Darmstädter Tagblatt 1913


04. Februar 1913

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176. Jahrgang

monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agentüren und
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den Annoncen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
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Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Großherzog und die Großherzogin ſind
geſtern vormittag von ihren Beſuchen in Schwerin und
Kiel nach Darmſtadt zurückgekehrt und haben ſich
darauf nach Mainz begeben.
Mit Genehmigung des Bundesrats wird Preußen
12 Millionen Erinnerungsmünzen für 1913
prägen.
Geſtern abend 7 Uhr war der Waffenſtillſtand
zwiſchen den Türken und den Balkan=
ſtaaten
abgelaufen.
Infolge einer Heißrohrexploſion in den Hul=
öſchinsky
=Werken in Sosnowie ſind 9 Mann ver=
brannt
, welche ſtarben. Etwa 20 Perſonen wurden
verletzt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 5.

Ein Reichseinigungsamt.

* In der ſoeben erſchienenen neuen Monatsſchrift zur
Pflege des gewerblichen Einigungsweſens und der Tarif=
verträge
Das Einigungsamt (Verlag von Julius
Springer, Berlin), das den Zweck hat, eine Sammelſtelle
für alles zu werden, was für die gegenſeitigen Beziehun=
igen
zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitern und deren Or=
ganiſationen
von Bedeutung iſt, äußert ſich Staats=
miniſter
a. D. Freiherr v. Berlepſch in einem ein=
führenden
Artikel über die Errichtung eines
Reichs=Einigungsamts:
Er erachtet die Errichtung einer Reichszentrale für die
Vermittlung in gewerblichen Streitigkeiten großen Um=
fangs
, eines Reichs=Einigungsamtes, als eine unabweis=
bare
Notwendigkeit. Um ſich hierüber klar zu werden,
brauche man ſich nur an die großen Streiks und Ausſper=
rungen
der letzten Jahre zu erinnern, an den Bergarbei=
terſtreik
im Ruhrbezirk 1905, an die Kämpfe im Bauge=
werbe
in den Jahren 1908 und 1910, an Streik und Aus=
ſperrung
auf den Werften im Jahre 1910. Während des
erſteren traten etwa 200000 Bergarbeiter in den Ausſtand,
die Kohlenförderung hörte vollſtändig auf, die ganze ge=
werbliche
Tätigkeit in dem größten Induſtriegebiet des
Reichs und darüber hinaus ſtand auf dem Spiel, und doch
fand ſich keine geſetzliche Inſtanz, obgleich die Geſetz=
gebung
ja Berggewerbegerichte vorgeſehen hat, in der
Lage, ſchlichtend einzugreifen. Im Baugewerbe führten
die Verhandlungen der Parteien im Jahre 1910 trotz ver=
mittelnden
Eingreifens des Staatsſekretärs des Innern.
zu keiner Einigung, und die Ausſperrung von über 150 000
Arbeitern trat ein. Erſt nachdem dieſe ſechs Wochen ge=
währt
hatte, war es möglich, die Parteien zu Verhand=
lungen
unter der Leitung dreier Unparteiiſchen zuſammen
zuführen und den Friedensſchluß zu vereinbaren. Weder
hier noch bei dem Kampf auf den Werften im Jahre 1910
griffen rechtzeitig geordnete Inſtanzen mit Vermittlung
und Schiedsſpruch ein. Bei letzterem ſtreikten etwa 20 000
Arbeiter, die gleiche Anzahl etwa wurde ausgeſperrt, und
der Geſamtverband der Metallinduſtriellen drohte mit
einer Sympathieausſperrung, die Metallarbeiter rüſteten
zum Streik, der Stillſtand der Arbeit in einem unſerer
bedeutſamſten Gewerbe mit nahezu 500 000 Arbeitern ſtand
unmitkelbar bevor. Erſt nach vier Wochen währendem
Kampfe gelang eine Verſtändigung, ohne daß das Eini=
gungsamt
eines Gewerbegerichts oder eine private Ver=
mittlungsinſtanz
eingegriffen hätte.
Aus dem Verlauf dieſer drei großen Bewegungen, ſo
heißt es weiter, geht deutlich hervor, daß die beſtehenden
geſetzlichen Einrichtungen zur Vermittlung eines fried=
lichen
Ausgleichs in gewerblichen Streitigkeiten, wenn ſie
große Gebiete und ganze Berufsarten erfaſſen, nicht aus=
reichend
ſind, um die großen Verluſte und Gefahren ab=
zuwenden
, die durch ſie nicht nur den beteiligten Unter=
nehmern
und Arbeitern, ſondern auch weiten Kreiſen der
Konſumenten und unbeteiligter Gewerbebetriebe, dem
Stagt und den Gemeinden erwachſen. Nun haben ſich ja
zum Teil die Parteien ſelbſt Einrichtungen geſchaffen, die
berufen und auch geeignet ſind, den gewerblichen Frieden
zu wahren, in Schlichtungskommiſſionen, Orts= und Gau=
tarifämtern
, in Zentralinſtanzen, ſo die Buchdrucker, das
Bau=, Maler=, Holz=, das Schneidergewerbe und andere.
Im Verhältnis zum geſamten Gewerbe Deutſchlands ſind
es aber doch nur wenige In denjenigen Betrieben, die
die größten Arbeitermaſſen in den größten Betriebs=
ſtätten
beſchäftigen, fehlen ſie ganz. ſo im Berabau, den
Hüttenwerken, der Maſchineninduſtrie, im Tertilgewerbe.
Aber auch da, wo die Parteien ſich Schiedsſpruchs= und
Einigungsinſtanzen ſelbſt geſchaffen haben, genügen dieſe
nicht immer, um die Verhandlungen zu einer Vereinba=
rung
über die Arbeitsbedingungen in den neu abzuſchlie=
ßenden
Tarifverträgen zu führen. Und welche Rieſen=
aufgabe
wird denen geſtellt, die die Vermittlung in Strei=
tigkeiten
über Arbeitsbedingungen in den verſchiedenſten
gewerblichen Berufsarten übernehmen ſollen. Das über=
ſteigt
menſchliche Kräfte und menſchliche Fähigkeiten.
Alle dieſe Momente, die Zunahme der großen Streiks
und Ausſperrungen, die ſchweren Folgen, die ſich für die
Parteien, die Konſumenten, unbeteiligte Gewerbebetriebe,
den Staat, die Gemeinden, den nationalen Wohlſtand er=
geben
, die Unzulänglichkeit der bisher in großen Arbeits=
kämpfen
gegebenen Mittel und Wege mahnen zur Abhilfe
durch. Errichtung eines Reichseinigungsamtes, dem zu=

nächſt nur eine vermittelnde Tätigkeit zugewieſen werden
ſollte, weil in dieſer Begrenzung die Einſetzung desſelben
ohne Verzug erfolgen kann. Alle ſonſt ihm zuzuweiſenden
Kompetenzen, wie ſie öfters vorgeſchlagen ſind, die Recht=
ſprechung
in letzter Inſtanz und die Wahrung der Ein=
heitlichkeit
des Rechts, die Aufſicht über die Gewerbe=
gerichte
und privaten Vermittlungseinrichtungen und an=
dere
, können weiterer Ueberlegung und Klärung vorbe=
halten
werden. Beſteht das Reichseinigungsamt erſt, ſo
wird es ſich auch ausbilden. Um die zunächſt dringende
Forderung einer ſtändig vorhandenen Vermittelungsin=
ſtanz
für Streitigkeiten über das Arbeitsverhältnis grö=
ßeren
Umfanges zu erfüllen, wird es erforderlich, daß es
aus mehreren ſachkundigen, den Ruf der Unparteilichkeit
genießenden Perſönlichkeiten zuſammengeſetzt wird, daß
es das Material über die vorhandenen Tariſverträge, über
Lohnhöhe und Arbeitszeit in den verſchiedenen Gewerben,
über die Urſachen und den Verlauf der Arbeitskämpfe,
über die wirtſchaftliche Konjunktur ſammelt und ſichtet,
daß gs rechtzeitig Männer ausſucht, die zur Vermittler=
tätigkeit
geeignet ſind, um den Parteien bezüglich ihrer
Wahl als Unparteiiſche Vorſchläge machen zu können, daß
ihm die Freiheit und die große Verantwortung zugewieſen
wird, den rechten Augenblick als Vermittler zu wählen.
Dabei ſoll jeder Zwang mit Ausnahme des Zwanges
des Erſheinens und Verhandelns vor ihm vermieden
werdens ſo daß der Tätigkeit und Entwicklung des Eini=
gungs
= und Schiedsſpruchweſens durch von den Unterneh=
mern
und Arbeitern ſelbſt getroffene Einrichtungen keiner=
lei
Hinderniſſe in den Weg gelegt werden.
In der Begründung der Beſtimmung des Gewerbe=
gerichtsgeſetzes
, welche die Möglichkeit der Anrufung des=
ſelben
als Einigungsamt gewährt, iſt geſagt: Bei den
in neuerer Zeit vorgekommenen Arbeiterausſtänden iſt es
mehrfach als ein ſchwerwiegender Uebelſtand empfunden
worden, daß es auch bei vorhandener Geneigtheit zu Eini=
gungsverhandlungen
auf beiden Seiten zur wirklichen
Einkeitung ſolcher gar nicht oder nicht rechtzeitig gekommen
iſt, weil es an einem Organe fehlt, das geeignet und be=
rufen
geweſen wäre, die Leitung ſolcher Verhandlungen
und die Vermittlung zwiſchen den ſtreitenden Parteien in
die Hand zu nehmen. Da ſich nunmehr herausgeſtellt
hat, daß das Einigungsamt der Gewerbegerichte die ihm
zugedachte Aufgabe gegenüber den großen, ganze Berufs=
arten
, ganze Landesteile, ja das Reich erfaſſenden Ar=
beitskämpfen
nicht erfüllt hat und nicht erfüllen konnte,
ſollte dieſe Begründung auch für die Errichtung einer ver=
mittelnden
Zentralinſtanz, eines Reichseinigungsamtes,
maßgebend werden.

Deutſches Reich,

Ueber die Koſten von Heeresvorlagen.
Aus Anlaß der von amtlicher Stelle im Reichstag ange=
kündigten
neuen Heeresvorlage, die noch in dieſem Früh=
jahr
dem Reichstag zugehen ſoll, erörtert man gegenwar=
tig
in der Preſſe die Frage der Koſten, welche die Vor=
lage
vorausſichtlich verurſachen wird. Naturgemäß iſt es
ausgeſchloſſen, ſchon jetzt darüber irgend eine Berechnung
aufzuſtellen, ſo lange noch nicht einmal der Umfang der
Vorlage annähernd feſtſteht. Aber es gibt immerhin einen
Maßſtab zur Beurteilung der Koſten aller Heeresvorlagen,
und das ſind die Aufwendungen, die durchſchnittlich ein
Mann der deutſchen Armee an fortdauernden Ausgaben
jährlich verurſacht. Wenn man nämlich die Geſamtſumme
des Heeresetats zuzüglich der für das bayeriſche Kon=
tingent
durch die Friedenspräſenzſtärke der Armee divi=
diert
, dann ergibt ſich ein Betrag von rund 1500 Mark lau=
fender
Koſten für jeden Mann. Darin ſind die geſamten
Aufwendungen erhalten, die für die Armee gemacht wer=
den
. Eine Erhöhung der Friedenspräſenz um je 10000
Mann verurſacht mithin rund 15 Millionen laufender Aus=
gaben
. Dazu treten dann die einmaligen Ausgaben für
Unterbringung uſw. Als Maßſtab für deren Verhältnis
zu den fortdauernden Ausgaben ſei erwähnt, daß bei der
letzten Heeresvorlage auf fortdauernde Ausgaben in Höhe
von 33,5 Millionen 144 Millionen einmalige Koſten ent=
ſtanden
. Freilich unterliegt ja dieſes Verhältnis in höhe=
rem
Maße Zufälligkeiten und könnte ſich bei neuen For=
derungen
auf anderer organiſatoriſcher Grundlage gün=
ſtiger
geſtalten.
Schiffahrtsabgaben und Mainkana=
liſierung
. Die im Reichstage von einem Vertreter
des Auswärtigen Amtes abgegebene Erklärung betr. die
Einführung der Schiffahrtsabgaben beſagte, daß eine ent=
ſprechende
Einigung mit den in Betracht kommenden Aus=
landsſtaaten
noch nicht erzielt worden iſt. Nach der zwi=
ſchen
Preußen, Bayern, Baden und Heſſen geſchloſſenen
Uebereinkunft betr. die Mainkanaliſierung ſollte nun nicht
eher mit den Bauarbeiten begonnen werden, bevor nicht
die Durchführung des Schiffahrtsabgabengeſetzes geſichert
wäre, wonach die Einführung der Abgaben auf dem Rhein
und dem Main erfolgen könnte. Dennoch ſind ſowohl die
preußiſche wie die übrigen Regierungen dahin einig ge=
worden
, daß in Anbetracht der hervorragenden wirtſchaft=
lichen
Bedeutung der Mainkanaliſierung bis Aſchaffenburg
nicht länger mit den Bauausführungen gewartet werden
darf. Aus dieſem Grunde ſoll demnächſt mit den Bau=

arbeiten begonnen werden. Der preußiſche Anteil des
Baukapitals war urſprünglich mit 3,88 Millionen Mark
veranſchlagt worden. Mit Rückſicht auf die Steigerung
aller Preiſe und infolge des Ergebniſſes der angeſtellten
Unterſuchungen des Untergrundes hat ſich ergeben, daß
das Baukapital eine Erhöhung auf 4,8 Millionen Mark
erfahren mußte. Was die Erhebung der Abgaben anbe=
trifft
, ſo iſt geplant, nach Vollendung der Kanaliſierungs=
arbeiten
auf der neuen Strecke Abgaben in derſelben Höhe
zu erheben, wie ſie jetzt auf dem unteren Main eingeführt
ſind. Es wird aber erwartet, daß die noch beſtehenden
Schwierigkeiten für die Einführung des Schiffahrts=
abgabengeſetzes
bis zur Fertigſtellung des Kanals be=
hoben
ſind, und daß die Schiffahrtsabgaben auf dem
Rhein nach vollendeter Kanaliſierung zur Einführung ge=
langen
können. Dann würden die Unterhaltungs= und
Betriebskoſten, ſowie 4 Prozent Verzinſung und ½ Pro=
zent
Tilgung von 75 Prozent des Anlagekapitals aus den
Einnahmen der Stromkaſſe gedeckt werden können, ſoweit
das Erträgnis der Ausgaben ausreicht.
Die neue Heeresvorlage ſieht, wie in,
Bundesratskreiſen verlautet, u. a. auch grundſätzliche Aen=
derungen
in unſerer Wehrordnung vor, die eine völlige
Umwälzung auf dem Gebiete der Ausbildung bei allen
Truppenteilen mit zweijähriger Dienſtzeit bedeuten ſollen.
Prägung von Erinnerungsmünzen.
Mit Genehmigung des Bundesrats wird Preußen 12
Millionen Erinnerungsmünzen für das Jahr 1913 prägen,
wovon.6 Millionen für die Erhebung Preußens im Jahre
1813 und 6 Millionen dem Regierungsjubiläum des Kai=
ſers
gewidmet ſind. Ferner iſt zum Regierungsjubiläum
die Herſtellung einer Medaille für Staatsbeamte, Offi=
ziere
und Perſonen, die zum Königshauſe in Beziehung
ſtehen, geplant.
-
Landtagseröffnung in Sachſen=
Weimar. Bei der Eröffnung der 33. Landtagsſeſſion
des Großherzogtums Sachſen=Weimar wurde der Natio=
nalliberale
Geheimrat Dr. Appelius=Eiſenach von
allen bürgerlichen Parteien zum erſten Präſidenten des
Landtags gewählt. Je ein Konſervativer und Freiſinni=
ger
ergänzen das Präſidium. Die Dauer der Seſſion wird
vorausſichtlich ſieben Wochen betragen.

Ausland.

Frankreich.
Erbſchaftsſtatiſtik. Nach dem Ausweis des
Stempel= und Gebührenamtes belief ſich die Zahl der
in Frankreich im Jahre 1911 hinterlaſſenen Erbſchaften
auf 371851, deren reine der Erbſchaftsſteuer unterworfene
Aktiva 5 Milliarden 761 Millionen Francs betrug. Die
Zahl der Erbſchaften von einer bis fünfzig Millionen
Francs und darüber betrug 666, wovon auf das Seine=
Departement allein 301 entfielen.
Spanien und der Vatikan.
Der neue ſpaniſche Botſchafter beim Vatikan, Calbe=
ton
, erklärte, daß ein Abkommen zwiſchen Madrid und
Rom beſtehe, das für die nächſten Jahre den Frieden
ſichere. Der Vatikan hat ſich verpflichtet, von der Neu=
gründung
von Kongregationen in Spanien während der
folgenden zwei Jahre abzuſehen, während die ſpaniſche
Regierung das von Canalejas eingebrachte Geſetz über
die konfeſſionellen Vereinigungen nicht innerhalb der näch=
ſten
zwei Jahre in den Cortes zur Abſtimmung bringen
wird. Erſt auf Grund dieſes Uebereinkommens iſt die
Wiederaufnahme der diplomatiſchen Beziehungen zwiſchen
Madrid und Rom möglich geweſen. Im Vatikan hat man
die ſtille Hoffnung, daß mit der Verſchiebung der Abſtim=
mung
über die von Canalejas eingebrachte Vorlage dieſe
fallen gelaſſen iſt.
Rumänien.
Ueber die rumäniſche Anleihe will das
Echo de Paris folgendes erfahren haben: Die rumäniſche
Regierung ſchuldete deutſchen Firmen, u. a. auch der Firma
Friedrich Krupp in Eſſen, für Kriegsmaterial die Summe
von 50 Millionen Mark. Dieſe Schuldenlaſt wurde von
der Diskonto=Geſellſchaft in Berlin und dem Bankhauſe
Bleichröder übernommen, die dafür rumäniſche Staats=
ſchuldenſcheine
im nominalen Betrage mit einem dtspro=
zentigen
Zinsfuß erhielten. In Wirklichkeit aber verzinſt
ſich der Vorſchuß, den die beiden Banken der rumäniſchen
Regierung geleiſtet haben, mit 6¾ Prozent. Außerdem
wurde den beiden Banken ein Vorrecht auf die weitere
Emiſſion einer Anleihe von 100 Millionen Mark zu 6¾4
Prozent zugeſtanden.
Vereinigte Staaten.
Der amerikaniſche Arbeiterverband hat
trotz der kürzlich bewilligten Lohnerhöhungen beim Stahl=

[ ][  ][ ]

truſt einen Aufruf zum Generalſtreik in den Walzwerken
des Truſtes im Bezirk von Pittsburg erlaſſen. Wenn
dem Aufruf Folge geleiſtet wird, werden in Bälde 40000
organiſierte Arbeiter in den Ausſtand treten.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 4. Februar.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Eiſenbahndirektor in
der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft Ernſt
Zimmermann zu Gießen die Erlaubnis zur An=
nahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem
Deutſchen Kaiſer verliehenen Roten Adler=Ordens 4. Klaſſe
erteilt.
* Erledigte Stellen. Eine mit einem evange=
liſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der Ge=
meindeſchule
zu Volxheim, Kreis Alzey. Mit der
Stelle iſt Organiſtendienſt verbunden. Die mit einem
evangeliſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Oppenrod, Kreis Gießen. Mit
der Stelle iſt Organiſten= und Lektordienſt verbunden.
Zwei mit katholiſchen Lehrern zu beſetzende Lehrer=
ſtellen
an der Gemeindeſchule zu Bürſtadt, Kreis
Bensheim.
* Freiherr von Jeniſch, der neu ernannte deutſche
Botſchafter in Rom, iſt, wie wir hören, hier ernſtlich er=
krankt
.
g. Strafkammer. Der 48jährige Schuhmacher Adam
Jakob Groh aus Urberach wurde in der geſtrigen Sitzung
der Strafkammer nach der unter Ausſchluß der Oeffentlich=
keit
geführten Verhandlung wegen fortgeſetzten Verbrechens
nach § 176,3 Str.=G.=B. zu 2 Jahren 6 Monaten
Gefängnis verurteilt. Wegen ſeines hartnäk=
kigen
Leugnens erfolgt keine Anrechnung der Unter=
ſuchungshaft
. Der 53jährige Sattler Rudo Wylzert
hatte ſich geſtern wegen einer durch Beilegung eines fal=
chen
Namens begangenen intellektuellen Urkun=
denfälſchung
zu verantworten. Der Angeklagte hat
nach den Angaben, die er dem Gericht machte, ein aben=
teuerlich
anmutendes Leben hinter ſich. Er ſei im Jahre
1859 in Preetoria (Transvaal) als Sohn eines fran=
zöſiſchen
Vaters und einer deutſchen Mutter geboren. Er
habe dann gegen die Engländer mitgekämpft und ſei auch
16 Monate kriegsgefangen geweſen. Bei einem Ein=
geborenenaufſtande
ſei er ſchwer verwundet worden. Vor
zwei Jahren iſt er nach Deutſchland gekommen und hat ſeit=
dem
mehrmals Strafen wegen Bettelns erhalten. Am
1. November vorigen Jahres wurde er wieder wegen
Bettelns in das Amtsgerichtsgefängnis Seligenſtadt ein=
geliefert
. Beim Eintragen in das Gefangenen=Regiſter
nannte er ſich fälſchlich Adolf Wagner aus Diedenhofen.
Der Angeklagte, der nur gebrochen deutſch ſpricht, gibt die
ihm zur Laſt gelegte Urkundenfälſchung zu und verurteilte
ihn das Gericht zu 6 Wochen Gefangnis, abzüglich
5 Wochen der Unterſuchungshaft.
Der 20jährige Aus=
läufer
Karl Schmitz und der 21jährige Hilfsmonteur
Fritz Georg Trittau, beide aus Frankfurt a. M., ſind
des verſuchten ſchweren Einbruchsdieb=
ſtahls
beſchuldigt. Die treibende Kraft zu dieſem Ver=
brechen
iſt ein gewiſſer Keil, der nicht mit zur Verantwor=
tung
gezogen werden kann, da er ſich in einer Anſtalt wegen
Geiſteskrankheit befindet. Schon vor einem Jahr hatte
Keil den Trittau, auf den er anſcheinend einen ſtarken Ein=
fluß
hatte, in Stuttgart zu einem Diebſtahl zweier Fahr=
räder
verleitet. Trittau hatte damals keinen Vorteil von
dem Diebſtahl. Die erhaltene Gefängnisſtrafe von 1 Monat
iſt ihm bedingt erlaſſen worden. Am 4. Oktober 1912 ver=
anlaßte
nun Keil zunächſt den Ausläufer Schmitz zur An=
gabe
von geeigneten Einbruchsgelegenheiten, da er Möbel
brauche. Schmitz, der in einer Filiale von Schade u. Füll=
grabe
in Offenbach als Ausläufer tätig war, gab ihm an,
daß in der Kaſſette der Filiale immer viel Geld enthalten
ſei. Daraufhin ging zunächſt Keil mit Schmitz in das
Haus der betreffenden Filiale und verſuchte mittels Die=
trichs
die Tür zu öffnen, was ihm nicht gelang. Auch bei
einem zweiten Verſuch, bei dem ihm Trittau aſſiſtierte.
hatten ſie keinen Erfolg. Das Gericht verurteilte die beiden
Angeklagten zu je 3 Monaten Gefängnis abzüglich
2 Monate der Unterſuchungshaft. In raffinierter Weiſe
beſtahl der 14jährige Schüler Heinrich G. zu Lämmerſpiel
anſcheinend auf Anſtiften des 16jährigen Dreherlehrlings
Georg Seeger, ſeinen Vormund. Seeger erzählte dem G.,
ſein Vormund müſſe viel Geld haben, da er eine Kran=

kenkaſſe verwalte. Er möchte ihm doch Geld verſchaffen,
da ſie beide zur Kirchweih etwas brauchen könnten. Der
ungetreue Pflegling hatte nun bald heraus, daß ſein Vor=
mund
das Geld in einer großen Holzkiſte verwahrte, die
unter dem Bett ſtand. Er brach den Boden der Kiſte auf,
entnahm ihr ein Zwanzigmarkſtück und nagelte den Boden
wieder zu. Auf dieſelbe Weiſe entwendete er noch zweimal
Geld, im ganzen 50,50 Mark. Das Gericht erkannte gegen
jeden der jugendlichen Sünder auf 10 Tage Gefängnis.
Vom Großh. Hoftheater. Heute wird Lehärs er=
folgreichſte
Operette Die luſtige Witwe vollkommen neu
einſtudiert, als 112. Abonnementsvorſtellung, Buchſt. D. 27
in Szene gehen. Den Danilo ſingt Herr Harprecht vom
Berliner Theater, der damit ſein Gaſtſpiel beginnt, das er
am Donnerstag als Teddy Kimberley in Mein Freund
Teddy beendet. Am Mittwoch findet das mit großem
Intereſſe aufgenommene einmalige Gaſtſpiel von Tereſina
Oſter ſtatt, die von ihrer Wirkſamkeit an unſerer Hofbühne
wohl dem ganzen Publikum in glänzendſter Erinnerung
iſt. Frl. Oſter, die gegenwärtig zu den hervorragendſten
Mitgliedern des Dresdner Kgl. Schauſpielhauſes zählt,
wird als Lene Kuck in Bahr’s Luſtſpiel Das Prinzip
wieder vor unſerm Publikum erſcheinen. (113. Abon=
nementsvorſtellung
, Buchſt. C. 30.)
Herr Kammerſanger Weber ſchreibt uns: Wie
ich höre, werden infolge mißverſtändlicher Deutung in
der Stadt falſche Gerüchte über die zwiſchen mir und
der Hoftheaterleitung ſchwebenden Verhandlungen kol=
portiert
. Ich erk äre hiermit, daß dieſe Verhandlungen
in voller Freundſchaft geführt werden und, aller Wahr=
cheinlichkeit
nach, zu einem beide Teile durchaus be=
friedigenden
Reſultat gelangen werden.
Gertrud Leiſtikow. Die bekannte Münchner
Tanzkünſtlerin, deren erſtes öffentliches Auftreten
in Darmſtadt, wie man uns ſchreibt, für den 14. ds. Mts.
angezeigt wird, hat einem Künſtlertee im Atelier
Pellar am 13. ds. Mts., nachmittags, ihre Mitwirkung
zugeſagt. In das intereſſante Programm der Veranſtal=
tung
wird ſie ſich mit Herrn Hofopernſänger Jung aus
Mannheim teilen.
Städtiſche Schulzahnklinik, geöffnet von 912
und 25 Uhr, für die Volksſchulkinder der Haupt= und
Reſidenzſtadt Darmſtadt Im Januar 1913 wurden be=
handelt
754 Kinder (428 Mädchen, 326 Knaben) mit
1164 Konſultationen. Gefüllt wurden 896 Zähne, aus=
gezogen
wurden 861 Zähne (669 Milchzähne, 192 bkeibende
Zähne). Die Zahl der Tage, an denen Sprechſtunden
abgehalten wurden, betrug 25.
Faſtenpredigten. Man ſchreibt uns: Die dies=
jährigen
Faſtenpredigten in der St. Ludwigskirche, die
jeweils am Mittwoch, abends um 6 Uhr, ſtattfinden,
werden in dieſem Jahre von dem MainzerSSeminar=
profeſſor
Dr. Schmidt abgehalten.
Freie Vereinigung heſſiſcher Nationalliberaler.
Man ſchreibt uns: Durch Veranſtaltung von vier
weiteren öffentlich=politiſchen Verſammlungen hat die
Geſchäftsſtelle der Freien Vereinigung heſ=
ſiſcher
Nationalliberaler ihre Agitationstätig=
keit
im Reichstagswahlkreis Erbach=Bensheim, in
dem ſeit Mitte Januar insgeſamt 12 von national=
iberaler
Seite einberufene Verſammlungen ſtattgefunden
haben, fortgeſetzt. Am Donnerstag ſprach der General=
ſekretär
der Vereinigung, Dr. Otto Linſe, in Höchſt
t. O., am Freitag in Kirch=Brombach, am Samstag
in Stockheim (für die Städte Erbach und Michel=
ſtadt
) und am Sonntag in König. Der ſich fort=
geſetzt
ſteigernde Beſuch der Verſammlungen iſt der beſte
Beweis dafür, daß das Beſtreben der Freien Ver=
einigung
, intenſive Agitations= und Organiſationsarbeit
n Heſſen zu leiſten, nicht nur die volle Anerkennung
eitens der Angehörigen der Nationalliberalen Partei
findet, daß vielmehr auch die in allen Verſammlungen
erſchienenen Anhänger der gegneriſchen Parteien ſich in=
ormieren
wollen über die Richtlinien, nach denen die
Freie Vereinigung zu arbeiten gewillt iſt, Richtlinien,
die ſich, wie wiederholt feſtgeſtellt werden ſoll, voll und
ganz mit denen der großen, hinter Baſſermann ſtehenden
Nationalliberalen Partei decken. In einer Reihe von
Orten, in denen Verſammlungen ſtattgefunden haben,
ſteht, ſoweit ein nationalliberaler Verein dort nicht be=
ſtand
, die Gründung von Ortsgruppen der Freien Ver=
einigung
für die allernächſte Zeit in Ausſicht.
* Ortsgruppe Darmſtadt des Odenwaldklubs. In
Stärke von mehr als hundert Mitgliedern unternahm die
Ortsgruppe Darmſtadt des Odenwaldklubs, unter Füh=
rung
der Herren H. Bankwitz und Ferd. Kreiter

am Sonntag eine Wanderung, die Homburg im Taunus
zum Ziele hatte. Um 6,30 Uhr früh beſtiegen hier die
Teilnehmer an der Fahrt die Eiſenbahn, erreichten Frank=
furt
um 7,30 Uhr, ſetzten dort um 7,50 Uhr die Fahrt nach
Cronberg fort, wo ſich ihnen viele Rodler und Schnee=
ſchuhläufer
zugeſellten. Nach der Ankunft in Cronberg
um 8,20 Uhr begann ſofort die Wanderung, die zunächſt
über aufgeweichte Waldwege führte, dann war der Boden
durch den Froſt ſtark vereiſt und in den Höhen lag eine
ziemlich ſtarke Schneedecke. Von mittag ab war
chöner Sonnenſchein, doch in der Nähe des Feldberges
herrſchte heftiges Schneetreiben. Ein lebhaftes Treiben
konnte man an den Hängen beobachten, beſonderes Inier=
eſſe
erregte das Wettrodeln, an dem ſich Damen und
Herren in ſchmucken Sportkoſtümen beteiligten. Auch ein
Mitglied des Odenwaldklubs nahm zuſammen mit zwei=
Damen an einer Rodelfahrt teil. Auf dem Feldberg
wurde die Frühſtücksraſt gehalten und ſpäter auf
dem Weitermarſch die Saalburg beſucht. Ueber Dornholz=
hauſen
wurde dann Homburg erreicht, wo im Schützen=
hof
das gemeinſame Mittageſſen eingenommen wurde
Herr Profeſſor Kiſſinger hielt eine mit vielem Beifall auf=
genommene
Tiſchrede, und nach dem Eſſen blieb man noch
in frohem Kreiſe bei gemeinſamem Geſang vereint, bis
die Bahn die Wanderer um 7,20 Uhr von Homburg nach
Frankfurt entführte. Gegen 9 Uhr traf man dann wieder
in Darmſtadt ein. Erwähnt ſei noch, daß unterwegs die
Wanderer von Mitgliedern der Ortsgruppe Hanau be=
grüßt
wurden.
* Von der Wach= und Schließgeſellſchaft. Im
Monat Januar ergaben die fortlaufenden Reviſionen
der Nachtwachbeamten folgende Fälle: 353 offene Haus=
türen
und Tore vorgefunden, 119 mal brannte Licht in
Geſchäfts= und Bureaulokalitäten, Keller= und Boden=
räumen
, bezw. wurde vekgeſſen, dasſelbe zu löſchen,
16 defekte Schlöſſer und Türen, ſowie ſteckengebliebene
Schlüſſel vorgefunden, 9 offene Parterreſenſter ermittelt,
Hausbewohnern, die ihre Schlüſſel vergeſſen hatten, ge=
öffnet
, 1 Waſſerrohrbruch entdeckt.
§ Schlägereien. Am Sonntag vormittag zwiſchen
7 und 8 Uhr fand auf dem Meßplatz eine Schlägerei
ſtatt, wobei ein Taglöhner eine Schlagaderverletzung
erlitt. Der Verletzte iſt mittelſt Krankenautomobils in
das Städtiſche Krankenhaus verbracht worden. In
einer Wirtſchaft in der Hügelſtraße entſtanden bei einem
Tanzvergnügen Sonntag nacht gegen 12 Uhr zwiſchen
Zivil= und Militärperſonen Streitigkeiten. Die Polizei
mußte einſchreiten und ein Sergeant des Dragoner=
Regiments Nr. 24 wurde durch die Schloßwache abge=
In der Nacht von Sonntag auf Montag fand
holt.
zwiſchen einem Wirt und einem Metzger eine Schlägerei
ſtatt, in deren Verlauf der Metzger eine nicht unerhebliche
Verletzung am linken Auge davontrug. Der Verletzte iſt
in das Städtiſche Krankenhaus verbracht worden.
§ Feſtgenommen. Ein 19 Jahre alter Sattler aus
Bayreuth, welcher von Bamberg aus wegen Unter=
ſchlagung
ſteckbrieflich verfolgt wird, iſt hier feſtgenömmen
worden.
* Einbruch. In einem Hauſe der Riedeſelſtraße
wurde in der Nacht zum Montag ein Einbruch verübt,
bei dem u. a. eine Geldkaſſette mit etwa 300 Mai
Inhalt geſtohlen wurde.

Darmſtädter Karneval.

* Der vom Zweigverein Darmſtadt des Vogelsberger
Höhenklubs im Hotel Köhler veranſtaltete Bunte
Abend verlief in der ſchönſten Weiſe. Der Gedanke, die
Klubgenoſſen auch einmal außerhalb der regelmäßigen
Wanderungen zu fröhlichem Tun zuſammenzuführen, war
auf fruchtbaren Boden gefallen. Und alle, alle kamen!
Der Saal genügte bei weitem nicht, ſie unterzubringen,
ſo daß auch die gemütlich ausgeſtatteten Vorräume zu
Hilfe genommen werden mußten. Der Vorſtand hatte
nicht zu viel verſprochen, ſämtliche Darbietungen ſtanden
auf voller Höhe und erweckten den ungeteilteſten Beifall.
Namentlich gilt das von der in ſehr kurzer Zeit zuſammen=
gebrachten
Hauskapelle, die ihr ſo erfolgreiches Debut
feierte. In ſeiner Anſprache wies der Vorſitzende treffend
darauf hin, welche gediegenen Kräfte im Schoße des Klubs
ſchlummern, von denen nur ein Teil gehoben worden war.
Wenn die Letzten in ihren vier Pfählen anlangten, mag
verſchwiegen bleiben. Friſch auf zur nächſten Wanderung!
Das Hotel Heß hat wieder ſeine ſämtlichen Räume
der Faſchingsluſt geöffnet, und gar farbenprächtig bunt
ſind die einzelnen Lokalitäten zu dieſem Zweck ausge=
ſchmückt
. In wundervoller Weiſe ſind in den Reſtaura=

Maßljanniza.
Bilder vom ruſſiſchen Faſching.
Von Oskar Grosberg (St. Petersburg).

Maßljanniza heißt Butterwoche; ſie bedeutet den
ruſſiſchen, kurzlebigen, aber um ſo ausgelaſſeneren
Faſching. Die Maßljanniza iſt der Abſchluß der unab=
ſehbaren
Reihe von guten Tagen, die mit dem Weihnachts=
feſte
einſetzen. Nach der Maßljanniza beginnen die ſo=
genannten
großen Faſten, die bis Oſtern währen und in
denen jede Luſtbarkeit und alle Fleiſchesluſt unterſagt iſt.
Ganz Rußland duftet dann nach magerem Stockfiſch und
dünner Kohlſuppe und alle Welt tut Buße und kaſteit den
ach, ſo ſündigen Leib, der, unter uns geſagt, die ſechs=
wöchige
Pauſe als eine wahre Wohltat empfindet, denn er
hat gerade Zeit genug, um ſich für die Strapazen des Oſter=
feſtes
zu ſtärken.
Es liegt im ruſſiſchen Nationalcharakter, ſich für jede
bevorſtehende Entbehrung im voraus zu belohnen. So
iſt denn auch die Maßljanniza mit ihrem bunten
Wirbel von Vergnügungen und Schmauſereien erfunden
worden, um die guten Leute über die bevorſtehenden Faſten
zu tröſten. Und man muß ſagen, daß man in dieſer tollen
Woche den Becher der Luſt bis zur Neige ſchlürft. Man
lebt, wie der Ruſſe zu ſagen pflegt, wie ein Käſe, der in
Butter ſchwimmt. Ein Feſt jagt das andere. Eine Hoch=
flut
von Konzerten und tauſend anderen Amüſements er=
gießt
ſich über die Städte; die Theater geben zwei Vor=
ſtellungen
täglich und die Zahl der privaten und öffent=
lichen
Maskenbälle iſt Legion. Vor allen Dingen macht
man aber Troikafahrten und man ißt und trinkt, als ob
das jüngſte Gericht anbräche.
Laſſen Sie mich einen Maßljannizabeſuch bei meinem
alten Freunde Elpidifor Schemenowitſch Kaſchkin ſchildern.
Elpidifor Schemenowitſch iſt Beſitzer eines großen Seiden=
lagers
im Goſtinnydwor, dem richtigen Petersburger Kauf=
hauſe
, der hunderte eleganter Läden enthält. Mein Freund
iſt ruſſiſcher Kaufmann von altem Schrot und Korn, der
vom faulen Weſten und ſeinen kulturellen Errungenſchaften
herzlich wenig hält und den Standpunkt vertritt, daß zum
Handel ein tüchtiger Schuß Schummelei gehöre, womit
aber nicht geſagt werden ſoll, daß er im Privatleben nicht
der ehrenhafteſte Menſch der Welt wäre. Elpidifor
Schemenowitſch iſt ein Enaksſohn, auf deſſen gewaltigen

Schultern ein mächtiger blondbärtiger Kopf ſitzt. Seine
blauen Augen blicken ſchwermütig und verſchlagen in die
Welt.
Eines Tages grüßt mich ſein abgrundtiefer Baß:
Werter Freund, ſchenken Sie uns die Ehre Ihres Beſuches
am Sonntage in der Maßljanniza. Meine Frau und ich
werden uns geehrt fühlen.
Solche Einladung abſchlagen, hieße den Mann tötlich
eleidigen; ich ſage dankend zu, und nachdem wir ein Glas
Tee getrunken, eine Zigarette geraucht und ein weniges
über die Regierung geſchimpft, empfiehlt ſich mein Freund
mit Verbeugungen und Verſicherungen außerordentlicher
Wertſchätzung, wie die Sitte in patriarchaliſchen Kauf=
mannskreiſen
ſolches verlangt.
Am Sonntage in der Maßljanniza bringt mich ein
Iswoſchtik, der ſein Pferd laufen läßt, als ob der Teufel
uns auf den Ferſen ſäße, vor Kaſchkins Haus. Der Haus=
herr
hat zum eleganten Gehrock alle Orden und Medaillen
angelegt; über ſeine ungeheuer breite Samtweſte ſpannt
ſich eine ſchwere Goldkette, an ſeinen Fingern blitzen Soli=
täre
. Er ſchließt mich in ſeine Arme und wir tauſchen nach
alter Väterſitte dreimal den üblichen Kuß. Dann führt
mich mein Freund in den Salon, wo ich Gelegenheit habe,
ſeine entzückende Gattin Ljubow Andrejewna, eine
blühende, echt ruſſiſche, junoniſche Schönheit, und die ver=
ammelten
Gäſte zu begrüßen. Mit den Damen küßt man
ſich leider nicht, man darf ihnen ſogar die Hand nicht
küſſen, ohne den Gatten um Erlaubnis gebeten zu haben.
Ljubow Andrejewna hat eine herrliche Brokatrobe angelegt
und ſie trägt ein nicht unbeträchtliches Vermögen von
Steinen an ſich. Ihre Augen überſtrahlen aber den Glanz
der Steine und ihre Haut iſt weißer, als der Brokat ihrer
Robe.
Es ſind zwölf Gäſte geladen worden, lauter Herren
von Gewicht mit ihren Gattinnen, zumeiſt ſchon älteren
Damen, von denen einzelne noch das ſchwarze Seidentüch=
lein
um den Kopf tragen, das in alten Zeiten das Haar
züchtiger Frauen vor den Blicken fremder Männer ver=
bergen
mußte.
Man plaudert und ſcherzt und dann erſcheint in der
Tür die Hausfrau und bittet zu Tiſch. Man nimmt natür=
lich
zuerſt die Sakuska, die auf einer beſonderen Tafel
ſerviert iſt. Es gibt da tauſend Dinge: Kaviar, Dwina=
lachs
, Bärenſchinken, gedörrte Renntierzungen, marinierte
Pilze, Straßburger Paſteten, Balyk, kleine Paſteten, einen
kalten Truthahn und unzählige andere Leckerbiſſen und

unzählige Sorten Schnaps und Weine; die letzteren für
die Damen. Man ſchmauſt und nimmt Schnäpschen, man
animiert ſich und ſtößt an.
Dann nimmt man Platz. Auf der Tafel ſieht man in
Kriſtallſchalen nur Kaviar verſchiedener Art, ſauere Sahne,
Dwinalachs, Balyk und marinierte Pilze. Auf ſilbernen
Servierbrettern tragen einige Mägde die glühend heißen
Teller hinein, und dann erſcheinen eilenden Laufes die
Küchenmädchen, die die dampfenden Blini, die wunderbar
lockeren, papierdünnen Kuchen aus Buchweizenmehl, her=
beiſchaffen
. Man ſchichtet ſie kunſtreich auf. Zu unterſt
kommt ein Blin, darauf eine Scheibe Lachs; ein zweiter
Kuchen, der mit Kaviar beſtrichen wird, ein dritter mit
einem Scheibchen Balyk, den Abſchluß bildet ein Kuchen.
Nun übergießt man das ganze mit goldgelber Butter und
das Schmauſen geht los. Man präpariert ſich immer neue
Portionen in immer neuen Kombinationen und trinkt dazu
ein Schnäpschen. Die Mägde ſchleppen ununterbrochen
neue glühend heiße Kuchen herbei und ſie verſchwinden im
Handumdrehen. Ich habe etwa zwanzig Kuchen gegeſſen,
ich kann nicht mehr. Die Hausfrau wirft mir einen vor=
wurfsvollen
Blick zu, die Höflichkeit verlangt, daß ich
noch einige Kuchen nehme, noch ein Schnäpschen trinke;
dann bin ich trotz langjährigen Trainings am Ende meiner
Kraft. Selbſt die Blicke der reizenden Hausfrau verfangen
nicht mehr, aber ich trinke auf ihr Spezielles ein Glas
Madeira und ſie gewährt mir gnädiglich Dispens.
Elpidifor Schemenowitſch ſchlägt eine mächtige Klinge,
und ſeine Freunde ſtehen ihm durchaus nicht nach. Blini,
Kaviar, Lachs und Schnäpſe verſchwinden wie durch Zau=
berei
, endlich hat auch ihre Leiſtungsfähigkeit ein Ende.
Kaſchkin winkt und man bringt zur Abkühlung eiskalten
Sekt, den man langſam aber ausdauernd ſchlürft, um dann
zu Kaffee und verſchiedenen Likören überzugehen. Zu
Ende der Tafel ſind alle ſichtlich animiert, auch die Augen
der Damen blitzen, und auf ihren Wangen blühen zarte
Purpurroſen.
Zu einer anderen Zeit würden ſich nun die Herren zu
einem kleinen Jeu zuſammenfinden und die Damen ihrem
Schickſäl überlaſſen. In der Maßljanniza geht das nicht;
in der Maßljanniza muß man zuſammenhalten. Wir trin=
ken
alſo wieder Sekt und man plaudert und macht Muſik,
bis man plötzlich das Gebimmel von Schellen und das
Wiehern von Pferden hört. Drei Troiken halten vor der
Tür und der Hausherr bittet ſeine Gäſte zu einer kleinen
Ausfahrt. Wohin? Dahin, wohin die Naſe weiſt. Ins

[ ][  ][ ]

konsrähumen der Dekorakionen der luftigen Stimmung
angepaßt, die zur Faſchingszeit herrſchen muß, indem
hier ein Darmſtädter Luftſchiffhafen errichtet wurde, in
dem die Kapelle Weber in ausgelaſſener Stimmung flotte
Weiſen ertönen läßt. Auch das Café, die große Rotunde
die Schenke Alt=Darmſtadt der Bürgerkeller, wo eine
heitere Damenkapelle für Fidulität ſorgt, überall ſind
Girlanden und Blumen in verſchwenderiſcher Fülle ver=
wendet
. In den oberen Sälen iſt Tanzgelegenheit und
auch Sektlauben ſehlen nicht in dem großartigen Arrange=
ment
. Und in allen Winkeln, in allen Räumen ein verwir=
rendes
Durcheinander von Maskierten und Unmaskierten,
und über allem ſchwebt unſichtbar die tolle Faſchingsfreude
und ausgelaſſene Faſchingsluſt
* Das Café Ernſt Ludwig weiſt zu den Faſtnachts=
tagen
eine geradezu wundervolle Dekoration auf. In die
glitzernde, ſchneeige Pracht des winterlichen Waldes fühlt
man ſich verſetzt, wenn man die von der Gärtnerei Wenz.
Inh. Helmuth, Eliſabethenſtraße, ſo reizvoll ausgeſtatteten
erweiterten Räume des Cafés betritt. Von der Decke
rieſeln tauſende von weißen Flocken hernieder, den Zau=
ber
eines Schneefalls eigenartig vortäuſchend und rings=
um
zwiſchen den lauſchigen Sitzplätzen und Tiſchen ſtehen
zahlreiche würzig duftende Tannenbäumchen verteilt. Es
iſt der ganze Reiz des Tannenwaldes in dieſe prächtigen
Räume getragen, in denen die Kapelle Weber ſchneidige
Karnevalsweiſen ertönen läßt, in denen man bei Lieder=
ſang
und Becherklang ſo ungezwungen ſich den Faſchings=
freuden
hingibt. Eine Umwandlung hat auch das ſo
heimlich traute Spielzimmer erfahren. Hier iſt eine Bols=
ſtube
aufgebaut, wo zwei niedliche Holländerinnen vor
einem reizvoll ausgeſtatteten Verkaufsſtand ihres Amtes
walten.
* Das Schloß=Café zeigt eine prachtvolle Dekoration
mit japaniſchen Kirſchenzweigen und =Blüten; die Wände
ſind entſprechend mit japaniſchen Gemälden geſchmückt.
Gar urgemütlich ſitzt es ſich in dieſem japaniſchen Früh
lingsidyll, umſchmeichelt von den heiteren Weiſen der
Hauskapelle und dem luſtigen Treiben der Faſchingsgäſte,
die ſich im Schloß=Café ſtets heimiſch fühlen. Hoch gehen
die Wogen der allgemeinen Fröhlichkeit, die beweiſt, daß
auch die Darmſtädter echte Karnevalsſtimmung kultivie=
ren
können, wenn ihnen die richtige Gelegenheit dazu ge=
boten
wird.
Im Café Oper begrüßen luſtige Weiſen der uner=
müdlichen
Hauskapelle die Gäſte, die ſich in den geſchmack=
voll
dekorierten Räumlichkeiten ſehr behaglich fühlen. Gir=
landen
einen ſich mit den Luftſchlangen zu einem reizvollen
Bild, in das noch eine beſonders intime Note durch trau=
iche
Niſchen gebracht wird. Und wenn die Stimmung
auf dem Höhepunkt angelangt iſt und gar ſchmeichelnd die
lockenden Klänge eines Walzers ertönen, dann wird wohl
auch von der Jugend ein fröhliches Tänzchen arrangiert.
* Im Britannia=Hotel entwickelte ſich am Sonntag
unter den Klängen der Kapellen vom Leibgarde= Infan=
terie
=Regiment und vom Großh. Artillerie=Korps einc
Stimmung echt rheiniſchen Karnevalhumors. Die ſämt=
lichen
Räumlichkeiten waren mit intim wirkenden Deko=
rationen
aufs glänzendſte geſchmückt und in freundlichen
Niſchen war Gelegenheit für ein ruhiges Plauderſtünd=
chen
unter den Weiſen der Hauskapelle geboten. Die ani=
mierte
Stimmung ließ die Gäſte noch bis zum frühen
Morgen verweilen.
* Werkmeiſter=Bezirksverein Darmſtadt. Der am
Sonntag abend in den Räumen des Heſſiſchen Hofes
veranſtaltete Kappen=Abend erfreute ſich recht zahl=
reichen
Beſuches. Keiner der Erſchienenen wird es be=
reuen
, dieſe kleine Feier beſucht zu haben, die aus humo=
riſtiſchen
Darbietungen jeglicher Art beſtand. In Anbe=
tracht
der außerordentlich fidelen Stimmung trennten ſich
die Mitglieder erſt in den Morgenſtunden, doch in dem
Bewußtſein, einen ſchönen, gemütlichen Abend verlebt zu
haben.
* Karnevaliſtiſches Ständchen. Wie alljährlich, wird
heute nachmittag, ab halb 3 Uhr, auf dem Ernſt=Ludwigs=
Platz vor der Wohnung des Ehrenpräſidenten der Karne=
walgeſellſchaft
Narrhalla, Sr. närriſchen Durchlaucht
dem Fürſten Max von Anſpach und Bayreuth,
konzertiert werden. Die Leibgardiſten und die 61er unter
den Obermuſikmeiſtern Hauske und Weber werden
ſpielen.
* Kehraus im Saalbau. Noch einmal werden heute
die Wogen der Narretei hochgehen, wird Lebensluſt und
Freude unter dem Szepter des Prinzen Karneval auf=
ſſchäumen
in der letzten offiziellen Veranſtaltung der Kar=

nevalgeſellſchaft Narrhalla dem großen
populären Faſchingsrummel in ſämtlichen Räumen
des Städtiſchen Saalbaues. Im Verein mit dem rührigen
Saalbauwirt Herrn Smets hat der Elferrat für Betrieb
geſorgt an allen Ecken und Enden. Getanzt wird überall,
drei Kapellen werden ununterbrochen dazu aufſpielen.
Die Dekoration vom großen Maskenball iſt geblieben und
die Polizeiſtunde iſt immer noch aufgehoben.
* Turnhalle Woogsplatz. Auf das heute Faſtnachts=
Dienstag in der Turnhalle ſtattfindende Große Fa=
ſchingstreiben
: karnevaliſtiſche Konzerte, Tanz uſw.,
ſei auch hiermit nochmals hingewieſen. (Siehe Anz.)
Mozart=Verein. Auch im Mozart=Verein
regiert nun für kurze Zeit das Szepter des luſtigen
Karnevalsprinzen. Faſchingsluſt und Mummenſchanz
rufen am nächſten Samstag die Jünger und Getreuen
Polyhymnias in den Saalbau zum frohen Mas=
enfeſt
. Wie in früheren Jahren, ſo wird auch dieſes
Mal wieder die glanzvolle Ausſchmückung der Feſt=
räume
Bewunderung erregen, und in Verbindung
mit den fröhlichen Weiſen der unter Leitung ihrer
bewährten karnevaliſtiſchen Kepellmeiſter ſtehender
Kapellen der 115er und 24er das herbeigeſtrömte
Narrenvolk ſchon von Anfang an in die rechte
Feſtlaune verſetzen. Eine reizvolle Blütenpolo=
näſe
leitet dann ſpäter zu dem eigentlichen Balle über.
Von Seiten der Feſtkommiſſion ſei ſchließlich der dringende
Wunſch ausgedrückt, möglichſt ohne Ausnahme in Ko=
ſtüm
und Maske zu erſcheine:. Unkoſtümierte
Damen und Herren ſind am Saaleingange zur Erwerbung
eines Maskenzeichens verpflichtet. Ueber die Ausgabe
von Gaſtkarten erfolgt Näheres im Anzeigenteil.
Kaufmänniſcher Verein Darmſtadt. Am Samstag
abend 8.11 Uhr findet im Kaiſerſaal der große Mas=
kenball
des Kaufmänniſchen Vereins ſtatt, zu dem
erſte Künſtler gewonnen worden ſind. Auf die Anzeige
in heutiger Nummer ſei hiermit hingewieſen.

Auerbach, 3. Febr. Der Jahresbericht des
Verſchönerungs= und Kurvereins Auer=
bach
für 1912 iſt im Druck erſchienen und wird In=
tereſſenten
auf Verlangen vom Vorſtand zugeſandt.
M Goddelau, 3. Febr. Bei dem am Freitag ſtattgefun=
denen
Unwetter wurden an der Bahnſtrecke Goddelau=
Wolfskehlen faſt ſämtliche Telegraphenſtangen
etwas über einen Meter vom Erdboden abgebrochen
und auf das Feld geſchleudert. Am Samstag wurde im
Saale des Hotel Clauſius zu Ehren des Apothekers
Wilkens ein Feſteſſen veranſtaltet. Aus allen Teilen
des Heſſenlandes waren Freunde und Bekannte erſchienen.
Im Namen des Deutſchen Flottenvereins, Ortsgruppe
Crumſtadt, brachte Herr Lehrer Lauer die Glückwünſche
dar, worauf dem Jubilar das goldene Abzeichen des Deut=
ſchen
Flottenvereins überreicht wurde. Als Vertreter der
Nationalliberalen Partei ſprach Herr Landtagsabgeod=
neter
Dr. Oſann, namens der Handwerkskammer Herr
Syndikus Engelbach, im Namen des Deutſchen Apotheker=
bundes
ein Vertreter, namens der Gemeinde Crumſtadt,
woſelbſt Herr Wilkens 50 Jahre die Apotheke hat,
Herr Bürgermeiſter Strohauer und Herr Pfarrer Schäfer,
namens der Pflegeanſtalt Philippshoſpital der Direktor
Herr Medizinalrat Dr. Mayer u. a. Sichtlich gerührt
dankte Herr Apotheker Wilkens und gelobte, auch fernerhin
an der Spitze der gemeinnützigen Beſtrebungen, wie Flot=
tenverein
, Gewerbeverein und Apothekerbund zu bleiben
und ihnen ſeine Kräfte zu widmen.
Rüſſelsheim, 2. Febr. Geſtern brach in der hieſigen
Synagoge ein Brand aus, der leicht größeren Um=
fang
hätte annehmen können. Das Feuer kam, wie man
glaubt, durch Funkenflug aus dem Kamin in einer Par=
terrekammer
des iſraelitiſchen Religionslehrers zum Aus=
bruch
. Da es jedoch bald bemerkt und Hilfe raſch zur
Stelle war, ſo konnte der Brand bald gedämpft werden.
Nur eine Anzahl Kleider und Zimmergeräte wurden ver=
nichtet
. In eine ſchwere Gefahr geriet beim Ab=
ſchneiden
des bisherigen Leitungsdrahtes in der Allee der
Monteur Rudolf. Der Arbeiter hatte eben den Maſt
beſtiegen und die Drähte auf einer Seite abgeſchnitten,
als infolge der einſeitigen Spannung der Maſt um=
türzte
. Rudolf befand ſich nun in doppelter Lebens=
gefahr
, denn ginmal konnte ihm der Sturz aus 10 Meter
Höhe verhängnisvoll werden, andererſeits drohte ihm
Verderben durch die Berührung mit den Drähten. Kurz
entſchloſſen ſprang Rudolf ab, wobei er außer ſchweren
Verletzungen im Geſicht noch einen Armbruch davontrug.

Guſtavsburg, 2. Febr. Geſtern mittag verun=
glückte
auf dem im hieſigen Hafen liegenden Schiffe
Niederrhein 21 ein Matroſe dadurch, daß er zwi=
ſchen
die Greifarme eines Kohlenkrans kam. Der Arzt
konnte nur den Tod in folge Quetſchung des
Bruſtkorbes feſtſtellen.
Offenbach, 3. Febr. In der Nacht zum Sonntag wur=
den
wieder drei Feuermelder zerſtört, obwohl
erſt vor einigen Tagen der Arbeiter Heuſon wegen einer
ſolchen Tat zu einer Gefängnisſtrafe von ſechs Wochen
verurteilt worden iſt. Wenn man bedenkt, daß jährlich
etwa 200 Feuermelder in Offenbach zerſtört wer=
den
, ſo kann man ſich annähernd einen Begriff davon
machen, welche unnötigen Koſten der Stadt durch dieſe
Bubenſtreiche entſtehen.
g. Hammelbach, 3. Febr. Geſtern abend halb 6 Uhr
brannte das Wohnhaus und die Scheuer des
Valentin Bauer vollſtändig nieder. Die Ent=
ſtehung
des Feuers iſt noch unbekannt.
Mainz, 3. Febr. Der Karneval=Samstag ließ
ſich ſchlecht an, trotzdem hatten ſich zum Rekrutenein=
zug
auf dem Gutenbergplatz und den anliegenden Stra=
ßen
Tauſende von Menſchen angeſammelt. Nach 4 Uhr
traf Prinz Karneval 75. mit großem Gefolge und dem
närriſchen Miniſterium ein. Die Herrſchaften verſammel
ten ſich auf den Balkonen des Stadttheaters. Dann folgte
der Einzug der Rekruten, die unter ihrem Generalfeld=
marſchall
unter der Deviſe: Worſcht, Weck und Wein ver=
eidigt
wurden. Abends gab es einen großen Fackel=
zug
. Vor dem Regierungsgebäude wurde Halt gemacht
und von dem Karnevalspräſidenten Dr. Reen Geheimerat
Dr. Breidert begrüßt, der dankend erwiderte. Es ging
ſodann nach dem Gouvernement, wo Gouverneur von
Kathen begrüßt wurde, der auf den Prinzen und den
Karneval ein dreifaches Hoch ausbrachte. Nach dem
Fackelzug fand in der Stadthalle ein Feſteſſen des
Komitees des Mainzer Karnevalvereins
ſtatt, bei welcher Gelegenheit Herr Hermann Kern, Ver=
treter
des Mckinzer Karnevalverein New=York, in deſſen
Auftrag eine Gabe von 500 Mark als Beiſteuer zum Kar=
nevalzuge
überreichte. Mit großer Begeiſterung über=
nahm
man dankbar das Geſchenk. Auch brachte der an=
weſende
Prinz Karneval ein Hoch auf den Mainzer Kar=
nevalverein
New=York aus, in welches die Anweſenden
freudig mit einſtimmten. Am Sonntag trat beſſeres
Wetter ein, die Prinzen= und Ranzengarde brachte den
Behörden Ständchen dar während am Nachmittag von
den Behörden die Lagerfeſte der beiden Garden beſucht
wurden. Auf den Hauptſtraßen hatte ſich reges karneva=
liſtiſches
Treiben entfaltet, das bis zur ſpäten Stunde an=
hielt
. Die Nachbarſtädte hatten zahlreiche Gäſte herge=
ſandt
. Bei dem Umzug der Garden hat ſich leider
ein ſchwerer Unglücksfall ereignet. Das Pferd
eines Offiziers ſcheute und ſtürzte auf das Kind des Ge=
meindedieners
Nathan. Das Kind wurde lebens=
gefährlich
verletzt vom Platze getragen. Heute mit=
tag
um 12 Uhr traf in fünf Automobilen das Großher=
zogliche
Paar mit dem Hofmarſchall und Gefolge ein.
In der Begleitung befanden ſich die ſämtlichen in Darm=
ſtadt
amtierenden fremden Geſandten. Die Damen und
Herren wurden mit großem Jubel empfangen. Sie ſind
zum Beſuche beim Provinzialdirektor geladen. Kurze
Zeit vorher hatten ſich der Oberbürgermeiſter, der Gou=
verneur
, der Stadtkommandant hier eingefunden. Das
Komitee und die Generalität der Garde machten bei dem
Vorüberziehen dem Großherzogspaar einen Beſuch und
überreichten dem Großherzog die Ehrenkappe,
der Großherzogin die Damenjubiläums=
kappe
.
Kaum waren in der Frühe die Klänge des Weckens ver=
klungen
, da begann man auch ſchon in der Schulſtraße mit
dem Aufſtellen zum Jubel=Faſtnachtszug. An
demſelben wirkten über 3000 Menſchen in den 100 Grup=
pen
mit, die das Werden und Wachſen des Mainzer
Karnevals in den 75 Jahren ſeines Beſtehens ſchildern
ſollen. Gegen halb 12 Uhr ſetzte ſich der prachtvolle Zug
in Bewegung. Voran fuhren als Anſpielung auf das
überſtürzte Reinigen bei dem großen Schneefall zwei Kehr=
maſchinen
. Fanfarenbläſer, Herolde, Bannerträger, der
Jubiläumsſchimmelreiter aus den Plakaten und die
Mainzer Karneval=Wahrzeichen: Weck, Worſcht, Wein.
Als erſter Gratulant kam der rieſige Zobbelbajaß, dann
die Storchenbrigade vor dem Wagen mit dem Pankratius=
brünnchen
, aus dem die Mainzer Kinderchen herkommen;
das gewaltige Schiff, das das gelobte Land von Narra=
gonien
entdeckt hat. Das war 1838, und damals ging es

Blaue hinein. Und ſo fahren wir denn los, bis an die
Naſenſpitze vermummt. Die Schellen klirren und der Wind
heult. Die dampfenden Pferde fliegen pfeilſchnell über den
ſſtäubenden Schnee. Meine Schlittengefährten ſehen bald
wie Schneemänner aus; an ihren Bärten und Pelzkragen
hängt Eis und Schnee. Wir überholen Troiken und begeg=
ien
Rückkehrenden. Wir veranſtalten Wettfahrten und über=
ſſchütten
aus einem Hinterhalte wildfremde Menſchen mit
einem Hagel von Schneebällen; ſie ſpringen aus ihren
Schlitten und ein furchtbarer Kampf entbrennt. Zum
Schluß werden die Kognakflaſchen gezückt, und man be=
iegelt
den Frieden mit einem tüchtigen Umtrunk. Wir
agen weiter in den Wald hinein; die gewaltigen Kiefern
und Fichten ſtehen ernſt und ſchweigend in der Dämme=
ung
. Schon beginnen am froſtklaren Himmel die erſten
Sterne aufzublitzen, da gibt Elpidifor Schemenowitſch das
Zeichen zur Heimkehr. Die ſchnaubenden Pferde gehen im
Schritt; ſie ſchütteln ſich und die Schellen klingen grell zu=
ſammen
; jemand ſtimmt ein wildes Lied an und alle fallen
ein. Dann rafft der Jamſchtſchik die Zügel zuſammen und
er ſtößt einen gellenden Schrei aus. Die Pferde fliegen
dahin, bis ſie, von nerviger Fauſt pariert, vor einem der
eleganteſten Vergnügungslokale halten. Man entledigt ſich
der vereiſten Hüllen und betritt eine Loge, aus der man
einen Blick über den Rieſenſaal hat. Die Rumänen fideln
Chanteuſen aller Zungen geben ihre Künſte zum beſten und
über dem ganzen liegt der Dunſt von zehntauſend Papiros
und tauſend Flaſchen Sekt. Petersburg amüſiert ſich aus
dem vollen, und wir folgen dem allgemeinen Beiſpiel. Wir
laſſen Sekt und Roſen kommen. Die Damen proteſtieren,
aber ſie nippen doch mit uns, und ſie ſchmücken ſich mit den
Roſen. Erſt als der alte Esper Michailowitſch plötzlich das
Verlangen kundgibt, den Rock abzulegen und einen
Zigeunerchor kommen zu laſſen, merken wir, daß es an der
Zeit iſt, aufzubrechen, denn offen geſagt, wären wir gar
nicht abgeneigt, auf die verrückten Ideen des Alten einzu=
gehen
, wenn die Damen nicht mit wären. Wir müſſen
Esper Michailowitſch ſchwören, morgen, unbedingt morgen
ohne weibliche Nation mit ihm hierherzukommen. Dann
fügt er ſich und wir nehmen Abſchied; noch ſtehen uns ſechs
ſchwere Tage bevor, die zum mindeſten ebenſo verlaufen
wie der erſte aber es kann auch noch intenſiver werden,
denn der alte Esper Michailowitſch hat nur das geſagt,
was in unſerem ſündigen Herzen als der Keim eines Ge=
dankens
ſich regt . . .

Feuilleton.

Theaterkunſtausſtellung in Mannheim.
* Mannheim 3. Febr. Im Mittelpunkte des
Intereſſes ſteht hier die Theaterkunſtausſtell=
ung
des freien Bundes Der freie Bund zur Einbürger
ung der bildenden Kunſt in Mannheim, der unter ſeinem
ungewöhnlich begabten Leiter, dem Direktor der Kunſt=
halle
, Dr. Wichert, einen glänzenden Anfang genommen
hat, bringt, wohl überhaupt zum erſtenmal, in ſeiner
13. didaktiſchen Ausſtellung einen ziemlich vollſtändigen
Ueberblick über die Theaterkunſt der
Gegenwart. Eine ſeltene Gelegenheit für den Fach=
mann
wie für den Laien, ſich über die heiß umſtrittenen
Probleme der modernen Bühnenkunſt und ihre mannig=
faltigen
Wege und Ziel vergleichend zu orientieren. Aus
der verwirrenden Fülle des Wert= und Bedeutungsvollen
kann ich hier natürlich nur Einzelnes herausgreifen.
Die Ausſtellung enthält zunächſt Bühnenkunſt im be=
ſonderen
, als da ſind Szenenbilder, Figurinen und
Bühnenmodelle. Ein Hauptkontingent ſtellen die Künſt=
ler
Max Reinhardts, vor allem der mit einem untrüglichen
Gefühl für die Bühnenwirkung begabte Ernſt Stern.
Seine Entwürfe zu der ſchönen Helena, zu Ariadne auf
Naxos, Turandot uſw. ſtrotzen von unerſchöpflicher, köſt=
licher
Laune, während bei der ſchwierigeren Aufgabe,
König Heinrich IV. zu inſzenieren, das Material nicht ſo
ſouverän geſtaltet wird. Ihm folgen der feinfühligere
Karl Walſer, beſonders mit Dekorationen zu Figaro=s
Hochzeit und der weniger effektvolle Emil Orlik mit ſeinen
muſtergültigen Entwürfen zu den Räubern und zu Shake=
ſpeares
Wintermärchen. Aus ganz andern Sphären
kommen die ſchwerwuchtigen, phantaſievollen Theater=
ſkizzen
Edward Gordon Craigs, die ſich nie in den engen
Bühnenrahmen zwingen laſſen werden. Craigs Bedeu=
tung
iſt denn auch mehr, der theoretiſche Anreger, ja der
eigentliche Begründer der modernen Stilbühne zu ſein.
Von dem unter ſeinem Einfluß entſtandenen Theater
Granville Barkers in London ſind gleichfalls Entwürfe zu
ſehen (Wilkinſon und Rothenſtein). Der engliſchen Rich=
tung
weſensverwandt iſt der phantaſtiſch=romantiſche
Schweizer Bühnenkünſtler Ad. Appia mit ſeinen ſtim=
mungsvollen
Monumentalentwürfen zu Wagneropern.
Auch der großzügige, farbenſchwelgende Ottomar Starke

(jetzt in Frankfurt) ſetzt ſich bisweilen nonchalant über die
Forderungen der Bühne hinweg. Aber man verzeiht ihm
dies gern, wenn man ſeine gewaltigen eindrucksſtarken
Szenerien zu Orpheus und Eurydike und zu Eulenbergs
Alles um Geld betrachtet. München iſt ebenfalls reichlich
vertreten und zwar mit F. Götz für das Schauſpielhaus,
für das Künſtlertheater R. Engels und beſonders Fritz
Erler mit ſeinen bekannten, ſtreng ſtiliſierten Entwürfen
zu Hamlet und Fauſt, die voll ſind des vornehmſten Far=
benreizes
. Eine Muſterilluſtration zu der Forderung, daß
die Ausſtattung Ton und Geiſt des Werkes atmen ſoll,
geben die beiden graziöſen Wiener Roller und Lefler in
ihren Bildern zum Roſenkavalier. Das Gleiche iſt in den
Entwürfen zu Hebbel und Strindberg für das Hamburger
Schauſpielhaus unter Hagemann erreicht. Islers (Zürich)
Fauſtinſzenierung erwähne ich wegen eines reizenden
Szenenmodells von Gretchens Zimmer, das an das be=
kannte
Schwindbild erinnert. Liebermanns und Sle=
vogts
treffliche Entwürfe zu Gabriel Schillings Flucht
und Florian Geyer ſind viel zu ſehr Gemälde. Seltſam
und eigenartig wie ſein Name ſind die Bilder des Bel=
giers
Fernand Khnopff, voll köſtlichen Humors die Fi=
guren
) des bekannten Simpliziſſimuszeichners Gulbranſ=
ſon
uſw. uſw.
Eine zweite Abteilung iſt der Theaterbaukunſt
gewidmet. Beſondere Beachtung verdienen hier die
charaktervollen Projekte Oskar Kaufmanns. Von dem
Wettbewerb für das neue Berliner Opernhaus ſind eine
Reihe von Plänen zu ſehen, von denen mir der von Otto
March am beſten gefällt. Ein kleines Kabinett enthält
die feingeſchnitzten Marionetten des Baden=Badener Ma=
rionettentheaters
neben den derbkomiſchen Puppen eines
alten Kasperletheaters, ein anderes iſt mit Bildern aus
Mannheims großer Theatergeſchichte ausgefüllt. Eine
Sammlung künſtleriſcher Theaterplakate die Namen
Klinger und Bernhard ſprechen für ſich ſelbſt bildet
den Schluß.
Vielleicht drückt ſich gerade in dem jeweiligen Rah=
menwerk
, das wir um die gegebenen Gebilde der Dicht=
kunſt
legen, deutlicher als in allen anderen zeitloſeren
Kunſtſchöpfungen Eigenart und Richtung des Zeitgeiſtes
aus, wie ja das Theater ohnehin von jeher das ſicherſte
Barometer für den Kulturſtand eines Volkes bedeutete.
Fritz Maas.

[ ][  ][ ]

noch gemütlich zu, wie auch der Krähwinkler Landſturm
andeutet. In vier Wagen folgen die Farben des Narren=
wappens
: Rot mit § 11, Weiß mit dem Apfel, Blau mit
dem Mond und Gelb mit der Windmühle. Ein allerlieb=
ſter
Anblick: Die Kleppergarde, lauter Mainzer Buwe
und Mädcher in bunten Schnitzelkleidern, luſtig kleppernd
und ſingend, angeführt von dem Kleppergeneral, hoch zu
Schaukelroß. Hierzu gehört auch der Prunkwagen, auf
dem die Mainzer Jugend das Bäumchen der Narrheit
pflegt. Süßer Lohn winkt ihnen, denn gleich darauf fol=
gen
die Bäcker mit ihrem Syndikatswagen, auf dem ſie in
eifriger Arbeit Jubiläumsgebäck anfertigen. Der
nächſte Wagen zeigt die Teilung der Erde, wobei
der Schalksnarr ſich von der Weltkugel den Narrenſtaat
mit dem goldenen Mainz erobert. Die Ranzengarde‟
mit dem jungen Zuckergöbel als General bildet die Ehren=
wache
für das Prinzenpaar von 1888 mit ſeinem prunk=
vollen
Gefolge und den ungezählten närriſchen Vereinen
von Mainz. Als Zukunftsbild faucht mit entſetzlichem
Dampf der letzte Zug nach Finthen hinterdrein. Betrübt
und jubelnd marſchieren die letzten Paſſagiere daneben.
In ulkiger Darſtellung gloſſiert ein Wagen die Ausſtel=
lung
Der Menſch‟ Ein mit Geldſäcken gefüllter Wagen
führt die Segnungen des Karnevals vor Augen.
In einem Blumenwagen naht der Veilchenprinz, und end=
lich
erſcheint der Prinz Karneval ſelbſt, inmitten der
tapferen Prinzengarde, die mit glänzendem Generalſtab
und Heeresaufmarſch dieſe hohe Perſönlichkeit ſchützt und
geleitet. Den Glanzpunkt und Schluß des Zuges bildete
der Goldwagen des Komitees. Gleich einem Thronhim=
mel
überragt ihn die Narrenmütze, und tanzende Rhein=
töchter
umjubeln ihn. Dem maleriſchen Schaufpiel des
Vorbeimarſches wohnte natürlich eine mächtige Menſchen=
menge
bei.
Nach Beendigung des Zuges fand beim Provinzial=
direktor
Feſteſſen ſtatt.
Horchheim, 3. Febr. In der Nacht auf Sonntag
ſtürzte infolge des ſtarken Sturmes das Wohnhaus
des Landwirts Jakob Appelshäußer zuſammen.
Die Ziegelſteine fielen vom Dach Herrn Avpelshäußer ins
Bett und trafen ihn ſo, daß er bewußtlos wurde. Der
Schaden iſt beträchtlich.
Uffhofen, 3. Febr. Am Freitag wurde an einem ge=
fährlichen
Bahnübergang von dem herannahen=
den
Zug ein Fuhrwerk erfaßt. Durch den An=
prall
ging der Wagen entzwei und wurde das eine Pferk
ungefähr 90 Meter weit mitgeſchleift, doch erlitt es weiter
keinen Schaden, während das andere Pferd gleich beim
Zuſammenſtoß ſich losriß und am Kopf ſich verletzte. Der
Fuhrmann kam mit dem Schrecken davon.
Friedberg, 3. Febr. Die Stadtverordneten
genehmigten, nachdem ein Ausſchuß ſich die Krematorien
in Wiesbaden und Mainz angeſehen, die Pläne für das
hier zu erbauende Krematorium; der Voranſchlag
beträgt 48000 Mark. Dieſer Betrag wurde vor drei
Jahren von dem verſtorbenen Eſſigfabrikanten Karl
Leonhard geſtiftet. Die Erhebung einer
Filial= und Warenhausſteuer wurde ge=
nehmigt
, und zwar nach folgenden Sätzen: 1 Prozent
bei Filialen mit 1000050 000 Mark Umſatz, 1½ Prozent
bei einem Umſatz von 50 000100000 Mark, 2 Prozent bei
100000200000 Mark Umſatz, 2½ Prozent bei 200000
Mark Umſatz und darüber. Die Warenhausſteuer beträgt
1 Prozent bei einem Umſatz von 80000200000 Mark,
1¼ Prozent bei 200000300000 Mark Umſatz, 1½ Pro=
zent
bei einem Umſatz von 300000400 000 Mark, 2 Pro=
zent
bei einem Umſatz von über 400000 Mark.
Oppershofen, 3. Febr. Die diamantne Hochzeit des
Altbürgermeiſters Heinrich Schmidt und
ſeiner Ehefrau Eliſe geb. Weil, wurde in erhebender
Weiſe gefeiert. Nach der kirchlichen Feier nahm das
Jubelpaar die Gratulationen der Familienmitglieder ent=
gegen
. Von der Kreisverwaltungsbehörde überbrachte
Kreisamtmann Herberg von Friedberg die beſten
Wünſche. Der Großherzog hatte dem Jubelpaare
zur Erinnerung an das ſeltene Feſt eine Bibel in
prächtigem Einband verſehen mit ſeiner Unter=
ſchrift
, zugehen laſſen. Der Biſchof von Mainz hatte dem
Jubelpaare zum Ehrentage die= innigſten Wünſche ge=
ſandt
.
Büdingen (Oberheſſen), 3. Febe. Nachdem der Ter=
min
zur Abtretung der Forderungen der Konkursmaſſe
des Vorſchuß= und Kreditvereins Ober=
Mockſtadt jetzt abgelaufen iſt, konnte feſtgeſtellt werden,
daß die Mehrzahl der Gläubiger ihre Forderungen an
den zu dieſem Zweck gebildeten Hilfsverein Ober=
Mockſtadt abgetreten hat. Der Hilfsverein iſt jetzt

Hauptgläubiger. Er hat mehr als die Hälfte der Forde=
rungen
auf ſich vereinigt.
(*) Saaſen, 2. Febr. Ein ſchweres Unglück
trug ſich geſtern früh bei der Einfahrt des Arbeiterzuges
zu. Der Zug hielt noch nicht, als ſchon die Arbeiter auf
ſprangen. Der junge Arbeiter Horſt ſtürzte ab und kam
unter die Räder. Der Zug mußte auseinandergekuppelt
werden, um den Verunglückten, der furchtbar jammerte
herauszubringen. Er hat ein Bein verloren, einen Arm
gebrochen und ſchwere Verletzungen im Rücken erlitten.
In der Gießener Klinik liegt er in bedenklichem Zuſtand
darnieder.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 2. Febr. Der Kaiſer
und Prinzeſſin Viktoria Luiſe wohnten der
heutigen Vorſtellung von Kerkyra im Königlichen
Opernhauſe bei. Der Kaiſer hatte hierzu den Grafen
Schlitz Görtz eingeladen. Der Kaiſer beſuchte
heute vormittag den Geheimen Kommerzienrat Dr. jur
Eduard Simon in ſeiner Villa. In der Begleitung
des Kaiſers befanden ſich Generalmajor v. Chelius und
zwei Flügeladjutanten. Der Kaiſer kam vom Auswär=
tigen
Amt und legte den Weg bis nach der Villa zu Fuß
zurück. Er wurde von Geheimrat Simon und deſſen Sohn
empfangen. Nachdem der Kaiſer den von Meſſel auf=
geführten
Bau der Villa in allen Einzelheiten beſichtigt
hatte, ließ er ſich die Bilder, Bronzen, Möbel und ſon=
ſtigen
Kunſtſchätze zeigen. Nach mehr als einſtündigem
Aufenthalt verabſchiedete er ſich.
Unter Beteiligung
von Vertretern der Kunſt und Wiſſenſchaft iſt geſtern eine
Kinematographiſche Studiengeſellſſchaft
gegründet worden. Vierzehn Tage hat die 49 jäh=
rige
Aufwärterin Mazanke tot in ihrer Wohnung
gelegen, bis ſie von einem Verwandten beſucht werden
ſollte, der ihre Stube verſchloſſen fand und ſie öffnen ließ.
München, 2. Febr. Entſchuldigen Sie, Herr Schutz=
mann
, wie komm’ ich da zum Bahnhof? Mit dieſer be=
ſcheiden
vorgebrachten Frage wandte ſich am Freitag
abend ein Mann mit dem Ausſehen eines ruſſiſchen
Juden an den Schutzmann Dangl von der erſten Ab=
teilung
, der auf dem Marienplatz Poſten ſtand. Der
Schutzmann warf einen prüfenden Blick auf den Mann
und forderte ihn auf, mit zur Polizeidirektion zu kom=
men
. Dort wurde der Fremde vorläufig in das Jour=
zimmer
gebracht. Der Mann war mit ſeiner Frage an
den Unrechten gekommen. Am Donnerstag war
nämlich bei einem Juwelier an der Dienerſtraße ein Ring
im Werte von 1000 Mark entwendet worden. Mit den
Erhebungen wurde Schutzmann Dangl betraut, der feſt=
ſtellte
, daß den Ring am Freitag vormittag ein Mann
mit dem Typus eines ruſſiſchen Juden im ſtädtiſchen
Verſatzamt am Rochusberg um 80 Mark verſetzt hatte.
Der Feſtgenommene ſuchte zwar zu leugnen, wurde jedoch
von der herbeigerufenen Ladnerin des Juweliers mit
Beſtimmtheit als der Dieb erkannt. Damit war aber das
Mißgeſchick des Ruſſen noch nicht zu Ende.
Noch wurde er über den Ringdiebſtahl verhört, als ein
Student das Jourzimmer betrat, einen Blick auf den Ver=
Wer? Mein
hafteten warf und ausrief: Da iſt er!
Ueberzieher! Und nun erzählte er, daß ihm kurz zuvor
in einem Kaffeehaus am Marienplatz ſein Ueber=
zieher
entwendet worden war. Der Ruſſe mußte
das Kleidungsſtück ausziehen und der Student nahm
freudig wieder ſein Eigentum in Empfang. Im Beſitze
des Verhafteten wurden vier Geldbörſen, die anſcheinend
von Taſchendiebſtählen herrühren, und eine Fahrkarte
nach Berlin gefunden.
Deidesheim, 3. Febr. Hier ſtarbim 100. Lebens=
jahr
Fräulein Friedheim. Die Verſtorbene war in
ihrem ganzen Leben niemals ernſtlich krank geweſen.
Kolmar, 3. Febr. Auf dem hier geſtern abend ſtatt=
gefundenen
Maskenball kam es zu Differenzen zwi=
ſchen
der Primaballerina Helene Mirbach und ihrem Lieb=
haber
Meyreil, dem Vertreter einer hieſigen Automobil=
Fabrik. Im Verlauf des Streites zog die Tänzerin, die
als Spanierin verkleidet war, einen Dolch und erſtach
ihren Liebhaber.
Dresden, 2. Febr. Die frühere Dresdener Hofopern=
ſängerin
Frau Burrian=Jelleneck hatte beim
Dresdener Landgericht gegen ihren Gatten, den Kammer=
ſänger
Karl Burrian, eine Alimentationsklage
in Höhe von jährlich 20000 Mark anhängig gemacht, weil
ſie durch das Verhalten Burrians gezwungen worden
ſei, ihn zu verlaſſen. In dieſem Prozeß wurden die
Liebesabenteuer des ehemaligen Dresdener Heldentenors

aufgerollt. Frau Burrian lebte in einem böhmiſchen
Dorfe in bitterſter Not. Sie erhielt von ihrem Gatten
nicht die geringſte Unterſtützung und mußte buchſtäblich
hungern. Auf Grund des vom Dresdener Oberlandes
gericht beſtätigten Urteils erwirkte Frau Burrian gegen
ihren Mann einen Alimentationsanſpruch in Höhe von
jährlich 20000 Mark. Auch das Wiener Oberlandesgerich
hat im gleichen Sinne entſchieden. Burrian hatte im
Verlaufe des Prozeſſes ſeine Frau aufgefordert, zu ihm
zu kommen und mit ihm gemeinſam zu leben, ihr aber
zugleich zugemutet, daß ſie neben ſich ſeine Geliebte
dulden ſolle. Frau Burrian hatte dieſe Zumutung zurück=
gewieſen
.
Hamburg, 3. Febr. Die Mörder des am 24. Ja=
nuar
in der Wendenſtraße ermordet und beraubt aufge=
fundenen
Fabrikarbeiters Harniſch wurden geſtern ver=
haftet
. Es ſind dies die beiden 16= und 20jährigen
Brüder Langwenus. Sie legten ein beſchränktes Ge=
ſtändnis
ab.
Bremen, 2. Febr. (Amtliche Meldung.) In der ver=
gangenen
Nacht wurde im Empfangsgebäude des Bahn=
hofs
Magnus ein Diebſtahl verübt. Nach einem er=
gebnisloſen
Einbruch in das Dienſtzimmer drang ein
Mann in die Wohnung des gegenüber dem Bahnhofe woh
nenden Stationsbeamten und zwang dieſen unter Drohun=
gen
, die Kaſſenſchlüſſel herauszugeben. Mit dieſem öffnete
der Täter den Geldſchrank im Dienſtzimmer des Empfangs=
gebäudes
und entwendete eine unerhebliche Geldſumme.
Schwerin, 2. Febr. Anläßlich des Beſuches des
Großherzogs und der Großherzogin von
Heſſen am hieſigen Hof fand im Goldenen Saal des
Großherzoglichen Schloſſes ein Hofkonzert ſtatt. Das
Konzert enthielt die intereſſante Zuſammenſtellung aus=
gewählter
Kompoſitionen der mecklenburgiſchen Hof
kapellmeiſter aus der Zeit des 18. Jahrhunderts in der
erſten Abteilung und in der zweiten Abteilung Liſztſche
Kompoſitionen. Ein bunter Strauß von kleinen Orcheſter=
ſtücken
und Liedern wurde in der erſten Abteilung geboten
ſie waren ein gefälliger Abglanz des damaligen muſika=
liſchen
Lebens am Schweriner Hofe. Die Leitung des
Konzerts lag in den Händen des Hofkapellmeiſters Prof
Kähler, während die Begleitung der alten Lieder auf dem
Perzina=Harfen=Cembalo=Klavier von Muſik=
direktor
Emge mit feinem Verſtändnis auf dem für die
hiſtoriſche Muſik beſonders geeigneten Inſtrument ausge
führt wurde.
Kattowitz, 3. Febr. (Amtlich.) Geſtern nachmittag
5.18 Uhr fuhr der Perſonenzug Nr. 397 an dem
Einfahrtsſignal des Bahnhofes Oswieeim auf den in der
Ausfahrt begriffenen Güterzug Nr. 8215 auf. Die
Lokomotive, der Packwagen und ein Perſonenwagen des
erſteren und ſechs Güterwagen des letzteren entgleiſten.
Zwei Reiſende und drei Zugbeamte wurden leicht, eine
Perſon ſchwer verletzt. Der Perſonenverkehr wird durch
Umſteigen aufrechterhalten. Am Montag abend wird die
Strecke vorausſichtlich wieder frei. Unterſuchung iſt ein=
geleitet
.
London, 2. Febr. In den letzten 24 Stunden wütete
ein furchtbarer Schneeſturm über Schottland.
Viele Verkehrswege ſind unpaſſierbar. In Wales haben
die Regengüſſe der letzten Tage große Ueberſchwemmun=
gen
verurſacht. Auch in England wurde großer Schaden
durch Ueberſchwemmungen angerichtet. Viele Landſtraßen
und Wege ſtehen einen halben Meter unter Waſſer.
Bukareſt, 2. Febr. Prinz Eitel Friedrich
wohnte heute früh dem Gottesdienſt in der proteſtanti=
ſchen
Kirche bei und nahm darauf an dem Frühſtück im
engſten Kreiſe im Königlichen Palais teil. Um 5 Uhr
fand im Königlichen Palais die Taufe des jungen Prin
zen Mircea ſtatt. Anweſend waren die geſamte König=
liche
Familie, mit Ausnahme der Kronprinzeſſin, die ſich
leidend fühlt. ferner die Mitglieder des diplomatiſchen
Korps, die Miniſter und die Spitzen der Militär= und
Zivilbehörden. Abends fand Galadiner in der deutſchen
Geſandtſchaft ſtatt, an dem Prinz Eitel Friedrich und der
Thronfolger Prinz Ferdinand teilnahmen. Die Stadt iſt
reich beflaggt. Die Preſſe begrüßt das Erſcheinen des
Prinzen Eitel Friedrich enthuſiaſtiſch. Der König verlieh
dem Prinzen Eitel Friedrich den Orden Karls I.
New=York, 2. Febr. Ein ähnliches Verbrechen,
wie die Ermordung des Spielhöllenbeſitzers Roſenthal
hat ſich geſtern in Jerſey=City in einem dortigen
Salon abgeſpielt. Zwei Männer betraten den Salon und
feuerten ohne weiteres zwei Schüſſe auf den Arbeiter=
führer
Thomas Conay ab. Conay ſank ſofort leblos zu
Boden. Seine beiden Mörder entflohen. Eine Anzahl
Paſſanten, denen ſich auch Poliziſten anſchloſſen, nahm
die Verfolgung der Täter auf, die auf der Flucht fort=
geſetzt
auf ihre Verfolger Schüſſe abgaben. Nach hart=

** Die Eröffnung des größten Bahnhofes der Welt.
Am Sonntag hat der neue Leipziger Hauptbahnhof ſeinen
Ruhm, der größte Bahnhof der Welt zu ſein, an Amerika
abgetreten und muß ſich damit begnügen, bis auf wei=
teres
der größte Bahnhof Europas zu ſein, denn am
Sonntag iſt in New=York feſtlich der monumentale
Rieſenbau eingeweiht, der künftig als der New=
Yorker Zentralbahnhof ein Denkmal bildet für
das gewaltige Wachstum des amerikaniſchen Verkehrs=
weſens
. Zuſammen mit den Koſten des Grundſtückes,
das eine Fläche von 32 Hektar umfaßt, hat dieſe monu=
mentale
Anlage alles in allem rund 600 Millionen
Mark gekoſtet. Weder die neue noch die alte Welt hat
ein ähnlich gewaltiges und zugleich auch wirklich groß=
artiges
Gebäude aufzuweiſen. Der Bahnhof umfaßt
zwei Stockwerke, auf dem oberen laufen auf 42 Schienen=
paaren
die Schnellzüge ein, auf dem unteren auf ebenſo
viel Schienenpaaren die Vorortzüge. Die mächtige Halle
bietet 1043 Eiſenbahnwagen eine gedeckte Unterkunft.
Die Anordnungen ſind ſo getroffen, daß die Paſſagiere
von dem Lärm des Eiſenbahnbetriebes ferngehalten wer=
den
und ſich erſt dann auf die Perrons begeben, wenn die
Züge wirklich einlaufen; bis dahin halten ſie ſich in den
mächtigen Concourſes auf, den Wartehallen. Es iſt
nicht oft, daß ſich bei amerikaniſchen Rieſenbauten die Ge=
waltigkeit
der Dimenſionen mit einer harmoniſche
Schönheitswirkung vermählte, aber bei dieſem Bauwerke
haben die Architekten Amerikas auch nach den Ausſagen
nichtamerikaniſcher Kritiker dieſes hohe und ſeltene Ziel
erreicht. Der Bau iſt faſt ausſchließlich aus Stein und
Stahl errichtet, und die Architektuc wird als klaſſiſch ge=
ſchildert
. Der Höhepunkt der Raumwirkung wird in der
großen Zentralhalle, der Wartehalle für das Publikum,
erreicht Hier erliegt man zunächſt der Majeſtät der
Dimenſionen, wird an einen rieſenhaften Dom erinnert
und lauſcht erſtaunt dem weithin hallenden Echo. Bei der
Ausführung der Hallen wurden Botticino=Marmor und
Steine verwendet, deren rötlich braune Färbung einen
warmen Ton in das Ganze trägt. Dieſe Farben=
wirkungen
erfahren nun noch eine glückliche Steigerung
durch die gedämpften Lichtmaſſen, die durch ſechs große
Domfenſter einfallen und dem gewaltigen Raume eine
lichte Heiterkeit geben. Vor allem aber ermöglichte die

Deckenwölbung eine kunſtvolle Abtönung des Licht
zufluſſes; man hat das ſo geſchickt ausgenutzt, daß die
Decke in ihrer Beleuchtung den Eindruck eines unermeß=
lichen
Raumes erweckt. Inmitten dieſes weiten Raumes
ſcheint nun ein Bild des Himmels zu ſchweben
Die Wirkung wird hervorgebracht durch zwei breite Gold=
ſtreifen
, die ſich längs der Decke von Oſten nach Weſten er=
ſtrecken
und Sternenbilder zwiſchen ſich aufnehmen. Die
Streifen verſinnbildlichen den Aequator und die Ekliptik:
und zwiſchen ihnen gruppieren ſich 2500 Sterne von
verſchiedener Größe. Die größeren unter ihnen, die die
Sternkonſtellationen wiedergeben, werden elektriſch er=
leuchtet
. Man hat mehrere Monate experimentiert, ehe
man einen wirklich befriedigenden Weg fand, um dieſe
immerhin gewagte Idee zu verwirklichen, aber nach dem
Urteil der Augenzeugen iſt das Ziel überraſchend glücklich
erreicht worden. Neben dieſer großen mittleren Warte=
halle
liegt ein geräumiger Warteſaal, deſſen Ausſtattung
das gleiche Baumaterial zeigt, und von hier aus erreicht
der Reiſende die Räume, die dem Komfort dienen, Um=
leidezimmer
, große Badeeinrichtungen, Friſierläden und
Manicurezimmer.
Vom weißen Sklavenhandel in New=York.
Einen furchtbaren Einblick in den Umfang und in die
Einzelheiten des New=Yorker Mädchenhandels gibt ein
Bericht, der jetzt von S. H. London veröffentlicht worden
iſt und in Amerika das größte Aufſehen erregt. S. H.
London hat im Auftrage der Regierung eingehende Nach=
forſchungen
nach dem Weſen dieſes ſchwunghaft betriebe=
nen
Handels mit weißen Sklavinnen angeſtellt; er ſteht
auch in Beziehungen zu dem kürzlich von Rockefeller be=
gründeten
Inſtitut zur Bekämpfung des Mädchenhandels.
Aus den Einzelheiten des Berichtes geht hervor, daß die
Sklavenhalter faſt ausſchließlich Männer, durch die
Ausnutzung ihrer Opfer und durch Verkäufe im Jahre
nicht weniger als rund 240 Millionen Mark verdienen
Die Zahl der in New=Yock weilenden Sklavinnen wird
auf 265000 geſchätzt. Dieſe Mädchen werden regelrecht
verſteigert; als Käufer treten die Beſitzer zweifelhafter
Häuſer auf, die die Ware beſichtigen und ſich dann gegen=
ſeitig
überbieten. Wenn das Publikum alle die grauen=
haften
Tatſachen dieſes Handels kennen würde, würde
eine allgemeine Empörung dieſen Schandfleck der Zivili=

ſation mit einem Schlage tilgen. 95 Prozent der Mäd=
chen
, die in New=York verſchwinden und von der Polizei
als verſchollen angeſehen werden, ſind die Opfer dieſer
Sklavenhalter. New=York allein beherbergt ihrer mehr
als die ganzen übrigen Vereinigten Staaten. Die Ver=
dienſtmöglichkeit
, die ſich durch den Beſitz oder die Aus=
nutzung
einer weißen Sklavin eröffnet, beträgt in New=
York im Jahre ungefähr 10000 Mark und in anderen
Teilen der Union, wo Mädchen ſeltener ſind, 20000 Mark.
Aus dem Auslande werden Frauen zu Hunderten einge=
führt
und die Verdienſtmöglichkeiten, die ſie den Unter=
nehmern
bieten, ſind ſo groß, daß man dieſe Sklavinnen
erſter oder zweiter Kajüte reiſen läßt, um Schwierigkeiten
mit den Einwanderungsbehörden zu vermeiden. Und
ähnliche Verhältniſſe herrſchen auch in Europa, die Po=
lizei
allein iſt überall dagegen machtlos, nur ein Feldzug
des ganzen Publikums kann Hilfe beingen.
* O jerum, jerum. jerum? Ein Anſchlag am
Schwarzen Brett, der tief blicken läßt hat ſich an der
Straßburger Univerſität als notwendig erwieſen=
Hier der Wortlaut:
Stadt Straßburg. Abfuhr= und Straßenreinigungs=
betrieb
.
Bitte!
Die Direktion des Straßenreinigungs= und Abfuhr=
betriebes
erlaubt ſich, folgende Bitte an die Studenten=
ſchaft
der Kaiſer=Wilhelms=Univerſität zu richten: In
letzter Zeit mehren ſich die Fälle, in denen Mülleimer
ſpurlos verſchwinden. Und lobſame Bürger haben ſich
ſchon mehrmals an mich gewandt, voll von Verzweiflung
über nächtlichen Höllenlärm, verübt mit Mülleimern. Es
ind nun zwingende Indizien vochanden, daß Angehörige
der Univerſität manchmal an dieſem nächtlichen Treiben
nicht unbeteiligt ſind. Darum wird hierdurch erſucht, in
Zukunft ſowohl den Mülleimertransport etwas einzu=
ſchränken
), womöglich ganz unterlaſſen zu wollen. Die
Studentenſchaft würde durch die Gewährung dieſer Bitte
Bürgerſchaft und Stadtverwaltung zu großem Dank ver=
pflichten
. Straßburg, 29. Januar 1913. Der Direktor
F. Clauß.

[ ][  ][ ]

näckigem Kampf gelang es, ſie feſtzunehmen. Die Mörder
ſagten aus, ſie ſeien beſtochen, eine gewiſſe Perſon zu er
morden, die aber mit Conay nicht identiſch iſt. Man
glaubt, daß es ſich um den bekannten Arbeiterführer
Burge handelt, der ſchon wiederholt mit dem Tode be=
droht
wurde.
New=York, 3. Febr. Der Zigarrenhändler Ber=
nado
Herredo fand geſtern abend im Vorraume ſei=
ner
Wohnung ein Paket, das er ſeiner Frau übergab.
Als dieſe das Paket öffnen wollte, erfolgte eine Explo=
ſion
. Die Frau wurde getötet, ihr Gatte und ein Fräu=
lein
Fughmann, die bei den Eheleuten als Penſionärin
war, wurden ſchwer verletzt. Fräulein Fughmann war in
einer Kleiderfabrik beſchäftigt, deren Arbeiterinnen ſtreik=
ten
. Sie hatte ſich geweigert, ſich dem Streike anzuſchlie=
ßen
. Die Polizei glaubt, daß Streikende die Bombe zu=
geſandt
haben.

Gerichtszeitung.

Ulm, 2. Febr. Ein ziemlich vernichtendes Urteil über
die Arbeit der Polizeihunde wurde von Sach=
verſtändigen
in einem Prozeſſe gefällt, der mehrere Tage
das hieſige Schwurgericht beſchäftigte. Im Mai 1911 war
der 48 Jahre alte Arbeiter Leutz vom Schwurgericht
zum Tode verurteilt worden, weil er den Holz=
händler
Knaup ermordet und beraubt haben ſollte. Der
Ermordete hatte ſich in einer Novembernacht auf den
Heimwege befunden, nachdem er einen Betrag von 120
Mark für verkauftes Holz eingenommen hatte. In den
erſten Morgenſtunden traf der Wagen auch auf dem Hofe
ein. Der Mann ſaß auf dem Kutſcherſitz und redete aller=
lei
irres Zeug durcheinander. Als Frau und Sohn ihn
vom Wagen hoben, bemerkten ſie, daß er am Kopf blutete.
Der Arzt ſtellte eine ſchwere Schädelverletzung feſt, die
nach wenigen Stunden zum Tode führte. Der Verdacht
der Täterſchaft lenkte ſich ſofort auf Leutz, von dem man
wußte, daß er mit Knaup in Feindſchaft gelebt und öfters
gegen ihn Drohungen ausgeſtoßen hatte. Trotzdem er
fortgeſetzt ſeine Unſchuld beteuerte, kamen die Geſchwo=
renen
zu einem Schuldigſpruch. Es konnte gegen den An=
geklagten
nur ein Indizienbeweis geführt wer=
den
, und dieſer ſpitzte ſich im weſentlichen auf die Tat=
ſache
, daß ein Stuttgarter Polizeihund Sher=
lock
den Angeklagten, als er im Bette lag, verbellt hatte
Der Hund war von zwei Poliziſten an die vermutliche
Stelle des Ueberfalls geführt worden, bekam dort Wit=
terung
an einem dort aufgefundenen blutbefleckten Stücke
Holz und lief hierauf ſofort in die Wohnung des Ange=
klagten
Leutz. Allerdings war der Hund erſt drei Tage
nach der Tat auf die Spur geſetzt worden. Trotzdem
hatten die Geſchworenen ſo viel Vertrauen in ſeine Ar=
beit
, daß ſie zu ihrem für den Angeklagten ungünſtigen
Wahrſpruch kamen, der daraufhin zum Tode verur=
teilt
wurde.
Das Urteil wurde nicht ausgeführt, da der König
ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigte. Auch
im Zuchthauſe blieb der Angeklagte dabei, daß er völlig
unſchuldig ſei, und ſuchte mit allen Mitteln ein Wieder
aufnahmeverfahren durchzuſetzen. Dies gelang ihm
ſchließlich, nachdem die Staatsanwaltſchaft auf den An=
trag
ſeiner Verteidigung Gutachten von Sachverſtändigen
über den Wert der Polizeihundearbeit erhalten hatte.
Die ganze Sache kam daher in den letzten Tagen erneut
vor dem Schwurgericht zur Verhandlung. Nachdem ein
Lokaltermin ſtattgefunden hatte, kamen die Sachverſtändi=
gen
zu Wort. Zunächſt äußerte ſich Polizeileutnan
Moſt, der Leiter der ſtaatlichen Zuchtanſtalt für Polizei=
hunde
in Grünheide bei Berlin. Er ging davon aus, daß
man ſich ganz falſche Vorſtellungen über das mache, was
ein Hund im Aufſpüren überhaupt leiſten könne. De
Hund ſei nicht in der Lage, einer beſtimmten Spur un
entwegt nachzugehen, ohne auf kreuzende Spuren über=
zuwechſeln
. Nach den bisherigen Erfahrungen müſſe es
als ausgeſchloſſen gelten, daß ein Hund noch nach drei
Tagen, wie es in dem vorliegenden Fall geſchehen ſein
ſoll, eine Spur durchhalten könne; dies mache dem Hund
ſchon nach fünf Stunden Schwierigkeiten. Aus dem Ver=
halten
des Polizeihundes im vorliegenden Falle könn=
ten
alſo durchaus keine Rückſchlüſſe auf die Täterſchaft
des Angeklagten gezogen werden. Sachverſtändiger
Polizeiwachtmeiſter Vogt=Stuttaart äußerte ſich in
ähnlichem Sinne. Bezüglich des Polizeihundes Sher=
lock
teilte er mit, daß dieſer von zwei einfachen Schutz
leuten lediglich nach den Angaben eines Reſſortbuches
dreſſiert worden ſei. Eine Kontrolle über ſeine Leiſtun=
gen
habe es nicht gegeben. Bei einem Verſuch habe es
ſich gezeigt, daß der Hund ganz deutlichen Spuren nach
20 Stunden nicht mehr nachzugehen vermochte. Polizei=
leutnant
Moſt erklärte noch, es müſſe einmal den
Vebertreibungen in der Verwendung der
Polizeihunde ein Ende gemacht werden, und
zies könne nur durch eine ſtaatliche Organiſation ge=
ſchehen
.
Die Geſchworenen bejahten auf Grund dieſer Aus=
ührungen
nur die Frage nach Körperverletzung mit
Todeserfolg, worauf der Angeklagte zu zehn Jahren
Zuchthaus verurteilt wurde

Der Balkankrieg.
Zur Lage.
* Konſtantinopel, 2. Febr. Das Preßbureau
veröffentlicht ein Telegramm, das der Miniſter des
Innern geſtern von dem Wali von Adria=
nopel
erhalten hat, welches beſagt: Die Gerüchte,
die ſeit dem Abſchluß des Waffenſtillſtandes in
Adrianopel verbreitet worden ſind, entmutigten die
ganze Bevölkerung. Das neue Kabinett gab
den Belagerten neues Leben, und es gibt in Adria=
nopel
niemand, der nicht ſein Leben opfern wird, um
Adrianopel zu verteidigen, das ein ſehr wichtiger Be=
ſtandteil
des Reiches iſt. In der Feſtung ſind Lebens=
mittel
und Munition, die noch ſehr lange ausrei=
chen
. Verteidiger und Bevölkerung hoffen ſicher auf den
Sieg. Die Truppen und die Bevölkerung Adrianopels
erneuerten heute gemeinſam den Eid, die Stadt zu ver=
teidigen
. Es beginnt ein neues Leben in Adrianopel.
Konſtantinopel, 2. Febr. Der Wali
von Adrianopel erhielt den Großkordon des
Osmanienordens. Das Komitee und die Sub=
komitees
für die nationale Verteidigung entfalten
eine große Tätigkeit. Die Einſchreibung von Frei=
Die Notabeln von Af=
willigen
hat begonnen.
ghaniſtan ſandten 250 Pfund Sterling als Ergeb=
nis
einer Subſkription. Telegramme aus den Pro
vinzſtädten melden, die Bevölkerung ſei zu allen Opfern
bereit und entſchloſſen, für die Verteidigung des Vater=
In Bruſſa fand am Grabmal des
landes zu ſterben.
Begründers der Türkei, des Sultans Osman, eine Ver=
ſammlung
ſtatt, in der die Anweſenden ſchworen, nicht
zu dulden, daß der Boden des Vaterlandes von den Bul=
garen
betreten werde.

* Konſtantinopel, 3. Febr. Eine offiziöſe Note
erklärt, die türkiſchen Truppen ſeien angewieſen
worden, nicht früher zu feuern, als bis die Bulgaren nach
Ablauf der Kündigungsfriſt des Waffenſtillſtandes zu
ſchießen beginnen. Die Pforte hielt es für nötig, dieſe
Weiſungen zu erteilen, damit die öffentliche Meinung
überzeugt werde, daß die Verantwortung für den Wieder
beginn des Krieges ausſchließlich auf die Verbündeten
falle.
Engliſche Preßſtimmen
* London, 3. Febr. Nach der Times weiſt die
Lage, falls der Krieg von neuem ausbrechen ſollte, zwei
hoffnungsvolle Seiten auf. Der Krieg, ſchreibt das Blatt,
wird wahrſcheinlich kurz ſein, und die Mächte ſcheinen
in ihrer Haltung dazu abſolut einſtimmig zu ſein. Mit
Rückſicht auf den zweiten Punkt verdient die Rede des
deutſchem Botſchafters Fürſten Lichnowsty
vom Sonntag beſondere Beachtung. Fürſt Lichnowsky
ſprach in Ausdrücken, die wir gerne herzlich erwidern, von
den freundſchaftlichen Beziehungen, die
jetzt zwiſchen Deutſchland und England beſtehen.
und von ihrem Zuſammenhang in der Sache des Frie=
dens
. Das Blatt weiſt auf den Artikel der Norddeutſchen
Allgemeinen Zeitung hin, der die Notwendigkeit in den
Zuſammenhalten der Mächte in Worten betone, die die
Times ſelbſt gebraucht habe. Die intereſſanteſte und hoff
nungsvollſte Nachricht aber ſei, daß der Kaiſer Franz
Joſef ein verſöhnliches Handſchreiben an den Zaren ge=
richtet
habe. Daily News ſagt: Daß wir eine Ver
ſtändigung mit Deutſchland erreicht haben, die nicht nur
augenblicklich befriedigt, ſondern auch viel für die Zukunft
verſpricht, bedeutet etwas mehr als die Früchte eines
wohlwollenden Pazifizismus. Daily Graphic ſagt:
Wenn auch die jüngſte Bedrohung des europäiſchen Frie
dens viel dazu beigetragen hat, die Downing=Strect und
die Wilhelmſtraße zuſammenzubringen, ſo hoffen wir doch
beſtimmt, daß, wenn die gemeinſame Gefahr vorüber iſt,
die beiden Nationen und ihre Regierungen daraus ge=
lernt
haben werden, wie notwendig und natürlich es für
ſie iſt. Beziehungen engſten Vertrauens auf eine dauernde
Baſis zu ſtellen.
Sonſtige Meldungen.
* Paris, 2. Febr. Geſtern abend empfing Mi=
niſterpräſident
Briand den griechiſchen Miniſterpräſi=
denten
Venizelos.
* Paris, 2. Febr. Miniſterpräſident Venizelos
beſuchte Poincaré und den Miniſter des Aeußern
Jonnart.
* Paris 2. Febr. Der türkiſche Delegierte Reſchid
Paſcha (erklärte dem Londoner Sonderberichterſtatzer
des Matin: Niemals iſt ein Beſiegter mit größerer
Härte behandelt worden. Wir haben keinerlei Be=
weis
von Sympathie, keinen Akt der Unparteilichkeit ge=
ſehen
, kein Wort der Freundſchaft gehört. Vae vietis
Das war der einzige Ruf. der an unſer Ohr klang. Europa
wird die Haltung, die es uns gegenüber beobachtet hat
noch bedauern. Der Friede, den es uns aufdrängt, wird
ihm ſpäter einmal teuer zu ſtehen kommen
* Paris. 3. Febr. Der hieſige bulgariſche Geſandte
Stanziow erklärte einem Mitarbeiter des Echo de Paris
u. a., die Balkanverbündeten nähmen den
Krieg nicht wegen der einen Hälfte von Adrianopel
wieder auf, ſondern wegen der Gebiete, die nicht mehr
türkiſch bleiben können, und wegen der Kriegsentſchädi=
gung
, ohne die der wirtſchaftliche Fortſchritt und das
ziviliſatoriſche Werk der Verbündeten ungerechterweiſe ge=
hindert
würden.
Letzte Nachrichten.
H.B. London. 3. Febr. Daily Expreß bringt die
Meldung, daß Kaiſer Wilhel m durch Vermittelung
des deutſchen Geſandten in Sofia an König Ferdinand die
Bitte gerichtet habe, dafür einzutreten, daß ein neuer
Konflikt mit der Türkei vermieden werde. Der gleiche
Schritt ſoll auch in Belgrad, Cetinje und Athen unter=
nommen
werden. In diplomatiſchen Kreiſen iſt man der
Anſicht, daß in verſchiedenen Fällen dem Wunſche des Kai=
ſers
Folge geleiſtet wird.
H. B. Belgrad, 3. Febr. In hieſigen offiziellen
Kreiſen glaubt man, daß die Wiederaufnahme
der Feindſeligkeiten erſt am Dienstag abend
erfolgen wird, da man annimmt, daß die bulgariſchen
Truppen nicht gleich den erſten Augenblick zu einem An=
griff
auf die türkiſche Poſition benutzen, um die von den
Mächten unternommenen Schritte dadurch nicht illuſoriſch
zu machen.
Berlin, 3. Febr. Bis heute mittag lag noch
keine Erklärung der Balkanſtaaten über
die Vorſtellungen der Mächte, die zur Verhin=
derung
der Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten gemacht
wurden, an hieſiger unterrichteter Stelle vor. Es iſt alſo
immerhin möglich, daß heute abend die Feindſeligkeiten
wieder aufgenommen werden, wenn auch vielleicht nicht
gerade mit allzu großem Eifer. Die Botſchafterkonferenz
tritt heute wieder zuſammen.
H.B. Sofia, 3. Febr. Aus informierter Quelle
wird berichtet, daß die hieſigen Vertreter der Groß=
mächte
ſich bei der Regierung erkundigt haben, ob ſie nicht
geneigt ſei, die Friedensverhandlungen fort=
zuſetzen
. Die bulgariſche Regierung habe geant=
wortet
, daß von einer Fortſetzung der Verhandlungen
keine Rede ſein könne, wenn die Türken Adrianopel nicht
übergeben wollen. Es werden alſo heute nach Ablauf der
im Waffenſtillſtands=Protokoll feſtgeſetzten Friſt von
7 Uhr abends die Kriegsoperationen wieder anfangen
H. B. Rom, 3. Febr. Wie an hieſiger maßgebender Stelle
mitgeteilt wird, haben die Vertreter der Groß=
mächte
in Konſtantinopel wieder einmal und mit größ=
tem
Nachdruck dem Großweſir bedeutet, daß die Groß=
mächte
von dem in ihrer Note feſtgelegten Standpunkt
nicht abgehen könnten und daß die Türkei für die Fol=
gen
, die ſich aus der Eröffnung der Feindſeligkeiten ergeben
würden, allein aufkommen müßte. Die Botſchafter er=
mahnten
den Großweſir, ihren Vorſchlag noch einmal
ernſtlich zu prüfen und ſo die Großmächte in die Lage zu
ſetzen, der Türkei in einem für ſie entſcheidenden Augen=
blick
helfen zu können
* Berlin, 3. Febr. Die türkiſche Botſchaft teilt
eine Depeſche des Miniſteriums des Aeußern mit, worin
erklärt wird, die von ausländiſchen und auch hieſigen Zei=
tungen
gebrachten Gerüchte über Unabhängigkeits=
erklärungen
von Baſra und Syrien ſeien völlig
unbegründet.
Durazzo, 3. Febr. Geſtern wurden hier 300
Serben mit reichlichem Proviant eingeſchifft. Mar
nimmt an, daß ſie ſich nach Aleſſio begeben, wo ſie ſich mit
den montenegriniſchen Truppen vereinigen werden, um
gemeinſam zum Sturm auf Skutari vorzugehen.

Letzte Nachrichten.

Berlin, 3. Febr. Das Schöffengericht Berlin=Mitte
verurteilte den Kunſtfälſcher Kuderna zu ſechs
Monaten Gefängnis. Derſelbe hatte Handzeichnungen
und alte Silhouetten gefälſcht und die Fälſchungen mit
falſchem Stempel aus der Sammlung Adalbert von Lanna
verſehen.

Berlin, 3. Febr. In einem Hauſe am Belle=
Alliance=Platz hob die Kriminalpolizei heute nacht einen
Spielklub auf. Etwa 40 Perſonen wurden zur Feſt=
ſtellung
ihrer Namen nach der Wache gebracht. Der Klub
war ſchon vor 2 Jahren ausgehoben worden, wurde aber
kurz danach wieder begründet. Die Polizei beſetzte ſämt=
liche
Ausgänge, darunter auch einen geheimen.
IIB. Hanau, 3. Febr. Der Arbeiter Koch aus Ber=
gen
, der wegen Ermordung ſeiner Tochter vom Hanauer
Schwurgericht zum Tode verurteilt worden war, hat, nach=
dem
ſeine Reviſion gegen das Todesurteil vom Reichs=
gericht
verworfen wurde, ein Gnadengeſuch an den
Kaiſer einreichen laſſen.
* Köln, 3. Febr. Die Kölniſche Zeitung meldet aus
Monrovia: Am Geburtstage des deutſchen Kaiſers be=
ſuchten
der Präſident und der Staatsſekretär von Libe=
ria
den Panther‟ Der Präſident und die Miniſter
von Liberia nahmen an dem Feſtmahl bei dem deut=
chen
Konſul teil. Die guten Beziehungen der Regierung
zu dem deutſchen Kriegsſchiff ſind wiederhergeſtellt. Der
Kommandant des Panther erhielt einen liberiſchen
Orden.
Trier, 3. Febr. Infolge eines Karneval=
ſcherzes
zogen in vergangener Nacht junge Burſchen
einen Mann vollſtändig aus; darauf ſchlangen ſie
ihm mit Gewalt das Hemd um den Hals, ſo
daß er erſtickte
Jever, 3. Febr. In der Nähe des Bahnhofs Oſtem
wurde der bei der Wilhelmshavener Werft beſchäftigte
Arbeiter Holtermann erſtochen aufgefunden.
Sein Schlafburſche wurde als der Tat dringend verdächtig
feſtgenommen
IIB. Sosnovice, 3. Febr. Auf den hieſigen Huld=
ſchinsky
=Werken ereignete ſich heute vormittag eine
Dampfrohr=Exploſion mitten in einer Kolonne
Arbeiter. Neun Arbeiter wurden durch Verbrühungen ge=
tötet
, 20 andere mehr oder weniger ſchwer verletzt.
* New=York, 3. Febr. Bei der Exploſion eines
Kinematographen im Ausländerviertel im Oſten
von New=York entſtand eine Panik. Zwei Frauen er=
litten
lebensgefährliche Quetſchungen; 12 Perſonen wur=
dem
zu Boden getreten und mußte nach dem Krankenhaus
gebracht werden. Der Brand konnte gelöſcht werden,
ohne einen größeren Schaden anzurichten.

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Nun fängt auch der Willi zu huſten an u. wir haben
glücklich vier huſtenkranke Kinder. An den Bonbons
haben ſie ſich ſchon den Magen verdorben, u. mit Tee
und Packungen kann man ſie doch auch nicht immer

plagen. Aber liebſte Freundin, kaufen Sie doch ein
paar Schachteln Fays ächte Sodener Mineral=
Paſtillen! Die gehen bei uns gar nicht aus, u. Ka=

tarrhe, Huſten u. dergl. kommen bei uns nie hoch,
weil wir eben Fays Sodener immer ſofort verwen=
den
. Achten Sie beim Einkauf aber auf den Namen
Fay, wenn Sie wirklich Paſtillen haben wollen, die
aus zur Kur benützten Sodener Gemeinde=Heil=
quellen ſtammen. Die Schachtel koſt. nur 85 Pf. (I,3204

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Allen Verwandten, Freunden und Be=
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Darmſtadt, den 3. Februar 1913.
Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmit=
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4¼ Uhr, vom Trauerhauſe Rhönring 1
aus, ſtatt.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. D). Anfang 7½ Uhr,
Ende 10½ Uhr: Die luſtige Witwe‟
Karnevaliſtiſche Konzerte, Tanz uſw:
Karnevalgeſellſchaft Narrhalla um 6.11 Uhr im Saal=
bau
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7.11 Uhr im Kaiſerſaal. Britannia=Hotel um 7 Uhr.
Café=Reſtau=
Café Ernſt Ludwig. Schloß=Café.
rant Zur Oper Hotel Prinz Karl. Schützenhof
um 5.11 Uhr. Palais=Reſtaurant. Kölniſcher Hof
um 4 Uhr. Rummelbräu um 4 Uhr. Reſtaurant
Sitte Heſſiſcher Hof um 5 Uhr. Hanauer Hof um
6.11 Uhr.

Verſteigerungskalender.

Mittwoch, 5. Februar.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Pferde=Verſteigerung um 10 Uhr in der Train=
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(Eſchollbrückerſtraße).
Stammholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Ober
Ramſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft auf dem
Frankenhäuſer Weg am Pflanzgarten unterhalb dem
Breitenſtein).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt

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z. verl. Grafenſtr. 4, I. (*2778fsoi

Kurſe vom 3. Februar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,40
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,30
3
77,70
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,80
3½ do. Conſols . . . 88,50
do.
77,60
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,50
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,50
87,10
do.
3½
do.
77,60
4 Hamburger Staatsanl. 98,60
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,50
4 do. do. (unk. 1918) 99,50
3½
do.
87,20
do.
76,00
3 Sächſiſche Rente. .
78,80
4 Württemberger v. 1907 99,70
do. v. 1875 93,60
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 99,00
¼ Griechen v. 1887 . . 54,00
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 87,70
4 do. Goldrente . . . 91,30
do. einheitl. Rente . . 84,60
3 Portug. unif. Serie I 63,40
do. unif. Ser. III 66,50
3 do. Spezial . . . . 9,60
5 Rumänier v. 1903 . . 100,00
do. v. 1890 . . 93,20
do. v. 1905 . . 100,00
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,70
do. v. 1902 . . . . 90,30
½ do. v. 1905 . . . . 100,00
3½ Schweden . . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 81,00
Türk. Admin. v. 1903 78,50
4 Türk. uniſiz. v. 1903 85,20
4 Ungar. Goldrente . . . 89,50
* de. Staatsrente. . . 85,00 5 Lahmeyer . . . . . . . 120,50

In Prot.
Zf.
5 Argentinier . . . . . . 101,00
86,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 91, 10
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,70
4½
do.
Japaner .
91,80
5 Innere Mexikaner . . . 93,25
do.
92,90 4 Gold=Merikanerv. 1904 85,20
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,90
3 Buenos Aires Provinz 63,60
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 153,00
5 Nordd. Lloyd . . . . . 118,25
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 128,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,75
6 Baltimore und Ohio . 105½
6 Schantungbahn . . . . 131½
6½ Luxemb. Prince Henri
) Oeſt. Südbahn (Lomb.) 22½
6 Pennſylvania R. R. . 124,00
Leßte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
3 Brauerei Werger . . 63,00
25 Bad. Anilin= u. Soda
Fabrik
538,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
.
247,00
30 Farbwerke Höchſt . 636,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . .. . 345,00
10 Cement Heidelberg . . 144,60
30 Chem. Werke Albert 447,60
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 332,80

zte
In Proz.
Divid
7½ Schuchert, Nürnberg 147,00
12 Siemens & Halske
5 Beramann Electr. . . 122,40
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 162,50
25 Gummi Peter . . . 80,00
Kunſtſeide Frankfurt 76,50
30 Adler=Fahrradwerke
. 509,75
Kleyer .
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
6 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 149,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 237,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
199,50
häuſel.
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 94,50
3 Südd. Immobilien . 61,50
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 176,75
2½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 216,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 165,75
10 Gelſenkirchener . . . . 197,00
9 Harpener . . . . . . . 197,00
18 Phönix Bergb. unk
Hüttenbetrieb. . . 263,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,00
6 Laurahütte . . . . . . 174,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 206,00
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,30
4 Eliſabethbahn, freie . . 93,20
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 85,50
3 Prag=Duxer . . .
75,20
5 Oeſterr. Staatsbahn . 102,20
4 Oeſterr. Staatsbahn . 92,90
do.
76,10
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,10
do.
14

In Proz.
Bf.
2¾ Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,20
3 Raab=Oedenburg
76,10
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 88,00
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,90
38,00
do.
4 Wladichawchas .
87,80
4 Rjäſan Koslow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 73,50
41
do.
2½ Livorneſer . .
69,50
3 Salonique=Monaſtir . 62,90
4 Baodadbahn . .
80,75
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,75
4 Miſſouri=Paciſic. . . . 71,10
4 Northern=Paciſic . . . 99,20
4 Southern=Paciſic .
93,80
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 83,00
5 Tehuantepec . . . . . . 98,30
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich .
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 168,50
6½ Darmſtädter Bank . 123,00
12½ Deutſche Bank . . . 256,20
6 Deutſche Vereinsbank . 124,50
6 Deutſche Effekt.= und
120,00
W.=Bank . . .
10 Diskonto=Kommandit 189,70
8½ Dresdener Bank
157,90
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,2
6½ Mitteld. Kreditbank 120,25
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,90
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 138,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 136,50
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 117,25
7½ Wieher Bankverein . 133,70
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,50

Zf.
InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
87,00
S. 19.
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
. 98,00
S. 52 . . . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,50
3½
87,2.
do.
Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,30
3½
87,30
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
98.60
S. 12, 13, 16 .
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. . . . . . . . . 98,90
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 87,30
S. 35 . . . . . . . . 87,10
S. 911 . . . .
87,20
1 Meininger Hyp.=Bank 98,00
3½
86,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,00
3½ do. (unk. 1914) . . 87,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,00
do.
3½
87,80
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt . . . . . . 98,50
do.
88,00
3½
Frankfurt. . . . . . . 98,60
31
do.
96,50
97,50
Gießen . . . . . .
3½ do.
88,00
Heidelberg . . . . . . 96,80
3½
do.
87,70
4 Karlsruhe . . . . . . 97,00
3½ do.
88,40
4 Magdeburg. . . .
do.
3½
4 Mainz . . . . . . . . 97,50
3½
do.
88,50
4 Mannheim . . . . . . 97,50
3½
do.
90,00
4 München . . . . .
99,30
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 98,00
3½
87,60
do.
4 Oſſenbach . . . . .
97,50

Zf.
In Proz.
3½ Offenbach . . . . . . 87,40
4 Wiesbaden . . . . . . 99,00
3½
95,30
do.
Worms . . . . . . . . 97,40
3½
38,00
do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 77,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 137,90
3 Holl. Komm. . fl. 100 112,40
3 Madrider . . Fs. 100 75,10
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 137,80
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,50
3 Oldenburger . . . . . . 130,40
2½ Raab=Grazer fl. 150 113,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . .
Braunſchweiger Tlr. 20 202,40
Freiburger . . . . Fs. 15 75,50
Mailänder . . . . Fs. 45
do. . . . . Fs. 10
Meininger . . . . . fl. 7 34,00
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 549,00
do. v. 1858fl. 100 470,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30 56,90
Türkiſche . . . . Fs. 400 159,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,45
20 Franks=Stücke . . . . 16,27
Amerikaniſche Noten . . . 4,18
Engliſche Noten . . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten. . . . 81,30
Holländiſche Noten. . . . 169,
80, 10
Italieniſche Noten . .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,50
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,80
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7

[ ][  ][ ]

Mlfe

Weiblich
Fräul. nimmt f. Geſchäft Heim=
arbeit
im Weißnähen an (*3096imd
Näh. in der Exp. ds. Bl.

Tücht. Weißzeugnäherin nimmt
noch Kunden an, in und außer
dem Hauſe.
*3019oi
Eckhardtſtraße 2, 1. Stock links.
Tücht. Schneiderin empf. ſich im
Anf. v. Koſt., Mänt., Straß.=u. Kind.=
Kleid. bei bill. Preiſ. Grafenſtr. 22, I.(*
n ſucht Aushilfe
Perf. Böchln für ſofort.
Zu erfragen in der Exp. (*3018oi
Eine Frau ſucht Laufdienſt
*3050)
Langegaſſe 53, 1. St.
68
Mädchen
das gut bürgerlich koch. kann, alle
Hausarb. verſteht und im Beſitze
von guten Zeugn. iſt, ſucht Stelle
bis z. 15. Febr. Schrifl. Offert. an
M. Riedel, Karlſtr. 30, Hth. (*3047

Aelt. Mädch. ſ. tagsüber Stelle=
Näh. Waldſtr. 24, Vdh. II. (*3035

aus guter Fam., ſ. Haush
Fräul. u. Nähen erfahren, zu jed.
Arbeit willig, ſucht bei Fam.=Anſchl.
ſof. ohne Verg. Stllg. od. als Penſ.
Off. unt. D 83 an die Exp. (3211

Ein kräftiges 13jähr. Mädchen
ſucht nach der Schule Beſchäftig.
Näh. Heinheimerſtr. 74, III.r. (*3104

Tücht. williges, ſaub. Mädchen
das etwas kochen kann, ſucht Stel=
lung
in einem bürgerl. Haushalt.
Nieder=Ramſtädterſtr. 43. (*3080im

Jg.ſb. Mädch. ſ.f. morg. 2 St. beſch.
u. mitt. z. Kind. Weinbgſtr. 45, 3. I. (B8

Mänmlich

Hochbautechniker
welcher einige Jahre mit der
Projektier. u. Ausführ. von Land=
häuſern
ſelbſtändig tätig war,
ſucht, geſtützt auf gute Zeugn., Ref
u. Zeichn., in einem Architekturbüro
oder Baugeſchäft als Bauführer
Stellung. Derſ. iſt ſaub. Zeichner
gut. Konſtrukt., ſicher im Veranſchl.
u. Abrechn. Offert. unt. C 65 an
die Expedition d. Bl. (*2651dsi

Verh. Herrschaftskutscher, m. gut
Zeugn. u. Empfehl., ſucht b. Herrſch.
od. als Geſchäftsrutſcher Stellung.
Offerten u. D 90 Exped. (*3082

Junger Mann, 26 Jahre alt,
mit der Bearbeitung und der An=
fertigung
von Schreibheften, Druck=
ſachen
und Geſchäftsbüchern ſpez.
vertraut, ſucht zum 1. April
dauernde Stellung als
Expedient oder Buchhalter.
Gefl. Angebote u. D 96 an die
Exped. ds. Bl.
(3257imd

1 Ein Junge
Lehrſtelle geſucht. wünſchr das
Schuhmacherhandw. zu erl. Off.
unt. D 94 an die Exp. (*3091is

Ofene Stellen

Weiblich

Zum Eintritt per 1. März
oder 1. April ſuchen
tüchtige
Verkäuferinnen
für unſere Abteilungen:
Kurzwaren,
Weisswaren,
Baumwollwaren.
Gebr. Rothschild
Markt 2.
(3246a

ein Franten, des
in Stenographie

Per ſofo
und Maſchinenſchreiben bewandert
iſt, geſucht
(*3056
Adam Karn, Bleichſtr. 30.

Tüchtige (2911dsi
Verkäuferin
per 1. März oder 1. April geſucht.
J. Carl Schmidt
Ecke Kirchſtraße und Schuſtergaſſe.

Garant. dauernde, gut lohnende
Heimarbeit
erhält jede Dame d. leichte, intereſſ.
Handarbeit. Die Arbeit wird nach
jed. Orte vergeben. Näh. d. Proſp.
m. fertigem Muſter geg. Einſendg.
von 40 Pfg. in Mark. b. Centa Kolb,
Kempten B 26 (Bayern). Abtrenom=
miertes
Verſandgeſchäft. (II,2241
Bitte genaue Adreſſe!

Tücht. Arbeiterinnen
ſofort für dauernd geſucht. Kon-
fektion
Bayer-Haack, Kapell=
(1861a
platz 14.

Tüchtiges,
williges Mädchen,
das etw. koch. kann, p. ſofort in
einfach. bürgerl. Haushalt geſucht.
Gutenbergſtraße 11, part. (*1293t

a
Dr aves, will. Mädchen
ſf. geſ. Näh. Blumentalſtr. 51(*2866soi
Zum 1. März evtl. früher od. Später
einbürgerl. Köchin, die etwäs
Hausarb. übern., bei gut. Lohn gesucht
Nur soiche, die auf dauernde Stel-
lung
reflektieren, mögen sich melden
Heinrichstr. 43, Darmstadt.
Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags
oder- 6 bis 8 Uhr nachm. (2945dsi

Ein tüchtiges Mädchen vorm.
bis nachmittags geſucht (*3041im
Riegerplatz 11, 2. St.
Tücht. Servierfräulein geſucht
*3044im) Obergaſſe 3 (Ratskeller).
Ein Mädch., welches zu Hauſe
ſchlafen kann, für den ganzen Tag
für alle Hausarbeiten per ſofort
geſucht Karlſtraße 51.
(*3043
Mädch. w. bürg. koch, erh. r. g. St.
Fr. Berta Neßling, gewerbsmäßige Stellen-
vermittlerin
, Ludwigſtr. 8. (*3038imdf
Jüng. will. Laufmädch. f. 1½ b.
2 Stund. vorm. ſof. geſucht (*3037
Schloßgartenſtr. 5, 2. St. r.

Köchin
geſucht bei hohem Lohn und mög=
lichſt
dauerndem Aufenthalt. Keine
Hausarbeit. Angebote unt. D 78
an die Exp. ds. Bl.
(*3036im

für ſof. zuverläſſig.
Geſucht Mädch. zu einer
einzelnen Dame
(3210imd
Frankfurterſtr. 17, 2. St.

Geſund. tücht. Mädch. f. 1. März
od. 1. April geſucht. Nur ſolche mit
Empfehlung. aus beſſeren Häuſern
wollen ſich melden bei
(3223a
Frau v. Hegelmaier, Sandſtr. 1, I.

Köchinnen, Hausmädchen, Kinder=
fräulein
, Alleinmädchen, Küchen
mädch. geſ. Frau Minna Dingeldein,
gewerbsmäßige Stellenvermitllerin
Eliſabethenſtr. 5, Tel. 531. (*3103

Ein Laufmädchen geſucht (*3101
Wienersſtraße 72, 1. St.

Unabhängige Frau od. Mädchen
geſucht Mauerſtraße 15. (*3084
Ordentlich. Dienſtmädchen per
15. Febr. geſ. Obergaſſe 38. (*3087imd
Unabhängiges, braves, nich
zu junges, i. Haushalt erfahrenes
Mädchen von 8 Uhr bis nach
dem Spül. geſ. Näh. Exp. (3255a



Saupere ehrl. ar du
*3094
zum Ladenputzen geſucht
Eliſabethenſtr. 12, Kaffeegeſchäft.

Fleißiges, williges Mädchen
geſucht
(*3065
Eliſabethenſtraße 52, 1. Tr.

Von ält. alleinst. Dame
ein einf., zuverl. Mädch. geſucht
*3060imd) Frankfurterſtr. 32, II. r.

Laufmädchen ſuchen

(3232
Strauß & Mayer.

Ein tücht. Küchenmädch. ſof. geſ.
Reſtaurant zum Landgrafen,
*3075im) Grafenſtraße 27.

Ein ſaub. Mädch. v. 11 Uhr abgeſ.
Reſtaurant zum Landgrafen,
*3074im) Grafenſtraße 27.

Aktmodell (evtl. Kind)
geſucht. Näh. i. d Exv. (*2671dsi

Männlie

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ſucht per ſofort tüchtigen ſoliden
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für Buchhaltung, Korreſpondenz,
ꝛc.; Bewerber aus der Papier=
branche
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haltsanſpr
. unt. D 70 an die
(*3009oi
Expedition ds. Bl.
Tücht. Bauſchloſſer geſucht.
Orangerieallee 7.
B3245)

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und ſeitheriger Tätigkeit untet
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ucht jungen Mann zur Entlaſt
des Buchhalters. Derſelbe muß
auch in Stenographie und Ma=
ſchinenſchreiben
bewandert ſein.
Offerten mit Angabe ſeitheriger
Tätigkeit u. der Gehaltsanſprüche.
unt. D84 an die Exp. erb. (3231

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Offene Stellen enthält ſtets
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Dieburg und Bensheim wird
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vertretung
eines für Gärtner,
Gartenbeſitzer und Landwirte un=
entbehrlichen
Artikels übernimmt.
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(3066
an die Exp. ds. Bl.

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Eintritt geſucht. Zeugn. erwünſcht
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3045
Ludmigſtr.

Erſtklaſſiger Polierer
für Pianos ſofort geſucht.
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Mühlſtraße 1. (3251

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geſucht für dauernd; nur ſolide
Leute, die ſchon Möbel gepackt
und geladen haben, wollen ſich
melden
(3209im
Gg. Ehrhardt & Söhne
Möbelfabrik, Feldbergſtr. 36.

Jüngerer kräft. Hausburſche
geſucht, kleine Kaution muß geſtellt
werden. Schlapp, Hofbuchhand=
(3243
lung, Schulſtraße 5.

Jg. ſaub. Hausburſche geſucht
Drogerie Ludwig Petri,
(*306
Roßdörferſtr. 5.

Lehrling
mit guter Schulbildung geg. ſteig.
Vergütung zu Oſtern auf Fabrik=
Bureau geſucht. Einjähr.=Berechtig.
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an die Exp. ds. Bl.
(*3051

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sehr stark
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do.
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9.80
0.90
11.10

1.
1. 10
1.30

0.70
1. 15

O.30
.35

1.10
1.40
1.65
1.95

1.60
1.95
2.10
2.40

1.30
2.10

0.36
9.45
0.55

0.36
0.55
o.55

10.55
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[ ][  ][ ]

1974

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Känſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Rebaktion ihr Urteil vor.

Die Kammermuſikvereinigung de Haan,
Schmitt, Schnurrbuſch, Gims und Andrä veranſtaltet am
kommenden Sonntag, den 9. Febr., ihre dritte dieswinter=
liche
Matinee. Das Programm wird von zweien der
bedeutendſten Vertreter der modernen Literatur beſtritten,
dem Ruſſen Glazounow und dem langjährigen verdienſt=
vollen
Dirigenten der Mainzer Liedertafel und nunmehri=
gen
Tübinger Univerſitätsmuſikdirektor Dr. Fritz Volbach.
Glazounows fünftes Streichquartett ſprüht von Tem=
perament
und iſt dabei ein hauptſächlichſtes Charakte=
riſtikum
der ruſſiſchen Schule voll blühender Melodik,
ſo daß bei aller hochentwickelten Kompoſitionskunſt die
äſthetiſche Freude am Hören des Werkes keinen Moment
verkürzt wird. Dieſe Freude an der Melodik iſt es auch,
welche den Kompoſitionen Volbachs, ſeien es nun Chor=,
Orcheſter= oder Kammermuſikwerke, eine Bedeutung ver=
leihen
, die ihn weit über die Mehrzahl unſerer neudeut=
ſchen
Komponiſten erhebt, und die auch ſeinem neueſten
größeren Werke, dem in Frage ſtehenden Klavierquintett,

bei alle bisherigen Auführungen einen ganz ungewöhn.
lichen Erfolg bei Preſſe und Publikum ſicherte.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Eröffnungsfeier des Berliner Stadion und das
Programm für 1913. Der deutſche Reichsausſchuß für
olympiſche Spiele hielt am Sonntag nachmittag unter
dem Vorſitz von Exzellenz v. Podbielski im Palaſt=Hotel
zu Berlin eine Sitzung ab. Die Beratungen waren ſehr
umfangreich und nahmen beinahe fünf Stunden in An=
ſpruch
. Die Reſerate zu den einzelnen Punkten erſtattete
der neue Generalſekretär. Es konnte die erfreuliche Mit=
teilung
gemacht werden, daß das Stadion im Grunewald
bis zum 15. Mai beſtimmt fertiggeſtellt ſein wird, ſo daß
die große Eröffnungsfeier, bei der der Kaiſer zugegen ſein
wird, am 8. Juni geſichert iſt. An den Einzug und die
Huldigung der Verbände vor dem Kaiſer ſchließen ſich die
ſportlichen Vorführungen an. Gleichfalls am Eröffnungs=
tage
findet die Entſcheidung des Kronprinzenpokals im
Fußbalſpiel ſtatt zwiſchen dem Verband Brandenburgi=
ſcher
Ballſpielvereine (Berlin) und dem Weſtdeutſchen
Spielverband. Es wurde auch bereits eine Reihe wei=
terer
Veranſtaltungen für das Stadion in Ausſicht genom=
men
. Am 14. Juni wird eine vom Kartell für Reit= und
Fahrſport veranſtaltete Huldigung der Reiter im Stadion
vor ſich gehen. Am 22. Juni erfolgt die Entſcheidung der
Fußball=Meiſterſchaft der Garde=Regimenter, daran ſchlie=
ßen
ſich leichtathletiſche Militär=Wettkämpfe. Am 29. Juni
findet eine Schwimm=Veranſtaltung ſtatt, eventuell in
Verbindung mit Radrennen. Für den 24. Auguſt iſt ein
großes Radrenn=Meeting geplant; am 7. September folgt
ein Feſt des Hauptausſchuſſes für Leibesübungen, und
am 5. Auguſt das Herbſt=Sportfeſt des Deutſchen Reichs=
ausſchuſſes
für olympiſche Spiele. Dann wurden in der
Sitzung die Bedingungen für das neue Sportabzeichen
feſtgelegt, und zwar iſt die Prüfung abzulegen: In der
erſten Gruppe entweder im Schwimmen über 300 Meter
oder Turnen; in der zweiten Gruppe im Hochſprung (1,35
Meter), im Weitſprung (4,75 Meter); in der dritten
Gruppe im Laufen, entweder 100 Meter in 13 Sekunden,
oder 400 Meter in 65 Sekunden, oder 1500 Meter in
5 Minuten 15 Sekunden. Die größte Auswahl bietet die
vierte Gruppe, in der zwiſchen Fechten, Schwimmen (100
Meter in 1 Min. 30 Sek.), Diskuswerfen (25 Meter),
Speerwerfen (30 Meter), Kugelſtoßen (8 Meter), Schlitt=
ſchuhlaufen
(1500 Meter), Fußball, Hockey, Tennis, Golf,

Schießen, Rndern über kurze Strecken, Aingen, Gewicht=
heben
und Steinſtoßen gewählt werden kann. Die fünfte
Gruppe läßt die Wahl zwiſchen Dauerrudern (12 Kilo=
meter
in der Stunde), Laufen (10 Kilometer in 50 Min.),
Schwimmen (1000 Meter in 24 Min.), Schlittſchuhlaufen
(10 000 Meter), Skilaufen (20 Kilometer) und Radfahren
(20 Kilometer in 45 Min.) frei. In die Finanzkommiſſion
wurden noch die Herren Freiherr v. Hünefeld, Dr. Hardy
und Profeſſor Schiff gewählt.
sr. Radrennen. Paris. Auf der Pariſer Winter=
bahn
kam am Sonntag ein intereſſantes Programm zur
Erledigung. In einem Stundenrennen hinter Motoren
begegneten ſich die Amerikaner Walthour und Wiley, ſo=
wie
die Franzoſen Guignard und Leon Didier. Der letz=
tere
, dem man die meiſten Ehancen zugeſprochen hatte,
befand ſich jedoch noch nicht in genügender Form und gab
fünf Minuten vor Schluß, in letzter Poſition, 30 Runden
zurück liegend, auf. Didier hatte zu Anfang die Führ=
ung
, fiel aber ſofort zurück, als er von Walthour ange=
griffen
wurde. Guignard ſicherte ſich ſchließlich die Spitze
und zog unangefochten nach Hauſe, was ihm um ſo leich=
ter
gelang, als Wiley und Walthour von Rad= und Motor=
Defekten heimgeſucht wurden. Guignard ſicherte ſich mit
73,350 Kilometer den Sieg vor Wiley, 4 Runden und
Walthour, 25 Runden zurück. Der Held des Tages war
der Amerikaner Joe Fogler, der ſowohl das Meilen=
Handikap als Malmann, wie das Zehnmeilenfahren um
den Prix Frank Kramer gewann. Im Handikap ſiegte
Fogler mit anderthalb Längen vor Dupuy (5 Meter) und
Perraud (40 Meter) zurück; und das Zehnmeilenfahren
gewann er in 23 Minuten 49,2 Sekunden mit einer Länge
vor Schiling, Dupand, Pye und Schneider. Im Prä=
mienfahren
blieb Rudi Ruß Sieger.
Sr. Fußball. Die engliſchen Fußballſpiele
um den Pokal von England wurden mit der zweiten Serie
fortgeſetzt. Eine große Ueberraſchung bildete die Nieder=
lage
von Barnsley, dem vorjährigen Pokal=Sieger, durch
Blackburn=Rovers mit 3.2. Die übrigen Reſultate waren.
folgende: Bradford gegen Wolverhampton 310, Briſtol
Rovers gegen Derby County 111, Hull Eity gegen New=
caſtle
United 010, Reading gegen Tottenham Hotſpur 110,
Criſtal Palace gegen Bury 270, Brighton gegen Everton
0.0, Sheffield Wednesday gegen Weſtham United 1110,
Oldham Athletics gegen Notts Foreſt 5.1, Middlesbrough
gegen Queen Park Rangers 3:0, Liverpool gegen Wool=
wich
Arſenal 411, Mancheſter United gegen Plymouth
Argyle 240. Swindon gegen Huddersfield 20 und Sun=
derland
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Haus Heidegg.
Von Hedda v. Schmid.
(Nachdruck verboten.)

Als noch der deutſche Ritterorden die drei baltiſchen
Oſtſeeprovinzen regierte, war Schloß Heidegg der wehr=
hafte
Sitz eines Ordenskomturs. Jetzt hatte nur mehr
ein Flügel mit rundem Turm etwas Schloßartiges an ſich.
Das feſte Haus war im Laufe der Jahrhunderte wieder=
holt
belagert und zum Teil zerſtört worden. Nach dem
nordiſchen Kriege hatten ſeine Beſitzer es geflickt und um=
gebaut
. In jenen Jahren ſteter Fehde hatte es einen
beträchtlichen Reichtum an fruchtbaren Ländereien ein=
gebüßt
. Man nannte den immerhin noch recht ſtattlichen
Beſitz aus irgend einem Grunde nicht mehr Schloß,
auch nicht Rittergut, ſondern einfach Haus Heidegg.
Ein tiefer Graben, der zur Zeit der Schneeſchmelze
mächtig anſchwoll, lief rings um das Haus. Eine feſte
Zugbrücke, die aber längſt nicht mehr an ihren roſtigen
Ketten emporraſſelte, führte von dem großen Wirtſchafts=
hof
in den viereckigen kleinen Schloßhof, wo ein Zieh=
brunnen
ſtand.
Seit vielen Jahrzehnten gehörte Haus Heidegg den
Freiherren von Heidegg. Der jetzige Beſitzer, Herr Mat=
thias
, war Witwer. Zwei blaſſe, blonde Haustöchter
wuchſen unter der Obhut einer engliſchen Erzieherin auf.
Plötzlich hieß es auf den Nachbargütern, Matthias
Heidegg gehe mit dem Gedanken um, ſich zum zweiten
Male zu verheiraten. Man riet hin und her, wer wohl
So mancher unter den
die Erwählte ſein könnte
heiratsfähigen jungen Damen pochte erwartungsvoll das
Herz, wenn der ſtattliche, blonde Gutsherr vorſprach.
Die allgemeine Enttäuſchung war groß, als Mat=

thias Heidegg ſich aus der entlegenſten Ecke der Provinz
und noch dazu aus einer unbemittelten Familie ſeine
zweite Gattin erwählte.
Vom runden Turm zu Heidegg wehte die Wappen=
fahne
. Die beiden Hauskinder Editha und Erika ſtanden
mit rotgeweinten Augen, in weißen Kleidern, Blumen=
ſträuße
in den mageren Kinderhänden, am Fuße der
Freitreppe, um die neue Mutter zu begrüßen.
Frau Chriſta war braunäugig und ſchlank. Ihre
ſchnellen Blicke liefen neugierig=froh von einem Kinde
zum andern. Sie beugte ſich lächelnd zu den beiden ſtock=
ſteif
daſtehenden Mädchen, die vergeblich von ihrer heftig
errötenden Miß zu einem Knicks aufgemuntert wurden.
Das gibt ſich und fügt ſich, flüſterte ſie entſchuldigend
und ſtreichelte zärtlich den Arm ihres Matthias. Auf ihrem
elterlichen Gut waren acht Geſchwiſter wie Orgel=
pfeifen
hintereinander aufgeſchoſſen. Frau Chriſta
verſtand ſich auf das, was in ſolch kleinen Seelchen vor=
ging
ſie hoffte feſt, daß ihre Stieftöchter bald ebenſo
an ihr hängen würden, wie die Schar der Buben und
Mädchen daheim. Sie ſelber war die drittälteſte.
Aber Editha und Erika blieben ſeltſam widerſpenſtig.
Es gab nämlich in ihrer mütterlichen Verwandtſchaft eine
Reihe von Tanten, die ganz in der Stille dafür ſorgten,
daß Frau Chriſtas Verſuche, die Herzen der Kinder zu ge=
winnen
, keinen Erfolg hatten. Es tat ihr weh, doch ſie
hoffte noch immer, daß es eines Tages nach ihren Wün=
ſchen
gehen würde.
Frau Chriſta war jung, fröhlich und glücklich. Ihr
ganzes Weſen war wie Sonnenſchein, und Haus Heidegg
in dem es ſo lange ſtill geweſen war, lebte wieder auf.
Sie liebte ihren Matthias von ganzem Herzen, von Tag
zu Tag inniger.
Sie wollte ihm die Laune nicht verderben und ver=

mied es, ihm von den Ungezogenheiten, dem ſtarren
Eigenſinn ſeiner Töchter, zu reden. In Gegenwart des
Vaters betrugen ſich die beiden leidlich wohlgeſittet ſie
zeigten bereits viel Evaſchlauheit.
Vom pädagogiſchen Standpunkt aus war Frau
Chriſtas Verſchweigungsſyſtem entſchieden unklug; die
unvermeidlichen Folgen blieben denn auch nicht aus.
Frau Chriſta hatte es ſich in den Kopf geſetzt, ohne
fremde Hilfe zu kämpfen und zu wirken, bald aber ver=
ſagten
ihre eigenen Mittel ganz und gar.
Eines Morgens fand der Freiherr ſeine junge Gattin
in Tränen. Nun half kein Sichwinden mehr, kein Um=
gehen
der Tatſachen nun hieß es heraus mit der
Sprache! Und Frau Chriſta berichtete ſchluchzend, daß
Editha und Erika fortgeſetzt aufſäſſig, ja oft abſcheulich
ungezogen wären. Nur dank dem Umſtande, daß die An=
klägerin
auch zugleich Fürbitte einlegte, und daß ihre Ge=
ſundheit
Schonung heiſchte, entlud ſich ein gemildertes
Donnerwetter in der Kinderſtube.
Die Miß wurde befragt. Ihr Geſichtsausdruck war
der einer gekränkten Unſchuld, ihr Gewiſſen aber belaſtet.
Sie war von der Verwandtſchaft der ſeligen Baronin Hei=
degg
zur Hüterin der kleinen Mädchen eingeſetzt worden
und empfing aus dem feindlichen Lager prompt ihre be=
ſtimmten
Weiſungen.
Der Freiherr machte reinen Tiſch. Das war immer
ſeine Art. Miß Jane wurde entlaſſen, die beiden Mäd=
chen
kamen in das adlige Stift der Provinz. Frau Chriſta
aber kam in den Ruf einer böſen Stiefmutter.
Sie wußte darum, doch es focht ſie nicht weiter an
der Freiherr vollends lachte über das müßige Geſchwätz!
Laß ſie doch reden, Chriſtel!
Das nächſtfolgende Weihnachtsfeſt verbrachten Editha
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führliche
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kostenfrei. Erste Referenzen. (156a

Schloß Heidegg ſtand klappernd der Storch. Am Altjahr=
abend
brachte er den Sohn und Stammhalter.
Als die beiden kleinen Mädchen das Stiefbrüderchen
zum erſtenmal ſahen ſie machten auf der Durchreiſe
ins Stift die Taufe des Kleinen mit rümpften ſie ihre
ſchmalen Naſen.
Wie ein Froſch, ſagte Editha.
Rot und häßlich, fügte Erika, die ihrer Schweſter im=
mer
das erſte Wort ließ, hinzu.
Nach einem Jahre kam der Storch wiederum nach
Haus Heidegg. Dann blieb er zwei Sommer lang aus,
fand jedoch immer wieder den Weg dorthin. Als Editha
und Erika ſiebzehn= und ſechzehnjährig aus dem Stift
heimkehrten, da ſaßen vier ſtramme, kleine Kerlchen im
warmen Neſt wie die Orgelpfeifen, ganz ſo wie es
Frau Chriſta von Hauſe gewohnt war.
Die braunäugige Frau hatte ihre mädchenhafte
Schlankheit mit einer weichen Fülle vertauſcht, ihre mütter=
liche
, ſonnige Art war wie geſchaffen dazu, den Haus=
frieden
zu wahren. Fernerſtehende meinten, daß die
Heidegger die Eintracht gepachtet hätten im ganzen
Kreiſe wäre kein ſolches harmoniſches Zuſammenleben
zu finden, und doch hatte mit den beiden Baroneſſen ein
Geiſt des Haders heimlich ſeinen Einzug ins Haus Hei=
degg
gehalten. Zum Glück hielten Editha und Erika ſich
meiſt in ihren eigenen Gemächern auf. Sie verfügten
über zwei Schlafſtuben und einen Salon. Frau Chriſta
hatte die Räume in liebevoller Fürſorge eingerichtet, dock
die jungen Mädchen fanden an den altmodiſchen Möbeln,
welche ihrer verſtorbenen Mutter gehört hatten, allerlei
auszuſetzen. Sie fanden es überhaupt nicht ſchön auf
Haus Heidegg. Hier war ja doch nur eine große Kinder=
ſtube
.
Alles drehte ſich um die vier gräßlichen Jungens
Der Lärm, den die vier Brüder vollführten, ſtörte die

Mädchen, die ja neun und zehn Jahre älter waren als
Fabian, der Erſtgeborene. Klaus, der zweite Bruder,
war ſtiller als die anderen. Ein ſinniger Knabe, ſagte von
ihm ſeine eſthniſche Wartefrau, die nunmehr den Jüngſten
der Schar, Wutzelchen eigentlich hieß er Werner
betreute. Der vorletzte war der allerwildeſte. Dietmar
hieß er, aber man nannte ihn Diez.
Editha und Erika waren ſommerſproſſig und über=
ſchlank
und hatten in der Penſion nicht verlernt, über
alles, was ihnen nicht paßte, die Naſe zu rümpfen.
Wie ärgern wir die beiden heute? Dieſe Frage ſtellte
Diez, der Unband, täglich. Er hatte den unduldſamen
Stiefſchweſtern offene Fehde geſchworen. Fabian und
Klaus hielten mit letzterer nur widerwillig, nur um
nicht als Feigling dazuſtehen. Es war erſtaunlich, wie
viel Schabernack dieſe Bengels erſinnen konnten. Es gab
böſe Nachſpiele.
Die Baroneſſen gerieten außer ſich vor Entrüſtung
über die ungezogenen Brüder und beklagten ſich beim Va=
ter
. Der ſtrafte dann aber nicht hart. Im Grunde gab
er ſeinen Söhnen recht. Sie verübter ja nichts Bör=
artiges
nur zuweilen waren ihre Scherze ein wenig
derb. Aber warum verſtanden es die Zimperlieſen nicht,
ſich mit den Stiefbrüdern auf guten Fuß zu ſtellen? Dann
wären alle vier Jungens für ihre großen Schweſtern
durch Feuer und Waſſer gegangen. Es lag ſo viel über=
lieferte
Ritterlichkeit in ihnen; ihre loſen Bubenſtreiche
waren leicht verzeihlich.
Frau Chriſta aber ſtand unentwegt auf der Seite ihrer
Stieftöchter, ohne daß ihr Gerechtigkeitsgefühl von letzte=
ren
anerkannt und gewürdigt wurde. Sie tat es auch nicht
um des Dankes willen, ſie litt ſchwer unter dem Hader,
der zwiſchen ihren Stiefkindern und ihrem eigenen Fleiſch
und Blut herrſchte. Unermüdlich verſuchte ſie zu ſchlich=
ten
und zu vermitteln, doch ihre Bemühungen waren ver=

geblich. Sie war und blieb nun einmal die böſe Stief=
mutter
Und in Edithas und Erikas Augen waren die
vier Buben fremde Eindringlinge auf Haus Heidegg.
Frau Chriſta trug’s mit Ergebung, Gottvertrauen und
geſundem Humor. Aber letzterer wurde denn doch recht
hart auf die Probe geſtellt, als nach ſechsjähriger Pauſe
ſich der Storch abermals zu einem Fluge nach Haus Hei=
degg
anſchickte. Frau Chriſta hatte gemeint, mit allen
Kleinkinderſorgen abgeſchloſſen zu haben. Wutzelchen ſollte
demnächſt A=B=C=Schütze werden, ſeine Brüder hatten
längſt ihren Hauslehrer.
Diesmal fuhren Editha und Erika nicht zu Verwand=
ten
. Frau Chriſta war für eine Reiſe, aber ihr Gatte
hatte entſchieden geſagt: Unſinn! Wozu denn?
Jetzt war es ein kleines Mädchen.
Editha und Erika weinten. Bisher waren ſie doch
wenigſtens die einzigen Töchter auf Haus Heidegg ge=
weſen
. Das hatte ihnen zum Troſt gereicht, nun kamen
ſie ſich entthront und vom Schickſal ſchwer geprüft vor.
Und gleichſam ihnen zum Verdruß erſchien ein Jahr ſpä=
ter
ein zweites, kleines Mädchen, ebenſo zart und braun=
äugig
wie ſein Schweſterchen.
Editha und Erika waren dermaßen entſetzt, und wie
verſteinert durch die Nachricht von der Geburt der kleinen
Iſentrud, daß ſie nicht einmal Tränen fanden, um ihrem
Schmerze Luft zu machen. Sie waren ſprachlos einfach
vernichtet. Um ſo glücklicher war ihr Vater.
Dieſe beiden Mädelchen, welche ſein Chriſtel ihm ge=
ſchenkt
hatte ſollten anders arten, als die Sprößlinge ſei=
ner
Vernunftehe, die bei der Taufe der kleinen Schweſter
herumſtanden, wie zwei finſtere Schickſalsgöttinnen.
Edeltraut hieß die ältere Kleine die Brüder riefen
ſie Edelchen, aber die Mutter nannte ſie Traute. Das
klang ſo weich, ſo koſend . .
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 5. ds. Mts., von vormittags 9 bis nachmittags 3 Uhr, finden
Scharſchießübungen der Infanterie auf dem Truppenübungsplatz bei Darmſtadt ſtatt.
Der Platz wird hierzu von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags abgeſperrt.
Die Abſperrung erſtreckt ſich bis zum Landgraben.
(3230
Darmſtadt, den 3. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

bengere Zmern hat dem Verein Eifaſiſches Theater=
in
Straßburg die Erlaubnis erteilt, je 10000 Loſe einer in 3 Serien (Ziehung der
1. Serie am 22. Februar 1913) zu veranſtaltenden Geldlotterie zu Gunſten der Er=
bauung
eines elſäſſiſchen Theaters innerhalb des Großherzogtums zu vertreiben. Nach
dem von der zuſtändigen Behörde genehmigten Verloſungsplan dürfen je 60000 Lofe
à 0,50 Mk. ausgegeben werden. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen nur mit dem heſſi=
ſchen
Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe gelangen. Während der Zeit des Vertriebs
der Loſe zir erſten Klaſſe einer Preußiſchen Klaſſenlotterie iſt Ankündigung, Ausgabe
und Vertrieo der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.
(3199

Antihe Racrchten des Groſh. holteiants Darmſahdt=

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Foxterrier (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteige=
rung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vor=
mittags
um 10 Uhr, ſtatt.
(3227

Bekanntmachung.

Anfrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung während der
Faſtnachtszeit betreffend.
Nachdem in den letzten Jahren wiederholt Ausſchreitungen an
den Faſtnachtstagen vorgekommen ſind, haben wir uns gleichwie im
verfloſſenen Jahre verankaßt geſehen, den Polizeiaufſichtsdienſt in
den verkehrsreichſten Straßen der Stadt an den Faſtnachtstagen
zu verſtärken.
Die Beamten ſind mit ſtrengſter Weiſung verſehen, gegen alle
Ausſchreitungen unnachſichtlich vorzugehen.
Alle Verkleidungen, ſowie das Anheften und Verteilen von
bildlichen Darſtellungen, Liedern, Zetteln und dergleichen, welche
gegen die guten Sitten verſtoßen, ſind verboten.
Ebenſo iſt das unbefugte Tragen von Militär= und Beamten=
uniformen
unterſagt.
Aus feuerpolizeilichen Gründen muß das Tragen von Laternen,
die mit Spiritus, Petroleum oder ähnlichen leicht entzündlichen
Flüſſigkeiten geſpeiſt werden, bei Maskenbällen. Aufzügen oder ähn=
lichen
Gelegenheiten verboten werden. In öffentlichen Verſamm=
lungen
, wie insbeſondere Ballfälen und Wirtſchaften, iſt in an=
betracht
der Feuersgefahr das Werfen mit Papierſchlangen,
Papierſchnitzeln oder ſonſtigen feuergefährlichen Gegenſtänden
unzuläſſig. Außerdem müſſen ſämtliche Ein= und Ausgänge,
ſowie die Korridore im Innern der Räume freigehalten werden
und dürfen nicht durch Tiſche, Stühle, Bänke oder dergleichen
verſtellt werden.
Auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen, ſowie aüs den
Häuſern darf nicht mit Orangen. Aepfeln oder ſonſtigen harten Gegen=
ſtänden
geworfen werden. Beim Werfen mit Papierſchlangen iſt
darauf zu achten, daß die Leitungsdrähte der elektriſchen Straßen=
bahn
nicht damit behängt werden.
Aus geſundheitspolizeilichen Gründen iſt das Aufheben und
Anſammeln von Konfetti oder Papierſchlangen von der Straße, des=
gleichen
das Werfen mit aufgehobenem Konfetti oder Papierſchlangen
nicht zuzulaſſen. Ebenſo iſt der Verkauf und Gebrauch von Pfauen=
federn
. und Federwedeln zu beanſtanden. Sollten in letzterer Rich=
tung
Beläſtigungen des Publikums hervortreten, ſo iſt die Beſchlag=
nahme
der Gegenſtände zu gewärtigen.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Vorſchriften werden auf Grund
der beſtehenden geſetzlichen und verordnungsmäßigen Beſtimmungen
geahndetz werden.
Indem wir dies zur Kenntnis des Publikums bringen, richten
wir an die Einwohnerſchaft die Bitte, unſere Polizeſorgane in der
Dürchführung der getroffenen Maßnahmen nach Möglichkeit unter=
ſtützen
zu wollen.
Darmſtadt, den 1. Februar 1913.
(3189oi
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Abgabe von Waſſer für Neubauten.

Die Anmeldungen zum Waſſerbezug für Neubauten erfolgen
vielfach ſo ſpät, daß beim Beginn der Bauarbeiten der Anſchluß an
die Leitung nicht hergeſtellt iſt. Da die Abgabe von Waſſer aus
dem nächſtliegenden Straßenhydranten für den Unternehmer mit
Umſtänden und Koſten verbunden iſt, wird des öfteren verſucht, ent=
gegen
der Beſtimmung des § 7 der Waſſerbezugsſatzungen, Waſſer
aus einem Nachbargrundſtück zu entnehmen.
Einem Antrag auf Einführung der Waſſerleitung in Neu=
bauten
kann nur dann rechtzeitig entſprochen werden, wenn dieſer
bei der Waſſerwerksverwaltung frühzeitig vor Beginn der Bau=
arbeiten
geſtellt worden iſt. Es empfiehlt ſich gleichzeitig mit der
Abgabe des Baugeſuchs an die Baupolizei auch den Antrag auf
Waſſerzuführung bei der Waſſerwerksverwaltung einzureichen.
Darmſtadt, den 3. Februar 1913.
Der Oberbürgermeiſter
I. V.: Ekert.
(3238ii

Verſteigerungs=Anzeige.

Freitag, den 7. Februar I. J. vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich aus einem Nachlaß im Hauſe
Rheinſtraße 32, erſte Etage
machſtehend verzeichnete Gegenſtände:
Eine Salon=Einrichtung
beſtehend aus: 1 Sofa, 2 Seſſeln, 4 Stühlen, 1 Salontiſch,
1 Silberſchrank, 1 Trumeau mit großem Spiegel, 1 Staffelei,
1 fünfarmiger Gaslüſter und dazu paſſende Vorhänge,
ferner: 1 Spiegelſchrank, nußbaum poliert, 1 kleines
Büfett, nußbaum poliert, 1 Pfeilerſchränkchen, 2 zweitürige
Kleiderſchränke, 3 eintürige Kleiderſchränke
Weißzeug=
ſchrank
, 1 Beſenſchrank, 2 Küchenſchränke, Tiſche und Stühle,
Seſſel uſw., 2 Toilettentiſche, 1 Waſchkommode mit Mar=
morplatte
, Nachttiſche. 1 Serviertiſch,
Nähtiſch,
1 Blumentiſch mit Springbrunnen, 2 Gartenmöbel=
Garnituren, 1 Waſchmangel, 1 Gasherd, 1 Gasbade=
ofen
und Wanne, 1 Kaſſenſchrank mit Sekretäraufſatz,
1 Spinnrad, 1 Haſpel, 1 nur einmal gebrauchter Rohr=
platten
=Reiſekoffer mit Ueberzug (von Moritz Mädler)
und 1 großer Hutkoffer, ferner
Glas=, Porzellan=, Nipp= und Ziergegenſtände
darunter 1 neues =Service für 12 Perſonen, beſtehend
aus 84 Stücken, weiter noch Lüſter, Spiegel, Bilder,
darunter ſehr gutes Oelgemälde (Landſchaft), Vorhänge
uſw., ſodann noch 2 volſtändige Kachelöfen, in Teile ger=
legt
und in Kiſten verpackt.
(3234id
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 4. Februar 1913.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxrator
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Grabenarbeit.

Die Ausführung eines Grabens
längs derBrunnenſchneiſe ( Ge=
markung
Weiterſtadt) ſoll ver=
Arbeitsbe=
dungen
werden.
ſchreibungen u. Bedingungen liegen
bei dem Tiefbauamt, Zimmer
Nr. 7, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
(31710i
abgegeben.
Angebote ſind bis Montag, den
10. Febr. lfd. Js., vormittags
10 Uhr, bei unterzeichneter Stelle
einzureichen.
Darmſtadt, 1. Februar 1913.
Tiefbauamt.

De Fuhrieſtungen

zu den Unterhaltungsarbeiten des
Tiefbauamts im Verwaltungs=
jahr
1913 ſollen in 4 Loſen ver=
dungen
werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei Unſerem Amte,
Zimmer Nr. 7, zur Einſicht offen.
Auch werden dort die Angebot=
ſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Dienstag, 11. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
daſelbſt einzureichen. (3091si
Darmſtadt, 31. Januar 1913.
Tiefbauamt.
Keller.

Rheinſandlieferung.

Die Lieferung von 2000 cbm
Rheinſand ſoll verdungen werden.
Lieferungs=Bedingungen liegen
bei dem Tieſbauamte, Zimmer
Nr. 7, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Dienstag, 11. Februar I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
reichen
.
(3090si
Darmſtadt, 31. Januar 1913.
Tiefbauamt.
Keller.

Pferde=Verkauf.
Mittwoch, den 5. Februar,
vormittags 10 Uhr, wird auf
dem Hofe der Trainkaſerne in
Darmſtadt, Eſchollbrückerſtraße 24,
ein auch als Wagenpferd geeigne=
tes
Offiziers=Reitpferd öffentlich
meiſtbietend gegen Barzahlung
(3233
verſteigert.
Train=Bataillon Nr. 18.

Altmaterial.
Ca. 45 Tonnen alte Straßenbahn=
ſchienen
ꝛc. zu vergeben. Beding=
ungen
zu haben gegen Gebühr
(3173oi
von 50 Pfg.
Heſſiſche Eiſenbahn=A.=G.

HASSIA
Vervielfältigungs-
Büro
Inh. S. Guttmann
Vendelstadtstr. 26
Telephon 1679.
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Arbei ten
Diktate
in separätem Raum
Vervielfältigungen
ohne Fettrand.
Zeugnis-Abschriften
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diskret-billig.

Gut erhalt. Abendmantel zu verk.
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Soderſtraße 106.
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Rappe, Wallach, 9jährig, ſchönes
Lauf= u. Ackerpferd, zu verkaufen.
Jakob Mager IV., Gräfenhausen.
Junger, ſchwarzer Dackel mit
raunen Backen zugelaufen
3069),
Arheilgerſtraße 53.
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Hahnel nach Wahl, garant.
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7 Stück Mk. 15., 12. St. Mk. 24.,
16 Stück Mk 31.. M. Müller,
Neuberun Nr. 83 (Oberſchleſ.). (I.3219
14 Hennen, ſchw.
2 Hähne, Orpington billig
(*2982sm
zu verkaufen
Hoffmannſtraße 7.

Bäcker=Innung Darmſtadt.
Wir machen unſere werte Kundſchaft
deratf autneriſemn, daßt ven Euſuacht
Renſag mum Alſchrntitwach uichtgehndten
wird und bitten hiervon Kenntnis zu
nehmen.
Der Vorſtand.
3237)

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 5. Februar 1913, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſtauration zur
Roſenhöhe)
verſchiedene Möbel, als: Sofas, Kleiderſchränke, Vertikos,
Diwans, Regulateure, Tiſche, Spiegel, Trumeauzſpiegel,
1 Büfett, 1 Pküſchgarnitur, 1 Salonſchrank, 1 Kredenztiſch,
Bücherſchränke. 1 Ruhebett, Serviertiſche, Kommoden, Gal=
lerieſchränke
, Schreibtiſche, 1 Schreibkommode, 1 Stutzflügel,
Pianino, 1 Jalouſieſchrank, Nähmaſchinen, Bauerntiſche,
Bilder, 1 Fußteppich, 1 Waſchkommode; ferner 3 Geigen
mit Kaſten, Ladenregale, Ladentheken, eiſ. Behälter, 1 Sprech=
apparat
, 1 Friſeurtoilette, 1 Fahrrad. Damenhandſchuhe,
1 Schreibmaſchine. 24 Aktenmappen, 24 Reiſeneceſſaires,
60 Portemonnaies, 12 Schreibmappen, Bohrmaſchinen,
Schraubſtöcke, Stanzen, Amboſe, 1 Eiſenſcheere, 1 Hand=
wagen
, 2 Kühe und 2 Pferde
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Die Verſteigerung der fettgedruckten Sachen findet ſicher
ſtatt.
(3247
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Georgenſtr. 11, I.

Lieferungs=Vergevung.

Der Bedarf an Küchenbedürfniſſen für das vom 6. bis 19. März
1913 auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt übende III. Bataillon
2. Reſerve=Infanterie=Regiments XIV. Armeekorps, beſtehend in
Viktualien, Kartoffeln, Gemüſe uſw. ſoll am Montag, den 17. Fe=
bruar
1913, vormittags 10 Uhr, vergeben werden
Angebote mit der Aufſchrift Angebot auf Lieferung von
Küchenbedürfniſſen ſind bis zum, genannten Termin verſiegelt an
das Geſchäftszimmer des II. Bataillons Füſilier=Regiments Nr. 40
Leopoldskaſerne II Raſtatt einzureichen.
Die Lieferungsbedingungen können daſelbſt gegen Erſtattung
von 1 Mk. bezogen werden.
Perſönliches Erſcheinen zum Termin iſt nicht erforderlich.
Die täglich zu verpflegende Kopfſtärke beträgt etwa 700 Mann.
Raſtatt, den 30. Januar 1913.
(IV,3208
Krüger,
Major im Füſilier=Regiment Nr. 40 und Führer
des III. Bataillons Reſ.=Inf.=Regts. XIV. Armeekorps.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß Jeder,
welcher aus dem Gemeinde=Waſſerwerk Eberſtadt Waſſer beziehen
will und Anſchluß an die Gemeinde=Waſſerleitung wünſcht, dies ge=
mäß
§ 3 der Satzungen des Gemeinde=Waſſerwerks, auf der Großh.
Bürgermeiſterei durch Unterzeichnung des hierzu vorhandenen For=
mulars
anzuzeigen hat. Dasſelbe erſtreckt ſich auch auf alle diejeni=
gen
, welche bereits an die Waſſerleitung angeſchloſſen und die An=
meldung
nicht vorſchriftsmäßig vollzogen haben. Zur Nachholung
dieſer ſchriftlichen Anmeldungen wird der Waſſerwerksgehilfe Kern
von Montag ab die fehlenden Unterſchriften von allen Hausbeſitzern ꝛc.
eintragen laſſen.
Auswärtige, welche hierorts Grundbeſitz haben und an die
Gemeinde=Waſſerleitung angeſchloſſen ſind bezw. anſchließen wollen,
haben perſönlich bei uns zwecks Vollziehung ihrer eigenhändigen
Unterſchrift in dem Anmelderegiſter zu erſcheinen.
Eberſtadt, den 31. Januar 1913.
(3212
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.

Brenn= und Autzholz=Verſteigerung.

Montag, 10. Februar l. J., vormittags 9 Uhr
anfangend, werden im Nieder=Beerbacher Gemeindewald nachbezeich=
nete
Holzarten verſteigert:
Scheiter Knüppel
Stöcke
Buchen: 261 rm
99 rm
68 rm und 3920 Wellen
Kiefern: 20
10 620
20
Eichen:
430
29
Eichen=Stämme: 97 Stück 1043 cm Durchm. und 512 m Länge
Lärchene
1510
, 912
15
7 9
Kiefern=
2532
Derbſtangen: Fichten 87 Stück, Lärchen 16 Stück, Eichen 13 Stück
und Buchen 5 Stück.
Rund= und Halbſcheit 54 rm Buchen.
Bemerkt wird, daß ſich hierbei ſehr ſchönes Wagnerholz befindet.
(3254
Zuſammenkunft an der Rodelbahn.
Nieder=Beerbach, den 3. Februar 1913.
Großh. Bürgermeiſterei Nieder=Beerbach.
Geibel.

Eiſernes Tor
2,65 m breit, zu verkaufen (2958a
Heidelbergerſtr. 106.

Nähmaſchine
gebraucht, billig abzugeben (3011fom
Müller Ober, Karlſtr, 30.

[ ][  ][ ]

D
Woo
Turnhalle
SSporE

Heute Fastnacht-Dienstag

karnevalistische Konzerte

Grosses Faschingstreiben,
u. Tanz etc.
Eintritt 20 Pfennig.
Anfang 6 Uhr.
(3201)

Kriegerverein Darmſtadt.
Hauptverſammlung
Mittwoch, den 12. Febr. 1913, abends 8½ Uhr
in dem Vereinslokal in der Turnhalle am Woogsplatz
Tagesordnung:
1. Geſchäftliche Mitteilungen. 2. Verleihung von Abzeichen für
40=, bezw. 25jährige Mitgliedſchaft. 3. Jahresbericht. 4. Jahres=
rechnung
. 5. Satzungsgemäße Genehmigung des bereits in der vor=
jährigen
Hauptverſammlung gefaßten Beſchluſſes wegen Zuwahl zum
Vorſtand (Zuſatz zu § 13). 6. Lieferung des Heſſiſchen Kameraden
an ſämtliche Mitglieder. 7. Vorſtandswahl. 8. Wahl der Rechnungs=
prüfer
. 9. Wahl des Schiedsgerichts. 10. Wahl des Fahnenträgers
(3252io
und der Fahnenbegleiter. 11. Bücherausgabe.
Der Vorstand des Kriegervereins Darmstadt.

O
Kammermusik-Vereinigung Darmstadt
Hofrat W. de Haan, Hofkonzertmeister E. Schmidt, Konzert-
meister
P. Schnurrbusch, Hofmusiker G. Gims und Hofmusiker
(3235if
E. Andrä.

Dritte Matinee

Sonntag, 9. Februar 1913, 11¼ Uhr, im Musikvereinssaal.
Glasonnow: Streichquartett. Volbach: Klavierquintett (unter Mitwirkung
des Komponisten).
Karten zu Mk. 4., 6
2., und 1. bei Georg Thies
Nachf., Elisabethenstrasse 12.

Carneval 1913

2272

HOTEL HEss‟

Jischbesteilungen
Souper & 2.50

rechtzeitig erbeten.

Pariser Kopfsalat

Stück 1012 Pfg.
Schweren ſüdfranzöſiſchen Frei=
landſalat
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Sendungen
Bernhard Held
Karlſtraße 24. Telephon 478.

Ein ſchwarzer Iagoban
gut erhaltener à Täckanzug
billig zu verkaufen.
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W. Aberle, Rheinſtraße 28.

Raufmannischer Verem Darmstadr!

(Eingetragener Verein).

Samstag, 8. Februar, abends 8.11 Uhr
im Kaisersaal:

Maskenball.
Kabarett erster Künstler. (3236if
Der Elou aller karnevalist. Veranstaltungen der Residenz.

Eintrittskarten

bei Meyers Zigarrenhandlungen, Mathildenplatz und Nieder-
Ramstädterstrasse, Richard Jung, Schulstrasse, M. Kauf-
mann
, Alicestrasse 20 und S. Guttmann, Wendelstadtstrasse.

Karnevuigesenseharr Harrhald.

Hoter kolniscker-Hol.
Fastnacht-Dienstag:
(*3046
Gross. Fastnachts-Schlorum
wees5 mit TANZ. (Geosu
Bedienung durch fesche bayrische Madels. Lauschige Nischen.
Eintritt frei.
Anfang 4 Uhr.
Brauerei-Restaurant
EEf
miessischer 110)
Fastnacht-Dienstag: (3228
Greß. Karhevan Konzert
Eintritt frei.
Anfang 5 Uhr.
Brauerei zum Hananer-Hof-
Fastnacht-Dienstag, den 4. Februar:

Fastnacht-Dienstag, den Z. Februar 1913
in sämtlichen Räumen des Saalbaues:
GROSSER
Tascningstraber

Kolossaler Betrieb!
3 Musik-Kapellen!
anz
in 2 Sälen.
Der große
Rat.
Alb. Supp
Präsident.

Eintritt 50 Pfg.

Beginn 64 Uhr.

(3103si

3073) Eintritt frei.
Ferd. Frank
Pianist
(1513a
Ludwigstrasse 16. Fernspr. 2187.
Neue Konzert=Pauke zu verk.
N Grafenſtraße 8, 2. St. (*3100

Heyl & Jonn, Mannfaktarwaren. (43a

Künstl. Zähne
von Mk. 1.50 an. (2372a
Joseph’s Zahnatelier, Soderstr. 7.

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Theater- und Masken-Garderobe
10 Louisenstr. 10 (2080a
Verleih= und Verſandhaus.
Größtes Lager am Platze.
Ueber 1200 Kostüme u. Dominos
für Herren, Damen und Kinder.
Histor. Kostüme für Festzüge u. Kostümfeste.
Kulissen. Pahnen von 50 Pf. an zu verleihen
e
*s
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Gervinusſtraße 62, 1. Stock. (3244

Täglich
frische MAZZEN
bei
MAINZERS NACHF.
Bleichstrasse 13. (*3095

Großherzogl. Hoftheater
Dienstag, den 4. Februar 1913.
112. Abonnem.=Vorſt. D 27.
Neu einſtudiert:
Die luſtige Witwe.
Operette in 3 Akten von Victor
Léon und Leo Stein.
Muſik von Franz Lehär.
Muſikaliſcher Leiter: Erich Kleiber.
Spielleiter: Emil Valdek.
Perſonen:
Baron Mirko Zeta Adolf Jordan=
Valencienne, ſeine
Frau.
. Hede Schaub
Graf Danilo Da=
nilowitſch
..
tt.
Hanna Glawari
Camille de Roſil=
lon

Otto Semper
Vicomte Cascada Paul Peterſen
Raoul de St.
Broiche .
Karl Bernhardt
Bogdanowitſch Karl Jahn
Sylviane, ſ. Frau Johanna Kaſten
Kromow.
Emil Kroczak
Olga, ſeine Frau Käthe Gothe
Pritſchitſch
Willi André
Praskowia, ſ. Frau Minna Müller=
Rudolph
Niegus, Kanzliſt . Richard Jürgas
Lold,
Luiſe Müller
Dodo
Luiſe Rehr
Jou=Jou,
Clara Höhne
Marie Baranoff
Frou=Frou,
Clo=Clo,
2 . Agnes Harreus
Margot,
Margarete Lücke
Karl Feder
Ein Diener
Ein Kellner
Ludwig Hinkel
Danilo . . Bruno Harprecht
vom Berliner Theater,
* Hanna Glawari . Joſefine
Becker=Gerder, als Gäſte.
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe.
Krank: Sofie Heumann.
Beurlaubt: Käthe Meißner, Bar=
bara
Uttmann.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M., Mittel=
loge
6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 4.10 M.,
14.20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 M.,
II. Galerie 0.65 M.
Anfang 7½ U. Ende 10½ U.
Kartenvk. v. 9½ 1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Mittwoch, 5. Febr. 113. Ab.=Vſt.
C 30. Einmaliges Gaſt=
ſpiel
von Tereſina Oſter.
Das Prinzip. Lene Kuk:
Tereſina Oſter vom Hoftheater in
Dresden. Gew. Pr. Anf. 7½ Uhr.
Donnerstag, 6. Febr. 114. Ab.=
Vorſt. B 29. Mein Freund
Teddy. Teddy: Bruno Harp=
recht
vom Berliner Theater, a. G.
Gew. Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Freitag, 7. Febr. 115. Ab.=Vſt.
A 29. Tannhäuſer. Ge=
wöhnl
. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Aus dem Spielplan.
Samstag, 8. Febr. 116. Ab.=Bſt.
D 28. Zum erſten Male: Ana=
tol
von Arthur Schnitzler. Ge=
wöhnl
. Preiſe. Anfana 7½ Uhr.

[ ][  ][ ]

Das Wichtigſte vom Tage.

Das Wetter am heutigen Faſtnachtdienstag
bleibt andauernd ſchlecht, wenn es nicht beſſer wird.
Die Regierung kündigt eine neue Februar= oder
Reichsabfallſteuer zur Deckung der Koſten für
die Militärvorlage an.
Die Petroleumkommiſſion des Reichstags geriet
geſtern in Brand, deſſen weiteren Folgen durch die
ſofortige Auflöſung der Kommiſſion vorgebeugt wurde.
Dr. Danew iſt in Konſtantinopel eingetroffen.
Er erklärte, daß er nur türkiſche Teppiche kaufen wolle.
Bei Kikeriki fand geſtern eine große Schlacht zwi=
ſchen
Bulgaren und Türken ſtatt. Beide er=
fochten
einen großen Sieg.

Politiſches.

Militärvorlage und Koſtendeckung.
* Nachdem die Berliner Blätter anfänglich aus gut=
und beſtunterrichteter Quelle zu melden wußten, daß alle
Nachrichten über eine geplante Militärvorlage aus der
Luft gegriffen ſeien, wiſſen ſie jetzt, obwohl die Vorlage
dem Bundesrat noch nicht zugegangen iſt, daß die Vor=
lage
100 Millionen verlangt; auf 30 bis 50 Millionen
kommt es ja dabei nicht an, und ſo dürfte die Meldung
im ganzen ſtimmen.
Da man auch im Reiche noch dem veralteten Grundſatz
huldigt: Keine neuen Ausgaben ohne Deckung, ſo iſt es
natürlich nötig, ſich nach neuen Steuern umzuſehen. Nach=
dem
man mit der Beſteuerung der Streichhölzer, die aller=
dings
Geld, aber außerdem 110 Sozialdemokraten ein=
gebracht
hat, ſchlechte Erfahrungen gemacht hat, hat man
den anfänglichen Plan einer allgemeinen Portemonnaie=
ſteuer
fallen gelaſſen; es hat ſich nämlich erwieſen, daß die
ſonſtigen Steuerquellen noch lange nicht erſchöpft ſind. So
iſt z. B. die Losſteuer noch einer bedeutenden Erweiterung
fähig, da viele Loſe noch unbeſteuert ſind, z. B. Eheloſe,
Kinderloſe, Bartloſe, Treuloſe, Harmloſe, Tuberkuloſe ꝛc.
Auch andere Steuern, die mehr den Charakter frei=
williger
Steuern annehmen, würden noch bedeutende Ein=
nahmen
ergeben, z. B. eine Regenſchirm= und Gummiſchuh=
ſteuer
und eine Bade= und Rodelſteuer. Da man ſich die=
ſen
Steuern aber leicht entziehen kann und ſie ohnehin
eine zu unſichere Einnahmequelle darſtellen, muß man
darauf bedacht ſein, eine von allen Eventualitäten unab=
hängige
, ſich gleichbleibende Einnahme zu ſchaffen.
Eine bedeutende Finanzkapazität hat nun dieſe neue
Steuer gefunden: es iſt die ſog. Februar=Steuer. Dieſe
geht von folgenden Grundſätzen aus: Alle Beamte, An=
geſtellte
und Penſionäre, die ihr Gehalt, ihren Lohn und
wie man das Einkommen ſonſt nennen will, und ihre Pen=
ſion
monatlich oder vierteljährlich beziehen, erhalten für
den Monat Februar, der nur 28 Tage zählt, dieſelbe Ver=
gütung
, wie für die anderen Monate, die 2 bis 3 Tage
mehr zählen. Sie erhalten ſomit im Grunde 2 Tage (im
Schaltjahre einen Tag) zu viel bezahlt. Bei dem notoriſch
hohen Einkommen aller Angeſtellten, denen außerdem noch
die Sonntage nicht abgerechnet werden, bedeutet dieſe
Ueberzahlung eine durch nichts gerechtfertigte Bevor=
zugung
vor den für Tagelohn Arbeitenden; ein Ausgleich
unſere ganze Sozialpolitik beruht ja auf dem ſchönen
Grundſatz des Ausgleichs erſcheint alſo nur gerecht=
fertigt
. Daher wird vorgeſchlagen, von allen Gehältern ꝛc.
und Penſionen, die monatlich bis jährlich zur Aus=
zahlung
gelangen, im Monat Februar den auf 2 Tage
entfallenden Betrag oder einen durch Bundesratsbeſchluß
noch feſtzuſetzenden Teilbetrag davon als Reichsabfall=
ſteuer
zurückzubehalten. Der Abzug geſchieht vor der Aus=
zahlung
der Vergütungen durch die auszahlende Stelle,
die für die richtige Abführung der Steuer verantwortlich
bleibt.
Dieſe Februar=Reichsabfallſteuer wird für die geſamte
Koſtendeckung bis zu 100 Millionen ausreichen. An der
Annähme dieſer Steuer durch den Reichstag iſt nicht zu
zweifeln, da ja die Arbeiter von ihr befreit bleiben. Da=

für ſind 10 Soztaldenokraten und 12 Polen, der Zen=
trumsturm
fällt um und zerbricht in zwei Teile: 45 ſtim=
men
dafür und 45 verſäumen die Abſtimmung. Die zur
Mehrheit dann noch fehlenden 4 Stimmen bringen Elſäſſer,
Welfen und Wilde, die ja bekanntlich die beſſeren Menſchen
ſind, reichlich ein.
In der nächſten Nummer werden wir den genauen
Wortlaut des Geſetzentwurfs mitteilen.

* Kleine Anfragen im Reichstag. Der
Abg. Biedermeier (wild) fragt an: Iſt es dem Reichskanz=
ler
bekannt, daß die Friedensverhandlungen in London
abgebrochen worden ſind, und was gedenkt er zu tun, um
einem Wiederausbruch des Krieges vorzubeugen? Der
Abg. Schnüffel (Soz.) fragt an: Iſt es dem Reichs=
kanzer
bekannt, daß in dieſem Winter die Influenza wie=
der
ſtark graſſiert, und was gedenkt er zu ihrer Be=
kämpfung
zu tun? Der Abg. Schneid (Zentr.) lenkt in
einer Anfrage die Aufmerkſamkeit des Reichskanzlers auf
den Gebrauch evangeliſcher Seife in dem katholiſchen
Hoſpiz zu St. Margarethen und erſucht um Abhilfe.
Der Abg. Freundlich (Fortſchr. Volkspt.) fragt den Reichs=
kanzler
, ob er Kenntnis davon erhalten habe, daß bei der
Reichstagserſatzwahl in Schwetz den Reichstagswählern
Schnaps verabreicht worden ſei und ob eine Unterſuchung
darüber eingeleitet werden ſoll. Der Abg. Mäßig
(konſ.) fragt an: Hat der Reichskanzler Kenntnis von einer
Bewegung gegen den Alkoholgenuß, die man als Anti=
alkoholbewegung
bezeichnet, und wie ſtellt ſich die Regie=
rung
zu dieſer Bewegung? Der Abg. Amme (natl.)
fragt an, ob man erwarten darf, daß das Kinderſaug=
flaſchengeſetz
auf den Rückgang der Geburten einen Ein=
fluß
haben werde. Wie dem Neuen Deutſchland ferner
ein ſehr geſchätzter Parlamentarier ſchreibt, werden als
kleine Anfragen im Reichstage weiter die folgenden ge
ſtellt werden: Iſt dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß
die Sonnenwärme ſich zu vermindern ſcheint, und welche
Maßregeln gedenkt er hiergegen zu ergreifen? 2. Iſt dem
Herrn Reichskanzler bekannt, daß die Steinkohlenvorräte
Deutſchlands ein Jahrtauſend früher oder ſpäter zu Ende
gehen, und gedenkt er rechtzeitig für geeigneten Erſatz zu
ſorgen? 3. Iſt es dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß
trotz wiederholter Beſchwerden bei den Königlich Preußi=
ſchen
Eiſenbahnbehörden die Reinlichkeit auf der Eiſen=
bahnſtation
Kleinleben zu wünſchen übrig läßt? Was ge=
denkt
der Herr Reichskanzler zu tun, um Abhilfe herbeizu=
führen
? Dem Vernehmen nach werden dieſe kleinen
Anfragen, ihrer Bedeutung entſprechend, ſchon am
Faſchingsdienstag auf die Tagesordnung des Reichstages
geſetzt werden.
* Reichskanzler und Zentrum. Der
Reichskanzler leidet ſeit der Jeſuitendebatte an heftigen
Zahnſchmerzen. Auf Anraten Dr. Bachems hat er, wie
die Kölner Roſenmontags=Zeitung mitzuteilen weiß, eine
Spahnſche Fliege hinters Ohr bekommen, die das Uebel
aber verſchlimmert hat.
* Eine Entgleifung und ihre Folgen.
Bei der amtlich mitgeteilten kürzlichen Entgleiſung der
Bayeriſchen Staatszeitung wurden die Köpfe der leitenden
Redakteure ſtark verletzt. Der Miniſterpräſident blieb un=
verletzt
. Für die Redaktion der Zeitung hat der Unfall
glücklicherweiſe keine weiteren Folgen.
* Die unpolitiſche Eiſenbahnbehörde.
Der preußiſche Eiſenbahnminiſter hat Sorge dafür ge=
tragen
, daß die Eiſenbahn keinen politiſchen Anſtrich be=
kommt
; denn er hat angeordnet, daß alle Perſonenwagen
einheitlich grün angeſtrichen werden. Die grüne Farbe
iſt, wie wir hören, deshalb gewählt worden, weil ſie im
Gegenſatz zu ſchwarz=blau, rot und gelb einen politiſch
neutralen Charakter hat.
* Das Luftſchiff im engliſchen Unter=
hauſe
. Im engliſchen Unterhauſe fragte Spleen an, ob
die Regierung Kenntnis davon habe, daß ein deutſches
Luftſchiff in der Nähe der engliſchen Küſte geſehen wor=

den ſtl. Sir Ehward Herg erwiderte, daß die Reglermnt
Kenntnis davon erhalten habe, daß behauptet worden ſei,
daß ein Luftſchiff geſehen worden ſei. Die Regierung
habe einen Spleen (große Heiterkeit) gewiß befriedigen=
den
Beſchluß gefaßt, längs der Küſte große Fernrohre
aufzuſtellen, damit die Luftſchiffe genau beobachtet wer=
den
können.
* Der rote Storthing in Norwegen hat
die Abſchaffung der Orden und Titel beſchloſſen und eine
diesbezügliche Eingabe an Se. Exzellenz den Herrn Mi=
niſterpräſidenten
gerichtet. Der König hat ſich ablehnend
verhalten, aber in Anerkennung der guten Abſicht dem
Abg. Kundſon, dem Führer der Mehrheit, das Kreuz des
heiligen Olaf verliehen, der dieſes als einen Beweis der
Vorurteilsfreiheit des Königs dankend annahm.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 4. Februar.
g. Strafkammer. Ein Monſtreprozeß wurde
geſtern vor der hieſigen Strafkammer III verhandelt, in
dem ſich eine große Anzahl angeſehener Bewohner
des Martinsviertels wegen Aufreizung zu
verantworten hatten. Auf Antrag der Großh. Staats=
anwaltſchaft
wurde gegen dieſe das Hauptverfahren er=
öffnet
, weil ſie hinreichend verdächtig ſind, innerhalb nicht
rechtsverjährter Zeit die Leitung der Heſſiſchen Eiſenbahn=
Aktiengeſellſchaft zum rückſichtsloſen Vorgehen gegen die
Intereſſen der hieſigen Alma mater aufgereizt zu
haben, indem ſie immer wieder eine elektriſche Bahn
durch die Hochſchulſtraße verlangten. Die ſämtlichen An=
geklagten
ſind in vollem Umfange geſtändig, weshalb die
Beweisaufnahme ſehr raſch von ſtatten ging. Der Staats=.
anwalt Schneidig geißelte in ſeiner Rede mit treffen=
den
Worten das aufreizende und rückſtändige Verlangen
der Angeklagten die in einer Zeit, wo der Luftverkehr
ſchon zu ſo hoher Vollkommenheit ausgebildet iſt, noch
das Leben ihrer Mitbürger, ſowie die Retorten und
Reagenzgläſer in der Hochſchule durch eine den heutigen
Verkehrsverhältniſſen im allgemeinen und den finanziellen
Verhältniſſen der Martinsviertelbewohner im beſonderen
ſchon längſt nicht mehr entſprechende elektriſche Bahn
gefährden wollen. Ein derartiges aufreizendes und un=
begründetes
Vorgehen könne nicht ſtreng genug geahndet
werden. Er beantrage daher zumindeſt eine ſechsjäh=
rige
Verbannung der Angeklagten in das
Tintenviertel. Das Gericht erkannte gemäß dem
Antrage des Staatsanwalts.
Spielplan des Großh. Hoftheaters. Mittwoch, den
5. Februar, Die erlöſte Prinzeſſin, heitere Dialektoper
in zwei Akten. Donnerstag, den 6. Februar: Lohen=
grau
Handlung für Orcheſter Chor und Soli. (Anfang
7 Uhr. Ende 12 Uhr.) Freitag, den 7. Februar: Der
verloren gegangene Page oder Das verherte Schloß.
Tragikomödie in vier Akten. Samstag, den 8. Februar:
Der unbekannte Froſch, heiteres Spiel in drei Akten, mit
einem Vorſpiel hinter der Szene.
r. Die Beleuchtung der Hofbibliothek iſt ſchon öfters
Gegenſtand der Klage geweſen. Eine künſtliche Beleuch=
tung
mußte ſeither ſtets mit dem Hinweis auf die große
Feuergefährlichkeit abgelehnt werden. Wie wir aus beſter
Quelle hören, hat man nun einen ſehr praktiſchen Ausweg
gefunden. Nach dem Vorgang ſüdamerikaniſcher Biblio=
theken
ſollen jedem Beſucher eine Anzahl ad hoe gezüch=
teter
Leuchtkäferchen in geſchmackvollem Behälter zur Ver=
fügung
geſtellt werden. Die niedlichen Tierchen, die be=
kanntlich
durch Phosphoreszenz leuchten, alſo nicht im
geringſten feuergefährlich ſind, verbreiten ein mildes an=
genehmes
, aber trotzdem vollkommen ausreichendes Licht,
um die friſchen Drucke leſen zu können. Ein eigentümlicher,
zarter gromatiſcher Geruch, den ſie ausſtrömen, wirkt
außerdem anregend auf Nerven und Geiſtestätigkeit. Wie
wir weiter hören, iſt man in Erwägungen eingetreten, ob
man das neue Beleuchtungsmittel nicht auch bei den hohen
Miniſterien, Gerichtshöfen. Stadtver=
ordneten
=Verſammlungen u. dbl. einführen
ſoll, da ſeine Handhabung die Tierchen müſſen ſtets
auf den Anfang der Zeile geſetzt werden, die ſie leuchtend
abſchreiten die Leſer vor dem Einſchlafen ſchützt.
* Vom Hoftheater. Der Waffenſchmied kann vor=
erſt
nicht gegeben werden, da die Neubeſchaffung der=
Requiſiten noch ca. ½ Jahr dauen dürfte. Wir werden
übrigens erſucht, mitzuteilen, daß es ſich bei den an einen
Trödler verkauften Rüſtungen nur um ſolche handelt, die
unſeren hier einzig in Frage kommenden Solokünſtlern
zu eng und dadurch unbrauchbar geworden ſind. Außer

Feuilleton.

B Die reformierte ſtiliſierte Stil=Reform=Bühne iſt
das Endergebnis einer künſtleriſchen Entwicklung auf dem
Gebiete des Theaters, die bekanntlich in Darmſtadt mit
vollem Erfolg begonnen hat. Es war nur zu natürlich,
daß die Ideen der Reform= oder Stilbühne zur weiteren
Ausgeſtaltung drängten. Hatte man die alten Dekoratio=
nen
beſeitigt, um die Aufmerkſamkeit des Publikums von
ſolchen Nebendingen abzulenken und auf die Dichtungen
felber zu konzentrieren, ſo war der nächſte Schritt in dieſer
Richtung die Abſchaffung des Koſtüms. Kein Zweifel,
daß durch prächtige Koſtüme, beſonders bei den Schau=
ſpielerinnen
und Sängerinnen, das Intereſſe des Publi=
kums
weſentlich abgelenkt wurde! Wieder ein Schritt
näher zur reinen Kunſt war daher der Verzicht auf das
Koſtüm, womit zugleich mit einem Schlage die ſeit langer
Zeit brennende Frage der Koſtümbeſchaffung ſeitens der
Künſtlerinnen auf das glücklichſte gelöſt wurde. Man
ging aber noch einen Schrit weiter. Durch den Anblick
ber Darſteller wurde das Publikum. und zwar deſten
weiblicher Teil durch die Künſtler, und deſſen männlicher
Teil durch die Künſtlerinnen ſtets erheblich in ſeinem
Intereſſe an dem reinen Kunſtwerk beeinträchtigt, da die
Perſon der Künſtler das Publikum mehr feſſelte, als die
Dichtung. Daher verbannte man die Künſtler von der
Bühne und ließ ſie hinter den Stoffdraperien der Reform=
bühne
ihre Rollen ſprechen. Damit ſchien der Höhepunkt
der Entwickelung erreicht; nichts ſtörte mehr die Andacht
und Stimmung der Zuhörer. Als eine Entgleiſung muß
es aber bezeichnet werden, daß manche kleinere Bühnen
nun einfach einen Phonographen hinter der Bühne auf=
ſtellten
und dieſen reden ließen. Aber der wirkliche Kul=
mingtionspunkt
iſt jetzt erſt erreicht: man hat auch das

ganze Theater abgeſchafft, da das Publikum ſich gegen=
ſeitig
in der Andacht ſtörte da gab es Toiletten zu be=
wundern
und zu beneiden, zarte Bande wurden angeknüpft
uſw. Aber durch einen kühnen, genialen Gedanken iſt
das Endziel der möglichen Entwickelung erreicht: der
Theaterbeſucher bleibt zu Hauſe und lieſt in der Stille
ſeines Heimes die Dichtung, So wird er weder von De=
korationen
, Koſtümen, noch von Künſtlern oder Publikum
gefeſſelt werden, ſondern kann ganz unmittelbar den Reiz
der Dichterwerke auf ſich wirken laſſen.
B Spezialvorſtellungen in London. Zu Ehren der
Botſchafter und der noch anweſenden Friedensdelegierten
der Balkanvölker und der Türkei wird im Hoftheater in
London eine Reihe Spezialvorſtellungen gegeben. Der
Zyklus umfaßt: Ariadne auf Naxos von Rich. Strauß,
Iphigenie auf Aulis von Gluck, Iphigenie in Tauris
von Goethe Der Barbier von Bagdad von Cornelius,
Die Entführung aus dem Serail von Mozart, Die
Kaiſerin des Balkan von Nikita von Montenegro, Fati=
nitza
von Suppé, Die Räuber von Schiller und Das
Friedensfeſt von Gerhart Hauptmann.
* Das verſetzte Gänſefüßchen. Aus Moskau wird ge=
meldet
: Heute früh durchſchnitt ein Beſucher der Tretja=
kowgalerie
das Gemälde Rjopins Johann der Schreckliche
tötet ſeinen Sohn mit einem Meſſer an drei Stellen. Die
Wächter ergriffen den Täter.
* Telephoniſcher Hörfehler. Die Times berichtet aus
Athen, daß die Mägde mit der Errichtung einer Männer=
Republik auf dem Berge Athos nicht einverſtanden ſind.
* Heiteres aus dem Gerichtsſaale. Vorſitzender:
Zeuge, warum weigerten Sie ſich, der Aufforderung, mit=
zugehen
, Folge zu leiſten?
Zeuge: Weil ich mein Alibi bei mir hatte.
Vorſitzender (jövial): Sie meinen wohl Legi=
timation
. Damit ſie aber ein= für gbemal wiſſen, was

ein Alibi iſt, werde ich es Ihnen ſagen: Alibi iſt der Be=
weis
, daß man nicht da iſt.
Eine künſtliche Zucht von Störchen wird von dem
Königlichen Regierungspräſidenten der Provinz Bran=
denburg
geplant, um dem Geburtenrückgang vorzubeugen.
Neues Heilmittel.
Die Träne ward ſchon oft beſungen
Als Künderin der Herzensnot,
Von ältern Dichtern und von jungen
Und auch von ſolchen, die längſt tot.
Ich will jedoch die Träne loben
Oils neu entdeckte Arzenei,
Als Mittel gegen die Mikroben
uund deren giftige Teufelei!
Es hat ein Arzt in Kopenhagen
Dies Mittel gründlich ausprobiert:
Schon viele Leiden, viele Plagen,
Hat er mit Tränenſalz kuriert.
Ihr Frauen, die ihr häufig weinet,
Verſchleudert nicht das edle Naß,
Bewahrt die Tränen und vereinet
Das Bächlein gut in einem Faß!
Der Mann, der ſchuld an euren Tränen,
Weiß ſpäter wohl euch dafür Dank,
Schluckt das Produkt häuslicher Szenen
Als Heiltrank, wenn er ſiech und krank!
O Träne du haſt Wunderkräfte:
Hilfſt erſt der Frau zum neuen Hut,
Und reinigſt dann durch ſalz’ge Säfte
Wdn:
Dem Manne das verdorhne Blut!

[ ][  ]

den Rüſtungen wurden noch verkauft 300 Paar Bein=
trikots
und 600 Ballettſchuhe, die ebenfalls überzählig
wurden, nachdem ſich die Damen des Corps de Ballet
und die Choriſten nun endgültig bereit erklärt haben
nur noch mit nackten Beinen zu tanzen. Nur Herr Jür=
gas
behält ſeine ſchwarzen durchbrochenen Seidenſtrümpfe.
* Aus dem Stadthauſe. Die Gründung eines neuen
Ausſchuſſes hat ſich im Stadtparlament als notwendig er=
wieſen
. Nämlich die eines Denkmalverſetzungs=
ausſchuſſes
. Dem Ausſchuſſe ſollen 7 Mitglieder an=
gehören
, darunter der ſtädtiſche Pfandmeiſter. Der Denk=
malsrat
hat das Erſuchen, eines ſeiner Mitglieder dieſem
Ausſchuſſe zu kooptieren, abgelehnt mit der Begründung,
daß er in Darmſtadt nur noch ſolche Denkmäler unter
ſeinen Schutz ſtellt, die noch nicht verſetzt worden
ſind.
* Um den außerordentlich geſteigerten Verkehrsbedürf=
niſſen
, denen unſere Elektriſche auch nach der Geburt der
Heag beſonders bei Regenwetter, immer noch nicht ge=
nügen
kann, nach Möglichkeit Rechnung zu tragen, hat
die Direktion ſich entſchloſſen, eine Hochbahn zu er=
bauen
, die vorerſt die Hauptrichtungen der Reſidenz be=
heerſchen
, dann aber ſtrahlenförmig ausgebaut werde
ſoll. Zuerſt wird die Strecke Ludwigsſäule-Weißer
Turm angelegt, weil es dringend notwendig geworden
iſt, die ſtets größer werdende Gefahr des Zuſammenſtoßes
der nach und vom Bahnhof uſw. kommenden Wagen am
Faixe Eck herabzumindern. Wie verlautet, ſoll der Bau
der Hochbahn in dem gleichen beſchleunigten Tempo be=
trieben
werden, wie der elektriſche Ausbau der Vorort=
bahnen
und die Beſeitigung des alten Bahndammes, ſo
daß Hoffnung beſteht, die Bahn doch noch in der erſten
Hälfte dieſes Jahrhunderts in Benutzung nehmen zu
können. Man hat bereits die Bohrmaſchinen in freier
Lieferung ausgeſchrieben, mit denen Bohrungen vorge=
nommen
werden ſollen zur Erſchließung eines Erzberg=
werks
, das das Material für die Schienen liefern ſoll.
Die weiter in Ausſicht genommenen Hochbahnlinien ſind,
wie wir erfahren, Weißer Turm- Bismarckdenkmalhelm=
ſpitze
(das Denkmal ſoll dadurch anſtatt verſetzt, gehoben
werden). Bismarckturm-Hochzeitsturm, Muſeumsturm-
neue

Die
Elektrizitätswerk-Bahnhofsbrunnen.
Strecke der elektriſchen Straßenbahn nach dem Oſt=
bahnhaf
kann leider nicht vor Weihnachten eröffnet
werden, weil ein der Hofmeierei gehöriger Kompoſt=
baufen
vorerſt nicht abgefahren werden kann.
* Der ſtädtiſche Kohlenverkauf aus den Erträgniſſen
des Braunkohlenbergwerks Spiegel und Flunker (Grube
Neſſel) iſt mit dem Geſtrigen in Angriff genommen wor=
den
. Wie uns mitgeteilt, iſt dadurch die Stelle eines
dritten Bürgermeiſters neu geſchaffen und bereits zur
Beſetzung ausgeſchrieben worden. Vorbedingung iſt gute
Ausbildung im Boxen, die durch die Erfahrungen mit
dem Fleiſchverkaufsbürgermeiſter ſich als notwendig her=
ausgeſtellt
hat, da die Kohlenhändler mit ähnlichen Maß=
nahmen
drohten, wie die Metzger. Ein eigenes Ver=
kaufslokal
beabſichtigt man vorläufig nicht zu errichten,
da man mit Sicherheit darauf rechnet, daß eine Anzahl
Kohlenhoflieferanten Konkurs machen und man dann
deren Lager= und Verkaufsräume übernimmt. Aus dem
Ertrag der Grube wird der Anteil für die Stadt etwa
200 Kilogramm pro Jahrzehnt betragen.
Den Mitgliedern des Vereins für Frauenſtimm=
recht
wurde der engliſche Hoſenorden verliehen.

Die Metzger=Innung hat beſchloſſen, nach Muſter
der Liebig=Kompagnie in Fray=Bentos rieſige Rinder=
herden
auf dem von der Militärbehörde käuflich erwor=
benen
Uebungsplatz bei Darmſtadt zu unterhalten. Zum
eingehenden Studium der Pflege und Wartung dieſer
Herden wird eine Kommiſſion gewählt, welche vorerſt
auf 3 Jahre nach Fray=Bentos reiſen ſoll, und wird da
mit endgültig die Beſchaffung erſtklaſſigen Schlachtviehes
geregelt ſein.
Zur Hebung des Geſchäftsverkehrs ſollen, wie wir
hören, demnächſt die Geſchäfte im Zentrum der Stadt in
den Mittagsſtunden geſchloſſen werden, womit eine Maß=
regel
, die jetzt ſchon vereinzelt eingeführt iſt, verallge=
meinert
werden ſoll. Dies liegt auch im Intereſſe der
Käufer, die dann ihre freien Mittagsſtunden in Ruhe ge=
nießen
können.
* Der unterbrochene Liebestraum. Bei der letzten
Parademuſik wurde das Muſikſtück Der Liebes=
traum
durch eine jähe Bewegung des dirigierenden Ka=
pellmeiſters
nach dem Himmel unterbrochen. Ein Flieger
flog über den Platz, und gegen deſſen Sirenenmuſik mußte
die Kapelle die Seael ſtreichen.
Städtiſcher Gemüſeverkauf. Die Stadtverwaltung
fährt in ihrer dankenswerten ſozialen Fürſorgetätigkeit
fort und ſucht und findet immer neue Gebiete für dieſe.
So hat man ſich jetzt entſchloſſen, in den Städtiſchen An=
agen
Gemüſe anzubauen. Der Anfang iſt bereits auf
em Mathildenplatz gemacht worden, wo, den zurzeit be=
onderen
Bedürfniſſen entſprechend, vorerſt Spargelbeete
ingelegt werden. Rentabilität vorausgeſetzt, ſollen auch
Selleriepflanzungen angelegt und eventuell auch die alten
Bahnhofsanlagen dazu verwendet werden.
* Die Brauereivereinigungen wollen nun endlich
ihren Kampf gegen die Alkoholgegner aufgeben und haben
ich entſchloſſen, mit dieſen gemeinſam den Kampf
gegen den Alkohol aufzunehmen. Das ſoll zunächſt da=
durch
geſchehen, daß das Bier noch mehr als ſeither ge
wäſſert wird, ſo daß die Alkoholwirkung gleich 0 iſt.
Vorausgeſetzt wird dabei allerdings, daß die Stadt den
Waſſerpreis nicht erhöht.
* Zur Wehrhaftmachung unſerer Jugend iſt die
Jugendwehr=Leitung an die Säuglings= Für=
ſorgeſtellen
mit dem Erſuchen herangetreten, bei der
Erziehung der Säuglinge in geeigneter Weiſe gleich von
vornherein an das Gewöhnen der Knäbchen an die Waf=
ſen
, der Weibchen an die Verbandspflege zu denken. Letz=
eres
ließe ſich gleich beim Windelnwickeln demonſtrieren.
Ein Unfall ereignete ſich geſtern im Hoftheater,
indem der dirigierende Kapellmeiſter infolge einer tem=
veramentvollen
Bewegung über das Dirigentenpult in
den Orcheſterraum fiel. Glücklicherweiſe erlitt er keinen
Schaden, da er auf eine Geige fiel, die gerade eine Melodie
in moll ſpielte, ſo daß er weich zu liegen kam.
Geiſtesgeſtört wurde geſtern mittag plötzlich ein
Fremder, der vom Bahnhof kam, die Elektriſche benutzte
und auf dem Ernſt Ludwigsplatz umſteigen mußte. Der
Aermſte ſtudierte die Bemerkungen auf dem fünfmal ge
lochten Fahrſchein und wurde, nachdem er etwa eine
Stunde hilflos in dem Labyrinth von der, in dem, nach
der, zu dem, für das, um dies uſw. herumgeſucht, von
einem ſchweren Anfall von Gehirnerweichung befallen,
der ſchließlich in Tobſucht ausartete. Er mußte durch die
Rettungswache ins Spital gebracht werden. Gleichfalls
ins Spital kam ein in der Nähe des Schwimmbades im
Zuſtande völliger Erſchöpfung aufgefundener Fremder,

der, wie ſich herausſtellte, ſeit 3 Tagen den überall ange=
brachten
Schildern Nach dem Schwimmbad nach=
ging
und fortgeſetzt im Innern der Stadt herum=
irrte
. Als er endlich die Halle des Schwimmbades vor
ſich ſah, brach er vor Erſchöpfung zuſammen.

Vermiſchte und Letzte Nachrichten.

* Berlin, 3. Febr. Ein großes Unglück wurde
heute durch die Geiſtesgegenwart der Beteiligten verhütet.
Die im Reichshauſe tagende Petroleumkommiſ=
ſion
geriet in Brand. Nur die ſofortige Auflöſung der
Kommiſſion verhütete eine Ausbreitung des Brandes.
Ganz ohne Folgen iſt der Brand aber nicht geblieben, da
die Mehrzahl der Kommiſſionsmitglieder ſchwarz gewor=
den
iſt.
* München, 3. Febr. Ueber die Schreckenstat
eines Wahnſinnigen berichten die Neuſten Nach=
richten
: Der penſionierte königliche Unteramtsſekretär
Damian Tintenfleck, der bis jetzt ruhig und erträglich mit
den Seinigen gelebt hatte, ging am Freitag plötzlich in
einem jähen Anfall von Geiſtesſtörung fort und abon=
nierte
den Bayeriſchen Staatsanzeiger mit der Staats=
zeitung
. Die erſten Nummern, die er bekam, nahm er
gleich mit nach Hauſe und begann ſeiner Familie vorzu=
leſen
. Bis zum nächſten Morgen waren ſeine Frau,
ſieben Kinder, ſeine Schwiegermutter und deren zu Beſuch
hier weilende Urgroßtante, drei Kanarienvögel, der Speck=
dackel
Waldmann und ſämtliche in der Wohnung vorhan=
denes
Ungeziefer an langer Weile geſtorben. Nur die
Köchin der Familie, Fräulein Dorothea Pimpfel, die taub
iſt, kam mit dem Leben davon.
* London, 3. Febr. Ein entſcheidender Umſchwung
in der Frauenſtimmrechtsfrage ſteht bevor. Die
wvütigen Wahlweiber haben beſchloſſen, die Exzeſſe einzu=
ſtellen
und möglichſt zahlreich in den Eheſtand zu treten,
um ſo ihr Ziel zu erreichen. Dieſer Beſchluß hat in der
geſamten Männerwelt ein ſolches Entſetzen hervorgerufen,
daß die ſchleunige Einführung des Frauenſtimmrechts
jetzt von allen Seiten gefordert wird.
Vom Kriegsſchauplatz.
* Sofia, 3. Febr. Bei Kikeriki fand heute eine große
Schlacht zwiſchen der bulgariſchen Haupt=
armee
und türkiſchen Truppen ſtatt. Letztere
wurden in die Flucht geſchlagen und hinterließen
1000 Tote. Die Verluſte der Bulgaren ſind gering.
* Konſtantinopel, 3. Febr. In der heutigen Schlacht
bei Kikeriki erfochten die Türken einen großen Sieg
über die bulgariſche Armee, die in die Flucht ge=
ſchlagen
wurde und ungeheure Verluſte erlitt. Die
Meldung von dem Siege erregte große Begeiſterung.

Briefkaſten.

Stammtiſch Krätſcher. Das Pflaſter vor dem
Reſidenzſchloß auf dem Marktplatz ſteht unter Denkmal=
ſchutz
und kann deswegen nicht erneuert werden
S. Schuhplattelln lernen Sie am beſten und
ſchnellſten, wenn Sie ſich mit bloßen Hißen auf den Herd
ſtellen und dann tüchtig feuern laſſen. Alles, Bewegung
und Temperament, kommt dann von ſelbſt.

Erſchienen am Faſtnachts=Dienstag.
13. Jahrgang.
Unverantwortliche Redaktion des Tagblatts.
(Das Uebelnehmen und Nachdrucken vorſtehender Artikel
iſt verboten.)

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