Abonnementspreis
Inſerafe
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen= verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Geſtern wurde im Städtiſchen Saalbau der erſte
heſ=
ſiſche Jugendtag abgehalten. Die Eröffnung
fand in Gegenwart des Großherzogspaares
ſtatt.
Der Antrag des Zentrums, betr Aufhebung
des Jeſuitengeſetzes, wurde geſtern im
Reichs=
tage in dritter Leſung von Zentrum, Sozialdemotraten,
Polen uſw. angenommen.
Die Wahlprüfungskommiſſion des
Reichs=
tages beſchloß einſtimmig, die Wahl des Abg. von
Oertzen (Reichspt.), Potsdam 9 (Jüterbog=
Lucken=
walde=Zauch=Belzig), für ungültig zu erklären.
Der Deutſche Handelstag trat geſtern in
Ver=
lin zu ſeiner 37. Hauptverſammlung zuſammen.
Offiziell wird gemeldet, daß die von der ruſſiſchen
Re=
gierung ausgegangene Anregung, den
rumäniſch=
bulgariſchen Zwiſt durch einen
Schieds=
ſpruch zu löſen, die Zuſtimmung der Mächte
gefunden habe.
Der Präſident von Mexiko, Madero, iſt
ge=
fangen genommen worden und hat
demiſſio=
niert. General Huerta iſt zum Präſidenten
prokla=
miert worden.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
20. Februar 1813: Der ruſſiſche Oberſt Tettenborn dringt
mit 3000 Koſaken in Berlin ein, das von ca. 10 000
Fran=
zoſen beſetzt iſt.
Alex. Freiherr von Blomberg fällt als erſtes Opfer.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Heeresverſtärkungen
in Deutſchland, Frankreich und
England.
*⁎* Der geplanten Verſtärkung der
deut=
ſchen Wehrmacht wird in Frankreich eine ſehr
hmtfangreiche Heeresreform folgen oder gar vorangehen.
Es war klar, daß unſere in Vorbereitung befindliche neue
Militärvorlage unſere Freunde jenſeits der Vogeſen nicht
uhig ſchlafen laſſen, und daß man dort die deutſchen
Mehraufwendungen womöglich noch zu übertrumpfen
ſutchen würde. War doch ſchon die vorjährige deutſche
Wehrvorlage Gegenſtand ernſter Erwägungen in
Frank=
leich geweſen, wobei in den dortigen militäriſchen
Krei=
ſen das Hauptgewicht auf die erheblich geſteigerte
Mo=
ſiliſationsfähigkeit der deutſchen Armee gelegt wurde.
Das wird auch wohl jetzt die größte Sorge Frankreichs
ſein, nachdem dieſes ſich mit der durch die höhere
Be=
hölkerungsziffer bedingten größeren Rekrutenzahl
Deutſch=
lands hat abfinden müſſen. Dieſe Zahl zu erhöhen, iſt
für Frankreich unmöglich, weil daſelbſt jetzt ſchon jeder
Wehrfähige tatſächlich auch ins Heer eingeſtellt wird,
pährend bei uns noch immer viele Tauſende waffenfähige
junge Männer nicht ausgehoben werden.
Aus den bisherigen Veröffentlichungen ſind
Einzel=
heiten der geplanten franzöſiſchen Heeresreform nicht
er=
ſichtlich, jedoch läßt ſich ſchon ſo viel entnehmen, daß der
rtillerie beſondere Fürſorge geſchenkt werden ſoll. Um
nun ohne Herabſetzung der Anforderungen eine
Er=
öhung des Mannſchaftsſtandes zu erzielen, will man die
Handwerker, Krankenpfleger und ſonſtige in
nicht=
nilitäriſchen Dienſtleiſtungen bei der Armee
be=
ſchäftigten Soldaten durch Zivilperſonen erſetzen,
um jene zum Dienſt mit der Waffe
heran=
zziehen, ferner will man eine größere Zahl von
ſapitulanten zu erlangen ſuchen und die Rekrutierung
von Eingeborenen in Afrika ausdehnen. Aber auch hier=
Durch wird der Vorteil, in welchem ſich Deutſchland
befin=
ſet, nicht ausgeglichen werden, weshalb eine Heraufſetzung
der Dienſtzeit ins Auge gefaßt worden iſt, wobei es noch
licht feſtſteht, ob eine dreijährige Dienſtzeit für gewiſſe
Paffengattungen, wie z. B. für Kavallerie und Artillerie,
ſſeder eine zweieinhalbjährige Dienſtzeit für alle Waffen
bezw. eine Verquickung beider Syſteme zur Durchführung
ſelangen ſoll. Dieſe Erhöhung der Dienſtzeit kam ſchon
m vorigen Jahre bei der Debatte über das Kriegsbudget
n der franzöſiſchen Deputiertenkammer zur Sprache, ſie
bar von Fachmännern als Mittel zur Steigerung der
Nobiliſationsfähigkeit vorgeſchlagen worden. Aber der
harnalige Kriegsminiſter Millerand konnte ſich nicht dafür
ſegeiſtern, er erklärte ſolche Ratſchläge in der Praxis für
mdurchführbar und meinte, möglicherweiſe ließe ſich durch
Rekrutierung der für die Kriegsmarine entbehrlichen
jun=
ſen Leute aus den Küſtenorten bezw. durch die
Heran=
jehung von Soldaten aus Afrika Abhilfe ſchaffen. Wenn
man jetzt der Heraufſetzung der Dienſtzeit doch nähertreten
will, ſo geht daraus hervor, daß andere Mittel zur
Aus=
gleichung des deutſchen Uebergewichts
nicht vorhanden ſind. Der Vorteil für Frankreich aus den
geplanten Maßnahmen wird darin beſtehen, daß durch die
längere Dienſtzeit vielleicht eine beſſere Ausbildung der
Mannſchaften ermöglicht wird, und daß zu gleicher Zeit
eine größere Truppenmacht unter der Fahne ſteht. Ob
aber die längere Dienſtzeit in Frankreich nicht durch eine
intenſivere Ausbildung bei uns ausgeglichen werden
kann, iſt jedenfalls nicht ausgeſchloſſen, und hinſichtlich der
größeren Rekrutenzahl bleiben wir doch immer im Vorteil.
Die franzöſiſche Regierung hat für ihre Heeresvorlage
eine zugkräftige Parole, nämlich den Hinweis auf die
deutſche Ueberlegenheit. So wird ſie ſicherlich im
Par=
lament und in der öffentlichen Meinung keinen ernſtlichen
Widerſtand gegen ihre Projekte finden, und in dem
über=
wiegenden Teile der Preſſe ſtimmt man denn auch den
Forderungen ſchon lebhaft zu.
Während ſo auf der Grundlage der allgemeinen
Wehr=
pflicht Deutſchland und Frankreich energiſch
weiter bauen, fährt in Großbritannien der
Grund=
ſatz des freiwilligen Heeresdienſtes fort, ſich zu
behaupten. Zwar hat Lord Roberts in der
Oberhausſitzung vom 10. ds. Mts. die
Einfüh=
rung der allgemeinen Wehrpflicht
aber=
mals gefordert. Aber trotz der Unterſtützung, die ein Teil
der Preſſe Lord Roberts als Vorkämpfer der allgemeinen
Wehrpflicht leiht, haben der Vertreter des Kriegsminiſters
und andere den Gedanken zurückgewieſen. Man wollte
höchſtens die allgemeine Einführung turneriſcher Uebungen
der ſchulentlaſſenen Jugend zulaſſen, um darauf ein
Sy=
ſtem der Volkswehr aufzubauen. Im übrigen bleiben
für das Londoner Kabinett die Geſichtspunkte maßgebend,
die der Daily Graphie im Anſchluß an jene Verhandlung
des Oberhauſes in folgender Faſſung erörterte:
Solange wir die überlegene Seemacht
ha=
ben, kann keine fremde Macht mit Erfolg in unſer Land
einfallen. Wir müſſen uns bei Verteidigung unſeres
Va=
terlandes gänzlich auf die Seemacht verlaſſen; denn wenn
wir die Seebeherrſchung verlören, könnte uns nicht eine
Million Streiter vor dem Zuſammenbruch erretten, den
die Unterbrechung unſerer Seehandels im Gefolge hätte.
In ein paar Wochen würde unſer ganzes Volk arbeitslos
und dem Verhungern nahe ſein
Soldaten brauche
England demnach nur gegen Landungskorps, als
Be=
ſatzungstruppen in Indien und anderen Kolonien. und
ſchließlich als Reſerve für gelegentliche Kolonialkriege
oder um ſie bei irgend einem Feſtlandskriege, an dem
England intereſſiert ſei, in die Wagſchale zu werfen. Für
keinen dieſer Zwecke würde ein großes Volksheer von
Nutzen ſein.
Die erneute Ablehnung der allgemeinen Wehrpflicht durch
das Londoner Kabinett erinnert an die Lebhaftigkeit, mit
der vor einiger Zeit in franzöſiſchen Blättern das
Gegenteil gewünſcht wurde. Die Befürchtung, der „Degen
Englands” auf dem Feſtlande zu werden, hat ſolche
fran=
zöſiſchen Wünſche gezeitigt, und das Bedürfnis nach
Un=
terſtützung des franzöſiſchen Heeres durch ein ſtarkes
eng=
liſches Landungskorps mußte ſie noch vermehren. Die
einſtweilige Ausſichtsloſigkeit einer Verwirklichung der
gedachten Wünſche hat vielleicht auf die kommenden
Heeresvorlagen Frankreichs keinen geringeren Einfluß
geübt, als die deutſche Vorlage. Aber für die öffentliche
Meinung jenſeits der Vogeſen iſt der Hinweis auf das
deutſche Geſpenſt ungleich wirkſamer, und deshalb
ver=
ſchweigt man weiſe die Enttäuſchung, die das Ausbleiben
einer Umwälzung des britiſchen Heeres bei den Franzoſen
erregt hat.
Der Pariſer Temps ſtellt mit Befriedigung feſt, daß
die Pariſer Bläter die Mittelungen über die
deutſchen Heeresverſtärkungspläne mit
Ruche und Ernſt erörtern, und ſpricht den
Wunſch aus, daß auch Deutſchland im Intereſſe
der Würde der beiden großen Nachbarvölker
an=
geſichts der franzöſiſchen Pläne dieſelbe maßvolle
Haltung zeigen möge, die Frankreich den deutſchen
Plä=
nen gegenüber bewieſen habe. Die politiſchen
Be=
ziehungen zwiſchen Deutſchland und
Frankreich ſeien gegenwärtig ſo gut wie nur
möglich. Deutſchland und Frankreich ſchreiben einander
keinerlei aggreſive Abſichten zu. Es zieme ſich deshalb.
daß die eben angekündigte „militäriſche Zwieſprache” ſich
ruhig weiter entwickle. Die Franzoſen hätten übrigeng
einen greifbaren Grund, um auf die Mäßigung der
deut=
ſchen Preſſe rechnen zu dürfen. Der Grund ſei der, daß
ſie nicht angefangen hätten.
Das Daily Chronicle führt in einem Leitartikel aus,
daß kein Grund vorläge, den
Heeresvermehrun=
gen in Deutſchland und Frankreich eine zu
große Bedeutung beizulegen. Das Blatt zieht
den Schluß, daß wenn England den Ratſchlägen von
Lord Charles Beresford und Lord Roberts folge,
vermehrte Rüſtungen ſofort durch anderweitige
Verſtär=
kungen ausgeglichen würden. Das Daily Chronicle fährt
fort: Wenn Kräfte tätig ſind, die kriegeriſche Tendenzen
zu haben ſcheinen, ſo ſind auch noch andere Kräfte
vorhan=
den, die für den Frieden wirken. Bei Gelegenheit haben
wir. darauf hingewieſen, welche hervorragende Rolle
Deutſchland während der Balkankriſe, bei der
Verhinde=
rung eines europäiſchen Konflikts geſpielt haben.
Offen=
bar ſind ſeine Staatsmänner in der Haltung zu England
von demſelben Geiſte beſelt. Jedermann wird die eben
veröffentlichten Berichte über die Erklärungen des Herrn
v. Jagow und des Admiral v. Tirpitz aufrichtig
willkommen heißen. Es iſt in höchſtem Maße
befriedi=
gend, zu erfahren, daß der Meinungsaustauſch, der
ſtatt=
gefunden hat, zur Beſeitigung von Schwierigkeiten führte
und daß Deutſchland Berührungspunkte und gemeinſame
Intereſſen mit England hat. Mißſtimmungen zwiſchen
beiden Ländern ſchaffen von ſelbſt dunkle Wolken am
euro=
päiſchen Horizont. Ihre Freundſchaft wird jedem Budget
und jedem Miniſterium in Europa Erleichterungen
verſchaf=
fen. Indem wir die vorhandenen Mißverſtändniſſe löſen
werden, ebnen wir einem dauernden europäiſchen Frieden
den Weg.
Deutſches Reich.
Verzicht des Prinzen Ernſt Auguſt
von Cumberland. Entgegen anders lautenden
Blättermeldungen erfährt die Poſt von gut unterrichteter
und zuverläſſiger Seite, daß bereits vor der Vereidigung
des Prinzen Ernſt Auguſt von Cumberland als
preußi=
ſcher Offizier eine ausdrückliche und feierliche
Verzicht=
leiſtung des Prinzen auf Hannover ſtattgefunden hat.
— Eine Novelle zur Gewerbeordnung
iſt jetzt dem Bundesrat zugegangen, um alsdann dem
Reichstage vorgelegt zu werden. Es handelt ſich, wie
be=
kannt, bei dem Geſetzentwurf um Maßnahmen zur
Be=
kämpfung des Animierkneipenweſens, zur Einſchränkung
der ſogenannten Verfügungsplätze und der Auswüchſe der
Kinematographentheater.
— Die Diamantenförderung in Deutſch=
Südweſtafrika hat im Monat Dezember abermals
eine gewaltige Steigerung erfahren. Es wurden nicht
weniger als 137000 Karat gefördert, gegen 121000 Karat
im November und 105 250 Karat im Oktober 1912. Die
Geſamtförderung ſeit dem 1. April 1912 beträgt rd. 810000
Karat. Schon in den erſten 9 Monaten des Geſchäftsjahres
1912/13 wurde alſo annähernd ſoviel Diamanten
geför=
dert, wie im vorhergehenden ganzen Jahre. Nach den
Abrechnungen der Diamantenregie betrug nämlich die
Förderung 1909/10 560 605 Karat, 1910/11 798865 Karat,
1911/12 816 296 Karat. Dieſe erhebliche Mehrförderung,
die vorausſichtlich auch in den nächſten Monaten anhalten
wird, wird ſehr zur Geſundung der Finanzen des
Schutz=
gebietes beitragen. Der diesjährige Haushalt, der nur
mit größter Mühe in Einnahmen und Ausgaben
ausge=
glichen werden konnte, rechnet nur mit einer
Geſamtför=
derung von 850000 Karat.
Die Verkehrseinnahmen deutſcher
Eiſenbahnen für den Januar 1913 betragen nach der
im Reichseiſenbahnamt aufgeſtellten Ueberſicht im
Per=
ſonenverkehr 57668952 M. (ein Mehr gegen das Vorjahr
von 3 198365 M. im ganzen oder 4,64 Prozent auf einen
Kilometer); im Güterverkehr 164529800 M. (ein Mehr
gegen das Vorjahr von 15088 232 M. im ganzen oder
8,73 Prozent auf einen Kilometer).
— Wahlen in Hamburg. Bei den
Grund=
eigentümerwahlen zur Hamburger Bürgerſchaft behielt
die Rechte ihre bisherigen zwei Sitze. Auch unter den
an=
deren bürgerlichen Parteien iſt keine nennenswerte
Aen=
derung im Beſitzſtand eingetreten. Die Sozialdemokraten
behielten ihren bisherigen einen Sitz.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Miniſterpräſident Lukacz veröffentlicht
ge=
genüber den Anſchuldigungen des Führers der Oppoſition
bezüglich des Wahlfonds eine Erklärung, in welcher es
heißt: Jeder Unbefangene iſt überzeugt, daß die
oppp=
ſitionellen Führer nicht ſo ſehr von der Abſicht geleitet
werden, die Wahrheit aufzuklären, als vielmehr von dem
Beſtreben, mich durch Anklagen politiſcher Natur im Wege
des Prozeßverfahrens, wenn möglich moraliſch, zugrunde
zu richten, nachdem es ihnen unmöglich wurde, mich
poli=
tiſch zu beſiegen. Ich bin jedoch nicht in der Lage, ihnen
hilfreiche Hand dabei zu bieten, daß der normale Verlauf
der Rechtspflege durch Erklärungen, wie ſie die
Oppoſi=
tionsführer jetzt erlaſſen haben, geſtört werde. Lukacs
wurde in dem Klub der Regierungspartei von ſeinen
Parteigenoſſen mit großen
Sympathiekundgebungen=
empfangen.
Frankreich.
Das Kabinett Briand bleibt. Die
Mini=
ſter traten im Elyſée=Palaſt unter Vorſitz Poincarés zu
einer Sitzung zuſammen. Briand überreichte dem
Präſi=
denten der Republik die Demiſſion des Kabinetts.
Poin=
ſcaré bat das Kabinett, im Amte zu bleiben. Die von
Poincaré unterzeichneten Dekrete, durch die die
Mitglie=
der des Kabinetts in ihre Aemter wieder eingeſetzt
wer=
den, werden alsbald im Amtsblatt veröffentlicht werden.
Rußland.
Gründungen zum Jubiläum des
Hauſes Romanow. Die Dumakommiſſion, die mit
der Ausarbeitung eines Programms für die Beteiligung
am Jubiläum des Hauſes Romanow beauftragt iſt, hat
beſchloſſen, einen beſonderen Fonds für
landwirtſchaft=
liche Meliorationen zu errichten, ferner ein pädagogiſches
Inſtitut zu gründen mit Muſteranſtalt einer
Klein=
kinder=, Primär= und Sekundärſchule, ſowie ein
Gym=
naſium. Weiter wurde beſchloſſen, in jedem
Gouverne=
ment und jeder Provinz ein Lehrerſeminar zu errichten
und ſchließlich in Moskau ein Nationalmuſeum zu
be=
gründen mit einer Ehrenkapelle für das Haus Romanow.
Amtlich wird das Zeremoniell für die bürgerlichen,
reli=
giöſen und militäriſchen Feierlichkeiten bekannt gegeben,
die vom 6. bis zum 9. März aus Anlaß des 300jährigen
Jubiläums des Hauſes Romanow ſtattfinden ſollen. Am
7. März vormittags werden der Kaiſer und die Kaiſerin
im Winterpalais die Deputation der verſchiedenen
Staa=
ten und am Abend das diplomatiſche Korps empfangen
Vereinigte Staaten.
VVerbot der Einwanderung. Die Bill,
durch die Analphabeten von der Einwanderung in die
Vereinigten Staaten ausgeſchloſſen werden ſollen, wurde
trotz des Taftſchen Vetos vom Senat mit 78 gegen 18
Stimmen zum zweitenmal angenommen. Nunmehr ſoll
der Verſuch gemacht werden, die Bill wiederum im
Reprä=
ſentantenhauſe einzubringen.
Antitruſtgeſetz. Die ſieben Antitruſtvorlagen
Wilſons ſind vom Repräſentantenhauſe des Staates New=
Jerſey in derſelben Faſſung angenommen, in der ſie
ſchon vom Senat vor einer Woche angenommen worden
ſind. Sie gehen nun an den Gouverneur Wilſon zur
Unterzeichnung. Eine Delegation von Arbeiterführern
ſuchte den Gouverneur auf und verlangte eine
Abände=
rung, wodurch die Arbeitergewerkſchaften und Verbände
von der Anwendung der ſieben Geſetze ausgenommen
werden. Wilſon wies darauf hin, daß die Anwendung
der Geſetze auf diejenigen beſchränkt ſei, welche Handel
mit allgemeinen Verkehrsgütern treiben. Der oberſte
Ge=
richtshof habe entſchieden, daß Arbeit kein allgemeines
Werkehrsgut im Sinne des Geſetzes ſei. Falls die
Vor=
lagen nach den Wünſchen der Arbeiterführer abgeändert
würden, würden ſie von den Gerichten New=Jerſeys als
Klaſſengeſetzgebung für unkonſtitutionell erklärt werden.
Die Arbeiterführer zogen daraufhin ihren Einwand zurück.
* Zu der Meldung über die Reiſe des
Kaiſer=
vaares nach Gmunden ſagt ein Berliner
Tele=
gramm der Kölniſchen Zeitung: Nach unſeren
Erkundi=
gungen dürfte der Kaiſer nicht fahren. Dagegen ſcheint
jes ſich zu beſtätigen, daß die Kaiſerin mit dem
Braut=
paar in nicht zu ferner Zeit einen Beſuch in Gmunden
abſtatten wird.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. Februar.
* Vom Hofe. Der Fürſt zu Solms=Lich, ſowie
Prinzeſſin Marie zu Solms=Lich und Gräfin Jutta zu
Stolberg=Wernigerode ſind am Dienstag nachmittag
2 Uhr 26 Min. zum Beſnch im Neuen Palais
einge=
troffen. — Abends 8 Uhr folgten die Großherzoglichen
Herrſchaften einer Einladung des Kaiſerlich Ruſſiſchen
Miniſterreſidenten Staatsrats von der Vliet zum
Abendeſſen. (Darmſt. Ztg.)
Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den von Sr. Erl. dem Grafen zu Erbach=Erbach
auf die zweite evangeliſche Pfarrſtelle zu Erbach
präſen=
tierten Pfarrverwalter Rudolf Zentgraf daſelbſt für
dieſe Stelle.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Karl Roth in
Kelſterbach, Kreis Groß=Gerau, eine Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Mühlheim, Kreis Offenbach, mit
Wirkung vom 1. April an.
* Verſetzt wurde der Großh. Steueraufſeher Friedrich
Knöß zu Bingen in den Aufſeherbezirk Aſſenheim und
der Großh. Steueraufſeher Theodor Freitag zu
Wimpfen in den Aufſeherbezirk Vilbel, beide vom 1. April
d. J. an.
* Erledigte Stellen. Eine Oberlehrerſtelle an der
höheren Mädchenſchule und dem Lehrerinnenſeminar zu
Mainz. Oberlehrer oder Lehramtsaſſeſſoren mit
Lehr=
befähigung in Deutſch, Geſchichte und — wenn möglich
Engliſch wollen ihre Meldung bis zum 28. Februar an
die Abteilung für Schulangelegenheiten richten. — Eine
mit einem evangeliſchen Lehrer zu beſetzende
Lehrer=
ſtelle an der Gemeindeſchule zu Ober=Lais, Kreis
Schotten. — Die Stelle eines Steueraufſehers bei Großh.
Hauptſteueramt Bingen. — Die Stelle eines
Salz=
ſteueraufſehers bei Großh. Salzſteueramt Wimpfen.
* Militärdienſtnachrichten. Major Frhr. v.
Leh=
mann im Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115 als
Major beim Stabe in das Inf.=Regt. Graf Barfuß
(4. Weſtf.) Nr. 17 nach Mörchingen verſetzt. Major
Frei=
herr Weſterweller von Anthoni im Garde=
Drag.=Regt. 23 als Major beim Stabe in das Drag.=Regt.
Prinz Albrecht von Preußen (Lit.) Nr. 1 nach Tilſit
ver=
ſetzt. Die Leutnants v. Küchler und v. Frantzius
im Leibgarde=Regt. Nr. 115 zu Oberleutnants befördert.
n. Die Strafkammer verurteilte geſtern den 42jährigen,
rückfälligen Schreinergehilfen Emil Joſeph
Scherer aus Offenbach wegen ſchweren
Dieb=
ſtahls zu einem Jahr drei Monaten
Ge=
fängnis und rechnete ihm in Anbetracht ſeines
Ge=
ſtändniſſes hierauf einen Monat Unterſuchungshaft an. Er
hatte ſich in recht abgefeimter Weiſe eine günſtige
Ge=
legenheit geſchaffen indem er die Inhaberin einer
Kaffee=
bude in Offenbach täuſchte. Als letzter Gaſt verließ er
ſpät abends mit ihr das Lokal, tat ſo, als ob er die
Tür zuſchließe, und händigte der Argloſen den Schlüſſel
ein. Er hatte jedoch die Tür nur beigedrückt, ſo daß ſie
offen blieb, und er kurz darauf eindringen konnte. Aus
dem aufgebrochenen Gasautomaten eignete er ſich den
Inhalt von 20 Mark an. — Auch der 32 Jahre alte
rück=
fällige Fuhrknecht Otto Diether aus
Offen=
bach war des Diebſtahls geſtändig und erhielt mit
mildernden Umſtänden ſieben Monate
Gefäng=
nis., abzüglich ein Monat Unterſuchungshaft. Er hatte
im März vorigen Jahres einem Fuhrunternehmer eine
Hebewinde im Werte von 40 Mark entwendet, die er
ver=
äußern konnte und war im Januar dieſes Jahres
er=
wiſcht worden, als er gerade von einem auf der Straße
haltenden Wagen einen Sack Mehl im Werte von 30 Mark
ſtahl und wegtrug. — Sehr leicht lag der Fall der
bis=
her unbeſtraften 20 Jahre alten Fabrikarbeiter in
Kunigunde Bender aus Offenbach, die wegen
qualifizierter Urkundenfälſchung nebſt
Betrugsverſuch mit der zuläſſigen Mindeſtſtrafe
von einer Woche Gefängnis davonkam und recht
töricht gehandelt hatte. Um ſich notwendige Wäſcheſtücke
zu verſchaffen, kaufte ſie ſolche auf Abzahlung mit einem
Angeld von 2 Mark und unterzeichnete den ihr vorgelegten
Vertrag mit dem Namen einer Bekannten. Sie
beabſich=
tigte, ſich ſo in den Beſitz der Ware zu ſetzen und weitere
Ratenzahlungen zu vermeiden. Da jedoch der Lieferant eine
größere Anzahlung verlangte, und ſie dieſe nicht leiſtete
wurde ihre Abſicht vereitelt und der Sachverhalt bald
entdeckt, ohne daß Schaden erwachſen war.
* Meiſterprüfung und Lehrlingsanleitung. Am 28
Februar iſt Meldeſchluß für die demnächſt
außerter=
minlichen Meiſterprüfungen; ſpäter einlaufende
Anmeldungen werden nicht mehr berückſichtigt. Es ſei
dabei nochmals darauf aufmerkſam gemacht, daß nach
dem Reichsgeſetz vom 30. Mai 1908 (ſogen. kleiner
Befä=
higungsnachweis) bekanntlich im allgemeinen nur noch
ſolche Perſonen Lehrlinge anleiten dürfen, welche
die Meiſterprüfung beſtanden haben, und daß die
Friſt, bis zu welcher die Meiſterprüfung noch ohne
Nach=
weis der beſtandenen Geſellenprüfung abgelegt werden
kann, am 1. Oktober 1913 abläuft. Um daher noch
mög=
lichſt vielen Handwerkern die Teilnahme an der Prüfung
nach den erleichterten Beſtimmungen zu ermöglichen, iſt
neben der für Herbſt d. J. vorgeſehenen terminlichen
Prüf=
ung noch die Abhaltung dieſer außerterminlichen
Meiſter=
prüfung angeordnet worden. Zwecks Zulaſſung zu
derſelben iſt an das Sekretariat der Handwerkskammer
zu Darmſtadt die Prüfungsgebühr von 35 Mark
einzu=
zahlen. Mit der Quittung hierüber verſendet die Kammer
zugleich das vorgeſchriebene Anmeldeformular, das
aus=
geſtellt mit ſämtlichen geforderten Anlagen (Nachweiſen)
an den neu beſtellten Vorſitzenden der
Meiſterprüfungs=
kommiſſion für die Provinz Starkenburg, Herrn
Stadt=
baurat Steinberger zu Darmſtadt, Grafenſtraße 30,
bis zu oben genanntem Tage einzureichen iſt. Für die
Zulaſſung weiblicher Gewerbetreibender ſind die für die
männlichen Kandidaten geltenden Beſtimmungen
maß=
gebend, doch werden während der bis 1. Oktober 1913
er=
ſtreckten Uebergangszeit weibliche Handwerker auch dann
zur Meiſterprüfung zugelaſſen, wenn die vorgeſchriebene
Lehr= und Geſellenzeit oder die Ablegung der
Geſellen=
prüfung nicht nachgewieſen werden kann.
— Gewerbemuſeum. Die neu eröffnete
Ausſtel=
lung im Gewerbemuſeum (Neckarſtraße 3) bringt
dies=
mal wieder eine geſchloſſene Vorführung von Arbeiten
eines jungen heſſiſchen Künſtlers, L. Enders=
Darm=
ſtadt, der ſeine Schulung in München und vor allem bei
Profeſſor Kleukens, dem Mitgliede der Darmſtädter
Künſtlerkolonie, erhalten hat. Die Ausſtellung umfaßt
Arbeiten, die für den Buchſchmuck hergeſtellt ſind;
Buch=
titel. Vignetten. Exlibris uſw. Ferner Bucheinbände
und dekorative Zeichnungen und Malereien. Schließlich
geſtickte Kiſſen und Kleider, die nach den Entwürfen von=
Enders von verſchiedenen Damen ausgeführt ſind. Die=
Ausſtellung gibt das Bild einer ſtarken dekorativen
Be=
gabung, deren Schulung durch Kleukens unverkennbar iſt
die aber ihren entſchiedenen Eigenwillen beſitzt und
Re=
ſultate erreicht, die voll Erfindungsluſt, Grazie und
apar=
ter Feinheit ſind. Die Ausſtellung dauert bis Mitte
März und iſt täglich geöffnet von 11 bis 1 Uhr, Mittwochs
und Samstags außerdem nachmittags von 3 bis 5 Uhr:
Der Eintritt iſt frei
— Das Bezirkskommando I Darmſtadt erläßt
nach=
ſtehende Bekanntmachung: Die Zuſtellung der
Kriegsbeorderungen und Paßnotizen erfolgt im Kreiſe
Darmſtadt in der Zeit vom 10.—25. März 1913, ir
Stadtbezirk durch Ordonnanzen (Aushändigung ohne
Empfangsbeſcheinigung), im Landbezirk in gewöhnlichen
Briefen unter „Heeresſache” durch die Poſt. Die bis
da=
hin noch nicht zur dienſtlichen Kenntnis gebrachten
Wohn=
ungsveränderungen ſind ſofort zu melden. Für
unter=
laſſene Meldungen — was ſich bei der Zuſtellung der
Kriegsbeorderungen und Paßnotizen herausſtellt — tritt
Beſtrafung ein. Die Mannſchaften des Stadtbezirks haben,
falls ſie nicht ſelbſt zu Hauſe ſind, eine andere Perſon des
Hausſtandes mit der Empfangnahme der
Kriegsbeorde=
rungen oder Paßnotizen zu beauftragen. Die vom 1
April 1913 ab nicht mehr gültigen
Kriegsbeorderun=
gen und Paßnotizen (rote Farbe) ſind an dieſem Tage
durch die Mannſchaften des Beurlaubtenſtandes ſelbſt zu
vernichten, die neuen, von gelber Farbe, in den
Militär=
paß einzukleben. Alle Mannſchaften des
Beurlaubten=
ſtandes ſind verpflichtet, ihrem Bezirksfeldwebel ſofort
Meldung zu erſtatten, wenn ſie am 25. März 1913,
abends, noch nicht im Beſitze ihrer Kriegsbeorderung
oder Paßnotiz ſind. Für unterlaſſene Meldung — was
ſich bei den Kontrollverſammlungen herausſtellt — tritt
Beſtrafung ein.
— Ausbau des Ueberlandnetzes der „Heag‟. Ueber
die Errichtung des Ueberlandnetzes der
Heſ=
ſiſchen Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft
er=
fahren wir, daß mit dem Ausbau der Strecke von
Darmſtadt nach Groß=Umſtadt und den
da=
zwiſchen liegenden und benachbarten Orten alsbald be
gonnen werden kann, da das Leitungsmaterial in Auftrag
gegeben iſt und bald angeliefert wird. Auch die
Ver=
handlungen wegen Fortführung der Ueberlandleitunger
durch das Modautal über Ernſthofen,
Bran=
dau, Gadernheim nach Reichenbach, Schönberg und
Rich=
tung Heppenheim ſind derart gediehen, daß einſchließlich
des nördlichen Teils der Provinz Starkenburg bereits mi
65 Gemeinden Verträge wegen Lieferuna von Licht= und
Kraftſtrom mit der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft
abgeſchloſſen worden ſind. Die Hoffnungen, die man
auf die neue Geſellſchaft geſetzt hat, dürften ſomit in
Er=
füllung gehen, indem ein eifriges Arbeiten feſtgeſtellt
wer=
den kann. Nach dem Ausbau dieſer beiden Gebiete und
Verſorgung mit Strom an die betreffenden Gemeinder
werden weitere Verhandlungen eingeleitet wegen
Strom=
lieferung in das Gerſprenz= und Mümlingtal, ſo daß auch
für Michelſtadt. Erbach, Beerfelden und im Gebiete von
Aus der eiſernen Zeit:
Die Befreiung Berlins.
(20. Februar bis 4. März.)
* * Wie groß war in jenen zukunftsreichen, aber
noch ungeklärten Februartagen des Jahres 1813, als die
Erhebung des Volkes ſich eben erſt vorbereitete, die
Ge=
ffahr, daß die noch in Deutſchland ſtehenden Franzoſen
einen entſcheidenden Schlag führten und den
eindringen=
den Ruſſen mannhaft widerſtanden! Es bedeutete ein
ganz außerordentliches Glück für die Sache der
Verbün=
deten, daß der franzöſiſche Heerführer, dem in Vertretung
des Kaiſers die ſchwere Aufgabe geworden war, das
fran=
zöſiſche Machtgebiet in Deutſchland zu behaupten, daß
Napoleons Schwager Eugen Beauharnais, der Vizekönig
von Italien, ſich ſeiner Aufgabe nicht gewachſen zeigte
Das Ausharren in ſeiner Stellung an der Oder hätte den
Ruſſen, die mit ihrer Hauptarmee noch tief in Polen
ſteck=
ten, einen ſchwer zu überwindenden Damm
entgegenge=
ſtellt. Der Vizekönig aber verzichtete in übereilter
Aengſt=
lichkeit von vornherein auf die Verteidigung der
Oder=
linie und beſchloß, ſeine Truppen weiter rückwärts bei
Berlin zu ſammeln. Er ſelbſt nahm ſein Hauptquartier
in Schöneberg.
Während dieſes Rückzuges aber erſchienen bereits,
von der Bevölkerung jubelnd begrüßt, als die erſten
Be=
freier die Koſaken deren raſchem Vordringen ein
Hauptverdienſt an der ſchnellen Räumung Preußens
durch die Franzoſen zugeſchrieben werden muß. Dieſe
bärtigen Geſellen auf ihren flinken zottigen Pferden
eil=
ten in den Tagen vom 15.—21. Februar unter der
Führ=
rung des Generals Tſchernitſchew und der Oberſten
Tettenborn und Benckendorf über das morſche Eis der
Oder oberhalb von Küſtrin, warfen ſich mit verwegener
Kühnheit auf die vereinzelt marſchierenden franzöſiſchen
Bataillone und riefen einen Schrecken hervor, der die
Bürger Berlins mit freudiger Hoffnung, die franzöſiſche
Beſatzung mit tiefen Sorgen erfüllte. So ſchwärmten
ein=
zelne Pulks bis in die Gegend von Berlin, und mit
un=
glaublicher Verwegenheit unternahm Tettenborn am
20. Februar einen Ueberfall auf die Stadt,
nachdem er mit größter Dreiſtigkeit den Kommandanten
Augerau zur Uebergabe aufgefordert hatte. Tettenborn,
eine „leichte luſtige Huſarennatur” wie ihn Arndt nennt,
hatte ſchon früher als öſterreichiſcher Offizier, dem
Ge=
ſandten in Berlin zugeteilt, durch ſeine tollen Streiche
und ſeine Verſchwendung bei den Bürgern Aufſehen
er=
regt. Er verſchleuderte damals eine ihm von preußiſchen
Verwandten zugefallene Erbſchaft von 20000 Talern in
wenigen Monaten, ſo daß er bei ſeiner Abreiſe auch nicht
einen Pfennig mehr davon beſaß. Der leichtſinnige,
liebenswürdige Reiterführer wurde als Erretter und
Be=
freier begrüßt, da er durch das Königstor in die Straßen
eindrang. Zu gleicher Zeit hatte ſein Stabschef, der
Ma=
jor von Pfuel, Heinrich von Kleiſts Freund, das
Schön=
hauſer Tor erobert. „Die feindliche Kavallerie widerſteht
dem Ungeſtüm des Angriffes nicht und wirft ſich in
Un=
ordnung in die Stadt zurück,” ſo wurde ſpäter in der
Spenerſchen Zeitung der Ueberfall geſchildert. „Die
Ko=
ſaken folgen und ſprengen den Flüchtlingen nach bis auf
den Alexanderplatz, wo feindliche Infanterie und
Artil=
lerie weiterer Verfolgung ein Ziel ſetzte, nicht ſowohl
durch ihre Contenance, denn die Gewehre zitterten in den
Händen der Erſchrockenen, ſondern weil es unvorſichtig
geweſen wäre, zu weit in einer Stadt vorzudringen, in
der 6000 Mann Infanterie waren, und wo man ſich bei
allen Querſtraßen durch Seitendetachements ſchwächen
mußte. Einzelne Koſaken ſprengten indes durch alle
Straßen und verbreiteten überall Schrecken und
Ver=
wirrung unter den Franzoſen, während ſie von den
Ein=
wohnern mit lautem Jubel begrüßt wurden. Der
Schrecken hatte ſich der Gemüter der Franzoſen ſo gänzlich
bemächtigt, daß die ſeltſamſten Wirkungen daraus
hervor=
gingen. Als der Oberſt von Tettenborn, umringt von
Offizieren, in der Hitze der Verfolgung bis an eine
Ka=
ſerne ſprengte, deren Fenſter dicht mit franzöſiſchen Tirail
leurs beſetzt waren, ſo erhielt er auf 15 Schritt eine
Ge=
wehrſalve, ohne daß irgend jemand auch nur verwundet
ward. Die außer Faſſung geratenen Tirailleurs hatten
alles überſchoſſen.
Tettenborn hatte gehofft, durch dieſes Eindringen
das Signal zu einer allgemeinen Erhebung der Berliner
zu geben; er war wütend auf dieſe „Beſtien, die kein Blut,
ſondern Waſſer in den Adern haben” Aber die Stadt
war ganz unvorbereitet, den Bürgern fehlte es an
Waffen, und der Oberſt mit ſeinen wenigen tauſend Rei=
tern konnte einen ernſten Kampf gegen die 10000 Mann
ſtarke Beſatzung nicht wagen. So zog er ſich wieder
zu=
rück. Einige verſprengte Abteilungen, die ſich zu weit
vor=
gewagt hatten, bis nach den Linden, dem Dönhoffsplätzt
und dem Potsdamer Tor, wurden von den Einwohnern
freundlich aufgenommen und vor den Franzoſen verſteckta
Eine düſtere ſchwere Zeit voll banger Erwartungen brach
nun über Berlin herein. Die Franzoſen biwakierten auf
den Plätzen, ſchußbereit waren die Kanonen aufgefahren
die Tore geſchloſſen, Patrouillen durchzogen die Stadt,
Totenſtille auf allen Straßen.
Da kam früh am 4. März die erlöſende Kunde: die
Franzoſen ziehen ab! Der Vizekönig, der zu ſeinen
Streitmacht kein Vertrauen hatte und völlig ratlos ge
worden war, beging einen neuen ſchweren Fehler: er gäbl
auch die Hauptſtadt auf und zog ſich auf ſeine
Verſtärk=
ungen an der Elbe zurück, obwohl die ruſſiſche Hauptmacht
erſt nach mehreren Monaten auf dent Kriegsſchauplatzt
eintreffen konnte. Um 5 Uhr morgens, als die franzöſiſche
Nachhut noch am Halleſchen Tore ſtand, drangen
gleich=
zeitig etwa 6000 Koſaken und Baſchkiren, die Vorhut von
Wittgenſteins Heer, in Berlin ein. „Die Koſaken ebneten
mit Hacken und Schaufeln augenblicklich die von dem
Franzoſen veranſtalteten Erdaufwürfe und Gräben, und
um 6 Uhr zogen unter Aufführung des kommandierender
Generals die ruſſiſchen Truppen in die Stadt. Ihr
Ein=
marſch ging durch die gedrängten Reihen des Volkes, das
von allen Seiten hinzuſtrömte und ihnen den
freundlich=
ſten Willkommen entgegenbrachte.” „Den Jubel bei den
Einzug ſtellſt Du Dir nicht vor,” ſchrieb Niebuhr, „und ſi
ſind ſie im ganzen Lande empfangen. Preußen und
Am meiſten
Ruſſen ſind wie Brüder miteinander.”
jauchzte man jenen exotiſchen Gäſten der fernen Steppen,
den Koſaken, Kalmücken und Baſchkiren zu, die, „auf ihren
kleinen Pferden hängend, die lange Lanze in der nervigen
Fauſt, freundlich fragten, wo der nächſte Weg nach Paris
ginge” Sie wurden wahrhaft vergöttert und mit Brot
Wurſt, Tabak und Schnaps überſchüttet. Die vornehmſten
Damen brachten den ſchmutzigen, ſtruppigen Kerlen Er
quickungen ins Lager. „Jedem Koſaken lief man
womög=
lich nach,” erzählt Karoline von Rochow, „fand alles an
ihnen himmliſch, ihre eigentümliche Erſcheinung, ihre
Bärte, ihren Geſang.” Mit einer improviſierten Illu
mination wurde die Befreiung Berlins geſeiert.
Wald= Richelbach die Stromzuſührung von Darmſtadt in
Ausſicht geſtellt werden kann.
Fahrplananderungen. Die auf der Strecke
Darmſtadt Oſt=Groß=Zimmern für die Zeit
Jom 1. April bis 30. September vorgeſehenen und durch
Den Winterfahrplan bekannt gegebenen Perſonenzüge
5700 W und 5701 W fallen aus. An deren Stelle
werden die Perſonenzüge 5702 W und 5703 W in den
eitherigen Fahrplänen weiter gefahren. — Der bisher
aur in der Zeit vom 1. Mai bis 31. Oktober zwiſchen
Reinheim und Darmſtadt verkehrende Sonn=
und Feiertagszug 734a wird in dem für den Monat
Oktobery v. Js. veröffentlichten Fahrplan auch im
Monat April d. Js. an Sonntagen gefahren.
Bismarck=Nationaldenkmal. Die heutige Nummer
Unſeres Blattes enthält einen Aufruf des
Ortsaus=
ſchuſſes zur Errichtung des Bismarck=Nationaldenkmals,
tuf den hiermit hingewieſen ſei.
nn. Silberne Hochzeit. Aus Anlaß des heute
ſtatt=
ſindenden Silbernen Hochzeitsfeſtes des Heern
Bauunternehmers und Stadtverordneten Sames ließen
die Beamten der Sektion II der Heſſen=Naſſauiſchen
Zaugewerksberufsgenoſſenſchaft dem Jubilar ein
pracht=
volles Blumen Arrangement mit einer kunſtvoll
ausge=
führten Widmung, mit folgendem Wortlaut
über=
eichen: In dankbarer Verehrung ihrem lieben Chef zu
ſeinem Silbernen Hochzeitsfeſt gewidmet von den
Beam=
en der Sektion II der Heſſen=Naſſauiſchen
Berufs=
genoſſenſchaft.
R.W.=V. Zu Ehren Profeſſor Arnold Mendelſohns,
em der Richard Wagner=Verein am Dienstag
ünnerhalb 18 Jahren zum ſiebenten Male einen
Lieder=
abend gewidmet und der deſſen Vorſtand jetzt 20 Jahre
untgehört, war nach Schluß des Konzerts im „Darmſtädter
Lof” eine intime Feier veranſtaltet worden, zu der ſich
zahlreiche Freunde des Darmſtädter Tondichters
einge=
funden hatten. Von den Herren Major von Hahn und
Kat Sonne wurden Anſprachen gehalten, in denen
Pro=
fiſſor Mendelſohns hervorragende Eigenſchaften als
iäenſch und Künſtler mit Herzlichkeit gewürdigt und ihm
fer ſeine großen Verdienſte um das künſtleriſche Gedeihen
des Richard Wagner=Vereins warmer Dank geſagt wurde.
um äußeren Zeichen der Dankbarkeit wurde dem
Ge=
ßierten ein Teil der großen Bach=Ausgabe der Neuen
Bach=Geſellſchaft überreicht. Profeſſor Mendelsſohn
er=
ſiderte in längerer Rede auf die erwieſenen Ehrungen
ſunrd gedachte ſeinerſeits dankbar der mannigfachen
künſt=
ſtriſchen Anregung und tatkräftigen Förderung, die er
dem Darmſtädter Richard Wagner=Verein verdanke. Die
von echter Freundſchaft und innerer Harmonie getragene
eier nahm den ſchönſten Verlauf.
— Die Frauenortsgruppe des Vereins für das
Deutſch=
tirm im Ausland (Allg. Deutſcher Schulverein) hielt am
Wontag im Vorſtandszimmer des Muſikvereins ihre
Hauptverſammlung ab. Nachdem die Vorſitzende,
rau Profeſſor Lenz, die anweſenden Damen begrüßt
hatte, erſtattete ſie den Jahresbericht und gab über
diee rege Tätigkeit der Vereinsarbeit ihrer Freude warmen
Autsdruck, namentlich über den ſchönen Erfolg der erſten
frauentagung im Herbſt des verfloſſenen Jahres, ebenſo
loer das ſchöne und harmoniſch verlaufene Feſt der drei
vtreinigten Ortsgruppen. Gerade in der jetzigen Zeit, wo
ſich um Erhaltung der hochwichtigen, deutſchvölkiſchen
Zätze an den Sprachgrenzen und im Ausland handelt,
ſollte jede deutſche Frau die Beſtrebungen des Vereins
unterſtützen und durch ihren Beitritt kräftigen und heben.
de Jetztzeit vermag zu würdigen, was Frauenarbeit im
vörtſchaftlichen ſowie ſozialen Leben heißt. Wie wertvoll
ſt es, daß die Frau von heute verſtehen gelernt hat, ihre
ſtaft auch dem nationalen Leben zu weihen und ſich als
iim Glied großer Gemeinſchaft fühlt, um dem Vaterlande
u dienen. Möge ein guter Stern auch ferner über ſolch
er Arbeit leuchten, und die Frauenortsgruppe
Darm=
teldt ihr Volkstum im Ausland ſtändig und tatkräftig
brdern. Die Vorſitzende ging nun zum internen Teil
liter. Die Mitgliederzahl beträgt 960; die
Ein=
ſahme des Jahres beziffert ſich auf 4234,66 Mark. Vom
ſteinertrag des Feſtes wurden von den 3 Ortsgruppen
eneinſam verausgabt: 500 Mark Stipendienfonds, 500
Naark zur Erhaltung des deutſchen Beſitzes der Burg
Erſen (Südtirol), 400 Mark an Weihnachten für arme
kinder in Südtirol, 250 Mark Reichsdeutſches
Weih=
ſachtsbäumchen, 100 Mark an den Verein gegen
Ver=
umung und Bettelei in Darmſtadt. Selbſtändige
Unter=
üürtzungen der Frauenortsgruppe beliefen ſich auf 1470
Nark und 1200 Mark als ein Drittel der Einnahmen an
lie Hauptleitung nach Berlin, einſchließlich von 200 Mark
ſt Vereinszeitſchriften; der Reſtbetrag wurde an
vorlie=
lende Geſuche verteilt. Der Schatzmeiſterin, Frau
Ober=
ſanzrat Röck ſprach die Vorſitzende für die rührige und
ewiſſenhafte Führung dieſes Ehrenamtes den warmen
dnk des Vereins aus und erteilte ihr Entlaſtung. Der
Pherige Vorſtand wurde aufs neue gewählt. Das
lichſte Deutſche Feſt iſt auf den 8. November 1913
lſtgeſetzt.
* Der Verein für Geflügel= und Vogelzucht
„Ornis” hielt am Montag ſeine
Monatsverſamm=
lung ab. Der 1. Vorſitzende, Herr Schömer,
er=
öffnete die Verſammlung mit Bekanntgabe verſchiedener
Einläufe. Die Wahl der Delegierten zum Starkenburger
Verband wurde dem Vorſchlag des Vorſtandes
ent=
ſprechend erledigt; gewählt wurden: die Herren Geiger
und Schleidt; als Stellvertreter: die Herren Geppert
nnd Nungeſſer. Nach eingehender Beſprechung
ver=
ſchiedener Verbandsangelegenheiten ging man zur
Wahl der Preisrichter für die diesjährige
Aus=
ſtellung über. Dieſer Gegenſtand veranlaßte eine
gründ=
liche Ausſprache. Der 2. Vorſitzende wurde ermächtigt,
alsbald mit den von der Verſammlung in Ausſicht
ge=
nommenen Preisrichtern zu verhandeln. Der letzte
Punkt der Tagesordnung „Neuregelung der
Aus=
ſtellungsbeſtimmungen” mußte wegen vorgerückter
Stunde bis zur März=Verſammlung verſchoben werden.
Nachdem noch bekanntgegeben war, daß die Klubringe
für Tauben bei Herrn Wenz, Marktplatz, bezogen
werden können, wurde die Verſammlung mit der
üblichen Verloſung geſchloſſen.
* Verein für Verbreitung von Volksbildung.
Infolge der ſtarken Nachfrage nach Eintrittskarten zu
dem Lichtbildervortrag von Herrn Kuſtos Dr.
Haupt über: „Urſprung, Entwicklung und Zukunft
unſerer Erde” am Donnerstag, ſieht ſich der Vorſtand
gezwungen, den Vortrag im Mathildenhöhſaal,
Dieburgerſtraße 26, ſtattfinden zu laſſen. Trotz des
nunmehr größeren Saales empfiehlt ſich baldige Löſung
der Eintrittskarten am Verkehrsbureau.
— Die Mazdaznan=Vereinigung Darmſtadt wird
demnächſt zwei Vortragsreihen veranſtalten,
welche die Harmonie der Körper= und Geiſtespflege be
leuchten ſollen. Die erſte Reihe iſt für die Tage des
25. bis 28. Februar angeſetzt. Herr Woldemar Richter,
Chemiker aus Leipzig, wird in dem erſten Vortrage
über die bewußte Ausbildung der Geiſteskräfte, deren
Wirkungsweiſe im Körper, über Veranlagung und die
Entwicklung der Begabung ſprechen. Die beiden nächſten
Vorträge behandeln die Diät und die Speiſenbereitung
für geiſtig Arbeitende. Dabei ſollen Koſtproben
ge=
reicht werden. Der vierte Vortrag, das Faſten als das
ſtärkſte Heilmittel, betrachtet die Reinigung des Körpers
durch zweckmäßiges Faſten, die Heilwirkungen der
Speiſen bei richtiger Einteilung und Enthaltung, ſowie
anderes. (Näheres ſiehe Plakate und Anzeige.)
— Dem Verſchönerungsverein wurde von Herrn
Max Jonas Meyer für ſich und ſeine Gemahlin eine
Jubiläumsgabe von zweihundert Mark überſendet.
C. Baſar. Am 27. April findet in der Turnhalle
am Woogsplatz ein Baſar zum Beſten der im
Stadtteil Beſſungen zu erbauenden katholiſchen
Kirche ſtatt, worauf ſchon jetzt hingewieſen ſei.
— Gründung einer Muſikerbörſe. In einer von
den hieſigen Zivilmuſikern anberaumten und ſehr
zahlreich beſuchten Verſammlung wurde ene
Zivil=
muſiker=Vereinigung gegründet. Dieſe ſoll den
Zweck haben, die Lage der Zivilmuſikern zu beſſern, den
Vereinen, Korporationen, Eigentümern von
Etabliſſe=
ments und Konzertgebern bei gelegentlichem Bedarf
Gewähr für gute Muſik zu bieten zu dieſem Zweck
wurde eine ſogenannte Muſikerbörſe ins Leben
gerufen. Das Lokal der Vereinigung befindet ſich im
Reſtaurant „Zur Reichspoſt” Grafenſtraße.
W. Deutſche in Mexiko. Ein Darmſtädter Herr
ſchreibt uns: Ich fragte beim Auswärtigen Amt nach
der Lage der Deutſchen in Mexiko; ein Sohn von mir
(Arzt) mit Familie lebt in der Stadt, ſein Sprechzimmer
liegt in der von der Kanonade beſonders heimgeſuchten
Avenida San Francisco. Das Auswärtige Amt
er=
widerte mir telegraphiſch: Nach telegraphiſcher Meldung
des Kaiſerlichen Geſandten in Mexiko iſt bis jetzt
kein Reichsangehöriger verletzt worden. Eventuelle
direkte telegraphiſche Anfragen wären zu
richten an Legacion Alemana Mexico D. F.
— Traiſa, 19. Febr. Im Saale des Herrn Fr.
Sei=
bert fand der Delegiertentag des
Geſang=
vereins „Eintracht” ſtatt, der am 24., 25. und 26.
Mai ſein 50jähriges Jubiläum, verbunden mit
Weihe einer neuen zweiten Fahne und nationalem
Geſangs=Wettſtreit, feſtlich begeht. Herr Heydt
begrüßte die erſchienenen Gäſte durch eine kernige
An=
ſprache, worauf die aktiven Mitglieder des feſtgebenden
Vereins den Chor „Die Braut des Afrikakämpfers” von
J. Pauli zu Gehör brachten, der durch ſeine exakte und
muſtergültige Vortragsweiſe von einer guten Schulung
der Sänger zeugte und reichen Beifall brachte. Hierauf
gab Herr Heydt das Reſultat der Anmeldungen zum
Ge=
ſangs Wettſtreit bekannt: 18 Vereine mit 639 Sängern.
Die hiernach erfolgende Ausſprache über die Bedingungen
uſw. verlief glatt und ohne Störung zur beiderſeitigen
Befriedigung.
Offenbach, 19. Febr. Durch den Verein zur
Sommer=
pflege kränklicher Volksſchüler werden in dieſem Jahr
be=
reits in den Oſterferien 30 erholungsbedürftige Kinder
zur Kur nach Bad Nauheim geſchickt. — Zu den in der
Schuhfabrik Haſſia ausgebrochenen
Lohndifferen=
zen haben die Schuhmacher in einer Verſammlung
Stel=
lung genommen und einſtimmig eine Reſolution
ange=
nommen, in der es heißt: Die Verſammlung erklärt ſich
ganz entſchieden gegen die Lohnregulierungen des Herrn
Liebmann, die nichts anderes als Lohnabzüge ſind. Die
ſich immer mehr verteuernden Lebensverhältniſſe zwingen
die Arbeiterſchaft, ſich gegen jeden Lohnabzug ganz
ent=
ſchieden zu wehren. Die Verſammelten fordern die
Kol=
legen der Schuhfabrik Haſſia auf, in dem großen Kampfe
auszuharren und verſprechen, ſie mit allen Kräften zu
unterſtützen.
w. Lampertheim, 18. Febr. In dem benachbarten
Hüttenfeld hatte dieſer Tage der Polizeidiener einen
Bettler verhaftet, im Gefangenenraum
unterge=
bracht und die Gendarmerie benachrichtigt. Beim
Ein=
treffetz des Wachtmeiſters war der Inhaftierte
ver=
ſchwunden und ſoll zum Andenken noch das Gitter
des Gefangenenraums und eine Uniformjacke des
Polizei=
dieners mitgenommen haben.
Nierſtein, 19. Febr. Beim Fenſterreinigen
verunglückte das Dienſtmädchen eines
Weinguts=
beſitzers. Das Mädchen kam zu Fall und zertrümmerte
die Fenſterſcheibe. Durch die Glasſplitter erlitt ſie
der=
artig ſchwere Verletzungen, daß ſie nach Mainz ins
Kran=
kenhaus verbracht werden mußte. — Eine Prügelei
mit ſchweren Folgen fand nach einem Wortwechſel
zwi=
ſchen einigen Schiffern ſtatt, bei der allerhand gefährliche
Gegenſtände, Schaufeln uſw., als Waffen dienten. Einer
der Beteiligten wurde dabei ſo ſchwer verletzt, daß er ins
Krankenhaus gebracht werden mußte.
Guntersblum, 19. Febr. In der Nähe des mehrere
Jahrhunderte alten Julianenbrunnens der durch
unterirdiſche Quellen geſpeiſt wird läßt ſoeben
Gutsbe=
ſitzer Friedrich Schätzel Kellerausſchachtungen vornehmen.
Durch Sprengungen mit Romperit wurden Reſte von
Wohnſtätten freigelegt von denen man
an=
nimmt, daß es ſogenannte Höhlenwohnungen aus
vorchriſtlicher Zeit ſind. Auch iſt man auf eine
unter=
irdiſſche Quelle geſtoßen. All dies, ſowie auch die früher
ſchon hier gemachten Funde beſtätigen die Annahme, daß
unſere Gegend ſchon in früheſter Zeit beſiedelt war.
Sprendlingen (Rheinheſſen), 19. Febr. Zwei
ſchwere Unglücksfälle ereigneten ſich am geſtrigen
Tage in hieſiger Gemeinde. Ein Metzgergeſelle, der einen
Gemeindebullen von hier nach der Bahn führen wollte,
wurde von dem wild gewordenen Tiere angegeiffen und
mit den Hörnern gegen eine Wand gedrückt, ſo
daß er mit ſchweren inneren Verletzungen vom Platze
ge=
tragen wurde. Am gleichen Tage geriet der Knecht des
Bauunternehmers Collein unter ſeinen mit Sand
be=
ladenen Wagen und wurde überfahren. Er wurde
ſchwer verletzt nach dem Krankenhauſe übergeführt.
Bad Nauheim. 19. Febr. Die Kaiſerin wird
be=
ſtimmt am 17. März in Bad Nauheim eintreffen und bei
Profeſſor Grödel Wohnung nehmen. Schon einige Tage
darauf, am zweiten Oſterfeiertage, am 24. März, wird die
hohe Frau den Beſuch ihrer Tochter, der Prinzeſſin
Viktoria Luiſe mit deren Bräutigam, Prinz Ernſt Auguſt
von Cumberland, erhalten.
(*) Engelrod, 18. Febr. Der Vogelsberger
Sängerbund hielt hier ſeine Vertreterverſammlung
ab und beſchloß, ſein Bundesfeſt im Sommer hier
ab=
zuhalten. Damit wird der hieſige Geſangverein „
Ein=
tracht” ſein 25jähriges Stiftungsfeſt verbinden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 18. Febr. Prinz Ernſt
Auguſt, Herzog zu Braunſchweig und Lünebura, iſt
heute abend um 10 Uhr 50 Min. vom Anhalter Bahnhof
über München nach Gmunden abgereiſt. Die Kaiſerin
und Prinzeſſin Viktoria Luiſe nebſt Gefolge geleiteten
den Prinzen zum Bahnhof. — Zu Ehren des morgen und
übermorgen hier tagenden Deutſchen
Handels=
tages veranſtaltete die Berliner Handelskammer in
ihrem Heim einen Begrüßungsabend, zu dem
neben den bereits eingetroffenen auswärtigen
Delegier=
ten Mitglieder und Beamte der Berliner Handelskammer,
ſowie zahlreiche Ehrengäſte erſchienen waren. Bei dem
Abendeſſen brachte der Präſident der Handelskammer,
Ge=
heimrat Herz, ein begeiſtert aufgenommenes Hoch auf den
Handelstag aus, der eine überaus ſegensreiche Rolle im
wirtſchaftlichen Leben Deutſchlands ſpiele. Im Namen
des Präſidenten Kaempf, der heute ſeinen 71. Geburtstag
feiert, dankte der ſtellvertretende Vorſitzende des
Handels=
tages, Robinow=Hamburg, für den glänzenden Empfang
und feierte die Berliner Handelskammer und ihren
Prä=
ſidenten. — Der Oberbürgermeiſter von
Char=
lottenburg Schuſtehrus erkrankte geſtern nach=
Konzerte.
mm. Der 210. Vereinsabend des Richard
Pagner=Vereins am Dienstag war zugleich der
ßbente Komponiſtenabend, welcher Werken unſeres
hieſi=
ſt. bedeutenden Liederkomponiſten Arnold
Men=
ſellsſohn ausſchließlich gewidmet war. Außer den
hon ſo außerordentlich beliebt gewordenen, bereits be=
Aumten prächtigen älteren Tonſchöpfungen des Meiſters,
hr denen eine Auswahl zu Gehör kam, brachte der Abend
ſüch fünf neue und intereſſante Lieder verſchiedenen
In=
lilts, von denen drei plattdeutſche Lieder von Hermann
Wette, ein Lied Gottfried Kellers und H. Heines
ironi=
hes Gedicht „Das goldene Kalb” in neuer Vertonung
e Erſtaufführung im Richard Wagner=Verein erlebten.
ſuch Fräulein Tilly Koenen aus Berlin iſt ein ſehr
Kiebter Gaſt des Konzertpublikums, das der Meiſterin
Liedvortrags ſtets neue Sympathien entgegenbringt.
Af die Vorzüge ihrer volltönenden, edeltimbrierten
Alt=
ſmme und die abſolute Sicherheit ihres warmen
Vor=
tags wurde ſchon früher ausführlich eingegangen.
Dies=
hal zeigte ſich in beſonders günſtiger Weiſe in den
platt=
ltſchen Liedern — der Künſtlerin Mutterſprache —
ſtäulein Koenens zarte Innigkeit und
Nüancierungs=
fhigkeit im Ausdruck. In gleicher Weiſe, wie die ge
ngliche Leiſtung, mußte auch die originelle und dabei
natürliche Faſſung, die Mendelsſohn ſeinen
Tonſchöpf=
ngen zu geben weiß, das größte Intereſſe erregen.
Von den ſchon bekannten Geſängen waren einige noch
L. Wüllners Auffaſſung in lebhafter Erinnerung und
han könnte über den Unterſchied der Vortragsweiſe, die
ſbſtverſtändlich noch mancherlei berechtigte
Verſchieden=
hit zuläßt, Vergleiche anſtellen, nicht zum Nachteil von
ſäulein Koenens Eigenart. Doch darf bemerkt werden
dß das Bettlerlied und noch mehr noch Zarathuſtras
ſachtlied der männlichen Stimme bedürfen, um die Illu=
ſion nicht zu ſtören. Bei dem letztgenannten verurſachte
auch die Tonlage des Klaviers einen ungewohnt
frem=
den, etwas harten und ſpröden Klang. Dies hatte ſeinen
Grund in einer im Richard Wagner=Verein erſtmalig
vor=
geführten Neuerung, einem von der Firma Ibach nach
Anregung von Profeſſor Dr. Felix von Kraus für den
Studierſalon gebauten Transponier=Stutzflügel, deſſen
Ton aber für den großen Raum der Turnhalle doch nicht
ganz ausreichte und daher im Forte etwas herb und kurz
in der tiefen Tonlage wirkte; dort kann nur ein großes
Ganz=Inſtrument in Frage kommen. Weiter bringt es
die Vorrichtung mit ſich, daß bei der weiteſten
Verſchieb=
ung im Tieftransponieren nicht hinreichend ſchwere
Häm=
mer die dickeren Baßſaiten treffen, wodurch der Ton trocken
wird und zu ſtärkerem Anſchlagen nötigt. Endlich würde
für dieſen Zweck die Durchführung einer auch in den
Ter=
zen aller Tonarten ganz genau
gleichſchwe=
benden, nicht nur in Quinten temperierten Stimmung,
die Bach ſchon vor faſt 300 Jahren forderte und die von
hervorragenden Vertretern der Muſikwiſſenſchaft auch
jetzt wieder angeſtrebt wird, die Grundbedingung ſein.
Da in Sängerkreiſen die Einrichtung ſich jedenfalls
größ=
ter Beliebtheit erfreuen wird, möchten dieſe kurzen
phyſi=
kaliſch=techniſchen Hinweife zu weiterer Vervollkommnung
der wertvollen Einrichtung eine Anregung geben. (Wo
auf die Charakteriſtik der Tonart beſonderer Wert gelegt
wird, iſt natürlich der zum Soloſpiel der Pianiſten
ge=
ſtimmte Konzertflügel anzuwenden.)
Daß in Profeſſor Mendelsſohns Händen die
Begleitung wieder eine meiſterliche war, die den
Schön=
heiten und Feinheiten der Kompoſition nichts ſchuldig
blieb, verſteht ſich von ſelbſt. Ein prächtiger großer
Lor=
beerkranz mit poetiſcher Widmung wurde ihm zuteil. Für
die zahlreichen Hervorrufe dankte Fräulein Koenen mit
dem ſehr zart geſungenen intimen „Waigenleedeken”
Mendelsſohns.
Feuilleton.
C. Meteorologiſches aus Heſſen. (Vgl. Nr. 22 dieſes
Blattes vom 27. Januar). Der verfloſſene Januar war
im allgemeinen wetterwendiſch; Froſt wechſelte mit
Milde, doch herrſchte letztere vor. Die höchſten
Monats=
mittel der Temeratur lieferten Mainz und Darmſtadt
mit je 1,6 Grad Celſius, während Hochwaldhauſen mit
—1,3 Grad den niedrigſten Wert aufweiſt. Auffallend iſt
das verhältnismäßig hohe Mittel von Neunkirchen (0,1)
gegenüber Lauterbach (—0,2). Die höchſten Werte ſielen
meiſt auf den 24., wo Mainz als wärmſte Station 10
Grad aufwies, während der höchſte Monatsſtand in
Hoch=
waldhauſen nur 5,4 betrug; den tiefſten Monatsſtand
no=
tierte Lauterbach (am 15.) mit —11,2 Grad, wogegen in
Darmſtadt am gleichen Tage das Thermometer nur auf
5,7 Grad unter Null fiel und damit den tiefſten Stand
die=
ſer Station darſtellt, der am 30. ſich wiederholte. Die
Zahl der Froſttage ſchwankt zwiſchen 26 in
Hochwald=
hauſen und 18 in Neunkirchen (Darmſtadt 19). Auch hier
iſt die geringe Zahl dieſer Tage in dem hochgelegenen
Neunkirchen auffallend. Auch hinſichtlich der Eistage
(Temperatur ſtändig unter Null) ſteht Hochwaldhauſen
mit 10 an der Spitze während Darmſtadt nur einen
ſol=
chen Tag aufwies. Der Grad der Bewölkung entſprach
im allgemeinen der Jahreszeit. Die Gegenſätze bilden
hier Bad=Nauheim. Mainz und Worms einerſeits mit 81
Prozent und Neunkirchen mit 68 Prozent (Darmſtadt 72).
Die Niederſchlagsmengen gingen in den niedriger
ge=
legenen Landſtrichen im allgemeinen über den
Durch=
chnitt hinaus, ſo z. B. in Darmſtadt um 6 Millimeter,
während ſie in den Gebirgen dahinter zurück blieben.
Rheinheſſen dagegen war entſchieden zu naß, z. B.
Worms um 180 Prozent. Die Extreme bilden
Hochwald=
hauſen mit 101,7 Millimeter, dem Oberhiltersklingen
mit 07,4 am nächßen ſteht, während Kirchgöns in Ober=
mittag ernſtlich im Hotel Briſtol, in dem er eine Konferenz
hatte. Er befand ſich heute früh noch im Hotel, da er
zur=
fzeit noch nicht transportfähig iſt. Schuſtehrus war erſt
vor kurzem aus dem Süden, wo er nach langer Krankheit
Erholung geſucht hatte, mit friſchen Kräften zurückgekehrt.
— Eine ſtark beſuchte Verſammlung der Koſtüm=
Schneider und=Schneiderinnen Groß=Berlins
erklärte ſich mit den Zugeſtändniſſen der Arbeitgeber, die
in der Hauptſache den männlichen Arbeitern eine
wöchent=
fliche Zulage von 4 Mark, den ſelbſtändigen weiblichen
Arbeitern eine ſolche von 3 Mark und den Zuarbeiterinnen
von 2,25 Mark gewährt, einverſtanden. Der Tarif tritt
Heute nacht wurde in dem
am 1. März 1913 in Kraft.
Juwelengeſchäft von Müller in Charlottenburg
hein bedeutender Diebſtahl ausgeführt. Die Diebe
zer=
ſchnitten das vor dem Schaufenſter befindliche
Drahtgit=
ter, zertrümmerten die Scheibe und entwendeten zwei
gol=
dene Repetieruhren, 12 goldene Damenuhren und eine
An=
zahl goldener Herrenringe mit echten Steinen im
Geſamt=
werte von 2000 Mark. Bei ihrem Einbruch ſetzten die
Diebe ein elektriſches Alarmſignal in der über dem Laden
befindlichen Wohnung Müllers in Tätigkeit. Als dieſer
ſich daraufhin nach unten begab, waren die Diebe bereits
verſchwunden. — Im Prozeß gegen den Eiſendreher
Stein, der in dem franzöſiſchen Grenzort Arneville ſeine
Nichte getötet hat, bejahten die Geſchworenen die
Schuld=
ffrage, daß der Angeklagte die Tötung auf ein
ausdrück=
kliches, ernſthaftes Verlangen der Getöteten ausführte. Der
Staatsanwalt beantragte vier Jahre und ſechs Monate
Gefängnis unter Anrechnung von ſechs Monaten der
Un=
terſuchungshaft. Das Gericht ſchloß ſich dem Antrag an.
Frankfurt a. M., 19. Febr. Am 27. Dezember v. J. iſt, wie
ſeinerzeit berichtet, die 16jährige Dora Grünfeld,
die in Frankfurt bei Verwandten zu Beſuch weilte,
ver=
ſchwunden. Es tauchte der Verdacht auf, daß ſie
Mäd=
chenhändlern in die Hände gefallen ſei. Sie hatte
näm=
lich mit einer von ihrem Manne getrennt lebenden Frau
Minna Duskes verkehrt, deren Schweſter in Manaos in
Braſilien ein öffentliches Haus betreibt. Als man die
Grünfeld nirgends finden konnte, wurde die Duskes in
Januar unter der Beſchuldigung in Unterſuchungshaft
genommen, daß ſie die Grünfeld durch ihren Bräutigam
nach Braſilien verſchleppt hätte. Am 10. Februar wurde
die Vermißte im Main bei Flörsheim geländet. Die
Sek=
tion ergab, daß die Leiche keine äußeren Verletzungen
aufzuweiſen hatte. Die chemiſche Unterſuchung des
Ma=
geninhalts hat jedoch erwieſen, daß eine
Arſenikver=
giftung vorliegt. Die Ermittelungen, ob es ſich um
Giftmord handelt oder ob die Grünfeld ſelbſt das Arſen
genommen hat, ſind im Gange. Ein Antrag des
Ver=
teidigers der Duskes auf Haftentlaſſung ſeiner Klientin,
die doch nun des Mädchenhandels nicht mehr verdächtig
ſei, wurde abgelehnt.
Mülheim a. d. Ruhr, 19. Febr. Heute früh gegen
6 Uhr nahte in der St. Engelbert=Kirche ein polniſcher
Arbeiter ſich dem Beichtſtuhl, anſcheinend um zu beichten.
Plötzlich zoa er eine Flinte hervor und erſchoß den
in dem Beichtſtuhl ſitzenden Miſſionspater
Ten=
geler. Der Mörder, der ſofort verhaftet wurde, gab
an, er habe den Pfarrer Welter von der St. Engelbert=
Kirche aus Rache töten wollen.
Solingen, 19. Febr. In Vohwinkel ſtürzte ein
Wagen der elektriſchen Bahn um. Sechs
Per=
ſonen wurden ſchwer verletzt.
Hamburg, 18. Febr. Unter dem dringenden
Ver=
dacht des Mädchenhandels wurde in den
Aus=
wandererhallen ein Ruſſe namens Hochbaum ver
haftet, der ſich für einen Gamaſchenfabrikanten ausgab
und nach Buenos Aires zu reiſen beabſichtigte. Der Ver
dacht wurde durch einen Mitreiſenden auf ihn gelenkt
mit dem er in Differenzen geraten war. Hochbaum wurde
in das Unterſuchungsgefängnis eingeliefert.
Poſen, 18. Febr. Auf der Chauſſee Poſen-Birnbaum
überſchlug ſich das Automobil des Fabrikbeſitzers
Steinken=Poſen. Der Chauffeur wurde getötet; von
den Inſaſſen die Kaufleute Puiski aus Eichenhort und
Gaczkowski aus Poſen ſchwer verletzt. Steinken iſt un
verletzt geblieben
Peſt, 18. Febr. In dem Prozeß Lukacs=Deſy
erklärten die Verteidiger, daß ſie, nachdem die
Beweis=
führung nur in ſo geringem Maße vom Gerichtshofe
zu=
gelaſſen worden ſei, ſich zurückziehen und appellieren
werden. Der Gerichtshof verurteilte Deſy wegen
Beleidigung und Verleumdung zu einem Monat
Gefäng=
nis und 400 Kronen Geldſtrafe.
Paris, 18. Febr. Zu dem Unfall auf dem
Panzerſchiff „Danton” wird aus Toulon ge=
meldet: Das explodierte Geſchütz war ganz neu. Die
ſechs Panzerſchiffe vom Typ des „Danton” waren mit 16
ſolcher Geſchütze, welche vier Schüſſe in der Minute
ab=
feuern, ausgerüſtet worden. Nach den bisherigen
Feſt=
ſtellungen dürfte die Erploſion durch vorzeitige
Entzün=
dung der Ladung entſtanden ſein. Die Unglücksnachricht
rief bei allen auf der Reede verſammelten Schiffen, welche
anläßlich des Amtsantritts Poincarés Flaggengala an
gelegt hatten, große Trauer hervor. Von den bei der
Exploſion Verletzten ſind drei Matroſen geſtorben.
Paris, 19. Febr. Der neue Präſident der Republik,
Poincaré, beſuchte geſtern abend die bei dem
vor=
geſtrigen Brande in einer Aluminiumfabrik
verwundeten Feuerwehrleute. In dem Augenblick, als
er an die Krankenbetten trat, wurden die Verletzten
durch einen Knall und einen grellen Blitz erſchreckt.
Die Photographen dreier Blätter hatten die Szene mit
tels Magneſiums plötzlich aufgenommen. Poincaré
wandte ſich zu den Photographen mit folgenden Worten:
„Was Sie da tun, iſt einfach ſkandalös. Wenn Sie dem
Präſidenten gegenüber indiskret ſind, ſo mag das noch
hingehen, aber reſpektieren Sie wenigſtens die armen
Verwundeten auf ihrem Schmerzenslager.”
Polizeiprä=
fekt Lépine ließ die Photographen ſofort
hinaus=
weiſen.
Paris, 19. Febr. Wie aus Nizza gemeldet wird
wurden Prinz Nariſchkin und Frau v.
Schan=
ſchino, die kürzlich ein tödlich verlaufenes
Automo=
bilunglück verſchuldet hatten, nach Erlegung einer
Kaution von 20000 Francs in Freiheit geſetzt.
London, 18. Febr. Das Polizeigericht ver
urteilte William Lansbury, den Sohn eines früheren
Deputierten, wegen böswilliger Zertrümmerung von
Fenſterſcheiben zu zwei Monaten Gefängnis und
Zwangsarbeit, ſeine Schweſter Annie aus dem gleicher
Grunde zu einem Monat und eine gewiſſe Silvia
Pank=
hurſt zu zwei Monaten Gefängnis mit Zwangsarbeit.
Moskau, 19. Febr. Nach vielen Gefahren iſt es der
Geheimpolizei gelungen, eine aus drei Apachen beſtehende
Verbrecherbande zu verhaften. Die Apacher
operierten, in Automobilen fahrend, auf zwei belebten
Chauſſeen, wo ſie über hundert ſchwere Verbrechen
aus=
führten.
Konſtantinopel, 18. Febr. Der Brand in Stambul
zerſtörte gegen 100 Häuſer und etwa 40
Ge=
ſchäftsläden, von denen ein Teil in der Straße
gegenüber der Hagia Sophia gelegen iſt. Zahlreiche
Beamtenfamilien ſind obdachlos; ein Teil iſt in der
Achmed=Moſchee oder in der Hagia Sophia untergebracht
worden. Die Polizei ſetzt die Unterſuchung über die
Ur=
ſache des Brandes fort; es ſcheint ein unglücklicher Zufall
vorzuliegen. Die Matroſen des öſterreichiſch=ungariſcher
Stationärs „Taurus” und anderer ausländiſcher Kreuzer
beteiligten ſich an der Löſchaktion.
New=York. 19. Febr. Ein früherer Botenjunge
überfiel auf dem Broadway einen Kaſſierer, der in
einer Taxameterdroſchke fuhr. Er ſprang zu ſeinem
Opfer in den Wagen und verwundete es mit einem
Brech=
eiſen. Der Kaſſierer ſchrie um Hilfe, wodurch man au
den Vorfall aufmerkſam wurde und den Räuber ver
haſtete.
Heſſiſcher Jugendtag.
*⁎* Darmſtadt, 20. Februar.
Unter ganz außerordentlicher Beteiligung fand geſtern
im großen Saale des Städtiſchen Saalbaues der vom
Heſſiſchen Landesverband „Jung=Deutſchland”
veranſtal=
tete Erſte Heſſiſche Jugendtag ſtatt in
Verbind=
ung mit der Mitgliederverſammlung des
Lan=
desverbandes Jung=Deutſchland. Den
Verhandlun=
gen des Jugendtages wohnte auch das
Großherzogs=
paar in Begleitung des Fürſten zu Solms=Lich bei.
Der erſte Vorſitzende des Landesverbandes, Herr
Generalmajor Freiherr von Heyl, begrüßte mit
herz=
lichen Worten das Großherzogspaar. Das Erſcheinen
des Großherzogspaares werde als dankbares Zeichen der
Anerkennung aller der Beſtrebungen aufgenommen, durch
die unſere Jugend zur Pflege von Körper und Geiſt
er=
zogen werden ſolle. Er habe ferner die Mitteilung zu
machen, daß Miniſter von Hombergk zu Vach und
Ge=
heimerat Süffert verhindert ſeien, und der Tagung einen
guten Erfolg gewünſcht haben. Weiter habe er die Freude,
die Vertreter des Miniſteriums, der kirchlichen und der
Kreisbehörden und die Vertreter der Stadt begrüßen zu
dürfen.
Sodann führte er zu dem Thema:
Zwecke und Ziele des Jung=Deutſchlandbundes
etwa folgendes aus: Der Bund Jung=Deutſchland
be=
zwecke, alle die unerfreulichen Erſcheinungen, die unſere
Entwickelung gezeitigt habe, zu bekämpfen. Dies ſolle
nicht durch Neubildung von Vereinen geſchehen, ſondern
durch Zuſammenfaſſung und Ergänzung aller der Be
ſtrebungen, die auf dieſem Gebiete tätig ſind. Das ſei vor
allem die Turnerſchaft, die vor nunmehr 100 Jahren von
Jahn begründet wurde. Ferner ſei zu begrüßen die
Ar=
beit der religiöſen Jugendvereinigungen und der
Sport=
vereine. Das Wirken der Turnerſchaft habe dem
deut=
ſchen Volke den Vorzug der körperlichen Tüchtigkeit
ge=
geben. In der Jugendpflege ſei es anders geweſen. Man
habe in der Sicherheit, die man durch die allgetneine
Wehrpflicht erhalten hatte, ganz vergeſſen, daß uns
an=
dere Völker durch Förderung der geſamten Volkskraft,
durch Heranziehung der Jugend zum Sport uſw., in de
Stärkung und Geſundung der Jugend weit überholt
hat=
ten. Wie weit dieſe Bemühungen Erfolg gehabt haben,
beweiſen am beſten England, Schweden, Norwegen,
Ja=
pan, und nicht weniger unſer weſtlicher Nachbar, die mitt
einem gewiſſen Erfolg verſucht haben, den Nachteil, den
ihnen ihre geringere Volkszahl zufügt, durch Förderung
der Volkskraft wettzumachen. Daß man auf dem
richti=
gen Wege ſei, die Volkskraft zu heben, wenn man die
Jugendpflege energiſch betreibt, beweiſe die ungünſtige
Einwirkung unſerer geſamten Wirtſchaftsverhältniſſe
ge=
rade auf unſere Jugend. Durch den hohen Verdienſt und
die kurze Arbeitszeit werden die Arbeiter ſchon in
jugend=
lichem Alter in die großen Städte und die Fabriken
ge=
drängt. Die Folge davon iſt, daß die Jugend ſchon früh
zeitig zum Lebensgenuß kommt. Welche unheilvollen
Ein=
wirkungen auf die Volksgeſundheit das hat, ſei daraus
zu erſehen, daß zum Beiſpiel in Berlin von 100
Geſtel=
lungspflichtigen nicht einmal 28 dienſttauglich ſind. Gene
ral Freiherr von der Goltz wünſcht beſonders bei der
Ab=
ſtellung dieſer Uebelſtände die Unterſtützung der Frau=
Hier ſolle dann der Jung=Deutſchlandbund eingreifen; er
ſoll die Beſtrebungen zuſammenfaſſen, vereinigen. Er ſoll
beſtehende Organiſationen nicht ſchädigen, ſondern ſie ver
anlaſſen, ihre vollen Dienſte zu leihen, indem ſie beſondere
Jugendabteilungen gründen.
In dieſem Sinne auf die Jugend einzuwirken, ſei
die große und gewaltige Aufgabe, die dem Bund
bevor=
ſtehe: die Schäden durch körperliche und ſittliche
Kräftigung zu vermindern, die Sinne die unſere
Ziviliſation abſtumpft, zu ſchärfen, Gelegenheit zur
Be=
wegung durch Geländeſpiele und Turnen im Freien
zu geben und durch Heimſtätten und Jugendbibliotheken
einzuwirken. „Wir wollen ein Jungdeutſchland mit
hellen Augen, reinem Sinn, ſtarker Hand und
tapfe=
rem Herzen! Ein Jungdeutſchland, das berufen iſt, ir
der Schickſalsſtunde unſeres lieben Vaterlandes, die dar
kommen wird, das Erbe der Väter ſiegreich zu erhalten.”
Lebhafter Beifall ſchloß ſich dieſen Ausführungen an
Es ſprach ſodann Herr Profeſſor Kiſſinger über
das Thema:
Was tun wir zur Körperpflege unſerer Jugend?
Nur mit der Zeit ſei unſere heutige Jugendbeſtrebung
zu vergleichen, die Jahn zu einem der Führer weiter
Volksſchichten werden ließ. Galt es damals, unſer Volk
ſtark zu machen, das Joch einer Fremdherrſchaft
abzuſchüt=
teln, ſo gilt es heute einen Kampf gegen Schäden, die zun
Teil mit dem Kulturleben eng verknüpft, die
Leiſtungs=
fähigkeit unſeres Volkes bedrohen. Um alle zu einen, diel
aus Liebe zum Vaterland ſich der Jugend widmen, ſei
der „Jung=Deutſchlandbund” vor Jahresfriſt
zuſammen=
getreten, und ſchon jetzt herrſche der Eindruck, daß ein
tüchtiges Stück Arbeit geleiſtet worden iſt. Durch
plan=
mäßige Leibesübung die körperliche und ſittliche
Kräftig=
ung der deutſchen Jugend in vaterländiſchem Geiſte
anzu=
ſtreben, iſt vor allem die Deutſche Turnerſchaft beſtrebt
10000 Vereine und über 1¼ Million Mitglieder ſchaffen in
treuer Arbeit jahraus, jahrein. Etwa eine drittel Million
deutſcher Knaben und Jünglinge werden neben
Tauſen=
den von Mädchen hier im Sinne Jahns erzogen. Aber
auch andere Vereine haben zu den idealen Erziehungsbe
ſtrebungen, in Erkennung der wichtigen Aufgabe, die
Pflege der Leibesübungen in ihre Tätigkeit einbezogen
So zum Beiſpiel die religiöſen Vereiniaungen. Daneber
regt es ſich auch ſonſt im Vaterlande. Neben den vieler
Wehr= und Pfadfindervereinen, die ſich der Unterſtützung
heſſen mit nur 31,8 Millimeter die trockenſte Station des
Landes war. (Darmſtadt: 47,9). Vom 11. abends bis
17. lag im ganzen Land eine Schneedecke, die ſogar in
Darmſtadt anfangs 15 Zentimeter hoch war. Dabei
ſchwankte die Zahl der Schneetage ſtark. Während ſie in
Groß=Bieberau nur 2 betrug, notierte Reimenrod (Kreis
Alsfeld) 13. Auch Hagel kam vereinzelt vor, jedoch
nir=
gends mehr als zweimal. Am 31. brachte ein ſüdlicher
Ausläufer einer tiefen Depreſſion dem größten Teil des
Landes das ſeltene Schauſpiel eines Wintergewitters,
verbunden mit ſtürmiſchen Winden. Ueber die
Windrich=
tungen liegen nur aus Darmſtadt Meldungen vor, die
er=
geben, daß Oſtwinde verhältnismäßig häufig waren,
namentlich während der beiden Froſtperioden. Die
Waſſerſtände am Rhein und Main wichen von dem
60jährigen Durchſchnitt nur wenig ab.
(2) König Georgs Programmbuch. Herrſcher haben
wenig freie Zeit, und wohl keines ihrer Untertanen
Tages=
programm iſt ſo reichhaltig und ſo dichtbeſetzt, wie das
ihre. Natürlich kann ſich der Fürſt nicht all die
Verpflich=
tungen und Verabredungen, die er eingeht, ſelbſt merken
ſondern es muß ein komplizierter Apparat aufgeboten
werden, damit „alles klappt‟ Einen intimen Blick
gleich=
ſam hinter die Kuliſſen des Tagewerks der Könige läßt
uns eine engliſche Wochenſchrift tun, indem ſie die
Rieſen=
ſeiten von König Georgs „Engagement Book” vot
uns aufſchlägt. Genaueſte Einzelheiten über alle
Dispo=
ſitionen, die der Herrſcher manchmal ſchon zwei oder drei
Jahre voraus trifft, werden in dieſem dickleibigen Bande
aufgezeichnet, der ſich in der Verwahrung des
Privat=
ſekretärs des Königs befindet. In goldenen Lettern ſteht
auf dem Deckel das Wort „Engagements”, und auf
der Rückſeite ſind die Buchſtaben „G. R.” unter einer
gol=
denen Krone eingeprägt. Die Einrichtung des Buches
iſt ganz ſo wie bei dem gewöhnlichen Hauptbuch eines
Geſchäfts; jeder Buchſtabe des Alphabetes iſt am Rande
eingeſchnitten und verfügt über eine ſtattliche Anzahl von
Doppelſeiten. Jedes Blatt des Programmbuches iſt in
vier Rubriken eingeteilt, die die Ueberſchriften tragen:
„Name”, „Ort”, „Datum und Stunde” „Bemerkungen”
Nehmen wir an, daß der König eine Einladung an irgend
einen alten Freund, etwa Lord Knollys, ergehen läßt; ſie
wird folgendermaßen eingetragen: „Der Lord Knollys
„St. James‟ Palaſt”, (20. November 1913, 8½ Uhr
abends). Unter der Rubrik „Bemerkungen” werden dann
die Namen der Mitglieder der königlichen Familie aufge=
zeichnet, die an dem Souper teilnehmen, und die
Herr=
ſchaften der Hofgeſellſchaft, die bei Seiner Majeſtät Dienſt
haben; eventuell auch die Gäſte, die mit Lord Knollys
zu=
ſammen eingeladen werden. Wird das Programm irgend
einer öffentlichen Feſtlichkeit, bei der der König erſcheint,
feſtgeſetzt, oder bei Anläſſen, wie der Eröffnung einer
Ausſtellung, einer Truppeninſpektion oder einem Beſuch in
einer Provinzſtadt, dann werden genaue Einzelheiten in
der Rubrik der Bemerkungen angegeben, die nicht ſelten
zwei bis drei Seiten allein anfüllen. In dieſer Kolonne
finden ſich auch detaillierte Bemerkungen über die Reiſen
des Königs; die Stunde der Abfahrt, die Zahl der
Be=
gleiter uſw., all das iſt ſorgfältig und genau aufge
zeichnet.
Alle „Engagements” König Georgs von der
feier=
lichen Eröffnung des Parlaments bis zu einem intimen
Beſuch bei einem Freund ſind in dieſem Programmbuch
niedergelegt. Bei den großen Hoffeſtlichkeiten oder
ſonſti=
gen beſonderen Veranſtaltungen, deren Programm
Sei=
ten über Seiten erfordert, ſind aber wieder beſondere
Bücher vorgeſehen, auf die dann durch eine Notiz in dem
„Hauptbuch” verwieſen wird. So vollzieht ſich die
Buch=
führung mit einer Akkurateſſe und Umſtändlichkeit, wie
kaum in einem großen Geſchäft. Und beſondere
Aufmerk=
ſamkeit wird der Rückgängigmachung von Verabredungen
geſchenkt, die mit roter Tinte eingetragen werden. Der
König behält ſich nämlich das Recht vor, jede private
Ein=
ladung noch im letzten Moment abzulehnen, weil ja
im=
mer die Möglichkeit beſteht, daß eine wichtige öffentliche
Angelegenheit ſeine Anweſenheit erfordert. Während der
jüngſten Miniſterkriſis machte er zum Beiſpiel wenigſtens
zwanzig ſolcher Engagements rückgängig, um mit den
Leitern ſeiner Regierung ungeſtört konferieren zu können.
Da die Verabredungen auf ſehr lange Zeit voraus
ge=
troffen werden, kann immer leicht etwas dazwiſchen
kom=
men. Ein Beweis für die Fülle der Verpflichtungen, die
in dem Programmbuch ſchriftlich niedergelegt werden, iſt
zum Beiſpiel die Tatſache, daß der König kürzlich einen
Beſuch bei einem alten Freund auf drei Jahre
voraus beſtimmen mußte. Ein Herrſcher kann eben
nicht von einem Tag auf den anderen disponieren, ſondern
er muß ſich ſogar drei Jahre gedulden, bis er einen alten
Bekannten beſuchen kann. Jede Kleinigkeit findet in
die=
ſem Buch ihre Stelle. Wird zum Beiſpiel ein Schneider
zum Anprobieren in den Palaſt beſtellt, dann geſchieht
das viele Wochen vorher und wird auf die Minute genau
feſtgelegt. Bisweilen ſind an einem Tage 50—60 ſolcher
nur wenige Minuten dauernder Verabredungen feſtgeſetzt,
und ſie nehmen dann ein gut Teil von der Zeit des Königs
in Anſpruch. Bei ſolchen Dispoſitionen auf lange Zeit
voraus kommt es auch hie und da vor, daß einer der
Ein=
getragenen früher ſtirbt, und dann bezeichnen drei ſchwarz
Striche am Rande die traurige Tatſache, daß ein höherer
Herrſcher, als König Georg, den Beſucher zu ſich gerufen
hat.
Eine elektriſche Stadtküche in London. Eine große
elektriſch betriebene Stadtküche iſt jetzt probeweiſe in
Lon=
don in dem Stadtteil von Marylebone eingerichtet
wor=
den. Sie ſoll für das Perſonal der Stadtverwaltung und
für alle Angeſtellten der ſtädtiſchen Behörden die
Mahl=
zeiten und den Tee liefern, insgeſamt für gegen 1000
Menſchen. Zugleich aber iſt vorgeſehen, den Dienſt dieſen
elektriſchen Stadtküche auch der Oeffentlichkeit und dem
einfacheren Publikum zugänglich zu machen. Die aufge
ſtellten Apparate ermöglichen die Bereitung von Fleiſch
ſpeiſen, Gemüſe und Kartoffeln, ſowie von Fiſchen; alle
Mahlzeiten werden zu beſtimmten, ſehr billig feſtgeſetzten
Preiſen abgegeben, damit die ärmeren Bevölkerungs4
ſchichten aus dieſer Einrichtung, die einſtweilen einen
Ver=
ſuch darſtellt, Nutzen ziehen können.
** „Im Tode vereint” oder der verbeſſerte Shakeſpeare.
Einen eigenartigen Schluß zu Shakeſpeares Othello ha
ein Theater des Londoner Eaſt=End für ſeine
Aufführun=
gen gefunden. Nach der letzten Szene des Dramas, ſo
erzählt der Figaro, machen drei dumpfe Schläge die
Zu=
ſchauer darauf aufmerkſam, daß ſie das Theater noch nicht
verlaſſen ſollen. Nach einigen Minuten hebt ſich der
Vor=
hang über einem bisher auch den gelehrteſten Shakeſpeare=
Kennern völlig unbekannten Schlußakt: ein prächtigen
Leichenwagen erſcheint von zwei ſchwarzen Roſſen
gezogen; auf dem Leichenwagen ſtehen zwei Särge, und
über ihnen ſchwebt ein rieſiger Kranz, auf deſſen
mäch=
tiger Schleife man die Inſchrift lieſt: „Im Tode ver
eint‟ Dahinter ziehen im langen Leichenzuge die
Ueber=
lebenden des Stückes und eine Schar von Statiſten
vor=
über. Der Erfola dieſes Finales war ein vollkommener:
er erfüllte ein „tiefgefühltes Bedürfnis‟ Die
Stamm=
gäſte des Vorſtadttheaters beklagten ſich nämlich ſchon
ſeit langem über den unbefriedigten Schluß des Stückes,
und ſo hatte denn der Direktor ihnen die Verſöhnung der
Liebenden im Tode dargeſtellt. Alle waren nun zufrieden
außer Shakeſpeares Schatten.
durch Offiziere erfreuen, blühen die Sport= und
Spielver=
bände in bunter Mannigfaltigkeit. Auch die deutſche
Stu=
dentenſchaft beſinne ſich allmählich auf ihre Pflicht. Es
rührt ſich bei den akademiſchen Turnvereinen, bei einzelner
Korporationen, bei Studentenverbänden. So hat im
letz=
ten Jahre auch die Deutſche Burſchenſchaft auf ihrer
Tag=
ung in Eiſenach die Mitarbeit an der nationalen
Jugend=
pflege als ihre Pflicht anerkannt. Erfreulich ſei ferner die
Tatſache, daß gerade 1912 Teile der Studentenſchaft ſich
zu Sport= und Wettſpielen vereinigt haben, wie hier in
Darmſtadt geſchehen. Doch noch mehr als bisher muß hier
geſchehen. Die berufenen geiſtigen Führer dürfen daher
bei Jung=Deutſchland nicht fehlen; drum heißt’s:
Bur=
ſchen heraus!
Auch die höheren Schulen müſſen dem Bunde
ange=
hören, wie die Volksſchulen! In den Schulen wird ja
ſchon geſpielt und geturnt, aber für freiwillige Arbeit iſt
immer noch Raum. Lehrer, die Luſt und Fähigkeit haben
auch außerhalb der Schulzeit auf den Spielplätzen, be=
Wanderungen, Geländeſpiel, ſich ihrer Jugend
anzuneh=
men, laſſen ſich ſchon finden, und wenn in Zukunft Jung=
Deutſchland ſeine Scharen zu Wettkämpfen führt, dann
dürfen auch die Oberklaſſen der Schulen nicht fehlen.
Be=
ſonders not tut aber die Arbeit an den
Fortbildungsſchü=
lern und den Schulentlaſſenen, die der Beruf und
die Kinematographen, die Kneipen oft mehr gefangen
hal=
ten, als ihrer Entwickelung gut iſt. Hier ſetzen
Beſtrebun=
gen ein, für die auch der Jung=Deutſchlandbund ſeine
wer=
bende Stimme erhebt. Seine Sammelbeſtrebung will
da=
bei über Eigenbrödelei, über Mangel an
Selbſtbewußt=
ſein und über blinde Ueberhebung, über kleinliche
Reibe=
reien, über Gefahr des Alkohols und allzu frühen
Nikotin=
genuſſes, über Schwächen im Verkehr mit Mitmenſchen
hinausheben im Blicke auf das große Vaterland, in dem
Bewußtſein, daß Körper= und Charakterſtählung
untrenn=
bar verbunden ſein müſſen. Es muß verſucht werden, im
Rahmen der Schule an die Jungen heranzukommen durch
Einführung von zunächſt freiwilligen Turnſtunden,
Wan=
derungen, Spielen aller Art unter Leitung geeigneter
Leh=
rer der Fortbildungsſchulen oder älterer Turner und
An=
gehörigen ſonſtiger Vereine. Zu unſerer Jugend gehören
aber nicht nur die Jünglinge und Knaben, ſondern auch
die Mädchen. Im vaterländiſchen Intereſſe muß die
kör=
perliche Erziehung unſerer Mädchen mit demſelben Ernſt
und Eifer gefördert werden wie die der Knaben, denn die
Kraft der Frau iſt für unſer Volk von ebenſo großer
Be=
deutung wie die des Mannes. Müſſen daher in der
Schul=
zeit Stunden für Mädchenturnen und =ſviele vorgeſehen
ſein, ſo ſind auch Vereine und Veranſtaltungen zu fördern,
die Turnen, Wandern, Schwimmen, Eis= und Schneelauf,
Ballſpiel und dergleichen auch nach vollendeter Schulzei
ffür die Mädchen eingerichtet haben. In unſerer Jugend
lliegt noch viel guter Wille, Kraft und
Begeiſterungsfähig=
kkeit. Darum helfen Sie alle, ein jeder an ſeinem Platze,
mit, dieſe Schätze zu heben. Es gilt dem Vaterlande!
(Lebhafter Beifall.)
Herr Bürgermeiſter Mueller referierte über die
Aufgaben des Staates und der Gemeinden auf dem Gebiet
der Jugendpflege.
Daß der Staat die Pflicht hat, auf dem Gebiete der
Jugendpflege große und wichtige Aufgaben zu erfüllen,
ergebe ſich ſchon aus ſeiner Eigenſchaft als Vertreter der
Schulhoheit. Auch im übrigen ſei es nicht verwunderlich,
venn er von hilsbedürftiger Seite als Helfer in Anſpruch
genommen wird. Denn der Staat, wie auch weiterhin die
Gemeinden, genießen hier ein Vertrauen in die
Uner=
ſchöpflichkeit ihrer Macht und ihrer Mittel, daß man ſie
heneiden könnte. In unſerem ſozialen Leben gelte das
allerdings nur mit Einſchränkung. Wenigſtens ſtehen ſich
gegebenenfalls zwei Meinungen gegenüber, von denen
die eine allerdings alle Hilfe vom Staat, die andere aber
alles von der Selbſthilfe erwartet. Und da wir im
Zeit=
alter der Kompromiſſe leben, bleibt die Löſung der
Auf=
gabe ſchließlich einem Gemiſch von Selbſthilfe und
Staats=
hilfe vorbehalten. Unſere Jugend iſt ein Gebilde
beſon=
nerer Art in unſerem Staatsleben. Sie iſt überhaupt
nichts Fertiges, nur etwas Werdendes, künftig aber alles:
das Volksganze, — nicht die Gegenwart unſeres Volkes,
über ſeine Zukunft. Wenn wir alſo davon ſprechen, daß
unſerer Jugend geholfen werden müſſe, ſo kann dieſe Hilfe
varum auch nur beſonderer Art ſein. Es handelt ſich nicht
um eine Hebung des Anſehens oder der Bedeutung der
Jugend, nicht um eine Korrektur ihrer öffentlich=rechtlichen
Stellung, nicht um eine materielle Verbeſſerung ihrer
Sebensbedingungen, ſondern einfach darum, ſie ſo zu
pfle=
gen, daß ſie künftig ein geſundes, lebenskräftiges und
widerſtandsfähiges Volk werde. Es iſt nicht anders, wie
bei der jungen Pflanze, die bei mangelhafter Wartung
verkümmert, bei ſorgſamer Pflege aber ſich entfaltet und
gute Früchte bringt. Selbſthilfe kann alſo bei der
Jugend nicht in Betracht kommen. Die Jugend kann ſich
picht wirklich ſelber helfen. So ſehr wir ſie zur
Selbſt=
rändigkeit, zu entſchloſſenem Handeln, zur Selbſtzucht
er=
ziehen wollen und auch erziehen können, ſie wird ſtets
einer verſtändigen Führung bedürfen, denn ſie hat noch
ein Selbſtbeſtimmungsvermögen, ihr iſt noch alles die
Be=
wegung und nichts das Ziel. Wenn hiernach alſo die
Selbſthilfe auszuſcheiden hat, ſo erwartet aber doch auch
die Jugend nicht alles vom Staat oder der Gemeinde.
Man iſt auch hier von alters her zu einem Kompromiß
elangt, allerdings nicht zu einem Kompromiß, der aus
erlegenheit oder Schwäche geboren iſt, ſondern zu einer
aus dem Intereſſe der Erzieher und des
Erziehungsob=
jektes ſelbſt gerechtfertigten und notwendigen
Zuſammen=
erbeit zwiſchen der behörblichen und freien Pflege der
Fugendhelfer und Jugendleiter. Daß zu letzteren auch die
Eltern gehören, wird vielfach überſehen. Neben einer
Lrbeitsteilung iſt eine Umarenzung des Arbeitsgebietes
unumgänglich notwendig. Ebenſo wenig wie die freien
Hilfsbeſtrebungen eingreifen können, ebenſo wenig kann
tie Schule darauf verzichten, und ihre Rechte aus der
hand geben. Behördliche Einmiſchung muß aus dem
Spiele bleiben. Staat und Gemeinde haben zweierlei
Aufgaben, ſie ſollen die Jugendpflege anregen, fördern
umd ihre Unterſtützung leihen; erſtens in geiſtiger Wiſſen
ſchaft, zweitens in der Ausbildung des Körpers. Es ſei
erfreulich, feſtſtelln zu können, daß die geiſtige
Schulbil=
dung in Deutſchland ſo gepflegt werde, wie wohl in keinem
amderen Lande. Es ſei nicht richtig, wenn behauptet wird,
es werde in dieſer Beziehung zu viel getan. Es müſſe
mehr Wert auf die Körgerausbildung geleat werden. So
rutet die Forderung des Tages, aber die Ausbildung des
Körpers dürfe nicht auf Koſten der geiſtigen Ausbildung
geſchehen, ſondern die Ausbilduna des Körvers ſolle dazu
deenen, die wiſſenſchaftliche Ausbildung zu fördern und zu
erleichtern.
Zu verwerfen ſei die vielfach befürwortete ſoldatiſche
Erziehung. Aber dankbar müſſe anerkannt werden, wenn
der Jugend Gelegenheit geboten wird, militäriſche Eigen
ſchaften kennen zu lernen, wie man beſonders der hieſigen
Militärverwaltung danken könne, daß ſie der Schuljugend
das erhebende Bild der Abnahme der Kaiſerparade durch
den Großherzog ermöglichte. Dadurch werde der
patrio=
tiſche Sinn der Jugend geweckt. Auch die
Zurverfügung=
ſtellung von Offizieren für die Jugendbeſtrebungen ſei
der guten Sache ſehr dienlich. Auch an den Hochſchuler
pulſiere bereits ein erfreuliches Streben nach körperlicher
Ertüchtigung. An der hieſigen Hochſchule hat der Rektor
ſich der Pflege der Leibesübungen beſonders warm
ange=
nommen, und ihm, ſowie Herrn Profeſſor Finger
könne nur der Dank aller in der gleichen Richtung
Stre=
benden ausgedrückt werden. Zum Schluß ſtreifte der
Red=
ner die ſchwierige Frage der Beſchaffung der Mittel. Zur
Anlage von Sport= und Spielplätzen, von
Schwimman=
ſtalten und Ferienkolonien uſw., zur Ausſetzung von
Prei=
ſen müſſe viel Geld zur Verfügung geſtellt werden; doch
ſei dieſes Kapital gut angelegt, da es die Zukunft des
Vaterlandes ſicherſtellen helfe und ſomit reiche Zinſen
tra=
gen werde. — Auch dieſen Ausführungen folgte lebhafter
Beifall, dem der Vorſitzende noch herzliche Worte des
Dankes folgen ließ. In Anknüpfung der letzten
Ausfüh=
rungen machte er gleichzeitig auf die Einzeichnungsliſte
aufmerkſam, von welcher Gelegenheit erfreulich reicher
Gebrauch gemacht wurde.
Den letzten Vortrag des Vormittags hielt Herr Lehrer
Schen=Mainz über
die Eigenart des jugendlichen Seelenlebens.
Kinder ſind Rätſel Gottes, und es gehöre eine große
Menſchenkenntnis dazu, Kinder zu erziehen. Die
Umwälz=
ungen der Pubertätsentwickelung, die in phyſiſcher und
pſychiſcher Hinſicht hervortreten, machen das Erzieheramt
beſonders in dieſer Zeit außerordentlich ſchwer. Dieſe
Entwickelung trete bei Knaben und Mädchen zu
verſchie=
denen Lebensaltern ein, und die Folgeerſcheinungen laſſen
ein Zuſammenunterrichten von Knaben und Mädchen, wie
es vielfach gefordert werde, als untunlich erſcheinen. Dem
Knaben iſt in dieſer Zeit eine gewiſſe Unruhe eigen, ein
Unvermögen, bei der Sache zu bleiben. Da brauche man
gewiſſermaßen als Sicherheitsventil gegen verrohende
Ausſchreitungen die Leibesübungen. Ein großer, oft
un=
bezwingbarer Nachahmungstrieb tritt zutage. Wie die
Erwachſenen Tabak rauchen und Alkohol genießen,
ver=
ſpürt auch der Junge das Verlangen nach dieſen für ihn
ungemein ſchädlichen Genußmitteln. Hier wirke ebenfalls
das Turnen und das gute Beiſpiel beſſernd ein. Auch die
oft beobachtete Eitelkeit und Gefallſucht bei Knaben und
Mädchen ſei einer Folge der Entwickelungsjahre, auf die
man Ohacht geben müſſe. Redner erörterte dann die Frage
der Aufklärung in geſchlechtlicher Beziehung. Er
ver=
wahrt ſich energiſch dagegen, daß von der Schule verlangt
werde, ſie ſolle Kinder zwiſchen dem 10. und 11.
Lebens=
jahre ſexuell aufklären. Laßt doch die Kinder möglichſt
lange Kinder ſein und beraubt ſie nicht ihres Kinderglau
bens, fordert Redner. Es müſſe die Entſcheidung von Fall
zu Fall getroffen und den verſchiedenen Individualitäten
und Verhältniſſen gebührend Rechnung getragen werden
Es laſſen ſich in dieſer Frage keine Normen und keine Me
thoden aufſtellen. Weiter müſſe von den Jugenderziehern
die oft eintretende Intelligenzſchwäche berückſichtigt
wer=
den. Zweckmäßig ſei in dieſer Beziehung die Einhaltung
eines Pflichtpenſums. Redner erörterte ferner das
Ver=
hältnis der Lehrer und Erzieher zu der heranwachſenden
Jugend und vertrat die Anſicht, daß auch eine gerechte
Züchtigung manchmal am Platze ſein kann; daß aber in
übrigen ein Verhältnis des Vertrauens, der Freundſchaft
zwiſchen Erzieher und Jugend herrſchen müſſe. Die
Selbſt=
verwaltung der Schüler, die dem Selbſtändigkeitsdrang
der Jugend entgegenkommen will, und die ihren Urſprung
in Amerika hat, will Redner nicht ohne weiteres
befürwor=
ten oder ablehnen. In einzelnen Fällen ſei ſie vielleicht
angebracht, in den unteren Schulklaſſen möchte er ſie aber
auf keinen Fall angewendet wiſſen. — Auch dieſen
Aus=
führungen wurde Beifall gezollt.
Nach einer kurzen Pauſe ſprach in der folgenden
Dis=
kuſſion zunächſt Herr Lehrer Schütt=Mainz, der als
Abſtinent für die völlige Alkoholenthaltſamkeit eintrat.
Pfarraſſiſtent Lautenſchläger=Darmſtadt erörterte
die Gefahren, die der Jugend durch die voſtlagernden
Briefe entſtehen, indem ohne jede Kontrolle die Briefe
aus=
gehändigt werden. Er befürwortete eine Reſolution
an die zuſtändigen Behörden, die verlanat, daß die
Poſt=
lagerbriefe unter Chiffre verboten und die Aushändigung
von Briefen mit Namensadreſſen von der Vorlage einer
ausreichenden Leaitimation abhänaig gemacht wird. —
Der Landesausſchuß erklärte ſich mit der Reſolution
ein=
verſtanden und erbittet die Zuſtimmung der Verſammlung,
die einſtimmig erteilt wird. — Hierauf wurden die
Ver=
handlungen auf den Nachmittag vertagt.
Die Nachmittagstagung.
Nachmittags 3½ Uhr wurden die Verhandlungen
fortgeſetzt. Nach kurzer herzlicher Begrüßung durch den
erſten Vorſitzenden Generalmajor Frhrn. von Heyl der
ſeiner lebhaften Freude darüber Ausdruck gab, daß auch
die Nachmittagstagung ſo zahlreich beſucht iſt, hielt Herr
Pfarrer Müller=Offenbach einen Vortrag über
Allgemeine Erfahrungen aus der praktiſchen
Vereins=
arbeit
in der er folgendes ausführte: Der erfreulichen Tatſache
des allgemeinen Intereſſes aller maßgebenden Faktoren
an der modernen Jugendpflege ſteht die andere
gegen=
über, daß dieſe jetzt in voller Blüte ſtehende Arbeit aus
der Not unſerer Zeit geboren iſt und in erſter Linie eine
Anklage wider unſere Zeit bedeutet mit der Ungunſt
ihrer wirtſchaftlichen und ſozialen Verhältniſſe, ihres
auf=
gelöſten Familienlebens, ihrer Genußſucht und oft ſo tie
geſunkenen Moral und anderer allgemein anerkannten
Schäden. Darum kann gar nicht genug davor gewarnt
werden, die Arbeit an der ſchulentlaſſenen
männ=
lichen Jugend etwa als Modeſache zu betreiben oder nach
momentanen Einfällen willkürlich zu geſtalten; ſie
ver=
langt gebieteriſch die Anerkennung und Beachtung aller
ſeither gemachten Erfahrungen und allgemein
anerkann=
ten Grundſätze. Mit eingehender Schilderung beſpricht
der Redner die äußeren und inneren Bedingungen für
eine gedeihliche Vereinsarbeit unter den Jugendlichen
auf Grund ſeiner langjährigen Erfahrung in Offenbach.
Ein geeignetes Lokal, das nötige Geld zum
Vereins=
betrieb und vor allem die rechte Perſönlichkeit des
Ver=
einsleiters mit charaktervoller Beſtimmtheit und
golde=
nem Herzen für die Jugend ſind die erſten Anforderungen
die geſtellt werden müſſen. Als großes
zuſammenfaſſen=
des Ziel jeglicher Vereinsarbeit, die mit „Jungdeutſch
land” zuſammengehe müſſe der Gedanke einer „
vater=
ländiſchen Erziehung” im idealſten Sinne des Wortes
aufgeſtellt werden. Die Organiſation im einzelnen und
der Kleinbetrieb im Verein behalte dabei den weiteſten
Spielraum. Der durch den Jungdeutſchlandbund
ge=
glückte Zuſammenſchluß aller vaterländiſch geſinnten
Jugendorganiſationen müſſe nun aber beſonders in einer
bis jetzt noch vielfach verſäumten, warmherzigen Intereſ=
ſenvertretung für die Jugend ſeinen Zweck und Wert
er=
weiſen. (Schutz von Geſundheit und Sittlichkeit der
Jugendlichen, Kampf gegen ungeſunde ſoziale
Verhält=
niſſe, gegen Schundliteratur, Alkoholismus ꝛc.).
Der Vorſitzende ſprach dem Vortragenden den
herz=
lichſten Dank aus und richtete die dringende Bitte an die
anweſenden berufenen Jugendpfleger, im Sinne der
Aus=
führungen des Vortragenden zu wirken. Er eröffnet
ſo=
dann eine
Diskuſſion.
Herr Lehrer Friedrich=Pfungſtadt verbreitete
ſich darüber, in welcher Weiſe die Lehrer an den Aufgaben
der Jungdeutſchlandarbeit mithelfen können. In den
oberen Klaſſen könne ſehr wohl ſchon die
Jungdeutſchland=
arbeit verbreitet werden. Empfehlenswert wäre die
Selbſtverwaltung der Jugend. Herr Pfarrer Goethe=
Wörrſtadt tritt unter lebhafter Zuſtimmung der
Ver=
ſammlung für ein Wirtshausverbot der Jugend bis zum
17. Lebensjahr ein. Ohne dieſe unbedingte Notwendig
keit iſt eine Grundlage für die erfolgreiche Jugendarbeit
nicht zu ſchaffen. Freilich genügt das Verbot allein nicht,
aber wenn es da iſt, iſt der Boden leichter zu beſtellen
(Bravo.) — Herr Direktor Talheimer=Mainz tritt
für die Einführung des obligatoriſchen Turnunterrichts
ein. — Herr Profeſſor Lenhart tritt ebenfalls für
ein Verbot des Wirtshausbeſuches der
fortbildungs=
ſchulpflichtigen Jugend ein. Die Tanzböden und auch die
Kinos müßten der Jugend verboten oder doch äußerſt
eingeſchränkt werden. Die Grundlagen für dieſe Verbot
müſſe der Staat ſchaffen und die Behörden müßten dann
einheitlich vorgehen. — Herr Lehrer Haas=Langen
möchte die Selbſtregierung gefördert wiſſen und rät, mög
lichit wenia Zwang anszuüven. Die Leitung ſollte
mög=
lichſt nur die letzte Inſtanz bleiben, das Oel, das auf die
Wogen geſchüttet wird, wenn die Gemüter zu ſehr
auf=
einander platzen. — Here Schulrat Schmuck beſtätigt,
daß es außerordentlich ſchwer iſt, die ſchulentlaſſene
Jugend zur Pflege vernünftiger Leibesübungen
heran=
zuziehen. In der Turnerſchaft weiß man ſehr wohl, daß
das in erſter Linie daran liegt, daß zu viel Vergnügungen
und Verführungen der Jngend gerade im gefährlichſten
Alter winken. Es iſt kein Grund einzuſehen, daß gerade
in dieſem Alter völlige Freiheit herrſchen ſoll. Es müßte
im Gegenteil gerade hier ein gewiſſer Zwang eintreten
Erſt nach dem Militärdienſt iſt der junge Mann reif
ge=
nug, ſich frei zu betätigen. In jede Gemeinde gehört
unter allen Umſtänden ein Spielplatz, der ſo nötig iſt wie
eine Kirche. Ebenſo notwendig iſt eine gut ausgeſtattete
Turnhalle mit planmäßigem Unterricht in Jahnſchem
Sinne. — Herr Profeſſor Schöll=Friedberg meint,
man ſolle vorerſt Geduld haben und den guten Willen,
dann werde man auch zu einem befriedigenden Reſultat
kommen. — Herr Jugendpfleger Nürnberger=Mainz
wünſcht mehr Entgegenkommen ſeitens der ſtädtiſchen
Behörden in der Ueberlaſſung von Turnhallen ꝛc. für
Zwecke der Jugendpflege. — Herr Dr. Fuchs=
Frank=
furt a. M. vom Inſtitut für Gemeinwohl dortſelbſt rät,
der Abwanderung der Jugend vorzubeugen,
Arbeitsnach=
weiſe und Wanderarbeitsſtätten einzurichten.
Herr Provinzialdirektor Fey ſtellt feſt, daß der
heu=
tige erſte Jugendtag mancherlei ſehr bemerkenswerte
An=
regungen gebracht hat, und es muß nun Aufgabe des
Jungdeutſchlandbundes ſein, im Verein mit den
geſetz=
gebenden Behörden dieſen Anregungen mit Nachdruck
Geltung zu verſchaffen Vor allem aber muß das zunächſt
Erreichbare angeſtrebt werden das etwa in folgendem
Antrag gipfelt. Antrag an die Staatsbehörde:
Die fortbildungsſchulpflichtige Jugend zur
körper=
lichen Uebung in der Weiſe zu verpflichten,
daß dieſe Uebungen in Vereinen und Anſtalten, die hierzu
tüchtig ſind, ſtattfinden kann, daß aber, ſo weit dies nicht
der Fall iſt, durch eine beſondere ſtaatliche oder
kom=
munale Einrichtung dieſe Uebung ermöglicht und
herbei=
geführt werden muß. Dem Wirtshausbeſuch müſſe nicht
durch Verordnungen, ſondern durch Ausdehnung des
Schulzwanges entgegengetreten werden. Redner
bean=
tragt hierzu, der Jungdeutſchlandbund möge bei den
geſetzgebenden Behörden beantragen: „Die Jugend im
fortbildungsſchulpflichtigen Alter vor den Gefahren der
Straße und des Wirtshausbeſuchs durch Ausdehnung der
Schulzucht — weniger durch Polizeimaßregeln — zu
be=
hüten.” Weiter ſtellt Redner den Antrag: „Bei dem
Verband für Wanderarbeitsſtätten und
Naturalverpfleg=
ungsſtationen für Heſſen und Heſſen=Naſſau zu
bean=
tragen, daß den jugendlichen Wanderern eine
beſon=
dere Fürſorge, ſei es durch die allgemeinen Einrichtungen
des Verbandes, ſei es durch Einrichtungen der
Orts=
behörden, zuteil werde.” Sämtliche Anträge werden
an=
genommen. — Es folgen
Verbandsangelegenheiten,
Generalmajor Frhr. von Heyl ſprach nochmals
allen Rednern den Dank des Bundes aus, und teilte dann
mit, daß die Herren Rektor der Techniſchen Hochſchule
Geheimer Baurat Wickop Geh. Regierungsrat Noack
und Rechtsanwalt Dr. Bopp dem Ausſchuß kooptiert
worden ſind. Mit beſonderer Anerkennung hob der
Red=
ner die Tatſache hervor, daß auch die Deutſche
Studenten=
ſchaft ſich der Jungdeutſchlandbewegung angeſchloſſen
habe. — Nach Erledigung interner Angelegenheiten wird
der Jugendtag dann geſchloſſen.
Herr Profeſſor Schöll ſprach unter lebhaftem
Bei=
fall der Verſammlung dem Vorſitzenden, Herrn
General=
major Frhrn. von Heyl, für ſeine Jahresarbeit und für
die hervorragende Leitung des erſten heſſiſchen
Jugend=
tages herzlichſten Dank aus.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 19. Febr. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet um 1 Uhr 20 Minuten die Sitzung. Auf der
Ta=
gesordnung ſteht die erſte Beratung des vom Zentrum
eingebrachten
Geſetzentwurf betr. die Aufhebung des Jeſuitengeſetzes.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Da unſer mehrfacher
An=
trag auf Aufhebung des Jeſuitengeſetzes bis jetzt noch
nicht von der Regierung Berückſichtigung gefunden hat,
ſo haben wir uns genötigt geſehen, dieſen Antrag am
14. Februar 1912 zu erneuern, und dieſer Antrag ſteht
jetzt zur Verhandlung. Der Kernpunkt des
Jeſuiten=
geſetzes war der nachmalige § 2. Der Bundesrat wollte
damals nur die Tätigkeit des einzelnen Jeſuiten
be=
obachten können, um ihn bei ſtaatsfeindlicher Haltung
von einem Ort zum andern verſetzen zu können, um ihn
dort abermals zu überwachen. Daraus folgt, daß der
damalige Bundesrat nicht daran gedacht hat, die
ſeel=
ſorgeriſche Tätigkeit der einzelnen Jeſuiten zu
verhin=
dern. Dieſe Folgerung wurde erſt ſpäter gezogen. Alle
Maßnahmen, die jemals von der Regierung gegen die
katholiſche Kirche, einſchließlich Jeſuitengeſetz, getroffen
worden ſind, haben auf falſchen Vorausſetzungen beruht=
Die Jeſuiten in allen Weltteilen ſind von anerkannt
gro=
ßem Werte. Sie haben muſtergültige Einrichtungen
ge=
troffen, nicht nur auf dem Miſſionsgebiete in religiöſer
Hinſicht, ſondern auf dem Gebiete des Wirtſchaftslebens
Der Reichskanzler hat davon geſprochen, man dürfe ſich
nicht wundern, wenn in evangeliſchen Kreiſen bei
Er=
örterung der Frage auf Zulaſſung oder Nichtzulaſſung
der Jeſuiten die Erinnerungen an jene Zeit nachzittern,
in denen fanatiſcher Glaubenshaß unſer Vaterland
durch=
wehte. Die Jeſuiten haben keinen Teil dieſes fanatiſchen
Glaubens. Ihre Tätigkeit iſt nur auf die geiſtliche Liebe
gerichtet, und danach haben ſie gehandelt. (Sehr richtig!
im Zentrum.) Ich bitte Sie um Annahme unſeres
Ge=
ſetzentwurfes. Der Antrag der Freiſinnigen, der den
§ 2 unſerer Vorlage, wonach die zur Ausführung und
zur Sicherſtellung des Vollzugs des Jeſuitengeſetzes
er=
laſſenen Anordnungen ihre Gültigkeit verlieren, die
Be=
ſtimmung hinzufügt, daß die landesrechtlichen
Vorſchrif=
ten über den Orden der Geſellſchaft Jeſu unberührt blei.
ben ſollen, läßt ſich in ſeiner Tragweite nicht überſehen.
Ueberdies iſt die ganze Jeſuitenfrage nicht eine Frage der
Landesgeſetzgebung, ſondern des Reiches. Ich bitte Sie
um Ablehnung dieſes Antrages. (Beifall im Zentrum.
— Abg. Hoffmann=Kaiſerslautern (Soz.): Freiherr
v Hertling, der mit ſeinem Erlaß die ganze Frage ins
Rollen gebracht hat, hat ſich der Verletzung eines
be=
ſtehenden Reichsgeſetzes ſchuldig gemacht, derſelbe
Mi=
niſter, der uns Sozialdemokraten unter ein
Ausnahme=
geſetz ſtellen will. angeblich weil wir in Bayern nicht
ge=
willt ſeien, die Verfaſſung zu reſpektieren. Hierfür läßt
ſich keine Tatſache als Beweis anführen. Die
Begrün=
dung des Jeſuitengeſetzes von 1872 zeigt, mit welcher
Oberflächlichkeit dieſes Geſetz gemacht worden iſt, das
aus einer Stimmung heraus entſtand. Es iſt ein
Ten=
denzgeſetz ſchlimmſter Art. Wenn man ſtatt Jeſuiten
Sozialdemokraten ſetzt, ſo iſt der Gedanke des
Sozialiſten=
geſetzes da. Gerade das Zentrum iſt es, das die
ver=
werfliche Methode des politiſchen Kampfes uns gegenüber
anwendet. Die Geſetzgebung ſoll nach unſerer Meinung
nur die Handlung, nicht die Geſinnung beſtrafen. In
un=
ſerer Zeit iſt kein Jeſuit beſtraft worden wegen
hochver=
räteriſcher oder unmoraliſcher Handlungen, ebenſo iſt kein
Sozialdemokrat beſtraft worden wegen revolutionärer
Taten. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.
Heiter=
keit.) Es iſt kein Zweifel, daß die Jeſuiten von heute
ganz andere Menſchen geworden ſind, als die früheren
(Na! na! links.) Will man die Sünden der Väter
nie=
mals löſchen, dann muß man auch die Nachkommen der
alten Raubritter heute noch beſtrafen. (Große Heiterkeit.)
Auch ohne die Jeſuiten haben wir in Deutſchland niemals
den konfeſſionellen Frieden gehabt. Die Konfeſſionen
waren untereinander und viel mehr noch gegeneinander
ſtets intolerant. Wäre es auf das Zentrum angekommen,
wir hätten heute noch das Sozialiſtengeſetz. Der
Je=
ſuitenorden iſt international, aber die chriſtliche Kirche
doch auch. In Punkto international ſollten wir uns hier
keine Vorwürfe machen. Dort ſitzt die rote Internationale,
da (zu den Freiſinnigen und Nationalliberalen gewandt)
die goldene, und da (zum Zentrum) die ſchwarze. (
Zu=
ruf: Konſervative!) Nein, die Herren ſind nicht
inter=
national (Lebh. Sehr richtig! rechts), die Sorte gibt es
nur in Oſtelbien. (Schallende Heiterkeit.) Die
Sozial=
demokratie iſt in der Frage der Aufhebung des
Jeſuiten=
geſetzes einig. Bei uns gibt es hierin keine Spaltung.
Wir fürchten die Jeſuiten nicht, aber wir bekämpfen jedes
Ausnahmegeſetz. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Abg. Junck (natlib.): Es iſt eine bemerkenswerte
Erſcheinung, daß ſich zwei ſo diametral gegenüberſtehende
Parteien, wie Zentrum und Sozialdemokratie, in dieſem
Falle wieder zuſammengefunden haben. Wir bedauern,
daß weder der Reichskanzler noch ein Regierungsvertreter
hier anweſend iſt. In weiten Kreiſen des Volkes
be=
ſteht das berechtiate Empfinden, daß der führende, ode:
vorſichtiger ausgedrückt: der zur Führung berufene
Staats=
mann und ſeine Stimme hier nicht hätten verſagen
dür=
fen. Es iſt auch eine Frage, ob man auf dieſe Weiſe über
haupt hier eine poſitive Politik treiben kann. Bayern
hat mit der Auslegung des Jeſuitengeſetzes die
Gehor=
ſamspflicht, die der Einzelſtaat dem Reiche ſchuldet,
vet=
letzt. Der Zentrumsantrag iſt für uns unannehmbar
In weiten Kreiſen des Volkes bleibt die Befürchtung
beſtehen, daß die Rückberufung der Jeſuiten den Frieden
unter den Konfeſſionen leiden laſſen würde. Der
Bun=
desrat mag ſich bald entſchließen und ein glattes Ja oder
Nein ſagen. Der Bundesrat mag aber wichtige nationale
Entſchließungen, wie die über die Wehrvorlage, deshalb
nicht zurückſtellen. (Beifall bei den Nationalliberalen.) —
Abg. Graf v. Kanitz (konſ.): Wir wiſſen uns frei von
kulturkämpferiſchen Beſtrebungen und frei von
Unfreund=
lichkeit gegen die katholiſche Konfeſſion. Zwiſchen beiden
Kirchen gibt es nahe Berührungspunkte, und beide Kirchen
haben allen Anlaß zu gemeinſamer Frontſtellung gegen
den Unglauben. Aber wir müſſen auf die in der
evan=
geliſchen Bevölkerung auf Grund geſchichtlicher
Erfahrun=
gen beſtehenden Erinnerungen Rückſicht nehmen und
ſtimmen daher gegen den Antrag. (Beifall rechts.)
Abg. Müller=Meiningen (Fortſchr. Vpt.): Ein Teil
mejner Freunde ſtimmt gegen den § 1 des beſtehenden
Geſetzes, da es ein Ausnahmegeſetz darſtellt. Der größte
Teil meiner Freunde ſtimmt aber gegen den Antrag des
Zentrums, weil er eine Störung des konfeſſionellen Frie,
dens befürchtet. Die Mehrzahl meiner Fraktion betrachte
den Jeſuitenorden als eine Organiſation zur Bekämpfung
Andersgläubiger. Die Aufhebung des Geſetzes würde
ſomit nicht eine Abſchwächung, ſondern eine Verſchärfung
der Gegenſätze bedeuten. Nach einer etwaigen Aufhebung
des Geſetzes wird die Zuſtändigkeit der Einzelſtaaten zu
Regelung der Verhältniſſe der Jeſuiten aufrechterhalten
bleiben. Darauf begründet ſich unſer Antrag, um deſſen
einſtimmige Annahme wir bitten. (Beifall bei den
Frei=
ſinnigen.) Abg. v. Morawski=Dzierzykraj
(Pole): Meine Freunde ſtimmen, wie ſchon bei früheren
Gelegenheiten, für den Zentrumsantrag. (Beifall bei den
Polen.) — Abg. Mertin (Reichspt.): Wir werden gegen
den Antrag des Zentrums ſtimmen, denn wir müſſen den
Jeſuitenorden wegen ſeiner Internationalität bekämpfen
und müſſen ihn auch jetzt noch von unſerem
Vaterland=
fernhalten. Die katholiſche Kirche hat in keinem anderen
Lande eine derart geſicherte Exiſtenz wie bei uns. Das
Intereſſe des konfeſſionellen Friedens führt uns zur
Ab=
lehnung des Zentrumsantrages. (Beifall rechts.) — Abg.
Graf v. Oppersdorff (Wild=Zentrum): Für jeden
Jeſuiten ſteht ſeine Zugehörigkeit zur katholiſchen Kirche
über ſeiner Zugehörigkeit zum Orden. Erſt prieſterliche,
dann Ordenstätigkeit. Für viele Evangeliſche iſt der
Name Jeſuit der Inbegriff alles Schlechten. Mit ſolchen
Vorurteilen, die aus Geſchichtsfälſchungen herrühren
ſollte man doch aufräumen und ſich nicht vor den Jeſuiten
fürchten, eingedenk des Wortes Bismarcks: Wir Deutſche
fürchten Gott, ſonſt niemand auf der Welt. (Beifall.)
Abg. Liz. Mumm (Wirtſch. Vgg.): Die Jeſuitenfrage
iſt lediglich ein Kapitel des Kampfes zwiſchen Staats=
und Kirchenautorität. Gewiſſe Beſchränkungen werden
der Kirche allenthalben auferlegt. Ich hoffe doch, daß die
Zeit einmal kommen wird, wo ſich Evangeliſche und
Katholiſche unter dem Krenze zuſammenfinden. — Aba.
Hgegy (Elſäſſer): Die Gefährlichkeit des Jeſuitenordens
wird übertrieben. Er wurde gegründet von einem
Spa=
nier, der den politiſchen Wirren fernſtand. Er hatte
zu=
nächſt die Form einer Studentenverbindung, und daß
dieſe jungen Leute beſonders Rückſicht genommen hätten
auf die konfeſſionellen Kämpfe in Deutſchland, das
an=
zunehmen liegt kein Anlaß vor. Das elſäſſiſche Volk hat
für die Tätigkeit der Jeſuiten in den Reichslanden nur
Dankbarkeit im Herzen. (Beifall.) — Damit ſchließt die
erſte Leſung. Es ſchließt ſich die zweite Leſung des
Ge=
ſetzes ſofort an. § 1 des Geſetzes lautet: Das Geſetz
betreffend den Orden der Geſellſchaft Jeſu vom 4. Juli
1872 wird aufgehoben. — Abg. Erdmann (Soz.): Wit
ſind für den § 1, ſtimmen aber gegen den zu § 2 von den
Freiſinnigen vorgelegten Antrag, weil dieſer Antrag der
Einzelſtaaten das Recht vorbehält, das Ausnahmegeſetz
weiter beſtehen zu laſſen. — Damit ſchließt die Debatte.
1 wird vom Zentrum, den Sozialdemokraten, Polen,
Elſäſſern, Dänen und dem Freiſinnigen v. Payer
ange=
nommen. Bei § 2, Sicherſtellung der Ausführung der
Beſtimmung des § 1, beantragen die Freiſinnigen, daß
die beſtehenden landesherrlichen Beſtimmungen von
die=
ſem Geſetz nicht betroffen werden. — Abg. Müller=
Meiningen (Fortſchr. Vpt.): Wenn ſich das Zentrum ein
mal klar darüber ausſpricht, ob die landesherrlichen
Be=
ſtimmungen von dieſem Geſetz unberührt bleiben ſollen
dann ſind wir bereit, dieſen Antrag zurückzuziehen.
Abg. Graf v. Weſtarp: Wir ſtimmen dem Antrage nicht
zu. — Abg. Schultz=Bromberg (Reichspt.): Der Antrag
würde nur Unſicherheit ſchaffen, deshalb lehnen wir ihn
ab. — § 2 wird angenommen, der freiſinnige Antrag zu
§ 2 gegen die Stimmen der Fortſchrittlichen Volkspartei
und der Nationalliberalen abgelehnt. Das ganze Geſetz
wird ſodann angenommen. Auf Antrag Spahn wird
ſofort in die dritte Leſung eingetreten. Dieſe
paſ=
ſiert ohne Debatte. Hierauf wird die geſamte
Vor=
lage mit den Stimmen des Zentrums der
Sozialdemo=
kraten, Polen, Elſäſſer, des Dänen Hanſen und der Abga
v Payer und Kerſchenſteiner angenommen. Hiermit
iſt die Tagesordnung erſchöpft.
Nächſte Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.
Tagesord=
nung: Namentliche Abſtimmung über die Oſtmarkenzulage,
Rechnungsſachen, Poſtetat. — Schluß nach 5 Uhr.
* Berlin, 19. Febr. Die
Budgetkommiſ=
ſion des Reichstages nahm folgende Reſolution
des Zentrums an: Den Reichskanzler zu erſuchen, im
Reichshaushaltsetat 1914 die Neuregelung der
Bord=
abzüge in der Weiſe vorzunehmen, daß ihre Abſtufung der
Höhe des Gehalts angepaßt wird. — Die Kommiſſion
bewilligte im Laufe der Beratungen für den Bau der
kai=
ſerlichen Jacht „Erſatz Hohenzollern” als erſte Rate fünf
Millionen Mark gegen die Stimmen der
Sozialdemokra=
ten, Polen und Elſäſſer.
Deutſcher Handelstag.
* Berlin, 19. Febr. Unter dem Vorſitz des
Präſi=
denten Kaempf wurde im Langenbeckhauſe die 38.
Voll=
verſammlung des Deutſchen Handelstages
er=
öffnet. Auf Vorſchlag des Generalkonſuls Franz von
Mendelsſohn wurden Robinow=Hamburg und
Geheimrat Vogel=Chemnitz zu ſtellvertretenden
Vor=
ſitzenden gewählt. Präſident Dr. Kaempf hielt eine
Begrüßungsanſprache, in der er unter anderem auf die
deutſch=engliſche Kriſis von 1911 hinwies und betonte, daß
die europäiſche Lage noch immer ſchwierig ſei, wenn ſich
auch die Beziehungen zwiſchen Deutſchland und England
gebeſſert haben. Darauf wurde ein Huldigungstelegramm
an den Kaiſer abgeſandt. In dieſem ſpricht der
Handels=
tag ſeine Glückwünſche zum bevorſtehenden
Regierungs=
jubiläum und gleichzeitig ſeinen Dank für die Förderung
die der Kaiſer Handel und Induſtrie ſtets angedeihen ließ,
aus. Staatsſekretär Dr. Delbrück ſandte ein
Begrüßungs=
telegramm.
Nach den Eröffnungsworten des Präſidenten Dr
Kaempf hielt der Handelsminiſter Sydow
fol=
gende Begrüßungsanſprache: Im Auftrage des
Reichskanzlers und im Namen der preußiſchen
Staats=
regierung habe ich die Ehre, die diesjährige
Vollverſamm=
lung des Deutſchen Handelstages herzlich willkommen zu
heißen. Laſſen Sie mich ebenſo, wie es der Vorſitzende
getan hat, an die Verhandlungen anknüpfen, die Sie vor
zwei Jahren in der alten Neckarſtadt, an der Wiege des
Deutſchen Handelstages, zur Feier des 50jährigen
Be=
ſtehens gepflogen haben. Damals konnten Sie mit voller
Befriedigung zurückblicken auf das, was der Handelstag
und was Handel und Induſtrie in den zurückliegenden 50
Jahren geleiſtet und erreicht haben und damit einen
ver=
trauensvollen Ausblick in die Zukunft verbinden. Bei der
jetzigen Tagung ſind Sie zurückgekehrt zu der alten Stätte
Ihrer Wirkſamkeit, und Sie dürfen ſich ſagen, daß die
Er=
wartungen, die Sie für Handel und Gewerbe vor zwei
Jahren hegten, ſich in vollſtem Maße erfüllt haben. Wir
ſind allmählich zu einer Hochkonjunktur gelangt, die
ge=
kennzeichnet iſt durch reichliche Arbeits= und Verdienſt
gelegenheit und durch Steigen des Wohlſtandes. Dieſer
Steigerung würde ich geringen Wert beimeſſen, wenn ſie
ſich darin erſchöpfte, dem Einzelnen große Behaglichkeit
in der Lebensführung zu ermöglichen; ihre ungeheuere
Bedeutung liegt darin, daß ſie der Allgemeinheit, dem
ganzen Vaterlande, zugute gekommen iſt. Die Steigerung
des Wohlſtandes trägt dazu bei, daß Deutſchland in der
Lage iſt, die ſchwerſte Rüſtung zu tragen, wozu ſeine
geo=
graphiſche Lage es nötigt, will es anderes, als ſeine
poli=
tiſche Selbſtändigkeit wahren, ſeine nationale Kultur
pflegen und ſeinen Einfluß in der Welt ausüben, der der
geiſtigen Bedeutung des deutſchen Volkes entſpricht.
Aus Elſaß=Lothringen.
* Straßburg i E., 19. Febr. Der kaiſerliche
Statthalter Graf v. Wedel und Gemahlin luden geſtern
abend eine Anzahl Landtagsabgeordneter, höchſter Be
amten und Vertreter der Preſſe zu einem Eſſen. Einige
30 Herren waren der Einladung gefolgt. Im Verlaufe
der Taſel ergriff der Statthalter das Wort zu
einer Anſprache, in welcher er der Hoffnung Ausdruck
gab, daß die Beſoldungsvorlage und die Steuerreform
recht bald zur Verabſchiedung gelangen möchten, und
mit den Worten ſchloß: „Unſer Aller Streben iſt auf das
gleiche Ziel, auf die Förderung der Wohlfahrt und die
Entwicklung des Landes gerichtet. Dies aber wird am
leichteſten und ſicherſten erreicht, wenn der Landtag und
die Regierung im Einvernehmen und mit Vertrauen an
der Löſung der gemeinſamen Aufgaben arbeiten. Die
Vorbedingung dazu iſt, daß wir alle mit dem beſten
Willen den Aufreizungs= und Verführungsverſuchen von
hüben und drüben entgegentreten, welche die Gegenſätze
verſchärfen, anſtatt ſie auszugleichen, und die Ruhe und
den Frieden nicht aufkommen laſſen und damit dem
In=
lande ſchweren Schaden zufügen. Darum laſſen Sie uns
einen entſchloſſenen Kampf gegen die Störenfriede füh=
ren. Dann wird das ernſteſte Hindernis des gegenſeitigen
Verſtändniſſes aus dem Wege geräumt und der Blick in
die Zukunft frei und hoffnungsvoll werden; denn nur
die Zukunft vermag zu bauen und nur in ihr liegt Heil
Diejenigen verſündigen ſich ſchwer am eigenen Lande,
die unter Hintanſetzung unumſtößlicher geſchichtlicher
Tat=
ſachen die Entwicklung nach vorwärts durch den beſtän
digen Hinweis auf die Vergangenheit erſchweren und
Vorſtellungen zu erwecken ſuchen, deren
Verwirk=
lichung dem Lande unheilbare Wunden ſchlagen
würden. Darum laſſen Sie uns zielbewußt au
dem Boden der gegebenen Verhältniſſe vorwärts
ſchreiten; dann werden auch die Einwirkungen von
ſelbſt aufhören, und unſer Land wird unter dem
mächtigen Schutz des Kaiſers und des Reiches nicht nur
einer blühenden Entwicklung entgegengehen, ſondern
wird auch die Bewegungsfreiheit erringen, die es erſtrebt
und auf die es bei normalen Verhältniſſen Anſpruch
er=
heben darf.”
Der Präſident der Zweiten Kammer,
Landtagsabge=
ordneter Dr. Ricklin (Ztr.), erwiderte ſpäter und be
tonte: „Wir Vertreter des elſaß=lothringiſchen Volkes
die wir uns unſerer Aufgabe voll bewußt ſind, ſind ent
ſchloſſen, Hand in Hand mit der Regierung zu gehen und
alles zu tun, was die Wohlfahrt des Landes zu fördert
geeignet iſt. In Anerkennung des zielbewußten
Wohl=
wollens der Regierung weiſen wir aber auch alle
Machen=
ſchaften zurück, welche das gute Verhältnis zur Regierung
zu untergraben ſuchen. Wir ſtreben eine friedliche Ent
wicklung der Verhältniſſe unſeres Landes im Rahmen
des Rechtes an und verurteilen rückhaltlos alle
Be=
ſtrebungen, die ſich dem entgegenſtellen, mögen ſie von
jenſeits der Grenze (Lebhafter Beifall) oder von jenſeits
des Rheines kommen. Jedenfalls aber darf das elſaf
lothringiſche Volk für jene Machenſchaften nicht
verant=
wortlich gemacht werden.”
Der Präſidentenwechſel
in Frankreich.
* Paris, 18. Febr. Miniſterpräſident Briand
erſchien heute nachmittag um zwei Uhr in der
Privat=
wohnung Poincarés. In ſeiner Begleitung befanden
ſich der militäriſche und der Zivilgeneralſekretär des
neuen Präſidenten und der Ordonnanzoffizier des
Prä=
ſidenten Falliéres. Poincaré nahm darauf mit
Briand im Präſidentenwagen Platz, während die
Trup=
pen die militäriſchen Ehren erwieſen. Eine große Menge
jubelte Poincaré als Präſident der Republik zu. Die
Ovationen ſetzten ſich auf dem ganzen Wege bis zum
Elyſée fort, wo Fallieres umgeben von allen
Mi=
niſtern und den Präſidenten des Senats und der Kammer
Poincaré empfing und ihm die Machtbefugniſſe des
Prä=
ſidenten übergab. Hierbei beglückwünſchte Falliéres den
neuen Präſidenten und feierte Poincaré als
hervorragen=
den Mann, der ſein ganzes Leben dem Dienſt der Repu
blik widmete. Seine Tätigkeit, von jetzt an mit der höch
ſten Autorität verſehen, werde eine gute Wirkung auf die
Politik des Friedens, der Freiheit und des Fortſchritts
haben, an die die Nation feſt gebunden ſei. Frankreich
könne dadurch nur an Ruhm, Kraft und Wohlſtand
ge=
winnen. Poincaré dankte, indem er Falliéres
al=
treuen Diener der Republik und der Demokratie feierte
deſſen ſicheres klarſehendes, patriotiſches Urteil er oft bei
Regierungsberatungen kennen lernte. Er werde, fügte
Poincaré hinzu, ſeine ganze Kraft der Aufgabe widmen,
die ihm zugefallen ſei und der zu genügen er auf das
Vertrauen des Parlaments und des Landes ſich ſtützen
müſſe. Er ſchloß mit der Verſicherung, die Präſidenter
der beiden Kammern könnten auf ſeine unwandelbar=
Hingabe an die Republik und das Vaterland rechnen
Um 3.30 Uhr verließ Poincaré das Elyſée, um
ſich nach dem Rathaus zu begeben, wo die Empfänge
ſtattfanden. Eine große Menge begrüßte den Zug mit
unanhörlichen Zurufen. Aus allen Fenſtern, die mit
Neugierigen beſetzt waren, wehten Fahnen. Auf den
Durchzugsſtraßen waren Vereine, Delegationen und
Muſikkapellen aufgeſtellt. Als der Zug an den Tuillerien
vorüberkam, ſpielten die Vereinskapellen die Marſeillaiſe
Eine zahlloſe Menge begrüßte Poincaré. Die
Vereins=
delegierten überreichten eine Adreſſe. An vielen Stellet:
wurden Blumen auf den Zug geworfen. Der Zug trat
um 4 Uhr im Rathaus ein. Fallieres und Loubst
die beiden letzten Präſidenten, wohnten dem Empfang bei.
Das Rathaus war für Poincarés Empfang prächtig ge
ſchmückt und beflaggt. Die Innenhöfe waren in
Winter=
gärten umgewandelt worden. Der Munizipalrat empfin
Poincaré, dem der Großkanzler des Ordens der Ehren
legion, Florentin, das Großkreuz der Ehrenlegion um
legte Die Militärmuſik ſpielte die Marſeillaiſe. Galli,
der Präſident des Munizipalrates, und der Seinepräfekt
Dellaney ſprachen Präſident Falliéres den Dank der Stadt
und des Seine=Departements aus. Dann begrüßten ſi
Poincaré. In ſeiner Antwort auf die Begrüßung
dankte Poincaré dem Munizipalrat dafür daß er Fal
lieres. Loubet und ihm ſelbſt die glückliche
Gelegenhei=
gegeben habe, am gemeinſamen Herd der Einwohner
ſchaft von Paris zuſammenzukommen, und fuhr fort: J
dem Augenblick, in dem ich zu dem höchſten Amt berufen
bin, empfinde ich es um ſo angenehmer, das Herz de
großen Stadt mir ſo nahe ſchlagen zu hören. Wenn auck
die warmen Sympathien, die mich umgeben, weit mehr
meine hohen Funktionen, als meine Perſon betreffen, ſ
ſind ſie deshalb ein ebenſo unſchätzbares Pfand de
öffentlichen Vertrauens und bieten dem neuen Präſiden
ten Hilfe, worüber er ſich nur freuen kann. Sie ſchaffen
ihm aber auch gleichzeitig Pflichten, deren Ernſt er nich
verkennen foll. Er wird ſich Mühe geben, ſie zu erfüllen
in dem er mit der ganzen Seele dem republikaniſcher
Frankreich dienen wird.
Vor der Rückkehr ins Elyſée geleitete Poit
caré in Begleitung Briands Präſident Falliére
unter lebhaftem Beifall in deſſen Wohnung in der Ru
Francois I. Beim Verlaſſen des Hauſes wurde Briander
kannt, als er ſich zu Fuß in das Miniſterium des
Innernbe=
gab. Er wurde vom Publikum lebhaft begrüßt. Auch
Fal=
lieres wurden heczliche Kundgebungen dargebracht
empfing ſpäter die Vertreter der Behörden und Schulen
ſeines Stadtviertels, die ihm huldigten.
* Paris 19. Febr. Die meiſten Blätter drücken in
lebhaften Worten ihre Befriedigung über den Verlau
des geſtrigen Tages aus, an dem der neue
Prä=
ſident ſein Amt antrat. Die Petite Républiqu
ſchreibt: Alle Franzoſen, ohne Unterſchied der Partei
umringten den Präſikſenten, um dem „guten Lothringer”ih
Vertrauen und ihre patriotiſche Zuverſicht zu bekunden. Die
nationaliſtiſche Libre Parole ſagt: Der Präſident
der Republik wurde geſtern von dem Präſidenten de=
Gemeinderats und dem Vizepräſidenten der Patriotenlige
Galli empfangen. Wenn jemand das vor 10 Jahren von
ausgeſagt hätte, wäre er ausgelacht worden. Möge der
neue Präſident handeln. Auf dem Poſten, den er inn
hat, bedeuten gewiſſe Worte ſo viel wie Taten. Die
radi=
kale Aurore meint, Präſident Poincaré wird die
Poli=
tik des Friedens, der Freiheit und des Fortſchritts ſeiner
Vorgänger fortſetzen und die Entſcheidungen des
Parla=
ments achten. Der etwas veraltete Lockgeſang der
Syre=
nen hat ihm nur ein Lächeln abgewonnen. Armſelige
Syrenen, die die Republikaner ſchon einmal zum
Schwei=
gen gebracht haben und deren ſie ſich erforderlichen Falls
noch einmal ohne Mühen entledigen werden. Präſident
Poincaré wird, daran kann niemand zweifeln, mit ſeiner
Partei für die Republik und das Vaterland regieren.
Stimmen aus dem Publikum.
die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßge
ßes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Da nun doch einmal die Milchdebatte angeſchnitten
iſt, geſtatte ich mir, etwas in die Debatte einzugreifen.
Als infolge des trockenen Sommers von 1911 der
Milch=
preis auf 24 Pfennig per Liter geſetzt wurde, gab es keine
Debatten, das Publikum war einſichtsvoll und gab ſich der
Hoffnung hin, daß dieſer Preis wohl nicht zu ſehr lange
anhalten, und die Milch wieder billiger
wird. Aber man hat ſich bis jetzt getäuſcht. Die
Milch=
händler bleiben ruhig auf ihrem Preis ſtehen, obſchon die
Produzenten infolge ſehr großen Milchüberfluſſes ſeit
vorigen Sommer heruntergehen mußten. Nun wäre es
doch Sache der Milchhändler, auch hier dem Konſumenten
Rechnung zu tragen, wie die Konſumenten vorher, und
den Milchpreis wieder auf den früheren Stand zu
ſetzen.
—i.
Literariſches.
Der Schatz des Webers. Eine Bearbeitung
für die Jugend nach dem Roman „Silas Marner” von
George Eliot. Bibliothek Auguſt Scherl, Berlin. 147
Seiten. Elegant gebunden 90 Pfg. Aus dem berühmten
Roman der weltbekannten engliſchen Schriftſtellerin iſt
eine prachtvolle Jugenderzählung entſtanden, die durch
ihre kernhafte Handlung auch das reifere Alter beiderlei
Geſchlechts feſſelt. Die bekannte hübſche Ausſtattung und
der billige Preis laſſen ihn ebenſo wie die übrigen Bände
als Feſtgeſchenk beſtens geeignet erſcheinen.
Loeb, Moritz, Seine Majeſtät der Reiſende
Gloſſen aus dem Geſchäftsleben. Mit Illuſtrationen von
M. Gutſchmidt und einem farbigen Titelbild von W. Plank.
Neue Ausgabe, 2 Teile in 1 Bd. (100 S. u. 95 S.)
, 1912. 7. Auflage. Stuttgart, Franckhſche
Verlags=
hhandlung. Geh. 1 Mk Dieſes hübſche Bändchen, das die
großen und kleinen Nöte des Geſchäftsreiſenden mit ſo
ſchlagendem Humor und ſo packender Dialogform zu
ſchil=
ddern weiß, liegt nun ſchon in 7. Auflage vor — ein
Zeichen dafür, daß es ſein Publikum gefunden hat. Loebs
prächtiger Humor und die luſtige Situationskomik wiſſen
den Leſer auf jeder Seite gefangen zu nehmen und ihm
ein vergnügliches Lachen zu entlocken.
Der Balkankrieg.
Der rumäniſch=bulgariſche Konflikt.
* Köln, 18. Febr. Ein Telegramm der Kölniſchen
Zeitung aus Berlin meldet, die Ausſichten auf
Bei=
egung desrumäniſch=bulgariſchen
Strei=
es erſcheinen etwas gebeſſert. Die Hoffnung, daß es
richt zum Bruch kommt, ſtützt ſich namentlich darauf, daß
isen Großmächten von ſeiten einer Macht bereits ein
Ver=
mittelungsvorſchlag zugegangen iſt, der einen Ausweg aus
ien noch beſtehenden Schwierigkeiten zu eröffnen ſcheint.
* Sofia, 18. Febr. Der Mir behauptet auf Grund
auverläſſiger Informationen, die Ausſichten auf eine
treundſchaftliche Beilegung des
bulgariſch=
numäniſchen Konfliktes ſeien geſtiegen. Der Friede
twiſchen Bulgarien und Rumänien ſei nicht ſo arg
be=
nroht, als man glauben machen wolle.
* Bukareſt, 18. Febr. Die Zeitung Roumanie iſt
u der Erklärung ermächtigt, daß Take Jonescu nur
nrei Unterredungen mit Dr. Danew hatte, die ſämtlich
un Anweſenheit des Geſandten Miſchu ſtattfanden, und
daß er niemals auf irgend eine der rumäniſchen
Forde=
nungen verzichtet hat. Er hatte nicht einmal einen Anlaß,
urgend einen Verzicht ins Auge zu faſſen, da die
bulgari=
ſchen Angebote allzu gering waren, um Gegenvorſchläge
m ermöglichen.
Petersburg, 18. Febr. Die Petersburger
Telegraphen=Agentur erfährt aus zuſtändiger Quelle, daß
die allgemeine politiſche Lage, wie ſie ſich nach
den bisherigen Beſprechungen zwiſchen Bulgarien und
umänien ergibt, nicht die peſſimiſtiſchen
An=
ſchhauungen eines gewiſſen Teiles der Preſſe rechtfertige.
Loie Beſprechungen zwiſchen den Kabinetten von Sofia
nd Bukareſt ſind nicht abgebrochen. Falls die
direk=
ten Beſprechungen nicht zu einer vollſtändigen
Ueberein=
ſſimmung zwiſchen den beiden Regierungen führen ſollten,
o würden alle Mittel verſucht werden, die Streitpunkte
deem Schiedsſpruch der Großmächte zu
unter=
veerfen. Es ſei Grund zu der Annahme vorhanden, daß
maan in Rumänien wie in Bulgarien der ſchweren
Ver=
antwortung Rechnung trage, die derjenige Teil auf ſich
lnden würde, der Gewalt gebrauchte, bevor die friedlichen
Mittel zur Beſeitigung der Differenzen erſchöpft ſeien.
Alle Großmächte verſuchten, der Frage eine friedliche
Löſ=
ung zu geben, da ſie übereinſtimmend den Wunſch hegten,
ise Möglichkeit eines Konfliktes zu vermeiden.
London, 18. Febr. Wie das Reuterſche Bureau
etfährt, erwägen die Großmächte jetzt, ob ſie in den
wiſchen Bulgarien und Rumänien ſchwebenden
Fragen ihre Vermittelung anbieten ſollen. Nach
Meldungen aus Sofia erfolgte der letzte Schritt in den
Verhandlungen am Samstag, indem Prinz Ghika
er=
läärte, Rumänien könne die letzten Vorſchläge Bulgariens
nicht annehmen. Es könnte nötig werden, daß er ſich nach
Bukareſt begebe, um mit ſeiner Regierung zu konferieren.
Es wird der Anſicht Ausdruck gegeben, daß, falls
Rumä=
ni en zu extremen Maßnahmen greifen und verſuchen ſollte,
bulgariſches Gebiet zu beſetzen, Bulgarien der Okkupation
keiinen Widerſtand entgegenſetzen würde, wenigſtens nicht
voer Beendigung des Krieges mit der Türkei. Bulgarien
glaubt auch, daß Rußland verpflichtet wäre, von einem
ſollchen Vorgehen Rumäniens Notiz zu nehmen.
Amtliche Telegramme aus Bukareſt bezeichnen die
Ziituation als akut. Rumänien müſſe ſeine Poſition
wah=
rem und auf der von ihm vorgeſchlagenen Grenzlinie von
Tuurturei bis Baltſchik beſtehen, falls Bulgarien keine
weeiteren annehmbaren Konzeſſionen mache; ſeine letzten
Loorſchläge werden als zu unbedeutend bezeichnet, um
an=
elhmbar zu ſein.
Die Mächte unternahmen Schritte in Sofia und
Buka=
kt, um weitere Reibereien zu verhindern. In
diplomati=
hen Kreiſen wird allgemein die Anſicht geäußert, daß
dieſe Schritte doch wohl eine Verſtändigung herbeiführen
werden.
* Paris, 19. Febr. Von offiziöſer Seite wird
ge=
meldet: Die von der ruſſiſchen Regierung ausgegangene
Anregung, den bulgariſch=rumäniſchen Zwiſt
in friedlicher Weiſe durch einen Schiedsſpruch zu
löſen, habe die Zuſtimmung der Mächte gefunden
Bulgarien ſei geneigt, einen ſolchen Schiedsſpruch
anzu=
nehmen. Die Mächte dürften übrigens von dieſer
Bereit=
willigkeit ſchon Kenntnis gehabt haben, bevor ſie in Bu
kareſt einen Schritt unternahmen, durch den ſie der
rumä=
niſchen Regierung dringend empfahlen, nicht zu dem
äußerſten Mittel zu greifen, ohne vorher den Beiſtand der
Mächte angerufen zu haben. In Sofia ſei geſtern ein
ähnlicher Schritt unternommen und der bulgariſchen
Re=
gierung der Rat erteilt worden, die Regelung des Zwiſtes
den Mächten zu überlaſſen
Letzte Nachrichten.
* Bukareſt, 19. Febr. Die Vertreter der
Großmächte legten im Auftrage ihrer Regierunger
der rumäniſchen Regierung nahe, vor
Anwen=
dung der äußerſten Mittel die Mithilfe der Großmächte
ür die Beilegung des bulgariſch=rumäniſchen Streitfalles
anzurufen.
* Konſtantinopel, 19. Febr. Der
Finanz=
miniſter erſchien ſeit vier Tagen nicht im Miniſterium,
was zu dem bisher unbeſtätigten Gerücht von ſeiner
De=
miſſion und der bevorſtehenden Ernennung Dſchavid=
Paſchas zu ſeinem Nachfolger Anlaß gab. Da noch kein
Vorſchußgeſchäft abgeſchloſſen werden konnte, verſchob die
Regierung neuerlich die Auszahlung der
Dezembergehäl=
ter der Beamten. Die Regierung ſtudiert unausgeſetzt die
Projekte zur Erhöhung der Einnahmen des Schatzes
* Konſtantinopel, 19. Febr. Enver Bey
iſt zum Generalſtabschef des auf Gallipoli operierenden
10. Armeekorps, der frühere Marineminiſter Hurſchid
Paſcha zum Kommandanten von Gallipoli ernannt
worden.
Die Revolution in Mexiko.
Die Gefangennahme und Demiſſion
Maderos.
* New=York, 19. Febr. Nach einem Telegramm
aus Mexiko iſt Präſident Madero im
National=
palaſt von General Blanquet gefangen genommen
worden. General Huerta iſt zum Präſidenten
proklamiert worden. Darauf hat eine Konferenz
zwiſchen Huerta und Diaz ſtattgefunden. In den Straßen
kam es zu Kundgebungen für Huerta und Diaz.
* New=York. 19. Febr. Nach einer Meldung aus
Mexiko unterzeichnete Präſident Madero ſeine
De=
miſſion.
Mexiko, 19. Febr. General Huerta gab
dem Botſchafter der Vereinigten Staaten den
Regie=
rungswechſel bekannt und bat ihn, die Vertreter der
übrigen Großmächte davon zu unterrichten. Der
Bot=
ſchafter antwortete, ſie alle hätten den Wunſch, daß Huerta
die Ordnung aufrecht erhalte. Huerta rief ſodann die
Kammer zuſammen. Laredo, der Führer der
Aufſtän=
diſchen des Nordens, billigt die Ernennung Huertas zum
Präſidenten nicht, erklärt vielmehr, den Aufſtand
fortzu=
etzen wenn nicht ein anderer, am liebſten de la Barra,
zum Präſidenten ernannt wird.
* New=York, 18. Febr. Aus Mexiko wird
ge=
meldet: Kaum ein Stadtbezirk iſt unbeſchädigt.
Durch=
löcherte Seitenwände, das zerſtörte Innere hunderter
Ge=
bäude bezeugen die deſtruktiven Qualitäten der modernen
Artillerie. Wieviel Menſchen tatſächlich getötet wurden.
wird ſich nie feſtſtellen laſſen. Bekannt iſt, daß vielfach
Abteilungen von 50 bis 100 Mann, in engen Gaſſen
ein=
gekeilt, von den Maſchinengewehren niedergemacht
wur=
den. Fortwährend ſah man mit Toten beladene Wagen
den Vororten zuſtreben, wo die Leichen verbrannt wurden.
* Mexiko, 18. Febr. Die Stimmung der
Einwohnerſchaft iſt ſtark zuaunſten Diaz‟ Die
Reaierung konnte hunderte von Bundesſoldaten nur mit
Mühe bewegen, ſich in die Gefechtslinie zu begeben.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)
* Mülheim a. d. Ruhr, 19. Febr. Zu dem Morde
in der St. Engelbertskirche erfahren wir ergän
zend: Seit vorigen Sonntag halten ſich in der weit
ver=
zweigten Stadt Mülheim eine größere Anzahl
Jeſuiten=
patres auf, davon fünf in der St. Engelberts=Pfarrei.
Der erſchoſſene Pater Petrus Wengeler, S. J., ſoll ihr
Leiter geweſen ſein. Der Mörder iſt der 40jährige
Ar=
beiter Weinand, der nach ſeiner Feſtnahme völlig irre
Reden führte, aus welchen hervorging, daß er die Tat im
Irrſinn verübte.
* Hamburg, 19. Febr. Die Vulkanwerft gibt
be=
kannt, daß heute morgen ein auf dem Brückendeck des im
Bau befindlichen Rieſendampfers „Imperator” zum
Schutz der Arbeiter errichtetes Zeltdach durch Funken,
die von einem vorbeifahrenden Dampfer herüberflogen, in
Brand geriet. Der Feuerſchein wurde in der
Um=
gegend bemerkt und gab zu übertriebenen Gerüchten
An=
laß. Die Vulkanwerft ſtellt demgegenüber die
Harmloſig=
keit des Vorfalls feſt
* London, 19. Febr. In dem neu erbauten Hauſe des
Schatzkanzlers Lloyd George in Walton on the Hill
bei Epſom explodierte eine Bombe in dem
Schlafzimmer eines Dieners. Der angerichtete Schaden
wird auf 600 Pfund geſchätzt. Da das Haus noch
nicht bezogen iſt, iſt niemand verwundet worden. Es
wurde eine zweite Bombe aufgefunden, die nicht
explo=
diert war. Von den Urhebern des Anſchlags hat man
noch keine Spur.
H. B. Frankfurt a. M., 19. Febr. Der Oberförſter=
Kandidat Mar Seckt in Wetzlar hatte mit einem Arzt
in Marburg einen Zweikampf auf Säbel
ausgefoch=
ten. Da er Reſerveoffizier iſt, hatte er ſich dafür vor dem
Kriegsgericht der 21. Diviſion zu verantworten
Das Gericht erkannte auf eine Strafe von 3 Monaten
Feſtungshaft. Die Verhandlung fand hinter
verſchloſſe=
nen Türen ſtatt.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Jeder Zweifel ausgeschlossen!
Ich nahm Bioſon zur Stärkung und Bluterneuerung bei
Nervoſität und Blutarmut. Bald nach Beginn des
Bioſontrinkens bekam ich wieder Appetit, mein Magen
wurde geſtärkt, ſo daß er die Speiſen gut verdaute, ich
fühle mich jetzt gerade wie neugeboren. Frau
Weiden=
hammer, Erfurt, Moltkeſtr. 82. Unterſchrift beglaubigt:
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Gebr. hastein.
M.
Ludwigsplatz. *.
4
L
.
50
4464a
Ein neues, antes Kochrezept. Ein Maggi’s Suppen=
Würfel Reis mit Tomaten (oder Erbs, Erbs mit
Schinken uſw.) für 10 Pfg. wird fein zerdrückt, mit
100 g Grieß vermiſcht, mit ½ Liter Waſſer glatt gerührt
und unter ſtändigem Umrühren etwa 20 Minuten zu
ſteifem Brei gekocht Dieſen läßt man abkühlen,
ver=
mengt ihn dann mit 1—2 Löffel geriebener Semmel und
einem gut verquirlten Eigelb. Nun formt man daraus
nach Belieben Frikandellen, Buletten und dergleichen und
brät dieſe in gutem Bratfett von allen Seiten ſchön
knuſprig. — Man wird von dem guten, fleiſchähnlichen
Geſchmack überraſcht ſein.
Bei Zuſammenſtellung einer Speiſekarte iſt die
Aus=
wahl paſſender Zwiſchengerichte für die Köchin oft
recht ſchwer, um dies zu erleichtern verſendet Türk
& Papſt, Frankfurt a. M., ihre Kochrezepte (4.
ver=
beſſerte Auflage) für die feine und bürgerliche Küche an
jeden Leſer unſerer Zeitung auf Wunſch koſtenlos.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen:
Die Druckverteilung hat ſich ſeit geſtern wenia
ver=
ändert, obwohl ſich das nordeuropäiſche Hoch etwas
ver=
flacht hat und die ſüdweſtliche Cyklone etwas gegen das
Feſtland vorgeſtoßen iſt. Wir haben daher bei ſcharfen
Oſtwinden heiteres Froſtwetter. Niederſchläge ſind in
Deutſchland überhaupt nicht, im übrigen Europa nur an
ganz wenigen Stationen gefallen. Der Luftdruck fällt
überall etwas. Es ſcheint ſich alſo langſam ein
Witte=
rungsumſchlag vorzubereiten, jedoch werden wir morgen
noch vorwiegend unter dem Hochdruckeinfluß bleiben.
Witterungsausſichten für
Donners=
tag, 20. Februar: Wechſelnd bewölkt, meiſt trocken,
tags etwas milder; Oſtwind.
Schneebericht.
Schierke i. H. 12 Grad Kälte, 20 Zentimeter
Neu=
ſchnee, im Brockengebiet oberhalb Schierke 75 Zentimeter
Neuſchnee; klares, ſtilles Wetter, Sonnenſchein;
Bobſleigh=
bahn vorzüglich
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. B). Anfang 7½ Uhr, Ende
gegen 11 Uhr: „Mignon”.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Haupt um 8½ Uhr
im Hörſaal 326 der Techniſchen Hochſchule (
Volks=
bildungsverein).
Konzerte: Hotel Heß um 3 und 8 Uhr. — Bürgerkeller
um 8 Uhr. — Rummelbräu um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 21. Februar.
Hofreite=Verſteigerung des Georg Philipp
Volz (Eckhardtſtraße 35) um 11 Uhr auf dem
Orts=
gericht I.
Nutzholz=Verſteigerung um 8 Uhr in der
Turn=
halle am Woogsplatz.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr im
Rat=
haus zu Pfungſtadt.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Büttelborner Gemeindewald (
Zuſammen=
kunft auf der Darmſtädter Chauſſee am Eingang des
Waldes).
Großh. Vorzellanſammlung im Prinz=Gergs=
Palais (Schloßgartenplatz). Geöffnet Sonntags von
11—1 Uhr. Eintritt 50 Pfg.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Zur Einseanund
Grosse Auswahl
Hemden
Beinkleider
Stickereiröcke
Korsetten
Taschentücher
Handschuhe
Konfirmandenhüte
Niedrige Preise
Kerzenschmuck
Kerzentücher
Kränze und
Sträusschen
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Telephon 1388
Mitglied des Rabatt-Sparvereins
Reelle fachkundige Bedienung.
Gemeinschaftlicher Waren-Einkauf mit über 300 gleichartigen Geschäften
Deutschlands, daher höchste Leistungsfähigkeit bei allerbilligsten Preisen.
Mainzer Frühjahrspferdemarkt 1913.
Der Frühjahrspferde= und Fohlenmarkt, verbunden mit
Prämi=
ierung, Verloſung und einer Ausſtellung von landwirtſchaftlichen
Geräten, findet am
Donnerstag, den 13. März 1913
im ſtädtiſchen Viehhofe ſtatt. Marktprogramm nebſt
Prämiierungs=
plan, ſowie weitere Auskünfte ſind durch die Schlacht= und
Viehhof=
verwaltung erhältlich.
Mainz, im Februar 1913.
(IV,4473,40
Die ſtädtiſche Pferdemarktkommiſſion:
Dr. Külb, Beigeordneter.
(1917a
Privatklinik
für Frauenkrankhelten und Geburtshilfe
von Dr. Machenhauer, Darmstadt
Telephon 288.
Lagerhausstrasse 24.
Besuchszeit: täglich von 2—4 Uhr nachm.
Aerztliche Sprechstunde nur in der Privatwohnung:
Riedeselstr. 52, Werktags von 2—4 Uhr nachm. Telephon 334.
Patente
Gebrauchsmuster, Warenzeichen
erwirkt — verwertetschnell u. gut
Conrad Köchling, Ing., Mainz,
Bahnhofstr. 3, Telefon 2754.
Aus-
führliche, lesenswerte Broschüre
kostenfrei. Erste Referenzon. (1561
ſtrima trock. Buchen= u. Tannen=
Abfallholz zu verk. Ztr. 1,35 u.
1,45 Mk. Heinheimerſtr. 4. (1618a
Speisekartoffeln
verſchied. Sorten, ſowie Zwiebeln,
Obſt, Gemüſe und Südfrüchte,
Pariſer Kopfſalat und
Blumen=
kohl empfiehlt billigſt (4508a
Crößmann, Kartoffelhandlung,
Grafenſtraße 16, Telephon 2154.
ſehr bill. zu
Sofa n. Matratzen verkaufen.
Martinſtr. 68, Manſ. Anzuſ.
Sonn=
tag vorm. von 9—12 Uhr. (*4202sf
Saloneinrichtung
Aus herrſchaftlichem Hauſe, gek.
1500 Mk., für nur 480 Mark
(verſäumen Brautleute dieſe
Ge=
legenheit nicht) ſowie 2 nußbaum
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gek 900 Mk., für nur 275 Mk.,
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3½
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2. Deutsche Frauenschule
Fortbildungsjahr für Erwachsene.
3. Fachkurse für Berufsausbildung
a) Geflügelzucht; b) Handfertigkeit.
Alles nähere durch
(4456
Eleonore Lemo
Oberlehrerin und Schulvorsteherin.
Aufnahme in die beiden Gymnaſten zu Darmſtadt.
Um eine gleichmäßigere Verteilung der Schüler an die beiden
Gymnaſien herbeizuführen, ſollen die Anmeldungen neu eintrekender
Schüler diesmal an einer Stelle, und zwar bei der Großh. Direktion
des Neuen Gymnaſiums (Lagerhausſtr. 7),
Freitag, den 28. Febrnar von 9—12 Uhr
unter Vorlage der erforderlichen Zeugniſſe (Geburtsſchein, Impfſchein,
Nachweis über den bisherigen Unterricht), erfolgen. Für die Schüler,
die Oſtern aus der erſten Klaſſe der Gymnaſialvorſchule in die Sexta
aufrücken, iſt dieſe Anmeldung nicht nötig; ihre Eltern erhalten
beſondere Nachricht.
Wenn die Eltern ſchriftliche Anmeldung vorziehen, wird ſie bis
Dienstag, den 25. Februar erbeten.
Die Zuteilung wird nach Eingang aller Meldungen zwiſchen
den beiden Direktionen vereinbart werden.
Darmſtadt, den 10. Februar 1913.
(3905a
Die Großherzoglichen Direktionen
des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums des Neuen Gymnaſiums
Dr. Forbach.
Dr. Mangold
Darmstädter
Sprach- und Handelsschule
Leiter: Emil Held und Hieron. Schneider
10 Luisenstrasse 10
Beginn neuer Tages-Kurse:
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hemden, 150 Paar Handſchuhe (Glacé), 1 Schreibmaſchine
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Holzverſteigerung.
Mittwoch, den 26. Februar I. Js.,
vormittags ½10 Uhr,
wird in der Wirtſchaft von Heberer zu Meſſel das Durchforſtungs
holz aus Zachariaseck 2 und das Dürr= und Windfallholz aus
Kleeneck zwiſchen Meſſeler Chauſſee, Bornſchneiſe, Dreibrückenſchneiſ
und Meſſeler Feld (Nr. 321—468 und 498—555) verſteigert, ſowie zu
Beginn der Verſteigerung 3245 Stück Reisſtangen (Bohnenſtangen
aus Kleeneck und 1 Nußbaumſtamm mit 32 cm Durchmeſſer un
3,4 m Länge am Meſſeler Falltorhaus: Scheiter, rm: 10 Buche
I. Kl., 185 Buchen II. Kl., 370 Eichen, 1 Birke (rund), 31 Erlen
(30 rund); Knüppel, rm: 54 Buchen, 55 Hainbuchen, 202 Eichen,
1 Birke, 28 Erlen, 1 Nußbaum; Reiſig, Wellen: 350 Buchen
850 Hainbuchen, 10 Nußbaum.
Die Hiebsorte grenzen an das Meſſeler Feld und liegen in
nächſter Nähe von Meſſel. Von den Stangen werden nur die rot
unterſtrichenen Nummern verſteigert. Auskunft erteilen Forſtwar
Lang zu Meſſeler Falltorhaus, Poſt Meſſel, und Forſtwart Bayere
zu Krauſe=Buche, Poſt Egelsbach.
Darmſtadt, den 18. Februar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(445
Holz-Verſteigerung.
Mittwoch, den 26. d. Mts., vormittags 9½ Uhr
werden in der Turnhalle dahier (Woogsplatz 5) aus Diſtrik
Baſſinteil und Burgwald das zerſtreut ſitzende Brennholz, Abzähl
Nr. 160 bis 549, und Derbſtangen, Kiefern 160 Stück — 1,49 fm (zu
Baumſtützen geeignet), verſteigert:
Scheiter, rm: 1 Buche, 127 Kiefern; Knüppel, rm
7 Buchen, 6 Eichen, 7 Linden, 2 Pappel, 97 Kiefern
5 Fichtenn; Reiſig, Wellen: 300 Buchen, 400 Eichen,
300 Linde, 6910 Kiefern, 130 Lärchen, 140 Fichten; Stöcke
rm: 41 Kiefern.
Die blau unterſtrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot=
Nähere Auskunft erteilt der Großh. Forſtwart Schrimpf dahier
Forſtmeiſterſtraße 9.
Darmſtadt, den 18. Februar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
(433
I. V.: Kindhäuſer, Großh. Forſtaſſeſſor.
Holzverſteigerung.
Dienstag, 25. Februar I. J., morgens 10 Uhr ab, werden be
Wirt Heberer in Meſſel verſteigert aus Röder Mark 50 (Durchforſtung),
Buchenhügel 47 (Abtrieb) und das Dürrholz aus Forſtwartei
Tho=
mashütte (Abt. 27—53): Stämme: 4 Lärchen —0,38 fm; 3 Fichten
2,07 fm; Derbſtangen: 17 Eichen (Deichſeln) —0,93 fm; 50 Fichten
2,63 fm; Scheiter, rm: 2 Buchen, 2 Hainbuchen, 81 Eichen (dabei
ſehr ſchönes Werkholz), 26 Kiefern, 6 Fichten; Knüppel, rm: 8
Buchen, 8 Hainbuchen, 286 Eichen, 1 Erle, 47 Kiefern, 18 Fichten,
Knüppelreiſig, rm: 109 Hainbuchen u. Buchen, 157 Eichen, 24 Kiefern;
Reiſig=Wellen: 170 Hainbuchen und Buchen; Stöcke, rm: 59 Eichen
16 Kiefern. — Das Holz iſt vorher einzuſeheu. — Auskunft erteilen
Forſtwart Engel und Forſtwartaſpirant Dillemuth zu Meſſel.
Meſſeler Forſthaus, 18. Februar 1913.
(451
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
Schlag.
Stamm= und Brennhotz=Verſteigerung.
In den Waldungen der Gemeinde Ober=Ramſtadt werden nach
benannte Holzſortimente an Ort und Stelle verſteigert.
Dienstag, den 25. Febrnar I. J. im Diſtrikt Günkelbach
3 Eichen=Stämme von 28—37 cm mittl. Durchm., 6—8 m Läng
—6
5 Kiefern=
„ 30—39 „
31 Lärchen= „ „ 16—33 „ „
6—20 „
,
62 Fichten=
20—37 „
10—20
Bemerkt wird, daß ſich unter den Stämmen ſehr ſchöne
Schnittholz befindet.
Donnerstag, den 27. Februar daſelbſt
Scheiter rm: 6 Buchen, 2 Eichen, 80 Kiefern, 4 Fichten,
Knüppel rm: 78 Buchen, 11 Eichen, 162 Kiefern, 9 Larchen, 24 Fichter
Reiſig: 1050 Stück Fichten=Wellen,
Stöcke rm: 54 Buchen, 18 Kiefern, 2 Lärchen, 20 Fichten.
Freitag, den 28. Februar im Diſtrikt Silberberg
Scheiter rm: 56 Buchen; Knüppel rm: 108 Buchen, 22 Eiche
253 Kiefern, 2 Fichten; Stöcke rm: 56 Buchen.
Nähere Auskunft erteilt Förſter Trautmann zu Ober=Ramſtadt
Zuſammenkunft an den drei Tagen jedesmal vormittags 9 Uhl
und zwar am erſten und zweiten Tag am Diſtrikt Günkelbach au
dem alten Nieder=Modauer Weg, am dritten Tag am Diſtrikt Silber
berg, ebenfalls auf dem alten Nieder=Modauer Weg hinter dem alten
Bergwerk.
Ober=Ramſtadt, den 17. Februar 1913.
(4462ds
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.
Holz-Verſteigerung.
Montag, den 24. Februar, vormittags von 9 Uhr an,
ſollen in der Günther’ſchen Gaſtwirtſchaft in Roßdorf aus den
Diſtrikten Spieß und Rinkenbuſch verſteigert werden:
Scheiter rm: 158 Buchen, 10 Eichen, 9 Birken;
Knüppel rm: 284 Buchen, 26 Eichen, 18 Birken, 10 Nadelholz;
Reiſig H. W.: 64 Buchen, 10 Eichen, 5 Nadelholz;
Stöcke rm: 79 Buchen, 17 Eichen ꝛc.
Unter den Wellen befinden ſich 17 Hundert Stammwellen.
Zur Verſteigerung kommen die Nummern 745 bis 1044.
(4452
Ober=Ramſtadt, 16. Februar 1913.
Großh. Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.
Vergebung von Kohlen.
Die für das Elektrizitätswerk Pfungſtadt pro Rj. 1913 benötigten
Kohlen ſollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden.
Bedingungen über die Anlieferung der Kohlen liegen auf der
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt ab 15. Februar 1913 zur Einſicht
auf und ſind für auswärtige Intereſſenten von dort zu beziehen.
Angebote ſind mit entſprechender Aufſchrift bis zum 27. Februax
1913, vormittags 11½ Uhr, ebendaſelbſt einzureichen. (4259id
Pfungſtadt, den 15. Februar 1913.
Städtiſches Elektrizitätswerk Pfungſtadt.
Lang.
Engliſcher Dackel, raſſerein, zum
Decken geſucht.
(*4671
Frau Joſt. Hinkelgaſſe 4.
Ein prima Hofhund zu verh.
*4597df) N.=Ramſtädterſtr. 43, Berz=
Bekanntmachung.
Nachſtehende Polizeiverordnung vom 26. Auguſt 1910 wird wiederholt
veröffent=
icht. Genaue Beachtung derſelben wird dringend empfohlen.
Darmſtadt, den 17. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Polizei=Verordnung
vom 26. Auguſt 1910.
Auf Grund des Art. 78 der Kreis= und Provinzialordnung wird unter
Zu=
timmung des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung des Großherzoglichen
Mini=
ſteriums des Innern vom 23. Auguſt 1910 zu Nr. M. d. J. II 3715 für den Kreis
Parmſtadt folgendes verordnet:
§ 1. Der Zuzug fremdländiſcher Arbeiter, ihrer Frauen, Kinder und etwaigen
uuſtigen Begleiter iſt vor der Ankunft unter Angabe ihrer Zahl der
Ortspolizei=
thörde des Beſchäftigungsortes von dem Arbeitgeber oder ſeinem Stellvertreter ſchriftlich
Uirzuzeigen. War die Anzeige vor der Ankunft nicht möglich, ſo iſt ſie ſofort bei dem
intreffen der obengenannten Perſonen an ihrem Beſtimmungsort, ſpäteſtens aber
innen 24 Stunden darnach der Ortspolizeibehörde zu erſtatten. Die Anzeige ſoll
amen und Heimatſtaat der Zugezogenen enthalten.
Die Ortspollzeibehörde iſt zur ſofortigen Mitteilung an das Großh.
Kreis=
iſundheitsamt verpflichtet. Bei Krankheitsverdacht hat die Mitteilung telephoniſch
her telegraphiſch zu geſchehen.
§ 2. Die Zugezogenen ſind verpflichtet, auf Ladung der Ortspolizeibehörde zur
Unterſuchung durch den Großh. Kreisarzt zu erſcheinen. Säumige werden polizeilich
Vorgeführt. Der Arbeitgeber oder ſein Stellvertreter hat die für das Erſcheinen im
Unterſuchungstermin erforderliche Zeit zu gewähren.
Diejenigen Perſonen, die ſich über eine in den letzten zehn Jahren
vorausge=
engene erfolgreiche Impfung oder über eine überſtandene Blatternerkrankung nicht
ſigsweiſen können, werden im Unterſuchungstermin geimpft. Der Unterſuchungstermin
bil in der Regel am Beſchäftigungsorte ſtattfinden, wenn nicht unverhältnismäßige
ſoſten hierdurch entſtehen. Wer ſich der Impfung entzieht, oder ſich weigert, die
npfung vornehmen zu laſſen, hat die ſofortige Ausweiſung aus dem Großherzogtum
gewärtigen.
In dem Termin werden die Zugezogenen gleichzeitig auf das Vorhandenſein der
ie yptiſchen Augenkrankheit hin unterſucht und die notwendigen Mahnahmen getroffen.
§ 3. Jeder Geimpfte muß in einem zweiten Termin dem Großh. Kreisarzt zur
Machſchau vorgeſtellt werden, falls ein ſolcher beſtimmt wird. Die Vorſchrift des § 2
bſ. 1 Satz 3 findet entſprechende Anwendung.
§ 4. In dem in § 2 erwähnten Unterſuchungstermin ſoll eine Namensliſte unter
ngabe der Geburtstage oder wenigſtens des ungefähren Alters der vorgeführten
erſonen von dem Arbeitgeber oder deſſen Stelvertreter dem Großh. Kreisarzt
vor=
zillegt werden.
§ 5. Die Koſten der Unterſuchung und Impfung werden auf die Polizeikaſſe
ühernommen.
§ 6. Die nach Art. 89 des Polizeiſtrafgeſetzes vorgeſchriebenen Anmeldungen,
owie die nach anderen Beſtimmungen beſtehenden Verpflichtungen zur Anzeige des
Abeitsantritts bleiben unberührt.
§ 7. Arbeitgeber oder deren Stellvertreter, welche die in §§ 1—3 dieſer
Ver=
bidnung angeordneten Aufſichtsmaßregeln verletzen, werden, ſofern nicht eine
Be=
ſthafung aus § 327 des Reichsſtrafgeſetzbuches zu erfolgen hat, mit Geldſtrafe von
1—30 Mark beſtraft.
§ 8. Die vorſtehenden Vorſchriften treten mit dem Tag ihrer Veröffentlichung
m. Amtsverkündigungsblatt in Kraft. Mit dem gleichen Tage iſt die Polizeiverordnung
vrem 9. Juni 1908, betreffend das Auftreten von Blatternerkrankungen unter fremd=
(4460ds
lämndiſchen Arbeitern, aufgehoben.
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des § 1 der Pferde=Aushebungs=Vorſchrift vom 15. September
992 wird für das laufende Jahr die Vormuſterung des Pferdebeſtandes des
kreiſes Darmſtadt in folgender Weiſe vorgenommen:
1. Dienstag, den 11. März 1913, vormittags 820 Uhr zu Pfungſtadt am
Ansgang nach Hahn, die Pferde aus der Gemeinde Pfungſtadt
2. Dienstag, den 11. März 1913, vormittags 930 Uhr zu Hahn am
Aus=
zunng nach Pfungſtadt, die Pferde aus der Gemeinde Hahn;
3. Dienstag, den 11. März 1913, vormittags 10 Uhr zu Eſchollbrücken
im Ausgang nach Hahn, die Pferde aus den Gemeinden Eich und Eſchollbrücken;
4. Mittwoch, den 12. März 1913, mittags 12 Uhr, zu Darmſtadt in
der Heinrichſtraße zwiſchen Wieners= und Gervinusſtraße — Zugang von der
Wieners=
ktaäße, Abgang nach der Gervinusſtraße — die Pferde aus den Straßen des VI.
Poli=
ſetrebier=Bezirks:
5. Mittwoch, den 12. März 1913, nachmittags 3 Uhr zu Roßdorf am
Unsgang nach Darmſtadt, die Pferde aus der Gemeinde Roßdorf;
6. Donnerstag, den 13. März 1913, vormittags 8 Uhr zu Darmſtadt in
hir Blumenthalſtraße zwiſchen Lagerhaus= und Landwehrſtraße — Zugang von der
Lagerhausſtraße, Abgang nach der Landwehr= bezw. Aliceſtraße — die Pferde aus den
brraßen des III. Polizeirevier=Bezirks:
7. Donnerstag, den 13. März 1913, vormittags 930 Uhr zu
Weiter=
tadt am Ausgang nach Schneppenhauſen, die Pferde aus der Gemeinde Weiterſtadt:
8. Donnerstag, den 13. März 1913, vormittags 950 Uhr zu
Brauns=
ardt am Wege Weiterſtadt=Schneppenhauſen, die Pferde aus der Gemeinde
Braunshardt;
9. Donnerstag, den 13. März 1913, vormittags 10 Uhr zu
Schneppen=
ſauſen am Ausgang nach Weiterſtadt, die Pferde aus der Gemeinde Schneppenhauſen;
10. Donnerstag, den 13. März 1913, vormittags 1020 Uhr zu
Gräfen=
ſauſen am Ausgang nach Schneppenhauſen, die Pferde aus der Gemeinde
Gräfen=
ſauſen:
11. Donnerstag, den 13. März 1913, vormittags 11 Uhr zu Erzhauſen
dem Bieinalweg nach Wiehauſen, in der Nähe der Dreſchalle, die Pferde aus
uff
er Gemeinde Erzhauſen;
12. Freitag, den 14. März 1913, vormittags 8 Uhr zu Darmſtadt am
Platz vor dem Hallenſchwimmbad, die Pferde aus den Straßen des I. und II.
Poli=
el revier=Bezirks;
13. Freitag, den 14. März 1913, vormittags 1020 Uhr zu Griesheim am
usgang nach Darmſtadt, die Pferde aus der Gemeinde Griesheim;
14. Samstag, den 15. März 1913, vormittags 8 Uhr zu Darmſtadt in der
andgraf Philipp=Anlage, zwiſchen Wald= und Hügelſtraße — Zugang von der
Hügel=
taße, Abgang durch die Waldſtraße — die Pferde aus den Straßen des IV.
Poli=
ſei revier=Bezirks;
15. Samstag, den 15. März 1913, vormittags 945 Uhr zu Eberſtadt am
ſlusgang nach Seeheim, die Pferde aus den Gemeinden Maichen und Eberſtade:
16. Samstag, den 15. März 1913, vormittags 11 Uhr zu Nieder=Beerbach
im Ausgang nach Eberſtadt, die Pferde aus der Gemeinde Nieder=Beerbach;
17. Montag, den 17. März 1913, vormittags 8 Uhr zu Darmſtadt am
Ryönring zwiſchen Moller= und Schuknechtſtraße — Zugang von der Mollerſtraße,
Ulbegang nach der Schuknechtſtraße — die Pferde aus den Straßen des VII.
Polizei=
ſewier=Bezirks;
18. Montag, den 17. März 1913, vormittags 91 Uhr zu Wixhauſen in
ſer Nähe des Bahnhofs, die Pferde aus der Gemeinde Wixhauſen;
19. Montag, den 17. März 1913, vormittags 945 Uhr zu Arheilgen am
lusgang nach Kranichſtein, die Pferde aus der Gemeinde Arheilgen;
20. Montag, den 17. März 1913, vormittags 1020 Uhr zu Kranichſtein
uf der Straße nach Meſſeſ, die Pferde des Hofgutes Kranichſtein;
21. Montag, den 17. März 1913, vormittags 1110 Uhr zu Meſſel am
Ausgang nach Darmſtadt, die Pferde aus der Gemeinde Meſſel;
22. Dienstag, den 18. März 1911, vormittags 8 Uhr zu Nieder=
Ramſtadt am Ausgang nach Ober=Ramſtadt, die Pferde aus den Gemeinden
Waſchenbach, Traiſa und Nieder=Ramſtadt;
23. Dienstag, den 18. März 1913, vormittags 9 Uhr zu Ober=Ramſtadt
im. Ausgang nach Nieder=Ramſtadt, die Pferde aus der Gemeinde Ober=Ramſtadt:
24 Dienstag, den 18. März 1913, vormittags 11 Uhr zu Darmſtadt
n der Klappacherſtraße zwiſchen Wittmann= und Schießhausſtraße — Zugang von der
Schießhausſtraße, Abgana nach der Wittmannſtraße — die Pferde aus den Straßen des
V. Polizeirevier=Bezirks.
Jeder Pferdebeſitzer iſt verpflichtet, ſeine ſämtlichen Pferde vorzuführen, mit
u snahme:
Jahre alten Pferde:
b) der Hengſter
c) der Stuten, die entweder hochtragend ſind (deren Abfohlen innerhalb der
nächſten 4 Wochen zu erwarten iſt), oder noch nicht länger als 14 Tage
abgefohlt haben;
d) der Vollblutſtuten, die im „Allgemeinen deutſchen Geſtütbuch” oder den
hierzu gehörigen offiziellen — vom Unionklub geführten — Liſten
einge=
tragen und von einem Vollbluthengſt laut Deckſchein belegt ſind, auf
An=
trag des Beſitzers;
e) der Pferde, welche auf beiden Augen blind ſind;
f) der Pferde, welche in Bergwerken dauernd unter Tag arbeiten;
g) der Pferde, welche wegen Erkrankung nicht marſchfähig ſind oder wegen
Anſteckungsgefahr den Stall nicht verlaſſen dürfen;
b) der Pferde, welche bei einer früheren, in der betreffenden Ortſchaft
abge=
haltenen Muſterung als dauernd kriegsunbrauchbar bezeichnet worden ſind;
der Pferde unter 1,50 Mtr. Bandmaß.
Unter beſonderen Umſtänden, namentlich in dringenden Fällen, kann durch uns
eine Befreiung von der Vorführung geſtattet, werden.
In den unter c—g aufgeführten Fällen ſind vom Ortsvorſtand ausgefertigte
Beſcheinigungen vorzulegen, denen bei hochtragenden Stuten (e) auch der Deckſchein
beizufügen iſt.
Von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde ſind ausgenommen:
1. Mitglieder der regierenden deutſchen Familien;
2. die Geſandten fremder Mächte und das Geſandtſchaftsperſonal;
3. die aktiven Offiziere und Sanitätsoffiziere bezüglich der von ihnen zum
Dienſtgebrauch gehaltenen Pferde;
4. Beamte im Reichs= oder Staatsdienſte, hinſichtlich der zum Dienſtgebrauch,
ſowie Aerzte und Tierärzie, hinſichtlich der zur Ausübung ihres Berufes
an dem Tage der Muſterung unbedingt notwendigen eigenen Pferde;
5. die Poſthalter, hinſichtlich derjenigen Pferdezahl, welche von ihnen zur
Beförderung der Poſten kontraktmäßig gehalten werden muß;
6. die ſtädtiſchen Berufsfeuerwehren.
Diejenigen, die ihre geſtellungspflichtigen Pferde nicht rechtzeitig oder
vollzählig vorführen, haben außer der geſetzlichen Strafe bis zu 150 Mark zu
gewärtigen, daß auf ihre Koſten eine zwangsweiſe Herbeiſchaffung der nicht
geſtellten Pferde vorgenommen werden wird. Die Vorführung der Pferde hat
durch zuverläſſige Perſonen und mit der erforderlichen Vorſicht zu geſchehen.
Darmſtadt, den 17 Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
An das Großherzogliche Polizeiamt Darmſtadt und die Großherzoglichen
Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Indem wir Sie auf vorſtehende Bekanntmachung hinweiſen, empfehlen wir Ihnen,
dem Muſterungsgeſchäfte beizuwohnen, um dabei die nötige Unterſtützung zu leiſten
und durch Ihre Kenntnis der Perſonen und Pferde das Vorkommen von Unterſchleifen
und Täuſchungen verhüten zu heifen. Insbeſondere wollen Sie dafür beſorgt ſein,
daß die zu muſternden Pferde nicht allein zur beſtimmten Stunde pünktlich
vor=
geführt, ſondern auch gemeindeweiſe in der oben angegebenen Ordnung und
innerhalb der Gemeinden in der Reihenfolge ährer Liſte aufgeſtellt werden.
Dieſe Aufſtellung hat nicht erſt auf dem Muſterungsplatze zu erfolgen, die
Pferde müſſen vielmehr in dieſer Ordnung ſchon dahin verbracht werden.
Es empfiehlt ſich daher, die ordnungsmäßige Aufſtellung ſchon in Ihren
Gemeinden vorzunehmen und bei dem Marſch zum Muſterungsplatze dieſe
Ordnung einzuhalten. Die Pferde werden abgeſchirrt gemuſtert.
Die Vorführungsliſten werden Ihnen mit beſonderer Verfügung in den nächſten
Tagen wieder zugehen.
Gleichzeitig machen wir darauf aufmerkſam, daß die erforderlichen Vorkehrungen
zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Verhütung von Unglücksfällen, von Ihnen
rechtzeitig zu treffen ſind.
(4507a
Darmſtadt, den 17. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Den nachſtehenden Auszug aus den für die Führer von Kraftfahrzeugen
geltenden Vorſchriften bringen wir wiederholt in Erinnerung.
Darmſtadt, den 15. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(4461
J. V.: Dr. Reinhart.
Auszug aus den Beſtimmungen der Verordnung des Bundesrats
vom 3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
Beſondere Pflichten des Führers.
§ 17. Der Führer iſt zu beſonderer Vorſicht in Leitung und Bedienung ſeines
Fahrzeuges verpflichtet. Er darf von dem Fahrzeuge nicht abſteigen, ſolange es in
Bewegung iſt, und darf ſich von ihm nicht entfernen, ſolange die Maſchine oder der
Motor läuft; auch muß er, falls er ſich von dem Fahrzeuge entfernt die Vorrichtung
in Wirkſamkeit ſetzen, die verhindern ſoll, daß ein Unbefugter das Fahrzeug in
Be=
trieb ſetzt.
Der Führer iſt verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß eine nach der
Beſchaffen=
heit des Kraftfahrzeuges vermeidbare Entwickelung von Geräuſch, Rauch, Dampf
oder=
üblem Geruch in keinem Falle eintritt.
Das Oeffnen etwa vorhandener Auspuffklappen iſt verboten.
§ 18. Die Fahrgeſchwindigkeit iſt jederzeit ſo einzurichten, daß Unfälle und
Verkehrsſtörungen vermieden werden und daß der Führer in der Lage bleibt, unter
allen Umſtänden ſeinen Verpflichtungen Genüge zu leiſten.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile darf die Fahrgeſchwindigkeit von 15
Kilometer in der Stunde nicht überſchritten werden. Bei Kraftfahrzeugen von
mehr als 5,5 Tonnen Geſamtgewicht beträgt die überhaupt zuläſſige
Höchſtgeſchwindig=
keit 12 Kilometer in der Stunde; ſie kann — vorbehaltlich der Vorſchrift in Satz 1—
bis auf 16 Kilometer geſteigert werden, wenn wenigſtens die Triebräder mit Gummi
bereift ſind. Auf unüberſichtlichen Wegen, insbeſondere nach Eintritt der
Dunkel=
heit oder bei ſtarkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere,
bei Straßenkreuzungen, bei Straßeneinmündungen, ſcharfen Straßenkrümmungen,
bei der Ausfahrt aus Grundſtücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei
der Einfahrt in ſolche Grundſtücke, bei der Annäherung an
Eiſenbahnüber=
gänge in Schienenhö e, ferner beim Paſſieren enger Brücken und Tore, ſowie
ſchmaler oder abſchüſſiger Wege, ſowie da, wo die Wirkſamkeit der Bremſen
durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage geſtellt iſt, endlich überall da, wo
ein lebhafter Verkehr herrſcht, muß langſam und ſo vorſichtig gefahren werden,
daß das Fahrzeug ſofort zum Halten gebracht werden kann.
19. Der Führer hat entgegenkommende, zu überholende, in der Fahrtrichtung
ſtehende oder die Fahrtrichtung kreuzende Menſchen, ſowie die Führer von Fuhrwerken,
Reiter, Radfahrer, Viehtreiber uſw. durch deutlich hörbares Warnungszeichen
recht=
zeitig auf das Nahen des Kraftfahrzeuges aufmerkſam zu machen; auf die
Notwendig=
keit, das Warnungszeichen abzugeben, iſt in beſonderem Maße an unüberſichtlichen
Stellen zu achten.
Das Abgeben von Warnungszeichen iſt ſofort einzuſtellen, wenn Pferde oder
andere Tiere dadurch unruhig oder ſcheu werden.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile ſind Warnungszeichen mit der vorgeſchriebenen
Huppe abzugeben. Außerhalb geſchloſſener Ortsteile kann das Warnungszeichen auch
mit einer Fanfarentrompete abgegeben werden; dieſes Signalinſtrument darf auch loſe
im Kraftfahrzeuge mitgeführt und unter Verantwortung des Führers auch durch eine
andere, im Fahrzeug beförderte Perſon angewendet werden. Das Abgeben
lang=
gezogener Warnunasſignale, die Aehnlichkeit mit Feuerſignalen haben, ſowie die
Ver=
wendung anderer Signalinſtrumente iſt nicht ſtatthaft.
§ 20. Merkt der Führer, daß ein Pferd oder ein anderes Tier vor dem Kraft=)
fahrzeuge ſcheut, oder daß ſonſt durch das Vorbeifahren mit dem Kraftfahrzeuge)
Menſchen oder Tiere in Gefahr gebracht werden, ſo hat er langſam zu fahren, ſowie
erforderlichenfalls anzuhalten und die Maſchine oder den Motor außer
Tätig=
keit zu ſetzen. Auf den Haltruf oder das Haltzeichen eines als ſolcher kenntlichen
Polizeibeamten hat der Führer ſofort anzuhalten. Zur Kenntlichmachung eines
Polizeſ=
beamten iſt auch das Tragen einer Dienſtmütze ausreichend.
§ 21. Beim Einbiegen in eine andere Straße iſt nach rechts in kurzer
Wendung, nach links in weitem Bogen zu fahren. Dieſe Vorſchrift gilt
ent=
ſprechend für das Durchfahren von ſcharfen oder unüberſichtlichen
Wege=
krümmungen.
Der Führer hat entgegenkommenden Kraſtfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern,
Radfahrern, Viehtransporten oder dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts
auszuweichen oder, falls dies die Umſtände oder die Oertlichkeit nicht geſtatten,
ſo=
lange anzuhalten, bis die Bahn frei iſt.
Das Vorbeifahren an eingeholten Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern,
Radfahrern, Viehtransporten oder dergleichen hat auf der linken Seite zu erfolgen.
An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Wir weiſen Sie auf den vorſtehenden Auszug aus den Beſtimmungen der
Ver=
ordnung des Bundesrats vom 3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
wiederholt nachdrücklich hin. Insbeſondere iſt die Beachtung der Vorſchriften über
die Fahrgeſchwindigkeit genau zu überwachen und jede Ueberſchreitung der zuläſſigen
Geſchwindigkeit unnachſichtlich zur Anzeige zu bringen.
Ein beſonderes Augenmerk iſt auf das Befahren der Kreisſtraßen durch
Ver=
ſuchsautomobile (ſogenannte Probefahrten) zu richten, bei denen Ueberſchreitungen der
Vorſchriften des § 18 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910 ſich
erfahrungs=
gemäß beſonders häufig zu ereignen pflegen. Hier empfiehlt ſich die ſchärfſte Kontrolle,
damit jede Zuwiderhandlung gegen die beſtehenden Vorſchriften zur Anzeige gelangt.
Da die Vorſchriften über das Mitführen von Anhängewagen (§ 25 der
Bundes=
ratsverordnung vom 3. Februar 1910) ebenfalls häufig nicht beachtet werden, lenken
wir Ihre Aufmerkſamkeit auch auf dieſe, nachſtehend noch abgedruckten Beſtimmungen.
Darmſtadt, den 15. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
§ 25 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910.
Soll von einem polizeilich zugelaſſenen Kraftfahrzeug ein Anhängewagen
mit=
geführt werden, ſo genügt die Anzeige bei der höheren Verwaltungsbehörde (§ 5),
ſo=
fern den nachſtehenden Bedingungen entſprochen wird:
1. der Anhängewagen muß verſehen ſein:
a) mit einer ſicher wirkenden Bremſe;
b) mit einer zuverläſſigen, auf die Fahrbahn wirkenden Vorrichtung, die beim
Befahren von Steigungen die unbeabſichtigte Rückwärtsbewegung
ver=
hindert (Bergſtütze);
2. die Radkränze des Anhängewagens dürfen keine Unebenheiten beſitzen, die
geeignet ſind, die Fahrbahn zu beſchädigen;
3. die Verbindung der Lenkvorrichtung des Anhängewagens mit dem
Kraft=
fahrzeuge muß ſo beſchaffen ſein, daß die Räder des Anhängewagens auch
in Krümmungen möglichſt auf den Spuren der Räder des Kraftfahrzeugs
laufen;
4. zwiſchen dem Anhängewagen und dem Kraftfahrzeuge muß außer der
Haupt=
kuppelung noch eine Sicherheitskuppelung (Notkuppelung) vorhanden ſein.
Der Anzeige hat der Eigentümer die Zulaſſungsbeſcheinigung für das
Kraft=
fahrzeug, ſowie das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverſtändigen darüber
beizufügen, daß den Vorſchriften des Abſ. 1 genügt iſt; ein Vermerk über die Anzeige
iſt von der höheren Verwaltungsbehörde in die Liſte und in die Zulaſſungsbeſcheinigung
(§ 6 Abſ. 2) aufzunehmen.
Der Führer iſt dafür verantwortlich, daß der Anhängewagen ſich in
verkehrs=
ſicherem Zuſtand befindet und daß das Geſamtgewicht des Anhängewagens mit
Nutz=
laſt das jeweilige Geſamtgewicht des Kraftfahrzeugs mit Nutzlaſt nicht überſchreitet.
Falls die Bremſe des Anhängewagens nicht vom Führerſitze des Kraftfahrzeugs aus
bedient werden kann, muß auf dem Anhängewagen ein Bremſer mitfahren; in dieſem
Falle muß eine Verſtändigung zwiſchen Führer und Bremſer möglich ſein.
Das Mitführen von mehr als einem Anhängewagen iſt nur auf Grund
polizei=
licher Erlaubnis zuläſſig; das gleiche gilt bezüglich des Mitführens von einem
An=
hängewagen, ſofern den Bedingungen im Abſ. 1 Nr. 1 bis 4 nicht genügt iſt. In
dieſen Fällen iſt der Erlaubnisſchein bei der Fahrt mitzuführen und den
Polizei=
beamten auf Verlangen vorzuzeigen.
Werden Anhängewagen mitgeführt, ſo muß das dem Kraftfahrzeuge zugeteilte
polizeiliche Kennzeichen (§ 8 Abſ. 3) an der Rückſeite des Schlußwagens angebracht ſein.
Der Vertrieb der Loſe der I. Klaſſe der 3. Preußiſch=Süddeutſchen (229.
König=
flich Preußiſchen) Klaſſenlotterie wird am 5. Juni ds. Js. beginnen und die Ziehung
der I. Klaſſe dieſer Lotterie wird am 9. und 10. Juli 1913 ſtattfinden.
(4486
Das= Großh. Mininerium des Innern hat dem Zentralausſchuß des
Vogeſen=
klubs zu Straßburg i. Elſaß die Erlaubnis erteilt je 10000 Loſe einer in 2 Serien
(Ziehung der erſten Serie Winter 1913/14) zu veranſtaltenden Geldlotterie zu Gunſten
der Erbauung eines Unterkunſtehaufes auf dem Sulizer Beichen innerhalb des
Groß=
herzogtums zu vertreiben.
(4458
Nach dem von der zuſtändigen Behörde genehmigten Verloſungsplan dürfen
in=
jeder Serie 100000 Loſe à 1 Mk. ausgegeben werden. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen
nur mit dem heſſiſchen Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe gelangen.
Während der Zeit des Vertriebs der Loſe zur I. Klaſſe einer Königlich
Preußi=
ſchen Lotterie iſt Ankündigung, Ausgabe und Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.
Das Komitee für den Pferdemarkt zu Berfelden beabſichtigt mit dem am 14,
Juli 1913 ſtattfindenden Pferdemarkt eine Verloſung von Pferden, Fohlen, Rindern
und Schweinen, ſowie von landwirtſchaftlichen Gebrauchsgegenſtänden zu verbinden,
Das Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur Veranſtaltung
dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 20000 Loſe zu 1 Mk. das
Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60% des nach Abzug der
Reichs=
ſtempelabgabe verbleibenden Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe zum Ankauf
von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind.
Der Vertrieb der Loſe im Großherzogtum Heſſen iſt geſtattet.
(4457
Ortsſatzung,
betreffend die Erhebung einer Filialſteuer in der Gemeinde Pfungſtadt.
Auf Grund der Artikel 24 ff. des Geſetzes, die Gemeindeumlagen betreffend,
und des Artikels 15 der Landgemeindeordnung, wird auf Beſchluß des Gemeinderats
und nach Anhör des Bürgermeiſters und Kreisausſchuſſes mit Genehmigung der
Großh. Miniſterien des Innern und der Finanzen für die Gemeinde Pfungſtadt
das Folgende beſtimmt:
§ 1.
Gewerbetreibende, die im Gemeindebezirk Pfungſtadt, ohne in ihm ihren
Wohnſitz oder Hauptbetriebsſitz zu haben, Verkaufsſtellen oder Lager unterhalten,
von denen aus Waren aller Art zum Verkaufe abgegeben werden, ſind zur Zahlung
der Filialſteuer verpflichtet.
§ 2.
Die Filialſteuer wird nach nachſtehenden Sätzen erhoben:
von einem Umſatze von 1000—35000 Mk. einſchließlich
von weiterem Umſatze von über 35000— 70000 Mk. einſchl. . 1½ 2
70000—100000
100000—150000 . .
. 2½00
vom Umſatze über 150000 Mk. .
Ueberſteigt die nach Abſ. 1 berechnete Steuer nachweislich 15% des Ertrags im
Sinne des Art. 11 Abſ. 3 G. U. G., ſo iſt die Steuer auf Antrag des Pflichtigen auf
dieſen Betrag, keinesfalls auf weniger als 1% des Umſatzes zu ermäßigen.
Mehrere Filialgeſchäfte werden als ein Ganzes beurteilt.
§ 3.
Für die Steuerveranlagung maßgebend iſt der Umſatz des letzten zur Zeit der
Veranlagung abgelaufenen Geſchäftsjahres. Beſteht der Filialbetrieb noch nicht ein
Jahr lang, ſo iſt der Umſatz nach den zur Zeit der Veranlagung vorliegenden
An=
haltspunkten zu ſchätzen. Während des Steuerjahrs eintretende Aenderungen ſind erſt
bei der Beſteuerung für das folgende Jahr zu berückſichtigen.
Die Veranlagung der Filialſteuer erfolgt für jedes Steuerjahr im Anſchluß an
die der allgemeinen Gewerbſteuer nach dem G. U. G. vom 8. Juli 1911.
§ 5.
Die Betriebsinhaber ſind verpflichtet, auf die an ſie ergehende Aufforderung
der zuſtändigen Steuerveranlagungsbehörde innerhalb einer von dieſer
vorzubeſtim=
menden Friſt von mindeſtens 14 Tagen eine Erklärung über den erzielten Umſatz und
weitere für die Steuerveranlagung erhebliche Tatſachen einzureichen.
In der Aufforderung iſt der Rechtsnachteil anzudrohen, daß nach fruchtloſem
Ablauf der Friſt die entſprechenden Feſtſtellungen ohne weitere Mitwirkung der
Be=
teiligten von Amtswegen feſtgeſtellt würden und daß ihnen, abgeſehen von der etwa
verwirkten Strafe, für das betreffende Steuerjahr eine Einſprache dagegen nicht
zuſtehe.
Im übrigen gelten die Vorſchriften des G. U. G. vom 8. Juli 1911.
Dieſe Ortsſatzung tritt am 1. April 1913 in Kraft.
Pfungſtadt, den 14. Februar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.
(4491
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um
10 Uhr, ſtatt.
(4472
Bekanntmachung
über die Dauer des Geſindedienſtverhältniſſes.
Nach den Beſtimmungen der Artikel 6 und 7 des Geſetzes, die
Geſindeordnung betreffend, vom 28. April 1877 in der Faſſung vom
3. Auguſt 1899 und des Ortsſtatuts für die Stadt Darmſtadt vom
12. Februar 1900 gelten ſämtliche Dienſtbotenverträge, für welche
nicht ausdrücklich eine beſtimmte Dienſtdauer vereinbart oder aus
den Umſtänden zweifellos zu entnehmen iſt, als auf die Dauer
eines Kalendervierteljahres abgeſchloſſen.
Wird ein ſolcher Dienſtvertrag nicht vier Wochen vor dem
Ablauf des Kalendervierteljahres aufgekündigt, ſo iſt er
ſtill=
ſchweigend auf ein weiteres Kalendervierteljahr als erneut
anzuſehen.
Es ergibt ſich hieraus, daß in der Stadt Darmſtadt
Dienſt=
botenverträge nur auf den 1. Januar, 1. April, 1. Juli und
1. Oktober aufgekündigt werden können, und daß die Kündigung
ſpäteſtens vier Wochen vor dem jeweiligen Termin erfolgt ſein
muß, es ſei denn, daß ausdrücklich etwas anderes zwiſchen den
Parteien vereinbart oder mit Sicherheit aus den obwaltenden
Um=
ſtänden zu entnehmen iſt.
Dies gilt auch dann, wenn der Lohn nach Monaten
be=
meſſen iſt, da der von monatlicher Lohnzahlung handelnde Abſ. 4
des Art. 6 der Geſindeordnung mit den übrigen Beſtimmungen des
Art. 6 durch das erwähnte Ortsſtatut außer Kraft geſetzt iſt.
Ebenſo macht es keinen Unterſchied, ob ein Dienſtverhältnis
am Anfang oder erſt im Laufe eines Kalendervierteljahres
ein=
gegangen worden iſt, da ein im Laufe des Kalendervierteljahres
eingegangenes Dienſtverhältnis zunächſt bis zum Ende des
Kalender=
vierteljahres und dann in der oben bezeichneten Weiſe von
Viertel=
jahr zu Vierteljahr weiterläuft.
Das Kalendervierteljahr beginnt mit dem erſten Werktag eines
Vierteljahres und endigt mit dem Beginn des folgenden
Kalender=
vierteljahres (Ortsſtatut vom 12. Februar 1900, Abſatz 2).
Darmſtadt, den 18. Februar 1913.
(4499df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut mit
dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis, daß die Schutzmannſchaft
angewieſen iſt, auf den Befolg dieſer Vorſchrift beſonders zu achten.
Die Verkäufer der in § 1 bezeichneten Gegenſtände werden
hier=
mit erſucht, nicht nur ihre Angeſtellten, ſondern auch die nicht in
ihren Dienſten ſtehenden Fuhrleute und Arbeiter, ſowie die Käufer
derartiger Gegenſtände entſprechend zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 18. Februar 1913.
(4500df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betr. das Auf= und Abladen, ſowie den Transport von
Metallgegenſtänden.
Auf Grund des § 366 Ziff. 10 St.=G.=B. und des Art. 56
Ziffer 1 der Städte=Ordnung wird nach Anhörung der
Stadtverord=
neten=Verſammlung mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums
des Innern und der Juſtiz vom 22. September 1893, zu Nr. M. J.
26979, für den Bezirk der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt
ver=
ordnet, nas folgt:
§ 1. Bei dem Auf= und Abladen und bei dem Transport
von Gegenſtänden, welche bei dem Herabwerfen oder bei dem
Trans=
port auf Wagen ein ſtarkes Geräuſch verurſachen, wie eiſerne
Trag=
balken, Schienen, Metallröhren und Stangen, Bleche, Ketten
und dergleichen, ſind ſolche Einrichtungen zu treffen, daß beläſtigendes
Geräuſch vermieden wird. Namentlich müſſen derartige
Metallgegen=
ſtände, welche bei dem Transport durch Aneinanderſchlagen ein ſtarkes
Geräuſch verurſachen, in zweckentſprechender Weiſe mit Stroh oder
anderem geeigneten Material unterlegt oder ſo feſt mit einander
verbunden werden, daß der Lärm vermieden wird. Solche
Gegen=
ſtände dürfen beim Abladen nicht vom Wagen herabgeworfen,
ſondern müſſen, gegebenen Falles unter Anwendung geeigneter
Vor=
richtungen, langſam herabgelaſſen werden.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung
wer=
dein Gemäßheit des § 366 Ziff. 10 des R.=Str.=B. mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer
Ver=
kündigung in Kraft.
Darmſtadt, den 9. Oktober 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Aufnahme der Biehbeſtände in Ausführung
des Reichsviehſeuchengeſetzes.
Die Liſte der hieſigen Beſitzer von Pferden und Rindvieh, die
gemäß den Beſtimmungen des Ausführungsgeſetzes zum
Reichsvieh=
ſeuchengeſetz und des Geſetzes über die Entſchädigung für an Maul=
und Klauenſeuche gefallenes Rindvieh beitragspflichtig ſind, liegt
vom 25. ds. Mts, ab bis einſchließlich 5. März im Stadthaus,
Zimmer 51, zur Einſicht offen. Einwendungen gegen die Liſte ſind
ebendaſelbſt während der Offenlage vorzubringen.
(4492dms
Darmſtadt, den 17. Februar 1913.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Jaeger.
Anlieferung
von Trottoir=Randſteinen aus Baſaltlava.
Donnerstag, den 27. Februar ds. Js.,
nach=
mittags 3 Uhr,
ſoll im Bureau der unterzeichneten Stelle die Anlieferung von
650 Ifd. m Trottoir=Randſteinen aus Baſaltlava für die
Ge=
meinde Eberſtadt in öffentlicher Submiſſion vergeben werden.
Die Lieferungs=Bedingungen ſind auf der Großherzoglichen
Bürgermeiſterei Eberſtadt einzuſehen, woſelbſt auch die
Angebots=
formulare gegen Erſtattung der Vervielfältigungs=Gebühren
abge=
geben werden.
Eberſtadt, den 17. Februar 1913.
(4390md
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.
Schulgeld=Erhebung.
Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſinm, die Großh.
Liebigs=und die Großh. Ludwigs=
Oberrealſchule, die Vorſchule der
Großh. Gymnaſien, die
Vik=
toriaſchule und das
Lehrerinnen=
ſeminar, die Eleonoren= und
Frauenſchule, ſowie die Mittel=
ſchulen für das I.
Kalender=
vierteljahr 1913 iſt — bei
Mei=
dung des Beitreibungsverfahrens
bis Ende Ifd. Mts. an den
Werktagen, vormittags von 8½ bis
12½ Uhr, hierher zu entrichten.
Darmſtadt, 3. Februar 1913.
Die Stadtkaſſe.
Soch.(81aas
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom 1. bis 15. Februar 1913 Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 22.— bis 26.50
Korn
„ 18.50 „ 19.25
Gerſte
„ „ 17.25 „ 22.—
Hafer
20.50 „ 22.−
Butter ½ Kilo Mk. 1.30
Butter in Partien Mk. 1.20
Eier per Stück 9 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.25
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 6.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 1.50
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.50
Heu per 50 Kilo Mk. 4.50
Darmſtadt, 19. Februar 1913.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Kaualbau=Materialien.
Die Lieferung von Steinzeug=
und Eiſenwaren ſoll verdungen
werden.
Lieferungs=Bedingungen liegen
bei dem Tiefbauamte, Zimmer
Nr. 7, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Freitag, 28. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(4488ds
reichen.
Darmſtadt, 19. Februar 1913.
Tiefbauamt.
Keller.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Die Brennholz=Verſteigerung
Nr. 10 vom 18. Februar l. Js. iſt
genehmigt.
Ausgabe der Abfuhrſcheine
am 25. ds. Mts. Tag der
Ueber=
weiſung und erſter Abfuhrtag am
(4451
26. Februar 1913.
Darmſtadt, 18. Februar 1913,
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
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Frau von Helmering ſchien es als ausgemacht zu
be=
trachten, daß ſie und ihre Tochter auch nach Gaſtons
Ver=
heiratung in Eldenau bleiben würden. Die
Inſpektor=
wohnung war ja ſo geräumig. Frau von Helmering ſprach
biel von ihren koſtbaren altertümlichen Möbeln, die ſie
von ihren gräflichen Eltern geerbt hatte und die ſie ſich
kammen laſſen wollte.
Editha war durch die Ausſicht, die Schwiegermutter
immer in der Nähe zu haben, ziemlich beunruhigt. „Wie
denkt ſich Mama eigentlich unſer Zuſammenleben?” fragte
ſie eines Tages ihren Verlobten.
Ach, darüber kann ja erſt ſpäter eine Entſcheidung
ge=
troffen werden, erwiderte er leichthin und ſchien ganz
mit ſeiner Zigarre, die nicht recht brennen wollte,
be=
ſchäftigt zu ſein. Die Hauptſache iſt doch — —
Daß wir verheiratet ſind, fiel Editha ein und ſchmiegte
ſich enger an ſeine Schulter. Sie ſaßen nebeinander im
Teezimmer in Heidegg auf einem der alten Lederſofas.
. . . Daß die Baronin Lansky da iſt, ſprach er kühl
ſeinen Satz zu Ende; denn von ihrem Willen hängt es
ſelbſtverſtändlich ab, ob der Anbau an der
Inſpektor=
wohnung ausgeführt wird. Bis dahin muß unſere
Hoch=
zeit verſchoben werden, das wollte ich Dir ſchon neulich
mitteilen, Editha.
Editha wechſelte die Farbe.
Das iſt mir allerdings neu und überraſchend,
ent=
gegnete ſie tonlos. Bis jetzt hieß es, die Räume wären
merechend, fiche ſie mit unſcher, bebender
Sinm=
hinzu.
Für uns beide, ja, aber Du hörſt doch, für Mama und
Eliſabeth iſt der Anbau unbedingt nötig.
Alſo doch. verſetzte ſie mit leiſer Bitterkeit. So
hoch=
fahrend ſie für gewöhnlich auch war, und ſo leicht ſie
an=
deren gegenüber aufbegehrte — gegen ihren Verlobten
war ſie ſtets eitel Demut — alſo doch, Mama und
Eli=
ſabeth.
Ja, was willſt Du denn, Ditha? Sie haben nur mich,
verſetzte er ſchroff.
Sofort ſchlug ihre gereizte Stimmung in Weichheit
um. Vergib mir, Gaſton, bat ſie ſtürmiſch. Du biſt ſo
ſelbſtlos und edel, aber ich denke nur immer an dich.
Ver=
gib! Zürne mir nicht, Liebſter!
Er ließ ſich ein Weilchen bitten, dann verzieh er
aller=
gnädigſt.
Am zweiten Februar, dem Löhnungstage, dem Frau
Chriſta ſchon mit geheimen Befürchtungen
entgegenge=
ſchaut hatte, erlitt der Freiherr einen leichten
Schlag=
anfall. Er hatte zu viel Aerger bei der Abrechnung mit
den Knechten und Tagelöhnern gehabt. Faſt alle hatten
eine arge Lohnerhöhung gefordert, und als ſie ihnen vom
Gutsherrn verweigert wortſen war, hatten ſie zu St.
Georg gekündigt. Von Jahr zu Jahr hatten ſie Zulagen
erhalten, aber nun ging es nicht weiter.
Der Freiherr, krebsrot vor innerer Erregung, hatte
ſeine Rechte erhoben,, um ſie auf die Tiſchplatte
nieder=
ſchmettern zu laſſen aber da war ſein Arm kraftlos an
ihm niedergeſunken, er ſelber in ſeinen alten Korb=
Lehn=
ſtuhl vor ſeinem Schreibtiſch getaumelt. Der ſchleunigſt
ertent erte er rene ernen
es würde ſich alles geben — nur Ruhe, vollkommene
Ruhe brauchte der Patient.
Den ferneren Kindern wurde die Krankheit des
Vaters anfangs in einem milden Lichte geſchildert, aber
Frau Chriſta wußte es beſſer: nun ſtand die drohende
Wetterwolke dicht über Haus Heidegg. Es ging zu
Ende mit ihrem Matthias, keine auch noch ſo aufopfernde
Pflege, konnte hier noch helfen.
Ende April — der letzte Schnee war weggetaut, die
Winterſaat prangte in üppigem Grün auf den Feldern —
ſtand es ſehr ſchlimm mit dem Kranken. Editha ging voll
nagender Unruhe durch das Haus. Nicht der nahe
bevor=
ſtehende Verluſt des Vaters quälte ſie ſo ſehr, es bedrückte
ſie viel mehr, daß etwas Fremdes zwiſchen ſie und
Gaſton getreten war .
Wenn — ſie dachte den Gedanken nicht zu Ende —
Sie klammerte ſich an dieſen Mann, ſie mußte um jeden
Preis die Seine werden. Gleich einer Bettlerin wollte
ſie die Broſamen ſeiner Liebe empfangen. In ihrer
Ueberſchwenglichkeit war die ſonſt ſo ſcharfe Editha gar
nicht wiederzuerkennen. Sie empfand es täglich mehr,
daß er ihr zu entgleiſen drolte.
Es war vorerſt nur eine furchtbare Ahnung. —
Aber ſie hätte ja vollkomen blind ſein müſſen, um nicht
zu ſehen, wie er ſich ihr gegenüber immer gleichgültiger
gab, und daß ſich die Spannung zwiſchen ihr, der
Schwie=
germutter und Eliſabeth mehr und mehr vergrößerte. Die
beiden waren ihre Feindinnen — Gaſton liebte ſie ja noch
wie vor, daran wollte ſie feſthalten. — Aber ſie litt
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Zeit. Staat und Gemeinde
ſind bereits befliſſen, hier
Hilfe zu ſchaffen, aber eine
nachhaltige Wirkung iſt noch
nicht zu ſpüren. Und doch hat
jeder Einzelne es in der Hand,
ſeinen Teil zu einer Linderung
der Fleiſchnot beizutragen in
einer Form, die ſicheren Erfolg
verſpricht. Das iſt die
Ein=
ſchränkung des Fleiſchkonſums
und ſein Erſatz durch
pflanz=
liche Nahrung. Es ſteht
er=
nährungsphyſiologiſch feſt, daß
der Fleiſchnahrung eine zu große
Bedeutung für die
Körperernäh-
rung beigelegt wird und daß eine
Rückkehr zu der überwiegend
vegetabiliſchen Ernährung
unſe-
rer Vorfahren dringend zu
emp=
fehlen iſt. Pflanzeneiweiß in
ver=
daulicher Form enthält in
wirk-
ſamen Mengen auch der Kakao
und ſeine Einführung als
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Höllenqualen in jenen Stunden, in denen ſie ſich nach ihm
ſehnte, wo ſie verzweifelte und verzagte. Und war er bei
ihr, ſo verſetzte ſie ſein fahriges Weſen vollends in
Ver=
zweiflung. Sie trat ihren Stolz mit Füßen, ſie warb
förmlich um eine Liebkoſung, um ein zärtliches Wort
von ihm.
Die nächſten Stunden heute konnten den Tod des
Vaters bringen. Es war unfaßlich, daß ſich Gaſton ſeit
vier Tagen nicht hatte in Heidegg blicken laſſen. Editha
eilte an ihren Schreibtiſch und warf in ſtarker Anfregung
die flehentliche Bitte hin, Gaſton möge ſofort an das
Sterbebett ihres Vaters eilen. Nun mußte er doch
kom=
men! Sie gebot dem Reitknecht ſobald wie möglich
zu=
rück zu ſein.
Auf Wunſch des Arztes waren am Tage vorher
De=
peſchen an Klaus, Diez und Werner abgegangen.
Edel=
chen war bereits ſeit einiger Zeit zu Hauſe und half der
Mutter bei der Pflege. Editha ſtand am Fenſter und
ſah, daß ein zweiter Bote vom Hofe ritt und den Weg
nach Borgheide nahm. Sie empfand keinen Schmerz um
den Vater. Er gehörte zu Chriſta und deren Kindern
Sie dachte nur an ihr eigenes Leid, das ſie wie ein
Ver=
hängnis umſchattet.
Durch die Allee, die vom Gute zur Landſtraße führte,
mußte der Bote, den ſie nach Eldenan geſandt hatte,
zurückkehren.
Endlich — erblickte ſie einen Reiter. — Er jagte wie
toll daher. — Editha erzitterte: Gottlob! Gaſton war
ihrem Rufe gefolgt. — Da fühlte ſie plötzlich, wie ihre
Hände kalt wurden, als die gräßliche Enttäuſchung ſie
vernichtend überfiel: es war Fabian, der, über und über
mit Lehm beſpritzt im Schloßhof aus dem Sattel ſprang.
Er war wie ein Raſender auf der vom Frühlingsregen
aufgeweichten Landſtraße geritten.
Vielleicht war der Vater ſchon tot — Editha fragte
nicht danach — wie hypnotiſiert ſchaute ſie nach der
Bot=
ſchaft aus Eldenau aus. Wenn Gaſton heute kommt
dann wird alles gut, ſagte ſie ſich. Wenn nicht — ſo
Dieſen Gedanken konnte und wollte ſie niemals ganz
zu Ende denken. Endlich war der Bote da. Editha riß
ihm den Brief aus der Hand und eilte durch die Zimmer
über denen bereits das Schweigen des Todes zu liegen
ſchien, hinauf in ihr Gemach.
Das Zettelchen, das Gaſton augenſcheinlich in Haſt
aus ſeinem Notizbuch geriſſen hatte, enthielt nur ein
paar Worte: Er bedauere, Edithas Wunſch nicht Folge
leiſten zu können, aber ſeine Prinzipalin treffe heute
abend in Eldenau ein. Kein tröſtendes Wort, kein
Aus=
druck der Teilnahme — Editha ſank ſtöhnend in den
Stuhl. O, was waren jene kindiſchen Tränen, welche ſie
vor Jahren in eben dieſem Zimmer über Reginald
Steenhuſens Abſchiedsbrief geweint hatte, gegen die
Qualen, die ſie ſoeben durchlitt
Es wurde dunkel im Gemach, jemand öffnete leiſe
die Tür. Mattes Lampenlicht fiel vom Korridor herein.
Erika ſtand auf der Schwelle: Unſer Vater iſt
geſtor=
ben, kam es von ihren Lippen. Doch beide Schweſtern
wußten, daß ſie nicht um den Vater trauerten.
Am Sterbelager hielt Fabian ſeine Mutter innig
umfaßt. An ihn klammerten ſich Edelchen und Jſa. —
Wo iſt der Herr? fragte Irma, als ſie nach kurzer
Nachmittagsruhe, welche ſie auf ärztliche Anordnung
halten mußte, erwacht war und in das Speiſezimmer trat,
wo der Kaffeetiſch bereits gedeckt ſtand.
Die Diener wußte es nicht zu ſagen.
Erkundigen Sie ſich auf dem Wirtſchaftshof, gebot
Irma und ging mit ſchleppenden Schritten im Gemach
auf und nieder. Ihre Bewegungen waren ſchwerfällig,
ihr feines, zartes Geſicht hatte einen gequälten Ausdruck,
Das wiederholte ſich nun täglich: Fabian hatte
nie=
mals Zeit für ſeine Frau. Wenn er nicht in Borgheide
zu tun hatte, ſo war ſeine Anweſenheit in Vahlenhof
un=
bedingt nötig; und hatte er dort nach dem Rechten
ge=
ſehen, ſo mußte er ſchleunigſt nach Heidegg hinüber, denn
dort ging alles drunter und drüber, wie Fabian oft ſagte
Du tuſt ſo, als ob alles Wohl und Wehe in der Welt
nur von der Landwirtſchaft abhinge, klagte Irma oft.
Dafür bin ich Landwirt. Dafür beziehe ich mein
Ge=
halt von Deinem Onkel, damit ich meine Pflicht tue. Und
die Zinſen, von denen Deine Mutter in Montreux lebt,
ſollen auch herausgewirtſchaftet ſein, das weißt Du doch
ſehr gut, entgegnete Fabi.
Allein Irma war verſtockt. Sie wollte ihren Mann
mehr für ſich haben. Hatte ſie ihn denn nur darum
ge=
heiratet, um tagein, tagaus mutterſeelenallein in Borg
heide zu ſitzen? Ausfahren durfte ſie bei den ſchlechten
Landwegen jetzt im Frühjahr nicht, um ihrer Geſundheit
nicht zu ſchaden. Fabi beſaß keine lange Geduld. Dann
ſchmollte und weinte Irma: niemand hatte Zeit für ſie.
Seitdem der Vater krank war, kamen Edelchen und Iſa
auch nur ſelten nach Borgheide, Mama Chriſta wich erſt
recht nicht vom Krankenbett.
(Fortſetzung folat.)
Zweite Kammer der Stände.
50. Sitzung.
St. Darmſtadt, 19. Februar.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter v. Ewald Exz.,
Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des Innern von
Jombergk zu Vach Exz., Geheimeräte Dr. Becker,
Süffert, Geh. Oberfinanzrat Dr. Rohde, Geh.
Ober=
waurat Kilian.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9.20 Uhr.
Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung ein und
ſetzt die Spezialberatung des Hauptvoranſchlages
wei Kapitel 10:
Eiſenbahnen,
frt. Abg. Eißnert ſchließt ſich den geſtrigen
Ausführ=
ungen des Abg. Urſtadt bezüglich des Koalitionsrechtes
der Arbeiter im Eiſenbahnbetrieb vollauf an. Er freut
ſich, daß auch andere Parteien ſich der Arbeiter annehmen
Er beſpricht dann ſehr eingehend die
Eiſenbahnverkehrs=
serhältniſſe in Offenbach, die viel zu wünſchen übrig laſſen
eſonders hinſichtlich der Verbindung mit dem
Oden=
walde. Hier wäre namentlich der Bau der Bahn Rei=
Helsheim-Fürth zu wünſchen. Die Verbindung der
Ar=
eiterzüge ſei allerdings beſſer geworden, aber für den
Touriſtenverkehr iſt die Verbindung noch ſehr ſchlecht.
Wenn Preußen den Bau der Bahn Reinheim-
Reichels=
heim nicht mit tragen will, ſollte Heſſen dieſe Bahn allein
bauen, ebenſo die erſtgenannte Linie. Allerdings fehlt
ons dazu noch der Erneuerungfonds oder
Extraordina=
ium. Redner führt weiter Beſchwerde über mangelhaften
Schutz in der Rodgaubahn; an vielen verkehrsreichen
Stellen fehlen die Schranken, ſo in Obertshauſen,
Hain=
auſen und Bieber. Die Bahnhofsverhältniſſe in
Ober=
oden ſind nach wie vor unhaltbar, ebenſo die in Dieburg.
In Offenbach verſucht man fortgeſetzt der Stadt den einen
der anderen Zug abzuknöpfen, ohne jede Gegenleiſtung.
Neuerdings kam die Gefahr der Umleitung von 23 Zügen
ber Sachſenhauſen nach Hanau. Dadurch würde Offen=
Lach gewaltig geſchädigt. Die Regierung ſollte doch alles
tmun, das zu verhindern. Auch bezüglich der Dreieichbahn
ußert Redner Beſchwerden.
Abg. Mergell tritt für die Bahn Reichelsheim-
Fürth ein, und dankt den Rednern, die dieſe Bahn
be=
fürworteten. Die Bedenken der Regierung gegen die
Bahn ſeien nicht ſtichhaltig.
Abg. Hartmann klagt wiederholt über die
Ueber=
füllung der Arbeiterzüge, namentlich nach Darmſtadt und
Offenbach aus dem Odenwald. Trotz gegenteiliger
Ver=
ſächerung der Eiſenbahndirektion ſei das nicht beſſer
ge=
worden, wovon er ſich perſönlich überzeugt habe. Das
Vieh würde beim Einladen beſſer behandelt als die
Men=
ichen. Auch in bezug auf Erlangung von Arbeiterkarten
würden zu viel Schwierigkeiten gemacht.
Abg. Boxheimer wünſcht eine Güterverladeſtelle
für die Gemeinde Bobſtadt. Bezüglich der
Beſchwer=
den der Eiſenbahnarbeiter ſchließe er ſich den geſtrigen
Ausführungen des Abg. Urſtadt an.
Abg. Köhler (zunächſt ſchwer verſtändlich) beſpricht
die Anſtellungsverhältniſſe der Hilfsſchaffner und führt
Klage darüber, daß dieſe in Preußen und Heſſen
unter=
ſchiedlich behandelt werden. Er bittet die Regierung um
Antwort, wie hier die tatſächlichen Verhältniſſe liegen.
Redner befürwortet dann ebenfalls den Bahnbau Rei=
Helsheim-Fürth und Wahlen-Hamnſelbach. Weiter
ſördert er Weiterführung des geplanten Projektes der
Ourchquerung des Odenwaldes. Das Zukunftsbild
un=
ſerer Verkehrsverhältniſſe wird zweifellos ſich ſo
geſtal=
ten, daß wir große mächtige Linien haben, die dem
inter=
mationalen Verkehr dienen und durch ganze Reiche fahren,
ohne zu halten. Daneben wird der Lokal= oder
Nahver=
jehr ausgebaut werden. Aber ſo weitgehend das auch
geſchehen möge, es wird doch nicht ausreichen, um allen
Intereſſen zu dienen. Da bedarf denn die Frage der
Automobilverbindung doch eingehender Erwägung. Der
modern gewordene Bau elektriſcher Bahnen wird auch
nicht ausreichen, um das Automobil zu erſetzen. In
Sachſen und beſonders in Bayern hat man ausgedehnte
ſcaatliche Automobillinien, die mit 9,1 Prozent rentieren.
Das bayeriſche Miniſterium hat eine intereſſante
Denk=
ſchrift erſcheinen laſſen über dieſe Automobilverbindungen,
tie inhaltlich vollgültig auch auf unſere Verhältniſſe
be=
immt ſein könnte. Redner verlieſt Teile dieſer
Denk=
ſchrift. Es wurde in der Debatte darauf hingewieſen,
naß der Automobilverkehr nur dem Perſonenverkehr dient
nicht aber dem Güterverkehr. Das iſt nicht richtig, denn
gerade in Bayern geht neben dem Perſonenverkehr ein
usgedehnter Güterverkehr im Automobil einher. Nach
den Erfahrungen in Bayern bietet Schneefall faſt gar kein
Hindernis für Automobile. Vereiſte Straßen werden
naſſierbar gemacht durch Anbringung von Sandſtreuern.
Won beſtimmter Seite wird weiter eingewendet, daß die
Hreisſtraßen durch den Automobilverkehr zu ſehr
beſchä=
ffigt würden. Dem muß doch entgegengehalten werden,
daß die Kreisſtraßen ja doch zum Verkehr da ſind, und
daß die Zerſtörungen der Straßen nach den praktiſchen
Erfahrungen doch nicht ſo werden, als man befürchtet
Fedenfalls ſind die Vorteile, die der Automobilverkehr
bringt, derart, daß ſie die befürchteten Nachteile weit
über=
eigen. Redner erörtert ſodann die Frage, ob der
Be=
trieb von Automobillinien ganz oder zum Teil an Private
überlaſſen werde oder in Staatsverwaltung zu nehmen
t, und kommt zu dem Schluß, daß man ein ſo wichtiges
Verkehrsmittel nicht dem privaten Betrieb überlaſſen darf.
Fedenfalls müſſe der Staat ſeinen Einfluß dauernd
gel=
tend machen können. Das wichtigſte wäre allein, daß der
Staat ſelbſt die Automobilverbindungen übernimmt, und
daß er die Lokalintereſſenten daran beteiligt; das könnte
in der Weiſe geſchehen, daß die Anſchaffungskoſten von
Gemeinde, Kreis oder Provinz getragen, die Betriebs
koſten vom Staat übernommen werden müßten. Redner
legt das eingehender dar. Wenn ſich einmal herausſtellen
ſollte, daß eine Linie dauernd uncentabel bleibt, ſo iſt
das nicht ſo ſchlimm wie bei einer Eiſenbahn, man läßt
den Wagen einfach nicht mehr laufen und verwendet ihn
anderswo. Dringend notwendig iſt es, daß der Staat
alsbald dieſer Anregung nähertritt, denn wenn damit
ge=
zögert wird, dann wird der Staat ſchließlich gezwungen
ſein, da, wo bereits private Automobillinien beſtehen,
dieſe durch erhebliche Entſchädigungen abzulöſen. Ja,
ſelbſt wenn er die Bahnen baut, wo private
Automobil=
linien beſtehen, wird er entſchädigen müſſen. Redner
bittet daher, ſeinen Anregungen baldigſt näher zu treten.
(Beifall.)
Finanzminiſter Braun Exz. möchte, da bis jetzt noch
12 Redner gemeldet ſind, alsbald auf die verſchiedenen
Anfragen uſw) antworten. Ich möchte dabei betonen,
daß auch in den Fällen, wo die Regierung nicht alsbald
Antwort gibt, die Anregungen des betreffenden Herrn
Abgeordneten genaueſtens geprüft und dieſe mit dem
be=
treffenden Abgeordneten erledigt werden. Auf die Anfrage
bezüglich der Anſtellungsverhältniſſe der Hilfsſchaffner
habe ich erſt im Sommer vorigen Jahres ſehr ausführlich
geantwortet auf Anfragen der Abgeordneten Köhler und
Korell. Ich darf alſo wohl auf dieſe Antworten
verwei=
ſen. Um mit den letzten Wünſchen, den Automobillinien
zuerſt zu beginnen, möchte ich darauf verweiſen, daß
ich=
ja auch dieſe Frage bereits geſtern angeſchnitten habe.
Dem Abg. Köhler bin ich dankbar, daß er dieſe
Angelegen=
heit ſo eingehend und intereſſant behandelt hat. Was ſeine
Beiſpiele aus Bayern betrifft, ſo ſind dieſe nach meinen
Informationen allerdings nicht ganz zutreffend, denn bei
den bayeriſchen Linien handelt es ſich meiſt um ſogen.
Sommerlinien, die im Winter nicht fahren. Da bei uns
aber der Güterverkehr ſehr wichtig iſt, müßten wir doch
Jahreslinien ſchaffen, deren Rentabilität ſehr fraglich iſt.
Die einzige in Heſſen beſtehende private Automobillinie
rentiert m. W. ſehr ſchlecht. Es wird auch nicht ſo leicht
ſein, die Gemeinden oder Kreiſe finanziell zu beteiligen,
und das iſt nicht ſo einfach, daß man eine ſchlecht
rentie=
rende Linie einfach aufhören läßt, denn das würde
natur=
gemäß auf erhebliche Widerſtände ſtoßen. Jedenfalls aber
werden die gegebenen Anregungen eingehend geprüft
werden. Ob das Reſultat eine Denkſchrift ſein wird, iſt
ja nur eine äußere Frage, wenn ich auch nicht der Meinung
bin, daß eine ſolche Denkſchrift ein Begräbnis erſter
Ord=
nung iſt. Vielleicht kommt eine Denkſchrift gleichzeitig
mit einer Vorlage. Damit komme ich nun zur.
Neben=
bahnfrage. Zu dem Projekt Reichelsheim-Fürth iſt zu
bemerken, daß das Projekt nicht ſtill ſteht, weil etwa die
Eiſenbahngemeinſchaft daran ſchuld iſt, ſondern mehr, weil
ich perſönlich aus praktiſchen Erwägungen heraus
vor=
läufig noch Gegner dieſes Projektes bin. Aus dem
ein=
fachen Grunde, weil ich der Ueberzeugung bin, daß die
Bahn den Städten Bensheim Worms und Darmſtadt
erheblichen Schaden bringen würde, und ich es für nötig
und recht halte, zunächſt die Linie Bensheim-Lindenfels
fertigzuſtellen und erſt die Verkehrsverhältniſſe auf dieſer
Linie zu einer gewiſſen Konſolidierung kommen zu laſſen.
Ich lehne dauernd die Linie Reichelsheim-Fürth
durch=
aus nicht ab, nur halte ich es für richtig: eins nach dem
andern, und auf dem demnächſt Gewordenen weiterbauen.
Zu der weiteren Odenwaldbahnlinie Wahlen-
Hammel=
bach hat der Abg. Dr. Heidenreich den Vorwurf erhoben,
daß hierbei die fiskaliſchen Intereſſen zu ſehr gewahrt
worden ſeien. Das iſt nicht richtig. Wir würden es ſehr
gern ſehen, wenn dieſe Bahnſtrecke mit in die
Finanz=
gemeinſchaft hineingezogen würde, auch wenn man
berück=
ſichtigt, daß an eine Rente nicht zu denken iſt, denn die
Bahn würde einen erheblichen Teil des Landes dem
Ver=
kehr erſchließen. Eine Antwort Preußens auf
dahin=
gehende Bitte iſt aber noch nicht erfolgt. Was endlich die
Linie der ſogen. Hinterlandbahn betrifft, die der Abg.
Grünewald erwähnt hat, ſo iſt dieſes Projekt meines
Wiſſens noch im Stadium der Erwägungen oder
Vor=
arbeiten. Wenn es richtig iſt, was Gießen da erreicht hat
iſt es ja ſehr erfreulich. Alle dieſe Projekte aber treten
zurück hinter der Frage der Zukunft von Offenbach. Die
Regierung erkennt die große Wichtigkeit dieſer Frage
rück=
haltlos an. Wir werden nichts unverſucht laſſen, um von
Offenbach jede Schädigung fern zu halten. (Bravo.) In
dieſer Woche noch findet eine Konferenz mit den
Vertretern des Eiſenbahnminiſteriums in
Berlin hier ſtatt, und ich werde meinen ganzen Einfluß
dafür einſetzen, daß die Offenbacher Intereſſen dabei nicht
ins Hintertreffen kommen. Wenn ich geſtern erklärt habe,
daß ich ſtreng an dem Vertrag feſthalten werde, ſo ſtehe
ich ebenſo entſchieden auf dem Standpunkt, daß nicht immer
verlangt werden kann, von Heſſen wegen der allgemeinen
Intereſſen eine Nachgabe zu erlangen. (Bravo.)
Abg. Korell=Ingelheim erkennt die gründliche
Beantwortung der Fragen durch die Regierung an. Es
ſcheint auch, daß bei der Eiſenbahndirektion Mainz
ent=
ſchieden ein guter Wille herrſcht, den Wünſchen der
Ar=
beiter zu entſprechen, ſo z. B. hinſichtlich der
Sonntags=
ruhe. Die Praxis geſtaltet ſich allerdings oft anders.
Schon mehrfach ſei er eingetreten für die Bahnwärter, die
ein ſehr niedriges Gehalt haben und denen man
wenig=
ſtens den Streckenläuferdienſt beſſer entſchädigen ſollte.
Was die Ausführungen des Abg. Köhler betrifft, ſo ſtehen
dieſen Vorſchlägen doch allerlei Bedenken entgegen, ſo
daß man vor einem allzu großen Optimismus warnen
muß. Immerhin ſtehen wir den dankenswerten
Anreg=
ungen nicht etwa ablehnend oder mit Sbepſis gegenüber.
Daß Rheinheſſen viel Bahnen hat, iſt richtig, aber es ſind
nicht die richtigen Bahnen in Rheinheſſen gebaut worden.
Da man die beiden großen Linien durch Rheinheſſen, Oſt=
Weſt und Nord=Süd, nicht baute, wurde eine Anzahl
klei=
ner Bahnen notwendig, die Rheinheſſen nun belaſten mit
dem Odium, daß es zu viel Bahnen beſitze, von denen es
aber wenig Vorteile hat. Redner äußert dann eine Reihe
ſpezieller Wünſche und fordert, daß unter keinen
Umſtän=
den Mainz und Bingen vom Herzen Rheinheſſens abge
ſchnitten werden dürfen. Bingen würde ohnehin oft durch
die Verkehrsänderungen geſchädigt. Zu der Frage der
Vertragsreviſion müſſe doch feſtgeſtellt werden, daß es ſich
bei dieſem Fordern nicht etwa um Agitationsmittel
han=
delt, ſondern daß es ſich hier um wichtigſte Intereſſen des
Landes handelt. Man darf nicht das Recht beſtreiten, an
dieſem rein wirtſchaftlichen Vertrag Kritik zu üben. Die
geſtrige Stellung des Herrn Finanzminiſters hat uns und
wohl auch bis in das Zentrum hinein ſehr befremdet, und
es bleibt zu hoffen, daß ſie doch geändert wird. Wir ſtehen
dem Vertrag nicht feindlich gegenüber, wir wünſchen nur
eine Reviſion der Frage, ob die Teilungsziffer noch den
Leiſtungen Heſſens entſpricht, und die Erreichung
größe=
rerer Bewegungsfreiheit.
Vizepräſident Korell gibt ſodann Kenntnis von
einer Reſolution Köhler und Genoſſen, die Kammer
möge beſchließen, die Regierung zu erſuchen, über die
An=
lage von Automobilverkehrslinien für Perſonen= und
Güterverkehr unter Beteiligung der Gemeinden und Kreiſe
baldmöglichſt Vorlage zu machen.
Es tritt dann eine Pauſe ein.
Abg. Kredel (faſt unverſtändlich) bringt
Beſchwer=
den der Bahnarbeiter der Strecke Mörlenbach-Wald=
Michelbach wegen unzureichender Bezahlung vor und
be=
fürwortet die Linie Hetzbach-Fürth. — Abg. Lang
tritt in langen Ausführungen für die Odenwaldquerbahn
ein. Wenigſtens ſollte man zwiſchen Hetzbach und Fürth
vorerſt eine Automobilverbindung ſchaffen, ebenſo
zwi=
ſchen Erbach-Reichelsheim. — Abg. Senßfelder
bringt Spezialwünſche vor aus Goddelau und Groß=
Gerau und befürwortet in ausführlichen Darlegungen
die Riedbahn Guſtavsburg-Goddelau. Große
Entwäſ=
ſerungsanlagen im Ried werden weite Ländereien
unge=
mein ertragsreich geſtalten und für dieſe muß dann durch
eine Bahn Abſatzmöglichkeit geſchaffen werden.
Abg. Dr. Schmitt: Wenn man den Vorzug hat,
bei der Beſprechung eines Kapitels an 24. Stelle zu
kom=
men, ſo iſt es verſtändlich, daß man nicht viel Neues ſagen
kann. Ich kann mich darum kurz faſſen. Ich bedauere
die Stellung der Regierung zu der Frage der
Vertrags=
reviſion. Es dürfe doch nicht die Anſicht aufkommen, daß
das einſtimmig erbetene Material benutzt werden ſoll, die
Reviſion des Vertrages zu erzwingen. Die Tatſache, daß
das ganze Haus den Antrag unterſtütze, ergibt doch, daß
auch die Freunde des Vertrages für ihre Stellung
Mate=
rial erhofften. Die Weigerung der Regierung kann nun
allerdings die Anſicht aufkommen laſſen, daß die
Denk=
ſchrift nur den Gegnern des Vertrages willkommenes
Ma=
terial bieten kann. Schon aus dieſem Grunde ſollte die
Regierung ſich doch die Angelegenheit nochmals ſehr
über=
legen. Die Anregungen des Abg. Köhler zur Anlage der
Automobillinien waren ſehr zu begrüßen, nur ſollte man
den Gedanken, dieſe Linien Privaten in die Hände zu
geben, von vornherein ſtrikte ausſcheiden. Wir haben
doch ſehr ſchlechte Erfahrungen in bezug auf
Verkehrs=
mittel in Privatbeſitz gemacht. Ueber eine Rente aus
die=
ſen Automobillinien ſollte man ſich allerdings keinen
Illu=
ſionen hingeben, gerade weil ſie ja doch die ärmſten
Gegen=
den erſchließen ſollen. Ich möchte dann wiederholt die
Verſetzung von Eiſenbahnbeamten aus der Gemeinde
Heidesheim heraus zur Sprache bringen. Auf meine
frü=
here Anfrage iſt allerdings eine entgegenkommende
Ant=
wort erfolgt. Doch bitte ich dringend die Regierung,
da=
für zu ſorgen, daß das verſprochene Entgegenkommen
auch ferner ſtattfindet. Die Verſetzungen ſollten nur unter
der Vorausſetzung ſtattfinden, daß der Dienſt das
unbe=
dingt verlangt. Es entſtehen ſonſt ſchwere Schädigungen
für die Betroffenen. Die Maſchinen= und Wagenputzer
ſind noch ſehr ſchlecht geſtellt, beſonders in Hinſicht auf
die Sonntagsruhe, wenn auch anerkannt werden ſoll, daß
es ſchon beſſer geworden iſt. Zum Schluß führt Redner
Klage über die ſehr ſchlechte Verbindung zwiſchen Mainz
und Wöllſtein, die dringend der Beſſerung bedarf.
Abg. Friedrich unterſtützt die für Bobſtadt
geäu=
ßerten Wünſche und erbittet für Waldhof beſſere
Ver=
bindungen. Das Projekt Gernsheim-Pfungſtadt dürfe
nicht einſchlafen. — Abg. Raab beſpricht ſehr
ausführ=
lich die Arbeits= und Lohnverhältniſſe der
Eiſenbahn=
arbeiter, denen vielfach noch wahre Jammerlöhne gezahlt
werden, ſo daß ſie mit ihren Familien auch nur ein
Jammerdaſein führen können. Beſonders dringend
be=
dürfen die Akkordverhältniſſe der Reform. Es herrſcht
da hin und wieder ein Syſtem, das geradezu
haarſträu=
bend iſt. Wenn der Abg. Henrich geſtern hier den Satz
geprägt hat, die Eiſenbahnarbeiter haben auf ihr
Koali=
tionsrecht verzichtet, ſo iſt noch kein Satz ſo falſch geweſen.
Innerlich haben dieſe Leute auf ihr Koalitionsrecht
nie=
mals verzichtet. Sie ſind dazu gezwungen worden und
dadurch zu Heuchlern gemacht worden. Das iſt auch die
Abſicht der Eiſenbahndirektion.
Vizepräſident Korell ruft den Redner wegen
die=
ſer Aeußerung zur Ordnung.
Darauf wird die Sitzung geſchloſſen. Nächſte Sitzung
Donnerstag 9 Uhr.
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Werke, Känſtler und künſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
en Erwähnung geſchierhält ich die Rebation ihr Urteil vor.
Elſa Lauran Wolzogen, die beliebte
Ankünſtlerin, hat varzem in Trieſt einen
außer=
lich großen Triu gefeiert. Darüber berichtet
Aorriere Adriatico,ieſt (22. Jan. 1913): Der
Er=
hen geſtern abend Baronin Elſa Laura von
Wol=
die Gattin des bnten Dichters Ernſt von
Wol=
im Schiller=Kaſiravontrug — mit Volksliedern
edener Nationen 15., 16., 17. Jahrhunderts zur
Abegleitung — weer vornehmen Art des Auftre=
Wer wahrhaft origen Ausdeutung der Lieder und
Mhmpathiſchen Stinang der Konzertgeberin
zuzu=
fen. Man hat hiur äußerſt ſelten Gelegenheit,
Marakteriſtiſchen Kl der Laute zu hören. Und am
Allenſten kommt es=, daß ein Künſtler das Urteil
Püblikums herausfrt mit ſelbſtbegleiteten Lie=
Mderen Inhalt in Hauptſache doch von größter
Müliſcher Unbedeuterit und Einfachheit iſt, denn
Alich enthalten dolle dieſe Volkslieder der
ver=
ollten Jahrhunderte ohl formell als auch inhalt?:
Wen naivſten Ausk undifferenzierteſter Gefühle.
gerade dieſer Umd, verbunden mit der Neugier
Wiblikums die Schr zu den Völkern vergangener
Allriſo aus der Nähinen zu lernen, trugen zu dem
nden Erfolg des igen Abends bei. Die
Anteil=
lſe und Aufmerkſan, mit der das dicht gedrängte
Whme Publikum denzelnen Vorträgen folgte tru=
Aler Baronin von ſogen einen höchſt bedeutſamen
ſenden Erfolg ein der lärmende Beifall, mit dem
Weiſtung begeiſtert iert wurde, beſtätigte ihr
voll=
ſilig ihren ſchönen als einzigartige künſtleriſche
Münlichkeit. Zum éß bereitete ihr das Publikum
Mige Ovationen, de ſich noch zu zahlreichen
Drein=
entſchließen muf
r LOſſervatore eſtino ſchreibt über das gleiche
Allett folgendes: Adete Miniaturen der
Volks=
aillund Muſik, in diahrhunderten vergraben, aber
Awie eine Blume heute, kleine Bilder aus dem
,worin die Voele ihre treffliche Philoſophie
ltgezeichnet hat, inen ſie in jungfräulicher
Ein=
üleit von der Liebe, Freude, von Schmerz und von
ühſucht ſingt; das be den Grundzug der lyriſchen
AMlunſt, die Elſa L von Wolzogen geſtern zum
lnſtand ihrer künſtchen Darbietung gemacht hat.
ſlhe Charakteriſtik ir verſchiedenen Muſik der
ver=
benen Nationen! ch überraſchender Reichtum der
Ihmnen! Welche Fausdrucksvoller Modulationen,
e elementare Krar Darſtellung! Wer vermöchte
Aſtellen, welches 1 dem Blütenſtrauß, den Elſa
Aha von Wolzogenern abend darbot, die ſchönſte
Mduftigſte Blüte gen ſei? Vielleicht das geiſtlich=
Mlliche „Trinklied dionnen” aus dem 15.
Jahrhun=
vielleicht „Die t Schweſter” aus dem 16., viel=
A die ſymboliſche il vom „Käfer und der Fliege‟
die franzöſiſchenchichtlichen Chanſons aus der
Ilchpagne und demmetal, ſo unzweifelhaft
franzö=
ſhwie die Marſeill oder die pointierte altengliſche
ſſje, oder der Sann dem ſchwediſchen Hirten, der
m
wegiſchen, ſchweizeriſchen Kuhreigen, oder die ſpaßhaften
deutſchen Scherzlieder, oder die ſpaniſche „Paloma”
die ganz echte Paloma? Was aber leicht feſtzuſtellen iſt,
das iſt die raffinierte Kunſt der Sängerin, die Schönheit
ihres weichen Mezzoſoprans, der gleich verwendbar iſt
für den Ausdruck des Koſens, der Grobheit, des
Geflü=
ſters wie des Zornausbruches, der Klage wie des Lachens,
eine Kunſt, die noch unterſtützt wird durch die höchſt
rei=
zende und ausdrucksvolle Mimik, während der Geſang
zart unterſtrichen wird durch den einfachen, fein ſtiliſierten
Lautenklang. Der Schillerſaal war ganz gefüllt und das
faſzinierte Publikum wurde nicht müde, zu applaudieren,
bis Elſa Laura von Wolzogen noch drei Lieder zugab.
Konrad Dreher, der vom deutſchen
Publi=
kum bisher nur als Komiker auf der Bühne gefeiert war,
erſcheint am 11. März im „Kaiſerſaal” hier zum erſtenmal
in einem „Luſtigen Abend” als Vortragskünſtler ohne
Koſtüm und ohne Schminke auf dem Podium. Der
viel=
ſeitige Meiſter des Humors beſtreitet allein ein überaus
abwechſelungsreiches, amüſantes Programm, in dem er
auch als Geſangshumoriſt zu Gehör kommt. Die
Vor=
tragsdarbietungen, von Drehers zwingendem Humor
ge=
tragen, werden als die luſtigſten literar=humoriſtiſchen
Veranſtaltungen der letzten Jahre geprieſen. So ſchreibt
der bekannte Münchener Satiriker Ludwig Thoma über
Dreher als Vortragskünſtler, daß ſeine „prachtvolle Art,
zu charakteriſieren und ſeine Gabe mit ſtoiſcher Ruhe am
luſtigſten zu wirken, gerade im Vortrag noch mehr zur
Geltung kommt als auf der Bühne” Ueber ſeinen Abend
in Wiesbaden, mit dem er ſeine Vortragsreiſe — die
aus=
gedehnteſte, die ein deutſcher Vortragender abſolvierte —
eröffnete, ſchreibt die Wiesbadener Zeitung (Rheiniſcher
Kurier): „Konrad Dreher iſt ein Unikum in ſeiner Art,
und was er bietet, macht ihm niemand nach. . . . Die
Vielſeitigkeit des Vortragskünſtlers Dreher und die legere
Weiſe, wie er die Darbietungen zum Genuß der Gäſte
werden läßt, ſo ganz ohne Apparat, ſchlicht und
unaufdring=
lich, an die Gemütlichkeit einer längſt entſchwundenen Zeit
erinnernd und doch wieder packend und feſſelnd, als ſeien
ſie quite up to date — dieſe beſonderen Eigenſchaften
kamen vor einem großen Publikum geſtern vielleicht zum
erſtenmal recht zur Geltung. . . . Eine Luſtigkeit war das
in dem Saal voll Pracht und Herrlichkeit, wie ſie ſchon
gar nicht mehr „modern” iſt.
Sport, Spiel und Turnen.
* Schierke i. H. Am Samstag, 22. Febr., iſt großes
Bobſleighrennen: Meiſterſchaft vom Harz; am
Sonntag, 23. Febr., Bobſleigh=Derby=Rennen: Großer
Goldpreis; am Montag, 24. Febr., Bobſleighrennen
um den Damenpreis und Rodelrennen.
Schierke hat
bis jetzt Weltrekord im Bobſleighrennen:
2000 Meter in 1 Minute 53,9 Sekunden.
sr. Die Eishockey=Meiſterſchaft von Wien wurde vov
dem Wiener Sportklub gegen den Training=Eisklub mit
714 (Pauſe 5.4) gewonnen.
er. Der Hockey=Länderkampf Irland gegen Wales in
Limerick endete mit 3:0 zugunſten der Irländer.
sr. Neuer Automobil=Weltrekord. Eine bedeutende
Leiſtung vollbrachte der bekannte engliſche Amateurfahrer
Percy. Lambert, der Inhaber mehrerer Automobil=
Weltrekords. Es gelang Lambert mit einem 25 PS.=
Tal=
botwagen des Lord Shrewsbury in der Stunde 103
eng=
liſche Meilen, 1470 Yards gleich 167.070 Kilometer,
zu=
rückzulegen und damit einen neuen Weltrekord
aufzuſtel=
len, der ſo leicht nicht überboten werden dürfte.
Landwirtſchaftliches.
Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 11.—17. Februar.
Regenmeldungen aus Indien wirkten zu Beginn der
Woche inſofern abſchwächend auf die Tendenz des
Welt=
marktes, als England infolgedeſſen mit Anſchaffungen
etwas mehr zurückhielt. Andererſeits bot Argentinien ein
Gegengewicht, indem die Abladungen von dort nicht den
M
der hohen Frachtraten keine Ermäßigung aufwieſen. Bei
ſchwächerer Exportbeteiligung Amerikas und geringen
ruſſiſchen Leiſtungen gingen die Weltverſchiffungen von
365 000 in der letzten Woche auf 290000 Tonnen zurück.
Auf die Preisgeſtaltung blieben alle dieſe Verhältniſſe
ohne ſonderlichen Einfluß, ſo daß von einer
nennenswer=
ten Aenderung der allgemeinen Preislage kaum zu
ſpre=
chen iſt. In Deutſchland zeigte ſich bei allen Getreidearten
ſtärkeres Angebot, deſſen preisdrückende Wirkung durch
den Umſtand verſchärft wurde, daß es ſich zum großen
Teile um geringe Qualitäten handelte, für die ſich der
Ab=
ſatz außerordentlich ſchwierig geſtaltet. Aber auch zu
Ex=
portzwecken geeignete Ware mußte ſich bei ſchwächerem
Begehr der Seeplätze mit etwas niedrigeren Preiſen
ab=
finden. Im Gegenſatz hierzu vermochten ſich die Preiſe
für Lieferung am Berliner Markte verhältnismäßig gut
zu behaupten, da Mangel an kontraktlichen Qualitäten
vielfach zu Deckungen Veranlaſſung gab, während die
Ab=
gabe aus dem gleichen Grunde und im Hinblick auf die
weſentlich höheren Weltmarktspreiſe Zurückhaltung
be=
obachteten. Am Schluſſe der Woche ſchien ſich das
An=
gebot infolge der wieder kalt gewordenen Witterung etwas
mehr zurückzuziehen, was im Zuſammenhange mit der
unſicheren politiſchen Lage eine feſtere Stimmung
aufkom=
men ließ, ſo daß Weizen ſchließlich mit einem Gewinn
von 14—54 Mark, Roggen mit einem ſolchen von 1½ bis
1¾4 Mark aus dem Wochenverkehr hervorgingen. Bei
Braugerſte hat der ſchleppende Abſatz diesmal zu einer
weiteren Preisabſchwächung geführt, und es iſt
bezeich=
nend, daß verhältnismäßig gute Qualitäten als
Futter=
gerſte verkauft werden müſſen. Dagegen war ruſſiſche
Gerſte wieder feſter, da die zweite Hand angeſichts
unnach=
giebiger direkter Offerten und ſchwacher
Wochenabladun=
gen zu Deckungen ſchritt. Das Angebot von Hafer blieb
reichlich, der Abſatz bei weiter ermäßigten Forderungen
äußerſt ſchwierig. Ausländiſcher Hafer war nicht billiger,
und im Zuſammenhang damit beſtand für Lieferung mehr.
fach Deckungsbegehr. Mais behielt bei ermäßigten
amerika=
niſchen Forderungen ruhigen Verkehr. Argentinien klagt
zuletzt wieder über Trockenheit und hält infolgedeſſen auf
Preiſe. Teilweiſe ſucht Argentinien früher Verkauftes
zurückzuhandeln. Es ſtellten ſich die Preiſe für
inländi=
ſches Getreide:
Ros gen
Weizen
Hafer
((—
(—
Königsberg
163½ (—2½)
172 (—1
14: ½) 165
Danzig . . . 208
160 (—1
(—1
70
Stetin . . . 19
(—2
170
-
(—1
159
. 187
158 (—5
Poſen .
161 (—1
160 (—3
Breslau . . . 191 (—1
(—
„) 198 (—
. 198 (*1
Berlin .
1671
5 (—2
184 (—
Magdeburg 193
165
(—7
.195 (*4
) 192 (—2
Halle . .
16g
(—1
186 (—1
Leipzig . . . 192 (—2
166
(—
7 2
Dresden . . . 194 —1
163
(—
165
Roſtock .
8 —
. . 205 — ) 175 (—
Hamburg
(—
174 (—3
170
Hannover
178 (—
(—5
207
17
Duisburg
195
-
180
Frankfurt a. M. 210 (—
(—1½
-
5 (*—
180 (—2½,) 187
Mannheim. . 2
½ (—
195 (—
185
Straßburg . . 2174
3
. 218 (—1
178 (—
179
München
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Mai 209,50 (T 0,25).
Peſt April 194,65 (— 1,70), Paris Febr. 224,65 (* 1.20),
Liverpool März 169.20 (* 0,25), Chicago Mai 142,30
— 3, 10), Roggen: Berlin Mai 175,50 (P 1,50), Hafer:
Berlin Mai 172,50 (—0,25), Futtergerſte fr. Hamburg
un=
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0,50), Febr. 137,50
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St. Der Nationalliberale Verein hielt am Dienstag
abend im Reſtaurant Sitte eine Verſammlung ab, in der
Herr Reallehrer Kahl einen feſſelnden Vortrag hielt
über: „Deutſches Bürgertum und deutſcher
Arbeiterſtand‟. Der Vortragende ſtellte im
Ein=
gang ſeiner Ausführungen feſt, daß dieſe auf der
Voraus=
ſetzung gegründet ſeien, daß der Arbeiterſtand in der
Er=
reichung beſſerer Lebens= und Arbeitsbedingungen nur
dann auf Unterſtützung und Mithilfe des Bürgertums
rechnen darf, wenn er ſich in ſeinen Beſtrebungen, die an
ſich natürlich berechtigt ſind, auf den Boden der
beſtehen=
den Staatsordnung ſtellt und Seite an Seite mit dem
Bürgertum die Beſſerung ſeiner wirtſchaftlichen Lage
erſtrebt. Dabei ſoll zwiſchen Bürgertum und
Arbeiter=
tand kein Gegenſatz geſchaffen werden, denn der Arbeiter
iſt ſo gut Bürger wie jeder andere. Nach intereſſanten
Darlegungen aus den Ergebniſſen der hiſtoriſchen
Ent=
wickelung, die einen ganz ungeheuren Umſchwung im
wirtſchaftlichen Leben der Völker gebracht hat, kam der
Redner zu der Feſtſtellung, daß erſt mit dem Anwachſen
des Großkapitals eine Trennung zwiſchen Arbeiter und
Kapital eingetreten iſt. In dieſer Trennung iſt ein
gro=
ßes Stück Kultur= und Weltgeſchichte enthalten, die die
Entſtehung eines ganz neuen Standes, dem der
Lohn=
arbeiter, mit ganz eigenen wirtſchaftlichen und ſozialen
Intereſſen abſchloß. Dieſer Stand iſt mit dem Wachſen
der Induſtrie ganz ungeheuer angewachſen und ſein
Stre=
ben zur Erlangung wirtſchaftlicher Beſſerſtellung iſt zu
einer ſtets im Vordergrund des Intereſſes ſtehenden
Be=
wegung geworden. In dieſes Beſtreben zur
wirtſchaft=
lichen Beſſerſtellung ſind nun aber Probleme verknüpft
worden, die außerordentlich hemmend wirken mußten.
Die Arbeiter haben ſich zur Erreichung ihrer
wirtſchaft=
lichen Ziele in einer ganzen Anzahl von Organiſationen
zuſammengeſchloſſen, die jede eigene Wege einſchlägt.
Ab=
geſehen von dem Bund vaterländiſcher Arbeiter können
tur die Hirſch=Dunckerſchen Gewerkvereine den Boden
abgeben für eine allumfaſſende Arbeiterpartei. Niemals
önnen die ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaften dieſen
Boden abgeben, weil ſie ſich mit den politiſchen und
parteipolitiſchen Zielen der ſozialdemokratiſchen Partei
bepackt haben, und auch niemals die chriſtlichen
Gewerk=
ſchaften, weil ſie ſich in gleichem Maße mit religiöſen
Zielen bepackt haben, die die Erreichuna wirtſchaftlicher
iele der Arbeiter ſehr erſchweren, da ſie, anſtatt die
ſaſſen zu einigen, die Klaſſengegenſätze bedeutend
vergrö=
rn und noch fortgeſetzt vermehren. Die Sozialdemo=
kraten raubten den kämpfenden Arbeitern die
Unterſtütz=
ung des Bürgertums, die ſie im Kampfe nicht entbehren
können.
Sehr intereſſante Beleuchtung fand dann in den
wei=
teren Ausführungen des Vortragenden der Terrorismus
innerhalb der ſozialdemokratiſchen Partei, in der niemals
die gemäßigten Elemente, die Reviſioniſten, zu Einfluß
gelangen können. Es wurde dargelegt, daß vielfach
Lohn=
kämpfe darum gerade reſultatlos oder doch nicht
mit dem erhofften Reſultat verliefen, weil die
Sozial=
demokratie ſie entriert hatte. Der von dieſer Partei im
Lohnkampfe geübte Boykott ſei ein geradezu unſittliches
und gemeingefährliches Kampfmittel, das meiſt
Unſchul=
dige und Unbeteiligte treffe. Vielfach wurden Lohnkämpfe
eingeleitet nicht des Lohnes wegen, ſondern um die
Machtfragen zu entſcheiden. Dieſe Machtkämpfe mußten
natürlich zu Gegenorganiſationen der Arbeitgeber führen
zum Nachteil der Arbeiter. Auch der letzte Lohnkampf im
Ruhrrevier brachte ein Fiasko, nur weil die
ſozialdemo=
kratiſche Partei ſich mit ihren politiſchen Intereſſen an
die Spitze der Bewegung ſtellte. Noch eines iſt es, was
den in der Sozialdemokratie vereinigten Arbeitern
ab=
geht, das iſt das Vaterlandsgefühl. Dieſer Mangel führt
dazu, daß das deutſche Vaterland im Auslande fortgeſetzt
herabgeſetzt und in den Schmutz gezogen wird. Das tut
kein engliſcher oder franzöſiſcher Soziademokrat. Redner
führte zum Beweiſe deſſen zahlreiche Preſſeäußerungen
und Ausſprüche von ſozialdemokratiſchen Führern an, die
in faſt unverblümter Weiſe zum Hochverrat aufforderten.
Der deutſche Arbeiter muß ſich freimachen von dieſer
ſozialdemokratiſchen Herrſchaft. Solange das nicht
ge=
ſchieht, iſt es dem deutſchen Bürgertum erſchwert oder gar
unmöglich, die auf wirtſchaftliche Beſſerung der
Arbeiter=
ſchaft gerichteten Ziele zu unterſtützen, denn das
Bürger=
tum müßte mit Blindheit geſchlagen ſein, wollte es erſt
den ſtärken, der ſeine Vernichtung auf die Fahne geſchrie.
ben. Um aber die Loslöſung der Arbeiter von der
So=
zialdemokratie zu erreichen, erwachſen dem Bürgertum
Pflichten, die es erfüllen muß. Vor allem iſt notwendig,
daß das Bürgertum ſich mehr als bisher vertraut macht
mit der geſamten Arbeiterbewegung. Es muß ſich auch
klar darüber werden, daß dieſe Bewegung nicht allein
wirtſchaftlichen Forderungen, ſondern auch dem großen
ethiſchen Zwecke dient, den geſamten Stand kulturell zu
heben. Das kann geſchehen durch Gründung guter
Schu=
len, Bibliotheken und dergleichen mehr. Es muß dazu
aber unter allen Umſtänden vermieden
wer=
den, bei Reichs= oder Landtagswahlen die
Bürgerſchaft zur Unterſtützung der
Sozial=
demokratie zu veranlaſſen. Dadurch wird eine
ganz ungeheure Verwirrung in das Bürgertum und vor
allem in die national geſinnte Arbeiterſchaft getragen.
In Baden und der Pfalz befand ſich, das muß man
aner=
kennen, die Nationalliberale Partei in einer
Zwangs=
lage, eine Rechtfertigung des Bündniſſes aber iſt das
nicht, und es iſt noch ſehr fraglich, ob die dadurch
errun=
genen Vorteile im Verhältnis ſtehen zu dem großen
indi=
rekten Schaden, der ſich zweifellos daraus ergibt. (Lebh.
Beifall.)
Der Vorſitzende, Herr Landtaasabgeordneter Dr.
Oſann, ſprach dem Redner herzlichſten Dank für ſeine
feſſelnden Darlegungen aus und eröffnete eine Diskuſſion,
an der ſich die Herren Referendar Dingeldey.
Pro=
feſſor Dr. Neßling und der Vortragende beteiliaten.
Gegen Mitternacht wurde die anregende Verſammlung
geſchloſſen.
Vorträge.
g. Ueber Farbenphotographie. Im
gro=
ßen Phyſikaliſchen Hörſaal ſprach am Dienstag abend vor
einer aufmerkſamen Hörerſchar Herr Profeſſor Dr. Fr.
Limmer über eine der intereſſanteſten Errungenſchaften
der Neuzeit, über die „Farbenphotographie” die nach
jahrzehntelangen, koſtſpieligen und zeitraubenden
Ver=
ſuchen heute zu einem hohen Grade der Vollkommenheit
ausgeſtaltet iſt. Dieſer Vortrag war um ſo angenehmer,
als uns bereits vor einiger Zeit von der Heſſiſchen
Flug=
ſtudiengeſellſchaft Gelegenheit geboten war, eine größere
Anzahl von trefflichen Autochromaufnahmen nach dem
Lumiéreſchen Verfahren zu bewundern. Herr Profeſſor
Dr. Limmer verſtand es ausgezeichnet, die Grundlagen
der Farbenphotographie in gemeinverſtändlicher Form zu
erörtern. Zunächſt bemerkte er, daß er nur ein ganz
be=
ſtimmtes Gebiet der Farbenphotographie erklären werde,
und zwar das für Amateure beſonders in Betracht
kom=
mende Farbraſterverfahren und mit
Auto=
chromplatten. Die Schwarz=Weiß=Photographie
be=
ruht auf dem chemiſchen Prozeß, daß auf der mit Chlor=,
Brom=, oder Jodſilber überzogenen Platte das Licht eine
zerſetzende Wirkung ausübt, und zwar iſt die zerſetzende
Wirkung nicht ſofort zu erkennen, ſondern es entſteht ein
verborgenes, latentes Bild, das durch Belichten und
Fixie=
ren erſt ſichtbar wird. Eine Eigenſchaft der gewöhnlichen
photographiſchen Platte iſt, daß ſie nur für die Farben der
rechten Seite des Spektrums, die blauen Farben,
empfind=
lich iſt. Es entſteht dadurch der Gegenſatz, daß die demAuge
lebhafter erſcheinenden Farben, wie Gelb, auf dem
poſi=
tiven Bilde ſchwarz und die dunkleren Nüancen, wie Blau,
weiß erſcheinen. Es galt alſo zunächſt bei der Löſung des
Problems der Farbenphotographie eine Platte zu
ſchaf=
ſen, die für alle Farben gleichmäßig
empfind=
lich iſt. H. W. Vogel ſtellte hier zuerſt den
Grund=
ſatz auf, daß man eine Platte für eine beſtimmte Farbe
nur durch die entſprechende Farbſtoffbeimiſchung
empfind=
lich machen kann; denn nur, wenn die Lichtſtrahlen
ab=
ſorbiert werden, kann eine Zerſetzung ſtattfinden.
Vor=
tragender ſchildert dann beſonders das von Profeſſor
Miethe=Charlottenburg zu hoher Vollkommenheit gebrachte
Syſtem, bei dem drei Aufnahmen mit den entſprechenden
drei Farbenfiltern gemacht werden, die dann durch den
Dreifarben=Projektionsapparat zu einem plaſtiſchen Bild
vereinigt werden. Das Verfahren der Gebrüder Lumiére
in Lyon, das ſogenannte Punktraſterſyſtem, und das von
der Neuen, Photographiſchen Geſellſchaft ausgeführte
Krayn=Raſter=Syſtem beruhen auf dem Unvermögen des
Auges, räumlich wenig getrennte Farbenkomplexe als
Ein=
elheiten zu erkennen. Herr Profeſſor Dr. Limmer
er=
läuterte dann das zwar theoretiſch nicht ganz
einwand=
freie, aber praktiſch vollkommen genügende geniale
Ver=
fahren der Gebrüder Lumiere bei der Herſtellung der
licht=
empfindlichen Farbraſter. Nach langjährigen Verſuchen
gelang es dieſen endlich 1907, ein befriedigendes Produkt
zu erzielen, das die ſchwierige Frage in verblüffender
Weiſe löſte. Auf die lichtempfindliche, feucht erhaltene
Gelatineſchicht kommen rot, grün und blau gefärbte
Körn=
chen Kartoffelſtärke. Dieſe Körnchen dürfen nicht größer
als ¼ bis ¾/0 mm ſein und müſſen gehörig gemiſcht
werden. Die noch vorhandenen Lücken zwiſchen dieſen
winzigen Farbe=Körperchen werden durch Kohlepulver
verdeckt, da ſonſt nicht hineingehörende dunkle Töne das
Bild ſtören würden. Von der Feinheit dieſer Arbeit
er=
hält man einen Begriff, wenn man erfährt, daß auf den
Quadratmillimeter 8000 Teilchen kommen, alſo auf eine
Platte von 13X18 Zentimetern 187 Millionen. Den bei
dieſem Raſter immerhin noch beſtehenden Uebelſtand, daß
ſich mehrere Körnchen der gleichen Farbe neben einander
lagern, vermeidet in genialer Weiſe der Krayn=Raſter=
Film der Neuen Photographiſchen Geſellſchaft, bei dem
mit wunderbarer Präziſion maſchinell durch Abdecken mit
Druckerſchwärze winzige Farbenpartikelchen von Rot;
Grün und Blau auf dem Raſterfilm aneinandergereiht
werden. Zum Schluß wurde dann eine Reihe von
pracht=
vollen Naturaufnahmen nach beiden Syſtemen vorgeführt,
bei denen der Vortragende gleichzeitig auf die
verſchiede=
nen begangenen Fehler aufmerkſam machte: Auch machte
er Mitteilungen über die Verſuche, Köpien auf Papier
von Farbenaufnahmen herzuſtellen, die vielleicht mit
An=
wendung außerordentlicher Energie und großem Koſten=
und Zeitaufwand zum befriedigenden Erfolg führen
wer=
den. Einige bereits ſehr anſprechende Kopien waren
aus=
gelegt. Auch die übrigen ausgelegten Aufnahmen, Raſter,
LLehrbücher uſw. wurden eifrig beſichtigt. — Dem
Vortra=
genden wurde lebhafter Beifall zuteil.
Man verlange
wenn man die beſten Fabrikate haben will, ſtets ſolche,
die ſich ſeit Jahren bewährt haben. Nachahmungen,
be=
ſonders in ähnlichen Packungen, weiſe man im eigenſten
Intereſſe zurück. Fabrikate, die ſich infolge ihrer
hervor=
ragenden Qualität und ihrer unbedingten Zuverläſſigkeit lange
Jahre bewährt und einen Weltruf erworben haben, ſind:
Dr. Oetker’s
„Backin‟ (Backpulver)
Dr. Oetker’s Puddingpulver
Dr. Seiker S Danmnszücker
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natür-
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schuppenfrei, glänzend und gibt auch dürftiger
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Montag, den 24. Februar,
Restauration SITTE, Karlstrasse 15, gelber Saal, 1 Treppe, abends 8½ Uhr
Ausserordentliche Mitglieder-Versammlung.
Tages=Ordnung:
1. Einführender Bericht des Vorſitzenden Herrn A. von Heſſert über:
Neu=
organiſation, insbeſondere Erweiterung des Vorſtandes durch Zuwahl
weiterer Mitglieder
2. Bericht des Herrn Architekten Schembs über: Die neue Kanalgebührordnung
3. Bericht des Herrn L. Speckhardt über: Spar= und Darlehnskaſſen
ſtädtiſcher Hausbeſitzer.
Eingeladen ſind alle Hausbeſitzer, Mitglieder und Nichtmitglieder, auf
deren zahlreiches Erſcheinen gedrungen werden muß. Es ſollte jeder
Haus=
beſitzer durch ſein Erſcheinen ſein Intereſſe an der Beſſerung der
Hausbeſitz=
belaſtung zeigen.
Der Vorstand.
4490do)
Darmſtädter Konſum=, Spar= und Produktions=
Genoſſenſchaft, e. G. m. b. H.es
Einladung zur
ordentlichen Generalverſammlung
am Sonntag, den 23. Februar, nachmittags 3 Uhr
im Mathildenhöhſaale, Dieburgerſtr. 26.
Tagesordnung:
1. Bericht des Aufſichtsrats und des Vorſtandes über das Ergebnis
der erſten 6 Monate des laufenden 13. Geſchäftsjahres. (Siehe
§ 39 Abſ. 3 des Statuts.)
2. Ergänzungswahl zum Aufſichtsrat.
Es ſcheiden lt. § 14 des Statuts folgende Genoſſen aus:
Heinrich Eberhard, Joſef Raab, Peter Hillinger und
Jakob Gils. Die ausſcheidenden Genoſſen ſind wiederwählbar.
3, Antrag der Verwaltung auf Grund von § 38 Abſ. 5 des Statuts:
Die Generalverſammlung wolle beſchließen, ein zwiſchen
der Weiterſtädterſtraße und dem Landwehrweg gelegenes,
4751 Quadratmeter großes Grundſtück mit Bahnanſchluß
auf=
zukaufen. Die Pläne liegen in der Generalverſammlung zu
jedermanns Einſicht auf.
(4463
Der Aufſichtsrat:
Kein Trinkzwang!
J. Jung.
BrauereizurKrone
Morgen Freitag, den 21. Februar:
(*4602
Metzelsunne
1
wozu freundlichst einladet Franz Rieger.
Kiesstrasse 32.
Restaurant zum Weinschuster.
Heute abend:
(*4651
wozu ergebenſt einladet
Carl Seipp.
Chaiselongue
neu, zu 20 Mk. zu verk.
(*4659
Heinheimerſtr. 42, pt.
Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, den 20. Febr. 1913.
124. Abonnem.=Vorſt. B 32.
Mignon.
Oper in 3 Akten von Thomas.
Perſonen:
Wilhelm Meiſter . Aug. Globerger
Lothario
.. Otto Semper
Laertes . . . . Karl Bernhardt
Friedrich . . . Otto Thomſen
Jarno . . . . L. Schützendorf
Antonio . . . . Ad. Jungmann
Mignon . . . . Kathar. Jüttner
Philine
Olga Kallenſee
Ein Souffleur . . Adolf Klotz
Ein Diener
. . Karl Feder
Akt 1: „Zigeunertanz” ausger
von Sybille Huber und Adelheid
Cronebera und den 12 Damen des
Corps de Ballet.
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe.
Beurlaubt. K. Meißner, B. Uttmann.
Kleine Preiſe:
Proſzeniumsloge 5.10 M.,
Mittel=
loge 5.10 M., Balkonloge 4.60 M.,
I. Rang 4.10 M., II. Rang: 1.—6.
Reihe 2.05 M., 7. u. 8. Reihe 1.65 M.,
Sperrſitz
1.—13. Reihe 3.60 M.,
4.—20. Reihe 3.10 Mk. Varterre:
1.—5. Reihe 2.25 M., 6.—8. Reihe
1.85 M., Erſte Galerie 1.05 M.,
Zweite Galerie 0.55 M.
Anf. 7½ U. — Ende gegen 11 U.
Kartenvk. v. 9½—1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Freitag, 21. Febr. 125. Ab.=Vſt.
A 31. Zum erſten Male
wieder=
holt: „Anatol” von Arthur
Schnitzler. Gewöhnliche Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.
Samstag, 22. Febr. Nachmitt.
3 Uhr. Außer Abonnem. Sechſte
Kindervorſtellung. „ Wilhelm
Tell.” Zu dieſer Vorſtell. findet
ein Kartenverkauf nicht ſtatt. —
Abends 8 Uhr. Außer Abonnem.
VIII. Sonder=Vorſtellung. „Der
Zerriſſene.” Zu dieſer Vorſt.
findet ein Kartenverk nicht ſtatt.
Sonntag, 23. Febr. Nachmitt.
3 Uhr. 21. Volksvorſtell. zu
er=
mäßigten Preiſen. „Hänſel u.
Gretel.” Vorverkauf bis
ein=
ſchließlich Samstag, 22. Februar,
nur im Verkehrsbüro (Ernſt=
Lud=
wigsplatz). Verkauf der noch
vor=
handenen Karten an der
Tages=
kaſſe im Hoftheater am Tage der
Vorſtellung, vorm. von 11 Uhr
ab. — Abends 7½ Uhr. 126. Ab.=
Vorſt. C 32. Zum erſten Male:
Eva”. Operette in 3 Akten von
Lehär. Gewöhnliche Preiſe.
Montag, 24. Febr. Keine Vorſt.
Orpheum
Tel.
389
Nur noch bis 27. Febr.
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Gastepiel des Ensemble
vom Königl. Belvedere,
Dresden.
Größter Erfolg!
ſich!‟
an F
das ist Wus lur uich.
Revue in 8 Bildern u. einem
Vorspiel
von Dr. Rich. Hirsch.
Auf allgemeines Verlangen ab
Freitag, den 21. Febr.
Wiederholung der Operette:
Ermässigter Vorverkauf wie bekannt
Num. Park. à 3 M. b. Hugo de Wanl,
Rheinstrasse 14. (4505
Anfanr 8 „ Uhr.
mimmt noch Kund.
Friseuse an. Einzelfriſ. 75 Pf.
Kiesſtr. 77, Hinierh., part. (4189a
Reelles Heiratsgeſuch!
Frl., Ende40er, ev., groß, dunkelbld.,
ſympathiſcheErſch., 4Millionen
Vermögen, w. m. gut ſituiert. Hrn.
zw. Heir. bek. z. werd. Ernſtgemeinte,
nicht anonyme Off. bel. man unt. J 7
g. d. Exrp. Dskret. Ehrenſache(*4559md
Damen
finden ſtreng diskrete liebevolle
Aufnahme bei deutſcher Hebamme
a. D.; kein Heimbericht, kein
Vor=
mund erforderlich, was überall
un=
umgänglich iſt.
(VII62
Witwe L. Baer, Nancy
(Frankreich), Rue Paſteur 36.
Niejenige Herrſchaft, welche mir
am 17. d. Mts. auf meine Off.
(Annon. G 26) Antwort ſchrieb,
(Maiblumenkarte) wird gebet., ihre
Adreſſe nochmals zu ſchreiben, da
der Stempel verwiſcht war. (*4609
Verloren
langer Korallen-Ohrring!
Abzug. gegen Belohnung. (*4492md
Nieder=Ramſtädterſtr. 75 i. Laden.
Verloren
Stück einer ſchmal., gold. Anhänger=
Uhrkette mit daran befindl.
Gedenk=
münze. Abzugeben geg. Belohn. bei
Schuchard Nchflg., Ecke
Eliſa=
bethen= u. Wilhelminenſtr. (*4623ds
3 Mk. Belohnung.
Goldene Buſennadel mit grün.
großen Knopf verloren. (*4584
Martinſtraße 2, part.
Hund
kl. ſchw. Pinſcher Dienstag abend
entlaufen. Abzug. geg. Belohn.
*4601) Mathildenſtr. 51, 1.
Mlatrur
zur Errichtung eines Nationaldenkmals für Bismarck
auf der Eliſenhöhe bei Bingerbrück=Bingen.
Am 1. April 1915 feiern wir den 100. Geburtstag Bismarcks.
An dieſem Tage wird das deutſche Volk der Verehrung ſeines
National=
helden gemeinſam begeiſterten Ausdruck verleihen und dem Schöpfer
der deutſchen Einheit ein Denkmal weihen.
Männer und Frauen aus allen Gauen unſeres Vaterlandes
haben ſich ohne Rückſicht auf Stand, Beruf, Religion und politiſches
Bekenntnis zur gemeinſamen Arbeit für, dieſes vaterländiſche Werk
vereint.
An der Grenze unſeres heſſiſchen Vaterlandes, am Rhein, auf
der Eliſenhöhe bei Bingerbrück, ſoll das Denkmal dem Schöpfer
der deutſchen Einheit errichtet werden.
Alle orten im Reich haben ſich bereits Ortsausſchüſſe für das
Bismarck=Denkmal gebildet oder ſind in der Bildung begriffen, die
dieſen Gedanken zur Verwirklichung bringen wollen.
Auch in Heſſen iſt eine große Zahl angeſehener Männer zu
einem Landesausſchuſſe zuſammengetreten mit dem Zweck der
Samm=
lung von Geldſpenden.
Die Stadt Darmſtadt wird nicht zurückbleiben, wenn es gilt,
den großen deutſchen Mann zu ehren, der ſo wunderbar die Kräfte
ſeines Volkes geſammelt und zum hohen vaterländiſchen Ziele geführt
hat, und den ſie mit Stolz ihren Ehrenbürger nennt.
An alle Mitbürger und Mitbürgerinnen richten wir die
freund=
liche Bitte, das vaterländiſche Werk nach Kräften zu unterſtützen.
Jeder, auch der kleinſte Beitrag iſt willkommen.
Einzeichnungsliſten für Geldbeiträge liegen in den
Geſchäfts=
ſtellen der hieſigen Zeitungen (Darmſtädter Zeitung, Darmſtädter
Tagblatt, Täglicher Anzeiger und Neue Heſſ. Volksblätter), ſowie im
Stadthauſe (Rheinſtraße 16/18) auf.
Der Ortsausſchuß zu Darmſtadt:
Dr. Becker, Geheimerat. Dr. Bender, Juſtizrat und
Stadtver=
ordneter. Dr. G. Beſt, Geheimerat. W. Beſt, Geheimerat. Dr.
Bier=
mann, Profeſſor. Dr. Bopp, Rechtsanwalt. Dr. Dr.=Ing. Braun,
Finanzminiſter Exzellenz. Brink, Bankdirektor. Bruchhäuſer,
Mini=
ſterialreviſor. Dr. Buſchmann, Chefredakteur. Dr. Derſch, Geh.
Schul=
rat. Dr. Dieterich, Direktor des Großh. Haus= und Staatsarchivs.
Dr. Dorfeld, Geh. Schulrat. Dr. Paul Eger, Generaldirektor. Ekert,
Beigeordneter. Dr. von Ewald, Staatsminiſter, Exzellenz. Ewald,
Präſident der Oberrechnungskammer. Fey, Provinzialdirektor. Dr.
For=
bach, Geh. Schulrat. Frantz, Ortsgerichtsvorſteher. Freihaut, Friedrich,
Geſchäftsführer. Dr. Freſenius, Direktor der Heſſ.
Landeshypotheken=
bank. Frölich, Kommerzienrat. Gallus, Juſtizrat und
Stadtverord=
neter. Gennes, Regterungsrat. Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter. Göbel,
Kommerzienrat und Stadtverordneter. Götz, Rechnungsrat. Gretzſchel,
Landeswohnungs=Inſpektor. Grünewald, Juſtizrat. Harres,
Bau=
meiſter. Dr. Hauſtädt, Landgerichtsrat. Dr. Heidenreich,
Oekonomie=
rat. Henrich, Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter. von Heſſert,
Geh. Oberjuſtizrat. Dr.=Ing. Heyd, Dipl.=Ing. und Stadtverordneter.
Freiherr von Heyl Generalmajor. Hickler, Kommerzienrat. Hölzinger,
Miniſterialrat. Hörle, Amtsgerichtsrat. von Hombergk zu Vach,
Miniſter des Innern, Exzellenz. Hüfner, Werkführer und
Stadtver=
ordneter. Jacobi, Kommerzienrat. Jaeger, Baurat, Beigeordneter.
Kalbfuß, Wilh., Kaufmann. Kaus, Karl, Dachdeckermeiſter. Dr. Keller,
Senatspr’ſident. Kiſſinger, Profeſſor, Kreisſchulinſpektor. Koch, Alex.,
Hofrat. Koch, Georg, Rentner und Stadtv. Kolb, Geh. Juſtigrat.
Dr. Kolb, Sanitätsrat u. Stadtv. Dr. Kratz, Miniſterialrat. Krug
von Nidda, Wirklicher Geheimerat. Kullmann.
Oberlandesgerichts=
präſident. Kullmann, Geh. Forſtrat. Lautz, K., Obermeiſter u. Stadtv.
Dr. Lahr, Geh. Juſtizrat. Lehr, Heinrich, Rentner u. Stadtv. Lautz,
Ludwig, Rentner und Stadtverordneter. Leyerzapf Bahnbeamter i. P.
und Stadtverordneter. Lorbacher, Geheimerat. Dr. Lucius, Prof.,
Direktor der Eleonorenſchule. Dr. Mahr, Amtsgerichtsrat. Mangold,
Geh. Schulrat. Dr. Merck, Geh. Kommerzienrat, Mitglied der Erſten
Kammer. Dr. Merck, E. A., Medizinalrat. Dr. Merck, Willy, Fabrikant.
Meyer, Direktor der Heſſ. Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft. Milkau,
Ober=
poſtdirektor. Möller, Direktor der Heſſ. Eiſenbahn=Akt.=Geſ. Mootz,
Generallt. z. D., Exz. Mueller, Bürgermeiſter. Müller,
Ortsgerichtsvor=
ſteher. Müller, Mart., Schreinermeiſt. Münch, Geh. Schulrat. D. Nebel,
Oberkonſiſtorialpräſident. Dr. Neidhart, Legationsrat. Neßling,
Profeſſor. Nodnagel, Geh. Oberſchulrat Stadtverordneter. Dr.
Nöll=
ner, Sanitätsrat, Stadtverordneter. Nohl, Rentner, Stadtverordneter.
Noack, Geh. Regierungsrat. Freiherr von Oetinger, Kammerherr.
Freifrau von Oetinger Offenberg, Reichsbankdirektor. Dr. Oſann,
Stadtverordneter. Dr. Oſtermann von Roth, Direktor. Dr. Otto, Geh.
Schulrat. Pfeil, Wilh., Rentner. Pickert, Seminarlehrer und
Stadt=
verordneter. von Plüskow, Generalleutnant, Diviſionskommandeur,
Exzellenz. Dr. Pretorius, Generalſtaatsanwalt. von Randow,
General=
major und Stadtkommandant, Riedeſel, Freiherr zu Eiſenbach,
Ober=
ſtallmeiſter. Röder, Kommerzienrat. Römheld, Geheimerat. Sames,
Bauunternehmer und Stadtverordneter. Schäfer, Oberbürgermeiſter
a. D. Schäfer, Architekt und Stadtverordneter. Schenck, Emil,
Ingenieur. Scheyrer, Eiſenbahninſpektor und Leutnant a. D. Schmitt,
Beigeordneter. Schwarz, Gutspächter. Schweisgut, Geh. Schulrat.
Schupp, Rechnungsrat und Stadtverordneter. Seibert,
Amtsgerichts=
rat. Sonnthal, Hofvergolder. Stein, Direktor der Volksbank. Süffert,
Geheimerat. Theobald, Landgerichtspräſident. Trier, Kommerzienrat.
Freiherr von Ungern=Sternberg, Oberhofmarſchall. Dr. Vaubel,
Profeſſor und Stadtverordneter. Dr. Waldaeſtel, Chefredakteur.
Wa decker, Hauptmann a. D. Dr. Weber, Miniſterialrat. Weber,
Her=
mann, Vorarbeiter. Wickop, Geh. Baurat, Rektor der Techn. Hochſchule.
Wienkoop, Profeſſor, Direktor der Landesbaugewerkſchule. Wilbrand.
(4459
Geheimerat. Wittich, Karl, Buchdruckereibeſitzer.
Verein für Veroreitung von Volksbildung.
Donnerstag, den 20. Februar 1913, abends 8¼ Uhr,
im Mathildenhöhſaal, Dieburgerſtraße 26
Vortrag mit Lichtbildern von Dr. O. Haupt,
Kuſtos am Großh. Landesmuſeum:
(4052sd
„Urſprung, Entwicklung und
Zukunft unerer Erde‟
Eintrittskarten zu 30 Pfg., für Mitglieder und angeſchloſſene
Vereine zu 20 Pfg. im Verkehrsbureau und bei I. Mylius, Herdweg 2.
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MESSMER's
BERÜHMTE
THEE-MiScHUNGEN
PROBEPAKETE
§ 100 g 055 Mk- 140 Mk