Abonnementspreis
Inſerake
176. Jahrgang
mpnatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen= verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Die Wahlprüfungskommiſſion des
Reichs=
tages erklärte die Wahl des konſervativen
Abgeord=
neten v. Kröcher (Salzwedel=Gardelegen) für
un=
gültig.
Der Reichsſchatzſekretär Kühn hat ſich am Dienstag nach
München und von dort nach Stuttgart begeben,
wo Beratungen ſtattfanden.
Der Flieger Bruno Werntgen iſt am Dienstag
abend bei Hangelar (Kreis Sieg) aus 60 Meter Höhe
abgeſtürzt und war ſofort tot.
In der Budgetkommiſſion der franzöſiſchen
Kam=
mer erklärten der Finanzminiſter und der
Kriegs=
miniſter, ſie würden am Montag eine
Kreditvor=
lage im Betrage von 500 Millionen einbringen
zwecks Beſchleunigung gewiſſer für Kriegszwecke
er=
forderlicher Arbeiten.
In dem ſpaniſchen Hafen Gijon fand eine
folgen=
ſchwere Minenexploſion ſtatt. Die Zahl der
Toten und Verwundeten ſoll über zweihundert
betragen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.
Allgemeine Friedensſehnſucht.
— Seit einigen Tagen ſcheint auf dem
Kriegs=
ſſchauplatz vollſtändige Ruhe zu herrſchen. Es iſt
inicht nur die allgemeine Erſchöpfung, die ſich bei allen
Kriegführenden immer mehr bemerkbar macht, auch die
fungünſtige Witterung, insbeſondere die großen
Schnee=
maſſen, legen die kriegeriſchen Operationen auf dem
Bal=
ſkan lahm. Auch daraus läßt ſich die allgemeine
Kriegs=
fmüdigkeit erkennen, daß die beteiligten Großmächte die
Friedensverhandlungen wieder ſehr eifrig
be=
treiben. Unklarheit beſteht indeſſen noch immer über die
Grundlage für die Friedensverhandlungen. Der
rumä=
niſch=bulgariſche Konflikt wird dagegen allem Anſchein
nach ſehr bald eine friedliche Löſung finden. Bulgarien
hat bereits erklärt, daß es ſich der Entſcheidung der
Groß=
rmächte fügen wolle. Bekanntlich hat Rumänien den
Vor=
behalt gemacht, daß es ſich nicht im voraus verpflichten
könne, die Vorſchläge der Mächte anzunehmen.
Immer=
hin iſt zu hoffen, daß die rumäniſch=bulgariſche
Streit=
frage auf diplomatiſchem Wege gelöſt werden kann. In
der albaniſchen Frage ſcheint ſich gleichfalls eine
Annähe=
frung zwiſchen dem ruſſiſchen und dem öſterreichiſchen
Standpunkt zu vollziehen, wodurch natürlich der
angeb=
tlich ſchwerſte Konfliktsſtoff beſeitigt würde. Es heißt,
daß zwiſchen beiden Ländern jetzt direkte Verhandlungen
füber die ſchwierige Frage der Abgrenzung des neuen
al=
ebaniſchen Staatsweſens geführt werden. Iſt dieſe
Mel=
dung zutreffend, dann würde es ſich allerdings beſtätigen,
daß die Entſpannung zwiſchen Oeſterreich und Rußland
erhebliche Fortſchritte gemacht hat. Bisher war es
beſon=
ders ſchwierig, ſich darüber zu einigen, wie die wichtigſten
albaniſchen, altſerbiſchen und mazedoniſchen Städte
un=
iter das neue Albanien, Serbien und Montenegro zu
ver=
ſteilen ſind. Wahrſcheinlich wird nun dieſer Punkt derart
geregelt werden, daß Oeſterreich und Rußland ein
Ar=
rangement treffen werden, das der Londoner
Botſchafter=
konferenz als Grundlage weiterer Verhandlungen dienen
wird.
In Konſtantinopel ſcheint man allmählich einzuſehen,
daß von dem verlorenen Gebiete nichts mehr zu retten iſt,
daß alſo alle jungtürkiſchen Verſuche, doch noch günſtigere
Bedingungen herauszuſchlagen, an der Hartnäckigkeit des
Balkanbundes und an der Weigerung der Großmächte, in
dieſem Sinne abermals zu intervenieren, vollſtändig
ge=
ſcheitert ſind. Der in London weilende türkiſche
Friedens=
unterhändler Hakki Paſcha ſoll ſogar den Botſchaftern
be=
reits mitgeteilt haben, daß die Türkei bereit ſei, auf
Adrianopel zu verzichten. Vielleicht iſt dieſe Nachricht, die
aus Sofia ſtammt, zunächſt nur ausgeſtreut worden, um
in Erfahrung zu bringen, was die radikalſten Jungtürken
dazu ſagen werden, aber es kann heute ſchon keinem
Zwei=
fel mehr unterliegen, daß es ſchließlich doch ſo kommen
wird. Daran wird auch der Heldenmut Schükri Paſchas,
der Adrianopel ſo tapfer verteidigt, nichts ändern. Es iſt
anzunehmen, daß es den Bemühungen der Mächte in den
nächſten Wochen gelingen wird, zwiſchen den Regierungen
der Balkanſtaaten und der Pforte eine Verſtändigung zu
erzielen, die ſehr bald den endgültigen Friedensſchluß
zur Folge haben wird.
Berliner Trinkſprüche.
* Bei der Galatafel zu Ehren des däniſchen
Königspaares im Weißen Saale des königlichen
Schloſſes brachte der Kaiſer folgenden Trinkſpruch aus:
„Eure Majeſtäten heiße ich im eigenen und im
Na=
men der Kaiſerin von Herzen willkommen und bitte,
ver=
ſichert ſein zu wollen, daß wir uns glücklich ſchätzen, ſo
liebe Gäſte in unſerer Mitte weilen zu ſehen. Der warme
Empfang von ſeiten meiner Haupt= und Reſidenzſtadt wird
Euren Maſeſtäten ein Beweis ſein, daß auch unſer Volk.
aufrichtigen Anteil nimmt an der Ehre und Freude des
hohen Beſuches, den wir heute begrüßen dürfen. Ich
weiß es voll zu würdigen, daß Eure Maſeſtät zu uns
gekommen ſind noch unter dem wehmütigen Eindruck des
tief ſchmerzlichen Verluſtes, den das erlauchte däniſche
Königshaus und ganz Dänemark durch das Hinſcheiden
Eurer Majeſtät hochſeligen Herrn Vaters erlitten hat.
Von ganzem Herzen danke ich Eurer Majeſtät für dieſen
Beweis perſönlicher Zuneigung und freundnachbarlicher
Geſinnung. Daß ich dieſe warm erwidere, daß es auch
mein und meiner Regierung aufrichtiger Wunſch und
feſter Wille iſt, die Beziehungen unſerer
Län=
der zu pflegen und auszugeſtalten in
gegen=
ſeitigem Intereſſe und zum Wohle beider Völker, deſſen
dürfen Eure Majeſtät gewiß ſein. Um Eurer Majeſtät
auch ein äußeres Zeichen meiner freundſchaftlichen
Ge=
ſinnung zu geben, habe ich beſchloſſen. Eure Majeſtät
à la suite meiner Marine zu ſtellen. Bei den rigen
nach=
barlichen Beziehungen unſerer Flotten wird es meiner
Marine eine Ehre ſein, wenn Eure Maſeſtät dieſe durch
Euer Maſeſtät verehrten Heren Vater belleidete Stellung
freundlich annehmen wollten. Indem ich jetzt mein Glas
erhebe, gedenke ich noch beſonders des Bandes
ſchweſter=
licher Liebe. das Eurer Majeſtät hohe Gemahlin und die
Kronprinzeſſin, meine geliebte Schwiegertochter
um=
ſchlingt; der herzlichen Freundſchaft, die Eurer Majeſtät
hochſeligen Vater und mich verbunden hat, und nicht
zu=
letzt der verehrungswürdigen Geſtalt Eurer Majeſtät
un=
vergeßlichen, in Gott ruhenden Herrn Großvaters. Möge
der Segen der Vorſehung Eure Maieſtät immerdar
ge=
leiten auf dem verantwortungsvollen Pfade der Erfüllung
Eurer Majeſtät erhabenen Berufs. Ich trinke auf das
Wohl Seiner Majeſtät des Könias von Dänemark, Ihrer
Majeſtät der Königin und des geſamten erlauchten
König=
lichen Hauſes.”
Der König von Dänemark antwortete auf die
Rede des Kaiſers in deutſcher Sprache:
„Für die herzlichen Worte, die Eure Majeſtät im
eige=
nen und im Namen Ihrer Majeſtät der Kaiſerin an die
Königin und mich gerichtet haben, danke ich in unſerer
beider Namen auf das wärmſte. Es iſt mir ein
Bedürf=
nis, damit den tiefgefühlten Dank zu verbinden für den
Beweis der aufrichtigen Teilnahme und Freundſchaft, der
uns durch die Anweſenheit meines geliebten Schwagers,
des Kronprinzen. von ſeiten Eurer Majeſtät in den für
uns ſo ſchweren Tagen des verfloſſenen Jahres zuteil
ge=
worden iſt. Voll zu ſchätzen weiß ich die hohe Ehre, die
Eure Maſeſtät mir erwieſen haben durch meine
Er=
nennung an Stelle meines Vaters zum Chef des
preußi=
ſchen Hufaren=Regiments Nr 14, und ganz beſonders
dankerfüllt bin ich dafür, daß Eure Majeſtät ſoeben
ge=
ruht haben. mich à la suite Ihrer ſtolzen Marine zu
ſtellen, die Eure Majeſtät immer mit ſo warmem Intereſſe
umſaßzt haben. Ich füge hinzu unſeren herzlichſten Dant
für den uns in Eurer Majeſtät Haupt= und Reſidenzſtadt
bereiteten, überaus glänzenden Empfang, an dem die
ganze Bevölkerung ſo ſichtbaren Anteil genommen hat.
In=
dem ſich in Eurer Maſeſtät einen erhabenen Monarchen
erblicke, deſſen nie ermüdende Friedensliebe bald einer
25jährigen Regierung ihr Gepräge aufgedrückt hat, hege
ich die freudige Zuverſicht. daß Eure Majeſtät die meinem
Großvater und meinem Vater bewieſene Freundſchaft auf
mich übertragen möchten. Zu dieſer Hoffnung geſellt ſich
noch der innige Wunſch, daß die Beziehungen
zwiſchen unſeren beiden Ländern auch
ferner=
hin ſich auf der feſten Grundlage
gegenſei=
tigen Vertrauens und freundſchaftlicher
Verſtändigung unſerer beiden ſtammverwandten
Völker mit ihren vollstümlichen Eigenarten entwickann
mögen. Zu meinem wiederholten Danke für den herzlichen
Empfang, den die Königin und ich hier gefunden haben
füge ich noch die innigſten Glückwünſche zu der erfreu:
lichen Verlobung, die kürzlich in Eurer Mafeſtät
hoher Familie ſtattgefunden hat. Ich trinke auf das Wohl
Seiner Majeſtät des Kaiſers, Ihrer Majeſtät der Kaiſerin
und des geſamten erlauchten kaiſerlichen und königlichen
Hauſes.”
Ruſſiſch=franzöſiſche
Freundſchaftskundgebungen.
* Paris, 25. Febr. Das Handſchreiben des
Kaiſersvon Rußland an den Präſidenten
Poin=
caré hat folgenden Wortlaut:
„Herr Präſident! Erhabener, guter Freund! Aus
Anlaß Ihrer Wahl zum Präſidenten und der Uebernahme
Ihres hohen Amtes richte ich meine herzlichen
Gratula=
tionen und meine wärmſten Wünſche an Sie. Es liegt mir
am Herzen, Ihnen von neuem zu verſichern, wie ſehr ich
von dem Gedanken durchdrungen bin, daß das
fran=
zöſiſcheruſſiſche Bündnis ebenſo den Gefühlen
wie den Intereſſen der beiden Völker entſpricht und nie
aufgehört hat, ein wirkſamer Faktor für den Frieden
Europas zu ſein. Dieſes Bündnis, das den
Her=
zen der beiden großen Nationen
ent=
ſpringt und durch ein 20jähriges fruchtbares Beſtehen
geheiligt iſt, bildet die Grundlage der auswärtigen
Poli=
k, die ich meiner Reglierung vorgezeichnet habe. Damit
dieſes Bündnis alle Früchte trage, die es zu bringen
ver=
mag, erſcheint mir ein beſtändiges
Zuſammen=
arbeiten und eine ſtete Fühlungnahme
zwi=
ſchen den Kabinetten in Paris und Petersburg
unerläß=
lich. In dieſem Sinne haben Sie, bevor Sie die höchſte
Würde der Republik bekleidet haben, das Amt des Chefs
der franzöſiſchen Regierung ausgeübt. Glauben Sie bitte.
Herr Präſident ich weiß Ihnen in ganz beſonderer Weiſe
Dank dafür. Da ich wünſche, ein neues Zeugnis meiner
aufrichtigen Anhänglichkeit an Frankreich zu geben und
Ihnen ſo meine Hochachtung und meine perſönliche
Freundſchaft für Sie auszudrücken, ſo geſtatte ich mir das
Vergnügen, ihnen heute meinen Sankt Andreas=Orden zu
verleihen, deſſen Inſignien ich Ihnen hierbei mit meinen
beſten Wünſchen für das Gedeihen Frankreichs und das
Gelingen der Aufgabe die Sie auf ſich genommen haben,
überreichen laſſe. Genehmigen Sie, Herr Präſident, mein
erhabener guter Freund, die Verſicherungen meiner
voll=
kommenen Hochachtung und meiner hohen Wertſchätzung.
Ihr guter Freund Nikolaus”
Präſident Poincaré erwiderte mit folgendem
Telegramm:
„Teurer, erhabener Freund! Soeben habe ich aus den
Händen Eurer Majeſtät Botſchafters die Inſignien Ihres
Sankt Andreas=Ordens erhalten, und es liegt mir am
Herzen, Eurer Majeſtät ohne Verzug den Ausdruck meines
lebhafteſten Dankes zu übermitteln. Ich bin tief gerührt
durch die Worte des Schreibens, durch das Eure Majeſtät
mir dieſes glänzende Zeichen der Freundſchaft und einen
neuerlichen Beweis Ihrer Gefühle Frankreich gegenüber
gaben. Eure Majeſtät können verſichert ſein, daß ich, wie
in der Vergangenheit, treu an de m Bündnis
feſt=
halten werde, das Rußland und Frankreich einigt
In=
dem ich meine aufrichtiaſten Wünſche für das Glück Eurer
Majeſtät und Ihrer Maſeſtät der Kaiſerin und Ihrer
ganzen Familie darbringe, bitte ich Sie die
Verſicherun=
gen meiner Hochachtung und meiner beſtändigen
Freund=
ſchaft entgegenzunehmen. Poincaré.”
Eigentümlich berührt es, daß Poincaré den Zaren
mit „teurer, erhabener Freund” anredet.
Bei der Ueberreichung der durch Kammerherrn
Baron Schilling überbrachten Inſignien des
Sankt Andreas=Ordens an den Präſidenten
Poincaré ſagte der ruſſiſche Botſchafter Iswolsky, der
Kaiſer habe bei der Verleihung dieſes Ordens ſofort bei
der Uebernahme der Präſidentſchaft durch Poincaré ein
neues Zeichen ſeiner Zuneigung für Frankreich und ſeiner
perſönlichen Freundſchaft und Hochachtung für Poincaré
geben wollen. Dieſer erneute Ausdruck der Gefühle werde
als eine neue Bürgſchaft für die engen Beziehungen
be=
trachtet, die das befreundete und verbündete Frankreich
und Rußland vereinten. Poincaré erwiderte, er ſei
tiefgerührt über den Freundſchaftsbeweis des Kaiſers und
das neue Zeichen ſeiner unabänderlichen Gefühle für
Frankreich, wofür das eigenhändige Schreiben beredtes
Zeugnis ablege. Poincaré fügte hinzu, er halte an der
Politik feſt, die ſchon lange Frankreich und Rußland
ver=
binde, und würde ſorgſam wachen, das Bündnis zwiſchen
den beiden Ländern zu erhalten und enger zu geſtalten.
Nach der Ueberreichung des Ordens fand bei Poincaré
Frühſtück ſtatt, an dem auch der Miniſterpräſident und
der Miniſter des Aeußern teilnahmen.
Deutſches Reich.
* Die Gültigkeitserklärung der Wahl
in Bingen=Alzey. Die Frankf. Ztg. erkennt den
Beſchluß der Reichstagsmehrheit nicht an und bleibt
trotz=
dem bei der Anſicht, daß die Wahl Dr. Beckers
unrecht=
mäßig erfolgt ſei. Sie ſagt, daß „das Mandat einen
un=
rechtmäßigen Beſitz darſtellt, auch nachdem es eine
Ein=
ſtimmen=Mehrheit im Reichstag gefunden hat. Der
Wahl=
kreis Bingen=Alzey wird weiter vertreten durch einen
Mann, der in Wirklichkeit nicht der Erwählte des Kreiſes
iſt. Er muß das tragen, wird die Antwort darauf aber
ſchon geben.‟ Es iſt intereſſant, daß ein demokratiſche
Prinzipien vertretendes Blatt den Beſchluß einer
Parla=
mentsmehrheit für nicht maßgebend erklärt, während man
von demokratiſchen Blättern ſonſt gewohnt iſt, daß ſie das
Urteil der gewählten Volksvertreter als höchſte Inſtanz
anerkennen. Es gibt alſo nach der Frankf. Ztg. doch noch
eine höhere Weisheit, als die einer Parlamentsmehrheit,
über die man unter Umſtänden zur Tagesordnung
über=
gehen darf.
— Der Reichsſchatzſekretär in den
ſüd=
deutſchen Staaten. Am Dienstag früh trafen,
von Berlin kommend, der Staatsſekretär des
Reichsſchatz=
amts Kühn und der Geh. Oberregierungsrat im
Reichs=
ſchatzamt Dr. Hoffmann in München ein. Im Laufe des
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27, Februar 1913.
Nummer 49.
Vormittags fand dann im Miniſterium des Aeußern eine
längere Konferenz ſtatt, an der außer den beiden Herren
noch Miniſterpräſident Freiherr von Hertling und
Finanz=
miniſter Dr. von Breuning teilnahmen. Wie verlautet
handelt es ſich dabei um die Steuervorlagen, die dem
Reichstage zur Deckung der Heeresforderung unterbreitet
werden ſollen, vor allem auch um das Projekt einer
Reichs=
erbſchaftsſteuer, dem gegenüber ſich bei den ſüddeutſchen
Staaten gewiſſe Widerſtände bemerkbar machten. Von
München reiſten die Berliner Herren zu dem gleichen
Zwecke nach Stuttgart.
— Aus Elſaß=Lothringen. In der Zweiten
Kammer fand bei dem Etat des Unterrichts eine
mehr=
ſtündige Debatte über die Entlaſſung des
wiſſenſchaft=
lichen Hilfslehrers Dr. Stadler, früher in Forbach, ſtatt.
Hierbei kam es zu heftigen Szenen zwiſchen der Regierung
und beſonders dem Abgeordneten Hön, der behauptete,
daß Dr. Stadler lediglich wegen ſeiner politiſchen
Tätig=
keit gemaßregelt worden ſei. Der Präſident des
Ober=
ſchulrats Dr. Albrecht erklärte die Vorwürfe ſeitens des
Zentrums für ungerechtfertigt. Nicht wegen ſeiner
poli=
tiſchen Tätigkeit ſei Dr. Stadler gemaßregelt worden,
ſon=
dern weil er ſeine Pflicht in der Schule vernachläſſigt habe
Staatsſekretär Zorn von Bulach gab die Erklärung ab,
daß die Regierung den Fall Stadler objektiv und ohne
Anſehen der Partei geprüft habe. Die Angriffe gegen
den Präſidenten des Oberſchulrats ſeien vollſtändig
un=
gerechtfertigt. Die Debatte dehnte ſich bis nach 7 Uhr
aus.
— Endlich! Die Reichsländiſche Korreſpondenz
verbreitet folgende Meldung: In der gegen den
Rechts=
anwalt Preiß und den Herrn Laugel wegen der in Paris
und Belfort gehaltenen Reden eingeleiteten Unterſuchung
wegen Hochverrats iſt das Aktenmaterial vor einigen
Ta=
gen an den Oberreichsanwalt nach Leipzig geſchickt
wor=
den. Dieſer ſoll nach Prüfung des Tatbeſtandes eine
An=
klage wegen Hochverrats auf Grund der §§ 85 und 88
Str. G. B. für gerechtfertigt halten. Beſonders gegen
Herrn Laugel ſoll das Material völlig ausreichend ſein.
Der Ausführungsbeſchluß bezw. die entſprechenden
An=
weiſungen dürften der Staatsanwaltſchaft in Straßburg
in den nächſten Tagen zugehen.
Tarifverhandlungen
im
Bauge=
wierbe. Im Reichstage wurden am Dienstag unter
dem Vorſitz der Gewerbegerichtsvorſitzenden v. Schulz=
Berlin, Dr. Prenner=München und Dr. Rath=Frankfurt
a. M. die Verhandlungen über einen neuen Tarif für die
Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter aufgenommen.
In der Generaldebatte erklärten ſich die
Arbeitnehmerdele=
gierten bereit, auf die zurzeit nicht beſonders günſtigen
Baumarktverhältniſſe Rückſicht nehmen zu wollen.
Keines=
wegs aber könne der beſtehende Tarif ohne jede
Aufbeſſe=
rung für die Arbeiter einfach verlängert werden. Die
Verhandlungen ſollen heute fortgeſetzt werden.
Ausland.
Schweiz.
Der Staatsvertrag betr. die
Gotthard=
bahn. Die Frage der Annahme oder der Verwerfung
des Staatsvertrages betr. die Gotthardbahn iſt
bekannt=
lich in der letzten Zeit zu einer großen politiſchen Frage
geworden, und die Oppoſition war ſo angewachſen, daß
die Verwerfung des Vertrages zu befürchten war.
Des=
halb hat der Bundesrat einen neuen Bericht an die
Bun=
desverſammlung eingereicht. Der Bundesrat ſtützte ſich
in ſeinem Bericht auf die Gutachten der Profeſſoren
Spei=
ſer=Baſel und Eugen Borel=Genf, ſowie auf den Bericht
der Generaldirektion der Bundesbahnen
Frankreich.
Zuzug ausländiſcher Dienſtboten.
Wie=
derholt wurde von nationaliſtiſcher Seite verlangt, daß
Maßregeln gegen eine allzu ſtarke Zuwanderung
aus=
ländiſcher Dienſtboten ergriffen werden mögen, da
die=
ſelben den franzöſiſchen Dienſtboten angeblich eine
über=
aus ſchädliche Konkurrenz bereiten. Infolge einer im
Zuſammenhang mit dieſer Beſchwerde an das
Arbeits=
miniſterium gerichteten Anfrage veröffentlicht dasſelbe auf
Grund der Volkszählung vom Jahre 1903 eine Statiſtik,
wonach die Zahl der Dienſtboten in Frankreich etwa
950000 betrug, von welchen 67000 Ausländer, 8000
männ=
liche und 59000 weibliche Dienſtboten, ſind. Von den
207000 Pariſer Dienſtboten ſind 20000 Ausländer.
Rußland.
Einführung der ruſſiſchen Sprache in
Finnland. Dem Miniſterrat ſind zwei
Geſetzesvor=
lagen des Gouverneurs von Finnland über die
Einfüh=
rung der ruſſiſchen Sprache im ſchriftlichen Verkehr des
finniſchen Landtages, des Senats und der Behörden
mit den Reichsbehörden zugegangen. Die Vorlagen
for=
dern, daß die Kenntnis der ruſſiſchen Sprache für alle
Regierungsbeamte Finnlands und für die an der
Uni=
verſität Helſingfors Studierenden obligatoriſch ſein ſoll.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 27. Februar.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herrſchaften
begaben ſich am Montag nachmittag 3½ Uhr mit
Ge=
folge im Auto nach Frankfurt, nahmen bei der Baronin
Rothſchild den Tee und kehrten um 7 Uhr wieder ins
Neue Palais zurück. — Dienstag mittag 1 Uhr folgten
die Großherzoglichen Herrſchaften einer Einladung des
Prinzen und der Prinzeſſin Victor zu Erbach=Schönberg
zum Frühſtück. — Abends 8 Uhr waren der
Groß=
herzog und die Großherzogin bei dem Königlich
Groß=
britanniſchen Geſchäftsträger Lord Acton zum Abendeſſen
geladen. (Darmſt. Ztg.)
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen geſtern den Oberſtleutnant v. Jordan
beim Stabe des Infanterie=Regiments Kaiſer Wilhelm
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 116 in Gießen, den Hauptmann
Güttich, Batteriechef im Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh.
Heſſ. Feld=Artillerie=Regiment Nr. 25, die Oberleutnants
v. Küchler und v. Frantzius vom Leibgarde=Infanterie=
Regiment (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, den Kirchenrat
D. Schloſſer von Gießen, den Sanitätsrat Dr. Becker
von Friedberg, den Reallehrer Schüler von Worms, den
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing, den Geheimerat Noack,
den Hofrat Koch, den Rechtsanwalt Meiſel, den
Amts=
gerichtsrat Plagge, den Medizinalrat Groos, den Zahnarzt
Köhler, den Rabbiner Dr. Appel von Bingen, den
Staats=
anwalt Lanz von Mainz, den Oberleutnant a. D. Grgetz
von Berlin; zum Vortrag den Staatsminiſter v. Ewald
den Finanzminiſter Braun, den Präſidenten des
Ober=
konſiſtoriums D. Nebel, den Oberjägermeiſter Frhrn.
van der Hoop, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat
Römheld, den Direktor der Kabinettsbibliothek
Haupt=
mann a. D. Zobel.
Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Kaiſerlichen Regierungsrat
bei der Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte zu
Berlin Dr. Kammann das Ritterkreuz 1. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Ferdinand
Werner zu Lorſch, Kreis Bensheim, eine Lehrerſtelle
an der Gemeindeſchule zu Laubenheim, Kreis Mainz.
Ernannt wurde der Militäranwärter
Vizefeld=
webel Karl Grünewald aus Waldhilbersheim vom
16. März 1913 an zum Steueraufſeher und ihm der
Auf=
ſichtsbezirk Lich zugewieſen.
Erledigte Stellen. Eine mit einem
katho=
liſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der
Ge=
meindeſchule zu Mörlenbach, Kreis Heppenheim.
Mit der Stelle iſt Organiſtendienſt verbunden. Dem
katholiſchen Pfarrer und dem Ortsvorſtand zu
Mörlen=
bach ſteht das Präſentationsrecht zu. — Die Stelle
eines Brückenwärters an der fliegenden Brücke be
Oppenheim.
Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 2,
enthält: 1. Bekanntmachung, den Treuhänder bei der
Heſſiſchen Landeshypothekenbank betreffend. 2.
Bekannt=
machung, die Umlage der land= und
forſtwirtſchaft=
lichen Berufsgenoſſenſchaft für das Großherzogtum
Heſſen betreffend. 3. Vorleſungsverzeichnis der Großh.
Heſſiſchen Ludwigs=Univerſität zu Gießen,
Sommer=
emeſter 1913. 4. Ueberſicht der von Großh. Miniſteriun
des Innern für das Rechnungsjahr 1912 genehmigten
Umlagen zur Beſtreitung kirchlicher Ausgaben der
evangeliſchen Kirchengemeinde Rockenberg.
* Schwurgericht. Für die am Montag, den 3. März,
beginnende erſte Schwurgerichtsperiode unter dem Vorſitz
des Landgerichtsrats Dr. Güngerich ſind folgende
Fälle angeſetzt: Gegen den Schweizer Eduard
Olden=
burg wegen Raubes. Die Anklage wird durch
Staats=
anwalt Dr. Krug, die Verteidigung durch Dr.
Main=
zer vertreten. Am Dienstag wird gegen den Studenten
Eduard Bahr aus Soldin wegen Körperverletzung mit
tödlichem Erfolg verhandelt. Mit ihm iſt der
Studie=
rende Allſtädt aus Heddernheim, ſowie der Studierende
E. Bauer aus Aerinal (Rußland) wegen Beteiligung
an dem Zuſammenſtoß (§ 227 St.=G.=B.) angeklagt. Die
Anklage vertritt Staatsanwalt Schreiber, während die
Angeklagten von den Rechtsanwälten Dr. Hoffmann II.,
Hallwachs und Neuſchäffer verteidigt werden. Für
Don=
nerstag iſt die Verhandlung gegen den Schuhmacher Hch
Göttmann aus Eberſtadt wegen Notzucht vorgeſehen
und am Freitag kommt die Klage gegen den Metzger und
Wirt Chr. Joſ. Burkart aus Bieber wegen Meineids,
Ankläger Staatsanwalt Dr. Leoni, Vert. Dr.
Guggen=
heim=Offenbach, zur Verhandlung.
n. Strafkammer. In der geſtrigen Verhandlung wurden
der 49 Jahre alte Hausburſche Johann H. aus König i. O.
wegen Diebſtahls zu 6 Monaten Gefängnis und
der 47 Jahre alte Händler Karl Bars aus Bremen wegen
gewerbsmäßiger Hehlerei zu 1 Jahr 3 Monaten
Zuchthaus nebſt 5jährigem Ehrverluſt verurteilt. Je 2
Monate Unterſuchungshaft kommen auf dieſe Strafen.
in Anrechnung. Beide Angeklagte wohnen in Offenbach.
H. war daſelbſt während der letzten drei Jahre bei der
Firma Rieth u. Koch mit einem Wochenlohn von 25 Mark
bedienſtet, und B. betreibt den Handel mit
Portefeuille=
waren, ſowie eigene Herſtellung. Nach Angabe H.s machte
ſich B. im vorigen Sommer im Wirtshaus an ihn heran
und veranlaßte ihn zur fortgeſetzten Entwendung von
Damentaſchenbügeln,, Damenperlentaſchen uſw. aus dem
Lager der genannten Firma. Dieſe berechnet ihren
Scha=
den auf etwa 700 Mark, während H. von ſeinem Genoſſen
insgeſamt nur etwa 50 Mark Vergütung erhalten haben
will; letzterer alſo aus dem Abſatz der Waren einen
beträcht=
lichen Nutzen gezogen haben muß. B. räumt die Hehlerei
ein, beſtreitet nur deren Höhe und die Anſtiftung H.s, der
ſich in ſeinem Dienſtverhältnis großen Vertrauens erfreute
und nur einmal (vor 20 Jahren) beſtraft iſt. Bei der
Strafzumeſſung zog das Gericht ſchärfend die
Gemein=
gefährlichkeit des Hehlertums und die darin betätigte
niedrige Geſinnung in Betracht. — Sogenannte
intellek=
tuelle Urkundenfälſchung fällt dem Maſchinenbauer Emil
Fung aus Georgenburg zur Laſt und trug ihm drei
Monate Gefängnis, abzüglich eines Monats
Un=
terſuchungshaft, ein. Er hat bei ſeiner Feſtnahme ſich
eines falſchen Namens bedient und dadurch den
unrichti=
gen Eintrag in das Gefangenenbuch verurſacht
36 Jahre alte Heizer Georg Klein von Offenbach ha
ſchon ſeit Jahren ein Verhältnis, das demnächſt zur Ver
heiratung führen ſoll. Dieſe Eheſchließung iſt angeblich
durch verſchiedene Umſtände verzögert worden, und Kl
meldete die inzwiſchen geborenen drei Kinder als eheliche
an. Für dieſe Veränderung des Perſonenſtandes,
Ver=
gehen nach Paragraph 271 des Strafgeſetzbuches, wurde
er nunmehr zu einer Geſamtſtrafe von einem Monat
Gefängnis verurteilt. — Weiter war der
Schreiner=
geſelle Johannes Nibbe aus Augsburg der Untreue
zum Nachteil des Vereins der Fremden in Sprendlingen
angeklagt und erhielt drei Wochen Gefängnis. Er
hatte als Vereinskaſſierer zwei Jahre lang fein Amt
ein=
wandfrei geführt, dann aber Ende 1911 64 Mark
verein=
nahmter Gelder ſich angeeignet.
Vom Großh. Hofthaater. Wegen
andaueru=
der Unpäßlichkeit von Katharina Jüttner kanr
der muſikaliſche Einakter=Abend am Freitag
nicht ſtattfinden. Es wird an dieſem Aber
„Der Troubadour” zur Aufführung gelangen.
Vorſtellung fällt im Abonnement auf den Buchſtaben C
und beginnt um 7½ Uhr. Hugo von Hofmannsthal
altes Spiel Jedermann” wurde in einigen Hauptrollen
neu beſetzt und erſcheint am Samstag wieder im
Rever=
toire. Für den Feſtabend zum Beſten des Darmſtädter
Konzerthauſes, der am Montag, den 3. März, ſtattfindet,
gibt ſich das regſte Intereſſe kund, das ſich hauptſächlich
auf die gewonnenen auswärtigen Berühmtheiten
konzen=
triert. Zur Mitwirkung wurde weiter gewonnen Frau
Joſephine Becker. Den Beſchluß des Abends bildet die
Parodie auf Schillers „Don Carlos”, die aus der Feder
von Prof. Max Reinhardt ſtammt.
Doktor=Ingenieur=Prüfung. Die Diplom=
Inge=
nieure Jakob Lell aus Stuktgart und Jakob Herbert
aus Eſchollbrücken haben ſich am Dienstag an der
hieſt=
gen Techniſchen Hochſchule der mündlichen Doktor=
Ingenieur Prüfung im Maſchinenbaufach
mit Erfolg unterzogen. Erſterer hat die Prüfung „mit
Auszeichnung” beſtanden.
Wegweiſer zur Reichsverſicherungsordnung,
Intereſſenten ſeien hiermit wiederholt auf den Wegweiſer
durch die neue Reichsverſicherungsordnung aufmerkſam
gemacht, den der Vorſtand der
Landesverſicherungs=
anſtalt Großh. Heſſen herausgegeben hat. Der
Weg=
weiſer, der über die wichtigſten Vorſchriften der
Kranken=, Unfall=, Invaliden= und
Hinterbliebenenver=
ſicherung, ſowie über die Wohlfahrtseinrichtungen der
Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen unterrichtet,
koſtet im Einzelverkauf 60 Pfg. und iſt von dem
Großh. Staatsverlag, ſowie durch alle Buchhandlungen
zu beziehen.
Gartenbauverein Darmſtadt. Dem Beiſpiele
G
einer großen Anzahl gärtneriſcher und landwirtſchaft
licher Korporationen folgend, hat der Darmſtädter
Gartenbauverein die Dresdner Dynamit=Geſellſchaft
ver=
anlaßt, Samstag, den 1. März, nachmittags 4 Uhr, auf
dem Gelände der Marienhöhe (hinter Ludwigshöhe) eine
Vorführung ihres neuen Spreng=Kultur=
Ver=
fahrens mit Romperit C zu veranſtalten. Der neue
Sprengſtoff iſt nicht allein billig, ſondern vor allem als
handhabungsſicher ſtaatlich anerkannt, d. h., er iſt
un=
empfindlich gegen äußere Wirkungen wie Stoß. Schlag,
Reibung, Kälte und Wärme. Er eignet ſich zum
Aus=
heben von Baumgruben und Gräben, zur Entfernung
von Baumſtümpfen, Zertrümmern von Felſen und ſoll
vor allem das Tiefrigolen in billigerer und ſchnellerer
Weiſe ermöglichen, als es ſeither mit Handbetrieb
mög=
lich war. Da die verſchiedenen Anwendungsarten am
Samstag alle praktiſch vorgeführt werden, ſo darf die
Veranſtaltung allen Gärtnern, Landwirten und
Obſt=
züchtern auf das angelegentlichſte empfohlen werden.
* Mazdaznan=Vorträge. Man ſchreibt uns: Die
diätetiſchen Vorträge des Chemikers W. Rich=
Auf den Schneegipfeln
des Himalaja.
** Eine intereſſante Schilderung der kühnen
Beſteig=
ung des Kolahoi, jenes berühmten Schneegipfels des
Himalaja, den man wegen ſeiner Formverwandtſchaft
mit dem Matterhorn der Schweiz das „Matterhorn von
Kaſchmir” genannt hat, veröffentlicht E. F. Neve im
Gra=
phic. Der Aufſtieg begann in jenen Tannenforſten, wo
der Lidar und der Tanin, die beiden brauſenden
Gebirgs=
bäche, ineinanderfließen; von hier aus liegt das
gewal=
tige 16000 Fuß hohe Bergmaſſiv vor dem Blicke des
Bergſteigers. Man ſieht den Südoſtgipfel, der ſich über
einer ſchneebedeckten, tiefen Schlucht aufzutürmen ſcheint.
4000 Fuß führt ein grasbewachſener Abhang empor,
Ty=
mian blüht und die Luft iſt von dem Dufte fremder
Kräu=
ter durchwürzt. Am Anfang berührt man noch die Lager
nomadiſcher Hirten, die in ihren maleriſchen blauen und
roten Gewändern mit ihrem maſſiven Silberſchmuck
leuch=
ſtende Farbenflecke in die Landſchaft tragen; bald aber
wird es kühler, und die Alpenflora tritt in ihr Recht. Die
erſten Schneefelder werden ſichtbar, und in der Paßhöhe
11668 Fuß über dem Meeresſpiegel, eröffnet ſich dem
Bergſteiger ein großartiges Panorama. Die von
Glet=
ſchern überzogenen Wände des Kolahoi türmen ſich im
Süden übereinander, zu Füßen ſchäumen die Sturzbäche
und an ihren Abhängen treiben ganze Scharen von flinken
Murmeltieren ihr Weſen. Der Boden iſt wie mit
Edel=
weiß beſät, und neben ihnen glühen der purpurfarbene
Aſtragalus und mächtige, goldleuchtende Blütenkelche.
Nach einer kurzen Kletterpartie iſt der Har=Nag=Paß in
12700 Fuß Höhe erreicht, und hier, auf einer grünen
Matte, von der erſt vor kurzem Schnee und Eis fortgetaut
waren, machen die Bergſteiger Raſt.
Die Fortſetzung der Steigearbeit bringt dann den
Abſchied von der Vegetation und das Eindringen in die
Gebirgswelten des ewigen Eiſes. Zwiſchen
Schneeſchluch=
ten arbeitet man ſich empor, der Charakter der Landſchaft
verändert ſich und plötzlich, wenn man inmitten der
An=
ſtrengungen Zeit findet, umher zu blicken, ſieht man ſich
in eine wunderliche Märchenwelt verſetzt, in ein Reich
phantaſtiſch gezackter Felsſäulen, die zum Himmel
empor=
ragen und die Kuppel des Firmaments tragen zu wollen
ſcheinen. „Mühſam klettern wir die 1000 Fuß zu einem
dieſer Eis überzogenen Felsvorſprünge empor, um unſer
kleines Lagerzelt aufzuſchlagen. Acht Männer müſſen
über eine Stunde lang unermüdlich den Eispickel und die
Axt führen, ehe für unſer Lagerzelt Raum und ein Halt
erobert ſind. Aber der Ausblick von dieſem Punkte war
herrlich. Tauſende von Fuß unter uns dehnen ſich die
endloſen Schneefelder; vor uns aber liegt noch immer
die=
ſer ſüdöſtliche Givfel, um den wir ringen, und unſere
Blicke ſchweifen über die dort oben ragenden dunklen
Felsklippen, von denen uns noch ein ſteiler Schneeabhang
trennt. Im Oſten und im Weſten ragen in endloſer
Kette die ſchneebedeckten Eipfel der Nachbarberge emvor.
in roſiges Licht getaucht. Als wir am nächſten Morgen
aufbrachen, ſchienen noch die Sterne. Nie werde ich jenes
erſte Nahen der Morgendämmerung vergeſſen; jenes
bleiche, unendlich zarte, roſige Flimmern, das langſam
im Oſten aufſtieg, den wundervollen heliotropfarbenen
Himmel, das Aufglühen der Bergkuppen, als die Sonne
heraufzog.” Immer größer werden die Schwierigkeiten,
die die Bergſteiger von ihrem Ziele trennen, immer
lang=
ſamer wird das Tempo des Vordringens. Ein Felsblock
löſt ſich plötzlich vom Geſtein und donnert polternd
hinab=
in die Tiefe; wenige Meter an der kleinen Schar vorüber,
die durch ein Wunder dem Tode entgeht. Jetzt liegt der
Gipfel auch nahe vor ihnen, kaum 300 oder 400 Fuß
tren=
nen ſie noch von dem hart erkämpften Ziele. „Aber die
Kletterpartie an dem Felsrande iſt ſo anſtrengend, daß
wir vierundeinehalbe Stunde brauchen, um dieſe kurze
Strecke zu überwinden. Wir waren natürlich angeſeilt,
und über einen Mangel an aufregenden Augenblicken
konnten wir uns nicht beklagen. Hinter einem Felſen
taucht plötzlich ein gähnender Abgrund auf. — und faſt
ſcheint es, als könne er nie überwunden werden, als gebe
es nur noch ein Zurück. Aber ſchließlich gelingt es doch
eine etwas ſchmalere Stelle zu finden und durch ein
hals=
brecheriſches Kletterkunſtſtück über die Schlucht zu
kom=
men. Endlich iſt die letzte Schneekavpe erreicht, und mit
tags um 2 Uhr ſtehen wir auf dem Gipfel; inmitten eines
unüberſehbaren Ozeans von Schnee, der Tauſende von
Meilen weit alle Kuppen, Täler und Felder beherrſcht.”
Nummer 49.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar
1913.
Seite 3.
ter=Leipzig im „Fürſtenſaal” nehmen ihren Fortgang
und erfreuen ſich einer zunehmenden Wertſchätzung. In
dem Programm der Vorträge iſt der Diät, welche der gei
ſtigen Arbeit angemeſſen iſt, als einer wichtigen, aber
weniger leicht zu löſenden Bedürfnisfrage, ein breiterer
Raum zugewieſen. Die Darlegungen werden, um die
An=
ſchaulichkeit zu unterſtützen, durch geeignete Koſtproben
das Intereſſe der Teilnehmer und beſonders der
Teil=
nehmerinnen erwecken. In dem heute bevorſtehenden
Vortrage wird die zweckmäßige Bereitung der Speiſen
behandelt, und es werden Anleitungen und Rezepte für
paſſende Zuſammenſtellungen geboten werden. Der
Tätig=
keit der Hausfrau als Hüterin der Geſundheit wird eine
würdigende Betrachtung gewidmet werden. Der letzte
Vortrag am Freitag wird den Wert des Faſtens als des
ſtärkſten Heilmittels erweiſen und die zweckmäßigſten
Methoden angeben, welchen uralte Erfahrungen zugrunde
liegen
* Die freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft
beſchließt am 6. März mit einer Hebbelfeier zum
Gedächtnis des 100. Geburtstages des Dichters
ihr diesjähriges, erfolgreiches Winterprogramm. Die
Ehrung Friedrich Hebbels (geb. 18. März 1813) iſt einem
der Würdigſten der deutſcheu Nation anvertraut, dem
Dichter Herbert Eulenberg, der bekanntlich mit
ſeinem Drama „Belinde” den Schillerpreis des letzten
Jahres davongetragen hat. Die Bedeutung des
bevor=
ſtehenden Abends in der freien Literariſch=Künſtlerifchen
Geſellſchaft dürfte hiermit zur Genüge gekennzeichnet ſein.
C) Lichtbilder=Vortrag über den Balkankrieg.
Auf den heute abend im Saalbau ſtattfindenden
Licht=
bilder=Vortrag des Reichsfreiherrn v. Binder=
Kriegl=
ſtein ſei nochmals hingewieſen.
— Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Nach dem
Reichsgeſetz vom 30. Mai 1908 (ſog. Kleiner
Befähigungs=
nachweis) dürfen bekanntlich im allgemeinen nur noch
ſolche Perſonen Lehrlinge anleiten, welche die
Meiſter=
prüfung beſtanden haben. Am 1. Oktober 1913 läuft
nun die Friſt ab, bis zu welcher die Meiſterprüfung
noch ohne den Nachweis der beſtandenen Geſellen
prüfung abgelegt werden kann. Die Beſtimmungen
finden gleicherweiſe auf männliche wie auf weibliche
Ge=
werbetreibende Anwendung. Aus dieſem Grunde wird
die Handwerkskammer zu Darmſtadt eine II.
außer=
terminliche Meiſterprüſung anordnen. Damit ſich nun
die Teilnehmer an den Meiſterprüfungen die nötigen
Kenntniſſe für den theoretiſchen Teil der Prüfung leicht
aneignen können, beabſichtigt der Ortsgewerbeverein zu
Darmſtadt, einen weiteren Vorbereitungskurſus hierfür
abzuhalten. Gegenſtände des Unterrichts werden ſein
Buchführung, Wechſellehre, Scheckverkehr, Gewerbe=
Ver=
ſicherungs= und Genoſſenſchaftsgeſetzung. Der Kurſus
ſoll am 2. April beginnen und Mitte Mai endigen.
Anmeldungen hierzu werden jetzt ſchon auf dem Sekre
tariate der Handwerkskammer zu Darmſtadt, Georgen
ſtraße 9, entgegengenommen. Die Teilnehmergebühr
beträgt 10 Mark.
*
Die ordentliche Generalverſammlung der
Darmſtädter Volksbank, eingetragene Genoſſenſchaft
mit beſchränkter Haftpflicht, am Dienstag, den 4. März,
im Reſtaurant des Herrn Georg Chriſt, „Fürſtenſaal” hat
folgende Tagesordnung: Rechenſchaftsbericht und Recht
nungsablage für 1912, Antrag des Vorſtandes und
Auf=
ſichtsrates, den § 17 des Statutes zu ändern. Bericht
des Aufſichtsrates über die Prüfung der Jahresrechnung.
Beſchlußfaſſung über die Genehmigung der Bilanz und
die Gewinnverwendung, ſowie über die Entlaſtung der
Verwaltungsorgane, Antrag des Vorſtandes und des
Aufſichtsrates, die neue Faſſung der Beſtimmungen
über Gewährung von Ruhegehalten an die Beamien,
deren Witwen und Kinder zu genehmigen, Bericht über
den allgemeinen Genoſſenſchaftstag in München,
er=
ſtattet von Herrn Hofſpengler Georg Rühl,
Ergänzungs=
wahl des Aufſichtsrates.
* Die Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger” ver
anſtaltet am Sonntag im „Kaiſerſaal” aus Anlaß des 124
Geburtstages des Meiſters Franz Taver
Gabelsber=
ger eine Gabelsberger=Feier mit Tanz. Die
Muſik wird von der Kapelle des Inf.=Regts. Nr. 115
ge=
ſtellt. Erwähnt ſei noch, daß der bereits angekündigte
Lichtbilder=Vortrag verſchoben wurde. (S. Anz.)
* Odenwaldklub. Für die Wanderer der
Orts=
gruppe Darmſtadt des Odenwaldklube
gilts, ſich am 2. März für die durch den Odenwald nach
der Bergſtraße führende 12. und letzte Wanderung im
Vereinsjahre zu rüſten. Pünktlich um 7 Uhr erfolgt der
Abmarſch nach Nieder=Ramſtadt über die Neutſcher Höhe
nach Neutſch, Ernſthofen, Klein=Bieberau über einſame,
ſchöne Waldwege nach Neunkirchen zur Frühſtücksraſt.
Da vorher ein kleines Frühſtück eingenommen wird,
dürfte es ſich empfehlen, ſich mit einem ſolchen zu
ver=
ſehen. Nachdem die Wanderer geſtärkt und ausgeruht
geht die Wanderung an Beedenkirchen vorbei durch das
liebliche Stettbacher Tal dem Endziele Jugenheim zu
wo zum gemeinſamen Mittageſſen (Gedeck 2 Mark) und
fröhlichem Zuſammenſein Einkehr in dem Hotel „Zur
Krone” gehalten wird.
Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein
Darm=
ſtadt. Zum letzten Male im Wanderjahre 1912/13 ruft
der Darmſtädter V. H. C. ſeine Getreuen für nächſten
Sonn=
tag zu einer Wanderung auf, zum letzten Ringen um das
goldene Abzeichen, das diesmal vorausſichtlich an mehr
als 50 wackere Klubſchweſtern und=Brüder verliehen
werden kann. Alle Vorbereitungen ſind getroffen, daß
dieſe Wanderung ſich den vorhergegangenen würdig an
reihen wird. (Näheres ſiehe Anzeige in der heutigen
Nummer).
* Orpheum. Heute, Donnerstag, abend findet die
Abſchieds=Vorſtellung des Belvedere=
Enſembles ſtatt, welches damit ſein außerordentlich
erfolgreiches diesjähriges Gaſtſpiel beſchließt. Morgen,
Freitag, findet keine Vorſtellung ſtatt. — Ab Samstag,
1. März, beginnt Exls Tiroler Bühne aus
Inns=
bruck ein kurzfriſtiges Gaſtſpiel. Näheres folgt.
* Chauſſeehaus. Der neue Beſitzer, Herr Gg. Brück,
arrangiert vom 1. bis einſchließlich 9. März im großen
Saale des Chauſſeehauſes, Heidelbergerſtr. 89, ein Wie
ner Praterfeſt, verbunden mit Doppelbockbierfeſt
Eine Abteilung der Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts.
Nr. 61 wird im entſprechend geſchmückten Saale den muſi
kaliſchen Teil erledigen. Das Wiener Praterfeſt ſoll am
Sonntag ſtattfinden. Näheres im Anzeigenteil und durch
Plakate.
* Zu dem Unfall auf der Grube Meſſel wird uns
mitgeteilt, daß der Obermeiſter Galonske einen
links=
ſeitigen Beckenbruch und rechtsſeitigen Knöchelbruch
erlitt.
— Traiſa, 26. Febr. Das allbekannte und
alt=
renommierte Etabliſſement „Darmſtädter Hof” (
frü=
her Riedmatter) iſt in den Beſitz des Herrn Behrens=
Hufnagel übergegangen und renoviert worden und
wird in der bewährten Weiſe weitergeführt. Schon an
den letzten Sonntagen war es von Darmſtädtern, die mit
einem Beſuch des beliebten, einen angenehmen
Aufenthal=
bietenden Etabliſſements einen ſchönen Waldſvaziergang
verbinden, ſehr zahlreich beſucht.
Heppenheim, 26. Febr. Der 43 Jahre alte Dr. jur
A. Lindemann von hier wurde in Heidelberg au
dem Schloßaltan in ſitzender Stellung tot aufge
funden. Der Lebensmüde hatte durch Gift ſeinem
Leben ein Ziel geſetzt. In der Taſche des Toten
fand ſich ein Revolver und ein Brief vor, in dem er bittet
feuerbeſtattet zu werden. Der Grund zur Tat ſoll in miß
lichen Familienverhältniſſen zu ſuchen ſein.
Michelſtadt, 25. Febr. Auf Veranlaſſung des
heſſi=
ſchen Vorſtandes, Herrn Johann Peter Hartmann=
Michelſtadt, fand hier eine gut beſuchte Schafhalter
verſammlung des Verbandes ſüddeutſcher
Schäferei=
beſitzer ſtatt. Zu derſelben waren Stadtſchäfer
Wunder=
lich, der Vorſitzende des Verbandes, ſowie deſſen Ge
ſchäftsführer erſchienen. Nach einer eingehenden
Aus=
ſſprache über die ſchwierige Lage der heſſiſchen Schäferei
wurde beſchloſſen, an die maßgebenden Stellen mit
Ein=
gaben heranzutreten, welche die berechtigten Wünſche der
heſſiſchen Schafhalter zum Ausdruck bringen. Es wurden
vor allem Erleichterungen hinſichtlich der Beſtimmungen
des neuen Reichsviehſeuchengeſetzes, des Straßentreibens
uſw. verlangt. Ebenſo wurde gegen die unrentablen
Auf=
forſtungen, welche der Schäferei die Weideflächen
ent=
ziehen, Stellung genommen. Einſtimmig wurde eine
Ent=
ſchließung angenommen, welche ſich gegen die Auslaſſung
des ſtatiſtiſchen Landesamtes, daß für die Schäferei bei
dem gegenwärtigen intenſiven landwirtſchaftlichen Betrieb
überhaupt kaum Platz vorhanden ſei, wendet
Die Verſammlung zeigte, daß ſich auch die heſſiſchen
Schaf=
halter zu gemeinſamem Vorgehen zuſammenſchließen, um
ihre berechtigten Forderungen durchzuſetzen.
Büttelborn, 26. Febr. In einer ſehr ſtark beſuchten
Verſammlung von Landwirten aus hieſiger Gemeinde
wurde der Beſchluß gefaßt, in dieſem Jahre auch in
hie=
ſiger Gemarkung mit dem Spargelbau den Anfang
zu machen. Nach einem Vortrage über den Spargelbau
überhaupt wurde von Herrn Landtagsabg. Senßfelder
darauf hingewieſen, daß die Gemarkung Büttelborn ſich
in verſchiedenen Teilen ganz vorzüglich zum Spargelbau
eigne. Der letztere Betrieb ſei für den Landwirt zurzeit
am ergiebigſten. Bisher galt Büttelborn als die
Haupt=
zentrale der Weißkrauterzeugung in ganz Heſſen.
— Mainz, 26. Febr. Ueber den
Elektrotech=
niſchen Fachkurſus für Handwerksmeiſter
der geſtern begonnen hat, wird uns folgendes mitgeteilt:
Zu einer auf den 22. Februar anberaumten
Vorbeſprech=
ung hatten ſich 45 Handwerksmeiſter und Werkmeiſter aus
Rheinheſſen eingefunden. Anmeldungen lagen 71 vor, zu
denen weitere 8 Neuanmeldungen hinzukamen.
Regier=
ungsrat Reuter begrüßte die Erſchienenen namens der
Veranſtalterin des Kurſes, der Großh. Zentralſtelle für die
Gewerbe, und wies gleich eingangs darauf hin, daß der
von der Kunſtgewerbeſchule zu Mainz für die
Unterrichts=
erteilung überlaſſene Saal für den in kommender Woche
beginnenden Kurſus nur 30, höchſtens 36 Teilnehmer
zu=
zulaſſen geſtatte. Es werde deshalb ein zweiter Kur
ſus erforderlich werden. Wann dieſer zuſtande komme
laſſe ſich vorerſt nicht ſagen. Im weiteren verbreitete ei
ſich, in welcher Weiſe die Auswahl der an dem erſten
Kur=
ſus teilnehmenden Handwerksmeiſter ſich vollziehe, was
von den Kurſusteilnehmern erwartet werde, welche Koſten
ihnen erwachſen würden, worauf der Unterricht ſich
er=
ſtrecke und welche Lehrkräfte zur Verfügung ſtünden. Es
wurde beſchloſſen, den Unterricht vom Dienstag, den
25. Februar, ab allwöchentlich am Dienstag, Donnerstag
und Samstag vor= und nachmittags von 9—12 und 2—5
Uhr und am Sonntag=Vormittag von 8½—12½ Uhr
ab=
zuhalten. Denjenigen Kurſusteilnehmern, welche dieſe
Un=
terrichtszeit nicht paßte, wurde ein zweiter Kurſus mi
geeigneter Auswahl der Unterrichtsſtunden in Ausſicht
geſtellt.
Mainz, 26. Febr. Durch eine eingehende Reviſion ſind
im Offizierskaſino auf der Schillerſtraße
um=
fangreiche Unterſchlagungen feſtgeſtellt wot
den, die geſtern zur Verhaftung eines erſt ſeit kurzem
ver=
heirateten Sergeanten geführt haben. Der Verhaftete hatte
im Kaſino Bücher zu führen und ſoll ihm angewieſene
Beträge wohl gebucht, aber nicht an ihren
Beſtimmungs=
ort abgeführt haben. Infolgedeſſen liefen Mahnungen
ein, die dann zur Aufdeckung der Unterſchleiſe geführt
haben. — Gegen die Billettſteuer, die am 29.
Ja=
nuar von den Stadtverordneten angenommen iſt, wendet
ſich eine Eingabe der vereinigten
Kinematogra=
phen=Beſitzer von Mainz an die Bürgermeiſterei.
Die Kinobeſitzer erklären ſich bereit, ſtatt der Billettſteuer
eine Pauſchalſumme von zuſammen 5000
Mark das Jahr pränumerando zu zahlen. Dieſe
Summe ſei das Höchſte, was ſie zahlen könnten. Zehr
Prozent der Bruttoeinnahmen als Billettſteuer abführen
zu müſſen, ſei unmöglich, denn dieſe Steuer ſei mehr als
der Verdienſt. Bekanntlich wurde in der betreffenden
Stadtverordnetenverſammlung der Ertrag der geſamten
Billettſteuer auf etwa 15000 Mark veranſchlagt.
Oppenheim, 26. Febr. In den nächſten Tagen wird
hier eine allgemeine Bürgerverſammlung
abge=
halten werden, in der endgültig Stellung zur
Lage=
benennung der Weinberge in der Gemarkung
Oppenheim genommen werden ſoll. Der Gemeinderat
hat diesbezügliche Aenderungen vorgeſehen. Es handelt
ſich hierbei um die Beſeitigung unſchöner Benennungen
und um Zuſammenlegung größerer Gebiete. In anderen
rheinheſſiſchen Gemeinden erſtrebt man dieſelbe Neuerung.
Uffhofen, 26. Febr. Nachdem vor einigen Wochen bei
Ausgrabungen des Gebiets des Herrn Wilhelm
Eſpen=
ſchied hier ein vollſtändiges Skelett eines
Menſchen zu Tage gefördert wurde, iſt am Samstag
wieder ein ſolches geſunden worden, in unmittelbarer Nähe
des erſten. Lehrer Kaiſer konnte noch einen Teil desſelben
bergen und ebenſo eine Urne, die bei der Leiche lag.
Letz=
tere iſt leider durch das Aufräumen der Erde zerbrochen
worden.
(*) Friedberg, 25. Febr. Unſer neues
Poſt=
gebäude iſt im Rohbau ſo weit hergeſtellt, daß die
Das
Innenarbeiten im Frühjahr beginnen ſollen.
Empfangsgebäude am neuen Bahnhof ſoll
ſchon im Sommer in Benutzung genommen werden.
Gleichzeitig wird der neue Bahnhof in Betrieb geſetzt
werden.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
C Sigrid Arnoldſon, die Primadonna der
Opéra Comique in Paris, des Königl. Theaters (Covent
garden) in London, ſowie der Kaiſerl. Theater in
Peters=
burg und Moskau, die vielgefeierte Künſtlerin, die
un=
beſtritten die größten Erfolge ihrer Kunſt unter ihren
lebenden Kolleginnen zu verzeichnen hat, wird am 7.
März im Hotel „Zur Traube” ein einmaliges Konzert
veranſtalten. Sigrid Arnoldſon, die „ſchwediſche
Großherzogliches Hoftheater.
Dienstag, 25. Februar.
Egmont.
W-l. In neuer Einſtudierung und Inſzenierung ge
langte heute Goethes „Egmont” mit der Beethovenſchen
Muſik zur Aufführung. Die neue Inſzenierung, durch die
mit geſchickter und verſtändnisvoller Verwendung
vorhan=
dener Mittel ſchöne und ſtilgerechte Szenenbilder ge
ſchaffen worden ſind trug zu einem vorteilhaften Eindruck
der Aufführung weſentlich bei, die Hauptmißſtände ſind
damit aber nicht behoben. Sie beruhen in dem häufigen
Szenenwechſel und der dadurch bedingten Unterbrechung
und Verſchleppung der Handlung. Wir möchten weiter
auf unſeren früheren Vorſchlag zurückkommen, die
Beet=
hovenſche Muſik, etwa mit Ausnahme der Ouvertüre, ganz
fortzulaſſen, nicht daß wir ſie unterſchätzten, ſondern weil
dadurch ein weiteres retardierendes Element in die
Auf=
führung hineinkommt und der Uebergang vom
geſproche=
nen Wort zur Muſik überhaupt nicht geeignet iſt, den
empfangenen Eindruck zu verſtärken, abgeſehen davon, daß
die Einſchaltung des elektriſchen Lichtes der Lampen in
Orcheſterraum während der Vorſtellung die Zuſchauer aus
der Stimmung bringt. Goethe hat zwar bei Klärchens
Sterben ſelbſt Muſik. „Klärchens Tod bezeichnend” vor
geſchrieben, er hat ſie aber ohne Zweifel hinter der
Szene ſpielend gedacht.
Die Rolle des Klärchens, in der bei der letzten
Auf=
führung Frl. Berka gaſtiert hat, ſpielte zum erſten Male
Frl. Pils. Ueber die Auffaſſung der Klärchen=Rolle iſt
viel geſtritten worden, und allerdings kann man über ſie
verſchiedener Anſicht ſein, die Perſönlichkeit bedeutet und
beweiſt auch hier alles. Iſt das Klärchen auch kein
Gret=
chen, ſo war Frl. Pils für unſer Empfinden doch etwas
zu heroinenhaft. Ohne Zweifel betrachtet ſie das jugend
liche Fach nur als einen Uebergang zum Heroinenfach;
denn ſie ſcheint uns die geborene Heroine zu ſein. Ihr
Organ vereinigt, um uns eines muſikaliſchen Ausdrucks
zu bedienen, eine ſonore Altſtimme mit einem wohltönen=
den Sopran. Frl. Pils beging nun den Fehler daß ſie
in der zärtlichen Liebesſzene mit Egmont das Organ zu
tief ſtellte, infolgedeſſen ſie auf einen falſchen Ton geſtimmt
war. Die Auffaſſung der Rolle hielt ſich von allem
Tra=
ditionellen fern und war dadurch beſonders intereſſant.
Die Darſtellung ſelbſt ließ viel echtes Temperament und
künſtleriſche Intelligenz erkennen. In der Straßenſzene
ſchien Frl. Pils etwas nervös zu ſein, die Abſchiedsſzene
ſpielte ſie dagegen ergreifend ſchön.
Den Eamont ſpielte wieder Herr Baumeiſter, der
ſich in der Darſtellung des vornehmen und eleganten, dem
heiteren Lebensgenuß zugewandten, ſoraloſen Kavaliers
und galanten Liebhabers, wie ihn der Dichter gezeichnet
hat, noch mehr vervollkommnet hat. Neu und charakteriſtiſch
in Maske und Spiel war Herr Weſtermann als Alba,
der, trotzdem er die Rolle zum erſten Male ſpielte, eine
im ganzen fertige Leiſtung bot. Herr Heinz als
Ora=
nien und Herr Schneider als Ferdinand führten ihre
Rollen lobenswert durch. Die Rolle der Regentin wurde
von Frl. Alſen mit verſtandesmäßiger Kühle geſpielt.
Sympathiſcher, weil weniger larmoyant als ſeine
Vor=
gänger, war Herr Ehrle als Brackenburg. Das
Bür=
gerquartett war durch die Herren Jordan (Schneider),
Jürgas (Zimmermann), Kräger (Krämer) und
Pe=
terſen (Seifenſieder), unter denen Herrn Jordan die
Hauptaufgabe zugefallen war. aut vertreten. Auch Frau
Müller=Rudolph als Klärchens Mutter, und Herr
Riechmann als prächtiger Buyk verdienen lobende
Er=
wähnung.
Einen Beweis ſchnellen Auffaſſungsvermögens und
ungewöhnlicher ſchauſpieleriſcher Befähigung lieferte Herr
Paul Eiſner, der die nicht leicht zu ſpielende Rolle des
Vanſen, nachdem Herr Wagner erkrankt war, in letzter
Stunde übernommen und einſtudiert hatte, und, ähnlich
wie unlängſt unter gleichen Verhältniſſen bei einer
Auf=
führung der „Fledermaus” durch Uebernahme des „Froſch”,
die Vorſtellung ermöglichte
Die Regie führte Herr Baumeiſter, die
muſika=
liſche Leitung hatte Herr Kapellmeiſter Kleiber, die
Geſtaltung des Bühnenbildes war den Herren Kempin
und Schwerdtfeger zu verdanken,
Konzerte.
mm. Im 211. Vereinsabend des Richard Wagner=
Vereins traten am Dienstag, den 25. Februar, der
namhafte Violoncelliſt Herr Paul Grümmer, Profeſſor
am Wiener Konſervatorium, mit der vielverſprechenden
jungen Pianiſtin Fräulein Eliſabeth Bokemeyer aus
Berlin, einer ganz ausgezeichneten ſicheren Begleiterin am
Klavier, auf. Herr Profeſſor Paul Grümmer, der
Bru=
der des früher hier tätig geweſenen Kapellmeiſters, iſt
einem großen Teil des hieſigen Publikums ſchon recht
vorteilhaft bekannt geweſen, und der Beſuch des Konzerts
war deshalb trotz des gleichzeitigen Theaterabends und
trotzdem das Violoncello als Konzertinſtrument — wohl
mit Unrecht — in unſerer Stadt bis jetzt noch etwas zu
wenig gewürdigt worden iſt, dennoch recht gut, wenn
auch nicht ſo wie er bei den zahlreichen Liederabenden
zu ſein pflegt. Dafür gab es aber auch keine Klagen
wegen Platzmangels, und die Künſtler dürfen mit dieſen
Zuhörern, die ihr beſonderes Kunſtgenre auch vollkommen
zu würdigen verſtanden, um ſo mehr zufrieden ſein und
auch dem Vereinsvorſtand gebührt beſonderer Dank allen
ernſten Kunſtfreunde dafür, daß er nicht den von manchen
Seiten laut werdenden Wünſchen willfährt, in
dilettanti=
ſcher Weiſe durch Liedeinlagen die Stilreinheit des
Pro=
gramms und die ideale Wirkung der „abſoluten Muſik” zu
zerſtören, die ſich ja übrigens, wie in Schumanns, Liſzts
und Beethovens kleineren Tonſtücken in enger Anlehnung
an einen der Poeſie direkt entnommenen dichteriſchen
Vor=
wurf hält, oder doch in ihren Tönen („Aufſchwung”
„Grillen” und „Liebestraum”) eine Sprache findet, für
deren Empfindung auch wohlgewählte Worte kaum den
vollendeten Ausdruck geben würden. Und die erſte
Pro=
gramm=Nummer, Beethovens Variationen über
ein Thema (den Siegesgefang: „Preiſt den Helden”) aus
Händels bekanntem Oratorium Judas
Mac=
cabäus (die Herr Profeſſor Grümmer anſtelle des
Konzertſtückes, Op. 12, von E. v. Dohnänyi ſpielte)
ge=
hören zu der erwähnten Gattung. Die ſehr klar in Mo=
Seite
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Febrnar 1913.
Nummer 49.
Rachtigallt welche in den letzten Jahren in ſaſt alln
europäiſchen Hauptſtädten Aufſehen erregte und von den
hervorragendſten Kritikern der Jetztzeit als die
Nachfol=
gerin der Patti bezeichnet wird, iſt des ſeltenen Glückes
teilhaftig geworden, in einer verhältnismäßig ſehr
kur=
izen Zeit den Ruf eines „Sternes” zu erlangen. Wohl
ſelten mag es aber auch eine Künſtlerin gegeben haben
welche in ſo hohem Maße alle jene Qualitäten in ſich
ver=
einigt, welche abſolut notwendig ſind, um
berechtigter=
weiſe die Aufmerkſamkeit der muſikaliſchen Kunſtwelt auf
ſich zu lenken. So wie ihrer berühmten Landsmännin
Jenny Lind iſt ihrem ganzen Weſen jener ideale,
ſchwär=
meriſche Zug eigen, welcher nicht zum geringſten dazu
beitrug, daß diejenigen, welche die Vorgängerin der
Arnoldſon aus dem Norden in ihrer Blütezeit hörten,
mit Begeiſterung der Kunſtleiſtung dieſes Geſangs
Phänomens aus früherer Zeit ſich erinnern. Mutter
Natur ſtattete die Arnoldſon mit einer jener
ſammetarti=
gen Stimmen aus, welche, wenn man ſie einmal gehört
hat, nie vergißr. — Was ihre Geſangskunſt anbelangt,
fo genügt es, zu erwähnen, daß ſie eine Schülerin von
Madame Artöt de Padilla, ſowie des leider zu früh
ver=
ſtorbenen Maurice Strakoſch iſt, welcher bekanntlich auch
der einzige Lehrer Adelina Pattis war. (Nähere
Mit=
teilungen folgen.)
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 25. Febr. Der König
von Dänemark empfing heute nachmittag im
König=
lichen Schloß den Reichskanzler und den Staatsſekretär
von Jagow. Später begab ſich das däniſche Königspaar
zu dem däniſchen Geſandten, um den Tee zu nehmen,
wozu zahlreiche Mitglieder der Kolonie geladen waren.
— Mit einigen Veränderungen iſt in der Sitzung des
Stadtverordnetenausſchuſſes die Magiſtratsvorlage über
eine Kino= und Vergnügungsſteuer
angenom=
men worden. Danach ſollen in Zukunft
kinematogra=
phiſche Vorſtellungen in der Art beſteuert werden, daß
von 30 Pfennig an eine Steuer von 5 Pfennig erhoben
wird, die ſtaffelförmig, je nach den höheren Preiſen, ſteigt.
Bei den Varietés beginnt die Steuer bei einem
Billett=
preis von 40 Pfennig, während bei den Zirkuſſen die
Billette unter 1 Mark ganz frei bleiben. Von der Steuer
überhaupt befreit bleiben alle Freikarten, Paſſepartouts,
wenn ſie als ſolche erkennbar und von der Steuerbehörde
abgeſtempelt ſind. Ferner bleiben ohne Abgabe
Veran=
ſtaltungen wiſſenſchaftlicher Art und Kinovorführungen
die von den Unterrichtsanſtalten oder mit Zuſtimmung
der Schulen ſtattfinden, ebenſo Darbietungen, die vor
Inſtituten ausgehen, die aus ſtädtiſchen Mitteln Beihilfe
erhalten. Der Ertrag der Kinoſteuer iſt auf 1 250000
Mark veranſchlagt. — Bei einer Verſammlung des
deutſchen Bundes zur Bekämpfung der
Frauenemanzipation kam es zu Lärmſzenen,
als der Vortragende, Dr. Ollendorf, behauptete, daß viele
von den Führerinnen der Frauenbeweaung ſexuell
per=
vers ſeien. Die Mehrheit der anweſenden Frauenrecht
lerinnen verlies darauf den Vortragsſaal. — Zu
Gerüch=
ten von einem Totſchlag gab geſtern abend ein Streit
in Moabit Veranlaſſung, der zwiſchen den 19jährigen
Arbeitern Kelinowski und Gürtler ausgebrochen war
und der zu Täklichkeiten ausartete. Schon waren beide
handgemein geworden. als Kalinowski plötzlich lautlos
zuſammenbrach. Auf der Unfallſtation konnte nur noch
der Tod feſtaeſtellt werden. Ob letzterer auf einen
Herz=
ſchlag zurückzuführen iſt, wie vorläufig angenommen
wurde, ſoll durch die Unterſuchung feſtaeſtellt werden.
Gürtler wurde vorläufig in Haft genommen.
Mannheim, 26. Febr. Der Polizeibericht meldet: Der
64 Jahre alte, verheiratete Dachdecker Jakob
Katzen=
mayer aus Darmſtadt fiel geſtern nachmittag, als
er mit Reparaturarbeiten eines Daches beſchäftiat war,
aus einer Höhe von 15 Metern in den zementierten Hof.
Der Schwerverletzte, der ſofort ins Krankenhaus
ge=
bracht wurde, ſtarb geſtern abend infolge der
erlitte=
men Verletzungen
Aſchaffenhura, 26. Febr. Bei einer
Automobil=
fahrt von München nach Frankfurt a. M. verunglückte
geſtern im Speſſart bei Rohrbrunn der Inhaber der
Münchener Otto=Flugzeuawerke. Das Automobil
über=
ſchlug ſich, als es einem Holzfuhrwerk ausweichen wollte
Otto und ſeine Frau wurden ſchwer verletzt von
Wald=
arbeitern unter den Trümmern des Automobils
hervor=
gezogen
Frankfurt a. O., 25. Febr. Die Verbrechen von
Ortwig kommen, wie jetzt beſtimmt feſtſteht, vom 13
März an vor dem Schwurgericht des bieſigen
Land=
egerichts zur Haurtverhandlung. Die Berliner Zeugen
haben bereits die Laduna erhalten. Sternickel wird ſich
zumächſt nur wegen der Bluttat von Ortwig zu
verant=
worten haben. Seine anderen Verbrechen, wie die Brand=
ſtiftung an der Plagwitzer Mühle und der Raubmord an
ihrem Beſitzer Knappe, bei denen die Berliner
Helfers=
helfer nicht in Betracht kommen, ſind noch ausgeſchieden
London, 26. Febr. Geſtern ſtarb hier im Alter von
90 Jahren der letzte Nachkomme des berühmten
engliſchen Admirals Nelſon. Bekanntlich hat die
eng=
liſche Regierung für Nelſons Nachkommen eine Penſion
von 100000 Mark ausgeſetzt. Mit dem jetzt erfolgten
Tode des letzten Nelſon erliſcht auch dieſe Penſion.
London, 26. Febr. Geſtern nacht will man in
Ports=
mouth über der Gosporter Seite des Hafens das Licht
eines Luftſſchiffes, das ſchließlich gegen Norden
nach Deutſchland fuhr, geſehen haben. Heute erhielt die
Admiralität von der Küſtenwache bei Hornſea die
Meld=
ung, daß um 8½ Uhr abends ein geheimnisvolles
Luft=
ſchiff mit einem hellen Licht geſehen wurde. —
Premier=
miniſter Asquith empfing den Flieger Graham White
zu einer Konferenz.
Sydney, 25. Febr. Der Südpolarforſcher
Mawſen hat den König Georg um die Erlaubnis
ge=
beten, dem großen neuendeckten Lande den Namen
König Georg V.=Land geben zu dürfen. Es liegt
zwiſchen dem Viktorialand und dem Adelieland und iſt
ein Gebiet, auf welches hauptſächlich die Schlittenfahrten
der Expedition gerichtet waren.
Zum Zubiläum
der Sanitätshauptkolonne
vom Roten Kreuz.
Der Jubiläumsbericht der Darmſtädter
Frei=
willigen Sanitäts=Hauptkolonne vom
Roten Kreuz iſt im Druck erſchienen. Er enthält eine
Anzahl von vorzüglichen Abbildungen. In einem
Vor=
wort wird des näheren auf die Entwickelung der
Hilfs=
tätigkeit des Roten Kreuzes im allgemeinen und in Heſſen
eingegangen. Eine Zeitgeſchichte ſtellt auf 42
Druck=
ſeiten die 25jährige Entwickelung der Darmſtädter
Haupt=
kolonne dar. Es folgen ſtatiſtiſche und Perſonalangaben
Dem von Miniſterialrat Dr. Kratz verfaßten Artikel
über „Die Darmſtädter Freiwillige Sanitätskolonne vom
Roten Kreuz und der Rettungs= und
Krankenbeförder=
ungsdienſt in der Stadt Darmſtadt” der eine Fülle von
amtlichem und ſonſtigem Material enthält, das auf die
Entwickelung des Jubelvereins Bezug hat, entnehmen
wir folgendes:
Bis zum Jahre 1900 fehlte es in der Stadt
Darm=
ſtadt an einer geordneten Regelung des Unfallrettungs=
und Krankenbeförderungsdienſtes. Es waren wohl in
den Krankenhäuſern, ſowie in dem Depot des Heſſiſchen
Landes=Vereins vom Roten Kreuz, an den Bahnhöfen,
in einzelnen Fabriken uſw. Trag= und Fahrbahren
vor=
handen; es fehlte aber an einer Vorbereitung zur
plan=
mäßigen Verwendung dieſer Beförderungsmittel im ge
gebenen Falle, es fehlte namentlich auch an der Bereit
haltung perſönlicher Hilfstätigkeit. Ereignete ſich ein
Unfall, der ſofortige Hilfe und die Verbringung eines
Schwerverletzten erforderlich machte, ſo war es Aufgabe
der Polizei, hier einzugreifen und die notwendigen Maß
nahmen zu veranlaſſen. Zur Beförderung der Verletzten
wurde hierbei eine Räderbahre benutzt, die hierfür im
ſtädtiſchen Krankenhauſe zur Verfügung ſtand. Die
per=
ſönliche Hilfstätigkeit wurde durch die Schutzmannſchaft
geleiſtet. Um ihre Mitglieder einigermaßen hierzu
vor=
zubereiten, wurde dank dem Entgegenkommen der 1888
gegründeten Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten
Kreuz in Darmſtadt die Einrichtung getroffen, daß ar
den Ausbildungslehrgängen der Kolonne jeweils mehrere
Schutzmänner teilnahmen. So konnte nach und nach ein
Teil der Schutzmannſchaft im Rettungs= und Kranken
beförderungsdienſt unterwieſen werden. Es war
außer=
ordentlich dankbar zu begrüßen, daß im Jahre 1900 die
Führerſchaft der Darmſtädter Freiwilligen
Sanitäts=
kolonne vom Roten (Kreuz ſich entſchloß, ſich die
Mitwirk=
ung bei dem Unfall=, Rettungs= und
Krankenbeförder=
ungsdienſt im Frieden angelegen ſein zu laſſen und die
Hilfstätigkeit in der Stadt zu organiſieren. Die Frage
wurde von dem Großh. Polizeiamt aufgegriffen.
Es fand eine Beſprechung des damaligen Vorſtandes
dieſer Behörde mit dem Kolonnenführer ſtatt, deren
Er=
gebnis Ausdruck fand in einem Schreiben des
Polizei=
amts, das die Grundlage bildet für die Organiſation
des Rettungs= und Krankenbeförderungsdienſtes in der
Stadt Darmſtadt in planmäßigem Zuſammenwirken des
Großh. Polizeiamts und der Sanitätskolonne. Das
Schreiben lautet u. a.: Bezugnehmend auf Ihre Eingabe
und die ſtattgehabte Beſprechung teilen wir Ihnen
er=
gebenſt mit, daß wir von Ihrem dankenswerten
Aner=
bieten Gebrauch machen wollen. Wir haben demgemäß
die Polizei=Reviere angewieſen, in Fällen der gedachten
Art die mit polizeilich abgeſtempelten
Legitimationskar=
ten verſehenen Mitglieder der Freiwilligen
Sanitäts=
kolonne zur Hilfeleiſtung zuzulaſſen und
erforderlichen=
falls dieſelben zur Hilfeleiſtung aufzufordern. Wir ſetzen
hierbei voraus: 1. daß die Hilfeleiſtung auf das
unbe=
dingt Notwendige beſchränkt bleibt und namentlich all
Maßnahmen unterbleiben, welche eine ärztliche
Ausbild=
ung vorausſetzen, 2. daß in allen Fällen unverzüglich
die Zuziehung eines Arztes veranlußt wird, 3. daß die
Hilfeleiſtung ſtets im Einvernehmen mit den an Ort und
Stelle anweſenden Polizeibeamten erfolgt. — Nachdem
ſo der erſte Anfang gemacht war, entwickelte ſich dann die
gemeinnützige Einrichtung zu der Größe, wie wir ſie heute
dankbar wirken und ſchaffen ſehen.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin 26. Febr. Vizepräſident Dr. Paaſche
eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten.
Schwerins=
tag. Erſter Punkt der Tagesordnung iſt die Beratung des
nationalliberalen Antrags auf
Vorlegung eines Geſetzentwurfes zur Regelung
des Submiſſionsweſens
im Deutſchen Reich. Auf Antrag des Abg. Schultz=
Brom=
berg (Reichspt.) wird ein von der Reichspartei geſtellter
Initiativ=Antrag, der ſich in derſelben Richtung bewegt,
mit zur Diskuſſion geſtellt. Abg. Frhr. v. Richthofe
(natl.): Seit mehr als 80 Jahren wird immer wieder auf
die Schäden des Submiſſionsweſens hingewieſen. Bei
einer künftigen Regelung des Submiſſionsweſens müßte
als Grundregel feſtgeſetzt werden, daß es den Behörden
freigelaſſen wird, bei kleineren Werten den Weg der
frei=
händigen Vergebung zu wählen. Bei Objekten von 5000
Mark an aber ſollte unbedingt der Weg der Submiſſion
geboten ſein. Heute findet man vielfach Submiſſionen für
ganz geringe Objekte, während größere freihändig
ver=
geben werden. Ausnahmen ſollten nur gemacht werden
können bei eiligen Lieferungen für Heer und Marine. Der
Zuſchlag ſollte prinzipiell nicht den tatſächlich billigſten
Offerten zuerkannt, ſondern es ſollte auf angemeſſene
Preiſe geſehen werden. Die Annahme der billigſten Preiſe
führt ſtets, wenn es auch am bequemſten iſt, doch zu den
übelſten Konſequenzen, indem manche Firmen unter Preis
offerieren, nur um mit einer Behörde ins Geſchäft zu
kommen. Wir verlangen deshalb reichsgeſetzliche Regelung
dieſer Sache und Einſetzung eines Reichs=
Submiſſions=
amtes als Kontrollſtelle. Der Weg der Dienſtvorſchrif
genügt nicht. Anſtelle des Beſchwerderechts muß das
Klagerecht treten. Ich bitte Sie, unſeren Antrag einer
Kommiſſionsberatung zu unterziehen, wozu wir eine
Kommiſſion von 28 Mitgliedern beantragen. — Abg
Warmuth (Reichspt.): Wir bitten Sie, auch unſeren
Antrag einer Kommiſſionsberatung zu unterziehen. Mit
der gegenwärtigen Regelung des Submiſſionsweſens iſt
den Intereſſen des Handwerkerſtandes keineswegs gedient.
Die Unterbietung iſt unter den gegenwärtigen
Verhält=
niſſen großgezogen worden. Auf dieſe Weiſe iſt das
Sub=
miſſionsweſen zum Krebsſchaden unſeres
Handwerkerſtin=
des geworden. Die Termine ſind viel zu kurz angeſetzt.
Vor allen Dingen muß darauf gedrungen werden, daß die
Vergebung in kleineren Loſen erfolgt. An dieſen
Miß=
ſtänden krankt auch der Holzverkauf in unſeren königlichen
Forſten, an dem ſich kleinere Kapitaliſten überhaupt nicht
beteiligen können. Eines großen Staates iſt es nicht
würdig, immer nur den niedrigſten Preiſen nachzulaufen.
Es ſollte auf angemeſſene Preiſe geſehen werden, die am
beſten durch Hinzuziehung der Handwerkskammern
feſt=
zulegen ſind. Dem ſchwer um ſeine Exiſtenz kämpfenden,
Handwerk muß der goldene Boden zurückgegeben werden
— Abg. Hüttmann (Soz.): Wir haben gegen eine
Be=
ratung in der Kommiſſion nichts einzuwenden. Ungeheure
Mißſtände ſind nicht zu leugnen. Dieſe zu beſeitigen, ſind
wir gern bereit. Aber auch die Intereſſen der
Arbeiter=
ſchaft ſind zu berückſichtigen. Es iſt ein Mindeſtlohn zu
garantieren. Dadurch wird die Schmutzkonkurrenz unmög
lich gemacht. Zu nicht geringem Teil trägt das Handwerk
ſelbſt mit Schuld an dieſen Uebelſtänden. Beſeitigt können
die Mißſtände nicht werden, ſo lange die Großkapitaliſten
den kleinen Handwerkern Konkurrenz machen. Nach un
ſerer Anſicht ſollen große Arbeiten von den Behörden in
eigene Regie genommen werden, ohne natürlich die
klei=
nen Handwerker ganz auszuſchließen. Ein großer Fehler
iſt es, daß in die Submiſſionsbedingungen eine Streik= aufgenommen worden iſt. Die billigen Offerten
bringen es mit ſich, daß die Arbeiter rückſichtslos
ausge=
nutzt werden. Ihre Intereſſen dürfen nicht überſehen
werden.
zarts reiner und formſchöner Schreibweiſe gearbeiteten
Händel=Variationen, die ſelten öffentlich zu hören ſind,
ſollten in keiner Hausmuſik fehlen. Die letzten
Variatio=
nen enthalten eine wundervoll verzierte geſangvolle
Ober=
ſtimme des Cello im Discantus floridus in reichſter
rhy hmiſcher Belebtheit. Im zweiten Cellovortrag, der
C=dur=Suite aus den ſechs Cello=Sonaten von Sebaſtian
Bach, zeigte Profeſſor Grümmer eine vortreffliche Technik,
weit ſorgfältigere Behandlung der Doppelgriffe als viele
ſeiner Kollegen und Kolleginnen, die meiſt das
Prälu=
dium und die 1. Bourrée zu einer Zugabe für „gut genug”
zu halten pflegen. Sein bis ins kleinſte durchdachter
Vortrag und die ſorgfältige (nicht mit den Taktſtrichen
endende) Phraſierung, das ſinnvolle Zurücktretenlaſſen
der Unterſtimme bei den tadellos reinen, wohlklingenden
Doppelgriffen und gelegentliches polyphones Anwachſen
jeder Stimme ohne Abhängigkeit von der anderen, die
verſtändige Aufteilung und agogiſche Belebung der
vier=
fachen Akkorde ſind Kunſtleiſtungen, die auf Bachs
Kom=
poſitionen bisher zu ſelten angewandt wurden, weil die
Schwierigkeit eine enorme iſt. Die Tatſache, daß dieſe
Werke aber unter liebevoller Behandlung eines wirklichen
Künſtlers noch heute ſehr gut und abſolut nicht „
ver=
altet” klingen, beſtätigt aufs neue meine vor kurzem bei
einem Violinvor rag Manöns an dieſer Stelle geäußerte
Forderung, daß Bachs Werke, entſprechend dem
Fortſchrei=
ten der Inſtrumentaltechnik ſeit 200 Jahren, einer
ver=
ſtändigen Bearbeitung bedürfen, um auf unſere Zei
packend zu wirken; durch innere Mittel und geiſtigen
Ge=
halt tun ſie das ja gewiß, ſie brauchen nur hie und de
eine Faſſung in moderner Geſtalt. Dieſe gab den
Tanz=
formen, von denen wir die Sarabande Bourrée II und
Gigur als beſonders klangſchön hervorheben, Herr
Pro=
feſſor Grümmer bereits durch Anwendung eines
wunder=
baren, ſehr gut auch in den tiefſten Lagen anſprechenden,
flautando geſpielten Pianiſſimo poſſible, durch welches
die modulierenden Mittelſätze der Liedformen ſich präch
tig abhoben, und durch gelegentliche Flageolettanwend=
ung, die die älteren (auch Geigen=) Meiſter noch nicht zu
ſchreiben pflegten, wohl aber doch ſpielten; er hätte
in der Moderniſierung wohl noch etwas weiter gehen
dürfen.
Die Soloſtücke, die Fräulein Bokemeyer auf
einem in allen Lagen edelklingenden Bechſteinflügel mit
pianiſtiſcher Feinheit und wohlerwogener Tonmäßigung
vortrug, lieferten den Beweis, daß die ſehr ſympathiſche
junge Dame, die aus einer ganz ausgezeichneten
Piani=
ſtenſchule hervorgegangen iſt, welche muſikaliſche Selbſtän
digkeit mit poeſievoller und hiſtoriſch treuer
Empfind=
ung geſchickt zu verſchmelzen verſteht, in hohem Maße
die Fähigkeit beſitzt, in den verborgenſten Feinheiten der
Kompoſition heimiſch zu werden. Unter den „Fantaſie
ſtücken” (Op. 12) von Robert Schumann entzückte
beſon=
ders das tiefempfundene „Warum?” und „Aufſchwung”.
Auch die beiden ſpäter vorgetragenen Liſziſchen
Klavier=
ſtücke, der 3. Liebestraum und die Paganini=Etude (in
E=dur), die — ohne Ankündigung — ſtatt des allerdings
der leichteren Tonmuſe angehörenden Johann Strauß=
Tauſigſchen „Nach’falters” geſvielt wurden, gaben der
gediegenen Künſtlerin zur Entfaltung ſchönen Tones
Ge=
legenheit. Möge ſie nicht auf den Abwea des kraftmeieri
ſchen Klaviervirtuoſentums geraten, ſondern ſich ihre
vornehmere Kunſt geſanavollen Spiels erhalten!
Iin der als Schlußnummer prächtig zu Gehör
ge=
brachten F=dur=Violoncell=Klavierſonate Ov. 99 von
Jo=
hannes Brahms wetteiferten beide Künſtler in der
Heraus=
arbeitung aller Schönheiten; der ſingende Celloton, die
Nachahmung der Zwieſprache einer Alt= und
Bariton=
ſtimme, die auch im Pizzikato des Adagio affetuoſo
weitergeht gelangen vollkommen. Selten noch haben
wir (Profeſſor Mendelsſohn ausgenommen) ein ſo
voll=
endetes und die Intentionen beiderſeits ſo glücklich
heach=
tendes Zuſammenſpiel gehört. Beide, mit viel Beifall
ausgezeichnete Künſtler wird man hier immer wieder
gerne hören.
Feuilleton.
P. Münchner Theater. Am 24. Febr. fand im Münchne=
Hoftheater eine glänzende Aufführung von
Shake=
ſpeares Macbeth ſtatt in der Ueberſetzung von Fr.
Th. Viſcher. Das Werk war mit unendlicher Liebe und
Sorgfalt einſtudiert, über dreißig Proben hatten
ſtattge=
funden, faſt das geſamte Perſonal der Hofbühne war
be=
ſchäftigt. Aber jede Macbeth=Aufführung hat einen
mäch=
tigen Rivalen in unſerer Phantaſie. Der
Stimmungs=
charakter gerade dieſes Werkes, das Zwielicht in der
Na=
tur und in den Seelen der Menſchen, der eigenartige, bald
ſtockende, bald jagende Rhythmus des Geſchehens ſtellen
Anforderungen, die kaum je reſtlos befriedigt werder
können. Man geht immer mit einer gewiſſen Scheu
des=
halb gerade um den Macbeth herum, da er die Mängel
einer Bühne ſchonungslos bloßlegt. Um ſo größer iſt der
Mut und das Verdienſt des Münchner Hoftheaters=
Steinrück ſpielte den Macbeth mit großer Intelligenz=
Aber ſeine äußere Erſcheinung entſprach doch nicht der
Vorſtellung, die wir von dem Tyrannen haben. Das
Hel=
diſche blieb er uns ſchuldig. Sein Macbeth war von
Ibſen, nicht von Shakeſpeare. Frl. Berndl als Lady
erſchöpfte ihre Rolle faſt völlig in bezug auf Erſcheinung
und Geſte, ſie gab die äußere Linienführung des Charak
ters. Innerlich vermochte ſie ihn jedoch nicht auszufüllen
Ihre Stimme tönte etwas anderes, als ihre Worte
ſprachen. Vom Grauenhaften war ſie nicht mit der Dä
monie des Böſen gepackt, ſondern es machte ihr ſichtlich
Mühe, ein ſolcher Ausbund von Teufelei zu ſein. Ueber
alles Lob erhaben war die Hexenſzene, alſo gerade die
Elemente der Dichtung, welche zur Zeit unſerer Klaſſiker
als ſtörend empfunden wurden. Da gab es kahle Weiden
auf öder Heide, blutige Wolkenſtreifen am dunkleu
Himmel, wallende Nebel, aus denen tanzende Hexen
wur=
den, und Geſtalten des Grauens, die ſich in Nebel verflüch=
Nummer 49.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Seite 3.
Auf Antrag des Abg. Graf v. Carmer=Zieſerwitz
(konſ.) wird ein das gleiche Thema behandelnder Antrag
der Konſervativen mit zur Debatte geſtellt.
Abg. Irl (Ztr.): Leider fehlt auch heute wieder die
Regierung bei unſeren Beratungen. Eine Beſſerung im
Submiſſionsweſen wäre vielleicht zu ſchaffen durch
Ein=
führung von Kalkulationskurſen in den
Fortbildungs=
ſchulen. In eigener Regie des Staates die Arbeiten
aus=
führen zu laſſen, liegt nicht im Intereſſe des Handwerks.
Legt uns aber die Regierung einen brauchbaren
Geſetzent=
wurf vor, ſo ſind wir gern zur Mitarbeit bereit. Die
Ab=
ſchaffung der beſtehenden Mißſtände iſt eine der
notwen=
digſten Aufgaben der Behörden. Mit der
Kommiſſions=
beratung ſind wir einverſtanden.
Auf Antrag des Abg. Mumm (Wirtſch. Vgg.) wird
ein von ſeiner Partei geſtellter Antrag gleichfalls zur
Be=
ratung geſtellt.
Abg. Graf v. Carmer=Zieſerwitz (konſ.): Die
An=
träge auf reichsgeſetzliche Regelung, die kurz vor den
Neu=
wahlen geſtellt werden, haben lediglich agitatoriſchen Wert.
Daß die reichsgeſetzliche Regelung undurchführbar iſt,
haben ſchon vor langer Zeit die Verhandlungen im
preu=
ßiſchen Abgeordnetenhaus ergeben. Unſer Antrag bewegt
ſich in der Richtung des im preußiſchen Abgeordnetenhaus
angenommenen Antrages Hammer, der ſtatt annehmbare
Preiſe „angemeſſene” Preiſe in die
Submiſſionsbeding=
ungen geſetzt haben will und der verlangt, daß
Sachver=
ſtändige hinzugezogen werden, ſowohl bei der Abnahme,
wie auch bei der Ueberwachung der Arbeiten. Wir müſſen
alles tun, um dem Handwerk wirklich tatkräftig zu Hilfe
zu kommen. (Beifall rechts.) — Abg. Bartſchat (
Fort=
ſchrittliche Vpt.): Auch wir beklagen fortgeſetzt die
Uebel=
ſtände, die die ſchnellſte Beſeitigung verlangen. Mit der
Forderung, daß die Behörden mehr als bisher die
Ar=
beiten in eigene Regie nehmen ſollen, ſind wir nicht
ein=
verſtanden; das hieße den Mittelſtand ganz ausſchalten.
Eine reichsgeſetzliche Regelung der Materie iſt ſchon
des=
halb nötig, damit in den einzelnen Bundesſtaaten die
gleichen Bedingungen beſtehen und damit ſich die
Unter=
nehmer auch an den Submiſſionen in anderen
Bundes=
ſtaaten beteiligen können. Vor allen Dingen ſind
Sach=
verſtändige mehr als bisher bei der Feſtſetzung der Preiſe
hinzuzuziehen, und ortsanſäſſige Handwerker bei der
Ver=
gebung beſonders zu berückſichtigen. Auf geſetzlichem
Wege alle Schäden zu beſeitigen, wird nicht möglich ſein,
dazu bedarf es des Zuſammenarbeitens der Unternehmer,
der Arbeiter, des Handwerks und aller Parteien. Hoffen
wir, daß aus der Kommiſſion etwas wirklich Poſitives
herauskommt. — Abg. Dombek (Pole): Wir wünſchen
reichsgeſetzliche Regelung des Submiſſionsweſens.
Be=
dingung bei Vergebung der Arbeiten müßte ſein, daß die
Firmen die tarifmäßigen Löhne zahlen. — Abg.
Wer=
ner=Gießen (Wirtſch. Vgg.): Der Gedanke, den Begriff
„angemeſſene Preiſe” in die Submiſſionsbedingungen
ein=
zuſ tet, iſt durchaus aut und durchfuhrbar. — Abg.
Wer=
ner=Hersfeld (Reformpt.): Vor allem ſollte beim Bezug
von Maſchinen und ſonſtigem Material die heimiſche
In=
duſtrie berückſichtigt werden. Es dürfte nicht vorkommen,
wie es der Fall geweſen iſt, daß eine Reichsbehörde einer
Firma Gelegenheit gibt, durch den Bezug amerikaniſcher
Schreibmaſchinen für dieſe Reklame zu machen. — Damit
ſchließt die Debatte. Der Antrag wird an eine beſondere
Kommiſſion von 28 Mitgliedern verwieſen.
Der als zweiter Punkt auf der Tagesordnung ſtehende
Antrag der Konſervativen auf Schaffung kleiner
Garni=
ſonen und dergl wird von der heutigen Tagesordnung
abgeſetzt. Es folgen
Petitionen.
Es folgt zunächſt eine Petition aus den Kreiſen der
Zündwareninduſtrie auf
Aenderung der Zündwarenſteuer.
Hierzu beantragt die Petitionskommiſſion
Ueberwei=
ſſung zur Berückſichtigung, ſoweit es ſich um die
Schadlos=
haltung der geſchädigten Arbeiter handelt, zur Erwägung,
ſoweit eine Kontingentierung verlangt wird. Im übrigen
beantragt die Kommiſſion Uebergang zur Tagesordnung,
namentlich hinſichtlich der Schaffung einer Steuer auf die
Herſtellung von Schwedenſchachteln, Espenholzdraht,
ſo=
wie der Abſchaffung der Zündwarenſteuer. — Abg.
Sver=
lich (Ztr.): Eine Schädigung der Zündwarenhilfsinduſtrie
iſt durchaus zu befürchten. Die 10 Jahre
Zwangskontin=
gentierung ſind unheilvoll für die
Zündwarenhilfsindu=
ſtrie. Zu berückſichtigen iſt auch die Lage vieler hundert
Arbeiter. Es erſcheint gerechtfertigt, dieſe zu unterſtützen.
— Abg. Haſenzahl (Soz.): Für neue Steuern, wie die
Petition ſie verlangt, können wir auf keinen Fall die
Hand bieten. — Nach weiteren kurzen Bemerkungen des
Abg. Dr. Blunck (Fortſchr. Vpt.) wird die Petition
nach dem Antrage der Kommiſſion erledigt. — Bei der
Petition eines Veteranen auf Gewährung der
Veteranen=Beihilfe beantragt Abg. Schwabach
(natl.) Zurückverweiſung an die Kommiſſion. Die
Peti=
tion geht nochmals an die Kommiſſion. — Es folgt eine
Petition von Anhängern des kaufmänniſchen und
gewerb=
lichen Mittelſtandes von Rheinland=Weſtfalen auf
Abänderung des Erwerbs= und
Wirtſchaftsgenoſſenſchafts=
geſetzes und Verbot des Handels der Beamten.
Die Kommiſſion beantragt Ueberweiſung als Material.
Abg. Feuerſtein (Soz.): Ich beantrage Uebergang
zur Tagesordnung. Die Konſumgenoſſenſchaften haben
ſich noch niemals Verſtöße gegen das Geſetz zuſchulden
kommen laſſen. Die Genoſſenſchaften ſind ein
notwen=
diges Element in unſerer Wirtſchaftspolitik und eine
Wohltat für die Arbeiter. — Nach weiteren Ausführungen
der Abgg. Chryſant (Zto.) und Sachſe (Soz.) ſchließt
die Debatte. Die Abſtimmung über den
ſozialdemokra=
tiſchen Antrag bleibt zweifelhaft. Es erfolgt
Hammel=
ſprung. Für Uebergang zur Tagesordnung ſtimmen
90, dagegen 21. Das Haus iſt alſo beſchlußunfähig. — Es
wird vertagt.
Nächſte Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.
Tagesord=
nung: Etat des Reichseiſenbahnamts, Petitionen.
Schluß 7 Uhr 15 Minuten.
Luftfahrt.
— Darmſtadt, 26. Febr. Heute morgen
unter=
nahm Leutnant Reinhardt mit Oberleutnant
Blu=
menbach als Beobachter einen größeren
Platz=
flug. Am Nachmittag traten die Flieger einen
größeren Ueberlandflug an, der ſie zunächſt
nach Frankfurt a. M. führte. Leutnant Sommer mit
Leutnant v Beers führte am Nachmittag einige
grö=
ßere Platzflüge aus.
* Potsdam 25. Febr.
Das Luftſchiff
„Hanſa” iſt von ſeiner Fahrt über Leipzig und
Bitter=
feld um ¾6 Uhr wieder hier eingetroffen. Die
Fahrt hat ſich über eine Strecke von 280 Kilometern
aus=
gedehnt.
— Bonn, 25. Febr. Der in weiten Kreiſen
be=
kannte jugendliche Flieger Bruno Werntgen iſt
heute nachmittag auf dem Flugplatz zu Hangelar t ödlich
verunglückt. Er wollte einen in ſein Flugzeug
ein=
gebauten neuen Motor ausprobieren. In einer Höhe von
twa 60 Metern ſetzte plötzlich der Motor aus und die
Ma=
ſchine ſauſte zu Boden. Schwer verletzt wurde Werntgen
unter den Trümmern hervorgezogen, ſtarb aber auf dem
Transport nach dem Hoſpital.
* Mülhauſen i. E., 26. Febr. Heute vormittag
9 Uhr unternahm der nach dem Habsheimer Flugplatz
abkommandierte Fliegeroffizier Oberleutnant Linke
vom 34. Füſilierregiment in Stettin von dem gleichfalls
nach Habsheim als Fliegerſchüler abkommandierten
Unteroffizier Helfersrieder vom Telegraphen=
Bataillon Nr. 4 in Karlsruhe mit einem Pfeildoppeldecker
einen Probeflug. Bei einer etwas ſcharf
genomme=
nen Kurve rutſchte der Apparat in etwa 20 Meter Höhe
nach hinten aus und ſtürzte zur Erde. Unteroffizier
Helfersrieder war auf der Stelle tot, während der
Ober=
leutnant nur unbedeutende Verletzungen davontrug und
anſcheinend bei voller Beſinnung blieb.
* Bremen, 25. Febr. Heute nachmittag um 2 Uhr
15 Minuten traf ein Rumplerflugzeug der
Mi=
litärſtation Straßburg mit Oberleutnant
Donnevert als Führer und Leutnant Warſowals
als Begleiter über der Stadt ein. Die Flieger waren um
12 Uhr 15 Minuten in Wandsbek aufgeſtiegen. Nach
einer kurzen Zwiſchenlandung zwecks Orientierung erfolgte
die glatte Landung auf dem Flugplatz im Neuenlander
Felde. Die Flieger, welche bei ihrem Flug mit heftigen
Gegenwinden zu kämpfen hatten, bleiben heute in
Bre=
men. Der Weiterflug erfolgt wahrſcheinlich morgen.
Zeit und Ziel war bis jetzt noch nicht zu erfahren.
— Paris, 25. Febr. Der franzöſiſche Flieger
Brindejon ſtieg heute vormittag 9¼ Uhr in Villa
Coublais bei Verſailles auf und traf mit einer
Zwi=
ſchenlandung bei Calais um 4 Uhr nachmittags
auf dem Flugfelde von Hendon bei London ein.
Brinde=
ion beabſichtigt, noch heute den Rückflug nach Calais
an=
zutreten, um von dort nach Brüſſel zu fliegen.
* Paris, 26. Febr. Geſtern abend ſtürzte, der
24jährige Flieger Köning=Siedbrandt während
eines Fluges auf einem Waſſerflugzeug bei Asniers ab
und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
* Paris 26. Febr. Der Militärflieger Leutnant
de Varennes unternahm vorgeſtern nacht einen Flug
von Méaux nach dem Flugfelde von Beauval, bei dem
er ſich zu ſeiner Orientierung eines auf dem Flugzeug
angebrachten Scheinwerfers bediente.
* Pola 26. Febr. Der Linienſchiffsleutnant
Klo=
bucar unternahm geſtern mit einem Hydroplan einen
Probeflug. Beim Niedergehen auf das Waſſer überſchlug
ſich der Apparat. Klobucar wurde ſchwer verletzt.
Der Balkankrieg.
Zur Lage.
* Wien, 26. Febr. Das Fremdenblatt ſchreibt
be=
züglich der Balkankriſe, daß die letzten Tage
anſchei=
nend eine gewiſſe Erleichterung der
inter=
nationalen Situation gebracht haben, wobei es
die Aeußerungen des ruſſiſchen Miniſterpräſidenten
gegen=
über einem öſterreichiſchen Publiziſten und die geſtrige
Aeußerung des öſterreichiſchen Miniſterpräſidenten
gegen=
über Abgeordneten und Vertretern der nordböhmiſchen
Induſtrie hervorhebt. Das Blatt betont, daß die beiden
von ſo autoritativen Stellen ausgehenden Aeußerungen
ſelbſtverſtändlich ihren Eindruck nicht verfehlen werden,
und fährt fort: Sie ergänzen und bekräftigen die
Stim=
mung, die hervorgerufen iſt durch die unentwegten
Be=
mühungen der Großmächte um Erhaltung
des europäiſchen Friedens und durch die
un=
ermüdliche Tätigkeit der Staatsmänner aller Mächte, die
Gegenſätze auszugleichen und alle Friktionen zu elimi
nieren, ſoweit dies überhaupt mit dem Schutz der
wich=
tigſten Intereſſen vereinbar iſt. Die beiden
Miniſterprä=
identen konnten freilich über die konkreten Streitfragen
ſelbſt noch keinerlei beſtimmte Erklärungen abgeben und
mußten ſich darauf beſchränken, ihre Hoffnung und ihren
Wunſch nach einer friedlichen Löſung aller ſtrittigen
Fra=
gen auszudrücken. Das Blatt konſtatiert nun, daß
ſo=
wohl in der Lage der Kriegführenden als auch in der
bulgariſch=rumäniſchen Streitfrage ein Ausgleich der
Gegenſätze bisher leider nicht erfolgt iſt, und fährt
wei=
ter fort: Zu dieſen wichtigen Problemen, die bisher noch
ungelöſt ſind, tritt noch die albaniſche Frage. Eine
Einig=
ung über die Abgrenzung des ſelbſtändigen albaniſchen
Staates iſt bisher keineswegs erzielt, vielmehr beſtehen
gerade bei dieſer Frage noch beträchtliche
Meinungsver=
ſchiedenheiten. Die Ueberbrückung dieſer Gegenſtände
be=
gegnet ſchon aus dem Grunde großen Schwierigkeiten,
weil Oeſterreich=Ungarn ſowohl in dieſer als in anderen
mit der Löſung des Balkanproblems in Zuſammenhang
ſtehenden Fragen ohnehin ſchon ſo viele Beweiſe ſeines
Entgegenkommens lieferte. Man muß ſich dieſe Tatſachen
klar und nüchtern vor Augen halten, um ein
wirklichkeits=
getreues Bild der gegenwärtigen internationalen Lage zu
gewinnen. Man wird dabei den Willen zum Frieden,
tigten. Die gärende Welt des Böſen rings um Maebeth
wurde zu einem organiſchen Beſtandteil der Dichtung.
Die Aeſthetik des Häßlichen und unſer modernes
Natur=
empfinden feierten hier Triumphe. Der ſzeniſche Rahmen
war bei den übrigen Auftritten ebenfalls vortrefflich. Die
grauenhafte Mordnacht auf der Terraſſe, deren atemloſe
Spannung noch durch ſuggeſtive Klangwirkungen
ge=
ſteigert wurde, die Bankettſzene, die Szene in England,
alles trug bis ins Detail den Stimmungscharakter des
poetiſchen Moments. Dieſe Sorgfalt, die jeder Einzelheit
ihr Blinklicht geben wollte, hatte jedoch auch einen
Nach=
teil. Der Szenenwechſel konnte ſich nur langſam
voll=
ziehen, und ſtimmungmordende Pauſen zerriſſen die
Ein=
heit der erſchütternden Weltdichtung. Aber alles in allem
war es ein Ehrenabend für die Münchner Hofbühne.
— Poincaré im Kampf mit der Etikette. M.
Poin=
caré iſt ein Revolutionär. Gleich die erſten Tage ſeiner
Präſidentſchaft haben das enthüllt. Schon trauern
Zere=
moniell und Etikette in Sack und Aſche. Schon herrſcht
offener Krieg zwiſchen dem Präſidenten der Republik und
dem berühmten „Protocole” dieſem ehrwürdigen
Heilig=
itum der dritten Republik, in dem das höfiſche Zeremoniell
mit einer Gewiſſenhaftigkeit und Strenge feſtgeſetzt iſt,
von denen die meiſten Monarchenhöfe nichts ahnen. Der
liebenswürdige und immer freundliche M. Mollard, der
den Schatz der republikaniſchen Etikette hüten und
vertei=
tigen ſoll, hat ſeit dem Amtsantritt Poincarés keine
ruhige Stunde. Denn noch war der neue Präſident keine
halbe Stunde im Amte, als er bereits ſeine erſte
tempe=
ramentvolle Attacke gegen das „Protocole” ritt. Es
be=
gann damit, daß Poincaré erklärte, er wünſche nicht, daß
auf der Straße beim Erſcheinen ſeines Wagens der
Ver=
kehr behindert werde. Bisher wurden beim Auftauchen
der Kutſche des Präſidenten alle Wagen angehalten, um
dem Gefährt des Staatsoberhauptes freie Bahn zu
machen. Poincaré wünſcht das nicht. Es gab eine lange
Beſprechung mit M. Mollard, der wie ein Löwe für das
Vorrecht des Präſidentenamtes ſtritt: aber umſonſt. Nur
ein Zugeſtändnis machte Poincaré: er will ſich mit dem
Vorrecht abfinden, auf der Straße anderen Wagen
vor=
auffahren zu dürfen. Die Pariſer Polizei hat bereits
ſtrenge Inſtruktionen erhalten; keine andere Begünſtigung
darf künftig der Präſidentenkutſche eingeräumt werden.
Und für die Wagen mit Mitgliedern der Haushaltung des
Elyſées hat Poincaré verfügt, daß ſie nur die gleichen
Vorrechte genießen, wie die Inhaber der ſogenannten
„coupe-kiles” jener Päſſe, die von der aufmerkſamen
Pa=
riſer Polizei allen auswärtigen Diplomaten, einer
An=
zahl hervorragender Politiker und einigen Vertretern der
Preſſe ausgeſtellt werden. Der Privatſekretär des
Präſi=
denten wird alſo fortan nicht mehr Vorrechte genießen,
als ein Journaliſt. Aber in der Praxis iſt dieſe
Be=
ſchränkung nicht allzu gewichtig; denn der Wagenverkehr
in Paris iſt ſo groß und ſo wenig organiſiert, daß kein
vernünftiger Menſch bisher bei der Ausfahrt der Polizei
die Verlegenheit bereitete, die Vorrechte ſeines „
coupe-
kiles” in Anſpruch zu nehmen. Aber Poincaré hat ſofort
dieſem erſten Angriff auf die Etikette einen zweiten folgen
laſſen. Als er ſein Heim im Elyſée zum erſten Male
be=
trat, entdeckte er, daß vor ſeinem Schlafzimmer ein Mann
von der Munizipalgarde ſchlafen ſollte. Der wackere
Sol=
dat erſchien in voller Wachtausrüſtung, mit Gewehr,
Ba=
jonett und Dienſtrevolver und ſchlug vor der Tür zum
Schlafzimmer des Präſidenten ſein Feldbett auf, um hier,
in voller Uniformierung, das Gewehr im Arm, zu
ſchla=
fen. Denn die dritte Republik hat dieſe mittelalterliche
Tradition mit reſpektvoller Strenge aufrecht erhalten. Als
Voincaré ſich zum erſten Male im Elyſée ſchlafen legte,
erklärte er: „Ich wünſche nicht, daß vor meiner Tür ein
bewaffneter Mann ſchläft.” Aber das „Protocole”
entgeg=
nete: „Das iſt der Brauch”. Poincaré ließ den bewaffneten
Mann eine Nacht vor ſeiner Tür ſchlafen, aber auch nur
eine Nacht. Am nächſten Morgen ſchickte er ihn in ſeine
Kaſerne mit dem Auftrag, künftig ohne Gewehr und
Ba=
jonett in der Kaſerne auszuſchlafen . .
** Woher ſtammt der Chauvinismus? Der
Chau=
vinismus, von dem bei der immer ſtärker anſchwellenden
patriotiſchen Hochflut in Frankreich bei uns jetzt ſo häufig
die Rede iſt, legt die Frage nahe: wer war dieſer
rätſel=
hafte M. Chauvin? Denn daß es eine Perſönlichkeit war,
nach der ſich die Leidenſchaft eines ganzen Volkes nennt,
wiſſen wir ja ſo ungefähr. Was war das wohl für ein
großer, bedeutender Mann, deſſen Namen noch heute auf
aller Lippen ſchwebt? Die Antwort darauf gibt der
Gau=
lois, indem er uns einiges Nähere von dieſem Vater des
franzöſiſchen Nationalgefühls berichtet. Nicolas Chauvin
war ein Soldat Napoleons, der für den Kaiſer eine naive
Bewunderung zur Schau trug und durch die freimütigen
Aeußerungen ſeines Patriotismus im ganzen Heere eine
gewiſſe Berühmtheit erlangt hatte. Er war ein Typus
des alten napoleoniſchen Kriegers, aber etwas übertrieben,
ins Lächerliche verzerrt, ſo daß er zu manchem Spott
An=
laß gab. „Siebzehn Wunden, drei amputierte Finger,
eine zerſchmetterte Schulter, eine Wunde an der Stirn,
ein Ehrenſäbel, das rote Band und 200 Franes Penſion”
das waren die Zeichen und Ehren, durch die der alte
Haudegen zum Taufpaten des Chauvinismus wurde. Als
ausgedienter Krieger kehrte Chauvin mit ſeiner
beſchei=
denen Penſion nach ſeiner Geburtsſtadt Rochefort zurück
und erhielt hier einen Ruhepoſten als Türſteher an der
Marinepräfektur. Während des kurzen Aufenthaltes, den
der entthronte Kaiſer vor ſeiner Abfahrt nach St. Helena
in Rochefort hatte, wollte Chauvin nicht die Zimmertür
verlaſſen, hinter der ſein Herr ſchlief, und folgte ihm in
rührender Anhänglichkeit überall hin. Als er ſein Ende
herannahen fühlte, ließ er ſich aus einer alten franzöſiſchen
Fahne ein Leichentuch machen und ſagte in ſeiner derben
Art: „Da drinnen will ich verfaulen.” Sein Wunſch ward
erfüllt; man begrub ihn, eingehüllt in die Trikolore, und
er ſchläft in ſeiner Vaterſtadt den ewigen Schlaf. Sein
Name aber wurde durch manche Lieder und geflügelten
Worte aufbewahrt, und allmählich zur Bezeichnung einer
beſonderen Art von Patriotismus verwendet, des
Chau=
vinismus.
* Die Schere in der Bauchhöhle. Eine bei einer
rüheren Operation vergeſſene Schere
wurde bei der Unterſuchung eines Patienten in deſſen
Bauchhöhle vorgefunden. Ein 30jähriger Mann namens
Gottfried Moltkau, der bei Verwandten in der Boeckſtraße
in Berlin wohnte und in einer Brauerei beſchäftigt war,
litt ſeit langem an einem Darmleiden und hatte ſich
be=
reits früher zweimal Operationen unterziehen müſſen.
Als die Schmerzen neuerdings zunahmen, begab er ſich
nach einer Klinik in der Derfflingerſtraße, und bei einer
Durchleuchtung mit Röntgenſtrahlen wurde hier feſtgeſtellt,
daß bei einem operativen Eingriff eine Schere in
der Bauchhöhle des Patienten zurückgeblieben war.
Die=
ſer Fremdkörper verurſachte ihm natürlich große
Be=
ſchwerden und zwang die Aerzte zu einer neuen
Ope=
ration, bei der die Schere zutage gefördert wurde. Die
erſte der früheren Operationen war im Marienſtift in der
Lauſitzer Straße vor ſieben Jahren, die zweite in der
Charité vor drei Jahren ausgeführt worden. Die jetzige
Operation iſt gut verlaufen; die Schere befand ſich
zwiſchen Magen und Maſtdarm; bedenklich iſt nur daß
das Inſtrument den Maſtdarm verſchiedentlich beſchädigt
hat.
* Ein Trick. In New=York wettete unlängſt ein Herr
mit einem andern, daß er binnen einer Stunde eine junge
Dame, die man eben im Hotel ankommen ſah, freien,
er=
obern und heiraten würde. Die amerikaniſchen Ehegeſetze
machen das durchaus möglich. Der Mann machte ſich alſo
mit der Dame bekannt, bald war der Antrag geſtellt, die
Dame ſagte freundlich ja, der Geiſtliche wurde gerufen,
und die beiden wurden innerhalb der geſetzten Friſt=
Mann und Frau. Die Wette war gewonnen. Andern
Tags reiſten die Neuvermählten ab, um — ihren Trick von
neuem zu verſuchen; denn die beiden waren ſeit langem
vermählt und hatten ſich dieſen einträglichen Schwindel
zurechtgtſegt. . . .
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Nummer 49.
wie er in den Aeußerungen des ruſſiſchen und des
öſter=
reichiſchen Miniſterpräſidenten zutage tritt, nicht überſehen
dürfen. Er iſt geeignet, eine beruhigende Wirkung
aus=
zuüben, und läßt die Hoffnung aufkommen, daß die
jetzige Kriſe ohne weitere ernſte Komplikationen an uns
vorüberzieht.
* Sofia, 25. Febr. Die halbamtliche Bulgaria
ſchreibt, die Bevölkerung an der rumäniſchen Grenze ſei
über die rumäniſchen Forderungen fehr
aufge=
bracht und beabſichtige Proteſtkundgebungen
gegen eine Abtretung des Gebiets. Es ſeien Maßnahmen
getroffen, um derartigen Kundgebungen vorzubeugen.
Das Blatt ſpricht die Hoffnung aus, daß das bulgariſche
Volk bei dieſer großen Verſuchung Vernunft und
Kalt=
blütigkeit bewahren und dadurch die Regierung bei
Löſ=
ung der rumäniſch=bulgariſchen Streitfrage unterſtütze.
* Paris, 26. Febr. Der Matin erhielt aus
Adria=
nopel folgende vom 22. Februar datierte Privat=
Depeſche: Seit dem 3. ds. unternehmen die Bulgaren
ver=
zweifelte, aber fruchtloſe Anſtürme. Sie beſchießen die
Stadt in grauſamer und unmenſchlicher Weiſe. Die
Kon=
ſuln haben bei ihren Botſchaftern gegen dieſes
unmenſch=
liche Bombardement Einſpruch erhoben und für ihre
Staatsangehörigen die Errichtung einer neutralen Zone
perlangt. Die Stadt iſt mit Lebensmitteln verſehen.
Schukri Paſcha und ſeine Offiziere und Soldaten
vertei=
digen die Feſtung heldenhaft.
Die Revolution in Mexiko.
* New=York, 26. Febr. Nach einem Telegramm
aus Mexiko hat General Huerta Befehl erteilt, daß
die Porträts des früheren Präſidenten Diaz, die auf
Be=
fehl Maderos aus den öffentlichen Gebäuden entfernt
worden waren, an ihren alten Platz zurückgebracht
wer=
den ſollen.
* New=York, 26. Febr. Die
Bahnverbind=
ung mit den Vereinigten Staten über Laredo iſt noch
unſicher, da einige Brücken in der Nähe von San
Luis do Potoſi verbrannt ſind. Die Linie zwiſchen der
Hauptſtadt und Veracruz iſt nicht unterbrochen.
New=York, 26. Febr. Die Familie des
er=
ſchoſſenen Expräſidenten Maders beabſichtigt, ſich nach
Europa zu begeben.
* Mexiko, 26. Febr. Es iſt wenig Hoffnung für
einen ſofortigen Frieden vorhanden. Die Tätigkeit
der Aufſtändiſchen nimmt im Norden zu. Im Süden
ſteckten die Zapatiſten mehrere Haciendas in Brand und
plünderten ſie; ſogar ein Militärzug wurde von ihnen
ängegriffen.
Vermiſchtes.
Briefformat. Die ordnungsmäßige
Bear=
beitung und pünktliche Beſorgung der Briefe wird der
Poſt durch die übergroße Verſchiedenheit der Briefform,
durch die Ungleichmäßigkeit im Aufkleben der
Freimar=
ken und durch die oft geringe Ueberſichtlichkeit der
Auf=
ſchrift in läſtiger Weiſe erſchwert. Im eigenen Intereſſe
benutze man daher nur rechteckige Briefumſchläge mittlerer
Größe — die geeignetſte Form iſt 15 Zentimeter lang und
12 Zentimeter breit —, klebe die Marke in die rechte öbere
Ecke, ſchreibe unten recht deutlich den Beſtimmungsort
nieder und unterſtreiche ihn. Wer ſeine Briefumſchläge
mit einem Vordruck für die Adreſſe verſehen läßt, der
laſſe auch gleich ein Feld für die Marke und einen ſtarken
Strich für die Angabe der Beſtimmungspoſtanſtalt unten
rechts mit vordrucken.
— Onkel Sams neues Papiergeld.
Inner=
halb der nächſten zwei oder drei Monate werden die acht
Milliarden Mark an Umlaufgeld darſtellenden
amerika=
niſchen Scheine ein neues Gewand erhalten, und zwar
werden ſie zunächſt um etwa ein Viertel ihrer jetzigen
Größe einbüßen, und außerdem wird jede Note von
einem beſtimmten Wert ein beſtimmtes Bild
auf=
weiſen: die Eindollarnote wird das Bild Georg
Waſhing=
tons zeigen, die Zweidollarnote das Bild Jefferſons, der
Fünfer das Bild Lincolns, der Zehner das Bild
Cleve=
lands, der Zwanziger das Bild Hamiltons, der Fünfziger
das Bild Andrew Jackſons, der Hunderter das Bild=
Franklins uſw. Die Neuerung wird beſonders den
Her=
ren Notenfälſchern das einträgliche Handwerk gründlich
legen. Bisher war es ein leichtes, aus einer Einernote
ine Zehnernote zu machen oder aus einem Zehner einen
Zwanziger und aus einem Zwanziger einen Fünfziger.
Das hört hinfort auf, wenn der Wert der Note vom
auf=
gedruckten Bilde abgeleſen werden kann. Ein
Waſhing=
toner gilt eben einen Dollar und nicht zehn. Das iſt
eigentlich ein ſo einfacher Gedanke, daß man ſich wundern
muß, warum man jetzt erſt auf ihn verfallen iſt.
Literariſches.
Das neue Modenjournal „Pariſer Chie”
be=
friedigt auch die weiteſtgehenden Anforderungen einer
je=
den Frau! Jedes Heft bringt mindeſtens 100 Modelle von
der allereleganteſten bis zur allereinfachſten Art; jede
Art aber von vollendetem Chie! Ein Rieſen=
Schnitt=
muſterbogen, der jedesmal ſieben Schnitte bringt. liegt
koſtenlos bei. Außerdem bringt das neue Modenjournal
fortlauſend einen ſpannenden Roman und eine in jedem
Heft abgeſchloſſene kürzere Novelle oder Humoreske.
Da=
bei koſtet jedes Heft nur 40 Pfg., im Jahresabonnement
koſten 12 Hefte nur 4,50 Mk. Man abonniert beim
näch=
ſten Poſtamt, bei der nächſten Buchhandlung oder direkt
hei der Verlagsbuchhandlung Guſtav Lyon, Berlin SW.
68, Schützenſtraße 8.
— Wir leben gegenwärtig in kriegeriſch bewegten
Zeiten. Oſt genug glaubte man, daß auch das Deutſche
Reich in die Verwickelung hineingezogen werde, und ein
Gefühl der Beunruhigung beherrſchte die Gemüter
rings=
um. Das ging ſogar ſoweit, daß an einigen Orten, zum
Beiſpiel in Oſtpreußen, ein förmlicher Sturm auf die
Sparkaſſen erfolgte, weil man meinte, das dort angelegte
Geld ſei nicht mehr ſicher. Mit dieſen Dingen beſchäftigt
ſich ein Artikel der „Gartenlaube‟, Heft 7, der „
Fi=
nanzielle Kriegsbereitſchaft” betitelt iſt. In recht
inter=
eſſanter Weiſe führte der Verfaſſer uns die Folgen der
Aengſtlichkeit der Sparer vor Augen, um dann des näheren
auf die Koſten der modernen Kriege einzugehen, die gegen
früher unverhältnismäßig geſtiegen ſind. Von Intereſſe
ſt zum Beiſpiel die Tatſache, daß der Balkankriea bis
Ende Dezember 1912 ſchon etwa 700 Millionen Mark
ver=
ſchlungen hat. Für Deutſchland berechnet der Verfaſſer
den Geſamtbedarf auf 61½ Millionen Mark für einen Tag
des Krieges. Schließlich zeigt der Aufſatz, wie man
die=
ſen enormen Geldanforderungen gerecht zu werden hofft.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Potsdam, 26. Febr. Anläßlich der Anweſenheit
des Königs von Dänemark wurde heute
vor=
mittag auf dem Bornſtedter Felde bei Potsdam eine
Ge=
echtsübung gemiſchter Waffen abgehalten, wozu
die Potsdamer Garniſon ausgerückt war. Der Kaiſer
in der Uniform des 1. Garde=Regiments und der König
von Dänemark in der Uniform des 14. Huſaren=Regiments
trafen im Automobil von Berlin kommend gegen 10 Uhr
an dem Gehölz in der Nähe der Artilleriekaſernen bei
Nedlitz ein. Die Herren des Hauptquartiers, das däniſche
Gefolge und der Ehrendienſt folgten in weiteren
Auto=
mobilen. Punkt 10 Uhr fiel der erſte Kanonenſchuß vom
Ruinenberge her, von wo ſich die rote Partei entwickelte,
während die blaue Partei von Nedlitz aus vorging. Es
entwickelte ſich ein lebhaftes Gefecht mit Reiterattacken,
Maſchinengewehrfeuer und abgeſeſſener Kavallerie in
Schützenlinien. Nach 11 Uhr endete das Gefecht,
während=
deſſen auch Flugzeuge und das Zeppelin=Luftſchiff „Hanſa”
über dem Bornſtedter Felde erſchienen. Es folgte dann
der Vorbeimarſch der Potsdamer Garniſon. Der
Kai=
ſer ritt darauf mit dem König an der Spitze des 1.
Garde=
regiments zu Fuß in die Stadt Potsdam ein, am
Bran=
denburger Tor vorüber bis zum Regimentshauſe. Die
Stadt iſt feſtlich geſchmückt. Ein zahlreiches Publikum
bereitete dem Kaiſer und dem König von Dänemark
herz=
liche Kundgebungen. Um ¾1 Uhr trafen die Majeſtäten
mit dem Regiment vor dem Regimentshauſe ein, wo
Frühſtückstafel ſtattfand.
Stuttgart, 26. Febr. Zu dem Beſuch des
Staatsſekretärs des Reichsſchatzamts Dr.
Kühn erfährt der Schwäbiſche Merkur, daß der
Staats=
ſekretär mit dem Miniſterpräſidenten und dem
Finanz=
miniſter im Miniſterium des Auswärtigen eine
mehr=
ſtündige Beſprechung hatte. Nach derſelben frühſtückte der
Staatsſekretär und der Finanzminiſter mit dem Geheimen
Rat Dr. Hoffmann aus dem Reichsſchatzamt bei dem
Miniſterpräſidenten, worauf die Herren gegen 1 Uhr von
Stuttgart wieder abreiſten.
Trieſt, 26. Febr. In dem Laderaum des
Damp=
fers „Georgia”, einer öſterreichiſch=amerikaniſchen
Dampf=
ſchiffahrtslinie, brach geſtern nacht ein Brand aus.
der 450 Ballen Baumwolle zerſtörte und auch ſonſt noch
erheblichen Schaden anrichtete.
Tokio, 26. Febr. Die Regierung kündigte an, daß
ſie zur Förderung der Luftſchiffahrt ein
Ruhegehalt für Berufsaviatiker und Amateure,, ſowie
Invaliditätsgelder für Flieger, die bei ihrem Beruf
ver=
unglücken würden, einführen werde. Ebenſo ſollen die
Hinterbliebenen von verunglückten Fliegern unterſtützt
und Preiſe für Dauerfahrten ausgeſetzt werden.
H. B. Berlin, 26. Febr. Die Vermählung des
Prinzen Ernſt Auguſt zu Braunſchweig=
Lüneburg mit der Prinzeſſin Viktoria
Luiſe iſt für den 24. Mai, dem Hochzeitstage des
Prin=
zenpaares Heinrich von Preußen, in Ausſicht genommen.
Wegen der Hochzeit iſt auch die Reiſe des Kaiſers nach
Korfu abgeſagt worden. Prinz Ernſt Auguſt begibt ſich
heute von Gmunden nach Berlin, um die Kaiſerin und
die Prinzeſſin Viktoria Luiſe auf der Reiſe nach Gmunden
zu begleiten.
Berlin, 26. Febr. Geſtern nacht wurde die Frau
des Mechanikers Mühl in Charlottenburg mit ihrer
er=
wachſenen Tochter feſtgenommen, als ſie eine
Droſchken=
fahrt mit einem falſchen Fünfmarkſtück bezahlen
wollten. Der Kutſcher erkannte in der Frau dieſelbe
wie=
der, die ihm bereits vor drei Wochen ein falſches
Fünf=
markſtück gegeben hatte. Auf dem Wege zur Polizeiwache
verſuchte Frau Mühl, ihr Portemonnaie mit fünf
weite=
ren Falſifikaten fortzuwerfen. Die Verhafteten geſtan
den ein, falſche Geldſtücke, die von dem Mechaniker Mühl
ſſelbſt angefertigt wurden, ſeit mehreren Wochen
ausgege=
ben zu haben. Ihr Mann habe in der bitterſten Not
ge=
handelt, da er keine Arbeit habe finden können.
Folgenſchwere Exploſion.
* Oviedo, 25. Febr. Der Gouverneur hat Nachrichten
aus Gijon erhalten, nach denen im Vorhafen e ine
Mine explodiert iſt. Die Zahl der bei der
Minen=
exploſion Getöteten beträgt 24; darunter ſoll ſich auch der
die Arbeiten leitende Ingenieur und Unternehmer
befin=
den. Die Anzahl der Verwundeten iſt beträchtlich. Man
glaubt, daß noch zahlreiche Perſonen unter den
Trüm=
mern liegen. Die Kataſtrophe ereignete ſich
folgender=
maßen: Eine Mine von 3500 Kilogramm ſchwarzen
Pul=
vers war gekegt, um einen Felſen zu ſprengen. Die
Sprengung mißglückte. Die Mine ſchleuderte einen
wahren Regen von Steinen auf die Zuſchauer und die
Schiffe im Hafen.
* Madrid. 26. Febr. Dem Imparcial zufolge
be=
trägt die Zahl der bei dem Unglück im Hafen von Gijon
Verwundeten über 200; etwa 100 ſollen unter den
Trüm=
mern verſchüttet ſein.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das feſtländiſche Hoch hat ſich weiter verflacht und
ebenſo iſt die atlantiſche Depreſſion etwas
vorgedrun=
gen; ihr folgt aber wieder hoher Druck von Island her.
Wir ſtehen noch immer unter dem Einfluß des Hochs, ſo
daß wir heiteres bis dunſtiges, trockenes Wetter haben.
Infolge ungehinderter nächtlicher Wärmeausſtrahlung iſt
es nachts ziemlich kalt, während tags das Thermometer
unter dem Einfluß der Februarſonne ſtark anſteigt. Das
Hochdruckgebiet wird ſich auch wohl heute noch halten,
ſo daß auch für morgen noch keine weſentliche Aenderung
in Ausſicht ſteht.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, 27.
Fe=
bruar: Wechſelnd bewölkt, meiſt trocken, Temperatur
wenig verändert, Südwind.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Bioson die Idealnahrung!
Ich trank Ihr Bioſon zur Stärkung und
Blut=
erneuerung. Während ich früher ſtets über
Schlafloſig=
keit oder unruhigen Schlaf zu klagen hatte, iſt dieſer
jetzt einfach vorzüglich und ſtehe ich morgens wirklich
geſtärkt auf. Staffeldt, Zollaufſeher, Kalterherberg
(Eifel). Unterſchrift beglaubigt:
4. November 1912.
Das Bürgermeiſteramt. Bioſon, Blechdoſe (ca. ½ kg)
Mark 3.— erhältlich in Apotheken, Drogerien. (III,4964
S
ee Der Stadtaulſlage heutiger Ausgabe unſeres
Blattes liegt ein Proſpekt bei von dem
Reformgeſchäft „Ariſta” (Anton Braunwarth),
Ernſt=Ludwigſtraße 3, über Obſterzeugniſſe, worauf
wir hiermit zinweiſen.
(4968
Interhose, JDEAL-
Grösste Vollkommenheit
Ohne jede Naht
Gesäss, Sitz, Schenkel verstärk)
Ferdinand Carl Winfer
Kör
Hofliefer
Grosshe
*212te
*22a.
.
RN
I
124a
8
rauer-Kleider, TrauerLastümg
Trauer-Blousen,Irauer-Röcke
Trauer-Mäntel, Trauer-Stoffe
In reicher Ausmahl!
Anderungen sofart!
Hehr. Häslein.
2, Ludmigsplatz.
*.
L
M
85 W
64a
Familiennachrichten.
Dankſagung.
Für die uns anläßlich unſerer ſilbernen
Hochzeit erwieſenen zahlreichen
Aufmerkſam=
keiten ſagen wir Allen, ſpez. dem Krieger= und
Militärverein „Blücher”, dem Heſſ Polizei= und
Schutzhundeverein, Sitz Darmſtadt, auf dieſem
Wege unſeren herzlichſten Dank.
(VII,5016
Guido Kneip und Frau.
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Nachricht, daß es Gott dem
Allmächtigen gefallen hat, unſere liebe Mutter
und Großmutter
(*5334
Marie Neuroth Wwe.
geh. Arnold
nach längerem, mit Geduld getragenem Leiden
zu ſich zu rufen.
Darmſtadt, den 25. Februar 1913.
Die tieftrauernden Kinder und Enkel:
Carl Neuroth und Familie,
Marie Neuroth, Worms a. Rhein,
Eliſabeth Hoffmann, geb. Neuroth, Kiel,
Margarete Neuroth, Frankfurt a. Main,
Chriſtine Neuroth.
Die Beerdigung findet Freitag, den 28. Febr.,
nachmittags 2 Uhr, vom Portale des
Darm=
ſtädter Friedhofes aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Nachricht, daß es Gott dem
Allmächtigen gefallen hat, unſeren
innigſtge=
liebten Sohn und Enkel
(4989
Jakob
nach ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden
im Alter von 7½ Jahren zu ſich zu rufen.
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Stork.
Familie Jakob Stofft.
Darmſtadt, Weinbergſtr. 4, 25. Febr. 1913.
Die Beerdigung findet am Donnerstag
nach=
mittag um 3½ Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben Gatten, unſeres
guten Vaters, Schwiegervaters, Großvaters,
Schwagers und Onkels
(5005
Friedrich Döll
agen wir Allen, insbeſondere dem Herrn Pfarrer
Beringer für die troſtreichen Worte, ſowie für die
Blumenſpenden unſeren tiefgefühlteſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eleonore Döll, geb. Schroth,
nebſt Kindern u. Enkel.
Darmſtadt, den 25. Februar 1913.
Nummer 49.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Seite 7.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere liebe, unvergeßliche Schweſter, Schwägerin
und Tante
(*5338
Fräulein
Katharina Tuch
nach langem, ſchwerem Leiden zu ſich zu nehmen.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familien Tuch u. Diderich.
Darmſtadt, 25. Februar 1913.
Die Beerdigung findet Donnerstag, 27. Febr.,
um 3½ Uhr in Gernsheim ſtatt.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7½ Uhr, Ende
10 Uhr: „Die fünf Frankfurter”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag mit Lichtbildern des Kriegsberichterſtatters
Reichsfreiherrn v. Binder=Krieglſtein um 8 Uhr im
Saalbau.
Vortrag von Waldemar Richter um 8½ Uhr im „
Für=
ſtenſaal” (Mazdaznan=Vereinigung).
Hauptverſammlung des Bezirksvereins „
Mathil=
denhöhviertel” um 8½ Uhr im „Perkeo”
Hauptverſammlung der Freien Hilfskaſſe Nr. 4
der Bäcker=Innung im Reſtaurant Sitte.
Konzerte: Hotel Heß um 3 und 8 Uhr. — Bürgerkeller
um 8 Uhr. — Rummelbräu um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Generalverſammlung des Bundes der Landwirte im
Zirkus Buſch in Berlin; die große Feuersbrunſt in
Konſtantinopel; ein bulgariſches Belagerungsgeſchütz
vor Adrianopel; Baronin Bertha v. Suttner, die
Vor=
kämpferin der Friedensbewegung, bei einem öffentlichen
Vortrag.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 28. Februar.
Hofreite=Verſteigerung des Gg. Philipp Volz
(Eckhardtſtraße) um 11 Uhr auf dem Ortsgericht I,
Stamm= und Nutzholz=Verſteigerung um
9½ Uhr im Gundernhäuſer Gemeindewald (
Zuſammen=
kunft auf dem Meſſeler Weg am Eingang des Waldes).
Stamm und Brennholz = Verſteigerung um
9 Uhr im Rathaus zu Arheilgen.
Stamm= und Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Ober=Ramſtädter Gemeindewald (
Zuſammen=
kunft am Diſtrikt Silberberg auf dem alten Nieder=
Modauer Weg hinter dem alten Bergwerk).
Stamm= und Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Seeheimer Gemeindewald (Zuſammenkunft
am Pflanzgarten).
Großh. Landesmuſeum. Geöffner Sonn= und
Feiertags von 10—1 Uhr und 2—4 Uhr, Freitags
von 10—1 Uhr, ſowie Mittwochs von 2—4 Uhr
eintrittsfrei; Dienstags, Donnerstags und Samstags
von 11—1 Uhr gegen Eintrittsgeld.
Großh. Porzellanſammlung im Prinz=Georgs=
Palais (Schloßgartenplatz). Geöffnet Sonntags von
11—1 Uhr. Eintritt 50 Pfg.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige,
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht.
zurückgeſandt.
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Bei Aufträgen von ausserhalb nur Einsendung von Haarprobe notwendig.
Kurſe vom 26. Februar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach,
InProz.
37.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,60
3½ Deutſche Reichsanl. .
88,C
77,20
3
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 88,10
77,10
do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 98,40
93,00
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,75
86,50
do.
3½
78,10
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 98,50
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 98,50
4 do. do. (unk. 1918) 98,60
86,20
do.
3½
3
75, 10
do.
78,50
3 Sächſiſche Renie.
Württemberger v. 1907 99,10
do. v. 1875 93,90
-
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾/ Griechen v. 1887 . . 54,30
3¾ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente 86,90
do. Goldrente . . . 90,50
4 do. einheitl. Rente . 83,80
3 Portug, unif. Serie I 63,30
do. unif. Ser. III 66,50
-
3 do. Spezial
5 Rümänier v. 1903 . . 99,60
4 do. v. 1890 . . 92,50
4 do. v. 1905 . . 87,20
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,40
do. v. 1902 . . . . 89,9)
4½ do. v. 1905 . . . . 99,70
4½ Schweden . . . . . . —
Serbier amort. v. 1895 81,00
3 Türk. Admin. v. 1903 77,50
Türk. unifiz. v. 1903 87,20
4 Ungar. Goldrente . . . 86,30
4 do. Staatsrente. . . 83,95
InBrot=
Zf.
5 Argentinier . . . . . . 100,60
86,70
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 92,80
5 Chineſ. Staatsanleihe
.
4½ Japaner . . . . . . . 91,30
5 Innere Mexikaner . . . 90,40
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 84,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 98,00
3 Buenos Aires Provinz 68,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 150,50
5 Nordd. Lloyd . . . . . 118,70
6½ Südd. Eiſenb.=Bef. .
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . . 113,75
6 Baltimore und Ohio . 103,00
6 Schantungbahn . . . . 129,69
6½ Luxemb. Prince Henri —
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 153,50
6 Pennſylvania R. R. . 119,00
Induſtrie=
Stoib. Aktien.
3 Brauerei Werger . . —
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 534,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim . . . . . . . 240,10
30 Farbwerke Höchſt . . 627,75
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 351,75
10 Cement Heidelberg . . 145,20
30 Chem. Werke Albert 443,00
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 336,25
5 Lahmeyer . . . . . . . 123,50
Maer
etzte
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 141,75
12 Siemens & Halske .214,50
5 Beramann Electr. . 120,00
10Deutſch. Ueberſee Electr. 160,50
25 Gummi Peter . . .
0 Kunſtſeide Frankfurt 67,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer
. . . 590,25
,
10 Maſchinenf. Badenia 176,00
-
16 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 149,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 237,25
12½ Bad. Zucker=Wag=
.
10 Neue Boden=A. A.=Beſ. 83,00
3 Südd. Immobilien . 59,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumet=Friede . . . . 174,75
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 215,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 161,10
10 Gelſenkirchener . . . . 195,00
9 Harpener . . . . . . . 191,25
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 256,20
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,20
Laurahütte . . . . . . 175,00
10 Kaliwerke Aſchersleben —
Weſteregeln 204,50
7½ South Weſt Africa 127,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 83,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,30
4 Eliſabethbahn, freie . . 90,90
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,00
3 Prag=Durer . . . . . . 73,90
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 91,00
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,90
do.
4
Snher
8
2‟ Oeft. Südb. (Lomb.) 53,00
77,00
3 Raab=Oedenburg .
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 86,90
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,70
86.70
4
do.
4 Wladichawchas . . . . 86,80
4 Rjäſan Koslow . . . . 86,50
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 75,20
do.
4½/
24! Livorneſer .
. 69,10
3 Salonique=Monaſtir . 62,20
80,80
4 Baadadbahn . . . . .
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,00
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 70,20
4 Northern=Paciſic . . . 98,00
4 Southern=Paciſic . . . 93,50
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 81,30
5 Tehnantepec . . . . . . 96,50
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . 187,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. .168,25
6½ Darmſtädter Bank . 123,90
12½) Deutſche Bank . . . 255,70
6 Deutſche Vereinsbank . 123,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,00
10 Diskonto=Kommandit 191½
8½ Dresdener Bank . 155,75
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,50
6½ Mitteld. Kreditbank 120,60
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,50
7 Pfälziſche Bank. . . . 130,00
5.86 Reichebank . . . . 137,20
7 Rhein. Kreditbank. . . 136,25
A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 114,30
½ Wiener Bankverein . 133½
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,00
Seine
Zf.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 86,80
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . . . . . . 97,80
4 Hamd. Hypoth.=Bank . 97,25
3½
87,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,30
3½
87,30
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 ..
98,60
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23. . . . . . . . . 98,90
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 87,30
S. 3—5 . . . . . . . . 87,10
S. 9—11 . . . . . .
87,20
4 Meininger Hyp.=Bank 97,60
3½
do.
86,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,4
3½ do. (unk. 1914) . . 86,90
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,00
bo.
87,80
½
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt . . . . .
3½
do.
88,00
4 Frankfurt. . . . . . . 98,70
3½
do.
96,00
4 Gießen . . . . . . . . —
.
3½
4 Heidelberg . . . . . . 96,70
3½
do.
87,70
4 Karlsruhe . . . . . . 97,00
3½
do.
88,10
4
Magdeburg. . . . . . —
3½
.
4,, Mainz . . . . . . .. —
do.
88,40
4 Mannheim . . . .
96,70
3½
do.
89,5
4 München . . . . . . . 99,
3½ Nauheim . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 98,50
3½
do.
4 Offenbach . . . .
e
In Proz
3½ Offenbach . . . . . . —
4 Wiesbaden . . . . . . 98,80
3½
do.
96,40
Worms . . . . . . . . 97,30
34
do.
88,50
4 Liſſaboner v. 1888 . 76,80
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 —
3½ Cöln=Mindner , 100 140,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 111,70
3 Madrider . . Fs. 100 77,40
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 136,60
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 176,30
3 Oldenburger . . . . . . 129,60
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,70
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . .
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Freiburger . . . . Fs. 15 —
Mailänder . . . . Fs. 45 —
do. . . . . Fs.10 35,90
Meininger . . . . . fl. 7 34,10
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 559,00
do. v. 1858fl. 100 470,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30 —
Türkiſche . . . . Fs. 400 157,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,47
20 Franks=Stücke . . . . 16,31
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,46
Franzöfiſche Noten. . . . 81,25
Holländiſche Noten. . . . 168,80
Italieniſche Noten . . . . 79,90
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,55
Ruſſiſche Noten . . . .
80,75
Schweizer Noten . .
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Nummer 49.
Nieder-Frack-Hag 1 Frack-
Korsett
Korset
mit Strumpfhalter 2 ℳ
gemustert .
Braut-Korsett, weiss
Mieder-Frack-Korsett, Satin beige
Extra langes Korsett, hell geblümt
Elegantes Frack-Korsett
mit Strumpfhalter
Extra langes Korsett, hellfarbis
75
3
Braut-Korsett, weiss
Directoire-Korsett mit Strumpfhalter
Beige gemust. Directoire-Korsett
295
6
Directoire-
Korsett
extra lang . .
25
3ℳ
Braut-
Korsett
weiss
Directoire-
Korsett
5
75
ℳ
Directoire-
Korsett
gute elegante Form
3
4 ₰
67
Mieder-Frack.
Korsettmit 2
Paar Strumpfhalter
75
6ℳ
Eleg. langes
Korsett mitz 4.0
Paar Strumpfhalter 6 ℳ
Ferner Preislagen bis 18.75 ℳ
1660-
Büstenhalter Hüftenhalter Leibchen
Korsettenschoner
Untertaillen in allen Preislagen.
Gebl.
Mitglied des Rahatt-Sparvereins.
Rernisennu
Marki 2.
(4991
Lebend
Frisch
Forellen
Rheinſalm
Weſerſalm
Karpfen
Schleien
Silberſalm
Lachsforellen Aale
Steinbutt
Seezungen
Dahdtr
Rotzungen
ff. Nordsee-Schellfisch
„ Cabliau
Brat-Schellfisch
Merlan
Grüne Heringe
— Stinte —
Gewäſſerter
Fön
Srocktisen
Eischkonserven Marinaden
Räucherwaren
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Filiale:
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Nummer 49.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
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führen neuere Forſcher auf
einen Säure=Ueberſchuß im
Körper zurück, der durch
un=
zweckmäßige Ernährung
ent=
ſtanden iſt. Die Befreiung des
Organismus von dieſen
ſchäd=
lichen Stoffen findet durch die
Tätigkeit der Nieren und zwar
hauptſächlich während der
Ruhe=
zeit des Körpers ſtatt. Zu den
Stoffen, welche nach
wiſſen=
ſchaftlichen Feſtſtellungen die
Tätigkeit der Nieren wirkſam
fördern, gehört auch das im
Kakao enthaltene Theobromin
und ſeine Wirkung auf die
Mieren wird naturgemäß am
ſtärkſten ſein, wenn es kurz vor
der regelmäßigen Ruhezeit dem=
Körper zugeführt wird. Kakao iſtſ
daher, ganz abgeſehen von ſeinem!
Nährwert, der ihn vor den
üb=
lichen Abendgetränken Tee und
Kaffee auszeichnet, ſchon aus
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((III,4961
Haus Heidegg.
Von Hedda v. Schmid
(Nachdruck verboten.)
21)
Wieder öffnete ſich die Heidegger Familiengruft, um
einen des Geſchlechts aufzunehmen. Am ſpäten Abend
bei Fackelſchein wurden Werner Heideggs ſterbliche
Ueber=
reſte beigeſetzt.
Frau Chriſta lag im Sterben. In ihren Phantaſien
erblickte ſie nur noch ihre beiden jüngſten Söhne. Sie
konnte nicht ſterben, bevor Nachricht von ihrem Diez da
war. In den wenigen lichten Augenblicken, welche ſie vor
ihrem Tode hatte, ſtammelte ſie mit erlöſchender Stimme
immer nur: Diez!
Endlich kam eine Nachricht. Lenchen Pohl, die
Kran=
kenſchweſter, depeſchierte aus Charbin, daß Diez mit
durchſchoſſenem Arm, aber nicht in Lebensgefahr, in einem
dortigen Hoſpital lag. Nun, wo die Gewißheit über
Diez Verbleib da war, verließ Frau Chriſta die Kraft,
ihr ſchwindendes Leben gewaltſam aufzuhalten. Ihre
letzten Tage glichen einem langſamen, friedlichen
Hinüber=
gleiten in die Ewigkeit.
Nun ruhten ihre früher nimmermüden Mutterſorgen!
Aber hatten dieſe nie raſtenden Sorgen ihre Kinder vor
Gefahren behüten können? Hatte ihre grenzenloſe Mut=
terliebe die Kugel aufzuhalten vermocht, die Werners
Schläfe durchbohrt? Hatte ſie Diez davor bewahren
können, daß die Feldſchlacht ihn zum Krüppel gemacht?
War ihre Mutterliebe imſtande geweſen, ihrem Fabi ein
glückliches Familienleben zu ſchaffen? Nein, jeder muß
ſein eigenes Leben leben, ſeinen eigenen Weg wandeln.
Frau Chriſtas Blicke ſtrichen liebkoſend über Iſa, die
am Fußende des Lagers mit angſtvollen Augen, blaß und
verſtört, kauerte. Wer würde nun für Frau Chriſtas
Neſtküken ſorgen?
Doch wo das Mutterauge gebrochen iſt, da wachen
himmliſche Mächte doppelt ſo treu . . Fabi hatte den
Grund des Duells, deſſen Opfer Werner geworden, in
Er=
fahrung gebracht, ein Neffe Frau von Helmerings, ein
noch ſehr jugendlicher Graf Steden, der in ſeinem erſten
Studienſemeſter ſtand, hatte ſich verächtliche Aeußerungen
über Editha Heidegg erlaubt. Es kam Werner zu Ohren
— er forderte den Kommilitonen auf, zu revozieren,
die=
ſer wurde hochfahrend und da kam es zur Kataſtrophe.
2
Nun ſtand in Heidegg wieder ein Saeg. Voller
Neu=
gierde ſtrömten die Dörfler zum Friedhof. In die
Bauerntſchaft war ein böſer Geiſt gefahren — noch
herrſchte Ruhe vor dem Sturm, doch immer häufiger ſah
man den Horizont nächtlich ſich röten.
Gefüllte Scheunen brannten nieder, und die
Brand=
ſtifter wurden niemals entdeckt. Unheimliches Geſindel
machte Landſtraßen und Wälder unſicher. Die
Land=
gendarmen hatten böſe Tage, ſie ſelber waren ihres
Lebens nicht mehr ſicher, denn das Raubzeug, das ſich
hinter Hecken und Baumſtämmen verbarg, war gut
be=
waffnet.
Es war ſelbſtverſtändlich, daß Erika nunmehr die
Hausfrau auf Heidegg ſpielte. Sie ſaß auch bei den
Mahlzeiten auf dem Platz, von wo aus ſonſt Frau
Chriſtas Lächeln über der Tafelrunde geleuchtet hatte. In
ihrem Trauerkleide noch ſchlanker und fahler ausſehend
als früher, teilte Erika ſtumm die Suppe aus. Es war
ſo gar kein Schimmer von Liebenswürdigkeit in ihrem
Weſen, keine Wärme, doch auch keine Verbitterung und
Verbiſſenheit mehr.
Ein Glück, daß wir die Erika haben, und daß ſie das
Talent, ſich nützlich zu machen, endlich entdeckt hat, ſagte
Fabian einmal um das andere.
In dieſer Weiſe konnte es ja ausgezeichnet auf
Hei=
degg weiter gehen . . . . Erika hatte ſich mit einem
über=
raſchenden Anpaſſungsvermögen in die Wirtſchaft
hinein=
gelebt. Ohne ihre Hilfe hätte Fabi ſeinen Inſpektorpoſten
in Eldenau aufgeben müſſen. Heidegg konnte jedoch eine
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Nummer 49.
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nähren. Zum Glück war es Fabian gelungen, Borgheide
vorteilhaft zu verpachten.
Nach und nach hatte der Freiherr Matthias Haus
Heidegg ſchwer mit Hypotheken belaſtet, in der ſich immer
wieder als trügeriſch erwieſenen Hoffnung, daß endlich
doch beſſere Erntejahre kommen würden, oder irgendein
unvorhergeſehener, rettender Glücksfall eintreten könne.
Aber auf Haus Heidegg hatte in den letzten Lebensjahren
des Freiherrn immer mehr und mehr Geldnot geherrſcht:
die Kinder koſteten viel!
Klaus bezog eine Zulage von Hauſe — Edelchen
wollte Malecin werden. Eben waren ihre Penſion und
die Stunden in Reval noch mit geringen Ausgaben
ver=
bunden, doch wenn ſie ihr Talent gründlich ausbilden
wollte, mußte ſie eine größere Stadt und berühmtere
Lehrkräfte aufſuchen. Das aber würde natürlich weit
mehr Geld erfordern. Iſa, das Neſtküken, machte Fabi
am wenigſten Sorge. Und doch — was ſollte aus dem
kleinen, hübſchen Ding werden? Sollte ſie ihr junges
Leben zwecklos auf Heidegg vertrauern — es gab doch ſo
viel Frauen= und Mädchenberufe jetzt. Iſa war fürs erſte
weiter nichts, als eine arme Baroneß, auf die Fürſorge
ihrer Geſchwiſter angewieſen. Für dieſes Kind war die
Mutter viel zu früh geſtorben. Iſa hatte gar keine
Neig=
ung zu irgendeinem praktiſchen oder künſtleriſchem
Be=
ruf. Ich kann gar nichts, ſeufzte ſie oft.
Auf Heidegg dachte ſelbſtverſtändlich niemand daran,
wie vernünftig es ſein würde, Iſa die Kindergärtnerei
erlernen zu laſſen.
Als die Heidegger Geſchwiſter vom Begräbnis der
Mutter heimgekehrt waren, erſchien Iſa das alte, liebe
Haus wie eine ungeheure kalte Gruft, Wie würde ſie es
dier nur aurſheten ihne Anter ehriters das beibeng
hatte ſeine Seele verloren! Die älteren Geſchwiſter
hatten ſich bei ihrem Schmerz viel mehr in der Gewalt,
als die immer nach Liebe und Verwöhntſein hungrige
Iſa. Edelchen war etwas tapfer und gefaßt, aber Iſa
konnte ſich in ihrer großen Verlaſſenheit garnicht
zurecht=
finden . .
Sie hatte ſo viel geweint, — ihre Augen waren matt
und taten ihr weh — wenn jemand ſie doch barſch
an=
fahren würde, ſie konnte heute kein Mitleid ertragen; als
Klaus ihr vorhin zärtlich das Haar geſtreichelt hatte, war
ſie ſchluchzend aus dem Zimmer gelaufen. Sie beneidete
Irma, die blaß und ruhig bei den anderen ſaß. Die
brauchte ſich nicht zu grämen, die war Mutter Chriſtel
doch fremd geblieben.
Iſa konnte es in den leeren, dämmrigen Zimmern
nicht mehr aushalten, ſie eilte die Treppe hinab in den
ſinkenden Abend hinaus. Der Herbſtnebel hing ſchwer an
den Zweigen der Ebereſchen, welche die Landſtraße
ein=
ſäumten.
In raſchem Trabe kam ein Wagen die Allee herauf.
Iſa wich raſch zur Seite, um das Gefährt an ſich
vorüber=
raſſeln zu laſſen. Plötzlich kannte ſie die Inſaſſen der
Poſtkaleſche und ſchrie auf: Onkel Regi! Du — Du . . .
Wie eine Erlöſung klang es aus dem Ruf . . .
In der nächſten Minute war er neben ihr und hob ſie
in den Wagen. Du mein armes, armes Kleines, murmelte
er und hielt ihre kalten Fingerchen mit ſeinen Händen
umſchloſſen. Wie verweint das Kind ausſah. Mein
armes, kleines Herzchen.
Ach, wie wohl Iſa nun doch das Mitleid tat! Sie
verbarg ihr Geſicht ſchluchzend an ſeiner Schulter: Ach,
Onkel Regi, was ſoll ich noch auf der Welt — Mutter
iſt tot!
Sererereten
dem Iſa ihm erzählt hatte, daß das Begräbnis vorüber
ſei. Ich kehrte erſt geſtern von einer Dienſtreiſe zurück
und fand zu Hauſe die Depeſche mit der
Todesnach=
richt vor.
Iſas Tränen floſſen nicht mehr ſo reichlich. Welch
ein Glück, daß Onkel Reginald da war! Gerade ſolch liebe,
freundliche Augen wie die ſeinen hatte Mutter Chriſtel jg
gehabt . . .
Am Tage nach Reginalds Ankunft ſaßen er und Iſa
in Mutters Wohnzimmer, wo jedes Ding an ſeinem Platz
bleiben ſollte, auch dann, wenn Irma hier dereinſt als
Hausfrau walten würde.
Irma, hier darf nichts geändert werden, verſprich es
mir, nicht wahr? rief Iſa.
Ich werde in Heidegg niemals etwas zu befehlen
haben, rege Dich nicht unnütz auf, Iſa, erwiderte die
junge Frau kalt.
Iſa blickte ihre Schwägerin verwunderk und
vor=
wurfsvoll an. Irmgard iſt jetzt immer ſo ſcharf, klagte
ſie nachher dem Onkel, ich glaube, ſie verſteht Fabi gar
nicht.
Ja, Iſakind, das tun leider viele junge Frauen, ſie
geben ſich von vornherein gar nicht die Mühe, wenn Du
aber einmal verheiratet biſt —
Ach nein, ich denke ja gar nicht daran, warf Iſa
raſch ein.
Du wirſt Deinen Gatten glücklich machen, ſagte Regi
leiſe. Wie ſelbſtvergeſſen nahm er das Ende von Iſas
langem, blondem Zopf, und ließ die ſeidenen Haare
lieb=
koſend und ſpielend über ſeine Finger gleiten.
(Fortſetzung folgt.)
[ ← ][ ][ → ]30 24.
Donnerstag, 27. Februar.
1913.
Bekanntmachung.
Unter Hinweis auf die §§ 3, 15—27 der Verordnung vom 6. Mai 1927, den
Radfahrverkehr betreffend, ſowie unter Hinweis auf die Strafbeſtimmungen im Falle
einer Verſäumnis wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung des
Stempels für Fahrräder für das Rechnungsjahr 1913
von heute ab bis 31. März 1913 an jedem
Wochentage, vormittags von 9 bis 12 Uhr,
bei Großh. Kreisamt Darmſtadt, Neckarſtraße Nr. 3, im Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 9,
ſtattfindet.
Wir fordern daher alle Beſitzer von Fahrrädern, welche ſie auf öffentlichen
Wegen und Plätzen benutzen, auf, die Stempelabgabe während der oben erwähnten
Zeit, unter Vorlage der Radfahrkarten, zu entrichten oder, ſofern die Vorausſetzungen
dierzu vorliegen, während derſelben Zeit (ſ. § 19 Abſ. 2 der Verordnung) Antrag au
Befreiung von der Abgabe zu ſtellen.
Anſprüche auf Befreiung ſind:
1. für die Stadt Darmſtadt bei dem zuſtändigen Polizeirevier,
2. für die Landgemeinden des Kreiſes bei der Großh. Bürgermeiſterei des
Wohnorts
vorzubringen. Befreiungs=Anträge, die nach dem 1. April 1913 geſtellt werden,
können keine Berückſichtigung mehr finden.
Darmſtadt, den 17. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
Verordnung, den Radfahrverkehr betreffend.
Vom 6. Mai 1907, §§ 3, 15—27 der Verordnung.
C. Der Radfahrer.
a) Ausweis über die Perſon des Radfahrers.
§ 3. Wenn ein Fahrrad auf öffentlichen Wegen und Plätzen benutzt werden ſoll,
hat der Beſitzer hiervon dem für ſeinen Wohnort zuſtändigen Kreisamt ſchriftlich oder
mündlich Anzeige zu erſtatten und die in Nr. 58 des Tarifes zum Urkundenſtempelgeſetz
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907 vorgeſchriebene Stempelabgabe
für die Radfahrkarte zu entrichten.
Das Kreisamt erteilt dem Anmeldenden eine auf den Namen des Radfahrers
lautende Radfahrkarte, die nach anliegendem Muſter ausgeſtellt wird.
Der Radfahrer hat die Radfahrkarte bei ſich zu führen und auf Verlangen dem
zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
Für Perſonen unter 14 Jahren erfolgt die Ausſtellung auf Antrag des Vaters,
Vormundes oder ſonſtigen Gewalthabers.
Die Radfahrkarte gilt für den Umfang des Deutſchen Reiches.
Radfahrer, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb des Deutſchen Reiches
haben, haben einen anderweiten genügenden Ausweis über ihre Perſon bei ſich zu
führen und auf Verlangen dem zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
E. Vorſchriften über die Stempelabgabe.
§ 15. Die Stempelabgabe für die Jahreskarte (§ 3, Abſ. 1), gülkig vom 1. April
bis 31. März des folgenden Jahres, beträgt 5 Mark. Entſteht die Abgabepflicht in der
Zeit zwiſchen 1. Oktober und 31. März des folgenden Jahres, ſo iſt für dieſen Zeitraum
nur die Hälfte dieſes Betrages zu entrichten.
§ 16. Das Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in
ein Verzeichnis ein, erhebt die in § 15 erwähnte Abgabe und erteilt den Anmeldenden
1. eine Radfahrkarte (§ 3),
2. eine Nummerplatte, die der Nummer des Verzeichniſſes entſpricht,
§ 17. Auf der Rückſeite der Radfahrkarte ſind Stempelmarken im Betrage der
entrichteten Abgabe durch das Kreisamt aufzukleben und zu entwerten.
Bei den von der Stempelabgabe befreiten Perſonen (§ 23) erhalten die
Radfahr=
karten auf der Rückſeite den Vermerk „Stempelfrei bis 31. März 19. 4.
§ 18. Die Nummerplatte trägt auf beiden Seiten auf weißem Grund in 6 cm
hoher lateiniſcher Schriſt den Anfangsbuchſtaben der Behörde, die die Radfahrkarte
ausgeſtellt hat für das Kreisamt Dieburg b1) und dahinter in 5 em hohen Ziſſern die
Nummer der Radfahrkarte (§ 16). Die Nummern werden, je nachdem ſie von einer
Behörde der Provinz Starkenburg, Oberheſſen oder Rheinheſſen zugeteilt worden ſind
in roter, blauer oder grüner Farbe aufgetragen. Bei den für den Landbezirk eines
Kreiſes ausgegebenen Nummerplatten iſt der betreffende Buchſtabe in der Farbe der
Nummer, bei den Nummerplatten für den Stadtbezirk eines Kreiſes dagegen in
ſchwarzer Farbe ausgeführt.
Das Fahrrad muß beim Befahren öffentlicher Wege und Plätze mit der
Nummer=
platte verſehen ſein. Letztere, deren Inſchrift ſtets in lesbarem Zuſtande erhalten
wer=
den muß, iſt in der Richtung der Längsare des Fahrrades und nach vorn gerichtet derart
zu befeſtigen, daß die Inſchriſt von beiden Seiten gut ſichtbar iſt. Die Nummerplatte
wird von der Behörde beſchafft und den Beſitzern von abgabepflichtigen Fahrräbern
unentgeltlich geliefert. Wer von der Stempelabgabe befreit iſt, hat die Koſten der
Nummerblalte zu erſeizen.
Beſitzer von ſolchen Fahrrädern, die mit Nummerplatten verſehen ſind, dürfen
zur Kontrollierung der Abgabe nicht angehalten werden.
§ 19. Die Abgabe iſt von einer und derſelben Perſon. auch bei einem Wechſel des
Fahrrades, innerhalb desſelben Jahres (1. April bis 31. März) ſtets nur einmal, und
zwar erſtmalig bei der Anmeldung des Fahrrades und ſodann alljährlich im Monat
März für das darauffolgende Rechnungsjahr unter Vorlage der Radfahrkarte bei dem
Kreisamt zu entrichten.
Innerhalb der gleichen Friſten haben die Perſonen, die gemäß § 23 Befreiung
von der Abgabepflicht in Anſpruch nehmen, bei dem Kreisamt entſprechenden Antrag
zu ſtellen.
§ 20. Wer den Beſitz eines anmeldepflichtigen Fahrrades im Laufe eines Jahres
aufgibt oder verliert, hat dies dem Kreisamt ſeines Wohn= oder Aufenthaltsortes
läng=
ſtens binnen einer Woche unter Vorzeigung der Karte und Rückgabe der Nummerplatte
anzuzeigen.
Wer, ohne den Beſitz aufzugeben, das Fahrrad auf öffentlichen Wegen und
Plätzen nicht mehr benutzen will, kann ſich durch Abmelden des Rades unter Rückgabe
der Rummerblatte von der weiteren Abgabepflicht befreien.
Die Abmeldung iſt in das nach § 16 zu führende Verzeichnis einzutragen und dem
Abmeldenden auf Verlangen auf der ihm erteilten Karte zu beſcheinigen.
§ 21. Verlegt der Beſitzer eines anmeldepflichtigen Fahrrades ſeinen
Wohn=
oder Aufenthaltsort in einen anderen Kreis, ſo iſt das Rad bei dem Kreisamt, das die
Radfahrkarte ausgeſtellt hat, abzumelden und bei dem für den neuen Wohn= oder
Aufenthaltsort zuſtändigen Kreisamt unter Vorlage der Radfahrkarte anzumelden; das
letztere erteilt eine neue Nummerplatte und zieht die bisher geführte Nummerplatte
behufs Rückgabe an das zuſtändige Kreisamt ein.
§ 22. Es iſt verboten Nummerplatten eigenmächtig anzufertigen, die Inſchrift
von Nummerplatten eigenmächtig zu ändern und ſolche Nummerplatten zu führen, die
nicht von der zuſtändigen Behörde erteilt ſind.
Der Beſitzer eines mit Nummerplatte verſehenen Fahrrades darf dieſes an
andere Perſonen zur Benutzung auf öffentlichen Wegen und Plätzen nur vorübergehend
überlaſſen.
F. Ausnahmen.
§ 23. Von der Stempelabgabe ſind befreit:
1. Militärperſonen und ſonſtige Perſonen, die in Dienſten des Reiches oder eines
Bundesſtaates, einer Provinz, eines Kreiſes oder einer Gemeinde ſtehen und
Fahräder überwiegend zur Erledigung der ihnen obliegenden
Dienſt=
geſchäfte benutzen;
2. Perſonen, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zur
Arbeitsſtelle oder zur Ausübung ihres Berufes oder Gewerbes benutzen, ſofern
ihr Einkommen den Betrag von jährlich 1500 Mark nicht erreicht;
3. Schüler, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zum Beſuche
der in einer anderen Gemeinde oder mindeſtens 2½ Kilometer von der Wohnung
entfernt gelegenen Schule benutzen;
4. Perſonen, die ſich zum Kurgebrauch oder weniger als 30 Tage lang im
Groß=
herzogtum aufhalten:
5. Perſonen, die ein Fahrrad, für das die Stempelabgabe bereits entrichtet iſt,
vorübergehend benützen (§ 22, Abſ. 2).
§ 24. Wird auf Grund des § 23 eine Befreiung von der Stempelabgabe in
An=
ſpruch genommen, ſo iſt vorzulegen:
1. in den Fällen der Ziffer 1 eine Beſcheinigung der vorgeſetzten Dienſtbehörde da=
Aingehend, daß daß Lahrad ü b er milegend zu dienſlichen Zwelen
verwendet wird.
2. in den Fällen der Ziffer 2 der letzte Steuerzettel und eine Beſcheinigung der
Bürgermeiſterei oder Polizeibehörde über das Vorliegen der weiteren
Voraus=
ſetzung. Bei Bedienſteten genügt hinſichtlich des letzten Punktes eine
Beſcheinig=
ung des Arbeitgebers, die jedoch durch die Bürgermeiſterei oder Polizeibehörds
beſtätigt ſein muß;
3. in den Fällen der Ziffer 3 eine Beſcheinigung der Bürgermeiſterei oder der
Polizeibehörde oder des Klaſſenlehrers.
Ueber den Anſpruch entſcheidet, vorbehaltlich der Beſchwerde an das Miniſterium
des Innern, das Kreisamt, bei dem die Stempelabgabe zu entrichten ſein würde.
Die Steuerbehörden ſind verpflichtet, den Kreisämtern auf Verlangen jede zun
Entſcheidung erforderliche Auskunft zu geben.
§ 25. Eine Verpflichtung zum Führen einer Nummerplatte und zum
Mit=
führen einer Radfahrkarte beſteht nicht für die in § 23 Ziffer 1 genannten
Per=
ſonen, wenn:
1. dieſe bei Benutzung des Rades Uniform, Amtskleidung oder ein Amtsabzeichen
tragen, oder
2. das Rad als zu Dienſtzwecke beſtimmt von der vorgeſetzten Behörde kenntlich
gemacht iſt.
§ 26. Ob und inwieweit Ausnahmen von den in Gemäßheit des § 13 ergangenen
Vorſchriften für den dienſtlichen Radfahrverkehr der Beamten der Poſt= und
Tele=
graphenverwaltung und anderer öffentlicher Verwaltungen, ſowie der Gendarmen
zuzulaſſen ſind, beſtimmt das Miniſterium des Innern.
G. Strafbeſtimmungen.
§ 27. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften über die Entrichtung der
Stempelabgabe werden nach dem Geſetz vom 12. Auguſt 1899 über den
Urkunden=
ſtempel in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907,
Zuwiderhand=
lungen gegen die übrigen Vorſchriſten dieſer Verordnung und gegen die darin
vor=
behaltenen allgemeinen oder beſonderen polizeilichen Anordnungen (§ 13) in
Gemäß=
heit des § 366 Nr. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuches mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder
mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
Urkundenſtempelgeſetz.
Artikel 31, Abſ. 1. Die im Art. 14 Nr. 2 bezeichneten Perſonen haben, wenn ſie
den Vorſchriften bezüglich der Verpflichtung zur Entrichtung des Stempels
zuwider=
handeln, unbeſchadet ihrer Haftpflicht für den fehlenden Stempel (Art. 14), eine
Geld=
ſtrafe verwirkt welche dem vierfachen Betrage des hinterzogenen Stempels
gleich=
kommt, mindeſtens aber drei Mark beträgt. Jede zuwiderhandelnde Perſon trifft die
ganze Strafe. Auf Beamte findet dieſe Vorſchrift keine Anwendung,
Abſ. 3. Die Verhängung der Strafe erfolgt nach Maßgabe der Vorſchriften
des Geſetzes, die Einführung des Verwaltungsſtrafbeſcheids bei Zuwiderhandlungen
gegen die Vorſchriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle betreffend,
vom 20. September 1890.
Abſ. 4. Wenn ſich aus den Umſtänden ergibt, daß eine Stempelhinterziehung
nicht hat verübt werden können oder nicht beabſichtigt worden iſt, ſo tritt ſtatt der
vorgedachten Geldſtrafe eine Ordnungsſtrafe bis zu zweihundert Mark ein.
Art. 33. Wer es, den beſtehenden Beſtimmungen zuwider, unterläßt, die nach
den Tariſnummern 10, 35, 41, 49, 50, 58, 60, 90 erforderlichen Erlaubnisſcheine und
Karten zu löſen, verfällt in die im Artikel 31 Abſ. 1 beſtimmte Strafe. Die
Vor=
ſchriſten des Artrels 31 Abſ. 2 bis 4 ſinden entſprechende Anwendung.
Die hinterzogene Stempelabgabe iſt von demjenigen nachzuentrichten, der im
Falle der Löſung des Erlaubnisſcheines oder der Karte zur Zahlung des Stempels
verpflichtet geweſen wäre. Die Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der
Vorſchriften des Artikels 26.
Unterſteht die Perſon, die nach Abſ. 2 die Stempelabgabe nachzuentrichten hat,
wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geiſtigen oder körperlichen Zuſtandes der
Beaufſichtigung, ſo haftet für die Entrichtung der Stempelabgabe auch derjenige,
welcher kraft Geſetzes zur Führung der Aufſicht verpflichtet iſt. Die Haftbarkeit tritk
nicht ein, wenn der Aufſichtspflichtige nachweiſt, daß er ſeiner Pflicht genügt hat oder
daß die Stempelhinterziehung auch bei gehöriger Aufichtsführung erfölgt ſein würde,
Die Beſtimmung des Abſ. 2. Satz 2 findet Anwendung.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen wiederholt in geeignes
erſcheinender Weiſe zur Kenntnis der Intereſſenten Ihrer Gemeinde zu bringen,
Darmſtadt, den 15. Februar 1913
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(4792a
Das Bezirkskommando 1 Darmſtadt erläßt nachſtehende
Bekanntmachung.
Die Zuſtellung der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen erfolgt im Kreiſe
Darmſtadt in der Zeit vom 10.—25. März 1913; im Stadtbezirk durch Ordonanzen
(Aushändigung ohne Empfangsbeſcheinigung), im Landbezirk in gewöhnlichen Briefen
unter „Heeresſache” durch die Poſt.
Die bis dahin noch nicht zur dienſtlichen Kenntnis gebrachten
Wohnungsver=
änderungen ſind ſofort zu melden. Für unterlaſſene Meldungen — was ſich bei der
Zuſtellung der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen herausſtellt — tritt Beſtrafung ein.
Die Mannſchaften des Stadtbezirks haben, falls ſie nicht ſelbſt zu Hauſe ſind,
eine andere Perſon des Hausſtandes mit der Empfangnahme der Kriegsbeorderungen
oder Paßnotizen zu beauſtragen.
Die vom 1. April 1913 ab nicht mehr gültigen Kriegsbeorderungen und
Paß=
notizen (rote Farbe) ſind an dieſem Tage durch die Mannſchaften des
Beurlaubten=
ſtandes ſelbſt zu vernichten, die neuen, von gelber Farbe, in den Militärvaß einzukleben.
Alle Mannſchaften des Beurlaubtenſtandes ſind verpflichtet ihrem
Bezirksfeld=
webel ſofort Meldung zu erſtatten, wenn ſie am 25. März 1913 abends noch nicht
im Beſitze ihrer Kriegsbeorderung oder Paßnotiz ſind. Für unterlaſſene Meldung
— was ſich bei den Kontroll=Verſammlungen uſw. herausſtellt — tritt Beſtrafung ein
(4842ii
Darmſtadt, am 21. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt
J. V.; von Werner.
Bekanntmachung.
Betreffend: die Zurückſtellung von Reſerviſten, Wehrleuten I. und II. Aufgebots,
Erſatz=Reſerviſten und ausgebildeten Landſturmpflichtigen infolge
häus=
licher ꝛc. Verhältniſſe.
Diejenigen Reſerviſten, Wehrleute I. und II. Aufgebots, Erſatz=Reſerviſten
und ausgebildete Landſturmpflichtige, welche auf Grund der nachſtehend
abge=
druckten Beſtimmungen des § 122 der Wehrordnung vom 22. November 1888 eine
Zurückſtellung hinter den älteſten Jahrgang der Reſerve, der Landwehr I. bezw.
II. Aufgebots, Erſatz=Reſerve und des Landſturms in Anſpruch nehmen zu können
glauben, werden hiermit aufgefordert, ihre bezüglichen Geſuche baldigſt und ſpäteſtens
bis zum 10. März 1. Js. bei den betreffenden Großherzoglichen Bürgermeiſtereien
einzureichen. Die nach dieſer Zeit eingehenden Geſuche können für das laufende
Jahr (d. h. bis zum nächſtjährigen Zurückſtelluugstermin) keine Berückſichtigung
mehr finden.
Die eingereichten Geſuche unterliegen der Entſcheidung der verſtärkten Erſatz=
Kommiſſion gelegentlich des Muſterungsgeſchäftes. Dieſe Entſcheidungen behalten ihre
Gültigkeit nur bis zum nächſten Zurückſtellungstermin. Im Falle des Bedürfniſſes
ſind die Anträge auf weitere Zurückſtellung zu erneue n.
Außerterminlich kann Geſuchen um Zurückſtellung durch ſchriftliches
Ueberein=
kommen der ſtändigen Mitglieder der Erſatz=Kommiſſion nach § 124, 2 der Wehr=
Ordnung nur dann ſtattgegeben werden, wenn nach dem allgemeinen Entlaſſungs=
Termin der Reſerven dringende Verhältniſſe die ſofortige Zurückſtellung einzelner der
(4057a
entlaſſenen Mannſchaften gerechtfertigt erſcheinen laſſen.
Darmſtadt. am 5. Februar 1913.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart, Reg.=Rat.
§ 122 der Wehrordnung.
Abdruck.
1. Zurückſtellung im Sinne der in § 118, 3 und 120, 5 enthaltenen Feſtſetzungen
dürfen aus folgenden Gründen (Zurückſtellungsgründe) eintreten:
a) wenn ein Mann als der einzige Ernährer ſeines arbeitsunfähigen Vaters
oder ſeiner Mutter bezw. ſeines Großpaters oder ſeiner Großmuter, mit
denen er dieſelbe Feuerſtelle bewohnt, zu betrachten iſt und ein Knecht oder
Geſelle nicht gehalten werden kann, auch durch die der Familie bei der Ein=
Nummer 24.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt. Donnerstag, den 27. Februar 1913.
beiuſung geſehlich zuſtehende Unterſtützung der dauernde Riedergang des
elterlichen Hausſtandes nicht abgewendet werden könnte;
b) wenn die Einberufung eines Mannes, der das dreißigſte Lebensjahr vollendet
hat und Grundbeſitzer, Pächter oder Gewerbetreibender oder Ernährer einer
zahlreichen Familie iſt, den gänzlichen Verfall des Hausſtandes zur Folge
haben und die Angehörigen ſelbſt bei dem Genuſſe der geſetzlichen
Unter=
ſtützung dem Elend preisgegeben würden;
e) wenn in einzeinen dringenden Fälln die Zuräckſtellungeines Mames, deſſen
geeignete Vertretung auf keine Weiſe zu ermöglichen iſt, im Intereſſe der'
allgemeinen Landeskultur und der Volkswirtſchaft für unabweislich
notwen=
dig erachtet wird.
2. Mannſchaften, welche wegen Kontrollentziehung nachdienen müſſen, haben
jedoch auch in den vorgenannten Fällen keinerlei Anſpruch auf Zurückſtellung.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Foxterrier. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um
10 Uhr, ſtatt.
(4969
Die Fuhrleiſtungen beim ſtädtiſchen Gaswerk ſollen für die Zeit
vom 1. April 1913 bis 31. März 1914 vergeben werden.
Die Vergebungsbedingungen können bei der unterzeichneten
Verwaltung, Frankfurter Straße 29, I., Zimmer 3, in den
Dienſt=
ſtunden eingeſehen werden.
Angebote ſind bis Montag, den 10. März, vormittags
11 Uhr, verſchloſſen und mit dem Vermerk „Fuhrleiſtungen” ver=
(4775oid
ſehen, einzureichen.
Darmſtadt, den 21. Februar 1913.
Städtiſche Gaswerks=Verwaltung.
Friedrich.
Holz-Verſteigerung.
Mittwoch, den 5. März I. J., vormittags 9Uhr,
wird in der Wirtſchaft von Philipp Feuerer zu Egelsbach das
Durchforſtungsholz aus Krauſe Buche 7, Forſtwartei Steinacker,
ſowie das Brennholz aus Birken 19 (am Erzhäuſer Weg) und das
Dürr= und Windfallholz der Forſtwartei Bayerseich innerhalb des
Parks verſteigert:
Scheiter, rm: 70 Buchen I. Kl., 70 Buchen II. Kl., 28 Eichen,
17 Kiefern, 3 Fichten; Knüppel, rm: 153 Buchen, 7
Hain=
buchen, 145 Eichen (hierunter 30 rm Pfoſten und 28 rm
Baumpfähle, 2,5 m lang), 13 Fichten; Knüppel=Reiſig,
rm: 13 Eichen; Reiſig, Wellen: 5970 Buchen, 4000 Eichen
(hierunter 2200 Stammreiſig), 280 Birken; Stöcke, rm:
46 Buchen, 47 Eichen.
Das Holz in Forſtwartei Bayerseich trägt die laufenden
Nummern von 542—811. Blau unterſtrichene Nummern werden nicht
verſteigert. Auskunft erteilen für Forſtwartei Steinacker Forſtwart.
Bayerer zu Krauſe Buche und für Forſtwartei Bayerseich
Forſt=
wart Klipſtein zu Bayerseich, beide Poſt Egelsbach.
Darmſtadt, den 25. Februar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoov.
(4953
Fritz Aufeld
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Ladengeschäft: Obere Rheinstrasse
gegenüber der Merck’schen Apotheke
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2
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Dahlien usw., grosse Vorräte in reichster Sortenwahl.
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Z. 157 Fil.=Exp. Kiesſtr. 34. (III,5015
Bauplanänderung.
Der von der Stadtverordneten=
Verſammlung am 13. ds. Mts.
gutgeheißene Plan über
Aende=
rung der Fluchtlinie auf der
Nord=
ſeite der Weiterſtädter Straße
nächſt der Kirſchenallee liegt in
der Zeit vom 27. ds. Mts. bis
einſchließlich 14. k. Mts. bei dem
Stadtbauamt, Grafenſtraße 30, zur
(4955
Einſicht offen.
Einwendungen gegen den Plan
ſind, bei Vermeidung des
Aus=
ſchluſſes, während dieſer Friſt
da=
ſelbſt vorzubringen.
Darmſtadt, 24. Februar 1913.
Der Oberlürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.
Bekanntmachung.
Donnerstag, 27. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Gäxtner Hermann
Geyer II. zu Eberſtadt im
Grund=
buch hieſiger Gemarkung
zugeſchrie=
bene Liegenſchaft:
Flur Nr.
qm
I 268 34¾/0 Wohnhaus
Schloßgaſſe 18,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K79/12
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 7. Februar 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt
(V,3902
Müller.
Bekanntmachung.
Die geſtern in Roßdorf
ab=
gehaltene Holzverſteigerung iſt
genehmigt.
Die Abfuhrſcheine können vom
3. März an abgeholt werden.
Ober=Ramſtadt, 25. Febr. 1913.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Daab.
(4950
5
Gießener Pferdelose 1 Mk.
(Ziehung am 3. April) ſind bei allen
bekannt. Loſe=Verkäufern zu haben.
30 000 Loſe u. 15000) Mark Gew.
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(4970a
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Erbsen, deutsche, 3 Sorten
Erbsen, franz., 5 Sorten
Erbsen m. Carotten, 2 Sorten
Schnitt- und Brechbohnen
Sorten
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Princessboh ten, 3 Sorten
Dicke Bohn n, Flageolets
Gemischte Gemüse, 2 Sort.
Cardons, Kohlraby,
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Spinat. Tomaten-Purée
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die Ueberwachung der Verlosungen, Ausübung
von Bezugsrechten und was sonst zur sorgsamen
Verwaltung erforderlich ist.
(4986
Auſtachme in diebeiden Ghungſtnzu Darnſaht.
Um eine gleichmäßigere Verteilung der Schüler an die beiden
Gymnaſien herbeizuführen, ſollen die Anmeldungen neu eintretender
Schüler diesmal an einer Stelle, und zwar bei der Großh. Direktion
des Neuen Gymnaſiums (Lagerhausſtr. 7),
Freitag, den 28. Febrnar von 9—12 Uhr
unter Vorlage der erforderlichen Zeugniſſe (Geburtsſchein, Impfſchein,
Nachweis über den bisherigen Unterricht), erfolgen. Für die Schüler,
die Oſtern aus der erſten Klaſſe der Gymnaſialvorſchule in die Sexta
aufrücken, iſt dieſe Anmeldung nicht nötig; ihre Eltern, erhalten
beſondere Nachricht.
Wenn die Eltern ſchriftliche Anmeldung vorziehen, wird ſie bis
Dienstag, den 25. Februar erbeten.
Die Zuteilung wird nach Eingang aller Meldungen zwiſchen
den beiden Direktionen vereinbart werden.
Darmſtadt, den 10. Februar 1913.
(3905a
Die Großherzoglichen Direktionen
des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums des Neuen Gymnaſiums
Dr. Mangold
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unt L 7 an die Exp. (*5291dfs
Nummer 49.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Seite 19.
Zweite Kammer der Stände.
55. Sitzung.
St. Darmſtadt, 26. Februar.
Am Regierungstiſche: Finanzminiſter Dr. Braun
Exz., Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
Exz., Geheimeräte Dr Becker, Beſt, Süffert,
Mi=
niſterialräte Hölzinger, Dr. Weber, Dr. Kratz.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9¼ Uhr.
In Fortſetzung der Spezialberatung des
Hauptvor=
anſchlages zu Kapitel 14:
Miniſterium des Innern,
führt Abg. Dr. Fulda aus: Es iſt wohl richtig, daß ein
gewiſſes Wohlleben ſchuld an der Kinderbeſchränkung iſt,
aber es iſt nicht richtig, wenn der Abg. Oſann behauptet,
daß dieſer Wohlſtand allein die Schuld trage. Es ſteht
feſt, daß erſt die ſchlechte Lebenshaltung, zu der ein großer
Teil unſeres Volkes verurteilt iſt, zu der künſtlichen
Ge=
burteneinſchränkung in den unteren Volksſchichten führte.
Ich bin der Meinung, daß die Regierung die Pflicht hat,
kinderreichen Familien in ſteuerlicher Beziehung mehr als
bisher Erleichterung zu ſchaffen. Der Herr Abg. Oſann
hat geſtern ſeiner ablehnenden Stellung zur
Beſtätigungs=
frage ein wiſſenſchaftliches Mäntelchen umgehängt, indem
er nachzuweiſen verſucht hat, daß die Verfaſſung ja
eigent=
lich die Beſtätigung verbietet. Das könnte jedoch
höch=
ſtens bei Staatsämtern in Frage kommen, nicht aber bei
ſtädtiſchen Beigeordneten. Ja ſelbſt bei Staatsämtern
iſt das nicht ſtichhaltig, denn es gibt eine ganze Reihe
von Monarchien, in denen ſelbſt Offiziere
ſozialdemokra=
tiſcher Geſinnung huldigen, wie in den Balkanſtaaten uſw.
Es kann niemand beſtreiten, daß die Angehörigen
unſe=
rer Partei in allen Fällen, in denen ſie beſtätigt wurden,
durchaus korrekt und ſachlich ihr Amt ausübten. Wir
haben in Bayern eine ganze Reihe von Bürgermeiſtern
und Beigeordneten. Ich ſtimme Herrn Dr. Oſann vollauf
zu, daß das Beſtätigungsrecht der Regierung ein Recht
iſt, das auch ausgeübt werden ſoll. Aber das Recht ſoll
doch nur dann ausgeübt werden, wenn es ſich um
un=
fähige Leute handelt. Nun hat der Abg. Oſann geſtern
auch Hern Bebel gegen uns ausſpielen wollen. Ich weiß
nicht, ob Bebel ſich wirklich derart ausgeſprochen, aber
wenn er es getan, ſo erkläre ich ganz offen, daß Herr
Bebel in dieſer Beziehung für uns abſolut keine
Autorität iſt. (Oho! Hört, hört!) Jawohl, meine
Herren. Das haben wir Herrn Bebel auch ſchon
wieder=
holt geſagt. Mein Parteifreund Ulrich, der mit Bebel
auf Du ſteht, hat ihm ſchon oft geſagt: Auguſt, d
haſte Unrecht! (Große Heiterkeit.) Feſtnageln möchte
ich, daß der Abg. Oſann geſtern ſagte, mein Parteifreund
Buſold eigne ſich nicht zum Beamten. Wir ſchließen
dar=
aus, daß Herr Oſann der Meinung iſt, wenn man einen
Herrn wählen wolle, der der Regierung einmal die
Meinung ſagt, dürfen wir keinen Beamten wählen. Wenn
meinem Parteifreund Ulrich der Vorwurf gemacht wurde,
daß er ſich wandle, wenn er aus dem Ausſchuß in dieſen
Saal kommt, ſo meine ich, das iſt doch ſelbſtverſtändlich.
Im Ausſchuß wird rein ſachlich gearbeitet, hier aber
ſtehen wir doch vor der Oeffentlichkeit, wo eine ganze
Reihe prinzipieller Fragen erörtert werden muß. Wenn
der Herr Miniſter des Innern geſtern ſagte, der Herr
Ulrich würde Enttäuſchungen erleben, wenn er glaubte,
der Beſtätigung Eißnerts würden noch weitere folgen,
ſo wird er kaum in die Lage kommen, uns ſolche Ent=
täuſchungen zu bereiten, denn unſere Landeskonferenz
hat beſchloſſen, in Zukunft keine
ſozialdemokra=
tiſchen Beigeordneten mehr
vorzuſchla=
gen. Wir werden uns natürlich trotzdem nicht
ausſchal=
ten laſſen, ſondern unſeren Einfluß auch ſo geltend zu
machen wiſſen. Die Nichtbeſtätigungspraxis tut uns
lei=
nen Schaden. Ebenſowenig ſchadet uns das Verbot der
Schulabteilung an einen Lehrer, der bei uns einen
Vor=
trag halten wollte. Eigentlich ſollte doch die
Schulabteil=
ung erfreut ſein, daß das Volk Bildungsbedürfnis zeigt
Dieſes Verbot muß doch zu merkwürdigen
Konſequen=
zen führen. Sicher wird es im deutſchen Blätterwald
ein Hohnlachen hervorrufen. Es iſt ein grundfalſcher
Standpunkt, wenn die Regierung eine ſolche
Scheide=
wand zwiſchen ſich und der Sozialdemokratie errichtet,
zumal ſie in heutiger Zeit gar nicht wiſſen kann, wie bald
ſie auch die Dienſte der Sozialdemokratie braucht.
Ver=
mißt haben wir eine Aeußerung der Regierung über die
Verwendung der Mittel, die zu Zwecken der Jugendpflege
bewilligt waren. In dem gegenwärtigen Etat ſind
Mittel für Sportzwecke an den Hochſchulen eingeſtellt, die
wir für überflüſſig halten, zumal für andere
gemein=
nützige Dinge nichts übrig war. Dringend der
Beſſer=
ung bedürfen die räumlichen und
Beleuchtungsverhält=
niſſe der Hofbibliothek. Redner kritiſiert dann die
Unter=
ſagung der Verleihung des Titels Amtmann, führt
Be=
chwerde über die Behandlung der Inſaſſen einiger
Siechenanſtalten, über die Haltung der Regierung zur
Bürgermeiſterwahl in Bretzenheim, zu der
Elektrizitäts=
geſellſchaft Schuckert, die ſich weigerte, einem Bürger in
Raunheim Strom zu liefern, obwohl ſie vertraglich dazu
verpflichtet war, nur weil der Betreffende ſich aus
ſach=
lichen Gründen weigerte, einen Ständer auf ſeinem Hauſe
anbringen zu laſſen. Er kommt dann nochmals auf die
Beſtätigungsfrage zu ſprechen und meint, der innere
Grund zur Nichtbeſtätigung wäre wohl daß man
Sozial=
demokraten nicht gerne hinter die Kuliſſen der Polizei
behörden blicken läßt, weil da vielfach noch Spitzeldienſte
betrieben werden.
Abg. Brauer (auf der Tribüne unverſtändlich
polemiſiert gegen den Abg. Korell=Ingelheim zur Frage
der Pfarrbeſoldungsgüter und des Zentralkirchenfonds
und beſpricht dann ſehr ausführlich das kirckliche Leben
auf dem Lande früher und heute. Er empfiehlt als beſten
Ausweg aus den Schwierigkeiten den Verkauf der
Beſol=
dungsgüter an die Gemeinden. Er verurteilt die
agita=
toriſche Tätigkeit der Geiſtlichen in Wahlverſammlungen
uſw. aus Gründen der Autorität. Er ſpricht weiter über
Schutzzoll und Freihandel und die Denkſchrift der
Land=
wirtſchaftskammer, verurteilt die Forderung der Oeffnung
der Grenzen zur Vieheinfuhr. An den teuren
Fleiſch=
preiſen ſeien die Futtermittelzölle ſchuld. Er bittet die
Regierung, die von der Landwirtſchaftskammer für die
Landwirtſchaft geforderten Zuſchüſſe zur Rindvieh= und
Schweinezucht uſw. zu bewilligen. Die notwendigen
Verſuche koſten ſehr viel Geld und wachſen fortgeſetzt.
Dazu reichen die Mittel der Landwirtſchaftskammer
nicht aus, zumal die Verwaltung der Kammer bei der
Einteilung des Landes in drei Provinzen ſehr verteuert
wird. In der Frage des Verbotes des Vortrages des
Lehrers Kaiſer=Gernsheim teilen wir durchaus den
Stand=
punkt der Regierung.
Gegen die Nachmittagsſitzungen.
Abg. Lutz: Ich möchte einer aus allen Parteien
er=
gangenen Anreaung Folge geben und bitten, anſtelle der
Nachmittagsſitzungen die Vormittagsſitzungen bis 3 oder
4 Uhr auszudehnen. — Vizepräſident Dr. Schmitt
ſagt zu, von morgen ab ſo zu verfahren.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
Exz.: Ich möchte nochmals kurz auf die geſtrigen
Aus=
führungen des Abg. Korell, betr. die Auslegung des
Kirchengeſetzes, eingehen. Es ſcheint mir, als habe der Abg.
Korell doch nicht genügend betont, daß ein Kirchengeſetz
dem Staatsgeſetz niemals widerſprechen darf. Wenn
die=
ſes für die Erhebung einer Umlage die Zuſtimmung einer
Gemeindevertretung findet, kann ein Kirchengeſetz nicht
wirkſam anordnen, daß an die Stelle der Zuſtimmung
der Gemeindevertretung die eines anderen, kirchlichen
Organismus treten ſoll. Auch dann nicht, wenn in
ſtaats=
geſetzlich nicht geregelten Fällen anſtelle der Zuſtimmung
der Gemeindevertretung die der Dekanatsſynode treten
kann. — Dann möchte ich zunächſt anerkennen, daß ſich die
Ausführungen des Abg. Fulda in weſentlich ruhigeren
Bahnen bewegt haben, als früher. Da der Abg. Fulda
aber im weſentlichen den gleichen Standpunkt in der
Frage einnahm, könnte ich mich auf meine früheren
Aus=
führungen beziehen. Da er aber heute in einem Satze
der Regierung direkt den Vorwurf des
Verfaſ=
ſungsbruches gemacht hat, ſehe ich mich genötigt, den
da=
mals von mir eingenommenen Standpunkt nochmals zu
präziſieren. Wohl iſt es richtig, daß nach der Verfaſſung
die Heſſen vor dem Geſetz gleich ſind. In dem Recht der
Beſtätigung liegt aber doch zweifelsohne auch das Recht
der Nichtbeſtätigung. Es kann alſo doch niemals ein
Ver=
faſſungsbruch ſein, wenn die Regierung dieſes Recht
aus=
übt in dem ſie in keiner Weiſe beſchränkt iſt. Selbſtredend
wird die Regierung die Perſon in Berückſichtigung ziehen
und wenn eingeſtandenermaßen der Gewählte einer
Par=
tei angehört, die nach Ueberzeugung der Regierung nicht
geeignet iſt, wichtige Funktionen im Staatsdienſt oder im
Gemeindedienſt auszuüben, wird die Regierung ihm eben
die Beſtätigung verſagen. Die Nichtbeſtätigungspraxis
der Regierung iſt ſchon längſt eine konſtante, und ich
habe als Miniſter nur durchgeführt, was ich als Kreisrat
begonnen. Es kann alſo keine Rede davon ſein, daß ich
der Geſchobene bin. Ueber die Verteilung der Mittel für
Jugendpflege werde ich bei dieſem Kapitel zurückkommen
Die Mißſtände in der Hofbibliothek empfinden wir ſelbſt
ſchmerzlich. Soweit es möglich war, Abhilfe zu ſchaffen,
iſt das geſchehen. Eine durchgreifende Beſſeruna kann
aber nur ein Neubau ſchaffen” es ſollen darum für die
gegenwärtigen Räume keine größeren Anforderungen
mehr erfolgen. Die Angelegenheit mit dem Einwohner
von Raunheim und der Schuckertgeſellſchaft iſt eine rein
private, in die wir uns nicht einmiſchen können.
Geheimerat Beſt beſpricht die Angelegenheit der
Fleiſchbeſchau in Offenbach. Die Bürgermeiſterei
Offen=
bach hat die Funktionen der Fleiſchbeſchauer zwei
prakti=
ſchen Tierärzten übertragen und dieſen auch noch die
Aus=
übung ihrer tierärztlichen Praxis geſtattet. Dieſe beiden
Fleiſchbeſchauer hat das Kreisamt nicht beſtätigt. weil es
die Funktionen der Fleiſchbeſchau für ſo wichtig hielt, daß
ſie beſonders anzuſtellenden Beamten übertragen werden
müſſen und weil dieſe Funktionen nicht mit privater
Praxis verknüpft werden dürfen. Das iſt durchaus
be=
rechtigt. Die Vorwürfe, die der Abg. Fulda gegen die
Siechenanſtalten erhoben hat, müſſen zurückgewieſen
wer=
den. Die mit ſchweren Opfern geſchaffenen
Siechenan=
ſtalten wirken außerordentlich ſegensreich und wenn, was
nicht zu vermeiden iſt, einmal Maßregeln ergriffen werden
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Nummer 49.
miſſn, ſo geſchieht das durchans human. Es iſt auch
Gelegenheit gegeben, daß die Inſaſſen irgend welche
Wünſche äußern können, die nach Möglichkeit berückſichtigt
werden.
Abg. Dr. Winkler (die Freiſinnigen verlaſſen den
Saal) bekämpft die Stellungnahme des Abg. Korell=
Ingelheim zur Zentraliſation der Obſtmärkte. Die
An=
gelegenheit veranlaßt ihn, eine Einrichtung des
Kreis=
amtmannes Emmerling=Worms lobend anzuerkennen.
Das iſt die Einrichtung von Lichtbildervorträgen in den
ländlichen Gemeinden an Winterabenden. Dieſe
Einrich=
tung verdient Förderung und Ausdehnung. Die
Aus=
führungen des Abg. Korell zur Schutzzollpolitik waren
nüßerordentlich intereſſant. Wir freuen uns ſehr über die
Bekehrung des Abg. Korell; ſind aber ſehr begierig, zu
hören, wie die ganze Partei ſich zu dieſer Stellung ihres
Führers ſtellt, die leider hier nicht mehr anweſend iſt.
(Zurufe: Sie ſind vor der Tür, haben den Saal verlaſſen!)
Wenn ich annehmen dürfte, daß die Flucht der
Freiſinni=
gen zu Ehren meiner Partei geſchieht, möchte ich mich als
Dauerredner ausbilden; das wäre ja dann das beſte
Mit=
tel, die Herren dauernd hier los zu werden. (Große
Heiter=
keit.) Die Tatſache, daß die Partei geſchwiegen hat, ſcheint
dafür zu ſprechen, daß ſie hinter dem Abg. Korell ſteht.
Iſt das aber ſo, dann möchte ich doch fragen, wer hat nun
Recht, die frühere Ausgabe des freiſinnigen
Parteipro=
gramms oder die heutige. Wie konnte man ſich in einer
ſo eminent wichtigen Frage, wie der des Schutzzolles,
ſo irren! Wo bleibt die Konſequenz des Abg. Korell in der
Bekämpfung des Bundes der Landwirte. Die heutige
Schwenkung läßt die Möglichkeit naheliegen, daß wir
Herrn Korell noch als Mitglied des Bundes der
Land=
wirte ſehen. Und dann wird der Zeitpunkt gekommen
fein, eine einzige große Partei der Nationalliberalen,
Bündler und des Freiſinns zu bilden. (Zwiſchenrufe.)
Zu einer ſolchen, einer Einigung aller ſtaatserhaltenden
Parteien, muß es ja früher oder ſpäter doch kommen. Was
uns früher ſchied, die Schutzzollfrage, einigt uns heute,
und was uns früher einigte, der Kampf gegen die
Sozial=
demokratie, trennt uns heute. Die Bekämpfung des
Vor=
tragsverbots an Lehrer Kaiſer durch den Abg. Korell muß
zurückgewieſen werden, denn man müſſe doch ſehr
unter=
ſcheiden zwiſchen Arbeitern und Sozialiſten. (Sehr
rich=
tig!) Es war darum unangebracht, von einem
Nichtver=
ſtehen der Arbeiterſeele zu ſprechen. Herr Korell hätte
höchſtens von der Sozialiſtenſeele ſprechen können. Ich
bekämpfe ſelbſtverſtändlich keinen Arbeiter, ich bekämpfe
nicht einmal einen Sozialiſten, höchſtens ſein Programm.
Wir ſchätzen die Arbeiterſchaft als einen großen und
wich=
tigen Beſtandteil unſeres Volkes ſehr hoch; aber wir
ver=
langen auch, daß ſie ſich dem Volksganzen einfügen und
ſich nicht loslöſen. Zur Frage der Beſtätigung ſtimme ich
vollſtändig dem bei, was mein Parteifreund Oſann geſtern
geſagt hat. Herr Bebel hat heute durch Herrn Fulda eine
Desavouierung erfahren, wie ſie ſchärfer nicht möglich iſt.
Das war doch ſehr intereſſant. Was die öfters angezogene
Lehrerverſammlung betrifft, ſo nehme ich den Beifall, der
dem Abg. Buſold galt, nicht ſo tragiſch; aber zu
bean=
ſtanden iſt, daß der ſozialdemokratiſche Abgeordnete
über=
haupt eingeladen wurde. (Sehr richtig!) Das war zum
mindeſten unklug. Ueber die klare und bündige Antwort
des Herrn Geheimerat Süffert zu dem
Vortrags=
verbot des Lehrers Kaiſer habe ich mich herzlich
ge=
freut und kann nur wünſchen, daß auch in Zukunft unſere
Regierungsvertreter wieder mehr Rückgrat zeigen. (
Leb=
haftes Bravo!)
Darauf wird die Sitzung um 1,20 Uhr auf
nach=
mittaas 3 Uhr 15 Minuten vertagt.
56. Sitzung.
Die Nachmittagsſitzung wird um 3½ Uhr eröffnet.
Am Regierungstiſche: Finanzminiſter Dr. Braun
Exz., Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
Erz., Geheimeräte Dr. Becker, Beſt, Süffert,
Miniſterialräte Hölzinger, Dr. Weber, Dr. Kratz.
In Fortſetzung der Debatte polemiſiert Abg. Dorſch
gegen den Abg. Korell=Ingelheim. Herr Korell mag ſeine
Forderung, die Pfarrgüter zu verpachten, in der
Oeffent=
lichkeit ſelbſt vertreten. Er hat geſtern weiter die hohen
Bodenpreiſe erwähnt, aber nicht direkt geſagt, daß dieſe
ſchädlich ſeien. Hätte ers geſagt, mußte ich das
zurück=
weiſen. Tatſächlich iſt der Bodenpreis ein Gradmeſſer
für den Wohlſtand der Bürger. Daß der Großbeſitz
zu=
nimmt, glaube ich nicht, es müßte denn ſein, daß die
Bauern heimlich an die Standesherren verkaufen. Der
Freiſinn iſt mit einem Male bauernfreundlich geworden.
Das kommt aber nur daher, daß der Freiſinn aus den
Kreiſen der Induſtrie Schritt für Schritt herausgedrängt
wird, und er dadurch gezwungen iſt, Neuland zu ſuchen.
Da kann man auch vorübergehend einmal
bauernfreund=
lich ſein. Daß Herr Korell mit den Sozialdemokraten
nicht in einen Topf geworfen wird, wundert mich
eigent=
lich bei der ſonſtigen Freundſchaft beider Parteien. Die
Sozialdemokratie muß bekämpft werden, weil ſie aus
dem nationalen Bürger den Weltbürger machen will.
Wenn der Abg. Korell ſagte, der Liberalismus habe die
Bauern befreit, ſo iſt mir gelehrt worden, daß das wohl
der Freiherr vom Stein getan, was übrigens Herr Korell
auch wiſſen ſollte. Ich möchte dann noch eine Sache hier
zur Sprache bringen, zu deren Erörterung ein gewiſſer
Mut gehört. Das iſt die Schächtfrage. Meine Herren!
In unſere Zeit der Humanität und Aufklärung paßt
dieſes dunkle Kapitel nicht mehr. Wie haben
Tierſchutz=
vereine, die energiſch für den Schutz aller Tiere ſorgen,
aber hier geſchieht unter dem Schutze des Geſetzes die
größte Tierquälerei des Jahrhunderts. Wenn ich das
Wort Antiſemitismus nicht kennen würde, würde das
Schächten allein genügen, mich zum Antiſemiten zu
ma=
chen. Wenn behauptet wird, daß das Schächten eine
ri=
tuelle Vorſchrift ſei, dann kann ich nicht begreifen, daß
dieſe Vorſchrift ſich bis heute halten konnte. Die
Hexen=
prozeſſe ſind doch auch abgeſchafft worden. Ueberdies
wird bei ungenügender Aufſicht das Blut der geſchächteten
Tiere zu Nahrungszwecken verwendet, was verboten und
geſundheitsſchädlich iſt. Ich bitte dringend, dahin zu
wirken, daß bei jeder Tötungsart die Betäubung
vorge=
ſchrieben wird.
Abg. Eißnert: Ich möchte die kürzlich von
mei=
nem Parteifreund Ulrich feſtgeſtellte Tatſache, daß die
Regierung zu viel regiere, unterſtützen. Es gibt eine
ganze Anzahl Fälle, die an ſich durchaus unwichtig und
kleinlich ſind, in denen aber das Miniſterium ſich die letzte
Zuſtimmung vorbehält. Daß die Regierung endlich offen
zugibt, daß eine allgemeine Fleiſchnot beſteht, und daß
ſie die Notwendigkeit anerkennt, hier Abhilfe zu ſchaffen,
iſt ſehr erfreulich. Tatſächlich haben wir längſt
aufge=
hört, ein Agrarſtaat zu ſein und ſind zum Induſtrieſtaat
geworden. Es muß daher bezweifelt werden, daß
un=
ſere Landwirtſchaft den Fleiſchbedarf allein decken kann.
Es iſt alſo eine unbedingte Notwendigkeit, die Grenzen
zu öffnen. Daß die Unterernährung auf den zu geringen
Fleiſchgenuß zurückzuführen iſt, darf nicht beſtritten
wer=
den. Zur Frage der Jugenderziehung und der hierzu
bewilligten Mittel möchte ich Beſchwerde darüber führen,
daß ein Geſuch der freien Turnerſchaft um Bewilligung
eines Betrages aus dieſen Mitteln nicht nur
unberückſich=
tigt, ſondern überhaupt unbeantwortet blieb. Wir
wer=
den weitere Mittel nur dann bewilligen, wenn die Ver=
keilung ohne Rückſicht auf die Varteizunehörigkeit erfolgt.
Zur Beſtätigungsfrage wünſchen wir weiter nichts als
eine gleiche Behandlung mit allen anderen Staatsbürgern.
Wir verwahren uns gegen die Phraſen, daß wir
Vater=
landsfeinde ſind. Wir lieben unſer Vaterland gerade ſo
gut wie die Herren von rechts und die Herren der
Regie=
rung, und wir tun für unſer Vaterland, was wir für
recht und gut erkennen. Allerdings iſt das etwas anderes,
als was die Herren da drüben wollen. Ich muß dem
Herrn Dr. Oſann widerſprechen, wenn er geſagt hat, ich
ſei ein konſervativer Herr. Er hat da wohl von ſich auf
andere geſchloſſen. Wenn Abg. Brauer heute gefordert
hat, daß Geiſtliche aus Volksverſammlungen ſich möglichſt
fernhalten, ſo ſtimmen wir dem durchaus zu. In
der Obertshauſener Friedhofsaffäre hat keinerlei
Stö=
rung der Handlung durch die Sozialdemokraten
ſtattge=
funden. In dem letztangeregten Fall war die Sache ſo,
daß der Verſtorbene tatſächlich bis kurz vor ſeinem Tode
alles, auch ſeine Beerdigung, mit ſeinen
ſozialdemokra=
tiſchen Freunden geregelt hat. In ſeiner Todesſtunde,
als er wohl gar nicht mehr bei Bewußtſein war, hat man
ihm dann die Austrittserklärung abgerungen. Störend
und ſchuld an der Aufregung in der Gemeinde war allein
der Geiſtliche, der ſich weigerte, mit der Leiche zu gehen,
wenn die Fahne nicht entfernt werde. (Unruhe.
Wider=
ſpruch.)
Abg. Lang (unverſtändlich) beſpricht das vom Abg.
Fulda angezogene Urteil in der Beigeordnetenwahl in
Hummetroth, das durchaus zu Recht ergangen ſei. Was
der Herr Geheimerat Beſt über die ſegensreiche Wirkung
der Siechenhäuſer geſagt hat, wird von der großen
Mehr=
heit des Hauſes Wort für Wort unterſtrichen werden.
Ueber ſchlechte Behandlung hat ſich niemand mit Recht
beſchwert, und wenn wirklich mal einer ausreißt, kommt
er freiwillig wieder zurück. Allerdings gibt es keinen
Schnaps in den Häuſern. Redner führt dann Klage
dar=
über, daß die Unterbringung Kranker in den
Irren=
häuſern ſo viel mehr Koſten verurſache, als in den
Sie=
chenhäuſern und bittet um Abſtellung im Intereſſe der
Gemeinden.
Abg. Uebel: Die katholiſche Preſſe hat
wieder=
holt Klage darüber geführt, daß die Katholiken in der
Beſetzung der höheren Staatsſtellen nicht gleichberechtigt
behandelt werden. Beſonders iſt dies der Fall bei der
Beſetzung der Lehrſtellen am Lehrerinnenſeminar in
Darmſtadt. Im Verhältnis zu der Zahl der katholiſchen
Schülerinnen ſind die Katholiken im Nachteil um zwei
or=
dentliche und eine außerordentliche Lehrkraft. Das iſt
ſchon ſeit Jahren ſo und die katholiſche Bevölkerung iſt
darüber ungehalten, daß das Manko immer auf Seite
der Katholiken iſt. Wenn es der Regierung ernſt iſt mit
der Parität, kann ſie das bei dem Lehrerinnenſeminar in
Alzey beweiſen. Auch aus der Gemeinde Seckmauern
iſt Klage in gleicher Hinſicht zu führen. Dort iſt kein
ka=
tholiſcher Lehrer und die katholiſchen Schüler haben einen
weiten Weg nach dem Nachbarort zurückzulegen, um
Re=
ligionsunterricht zu erhalten. Auch in Haingrund iſt das
Verhältnis ſo. Trotzdem dort nur zwei Schüler an der
vorgeſchriebenen Anzahl fehlten, iſt die zweite Schulſtelle
wieder mit einem Proteſtanten beſetzt worden, trotz des
Geſuches des katholiſchen Kirchenvorſtandes. Redner
übt im Verfolg dieſes Geſuches ſcharfe Kritik an den
Ent=
ſcheidung der Kreisſchulkommiſſion Erbach.
Abg. v. Brentano: Der Abgeordnete Eißnert
trat hier heute mit einer gewiſſen Bonhomie auf und
wahrt den Standpunkt. als ob ſeine Partei gewiſſermaßen
jeden nach ſeiner Faſſon ſelig werden ließe, daß ſie
kei=
nen Pfarrer bekämpfe und dergleichen mehr. Es fällt mir
außerordentlich ſchwer, daran zu glauben, ſolange die
Partei ſich in derartigen Beſchimpfungen des Kaiſers und
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Seite
der religiöſen Einrichtungen ergeht, wie die
verſchiede=
nen Preſſeäußerungen es beweiſen. (Redner verlieſt
ſolche Preſſeäußerungen.) Zu der Obertshauſener
Beer=
digungsaffäre ſtehen wir denn doch auf einem anderen
Standpunkte. Es iſt geſtern ſchon geſagt worden, daß
es bei einem klein wenig Taktgefühl Ihrerſeits (zu den
Sozialdemokraten) nicht zu dem Konflikt gekommen
wäre. Wenn Sie behaupten, daß die Erklärung des
Ver=
ftorbenen erzwungen war, ſo iſt das eine Unwahrheit
ſchlimmſter Art. (Erregte Zwiſchenrufe. Unruhe.) Dis
Erklärung war freiwillig und die Familie ſelbſt wollte
nicht die Beteiligung der Sozialdemokraten. (Sehr
rich=
tig!) Der Geiſtliche tat nur ſeine Pflicht, wenn er ſich
weigerte, hinter der roten Fahne herzugehen. Was Herr
Uebel bezüglich der katholiſchen Lehrkräfte geäußert hat,
unterſtütze ich.
alba. Dr. Schmitt (zunächſt unverſtändlich) wünſcht
die Belaſſung des Obſtmarktes in Alsfeld, der keine
Kon=
kurrenz für Worms ſei. Den Forderungen des Abg. Dorſch
bezüglich des Schächtens werden wir niemals zuſtimmen,
weil es ſich um eine rein religiöſe Frage handelt und
wir viel zu hoch auch von den religiöſen Dingen
Anders=
gläubiger denken, als daß wir ſie bekämpfen würden.
Was die Frage der Obertshauſener Beerdigung betrifft,
ſo wollte ich zunächſt von einer eingehenden Erörterung
des Einzelfalles abſehen. Ich freue mich über die Haltung
der Regierung und hoffe, daß ſie dieſe Haltung auch den
Kreisämtern gegenüber betont und vertritt. Denn
tat=
ſächlich war ja nicht die Regierung, ſondern nur die ihr
untergeordnete Behörde Schuld an dem beſagten Fall
und nur dieſer konnte die Zuſtimmung des Abg. Adelung
gelten. Redner erörtert dann eingehend die beiden Fälle
und ſtellt feſt, daß der betreffende Mann innerhalb zwölf.
Tagen zweimal die Sakramende verlangt und auch
erhal=
ten häte. Nun zu behaupten, daß dieſer Mann nicht
mehr bei Verſtand war, als er ein chriſtliches Begräbnis
verlangte das iſt eine Dreiſtigkeit, die ich, ohne
parla=
mentariſchen Verſtoß, nicht bezeichnen kann. (Widerſpruch
links; erregte Zwiſchenrufe.) Wenn ſich nun der
Geiſt=
liche weigerte, hinter der ſozialdemokratiſchen Fahne
her=
zugehen, ſo entſprang das nur den Vorſchriften der
Kir=
chenordnung. Das wiſſen die Sozialdemokraten und
trotz=
dem ſtellen ſie ſich hin und ſprechen und ſchreiben von
Derrorismus des Pfarrers. Die Sozialdemokraten
wuß=
ten, daß die Familie die Beteiligung nicht wollte und
ſie wußten auch, daß der Geiſtliche nicht mit dem
Leichen=
zug gehen durfte, und ſie nahmen trotzdem mit Fahne und
Muſik daran teil. Ich kann das nicht anders bezeichnen,
als Herr Dr. Fulda heute früh die Ausſchreibung von
Sarglieferungen für die Siechenhäuſer bezeichnete, als
Ge=
fühlsroheit. Redner geht dann auf die Jeſuitenfrage und
feinen Antrag auf Reviſion des Ordensgeſetzes ein, deſſen
Veratung ia wohl Gelegenheit geben werde, die
Jeſuiten=
frage eingehend zu beſprechen. Er hofft, daß die
Regie=
rung ſeinem Antrag zuſtimmen werde. Die Frage des
Jeſuitengeſetzes kann, aber doch unmöglich mit der Frage
der Beſtätigung der Sozialdemokraten als Beigeordnete
zuſammengeworſen werden. Wenn Herr Adelung nun
fagt, wir ſtehen auch unter einem Ausnahmegeſetz, ſo iſt
das eine Verwirrung des Begriffes. Die Herren können
doch nicht leugnen, daß ſie dem Staat, wie er beſteht, den
Krieg erklärt haben bis aufs Meſſer. Und nun verlangen
Sie, in die Reihe der Soldaten aufgenommen zu werden,
die dieſe Staatsordnung verteidigen ſollen. Das iſt doch
nichts als eine Spekulation auf, die Dummheit. (Sehr
wahr! Unruhe.) Unſer Staat iſt Gottſeidank noch ein
recht feſt gefügtes Gebilde und wir haben die Pflicht, die
Unterminierung zu verhindern (Sehr richtig! Unruhe.)
Geheimerat Süffert (ſchwer verſtändlich) möchte
ſich nur zur Frage der Parität bei der Beſetzung der
höheren Lehrſtellen äußern und verlieſt zuerſt einen
Ar=
tikel im Mainzer Journal, in dem die Parktät in Alzey
feſtgeſtellt wird. Er dient dann mit ſtatiſtiſchem
Zah=
lenmaterial über die Verhältniſſe in den betreffenden
Stellen und ſtellt dazu feſt, daß tatſächlich oftmals
Man=
gel an geeigneten Lehrkräften beſteht, die für dieſe
Stellun=
gen in Frage kommen. Es ſtanden bei Beſetzung der
Stellen keine katholiſchen Bewerber zur Verfügung. Die
vorhandenen geigneten katholiſchen Herren ſind ſämtlich
in gehobenen Stellen verwendet. Eine Abſicht, den
ka=
tholiſchen Teil der Bevölkerung nicht zu berückſichtigen,
hat natürlich nie vorgelegen. Zur Frage der Schule
in Haingrund verlieſt Redner einen Bericht der
Kreis=
ſchulkommiſſion, der die Verhältniſſe eingehend klarlegt.
Das biſchöfliche Ordinariat hat ſich übrigens mit der
Entſcheidung einverſtanden erklärt. Im Ernſt kann uns
niemand den Vorwurf machen, daß wir nicht paritätiſch
verfahren. Dafür ſpricht auch die Tatſache, daß auch von
evangeliſcher Seite öfters ähnliche Klagen kommen. Man
kann es eben niemand recht machen.
Abg. Berthold führt wiederholt Klage über die
Konkurrenz der Gefängnisarbeit, beſonders der St.
Jo=
ſephsanſtalt in Klein=Zimmern die oftmals die kleinen
Handwerksmeiſter bei Ausſchreiben uſw. unterbietet.
Abg. Dr. v. Helmolt polemiſiert gegen den Abg.
Eißnert zu ſeinen Aeußerungen, daß die deutſche
Land=
wirtſchaft nicht allein für den Fleiſchbedarf ſorgen kann.
Es iſt einwandfrei feſtgeſtellt, daß die deutſche
Landwirt=
ſchaft 95 Prozent des Fleiſchbedarfs aufbringt, und wenn
man ſie gegen Seuchen uſw. ſchützt, wird ſie noch
leiſtungs=
fähiger ſein. Mit den vom Abg. Eißnert vorgeſchlagenen
Mitteln ſchützt man freilich die Landwirtſchaft nicht. Es
iſt falſch, daß wir ein Induſtrieſtaat geworden ſind. In
Deutſchland ſtehen Induſtrie und Landwirtſchaft als
gleichberechtigte und gleichwichtige Faktoren
nebenein=
ander. Und das allein iſt für das Deutſche Reich das
Beſte. (Zuſtimmung.) Wir halten es für ſehr bedenklich,
wenn die Regierung der Agitation von links noch weiter
nachgibt. Die Landwirtſchaft iſt nicht ſchuld an den
hohen Fleiſchpreiſen, ſondern die Zwiſchenhändler. Wenn
die Landwirtſchaft eine gute Ernte hat, haben alle Kreiſe
Vorteile davon. (Bravo)
Abg. Hauck kommt auf die Affäre in den
landwirt=
ſchaftlichen Genoſſenſchaften zu ſprechen und meint. aus
den verſchiedenen Betrachtungen, die daran in der Preſſe
geknüpft werden, könnte man leicht zu einer Verurteilung
des ganzen landwirtſchaftlichen Genoffenſchaftsweſens
kommen. Das iſt aber falſch. Richtig geleitete
Genoſſen=
ſchaften, die ſich auf ihre Aufgaben beſchränken, ſind ſtets
von großem Segen. Die Genoſſenſchaftskaſſen müßten
un=
ter allen Umſtänden ſich auf den Ortskreis beſchränken.
Wenn ſie ſoweit in ihren Geſchäften gehen, wie Nieder=
Modau uſw., dann haben ſie ihren Zweck verfehlt.
Dar=
über, welches Syſtem das richtige iſt, kann man
verſchie=
dener Auffaſſung ſein. Ich ziehe das Haasſche Syſtem
vor.
Abg. Korell=Ingelheim: Es iſt heute von
meh=
reren Seiten geſagt worden, es wäre beſſer, wenn die
Pfarrer vom politiſchen Kampfplatz fern blieben. Ich
meine, darüber könne allein der Pfarrer ſelbſt entſcheiden.
Verlangen darf man allerdings, daß der Pfarrer, wenn
er in die politiſche Arena tritt, ſich nicht auf ſein
kirch=
liches Amt irgendwie bezieht. Die Erklärung des Herrn
Staatsminiſters zu dem Kirchengeſetz begrüße ich. Für
die vom Abg. Brauer angeregten Mißſtände ſieht das
Geſetz ausreichende Maßnahmen vor. Uebrigens erachte
ich den Landtag nicht für das geeignete Forum, Klagen
über die Beſetzung der Pfarrſtellen uſw. vorzubringen.
Dazu iſt das Oberkonſiſtorium da. Wenn der Abgeordnete
Brauer die ſtraffe Organiſation der katholiſchen Kirche
lobte ſo kann ich ihm darin nicht folgen. Aber, gewundert
hat es mich, daß dieſe Referenz für die katholiſche Kirche
gerade aus dem Munde des Herrn Brauer kam, der
per=
ſönlich in kirchlichen Dingen viel weiter links ſteht, als ich.
Daß ich den Obſtmarkt in Alsheim aus Gründen des
Intereſſes für die landwirtſchaftliche Bevölkerung
ver=
teidigte, habe ich bereits geſagt. Verwahren muß ich mich
gegen den Verſuch, meine Haltung zur Schutzzollfrage
karikiert wiederzugeben. Man fördert das Verſtändnis
für die Notwendigkeit der Förderung der Landwirtſchaft
nicht, indem man jedes Eintreten für ſie karikiert zu
aal=
tatoriſchen Zwecken behandelt. Wenn ich ſagte, daß der
Liberalismus den Bauernſtand’ befreit hat ſo habe ich
damit nicht meine Partei, ſondern die Voraänger der
Na=
tionalliberalen gemeint. Das hat Herr Dorſch mir
be=
ſtritten. Vielleicht beſtätigt Herr Dr. Ofann das heute
einmal Herrn Dorſch. (Heiterleit.) Auch das Verhältnis
des Zentrums zum Bauernbund iſt ja doch nicht ſo, wie
der Herr Dorſch vielleicht meint. Wenn er mir vorwarf,
ich tänzle an Schwierigleiten vorbei, ſo meine ich, es
gibt noch viele Tänzer in dieſem Hauſe. (GHeiterkeit) Ich
weiß, daß ich mit meiner Stellung zur Schutzzollfrage
meiner Partei Schwierigkeiten bereite (Sehr richtig!)
Ich bin aber der Anſicht, daß es mutiger iſt, nach
rich=
tiger Erkenntnis offen Schwierigkeiten zu bereiten, als
ſeine Partei fortgeſetzt zum Stabstrompeter zu machen.
(Heiterkeit.) Wenn Herr Dorſch meinte, die hohen
Boden=
preiſe ſeien der Gradmeſſer für den Wohlſtand der
Be=
völlerung, ſo iſt das nicht richtig. Gewiß ſind hohe
Bo=
denpreiſe gut, ſo lange ſie nur theoretiſch vorhanden ſind,
ſie werden aber ſchwer empfunden, wenn ſie bezahlt
wer=
den müſſen, denn ſie verteuern den Bauern das
Hand=
werkszeug. Ich bin nicht der Hochſchutzzöllner, als der
ich hingeſtellt werde, aus Liebe zu den Zöllen. Ich meine,
daß meine Ausführungen zu den ſehr ſchwierigen Fragen
doch etwas mehr Ernſt und weniger Hohn verdient
hät=
ten. Zur Frage des Vortragsverbots an Lehrer Kaiſer
muß ich auf meinem geſtrigen Standpunkt verharren, ja,
ich gebe heute noch weiter, und behaubte, daß das Verbot
eine Mihachtung der Bedeutung der Frage der
Vollsbil=
dung iſt. (Zuſtimmung, Widerſpruch, Unruhe.) Ich
be=
dauere die Haltung der Regierung, die eine kurzſichtige
Staatspolitik iſt. Ich kann mich erinnern. daß früher fehr
wohl Lehrer in Gewerkſchaftshäuſern Vorträge hielten.
Das Verbot ſcheint der neueſte Kurs der Regierung zu
ſein.
Darauf wird die Weiterberatung auf
Donners=
tag 9 Uhr vertagt.
Schluß ¾47 Uhr.
Handel und Verkehr.
Darmſtädter Volksbank (e. G. m. b. H.).
Dem Bericht des Vorſtandes über das 51. Geſchäftsjahr
1912 entnehmen wir folgendes: Während die
Haupt=
zweige der Induſtrie und des Großhandels das Jahr 1912
trotz Verteuerung der Lebensmittel, der Revolution in
Ehina des Krieges zwiſchen Ftalien und der Türkei zu
den glänzendſten rechnen können, und ein mäßiges
Ab=
flauen der Hochkonjunktur erſt durch den Balkankrieg und
die in ſeinem Gefolge erſcheinende allgemeine
Kriegs=
furcht, Geldknappheit und Geldteuerung im letzten
Viertel=
jahr eingetreten und zu beobachten war, lagen die
Ver=
hältniſſe bei dem Kleinhandel, im Baumaterialien=Geſchäft
wie im Baugewerbe recht ungünſtig. Eine Beſſerung iſt
auch für die nächſte Zeit nicht zu erwarten. — Die Not des
Hausbeſitzers, zweite Hypotheken zu erhalten, beſteht
un=
vermindert fort. Die Einrichtung von Stellen zur
Ver=
mittelung von Geldern auf zweite Hypothek hat an unſerem
Platze leider bis jetzt völlig verſagt. Die Schwierigkeiten
in der Beſchaffung von Geldern könnten zu einem großen
Teile durch ein Zuſammenwirken der Gemeinden mit
großen Kreditinſtituten oder Hypothekenbanken behoben
werden, indem die Banken unter Bürgſchaft der
Gemein=
den die nötigen Mittel bereit ſtellen.
Der ſcharfe Kursrückgang zwang wiederum zu
erheb=
lichen Abſchreibungen auf unſeren Beſtand an deutſchen
Staatspapieren, ſtädtiſchen Anleihen und Pfandbriefen,
und zwar in einem ſolchen Maße, daß nicht nur unſer im
Effektengeſchäfte des abgelaufenen Jahres erzielte Gewinn
aufgezehrt wurde, ſondern wir noch den Betrag von
1255,55 Mark in die Gewinn= und Verluſtrechnung als
Verluſt buchen mußten, während wir für das Jahr 1911
noch einen Gewinn von 8022,33 Mark einſtellen konnten.
Wenn unſerem deutſchen Vaterlande der Frieden erhalten
bleibt, ſollte man annehmen dürfen, daß der Tiefpunkt
unſerer Anlagewerte nun endlich erreicht ſei.
Während des ganzen Jahres waren wir darauf bedacht,
ſehr reichliche flüſſige Mittel bereit zu
halten; ein Blick auf unſere Bilanz zeigt, daß dies bis
zum Schluſſe des Jahres der Fall war. Um die ſchweren
Folgen, die der Zuſammenbruch des Spar= und
Kreditvereins in Nieder=Modau für ſeine
Mitglieder wie für ſeine Gläubiger verurſacht hat,
abzu=
ſchwächen, haben wir auf Anregung unſeres Herrn
Dirak=
tors Stein mit einer Reihe benachbarter, dem
Mittelrheini=
ſchen Verbande angehörender größerer Genoſſenſchaften,
der Dresdener Bank=Genoſſenſchaftsabteilung in
Frank=
furt a. M. und einer Anzähl Mitglieder des in Konkurs
geratenen Nieder=Modauer Vereins eine Geſellſchaft unter
der Firma „Schutzverein für Nieder=Modau,
Geſellſchaft mit beſchränkter Haftung”
ge=
bildet, die uneigennützig zu wirken berufen iſt und an der
wir uns mit 3000 Mark beteiligten. Die Hilfsaktion
konnte bis zum Schluſſe des Jahres noch nicht zur Tat
werden, weil der geplante Aufkauf der Forderungen eine
hohe Summe erfordert, von der ein großer Teil durch die
Konkursverwaltung hergegeben werden kann, ſobald für
den Reſt ein anderer Geldgeber ſich gefunden hat. Leider
ſind alle Bemühungen des Schutzvereins, einen ſolchen
Darlehensgeber, der für ſeinen etwaigen Vorſchuß kaum
ein Riſiko zu tragen hätte, zu finden, bisher ergebnislos
verlaufen. Unſer Geſamtumſatz hat gegen das
Vor=
jahr eine Steigerung von einer Million Mark
erfahren. Wenn auch der diesjährige Reingewinn
von 158 448,80 Mark, hauptſächlich veranlaßt durch
die Abſchreibungen an unſerem Wertpapierbeſitz, gegen das
Vorjahr um etwa 7000 Mark zurückbleibt, darf er im
Hin=
blick auf die geſchilderten widrigen Umſtände politiſcher
Art wie auf dem Gebiete des Baumarktes wohl
befrie=
digen. Wir ſchlagen wieder vor, 6 Prozent
Divi=
dende zu verteilen, namhafte Beträge den Reſerven
zuzuführen und durch Abſchreibungen auf unſere
Immo=
bilien unſere ſtillen Reſerven zu ſtärken.
* Berlin, 26. Febr. Den zurzeit in Petersburg
ſtattfindenden außerordentlichen Generalverſammlungen
der ruſſiſchen elektrotechniſchen Werke der
Siemens u. Halske=Aktiengeſellſchaft und
der ruſſiſchen Geſellſchaft Schuckert u. Ko. ſollen Vorſchläge
wegen der Bildung einer ruſſiſchen Geſellſchaft Siemens
u. Schuckert unterbreitet werden. Entſprechend den
Vorgängen in anderen Ländern ſoll das Starkſtromgeſchäft
beider Häuſer auch in Rußland vereinigt werden. Es iſt
daher beabſichtigt, daß die ruſſiſchen elektrotechniſchen
Werke der Siemens u. Halske=Aktiengeſellſchaft ihr
geſam=
tes Stackſtromgeſchäft an die ruſſiſche Geſellſchaft Siemens
u. Schuckert übergeben in Höhe von elf Millionen Rubel
und einen Gegenwert in Aktien dieſer Geſellſchaft erhalten.
Die Siemens u. Halske=Aktiengeſelſchaft wird die
ſon=
ſtigen Geſchäftszweige in der bisherigen Weiſe weiter
fort=
führen. Da die ruſſiſche Geſellſchaft Schuckert nur ein
Starkſtromgeſchäft iſt, iſt beabſichtigt, daß dieſelbe den
Na=
men ändert in: Ruſſiſche Geſellſchaft Siemens=Schuckert
und das Aktienkapital von drei auf 15 Millionen Rubel
erhöht. Von dem neuen Kapital wird ſie elf Millionen
Rubel, wie oben geſagt, den ruſſiſchen elektrotechniſchen
Werken der Siemens u. Halske=Aktiengeſellſchaft als
Ge=
genwert für das eingebrachte Starkſtromgeſchäft
aushän=
digen und eine Million Rubel zum Ausgleich ſchwebender
Verbindlichkeiten benutzen.
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Nummer 49.
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Dounerstag, 27. Fehrugr.
1913.
Mill. ordentliche Landesſynode.
20. Sitzung.
-g. Darmſtadt, 26. Februar.
Präſident D. Stamm eröffnet um 9 Uhr 15 Min.
die Sitzung. Syn. Wagner=Darmſtadt ſpricht das
Ge=
bet. Es wird die durch die Wahl des Syn. Dingeldey
zum zweiten Präſidenten erforderlich gewordene Wahl
leines Schriftführers vorgenommen. Es wurde
Syn. Walter=Worms mit 56 Stimmen gewählt. Bei
der Wahl eines Mitgliedes zum kirchlichen
Disziplinargerichtshof ging Syn. Fritſch=
Ruppertsburg und als deſſen Stellvertreter Syn.
Kolb=Darmſtadt hervor.
Es wurde ſodann in der Beſprechung über den
Antrag des Syn. Marx, das Geſangbuch betreffend,
fortgefahren. Syn. Fritſch=Ruppertsburg brachte noch
einige Wünſche zum Ausdruck. Vor allem möchte er davor
lwarnen, Lieder wegzulaſſen. Er bedauere, daß die
Ver=
waltung ſich die Einnahmen entgehen laſſen wolle, aber es
ſſei ſchon erfreulich, daß zwei vorbildliche Einbände in
Vertrieb genommen werden. Ferner möchte er empfehlen,
den Bilderſchmuck für das Geſangbuch mehr zu
berückſich=
ſtigen. Auch würde er es für wünſchenswert halten, daß
leinem kleinen Teil der Schulausgabe der lutheriſche
Ka=
ſtechtsmus beigefügt werde. — Syn. Loos=Groß=Umſtadt
wünſcht einen ſtärkeren Einband des Schulgeſängbuches. —
Syn. Wagner weiſt darauf hin, daß eine Weglaſſung
von Liedern außerordentliche Schwierigkeiten bereiten
ſwürde. — Prälat D. Dr. Flöring möchte darauf
hin=
weiſen, daß es ſich nur um eine Neuausgabe des
Geſang=
buches, nicht um ein neues Geſangbuch handle. Vor der
Ausgabe von Separatausgaben könne nur gewarnt
wer=
den, wie es durch die Einfügung des Katechismus oder
von Epiſteln geſchehen würde. Den Wünſchen auf größere
Solidität des Einbandes werde nach Möglichkeit Rechnung
getragen werden.
Hiermit iſt die Debatte geſchloſſen. Der Antrag der
KKommiſſion wird einſtimmig angenommen.
Es folgt die Nachforderung bezüglich der Rubrik
65 des Voranſchlags, des Zentralkirchenfonds für 1910/14,
hier die Gehaltsverhältniſſe des Vereins=
Leiſtlichen Für Innere Miſſion. —
Oberkon=
ſiſtorialcat Euler ergriff das Wort zur Begründung der
Forderung: Unter Rubrik 35 des Voranſchlags war von
uns die Einſtellung der Summe von 1800 Mark beantragt
und von der Landesſynode genehmigt worden. Dies
er=
möglicht, uns, freiwillige Unternehmungen für kirchliche
Bwecke in geeigneter Weiſe zu unterſtützen, ſo den
Landes=
berein für Innere Miſſion, die von genanntem Verein ins
Leben gerufene Kolportage, den Heſſiſchen
Nachrichtenver=
hand, den Heſſiſchen Jünglingsbund, die Flußſchiffer=
Miſſion u. a. Es iſt indes eine Frage an uns
herange=
freten, die wir für recht bedeutſam halten und die uns
ver=
mlaßt, bei der Landesſynode eine Erhöhung der unter
Rubrik 35 eingeſtellten Summe zu beantragen. Der
Landesverein für Innere Miſſion befindet ſich ſeit Jahren
ungünſtigen finanziellen Verhältniſſen. Dies
veran=
laßte ihn, bei der Anſtellung des Vereinsgeiſtlichen
mög=
ſichſt ſparſam vorzugehen und ſeit einigen Jahren nur
ſüngere Geiſtliche zu berufen, die dann raſch wechſelten.
daß dies kein erfreulicher, die Zwecke des Landesvereins für
Ennere Miſſion und ſomit das innerkirchliche Leben
unſe=
ſes Landes fördernder Zuſtand iſt, liegt auf der Hand, und
pir möchten deshalb, um die Berufung eines nicht ganz
ſungen Geiſtlichen und deſſen längeres Verbleiben in dem
enannten Amt zu ermöglichen, die Gehaltsverhältniſſe
ſes Vereinsgeiſtlichen ſo regeln, daß der Landesverein für
Fnnere Miſſion jährlich 2500 Mark zu dem Gehalt bezahlt
ind das übrige — je nach dem Dienſtalter des
betreffen=
ſen Geiſtlichen — von dem Zentralkirchenfonds getragen
pürde.
Der für die Stelle des Vereinsgeiſtlichen in Ausſicht
ſenommene Geiſtliche — Pfarrer Memmert in
Angers=
jach —, der vom 15. Januar 1913 an vorläufig probeweiſe
fir ½ Jahr die Stelle verſieht, bezieht vom 1. Juli 1913
in den klaſſifikationsmäßigen Gehalt von 3900 Mart. Die
ſädtiſche Zulage beträgt 300 Mark und die
Wohnungs=
ſtiete 1200 Mark, ſo daß die geſamte jährliche finanzielle
lufwendung ſich auf 5400 Mark berechnet. Hiervon würde
ſer Landesverein für Innere Miſſion 2500 Mark tragen,
ind auf den Zentralkirchenfonds würden 2900 Mark
ent=
ſillen. Wir beantragen deshalb, die evangeliſche
Landes=
hnode wolle die Erhöhung der Rubrik 35 um jährlich
00 Mark für die laufende Voranſchlagsperiode mit
Wir=
ung vom 1. April 1913 an genehmigen. Der Betrag kann
ſus Ueberſchüſſen der Einnahmen oder Erſparniſſen
ge=
ſeckt werden. Der Landesverein für Innere Miſſion iſt
ſon uns dahin verſtändigt worden, daß der betreffende
ßeiſtliche nicht länger als 8—10 Jahre in ſeinem Amte
ſleiben darf. Wir vermeiden damit eine allzuhohe
Be=
üſiung des Zentralkirchenfonds und ein — nicht im
intereſſe des Vereins und des Landes liegendes —
Al=
trn in dieſer, völlige körperliche und geiſtige Kraft
er=
fordernden Stelle.
Syn. Keil=Spachbrücken wünſcht den Zuſatz, daß
ſer betreffende Geiſtliche in der Regel nicht länger als
10 Jahre in ſeinem Amt bleiben ſolle. —
Oberkonſiſto=
lalrat Euler bringt zum Ausdruck daß das
Oberkon=
ſſtorium Wert darauf legt, daß der Geiſtliche nicht länger
is 8—10 Jahre im Amt bleibt. Die beantragte
Er=
ßöhung wird einſtimmig beſchloſſen.
Es folgt die Beratung des Großh. Oberkonſiſtoriums
ſen
kutwurf einer neuen bibliſchen Geſchichte
für die evangeliſchen Schulen des
Groß=
herzogtums
ſetreffend. — Präſident D. Stamm gab der Vorlage
finige Geleitworte und betonte, daß die Synode bei den
Vorausſetz=
ungen ausgehen könne, als im Oktober 1883. Der
Be=
ratung liege ein Entwurf zu Grunde, dem eine
außer=
ordentliche gründliche Bearbeitung zuteil wurde. Es gäbe
da nur einen Entſchluß, entweder annehmen oder
ab=
lehnen. — Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen
be=
richtet eingehend über die umfangreichen Vorarbeiten, die
bei der Ausarbeitung der neuen bibliſchen Geſchichte
er=
forderlich waren. Er glaube, daß bei Annahme des
Ent=
wurfs die Klagen über zu große Stoffülle keine
Berechtig=
ung mehr haben. Die vorgeſchlagenen Lehrtafeln ſollen
aus pädagogiſchen Gründen weggelaſſen werden. Von
den vorgeſehenen 47 Schnorrſchen Bildern wurden drei
geſtrichen und ſollen durch andere erſetzt werden. Das
Großh. Oberkonſiſtorium beantrage: Wir beehren uns,
nach Einholung Allerhöchſter Entſchließung und nachdem
Großh. Miniſterium des Innern bezüglich des Inhalts
ſeine Zuſtimmung erklärt hat, den angeſchloſſenen
Ent=
wurf einer neuen bibliſchen Geſchichte für die
evange=
liſchen Schulen des Großherzogtums verehrlicher
Landes=
ſynode ergebenſt mit dem Antrag vorzulegen, dem
Lehr=
buch die Zuſtimmung zu erteilen und ſich damit
einver=
ſtanden zu erklären, daß es demnächſt in die evangeliſchen
Schulen des Großherzogtums eingeführt werde.
Der Berichterſtatter des Sonderausſchuſſes für die
neue bibliſche Geſchichte Syn. Mink, berichtet über die
Arbeiten des Sonderausſchuſſes: Der Sonderausſchuß
hat ſich der Aufgabe in neun vollen Tagesſitzungen
unterzogen. Das Ergebnis dieſer Sitzungen
zu=
ſammenfaſſend, ſei feſtgeſtellt daß der „Entwurf”
im weſentlichen die Zuſtimmung des
Sonder=
ausſchuſſes gefunden hat. Während der ſeitherigen
bibliſchen Geſchichte A. T. nur zwei Anhänge („Der
Gottesdienſt in Iſrael” und „Das gelobte Land”)
beige=
geben waren, ſieht der „Entwurf” als weitern Anhang
noch „Leſeſtücke aus dem A. T.” vor, und dem. N. T. ſollen
anhangsweiſe „Leſetafeln” und „Leſeſtücke aus dem N. T.”
beigegeben werden. Da man die Freiheit in der
Behand=
lung des Lebens Jeſu aus pädagogiſchen Gründen nicht
unnötig einengen wollte, konnte ſich der Sonderausſchuß
mit den „Leſetafeln” nicht einverſtanden erklären und
be=
ſchloß deshalb deren Streichung. Dagegen ſollen die
„Leſeſtücke”, wenn auch etwas gekürzt, beibehalten werden,
mit der Maßgabe jedoch, daß der hier gebotene Stoff,
ſo=
weit er die Propheten behandelt, umzuarbeiten und aus
dem „Anhang” in die Bibliſche Geſchichte” (doch nicht als
zu deren „eiſernen Beſtand” gehörig) zu bringen ſei.
Auch ſoll die Erzählung vom „Turmbau zu Babel”, die in
dem „Entwurf” fehlt, wieder aufgenommen, aber
eben=
falls nicht dem „eiſernen Beſtand” zugerechnet werden.
Dem N. T. ſoll die Geſchichte von Ananias und Sapphira.
eingefügt werden. — Die Anhänge zum A. T., „Das
ge=
lobte Land” und „Gottesdienſt und Lebensordnungen in
der jüdiſchen Gemeinde” werden in vollſtändiger
Neu=
begrbeitung dem Buche beigegeben. Es iſt ſicher, daß die
Vorkommiſſion die Abſicht hatte, den Luthertext
ſo=
weit als irgend möglich zu erhalten. Trotzdem wurden
in dem Sonderausſchuß Stimmen laut, die den Eindruck
bekundeten, als ſei dieſer Text an manchen Stellen doch
zu ſehr und ohne Not verändert. Der Ausſchuß war
des=
halb darauf bedacht, den Entwurf auch nach dieſer Seite
hin gewiſſenhaft zu prüfen und überall da, wo es ihm die
unterrichtliche Behandlung des Stoffes möglich und
ge=
boten erſcheinen ließ, kleine Abänderungen in ſprachlicherc
Beziehung vorzunehmen.
Da die Bilder der ſeitherigen bibliſchen Geſchichte
nur ſehr beſcheidenen Anſprüchen genügten, hatte ſich der
Sonderausſchuß auch mit dieſer Frage zu beſchäftigen
und beſchloß, die Ausſtattung des Buches mit 47
Schnorr=
ſchen Bildern in Vorſchlag zu bringen. Zu den hier
ſummariſch zuſammengefaßten Beſchlüſſen hat ſich Großh.
Oberkonſiſtorium unterm 5. November 1912 wie folgt
ge=
äußert: „Von der durch unſeren Referenten uns
über=
mittelten Arbeit des Synodal=Ausſchuſſes, betreffend den
Entwurf der neuen bibliſchen Geſchichte, haben wir
Kenntnis genommen. Wenn wir auch mit einer Reihe der
getroffenen Aenderungen und Zuſätze uns einverſtanden
erklären können, ſo finden doch andere nicht unſern
unein=
geſchränkten Beifall. Um jedoch den baldigen Abſchluß
der Sache nicht in Frage zu ſtellen, machen wir den vom
Ausſchuß überarbeiteten Entwurf zu unſerm eigenen und
werden unter Zurückſtellung unſerer Anſtände nunmehr
den Druck der bibliſchen Geſchichte in der vom Ausſchuß
uns vorgelegten letzten Form veranlaſſen.” Im
Einver=
ſtändnis mit Großh. Oberkonſiſtorium beantragt der
Aus=
ſchuß einſtimmig: „Synode wolle dem aus den
Be=
ratungen des Ausſchuſſes hervorgegangenen Entwurf
einer neuen bibliſchen Geſchichte ihre Zuſtimmung
er=
teilen.”
Syn. Mink teilt mit, daß ſich der Ausſchuß mit der
Streichung der Numerierung der Gebote und der
Aus=
wechslung der Bilder einverſtanden erklärt habe. Als
erſter Diskuſſionsredner ſpricht ſodann über den Entwurf
Syn. Strack=Birkenau. Er möchte zunächſt die erſte
Geſchichte des Entwurfs beanſtanden. Die
Schöpfungs=
geſchichte ſollte ſo darin enthalten ſein, wie ſie geſchrieben
worden ſei. Auch die Geſchichte von der Entſtehung des
Weibes ſei nicht genügend gewürdigt ebenſo die
Ent=
ſtehung des Glaubens, der Fähigkeit, Gott zu ſchauen. Die
Grundwahrheiten ſollten immer in der bibliſchen
Ge=
ſchichte zum Ausdruck kommen. Im Neuen Teſtament
möchte er bei den ſieben Seligpreiſungen die alte Form
beibehalten wiſſen. Ferner vermiſſe er die Geſchichte von
dem erſten Auftreten Jeſus in Nazareth und den
Turm=
bau zu Babel. Die Ueberſchrift „Frömmigkeit in den
Pſalmen” möchte er vorſchlagen in „Gottes Wort in den
Pſalmen” zu ändern. — Syn. Dr. Dieckmann
be=
tonte, daß es wünſchenswert ſei, wenn die verſchiedenen
Anſchauungen zum Ausdruck kommen, damit nicht der
Eindruck erweckt werde, als wäre der ganze Entwurf in
Bauſch und Bogen ohne gründliche Prüſung angenommen
worden. Er begrüße, daß der Grundſatz aufgeſtellt
wor=
den ſei, durch Streichungen das ſtoffliche Uebermaß zu
be=
ſchränken. Doch dürfe dies nicht auf Koſten des
geſchicht=
lichen Teils geſchehen. Den Ausführungen des
Vorred=
ners über die Schöpfungsgeſchichte ſtimme er bei. Zu
be=
dauern ſei, daß die Erzählung vom Paradieſe äußerſt
reduziert worden ſei und beſonders die Stelle von der
Er=
kenntnis von Gut und Böſe dürfe nicht weggelaſſen
wer=
den. Auch bei weiteren Stellen bedauerte Redner
Ver=
ſtümmelungen. Der Hauptfehler an dem Entwurf ſei,
bibliſchen Geſchichte ein
bib=
liſches Leſebuch hineingearbeitet worden ſei. Die
Pfal=
men und die Geſchichten des Neuen Teſtaments ſeien nur
geeignet das Teſtament überflüſſig zu machen.
In dem Entwurf ſei die Geſchichte zugunſten der Idee
zu kurz gekommen. Redner rügte zum Schluß einige
dog=
matiſche Mängel. Er glaube, daß der Glaubensgehalt zu
kurz gekommen iſt. Er habe den Eindruck, als habe man
verſucht, die Wunder als unangenehme Klippe zu
um=
ſchifſen. Aber trotz der vorgebrachten Einwendungen
wolle er eine erneute Flickarbeit an dem Entwurf nicht
empfehlen. Er wäre dafür, daß man zunächſt einmal ſehe,
wie ſich die bibliſche Geſchichte in der Praxis bewährt.
Präſident D. Stamm will ſich auf die
Richtungs=
tendenzen nicht einlaſſen. Er wolle nur einige Bedenken
zum Ausdruck bringen, die ihm beim Durchſehen des
Ent=
wurfs aufgefallen ſeien. So bedauere er, daß bei der
Schöpfungsgeſchichte nur ein Gerippe übrig geblieben ſei.
Mit phſychologiſcher Meiſterſchan ſeien im Sündenfall
Ver=
ſuchung, Verführung und der Fall geſchildert worden
Dieſe meiſterhafte Schilderung ſei gänzlich verſtümmelt
worden. Von der Geſchichte Joſefs, die von den Kindern
ſtets mit Spannung verfolgt werde, ſei die Pointe
weg=
gelaſſen. Auch bei der Pfingſtgeſchichte ſeien Aenderungen
vorgenommen worden, die er nicht billigen könne. Ferner
ließe ſich die Aenderung von Chriſtusworten in keiner
Weiſe begründen. — Syn. D. Eger=Friedberg möchte
als Vorſitzender des Sonderausſchuſſes zu den
vorgebrach=
ten Anregungen und Beſchwerden Stellung nehmen. Der
Entwurf ſtelle in der jetzigen Faſſung ein
Kompromiß=
produkt dar was ja garnicht anders ſein könne. Wenn
ſich auch nicht alle Mitglieder des Sonderausſchuſſes
mit den Einzelheiten indentifizieren konnten ſo glaubten
ſie doch dem Entwurf zuſtimmen zu können. Der Ausſchuß
ließ ſich von der Erwägung leiten, für wen denn die
Ge=
ſchichten ſein ſollten. Da ſie doch auch den Allerkleinſten
verſtändlich ſein ſollten, war man vor allem ängſtlich
darauf bedacht, den Kindern nicht zu viel zuzumuten,
da=
mit ſie das Geleſene innerlich erfaſſen und ſich den
Wort=
laut einprägen können. Die gerügte Aenderung des
Heilandwortes ſei doch auch nur eine Ueberſetzung und
wenn man wiſſe, welch namenloſer Mißbrauch mit der
Lutherſchen Ueberſetzung getrieben wird, könne man in
dieſem Fall die bisherige Form begreifen In
verſchiede=
nen weiteren gerügten Mängeln und Fehlern geht Redner
mit dem Präſidenten einig und bedauert beſonders die
Aenderung bei der Pfingſtgeſchichte. — Syn. Wahl=
Schlitz möchte die Abſtimmung bis zu den letzten Tagen
verſchieben, damit der Ausſchuß Gelegenheit habe,
die=
jenigen Fehler, die als ſolche erkannt wurden,
auszu=
merzen. Fundamentale, weitgehende Aenderungen
wer=
den allerdings nicht eintreten können. Einzelnes aber
könnte noch eingefügt oder geändert werden. — Syn.
Kolb meint, es ſei betrübend, daß man ſtillſchweigend
an dem Werk des verſtorbenen Pfarrers Römheld in
See=
heim vorübergegangen ſei. Deſſen bibliſche Geſchichte ſei
ſo hervorragend und habe ſich ſo bewährt, daß der
vor=
liegende Entwurf in keinen Vergleich zu ihr zu ſtellen ſei,
— Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen: Kleine
Aen=
derungen und Zuſätze können ſelbſtverſtändlich noch
ge=
macht werden, wenn ſie ſchriſtlich fixiert werden. Das iſt
vor 30 Jahren ebenfalls geſchehen.
Die Weiterberatung findet am Donnerstag,
9 Uhr, ſtatt.
Luftfahrt.
Die neue Bewertungsformel des Prinz Heinrich=
Fluges 1913.
Bei allen bisherigen Ueberlandflügen war für die
Preiszuerkennung in irgend einer Form die
Geſamtflug=
zeit maßgebend. So hatte beiſpielsweiſe beim letzten
Oberrheinflug Hirth die kürzeſte Flugzeit, nämlich
5 Stunden und 56 Minuten und gewann damit den
erſten Preis. Der Zweite, Graf Wolfskeel, mit
22 Stunden 19 Minuten erhielt den zweiten
Zuverläſſig=
keitspreis uſw. Dabei iſt in keiner Weiſe Rückſicht
dar=
auf genommen, mit wie ſtarken Motoren die Flieger
ge=
flogen ſind. Es hatten zum Beiſpiel Hirth einen 95 Ps.=
Mercedes=, Graf Wolfskeel einen 60 PS.=Gnome=Motor.
Nun verlangt wohl die Gerechtigkeit, daß derjenige, der
die gleiche Leiſtung mit größerem Aufwand an Kraft, an
Betriebsſtoff und damit an Koſten vollbringt, nicht dem
gleichgeſetzt werden darf, der mit ſchwächerer Maſchine,
weniger Betriebsſtoff uſw. auskommt. Freilich waren die
beiden genannten Flugzeiten viel weiter voneinander
ent=
fernt, als daß bei Berückſichtigung der Motorenſtärken ſich
die Reihenfolge hätte umkehren können. Aber es kann
ja ſehr leicht vorkommen, daß ein Flieger mit 100 Ps. zu
einem Fluge etwa 7 Stunden braucht und einer mit
50 PS. zu demſelben Fluge nur 8 Stunden. In dieſem
Falle wäre die Preiszuerkennung an den erſten eine
zwei=
fellos ungerechte. In der diesjährigen Ausſchreibung
beim Prinz=Heinrich=Flug iſt nun verſucht worden, für
alle Fälle die hier mögliche Ungerechtigkeit auszugleichen.
Als reine Flugzeit wird. wie der § 8 der Ausſchreibung
beſagt, bei einer Motorſtärke, die geringer als 100 PS. iſt,
nur ein gewiſſer Bruchteil der wirklich durchflogenen Zeit
in Rechnung geſtellt; zum Beiſpiel bei einem 70 Ps=
Motor zählen nur etwa 88 Prozent, bei einem 50 Pg.
79 Prozent uſf . Bei mehr als 100 PS. wird die Flugzeit
ntſprechend vergrößert; zum Beiſpiel bei 110 Ps. zählen
en
103 Prozent. Auch in der Belaſtung, die für jedes
Flug=
zeug vorgeſchrieben iſt, wird ein Unterſchied je nach der
Motorſtärke gemacht. Einſchließlich des Gewichts von
Führer und Fluggaſt muß eine 100 Ps=Maſchine 200
Kilo=
gramm mitnehmen, eine 70 PS. nur 157 Kilogramm, eine
110 PS. 213 Kilogramm. Dabei ſind Betriebsſtoffe, wie
Benzin und Oel, nicht eingerechnet. Der
Arbeitsaus=
ſchuß der die an ſich recht ſchwierigen Propoſitionen im
Einvernehmen mit namhaften Vertretern der Fabrikanten
ausgearbeitet hat, hofft damit der Flugzeuginduſtrie ganz
beſonders gedient zu haben. Es ſoll namentlich jenen
Firmen, die kleinere Apparate bauen, Gelegenheit
ge=
geben werden, zu zeigen, was ſie leiſten können. Bisher
waren dieſe kleineren Maſchinen von den Wettbewerben
ſo gut wie ausgeſchloſſen.
Gewerde=Bibklotder u.
Vordiiderſamm=
lung. Der Leſeſaal iſt geöffnet: an allen
Wochen=
tagen von 8½—12½ u. 3—5½ Uhr (Samstag=Mittag
ausgenommen). — Leſeabende: Dienstags und
Frei=
tags, abends von 8—10 Uhr.
Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
Nummer 49.
Restahrunt (kammelrau
(4979
Heute Donnerstag Künstler-Konzert!
Gartenbauverein Darmstadt.
Samstag, 1. März, nachmittags 4 Uhr,
Vorführung der Romperit=Spreng=Kultur a. d. Marienhöhe
(hinter Ludwigshöhe) durch die Dresdner Dynamitfabrik.
Alle Intereſſenten ſind hierzu eingeladen.
Monats=Versammlung
Donnerstag, 6. März, abends 8 Uhr.
im Fürstensaal (Grafenstrasse)
Tagesordnung:
11 Geſchäftliche Mitteilungen.
2 Lichtbilder=Vortrag des Herrn Geh. Landes=Oekonomierat
Müller über: Die Anwendung der Glashäuſer zur Erzeugung von
Tafeltrauben, Obſt und Gemüſe in England, Belgien und Holland.
Der Vorstand.
4951)
Sonntag, den 9. März 1913, abends 6 Uhr,
im Saale der Vereinigten Geſellſchaft
Zweiter Lieder-Abend
von Matilde Weber und ihren Schülerinnen.
Zum Besten der Hilfskasse des Lehrerinnen-Vereins‟
(Muſik=Gruppe).
* Eintritt nach Belieben.
(4985dd
Stenographen-Vereinigung.
Sonntag, den 3. März, abonds 7½ Uhr im
Kalsorsaal
Kal
Galdslterter Feier
mit Tanz
wozu wir unsere werten Mitglieder
nebst Angehörigen und Gäste höfl.
Der Vorstand.
einladen.
Eintritt für Mitglieder frei.
Nicht-
mital, erh. Vorverk.-Kart. à 25 ₰ 1.
Ver-
kehrs-Büro, sowie in der
Handels-
schule, Luisenstr. 10, II. (5004dfs
Saal zur Traube:: Freitag, 7. März, 8 Uhr:
Einziges grosses
Vokal-
mnt hatrinenallentert
gegeben von der Königl. und Grossherzogl. Hessischen
und Sachsen-Weimarischen, Kammersängerin Madame
SisriaArHoldson
Primadonna der Opéra Comique in Paris. des Königl.
Theaters (Coventgarden) in London. —
Unter gefälliger Mitwirkung des Herrn
GEORG ADLER
Professor am Konservatorium in Frankfurt a. M.
Konzertflügel: Bechstein, aus dem Lager von
A. W. ZIMIMERNANN (L. Schweisgut). DARMSTADT.
Karten im Vorverkauf Mt. 3.90, 3.90, 1.50 und 30 Pfg.
bei Georg Thies Nachf., L. Schutter, Hofmusikalien- und
Planohandlung, Elisabethenstrasse 12; an der Abend-
Lasse Mk. 4.—, 3.—, 2.— und 1.—.
(4945dsd
Freie Literarisch-Künstlerische Gesellschaft.
Donnerstag, 6. Mürz 1913, abends 8 Uhr
im Mathildenhöhsaal:
Herbert Eulenberc
spricht über
Friedrich Hebbel
(zum Gedüchtnis des 100. Geburtstagos des Dichters).
Karten für Nichtmitglieder zu Mk. 2.50, 1.50 u. 75 Pfg.
bel A. Bergstraoßer. — Abends Mk. 3.—, 2.—, 1.—. (4956di
Für jede sparsame Hausfrau!
Ansfrickon v. Strümpfen
Nouanforligung 1 Norn.ale
Rolnlängen .7 Größen
per Faar
Mk. —.30
„ —.60
—.30
Mech. Strumpf-Strickerei
Dtz.-Paar Dz.-Paar
1.50
2.75
3.−
5.50
1.50
2.75
Antonie Pfrsch.
Beckerstr. .6, I.
Wenn Besuch erwünscht, genügt Postkarte.
Kutſcher= und Diener=Verein
Darmſtadt.
Sonntag, den 2. März, abends 8 Uhr,
im Schützenhof:
Abendunterhaltung mit Tanz
wozu wir Freunde und Gönner des Vereins einladen. (*5347
Der Vorſtand.
wie eln Spanler
können Sie auf dus
bübsche und brauchbare
Geschenk nein, das jedem
Paket von Dr. Gentnere
Vellchenselfenpulver
„Goldperle‟
beilliegt.
Verlangen Ble aber aus.
Grückelch
„Goldperlet
(I,4967
Saaibau-
o Theater ..
(Dircktion: Willy Roemheld.)
Nur Gastspiele
Agnes
Mittwoch, S. Mürz, 8 Uhr:
Schauspiel in 4 Akten von
H. Sudermann.
Letzter Tag!
örpheum
Tel.
M
Gastspiel des Ensemble
vom Königl. Belvedere,
Dresden.
Meutel
Donnerstag
27. Febr.
Abehlect-Abent
Zum letzten Male
„Darnstadt,
1
uas i5t Was lur dich.
Vorher Operette:
Komn Hädel undtank.
„Marikke‟. . Agues Sorma.
Donnerstag, G. März, 8 Uhr:
Drama in 3 Akten von
H. Ibsen. 4607a
„Frau Alving‟. Aanes Sorma.
er gerer
Vorverkauf:Verkehrsbüro,
(Froitag, 28. Tebr.: Geschlossen.)
Samstag, 1. Mürz
I. Gastspiel:
Exl’s
Inoter Danhe
Dir.: Ford. Exl, Innsbruck.
Ermüssigter Vorverkauf wie bekannt.
Num. Park. à 8 M. b. Hugo de Wanl,
Rheinstrasse 14. (5008
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Porzellan, Zinn uſw. verkauſt=
Heinheimerſtraße 25, I. (4990dod
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Haar, das zu Haarausfall, Juckreiz,
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neigt, ſei folgendes bewährte u. bil
lige Rezept zur Pflege des Haares
empfohlen: Wöchentlich 2 maliges
Waſchen des Haares mit Zuckers
kombiniertem Kräuter-
Sham-
voon (Pak. 20₰), daneben möglichſt
tägliches ktäftiges Einreiben des
Haarbodens mit Zucker’s Orig.=
Kräuter-Haarwasser (Fl. I.25),
alsdann gründliches Maſſieren der
Kopfhaut mit Zucker’s Spezial=
Kräuter-Haarnährfett (Doſe
60 ₰). Großartige Wirkung, von
Tauſenden beſtätigt. Echt bei Chr.
Schwinn, Rheinſtr. 8 u. A. Logel,
Eliſabethenſtraße 30. (IV2906,21
Mee t. e
div. Pulte, Schreibtiſche,
Geld=
ſchrank, Kopierpreſſe,
Gas=
lampen und=Rohre
wegzugs=
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Schröder & Freund
Gosollschaft mit beschränkt. Haftung
Rheinſtr. 47. (4996dfs
und Mantel (grau) für
Anzul mittl. Figur zu veikaufen.
Liebigſtraße 7, I
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guterhalten,
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Gilan.
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vom Hofnt meiner Tochter
Taunusſtr. 24, I.
4971a)
iſchraſchite, i gen
billig zu verkaufen
V. I. (.
(*5316
Näheres in der Exp. ds. Bl.
Zweigverein
Darmstadt.
Sonntag, 2. März:
12. Wanderung
Dloburg-Gross-Umstadt-
Breuberg-Höchst.
6 Stunden
Abfahrt vorm. 730 Uhr Hptbh.,
Rückk. nachm. 626 Uhr Ostbahnh.
Bierabend
nächsten Freitag abend in der
Brauerel Fay, Alexanderstrasse
(Laubfrosch).
(4948
Unsere diesjährige
Hauptversammlung
findet Samstag, den 15. März,
im Gartensaal der Brauerel Fav
statt. Etwaige Anträge hierzu
bitten wir bis spätestens 8. März
an den Vorstand gelangen zu
Der Vorstand.
lassen.
Prachtv. große
Palme
platzmangelhalber zu 15 Mark
(*5320
abzugeben
Ernſt=Ludwigſtr. 12, 2. St.
Gute‟ Geige, große Puppenſtubel
(15 X 1.2), ſchöne
ſchmiedeiſ=
kupf. Hängelampe f. Petrol. od. el.
Licht, Gaslyra, Kinderſchlitten,
Klappſeſſel, Schlafz.=Ampel, Zimg
merſchaukel, Tivoliſpiel, Bilder u.
Bülſten, Kinder=
Bilderrahmen,
ſtühle, Waſchgeſtell, Blumenſtänder,
Wandteller, alles faſt neu, zu verk.
Inſelſtraße 22, I.
*5287)
Großherzogl. Hoftheater=
Donnerstag, den 27. Februar 1913/
129. Abonnem.=Vorſt. D 32.
Die fünf Frankfurter.
Luſtſpiel in 3 Akten v. Carl Rößler4
Perſonen:
Die alte Frau) Minna Müller=
Rudolph
Gudula
3.
Adolf Jordan
Anſelm,
Guſtav Semler
Salomon, G . Richard Jürgas
. Kt. Weſtermann
S. Franz Schneider
mons Tochter . Käthe Gothe
Nathan,
Karl,
Jakob,
Charlotte, Salo=
Guſtav, Herzog v.
Kurt Ehrle
Taunus.
Prinzeſſin Eveline Hel. v.
Sonnen=
lthal
Fürſt von Klaus=
Heinrich Hacker
thal=Agordo .
Ilſe Berka
Die Fürſtin
Graf Fehrenberg,
Hofmarſchall . . W. Riechmann
Frau v. St. Ge=
Tilli Art’!
orges .
Baron Seulberg. Emil Kroczak
Paul Eisner
Der Domherr
Kabinettsrat Yſſel Paul Peterſen
Erſter (Kammerd. K. Enzbrenner
Zweiter)d. Herzogs Frz Herrmann
Hofjuwelier Boel Herm. Knispel
Roſa, ) im Hauſe Agn. Wisthaler
Lies= der Frau
chen, ) Gudula Em. Mühlpfort
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe,
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M.,
Mittel=
loge 6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.—
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
14.—20. Reihe 3.30 M., Parterre
—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 Ma
II. Galerie 0.65 M.
Anfang 7½ Uhr. Ende 10 Uhn
Kartenpk. v. 9½ —1½ u. v. 6½ U. an
Vorverkauf für die Vorſtellungen=
Freitag, 28. Febr. 130. Ab.=Vſt.l
C33. „Der Troubadoun
Kleine Preiſe. Anfang 7½ Uhr
Samstag, 1. März. 131. Ab.=Vſt
33. „Jedermann.‟” Gew
Preiſe. Anfang 8 Uhr.
Sonntag, 2. März. Nachmitt=
2½ Uhr. 22. Volksvorſtellung au
ermäßigten Preiſen. „Taifun.
Vorverkauf bis einſchl. Samstag,
1. März, nur im Verlehrsbürd
(Ernſt=Ludwigsplatz). Verkauf den
noch vorhandenen Karten an del
Tageskaſſe im Hoftheater am Tagen
der Vorſtellung, vorm. v. 11 Uh
ab. — Abends 7 Uhr. 132. Ab.
Vorſt. D 33. Zum erſten Malen
„Manon”. Oper in 4 Akten v
Maſſenet. Gewöhnliche Preiſe.
Aus dem Spielplan.
Montag, 3. März. Außer Ab=
Zum Beſten des Feſthauſen
Feſtabend. Gewöhnl. Preiſe
Anfang 7½ Uhr.
Die Ausführung des § 392
des
Angeſtelltenverſicherungs=
geſetzes.
(Schluß.)
Die erſte Ausführungsbeſtimmung regelt die Frage.
welcher Betrag von dem Beitragsanteil des Arbeitgebers
zur Weiterzahlung an die
Lebensverſicherungsunterneh=
mung in Betracht kommen kann. Das Geſetz geht davon
aus, daß der Arbeitgeber und der Angeſtellte den ihnen
auferlegten Beitrag beim Inkrafttreten des Geſetzes in
irgend einer Form zur Fürſorge für den Angeſtellten
entrichten; es ſetzt alſo voraus, daß der Angeſtellte eine
Verſicherung in einer ſolchen Höhe abgeſchloſſen hat, welche
mindeſtens ſeinem Beitragsteil bei Inkrafttreten des
Ge=
ſetzes entſpricht, wenn er nach § 390 von der
Beitrags=
pflicht zur Reichsverſicherungsordnung befreit ſein will.
Der Beitragsteil des Arbeitgebers ſoll der
Reichsverſiche=
rungsanſtalt zufließen, die nach § 392 Abſ. 1 dafür die
halben Leiſtungen des Geſetzes gewähren muß. Demnach
wird höchſtens derjenige Betrag vom Beitragsteil des
Arbeitgebers für die Weiterzahlung an die
Lebensver=
ſicherungsunternehmung in Betracht kommen können,
welcher über das geſetzliche Maß des Beitragsteils des
Angeſtellten hinausgeht, d. h. höchſtens der Unterſchied
zwiſchen der Präme für die Lebensverſicherung und dem
Beitragsteil des Arbeitgebers. Wenn alſo z. B. ein
Angeſtellter Verſicherungen mit einer Jahresprämie von
150 Mark abgeſchloſſen hatte, von der bisher der
Arbeit=
geber und er je die Hälfte trugen, und würde der
Ange=
ſtellte nach ſeinen Gehaltsbezügen bei Inkrafttreten des
Geſetzes der Gehaltsklaſſe H (Beitrag des Angeſtellten
und des Arbeitgebers je 120 Mark) angehören, ſo könnte
der Angeſtellte den Antrag auf Befreiung von der
Bei=
tragsleiſtung nach § 390 ſtellen. Wenn er den Antrag
auf Weiterzahlung des Arbeitgeberzuſchuſſes aus den
Beitragsteilen des Arbeitgebers ſtellt, ſo kann dem nur
für den Betrag von 150 Mark— 120 Mark — 30 Mark
entſprochen werden. Da er bisher nur 75 Mark aus
eige=
nen Mitteln aufbrachte, ſo fehlen ihm jetzt zur vollen
Ver=
ſicherungsprämie 120 Mark — 75 Mark — 45 Mark. Wie
dieſe aufgebracht werden, bleibt der Vereinbarung
zwi=
ſchen dem Angeſtellten und ſeinem Arbeitgeber überlaſſen.
Wenn der Angeſtellte den Arbeitgeber wechſelt, und der
neue Arbeitgeber ſich nicht an der Prämienzahlung für
die Lebensverſicherung beteiligt, ſo wird die
Reichsver=
ſicherungsanſtalt, die auch ein Intereſſe an der
Aufrecht=
erhaltung der Verſicherung hat, erwägen, ob und in
wel=
cher Weiſe ſich die Fortzahlung der Verſicherungsprämie
ermöglichen läßt.
Der an die Lebensverſicherung weitergezahlte
Bruch=
teil aus dem Arbeitgeberbeitrage würde ſich immer mit
dem Uebergang des Angeſtellten in eine andere
Gehalts=
klaſſe ändern. Aenderungen, welche durch Steigen oder
Fallen im Jahresarbeitsverdienſt hervorgerufen werden,
ſind aber rechneriſch nicht faßbar und machen eine
vor=
herige Beſtimmung des Teiles der Verſicherung
unmög=
lich, der dem weitergezahlten Betrage entſpricht.
Des=
halb mußte vorgeſchrieben werden, daß die
weiterzuzah=
lenden Beträge für die ganze Dauer der Weiterzahlung
unverändert bleiben. Die Weiterzahlung des Bruchteils
aus dem Arbeitgeberbeitrag iſt an die Bedingungen
ge=
knüpft, daß die Verſicherung noch in einer dem § 390
ent=
ſprechenden Höhe beſteht, und daß der Verſicherungsſchein
hinterlegt wird (§ 392 Abſ. 3 Nr. 1. 2). Das für die
Weiterzahlung einzuſchlagende Verfahren wird ſich nach
den Bedingungen des Verſicherungsvertrages richten
müſſen, der mit der Lebensverſicherungsunternehmung
ab=
geſchloſſen worden iſt. Die Prämien an die
Lebensver=
ſicherungsunternehmungen ſind in der Regel jährlich im
voraus fällig, während die geſetzlichen Beiträge in
monat=
lichen Raten ſpäteſtens bis zum 15. des auf den
Beitrags=
monat folgenden Monats gezahlt werden. Wollte man
die an die Lebensverſicherung weiterzuzahlenden Beträge
aus den monatlichen Beiträgen des Arbeitgebers zahlen,
ſo würde eine weſentliche Störung des
Verſicherungsver=
trages entſtehen, die von der
Lebensverſicherungsunter=
nehmung kaum zugeſtanden werden wird und nach ihren
Tarifen auch nicht zugeſtanden werden kann. Es iſt
des=
halb als Vorbedingung für die Weiterzahlung vorgeſehen
daß auch der aus dem Beitragsteile des Arbeitgebers zur
Verfügung ſtehende Prämienteil vom Arbeitgeber nach
den Vorſchriften des Verſicherungsvertrages über die
Prämienzahlung weitergezahlt wird. An die
Reichsver=
ſicherungsanſtalt iſt dann lediglich das Mehr zu zahlen, um
welches der reichsgeſetzliche Arbeitgeberbeitrag den
weiter=
zuzahlenden Zuſchuß überſteigt. Dieſer Betrag wird in
monatlichen Teilbeträgen wie ſonſt fällig. Der Arbeitgeber
wird ſich zu dieſem Zahlungsverfahren verpflichten müſſen
Die Reichsverſicherungsanſtalt hat unter allen
Um=
ſtänden aus den Beitragsteilen des Arbeitgebers den
An=
geſtellten die halben geſetzlichen Leiſtungen zu gewähren.
Wenn nun Bruchteile des Beitragsteiles des Arbeitgebers
an eine Lebensverſicherungsunternehmung weitergezahlt
werden, ſo muß der Angeſtellte einen Teil der Forderung
aus ſeinem Verſicherungsvertrage mit der
Lebensverſiche=
rungsunternehmung an die Reichsverſicherungsanſtalt
ab=
treten. Die Abtretung erfolgt nur in ſolcher Höhe, daß
die Reichsverſicherungsanſtalt für die Leiſtungen, die den
weitergezahlten Beträgen entſprechen, die erforderliche
Deckung erhält. Die Reichsverſicherungsanſtalt nimmt
alſo für den weitergezahlten Beitragsteil gleichſam eine
Verſicherung genau derſelben Art, wie ſie der Angeſtellte
bei der Lebensverſicherungsunternehmung genommen hat.
Die Prämie wird ſich natürlich nach dem Alter des
An=
geſtellten am Tage der Abtretung eines Teiles ſeiner
For=
derung aus dem Verſicherungsvertrage richten. Wie dieſer
Teil zu berechnen iſt, gibt die Formel an. Hat z. B. ein
Angeſtellter im Alter von 32 Jahren bei einer
Lebensver=
ſicherungsunternehmung eine Verſicherung über 6000 Mk.,
zahlbar beim Tode, gegen eine jährliche, lebenslänglich
zahlbare Prämie von 150 Mark genommen und beantragt
im Alter von 52 Jahren die Weiterzahlung eines
Bruch=
teiles von jährlich 30 Mark aus dem Beitragsteile ſeines
Arbeitgebers, ſo würde, der Formel entſprechend, für dieſe
30 Mark im Alter von 52 Jahren ein Kapital von 637.90
Mark verſichert werden können. Der Anſpruch auf dieſes
Kapital würde der Reichsverſicherungsanſtalt abzutreten
ſein, die dafür bis zum Tode des Angeſtellten jährlich
30 Mark an die Lebensverſicherungsunternehmung auch
dann abführen muß, wenn der Arbeitgeber infolge
Be=
rufsunfähigkeit des Angeſtellten nicht mehr
beitragspflich=
tig iſt. Der Angeſtellte würde, wenn die geſetzlichen
Vor=
ausſetzungen erfüllt ſind, vom Tage des Eintritts der
Berufsunfähigkeit ab die halben Leiſtungen des Geſetzes
beziehen.
Bei den mit den eigentlichen Lebensverſicherungsunter
nehmungen abgeſchloſſenen Verſicherungen deckt die im
Einzelfall aus dem abgetretenen Teil fällig werdende
Leiſtung nicht immer die der Reichsverſicherungsanſtalt
ob=
liegende Verpflichtung; die Reichsverſicherungsanſtalt
wird an einem Teile der ihr abgetretenen Verſicherungen
Einbuße erleiden, aus einem anderen Ueberſchüſſe erzielen.
Um dieſe Schwankungen wenigſtens in gewiſſem Grade
abzuſchwächen, war die Beſtimmung erforderlich, daß die
Forderung aus der Verſicherung vorbehaltlos und
end=
gültig abgetreten werden muß. Dieſe Beſtimmung iſt
auch aus verſicherungstechniſchen Gründen notwendig.
Denn für die Berechnung der Beiträge zur
Angeſtellten=
verſicherung war der Geſichtspunkt maßgebend, daß die
Beiträge derjenigen Verſicherten, die vor Beginn der
Leiſtungspflicht der Reichsverſicherungsanſtalt ausſcheiden.
zugunſten der Geſamtheit der Verſicherten verfallen. In
gleicher Weiſe iſt auch hier, wo an die Stelle von
Bei=
tragsteilen des Arbeitgebers eine Forderung an die
Le=
bensverſicherungsunternehmung getreten iſt, ein Verfall
dieſer Forderung zugunſten der Geſamtheit der Ver
ſicherten zur Bedingung zu machen. Demzufolge findet
eine Rückübertragung in keinem Falle ſtatt.
Da die Reichsverſicherungsanſtalt unbedingt eine
Gegenleiſtung für die weitergezahlten Beträge haben
muß, war ferner notwendig, zu beſtimmen, daß nur aus
ſolchen Verſicherungsverträgen ein Teil abgetreten
wer=
den kann, bei denen feſtſteht, daß der Eintritt der
Ver=
pflichtung des Verſicherers zur Leiſtung gewiß iſt, d. h
daß die Reichsverſicherungsanſtalt und der
Verſicherungs=
nehmer eine bare Zahlung von der
Lebensverſicherungs=
unternehmung erhalten muß, vorausgeſetzt, daß der
Ver=
ſicherungsnehmer ſeine vertraglichen Verpflichtungen
er=
füllt. Eine Gewißheit iſt z. B. dann nicht gegeben, wenn
es ſich um Verſicherungen auf den Invaliditätsfall oder
um Erlebensfallverſicherungen handelt. Aber auch bei
jenen Verſicherungen beſteht die Gefahr, daß die
Reichs=
verſicherungsanſtalt für die ihr aus den weitergezahlten
Beiträgen obliegenden Verpflichtungen nicht oder doch
nur ungenügend gedeckt iſt, wenn der Angeſtellte ſeine
Verſicherung vorzeitig aufgibt. Ganz werden ſich
Ver=
luſte allerdings nicht vermeiden laſſen; um ſie jedoch auf
ein geringeres Maß zu beſchränken, hat die Reichsverſiche
rungsanſtalt nur auf ſolche Verſicherungen weiterzuzahlen,
welche bereits rückkaufsfähig ſind. Das Geſetz über den
Verſicherungsvertrag ſchreibt nämlich in den §§ 173, 176
folgendes vor:
Hat das Verſicherungsverhältnis mindeſtens drei
Jahre beſtanden, und iſt die Prämie für dieſen
Zeit=
raum bezahlt, ſo hat der Verſicherer bei einer
Kapi=
talverſicherung für den Todesfall, die in der Art ge
nommen iſt, daß der Eintritt der Verpflichtung des
Verſicherers gewiß iſt, im Falle der Aufhebung des
Verſicherungsvertrages durch Rücktritt oder
Kün=
digung den Betrag der auf die Verſicherung
ent=
fallenden Prämienreſerve (mit einem angemeſſenen
Abzuge) zu erſtatten.
Im allgemeinen werden die Verſicherungen, für die
eine Weiterzahlung aus dem Beitragsteile des Arbeit
gebers beantragt wird, bereits rückkaufsfähig ſein. Sind
ſie es noch nicht, weil das Verſicherungsverhältnis noch
nicht die vertragsmäßige Zeit hindurch beſtanden hat, ſo
wird der Antrag auf Ueberweiſung gemäß § 392 Abſ. 3
des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte erſt nach Ablauf
dieſer Zeit geſtellt werden können. Das wird
vorausſicht=
lich bei allen Verſicherungsverträgen, die unmittelbar vor
dem 5. Dezember 1911 abgeſchloſſen ſind, im Laufe des
Jahres 1914 der Fall ſein.
Die Reichsverſicherungsanſtalt muß aber auch gegen
die Nachteile geſchützt werden, die ihr entſtehen, wenn der
Verſicherte ſeine Verſicherung infolge Nichtzahlung der
Prämien verfallen läßt. Hierfür genügt nicht in jedem
Falle, daß die Verſicherung, von der ein Teil abgetreter
wird. rückkaufsfähia iſt, denn der Rückkaufspreis des
ab=
getretenen Teiles kann niedriger ſein, als der Wert der
aus den weitergezahlten Beträgen der
Reichsverſicherungs=
anſtalt erwachſenen Verpflichtungen. Deshalb iſt der
Reichsverſicherungsanſtalt das Recht einzuräumen, den
ab=
getretenen Teil der Verſicherung, unabhängig von dem
Fortbeſtehen der übrigen Verſicherung, fortzuſetzen.
Da aber viele Lebensverſicherungsunternehmungen
einen teilweiſen Rückkauf oder die Umwandlung eines
Teiles der Verſicherung in eine prämienfreie Verſicherung
nicht gewähren. oder von dem Beſtehenbleiben einer
Min=
deſtſumme abhängig machen, ſo läßt ſich eine Sicherung
der Reichsverſicherungsanſtalt in ſolchen Fällen nur
da=
durch herbeiführen, daß der Verſicherte der
Reichsverſiche=
rungsanſtalt das Recht einräumt, in alle Rechte und
Pflichten aus der ganzen Verſicherung einzutreten. In
dieſem Falle darf die Reichsverſicherungsanſtalt
ſelbſtver=
ſtändlich die Verſicherungsleiſtung bei deren Fälligwerden
nur inſoweit in Anſpruch nehmen, als die Prämien nicht
vor ihrem Eintreten in die Beitragsleiſtung für den
Ver=
ſicherten gezahlt ſind. Derjenige Teil der
Verſicherungs=
leiſtung, welcher den früher vom Angeſtellten ſelbſt oder
für ihn etwa vom Arbeitgeber gezahlten Prämien
ent=
ſpricht, iſt dem Verſicherten oder ſeinen Erben nachträglich
auszuzahlen.
Private Penſionskaſſen und öffentlich=rechtliche
Pen=
ſionskaſſen werden durch die Beſtimmungen unter III
Nr. 2 der Bekanntmachung von der Anwendung des § 392
Abſ. 3 a. a. O. ausgeſchloſſen, weil bei ihnen der Eintritt
der Pflicht des Verſicherers zur Erfüllung der
vereinbar=
ten Leiſtung nicht gewiß iſt, weil nämlich der
Verſiche=
rungsfall (der Eintritt der Berufsunfähigkeit oder eine
Hinterlaſſung von Unterſtützungsberechtigten) nicht not
wendig in allen Fällen eintreten muß. Es iſt jedoch
dringend erwünſcht, daß auch bei Verſicherungen in dieſen
Kaſſen die Weiterzahluna des Arbeitaeberbeitrages nicht
ausgeſchloſſen wird. Deshalb iſt die Möglichkeit von
Ver=
einbarungen unter den Beteiligten offen gehalten.
Wegen der Verſchiedenheit der Verhältniſſe bei den
in Rede ſtehenden Kaſſen war der Erlaß genereller
Be=
ſtimmungen nicht durchführbar; deshalb mußte die
Re=
gelung auf die Einzelfälle beſchränkt werden.
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 27. Februar 1913.
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