Darmstädter Tagblatt 1912


10. Dezember 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 24 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Statthalter Dr. Bobrzynſki hat in einer Vollverſamm=
lung
der polniſchen Landtags= und Reichsratsabgeord=
neten
erklärt, daß den Gerüchten über eine bevorſtehende
Kriegsgefahr kein Glauben beizumeſſen ſei.

In dem Orte Faulbach bei Aſchaffenburg ſind auf
einem zugefrorenen Waſſerbau des Mains ſechs
Mädchen ertrunken.

Der chineſiſche Finanzminiſter hat mit der
Sechsmächte=Gruppe die Grundzüge eines Abkommens
über eine Anleihe bis zu 25 Millionen Pfund ver=
einbart
.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Die Erneuerung des Drei=
bundes
.

** Wenn die offiziöſe Norddeutſche Allgemeine
Zeitung an die Meldung von der Erneuerung des Drei=
bundes
die Bemerkung knüpft, daß dieſes Ereignis nir=
gends
eine Ueberraſchung bieten dürfte, ſo iſt das nur
eum grano salis zu verſtehen. Man hielt ſogar die in
den letzten Tagen verbreitete Nachricht von der Verlänge=
lung
der Tripelallianz für unzutreffend, weil ja der Ver=
trag
erſt am 18. Juni 1914 ablief und bis zur definitiven
Entſcheidung darüber, was dann werden ſolle, noch ſie=
ben
Monate lagen. Inſofern mußte die amtliche Notiz
notwendigerweiſe überraſchen. Unſeres Erachtens liegr
auch die Bedeutung des Ereigniſſes in ſeinem vorzeitigen
Eintreten und in dem Zeitpunkte, zu welchem es erfolgte
und veröffentlicht wurde. Niemand wird glauben, daß
dies ganz abſichtslos geſchah, ſondern es iſt nicht daran
zu zweifeln, daß die Erneuerung ſowohl wie die Ver=
öffentlichung
unter dem Einfluſſe einer politiſchen Not=
wendigkeit
ins Werk geſetzt wurde. Wir möchten anneh=
men
, daß ähnliche Motive, wie ſie am 3. Februar 1888
zur Veröffentlichung des deutſch=öſterreichiſchen Bündniſ=
ſes
führten, auch jetzt bei der Erneuerung des Dreibundes
und bei der Bekanntgabe dieſes Ereigniſſes maßgebend
waren. Damals, vor faſt einem Vierteljahrhundert, ſollte
durch die Publizierung des Vertrages ein Druck auf alle
diejenigen ausgeübt werden, welche an der Newa und
anderswo den europäiſchen Frieden bedrohten. Die
öffentliche Meinung ſollte in bezug auf die friedlichen
Abſichten Deutſchlands und Oeſterreichs beruhigt, ihr aber
auch die Gefahr vor Augen geführt werden, mit der ein
Friedensſtörer an den einigen beiden Reichen zu rechnen
haben würde.
Auch jetzt ſteht Europa wieder vor ſchwerwiegenden
Entſcheidungen. Die Beharrlichkeit, mit welcher Serbien
ſeine Anſprüche gegenüber Oeſterreich=Ungarn aufrecht er=
hält
, bildet nach wie vor eine große Gefahr für den Frie=
den
, und trotz aller beruhigenden Verſicherungen der
leitenden Petersburger Kreiſe bleibt die Lage ſehr ernſt.
Die Tatſache militäriſcher Vorbereitungen der Großmächte
läßt ſich nicht aus der Welt ſchaffen, und mag man auch
nur rüſten, um den Frieden zu ſichern, ſo kann doch über
Nacht der Konflikt geboren werden. Iſt es nun unter Be=
rückſichtigung
aller dieſer Umſtände ungerechtfertigt, in
der Erneuerung des Dreibundvertrages gerade im gegen=
wärtigen
Augenblick, noch geraume Zeit vor dem eigent=
lichen
Verlängerungstermine, eine Mahnung und War=
nung
an alle diejenigen zu ſehen, welche etwa die Abſicht
haben, Verwickelungen heraufzubeſchwören oder ſonſt=
wie
den Frieden in Frage zu ſtellen? Auch die ausdrück=
liche
Betonung, daß der Vertrag ohne jede Aenderung
erneuert worden ſei, iſt beachtenswert, denn ſie wider=
legt
die Meldungen, Italien ſei nur noch unter beſonderen
Bedingungen bereit geweſen, dem Dreibunde weiter an=
zugehören
. Auch die Gerüchte von einer Erweiterung
des Vertrages in maritimer Hinſicht werden nun hin=
fällig
, jedoch ſind wir überzeugt, daß darüber alles Er=
forderliche
ſchon in dem Urtexte vorgeſehen war.
Die Baſis des Dreibundvertrages bildete das
deutſch=öſterreichiſche Bündnis vom 7. Oktober 1879, wel=
chem
Italien im Jahre 1883 beitrat. Die erſte Erneuerung
fand im Jahre 1891 ſtatt, wo der Bund auf zwölf Jahre
verlängert wurde. Weitere Erneuerungen vereipbarte
man im Juni 1902 und im Juni 1907, wenigſtens wurde

zu letzterem Termine der Vertrag nicht gekündigt, ſo daß
derſelbe, wie ſchon eingangs geſagt, bis zum 18. Juni
1914 Geltung hatte. Hoffentlich wird die jetzige Erneue=
rung
die ohne Zweifel beabſichtigte Wirkung auf die Er=
haltung
des Friedens nicht verfehlen und der Bund ſich
auch ferner als ein rocher de bronze erweiſen, an dem
alle Kriegsgelüſte in Europa abprallen.

Die innerpolitiſche Etats=
debatte
.

Fünf Tage nur hat diesmal die Etatserörte=
rung
gedauert, die nach alter parlamentariſcher Ge=
pflogenheit
weniger dem Etat als ſolchen gilt, als viel=
mehr
der allgemeinen Ausſprache über die geſamte innere
und äußere Politik. Zwei Tage galten der Behandlung
der äußeren Politik, wobei man aus dem Munde des
Herrn von Bethmann Hollweg eine, wenn auch kurze, ſo
doch treffliche Rede hörte, und auch bei der drei Tage
umfaſſenden Beſprechung der inneren Politik ergriff er
das Wort, allerdings nicht zu der inneren Politik über=
haupt
, ſondern nur zu der in der Debatte begreiflicher=
weiſe
angeſchnittenen Jeſuitenfrage, die in dieſer Dis=
kuſſion
überwog. Der Stein iſt ins Rollen gekommen,
die Rede Dr. Spahns mit ihrer von ihm verleſenen partei=
offiziellen
Erklärung wurde ergänzt durch eine große Rede
des ſüddeutſchen Zentrumsabgeordneten Gröber, der
gleichfalls in entſchiedener Weiſe gegen die Reichsregie=
rung
wegen ihrer Haltung in der Jeſuitenfrage Front
machte. Bei den übrigen Parteien, mit Ausnahme der
Polen, fand das Zentrum keine Unterſtützung. Allſeitig
pflichtete man der Stellungnahme des Bundesrates bei,
und auch von ſozialdemokratiſcher Seite wurde, was
wohl niemand anders erwartet hatte, erklärt, daß die
Partei nicht daran denke, mit dem Zentrum gemeinſam
an einem Strange zu ziehen. Demnach ſteht das Zentrum
iſoliert da, indeſſen wäre es verfehlt, anzunehmen, daß
die Partei mit ihrer Abſage an die Reichsregierung ſich
gleichzeitig auch entſchloſſen hätte, ſich in negierendem
Sinne an den Parlamentsarbeiten zu beteiligen, vor al=
len
Dingen ſteht das eine feſt, daß es zu einer Etatsver=
weigerung
von dieſer Seite nicht kommen wird.
Ständen Zentrum und Sozialdemokratie zuſammen,
ſo beſtände die Gefahr ſchwerer innerer Konflikte, die
ſehr mißliche Zuſtände in der inneren Entwickelung
Deutſchlands zur Folge haben könnten. Zu einem Kul=
turkampf
, wie verſchiedentlich angenommen wird, dürfte
es daher ſchwerlich kommen, man darf wohl
annehmen, daß es über kurz oder lang doch
wieder zu einer Einigung kommen wird, zum
mindeſten, daß die Gegnerſchaft ſich in mildere Formen
kleiden dürfte. Jedenfalls kann man im gegenwärtigen
Augenblick den Lauf der Dinge nicht genau überſchauen,
und es wäre daher müßige Arbeit, ſich in haltloſen Pro=
phezeiungen
zu ergehen.
Im übrigen iſt vom Etat und den ſonſtigen inneren
Dingen wenig die Rede geweſen. Erwähnt ſei nur, daß
von ſeiten aller bürgerlichen Parteien die größte Geneigt=
heit
ausgeſprochen wurde, alle Forderungen, die ſich auf
die Rüſtungen Deutſchlands zu Waſſer und zu Lande be=
ziehen
, bei der Volksvertretung die weiteſte Gegenliebe
finden zu laſſen, und daß man nicht zögern
würde, noch weiter zu gehen, wenn im Hin=
blick
auf die politiſche Weltlage die Regie=
rung
es für notwendig erachten ſollte. Dieſe
Haltung war die erfreulichſte Seite dieſer Erörterung.

Deutſches Reich.

Zuſammenkunft der Finanzminiſter.
Die Finanzminiſter der größeren Bundesſtaaten werden,
wie ſchon gemeldet, binnen kurzem in Berlin zuſammen=
treffen
, um über die dem Reichstage zu unterbreitense
Beſitzſteuervorlage zu beraten und zu entſcheiden. Wie
weiter verlautet, iſt für den Beginn der Beratungen der
Finanzminiſter der 4. Januar in Ausſicht genommen. Da
die Dauer der Beſprechungen auf drei bis vier Tage be=
rechnet
wird, ſo können die Beſprechungen am 8. oder
9. Januar abgeſchloſſen ſein. Der Reichstag ſoll am
9. Januar ſeine Tätigkeit wieder aufnehmen. Die An=
kündigung
, die der Reichsſchatzſekretär am Mittwoch ge=
tan
hat, daß die Beratungen der Finanzminiſter wahr=
ſcheinlich
vorüber ſein würden, wenn die Reichstagsmit=
glieder
nach den Weihnachtsferien wieder zuſammentreten,
würde damit übereinſtimmen.

m e n
Wandergewerbeſcheine.
1. Januar 1913 tritt eine Abänderung der Beſtimmungen
über Wandergewerbeſcheine in Kraft. Der Bundesrat
hat die alten Beſtimmungen dahin verſchärft, daß neben
der Perſonalbeſchreibung des Inhabers des Scheines der
Schein auch mit der Photographie des Inhabers verſehen
werden muß, da behördlich feſtgeſtellt worden iſt, daß
Wandergewerbeſcheine verkauft worden ſind, und zwar
an Perſonen, denen die Ausſtellung ſolcher Scheine von
der Behörde verſagt worden war.
Der preußiſch=ſüddeutſche Lotterie=
vertrag
iſt bereits am 30. November vollzogen wor=
den
, ſo daß ſeine Veröffentlichung in den nächſten Tagen
erfolgen dürfte. Die Meldung, daß Preußen von Bayern
verlangt habe, es dürfe nur ein bayeriſcher Reſerveleut=
nant
und Proteſtant in die Generaldirektion nach Berlin
entſandt werden, iſt eine vollkommene Erfindung. Der
Generalvertreter der drei ſüddeutſchen Bundesſtaaten,
den dieſe nach Berlin in die Generaldirektion der Lotterie
zu entſenden haben, iſt ſchon beſtimmt und ſeine Ernen=
nung
ſteht unmittelbar bevor.
Sächſiſche Elektrizitätspläne. Die
ſächſiſche Regierung will unverzüglich zahlreiche elektriſche
Motorwagenlinien nach bayeriſchem Vorbild einrichten
und dabei nicht einmal die Bewilligung von Mitteln im
nächſten Etat abwarten, wenn der Landtag keine grund=
ſätzlichen
Bedenken erhebt. Die Regierung wird auch Er=
örterungen
über die Elektriſierung der ſächſiſchen Staats=
bahnen
einleiten; ſie iſt überzeugt, daß bei der heutigen
Entwickelung der Elektrotechnik der elektriſche Staatsbahn=
betrieb
wirtſchaftliche Vorteile bringe. Sie würde unter
Umſtänden dem Landtag ſeinerzeit eine entſprechende
Vorlage machen.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Ein deutſcher Volksrat in Oeſterreich.
Das öſterreichiſche Deutſchtum ſteht vor einem beſonders
bedeutſamen Schritt ſeiner nationalen Organiſierung, Auf
Anregung des bekannten Abgeordneten Dr. Bärnreither
ſoll ein Deutſcher Volksrat für Oeſterreich geſchaffen
werden. Deutſche Volksräte beſtehen, wie die Mitteilun=
gen
des Vereins für das Deutſchtum im Ausland ſchrei=
ben
, bereits ſeit Jahren für einzelne beſonders wichtige
Gebiete der Verteidigung deutſch=nationaler Intereſſen:
der bekannteſte iſt der deutſche Volksrat in Böhmen. Sie
ſollen Zentralſtellen bilden, von denen das geſamte Ge=
biet
der nationalen Verteidigung in politiſcher, kultu=
reller
und wirtſchaftlicher Hinſicht überwacht und kon=
trolliert
wird, bedeuten eine Zuſammenfaſſung der ver=
ſchiedenen
für dieſe Verteidigung beſtimmten Kräfte und
ſollen dadurch eine größere Bereitſchaft aller deutſchen
Abwehrkräfte ſchaffen. Dieſe Form der nationalen Mobi=
liſierung
, die bislang nur für Einzelgebiete beſtand, ſoll
nun für ganz Deutſch=Oeſterreich geſchaffen werden. Das
würde einen ungeheuren Fortſchritt in nationaler Be=
ziehung
ſchon deshalb bedeuten, weil bisher nur zu häu=
fig
eine gewiſſe Kirchturmpolitik der einzelnen Kronlän=
der
das Deutſchtum behindert hat, durch einheitliche Wah=
rung
ſeiner Geſamtintereſſen ſeinem Abwehrkampf die
nötige Wucht zu geben. Sudetenländer= und Alpenländer=
Deutſche ſtanden dabei nicht ſelten in wenig förderlichem
Gegenſatz. Daß die Anregung zu einem deutſchen Volks=
rat
für ganz Oeſterreich aus dem Kreiſe des Sudeten=
deutſchtums
kommt veranlaßt durch die ſüdſlawiſche
Gefahr zeigt daß das öſterreichiſche Deutſchtum deren
Bedeutung für ſeine Geſamtheit klar erkannt hat.
Italien.
Die Lage der Finanzen. In der Kammer
erſtattete der Schatzminiſter Tedesco den Bericht über die
Lage der Staatsfinanzen.
Das Rechnungsjahr 1911/12 weiſt einen Ueber=
ſchuß
von 101 Millionen Lire auf. mit denen
dem Schatz die für den Feldzug in Libyen vorweg aus=
gegebenen
Summen zurückerſtattet werden ſollen; für den=
ſelben
Zweck ſtehen 57 Millionen aus den früheren Rech=
nungsjahren
zur Verfügung. Für das laufende
Rechnungsjahr, ab 1. Juli 1912 bis 30. Juni 1913,
erwartet der Miniſter bei vorſichtiger Verechnung einen
Ueberſchuß von 50 Millionen, für 1913/14 einen ſolchen
von 70 Millionen. Der Miniſter gab ſodann einen Ueber=
blick
über den Zeitraum von 1896 bis 1912 und hob u. a.
hervor daß der internationale Wechſelverkehr in dieſem
Zeitraum von 2½ auf 5¾ Milliarden geſtiegen ſei Der
Verkehr in den Häfen des Königreichs weiſt im Porſonen=
verkehr
eine Steigerung von 1 Million auf 2.9 Millionen
Perſonen auf; der Warenverkehr iſt von 16 auf 29½
Millionen Tonnen geſtiegen. Der Eiſenbahnverkehr ſtieg

[ ][  ][ ]

Erklärungen des in Biarritz weilenden früheren ſpani=
ſchen
Botſchafters, Leon y Caſtillo, die namentlich die
Entſtehung des franzöſiſch=ſpaniſchen Abkommens von
1904 ſchildern, das auf dieſen Diplomaten zurückzuführen
iſt und die Grundlage des Vertrages vom 27. November
d. J. gebildet hat. Aus den Ausführungen Leon y Ca=
ſtillos
geht hervor, daß Spanien infolge des engliſch=
franzöſiſchen
Abkommens vom 8. April 1904 Frankreich
für deſſen Nachgeben in Aegypten durch Zugeſtändniſſe in
Marokko in bezug auf den durch die Wechſelfälle der inne=
ren
Politik nicht unterzeichneten Vertragsentwurf von
1902 entſchädigen mußte. Spanien habe alſo ſeine Ein=
flußzone
in Nordafrika nicht England zu verdanken, ſon=
dern
ſeiner eigenen Anſtrengung, die ſich nachträglich mit
Englands Intereſſen gedeckt habe. Uebertriebene Dank=
barkeit
und Zuſtimmung brauche es daher nicht kundzu=
geben
, da man auf dieſem Wege dahin käme, wohin Por=
tugal
gelangt ſei. Das Geheimnis der ſpaniſchen Diplo=
matie
beſtehe darin, die ſpaniſchen Intereſſen mit den=
jenigen
Englands und Frankreichs, ſeiner natürlichen Ver=
bündeten
, zuſammenfallen zu laſſen, ohne ſich ihnen zu
unterwerfen. Leon y Caſtillo ſpricht ſodann zwar den
Unterhändlern des jetzigen Vertrages Anerkennung für
das Ergebnis aus, tadelt aber die Form der Verhand=
lungen
, die in wenigen Monaten das Werk der Herzlich=
keit
zerſtört hätten, dem ſich er, Leon y Caſtillo, zwanzig
Jahre lang gewidmet habe. Das ganze iſt ein Beitrag
zu den von verſchiedenen Seiten ſyſtematiſch unternomme=
nen
Verſuchen, Spanien an Frankreich enger anzu=
ſchließen
, wird hier aber auch gleichzeitig als Selbſtbe=
räucherung
eines Diplomaten betrachtet, der ſich bei der
Beſprechung von Geſchehniſſen, an denen er einen leiten=
den
Anteil gehabt, vernachläſſigt fühlt.
Braſilien.
Engliſche Marineinſtrukteure. Der Se=
nat
ſtimmte dem Antrag betreffend die Anwerbung eng=
liſcher
Marineoffiziere als Inſtrukteure für die braſilia=
niſche
Marine zu. Der Antragſteller, Senator Azerade,
erklärte, die braſilianiſchen Schiffe müßten engliſche In=
ſtrukteure
haben, weil ſie in England erbaut ſeien.
China.
Anleihe. Die Times melden aus Peking vom
8. Dezember: Wie man erfährt, hat der Finanzminiſter
mit der Sechsmächte=Gruppe die Grundzüge eines Ab=
kommens
über eine Anleihe bis zu 25 Millionen Pfund
Sterling ſo gut wie vereinbart. Sobald die Geſandtſchaf=
ten
die Bedingungen beſtätigt haben, werden ſie den
Vertretern der Gruppe, die am Freitag in London zu=
ſammentreten
wird, telegraphiſch mitgeteilt werden.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 10. Dezember.
Vom Hofe. Die Fürſtin=Mutter zu Erbach=
Schönberg nahm am Samstag an der Frühſtückstafel
im Neuen Palais teil. Am Sonntag vormittag be
ſuchten die Großherzoglichen Herrſchaften den Gottes=
dienſt
in der Hofkirche. Die Hoffeſtlichkeiten
im Jahre 1913 finden, wie vom Großh. Hofmarſchallamt
mitgeteilt wird, wie folgt ſtatt: 1. Hofball am 7. Januar,
2. Hofball am 14. Januar, Thé dansant im Neuen
Palais am 21. Januar. (Darmſt. Ztg.)
Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Oberſtleutnant

Eggersſ, Kommandeur des Großh. Artillerie=Korps,
. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiment Nr. 25, den
Baurat Kolb, Vorſtand des Militär=Bauamts in Darm=
ſtadt
, den Profeſſor Dr. Limmer von der Techniſchen
Gochſchule, den Rechnungsrat Seitz von Offenbach, den
Pfarrer Hellwig von Kirchgöns, die Lehrer Herpel von
Auerbach, Held von Bickenbach und Heck von Z oingen=
berg
, den Profeſſor Dr. Hönig von Michelſtadt, den Geh.
Kommerzienrat Woog von Grunewald=Berlin, den Bild=
auer
Dammann von Berlin, den Kaufmann Erlanger,
den Geh. Oberkonſiſtorialrat D. Peterſen, den Hauptlehrer
Dorn von Seligenſtadt, den Werkmeiſter Straub, den
Schulrat Hofmann von Offenbach, den Profeſſor Dr.
Berghoff=Iſing von der Techniſchen Hochſchule, die Kreis=
ſtraßenmeiſter
Böym von Reichelsheim i. O., Bopp von
Wald=Michelbach, ſowie Brückner und Steinbrecher von
Bensheim, den Hochbauaufſeher Haller von Gießen, die
Hofſchauſpielerin a. D. Ethel, den Poſtmeiſter Graeff von
Langen, den Werkmeiſter Unverzagt von Butzhach, den
Prokuriſten Lang von Benshe m, den Geh. Forſtrat Neu=
ſchäfer
von Mainz; zum Vortrag den Staatsminiſter
Ewald, den Finanzminiſter Braun, den Miniſter des
Innern v. Hombergk zu Vach, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld; in beſonderer Audienz
den Könkial. Preußiſchen außerordentlichen Geſandten und
bevollmächtigten Miniſter Frhrn. v. Jeniſch.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
erzog
den Oberlehrer an dem Realgymnaſium und
der Oberrealſchule zu Gießen Profeſſor Heinrich Lucius
zum Oberlehrer an dem Landgraf Ludwigs=Gymnaſium
zu Gießen und den Regierungs= und Baurat Eugen
Prieſter zu Elberfeld zum Mitglied einer Eiſenbahn=
direktion
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemein=
ſchaft
vom 1. Dezember an; ferner wurden die Forſt=
referendare
Rudolf Glaſer aus Nordheim, Wilhelm
Nebel aus Laubach und Hans Rauſch aus Gießen
zu Forſtaſſeſſoren ernannt.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Pfungſtadt, Kreis Darmſtadt,
Jakob Schmidt auf ſein Nachſuchen, unter Aner=
kennung
ſeiner langjährigen treuen Dienſte, vom
1. Januar 1913 an.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Hans Thomas aus Wöllſtein, Kreis Alzey, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Klein=Hauſen,
Kreis Bensheim.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Lehrer an der Gemeindeſchule zu Pfung=
ſtadt
Jakob Schmidt aus Anlaß ſeiner Verſetzung in
den Ruheſtand das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſt=
ordens
Philipps des Großmütigen.
Erledigte Stelle. Eine mit einem katho=
liſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle in Ober=
Mörlen, Kreis Friedberg.
Die Amtsdauer der gegenwärtigen Vertreter
der Arbeitgeber und der Verſicherten bei den
Organen der Krankenkaſſen. Das Großh Miniſterium
des Innern bringt eine Bekanntmachung des Reichs=
kanzlers
zur öffentlichen Kenntnis, nach der die Amts=
dauer
der gegenwärtigen Vertreter der Arbeitgeber und
der Verſicherten, deren Wahlzeit mit oder nach dem
31. Dezember 1912 abläuft, bis zum Ablauf des 31. De=
zember
1913 verlängert wird. Soweit bis zum 31. De=
zember
1913 noch keine Neuwahlen nach den Vor=
chriften
der Reichsverſicherungsordnung ſtattgefunden
haben, wird die Amtsdauer darüber hinaus bis zum
Zuſtandekommen ſolcher Neuwahlen, längſtens aber bis
Ablauf des 35. Juni 1914 verlängert. Dabei gelten die
zur Generalverſammlung der Krankenkaſſe gewählten
Vertreter ale Vertreter in Ausſchuß der Krankenkoſſ.
g. Strafkammer. Wegen Verbrechens nach § 175,1
des Strafgeſetzbuches wurden geſtern von der Strafkam=
mer
der 32jährige Fabrikarbeiter Karl Fritſch und der
31jährige Michael Schlindtwein, beide in Kelſter=
bach
, jeder zu vier Monaten Gefängnis ver=
urteilt
. Von der Unterſuchungshaft wurden jedem ein
Monat in Anrechnung gebracht. Der 53jährige Schuh=
macher
Michael Kirchner IV. aus Seligenſtadt, dem
Verfehlungen nach § 176,3 des Strafgeſetzbuches in fort=
geſetzter
Begangenſchaft zur Laſt gelegt wurden, wurde
freigeſprochen. Der 17jährige Schloſſer Wilh.
Schäfer aus Idſtein hat am 19. September in Rüſſels=
heim
ſeinem Arbeitskollegen Ruppert ein Zehnmarkſtück
wveggenommen; er wurde unter Zubilligung mildernder
Umſtände zu vier Wochen Gefängnis verurteilt.
Da der Angeklagte aufrichtige Reue zeigt und in Anbe=
tracht
ſeiner Jugendlichkeit wird das Gericht ein Gnaden=
geſuch
auf bedingten Strafaufſchub befürworten. Der
9jährige Taalöhner Wilhelm Kuchenbrod aus Offen=
bach
hatte ſich wegen eines Diebſtahls und einer Fund=
unterſchlagung
zu verantworten. Am 22. Oktober hat er

ein dem Schleifer Adam Gotta gehöriges Portemonnaie
nit 10 Mark Inhalt aus deſſen Hoſentaſche weggenom=
men
. Außerdem hat er ein beim Reinemachen gefundenes
leeres Portemonnaie nicht abgeliefert, ſondern für ſich
behalten. Das Gericht erkennt auf eine Geſängnisſtrafen
von ſechs Monaten drei Tagen. Von der Unter=
ſuchungshaft
werden dem Angeklagten ein Monat drei
Tage in Anrechnung gebracht.
D Vom Großh. Hoftheater. Heute beginnt Alex=
ander
Moiſſi (der Name wird nicht franzöſiſch aus=
geſprochen
) ſein mit Spannung erwartetes Gaſtſpiel als
Hamlet. Das Intereſſe, das ſich für dieſes Gaſtſpiel
kundgibt, iſt ein Anzeichen, daß Moiſſi auch hier, wo er=
vorläufig
noch nicht aufgetreten iſt, bereits eine große
Schar von Verehrern zählen kann, die ihn nach Gebühr=
feiern
werden. Am Mittwoch wird Richard Wagnkrs
Der fliegende Holländer in Szene gehen.
Dieſe Vorſtellung wurde von der Generaldirektion für
den Buchſtaben A angeſetzt, der in dieſer Spielzeit noch
keine Wagner=Oper im Abonnement gehabt hat. Die erſte
Wiederholung der erfolgreichen Luſtſpiel=Novität Die
fünf Frankfurter deren immenſer Erfolg wie
allerorten auch bei uns, dem Werk treu blieb, findet am
Donnerstag ſtatt. Alexander Moiſſi wird ſich am
Freitag bereits wieder verabſchieden. Er ſpielt an die=
ſem
Abend in der Erſtaufführung von Hugo von Hof=
mannsthals
altem Spiele vom Sterben des reichen
Mannes Jedermann die Titelrolle. Der Dichter wird
der Premiere beiwohnen und ebenſo wie Moiſſi an den
Proben teilnehmen.
* An der heſſiſchen Landesnniverſität ſtudieren
im Winterſemeſter 1912/13 1338 Studierende, darunter
24 Studentinnen. Außerdem ſind 5 Hoſpitantinnen,
107 Hörer und Hörerinnen eingeſchrieben worden, ſo
daß die Geſamtzahl dann 1525 beträgt gegenüber einer
Geſamtzahl von 1505 im vorigen Semeſter.
m. Prüfung. Im Prüfungslokal am Paradeplatz
fand vom 2. bis 6. Dezember die erweiterte Prüfung
für Lehrer ſtatt. Es unterzogen ſich ihr fünf Kandidaten,
von denen vier die Prüfung beſtanden. Ein Kandidat
erkrankte nach Beginn ſo beftia, daß er von der Prüfung
zurücktreten und ſich in ärztliche Behandlung begeben
mußte. Unter den Examenskandidaten war ein Lehrer
von Darmſtadt.
* Doktor=Ingenieur=Prüfung.
Der Diplom=
Ingenieur Chriſtian Chriſtianſen aus Kriſtiania
hat ſich am 7. d. Mts. an der hieſigen Techniſchen Hoch=
chule
der mündlichen Doktor=Ingenieur=Prüfung unter=
zogen
und dieſelbe gut beſtanden.
Im geſtrigen Artikel über Exzellenz Wirkl. Geheime=
rat
Krug v. Nidda iſt eines Umſtandes nicht Erwähnung
getan, der unſere Stadt beſonders angeht. Er war näm=
lich
ſ. Zt. auch Mitglied der Stadtverord=
netenverſammlung
, in die er bei der Erſatzwahl
des Jahres 1877 gewählt wurde. Während ſeiner Tätig=
keit
als Stadtverordneter hat er ſich hauptſächlich bei der
Auseinanderſetzung zwiſchen der Stadt und der evangeli=
ſchen
Kirchengemeinde, die in ſeine Amtszeit fiel, verdient
gemacht. Bei ſeinem Uebergang von der Rechtsanwalt=
ſchaft
in den unmittelbaren Staatsdienſt legte er dann
ſein Stadtverordnetenmandat nieder.
*Ausſtellung. Man ſchreibt uns: Aus Alt= Wimp=
fen
und Vom Neckar (bei Wimpfen) ſind in den
Schaufenſtern und Muſterzimmern der Hofmöbelfabrik
von Joſ. Trier, Wilhelminenſtraße, einige vortreffliche=
Oelſtudien und Bilder von der kunſtgeübten Hand des
durch frühere Ausſtellungen in Darmſtadt nicht mehr un=
bekannten
Malers Karl Geiſt=Kaſſel=Darmſtadt zu
Schau geſtellt. Trotz des guten Klanges, den der Namd
unſeres heſſiſchen Rothenburgs bei den Malern und
Architekten von ganz Deutſchland und über die Grenzen
unſeres Vaterlandes hinaus genießt, trotz des Intereſſes,
welches dieſer Perle in Heſſens Krone ſeitens unſeres
Landesfürſten und der Großh. Regierung entgegen ge=
bracht
wird, kennen die meiſten Heſſen Wimpfen nun
Die neun bei Trier ausgeſtellten
dem Namen nach.
Bilder ſtellen Straßenbilder und Anſichten dar, welche
vorzugsweiſe dem Gebiete innerhalb der ehemaligen
Hohenſtaufenpfalz zu Wimpfen entnommen ſind. Dazu
kommt noch eine Geſamtanſicht (Oelſtudie) von der Stadt,
geſehen vom ehemaligen Dominikanerkloſter aus, ſowie
verſchiedene rein landſchaftliche Studien an der Jagſt
und am Neckar (bei Wimpfen).
* Niels Sörnſen=Lieder zur Laute. Vor einem leider
nicht ſonderlich zahlreichen Auditorium ſang am Sonntag
abend Niels Sörnſen Lieder zur Laute. Wir haben
neben unſeren einheimiſchen Lautenkünſtlern nun ſo ziem=
lich
alle bedeutenden Kräfte auf dieſem Gebiete kennen
gelernt und müſſen geſtehen, daß der junge Niels Sörnſen
zu den beſten ſeiner Art zählt. Die teils nach vorhande=
nen
Volksweiſen von Niels Sörnſen bearbeiteten, teils

Mit dem Motor ins innerſte
Afrika.
Von Oberleutnant Paul Graetz.
Nachdruck verboten.)
X.

Motoriſtenfreuden in Aequatorialafrika.
Aus Neu=Kamerun den Kongo aufwärts.
An Bord der Hygiama, im Kongo
am Aequator, 26. September 1912.
Nach Prüfung der vorzunehmenden Reparaturen
machte ſich der Mechaniker der Société Foreſtiére, Mon=
ſieur
Jean Valette, mit ſeinen ſchwarzen Gehilfen am
Morgen des 7. September in der Werkſtatt von
Boyenghé ſofort ans Werk. Da galt es, den gebro=
chenen
Fuß des Oelglaſes durch eine Kupferfaſſung zu
erſetzen, einige Mundſtücke der Oelleitungen dicht zu
löten, einen neuen Halter zu ſchmieden für den Oelappa=
rat
, einen gebrochenen Haltebolzen am Glühkopf zu er=
ſetzen
, die bereits in Molundo geflickten Verdeckbügel,
die am Morgen nach dem Schiffbruch durch einen über=
hängenden
Baum geknickt waren und ſich aufs neue ver=
bogen
haben, zu richten, den Zylinderkopf neu zu dich=
ten
, den ganzen Zylinder innen von dem angeſetzten Oel=
ruß
zu reinigen, die Bolzen im Fundament anzuziehen,
den Kuppelungshebel, deſſen Halteboden ſich gelockert,
zu befeſtigen, und die ſchwierigſte Aufgabe zu löſen, die
Spirituslampe durch Anbringung einer Luftpumpe für
Petroleum gangbar zu machen.
Das kluge Geſicht des Franzoſen legt ſich in ernſte
Falten. So etwas iſt dem alten braven Valette in ſeiner
zehnjährigen afrikaniſchen Praxis noch nicht vorgekom=
men
. Eine Spritze iſt wohl vorhanden, doch die Schwie=
rigkeit
liegt in der Notwendigkeit, ſie mit doppelter
Klappe zu verſehen, welche die Luft in den Petroleum=
behälter
drückt, dieſen aber ſofort ſchließt, ſohald die
Pumpe aufs neue anſaugt denn nur ſo iſt es möglich,
die Gaſe danernd unter Druck zu halten und eine Stich=
Mcku Au Grczgen. . Monſen Jalette Gint Lac.

Plötzlich zuckt es liſtig auf in den eben noch ſo ernſten
Augen. Aus einem Kaſten mit allerhand Gerümpel för=
dert
Valette einen alten Fahrradſchlauch zutage, wel=
cher
ſein Ventil für unſere Pumpe hergeben muß. Die
Lötlampe funktioniert wundervoll jedoch nur wenige
Minuten, dann hat das Petroleum die kleinen Gummi=
ringe
des Ventils zerfreſſen. Valette hält grübelnd die
Lötlampe in beiden Händen. Jetzt geht er mit verſchmitz=
tem
Lächeln auf die Veranda der Werkſtatt, wo ein altes
Modell einer verroſteten Eismaſchine ſteht, aus der er
ein winziges Metallventil löſt, um es unſerer Pumpe
einzuverleiben. Am unteren Rand des Brennſtoffbehäl=
ters
wird ein Loch gebohrt, auf das ein Gewindemund=
ſtück
zur Aufnahme der Spritze mit Hartlot aufgeſetzt
wird.
Nach halbſtündigem Anwärmen ſpringt der Motor
am 12. September ab. Freitag, der 13. September, er=
ſchien
nicht günſtig zum Aufbruch in Afrika wird man
abergläubiſch , ſo wird nach einem fröhlichen Abſchieds=
rühſtück
in dem von einer franzöſiſchen Hausfrau gelei=
teten
Heim des Direktors Briand der Société Fore=
ſtiére
am 14. September geſtartet. Ich führte ſelbſt das
Steuer, während James und Joſeph den Motor bedien=
ten
. Zwiſchen Sumpfwieſen, von lichtem Buſch be=
grenzt
, führt der Likouala gen Weſten und ergießt ſich
nach zirka 15 Kilometer in den Sſanga. Im Munde der
Flußdampfer=Kapitäne rechnet dieſer untere Likouala zum
Boyenghé=Kanal. Kaum ſind wir in den Sſanga ein=
gebogen
, als ein trockener Tornado mit ungeſtümer Hef=
tigkeit
aufſpringt und hohe Wellen gegen uns anrollt.
Die Hygiama nimmt maſſenhaft Waſſer über. Jede
Welle, laut gegen den Bug polternd, wirft einen Spritzer
ins Boot. Ich halte am linken Ufer entlang und ſuche
vergeblich nach der Einfahrt in den Likendzi=Kanal, der
uns nach Loukoléla am Kongo bringen ſoll. Im Kampf
mit dem Tornado müſſen wir die ſchmale Mündung ver=
paßt
haben. Die weiße Giſchtmaſſe eines Heckraddampfers
verſchwindet ſtromaufwärts zwiſchen zwei Inſeln.
Eben im Begriff, zu wenden, um den Kanal zu ſuchen,
ſehe ich rechts am Ufer Bonga liegen, wo wir fluß=
aufwärts
zum erſten Male am 20. Juli angelegt. Ein
hollänviſchen Drwofen ninipih gercHhl.; Clerà 155c. (68

halte darauf los und befehle James, den Motor zu
ſtoppen. Dieſer reißt den Kuppelungshebel zurück, ver=
gißt
aber, den Akzelerator vorher zu entſpannen. Den
Motor raſt. Infolge der Erſchütterung bricht der von
Valette geſchmiedete Oelkaſtenhalter. Der ſchwarze Ka=
pitän
des Holländer ſtellt mir ſeinen Ingenieur für die
Reparatur zur Verfügung. Die Hygiama liegt an der
buchtartigen Mündung des hier dem Sſanga zufließen=
den
Muliba. Bis 10 Uhr abends hatte der Schwarze
einen Halter gefertigt, den ich jedoch am Vormittag des
15. September erſt zurechtfeilen muß. Als wir endlich
am Spätnachmittag losfahren, läuft kein Kühlwaſſer=
Wir ſind ſchon ein Stück flußaufwärts in der Richtung
auf den Likendzi=Kanal, da raucht der Motor. Ich ſtelle
ſofort das Petroleum ab und laſſe die Hygiama von
der Strömung nach Bonga zurücktreiben. Am Morgen
überhole ich Waſſerpumpe und Leitungsrohre: das Zu=
fuhrrohr
iſt abgebrochen, vermutlich ebenfalls infolge der
Erſchütterung, der wir den Bruch des Oelkaſtenhalters
verdanken. Nach langem vergeblichem Bemühen kommt
der Motor endlich auf Touren. Da ſteuert Joſeph, zum
erſten Male dieſes Amt wahrnehmend, in das Sumpfs
gras des Muliba. Ich muß abermals den Motor auss
kuppeln, der im Leergang ſtehen bleibt. Der Proveller
wird von den erfaßten Gräſern befreit, doch der Motor
will nicht wieder anſpringen.
Alſo ſchlafen wir die dritte Naaſt in Bonga. Nachts
werde ich plötzlich wach. Was iſt das? Ein Dampfer
kommt im Mondſchein ſtromab gefahren und legt hier
an, um Holz zu nehmen: Die Bumba mit Kapitän
Quadbeck und einem Herrn der Geſellſchaft Süd= Kame=
run
, der nach beendigtem Term, wie man hir ſo ſchön
ſagt, nach Deutſchland auf Erholung zurückſhrt. Der
gute Kapitän Quadbeck ladet mich ein, im Schlepptau
mit nach Moſſaka zu kommen, doch ſchlage ich das aus=
in
der Hoffnung, am Morgen per Motor flottzukommen.
Mit Sonnenaufgang geht ein wolkenbruchartiger Regen=
nieder
, ſo daß an ein Anheizen des Motors nicht zu den=
ken
iſt. James, mit dem ich ſtark gerechnet, verweigert
mir am Mittag den Dienſt, Joſeph bleibt. Wir heizen=
den
ganzen Nachmittaa an. Der Motor geht nicht üben
2 bis 3 Exploſionen hinaus. Schließlich kommt er doch

[ ][  ][ ]

von ihm ſelbſt erfundenen Melodien laſſen auf muſikaliſche
Begabung und auf natürliches, volkstümliches Empfin=
den
ſchließen. Eine beredte Mimik und eine ſichere ſtimm=
liche
Charakteriſierungskunſt verhalfen ſeinen Geſängen
zur Wirkung. Die luſtigen und übermütigen Sachen
namentlich auch die ſelbſtkomponierten gelangen vor=
züglich
. Auch iſt Sörnſen als Komponiſt zu denken.
Seine Melodien ſind ſchlicht und ſangbar. Und da der
Sänger über einen ſympathiſchen Bariton, tadelloſe Aus=
prache
, lebhaftes Minenſpiel und ſehr geſchickte Lauten=
behandlung
verfügte, ſo fehlte es durchaus nicht an
vielem Beifall und Verlangen nach Zugaben.
* Lichtbildervortrag. Auf den vonder Abteilung
Darmſtadt der Deutſchen Kolonialgeſell=
chaft
unter Anſchluß der Ortsgruppen Darmſtadt
des Deutſchen Flottenvereins und des Alldeutſchen
Verbands auf heute Dienstag abend im Saale der
Traube veranſtalteten Lichtbildervortrag des
Herrn Konſuls Singelmann über Deutſchlands
Intereſſen an ſpaniſchem und portugieſiſchem Kolonial=
beſitz
in Afrika (ſiehe Anzeige) macht man nochmals
hiermit aufmerkſam. Bei der Wichtigkeit der vom Redner,
einer Autorität auf dieſem Gebiete, zu behandelnden
Frage für die koloniale Zukunft Deutſchlands iſt ein
intereſſanter Abend zu erwarten.
* Vorträge über Fragen religiöſer Weltan=
ſchauung
. Für den 3. Vortrag, Dienstag, den
10. Dezember, abends 8¼ Uhr (im Kaiſerſaal) iſt der
als packender Redner und gemütvoller Poet weitbekannte
Karlsruher Stadtpfarrer K. Heſſelbacher gewonnen
worden. Er behandelt die rätſelreiche Frage: Wie
verträgt ſich die ewige Liebe und Gerechtigkeit mit dem
Daſein des Uebels
Der Frauenverein der Johannesgemeinde ver=
anſtaltet
an dieſem Mittwoch, den 11. Dezember, abends
Uhr, im Gemeindehauſe der Johannesgemeinde eine
muſikaliſche Adventsfeier mit Solo= und
zuartettgeſängen. Als Soliſten wirken die Herren Chr.
Moll (Tenor) und Emil Sulzmann (Bariton) mit
Die Feier iſt zugleich als Rahmen für die diesjährige
Hauptverſammlung des Vereins gedacht. Die Mitglieder
und Freunde ſind freundlich eingeladen. (Siehe Anzeige.)
Kriegerverein Darmſtadt. Wie aus der heutigen
nzeige erſichtlich, wird auch in dieſem Jahre die übliche
eihnachtsfeier am Sonntag, den 22. Dezember,
m großen Saale der Turnhalle am Woogsplatz ſtatt=
inden
. Zu der Beſcherung können nur Kinder und
Enkel der Mitglieder zugelaſſen werden. Da die Be=
eiligung
immer eine ſehr große iſt, iſt es dringend er=
wünſcht
, datz der Anmeldetermin eingehalten wird und
die Kinder mit den vorgeſchriebenen Kontrollkarten ver=
ehen
ſind. Spätere Anmeldungen finden keine Berück=
ichtigung
.
Der Genfer Verband der Hotel= und Reſtau=
ant
=Angeſtellten iu Deutſchland (Sitz: Diesden=A. 1
adet alle Hotel= und Reſtaurant=Angeſtellten zu einer
auf Mittwoch anberaumten Verſammlung im
Reſtaurant Frankfurter Hof Frankfurterſtraße, ein,
Zweck der Verſammlung ſoll ſein Gründung einer
Sektion Darmſtadt obengenannten Verbandes.
Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Darm=
ſtadt
. Nächtliches Dunkel lagerte noch über der Stadt,
ils am Sonntag morgen die wackeren Klubgenoſſen zum
Bahnhof eilten, um die Wanderung von Biebesheim
durch den Jägersburger Wald nach Lorſch und Bens=
heim
mitzugehen. Mehr als 70 Damen und Herren
hatten ſich dazu eingefunden. Zwar verhüllte ein
undurchdringlicher Nebel den Ausblick auf die Höhen
der Bergſtraße, aber für die mangelnde Fernſicht ent=
chädigten
reichlich die wundervollen Rauhreifbildungen
an Baum und Strauch, deren Pracht jeden echten
Wanderer und Naturfreund entzücken muß. Die Stim=
nung
war wie immer vortüglich.
m. In den Räumen der alten Bahnhofgebäude herrſcht
ben reges Leben. Man iſt dort mit dem Einpacken der
Akten der Betriebsinſpektionen beſchäftigt. Am 15. De=
ember
verlegt dieſe Inſpektion ihre Tätigkeit in das
wiſchen Empfangsgebäude und Griesheimer Chauſſee
rm Hauptbahnhof liegende, neu errichtete Verwal=
tungsgebäude
. Die neuen Bureauräume ſind hell
und meiſt ſo eingerichtet, daß nur wenige Beamte in
emſelben Zimmer zuſammen arbeiten. Nur ein grö=
ßerer
Saal für mehrere Beamte iſt in jedem Stock vor=
anden
. Die Erwärmung des Gebäudes geſchieht durch
eine Zentralheizung. Mit dem Umzug wird die letzte
mtliche Tätigkeit auf längere Zeit in dem alten Lud=
wigsbahnhofgebäude
erloſchen ſein. Nach gehöriger Re=

ſoch in Gang die Sonne taucht ſchon in gelbroter Glut
inter den dunklen Rand des Urwaldes ich bin ent=
chloſſen
, in die Nacht hineinzufahren. Wir haben Mond=
chein
. Joſeph bedient, meinen Winken folgend, das
Steuer, ich ſitze am Motor, der plötzlich gänzlich unbe=
kründet
ſtehen bleibt. Mühſam arbeiten wir uns ans
Ufer: die vierte Nacht in Bonga. All die Aergerniſſe und
en entmutigenden Aufenthalt haben wir nur dem Tor=
nado
zu danken, der uns den Likendzi=Kanal verpaſſen
beß. Nachdem ich am 18. September morgens Bonga
mit dem Sſanga juſt von der Stätte aus, wo die Bonga=
leute
den letzten Europäer ermordet und die Mörder im
Salvenfeuer der franzöſiſchen Kolonialſoldaten zuſam=
menbrachen
, als Memento auf den Film gebracht und
mich mit einigen Perlenſchnüren ſo in die Gunſt eines
fübſchen, aus Likuba am Kongo ſtammenden Teketen=
ſchunimädchens
geſetzt, daß ich ihre wunderbare Coiffure
von drei Seiten typen durfte, gelingt es mir, um 11 Uhr
vormittags den Motor auf Touren zu bringen. Wir
werfen los und ſauſen flußabwärts, um, den Kongo hoch=
fahrend
, Lukulela zu erreichen. Im Boot befindet
ſich außer mir nur Joſeph und Mutſch, mein Kätzchen,
das jetzt mitgezählt ſein will. James iſt, dem Beiſpiele
der Europäer folgend, ausgebrochen. . .
Freudigen Herzens ſehe ich Bonga weiter und weiter
entſchwinden. Die Moskitos waren Tag und Nacht ſo
aufdringlich, daß das Bad im Zelt ohne Moskitonetz zur
Tortur wurde. An breiten Wieſenflächen, von dunklem
Sumpfwald beſäumt, gelangen wir zur Mündung des
Sſanga in den Kongo und ſteuern in dieſem Neu=
Kamerun den Rücken kehrend ſtromaufwärts. Ab
und zu muß ich vom Steuer nach vorn gehen, um nach
dem Motor zu ſchauen. Ich habe mir ein Dutzend
Maſchen für die Steuerpinne gefertigt, mittels deren ich
auf Kilometerweite die Fahrtrichtung feſtlege. Ich be=
itze
eine Kopie einer Kongoflußkarte, die ich der Lie=
benswürdigkeit
des Herrn Richter in Molunda verdanke,
doch ſcheint auf der von einem Miſſionar gefertigten Harte
nicht alles zu ſtimmen. Ich verliere mich in dem Laby=
inth
von Inſeln und Kanälen, doch ſchlimm kann die
Verirrung ja nicht ausarten. Mein Kurs ſteht öſtlich in
der Höhe des erſten Grades ſüdlicher Breite. Schließlich
vereinigt der Kongo bei Loukoléla ſeine meilenbreiten
Waſſermaſſen wieder, da, wo Loukoléla frangais und
Loukoléla belge ſich gegenüberliegend einander ſichtbar
(Schluß folgt.)
ſünd.

novierung ſollen dort die Bahnmeiſtereien untergebracht
werden.
Unterſchlagung. Ein Hausburſche, welcher bei einem
hieſigen Bäckermeiſter bedienſtet war, iſt nach Unter=
chlagung
von vereinnahmten Kundengeldern im Be=
trage
von 60 Mk. und unter Mitnahme eines Fahrrades
lüchtig gegangen.
§ Feſtgenommen. Ein Arbeitsſoldat, welcher
ſich von ſeinem Truppenteil ohne Urlaub entfernt hatte
und in einer Scheune in der Pankratiusſtraße nächtigte,
wurde durch einen Schutzmann feſtgenommen und
an die Kaſernenwache abgeliefert.
* Arheilgen, 9. Dez. Der hieſige Volksbildungs=
verein
veranſtaltet am Sonntag, den 15. Dezember,
nachmittags 4 Uhr, im Gaſthaus Zum Schwanen eine
Richard=Wagner=Feier aus Anlaß des 100.
Geburtstages des Komponiſten unter gütiger Mitwirkung
von Herrn Hauptlehrer Haſſenzahl=Arheilgen, Frau
Heckelmann, Konzertſängerin, Darmſtadt, Fräulein Bohne
aus Darmſtadt (Klavier), Herrn Opernſänger W. Mayer=
Darmſtadt, der Quartettvereinigung: Frau Profeſſor
Lattermann, Groß=Gerau (Klavier), Herrn Schenck= Wei=
terſtadt
(Violine), Herrn Kunkel, Groß=Gerau (Viola),
Herrn Becker=Stockſtadt (Cello), und Geſangvereins Lie=
derzweig
=Arheilgen. Die ſchönſten Stücke aus Rienzi
Der fliegende Holländer, Die Meiſterſinger, Wal=
küre
, Lohengrin und Tannhäuſer werden zu Gehör
gebracht, erläutert durch einen Vortrag von Herrn Haupt=
lehrer
Haſſenzahl. Das reichhaltige Programm und die
guten Kräfte geben die beſte Gewährleiſtung für eine erſt=
klaſſige
Feier.
P.H. Eberſtadt 9. Dez. Ueber Genoſſenſchaften
mit beſchränkter und unbeſchränkter Haft=
pflicht
ſprach im Saale Zum Mühltal hier im Auftrage
des Ortsgewerbevereins Herr Bankdirektor L.
Diehl=Offenbach. Der Redner führte etwa folgendes
aus: Ende 1911 beſtanden im Deutſchen Reich etwa
32000 Genoſſenſchaften mit 4,8 Millionen Mitgliedern.
Dieſe Genoſſenſchaften hatten ein eigenes Vermögen an
Geſchäftsanteilen und Reſerven von 678 Millionen Mark,
einen Umſatz von 26 Milliarden Mark, und ſie verwalte=
ten
4,3 Milliarden fremde Gelder. In dieſen Zahlen ver=
körpert
ſich die ungeheuere wictſchaftliche Macht, die das
deutſche Genoſſenſchaftsweſen darſtellt. Die unbeſchränkte
Haftpflicht hat ſich aus der Entſtehung des Genoſſen=
ſchaftsweſens
heraus als notwendig erwieſen. Mit der
wirtſchaftlichen Erſtarkung der Genoſſenſchaften, mit der
Anſammlung eigenen Vermögens, dann alſo, als die per=
ſönliche
Haftpflicht zum Teil durch eigenes Vermögen der
Genoſſenſchaft erſetzt wurde, machte ſich das Beſtreben
geltend, die vielfach als läſtig empfundene Feſſel der un=
beſchränkten
Haftpflicht abzuſtreifen und die be=
chränkte
Haftpflicht einzuführen. Das Genoſſen=
ſchaftsgeſetz
trug dieſem Wunſch Rechnung, und ſeit dem
Genoſſenſchaftsgeſetz von 1889 kenne man in Deutſchland
auch die beſchränkte Haftpflicht. Von den heutigen 32000
Genoſſenſchaften gehörten etwa 20500 der unbeſchränkten
und 11500 der beſchränkten Haftpflicht an. Der Redner
behandelte die Frage der Haftpflicht eingehend. So ſehr
bedauerlich es ſei, wenn hin und wieder eine Genoſſen=
ſchaft
in Schwierigkeiten gerate und deren Mitglieder aus
der Haftpflicht in Anſpruch genommen werden, ſo falſch
ſei es, derartige Fälle nun zu verallgemeinern. Die Haft=
pflicht
wird nicht ſofort aktuell. Es gäbe Mittel zum
Schutz vor der Inanſpruchnahme. Das ſei einmal gewiſſen=
hafte
Pflichterfüllung aller Organe der Genoſſenſchaft,
volles Verſtändnis für die genoſſenſchaftliche Organiſation
und Anſammlung eines hohen eigenen Vermögens an
Geſchäftsanteilen und Reſerven. Was das Mitglied
einer Genoſſenſchaft vom Umfang ſeiner Haftpflicht wiſſen
muß, behandelte der Redner ebenfalls eingehend. Wenn
gerade in Kriſenzeiten ſich in den Genoſſenſchaften das
Beſtreben zeige, die unbeſchränkte Haftpflicht in die be=
ſchränkte
umzuwandeln, ſo ſei dies zwar begreiflich, aber
es ſei ein riskantes Beginnen. Man müſſe ſich vergegen=
wärtigen
, daß die Haftpflicht zum Schutz der Gläubiger
gegeben ſei. Im ſelben Augenblick, in dem der Gläubiger
an und für ſich in erhöhtem Maß Wert auf die Haftpflicht
legt, ihm zumuten, ſich da mit der beſchränkten Haftpflicht
zu genügen, wo er ſeither die unbeſchränkte Haftpflicht ge=
noß
, ſei verfehlt. Eine ſolche Genoſſenſchaft müßte ein
hohes eigenes Vermögen beſitzen, um den Gläubigern
ein Aequivalent für die gelindere Haftpflicht bieten zu

können. Wenn aber ein hohes, eigenes Vermögen die
Vorausſetzung für die Umwandlung iſt und wenn auf der
anderen Seite ein hohes eigenes Vermögen der beſte
Schutz vor der Haftpflicht iſt, wenn alſo die Vorausſetz=
ung
für die Umwandlung in dem Moment gegeben iſt,
in dem die Mitglieder am beſten vor der Haftpflicht ge=
ſchützt
ſind, ſo ſei doch klar, daß gerade in dieſem Augenblick
die Umwandlung am beſten entbehrt werden kann, denn
dann ſei ja die Furcht vor der unbeſchränkten Haftpflicht
unbegründet. Vor der übereilten Umwandlung ſei aber
auch mit Rückſicht auf die Vorſchriften des Geſetzes über
den Konkurs der Genoſſenſchaft zu warnen. Redner zeigte
an verſchiedenen Beiſpielen, wie die unbeſchränkte Haft=
pflicht
Genoſſenſchaften vor dem Konkurs und dadurch
vor ſo ungeheueren Schwierigkeiten gerettet habe, wie ſie
jetzt in Nieder=Modau auftreten. Wenn in ſo traurigen
Fällen die Verbandsreviſion für die Vorkommniſſe zuerſt
verantwortlich gemacht werde, ſo ſei auch dies begreiflich,
aber meiſt unberechtigt. Der Verbandsreviſion würde
viel zu übertriebene Bedeutung beigelegt. Es ſei nicht
angängig, Fehler in der Verwaltung zu begehen und
dann die Verantwortung anderen zu überlaſſen. Der Vor=
trag
wurde mit Beifall aufgenommen und tauſchte recht
lebhafte Diskuſſion aus.
Sz. Griesheim, 9. Dez. Auf beſondere Einladung
einer Intereſſentengruppe des Polizei= und Schutzhunde=
weſens
hielt Herr Polizeikommiſſär Lindemann
(1. Vorſitzender des Heſſiſchen Polizei= und Schutzhunde=
Vereins, Sitz Darmſtadt) vor einer ſtattlichen Anzahl Zu=
hörern
geſtern im Darmſtädter Hof einen Vortrag
über die Polizei= und Schutzhundeſache.
Redner ſtreifte in ſeinem 1¾ſtündigen freien Vortrag die
Hauptgrundzüge des Polizei= und Schutzhundeweſens,
ſowie das Beſtreben der einſchlägigen Vereine und be=
leuchtete
dabei die Charaktereigenſchaften aller Hunderaſſen,
die ſämtlich darin gipfeln, daß der Hund des Menſchen
treueſter Freund und Beſchützer iſt; hat man doch ſchon
Beiſpiele gehabt, daß Hunde aus Schmerz über den Tod
ihres Herrn jegliche Nahrungsaufnahme verweigert und
dadurch ſelbſt freiwillig den Tod geſucht haben. Insbe=
ſondere
weiſt Redner auf das Intereſſe hin, welches man
den Polizeihunden ſowohl, wie den Schutzhunden ge=
rade
auf dem Lande ſchon an ſich entgegenbringen
müſſe. Ungeteilter Beifall lohnte den Redner für ſeine
intereſſanten Ausführungen, und im Verlauſe der dem
Vortrag folgenden freien Diskuſſion bildete ſich eine Orts=
gruppe
Griesheim des Heſſiſchen Polizei= und Schutz=
hunde
=Vereins, Sitz Darmſtadt, mit einem Stamm von
26 Gründungsmitgliedern, die den Herrn Polizeidiener
Kiſſinger zum 1. Vorſitzenden ernannten.
Pfungſtadt, 7. Dez. Geſtern abend halb 9 Uhr
riefen die Sturmglocke und Signale der Feuerwehr die
Bürger von neuem an eine Brandſtätte. Die
Scheune des Landwirts und Händlers Seeger brannte
bereits lichterloh, als die Nachbarn und die Kinder des
Eigentümers Feuer ſchrien. Dieſer war mit ſeiner
Frau geraume Zeit vorher zu einer feſtlichen Veranſtalt=
ung
gegangen. Die Scheune iſt ſamt Vorräten ganz ab=
gebrannt
. Auch das Hausgeflügel und ein Schwein fie=
len
dem Element zum Opfer. Die übrigen Haustiere
konnten noch gerettet werden. Glücklicherweiſe konnte
der Brand nicht weiter um ſich greifen, da das Anweſen
an der Peripherie des Städtchens liegt. Wie das Feuer
entſtand, iſt noch nicht aufgeklärt.
Pfungſtadt, 9. Dez. Im hieſigen Volksbild=
ungsverein
ſprach geſtern abend Herr Großh. Berg=
rat
Köbrich von Darmſtadt über Die geologiſche Ent=
wickelung
unſerer Gegend‟ Die hochintereſſanten Aus=
führungen
des Referenten über die Erdgeſchichte unſeres
engeren Heimatlandes und der angrenzenden Gebiete
wurden durch zeichneriſche Darſtellungen und eine große
Reihe trefflicher Lichtbilder wirkſam unterſtützt. Nicht
allein über die Entſtehung der verſchiedenen Geſteins=
maſſen
, aus denen ſich die Gebirge Heſſens zuſammen=
ſetzen
, wurde die Verſammlung belehrt, ſondern auch
manche durch ihre Schönheit ausgezeichnete Gegend des
Odenwaldes und des Rheingebietes ließ der Redner im
Bilde an dem Auge der Zuſchauer vorüberziehen und rief
bei manchem eine bereits auf der Wanderung geſehene
entzückende Landſchaft wieder in die Erinnerung zurück.
Der Vortragende erntete lebhaften Beifall der leider nicht
ſehr zahlreich beſuchten Verſammlung.
h- Auerbach, 9. Dez. Geſtern nachmittag fand im
Gaſthaus Zur Sonne eine Verſammlung des

Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, den 8. Dezember.
Mignon‟.

W-l. In einer im ganzen wohlgelungenen Auffüh=
rung
ging heute die gern gehörte Oper Mignon wieder
in Szene. Herr Kapellmeiſter Lert dirigierte, und wenn
man von einigen Taktdifferenzen zwiſchen ihm und den
Sängern im 1. Akte abſieht, muß man ſeiner ſtraffen und
energiſchen Leitung und der verſtändnisvollen und feinen
Herausarbeitung der tonlichen Nuancen, die ſich unter
ſeinem temperamentvollen Regime im allgemeinen und
im beſonderen bemerkbar machten, volles Lob zuteil wer=
den
laſſen. Die Titelpartie ſang wieder Fräulein
Geyersbach, die trotz einer nicht zu verkennenden
vorübergehenden ſtimmlichen Ermüdung ihre Aufgabe
glänzend löſte. Neu war Herr Globerger als Wil=
helm
, der die Partie mit friſcher und ſchöner, in der
Höhe wundervoll mühelos ausgebender Stimme und ge=
ſangstechniſch
ſehr löblich, faſt ſo ſchön, wie ſeinerzeit
Herr Wolff, ſang. Nur dem Spiel fehlen noch Impuls
und Leben. In der geſanglich ſchwierigen Partie der
Philine bewährte ſich Frau Kallenſee als taktfeſte
und routinierte Sängerin, wenn ihr auch in der Polacca
einem etwas wunderlichen, im Grunde wohl inſtrumental
gedachten Geſangsſtück nicht alles nach Wunſch gelang.
In ihrem Spiel fiel die im Vergleich zu dem der frühe=
ren
Vertreterinnen weit ausgeprägtere und reicher
nuancierte, dem Charakter der Rolle entſprechende
Charakteriſtik der gefährlichen Kokette ſehr angenehm auf
Herrn Sempers empfindungsvoll und ſchön ge=
ſungenen
Lotharios haben wir ſchon früher mit Worten
verdienten Lobes gedacht. Herr Thomſen als Friedrich
vermied den Fehler der meiſten Darſteller dieſer Rolle,
in unſchöne Uebertreibungen zu verfallen. Herr Bern=
hardt
, dem die Rolle des Laertes zugefallen war,
blieb wegen zu raſchen Sprechens meiſtens unverſtänd=
lich
. Der Zigeunerführer Jarno fand in Herrn Schützen=
dorf
einen charakteriſtiſchen Vertreter.
Bei der Feuerſzene im zweiten Akte ging es diesmal
etwas unnatürlich ruhig auf der Bühne zu: das frühere
bewegtere und realiſtiſchere Szenenbild gefiel uns beſſer.
Die Vorſtellung endete ſtatt um 10 Uhr erſt um ¾11 Uhr.

Feuilleton.

* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Aus Bäy=
reuth
ſchreibt das Bayreuther Tagblatt: Herr Karl
Kittel, der ſeine Kapellmeiſterſtelle in Darmſtadt ver=
laſſen
hat, um ganz in den Dienſt des Hauſes Wahnfried
und des Feſtſpielunternehmens zu treten, wo er als ſtän=
diger
Lehrer und Vermittler von Wagners großen Ge=
danken
ein Stück der Seele des Ganzen geworden iſt, hat
im Drange nach weiterer künſtleriſcher Betätigung, nicht
genug an ſeinem Amte und der dankenswerten Schöpfung
der Kinderchorſchule, in ſchöner Mitteilſamkeit unſer
Muſikleben durch ein Konzert bereichert und verſchönt,
das zu dem Großartigſten gehört, was ſeit Jahren hier
geboten worden iſt. Die geſamte muſikaliſche Welt Bay=
reuths
war in feſtlicher Stimmung im Sonnenſaal er=
ſchienen
, und ſie weiß es dem Hauſe Wahnfried Dank,
daß es die Verwirklichung dieſes Konzertes fördern ge=
holfen
. Ließ uns doch dies Konzert gleichſam einen Blick
tun in die hohe heilige Werkſtatt, in der im Stillen an
den kommenden Feſtſpielen gearbeitet wird. Mitwirkende
waren Herr Bennett Challis und Agnes Hanſon, eine
hochbegabte Schülerin der Materna und Ellen Gulbranſon.
Als Zwiſchenſpiel bot Graf Gilbert Gravina eine Suite
im alten Stil von E. Kronke. Kapellmeiſter Karl Kittel
begleitete an einem ganz vorzüglichen Steingräberſchen
Orcheſterflügel als glänzender Pianiſt ſämtliche Soliſten.
Ihm haben wir nicht nur für das Unternehmen dieſes
Konzertes und ſeine Durchführung nach außen, ſondern
vor allem für die innerliche künſtleriſche Durcharbeitung
des Ganzen reichen Dank abzutragen. Iſt er doch jetzt
der künſtleriſche Lehrer ſowohl von Agnes Hanſon wie
auch von Bennett Challis. Möge der glänzende Beſuch
des Konzertes und der begeiſterte Beifall, der allen Vor=
tragenden
mit Recht geſpendet wurde, zur gegebenen Zeit
dieſem erſten Konzert Kittel ebenbürtige Nachfolge veran=
laſſen
.
Eine literariſche Entdeckung, Aimée de
Coigny, die ſpätere Herzogin von Fleury, die durch die
berühmte, an ſie aus dem Gefängnis gerichtete Elegie
André Chéniers La jeune Captive unſterblich geworden
iſt, war ſelbſt dichteriſch tätig, aber von dem Roman, den
ſie geſchrieben, war der Nachwelt bisher nur der Titel

[ ][  ][ ]

Vereins der Polizeidiener des Kreiſes Bens=
heim
ſtatt, die ſehr zahlreich beſucht war.
Offenbach, 9. Dez. Von einem ſchweren Schickſals=
ſchlag
wurde geſtern die Witwe Thereſia Platt
die am Wilhelmsplatz 7 im Hintergebäude wohnt, betroſ=
fen
. Als ihre Tochter Eliſabeth Platt, die in
der Zelluloidwarenfabrik von Kohl u. Wengenroth be=
ſchäftigt
war, geſtern nachmittag in der Waſchküche des
Hauſes mit Waſchen beſchäftigt war, kam ſie aus Unvor=
ſichtigkeit
dem Schürloch zu nahe, ſo daß die Klei=
der
Feuer fingen und das Mädchen im Nu in
hellen Flammen ſtand. Lichterloh brennend, eilte ſie in
den Hof, und auf ihre gellenden Hilſerufe ſchütteten die
Bewohner des Hauſes Waſſer auf die Unglückliche. Als
die Rettungswache erſchien, war das Mädchen, das am
ganzen Leibe entſetzliche Brandwunden
erlitten hatte, bereits ohnmächtig, ſo daß ſie mit dem
Krankenwagen in das ſtädtiſche Krankenhaus geſchafft
werden mußte, wo ſie in der vergangenen Nacht ihren
ſchweren Verletzungen erlag. Der ſchwer=
geprüften
Familie wendet ſich allgemeine Teilnahme zu,
zumal die Verunglückte ein braves, arbeitſames Mäd=
chen
war.
Neu=Iſenburg, 9. Dez. Der Starkenburger
Geflügelzüchter=Verband hielt geſtern hier
ſeine diesjährige Hauptverſammlung ab, die aus
allen Teilen der Provinz ſtark beſucht war. Der Verband
zählt gegenwärtig 58 Vereine mit rund 1600 Mitgliedern.
Im letzten Jahre wurde dem Vogelſchutz beſondere Sorg=
falt
gewidmet. Der Kaſſenbericht weiſt einen Ueberſchuß
von 346 Mark auf. Man beſchloß, tunlichſt im Anſchluß
an die politiſche Kreiseinteilung der Provinz, den Ver=
band
in Untergruppen zu zerlegen. Ebenſo ſoll der Er=
richtung
von Zuchtſtationen beſondere Aufmerkſam=
keit
gewidmet werden.
Mainz, 9. Dez. Der Bürgerverein Weiſenau
hatte eine öffentliche Verſammlung in die Turnhalle ein=
berufen
, deren überaus zahlreicher Beſuch bewies, daß
man der Eingemeindungsfrage, welche als ein=
tziger
Punkt auf der Tagesordnung ſtand, großes Inter=
eſſe
entegenbringt. Gemeinderat Neidecker betonte
unter anderem, wie ganz unverhofft im Frühjahr dieſes
Jahres die Eingemeindungsfrage dadurch entſtanden ſei
daß der Bürgermeiſter mitteilte, daß Ingenieur Raupp
vom Städtiſchen Gaswerk das Gas billiger angeboten
habe, als in Weiſenau die Selbſtkoſten betragen. Hierauf
fiel die Aeußerung, dies ſei ja der erſte Schritt zur Ein=
gemeindung
. In dieſer Sitzung wurde auch die ſogen.
Eingemeindungskommiſſion gewählt. Die Angelegenheit
ſei wieder ins Rollen gekommen, als im Anfang Novem=
ber
der Bürgermeiſter dem Gemeinderat einen von der
Bürgermeiſterei geſchickten Vertragsentwurf vorlegte
welcher als Datum den 8. Auguſt trug. Der Bürgerver=
ein
, der in einem Flugblatt als Gegner der Eingemeind=
ung
angefeindet werde, ſei der letzte, der Nein ſage, wenn
bewieſen würde, daß die Vorteile die Nachteile für die
Gemeinde überwiegen. Redner wies durch Zahlen eine
ganz bedeutende Mehrbelaſtung nach, welche durch Be=
rechnung
der Straßen= und Kanalbaukoſten entſtehen, und
meinte zum Schluſſe, daß Weiſenau ſo geſtellt ſei, daß es
mit der größten Ruhe ſich die Sache überlegen könne.
Nach längerer Ausſprache kam folgende Reſolution
zur einſtimmigen Annahme: Die heute in der Turnhalle
tagende, von über 500 Bürgern beſuchte Verſammlung,
hält den Zeitpunkt für eine Eingemeindung für noch nicht
gekommen und iſt der Anſicht, daß der Gemeinderat die
Vorteile und Nachteile genau zu prüfen hat und das End=
reſultat
dieſer Verhandlungen, vor einer eventuellen Ver=
tragsausfertigung
, den Bürgern in einer öffentlichen Ver=
ſammlung
, welche durch den Bürgermeiſter einzuberufen
iſt, bekannt geben ſoll.
Worms, 9. Dez. Vorgeſtern wurden ein 28 Jahre
alter aus Hamm, Kreis Worms, gebürtiger Invalide
und ein 39 Jahre alter Taglöhner aus Biblis beide
hier wohnhaft, ermittelt, die ſich gemeinſchaftlich mit un=
befugter
Jagdausübung befaßt haben. Bei
einer Hausſuchung wurde ein friſch erlegter Haſe, ein
Haſenbraten im Topf, ein Flobert und ſonſtige Gegen=
ſtände
vorgefunden und beſchlagnahmt. Strafverfahren
ißt eingeleitet.
Oppenheim, 8. Dez. Der Weinbauverein der
Provinz Rheinheſſen hielt im Hilbigſchen Saale eine
Verſammlung ab, die auch aus den Nachbarorten
Nierſtein, Guntersblum, Derheim, Dalheim u. a. ſehr gut
beſucht war. Den Vorſitz führte Weingutsbeſitzer Senfter
der nach der Begrüßung Herrn C. Sittmann das Wort
Zu einem Vortrag über das Thema Hat der Weinbau
Rheinheſſens durch das Weingeſetz von 1909 dauernd
wirtſchaftliche Vorteile zu erwarten? erteilte. Herr S.
gab einen Rückblick auf die Entſtehung des Weingeſetzes.
Jetzt, nachdem das Geſetz eine Reihe von Jahren in Wirk=
ſamkeit
iſt, ſind viele Gegner zu Freunden geworden. Die
übermäßige Konkurrenz der Moſelweine, der Weine aus
der Pfalz und Elſaß=Lothringen iſt durch das Weingeſetz
auf ihr richtiges Maß zurückgeführt worden. Die räum=
liche
und zeitliche Begrenzung und die Buchkontrolle

haben dazu geführt, daß gerade die mittleren und kleine=
ren
Weine Rheinheſſens lohnend abgeſetzt werden können.
Um auch der Konkurrenz der ausländiſchen Weine beſſer
entgegenzutreten, wäre es nötig, daß auch für den Ver=
ſchnitt
mit ausländiſchen Weinen der Deklarationszwang
eingeführt werde. Nach Ablauf der derzeitigen Handels=
verträge
wird der Weinbauverein der Provinz Rhein=
heſſen
hierzu Stellung nehmen. Weſentlich dazu beige=
tragen
, daß die rheinheſſiſchen Weine einen immer grö=
ßeren
Kreis von Konſumenten ſich erwerben, hat die
rührige und geſchickte Propaganda des Weinbauvereins.
Das von ihm herausgegebene Buch Die Rheinweine
Heſſens hat ſogar die Anerkennung des öſterreichiſch=
ungariſchen
Miniſteriums gefunden, das beabſichtigt, für
die öſterreichiſche Monarchie die Herausgabe eines ähn=
lichen
Buches zu veranlaſſen. Der Weinbauverein iſt auch
jetzt wieder tätig, damit nicht, wie bisher, für die Kran=
ken
ausſchließlich ausländiſche Weine, ſondern unſere
guten, alten, abgelagerten Rheinweine verordnet wer=
den
. Mit der Verſicherung, daß wie bisher auch in Zu=
kunft
der Weinbauverein alles, was in ſeinen Kräften
ſtehe, zur Förderung des rheinheſſiſchen Weinbaues tun
werde, ſchloß der Redner ſeinen mit viel Beifall aufge=
nommenen
Vortrag. Eine Ausſprache ſchloß ſich an.
Eich, 9. Dez. Ein Schadenfeuer entſtand in der
Albrechtſchen Hofreite. Die Scheuer war in Brand ge=
raten
; da dieſe mit vielen Erntevorräten gefüllt war, ſo
ſtand ſie bald in hellen Flammen. Die Feuerwehr war
bald zur Stelle, jedoch brannte die Scheuer mit allen Vor=
räten
vollſtändig nieder. Die Feuerwehr konnte nur mit
großer Mühe die bedrohten Wohnhäuſer retten. Die Tiere
konnten gerettet werden, nur etliche Hühner kamen in den
Flammen um.
Gießen, 9. Dez. Der bereits berichtete Unglücks=
fall
trug ſich nach den Ermittelungen des Großh. Poli=
zeiamtes
folgendermaßen zu: Das Geſchäftsautomobil
des Gießener Anzeigers hatte auf einer ſeiner regelmäßi=
gen
Fahrten zum Bahnhof einen vom Bahnhof kommen=
den
Bagen der elektriſchen Straßenbahn paſſiert und
fuhr nach der Vorſchrift auf die rechte Seite der Straße
ein, alſo auf das Schienengleis. An der anderen Seite
der Straße ſtand das Automobil des Fabrikanten Kreu=
ter
; es war etwas von dem Rand der Fahrbahn entfernt,
doch war zwiſchen ihm und dem anderen Auto ein Zwi=
ſchenraum
von drei Metern, ſo daß für einen Radfahrer
eine Durchfahrt leicht möglich war. Auch dieſes Auto
hatte der Wagen des Gießener Anzeigers ſchon paſſiert,
als ein Radfahrer in ſcharfem Tempo ihm innerhalb der
Schienen entgegenkam. Als der Radfahrer noch einige
Meter von dem Auto entfernt war, verlor er offenbar die
Gewalt über ſein Rad. Der Führer des Autos, ein
älterer, ruhiger Mann, bremſte ſcharf, ſodaß der Wagen
ſofort ſtand; er konnte aber den Zuſammenſtoß nicht
mehr verhindern. Der Radfahrer fuhr direkt ſchräg in
das Auto hinein, und der Zuſammenſtoß war ſo heftig,
daß der Radfahrer, ein Poſtbedienſteter namens Waſſem,
mit dem Kopf gegen die Schutzſcheibe flog
ſo daß dieſe zertrümmert wurde und der Verunglückte
einen Schädelbruch und ſonſtige Kopfverletzungen erlitt
Er fiel in weitem Bogen ſchräa rückwärts auf den Bür=
gerſteig
. Die ſofort herbeigeeilten Aerzte fanden ſeinen
Zuſtand hoffnungslos, ordneten aber dennoch
ſeine Ueberführung in die Klinik an. Hier iſt der Ver=
letzte
bald geſtorben. Nach den Feſtſtellungen
des Polizeiamtes trifft den Verſtorbenen allein die Schuld
an dem Unglück.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 8. Dez. K ön i
Manuel von Portugal, der, auf der Durchreiſe
begriffen, ſich in Berlin aufhält, war heute beim Kaiſer=
paar
zur Mittagstafel geladen. Aus Winnipeg wird
dem Berliner Lokalanzeiger gemeldet: Die Verhaftung
des Berliner Bankräubers Bruning und ſeines
Helfershelfers Bermann erfolgte Freitag mittag auf dem
Poſtamte in dem Augenblick, in dem ſie einen eingeſchrie=
benen
Brief aus der Heimat abholen wollten. Der Brief
enthielt 50000 Mark und trug den von Bruning angenom=
menen
Namen Mechtelsheimer. In dem mit Bruning
verhafteten Bermann vermutete man anfangs den Ber=
liner
Bankdefraudanten Léon Zebell. Bermann konnte
ſein Alibi nachweiſen. Er hatte, als die Unterſchlagung
in Berlin verübt wurde, bereits längere Zeit auf einer
Farm in Manitoba gearbeitet. Das Polizeibezirks=
amt
Berlin=Mitte, das die ganze Unterſuchung vom erſten
Tage an bis heute leitete und nach unſäglichen Mühen
und ungeheurer Arbeit ſchließlich doch den Erfolg davon=
getragen
hat, ließ noch geſtern durch das Auswärtige
Amt an die Kanadiſche Regierung das Erſuchen um Aus=
lieferung
des verhafteten Verbrechers ſtellen. Die Nach=
grabungen
in Engter wurden geſtern den ganzen Vor=
mittag
über fortgeſetzt, mußten aber ſchließlich als erfolg=
los
aufgegeben werden. Ein 20jähriger Stallſchwei=
zer
ſtand auf dem Gerüſt und holte aus einer Scheune

Getreidegarben herunter. Plötzlich glitt er ab und ſtürzte
in eine Heugabel, deren Zinken ihm Herz und Lunge
durchbohrten. Der Tod trat alsbald ein. In den
letzten Tagen wurde nachts wiederholt auf Militär=
poſten
die auf den Wällen der Munitionsanſtalt in
der Jungfernheide patroullierten, von unbekannten Leu=
ten
Revolverſchüſſe abgegeben, die ſtets ihr Ziel
verſehlten. Wer als Täter in Frage kommt, konnte nock
nicht ermittelt werden. Man rechnet auch damit, daß
von irgend einer intereſſierten Stelle ein Attentat gegen
die in der Munitionsanſtalt aufgeſtapelten Pulvervor=
räte
geplant wird. Militärverwaltung und Kriminal=
polizei
haben umfaſſende Vorkehrungen getroffen, um
weitere Attentate zu verhindern und die Täter zu ver
haften.
Frankfurt a. M., 8. Dez. Die letzte Woche der
Sarraſani=Saiſon iſt gekommen, und damit iſt
der Zuſtrom zu dem Rieſenunternehmen in Frankfurt am
Main noch angewachſen. Nachmittagsvorſtellungen finden
am Mittwoch, Samstag und Sonntag ſtatt und zwar bei
vollem und ungekürztem Abendprogramme. Nachmittags
zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preiſe. Am Mitt
woch nachmittag erhält außerdem jedes Kind, das den
Zirkus beſucht, mehrere der jetzt ſo beliebten Siegel=
marken
gratis.
Aſchaffenburg, 9. Dez. Im benachbarten Faulbad
ſpielten geſtern abend ſieben Mädchen im Alter von acht
bis 12 Jahren auf einem zugefrorenen Waſſer=
bau
des Mains. Die nur 2 Zentimeter dicke Eis=
decke
brach durch und ſämtliche Mädchen fielen ins Waſſer,
ſich in ihrer Todesangſt aneinander klammernd. Sechs
Mädchen ertranken und wurden bald darauf die
Leichen geborgen, das ſiebente Mädchen wurde von ſeinem
Bruder gerettet.
Aſchaffenburg, 9. Dez. Wie die Aſchaffenburger Ztg=
meldet
, iſt bei dem Königl. Bayr. zweiten Jägerbataillon
eine gefährliche Influenza=Epidemie ausgebro=
chen
. Bis jetzt ſind 40 Mann erkrankt.
Marburg, 9. /Dez. Bei Cölbe geriet ein Auto ins
folge einer plötzlichen Exploſion in Brand und wurde
völlig zerſtört. Der Chauffeur konnte ſich retten. Paſſas
giere hatten ſich nicht in dem Wagen befunden.
Frankfurt a. O., 8. Dez. Der Frankfurter Oder
zeitung zufolge verbrannten in der vergangenen
Nacht bei dem Brand einer Scheune zwei Menſchen.
Es handelt ſich anſcheinend um Obdachloſe, die in der
Scheune nächtigten.
Mailand, 8. Dez. Die Gruft des Hauſes Sah
voyen auf dem Superga=Hügel bei Turin wurde ver
gangene Nacht von Dieben erbrochen. In de
Krypta öffneten die Diebe das Grab der Herzogin Eliſas
beth von Genua, das erſt proviſoriſch vermauert war, da
die Herzogin vor kaum vier Monaten geſtorben iſt. Die
Deckel der drei Särge, welche die Herzogin umſchließen,
wurden geſprengt und der Leichnam ſeines Schmuckes,
nämlich der Ohrringe und des Perlenhalsbandes be=
raubt
. Die Tat erregt ungeheures Aufſehen. Es
wurde ſchon feſtgeſtellt, daß die Bewachung der Superga=
Gruft ganz ungenügend war. Von den Dieben fehlt jede.
Spur.
Paris, 8. Dez. Ueber die an den Keſſelröhrer
des Jean Barth verübte Sabotage wird gemeldet,
daß die Unterſuchung ergeben habe, daß auch noch andere
Röhren durchlöchert worden waren. Die Urheber der
Sabotage konnten bisher nicht entdeckt werden. Den
Temps meint, man brauche ſich über derartige Vorkomm=
niſſe
nicht zu wundern, da im Arſenal an 50 bekanns
Anarchiſten und Antimilitariſten beſchäftigt werden.
Paris, 9. Dez. Mehreren Blättern wird aus Toulon
gemeldet: Der bei der Pulverkammer des Panzer=
ſchiffes
Patrie aufgeſtellte Wachtpoſten vernahm Sams=
tag
nacht ein verdächtiges Kniſtern. Er ſchlug Lärm und
ein Offizier ſtellte feſt, daß mehrere Pulverkiſten ſich in=
folge
von Gasentwickelungen zu wölben begonnen
hatten. Die verdächtigen Pulvervorräte wurden ſofort
an Land geſchafft.
Madrid, 8. Dez. Geſtern abend ſtieß das Auto=
mobil
des Unterrichtsminiſters in der Nähe
von Madrid mit einem anderen Gefährt zuſammen. Der
Miniſter wurde auf die Straße geſchleudert. Er blieb
mit einem gebrochenen Arm und Schnittwunden im Ge=
ſicht
am Wege liegen und wurde erſt nach einer Stunde
aufgefunden und in ſeine Wohnung gebracht.
London, 9. Dez. Dem Lloyds Office wurde geſtern
mitgeteilt, daß der Transportdampfer Maure
tania auf der Ueberfahrt einen Unfall erlitten hätte
doch konnte bisher keine nähere Auskunft eingezogen wer=
den
. Wahrſcheinlich aufgrund dieſer Nachricht gin
geſtern abend in Paris das Gerücht, daß die Maure=
tania
inmitten des Ozeans geſunken ſei. Da der Dampfer
Liverpool erſt am Freitag nachmittag verlaſſen hat,
konnte er ſich noch nicht inmitten des Ozeans befinden.
Geſtern morgen wurde er nun in Roches Point ſignali=

Alvare bekannt. Das Buch wurde nur privat gedruckt
und zwar in nicht mehr als 25 Exemplaren. Es galt für
verſchollen und unauffindbar, und keiner der Verehrer der
ſchönen Heldin des ſchönſten Gedichtes, das dem großen
franzöſiſchen Lyriker gelungen, konnte etwas über den In=
halt
erfahren. Nun hat ein Bibliophile Marcel Duchemin
einen unverhofften Glücksfund getan. Als das Schloß
Aimée de Coignys vor einer Woche verkauft wurde
forſchte er in den Rumpelkammern nach alten Büchern
und fand vergraben unter Staub fünf nagelneue Exem=
plare
des ſo lange vergeblich geſuchten Romans Alvare‟
Er hat ſo nicht nur eine intereſſante literariſche Entdeck
ung, ſondern auch ein bedeutendes Wertobjekt gewonnen,
denn andere Bibliophilen werden ihm dieſe Seltenheit
erſten Ranges mit Gold aufwiegen.
Aus Graz wird gemeldet: Der Verein Südmark
eröffnet gegen das am 16. Dezember ſtattfindende Konzert
des Geigers Kubelic eine Boykottbewegung, da
Kubelic ein begeiſterter Tſcheche ſei und aus dem Erträg=
nis
ſeiner Konzerte alljährlich ſowohl dem Tſchechiſchen
Schulverein, als auch ſonſtigen Körperſchaften reichliche
Unterſtützung zufließen laſſe.
) Von der geſundheitsſchädlichen Herrenkleidung.
Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit haben Huſten und
Schnupſen wieder ihre Herrſchaft angetreten, und es ſind
nur wenige Glückliche, die dem grimmen Deſpoten nicht
ihren Tribut zu entrichten haben. Nach den Auskünften,
die eine Reihe angeſehener Aerzte dem Berichterſtatter
eines Londoner Blattes über das zeitgemäße Kapitel der
Erkältungskrankheiten gegeben, ſind die Vertreter des
ſchönen Geſchlechts in dieſen böſen Zeitläuften ungleich
beſſer daran als die Herren der Schöpfung, und zwar aus
dem Grunde, weil letztere durch ihre geſundheitswidrige
Kleidung gegen die ſchädlichen Einflüſſe des Wetters un=
zulänglich
verteidigt werden. Eine zweckentſprechende

Reform iſt nach Anſicht der befragten mediziniſchen Sach=
verſtändigen
dringend von Nöten. In erſter Linie für
die Weſte, die jedenfalls im Rücken aus demſelben ſtar=
ken
Stoff gearbeitet werden ſollte, wie an der Vorder=
ſeite
. Die lange Hoſe wird von der ärztlichen Wiſſen=
ſchaft
, die ſich hier mit der äſthetiſchen Forderung im Ein=
klange
befindet, ganz und gar abgelehnt. Ste ſoll durch
die Kniehoſe erſetzt werden, die hygieniſcher iſt, dem Kör=
ver
freiere Bewegung geſtattet und damit eine beſſere
Blutzirkulation ermöglicht. Unter den Anklagen, die ge=
gen
die lange Hoſe erhoben werden, figuriert in erſter
Reihe jene, daß ſie, wenn ſie unten naß wird, den Knö=
cheln
ihres Trägers Feuchtigkeit überträgt, die ihm des
öfteren zum Schnupfen verhilft. Auf den Ausſterbeetat
gehört auch der Kragen der die Blutzirkulation hemmt
und ſo der Erkältung günſtige Vorbedingungen ſchafft.
Kragen und feſtgeknüpfte Krawatten bedingen aber noch
eine andere ernſte Gefahr. Sie beſchleunigen das Er=
grauen
der Haare, die Kahlköpfigkeit und all die anderen
unerquicklichen Begleiterſcheinungen der entſchwindenden
Jugend. Was die ſteifen Hüte anbetrifft, ſo erklären
die engliſchen Aerzte ſie geradezu für eine Verirrung:
ſie ſperren den armen Kopf in ein hermetiſch geſchloſſenes
Fellgefängnis ein, behindern den Blutkreislauf, erzeugen
Schnupfen, bahnen der Kahlköpfigkeit den Wleg und er=
regen
Kopfſchmerz. Wenn man ſich daher gegen Erkäl=
tungskrankheiten
mit faſt unfehlbarer Sicherheit ſchützen
will, ſoll man die langen durch kurze Hoſen erſetzen, Kra=
gen
und Krawatten von ſich werfen und den Hals wie die
Matroſen der Luft freigeben, auf die Weſten tunlichſt
zugunſten des Sweater verzichten, oder wenn man der
Taſchen durchaus nicht entraten kann, einen Weſtengürtel
tragen, und ſo bekleidet, ſich der Leibesübung
befleißigen. Wie die engliſchen Sachverſtändigen weiter
ausführen, paßt ſich das weibliche Koſtüm der kalten
Jahreszeit viel beſſer an. Die Kleider ſind leichter, ge=
ſtatten
den Gliedern freiere Bewegung worüber ſich

wohl noch ſtreiten läßt
und laſſen an den Körper=
ſtellen
, die es am nötigſten haben, der Luft freien Zutritt
zur Haut. Dazu kommt noch, daß die Frauen von ihrer
Mutter Eva her den Vorteil einer dickeren Fettunterläg
unter der Haut beſitzen, ein Vorteil, der den Männern ab=
geht
, und zu dem ihnen auch kein Schneider mehr ver=
helfem
kann.
Der Herrenreiter als Kläger. Ein Pariſer Ge
richtshof hat ſoeben in einem ſehr wunderlichen Fall, der
wahrſcheinlich in der Prozeßgeſchichte einzig daſteht, ein
ſalomoniſches Urteil gefällt. Vor einigen Jahren ritt ein
Herrenreiter in einer wichtigen Steeplechaſe in Douai und
ſtürzte mit ſeinem Pferd beim letzten Hindernis. Kaum
hatte der Sportliebhaber das Krankenhaus verlaſſen, in
dem er wegen eines Beinbruchs mehrere Monate gelegen,
als er nichts eiligeres zu tun hatte, als den Beſitzer des
Pferdes einen guten Freund, auf Schadenerſatz zu ver=
klagen
und zwar forderte er das hübſche Sümmchen rrn
160009 Mark. Nach der Ueberwindung von mancherlei
Hinderniſſen kam es auch wirklich zur Verhandlung, aber
das Gericht bezeigte genügend ſportsmänniſchen Sinn, um
den Kläger abzuweiſen. In der Begründung des Ge=
richtsurteils
finden ſich folgende intereſſante Sätze: Der
Herrenreiter beſitzt in der Hierarchie des Sportes einen
höheren Rang als der bezahlte Jockei; obwohl er keine
Vergütung in Geld empfängt, findet er doch eine nichs
geringere moraliſche Entſchädigung in dem Ruf, den er=
durch
ſeine Erfolge erringen kann, und dieſer Ruf kann
ihm ſehr greifbare Vorteile für die Zukunft gewähren;
der Rennreiter iſt über die Gefahren, die ſeiner harren
genau unterrichtet, wenn er ſich verpflichtet, ein beſtimm=
tes
Pferd zu reiten, und endlich iſt die Klage auch des=
wegen
abzuweiſen, weil eine Verurteilung des Beklagten
das Verſchwinden aller Herrenreiter zur Folge haben
würde‟
Jedenfalls wird dieſes Urteil aber weniaſtens
das Verſchwinden eines Herrenreiters zur Folge haben-

[ ][  ][ ]

tert. Um halb 9 Uhr vormittags ſoll er ſich 180 Meilen
von Faſtuet befunden haben.
Glasgow, 7. Dez. Wilde Szenen ſpielten ſich am letz=
ten
Donnerstag in dem Univerſitätsgebäude ab gelegent=
lich
der Inſtallierung von Mr. Birrell zum Lord Rektor=
Die Zeremonie fand in der St. Andrew=Halle ſtatt und
tahezu 5000 Perſonen hatten ſich eingefunden. Kaum
hatte Mr. Birrell ſich erhoben, um ſeine Rede zu halten,
als auch ſchon eine Frau in der Nähe der Redner=
ribüne
aufſprang und ſchrie: Warum gebt Ihr den
Frauen das Stimmrecht nicht? Sie wurde ſofort aus
dem Saal hinausgeworfen. Ein paar Minuten
darauf gab es eine neue Unterbrechung von einer anderen
Seite der Halle und auch dieſe Dame wurde von den
Saaldienern, die in großer Zahl im ganzen Saale zu
ſehen waren, nicht gerade ſanft an die Luft befördert.
Die Unterbrechungen dauerten geraume Zeit an und ver=
hältnismäßige
Ruhe trat erſt ein, nachdem im ganzen
ünf Frauen aus dem Zuhörerraum geſchafft waren.
Dann konnte Mr. Birrell in ſeiner Rede fortfahren. Bei
jeder Unterbrechung gab es natürlich im Saale mäch=
tigen
Aufruhr. Studenten ſchrien hurra, pfiffen und
lärmten. Später verſammelten ſich die Studenten und
zogen in langer Prozeſſion nach den Bureauräu=
men
der Suffragetten=Vereinigung, um
dort wegen der Unterbrechung Rache zu üben. Mit Stei=
ten
und Knüppeln demolierten ſie ſämtliche Räume. Die
Polizei griff ein und verhaftete zwei der Studenten.
Dieſe Exzeſſe der Studenten ſind natürlich ebenſo ſehr
zu verurteilen wie die der Suffragetten.
Petersburg, 8. Dez. Der Zarewitſch Alexei
nachte geſtern eine zweite Spazierfahrt in den Park von
arskoje Sſelo. Er ſah munter aus. Seit kurzem iſt zur
Behandlung der bekannte Chirurg Prokeſſor Wreden hin=
ugezogen
. Die Zarenfamilie bleibt bis Mitte April in
arskoje Sſelo, woran ſich ein längerer Aufenthalt in der
krim ſchließt.
Tunis, 7. Dez. Ein großer Prozeß wird ſich in
en nächſten Tagen vor dem Zivilgericht in Tunis ab=
pielen
. Der Anwalt der einen Partei heißt Gruppi. Es
indelt ſich dabei um 320 Millionen Francs, die
dem General Tahar Ben Ayed von der tuneſiſchen
egierung beanſprucht werden. Der Prozeß geht bis auf
as Jahr 1856 zurück, wo der Kaiſer Napoleon III. von
em regierenden Fürſten von Tunis eine Entſcheidung
wiſchen ihm und dem General Tahar Ben Ayed erbat.
dies war der Günſtling des Sultans, und man machte
hm zum Vorwurfe, bedeutende Summen im Amt unter=
chlagen
zu haben. Der Richterſpruch des Kaiſers von
Frankreich verurteilte den General zu einer Zahlung von
3 Millionen an die tuneſiſche Regierung, abgeſehen von
den Summen die ſich noch weiter bei der Regelung der
Rechnungen herausſtellen ſollten. Als dieſe Entſcheidung
efallen war, floh der General Tahar Ben Ayed nach
Konſtantinopel wo er nach einiger Zeit ſtarb. Bei ſeinem
Tode hinterließ er mehrere Kinder. Einer ſeiner Söhne
verklagte die tuneſiſche Regierung vor dem franzöſiſchen
Bericht auf 36 Millionen. Bei mehreren Gerichtshöfen
vurde ſeine Klageforderung zurückgewieſen, und man
hörte lange nichts mehr von dieſer Sache. Im Jahre
08 klagte er nochmals vor dem Zivilgericht in Tunis
tf eine Summe von 300 Millionen. Bei der jetzigen
klage handelt es ſich für die Erben um die Feſtſtellung
vieſo ſie die früher geforderte Summe ſchuldig ſein ſollen.

ur Vorlage über die Beamtens
und Lehrergehalte.

ingt auch die Darmſt. Ztg. einen längeren einführenden
rtikel, der im weſentlichen das geſtern von uns Mit=
eteilte
beſtätigt. Zur Ergänzung unſerer Mitteilungen
ttnehmen wir dem Regierungsorgan noch folgendes:
Gegen den Geſetzentwurf über den
Wohnungsgeldzuſchuß
m 30. März 1912 war in den Kammern das Bedenken
rhoben worden, daß die Spannung der Wohnungsgeld=
itze
zwiſchen Stadt und Land zu groß ſei. Von einigen
eiten forderte man, daß der Unterſchied im Wohnungs=
eld
zwiſchen Stadt und Land, und damit in der prak=
iſchen
Wirkung wenigſtens das Wohnungsgeld als
lches beſeitigt würde, wie es Bayern getan hat. Der
eue Entwurf hält grundſätzlich an dem ſeither von der
tegierung und der Kammermehrheit vertretenen Stand=
unkt
feſt, daß das Wohnungsgeld örtlich zu differenzie=
en
iſt. Dies geſchieht in allen Staaten, die Wohnungs=
ld
gewähren, außer in Bayern. Die großen Unter=
hiede
des tatſächlichen Mietaufwands rechtfertigen und
rfordern es. Es ſind, wie ſtatiſtiſch feſtgeſtellt und dem
Finanzausſchuß auch mitgeteilt wurde, nicht ſehr viele
Zeamte, die auf dem Lande ihre Kinder auswärts in
Schulen ſchicken müſſen, alſo unter der verteuerten Kin=
ererziehung
zu leiden haben, die für die Forderung glei=
er
Wohnungsgeldzuſchüſſe geltend gemacht wurde.
dagegen leidet eine überwiegende Mehrzahl von Beam=
en
, vor allem auch von Unterbeamten, unter den drückend
ohen ſtädtiſchen Mieten. Trotz dieſes grundſätzlichen
Standpunkts will jedoch der neue Entwurf den Bedenken
jegen eine zu ſtarke örtliche Differenzieruna im Woh=
ungsgeld
weitgehend entgegenkommen, und zwar in
veifacher Hinſicht: Einmal werden die Orte anders und
ür die Landorte weſentlich aünſtiger gruppiert, ferner
ollen in den ländlichen Ortsklaſſen höhere Anteile des
Nietaufwands durch das Wohnungsgeld erſetzt werden,
ls in der Stadt. Die Klaſſe III umfaßt nur noch die
igentlichen Landorte. In dem früheren Geſetzentwurf
ellte in allen Orten der Wohnungsgeldzuſchuß 3
es tatſächlichen Mietaufwands der Beamten dar. Jetzt
vird vorgeſchlagen, nur in der Ortsklaſſe I durch ihn ¾
r durchſchnittlichen Mieten zu erſetzen, in der Orts=
laſſe
II dagegen 8590 Prozent. in Ortsklaſſe III 90
is 95 Prozent davon, alſo faſt den vollen Mietaufwand.
dadurch werden die Wohnungsgeldſätze in den Klaſſen II
ind III gegen die frühere Vorlage weſentlich erhöbt. Die
Spannung z B. zwiſchen den Ortsklaſſen I und III be=
ägt
bei den Unterbeamten ſtatt früher 150 Mark nur
noch 100 Mark. bei den mittleren Beamten ſtatt 180 Mk.
ur noch 120 Mark, bei den Akademikern ſtatt 330 Mark
tur noch 230 Mark, den höheren Beamten ſtatt 430 Mk.
tur noch 260 Mark. Zu dieſer Verbeſſerung aber kommt
ür viele Landorte die weitere und das iſt ſehr weſent=
ich
, daß ſie in die höhere Ortsklaſſe gehoben werden.
Von der Verbeſſerung in den Wohnungsgeldbezügen,
vie ſie im früheren Entwurf vorgeſchlagen war, ſind be=
kanntlich
für 1912 nur 90 Prozent bewilliat worden. Nach
den neuen Vorſchlägen erhalten die 1448 Beamten ohne
dienſtwohnung in Mainz. Offenbach. Darmſtadt und
Worms an Wohnungsgeld faſt genau ſo viel, wie ihnen
uf Grund der Bewilligung von 1912 zukam. Sie konn=
ten
zwar nicht verbeſſert, durften aber auch nicht verſchlech=
ert
werden. Dagegen verbeſſern ſich die 583 Beamten,
die auf dem Lande wohnen (Klaſſe III), gegen 1912 um

29350 Mark, 221 Beamte in den wichtigeren Landſtädten
(Klaſſe II) um 23050 Mark, die 443 Beamten in Gießen,
Bingen, Friedberg und Bad=Nauheim um 45750 Mark.
Zu dem Mehrbedarf gegen 1912 von rund 99000 Mark
an Wohnungsgeld kommt ein weiterer von 14000 Mark
aus dem vollen Wegfall der Dienſtwohnungsmieten, der
1912 auch nur mit 90 Prozent bewilligt war. Auch gegen
die Vorſchläge der früheren Vorlage verbeſſern ſich die
Beamten in den vorgenannten Orten etwa um die genann=
ten
Beträge, während für die Beamten in den großen
Städten das abgeſtrichene eine Zehntel nicht nachgefordert
werden konnte, wenn der Zweck, die Spannung zwiſchen
Stadt und Land zu vermindern, erreicht werden ſollte
Der Mehrbedarf gegen die frühere Vorlage ſtellt ſich auf
55300 Mark. Die Mehrforderungen gegen die frühere
Vorlage, wie die gegen 1912 kommt alſo den Beamten
zugute, die nicht in den größeren Städten wohnen. Die
Wohnungsgeldzuſchüſſe ſollen penſionsfähig werden mit
den Satzen der erſten Ortsklaſſe.
Der Geſetzentwurf über
die Beſoldungen der Staatsbeamten
bringt in beſonderer Anlage den neuen Gehaltstarif. In
der Vorlage vom 30, März 1912 war vorgeſchlagen, die
Gehalte prozentual zu erhöhen. Für 1912 waren 90 Pro=
zente
dieſer Zuſchläge bewilligt. Die neuen Gehaltsſätze
enthalten einmal die allgemeine Aufbeſſerung der Be=
amtengehalte
, ferner die Beſeitigung der Härten und Un
ſtimmigkeiten, die ſich in der alten Beſoldungsordnung
finden oder im Laufe der Jahre entſtanden ſind.
Für die Bildung der neuen Gehaltsſätze hatten, was
die allgemeine Aufbeſſerung anlangt, die prozentualen
Zuſchläge als Anhaltspunkte zu dienen, wie ſie in der
früheren Vorlage vorgeſehen und wie ſie für 1912 bewil=
ligt
waren, Durch Auf= und Abrunden dieſer Zuſchläge
fanden ſich die Grenzen für die Anfangs= und Endgehalte
in den einzelnen Gehaltsklaſſen. Die beſonderen Ver=
hältniſſe
der einzelnen Beamtenklaſſen, der Vergleich mit
anderen Staaten uſw. hatten gleichzeitig als Richtlinien
dafür zu dienen, wie die neuen Gehaltsſätze feſtzuſetzen
waren. Durch ſie konnten, wie dies ſchon bei den prozen=
tualen
Aufbeſſerungen vorgeſehen war, die Unterbeamten
im ganzen und namentlich in den Mittelgehalten denen
in anderen Staaten gleichgeſtellt werden, in den Anfangs=
gehalten
ſogar vielfach noch beſſer. Auch die mittleren
Beamten ſtehen, namentlich in den Durchgangsſtellen
denen in den übrigen Staaten im ganzen gleich. In der
Vollklaſſe, ſeither 20004000 Mk., künftig 21004400 Mk.,
bleiben ſie hinter den preußiſchen mittleren Beamten (2100
bis 4500 Mk.) nur im Endgehalt um 100 Mk. zurück. Die
akademiſchen Lokalbeamten dagegen (ſeither 28006000
Mark, künftig 30006500 Mk.) mußten auch jetzt nicht un=
weſentlich
hinter denen in anderen Staaten zurückſtehen;
im Endgehalt zum Beiſpiel hinter den preußiſchen, die
von 3000 und 3600 bis 7200 Mk. kommen, um 700 Mark.
Sie dieſen im Endgehalt gleichzuſtellen, würde einen
Mehraufwand von 350000 Mk. erfordert haben. Aehnlich
verhält es ſich mit den höheren akademiſchen Beamten.
Von Bedeutung in dem neuen Geſetzentwurf iſt, daß,
wie es im Reich und anderen Bundesſtaaten geſchieht,
nunmehr auch in Heſſen den Militäranwärtern
die Militär= und Marinedienſtzeit in beſtimmtem Umfang
bei der Anſtellung im Zivildienſt angerechnet werden ſoll.
Durch die Erhöhung der Gehalte konnten die ſeither
vielfach gewährten Nebenbezüge, Zulagen und dergl. in
größerem Umfange wegfallen. Dabei ſollen jedoch die
Beamten in ihren ſeitherigen Geſamtbezügen nicht ver=
ſchlechtert
werden, ſo daß eine Zulage immer nur in dem
Maße wegfällt, wie ſie durch den höheren Gehalt aus=
geglichen
wird.
Für die allgemeine Aufbeſſerung der Beamtengehalte
war in der früheren Vorlage ein Betrag von 998 957 Mk.
vorgeſehen. Bewilligt wurden für 1912 nach Abſtrich von
einem Zehntel 899061 Mk. Nach dem neuen Entwurf
werden erforderlich 942500 Mk. Von dem 1912 nicht be=
willigten
ein Zehntel, rund 99000 Mk., werden alſo
43 439 Mk. nachgefordert. Die Geſamtaufbeſſerung ſtellt
ſich danach 1912 auf 90 Prozent, nach der neuen Vorlage
auf 94,3 Prozent derjenigen, die früher vorgeſehen war.
Auf 100 Prozent zu gehen, war um deswillen nicht mög=
lich
, weil, wie oben gezeigt für das Wohnungsgeld mehr
erforderlich wird, um die ländlichen Wohnungsgeldſätze
näher an die ſtädtiſchen heranzubringen.
Der
Gefamtmehrbedarf
für die Neuregelung des Wohnungsgeldzuſchuſſes, Weg=
fall
der Dienſtwohnungsmieten und die allgemeine Ge=
haltsaufbeſſerung
, ſtellte ſich nach der früheren Vorlage
auf 1579631 Mk. Er betrua 1912 (nach Abſetzung von
ein Zehntel rd. 158000 Mk.) 1 421668 Mk., nach der
neuen Vorlage beläuft er ſich auf 1578 446 Mk. Die jetzige
Vorlage koſtet alſo faſt genau ſoviel, wie die frühere, da=
bei
allerdings rd. 56000 Mk. weniger an Gehalten und
den gleichen Betrag mehr an Wohnungsgeld. Sie erfor
dert gegen die Bewilligung 1912 rd. 157000 Mark mehr,
d. i. im ganzen das in der früheren Geſamtforderung ab=
geſetzte
eine Zehntel. Dieſe Mehrforderung gegen 1912
kommt aber, wie gezeigt, in geringerem Umfange den
Gehalten und in böherem dem Wohnungsgeld zugute,
und hier ausſchließlich den Beamten, die nicht in den
größeren Städten wohnen.
Zu dieſem Bedarf kommt noch ein Betrag von 236 200
Mark, der für die Beſeitigung von Härten und Unſtim=
migkeiten
in den ſeitherigen Gehaltsbezügen erforderlich
wird.
Nach dem Geſetzentwurf über die
Gehalte der Volksſchullehrer
ſollen die Gehalte für die Lehrer auf 14003400 Mk., für
die Lehrerinnen von 13002500 Mk. feſtgeſetzt werden.
Die Schulverwalter und =verwalterinnen erhalten 1000
Mark vor, 1100 Mk. nach beſtandener Schlußprüfung.
Die neuen Sätze erfordern einen Mehraufwand von
751952 Mk., gegen die vorläufige Regelung von 1912
einen ſolchen von rd. 140000 Mk. und ſtellen eine Verbeſſe=
rung
der Gehalte um 14,1 Prozent dar, während die
frühere Vorlage nur eine ſolche von 11 Prozent vorge=
ſehen
hatte. Die Gemeinden zu den Mehrkoſten heranzu=
ziehen
, wie früher in Ausſicht genommen, wurde vorläu=
ſig
nicht für notwendig gehalten.
In der Vorlage über
die Zivilliſte
wird der frühere und für 1912 ſchon gebilligte Vorſchlag
wiederholt, dieſe dauernd um jährlich 75000 Mk. zu er=
höhen
. Der Betrag ſoll dazu dienen, das Dienſteinkom=
men
der Hofbeamten und=Bedienſteten, ſowie die Bezüge
des Perſonals des Hoftheaters (ausgenommen des Solo=
Perſonals) und der Hofmuſik in ähnlicher Weiſe zu er=
höhen
, wie es für die Staatsbeamten und Lehrer vorge=
ſehen
iſt. Die beanſpruchten Mittel werden und ſollen
überwiegend dem gering beſoldeten Perſonal zugute
kommen.

Die ſämtlichen Mehrkoſten ſind in einem
Finanzplan
zuſammengeſtellt, welcher der Vorlage als beſondere An=
lage
beigegeben iſt. Hierin wird für eine längere Reihe
von Jahren nachgewieſen, wie der Geſamtmehrbedarf zu
decken iſt. In Betracht kommen dabei in erſter Linie die
Eiſenbahnüberſchüſſe und Etatsüberſchüſſe überhaupt, die
ſich nach dem Abſchluß des Jahres 1911 und dem, was
man über das Ergebnis 1912 und 1913 bis jetzt über=
blicken
kann, günſtiger geſtalten, als früher angenommen
werden konnte. Auch wird die Deckung weſentlich da=
durch
erleichtert, daß die geſetzliche Schuldentilgung nach
den Vereinbarungen mit den Landſtänden erſt allmählich
in Kraft treten ſoll. Weiter ſind die Einnahmen aus den
jüngſt verabſchiedeten Geſetzen über den Urkundenſtempel
und über die Zuſchläge zur Reichserbſchaftsſteuer, ſowie
ein weiterer Betrag von 50000 Mark aus den Ueberſchüſ=
ſen
von Bad Nauheim, in dieſen Ueberſchüſſen enthalten.
Insgeſamt konnte aus den genannten Einnahmequellen
ür 1913 ein Betrag von rd. 2072000 Mk. vorgeſehen wer=
den
, während für die Folgejahre, da die weitere Entwick=
lung
der wirtſchaftlichen Konjunktur nicht zu überſehen
iſt, vorſorglich nur mit 1 400000 Mk. gerechnet iſt. Aus
dem Anwachſen der Staatseinnahmen, der Vereinfachung
der Staatsverwaltung und aus weiteren Erſparniſſen in
der Staatsverwaltung ſind weitere namhafte und ſtei=
gende
Deckungsmittel zu erwarten (z. B. 1914: 115000
Mark, 1915: 160000 Mk. u. ſ. f.). Weiter kommt die Ent=
laſtung
in Betracht, die aus dem den Landſtänden noch
vorliegenden Geſetzentwurf über die Koſten der höheren
Schulen folgt und die zur Durchführung der Beſoldungs=
reform
auf keinen Fall zu entbehren iſt. Der Reſtfonds,
d. h. die angeſammelten Ueberſchüſſe früherer Jahre, wird
ferner für eine Reihe von Jahren erhebliche Entnahmen
geſtatten; für 1913 z. B. werden rd. 651000 Mk. angeſetzt.
Die Erhöhung der direkten Steuern, nämlich um 5 Proz.
bei der Einkommenſteuer und bei der Vermögensſteuer
um 5 Pfg. auf das Tauſend Mark Vermögen, die in der
früheren Vorlage bereits für 1913 vorgeſehen werden
mußte, braucht infolge der günſtigeren Geſtaltung der
Einnahmeverhältniſſe nunmehr erſt von 1915 an in Aus=
ſicht
genommen zu werden.

* Berlin, 9. Dez. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung 2 Uhr 18 Minuten. Dritte Beratung
des Geſetzentwurfs über den Zuſammenſtoß von Schiffen
ſowie über Bergung und Hilfeleiſtung in Seenot. Die
Vorlage wird ohne Debatte definitiv angenom=
men
. Es folgt die Fortſetzung der erſten Beratung des
Geſetzentwurfs über den Verkehr mit Leuchtöl
(Petroleummonopol).
Abg. Graf Weſtarp (Konſ.): Wir ſtehen an und
für ſich dem Monopolgedanken nicht unſympathiſch gegen=
über
. Der Gedanke des Staatsſekretärs, daß man ſich der
Macht des amerikaniſchen Kapitals entgegenſetzen müſſe
iſt durchaus berechtigt. Wir wollen unter keinen Um=
ſtänden
eine Verteuerung des Petroleums, namentlich da
der Nutzen nicht dem Reich, ſondern Privatbanken zu=
fließen
ſoll. Wir haben uns zu fragen, ob wir die Groß=
banken
durch ſtaatliche Maßnahmen auf Koſten der Allge=
meinheit
, der Konſumenten fördern dürfen. Wenn je=
mals
ein Geſetz nicht im Plenum erledigt werden konnte,
ſondern einer Kommiſſionsberatung bedurfte, dann iſt es
bei dieſem Geſetz der Fall, das voll ſchwieriger, rein tech=
niſcher
Fragen iſt. Wir wollen die Vorlage ernſtlich prü=
fen
und mitarbeiten mit dem Wunſch eines poſitiven Er=
gebniſſes
. (Große Bedenken hat die Stellung des Kom=
miſſars
an ſich. Er hat zu wenig Einfluß den Aktionären
gegenüber. Es fragt ſich, ob genügend Vorſorge ge=
troffen
iſt, daß die Verwaltung der Vertriebsgeſellſchaft
auf die Dauer wirklich die vorgeſehenen niedrigen Preiſe
halten kann und ob die Schädigungen, die dem Petro=
leumdetailhandel
drohen, hintangehalten werden können.
Die Veteranenbeihilfe findet bei uns warme Fürſprache,
Es hat aber gewiſſe Bedenken, die Veteranenbeihilfe mit
dem Petroleummonopol verknüpfen zu wollen. Wir
hoffen, daß aus der Kommiſſion ein brauchbares Geſetz
herauskommen wird. (Beifall rechts.)
Abg. Rupp=Marburg (Wirtſch. Vgg.): Auch wir
müſſen uns unſere definitive Stellungnahme vorbehalten,
bis die Kommiſſionsbeſchlüſſe vorliegen. Mit allem
Nachdruck müſſen wir darauf beſtehen, daß der ſelbſtändige
Kaufmann bei dem Petroleumhandel nicht ausgeſchaltet
wird. Die Zweckbeſtimmung, daß die Ueberſchüſſe der
Veteranenfürſorge dienen ſollen, gehört nicht in das Ge=
ſetz
hinein. Für die Veteranen ſollen Mittel in den Etat
eingeſtellt werden. Wir werden in der Kommiſſion mit=
arbeiten
, damit etwas Brauchbares aus dieſer Vorlage
herauskommt. (Bravo! rechts.)
Abg. Dr. Frank=Mannheim (Soz.): Die bisher
gehörten Leichenreden zu dieſem Geſetz kann ich dahin zu=
ſammenfaſſen
, daß mit der Vorlage nicht einmal eine
Minderheit zufrieden iſt. Das einzige poſitive Ergebnis
der Debatte iſt die Erkenntnis daß das raffinierte Ge=
ſchäftsgebaren
der Standard Oil Comvany eine ſchwere
wir’ſchaftliche Gefahr für uns iſt. Die Regierung hat ſich
auch geradezu leidenſchaftlich dagegen verwahrt, daß dieſe
Vorlage in der Deutſchen Bank ausgearbeitet iſt. Die
Staatsſekretäre ſind gar nicht ſo ungeſchickt, wie ſie ſich
anſtellen, das ſieht man, wenn ſie das Amt hinter ſich
haben. (Sehr aut!). Das Haus iſt ſich einig darin, daß
es nicht ein Privatmonopol durch ein anderes Privat=
monopol
erſetzen will, nicht Rockefeller und auch nicht
Deutſche Bank. Erfreulich iſt die einmütige Ablehnung
des Gedankens, man wolle die Schwächen der Vorlage
verbergen unter einem ſozialpolitiſchen Mäntelchen. Das
Zentrum, das bei dem Zolltarif die Witwen= und Waiſen=
verſicherung
ſchaffen wollte, hat alſo umgelernt. Erfreu=
lich
iſt weiter, daß der Gedanke, der früher als dema=
gogiſch
verworfen wurde, die Entſchädigung der Ange=
ſtellten
angenommen wird. Aber auch die Arbeiter, Kut=
ſcher
ꝛc. müſſen entſchädigt werden, da etwa 50 Prozent
von ihnen überflüſſig werden würden. Die übernomme=
nen
Angeſtellten dürfen in ihren Arbeitsbedingungen
nicht ſchlechter als bisher geſtellt werden. Ob etwas aus
der Kommiſſion herauskommt, iſt ſehr fraglich, wir wer=
den
aber mit aller Energie zu erreichen ſuchen, daß die
Uebermacht der Privatmonopole gebrochen wird. Der
vorliegende Entwurf iſt dazu aber vollkommen unbrauch=
bar
. (Beifall bei den Soz.).
Abg. Colshorn (Welfe): Mit den Ausführ=
ungen
der ſozialdemokratiſchen Redner ſind wir im
großen und ganzen einverſtanden, wenn wir auch prin=
zipielle
Gegner einer weiteren Monopoliſierung ſind.
Auch wir bedauern, daß die Veteranenfürſorge mit d.

Deutſcher Reichstag.

[ ][  ][ ]

Vorlage in Verbindung gebracht worden iſt. Gegen die
Tendenz der Vorlage, alles in das Ermeſſen des Reichs=
kanzlers
und des Bundesrats zu ſtellen, müſſen wir uns
wenden. Auch unſere anderen Bedenken werden wir in
der Kommiſſion vorbringen und werden dort ernſtlich
mitarbeiten, daß die Vorlage eine brauchbare Geſtalt er=
hält
. Abg. Erzberger (Ztr.): Von einer Ein=
ſtimmigkeit
bei der Annahme der Reſolution auf Schaff=
ung
des Petroleummonopols kann keine Rede ſein.
Dieſe iſt mit einfacher Mehrheit angenommen worden.
Wie ſteht es demgegenüber mit der Einſtimmigkeit im
Bundesrat? Die drei Hanſeſtädte haben doch gegen die
Vorlage geſtimmt. (Hört! hört! bei dem Zentrum.) Die
Vertriebsſkala wird zu hohen Preiſen anreizen. Ein
Sinken der Preiſe iſt unter allen Umſtänden nicht damit
verbunden. Die Frage der Vertriebsgeſellſchaft iſt für
uns nicht weiter undiskutabel. Die Konſumenten haben
aus dem Geſetz keinen Vorteil, noch weniger das Deutſche
Reich, nur einige Agenten und Lieferanten. Für dieſe
ein Geſetz zu machen, geht nicht an. Die Angeſtellten und
Depoſitäre werden durch dieſe Vorlage ſehr geſchädigt.
Die Unterſtellung, der katholiſchen Preſſe ſeien von
Intereſſenten größere Zahlungen gemacht, und daher
rühre die ablehnende Haltung des Zentrums, iſt eine
ſchofle und perfide Unterſtellung. Die einſeitige Bevor=
zugung
der Deutſchen Bank können wir nicht billigen.
Wir werden in der Kommiſſion verſuchen, die erforderlich
ſcheinenden Abänderungen vorzunehmen. Leitſatz muß
für uns alle ſein: Schutz den Aermſten. Staatsſekre=
tär
Kühn: Wie verfolgen mit dem Geſetz nicht den
Zweck höhere Einnahmen zu erzielen, ſondern wir wollen
nur das heimiſche Wirtſchaftsleben vor den Angriffen des
amerikaniſchen Monopolkapitals ſchützen. Ergeben ſich
dabei Ueberſchüſſe, ſo iſt es nicht zu verwerfen, dieſe
Ueberſchüſſe zur Aufbeſſerung der Veteranenbeihilfe zu
verwenden. Es iſt natürlich nicht ausgeſchloſſen, daß auch
die Arbeiter mit entſchädigt werden können. Mit dem
Ausdruck Angeſtellte ſollte das Geſetz nur im allgemeinen
eine Handhabe bieten. Wenn auch nicht Uebereinſtimm=
ung
über den Entwurf herrſcht, ſo freut es mich doch, feſt=
ſtellen
zu können, daß es in den Grundſätzen und den lei=
tenden
Gedanken Anklang bei dem größten Teil. des
Hauſes gefunden hat. Ich ſpreche auch an dieſer Stelle
der Deutſchen Bank die Anerkennung aus für die ſachkun=
dige
Unterſtützung, die ſie uns geliehen hat und die ſie
auch, wie ich verſichern zu können glaube, nicht verſagen
wird, wenn ſie von der Vertriebsgeſellſchaft vollſtändig
ausgeſchloſſen werden ſollte. Es freut mich, daß alle
Parteien bereit ſind, in der Kommiſſion an der Ausge=
ſtaltung
des Geſetzes mitzuwirken. Abg. Marquart
(natl.): Die Entſchädigung der Angeſtellten muß auch auf
die Verkäufer ausgedehnt werden. Abg. Dr. Tren=
del
(Ztr.): Die Bayern und insbeſondere die Regens=
burger
haben das größte Intereſſe daran, Galizien in der
Petroleum Einfuhr zu fördern.
Hiermit ſchließt die Generaldebatte. Die Vorlage
geht an eine Kommiſſion von 28 Mitgliedern. Es folgen
Wahlprüfungen.
Ohne weitere Debatte wird das Mandat Bruhn
(Deutſche Reformpartei) gültig erklärt. Dagegen ſtim=
men
die Sozialdemokraten und einige Fortſchrittler. Be=
züglich
der Wahlen der Abgg. Herzog (wirtſch. Vgg.)
und Kopſch (Fortſchr. Vpt.) wied beſchloſſen, Beweiser=
hebungen
zu veranlaſſen. Hierauf wird vertagt.
Nächſte Sitzung Dienstag, 1. Uhr. Tagesordnung:
Kurze Anfragen, Interpellationen über die Koalitions=
freiheit
und Wagenmangel. Schluß 6 Uhr 15 Min.

Die Erneuerung des Dreis
bundes.

* Rom 9. Dez. Das Giornale d’Italia ſchreibt:
Die vorzeitige Erneuerung des Dreibun=
des
zeigt, daß die drei Mächte das gegenwärtige euro=
päiſche
Gleichgewicht und den Frieden, um den ſich der
Dreibund zweifelsohne verdient gemacht hat, aufrecht er=
halten
und einträchtig an die Löſung der Orientkriſe her=
antreten
wollen. Man täte im Auslande unrecht daran,
die Erneuerung als eine Herausforderung einer Mächte=
gruppe
an eine andere zu deuten. Italien kann nicht
umhin, ſeine durchaus friedliche auswartige Politik fort=
zuſetzen
, die Politik des Gleichgewichts zwiſchen den
Bündniſſen und Freundſchaften. Corriere d’Italia
ſchreibt: Die Erneuerung des Dreibundes bildet ein Er=
eignis
von hervorragender Wichtigkeit in der Geſchichte
unſerer auswärtigen Politik, weil die Gruppierung der
Kräfte, auf der über 30 Jahre die Aufrechterhaltung des
Friedens beruhen konnte, für Italien eine Bürgſchaft für
die Feſtigkeit und ruhige Entfaltung ſeiner Tätigkeit im
europäiſchen Konzert bedeutet.
L’Italia erklärt: Der
Dreibund, der in der Vergangenheit die Probe beſtand
wird ungeändert der Angelpunkt der italieniſchen Politik
bleiben und die ſicherſte Garantie bilden für den Erfolg
und die Größe ſeiner ſegensreichen Zukunft. Popolo
Romano beſpricht die Erneuerung ähnlich wie die Tri=
buna
.
* Paris, 8. Dez. Die Blätter tragen in ihren Er=
örterungen
über die Erneuerung des Dreibun=
des
die größte Ruhe zur Schau und betonen dabei ins=
beſondere
, daß nach der von Delcaſſé im Jahre 1902 in
der Kammer abgegebenen Erklärung über die franzöſiſch=
italieniſche
Annäherung Italien in keinem Falle das
Werkzeug oder der Gehilfe eines Angriffes gegen Frank=
reich
werden kann. Der Temps ſagt, durch die Erneuer=
ung
des Dreibundes werde nicht die geringſte Aenderung
herbeigeführt. Sicher ſei nur das eine, daß die Dreibund=
mächte
durch die vorzeitige Erneuerung des Vertrages
ihre Solidarität in der gegenwärtigen Kriſe bekräf=
tigen
wollten. Der Dreibund ſei übrigens von Anfang
an friedlich geweſen und nichts beſtätige die Annahme,
daß er dieſen Charakter verlieren könnte, beſonders, da
durch das Gegengewicht des franzöſiſch=ruſſiſchen Bünd=
niſſes
und der Tripel=Entente ein dauerndes Gleichge=
wicht
geſichert ſei. Ganz ähnlich ſagt das Journal des
Débats: Die Erneuerung des Dreibundes in dieſem
Augenblick iſt beſtimmt, das Anſehen der Divlomatie des
Dreibundes im Verlauf der zu eröffnenden Verhandlun=
gen
zu erhöhen. Sie ändert aber nichts in den Augen
derjenigen Politiker, die es in allen Kriſen für nötig er=
achten
, mit der Dauer des Dreibundes zu rechnen. Die
Erneueruna kann uns zu keinerlei Erregung ver=
anlaſſen
. Sie könnte nur diejenigen beunruhigen, die in
dieſer Hinſicht unbegründete Illuſionen hatten.
* London, 9. Dez. Der Standard ſchreibt: Es wäre
unmöglich, einen Grund zu finden, um Deutſchland,
Oeſterreich=Ungarn und Italien nicht zur Er=
neuerung
des Dreibundes Glück zu wünſchen. Keine
Aenderung iſt in dem Vertrage gemacht worden, der dem=

nach ein rein defenſives Abkommen bleibt. Als ſolches iſt
er 30 Jahre hindurch wirkſam geweſen; nicht als eine
Bedrohung, ſondern als eine Stütze des europäiſchen
Friedens. Und wir müſſen hoffen, daß ſeine Wirkſam=
keit
in den 12 Jahren, für die er verlängert worden iſt,
ebenſo ſegensreich ſein wird.

Der Diebstahl der
Kölner Kaiſerkette vor Gericht.

Köln 9. Dez. Der Diebſtahl des vielumſtritte=
nen
Kleinods der letzten drei Kaiſerpreisſiegen, der zu=
letzt
im Beſitz des Kölner Männergeſangvereins befindlich
geweſenen großen goldenen Kaiſerkette, beſchäftigte heute
die hieſige Strafkammer. Der vom Kaiſer geſtiftete
Preis wurde von den Kölner Sängern gleich beim erſten
Preisſingen in Kaſſel erobert, ging beim zweiten Geſangs=
wettſtreit
auf den Berliner Lehrer=Geſangverein über und
wurde beim dritten Preisſingen von den Kölnern zurück=
erobert
. Er wurde mit anderen Kleinodien des Vereins
in dem hiſtoriſchen Muſeum in der Eigelſteiner Torburg
aufbewahrt. Am 21. Juni d. Js. wurde entdeckt, daß in
das Muſeum ein Einbruch verübt worden war. Unter
Benutzung einer Strickleiter und des Blitzableiters ge=
langten
die Diebe in das obere Stockwerk und erbrachen
hier drei Schränke, in denen ſich die geſtohlenen Klein=
odien
befanden. Die Kette ſelbſt hatte einen Gold= und
Juwelenwert von 25000 Mark und war um die doppelte
Summe bei der Verſicherungsgeſellſchaft Thurinaia
gegen Diebſtahl verſichert. Als der Diebſtahl in Köln
bekannt wurde, wurden Vorwürfe laut, daß man einen
ſo wertvollen Gegenſtand in einem einfachen Schrank und
in einem Gebäude aufbewahrt habe, deſſen Fenſter nicht
einmal verſichert waren. Der Kölner Oberbürgermeiſter
und die geſchädigte Verſicherungsgeſellſchaft ſetzten eine
Belohnung von ie 1000 Mark für die Wiederauffindung
der Kette aus. Durch einen Zufall gelang es auch ſchließ=
lich
, in Hamburg drei Perſonen zu verhaften, die mit
dem Diebſtahl in Verbindung ſtanden. In ihren Taſchen
fand man Metallklumpen die ſie ſelbſt als Meſſing be=
zeichneten
, die ſich aber bei der chemiſchen Unterſuchung
als reines Dukatengold erwieſen. Sie legten auch bald
ein Geſtändnis ab, daß ſie an dem Diebſtahl der Kaiſer=
kette
beteiligt geweſen ſeien. Es konnte ſonach kein Zwei=
fel
darüber beſtehen, daß die Kette eingeſchmolzen wor=
den
war, und zwar iſt dies vermutlich auf belgiſchem
Boden geſchehen. Die weitere Unterſuchung ermittelte
dann auch die Namen der Hehler, die verſucht hatten, das
übrige Gold, bezw. die Juwelen unter der Hand zu ver=
kaufen
.
Die Verhandlung begann heute vormittag. Wegen
des Diebſtahls ſind angeklagt der Tapezierer Jakob
Kniep=Köln, der Kellner Jean Hochgeſchurz und
der Mechaniker Franz Bayer=Köln. Alle drei ſind
ſchwer vorbeſtrafte Einbrecher. Als Hehler bezw. Helfer
ſind angeklagt der Artiſt Rolla, der Schreiner Ham=
macher
=Köln und der Zahntechniker Thill=Köln
Für die Verhandlung ſind mehrere Tage vorgeſehen.

Der Balkankrieg.

Zur Lage.
* Lemberg, 8. Dez. Der Statthalter Bobr=
zynski
beantwortete heute in der Vollverſammlung
der polniſchen Landtags= und Reichsratsabgeordneten
eine Anfrage folgendermaßen: Auf Grund der Ermäch=
tigung
ſeitens des Miniſterpräſidenten bin ich in der Lage,
folgende autoritative Aeußerung abzugeben: Die inter=
nationale
Situation erfuhr in den letzten Tagen
keine Veränderung, die Gerüchte über eine Ver=
ſchärfung
der auswärtigen Lage ſind un=
begründet
. Unſere Beziehungen zu Rußland ſind
normal, den Gerüchten über eine bevorſtehende Kriegs=
gefahr
iſt daher kein Glauben beizumeſſen.
Es würde ſich demnach empfeblen, wenn von ſeiten der
Mitglieder des Klubs mäßigend eingewirkt und der Ver=
breitung
unzuverläſſiger und unzutreffender Nachrichten
entgegengetreten würde. Weiter iſt zu konſtatieren, daß
angeſichts der herrſchenden Beunruhigung ſich vor allem
in den Kreiſen der Jugend eine Beweguna geltend ge=
macht
hat, deren national=patriotiſcher Charakter nicht ver=
kannt
werden ſoll, die aber im Hinblick auf die gleichzeitig
auftretenden falſchen Vorausſetzungen über die Heran=
ziehung
dieſer Kreiſe zu militäriſchen Aufgaben bedenk=
lich
iſt, ja Gefahren in ſich birgt. Aus dieſem Grunde
ſind die Behörden im Einvernehmen mit den militäri=
ſchen
Organen nachdrücklich bemüht, daß derartigen fal=
ſchen
Vorausſetzungen durch eine entſprechende Einwir=
kung
und Beaufſichtigaung der Jugend entaegengetreten
werde. Es wird auch eine dankbare Aufgabe der Ver=
treter
der beiden das Land bewohnenden Nationalitäten
ſein, in ihren Kreiſen möglichſt dazu beizutragen, daß
einer ſolchen, mit Gefahren verbundenen Bewegung Ein=
halt
geboten werde.
Die Friedensverhandlungen.
* London 8. Dez. Als griechiſche Frie=
densdelegierte
bei der Londoner Konferenz
ſind der Miniſterpräſident Venizelos, der griechiſche Ge=
ſandte
in London Gennadinos und der griechiſche Geſandte
in Wien Dr. Streit beſtimmt worden. Sie treffen am
Donnerstag abend hier ein.
* Athen, 9. Dez. Amtlich wird gemeldet, daß
Griechenland außer den bereits genannten Bevollmäch=
tigten
den Profeſſor der Rechte in Paris, Nicolas Pol=
tis
, mit Genehmigung der franzöſiſchen Regierung als
Delegierten nach London ſendet.
* Belgrad, 8. Dez. Die Friedensdele=
gierten
der Balkanſtaaten erhielten den Auf=
trag
, nach Beendigung der Friedensverhandlungen mit
der Türkei in London zu bleiben, um dort die Frage
der territorialen Abgrenzung zwiſchen den Balkanſtaaten
zu regeln.
Oeſterreich und Serbien.
Wien, 8. Dez. Oeſterreich will erſt dann
zur endgültigen Aktion gegen Serbien vorgehen,
wenn es auf der Botſchafterkonferenz volle Klarheit dar=
über
erhalten hat, wie ſich die übrigen Mächte, beſonders
Rußland zu den öſterreichiſchen Forderungen ſtellen, zu
denen bisher nur Deutſchland und Italien offiziell Stell=
ung
genommen haben. Das Wiener Kabinett werde
darauf beſtehen, daß ſich die Botſchafterkonferenz nicht in
die Länge zieht. Es iſt bisher von Serbien nicht über
deſſen Pläne informiert worden. Rußland wird nach ver=
ſchiedenen
Anzeichen Serbiens Hafenforderungen nicht
mit Waffengewalt unterſtützen. Serbiens Hoffnungen
auf die Serben in Oeſterreich=Ungarn dürften ſich nicht
erfüllen. So erklärte heute der kleritale Slowene Abge=
ordneter
Suſterſic in einem Artikel, die freie Benutzung

des Hafens von Antivari ſei eine leicht zu regelnde Ange=
legenheit
Serbiens und Montenegros.
Sonſtige Meldungen.
* Sofia, 8. Dez. Die Zahl der in Bulgarien
befindlichen türkiſchen Kriegsgefange=
nen
beträgt ungefähr 18000, darunter 350 Offiziere.
Nicht mitgezählt ſind die 6000 Gefangenen von Saloniki,
die den Bulgaren hätten übergeben werden ſollen.
H. B. Belgrad, 9. Dez. König Peters Ge=
ſundheitszuſtand
gibt fortgeſetzt zu den größten
Beſorgniſſen Anlaß. Häufige Ohnmachtsanfälle wechſeln
mit Schlafſucht. Auch Prinz Georg iſt ſchwer krank. Sein
chroniſches Darmübel hat ſich im Feldzuge noch verſchlim=
mert
. Auch Kronprinz Alexander kehrt krank
aus dem Kriege zurück.

Vermiſchtes.

* Die Maler=Einkaufsgenoſſenſchaften
Deutſchlands, die im September d. J. in Kaſſel
einen Deutſchen Genoſſenſchaftstag abgehalten und auf
dieſem beſchloſſen hatten, einen Zuſammenſchluß in ge=
ſetzlicher
Form herbeizuführen, tagten am 5. und 6. Dez.
in Frankfurt a. M., um das Vorhaben zur Ausführung
zu bringen. Nachdem alle Geſichtspunkte, welche für die
Gründung einer Zentral=Einkaufsgenoſſenſchaft von Be=
deutung
ſind, in der eingehendſten Weiſe geprüft waren,
ſchritt man zur Gründung derſelben unter der Firmar=
Zentral=Einkaufsgenoſſenſchaft der Maler=
Rohſtoffgenoſſenſchaften Deutſchlands=
eingetragene
Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht,
mit dem Sitz in Mannheim. In der ſich anſchließenden
erſten Generalverſammlung wurden die erforderlichen
Wahlen vorgenommen, ein vom Vorſtand entworfener
Haushaltungsplan, ſowie die Form, wie ſich demnächſt
der Einkauf durch die Zentrale geſtalten ſoll, gutgeheißen.
Zum Schluß wurde der Beitritt zum Verband Badiſcher
Handwerkergenoſſenſchaften beſchloſſen, um mit dieſer
Mitgliedſchaft einem Reviſionsverband anzugehören.

Literariſches.

Ein ehrendes Zeugnis deutſcher Tatkraft liegt vot
uns. Es iſt das Werk Vom Kongo zum Niger
und Nil (gebunden Mk. 20), das ſoeben in zwei präch=
tig
ausgeſtatteten Bänden bei Brockhaus in Leizig er=
ſcheint
. Herzog Adolf Friedrich zu Mecklen=
burg
, der gegenwärtige Kaiſerliche Gouverneur unſerer
Kolonie Togo, berichtet mit ſeinen Begleitern über ſeine
letzte große Afrika=Expedition, von der er erſt im porigen
Jahre zurückgekehrt iſt. Sie hat über Deutſchlands
Grenzen hinaus allgemeines Aufſehen erregt durch die
hervorragenden Entdeckungen, die ihr beſchieden waren.
Reiche Schätze für die deutſchen Muſeen und Zoologi=
ſchen
Gärten konnte der Herzog heimbringen. Aber die
Eroberungen für die Wiſſenſchaft waren nicht ohne
Kampf. Kriegeriſche Verwicklungen hemmten die Expe=
dition
, und die Natur öffnete ihr Arſenal an Schreckniſſen.
um die glückliche Durchführung der Haupt= und der Teil=
expeditionen
aufs äußerſte zu erſchweren. Aber deutſche
Offiziere, deutſche Forſcher laſſen ſich nicht abſchrecken
Der Titel Vom Kongo zum Niger und Nil läßt erken=
nen
, welch ausgedehntes Gebiet der Schauplatz der Ex=
pedition
war. Jeder der Führer der Teilerpeditionen er=
zählt
in charakteriſtiſcher Weiſe ſeine Erlebniſſe undEr=
fahrungen
, und die verſchiedenen Berichte ſchließen ſich
einem feſſelnden Ganzen zuſammen. Der Herzog ſelbſt
erforſchte die Gebiete des rieſigen Tſchad=Sees und ſeines
mächtigen Zufluſſes des Schari. Er hatte ſehr intereſſante
Erlebniſſe mit den prachtliebenden Sultanen jener ur
alten Negerreiche, in denen ein Stück Mittelalter wieder
erſtanden erſcheint, und er verſteht es ausgezeichnet. die
deutſche und die franzöſiſche Kolonialverwaltung in ihren
Vorzügen und ihren Gegenſätzen zu charakteriſieren und
auf Erſtrebenswertes in unſeren Kolonien hinzuweiſen.
Sein treuer Begleiter und Adjutant Hauvtmann von
Wieſe drang vom Schari durch die rieſenhaften Urwäl=
der
des Uelle=Gebiets auf die weiten Steppenflächen
des Nilbeckens hinaus. Auch der Zoologe Dr. Schubotz
durchquerte dieſes Urwaldgebiet. In ein ganz unbekinn=
tes
Gebiet Süd=Kameruns führt uns Dr. Schultze. Ein
ungeheurer, dichter Urwald verbirat reiche Schätze, und
zum erſten Male erfährt das deutſche Publikum näheres
über Land und Leute in dieſem zukunftsreichen Gebiet,
Zwerde und Menſchenfreſſer bevölkern den Urwald
Der Botaniker der Ernedition Dr. Mildbraed entrollt
entzückende Bilder der Inſeln Fernando Poo und Anno=
bon
. dieſer Perlen des Golfes von Guineg. Erſtaunlich
iſt der Reichtum des Buches an ausgezeichneten bunten.
umd einfarhigen Abbildungen. Kahinettſtücken der moder=
nen
Reproduktion. Für den Preis von 20 Mark iſt das,
was in dem Buche des Herzgas in Wort und Bild ge=
boten
wird, als außerordentlich billta en bezeichnen, und
jedem, der gern von eigenartigen Ländern und Völkern
hört und der ſich für deutſche Forſcherarheit im ſchwarsen
Erdteil intereſſiert, iſt warm zu empfehlen dem vräch=
tigen
Buche auf dem Weihnachtstiſche einen hervorragen=
den
Platz einzuräumen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Perlebera, 9. Dez. Im Dorfe Moedlich fand geſtern
nachmittag in Gegenwart des Landrates, des Prieanitzer
Adels und der Landbevölkerung die feierliche Beiſetz=
una
des holländiſchen Admirals Gyſel van Lyr ſtatt.
Gyſel war 1652 vom Großen Kurfürſten mit der Ver=
waltung
des Amtes Lenzen betraut worden und hatte
heim Ausbau der preußiſch=kurfürſtlichen Marine hervor=
ragende
Dienſte geleiſtet. Der mumifizierte Leichnam wär
am 8. Dezember 1676 in der Dorfkirche zu Moedlich bei=
geſetzt
worden. Geſtern wurde derſelbe der Erde über=
geben
.
* London, 9. Dez. Die Mauretania hat geſtern
vormittaa 10 Uhr 55 Min. Queenstown verlaſſen und
befand ſich halb 12 Uhr nachts 260 Seemeilen weſtlich von
Browhead. Das Gerücht, daß ſie untergegangen ſei, ent=
behrt
jeder Grundlage.
* Rio de Janeiro, 9. Dez. In einem Projektions=
raum
eines Kinotheaters explodierte der Motor
Es entſtand eine Feuersbrunſt. Drei Perſonen wurden
getötet, mehrere verletzt.
HB. Berlin, 9. Dez. Die Audien; in der geſtern
der Berliner Oberbürgermeiſter Wermuth und die beiden
Stadtbauräte für Hoch= und Tiefbau, die Geheimräte
Hoffmann und Krauſe, im Königlichen Schloß empfangen
wurden, war ſchon ſeit längerer Zeit vorgeſehen. Die
Hauptpunkte der Unterredung bildeten die vom Stadt=

[ ][  ][ ]

baurat Hoffmann zu erbauenden neuen Muſeums=
gebäude
auf der Muſeums=Inſel und ſodann der
bei der Univerſität unter den Linden durchzuführende
Tunnel, zur Verbindung der Straßenbahnlinien nördlich
und ſüdlich der Linden.
Altona, 9. Dez. Hier wurde eine Falſchmün=
zerwerkſtätte
aufgehoben und drei Perſonen ver=
haftet
. Große Mengen gefälſchter Dreimarkſtücke konnten
beſchlagnahmt werden.
HB. Bochum, 9. Dez. Beim Paſſieren der Herner
Straße rannte in der vergangenen Nacht ein mit ſechs
Perſonen beſetztes Auto beim Ueberfahren der Zechen=
bahnſtrecke
von Konſtantin der Große mit einem Wagen
zuſammen. Sämtliche Inſaſſen des Autos wurden her=
ausgeſchleudert
. Der Chauffeur Heinert war auf der
Stelle tot. Die übrigen Inſaſſen wurden ſchwer verletzt.
Wermelskirchen, 9. Dez. Der Brauereibeſitzer
Blumenſtock fiel in einen Bottich kochenden Bieres
und ſtarb nachdem man ihn herausgeholt hatte. Bei
den Rettungsarbeiten erhielt ein Steuerbeamter ſchwere
Brandwunden.

Junge, Junge, was machst du für Sachen
Freuſt dich ſeit vierzehn Tagen darauf, zum
Chriſtfeſt heim zu fabren und nun liegſt du da,
ſtockheiſer, eingepackt wie ein Wickelkind und weißt
dir vor Halsſchmerzen nicht zu helfen. Wenn du
ſchon keinen Arzt nehmen willſt, dann laß dir
wenigſtens eine Schachtel Fays ächte Sodener
Mineral=Paſtillen aus der nächſten Apotheke oder
4
Drogerie holen. Wenn du die nach Vorſchrift ge=
brauchſt
, dann wirſt du ſicher auch morgen
ſoweit auf dem Damm ſein, daß du doch noch
fahren kannſt. Die Schachtel Sodener koſtet nur
85 Pfg.; der Bote ſoll aber acht geben, daß er
keine Nachahmungen erhält.
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hiermit hingewieſen wird.
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Todes=Anzeige.
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Mit den Sakramenten verſehen, ſtarb heute
unſere liebe Mutter, Großmutter und Urgroß=
mutter

(25348
Frau Landgerichtstarkauch
im 90. Lebensjahre.
Beiſetzung in Mainz in der Stille.
Wir bitten von Kondolenzbeſuchen Abſtand
zu nehmen.
Im Namen der Familie:
Friedrich Carl Rauch.
Darmſtadt, den 9. Dezember 1912.

Todes=Anzeige.
Heute mittag 12½ Uhr entſchlief ſanft
meine liebe Frau, unſere treue Mutter und
(25346
Großmutter
Frau
Sophie Waldecker
geb. Brede.
Die Beerdigung findet am Donnerstag,
den 12. Dezember, vormittags 11 Uhr, von
der Friedhofskapelle (Darmſtädter Friedhof)
aus, ſtatt.
Darmſtadt, 9. Dezember 1912.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Karl Waldecker, Hauptmann a. D.
NB. Von Kondolenzbeſuchen bittet man ab=
ſehen
zu wollen.

Berwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Mitteilung, daß mein guter,
lieber Vater, unſer guter Bruder
Julius Brauns
Städt. Bürobeamter i. P.
Sonntag nachmittag 5 Uhr im vollendeten
69. Lebensjahre, vorher verſehen mit den heiligen
Sterbeſakramenten, ſanft entſchlafen iſt.
Pauline Brauns, Darmſtadt.
Henriette Brauns, Frankfurt.
Jean Brauns, Caſſel.
Darmſtadt, 9. Dezember 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. d. M.,
nachm. 3 Uhr, von der Darmſtädter Friedhofs=
kapelle
aus, ſtatt.
(B25347

Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Hinſcheiden un=
ſeres
lieben, unvergeßlichen Kindes
ſagen innigen Dank.
Familie Ludwig Schmelz,
Dieburgerſtraße 13.
(25338

Statt beſonderer Anzeige.
Am Samstag morgen verſchied zu Ham=
burg
nach längerer Krankheit an einem ſchweren
Herzleiden mein guter Sohn, unſer lieber
Bruder, Schwager und Onkel
(B25328
Karl Hammann
Diplomingenieur
im 28. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Georg Hammann.
Biebesheim, den 8. Dezember 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. d. M.,
2 Uhr nachmittags, zu Biebes heim ſtatt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere liebe, unvergeßliche Mutter, Großmutter,
Schweſter und Tante
(*13811
Frau
Elisabethe Götz
geb. Schneider
heute nacht nach kurzem Leiden im 60. Lebens=
jahre
zu ſich zu rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Jakob Götz u. Familie,
Katharina Falter, geb. Götz,
Lorenz Falter.
Hähnlein u. Darmſtadt, den 9. Dez. 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. Dez.,

Dankſagung.
Für die uns bewieſene wohltuende
Teilnahme bei dem uns ſo ſchmerz=
lich
betroffenen Verluſte ſagen wir
hierdurch Allen unſeren innigſten
Dank.
(25312
Jeannette Hahn, geb. Schmidt,
Margarete Hahn, geb. Scharmann,
Familie J. Carl Schmidt.
Darmſtadt, den 9. Dez. 1912.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtelle Gießen.
Ueber dem Feſtland lagert noch immer hoher Druck,
der uns heiteres, trockenes Froſtwetter bringt. Die
Morgentemperaturen liegen in Süd= und Mitteldeutſch=
land
unter 0 an der Küſte höher. Da ſich die nord=
weſtliche
Depreſſion langſam dem Kontinent nähert, haben
wir morgen mit zunehmender Bewölkung und etwas
milderem Wetter zu rechnen.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 10. De=
zember
: Nachtfroſt, vielfach Morgennebel, wolkig, ver=
einzelt
Schneefälle, etwas milder.

Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Außer Abonnement), Anfang
7 Uhr: Hamlet, Prinz von Dänemack
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Pfarrer Heſſelbach um 8¼ Uhr im
Kaiſerſaal (Freie landeskirchliche Vereinigung).
Vortrag mit Lichtbilder von Konſul Singelmann um
8 Uhr im Hotel Zur Traube (Kolonialgeſellſchaft).
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. Burgerkeller um
8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße Nr. 23):
Die Hochzeitsfeier im Hauſe Fürſtenberg; zur Eröffnung
der Winterſeſſion des deutſchen Reichstages; der öſter=
reichiſch
=ungariſche Armeeinſpektor Freiherr v. Hötzen=
dorf
in Bukareſt; König Peter von Serbien verläßt
mit dem Premierminiſter Paſitſch den Dankgottes=
dienſt
.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 11. Dezember.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otte Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſes
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftoleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſgndt.

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* Paulusgemeinden, beſonders der Beſſunger Kleinkinderſchule,
gingen Gaben ein von: Fr. v. Bellersheim, Exz. Korwan, Frl. Davidſon,
Fr. Prof. Trümpert, Fr. v. Stein, Fr. Dir. Kolb, Fr. Geh.=Rat Noack,
Fr. Hottes, Frl. Selzer, Fr. Pizzala, Fr. Geh.=Rat Teklenburg, Fr.
Landgerichtsrat Lebrecht, Fr. Pfr. Rückert, Frl. Krätzinger, Fr. Ober=
landgerichtsrat
Pfannmüller, Fr. Dir. Wulkow, Fr. Winter, Frl.
Löwer, Fr. Fitting, Fr. Illert, Fr. Dr. Bender, Fr. Roſſé, Fr. Lauten=
ſchläger
, Frl. Amendt, Fr. Pfr. Cellarius, Fr. Geh.=Rat Weiß, Frl.
Wieſehahn, Fr. Nöll, Fr. Pfr. Keller, Firma Heyl & John, Frl.
Kittler, Frl. Butz, Frl. Cramer, Frl. Goldmann, Fr. Pfr. Wagner,
Fr. Pfeil, Fr. Apoth. Schmidt, Fr. Weidmann, Fr. Dörner, Frl.
Daudt, Fr. Landgerichtsrat Meiſel, Fr. Daum, Fr. Sutor u. Tochter,
Fr. Schulrat Müller, Frl. Strein, Fr. Strauß, Hr. Cramer, Frl.
Dingeldey, Fr. Amtsgerichtsrat Weidig, Frl. Noack, Frl. Riedel, Fr.
Lettermann, Fr. Herrmann, Fr. Dr. Vix, Fr. Geh.=Rat Back, Frl.
Schaubach, Hr. u. Fr. R. Wittich, Fr. Dr. Fehr, Frl. de Weerth,
Fr. Prof. Bekker, Fr. Schulrat Doſch, Fr. Prof. Völſing, Frl. Schenk,
Fr. Prof. Heil, Fr. Prof. Friedrich, Firma Kalbfuß, Fr. Geh.=Rat
Preetorius, Fr. Geh=Rat Städel, Frl. Grünewald, Frl. M. u. R. Rau,
Jugendbund der Paulusgemeinde, Fr. Colin, Fr. Noack, Frl. Köſter,
Fr. Pfr. Walz, Vereinigung konfirmierter Mädchen der Petrusgemeinde,
Fr. May, Frl. Schloſſer, Fr. Dr. Bennighof, Hr. Prof. Geiſt, Frl. Az u. Land=
mann
, Fr. Prof. Lepſius, Fr Bäcker Jöſt, Fr. v Köppen, Fr. Darmſtädter,
Fr Pfr. Keller, Fr Oberſtabsarzt Schneider, Fr. Darmſtäder, Fr.
Geh=Rat Seip, Fr. Dr Bernet, Fr. Nold, Fr. Hering, Fr. Lang,
Fr. Rodrian, Fr. Lang, Fr. Metzger Jung, Fr. Rothe, Fr. Hanke,
Fr Freihöfer, Fr. Riſch, Fr. Mükler, Fr Schmidt.
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Zur Chriſtbeſcheerung der Kleinkinderſchule in der Mauer=
ſtraße
gingen Gaben ein von: Frau Bierau, Frau Oberlandes=
gerichtsrat
Berchelmann, Exzellenz Conradi, Herr und Frau Rech=
nungsrat
Schönberger, Frau Leber, Frl. Wagner, Frl. E. Klump,
Frau Dr. Sachs, Frau Geh Rat v. Heſſe, Frl. v. Loßberg, Frl. Finger,
Frl. Millet, Frl. v. Knorr, Exzellenz v. Knorr, Frau v. Follenius,
Herr Guſtav Hickler, Firma Glückert, Frau Dr. Maurer, Frl. Eliſabeth
Roth, Frau Major Schüler, Frau Dr. Walther, Frau Oberlandes=
gerichtsrat
Linkenheld, Frau Dr. Louis Merck, Herr Oberlandes=
gerichtsrat
Zimmermann, Frau Dr. Sior, Frl. Mathilde und Hermine
Stellwagen, Freifrau Eliſe Schenck zu Schweinsberg, Frl. Lucie
v. Kietzell, Frau Profeſſor Schmitt, Frau Ph. Schnellbächer, Herrn
Privatier Roll und Frau, Frl. Louiſe Göbel, Frl. Strecker, Frau
Profeſſor Ihle, Frl. Marie Linß, Frl. Küchner, Frau Eugenie Jordis,
Frau Wenz, Seifengeſchäft Schmidt, Frl. Fehr, Firma Faix, Firma
Wroncker, Firma Kalbfuß, Firma Heyl u. John, Schuhfabrik Müller,
Herrn Pfarrer Widmann, Milchhändler Bernius, Frl. Herzberger,
Nungeſſer, Bäcker Riedel, Ochſenmetzger Schneider, Margarine=
handlung
Maul, J. Karl Schmidt, Freudenberger, Wamboldt, H. und
J. Weber, Gebr. Roeder, Gebr. Becker Nachfolger, Jakob Schäfer,
Friedrich Schaub, Guſtav Spengler, Schweinemetzger Hübner, Stadion
Rühl, Georg Oeſterling, Karl Ehmig, Baugeſchäft Ganß, Schade
u. Füllgrabe.
(25342

[ ][  ][ ]

e
die Erlaubnis erteilt, je 50.0 Loſe der III.V. in den Jahren 1913, 1914 und 1915
auszuſpielenden Serie einer Geldlotterie zur Beſchaffung von Mitteln für die Wieder=
herſtellung
der Feſte Coburg innerhalb des Großherzogtums zu vertreiben. Nach dem
von der zuſtändigen Behörde genehmigten Verlofungsp an dürfen in jeder Serie
360 000 Loſe à 3 Mark ausgegeben werden. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen nur mit
dem heſſiſchen Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe gelangen. Während der Zeit des
Vertriebs der Loſe zur I. Klaſſe einer Königl. Preußiſchen Lotterie iſt Ankündigung,
Ausgabe und Vertrieb der Loſe in Heſſen nicht geſtattet.
(25273

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Nachſuchung der Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt auf
Grund von Schülzeugniſſen.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugniſſe die Berech=
tigung
zum einjährig=freiwilligen Dienſt nachſuchen wollen, werden hierdurch auf die
nachfolgenden bei Anbringung der Geſuche zu beachtenden Vorſchriften mit dem An=
fügen
aufmerkſam gemacht, daß hiernach unvollſtändige Geſuche ohne weiteres zurück=
gegeben
werden.
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meldende im Großherzogtum geſtellungspflichtig iſt,
d. h. ſeinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienſt kann nicht vor vollendetem
17. Lebeusjahr und muß ſpäteſtens bis zum 1. Februar des Jahres nachgeſucht
werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.
Sollten einzelne der nachſtehend unter ad aufgeführten Papiere und insbeſondere
das Schulzeugnis wegen noch nicht vollendetem Schulbeſuch bis zu vorangeführtem
Termin nicht vorgelegt werden können, ſo iſt gleichwohl das Geſuch bis zu dieſem Zeit=
punkt
einzureichen und in demſelben anzugeben, daß die etwa noch fehlenden Papiere
nachfolgen würden. Die Einreichung dieſer Papiere muß bei Verluſt des Anrechts
der Berechtigung ſpäteſtens bis 1. April desſelben Jahres erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein und iſt hierzu
ein Bogen im Aktenformat (nicht Brieſpapier) zu verwenden. Auch iſt die nähere
Adreſſe anzugeben. Das Geſuch iſt an die unterzeichnete Behörde, ohne perſönliche
Adreſſe zu richten.
. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtandsregiſter, nicht Taufſchein).

Ge
die Dauer des einſchrigen Dienſtes die Koſten des Unterhalts, mit Einſchluß
der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und Wohnung, von dem Bewerber ge=
tragen
werden ſollen; ſtatt dieſer Erklärung genügt die Erklärung des geſetz=
lichen
Vertreters oder eines Dritten, daß er ſich dem Bewerber gegenüber zur
Tragung der bezeichneten Koſten verpflichte und daß, ſoweit die Koſten von
der Miltärverwaltung beſtritten werden, er ſich dieſer gegenüber für die Er=
ſatzpflicht
des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
Die Unterſchrift des geſetzlichen Vertreters und des Dritten, ſowie die
Fähigkeit des Bewerbers, des geſetzlichen Vertreters oder des Dritten, zur Be=
ſtreitung
der Koſten iſt obrigkeitlich zu beſcheinigen. Uebernimmt der geſehzliche
Vertreter oder der Dritte die in vorſtehendem Abſatze bezeichneten Verbindlich=
keiten
, ſo bedarf ſeine Erklärung, ſofern er nicht ſchon kraft des Geſetzes zur
Gewährung des Unterhalts verpflichtet iſt, der gerichtlichen oder notariellen
Beurkundung.
Der Regel nach iſt dem Schulzeugnis ein entſprechendes Formular bei=
gefügt
, auf welches ausdrücklich Bezug genommen wird.
e) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches für Zöglinge von höheren Schulen
(Gymnaſien, Realgymnaſien, Ober=Realſchulen, Progymnaſien, Realſchulen,
Realprogymnaſien, höheren Bürgerſchulen und ſonſtigen militärberechtigten
Anſtalten) durch den Direktor der Anſtalt, für alle übrigen jungen Leute durch
die Polizei=Obrigkeit oder ihre vorgeſetzte Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Das Schulzeugnis.
Sodann wird noch beſonders bemerkt:
zu pos, d) daß die Schulzeugniſſe, mit Ausnahme der Reifezeugniſſe, für die Uni=
verſität
und die derſelben gleichgeſtellten Hochſchulen und Reifezeugniſſe
für die Prima der Gymnaſien, Realgymnaſien und Ober=Realſchulen,
ſowie Reifezeugniſſe (Zeugniſſe über die beſtandene Schlußprüfung) der
Progymnaſien, Realprogymnaſien und Realſchulen, ſämtlich nach Muſter 18
zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Neuabdruck Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901
ausgeſtellt ſein müſſen.
Im übrigen wird auf die Beſtimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der an=
geführten
Wehrordnung verwieſen.
Großherzogliche Prüfungs=Kommiſſion für Einjährig=Freiwillige zu Darmſtadt.
Der Vorſitzende:
von Werner, Regierungsrat.
(24005a

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 ſchottiſcher Schäferhund, 2 Pinſcher, 1 Foxterrier, 1 Dober=
mann
. Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt. (25296

Bekanntmachung,
über die Feierabendſtunde für offene Verkaufsſtellen.

Als Ausnahmetage im Sinne der §§ 139d Ziffer 3 und 1390
Abſ. 2 Ziff. 2 der Reichsgewerbeordnung werden hiermit beſtimmt:
Für alle offenen Verkaufsſtellen die letzten 7 Werktage
vor dem 24. Dezember 1912 (Montag, den 16. bis
Samstag, den 21. Dezember, ſowie Montag, den 23. De=
zember
), mit einer Verkaufszeit bis 10 Uhr abends.
II. Für die offenen Verkaufsſtellen der Metzger und Fleiſch=
verkäufer
auch der 24. Dezember 1912, mit einer Ver=
kaufszeit
bis 9 Uhr abends.
III. Für die offenen Verkaufsſtellen der Bäcker und Kon=
ditoren
auch der 30. und 31. Dezember 1912 mit einer
Verkaufszeit bis 10 Uhr abends.
An den vorgenannten Tagen finden für die einſchlägigen
Geſchäfte die Beſtimmungen über die Mindeſtruhezeit und
die Mittagspauſen der Gehilfen Lehrlinge und Arbeiter
in offenen Verkaufsſtellen keine Anwendung. (25274iso
Darmſtadt, den 7. Dezember 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung
betr. die Ausſtellung von Gewerbelegitimationskarten.

I. Nach § 4t der Reichsgewerbeordnung iſt derienige, weicherein
ſtehendes Gewerbe betreibt, befugt, auch außerhalb des Gemeinde=
bezirks
ſeiner gewerblichen Niederlaſſung perſönlich oder durch in
ſeinem Dienſte ſtehende Reiſende für die Zwecke ſeines Gewerbe=
betriebs
Waren aufzukaufen und Beſtellungen auf Waren zu
ſuchen. Das G eiche gilt für Handlungsagenten, die ein ſtehendes
Gewerbe betreiben in Anſehung der Befugnis, als Vermittler oder
Vertreter des Geſchäftsherrn den Ankauf von Waren vorzunehmen
oder Beſtellungen auf Waren zu ſuchen.
Hierzu iſt nach § 44a der Gewerbeordnung eine Legitimations=
karte
erforderlich, welche auf Antrag des Inhabers des ſtehen=
den
Gewerbebetriebs (Antrag des Reiſenden ſelhſt genügt ncht)
von der für deſſen Niedertaſſungsort zuſtändigen Verwaltungsbehörde
auf die Dauer eines Kalenderjahres und den Umjang des Reiches
ausgeſtellt wird.
II. Für Gewerbetreibende, welche in Darmſtadt eine gewerb=
liche
Niederlaſung haben, iſt das Großh. Kreisamt Darmſtadt zu=
ſtändig
. Der Antrag iſt bei dem zuſtändigen Polizeirevier zu
ellen.
III. Die Legitimationskarte iſt zu verſagen:
1. wenn derienige, für den ſie beantragt wird, entweder mit
einer abſchreckenden oder anſteckenden Krankheit behaftet oder
in abſchreckender Weiſe entſtellt iſt, oder
2. unter Polizeiaufſi ht ſteht, oder
3, wegen ſtrafbarer Handlungen aus Gewinnſucht, gegen das
Eigentum, gegen die Sitlichkeit, wegen vorſätz icher Angriffe
auf das Leben und die Geſundheit der Menſchen, wegen
Land= oder Hausfriedensbruchs, wegen Widerſtands gegen
die Staatsgewalt, wegen vorſätzlicher Brandſtiftung, wegen
Zuwiderhandlungen gegen Verbote oder Sicherungsmaß=
regeln
, betr. Einführung oder Verbreitung anſteckender Krank=
heiten
oder Viehleuchen, zu einer Freiheitsſtrafe von min=
deſtens
drei Monaten verurteilt iſt, und ſeit Verbüßung
der Strafe drei Jahre noch nicht verfloſſen ſind, oder
wenn er
4. wegen gewohnheitsmäßiger Arbeitsſcheu, Bettelei, Land=
ſtreicherei
, Trunkſucht übel berüchtigt iſt.
Die Legitimationskarte darf außerdem verſagt werden, wenn
derjenige, für den ſie beantragt wird, wegen einer der vorſtehend
unter 3 bezeichneten ſtrafbaren Handlungen zu einer Freiheitsſtrafe
von mindeſtens einer Woche verurteilt iſt und ſeit Verbüßung der
Strafe fünf Jahre noch nicht verfloſſen ſind.
IV. Wer zum Zweck der Erlangung einer Legitimationskarte
wiſſentlich unrichtige Angaben über die für die Erteilung der=
felben
weſentlichen Tatſachen macht. hat Geldſtrafe bis zu
150 Mark und im Unvermögensfalle Haftſtrafe bis zu 4 Wochen ver=
wirkt
. (§ 148, 6 Gewerbeordnung.)
Die oben bezeichnete Tätigkeit darf bei Meidung der gleichen
Strofe nicht früher begonnen werden, als bis der Gewerbe=
treibende
im Beſitz der Legitimationskarte iſt. (§ 148, 5 Gewerbe=
ordnung
.)
Wer ſeine Legitimationskarte einem Anderen zur Benutzung
überläßt, hat die gleiche Strafe verwirkt. (§ 148, 5 Gewerbeordnung.)
V. Da vor Erteilung der Legitimationskarte Ermittelungen
über die Perſönlichkeit desjenigen, für welchen ſie ausgeſtellt werden
ſſoll, insbeſondere über ſeine etwaigen Vorſtrafen angeſtellt werden
müſſen (dies auch dann, wenn der betreffenden Perſon im ver=

floſſenen Jahre eine Legitimationskarte ausgeſtellt war), fordern
wir alle Beteiligten auf, ihre Anträge rechtzeitig auf dem zu=
ſtändigen
Polizeirevier zu ſtellen, da ſie es ſich andernfalls ſelbſt
zuzuſchreiben haben, wenn die Ausſtellung der beantragten Le=
gitimationskarten
durch das Großh. Kreisamt nicht bis zu dem
gewünſchten Zeitpunkte erfolgen kann.
(24982ti
Darmſtadt, den 4. Dezember 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Neubelegung von Reihengrabſtätten
im Friedhof an der Nieder=Ramſtädter Straße.

Die in den Jahren 18851887 belegten Grabſtätten ( Reihen=
gräber
für erwachſene Perſonen) in Abteilung III, J obigen Fried
hofs ſollen gemäß § 18 der Friedhofsordnung erneut belegt werden.
Nach § 19 der Friedhofsordnung können Grabſtätten gegen
Entrichtung der tarifmäßigen Gebühr von 25 Mk. und unter Ueber=
nahme
der Verpflichtung zur ſteten anſtändigen Unterhaltung der
Plätze der erneuten Benutzung zur Beerdigung für die Dauer von
weiteren 25 Jahren entzogen werden.
Gemäß § 20 der Friedhofsordnung fordern wir diejenigen, die
von vorſtehendem Rechte Gebrauch machen wollen, hiermit auf, bis
zum 31. Dezember 1912, bei Meidung der Annahme des Ver=
zichts
, auf dem Geſchäftszimmer des Friedhofsverwalters, Herdweg 105,
bezüglichen Antrag zu ſtellen.
Darmſtadt, den 1. November 1912.
(22925a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

Bekanntmachung.

Der Voranſchlag der Gemeinde Traiſa für 1913 liegt vom
12. bis einſchließlich 19. Dezember l. Js. auf dem Bürgermeiſterei=
Bureau zu jedermanns Einſicht offen.
Zu den zur Erhebung kommenden Umlagen werden auch die
Ausmärker herangezogen.
(25303
Traiſa, den 8. Dezember 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Traiſa.
Walter.

Bekanntmachung.

Der Voranſchlag der Gemeinde Gräfenhauſen für 1913 liegt
vom 11. bis einſchließl ich 17. Dezember 1912 auf dem Bürgermeiſterei=
Bureau zur Einſicht der Beteiligten offen. Während der Offen=
legungsfriſt
können Einwendungen ſchriftlich oder zu Protokoll bei
dem Bürgermeiſter erhoben werden.
Bemerkt wird, daß Umlagen erhoben werden, zu denen die
Ausmärker heranzuziehen ſind.
(25305
Gräfenhauſen, den 9. Dezember 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Gräfenhauſen.
Betri.

Verſteigerungs-Anzeige.

Freitag, den 13. Dezember I. J., vorm. 9 Uhr,
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Darmſtadt, den 10. Dezember 1912.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

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Die Bedingungen liegen bei dem
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Dienstag, 17. Dezbr. 1912
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Darmſtadt, 9. Dezember 1912.
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Buxbaum.

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vormittags 10 Uhr,
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verſteigert werden.
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Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
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dann erfolgen, wenn das eingelegte
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Darmſtadt, 9. Dezember 1912.
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1912, 10 Uhr vormittags, an unter=
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., 1.20, 1.30
mit Seidenfutter
Damen-Handschuhe
1.35, 160, 2.25, 2.40
Wildleder-Imit.
Damen-Handschuhe
1.60, 2., 2.75
Dänisch Leder
Damen-Handschuhe
1.50, 1.75, 3.75
Damen-Handschuhe Glacé-Leder
1.90, 2.80 bis 4.50
Dänisch Leder, woiß und
Damen-Handschuhe farb. 1016 Knopfl. 4.50,
5.50 bis 7..
Glacé-Leder, weiß,
Damen-Handschuhe
820 Knopfl
3.75, 3,.90, 4.75 bis 950

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 12. Dezember 1912, vorm. 10 Uhr,
kommen in Ober=Ramſtadt im Saale Gaſthaus zum Mühltal
zwangsweiſe gegen Barzahlung zur Verſteigerung:
20 Paar Lederſchnürſtiefel mit warmem Futter, 45 Paar
Kamelhaarſtiefel, 12 Paar Damenſchnürſtiefel, 107 Paar
Damen=Filzſchnürſtiefel und Pantoffel, 22 Herren= Filzpan=
toffel
, 21 Doublepantoffel, 22 Meltonpantoffel, 52 Tuch=
u
. Lederhausſchuhe, 30 Rindleder=Schnallenſtiefel, 48 Kinder=
Schnallenſtiefel, 20 Segeltuchſchuhe.
(25340
Die Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Rollenhagen, Großh. Gerichtsvollzieher,
in Darmſtadt, Kaſinoſtraße 24.

Masch.-Techn. Arbeiten.
Kostenanschfüge, Berechnungen, Pröjekte, Unter-
suchungen
, an Masch--Entaehfen. Durcharbeitung
von Erfindungsidee:-Thtwenten sowie Ausziehen
und Beschrafben von Zeichnungen etc. etc.
übernimart- billigst als Nebenbesch. erfahr.-Fachmann
OeeFf. unt. K 83 befördert die Expedition.

Trauringe
(Flach- und Kugelformen),
das Paar von Mark 10. bis Mark 75. (Feingold.).
Das Gravieren der Ringe wird nicht berechnet.
Schul-
Ernstioacholdtstrasse 4.
Reichsortiertes Lager von Taschenuhren, Gold- u.
Silberwaren.
Rabattmarken.
(24587a

Verſteigerungs-Anzeige.

Bekanntmachung.

Freitag, 13. Dezember 1. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Ludwig Heß, dem
Georg Heß und dem Samuel
Reinheimer dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
qm
Flur Nr.
Hohler
III 116¾/10 216 Grab=
garten
: Weg
III 117¾/0 262 Hofreite Nr. 5,
zwecks Aufhebung der beſtehenden
Eigentumsgemeinſchaft in unſerem
Bureau zwangsweiſe verſteigert
(K60/12
werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 30. November 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V24732

Mittwoch, den 11. Dezember 1912, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſt. zu Roſenhöhe)
verſchiedene Möbel, als Kleiderſchränke, Vertikos, Nacht=
ſchränke
, Waſchſchränke, 1 Regulator, Bilder, Spiegel,
Sofas, Waſchkommoden, Tiſche, 1 Sekretär, 1 Spiegel=
ſchrank
, 1 P.üſchgarnitur, 1 Salonſchrank, 1 Bücherſchrank,
1 Kredenz, Fußteppiche, 1 Ruhebett, 1 Serviertiſch, Trumeau=
ſpiegel
, 1 Schreibtiſch, 1 Büfett, Jalouſieſchränke, 1 For=
mularſchrank
, 1 Pianino, ferner 1 Bügelofen, Ladenregale,
Ladentheken, 5 eiſ. Behälter, 1 Nähmaſchine, Eſſigfäſſer,
Grammophon, 1 Pferd, 1 Partie verſch. Weine und
Schaumweine, Flaſchen ꝛc.
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Die Verſteigerung der fettgedruckten Sachen findet voraus=
(25300
ſichtlich ſtatt.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Georgenſtraße 11, I.

Bekanntmachung.

Freitag, 20. Dezember 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Jean Papatheodoros
und deſſen Ehefrau Mathilde, geb
Berntheiſel, in Zürich gehörige,
n der Gemarkung Beſſungen ge=
legene
Liegenſchaft:
Flur Nr.
qm
VI 219¾/10 1047 Bauplatz auf der
Kehrwieſe,
wiederholt zwangsweiſe in unſe=
rem
Geſchäftszimmer, Wittmann=
ſtraße
1, verſteigert werden.
Die Genehmigung der Ver=
ſteigerung
ſoll auch dann erfolgen,
falls ein der Schätzung entſprechen=
des
Gebot nicht eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 2. Dezember 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI24975

Annahme-Stelle
für Schleifereien an Raſiermeſſern
u. Scheeren, Haarſchneidemaſchinen,
Eßbeſtecken, Stanzen u. Maſchinen=
meſſern
, Wiegemeſſern, Fleiſchhack=
maſchinenmeſſern
u. Scheiben uſw
Saalbaustr. 27. (25330a
Filiale Carl Ziegler.

Christbäume
für Wiederverkäufer
(*13820)
Mühlstr. 5, pt.

Nachſtehende Nummern haben bei der Ziehung der St. Eliſa=
bethen
=Vereins=Lotterie gewonnen: 02 04 06 26 44 49 52 56 60 65
(2 83 101 03 09 19 20 24 29 32 36 37 39 46 51 59 62 63 65 7780 81
83 92 9, 200 12 15 16 22 29 31 34 37 39 44 51 59 60 67 68 69 77 81
85 86 87 95 99 305 10 13 32 33 34 40 44 45 60 67 72 77 78 84 86 92
3 94 96 98 400 04 09 27 37 42 56 70 79 86 89 99 500 05 25 27 30
37 38 44 65 66 67 77 85 87 88 91 92 94 97 600 10 11 25 27 36 41 46
62 63 66 79 82 93 709 13 23 28 33 38 45 51 54 57 61 67 70 72 73 76
83 92 99 803 05 12 14 22 24 26 33 38 39 48 51 88 92 900 02 05 09
11 15 19 21 26 43 46 51 54 64 73 78 82 87 90 95 97 99 1001 13 24
41 45 50 56 59 61 61 68 84 86 87 89 90 91 92 95 99 1102 05 12 14
15 17 35 48 70 72 76 83 84 96 98 1205 07 21 24 38 47 49 61 64 65
2 75 80 93 1302 12 14 34 49 58 59 62 64 76 78 96 99 1405 10 14
7 19 23 24 31 33 46 47 51 52 53 59 65 66 68 69 85 88 90 91 92 95 97
1515 23 28 39 45 52 53 55 58 68 69 92 1602 04 07 11 15 17 22 23
2i 29 31 36 40 42 55 56 67 71 73 74 76 77 81 82 83 85 89 90 92 96
1702 03 12 15 21 32 34 45 47 59 63 65 69 90 1801 05 07 09 16 2
26 31 55 70 75 77 80 86 93 96 98 1905 19 20 28 29 30 39 41 48 5
59 62 75 94 96 2003 (9 13 15 21 24 26 29 32 33 34 4 48 53 56 59
61 64 71 73 75 77 78 84 92 98 99 2104 09 29 49 68 75 76 80 84 85
87 88 89 92 2205 12 19 31 34 45 51 52 55 60 69 71 78 82 84 86 90
91 95 96 97 99 2313 18 23 32 37 38 40 44 57 62 64 74 77 81 82 88
995 2401 11 14 23 24 32 36 38 40 72 73 76 78 81 83 87 89 92 91
99 2505 08 10 13 26 33 34 39 48 51 62 64 65 74 86 91 95 96 2608
14 38 44 47 60 69 75 82 83 84 95 96 2700 08 (9 11 14 17 21 32 34
49 52 54 59 63 81 84 91 93 97 98 99 2808 12 16 32 43 48 49 57 62
71 76 81 90 2901 03 09 24 28 31 32 42 45 49 57 66 72 84 94 98 99
NB. Wir bitten, die Gewinne Dienstag, den 10. Dezember, von
101 und von 26 Uhr im Ausſtellungslotal, Wilhe minenplatz 9 im
Hintergebäude, abzuholen. Zugleich ſprechen wir Allen, die uns bei
der Verloſung durch Gaben, Hilfe uſw. unterſtützt haben, unſeren
wärmſten Dank aus.
Der Verwaltungsrat des St. Eliſobethen=Vereins.
5293)
J. A.: Frau Hauptmann Freytag.

Philipp Hess
* Darmstadt
Spezialhaus für Herren-
und Knaben-Bekleidung
empflehlt sein reichhaltiges Lager in
Phantasiewesten.

(25298

Werſert. Steuererilarung.
Off unt. N 73 an die Exp. (*13798

Zu kaufen geſ. ſchöner, warmer=
Wintermantel für Mädch. v.
17 J. Off. u. N83 Exped. (*13816

Kurſe vom 9. Dezember 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zi.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,50
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,00
77,50
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,
3½ do. Conſols . . . 83,4
do.
77,60
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,50
93,40
do.
3½
3
do.

4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,20
86,60
½
do.
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,0
4 Heſſ. Staatsanleihe
99,
4 do. do. (unk. 1918) 99,2
87,00
3½
do.
76,10
do.
3 Sächſiſche Rente.
78,00
4 Württemberger v. 1907 99, 10
3½
do. v. 1875 93,70
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1½ Griehen v. 1887 . . 54,00
3¾ Italiener Rente .
3½ Oeſterr. Silberrente 86,60
t do. Goldrente . . . 91,5
4 do. einheitl. Rente 83
4 Portug. unif. Serie I 63,00
do. unif. Ser. III 66,00
do. Spezial . . . . 9,70
5 Rumänier v. 1903 . . 99,80
do. v. 1890 . . 93,20
do. v. 1905 . . 87,50
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 88,80
do. v. 1902 . . . . 88,5
4½ do. v. 1905 . . . . 10),3
3t Schweden . . . . .
86,2)
4 Serbier amort. v. 1895 79,3
4 Türk. Admin. v. 1903 78,50
4 Türk. unifiz. v. 1903 88,80
4 Ungar. Goldrente . . . 87,00
4 do. Staatsrente. . . 83,20

InProt.
5 Argentinier
100,09
81,90
do.
½ Chile Gold=Anleihe. 91,00
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,55
½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 93,2
5 Innere Merikaner . . . 94,00
do.
59,00
Gold=Merikanerv. 1904 87,00
5 Gold=Merikaner . . . . 99,8
3 Buenos Aires Provinz 68,25
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 151,20
5 Nordd. Lloyd . . . . . 119,50
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 124,9)
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 110,75
6 Baltimore und Ohio . 104, 10
6 Schantungbahn . . . . 125,00
6" Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 17,00
6 Pennſylvania R. R. . 118,50
Letzte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
3 Brauerei Werger . . 65,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . .
511,00
4 Chem. Fabrik Gries=
heim
.
.245,00

30 Farbwerke Höhſt
617,00
20 Verein chen. Fabriken
Mannheim . . . . 315,00
10 Cement Heidelberg . . 145,00
30 Chem. Werke Albert 435,00
14 Holzverkohlung Kon=
tanz
. . . . . . . 321,00
5 Lahmeyer . . . . . . . 122,00

Eeite
In Prot.
Twid.
Schuchert, Nürnberg 147,25
12 Siemens & Halske .220,00
5 Veramann Electr. . . 118,40
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 156,25
25 Gummi Peter . . . . 88,75
0 Kunſtſeide Frankfurt 84,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer
. 557,00
10 Maſchinenf. Badenia 176,00
16 Wittener Stahlröhren 208,00
8 Steana Romana Petr. 144,20
5 Zellſtoff Waldhof . . 230,25
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 198,60
10 Neue Boden=A. A.=Beſ. 90,00
3 Sübd. Immobilien . 57,80
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede
.173,00
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 212,90
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 163,00
10 Gelſenkirchener . . . . 192,00
9 Harpener . . . . . . . 184,00
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 258,70
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . 82,75
6 Laurahütte
. . . 162,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
1
Weſteregeln 206,00
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,40
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
Eliſabethbahn, freie . . 91,75
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Durer . . . . . . 74,80
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 92,50
74,50
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97.75
do.
76,40

St.
In Prot.
1 Oeſt. Südb. (Lomb.) 50.60
75,70
3 Raab=Oedenbura
4 Kronprinz Rudolfbahn 91,20
4 Ruſſ. Südweſt. . . ..
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,10
do.
4 Wladichawchas
88,00
-
4 Rjäſan Koslow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,30
do.
24 Livorneſer .
69,99
3 Salonique=Monaſtir
63,2
4 Baadadbahn.
81,5

4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,90
4 Miſſouri=Paciſic. . . . 72,10
4 Northern=Paciſic . . . 99,80
4 Southern=Paciſic
. . 93,80
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 84,80
5 Tehuantepec . . . . . . 97,60
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Iürich
184,50
7 Veraiſch=Märkiſche
Bahn
146,00
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 162,75
6½ Darmſtädter Bank . 119,25
12½ Deutſche Bank
249,00
6 Deutſche Vereinsbank . 120,90
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 113,80
10 Diskonto=Kommandit 182,75
8½ Dresdener Bank
. . 150,40
9½ Frankf. Hypoth=B. 210,00
6½ Mitteld. Kreditbank 116,75
7 Nationalb. für Deutſchl. 119,20
7 Pfälziſche Bank. . . . 126,25
5.86 Reichsbank . . . . . 132,50
7 Rhein. Kreditbank.
132,80
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 115,40
7½ Wiener Bankverein . 126,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
E. 21. . . . . . A8.79

In Proj.
3t.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 88,0)
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
98,20
S. 52 . . . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,00
87,25
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,70
87,80
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 . .
99,20
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . . . . . . . . 99,40
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 87,80
S. 35 . . . . . . . . 87,60
87,70
S. 911 . . . . . .
4 Meininger Hyp.=Bank 98,20
do.
87,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,50
3½ do. (unk. 1914) . . 86,60
4 Südd. Zd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
3½
do.
87,00
Städte=
Obligationen.
-
4 Darmſtadt . . .
3½
do.
89,00
Frankfurt . . . . . . . 98,20
3½
do.
94.5
4
Gießen . .
97,25
3½
do.
4 Heidelberg . .
97,00
3½
do.
-
Karlsruhe . . . . . .
do.
3½
88,30
4 Magdeburg. . . .
3½
.
4 Mainz . . .
97,50
3½
do.
89,00
4 Mannheim .
97,00
3½
do.
87,50
4 München . . . .
99,60
3½ Nauheim . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 99,20
3½
do.
87,00
4 Offenbach . . . . .

In Proz
Sſ.
3½ Offenbach . . . . . .
4 Wiesbaden . . . . . . 99,50
89,20
do.
4 Worms . . . . . . . . 97,30
do.
3½
-
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 135,60
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100 70,50
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 137,90
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 175,20
3 Oldenburger . . . . . . 130,40
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 33,50
Braunſchweiger Tlr. 20 200,00
-
Freiburger . . . . Fs. 15
Matländer . . . . Fe. 45
. . . . Fs. 10
do.
Meininger . . . . . fl. 7 33,20
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. . v. 1858fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100 390,80
Venediger .. . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 155,60
Gold, Silber und
Banknoten.
20,44
Engl. Sovereigns .
20 Franks=Stücke . . . . 16,25
Amerikaniſche Noten . . .
Engliſche Noten . . . . . 20,44
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 169,10
Italieniſche Noten . . . . 8½2
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,40
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,65
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7

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Der Bund heſſiſcher Schulreformer
veranſtaltete am Sonntag drei inhaltreiche öffentliche
Vorträge, von denen jeder mindeſtens 1¼ Stunde Zeit
beanſpruchte. Die vorgetragenen Gedanken hier alle
wiederzugeben, iſt unmöglich. Im Schulreformerbund
aber wird ſo ein Kapitel notwendiger Erziehungskunde
angeſammelt, das über kurz oder lang befruchtend in das
Volk hineingeleitet werden muß.
In der Vormittagsverſammlung behandelte Frau Dr.
Nägeli=Mainz in ruhiger, klarer und ſachlicher Weiſe
das Thema: Erziehung der Mädchen fürs Le=
ben
. Aus jedem Satz ihres Vortrages merkte der Zu=
hörer
, daß hier eine Frau ſpricht, die das Leben in Haus
und Familie, in Beruf und Oeffentlichkeit kennt. Darum
öffneten ſich auch aller Ohren und Herzen für ihre An=
ſichſten
und maßvollen Ratſchläge. Die Kompliziertheit
des modernen Lebens, ſo zeigte ſie an reichen Beiſpielen,
verlange eine Erweiterung und Vertiefung der Frauen=
Eldung. Die heutigen Frauen ſind ihrem Mutter= und

Hausfrauenberuf vielfach nicht gewachſen. Das gilt für
alle Schichten des Volkes. Daneben darf die Berufsbil=
dung
nicht vernachläſſigt werden. Wenigſtens für einen
Zweig des Berufslebens ſollte jedes Mädchen erzogen
werden und ſichere Kenntniſſe und praktiſche Tüchtigkeit
ſich aneignen. Denn wie oft zwingt häusliches Unglück
zum Frauenerwerb. Und dann darf die Frau nicht lange
ſuchend in die Irre gehen, ſondern muß praktiſch Hand
anlegen und ſei es in den beſchebenſten Stellungen. Die
beſte Erzieherin der jungen Mädchen iſt eine tüchtige
Mutter. Leider ſind vielfach die Fähigkeiten der Mutter
in Geſundheitslehre, Kinderpflege, Haushaltungskunde,
häuslicher Buchführung, Ernährungs= und Kleidungs=
fragen
ſo mangelhaft, daß man in die häusliche und müt=
terliche
Mädchenerziehung für die nächſte Generation nicht
alle Hoffnungen ſetzen darf. Und doch gilt es, tüchtige
Mütter heranzubilden. Da muß die Schule helfend ein=
greifen
, die den einzigen feſten Punkt für rationelle Er=
ziehung
bietet. Rednerin zeigte dann, wie in dem Lehr=
plan
der Mädchenſchule den praktiſchen Lebensbedürfniſſen
vorgearbeitet werden kann. Als Hauptmangel empfindet
ſie auch, daß für die Mädchen noch die obligatoriſche Fort=
bildungsſchule
fehlt, in der auf der Schulgrundlage wei=
ter
gearbeitet werden müſſe. Frau Dr. Nägeli ſchloß mit
dem Wunſch, daß mit der Mädchen=Fortbildungsſchule
in Heſſen bald ein Anfang gemacht werde.
Am Nachmittag ſprach zunächſt Dr. Strecker=Bad=
Nauheim über die Jungdeutſchland= Beweg=
ung
. Die Not der Zeit iſt ihre Urſache und Triebfeder.
Alkoholismus, Tuberkuloſe, Geſchlechtskrankheiten und
Nervoſität fordern alljährlich, wie der Redner durch eine
Fülle ſtatiſtiſcher Tatſachen beweiſt, ungeheuere Opfer
Bei der Jugend aber liegt alle Hoffnung auf eine beſſere
Zukunft. Vor allem die körperliche Geſundheit muß er=
halten
und gepflegt werden. Das Werk Jahns muß fort=
geſetzt
werden. Jede praktiſche Erziehungstätigleit zur
Geſundheit muß willkommen ſein. Am beſten iſt die neu=
trale
Jugendbewegung, wie ſie ſich im Wandervogel
durchgebrochen hat. An ſich iſt es zu bedauern, wenn die
Jugendpflege in den Dienſt der Parteipolitik geſtellt wird,
was bei den konfeſſionellen, ſozialdemokratiſchen und kon=
ſervativen
Jugendbeſtrebungen der Fall iſt. Auch die
Jungdeutſchland=Bewegung hat ſich leider nicht ganz frei
von Politik gehalten, inſofern ſie ſich die Ausſchließung
und Bekämpfung der Sozialdemokratie zur Aufgabe ge=

macht hat. Aber ſo bedauerlich die Nebenerſcheinungen
ſein mögen, ſo müſſen ſie doch in Kauf genommen werden
in allen Fällen, wo die neutrale Bewegung noch nicht
eingeſetzt hat. Ganz beſonders empfehlenswert iſt auch
die Einrichtung von Arbeitsgärten, wie es Herr Lehrer
Preſſer in Darmſtadt verſucht. Wenn das Stein=Fichteſche
pädagogiſche Teſtament vollſtreckt werden ſoll, ſo muß die
Jugendbewegung in das neutrale, allgemeine öffentliche
Schul= und Erziehungsweſen eingegliedert werden.
Den 2. Nachmittagsvortrag hielt Herr Lehrer Jung=
Darmſtadt über die Reviſion des heſſiſchen
Volksſchulgeſetzes, die ihre Bedeutung aus der
Tatſache erhalte, daß 90 Prozent unſeres heſſiſchen Volkes
ihre Bildung ausſchließlich der Volksſchule verdanke.
Einleitend zeichnet der Redner unſere Volksſchule als
das Kind der Verbindung unſerer deutſchen klaſſiſchen
Philoſophie mit der deutſchen Erziehungskunſt, wie ſie ſich
in dem Geiſt von Stein, Fichte, Humboldt, Peſtalozzi
vollzogen hat. Im Geiſte dieſer Männer muß auch ihr
Weiterbau gefördert werden. Die Begründung der mo=
dernen
heſſiſchen Volksſchule geſchah durch den Peſtalozzi=
ſchüler
Wilhelm Heſſe, der 1817 das Lehrerſeminar in Fried=
berg
ins Leben rief und als Verfaſſer desVolksſchuledikts
von 1832 gelten muß. Trotz 100jährigen Beſtehens ſchaut
die alte einklaſſige kommunale Küſterſchule auch dem
heutigen Schulgeſetz noch aus der ganzen Anlage. In
Organiſation, Finanzierung und Leitung aber muß unſere
Schule zur wirklichen Volksſchule erhoben und die Ent=
wickelung
dazu eingeleitet werden. Der Konfeſſionalis=
mus
iſt auszuſchalten. An ſeine Stelle tritt die Tat= und
Lebensgemeinſchaft des geeinten Volkes. Damit alle
Volkskräfte richtig entfaltet werden können ſind im Rah=
men
der Volksſchule auch die ſozialen Differenzen zu be=
ſeitigen
, und das Schulgeld muß fallen, auch in der er=
weiterten
Volksſchule. Die Schulorganiſation muß
namentlich auf den oberen Stufen an die Berufsbedürf=
niſſe
unſeres komplizierten Volks= und Kulturlebens mehr
angepaßt werden. Als Hauptträger der Volksſchullaſten
iſt der Staat im Geſetz zu bezeichnen, jedenfalls muß er
die oberſte Verantwortung übernehmen. Die finanzielle
Beteiligung der Gemeinden bedarf einer gründlichen Re=
viſion
, um Härten zu beſeitigen. Das Präſentationsrecht
der Standesherren und Geiſtlichen und das Aufſichts=
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der letzteren hat ſeine Berechtigung verloren. Die
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wirkung
des Volkes an der Jugenderziehung müſſe durch
Schaffung einer Erziehungszentrale, von der aus das
Erziehungsweſen in Schule und Haus angeregt wird,
weiter entwickelt werden. Baden ſei vor Jahresfriſt,
Sachſen in dieſen Tagen mit gutem Beiſpiel vorange=
gangen
.
Im Anſchluß an die Anregung eines Diskuſſionsred=
ners
ſchloß der Bundesvorſitzende Dr. Strecker mit der
Hoffnung, daß die auf der Schulreformertagung erarbei=
teten
Gedanken bald Gemeingut des ganzen Volkes wer=
den
möchten

Kunſtnotizen.

(Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtal=
kungen
ꝛc., deren im Nachſtehenden Erwähnung geſchieht,
behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)
. Inſtrumental=Verein. Es ſei nochmals
auf das morgen Mittwoch, den 11. Dezember, abends
8¼ Uhr, im Saalbau, ſtattfindende 2 Konzert dieſes
Winters aufmerkſam gemacht. Wie ſchon bekannt, kom=
men
die neuentdeckte Beethoven=Symphonie, ſowie
Concerto grosso op. 3 von Händel und Mozarts Sere=
nade
für 2 Streichorcheſter und Pauken hier zur erſten
Aufführung. Ueber den Soliſten des Abends, den Violin=
virtuoſen
Herrn Nico Poppelsdorff, leſen wir in
der Kleinen Preſſe in Frankſurt a. M. gelegentlich eines
Konzer es am 9. November d. J. folgendes: Herr Nico
Poppelsdorff ſpielte zunächſt die ſchöne A=dur=Sonate
Nr. 3 von Mozart, deren feiner lyriſcher Zauber im 2. Satz
nebſt der erguickenden Friſche des Preſtos in überzeu=
gendſter
Weiſe interpretiert wurde. Ganz beſonders
aber hatte der Geiger Gelegenheit, ſeine violiniſtiſchen
Fähigkeiten in dem bekannten virtuos angelegten II-moll=
Konzert von Saint=Saéns darzutun. Eine durchweg
ſichere, elegante Technik, verbunden mit einer ſchönen,
weichen Tongebung kennzeichneten in der Wiedergabe
hieſes Werkes, wie auch in den ſpäter geſpielten kleineren
Sachen von Vieuxtemps, Deſſau und Wieniawski, den ge=
ſwandten
Yſaye=Schüler, dem ſeitens der zahlreich erſchie=

nenen Zuhörer herzliche Ovationen gebracht wurden.
Aehnliche Preßſtimmen liegen vor aus Paris Antwerpen,
Brüſſel London und anderen Städten. Der Künſtler
ſpielt hier das ſeit langer Zeit nicht gehörte Konzert
D-dur von Paganini. Der Kartenverkauf findet nur in
der Hofmuſikalienhandlung von Heinrich Arnold, Wil=
helminenſtraße
9, ſtatt.
Der Richard Wagner=Verein wird auf
ſeinem am nächſten Freitag ſtattfindenden 204. Vereins=
abend
wiederum zwei deutſche Künſtler von Rang hier
erſtmalig einführen, die Darmſtadt ſeither fern geblieben
waren: Frau Kammerſängerin Annie Gura=Hummel
und Herrn Kammerſänger Hermann Gura, der Sohn
des hier unvergeſſenen großen Balladenſängers Eugen
Gura. Ueber den Künſtler leſen wir in einem auswär=
tigen
Blatte: Eine gediegene Technik vereint ſich mit
einer glänzenden muſikaliſchen Bildung, die auf natüt=
licher
Begabung ruht. Daneben verfügt Kammerſänger
Gura über eine Geſtaltungskraft, die im Dämonniſchen
ebenſo überwältigend und erſchauernd wirkt, wie im be=
haglichen
Humor erheiternd und erquickend. Selten ſind
im Konzertſaale von Sängern gebotene Genüſſe ſo voll=
wertig
und charakteriſtiſch wie die, die geſtern den in gro=
ßer
Zahl erſchienenen Beſuchern zuteil wurden. Reizvoll
war der Kleine Haushalt und Tom, der Reimer, wuch=
tig
, hinreißend und erſchütternd war das prächtige Cha=
raktergemälde
Edvard das einen unbeſchreiblich tiefen
Eindruck hinterließ. Auch an die Schumann=Lieder Bel=
ſazar
, Waldesgeſpräch und an den Prometheus von
Schubert trat der Sänger mit gleichem künſtleriſchen
Ernſte heran. Am Schluß des Programms trug das mit
Beifall überſchüttete Ehepaar ſechs Duette aus den Lie=
besnächten
von Alexrander Ritter vor. Der Zuſammen=
klang
beider Stimmen im Duett war muſtergültig.
Vorträge von Karl J. Luther, Mün=
chen
. Zu dem vom Skiklub Darmſtadt Odenwald veran=
ſtalteten
Lichtbildervortrag über Skiſport und Skiton=
riſtit
: ſeien nachſtehend einige Preſſtimmen über den
ein Kunſt=
Redner mitgeteilt: Kronſtädter Zeitung: .
genuß ſeltenſter Art geboten . . . . nur Miterlebtes und
ſelbſt Geſehenes nach eigenen Aufnahmen . . . . er ver=
ſtand
durch Wärme und Humor das Intereſſe der Zu=
An Hand eines
hörer bis ans Ende wachzuhalten
überreichen, erſtklaſſigen Lichtbildermaterials . . . . wun=

derhübſche Aufnahmen
Vielen Genuß, aber auch
viel Lehrreiches hat uns der Vortrag geboten . .. reicher
Beikall allen zu Herzen geſprochen. Neues Tag=
blatt
, Stuttgart: Von dem Vortragenden war zu erwar=
ten
, daß er etwas Gutes bieten würde. Derſelbe hat
aber die Erwartungen weit übertroffen, ſo daß mian es
bedauert hätte, wenn man den Vortrag verſäumt hätte.
Herr Luther entwickelte inhaltlich ein ſolch abwechslungs=
reiches
und feſſelndes Programm, das durch eingeſchaltete
humoriſtiſche Ausführungen gewürzt wurde ſo daß die
ſonſt bei länger dauernden Lichtbildervorträgen eintre=
tende
Ermüdung abſolut nicht zu verſpüren war. . . . .
(Vergl. auch Anz.)

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichung unter dieſer Ueberſchrift über=
nimmt
die Redaktion keinerlei Verantwortung; für ſie
bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des Preßgeſetzes in
vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
In dem Bericht über den Vortrag der engliſchen
Suffragette Miß Thyſſon iſt kein Wort darüber zu finden,
daß ſie die Verbrechen ihrer engliſchen Kolleginnen ver=
urteilt
habe, ja ſie ſcheint ſie ſogar rechtfertigen zu wollen,
iſt aber daraufhin leider wohl nicht interpeniert worden,
Die Stimmenrechtlerinnen in England, die Eigentun,,
Geſundheit und Leben ihrer Mitmenſchen gefährdey,nd
Verbrecherinnen und müſſen als Verbrecherinnen=beurteilt
und behandelt werden. Solange die Frauenſtimmrecht=
lerinnen
in Deutſchland nicht jede Gemeinſchaft mit die=
ſen
verabſcheuungswürdigen Frauen oder wenigſtens
doch mit ihrer Kampfesweiſe öffentſich und unzweideutig
perhorreszieren, was bis jetzt leider noch nicht geſchehen
iſt, werden ſie ſich nicht wunde=ydürfen, wenn man ihnen
Sympathien vorenthält.
Politicus.
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Nr. 290 Kauft am Platze‟
ſei erwidert, daß k
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des Herrn Konsul Singelmann aus Braunschweig, über
Deutschlands Interessen am spanischen
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am Dienstag, den 10. Dezember 1912, abends 8 Uhr,
im Saale des Hotels zur Traube, veranstaltet von der
Abt. Darmstadt der Deutschen Kolonialgesellschaft, unter An-
schluss
der Ortsgruppen Darmstadt des Dentschen Flottenvereius
und des Alldeutschen Verbandes.
Eintrittskarten zu 50 Pfg. (Studenten, Schüler u. Schülerinnen
zu 20 Pfg.) sind in den Buchhandlungen von Bergstraesser u. Wailz
sowe abends an der Kasse zu haben. Die Mitglieder obiger Ver-
(24999fi
eine haben freien Eintritt.

eillädund
für alle Hotel= und Reſtaurant=Angeſtellten
zu der am Mittwoch, den 11. Dezember, abends
10½ Uhr, im Reſtaurant Frankfurter Hof
Ecke Frankfurter= und Landwehrſtraße ſtattfindenden
Verſammlung
des Internat. Genfer Vereins der Hotel-und
Reſtaurant-Angeſtellten‟
behufs Gründung einer Sektion in Darmſtadt.
Im Intereſſe der guten Sache hoffen wir auf eine recht zahl=
reiche
Beteiligung.
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Die Einberufer:
Das Komitee der Sektion Frankfurt a. M.

Miehard Warner Ferein Darmsiacl.
Freitag, den 13. Dezember 1912, abends 8 Uhr, im
Festsaale der Turngemeinde:
Balladen-, Lieder- und Duetten-Abend
von Kammersängerin
Annie Gura- Hummel
(Sopran) und Kammersänger
Her mann Gura
(Bariton) aus Berlin.
Programm: Carl Löwe, Johannes Brahms, Alexander
Ritter Hugo Wolf. Franz Mikorey und Otto Vrieslander.
Der Ibach-Flügel ist aus dem Lager der Firma Hofliefe-
rant
Heinrich Arnold. Wilhelminenstrasse 9.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Numerierter Balkon zu 3 Mk., Galerie zu 1.5) Mk., Studen-
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1913 beginnende neue Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Kon-
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erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Bei-
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Zum Besten der Mädchenhorte
d. Allgem. deutschen Frauenvereins.
Wiederholung des Märchenſpiels
Der goldene Schlüſſel.
Geſpielt von Kindern der Mädchenhorte
Mittwoch, 11. Dez., 4½ Uhr im Mathildenhöhſaal, Dieburgerſtr. 26.
Danach Tombola und Verkauf von Handarbeiten der Kinder.
Numerierte Plätze für Erwachſene à 1 Mark, Galeriekarten 50 Pfg.
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und für Kinder die Hälfte.
Karten ſind im Verkehrsbureau und abends an der Kaſſe zu haben.

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Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 25 Vfg. 10 Abonnementskarten zu Mk. 1.50
iſind zu haben im Verkehrshureau und an der Kaſſe.
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Nur für Kenner!
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Sonntag, den 22. Dezember 1912,
nachmittags 4 Uhr,
im großen Saale der Turnhalle am Woogsplatz
beſtehend aus Theateraufführung:
Der Kinder Weihnachtstraum
unter Leitung des Ehrenmitgliedes Herrn Enders und Frau Enders=
Kuhlmann und unter gütiger Mitwirkung des Mandolinenklubs,
Unſere Ehrenmitglieder und Mitglieder nebſt ihren Familien=
angehörigen
, insbeſondere deren Kinder u. Enkel, laden wir hierzu ein.
Kinder von 414 Jahren, die an der Weihnachtsbeſcherung teil=
nehmen
wollen, ſind ſpäteſtens bis Dienstag, den 17. d. Mts., abends,
unter genauer Angabe des Alters, ſowie Vor= und Zuname (Knaben
oder Mädchen) bei Kamerad Junge, Schloßgartenſtraße 45,
ſchriftlich oder mündlich anzumelden. Die mündlichen Anmeldungen
werden bis zu genanntem Termin jeden Tag von 122 Uhr entgegen=
genommen
.
Zur Aufrechterhaltung der Ordnung werden für die Kinder
Kontrollkarten ausgegeben, welche vom 18. d. Mts. ab bei dem Oben=
genannten
oder 1 Stunde vor Beginn der Feier an der Kaſſe in der
Turnhalle in Empfang genommen werden können.
Spätere Anmeldungen können nicht berückſichtigt werden. Die
Kontrollkarten ſind von den Kindern bei der Beſcherung vorzuzeigen,
Der Vorstand.
25271)

Unter Mllerböchsten Prot ktorat Seiner Königlichen Hoheit des Grosherrogs,
Instrumentalverein Darmstadt
Mittwoch, den 11. Dezember 1912, abends 8¼ Uhr
im großen Saale des städt. Saalbaues:
Zweites Konzert
Solist: Herr Nico Poppelsdorff aus Frankfurt a. M., Violine.
Leitung: Wilhelm Schmitt, Direktor der Akademie für
Tonkunst.
PROGRAMM: Händel: Concerto grosso op. 3 Nr. 1 f. Orchester
(zum ersten Male); Faganini: Konzert für Voline D-dur; Mozartz
Serenade D-dur für 2 Streichorchester und Pauken (zum ersten
Male); 3 Stücke für Violine u. Klavierbegleitung von Vieuxtemps,
Dessau u. Wieniawski; Beethoven: Jenaer Symphonie C-dur für
Orchester (zum ersten Male). Am Klavier: Fräulein Marie Schwan
von hier.
Konzertflügel: Ibach. Vertreter Hoflieferant Heinrich Arnold,
Wilhelminenstr. 9.
Eintrittskarten: Sperrsitz zu Mk. 3., Saalzu Mk. 2., Studenten=
und Schülerkarten zu Mk. 1. in der Hofmusikalienhandlung von
Heinrich Arnold, Wilhelminenstr. 9.
Beitrittserklärungen, die noch vor dem obigen Konzerte
erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Eintritt und sind schrift=
lich
zu richten an den I. Vorsitzenden, Herrn Justizrat Hallwachs.
(24895dsi
Hügelstr. 47.

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Frauenverein der Johannesgemeinde.
Mittwoch, den 11. Dezember, abends 8 Uhr
im Gemeindehaus
Musikalische Adventsfeier
in Verbindung mit Hauptverſammlung, Jahresbericht uſw.
Hierzu ſind die Mitglieder und Freunde unſres Vereins freund=
lich
eingeladen.

(25306

Der Vorſtand.

Mittwoch, 11. Dezember 1912:
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Gretchens Roman.
Von Fr. Lehne.
(Nachdrück verboten.)

2. Kapitel.
Am erſten Oktober nahm die Winterſpielzeit im Hof=
theater
ihren Anfang.
Gretchen freute ſich ſehr darauf; der Beſuch des
Theaters war ihr liebſtes Vergnügen, mehr als Tanz
und Geſellſchaften, und es war ihr ein Genuß, mit dem
geliebten Vater die Vorſtellungen zu beſuchen, beſonders
die Opern, da beide begeiſterte Muſikliebhaber waren.
Als Eröffnungsvorſtellung war Tannhäuſer be=
ſtimmt
. Freudig erregt ſaß Gretchen zur Linken der
Stiefmutter in ihrer Loge, die ſie abonniert hatten, und
der Major nahm hinter ſeinen Damen Platz.
Claudia trug eine koſtbare ſchwarze Chiffonrobe;
wohltuend in ihrer Schlichtheit erſchien Gretchen in dem
feinen weißen Wollkleid neben der etwas aufgeputzt wir=
Lenden Majorin.
Nachdem Claudia ſich genügend in dem ſich allmählich
füllenden Zuſchauerraum umgeſehen hatte, überflog ihr
Blick gleichgültig den Theaterzettel.
Plötzlich ſtutzte ſie und verfärbte ſich etwas, als ſie
bas: Tannhäuſer: Ernſt Brand. Ja, es war wirklich

ſo; ihre Augen hatten ſie nicht getäuſcht Ernſt Brand!
Heftig ſetzte ſie den Fächer in Bewegung, um die in ihr
aufſteigende Erregung zu verbergen. Wie in momentanem
Schwindel ſchloß ſie die Augen und atmete tief auf
dann aber faßte ſie ſich wieder. Vielleicht war ihr Er=
ſchrecken
umſonſt geweſen es gab ja ſo viele mit Namen
Brand mußte denn gerade jener Mann es ſein, der
Erfreulich war allerdings die Erinnerung nicht, die
bei dieſem Namen in ihr aufſtieg was ſie längſt
begraben gewähnt hier trat es vor ſie hin und ſchreckte
ſie aus ihren Träumen von Sicherheit, Reichtum und
Stellung.
Nur kurze Zeit noch, und ſie würde Gewißheit haben,
ob er es war! Mit faſt atemloſer Spannung wartete ſie
auf das Aufgehen vom Vorhang, des meiſterhaften Vor=
trages
der Ouvertüre, dieſes machtvollen, wunderbaren
Tongemäldes, nicht achtend. Weit beugte ſie ſich vor, dem
neben der Venus ruhenden Mann ins Geſicht zu ſehen,
als ſich den entzückten Augen der Zuſchauer das glanz=
volle
Innere des Venusberges darbot.
Ja, er war es, der Ernſt Brand, den ſie meinte
ſofort hatte ſie ihn erkannt. Sie biß ſich auf die Lippen
und ſah nach der Stieftochter, die ganz in die herrliche
Muſik vertieft war, daß ſie kaum des prächtigen Bühnen=
bildes
achtete.

eg an de enſen Don aus Lothöuſes Mich=
kamen
zuviel, o daß ich nun erwachte neigte ſie
ſich intereſſiert vor, den neuengagierten Heldentenor in
Augenſchein zu nehmen denn es war ja eine herrliche
Stimme, die in ihr Ohr klang, von beſtrickendem Wohl=
laut
und Schmelz und einem dunklen Timbre, der ſie
ſofort gefangen nahm.
Seine Erſcheinung verdiente ebenfalls Beachtung,
Er war nicht ſchön im landläufigen Sinne des Wortes
aber mehr als das intereſſant. Seine Geſtalt war gut
gewachſen, ſchlank, elegant, muskulös mit breiten Schul=
tern
; der Kopf mit edlem, ſcharf geſchnittenem Profil und
klugem, geiſtvollem Ausdruck.
Im Gegenſatz zu den Durchſchnittsdarſtellern des.
Tannhäuſer ſang er dieſe Partie ohne Bart und mit kur=
zem
, leicht gelocktem, dunklem Haar.
Er ſah daher nicht aus wie ein deutſcher Minnen
ſänger, ſondern machte vielmehr den Eindruck eines römi=
ſchen
Cäſaren, was ſeiner Darſtellung eine intereſſante
Note verlieh.
Das Publikum fühlte bald, daß es hier vor etwas
Neuem, Fremdartigem, Großem ſtand, das unwiderſteh=
lich
gefangen nahm.
Es gab die kühle, abwartende Haltüng auf, die es
unwillkürlich jedem neuengagierten Mitglied gegenn=

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enmim und kauſce ſhen denſentlunß den erien aitf
Beifall, den Sänger mehrmals hervorrufend, welcher ſich
dankend nach allen Seiten verneigte.
Nun, mein Kind, wie gefällt dir denn der neue Tann=
häuſer
? fragte der Major lächelnd ſeine Tochter; er kannte
ja ihre Vorliebe für die Kunſt und Künſtler.
Großartig, Papa, entgegnete ſie mit leuchtenden Augen,
er hat ja eine wunderbare Stimme! Wir können uns über
dieſe neue Errungenſchaft freuen Brand iſt doch ein
anderer Sänger als der alte Dietrich! und wie intereſſant
er ausſieht
Margareta ſcheint ja ganz aufgelöſt, bemerkte Frau
Claudia mit leichtem Spott, verliebe Dich nur nicht gleich
in den Tannhäuſer, Kleine
Darum brauchſt Du keine Sorge zu haben, Du weißt
doch, wie ſehr ich die Muſik liebe
Ja, ja, Du kleine Schwärmerin, ich weiß brauchſt
nicht gleich ſo empfindlich zu ſein; ich ſcherzte ja nur
Die Logentür öffnete ſich, und Bekannte traten ein,
die Herrſchaften zu begrüßen. Man war einig in der Be=
wunderung
des neuen Heldentenors; ſelten hatte man
eine ſo herrliche blühende Stimme gehört bei ſolch
feſſelnder intereſſanter Erſcheinung!
Mit klopfenden Herzen hört Claudia das alles an;
Es beglückte ſie, ſo von ihm ſprechen zu hören
dann aber kam die Furcht, wenn man erfahren würde,
daß ſie ihm einſt nahe geſtanden!
Es kam darauf an, wie er ſich gegen ſie verhalten

wicde, wen der Zuſel en Zrſamenriſen, ſch es
auf der Straße oder in Geſellſchaft, fügte.
Und ſie ſehnte ſich danach, ihm wieder ins Auge
zu ſehen; höher ſchlug ihr Herz, als ſie den Künſtler jetzt
im zweiten Aufzug in ſeiner ganzen ſieghaften Männlich=
keit
im Sängerkrieg hörte und ſah!
Und ſie gedachte vergangener Zeiten
Wie im Traum war Gretchen. Sie wußte nicht, wie
ſie nach Hauſe gekommen war. Der Eindruck der herr=
lichen
Vorſtellung war ſo nachhaltig, daß ſie noch lange
ſinnnend im Bette lag und mit offenen Augen träumte.
So hatte es ſie noch nie gepackt; mit Leib und Seele war
ſie dabei geweſen. Sie hätte die Eliſabeth ſein mögen,
die für den geliebten Ungetreuen bat und wie war
er ſchön geweſen im Geiſte ſtand ſeine Erſcheinung
in dem kleidſamen Koſtüme damaliger Zeit vor ihr, das
geiſtvolle Geſicht mit den großen, kühn blitzenden Augen.
Sie fühlte, wie bei der Erinnerung ein heißes Rot
über ihre Wangen lief ſollte die Stiefmutter gar recht
haben, daß ſie ſich in den Künſtler verliebt? Ach, Un=
ſinn
ſie war nur berauſcht von der blühenden Stimme,
die förmlich mit Wohllaut durchtränkt war noch nie
hatte eine menſchliche Stimme die Saiten ihrer Seele ſo
zu treffen gewußt Tränen traten noch bei dem Ge=
danken
daran in ihre Augen.
Und ſie freute ſich ſchon auf die nächſten Vorſtellun=
gen
, in denen ſie ihn hören würde ſicher wird es in
dieſem Jahr kein Winter ihres Mißvergnügens werden!

An wioſten vermiage doite Mageneie Beint
unterricht.
Hell und freundlich lachte die Sonne vom blauen
Himmel, und es war faſt ſommerlich, ſo daß ſie ihr wei=
ßes
Tuchkleid anlegte mit Vorliebe trug das junge
Mädchen dieſe Farbe und heiter fortging, den Violin=
kaſten
in der Hand.
Frau Claudia fand es zwar nicht recht paſſend, daß
Gretchen ihn ſelbſt trug; doch dieſe vertraute ihr koſt=
bares
Inſtrument niemandem an.
Bei ſchönem Wetter ging ſie meiſtens durch den
Schloßgarten, wenn es auch ein Umweg war, doch ſie
hatte eine Vorliebe dafür und hielt ſich gern dort auf;
ſie freute ſich über die alten hohen Bäume, über die grü=
nen
Raſenflächen, die von ſchön angelegten Blumenbeeten
unterbrochen waren und über den ſchattigen Weg in der
Lindenallee, die nach dem Schloſſe führte.
Auch heute wählte ſie dieſen Weg, der zu der frühen
Vormittagsſtunde nur von wenigen Spaziergängern be=
lebt
war. Langſam ſchlenderte ſie dahin und blickte mit
hellen Augen um ſich, ſich des ſchönen Tages freuend.
Warm lag die Sone auf den ſorgfältig gepflegten
Wegen und ſchimmerte durch die buntgefärbten Blitter
der Bäume, die doch nur zu deutlich verrieten, daß der
Sommer endgültig Abſchied genommen.
(Fortſetzung folgt.)

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Mban

Sole

war wieder außerordenklich gemüflich, wir
haben einen guken Durſt entwichelt und
die Luft war zum Schneiden. Daß ich
froßdem keinen rauhen Halshabe, danke ich
den Wybert=Tabletten, die ich gleich beim
Heimkommen und heufe früh genommen habe. Sie machen den Hals frei
und benehmen auch den üblen Geſchmack im Mund. Die Schachtel koſtek
in allen Apotheken und Drogerien 1 Mark und häli lange vor.

Luftfahrt.

sr. Gelungene Abnahmefahrt des Schütte=
Lanz=Lenkballons. Der deutſche Luftkreuzer
Schütte=Lanz der bereits in der letzten Zeit vor einer
Militär=Kommiſſion Abnahmefahrten unternommen
hatte, ſtieg am Freitag abend halb 9 Uhr zu einer weite=
ren
Prüfungsfahrt von ſeiner Halle bei Mannheim auf.
Es handelte ſich diesmal um eine Dauerfahrt mit dem
Ziel Berlin, für die zirka 16 Stunden Fahrzeit in Ausſicht
genommen waren. Der Luftkreuzer hatte jedoch genügend
Betriebsmaterial für eine Fahrt bis zu 24 Stunden an
Bord. Die Führung hatte Kapitän Nuhold übernommen.
Von der Abnahmekommiſſion befand ſich Hauptmann
von Jena an Bord. Der Schütte=Lanz nahm in der
Nacht zunächſt Kurs auf den Luftſchiffhafen Gotha, wo er
nachts kurz nach 2 Uhr geſichtet wurde. Im Laufe des
Vormittags erreichte er dann Berlin, vermied jedoch in=
folge
des Nebels eine Landung und ging erſt 1 Uhr nach=
mittags
, alſo nach einer Fahrzeit von 16½ Stunden, vor
der Siemens=Schuckert=Ballonhalle in Biesdorf nieder.
Dieſe dritte Abnahmefahrt iſt ebenſo einwandfrei verlau=
fen
wie die früheren Prüfungen, die zur Feſtſtellung der
Steigfähigkeit und Schnelligkeitsmeſſungen dienten. Dem
Vernehmen nach wurde bei den Schnelligkeitsprüfungen
eine Eigengeſchwindigkeit von 19,5 Sekun=
denmetern
feſtgeſtellt, was alſo einer den neuen
Zeppelin=Luftſchiffen annähernd gleichkommenden Stun=
dengeſchwindigkeit
von etwas über 70 Kilometer entſpre=
chen
würde.

Sport.

* Hockey. Am Sonntag weilte die erſte Mannſchaft
des F.=K. Olympia in Mannheim und ſpielte gegen
die erſte Mannſchaft des dortigen Vereins für Raſen=
ſpiele
. Wider Erwarten mußten ſich die Darmſtädter
ihrem Gegner, welcher mit 311 ſiegen konnte, beugen.
Hoffentlich wird dieſe Niederlage aber ein Anſporn für
die Olympia=Mannſchaft, damit ſie bei ihrem nächſten
Wettſpiel wieder erfolgreicher abſchneidet.
Die Berliner Hockeyſpiele um die Ver=
bandsmeiſterſchaft
brachten dem S.=C.= Charlot=
tenburg
den glänzenden Sieg von 622 (4:1) über den
Berliner Ballſpielklub. In dem Entſcheidungsſpiel der
beiden führenden Mannſchaften der zweiten Klaſſe ſiegte
der Berliner Sportklub II mit 5:3 (3:2) über Teutonia I.
Die Damenabteilung des B. F. C. Preußen ſpielte,
durch drei Herren verſtärkt, in Dahlem gegen die zweite
Damen=Mannſchaft des Berliner Hockeyklubs und gewann
mit 3:0.
Fußballſport. F.=K. Olympia‟. Da nunmehr
eine mehrwöchige Pauſe in den Ligaſpielen eingetreten
iſt, hat naturgemäß jeder Verein das Beſtreben, die Zwi=
ſchenzeit
mit Privatſpielen auszufüllen. Der Fußball=

klub Olympia hat ſich nun für den kommenden Sonntag
den A. F.=K. Pforzheim nach Darmſtadt verpflichtet. Die=
ſer
Verein, der zurzeit in der Südkreisliga an erſter Stelle
ſteht, iſt durch ſein techniſch hoch entwickeltes und ſaires
Spiel weit über die Grenzen ſeiner engeren Heimat hin=
aus
berühmt geworden. Wenn man auch bei einem ſol=
chen
Gegner einen Sieg der Einheimiſchen nicht gut er=
warten
kann, ſo wird doch ſicherlich dieſes Spiel der beſte
Maßſtab für das Können der Darmſtädter ſein.
F.=K. Alemannia=Griesheim. Am Sonn=
tag
ſpielte die 1. Mannſchaft des F.=K. Alemannia= Gries=
heim
gegen die gleiche Mannſchaft des F.=K. Phönix=
Darmſtadt=Beſſungen. Das Spiel endete unentſchieden
mit 2.2 Toren.
Darmſtädter Sportklub 1905. Zwei ſchöne
Erfolge errang der Darmſtädter Sportklub am
vorigen Sonntag. Die 1. Mannſchaft beſiegte die gleiche
des F.K. Alemannia=Worms in Worms mit 211 Toren.
Trotzdem die Mannſchaft die Hälfte der Spielzeit ohne
ihren altbewährten Mittelläufer Göbel ſpielte, gelang
es ihr, die zwei Punkte zu gewinnen, und ſteht nun mit
dem Vorverhältnis von 30115 an führender Stelle. Ge=
lingt
es ihr, am kommenden Sonntag den F.=K. Fran=
kenthal
zu bezwingen, ſo iſt ihr wohl die Meiſterſchaft
nicht mehr zu nehmen. Die 2. Mannſchaft ſpielte gegen
die 2. Mannſchaft des F.=K. Alemannia=Worms auf dem
Sportklub=Sportplatz. Dieſes Treffen endete nach ſchö=
nem
Spiel mit 2:2 Toren unentſchieden.
Fußball=Städtekampf Halle- Magde=
burg
. Der alljährlich ſtattfindende Fußball= Städte=
kampf
Halle-Magdeburg gelangte in Halle zum Austrag
und endete unentſchieden 3:3. Die Magdeburger Mann=
ſchaft
lieferte der favoriſierten Mannſchaft in Halle ein
ebenbürtiges Spiel und unternahm gleich nach Beginn
einen überraſchenden Vorſtoß, um ſich die Führung zu
ſichern; jedoch glich Halle bald darauf aus und führte
durch ein weiteres Tor bei der Pauſe mit 211, ohne aber
nach Halbzeit den gewonnenen Vorſprung behaupten zu
können.
Die Berliner Fußball= Meiſterſchafts=
ſpiele
nahmen am Sonntag mit vier Ligakämpfen
ihren Fortgang. Viktoria ſiegte erwartungsgemäß nach
ſehr gutem Spiel überlegen mit 9:3 (311) über Ale=
mannia
. Minerva lieferte der favoriſierten Hertha=
Mannſchaft ein völlig ebenbürtiges Spiel, ſo daß ſich
beide Parteien bei dem unentſchiedenen Stande von 2.2
trennen mußten. Ein Selbſttor des ſonſt ausgezeichnet
ſpielenden Torwächters von Minerva in der 18. Minute
brachte Hertha das einzige Tor in der erſten Hälfte.
Minerva glich in der 37. Minute durch den halblinken
Stürmer aus und übernahm durch einen zweimal getre=
tenen
Elfmeterball, der wegen unfairen Spiels verhängt
worden war, kurz vor der Pauſe die Führung. Allmäh=
lich
wurde Hertha’beſſer und glich durch einen ſcharfen
Schuß in der 7. Minute aus. Vorwärts gewann mit
1:0 gegen Britannia. Das einzige Tor ſchoß der halb=
linke
Stürmer in der 20. Minute aus dem Gedränge her=
aus
. Die größte Ueberraſchung bildete der Ausgang des
Treffens Union=Tasmania, da Tasmania überlegen mit
4:0 gewann. Die Tasmania=Mannſchaft war ihrem
Gegner in jeder Beziehung überlegen, konnte bis zur
Pauſe 3 Tore erzielen, davon eines durch einen Elf=
meter
. Nach Halbzeit wurde Union nach einer Mann=
ſchaftsumſtellung
zwar beſſer, ohne indes die Verteidig=
ung
von Tasmania durchbrechen zu können. Die
Spiele in der 1. Klaſſe ergaben folgende Reſultate: Bero=
lina
ſchlägt Favorit 210, Fortuna ſchlägt Concordia 4:0,
Tennis Boruſſia ſchlägt Verein für Bewegungsſpiele

Luckenwalde 3:2, Helgoland ſchlägt Rapide 2:0, Stern=
Steglitz ſchlägt Germania 411, Berliner Sport=Kluh
ſchlägt Cimbria 4:2, Norden Nordweſt ſchlägt Char=
lottenburg
322, Weißenſee ſchlägt Viktoria=Spandau 4:1,
Triton=Spandau ſchlägt Union=Oberſchöneweide 322.
In einem Geſellſchaftsſpiel ſiegte das 4. Garde=Regiment
mit 911 (211) gegen eine kombinierte Mannſchaft des
Berliner Ballſpiel=Klubs. Beſonders gute Leiſtungen
in der Mannſchaft des Berliner Gardemeiſters zeigten
im Tor Rietdorf, der rechte Verteidiger, und der Mittel=
ſtürmer
.
Die engliſchen Liga=Fußballſpiele
d er 1. Klaſſe brachten am letzten Spieltage im allge=
meinen
die erwarteten Reſultate. Tottenham Hotſpur
konnte gegen Chelſea einen ſchönen Sieg von 210 feiern
und damit ſich vom letzten Platz in der Liſte der Ligamann=
ſchaften
etwas emporarbeiten. Da Mancheſter City
gegen Sheffield Wednesday nach ſcharfem Kampfe mit=
011 verlor, ſtehen die letzteren, ſowie Blackburn Rovers,
die gegen Bradfort City 510 gewannen, nunmehr an der=
Spitze. Im übrigen ſpielte Neweiſtle United mit Notts
County 1:0, Weſtbromwich Albien gegen Everton 311,
Middlesborough gegen Oldham Athlethiks unentſchieden
2:2 und Aſton Villa mit Bolten Wanderers unentſchie=
den
111. Sheffield United unterlag ſchließlich gegen
Mancheſter United mit 0:4.
Radſport. Lorenz=Saldow Sieger im
Dresdener Sechstage=Rennen. Das dritte
Dresdener Sechstage=Rennen endete mit dem Siege der
Favoritenmannſchaft Lorenz=Saldow, die bereits am
vierten Tage das ganze Feld überrundete und dieſen
Vorſprung bis zum Schluſſe des Rennens beibehielt. Da
die auf den nächſten Plätzen liegenden Paare keinerlei
Anſtalten machten, die verlorene Runde wieder aufzu=
holen
, verlief das Rennen am Schlußtag recht mono=
ton
. Um den zweiten Platz mußten ſich Lawſon, Hal=
ſtead
und Stabe in einem Zehnrunden=Match meſſen, das
von dem ſchnellen Amerikaner Lawſon mit Handbreite
vor dem Engländer Halſtead gewonnen wurde, dem eine
Länge zurück der Berliner Stabe folgte. Die genauen
Reſultate waren: 1. Lorenz=Saldow 3728,400 Kilometer
(gegen 3653,390 Kilometer im Vorjahre), 2. Lawſon=
Wiley 1 Runde, 3. Hall=Halſtead Handbreite, 4. Stabes
Pawke 1 Länge, 5. Rudel=Roſellen 2 Runden, 6. Süßs
milch=Röthig 3 Runden, 7. von Natzmer=Großmann
1 Länge, 8. Tadewald=Techmer 3 Runden, 9. Kudelas
Nowack 5 Runden, 10. Gebrüder Carapezzi 7 Runden
zurück.
Die Frankfurter Achttage=Fahrer dis=
qualifiziert
. In der Verwaltungsausſchußſitzung
des Verbandes Deutſcher Radrennbahnen zu Berlin
wurde beſchloſſen, gegen die Veranſtalter und Teilnehmer
des Frankfurter Achttage=Rennens mit ſtrengen Strafen
vorzugehen. Bekanntlich war das Rennen vom Verband
Deutſcher Radrennbahnen verboten worden, da die Bahn=
anlage
den Wettfahrbeſtimmungen nicht entſprach. Trotz=
dem
nahm das Rennen aber am 1. Dezember ſeinen Ans
fang. Die acht von dem Verband Deutſcher Radrenn=
bahnen
lizenſierten Fahrer, die an dem Rennen teilge=
nommen
hatten, und zwar Barth und K. Schall=Ulg=
Mainz, Paſſenheim und Weiſe=Berlin, Eickholl= Düſſel=
dorf
, Roſenfeld=Dortmund und Simmermacher und
Brückmann=Darmſtadt, wurden bis 1. Oktober 1913 dis=
qualifiziert
. Dem Veranſtalter des Rennens, G. Dre=
ſcher
=Mainz, dem auch die Mainzer Radrennbahn ge=
hört
, wurde bis zum gleichen Termin die Erlaubnis
entzogen, Rennen zu veranſtalten. Die übrigen Teil=
nehmer
, Fr. Bauer=Charlottenburg, C. Flöck und C. Dau=

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lier=Berlin, die auf Grund einer vom Deutſchen Rad=
fahrer
=Bund ausgeſtellten Straßenfahrerlizenz gefahren
waren, ſollen vom Bund mit der gleichen Straſe belegt
werden und beide Verbände erkennen die verhängten
Strafen gegenſeitig an.
Die Radweltmeiſterſchaften 1913 in
Deutſchland. Die Verwaltungsausſchußſitzung, die
der Verband Deutſcher Radrennbahnen unter teilweiſer
Zuziehung des Deutſchen Radfahrer=Bundes und des
Deutſchen Rennfahrer=Verbandes in Berlin abhielt, faßte
eine Reihe ſehr wichtiger Beſchlüſſe. Nach den gefaßten
Beſchlüſſen ſollen die Radweltmeiſterſchaften im nächſten
Jahre in Deutſchland abgehalten werden. Da die zu=
nächſt
in Betracht kommenden Länder England und
Holland, auf die Veranſtaltung der Weltmeiſterſchafts=
rennen
verzichteten, lag eine Anfrage ſeitens der Union
Cyeliſte Internationale, der oberſten Behörde des Rad=
ſports
, vor, ob Deutſchland im nächſten Jahre deren
Austragung übernehmen wolle. Die Verſammlung be=
ſchloß
, in bejahendem Sinne zu antworten. Es ſoll ver=
ſucht
werden, die Amateur=Weltmeiſterſchaften im Ber=
liner
Stadion zu veranſtalten, um durch dieſen glänzen=
den
äußeren Rahmen auch dem Auslande zu zeigen,
welche Ausdehnung der Sport in Deutſchland genom=
men
hat. Da auf der Radrennbahn im Stadion keine
Rennen hinter Motoren ausgefahren werden können,
will man der U. C. J. vorſchlagen, die Lange Welt=
meiſterſchaft
mit Tandemführung und über eine kür=
zere
Strecke wie 100 Kilometer ausfahren zu laſſen. Für
die Berufsfahrer=Weltmeiſterſchaften kommen dagegen
nur Bahnen des V. D. R. in Betracht, von welchen Leip=
zig
, wo im Jahre 1908 die Amateur=Weltmeiſterſchaften
ausgetragen wurden, als erſter Bewerber auftrat. Der
Kongreß der U. C. J. würde dann ebenfalls in Berlin
ſtattfinden. Als Termin kommt wieder der Auguſt in
Frage. Einer weiteren Anregung der 1. C. J. Berufs=

ſahrer= und Anaten=Bekimeſterſchaften nicht mehr ge=
ſondert
zu veranſtalten, ſondern Profeſſionals und Ama=
teure
zuſammen in einem Rennen ſtarten zu laſſen, ſtell=
ten
ſich ſowohl der Deutſche Radfahrer=Bund wie der
Verband Deutſcher Radrennbahnen einſtimmig ableh=
nend
gegenüber. Es wurde ferner mit dem Bunde die
Frage geregelt, in welcher Weiſe die 12 Stimmen Deutſch=
lands
bei dem U. C. J.=Kongreß abgegeben werden
ſollen. Man einigte ſich dahin, daß der Verband in An=
gelegenheiten
des Berufsſportes, der Bund in ſolchen des
Amateurſportes die 12 Stimmen abgibt; bei allgemeinen
Angelegenheiten entſcheiden ſich die Verbände vorher,
wer abſtimmt.
Bei Uneinigkeit entſcheidet das Los.
So wird erreicht, daß Deutſchland ſtets als geſchloſſenes
Ganzes auftritt. Die Lizenzerteilung an die Berufs=
rennfahrer
verbleibt weiterhin beim Verband Deutſcher
Radrennbahnen, jedoch geſteht der V. D R. dem Renn=
fahrer
=Verbande zu, daß er ihm alle Lizenzerteilungen
offiziell mitteilt, wodurch der Deutſche Rennfahrer= Ver=
band
in die Lage kommt, auf die Fahrer einzuwirken,
daß ſie ſich ihm anſchließen.
Hourlier gewinnt die Pariſer Winter=
meiſterſchaft
. Auf der Pariſer Winterbahn wurden
am Sonntag bei ſehr ſtarkem Beſuch die letzten 16
Matches um die Pariſer Wintermeiſterſchaft entſchieden,
die von dem franzöſiſchen Champion Hourlier, der glän=
zend
fuhr, gewonnen wurde. Hourlier gewann wie der
Auſtralier Goullet alle Läufe. Die Entſcheidung fiel
erſt durch das letzte Maich, in welchem ſich Hourtier und
Goullet gegenüberſtanden. Der Franzoſe ſetzte 300 Meter
vor dem Ziel von der Spitze aus zum Endſpurt ein und
hielt den Auſtralier trotz aller ſeiner Anſtrengungen ſtets
ſicher. Hourlier, der die letzte Runde (250 Meter) in 15,6
Sekunden zurücklegte, gewann mit einer halben Länge.
Ellegaard enttäuſchte und verlor von ſeinen vier Matches
zwei. Geſamtklaſſement: Hourlier 8 Punkte, Goullet
Punkte, Ellegaard und Pouchois je 4 Punkte, Moretti

und Duprs ie 3 Punkte, Lapſon 1 Pumkt und Gomes kei=
nen
Punkt. Das Maich hinten Motorenführung über
10 bezw. 20 Kilometer zwiſchen Seres und dem eben erſt
vom Dresdener Sechstage=Rennen zurückgekehrten ame=
rikaniſchen
Weltmeiſter Wiley endete beide Male mit
einem nur knappen Erfolge von Seres. Seres gewann
über 10 Kilometer in 3 Minuten 12 Sekunden mit 325
Meter und über 20 Kilometer in 16 Minuten 30,3 Se=
kunden
mit 50 Meter vor dem kleinen Amerikaner. Ein
Handikap ſicherte ſich Jaequart knapp vor dem Verkiner
Schraage und Oliveri und das Prämienfahren Quaiſſard
vor den Berlinern Finn und Packebuſch.
* Winterfaiſon in Graubünden. Der Winter hat
nunmehr in Graubünden überall ſeinen Einzug gehal=
ten
. Die große Eisbahn in Davos, welche in drei Ab=
teilungen
einen Flächenraum von 29500 Meter umfaßt,
wurde am 8. November eröffnet und in St. Moritz konnte
man ſchon vom 4. November an auf dem Statzerſee fah=
ren
. Nunmehr ſind dort auch ſämtliche künſtlichen Eis=
bahnen
im Betriebe, darunter der 12000 Meter große
Eisrink des Kurvereins. Vom Engadin kommt ferner
die Kunde, daß der Campferer See ganz, der Silvaplaner
See teilweiſe zugefroren ſind. Auch in Aroſa iſt die Eis=
bahn
auf dem Oberſee eröffnet, und an allen Sportplätzen
des Kantons ſind der Schlittenſport und der Skiſport be=
reits
in vollem Gange. Aus den bis jetzt erſchienenen
Sportprogrammen erſehen wir, daß die offiziellen Ver=
anſtaltungen
im Dezember beginnen und im Januar
und Februar ihren Höhepunkt erreichen. Die großen
internationalen Eiswettlaufen in Davos finden am 18.
und 19. Januar ſtatt, die Pferderennen auf dem St.
Moritzer See ſind auf die Tage vom 2., 6. und 9. Februar
angeſetzt. Ende Dezember und Anfang Januar finden
an verſchiedenen Sportplätzen des Kantons Skikurfe
ſtatt. Ueber dieſe, ſowie über die ſportlichen Veranſtalt=
ungen
an den anderen bündneriſchen Winterſtationen
werden wir ſpäter berichten.

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Claudius, König
von Dänemark: K. Weſtermann
Hamlet, Sohn d.
vor. u. Neffe d.
jetzigen Königs.
Polonius, Ober=
Kämmerer.
. . Ludw. Wagner
Sohn Kurt Ehrle
Laertes,
Horatio, Sohn d.
Statthalters von
Norwegen, Ham=
let’s
Freund
. . Frz. Schneider

Voltimand,
15
Cornelius,

Ad. Jungmann
Kornel. Dobski
Paul Peterſen
Rich. Jürgas

Mk. 1., 1.35, 1.50 ꝛc. Kragen, Krawatten, Hosenträger Bieberbeitücher in Kragenſchoner Bruſtſchützer

Roſenkranz,
Güldenſtern, C
Bernardo, ) Offi= Emil Kroczak
Marcellus, ziere Auguſt Kräger
Francisco, Soldat Adolf Klotz
Der Geiſt von
Hamlet’s Vater. Johannes Heinz
Fortinbras, Prinz
von Norwegen . Guſtav Semler
Gertrude, Königin
von Dänemark,
Hamlet’s Mutter Sofie Heumann
Ophelia, des Po=
lonius
Tochter . Käthe Meißner
Osrik, ein Edel=
Emil Kroczak
mann
Ein Schauſpieler. Herm. Knispel
Erſter
Toten= Adolf Jordan
Zweiter gräber Frz. Herrmann
Ein Bote . . . Br. Waigandt
Ein Prieſter
Auguſt Kräger
in norwegiſcher
Hauptmann . . Paul Eisner
Ein Diener . . Ludwig Indorf
Ein Matroſe . . Franz Geibel

Im Schauſpiel:
Herm. Knispel
König . . .
Barb. Uttmann
Königin
Lucianus
Adolf Klotz
Hamlet: Alexander Moiſſi.
Nach dem 2. Akte längere Pauſe
Gewöhnliche Preiſe.
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