Abonnemenkspreis
Inſerate
176. Jahrgang
2
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie =von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Die Wahlprüfungskommiſſion des
Reichs=
tags erklärte die Wahl des Abgeordneten Dr. Becker
(Alzey=Bingen) mit 8 gegen 5 Stimmen für
un=
gültig.
*
Dem Reichstage wird vorausſichtlich noch im Laufe
dieſes Monats eine neue Militärvorlage
zu=
gehen, die in umfaſſender Weiſe die beſtehenden Lücken
ausfüllen ſoll.
a
Der württembergiſche Landtag iſt geſtern mit
einer Thronrede vom König eröffnet worden.
Das neue portugieſiſche Miniſterium mit
Alfonſo Coſta an der Spitze hat ſich konſtituiert.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 5 und 6.
Der Geburtenrückgang.
II.
* Wir hatten den Geburtenrückgang als eine
Folge=
erfcheinung der drohenden oder bereits eingetretenen
Uebervölkerung, als einen Rückſchlag gegen die durch ſie
hervorgerufenen unerfreulichen Erſcheinungen dargeſtellt,
da durch ſie unſer Erwerbsleben nachteilig beeinflußt
worden iſt. Der Platz auf dem Stellen= und Arbeitsmarkt
iſt in unerwünſchter Weiſe beengt worden, und durch den
ins Grenzenloſe geſteigerten Wettbewerb, in den während
der letzten Jahrzehnte nun auch die Frauen mit
einge=
dreten ſind, iſt dem jungen Nachwuchs das Fortkommen
immer mehr erſchwert worden, zumal mit dem geſteigerten
Angebot auch die Anforderungen an die Bewerber nicht
nur ſeitens des Staates, ſondern auch ſeitens Privater in
einer mit der zu leiſtenden Arbeit oft gar nicht mehr im
Verhältnis ſtehenden Weiſe geſteigert worden ſind.
In dieſem Sinne kann man den Geburtenrückgang
an ſich, d. h. als eine tatſächliche Erſcheinung, als eine
natürliche und erwünſchte Reaktion gegen die
Ueber=
pölkerung bezeichnen. Eine gleich rapide Zunahme der
Bevölkerung wie in den früheren Jahren müßte, da neue
Erwerbs= und Beſchäftigungsgebiete und neue
Berufskate=
gorien in entſprechender Zahl nicht geſchaffen werden
kön=
nen, zu unhaltbaren Zuſtänden führen. Mindeſtens 90
Prozent aller im praktiſchen Leben ſtehenden Leute teilen
dieſe Anſicht, und wenn man ſie als richtig erkannt hat,
hat es keinen Zweck, ſie zu verſchleiern oder eine andere
Anſicht zu heucheln. Nur wer die Frage nach einem
Prin=
zip und nach wiſſenſchaftlichen Dogmen beurteilt, wird zu
einem anderen Reſultat kommen, aber die „graue Theorie‟
iſt hier nicht am Platze.
Eine Gefahr iſt allerdings darin zu erblicken, daß der
Rückgang der Geburten permanent werden und noch
wei=
lter zunehmen wird. Alle Anzeichen ſprechen dafür, daß
letzteres aus den ſchon früher dargelegten Gründen der
Fall ſein wird. Von dieſem Geſichtspunkte aus und in
dem berechtigten Wunſche, daß wir wieder zu einer
idea=
leren ſittlichen Lebensanſchauung zurückkehren mögen,
verdienen die Vorſchläge, die zur Bekämpfung des
Ge=
burtenrückganges gemacht worden ſind, ernſte Beachtung.
In den letzten Jahrzehnten hat eine
unverhältnis=
lmäßig zahlreiche Abwanderung vom Lande in die Städte
ſtattgefunden, die als ein unerwünſchter Wandel in den
Er=
werbsverhältniſſen unſeres Volkes bezeichnet wird und der
im Intereſſe der Geſundheit unſeres Volkes nach
Möglich=
lkeit vorgebeugt werden müßte. Bekanntlich liefert das
Land den größeren Teil der Militärtauglichen.
Drei=
viertel aller am 1. Dezember 1906 unter den Waffen
tehenden Leute waren geboren in Städten und Dörfern
mter 5000 Einwohnern. 64 Prozent aller ſtammten aus
Bemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern, während
s nach der Zahl der Bevölkerung nur 56 Prozent ſein
lnußten. Berlin ſtellt nur 49 Prozent. In den Jahren
1895—1900 war die Tauglichkeit der Militärpflichtigen im
Durchſchnitt 53,55 Prozent, aber in dem induſtriearmen
Oſtpreußen betrug ſie dabei 67,18 Prozent, in Berlin nur
2 Prozent!
Dr. Ludwig Müller ſagt in einem Aufſatz in der
Zeit=
ſchrift „Die Wehr” hierzu:
Die volkszehrende Eigenſchaft der Großſtädte war zu
allen Zeiten bekannt. Goethe nannte daher das
Bauern=
tum die Quelle unſerer völkiſchen und ſittlichen Kraft, die
ohne beſtändige Auffriſchung vom Lande her ſich nicht
halten könne Damals beſchäftigte die Landwirtſchaft
vier Fünftel der geſamten Bevölkerung, bei Gründung des
neuen Deutſchen Reiches noch mehr als die Hälfte, heute
nur noch ein Drittel! Jedes Volk muß untergehen, wenn
es eine höhere Bevölkerungszahl in den Großſtädten
unterbringt, als das ganze moraliſch aushalten kann,
wenn die Maſſen der Entwurzelten mehr junge Meuſchen
an ſich ziehen, als das Land von ſeinem
Geburtenüber=
ſchuſſe abgeben darf. Iſt die Grenze überſchritten —
und=
ſie iſt es bei uns — dann greift der Verfall mit
ſeuchen=
artiger Schnelligkeit um ſich und das Verhängnis wird
ungbwendbar. Die Statiſtik zeigt in ihrer unheimlichen
Anſchaulichkeit, wie die Kurven der Verfallerſcheinungen,
die lange Zeit in gleichförmig anſteigender Bahn
fort=
ſchritten, plötzlich ſich aufbiegen und die Zukunftsbilder
der ärgſten Schwarzſeher weit hinter ſich laſſen.
Ausführlich behandelt die Bekämpfungsmittel der
Ge=
burtenabnahme Regierungsrat Dr. J. Borntraeger in
einem ſoeben erſchienenen ausführlichen Buche: „Der
Ge=
burtenrückgang in Deutſchland, ſeine Bewegung und
Be=
kämpfung (Würzburg 1913).‟ Erempfiehlt als Maßnahmen
zur Minderung der Eheloſigkeit und Bekämpfung der
Ge=
burtenabnahme u. a. Bevorzugung der Verheirateten bei
Be=
ſetzung von Stellen im Staatsdienſt, bei Bewerbung um
Stipendien und Unterſtützungen aller Art, Bevorzugung
der verheirateten Beamten bei Gewährung von
Alterszu=
lagen, Gewährung höherer Wohnungsgeldzuſchüſſe und
Umzugsgebühren an verheiratete Beamte als an ledige,
ſtärkere Heranziehung der Junggeſellen zu
Einquartierungs=
laſten, zum Schöffendienſt und anderen ehrenamtlichen
Pflichtämtern, Bevorzugung der Ehemänner beim
Wahl=
recht, ferner vor allem Erweiterung der Steuerprivilegien
für Kinder, Befreiung des 3., 5. uſw. Sohnes vom
Mili=
tärdienſte, bezw. Erleichterung ſeines Dienſtes,
ausgeſpro=
chene Förderung kinderreicher Familien und Bevorzugung
der Söhne kinderreicher Familien. Denn ſie bringen nicht
nur dem Stagte erwünſchte Erbwerte mit, ſie haben auch
durch ihre Erziehung einen beſonders ausgeprägten
Fa=
milienſinn und Gemeinſchaftsſinn erhalten, und dann iſt
es dem Familienvater eine erhebliche Beruhigung, daß
der Staat ihm die Sorge für die Söhne auch ſpäterhin
er=
leichtert; Gewährung von Kinderprämien,
Erziehungs=
geldern, Wohnungsgeldzuſchüſſen ꝛc. an kinderreiche
Fa=
milien, Beſchaffung preiswerter Wohnungen für
kinder=
reiche Familien durch Vereine, Induſtriewerke ꝛc.
Die gemachten Vorſchläge können hier nur
andeu=
tungsweiſe wiedergegeben werden. Das Kapitel von dem
Verbot prophylaktiſcher Mittel entzieht ſich der
Er=
örterung.
Im Zuſammenhange hiermit wird auch die
Einfüh=
rung einer direkten Junggeſellenſteuer gefordert, die man
früher nur verſpottet und verhöhnt hat, die aber ſicher
kom=
men wird, wie die Zuwachsſteuer gekommen iſt, da ſie einen
billigen Ausgleich ſchafft und in dieſem Sinne eine der
gerechteſten Steuern iſt. Sie wird aber lediglich eine
er=
wünſchte Einnahmequelle für den Staat bilden, auf die
Geburtenabnahme wird ſie gar keinen Einfluß haben;
denn kein Junggeſelle wird ſich durch die Beſteuerung oder
aus Furcht vor ihr in ſeiner phlegmatiſchen Ruhe ſtören
laſſen, der zu Liebe er ſeine Steuern willig bezahlen wird.
Allerdings hat der Staat und die Geſellſchaft hier wie
da ein Intereſſe daran, den Junggeſellen das Leben nicht
zu leicht zu machen.
Etwas aber, und zwar etwas ſehr Weſentliches,
ſcheint in allen Vorſchlägen vergeſſen worden zu ſein,
nämlich die Höherbewertung der Mutter vor der
kinder=
loſen Frau, die ſchon den alten Völkern eigen war. Ganz
dieſelben Vorrechte, die den verheirateten Männern vor
den ledigen eingeräumt werden, ſollten auch den Müttern
vor unvermählten und kinderloſen Frauen zugeſtanden
werden, was um ſo gerechter iſt, als dieſe nur einen
Teil der Erfahrungen beſitzen können, über die jene
ge=
bieten, weshalb ſie auch über manche Dinge, wie z. B.
Kindererziehung aus eigener Erfahrung nicht mitreden
können und deshalb auch nicht mitreden ſollten. Auch
ſind die Mütter für den Staat und die Geſellſchaft
wich=
tiger als die kinderloſen Frauen. Auch dieſe im Grunde
ſelbſtverſtändliche Wahrheit in Erinnerung zu bringen,
darf man keinen Anſtand nehmen, wenn man die Frage
des Geburtenrückganges von allen Seiten und ohne
Vor=
urteil und Heuchelei beleuchten will.
Eine neue Militärvorlage!
* Die freikonſervative Poſt macht folgende
Mit=
teilung: „Durch die Nachricht, die wir heute zu
verbrei=
ten in der Lage ſind, wird allen Vaterlandsfreunden und
vor allem den tapferen Führern unſeres Heeres und ihren
Offizieren ein ſchwerer Stein der Sorge vom
Her=
zen genommen. Iſt doch ſeit der Einbringung des
Quin=
quennats im Jahre 1911 bei sallen Sachverſtändigen die
Ueberzeugung verbreitet, daß unſere Rüſtung allen
Mög=
lichkeiten gegenüber nicht ausreichend iſt und daß in
unſerem Heere Lücken beſtehen, die ſo ſchnell wie möglich
ausgefüllt werden müſſen. Die Einbringung der
Militär=
vorlage des letzten Jahres war ja der beſte Beweis für
die Unzulänglichkeit des Quinquennats. Aber auch die
Vorlage von 1912 hat nicht vollſtändig befriedigen können.
Es war wiederum nur halbe Arbeit, ſo daß die
Beſorg=
nis bei vielen verantwortlichen Stellen nicht weichen
konnte. Dazu kam die gefährliche auswärtige Lage, die
auch dem Laien die Notwendigkeit zeigte, alle Kräfte
an=
zuſpannen, um bei einem großen Weltkriege nicht Ambos,
ſondern Hammer zu ſein. Bei den letzten
Haushalts=
beratungen erklärte im Namen der Reichspartei der
Ab=
geordnete Schultz ausdrücklich, daß ſeine Partei gern
be=
reit wäre, alle Forderungen zu bewilligen, die für einen
lückenloſen Ausbau unſerer Heeresmacht notwendig ſeien.
Aehnliche Erklärungen gaben Konſervative und
National=
liberale ab, ja, zeitweilig ging ſogar das Gerücht, das
Zentrum wolle den nationalen Parteien zuvorkommen
und durch einen Initiativantrag die Vervollſtändigung
unſerer Artillerie verlangen. Aus allen dieſen Gründen
iſt an dieſer Stelle wiederholt von hohen Offizieren die
Notwendigkeit einer neuen
Heeresvor=
lage dargelegt worden. Endlich hat ſich dieſe
Ueber=
zeugung durchgerungen und die Erfüllung all jener
Wünſche beſorgter Vaterlandsfreunde und
verantwort=
licher Heerführer ſteht unmittelbar bevor.
Von hoher militäriſcher Seite erfahren wir nämlich
folgendes:
„Eine neue Militärvorlage wird in nächſter Zeit,
vor=
ausſichtlich noch im Monat Januar, dem Relchstage
vor=
gelegt werden. Sie iſt beſtimmt, alle Lücken
auszu=
füllen”, die die letzte Militärvorlage noch hat beſtehen
laſſen. Vor allen Dingen wird die Stärke der Kompagnien
ſo bedeutend erhöht werden, daß ſie allen Anforderungen
gewachſen iſt und eine vorzügliche Ausbildung der Leute
gewährleiſtet wird. Außerdem werden die fehlenden
dritten Bataillone nachgefordert, die
Kavallerie=
diviſionen ſchon im Frieden aufgeſtellt und die
Erſatz=
reſerve wie früher zu einer Ausbildung mit der Waffe
einberufen. Die bereits bei einigen Armeekorps
beſtehen=
den, über die normale Zahl hinausgehenden Brigaden
und Regimenter ſollen zu einem neuen Armeekorps
zuſammengefaßt werden. Auch den Wünſchen der
Ar=
tillerie nach höherer Beſpannung uſw. wird durchaus
Rechnung getragen werden.”
Die Köln. Ztg. bemerkt hierzu einſchränkend: Man
weiß, daß in militäriſchen Kreiſen ſchon ſeit längerer Zeit
die Ausfüllung gewiſſer Lücken in der Heeresorganiſation
dringend gewünſcht wird. Es beſteht z. B. kein Zweifel
darüber, daß für das Luftſchifferweſen in erheblich
höhe=
rem Maße Vorſorge getroffen) werden muß. Daxüber
herrſcht auch in der Oeffentlichkeit weitgehende
Ueberein=
ſtimmung. Einen Ergänzungsetat hat auch bereits der
Staatsſekretär Kühn in ſeiner Etatsrede angekündigt.
Dieſer Nachtragsetat iſt jedoch, wie an unterrichteter Stelle
beſtätigt wird, bisher noch keineswegs ausgearbeitet. Auch
iſt ſchwerlich ſeine Fertigſtellung in allernächſter Zeit zu
erwarten, ſondern vielleicht erſt im März oder April.
Demnach ſind die Mitteilungen der Poſt unzweifelhaft
ſtark verfrüht und in mehreren Punkten
wahrſchein=
lich auch übertrieben. Man wird alſo gut tun,
einſt=
weilen abzuwarten, was aus den noch ſchwebenden
Er=
wägungen ſich ſchließlich ergeben wird. Jedenfalls
möch=
ten wir ſchon jetzt der Anſicht entgegentreten, als ob
augenblickliche Bedürfniſſe der auswärtigen
Politik neue militäriſche Forderungen nötig machten.
Mit der gegenwärtigen politiſchen Situation würden die
Aenderungen; und organkſatoriſchen Verbeſſerungen, die
in Frage ſtehen, nichts zu tun haben.
Der Frankf. Ztg. wird hierzu aus Berlin geſchrieben:
Es iſt bekannt, daß ein militäriſcher Nachtragsetat
vorbe=
reitet wird. Man wußte bisher nur, daß er in der Haupt=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Nummer 8.
ſache (zeitweilig wurde behauptet, ſogar ausſchließlich)
für die Beſchaffung von Luftkreuzern bezw. für die
Flug=
ſchiffahrt beſtimmt ſei. Wir haben Grund zu vermuten,
daß auch noch über andere militäriſch=organiſatoriſche
Dinge Entſchließungen ſchweben und dementſprechende
Forderungen erhoben werden. Forderungen in dem
Um=
fange aber, wie die Poſt ſie bezeichnet, halten wir für
unglaubwürdig. Vielleicht iſt die Mitteilung der Poſt
nur beſtimmt, nach bekannter Taktik für weitergehende
Forderungen Stimmung zu machen.
Deutſches Reich.
— Vorbereitungen zur
Mittelmeer=
reiſe des Kaiſers. An Bord der kaiſerlichen Jacht
„Hohenzollern”, die mit verringerter Beſatzung die
Win=
termonate über auf der Marinewerft in Kiel liegt, wird
emſig gearbeitet, um das Schiff zu der
Frühjahrsverwen=
dung inſtand zu ſetzen. Die „Hohenzollern” ſoll planmäßig
bereits am 28. d. M. die Kieler Marinewerft verlaſſen, um
in den Kieler Hafen zu gehen und dort die letzten
Inſtand=
ſetzungsarbeiten und die Ausrüſtung für die im Februar
erfolgende Mittelmeerreiſe des Kaiſers zu erledigen. Im
vergangenen Jahre verließ die kaiſerliche Jacht erſt am
29. Februar den Kieler Hafen, um am 14. März in
Vene=
dig einzutreffen, wo ſich dann der Kaiſer mit dem Gefolge
an Bord begab und am 27. März vor Korfu anlangte.
Nach den jetzt getroffenen Beſtimmungen ſcheint mithin
die Abſicht zu beſtehen, die diesmalige Mittelmeerreiſe
früher anzutreten. Wie verlautet, geht die diesjährige
Hohenzollernreiſe im Mittelmeer zunächſt nach Haifa, dem
Hafen von Jeruſalem. Im vergangenen Frühjahr konnte
der „Hohenzollern” als Begleitboot der „Sleipner” nicht
dienen, da das Fahrzeug einer größeren Inſtandſetzung
unterzogen werden mußte. Als Erſatz wurde das
Tor=
pedoboot „G. 175‟ herangezogen. In dieſem Jahre wird
der „Sleipner” wieder eintreten können. Als
Begleit=
kreuzer kommt ferner noch ein Turbinenſchiff in Frage, von
denen ja eine größere Anzahl zur Verfügung ſteht.
— Die Abfindung bei Unfallrenten. Der
Bundesrat hat über die Berechnung des Kapitalwertes
bei Abfindungen für Unfallrenten auf Grund der
Reichs=
verſicherungsordnung Beſtimmungen getroffen. Danach
iſt, wenn die Abfindung im Laufe eines Jahres vom
Un=
falltage an gerechnet erfolgt, das Vierfache der
Jahres=
rente zu zahlen. Erfolgt die Abfindung ſpäter, ſo richtet
ſich das Abfindungskapital nach dem inzwiſchen erreichten
Alter des Verletzten und der ſeit dem Unfalltage
verfloſſe=
nen Zeit.
— Der preußiſche
Bauverwaltungs=
etat ſieht an einmaligen außerordentlichen Ausgaben
für die Erneuerung von Schleuſentoren am Main 75 400
Mk. vor, für die Erneuerung von Böſchungsbefeſtigungen
an den Schleuſen zu Frankfurt a. M. und Flörsheim
118000 Mk., für die Fortführung der Mainkanaliſierung
oberhalb Offenbachs 100000 Mk, für die Zentralheizungs=
und elektriſche Beleuchtungs=Anlage im
Dikaſterialge=
bäude zu Koblenz 46000 Mk.
— Neue Maßnahmen gegen die
Land=
flucht. Im neuen preußiſchen Staatshaushalt iſt zum
erſten Male ein größerer Poſten für die
landwirtſchaft=
liche Arbeitsvermittlung ausgeſetzt worden. Die
Maß=
nahme gewinnt dadurch beſondere Bedeutung, weil ſie als
erſter poſitiver Anfang für eine wirkſame Bekämpfung
der Landflucht einheimiſcher Arbeiter auf dieſem Wege
an=
zuſehen iſt. Im Zuſammenhang mit der Unterſtützung der
landwirtſchaftlichen Arbeitsvermittlung ſoll auch die
Ver=
mehrung der Rechtsauskunftsſtellen auf dem Lande eine
Unterſtützung erfahren. Es liegt jetzt bereits eine ganze
Reihe neuer Anträge auf Bewilligung von Staatsmitteln
vor, ſo daß man in der Folge wohl mit einer Erhöhung
des ausgeſetzten ſtaatlichen Fonds rechnen darf.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der Gegenbeſuch Giulianos
verſcho=
ben. Wie die Neue Freie Preſſe meldet, iſt der
Gegen=
beſuch des italieniſchen Miniſters des Aeußern Marcheſe
di San Giuliano bei Berchtold, der für Januar in
Aus=
ſicht genommen war, wegen der politiſchen Ereigniſſe auf
das Frühjahr verſchoben worden.
Frankreich.
Der ruſſiſche Kriegsminiſter in Paris
Einer offiziöſen Meldung zufolge wird der gegenwärtig
an der Riviera weilende ruſſiſche Kriegsminiſter
Su=
chomlinow Sonntag morgen in Paris eintreffen und vom
Miniſterpräſidenten Poincaré empfangen werden, Abends
wird er vorausſichtlich die Weiterreiſe nach Petersburg
antreten.
Portugal.
Das Miniſterium hat ſich konſtituiert.
Es ſetzt ſich folgendermaßen zuſammen: Miniſterpräſident
und Inneres: Alfonſo Coſta, Kolonien: Almeido Ribeiro,
Krieg: Pereira Baſtos, öffentliche Arbeiten: Antonio
Maria Silva, Marine: Freitas Ribeiro, und Aeußeres:
Gonſalves Teixeira. Alfonſo Coſta bot das
Finanzmini=
ſterium Marnoco Suza und das Juſtizminiſterium Paulo
Falcao an.
Niederlande.
Das Miniſterium des Krieges und der
Marine wurde in ein Miniſterium der
Landesverteidi=
gung umgewandelt. Der Beginn der Tätigkeit des
Mini=
ſteriums wird ſpäter feſtgeſetzt.
Türkei.
Vorſchuß von engliſchen Banken.
Be=
züglich des von engliſchen Banken der türkiſchen
Re=
gierung zugehenden Vorſchuſſes wird dem Temps
aus London gemeldet, daß die Türkei unverzüglich eine
Summe von 500000 Pfund erhalten ſoll. In dem
dies=
bezüglichen Vertrage verpflichtet ſich die türkiſche
Re=
gierung, dieſe Summe nicht zu militäriſchen Ausgaben.
ſondern vor allem zur Bezahlung von Beamtengehältern
zu verwenden, um ſo etwaige Ruheſtörungen, welche die
Nichtbezahlung der Gehälter insbeſondere in der
aſia=
tiſchen Türkei hervorrufen könnten, hintanzuhalten. Nach
der Unterzeichnung des Friedens werde die Türkei einen
Vorſchuß in derſelben Höhe, und zu einer noch nicht
feſt=
geſetzten Friſt einen dritten Vorſchuß erhalten.
* Brüſſel, 8. Jan. Wie die Abendblätter melden,
oll die belgiſche Regierung bereit ſein, in bezug auf die
Streitigkeiten, die über die Nachlaßverteilung
des verſtorbenen Königs Leopold
ausge=
brochen ſind, einen Vergleich mit ſeinen Töchtern
ein=
zugehen. Man nimmt an, daß die drei Prinzeſſinnen ſich
nach dieſem Vergleich in etwa 36 Millionen zu teilen
haben werden, jedoch wird nicht geſagt, ob in dieſem
Ver=
gleich die bereits verteilten Summen enthalten ſind. Die
Prinzeſſinnen haben ſchon einmal etwa 20 Millionen Mark
erhalten. Die beiden Prinzeſſinnen Stephanie und Luiſe
prozeſſieren nun um die Beträge, die König Leopold einer
Reihe von Stiftungen überwieſen hat. Die Beſtätigung
dieſer Nachricht bleibt abzuwarten.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 10. Januar.
* Vom Hofe. Prinz und Prinzeſſin
Friedrich Karl von Heſſen ſind am Mittwoch
vormittag 11 Uhr 30 Min. abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Kreisarzt bei dem Kreisgeſundheitsamte
Bensheim Medizinalrat Dr. Wilhelm Groos zum
Kreisarzt bei dem Kreisgeſundheitsamte Darmſtadt und
den Regierungsbaumeiſter Georg Sehrt in Darmſtadt
zum Brandververſicherungsinſpektor.
* Entlaſſen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Kreisamtmann bei dem Kreisamte
Bens=
heim Regierungsrat Dr. Karl Löslein auf ſein
Nach=
ſuchen mit Wirkung vom 16. Januar 1913 aus dem
Staatsdienſte.
* Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog die durch die Stadtverordnetenverſammlung zu
Bensheim erfolgte Wahl des ſeitherigen Kreisamtmanns
Regierungsrats Dr. Karl Löslein zu Bensheim zum
Bürgermeiſter der Stadt Bensheim mit Wirkung vom
16. Januar 1913; ferner wurde beſtätigt der von dem
Herrn Fürſten zu Solms=Lich auf die erſte Lehrerſtelle
an der Gemeindeſchule zu Södel, Kreis Friedberg,
präſen=
tierte Lehrer Heinrich Junker zu Eberſtadt, Kreis
Gießen, für dieſe Stelle.
Uebertragen wurde dem Lehrer Philipp Muth zu
Lampertheim, Kreis Bensheim, eine Lehrerſtelle an der
evangeliſchen Schule zu Bensheim; dem
Schulamts=
aſpiranten Wilhelm Walther aus Beuern, Kreis
Giezen, die Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu
Clim=
bach in demſelben Kreiſe.
g. Strafkammer. Der Zuwiderhandlung gegen eine
auf Grund von § 20 Abſ. 2 des
Reichsviehſeuchen=
geſetzes erlaſſene Bekanntmachung des Kreisamts
Bensheim war geſtern die 40jährige Ehefrau des
Fuhr=
knechts Franz Eichheimer II. beſchuldigt. Die
er=
wähnte Bekanntmachung ordnete u. a. für eingeführtes
Vieh eine ſiebentägige Quarantäne an. Die Angeklagte
führte am 21. November zwei Schweine aus Weinheim
ein, die ſie nicht unter Quarantäne ſtellte. Ein
Schutz=
mann machte ſie ausdrücklich darauf aufmerkſam, daß die
Tiere erſt in Quarantäne müßten, auch war ſie bereits
vor einiger Zeit wegen eines ähnlichen Delikts beſtraft
worden. Die Angeklagte beruft ſich darauf, daß es ihr
nicht möglich war, einen Stall zu bekommen, in den die
Schweine eingeſtellt werden konnten. Das Gericht
ver=
urteilte die Angeklagte mit Berückſichtigung der immerhin
ſchwierigen Beſchaffung eines Stalles zu 20 Mark
Geldſtrafe, die evtl. mit 4 Tagen Gefängnis zu
ver=
büßen iſt. — Die 26jährige Anna Emilie Minna
Sche=
ler aus Gotha, die eine reichhaltige Vorſtrafliſte
aufzu=
weiſen hat, hatte ſich wegen Diebſtahls im Rückfall
zu verantworten. Die Angeklagte hatte hier mit einem
gewiſſen Delp ein Verhältnis. Im Oktober beauftragte
ſie ein hieſiger Handelsmann, ſeine Wohnung ſauber zu
machen, wozu er ihr die Schlüſſel aushändigte. Sie
be=
nutzte die Gelegenheit, wie ſchon häufig, und entwendete
aus dem Schrank ein Portemonnaie mit 65 Mark Inhalt=
und einen Ring im Werte von 15 Mark. Mit dem Gelde
fuhr die Angeklagte mit Delp nach Luxemburg, nachdem
ſie in Koblenz den Ring verſetzt hatte. Die geſtändige
Angeklagte wurde zu 8 Monaten Gefängnis und
6 Tagen Haft verurteilt. Die Haftſtrafe wird durch die
Unterſuchungshaft als verbüßt erachtet. — Der 46jährige
Bäcker Andreas Egner aus Duttenberg hat am 8.
Ok=
tober 1912 in Wimpfen ſeinem Arbeitskollegen ein Hemd,
Kragen, Weſte und Kleiderbürſte im Geſamtwerte von
etwa 4—5 Mark entwendet. Er wurde zu 6 Monaten
Gefängnis verurteilt.
— Vom Großh. Hoftheater. Heute Freitag wird
Karl Rößlers amüſantes Luſtſpiel „Die fünf
Frank=
furter” als 94. Abonnementsvorſtellung, Buchſtabe.
D 23, wiederholt. Beginn 7½ Uhr. Der mit großem
Intereſſe aufgenommene hiſtoriſche Poſſen=Zyklus wird
am Samstag mit einer Aufführung von Räders ſtets
wirkſamer Poſſe mit Geſang „Robert und Bertram
oder die luſtigen Vagabunden” unter der ſzeniſchen
Leit=
ung von Heinrich Hacker weitergeführt. Es gelten die
ermäßigten Volksvorſtellungspreiſe. Am Sonntag nache
mittag geht als ſechzehnte Volksvorſtellung zu
ermäßig=
ten Preiſen „Großſtadtluft” in Szene. Der
Vor=
verkauf im Verkehrsbureau iſt bereits eröffnet. Am
Sonntag abend wird zum erſten Male in dieſer
Spiel=
zeit Richard Wagners „Lohengrin” in
vollkomme=
ner Neuinſzenierung zur Aufführung gelangen. Die
ſze=
niſche Leitung der Neueinſtudierung hat in Abweſenheit
des beurlaubten Oberregiſſeurs Valdek zum erſten Male
Richard Lert inne. Ein Novum, das zum Glanze der
Aufführung weſentlich beitragen wird, iſt die Mitwirk= der erſten Soliſten in den Chören.
Am 21. d. M. wird Frau Kammerſängerin
Cahier=
aus Wien ein einmaliges Gaſtſpiel als Amneris
ab=
ſolvieren.
Eine japaniſche Perlenfarm.
** Japan kann ſich rühmen, die einzige
wiſſen=
ſchaftlich organiſierte Perlenfarm zu
be=
ſitzen; denn den Söhnen des fernen Oſtens iſt es gelungen,
das Geheimnis einer erfolgreichen Perlenzüchtung zu
er=
gründen. Dieſe Farm für Perlenmuſcheln, der Henry
Taylor im Wide World Magazine eine eingehende
Schil=
derung widmet, wurde von einem bekannten japaniſchen
Zoologen Dr. Mikimoto begründet. Ihr Hauptquartier
befindet ſich auf der Totokujuma=Inſel in der Ago=Bai.
Auf einer weit in das Meer hinausreichenden Landzunge
breiten ſich die mannigfachen Gebäude aus, die die
Perlen=
farm bilden, darunter ein Laboratorium für
wiſſenſchaft=
liche Experimente, Sortierhallen, Packräume, Bureaus
und die Wohnung des Direktors. Die Farm, die einen
idylliſchen Eindruck bietet, umfaßt im Ganzen eine Fläche
von 29 engliſchen Seemeilen im Geviert. Die
Perlen=
auſter, die auf dem Meeresgrunde gefunden wird, gehört
zu der Art M. martensi; ihre Produkte ähneln den
be=
rühmten Perlen Ceylons.
Der Gedanke, eine künſtliche Perlenkultur
hervorzu=
rufen, iſt ſo alt wie die Kenntnis von der Entſtehung der
Perlen. So lange die Alten ſich mit den mehr poetiſchen
als wahrſcheinlichen Erklärungen begnügten, Perlen ſeien
Tautropfen, die in Muſcheln fallen, oder Produkte des in
Muſcheln fahrenden Blitzes, konnte freilich nicht der
Wunſch entſtehen, die koſtbaren Edelſteine durch eigene
Macht hervorzubringen, aber ſchon Linné, der „Vater der
Naturgeſchichte” hat den Gedanken ausgeſprochen, in den
Schalen der Auſtern mit einem feinen Bohrer Löcher
an=
zubringen und dann einen kleinen Fremdkörper
einzu=
führen, der als Kern für die Anhäufung der
Perlmutter=
ſchichten notwendig iſt. Sein Gedanke iſt erſt in neueſter
Zeit von der europäiſchen Wiſſenſchaft aufgenommen
wor=
den; ſo ſah man auf der Internationalen Fiſcherei=
Aus=
ſtellung in Berlin von 1888 Perlen, die in Deutſchland
künſtlich gezüchtet waren; in den letzten Jahren haben die
Franzoſen intereſſante derartige Verſuche gemacht. Lange
vorher aber war es ſchon den Chineſen geglückt, Perlen
zu züchten, indem ſie kleine Tonkörnchen oder bleierne
Götzenbildchen in die Muſcheln einführten, die dann durch
den krankhaften Prozeß mit Perlmutterſchichten überzogen
wurden. Nirgends war man aber ſo weit gekommen, um
Perlen von wirklich hervorragender Qualität zu züchten
und da Größe, Form und Glanz für den Wert der Perle
entſcheidend ſind, ſo kam es vor allem darauf an, wirklich
erſtklaſſige Perlen hervorzubringen. Das iſt nun Dr.
Mikimoto auf ſeiner Perlenfarm nach langen
Experimen=
ten gelungen. Seit 20 Jahren wirft er, wie ſeine
Be=
kannten zunächſt ſpöttiſch ſagten, „ſein Geld ins Waſſer.
Aber nun erhält er es mit Zinſen und Zinſeszinſen
zu=
rück. 1896 hat er ſeine Farm in beſcheidenem Umfange
ge=
gründet; 1898 kam die erſte Ernte auf den Markt, und
heute ſtammt ein Teil der ſchönſten Perlen von dieſer
eigenartigen Zucht in der Ago=Bai.
Die Art der Züchtung iſt ſehr einfach. Jedes Jahr in
den Monaten Juli und Auguſt werden kleine Fels= und
Steinſtücke an die Stellen gelegt, wo die Larven der
Perlenauſtern am zahlreichſten gefunden worden ſind.
Bald hat ſich Auſternlaich darauf angeſetzt, und nun
wer=
den die Steinſtückchen in flaches Waſſer geſetzt, während
des Winters dann in größere Waſſertiefe gebracht und
ſorgfältig in dafür vorbereitete Lager gelegt. Hier blei
ben die Auſtern bis ins dritte Jahr; dann werden ſie aus
dem Meer genommen, und nun erfolgt die Operation, die
zur Bildung der Perlen führt. Man hringt in die
Muſchel ein rundes Stückchen Perlmutter, das als Kern
dient, um den ſich nun die Perlmutterſchichten wie die
Häute einer Zwiebel herumlegen. Die Muſcheln werden
in die See zurückgebracht und müſſen wenigſtens 4 Jahre
in Ruhe gelaſſen werden, dann iſt die Perle fertig. Die
Perlenzucht iſt ſehr vielen Gefahren ausgeſetzt; ſie
ſchädi=
gen die üppig wuchernden Seegräſer, die Seepolypen und
jene Bakterien, die die Rotfärbung des Waſſers
hervor=
rufen. Die ganze Arbeit, vor allem auch das gefährliche
und wichtige Werk unter Waſſer, wird von Frauen
be=
ſorgt, denn die Perlentaucherei liegt in Japan von
alters=
her in den Händen des ſchwächeren Geſchlechts. Die
Frauen, die von Kindheit an zu dieſem Beruf trainiert
werden, vollbringen in ihren knappen weißen
Taucher=
anzügen wahrhaft erſtaunliche Leiſtungen und nehmen
mutig den Kampf mit den zahlreichen Seepolypen auf.
Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, 8. Januar.
„Der Regiſtrator auf Reiſen‟
W-l. Der für die nächſte Zeit bei aufgehobenem
Abonnement und zu ermäßigten Preiſen vorgeſehene
Poſſenzyklus wurde heute mit der Aufführung der
alt=
beliebten Poſſe „Der Regiſtrator auf Reiſen” vor
vollbe=
etztem Hauſe eröffnet. Die Titelcolle ſpielte Herr
Jor=
dan, der zwar äußerlich den verknöcherten Bureaukraten,
der mehr Glück als Verſtand hat, etwas behäbig
verkör=
perte, in der Darſtellung der Rolle des eingebildeten Vorz
geſetzten und liebevollen Gatten und des fern von
Mut=
tern und vom Bureau auf der Schmetterlingsjagd in
Waldkirch für ſeinen Stimmungsbericht Stoff ſammelnden
beſchränkten Aktenmenſchen aber viel Humor und
zün=
dende Komik entfaltete und außerdem durch mehrere
aktuell gefärbte Couplets das Publikum in animierter
Stimmung erhielt. Die Rolle der geſtrengen Ehegattin
Wilhelmine hatte in Frau Müller=Rudolph eine
Repräſentantin von reſoluter Perſönlichkeit und draſtiſchem
Humor erhalten. Herr Peterſen, der in Vertretung
des erkrankten Herrn Jürgas die Rolle der „Spürnaſe
Zander ſpielte, fand in dieſer Gelegenheit, ſein ſchon oft
betätigtes komiſches Talent erfolgreich zu entfalten,
was=
ohne karikaturenhafte und unſchöne Uebertreibungen
ge=
ſchah.
Von den vielen anderen Rollen des Stückes ſeien aus
dem Waldkircher Idyll noch beſonders erwähnt: der
famoſe Wirt des Herrn Semler, der ſächſiſche
Parti=
kulier Heidenreich nebſt Tochter Emma, die von Herrn
Wagner und Frl. Gothe prächtig dargeſtellt wurden,
der Ingenieur Weller des Herrn Thomſen und
die=
feſche Nichte und Schauſpielerin Marie des Frl. von
Blank die Waldkirch in den Bereich des Wiener
Dia=
lekts verlegte. Herr Knispel ſpielte wieder die Rolle
des Baurats Hiller mit Würde, Herr Schneider
fand=
ſich mit der undankbaren Rolle des jungen Wichtig gut
ab, während Frl. Mühlpfort als ſtattliche Jette dem
Hauſe des Regiſtrators alle Ehre machte.
Nummer 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
* Das heſſiſche Tuberkuloſe=Wander=Muſeum
wird, nachdem es durch die Landesverſicherungsanſtalt
Thüringen für die dortigen Verhältniſſe ergänzt worden
iſt, ſeit Juni 1912 in einer Reihe von Thüringiſchen
Städten ꝛc. zur Schau geſtellt. Bis zum Dezember
waren bereits 13 Städte berückſichtigt, in denen rund
70000 Beſucher gezählt wurden. Das Muſeum findet
auch in T üringen durchweg großes Intereſſe.
* Geſchäftsjubiläum. Geſtern, am 9. Januar, feierte
Herr Schirmfabrikant J. Merz, Hoflieferant Seiner
Königlichen Hoheit des Großherzogs, ſein ſilbernes
Ge=
ſchäftsjubiläum.
m. Auf dem alten Bahnhof ſind auf der Strecke
der ſeitherigen Linie alle Geleiſe bis auf eines, das zum
Materialtransport verwendet wird, entfernt worden.
Die Drehſcheibe, welche den Lokomotiven den Weg in
die alte Lokomotivwerkſtätte bahnte, iſt entfernt worden,
und zur Zeit iſt man mit dem Abtragen der viertorigen
Lokomotiohalle beſchäftigt. Das Dach iſt bereits abge
tragen und in kurzer Zeit wird die rußgeſchwärzte
ehe=
malige Halle dem Erdboden gleich ſein. Die
Panierungs=
arbeiten auf dem Gebiete zwiſchen Heſſiſchem
Ludwigs=
bahnhof und der Breiten Allee gehen ihrer Vollendung
entgegen.
Vortrag. Die Heilung der Nervoſität
durch die Beſeitigung des Gegenwillens, der Urſache
jeder Nervoſität. Hiermit ſei nochmals auf den heute
abend 8¼ Uhr im Feſtſaal des Hotel Heß ſtattfindenden
Vortrag des bekannten Pſychologen Rudolf Parthey
aufmerkſam gemacht. (Alles Nähere ſiehe Anzeigenteil.)
Lieder=Abend 1913. Der diesjährige Lieder=
Abend der Darmſtädter Männer=Geſangvereine findet
Samstag, den 11. Januar, in der Turnhalle am
Woogs=
platz ſtatt. (Siehe Inſerat.)
Martinsgemeinde. Auf den heute abend
ſtatt=
findenden Vortrag mit Lichtbildern des Herrn Miſſionars
Gutekunſt über: „Die evangeliſche Miſſion in
Kamerun und Togo” wird nochmals hingewieſen
mit dem Bemerken, daß der Vortrag pünktlich um
8½ Uhr besinnt.
Demokratiſche Vereinigung. Wie aus der in
heuti=
ger Nummer enthaltenen Anzeige zu erſehen, ſpricht Hans
v. Gerlach=Berlin in einer öffentlichen
Ver=
ſammlung am Dienstag abend 8½ Uhr im Saale
ider „Stadt Pfungſtadt” über das ſehr zeitgemäße
Thema „Volksnot und Demokratie” Bei der im
politi=
ſſchen Leben allgemein bekannten Perſönlichkeit des
Red=
mers darf man einen recht zahlreichen Beſuch erwarten.
Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Auf den im
Orts=
gewerbeverein heute abend ſtattfindenden Vortrag des
Herrn Reallehrers Kahl über: „Bedeutung und
Aufgaben der Gewerbevereine in der Gegenwart” ſei
hiermit nochmals hingewieſen. Es werden intereſſante,
für jeden Handwerker und Gewerbetreibenden, insbeſon=
Dere auch für Innungsmitglieder wichtige Fragen be=
Handelt. Gäſte ſind daher auch freundlichſt willkommen.
* Bezirksverein „Altſtadt‟ Die General=
Ver=
ammlung findet am Montag, den 13. Januar, im
oberen Saale der Brauerei „Zur Krone” ſtatt.
* Billard=Sport. Die Billard=Akademie
im „Hotel Heß” ſteht jetzt unter Leitung eines neuen
Billardmeiſters, Herrn Ch. K. Dahlem aus
Frank=
furt a. M.
Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Da die große
Damen= und Herrenſitzung der Karnevalgeſellſchaft
Narr=
halla am Sonntag, den 12. ds. Mts., die einzige in
fieſer Saiſon ſein wird, und auch die größte derartiger
Veranſtaltungen überhaupt, wird vorausſichtlich ein ſehr
troßer Andrang herrſchen, ſo daß es ſich dringend
em=
fffiehlt, die Gelegenheit des Vorverkaufs zu
be=
nutzen, um ſicher in den Beſitz einer Eintrittskarte zu
ge=
lungen. Um einer ſtörenden Ueberfüllung vorzubeugen,
wird der große Rat, bewährtem Brauch entſprechend, nur
oviel Karten ausgeben, als wirklich Plätze vorhanden
ſmd. Eine beſchränkte Anzahl von Plätzen iſt
nume=
tiiert. Das Programm hat noch eine Bereicherung
er=
fuhren durch Einfügung geſanglicher Solodarbietungen
die, dem Karneval natürlich angepaßt, auch von wirklich
ſihr bewährten Karnevalkünſtlern zum Vortrag
gelangen werden. In den Reigen der Büttvorträge, zu
denen ſchier unerſchöpflicher Stoff vorlag, werden dieſe
Nummern eine angenehme Abwechslung bringen. Von
Mainz werden die beſten Redner erneute Proben ihres
Könnens und damit des „Meenzer” Karnevals bringen
luid auch die bewährteſten Darmſtädter Redner ſind wie
irimer auf dem Platze. Dazu kommen neben den
bekann=
tim Poeten der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla einige neue
pielverſprechende Liederdichter. Es iſt alſo alle Gewähr
gegeben, die Sitzung tatſächlich zu einem Ereignis der
Sciſon zu geſtalten.
Hotel Heß. In Anbetracht der diesjährigen
kurzen Faſchingszeit iſt für die Beranſtaltungen im
Hotel Heß ein ganz hervorragendes Programm
zu=
ſammengeſtellt. Auch für die Karnevalſaiſon 1913 wird,
wte in früheren Jahren, der „Karneval im Hote
Heß”
eine führende Rolle übernehmen. Prunkhafte
Dekorationen ſind vorgeſehen. Erwähnt ſei auch, daß
für dieſes Jahr zu allen größeren Veranſtaltungen
Herr Obermuſikmeiſter Weber mit ſeiner Kapelle,
unter perſönlicher Leitung, verpflichtet wurde.
Im Bürgerkeller konzerriert ſeit 1. Januar Herr
Kapellmeiſter Jankowsky mit ſeinem Konzert=
Enſemble. Dieſe Kapelle übt eine große
Anziehungs=
kraft auf das Publikum aus. Täglich ſind abends faſt
alle Stühle beſetzt und werden die vorzüglichen Leiſtungen
dieſer jungen Damen ſtets mit reichem Beifall belohnt.
X
Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats Dezember
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 129
Ochſen, 1 Bulle, 285 Kühe, 17 Jungrinder, 878 Kälber,
2381 Schweine, 275 Schafe, 9 Ziegen und 38 Pferde.
Beanſtandet wurden: 72 Ochſen, 1 Bulle, 171 Kühe,
6 Jungrinder, 5 Kälber, 375 Schweine, 44 Schafe, 2 Ziegen
und 2 Pferde. — Minderwertig wurde erklärt das
Fleiſch von: 4 Ochſen, 29 Kühen, 1 Jungrind, 1 Kalb,
10¾ Schweinen und 2 Ziegen. — Bedingt tauglich
war das Fleiſch von: ¾ Kühen und 1 Schwein. —
Un=
tauglich waren: 1068 Organe, 140 kg Fett und 122 kg
Fleiſch von 678 Tieren.
Auf Trichinen wurden
unterſucht: 2381 im Schlachthaus geſchlachtete und 3 von
Privaten geſchlachtete Schweine, ſowie 2391 kg für hieſige
Metzger eingeführtes friſches Fleiſch von 105 Schweinen.
Der Nachunter ſuchung wurden unterzogen: 596
Sen=
dungen eingeführtes Fleiſch, enthaltend: 10966 kg
Rind=
fleiſch, 2658 kg Schweinefleiſch, 98 kg Kalbfleiſch, 187 kg
Hammelfleiſch, 256 kg Ziegenfleiſch und 320 kg
Pferde=
fleiſch.
D Nieder=Ramſtadt, 9. Jan. Gemeinderechner und
Untererheber Georg Wagner III. von hier beabſichtigt,
in nächſter Zeit ſeine Aemter niederzulegen und in den
wohlverdienten Ruheſtand zu treten. Wagner ſteht im 65.
Lebensjahre und verſieht bereits nahezu 29 Jahre das
Amt als Gemeinderechner und über 12 Jahre, ſeit dem
1. Oktober 1900, dem Zeitpunkte der Neuorganiſation des
ſtaatlichen Kaſſenweſens, die Dienſtgeſchäfte der hieſigen
Untererhebſtelle.
Erbach, 9. Jan. Geſtern früh gelangte die
bedauer=
liche Kunde hierher, daß Hauptmann Franz
Ne=
bel, ein geborener Erbacher, an den Folgen eines
kürz=
lich erlittenen Sturzes mit dem Pferde geſtern nacht in
Koblenz geſtorben iſt. Nebel, ein überaus fähiger und
beliebter Offizier, wäre in Kürze Major geworden und
erfreute ſich ſowohl bei ſeinem Truppenteile in Koblenz,
dem Infanterie=Regiment Nr. 68, wie hier in ſeiner alten
Heimat, allgemeiner Beliebtheit. Sein frühes und
tragi=
ſches Ende iſt daher tief zu beklagen.
Offenbach, 9. Jan. Eine Diebes= und
Ein=
brecherbande treibt ſeit einigen Tagen ihr Unweſen.
Sie hat es beſonders auf Wirtſchaften abgeſehen. So
beſuchte ſie die Wirtſchaft von Theodor Groh in der
Querſtraße, die Wirtſchaft zum Ratskeller (Anna
Wag=
ner), die Weinwirtſchaft von Schulz auf dem
Wilhelms=
platz, die Wirtſchaften der Frau Reinhardt, Ecke Karl=
und Biebererſtraße und des Herrn Dehn in der
Bieberer=
ſtraße. In allen Fällen benützten die Diebe
Nach=
chlüſſel; obwohl ſie verſchiedentlich bei ihren
nächt=
lichen Raubzügen beobachtet wurden, entkamen ſie ſtets
unerkannt. — Seinem Leben durch Erhängen ein
chnelles Ende bereitet hat der ſtädtiſche Arbeiter Martin
Hannemann, der in dem Hauſe Sandgaſſe 36 wohnt.
Das Motiv zur Tat dürfte auf Krankheit zurückzuführen
ſein. — Bei der Lederwarenfabrik von L. Kahn u. Co
wurde in den Bureauräumen ein Einbruch verübt und
von den Dieben der Kaſſenſchrank geſprengt. Den
Die=
ben fielen 300—400 Mark in die Hände. — Der
Offen=
bacher Kreisſchulinſpektor Schulrat Scherer, der ſeit
dem 1. Oktober vorigen Jahres hier tätig iſt, begeht am
15. Januar ſein 25jähriges Jubiläum als
Kreisſchulinſpektor.
Mainz, 9. Jan. Der 9jährige Sohn eines Oberbahn
aſſiſtenten geriet geſtern mittag an der Ecke der
Leſſing= und Boppſtraße beim Ueberſpringen des
Gelei=
ſes unter die Straßenbahn; zum Glück kam er
inmitten der Vorderplattform zu liegen. Es gelang dem
Fahrer, den Wagen zum Stehen zu bringen. Der
Unvor=
ſichtige kam mit einem ſchweren Armbruch, Verletzungen
am Kopfe und Hautabſchürfungen davon. — Ein Zug
der Dampfſtraßenbahn, der geſtern um 3 Uhr durch die
Große Bleiche fuhr, überrannte einen Kraft=
wagen, deſſen Führer in großer Eile vor dem Zug
vorüber wollte. Das Dach und die Schutzſcheibe wurden
zertrümmert. Der Führer des Wagens kam
glück=
licherweiſe mit dem Schrecken davon. — Wegen des
Einbruches in die alte Synagoge wurden 4
Burſchen feſtgenommen. — Bekanntlich hatte der Metzger
Michael Schäfer in ſeinem Laden auf dem Kaiſer
Wil=
helm=Ring in Mainz an ſeine Kunden Pferdefleiſch
alsprima Ochſenfleiſchverkauft. Das
Pferde=
fleiſch wurde ihm von einem Pferdemetzger geliefert, und
zwar brachte die Tochter das Fleiſch in einem Sack des
Morgens in der Frühe in einen Hausflur auf der
Kaiſer=
ſtraße, woſelbſt es von Schäfer per Fahrrad abgeholt
wurde. Kürzlich hatte ſich Schäfer, der Pferdemetzger
und deſſen Tochter am Schöffengericht zu verantworten.
Schäfer wurde wegen Betrugs zu 20 Mark Geldſtrafe
verurteilt, der Pferdemetzger und ſeine Tochter
freige=
ſprochen. Der Amtsanwalt legte wegen der Strafe
des Schäfer Berufungein. Von der Mainzer
Straf=
kammer wurde geſtern das Urteil aufgehoben und
Schä=
fer zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt.
Oppenheim, 9. Jan. Die geplante und bereits
aus=
gemeſſene Unterführung auf dem hieſigen
Bahnhof ſoll nach einer Miniſterialverfügung
vor=
läufig inhibiert worden ſein, bis eine Entſcheidung über
eine eventuelle Verlegung des geſamten Bahnhofs
her=
beigeführt worden iſt. Einer ſolchen, für die hieſigen
Verkehrsverhältniſſe höchſt bedeutſamen Entſcheidung
ieht man hier mit geſpanntem Intereſſe entgegen. Durch
eine ſolche Entſcheidung dürfte auch die Frage erledigt
werden, ob der benachbarte Ort Dienheim eine Halteſtelle
bekommt oder nicht. — Auf der Chauſſee von Oppenheim
nach Dienheim ſind nächtlicherweile wiederum eine
An=
zahl jung angepflanzter Bäumchen von
ruchloſer Hand abgebrochen worden. Die
Gen=
darmerie iſt eifrig bemüht, den Tätern auf die Spur zu
kommen.
Eine
Traubenzuchtverſuchsan=
ſtalt beabſichtigt die Großh. Wein= und Obſtbauſchule
zu errichten. — Eine unent geltliche Abgabe von
Edelreiſern veranſtaltet in dieſem Jahre der
hie=
ſige Obſt= und Gartenbauverein an ſeine Mitglieder. Zur
Verteilung gelangen Aepfel, Birnen, Kirſchen und
Steinobſt.
Dalsheim, 9. Jan. Die bei der Reſtaurierung der
früher den Lutheranern gehörigen, jetzt evangeliſchen
Kirche entdeckten Deckengemälde wurden unter
Denkmalſchutz geſtellt. Die neue Orgel, die
automatiſch in Betrieb geſetzt werden ſoll, dürfte in einer
Kirche die erſte in ganz Deutſchland ſein.
Siefersheim, 9. Jan. Als abends ein Knabe mit
drei Flaſchen Bier über die Straße ging, wurde er von
fünf Rohlingen in einer dunklen Ecke überfallen
und beraubt. Durch Verfolgung wurden die Namen
der Burſchen feſtgeſtellt und der Gendarmerie angezeigt.
(*) Gießen, 8. Jan. Ein großzügiger Umbau
des hieſigen Güter= und Rangierbahnhofes iſt
ſeitens der Eiſenbahndirektion geplant. Es handelt ſich
um eine direkte Verbindung der Bahnen Köln-Gießen
und Frankfurt-Gießen für den Güterverkehr, mit
Um=
gehung des Gießener Bahnhofes. Beide Bahnen ſtoßen
im Bahnhof Gießen in einem ſpitzen Winkel zuſammen
und in dieſem Winkel liegt Klein=Linden mit dem am
näch=
ſten nach Gießen vorgeſchobenen Dorfteile „
Bernhards=
hauſen”. Zwiſchen dieſem und Alt=Klein=Linden ſoll die
zweigleiſige Verbindungsbahn durchgeführt werden. Die
Pläne und Bauwerkverzeichniſſe liegen gegenwärtig auf
der Bürgermeiſterei Klein=Linden offen. Die
landespoli=
zeiliche Prüfung des Projektes iſt auf den 14. Januar
feſt=
gelegt. Wie groß die Neuanlagen werden ſollen, geht
aus der Tatſache hervor, daß ſie ſich in die Gemarkungen
Klein=Linden, Allendorf, Heuchelheim und Großen=Linden
erſtrecken. Angeblich ſind drei Millionen Mark für die
Anlage vorgeſehen. Der abermaligen Beſchneidung der
Gemarkung Klein=Linden ſieht man dort mit ſehr
gemiſch=
ten Gefühlen entgegen.
Gießen, 9. Jan. Der geſchäftsführende Ausſchuß
der Jubiläums=Vereinigung ehem 116er
hielt am 30. Dezember v. J. eine Sitzung ab. Es wurden
ſämtliche einzelnen Arbeitsausſchüſſe ſgebildet
und ihnen ihre Aufgaben zugewieſen. Beſprochen wurde
beſonders die Einteilung des Feſtplatzes. Für den
Ver=
ein ſelbſt ſoll eine Militärkapelle für die drei Tage des
Feſtes angenommen werden, neben der vielleicht noch
eine weitere Militär= und Zivilkapelle in Tätiakeit treten.
Bis zur nächſten Sitzung ſollen die Einzelausſchüſſe ihre
Voranſchläge vorlegen. In der
Einquartierungs=
frage iſt beabſichtigt, demnächſt gemeinſam mit dem
Herrn Regimentskommandeur einen Aufruf an die
Bürgerſchaft Gießens um Zeichnung von
Freiquar=
tieren und Einquartierungszuſchüſſen zu veröffentlichen.
Im Anſchluß daran werden Zeichnungen durch die Be=
Feuilleton.
Filchners antarktiche Expedition.
* Berlin, 8. Jan. Oberleutnant Filchner
tele=
ſtaphiert aus Buenos=Aires: „Das Schiff „
Deutſch=
and” iſt hier eingetroffen. Es muß im Dezember
noch=
mals ſüdlich fahren, um die Forſchungen programmäßig
urchzuführen. Nach Durchquerung von 1200 Seemeilen
n den Breiten des Eisgürtels wurde im Februar bei 76
Grad 35 Minuten ſüdlicher Breite und 30 Grad weſtlicher
Lange neues Land entdeckt und nach dem Ehrenprotektor
Prinz=Regent Luitpold benannt. Das Land wurde bis
Grad ſüdlicher Breite und 30 Grad weſtlicher Länge
eitgeſtellt. Auf dem 78. Breitegrad ſchließt ſich hieran als
ſüdliche Begrenzung die Weddelſee, nach Weſten zu
ie Kaiſer Wilhelm=Barriere. Als die Landung daſelbſt
durchgeführt wurde, wurden durch die Springflut
nehrere Quadratkilometer ſamt der Station abgeſprengt,
etztere wurde an Bord gerettet. Das Schiff kam Anfang
eirz in die Eisdrift. Wertvolle Ergebniſſe
nd erzielt worden. Ausrüſtung und Schiff ſind in
eiter Verfaſſung. Die Tiere, der Proviant und die
ſohlen ſind vollſtändig intakt. Im Auguſt ſtarb in
Süd=
eorgien der verdienſtvolle Kapitän Vahſel an einem
erzleiden.
Profeſſor Penk, der Vorſitzende der Geographiſchen
eſellſchaft, teilt dem W. J.=B. hierzu folgendes mit:
Nach dem vorſtehenden Telegramm iſt Oberleutnant
ichner im ſüdlichen Eismeer 400 Kilometer
wei=
er ſüdlich gelangt, als es bisher in der Weddelſee
eſchah. Ein Vordringen in die vereiſten Antarktika
lurde durch das Zerſtören eines Teiles der Eisbarriere,
f der ſich die Station befand, vereitelt. Die Seereiſe
edeutet einen großen Erfolg, wie ihn die maritimen
Ex=
ditionen des Antarktis ſeit langem nicht erzielt haben,
nd bezeichnet die Entdeckung ähnlicher Verhältniſſe in
r Weddelſee, wie ſie in der Roß=See als Ausgang
wei=
ſer Vorſtöße gegen Süden erfolgreich gedient haben.
* Neue Bosniſche Briefmarken. Der Namenstag
Kaiſer Franz Joſefs hat der Sammlerwelt eine freudige
Ueberraſchung gebracht. An dieſem Tage wurde
näm=
lich ſeitens der Kaiſerk. und Königl.
Militärpoſtverwalt=
ung in Bosnien und der Herzegowina eine neue, aus 20
Werten beſtehende Briefmarkenreihe verausgabt, deren
künſtleriſche Ausführung in prächtigem Kupferdruck
ent=
ſchieden Aufſehen erregt. Ueber die Zeichnung der neuen
Poſtwertzeichen ſei geſagt, daß alle Werte in einem
ver=
zierten Rahmen das wohlgelungene Bildnis des
Kai=
ſers Franz Joſef tragen, und zwar zeigt ſich auf den
Wer=
ten von 1—30 Heller, 1 und 2 Kronen der Kopf des
Mon=
archen von vorn, auf denjenigen von 35—72 Heller, 3 und
5 Kronen hingegen von der Seite. Die Hellerwerte ſind
auf weißes, die Kronenmarken auf farbiges Papier
ge=
druckt; außerdem haben letztere noch zur beſſeren
Unter=
ſcheidung ein etwas größeres Format. Die vorherige
Ausgabe wies bekanntlich 18 Landſchaftsbilder und nur
auf einer Marke, der zu 5 Kronen, den Kopf des
Mon=
archen auf.
** Spielfieber in London. In den letzten Monaten
iſt über London eine Flutwelle leidenſchaftlichen
Spiel=
fiebers niedergegangen, und die Verhältniſſe haben ſich
bereits ſo zugeſpitzt, daß die Oeffentlichkeit den Ruf nach
Abhilfe erhebt. „Gegenwärtig wird in keiner Stadt der
Welt ſo viel Haſard geſpielt wie in London”, erklärt ein
großes City=Blatt in einem Artikel, der ſich mit dieſer
plötzlich aufgetauchten verderblichen Methode beſchäftigt.
Hauptſächlich wird „Chemin de ker” geſpielt und die
Ver=
luſte, die allnächtlich erlitten werden, ſind enorm. Während
der letzten Monate ſind nicht weniger als zwölf junge
Leute, Angehörige der höchſten Ariſtokratie und der
vor=
nehmſten Geſellſchaftskreiſe, durch dieſe Spielhöllen und
über Nacht entſtandenen heimlichen Spielklubs
vollkom=
men ruiniert worden. „Allein in Weſtend wird Abend für
Abend in mindeſtens zwölf dieſer heimlichen Klubs
ge=
ſpielt, und durchſchnittlich in jeder Nacht werden 300000
Mark verloren und gewonnen. Man kann ſich ausrechnen,
welche Rieſenſummen in ganz London während der letzten
Wochen verloren worden ſind. Der Polizei, deren Hilfe
jetzt von der Oeffentlichkeit angerufen iſt, harrt eine ſehr
ſchwere Aufgabe, weil es ſich bei all dieſen faſhionablen
Spielergeſellſchaften nicht um ſtändige polizeilich
gemel=
dete Klubunternehmungen handelt. Die heimlichen Klubs
ſpielen nicht zwei Abende hintereinander im ſelben Hauſe,
ſie wechſeln Tag für Tag ihr Quartier, und erſt am
ſpä=
ten Nachmittag erfahren die Spieler, wo ſie ſich am Abend
treffen werden. Es gibt in London unzählige Häuſer, in
denen einzelne Zimmer an Aerzte und kleine Juriſten zu
Konſultationszwecken auf beſtimmte Tageszeiten
ver=
mietet werden; die Einnahmen dieſer Hausbeſitzer ſind
ſehr gering, und wenige werden der Verſuchung trotzen,
wenn ihnen plötzlich für eine einmalige Ueberlaſſung eines
ſolchen Zimmers auf eine Nacht 500 Mark und mehr
ge=
boten werden. Neben dieſen „wandernden”
Spielerge=
noſſenſchaften gibt es aber noch Leute, die in ihrer meiſt
herrſchaftlich eingerichteten luxuriöſen Privatwohnung
einen geheimen Spielklub gründen. Einer dieſer
Klub=
beſitzer, der in Mayfair ſeine nächtlichen Sitzungen leitet,
gibt zu daß er ſeit September über 400000 Mark bar
ver=
dient hat, nicht etwa durch Teilnahme am Spiel, ſondern
nur durch die Spielgelder, die ihm zufloſſen. Um die
Be=
deutung dieſes Reingewinnes ganz zu ermeſſen, muß man
wiſſen, daß die Ausgaben eines ſolchen Klubgründers
unverhältnismäßig hoch ſind, denn er muß über ſchöne
Räume verfügen, ſein zahlreiches Dienerperſonal durch
ungewöhnlich hohe Gehälter zum Schweigen verpflichten
und außerdem noch alle Klubmitglieder allnächtlich
be=
wirten, ohne für die dargereichten Delikateſſen und
Er=
friſchungen entſchädigt zu werden. Zu dieſen nächtlichen
Klubs, bei denen nur Herren Einlaß finden, geſellen ſich
noch andere ähnliche Unternehmungen, die am Nachmittag
ihre Sitzungen abhalten und auch Damen aufnehmen.
Ueberall werden Spielgelder erhoben, die mit 5 Prozent
des Bankgewinnes beginnen und bis zu 30 Prozent
wachſen, je nach der Höhe des Gewinnes des Bankhalters.
Freunde, auf die man ſich verlaſſen kann. Jenkins
iſt jung verheiratet und wohnt auf dem Lande. Neulich
morgens küßt er ſeine junge Frau zum Abſchied, erklärt,
um 6 Uhr zum Eſſen wieder daheim zu ſein, ſteigt in ſein
Auto und fährt in die Stadt. Um 6 Uhr ertönt kein
Hup=
venſianal und die Gattin wird unruhig. Als die Mitter=
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Nummer S.
zirksobmänner des Wohnungsausſchuſſes eingeholt
wer=
den. Die nächſte Sitzung des großen Feſtausſchuſſes der
Jubiläums=Vereinigung wurde auf den 8. Februar,
vor=
mittags 10 Uhr, beſtimmt. Auf Anfragen wurde von
dem Vorſitzenden mitgeteilt, daß die kürzlich in
verſchie=
denen Zeitungen erſchienene Veröffentlichung, wonach
das Feſt vom 13, bis 15. Juni ſtattfinde, unrichtig iſt,
daß vielmehr Se. Kgl. Hoheit der Großherzog als
Feſt=
tage die Zeit vom 7. bis 9. Juni beſtimmt haben.
Friedberg, 9. Jan. Dem Sattlermeiſter
Hieroni=
mus wurden aus einem Schreibtiſch von einem Burſchen
700 Mark geſtohlen. Der jugendliche Dieb wurde
beim Verlaſſen des Zimmers überraſcht und verhaftet.
nachtsſtunde ſchlägt und der Gemahl noch immer nicht
ge=
kommen iſt, vermag ſie ihre Nervoſität nicht länger zu
bezähmen. Sie ſteht auf, weckt ihren Vater, und ſchließ
lich ſchickt man fünf Telegramme an die fünf beſten
Klub=
freunde des Verſchollenen. Die Telegramme enthalten die
Anfrage, ob der Vermißte vielleicht bei einem ſeiner
Freunde die Nacht verbracht habe. Als der Morgen graut,
fehlt noch jede Nachricht. Um 6 Uhr fährt ein
Bauern=
wagen vor; darauf ſitzt an der Seite des Bauern der
Ver=
mißte; der Wagen ſchleppt die Reſte ſeines Autos. Aber
im ſelben Augenblick bringt der Poſtbote ein Telegramm,
und in kurzen Pauſen vier weitere. Es ſind die Antworten
der Klubfreunde. Und alle fünf Telegramme lauten: „
Ja=
wohl, John übernachtete heute bei mir. . . .
Max Hofpauer.?)
Ein Geleitwort von Dr. Michael Georg Conrad.
Nennt man die beſten Namen aus der Blütezeit des
Münchener Gärtnertheaters, ſo erſcheint Max
Hof=
pauer mit in der erſten Reihe. Der Glanz echter
Volks=
tümlichkeit, der das Charakterbild unvergänglicher
Zier=
den edel=heiteren Spiels in den Königlichen
Muſentem=
peln an der Iſar umwittert, iſt mit nicht geringerer Kraft
auch an dem Namen Max Hofpauers haften geblieben.
Raſtlos wie ſeine berühmten Kunſtgenoſſen iſt er in die
Welt gezogen, um überall in Nord und Süd, Oſt und
Weſt eine unvergänglich leuchtende Spur echteſter
Mün=
chener Kunſt zurückzulaſſen. Sein raſſiges Temperament,
ſein Talent, ſo ſtahlfeſt wie geſchmeidig, konnte ſich, wie
ſein geſunder Ehrgeiz, der ſtets nach dem höchſten
Lor=
beer ſtrebte, nur in einer weitgeſchwungenen Linie
dra=
matiſcher Betätigung ausleben. Die feine künſtleriſche
*) Mar Hofpauer wird demnächſt zum erſten
Male nach Darmſtadt kommen und auf Einladung des
Vortragsverbandes hier einen Peter Roſegger=
Abend geben.
Erziehung, die ihm durch ſeinen Münchener Lehrer, den
berühmten Hofſchauſpieler und Profeſſor Heinrich Richter,
den Weg zu den idealen Stürmer=Gipfeln des klaſſiſchen
Repertoires finden ließ, gewann eine geſunde Ergänzung
in dem belehrenden Zuſpruch der genialen Marie
Geiſtin=
ger; im Fluge eroberte ſich der mit dem Titel eines Kgl.
Bayeriſchen Hofſchauſpielers geſchmückte jugendliche Mime
alle Domänen der heiteren Muſe und wurde einer der
gefeiertſten Darſteller komiſcher Charakterfiguren. So
bleibt Bild und Name Max Hofpauers für alle
Zeit mit dem Aufſchwunge der volkstümlichen Kunſt und
Dichtung im neuen Deutſchen Reiche untrennbar
verbun=
den. Was er in München an urwüchſiger Kraft und
Tüch=
tigkeit in ſich geſammelt, konnte er ſpäter, nachdem er ſich
in der Reichshauptſtadt Berlin feſtgeſetzt, in einem noch
unerprobten Wirkungskreiſe als Regiſſeur und Leiter
eines neuen Opernunternehmens im Theater des Weſtens
zu wertvollſter Entfaltung bringen.
Alle dieſe Kraftproben des gereiften Künſtlers reizten
nur Hofpauers Schaffensfreude, in immer neuen
Taten ſeine ungewöhnliche Jugendfriſche zu bewähren.
Es war vorauszuſehen, daß ſeine prachtvolle Art des
Ein=
fühlens und Nachſchaffens, verbunden mit einer
hervor=
ragenden Sprechtechnik, ihn bald auch zu einem der
geſuch=
teſten Vortragskünſtler machen mußte. Wie er einſt im
Volksſtück durch ſeine Triumphzüge in Europa, Rußland
Holland und Amerika dem deutſchen Namen Ruhm
er=
warb, ſo finden wir ihn jetzt als Rezitator am
Pult überall da, wo ein feinſinniges Publikum den
auserleſenſten Schöpfungen deutſcher Hoch= und Dialekt
dichtung Sinn und Verſtändnis entgegenbringt. Damit
iſt Max Hofpauer einer der vorzüglichſten Förderer
deut=
ſcher Sprache und Poeſie im In= und Auslande geworden,
und es iſt nicht überraſchend, daß er von den deutſchen
Geſellſchaftskreiſen in Mailand, Genua, Neapel, Rom,
Brüſſel, Antwerpen, Lüttich, Amſterdam, Rotterdam uſw.
uſw. ſtets enthuſiaſtiſche Einladungen zu neuen
Vorträ=
gen erhält. Auf dieſem Gebiet blüht jetzt der
Hofpauer=
ſchen Volkskunſt die reichſte Ernte.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 8. Jan.
Kronprinzeſ=
ſin Cecilie iſt nur mit ihren beiden älteſten Söhnen
nach Garmiſch=Partenkirchen gereiſt. Wie mitgeteilt wird,
werden nur die beiden Prinzen in Partenkirchen längeren
Aufenthalt nehmen. Die Kronprinzeſſin wird bereits in
den nächſten Tagen nach Berlin zurückkehren. — Die
Aus=
ſchmückungskommiſſion des Reichstages hat einem Antrag
des Reichsamtes des Innern ſtattgegeben, wonach eine
Herme Wallots in der Oſthalle des
Reichstags=
gebäudes Aufſtellung finden ſoll. Die Büſte wird
von Profeſſor Diez hergeſtellt werden. — Der über 1000
Mitglieder zählende Berliner Grundbeſitzerverein von
1865, der die Intereſſen der inneren Stadtteile vertritt,
beſchäftigte ſich in ſeiner geſtrigen Hauptverſammlung
mit der Frage des neuen Opernhauſes. Der
Vorſchlag, den Neubau am Schloßplatz zu errichten, fand
eine überaus beifällige Aufnahme, wenngleich die
Koſten=
frage einige Bedenken verurſachte. — Der Magiſtrat hat
an den Landwirtſchaftsminiſter den Antrag gerichtet, die
Erleichterungen für den Bezug ruſſiſchen
Fleiſches, die zunächſt nur bis zum 31. März dſs. Js.
erlaubt wurden, auch über dieſen Termin hinaus zu
ge=
nehmigen. Der Magiſtrat hat ſich bereits mit
Vorkehrun=
gen beſchäftigt, die den Bezug ruſſiſchen Fleiſches auch
während der wärmeren Jahreszeit ermöglichen ſollen.
Nach dem Berliner Lokalanzeiger ſind heute der
Defrau=
dant Guſtav Bruning und ſein Komplize Beermann
unter ſicherem polizeilichen Geleit von Winnipeg
abge=
reiſt.
Hanau, 9. Jan. Die Krankheit im hieſigen
Eiſenbahn=Regiment iſt anſcheinend zum
Stillſtand gekommen, denn neue Erkrankungen ſind nicht
zu verzeichnen. Heute ſind noch 173 Kranke gegen 176 am
geſtrigen Tage vorhanden. Auch die Zahl der in hohen
Fiebern liegenden Soldaten iſt ſeit geſtern um 12, von
38 auf 26, zurückgegangen. Der Rekonvaleſzentenſtand
beträgt 75.
Schlettſtadt, 9. Jan. Verhaftet wurde geſtern hier
der Direktor der hieſigen Filiale der Allgemeinen
Elſäſſi=
ſchen Bank=Geſellſchaft, Karl Müller, nach
vorausge=
gangener Bücherreviſion durch die Generaldirektoren
die=
ſer Geſellſchaft. Man ſpricht von einem Fehlbetrage von
80000 Mark. Müller führte ein einfaches Leben und
ge=
noß allgemeine Achtung. Er iſt das Opfer einer
unbän=
digen Spekulationsmanie geworden. Das nicht
unbedeu=
tende Vermögen des Verhafteten iſt gerichtlich mit Be
ſchlag belegt und auch ſonſt iſt, wie man hört, dafür
ge=
ſorgt worden, daß die Klientel der Bank keinerlei Ver
luſte erleidet.
Köln, 9. Jan. Als mutmaßlicher Mörder der
vor=
geſtern auf dem Eiſenbahngleis Mülheim-Schlebuſch
aufgefundenen Frau wurde deren Ehemann Reuter aus
Dünnwald, der ſeit mehreren Jahren von ihr getrennt
lebte, von der Polizei verhaftet.
Oberſtein, 9. Jan. Ein 13jähriger Burſche
ſchoß aus Uebermut mit einem Flobert in eine Gruppe
Burſchen und verletzte einen Wjährigen Goldarbeiter
lebensgefährlich durch einen Schuß in den Kopf. Der
Verletzte iſt ins Krankenhaus gebracht worden.
Stendal, 9. Jan. Hier iſt eine Reihe von Perſonen
an Nahrungsmittel=Vergiſtung erkrankt
Ein 16jähriges Mädchen iſt bereits geſtorben. Zwei
wei=
tere Perſonen liegen im Sterben.
Prenzlau, 9. Jan. Heute morgen um 6.03 Uhr ent
gleiſte auf dem hieſigen Bahnhof in der Kreuzweiche
der von Paſewalk kommende Güterzug 9442. Der
Packer Dahn aus Paſewalk wurde getötet, der
Hilfs=
bremſer Neſe aus Papendorf bei Paſewalk erlitt eine
Quetſchung des rechten Fußes bis zum Knöchel. Er
wurde dem Krankenhaus zugeführt. Ein Hilfszug aus
Paſewalk iſt inzwiſchen eingetroffen. Der Schaden iſt
un=
bedeutend, die Urſache noch unaufgeklärt.
Hamburg, 8. Jan. Am Bramfelder See wurden Teile
der Leiche eines 17jährigen Mannes gefunden. Daneben
lag ein blutbeflecktes Raſiermeſſer. Anſcheinend ſind die
Leichenteile in einem gleichfalls in der Nähe aufgefun=
denen Ruckſack dorthin gebracht worden. Es wird Mord
vermutet.
Peſt, 8. Jan. Zwiſchen dem Grafen Tisza und dem
Grafen Aladar Szechenyi fand ein Säbelduell
ſtatt, weil Szechenyi ſchriftlich erklärt hatte, er habe den
Gruß Tiszas nur irrtümlich erwidert. Szechenyi erhielt
einen Hieb am Kopfe. Tisza blieb unverletzt. Die
Ab=
geordneten der Regierungspartei bereiteten Tisza
Ova=
tionen.
Paris, 8. Jan. Der Prozeß gegen die
Anarchiſten=
bande der Genoſſen Bonnot=Garnier deren
Schreckenstaten, wie erinnerlich, ganz Frankreich im
Früh=
jahr vorigen Jahres monatelang in Aufregung verſetzten,
wird am 3. Februar vor den Geſchworenen von Paris
zur Verhandlung gelangen. Es wird ein Monſtreprozef
werden, wie ihn ein Schwurgericht in Frankreich bisher
ſelten geſehen haben dürfte. Die Zahl der Angeklagten
beträgt 21, die der Belaſtungszeugen 150, die der
Entlaſt=
ungszeugen ebenfalls 150. Die Zahl der Fragen, die den
Geſchworenen vorzulegen ſind, iſt durch den
Unterſuch=
ungsrichter auf 567 angeſchwollen. Für die Verhandlung
ſind 15 Sitzungstage vorgeſehen; nämlich vier Tage für
die Verhöre der Angeklagten, ſechs für die
Zeugenver=
nehmungen, einer für die Anklagerede des Staatsanwalts,
drei für die Verteidigungsreden und einer für den
Ur=
teilsſpruch der Geſchworenen. Da für die Angeklagten
auf der gewöhnlichen Anklagebank nicht genügend Platz
iſt, ſo wird für ſie ein beſonders abgeſperrter Raum
ge=
ſchaffen werden. Außerdem wird der Sitzungsſaal noch
eine beſonders umfangreiche Ausſtellung von
Verbrecher=
werkzeugen aller Art, als Revolver, Karabiner, Brecheiſen
und Nachſchlüſſel aufweiſen, die die Automobilräuber und
ihre Genoſſen bei ihren Taten gebrauchten.
Paris, 9. Jan. Bei der geſtern vom Präſidenten
Fal=
lieres veranſtalteten letzten Jagd erhielt der dem
Mili=
tärſtab des Elyſees angehörige Oberleutnant Boulanger
eine Schrotladung ins Geſicht. Die Jagd wurde
ſofort abgebrochen. Boulanger erlitt einen ziemlich
ſtar=
ken Blutverluſt, doch iſt ſeine Verletzung nicht ſchwer
London, 9. Jan. In einer New=Yorker Pfan
d=
leihe fand die Polizei bei einer Hausſuchung
Juwe=
len im Werte von zwei Millionen Mark die
ſämtlich von den Diebſtählen einer wohlorganiſierten
Bande herrühren. Bisher gelang es nur ein junges
Mäd=
chen feſtzunehmen, die in Verbindung mit den Dieben
ſtand. Die Juwelen ſollen auf myſteriöſe Weiſe bei
Diners in der New=Yorker Geſellſchaft verſchwunden ſein
New=York, 8. Jan. Nach einer Meldung aus Ottawa
wurde feſtgeſtellt, daß die Herzogin von
Con=
naught neuerlich an Bauchfellentzündung erkrankt iſt
Sie wurde nach dem Royal Viktoria Hoſpital gebracht.
New=York, 8. Jan. 10000
Kimonoſchneide=
rinnen haben ſich dem Streik angeſchloſſen. Geſtern kam
es zu einem ernſten Zuſammenſtoß zwiſchen Streikenden
und 60 Poliziſten.
Aſtoria (Oregon), 8. Jan. Von den drei
Ueber=
lebenden des Dampfers „Roſecrans”, die
ſich auf die Maſtſpitze gerettet hatten, hat einer die ſechs
Meilen bis zur Küſte durchſchwommen. Die beiden
an=
deren wurden von einem Rettungsboot aufgenommen,
das aber nicht zur Küſte zurückkehren konnte, ſondern ſich
bis zu einem Leuchtſchiff durcharbeitete, das Retter und
Gerettete an Bord nahm.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 9. Jan. Der
Finanzaus=
ſchuß der Zweiten Kammer erledigte heute in
raſcher Reihenfolge eine große Anzahl von Etatskapiteln,
die ſich gegen das Vorjahr nur wenig oder gar nicht
ver=
ändert haben. Zunächſt Kap. 13: Landſtände, bei welchem
die Ausgaben gegen 146098 Mark im Jahre 1912 für
die=
ſes Jahr nur 140888 Mark betragen, weil keine größeren
baulichen Reparaturen nötig waren. Bei den Kapiteln
des Staatsminiſteriums: 14—22, begrüßte der Ausſchuß
den Regierungsvorſchlag, die durch Penſionierung des
Geh. Staatsrats Krug v. Nidda erledigte
Miniſterial=
ratsſtelle nicht mehr zu beſetzen und nur die Stelle eines
Vortragenden Rates zu bewilligen. Es ſollen aber noch
Erörterungen mit der Regierung darüber ſtattfinden, ob
nicht auch der angeforderte Sekretär geſtrichen werden
kann. Beim Titel Verwaltungsgerichtshof werden ſtatt
11460 Mark im Vorjahre jetzt 19510 Mark angefordert,
und vom Ausſchuß für begründet erachtet, weil die
Kom=
petenzen und der Geſchäftskreis weſentlich erweitert
wor=
den ſind. Auch die Mehrforderung von 20660 Mark für
das Haus= und Staatsarchiv für Einrichtung von
Akten=
geſtellen uſw. wurde, nachdem ſchon vorher eine
Beſichtig=
ung an Ort und Stelle ſtattgefunden hatte, bewilligt. Die
übrigen Kapitel dieſes Miniſteriums wurden
gutge=
heißen.
Beim Etat des Miniſteriums des Innern wird eir
neuer Sekretariats=Aſſiſtent verlangt. Die Regierung ſoll
um Mitteilung darüber erſucht werden, ob dadurch nicht
die Stelle eines akademiſchen Hilfsarbeiters erſpart
wer=
den könne. Beim Kapitel Provinzialdirektionen und
Kreisämter, Ausgabe 679341 Mark, wurde die beanträgte
Erhöhung des Dispoſitionsfonds von 16000 Mark auf
21000 Mark für Vergütungen und Aushilfekoſten abge
lehnt. Kapitel Polizei, 163 220 Mark, und Polizeikaſſen,
194 450 Mark, wurden genehmigt. Bei letzterem
Kapitel=
ſoll behufs Erzielung von Erſparniſſen eine Vereinigung
mit den Kriminalkaſſen angeſtrebt werden. Beim Kapitel
Techniſche Hochſchule, Einnahme 346715 Mark, Ausgabe
730 Mark, beſchloß der Ausſchuß, die
Prüfungsgebüh=
ren von 26000 auf 30000 Mark zu erhöhen, da dieſe
Summe in den früheren Jahren ſtets höher angeſetzt war.
Der hier angeforderte Lehrauftrag für Flugtechnik und
Luftſchiffahrt wurde genehmigt, ebenſo die Lektoren für
neuere Sprachen. Die übrigen Anforderungen dieſes
Ka=
pitels wurden ebenfalls gutgeheißen. Das Kapitel
Gym=
naſien, Realgymnaſien, Oberreal= und Realſchulen, ſowie
pädagogiſche Seminare, Einnahme 2045 536 Mark,
Aus=
gabe 3085 314 Mark, wurde nicht beanſtandet; ebenſo
Ka=
pitel Höhere Bürgerſchulen, Ausgabe 154326 Mark, nicht.
Beim Kapitel Lehrerſeminare, Vorſeminare und
pädago=
giſcher Kurſus, Ausgabe 2389716 Mark, ſoll noch einmal
die Frage der Einführung eines Schulgeldes für die Se
minariſten mit der Regieruna diskutiert werden. Kapitel
Volksſchulen erfordert eine Ausgabe von 2939870 Mark.
Auch hier wurden die einzelnen Forderungen gutgeheißen,
Bezüglich der Forderung von 15000 Mark für
Jugend=
pflege ſoll von der Regierung Auskunft über die Ver
wendung der Summe im Jahre 1912 eingeholt werden.
Der Ausſchuß erledigte ſchließlich noch die Kapitel fü
öffentliche Geſundheitspflege und Veterinärweſen. Die
Fortſetzung der Etatsberatung erfolgt morgen vormittag
Die Wahl in Bingen-Alzey.
* Berlin, 9. Jan. Die Wahlprüfungs
Kommiſſion des Reichstags hat in ihrer
heu=
tigen Sitzung die Wahl des zu keiner Partei gehörigen
Abgeordneten Dr. Becker (Bingen=Alzey) mit 8 geger
5 Stimmen für ungültig erklärt.
Bekanntlich wurde nach der Reichstagswahl im
Ja=
nuar v. J. der fortſchrittliche Kandidat Korell zuerſt als
gewählt bezeichnet. Das wirkliche Ergebnis ſtellte aber
für Becker eine Mehrheit von 2 Stimmen feſt. Gegen
die Wahl wurde alsbald Proteſt erhoben.
Der württembergiſche Landtag
iſt geſtern vom König mit einer Thronrede eröffnet
worden, die zunächſt den wohlgeordneten Zuſtand der
Finanzen feſtſtellt und hervorhebt, daß die Ausdehnung
des Kreiſes der Staatsaufgaben auch in Württemberg
höhere Anforderungen als je zuvor bedingt. Die
Aus=
gaben für kulturelle und Wohlfahrtszwecke, beſonders in
den Departements des Innern und des Kirchen= und
Schulweſens, ſind unabläſſig geſtiegen, Fortſchritte, die
die wirtſchaftliche Blüte des Landes ermöglichten.
Hoffent=
lich können die eingeſchlagenen Wege weiter verfolgt und
an der Vervollkommnung derjenigen öffentlichen
Einrich=
tungen fortgebaut werden, die dem Leben des deutſchen
Einzelſtaates ſeine beſondere Weihe geben. Die
erfreu=
liche Weiterentwickelung des Verkehrs wird wieder
be=
deutende Aufwendungen verurſachen. Als eine der
vor=
nehmſten Aufgaben bezeichnet die Thronrede die plans
mäßige Fürſorge für alle Zweige des Unterrichts. Sie
kündigt weiter an die Anpaſſung des Körperſchafts=
Be=
amten=Penſionsgeſetzes an das ſtaatliche Beamtenrecht,
verbunden mit der Unfallfürſorge für die im Dienſte
ver=
unglückten Körperſchafts=Beamten, ferner eine
Erweiter=
ung des Beſteuerungsrechtes der Gemeinden, eine neue
Wegordnung, eine Neuordeung der Gebäude=
Brandver=
ſicherung und die Einführung eines Rechnungshofes.
Schließlich ſpricht die Thronrede den Wunſch aus, daß
unter den Segnungen des Friedens, der allein die Stärke
der Nation erhalten könne, auch die Zukunft dem Volke
in allen ſeinen Teilen Glück und Gedeihen bringen möge,
Den Landſtänden Württembergs iſt zur Landtags
eröffnung der neue Haupitfinanzelat zugegangen
Nach dem Staatsanzeiger bezeichnet der Finanzminiſter
den Abſchluß des Etats als nicht ungünſtig, da es ſich habe
ermöglichen laſſen, trotz der erheblichen Mehrforderungen
das Gleichgewicht zwiſchen Ausgaben und Einnahmen
herzuſtellen. Vorausſetzung iſt hierbei allerdings, daß in
der wirtſchaftlichen Lage eine Verſchlechterung nicht
ein=
tritt. Der Staatsbedarf beträgt für 1913 118828 521 Mark
für 1914 121692658 Mark. Gegen den Etatsſatz von 1912
iſt das ein Mehr von 7,3 bezw. 10,2 Millionen. Die Eins
nahmen ſied veranſchlagt für 1913 auf 119059073 Mark
für 1914 auf 122018620 Mark, wovon 63,1 bezw. 64
Mil=
lionen auf die Landesſteuern fallen. Die Steigerung der
Einnahmen wurde insbeſondere durch die Einſtellung
höherer Erträge bei den Verkehrsanſtalten und bei den
direkten Steuern erreicht. Im Ganzen ergibt ſich ein
Ueberſchuß von 230552 Mark für 1913 und von 325.96g
Mark für 1914. Es müſſen aber für außerordentliche
Be=
dürfniſſe der Verkehrsanſtalten und für die Landes
Waſſerverſorgung Anlehen im Geſamtbetrage von 8
Millionen Mark ausgegeben werden, die mit je 21
Millio=
nen auf die beiden Jahre 1913 und 1914 verteilt werder
ſollen.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 9. Jan. Präſident Dr. Kaempfer
öffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. Auf der Te
gesordnuna ſteht zunächſt die Fortſetzung der Beſprechung
der ſozialdemokratiſchen
Interpellation betreffend den Wagenmangel.
Abg. Frhr. v. Gamp (Reichspt.): Bei der ganzen
Kalamität in der Verkehrsſtockung handelt es ſich
ledig=
lich um die Schwierigkeit, dem Induſtrierevier die nötige
Anzahl Güterwagen zuzuführen und zur Verfügung zu
ſtellen. Die Wagennot iſt ihrerſeits entſtanden aus den
unzulänglichen Gleisanlagen und den zu kleinen
Bahn=
höfen. Der Vorwurf des Abgeordneten Dove, daß es
eine Eligentümlichkeit der Staatseiſenbahn ſei, immer
unzulängliche bauliche Anlagen zu ſchaffen, iſt nicht
zu=
treffend. Auch Kommunen leiden an dieſem Fehler. So
zeigt es ſich in Berlin, daß die Stadtväter, die
erleuchte=
ſten Perſönlichkeiten Deutſchlands, ihre Rathäuſer ſtets zu
klein anlegen. (Sehr gut!) Angeſichts des Notſtandes
hätte die Sonntagsruhe im Güterwagenverkehr
einge=
ſtellt werden können. Die Termine für Vorzugstarife im
Düngertransport könnten verlängert werden. Auch
da=
durch würde ein erheblicher Teil des Fuhrparks für den
Kohlenverkehr frei werden. Auch die Grubenhölzer
könn=
in
ten hauptſächlich während der von dem Kohlenver
Anſpruch genommenen Zeiten von dem Eiſenba
Nummer 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Seite 5.
vort ausgeſchloſſen werden. Die ungeheure Zahl
fehlen=
der Wagen wird wohl darauf zurückzuführen ſein, daß
die Unternehmer, denen die gewünſchte Zahl nicht geſtellt
werden konnte, vorſichtshalber die doppelte Anzahl
be=
ſtellten. Von dem Reichseiſenbahngeſetz kann ich mir
einen Vorteil nicht denken. Auch iſt ſeine Schaffung eine
höchſt ſchwierige Aufgabe. — Abg. Dr. Mumm (
Wirt=
ſchaftliche Vereinigung): Bedauerlich iſt es, daß nicht auch
die Arbeiterſchaft zu den Konferenzen im Ruhrrevier
hin=
zugezogen wurde. Neben der Kohleninduſtrie haben auch
alle Induſtriezweige, ſo die Baumwollinduſtrie in
Weſt=
falen, ſchwer unter der Kalamität des Wagenmangels
ge=
litten. Einen Vorſtoß gegen das Staatseiſenbahnſyſtem
kann man aus dieſer Kalamität nicht herleiten. Ein
Auf=
geben des Schleppmonopols würde eine Preisgabe an
die Truſts bedeuten.
Präſident des Reichseiſenbahnamts Dr.
Wacker=
zapp: Der Vorwurf, daß die Eiſenbahnverwaltung die
Verkehrsſteigerung nicht vorausgeſehen hätte, während
ſie es hätte tun können, iſt nicht zutreffend. Seit vielen
Jahren werden mit dem Vergrößern der Induſtrie
Schätzungen der Verkehrsſteigerung vorgenommen.
Da=
bei hat ſich ergeben, daß, während früher die letztere er
heblich hinter den Schätzungen zurückblieb, in letzter Zeit
die Schätzungen von der Möglichkeit um das Dreifache
überholt worden ſind. Wir haben es alſo mit vollſtän
dig unſicheren Grundlagen zu tun. Bei den Urſachen
der Kalamität handelt es ſich in erſter Linie um eine
außerordentliche Verkehrsſteigerung, die insbeſondere
durch die gegenwärtigen großen Bahnhofsumbauten im
Ruhrrevier verſchärft wurde. Es trifft nicht zu, daß
ſauch heute noch ein Wagenmangel beſteht. Seit Mitte
Dezember liefen ſogar im Ruhrrevier leere Wagen.
Abg. Dittmann (Soz.): Die geſtrige Rede wie
auch die heutige des Präſidenten des
Reichseiſenbahn=
amts war eine bedingungsloſe Kapitulation des
Reichs=
eiſenbahnamts vor der preußiſchen Eiſenbahnverwaltung
Wir müſſen dagegen proteſtieren, daß jetzt der Verſuch
gemacht wird, den Reichstag in Eiſenbahnfragen zu einer
preußiſchen Marionette zu machen. Mit ſolchen Reden
wie ſie uns hier gehalten worden ſind, ſollte man uns
verſchonen. Es iſt objektiv unwahr, die Kalamität ſei ſo
plötzlich hereingebrochen, daß man
Vorbeugungsmaß=
regeln nicht hätte treffen können. Wir ſind ſicher, daß
zum Herbſt mindeſtens die gleiche Kalamität wieder
ein=
treten wird. Auf unſere Anfrage, ob es richtig ſei, daß
die Eſſenbahnverwaltung wegen der kritiſchen politiſchen
Lage Wagen zurückgehalten und dadurch den
Wagen=
mangel und die Verkehrsſtockung verurſacht hat, iſt uns
vom Regierungstiſch keine Antwort gegeben worden. Der
Eiſenbahnminiſter hätte auch die Anforderungen des
Militarismus in Rechnung ſtellen müſſen. Es hat ſich
gezeigt, daß auch nur die Kriegsgefahr eine erhebliche
wirtſchaftliche Schädigung darſtellt. Im Kriegsfalle wird
das ganze Wirtſchaftsleben zuſammenbrechen. Ueber
kurz oder lang haben wir die gleiche Kalamität wieder.
Will man wirklich Abhilfe ſchaffen, dann muß das
preu=
ßiſche Steuerſyſtem beſeitigt werden. Die Eiſenbahn
darf nicht zur Plusmacherei benutzt werden, lediglich um
die ſteuerſcheuen Junker zu ſchonen. Schon Herr von
Swinner hat im preußiſchen Herrenhauſe nachgewieſen
daß unſere Finanzwirtſchaft jeder finanzwiſſenſchaftlichen
Einſicht entbehrt, da die Eiſenbahnverwaltung bei der
Hochkonjunſtwe ſtets falſche Dispoſitionen trefft. Das
Reichseiſenbahngeſetz muß unbedingt geſchaffen werden.
Ziehen wir aus der heutigen Debatte die Konſequenzen,
damit die Aktion nicht ausläuft wie das Hornberger
Schießen. Wir ſind, wie an allen kulturellen Fragen,
bereit, auch in der Eiſenbahnfrage voranzugehen. — Dr.
Böttger (natlib.): Wenn wir von den
Sozialdemo=
kraten als freiwillige Reichsfeuerwehr bezeichnet worden
ſind, ſo können wir das gelten laſſen. Trotz und dem
Vaterland zur Ehr, dem Nächſten zur Wehr. (Sehr gut!)
Die wirtſchaftlichen Schädigungen, die in der geſamten
Induſtrie durch die Eiſenbahnkalamität entſtanden ſind,
ſind mindeſtens auf 70—80 Millionen Mark zu ſchätzen.
Wir müſſen für die Zukunft unbedingt dafür ſorgen, daß
eine Wiederholung ſolcher Zuſtände unmöglich wird. Mit
Oank erkennen wir deshalb die Maßnahmen des
Eiſen=
bahnminiſteriums an, das für die Vermehrung des
rollen=
den Materials erhebliche Mittel angefordert hat. —
Prä=
ſident des Reichseiſenbahnamts Wackerzapp: Die
Be=
hauptung, daß die Güterwagen aus militäriſchen
Grün=
den zurückgehalten worden ſeien, entbehren jeder
Grund=
lage. Auch iſt die Behauptung nicht richtig, daß im Falle
eines wirklichen Krieges die Störungen noch größer
wer=
den würden. Die Störungen traten nur bei der Zu= und
Abfuhr der Güterwagen ein, eine Schwieriakeit, die im
Kriegsfalle durch ganz andere Verkehrsmethoden ohne
weiteres verſchwinden würde.
Damit ſchließt die Beſprechung. Es folgen
Wahlprüfungen.
Es werden ohne Debatte für gültig erklärt die Wahl
der Abgeordneten Schwabach (ntlib.) und Dr. Werr
(Zentrum)
Es folgt dann die Beratung der von der
Wahlprüf=
ungskommiſſion bei der Wahl im Wahlkreiſe
Schwetz gefaßten Reſolution den Reichskanzler
zu erſuchen, den Wahlkommiſſär dieſes Wahlkreiſes auf
das Ungeſetzliche ſeiner Handlungsweiſe hinzuweiſen.
Miniſterialdirektor Lewald: Auf Grund der
Ermitte=
lungen iſt der Wahlkommiſſär vor geraumer Zeit darauf
hingewieſen worden, daß ſein Verfahren ungeſetzlich war
Der Reſolution iſt alſo ſchon längſt entſprochen worden
Abg. Dr. Laszewski (Pole): Der Wahlkommiſſät
hat die Praxis der Reſultatsermittelung ſchon dem
pol=
niſchen Kandidaten gegenüber angewendet. Der der Wahl
in Schwetz gefolgte Tumult, den die Danziger Studenten
verurſacht haben, dürfte bekannt ſein. (Vizepräſident
Dove bittet den Redner, auf dieſe Siegesfeſte nicht weiter
einzugehen, die hätten die Wahlkommiſſäre nicht
ver=
hindern können.) Aus nichtigen Gründen hat man auch
bei der jetzt ganz plötzlich erfolgten Nachwahl in Schwetz
polniſche Stimmen kaſſiert. Es gilt in Schwetz als
ſelbſt=
verſtändlich, daß derjenige, der die meiſten Stimmen er=
Abg. von Oertzen
halten hat, unterlegen iſt. —
(Reichsp.), führt aus, daß nach ſeiner Ueberzeugung bei
der im Dezember erfolgten Nachwahl in Schwetz polniſche
Stimmen zu Unrecht für ungültig erklärt wurden.
Abg. Stadthagen (Soz.) verlangt, daß in ſolchen
Fällen mit der größten Schärfe vorgegangen werde und
zieht ſich bei ſeinen weiteren Ausführungen einen
Ord=
nungsruf des Vizepräſidenten Paaſche zu. Redner bittet
dringend. der Reſolution zuzuſtimmen, damit rückſichtslos
gegen Wahlfälſcher vorgegangen werden könne. — Abg
Dr. Pieper (Ztr.): Es kann kein Zweifel ſein, daß von
Halem zu Unrecht als gewählt erkläxt worden ſei. — Abg
Neumann=Hofer (Fortſchr. Vpt.): Jeder national
empfindende Deutſche muß von ſolchen Vorkommniſſen
ſchmerzlich berührt werden. Große Vorſicht muß bei der
Wahl der Wahlkommiſſäre walten. — Nach kurzen
Bemer=
kungen des Abg. v Trampezynski (Pole), ſchließt
die Debatte, die Reſolution wird gegen die Stimmen der
Reichspartei angenommen.
Es folgt die
Denkſchrift über die Beamtenorganiſation der
Reichspoſt=
verwaltung.
Abg. Wurm (Soz.): Als wir dieſe Denkſchrift for
derten haben wir gedacht, daß einige Poſitionen von
Unterbeamten erledigt werden mögen. Es hat ſich aber
gezeigt, daß die Unterbeamten wieder einmal die
Ge=
ſchädigten ſind. Auch die mittleren Beamten ſtehen wenig
gebeſſert da. Da zeigte ſich wieder die unheilvolle
Plus=
macherei der Verwaltung, die alle ſozialpolitiſchen
Rück=
ſichten hintanſetzt. Wir beantragen Ueberweiſung an die
Budgetkommiſſion
Hierauf wird vertagt auf Freitag 1 Uhr 15 Min.
Vorher kurze Anfragen. — Schluß ¾6 Uhr.
* Berlin, 9. Jan. Die neunte Kommiſſion
des Reichstages, betr. vorübergehende
Zollerleich=
terung bei der Fleiſcheinfuhr, ſetzte heute die am
6. Dezember unterbrochene Beratung fort. Ein
Regier=
ungsvertreter erklärte, die Verlängerung des Termins
über den 1. April 1914 hinaus ſei für die Zulaſſung des
ausländiſchen Fleiſches vorerſt nicht beabſichtigt.
Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.
Zu Gunſten des Photographiſchen
Inſtituts der Großh. Heſſ. Techniſchen Hochſchule will
Herr Profeſſor Dr. Limmer demnächſt drei
Lichtbildervor=
träge halten, die auch die Allgemeinheit, beſonders den
kunſtliebenden und kunſtverſtändigen Teil, intereſſieren.
Jedoch meine ich, daß die Zeit 5½—6½ zu ſchlecht gewählt
iſt, als daß der Beſuch — dem Zweck entſprechend — ein
recht großer werden könnte. Wer kann ſchon um 5 Uhr ſein
Bureau oder Geſchäft verlaſſen, um zur Hochſchule zum
Vortrag zu eilen? Wohl die wenigſten ſind in dieſer
glücklichen Lage und müſſen alſo auf die Vorträge
ver=
zichten zum Schaden des anzuſammelnden Fonds. Auch
unſere ſich für die Sache intereſſierenden Studierenden
zum Beiſpiel Architekten, müßten andere Vorleſungen
ausfallen laſſen, wollen ſie dieſe Vorträge beſuchen. Ließe
ſich nicht eine andere Zeit zu ſpäterer Stunde wählen
etwa gegen 8 Uhr, zu welcher Zeit auch u. a. die Vorträge
des Volksbildungsvereins ſtattfinden. Herr Proſeſſor
Dr. Limmer würde ſich ein großes Verdienſt und den
Dank Vieler erwerben, wollte er die Vorträge zu ſpäterer
Stunde abhalten. Der freudige Dank recht zahlreicher
Beſucher und damit ein größerer Erlös zu Gunſten ſeines
Inſtituts würden ihm das Entgegenkommen lohnen.
Einer, der die Vorträge gerne beſuchen möchte,
aber um 5¼ Uhr nicht beſuchen kann.
Vermiſchtes.
* Wahrheitsgetreue Berichte über
Ge=
richtsverhandlungen. Von der Anklage der
Be=
leidigung durch die Preſſe freigeſprochen wurde von der
Strafkammer beim Amtsgericht Waldenburg in Schleſier
am 17. Auguſt 1912 der Redakteur Paul Luſcher. Am 21.
April vorigen Jahres hatte ſich Luſcher vor dem
Amts=
gericht wegen Beleidigung des Pfarrers aus Weißſtein
zu verantworten. Von dieſem hatte er nämlich
behaup=
tet, er habe einmal von der Kanzel herab zum Boykott
gegen einen Kaufmann aufgefordert, und habe die
Schul=
kinder gefragt, ob deren Eltern die Bergwacht leſen und
im Konſumverein ſeien. Durch dieſe Behauptungen, die
den Vorwurf religiöſer Unduldſamkeit und Mißbrauch
der Amtsbefugnis enthielten, fühlte ſich der Pfarrer in
ſeiner Ehre verletzt. Den Bericht über dieſe
Gerichtsver=
handlung, in der naturgemäß alles genau zur Sprache
ge=
kommen war, veröffentlichte der Angeklagte tags darauf
in ſeiner Zeitung, der Schleſiſchen Bergwacht, deren
ver=
antwortlicher Redakteur er iſt. In dieſer Veröffentlich
ung ſollte, wie ihm die Anklage zur Laſt gelegt hatte, eine
erneute öffentliche Beleidigung im Sinne des § 186
Strafgeſetzbuchs, ſowie ein Preßvergehen liegen. Das
Gericht hat jedoch eine Beleidigung nicht für vorliegend
erachtet, da Luſcher nur einen wahrheitsgetreuen Bericht
einer öffentlichen Gerichtsverhandlung gebracht habe.
Gegen das Urteil hatte die Staatsanwaltſchaft
Revi=
ſion eingelegt, mit der Begründung, daß ſelbſt
wahr=
heitsgetreue Berichte über Gerichtsverhandlungen nicht
immer und ohne weiteres einwandfrei ſeien und ihr
Ver=
faſſer nicht immer von jeglicher Beleidigung freizuſprechen
ſei. Auch im vorliegenden Falle liege zweifellos eine Be
leidigung des Pfarrers vor. Das Reichsgericht tra
jedoch der Anſicht des Vorderrichters bei, daß in dem
Be=
richte eine Beleidigung ſowie eine beleidigende Abſicht
nicht zu finden ſei, da der Angeklagte nur eine
Gerichts=
verhandlung wahrheitsgetreu wiedergegeben und nur
be=
richtet habe, was ohnehin vor Gericht öffentlich zur
Sprache gekommen ſei; es verwarf deshalb die Reviſion
des Staatsanwalts als unbegründet. (Köln. Ztg.).
Der Balkankrieg.
Die Friedensverhandlungen und die Mächte.
* London, 9. Jan. Nach der Times beſteht
Hoff=
nung, daß die kriegführenden Parteien zu
einem Vergleich kommen, bevor die Mächte ihren
Einfluß geltend machen. Dieſe Hoffnung wird durch die
Gerüchte über die Begegnung zwiſchen Nazim Paſcha
und General Sawow bekräftigt. Ein freundſchaftlicher
Vergleich über Adrianopel ſtehe keineswegs außer Frage
* Rom, 8. Jan. Die Zeitungen veröffentlichen
fol=
gende Depeſche aus London: Die Meldungen einiger
franzöſiſcher und anderer Blätter über das Schickſal der
Inſeln und anderen Fragen werden in politiſchen und
diplomatiſchen Kreiſen, die gut informiert ſind, nicht für
vollſtändig richtig gehalten. Der Dreibund ſcheint in
der Tat darauf zu beſtehen, daß außer 4 den Dardanellen
benachbarten Inſeln, nämlich Imbros, Tenedos, Lemnos
und Samothrake auch Chios, Mytilene Kos und Rhodos
der Türkei mit wirkſamen Garantien zugunſten der
Be=
wohner verbleiben. Es ſcheint auch eine vollſtändige
Uebereinſtimmung zwiſchen dem Dreibund und der Tripel
entente zu beſtehen über die Notwendigkeit, Adrianopel
an Bulgarien abzutreten mit einigen Klauſeln zugunſten
der Moſcheen, Kirchengüter und Gräber der Khalifen
London 9. Jan. Der türkiſche Botſchafter in
Berlin, Osman Nizam Paſcha, der zu den
Friedens=
delegierten gehört, erklärte heute, er halte es für
unwahrſcheinlich, daß die Großmächte alle zuſammen
in Konſtantinopel weitere Zugeſtändniſſe durchſetzen
wollen. Die Türkei ſei bei ihren letzten Zugeſtändniſſen
angelangt. Adrianopel werde ſie auf keinen Fall
her=
zeben, ebenſowenia wie die ägäiſchen Inſeln. Falle
Adrianopel durch Hungersnot oder Peſt, ſo dürften die
Bulgaren dennoch die für den Waffenſtillſtand um
Adria=
nopel beſtehende Demarkationslinie nicht überſchreiten.
Der Botſchafter kritiſierte ferner ſcharf das unkorrekte
Ver=
halten des Präſidenten Nowakowitſch in der letzten
Sitz=
ung. Die Türken dächten nicht daran, die Verhandlungen
wieder hervorzurufen. Sie hätten das dreifache
Ulti=
matum der Blockdelegierten nicht angenommen, alſo ſei
die Lage klar, die ſich wohl bereits morgen entſcheiden
werde.
Der Streit um Adrianopel.
* Konſtantinopel, 9. Jan. Die
Beſpre=
chung, die am Dienstag bei Tſchataldſcha
ſtatt=
fand, erregte hier großes Aufſehen. Sie galt, wie
ver=
lautet, der Beſtimmung einer Grenze für das Wilajet
Adrianopel. Wie verſichert wird, iſt es bei dieſer
Zuſammenkunft zu keiner Verſtändigung gekommen, da
ſich die Bulgaren ablehnend verhielten und erklärten, die
Angelegenheit ſei Sache der Bevollmächtigten in London.
Ueber das Ergebnis der Unterredung konferierte geſtern
vormittag der Miniſter des Aeußern mit dem Großweſir.
Später wurden lange Telegramme nach London geſandt.
* Konſtantinopel, 8. Jan. Ikdam erfährt
Sir Grey machte bezüglich Adrianopels den
Vor=
ſchlag, zwiſchen der Türkei und Bulgarien eine neutrale
Zone zu ſchaffen, von welcher das Wilajet Adkianopel
ein Teil ſein ſoll. Die Verwaltung ſoll Beamten
über=
tragen werden, die dem türkiſchen Dienſt entnommen
wer=
den ſollen. Ein ähnlicher Vorſchlag wird für die Inſeln
des griechiſchen Archipels gemacht. Der Vorſchlag wird
gegenwärtig zwiſchen den Großmächten beraten. Man
glaubt nicht an den Abbruch der Verhandlungen.
Rückzug Serbiens von der adriatiſchen Küſte.
* London, 8. Jan. Das Reuterſche Bureau erfährt,
die Mächte werden heute offiziell benachrichtigt, daß
Ser=
bien zum Beweiſe ſeines guten Willens, im Intereſſe
des allgemeinen Friedens Opfer zu bringen, ſich
ent=
ſchloß, unmittelbar nach dem Friedensſchluß die Truppen
von der Küſte des Adriatiſchen Meeres
zu=
rückzuziehen. Die ſerbiſche Regierung hoffe, indem
ſie ſo handle, daß Europa von ihrer Mäßigung Kenntnis
nehmen und keine weiteren Opfer verlangen werde, die
außerhalb der Grenzen ihrer Macht ſein könnten.
* Paris, 9. Jan. Bezüglich der Reutermeldung,
daß Serbien beſchloſſen habe, ſofort nach
Unter=
zeichnung des Friedensvertrages die
Trup=
pen von der adriatiſchen Küſte
zurückzu=
ziehen, erklärte der ſerbiſche'Delegierte
Nowako=
witſch dem Londoner Sonderberichterſtatter des Matin
u. a.: Wir haben dieſes Gebiet unter großen Opfern an
Gut und Blut beſetzt. Da aber die Mächte erklärt haben,
daß ſie ein autonomes Albanien wünſchen und nicht
wollen, daß Serbien in den territorialen Beſitz eines
adriatiſchen Hafens gelangt, haben wir uns loyal gefügt.
Indem wir uns der Entſcheidung der Mächte
unter=
warfen, haben wir gleichzeitig beweiſen wollen, daß wir
in guten Beziehungen zu unſerem mächtigen Nachbar=
Oeſterreich=Ungarn leben wollen. Wir werden demnach
nicht bloß die adriatiſche Küſte, ſondern alle weſtlich der
Seen und des Drin gelegenen Gebiete räumen, weil dieſe
dem künftigen Albanien angehören werden. Aber
gleich=
zeitig erklären wir laut, daß die von unſeren Truppen
öſtlich des Drin beſetzten Punkte, wie z. B. Dibra,
Priz=
rend uſw., Serbien verbleiben ſollen. Wir zweifeln nicht
daran, daß die Mächte unſere Geſichtspunkte und unſere
gerechten und loyalen Wünſche unterſtützen werden.
Ser=
bien hat einen neuen Beweis dafür erbracht, daß es,
ſo=
weit es in ſeiner Kraft ſteht, zu einer raſchen Regelung
der ſchwebenden heiklen Fragen beitragen will, und wir
hoffen, daß man dies berückſichtigen wird.
Letzte Nachrichten.
* Paris, 9. Jan. Der Schritt der Mächt
bei der Türkei wird wahrſcheinlich nicht vor Ende
der Woche vor ſich gehen. Die Verſtändigung ſcheint
be=
treffs Adrianopels vollſtändig zu ſein; aber es
beſtehen noch Meinungsverſchiedenheiten über die
Aegäi=
ſchen Inſeln. Die Tripelentente iſt geneigt, die
Abtret=
ung der Inſeln an Griechenland zu unterſtützen, der
Drei=
bund ſcheint der Türkei die der Küſte benachbarten Inſeln
belaſſen zu wollen, beſonders die Inſeln in der Nähe der
Dardanellen, wie Chios und Mytilene. Es ſcheint
alſo zweifelhaft, ob der in Konſtantinopel ausgeübte
Druck ebenſo energiſch betreffs der Inſeln ſein kann, wie
Die Frage der Abgrenzung
betreffs Adrianopels.
Albaniens wird ſpäter in Angriff genommen; ſie
ſcheint ſchwer zu regeln zu ſein, da Oeſterreich=Ungarn
noch immer beabſichtigt, Skutari Albanien einzuverleiben
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 9. Jan. Der Berliner Lokalanzeiger”
meldet: Profeſſor William Wolf, Chordirigent der
Synagoge Lindenſtraße, erlag während eines Vortrages
im Lette=Verein einem Herzſchlag. Er hatte eben
ſeine Ausführungen beendet, als er plötzlich
zuſammen=
brach und wenige Augenblicke ſpäter ſtarb.
*Deidesheim, 9. Jan. Heute vormittag hat ſich der
Gutsbeſitzer Heinrich Leonhard Biffar, in Firma
Hein=
rich Biffar I., erſchoſſen. B. ſtand, wie der Pfälz.
Kurier meldet, mit der Firma Leopold Mayer I. in ge
ſchäftlichen Verbindungen. Letztere Firma hat, wie bereits
gemeldet, geſtern ihre Zahlungen eingeſtellt.
* Saybuſch (Galizien), 9. Jan. Heute vormittag fand
im engſten Familienkreiſe die Vermählung der Erz
herzogin Eleonore der Tochter des Erzherzogs Karl
Stephan, mit dem Linienſchiffsleutnant v. Kloß ſtatt.
* Paris, 9. Jan. Die Handelskammer von Lorrient
überſandte dem Miniſter des Innern und des Handels
einen Beſchlußantrag, in dem unter Hinweis auf das
durch die Betriebseinſtellung der
Sardinen=
konſerven=Fabriken verurſachte Elend die
Re=
gierung aufgefordert wird, raſcheſtens die Mittel zur
Be=
ſeitigung der ſchweren Kriſe zu prüfen, die den Handel
und die Bevölkerung der bretoniſchen Küſte mit dem Ruin
bedrohen.
* Liſſabon, 9. Jan. Im Miniſterium Coſta
iſt in der Beſetzung einzelner Reſſorts ein Wechſel
einge=
treten. Es übernehmen das Präſidium und die
Finan=
zen: Alfonſo Coſta, Inneres: Rodrigues, Juſtiz: Alavro
CCaſtro und Aeußeres: Antono Macieira.
— Ringenwalde, 9. Jan. Wir berichteten bereits über
eine grauenhafte Mordaffäre auf dem
märki=
ſchen Gutshofe Ringenwalde bei Batzlow. Die Getöteten
ſind als der Steuererheber Kaliß und ſeine Frau
rekognoſziert worden. Außerdem wurde aber feſtgeſtellt,
daß auch die Tochter des Ermordeten, ſowie das
Dienſt=
mädchen der Familie verſchwunden ſind
Die Berl. Ztg. meldet hierzu: Die beiden Töchter des
Ehepaares Kaliß in Ortwig wurden im elterlichen Haus,
wo ſie der Mörder eingeſchloſſen hatte, lebend und
unverletzt aufgefunden. Nach ihren Erzählungen iſt Ka=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Nummer 8.
liß am Dienstag früh von dem Knecht im Stall
nieder=
geſchlagen und erdroſſelt worden; dann begab ſich
der Knecht in das Wohnzimmer, in dem ſich Frau K.
befand und erdroſſelte ſie; ſodann kam er zu den in dem
Nebenzimmer befindlichen Töchtern und ſagte ihnen, ſie
ſollten ſich ruhig verhalten, ſonſt würde er ſie ums Leben
bringen. Vermutlich hat dann der Mörder das
Dienſt=
mädchen in den Stall gelockt und dort erdroſſelt.
Der Knecht ſchickte ſpäter die Arbeiter mit dem Bemerken
fort, es würde heute nicht gearbeitet. Die Herrſchaft ſei
für einige Tage zu einer Hochzeit gefahren. Der Mörder
hat dann alle Beſucher des Gehöftes mit dieſer Ausrede
abgewieſen und den Mädchen um die Mittagsſtunde zu
eſſen gebracht, wobei er ſeine Drohungen wiederholte. Er
vernagelte ſämtliche Fenſter des Hauſes und ſchloß die
Türen ab. Dann brachte er noch die Leichen des
Ehe=
paares nach der Strohmiete in Ringenwalde, die er
anzündete. Die Leiche des Dienſtmädchens ließ er
im Stalle liegen. Erſt heute morgen wurde die Leiche
ge=
funden und die beiden Mädchen, die in dem Kleiderſchrank
des Zimmers eingeſchloſſen waren, befreit. Aus dem
Geldſchranke war ſämtliches Bargeld geſtohlen, auch viele
Wertgegenſtände fehlen. Der Name des Mörders,
wel=
cher noch nicht verhaftet wurde, iſt nicht bekannt, da er
polizeilich noch nicht gemeldet war, obwohl er ſchon
mehrere Wochen bei Kaliß im Dienſt war. Ob er
Kom=
plizen hat, ſteht noch nicht feſt. Möglicherweiſe ſollen noch
vier bis fünf andere Männer an dem Mord beteiligt ſein.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
der 2. Preuss.-Süddeutsch.
KLASSEN-LOTTERIE
Achtel Viertel
Halbe
Ganze in jeder Klasse
Mk. 5.— Mk. 10.− Mk. 20.—− Mk. 40.— empfiehlt
OM i. Fa.: Müller & Rühle,
OsthrFeire
Hofbuchhandlugg,
Kgl. Preuss.
5 Elisabelhenstrasse 5.
Lotterie-Einnehmer
(IV1238, 129)
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 10. Januar:
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 45 Min.
Samstag, den 11. Januar:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Sabbatausgang
5 Uhr 40 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religion;.
Samstag, den 11. Januar:
Vorabend 4 Uhr 20 Min. Morgens 8 Uhr.
Nach=
mittags 3 Uhr 45 Min. Sabbatausgang 5 Uhr 40 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 12. Januar,
an: Morgens 7 Uhr Nachmittags 4 Uhr.
Heute morgen 7 Uhr verſchied nach ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden mein geliebter
Gatte, unſer guter Vater, Schwiegervater und Großvater
(*813
Mer Clristian Mhender Waiber
im vollendeten 65. Lebensjahre
Die trauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.:
Christine Waibel, geb. Graf.
Darmſtadt, den 9. Januar 1913.
Die Beerdigung findet Samstag, den 11. Januar, nachmittags 4 Uhr, vom Friedhofe aus, ſtatt.
Für die wohltuende Teilnahme an
dem ſchweren Verluſt, der uns
be=
troffen hat, ſage ich im Namen der
Hinterbliebenen herzlichſten Dank.
Ludwig Römheld,
Rechtsanwalt und Notar.
Darmſtadt, 10. Januar 1913.
(1354
Dankſagung.
Für die uns in ſo reichem Maße
erwieſene Teilnahme an dem uns
be=
troffenen ſchmerzlichen Verluſt ſagen
wir hierdurch Allen herzlichen Dank.
Familie Fink.
Darmſtadt, 9. Januar 1913. (1350
Dankſagung.
Für die uns bewieſene Teilnahme bei dem
Heimgang unſeres lieben
(B1333
Gretchen
ſagen herzlichen Dank; beſonders Herrn
Pfarr=
aſſiſtent Herpel für ſeine troſtreiche Grabrede.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Eliſabethe Seibert Witwe.
Darmſtadt, den 9. Januar 1913.
Heute verſchied ſanft nach kurzem Leiden
meine liebe Mutter, unſere liebe Großmutter,
Schwiegermutter und Tante
(1322
Frau Bertha Wolff
geb. Anspach
im 83. Lebensjahre.
Darmſtadt, 9. Januar 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen
i. d. N.:
Sigmund Wolff.
Die Beerdigung findet ſtatt: Sonntag, den
12. d. M., vormittags ½11 Uhr, vom Portale
des iſraelitiſchen Friedhofes aus.
Blumenſpenden und Kondolenzbeſuche dankend
verbeten.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. D). Anfang 7½ Uhr:
„Die fünf Frankfurter”.
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Pſycholog Parthey um 8¼ Uhr im Hotel
Heß.
Lichtbildervortrag von Herrn Wohlgemuth um
8½ Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz (Vereinigte
Kriegervereine).
Lichtbildervortrag von Miſſionar Gutekunſt um
8½ Uhr Mollerſtraße 23 (Männervereinigung der
Martinsgemeinde).
Vortrag von Reallehrer Kahl um 8½ Uhr im
Reſtau=
rant Sitte (Ortsgewerbeverein).
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Kandidaten für die Präſidentenwahl in Frankreich; drei
infolge des letzten Sturmes in der Nähe von Plymputh
geſtrandete Schiffe; der Winterſport in St. Moritz.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbei agen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
-
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Kurſe vom 9. Januar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,80
3½ Deutſche Reichsanl. . 89,0)
78,60
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99, O
3½ do. Conſols . . . 89,10
78,70
do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,20
3½
do.
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,90
87,75
do.
3½
do.
78,20
4 Hamburger Staatsanl. 99,80
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,00
4 do. do. (unk. 1918) 99,90
do.
3½
88,00
do.
76,50
3 Sächſiſche Rente.
78,80
4 Württemberger v. 1907 100,00
do. v. 1875 93,60
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 99,50
Griechen v. 1887 . . 54,65
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 88,70
4 do. Goldrente . . . 92,50
do, einheitl. Rente 86,20
3 Portug. unif. Serie I 63,80
3 do. unif. Ser. III 66,20
3 do. Spezial . . . . 10,10
5 Rumänier v. 1903 . . 109,00
do. v. 1890 . . 95,00
do. v. 1905 . . 87,70
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 90,50
do. v. 1902 . . . . 91,0)
½ do. v. 1905 . . . . 99,80
90,50
3½ Schweden . . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 81,00
4 Türk. Admin. v. 1903 78,59
4 Türk. uniſiz. v. 1903 36,20
4 Ungar. Goldrente . . . 88,75
4 do. Staatsrente. . . 85,85
InProt.
Zf.
5 Argentinier . . . . . .101,20
98,20
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 91,00
5 Chineſ. Staatsanleihe.
-
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 92,90
5 Innere Mexikaner . . . 94,70
59,40
do.
4 Gold=Merikanerv. 1904 83,20
5 Gold=Mexikaner . . . 100,20
3 Buenos Aires Provinz 69,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 163,50
5 Nordd. Lloyd . . . . . 125,90
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. 126,75
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,25
6 Baltimore und Ohio . 106½
6 Schantungbahn . . . . 133,10
6‟ Luxe nb. Prince Henri 159,50
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 21,50
6 Pennſylvania R. R. . 124,00
Leßte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
3 Brauerei Werger
65,50
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik .
533,25
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim . . . .
248,00
30 Farbwerke Höhſt
640,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 347,50
)Cement Heidelberg . . 146,00
30 Chem. Werke Albert 433,00
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 338,30
5 Lahmeyer . . . . . . . —
Eiete
en
Twid.
7½ Schuchert, Nürnberg 151,00
12 Siemens & Halske .223,00
5 Veramann Electr. . . 123,50
10 Deutſch. Ueherſee Electr. 163,95
80,00
25 Gummi Peter . . .
0 Kunſtſeide Frankfurt 78,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 595,00
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
16 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 149,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 232,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
Dh
198,25
häuſel.
10 Neue Boden=A. A.=Beſ. 100,75
3 Südd. Immobilien . 62,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 179,10
12½Bochumer Bergb. u.
Gußſt.
. . . . . 218,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 168,75
10 Gelſenkirchener . . . . 20),00
9 Harpener . . . . . . . 193,00
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 266,75
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,50
6 Laurahütte . . . . . . 170,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 211,50
11
7½ South Weſt Africa 128,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 89,10
1 Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 93,40
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,70
3 Prag=Durer . . . . . . 76,10
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,20
77,60
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,75
do.
In Prot.
Zf.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 52.70
3 Raab=Oedenburg
77,00
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,10
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 88,20
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,20
88,30
do.
4 Wladichawchas
89,00
4 Rjäſan Koslow . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,00
do.
24/ Livorneſer
71,10
3 Salonique=Monaſtir . 62,70
4 Baadadbahn . . . .
81,10
½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,60
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 71,90
Northern=Paciſic . . . 99,30
4 Southern=Paciſie
93,90
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 84,20
5 Tehuantepec . . . . . . 98,30
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich
187,50
7 Bergiſch=Märkiſche
.150,30
Bahn . . .
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 169,25
6½ Darmſtädter Bank . 123,20
12½½ Deutſche Bank . . . 254,10
6 Deutſche Vereinsbank . 125,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 121,40
10 Diskonto=Kommandit 189,20
8½ Dresdener Bank 157,50
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,00
6½ Mitteld. Kreditbank 121,40
Nationalb. für Deutſchl. 124,00
Pfälziſche Bank. . .
130,00
5.86 Reichsbank . . . . 133,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 136,50
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 118,90
7½ Wiener Bankverein . 133,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98.50
Iupron
St.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
87,10
S. 19 . . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
98,20
S. 52 . . . . ..
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,00
87,25
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank. 99,30
7,30
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
98,70
S. 12, 13, 16 .
S. 14, 15, 17, 24/26
98,95
18—23 . . .
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 87,30
S. 3—5 . . . . . . . . 87,
S. 9—11 . . .
87,20
4 Meininger Hyp.=Bank 98,00
31
86,50
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,00
3½ do. (unk. 1914) .
86,90
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
do.
87,60
3½
Städte=
Obligationen.
98,00
Darmſtadt . . . .
3½ do.
88,50
4 Frankfurt. . . .
99,00
3½
do.
96,00
Gießen . . . . . . .
—
3½
do.
Heidelberg . . . . . . 97,10
3½
do.
87,20
4 Karlsruhe . . . . . . 97,10
3½
do.
88,30
Magdeburg. . . .
-
3½
do.
Mainz . . . . . . . .
89,00
3½ do.
4 Mannheim . . . . . . 97,30
3½
do.
87,50
4 München . . . . .
98,40
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg . . . . . . . 98,00
34.
do.
87,00
4 Offenbach . . . . . . . —
5ſ.
In geo.
3½ Offenbach . . . . . . —
4 Wiesbaden . . . . . . 99,00
95,10
do.
3½
4 Worms . . . . . . . . 97,00
3½
88,00
do.
4 Liſſaboner v. 1888 . 77,90
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 100 170,10
3½ Cöln=Mindner , 100 138,70
3 Holl. Komm. . fl. 100 112,50
3 Madrider . . Fs. 100 74,50
4 Meininger Pr.=
Pfand=
brieſe . .
. . . 137,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 176,50
3 Oldenburger . . . . . . 129,60
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,70
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 —
Braunſchweiger Tlr. 20 208,10
Freiburger . . . . Fs. 15
-
Mailänder . . . . Fs. 45
. . . . Fs. 10 33,40
do.
*4 90
Meininger . .
fl. 7
„ „
Oeſterreicher v. 1864fl. 100 543,00
v. 1858 fl. 100 —
do.
Ungar. Staats . . fl. 100 383,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 159,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,43
20 Franks=Stücke . . . . 16,20
Amerikaniſche Noten . . . 4,19
Engliſche Noten . . . . . 20,45
Franzöſiſche Noten. . . . 81,20
Holländiſche Noten. . . . 169,35
Italieniſche Noten . . . . 80,15
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,75
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,95
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7
Nummer 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Nummer 8.
Jungliberaler Verein.
Nächſten Dienstag, 14. Januar, abends 8½ Uhr,
im „Fürſtenſaal”, Grafenſtraße:
von Herrn Lehrer Page,
Lichtbildervortrag Darmſtadt, über=
Eine Fahrt nach der Wasserkante
(etwa 100 große Lichtbilder).
Jedermann (auch Damen) willkommen!
(1292
Eintritt frei!
Der Vorstand.
Zu zahlreichem Beſuche ladet ein
Freie lterarisch-Künstierische Gesellschaft
& 8 Uhr
Freitag, 17. Januar, „Mathildenhöhesaal, abends.
Staatsanwalt Dr. Erich Wulffen (Dresden)
spricht über:
Mantespeares. Große Verbrecher
Karten für Nichtmitglieder zu M. 2.− und M. 1.—,
im Vorverkauf bei A. Bergstraesser (Rheinstrasse)
An der Abendkasse M. 2.50 und M. 1.50. (1293fi
44
*SS im Festsaal des Hotel „Hess 2
Freitag, den 10. Januar, abends 8¼ Uhr
400
60
Vortrag des Psvchologen R. Parthey, Etüngen, Schweiz, 7
0
über
Hervosltat
W
„ Heilung durch Beseitigung des Gegenwillens,
der Ursache jeder Nervosität!
Karten: à Mk. 1.50 und 1.— nur an der Abendkasse. Broschüren:
„Der Weg zur Heilung der Nervosität und Gemütsleiden” gegen Mk.
W1.20 vom institut für seelische Behandlung, Villa Parthey, Eitingen,
Schweiz, zu beziehen.
(25629a
0
7
Seelenleiden, Angst- u. Unruhezustände, Energielosigkeit, Herzklopfen,
eingebildete Leiden, Zwangsgedanken, Erröten, Geh-, Schreib- und
Denkstörungen, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Zerstreutheit, Depressionen
aller Art usw.
Mauer
3
verem für die Piemkinderſchule, ſtraße.
Mitgliederverſammlung
Freitag, den 17. Januar 1913, abends 6 Uhr,
im oberen Rathausſaale.
Tagesordnung:
Berichterſtattung und Rechnungsablage.
Wahl des Vorſtandes.
Der Vorſtand der Kleinkinderſchule.
(1347
Bezirks=Verein „Altſtadt”.
General-Verſammlung
Montag, den 13. Januar, abends 9 Uhr
im oberen Saale der Brauerei „Zur Krone‟
Um zahlreiches Erſcheinen wird gebeten.
(1337so
Der Vorſtand.
D
EDER-ADE
der Darmstädter Gesangvereine 1913
Samstag, den 11. Januar 1913, abends 8½ Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Teilnehmende Vereine: Singmannschaft der Turngemeinde Darmstadt.
Gesangverein „Olympia‟ Gesangverein „Einigkeit‟ Gesangverein „Germania‟
Gesangsabteilung des Milltär-Anwärter-Vereins. Gesangverein „Teutonia‟.
Sing-
mannschaft der Turngemeinde Bessungen. Singmannschaft der Turngesellschaft
Darmstadt. Doppelquarteit „Rheingold‟. Männergesangverein „Concordia‟.
Ge-
sangverein „Liederzweig‟. Gesangverein „Liederkranz‟ Orth’sches Männer-
Quartett. Gesangverein „Frohsinn‟. Gesangverein „Freundschaft‟
Eintrittskarten sind im Verkehrsbüro, sowie abends an
der Kasse zu haben.
Damen ist der Zutritt gestattet. (1291
Deutſchvölkiſcher Turnverein „Jahn”
Darmſtadt
Deutſcher Turnerbund.
E
ulfeier
Samstag, den 11. Hartungs 1913.
Abmarſch 9¼ Uhr vom Böllenfalltor zur Feier im Freien.
Nachfeier im Vereinsheim „Zum Deutſchen Haus‟, Alexanderſtr. 18.
Eintritt 1,80 Mk.
(1336
I MEC
S5MER's
BERUHNTE
THEE-MiSCHUNGEN
PROBEPAKETE
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*50
(1
V
risdemer Unereinwarmslad
S
Freitag, den 10. Januar 1913, abends 8½ Uhr,
im Restaurant Sitte, gelber Saal,
Karlstrasse 15
2
V. Winter Versanmane
Vortrag des Herrn Reallehrer Kahl
„Bedeutung und Aufgaben der
Gewerbe=
vereine in der Gegenwart“
Hierzu laden wir unſere Mitglieder und ſonſtige Intereſſenten
(1168mf
ergebenſt ein.
Der Vorstand.
Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Dienstag, den 14. Januar 1913, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde
Erstes Konzert
des
eg Gschen
Sese9-
Tauenchors
aus Frankfurta, M. Dirigentin: Grethchen Dessoff.
Mitwirkende: Die Herren Wilhelm Bauer aus
Frankfurt a. M. (Harmonium und Klavier), Adam
Hahn (Harfe), Fritz Koennecke (Horn) und
Theodor Böhm (Horn) aus Wiesbaden.
Programm: Frauenchöre von Johann Adolf Hasse, Jan Pieters
Sweelinck, Orazio Benevoli, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz
Schubert, Johannes Brahms und Arnold Mendelssohn.
Der Ibach-Konzertflügel und das Hofberg-Harmonium
sind aus dem Lager der Firma Hoflieferant Heinrich Arnold,
(Wilhelminenstrasse 9 und Mühlstrasse 1—3).
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Numerierter Balkon zu 3 Mk., Galerie zu 1.50 Mk.,
Studen-
tenkarten zu 1.— Mk. und Schülerkarten (für Schüler unter 21
Jah-
ren) zu 50 Pfg. bei Heinrich Arnold, im Verkehrsbureau und
abends an der Kasse. — Beitrittserklärungen für das am
1. Januar 1913 begonnene neue Vereinsjahr, die noch vor dem
obigen Konzerte erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Besuche.
Der Beitrag für das Jahr 1913 beträgt 12 Mk., für einen Sperr-
(1287
sitzplatz 20 Mk.
Der Vorstand.
Karnebaigesenschuft Harrhand.
Sonntag, den 12. Januar 1913
im Städtischen Saalbau:
Einzige große glanzvolle
Jamcn u. Herron Ortzung
mit Tanz.
Hervorragende Mainzer und
Darmstädter Büttredner.
Lieder erster Dichter.
Der grosse Rat.
Alb. Supp
Präsident.
Eintrittspreise
(1140mfs)
Vorverkauf im Verkehrsbüro und bei
R. Schneider (Feitlers Zigarren-Filiale), Ecke
Nieder-Ramstädter- u. Hochstr., Mk. 1.—,
numerierter Platz Mk. 2.−.
An der Abendkasse: 2, bezw. 3 Mk.
Man 389 Letzte 5 Tage!
Die von Publikum und Presse
glänzend beurteilte
I. Januar-
Künstler-Serie:
Eain und
Hertha Aithoff
die jugendl. Musik-Phänomen
des XX. Jahrhunderts.
Odys
lyrische Tänze.
Cherber
und weitere
Herrkaul u. Fraitg. Mh. bichmt.,
Schachklub
Darmstadt.
Jeden Mittwoch, abends von
8½ Uhr an, Spielabend im „
Kaiſer=
ſaal” Grafenſtraße
317fso
Gäſte, auch ſolche, die das
Schach=
ſpiel erſt erlernen wollen, ſind
jederzeit willkommen.
Rest. Wzur Enie
Samstag, 11. Januar:
-id.
Metzel=
e
A
Suppe
wozu ergebenſt einladet (*822
Johann Berlieb.
Großherzogl. Hoftheater
Freitag, den 10. Januar 1913.
94. Abonnem.=Vorſt. D 23.
Die fünf Frankfurter.
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Perſonen:
Die alte Frau/ Minna Müller=
Rudolph
Gudula
Adolf Jordan
Anſelm,
Guſtav Semler
Nathan,
. Richard Jürgas
Salomon,
. Kt. Weſtermann
Karl,
Franz Schneider
Jakob,
Charlotte, Salo=
Käthe Gothe
mons Tochter
Heinrich Hacker
Hanna Raffay
Guſtav, Herzog v.
Kurt Ehrle
Taunus
Prinzeſſin Eveline Barb. Uttmann
Fürſt von
Klaus=
thal=Agordo .
Die Fürſtin
Graf Fehrenberg,
Hofmarſchall . . W. Riechmann
Frau v. St. Ge
Tilli Art’l
orges
Baron Seulberg. Emil Kroczak
Jaul Eisner
Der Domherr .
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Erſter Kammerd. K. Enzbrenner
Zweiterld. Herzogs Frz. Herrmann
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loge 6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.—6
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
14.—20. Reihe 3.30 M., Parterre:
—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
2.25 M., I. Gal. 1.25 M., II. Gal.
0.65 M.
Anf. 7½ Uhr. — Ende 10 Uhr.
Kartenvk. v. 9½—1½ u. v. 6 ½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen
Samstag, 11. Jan. Außer Ab.
Poſſen=Zyklus (zu ermäß.
Preiſen.) II. Abend: „Robert
und Bertram”. Anf. 7½ Uhr.
(Vergl. beſondere Anzeige.)
Sonntag, 12. Jan. Nachmittags
2½ Uhr: 15. Volksvorſtellung zu
ermäß. Preiſen. „ Die
Groß=
ſtadtluft.” Vorverkauf bie
einſchl. Samstag, 11. Jan., nur
im Verkehrsbüro, Ernſt=
Ludwigs=
platz. Verkauf der noch
vorhan=
denen Karten an der Tageskaſſe in
Hoftheater am Tage der
Vorſtel=
lung, vormittags von 11 Uhr ab.
Abends 6½ Uhr: 95. Ab.=Vſt.
B 24. Neu inſzeniert: „
Lohen=
iarin.” Gewöhnliche Preiſe.
Nummer 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Im Preise gaus bedeutend herabgesetett
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Costumeröcke
Morgenröcke
Blousen
Unterröcke
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Theodor Schwab
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(1106mf
Marktplatz-Ecke.
Vollreis
iſt nicht der heute allgemein
verwendete glänzende Reis,
der geſchält und poliert iſt und
dadurch ſeiner beſten
Nähr=
ſtoffe, der Nährſalze beraubt
iſt, welche bei den Früchten
direkt unter der Schale liegen.
Um das ſchöne Ausſehen zu
erzielen, wird der Glanzreis
mit Parafin, Talkum,
Utra=
marinblau uſw. behandelt.
Aus
Vollreis
ſchöpfen die Japaner und
Chineſen ihre Kraft und
Aus=
dauer und zwar nur deshalb,
weil ſie den Reis eben als
Vollreis, d h. vollwertig und
ungekünſtelt genießen. Wenn
wir von Getreide nur das
Innere als Nahrung
gebrau=
chen, ſo geniezen wir faſt nur
das nicht ſo wertvolle
Stärke=
mehl, während wir die
wich=
tigen Nährſalze und
Kleber=
ſtoffe dem ſchönen Ausſehen
zuliebe opfern.
(142a
Verwenden wir deshalb
Vollreis
wie ihn die Natur gibt, dann
haben wir auch gute Nerven,
geſundes Blut und ſchöne
Zähne und brauchen keine
künſtlichen Nährſalze.
Vollreis, ungeſchält
Pfund 35 Pfg.
unpolierter Reis I
Pfund 38 Pfg.
unpolierter Reis II
Pfund 30 Pfg.
bei 5 Pfd. 2 Pfg., bei 10 Pfd.
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Gretchens Roman.
Von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
27
Es war faſt, als ob er ſich auf ſie ſtürzten wollte —
aber mit aller Macht bezwang er ſich und ſagte in
leid=
licher Ruhe:
Schon einmal machten Sie mir eine ſolche Andeutung
ich kann es allerdings noch nicht glauben
Nun, mein Freund, dann warten Sie noch zwei Tage,
bis Sie die Beſtätigung ſchwarz auf weiß haben — war
ihre lächelnde Erwiderung, und diesmal ſprach ſie die
Wahrheit — er ſah es in dem triumphierenden Leuchten
ihrer Augen, in ihrer ganzen, ſiegesbewußten Haltung.
Ah, alſo Baron von Riedberg doch — in der Tat, eine
große Ueberraſchung — brachte er mühſam hervor.
Nein, mein Teurer, fehlgeſchoſſen! Tröſten Sie ſich
mit dem guten kleinen Baron! er iſt ebenfalls der Düpierte
— der Glückliche iſt anderswo zu ſuchen
Wer war es denn, wenn nicht Riedberg? Im Geiſte
ließ Ernſt alle Herren Revue paſſieren, die in Betracht
kommen konnten — da war aber nicht einer — und mit
faſt grauſamem Lächeln ſah Claudia auf ihn und koſtete
ihren Triumph voll aus. Sie bemerkte wohl, wie jäh
und überraſchend ihn jene Mitteilung getroffen, wie er
un=
ter dem Treubruch jenes Weſens litt, das ſeine „ganze
Seligkeit” war, wie er ſelbſt ſagte.
Nun, edler Sänger, intereſſiert es Sie nicht, zu wiſſen,
wer der Beglückte iſt? fuhr die Majorin fort, da er auf
ihre letzten Worte ſchwieg — ich will Sie iedoch nicht län=
ger auf die Folter ſpannen — es iſt Mr. Lionel Catlin —
Sie erinnern ſich gewiß noch des enorm reichen
Ameri=
kaners von dem Wolhtätigkeitsfeſt vor Weihnachten her,
der iſt’s
mit dem wir an einem Tiſche ſaßen
Ja, mein Fräulein Tochter weiß ſich gut und warm zu
betten — ſie verſteht’s
1 Aber eine Jacht auf dem
Mittelländiſchen Meer und eine Villa in San Remo zu
beſitzen, muß doch ſo viel Annehmlichkeiten haben, daß
man bei dem zukünftigen Gatten ein bißchen Schwindſucht
mit in Kauf nimmt und leichten Herzens auf den „
Herrlich=
ſten von allen” verzichtet, obwohl man genügend ſelbſt
Mittel beſitzt, um ſich das Leben amüſant zu geſtalten —
Claudias Ton war förmlich von Hohn und Spott
durchtränkt, und mit jedem Wort ſchlug ſie Ernſt eine
tiefe Wunde. Wie betäubt ließ er ihren Redeſchwall über
ſich ergehen.
Und wann war das? fragte er, nur um etwas zu
ſagen.
O, Catlin hat ſchon ſeit Wochen regelmäßig geſchrieben
und die herrlichſten Blumen geſchickt. Vor fünf Tagen
kam dann auch endlich der längſt erwartete Heiratsantrag,
den Margareta natürlich mit tauſend Freuden annahm —
ich bitte Sie, ſolche Chancen hat man nicht alle Tage, die
Gattin eines Millionärs zu werden, da beſinnt man ſich
nicht lange! — Das zuſagende Telegramm wurde ſofort
abgeſandt, und morgen wird der Bräutigam ankommen.
An einem der darauffolgenden Tage werde ich dann
das Vergnügen und die Ehre haben, mich als
Schwieger=
mutter unſeren Gäſten zu präſentieren, unter denen wir
Sie ſelbſtverſtändlich zu ſehen hoffen!
So, mein Freund, das iſt die große Neuigkeit, die ganz
C. in Bewegung ſetzen wird — daß das Goldfiſchchen
ſich nun endlich entſchieden hat!
Mir tut nur Baron Riedberg leid, der ſich ſo ſichere,
allerdings auch nicht ganz unbegründete Hoffnungen auf
— und Sie, mein armer
Margareta gemacht hat —
Freund — in heuchleriſcher Teilnahme legte ſie die Hand
auf die Schulter des jungen Künſtlers, der mit ſteinernem,
unbewegtem Antlitz vor ihr ſtand — nur ſeine Augen
glühten dunkel.
Ich ſehe, daß jene Nachricht Sie hart getroffen hat,
und ich bedauere Sie wegen der Enttäuſchung, die Sie
er=
litten haben! — Ja, ja, das ſüße, holde Geſchöpf mit den
ſanften Madonnenaugen hat ſich als eine gar kluge
Speku=
lantin gezeigt — ſogar ich war überraſcht, trotzdem ich
Grete ganz zu kennen glaubte! — Ich hatte Sie gewarnt,
mein Freund, doch Sie achteten meiner Worte nicht —
Sie waren gefühllos, grauſam — ſchleuderten mir Haß,
ſogar Ekel ins Geſicht
Ernſts Hände umklammerten die Lehne des Stuhles.
den er gefaßt hielt, ſo heftig, daß ſie unter ſeinem Griff
brach. Er ſah den geſättigten Triumph, die unverhüllte
Schadenfreude trotz ihrer bedauernden Worte auf
Clau=
dias Geſicht, und ein Zorn erfüllte ihn auf ſie, daß er ſich
kaum noch beherrſchen konnte. Drohend flammten ſeine
Augen auf — einmal vor Jahren hatte ſie ihn ſo geſehen;
ſie fürchtete ſich vor ihm und wandte ſich der Tür zu. Für
ſie war doch nichts zu hoffen; ihr Gift hatte ſie außerdem
genügend und wirkungsvoll verſpritzt. Deshalb ſagte ſie,
indem ſie den Mantel feſter um die Schultern zog und den
Schleier wieder vor das Geſicht band:
Ich werde Sie jetzt von meiner ſo verhaßten Gegen=
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
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wart befreien und Sie mit Ihrer Enttäuſchung allein
laſſen! Nun werden Sie es an ſich ſelbſt erfahren, was
es heißt, verſchmäht zu werden — — wie Du mir, ſo ich
Dir — — mit einem boshaften Auflachen ſchritt ſie
hin=
aus, und gleich darauf hörte Ernſt die Tür des Vorſaales
ins Schloß fallen — er war allein!
Mit einem tiefen Aufſtöhnen ließ er ſich in den Seſſel
fallen, in dem Claudia vorhin geruht hatte. Aber es
war ihm, als ob etwas von dem ſüßlichen, ein wenig
auf=
dringlichen Parfüm, das dieſe ſo liebte, in ſeinem
Zim=
mer zurückgeblieben ſei — beengend legte es ſich ihm auf
die Bruſt ſo daß er aufſprang und beide Fenſterflügel
aufriß — er glaubte zu erſticken
Luft! Luft!
O, dieſe Frau! Alles Bittere in ſeinem Leben war
ihm von ihr gekommen — ſie hatte ſein Vertrauen, ſeinen
Glauben an das Weib erſchüttert — bis er in jener
an=
deren ein ſo großes, nie geahntes Glück gefunden zu haben
glaubte — — und die war auch nicht beſſer — auch ſie
verkaufte ſich! O Weiber!
Das Gehörte erſchien ihm unfaßlich — je mehr er
nachdachte, deſto unmöglicher war es ihm, daß die
Ge=
liebte ihn ſo leicht und kaltherzig aufgeben konnte — nur
um ſchnöden Goldes willen, ſie, die ſelbſt reich war und
wählen konnte, wen ſie wollte, durch keine Rückſichten
ge=
bunden!
Schließlich aber konnte er doch nicht anders
er
mußte Claudias Worten glauben! Was hätte es für
Sinn gehabt, ihn in dieſer Weiſe zu belügen, wo ſie in
jeder Minute hätte überführt werden können, daß ſie die
Unwahrheit geſprochen! Nein, nein, es wäre ja
Wahn=
witz geweſen!
Margareta war überdies ſelbſtändig genug, wie er ſie
erkannt hatte, um ſich nicht gerade von Claudia in ihren
wichtigſten Entſchlüſſen beeinfluſſen zu laſſen — nein, es
war ihr freier Wille geweſen, und ſie r: noch um Auf=
klärung über das Geſchehene zu bitten, wäre ganz
zweck=
los geweſen!
Sie hatte vielleicht eingeſehen, daß eine Verlobung
mit einem „fahrenden Sänger” doch nicht ganz
ſtandes=
gemäß ſei, und beizeiten deshalb ein Ende gemacht!
Deutlich genug hatte ſie ihm ſchon bei jener letzten
Begegnung gezeigt, wie er ihr läſtig war; ſie ſollte in
Zukunft keinen Grund haben, ſich darüber zu beklagen!
Und wie hatte er Margareta geliebt! Aus der Tiefe
ſeines heiß empfindenden Mannesherzens heraus, mit
einer faſt anbetenden Liebe — wie eine Heilige hatte er
„ſeine weiße Roſe” verehrt — und nun dieſes Ende ſeines
berauſchenden Glückstraums!
Es hatte ihn ſchwer getroffen, ſo ſchwer, daß er
meinte, ſich nie wieder davon erholen zu können! Ein
Leben ohne ſie hatte keinen Reiz mehr für ihn — in ſeinen
ſeligſten Gedanken hatte er ſich vorgeſtellt, wie herrlich
es ſein müßte, war ſie erſt ſein Weib und er ſtändig in
ihrer beglückenden Gegenwart — und nun lag ſeine
ſüßeſte Hoffnung in Trümmern.
Finſter und traurig ſtarrte er vor ſich hin. Daſfühlte
er es heiß in ſeine Augen ſteigen — es mußte vorbei ſein
mit allem, was ihn wochenlang mit einem ſo großen,
unbeſchreiblichen Glück erfüllt hatte — und er ſchämte ſich
der Tränen nicht, die nun langſam über ſeine Wangen
rollten; wie hatte ſie ihm das antun können! — —
Ihm war jetzt, als ob die Wände des Zimmers ihn
zu erdrücken drohten. Er konnte es in dem engen Raum
nicht mehr aushalten.
Ernſt warf ſeinen Mantel über und ſtürmte hinaus
auf die ſtille, mondbeglänzte Straße, um ſich dort zu
ſam=
meln und das Gleichgewicht ſeiner Seele wiederzufinden.
16. Kapitel.
Margareta von Löwens Verlobung mit Mr. Catlin
baite große Soratien in der Setellſchaft erregt.
Das hatte eine Ueberraſchung gegeben, wie ſie ſo
leicht nicht wieder vorkam, und ſie bildete tagelang das
Geſpräch in der Stadt.
Kurt von Riedberg beſonders war förmlich
nieder=
geſchlagen; er hatte ſich ja ſo ſichere Hoffnung auf den
Beſitz des reizenden Mädchens gemacht und war nun
bitter enttäuſcht, daß dieſe ſo zu ſchanden wurde.
Hätte er nur nicht auf die Majorin gehört und mit
ſeiner Werbung gewartet — vielleicht wäre es doch
an=
ders gekommen! Faſt grollte er ihr — aber Frau
Clau=
dia ſchien ſelbſt ſo gänzlich überraſcht und ahnungslos
und hatte gegen ihn ein leiſes Kopfſchütteln über dieſe
„exzentriſche Verlobung”, ein leiſes Wort der
Mißbilli=
gung, daß er ſein Unrecht gegen die wohlmeinende Frau
einſah und ihr keinerlei Schuld beimaß. Er war
über=
zeugt, daß ſie genug zu ſeinen Gunſten geredet hatte.
Wenige Tage nach Claudias Beſuch bei ihm fand
Ernſt Brand wirklich die in vornehmſtem Stil gehaltene
Verlobungsanzeige auf dem Kaffeetiſch.
Claudia hatte die Adreſſe geſchrieben. Er ſah ſie vor
ſich, mit welchem Triumphgefühl ſie dieſen Pfeil auf ihn
abgedrückt — es war aber doch gut geweſen, ſchon
vor=
her darum zu wiſſen, als wenn er der vollzogenen
Tat=
ſache ſo gänzlich unvorbereitet gegenüberſtand. Dafür
mußte er ihr eigentlich noch dankbar ſein!
Mit bitterem Lächeln ſtarrte er auf die beiden
Na=
men: Margareta von Löwen, Lionel Catlin, Verlobte —
welch eine Welt von Seligkeit hätte es für ihn bedentet,
wenn ſtatt jenes fremden Namens der ſeinige zu leſen
geweſen wäre! Immer und immer wieder drehien ſich
ſeine Gedanken um den einen Punkt.
Da las er noch: Empfang am .
Das war ja ſchon
morgen, dem Datum nach!
Alſo mußte er pflichtſchuldigſt den Gratulationsbeſuch
machen und konnte ſich gleichzeitig von dem Glück des
Brauthaan her
(aaaihung fplat.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: Pinſcher, 1 Foxterrier. 1 Pinſcher, 1 Boxer (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
aus=
gelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(13. 6
Bekanntmachung.
Am 10. ds. Mts. beginnen die Arbeiten zur Abräumung der
Erdmaſſen der alten Bahnhofsanlagen zwiſchen „Breiter Allee” und
„Dornheimer Weg‟. Dieſe Arbeiten werden mit Hilfe maſchineller
Einrichtungen (Bagger) ausgeführt. Auf dem noch vorhandenen Gleis
werden häufig lange Materialzüge verkehren. Im Intereſſe der
öffentlichen Sicherheit wird daher der Fußſteig im Zuge der
Bleich=
ſtraße und des Griesheimer Wegs vom 10. d. Mts. an bis
auf weiteres für den Verkehr geſperrt.
Darmſtadt, den 8. Januar 1913.
(1307fs
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Städtiſcher Fleiſchverkauf.
Schlachthof. Lauteſchlägerſtr. 13. Kiesſtr. 21. Langgaſſe 7.
Beſſungerſtr. 92. Auf dem Marktplatz (während der Marktzeit).
Beſtes holländiſches Rindfleiſch,
alle Stücke, zu 82 Pfg. das Pfund.
1132a)
Der Oberbürgermeiſter.
Lieferung des Kohlenbedarfs der Stadt
Darm=
ſtadt im Verwaltungsjahr 1913.
Die Lieferung des Kohlenbedarfs verſchiedener Betriebe und
Verwaltungen der Stadt Darmſtadt im Verwaltungsjahr 1913 (
um=
faſſend die Zeit vom 1. April 1913 bis 31. März 1914) ſoll
ver=
dungen werden.
Die Lieferungsbedingungen können im Stadthaus, Zimmer
Nr. 39, eingeſehen werden; ſie werden daſelbſt auch gegen Entrichtung
von 50 Pfg. (nach auswärts gegen Einſendung von 60 Pfg. in
Briefmarken) abgegeben.
(1321sid
Angebote ſind verſchloſſen und mit entſprechender Aufſchrift
verſehen bis zum 10. Februar 1913 einzureichen
Darmſtadt, den 3. Januar 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Ekert.
Stamm=, Blungen= und Brennhotz=
Verſteigerungen.
Mittwoch, den 15. d. M., vormittags 9½ Uhr
anfangend, werden im Roßdörfer Gemeindewald an Ort und Stelle
verſteigert:
I. Im Diſtrikt Mark (Tannenkopf)
Stämme: Kiefern 80 Stück von 20—55 cm mittl. Durchmeſſer
64,33 fm.
Hieran anſchließend im Diſtrikt Hundsrück:
Stämme: Eichen 21
Stück von 30—55 cm mittl. Durchm. — 12,64fm
50
Kirſchbaum 1
0,29
,
Buchen 24
„ „ 30—50 „
— 18,62 „
5
Kiefern 6
„ „ 28—43 „
— 3,34 „
„
Fichten 2
19—22 „ „
„ — 1,16 „
Stangen: Fichten und Lärchen 80 Stück
— 0,56 „
Donnerstag, den 16. d. M., vormittags 9½ Uhr
anfangend, im Diſtrikt Mark (Margarethenberg)
Srämme:
Fichten 9 Stück 1,15 fm
Derbſtangen:
1794 „ 67,53 „
„
18,83
1261
Reisſtangen:
Zuſammenkunft jedesmal auf der Kubig am Eingang des
Waldes.
Brennholz.
Montag, den 20. d. M., vormittags 9½ Uhr
anfangend, auf dem Rathaus dahier, aus dem Diſtrikt Mark und
Hundsrück
Scheiter, rm: 152 Buchen, 28 Eichen, 2 Kirſchbaum, 32 Kiefern,
Knüppel, „ 64
4 Fichten,
Stöcke,
43
11
47 . „
Wellen, Stück: 3375 Buchen, 465 Eichen, 25 Kirſchbaum.
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Roßdorf, den 8. Januar 1913.
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Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
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Der Großh. Kreisbauinſpektor.
Bekanntmachung.
Freitag, 7. Februar 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Wirt Georg Martin
Junghans II. Eheleuten zu
Rein=
heim, im Grundbuch hieſiger
Ge=
markung zugeſchriebene
Liegen=
ſchaft:
Flur Nr. qm
768 Hofreite
XVII 17
Sandſtraße
Nr. 42,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K108/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 20. Dezember 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V26394
bil. g zu ver=
Groß. Füllofen kau en (1338a
Alexand erſtraß. ), part.
ſuf den ehemaligen
Bahng=
lände in Darmſtadt ſollen
18 Kaſtanienbäume u. 1 Linden
baum um Dienstag, den 14. ds.,
vormittags 10 Uhr, meiſtbietend
verſteigert werden.
Beginn der Verſteigerung vor
dem Bureaugebäude an dem
pro=
viſoriſchen Wege zwiſchen altem
Bahnhofsplatz und Feldbergſtraße.
Die Bedingungen werden vor
Beginn des Termins bekannt
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macht. Nähere Auskunft wird im
Bureau der unterzeichneten
Dienſt=
ſtelle — ehemaliger Main=Neckar=
Bahnhof, nordöſtlicher Flügel
(IV1308
erteilt.
Großh. Eiſenbahn=
Bauabtei=
lung Darmſtadt.
Bekanntmachung.
Die am 6. und 7. ds. Mts. in
Roßdorf abgehaltene
Holzver=
ſteigerung iſt genehmigt. Die
Abfuhrſcheine können vom 15. ds.
Mts. an abgeholt werden. (1324
Ober=Ramſtadt, 8. Januar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
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Zeitſchriften (geleſen)
„Woche‟, „Jugend‟
„
Meggen=
dörfer” ſind ſtets abzug. (*802fc
Cliſabethenſtr. 21 (Friſeurladen).
Der Plan über die Verlegung
der oberirdiſchen Telegra=
phenlinie an der Landſtraße von
Darmſtadt nach Eberſtadt
zwi=
ſchen Moosbergſtraße und
Lands=
kronſtraße liegt bei dem
Kaiſer=
lichen Telegraphenamt hier von
heute ab 4 Wochen aus. (1286
Darmſtadt, 8. Januar 1913.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.
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August Engel, Schuchardstr 8.
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 10. Januar 1913.
Nummer 8.
e
ub, ap Gorzenaweueb
Mlalgkorffun=
a
über 34,000 ähnlich lautende ſchriftliche Anerkennungen!
vorträge.
— Vortragskurſus der
Landwirtſchafts=
kammer. Am Mittwoch hielt als erſter Redner Herr
Dr. Kittel, Syndikus der Handelskammer Würzburg,
ein Referat über: Die heutige Lage unſeres
Weinbaues und die Weinverwertung”.
Red=
ner behandelte in zwei Gruppen, „Weinbau” und „
Keller=
wirtſchaft”, eine Anzahl wichtig erſcheinende Fragen. Eine
Mittellinie in den Auffaſſungen von Weinbau und
Wein=
handel wurde mit Rückſicht auf bie Hauptfrage eines
guten Weinabſatzes als notwendig erachtet. Den
Anfor=
derungen des Weinmarktes, der herrſchenden
Geſchmacks=
richtung uſw. müſſe Rechnung getragen werden, zumal
ein bedeutender Rückgang des Weinkonſums Tatſache ſei.
Die dieſe Erſcheinungen mitbedingenden Urſachen, wie
Antialloholbewegung, weitere Verbreitung von
Obſt=
weinen, Limonaden in Verbindung mit der Hingabe
wei=
terer Kreiſe an Sport, ſeien wohl zu beachten. Als
geeig=
nete Maßnahmen, dieſen Erſcheinungen zu begegnen,
empfahl Redner eine Reihe der bekannteſten Mittel wie
Berückſichtigung reinen Rebſatzes, Freihalten der
Trau=
ben von Pilzkrankheiten, ſpäte Leſe, ausgedehnte
Keklame uſw. In der Kellerwirtſchaft ſei in Anlehnung
an die Weingeſetzbeſtimmungen auf gute Faßbehandlung
(Schwefelmengen), Verwendung von Reinhefe, Heizen
der Keller uſw. zu ſehen.
Als zweiter Referent des Vortragstages war
Pro=
feſſor Dr. Remy=Bonn gewonnen worden, welcher
über: „Tagesfragen aus dem Gebiete des
Acker= und Pflanzenbaues” ſprach. Der
Reſe=
rent behandelte zuerſt die neuen Fortſchritte der
Boden=
bearbeitung. Von den neuen Säeverfahren, die er ſelbſt
durch eingehende Verſuche prüſte, hat die Rillenſaat bei
Wintergetreide auf nicht zu naſſem ſchwerem Boden die
meiſte Zukunft, während ſich das Kammdrillverfahren zu
Rüben bis jetzt nicht bewährt hat Auch die Drilbdüngung
hat nach den Ergebniſſen der Verſuche des Reſerenten
keine Vorzüge, insbeſondere keine Steigerung der
Er=
träge hervorgebracht. Bei der Saatgutbeſchaffung wies
auch er auf die große Bedeutung der Saatenanerkennung
hin, daß die anerkannten (in Heſſen angekörten) Saaten
den Vorzug vor anderen Saaten verdienen. Für die
Sicherheit des Anbaues und die Ertragsfähigkeit der
Kleearten iſt ihre Bodenſtändigkeit von großer
Bedeut=
ung. Auf dieſe Tatſache müßte von den Landwirten
weit größeres Gewicht gelegt werden. In eingehender
Weiſe behandelte dann der Reſerent die Frage der
Waſſer=
verſorgung der Kultunpflanzen. Den Rückgang der
Ge=
rinnungsdauer der Luzerne führte der Referent auf die
zu ſtarke Vergraſung der Luzernefelber zurück. Der
hoch=
intereſſante Vortrag wurde mit großem Beiſall
aufge=
nommen. Der Vortragskurſus war auch am zweiten
Tag ſehr zahlreich beſucht. Am Freitag, dem letzten Tage,
werden ſprechen: Dr. Müller=Darmſtadt über: „Was
kann der Landwirt aus den neueren Vererbungs= und
Stammbaumforſchungen für ſeine praktiſche Tierzucht
lernen?” (mit Lichtbildern) und Geh. Landes=
Oekonomie=
rat Müller Darmſtadt über: „Die Anwendung der
Glashäuſer zur Erzeugung von Tafeltrauben, Obſt und
Gemüſe in England, Belgien und Holland und Lehren
hieraus für uns”.
— „Das Deutſche Reich und der Islam”
lautete das Thema des Vortrages, den am Mittwoch
abend auf Veranlaſſung der Ortsgruppe Darmſtadt des
Alldeutſchen Verbandes Herr Dr. Ritter=
Mainz im „Kaiſerſaal” hielt. Der Vortragende erörterte
in flottem Vortrage nicht nur die mit dem jetzigen
Balkankrieg aktuell gewordene Frage der Herrſchaft des
Halbmonds, ſondern dehnte ſeine Ausführungen auf
die allgemeine politiſche Weltlage ſeit King Edwards
Einkreiſungsbeſtrebungen aus, die zum Zweck hatten,
Deutſchland zu iſolieren und dann mit Hilfe anderer
Völker Deutſchlands Anteil am Welthandel zu
beſchnei=
den und ſeine Weltmachtſtellung zu beſeitigen. Auf ſeine
Politik ſeien die freilich erfolgloſen Beſtrebungen
zurück=
zuführen, Deutſchland mit Frankreich und Rußland in
kriegeriſche Verwickelungen zu ſtürzen. Dies ſei aber
nicht gelungen. Redner bedauerte dann, daß
Deutſch=
land in der Marokkoaffäre ſo zurückhaltend geweſen iſt
und daß Oeſterreich gegenüber dem übermütigen Serbien
eine ſo unentſchloſſene Rolle ſpielte. Nach der ganzen
geſchichtlichen Tradition ſei ſtets Oeſterreich als die
Nach=
folgerin der Türkei auf dem Balkan angeſprochen
wor=
den. Wenn jetzt die kleinen Balkanvölker den türkiſchen
Beſitz unter ſich aufteilen, dann ſei die ausſchlaggebende
Rolle Oeſterreichs auf dem Balkan unmöglich.
Deutſch=
land habe durch dieſe Entwickelung der Dinge den
Nach=
teil, daß es jetzt rings von feindlich geſinnten Völkern
eingeſchloſſen ſei und daß ihm der Weg nach Südoſten
und auch nach Kleinaſien und dem indiſchen Ozean
ver=
ſperrt ſei, denn einer geſchickten engliſchen Politil ſei es
ein leichtes, die Balkanſtaaten an ſich zu ketten und für
ſich dienſtbar zu machen. Dem Vortrag wurde lebhafter
Beifall gezollt, dem der Vorſitzende nach durch Worte
Ausdruck verlieh.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Küt
e und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., derenm
ach=
chn
ſtehenden Er
na geſchieft, behält ſich die Rebakion
— Der Richard Wagner=Verein wird am
nächſten Dienstag (an welchem Tage das Großh.
Hof=
theater geſchloſſen bleibt) dem Darmſtädter Publikum
einen ganz beſonderen Kunſtgenuß vermitteln: das erſte
Auſtreien des Deſſoffſchen Frauenchors aus
Frankfurt a. M., der ſeit dem Wiesbadener Brahmsfeſte
des letzten Frühjahrs europäiſchen Ruf erlangt hat.
Dr. Rudolf Louis ſchrieb damals in den Münchener
Neuſten Nachrichten: „Ich habe mir bis zuletzt die
Wür=
digung deſſen aufgeſpart, was für mich und wohl auch für
viele andere die eigentliche künſtleriſche Senſation des
ganzen Feſtes war: der Leiſtungen des von Fräulein
Gretchen Deſſoff geleiteten Frauenchores
aus Frankfurt. Dieſe Darbietungen waren nicht nur
aller=
erſten Ranges, wie vieles, wenn nicht das meiſte was
auf dem Wiesbadener Feſt geboten wurde. Sie hatten
außerdem auch noch den köſtlichen Reiz des Seltenen,
kaum jemals zuvor Gehörten: denn, wann bekommt man
überhaupt einmal einen Frauenchor zu hören, und wann
ſo, wie es da der Fall war, daß die ſtrengſten
Anforde=
rungen, die man in geſanglicher, muſikaliſcher und
ſtiliſti=
ſcher Hinſicht an den a capella=Vortrag ſtellen kann,
reſt=
los erfüllt werden? Fräulein Deſſoff, die Tochter des
be=
kannten früheren Kapellmeiſters der Frankfurter Oper,
verfügt über einen Chor von über 90 Stimmen, den ſie
ſich — und zwar nicht nur muſikaliſch, ſondern vor allem
auch geſanglich — zu einem ganz wunderbar
funktionie=
renden muſikaliſchen Apparat herangezogen hat Die
ta=
delloſe Reinheit der Intonation, die wundervolle
Belebt=
heit, ja Beſeeltheit der dynamiſchen und agogiſchen
Nüan=
cierung, der hochkultivierte Geſchmack und das nie
fehl=
greifende Stilgefühl im Vortrag, das waren Vorzüge,
die mir die Darbietungen des Deſſofſchen Frauenchores
mit zum tiefſt und nachhaltigſt fortwirkenden gemacht
ha=
ben was ich je auf dem Gebiete des Chorgeſangs hörte.
Dabei entzückte dieſe dirigierende Dame nicht nur die
Ohren ſiebot auch den Auge ein höchſt anmutiges Bild.
Die Bewegungen des Dirigenten ſind einerſeits
Aus=
drucksbewegungen, anderezſeits Zweckbewegungen. In
dem harmoniſchen Ausgleich dieſer beiden Seiten beruht
die Schönheit des Dirigierens; und ich muß ſagen, daß
ich nur ganz wenige männliche Dirigenten kenne, denen
dieſer Ausgleich — ohne Affektation und Poſe, ja
viel=
leicht ohne bewußte Abſicht — ſo gut gelungen wäre, wie
Fräulein Deſſoff.”
Die Freie Literariſch=Künſtleriſche
Geſellſchaft hat für Freitag, den 17. Januar, den
bekannten Dresdener Staatsanwalt Dr. Erich
Wulf=
fen, deſſen Werke über die „Pſychologie des Verbrechers”
und den „Sexualverbrecher” berechtigtes Aufſehen erregt
haben, zu einem Vortrag über „Shakeſpeares
große Verbrecher” gewonnen. Herr Dr. Wulffen
wird hier mit den neueſten, in der Pſychiatrie und
Kri=
minalpſychologie verwerteten wiſſenſchaftlichen Methoden
der Seelenerforſchung (pſychiſchen Analyſe)
unter=
ſuchen, ob das, was uns die literariſche Kritik bisher an
Shakeſpeares Geſtalten gezeigt hat, durch weitere
Offen=
barungen vervollſtändigt werden kann. Der Vortrag
dürfte weit über die literariſchen Kreiſe unſerer Stadt
hinaus, insbeſondere die juriſtiſchen Kreiſe, intereſſieren
Literariſches.
In der Reihe der Künſtlermonographien
erſchien ſoeben Ph. A. von Läszlé als 106. Band.
Preis 4 Mark (Velhagen u. Klaſing, Bielefeld und
Leip=
zig). Dem Maler ſchöner Frauen und bedeutender Männer
iſt dieſes Buch gewidmet. Wer es durchblättert, ſieht an
ſeinem Auge in künſtleriſcher Geſtaltung faſt vollſtändig alle
die Perſönlichkeiten vorüberziehen, die für das geiſtige und
geſellige Leben unſerer Zeit von ausſchlaggebender
Be=
deutung ſind. Dabei tritt deutlich erkennbar hervor daß
Läszlös Kunſt nicht von vornherein oder frühzeitig fertig
war, ſondern ſich vielmehr ſtändig entwickelte, und auch
beute noch nicht zu ſelbſtgenügſamem Stillſtand gekommen
iſt. Dies gegenüber vorſchnellen Urteilen zum erſten Male
gründlich und kenntnisreich dargelegt zu haben, iſt das
Verdienſt des Verfaſſers O. v. Schleinitz. Unterſtützt wird
er dabei durch das überaus reichhaltige Bildermaterial
des Buches, das faſt für jedes Jahr der künſtleriſchen
Tätigkeit des Meiſters reichliche Proben gibt, darunter
auch viele in treuer farbiger Wiedergabe.
Die deutſchen Volkstrachten. Geſammelt
zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach dem Leben
auf=
genommen und beſchrieben von Roſe Julien. Mit
250 Abbildungen, wovon 16 auf farbigen Tafeln. In
far=
bigem Umſchlag broſchiert 4,80 Mk., in Pappband gebd=
6 Mark. Verlag von F. A. Bruckmann A. G., München.
Das Intereſſe der Verfaſſerin für die Volkstracht wurde
in früheſter Jugend geweckt, in ihrer ſchönen Heimat, im
Frankenlande, wo prächtige Volkstümlichkeit noch heute
gedeiht. Von Süd nach Nord, von Weſt nach Oſt hat
Fräulein Julien Deutſchland für ihr Buch durchzogen
und überall an Ort und Stelle mit großem Geſchick und
künſtleriſchem Geſchmack Aufnahmen nach dem Leben
ge=
macht. So iſt es gelungen, eine durch Fülle und Reiz des
Stoffes frappierende Sammlung, viel ganz Neues, im
gannzen etwas ganz Einziges zu bieten, ein Buch, wie es
kaum wieder geſchaffen wird, da die Volkstrachten rapid
ſchwinden.
Heitere Lebensweisheit.
Plauderſtun=
den mit der Jugend von C. Wagner. Aus dem
Fran=
zöſiſchen überſetzt von C. Fuhrmann mit einem Vorwort
von Geh. Oberregierungsrat Dr. J. Norrenberg. 210 S.,
mit zahlreichen Abbildungen. In Originalleinenband
3.20 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 1912.
Daß man heiter erziehen, daß man beſſern und zugleich
unterhalten kann, zeigt uns vorliegendes Buch in vorbild:
licher Weiſe Wagners Schriften ſind in Frankreich in
Hundertkauſenden von Eremplaren verbreites und haben
in Amerika, wo ſie durch Rooſepelts Empfehlung
einge=
führt wurden, den größten Erfolg. Die „Heitere
Lebens=
weisheit” wird auch bei unſerer Jugend begeiſterte
Auf=
nahme finden. Reizende Vignetten zieren das Werk, das
man nur wärmſtens empfehlen kann.
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