Darmstädter Tagblatt 1912


21. Dezember 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 44 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Bei der Reichstagserſatzwahl im Wahlkreiſe
Reuß ä. L. wurde der ſozialdemokratiſche Kandidat
Cohen gewählt.
Die Sammlungen zur Nationalflugſpende
ergaben insgeſamt rund ſieben Millionen Mark.
Prinz Heinrich erließ als Protektor eine Dankſagung an
die Spender und Organiſatoren.
Bei den Landtagsproporzwahlen in Würt=
temberg
verlor die Deutſche Partei noch einen Sitz
an das Zentrum, ſo daß Rechte und Linke jetzt gleich
ſtark ſind.
Im preußiſchen Miniſterium des Innern wurden geſtern
die erſte deutſche Polizeikonferenz er=
öffnet
.
Durch Exploſion einer Granate auf dem Schieß=
platz
Unterlüß bei Celle wurden zwei Arbeiter und ein
Mädchen getötet.
Das öſterreichiſche Abgeordnetenhaus hat
geſtern das Kriegsleiſtungsgeſetz in dritter
Beſung mit 250 gegen 116 Stimmen angenommen.
Die italieniſche Kammer vertagte ſich bis
zum 6. Februar 1913.
Die Londoner Friedenskonferenz hielt am
Donnerstag nachmittag unter dem Vorſitz Venizelos
ihre dritte Beratung ab und vertagte ſich auf Sams=
tag
nachmittag 4 Uhr, da die türkiſchen Delegierten
ihre Inſtruktionen noch nicht erhalten haben. Der
König wird die Delegierten der Friedenskonferenz
am Samstag mittag empfangen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Politiſche Wochenſchau.

Die Diplomatie hat das Wort. In London be=
raten
die Herren Federfuchſer, wie der alte Marſchall Vor=
wärts
die Diplomaten zu bezeichnen pflegte, um zu ver=
derben
, was das Schwert errungen Ganz ſo ſchlimm
iſt es nun freilich nicht, die Balkanſtaaten werden aus
den Kämpfen nicht ganz ohne Gebietserweiterung hervor=
gehen
, freilich werden ſich allzu weitgehende Träume der
Mächte nicht erfüllen. Hat man es doch nicht bloß mit der
Friedenskonferenz zu tun, ſondern die ſo ſchön benamſte
Botſchafter=Reunion tagt zu gleicher Zeit, und ein be=
kanntes
Sprichwort ſagt ja, daß viele Köche den Brei ver=
derben
. Warten wir es ab. Man wird ſich in Geduld
faſſen müſſen, denn ſo ſchnell wird die Sache nicht von
ſtatten gehen. Die Türken laſſen ſich viel Zeit, in ihrer
ſtoiſchen Ruhe haben ſie ſich noch nie beeilt, namentlich
in unbequemen Fragen, und gleich nach Eröffnung der
Verhandlungen begannen ſie mit ihrem alten Geduldſpiel.
Die Frage iſt die, ob die griechiſchen Friedensdelegierten
zugelaſſen werden ſollen, ſo lange Griechenland den Waf=
fenſtillſtand
noch nicht unterzeichnet hat, ſondern die
Kämpfe mit den Türken fortſetzt. Man erhob türkiſcher=
ſeits
ſofort Proteſt gegen die Teilnahme der griechiſchen
Unterhändler mit dem Erfolge, daß die Verhandlungen
eine, wenn auch nur kurze Vertagung erfahren mußten.
Gegenüber dem türkiſchen Standpunkt wird geltend ge=
macht
, daß auch während der Verhandlungen in der
Schweiz ſeinerzeit der Krieg zwiſchen Italien und der
Türkei ſeinen Gang weiternahm und man hierin keinen
Hindernisgrund fand. Nun, man wird ſich wohl auch in
dieſer Frage einigen, um das ganze ſchwere Werk nicht zu
ſtören. Allzu viel Optimismus iſt allerdings auf keiner
Seite vorhanden, und vielleicht iſt das ganz gut, wenig=
ſtens
bleiben dann die bitteren Enttäuſchungen erſpart.
Bezeichnend für die Auffaſſung der Situation iſt ein In=
terview
, das der bulgariſche Friedensdelegierte einem Zei=
tungskorreſpondenten
gab und worin er kurzerhand er=
klärte
, daß, wenn die Verhandlungen ſcheitern ſollten man
ſich bei Tſchataldſcha wiederſehen würde. Die Geiſter
werden zweifelsohne ſcharf aufeinanderplatzen, insbeſon=
dere
bei der Frage der Gebietsabtretungen. Es ſpielen
hier noch andere Probleme hinein, deren Kompliziertheit
eine ſchnelle Löſung nicht erwarten läßt. Ueberhaupt iſt
die Lage recht ungeklärt. Das gilt beſonders von dem
Konflikt zwiſchen Oeſterreich=Ungarn und Serbien; bald
ſpricht man von einer Zuſpitzung, bald wieder von einer
Entſpannung. Begreiſlich iſt es aber, wenn man ſich in
der Donaumonarchie auf alle Eventualitäten beizeiten
vorbereitet und ſich von den Ereigniſſen nicht überraſchen
laſſen will. Weiß man doch nicht, welchen Gang die Bot=
ſchafterkonferenz
in London nehmen und ob man dort zu
einem Reſultat kommen wird. Es handelt ſich dabei mehr
um eine akademiſche Erörterung, das Ergebnis dieſer Kon=
ferenz
wird man daher aller Wahrſcheinlichkeit nach nicht
zu hoch veranſchlagen dürfen, ganz abgeſehen davon, daß
auf dem Balkan der Kriegszuſtand fortdauert. Zu Lande
und zu Waſſer waren in den letzten Tagen ſchwere Ge=
fechte
zu verzeichnen.
In ſo bewegten Zeiten wie den jetzigen begrüßt man
es doppelt, wenn die leitenden Staatsmänner der verſchie=
denen
Mächte das Wort ergreifen, um ſich zur Lage zu

äußern, nur haben ſie leider zumeiſt die Gepflogenheit, ge=
rade
in den Punkten, auf die es am meiſten ankommt, zu
verſagen, und es iſt keine Seltenheit, daß ihre Auslaſſungen
wichtiger ſind in dem, was ſie verſchweigen, als was ſie
ſagen. Auf der neugewählten Duma iſt endlich die ſeit
langem erwartete Rede des Miniſterpräſiden=
ten
Kokowzow vonſtatten gegangen, und man muß
ſagen, daß ſie, obwohl ſie keine Klärung bringt und ver=
ſchiedene
Deutung haben kann, doch in erſter Linie als
ein Manifeſt des Friedens angeſprochen werden darf. Als
ein ſolches wurde ſie nicht nur in Paris und in London,
ſondern auch in Wien beurteilt. Dieſer Auffaſſung zu
widerſprechen, liegt kein zwingender Grund vor. Aller=
dings
hat Kokowzow die Haltung Rußlands gegenüber
dem öſterreichiſch=ſerbiſchen Gegenſatz nicht mit der Klar=
heit
umſchrieben, die der öffentlichen Meinung willkommen
geweſen wäre, und an einer verſteckten Kritik der von
der Donaumonarchie beſolaten Balkanpolitil hat er es
auch nicht fehlen laſſen. Dabei muß aber berückſichtigt
werden, daß Kokowzow die überlieferte Orientpolitik Ruß=
lands
nicht vergeſſen konnte, und der Preſtigepolitik des
ruſſiſchen Panſlawismus gerade deshalb redneriſche Zu=
geſtändniſſe
machen durfte, weil ihr die amtliche Politik
Rußlands nicht entſprach. Unter ſolchen Umſtänden
braucht nicht jeder einzelne Satz Kokowzows auf die Gold=
wage
gelegt zu werden. Haben doch die Times in der
Hauptſache recht, wenn ſie den Nachdruck auf die Erklärung
legen, daß Kokowzow die großen Mächtegruppen nicht
gegeneinander ausſpielen wolle. Im übrigen müſſen den
Worten Kokowzows ſehr bald ruſſiſche Taten in Geſtalt der
Stellung folgen, die Rußland auf der Botſchafter= Ver=
einigung
einnimmt. Was über deren Ergebnis demnächſt
bekannt gegeben werden wird, iſt beſſer als irgend welche
Konmentare geignet, die wahre Nakur der Dumarede
Kokowzows erkennen zu laſſen.
Wenn Kokowzow ſagte, daß das Vorhandenſein
zweier Mächtekonſtellationen keinen Grund zur Beunruhi=
gaung
gebe, daß vielmehr beide ſehr gut zuſammenwirken
könnten, ſo hat zufällig einen ähnlichen Gedanken faſt zur
ſelben Stunde ein leitender Staatsmann der Dreibund=
mächte
ausgeſprochen. In der italieniſchen Kammer hielt
der Miniſter des Aeußern di San Giuliano auf
eine Intervellation über die vorzeitige Erneuerung des
Dreibundes eine längere Rede, die bei aller Betonung
der Vorteile des Dreibundes für ſeine Angehörigen eine
durchaus friedliche Tendenz verriet. In dem augenblicklich
herrſchenden Wirrwarr hat man wenigſtens die Beruhi=
gung
, daß die Mächte alles daran ſetzen, um Unbeſonnen=
heiten
zu verhindern; ob ihr Bemühen freilich am letzten
Ende von Erfolg ſein wird, iſt eine andere Frage.
Schwere Stunden hat man wieder einmal an der
Donau, wo zu der kritiſchen äußeren Lage wieder innere
Verwicklungen zu verzeichnen ſind. In Wien macht die
Oppoſition dem Miniſterium die Hölle heiß, indem man in
einer ſo wichtigen Frage, wie die augenblicklich zu behan=
delnde
Militärvorlage, die wüſteſte Obſtruktion treibt.
Dauerſitzungen und Dauerreden ſind an der Tagesordnung,
und wenn am letzten Ende auch die Obſtruktion den Gang
der Dinge nicht aufhalten kann, ſo muß ſie doch dem Aus=
lande
gegenüber einen ſchlechten Eindruck machen, da ſie die
innere Zerriſſenheit aller Welt zu einer Zeit vor Augen
führt, wo Oeſterreich=Ungarn auch im Innern durchaus
gefeſtigt daſtehen müßte.
Auch in Frankreich ſteht eine wichtige Frage auf
der Tagesordnung, die Präſidentenwahl, die am 4. Ja=
nuar
zu erfolgen hat. Man hatte große Hoffnungen auf
Leon Bourgeois geſetzt. und in der Tat hätte man kaum
eine geeignetere Perſönlichkeit finden können, denn er iſt
ein durchaus gemäßigter Politiker, der über lange Er=
fahrungen
verfügt und der richtige Mann am richtigen
Platze geweſen wäre; nach langem Schwanken hat er aber
ſchließlich die ihm angetragene Kandidatur abgelehnt. Er
ſelbſt ſoll den früheren Miniſterpräſidenten Ribot vorge=
ſchlagen
haben, aber auch der ehrgeizige Deschanel möchte
gern den Präſidentenſeſſel einnehmen; ob gerade ſeine
Wahl für Frankreich von Segen ſein würde, darf bezwei=
ſelt
werden.

Die Annahme des Heeres=
geſetzes
in Frankreich.

* In den Nachrichten des Deutſchen Wehrvereins leſen
wir: Mit emſigem Fleiß haben die deutſchen Telegraphen=
Agenturen während der geſamten Verhandlungen über die
franzöſiſche Heeresvorlage in der Pariſer Kammer alles
das herausgepickt, was während der Verhandlungen von
den Abgeordneten an Fehlern und Schäden in Frankreichs
Heer bemängelt wurde. Alles aber, was die franzöſiſchen
Volksvertreter mit berechtigtem Stolz lobten, hat man
nicht nach Deutſchland gedrahtet.
Und ſo iſt man auch im allgemeinen darüber zur
Tagesordnung hinweggegangen, daß am 10. ds. Mts.
das Kadergeſetz von der franzöſiſchen Kammer mit
einer geradezu überwältigen den Mehrheit
angenommen worden iſt. Die France Militaire vom
11. bringt die Mitteilung, daß bei der Abſtimmung ſich
ſämtliche Hände zur Annahme erhoben, mit Ausnahme der
Abgeordneten der äußerſten Linken, welche ſich der Ab=
ſtimmung
enthielten. Stolz ſchreibt das genannte Blatt
am 12. Dezember:

Das Kadergeſetz iſt durch die Kammer mit einer un=
geheuren
Mehrheit angenommen worden. Bei der
Gegenprobe erhob ſich nicht eine Hand, die
die Genehmigung verweigerte. Wir ſind
glücklich und ſtolz auf dieſe großartige Kundgebung.
Framkreichs Heer und Frankreichs Volksvertretung
kann auf dieſe Kundgebung auch ſtolz ſein. Es iſt außer=
ordentlich
bezeichnend für die Geſinnung der franzöſiſchen
Sozialdemokratie, daß ſie zwar dem Geſetz ihre Zuſtim=
mung
offiziell nicht gab, indem ſie ſich der Abſtimmung
enthielt, daß aber nicht ein Abgeordneter gegen das
Geſetz geſtimmt hat.
Wir haben wieder die Erfahrung gemacht, daß man
bei uns gefliſſentlich alles das über Frankreichs Heer be=
richtet
, was geeignet iſt, die Armee unſerer Nachbarn
herabzuſetzen, daß aber mit Bewußtſein das unterdrückt
wird, was geeignet iſt, uns ein den tatſächlichen Verhält=
niſſen
entſprechendes Bild über die Zuſtände in der fran=
zöſiſchen
Armee zu geben. Dasiſt eine gefährliche,
ſozuſagen törichte Politik. Gefährlich, weil ſie
uns zu Trugſchlüſſen führt, töricht, weil durch ſolche Politik
die tatſächlichen Verhältniſſe nicht geändert werden. Wir
haben auch wieder den Beweis dafür erhalten, wie in
Frankreich der Grundſatz, daß Heeresfragen keine
Parteifragen ſind, daß Heeresfragen vielmehr Fra=
gen
ſind, die das Volk als Ganzes angehen, hochgehalten
wird.

Deutſches Reich.

Ergebnis der Nationalflugſpende.
Prinz Heinrich veröffentlicht ein auch von dem Präſi=
denten
der Nationalflugſpende, Grafen von Poſadowsky=
Wehner, unterzeichnetes Dankſchreiben, in dem es heißt:
Die Sammlungen für die Nationalflugſpende ſind
im weſentlichen abgeſchloſſen. Sie haben ſich durch das
einmütige Zuſammenwirken aller Kreiſe der Bevölkerung
zu einer nationalen Spende im wahren Sinne des Wor=
tes
geſtaltet. Dies kommt in dem erfreulichen Geſamt=
ergebnis
von rund 7 Millionen Mark zum Ausdruck. Es
iſt uns daher ein Herzensbedürfnis und eine Pflicht, allen
denen, die am Gelingen mitgewirkt haben, den wärm=
ſten
und aufrichtigſten Dank zum Ausdruck zu bringen.
Der Dank gilt in erſter Linie naturgemäß den Spondern
ſelbſt: den einzelnen, die Beiträge nach ihrem Können
geleiſtet, den Bankinſtituten, gewerblichen Unternehmun=
gen
und ihren Arbeitern, den Organen der Selbſtver=
waltung
, den Angehörigen von Armee und Marine, den
Schulen, Vereinen, den Deutſchen im Auslande, kurz
allen, die an dem Geſamtergebnis durch Spenden betei=
ligt
ſind. Aber auch an alle dieſenigen richtet ſich unſer
Dank, die ſich der Arbeitsmühe und Sammlung unter=
zogen
haben, an die behördlichen Stellen, an die Landes=,
Provinzial=, Kreis= und Ortskomitees, und nicht zum
mindeſten an die deutſche Preſſe, die in jedem Stadium
der Vorarbeiten die Nationalflugſpende verſtändnisvoll
und nachdrücklich unterſtützt hat. Die Höhe des Ergeb=
niſſes
bietet die Möglichkeit, das Flugweſen in wirkſamer
Weiſe zu fördern, zum Gedeihen der Induſtrie und zum
Wohle des Vaterlandes.
Reichstagserſatzwahl in Reuß ä. L.
Bei der Reichstagserſatzwahl im Wahlkreiſe Reuß ältere
Linie erhielt Cohen=Frankfurt a. M. (Soz.) 7869, Dr.
Streſemann (natl.) 5273, Amtsgerichtsrat Lattmann
(Wirtſch. Vgg.) 1460 Stimmen. Cohen iſt ſomit gewählt.
Bei der Hauptwahl im Januar dieſes Jahres ſiegte der
verſtorbene ſozialdemokratiſche Kandidat Förſter mit
8542 Stimmen. Auf Burchardt (natl.) entfielen 3804 und
auf Matheus (Fortſchr. Volkspt.) 3319 Stimmen. Es er=
hielten
ſomit der ſozialdemokratiſche Kandidat 673, die
bürgerlichen Kandidaten 390 Stimmen weniger als bei
der Hauptwahl.
Das Reichstheatergeſetz. Die auf Ein=
ladung
der Reichsregierung ſtattfindenden Beſprechungen
mit Vertretern der Berufsverbände über den Entwurf für
ein Reichstheatergeſetz werden, wie gemeldet, am 3. Ja=
nuar
im Reichsamt des Innern ihren Anfang nehmen.
Es ſind zur Teilnahme aufgefordert der Bühnenverein,
die Bühnengenoſſenſchaft und der Chorſängerverband. Im
Gegenſatz zu den Beſprechungen im Dezember v. J. wer=
den
diesmal auch zwei Vertreterinnen der Bühnengenoſſen=
ſchaft
an der Ausſprache teilnehmen. Es iſt dies notwen=
dig
, weil in den Beſtimmungen über den Bühnenvertrag
Vorſchläge enthalten ſind, die zum Teil ausſchließlich die
weiblichen Angeſtellten betreffen. Da die Intereſſen der
einzelnen Arten von Angeſtellten z. B. der Schauſpieler,
Artiſten und Muſiker ſehr verſchieden ſind, werden die
Verhandlungen mit den einzelnen Gruppen nacheinander
geführt werden; innerhalb jeder Gruppe werden jedoch
Unternehmer und Angeſtellte gleichzeitig gehört werden.
Die Beſprechungen beziehen ſich naturgemäß in erſter Linie

[ ][  ][ ]

auf den Artikel 2 des Reichstheatergeſetzentwurfs, in dem
die privatrechtliche Seite des Theaterweſens geregelt wird.
Die erſte Preußiſch=Süddeutſche
Klaſſenlotterie. Der Preußiſch=Süddeutſche Lot=
terievertrag
iſt in Bayern bereits vollzogen worden. Die
auf Bayern entfallenden Loſe ſind bereits vor einiger
Zeit nach dort verſandt worden, ſo daß die erſte Preu=
ßiſch
=Süddeutſche Klaſſenlotterie unter Teilnahme
Bayerns im Jahre 1913 (erſte Ziehung am 13. und 14.
Januar) ſtattfinden kann. Ein Anſchluß anderer Bun=
desſtaaten
, wie z. B. Sachſens oder Hamburgs, an die
Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie iſt nicht zu erwar=
ten
. Die zuletzt aus 380000 Stammloſen und 36000
Freiloſen beſtehende, mit 190000 Gewinnen und 2 Prä=
mien
ausgeſtattete Klaſſenlotterie wird durch den Hinzu=
tritt
Bayerns eine weitere Vermehrung an Loſen und
Gewinnen erfahren. Es werden 48000 Stück Stammloſe
und 4000 Freiloſe mehr ausgegeben, ſo daß im ganzen
428090 Stammloſe und 40000 Freiloſe zur Verfügung
ſtehen. Auch die Zahl der Gewinne wird um 24000 ver=
mehrt
, ſo daß im ganzen 214000 Gewinne und 2 Prä=
mien
eingeſetzt ſind, die auf 5 Klaſſen zu verteilen ſind.
Der Studentenausſtand im Parla=
ment
. Der Medizinerſtreik in Halle ſoll bei der erſten
Leſung des Etats im preußiſchen Abgeordnetenhauſe
Gegenſtand einer Erörterung werden. Die Regierung ſoll
aufgefordert werden, die ſchwierige Frage des Ausländer=
tums
an den preußiſchen Univerſitäten einer erneuten
Regelung zu unterziehen und allen berechtigten Wünſchen
der deutſchen Studenienſchaft nachzukommen. Von amt=
licher
Seite wird der Medizinerſtreik auf Mißverſtändniſſe
zurückgeführt, die in kürzeſter Zeit beſeitigt werden dürf=
ten
. Mit dieſer Regelung will man ſich aber nicht be=
gnügen
, ſondern verlangen, daß die Ausländer Sonder=
beſtimmungen
unterworfen werden, damit ungeeignete
Elemente von den deutſchen Hochſchulen ferngehalten
werden.
König oder Regent? Wie aus München
gemeldet wird, ſoll die Löſung der Regentſchaftsfrage
oder der Frage der Proklamierung eines neuen Königs
von der bayeriſchen Regierung bereits ſo weit vorbereitet
ſein, daß mit den Führern der Parteien des Landtages
offiziell Fühlung genommen werden konnte. Man er=
wartet
, daß der Landtag demnächſt zu einer kurzen Ta=
gung
zwecks Löſung dieſer Frage einberufen werde. Die
Meldung bedarf aber der Beſtätigung.
Die bayeriſche Regierung und der
Jeſuitenerlaß. Die Korreſpondenz Hoffmann,
München, ſchreibt: Durch ein unter dem 14. Dezember
erlaſſenes Ausſchreiben, das von den Staatsminiſterien
des Innern und beider Abteilungen in ihren Amtsblät=
tern
veröffentlicht wurde, werden die königlichen Regie=
rungen
, Kammern des Innern, die Diſtriktspolizei und
die Behörden auf den Beſchluß des Bundesrats vom
28. November und die darin gegebene Begriffsbeſtimmung
für die Ordenstätigkeit hingewieſen. Der Bundesrats=
beſchluß
vom 28. November, der den bisher nicht näher
umſchriebenen Begriff der verbotenen Ordenstätigkeit
authentiſch abgrenzt, iſt für Bemeſſung dieſes Begriffs
nunmehr ausſchließlich maßgebend. Durch dieſen Be=
ſchluß
werden alle früheren, vor der authentiſchen Aus=
legung
erteilten Vollzugsanweiſungen ohne weiteres er=
ſetzt
. Durch Miniſterialausſchreiben vom 14. Dezember
werden die Vollzugsbehörden auf den Bundesrats= Be=
ſchluß
, den ſie ihrem Verfahren fortan zugrunde zu legen
haben, noch beſonders hingewieſen.
Die Landtagswahlen in Württemberg.
Das Reſultat der Landtagsproporzwahlen in Württem=
berg
liegt vor. Von 17 zu wählenden Kandidaten entfielen
auf das Zentrum 5, Sozialdemokraten 4, Volkspartei 4,

Konſervative und Bund der Landwirte 3, Nationallibe=
rale
1. Der neue Landtag ſetzt ſich demnach aus 26 (früher
25) Mitgliedern des Zentrums, 20 (15) Konſervativen und
Bund der Landwirte, 19 (23) Mitgliedern der Fortſchritt=
ichen
Volkspartei, 17 (16) Sozialdemokraten und 10 (13)
Nationalliberalen zuſammen. Bei den Proporzwahlen
verloren die Nationalliberalen noch 1 Sitz an das Zen=
trum
. Somit ſind Rechte und Linke jetzt gleich ſtark. Die
Wahlen bedeuten einen völligen Sieg der Konſervativen
über die Liberalen. Früher hatte die Linke 52 und die
Rechte 40 Sitze, jetzt haben beide je 46.
Dasſächſiſche Volksſchulgeſetz geſchei=
tert
. Nachdem das Einigungsverfahren des Landtags
ergebnislos verlaufen iſt, fand in beiden Kammern die
Schlußabſtimmung über das Volksſchulgeſetz ſtatt. Da
beide Kammern in den Fragen der Erteilung des Reli=
gionsunterrichts
, der Errichtung der allgemeinen Volks=
ſchule
und der Schulgeldfreiheit auf abweichenden Be=
ſchlüſſen
beharrten, iſt das Volksſchulgeſetz endgültig ge=
fallen
. Kultusminiſter Beck ſprach ſein Bedauern über
das Scheitern des großen Reformwerkes aus. Beide Kam=
mern
ſchloſſen die Sitzung mit einem Hoch auf den König
und das Vaterland.
Die mecklenburgiſche Verfaſſungs=
frage
. Dem verſammelten Landtag iſt, wie die
Landeszeitung für beide Mecklenburg meldet, am Frei=
tag
die Antwort der Großherzöge auf die Ablehnung der
Verfaſſungsvorlage zugegangen. In der Antwort heißt
es u. a.: Wir ziehen die Vorlage zurück, welche der
Einigung der beiden Stände dienen ſollte. Die allſeitig
als notwendig erkannte Verfaſſungsreform muß jedoch
durchgeführt werden. Unſere weiteren Entſchließungen
werden wir unſeren getreuen Ständen auf einem außer=
ordentlichen
Landtage kundgeben, den wir zur endgültigen
Erledigung der Verfaſſungsfrage 1913 einzuberufen beab=
ſichtigen
.
Die Wahlrechtsreform in Reuß j. L.
Der Ausſchuß des reußiſchen Landtages hat die Wahl=
rechtsvorlage
angenommen, und zwar mit zwei Aen=
derungen
; es ſollen nämlich nach dem Beſchluſſe des Aus=
ſchuſſes
eine Zuſatzſtimme erhalten die höher Gebildeten
und die Handwerker, die den Meiſtertitel zu führen be=
rechtigt
ſind. Die Höchſtzahl der einem Wähler zuſtehenden
Stimmen beträgt bekanntlich 5.

Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.

Annahme des Kriegsleiſtungsgeſetzes
n ach 56ſtündiger Sitzung. Das öſterreichiſche Ab=
geordnetenhaus
hat am Donnerstag das Kriegsleiſtungs=
geſetz
in der Kommiſſionsfaſſung unter Ablehnung ſämt=
licher
Abänderungsanträge angenommen. Der § 6, nach
welchem das Perſonal der zu Kriegsleiſtungen in An=
ſpruch
genommenen Verkehrsmittel und Induſtrieanlagen
auf die Dauer der Inanſpruchnahme des Unternehmens
in dem bisherigen Arbeitsverhältnis bleiben muß, wurde
in namentlicher Abſtimmung mit 270 gegen 143 Stimmen
angenommen. Bei § 9 wurde ein ſozialdemokratiſcher Ge=
genantrag
, nach welchem die zu Kriegsleiſtungen Heran=
gezogenen
nicht der Militärgerichtsbarkeit, ſondern der
Zivilgerichtsbarkeit unterſtellt werden, in namentlicher Ab=
ſtimmung
mit 224 gegen 201 Stimmen abgelehnt. Am
Freitag ſollte die dritte Leſung der Vorlage ſtattfinden Um
7¼ Uhr abends wurde die Sitzung nach 56ſtündiger Dauer
geſchloſſen.
Das Eherecht in Oeſterreich. Das Herren=
haus
nahm in allen Leſungen die Novelle zum Bürger=
lichen
Geſetzbuch an.
Im Laufe der Debatte betonte Dr. v. Grabmayr die
Reformbedürftigkeit des Eherechts und trat namens der

Verfaſſungspartei für Erſetzung des gegenwärtig geltenden
konfeſſionellen Eherechts durch die obligatoriſche Zivilehe
ein, die das Eherecht mit dem Staatsgrundgeſetz in Ein=
klang
bringe. Dies ſei zwar gegenwärtig infolge der trau=
rigen
Verhältniſſe im Parlament nicht wöglich, doch ſei
das von der Zukunft zu erwarten. Freiyerr v Call er=
innerte
an die Aeußerung Grabmayrs, daß die Aufrollung
des Ehereformproblems den Kulturkampf heraufbeſchwö=
ren
würde, den die Bevölkerung nicht wolle. Die Verwelt=
lichung
des Eherechts würde nicht in erſter Linie an der
Gruppe der Rechten, ſondern an dem Widerſtande der Be=
völkerung
ſcheitern. Die Auflöſung der Ehe bedeute die
Zerſtörung der Familie. Fürſtbiſchof=Kardinal Nagl
trat namens der Gruppe der Rechten für die Wahrung der
katholiſchen Grundſätze der Ehe ein und erinnerte an den
Widerſtand der Bevölkeruna gegen die ſeinerzeit angeregte
Ehereform. Man überſehe bei der übermäßigen Betonung
der Zivilehe, daß die Quelle eines wahren ſittlichen Rück=
halts
in der religiöſen Ueberzeugung liege. Auch die
folgenden Redner, Hofrat Lammaſch und Graf Bilinski,
ſprachen ſich entſchieden gegen die Verweltlichung des
Eherechts aus. Juſtizminiſter Ritter Kochenburger er=
klärte
, die Novelle umfaſſe alles, was man an dem gelten=
den
hundertjährigen bürgerlichen Geſetzbuch als unbedingt
verbeſſerungs= und ergänzungsbedürftig bezeichnen könne,
ausgenommen das internationale Privatrecht und das
Eherecht. Die Vorarbeiten für die erſchöpfende Neurege=
ung
des internationalen Privatrechts ſeien faſt beendet.
Die Regierung werde bald eine diesbezügliche Vorlage
unterbreiten. Wenn auch in der Novelle aus leicht begreif=
lichen
von Grabmayer ſelbſt dargelegten Gründen das
Eherecht fehle, ſo trage doch die Novelle auf dem Gebiete
des Familienrechts und des Sachen=Schuldrechts, nament=
lich
hinſichtlich des Dienſtvertrages, den wichtigſten For=
derungen
der Neuzeit Rechnung. Die Novelle ſei ein
Werk von großer ſozialer Tragweite.

Italien.

Die Dankesbezeugungen in der Kam=
mer
. Am Schluſſe der Kammerſitzung drückte Miniſter=
präſident
Giolitti dem Präſidenten der Kammer Marcora
auch namens der Kammer ſeine Glückwünſche aus, die
Marcora dankend erwiderte, indem er darauf hinwies,
daß niemand die Liebe und Dankbarkeit der Kammer
und des Landes mehr verdiene als Giolitti. Durch den
einzigartigen unermüdlichen Eifer, unterſtützt von ſeinen
Mitarbeitern und der Weisheit des Köngs, habe er Italien
die Möglichkeit gegeben, ſeinen Glauben an ſich ſelbſt zu
tärken. Auch dem Heere und der Marine drückte Marcora
die Glückwünſche aus, ebenſo dem ganzen italieniſchen
Volke, dem er wünſche, daß es bei jeder Gelegenheit die
Standhaftigkeit bewahre, die es im Kampfe dieſes Jahres
leitete und bewahrte, daß es ſich immer mehr moraliſch
hebe und nicht vergeſſe, wie notwendig es ſei, die Mittel
zur Verteidigung ſeiner Integrität immer weiter zu ver=
ſtärken
im Intereiſe ſeiner Größe und Zukunft. Der Prä=
ſident
ſchloß mit dem Wunſche, daß Italien ſeinen Bünd=
niſſen
und Freundſchaften treu bleibe, aber beſonders ſich
auf ſich ſelbſt und ſeine moraliſchen und materiellen Kräfte
verlaſſe und ſein Pulver trocken halte. Die Kammer ver=
tagte
ſich alsdann bis zum 6. Februar 1913.

Schweiz.

Der Gotthardvertrag, den die Schweiz in
Frühling 1909 mit der deutſchen und der italieniſchen Re=
gierung
abgeſchloſſen hat, iſt bekanntlich von der Schweiz
noch nicht ratifiziert worden. Jetzt haben 103000 Bürger
von Bern an den Bundesrat eine Bittſchrift gerichtet,
vorin ſie die Bundesverſammlung erſuchen, den Vertrag
an den Bundesrat behufs neuer Verhandlungen mit
Deutſchland und mit Italien zurückzuverweiſen. Die
ſozialdemokratiſchen Vertreter im Nationalrat ver=
langten
, daß der Bundesrat das Sitzungsprotokoll
über die Berliner Gotthardkonferenz, die diplomati=
ſche
Konferenz zwiſchen dem Bundesrat und der
deutſchen und italieniſchen Regierung, ſerner die Denk=
ſchrift
des Reichskanzlers veröffentlichen ſoll. Der Bun=
despräſident
Forrer erklärte, die Akten zum Gotthardver=
trag
eigneten ſich nicht alle zur Veröffentlichung; doch ſtän=

Groß=New=Vork in Zahlen.

** Von dem gewaltigen Wachstum Groß=
New=Yorks gibt der neue Bericht der Stadtverwaltung
ein impoſantes Bild, beweiſt doch die Statiſtik, daß in
Groß=New=York alle 40 Minuten ein neuer
Baukörper errichtet wird. Der Bevölkerungs=
zuwachs
beziffert ſich Monat um Monat um 17000
Menſchen, um rund 200 000 im Jahre, und alle dieſe Men=
ſchen
brauchen Wohnſtätten, Arbeitsſtätten, Verkehrsmög=
lichkeiten
und Häuſer. Dadurch erklärt es ſich auch, daß
jahraus jahrein, täglich, den Sonntag nicht ausgenom=
men
, im Durchſchnitt 37 neue Bauten errichtet werden,
und die amtliche Einſchätzung des Immobilienbeſitzes er=
gibt
die Tatſache, daß der Eigentumswert alle 40 Minuten
um nahezu 1400 Mark wächſt. Allein in den letzten zehn
Jahren ſind in den fünf Stadtteilen Manhattan, Brooklyn,
Brorix, Queens und Richmond, nicht weniger als 135693
Bauten errichtet worden, die einen Koſtenaufwand von
1839500000 Dollars erforderten. Der Immobilienwert
der Stadt Groß=New=York wird auf 7861898890 Dollars
bewertet und dieſe Ziffer übertrifft damit den Realbeſitz
aller amerikaniſchen Staaten weſtlich des Miſſiſſippi zu=
ſammen
. Groß=New=York gibt allein für ſeine Beleuch=
tung
Rieſenſummen aus, die Gasrechnung beläuft
ſich jährlich auf nahezu 32 Milllionen Dollars, die
Koſten der elektriſchen Beleuchtung auf über 25 Millionen,
und in jeder Nacht geben die New=Yorker für die Beleuch=
tung
ihrer Wohnräume und ihrer Geſchäftsräume durch=
ſchnittlich
157000 Dollars aus, alſo rund 57 Millionen
Dollars im Jahr. Alle 4 Minuten wird in Groß=
New=York ein Kind geboren, alle 7 Minuten ruft der
Tod einen von den Lebenden ab und alle 10 Minuten
wird eine neue Ehe geſchloſſen. Die Zahl der täglichen
Geburten erreicht 160 mehr als die Liſte des Todes. Groß=
New=York zählt heute eine Einwohnerſchaft von nahezu
5 200000 Köpfen und dieſer gewaltigen, ſtetig wachſenden
Menſchenmenge müſſen ſich in raſtloſer Erweiterung natur=
gemäß
die Verkehrsverhältniſſe und der Verkehr anpaſſen.
Allein innerhalb der Stadtgrenzen zählt man 82 Straßen=
bahnen
, 32 Dampfſtraßenbahnen und eine große Omnibus=
geſellſchaft
, die im vergangenen Jahre 1600 Millionen
Paſſagiere beförderte und nahe 78 Millionen Dollars durch
küllets einnahm. Noch vor zehn Jahren brachte man

ſtündlich 70000 Paſſagiere über den Eaſt River nach Long
Island. Heute ſind die Verkehrseinrichtungen imſtande,
nach jeder Richtung in der Stunde 700000 Menſchen zu
befördern.
Und trotzdem dieſe Rieſenſtadt die zweitgrößte Stadt
der Erde geworden iſt und ſtetig weiterwächſt, ſind die
Entwickelungsmöglichkeiten ſelbſt innerhalb des Stadt=
geländes
noch nicht entfernt ausgenutzt: New=York fühlt
ſich noch in ſeinen Kinderſchuhen. In der Stadt verfügt
man noch über 85000 Acres unbebautes Gelände. Schon
heute aber iſt die Hudſon=Metropole ein Brennpunkt ame=
rikaniſchen
Wirtſchaftslebens. Die City New=Yorks zählt
nicht weniger als 26000 Fabrikanten und im
Bannkreis der Städt New=York ſtellt die
Induſtrie jährlich für rund 2 Milliarden Dol=
lars
Waren her: das iſt ein Zehntel der induſtriellen
Geſamtproduktion der ganzen Vereinigten Staaten. Schon
heute iſt New=York unumſtritten die größte Fabrikſtadt
der Welt. In Groß=New=York wird ein Viertel aller
Bücher und Druckſachen hergeſtellt, die ganz Amerika her=
vorbringt
, und innerhalb der Stadtgrenzen von New=York
fabriziert man mehr als die Hälfte der Bekleidung, die
die Vereinigten Staaten für Männer, Frauen und Kinder
benötigen. Die Zahl der Arbeiterſchaft New=Yorks hat in
dieſem Jahr die Ziffer von 700000 Köpfen überſchritten.
Am merkwürdigſten aber iſt die Tatſache, daß die Zu=
nahme
der Bevölkerung ſich nicht verlangſamt,
ſondern auch ihr Tempo von Jahr zu Jahr ſich beſchleu=
nigt
. Statiſtiker haben berechnet, daß bei dem Fortwalten
dieſer Umſtände Groß=New-York im Jahre 1950 über eine
Bevölkerung von 19 Millionen Seelen verfügen würde.
Aber dafür iſt die Metropole auch die Stadt der gewaltig=
ſten
Inveſtierungen, deren Umfang ſich in den Anleihen
und Schulden ſpiegelt. Die Schuld der Stadt New=York
beläuft ſich gegenwärtig auf 1037811718 Dollars und
31 Cents und iſt damit größer als die geſamte Staats=
ſchuld
der Vereinigten Staaten, ja faſt ſo groß wie die
Schuldenlaſt des Deutſchen Reiches. New=York ſchuldet
fünfmal ſo viel wie Philadelphia, Chicago und Boſton zu=
ſammen
. Aber dieſe märchenhaften Summen ſind durch=
weg
ausgezeichnet angelegt und bringen eine gute Ver=
zinſung
, die von Jahr zu Jahr zunimmt; die größten An=
leihen
haben die mächtigen Verkehrs= und Hafenanlagen
gefordert.

Feuilleton.
Großherzogliches Hoftheater.

W-l. Am Donnerstag wurde das Spiel von Hugo von
Hoffmannsthal Jedermann wiederholt. Der Auf=
führung
wurde dasſelbe lebhafte Intereſſe entgegen=
gebracht
, wie der erſten. Der Eindruck der Aufführung
war teilweiſe noch ſtärker als am erſten Abend, da Herr
Ehrle, der die Titelrolle ſpielte und eine durchaus ſelb=
ſtändige
Leiſtung bot, durch die Innerlichkeit ſeines Spiels
das tragiſche Moment in dem Schickſal des mitten aus der
Lebensfreude und dem Lebensgenuſſe plötzlich zur letzten
Pilgerfahrt abgerufenen reichen Mannes in einer dem
Charakter des Stückes entſprechenden und in die drama=
tiſche
Wirkung ſteigernden Weiſe zur Geltung zu bringen=
verſtand
. So wurde man von ſeinen Ausbrüchen der
Verzweiſlung, Angſt und Reue, die den dramatiſchen Höhe=
punkt
des Stückes bezeichnen ſollen, wirklich ergriffen. An
Stelle von Frl. Uttmann, die beurlaubt war, ſprach Frl.
Alſen die Rolle des Glaubens. Dadurch kam in das
ſtimmlich ſchön abgetönte Zwiegeſpräch zwiſchen den
Werken und dem Glauben des erſten Abends ein fremder
Ton hinein; denn die letztere Rolle erfordert ein weiches
und mildes, zu Herzen gehendes und kein heroinenhaftes
Organ. Das Publikum ſpendete nach Schluß der Auffüh=
rung
reichen Beifall.
* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Heimiſche Kunſt.
Im Inſel=Verlag zu Leipzig erſcheint demnächſt eine Aus=
gabe
von Ernſt Elias Niebergalls Datterich
Mit ſieben Originallithographien, Innentitel und Ein=
bandzeichnung
von Emil Preetorius. Titel von
F. W. Kleukens. Einmalige Auflage von 400 Exem=
plaren
. 75 Exemplare auf Japanbütten in Pergament
60 Mk. 325 Exemplare auf van Gelderbütten in Halb=
pergament
25 Mk. Drei der Japanexemplare werden vom
Künſtler mit der Hand koloriert und koſten 120 Mark.
Von Herrn Profeſſor Dr.=Ing. Vetterlein=Darmſtadt
wurde in dem Straßburger Vorort Kronenburg eine
katholiſche Kirche erbaut, die am 15. Dezember
eingeweiht wurde. Die Straßb. Poſt ſagt, daß die ganze
architektoniſche Anlage der Kirche den bewußt ſchaffenden
und einem beſtimmten Ziele zuſtrebenden Künſtler verrate,

[ ][  ][ ]

den die geſamten Akten jedem Mitgliede des Parlaments
zur Einſicht offen.

Frankreich.

Die Präſidentenwahl. Die Vertreter der
ſechs linksrepublikaniſchen Gruppen der Kammer und des
Senats hielten eine Verſammlung ab, um über die durch
die Weigerung Bourgeois geſchaffene Lage zu beraten.
Nach längerer Erörterung wurde beſchloſſen, am 15. Ja=
nuar
eine Verſammlung aller republikaniſchen Senatoren
und Deputierten mit Ausnahme der Gemäßigten und der
Sozialiſten einzuberufen, die ſich über ein gemeinſames
Mandat für die am 17. Januar ſtattfindende Wahl des
Nachfolgers des Präſidenten einigen ſoll. Falls in dieſer
Verſammlung kein Mandat die abſolute Mehrheit erhalten
ſollte, würde am 16. Januar noch ein zweiter und erfor=
derlichenfalls
ein dritter Wahlgang vorgenommen werden.
Frankreichs ſchwarze Armee. Die Kammer
beriet über den Kolonialetat. Kolonialminiſter Lebrun
verſicherte, daß er nach dem Bericht des Gouverneurs von
Franzöſiſch=Weſtafrika nicht daran denke, die Verſuche der
Rekrutierung ſchwarzer Truppen aufzugeben. Die Leich=
tigkeit
, mit der 5000 Mann rekrutiert worden ſeien, berech=
tigte
zu dem größten Vertrauen auf die Möglichkeit einer
normalen Rekrutierung. Mit Methode werde man dahin
gelangen können, eine ſchwarze Armee zu ſchaffen, ohne
die Kolonie wirtſchaftlich und politiſch zu ſchädigen.

China.

Der ruſſiſch=chineſiſche Konflikt. Yuan=
ſchikais
Ratgeber Tujuntſin iſt in Mukden eingetroffen, um
ſich mit der Lage der Mandſchurei bekannt zu machen und
die in der Preſſe aufgetauchten Gerüchte, daß Rußland und
Japan die Annexion der Mandſchurei vorbereiteten, an
Ort und Stelle nachzuprüfen. Das Erſuchen der inneren
Mongolei um die Organiſation der Selbſtverwaltung
wurde vom Präſidenten abgelehnt. Trotz offizieller Ge=
genmaßnahmen
dauert die antiruſſiſche Agitation unge=
ſchwächt
an. Die Agitatoren verſichern der Bevölkerung,
ein bewaffneter Zuſammenſtoß zwiſchen Rußland und
China ſei unvermeidlich. Der Handelsverein in Mukden
forderte durch ein Rundſchreiben die Vereine in Kirin,
Charbin und Zizikar auf, ruſſiſches Geld und ruſſiſche
Waren zu boykottieren.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 21. Dezember.
Ernannt wurde der Reallehrer an der Auguſtiner=
ſchule
(Gymnaſium und Realſchule) zu Friedberg Heinrich
Müller zum Reallehrer an dem Realgymnaſium zu
Darmſtadt mit Wirkung vom 1. Januar 1913 an unter
Belaſſung in der Kategorie der Volksſchullehres.
* Militärdienſtnachrichten. Den Charakter als Oberſt=
leutnant
erhält: Buddecke, Major, zugeteilt dem Gro=
ßen
Generalſtabe (früher Inf.=Regt. 115); v. Braun=
behrens
, Hauptmann und Bezirksoffizier in Darm=
ſtadt
I, erhält den Charakter als Major: v. Borcke,
Oberleutnant im Oldenburg. Inf.=Regt. Nr. 91, in das
Leibg.=Inf.=Regt. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115 verſetzt;
v. Zangen, Hauptmann und Batteriechef im Großh.
Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feldart.=Regt. Nr. 25, zum
Stabe des 2. Unterelſäſſ. Feldart.=Regts. Nr. 67 verſetzt;
v. Scholten, Hauptmann im 2. Großh. Heſſ. Feldart.=
Regt. Nr. 61, als Batteriechef in das Großh. Art.=Korps,
1. Großh. Heſſ. Feldart.=Regt. Nr. 25, verſetzt; Becker,
Hauptmann beim Stabe des 2. Großh. Heſſ. Feldart.=
Regts. Nr. 61, zum überzähligen Major befördert;
v. Kietzell, Hauptmann und Kompagniechef im Inf.=
Regt. Nr. 64, früher Inf.=Regt. 115, zum Adjutanten der
Generalinſpektion des Militär=Erziehungs= und Bil=
dungsweſens
ernannt; Buddecke, Major und Batail=
lons
=Kommandeur im Inf.=Regt. Nr. 173, früher Inf.=
Regt. 115, der Abſchied mit der Erlaubnis zum Tragen
der Uniform des Leibg.=Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 115 bewilligt; Salzer, Major und Abteilungs=
Kommandeur im Feldart.=Regt. Nr. 80, der Abſchied mit
der Erlaubnis zum Tragen der Uniform der Schutztruppe
für Südweſtafrika bewilligt (Wormſer); Holtz, char.
Fähnrich im Leibg.=Inf.=Regt. Nr. 115, zum Fähnrich

befördert; Freytag, Unteroffizier im Inf.=Regt. 117,
Frhr. v. Reinhardt, Unteroffizier im Garde=Drag.=
Regt. Nr. 23, Haneſſe und v. Ilſemann, Unter=
offiziere
im Großh. Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feldart.=
Regt. Nr. 25, zu Fähnrichen befördert; Mac Lean,
Hauptmann und Kompagniechef im Inf.=Regt. Nr. 54,
wird unter Beförderung zum Major zum Stabe des
Inf.=Leib=Regts. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117
verſetzt; Klein, Vizefeldwebel (Gießen), Malzan,
Vizefeldwebel (Gießen), Blad, Vizefeldwebel ( Frank=
furt
a. M.), Rauſch, Vizefeldwebel (Gießen) zu Leut=
nants
der Reſerve des Infanterie=Regiments Kaiſer Wil=
helm
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 116 befördert; Knewitz, Vize=
feldwebel
(Mainz), Thylmann, Vizefeldwebel
(Mainz), Schweitzer, Vizefeldwebel (Frankfurt a. M.),
zu Leutnants der Reſerve des Inf.=Leib=Regts. Groß=
herzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, Neumetzger, Vize=
wachtmeiſter
(Hanau) zum Leutnant der Reſerve des
2. Großh. Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 61 befördert.
g. Kriegsgericht. Der Unteroffizier K. von der 3.
Eskadron des Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23, ſtand
wegen Mißhandlung eines Untergebenen
geſtern vor dem Kriegsgericht der 25. Diviſion. Der An=
geklagte
iſt beſchuldigt, auf der Stube einen Dragoner der=
artig
geſtoßen zu haben, daß dieſer beim Hinfallen
eine Verletzung unterm Auge davontrug. Dies beſtreitet
der Angeklagte, er habe nur einen Teppich etwas ſchnell
an ſich genommen, wobei wohl der Soldat einen Stoß
bekommen habe. Abſichtlich ſei dies aber nicht geſchehen.
Das Gericht kann ſich dieſer Verteidigung nicht anſchlie=
ßen
und verurteilt K. zu 10 Tagen Mittelareſt. Wegen
eines vor dem Dienſteintritt begangenen Streikver=
gehens
hatte ſich der Füſilier Wiedemann vom Leib=
garde
=Regiment 115 zu verantworten. 17 Kollegen, die
ſich wegen des gleichen Deliktes vor dem Zivilgericht zu
verantworten hatten, wurden freigeſprochen.
Gegen W. mußte, da er inzwiſchen zum Militär eingerückt
war, vor dem Kriegsgericht verhandelt werden. Die
eigentlich nur formelle Anklage endete mit einem Frei=
ſpruch
des Angeklagten. Der Musketier Georg
Krebs vom Infanterie=Regiment Nr. 168 hat im April
dieſes Jahres vor Dienſteintritt in Kalk bei Köln eine
Mietsſchuld von 17 Mark hinterlaſſen und der geſchädigte
Logiswirt hatte gegen Krebs Strafantrag geſtellt. K.
wurde zu 10 Mark Geldſtrafe verurteilt. Der
frühere Zwangszögling Hugo Elbert von der 6. Kom=
pagnie
des Infanterie=Regiments Nr. 168 hat aus Furcht
vor dem Zwang und aus Bequemlichkeit dem Geſtellungs=
befehl
des Bezirkskommandos Friedberg nicht Folge ge=
leiſtet
, ſo daß er zwangsweiſe zum Regiment gebracht
werden mußte. Er hatte ſich geſtern deshalb wegen
Fahnenflucht vor dem Kriegsgericht zu verantworten.
Er iſt geſtändig und wird zu 45 Tagen Gefängnis
verurteilt.
O In der nichtöffentlichen Sitzung der Stadt=
verordneten
=Verſammlung wurden die Anſtellungen
des Hilfsſchuldieners Rück als Schuldiener der Peſta=
lozziſchule
, des Hilfsſchuldieners Eidenmüller als Schul=
diener
der Stadtmädchenſchule I und des Oberheizers
Schmidt als Maſchinenmeiſter im Städtiſchen Kranken=
haus
genehmigt.
D Vom Großh. Hoftheater. Die heutige zweite Kin=
dervorſtellung
zu ermäßigten Volksvorſtellungspreiſen
Hänſel und Gretel von Engelbert Humperdinck
beginnt um 6 Uhr; Ende gegen 8 Uhr. Morgen nachmit=
tag
geht als zwölfte Volksvorſtellung zu ermäßigten Prei=
ſen
L’Arronges Luſtſpiel Haſemanns Töchter in
Szene. Der Kartenverkauf findet heute noch im Verkehrs=
bureau
ſtatt, Sonntag ſind die etwa noch vorrätigen Kar=
ten
an der Hoftheaterkaſſe erhältlich, die ab 11 Uhr vor=
mittags
geöffnet iſt. Sonntag abend geht Carmen
unter der Direktion von Richard Lert in Szene. Die
dritte Kindervorſtellung Rübezahl oder der Geiſt der
Berge iſt für Montag angeſetzt. Auch zu dieſer Vor=
ſtellung
, die um 6 Uhr beginnt und um 8 Uhr zu Ende
iſt, gelten die ermäßigten Volksvorſtellungspreiſe.
* Rentenquittungen. Vom 1. Januar 1913 ab müſſen
zu den Invaliden=, Kranken= und Altersrentenquittungen
ausſchließlich die neuen Formulare verwendet werden,
die auf Anfordern von der Landesverſicherungsanſtalt
Großh. Heſſen in Darmſtadt an ihre Rentenempfänger,
die ſelbſtredend ihre Adreſſe genau anzugeben haben, zum
Verſand gelangen. Da aber unter den Rentenempfängern
vielfach Zweifel darüber herrſchen, welches alte und wel=
ches
neue Formulare ſind, wird auf Nachſtehendes auf=
merkſam
gemacht: Die neuen Quittungsformulare
unterſcheiden ſich von den alten dadurch, daß der
die betreffende Rente kennzeichnende Buchſtabe
J., K. und A. nicht mehr über dem Wort
Rentenquittung, ſondern rechts neben dieſem

ſteht; ferner ſind jetzt die oben rechts ſtehenden Worte
U=Nummer und Poſtvermerk mit zwei Strichen und
die unter den Worten (des Empfängers Stand:) befind=
liche
behördliche Beſcheinigung mit einem dicken ſchwar=
zen
Strich umrahmt, was bei den bisherigen Quittungs=
muſtern
nicht der Fall war.
Probebeleuchtung. Man ſchreibt uns: Seit längerer
Zeit ſchon werden in der unteren Rheinſtraße zwiſchen
Neckarſtraße und dem offen gelaſſenen Bahnübergang im
Anſchluß an die Beleuchtung in der Breiten Allee Verſuche
mit Gashängeglühlicht gemacht, welche, wie uns auf Be=
fragen
mitgeteilt wurde, zu einem gewiſſen Abſchluß in=
ſofern
gekommen ſind, als nunmehr die Stadtverwaltung
zu entſcheiden haben wird, ob und in welchem Umfange
einer durch die auffallend in die Erſcheinung tretende
beſſere Beleuchtung in der Breiten Allee bedingten Ver=
beſſerung
der Beleuchtung in der Rheinſtraße näher=
getreten
werden ſoll. Zunächſt ſind vom alten Bahnüber=
gang
ab bis zum Hotel Köhler bzw. bis zur Wenckſchen
Tabak- und Zigarrenfabrik fünf Stück zweiflammige Gas=
Hängeglühlicht=Laternen gleichen ſtündlichen Gasver=
drauchs
und gleicher Leuchtkraft (400 Hefnerkerzen) wie
der Gas=Hängeglühlicht=Laternen in der Breiten Allee auf=
gemacht
, während von da ab auf der Nordſeite, aufwärts,
zwei zweiflammige Gas=Hängeglühlicht=Laternen mit je
600 HK. Helligkeit aufgeſtellt ſind, denen eine einflammige
Gas=Hängeglühlicht=Laterne mit 300 HK. Helligkeit folgt.
dieſen drei vorgenannten Gas=Niederdruck=Starklicht=
Invertlaternen ſteht je eine zweiflammige Gas=Normal=
Hängelicht=Laterne mit je 250 HK. Helligkeit gegenüber,
womit die Ueberlegenheit des Gas=Hängeglühlichts gegen-
über
dem ſtehenden Gasglühlicht in der Rheinſtraße vor
Augen geführt werden ſoll, welches letztere bei gleicher Hel=
ligkeit
einen größeren ſtündlichen Gasverbrauch hat. Zum
Schluſſe der vorgeführten Beleuchtungskörper ſind nächſt
der Toreinfahrt der Vereingten Geſellſchaft Caſino noch
zwei zweiflammige Gas=Hängeglühlicht=Lampen desſelben
Typs und gleicher Ausführung, gleicher Leuchtkraft und
gleichen Gasverbrauchs wie der Lampen in der Breiten
Allee an Auslegern, bzw. Aptierungsarmen, ( Krumm=
ſtäben
), welche auf den vorhandenen Kandelabern ange=
bracht
ſtnd, aufgehängt, wodurch es ermöglicht wird, die
Beleuchtungskörper in etwas, ſoweit es der eigenen Sicher=
heit
derſelben gegen Beſchädigungen wegen zuläſſig er
ſcheint, vor die Bäume zu bringen, deren Stämme die Be=
leuchtungskörper
oben faſt vollſtändig verdecken. Letztere
Gas=Hängeglühlicht=Lampen, welche, wie die übrigen Gas=
Hängeglühlicht=Laternen, mit den zurzeit in allen größeren
Städten Aufnahme und Einführung findenden Fernzünd=
und Löſchapparaten ausgerüſtet ſind, ermöglichen es, die
Beleuchtung vom Gaswerk aus automatiſch in und außer
Betrieb zu ſetzen, wie das ſchon ſeit der Einführung der
Gasbeleuchtung in Arheilgen mit der dortigen öffentlichen
Beleuchtung und mit der Beleuchtung im neuen Bahn=
hofsgebiet
ſeit dem 1. Mai I. Js. der Fall iſt und deren
Einführung für die geſamte öffentliche Beleuchtung in
Darmſtadt ſeitens der Stadtverwaltung geplant ſein ſoll.
Ein photographiſches Kunſtblatt. Die wunder=
bare
Pracht der leider ſchnell zerfloſſenen Rauhreif
landſchaft, die wir ſeit Jahren ſo ſchön und ſtimmungs=
voll
nicht mehr geſehen und die beſonders im Herrngarten
ganz entzückende Motive hervorgezaubert hatte, iſt von
Fräulein Suſanna Homann, Werkſtätte für moderne
Lichtbildkunſt, in einer ungemein reizvollen photographi=
ſchen
Aufnahme feſtgehalten worden. Und zwar in einer
beſonders reizvollen Partie am Herrngartenteich mit dem
großen, efeubewachſenen Baum im Vordergrund. Der
Bildausſchnitt iſt außerordentlich geſchickt gewählt und
ſichert dem Bild eine ungemein künſtleriſche Wirkung.
Beſonders gut gelungen iſt das Feſthalten der Perſpek=
tive
in der Aufnahme. Während die vorderen Partien,
beſonders die feinen bereiften Aeſte und Zweige, faſt
plaſtiſch ſich abheben, ſind die zurückliegenden wie in
zarten Duft getaucht, ohne jedoch an Klarheit und Deut=
lichkeit
zu verlieren. Das hübſche Bild iſt für einige Tage
in der Bilderauslage unſerer Expedition in der Rhein=
ſtraße
ausgeſtellt.
Neuer Erfola heſſiſcher Architekten. Man
ſchreibt uns Beim Wettbewerb des Barmer Bauvereins
unter den Architekten Rheinlands und Weſtfalens be=
teiligten
ſich 120 Bewerber. Den erſten Preis mit
2000 Mk. errangen die Architekten Phil. Schnatz, Bens=
heim
=Eſſen und Karl Mink, Worms=Eſſen. Beide
Herren waren längere Zeit am hieſigen Stadtbau=
amte
tätic
§ Schutzmannsſchule. Donnerstag vormittag nahm
der 16. Lehrgang der gemeinſamen Schutzmannsſchule für
das Großherzogtum Heſſen, an welchem drei Schutzleute
aus Darmſtadt, drei Schutzleute aus Mainz, zwei Schutz=
leute
aus Offenbach, zwei Schutzleute aus Worms, ein
Schutzmann aus Neu=Iſenburg, zuſammen zwölf Mann,

deſſen perſönliche Schöpfung ſie iſt. Man fühle das Mo=
derne
und Perſönliche bis in den letzten Gewölbebogen
und das letzte Ornament. Der Schöpfer der Kirche, Pro=
feſſor
Vetterlein, dürfe mit Genugtuung auf ſein Werk
zurückblicken. Er habe ſchöne künſtleriſche Werte in dem
hieran ſo armen Kronenburg geſchaffen und es ſei auch
in dieſem Falle nach dem bekannten weiſen Worte die
große Liebe geweſen, die die großen Werte ſchuf.
Fortſchritte der deutſchen drahtloſen
Telephonie. In den letzten Wochen haben von Nauen
nach Berlin täglich Verſuche ſtattgefunden, drahtlos zu
telephonieren. Die Verſuche haben zu dem Ergebnis ge=
führt
, daß man ohne Schwierigkeit einen ganzen Zei=
tungsartikel
drahtlos telephonieren kann und die draht=
loſe
Meldung auch in einer Entfernung bis zu 400 Kilo=
metern
verſtanden werden würde, wenn die Apparate der
Empfangsſtation entſprechend geſtellt ſind. Dieſe über=
raſchende
Vervollkommnung der drahtloſen Telephonie
in Deutſchland iſt auf die Leiſtung der Hochfrequenz=
maſchinen
des Telefunkenſyſtems zurückzuführen. Inter=
eſſant
iſt, daß das Obſervatorium in Potsdam, das zur
Aufnahme von Eiffelturmzeitſignalen eine drahtloſe
Empfangsſtation hat, vor einigen Tagen die Umfrage
ſtellte, woher die Zeitungsvorleſungen kommen, die neben
den Signalen vernommen werden.
* Sieben Millionen Mark Gerichtskoſten! In London
hat, wie bereits gemeldet, in dieſen Tagen die Schlußver=
handlung
in dem Prozeß ſtattgefunden, den die engliſche
Telephongeſellſchaft aus Anlaß der Verſtaat=
lichung
des Telephonbetriebes gegen den General=
poſtmeiſter
angeſtrengt hatte. Die Londoner Blätter
geben bei dieſer Gelegenheit einen eindrucksvollen Bericht
über den Aufwand an Geld, Schriftſätzen und Reden, den
der im Juni eröffnete Rieſenprozeß verurſacht hat. Von
einer bisher unerhörten Höhe iſt die Klageſumme, die die
Geſellſchaft von dem engliſchen Staat fordert. Beträgt
ſie doch nicht mehr und nicht weniger als 420 Millionen
Mark, ein Betrag, der auf Grund der im Verlaufe der
Prozeßverhandlungen zwiſchen den Parteien geſchloſſenen
Vergleiche allerdings auf 160 Millionen Mark ermäßigt

worden iſt. Es begreift ſich ohne weiteres, daß ein ſolcher
Prozeß eine dem Klagegegenſtand entſprechende Beibrin=
gung
von Gutachten und Schriftſtücken aller Art als un=
vermeidliche
Begleiterſcheinung haben mußte. Man hat
denn auch nach Schluß der Sitzungen 1500 Kilogramm be=
ſchriebenes
Papier wegräumen müſſen, das ſich ſeit Mo=
naten
in den weiten Räumen des Londoner Juſtizpalaſtes
zu Bergen türmte. Die Uebertragung der amtlichen Ver=
handlungsſtenogramme
, die gedruckt und in Oktavbänden
herausgegeben wurden, füllt nicht weniger als 5000 Druck=
ſeiten
. Die ſtenographiſche Berichterſtattung und die
Drucklegung haben 6000 Mark gekoſtet. Die Aufnahme
der Materialvorräte und ihre Unterbringung hat 800 Ar=
beiter
18 Monate lang beſchäftigt und hat zur Feſtſtel=
lung
eines Wertes von 5 Millionen Mark geführt. Die
Koſten der Gutachter und Sachverſtändigen berechnen ſich
auf rund 2 130000 Mark, was für den Tag der Gerichts=
verhandlung
6000 Mark ausmacht. Wie verlautet, hat der
erſte Rechtsbeiſtand der Geſellſchaft vor Beginn des Pro=
zeſſes
30000 Mark und weitere 2000 Mark täglich erhalten.
Dafür hat der Herr Rechtsanwalt freilich auch 12 Tage
lang geredet und ½ Million Worte verarbeitet. Noch
iſt der Zeugen zu gedenken, denen 25000 Fragen vorgelegt
wurden. Aber die Sache iſt nun glücklich zu Ende, und
das Schlußurteil iſt für Mitte Januar nächſten Jahres
zu erwarten. Vorausgeſetzt, daß nicht Berufung eingelegt
wird, wird dann der Prozeß rund 7 Millionen Mark ge=
koſtet
haben.
* Der verlaſſene Kaiſerpalaſt in Peking. Ein ſoeben
aus der verbotenen Stadt zurückgekehrter Prinz hat dem
Pekinger Korreſpondenten des Daily Telegraph ein troſt=
loſes
Bild von den dort herrſchenden Zuſtänden entworfen.
In den ungeheueren Räumen des Winterpalaſtes hauſt,
von allen Verwandten und Freunden verlaſſen, die Kaiſe-
rin
=Witwe und der kindliche Kaiſer in trauriger Einſam=
keit
. Wohl ſind noch einige hundert Eunuchen da, aber
alle Prinzen und Hofbeamten und die Bewohnerinnen des
kaiſerlichen Harems haben ſich heimlich aus dem Staube
gemacht. Noch werden jeden Tag ſo und ſo viele hundert
Schafe und Geflügel, wie es die Ordnung des kaiſerlichen
Hausbaltes vorſchreibt, geſchlachtet, aber es iſt niemand

da, um ſie zu eſſen, und ſo haben die Metzger außerhalb
der verbotenen Stadt eine billige Bezugsquelle gefunden.
Die Eunuchen ſind gänzlich unbeaufſichtigt und haben nach
und nach viele Koſtbarkeiten geraubt und verkauft. Wenn
nichts geſchieht, um dieſem Treiben Einhalt zu tun, wer=
den
die Paläſte bald gänzlich ausgeräumt ſein. Die Kai-
ſerin
=Witwe wacht Tag und Nacht, ſie wagt es nicht, nach
dem Sommerpalaſt überzuſiedeln, weil es ſich in Mand=
ſchukreiſen
herumgeſprochen hat, daß man ſie töten würde
ſobald ſie ſich außerhalb der verbotenen Stadt ſehen ließe.
Der Kaiſer iſt ein Kind, das nicht begreift, was vor ſich
geht. Er ſpielt den ganzen Tag mit Bleiſoldaten. In
europäiſchen Kreiſen in Peking bedauert man, daß die
verbotene Stadt nicht in ein Muſeum, ähnlich dem Kreml
von Moskau, umgewandelt wird. Eine Reuterdepeſche
beſagt, die Kaiſerin=Witwe habe gebeten, den kaiſerlichen
Haushalt nach dem Sommerpalaſt zu verlegen und die
verbotene Stadt zum Sitz der Reichsregierung zu machen.
* Das Ende des Rieſenmuffs. An den letzten Renn=
tagen
in Paris, die dort bekanntlich eine Art von Mode=
ſchau
ſind, erregte es unter der Damenwelt nicht geringes
Aufſehen, daß einige der eleganteſten Vertreterinnen des
ſchönen Geſchlechts winzige, die Hände kaum bedeckende
Muffs trugen, wie ſie zu Zeiten unſerer Mütter und
Großmütter beliebt waren. Die Mode bevorzugt ja die
Gegenſätze, ſie ſpringt gern von einem Aeußerſten zum
anderen über, und es iſt daher nicht beſonders verwunder-
lich
, daß ſie den Rieſenmuff plötzlich verwirft und ihn
durch einen winzigen erſetzt. Und es kommt dabei noch
etwas anderes in Betracht. Man trägt gegenwärtig mehr
Pelz als je zuvor. Zum Pelzmantel aber wirkt der Rieſen=
muff
überladen, er ſtört das Bild der Geſamterſcheinung
und läßt einen koſtbaren, geſchmackvollen Pelzmantel nicht
recht zur Geltung gelangen. Das ſind die Gründe, aus
denen einige der tonangebenden Pariſerinnen dem Rieſen=
muff
den Krieg erklärt haben, und da unſere deutſchen
Frauen die eine Dummheit nachgemacht haben, ſo werden
ſie ſich wohl auch die zweite nicht entgehen laſſen. Nach=
ahmen
iſt immer leichter als ſelbſt finden.

[ ][  ][ ]

teilnahmen, nach achtwöchiger Dauer mit einer Prüfung
ſein Ende. Zu der Prüfung waren außer den Unterrichts=
erteilern
noch verſchiedene Herren als Vetreter der beteilig=
ten
Städte erſchienen. Das Reſultat der Prüfung kann
als günſtig bezeichnet werden. Am Nachmittag fand noch
eine praktiſche Prüfung im Rettungs= und Krankenbeför=
derungsdienſt
ſowie im Turnunterricht ſtatt, welche von
einem Führer der hieſigen Freiwilligen Sanitätshaupt=
kolonne
und ſeitens eines Mitgliedes der Turngemeinde
geleitet wurde.
* Kunſtſtickerei. Man ſchreibt uns: Heute und mor=
gen
iſt in dem Laden des Herrn Hubert Bringer auf der
Wilhelminenſtraße eine Tiſchdecke ausgeſtellt, die als ein
Meiſterwerk der Nadelmalerei bezeichnet werden kann und
die ſowohl dem entwerfenden Architekten, Herrn Jakob
Krug, der bekanntlich ein Schüler des Herrn Prof. Olbrich
iſt, als auch der ausführenden Firma auf gleiche Weiſe zur
Ehre gereicht. Trotz der dezenten Farben, die gewählt wur=
den
, zeigt die Decke eine geradezu überraſchende Farben=
pracht
.
* Die Vorſtände der beiden Lehrervereine, des heſſi=
ſchen
Landes=Lehrervereins und des Katholiſchen Lehrer=
vereins
, haben beſchloſſen, zum 2. Januar eine
allgemeine Lehrerverſammlung in der
Turnhalle (Woogsplatz) einzuberufen, um in einer ein=
drucksvollen
Kundgebung ihre Forderungen zur Beſol=
dungsreform
zu vertreten. Neben den beiden Vorſitzenden
der beiden Lehrervereine wird Landtagsabgeordneter
Bach=Mainz über Die Beſoldungsvorlage vom 7. De=
zember
1912 und die heſſiſchen Volksſchullehrer ſprechen.
Volksbildungsverein. Die Hauswirtſchaft=
liche
Rezept=Sammlung von Dr. Kaufmann,
die in deſſen jüngſtem Vortrag hier vergriffen war, iſt
im Verkehrsbureau erhältlich.
* Der Verkehrsverein macht auf die nächſten
Volksvorſtellungen zu ermäßigten Preiſen im Großh.
Hoftheater auch an dieſer Stelle aufmerkſam. (Siehe
heutige Anzeige.)
* Der Kirchengeſangverein der Johannesgemeinde
veranſtaltet am erſten Weihnachtsfeiertage, abends
5 Uhr, wteder, wie alljährlich, eine größere kirchen=
muſikaliſche
Aufführung in der Johanneskirche. Und
zwar wird er diesmal ein hier noch nicht gehörtes
volkstümliches Weihnachtsoratorium: Euch iſt heute der
Heiland geboren von E. Degen für Chor, Soli, Orgel
und Blasinſtrumente, zur Aufführung bringen. Die
Solopartien haben Fräulein Anna Müller von Frank=
furt
(Sopran) und Herr Chr. Moll (Tenor) übernommen.
Das Werk, das in der Tonführung ſchlicht iſt und an
das muſikaliſche Verſtändnis keine große Anforderungen
ſtellt, wird, wie an anderen Orten, ſo auch hier, ſeines
Eindrucks nicht verfehlen. Näheres folgt.
Evangeliſche Martinsgemeinde. Es wird
darauf aufmerkſam gemacht, daß am erſten Weih=
nachtsfeiertag
ſtatt des Gottesdienſtes im Ge=
meindehaus
ein Frühgottesdienſt in der Mar=
t
inskirche ſtattfindet, und zwar um 7 Uhr.
* Frauenverein für die Südoſtpfarrei der Stadt=
gemeinde
. Die Weihnachtsfeier für die Kinder=
ſchule
(Kiesſtraße 50) findet nächſten Sonntag, den
22 d. Mts., nachmittags 3½ Uhr, im großen Saale des
Gemeindehauſes, Kiesſtraße 17, ſtatt. Die Eltern und
Angehörigen der Kinder, ſowie die Mitglieder des
Frauenvereins haben freien Eintritt und ſind freundlichſt
eingeladen, desgleichen die gütigen Spender von Weih=
nachtsgaben
.
* Die Heſſiſche Zimmerſchützen=Vereinigung (Sitz
Darmſtadt) veranſtaltet unter Mitwirkung des Geſangver=
eins
Teutonia am Sonntag, den 22. Dezember, im
Kaiſerſaal eine große Weihnachtsfeier mit Kon=
zert
, Theater, reichhaltiger Tombola und Tanz.
* Der Geſangverein Sängerluſt veranſtaltet am
1. Feiertage ſeine Weihnachtsfeier im Mathildenhöhſaale.
Der Abend verſpricht ein recht genußreicher zu werden,
zumal ein ſchönes, gediegenes, reichhaltiges und ab=
wechſelungsreiches
Programm zuſammengeſtellt iſt. Es
enthält mehrere Chorvorträge, ernſte und heitere Vor=
träge
, zwei Theaterſtücke und außerdem ſind noch einige
Soliſten gewonnen worden. Den Abſchluß der Veranſtal=
tung
bildet ein Tanzkränzchen am Sonntag, 29. Dezember,
im Saale der Turngemeinde. (Näheres ſiehe Anzeige.)
* Die Turngeſellſchaft Darmſtadt feiert am
Donnerstag, den 26. Dezember (2. Feiertag), im Feſt=
ſaale
ihres Turnhauſes, Dieburgerſtraße 26, ihre dies=
jährige
Weihnachtsfeier. Das ſehr ſchön und abwechs=

lungsreiche Programm ſtellt einen genußreichen Abend
in Ausſicht. Die Muſik wird von der Kapelle des
Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115 ausgeführt.
(Siehe Anzeige.)
* Die Kaufmänniſche Stenographen=Geſellſchaft
Gabelsberger veranſtaltet ihre Weihnachtsfeier
am 2. Weihnachtsfeiertag im Feſtſaal des
Rummelbräu, Allee 61. Fur die Veranſtaltung
iſt ein beſonderes Programm zuſammengeſtellt, ſo daß den
Beſuchern angenehme Stunden in Ausſicht ſtehen. Die
Feier beginnt pünktlich um 7½ Uhr, während der ſich
anſchließende Tanz bereits um 11 Uhr ſeinen Anfang
nimmt. (Näheres Anzeige in der heutigen Nummer.)
Orpheum. Am 2. Weihnachtsfeiertag finden
zwei Vorſtellungen ſtatt und wird das neue
Weihnachtsprogramm eine Serie auserleſener Kunſt=
kräfte
umfaſſen. Weiteres folgt.
* Im Reſtaurant Rummelbräu konzertiert morgen
Sonntag die Kapelle des Leibgarde=Regiments unter
Obermuſikmeiſter Hauske. Die Programme bieten
eine intereſſante Auswahl beſſerer Tonwerke. Im Abend=
lonzerte
werden außer einer Weihnachtsfantaſie u. a.
noch aufgeführt: Fragmente aus der Oper Kuhreigen
von W. Kienzl, die berühmte Méditation über Bachs
1. Präludium und Tonbilder aus Cavalleria rusticana‟
von P. Mascagni. (Siehe auch Anzeige.)
* Weihnachtskonzert. Auf das am morgigen Sonntag
im Schützenhof ſtattfindende große Weihnachts=
Konzert der Kapelle des Großh. Artillerie=Korps
unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Mickley
ſei hiermit nochmals hingewieſen.
§ Unglücksfall. Vorgeſtern fiel ein zwei Jahre altes
Kind in der Küche in eine Blechſchüſſel mit heißem Waſſer
und hat ſich derart verbrannt, daß es in der folgenden
Nacht geſtorben iſt.
§. Selbſtmordverſuch. Ein im Beſſunger Stadtteil
wohnhafter lediger Schreinergehilfe verſuchte ſich in ſeiner
Wohnung durch Strangulation zu entleiben. Er wurde
in das ſtädtiſche Krankenhaus verbracht.
* Einbruchsdiebſtahl. In der Wohnung des Wirtes
vom Städtiſchen Saalbau wurde am Donnerstag abend
zwiſchen 6 und 7 Uhr ein frecher Einbruchsdieb=
ſtahl
verübt. Nachdem der oder die Täter die Woh=
nungstür
mit einem Drücker geöffnet hatten, erbrachen ſie
mit Gewalt alle Schränke und Käſten. Geraubt iſt ein
Barbetrag von etwa 830 Mark und eine
goldene Herrenuhr mit Sprungdeckel im Werte
von etwa 100 Mark. Die Schlöſſer von den Schränken fand
man bei der Entdeckung des Einbruchs am Boden liegen.

Kranichſtein, 20. Dez. Der auf heute feſtgeſetzt ge=
weſene
Termin zur landespolize ilichen Ab=
nahme
der Erweiterung des Bahnhofs Kranich=
ſtein
fällt aus. Feſtſetzung eines neuen Termins
wird demnächſt erfolgen.
Gernsheim, 20. Dez. Ein zahlreiches Abſter=
ben
des Wildes hat der letzte plötzliche Witterungs=
umſchlag
verurſacht. Insbeſondere der Rehbeſtand er=
leidet
empfindlichen Schaden.
* Crumſtadt, 20. Dez. Ein ſeltenes Jubiläum
feiert Herr K. Hebermehl, der Präſident des im
Jahre 1841 gegründeten Geſangvereins Germania.
Sind es doch bereits 40 Jahre, daß er ſein Amt als
Präſident des Verein führt, daß er das Schifflein des
Vereins durch alle Klippen und Gefahren, die ihm droh=
ten
, geführt, und iſt es nicht zuletzt ſein Verdienſt, daß
der Verein heute gefeſtigt daſteht, geſtützt auf ſeine tradi=
tionelle
Vergangenheit, bewußt ſeiner Pflicht, das ihm
von den Vätern vermachte Erbe, die Hebung des Volks=
geſanges
und Volksſinnes, zu wahren und zu fördern.
Möge es Herrn Hebermehl vergönnt ſein, noch lange
Jahre in dieſem Sinne zu wirken.
Offenbach, 20. Dez. Geſtern vormittag 9 Uhr wurde
aus einem Weiher in den ſtädtiſchen Anlagen am Dreieich=
ring
eine unbekannte weibliche Leiche geländet. Die
Geländete, die in der verfloſſenen Nacht den Tod geſucht
haben dürfte, iſt etwa 20 Jahre alt. Geſtern nachmittag
um 1 Uhr geriet das drei Jahre alte Söhnchen Heinrich
des bei der Firma F. L. Vombach angeſtellten Heizers
Meyer aus der Karlſtraße 64 in der Rohrſtraße unter
einen ſtädtiſchen Pfuhlwagen und erlitt ſo ſchwere Ver=
letzungen
, daß es kurz nach ſeiner Verbringung in das
Krankenhaus ſtarb.
Nieder=Liebersbach, 20. Dez. Ein tragiſches Ende
fand geſtern abend das 1 Jahr alte Kind des Bürgers

Kadel. Die Mutter des Kindes, das in einem Bett=
chen
in der Küche lag, hatte Tannenreiſig und
Tannenzapfen auf das Herdfeuer gelegt und war
dann weggegangen. Als ſie zurückkam, fand ſie die Küche
voller Rauch und ihr Kind tot im Bettchen. Es war
durch den Qualm erſtickt.
Mainz, 19. Dez. Die Einwohnerzahl der Stadt
Mainz betrug nach der Fortſchreibung der Bevölkerung
Ende September 112870 Perſonen. Ehen wurden insge=
ſamt
202 (209) oder auf 1000 Einwohner und aufs Jahr
berechnet 7,17 (7,53) geſchloſſen. Die Zahl der Geborenen
(ohne die Totgeborenen) belief ſich auf 596 (628) oder
21,16 (22,65) pro Mille, die der Geſtorbenen (ohne die Tot=
geborenen
) auf 382 (455) oder 13,56 (16,41) pro Mille, ſo
daß ſich ein Geburtenüberſchuß von 214 (173) oder 7,60
(6,24) pro Mille ergibt. Die Zahl der Geborenen war alſo
noch geringer wie im gleichen Vierteljahr des Vorjahres,
während die Sterblichkeitsverhältniſſe infolge des kühlen
Sommers ſich weſentlich günſtiger geſtalteten.
* Mainz, 20. Dez. Der Bürgermeiſter Dr. Schmidt
iſt heute nachmittag 5 Uhr hier geſtorben.
Worms, 20. Dez. Am Mittwoch ſtarb Herr Prof. Dr.
Auguſt Scheuermann, Großh. Oberlehrer. Der Ver=
ewigte
wirkte 25 Jahre mit Treue und Hingebung an der
Vereinigten Anſtalt Gymnaſium und Real=
ſchule
und nach deren Trennung am Gymnaſium.
Mölsheim. 20. Dez. Geſtern wurden hier der Tag=
ter
L. und deſſen Sohn durch die Pfeddersheimer Gen=
darmerie
wegen Jagdfrevels verhaftet ſund
in Unterſuchungshaft gebracht.
Bingen, 20. Dez. Herr C. H. Fiſcher ſen. hat für
die Armen der Stadt Bingen 400 Zentner
Braunkohlenbriketts geſtiftet. Das Kreis=
amt
teilte der Stadtverordnetenverſammlung mit, daß
es, da ſich ein Verbot des Viehhandels an den
Tagen vor den Märkten nicht durchführen läßt, der Mein=
ung
iſt, von einer Aufhebung der Vormärkte als nicht
zweckmäßig abzuſehen. Bürgermeiſter Neff führte hierzu
aus, daß von ſeiten des Miniſteriums bereits ein Ver=
bot
der Märkte ergangen wäre, da der Raum, in dem
die Viehmärkte abgehalten würden, keinen waſſerdichten
Boden hätte. Dieſes Verbot ſei jedoch mit Rückſicht auf
den bevorſtehenden Bau eines Schlachtviehhofes wieder
rückgängig gemacht worden. Die Angelegenheit wird
nochmals die nächſte Stadtverordnetenſitzung beſchäftigen,
da erſt ein Beſchluß des Marktausſchuſſes herbeigeführt
werden ſoll.
Gießen, 20. Dez. Der G. A. veröffentlicht folgendes
Schreiben: An die Großh. Zentrale für Mutter= und
Säuglingsfürſorge: Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin
haben mich beauftragt. Höchſtihre Freude und Genugtuung
darüber kundzugeben, daß es der Großh. Zentrale für
Mutter= und Säuglingsfürſorge gelungen iſt, den bedeut=
ſamen
Bau einer Kinderklinik in Gießen zu vollenden und
in Betrieb zu nehmen. Die Frau Großherzogin ſind über=
zeugt
. daß die Anſtalt mit dazu beitragen wird, die bekann=
ten
Aufgaben der Säuglings= und Kinderfürſorge und da=
mit
das Gemeinwohl zu fördern. Für die Ausbildung der
Kreispflegerinnen der Großh. Zentrale und der Eleonoren=
ſchweſtern
wird die Klinik ohne Zweifel bald unentbehr=
lich
werden. Ihre Königliche Hoheit möchten ferner bei
dieſer Gelegenheit der von vielen Seiten betätigten ver=
dienſtvollen
Mitarbeit an der Errichtung der Kinderklinik
und auchder Stadt Gießen gedenken, die durch eine für ein
Freibett zu verwendende jährliche Stiftung im Betrage
von 600 Mark ihre Sympathie für die Einrichtung bezeugt
hat. Die Frau Großherzoain haben den Wunſch ausge=
ſprochen
, daß dieſes Schreiben durch Sie veröffentlicht
werde. Baron von Leonhardi, Oberhofmeiſter J. K. H.
der Großherzogin.
* Gießen, 20. Dez. Der Landgerichtsrat und außer=
ordentliche
Profeſſor Dr. Julius Friedrich hat einen
Ruf als ordentlicher Profeſſor des öffentlichen Rechts
an die Hochſchule für Kommunal= und Sozialver=
waltung
in Köln angenommen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 19. Dez. Vom deut=
ſchen
Kaiſerhofe intereſſieren zwei Meldungen. Die
eine, auch von der halbamtlichen Norddeutſchen Allgemei=
nen
Zeitung übernommene, beſagt, daß für die glückliche
Entbindung der Prinzeſſin Auguſt Wilhelm von Preußen
vom nächſten Sonntag ab kirchſiche Fürbitten angeordnet

Freie literariſch=künſtleriſche
Geſellſchaft.

Wiederum danken wir der Freien literariſch= künſtle=
riſchen
Geſellſchaft die Bekanntſchaft mit einem inter=
eſſanten
Werke, das unſeren Konzertſälen bisher fern
blieb, obwohl es unleugbar reich iſt an muſikaliſchen
Schönheiten und einem begabten Sänger dankbare Auf=
gaben
bietet.
Die ſchöne Magelone iſt ein 14 Geſänge um=
faſſender
Liederzyklus, von Johannes Brahms kompo=
niert
, in dem Johann Ludwig Tieck die wunderſame
Liebesgeſchichte der ſchönen Magelone und des Grafen
Peter aus der Provence nach dem bekannten Volks=
buche
in feine poetiſche Form gekleidet hat. Die Sänge,
in deren Vertonung, was die ausdrucksvolle Erſchöpfung
des textlichen Gehalts und der ſeeliſchen Empfindungen
durch die Muſik anbelangt, Johannes Brahms von ſei=
nem
Beſten gab, einen ſich bei aller Schlichtheit der poeti=
ſchen
Form und Anſpruchsloſigkeit der Erzählung zu
einem Hohenlied von der treuen Liebe. Was die Lieder
am Gehalt der Erzählung nicht erſchöpfen es werden
immer nur die nachhaltigen ſeeliſchen Empfindungen,
Gefühle und Eindrücke geſungen wird durch verbin=
denden
Text ergänzt, der geſprochen wird. Dieſes Spre=
chen
war das einzig Unſchöne und Illuſionsſtörende des
Abends, denn man ließ den Sänger, der, wie viele ſei=
ner
Kollegen, ebenſo gut ſingen wie ſchlecht rezitieren
konnte, den Text ſelbſt ſprechen.
Geſanglich brachte der Abend einen einzigartigen,
von Vortrag zu Vortrag ſich ſteigernden Kunſtgenuß. Herr
Hofopernſänger R. Jung vom Hof= und Nationaltheater
in Mannheim konnte geſanglich kaum beſſer ſeine ſchöne
Aufgabe löſen. Sein jugendfriſcher, prachtvoll gefärbter,
volltönender Tenor, der die Höhen mühelos erklomm
und von wunderbarer Fülle und Innigkeit in den mittle=
ren
und tiefen Lagen iſt, zeugt von einer hervorragen=
den
Schulausbildung und mit feinem künſtleriſchem Takt
zwang der Sänger ſeine bedeutenden Mittel zurück=
haltend
in die künſtleriſche Ausdrucksform. Dabei iſt dem
Künſtler ein Vortrag eigen von ſelten ſeelenvollerer Ver=
tiefung
, ſo daß er die Hörer geradezu in Bann ſchlug.
Herr Ferdinand Edlinger von der Eliſabeth
Duncanſchule begleitete die Geſänge am Flügel mit rei=
fem
künſtleriſchem Verſtändnis. Das zahlreiche Publi=
kum
ſpendete beiden Künſtlern rauſchenden Beifall. M. St.

Kunſthalle am Rheintor.
I.

Es iſt, wenn auch künſtleriſch nicht gerade überwälti=
gend
ſo doch außerordentlich erfreulich, was die Gruppe
heſſiſcher, vornehmlich Darmſtädter, Künſtler leiſtet, die
zurzeit in der Kunſthalle am Rheintor ausſtellt. Doppelt
erfreulich, weil auch eine ganze Anzahl Künſtler und
Künſtlerinnen vertreten iſt mit guten Werken, denen man
ſonſt nicht allzu oft begegnet. Ein Beweis dafür, daß in
Darmſtadt auch außerhalb der berufenen Pflegſtätten der
Kunſt fleißig und zielbewußt geſchafft wird und daß auch
in der Stille manch ſchönes Können der Reife entgegen=
lüht
.
Gleich beim Beginn unſerer Wanderung im Parterre
feſſeln uns ein paar reizende Landſchaften von Heinr.
Zernin, die durch die Zartheit und Farbenfriſche
ihres Kolorits geradezu überraſchen. Es ſind die beiden
heimiſchen Motive vom Rutſenbach und vom alten Eber=
ſtädter
Weg. Auch die Felſengruppe und der blühende
Apfelbaum ſind, obwohl weniger zart und weniger locker
gemalt, reich an koloriſtiſchen Reizen. Zwei meiſterhaft
gezeichnete Köpfe Porträtſtudien in Kohle ſtellt Ed.
Selzam aus, der auch in dem oberen Raum II noch
ein ſicher gemaltes Bauernmädchen, ebenfalls Kopfſtudie,
ausſtellt; die drei Bilder verraten wieder den ſicheren,
reifen Künſtler, als den wir Eduard Selzam nun ſchon oft
kennen lernten. Marie Seyd hat zwei große
Aquarelle ausgeſtellt, von denen der Blumenmarkt eine
Szene von unſerem Wochenmarkt mit den um den Brun=
nen
gruppierten Blumenverkäuferinnen und dem Reſi=
denzſchloß
im Hintergrund, eine ganz reizende Löſung der
Aufgabe bedeutet. Bergeinſamkeit zeigt noch Mängel
in der koloriſtiſchen und perſpektiviſchen Durcharbeit.
Frieda Beſt=Mainz iſt mit zwei flott gemalten Land=
ſchaften
vertreten, von denen die ſatte, gut erfaßte Wald=
ſtudie
uns künſtleriſch wertvoller dünkt, als die farben=
frohere
Landſchaft, die im Kolorit nicht frei von ſtörenden
Härten iſt. Dann hängen da noch in der letzten Niſche
ein Blumenſtück von Marie Stern eine recht tüch=
tige
und durchdachte Arbeit, und zwei reizvolle kleine
Städtebildchen von Richard Lipps, die bei allem
liebevollen Eingehen auf Details doch nicht den Blick für
die Größe der Aufgabe miſſen laſſen.
Im Treppenhaus iſt unten eine Anzahl Pla=
ſtiken
ausgeſtellt, die uns Bernhard Hoetger, Mit=

glied der Künſtlerkolonie, von einer ganz anderen Seite
ſeines Schaffens zeigen. Aus dem Schöngeiſt und
Schönheitsſucher iſt ein Verherrlicher der Arbeit gewor=
den
, der ein paar Plaſtiken Bronzen ſchuf, von ge=
radezu
erbarmungsloſer Realiſtik: die Menſchliche
Maſchine und Der Arbeiter‟ Daneben zeigt eine Kol=
lektion
reizender, ganz individuell aufgefaßter phantaſie=
voller
Kleinplaſtiken in Majolika des Künſtlers Eigenart
in monumentaler Formengebung. Denn dieſe kleinen
Figuren ſind durchaus monumental erfaßt. Meiſterhaft
modelliert iſt auch die Büſte eines lachenden Mädchens,
ebenfalls in Majolika. Der weibliche Kopf iſt aus frühe=
ren
Ausſtellungen ſchon bekannt. Auch Fritz Deckers
Büſte eines Jünglings war bereits Gegenſtand der Be=
ſprechung
.
In Raum II hat LeoKayſer eine Kollektion ſeiner
fein ausgeführten Radierungen, Kaltnadelarbeiten und
Stiche ausgeſtellt, die aufs neue beſtätigen, daß wir in
dem jungen Künſtler eine Kraft von ſchöpferiſcher Eigen=
art
beſitzen, deren hohes Können mächtig der Vollend=
ung
entgegenſtrebt. Beſonders feſſeln in der Kollektion
einige Aktſtudien, die den ſicheren Zeichner und Formen=
ſchöpfer
zeigen und auch von des Künſtlers Humor und
Phantaſie reden. Die beiden Hauptwände des Rau=
mes
werden eingenommen von umfangreichen Kollektio=
nen
reizender Aquarelle der Profeſſoren Albert Hart=
mann
und Wilh. Bader. Faſt durchweg prächtig
gemalte Bilder, techniſch die Meiſter verratend, durch=
flutet
von Licht und Sonne und von ſtrahlender Farben=
frohe
und=Friſche. Aus faſt allen dieſen Landſchafts=
bildern
, die die Schönheiten der Natur zu allen Jahres=
zeiten
widerſpiegeln, grüßen uns liebe bekannte Plätz=
chen
aus der näheren und weiteren Umgebung Darm=
ſtadts
, und führen uns überzeugend die Wahrheit des
Sprichworts zu Gemüt: Warum in die Ferne ſchwei=
fen

Als Dritter im Bunde dieſer hervorragenden
Aquarelliſten ſchließt Heinr. Reinh. Kröh ſich an,
von deſſen reifer Kunſt einige Werke erneut zeugen. Auch=
ein
paar Oelbilder hat der greiſe Meiſter ausgeſtellt, der=
immer
noch mit einer Friſche malt, um die manch rin=
gende
Jugendkraft ihn beneiden könnte. Joh. Lipp=
mann
, deſſen künſtleriſches Schaffen erſt vor kurzem an=
dieſer
Stelle eingehender gewürdigt wurde, hat ein paar
hübſche, den reifen Künſtler und charakterfeſten Schil=
derer
von Volkstypen verratende Paſtell= und Bunt=
ſtiftzeichnungen
ausgeſtellt. Zwei kleine, liebevoll=

[ ][  ][ ]

worden ſind. Prinz Auguſt Wilhelm, der vierte Sohn
des Kaiſerpaares, vermählte ſich am 22. Oktober 1908 mit
der Prinzeſſin Alexandra Viktoria zu Holſtein=Glücksburg;
die Ehe war bisher kinderlos. Nach einer zweiten Mel=
dung
ſoll die Verlobung des Prinzen Oskar, des fünften
Kaiſerſohnes, mit der Tochter des Prinzen Friedrich Leo=
pold
von Preußen, Prinzeſſin Viktoria Margarete, ſeiner
Couſine, bevorſtehen. Prinz Oskar iſt am 27. Juli 1888
geboren, ſteht alſo im 25. Lebensjahre. Eine Beſtätigung
dieſer Verlobungsnachricht liegt noch nicht vor. Zwei
Millionen Wertzuwachs in vier Jahren!
Unter dieſer Spitzmarke teilt die Bauwelt zu dem Verkauf
des Grundſtücks Leipziger Straße 123a für 5 Millionen
an die Firma L. A. Herpich Söhne folgendes mit: Es
iſt dies das größte Grundſtück der Leipziger Straße, das in
letzter Zeit ſeinen Beſitzer gewechſelt hat, und zwar umfaßt
es 80 Geviertruten. Die bisherigen Eigentümer, Bankier
Mack und Baumeiſter Arnold Kuthe, kauften das Grund=
ſtück
, auf dem ſich früher das berühmte Godefroyſche Pa=
lais
erhob, vor etwa vier Jahren von den in Hamburg.
anſäſſigen Godefroyſchen Erben für 3 100000 Mark. Das
altertümliche Haus mit einer architektoniſch reizvoll durch=
gebildeten
Faſſade wurde damals niedergeriſſen und ein
modernes Bureau= und Geſchäftshaus erbaut. Mack und
Kuthe haben demnach in vier Jahren einen Gewinn von
1900000 Mark, alſo von bald 2 Millionen Mark, zu ver=
zeichnen
. Gegen den Direktor Nordau vom Friedrich
Wilhelmſtädtiſchen Schauſpielhaus, das ſich ſchon ſeit eini=
ger
Zeit in Zahlungsſchwierigkeiten befindet, iſt Kon=
kurs
=Eröffnung beantragt worden.
Frankfurt, 20. Dez. Der Finanzausſchuß des
17. Deutſchen Bundes= und goldenen Ju=
biläumsſchießens
hat einen erheblichen Ueberſchuß
herausgerechnet. Die Höhe der Summe läßt ſich augen=
blicklich
noch nicht genau feſtſtellen, da verſchiedene Prozeſſe
mit Pächtern von Lokalen ſchweben, deren Ausgang erſt ab=
gewartet
werden muß. Erſt danach wird es möglich ſein,
das tatſächliche Zahlenmaterial zu veröffentlichen.
Hanau, 20. Dez. Zu den Erkrankungen im
Eiſenbahnregiment Nr. 3 iſt heute zu berichten,
daß ein Stillſtand in den Erkrankungsfällen einge=
treten
iſt. Es iſt kein neuer Fall vorgekommen. Die
geſtrige Konferenz von höheren Militärärzten hat die Ur=
ſache
der Krankheit noch nicht feſtſtellen können. Die bak=
teriologiſche
Unterſuchung wird, wie der Hanauer An=
zeiger
meldet, noch einige Zeit in Anſpruch nehmen.
Detmold, 20. Dez. Für den Wiederaufbau des
im Februar d. J. niedergebrannten fürſtlichen Hof=
theaters
, der auf eine Summe von 800000 Mark ge=
ſchätzt
iſt, bewilligte die Stadtverordnetenverſammlung
heute abend einen Zuſchuß von 100000 Mark. Der Hof=
theaterbau
ſoll ſofort in Angriff und das Gebäude im
Dezember 1913 in Benutzung genommen werden.
Celle, 20. Dez. Ein ſchweres Exploſions=
unglück
, dem drei Menſchenleben zum Opfer fie=
len
, ereignete ſich geſtern im Laboratorium der Rheiniſchen
Metallwarenfabrik Ehrhardt auf dem Schießplatz Unter=
lüß
beim Laden einer Granate. Zwei Arbeiter wurden
ſofort getötet, ein junges Mädchen ſchwer verletzt. Das=
ſelbe
ſtarb nach zwei Stunden. Zwei Arbeiter erlitten
erhebliche Verletzungen. Die Urſache des Unglücks iſt noch
nicht feſtgeſtellt worden.
Hamburg, 20. Dez. In der Nacht auf den 19. Dezem=
ber
brach in Pinneberg in den vereinigten Leder=
leim
=Fabriken von Jens u. Ehlers Großfeuer aus.
Die Fabrikanlagen brannten vollſtändig nieder. Der
Materialſchaden iſt bedeutend. Die Entſtehungsurſache iſt
noch unbekannt.
Wien, 20. Dez. Die Polizei hat die Namen der drei
Individuen, welche geſtern maskiert einen Raub=
anfall
auf einen Fabrikanten und deſſen Sohn im
Bezirk Naubau verübten, feſtgeſtellt. Einer der Täter,
der jugendliche Maſchinenbaulehrling Plaſſy, wurde be=
reits
verhaftet. Er legte ein umfaſſendes Geſtändnis
ab. Die beiden anderen Täter, gleichfalls junge Burſchen,
ſind flüchtig.
Paris, 20. Dez. In der Luftſchifhalle zu Isle=
les
=Moulineaux brach geſtern ein Feuer aus, das ziem=
lich
großen Umfang annahm, aber noch gelöſcht
werden konnte, ehe es die in der Halle untergebrachten
400 Waſſerſtoffbehälter erreicht hatte. Der angerichtete
Schaden iſt gleichwohl ziemlich bedeutend, da mehrere
Ballonhüllen und Gondeln verbrannten und außerdem
die Beſtandteile einiger Flugzeuge zerſtört wurden. Am
meiſten wurde das zur Ablieferung an das Kriegsmini=
ſterium
bereit gehaltene Luftſchiff Lieutenant Chauré
beſchädigt.
Paris, 20. Dez. Das größte franzöſiſche Provinz=
theater
in Nantes iſt geſtern vollſtändig aus=
gebrannt
; auch das Nebengebäude, in dem ſich ein

Muſikkonſervatorium befand, brannte nieder. Zahlreiche
Inſtrumente und Noten wurden vernichtet.
Brüſſel, 19. Dez. In Rumpſt bei Antwerpen ſtürzte
geſtern auf einer ſchlechten Straße eine große Limouſine in
voller Fahrt um. Der Beſitzer des Kraftwagens, Ba=
ron
van Zuylen, der den Wagen ſelber ſteuerte, wurde
getötet. Baron van Zuylen=Myevelt war der Sohn des
Präſidenten des Automobilklubs von Frankreich und ein
ſehr erfahrener Autoſportmann. In dem Wagen, der auf
der Fahrt von Brüſſel nach Antwerpen war, befanden ſich
die Baronin von Baſſompiére, eine Verwandte von Zuy=
lens
, eine engliſche Dame, Miß Wood und der Lt. Goffinet
vom 2. Regiment der Reitenden Jäger, ein Mitglied der
Familie der Barone Goffinet, der vertrauten Freunde des
verſtorbenen Königs Leopold. Das Regenwetter der letz=
ten
Tage hatte die Chauſſee, auf der Kanaliſationsarbeiten
ausgeführt worden waren, nahezu unfahrbar gemacht, ſo
daß die beiden Seitenräder des Autos im Schlamme ver=
ſanken
. Der ſchwere, mit großer Geſchwindigkeit fahrende
Wagen überſchlug ſich dadurch und ſtürzte auf die Seite.
Der Baron van Zuylen erlitt einen ſchweren Schädelbruch
und ſtarb nach wenigen Minuten; auch die Baronin von
Baſſompiere wurde ſchwer am Kopfe verletzt und infolge
großen Blutverluſtes bewußtlos. Die beiden anderen In=
ſaſſen
erlitten Verletzungen leichterer Natur; ſie wurden
in eine benachbarte Mühle geſchafft, dort verbunden und
konnten bereits von dem Unterſuchungsrichter vernommen
werden.
Stockholm, 20. Dez. Beim Einſturzeines Neu=
baues
in Grebro wurden fünf Perſonen getötet,
vier mehr oder weniger ſchwer verletzt.

Sitzung der Großh. Handels=
kammer
Darmſtadt
vom 16. Dezember.

Am 16. November iſt Herr Fabrikant Georg Tu=
ger
II. in Heppenheim, welcher von 1907 bis 1911 der
Handelskammer angehört hat, und am 14. Dezember Herr
Kommerzienrat Diefenbach=Darmſtadt,
welcher von 1873 bis 1884 Mitglied der Handelskammer
geweſen war, verſtorben. Zu Anfang Dezember d. J.
ſind 25 Jahreſeit Gründung der Kaufmänni=
ſchen
Fortbildungsſchule verfloſſen. Von den
Gründern der Schule, welche ſeinerzeit durch den Han=
delsverein
Darmſtadt ins Leben gerufen worden iſt, iſt
noch Herr Theodor Kalbfuß als Mitglied des Kurato=
riums
dieſer Schule tätig. Weiter hat der gegenwärtig
dirigierende Lehrer der Schule, Herr Lehrer Speckhardt,
ebenfalls während der verfloſſenen 25 Jahre ſeine Kräfte
dieſer Schule gewidmet.
Bei den diesjährigen Ergänzungs= und
Erſatzwahlen zur Handelskammer, welche
in der Zeit vom 11. bis 27. November ſtattgefun=
den
haben, ſind in Darmſtadt folgende Herren
wieder= bezw. neugewählt worden: Fritz Becker, Ludwig
Fiſcher, Kommerzienrat Frölich, Kommerzienrat Jacobi,
Ludwig Joſeph, Bankdirektor C. Parcus und Kommer-
zienrat
C. Wittich. In Bensheim iſt Herr Kaufmann
Daniel Reiling wiedergewählt worden, für den Kreis
Groß=Gerau anſtelle des Herrn Kommerzienrat Carl
Opel, welcher eine Wiederwahl abgelehnt hatte, Herr
Kommerzienrat Dr. Wilhelm Opel in Rüſſelsheim, und
in Heppenheim Herr Kaufmann Georg Hamel II.
Zur Beſprechung des Entwurfs eines Geſetzesüber
den Verkehr mit Leuchtöl hat Anfang Dezember
auf Veranlaſſung der Handelskammer eine Verſammlung
von Intereſſenten aus den Kreiſen des Großhandels, ſo=
wie
des Kleinhandels, der Standard Oil Company, und
der Deutſchen Petroleum=Aktiengeſellſchaft ſtattgefunden.
Weiter iſt dieſe Angelegenheit auf einer Vertreterkonferenz
der Heſſ. Handelskammern in Frankfurt a. M. verhandelt
worden. Auf Grund dieſer Beſprechungen, ſowie der Ver=
handlungen
im Reichstag und dem Deutſchen Handelstag
at nunmehr die Handelskammer unter eingehender Er=
wägung
der für dieſen wichtigen Geſetzentwurf in Be=
tracht
kommenden Geſichtspunkte eine Sonderkommiſſion
eingeſetzt, welche zu einem geeignet erſcheinenden Zeit=
punkte
weitere Schritte unternehmen ſoll. Die Handels=
kammer
iſt der Ueberzeugung, daß der vorliegende Ge=
ſetzentwurf
geeignet iſt, unter allerdings einſchneidenden
Abänderungen eine brauchbare Grundlage für eine künf=
tige
befriedigende Verſorgung Deutſchlands mit Petro=
leum
zu bieten.
Durch die Handelskammer waren die zur
Ausführung des Angeſtielltenverſichk=
rungsgeſetzes
nötigen Vertrauens= und
Erſatzmännerwahlen der Arbeitgeber in
den Wahlkreiſen Darmſtadt=Stadt, Darmſtadt=Land, Bens=
heim
, Groß=Gerau, Erbach und Heppenheim in die Wege
geleitet werden. Es war gelungen, einheitliche Vorſchlags=
liſten
, welche die Namen von 18 Vertrauensmännern und
36 Erſatzmännern enthalten, aufzuſtellen. Da keine Ge=
genliſten
vorhanden waren, waren ſämtliche Herren als
gewählt zu betrachten. Es haben nun noch ſeitens der
Vertrauensmänner im Monat Januar 1913 die geſetzmä=
ßig
vorgeſehenen Wahlen der Mitglieder des Verwal=
tungsrats
, der Beiſitzer der Rentenausſchüſſe, des
Schiedsgerichts und des Oberſchiedsgerichts, ſowie ihrer
Erſatzmänner, zuſammen 108 Herren, ſtattzufinden. Zur
Durchführung dieſer Wahlen ſollen, wenn irgend möglich,
ebenfalls einheitliche Vorſchlagsliſten durch Vermittelung
des Deutſchen Handelstags aufgeſtellt werden. Dies kann
nur durch einen zu bildenden Wahlausſchuß geſchehen.
Hierzu ſoll am 3. Januar 1913 eine Verſammlung von
Delegierten der Vertrauensmänner in Berlin ſtattfinden.
In einer von der Handelskammer einberufenen Verſamm=
lung
der Vertrauens= bezw. Erſatzmänner des Bezirks iſt
als Delegierter für Berlin Herr Kaufmann Wilhelm Kalb=
fuß
beſtimmt worden.
An den Verſammlungen des Bundes Deutſcher Nah=
rungsmittel
=Fabrikanten und =Händler in Berlin vom
25.27. November d. Js., gelegentlich welcher ſowohl
über allgemeine Fragen der Nahrungsmittelgeſetzgebung,
wie beſondere Fragen der Nahrungsmittelbranche ſehr
eingehend verhandelt worden iſt, hat in Vertretung der
Handelskammer Herr Kommerzienrat Frölich teilge=
nommen
.
Gelegentlich der Ausſchußſitzung des Han=
delsvertragsvereins
am 5. Dezember d. J.
in Berlin, zu welcher wegen der auf der Tagesordnung
ſtehenden einſchneidenden Fragen der Zoll= und Handels=
politik
die dem Handelsvertragsverein angeſchloſſenen
Handelskammern Einladungen erhalten hatten, hat Herr
Syndikus Dr. Human die Handelskammer vertreten.
Anſtelle des bisherigen Handelsſachverſtän=
digen
Bruchhauſen iſt Herr Karl Arnim Krieg zum
Handelsſachverſtändigen bei dem Kaiſerl. Konſulat in
Mexiko beſtellt worden. Herr Bruchhauſen wird Han=
delsſachverſtändiger
in Buenos=Aires.

Die Vereinigung heſſiſcher Gerichtsvollzieher hat das
Juſtizminiſterium um Verſſtaatlichung des Ge=
richtsvollzieherweſens
gebeten. Hierzu hat ge=
nanntes
Miniſterium die Handelskammern um Aeußerung
erſucht. Die Handelskammer Friedberg hat daraufhin
eine Eingabe ausgearbeitet, welche ſeitens des Vorortes
des Heſſiſchen Handelskammertags dem Juſtizminiſterium
orgelegt worden iſt. In dieſer Eingabe ſpricht ſich der
Heſſiſche Handelskammertag in eingehenden Ausführungen
gegen eine Verſtaatlichung des Gerichtsvollzieherweſens
aus und tritt dafür ein, es möchte künftighin jeder Auf=
traggeber
berechtigt ſein, ſeine Aufträge demjenigen Ge=
richtsvollzieher
zu übergeben, zu deſſen Gewandtheit und
Promptheit er das meiſte Vertrauen hat. Jeder Gerichts=
vollzieher
müßte verpflichtet ſein, alle ihm aufgetragenen
Geſchäfte auszuführen, einerlei, ob der Schuldner in ſeinem
Bezirk oder in demjenigen eines anderen Gerichtsvoll=
ziehers
wohnt.
Die Handelskammer hat Veranlaſſung genommen, in
den Tageszeitungen darauf hinzuweiſen, es könnten die
bei der Neuausſtellung von Legitimations-
karten
ſich ergebenden Schwierigkeiten dadurch vermie=
den
werden, daß die Anträge auf Ausſtellung dieſer Kar=
ten
möglichſt frühzeitig im laufenden Monat bei den zu=
ſtändigen
Kreisämtern geſtellt werden.
An das Großh. Miniſterium des Innern iſt unter
näherer Darlegung der Sachlage die Bitte gerichtet wor=
den
, es möchten die ſeit Jahren gehandhabten Vor=
ſchriften
zum Schutze gegen Seuchengefahr,
vor allen die Quarantäne, wieder aufgehoben werden.
Daraufhin hat das Miniſterium mitgeteilt, es ſei die
Quarantäne mit den übrigen damit zuſammenhängenden
Maßnahmen auf Zucht= und Nutzvieh beſchränkt worden,
das aus noch verſeuchten Gebietsteilen eingeführt wird.
Der Verband zur Wahrung der Intereſſen der
deutſchen Betriebskrankenkaſſen hat die
Handelskammer darauf aufmerkſam gemacht, es ſeien die
Arbeitgeber, welche für ihre Fabrikbetriebe Krankenkaſſen
haben, vielfach nicht darüber unterrichtet, daß ſie, wenn die
Betriebskrankenkaſſen nach der Reichsverſicherungsordnung
weiter beſtehen ſollen, einen Antrag auf Zulaſſung der
Kaſſen bei ihren Verſicherungsämtern unbedingt bis zum
Ablauf dieſes Jahres ſtellen müſſen.
Die Handelskammer erklärte ſich mit einem Vorgehen
des Deutſchen Handelstags bezüglich der Anfechtung
amtlicher Verfügungen einverſtanden, wonach die
von Behörden oder Beamten ergehenden Entſcheidungen,
Beſcheide, Entſchlüſſe, Anordnungen und Verbote und
anderweitige Verfügungen, deren Anfechtung an die Inne=
haltung
einer Friſt gebunden iſt, am Schluſſe die Eröffnung
enthalten müſſen, innerhalb welcher Friſt, in welcher Form
und an welcher Stelle die Anfechtung anzubringen iſt,
In einer Sitzung der Verkehrskommiſſion der Han=
delskammer
war eingehend über die Wünſche für den
kommenden Sommerfahrplan verhandelt wor=
den
. Nach Abſchluß aller Ermittelungen ſind ausführliche
Eingaben an die Königl. Preußiſche und Großh. Heſſiſche
Eiſenbahndirektion gerichtet worden. Die Handelskammer
ſucht vor allem eine Verbeſſerung der Zugverbindungen
vom Rheinlande über Mainz=Darmſtadt nach Süddeutſch-
land
herbeizuführen, den Verkehr auf der Strecke Mainz=
Aſchaffenburg, ſowohl bezüglich der Schnelligkeit, wie be=
züglich
der Lage der Züge zweckmäßig auszugeſtalten, in
Mainz gute Anſchlüſſe in der Richtung nach Kreuznach=
Saarbrücken und ebenſo in Aſchaffenburg nach und von
Marienbad=Karlsbad zu ſchaffen, die Verbindungen von
Saarbrücken über Mannheim, ſowie von Worms über
Bensheim nach Darmſtadt zu verbeſſern, die Verbindungen
von Sprendlingen (Rheinheſſen) bzw. Alzey nach Darm=
ſtadt
, ſowie von Bensheim mit der Riedbahn und mit
den rheinheſſiſchen Bahnen weiter auszugeſtalten, die Zug=
verbindungen
auf der Strecke Frankfurt=Mannheim über
Dornberg=Groß=Gerau zu verbeſſern und außerdem noch
Zuverbeſſerungen im Intereſſe des Arbeiterverkehrs zu
erreichen.
Von ſeiten des Vorſtandes der Landesverſicherungs=
anſtalt
des Großherzogtums iſt ein Wegweiſer durch
die wichtigſten Beſtimmungen der Reichs=
verſicherungsordnung
mit beſonderer Berückſich=
tigung
der von der Landesverſicherungsanſtalt geſchaffenen
oder unterſtützten heſſiſchen Wohlfahrtseinrichtungen und
Wohlfahrtsbeſtrebungen herausgegeben worden. Die Er=
werbung
dieſes Wegweiſers, welcher im Einzelverkauf
60 Pfg. koſtet, erſcheint ſowohl für Arbeitgeber, wie für
Arbeitnehmer ſehr zweckmäßig.

Parlamentariſches.

* Der Präſident des Finanzausſchuſſes
Erſter Kammer hat, der Darmſt. Ztg. zufolge an die
Regierung folgendes Schreiben gerichtet: Da die nun=
mehr
vorgelegte Beſoldungsordnung weitdre Mittel er=
fordert
als die vorläufige Regelung der Gehalte im Juli
1912 beanſpruchte, wird der Finanzausſchuß nach ſeiner
Erklärung vom 3. Oktober d. J. vor Erledigung dieſer
Vorlage die in Ausſicht genommene Organiſations=
änderung
der Baubehörden verlangen müſſen. Namens
des Ausſchuſſes erſuche ich deshalb ergebenſt um ge=
fällige
Auskunft, bis wann man der Denkſchrift Großh.
Regierung über dieſe Maßnahmen entgegenſehen kann.

Die Beiſetzungsfeierlichkeiten
in München.

* München, 19. Dez. Heute nachmittag 5 Uhr fand
im Barbaroſſaſaale der Königsreſidenz Tafel zu 112
Gedecken ſtatt. Inmitten der Hauptſeite der hufeiſenför=
migen
Tafel, die, der Veranlaſſung entſprechend, ſchlich=
ten
weißen Blumenſchmuck trug, ſaß der Prinz=
Regent, zu ſeiner Rechten der Kaiſer. Es folgten
rechts die Prinzeſſin Ludwig, Erzherzog Franz Ferdi=
nand
, die Herzogin Philipp von Württemberg, der In=
fant
Don Carlos von Spanien, die Prinzeſſin Arnulf,
der Großherzog von Baden, die Erzherzogin Germana,
der Großherzog von Mecklenburg=Schwerin, links vom
Regenten die Großherzogin von Toscana, der Großfürſt
Boris von Rußland, die Herzogin Robert von Württem=
berg
, der Doyen des Diplomatenkorps, Frühwirt, die
Prinzeſſin Ludwig Ferdinand, der Großherzog von
Heſſen, die Erzherzogin Agnes, der Erbgroßherzog von
Mecklenburg=Strelitz, gegenüber dem Regenten der König
von Sachſen, dieſem zur Linken der König der Belgier,
die Erzherzogin Joſeph, der Herzog von Genua, die
Prinzeſſin Leopold, der Herzog Albrecht von Württem=
berg
, die Erzherzogin Margaretha, der Großherzog von
Oldenburg; rechts vom König von Sachſen folgten die
Prinzeſſion von Bourbon die Gräfin Caſerta, der Herzog
von Teck, die Prinzeſſin Franz, Botſchafter Cambon, die
Prinzeſſin Alfons, der Großherzog von Sachſen=Weimar.
An der rechtsſeitigen und linksſeitigen Tafel ſaßen: die

und mit gutem Können gemalte Landſchaften mit Fa=
ſanen
ſteusrt Heinr. Deuchert bei, ein reizvolles
Stilleben mit goldenen Taſſen und einer Reifrockpuppe
in nicht ganz einwandfreier Zuſammenſtellung, aber da=
für
koloriſtiſch eigenartig und feſſelnd und eine gut gelöſte
Aufgabe darſtellend, Marie Stegmayer, und eine
gut erfaßte, aber etwas hart kolorierte Ittertal= Land=
ſchaft
Joſ. Müller. Die ganze rechte Wand iſt
Profeſſor Richard Hölſcher eingeräumt, der ein
ſpaar mit gewohnter Meiſterſchaft gemalte Porträts
Geheimerat Dr. Back und G. Altheim ausſtellt, eine
Uniformſtudie, d. h. das Ganzbildnis eines Offiziers,
ein Paſtellbildnis eines Jungen und ein paar köſtliche
Studienköpfe. Geradezu frappierend ſicher in der Zeich=
nung
und im Kolorit den feinſinnigen Farbenkünſtler
zeigend, ſind dieſe Bilder erneute Beweiſe von der
Meiſterſchaft Hölſchers, die wir ja ſchon oft und gern an=
erkannt
haben.
Im anſchließenden Raum IV iſt herrſchend in Quali=
tät
und Quantität das produktive heimiſche Künſtlerpaar
Adolf und Anna Beyer. In den prachtvollen
duftenden Blumenſtücken, durchweg gemalt in flotter Tech=
nik
und im Kolorit voller Farbenfülle und natürlicher
Schönheit, ſcheinen die beiden ſich überbieten zu wollen.
Daneben zeigt Frau Anna Beyer in einem Damen=
porträt
erneut ihre kernhafte Friſche und hervorragendes
Können in der Löſung feſſelnder und ſchwieriger kolori=
ſtiſcher
Aufgaben. Auch die Porträtſtudie mit dem eigen=
artigen
Licht= und Farbeneffekt zeugt davon, wie von dem
zielbewußten Vorwärtsſchreiten der Künſtlerin, deren
Werke überdies ſtets eine zeichneriſche Klarheit aus=
zeichnet
. Daß dieſe ſtets auch die Grundlage der Kunſt
Profeſſor Adolf Beyers iſt, haben wir oft ſchon her=
vorgehoben
. Der Künſtler bringt außer den Blumen=
ſtücken
eine Anzahl weiblicher Studien, in Paſtell muſter=
haft
gezeichnet und prachtvoll gemalt, ferner ein ent=
zückendes
Mädchenbildnis, ebenfalls in Paſtell, und
einige Landſchaften. Alle dieſe Bilder ſind Erzeugniſſe
reifer Künſtlerſchaft und vielſeitigen Talentes. Karl
Küſtner=Guntersblum und Melchior Kern ſind
im gleichen Raum noch mit einigen, leider nur wenigen
M. St=
kleinen
Landſchaften ehrenvoll vertreten.

[ ][  ][ ]

Söhne des Kaiſers und die übrigen Prinzen und Prin=
zeſſinnen
des Königshauſes und die Vertreter der Bun=
desſtaaten
, der Reichskanzler, ſowie die Herren des diplo=
matiſchen
Korps. An der in der Mitte des Saales auf=
geſtellten
Tafel befanden ſich Miniſterpräſident Freiherr
von Hertling, Staatsſekretär Dr. Delbrück, bayeriſcher
Kriegsminiſter Freiherr von Kreß, Deputationen des
Bundesrats und der Kammer der Abgeordneten, der Chef
des Zivilkabinetts des Kaiſers und die Herren des diplo=
matiſchen
Korps uſw. Marſchalltafel fand nicht ſtatt.
* München, 19. Dez. Um 6¼ Uhr reiſte der
Kaiſer mit ſeinen Söhnen nach Potsdam.
Abends fand in der preußiſchen Geſandtſchaft
zu Ehren des Re ichs kan z l er s, des
Staatsſekretärs Delbrück und des Unterſtaatsſekretärs
Wahnſchaffe Tafel ſtatt, an der die Herren des Ehren=
dienſtes
, die Kommandeure jener Regimenter, deren In=
haber
der Kaiſer iſt, ſowie die Herren der Geſandtſchaft
teilnahmen.
* München, 20. Dez. Die Korreſpondenz Hoffmann
meldet: Der Prinz=Regent richtete an den Kai=
ſer
ein Telegramm nach dem Neuen Palais: Es
iſt meinem Herzen ein Bedürfnis, hier noch einmal mei=
nen
tiefgefühlten Dank zu ſagen für all die Liebe, die Du
meinem in Gott ruhenden Vater in den letzten Tagen
erwieſen. und Deine perſönliche Teilnahme an den Lei=
chenfeierlichkeiten
und Ehrungen, die Du dem teuren
Verblichenen durch Armee und Marine zuteil werden
ließeſt. Dies ſind rührende Beweiſe für die Innigkeit
Deiner Beziehungen zum bayeriſchen Köniashaus, für
die ich und ganz Bayern Dir aufrichtig Dank wiſſen.
gez. Ludwia.
HB. München, 20. Dez. Die Direktoren der bei=
den
Kamm ern des Landtags wurden heute mor=
gen
vom Prinz=Regenten in Audienz empfangen. Vor=
mittags
11 Uhr fand in der Theatinerhofkirche ein Trauer=
gottesdienſt
ſtatt, dem Prinz=Regent Ludwia, ſämtliche
Prinzen und Prinzeſſinnen des königlichen Hauſes, das
diplomatiſche Korps und die Hofgeſellſchaft beiwohnten.

Nationalflugſpende.

* Die erwähnte Geſamtſumme von 7 Mil=
lionen
Mark verteilt ſich auf die einzelnen
Bundesſtaaten in folgender Weiſe: Preußen:
3 797617 Mk. (darunter Berlin: 410828 Mk.), Bayern:
187419 Mk., Königreich Sachſen: 95530 Mk., Württem=
berg
: 78271 Mk., Baden: 94 266 Mk., Heſſen: 43080 Mk.,
Mecklenburg=Schwerin: 2775 Mk., Sachſen=Weimar: 46 568
Mark, Mecklenburg=Strelitz: 7673 Mk., Oldenburg: 40 (92
Mark, Braunſchweig: 41768 Mk., Sachſen=Meiningen:
3146 Mk., Sachſen=Altenburg: 24 191 Mk., Sachſen=Coburg=
Gotha: 4810 Mk., Anhalt: 34368 Mk., Schwarzburg=
Rudolſtadt: 5769 Mk., Schwarzburg=Sondershauſen: 7241
Mack, Waldeck: 5342 Mk., Reuß ältere Linie: 55 Mk.,
Reuß jüngere Linie: 66 Mk., Schaumburg=Lippe: 5604 Mk.,
Lippe=Detmold: 6933 Mk., Lübeck: 16073 Mk., Bremen:
57893 Mk., Hamburg: 253346 Mk., Elſaß Lothringen:
81 268 Mk. Die Deutſchen im Auslande ſammelten 217878
Mark.
Für einen Teil dieſer Beträge haben ſich die Spender
den Verwendungszweck vorbehalten, Unter
dieſe Kategorie fällt z. B. ein Poſten von 1060018 Mk.
die lediglich für Beſchaffung von Flugzeugen verwendet
werden dürfen; ferner 577000 Mk. für die Begründung
der Deutſchen Verſuchsanſtalt für Luftfahrt und 338 287
Mark für verſchiedene andere Zwecke. Danach verbleibt
eine Summe von 5159082 Mk., deren Verwendung zum
Beſten des nationalen Zwecks dem Ermeſſen des Reichs=
komitees
überlaſſen bleibt. Zur Verwaltung und
Verwendung dieſer Summen in dem gedachten Sinne iſt
mit Genehmigung des Kaiſers ein Kuratorium von 47
Mitgliedern gebildet worden, deren angeſehene Namen
und Fachkenntniſſe eine ſichere Garantie dafür gewähren,
daß die vom deutſchen Volk gebrachten Opfer der För=
derung
des Flugweſens und damit dem Wohle des Vater=
landes
nutzbar gemacht werden.

Der Halleſche Studenten=
Ausſtand.

* Halle 19. Dez. Vom Medizinerſtreik
wird der Halleſchen Zeitung von autoritativer Seite fol=
gendes
mitgeteilt: Die Fakultät handelte genau entſpre=
chend
ihrem Anfang Mai gefaßten Beſchluß, der ſeinerzeit
den Klinikern wörtlich von dem Dekan vorgeleſen und
ihnen inzwiſchen in Abſchrift zugeſtellt wurde. Sie hat
außerdem die Wünſche der reichsdeutſchen Mediziner be=
züglich
der ärztlichen Vorprüfung für Ausländer bereits
im Mai dem Kultusminiſterium befürwortend zugeleitet.
Es trifft demnach bei dem bedauerlichen Ausſtand der Me=
diziner
in Halle die Fakultät keinerlei Verſchulden. Die
in früheren Semeſtern nichtdeutſchen Medizinern gewährte
Vergünſtigung, ohne Abſolvierung des Vorexamens zu
praktizieren, iſt darin begründet, daß der Miniſterial=
erlaß
vom 22. Auguſt 1896 nicht nur von der hieſigen
Fakultät anders interpretiert wurde, als ihn
wie ſich jetzt herausſtellt das Miniſterium ausgelegt
wiſſen will. Der Erlaß beſtimmte, daß zum Praktizieren
an den Kliniken nur diejenigen Mediziner zugelaſſen wer=
den
ſollen, welche die ärztliche Vorprüfung oder ein der=
ſelben
gleichwertiges Examen im Ausland abgelegt
haben. Von der hieſigen mediziniſchen Fakultät wurde
dieſe Beſtimmung zumal 1896 in Halle kaum Auslän=
der
ſtudierten als nur unſere reichsdeutſchen Mediziner
angehend ausgelegt, während er in der Tat für alle
deutſche und nichtdeutſche Studierende Gültigkeit haben
ſoll. Nach dieſer Klarſtellung wird ſelbſtverſtändlich in
Zukunft die Fakultät nur denjenigen Studierenden der
Medizin, welche in ihrer Vorbildung den Beſtimmungen
des Miniſterialerlaſſes vom 22. Auguſt 1896 entſprechen,
das Praktizieren geſtatten. Inzwiſchen ging der Fakul=
tät
am 18. Dezember ein neuer Erlaß des Mini=
ſteriums
vom 16. Dezember zu, der durch den oben
erwähnten Antrag der Fakultät veranlaßt war. Der Er=
laß
ſteht im Einklang mit der Auffaſſung der Fakultät,
geht aber inſofern noch weiter, als er beſtimmt, die gegen=
wärtig
bereits im 6. Semeſter oder in früheren ſtehenden,
dort inſkribierten Ausländer, welche infolge des milden
Verfahrens der Fakultät zum Praktizieren zugelaſſen ſind
ohne den vorgeſchriebenen Nachweis geführt zu haben,
ſollen ihre Studien in der bisherigen Weiſe beenden. Im
übrigen dürfen Ausnahmen nicht mehr geſtattet
werden. Nach dem Beſchluß der hieſigen Fakultät wür=
den
die jetzt erſt im 6. Semeſter ſtehenden Ausländer künf=
tig
nicht mehr zum Praktizieren zugelaſſen.
H.B. Halle 20. Dez. Der Streik der Medi=
ziner
an der Univerſität Halle iſt jetzt beigeleat.

Die Fakultät hat heute der Studentenſchaft die offizielle
Erklärung zukommen laſſen, daß ausländiſche Studie=
rende
ohne Nachweis des beſtandenen Phyſikums in Zu=
kunft
nicht mehr zum Praktizieren an den deutſchen Kliniken
zugelaſſen werden ſollen. Den noch ohne dieſen Nachweis
zugelaſſenen Ausländern ſoll aus Billigkeitsgründen ge=
ſtattet
werden, ihr Studium zu Ende zu führen.
* Heidelberg, 20. Dez. In der geſtrigen über=
aus
zahlreich beſuchten öffentlichen Verſammlung der
Heidelberger Klinikerſchaft wurde im An=
ſchluß
an ein Referat des gand. med. Riedel aus Halle
über die Bewegung in der Hallenſer Kliniker=
ſchaft
die Abſendung eines Sympathie=Teelgramms an
die Halleſchen Kollegen, ſowie nach mehrſtündiger Dis=
uſſion
folgende Eingabe an die hieſige mediziniſche Fa=
kultät
einſtimmig beſchloſſen: Die Fakultät möge zur
Beſſerung der Ausländerverhältniſſe von den Ausländern
owohl das Phyſikum als auch ein Examen in der deut=
ſchen
Sprache als Berechtigung zum Praktizieren fordern,
ſowie durch Einführung eines von der Fakultät mit den
Akademikern zu vereinbarenden entſprechenden numnerus
elausus die drohende Beeinträchtigung der deutſchen Kli=
nikerſchaft
verhindern.

Sport, Spiel und Turnen.

Fußballſport. Darmſtädter Sportklub
1905. Während im I. und III. Bezirk im Weſtkreis der
A=Klaſſe die Meiſterſchaftsſpiele ſchon längſt
ihre Erledigung gefunden haben. kämpfen die Vereine im
II. Bezirk noch jeden Sonntag um den Meiſtertitel. Auch
m dieſem Sonntaa findet ein ſolches intereſſantes Treffen
auf dem Sportklub=Sportplatz am alten Schieß‟
haus ſtatt. Der Darmſtädter Sportklub 1905 hat hier den
1. F. C. Bag=Kreuznach zu Gaſte. Für die Feiertage hat
die Sportklub=Elf keinen Gegner engagiert und findet dann
das nächſte Spiel am 5. Januar n. J. ſtatt. Dieſes iſt das
Entſcheidungsſpiel der A=Klaſſe gegen den Fußball=Verein
Haſſia, Mainz.

Der Balkankrieg.

Die Friedensverhandlungen.
* London, 19. Dez. Die Friedenskonfe=
renz
hielt heute nachmittag 4 Uhr unter dem Vorſitz
Venizelos ihre dritte Beratung ab. Reſchid Paſcha und
Salih Paſcha verließen ſchon am 4 Uhr 50 den St. James=
palaſt
und begaben ſich in ihr Hotel. Die Konferenz ver=
tagte
ſich auf Samstag nachmittag 4 Uhr, da die türkiſchen
Delegierten ihre Inſtruktionen, die ihnen durch Sonder=
kurier
zugehen, noch nicht erhalten haben. Der König
wird die Delegierten der Friedenskonferenz am Samstag
mittag im Buckinghampalaſt empfangen.
* Konſtantinopel. 19. Dez. Die türkiſchen
Bevollmächtigten in London ſollten heute der
Friedenskonferenz erklären, man müſſe, da die
Zulaſſung der griechiſchen Bevollmächtigten zu den
Verhandlungen ohne Unterzeichnung des Waffenſtillſtan=
des
von ſeiten Griechenlands die Friedensverhandlungen
in die Länge ziehen könnte, in das Waffenſtillſtandsproto=
koll
eine Zuſatzbedingung aufnehmen, die die Ver=
proviantierung
Adrianopels und der anderen belagerten
ürkiſchen Plätze geſtatte.
* London 20. Dez. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, herrſcht in diplomatiſchen Kreiſen eine weit op=
timiſtiſchere
Auffaſſung der europäiſchen Lage.
Wenn auch über die Beſprechungen der Botſchafter Still=
ſchweigen
bewahrt wird, ſo gibt man doch zu, daß ſie be=
reits
gute Ergebniſſe gehabt haben.
London, 20. Dez. Der deutſche Botſchafter,
Fürſt v. Lichnowsky, ſprach ſich über die geſtrige Bot=
ſchafterkonferenz
ſehr zuverſichtlich aus. In der nächſten
Sitzuna wird höchſtwahrſcheinlich eine Verſtändigung über
die ſerbiſche Hafenfrage derart erzielt werden, daß Serbien
ind die Tripel=Entente ſich dem Wunſch des Dreibundes
nach einem neutralen albaniſchen Hafen und einer neutra=
en
Bahn fügen werden. Cambon wird morgen nach Paris
abreiſen.
Der türkiſch=griechiſche Kampf.
* Konſtantinopel, 20. Dez. Ein hier angekom=
mener
Marineoffizier berichtet über die Tätigkeit der
türkiſchen Flotte in den letzten Tagen: Am 12. De=
zember
liefen 4 Torpedobootszerſtörer und 2 Torpedoboote
zu einer Erkundungsfahrt aus, vemerkten aber nichts vom
Feind. Am 13. Dezember, morgens, dampfte das Linien=
ſchiff
Meſſudije bis zur Umgegend des Forts Kumkaleh
und Sedilbahr, als es ſich plötzlich einem Angriff von acht
griechiſchen Torpedoboots zerſtörern aus=
geſetzt
ſch. Der Meſſudije ſchlug ſie in die Flucht. Am
16. Dezember machte die erſte türtiſche Torpedobootsdivi=
ſion
eine Erkundung und kehrte zurück um dem Komman=
auten
zu berichten. Dieſer entſchloß ſich zur Offenſive
und lief mit der Flotte aus den Dandanellen aus
Das Linienſchiff Hair Eddin=Barbaroſſa feuerte dieerſten
Schüſſe ab Sodann eröffneten der Torgud Reis Aſſur
Tewfik Meſſudije und Mediidije ununterbrochen das
Feuer Der griechiſche Panzeekreuzer Aweroff erwiderte
dasſelbe; nach einer halben Stunde waren bereits einige
Kanonen des Aweroff gefechtsunfähig. Trotzdem ſetzte
er ſeinen Widerſtand noch eine Stunde fort, bis auch die
großen Geſchütze ſchwiegen. Dann flüchtete er in der Rich=
tung
auf Imbros. Die türkiſche Flotte griff ſo=
dann
die Hydra, Spetſai und Pfgra an. Um das
Geſchwader gegen einen Torvedoanariff zu ſchützen, be=
ſchäftiate
die erſte türkiſche Torvedobootszerſtörerdiviſion
die griechiſchen Torvedobootszerſtörer, indem ſie deren
Feuer auf ſich lenkte. Die türkiſche Flotte konnte ſo den
Reſt des griechiſchen Geſchwaders anareifen und zum Rück=
zua
zwingen. Während des Gefechtes näherten ſich die
beiden Geſchwader auf 3000 Meter. Vorſichtshalber um=
fuhr
unſere Torpedobootszerſtörerdiviſion die Inſel Tene=
dos
. Um 4 Uhr nachmittags verſuchte dieſe Diviſion den
Anariff auf die acht griechiſchen Torpedobootszerſtörer,
Nachdem ungefähr 100 Schüſſe abgegeben waren. been=
digte
ſie die Erkundung und vereinigte ſich abends wieder
mit der Flotte. Der Offizier erklärte, er ſah, wie der
Aweroff ſich neigte, am Bua, in der Nähe des Schorn=
ſteins
und an anderen Stellen beſchädigt.
* Athen, 20. Dez. Die Agence d’Athènes veröffent=
licht
über die Seeſchlacht am 16. Dezember auf
Grund des Berichts des Kapitäns, der mit ſeinem Schiff
von den Dardanellen hier einlief, folgende Einzelheiten:
Der türkiſche Panzer Hair Eddin=Barbaroſſa iſt faſt völ=
ig
zerſtört. Er iſt an Backbord und Steuerbord getroffen
worden und jetzt mit Wachstuch verkleidet. Während des
Kampfes brach an Bord des Panzers Feuer aus, es gelang
jedoch, dies zu löſchen. Konteradmiral Halvy und vier
Offiziere wurden getötet. Bei den Mannſchaften iſt die
Zahl der Verwundeten und Toten ſehr groß. Ein Hoſpi=
talſchiff
iſt abgeſandt worden, um ſie aufzunehmen. Drei
andere türkiſchen Schiffe erlitten ebenfalls ſchweren
Schaden.

Letzte Nachricht.
* Saloniki, 20. Dez. Der König von Bul
garien iſt heute früh abgereiſt.

Vermiſchtes.

Künſtlerſteinzeichnungen. Gute und
preiswerte Kunſt zu ſchaffen, um auch des weniger Be=
mittelten
Heim zu verſchönern, und um die guten Werke
unſerer Künſtler ſiegreich werden zu laſſen im Kampf
gegen Kitſch und geſchmackverderbende, kunſttötende Maſ=
ſenware
, iſt eine der beſten Beſtrebungen unſerer Zeit.
Sie iſt typiſch und von beſonderer Bedeutung für unſere
Zeit, weil darin Künſtler und Kunſtgewerbe Hand in
Hand gehen und beweiſen, zu welch hervorragenden Re=
ſultaten
dieſes Zuſammenarbeiten führt. Eines der beſten
Mittel, gute Kunſt populär zu machen, bilden die Künſt=
lerſteinzeichnungen
, deren Herſtellung neuerdings
der Deutſche Verlag, G. m. b. H., Berlin SW. 48, mit
beſonders glücklichem Erfolge betreibt. Eine außerordent=
lich
hoch entwickelte Drucktechnik, in dar bei der Verviel=
fältigung
den Intentionen der Künſtler in jeder Forder=
ung
Rechnung getragen wird, ermöglicht es, daß die künſt=
leriſche
Wirkung dieſer Blätter in der Leuchtkraft der
Farben und der reſtloſen Grſchöpfung des Stimmungs=
gehaltes
Originalen gleichkommt. Vor uns liegt zur
Beſprechung eine Kollektion von 10 Bildern, durchweg
beſte deutſche Kunſt. Da ſind zwei prächtige Bilder von
Wendel: Neckarſtädtchen und Vor der Herberge‟
prachtvoll in Zeichnung und Kolorit, kerndeutſch in der
Auffaſſung und dekorativ und ſtimmungsvoll in der Wir=
kung
. Dann zwei Bilder von Geyer=Heidelberg, und
Goethes Gartenhaus. Letzteres ganz in geheimnisvoll.
ernſten, duftig=grünen Schleier gewoben. Weiter zwei
prächtige, ſtimmungsreiche Landſchaften märkiſchen Cha=
reiters
von ter Hell, ein reizendes Stadtbild aus
Wimpfen, Zwielicht von Kalbe, ein Fiſcherſtädtchen
von Hartig, ein Winterbild Chriſtabend von Albitz,
und eine farbenfrohe Anſicht An der Saale‟ Sämt=
liche
Blätter ſind Künſtlerwerke von hohem Reiz und
wohl wert, den Gabentiſch unter dem Chriſtbaum zu
zieren.

Literariſches.

Die neuen Schüler= und Schülerinnen=
kalender
für 1913 für Schüler höherer Lehranſtalten
aus dem Verlage von Moritz Schauenburg in Lahr ( Ba=
den
) ſind auch wieder eingetroffen. Der neuc Jahrgang
enthält außer wertvollen Tabellen einen Artikel über
Theodor Körner mit einem Bildnis des Helden, wodurch
der Kalender im Jubiläumsjahre der Befreiungskriege
beſonderes Intereſſe gewinnt. Auch der übrige Inhalt
bietet ſo viel Wertvolles, daß allen Eltern von Schülern
und Schülerinnen höherer Lehranſtalten empfohlen wer=
den
kann, den Kalender, der nur 60 Pfg. koſtet, zu er=
werben
. Er kann durch jede gute Buchhandlung bezogen
werden.
Mona Liſa. Roman von Hedwig Stark.
Verlag Vereinigte Kunſtanſtalten A.=G., München=Zürich.
Es iſt die Weihe einer großen, übermenſchlichen Leiden=
ſchaft
, die uns aus den Zeilen dieſes großgedachten und
ſchön durchgeführten Schickſalsbildes entgegenweht. Hed=
wig
Stark griff nach dem ſtärkſten Probleme des Indi=
viduums
, und der Kampf, den die irdiſche und die himm=
liſche
Liebe um den Beſitz eines Mannesherzens führen, er
ſt uns in dieſem neueſten Buche der Autorin mit einer
Plaſtik und einer Kraft geſchildert, die zu ehrlichem Inter=
ſſe
zwingt. Mona Liſa iſt ein Buch voll innerer Weihe
und Kraft, ein wirklich gutes Buch. Uebrigens nicht das
Buch einer Frau, die für Backfiſche ſchreibt, ſondern ein
ernſtes Buch mit ernſten Problemen für reifende und ge=
reifte
Menſchen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Burean.)
* Berlin, 20. Dez. Bei den Bauarbeiten am Gleis=
dreieck
ereignete ſich heute nachmittag ein Unfall.
Ein ſchwerer eiſerner Träger ſtürzte auf eine Dampf=
winde
und verletzte zwei Arbeiter. Der eine der Arbei=
ter
, mit Namen Kurs aus Neu=Kölln, verſtarb gleich dar=
auf
. Der andere Arbeiter, namens Scheer=Potsdam,
wurde in hoffnungsloſem Zuſtande nach dem Kranken=
hauſe
gebracht.
* Wildpark. 20. Dez. Der Kaiſer traf um 8 Uhr
25 Minuten mit den Prinzen Eitel Friedrich, Auguſt Wil=
helm
und Oskar, von München kommend, mit Sonderzug
auf der Fürſtenſtation Wildpark ein.
* Wiesbaden. 20. Dez. Vor der Strafkammer des hie=
ſigen
Landgerichts begann heute der Prozeß gegen den
im Mai dieſes Jahres wegen verſchiedener Schwindeleien
verhafteten 26jährigen Majoratsherrn Graf Leopold
Saltern=Ahlimb und ſeine Mutter. Der Graf war
ſeinerzeit in der Unterſuchungshaft behalten worden, ſeine
Mutter war jedoch auf freien Fuß geſetzt worden. Der
Graf kam im Mai nach Wiesbaden, um hier eine reiche
Ruſſin zu heiraten. Er bezahlte ſeine Hotelrechnungen
zum Teil mit Wechſeln, die nicht eingelöſt wurden. Als ſich
herausſtellte, daß der Graf in Konkurs und ſein und ſei=
ner
Mutter Güter in Zwangsverwaltung ſtehen, ſtellten
die Geſchädigten Strafantrag. Der Graf hat durch ſein
flottes Leben trotzdem er ein jährliches Einkommen von
100000 Mark hatte, in zwei Jahren 1¼ Millionen Marl
Schulden gemacht. Die Verhandlungsdauer iſt auf zwei
Tage feſtgeſetzt.
Schluß des ſächſiſchen Landtags.
* Dresden, 20. Dez. Heute nachmittag fand im
Thronſaal des Reſidenzſchloſſes durch den König der
feierliche Schluß des gegenwärtigen Land=
tages
ſtatt. Der König hielt die Thronrede, in der er
zunächſt mit aufrichtiger Teilnahme des Hinſcheidens des
Prinz=Regenten von Bayern gedachte. Die Thron=
rede
weiſt auf die großen Fragen der auswärtigen Po=
litik
hin, die in letzter Zeit die Bevölkerung, insbeſon=
dere
den ſächſiſchen Handel, in Spannung hiekten.
Hoffentlich werde das koſtbare Gut des Friedens auch
weiter erhalten bleiben dank der weiſen Führung der
Politik des Reiches durch den Kaiſer. Weiter wird auf
die diesjährigen Kaiſermanöver in Sachſen hingewieſen.
Mit Genugtuung wird die kaiſerliche Anerkennung für
die Leiſtungen der ſächſiſchen Armee im Rahmen des
eutſchen Reichsheeres hervorgehoben. Es werden dann
die zur Verabſchiedung durch den Landtag gelangten
Geſetzentwürfe aufgezählt. Zum Schluß wird das leb=
hafte
Bedauern ausgeſprochen, daß trotz langer, mühe=
voller
Arbeit die bedeutſamſte geſetzgeberiſche Aufgabe
der diesmaligen Tagung, der Volksſchulgeſetzentwurf,

[ ][  ][ ]

nicht verabſchiedet werden konte, da die bis zum lebzten
Augenblick fortgeſetzten Bemühungen zu einer Verſtän=
digung
leider nicht führten.
* Hörde, 20. Dez. Heute morgen fand auf dem Hör=
der
Hochofenwerke eine Exploſion ſtatt. Die
Dächer der umliegenden Baulichkeiten wurden zerſtört und
die Fenſterſcheiben eingedrückt. Verſchiedene Maſchinen
ſind beſchädigt worden. Ein Arbeiter iſt verletzt. In der
Nähe der Exploſionsſtelle iſt eine Dynamitpatrone aufge=
funden
worden. Der Betrieb iſt nicht geſtört.
* Wien, 20. Dez. Das Abgeordneten haus hat
das Kriegsleiſtungsgeſetz in dritter Le=
ſung
mit 250 gegen 116 Stimmen angenommen.
Darauf begann die Beratung des Geſchäftsordnungspro=
viſoriums
.
* Wien, 20. Dez. (Abgeordnetenhaus.) Bei
der Verhandlung über den Antrag auf Verlängerung
des Geſchäftsordnungsproviſoriums pro=
teſtierten
die Tſchechiſch=Radikalen lärmend gegen einen
Schlußantrag. Einige Tſchechiſch=Radikale ſchlugen mit
ihren Pultdeckeln auf die Pulte. Abgeordneter Liſy pfiff
auf einer Signalpfeife. Auch einige Slovenen beteiligten
ſich an dem Lärm. Der Schlußantrag war unterdeſſn
angenommen worden. Nach einiger Zeit hatte ſich der
Skandal gelegt.
* Vern, 20. Dez. Die Winterſeſſion der Bun=
desverſammlung
wurde heute geſchloſſen.
Das Budget iſt angenommen worden, nur die Sozial=
demolraten
halten dagegen geſtimmt, weil ihre Anträge
auf Herabſetzung der Zolleinnahmen und Militäraus=
gaben
abgelehnt worden waren. Angenommen wurde
ferner die Vorlage zur Schaffung eines Amtes für die
Sozialverſicherung, welches die Kranken= und Unfallver=
ſicherung
einrichten und die Altersverſicherung vorberei=
ten
ſoll. Die nächſte Seſſion beginnt am 25. März kom=
menden
Jahres. Zur Behandlung gelangt der St. Gott=
hardvertrag
, gegen deſſen Annahme 121500 Bürger durch
Unterſchrift petitionieren, ſowie ein neues Arbeiterſchutz=
geſetz
(Fabrikgeſetz).
* Waſhington, 20. Dez. Präſident Taft iſt mit der
Bahn nach Keyweſt (Florida) abgereiſt, wo er ſich auf
einem Schlachtſchiff nach dem Panamakanal einſchiffte.
Die Vereinigten Staaten von Mexiko.
* Waſhington, 20. Dez. Der amerikaniſche
Botſchafter in Mexiko, K. L. Wilſon, reiſt heute
nach Mexiko ab und überbringt die geſtern vom Kabinett
unter Mitwirkung des Präſidenten Taft entworfene For=
derung
, durch welche die mexikaniſche Regierung
erſucht wird, Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirren
in Mexiko unverzüglich zu beenden. Man glaubt zu
wiſſen daß dieſe Forderung durch die Schritte der frem=
den
Mächte herbeigeführt worden iſt, die ſich dazu durch
die Zerſtörung des Eigentums ihrer Staatsangehörigen
verankaßt ſahen.
Berlin, 20. Dez. Im Miniſterium des Innern
wurde die erſte Polizeikonferenz der deutſchen
Bundesſtaaten durch den Miniſter Dallwitz eröffnet. An
den Verhandlungen, die zwei Tage dauern, nehmen u. a.
vom Miniſterium des Innern Wirkl. Geh. Ober=Reg.=Rat
Maubach und Geh. Regierungsrat Rodenbeck teil, vom
Berliner Polizeipräſidium v. Jagow. Vertreten waren
ſämtliche Bundesſtaaten zum Teil durch die Leiter der
kriminaliſtiſchen Abteilungen Bei der Konferenz handelt
es ſich um die Schaffung eines einheitlichen Syſtems für
ganz Deutſchland auch bezüglich der Verfolgung des Ver=
brechens
.
Berlin, 20. Dez. Vor dem Schöffengericht begann
heute eine Verhandlung in einer Privatklage, die
Mareoni gegen den Redakteur Scholz von der Welt am
Montag angeſtrengt hat. In einer Beſprechung der Tita=
nie
=Kataſtrophe hatte Scholz gegen Marconi den Vor=
wurf
erhoben, die Kataſtrophe zu ſelbſtſüchtigen Zwecken
ausgebeutet zu haben, indem ſeine Geſellſchaft Nachrich=
ten
über die Kataſtrophe zurückhielt, um ſpäter größeren
Nutzen herauszuſchlagen. Zur heutigen Verhandlung iſt
u. a. der zweite Telegraphiſt der Titanie erſchienen.
Mittags wurden Vergleichsverhandlungen eingeleitet.
Vor der Strafkammer begann heute der Prozeß gegen
den ehemaligen Theater=Direktor Dr. Zickel. Er ſoll,
wie die Anklage behauptet, nicht rechtzeitig Konkurs an=
gemeldet
haben, obwohl die von ihm geleitete Geſellſchaft
überſchuldet war. Auch ſoll er keine Bilanzen gezogen
haben. In der Kunſtanſtalt von Albrecht und
Meiſter in Reinickendorf=Oſt brach heute vor=
mittag
10 Uhr Feuer aus, das ſich raſch über den erſten
und zweiten Stock ausbreitete. Die Arbeiter und das ge=
ſamte
Perſonal konnten ſich rechtzeitig in Sicherheit
bringen. Der Brand ſoll durch unvorſichtiges Hantieren
mit Benzin entſtanden ſein. Verletzt wurde niemand.
H. B. München, 20. Dez. Der bayeriſche Miniſterpräſident
hat die Präſidenten des Landtages und die Parteiführer
von einer Regierungsvorlage verſtändigt, die dem
im Januar zuſammentretenden außerordentlichen Land=
tage
vorgelegt werden ſoll. Danach wird der Volksver=
tretung
eine Verfaſſungsänderung vorgeſchla=
gen
werden, die zur Aufhebung der Regent=
ſchaft
führen ſoll.
Landshut, 20. Dez. Der Brauereibeſitzer Johannes
Holpel aus Unter=Griesbach flüchtete unter Zurück=

laſung von 300 0 Mart Schulden nach Amerika. Außer=
dem
ließ er ſich umfangreiche Wechſelfälſchungen zuſchulden
kommen.
Zühlsdorf, 20. Dez. Wie feſtgeſtellt wurde, ſind
52 kerſtehende Sommervillen erbrochen und
ausgeplündert worden.
Schneidemühl, 20. Dez. Unter dem Verdacht, an
dem Attentat auf den Berliner Schnellzug in der Nacht
zum 29. November beteiligt geweſen zu ſein, wurde der
Bahnwärter Kluck verhaftet. Er hatte damals die erſte
Anzeige gemacht.

Brieikallen.

H. 100. Nach dem Geſetz vom 17. Juli 1912, die Ab=
änderung
des Geſetzes über den Urkundenſtempel vom
12. Auguſt 1899 in der Faſſung der Bekanntmachung vom
24. März 1910 betreffend, wird bei Lebensverſicherungs=
verträgen
ein Stempel von 5 Pfennig für je 100 Mark Ver=
ſicherungsſumme
erhoben. Nach der Bekanntmachung vom
2. Auguſt dieſes Jahres (ſiehe Reg.=Bl. Seite 445), die
Ausführung des vorgenannten Geſetzes betreffend, iſt die=
ſer
Stempel auch für Feuerverſicherungsverträge zu er=
heben
. Verſicherungsverträge bis zu 3000 Mark Verſiche=
rungsſumme
ſind ſtempelfrei.

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Grude=Ofen, worauf hiermit hingewieſen wird, (26159

Für die Weihnachtsfeiertage!

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Vorzüglicher Feiertagstrunk.
Versand ab Donnerstag, den 19. Dezember ds. Js.
Bestellungen hierauf nehmen jetzt schon die bekannten Verkaufsstellen,
sowie die Brauerei selbst Telephon 385 entgegen.
(25899msm

[ ][  ][ ]

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Bulgaria nach Boſton und Baltimore,
15. Dez. 9 Uhr 15 Min. abends in New=York. Moltke‟
von Genua und Neapel nach New=York, 16. Dez.
morgens Fayal paſſiert. Preſident Grant von New=
York kommend, 16. Dez. 11 Uhr 15 Min. abends von
Cherbourg nach Hamburg. Prinz Oskar von Phila=
delphia
kommend, 16. Dez. 11 Uhr 30 Min. abends in
Hamburg. Cleveland, erſte Weltreiſe, 16. Dez. 7 Uhr
abends von Batavia.
Nordd. Lloyd Bremen. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
Großer Kurfürſt 15. Dez. 4 Uhr morgens in New=
York angekommen. Brandenburg 15. Dez. 5 Uhr
nachm. in Philadelphia angekommen. Kronprinzeſſin
Cecilie‟ 14. Dez. 12 Uhr nachm. von New=York. George
Waſhington 16. Dez. 12 Uhr 15 Min. nachm. von
Cherbourg. Prinzeſſin Alice‟ 15. Dez. 12 Uhr mittags
von Singapore. Lützow 15. Dez. 11 Uhr vorm. in
Kobe angekommen. Prinz Ludwig 15. Dez. 7 Uhr
vorm. in Colombo angekommen. Bremen 17. Dez
7 Uhr vorm. von Antwerpen abgegangen. Seydlitz
16. Dez. 9 Uhr vorm. von Southampton abgegangen.
Thüringen 14. Dez. 4 Uhr nachm. in Bremen an=
gelommen
. Greifswald 15. Dez. 3 Uhr nachm. in
Antwerpen angekommen. Lothringen 15. Dez. 4 Uhr
nachm. in Melbourne angekommen. Rheinland‟
15. Dez. 2 Uhr nachm. in Antwerpen angekommen.
Auchenarden 14. Dez. von Funchal nach Rotterdam
abgegangen. Gießen 15. Dez. von Funchal nach Vigo
abgegangen. Borkum 17. Dez. von Bremerhaven nach
La Plata abgegangen. Vryhandel 14. Dez. von
Santos nach Bahia abgegangen. Köln 16. Dez. in
Antwerpen angekommen. Prinz=Regent Luitpold‟
16. Dez. 6 Uhr vorm. in Marſeille angekommen.
Schleswig 15. Dez. 11 Uhr vorm. von Venedig nach
Alexandrien abgegangen. Coblenz 16. Dez. 10 Uhr
nachm. von Brisbane abgegangen.

Todes=Anzeige.
Geſtern mittag 12 Uhr verſchied nach kurzem,
ſchwerem Leiden unſere liebe, gute Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter (B26147
Frau Anna Marie Hofmann
geb. Pohl.
im Alter von 76 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Hofmann.
Darmſtadt, Villingen, Brensbach i. O.,
dei 20. Dezember 1912.
Die Beerdigung findet Sonntag, 22. Dezember,
nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehaus Beſſunger=
ſtraße
74 aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und
(B26148
Tante
Frau
we.
Maqdalene Wenz W-
ſagen
wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer Rückert
für die troſtreiche Grabrede unſern innigſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Wilhelm Wenz.
Darmſtadt, den 20. Dezember 1912.

Nachruf!
Heute erhielten wir die Nachricht daß
geſtern abend in Jena, wohin die Familie vor
kurzem verzogen war, unſer treuer Mitarbeiter
Herr Georg Berth
viele Jahre Metteur der Darmſtädter Zeitung,
im 74. Lebensjahre plötzlich verſchieden iſt.
Vor ungefähr Jahresfriſt mußte Herr Berth
infolge Krankheit ſeine Stellung nach mehr
denn 44 jähriger Tätigkeit aufgeben.
Wir hatten in Herrn Berth einen unermüd=
lichen
, gewiſſenhaften Mitarbeiter, der ſich unſere
Anerkennung und Wertſchätzung in reichem
Maße erworben hatte. Ein treues Gedenken
(26181
werden wir ihm bewahren.
Darmſtadt, den 20. Dezember 1912.
L. C. Witlich’ſche Hofbuchdruckerei.

Nachruf!
Geſtern abend iſt in Jena im Kreiſe ſeiner
Familie unſer Kollege
(26180
Herr Georg Berth
im Alter von 74 Jahren plötzlich verſchieden.
Herr Berth hatte ſich durch ſein aufrichtiges,
gerades Weſen die Wertſchätzung aller ſeiner
Mitarbeiter erworben. Wir werden ſein An=
denken
in Ehren halten.
Darmſtadt, den 20. Dezember 1912.
Das techniſche Perſonal
der L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner lieben Mutter, unſerer
Schwiegermutter, Groß= und Urgroßmutter
Christlane Hoppehhetmel
insbeſondere Herrn Pfarrer D. Dr. Diehl für die
tiefergreifende Grabrede, ſagen wir hiermit unſeren
innigſten Dank.
(*14702
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Georg Betz.
Darmſtadt, den 21. Dezember 1912.

Schneebericht.

Feldberg i. T.: Schneehöhe 5 bis 7 Zentimeter,
Rodelbahn noch ungünſtig, Schneeſchuhbahn gut.
Hoherodskopf: Schneehöhe 20 Zentimeter, 5 Grad,
Schneeſchuhbahn gut. Ruheſtein: Schneehöhe 25
Zentimeter, 2 Grad Kälte, Wetter iſt prachtvoll, Rodel=
bahn
gut. Schierke im Harz: 2 Grad Kälte,
25 Zentimeter Neuſchnee, prächtige Winterlandſchaft,
Schlittenfahrten ins Gebirge.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die nördliche Depreſſion iſt, ohne unſer Wetter zu
beeinfluſſen, oſtwärts gezogen. Im Bereich des
kontinentalen Hochs herrſcht bei uns trockenes, kaltes
Wetter. Die Morgentemperaturen liegen in Deutſchland,
von Nord nach Süd abnehmend, zwiſchen 50 und 4 C.
Leichte Niederſchläge fielen verbreitet. Wir werden auch
morgen unter Hochdruckeinfluß ſtehen.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 21. De=
zember
: Wechſelnd bewölkt, meiſt trocken, kalt, Nacht=
froſt
, vielfach Morgennebel.

Tageskalender.
Samstag, 21. Dezember.
Großh. Hoftheater (außer Abonnement), Anfanz
6 Uhr: Hänſel und Gretel.
Weihnachtsturnen der Jugendabteilung der Turn=
gemeinde
Darmſtadt um 6½ Uhr.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Bürgerkeller
um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Vom verſtorbenen Prinz=Regenten Luitpold; der Prinz=
Regent Ludwig; der St. James=Palaſt in London, in
dem die Friedensverhandlungen zwiſchen der Türkei
und den Balkanſtaaten ſtattfinden; Blick auf das Lager
von Bachtſchiköe mit dem Eiſenbahnzug, in dem der
Waffenſtillſtand abgeſchloſſen wurde.
Sonntag, 22. Dezember.
Großh. Hoftheater (Volksvorſtellung), Anfang 2½
Uhr: Haſemanns Töchter. Abends 7 Uhr (Ab. C):
Carmen.
Weihnachtsfeiern: Kriegerverein um 4 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz. Frauenverein Caritas
um 4½ Uhr in der Freimaurerloge. St. Eliſabeth=
verein
um 5 Uhr im Konkordiaſaal Zimmer=
ſchützen
=Vereinigung um 7 Uhr im Kaiſerſaal
Konzerte: Bürgerkeller um 4 Uhr. Schützenhof um
8 Uhr. Kölniſcher Hof um 4 Uhr. Rmmelbräu um
4 und 8 Uhr. Palaisgarten um 6 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Montag, 23. Dezember.
Immobilien=Verſteigerung des Hch. Schäfer
und der Dorothea Fuchs (Große Kaplaneigaſſe 18 und
20) um 9 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Arbeitsvergebung (Fahren und Schlagen von
Steinen) um 9 und 3 Uhr im Chauſſeehaus.
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Reſtaurant Hei=
liges
Kreuz
Dünger=Verſteigerung um 11½ Uhr in der Ar=
tillerie
=Kaſerne (Regt. Nr. 61).
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 411 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Taschentücher
Blusen-Schoner
Gamaschen
Hemden
Beinkleider
Nachtjacken
Hand-Arbeiten

Weiße Oberhemden
Farb. Oberhemden
Kragen
Krawatten
Manschetten
Vorhemden
Kragenschoner
Hosenträger
Socken
Schirme
Taschentücher
Normalhemden
Normaljacken
Normalhosen
Nachthemden
Sport-Hemden
Sport-Strümpfe
Handschuhe

Paletots-Kleidchen
Russenkittel
Mützen Hauben
Pelze
Hemden Beinkleider
Leib- u. Seelhosen
Schurzen
Taschentücher
Sweaters
Handschuhe Strümpfe
Gamaschen
Kragen- Lavalliers
Schirme
Garnituren, Muff u. Pelz
Handarbeiten
UeberziehJäckchen
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Qualität, weifs .
Halbleinene Taschentücher, weiß,
Dutzd. 2.50
oder weiß mit farb. Rand .
Reinleinene Taschentücher, weit
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Rentenanſtalta. G. und Lebensverſicherungs=Bank
zu Darmſtadt.

Protektor: Seine Königl. Hoheit der Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein.
Gegründet 1844.
Abteilung für Verſicherung ſteigender Renten.
Beſtand Ende 1911: 6437 Mitglieder mit 12645 Einlagen.
Die Anſtalt, die Ende 1911 eine Jahresgeſellſchaft für die Verſicherung ſteigender Renten
geſchloſſen hat, ladet hiermit zum Beitritt der mit Beginn dieſes Jahres neu eröffneten Jahres=
geſellſchaft
ein.
Die auf Gegenſeitigkeit und Erbverbrüderung beruhende Verſicherungsart bezweckt, ihren Teil=
nehmern
gegen unwiderrufliche Kapitaleinlagen jährliche Renten zu gewähren, welche mit zunehmendem
Lebensalter des Verſicherten wachſen.
Eine volle Einlage beträgt 100 Mark. Teileinlagen ſind zuläſſig. Die Jahresrene kann auf
150% der Einlage ſteigen.
(22943a
Nähere Auskunft wird bereitwilligſt erteilt auf dem Haupt=Bureau der Anſtalt in Darmſtadt,
Eliſabethenſtraße Nr. 60, ſowie von den Agenten derſelben.

Beſchluß.

Das Konkursverfahren über das
Vermögen des Gottlob Schölkopf
in Darmſtadt iſt aufgehoben wor=
den
, da der im Termin vom
1. Oktober 1912 angenommene
Zwangsvergleich rechtskräftig be=
ſtätigt
iſt.
Termin zur Abnahme der Schluß=
rechnung
iſt auf
Donnerstag, 2. Januar 1913
vormittags 10 Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amts=
gericht
I Neues Gerichtsgebäude
am Mathildenplatz, Zimmer
Nr. 219, beſtimmt. (26117
Darmſtadt, 14. Dezember 1912.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

Gaszuglampe, 1 Kinderklapp=
ſtuhl
zu verk. Beckſtr. 57. (*14747

Dünger=Verſteigerung.

Mit Rückſicht auf die Feiertage
findet die nächſtwöchentliche Dün=
gerverſteigerung
in der Artillerie=
Kaſerne am Beſſungerweg am
Montag, den 23. ds. Mts.,
vormittags 11½ Uhr,
(26006fs
ſtatt.
Darmſtadt, im Dezember 1912.
I. Abteilung
Feldartillerie=Regts. Nr. 61.

Kanarienhähne
(Seifert), gut ſingend, bill. abzug
*14751) Liebfrauenſtr. 89, 1. St.

Bekanntmachung.

Montag, 6. Januar 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Heinrich Schäfer
und deſſen Ehefrau Karoline, geb.
Geiger, in Darmſtadt zugeſchriebe=
nen
Liegenſchaften:
Flur VIII Nr. 699½/00, 510 qm
Hofreite Heidelbergerſtraße Nr. 130
undl Flur VIII Nr. 679 365 qm
Hofreite Moosbergſtraße Nr. 94,
jetzt Flur VI Nr. 487, 77 qm
Grasgarten Moosbergſtr., Flur VI
Nr. 487¾,, 193 qm Hofreite Moos=
bergſtr
. Nr. 94, Flur VI Nr. 4877/10
95 qm Grasgarten (Vorgarten)
Moosbergſtraße, Flur VI Nr. 488
123 qm Grasgarten (Vorgarten)
Heidelbergerſtr., Flur VI Nr. 488¾/10
285 qm Hofreite Heidelbergerſtr.
Nr. 130, Flur VI Nr. 489 103 qm
Grabgarten Heidelberſtraße in
unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, wiederholt zwangs=
weiſe
verſteigert werden.
Die Genehmigung der Verſteige=
rung
wird auch dann erfolgen, wenn
der Schätzungspreis nicht erzielt
wird und anderweite rechtliche
Hinderniſſe nicht entgegenſtehen.
Darmſtadt, 13. Dezember 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI25744

getr. Kleid., Schuhe
Ich kaufe und Wäſche. Zahle
die höchſten Preiſe. Poſtkarte ge=
nügt
. H. Wischniack, Neu=
gaſſe
Nr. 1.
(*14709so

die Erweiterung der in der
Stadtkaſſe vorgeſehenen Zen=
tralheizungsanlage
ſoll vergeben
werden.
Die Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Die Angebotsſcheine werden an
auswärtige Firmen nicht abge=
geben
.
Angebote ſind bis
Freitag, den 3. Januar 1913
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(26099si
Darmſtadt, 19. Dezember 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Bekanntmachung.

Montag, 6. Januar 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Weißbinder Georg
Stier dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
II 846 400 Hofreite Nieder=
Ram=
II 847 479 Grab=
ſtädter
ſtädter=
garten

ſtraße 20,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K83/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 9. Dezember 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V25623

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Das nachſtehende von dem Direktorium der Reichsverſicherungsanſtalt heraus=
gegebene
Merkblatt für die Entrichtung der Beiträge zur Angeſtelltenverſicherung
wird ſowohl für die Arbeitgeber, wie auch für ihre Angeſtellte von beſonderem Inter=
eſſe
ſein. Wir bringen es deshalb zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 16. Dezember 1912.
(26075
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt (Verſicherungsamt).
Fey.
Merkblatt der Reichsverſicherungsanſtalt
für die Entrichtung der Beiträge zur Angeſtelltenverſicherung.
1. Der Arbeitgeber iſt verpflichtet, die Beiträge für ſich und ſeine Angeſtellten an
die Reichsverſicherungsanſtalt zu zahlen (§§ 176, 177 des Geſetzesſ. Zuwider=
handlungen
ſind mit Strafe bedroht (§ 340 a. a. O).
2. Der Arbeitgeber hat bei der erſten Beitragszahlung erſtmalig alsbald nach
Ablauf des Monats Januar 1913 eine Nachweiſung (§ 181 a. a. O.) über
ſeine verſicherungspflichtigen Angeſtellten und die fälligen Beiträge auf=
zuſtellen
und vorher oder bei der Einzahung der Beiträge an die Reichsverſiche=
rungsanſtalt
in Berlin=Wilmersdorf, Hohenzollerndamm, einzuſenden. Hierzu
ſind die Vordrncke bei der Ausgabeſtelle für die Angeſtelltenverſicherung
ſeines Sitzes zu entnehmen. Bis zu 20 Angeſtellten dient der einſeitige Vor=
druck
. Bei mehr als 20 Angeſtellten kommen mehrere einſeitige Vordrucke oder
Einlagevordrucke, die gleichfalls von der Ausgabeſtelle abgegeben werden, zur
Verwendung. In die Nachweiſung ſind die Angeſtellten in der Reihenfolge
der Gehaltsklaſſen, mit der Klaſſe A beginnend, einzutragen.
3. Beſchäftigen mehrere Arbeitgeber den Verſicherten während des Monats
(§ 177 a. a. O.), ſo können an Stelle der Nachweiſe (Nr. 2) Poſtkartenvordrucke
benutzt werden, die gleichfalls von der Ausgabeſtelle ausgehändigt werden.
4. Statt der Verwendung von Marken hat die Reichsverſicherungsanſtalt mit Zu=
ſtimmung
des Reichskanzlers den Poſtſcheckverkehr für die Beitragseinzahlung
für den Fall des § 176 zugelaſſen, für den Fall des § 177 vorgeſchrieben (ſiehe
auch weiter unten Nr. 8). Hiernach ſind die aus den Nachweiſungen zu 2 und
3 ſich ergebenden Beitragsſummen bis zum 15. des auf den Monat, für den
die Beiträge zu zahlen ſind, folgenden Monats dem Konto der Reichsverſiche=
rungsanſtalt
bei dem Poſtſcheckamt in Berlin zu überweiſen. Hierfür ſind
beſondere Zahlkarten und Ueberweiſungsformulare eingeführt, die der Ar=
beitgeber
bei ſeiner Poſtanſtalt erhält und zweckmäßig frühzeitig abhebt. Die
Erläuterungen zur Ausfüllung und Benutzung ſind auf der Rückſeite der For=
mulare
angegeben. Auf der Rückſeite der Abſchnitte findet man eine Kontroll=
überſicht
, die zur Nachprüfung der Beitragsſumme dient und auszufüllen iſt.
5. Für Lehrer und Erzieher aller Art, die bei mehreren Familien während eines
Monats tätig ſind, können die fälligen Beträge nach vorheriger Anzeige an die
Reichsverſicherungsanſtalt vierteljährlich eingezahlt werden. In dieſem
Falle müſſen die Poſtkartenvordrucke (Nr. 3) benutzt werden.
6. Bei der zweiten und den folgenden Beitragszahlungen müſſen die Verände=
rungen
angegeben werden, welche die Abweichung gegen die vorherige Beitrags=
ſumme
klarſtellen Veränderungen ſind dann gegeben, wenn Angeſtellze
a) aus dem Dienſt ausſcheiden (Abgang):
b) in den Dienſt neu eingeſtellt werden (Zugang);
c) Gehaltsänderungen erfahren, die den Angeſtellten in eine andere Gehalts=
klaſſe
bringen.
In den Fällen der Nr. 3 ſind Veränderungsanzeigen einzuſenden:
a) bei monatlicher Beitragszahlung, wenn es ſich um den Wechſel in der
Perſon des Angeſtellten handelt;
b) bei vierteljährlichen Beitragszahlungen (für Lehrer und Erzieher) nach
Ablauf des Kalendervierteljahrs vor oder bei Einzahlung der Beiträge,
wenn in einem Kalendermonat des Vierteljahrs ein Wechſel in der Per=
ſon
des Angeſtellten oder eine Aenderung in dem gezahlten Entgelt eintritt.
7. Zu den Veränderungsanzeigen ſind dieſelben Vordrucke wie für die erſten
Meldungen zu verwenden. Die Veränderungen ſind nach der Einteilung zu
Nr. 6 unter a (Zugang), b (Abgang) und e (Gehaltsänderung) geſondert aufzu:
führen. Sind keine Veränderungen eingetreten, ſo iſt dieſes durch Berichtigung
des auf den Poſtſcheckformularen unter der Kontrolüberſicht (Nr. 4) vorgeſehenen
Textes zu vermerken. Die Veränderungsanzeigen ſind vor der nächſten
Beitragszahlung, ſpäteſtens gleichzeitig mit ihr, an die Reichsverſicherungs=
anſtalt
abzuſenden.
8. Die Einzahlung der Beiträge an die Reichsverſicherungsanſtalt hat der Ar=
beitgeber
in der Verſicherungskarte durch Eintragung des Beitrags und Bei=
ſchrift
ſeines Namens oder ſeiner Firma handſchriſtlich oder durch Stempel zu
vermerken. Arbeitgeber, die bei ſtändig beſchäftigten Angeſtellten (§ 176)
Marken benutzen wollen, können dieſe nach vorheriger Einzahlung der fälligen
Beiträge, tunlichſt auf das Poſtſcheckkonto (Nr. 4), von der Reichsverſicherungs=
anſtalt
beziehen.
9. Arbeitgeber, die Angeſtellte in mehreren Betrieben (Filialen) an demſelben oder
verſchiedenen Orten beſchäftigen, können die Beiträge von dem Hauptbetrieb aus
zahlen; ſie müſſen alsdann für jeden Betrieb eine beſondere Nachweiſung (§ 191
a. a. O., ſ. Nr. 2) an die Reichsverſicherungsanſtalt einreichen.

Bekanntmachun g.

Es iſt beabſichtigt, die ſtädtiſche Induſtriegleisanlage auf der Südſeite der
Weiterſtädterſtraße um etwa 120 m nach Weſten zu verlängern. An dieſer
Verlängerung wollen die Firmen Jonas Meyer, Holzhandlung und Rein-
hardt
& Co., Eiſengießerei dahier Anſchlußgleiſe nach ihren Grundſtücken
herſtellen.
Die Pläne und Beſchreibungen dieſer Anlagen liegen in der Zeit von Sams=
tag
, den 21. ds. Mts. bis Montag, den 30. ds. Mts. einſchließlich auf dem
Stadthauſe, Rheinſtraße dahier, Zimmer Nr. 29, zur Einſicht offen.
Etwaige Einwendungen gegen die geplanten Anlagen ſind innerhalb dieſer
Friſt bei Meidung des Ausſchluſſes ebenda vorzubringen.
(26129
Darmſtadt, den 20. Dezember 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhardt.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig=
freiwilligen
Militärdienſt im Frühjahr 1913.
Diejenigen jungen Leute, welche beabſichtigen, ſich der im Frühjahr 1913 ſtatt=
findenden
rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre desfallſigen
Geſuche um Zulaſſung bei Meidung des Ausſchluſſes von dieſer Prüfung
ſofort und ſpäteſtens bis zum 1. Februar 1913
bei der unterzeichneten Kommiſſion einzureichen.
Hinſichtlich der Anbringung der Geſuche wird im Speziellen das Folgende bemerkt:
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen wenn der ſich Meldende im Großherzogtum Heſſen ſeinen
dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulaſſung zur Prüfung kann im Allgemeinen nicht vor vollendetem
17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein. Auch
erſcheint es zweckdienlich, wenn ſtets die nähere Adreſſe angegeben wird.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für
die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber
getragen werden ſollen; ſtatt dieſer Erklärung genügt die Erklärung des
geſetzlichen Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber gegen=
über
zur Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die
Koſten von der Militärverwaltung biſt itten werden, er ſich dieſer gegen=
über
für die Erſatzpflicht des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
Die Unterſchriſt des geſetlichen Vertreters und des Driten ſowie die
Fähigkeit des Bewerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten zur
Beſtreitung der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der
geſetzliche Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſatze bezeichneten
Verbindlichkeiten, ſo bedarf ſeine Erklärung, ſofern er nicht ſchon kraft des
Geſetzes zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder
notariellen Beurkundung.

der Polizei=Obrigkeit, oder
der vorgeſehzten Dienſtbehörde auszuſtelln iſt.
d) Ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf.
5. In dem Geſuche iſt ferner anzugeben:
a) In welchen zwei fremden Sprachen (wahlweiſe von Franzöſiſch, Engliſch,
Lateiniſch und Griechiſch und an Stelle des Engliſchen Ruſſiſch) der ſich
Meldende geprüft ſein will.
b) Ob, wie oft und wo der ſich Meldende ſich der Prüfung vor einer Prüfungs=
Kommiſſion bereits unterzogen hat.
6. Iſt bereits früher ein Geſuch um Zulaſſung zur Prüfung eingereicht worden,
ſo bleibt dem erneuten Geſuche nur ein Unbeſcholtenheitszeugnis bei=
zulegen
.
7. Es iſt nur zweimalige Teilnahme an der Prüfung ohne Weiteres ge=
ſtattet
eine dritte Zulaſſung könnte ausnahmsweiſe von der Erſatzbehörde
3. Inſtanz genehmigt werden.
Im weiteren weiſen wir darauf hin daß Geſuche um Zulaſſung zu einer
ſpäteren, als der im Frühjahr des I. Militärpflichtjahres d. i. des Jahres, in
welchem das 20. Lebenslahr vollendet wird ſtattfindenden Prüfung, der Genehmigung
der Erſatzbehörde 3. Inſtanz bedürfen und bei den Erſatz=Kommiſſionen des Aufenthalts=
orts
, nicht bei uns, einzureichen ſind, welche die Geſuche der Erſatzbehörde 3. Inſtanz
vorlegen werden.
Da die Erledigung derartiger Geſuche eine längere Zeit beanſprucht, ſo empfiehlt
ſich im Intereſſe der Nachſuchenden, mit Einreichung derſelben nicht bis zum äußerſten
Termin zu warten, ſondern dieſelben alsbald anhängig zu machen, andernfalls unter
Umſtänden eine Zulaſſung zur bevorſtehenden Prüfung nicht mehr möglich iſt.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden geſtellt werden, gibt die
Prüfungs=Ordnung (Anl. 2 zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901) Aufſchluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, ſowie des Lokals, in welchem die Prüfung
ſtattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung, oder es ergeht beſondere Ladung zur Prüfung
Darmſtadt, den 18. Dezember 1912.
Großherzogliche Prufungskommiſſion für Einjährig=Freiwillige.
Der Vorſitzende:
von Werner, Regierungsrat.
(26087a

Darmſtadt, den 17. Dezember 1912.
Betreffend: Das Militär=Erſatz=Geſchäft für 1913; hier Aufſtellung der Stammrollen.
Der Zimi=Vorſitzende der Groß. Erſatz=Kommiſion Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Ichempfehle Ihnen, die Aufſtellung der Rekrutierungsſtammrollen für 1913 nun=
mehr
alsbald vorzunehmen, ſodaß dieſelbe bis 15. Januar k. Js. erfolgt iſt und die
Einſendung unfehlbar bis zum 1. Februar k. J. ſtattfinden kann. Dabei verweiſe ich
Sie auf die genaueſte Beachtung der ergangenen Beſtimmungen, namentlich des § 46
der Wehrordnung vom 22. November 1888 (Reg.=Blatt Nr. 68 von 1901), umſomehr,
als alle nicht vorſchriftsmäßig aufgeſtellten Stammrollen zur Berichtigung und eventl.
vollſtändigen Umarbeitung, bezw. Neuaufſtellung zurückgegeben werden müßten.
Im weiteren wollen Sie für rechtzeitige ortsübliche Bekanntmachung der Auf=
forderung
Sorge tragen, daß in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar nicht
allein die Militärpflichtigen des Jahrgangs 1913 (die im Jahre 1893 Ge=
borenen
), ſondern auch diejenigen der Jahrgänge 1912 und 1911 (die im Jahre
1892 und 1891 Geborenen), ſowie überhaupt alle Militärpflichtigen, welche eine end=
gültige
Entſcheidung über ihre Dienſtpflicht durch die Erſatzbehörden noch nicht erhalten
haben, ſich bei der Bürgermeiſterei desjenigen Orts zur Stammrolle anmelden müſſen,
an welchem ſie ihren dauernden Aufenthalt haben. Auf dieſe letztere Beſtimmung
der § 25, 2 der W.=O. wird um ſo nachdrücklicher hingewieſen, als es ſchon häufig vor=
gekommen
iſt, daß Militärpflichtige aus anderen Kreiſen des Großherzogtums, obgleich
ſie im diesſeitigen Bezirk ihren dauernden Aufenthalt nicht hatten, nur aus dem
Grunde in die Stammrollen des Kreiſes eingetragen worden waren, weil ſie ſich hier
zu ſtellen wünſchten. Dies iſt nicht ſtatthaft. Sie wollen daher Anträgen, weiche in
dieſer Beziehung, an Sie geſtellt werden ſollten, unter keiner Bedingung ſtattgeben, die
betreffenden Miltärpflichtigen, bezw. deren Angehörige, vielmehr auf die beſtehenden
geſetzlichen Beſtimmungen verweiſen, ſowie darauf aufmerkſam machen, daß Leute,
welche im diesſeitigen Kreiſe nach den geltenden Beſtimmungen nicht geſtellungspflich=
tig
ſind und ſich dennoch hier zur Muſterung ſtellen wollen, zu derſelben nicht zuge=
laſſen
werden würden und ſich die daraus dann entſtehenden Nachteile ſelbſt zuzu=
ſchreiben
hätten.
Ehenſo iſt es unter keinen Umſtänden angängig, daß umgekehrt Militärpflichtige
welche in ihren Gemeinden dauernden Aufenthalt haben, die Anmeldungen deshalb
unterlaſſen, weil ſie ſich in ihren reſp. Heimatsgemeinden melden wollen oder gemeldet
haben, um ſich demnächſt in ihrem Heimatsbezirk zur Muſterung ſtellen zu können. In
Fällen dieſer Art, welche Ihnen bekannt werden, ſind die Betreffenden von Ihnen zur
Reldung anzuhalten. Außerdem iſt eine von ſolchen Miltärpflichtigen ſpäterhin, vor
Beginn der Muſterung, beabſichtigte Abmeldung nur dann entgegenzunehmen wenn
Sie ſich die Ueberzeugung verſchafft haben, daß dieſelben tatſächlich außer Arbeit ge=
treten
ſind und den Ort verlaſſen werden.
Insbeſondere aber wäre darauf zu achten, daß
I. die Entgegennahme der Anmeldung zur Stammrolle ſeitens der nicht am Orte
der Anmeldung geborenen Militärpflichtigen ſtets abhängig zu machen iſt:
a) bei den Militärpflichtigen des jüngſten Jahrgangs ihier 1913) von Vorlage
eines Geburtsſcheins (Auszug aus dem Zivilſtandregiſter), Taufſcheine, Hei=
matſcheine
Abmeldebeſcheinigungen Arbeitsbücher, ſowie anderweite, wenn
auch von Amtsſtellen ausgefertigte Beſcheinigungen oder Mitteilungen genügen
nicht;
b) bei den Militärpflichtigen der älteren Jahrgänge (hier 1912, 1911 und event.
früher) von Vorlage des Loſungsſcheines:
II. genaues Augenmerk auf die Rechtſchreibung der Namen der Militärpflichtigen
zu richten iſt, ſowie auch darauf, daß der Geburtsort richtig bezeichnet und der
in Betracht kommende Verwaltungsbezirk (Kreis, Amtshauptmannſchaft, Ober=
amt
Bezirksamt ꝛc) zutreffend angegeben wird; bei mehreren Vornamen iſt der
Rufname zu unterſtreichen;
III. a) der hauptſächliche oder alleinige Beruf ſoweit angängig, genau zu be=
zeichnen
iſt, z. B. Bäckergeſelle, Zigarrenarbeiter, Handlungsreiſender uſw.;
b) bei Arbeitern und Taglöhnern derjenige Arbeits= oder Geſchäftszweig
anzugehen iſt, in weichem dieſelben ſtändig oder meiſtens arbeiten (ob in
Landwirtſchaft, bei Forſt=, Garten=, Bau=, Eiſenbahn=, Chauſſee=, Hafen=,
Kanalarbeiten uſw.);
c) derjenige Beruf einzutragen iſt, welcher ſeit Verlaſſen der Schule die längſte
Zeit hindurch ausgeübt wurde:
d) ſpeziell in Hinſicht der Sattler, Schloſſer, Schmiede, Schneider, Schuhmacher,
Wagner und Zimmerleute feſtzuſtellen wäre, ob dieſelben dieſes Gewerbe
ordnungsmäßig gelernt haben ſowie ſetzt noch betreiben;
e) bei allen denjenigen, deren Beruf dies annehmen läßt, insbeſondere aber
den in der Landwirtſchaft tätigen Militärpflichtigen durch Eintragung
des Vermerks m. Pf.; (mit Pferden) oder o. Pf. (ohne Pferde) in Spaltes
erſichtlich zu machen iſt, ob dieſelben mit Pferden umzugehen verſtehen
oder nicht;
IV. bei den Namen derjenigen Militärpflichtigen, von welchen ſich ein Bruder im
aktiven Dienſt befindet oder ein ſolcher ſich gleichfalls bei der Muſterung hier
oder auswärts zu geſtellen hat, ein entſprechender Vermerk zu machen iſt.
Die Militärpflichtigen würden daher bei Anmeldung zu der Stammrolle in dieſer
Hinſicht zu befragen ſein:
V. bei den Namen derienigen Militärpflichtigen, welche ſchon gerichtliche Strafen
erhalten haben, dieſe unter Angabe des betreffenden Gerichts und Datum des
Urteils einzutragen ſind, auch anzugben iſt, ob die Sterafe verbüßt iſt.
Indem ich Ihnen ſchließlich noch empfehle, bei der von Ihnen zu erlaſſenden
Aufforderung wegen Anmeldung zur Stammrolle zugleich auf die Strafen aufmerkſam
zu machen, weiche nach § 25, 11 d. W.=O. denſenigen treffen, welcher die vorgeſchriebene
Meldung zur Stammrolle oder zur Berichtigung derſelben unterläßt, beauftrage ich Sie,
am Schluſſe der Stammrolle noch ausdrücklich zu beſcheinigen:
1. daß, bezw. wann die Aufforderung, ſich zur Stammrolle anzumelden, erfolgt iſt,
2. daß die in derſelben eingetragenen, nicht im Orte geborenen Militärpflichtigen
dort ihren dauernden Aufenthalt haben, bezw. in Arbeit ſtehen,
3. daß die in Ihren Gemeinden zuſtändigen, ſich jedoch daſelbſt nicht aufhaltenden
Miltärpflichtigen angewieſen worden ſind, ſich bei der Bürgermeiſterei ihres
Aufenthaltsorkes zur Stammrolle anzumelden.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
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Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)

Friede auf Erden! Befürchtungen und Hoffnungen.
Die Adventszeit. Weihnachtsleben auf der Straße.
Der moderne Wunſchzettel. Die armen Männer.
Einnahmen und Ausgaben. Von früheren Zeiten.
Einiges vom Kammergericht. Die Feſtſitzung des Ver=
eins
für Geſchichte Berlins. Aus dem Theaterleben.
Und Friede auf Erden! Der ſehnſüchtige
Wunſch, oft hingeſprochen nach alter, lieber Gewohnheit,
hat diesmal ſeine beſondere Bedeutung. In den feier=
lichen
Klang der Weihnachtsglocken, der ſo wunderſam in
unſere Herzen tönt, miſcht ſich das Echo klirrenden Waf=
fenlärms
. Gar plötzlich hat die europäiſche Landkarte
ein anderes Geſicht bekommen und die Geographiebücher
bedürfen einer genauen Durchſicht. Weltgeſchichtliche Er=
eigniſſe
haben ſich vor unſeren Augen vollzogen, und die
ſogenannten Operettenvölter ſind faſt über Nacht zu An=
ſehen
gelangt. Die ironiſche Betrachtung, die man ihnen
früher widmete, iſt verſchwunden, vielleicht daß ein Nach=
hall
derſelben für die in London jetzt tagende ö rig=

denskonferenz: übrig geblieden iſt. Der kann
heute wiſſen, wie deren Ergebnis ſein wird! Hin und her
ſchwanken die Meinungen darüber, recht ungewiß ſchauen
ſelbſt die prüfendſten politiſchen Augen in die nächſte Zu=
kunft
. Ein Gefühl des unzufeieden=dumpfen Gärens und
ungewiſſer Erſchütterungen wird man nicht los. In un=
ſeren
militäriſchen Kreiſen ſteckt man die Köpfe zuſam=
men
, und wenn man vom nächſten Frühling ſpricht, ſo
ſind’s nicht etwa Urlaubspläne die man lebhaft erörtert,
ganz andere und ernſthaftere Dinge werden da behandelt.
Ebenſo in den feſtverſchloſſenen Sitzungszimmern unſerer
geoßen Banken: man muß nicht nur das Pulver trocken,
ſondern auch das Geld feſthalten, heißt’s da. Ach ja, es
wird leider nur zu feſt gehalten, auch an Stellen, die es
nicht nötig haben! Ein ſchlimmer wirtſchaftlicher
Druck iſt überall zu ſpüren, und im Intereſſe unſeres
ganzen Erwerbslebens iſt es nur auf das innigſte zu
hoffen, daß bald eine Erleichterung eintritt.
Die Hoffnung, ſie ſchwebt ja jetzt wieder überall
von früh bis ſpät durch die große, lärmerfüllte Stadt,
ſie niſtet ſich aller Orten ein und verbreitet ſtill ihren
weihevollen Segen, ſie macht die Herzen der Kinder höher
ſchlagen und nimmt auch von denen der Erwachſenen
Beſitz, ſie huſcht in die tiefſten Kellerlöcher hinein und
erfült die ſtolzeſten Räume mit ihrem verſöhnenden und
verſchönenden Scheine. Vor allem aber umſchwebt ſie die
zahlloſen Geſchäftsleute, die goldene Berge von dieſen
letzten Vorweihnachtstagen erträumen, Exwortungs=
freudig
ſind ſie ja nun von neuem hier aufgebaut wor=
den
, all die kleinen und großen fliegenden Ausſtellun=
gen
, in ihren Gegenſätzen uns ſo ſeltſam berührend: hier
ein paar billige Spielſachen und Bilderbücher, Stück für
Stück einen Nickel, abends von einer flackernden Laterne
beleuchtet und von dem fadenſcheinig gekleideten Ver=
kaufer
im ſtets gleichbleibenden kläglichen Tone angeprie=
ſen
, mit einer Tageseinnahme von ein paar Mark, dort

die gewaligen, von einem Mere elektriſchen Lichtes
überfluteten Warenhäuſer mit einem Perſonal von einigen
tauſend Köpfen und einem täglichen Umſatz von vielen
hundertauſend Mark.
Gar bunt ſehen plötzlich viele der ſonſt ſo nüchternen
Berliner Straßen aus. Hundertfacher Krimskrams
wird in ihnen ſeilgeboten; da furrt und ſchnurrt, klippert.
und klappert, praſſelt und raſſelt es: Eenen Jroſchen noch
de joldene Damenuhr! For eenen Sechſer ſechs
ſcheene Weihnachtspoſtkarten! Hin und her, kreuz und
quer looſt de Maus, wat will man mehr? Und koſtet bloß
zehn lumpige Reichspfennige wobei man ſchon über das
blecherne Ding ſtolpert, das ſeine unberechenbaren Kurſe
auf dem Bürgerſteige zieht. Een jeſundes Baby, be=
dahf
keener Pflege und ſchreit von alleene, wenn Se’s
drücken, ſtrampelts mit de Beene, und ſo fort. Kinder=
harmonikas
werden rührende Töne entlockt, Knarren und
Waldteufel muſizieren dazwiſchen, und in all dem Ge=
lärm
, Gepolter, Gezeter kommt auch der Berliner Humor
nicht zu kurz. Zwar nicht bei den Italianos die auf
Bänken, Gittern, Hausvorſprüngen Brückengeländern
ihre weißleuchtenden Gipsfiguri aufgebaut haben und
ſtill=beſcheiden der Käufer harren, deſto mehr bei den
Händlern mit mechaniſchem Spielzeug, die Berliner
Sprache und Witz gepachtet zu haben ſcheinen. Eine
ganze Armee dieſer wackelnden, turnenden, boxenden,
radelnden, Auto= und Luftſchiffahrenden. Kopfſtehenden
und ſonſt irgendeine paſſende oder unpaſſende Beſchäftig=
ung
ausübenden Männlein und Weiblein iſt auf den
freien Plätzen anmarſchiert und zeigt unentgeltlich, die
verſchiedenartigſten Kunſtſtücke. Auch der Zeitſtrömung
wird dabei Rechnung getragen; der Bulgare kommt ſehr
gut und der Türke ſchlecht weg, um die anderen Balkan=
ſtaaten
kümmert man ſich weniger. In den merkwürdig=
ſten
Anpreiſungen ſuchen die Ausrufer für ihre Lilipu=
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Meine Verkaufsräume sind am Sonntag, den 22. ds. Mts. von 117 Uhr abends geöffnet.

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erwelen und es gelngt ihnen in vielen Fälen: Es iſ
ein Geſchäft, das bringt noch etwas ein!. Und das
können nicht alle hieſigen Geſchäftsleute ſagen, in erſter
Linie nicht jene mit teuren Luxusſachen. Da merkt man
doch die finanzielle Kriſis mit den ſehr erheblichen
Börſenverluſten der letzten Wochen, und Leute, die es
ſonſt nicht nötig hatten, zeigen jetzt recht, recht trübe Ge=
ſichter
!
Freilich, einen modernen Wunſchzettel zu
befriedigen, dazu gehört heute eine ſehr gutgeſpickte
Börſe. Schon wenn man das Spielzeug für die jüngſten
Zeitgenoſſen betrachtet, das einen tiefen Eingriff in die
Taſche erfordert. Da gibts hunderterlei Dinge von aus=
geklügelter
Erfindung, mit allen Schlichen und Pfiffen
moderner Technik, mit elektriſchen und ſonſtigen Witz=
chen
, die ſelbſt Erwachſene in Erſtaunen ſetzen. Gott,
waren wir früher beſcheiden! Ueberhaupt: welch Um=
ſchwung
von einſt und jetzt, welche ein ſtetig ſteigender
Lurus, verbunden mit verfeinertem Geſchmack. Wieviel
Schönes und Erleſenes bieten uns jetzt die Auslagen
unſerer Schaufenſter dar. Koſtbare Schmuck= und Pelz=
ſachen
um nur zwei ſehr begehrte Dinge hervorzu=
heben
, die in beſonders reicher Ausführung vor drei
Jahrzehnten angeſtaunt wurden und in den wohlhaben=
deren
Kreiſen den Geſprächsſtoff bildeten, gibt’s heute zu
vielen Hunderten. Nicht nur in den Geſellſchaften, auch
in den Theatern, in den Weinlokalen und Kabaretts wird
eine Toilettenpracht entfaltet, daß in dieſer Beziehung
Berlin jetzt nicht mehr hinter Paris zurückſteht, im
Gegenteil. Auch der Geſchmack hat ſich weſentlich ge=
hoben
; keine Uebertreibungen und Firlefanzereien mehr
von Ausnahmen abgeſehen , ſondern das Beſtreben
nach vornehmer Einfachheit. Aber das iſt ja grad am
teuerſten! So’n ſchlichtes, für die Straße berechnetes
Schneiderkleid dreihundert Mark, eine nette Bluſe, die
man auch in Premieren anziehen kann, hundert Mark,
ein entſprechender hübſcher Gürtel dazu fünfzig Mark,
eine niedliche Geſellſchaftsrobe fünfhundert Mark und
dann immer noch darüber! Das ſind etwa keine Aus=

nahmepreiſe, o nein, fragt nun die Ehegaten, die wer=
den
Euch ſchon Auskunft geben können! Aber ganz unter
uns, ein bißchen happig iſt’s doch! Und wenn wir die
Zeiten kurz vor dem Ausbruch des deutſch=franzöſiſchen
Krieges was durchaus keine Anſpielung auf etwaige
kommende Ereigniſſe ſein ſoll mit den heutigen ver=
gleichen
, ſo will uns die ungeheure Steigerung des Auf=
wandes
und der Lebensführung gar zu ſchnell erſcheinen.
Manches, was nach außen ſo fröhlich glänzt und glitzert,
iſt im Innern doch recht faul, und vieles in Berlin, was
der Weltſtadt einen ſo übermütig=lebensfreudigen Schein
verleiht ſehr ungeſund, ſobald man etwas näher hinter
die Kuliſſen guckt.
Wenn wir inmitten dieſes haſtig=nervöſen, aufreiben=
den
Getriebes auf ein Stück des alten Berlin ſtoßen, ſo
berührt uns das ganz eigentümlich und ganz beſonders
ſympathiſch. Man läßt ja jetzt glücklicherweiſe jenen
Ueberbleibſeln baulicher und künſtleriſcher Art aus frü=
heren
Zeiten ſorgſame Schonung zuteil werden, und auch
das in der Lindenſtraße befindliche Kammergericht,
das unter König Friedrich Wilhelm I. gebaut wurde,
wird uns erhalten bleiben, auch wenn binnen kurzem aus
ſeinen geſchichtlichen Räumen der Sitz dieſes höchſten
preußiſchen Gerichtshofes nach dem prunkenden Neubau
auf dem Platz des ehemaligen Botaniſchen Gartens ver=
legt
ſein wird. In dem mit den Bildniſſen der preußi=
ſchen
Könige geſchmückten ehrwürdigen Feſtſaale des
altersgrauen, von ſo vielen großen Erinnerungen durch=
wehten
Gebäudes wird am kommenden Sonntag der
Verein für Geſchichte Berlins ſeine ein=
tauſendſte
Sitzung abhalten, und der kluge und ebenſo
tatkräftige wie liebenswürdige Vorſitzende dieſes Ver=
eins
, Amtsgerichtsrat Dr Richard Bérinquier,
den Vortrag über die Geſchichte des Kammergerichts hal=
ten
, zu welchem feſtlichen Ereignis der Kaiſer, der jenem
hervorragenden Verein ſtets warme Förderung zuteil
werden ließ, ſein Erſcheinen zugeſagt hat. Ein feſſeln=
des
Stück preußiſcher wie Berliner Geſchichte wird da
an den Hörern vorüberziehen, iſt doch auch dieſer Ge=

richtshof aus den beſcheidenſten Anſingen hervorgegangen
und hat ſich mehr und mehr aus einem kleinen Reis zu
einem ſtarken und ſchattenſpendenden Baume entwickelt.
Klingt es nicht wie eine Sage, wenn man erfährt, daß
der Bauplatz dieſes Kammergerichts außerhalb der Stadt
lag, an der Teltower Landſtraße, wo ſich nur Gärten
hinzogen, die ſich in Ackerland verloren? Dem Soldaten=
könig
lag daran, die neubegründete Friedrichſtadt nach
dieſer Gegend hin zu erweitern, und es bedurfte aller=
hand
Vergünſtigungen, um die Beamten zu einer Ueber=
ſiedelung
hierher zu beſtimmen. Als der Bau fertig
war, lag er völlig zwiſchen Gärten, nur an der Vorder=
ſeite
führte die mit jungen Linden bepflanzte Linden=
ſtraße
vorüber, das Ganze ein Idyll, das für uns einen
ſeltſamen, märchenhaften Reiz hat, namentlich in dieſer
weihnachtlichen Zeit mit ihrem Trubel und Jubel.
Zwei willkommene Weihnachtsgaben beſcherte uns
der Generalintendant Graf v. Hülſen=Haeſeler
mit zwei Neueinſtudierungen, und zwar des Don Car=
los
im Schauſpiel= und des Rheingolds im
Opernhauſe. Schillers Dichtung wurde uns unverkürzt
geboten und hielt uns abermals volle fünf Stunden hin=
durch
in ihrem Bann. Während die Beſetzung verſchiede=
nes
zu wünſchen übrig ließ, und auch der ganze Ton zu
gedämpft war, der hiſtoriſchen Ueberlieferung damit mehr
gerecht werdend, als unſerem perſönlichen Empfinden,
war die Inſzenierung von erleſenem Geſchmack und ge=
diegener
Schönheit. Das verwöhnteſte Künſtlerauge
konnte ſich an dieſen Bildern voll feinſter Farbenharmo=
nien
erfreuen. Das gleiche war beim Rheingold der
Fall mit der Fülle maleriſcher Szenen, bei denen vielleicht
ein Weniger angebracht geweſen wäre; gern hätten wir=
auf
die Mithilfe des Kinematographen verzichtet. Mit
großer Hingebung waren die Mitwirkenden und das=
Orcheſter bei der Sache; es war eine ſehr gute und wirk=
ſame
Einleitung für die weiteren Teile des neueinſtudier=
ten
Nibelungenringes.

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Greichens Roman.
Von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
13)

Mr. Catlin, Gretchen, der darauf brennt, die Bekannt=
ſchaft
der Geigenkünſtlerin zu machen, die ihn ſo ſehr ent=
zückt
hat.
Der junge Mann, mit größter Eleganz gekleidet, be=
ſtätigte
dieſe Worte, indem er ſeine dunklen, glühenden
Augen unverwandt auf Margareta heftete. Und ſo un=
verhohlen
trug er ſeine Bewunderung zur Schau, daß das
junge Mädchen faſt peinlich davon betroffen war und es
als Erlöſung begrüßte, als die hohe Geſtalt des Vaters
ſich näherte.
Da bin ich wieder, Kind, rief der Major fröhlich, und
Claudia kommt auch ſogleich wir möchten jetzt doch
Detwas genießen ah, meine liebe Frau von Lügern,
wandte er ſich an dieſe, wie ſchön, daß ich Sie endlich be=
grüßen
und Ihr Händchen drücken kann
Weißt Du, Papa, ich muß geſtehen, daß ich etwas
Durſt habe, meinte Gretchen, da iſt das ein ſehr netter
Gedanke von Dir.
Als Ernſt das hörte, ging er eilig davon, was aber
weiter nicht auffiel, da man in ein lebhaftes Geſpräch ge=
kommen
war. Mr. Catlin erſtand einen Strauß glühend
roter Nelken und legte einen ſo hohen Betrag dafür hin,
daß das junge Mädchen ihn faſt erſchrocken anſah, ob er
ſich nicht geirrt.

aiſe dem Maen ich der e in un, breicen, 65
wird ſchon ſtimmen; Mr. Catlin opfert ſich heut abend,
lächelte ſie, er hat Trude Leßner faſt ihre ſämtlichen Male=
reien
abgekauft.
Margareta fühlte ſich ſeltſam irritiert von der Nähe
des jungen Mannes. Seine Augen brannten förmlich
auf ihrem Geſicht, daß ſie kaum aufzuſehen wagte.
Darf ich Ihnen dieſe kleine Erfriſchung anbieten,
gnädiges Fräulein? Ernſt Brand war es, der mit die=
ſen
Worten ihr ein Glas kühlen Moſels darreichte.
Wie lieb von Ihnen! dankbar lächelte ſie ihm zu, als
ſie das Glas an ihre Lippen ſetzte und trank das hat
mir wirklich wohl getan!
In dieſem Augenblick kam Frau Claudia herange=
rauſcht
.
Hier, meinſt Du, Eberhard, wollen wir eſſen? be=
merkte
ſie zu ihrem Gatten. Ich muß geſtehen, daß mir
der Platz nicht ſonderlich gefällt! Riedberg hat drüben
im Sektzelt ſo nette Plätze belegt.
Sie beachtete die Stieftochter gar nicht, trotzdem ſie
mit derſelben noch gar nicht am heutigen Abend geſpro=
chen
. Ihr Herz war voller Neid ſie hatte zu viel Kom=
plimente
über deren Spiel und Ausſehen hören müſſen!
Außerdem war ſie auch etwas verſtimmt; denn bis jetzt
hatte ſie vergebens nach Ernſt Brand geſucht er war
nicht zu finden geweſen; ſollte er etwa gar ſchon gegangen
ſein? Unruhig ſchweiften ihre Augen umher; ſie drehte
Gretchen den Rücken und hatte infolgedeſſen auch den
Künſtler nicht geſehen, der mit derſelben ſprach.

Des in mir ied, Glaldie, aiſehtite der Maher atf
ihre Bemerkung, doch Gretchen wollte ihr Blumenzelt
noch nicht gern verlaſſen, deshalb meinte ich, wollten wir
bei ihr bleiben. Außerdem möchte ich noch nicht mit Sekt
anfangen
Und wir, Mr. Catlin und ich, bitten um die Erlaub=
nis
, uns für einen Augenblick anzuſchließen! bat Frau
von Lügern, ich hab heute ſo wie ſo noch kein Wort mit
Gretchen reden können, und hier zwiſchen den Palmen
iſt doch wirklich ein hübſches Plätzchen, gnädige Frau,
man ſitzt ſo ungeniert wir dürfen alſo bleiben ?
Wenn es den Herrſchaften Vergnügen macht der
Tiſch iſt gerade ausreichend entgegnete der Major, den
Zug des Unwillens nicht gewahrend, der über Claudias
Geſicht bei Nichtachtung ihres Wunſches glitt, da er ſich
eben nach der Tochter umgewandt.
alſo abgemacht, Kind, wir bleiben hier bei Dir,
und der Herr Brand wird uns hoffentlich auch noch das
Vergnügen ſeiner Gegenwart ſchenken
Der verneigte ſich tief bei des Majors einladenden
Worten und trat etwas vor.
Brand
Hatte ſie denn recht gehört? Jäh wandte ſich Clandia
um, ihre Unterhaltung mit Mr. Catlin abbrechend, der
ihr vorhin ſchon vorgeſtellt war. Da blickte ſie gerade in
ſeine ernſten grauen Augen.
Hier war er alſo, den ſie ſo ſehr geſucht hier bei
der verhaßten Stieftochter und anſcheinend gut Freund
mit ihr?

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Der Major ſtellte ſeiner Gattin mit einigen liebens=
würdigen
Worten den Sänger vor, und man nahm Platz.
In Claudia tobte ein Aufruhr, den ſie kaum noch zu
verbergen verſtand. Ihre Augen glühten und ihre Wan=
gen
brannten endlich, endlich war ihr Wunſch er=
reicht
; ſie ſaß mit ihm an einem Tiſch! Faſt gierig forſchte
ſie in ſeinen Zügen, ob ihn das Wiederſehen nicht ergriff,
ob nicht ein Strahl der alten Liebe in ſeinen Augen auf=
flammte
aber nein, ruhig, unbewegt blieb ſein Geſicht,
und kühl und fremd war der Blick, den er ihr zuwandte.
Aber wenn er mit der Stieftochter ſprach, dann
ſtrahlten ſeine Augen, und dann kam auch in ſeine Stimme
jenes heimliche Beben, das ſie ſo gut noch kannte, das ſich
dem Ohr ſo unwiderſtehlich einſchmeichelte.
Alſo ſtand es mit ihm er hatte ſich in jenes blonde
Heiligenbild vergafft, das mit ſeiner raffinierten Kokette=
rie
die Männer an ſich zog Riedberg erſt, dann jetzt den
jungen Amerikaner, von deſſen märchenhaftem Reichtum
man Wunderdinge ſprach. Der ſaß ja da, als ob er ganz
verzückt wäre als ob es für ihn nur noch ein Weſen gäbe
auf der Welt Margareta von Löwen! Lächerlich, was
man überhaupt nur an dem ſimplen Dinge finden
konnte
Man plauderte an dem kleinen Tiſche zwanglos und
ließ ſich die Oelikateſſen gut ſchmecken. Da ging Hilde=
gard
von Oſten vorüber. Als ſie die Gruppe erblickte,
ſtutzte ſie und blieb ſtehen.
Hier biſt Du, Aſta, ich ſuche Dich ſchon wie eine Steck=
nadel
das glaube ich ſolch hübſches Plätzchen wie
Du gefunden
Wenn es Dir ſo gut gefällt, dann bleibe doch bei uns,
vorausgeſetzt, daß Reginald Dich nicht zu ſehr vermiſſen
wird, ſcherzte Aſta.
Hildegard ſetzte ſich und nahm ſofort den ange=
ſchwärmten
Künſtler in Beſchlag, ihn in ihre lebhaften
Art mit tauſend Fragen beſtürmend.
Er war ein zu himmliſcher Menſch, wie ſie ſo oft

ſchon erklärt hatte, und jetzt ließ ſie ſich die günſtige Ge=
legenheit
, mit ihm zuſammen zu ſein, nicht entgehen.
Gar bald erſchallte heiteres Lachen, hervorgerufen
durch Hildegards etwas draſtiſche Art, von dem Tiſch,
und die Vorübergehenden riefen der kleinen Geſellſchaft
manches Scherzwort zu.
Sie trinken ja gar nicht, Herr Brand, bemerkte da
der Major, oder ſo wenig wie ein junges Mädchen, das
ſich vor den Geiſtern des Weines fürchtet.
Danke, Herr Major, jedoch möchte ich mir heut etwas
Beſchränkung auflegen, da ich morgen den Fauſt zu
ſingen habe.
Ach ja, natürlich, rief Hildegard entzückt aus, ich war
ja ſchon rein närriſch vor Freude!
Sie hatte die Arme ziemlich ungeniert auf dem Tiſch
eliegen und war in beſtändigem Kampf mit den langen
Handſchuhen, die von den ziemlich mageren Unterarmen
ſtets herunterglitten. Und da denken Sie an Ihre
Stimme, Herr Brand, fuhr ſie fort, das iſt nett, das iſt
menſchenfreundlich von Ihnen! Werden Sie den Fauſt
mit oder ohne Bart ſingen? Hoffentlich ohne ich muß
geſtehen, daß ich dieſe blonden germaniſchen Vollbärte
bei Lohengrin, Tannhäuſer uſw. gräßlich finde deshalb
haben Sie mir gleich ſo ſehr gefallen, daß Sie dieſem
meinem Geſchmack ſo gut Rechnung trugen.
Alle lachten über ihre drollige Art; nur Claudia ver=
zog
etwas ſpöttiſch den Mund, und Frau von Lügern
ſagte leiſe mahnend: Aber, Hildegard!
Was denn, Aſtachen? Ach ſo, weil ich Herrn Brand
geſagt habe, daß ich ihn bewundere? Nun, andere ſchrei=
ben
es ihm! Aber wirklich, Herr Lohengrin, unter den
vielen roſafarbenen Briefen, die ſicher täglich in Ihr
Haus fliegen, befindet ſich keiner von mir und be=
teuernd
legte ſie die Hand auf das Herz, ihn ſchelmiſch
mit den klugen, dunklen Augen anſehend; die Geiſter des
Weines ſpielten in ihr und ließen ſie noch übermütiger
als ſonſt ſein. Hildegard von Oſten war ja bekannt als

enfant terrible, als Original und doch überſchritt ſie
niemals die Grenzen, die einer Dame gezogen ſind.
Während das Geſpräch nun ſo hin und her ging,
verhielt ſich Mr. Catlin ziemlich ſchweigſam einesteils
weil er dem Wortgeplänkel doch nicht ſo ſchnell zu folgen
vermochte, andernteils, weil ihm die Herrſchaften alle
fremd waren. Aber doch war es ſein Wunſch, hier zu
ſitzen in Gretchens Nähe! Als er ihre holde Geſtalt
auf dem Podium hatte ſtehen ſehen, war es über ihn ges
kommen, wie ein Blitz dieſe oder keine! Er hatte nach
dem Konzert Gelegenheit geſucht, ſich ihr zu nähern, und
durch Frau von Lügern, die gut bekannt war mit ſeinem
Oheim, dem Bankier Scholz, wurde ihm ſein Wunſch
erfüllt.
Na, Gretelein, wie wär’s, wenn Du nachher mit
mir eine kleine Promenade durch den Saal machteſt? Du
haſt Dir all die Herrlichkeiten noch gar nicht richtig an=
geſchaut
, und Deine Blumen biſt Du ſo ziemlich alle los,
meinte Hildegard, übrigens iſt es möglich, daß nachher
noch getanzt wird! Heut’ abend iſt es himmliſch! Alſo
ich hole Dich nachher ab. Für jetzt muß ich mich verab=
ſchieden
und mal nach meinen alten Herrſchaften ſehen
Sie ſtand auf und reichte allen die Hand.
Auf Wiederſehen! Alſo. Herr Brand, erſt
Rangloge rechts iſt mein Platz morgen abend, damit Sie
es wiſſen! Uebrigens dürfen Sie Papa auch guten
Abend ſagen.
Ich habe mir erlaubt, Herrn Regierungsrat ſchon zi
begrüßen.
Ach, das tut nichts! Doppelt genäht hält beſſerl
Mama wird ſich ebenfals freuen, wenn Sie uns Ihre Auf=
wartung
machen alſo a rivederci
Alle ſahen der großen, etwas eckigen Geſtalt Hilde=
gards
nach, die ſo wenig graziös, aber ſo natürlich dahin=
ſchritt
, achtlos das koſtbare Seidenkleid hinter ſich her=
ſchleifend
, und ſo unbekämmert darum, ob ſie gefiel oder
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Weihnachtsüberraſchung.
Von Marie Stahl.

In der Familie Köhnemann ſpielten zum Weihnachts=
feſt
die Ueberraſchungen eine große Rolle. Jedes Ge=
ſchenk
ſollte eine Ueberraſchung ſein, die dem glücklichen
Empfänger vollkommen unerwartet kam. So war es bei
den Großeltern Lüdeckes Sitte geweſen und Frau Bet=
tina
Köhnemann geb. Lüdecke, hielt ſtreng darauf, daß
Traditionen heilig gehalten wurden. Die Sache hatte
nun aber ihre zwei Seiten. Es war zwar furchtbar natt.
wenn all die großen und kleinen Ueberraſchungen unter
dem Weihnachtsbaum erſchienen, das Wundern und Er=
ſtaunen
nahm kein Ende, und ſelbſt wenn man das Ge=
genteil
erhielt von dem, was man ſich gewünſcht, war
man doch gerührt und entzückt, daß der Geber ſich ſo an=
geſtrengt
, gerade das ausfindig zu machen, woran man
nicht im Traum gedacht. Doch dieſes Syſtem der Heim=
lichkeit
ſtellte mindeſtens vier Wochen lang vor dem Feſt
die ganze Hausordnung auf den Kopf und für Herrn
Köhnemann bedeute das eine Leidenszeit, für die geſtickte
Weſten und Hauspantoffel keine rechte Entſchädigung
bildeten.
In jedem Jahr gewöhnte er ſich erſt langſam und
ſchwer an das Verſteckſpiel im Hauſe.

Es ſing auch in dieſem Jahr damit an, daß er eines
Tages, vier Wochen vor dem Chriſtfeſt, als er aus dem
Geſchäft heimkam, die Tür zum Wohnzimmer ſeiner Frau
verſchloſſen fand.
Was ſoll denn das heißen? Mach doch auf, Betty!
rief er und riß ungeduldig am Schloß.
Du kannſt jetzt nicht herein! tönte es von innen.
Zum Donnerwetter, warum denn nicht? Was iſt
denn los?
Das wirſt Du ſpäter erfahren, habe nur Geduld.
Laß doch gefälligſt den Unſinn und mach auf:
Nicht um die Welt!
Er trommelte wütend gegen die Tür, daß ſie in allen
Fugen krachte. Jetzt kam Bettina heraus und ſagte mit
Nachdruck:
Wir haben in vier Wochen Weihnachten!
Er ſank in einen Stuhl.
Himmel, iſt es wieder ſo weit? Wollen wir nicht lie=
ber
einen Vertrag ſchließen? Wir ſchenken, uns gegen=
ſeitig
die Ueberraſchungen, ich gebe Dir Geld und Du
kannſt Dir kaufen, was Du willſt.
Damit kam er ſchlecht an.
Du biſt ein poeſieloſer Menſch und verdirbſt mir den
ganzen Spaß. Ohne Ueberraſchung gibt es für mich
keine Weihnachten, ſagte ſeine Frau mit aufſteigenden
Tränen. Wie ſchön war das Feſt in meinem Eltern=
hauſe
, ich vergeſſe nie
Er wußte, jetzt kam die Geſchichte, wie Mama Lüdecke
einmal mit einem ganz alltäglichen Kochtopf überraſcht
wurde, und als ſie den Deckel hob, war ein ſchweres gol=
denes
Kettenarmband darin und ebenſo fand Papa =
decke
ein feines Portefeuille mit goldgeſticktem Mono=
gramm
in einem Paar Kniewärmer.
Nun ja, laß nur. Alſo es bleibt bei den Ueberraſch=
ungen
, ſagte er ſchnell und ergab ſich in das unvermeid=
liche
Schickſal.
Es ſchienen ſich in dieſem Jahr außerordentliche
Dinge vorzubereiten, die ganze Atmoſphäre daheim war
mit Geheimniſſen und Verſchwörungen wie mit Elektri=
zität
geladen und überall war er überflüſſig. Von häus=
lichem
Behagen und traulichem Zuſammenſein im Fa=

milientreſe komnte keine Rede ſein. Sebſt die Kinder
nahmen ſich das Recht, ihm die Türen vor der Naſe zu=
zumachen
.
Dabei fiel ihm endlich auf, daß Otto, der Primaner,
ſtets das dringende Bedürfnis hatte, ihn auszuſperren,
wenn Fanny, das hübſche Kinderfräulein, anweſend war
und wenn Edith, ſeine Aelteſte, ihm energiſch den Zu=
tritt
verweigerte, war gewöhnlich Herr Gadebuſch, ihr
Geſanglehrer, mit ihr beſchäftigt. Als er ſeiner Frau
dieſe Beobachtungen mitteilte, lächelte ſie milde.
Die Weihnachtszeit macht Dich immer nervös, mein
Beſter. Du haſt nun einmal keinen Sinn für Ueberraſch=
ungen
. Die Kinder haben ſich etwas ſehr Hübſches für
Dich ausgedacht, ſie brauchen dazu die Hilfe von Fräu=
lein
und Herrn Gadebuſch. Aber ich darf nichts verraten.
Uebrigens will ſich Onkel Theobald Heiligabend mit
Edith verloben. Er machte geſtern nicht mißzuverſtehende
Andeutungen und er ſchentt ihr ein echtes Kaffeeſervie
bereits für die Ausſtattung.
Onkel Theobald Büttner war eigentlich kein Onkel,
ſondern ein Hausfreund mit einem glänzend fundierten
und ſehr rentablen Kaffee=Engrosgeſchäft.
Es iſt die Frage, ob Edith ſich mit ihm verloben
will, bemerkte Herr Köhnemann, denn er hatte noch nichts
von einer zarten Neigung ſeiner hübſchen Achtzehnjähri=
gen
zu dem Kaffeeonkel bemerkt, der bereits anfing, rund=
lich
zu werden. Aber ſeine Frau hörte nicht mehr, ſie
war ſchon wieder hinter Schloß und Riegel verſchwunden.
Am Morgen des 24. Dezember hatte das Weihnachts=
fieber
im Köhnemannſchen Hauſe den Höhegrad erreicht.
Im Feſtſaal war von früher Stunde an ein Rumoren,
Hämmern und Klopfen, daß Herr Köhnemann um ſeinen
beſten Morgenſchlaf kam, und ſpäter bekam er ſeinen
Kaffee kalt, niemand hatte Zeit. Etwas verdrießlich be=
gab
er ſich auf ſein Kontor, denn er war doch nur überall
im Wiege. Es verbeſſerte ſeine Stimmung nicht, daß
Onkel Theobald im Laufe des Vormittags zu ihm kam
und ihm mitteilte, er beabſichtige, ſich unter dem Weih=
nachtsbaum
mit Edith zu verloben. Es ließ ſich nichts
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aber er hate ſich doch für ſeinen Liebling etwas anderes
gewünſcht.
Nach den anſtrengenden Geſchäften des Quartals
wäre ihm ein ſtilles Weihnachtsfeſt im engſten Familien=
kreiſe
ſehr viel lieber geweſen, als die geräuſchvollen Ver=
anſtaltungen
daheim mit den berühmten Ueberraſchungen,
und als ſich am Abend ſein Haus mit Gäſten füllte, über=
kam
ihn eine heimliche Sehnſucht, die heilige Nacht auch
als ſtille Nacht zu feiern.
Freunde und Verwandte drängten ſich im Salon, ein
Lohndiener reichte Punſch und Torte umher und ein leb=
haftes
Stimmengeſurr verriet allgemeine Spannung. Er
mußte die Honneurs machen, Frau Betty war noch nicht
ſichtbar und Onkel Theobald im Frack mit einer weißen
Gardenie im Knopfloch lief nervös aufgeregt und etwas
kopflos umher.
Endlich öffneten ſich die Flügeltüren zu dem kleinen
Saal, der in eine Bühne umgewandelt war. Der Vor=
hang
teilte ſich und ein allgemeines Ah! der Ueber=
raſchung
wurde hörbar, als man eine maleriſch arran=
gierte
und beleuchtete Dekoration vor ſich ſah, die mit
Hilfe von Tannen und Blattpflanzen eine Waldlandſchaft
darſtellen ſollte.
Doch die Szene blieb leer.
Man ſah erwartungsvoll dem Auftreten der Akteure
entgegen, es verging eine Minute, es vergingen zwei Mi=
nuten
man hörte Unruhe und Lärm hinter der Bühne,
einer von den älteren Herren klatfchte in die Hände und
rief Bravo! Die Tanten lachten, da ſtolperte plötzlich
der zehnjährige Alfred im Schäferkoftüm auf die Bühne
und rief verſtört in das ſtaunende Publikum hinein:
Mama, Edith iſt fort! Wir können ſie nicht finden
und da iſt ein Brief!
Die Aufregung, die nun folgte, war unbeſchreiblich.
Frau Betty wurde ohnmächtig, als ſie den Brief geleſen
und mußte mit kaltem Waſſer und Eau de Cologne be=
handelt
werden. Herr Köhnemann ſagte lakoniſch:
Da haben wir die Ueberraſchung!
Nach wenigen Minuten ſaß er in einem Auto und
jagte mit Eilzugsgeſchwindigkeit in eine entlegene Vor=
ſtadt
. Er kannte Herrn Gadebuſchs Adreſſe und wußte
jetzt, daß ſeine Beobachtungen ihn nicht getäuſcht.

Er fand dort in einer ſtillen Straße diejenige, die er
ſuchte, aber ganz etwas anderes, als er erwartete.
Statt einer öden Junggeſellenwohnung und einer
kompromittierten Tochter fand er ein trauliches Familien=
heim
und eine freundliche, alte Dame im ſchwarzſeidenen
etwas altmodiſchen Kleide machte ihm die Tür auf.
Er hatte ſeinen Stock feſter gefaßt und halb erhoben,
denn ſein Blut kochte, er war feſt entſchloſſen geweſen, dem
Störer ſeines Familienglücks einen derben Denkzettel zu
geben und keinen Pardon, doch vor dieſer lieben, alten
Frau zog er höflich den Hut.
Entſchuldigen Sie, wenn ich ungelegen komme
wohnt Herr Gadebuſch bei Ihnen?
Ich bin ſeine Mutter und Sie ſind ſicher Herr Köhne=
mann
. Bitte, treten Sie näher. Ihre Tochter iſt ſeit
einer halben Stunde bei mir und mein Sohn hat ſich ſo=
fort
auf den Weg zu Ihnen begeben, um Ihnen dies
zu melden, da wir Fräulein Edith nicht bewegen konnten,
in das Elternhaus zurückzukehren.
Es wurde ihm ganz ſeltſam zu Mut, als er über die
Schwelle des Wohnzimmers trat. So ähnlich war es bei
ſeiner Mutter auch geweſen in der Weihnachtsſtube.
Das war ein Weihnachtsbaum wie aus ſeinen Kinder=
tagen
, mit echten Aepfeln, Nüſſen und Traubenroſinen,
an dem echte Wachskerzen ihren köſtlichen Duft mit den
Tannennadeln vermiſchten, und unter dem Baum das
Chriſtkindlein in der Krippe. Wie ſo ganz anders hei=
melte
ihn dieſer Baum an als die kalte, duftloſe
Pracht des elektriſch erleuchteten Paradebaumes mit dem
künſtlichen, glitzernden Schmuck in feinem modernen, luxu=
riöſen
Heim! Das ganze Zimmer mit den ehrbar, feier=
lichen
Familienporträts und dem altväteriſchen Hausrat
mutete ihn an wie eine Viſion aus vergangenen, glück=
lichen
Jugendtagen.
Und jetzt ſtürzte Edith ihm entgegen und flog an ſei=
nen
Hals.
Vati, Vati, verzeih, aber ich kann nicht Onkel Theo=
balds
Braut werden! Mutter will es durchaus und in
meiner Angſt lief ich hierher, denn ich wußte nicht wo=
hin
!
Die alte Frau Gadebuſch ließ Vater und Tochter allein
und nun kam es zu einer langen, vertraulichen Aus=

ſprache. Der geängſigte Maun nahm ſeine Tochter in ein
ernſtes Verhör, er mußte alles wiſſen. Zum Schluß at=
mete
er befreit auf, und gab ſeinem Liebling den Ver=
zeihungskuß
. Und als nun der junge Mann zurückkehrte,
hatte er mit ihm eine ebenſo gründliche Auseinander=
ſetzung
und eine Unterredung mit ſeiner Mutter. Dann
durften ſich die Liebenden unter dem Weihnachtsbaum
den Verlobungskuß geben, denn er fand nichts einzuwen=
den
gegen ihren bereits geſchloſſenen Herzensbund. Ernſt
Gadebuſch berechtigte durch Befähigung und Charakter
zu erfreulichen Ausſichten für ſeine Zukunft. Er war be=
reits
Konzertmeiſter an der Oper und der hübſche, friſche
Menſch erſchien ihm willkommener als Schwiegerſohn,
als der angejahrte Hausonkel.
Er konnte ſich ſchwer von dem kleinen Heim trennen,
das im Duft und Glanz echter Weihnachtspoeſie ſtrahlte,
doch es galt zu eilen. So packte er das Brautpaar in ſein
Automobil und jagte mit ihnen dem eigenen Hauſe zu,
das er in ſo großer Beſtürzung verlaſſen.
Er kam gerade noch zur rechten Zeit, um eine völlige
Auflöſung der Feſtverſammlung zu verhüten. Und nun
wollte er auch noch ſeinen Weihnachtsſpaß haben. Die
ganze Geſellſchaft mußte ſich noch einmal vor der Bühne
verſammeln und als der Vorhang ſich teilte, ſtand er in
der Mitte, das Brautpaar rechts und links an der Hand
in bengaliſcher Beleuchtung und das Fräulein ſpielte auf
dem Klavier eine Jubelhymne.
Meine verehrten Anweſenden, als Verlobte erlauben
ſich vorzuſtellen Fräulein Edith Köhnemann und Herr
Ernſt Gadebuſch, rief er fröhlich in das Publikum hinein
und nach einer Pauſe ſprachloſen Erſtaunens fing ein Fa=
milienonkel
an laut zu klatſchen und Bravo zu rufen, wor=
auf
ein allgemeiner Beifallsſturm losbrach, in den ſchließ=
lich
auch Onkel Theobald einſtimmte, um den Korb, den
er bekommen, nicht zur Kenntnis kommen zu laſſen. Das
hübſche Paar gewann ſchnell die allgemeine Sympathie
für ſich, auch Frau Betty fand ſich in das Unabänder=
liche
, doch ſie lächelte etwas ſauerſüß zu der Durchkreuzung
ihrer Pläne, als ihr Gatte ſie umarmte und lachend ſagte:
Da haſt Du nun deine Weihnachtsüberraſchung. Dieſes
Mal haben Dich Deine Kinder noch übertroffen und nun
ſage nie mehr, daß ich ein poeſieloſer Menſch ſei, der kei=
nen
Sinn für den Reiz einer Ueberraſchung habe.

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Flugmaſchinen, der Franzoſe Roland Garros, von Tunis
aus ausgeführt. Er legte die 26 Kilometer lange Strecke
von Tunis bis Marſala glatt zurück. Zwei franzoſiſche
Torpedojäger und drei Torpedoboote waren auf die Nach=
richt
des Fliegers hin aus dem Hafen von Biſerta ausge=
laufen
und beobachteten die Flugſtrecke. Der Aeroklub
Italiens hatte in Tratani einen Landungsplatz eingerichtet.
Ferner waren in verſchiedenen Orten Benzin= und Oel=
vorräte
bereitgeſtellt worden. Nach zweiſtündigem Fluge
über das Meer erreichte Garros die ſizilianiſche Küſte und
landete zunächſt bei Marſala. Mittags ſtieg er wieder auf
und flog nach Tratani weiter, wo er um halb 3 Uhr lan=
dete
. Sein Fahrzeug wurde bei der Landung leicht be=
ſchädigt
und mußte zunächſt einer Reparatur unterzogen
werden. Garros beabſichtigt ſodann, ſeinen Flug nach
Rom fortzuſetzen.

Sport, Spiel und Turnen.

Hockey. Am erſten Weihnachtsfeiertag nachmittags
ſpielt auf dem Sportplatz (Rennbahn) an der Heidelber=
ger
Straße eine Mannſchaft der Hockeyabteilung
des Fußballklubs Olympia‟=Darmſtadt gegen eine
Mannſchaft der Hockeyabteilung des Frankfurter
Fußballvereins, E. V., Frankfurt. Die beiden
Mannſchaften ſtehen ſich zum erſten Male gegenüber und
verſpricht das Spiel ſehr intereſſant zu werden. Die
Olympia=Mannſchaft hat durch die Wettſpiele, die ſie an

den keten Sonntagen in Mannheim und Franfurt aus=
trug
, manche Erfahrung geſammelt.
* Rudern. Hervorragende Leiſtungen
Berliner Wanderruderer. In und um Berlin,
wo die idealſten Waſſerverhältniſſe für die Ruderer ge=
geben
ſind, hat die Wanderruderei immer in hoher Blüte
geſtanden und die im Jahre geruderten Kilometer von ein=
zelnen
Ruderern gingen oft in die Tauſende. In dieſem
Jahre ſcheint aber ein Kilometerfreſſer den Rekord erreicht
zu haben, wenigſtens ſind ähnlich erreichte Zahlen nicht
bekannt. Es handelt ſich um einen 30jährigen Herrn Bick=
ler
, Mitglied des Verliner Rudervereins Sturmpogel,
der allein ſchon in der Zeit vom 1. Mai bis 31. Oktober,
alſo in ſechs Monaten, nicht weniger als 7000 Kilo=
meter
zurückgelegt hat. Er ruderte dieſe ſtattliche Zahl
allein und im Mannſchaftsboot, machte kleine, ſowie ſehr
große Fahrten. In der Hauptſache war es ihm darum zu
tun, den Preis des Deutſchen Ruderverbandes für den
Wanderruderwettbewerb zu erhalten, was ihm ohne
Zweifel auch gelungen iſt. Von der Leiſtung kann man
ſich ungefähr einen kleinen Begriff machen, wenn man in
Betracht zieht, daß die Entfernung von Berlin nach der
franzöſiſchen Grenze zirka 900 Kilometer beträgt und, die=
ſen
Weg achtmal durchmeſſen, iſt Bickler gerudert. Er hat
hiermit ſeinen ſchärften Berliner Rivalen, Herrn Küter
vom Berliner Ruderklub Hellas, den vorjährigen
Preisträger für die meiſten Kilometer beim Verbands=
wettbewerb
, überholt, der in dieſem Jahre bezw. vom
1. Oktober 1911 bis 30. September 1912, alſo in zwölf
Monaten, 5371 Kilometer gerudert hat. An und für ſich
eine ſehr beachtenswerte Leiſtung. Den Wanderruder=
rekord
in der Sonderklaſſe mit einer Dame am Steuer
dürſte jedoch in dieſem Jahre, wie wohl überhaupt bis=
her
, ein Mitglied des Touren=Ruderklubs von 1892, Herr
Rechtsanwalt Korſch, erreicht haben, der eine Ferienfahrt
von 720 Kilometer in einer Ruder= und Segelgig zurück=
gelegt
hat. Die Leiſtung an ſich iſt kein Rekord, daß aber
ſeine Mutter, eine Dame von nahezu 60 Jahren, die ganze
vierwöchige ununterbrochene Ruderfahrt das Steuer be=
dient
hat, iſt eine ebenſo originelle wie hervorragende
Leiſtung. Die Reiſe ging von Berlin nach den Mecklen=
burgiſchen
Seegebieten und wieder zurück.
er Dias Programm für die Kieler Woche 1913 liegt
jetzt vor. Die Regatten werden im nächſten Jahre etwas
ſpäter als gewöhnlich beginnen, und zwar am 26. Juni
mit einer Regatta des Kaiſerlichen Jachtklubs für R=
Jachten bis zu 8 Metern und einer gemeinſamen Regatta
zer Sonderjachten des Norddeutſchen Regattavereins und
des Kaiſerlichen Jachtklubs. Am 27. Juni hält der Kaiſer=
liche
Jachtklub ſeine See=Regatta für die A= und R=Klaſſen
von 8 Metern ab. Am 28. Juni folgt eine zweite Regatta
für die Sonderklaſſe, ſowie die zweite Hafen=Regatta
für die kleinen Klaſſen unter Leitung des Norddeutſchen
Regattavereins. Am 29. Juni veranſtaltet der Norddeut=
ſche
Regattaverein eine Seewettfahrt. Nach einer dritten
Hafen=Regatta für die Sonderklaſſe am 30. Junk folgt am
1. Juli die große Regatta Kiel-Eckernförde, von wo die
Jachten am folgenden Tage nach Kiel zurückgehen. Am

2. Zukt wird für die F. Klaſſn von 7 Meter ab und für
die Sonderklaſſen gleichzeitig eine vierte Wettfahrt ver=
anſtaltet
, der am 3. Juli eine fünfte Sonderklaſſenwett=
fahrt
und Kämpfe der Rennjachten von 8 Metern abwärts
folgen. Am 4. Jult verlaſſen dann die Teilnehmer mit
der Regatta Kiel-Travemünde das Kieler Revier und in
Travemünde ſind noch vom Lübecker und Norddeutſchen
Regattaverein für den 6., 7., 8. und 9. Juli Wettfahrten
vorgeſehen. Die großen Jachten gehen am 8. Juli von
Travemünde nach Warnemünde weiter, wo der Großh.
Mecklenburgiſche Jachtklub am 10. Juli ſeine Regatta ver=
anſtaltet
. Bemerkenswert iſt, daß die früheren Hafen=
Regatten in Kiel für die kleinen Klaſſen vollſtändig auf=
gegeben
ſind und daß auch dieſe Wettkämpfe auf der
Föhrde abgehalten werden. Von größeren Veranſtal=
tungen
iſt die Berliner Frühjahrsſegelwoche in der Zeit
vom 26. April bis 5. Mai angeſetzt und die Berliner
Herbſtſegelwoche in der Zeit vom 29. Auguſt bis 10. Sep=
tember
.
* Hanns Braun, der erfolgreichſte Mittelſtreckenläufer
des Kontinents, der durch ſeine wunderbaren Leiſtungen
den Ruhm des deutſchen Sports in alle Weltteile truß,
zieht ſich definitiv vom Raſen zurück. Hanns Braun, der
Sohn des Münchener Schlachtenmalers Profeſſor Braun,
wibmete ſich dem Sport 1903, um Radpolo ſpielen zu
lernen. Angeeifert durch ſeinen Klubkollegen, den ehe=
maligen
iriſchen Meiſter Henderſon, der die läuferiſchen
Fähigkeiten an Braun entdeckte, begann Braun im Früh=
jahr
1904 unter Henderſons Anleitung das Lauftrainisg
und ſtartete am 10. Juli 1904 zum erſten Male. Im Jahre
1907 ſchlug er ſchon den Ungar Bodor und ſtellte in Frank=
furt
a. M. über 1500 Meter die erſte deutſche Höchſtleiſtung
auf. Im nächſten Jahre, bei den Ausſcheidungskämpfen
in Leipzig für die olympiſchen Spiele in London, wurde
er erſt richtig erkannt. Zwei neue Rekorde über 800 und
1500 Meter lief er dort leicht und wurde nach London ent=
ſandt
, um als erſter Deutſcher die engliſche Meiſterſchaft
im 800=Meterlaufen zu gewinnen. Durch ſeine hervor=
ragende
Mitwirkung blieb die deutſche Stafette gegen
Ungarn ſiegreich. Am 3. Juli 1900 gewann er die eng=
liſche
Meiſterſchaft über eine halbe engliſche Meile in einer
Minute und 57,6 Sekunden; im Vorjahre ſchlug er auf der
Hygiene=Ausſtellung in Dresden vor nahezu 10 000 Per=
ſonen
den amerikaniſchen Meiſterläufer Giſſing, und
wenige Wochen ſpäter in London den auſtraliſchen Meiſter
Whitley abermals im Kampfe um die engliſche Meiſter=
ſchaft
Sein glänzendes Abſchneiden bei den olympiſchen
Spielen in Stockholm dieſen Sommer, wo er gegen die
eminenten Fähigkeiten der Amerikaner ebenfalls neue,
Weltrekordzeit laufend, mit Handbreite zweiter Sieger
blieb über 400 Meter in 48,3 Sekunden, iſt noch in friſcher
Erinnerung. Eine beſondere Leiſtung vollbrachte Braun.
in Prag, wo er den berühmten Prager Tagblatt=Pokal,
ein Vereinsmehrkampfpreis, dreimal und daher endgüll=
tig
gewann. Mit Braun verliert die deutſche Sportwelt
ihren ſympathiſchſten und tüchtigſten Leichtathleten. Wie=
derholt
von Mitaliedern königlicher Häuſer ausgezeichnet,
war er die Senſation jedes Meetings.

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Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 10. Dezember: dem Poſtboten Hein=
rich
Arras, Stiftſtr. 35, ein S. Karl. Am 15.: dem
Schloſſer Heinrich Karl Franz Matthes, Arheilgerſtr 82,
eine T. Greta Mathilde. Am 13.: dem Poſtboten Franz
Georg Stay, Schuchardſttr. 6, eine T. Ella Ida. Am 14.:
dem Schloſſer Heinrich Wittig, Kiesſtr. 8, ein S. Wil=
helm
. Am 11.: dem Großh. Oberlandesgerichtsſekretär
Dr. Franz Anton Johann Bittel, Steinſtr. 15, ein S.
Johannes Otto Ferdinand Rudolf. Am 16.: dem Eiſen=
bahnwerkſtättenſchloſſer
Julius Brencher, Neue Irene=
ſtraße
2, eine T. Liſette Magdalena Chriſtina. Am 14.:
dem Schloſſer Friede. Reininger, Frankfurterſtr. 18, eine
T. Marie. Am 16.: dem Emaillierbrenner Friedrich
Weber, Feldbergſtr. 30, eine T. Anna. Am 12.: dem
Metzgermeiſter Heinrich Jakob Sehnert, Bleichſtr. 44,
ein S. Philipp Ludwig. Am 18.: dem Schreiner Georg
Menz, Magdalenenſtr. 5, ein S. Jakob. Am 17.: dem
Bierbrauer Franz Faver Dirſcherl, Pankratiusſtr. 21,
ein S. Franz Karl Georg. Am 13.: dem Schloſſer Lud=
Zwig Körner, Kaupſtr. 2, eine T. Eliſabeth Anna. Dem
Bankbeamten Richard Carl Bernau, Obere Liebfrauen=
ſtraße
46, eine T. Toni Lina. Dem Wäſchereibeſitzer
Philipp Korbus, Luiſenſtr. 34, ein S. Philipp.
Aufgebotene. Am 17. Dezember: Fabrikarbeiter
Heinrich Wamſer, und Krankenpflegerin Eva Mania
Vay, beide Ballonplatz 3. Hilfsheizer Simon Speng=
ler
zu Biſchofsheim,und Verkäuferin Eliſabethe Weſp,
Blumenthalſtr. 62. Landwirt Jakob Engelhard, und
Louiſe Schudt, beide zu Hillesheim. Schloſſer Wilhelm
Funck zu Altheim, und Stütze Joſefine Striff, hier.
Am 19.: Schauſpieler Chriſtian Ungemach, und Schau=
ſpielerin
Marie Frieda Meier, beide Alexanderſtr. 5.
Geſtorbene. Am 14. Dezember: Buchhalter beim
ſtädtiſchen Tiefbauamt Heinrich Luber, 57 J., ev., Pan=
kratiusſtr
. 40. Am 15.: Privatin Eliſabethe Kinſcherf,
83 J., kath., Hügelſtr. 63. Heinrich Wilhelm Stay, S.
des Fabrikarbeiters, 7 Mte., ev., Gervinusſtr. 41. Eliſa=
betha
Kathaxina Engel, geb. Müller, Witwe des Fa=
hikarbeiters
, 62 J., ev., Hinkelsgaſſe 18. Am 14.: Land=
wirt
Franz Flott, 43 J., ev., Hahn. Am 15.: Rentner,
Kommerzienrat Johann Wilhelm Diefenbach, 86 J.,
ev., Rheinſtr. 21. Am 14.: Hoftheaterſchreiner Johann
Karl Klenk, 66 J., ev., Alexanderſtr. 13. Fuhrmann
Johannes Bauer, 42 J., kath., Karlſtr. 44. Am 15.:
Friedrich Ludwig Stößel, S. des Dachdeckers, 3 Mte.,
ev., Acheilgerſtr. 37. Am 16.: Privatin Chriſtiana
Heppenheimer, 81 J., ev., Mathildenplatz 13. Marie
Magdalena Wenz, geb. Lang, Witwe des Gärtners,
75 J., ev., Schießhausſtr. 3. Am 17.: Georg Wagner,
S. des Fabrikarbeiters, 3 J., ev., Arheilgen. Am 18.:
Valeska Helene Karoline Saeger, geb. Hußgen, Witwe
des Oberzahlmeiſters a. D., 67 J., ev., Hügelſtr. 67. Jakob
Menz, S. des Schreiners, 6 Stunden, Magdalenenſtr. 5.
Helene Karoline Formkals, T. des Kaufmanns, 7 J.,
ev., Eberſtadt. Ludwig Schulze, S. des Hilfsarbeiters,
8 Mte., kath., Kirſchenallee 7. Oberpoſtſekretär i. P. Karl
Ferdinand Mühlpforth, 67 J., ev., Müllerſtr. 32.
Dreherlehrling Wilhelm Römer, 15 J., ev., Weiter=
ſtadt
. Anna Wilhelmine Martin, T. des Schneiders,
6 J., ev., Mauerſtr. 14. Jakob Hönig, S. des Lumpen=
ſammlers
, 1 J., ev., Erbacherſtr. 45. Am 19.: Taglöhner
Theobald Schüler, 84 J., ev., Ballonplatz 10.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 3. Dezember: dem Weißbindermeiſter
Philipp Karl Weidmann, Wittmannſtg. 8, ein S. Jo=
hann
Peter Ernſt. Am 5.: dem Lithograph Karl Friedrich
Stahlecker, Karlſtr. 67, eine T. Helene Margareta.
Am 8.: dem Glaſer Jakob Creter, Weinbergſtr. 13, ein
S. Jakob Willi. Am 10.: dem Rechtsanwalt Dr. Georg
Heinpich Maurer, Wittmannſtr. 2, ein S. Egon Georg
Emil Willi Richard. Am 7.: dem Kaufmann Jakob
Piſtor, Weinbergſtr. 11, eine T. Dora. Am 8.: Ein un=
ehelicher
Sohn Heinrich. Am 9.: dem Uhrmacher Emil
Kehmptzow Karlſtr. 115, ein S. Ernſt Ludwig Peter.
Am 8.: dem Sergeant im Leib=Drag.=Regt. Nr. 24, Karl
Friedrich Guillaume, Beſſungerſtr. 107, ein S. Wilhelm
Heinrich. Am 10.: dem Taglöhner Tobias Göttmann,
Sandbergſtr. 4, ein S. Heinrich. Am 14.: dem Großh.
Finanzaſſeſſor Karl Friedrich Bock, Mathildenſtr. 35,
ein S. Kurt Karl Nikolaus Ludwig. Am 15.: dem Kgl.
Großbritanniſchen Geſchäftsträger Richard Maximilian
Baron Acton, Wilhelmſtr. 24, eine T. Gabrielle Maria
Leopoldine. Dem Friſeur Julius Baas, Beſſunger=
ſtraße
25, eine T. Katharina. Am 17.: dem Maurer Hein=
rich
Georg Aßmuth, Orangerieſtr. 34, ein S. Heinrich
Ludwig. Am 15.: dem Regiſtrator Johann Philipp
Creter, Moosbergſr. 48, eine T. Ruth Martha. Am 14.:
dem Inſtallateur Jakob Engel, Moosbergſtr. 50, eine
T. Anna Margareta.

Aufgebotene. Am 10. Dezember: Schneidermeiſter
Joh. Schupp, Heidelbergerſtr. 115, und Luiſe Wilhelmine
Treiber, Martinſtr. 22. Am 9.: Spengler Martin
Hauf zu Viernheim, und Anna Helene Wolf, Roß=
dörferſtr
. 61. Am 16.: Bezirksfeldwebel Friedrich Georg
Löchel zu Frankfurt a. M., und Katharina Krämer,
Hermannſtr. 23.
Eheſchließungen. Am 7. Dezember: Schloſſer Daniel
Müller, Schießhausſtr. 20, und Maria Margaretha
Kartſcher, Beſſungerſtr. 114. Am 7.: Bauaſpirant Carl
Laux zu Bingen am Rhein, und Mactha Dorothea
Grünewald, Heidelbergerſtr. 106. Briefträger Jo=
hannes
Horſt zu Gießen, und Anna Luiſe Adelberger,
Moosbergſtr. 76.
Geſtorbene. Am 8. Dezember: Städt. Bureaubeamter
i. P. Julius Georg Ferdinand Brauns, 67 J., kath.,
Sandbergſtr. 27. Am 9.: Eliſabethe Volz, geb. Nohl,
Witwe des Bureaudieners, 74 J., ev., Wittmannſtr. 30.
Am 12.: ordentl. Profeſſor des Maſchinenbaues, Geh.
Baurat Dr.=Ing. Georg Adolf Pfarr, 62 J., ev., Eich=
bergſtr
. 8. Luiſe Chantre, geb. Culmann, Witwe des
Lehrers, 63 J., ev., Martinſtr. 26. Am 14.: Karl Dei=
bel
aus Wieſeck, 17 J., ev. Am 16.: Großh. Förſter i. P.
Ernſt Vöglin, 70 J., ev., Heidelbergerſtr. 108½.
Am 18.: Docothea Mohn, geb. Balbach, Witwe des
Briefträgers, 86 J., ev., Moosbergſtr. 28. Am 19.: Hein=
rich
Hermann Schmoll, Sohn des Schmiedes, 2 J., ev.,
Heidelbergerſtr. 40. Anna Maria Hofmann, geb. Pohl,
Witwe des Landwirts, 76 J., ev., Beſſungerſtr. 74.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
4. Advents=Sonntag, den 22. Dezember 1912
Hofkirche: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Velte. Abends um 6 Uhr: Pfarraſſiſtent Müller.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
Nachm. um 5 Uhr: Weihnachtsfeier im Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Kleberger.
Militärgemeinde: Kein Gottesdienſt. Vorm. um
9 Uhr: Gottesdienſt im Lager. Vorm. um 10½ Uhr:
Kindergottesdienſt, Steinſtr. 24 (Muſikſaal).
Johanneskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Dingeldey. Vormittags um 11½ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Widmann. Nachm. um 3½ Uhr: Weihnachtsfeier
des Kindergottesdienſtes des Oſt bezirks. Pfarrer Wid=
mann
. Um 5½ Uhr: Weihnachtsfeier des Kinder=
gottesdienſtes
des Weſt bezirks. Pfarrer D. Waitz.
Eliſabethenſtift: Vormittags um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Hickel. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Nachm. um 4 Uhr: Weihnachtsfeier der
Kleinkinderſchule.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Kollekte für den
Kindergottesdienſt. Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarraſſiſtent Lie. Adolph. Nachmittags um
4 Uhr: Chriſtfeier des Kindergottesdienſtes. Pfarrer
Wagner.
Pauluskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Herpel. Nachm. um 4 Uhr: Weihnachtsfeier des
Kindergottesdienſtes. Pfarrer Rückert. (Kollekte für
den Kindergottesdienſt.)
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 22. Dez.,
nachm. um 4 Uhr: Weihnachtsfeier der Sonntagsſchule.
Montag, den 23. Dez., abends um 8 Uhr: Weihnachts=
feier
des Hoffnungsbundes. Mittwoch (1. Weihnachts=
feiertag
), den 25. Dez., nachm. um 4 Uhr: Bibelſtunde.
Donnerstag (2. Weihnachtsfeiertag), den 26. Dezember,
abends um 7 Uhr: Weihnachtsfeier der Stadtmiſſion.
Eintritt 30 Pfg. Zweig der Stadtmiſſion
(Beſſungerſtraße 88, Hth.). Sonntag, den 22. Dez., vor=
mittags
um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Abends
um 7 Uhr: Weihnachtsfeier der Sonntagsſchule.

Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getauſter Chriſten (Waptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 22. Dez., vorm. um 9½ Uhr:
Gebetſtunde. Nachm. um 5 Uhr: Weihnachtsfeier der
Sonntagsſchule.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 22. Dez., nachmittags um ½4 Uhr: Weihnachtsfeier
der Sonntagsſchule.

Katholiſche Gemeinden
4. Advents=Sonntag, den 22. Dezember 1912
St. Lndwigskirche: Samstag, den 21. Dez., nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr:
Austeilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr: heil.
Meſſe. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Um
11 Uhr: letzte hl. Meſſe. Nachmittags um 3 Uhr:

Adventsandacht. Montag und Dienstag, vorm. um
½7 Uhr: Rorate=Amt.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½7 Uhr: heil. Meſſe. Nachmittags um 6 Uhr:
Roſenkranzandacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle in Griesheim: Sonntag, vorm. um 9 Uhr:
heil. Meſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 21. Dez., nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ¾6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
Rorate=Amt. Um ½10 Uhr: Hochamt und Predigt.
Nachm. um 2 Uhr: Andacht und Segen.
Kapelle in Arheilgen: Vormittags um ½10 Uhr: Amt
und Predigt.
St. Martinskapelle zu Weſſungen: Samstag, den
21. Dez., nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 7 Uhr: hl. Meſſe. Um 9 Uhr:
Amt mit Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Advents=
andacht
.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 21. Dez., nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vorm. um ½6 Uhr: Beichte. Um
½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um
¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittags um
½ 2 Uhr: Chriſtenlehre. Um 2 Uhr: Andacht. Werk=
tags
um ¾8 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag, vorm um 7 Uhr:
Beichte. Vorm. um ½8 Uhr: Amt und Predigt.
Nachmittags um ½2 Uhr: Andacht. Montag, abends
um 5 Uhr: Adventsandacht.

The Church of England Service
4th Sunday in Advent, 22nd Dec. 1912
Divine Service will be held in the Hofkirche, Residenz-
schloss
, at 3,15 p. m.
The Rev. H. M. de Ste Croix, British Chaplain at Heidel-
berg
, will officiate.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 17. Dez.: Dem Elektritätshilfs=
arbeiter
Georg Hotz S. Georg Kurt, geb. 30. Sept. Dem
Schloſſer Johannes Bönſel T. Katharina, geb. 25. Nov.
18. Dez.: Dem Metzgermeiſter Peter Vogel S. Peter Georg
Johann, geb. 6. Nov. Ein unehelicher Sohn Friedrich,
geb. 14. Sept.
Johannesgemeinde: 13. Dez.: Dem Hilfsheizer
Adam Schröder S. Adolf, geb. 4. Nov. 15. Dez.: Dem
Garderobier Adam Brehm S. Adam Heinrich Georg
Erwin, geb. 5. Aug.
Martinsgemeinde: 15. Dez.: Dem Heizer Gg.
Vierheller S. Eduard, geb. 24. Nov. 15. Dez.: Dem
Fabrikarbeiter Ludwig Bien S. Philipp Johannes, geb.
23. Okt. Eine uneheliche T. Käthe Eliſabeth, geb. 1. Dez.
Paulusgemeinde: 4. Dez.: Dem Großh. Re=
gierungsaſſeſſor
Louis Ferdinand Leo Robert Freiherrn
v. Löw und zu Steinfurth S. Auguſt Friedrich Hermann
Konrad Erwin, geb. 31. Okt.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 14. Dezember.: Lehrer Jakob
Schrauth und Chriſtine Nold von Wald=Amorbach.
15. Dez.: Schreiner Wilhelm Karl Hermann Friedrich
und Eliſabethe Wilhelmine Scheidler.
Johannesgemeinde: 17. Dez.: Kellner Paul
Neuffer und Eliſe Otto von hier.
Martinsgemeinde: 14. Dez.: Fabrikarbeiter Jo=
hann
Alexander Schlagberger und Margarethe Traun=
felder
, beide hier.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 16. Dez.: Theaterſchreiner Joh.
Karl Klenk, 67 J., ſtarb 14. Dez. 19. Dez.: Chriſtiane
Heppenheimer, 81 J., ſtarb 16. Dez. 14. Dez.: Minna
Merz, geb. Oßwald, Witwe des Feldwebels, 69 J, ſtarb
11. Dez. 18. Dez.: Katharina Engel, geb. Müller, Witwe
des Fabrikarbeiters, 62 J., ſtarb 15. Dez.
Martinsgemeinde: 12. Dez.: Anna Luiſe Geiſel,
geb. Lerch, Witwe des Großh. Förſters, 74 J., ſtarb
10. Dez. 13. Dez.: Meſſingformer Wilhelm Löhr, 55 J.,
ſtarb 10. Dez. 17. Dez.: Friedrich Ludwig Stößel, S.
des Dachdeckers, 3 Mon., ſtarb 15 Dez. Buchhalter Hein=
rich
Luber, 57 J., ſtarb 14. Dez.
Paulusgemeinde: 12. Dez.: Eliſabeth Volz, geb.
Nohl, Witwe des Privatiers, 74 J., ſtarb 9. Dez. 15. Dez.:
Luiſe Chantre, geb. Culmann, Witwe des Lehrers, 63 J.,
ſtarb 12. Dez. 16. Dez.: Der Zögling im Aliceſtift Karl
Deibel aus Wieſeck, 17 J., ſtarb 14. Dez. 19. Dez.:
Magdalene Wenz, geb. Lang, Witwe des Gärtners,
75 J., ſtarb 17. Dez.
Beerdigte von auswärts: 17. Dez.: Elektro=
techniker
Adam Kaufmann aus Heidelberg, 65 J., ſtarb
14. Dez.

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Zu unſerer am zweiten Weihnachts-

Feiertag ſtattfindenden

Weiädchisteler

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laden wir unſere Mitglieder herzlichſt ein.
Als Ausweis dient die 4. Quartalskarte.
Fremde können gegen vorherige Einzeichnung in die beim
Hausmeiſter aufgelegte Liſte eingeführt werden.
Der Vergnügungs=Ausſchuß.

Unsere
Weihnachts-Feier
findet am 1. Feiertag, abends 7 Uhr, im
Konkordia-Saale
33 Waldstrasse 33
statt, wozu wir unsere Mitglieder sowie Freunde des Vereins
freundlichst einladen.
Der Vorstand.
26100soi)
Eintritt frei
Eintritt frei

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Müllerſtraße 21, I. lks. (*14605fs

Kaufm. Stenographen-Gesellschaft, Gabelsberger Darmstadt
Abteilung Geselligkeit.
Donnerstag, den 26. Dezember (2. Weihnachtsfeiertag)
pünktlich abends 7½ Uhr
im Festsaal des Rummelbräu‟, Allee 61
:: Weihnachtsfeier::

mit anschließendem

TANZ.

Für die Veranstaltung haben wir ein gewähltes Programm
zusammengestellt, und laden wir unsere Mitglieder, sowie
Freunde und Gönner unserer Gesellschaft freundlichst ein.
Besondere Einladungen ergehen nicht.
(26069si

Hessische Zimmerschützen-Vereinigung
Sitz Darmstadt.
Unter gütiger Mitwirkung des Geſangvereins Teutonia
Sonntag, 22. Dezember, abends 7 Uhr, im Kaisersaal
Grosse Weihnachtsfeier
Konzert und Theater.
Reichhaltige Tombola. Tanz.
Alle Freunde und Gönner des Schießſportes ſind freundlichſt
eingeladen.
Der Vorständ.
2617a

Zu
Weihnachts-
Geſchenken
empfehle
Wormser Weinmost
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Lorscher alkoholfr. Weine
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valeszenten

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Drucksachen
bitte zu verlangen
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Alexanderstr. 4, I.
Reform-Restaurant
Sendungen frei Haus
Bei 12 Flasch. Preißermäß.
(*514

Me
Metzel=
ſuppe

wozu freundlichſt einladet (*14671
Karl Heussner
Zum Juſtizpalaſt‟
Gartenſtr. 26.

Gegr. 1875. Juriſtiſche Perſon.
Donnerstag, den 26. Dezember 1912,
(2. Feiertag) abends 7 Uhr
im grossen Festsaale
unseres Turnhauses,
Dieburgerſtraße 26,
steler Mit Tanz.

26152si)

Hierzu ladet höflichſt ein

Der Vorstand.

Gesangverein Sängerluste
Inhaber der Medaille für Kunst und Wissenschaft.
Dirigent Karl Grim.
Gegründet 1849.

Mittwoch, den 1. Feiertag, abends präzis 7 Uhr
Weinnachtsteler mir Thedter
im Mathildenhöhsaale.
Gesangsvorträge Solisten.
Der Vorstand.
NB. Die Nachfeier findet am Sonntag, den 29. Dezember,
von nachmittags 4 Uhr ab im kleinen Saale der Turn-
gemeinde
, Woogsplatz statt.
(26097

Allee 61

Restaurant Zum Schwaneneck
Samstag, den 21. Dezember
Metzel=
ſuppe

wozu freundlichſt einladet
Andr. Gerhard, Schwanenstr. 79.
Daſelbſt Vereinszimmer mit
ff. Klavier. (*14661

Restadrahr Kammelbrau
Sonntag, den 22. Dezember 1912,
nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr:
Zwei hiltär-(Streich-)Konzerte
der Kapelle des Grossh. Leibgarde-Regiments
Dirigent: Obermusikmeister H. Hauske.
Aus den Vortragsordnungen:
Nachmittags: Adam: Ouvertüre zu Wenn ich
König wäre‟. Verdi: Fragmente aus La Traviata‟.
Beethoven: Adagio a. d. Sonate pathétique. Schreiner:
Von Gluck bis Wagner. L. Fall: Walzer aus Brüderlein
fein‟.
Abends: Mascagni: Fantasie aus Cavalleria
rusticana‟. Strauß: Frühlingsstimmen‟, Walzer.
Nicolai: Ouvertüre zu Die lustigen Weiber‟ Bach:
Medistion über das I. Präludium. W. Kienzl: Inter-
mezzo
aus Der Kuhreigen‟. Zum Schlusse: Grosse
Weihnachtsfantasie. Eintritt 25 Pfg. (26177

Palaisgarten
Saalbaustr. 37, Inh. Bernh. Bux.
Sonntag, den 22. Dezember und folgende Sonntag
Konzert (Garde-Drag. Nr. 23.)
Anfang 6 Uhr.

Höf ichſt ladet ein

(*14711)

Eintritt frei.

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Garantiert reines, ausgelaſſenes Sackfett . . . . .
. . . . per Pfd. 70 Pfg.
Stets friſches Hackfleiſch
per Pfd. 90 Pfg.
Stets friſche Rindswürſtchen (aus eigenem, elektriſchem Betrieb) per Stck. 15 Pfg.
Garantiert 34 Wochen altgeſchlachtetes Roaſtbeef, ohne Knochen per Pfd. 1. Mk.
Bitte jeden Intereſſenten, von Sonntag, den 22. Dezember ab meine Fleiſch=Ausſtellung zu beſichtigen.
Obige Preiſe verſtehen ſich im Laden abgeholt, von heute bis zu den Feiertagen. Ich habe dieſe Woche ca. 2000 kg geſchlachtet.

Der Di. Eliſaberhverein
lädt alle Wohltäter und Freunde zu der am Sonntag, den 22.,
nachmittags 5 Uhr im Konkordiasaal, Waldstraße 33,
ſtattfindenden
Christbescheerung
freundlich ein und ſpricht zugleich ſeinen herzlichſten Dank aus für
alle ihm ſo reichlich zugewandten Gaben.
(*14739
Schutzenhol
Hügelstrasse.
Sonntag, den 22. Dezember:
Grosses Militär-Streich-Konzert
ausgeführt von der Kapelle des Grossh. Art.-Korps.
Leitung Herr Obermuſikmeiſter F. Mickley.
Im Programm: Fröhliche Weihnachten, Tongemälde v. Koedel.
Kommentar: 1. Am heiligen Abend. 2. Schneefall. 3. Blinder Leſer=
mann
vor der Tür 4. Knecht Ruprecht kommt. 5. Der Tannen=
baum
. 6. Stille Nacht. 7. Der Feſtmorgen bricht an. 8. Was das
Chriſteind beſcheret hat. 9. Spaziergang. 10. Auf der Hauptwache.
11. Pava’s Mittagsſchläfchen. 12. Was Papa nicht ſehen darf.
13. Schlittenfahrt. 14. Auf dem Tanzboden. 15. Der Traum des
kleinen Fritz. Gute Nacht.
(*14655
Aufang 8 Uhr.
Eintritt à 25 Pf.

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Sonntag: Willltar-Konzert

Eintritt frei.

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im Großherzogl. Hoftheater.
Als nächſte Volksvorſtellungen ſind in Ausſicht genommen:
Sonntag, den 29. Dezember: Der Hochtouriſt.
Mittwoch, den 1. Januar 1913: Meyers,
Sonntag, den 5. Jan. 1913: Der G’wiſſenswurm.
Beſtellungen für dieſe Vorſtellungen müſſen immer vier Tage
vor der Aufführung bei den betreffenden Vereinsſtellen gemacht ſein.
26179)
Vorkehrs-Verein.

Sehsarionene Artrantionen.
6 Kapellen!
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Sperrſitz: 1.13. Reihe 1.55 M.,
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1.05 M., I. Galerie 0.45 M.,
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Kongreſſe und Verbandstage.
Erſter deutſcher Kino=Kongreß.
II.

Berlin, 19. Dez. In den fortgeſetzten Berat=
ungen
des Deutſchen Kinokongreſſes ſprach
Privatdozent Dr. Seddig=Frankfurt a. M. über
die neueſten Forſchungen auf dem Gebiet der
Kinematographie. Der Redner betonte, daß man
bei kinematographiſchen Aufnahmen bisher mit einer Be=
lichtungsſkala
von einer Zehntauſendſtel Sekunde ausge=
kommen
ſei. Neuerdings habe ſich aber, namentlich für
wiſſenſchaftliche Zwecke, die Notwendigkeit ergeben,
äußerſt ſchnelle Vorgänge feſtzuhalten, zum Beiſpiel die
Bewegung von Gliedmaßen verſchiedener Inſekten. Eine
Aufnahme ſolcher ſchnellen Vorgänge war auch aus dem
Grunde nicht möglich, weil die bisher benutzten Licht=

quellen nicht die erforderliche Lichtſtärke aufwieſen. Es iſt
jetzt Profeſſor Miethe=Charlottenburg gelungen, Aufnah=
men
auch von nur einer Hunderttauſendſtel Sekunde zu er=
zielen
. Als Lichtquelle benutzt man die Funken der Ley=
dener
Flaſche.
Heute vormittag fand die erſte Tagung des Schutz=
verbandes
der Deutſchen Lichtbildtheater
ſtatt, die ſich mit ſpeziellen Standesfragen zu befaſſen
hatte. Das erſte Thema betraf die Frage, ob man mit der
Konzeſſionspflicht für Kinematographen=
theater
einverſtanden ſein ſolle. Aus der Mitte der
Verſammlung wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß
der Entwurf des Reichstheatergeſetzes nur für große
Sprechbühnen zugeſchnitten ſei, nicht aber für die kleinen
Gewerbebetriebe der Kinotheater. Auch die Konzeſſions=
pflicht
für die Kinotheater ſei abzulehnen. Man ſolle über=
haupt
jetzt noch nicht mit geſetzgeberiſchen Maßnahmen
kommen, die ſchließlich in einer nahen oder kurzen Zeit
doch wieder umgeſtoßen werden müßten. Das ganze
Kinogewerbe ſei noch in der Entwickelung begriffen und
man könne heute nicht ſagen, wohin dieſe Entwickelung
führen werde. Von einem öſterreichiſchen Vertreter
wurde demgegenüber geltend gemacht, daß in Oeſterreich
bereits die Konzeſſionspflicht beſtehe und daß man dort
mit ihr gute Erfahrungen gemacht habe: Vor allem
werde dadurch der Ueberhandnahme der Kinotheater ge=
ſteuert
und den bereits beſtehenden Theatern die Exiſtenz=
möglichkeit
geſichert. Ein Chemnitzer Vertreter ſtellte ſich
ebenfalls auf den Standpunkt, daß die Konzeſſionierung
einzuführen ſei, auch um unlautere Elemente von dem Be=
rufe
fern zu halten. Von anderer Seite wurde wieder
darauf hingewieſen, daß die Konzeſſionierung auch eine
Verteuerung der Betriebskoſten zur Folge haben würde,
denn natürlich würden die Films, da ſie nicht mehr an ſo
zahlreichen Bühnen benutzt würden, teurer werden.
Wache=Dresden hielt den Zeitpunkt für eine geſetzliche
Regelung der Frage noch nicht für gekommen. Wenn die
Konzeſſionierung imſtande wäre, das Eindringen des
Großkapitals in das Kinogewerbe zu verhüten, dann
müſſe man ſie mit Freuden begrüßen. Stegerwald= Ham=
burg
hielt es für unmöglich, die Kinotheater unter das
Reichstheatergeſetz zu ſtellen. Es handelte ſich in Wahr=
heit
ja gar nicht um Theater und es handele ſich bei den
Kinoleitern nicht um Theaterdirektoren. In Wirklichkeit
ſeien es doch nicht künſtleriſche Aufgaben, die dieſe Leiter
zu vollziehen hätten, ſondern mechaniſche. Ueberdies ſind
die baupolizeilichen Beſtimmungen ſo ſcharf, daß man
ſchon heute von einer Art Konzeſſionierung ſprechen könne.
Es wurde ſchließlich beſchloſſen, ſich gegen die
Einführung der Konzeſſionierung zu er=
klären
. Ferner wurde eine Reſolution angenommen,
es ſollten Schritte getan werden, daß die Kinobeſitzer zu
den Beratungen über das Reichstheatergeſetz hinzuge=
zogen
würden. Dann beſchäftigte ſich die Tagung mit
dem Thema Zenſur. Allgemein wurde darüber geklagt,
daß die Zenſur zu ſcharf gehandhabt werde.

Literariſches.

Das Märchenſchloß‟ Das Grazer Tag=
blatt
ſchreibt: Das liebe traute Märchen zieht ja auch heute
noch, trotzdem Motor und Luftſchiff den Spielwinkel der
Kinderſtube beherrſchen, die Kleinen in ſeinen Zauber=
bann
. Und ſchon gar, wenn es ſo köſtlich und eigenartig
ſeine Stoffe aus unſerer Zeit nimmt, wie es in dem ſo=
eben
erſchienenen Buche Das Märchenſchloß von

Emma Schwab der Fall ſ. (Berlag Deutſche Ber=
einsdruckerei
, Graz. Preis gebd. 3 Kr. 60 Heller.) In=
Stadt und Land, in Wäldern und Halden flüſtert und
raunt es geheimnisvoll; um Bergſee und Meer, Straße
und Stube ſchlingt ſich ein köſtlicher Märchenreigen. Der=
Weihnachtsengel, das Chriſtkind, die Muttergottes, ge=
ſellen
ſich zu Nixen, Berggeiſtern und anderen Märchen=
geſtalten
. Menſchen, Blumen und Tiere erſcheinen in
bunter, wunderſamer Folge in dieſen anderthalb Dutzend=
liebenswürdig
und wirkſam erzählten Märchen. Sogar=
um
Graf Zeppelin, dem Alten vom See, rankt ſich das
Märchen. In vorzüglicher Weiſe wird Emma Schwabs
Fabulieren unterſtützt durch die Zeichen= und Farbenkunſt
eines Grazer Künſtlers. Hans von Schroetter hat es ver=
ſtanden
, ſich in die Märchenſtoffe einzufühlen: Märchen=
ſtimmung
und poetiſcher Hauch liegen über den vielen
entzückenden Vollbildern und anmutigen Vignetten.
Ganz dem Anſchauungs= und Auffaſſungsvermögen der
Kinder angepaßt, erregen die geſchmackvollen, linienküh=
nen
Bilder doch auch das Gefallen des Erwachſenen. In=
halt
, Illuſtration und Ausſtattung machen dieſes Mär= zu einem entzückenden Weihnachtsgeſchenk.
Paul Lindenberg: Wider den Halbs=
mond
. Eine Erzählung aus dem bulgariſch=türkiſchen
Kriege. Mit 4 Farbenbildern und Illuſtrationen nach=
Vorlagen bulgariſcher Künſtler. 4 Mk. Ferd. Dümmlers=
Verlagsbuchhandlung, Berlin. Eine neue Jugendſchrift
Paul Lindenbergs dürfte für unſere Knabenwelt das
willkommenſte literariſche Feſtgeſchenk ſein. Unvergeſſen
leben ja die Geſtalten ſeiner Fritz Vogelſang=Bücher
und ſeines Kurt Nettelbeck fort und haben oft den Wunſch
rege gemacht, von ihm eine neue Gabe in der gleichen
Richtung und von demſelben Werte zu erhalten. Soeben
iſt dieſe erſchienen in prächtiger Ausſtattung und mit ge=
wähltem
Illuſtrationsſchmuck, und wir ſind überzeugt,
ſie wird die gleiche beifallsfrohe Aufnahme finden wie die
eben erwähnten Erzählungen. Wider den Halbmond
bildet einen vollen Griff in die friſcheſte Gegenwart;
ſpielt doch die Erzählung, deren Held ein vaterlandsbe=
geiſterter
bulgariſcher Jüngling iſt, in dem ſoeben abge=
ſchloſſenen
bulgariſch=türkiſchen Kriege und entrollt vor
uns eine Fülle buntbelebter und farbiger Schilderungen
aus dem Kriegsleben, ſo aus der Erſtürmung von Mu=
ſtafa
=Paſcha, aus den Schlachten bei Kirk=Kiliſſe und Lüle=
Burgas wie aus der Belagerung von Adrianopel. Paull
Lindenberg kam zuſtatten, daß er die großen Schwinguns
gen des bulgariſchen Freiheitsdranges auf bulgariſchem
Boden miterleben konnte und daß er ein genauer Kenner
des Kriegsſchauplatzes wie der Sitten und Gebräuche des=
bulgariſchen
und türkiſchen Volkes iſt.
Trowitzſchs Damenkalender für 1913
(Trowitzſch & Sohn, Berlin SW. 48, Preis hübſch gebun=
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1,50 Mk.) Je nach Geſchmack, lichtblau, dunkelrot,
ziegelrot oder grünlich=grau, kann man ſich einen dieſer
zierlichen kleinen Notiz=Kalender wählen. Jeder Tag hat
eine halbe Seite Raum für Notizen. Der übrige Inhalt!
iſt dem Frauenleben angepaßt. Jahr für Jahr iſt dem
Kalender ein ſchönes Titelbild von künſtleriſchem Werte
beigefügt. Das heurige: Im Burggarten nach dem Ge=
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von Fritz Beckert, verſetzt in die Zeit vor hundert
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Uber seine Verwendung
schreibt die Zeitschrift Das Land‟ in Nr. 10 vom 15. Februar 1912 folgendes:
Erfahrungen einer Hausfrau
mit dem Grudeofen.

Nachdem erst vor kurzem mit Nachdruck auf
den Wert der Grudeöfen verwiesen wurde, möge
nun auch einmal einer Hausfrau das WWort gestattet
sein, um in Kürze die
praktischerprobten
Vorzüge der Grude‟
darzulegen. Voraus-
schicken
will ich, daß
ich mich auf Grund
meiner langjährigen
Erfahrungen nur Io-
bend
über diese lei-
der
noch viel zu
wenig. bekannte Koch-
vorrichtung
ausspre-
chen
kann. Meines Er-
achtens
gibt es über-
haupt
kaum ein billi-
geres
und wohlfeileres
Brennmaterial als den
Grudekoks.
Mein Haushalt
im ländlichen Orte
besteht aus sechs
Personen. Der für
sechs Köpfe aus-
reichende
Grudeofen ist mittlerer Größe. Ich
brauche nun weder Kohlen- noch Gasherd und
habe auf der anderen Seite in der Grude zu jeder
Tageszeit heißes oder kochendes Wasser. Des
Morgens dient die Grude zum Bereiten von Kaffee,
Milch und Kakao. Die abends übergeschüttete

Grudeasche wird ein wenig nach der Seite entfernt,
und schon nach kurzer Zeit beginnt das Wasser zu
sieden. Fleischsuppen, Hülsenfrüchte, überhaupt
Gerichte, die länger
kochen müssen, wer-
den
gegen 8 Uhr in
die Grude geschoben,
während das Aufsetzen
der Kartoffeln bis 11
Uhr Zeit hat. So an-
gerichtet
kann man
das Mittagessen um
12½ Uhr auftragen.
Das Essen ist
stets schmackhaft; An-
brennen
sowie Uber-
kochen
nicht zu be-
fürchten
. Sämtliche
Töpfe, auch Wasser-
kessel
, überhaupt alles,
was in der Grude nur
irgend Platz findet,
selbst übereinanderge-
setzte
Töpfe können
hineingestellt werden.
Darin liegt es, daß
immer Wasser zum Aufwaschen zur Verfügung steht.
Ich backe in meinem Grudeofen Puffer, Kuchen
und Brot. Allerdings ist die Oberhitze nicht sehr
stark; das Brot bleibt etwas hell, ohne daß jedoch
der Geschmack beeinträchtigt würde. Bei größeren
Ofen soll wie ich höre auch dieser Ubelstand

Wenden!

jammerren Privarmertel zuradzutommen, von großem Vor=
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ſſter vor
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wegfallen. Ubrigens brate ich in meiner Grude
junges Geflügel sowohl als auch Wild. Das Fleisch
bleibt saftiger, als wenn es auf dem Gasherde ge-
kocht
oder gebraten wird. Natürlich muß dement-
sprechend
etwas mehr Grudekoks aufgeschüttet
werden. Meine nur mittelgroße Küche wird durch
die Grude stets angenehm erwärmt, denn die Tem-
peratur
hält sich ständig auf 12140 R. Man möge
diesen Vorteil im Winter, auch mit Rücksicht auf
das Dienstmädchen, das doch nahezu den größten
Teil des Tages in der Küche zubringt, gegenüber
den kalten Küchenräumen, in denen ein Gasherd
im Gebrauch ist, nicht geringschätzen. Zudem eignet
sich der Grudeofen auch zum Trocknen von Säug-
lingswäsche
, Handtüchern und sonstigen Kleinig-
keiten
.
Nachmittags habe ich dürch ihn Wasser zum
Kaffee, und abends sind die Suppen für die Kleinen
bereit. Im Winter bekommen die Kinder ihre Wärm-
flaschen
ins Bett. Alles das bestreite ich mit 10 Pf.
Grudekoks, der für 24 Stunden ausreicht, je nach
den Tagesgerichten auch mit weniger. Ich kenne
vier bis sechs Personen starke Familien, die in
24 Stunden sogar nur für 6 8 Pf. Grudekoks ver-
brauchen
. Spricht das nicht schon allein für die
Grude und ihre Einführung überall da, wo sie noch
nicht heimisch wurde? Ich wundere mich immer,
daß der Grudeofen in seiner Verbreitung auch heute
noch immer auf bestimmte Gegenden beschränkt
ist. Für ländliche Arbeiterfamilien, die doch in der
Regel mit recht vielen Kindern gesegnet zu sein
pflegen, würde die Grude eine erhebliche Ersparnis
bedeuten. Hat die Arbeiterfrau einen Grudeofen in
der Wohnung, so kann sie ohne Sorge ihrem Be-

rufe nachgehen, denn die Grude bietet ihr sichere
Gewähr, daß ihre Angehörigen das Mittagessen in
gut durchgekochtem Zustande und pünktlich zur
gewünschten Zeit erhalten, ohne daß sie ständig
zugegen sein müßte. Selbstredend hat jede Haus-
frau
erst zu leren. Vor Jahren fehlte auch mir
noch das Geschick; es fällt nun mal kein Meister
vom Himmel, ebensowenig eine Meisterin. Wir alle
müssen das Richtige lernen und uns dann so ein-
richten
, wie es unserem Gutdünken entspricht.
In einer mir befreundeten Familie ist die Grude
im Laufe von 17 Jahren nur zweimal ausgegangen!
Das erzählte die Frau des Hauses denn auch mit
rechtem Frauenstolze.

Und was die wirtschaftliche Seite anbelangt,
möchte ich nur darauf hinweisen, daß man einen Grude-
ofen
schon für 10 M. erstehen kann. Es ist also selbst
einem nur über geringe Barmittel verfügenden Arbeiter
möglich, sich eine Grude anzuschaffen. Ein Grudeofen
im Preise von 10 M. bietet Raum für eine große
Anzahl Töpfe und Kessel. Der Grudekoks kostet
in Norddeutschland 1,60 M. der Zentner.
Mögen sich die Leserinnen des Land‟ doch
von einschlägigen Geschäften gelegentlich Preisver-
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kommen lassen, zumal diese kostenlos
zu beziehen sind. Neuerdings hat man die Grude-
öfen
in einer so vorzüglichen Ausführung, beispiels-
weise
mit Wasserbehälter und Auslaufhahn versehen,
daß sie geradezu eine Zierde für jede Küche bilden.
Ich für meinen Teil möchte den Grudeofen
jedenfalls nicht wieder entbehren. Und es
bleibt nur der Wunsch, daß der Grudeofen allgemein
Eingang finden möge.

Das Mitteldeutsche Braunkohlen-Syndikat zu Leipzig ist auf Wunsch
gern bereit, Bezugsquellen für Grudeöfen und Grudekoks nachzuweisen.

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