Abonnementspreis
Inſerate
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Bei der Reichstagserſatzwahl in Schwetz
wurde v. Halem (Reichspt.) im erſten Wahlgange
gewählt.
Die Revierkonferenz des Gewerkvereins chriſtlicher
Bergarbeiter in Saarbrücken lehnte
mit Zweidrittel=Mehrheit den Streik ab.
Auf der Station Bruckberg bei Moosburg in
Ober=
bayern ereignete ſich ein ſchwerer
Eiſenbahnun=
falk, bei dem 5 Perſonen getöket und 1 ſchwer
verletzt wurden.
Das ungariſche Abgeordnetenhaus überwies
den Wahlrechtsentwurf einem Sonderausſchuß
von 40 Mitgliedern.
Der ſpaniſche Miniſterpräſident
Romano=
nes bildete ein neues Kabinett.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
2. Januar 1813: Marſchall Macdonald, der am 31.
De=
zember mit dem Reſt ſeiner Truppen in Tilſit aufbrach,
kommt in Labiau an.
1813 — 1913.
— Ein Jubeljahr ſoll das Jahr 1913 werden,
einmal in Erinnerung an die vor hundert Jahren
begon=
nenen Befreiungskriege und des ferneren in Erinnerung
an den vor 25 Jahren am 15. Juni erfolgten
Regierungs=
antritt Kaiſer Wilhelms II. Allerorten werden große
Feiern ſtattfinden, aber auch in ſtillem Gedenken ſollte
man ſich an jene großen Zeiten erinnern. Hundert Jahre
ſind es gerade auch in dieſen Tagen, als jene große
Be=
wegung zur Befreiuna Deutſchlands vom Joche des
fran=
zöſiſchen Cäſaren einſetzte durch die bekannte Konvention
des preußiſchen Generals von Yorck in dem ruſſiſchen
Grenzdorfe Tauroggen, wodurch das preußiſche Korps,
das mit den Franzoſen in Rußland fechten mußte, ſich
von den Verbündeten losſagte. In jenen Tagen befand
ſich Friedrich Wilhelm III, noch unter franzöſiſcher
Be=
wachung, und argwöhniſch wurde all ſein Tun und
Han=
deln beobachtet. Es war daher begreiflich, wenn der König
wenigſtens äußerlich den Schritt Yorcks als
Inſubordi=
nation auf das ſchärfſte mißbilligte, und es dauerte ja
auch noch einige Zeit, ehe er ſelbſt ſich zum Handeln
ent=
ſchloß und nach Breslau reiſte, um dort jenen berühmten
Aufruf zu erlaſſen, der die Kriegserklärung an Frankreich
bedeutete. Eine ſeltene Begeiſterung durchzuckte das Volk,
und nicht oft in der Geſchichte iſt ein ſo nationaler Zug
zu verzeichnen geweſen, wie in jenen Tagen.
Es liegt nahe, zwiſchen heute und damals eine
Pa=
rallele zu ziehen, und äußerlich mag ſie nicht gerade
zu=
gunſten der Gegenwart ausfallen. Es läßt ſich nicht
leug=
nen, daß weite Schichten der Bevölkerung von einer
ge=
wiſſen Verärgerung und Verſtimmung ergriffen ſind,
gleichwohl braucht man darum noch lange nicht peſſimiſtiſch
in die Zukunft zu ſchauen. Wir haben es trotz des
Frie=
dens in den letzten Jahren mehrere Male erlebt, daß der
Krieg an die Tore Deutſchlands pochte, und es hat ſich in
dieſen kritiſchen Momenten kein ſchwacher deutſcher Michel
gezeigt, vielmehr gab ſich die vollſte Einmütigkeit kund,
und ſicherlich wäre alles mit derſelben Begeiſterung zu
den Fahnen geeilt, wenn das Vaterland gerufen hätte.
Aus den Kundgebungen in den Parlamenten und ebenſo
aus der ganzen öffentlichen Stimmung heraus könnte
man annehmen, daß in der Stunde der Not jeder zur
Stelle ſein und ſeine Pflicht erfüllen würde.
Gleichwohl ſollen wir mit Stolz jener Zeiten uns
er=
innern, die Haltung unſerer Ahnen ſoll uns als Vorbild
dienen und uns ſtets mahnen, in nationalem Sinne zu
empfinden und, wenn es erforderlich iſt, zu handeln.
Zur Ausländerfrage
an deutſchen Univerſitäten.
* Die Korreſpondenz des Verbandes der Aerzte
Deutſchlands zur Wahrung ihrer wirtſchaftlichen
Inter=
eſſen ſchreibt:
Dem ſogenannten Streik der Kandidaten der Medizin
in Halle iſt bekanntlich einſtweilen die Grundlage ent=
zogen worden, indem das Preußiſche Kultusminiſterium
den mediziniſchen Fakultätendaufs neue einen Erlaß von
1896 eingeſchärft hat, nach welchem von den ausländiſchen
Studierenden für die Zulaſſung zu den kliniſchen
Vor=
leſungen die Ablegung der „ärztlichen Vorprüfung (
Ten=
tamen=Phyſikum) oder einer gleichwertigen ausländiſchen
Prüfung unbedingt verlangt werden muß. Dieſe
Maß=
nahme wird allgemein mit Genugtuung begrüßt werden,
namentlich von denen, die das Anſehen der deutſchen
Wiſſenſchaft und des deutſchen Aerzteſtandes im Auslande
hochgehalten ſehen möchten. Leider wird dieſes Anſehen
vielfach gefährdet durch ausländiſche Aerzte, die einen Teil,
meiſt den wichtigſten Teil ihrer Ausbildung in
Deutſch=
land genoſſen haben, ohne durch eine angemeſſene
Vor=
bildung und Kenntnis der deutſchen Sprache zur
nutz=
bringenden Aufnahme des Lehrſtoffes befähigt zu ſein;
vielfach ſind ihnen außerdem die Grundlagen einer
ge=
wiſſen Berufsethik fremd geblieben, auf denen ſich in
Deutſchland neben der Wiſſenſchaft das Anſehen des
Arztes aufbaut. Daß ein Teil der ausländiſchen
Aerzte in der Heimat als Verkünder des Ruhms
deut=
ſcher Leiſtungen zu ſchätzen ſind, iſt unbeſtreitbar; vielen
anderen aber dient die meiſt nur kurze Lehrzeit in
Deutſch=
land in erſter Linie zur Reklame. So berührt es
eigen=
artig, wenn man in ausländiſchen, neuerdings
nament=
lich in ägyptiſchen Zeitungen Anpreiſungen einheimiſcher
Aerzte findet, denen durch den Hinweis auf die bei einem
deutſchen Profeſſor gemachten Studien eine beſondere
Anziehungskraft verliehen wird; in dieſen Anpreiſungen
bilden Geſchlechts= und Nervenkrankheiten eine beſondere
Rolle. In Deutſchland hält man zur Führung eines
Spezialarzttitels eine mindeſtens zweijährige,
aus=
ſchließliche Ausbildung in dem betreffenden Fach für
er=
forderlich, im Ausland aber gründen viele Mediziner
ihren Befähigoungsnachweis im allgemeinen ohne
beſon=
deren auf den Genuß eines deutſchen Ferienkurſus oder
weniger Studienſemeſter. Erfahrungen über ſolche
Miß=
ſtände liegen faſt aus allen Ländern der Welt vor.
So wird das Vorgehen der Halleſchen
Studenten auch dem Anſehen der
deut=
ſchen Wiſſenſchaft im Ausland
förder=
lich ſein, die nur durch ſolche Mediziner würdig vertreten
werden kann, welche das Studium mit der in Deutſchland
ſelbſtverſtändlichen Gründlichkeit der Ausbildung und
Vorbildung genoſſen haben.
Deutſches Reich.
— Der Kaiſer und Prinz=Regent
Lud=
wig. Der Kaiſer hat an den Prinz=Regenten Ludwig
folgendes Telegramm gerichtet:
Neues Palais. 29. Dez. Seiner Kgl. Hoheit Prinz=
Regent Ludwig, München. Noch ganz unter dem
ſchmerz=
lichen Eindruck der traurigen Veranlaſſung meines
letz=
ten Beſuches ſtehend, iſt es mir ein herzliches Bedürfnis,
Dir und Deiner Gattin zugleich in Viktorias Namen
un=
ſere wärmſten Glück= und Segenswünſche zum neuen
Jahr auszuſprechen Gott der Herr erfülle Dich mit Kraft
aus der Höhe für Dein ſchweres Herſcheramt und ſchenke
Dir das höchſte Herrſcherglück, Deines Volkes Liebe und
Vertrauen, die Deinem teuern Vater in ſo reichem Maße
zuteil geworden ſind. Wilhelm.
Hierauf hat der Prinz=Regent folgendes
Antwort=
telegramm geſandt:
Seiner Majeſtät Kaiſer Wilhelm. Neues Palais
Gerührten Herzens danke ich Dir aufrichtig für die tief
empfundenen Worte, mit denen Du Deinen und der
Kal=
ſerin Wünſchen zum Jahreswechſel Ausdruck gegeben
haſt. Möge Gott dieſen Wünſchen Erfüllung verleihen.
Ich werde alle Kraft einſetzen, um getren dem Vorbild
meines verewigten Vaters mit Gottes Hilfe meinen
Pflichten gegen mein Land und gegen das Reich gerecht
zu werden. Ich wiederhole von Herzen meine und der
Meinen Glückwünſche zum Jahreswechſel.
— Bei der Reichstagserſatzwahl in
Schwetz wurde der deutſche Kandidat im erſten
Wahl=
gang gewählt. Es erhielten von 15908 abgegebenen
gültigen Stimmen: v. Halem (Reichspt.) 8017, Saß=
Jaworski (Pole) 7855, Grygo (Soz.) 33 Stimmen;
zer=
ſplittert waren 3 Stimmen. v. Halem iſt ſomit gewählt.
Gegen die Wahl im Januar 1912 wurden im ganzen
we=
niger abgegeben 1050 gültige Stimmen. Der polniſche
Kandidat erhielt 632, der deutſche 290, der
ſozialdemokra=
tiſche 128 Stimmen weniger.
—Zur Frage einer
konſervativ=
nationalliberalen Annäherung ergreift die
Kreuzztg. in ihren Rückblicken auf die innere Politik
der Woche von neuem das Wort:
Es iſt durchaus an den Nationalliberalen, durch ein
Entgegenkommen in weſentlichen Fragen der vraktiſchen
Politik einen Ausgleich mit der konſervativen Partei zu
ſchaffen. Der Gedanke einer Einigung auf feſte
Bedin=
gungen ſcheint keineswegs glücklich. Im Verlaufe der
wechſelvollen Entwickelung der politiſchen Ereigniſſe
kann zu leicht der Fall eintreten, daß eine Partei wider
Willen in einen Konflikt gerät zwiſchen den
eingegange=
nen Bedingungen und der eigenen parteipolitiſchen Pflicht.
Die Enttäuſchung auf der anderen Seite hat dann leicht
eine begreifliche und ſchwer zu tilgende Erbitterung zur
Folge. Die an ſich bedauerliche Entfremdung zwiſchen
Konſervativen und Nationalliberalen wird am eheſten
und am dauerhafteſten behoben werden, wenn im Gange
der praktiſchen Politik von Fall zu Fall durch
Entgegen=
kommen die Gegenſätze abgeſchliffen werden. Auf dieſe
Weiſe wird auch die nationalliberale Partei, ohne
Ver=
pflichtungen auf ſich zu nehmen, die im Moment
viel=
leicht peinlich ſind, am beſten Gelegenheit haben, ihre
Stellung zur Fortſchrittspartei und zum Zentrum
all=
mählich derjenigen Reviſion zu unterziehen, die im
Inter=
eſſe eines harmoniſchen Verhältniſſes zu den
Konſerva=
tiven notwendig iſt. Werwvoller auch als irgend eine
ent=
ſprechende Abmachung wird es ſein, wenn man künſtig
auf nationalliberaler Seite redneriſch und publiziſtiſch
den gegenſtandsloſen Verſuch unterläßt, Zwietracht unter
die Konſervativen zu ſäen. Taten ſind wie in der
ſoge=
nannten großen Politik auch in der Parteipolitik letzten
Endes wertvoller als alle Verträge und Abmachungen.
— Eine Miniſterkriſis in Elſaß=
Lo=
thringen. Seit einiger Zeit treten wieder mit einer
gewiſſen Beſtimmtheit Gerüchte von einer elſaß=
lothringi=
ſchen Miniſterkriſis auf, denen in unterrichteten Kreiſen
keine ſo zuverſichtliche Ableugnungen mehr
entgegen=
geſetzt werden, und bald nach dem Wiederbeginn der
Landtagsſitzungen erwartet man die Entſcheidung. Für
den 7. Januar ſind die Parteiführer zu einer wichtigen
Sitzung zum Statthalter geladen, der perſönlich verſuchen
wird, eine Einigung über die Befoldungsreform zu
er=
zielen.
— Gottesdienſt in polniſcher Sprache.
Das ſächſiſche Kultusminiſterium hat beſtimmt, daß vom
1. Januar ab in der katholiſchen Hofkirche zu Dresden
ein Kaplan mit der Befugnis angeſtellt wird, den dort
lebenden Polen Gottesdienſte in polniſcher Sprache
ein=
zurichten. Die Verwaltung der Stadt Dresden hat ſich
gegen dieſe Maßnahme erklärt, da ſie mit Recht darin
einen Vorſtoß des polniſchen Slawentums ſieht und
Kon=
ſequenzen fürchtet. Der Widerſpruch hat jedoch nichts
ge=
nützt. Die Regierung hat die polniſche Seelſorge
durch=
geſetzt.
Aus den Kolonien. Ueber die vom
Kaiſer erworbene Farm Dickdorf im Bezirk
Gibeon in Südweſtafrika erfährt man jetzt
Näheres durch den vom Bezirksrichter in Keetmanshoop
veröffentlichten Antrag des Kgl. Preußiſch=
Brandenburgi=
ſchen Haus=Fideikommiſſes Berlin auf Anlegung eines
Grundbuchblattes. Es heißt da: Die Farm hat eine
Größe von 15556 Hektar und folgende Lage: Sie grenzt
im Norden und Nordoſten an die Farmen Geitſabis und
Coſis, im Südoſten an die Farm Sommersau, im
Süd=
weſten an die Farm Sechskamelbau und im Nordweſten
an die Farmen Nathansplatz und Kainuchas. — Ueber
die Goldfunde bei Tanga in Deutſch=
Oſt=
afrika gelangen jetzt ausführlichere briefliche Meldungen
nach Europa. Zuerſt wurde das Vorkommen von Gold
im Bezirk Tanga auf einer am Sigifluſſe gelegenen
Pflan=
zung feſtgeſtellt, und zwar handelt es ſich um ſtark
gold=
haltigen Quarzſand im Schwemmland dieſes Fluſſes. Der
glückliche Pflanzungsbeſitzer ſandte nach der Entdeckung
in aller Stille Proben zur Unterſuchung nach Deutſchland
und belegte, als von dort ein ſich günſtig ausſprechendes
Gutachten kam, auf ſeiner Pflanzung die erſten
Schürf=
felder. Beim Bekanntwerden dieſer Nachricht ſetzte im
Bezirk Tanga ein lebhaftes Goldfieber ein. Zurzeit ſind
am Sigi von der Einmündung des Mkulumuzi bis zum
Meere nahezu alle ausſichtsreichen Stellen belegt. Die
An=
gaben über die Zahl der belegten Schürffelder ſchwanken,
doch ſind mindeſtens ſchon über hundert Felder belegt.
Wie die Deutſch=Oſtafrikaniſche Zeitung bemerkt, dürften
von dieſen indes nur die wenigſten gewinnverſprechend
ſein, nämlich nur ſolche, die an den Krümmungen des
Fluſſes über größere Schwemmlandflächen verfügen.
Ausſichtsreich dürften ferner die Schürffelder ſein, die
einen angeblich alten Flußlauf des Sigi umfaſſen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die ungariſche Wahlreformvorlage, die
Miniſterpräſident v. Lukacs im Abgeordnetenhauſe
unter=
breitete, vermehrt die Wählerzahl um 800000 Wähler oder
um 75 Prozent der bisherigen Wählerzahl. Das
Wahl=
recht beginnt für die Abſolventen von Mittelſchulen mit
dem 24. Jahre, für alle anderen Wähler mit dem 30. Jahre.
Induſtrielle Arbeiter müſſen eine ſtändige Beſchäftigung
während zweier Jahre, landwirtſchaftliche eine ſolche von
fünf Jahren nachweiſen. Analphabeten erhalten das
Wahl=
recht nur, wenn ſie 40 Kronen Steuerleiſtung oder 16 Joch
Grundbeſitz nachweiſen. Die Abſtimmung in den größeren
Städten iſt geheim, in den ländlichen Bezirken öffentlich.
Italien.
Italieniſch=ſerbiſcher Zwiſchenfall. Es
wird von italieniſcher Seite über einen Zwiſchenfall
be=
richtet, der ſich im Hafen von Durazzo zugetragen hat. Der
ſerbiſche Kommandant verbot der Mannſchaft und den
Offizieren des italieniſchen Dampfers „Caprera”, mit dem
italieniſchen Konſul in Durazzo zu verkehren. Natürlich
hat ſich der Konſul an ſeine Regierung beſchwerdeführend
gewandt, und hat dieſelbe den italieniſchen Geſandten in
Belgrad beauftragt, wegen dieſer Angelegenheit bei der
ſerbiſchen Regierung Einſpruch zu erheben.
Frankreich.
Die Präſidentſchaftskandidaten
Poin=
caré und Ribot ſprachen in ihrer Unterhaltung gegenüber
anderslautenden Meldungen nicht von ihrer Haltung, die
ſie nach der erſten Abſtimmung einnehmen werden. Beide
behalten ſich Aktionsfreiheit vor, um eine Einigung der
Republikaner bei den ſpäteren Abſtimmungen
herbeizu=
führen.
Gegen die Auswanderung des Kapitals
nach dem Ausland. Um die zum Schutze der
fran=
zöſiſchen Sparer, insbeſondere gegen die Auswanderung
des franzöſiſchen Kapitals getroffenen Maßnahmen noch
wirkſamer zu geſtalten, hat Juſtizminiſter Briand
ange=
ordnet, daß eine Unterſuchung gegen die Angeſtellten
aus=
ländiſcher Unternehmungen eingeleitet werde, welche dem
Publikum die von dieſen Unternehmungen im Ausland
ausgegebenen Wertpapiere anbieten. Dem Auftrage des
Juſtizminiſters entſprechend, wurde bereits gegen einen
Vertreter eines Londoner Hauſes, der ein kanadiſches
Wertpapier in Paris unterbringen wollte, die ſtrafrechtliche
Unterſuchung eingeleitet.
Bulgarien.
Die Sobranje nahm in ihrer letzten Sitzung
den Geſetzentwurf an, durch welchen das Moratorium
bis 45 Tage nach Veröffentlichung des Ukaſes über die
Demobiliſierung verlängert wird. Das Geſetz ſoll am
1. Januar offiziell erſcheinen.
Kanada.
Obſtruktion der Liberalen. Die
Libera=
len haben beſchloſſen, gegen die Regierung Obſtruktion zu
machen, ſobald das Parlament wieder eröffnet wird. Sie
wollen eine Auflöſung des Parlaments herbeiführen und
wünſchen neue Wahlen wegen der Frage der
Flottenbei=
träge in Höhe von 175 Millionen Francs, wie ſie durch
das konſervative Kabinett Borden vorgeſchlagen wurden.
Japan.
Der Landtag lehnte den Regierungsvorſchlag,
die Parlamentsferien bis zum Februar zu verlängern,
ab und vertagte ſich bis zum 20. Januar. Man erwartet
die Auflöſung des Hauſes.
Die neue Verſicherungsordnung. In
den Zeitungen wird der Wortlaut der neuen
Verſiche=
rungsordnung veröffentlicht, die das beſtehende Geſetz zur
Regelung der Tätigkeit der Verſicherungs=Geſellſchaften
abändert und die einheimiſchen Verſicherungs=
Geſellſchaf=
ten ſchützen ſoll. Die Beſtimmungen der neuen Verord=
nung ſind ſehr ſcharf: Außer einer Erhöhung der bei
der Gründung der Geſellſchaft beim Staat zu
hinterlegen=
den Summe wird auch eine Hinterlegung einer Reſerve
von 60 Prozent vorgeſehen. Die neue Verordnung
er=
ſtreckt ſich auf die Lebens=, Feuer= und Seeverſicherung.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 2. Januar.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
ſchaften ſind am Montag mittag 12½ Uhr aus Lich
wieder im Neuen Palais eingetroffen. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihungen. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Kreisfeuerwehrinſpektor
Johann Philipp Barbara Medicus zu Gernsheim
die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen und dem Kaufmann Michael
Gerlach zu Gernsheim das Allgemeine Ehrenzeichen
für Verdienſte am Bande des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen verliehen.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Georg Schmitt aus Ensheim, Kreis Oppenheim, eine
Lehrerſtelle an der evangeliſchen Schule zu Wald=
Michel=
bach, Kreis Heppenheim.
* Erledigte Stelle. Eine Schulſtelle an der
Ge=
meindeſchule zu Höchſt a. d. N.
* Ernannt wurde der Sekretär der land= und
forſtwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft für das
Groß=
herzogtum Heſſen W. Pieper zum Generalſekretär der
Berufsgenoſſenſchaft und Haftpflichtverſicherungsanſtalt,
der Aſſiſtent und Buchhalter K. Weis zum Sekretär
und Abteilungsvorſteher.
* Militärdienſtnachrichten. Sudau, Garn.=
Ver=
walt.=Inſp. in Darmſtadt, auf ſeinen Antrag mit Penſion
in den Ruheſtand verſetzt. Machers (I Darmſtadt),
Oberapotheker des Beurlaubtenſtandes, der Abſchied
bewilligt.
* Hohe Auszeichnung. Hofrat Alerander Koch=
Darmſtadt wurde anläßlich ſeines 25 jährigen Berufs=
und Verlagsjubiläums von Sr. Königl. Hoheit dem
Prinz=Regenten Ludwig von Bayern die
Goldene König Ludwigs=Medaille für
Wiſſenſchaft und Kunſt verliehen.
Das Großh. Regierungsblatt Nr. 40 vom
31. Dezember hat folgenden Inhalt: 1. Geſetz, die
Ausführung der landwirtſchaftlichen Unfallverſicherung
betreffend. 2. Verordnung, die Jagdwaffenpäſſe
be=
treffend. 3. Bekanntmachung, die Vereinigung der
Land=
gemeinde Koſtheim mit der Stadt Mainz betreffend.
4. Geſetz, die Vereinigung der Landgemeinde Koſtheim
mit der Stadt Mainz betreffend. 5. Bekanntmachung,
die Deutſche Arzneitaxe für das Jahr 1913 betreffend.—
Die Beilage Nr. 30 enthält: 1. Ordensverleihungen.
2. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder
Orden. 3. Zulgſſungen zur Rechtsanwaltſchaft. 4.
Dienſt=
nachrichten. 5. Dienſtentlaſſungen. 6. Erhebung in den
Adelſtand. 7. Charaktererteilungen. 8.
Ruheſtanbsver=
ſetzungen.
n. Neue Verhaftung im Nieder=Modauer Konkurs.
In dem ſeit längerer Zeit anhängigen Strafverfahren iſt
jetzt die vierte Verhaftung erfolgt. Am Montag abend
wurde Kommerzienrat Karl Ihrig, Direktor der
Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsbank hier, als er
ge=
rade von Frankfurt a. M. zurückgekehrt war, durch
Kriminalbeamte der Staatsanwaltſchaft
feſtgenommen. Es geſchah auf Grund eines
Haft=
befehls, den das Oberlandesgericht wegen Flucht
verdachts und unter der Beſchuldigung des
Ver=
gehens gegen das Genoſſenſchaftsgeſetz erlaſſen hat.
Sei=
tens des Staatsanwalts war gleichzeitig mit der
An=
klageerhebung gegen den früheren Rechner Adam, den
Rendanten Beck, den Bankier Iſaak, welche ſich ſchon
geraume Zeit in Unterſuchungshaft befinden, auch
Kom=
merzienrat Ihrig angeklagt und gleichzeitig Haftbefehl
gegen ihn beantragt worden. Die hierfür und zur
Er=
öffnung des Hauptverfahrens zuſtändige Beſchlußkammer
des Landgerichts lehnte den Antrag ab, worauf nunmehr
nach ſtaatsanwaltlicher Beſchwerde das Oberlandesgericht
im eingangs erwähnten Sinn entſchieden hat. Dem Ver=
nehmen nach ſind Herrn Ihrig Beteiligungen an einer
Bilanzverſchleierung des zuſammengebrochenen Nieder=
Modauer Spar= und Kreditvereins zur Laſt gelegt, was
mit ſeiner Tätigkeit als Genoſſenſchaftsbankdirektor im
Zuſammenhang ſtehen ſoll.
Irgend welche Beweiſe für ſtrafbare Verfehlungen
ſind noch nicht erbracht. Herr Kommerzienrat
Ihrig wurde am Dienstag nachmittag
gegen Stellung einer Kaution von
50000 Mark wieder aus der Haft
ent=
laſſen.
Wegweiſer zur Reichsverſicherungsordnung.
Wer beruflich in der Durchführung der ſozialen
Ver=
ſicherungsgeſetzgebung arbeitet, macht immer von neuem
die Erfahrung, wie wenig ſelbſt die wichtigſten
Be=
ſtimmungen der Verſicherungsgeſetze im Publikum
be=
kannt ſind. Dieſe mangelnde Geſetzeskenntnis findet ſich
ſowohl bei den unmittelbar beteiligten Arbeitgebern
und Arbeitnehmern, wie auch bei den Perſonen, denen
eine gewiſſe Vertrautheit mit der ſozialen Geſetzgebung
in ihrem Berufe ſehr zu ſtatten käme, wie z. B. den
Aerzten, Geiſtlichen, Lehrern und ſonſtigen in der
ſozialen Fürſorge tätigen Perſonen. Alle dieſe
Inter=
eſſenten ſeien hiermit wiederholt auf den Wegweiſer durch
die neue Reichsverſicherungsordnung aufmerkſam
ge=
macht, den der Vorſtand der Landesverſicherungsanſtalt
Großh. Heſſen vor kurzem herausgegeben hat. Der
Wegweiſer, der über die wichtigſten Vorſchriften der
Kranken=, Unfall=, Invaliden= und
Hinterbliebenenver=
ſicherung, ſowie über die Wohlfahrtseinrichtungen der
Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen in
gemeinver=
ſtändlicher Darſtellung unterrichtet, koſtet im
Einzel=
verkauf 60 Pfg. und iſt von dem Großh. Staatsverlag,
ſowie durch alle Buchhandlungen zu beziehen.
Odenwaldklub. Wohlauf, die Luft geht friſch
und rein, wer lange ſitzt, muß roſten! Mit dieſem Ruf
wendet ſich der Odenwaldklub an ſeine Mitglieder
und ſonſtigen Wanderfreunde und fordert nach 7 wöchiger
Pauſe zur Teilnahme an der am 5. Januar
ſtattfinden=
den 10. Wanderung, der erſten im neuen Jahr, auf.
Nach den mancherlei Genüſſen und Strapazen, die
während der Feiertage dem Einzelnen zugemutet wurden,
freut ſich gewiß ein jeder, wieder hinaus in die friſche
Winternatur marſchieren zu können, und wenn, wie ja
bei dem ſprichwörtlich gewordenen Wetterglück des
Klubs nicht anders zu erwarten iſt, der Himmel hold
geſinnt iſt, ſo bieten ſich den Wanderern die ſchönſten
Ausblicke. Die Tour führt durch herrliche
Waldland=
ſchaften von der Landskrone nach Seeheim, woſelbſt
Frühſtücksraſt gehalten wird, über Ruine Joſſa,
Als=
bacher Schloß nach Auerbach, wo der Wanderer bei
Gaſtwirt Weigold ein gutes Mahl und ein guter
Tropfen harren. Hier werden ſich noch Klubgenoſſen
aus Auerbach, Bensheim und Zwingenberg einfinden,
um gemeinſam einige gemütliche Stunden zu verbringen.
Alles in allem dürfte den Wanderern eine genußreiche
Tour in Ausſicht ſtehen und bitten wir um recht
zahl=
reiche Beteiligung. „Friſch auf!”
* Verſammlung. Wie uns mitgeteilt wird, tagte
eine Verſammlung von Geſchftsinhabern, welche ein
be=
ſonderes Intereſſe daran haben, daß am
Nordbahn=
hof Güterverkehr eingerichtet wird. Es waren
allerdings im Verhältnis zu der Anzahl der eigentlichen
Intereſſenten nur wenig anweſend, was wohl darin
ſei=
nen Grund haben dürſte, daß hierfür zu wenig
publi=
ziert wurde. Immerhin iſt der Stein im Rollen und eine
weitere Sitzung ſoll am 8. Januar ſtattſinden, wozu noch
weitere beſſondere Einladungen ergehen werden.
* Der Gaſtwirteverein Darmſtadt hielt eine
Ver=
ſammlung ab, in welcher Stellung zu der neuen
Polizei=
verordnung über die Wiedereinführung der Polizeiſtunde
genommen wurde. Es wurde als ſehr bedauerlich erklärt,
daß aus Anlaß von Exzeſſen dem geſamten Bürgertum
eine Strafe in Form der Wiedereinführung der
Polizei=
ſtunde angehängt worden iſt. Wenn auch dieſe Verordnung
in der Hauptſache die Cafés und Saalgeſchäfte ſchwer
ſchädigt, ſo hat es der Gaſtwirteverein und mit ihm auch
der Rhein=Main=Verband als ſeine Pflicht erachtet, für
die Wahrung der berechtigten Intereſſen ſeiner Mitglieder
alle diejenigen Schritte aufs kräftigſte zu unterſtützen, die
Aus Hufelands Leben.‟
I. Kindheit und Jugend.
Chriſtian Wilhelm Hufeland wurde am 12. Auguſt
1762 zu Langenſalza als Sohn begüterter Eltern geboren.
Sein Vater war ein angeſehener Arzt „von gründlicher
Gelehrſamkeit, unermüdeter Arbeitskraft und großer
Ge=
wiſſenhaftigkeit in ſeiner Kunſt”
Aus der früheſten Kindheit Hufellands iſt nur eine
ſchwere Pockenkrankheit zu erwähnen, während welcher
er die Empfindung hatte, „als ob er auf einem glühenden
Roſt gebraten in ſeinem Bette läge‟
Im Jahre 1764 ſiedelten die Eltern Hufelands nach
Weimar über, wo ſein Vater Leibarzt geworden war,
und bezogen dort ein eigenes Haus mit ſchönem Garten
am Marktplatz.
Im ſechſten Lebensjahre erhielt Chriſtian Wilhelm
den erſten Unternicht durch einen „Informator” einen
Kandidaten der Theologie, der mit Ernſt und Strenge
ſeines Amtes waltete und auf unbedingten Gehorſam,
Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung hielt. Das tägliche
Leben war genau geregelt. Um 6 Uhr früh wurde
auf=
geſtanden, dann folgte nach dem aus Milch und Semmel
beſtehenden Frühſtück die Vorbereitung für die Schule,
die von 9—12 Uhr ſtattfand, dann das Mittageſſen und
daran anſchließend Bewegung im Freien. Nachmittags
war wieder Schule von 3—5 Uhr, dann gab es
Vesper=
brot, Obſt oder Brot mit Salz oder ein wenig Zucker,
dem ſich ein größerer Spaziergang bis zu dem frugalen
Abendeſſen, Suppe und Brot, anſchloß. Um 9 Uhr ging
es zu Bett. In den Schulſtunden wurde der Hauptwert
auf Theologie und alte Sprachen gelegt, daneben
wur=
den Geſchichte, Geographie und Naturgeſchichte getrieben.
Jeden Sonntag ging es vormittags und bisweilen auch
nachmittags in die Kirche. Mit anderen Knaben ſeines
Alters, den Söhnen angeſehener Familien, wie der
Kotze=
bues, Lynker und Witzleben, war Chriſtian Wilhelm nur
Sonntag nachmittags zuſammen, um mit ihnen
gemein=
ſam Spaziergänge zu unternehmen oder im Garten zu
turnen, Ball zu ſchlagen oder Krieg zu ſpielen. Im
Win=
ter wurden auch auf kleinen Theatern mit ſelbſt
verfertig=
ten Figuren Komödien aufgeführt.
Trotz der ſtrengen, einförmigen, ja pedantiſchen
Er=
ziehung denkt Hufeland in ſeinen Erinnerungen ſeines
*) Nachfolgende Biographie wird uns von dem
hie=
ſigen Arzt Dr. Riegler, einem Urenkel Hufelands, als
Auszua aus einer früher im Druck erſchienenen, jetzt aber
vergriffenen Selbſtbiographie Hufelands zur Verfügung
geſtellt. D. Rred.
Lehrers mit großer Liebe. Seinem Einfluß ſchreibt er
es zu, daß er, der niemals widerſprechen, ſondern ſtets
unbedingt gehorchen mußte, auch im ſpäteren Leben ſtets
nachgiebig gegen andere und gehorſam „erſt gegen das
Geſetz und die Pflicht, dann gegen die Führungen des
Schickſals” war.
Durch den ſtändigen Umgang mit dem ernſten,
pflicht=
bewußten Manne und durch die Abgeſchloſſenheit des
täglichen Lebens lernte Hufeland frühzeitig, ſich mit ſich
ſelbſt zu beſchäftigen und „im Innern zu leben”. So wurde
die Liebe zur Einſamkeit, zum Nachdenken und ſtiller,
wiſſenſchaftlicher Beſchäftigung geweckt, die Hufeland ſein
ganzes Leben hindurch geblieben iſt und dieſem Ziel und
Richtung gegeben hat. — Schon als Vierzehnjähriger gab
ſich Hufeland neben ſeinen Schulbeſchäftigungen viel mit
Leſen ab, wobei die Lehre der Stoiker, „daß Alles Aeußere
etwas Unweſentliches ſei, und nur im Innern zu leben
wahres Glück bedeute” ſein beſonderes Intereſſe erweckte.
Daneben ſammelte er fleißig Mineralien und Kupferſtiche,
die er ſich von ſeinem Taſchengelde haufte, und übte ſich
im Zeichnen und Maken. In dieſer Kunſt brachte er es
untar ſachgemäßer Anleitung zu ſolcher Fertigkeit, daß er
an der damalls in Weimar begründeten Zeichenakademie
ſogar einen Preis erhielt. Dieſe Kunſtfertigkeit iſt
Hufe=
land ſpäter beim Studium der Anatomie und auf feinen
Reiſen vielfach von großem Nutzen geweſen. Auch die
Neigung zur Schriftſtellerei entwickelte ſich früh und
offen=
barte ſich in der Herausgabe eines allerdings nur für die
Familie beſtimmten Wochenblattes, das bleine
ſelbſtver=
fertigte Aufſätze, Familien= und Stadtneuigkeiten enthielt
und mit eigenen Zeichnungen illuſtriert wurde.
In dieſer Zeit, im Jahre 1776, zog der damals 27 Goethe in Weimar ein. Hufeland ſchrieb ſpäter
von ihm: „Man konnte ſich keinen ſchöneren Mann
vor=
ſtellen. Dabei ſein lebhaſter Geiſt, und ſeine Kraft, die
ſeltenſte Vereinigung geiſtiger und körperlicher
Vollkom=
menheit, groß, ſtark und ſchön, in allen körperlichen
Uebungen, Reiten, Fechten, Voltigieren, Tanzen war er
der Erſte‟ — Durch die Macht ſeiner Perſönlichkeit und
ſeine enge Freundſchaft mit dem damals gerade zur
Re=
gierung gekommenen jungen Fürſten rief Goethe bald in
dem ſtillen und philiſterhaften Weimar eine wahre
Re=
volution hervor. Alle jungen Leute lleideten ſich wie
Goethe — gelbe Weſte und Beimkleider und dundelbkauer
Frack — und fühlten wie der junge Werther. Auch das
Empfinden des nun 16jährigen Hufeland blieb
naturge=
mäß von der allgemeinen Stimmung nicht unberührt;
jedoch ſorgte der treffliche Hausmeiſter dafür, daß alle
Uebertreibungen vermieden wurden.
Neben Goethe machte Herder der auf des Dichters
Verankaſſung im Jahre 1776 Hofprediger in Weimar ge=
worden war, einen tiefen und unauslöſchlichen Eindruck
auf Hufelands Gemüt. In ſeinen Erinnerungen heißt es
von dieſem bedeutenden Manne, der von ſo großem
Ein=
fluß auf das geiſtige Leben der Deutſchen geweſen iſt:
„Wie ein Apoſtel ſtand er auf der Kanzel, die Hände
ge=
faltet vor ſich liegend mit dem Geſicht gen Himmel
ge=
richtet, ohne alle Geſtikulationen, ja ohne alle
Deklama=
tion, ruhig, aber kräftig in ſeiner tiefen Baßſtimme Worte
der Salbung und des höheren Lebens ausſprechend, nicht,
als wenn es ſeine Worte wären, ſondern als wenn ſie
ihm von oben zuflöſſen, als wenn er nur das Organ wäre,
durch welches eine höhere Macht zu uns ſpräche‟. — Die
letzten drei Jahre der Schulzeit, vom 15. bis zum 18.
Lebensjahre, erhielt Hufeland Privatſtunden bei dem
Direktor des Gymnaſiums, um ſich im Griechiſchen und
Lateiniſchen zu vervolllommnen. Es wurden die Ilias
und Cicero geleſen, und lateiniſche Aufſätze gemacht, und
namentlich in letzteren zeigte Hufeland eine große
Ge=
wandtheit, ſo daß ſein Lehrer ihm unter einen Aufſatz
das Prädikat ſetzte: auctorem te futurum esse auguror”
eine Prophezeiung, die glänzend in Erfüllung gehen
ſollte.
II. Akademiſche Studien.
Mit 18 Jahren bezog Hufeland die Univerſität Jena,
die ihm aber ſeiner Erziehung und Veranlagung nach in
keiner Weiſe zuſagte. Er fand den Ton unter den
Stu=
dierenden „über alle Maßen roh, liederlich und
ausge=
laſſen” und fühlte ſich von dem ganzen ſtudentiſchen
Trei=
ben, das in der Hauptſache „in Saufgelagen und
Schlä=
gereien” beſtand, aufs äußerſte abgeſtoßen. Obwohl
Hufeland ſich nach Möglichkeit dieſem Treiben fernhielt,
wirkte doch die ganze Umgebung nachteilig auf ſein
Stu=
dium ein, und er ging deshalb auf Anraten ſeines Vaters,
dem der ungünſtige Einfluß des Jenenſer Burſchentums
auf ſeinen Sohn nicht entgangen war, im Jahre 1781 nach
Göttingen, einer Univerſität, die gerade damals in der
mediziniſchen Wiſſenſchaft allen anderen voranſtand. Der
dort herrſchende Geiſt, der unter den Studierenden „mehr
Fleiß, Anſtändigkeit und Selbſtſtudium hervorrief”,
ver=
fehlte auch autf Hufcland ſeine Wirkung nicht, der nun
ſeinerſeits kein größeres Vergnügen kannte, als die
Kol=
legien zu hören und dann auf ſeiner Stube zu ſtudieren.
Die Frucht der Arbeit blieb nicht aus! Am 24. Juli 1783
promovierte Hufeland und reiſte am folgenden Tage nach
Weimar ab.
III. Arzt in Weimar.
Leider fand Hufeland in ſeinem elterlichen Hauſe
höchſt betrübende Zuſtände vor. Nachdem ſeine Mutter
1782 plötzlich an einem Nervenſchlag geſtorben war,
er=
krankte auch ſein Vater, der durch den Tod der treuen
zur Wiederaufhebung dieſer Polizeiverordnung führen
kön=
nen. Es wurde allen denjenigen Mitgliedern, welche gegen
die Verordnung ſelbſt, oder gegen Strafen, welche aus
dieſer Verordnung verhängt werden, vorgehen,
Rechts=
ſchutz ſowohl von ſeiten des Vereins, wie auch des Rhein=
Main=Gaſtwirte=Verbandes zugeſagt. Lebhafte Klage
wurde noch darüber geführt, daß man nunmehr bei
Ver=
einsfeſtlichkeiten und Bällen auch dieſe Polizeiſtunde
ein=
hält, ſo daß auch die Saalinhaber ſchwer geſchädigt werden.
Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß man auch
an maßgebender Stelle einſehen werde, wie die
Wiederein=
führung der Polizeiſtunde in der Hauptſache nicht die
Studenten, ſondern die hieſigen Bewohner trifft.
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Das große
Er=
öffnungskonzert am Sonntag, den 5. Januar,
findet, wie alle Veranſtaltungen der „Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla” im großen Saal des „Städtiſchen Saalbaues”
ſtatt und beginnt um 8 Uhr 11 Minuten. Um vielfach
ge=
äußerten Wünſchen der tanzluſtigen Jugend Rechnung zu
tragen, hat der große Rat beſchloſſen, den Tanz im
Gartenſaal ſchon Punkt 10 Uhr beginnen zu
laſſen. Deſſenungeachtet wird das Konzert im großen
Saal fortdauern und mit ihm natürlich auch die
Luft=
ſchlangenſchlacht und all das anmutige und
fröh=
liche Treiben froher Faſchingsluſt, wie es die
Veranſtal=
tungen der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla ſtets
ausge=
zeichnet. Es iſt alſo allen Wünſchen nach Möglichkeit
ſtets Rechnung getragen. Das Konzert wird von der
Ka=
pelle Weber ausgeführt. (Siehe auch Anzeige.)
Ein neues Lichtſpieltheater. Am Samstag abend
wurde im Hauſe Rheinſtraße 6 im Erdgeſchoß ein neues
Lichtſpieltheater eröffnet unter dem Titel „Union=
Theater, Kunſtlichtſpiele” Man mag ſich zu der Frage,
ob für oder gegen die Kinos, ſtellen wie man will,
einſt=
weilen beherrſchen ſie noch Gegenwart und Zukunft, wenn
auch die Feſtlegung der notwendigen Begrenzung der
Auf=
gaben der Kinos und der „Kunſtinſtitute” nur noch eine
Frage der Zeit ſein kann. Daß in Fragen der Technik und
der Repräſentation, oder der Aufmachung, die Kinos
dauernd Fortſchritte machen, beweiſt auch das neueröffnete
Union=Theater, das ſich in einem äußerſt vornehmen
ſchmucken Gewande präſentiert. Schon der Eingang iſt
inponierend, man hat weder hierbei noch in der Geſtaltung
des Theaters ſelbſt an Raum geſpart, was nicht von allen
glächartigen Inſtituten geſagt werden kann. Der
Zu=
ſchiuerraum ſoll etwa 500 Beſuchern Platz bieten, er
ent=
häß auch Balkone und Logen. Die Plätze im Parterre
ſin) nicht, wie ſonſt üblich, nach hinten erhöht angeordnet,
ſonern eben. Dafür iſt die Leinwand erhöht, ſo daß die
Lichtſpiele von allen Plätzen gleich gut und deutlich
ſicht=
barſſind, auch wenn die neue Mode noch größere Hüte
erfitden ſollte. Die künſtleriſche Ausſtattung des Theaters
iſt enfach und geſchmackvoll. — Zu der Eröffnungs= und
Ehrnvorſtellung am Samstag abend herrſchte ein
außer=
ordetlicher Andrang, und wenn der Direktor des neuen
Etaliſſements Herr Chriſtoph Reick, daraus Schlüſſe
auchauf die Zukunft ziehen darf, kann er wohl mit
Ver=
trauck den kommenden ausverkauften Häuſern
entgegen=
ſehen Die Vorſtellung wurde mit einem Prolog,
ver=
faßt ſon Herrn Joachim Benn, geſprochen von Herrn
Schatpieler Oskar Ebelsbacher, Frankfurt a. M.,
eingelitet. Die Darbietungen des Abends fanden
leb=
haften Beifall
* Ein Redaktionsſchmetterling wurde uns am
Diens=
tag gbracht, der ſich anſcheinend durch die warme
Wit=
terungüber die Jahreszeit täuſchen ließ.
§ keſtgenommen. Ein 27 Jahre alter Taglöhner
aus Theilgen, welcher wegen Unterſchlagung
ſteckbriſlich verfolgt wird, iſt hier feſtgenommen worden.
-h Von der Bergſtraße, 30. Dez. Eine auffallende
Erſcheiung in dieſem Winter iſt das faſt vollſtändige
Fehln der kleinen Wintervögel. Meiſe, Fink und
Rotkehhen, deren wir in den letzten Jahren noch eine
ganz brächtliche Anzahl hatten, ſind in dieſem Winter
wenig ſorhanden. Die Raben dagegen ſind ſo zahlreich,
daß oftTauſende in einem Schwarm vereint ſind
Offtbach, 31. Dez. Die Sektion der in der
Pfuhl=
grube des Hauſes Goetheſtraße 64 vorgefundenen
Kindcleiche ergab, daß die Kindesmutter ſich
keiner=
lei ſtraßire Handlungen hat zu Schulden kommen laſſen,
da einwandfrei feſtgeſtellt werden konnte, daß das Kind
nach der Geburt nicht mehr gelebt hat.
Buchſchlag, 30. Dez. Ein unglückliches Ende
nahm eine Automobiltour, die der hier wohnhafte
Druckereibeſitzer und Verleger Andreas Joſef Keil
geſtern nachmittag mit ſeiner Familie nach Mannheim
machte. Auf der Rückfahrt geriet das Auto
wahrſchein=
lich infolge der ſchlecht funktionierenden Beleuchtung des
Wagens, in der gefährlichen S=Kurve bei Heppenheim
in den Straßengraben. Die Inſaſſen wurden
herausgeſchleudert und das Automobil ſtark
be=
ſchädigt. Da das Auto nur ein mäßiges Tempo fuhr
und das weiche Erdreich den Anprall milderte, ſo erlitt die
aus Vater, 3 Kindern und dem Kinderfräulein beſtehende
Fahrgeſellſchaft zwar erhebliche äußere, aber keine
lebens=
gefährlichen Verletzungen. Die Paſſanten kümmerten ſich
in keiner Weiſe um die Verunglückten. Erſt ein
vorüber=
gehender Handwerksburſche führte ſie nach dem nahen
Heppenheim. Dr. Serapi leiſtete ihnen hierbei die erſte
Hilfe. An der Unglücksſtelle hat erſt im vergangenen
Sommer ein Automobilunglück ein Menſchenleben
ge=
fordert.
Mainz, 31. Dez. Ein Schloſſer warf mit einem
Spazierſtock nach einem Knaben und traf ihn am
Kopf. Durch den Wurf wurde der Unterkiefer geſpalten,
auch die rechte Wange verletzt. Die Verletzungen
mach=
ten die Aufnahme des Jungen in das St. Rochushoſpital
notwendig. Der Täter kam in Haft.
Mainz, 31. Dez. Mit dem 1. Januar erfolgt die
Ein=
gemeindung des rechtsrheiniſch und am Main
ge=
egenen Ortes Koſtheim, der 8000 Einwohner hat. Damit
gehört das ganze rechtsrheiniſche Gebiet gegenüber Mainz:
Kaſtel, Amöneburg, Koſtheim, nun zu Mainz. An dem
Ufergelände ſoll eine Kolonie von Induſtrieanlagen
er=
ſtehen
Flonheim, 31. Dez. Die Firma Bley u. Balz, die
im Jahre 1898 die ehemaligen Steinbrüche der
Heſ=
ſiſchen Ludwigsbahn kaufte, hat ſich getrennt. Es
wur=
den nun dieſer Tage die Steinbrüche verſteigert, wobei
der größere neue Bruch in die Hände der Firma Balz
u. Co. für 70000 Mark überging, während der alte,
ſogen. Stationsbruch, von der Firma Bley für 25000
Mark erworben wurde. Seinerzeit wurden die
Stein=
brüche für etwa 60000 Mark übernommen.
Gießen, 31. Dez. Nach den vorläufigen
Reiſedis=
poſitionen des Kaiſers wird Kaiſer Wilhelm an der
vom 13.—15. Juni in Gießen ſtattfindenden
Zentenar=
feidr des Infanterie=Regiments „Kaiſer
Wilhelm” (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116 teilnehmen und
zu dieſem Behufe am Morgen des 14. Juni in Gießen
eintreffen, um am Abend desſelben Tages nach Potsdam
zurückzukehren.
* Gießen, 31. Dez. Der Geheime Juſtizrat Profeſſor
Dr. Schmidt hat einen Ruf nach Tübingen
er=
halten.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 31. Dez. Dem Grafen
Alexander v. Brandenſtein= Zeppelin der ſich
vor einigen Jahren mit der Tochter, dem einzigen Kinde
des Grafen Zeppelin vermählt hat, iſt der erſte Sohn
ge=
boren worden, deſſen Taufe jüngſt in Berlin ſtattgefunden
hat. Patenſtelle bei dem jungen Grafen, dem Erben des
Namens Zeppelin, hat der König von Württemberg
über=
nommen. Der Graf Alexander v. Brandenſtein=Zeppelin
iſt der jetzige Herr auf Schloß Brandenſtein in Heſſen=
Naſſau, dem Sitz der aus Württemberg ſtammenden alten
Adelsfamilie Brandenſtein. — Gegen den Hoteldieb
Loewy aus Wien fand heute die gerichtliche
Verhand=
lung ſtatt. Der Angeklagte hatte ſeiner Zeit in mehreren
Berliner Hotels fortgeſetzt Diebſtähle verübt. In einem
Falle fielen ihm allein für etwa 8000 Mark Juwelen in die
Hände. Bei ſeiner Feſtnahme bedrohte Loewy den ihn
verfolgenden Beamten mit einer Browningpiſtole, ſo daß
dieſer gezwungen war, von ſeiner Schußwaffe Gebrauch
zu machen, wobei ein Paſſant verletzt wurde. L. wurde
zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. — Der
Bank=
räuber Brun ing hat nach Feſtſtellungen der
Ham=
burger Polizei ſchon Mitte September bis Anfang
Okto=
ber in Hamburg unter dem Namen Kranich gewohnt. Der
richtige Kranich, der gleichzeitig mit Bruning verhaftet
worden iſt, wohnte ſeinerzeit ebenfalls in Hamburg.
Außerdem ſtellte die Polizei feſt, daß Kranich Ende
Sep=
tember mit einem Tierpräparator und mit einem früheren
Kapitän bei Hitzacker zur Jagd geweſen iſt. Der
Tierprä=
parator iſt unter dem Verdacht der Mitſchuld verhaftet
worden und wird heute nach Berlin gebracht.
München, 30. Dez. Eine heute nachmittag abgehaltene
Verſammlung der Milchproduzenten beſchloß, vom
1. Januar 1913 ab die Milchſperre über München
zu verhängen.
Bromberg, 31. Dez. Der Majoratsherr Witold von
Skorzewski wurde bei Labiſchin geſtern auf der
Treib=
jagd erſchoſſen. Es liegt ein Unfall vor.
Paris, 31. Dez. Auf Anordnung des Marineminiſters
wurden gegen 280 Arbeiter in dem Arſenal von Lorient,
die am Proteſtſtreik am 16. Dezember teilgenommen
hatten Disziplinarſtrafmaßnahmen getroffen.
Petersburg, 30. Dez. In der Vorſtadt Ochta
er=
folgte heute nachmittag in einer dort gelegenen
Spreng=
ſtoff=Fabrik aus unbekannter Urſache eine Exploſion
der Knallſubſtanz. Das Gebäude wurde teilweiſe
zer=
ſtört, drei Perſonen ſind getötet, neun ſchwer und 42 leicht
verletzt worden.
New=York, 30. Dez. Hunderttauſend
Gewand=
arbeiter, die zu den ſchlechteſt bezahlten Arbeitern der
Stadt gehören, ſind in den Ausſtand getreten,
um die Bewilligung höherer Löhne durchzuſetzen. Dabei
kam es, namentlich in dem Stadtteil Williamsburgh, zu
Unruhen.
Die Bergarbeiterbewegung
im Saarrevier.
* Saarbrücken, 30. Dez. Die heutige
Revier=
konferenz des Gewerkvereins chriſtlicher Bergarbeiter
hat nach faſt fünfſtündiger Beratung mit etwa
Zwei=
drittelmehrheit eine Reſolution angenommen, nach
der nicht in den Streik getreten werden ſoll,
ſondern ein vorübergehender Waffenſtillſtand
ab=
geſchloſſen wird. Eine zwölfgliederige Kommiſſion wurde
gewählt, die prüfen ſoll, inwieweit die verſprochenen
Zu=
geſtändniſſe der Bergwerksdirektion in der Lohnfrage und
bezüglich der Arbeitsordnung erfüllt werden. Der Bericht
der Kommiſſion dürfte in vier bis fünf Wochen zu
erwar=
ten ſein. Eine Revierkonferenz hätte alsdann über das
einzuſchlagende weitere Verhalten zu beſchließen. In der
heute von der Revierkonkerenz angenommenen Reſolution
heißt es, daß die Handhabungsmöglichkeiten der neuen
Arbeitsordnung, mit der die Arbeiter benachteiligt
wer=
den konnten, durch die jetzt vorliegende rechtsgültige
Aus=
legung beſeitigt ſind. Zur Lohnfrage ſagt die Reſolution,
daß in den Monaten Oktober, November und Dezember
nach den neueſten Nachweiſungen der Bergwerksdirektion
eine Erhöhung der Löhne bereits erfolgt ſei. In
weite=
ſter Form iſt ſodann eine Lohnſteigerung, die ſchon im
Januar bemerkbar ſein ſoll, zugeſagt worden. In einer
ſolchen Situation fehlt einem Ausſtand am 2. Januar
der ausreichende Anlaß.
Die Konferenz faßte daher folgenden Beſchluß: Es
tritt ein vorübergehender Waffenſtillſtand ein. Es wird
eine zwölfgliederige Kommiſſion eingeſetzt, die folgende
Aufgaben zu erfüllen hat: Material über die verſprochene
Lohnerhöhung zu verſchaffen, Ermittelungen über die
Lohnunterſchiede in einzelnen Inſpektionen
herbeizufüh=
ren, die wirklichen Urſachen zuſammenzuſtellen, die die
Rentabilität der Saargruben ungünſtig beeinfluſſen und
Abänderungsvorſchläge zu deren Beſeitigung
auszuarbei=
ten, feſtzuſtellen, ob mit Rückſicht auf die Verkürzung der
Schlepperzeit Gedingungserhöhungen vorgenommen
wer=
den, zu ermitteln, in welcher Weiſe die Entlohnung der
Unfallrentner durchgeführt iſt. Die Konferenz ſpricht die
Erwartung aus, daß Beſtimmungen getroffen werden
dahingehend, daß Abänderungen der Arbeitsordnung
mindeſtens vier Wochen vor Erlaß derſelben den
Arbei=
terausſchüſſen zugeſtellt werden und den
Arbeiteraus=
ſchüſſen Gelegenheit gegeben werde, ſolche Vorſchläge zu
beraten und Gegenvorſchläge zu machen. Die Konferenz,
fordert ſodann nochmals nachdrücklich die gänzliche Be=
Lebensgährtin aufs ſchwerſte gebeugt war, an einem
Herzleidn, wozu ſich als das weit ſchlimmere Uebel ein
allmähliſes Erlöſchen des Augenlichts geſellte.
Denjungen 21jährigen Manne, deſſen Rückkehr von
den Seim natürlich mir größter Freude begrüßt wurde,
fiel nun de ſchwere Aufgabe zu, die Stütze des Vaters
und des unzen Hauſes zu ſein und die große, in der
Stadt ud auf dem Lande ausgedehnte Praxis ſeines
Vaters zuübernehmen. Gern unterzog er ſich aber der
oft kaum ſ bewältigenden Arbeit mit ihren Sorgen und
Anſtrengugen in dem ſchönen und erhebenden
Bewußt=
ſein, dem eliebten Vater die letzten Jahre ſeines Lebens
zu erleichtn und zu verſüßen und hierin Troſt und
Zu=
friedenheitzu finden. Auf der anderen Seite war aber
auch die gßße praktiſche Tätigkeit unter erfahrenſter
Leit=
ung die beſ Schule für den jungen Arzt, die ihn, wie er
ſelbſt ſagtelbeſſer zum Praktikus gebildet hat, als ninn
er alle Läter und alle Hoſpitäler Europas durchreiſt
wäre‟
Hufelan lebte nun im Hauſe ein ruhiges, ſtilles
Familienleht mit dem Vater, vier Schweſtern und einem
Bruder, der2 Jahre jünger war als er. Das Leben
außer demHauſe, und dies war der größte Teil des
Tages, warſeſto geräuſchvoller und unruhiger für ihn.
Der tägliche ſtundenplan, den Huſeland auch für ſein
ſpä=
teres Leben mer nach Möglichkeit innegehalten hat, war
folgender: Gſtand im Sommer um halb 6, im Winter
um 6 Uhr f und widmete die erſten Morgenſtunden
ſtillem Nachnken und produktiven Arbeiten, denn nach
ſeiner Anſichtiſt der Geiſt früh am reinſten und
produk=
tivſten, am uſten ſich ſelbſt gleich, am wenigſten geſtört
und getrübt irch das Irdiſche, und daher reinerer und
höherer Eingungen fähig” — Wie recht er damit hat,
beweiſen ſeingahlreichen Werke, die ſämtlich in den
Mor=
genſtunden vo 6—8 Uhr entſtanden ſind; der einzigen
Zeit, welche eſchriftſtelleriſchen Arbeiten widmete. Von
9 Uhr früh bisbends 8 Uhr war der Tag ausgefüllt mit
praktiſchen, ſpär akademiſchen Geſchäften, und nur die
ſpäteren Abenunden gehörten dem häuslichen
Familien=
kreiſe.
Die Ausüng der Praxis war recht beſchwerlich.
Weimar war zklein, um ſie mit Fuhrwerk zu
abſolvie=
ren, aber doch dß genug, um ſich tüchtig müde zu laufen.
Dazu kamen dicahlreichen Beſuche über Land, die
Hufe=
land zu Pferdeder im Wagen auf meiſt abſcheulichen
Wegen, die im ſinter und im Frühjahr bei Tauwetter
oft geradezu lebßgefährlich waren, vier bis fünf Meilen
in der Runde uhen mußte. Wenn er dann müde und
zerſchlagen von em ſolchen Ritt oder einer ſolchen Fahrt
über Land glücklich nach Hauſe zurückgekehrt war, mußte
er nach der ärztlichen Tätigkeit auch noch den Apotheker
ſpielen, denn damals war es noch allgemein herrſchende
Sitte, daß der Arzt die Arzneien ſelbſt bereitete.
Außer=
dem waren noch die Krankenbücher zu führen, in welche
die täglich verabreichten Medikamente eingetragen werden
mußten. Hufelland lobt dieſes Selbſtdispenſieren” der
alten Aerzte, da einerſeits dem Arzte bei der Zubereitung
der Arzneien noch manch glücklicher Gedanke kam,
anderer=
ſeits der Kranke die Medizin direkt aus der Hand des
Arztes lieber nahm und ſo die Suggeſtion wohltuend
mitwirkte.
Bei dieſem angeſtrengten Leben kam Hufeland wenig
oder gar nicht zum Genuſſe deſſen, was man gemeiniglich
die Freuden des Lebens nennt. Seine einzige Erholung
und Aufheiterung waren außer den ſtillen häuslichen
Stunden mit dem Vater und den Geſchwiſtern die
Be=
ſchäftigung mit der Wiſſenſchaft und der Umgang mit
eini=
gen Freunden, zu denen Goethe, Schiller, Wieland und
Herder gehörten, denen er auch ärztlicher Berater war.
Angeregt durch dieſen Verkehr entwickelte ſich bei
Hufe=
land die Liebe zur Schriftſtellerei, die ſchon immer in ihm
gekeimt hatte, zur Tat. Eine bösartige Pockenepidemie
in Weimar gab ihm Veranlaſſung zur Veröffentlichung
ſeines erſten Buches „Ueber die Ausrottung der
Pocken” das er 1787 bei Goeſchen in Leipzig erſcheinen
ließ und wofür er einen Louisd’or für den Bogen erhielt.
Hufeland hatte die Genugtuung, daß die von ihm
aufge=
ſtellten Grundſätze allgemeine Anerkennung fanden und
aufs vorteilhafteſte rezenſiert wurden. Nach dieſer erſten
Arbeit wandte er ſein Intereſſe einem anderen Gegenſtand
zu, nämlich der Sorge für die Scheintoten und verfaßte
eine Abhandlung „Ueber die Ungewißheit des
Todes” die allgemeine Bewegung und Teilnahme
her=
vorrief und die Errichtung eines Leichenhauſes in Weimar
zur Folge hatte.
Schon damals entſtanden auch die Anfänge von
Hufe=
lands bekannteſtem und verbreiteſtem Werke, der „
Ma=
krobiotik oder der Kunſt, das menſchliche
Leben zu verlängern‟. Es iſt vielleicht am Platze,
hier einige Worte über Hufelands Stil zu ſagen, der ſich
durch Klarheit und Beſtimmtheit des Ausdrucks in allen
ſeinen Werken gleichmäßig auszeichnet. Hufeland ſelbſt
führt dieſe Fertigkeit darauf zurück daß er zunächſt
be=
ſtändig beſtrebt war, ſich vor allen Dingen in ſeiner Seele
klare und beſtimmte Begriffe zu bilden, ſodann auf das
Studium der römiſchen Autoren, und beſonders Ciceros.
Er ſieht einen Hauptvorzug der lateiniſchen Sprache
darin, daß ſie nötigt, beſtimmt, kurz und energiſch zu den=
ken und auch den Gedanken in dieſer Weiſe auszudrücken.
Als dritten Faktor führt er die Beſchäftigung mit der
klaſſiſchen franzöſiſchen Literatur an, die viel dazu
beige=
tragen habe, dem Stil Geſchmeidigkeit” zu geben. — Vor
allem war aber wohl mitbeſtimmend ſeine ideale
Auf=
faſſung von der Schriftſtellerei überhaupt, in der er
„etwas Hohes und Heiliges ſah, das nicht dem Intereſſe
des Tages und der Mode folgend nur zur Gegenwart,
ſondern auch zur Nachwelt ſprechen ſollte.” — Der im
Frühjahr 1787 erfolgte Tod ſeines Vaters bedeutete für
Hufeland einen Abſchnitt in ſeinem Leben. Die ganze
Verantwortung der Praris und der Familie gegenüber
laſtete nun auf ihm. Zwar hatten die Geſchwiſter
be=
ſchloſſen, einig im väterlichen Hauſe fortzuleben, aber
Hufeland ſah doch ein, daß es jetzt Zeit für ihn ſei, ans
Heiraten zu denken. Der Zufall, oder richtiger das Glück,
kam ihm zu Hilfe! Bei einer befreundeten Familie lernte
er ein liebenswürdiges natürliches junges Mädchen
hei=
teren Gemütes kennen, dem er ſein Herz ſchenkte, und das
er im November 1787 als ſeine Gattin heimführte.
An ihrer Seite lebte Hufeland nun ein zufriedenes
ruhiges Leben, ſtets bemüht, „jeden Tag gehörig
anzu=
wenden” und ſeine Pflicht als Arzt zu tun, den Worten
entſprechend, die er damals in ſein mediziniſches
Tage=
buch ſchrieb:
„Der Menſchen Leiden zu verſüßen,
Das höchſte Glück ganz zu genießen,
Ein Helfer, Tröſter hier zu ſein,
Dies Gott, laß mich bei allen Sorgen,
Bei Tages Laſt, an jedem ſchwülen Morgen,
Gerührt empfinden, ganz mich weih’n,
Zu helfen, zu tröſten, zu erfreun!”
Im Jahre 1792 trat ein Ereignis ein, das für
Hufe=
lands Zukunft, ja für ſein ganzes ferneres Leben von
Be=
deutung ſein ſollte.
Auf einer Geſellſchaft bei Goethe bei der auch der
Herzog anweſend war, las Hufeland ein Fragment über
das organiſche Leben, das ſeinen Arbeiten über „Die
Kunſt, das menſchliche Leben zu verlängern” entnommen
war, vor und erntete hierfür den lebhafteſten Beifall des
Herzogs, der zu Goethe äußerte: Der Hufeland ſcheint
mir zum Profeſſor zu paſſen‟ Die Folge war, daß
Hufe=
land einen Ruf an die Univerſität Jena erhielt,
dem er mit Freuden nachkam, da er im Innern Neigung
und Anlage zu einem Lehramt verſpürte.
Im Jahre 1793 erfolgte die Ueberſiedelung nach
(Schluß folgt.)
Jena.
ſeitigung der veralteten Strafe der Ablegung, eine
bal=
dige Erhöhung der Hauerſchichtlöhne und Vermeidung
allzu großer Lohnunterſchiede bei den Gedingungslöhnen,
ſowie Erhöhung der Löhne der Tagesarbeiter und
an=
derer Schichtlöhnertruppen, die eine Lohnerhöhung noch
nicht erhalten haben. Die Reſolution mahnt ſodann zur
ſtrengſten Disziplin und Einigkeit während des
Waffen=
ſtillſtandes.
Eiſenbahnunglück.
* München, 30. Dez. Auf der Station
Bruck=
berg bei Moosburg ereignete ſich heute abend ein
ſchwe=
rer Eiſenbahnunfall. Der Perſonenzug 1016,
der um 6 Uhr 17 Min. von Landshut nach München
ab=
geht, wurde auf der Station Bruckberg zurückgehalten, um
den Berlliner Luxuszug, der auf der Fahrt nach
München Landshut um 6 Uhr 25 Min. verließ, paſſieren
zu laſſen. Mehrere Paſſagiere des Perſonenzugs ſtiegen
vorzeitig aus und wurden von dem paſſierenden
Schnell=
zuge erfaßt. Drei Perſonen wurden getötet, eine
ſchwer verletzt. Unter den Toten ſoll ſich eine
Reſtaura=
teursgattin und ihre 12jährige Tochter aus Bruckberg
befinden. Ueber die Perſonalien der beiden anderen
Ver=
unglückten iſt nichts ſicheres bekannt.
* München, 31. Dez. (Amtlich.) Der bei dem
ge=
ſtrigen Eiſenbahnunglück bei Bruckberg
ſchwer=
verletzte Schuhmachermeiſter Selmaier iſt geſtorben. Das
Unglück hat ſomit 4 Opfer gefordert.
Erdbeben.
* Stuttgart, 31. Dez. Hier und auf der
ſchwäbi=
ſchen Alb iſt heute abend um 6¾ Uhr ein leichter Erdſtoß
verſpürt worden.
Luftfahrt.
* Mülhauſen (Elſaß), 1. Jan. Geſtern nachmit
tag 4 Uhr 16 Minuten ſtieg der Flieger Faller auf
Aviatic=Doppeldecker mit vier Paſſagieren vom
Habsheimer Flugplatz auf und landete nach einem Fluge
von 1 Stunde 18 Minuten um 5.34 Uhr wegen der ſtark
vorgeſchrittenen Dunkelheit. Faller hat damit den von
Abramowitſch in Petersburg aufgeſtellten Weltrekord
geſchlagen. Sein Bezin= und Oelvorratt hätte auf
drei Stunden Flugdauer ausgereicht.
Reichstheatergeſetz und
Bühnengenoſſenſchaft.
* Berlin, 31. Dez. Aus dem Bureau der
Büh=
nengenoſſenſchaft wird geſchrieben: Der
neuge=
wählte Zentralausſchuß hat den Standpunkt der
Bühnen=
genoſſenſchaft zum Reichstheatergeſetzentwurf feſtgelegt.
Der Schwerpunkt des Geſetzes liegt für die Genoſſenſchaft
in der Kündigungs= und in der
Toiletten=
frage. Wichtig für die Kündigung iſt namentlich der
§ 13, der in der Faſſung des Entwurfs lautet: „Wird eine
Kündigungsfriſt vereinbart, ſo muß ſie für beide Teile
gleich ſein.‟ Nach Anſicht der Genoſſenſchaft muß dieſer
Paragraph eine Faſſung erhalten, der die „Parität
des Kündigungsrechtes” unzweifelhaft zur
Gel=
tung bringt. Aus demſelben Grunde werden die
Ver=
treter der Genoſſenſchaft mit dem Nachdruck darauf
be=
ſtehen, daß auch bei mehrjährigen Verträgen beiden
Tei=
len das Kündigungsrecht zuſteht und nicht nur einſeitig
dem Unternehmer, wie der § 23 es will. Die
Genoſſen=
ſchaft folgt dabei den Forderungen, die neuerdings wieder
aus allen Kreiſen der Bühnenangeſtellten an ſie ergangen
ſind. Die Genoſſenſchaft kann auch nicht dem Verlangen
zuſtimmen, daß Bühnenangeſtellte mit mehrjährigen
Ver=
trägen in der zwiſchen den Spielzeiten liegenden Zeit in
ihrer Tätigkeit beſchränkt werden dürfen, ſofern ſie in
die=
ſer Zeit vom Unternehmer nicht entſchädigt werden. In
der Toilettenfrage ſteht die Genoſſenſchaft auf dem
Standpunkt, daß der Bühnenunternehmer den Mitgliedern
alle Kleidungsſtücke zu liefern hat, mit Ausnahme
der=
jenigen, die ausſchließlich zum perſönlichen Privatgebrauch
des Mitgliedes dienen. Die Faſſung des
Regierungsent=
vurfs erſcheint hier zu unklar und kann leicht zu
Mißdeu=
tungen führen. Ferner wünſcht die Genoſſenſchaft auch,
die Volontärfrage im Geſetz berückſichtigt zu finden.
Sie ſchlägt vor, daß Volontäre an Theatern nur
ange=
nommen werden dürfen, wenn das darſtellende Perſonal
in allen Fächern vollbeſetzt iſt. Ferner wird die
Bühnen=
genoſſenſchaft die Forderung erheben, daß in Zukunft auch
die von dem konzeſſionierten Unternehmer in Ausſicht
ge=
nommenen Stellvertreter denſelben geſetzlichen
Vorſchrif=
ten genügen müſſen, wie die Konzeſſionäre ſelbſt. Als
ein äußerſt wichtiger Punkt gilt der Genoſſenſchaft die
Be=
ſeitigung der Vorprobentage, die bisher nur
teil=
weiſe oder gar nicht bezahlt worden ſind. Die
Bühnen=
genoſſenſchaft vertritt hier die Anſicht, daß die
Verpflich=
tung zur vollen Gehaltszahlung für den Unternehmer mit
dem Anfang der Tätigkeit des engagierten Mitgliedes
beginnt.
Staatsſekretär von Kiderlen=
Waechter 7.
* Die Schweſter des verſtorbenen Staatsſekretärs
von Kiderlen=Waechter, Freifrau von Gemmingen=
Gutten=
berg in Stuttgart, hat eine große Anzahl von
Bei=
leidstelegrammen erhalten, darunter ein ſolches
von dem König und der Königin von
Württem=
berg. Dieſes hat ſolgenden Wortlaut: „Tieferſchüttert
durch den ſchweren Schlag, der Sie betroffen, ſprechen wir
Ihnen unſere herzlichſte, innigſte Teilnahme aus.
Char=
lotte, Wilhelm.‟ Ein Beileidstelegramm des
Reichs=
kanzlers lautet: „Die Nachricht von dem plötzlichen
Hinſcheiden Ihres Herrn Bruders hat mich tief
erſchüt=
tert und ich bitte Sie, verehrte, gnädige Frau, meines
aufrichtigen und herzlichen Beileids verſichert zu ſein.
Mitten aus der Arbeit, die ihm das Element ſeines
Lebens war, iſt Ihr Bruder abberufen worden, und die
hohen Verdienſte, die er ſich um das Vaterland erworben
hat, laſſen die geſamte Reichsregierung und mich
perſön=
lich ſeinen Tod als einen großen und ſchwer zu
verwin=
denden Verluſt tief beklagen. Gott der Herr wolle Ihnen
in Ihrer Trauer mit ſeinem Troſt nahe ſein. von
Beth=
mann Hollweg.‟ Der bayeriſche Miniſterpräſident
Frei=
herr von Hertling telegraphierte: „Zu dem tiefen
ſchmerzlichen Verluſt, den Sie, ſehr geehrte Frau
Baro=
nin, und mit Ihnen ganz Deutſchland durch den Hintritt
Ihres Herrn Bruders erlitten haben, bitte ich Sie, den
Ausdruck meiner aufrichtigſten Teilnahme
entgegenzu=
nehmen. Hertling.‟ Der Kabinettsdirektor des
Kai=
ſers von Oeſterreich ſandte folgende Depeſche:
„Seine Kaiſerliche und Königliche Apoſtoliſche Majeſtät
haben mit tiefem Bedauern die Nachricht von dem Ableben
des Herrn Staatsſekretär von Kiderlen=Waechter
erhal=
ten und laſſen Euer Hochwohlgeboren zu dieſem
ſchmerz=
lichen Verluſte Allerhöchſt Ihr aufrichtiges Beileid
aus=
drücken. In allerhöchſtem Auftrag: Kabinettsdirektor
Freiherr von Schüſſel.”
Weiter ſind Beileidstelegramme von faſt allen
deut=
ſchen Fürſten und allen Regierungen der europäiſchen
Staaten eingetroffen.
Sämtliche größeren Zeitungen des In= und
Auslan=
des haben dem Verſtorbenen ehrende Nachrufe gewidmet.
* Berlin, 1. Jan. Das Kaiſerpaar
beauf=
tragte den Reichskanzler mit ſeiner Vertretung bei der
Bei=
ſetzung des Staatsſekretärs von Kiderlen=Waechter. Der
Reichskanzler begibt ſich heute abend nach Stuttgart.
— Der Präſident des Reichstags, Dr. Kaempf,
hat anläßlich des Hinſcheidens des Staatsſekretärs des
Auswärtigen Amts, v. Kiderlen=Waechter, der Schweſter
des Verſtorbenen, Freifrau v. Gemmingen=Guttenberg, die
herzlichſte Anteilnahme des Reichstags ausgeſprochen und
den Direktor des Reichstags, Geheimrat Jungheim,
beauf=
tragt, am Sarge einen Kranz niederzulegen.
* Berlin, 1. Jan. Der italieniſche Botſchafter
Panſa reiſt heute abend nach Stuttgart zur
Teil=
nahme an den Beiſetzungsfeierlichkeiten ab.
Stuttgart, 1. Jan. Marcheſe di San Giuliano
ließ einen Kranz am Sarge des Staatsſekretärs
v. Kiderlen=Waechter niederlegen.
Perſönliche Erinnerungen an A. von Kiderlen=
Waechter.
Von Paul Lindenber g.
achdruck verboten.)
* Berlin, den 30. Dezember.
Nichts von Politik in dieſen Zeilen, die nur einige
Züge zu dem perſönlichen Bildnis des verſtorbenen
Diplo=
maten geben ſollen, deſſen ſo unerwarteter, plötzlicher Tod
hier einen tiefen Eindruck gemacht. Gerade die
Perſönlich=
keit des Vielgenannten iſt ja verhältnismäßig nur wenigen
bekannt geworden, denn der verſtorbene Staatsſekretär
liebte es nicht, in die große Oeffentlichkeit hinauszutreten,
wie er auch nicht viel hielt von der augenblicklichen
Volks=
tümlichkeit — zu gut wußte er, wie ſchwankend dieſelbe iſt.
Ein gut Teil „Wurſchtigkeit” derartigen Dingen gegenüber
hatte er von ſeinem großen Meiſter Bismarck gelernt, aus
deſſen Schule er noch hervorgegangen und von dem er in
kleinem Freundeskreiſe ſo manch' Charakteriſtiſches
er=
zählte, allerhand Einzelheiten, die ein helles und
bezeich=
nendes Licht auf das Familienleben des Gewaltigen
warfen. Wie in der großen Welt der politiſchen Intriguen
die gewiegteſten Staatsmänner, ſo ſuchte Bismarck in der
kleinen ſeiner Häuslichkeit die Seinen zu überliſten,
beſon=
ders wenn es ſich um den verbotenen guten Trunk oder
um ein nicht minder ſtreng verbotenes Lieblingsgericht
handelte. Und er blieb auch da Sieger!
Wie oft baten wir den im gemütlichen ſchwäbiſchen
Dialekt Erzählenden, doch dieſe und andere Erinnerungen
an Bismarck aufzuzeichnen; er verſprach es auch mit einem:
Wenn ich ’mal Zeit hab’!“ — aber die Muße dazu dürffe
ſich leider nicht gefunden haben. Als Erzähler war
Kidar=
len glänzend; er verfügte über einen trockenen Humor, üher
ſcharfe Satire, bei ſeiner genauen Menſchenkenntnis wußte
er die Schwächen der Betreffenden gleich herauszufinden
und in witziger, aber nie verletzender Weiſe zu beleuchtn.
Wie ihn auch ſeine eigenen Karikaturen in den
Witzbät=
tern nie verdroſſen machten; er zeigte ſie an den erwähiten
Abenden herum und freute ſich, wenn ſie „getroffen” haten,
und dies „treffen” bezog ſich nicht bloß auf
Porträtährlich=
keit. In kleinem Kreiſe gab ſich von Kiderlen in ſiner
ruhig=liebenswürdigen und freundſchaftlichen Weiſe, die
ihm die Herzen gewann. Er kannte keinen Unterſchid in
der Aufnahme und Behandlung ſeiner Gäſte, ob dieſr ein
Fürſt war, ein hochgeſtellter Staatsbeamter, ob ein jnger
Attaché oder Offizier, ob ein Künſtler oder Schriftteller.
Alle empfanden warm ſeine ſo gern gewährte Gaſtichkeit
und ſein offenes Vertrauen, das ſich auch in der Erörerung
und Behandlung ſchwebender wichtiger Tagesfragenzeigte.
Wie viele unvergeßliche Stunden durfte der
Schrei=
ber dieſes mit dem Verſtorbenen in Bukareſt und Sinaia
verleben, während der zehnjährigen Geſandtenzit auf
rumäniſchem Boden. Und wie oft konnte ich d aus
nächſter Nähe beobachten, mit welcher Hingebung ſch Herr
von Kiderlen der Deutſchen und der deutſchen Itereſſen
annahm und wie geſchickt er dies durchführte, veniger
oft auf amtlichem Wege, als durch den Einfluß ſeiner
Perſönlichkeit, durch direkte Verhandlungen mitden
lei=
tenden rumäniſchen Männern. Letztere reſpektieten ihn
in hohem Grade und wußten ſeine Energie, ſeinKönnen
und Wollen richtig einzuſchätzen; ſo freundlich un jovial
Herr von Kiderlen auch in perſönlichem Verkehrwar ſo
ſtreng ſachlich und entſchieden war er bei der
Drchführ=
ung amtlicher Angelegenheiten und ließ ſich nierals ein
F für ein U vormachen. Aber gerade dadurch gevann er
ſich die hohe Achtung der Rumänen, die ihn ungrn
ſchei=
den ſahen, da ſie ihn als wahren Freund kenner gelernt,
der viel zu der politiſchen wie wirtſchaftlichen innäher=
Feuilleton.
Gute Ausſichten auf eine Einheitsſtenographie. In
den Tagen vom 16. bis 18. Dezember fand im
Kultusmini=
ſterium in Berlin unter dem Vorſitz des Geheimen
Ober=
regierungsrats Graeber und des Provinzialſchulrats Tiebe
eine neue Sitzung des ſogenannten 23er=Ausſchuſſes ſtatt.
Es wurde eine große Anzahl Beſchlüſſe gefaßt, von denen
die meiſten ſich mit techniſchen Einzelheiten befaſſen,
wäh=
rend als Ziel des Einheitsſyſtems feſtgeſtellt wurde, daß
deſſen Verkehrsſchrift (Schulſchrift) den Bedürfniſſen des
privaten, geſchäftlichen und behördlichen Verkehrs
ge=
nügen und das Nachſchreiben mäßig ſchneller Diktate
ge=
ſtatten ſoll; ſie muß bei zuverläſſiger Deutlichkeit ſo kurz
ſein, daß ſie einem Stenographen von durchſchnittlicher
Begabung ermöglicht, mindeſtens 150 Silben in der
Mi=
nute zu leiſten, ſie muß zugleich ſo einfach ſein, daß ſich
bei regelmäßigem Unterricht in ſchulmäßigen Kurſen
binnen Jahresfriſt 90 Silben in ihr erreichen laſſen. An
der Sitzung nahmen ſämtliche Vertreter der neun
beteilig=
ten Schulen tätigen Anteil, und der erfreuliche Erfolg hat
denjenigen Recht gegeben, die ſchon immer die Meinung
äußerten, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer
Einheitsſtenographie ſtärker ſein werde als der
Wider=
ſtand, der aus Furcht für den Weiterbeſtand des eigenen
Syſtems noch in letzter Zeit von verſchiedenen Seiten dem
Gedanken entgegengebracht wurde.
* Neue ruſſiſche Briefmarken. Mit dem Jahre 1913
werden in Rußland neue Briefmarken in Umlauf geſetzt,
auf denen die Porträts des Zaren und einiger Herrſcher
des Kaiſerhauſes, ſowie auch Anſichten hiſtoriſcher Bauten
abgebildet ſind. Die gegenwärtig im Kurs befindlichen
Briefmarken und Poſtwertzeichen der letzten Emiſſionen
von 1907 und 1908 werden gleichfalls noch zum Verkauf
gelangen, und zwar bis zur vollſtändigen Erſchöpfung des
vorhandenen Vorrats.
In welcher Zeit möchten Sie als ſchöne Frau
gelebt haben? Dieſe Frage, über die ſchon ſo manche
Dame nachgedacht hat, macht die franzöſiſche Zeitſchrift
La vie Heureuſe zum Gegenſtand einer Umfrage die
ſie einigen der bedeutendſten und eleganteſten
Schau=
ſpielerinnen Frankreichs vorgelegt hat. Das
Reſul=
tat war überraſchend: faſt alle dieſe Frauen, die durch
ihren Beruf gewöhnt ſind, in die Stimmungen und
Ge=
wänder ſo vieler Zeitalter zu ſchlüpfen, entſchieden ſich für
die Antike. Da nun einmal für die Frau eine
geſchicht=
liche Epoche mit der Mode, die in ihr getragen wurden,
zuſammenfällt, ſo gaben ſie dem griechiſchen Koſtüm den
Vorrang. Die berühmte Tragödin der Comédie Frangaiſe
Mlle. Sorel die die majeſtätiſchen Röcke im Stil
Lud=
wigs XIV. in den Dramen Corneilles und Racines ſo
trefflich zu tragen weiß, fühlt ſich doch nicht wohl in die=
ſen pompöſen Roben. Griechenland allein” ſo
ant=
wortete ſie, „hat den wahren Kult der Schönheit gehabt.
Dort betete man jene göttliche Harmonie des Körpers an,
die unſere Toiletten vernichten. Hüllen wir uns alſo in
die langen graziöſen Draperien mit ihrem weichen und
zarten Faltenwurf, deren Einfachheit die Anmut der Frau
erklärt.” Aehnlich äußerten ſich Mlle. Prevoſt, Mlle.
Monna Delza und andere bekannte Sterne der Pariſer
Bühnen. Ihr Traum und ihre Sehnſucht liegt im alten
Hellas; dort allein finden ſie die Moden wieder, die
Har=
monie der Linien, einfache Anmut und Freiheit der
Be=
wegungen gewährt. Eine Schauſpielerin, Mlle.
Made=
leine Carlier, ging mit ihren Wünſchen nicht bis ins
Altertum zurück, ſondern erklärte für ihre Lieblingsepoche
die Zeit des Directoire. Aber es iſt bezeichnend, daß ſie
damit einem Koſtüm die Palme verlieh, das eine
Nach=
ahmung des antiken Kleides darſtellt. Phantaſtiſchere
Märchenflüge ſchlägt nur eine einzige der antwortenden
Damen ein; Mlle. Renouardt ſehnt ſich zurück nach der
Welt der Scheherezade, nach den Wundern von Tauſend
und einer Nacht. Sie möchte eine Perſerin ſein unter
Harun al Raſchid und perſiſche Kleidung tragen. Aber
was entzückt die Schauſpielerin ſo an dieſem Koſtüm des
Orients? „Ich finde die perſiſche Kleidung ſo ideal”
er=
klärte ſie, „weil ſie ganz einfach iſt, weil ſie dem Körper
ſeine natürlichen Linien läßt und den Gliedern ihre
Frei=
heit geſtattet.” Was an dieſen Neujahrshoffnungen der
Pariſer Modedamen intereſſant iſt, das iſt die immer
ſtärker hervortretende Tendenz zur Einfachheit, zur weiten
fließenden Form des Gewandes, in dem die Frau nicht
ein Kunſtwerk von Gnaden ihrer Schneiderin iſt, ſondern
dem ſie ſelbſt durch den Rhythmus ihres Weſens Geſtalt
und Form verleiht. Mehr und mehr ſtrebt man heraus
aus dem engen Panzer der Konvention, in den die Mode
die Frau immer wieder einſchließt. Man ſehnt ſich nach
der leichten frühlingshaften Grazie, in die die Antike die
Schönen hüllte. Wenn freilich mit den Wünſchen dieſer
Damen Ernſt gemacht würde, wenn ihre Sehnſucht nach
der Vergangenheit durch irgend ein Zauberwort ſich
er=
füllte, dann würde es ihnen vielleicht gehen wie dem
Helden des Anderſenſchen Märchens von den Galoſchen
des Glücks, den das erlebte Ideal der Vergangenheit mit
Schaudern und Entſetzen erfüllte .
Kiderlen=Wächter und ſeine Bulldogge. In den
Tagen, da Kiderlen mit Cambon jene von ganz Europa
mit Spannung beobachteten Verhandlungen über das
Ma=
rokko=Abkommen führte, erzählten die Annalen von dem
ſoeben verſtorbenen Staatsſekretär zwei hübſche
Geſchich=
ten, in denen ſeine Bulldogge eine Rolle ſpielt. Als
Ki=
derlen ſeinen Poſten in Peſt verließ, um während des
Ur=
laubs von Marſchall die Geſchäftsführung der deutſchen
Geſandtſchaft in Konſtantinopel zu übernehmen, machte
dieſe Bulldogge des Herrn v. Kiderlen, von der er ſich
nie trennte, von ſich reden. Damals beſuchte r ſeinen
öſterreichiſch=ungariſchen Kollegen, den Grafen
Palla=
vieini. Im Vorzimmer traf er einen Freund der ihn
einige Augenblicke zurückhielt, während die Ti zu dem
Arbeitszimmer des Grafen ſchon geöffnet ſtan. Dieſen
Moment benutzte die Bulldogge, um bei dem Seſandten
einzutreten. Pallavicini, faſt blind und ein wnig taub,
hört ein Geräuſch auf dem Teppich und glaub der
Ver=
treter Deutſchlands ſei bei ihm im Zimmer. „(uten Tag,
mein teurer Kiderlen” ruft er ihm zu, „habe Sie gute
Nachrichten aus Berlin?” Keine Antwort. Shr erſtaunt
wiederholt er ſeine Frage, aber er hört nur
einchnuppern=
des, kratzendes Geräuſch. Da tritt der wirklie Kiderlen
ein. Er lachte laut bei dem Gedanken, daß nan ſeinen
Hund für ihn gehalten hatte, und meinte dan
nachdenk=
lich: „Uebrigens wäre meine Bulldogge ein
ausgezeich=
neter Geſandter, beſonders in Konſtantinope wo es ſich
noch mehr ums Beißen, als ums Bellen hadelt.” Als
er ſpäter zum Miniſter ernannt wurde und ch dem
Kai=
ſer, der ſich damals in Kiel auf ſeiner Jacht „ohenzollern”
befand, vorſtellen ſollte, ließ er anfragen, b er in
Be=
gleitung ſeines Hundes an Bord kommendürfte. „Es
würde mir ſehr ſchwer werden, mich vonihm zu
tren=
nen” ſo motivierte er ſein ſeltſames Geſuch Der Kaiſer,
der Originale durchaus nicht ungern hat, amüſierte
über dieſe Bitte und erlaubte ihm, denHund
mitzu=
bringen.
O Die gelbe Weſte des Staatsſekretrs. In den
ſtürmiſchen Novembertagen, als der Reictag über die
Daily Telegraph=Affäre debattierte, ergriffon
Kider=
len-Wächter das Wort, um die Angriff auf das
Aus=
wärtige Amt mit einer ſtatiſtiſchen Aufzhlung der
be=
arbeiteten Aktennummern zu entkräftigen. Er wollte
da=
mit der Oppoſition gewiſſermaßen einen egriff von dem
Umfange der Amtsgeſchäfte geben. Mi dieſem etwas
ungewöhnlichen Verfahren hatte er aber icht den
erwar=
teten Erfolg. Unglücklicherweiſe trug er i dem kritiſchen
Tage eine von weitem gelb ausſehende Veſte. Und bei
dem Anblick dieſes Kleidungsſtücks wichin allen Teilen
des Hauſes die Konfliktsſtimmung einer nhaltenden
Hei=
terkeit, ſodaß der damals ſtellvertreten Staatsſekretär
ein volles Fiasko im Hauſe wie in derbreſſe erlitt.
Ver=
geblich ließ er ſpäter die Welt wiſſengene „hiſtoriſche‟
Weſte ſei grau=grün und gar nicht gelb eweſen. Und das
Luſtigſte dabei war, daß Kiderlen nochtie Wert auf
ele=
gante und aparte Kleidung gelegt hatt Trotzdem blieb
er für längere Zeit der „Mann mit r gelben Weſte‟.
Das hat ſeiner weiteren Karriere freih nichts geſchadet
und auch der Reichstag hat ſich ſpäter tran gewöhnt, den
Staatsſekretär ernſt zu nehmen. Ein irklich erfolgreicher
Redner iſt er freilich auch dann nicht worden.
ung Rumäniens an Oeſterreich und Deutſchland
beige=
tragen.
Das innere Weſen des Verſtorbenen lernte ich aber
doch erſt ſo recht kennen bei unſeren gemeinſamen
ſtun=
denlangen Wanderungen inmitten der herrlichen
Gebirgs=
welt nahe Sinaia. Um die ſiebente Morgenſtunde ging
es los, höher und höher in die erhabene Waldeinſamkeit
hinein, bis wir in der hochgelegenen Meierei Carmen
Sylvas Raſt machten und uns das mitgenommene
But=
terbrot zu einem Glaſe Milch munden ließen. Mit
tief=
ſter Innerlichkeit hatte Herr von Kiderlen die Natur
er=
faßt, ihre Schönheiten und Wunder mit offener Seele
empfindend und ſich ihnen ganz hingebend, mit friſcher
Fröhlichkeit den Wanderſtab ſchwingend und am
hur=
tigen Peleſch=Bache niederkniend, um in dem von Wind
und Wetter mitgenommenen weichen Jagdhute einen
küh=
len Trank zu ſchöpfen. Sobald es aber knickte und
kna=
ſterte im Gehölz oder ſich der Ruf eines ſelteneren Vogels
vernehmen ließ, dann erwachte ſofort der Weidmann, der
mit jugendlicher Behendigkeit von Baum zu Baum huſchte,
um ſeine Beobachtungen anzuſtellen. Wenn wir mittags
zurückkehrten, dann hieß es: „Auf Wiederſehen am Abend
— bis dahin gibt’s noch eine Portion Aktenſtaub zu
ver=
dauen, aber ſtatt Peleſchwaſſers wollen wir dann
Rhein=
wein zum fortſpülen nehmen!“
An Aktenſtaub fehlte es nicht in Berlin, in der
ver=
antwortlichen und aufreibenden Stellung, die auch ſo viele
geſellige Verpflichtungen mit ſich brachte. Während wir
nach dem um ein Uhr eingenommenen Frühſtück beim
Kaffee und der Zigarre im palmengeſchmückten
Winter=
garten der Staatsſekretärs=Villa, zu der die Bäume des
Tiergartens hinüberrauſchen, ſaßen, tauchten ſchon die
roten Aktenmappen auf und mußten einer Durchſicht
unter=
zogen werden. Aber trotz dringender Arbeit und
viel=
ſeitiger Verpflichtungen bewies Herr von Kiderlen den
alten Freunden die alte Freundſchaft und wußte für ſie
Zeit zu finden. So auch am letzten 7. Dezember, an
wel=
chem er, als Pate, der Taufe meines zweiten Söhnchens
in unſerem Heim beiwohnte. Nichts wies auf die
töd=
liche Krankheit hin und zuverſichtlich ſagte der
willkom=
mene Gaſt beim Abſchied: „Gleich nach dem Feſt, das ich
bei meiner Schweſter in Stuttgart verbringe, hoffe ich Sie
mit Ihrer Gattin gemütlich bei mir zu ſehen!”
Und heue läuten die Totenglocken! Ihr Hall wird
vergehen, aber nimmer die Erinnerung an den Toten bei
all’ Jenen, die ihm im Leben nahe geſtanden!
Der Balkankrieg.
Zur Lage.
* Wien, 30. Dez. Das Herrenhaus nahm das
Budgetproviſorium an. Im Laufe der Debatte ſprach
Bärenreither den Wunſch aus, daß die Londoner
Konferenz definitive Ordnung am Balkan ſchaffe. Die
Hoffnung auf eine friedliche Löſung der
be=
ſtehenden Schwierigkeiten werde dadurch
ge=
ſtärkt, daß England und Deutſchland ſich in dem
Wunſche begegneten, den Frieden zu erhalten. Der
Red=
ner drückte ſein tiefes Bedauern über die Nachricht von
dem Ableben des Staatsſekretärs von Kiderlen=Waechter
aus, welchem ein großes Verdienſt nicht nur an dem
treuen und loyalen Zuſammenhalten Oeſterreich=Ungarns
und Deutſchlands zukomme, ſondern welcher auch die
deutſch=engliſchen Beziehungen dahin gebracht habe, daß
die alten akuten Gegenſätze jetzt einer gewiſſen Milderung
Platz gemacht hätten. Das Reſultat der
Botſchafterkon=
ferenz bezüglich Albaniens und des albaneſiſchen Hafens
bedeute einen Erfolg für Oeſterreich. Man müſſe
mit großer Befriedigung hervorheben, daß auch
Deutſch=
land volles Verſtändnis dafür hatte, und daß Oeſterreichs
Stellung an der Adria intakt bleibe. Redner wünſchte,
daß der Miniſter des Aeußern die von ihm betonten Ziele,
nämlich ein politiſch und wirtſchaftlich friedliches
Nach=
barverhältnis mit den Balkanſtaaten, konſequent verfolge.
Der Berichterſtatter Freiherr von Plehner ſchloß ſich
den Ausführungen Bärenreithers an und erklärte,
auch er gehöre zu denen, welche eine friedliche Löſung der
heute geſpannten Situation nicht nur wünſchen, ſondern
auch als die einzig richtige Politik anſehen. Momente zu
einer friedlichen Löſung ſeien heute vorhanden. Der
Er=
folg, den das öſterreichiſche Kabinett in der albaneſiſchen
und in der Adriafrage erreicht habe, ſei ein großer Erfolg.
Die Friedensverhandlungen.
* London, 30. Dez. Vertreter des Reuterſchen
Bureaus hatten heute abend Unterredungen mit den
Friedensdelegierten der Balkanſtaaten und der
Türkei. Nach Aeußerungen der Delegierten der
Balkan=
ſtaaten erklärte Reſchid Paſcha, daß nach Anſicht der
Pforte die Mehrzahl der zur Beratung ſtehenden Fragen
den Mächten unterbreitet werden müßte, außer der Frage
der türkiſch=bulgariſchen Grenze, die zwiſchen der Türkei
und Bulgarien geregelt werden müſſe. Die türkiſchen
Delegierten erklärten, die neuen Vorſchläge ſeien wichtig
wenn auch nicht vollſtändig.
* Paris, 31. Dez. Der Londoner Korreſpondent
des Echo de Paris will erfahren haben, daß das
Wiener Miniſterium die von ihm ausgearbeitete
Karte von Albanien den Regierungen der Großmächte
vorgelegt habe. Dieſe Karte umfaſſe Skutari, Prizrend,
Ipek und Djakova.
Rumänien und Bulgarien.
* Bukareſt, 30. Dez. Die bulgariſche
Regie=
rung hat die rumäniſche verſtändigt, daß Danew
un=
umſchränkte Vollmachten erhalten habe, mit dem
rumäni=
ſchen Geſandten in London, Miſchu, über die Anſprüche
Rumäniens zu unterhandeln und, wenn möglich, bindende
Abmachungen zu treffen. Miſchu wird am Mittwoch oder
Donnerstag eine Begegnung mit Danew haben und die
endgültige Antwort erhaltin. Welches genau die Anſprüche
Rumäniens ſind, läßt ſich nicht ermitteln, ſie werden aber
als ebenſo gerecht wie maßvoll bezeichnet. Jedenfalls
wird Rumänien keinen Aufſchub in der Regelung der
An=
gelegenheit zugeben, ſo daß noch dieſe Woche die
Entſchei=
dung fallen muß. Man erwartet hier, daß Bulgarien ſich
nachgiebig zeigt, weil es ſonſt angeſichts des feſten
Ent=
ſchluſſes Rumäniens bis zum äußerſten zu gehen, in eine
überaus ungünſtige Lage geraten und die Früchte der
bis=
herigen Erfolge einbüßen könnte.
* Bukareſt, 30. Dez. Der König empfing eine
Abordnung des Senats, die ihm eine Adreſſe überbrachte.
Der König ſagte u. a.: Ich ſtelle mit großer Genugtuung
feſt, daß der Senat vollſtändig auch den Standpunkt der
Regierung über die Ereigniſſe auf dem Balkan
und ihre natürliche Folge fur unſere vitalen Intereſſen
teilt. Noch hoffen wir, daß die gegenwärtige ſchwierige
Lage in freundſchaftlicher Weiſe gelöſt und mit einem
dauernden Frieden, der von allen erſehnt wird, enden wird.
Die patriotiſchen Gefühle, die Sie beſeelen, ſind eine
Ga=
rantie dafür, daß Sie die Geſetze zur Verſtärkung der
natio=
nalen Verteidigung aufmerkſam ſtudieren werden.
Jedes=
mal, wo es ſich um ein großes nationales Intereſſe
han=
delte, vereinigten ſich die Rumänen zu deſſen Verteidigung.
Ich habe die Ueberzeugung, daß Sie dieſer
Ueberliefe=
rung würdig ſein werden.
Kriegsgreuel.
* London, 31. Dez. Der Daily Telegraph
veröf=
fentlicht einen langen Bericht eines Peſter
Korreſponden=
ten über die Greuel, die während des Krieges von
den Serbenin Albanien verübt worden ſeien. Dieſe
Greuel ſeien bereits von öſterreichiſchen, engliſchen und
norwegiſchen Kriegskorreſpondenten feſtgeſtellt worden und
neuerdings durch Berichte erörtert worden, die öſterreichiſche
Behörden geſammelt haben.
* Konſtantinopel, 31. Dez. Eine Anzahl
türki=
ſcher Senatoren hat an die europäiſchen
Mon=
archen Telegramme gerichtet, um deren Aufmerkſamkeit
auf die Maſſakers zu lenken, die, wie ſie ſagen, trotz
des Waffenſtillſtandes in der europäiſchen Türkei
fort=
dauern, und welche die Ausrottung der muſelmaniſchen
Bevölkerung zu vervollſtändigen drohen. Die Senatoren
appellieren an die Monarchen, ſie möchten ihren Einfluß
im Intereſſe der Humanität verwerten.
Die Abgrenzung Albaniens.
* London, 31. Dez. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, nehmen die Botſchafter ihre
Zuſammen=
künfte im Auswärtigen Amt am Donnerstag
nachmit=
tag wieder auf. Sie befaſſen ſich nicht ſofort mit der
Ab=
grenzungsfrage Albaniens, da dieſer
Gegen=
ſtand, insbeſondere der Einſchluß Skutaris oder eine
an=
dersgeartete Behandlung dieſer Stadt, zurzeit zwiſchen
den Kabinetten Wien und Rom beraten wird. Erſt wenn
die öſterreichiſch=ungariſche und die italieniſche Regierung
die Abgrenzungsfragen, die Gegenſtand der
Unterhand=
lungen bilden, abgeſchloſſen haben, wird die Angelegenheit
auf der Botſchafterkonferenz in London zur allgemeinen
Beratung geſtellt.
Kundgebung des Balkanbundes.
* Belgrad, 31. Dez. Nach Abſchluß der Londoner
Verhandlungen, die trotz der beſtehenden Schwierigkeiten
mit einem poſitiven Reſultat endigen dürften, wird eine
ſolenne Manifeſtation des Balkanbundes ſtattfinden, um
auch nach Außen hin die Entſchloſſenheit der verbündeten
Staaten kund zu geben, an der bisher bewieſenen
Einig=
keit feſtzuhalten und weiterhin in einem Verhältnis
engerer Bundesgenoſſenſchaft zu verbleiben.
Die Könige von Bulgarien, Serbien, Griechenland und
Montenegro, die vier Miniſterpräſidenten und leitenden
Generäle aus dem Kriege und die Präſidenten der
Volks=
vertretungen werden ſich in feierlicher Weiſe
zuſammen=
finden. Als Ort der Zuſammenkunft wird Saloniki,
deſ=
ſen Neutraliſierung erwartet wird, ins Auge geſaßt
wer=
den. Zur Zeit iſt eine Konverſation zwiſchen den vier
Hauptſtädten im Gang, um die Einzelheiten dieſer
Zu=
ſammenkunft feſtzuſtellen.
Letzte Nachrichten.
* Bukareſt 31. Dez. In der Kammerſitzung
verlas der Deputierte Jorga eine Petition der
Ru=
mänen in Serbien, deren Zahl 150000 beträgt und
die ſich über den Druck ſeitens der ſerbiſchen Regierung
beklagen, welche ſie entnationaliſiere. Jorga verlangte,
daß Serbien den Rumänen den gleichen Schutz
ge=
währe, den die Serben in Rumänien genöſſen und die ſich
der Freiheit erfreuten, eigene Schulen und Kirchen zu
haben. (Beifall.) In Erwiderung der Frage Jorgas, ob
die Behauptung der Preſſe richtig ſei, daß der Miniſter
die Mobiliſierung Rumäniens als bevorſtehend
bezeich=
nete, erklärte der Finanzminiſter kategoriſch, er habe dieſe
Aeußerung nicht getan und bitte die öffentliche Meinung,
ſolche Ausſtreuungen nicht zu beachten.
* Bukareſt, 1. Jan. Geſtern traf die amtliche
Mitteilung der bulgariſchen Regierung ein, daß Präſident
Dr. Danew die Vollmacht habe, mit dem rumäniſchen
Geſandten in London Miſchu über die ſchwebenden
Fragen der beiden Länder zu verhandeln und zum
Ab=
ſchluß zu bringen. Damit iſt die Angelegenheit in jene
Phaſe getreten, die ſeitens Rumänien bereits nach der
Einſtellung der Feindſeligkeiten gewünſcht worden war.
* Rom, 1. Jan. Die „Agencia Stefani” meldet aus
Belgrad: Der italieniſche Geſchäftsträger
be=
ſchwerte ſich bei der ſerbiſchen Regierung wegen
der Haltung des ſerbiſchen Kommandanten in Durazzos
gegenüber dem italieniſchen Dampfer „Caprera‟ Der
Miniſterpräſes Paſitſch erwiderte, er habe unverzüglich
Nachrichten hierüber eingefordert und behalte ſich die
Antwort bis zu deren Eintreffen vor.
* Rom, 1. Jan. „Agencia Stefani” meldet aus
Durazzo: Der italieniſche Konſul erhielt von dem
Platzkommandanten die Antwort auf die Note, betreffend
den Zwiſchenfall der „Caprera‟ Dieſe
Ant=
wort erklärt, der Hafenkapitän hatte die Abſicht, die
„Caprera” zu durchſuchen, da der Kommandant derſelben
weder den Zweck des Aufenthaltes des Dampfers im
Hafen noch die Dauer der Anweſenheit angegeben habe.
Oberſt Popowitſch erklärte in einer Unterredung, die der
italieniſche Konſul darauf mit ihm hatte, der
Hafen=
kapitän wolle den Verkehr zwiſchen dem Dampfer und
dem Konſulat nicht hindern, jedenfalls habe er infolge
der Erklärung des Konſuls, daß die „Caprera” zur
Ver=
fügung des italieniſchen Konſulates für funkentelegraphiſche
Verbindung ſtehe, was übrigens der ſerbiſchen Regierung
bekannt geweſen ſei, nichts mehr zu ſagen; man könnte
die Angelegenheit als erledigt betrachten.
* Saloniki, 1. Jan. Das Hafenamt gibt bekannt,
daß die Einfahrt in den Golf von Salonikivor dem
großen Kap Karaburnu vollſtändig von Minen und
Torpedos befreit ſei und Schiffe ohne Lotſen bei Tag
und Nacht paſſieren können.
* Saloniki, 1. Jan. Infolge der Haltung der
ſerbiſchen Behörden welche, wie gemeldet, die
Provenienzen aus Saloniki mit hohen Zöllen
be=
legen, erhoben die hieſigen Kaufleute bei den Vertretern
der griechiſchen Behörden, ſowie bei den fremden
Kon=
ſuln Vorſtellungen indem ſie darauf hinwieſen,
daß der Handel Salonikis ruiniert würde, falls Serbien
die getroffenen Maßnahmen nicht zurückziehe. Als
Er=
füllungsort für alle alten Forderungen der hieſigen
Kauf=
leute, die ſie im Inland haben, müſſe Saloniki anerkannt
werden.
* London, 1. Jan. Die heutige Sitzung der
Friedenskonferenz war im allgemeinen dadurch
gekenn=
zeichnet, daß die Sprache der ottomaniſchen
Dele=
gierten viel verſöhnlicher war. In den Kreiſen
der Balkanvertreter gab man der Zufriedenheit über das
Ergebnis der heutigen Sitzung Ausdruck.
Vermiſchtes.
— Die Zahl der Poſt gebäude iſt
nach dem neueſten Archiv für Poſt und
Telegraphie von 263 im Jahre 1875 auf
2992 im Jahre 1910 geſtiegen. Während hiernach 1875
nur 6,4 v. H. der Poſtämter ſich in eigens für Poſtzwecke
errichteten Gebäuden befanden, war dies 1910 bereits bei
64,5 v. H. der Poſtämter der Fall. Die elektriſche
Beleuch=
tung war bis 1890 in 22 Poſt= und Telegraphengebäuden
eingeführt; 1910 waren 1330 ſolcher Gebaude damit
aus=
geſtattet.
CK. Das Land der Briefſchreiber. Aus
London wird berichtet: Einen impoſanten Einblick in die
Ausdehnung des engliſchen Poſtweſens gibt der ſoeben
rſchienene amtliche Bericht, der ſich mit der Zeit vom 1.
Dezember 1911 bis zum 30. November 1912 beſchäftigt.
Während dieſes Jahres hat die engliſche Poſt nicht
weniger als 3186 Millionen Briefe und über 905
Mil=
lionen Poſtkarten befördert, über eine Million von
Muſterſendungen, 200 Millionen Zeitungen, über 125
Millionen gewöhnliche Poſtpalete. Aus der Statiſtik er=
Großherzogliches Hoftheater.
W-l. Am Montag gelangte Lortzings Oper „Un
dine” zum zweiten Male zur Aufführung. Die
Titel=
partie wurde diesmal durch die Vertreterin des
Soubret=
tenfaches, Frl. Jüttner, geſungen. Was immer ſo
ge=
weſen iſt” iſt in dieſem Falle das Richtige. Die Partie
ge=
hört ihrem ganzen Charakter nach der Soubrette. Frl.
Jütt=
ner ſang ſie mit großer Sauberkeit und muſikaliſcher
Sicher=
heit, wenn auch etwas zurückhaltend in Spiel und Ton.
Daß die liebliche Undine ohne Seele iſt, iſt nicht wörtlich
zu nehmen. Im ganzen darf aber Frl. Jüttner mit dem
Erfolge ihrer Leiſtung zufrieden ſein. Im übrigen war
die Aufführung eine ſolche zweiter Garnitur. In
Ver=
tretung von Frau von Sugh, die unpäßlich war, ſang
Frl. Loni Meinert vom Stadttheater in Mainz die
Bertalda.
Am Silveſter=Abend gelangte zu
Volksvorſtellungs=
preiſen und bei ausverkauftem Hauſe die alte Neſtroyſche
Poſſe „Lumpacivagabundus” in neuer
Aufmach=
ung zur Aufführung. Die Bedingungen für einen
durch=
ſchlagenden Erfolg der beliebten Poſſe, eine entſprechende
Beſetzung der Hauptrollen und ein frohgeſtimmtes
Publi=
kum, das gekommen war, um ſich zu amüſieren und zu
lachen, waren von vornherein gegeben. Letzteres kam denn
auch auf ſeine Rechnung: eine flotte und animierte
Auf=
führung und dazu ein veritables Konzert von erſten
Kräf=
ten — ſo dürfte es wohl kaum jemand bedauert haben
daß die Vorſtellung anſtatt um ½11 erſt um ¼12 Uhr zu
Ende ging.
Bei der Aufführung der Poſſe ſchoſſen Herr Jordan
als verſoffener, melancholiſcher Schuſter und Herr
Jür=
gas als beweglicher, lebensluſtiger Schneider, die von
unerſchöpflicher und unwiderſtehlicher Komik waren, und
in der famoſen Briefverleſungsſzene wahre
Heiterkeits=
ſtürme entfeſſelten, den Vogel ab. Das luſtige Kleeblatt
vervollſtändigte Herr Weſtermann als ſolider
Tiſch=
ler in erwünſchter Weiſe. Die übrigen Perſonen des
Stückes treten hinter dieſen Repräſentanten der drei
Hauptyollen faſt ganz zurück und haben nur
Epiſodenrol=
len. Dasſelbe gilt auch von den Perſonen des Feenreichs.
Sie unterzogen ſich ſämtlich ihren Aufgaben, je nach dem
Charakter ihrer Rollen, mit entſprechendem Ernſt und
Humor und treſflichem Gelingen.
Für die Inſzenierung der ein Jahr vor dem
Wieder=
erſcheinen des Halleyſchen Kometen im Jahre 1835
ſpielen=
den Poſſe waren die von Herrn Kempin neu geſchaffenen
Bühnendekorationen in paſſender Weiſe verwendet
wor=
den. Wunderhübſch war der kleine Salon des Herrn von
Zwirn, in dem das improviſierte Konzert ſtattſand.
Das Konzert bei dem Herr Jürgas ſich der
Rolle des Conferenciers mit Eleganz unterzog, wurde
durch zwei von Fräulein Jacobs geſungene Lieder:
„Im erſten Lenzesſtrahl” von Tſchaikowski und „
Liebes=
feier” von Weingartner, eröffnet, auf die Herr Schützen
dorf eine burleske „Rhinozerosarie” und ein weiteres
Lied von Bohn, ſowie eine Zugabe von ihm ſelbſt folgen
ließ. Herr Globerger ſang ein Lied von S May:
„Ich habe dich lieb” und „Die reizende Dame in Rot” von
einem unbekannten Komponiſten. Sämtliche Lieder, die
dem Geſchmack der Gäſte des Herrn von Zwirn angepaßt
waren, ſanden wohlverdienten reichen Beifall. Beſonders
warme Ovakionen wurden Frau Elſa Laura von
Wolzogen dargebracht, die als wieder zum Leben
erſtandene Pepi Gallmeyer öſterreichiſche Volkslieder im
Dialekt zur Laute mit vollendeter Meiſterſchaft und
Pikan=
terie des Vortrags ſang und jubelnden Beifall und einen
aus dem Erdboden hervorgezauberten prachtvollen
Lor=
beerkranz erntete. An das Konzert ſchloß ſich ein von
Herrn Jürgas und Fräulein Gothe mit vieler Grazie
und Eleganz ausgeführtes Tanzduett, in dem die
verſchie=
denen Tanzarten, Polonäſe, Polka, Ländler, Walzer uſw.
vorgeführt wurden. Idee und Ausführung der fidelen
Silveſter=Vorſtellung verdienen warmes Lob. Spielleiter
war Herr Hacker, muſikaliſcher Leiter Herr Robert
Preuß.
Am Neujahrsabend ging die Straußſche Operette
„Die Fledermaus” vor abermals ausverkauftem
Hauſe in Szene. Vor Beginn der Vorſtellung brachte Herr
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing auf das anweſende
Großherzogspaar ein dreimaliges Hoch aus,
worauf die Nationalhymne geſpielt wurde, die das
Publi=
kum ſtehend anhörte.
Die Operette ſtellte die meiſten Sänger und
Sängerinnen vor neue und ſchwierigere, weil ihnen
ferner liegende Aufgaben, deren Löſung ihnen aber wider
Erwarten gut gelang. In erſter Linie gilt dies von Frau
Kallenſee als Adele. Aber auch die übrigen
Mit=
wirkenden, Frl. Geyersbach als Roſalinde, Herr
Thomſen als Eiſenſtein, Herr Globerger als
Al=
fred, Frl. Jacobs als Orlofsky und die bewährten
Kräfte unſeres Schauſpiels, die Herren Jürgas als
Frank und Jordan als Froſch, trugen zu dem
Ge=
lingen der ſehr flott und vergnügt verlaufenen, und ſehr
beifällig aufgenommenen Aufführung nicht weniger bei.
Die Operette war „im Koſtüm der Erſtehungszeit” neu
inſzeniert. Im Jahre 1874 hat aber, ſoweit wir uns
er=
innern, wenigſtens in Deutſchland niemand mehr dieſe
Koſtüme getragen.
Wir kommen auf die Aufführung noch zurück.
Da die Vorſtellungen ſich immer länger hinausziehen,
als vorgeſehen, empfiehlt ſich der ſpätere Anſang um 7½
Uhr nicht.
ſchrieben werden wie in England; auf jeden Kopf der
Be=
völkerung, Frauen und Kinder eingeſchloſſen, entfallen
jährlich 70 Briefe, 20 Poſtkarten, 4 Zeitungen und 3
Pakete. Dagegen iſt man mit Telegrammen erheblich
ſparſamer; insgeſamt wurden 89200000 Telegramme
be=
fördert, ſo daß auf den Kopf der Bevölkerung 2 Depeſchen
entfallen. Nicht weniger als 474000 Briefe, Karten und
Druckſachen konnten nicht beſtellt werden, weil die
Ab=
ſender die Aufſchrift und Adreſſierung vollkommen
ver=
gaßen.
Literariſches.
Paul Wallot und ſeine Schüler.
Son=
derheft der „Berliner Architektenwelt”. Text von De.=Ing.
W. Mackowski, Dresden. 123 Seiten mit 158 Abbildungen
und 6 Extratafeln in Licht= und Farbendruck. Verlag von
Ernſt Wasmuth, A.=G. Preis 10 Mark. Vorzugspreis
für Abonnenten 5 Mark. Das Andenken Paul Wallots
zu ehren, iſt bei Ernſt Wasmuth, A.=G. Berlin, ein
vor=
nehm ausgeſtattetes, reich illuſtriertes Sonderheft der
Berliner Architekturwelt ſoeben erſchienen: Paul
Wallot und ſeine Schüler. Der Text aus der
Fedar des Dr.=Ing. W. Mackowski in Dresden gliedert
ſich in zwei Teile. Der erſte Teil würdigt Paul Wallot
als Menſch, Künſtler und Lehrer und wird illuſtriert durch
ſeine hauptſächlichſten Bauten: Aeltere Frankfurter
Bau=
ten, Reichstagsgebäude, Präſidialgebäude Berlin und
Ständehaus Dresden. Der zweite Teil iſt Wallots
Schülern gewidmet. Als im Vorjahre die Schüler
Wal=
lots aus Anlaß ſeines ſiebzigſten Geburtstages eine
Aus=
ſtellung ihrer Arbeiten veranſtalteten, wurde beſchloſſen,
in einem Sonderhefte die Arbeiten der Schüler mit den
Hauptwerken Paul Wallots an der Spitze zu
veröffent=
lichen. Das Heft, für deſſen Zuſtandekommen Paul
Wal=
lot ſelbſt ſich lebhaft mit intereſſierte, liegt nunmehr vor.
— Philipp Loſch, Schönfeld. Blätter aus
der Geſchichte eines heſſiſchen Schlößchens. Geh. 2,40 Mk.
(Verlag Klinkhardt und Biermann, Leipzig). Die Räume
des heſſiſchen Schlößchens waren der Schauplatz des
Liebesromanes König Jerömes mit dem ſchönen
Fräu=
lein von Pappenheim. Im Wechſel der Zeiten hat dieſes
vor den Toren Kaſſels gelegene Schlößchen allerlei
Schick=
ſale durchgemacht und viele Bewohner von
ungewöhn=
lichem Intereſſe geſehen. Während wir zuerſt in die
Kreiſe der Romantiker geführt werden und die Brüder
Grimm in dieſen Räumen verkehren ſehen, gewinnen
ſpäter die hiſtoriſchen Beziehungen die Oberhand, als das
heſſiſche Fürſtenhaus in den Beſitz Schönfelds tritt. Seine
Glanzzeit hat es wohl unter König Jeröme gehabt, aber
auch manche Fürſten und Fürſtinnen Heſſens haben es ſehr
hoch geſchätzt. Das alles zieht in bunten wechſelnden
Bildern an uns vorüber, die jedem Intereſſe abgewinnen
müſſen, der gern im Buche der Vergangenheit blättert.
Im Affenland. Südwaſtafrikauiſche
Reimereien. Von Demokritos africanus. Berlin
1912. „Kolonie und Heimat” Verlagsgeſellſchaft m. b. H.
Geb. 2 Mark. Was in dieſem Buch zu leſen, ſind nicht
Mords= und Jagdgeſchichten. Wahres nur will ich
be=
richten, Selbſterlebtes — dageweſen. — So ſagt der
Ver=
faſſer in dem Motto, das er dieſem erſten
ſüdweſtafrika=
niſchen Gedichtbuch voranſtellt. Und in der Tat, was er
da in teils gemütvoll=heiteren und nachdenklichen, teils
biſſig=ſatiriſchen Verſen erzählt und geißelt, trägt
durch=
aus den Stempel der Wahrſcheinlichkeit. An allen
Er=
ſcheinungen des ſüdweſtafrikaniſchen Lebens kommt er
herum und an allen falſchen Vorſtellungen, die man ſich in
der Heimat davon macht, an Menſchlichem,
Allzumenſch=
lichen, an den Freuden und Leiden des Anſiedlers. Kurz
und gut, das kleine Buch hält, was ſein humorvoller
Ein=
band verſpricht.
Robert Hohlbaum. Der ewige
Lenz=
kampf. Ein Studentenbuch aus alter und neuer Zeit.
Geheftet 3 Mark. (Fenien=Verlag zu Leipzig.) Ein neues
Studentenbuch, das nicht von der Altheidelbergromantik
lebt, ſondern einen neuen Stoffbreis erſchließt. Es führt
in das Zentrum öſterreichiſcher Kämpfe nach Prag.
Prager Studenten des Badenijahres 1897 ſind die
Er=
zähler einer Reihe von Geſchichten, in denen das Ringen
der deutſchen Jugend von vier Jahrhunderten an uns
vorüberzieht. Nicht nur der deutſche Akademikar, ſondern
überhaupt jeder Deutſchfühlende wird an dem Buche ſeine
Freude haben; aber auch der literariſche Feinſchmecker
wird hefriedigt und beſonders an der durch große
Kul=
turtreue ausgezeichneten Alt=Leipziger Novelle „Der
ſterbende Cato” ſein Gefallen finden. Wer die große
Ver=
gangenheit unſeres Volkes liebt und an ſeine Zukunft
glaubt, wird dieſem Buche, das als eine Gabe für das
Jubeljahr deutſchen Kämpfens und Siegens erſcheint,
ein tieferes Intereſſe ſchenken.
— Was muß jedes junge Mädchen, insbeſondere jede
junge Frau von der Haushaltungskunde wiſſen?
Eine leichtfaßliche Darſtellung alles Wiſſenswerten über
praktiſche Wirtſchaftsführung, über die Ernährung des
Menſchen, die Zubereitung der Speiſen und das Kochen.
Von Luiſe Oeſterwitz, ſtaatlich geprüfte
Haushal=
tungslehrerin. Preis in Leinwand gebunden 2. Mark.
München, K. B. priv. Kunſt= und Verlagsanſtalt Piloty
u. Loehle. Die Unkenntnis der jungen Frauen, ihre
Un=
fertigkeit im Ausüben ihrer Hausfrauenpflichten hat ihnen
und beſonders dem Manne viele bittere Stunden bereitet.
Die Kunſt des Haushaltens fällt ſelbſt dem begabteſten
Mädchen nicht von ſelbſt zu; ſie will erlernt, erworben,
erarbeitet ſein. Kann das Elternhaus die Anleitung und
Belehrung nicht in ausreichendem Maße geben, und wie
oft trifft dies zu, ſo muß ein junges Mädchen ſich
Belehr=
ung in Büchern ſuchen; ſie muß einen leichtfaßlichen
Führer haben, in welchem ſie nachſchlagen kann, in dem
ſie die rechte Anleitung in allen hauswirtſchaftlichen
Fra=
gen findet. Umfangreiche Bücher zu ſtudieren, mangelt
es meiſtens an Zeit und am Verſtändnis; nur ein
über=
ſichtlich und leicht faßlich geſchriebenes kurzes
Handbüch=
lein kommt dem Bedürfnis in ſolchen Fällen entgegen.
Freiherr von Schlicht: „Baroneſſe
Guſſi” Humoriſtiſcher Roman. Preis broſch. 4 Mk
gebd. 5 Mk. (Verlag von B. Eliſcher Nachf. in Leipzig.)
Das reizt und prickelt wie die Töne eines Straußſchen
Walzers in dieſen Irrungen und Wirrungen des neueſten
Schlicht, der ſich diesmal nicht auf rein militäriſchem
Ge=
biete bewegt, ſondern mehr Erinnerungen an „die von
Gründingen” in uns wachruft. Baroneſſe Guſſi, Comteſſe
Aſta, Trix, Baron Rolf, die Grafen Baerlingen — ſie alle
ſind luſtige Paare in einem tollen Tanz, in dem der
„Damenwechſel” zu den ergötzlichſten Verwickelungen und
ſchließlich zu einem ebenſo originell=unverhofften, wie
glücklichen Ende führt!
Jede Frau kann geſchmackvoll und elegant gekleidet
ſein, wenn ſie entſprechend beraten iſt. Dieſer ſchweren
Aufgabe unterzieht ſich die Wiener Mode und wird
ihr auch reſtlos gerecht. Man muß ſagen, je ſchlechter die
Zeiten werden, deſto beſſer wird die Wiener Mode. Das
ſieht man deutlich an dem ſoeben erſchienenen fünften Heft
des 26. Jahrganges. Es enthält neuartige, ſehr
geſchmack=
volle Toiletten, Geſellſchafts= und Straßenkleider, Hüte,
Bluſen, Winterſportkoſtüme, Mäntel, einen reichen
Hand=
arbeitsteil, Kindermoden und für die Mußeſtunden eine
reich illuſtrierte, literariſch wertvolle
Unterhaltungsbei=
lage.
1912 — 1913.
Silveſter und Neujahr.
Mit dem letzten Aufflammen der niedergebrannten
Chriſtbaumkerzen, die altem Brauche treu nochmal
ent=
zündet wurden in der letzten Jahresſtunde, iſt das alte
Jahr geſtorben. Glocken gaben ihm das Grabgeläute und
Glockenklang grüßte das neue Jahr, das in der Sekunde
des Sterbens ſein Leben begann. Nicht, wie ſonſt gewohnt,
in winterlich rauher Nacht — es war eine wahre
Früh=
lingsnacht — aber wie immer, nein, viel viel mehr wie
immer, begrüßt mit Donnern und Krachen und Ziſchen und
Sauſen und mit Freudenfeuern und Raketen, die ihre
Leuchtkugeln ziſchend in die Wolken warfen. Und dann
mit vielen lauten Glück= und Segenswünſchen und noch
mehr dampfendem Punſch, der bei Sang und Becherklang
in bedeutenden Mengen vertilgt wurde. Das lieblich
duf=
tende, dampfende Miſchgetränk iſt nun einmal notwendig
überall da, wo perlender Champagner nicht an ſeine Stelle
tritt, all den gnten und herzlichen Wünſchen für die
Lie=
ben und Verwandten, und getreuen Freunde und
Nach=
barn und — für das eigene wertvolle „Ich” den
notwendi=
gen Nachdruck und Schwung zu verleihen. Und der
Wün=
ſche und guten Vorſätze ſind es ja ſo viele, die um die
Jahresſcheideſtunde in mehr oder weniger poetiſche Form
gekleidet zum Ausdruck gebracht werden. So viele und
immer neue, zu jedem neuen Jahr. Mag das alte auch
noch ſo oft Enttäuſchung gebracht und der großen
Lebens=
lüge immer wieder ein Glied hinzugefügt haben; Hoffen
und Wünſchen erſtirbt ja nie, ſo lange Menſchen eben
Men=
ſchen ſind, wenn auch in unſerer Zeit geſteigerten
Lebens=
kampfes auf wirtſchaftlichem und geiſtigem Gebiete nur das
eine Berechtigung hat und zu unſerem Beſten Erfüllung
heiſcht: Möge das neue Jahr uns neue Kräfte beſcheren,
um dieſen ſchweren Kampf ſiegreich beſtehen zu können! —
Rein äußerlich trug das Leben in den Straßen
un=
ſerer Stadt an Silveſter das gewohnte Bild, nur bis ins
nie Dageweſene geſteigert. Unſummen ſauer erworbenen
Geldes müſſen verpufft, verknallt und verbrannt worden
ſein. Das ratternde, krachende, böllernde, donnernde
Ge=
töſe und das Ziſchen und Sauſen und Brauſen dauerte
die ganze Nacht hindurch und hörte noch am Neujahrstage
nicht auf. Vielfach kamen auch leichtere Unfälle vor.
Man=
cher Daumen oder Zeigefinger mußte daran glauben,
wenn der Froſch oder Kanonenſchlag zu lange in der Hand
gehalten wurde. Und in der Dieburgerſtraße wurde einem
jungen Zahntechniker gar die linke Hand zerfleiſcht, weil
er mit ſeinem alten Schießeiſen zu leichtſinnig umging. In
der großen Bachgaſſe ſchoß ein Mann, der leichtſinniger
Weiſe ſcharfe Patronen benutzte, einem 12jährigen Jungen
ins Bein und brachte dem armen Kerl, der ſo um ſeine
Neujahrsfreude kam, eine große Fleiſchwunde bei. Beide
kamen ins Krankenhaus.
Darmſtadts kommende Großſtadtgröße bringt es mit
ſich, daß auch die Silveſterfeier immer mehr dem
trau=
ten Familienkreiſe entzogen wird, und daß man in den
Cafés, Reſtaurants und Hotels den Jahresabſchluß feiert
und ins junge Jahr hineintanzt. Faſt in allen
bedeuten=
den Etabliſſements unſerer Stadt fanden Silveſterfeiern
ſtatt, die überall ſehr ſtark beſucht waren und bis in den
frühen Morgen hinein dauerten. Denn unſere hohe
Po=
lizei war einſichtig genug, für die Silveſternacht die Poli=
St.
zeiſtunde außer Gültigkeit zu ſetzen.
* Berlin, 1. Jan. Im Schloß begann die Feier
des Neujahrsfeſtes in der üblichen Weiſe mit dem
großen Wecken. Das Kaiſerpaar traf um 9½ Uhr
im Automobil von Potsdam kommend ein und wurde
vom Publikum herzlich begrüßt. Alsbald begann die
Auffahrt der Prinzen und Prinzeſſinnen des königlichen
Hauſes, der hier anweſenden Fürſtlichkeiten und der
Staatswürdenträger, während die militäriſchen Wachen
aufzogen. Auch die Halloren, die, wie jedes Neujahr, hier
eingetroffen ſind, begaben ſich in ihrer eigenartigen Tracht
zum Schloß. Um 9½ Uhr empfing der Kaiſer den
kom=
mandierenden General des 16. Armeekorps, General der
Infanterie v. Prittwitz und Gaffron, ſowie den des
8. Korps, General der Infanterie v. Ploetz, und
über=
reichte beiden den Schwarzen Adlerorden. Hierauf
nah=
men die Majeſtäten die Glückwünſche des königlichen
Hau=
ſes und der Hofſtaaten entgegen. Bald nach 10 Uhr
be=
gann in der Schloßkapelle der Gottesdienſt, an dem die
Spitzen der Staats= und Kommunalbehörden, die hohen
Militärs und die Ritter des Schwarzen Adlerordens
teil=
nahmen. Der Domchor begrüßte den Einzug des Hofes
mit dem 98. Pſalm: „Singet dem Herrn ein neues Lied.”
Hinter den Pagen und dem großen Vortritt erſchienen der
Kaiſer und die Kaiſerin, es folgten der Kronprinz mit
der Prinzeſſin Eitel Friedrich, der Herzog Albrecht von
Württemberg mit der Kronprinzeſſin und Prinz Heinrich
mit der Prinzeſſin Viktoria Luiſe. Die übrigen
anweſen=
den Prinzen ſchloſſen ſich an. Nach einem Gemeindegeſang
und der Liturgie predigte Oberhofprediger D. Dryander
über den vom Kaiſer ausgewählten Text (
Philip=
per 2, 1: „Alle Zungen ſollen bekennen, daß Jeſus
Chriſtus der Herr ſei, zur Ehre Gottes des
Va=
ters”). Das Niederländiſche Dankgebet ſchloß die Feier,
worauf ſich der Hof in den weißen Saal begab. Hier fand
die Gratulations= und Difiliercour ſtatt, wobei der Kaiſer
dem Reichskanzler und den Präſidenten des Reichstags und
des Landtags die Hand reichte. Nach der Cour empfing
der Kaiſer die Botſchafter, das Staatsminiſterium ſowie
die kommandierenden Generale und Admirale. Um 12½
Uhr ging der Kaiſer, der das Band des Schwarzen
Adler=
ordens über dem Mantel trug, gefolgt von ſeinen Söhnen
und den Herren des Hauptquartiers, zu Fuß nach dem
Zeughaus, vom Publikum im Luſtgarten und auf der
Schloßbrücke mit Hochrufen empfangen. Am Schloß ſtand
eine Abteilung Pfadfinder. Das
Zeppelinluft=
ſchiff „Hanſa” überflog den Luſtgarten. In der
Ruh=
meshalle des Zeughauſes wurde darauf die Nagelung der
neuen Fahnen nach der Reihe der Truppenteile
vorgenom=
men. Nachdem die Nagelung durch den Kaiſer, die
Fürſt=
lichkeiten, den Reichskanzler und die militäriſchen Chargen
erfolgt war, wurde die Weihe der neuen Fahnen im
Lichthofe des Zeughauſes durch den evangeliſchen
Feld=
probſt der Armee D. Wölfing in Gegenwart des
patholi=
ſchen Feldprobſtes der Armee Dr. Vollmar vorgenommen.
Während die Muſik des Kaiſer Alexander Garde=
Grena=
dier=Regiments Nr. 1 das Te Deum ſpielte, ſchoß die
Leib=
batterie des 1. Garde=Feld=Artillerie=Regiments im
Luſt=
garten Salut. Die Parole lautete wie immer „
Königs=
berg=Berlin‟ Darauf nahm der Kaiſer die Rapporte der
Leibreaimenter und militäriſche Meldungen entgegen. Um
1¼ Uhr ſchloß ein Vorbeimarſch der Ehrenkompagnie mit
den neuen Fahnen und der Salut der Batterie vor dem
Zeughaus die Feier ab. Der Kaiſer kehrte darauf zu Fuß
in das königliche Schloß zurück. Um 1½ Uhr fand
Früh=
ſtückstafel ſtatt. Um 2¼ Uhr empfing der Kaiſer die
Di=
rektoren der königlichen Porzellanmanufaktur.
Nachmit=
tags fuhr der Kaiſer bei den Botſchaftern vor.
Darmſtadt, 2. Januar.
* Zum Beſoldungsgeſetz. Der Vorſtand des
Ver=
bandes von Vereinen akad. gebildeter
Be=
amten im Großherzogtum Heſſen hat einmütig
be=
ſchloſſen, angeſichts der neuen Beſoldungsgeſetzvorlage
bei den maßgebenden Inſtanzen erneut um
Gleich=
ſtellung der nichtrichterlichen akad. gebildeten Beamten
mit den Richtern auf der Grundlage der Gehaltsſätze des
Reichsbeſoldungsgeſetzes vorſtellig zu werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Hanau, 1. Jan. In dem Dorfe Wachenbuchen
bei Hanau iſt am Silveſterabend der Hauptlehrer Kahl,
als er ein Buch aus der Kirche holen wollte, in den offen
ſtehenden Heizungsſchacht der Kirche geſtürzt und hat
das Genick gebrochen.
*Hanau, 1. Jan. Die Zahl der Typhus=Kranken
bei dem erſten Bataillon des Eiſenbahnregiments hat ſich
ſeit geſtern nicht verändert. Es ſind noch 193 Kranke zu
verzeichnen. Auch die Zahl der Schwerkranken hat ſich
nicht ungünſtig verändert. Es ſind noch 8 Schwerkranke
vorhanden, während geſtern die Zahl derſelben 12 betrug.
* Halle a. d. Saale, 31. Dezbr. Heute nacht
ver=
giftete derin der Leipzigerſtraße wohnende Goldſchmied
Zanke ſeine Frau und ſeine beiden im Alter von drei
und 1½ Jahren ſtehenden Kinder und ſich ſelbſt. Einem
Freunde teilte er brieflich ſein Vorhaben mit. Die Urſache
ſind mißliche Vermögensverhältn’ſſe.
* Stettin, 31. Dez. In Kortenhagen (Kreis
Greifenhagen) drangen heute nacht Einbrecher in
die Behauſung des Gaſtwirts Wendland ein und
ver=
ſuchten, die durch Geräuſch erwachten Eheleute zu
ermor=
den. Der Mann erhielt zwei Beilhiebe auf die Stirn, die
Frau erhielt elf Meſſerſtiche, wovon einer am
Hals lebensgefährlich iſt. Da das Ehepaar noch
nicht vernehmungsfähig iſt, iſt näheres nicht feſtzuſtellen.
Auch die Nachforſchungen mit Polizeihunden waren bisher
ergebnislos.
* Bentheim, 31. Dez. In dem benachbarten Ohne
entſtand heute nacht auf dem von dem Pächter
Beck=
mann bewirtſchafteten Schulte=Wiffingſchen Hofe
Feuer, das die Stallungen einäſcherte. Von
den zwei Knechten, die in dem Gebäude ſchliefen,
wurde einer gerettet, iſt jedoch ſo ſchwer verbrannt,
daß er ſtarb. Die Leiche des anderen Knechtes liegt noch
unter den Trümmern.
* Memel, 3. Dez. Da die Tarifverträge in der
Memeler Holzinduſtrie mit dem heutigen Tage
abgelaufen waren und die Verhandlungen zwecks
Auf=
ſtellung der neuen Tarife noch nicht zu Ende geführt
werden konnten, trat, wie das „Memeler Dampfboot”
meldet, heute Abend in der geſamten Memeler
Holz=
induſtrie mit Ausnahme von zwei Plätzen, die laufende
Tarifverträge haben, eine geſamte
Betriebs=
einſtellung ein.
* Peſt, 31. Dez. Der Entwurf der
Wahlre=
form wurde im Abgeordnetenhauſe mit großem
Beifall aufgenommen. Es wurde beantragt.
die Vorlage einem Spezialausſchuß zu überweiſen. Zwei
Mitglieder der Regierungspartei meldeten ihren Austritt
aus der Partei an, weil ſie die Ausdehnung des
Wahl=
rechts nicht für weitgehend genug halten.
Peſt, 31. Dez. Bei der Abſtimmung über
den Wahlrechtsentwurf war die
Oppoſitions=
partei im Sitzungsſaale nicht anweſend, dieſelbe ſetzt die
Politik der Abſtinenz fort. Die Vorlage wurde einem
Sonderausſchuß von 40 Mitgliedern zugewieſen. Aus
der Regierungspartei iſt noch ein drittes Mitglied
aus=
getreten, weil ihm die. Ausdehnung des Wahlrechts nicht
weit genug geht.
* Rom, 31. Dez. Aus Anlaß des
Jahreswech=
ſels tauſchten, wie die „Agenzia Stefani” mitteilt,
Marquis di San Giuliano, der Reichskanzler von
Bethmann=Hollweg und Graf Berchtold
herz=
liche Glückwunſchtelegramme aus, in denen ſie auch ihre
ehrerbietigen Wünſche für die Monarchen zum Ausdruck
bringen.
Paris, 1. Jan. Der rumäniſche Miniſter
des Innern Take Jonescu iſt heute abend hier
ange=
kommen.
* Paris, 1. Jan. Heute vormittag wurde der
Anar=
chiſt Nonry verhaftet, der von der Polizei, namentlich
wegen der Teilnahme an den kürzlichen
Automobilatten=
taten in Bezons und Chantilly geſucht wurde.
Petersburg, 1. Jan. Großfürſt Michael
Ale=
randrowitſch wurde ſeines Kommandos über das
Gardereiter=Regiment enthoben und erhält einen Urlaub
von elf Monaten.
* New=York, 31. Dez. Die Gewerkſchaft der
Hotel=
kellner ordnete den ſofortigen Generalſtreik
ſämtlicher Hotelkellner und der anderen Hotelangeſtellten
New=Yarks an.
* Urga, 31. Dez. Der mongoliſchen Regierung iſt die
Meldung zugegangen, daß chineſiſche Truppen den
Fürſten des Alaſchan=Bezirkes in der Süd=Mongolei,
der dem Huktuktu Treue gelobt hatte, ergriffen
und nach Kweiliwatſchoeng (Kutuchoto) gebracht haben.
H.B. Frankfurt a. M., 31. Dez. Oberbürgermeiſter
Dr. Voigt iſt als Vertreter der Stadt Frankfurt ins
Herrenhaus berufen worden.
HB. München, 31. Dez. Prinz=Regent
Lud=
wig hat aus Anlaß des morgigen Neujahrsfeſtes
unge=
fähr 2000 Auszeichnungen, Ordens= und
Titelverleihungen vorgenommen. Der
Miniſter=
präſident Dr. Freiherr von Hertling erhielt das
Groß=
kreuz des Verdienſtordens vom heiligen Michael, der
Kultusminiſter, der Finanzminiſter und der
Verkehrs=
miniſter erhielten hohe Ordensauszeichnungen, desgleichen
eine Anzahl Parlamentarier.
— Chemnitz, 31. Dez. Das Gaſthaus „
Loch=
mühle” bei Arſprung im Erzgebirge, eine bekannte
Somwerfriſche, iſt niedergebrannt.
HB. Poſen, 31. Dez. Ein ſchwerer
Jagd=
unfall hat ſich in Schwarzenau zugetragen. Der bei
feinem Bruder, dem Majoratsbeſitzer Graf Wladimir
von Skorzewski, zu Beſuch weilende Beſitzer der Herrſchaft
Luboſtron, der Rittergutsbeſitzer Graf Witold von
Skor=
zewski, wurde auf einer Treibjagd erſchoſſen. Das
Un=
glück ereignete ſich dadurch, daß das Gewehr, das ihm der
Leibjäger reichen wollte, in einem Strauch hängen blieb.
Der Schuß entlud ſich und die ganze Ladung ging dem
Grafen in den Rücken, der ſofort tot zu Boden ſank.
Peft. 31. Dez. General Artur Goergey, der
Oberſtkommandierende der ungariſchen Revolutionsarmee
vom Jahre 1848, liegt im Sterben. Der General ſteht
im 95. Lebensjahre.
Die bayeriſche Staatszeitung.
* München, 31. Dez. Die bay riſche
Staats=
zeitung veröffentlicht in der heute erſchienenen erſten
Nummer im nichtamtlichen Teil einen längeren
Leit=
artikel über die Aufgabe die ſich das Blatt ſtellt. Es wird
darauf hingewieſen, daß alle großen Bundesſtaaten
be=
reits ein Regierungsorgan beſitzen und die Hoffnung
aus=
geſprochen, daß die vielfach übereilten Beurteilungen,
welche die Staatszeitung noch vor ihrem Erſcheinen
er=
fahren mußte, einer ruhigeren Betrachtung Platz machen
werden, wenn längere Beobachtungen darüber vorliegen,
ob die Staatszeitung ihrer Aufgabe gerecht wird, die
darin beſteht, die Maßnahmen und die Politik der
Regier=
ung in ruhiger und beſonnener Weiſe zu vertreten. Das
Blatt betont, daß es als Regierungsorgan über den
Par=
teien ſtehen wolle und die Politik der Reichsleitung nach
beſten Kräften unterſtützen werde. — In einem beſonderen
Artikel widmet das Blatt dem verſtorbenen
Staats=
ſekretär v. Kiderlen=Waechter einen längeren Nachruf. Der
Tod des Staatsſekretärs ſei für das Auswärtige Amt und
die auswärtige Politik ein ſchwerer Verluſt in dieſer
ernſten Zeit.
Neues ſpaniſches Kabinett.
* Madrid, 31. Dez. Der König ſprach dem
Miniſter=
präſidenten Grafen von Romanones ſein
Ver=
trauen aus und beauftragte ihn mit der Neubildung
des Kabinetts. Das neue Kabinett ſetzt ſich
zuſam=
men, wie folgt: Präſident Graf Romanones, Inneres
Alba, Außeres Navarro=Reverter, Juſtiz Barreſe, Krieg
General Luque, Marine Amalio Zimeno, öffentliche
Ar=
beiten Villanueva, Unterricht Lopez Munez und
Finan=
zen Suarez Inclau.
Caſtro in New=York.
* New=York, 31. Dez. Der Dampfer „La
Tou=
raine” mit dem Expräſidenten Caſtro an
Bord iſt hier eingetroffen. Die Hafenbehörden brachten
Caſtro nach der Einwandererſtation Ellis Island, wo er
verbleibt, bis die Unterſuchung beendet iſt, ob er nach den
Einwanderergeſetzen zugelaſſen werden kann. In Ellis
Island wurde von ſeinem Blute eine Probe zur
mikrofko=
piſchen Unterſuchung entnommen. Es verlautet, Caſtro
habe eine anſteckende Krankheit, die einen Grund zu ſeiner
Ausſchließung bilden könnte. Die Behörden von
Venezuela ſind erſucht worden, Einzelheiten über
etwaige kriminelle Vergehen Caſtros einzuſenden, auf
Grund deren ſeine Ausſchließung nach dem amerikaniſchen
Geſetz gerechtfertigt erſcheinen würde. Das Erſuchen um
die Feſthaltung Caſtros kam vom Staatsdepartement.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
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fümerie und beſſeren Kolonialwarengeſchäften. (25I
Die neueſten Forſchungen auf dem Gebiet der
Kinder=
heilkunde haben gezeigt, daß bei der Ernährung
kleiner Kinder die Kohlenhydrate eine große Rolle
ſpielen. Ein Präparat, das ausſchließlich aus dieſem
zuckerartigen, chemiſch reinen Stoff beſteht und das
all=
täglich in den größten Kinderſpitälern mit ſicherem
Er=
folg verwendet wird, iſt die Löflund’sche Nähr-
Maltose. Solchen Müttern, deren Kinder nicht
ge=
deihen, kann die Löflund’ſche Nähr=Maltoſe empfohlen
werden. Auch älteren Perſonen, die an
Schwäche=
zuſtänden infolge Alters und ſchwerer Krankheiten
darniederliegen, empfiehlt ſich die Nähr=Maltoſe als
vorzügliches Kräftigungsmittel.
Aus dem Geſchäftsleben.
Man ſchreibt uns: Da das natürliche
Mineral=
waſſer von Fachingen (Königl. Fachingen) bei
ſeiner Füllung abſolut rein von Krankheitskeimen iſt,
ſei auf die ſchützende Wirkung hingewieſen, welche der
Genuß von Königl. Fachingen ſtatt des gewöhnlichen
Trinkwaſſers gegen die durch verunreinigtes Trinkwaſſer
entſtehenden Krankheiten wie Typhus uſw. bietet.
Dampfernachrichten.
Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: „Barcelona”, von Philadelphia und
New=
port News kommend, 29. Dez. 10 Uhr 40 Min. morgens
auf der Elbe. „Bosnia”, von Boſton und Baltimore
kommend, 20. Dez. 6 Uhr 40 Min. abends in Hamburg.
„Hoerde”, von Neworleans kommend, 29. Dez. 5 Uhr
nachm. Doper paſſiert. „Iſtria” nach Neworleans,
30. Dez. 1 Uhr 30 Min. morgens Doper paſſiert.
Preſident Grant” nach New=Pork, 20. Dez. 12 Uhr
15 Min. morgens Cuxhaven paſſiert. Preſident
Lin=
coln” 28. Dez. 3 Uhr nachm. von New=York über
Plymouth u. Cherbourg nach Hamburg, — „Cleveland‟,
erſte Weltreiſe, 27. Dez. 4 Uhr nachm. von Hongkong.
Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
„Rotterdam” 23. Dez. nachm. in New=York eingetroffen.
„Nieuw Amſterdam‟ 19. Dez. nachm. in Rotterdam
ein=
getroffen. „Roordam: 17. Dez. vorm. von New=York
abgegangen. „Ryndam‟ 24. Dez vorm. von New=York
abgegangen „Potsdam: 22. Dez. 6 Uhr 25 Min. nachm.
Lizard paſſiert.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute, am 1. Januar, verſchied nach langem,
ſchwerem Leiden unſer lieber Sohn, Bruder,
(126
Schwager und Onkel
Jakob Orth
im 27. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Oberpostschaffner Orth.
Darmſtadt, den 1. Januar 1913.
Die Beerdigung findet am Freitag, den
3. Januar, nachmittags 2 Uhr, vom Friedhofe
aus, ſtatt.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Todes=Anzeige.
Heute vormittag 8 Uhr verſchied nach
langem, ſchwerem Leiden mein innigſtgeliebter
Gatte, unſer Vater, Großvater, Bruder, Schwager
und Onkel
(IV119,1
Herr Hermann Simon
im faſt vollendeten 70. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Emma Simon, geb. Langenbach,
Hedwig Hanau, geb. Simon,
Johanng Simon, geb. Katz,
Cerf Hanau,
und 2 Enkel.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1912.
Die Beerdigung findet ſtatt: Donnerstag
nachmittag 3 Uhr, vom Portale des iſraelitiſchen
Friedhofes aus.
Von Kondolenzbeſuchen und Blumenſpenden
bittet man abſehen zu wollen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer guten Mutter
Frau Marie Fritages Wwe.
geb. Winter
ſagen wir innigſten Dank.
(133
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 2. Januar 1913.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während der Krankheit und bei dem Hinſcheiden
meines lieben Gatten
(134
W. Uhrig
ſage tiefgefühlten Dank Beſonders danke ich dem
Hern Pfarraſiſtent Herpel für die troſtreichen
Worte, ſowie den Schweſtern der Paulusgemeinde
und für die zahlreichen Blumenſpenden.
Die trauernde Gattin:
Katharine Uhrig.
Darmſtadt, den 2. Januar 1913.
Für die zahlreichen Beweiſe aufrichtiger
An=
teilnahme bei dem Ableben unſeres Vaters ſagen
(*37
innigen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Dilfer,
Familie Röder.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1912.
Meten
Großh. Hoftheater (Ab. A), Anfang 7½ Uhr: „Die
fünf Frankfurter”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Uniontheater, Rheinſtraße 6.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Von
der Beiſetzung des Prinz=Regenten Luitpold; zum
Grubenunglück auf der Zeche „Miniſter Achenbach” bei
Dortmund; die Friedensunterhändler der
Balkan=
ſtaaten und der Türkei.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 3. Januar
Hofreite=Verſteigerung des Wilhelm Hermann
(Kranichſteinerſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Stamm= und Brennholz=Verſteigerung im
Ober=Ramſtädter Gemeindewald (Zuſanmenkunft auf
der Straße Ober=Ramſtadt-Nieder=Modau am
Ein=
gang des Waldes).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Heute Donnerstag,
2. Januar
und folgende Tage:
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Neujahrs-Frogramm.
Edith und
Hertha Althoff
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des XX. Jahrhunderts.
Odys, lprische Tänze.
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bitte Wittmannſtr. 24, pt. (B11
Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, den 2. Januar 1913.
89. Abonnem.=Vorſt. A. 23.
Die fünf Frankfurter.
Luſtſpiel in 3 Akten v. Carl Rößler.
Perſonen:
Die alte Frau
. Minna Müller=
Gudula
Rudolph
Adolf Jordan
.Guſtav Semler
Richard Jürgas
. Kt. Weſtermann
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Jachwaldklab, Urtsgrappe Darmstadt
10. Wanderung
Sonntag, den 5. Januar 1913
nach Auerbach.
Anſelm,
Nathan,
(Salomon,
Karl,
Jakob,
Charlotte,
Salo=
mons Tochter . Käthe Gothe
Guſtav, Herzog v.
. Kurt Ehrle
Taunus
Prinzeſſin Eveline Barb. Uttmann
Fürſt von
Klaus=
thal=Agordo . . Heinrich Hacker
Die Fürſtin
.Hanna Raffay
Graf Fehrenberg,
Hofmarſchall . . W. Riechmann
Frau v. St.
Ge=
orges
. Käthe Meißner
Baron Seulberg. Emil Kroczak
Der Domherr
Paul Eisner
KabinettsratYſſel Paul Peterſen
Erſter Kammerd. K. Enzbrenner
Zweiterd. Herzogs Frz. Herrmann
Hofjuwelier Boel Herm. Knispel
Roſa, ) im Hauſe Agn. Wisthaler
Lies= der Frau
chen, ) Gudula Em. Mühlpfort
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe.
Krank: Alfred Stephani.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M.,
Mittel=
loge 6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.—6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
14.—20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
2.25 M., I. Gal. 1.25 M., II. Gal.
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Anf. 7½ Uhr. — Ende 10 Uhr.
Kartenvk. v. 9½—1½ u. v. 6½ U. an.
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Freitag, 3. Jan. 90. Ab.=Vorſt.
D 22. „Wenn ich König
wäre.” Kl. Pr. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 4. Jan. 91. Ab.=Vſt.
C 23. „Jedermann.‟ Gew.
Preiſe. Anfang 8 Uhr.
Sonntag, 5. Jan. Nachmittags
2½ Uhr: 15. Volksvorſtellung zu
ermäß. Preiſ. „
DerG’wiſſens=
wurm” Vorverkauf bis einſchl.
Samstag, 4. Jan., nur im
Ver=
kehrsbüro, Ernſt=Ludwigsplatz.
Verkauf der noch vorhandenen
Karten an der Tageskaſſe im
Hof=
theater am Tage der Vorſtellung,
vormittags von 11 Uhr ab.—
Abends 7 Uhr: 92. Ab.=Vſt. A 24.
„Die luſtige Witwe.‟
Ge=
wöhnliche Preiſe.
enaa Wlallaſſee
„
H
0 6
al
über 34,000 ähnlich lautende ſchriftliche Anerkennungen!
Uiſion am Kirchbergteich.
Zwei Menſchen ſtehen am Waldesteich,
Die Hände feſt verſchlungen,
Ihr Antlitz iſt ſo mondesbleich,
Verſtummt ſind ihre Zungen.
Die Herzen faßt ein wildes Weh.
Die Trennungsglocken klingen, —
Zu ihren Füßen der ſtille See
Soll ihnen Frieden bringen.
In ihrer Bruſt, da glühten leis
Einer ſündigen Liebe Flammen, —
Nun ſchlagen über den Flammen heiß
Die kühlen Waſſer zuſammen.
R. M.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Crwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Viertes Hofmuſik=Konzert. Nach
mehrjähriger Pauſe wird ſich in dem am 6. Januar im
Hoftheater ſtattfindenden Konzert der Hoſkapelle einer
der größten und genialſten Meiſter des Violoncellſpiels,
Herr Profeſſor Hugo Becker, wieder einmal in
Darm=
ſtadt hören laſſen. Bei der anerkannten und heute noch
in nichts zurückgetretenen hohen Bedeutung Hugo Beckers
erſcheint jedes Wort der Reklame überflüſſig. Wer
ſei=
nem tiefbeſeelten Spiel auf dem unvergleichlich ſchönen
„Stradivarius” den er beſitzt, einmal gelauſcht hat, wird
die Gelegenheit kaum verſäumen, ihm wieder zu
begeg=
nen. Das von ihm zum Vortrag gewähtte Konzert von
Dvorak iſt eines der prächtigſten Werke der Violoncell=
Literatur. Im zweiten Programmteile ſpielt Herr Becker
noch eine Sonate des 1686 in Venedig geborenen B.
Marcello. Webers glänzende Euryanthen=Ouverture und
die neueſte Schöpfung von Reger, ein „Konzert im alten
Stil” werden vom Orcheſter dangeboten.
Landwirtſchaftliches.
Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 24. bis 30. Dezember.
Wie ſtets zwiſchen Weihnachten und Neujahr, beſtand
auch diesmal wenig Neigung zu geſchäftlichen
Unternehm=
ungen. Die Forderungen der Exportländer für Weizen
haben keine nennenswerte Aenderung erfahren, und es
iſt bemerkenswert, daß Argentinien keineswegs mit dem
Angebot drängt, trotzdem die vom Ackerbauminiſterium
in Ausſicht geſtellte Weitzenernte von 5,4 Millionen
Ton=
nen gegenüber dem Vorjahre ein Mehr von 800000
Ton=
nen bedeuten würde. In Amerika haben die Zufuhren
in letzter Zeit nachgelaſſen, und da man bereits ziemlich
viel exportiert hat, ſo iſt man drüben etwas vorſichtiger
geworden, und zwar umſomehr, als die ruſſiſche
Konkur=
renz ſich immer noch wenig fühlbar macht. Eine weitere
Stütze fand die auf dem Weltmarit herrſchende feſtere
Tendenz in den mäßigen Wochenverſchiffungen, die
dies=
mal nur 188000 Tonnen gegen 243000 Tonnen im
Vor=
jahre erreichten. Auf den deutſchen Getreidemärkten
herrſchte die um die Jahreswende gewohnte
Geſchäfts=
ſtille; nur am Berkiner Lieferungsmarkte ging es lebhaft
zu, indem Dezember=Deckungen für Weizen wie für
Rog=
gen eine größere Kursanſpannung herbeiführten. Bei
Weizen macht die Abwickelung der Dezemberlieferung
in=
ſofern Schwierigkeiten, als das inländiſche Material zum
größten Teile nicht den kontraktlichen Anforderungen
entſpricht, ausländiſcher Weizen ſich für dieſen Zweck
aber zu teuer ſtellt. In Roggen fanden die zum
größeren Teile kontraktlichen Andienungen bei einer
Mühle Aufnahme, und da man nicht rechtzeitig dafür
ge=
ſorgt hatte, genügend Ware herbeizuſchaffen, um allen
Verpflichtungen gerecht zu werden, ſo mußten die
Schuld=
ner ihre Nachläſſigkeit mit wachſendem Aufgelde büßen.
So ging Weizen von 206¾ Mark auf 210½ Mark, Roggen
von 174 Mark auf 182 Mark, während Mailieferung bei
Weizen und Roggen ungefähr wie vor acht Tagen ſchließt.
Auch für Hafer bewirkten einige Deckungen eine mäßige
Befeſtigung. Das Provinzangebot hat merklich
nachge=
laſſen, und wenn auch noch keine rechte Kaufluſt beſtand,
ſo war die Stimmung im allgemeinen doch etwas feſter
und ſchließlich ſogar ein kleiner Preisfortſchritt
ſeſtzu=
ſtellen. Futtergerſte war infolge von Deckungen der
zwei=
ten Hand, die viel vorverkauft halte, feſt und namentlich
für Dezember um 2—3 Mark höher gehallten. Die
For=
derungen für Mais waren vom La Plata um 1½ Mark
höher, von Amerika um ebenſoviel niedriger. Der
Ver=
kehr in dieſem Artikel blieb weiter ſtill. — Es ſtellten ſich
die Preiſe für inländiſches Getreide am letzten Marktage
wie folgt:
Hafer
165½ (* 1
Königsberg.
166 (—
172
Danzig
190
162
164
Stettin
160
162 (—
193
Poſen
.193
162
162
Breslau
. 200
176 (*4½) 198
Berlin
167
185
Magdeburg . 195
. 199
173 (—
Halle
190
190
169
Leipzig
190
195
Dresden.
171
185
Roſtock
163
Hamburg
. 200
174
190
Hannover
.188
176
180
Düſſeldorf
. 208
185
185
Frankfurt a. M. 210
180
195
Mannheim . . 212½(
190
182½
Straßburg . . 215
187½
195
-
München
219
1
184
178
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Dez. 210,50 (- 3,75),
Mai 209 (— 0,25), Peſt April 198,50 (*1,50), Paris
Dez. 220,65 (— 2,05), Liverpool März 165,80 (T1,35),
Chicago Dez. 132 (—0,95), Roggen: Berlin Dez. 182
(*8), Mai 174,25 (*0,25), Hafer: Berlin Dez. 173
(* 1,25), Mai 173,75 (*0,50), Futtergerſte Südruſſ.
frei Hamburg unverzollt Dez. 138,50 (*2,25), Mais:
La Plata ſchwim. 110,50 (*1,50), Mixed Dez.=März 107
(— 1,50) Mark.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 31. Dez. (
Fruchtmarkt=
bericht.) Der Verkehr am Wochenmarkt blieb wieder
ſehr ſtill und auch die Veränderungen waren für alle
Sor=
ten geringfügig. Landweizen und Landroggen wurden
reichlich angeboten, doch beſtand nur für beſſere
Qualitä=
ten einige Nachfrage. Gerſte und Hafer mäßig gehandelt,
ohne Preisänderung. Mais kommt jetzt ſtärker zum
An=
gebot und iſt williger. Futtermittel und Mehl ſtetig.
Der Mannheimer Getreidemarkt war
un=
verändert bei beſchränkten Umſätzen. — An der
Ber=
liner Produktenbörſe wurde die
Dezember=
ſchwänze für Weizen und Roggen fortgeſetzt; es beſteht
immer noch Deoouvert für Dezember, und die zur
Liefer=
ung Verpflichteten wurden von den Wareninhabern
wei=
ter gezwungen, die geforderten höheren Preiſe zu
bewilli=
gen. Maiſichten blieben vernachläſſigt. Laplata=Weizen
war zurückhaltend, zumal Italien und Frankreich
neuer=
dings dafür Käufer ſind. Hafer war ruhig, ſowohl für
ſofort als für Lieferungszeit, bei unveränderten
Forder=
ungen. — Nach den letzten Kabelnachrichten von den
amerikaniſchen Getreidemärkten war
Wei=
zen anfangs feſt, da die Statiſtik über die
Weltverſchiffun=
gen umfangreiche Exportgeſchäfte und höhere Preiſe an
den nordweſtlichen Produktenmärkten zur Kaufluſt
anreg=
ten. Infolge großer Zufuhren trat ſpäter eine kleine
Ab=
ſchwächung ein; doch bewirkten die Meldungen von
um=
fangreichen Verſchiffungen an den Seeplätzen ſchließlich
wieder Befeſtigung, da auch viele Deckungen
vorgenom=
men wurden. Mais ebenfalls bei Schluß gut behauptet
im Einklang mit dem Weizenpreis. Die ſichtbaren
Wei=
zenvorräte ſind dort in dieſer Woche von 67.93 Millionen
Buſhels auf 70.72 Mill. Buſh. und die Maisvorräte von
3.79 Mill. Buſh. auf 5.21 Mill. Buſh. geſtiegen. In Ka=
nada erhöhten ſich die Weizenvorräte in dieſer Woche von
17.39 Mill. Buſh. auf 22.68 Mill. Buſh.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen, hieſiger und Wetterauer 21.00,
Nord=
deutſcher 21.00, Kurheſſiſcher 21.00, Ruſſiſcher 22.75—23,
Redwinter 22.50—23.25, Rumäniſcher 22.75—23, Laplata
22—23, Manitoba 22.50—23.50, Kanſas 23.50—24, Walla=
Walla 22.50—23.50; Roggen, hieſiger 18.00, Bayeriſcher
(Pfälzer) 18—18.10, Ruſſiſcher 19—20, Amerikaniſcher —,
Rumäniſcher 19—20: Gerſte Pfälzer 21.50—22, hieſige
und Wetterauer 20.75—21.25, Riedgerſte 21.25—21.75,
Fränkiſche 21.25—21.75, Ungariſche —; Hafer hieſiger
19—20, Bayeriſcher 19—20, Ruſſiſcher 20—21,
Amerika=
niſcher 19.50—20, Rumäniſcher 20—21; Mais mixed 15.25
bis 15.50,Ruſſiſcher 15.30—15.60, Donaumais 15.30—15.50,
Rumäniſcher 15.30—15.60, Laplata 15.20—15.40, Weißer
Mais 15.30—15.50, Weizenſchalen 10.50—10.75,
Weizen=
kleie 10.50—10.75, Roggenkleie 10.75—11, Futtermehl 14—
16, Biertreber getrocknet 13.75—14.50, Futtergerſte 16 bis
16.50; Weizenmehl hieſiges (Baſis ab Mannheim)
Nr. 0 30.75—31, feinere Marken 31.25—31.50, Nr. 1 30 bis
30.25, feinere Marken 30.50—30.75, Nr. 2 28.50—28.75,
feinere Marken 29—29.25, Nr. 3 27—27.25, feinere Marken
27.50—27.75, Nr. 4 24—24.25, feinere Marken 24.50—24.75;
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geb. Schachtel, Witwe des Hofmuſikdieners, 76 J., ev.,
Kranichſteinerſtraße 54. Redakteur Wilhelm Schulze,
29 J., ev., Schloßgartenſtraße 9½. Privatier Ludwig
Streb, 68 J., kath., Götzenhain. Am 29.: Großh.
Pfandmeiſter i. P. Karl Daubert, 69 J., ev.,
Hein=
heimerſtraße 63. Am 28.: Taglöhner Georg Müller,
77 J., ev., Obergaſſe 44. Am 30.: Wilhelm Bär, Sohn
des Schloſſers, 5 Mte., ev., Heinrichſtraße 131. Am 29.:
Helene Ingelfinger, geb. Stelz, Ehefrau des
Maſchi=
nenarbeiters, 70 J., ev., Waldſtraße 23. Am 30.: Marie
Fritzges, geb. Winter, Witwe des Rentamtsdieners,
82 J., kath., Erbacherſtraße 67.
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(*2
im 2. Feiertag wurde a. d. Wege
vom Heſſ. Hof zum Theater
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ver=
loren. Der Finder w. gebeten (da
Andenken) dieſelbe geg. Bel. i. d.
Exp. d. Bl. abzugeben. (66dfs
gefunden während der Feiertage
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ſchuldigen laſſen und gleichzeitig
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Dr. K. Schlippe und Frau,
Sanitäts=
rat Dr. Wilhelm Orth und Frau,
Ingenieur C. Barth und Frau,
Regierungsbauführer R. Schreiner
und Frau, Rechtsanwalt Dr. E E.
Hoffmann II., Fräulein A.
Pfann=
müller, Frau Emilie Schäfer,
Ger=
trud Schäfer, Ruth Schäfer,
Fräu=
lein Ilſe Hoffmann, Frau Dr.
Karl Reuling.
36 1.
Donnerstag, 2. Januar.
1913.
Me e
Frühjahr und Herbſt 1913 ſtatfindenden Pferde= und Fohlenmärkten ſe eine Verloſung
von Pferden, Fohlen, Pferdegeſchirren, landwirtſchaftlichen Geräten und ſonſtigen
Gegenſtänden zu verbinden, deren Ziehung am 21. Mai bezw. 15. Oktober 1913
ſtatt=
finden ſoll.
Das Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur
Ver=
anſtaltung dieſer Verloſungen unter der Bedingung erteilt, daß jedesmal bis zu
30000 Loſe zu 1 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 50% des
Bruttoerlöſes aus dem Verkauf der Loſe zum Ankauf von Gewinnaegenſtänden zu
verwenden ſind.
Der Vertrich der Loſe in Großherzogum deſen iſt geſtaltet.
Der Gemeindevorſtand von Biebesheim beabſichtigt mit dem daſelbſt am 4. März
1912 abzuhaltenden Zuchtviehmarkte eine Verloſung von Zuchtwieh zu verbinden.
Das Großh. Miniſterium des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis zur
Ver=
anſtaltung dieſer Verloſung unter der Bedingung erteilt daß bis zu 10 000 Loſe zu
1 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindeſtens 60% des Bruttoerlöſes
aus dem Verkaufe der Loſe zum Ankauf von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind.
Der Vertrieb der Loſe im Großherzogtum Heſſen iſt geſtattet.
(4
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Puppenhut. 1 engl. Schraubenſchlüſſel. 1
Damen=
filbergürtel. 1 Brille mit Futteral. 2 Damenſchirme. 1 ſilb.
Finger=
hut. 3 große Schlüſſel. 1 großes Hundehalsband mit Nickelbeſchlag.
1 Hammer, 2 Schlüſſel (zuſammengebunden). 1 Handwagen. 1
Sturm=
laterne. — Zugelaufen: 1 Truthenne.
(16
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. 1 deutſcher Schäferhund, 1 Spitzhund,
1 Pinſcher, 2 Foxterrier, 1 Hofhund, 1 Dobermann (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
aus=
gelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(15
Warnung
vor dem unlauteren Geſchäftsgebahren von
Serienlos=
geſellſchaften.
Schon wiederholt iſt vor dem unlauteren Geſchäftsgebahren
zahlreicher in= und ausländiſcher, beſonders niederländiſcher und
däniſcher Unternehmer, ſog. Serienlos=Spielgeſellſchaften, gewarnt
worden.
Das Weſen dieſer Unternehmen beſteht darin, daß der
Unter=
nehmer einen Anteil an Serienloſen oder die Ausſicht auf den Gewinn
aus einer größeren oder kleineren Anzahl ſolcher Loſe verkauft, und
daß die Zahlung des Kaufpreiſes in der Regel in Raten erfolgen kann.
Der Vertrieb ſolcher Geſchäfte iſt ſtrafbar. Denn handelt
es ſich um den Verkauf von Gewinnausſichten, ſo iſt dies als
öffent=
liche Veranſtaltung einer Lotterie ohne obrigkeitliche Erlaubnis
an=
zuſehen (§ 286 des R.=Str.=Geſ. B.); werden Losanteile gegen
Teilzahlungen verkauft, ſo liegt ein Vergehen gegen § 7 des
Reichs=
geſetzes, betreffend die Abzahlungsgeſchäfte, vom 16. Mai 1894
(R.=Geſ.=Bl., S. 450) vor. Der gewerbsmäßige Verkauf von Losanteilen
wird aber auch in der Regel gegen das Heſſiſche Geſetz, betreffend
den Handel mit Anteilen und Abſchnitten von Loſen zu Lotterien
und Ausſpielungen, vom 11. April 1896 (R.=Bl. S. 47) verſtoßen.
Es kommt ferner das Heſſiſche Geſetz vom 14. Februar 1906
(Reg.=Bl. S. 45) in Betracht, wonach das Spielen in außerheſſiſchen
Lotterien, die nicht mit ſtaatlicher Genehmigung im
Großher=
zogtum zugelaſſen ſind, bei Geldſtrafe bis zu 600 Mark im
Großherzogtum Heſſen verboten iſt.
Wenn hiernach einerſeits derjenige, der einer derartigen
Serien=
losgeſellſchaft beitritt, nicht nur hierdurch ſich an dem ſtrafbaren Tun
des Unternehmers beteiligt, ſondern in den meiſten Fällen (ſofern es
ſich nicht ausſchließlich um im Großherzogtum Heiſſen zugelaſſene
Lotterie=Loſe handelt) ſelbſt eine mit empfindlicher Strafe bedrohte
Handlung begeht, ſo iſt andererſeits hiermit für ihn in den meiſten
Fällen auch eine erhebliche Vermögensſchädigung verbunden, wie
ſich aus nachſtehendem eraibt.
Die Serienlosgeſellſchaften beruhen faſt ohne Ausnahme
auf ſchwindelhafter Grundlage. Die Beitrittseinladungen laſſen
die Natur des Geſchäfts und die den Teilnehmern zuſtehenden Rechte
nicht klar erkennen. Das Publikum wird durch die Anpreiſung, daß
jedes Los gewinnt und Nieten nicht exiſtieren, ſowie durch die
fett=
gedruckten Geſamtbeträge der Gewinne angelockt. Dabei iſt meiſt nicht
bekannt und kann auch aus den Ankündigungen gar nicht erſehen
werden, daß die Zahl der Teilnehmer an den fraglichen Geſellſchaften
unbeſchränkt iſt, die Summe der einzelnen Beiträge den von dem
Unternehmer gezahlten Kaufpreis der Loſe um ein vielfaches
über=
ſteigen und daß deshalb der auf den Teilnehmer entfallende
Gewinn=
betrag faſt ausnahmslos nur einen verſchwindenden Teil der
Ge=
ſamtſumme der gezahlten Beiträge ausmachen wird. Dazu beſteht
nicht einmal die Gewähr, daß der Unternehmer ſich im Beſitze der
Loſe befindet, an denen die Teilnehmer einen Anteil erwerben ſollen.
Zweifel der letzterwähnten Art ſind namentlich hinſichtlich der
aus=
ländiſchen Unternehmer gerechtfertigt, welche das Geſchäft in
Deutſch=
land betreiben oder durch Agenten betreiben laſſen.
Wir ſehen uns veranlaßt auf dieſe Geſichtspunkte wiederholt
hinzuweiſen, da troßz häufiger Warnungen in der Preſſe, troßz
zahl=
reicher Beſtrafungen von Unternehmern derartiger Spielgeſellſchaften,
trotz der traurigen Erfahrungen vieler Spieler ſich immer noch Leute
finden, die auf die verlockenden Anerbieten hereinfallen, namentlich
wenn die Geſchäftsunternehmer unter einer hochtrabenden Firma wie
„Internationale Vereinsbank”, „Nationale Renten= und
Kreditbank=
oder dergl. auftreten.
Aus den angegebenen Gründen warnen wir auch davor, den in
letzter Zeit hieſigen Einwohnern zugegangenen Auforderungen
aus=
ländiſcher Bankfirmen zu folgen und als Vertreter dieſer Firmen
Teilnehmer für Serienlosgeſellſchaften zu werben.
Da ſowohl der Handel mit Losanteilen in der fingierten Form
des Geſellſchaftsſpiels als auch deſſen Unterſtützung ſeitens der
Zeitungen durch Aufnahme von Anzeigen und Proſpekten ſtrafbar
iſt, erſcheint es im Intereſſe der Allgemeinheit ratſam, die Aufnahme
derartiger Reklamen ſowie die Verbreitung ſolcher Proſpekte abzulehnen.
(26549id
Darmſtadt, den 27. Dezember 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Dora Friersche Stipendienstiftung
in Frankfurt a. M.
Die Stiftung zum Andenken an die ihnen früh entriſſene
Tochter Debora, genannt Dora, Trier von den Eltern errichtet, ſoll
ſittſamen (ledigen oder verwitweten) Perſonen weiblichen Geſchlechts
von mindeſtens vierzehn und höchſtens fünfundzwanzig Jahren ohne
Unterſchied der Konfeſſion, die in Frankfurt a. M. oder der Provin;
Starkenburg (Großherzogtum Heſſen) wohnen und die ſich als
Er=
zieherinnen (nicht Lehrerinnen), Handlungs= oder Gewerbegehilfinnen
oder in Haushaltungskenntniſſen ausbilden wollen, im Bedarfsfalle
eine Beihilfe (Stipendium) gewähren.
Wer ſich um eine Beihilfe aus der Stiftung bewerben will,
muß an die Stiftungsverwaltung ein eigenhändig geſchriebenes Geſuch
richten, welches eine gedrängte Darſtellung des bisherigen
Lebens=
ganges, insbeſondere des bisherigen Schulbeſuchs, ſowie die Angaben
des erwählten Berufs enthalten muß.
Dem Geſuch ſind beizufügen: 1. eine amtliche (obrigkeitliche)
Beſcheinigung über das Alter und den Wohnſitz der Geſuchſtellerin,
2. das Abgangszeugnis der zuletzt beſuchten Schule, bezw. bei Geſuchen
vor Entlaſſung aus der Schule das letzte Schulzeugnis.
Die Stiftung hat für das laufende Jahr 1913 Beihilfen zu
ver=
geben. Die Geſuche ſind vor dem 1. Februar 1913 an die Vorſitzende
Frau Berta Trier, 24 Wieſengu Frankfurt a. M., zu richten.
(24I
Frankfurt a. M., den 2. Januar 1913.
Die Verwaltung.
Bekanntmachung.
Donnerstag, 23. Januar 1913,
vormittags 9 Uhr,
ſollen die den Vereinigten
Kunſt=
druckereien, Geſellſchaft mit
be=
ſchränkter Haftung, zu Darmſtadt
zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
VI 448 1692 Hofreite
Fran=
kenſteinſtraße
Nr. 33,
VI 448¾/10 67 Hofreite daſelbſt
Nr. 33,
VI 449 313 Hofreite
Wein=
bergſtraße
Nr. 32,
VI 452 1041 Hofraum mit
Ab=
ort
Franken=
ſteinſtraße,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
Darmſtadt, 17. Dezember 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (VI25951
Bis auf weiteres als
Verwalter
der beiden, meinem verſtorbenen
Vater, Hrn. Kammerchorſänger i. P.
Ludwig Lang
gehörenden Häuſer (
Taunus=
ſtraße 19 und Kranichſteinerſtr. 57)
beſtellt, bitte ich ſämtliche noch
rückſtändigen und auch
zukünf=
tige Forderungen auf den Namen
„L. Lang Erben”
ausſtellen und an mich einſenden
(19ds
zu wollen.
Darmſtadt, den 30. Dez. 1912.
P. Lang, Bureauaſſiſtent,
Kranichſteinerſtr. 57
Mhteſchähr
Für unſere Weihnachtsbeſcherung
iſt uns außer einer größeren
An=
zahl von Kleidungsſtücken an
ein=
zelnen Geldbeträgen die Summe
von über 120 Mark übermittelt
worden. Wir ſagen allen gütigen
Gebern herzlichen Dank
(20
Für den Frauenverein d. Schloßbezirks:
D. Dr. Diehl. Pfarrer.
Zum Beitragen
der Bücher ꝛc. in den Abendſtund.
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im Schlachthof (Markthalle) und Kiesſtraße 21 ſind wieder eröffnet.
Es gelangt zum Verkauf beſtes holländiſches Rindfleiſch, alle
Stücke
zu 52 Pfg. das Pfund.
Weitere Verkaufsſtellen befinden ſich bei Herrn Karl Bauer,
Lauteſchlägerſtr. 13, Beſſungerſtraße 92 und Langegaſſe 7, letztere
vor=
erſt nur von 3 Uhr nachmittags an geöffnet. Hier gelten die gleichen Preiſe.
Zungen, Nieren, Leber, Hirn und Fett werden zu beſonderen
Preiſen verkauft.
(37a
Der Oberbürgermeiſter.
Verſteigerungs=Inzeige.
Donnerstag, den 2. Januar 1913, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtr. 16
öffent=
lich zwangsweiſe gegen Barzahlung beſtimmt:
a) 25 Paar Damen= u. Knabenſtiefel, 5 Paar
Kamelhaar=
ſchnallenſchuhe und 2 Mille Zigarren:
b) vorausſichtlich: 6 Büfetts, 8 Diwans, 6 Sofas,
9 Schreibtiſche, 10 Vertikos, 6 Kleider=, 2 Spiegel= und
2 Glasſchränke, 5 Fahrräder, 4 Waſchtiſche, 120 Paar Herren=
und Damenſtiefel, 3 Kommoden, 1 Pianino, 2 Trumeaus,
1 Kaſſenſchrank, 1 Landauer, 1 Rolle und 1 Rollwagen,
1 Pferd, 1 Hund, 2 Handtaſchen.
Ferner: gemäß § 1228 B. G. B.:
4 Kuxſcheine über je ein Kur eines
Steinkohlenberg=
werks und 1 Geſchäftsanteil.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1912.
(18
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.
Holz-Verſteigerung.
Donnerstag, 9. Januar l. J., vormittags 9 Uhr,
werden in der Gaſtwirtſchaft Krämer zu Roßdorf aus Forſtwartei
Beſſunger Forſthaus (Diſtrikt Wenzenwieſenſchlag, Grüner Teich,
Stockſchlaa und Lenzenhütte) verſteigert:
Scheiter, rm: 198 Buchen, 5 Hainbuchen, 3 Birken,
55 Eichen, 8 Erlen: Knüppel, rm: 148 Buchen, 14
Hain=
buchen, 1 Eſche, 2 Birken, 37 Eichen. 5 Erlen, 7 Fichten;
Reiſig, Wellen: 6070 Buchen, 20 Eſchen, 10 Obſtbäume,
80 Birken, 700 Eichen, 140 Erlen: Stöcke, rm: 97 Buchen,
35 Eichen, 1 Birke, 4 Erlen, 31 Kichten.
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung
einzuſehen.
Forſtwart Kolb zu Beſſunger Forſthaus wird das Holz auf
Verlangen vorzeigen.
(100
Die blau unterſtrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Darmſtadt, den 1. Januar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Hessische
Handelslehranstalt
Fernspr. 923. Darmstadt. Rheinstr.6
Durch Umbau bedentend erweitert.
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Diplomhandelslehrer Wilh. Siedersleben,
gerichtl. beeldigter Bücherrevisor.
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— Direktor Wilhelm Süss.
Gegründet 1878.
—Anmeldungen bis zum 6. Januar erbeten.
Auf Grund des § 6 der Schlacht= und
Fleiſchverkaufs=
ordnung für die Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt vom
25. Juli 1907 werden mit Zuſtimmung der
Stadtverord=
netenverſammlung vom 25. April 1912 für die Benutzung
des Schlachthofes und ſeiner Einrichtungen ſowie der mit
ihm in Betriebsgemeinſchaft ſtehenden, dem
Schlachtvieh=
verkehr dienenden ſtädtiſchen Anlagen und für den
Ver=
kehr in ihnen die nachfolgenden Beſtimmungen erlaſſen.
§ 1.
Aufrechterhaltung der Ordnung.
Die Ordnung im Schlachthof und in den mit dieſem
in Betriebsgemeinſchaft ſtehenden Einrichtungen wird von
dem Schlachthofdirektor und dem Schlachthofverwalter
ge=
handhabt, die hierbei durch das Perſonal des
Schlacht=
hofs, der Fleiſchbeſchau und der Trichinenſchau unterſtützt
werden.
Den Anordnungen der Beamten iſt unweigerlich
Folge zu leiſten.
Beſondere Anordnungen zur Aufrechterhaltung der
Ordnung werden durch Anſchlag bekannt gegeben. Wenn
nichts anderes ausdrücklich bemerkt wird, treten dieſe
An=
ordnungen drei Tage nach der Bekanntgabe in Kraft.
Bei wiederholter Weigerung, die zur
Aufrechterhal=
tung der Ordnung erlaſſenen Anordnungen zu befolgen,
kann Ausweiſung und Anzeige gemäß § 30 der Schlacht=
und Fleiſchverkaufsordnung ſtattfinden. Beſchwerden
gegen Anordnungen der Beamten ſind ſofort bei dem
Schlachthofdirektor, Beſchwerden gegen deſſen
Anordnun=
gen binnen acht Tagen bei dem Oberbürgermeiſter
vor=
zubringen (S. auch § 25).
Der Perſonen=, Eiſenbahn=, Fuhrwerks= und
Viehver=
kehr hat ſich, ſoweit nicht nachſtehend beſondere
Beſtim=
mungen getroffen ſind, nach den durch Anſchläge gegebenen
Weiſungen zu richten
Störungen der Ordnungen und des Verkehrs,
insbe=
ſondere ruheſtörender Lärm und ſonſtiger Unfug,
Beläſti=
gungen anderer in der Benutzung der Schlachthof=
Einrich=
tungen, Beſchädigungen und Mißbrauch von Geräten und
Inventarſtücken, der Waſſer=, Gas=, Licht= und
Dampf=
leitungen, der Betriebseinrichtungen für den Bahnverkehr
ſowie ungebührliche Verunreinigungen ſind verboten,
ebenſo das Rauchen in den Betriebsgebäuden und
Stal=
lungen.
§ 2.
Zutritt.
Der Zutritt zum Schlachthof, deſſen einzelnen
Be=
triebsgebäuden und den mit dem Schlachthof in
Betriebs=
gemeinſchaft ſtehenden Einrichtungen iſt allgemein
ge=
ſtattet:
a) Den dienſtlich erſcheinenden Beamten und
Bedien=
ſteten des Schlachthofs, der Fleiſchbeſchau und
Trichinen=
ſchau, den Gerichts=, Polizei=, Geſundheits= und
Veterinär=
polizei=Behörden ſowie den Beauftragten des
Oberbür=
germeiſters.
b) Den Metzgern und dem ihrem eigenen
Geſchäfts=
betrieb angehörigen Perſonal iſt der Zutritt nur zu
den=
jenigen Betriebsgebäuden und Einrichtungen erlaubt, in
denen ſie auf das Schlachten bezügliche Geſchäfte
augen=
blicklich zu erledigen haben. Das gleiche gilt für
Händ=
ler, Makler, Eigentümer von Schlachtvieh und deren
Be=
auftragte.
c) Den Angehörigen der im Schlachthof wohnenden
Beamten und Bedienſteten iſt der Aufenthalt im
Schlacht=
hof während der Schlachtzeit nur an den vom
Schlachthof=
direktor zugewieſenen Plätzen geſtattet.
d) Allen ſonſtigen Perſonen iſt der Zuteitt nur mit
beſonderer Erlaubnis des Schlachthofdirektors oder ſeines
Stellvertreters nach Empfangnahme der Eintrittskarte und
nach Abgabe der Erklärung geſtattet, daß kein Anſpruch
auf Schadenerſatz aus Vorkommniſſen irgend welcher Art
erhoben wird.
Kinder unter 14 Jahren dürfen die Schlachthallen
nicht, den Schlachthof im übrigen nur dann betreten, wenn
ſie ſich in Begleitung erwachſener Perſonen befinden.
§ 3.
Aufenthalt.
Der Aufenthalt im Schlachthofgebiet hat ſich auf die
Dauer der dort zu erledigenden Geſchäfte zu beſchränken.
§ 4.
Fuhrwerke.
a) Zufahrt. Fuhrwerke dürfen bei dem Abbiegen von
und zu der Fränkfurter Straße auf dem Wege von und
nach dem Schlachthof, im Schlachthof ſelbſt und auf der
Schlachthofſtraße nur im Schritt gefahren werden.
b) Aufſtellung. Es iſt verboten, Fuhrwerke länger vor
den Betriebsgebäuden ſtehen zu laſſen, als zur Be= und
Entladung notwendig iſt.
Beſpannte Fuhrwerke müſſen von einer erwachſenen
Perſon unmittelbar beaufſichtigt werden.
c) Zugtiere. Das Anbinden von Zugtieren auf den
freien Plätzen, in den Straßen und in den Wagenhallen
iſt nur mit Erlaubnis der Verwaltung geſtattet.
d) Kraftfahrzeuge. Die Benutzung von
Kraftfahr=
zeugen im Schlachthof unterliegt beſonderer von der
Ver=
waltung zu gebender Anweiſungen.
§ 5.
Handel mit Fleiſch.
a) Metzger. Der Handel mit Fleiſch und
Schlacht=
produkten iſt im Schlachthof ſelbſt nur den hieſigen
Metz=
gern unter ſich erlaubt. Metzger, welche das Patent als
nicht ſtändig ſchlachtende Metzger beſitzen, dürfen im
Schlachthof nur die Produkte aus eigener Schlachtung im
Anſchluß an dieſe verwerten.
b) Perſonal. Dem Perſonal des Schlachthofs, der
Fleiſchbeſchau und Trichinenſchau, den Schächtern,
Lohn=
ſchlächtern, den Gehilfen der Metzger und Händler, den
Lohnfuhrleuten und deren Perſonal iſt der An= und
Ver=
kauf von Schlachtvieh, von Fleiſch, Schlachtprodukten und
Abfällen ſowie jeder Zwiſchenhandel oder die Beteiligung
an ſolchem innerhalb des Schlachthofgebiets unterſagt.
Den im Schlachthof wohnenden Beamten und
Bedien=
ſteten iſt es mit Genehmigung des Direktors geſtatter
Fleiſch für ihren Bedarf im Schlachthof zu kaufen.
§ 6.
Schlachtvieh.
a) Zutrieb. Das Einbringen von
Schlacht=
vieh iſt, abgeſehen von den Fällen, in denen eine
Not=
ſchlachtung ſofort vorgenommen werden muß, nur durd
das Tor in der Schlachthofſtraße zuläſſig.
Andere Zugänge dürfen nicht benutzt werden, auch wenn
ſie geöffnet ſind.
Ueber die Zufuhr auf der Eiſenbahn gilt der § 24 der
Schlachthofordnung.
b) Aufſtellung. Das Anbinden von Schlachtvieh auf
freien Plätzen und den Straßen iſt nur mit Erlaubnis der
Verwaltung geſtattet.
e) Handel. Der Handel mit Vieh iſt im Schlachthof
unterſagt.
d) Ausländiſches Vieh; Sperrvieh. Die Behandlung
ausländiſchen und des unter polizeilicher Beobachtung
ſtehenden Viehes richtet ſich nach den jeweils gegebenen
veterinärpolizeilichen Beſtimmungen. Dieſe werden durch
Anſchlag an geeigneten Stellen bekannt gemacht.
e) Schweine und Kleinvieh. Schweine und Kleinvieh
ſind alsbald nach der Ankunft in die hierzu beſtimmten
Räume zu verbringen und dürfen von dort erſt nach
er=
folgter Beſichtigung durch den Fleiſchbeſchauer oder einen
Schlachthoftierarzt, nach den Schlachthallen übergeführt
werden.
k) Wartezeit. Die Ueberführung nach den
Schlacht=
hallen darf früheſtens eine Stunde nach dem Eintreffen
erfolgen.
§ 7.
Hunde.
a) Einfuhrverbot. Das Einbringen von Hunden, die
nicht zum Ziehen benutzt werden, oder nicht geſchlachtet
werden ſollen, iſt verboten.
b) Maulkorbzwang. e) Leinenführung. Zughunde
müſſen mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb
verſehen ſein, ſtets an der Leine geführt und für die Dauer
des Aufenthalts im Schlachthof in den Hundeſtällen
unter=
gebracht werden.
d) Verwahrung. Für die gehörige Verwahrung der
Hunde ſowie für jeden Schaden, den ſie anrichten, iſt der
Eigentümer verantwortlich.
Es iſt verboten, Hunde frei umherlaufen zu laſſen.
e) Biſſige Hunde. Biſſige und leicht reizbare
Zug=
hunde dürfen nicht eingeführt werden.
§ 8.
Stallungen.
a) Gebührenpflicht. Die Benutzung aller
Stallungen iſt gebührenpflichtig; ausgenommen von
der Gebührenpflicht iſt die Stallung für die Zugpferde
und die Zughunde hieſiger Metzger.
b) Aufſtellung der Tiere. Großvieh und Pferde ſind
in den Ställen an den vorhandenen Ketten feſtzulegen.
Das Anbinden mit Stricken iſt verboten. Kleinvieh und
Schweine ſind in den Buchten unterzubringen, deren
Türen geſchloſſen zu halten ſind.
Das unbefugte Verſtellen von Vieh, ſowie das
Oeff=
nen der Stalltüren oder Fenſter iſt unterſagt.
e) Verſicherung gegen Brandſchaden. Die
Verwal=
tung verſichert alles eingeſtellte Vieh unter Einſchluß der
Zugtiere gegen Feuersgefahr, und es wird im Falle des
Brandſchadens nach Maßgabe der von den
Verſicherungs=
geſellſchaften bezahlten Entſchädigungsſummen Erſatz
ge=
leiſtet. Eine Haftung für Unfälle jeder Art der
oben=
genannten Tiere innerhalb des Schlachthofgebietes
über=
nimmt die Verwaltung oder die Stadt nicht.
§ 9.
Behandlung des Viehes.
a) Melken der Kühe. Die Verwaltung kann das
Mel=
ken der Kühe anordnen.
b) Fütterungszwang. Alle aufgeſtellten Schlachttiere
werden zu den feſtgeſetzten Futterzeiten von Bedienſteten
des Schlachthofes gefüttert; Ausnahmen werden zugelaſſen,
wenn die Schlachtung innerhalb der nächſten ſechs Stunden
erfolgen ſoll und der Antrag auf Unterlaſſung der
Fütte=
rung eine Stunde vor der Futterzeit bei der Verwaltung
geſtellt worden iſt.
c) Futterabgabe und Fütterung. Die Verwaltung
ſtellt die Futtermittel und übernimmt die Fütterung,
beides gegen Bezahlung. Den Eigentümern oder deren
Vertretern iſt es nicht geſtattet, eigene Futtermittel
mit=
zubringen und verfüttern zu laſſen.
d) Futterzeiten. Die Futterzeiten werden durch
An=
ſchlag an den Zugängen zu den Ställen bekannt gegeben,
ebenſo die Art und Menge des für ein Stück Vieh zu
ver=
abreichenden Futters.
Anträge auf Abgabe anderer Futtermittel und
grö=
ßerer Mengen ſind bei der Verwaltung vorzubringen;
den Anträgen wird tunlichſt, jedoch nur gegen
Voraus=
zahlung entſprochen. Beſchwerden über ungenügendes
Gewicht oder mangelhafte Beſchaffenheit der Futtermittel
ſind ſofort bei der Verwaltung vorzubringen.
Den Schlachthofbedienſteten iſt jede ſelbſtändige
Ab=
gabe von Futter und Streu unterſagt.
e) Zurückgelaſſenes Futter. Das im Stalle
zurück=
gelaſſene Futter geht in das Eigentum der Verwaltung
über, ſoweit es nicht für andere gleichzeitig eingeſtellte
Schlachttiere desſelben Beſitzers ſofort verwendbar iſt.
§ 10.
Viehtransport.
a) Schweine und Kleinvieh. Der Transport von
Schweinen und Kleinvieh hat auf Wagen oder mittelſt
Strickführung zu geſchehen. Es iſt unterſagt, dieſe Tiere
frei, wenn auch unter Aufſicht, umher laufen zu laſſen.
b) Großvieh. Großvieh muß an Stricken geführt
werden; mehr als zwei Stück dürfen von einer Perſon
nicht gleichzeitig geführt werden.
c) Bullen. Für den Transport von Bullen im
Schlachthof gelten die Beſtimmungen der Schlacht= und
Fleiſchverkaufsordnung vom 25. Juli 1907, II, § 2, Abſ. 3.
d) Transportwagen. Der für den Großviehtransport
außerhalb des Schlachthofs beſtimmte Wagen wird an
Metzger und Private abgegeben. Die Benutzung des
Wagens iſt gebührenpflichtig. (Siehe Tarif.)
Die Hergabe des Wagens kann von der Hinterlegung
einer Geldſumme bis zu zehn Mark abhängig gemacht
werden. Der Entleiher hat vor der Empfangnahme des
Wagens auf der Verwaltung einen Revers zu
unterſchrei=
ben, der die näheren Bedingungen enthält.
§ 11.
Krankes Vieh.
Erkrankt ein Stück Vieh in Abweſenheit des Beſitzers,
ſo kann die ſofortige Tötung und, wenn geſetzlich zuläſſig,
auch die Ausſchlachtung von dem Schlachthofdirektor oder
ſeinem Stellvertreter angeordnet werden. Die Herausgabe
des Schlachtobjekts oder einzelner ſeiner Teile erfolgt
gegen Erſtattung der entſtandenen Koſten.
§ 12.
Verendetes Vieh.
Tot angekommenes, oder nach der Einfuhr verendetes
Vieh wird nach erfolgter tierärztlicher Beſichtigung von
der Verwaltung der Abdeckerei überwieſen. Der
Eigen=
tümer wird telephoniſch oder ſchriftlich benachrichtigt. Er
hat aber keinen Anſpruch darauf, daß das tote Vieh bis
zu ſeiner weiteren Verfügung im Schlachthof verbleibt.
Von der Verwaltung wird jeweils der Tatbeſtand
feſt=
geſtellt. Die Vornahme von Sektionen verendeter Tiere
iſt im Schlachthof verboten.
§ 13.
Fundſtücke.
a) Behandlung. Gefundene Gegenſtände oder
herren=
los angetroffene Tiere ſind bei der Schlachthofverwaltung
abzuliefern. Leichtverderbliche Gegenſtände werden, wenn
ihre Verwertung tunlich iſt, früheſtens ſechs Stunden nach
der im Schlachthof durch Anſchlag bekannt gemachten
Ein=
lieferung des Fundes meiſtbietend mit unbedingtem
Zu=
ſchlag im Schlachthof verſteigert. In gleicher Weiſe wird
verfahren mit herrenlos angetroffenen Tieren früheſtens
24 Stunden nach der Bekanntgabe durch die Verwaltung.
Dieſe iſt berechtigt, in dringenden Fällen die
Notſchlach=
tung vornehmen zu laſſen.
b) Abgabe. Gegen gehörigen Ausweis können die
Fundſtücke oder der Erlös aus deren Verſteigerung, in
jedem Falle jedoch erſt nach Erſtattung der entſtandenen
Koſten, von dem Eigentümer in Empfang genommen
werden.
e) Erlös. Der Erlös für verwertete Fundſtücke wird
ein Jahr lang zur Verfügung des Empfangsberechtigten
gehalten; nach dieſer Zeit fällt er der Schlachthofkaſſe
an=
heim.
§ 14.
Betriebszeit.
Der Schlachthof iſt geöffnet:
I. Für die Benutzung der Schlachträume gemäß § 7
der Schlacht= und Fleiſchverkaufsordnung vom 25. Juli 1907:
a) vom 1. September bis einſchließlich 30. April von 7 Uhr
vormittags bis 6 Uhr abends
b) vom 1. Mai bis einſchließlich 31. Auguſt von 6 Uhr
vormittags bis 6 Uhr abends.
II. Für den Kühlhausverkehr:
a) vom 16. April bis einſchließlich 31. Auguſt an
Werk=
tagen von 5 Uhr früh ab, an Sonn= und
Feier=
tagen von 5—9 Uhr früh.
b) vom 1. September bis einſchließlich 30. November an
Werktagen von 6 Uhr früh ab, an Sonn= und
Feiertagen von 6—9 Uhr früh.
c) vom 1. Dezember bis einſchließlich 15. Februar an
Werktagen von 7 Uhr früh ab, an Sonn= und
Feiertagen von 7—9 Uhr früh.
d) vom 15. Februar bis ſchließlich 15 April an
Werktagen von 6 Uhr früh ab, an Sonn= und
Feiertagen von 6—9 Uhr früh.
III. für die Nachunterſuchung von eingeführtem
friſchem Fleiſch an Werktagen von 7 Uhr früh ab, an
Sonn= und Feiertagen von 9—10 Uhr früh (Eingangstor
iſt Frankfurter Straße).
§ 15.
Zutrieb und Zufuhr von Schlachttieren.
Der Zutrieb und die Zufuhr von Schlachttieren in den
Schlachthof iſt nur für die Dauer der Schlachtzeiten (§ 7
der Schlacht= und Fleiſchverkaufsordnung vom 25. Juli
1907) geſtattet.
Zu andren Zeiten eintreffendes Vieh iſt in beſonderen
Ställen einzuſtellen.
§ 10.
Kontrolle des Eintriebs.
Die Einführung von Schlachtvieh in den Schlachthof
iſt erſt nach Abgabe der Quittung über die bezahlten
Ge=
bühren (Abſchnitt des Schlachtſcheins für den Eintrieb)
zuläſſig.
§ 17.
Ausfuhrverbot für eingeführte Tiere.
Zum Schlachten beſtimmte Tiere, welche in den
Schlachthof eingeführt worden ſind, dürfen aus demſelben
nicht mehr lebend fortgebracht werden; ausgenommen ſind
Schlachttiere, die nach § 13 der Schlacht= und
Fleiſchver=
kaufsordnung durch die Fleiſchbeſchau im lebenden
Zu=
ſtand zurückgewieſen worden ſind. Eine Rückvergütung
der Beſchaugebühren findet in dieſem Falle nicht ſtatt.
§ 18.
Benutzung der Wagenhalle.
Die Fuhrwerke der Metzger ſind in der Reihenfolge
der Ankunft in der Wagenhalle ordnungsgemäß
unter=
zubringen.
Iſt die Wagenhalle beſetzt, ſo ſind die Fuhrwerke an
beſonders anzuweiſenden Stellen aufzuſtellen.
§ 19.
Fahrräder.
Fahrräder dürfen nicht in die Betriebsgebäude
mit=
genommen werden.
§ 20.
Schlachthofſtallung.
Viehbeſchau vor Eintritt. Vor dem Einbringen des
Schlachtviehes in die Stallungen oder in die
Schlacht=
räume hat der Einführende die Vornahme der
Schlacht=
viehbeſchau zu veranlaſſen; die Beſchauer ſind verpflichtet,
die beſchauten Tiere amtlich zu kennzeichnen.
Die Kennzeichnung beſteht in dem Abdruck des
Dienſt=
ſtempels eines Fleiſchbeſchauers auf den Rücken des Tieres.
Der Einführende hat ſich zu überzeugen, ob das Tier
von dem Fleiſchbeſchauer beſchaut worden iſt.
Das Einbringen unbeſchauten Viehes in die
Stal=
lungen und die Schlachthallen iſt verboten.
§ 21.
Kennzeichnung des Viehes. Alles in die
Stallun=
gen des Schlachthofes eingeſtellte Schlachtvieh muß durch
Haarſchnitt oder auf andere Weiſe derart gekennzeichnet
ſein, daß ſich aus dem Zeichen der Eigentümer ermitteln
läßt.
§ 22.
Wartezeit vor der Schlachtung. Die Schlachtung des
Viehs darf erſt eine Stunde nach deſſen Eintreffen
er=
folgen. Ausnahmen ſind zuläſſig bei Schlachtvieh, das
direkt von auswärtigen Märkten auf der Eiſenbahn nach
dem Schlachthof gebracht wird, und bei denjenigen Tieren,
die alsbald nach der Ankunft im Schlachthof notgeſchlachtet
werden müſſen.
§ 23.
Schlachthalle.
a) Schlachtſcheine. Sofort nach dem Einbringen der
Tiere in die Schlachthallen ſind die Schlachtſcheine an den
dienſttuenden Fleiſchbeſchauer unaufgefordert abzugeben.
Vor Abgabe der Schlachtſcheine darf mit der
Schlach=
tung nicht begonnen werden.
Die Benutzung von Schlachtſcheinen, die auf einen
anderen Namen als den des Schlachtenden ausgeſtellt ſind,
iſt verboten.
Antrige auf Ueberſchreibung der Scheine auf andere
Namen ſind bei der Verwaltung vorzubringen.
b) Das Schlachten. Das Schlachten des Groß= und
Kleinviehs ſowie der Pferde und Schweine darf nur in
den hierzu beſtimmten Räumen und nur unter Benutzung
der dafür beſtimmten Gegenſtände erfolgen. Das gleiche
gilt für das Brühen von Schweinen, von Kalbsfüßen,
Sülzen und dergl.
e) Schlachträume. Die Verteilung der Schlachträume
und die Beſtimmung der Reihenfolge des Schlachtens
er=
folgt durch die hierzu beſtimmten Beamten des
Schlacht=
hofs, deren Anordnungen wegen Aufrechterhaltung der
Ordnung, Ruhe, Reinlichkeit uſw. bei Meidung von Strafe
und Ausweiſung unbedingt Folge zu leiſten iſt.
Montags nach 2 Uhr nachmittags hat ein Metzger
nur Anſpruch auf einen Schlachtplatz. Die
Arbeits=
plätze ſind während der Benutzung rein zu halten. Etwaige
Verunreinigungen ſind durch den Schlachtenden zu
be=
ſeitigen.
d) Geräte. Die von der Verwaltung geſtellten
Schlacht=
gerätſchaften, Karren und dergleichen, ſind nach der
Be=
nutzung zu reinigen und alsbald an den
Aufbewahrungs=
ort zu verbringen.
Sie dürfen nicht beſchädigt und nur zu ſolchen
Ver=
richtungen verwendet werden, zu denen ſie ordnungsgemäß
beſtimmt ſind.
e) Verkehr. Der mittlere Gang in den Schlachthallen
iſt für den Verkehr frei zu halten.
k) Anbinden von Vieh. Das Anbinden von Vieh an
Winden, Säulen und Zapfſtellen uſw. iſt verboten.
g) Abfälle. Die Haare von Kalbsköpfen und Füßen
dürfen nicht in die Brühkeſſel geworfen, die Klauen nicht
an den Rändern der Bottiche ausgeſchlagen werden. Das
Ausſchlagen und Ausſtechen der Rinderklauen darf nicht
in den Hallen und Kutteleien vorgenommen werden,
Darmſtücke, Haare und andere Teile von Schlachttieren
dürfen nicht in die Dunggefäße geworfen werden.
h) Häute. Die Häute ſeuchekranker oder
ſeuchever=
dächtiger Schlachttiere werden bis zur Ablieferung an den
Gerber oder bis zur völligen Trocknung von dem
Schlacht=
hofverwalter in polizeilichen Verwahr genommen.
i) Ordnung. Jeder Schlachtende hat bei ſeinen
Ver=
richtungen im Schlachthof für Aufrechterhaltung der
Ord=
nung und des Friedens ſowie für Förderung der
Ge=
ſchäfte zu ſorgen. Jeder Meiſter hat hierzu ſeine Geſellen,
Lehrlinge und ſonſtige für ihn arbeitende Perſonen
anzu=
halten. Er haftet für allen Schaden, der durch ſeine Leute
im Schlachthofe dem ſtädtiſchen Eigentum zugefügt wird.
k) Waſſerleitung. Die Benutzung der Waſſerleitung
ſteht jedem Schlachtenden nach der Reihenfolge des
Ein=
treffens frei. Schlachtprodukte ſowie Geſchirre, als
Stän=
der, Kübel uſw., dürfen unter den Zapfſtellen nicht ſtehen
gelaſſen, ſondern müſſen, ſobald ſie gefüllt ſind,
hinweg=
genommen werden.
1) Licht. Das Anzünden von Licht, die Handhabung
der Beleuchtungs= und Ventilationseinrichtungen, der
Dampf= und Waſſerzuleitungen zu den Brühkeſſeln iſt
lediglich Sache des Schlachthofperſonals und anderen
Perſonen verboten.
m) Leitungen. Das Behängen der Dampf=, Waſſer=
und Lichleitungen ſowie der Fenſterverſchliſſe und der
Winden mit Gegenſtänden iſt unterſagt.
n) Reinlichkeit. Die Entleerung und Reinigung der
Großviehmägen hat an den dazu beſtimmten Plätzen,
die=
jenigen der Mägen und Gedärme von Kleinvieh und der
Gedärme von Großvieh hat in den Kutteleien zu erfolgen.
Der Inhalt der Großviehmägen darf nicht auf den
Fußboden entleert werden.
Der Magen= und Darminhalt von Kleinvieh und der
Darminhalt von Großvieh iſt in die unter den
Arbeits=
tiſchen ſtehenden Kübel zu entleeren.
Die Harnblaſen der geſchlachteten Tiere ſind
unmittel=
bar in die Abflußrinnen zu entleeren.
o) Abfälle. Es iſt verboten, von anderen Metzgern
zurückgelaſſene Schlachtabfälle aufzuheben und
ungewen=
dete Därme, die auf dem Fußboden gelegen haben, einer
weiteren Bearbeitung zu unterziehen.
p) Räumung der Schlachtſtelle. Nach vollendeter
Schlachtung ſind die Schlacht= und Arbeitsplätze völlig zu
räumen und es ſind, abgeſehen von dem Fleiſch. alle Teile
alsbald aus der Schlachthalle zu entfernen. Im
Unter=
laſſungsfalle iſt die Verwaltung befugt, die ſofortige
Räumung zu verlangen und dieſe nötigenfalls auf Koſten
und Gefahr des Eigentümers des Schlachtviehs
vor=
nehmen zu laſſen.
Zurückgelaſſene Teile, außer dem Fleiſch, namentlich
Schlachtabfälle, gehen in das Eigentum des Schlachthofs
über und werden zu Gunſten des Schlachthofs tunlichſt
verwertet. Fleiſch, das über Nacht in den Schlachthallen
hängen bleiben ſoll, iſt derart zu kennzeichnen, daß der
Eigentümer ſofort ermittelt werden kann. Winden,
Hakenrahmen, Laufkatzen müſſen bis 11 Uhr vormittags
von dem Fleiſch der tags zuvor geſchlachteten Tiere
ge=
räumt ſein. Im Unterlaſſungsfalle iſt die Verwaltung
befugt, die ſofortige Räumung zu verlangen und ſie
nötigenfalls auf Koſten und Gefahr des Eigentümers des
Schlachtviehs vornehmen zu laſſen.
g) Schlachtungen nach Schluß der Schlachtzeit. Für
die Schlachtungen nach Schluß der Schlachtzeit ſind
be=
ſondere Gebühren zu bezahlen. (Siehe Tarif.)
r) Lohnſchlächter. Arbeitshilfe jeglicher Art darf auf
dem Schlachthof nur durch ſolche Perſonen (Lohnſchlächter
uſw.) geleiſtet werden, die nach Benehmen mit der Metzger=
Innung von dem Oberbürgermeiſter zugelaſſen worden
ſind.
Der Oberbürgermeiſter iſt befugt, ſolche Perſonen auf
einen beſtimmten Gebührentarif zu verpflichten.
Der Tarif wird im Einvernehmen mit der Metzger=
Innung und nach Anhörung der Lohnſchlächter pp.
feſt=
geſetzt.
Das Entgelt für Arbeitsleiſtungen muß in barem
Geld gegeben werden. Die ganze oder teilweiſe
Aus=
lohnung durch Ueberlaſſung oder Annahme von
Schlacht=
produkten iſt verboten.
s) Lohnfuhrleute. Für die Lohnfuhrleute und deren
Perſonal gelten die Beſtimmungen des vorſtehenden
Satzes hinſichtlich der Entlohnung für Fuhrleiſtungen.
§ 24.
Bahnverkehr
a) Bahnſendungen. Alle Bahnſendungen, die über
das Schlachthofgeleſe gehen ſollen, ſind der Verwalung
rechtzeitig vorher anzumelden; ausgenommen ſind die
regelmäßigen Großviehtransporte von den benachbarten
Schlachtviehmärkten.
b) Gebühren. Die Benutzung des
Schlachthof=
geleiſes iſt gebührenpflichtig. (Siehe Tarif.)
Bei nicht gemeldeten Sendungen kann die Annahme
verweigert werden. Das Entladen der mit Vieh
be=
ladenen Wagen iſt erſt nach erfolgter Gebührenzahlung
und im Beiſein eines Schlachthofbeamten zuläſſig.
Für den Eingang der Gebühren für die regelmäßigen
Viehſendungen von auswärtigen Märkten haftet zunächſt
der Verlader und im weiteren der Beſitzer der Tiere.
c) Entladen. Mit Vieh beladene Wagen ſollen über
Nacht nicht auf dem Schlachthofgeleiſe ſtehen bleiben.
In der Abweſenheit des Empfängers oder in Fällen
der Gefahr, oder zur Verhütung von Tierquälerei iſt die
Verwaltung befugt, eingetroffene Viehwagen zu öffnen
und zu entladen, eventuell auch Notſchlachtungen
vorzu=
nehmen. Sie übernimmt jedoch keine Haftung für die
Folgen dieſer Handlungen, ausgenommen im Fall eines
Verſchuldens ſtädtiſcher Beamten oder Bedienſteten. Es
iſt verboten, Großvieh nach dem Ausladen frei auf den
Rampen lauſen zu laſſen.
Vor erfolgter amtlicher Beſichtigung iſt das
Ent=
fernen des Viehs von den Rampen verboten.
d) Entladeſtelle. Zur alsbaldigen Schlachtung
be=
ſtimmtes Großvieh iſt auf der ſüdlichen Rampe im
Schlachthof auszuladen. Vieh, das nicht alsbald zur
Schlachtung kommen ſoll, ſowie unverkauftes oder
aus=
wärtigen Metzgern gehöriges Vieh darf auf dieſer Rampe
nicht ausgeladen werden. Metzger, die das Ausladen
ihres Viehs bei den regelmäßigen Sendungen verſäumen,
haben eine Gebühr (ſiehe Tarif) für die Aufwendungen
der Verwaltung an die Kaſſe im Schlachthof zu bezahlen,
abgeſehen von der Verpflichtung zur Zahlung des
eiſen=
bahnſeitig angeforderten Wagenſtandgeldes.
Das gleiche gilt für die Fälle, in denen die Verwaltung
veranlaßt war, in Abweſenheit des Eigentümers die
Ent=
ladung vorzunehmen, oder auf Anſuchen Beihilfe zu
leiſten.
e) Verkehr auf der Schlachthofſtraße. Für die Dauer
des Bahnverkehrs auf der Schlachthofſtraße iſt das
Ueber=
ſchreiten der Geleiſe, das Treiben von Vieh auf der Straße
ſowie das Befahren der Straße mit beſpannten
Fuhr=
werken verboten, es ſei denn, daß die Tiere geführt werden.
§ 25.
Strafbeſtimmungen.
Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften der
Schlachthof=Ordnung werden auf Antrag der Schlachthof=
Verwaltung oder des Oberbürgermeiſters gmäß § 30
der Schlacht= und Fleiſchverkaufsordnung beſtraft.
§ 26.
Zeit des Inkrafttretens.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage der
Bekannt=
gabe in Kraft.
Darmſtadt, den 18. Dezember 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
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20)
Bankier Scholz, ſein Oheim, war von der größten
Liebenswürdigkeit gegen Gretchen und erwähnte bei jeder
Gelegenheit den Neffen. Seltſamerweiſe war er jetzt ſehr
oft im Hauſe des Majors anweſend, und deſſen Geſicht
wurde immer ernſter und immer unruhiger ſeine Blicke
auf die Tochter. Manchmal war es, als ob er etwas ſagen
wollte, dann unterließ er es aber doch, und nur ein
Seuf=
zer glitt von ſeinen Lippen.
Es ſchien, als ob eine Wolke über dem Hauſe hing,
drückend und ſchwer, aus der jeden Augenblick der
ver=
derbliche Blitzſtrahl herniederfahren würde.
Margareta merkte nichts von den Sorgen, die den
Vater quälten. Früher wre ihr die kleinſte Veränderung
in ſeinem Ausſehen nicht entgangen; jetzt aber war ſie
faſt ganz weltentrückt — ſie lebte nur ihrer heimlichen,
ſeligen Liebe, die ſie mit unermeßlichem Glück erfüllte.
Nun war ſie es, die kaum den zwanzigſten Februar
er=
warten konnte, an welchem Tage ſie des Geliebten
Braut=
ſein würde!
Seine Braut!
Konnte es denn möglich ſein, daß es ſo viel Glück
gab? Sie preßte die Hände auf das klopfende Herz, als
ob dies ſo viel Seligkeit gar nicht zu faſſen vermöchte!
Ende Januar war es, und nur wenige Wochen
trenn=
ten ſie noch von dem heißerſehnten Ziele.
Gretchen war mit den Freundinnen auf der Eisbahn,
während Frau Claudia vorgezogen hatte, zu Haus zu
bleiben. Der Gatte hatte in der Stadt zu tun; ſo war
ſie allein und lag in ihrem luxuriös eingerichteten
Zim=
mer auf der Chaiſelongue, die Hände unter dem Kopf
verſchlungen — und ſann und grübelte.
Ihre ſonſt ſo ſchmachtenden Odaliskenaugen hatten
einen finſteren Blick, und die tiefe, ſenkrechte Falte
zwi=
ſchen den ſtarken Brauen verriet, daß die Gedanken der
jungen Frau nicht heiter waren.
Und in der Tat — ſie fühlte ſich höchſt unglücklich;
ihre Nerven waren auf das Aeußerſte geſpannt. Es
konnte ſo nicht weiter gehen — Ernſt Brand durfte nicht
mehr kommen.
Sie meinte ihn zu haſſen, war er fern, doch hörte ſie
ſeine wundervolle Stimme, ſah ſein kluges, vornehmes
Geſicht mit den ausdrucksvollen Augen, ſo ſchwand jedes
Gefühl des Haſſes, und ſie hatte nur ein Verlangen, das
ſie faſt übermächtig beherrſchte — in ſeinen Armen zu
ruhen, ſeine Lippen auf den ihren zu fühlen in heißem
Liebeskuß — und ſtatt deſſen mußte ſie ſehen, in welch
leidenſchaftlicher Bewunderung ſeine Blicke an der
Stief=
tochter hingen und jede ihrer Bewegungen verfolgten.
Das ging über ihre Kraft! Es mußte ein Mittel
ge=
funden werden, die beiden zu trennen — aber wie? —
Mitten in ihr Sinnen hinein tönte die Hausglocke.
Bald darauf wurde Herr Brand gemeldet. Wie elektriſiert
ſprang da Frau Claudia auf.
Ein Blick in den Spiegel, ein ordnender Griff nach
dem wohlfriſierten Haar, dann eilte ſie klopfenden Herzens
nach dem Sglon.
Ah, Herr Brand, welche Ueberraſchung — ſeien Sie
mir willkommen, empfing ſie ihn liebenswürdig.
Ich bringe dem Herrn Major die Münze, von der
ich maulich ſrnid, eugegeie Sunſß, uachden er die Dame
des Hauſes begrüßt hatte.
Darüber wird er ſich ſehr freuen — augenblicklich iſt
er nicht daheim; jedoch erwarte ich ihn jede Minute
zu=
rück. Aber wollen Sie nicht Platz nehmen, Herr Brand?
Bitte! Sie deutete auf einen Seſſel und ſetzte ſich ihm
gegenüber.
Nun war der heißerſehnte Augenblick da — ſie konnte
ihn allein und ohne Zeugen ſprechen. Noch immer hatte
ſie die Hoffnung auf ihn nicht aufgegeben — im tiefſten
Winkel ihres Herzens ſchlummerte ſie, und ſie wollte die
Macht ihrer Schönheit zu Hilfe nehmen!
Ernſt war ſehr ſchweigſam und das Geſpräch
ziem=
lich ſtockend zwiſchen beiden, da jeder ſeinen Gedanken
nachhing. Der Künſtler hoffte, die Geliebte zu ſehen; er
lauſchte auf jedes Geräuſch von Schritten, bis er auf eine
direkte Frage nach ihr die Antwort erhielt, daß ſie auf der
Eisbahn ſei, von Baron Riedberg, ihrem getreuen
Ka=
valier, abgeholt.
Sie ſah, wie bei dieſer Mitteilung ein Schatten über
ſein ſchönes Geſicht lief — augenſcheinlich war ihm das
nicht angenehm zu hören.
Da blitzte es in ihren Augen auf. Das war das
rechte Mittel, ihn zu quälen, ihn eiferſüchtig zu machen
und ihm den Standesunterſchied zu zeigen, der ihn von
der Majorstochter trennte.
Sie ſagte, jedes Wort ſorgfältig wägend und ihm
einen Doppelſinn unterlegend, wie begehrt Margareta
wäre — bei ihrem Vermögen allerdings kein Wunder.
Deshalb ſei ſie ſehr mißtrauiſch und ſähe in jedem
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nötig, bemerkte Ernſt, ein Weſen, das ſo viel Liebreiz und
Anmut in ſich verein, iſt wert, eine Königskrone zu tragen.
Ah, Sie ſind ja ſehr beredt und poetiſch, lieber Freund,
lachte Claudia etwas ſpöttiſch und mißgünſtig, Ihre
Ver=
ehrung für mein Fräulein Tochter läßt Sie ſehr einſeitig
ſein! — Für jedermanns Geſchmack ſind dieſe blonden
Heiligenbilder nicht —
Wohl aber für den meinen, gnädige Frau! Ich muß
geſtehen, daß Fräulein von Löwen für mich der Inbegriff
alles Schönen, Reinen und Guten iſt und daß ſie gar
nicht ihres Reichtums bedarf, um begehrenswert zu
er=
ſcheinen.
Ah, Ihren begeiſterten Worten nach zu ſchließen, darf
ich Sie wohl auch in der Reihe der Anbeter und Bewerber
meiner Stieftochter ſehen — in der Tat, ſehr intereſſant
— Ihre Stimme war förmlich von Hohn gerränkt.
Denken Sie, was Sie wollen, gnädige Frau, verſetzte
er kühl, indem er ſich erhob. Uebrigens möchte ich Ihre
Zeit nicht länger in Anſpruch nehmen.
Es war ihm unangenehm, noch länger mit Claudia
allein zu ſein — lieber wollte er gehen und auf das
Wie=
derſehen der Geliebten verzichten.
O, nein, Herr Brand, Sie ſtören durchaus nicht — ſie
klingelte und gab dem eintretenden Mädchen Auftrag,
Wein zu bringen, und in Gegenwart der Dienerin konnte
er nicht proteſtieren.
So, auf Ihr Wohl, Ernſt Brand, Sie vielgeliebter
Sänger — — mit rätſelhaftem Blick ſah ſie ihm in die
Auges — ah, wollen Sie mir nicht Beſcheid tun in falſcher
Baſhelbenheit St ſich ungeim = un dean aufdas,
was wir lieben —
Er trank nicht, ſondern wandte ſich zum Gehen. Nein,
was ſich die Frau dachte, ſollte nicht ſein — er hatte ein
Grauen vor ihr; förmlich abſtoßend erſchien ſie ihm in
ihrer bacchantiſchen Art, wie ſie da ſtand, den Kopf leicht
zurückgeworfen, die feuchten Lippen halb geöffnet und in
der hocherhobenen Rechten den Römer voll verlenden
Weines haltend.
— auch darauf wollen Sie nicht mit mir anſtoßen?
Sicher aber werden Sie es mir nicht verweigern, wenn
ich Sie bitte, mit mir auf Margaretas Glück zu trinken —
denn, was Sie als guten Freund unſeres Hauſes ſicher
intereſſieren wird: in Kürze werden wir Verlobung
feiern, und ich werde — puh, welch häßliches Wort —
Schwiegermutter — — und ſie lachte leicht, ein perlendes,
graziöſes Lachen.
Fragend blickte er ſie an — ſollte Gretchen gar ſchon
gebeichtet haben? Dann war ja alles gut! Aber da ſprach
Claudia auch ſchon weiter:
Sie ſchauen mich verwundert an — verſtehen mich
nicht — meine Stieftochter Margareta wird ſich in den
nächſten Tagen mit Baron Riedberg verloben! — Es ſollte
zwar noch Geheimnis bleiben; da Sie aber ſo viel
In=
tereſſe haben
Wirklich, gnädige Frau? — er lächelte leicht — dann
darf ich wohl auch jetzt ſchon meine Glückwünſche zu der
neuen Würde ausſprechen?
Ernſt durchſchaute gar wohl die Frau vor ihm — ſie
wollte Mißtrauen gegen die Aufrichtigkeit Margaretas
in ſeine Seele ſäen, und da war ihr jedes Mittel recht.
Eindie derſtand die Fenitein Eonſt Roten
üer=
dies ſah er ſehr ſiegesbewußt aus. Aber ſie ließ ſich nicht
aus der Faſſung bringen, ſondern fuhr in ſpöttiſchem
Tone fort:
Sie ſcheinen meiner Mitteilung wenig Glauben zu
ſchenken, edler Sänger — Sie haben ſich ſelbſt wohl gar
Hoffnung auf den kleinen Goldfiſch gemacht, gar nicht ſo
übel — doch geben Sie wohl acht, mein Freund, daß die
Trauben für Sie doch nicht zu hoch hängen! Baron
Ried=
berg iſt reich und ſeine Familie Uradel und eine der
an=
geſehenſten im Lande! Major von Löwen iſt ſehr
ahnen=
ſtolz und erkluſiv — trotz ſeiner künſtleriſchen Neigungen!
Nie würde er ſeiner Tochter geſtatten, unter ihrem Stande
zu wählen, und auch dieſe ſelbſt denkt nicht daran, in
die=
ſer Beziehung iſt ſehr hochmütig—
Das iſt ſie nicht, das weiß ich beſſer, unterbrach er
ſie rauh. Wider Willen hatten hatte er ihr zuhören
müſſen. Was Claudia ihm da geſagt, hatte er ſich ſelbſt
unzählige Male wiederholt — aber hatte er nicht das
Wort, den Kuß der Geliebten?
— woher wiſſen Sie das ſo genau, Verehrteſter? Ich
kenne Margareta, wie ſie iſt, und nicht nur wie ſie ſcheint
Ihnen und den anderen, die ſie mit der Unſchuldsmiene
betört! Und die Schwärmerei für den Künſtler iſt wohl
nicht ſo groß, daß ſie auch für die Ehe reicht; eine
Mar=
gareta von Löwen heiratet keinen gewöhnlichen
Sterb=
lichen — — auch Sie nicht, mein Freund! Seien Sie
vor=
ſichtig, Sie könnten ſonſt als Mitgiftjäger gelten.
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