtſchaft traf heute aus Athen die Meldung ein, daß die
Feſtung Janina heute früh kapituliert hat.
Die griechiſche Kavallerie zog heute in die Feſtung ein.
HB. Athen, 6. März. Nachdem geſtern ein
allge=
meiner Sturm auf Biſani, ſowie auf die
Befeſti=
gungen von Hagios und Nikolaos unternommen worden
war, und die griechiſchen Truppen die Befeſtigung nach
äußerſt heftigem Kampfe genommen hatte, hat heute
mor=
gen um 11 Uhr der Kommandant von Janina Eſſad
Paſcha, die Stadt dem General Soutzo Jantna
über=
geben. Drei Schwadronen griechiſcher Kavallerie ſind
in die Stadt eingerückt. Auf allen
Feſtungswer=
ken und in Janina wurde die griechiſche Flagge gehißt.
Vermiſchtes.
Zu dem Erſten deutſchen Kongreß für
alkoholfreie Jugenderziehung, der in der
Oſterwoche, vom 26. bis 28. März, in Berlin
zuſammen=
treten wird, ſind die Vorbereitungen in vollem Gange
Welche Bedeutung in maßgebenden Kreiſen dem von allen
ſachkundigen Erziehern und Aerzten immer einſtimmiger
geforderten Ziele des Kongreſſes beigemeſſen wird, geht
daraus hervor, daß der deutſche Reichskanzler
den Ehrenvorſitz desſelben übernommen hat. Dem
Ehrenausſchuß gehören neben verſchiedenen preußiſchen
und bundesſtaatlichen Miniſtern und ſonſtigen
hervor=
ragenden Vertretern der Regierungen und Behörden eine
Reihe von Koryphäen der Wiſſenſchaft, der Erziehung, des
öffentlichen und parlamentariſchen Lebens, der Kirchen
der verſchiedenen großen Wohlfahrtsbeſtrebungen, des
Heeres und der Marine, weiter die Vertreter und
Vertre=
terinnen der großen Lehrerorganiſationen und
Frauen=
verbände uſw. an. Dem Arbeitsausſchuß, der die geſamte
umfangreiche Vorbereitung des Kongreſſes zu erledigen
hatte und dem Vertreter der verſchiedenen
alkoholgegneri=
ſchen Organiſationen angehören, präſidiert D. Dr. Dr
von Strauß und Torney, Wirklicher Geheimer
Oberregie=
rungsrat, Senatspräſident des Oberverwaltungsgerichts
Berlin. Das Programm der Tagung umfaßt alle
Gegen=
ſtände und Fragen, die nach dem Zweck derſelben in
Be=
tracht kommen. Hervorragend ſachkundige Redner werden
die Vorträge halten und die Berichte erſtatten. Eine
Aus=
ſtellung wird reichhaltiges Material zur Frage „Jugend
und Alkohol” vor Augen führen und die Verhandlungen
wirkſam unterſtützen. Schon jetzt ſteht ein ſehr ſtarker
Be=
ſuch des Kongreſſes aus allen beteiligten Kreiſen und allen
Gauen Deutſchlands in Ausſicht.
C.K. Kino=Pädagogik in engliſchen
Schu=
len. Das Schulkomitee des Londoner Grafſchaftsrates
hat jetzt den Entſchluß gefaßt, den Kinematographen in
den praktiſchen Schuldienſt einzuſtellen. Der Verſuch
fin=
det zunächſt nur probeweiſe, doch gleich in größerem Um
fange ſtatt, und von den pädagogiſchen Ergebniſſen der
Vorführungen wird es ſpäter abhängen, ob der
Kinemato=
graph auf breiteſter Baſis in den regelmäßigen Schuldienſ
eingeführt wird. In ſechs Schulhallen ſollen zunächſt
kinematographiſche Vorführungen regelmäßig ſtattfinder
und zwar viermal am Tage, zweimal am Vormittag und
zweimal am Nachmittag. Die gewählten Räume ſind ſe
groß, daß jeder Vorführung 1000 Schulkinder beiwohnen
können. Jede Vorführung wird etwa 50 Minuten dauern
Durch dieſes Syſtem würde es ſich ermöglichen laſſen,
ein=
zelne Schülergruppen zu beſtimmten Tagen an dieſem
An=
ſchauungsunterricht durch den Film teilnehmen zu laſſen
und ſozuſagen einen regelmäßigen bildlichen
Anſchauungs=
unterricht in den Stundenplan einzugliedern. Dem
Ko=
mitee liegen bereits einige Angebote auf Lieferung von
geeigneten Films vor; das ganze Experiment würde für
ſechs Wochen vollem Betrieb inkluſive der geliehenen
Apparate und des Mechanikers und mit der Benutzung
der Films etwa 2400 Mark koſten, ſo daß auf jede
Unter=
richtsſtunde, an der 1000 Kinder teilnehmen,
durchſchnitt=
lich nur 20 Mark Koſten entfallen. Während der Vor
führungen der Films werden keinerlei Vorträge oder
Er=
klärungen ſtattfinden, man erachtet das als unzweckmäßig
Den Lehrern wird die Aufgabe zufallen, ihren Klaſſen vor
der Aufführung und nach der Aufführung nähere
Erklär=
ungen und Erläuterungen über die dargeſtellten
Gegen=
ſtände zu geben.
Literariſches.
Der Staatsbürger. Halbmonatsſchrift für
politiſche Bildung. Herausgegeben von Profeſſor Dr.
Hans Dorn, in Verbindung mit Oberſtudienrat Dr.
Georg Kerſchenſteiner. Verlag E. H. Moritz,
Stutt=
gart. 4. Jahrgang (jährlich 24 Hefte und eine
Buchbei=
gabe. Vierteljährlich 2 M. Heft 1—4. — Heute liegen
uns drei weitere Hefte dieſer gediegenen Zeitſchrift vor,
die wieder einen äußerſt intereſſanten Inhalt haben.
Her=
vorzuheben ſind „Lurus und Handel” von Werner
Som=
bart; „Die deutſche Sozialverſicherung und die
Volkswirt=
ſchaft” von Dr. R. Jaeger; „Zur Bildungsfrage der
Volks=
ſchullehrer” von J. Beyhl. Die weiteſte Beachtung
ver=
dient der im neueſten Hefte erſchienene Aufſatz über „
Moor=
kultur” von Dr. Kormann. Die überſichtliche Anordnung
der Rubriken „Rundſchau”, „Parlamentschronik” „
Ge=
ſetzeschronik” uſw. im „Staatsbürger” ſind ſehr zu loben.
Adalbert Stifter, Heidedorf und
WeihnachtAabend. Zwei Erzählungen. (
Ame=
langs Taſchen=Bibliothek für Bücherliebhaber.) C. F
Amelangs Verlag, Leipzig. In Leinwand 1 M. In
einem reizenden Bändchen vereinigt, werden uns die
bei=
den Stifterſchen Erzählungen „Heidedorf und
Weihnachts=
abend” auf den Büchertiſch gelegt. So einfach die Wortc
ſind, die Stifter für ſeine Naturſchilderungen benutzt,
ſo intenſiv iſt ihre Wirkung auf den Leſer und wie das
Erwachen aus einem ſchönen Traum iſt’s, wenn der
Dich=
ter ſeine Erzählung beendet. Allen Freunden Stifterſcher
Poeſie ſei dieſes neue Bändchen aus Amelangs Taſchen=
Bibliothek für Bücherliebhaber warm empfohlen.
Letzte Nachrichten.
HB. Berlin, 6. März. Auf der Chauſſee von
Span=
dau nach Henningsdorf wurde geſtern abend auf
den Bäckermeiſter Behrend ein Revolverattentat
verübt, bei dem Behrend durch einen Revolver=
Schrot=
ſchuß ziemlich erheblich verletzt wurde. Der Täter
ent=
floh, verlor jedoch bei der Flucht den Hut und es gelang,
ſeine Perſönlichkeit feſtzuſtellen und ihn im Laufe der
Nacht zu verhaften. Es iſt der Arbeiter Karl Späth aus
Henningsdorf. Er geſtand, auf Behrend geſchoſſen zu
haben, um ihn nachher zu berauben.
— Frankfurt a. M., 6. März. Laut Beſchluß des
Bör=
ſenvorſtandes bleiben die Mittag= und Abendbörſe am
Montag aus Anlaß der Jahrhundertfeier
geſchloſ=
ſen. Ebenſo fällt der Frankfurter Fruchtmarkt wegen des
nationalen Feiertages aus.
* Stuttgart, 6. MMärz. Das Kultusminiſterium
hat für das Regierungsjubiläum des Kaiſers und für den
Gedächtnistag der Befreiungskriege für ſämtliche höheren
Schulen und Volksſchulen, ſowie Lehrerbildungs= und
Erziehungsanſtalten Schulfeiern mit ſchulfreiem Tag
angeordnet.
HB. Toulon, 6. März. Der Korreſpondent des Matin
hatte geſtern eine Unterredung mit dem franzöſiſchen
Marineminiſter Baudin welcher geſtern den
Schieß=
übungen der franzöſiſchen Flotte beigewohnt hatte.
Bau=
din erklärte, er könne aus der Reſerve, welche ihm ſeine
verantwortliche Stellung auferlege, nicht herausgehen;
er könne aber ſagen, daß er von dem Beſuche Lord
Chur=
chills geradezu entzückt ſei.
Briefkaſten.
A. H. in W. Die Forderung des Kaſſenvorſtandes iſt
unberechtigt. Reichen Sie Beſchwerde beim Kaiſerlichen
Aufſichtsamt für Privatverſicherung in Berlin W. 35,
Lud=
wigskirchplatz 3/4, ein.
Dr. Kuhns Créme, Vional,
Schönheit: 2.00, 1.—0, Vional=Seife 80,
50, vorz. Franz Kuhn, Kronen=Parf.,
Nürn=
berg. Hier: F. B. Grodhaus, Seifenfabr. am
weißen Turm, ſowie in Apoth., Drog. u. Parf. (V,5661
Gottesdienſtliche Anzeige.
Stadtkapelle. Freitag, 7. März, abends 8 Uhr:
Paſſionsandacht. Pfarrer Beringer.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Wetterlage hat ſich geſtern nicht weſentlich
ge=
ändert. Noch immer lagert über dem Feſtland hoher
Druck, der nach Norden hin ſtark abnimmt. Bei ſtarken,
oft ſtürmiſchen weſtlichen Winden haben wir mildes,
trübes Wetter. Vereinzelt fielen leichte Niederſchläge;
die Morgentemperaturen liegen in unſerem Vezirke bei
9 Randwirbel der im Norden vorüberziehenden ſtarken
Depreſſionen werden uns leicht beeinfluſſen, ſo daß wir
unbeſtändiges Wetter zu erwarten haben.
Ausſichten für Freitag, den 7. März:
Ver=
änderlich, wechſelnd bewölkt, vereinzelte Niederſchläge,
mild, ſüdweſtliche Winde.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. B). Anfang 7½ Uhr, Ende
10 Uhr: „Tosca‟
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Profeſſor Dr. Goldſtein um 8¼ Uhr im
„Kaiſerſaal” (Volksbildungsverein).
Wiſſenſchaftlich=religiöſer Vortrag von
Dr. med. Oberdörffer um 8¼ Uhr im „Fürſtenſaal”
Hauptprüfung und Konzert der Profeſſor Ph.
Schmittſchen Akademie für Tonkunſt im Saalbau.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Poin=
caré, der neue franzöſiſche Präſident, ſeine Vorgänger
und ffranzöſiſchen Staatsmänner; das
Völkerſchlacht=
denkmal bei Leipzig, vom Ballon aus aufgenommen
die Dardanellen aus der Vogelſchau; ſtrenger Winter im
ſonnigen Rom.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 8. März.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr
Pan=
kratiusſtraße 40.
Holzverſteigerung um 9½ Uhr in der Turnhalle
am Woogsplatz.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
enorm billig
für Kleider, Blusen, Röcke, Kostüme
Reste et.
für Schürzen, Hemden, Nachtjacken,
Reste Unterröcke, Bettbezüge, Kinderkl. etc.
Cretonnes, Damaste, Handtücher
Reste se.
für Knaben-Hosen, Knaben-Anzüge,
Reste Herren-Hosen, Herren-Anzüge etc.
Im Parterre auf Extra-Tischen ausgelegt.
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Hemden-Zephirs
Ia Qualität, hübsche
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Angestaubte Wäsche₰
wie Damen- und Kinderwäsche,
Kissen-Bezüge, Bett-Tücher,
Kolter-Tücher
:: bedeutend unter Preis. ::
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gebr.
Kolisenlu 2.
Gestpbaismrkauntennus
7
Allerfeinſtes, garantiert reines
Delikateß=Pflaumenmus
aus guten Früchten und Zucker, ohne jeden weiteren
Zuſatz. Zirka 10 Pfund Brutto Emaille=Eimer koſtet nur
Mark 2.15 unfrankiert.
Bitte ſofort einen Probe=Eimer beſtellen.
5687
Gustav Westphal
Altona-Hamburg 100, Kleine Gärtnerſtraße 100—108.
Ich habe ab meinem Lager, Gartenstr. 18,
noch einen grossen Posten
— feinsten holländischen Kakaos
in ½ Pfd.-Packungen
sowie
5
echten chinesischen jeeu
in ¼ Pfd.-Packungen
* umzugshalber zu
(5703fso
5
bedeutend herabgesetzten
E Preisen abzugeben.
Georg L. Huth.
Nur kurze Zeit!
Für gutgehende Wirtſchaft in verkehrsreicher Lage der
Stadt werden per 1. April ds. Js., eventl. ſpäter,
tüchtige, kautionsfähige Wirtsleute geſucht.
Gefl. Offerten erbeten an
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Brauerei Wilhelm Rummel, Darmstadt.
Wer übernimmt Umzug
von 5 Zim.=Wohn. nach
Ludwigs=
hafen u. zu welchem Preis ? Off.
unter N 59 an die Exp. (*6218
Herrenzimmertiſch
mit Steg, dunkeleichen gebeizt, wie
neu, 115X70 cm groß, für 25 Mk.
zu verk. Hochſtr. 45, part. (*6256
Wer dort? (5215a
hier V. Schatz, Alexanderſtr. 15.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche,
Zahn=
gebiſſe, alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.
Ich kaufe
getr. Herren= u. Damen=Kleider,
auch Stiefel, Bettfedern, Gold,
Silber ꝛc. Zahle Ihnen ſtets
kon=
kurrenzl. Preiſe. Der erſte Verkauf
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Kurſe vom 6. März 1913.
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3½ Deutſche Reichsanl. . 86,90
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3
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Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
3½ do.: Conſols . . . 86,70
75,90
3
do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 9
25h.
20
31
bo.
81,50
do.
4 Bayr, Eiſenbahnanleihe 99,00
85,70
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 98,00
4 Heſſ. Staatsanleihe .
4 do. do. „(unk. 1918) 97,30
do.
3½
85,10
do.
74,50
3 Sächſiſche Rente
77,30
4 Württemberger v. 1907 98,20
do. v. 1875 93,60
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 98,90
zie Griechen v. 1887 . . 55.09
Italiener Rente.
4½ Oeſterr. Silberrente 87,50
4 do. Goldrente . . . 90,30
do. einheitl. Rente 84,70
3 Portug, unif. Serie I 63,30
3 do. unif. Ser. III 66,2
3 do. Spezial . . . 9,80
5 Rumänier v. 1903
99,50
4 do. p. 1890 . . 9200
4 do. v. 1905 .
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,30
4 do. v. 1902 . . . . 90,00
4½ do. v. 1905 . . . . 100,00
3½ Schweden . . . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 81,50
4 Türk. Admin. v. 1903 77,50
4 Türk. unifiz. v. 1903 77,50
Ungar. Goldrente . . . 86,70
do. Staatsrente. . . 84,10
In Proi.
Zf.
5 Argentinier . . . . . .100,90
4
86,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 93,40
5 Chineſ. Staatsanleihe. 99,20
95,10
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 91,00
5 Innere Mexikaner. . . 90,60
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 84,60
5 Gold=Mexikaner . . . . 97,60
3 Buenos Aires Provinz 67,70
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hanb.=Anerila=
Palet=
fahrt . . . . . . . 150,30
5 Nordd. Lloyd . . ..
119,00
6½ Südd. Eiſenb.=Geſ..
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . . 114,25
6 Baltimore und Ohio . 101,50
6 Schantungbahn . . . . 128½
6½ Luxemb. Prince Henri 162,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 24,20
6 Pennſylvania R. R. . 118,00
Cetzte Induſtrie=
Bioib. Aktien.
3 Brauerei Werger . . 64,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . .
533,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim . . . . . . .241,75
30 Farbwerke Höchſt . . 626,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 350,00
10 Cement Heidelberg . . 143,25
30 Chem. Werke Albert 444,75
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 337,00
5 Lahmever. . . . . . . 123,50
InProz.
Letzte
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 141,75
12 Siemens E. Halste .211,80
5 Beramann Electr. . 118,50
10Deutſch.Ueberſee Electr. 160,70
0 Gummi Peter . . . . 76,40
0 Kunſtſeide Frankfurt 61,50
30 Adler= Fahrradwerke
. . . 579,80
Kleyer.
10 Maſchinenf. Badenia 176,00
16 Wittener Stahlröhren —
8 Steana Romana Petr. 150,60
15 Zellſtoff Waldhof . . 238,00
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel. . . . . . . 199,80
0 Neue Boden=A. A.=Geſ. 81,00
3 Südd. Immobilien . 60,00
Bergwerks=Aktien.
.173,25
12 Aumetz=Friede
14 Bochumer Bergb. u.
.213,50
Gußſt. ...
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 160,00
10 Gelſenkirchener . . . . 193,90
9 Harpener . . . . . . . 190,75
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 257½
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,00
6 Laurahütte . . . . . . 175,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 205,75
11
7½ South Weſt Afrieg
Prioritäts=
Obligationen,
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. —
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 91,50
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,30
3 Prag=Durer . . . . . . 7380
5 Heſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 91,10
do.
75,40
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,50
4
75,20
In Proz.
Bf.
2‟ Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,20 3½ Frankf. Hypoth.=Bank
3 Raab=Oebenburg
77,00
4 Kronprinz Rudolfbahn 91,60
4 Ruſſ. Sädweſt. . . . . 86,50
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,50
86.40
do.
4 Wladichawchas . . . . 86,50
4 Rjäſan Koslow . . . . 86,50
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 75,00
do.
68,90
2‟ Livorneſer . .
3 Salonique=Monaſtir . 62,20
50,30
4 Baadadbahn . .
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,00
4 Miſſouri=Paeiſie. . .. 70,00
4 Northern=Pacific . . . 98,50
4 Southern=Paciſic . . . 93,75
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 81,20
5 Tehuantepec . . . . . . 95,75
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 187,50
7½ Vergiſch=Märkiſche
Bahn . . .
.150,50
9½ Berlin. Handelsgef. .167,20
6½ Darmſtädter Bank . 123,70
12½ Deutſche Bank . . .
254,75
6 Deutſche Vereinsbank . 123,25
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,00
10 Diskonto=Kommandit 190,00
8½ Dresdener Bank . . 155,70
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,60
6½ Mitteld. Kreditbank 120,25
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,00
7 Pfälziſche Bank. . . . 130,00
5.86 Reichsbank . .
135,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 13550
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 113,25
7½ Wiener Bankverein . 135,10
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S 21. . . . . . . 98,00
Stden
Zf.
86,80
S. 19 . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . . .
. . . 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,25
3½
87,00
4 Hefſ. Land.=Hyp.=Bank 99,10
3½
86,90
do.
Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 ..
98,40
S. 14, 15, 17, 24/26
18—28...
98,30
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 86,90
S. 3—5 . . . . . . . . 86,70:
S. 9—11 . . . . . . . 8680
4 Meininger Hyp.=Bank 97,40
3½
do.
86,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,40
3½ do. (unk. 1914) . . 86,80
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 98,50
3½
87,80
do.
Städte=
Obligationen.
-
4 Darmſtadt . . . . .
88,00
do.
3½
98,50
4 Frankfurt. . .
31
95,20
do.
96,50
Gießen . . . .
Ei,
de.
4 Heibelberg . . . . . . 97,00
3½
do.
96,50
4 Karlsruhe . . .
3½
do.
87,30
1 Magdeburg. . .. . . —
2
do.
Mainz . . . . . . . . 97,40
do.
87,50
4 Mannheim . . . . . . 96,10
3½
do.
86,00
4 München . . . .
99,40
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 98,70
2,
do.
4 Offenbach.
—
-
Seöen
3½ Offenbach . . . . . . —
Wiesbaden . . . . . . 98,20
96,40
do.
1 Worms . . . . . . . . 97,30
.
88,50
do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 77,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 174,90
3½ Cöln=Mindner „ 100 139,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 110,30
3 Madrider . . Fs. 100 74,00
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 136,60
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 176,50
3 Oldenburger . . . . . . 130,00
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,50
Unverzinsliche
Anlehenslofe.
Augsburger. . . . . ſl. 7 35,80
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Freiburger . . . . Fs. 15
Mailänder . . . . Fs. 45 —
do. . . . . Fs.10 —
Meininger . . . . ſl. 7 34,70
Oeſterreicherv. 1864 fl. 100 —
do.
v. 1858 fl. 100 473,40
Ungar. Staats . . fl.100 —
Venediger . . . . Fs. 30 56,00
Türkiſche . . . . Fs. 400 158,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,43
20 Franks=Stücke . . . . 16,30
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,45
Franzöſiſche Noten. . . . 81,16
Holländiſche Noten. . . . 168,55
Stalieniſche Noten . . . . 79,45
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,60
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,80
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dachshund. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um
10 Uhr, ſtatt.
(5645
Der Brieftaubenverein Weiterſtadt
hat ſeine Brieftauben der Marineverwaltung zur
Verfügung geſtellt.
Weiterſtadt, 3. März 1913.
(5487mdf
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Becker.
Holzverſteigerung.
Montag, den 10. März 1913, vormittags 9 Uhr
anfangend, werden aus dem hieſigen Gemeindewald (Gebirge)
nach=
verzeichnete Holzſortimente an Ort und Stelle verſteigert:
Nutzholz:
8 Stück Eichen=Stämme von 5—10 m Länge u. 21—25 cm Dchm.
Buchen=
„ 5—12 „ „
„ 30—40 „
15 „ Fichten=
„ 8—14 „ „ „ 14—22 „ „
„ Derbſtangen „ 5—10 „
„ 7—10 „ „
„
Reisſtangen „ 3— 5
„ „ 3— 5
,
17 „ Lärchen=Derbſtangen „ 5—10 „ „ „ 7—10 „
Brennholz:
Buchen 110 rm Scheit, 45 rm Knüppel, 80 rm Stock, 650
Durch=
forſtungswellen
300 Wellen
Eichen 20 „ „ 12 „ „
,
15
Kiefern 14 „
650
Die Zuſammenkunft iſt auf dem Herrnweg (Brunnenbergſchneiſe).
Gegen vorſchriftsmäßige Bürgſchaft wird Zahlungsfriſt bis
Ende November I. Js. gewährt.
Seeheim, den 5. März 1913.
(5668
Großh. Bürgermeiſterei Seeheim.
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Sollung des
Waſſe=
rohrnetzes.
In der Nacht von Samstag, den
8. auf Sonntag, den 9. lfd. Mts.,
findet eine Druckrohr=Spülung
ſtatt, welche in der Zeit von
10 Uhr abends bis 5 Uhr
morgens eine zeitweiſe
Unter=
brechung der Waſſerabgabe, ſowie
eine Trübung des Waſſers mit ſick
bringt. Die Waſſerabnehmer
wer=
den deshalb gebeten, ſich vorher mi
Waſſer zu verſorgen.
(5677
Darmſtadt, den 6.März 1913.
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.
Bekanntmachung.
Freitag, den 4. April I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Schreinermeiſter
Wil=
helm Hermann Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
394 298 Hofreite Kranich
II 395 157
Grab=
ſteiner
ſteiner=
garten) ſtr. 35,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K94/12
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, den 6. März 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V.5680
Bekanntmachung.
Die am 28. Februar I. Js. im
hieſigen Gemeindewald
abgehal=
tene Holzverſteigerung Liſt, mit
Ausnahme der Eſchenſtämme,
genehmigt.
Die Abfuhrſcheine können vom
10. ds. Mts. an bei dem
Gemeinde=
einnehmer dahier in Empfang
ge=
nommen werden.
(5671
Erſter Abfuhrtag den 10. d. M.
Gundernhauſen, 5. März 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei
Gundernhauſen.
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Während noch bis dahin die
holländiſche Einfuhr an
Kakao-
pulver die deutſche Ausfuhr
um ein vielfaches überſtieg, iſt
ſeit etwa einem Jahre durch
die außerordentliche Neigung,
mit der der Auslandsmarkt
die Reichardt=Kakaos aufnahm,
die deutſche Kakaopulver=
Aus=
fuhr erheblich größer als diet
Einfuhr aus Holland, gewiß ein
ſtolzer Erfolg der Reichardt-
Kakaos, der beſſer als alle
Empfehlungen für ſie ſpricht
und ſie zu Weltmarken macht.
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28)
Den Weg zur Kinderſtube hätten die Admiralin und
Iſa auch ohne Führung finden können — ein Zetergeſchrei
verkündete, in welcher Richtung ſie lag. Mitten auf einem
Teppich des großen, hellen Raumes ſaß ein dreijähriger
Bube und brüllte aus Leibeskräften. Um ihn herum
waren Spielſachen verſtreut, aber er ſchenkte ihnen keinen
Blick. Sein verzweifeltes kleines Geſicht war ſchon blau
rot von der Anſtrengung des Schreiens, die Augen
ver=
ſchwollen von Tränen.
Ach, das arme Täubchen, rief Daſcha und eilte zu dem
Kleinen. So geht es ſchon ſeit dem Morgen, Euer
Gna=
den! Mein Herzchen, mein Goldkindchen, ſo weine dvch
nicht mehr — was ſoll man dabei tun, daß die dumme
Sophie auf und davon iſt, und die Babuſchka ins
Kran=
kenhaus gebracht werden mußte?!
Die Admiralin ließ ſich in anfangs ſtarrer Entrüſtung
in den nächſten Stuhl ſinken: Nun erzähle mie gefälligſt
meine Liebe, was iſt das für eine Wirtſchaft hier bei Euch
Das ſcheint ja zum Gotterbarmen drunter und drüber zu
gehen. Erzähle.
Daſcha atmete ordentlich erleichtert auf: Die guten
Heiligen haben Euer Gnaden zur rechten Zeit hergeführt.
Die Köchin Marſa und ich wiſſen ja ſchon nicht mehr ein
und aus, was wir mit dem ſüßen Kindchen anfanger
ſollen.
Iſa war inzwiſchen neben dem noch immer aus aller
Lungenkraft zeternden Kinde niedergekniet: Bubi, mein
kleiner Liebling, ſoll ich mit Dir ſpielen? flüſterte ſie
ſchmeichelnd; willſt Du die Tante Iſa ein bißchen lieb
haben? Dabei wiſchte ſie dem kleinen, verſtörten
Menſchen=
kinde die rollenden Tränen von den zarten Wangen.
Bubi ſtarrte Iſa verdutzt an und hörte plötzlich auf
zu ſchreien; bald flog auch ein Lächeln über ſeine Züge.
Unterdeſſen hatte die Admiralin ein förmliches
Ver=
hör mit Daſcha angeſtellt: das waren ja einſach
unglaub=
liche Zuſtände hier im Hauſe, die Eltern weg — die
Wirt=
ſchaft ohne verſtändige Aufſicht — auf dem Teppich der
Kinderſtube das ſchreiende, verlaſſene Kind
Daſcha berichtete, die gnädige Frau wäre ſchon ſeit
einem halben Jahre verreiſt, und der gnädige Herr hätte
vor ein paar Tagen eine Depeſche erhalten, und wäre
da=
nach ebenfalls abgefahren — auf das Gut ſeines
Schwie=
gervaters, des Fürſten Korniſcheff.
Sophie, das Kinderfräulein, habe ſich mit „Babuſchka”
ſo nannte Bubi ſeine Wärterin — die noch immer im
Hauſe war und bei der Erziehung des Kindes das erſte
Wort mitzuſprechen beanſpruchte, ſo heftig erzürnt, daß
ſie voller Wut ihre Sachen ſchleunigſt gepackt und das
Haus verlaſſen habe.
Das ſind ja ganz erquickliche Zuſtände! ereiferte ſich
die Admiralin aufs neue. In ihrer energiſchen Art ſann
ſie aber bereits auf Abhilfe: Laß uns aufbrechen, Iſa, ich
will ſehen, wie ich am ſchnellſten eine Bonne hierher
be=
komme.
Das iſt ja gar nicht nötig, liebe Tante Stephanie, ich
bleibe bei Bubi. Komm, mein Herzensjungchen, zeige mir
alle Deine Spielſachen.
Mein liebes Herz, erwiderte ſanft und überredend die
Admiralin, ich kann es unmöglich geſtatten, daß Du in
dieſem, wenn auch verwandten, ſo doch ganz fremden
Hauſe bleibſt. Und in ſteigender Erregung fuhr ſie in
franzöſiſcher Sprache fort: Du kennſt eben Warinka nicht=
Sie macht einen unglaublichen Eklat, wenn ſie von Deinem
Hierſein erfährt. Sie iſt zu allem fähig. Paulchen muß
eine meue Bonne haben — und die werde ich auf meine
alleinige Verantwortung engagieren. Du darfſt nicht hier
bleiben. Das erlaube ich nicht. Sei vernünftig — mit
zuliebe.
Doch wenn es darauf ankam, konnte das Heidegger
Neſtküken auch mit einem guten Teil von Starrſinn
auf=
warten,
Heergott! rief die Admiralin in heller Verzweiflung,
die Daſcha wird den Kleinen auch nicht verhungern laſſen
— er iſt doch gut aufgehoben, bis die Bonne da iſt.
Und die dann womöglich auch davonläuft, ſobald ihr
hier etwas nicht paßt, vertrat Iſa hartnäckig ihren Willen,
Gute, liebe Tante Stephanie, rege Dich doch nicht ſo auf
und laß mich doch wenigſtens ſo lange hier, bis Onkel
Regi wieder zurück iſt.
So. Und an meinen einſamen Weihnachtsabend denkſt
Du gar nicht? Soll ich mich umſonſt darauf gefreut haben,
einmal wieder ein richtiges Weihnachtsfeſt zu haben?
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Iſa ließ ihren Kopf hängen.
Weißt Du, Tante Stephanie, laß uns Bubi mit zu
uns nehmen.
Iſa, begann die Admiralin einen neuen Sturm gegen
die Unvernunft ihres Schützlings — es war ja im Grunde
lächerlich, daß ſie, die ältere Frau, überhaupt noch mit
dieſem Guckindiewelt parlamentierte, anſtatt kurzerhand
lihrem verſtändigen Willen Geltung zu verſchaffen. — Aber
da ſetzte Iſa Bubi auf den Teppich zurück, ſiel der
Ad=
miralin um den Hals und fand die überzeugendſten
Bitt=
lworte: Ein Weihnachtsbaum ohne Kinder — das wäre
nur ein halbes Feſt. — Und ſie wolle auch nichts geſchenkt
haben — bloß Bubi ſolle mitgenommen werden — Tante
Stephanie würde ſchon ſehen — Klaus würde ebenfalls
finden, daß es Pflicht ſei, ſich des verlaſſenen Kindes
an=
zunehmen. Onkel Regſ würde doch unendlich Jankbar
ſein — und man könne ja ſeine Einwilligung relegraphiſch
nachträglich einholen — und überhaupt — keine Macht
der Welt brächte ſie, Iſa, aus dieſem Zimmer fort
bevor Tante Stevhanie zu allem Ja geſagt hätte. Daſcha
könne ja mitkommen und mit Bubi in Iſas zweiter Stube
ſſich einquartieren.
Die Köchin hat auch gekündigt und zieht noch vor den
Feiertagen, wagte Daſcha nun kleinlaut zu bemerken.
Das entſchied bei der Admiralin. Sie war plötzlich
wieder ganz Tatkraft und außerdem entſchloſſen, Reginald
tüchtig ihre Meinung zu ſagen: wenn Warinka ſchon
un=
vernünftig war, ſo ſollte er eine verſtändige, ältere Stütze
ins Haus nehmen, um derartigen unmöglichen Lagen
vor=
zubeugen.
Noch in derſelben Stunde ging eine Depeſche an
Re=
ginald ab, und zwei Stunden ſpäter hielt Bubi ſeinen
Einzug bei der nun mit den Dingen ausgeſöhnten
Ad=
miralin.
Sie kaufte ſchleunigſt einen halben Spielzeugladen
leer, um für Bubi am heiligen Abend aufzubauen, Kurzum
die ruhige, vornehme Häuslichkeit wurde nun durch ein
Paar ſtrampelnde Beinchen und eine helljauchzende
Kin=
derſtimme vollſtändig auf den Kopf geſtellt.
Ich komme mir wie eine Großmutter vor, ſagte
lächelnd die Admiralin, als ſie unter Iſas Hilfe ſelber die
Lichter am Weihnachtsbaum anſteckte. Hinter der
ver=
ſchloſſenen Salontür gab Bubi ſeiner Ungeduld beim
Er=
warten des Chriſtkindes lebhaften Ausdruck. — —
Dann ſchellte es, und Klaus erſchien, beladen mit
Blu=
men und ſonſtigen Weihnachtsüberraſchungen. Und dann
— die Kerzen am Baum waren bereits tief herabgebrannt,
und Bubi kämpfte ſchon ein wenig mit dem „Sandmann”,
kam noch ein ſpäter Gaſt, auf deſſen Erſcheinen niemand
feſt gerechnet, den man aber doch im Stillen erwartet hatte:
Reginald Steenhuſen kam unmittelbar von der Bahn.
Sein Schwiegervater war ſchwer leidend, und ſie hatten
wichtige geſchäftliche Beſprechungen miteinander gehabt.
Als er der Admiralin für ihre Güte gegen Bubi dankte,
rief dieſe lebhaft aus: Ei was, — mein Verdienſt iſt
ge=
ring, lieber Reginald. Der Unband, die Iſa, hat alles
angeſtellt. Bedanken Sie ſich bei ihr. Aber den Bubi
geben wir Ihnen ſo bald nicht wieder — das heißt,
ver=
beſſerte ſie ſich, ſolange Ihe Haus noch ſo einſam iſt.
Für Iſa gab es keine ſehnſüchtigen Gedanken mehr
an Heidegg, ſondern nur noch einen Bubi, in deſſen
Ge=
genwart, ſie auch ihre frühere Unbefangenheit ſeinem
Vater gegenüber wiederfand.
(Fortſetzung folgt.)
„ Geeneb Mhlaugeann=
Mc
A .
Uber 34,000 ähnlich lautende ſchriftliche Anerkennungen!
Zweite Kammer der Stände.
63. Sitzung.
St. Darmſtadt, 6. März.
Am Regierungstiſch: Staatsminiſter Dr. v. Ewald.
Exz., Finanzminiſter Dr. Braun Exz., Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach Exz., Miniſterialrat
Hölzinger, Geh. Landesökonomierat Müller
ſpäter: Geheimerat Dr. Becker, Geh. Oberfinanzrat
Dr. Rohde.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9 Uhr
20 Minuten und gibt dem Hauſe Kenntnis von einem
Dankſchreiben des Generalſekretärs Haas für die
Kund=
gebung der Kammer zum Tode ſeines Vaters.
Das Haus tritt dann in die Tagesordnung ein und
ſetzt die Beratung des Voranſchlages in der
Gene=
raldebatte zur IX. Hauptabteilung:
Miniſterium der Juſtiz,
fort.
Abg. Dr. Stephan möchte in Vertretung des
er=
krankten Abg. Dr. Oſann für ſeine Partei zur
General=
debatte dieſes Reſſorts ſprechen. Die Bevölkerung kann
mit unſerer Juſtizverwaltung wohl zufrieden ſein, wenn
auch hier und da Mißſtände unvermeidlich ſind. Wenn
der Abg. Buſold neulich rügte, man habe einen Säugling
an der Bruſt der Mutter ins Gefängnis geſchleppt, ſo iſt
das eine Verrückung des tatſächlichen Geſichtspunktes Der
Säugling gehört zur Mutter, und dieſe hat ihn einfach
ins Geſängnis mitgenommen. Den Wunſch des Abg.
Zuckmeyer, den Juſtizetat in Zukunft früher zu beſprechen,
unterſtütze ich. Es iſt das ja um ſo eher möglich, als das
Staats= und Juſtizminiſterium in einer Hand liegt. Daß
die Richter, wenn ſie unzufrieden ſind, zu ungerechten
Ur=
teilen kommen, glaube ich nicht. Bei Anſtellung von
Ge=
richtsaſſeſſoren iſt es notwendig, daß da nicht allein nach der
mehr oder weniger guten Examensnote verfahren wird.
Man kann die Prädikatsaſſeſſoren ja inſofern ſpäter
be=
günſtigen, daß man, wenn ſie ſich auch in der Praxis
be=
währen, ihre Dienſtzeit 2—3 Jahre vordatieren läßt.
Falſch iſt es, daß Aſſeſſoren, die die gute Note nicht
er=
reichen, um Richter zu werden, ſich in die Liſte der
Rechts=
anwälte eintragen laſſen. Nach den Beſtimmungen
ſoll der Rechtsanwalt die gleiche Befähigung haben wie
der Richter. Wer alſo dazu nicht geeignet iſt, ſollte auch
nicht Rechtsanwalt werden. Zur Anſehung unſeres
Stan=
des trägt das ſicher nicht bei. Man ſollte die
Prädikats=
aſſeſſoren auch nicht ausſchließlich an den Landgerichten
beſchäftigen; ſie eignen ſich auch ſehr zu Amtsrichtern. Die
Weltfremdheit mancher Richter, die vielfach noch zutage
tritt, ſollte behoben werden durch Vorträge und
derglei=
chen. Die vom Staatsminiſter vorgeſchlagene
Kontingen=
tierung der Zahl der Schreibgehilfen ſcheint mir nicht die
richtigen Grundſätze zu haben. Man ſollte die Zahl der
derzeitigen ſämtlichen Schreibgehilfen ermitteln und nach
der Geſamtzahl den Prozentſatz des Kontingents
heraus=
rechnen. Zur Frage der Notariate ſtimme ich den
Aus=
führungen der Vorredner im großen und ganzen bei. Der
Urkundenſtempel iſt ſo hoch, daß er auch den reellen
Im=
mobilienverkehr unterbindet. Das Juriſtendeutſch bedarf
dringend der Reform. Ferner muß das Verfahren
ge=
ändert werden, alle Termine an einem Tage auf 9 Uhr
anzuſetzen. Das Publikum muß dadurch oft ſehr lange
warten. Jedenfalls iſt aber nötig, daß der Richter auch
pünktlich um 9 Uhr da iſt und nicht, wie vielfach beklagt
wird, eine Viertelſtunde oder noch mehr zu ſpät kommt.
Das Verhältnis zwiſchen Richtern und Rechtsanwälten iſt
vielfach nicht ſo, wie es ſein ſollte. Es ſollten beide Teile
daran arbeiten, das Verhältnis beſſer zu geſtalten.
(Brapo!)
Abg. Dr. Fulda: Ich glaube nicht, daß die leeren
Stühle beſetzt wären wenn der Juſtizetat anſtatt am
Schluſſe, ſchon zu Beginn der Etatsberatungen beſprochen
würde. Es iſt bemerkenswert daß gerade die Mitte des
Hauſes immer durch Abweſenheit alänzt. Vielleicht
ſpre=
chen die Wähler da einmal mit. Uebrigens iſt die ſchwache
Beſetzung des Hauſes dem Herrn Juſtizminiſter vielleicht
gar nicht unangenehm. Er ſchließt vielleicht daraus, daß
in ſeinem Reſſort alles in Ordnung iſt. Zur Frage der
Schreibgehilfen möchte ich auf unſere Anträge
ver=
weiſen zu den Kapiteln 12 und 89. Aba. Adelung
bean=
tragt zu Kavitel 12: 1. die Prozentzahl der angeſtellten
Schreibgehilfen auf 40 Prozent zu erhöhen: 2. wenn eine
Befreiung der Schreibgehilfen von der
Angeſtelltenver=
ſicherung nicht gegeben iſt, den Schreibgehilfen die
An=
wartſchaft auf Ruhegeld und Hinterbliebenenrente gemäß
Paragraph 9 des Reichsgeſetzes vom 20. Dezember 1911 zu
gewährleiſten. Sollte dies nicht angängig ſein, ſo über
nimmt der Staat die vollen Beiträge zur
Angeſtelltenver=
ſicherung. — Zu Kapitel 80 beantragen wir, die
Regie=
rung zu erſuchen, noch im Budgetjahr 1913 die Umwand=
lung von 38 Stellen mit minſteriel verwendeten
Gerichts=
ſchreibergehilfen in Hilfsgerichtsſchreiber= (Aſſiſtenten=)
Wir werden zu dieſen Anträgen
Stellen vorzunehmen.
namentliche Abſtimmung beantragen. — In der
Strafvoll=
ſtreckung ſollte man doch nach Möglichkeit mit den
gegebe=
nen Verhältniſſen rechnen. In dem vom Abg. Buſold
erwähnten Falle hat man nicht nur die Mutter mit dem
Säugling, ſondern auch den Vater eingeſteckt und die acht
Kinder ſich ſelbſt überlaſſen. Das ſollte doch nicht
vor=
kommen. Zur Frage der Armenrechte uſw. bin ich nicht
der Anſicht des Abg. Zuckmeyer, daß das Armenrecht ohne
weiteres jedem verliehen wird. Ich habe vielmehr ſchon
öſters bis an das Juſtizminiſterium gehen müſſen, um
das Armenrecht zu erlangen für einen Klienten.
Viel=
fach ſchämen ſich auch die Leute, auf Armenrecht zu
kla=
gen, ſie leihen ſich lieber das Geld. Unter allen
Umſtän=
den muß aber verlangt werden, daß die auf Armenrecht
Klagenden ganz genau ſo behandelt werden, wie andere
Prozeſſierende, damit wir nicht zu einer Juſtiz 1. und 2.
Klaſſe kommen. Die vom Abg. Zuckmeyer vorgeſchlagene
Steuer auf Privatverträge lehnen wir ſelbſtverſtändlich
ab. Wiederholt haben wir ſchon gerügt, daß die
Ge=
richtskoſtenberechnungen durch Aſſeſſoren vorgenommen
werden. Zur Frage des Noteides halte ich die
Verbind=
ung desſelben mit der Anwaltſchaft für unhaltbar. Hier
müßte eine Reform einſetzen. Wenn für die Richter die
preußiſchen Gehaltsſätze verlangt wurden, um ſie zu
zu=
friedenen Beamten zu machen, ſo meine ich, daß auch das
höchſte Gehalt nicht verhindern kann, daß einzelne Richter
Sorgen haben. Das kommt doch ganz auf die
perſön=
lichen Verhältniſſe an. In den letzten Tagen hat hier der
Fall des Studenten Weiſer vor dem Schwurgericht
ge=
ſtanden. Ich will an dem ergangenen Urteil keine Kritik
üben, aber wir wollen hoffen, daß auch Nichtakademiker,
daß Arbeiter, wenn ſie einmal in der Trunkenheit
ähn=
liche Exzeſſe begehen, gleich milde Richter finden. Zu
be=
dauern iſt, daß in Fällen, wie der vorliegende, keine
Nebenklage (Entſchädigungsklage) zuläſſig iſt. Unſere
Schwurgerichte ſind ſehr einſeitig zuſammengeſetzt, ſie
be=
ſtehen faſt zu neun Zehnteln aus Landwirten. Man ſollte
doch endlich auch andere Berufsklaſſen, namentlich
Arbei=
ter, zu Geſchworenen und Schöffen machen. Ich bitte
die Regierung um Auskunft darüber, was ſie im
Ver=
folg unſeres Beſchluſſes, im Bundesrat die Gewährung
von Tagegeldern an Schöffen und Geſchworene zu
bean=
tragen, getan hat. Zu beanſtanden iſt, daß in unſerem
Richterſtand das ſtaatsanwaltliche Element überwiegt.
Die Staatsanwaltſchaft wird bei uns nur als eine Art
Durchgangsſtation betrachtet. Das iſt nicht richtig. Die
Richter, die ehemals Staatsanwälte waren, zeichnen ſich
erfahrungsgemäß durch eine gewiſſe einſeitige Schärfe
aus, beſonders in Strafſachen. Mit der richterlichen
Un=
abhängigkeit iſt das ſo eine eigene Sache, ſolange die
Richter noch Titel und Orden anzunehmen in der Lage
ſind und ſolange ſie nicht alle im Gehalt gleich geſtellt
ſind. Ich bin auch dafür, daß der Staat das Recht haben
ſollte, etwa mit dem 60. bis 65. Lebensjahr die Richter
im Intereſſe der Juſtiz auch gegen ihren Willen zu
pen=
ſionieren. Aus Rheinheſſen ſind uns Beſchwerden
zuge=
gangen über ungerechtfertigte Verhaftungen. Beſonders
das Polizeiamt Worms iſt mit Verhaftungen ſchnell bei
der Hand. Auch über die Behandlung Verhafteter durch
die Schutzleute wird vielfach geklagt. Unſere
Unterſuch=
ungsgefängniſſe unterſcheiden ſich faſt gar nicht von den
Strafanſtalten. Das iſt ein unhaltbarer Zuſtand. In
die Lage, verhaftet zu werden, kann durch unglückliche
Umſtände jeder kommen. Solange kein Delikt erwieſen
iſt, muß das Unterſuchungsgefängnis viel mehr
Frei=
heiten geſtatten. Da zu reformieren, wäre wichtiger
ge=
weſen, als in den Uniformen der Gefängniswärter. Das
Sprechzimmer der Anwälte im= Unterſuchungsgefängnis
bedarf dringend der Verbeſſerung. Im weiteren bringt
Redner Beſchwerden über eine Reihe von Spezialfällen
vor und greift beſonders den Staatsanwalt Leoni
ſcharf an.
Staatsminiſter Dr. v. Ewald Exz.: Der Abg. Dr.
Weber hat im Verlauf ſeiner Rede zur Generaldehatte
über die Mündelſichrheit von Papieren außerheſſiſcher
Banken geſprochen und hat gewünſcht, daß die Verleihung
der Mündelſicherheit an außerheſſiſche Papiere in Heſſen
abhängig gemacht werden ſoll von einer Abgabe, die in
die Staatskaſſe fließen ſoll. Dieſer Vorſchlag kommt zu
ſpät, denn ſeit 1900 hat Heſſen keinen Einfluß mehr auf
die Gewährung der Mündelſicherheit, die jetzt durch
Bun=
desratsbeſchluß erfolgt. Der Abg. Buſold hat einen Fall
zur Sprache gebracht, in dem eine Frau mit einem
Säug=
ling zur Strafvollſtreckung herangezogen wurde, und hat
es als Grauſamkeit bezeichnet, den Säugling ins
Gefäng=
nis zu ſtecken. Darüber, wie der Säugling das
empfun=
den hat, brauchen wir uns wohl nicht zu unterhalten. Die
hier maßgebenden Beſtimmungen des Geſetzes vertreten
den Standpunkt der Regierung. Es iſt den Gefangenen
nicht zu geſtatten, Kinder mit ins Gefängnis zu nehmen.
Ausnahmen ſind nur zuläſſig, wenn es ſich um Säuglinge
handelt, die von der Mutter nicht getrennt werden können.
Hätte der Abg. Buſold uns damals mitgeteilt, um
wel=
chen Fall es ſich handelt, hätten wir ihm alsbald
Aus=
kunft geben können. So iſt das nicht möglich. Es iſt
weiter behauptet worden, daß die Frau noch 8 Kinder
gehabt hat, die ohne Beaufſichtigung blieben, weil man
auch den Vater inhaftierte. Nach meinen Erfahrungen
geſchieht das niemals, es tritt ſtets Strafaufſchub ein.
Sollte das im vorliegenden Falle nicht angängig geweſen
ſein, ſo iſt nach der Geſetzgebung die Bürgermeiſterei
verpflichtet, die Kinder in Obhut zu nehmen. Das
ge=
ſchieht auch in allen Fällen, wo nur ein Elternteil noch
am Leben iſt. Der Abg. Dr. Fulda hat angefragt, wie
ſich die Regierung verhalten hat zu dem Antrag auf
Ge=
währung von Tagegeldern für Schöffen und Geſchworene.
Ich kann dazu mitteilen, daß Heſſen dem Antrage
eu=
geſtimmt hat. Herr Fulda hat weiter eine größere
Ab=
wechſelung in der Berufung zum Schöffen= oder
Geſchwo=
renenamt verlangt. Es liegt hierzu ein beſonderer Antrag
des Abg. von Brentano vor, zu dem eine Umfrage in die
Wege geleitet wurde. Wir werden bei Behandlung des
Antrags darauf eingehender zurückkommen. Ich darf
aber daran erinnern, daß die Regierung, ſoweit es ſich
um die Wahl der einzelnen Perſonen handelt, nur einen
geringen Einfluß darauf hat. Es iſt dann vom Abg.
Fulda Beſchwerde darüber geführt worden, daß zu
häu=
fig gewechſelt wird zwiſchen Staatsanwälten und
Rich=
tern, und dabei iſt auf Preußen verwieſen worden, wi
das anders ſei. Ich halte das Syſtem, das wir in Heſſen
haben, das auch Bayern hat, für das beſſere und
rich=
tigere. Es iſt richtiger, den Staatsanwalt nicht zu lange
in ſeinem Berufe zu belaſſen, und ebenſo umgekehrt, den
Richter. (Sehr richtig!) Das liegt nicht nur im
Inter=
eſſe der Rechtspflege, ſondern auch der Perſönlichkeiten
ſelbſt. Was die zu ſchweren Beſtrafungen betrifft, die
der Abg. Fulda kritiſiert hat, ſo muß ich mich eines
Ur=
teils ſo lange enthalten, als ich den Tatbeſtand nicht auch
von der anderen Seite gehört habe, denn wenn irgend,
ſo gilt hier wohl der Grundſatz: Audiatur et altera pars.
Die Abgg. Zuckmeyer und Fulda haben vermißt, daß die
Abnahme der Prozeſſe an einzelnen Gerichten auch eine
Verminderung der Zahl des Richter= oder
Gerichtsſchrei=
berperſonals verurſacht hat. Ich kann dazu mitteilen, daß
am Landgericht Mainz, wo die Zahl der Prozeſſe
aller=
dings zurückgegangen iſt, auch die Konſequenzen gezogen
wurden. Es wurde dort ein Hilfsrichter abgerufen und
zwei Kanzliſtenſtellen kaſſiert. Das gleiche gilt vom
Oberlandesgericht Darmſtadt. Auch beim Landgericht
Darmſtadt wurde der Verſuch gemacht, doch mußten die
Maßnahmen hier ſpäter wieder rückgängig gemacht
wer=
den, weil die Prozeſſe wieder zugenommen haben. In
Gießen liegen die Verhältniſſe ähnlich. Die Anregungen
des Abg. Dr. Stephan bezüglich der Weiterbildung der
Richter werden wir auf ihre Durchführbarkeit weiterhin
prüfen. Verſuche dieſer Art wurden ſchon gemacht, doch
ſcheiterten ſie teils an dem Mangel geeigneter Herren,
dieſe Vorträge zu halten, zum Teil auch an der
Gleich=
gültigkeit der Richter. Der Anſicht, als ob in
Armen=
ſachen infolge eines Beſchluſſes von oben die
Beweis=
beſchlüſſe anders erledigt werden, als in anderen
Pro=
zeſſen, muß ich entgegentreten, ſie iſt im höchſten Grade
verfehlt. Es ſteht ja der Juſtizverwaltung gar kein
Ein=
fluß auf die Zeugenvernehmung zu, und wir werden uns
ſchwer hüten, einen derartigen Verſuch zu machen.
Ich=
darf auch verſichern, daß wir nie ſo unſozial ſein werden,
den Armen einen ſchlechteren Juſtizdienſt zu verabreichen,
als den Begüterten. Die Abgg. Grünewald und Fulda
haben auf die mißlichen Verhältniſſe der Schreibgehilfen
hingewieſen. Ich habe ſchon geſtern den Standpunkt der
Regierung klargelegt. Verwahren muß ich mich aber gegen
den Vorwurf des Abg. Grünewald, daß die
Juſtizver=
waltung kein Herz habe für die niederen Beamten und
ſich unſozial verhalte. Wenn Herr Grünewald ſich einmal
die neue Beſlodungsordnung anſehen wollte, wird er
ſehen, daß wir keineswegs unſozial vorgegangen ſind;
wir haben die niederen Beamten viel beſſer behandelt
als die höheren, und haben Sätze, die die anderen Staaten
vielfach übertreffen. Wir müſſen aber auch an die
Steuer=
zahler denken und auf dieſe Rückſicht nehmen. Darum
können alle Wünſche nicht erfüllt werden. Der Vorwurf,
daß wir zu ſparſam in unſeren Anforderungen im
Bud=
get geweſen ſind, kommt doch vielleicht etwas zu früh,
Meine Herren! Wir wollen einmal abwarten, was das
Reich von uns verlangt zur Deckung der Heeresvorlage.
(Sehr richtig! Beifall.)
Abg. Boxheimer: Ich ſtehe auf dem Standpunkt,
daß die Gerichtsſchreibergehilfen zu den
ſchlechteſtbeſol=
deten Beamten gehören und daß die Anſtellung von 20
Prozent nicht ausreichend iſt. Die Anſtellung mit dem
30. Lebens= und 10. Dienſtjahr, die der Herr
Staats=
miniſter als einzigdaſtehend bezeichnet hat, iſt den
betref=
fenden Beamten aber zugeſagt worden und viele ſind
die=
ſer Zuſage wegen aus anderen Berufen heraus in den
Juſtizdienſt übergetreten. Es iſt darum nicht angängig,
ihnen nun die Anſtellung zu verſagen, und die Leute
ver=
langen nichts beſonderes in ihren Wünſchen auf
Anſtel=
lung. Ich habe mir die Gehälter der Gerichtsſchreiber
einmal angeſehen und muß feſtſtellen, daß nach Abzug der
Steuern und Abgaben kaum noch ein
Tagelöhnereinkom=
men übrig bleibt. Ich möchte weiter auch darauf
hinwei=
ſen, daß, wenn die Gerichtsſchreiber in die
Reichsverſicher=
ung eintreten müſſen, vom Staat für die Beiträge dazu
faſt die gleiche Summe aufgebracht werden muß, die
er=
forderlich iſt, wenn die Beamten angeſtellt werden. Man
könnte eine ganze Reihe von Gerichtsſchreiberſtellen
defi=
nitiv machen durch die Beſetzung mit Aſſiſtenten. Dem,
was die Abgg. Zuckmeyer und Stephan zur Frage der
Richter uſw. gemacht haben, kann ich mich voll
anſchlie=
ßen, ebenſo in bezug auf die Notariate. Ich bin
entſchie=
den gegen den Wunſch des Abg. Fulda, hier eine
Aender=
ung der beſtehenden Beſtimmungen eintreten zu laſſen,
Was die Ausführungen des Abg. Zuckmeyer zur Frage
der Armenrechte betrifft, ſo hat er nicht geſagt, es ſei eine
Anweiſung von oben gekommen in bezug auf die
Zeugen=
vernehmung, ſondern er hat geſagt, er wiſſe nicht, ob etwa
eine Anweiſung von oben gekommen iſt. Im übrigen
bin ich mit ihm gleicher Meinung darüber, daß zu oft das
Armenrecht bewilligt wird, auch da, wo es nicht
ange=
bracht iſt. Der mehrfach erwähnte Rückgang der Prozeſſe
beruht wohl auf Ausdehnung des Mahnverfahrens. Eine
Reihe von Arbeiten im Grundbuchweſen ſollte anſtatt
von dem Richter von dem Gerichtsſchreiber
vorgenom=
men werden. Dadurch ließe ſich eine erhebliche
Verein=
fachung ermöglichen. Auch das Beitreibungsverfahren
der Gerichtskoſten läßt ſich vereinfachen. Die Abhaltung
von Vortragskurſen für Richter ſollte durch einen
Staats=
zuſchuß gefördert werden. Es iſt heute wieder von einer
Weltfremdheit der Richter geſprochen worden. Ich bin
der Anſicht, daß mit dieſem Worte viel Unfug getrieben
wird. Man darf Einzelfälle, die ſich hin und wieder ers
eignen, nicht verallgemeinern. Ich glaube vielmehr, daß
unſere Richter ſich ganz beſonders dadurch auszeichnen,
daß ſie Fühlung haben und halten mit allen Schichten des
Volkes. Wo aber noch wirklich Weltfremdheit herrſcht,
kann durch die angeregten Vortragskurſe abgeholfen
wer=
den. An der Einrichtung der Jugendgerichte iſt zu rügen,
daß die Jugendrichter nicht ſelbſt die Entſcheidung
dar=
über in Händen haben, ob Geldſtrafe oder Freiheitsſtrafe
anzuwenden, oder ob Strafaufſchub zu gewähren iſt.
Zurzeit liegt dieſe Entſcheidung beim Miniſterium. Was
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die Frage der Richtergehälter betrifft, ſo ſoll es ſich hier
nicht um eine Bevorzugung, ſondern um eine
Gleich=
ftellung der Richter mit Beamten gleicher Kategorien
han=
deln. Das hat auch der Abg. Grünewald geſtern bezweckt.
Geheimerat Dr. Beſt: Der Abg. Grünewald hat
geſtern ausgeführt, ich hätte eine Parallele gezogen
zwi=
ſchen preußiſchen und heſſiſchen Richtern und daran die
Folgerung geknüpft, daß man dieſe Gehälter gleichſtelle,
auch die der mittleren Juſtizbeamten in gleicher Weiſe
geregelt werden müſſen. Das iſt tatſächlich unrichtig. Ich
Habe im Anſchluß an die gezogene Parallele zwiſchen der
göheren Richtern Preußens und Heſſens nur geſagt, da
die beſſiſchen Richter gegen die preußiſchen ſo viel
ſchlech=
rer ſtehen, müſſen ſich auch die mittleren Juſtizbeamten
gefallen laſſen, hinter den preußiſchen zurückzubleiben
Ich habe aber gleich hinzugefügt, daß ſich unſere
mittleren Juſtizbeamten im Verhältnis zu denen der
Rich=
ter uſw. viel mehr den preußiſchen Verhältniſſen nähern.
Der Abg. Boxheimer hat geſagt, die Schreibgehilfen
hätten ja ein Recht auf Anſtellung, da ihnen dieſe ja
ver=
ſprochen wurde. Wenn das richtig iſt, müßten ja anſtatt
20 Prozent 100 Prozent angeſtellt werden. Dieſe
Konſe=
quenz iſt doch von keiner Seite gezogen worden. In der
vom Abg. Boxheimer angezogenen Bekanntmachung, auf
die ſich das Recht” ſtützen ſoll, heißt es aber nur, daß
eventl. die Möglichkei t einer dekretmäßigen
Anſtel=
lung gegeben iſt. Wenn man aus dieſer Möglichkeit ein
Recht herleiten wollte, müßte das ja auch gelten für älle
die anderen Beamtenkatogerien, in denen
Stellen=
beſchränkungen vorgenommen wurden. Wenn Herr
Bor=
heimer weiter geſagt hat, die
Privatbeamtenverſicherungs=
beiträge würden dem Staat genau ſo teuer kommen, wie
die Anſtellung, ſo iſt das doch falſch. Die Uebernahme
ſämtlicher Beträge würde 45—60000 Mark, die Anſtellung
aber 350000 Mark jährlich koſten. Im übrigen kann dieſe
ſowie die Fragen der Anrechnung der Vordienſtzeit uſw.
erſt beſprochen werden in Verbindung mit der
Beſold=
ungsordnung.
Danach wird die Sitzung um ¾1 Uhr auf
nach=
mittags 3 Uhr vertagt.
64. Sitzung.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter Dr. v. Ewald
Exz., Finanzminiſter Dr. Braun Exz., Geheimeräte Dr.
Becker, Dr. Beſt, Lorbacher, Geh. Oberjuſtizrat
Schwarz.
Die Nachmittagsſitzung wird um 3¼ Uhr durch
Vize=
präſident Korell eröffnet. Die Debatte zum
Juſtiz=
tat wird fortgeſetzt.
Abg. v. Helmolt ſtellt im Namen ſeiner Fraktion
den Antrag, die zur Frage der Schreibgehilfen geſtellten
Anträge zurückzuſtellen bis zur Beratung der
Beſoldungs=
ordnung. In der Frage ſelbſt ſind die Anſichten in meiner
Fraktion geteilt. Ein Teil ſteht auf dem Standpunkte
den auch ich teile, daß die den Schreibgehilfen gemachten
Perſprechen auch gehalten werden müſſen; der andere Teil
meiner politiſchen Freunde ſtimmt aus
Sparſamkeitsrück=
ſſichten für die Regierungsvorſchläge: Zur Frage des
Notariats meine ich, die Regierung hat vielleicht keine
kicht glückliche Hand in der Auswahl der Perſönlichkeiten
gehabt. In den rechtsrheiniſchen Provinzen ging es
ftüher ohne Notariat ſehr gut. Jedenfalls ſtehe ich auf
dem Standpunkte, daß man das Notariat nicht mehr
aus=
dehnen, ſondern eher einſchränken ſoll. Ich teile die
An=
licht des Abg. Fulda, daß es zweckmäßig iſt, die Notariate
on der Anwaltſchaft zu trennen. Die Zulaſſung der
Prozeßagenten, die allerdings da, wo keine Rechtsanwälte
ſind, ein notwendiges Uebel ſind ſollte man möglichſt
ein=
ſſchränken. Den Ausführungen über die Höhe der
Urkun=
dnſtempel ſtimme ich bei. Ebenſo einer Reihe anderer
Fragen, die ich nicht mehr wiederholen will. Im übrigen
kann man der Juſtizverwaltung Vertrauen ausſprechen.
Abg. Wolf=Stadecken bittet (für ſeine Perſon, nicht
üür die Partei) die Regierung, im Bundesrat dafür zu
wärken, daß Roheits= und Sittlichkeitsdelikte, beſonders
Roheitsdelikte gegen Tiere, viel ſchärfer beſtraft werden.
Ran ſolle endlich mit falſcher Humanität aufräumen und
plche Vergehen, auch die Sittlichkeitsvergehen gegen
Kin=
br, die ſich immer mehr häufen, exemplariſch beſtrafen.
Ich ſchrecke dabei auch nicht vor dem Worte Prügelſtrafe
urück. Das Mahnverfahren halte ich für zu kompliziert
tid umſtändlich. Das Tragen von Schußwaffen müßte
vrboten, mindeſtens ſehr eingeſchränkt werden. Wenn
rauf hingewieſen wurde, daß den Schreibgehilfen
Ver=
ſprechungen gemacht worden ſind, ſo muß daran erinnert
verden, daß dieſe Verſprechen auch anderen Beamten
ge=
ſeben wurden.
Geheimerat Lorbacher (ſchwer verſtändlich)
er Abg. Zuckmeyer hat einige Fragen betr. das
Stem=
elgeſetz angeſchnitten. Er hat zunächſt einen Fall in
Nainz erwähnt, betr. den Niederlaſſungsſtempel. Nach
em Geſetz wird ein Geſellſchaftsvertrag im ganzen
Um=
lange ſtempelpflichtig, auch wenn es ſich um die
Nieder=
kaſſung einer Geſellſchaft handelt, die in einem anderen
Staate bereits ſtempelpflichtig war. Der Geſetzgeber war
lch deſſen bewußt, daß dadurch unangenehme
Doppelbe=
leuerungen eintreten können und hat in Nummer 37 des
Tarifs vorgeſehen, daß, wo Gegenſeitigkeit des
betreffen=
ſen Staates garantiert iſt, nur die Erhebung des Stem=
pels auf den Umfang der Zweigniederlaſſung erfolgt. Wir
haben weiter die Beſtimmung, daß, um Härten zu ver
meiden, im Gnadenwege die Stempelkoſten auf ein
der=
artiges Maß herabgeſetzt werden können, wo es ſich un
Zweigniederlaſſungen handelt. Daß eine allgemein
Herabſetzung des Geſellſchaftsſtempels von Vorteil iſt,
möchte ich bezweifeln; wir würden dadurch ein ſchlechtes
Geſchäft machen. Daß der Immobilienſtempel recht hoch
iſt, darf zugegeben werden, beſonders da, wo noch der
Beſitzzuwachsſtempel hinzutritt. Ob man aber als evtl.
Erſatz in der Beſteuerung von Privatverträgen noch
wei=
ter gehen ſoll, muß bezweifelt werden. Jedenfalls ſind
das Fragen, die hier im Rahmen dieſer Debatte nicht
ge=
löſt werden können. Richtig iſt, daß die Zuſtellungskoſten
bei Amtsgerichten nicht ganz gedeckt werden durch die
Pau=
ſchale. Man wird vielleicht zu gegebener Zeit darüber
verhandeln können. Bezüglich der Beitreibung von
Ge=
richtsgebühren ſind wir gebunden an die
Reichsbeſtim=
mungen, nach denen die Gebühren erſt fällig werden nach
Beendigung der Inſtanz. Die Beitreibung ſelbſt liegt in
Händen der Bezirkskaſſen und ſtaatlichen Pfandmeiſter.
Daß dieſe zu langſam arbeiten, darüber ſind uns Klagen
bisher nicht bekannt geworden. Die vom Abg. Zuckmeyer
gerügte rigoroſe Handhabung der
Ausführungsbeſtim=
mungen zum Immobiliarſtempel war notwendig, um die
mehr und mehr um ſich greifenden
Stempelhinterziehun=
gen zu vermeiden. Man hat früher große Grundſtücke
parzellenweiſe verkauft, immer an die gleichen Beſitzer, um
die Stempelkoſten zu umgehen. Das geht jetzt nicht mehr.
Der Abg. Grünewald hat gerügt, daß das
Umlageverfah=
ren durch eine Entſcheidung eine erhebliche Erſchwerung
erfahren hat. Die fragliche Entſcheidung iſt vom
Ober=
landesgericht ergangen. Die Schwierigkeiten liegen
darin, daß man nicht genau auseinander halten kann die
Intereſſen der Allgemeinheit und die der Einzelnen. Man
hat Erwägungen eingeleitet, den Zuwachsſtempel zu ſtun
den. bis ein Ertrag eingetreten iſt; aber es konnte noch
zu keiner Einigung kommen. Die Errichtung von
Ge=
richtskaſſen würde viel Geld koſten, jährlich etwa 80 000
Mark. Daß die Gerichtskaſſen in den Städten von Vor
teil wären, iſt nicht zu beſtreiten, aber für die Landgemein
den wäre das umſtändlicher. Der Abg. Wolf hat das
Mahnverfahren kritiſiert. Darin hat jeder Bundesſtaat
ſein eigenes Syſtem. Das unſere iſt ziemlich einfach und
recht praktiſch.
Abg. Henrich beſpricht das Mißverhältnis, das
wiſchen der geringen Zahl der Aktuarſtellen und der als
Durchgangsſtellen zu betrachtenden Aſſiſtentenſtellen
be=
ſteht. Noch ungünſtiger iſt das Mißverhältnis zwiſchen
der Zahl der definitiven und der proviſoriſchen Stellen.
Redner tritt an erſter Stelle für Vermehrung der
Aſſiſten=
tenſtellen um 58 ein; bei Ablehnung iſt er für den Aus
chußantrag. In bezug auf die Schreibgehilfen bedauert
Redner die wenig entgegenkommende Haltung der
Regie=
rung. Nach dem Regierungsvorſchlag von 20 Prozent
definitiver Stellen kommen 58 neue Stellen heraus;
wer=
den dieſe um 28 erhöht, dann macht das 23 Prozent. Der
Ausſchußantrag fordert 30 Prozent, das ſind 150 neue
Stellen; der Antrag Adelung mit 40 Prozent beruht auf
anderer Rechnungsgrundlage und bringt jetzt 180 neue
Stellen; aber die Grundlage iſt veränderlich und darum
unſicher, deshalb iſt der Ausſchußantrag vorzuziehen. Der
Ausſchußantrag enthält das Mindeſte deſſen, was aus
ſozialen und moraliſchen Gründen für die Schreibgehilfen
gefordert werden muß. Die Angeſtelltenverſicherung iſt
nur ein unzureichender Notbehelf; der Staat muß für
ſeine Funktionäre mehr leiſten können. Eine Vertagung
der Entſcheidung bis zur Beſoldungsordnung iſt zwecklos.
Redner beſpricht dann die Stempelkoſten bei freiwilliger
Umlegung von Baugrundſtücken, die infolgedeſſen völlig
unmöglich gemacht werde. Er belegt das mit Beiſpielen
aus Darmſtadt. Maßnahmen zur Förderung des
Woh=
nungsweſens durch Verbilligung der Bauplätze iſt im
öffentlichen Intereſſe gelegen. Das Feldbereinigungsgeſetz
gewährt Stempel= und Gebührenfreiheit. Dieſer Vorteil
muß auch auf die Zwangsumlegungen übergehen, wenn
dieſe demnächſt geſetzlich beſchloſſen wird. Inzwiſchen
aber ſollte die Regierung von der ihr auf Grund des
Stempelgeſetzes zuſtehenden Befugnis der
Stempelbefrei=
ung mehr Gebrauch machen.
Abg. Raab: Der Abg. Wolf hat ſeinem Abſchen
Aus=
druck gegeben gegen Roheits= und Sittlichkeitverbrechen.
Dieſen Abſcheu empfinden wir auch, aber wenn Herr Wol
die Prügelſtrafe dafür einführen will, können wir ihm
auf dieſem Wege nicht folgen. Denn durch neue Roheiten
werden Roheiten nicht aus der Welt geſchafft. Redner
führt dann Beſchwerde über einen allzu ſtrengen
Darm=
ſtädter Aktuar
Abg. von Brentano iſt entſchieden gegen einc
Vertagung der Anträge bis zum Herbſt zur Beratung der
Beſoldungsordnung. Die Schreibgehilfen haben ein
Recht darauf, endlich einmal zu wiſſen, wie ſich ihre
Ver=
hältniſſe geſtalten, und wir haben die Dinge doch jetzt
wirklich ſo durchgekaut, daß es nicht angängig iſt, die De
batten nochmals zu wiederholen. Redner verteidigt dann
(auf den Tribünen ſchwer verſtändlich) ſehr energiſch und
eingehend die Einrichtung des Notariats und polemiſiert
in dieſer Beziehung gegen den Abg. von Helmolt. Dem
Abg. Wolf kann man bis zu einem gewiſſen Grade folgen;
aber oftmals ſind dieſe Menſchen nicht ſo ſchuldig, als ſie
ſcheinen, ſondern ſie ſind Opfer der Verhältniſſe, der
gan=
zen verderbten Moral, auch der höheren Regionen
Staatsminiſter Dr. von Ewald Exz.: Der
Abge=
ordnete Raab hat den Fall eines Aktuars zur Sprache
ge=
bracht, der ſeine Schreibgehilfen ſchlecht behandele und
dergleichen. Dieſer Fall hat in einer hieſigen Zeitung
ge=
ſtanden und das gegen dieſe eingeleitete gerichtliche
Ver=
fahren wird Aufklärung der Angelegenheit bringen.
Abg. Dr. Winkler ſpricht ſich ebenfalls gegen die
Vertagung der Anträge zu den Schreibgehilfen=
Ver=
hältniſſen aus. Es iſt doch nicht angängig, die Leute jetzt
nochmals zu vertröſten. Im Intereſſe des Anſehens der
Kammer ſelbſt iſt es geboten, die Angelegenheit endlich
zur Erledigung zu bringen, und es liegt auch im
Inter=
eſſe einer guten Erledigung der Dienſtgeſchäfte, wenn die
Beamten endlich einmal zufrieden geſtellt werden. Er
bittet die Regierung, einmal Erhebungen darüber
anzu=
ſtellen, ob nicht die ſchematiſche Anrechnung der
Vordienſt=
zeit zu Mißſtänden geführt hat.
Abg. Adelung iſt ebenfalls gegen die Vertagung
der mit zur Beratung ſtehenden Anträge. Wenn wir die
Leute brauchen, ſo ſollten wir auch dafür ſorgen, daß ſie
ein ausreichendes Einkommen erhalten. Mit platoniſchen
Erklärungen kommen wir nicht weiter; wir müſſen
end=
lich einmal zur Abſtimmung kommen. Redner begründet
dann ſehr eingehend ſeinen bereits mitgeteilten Antrag,
zu dem ſeine Partei den Antrag auf namentliche
Abſtim=
mung ſtellt.
Geheimerat Dr. Beſt möchte demgegenüber darauf
hinweiſen, welche Koſten es dem Staate verurſachen
würde, wenn die verſchiedenen Anträge angenommen
würden. Die Koſten der von der Regierung zugeſtandenen
20 Prozent würden mehr betragen im Mittel 26 670 Mark
im Maximum 33 582 Mark. Wenn 30 Prozent mehr
an=
geſtellt würden, betragen die Koſten im Mittel 69 732 Mk.
im Maximum 87612 Mark. Werden 40 Prozent mehr
angeſtellt, ſo koſtet das im Mittel 112788 Mark, im
Maxi=
mum 140701 Mark. Die Erſparnis der
Verſicherungsbei=
träge betrage nicht ſo viel, als angenommen wird, denn
ſo lange die Beamten nicht tatſächlich angeſtellt ſind, muß
die Verſicherung doch bezahlt werden. In den letzten
Jahren iſt ſtets gefordert worden, keine neuen
Beamten=
ſtellen mehr zu ſchaffen, ſondern es wurde vielmehr eine
ganze Anzahl geſtrichen. Damit ſteht das Verlangen in
Widerſpruch, 50 Prozent Gerichtsſchreibergehilfen= in
Aktuariatsaſſiſtentenſtellen umzuwandeln. Dieſe
Umwand=
lung würde einen jährlichen Mehraufwand erfordern von
m Mittel 84000 Mark, im Maximum 140000 Mark. Das
iſt doch eine ganz erhebliche Belaſtung.
Abg. Reh polemiſiert gegen den Abg. von Helmolt
bezüglich der Stempelſteuer. — Abg. Korell=Angenrod
verteidigt den Standpunkt ſeines Fraktionskollegen v.
Hel=
molt. Seine Partei wolle den Schreibgehilfen auch durch
Taten, nicht durch Worte helfen. — Nach weiteren kurzen
Ausführungen des Abg. Boxheimer ſchließt die
De=
batte.
Kapitel 88: Miniſterium, wird mit 58474 Mark
angenommen.
Kapitel 89: Gerichte uſw., wird auf morgen
zu=
rückgeſtellt.
Die Kapitel 90—97 werden debattelos
angenom=
men.
Dann tritt Vertagung ein. Nächſte Sitzung
Freitag 9 Uhr
Schluß 6 Uhr.
Literariſches.
— Ueber Hoſenrollen handelt ein Aufſatz der
neueſten ſoeben erſchienenen Nummer (12) der „Modernen
Kunſt”. (Verlag von Rich. Bong, Berlin W 57. Preis
des Vierzehntagsheftes 60 Pfg.) Aus dem übrigen
In=
halt des glänzend ausgeſtatteten Heftes heben wir nod
beſonders den mit Künſtlermaterial gleichfalls
verſchwen=
deriſch bedachten Aufſatz A. Brunnemanns „Franzöſiſche
Monumentmalerei” ferner Dr. Moritz Goldſteins
geiſt=
volle Betrachtung „Der Dichter in der Dichtung” und die
glänzend geſchilderte Tiergeſchichte „Fuſelines Ende” von
Louis Pergaud hervor, der kürzlich mit dem Preiſe der
Pariſer Concourt=Akademie gekrönt wurde. Der
künſt=
leriſche Schmuck des Heftes ſteht auf bekannter Höhe, und
der Zickzackbogen gibt auch diesmal eine reiche Zahl
in=
tereſſanter Perſönlichkeiten und origineller Begebniſſe aus
den Kreiſen des Theaters, der Kunſtwelt und des
Va=
rietés mit Bild und Wort in anrengender, knapper Form.
wieder.
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On
2
Tauschuu
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7
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duum ſprach am Mittwoch im Auftrage der
Deutſch=
nationalen Krankenkaſſe und des Deutſchnationalen
Handlungsgehilfen=Verbandes Herr Dr. Vidal von hier.
Trotz der ſtarken Hochflut von Veranſtaltungen aller Art,
die ſich gegenwärtig über Darmſtadt ergießt, hatte ſich
eine außerordentlich zahlreiche Zuhörerſchar aus allen
Geſellſchaftsſchichten im Fürſtenſaal eingefunden, die mit
ſtarkem Intereſſe den lichtvollen Ausführungen des
Red=
ners lauſchte. Das Leitmotiv des Vortrages war der
Gedanke, daß die Einzelperſönlichkeit durch Selbſtzucht,
Vernunft und naturgemäße Lebensweiſe nicht nur für
ſich ſelbſt zu ſorgen habe, ſondern auch das ſtolze
Bewußt=
ſein haben müſſe, zu gleicher Zeit an der Geſundung und
Veredelung des eigenen Volkstums, der eigenen Raſſe zu
arbeiten. Zuerſt beleuchtete der Redner eingehend an
Hand eines reichen Bildermaterials die
Bevölkerungsent=
wickelung und den Geburtenrückgang in Heſſen ſowohl
wie in Frankreich und Deutſchland . Obwohl ein Teil des
Geburtenrückganges durch verminderte Sterblichkeit bei
den Kulturvölkern ausgeglichen würde muß mit
verhäng=
nisvollen Folgen für das Daſein dieſer Völker gerechnet
werden. Der Redner erging ſich dabei in
bemerkenswer=
ten Betrachtungen über die Lehre des Dr. Malthus. Schon
lange hat man erkannt, daß die Lehre dieſes engliſchen
Arztes falſch ſei. Es ſei nicht erwieſen, daß die
Bevöl=
kerung durch verminderte Kinderzahl geſunder und beſſer
würde, eher ſei das Gegenteil eingetreten, nämlich
ver=
minderte Energie im Lebenskampfe, Weichlichkeit, Hang
zum Wohlleben, mit all den Folgen, die einer Nation
den Wettkampf mit anderen Völkern erſchwert.
Der zielbewußten aufklärenden Arbeit in den letzten
Jahren ſei es zu verdanken, daß jeder Deutſche wiſſen
muß, wie er ſich zu ſchützen hat gegen die bekannten
Volks=
krankheiten Tuberkuloſe, Geſchlechtskrankheiten uſw.
Lei=
der hat der Kampf gegen einen der ſchlimmſten Feinde
unſeres Volkes, die Trinkſitten und die damit
verbun=
dene Alkoholgefahr, noch ſehr wenig Erfolg gehabt. Die
furchtbaren Folgen des Alkoholismus ſeien in den Zucht=
Kranken= und Irrenhäuſern zu finden. 400000
Säug=
linge ſterben gegenwärtig jedes Jahr in Deutſchland.
Unter den überlebenden Kindern befinden ſich zahlreiche
geiſtig und körperlich minderwertige Elemente, die der
Volksgeſamtheit zur Laſt fallen. Die Kinderſterblichkeit
ſei auch verſchuldet durch die Umgebung des Kindes und
die Ernährung. Kuhmilch ſei in erſter Linie für Kälber
beſtimmt. Es ſei ein Verbrechen gegen das Kind, wenn
ihm die natürliche Ernährung durch die Mutter ohne
zwingende Notwendigkeit verſagt werde. Die
Kinder=
ſterblichkeit wird rapid ſinken, ſobald die volle
Erkennt=
nis dieſer Tatſache Allgemeingut ſei. Mit ernſten
Wor=
ten erging ſich der Redner gegen die weiteren Folgen des
Alkoholgenuſſes und richtete einen leidenſchaftlichen Appell
an die Zuhörer, bei allen Gelegenheiten mitzuarbeiten,
daß die Unſitte des Trinkzwanges, die unſerem Volke ſo
große Opfer auferlege, immer mehr ſchwinde.
Luftfahrt.
sr. Für die deutſchen
Ausſcheidungs=
rennen zum Bennett=Preis der Freiballons
ſind jetzt durch den deutſchen Luftfahrer=Verband die
Teil=
nehmer beſtimmt worden. Das Rennen findet am 20.
April von Dresden aus ſtatt, und zwar in Focm
einer Weitfahrt, bei der jedoch Landungen in
Ruß=
land und in den von Oeſterreich für Luftfahrzeuge
geſperr=
ten Gebieten verboten ſind. Bei der Auswahl der Führer
waren, wie ſeinerzeit berichtet, verſchiedene Bedingungen
geſtellt worden. Die Anwärter ſollten zunächſt wenigſtens
30 Fahrten ſelbſtändig geleitet haben, ferner war
porge=
ſchrieben, daß ſie wenigſtens zweimal einen Ballon von
2200 Kubikmeter Größe ſelbſtändig geführt hätten. Auch
mußten ſich die Anwärter verpflichten, ſowohl an dem
deutſchen Auswahl=Rennen als auch an dem Hauptrennen
um den Gordon=Bennett=Preis aus von Paris aus
teil=
zunehmen. Zugelaſſen zum Auswahl=Rennen ſind
nun=
mehr folgende zwölf Ballonführer; Major v. Abercron,
Andernach, Ing. Berliner, Dr. Bröckelmann, Kaulen, Otto
Korn, Leimkugel, Frhr. v. Pohl, Oberpoſtſelretär Schubert,
Oberlt. Stach v. Goltzheim, Stollwerck und Lt. Voigt.
Sport, Spiel und Turnen.
Fußballſport. Der F.C. Teutonia=
Weiter=
ſtadt veranſtaltet am 6. April, anläßlich ſeines
zwei=
jährigen Beſtehens ein Fußball=Pokal=Spiel
(Sechſerkämpfe) verbunden mit Olympiſchen=Spielen. Es
ſind demſelben von verſchiedenen Sportsfreunden und
Fir=
men eine Anzahl wertvoller Pokale zur Verfügung geſtellt.
Die Sechſerkämpfe ſind in drei Klaſſen eingeteilt. Die
Olympiſchen Spiele beſtehen in 100, 200, 400 und 1000
Meter=Laufen, 15 Kilometer=Wettgehen und in einem
Fußballweitſtoß. Der Delegiertentag findet am
Sonntag, den 16. März, im Gaſthaus „Zur Sonne” ſtatt,
wo die näheren Bedingungen bekannt gegeben werden.
Die Berliner Militär=Fußball=Spiele
wurden am Mittwoch fortgeſetzt. Wie erwartet, ſiegten die
Favoritenmannſchaften leicht. Die Reſultate waren
fol=
gende: 1. Telegraphen=Bataillon gegen Kraftfahrer=
Ba=
taillon 7:2; Eiſenbahn=Regiment Nr. 1 gegen Garde=
Pionier=Bataillon 5.2; Telegraphen=Bataillon 5 gegen
Eiſenbahn=Regiment Nr. 2 2:0.
Leichtathletik. F.=C. Olympia 1898, Darmſtadt.
Der Querfeldein= und Waldlauf ſtammen, wie
faſt alle Raſenſports aus England, wo bereits Mitte
vori=
gen Jahrhunderts Orforder Studenten Wettläufe im
Freien zu veranſtalten pflegten. Etwas ſpäter kam das
Croß=Country=Laufen zu den Franzoſen, wo es großen
Anklang fand und deren Querfeldeinläufer auch jetzt zu
den beſten der Welt zählen. In Deutſchland hat ſich
die=
er Sport, wie überhaupt alle Raſenſports, leider erſt ſpät
Eingang verſchaffen können. Jetzt, vor zirka 10 Jahren,
wagten einige Berliner Sportleute eines Sonntags im
ſehr beſuchten Grunewald eine derartige Veranſtaltung,
die ſeitdem alljährlich wiederholt wird. Ein herrlicher
An=
blick bietet ſich dem nach tauſenden zählenden Publikum,
wenn die Schar der Läufer — ungefähr 500 Mann — ſich
auf die Strecke begibt, der ſo für den leider immer noch zu
wenig beachteten Laufſport in beſter Weiſe propagandiſtiſch
wirkt. Das gleiche Ziel verfolgt der F.=C. Olympia
Darm=
ſtadt mit dem am 20. April am Oberwaldhaus
ſtatt=
findenden Waldlauf.
sr. Die Preisverteilung bei den Holmenkol=Skirennen
ergab den Sieg des Norwegers Bergendahl, der auch
der Inhaber der deutſchen Meiſterſchaft iſt, um den Pokal
des Königs. Die beteiligten deutſchen Skiläufer, die ſich
wacker geſchlagen haben, gingen nicht leer aus. Luther=
München gewann in der Klaſſe der Senioren den 7. Preis,
der Deutſche Baader gewann in der Klaſſe der Junioren
den 3. Preis und Gregory=München den 13. Preis.
Handel und Verkehr.
* Berlin, 6. März. Der Verwaltungsbericht der
Reichsbank führt aus: Der während des Jahres 1912
im großen und ganzen fortſchreitende wirtſchaftliche
Auf=
ſchwung ſtellte an die Reichsbank für Zahlungsmittel und
Kredit hohe Anſprüche, und dies um ſo mehr, als infolge
Fehlens der nach der Marokkokriſis aus Deutſchland
zurückgezogenen ausländiſchen Guthaben der deutſche
Geldmarkt auf eigene Kraft angewieſen war. Neben
die=
ſem auf geſchäftlicher Grundlage beruhenden normalen
Geldbedarf trat nach der kritiſchen Zuſpitzung der
poli=
tiſchen Gegenſätze auf der Balkanhalbinſel und den
Aus=
bruch des Balkankrieges größere Geldnachfrage, die durch
die aus Angſt vor einem allgemeinen europäiſchen Kriege
vorgenommenen Abhebungen und Aufſtapelungen von
Metallgeld erheblich geſteigert wurde. Die ungewöhnlich
große Anſpannung des Geldmarktes war internationah
und kam in den Ausweiſen und Zinsſätzen aller
maß=
gebenden Zentralnotenbanken zum Ausdruck. Die
Reichs=
bank ſtand den verſtärkten Anforderungen dank
weſent=
lich höheren Goldvorrates und Deviſenbeſtände noch
beſſer gerüſtet gegenüber, als im Vorjahre. Sie konnte
den am 11. Jum auf 4½ Prozent ermäßigten Zinsfuß
über den Herbſttermin hinaus beibehalten und erhöhte
ihn erſt am 24. Oktober auf 5 Prozent. Der Satz erfuhr
angeſichts der anhaltenden Anſpannung des heimiſchen
Geldmarktes und der hohen Deviſenkurſe am 14.
Novem=
ber eine weitere Steigerung auf 6 Prozent. Im
Jahres=
ſchluß wieſen die Wechſelanlage und der Notenumlauf
die höchſten Ziffern ſeit dem Beſtehen der Bank auf. Die
Geſamtumſätze der Reichsbank im Jahre 1912 betrugen
1413 992 352 100 Mark (gegen das Vorjahr mehr
36 489815 200 Mark), der Bankzinsfuß für Wechſel im
Durchſchnitt des ganzen Jahres 4,946 Prozent (gegen
4,397 Prozent im Vorjahre), die umlaufenden Banknoten
durchſchnittlich 1781999000 Mark (gegen das Vorjahr
mehr 118384000 Mark). Für die Ueberſchreitung der
Notengrenze betrug die Steuer 4627492 Mark, der
Be=
ſtand der Giroguthaben durchſchnittlich 320 576000 Mark
(gegen 304880000 Mark im Vorjahre).
Holzverſteigerungen.
— Gundernhauſen 5. März. Bei der am 28
Februar im hieſigen Gemeindewald abgehaltenen Holz
verſteigerung wurden folgende Preiſe erzielt
Eichen=Stämme 21,56 Mark, Kiefern=Stämme 20,76 Mark,
Lärchen=Stämme 14,91 Mark, Fichten=Stämme 4. Klaſſe
19,62 Mark, 5a Klaſſe 15,64 Mark, 5b Klaſſe 11,40 Mark,
Fichten=Derbſtangen 10,07 Mark, Fichten=Reisſtangen 7,65
Mark pro Feſtmeter.
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Gegr. 1888.
Mitglied der „Haſſia”.
Gegr. 1888.
Zejanrige Jabeteler
Sonntag, den 9. März 1913, im Mathildenhöhſaale.
— Feſtfolge:
1. 8½ Uhr: Gemeinſchaftlicher Gottesdienſt im Vereinshaus der
Martinsgemeinde, Mollerſtraße 23.
2. 1 Uhr: Feſteſſen im Mathildenhöhſaale.
3. 2½ Uhr: Aufſtellung des Feſtzuges in der Gutenbergſtraße und
Marſch nach dem Denkmal des verſtorbenen Großherzogs
Ludwig IV. und dem Kriegerdenkmal, woſelbſt
Kranznieder=
legung ſtattfindet. Sodann Rückmarſch nach dem Feſthaus.
. 4 Uhr nachmittags: Feſtakt.
5. 8 Uhr abends: Feſtball.
Vortragsfolge des Feſtaktes iſt im Feſtſaale aufgelegt.
Zutritt zu dem Feſtakt haben nur geladene Gäſte und
Mitglieder der Kriegerkameradſchaft „Haſſia”.
Orden, Ehren= und Verbandsabzeichen ſind anzulegen.
Kinder unter 14 Jahren haben zum Feſtakt keinen Zutritt.
Muſik vom Großh. Leibgarde=Infanterie=Regt. Nr. 115,
unter perſönlicher Leitung des Obermuſikmeiſters Hauske.
NB. Die Bewohner der oberen Lichtenbergſtr., Kranichſteinerſtr.,
Lauteſchlägerſtr., Hochſchulſtr., Alexanderſtr., Ballonplatz u.
Dieburger=
ſtraße werden gebeten, ihre Häuſer mit Fahnen ꝛc. ſchmücken zu wollen.
Der Vorstand.
5102sf)
Uiterotrizter Verei
des II. Bataillons des Leibgarde-Regiments.
Zur Abendunterhaltung mit Tanz
am Samstag, den 8. März d. J., abends 8 Uhr,
im Mathildenhöhsaal
laden wir alle ehemaligen Unteroffiziere und Freunde des Vereins
(*6189
ergebenſt ein.
Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Donnerstag, den 13. März 1913, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde
Johann Sebastian Bach-Abend (5678
von Herrn Klaviervirtuosen
Wilhelm Backhaus
unter gefälliger Mitwirkung des Streichorchesters des
Instrumental-
vereins Darmstadt, unt. Leit. sein. Dirig Herrn Direktor Wilh. Schmitt
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Numerierter Balkon zu 3 Mk. und Galerie zu 1.50 Mk.,
Studen-
tenkarten zu 1.— Mk. und Schülerkarten zu 50 Pfg. bei Heinrich
Arnold, im Verkehrsbureau und abends an der Kasse.
Beitrittserklärungen für das am 1. Januar 1913 begonnene
neue Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Konzerte erfolgen,
berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Jahresbeitrag
be-
trägt 12 Mk., für einen Sperrsitzplatz 20 Mk. Der Vorstand.
Rürger-Keller
täglich Konzert
Salon-Damen-Orchester
„.Schneeglöckchen‟ (5518a
Stets freier Eintritt.
Salvator im Anstich.
Sonntag, den 9. März 1913, abends 6 Uhr,
im Saale der Vereinigten Geſellſchaft
Zweiter Lieder-Abend
von Matilde Weber und ihren Schülerinnen.
Zum Besten der Hilfskasse des Lehrerinnen-Vereins‟
(Muſik=Gruppe).
** Eintritt nach Belieben.
(4985df
Theater
am weissen Turm.
Ahleute letzter Tag
Dledunkle Stunde
und (5679
Die Mausefalle
Ab morgen
MEinneues Bildder
Unlion Theater
Kunstlichtspiele
Bheinstr. 6 Telephon 2170
Heute letzter Tag des auserwählten Programms.
Von morgen, Samstag, den 8. März, abends
8½ Uhr, kommt das grosse Meisterwerk nach dem
berühmten Roman von Victor Hugo:
Stiocher
unter
enoekel
zur Vorführung. Sämtliche Plätze sind numeriert.
Der Vorverkauf findet täglich von vormittags
10 Uhr ohne Preiserhöhung an der Tageskasse
statt. — Vorzugskarten haben an diesen Abenden
keine Gültigkeit.
(*6306
Asta Nielsen-Serie
Die Sanden
Ger Vater
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu Mk. 1.50
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
(B3305
Reſtauration
Zur friſchen Auelle
(*6242
(Inſel)
Samstag, den 8. März
und folgende Tage:
Wohltters Guseh-
Ausschank
der Elefanten=Brauerei Worms.
empfehle in feinſter Qualität:
Junge Hahnen, bis 4 Pfd. ſchwer,
feinſte Odenw. Poularden, jg.
Enten, Suppen= u. Brathühner=
Ferner: Odenw. Leghühner,
Truthühner zum Brüten,
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hahnen, 1 Stamm rebhuhnfarb.
Zwerghühner, legend, Bettfedern.
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*6212)
Ittagstisch
Fleisch u. veg. Kost von
60 Pf. b. M. 1.— im Abonn.
Fleisch u. veget. Kost v.
50 Pf. b. 70 Pf. im Abonn.
Ausschank des berühmien
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Gastspiel: Exl’s
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Am Tage des Gerichts
Volks-Schauspiel in 4 Akten
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Samstag, 8. März:
Zum 1. Male:
Die Salonbäuerin
ländl. Schwank mit Gesang
und Tanz in 4 Akten von
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Abonnement D, 6. Reihe, 118, für
das Ende der Spielzeit
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geben Grüner Weg 13, I. (B5682
Großherzogl. Hoftheater
Freitag, den 7. März 1913.
136. Abonnem.=Vorſtellung. B 34.
Einmaliges Gaſtſpiel
von Eliſabeth von Schroeder
(Clary)
Tore
Muſikdrama in 3 Akten
von G. Puccini.
Keine Ouvertüre!
Perſonen:
Floria Tosca, be=
*2
rühmte Sängerin
Mario
Cavara=
doſſi, Maler . . Georg Becker
Baron Scarpia,
Ftz
Chef der Polizei
Spoletta, Agent
der Polizei
Sciarrone,
Gen=
darm
Ein Schließer . . Adolf Klotz
Ein Hirt.
Rom, Juni 1800. — 1. Akt: In
der Kirche Sant Andrea della
Valle: 2. Akt: Im Palazzo
Farneſe; 3. Akt: In einer
Kaſe=
matte der Engelsburg.
* Floria Tosca: Eliſabeth
1 Schroeder.
2.? Baron Scarpia: Hans
Schütz, Fürſtl. Wald.
Kammer=
ſänger, vom Kgl. Theater in
Wies=
baden, a. G.
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M.,
Mittel=
loge 6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.—6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
14.—20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 M.,
II. Galerie 0.65 M.
Anfang 7½ Uhr. — Ende 10 Uhr.
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Samstag, 8. März. Nachmitt.
2½ Uhr: VII. Kinder=Vorſtellung.
„Wilhelm Tell.” Zu dieſer
Vorſtellung findet ein
Kartenver=
kauf nicht ſtatt. — Abends 8 Uhr:
IX. Sonder=Vorſtellung. „
Haſe=
mann s Töchter.” Zu dieſer
Vorſtellung findet ein
Kartenver=
kauf nicht ſtatt.
Sonntag, 9. März. Nachmitt.
2½ Uhr: 23. Volksvorſtellung zu
ermäßigten Preiſen. Neu
ein=
ſtudiert: „Guten Morgen, Herr
Fiſcher.” Hierauf: „Die ſchöne
Galatyee. Zum Schluß:
Cham=
pagner=Viſionen (Ballett).
Vorverkauf bis einſchl.
Sams=
tag, 8. März, nur im
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büro, Ernſt=Ludwigsplatz.
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mals öffentlich allen Behörden, der
Stadtverwaltung und der Preſſe,
ſowie allen unſeren Mitwirkenden zum
Ausdruck zu bringen.
Insbeſondere danken wir auch noch:
Darmsta‟
Der General=Direktion des Großh.
Hoftheaters, der Firma Joſeph Trier,
Hofmöbelfabrik und Engros=Lager für Japanwaren für die
Aus=
ſchmückung des Saalbaues, der Firma W. Schoeller, elektrotechniſch.
Bureau, für die Beleuchtungs=Effekte mit dem Scheinwerfer, der
Firma Ga. Thies Nachf., Hofmuſikalienhandlung, Inh. Leop.
Schutter, für die Ueberlaſſung des Flügels, den Druckereien Heedt
& Ganß, H. Kichler, L. Simon und Zedler & Vogel für
Her=
ſtellung von Druckſachen, dem Allgemeinen Deutſchen Schul=Verein,
(Ortsgruppe Darmſtadt) für Geſtellung des Vorhangs, dem Verkehrs=
Verein für den Vertrieb des Jubiläumsberichtes, der Freiwilligen
Feuerwehr für Geſtellung von Mannſchaften ꝛc dem Hof=
Dekora=
tionsmeiſter Müller für die Dekoration der Bühne, dem
Photo=
graphen Herrn W. Gerling für die Aufnahme der Bilder zum
Ju=
biläumsbericht, Herrn Photographen W. Kübler für die Aufnahme
der Poſtkartengruppe, den Damen Frau Georg, geb. Merz, frühere
Großh. Hof=Solotänzerin, für Einſtudierung des Roſenwalzers und
Frl. Frieda Stier, Tochter unſeres Ehrenzugführers Johs. Stier, für
ihre erfolgreichen Bemühungen im Intereſſe der Abend=Unterhaltungen.
Darmſtadt, den 6. März 1913.
Im Auftrag der freiwilligen Sanitätshauptkolonne vom Roten Kreuz
Reinhard Lotheißen
Großh. Hauptmann a la suite der Infanterie. (5675
2. außerordentliche Mitgliederverſammlung
des
abends 8½ Uhr, im
Montag, 10. März, Fürstensaal, Grafenſtr.
Das Erſcheinen aller Hausbesitzer und Besitzerinnen —
auch der Nicht=Mitglieder — wird dringend erbeten, weil alle
zu=
ſammen arbeiten müſſen, um der Wertminderung des
Hausgrund=
ſtückes entgegenzuarbeiten. Den Damen iſt die linke Saalſeite freigehalten.
Tagesordnung:
. Anſprache des Vorſitzenden Herrn A. von Heſſert.
Bericht über Spar= und Darlehenskaſſen ſtädtiſcher
Haus=
beſitzer durch Herrn Speckhardt.
3. Bericht über die Kanalgebühren.
(5689fo
4. Allgemeine Ausſprache, Anträge und Mitteilungen.
Der Vorstand.
Verein für Verbreitung von Volksbildlung, Darmstadt.
Freitag, den 7. März 1913, abends 8¼ Uhr:
Oeffentlicher. Vortrag von Professor Dr. Goldstein, Darmstadt
166
„Kunst und Moral
Lokal: Kaiſerſaal.
(5343if
Eintrittskarten 30 Pfg., für Mitglieder u. angeſchloſſene Vereine zu
20 Pfg. am Verkehrsbüro und hei J. Mylius, Herdweg 2.
mericanRio
F
moderne
Lichtspiele
DARMSTADT
am Bismarckdenkmal
Ernst-Ludwigstrasse 23
bringt ab Mittwoch, 5. März
3 Tage einen ganz
hervorragenden Wiener
Kunstfilm. betitelt:
Auf den
Trümmern
des Glücks
eine Tragödie aus dem Leben
in 3 Akten. Dieser Film, einer
der schönsten u. vornehmst
gespielten, zeigt die Leiden
einer Frau, die das grosse
Opfer um ihre Familie aus
Elend und Not zu retten,
bringt, ihr häusliches Glück
zu vernichten.
Der Einsiedler
gutes, tiefergreifendes
ameri-
kanisches Drama.
Der Stichling
interessante Naturaufnahme
eines nestbauenden Fisches.
Die Lieblinge des Hauses
ein wunderbarer Naturfilm,
herrlicher Kinderfilm.
*5623dt
Säligenerberein deruneiall
Einladung
zur ordentlichen General=Verſammlung
am Freitag, den 14. März, abends pünktlich 8½ Uhr,
im gelben Saale des Reſtaurants Sitte (Karlſtraße).
Tagesordnung:
1. Bericht über die Tätigkeit des Vorſtandes, der Kommiſſionen
und der Gewerbeſchule. — 2. Rechnungsablage des
Ortsgewerbe=
vereins für 1911 und der Eckhardtſtiftung für 1912. — 3. Neuwahl
der 3 Vorſitzenden und 6 Vorſtandsmitglieder. — 4. Verſchiedenes:
Wahl der Prüfungsmeiſter und Geſellenbeiſitzer für die
Geſellen=
prüfungen; Vorſchläge u. Wünſche zu den diesjährigen Exkurſionen ꝛc.
Unſere Mitglieder erſuchen wir ergebenſt, recht zahlreich er=
(5688ff
ſcheinen zu wollen.
Der Vorſtand.
Odenwaldllelmſd
Ortsgruppe Darmstadt (E. V.)
zuſammenlegbar,
Schwitzbad, zu verkaufen
*6209) Rheinſtraße 12½, 3. St.
Wegen Umzug billig zu verk.;
1 Bettſtelle m. Sprungrahm.
u. Zteil. Wollmatr., 1 kl.
Kleider=
ſchrank, 1 kl. Waſchkomm., 1 (Tiſch,
1 Sofa, 2 Büchergeſt., 1 Kommode.
1 einfache Gaslampe
(*6202
Lauteſchlägerſtr. 5½, 2. St.
Kein. Konfirm.=Anz. f. gr. Fig. (kurze
Hof.), ſehr bill., desgl. grauer Anz.
*6190) Landgraf Georgſtr. 66, II.
Eiſ. Kinderbettſt. m. Matr. b. z. vi
G Jacobi, Elisabethenstr. 35-Ih Ml((*25
Das diesjährige
(5402idf
ier
06
Dekorter ungstest
findet am
Samstag, 8. Märzd. Js., abendss Uhr
im großen Saale des Städtiſchen Saalbaus ſtatt.
2
Mitglieder und Freunde des Klubs ſind hierzu
Der Vorstand.
herzlichſt eingeladen.
Touristenanzug erwünscht. Tür die Damen der Mitglieder sind die Galerien reserviert.
Wissenschaftlich-religiöserVortrag
mit Fragenbeantwortung und
Kursus für Lebenskunst (5330idf
(Schloss Rheinburg bei
Dr. med. Oberdörffer dailingen in Baden)
Freitag, 7. März,
Im Fürstensaal, Grafenstr. 20, ab. 8¼ Uhr, ſodann
In der Aula d. Landesbaugewerkschule
Neckarſtr. 3, Hof, Samstag, 8. März, abends 8¼ Uhr:
Kursus über Gesundheitspflege,
zeitgemässe Ernährung, rationelle Pflege d. Atems. Lösung d. Sexualproblems.
Eintrittspreis für die 3 Abende Mk. 2.—, für 1 Abend 80 Pfg.
Karten im Vorverkanf bei A. Braunwarth, Reformgeſchäft, Ernſt=
Ludwigſtr. 3. Für Mitglieder der Mazdaznan=Vereinigung halbe Preiſe.